Ur 9⁷ Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von Eduard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Aeih- und Jeſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines g jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit ei den angenommen. 1— 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſ 3 3 t i deßſen he deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir 3 wird. 3 ſ 3 1 N d — ſteht zur Em⸗ ₰ — eliehenen Buches wird von nes Tages iſt zu 24 Stun⸗ urückerſtattet 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich. 2 Bücher: —— auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 3 3 4 Bücher: 6 Bücher: 1 Mk. 50 Pf. 2 Nk.— Pf. 7 ) — „„— 1 1—„ 17— 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zuruckſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zexriſſene, verlenne und defeete Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) n. uß der Ladenpreis erſe Iſt zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Bu nes größeren Werkes, ſo iſt der Leſer jum Erſatz des Ganzen verp flichtet. 1 7. Ausleihezeit. — 1 Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird’ beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. * 8—.*— ⸗ ——————————— 3——— 9 5 5 Schwarze Bilder der Vorzeit. Von C. Hildeb randt. AQuedlinburg und Leipzig, bei Gottfried Baſſe,. 1821. 4 I. Der Prinzenmord zu Neapel. Ein Gemaͤlde aus dem dreizehnten Jahrhundert. — 4 Neapel, eins der ſchoͤnſten Laͤnder unſeres Welttheiles, beſteht aus der ſuͤd⸗oͤſtlichen Spitze jener Halbinſel, die unter dem Namen Italien bekannt iſt. Umgeben von dem mit⸗ tellaͤndiſchen und adriatiſchen Meere, nur auf der nord⸗weſtlichen Seite mit dem Kirchen⸗ ſtaate zuſammenhaͤngend, wird es von einer Gebirgskette, den Appeninen, durchſchnitten, deren Aeſte ſich auf der ganzen Halbinſel in mannichfaltigem Zuge verbreiten und an bei⸗ den Meeren als Vorgebirge eine Menge Baien und Meerbufen bilden. In vielen Aeſten durchkreuzt dies Gebirge das Land, bildet eine Menge unuͤberſteiglicher Schluften; mit gut beſtandenen Waldungen verſehen, deckt es die Graͤnzen dieſes Reiches von der Land⸗ ſeite und bietet jedem eindringenden Feinde unätberſtecige Hinderniſe dar. Klima, Frucht⸗ barkeit und Bevoͤlkerung zeichnen dies Land aus; aber eben ſo zeichnet ſich der Charakter der Bewohner aus. Gluͤhend, wie die Ein⸗ geweide des Veſuos, ſind ſie zu jeder großen auffallenden Handlung raſch entſchloſſen. Wie ein Sturm verbreitet ſich jeder Aufſtand uͤber das ganze Land und liefert dann der Ge⸗ ſchichte ſchreckliche Auftritte, Grauſamkeit und Mordluſt zeigen ſich dann um ſo mehr, je mehr der, hier ausgezeichnet herrſchende Aber⸗ glaube ihnen die Hand bietet. Die Haupt⸗ ſtadt des Landes, Neapel, die vierte unſeres Welttheiles an Groͤße und Menſchenmenge, unter denen die Lazaroni eine wichtige Rolle ſpielen, zeichnet ſich durch ihre ſchoͤne Lage — 3 —— 4* ——— 2 7 aus, in der nur das groͤßere Conſtantinopel mit ihr wetteifern kann.. 1etsn ——— Prinzeſſin Conſtantia, die letzte Erbin des Koͤnigs Roger und Gemahlin Heinrichs des Vierten, war es, der im dreizehnten Jahrhundert das Reich Neapel zufiel. Sie war die Gemahlin des deutſchen Kaiſers Hein⸗ richs des Sechſten, Herzogs von Schwaben, Ihr Sohn Friedrich hatte zwei Soͤhne, Con⸗ rad und einen natuͤrlichen Sohn, Manfred, erzeugt mit Mechtildis, einer Graͤſin aus Florenz.— 320 Hart und ſchrecklich lag der Bannſtrahl des Papſtes Alexanders des Vierten auf dem muthigen und entſchloſſenen Fuͤrſten, dem Koͤnige Manfred von Neapel. Alle ſeine 8 Unterthanen wurden von der Verbindlichkeit gegen ihn losgeſprochen; jedes Gotteshaus wurde dem Fuͤrſten verſchloſſen; kein Sacra⸗ ment durfte ihm gereicht werden und keines Gebetes, keines troͤſtenden Wortes der Reli⸗ gion ſollte er ſich in der Noth getroͤſten. Unbegraben ſollte ſein Leichnam liegen; kein „Gebet eines Prieſters ſollte die Seele ent⸗ ſuͤndigen. Hart und ſchrecklich war dies Ur⸗ heit, aber— nicht unserdient. Das Ver⸗ brechen dieſes Koͤnigs ſtand mit ſeiner Beſtra⸗ fung vollkommen im Gleichgewicht und— mochte es ſo hart ſeyn, wie es wollte— der Papſt Alexander zeigte hier eine Gerechtig⸗ keitsliebe, die auch den Verbrecher auf dem Throne nicht verſchont; eine Gerechtigkeit, wie man ſie in ſpaͤtern Zeiten weniger bei den Paͤpſten findet. Manfred, jetzt der Ver⸗ weſer des neapolitaniſchen Reichs, das er fuͤr den minderjaͤhrigen Sohn ſeines Bru⸗ ders Conrad, fuͤr den Prinzen Conradin, —— verwalten ſollte, war der Liebling ſeiner Mutten, der verrufenen Graͤfin Mechtildis, von welcher die Geſchichte mehrere Zuͤge auf⸗ bewahrt hat, die ihr mit Recht einen Platz unter den Buhlerinnen anweiſen, Sie hatte ganz das Herz des Kaiſers Friedrich in ihrer Gewalt und ſie wandte jeden Kunſtgriff an, das Herz ihres Geliebten immer mehr an ſich zu ziehen; Kunſtgriffe, die ihr bei ihrer Liſt und bei ihrer Verſchlagenheit nur zu leicht gelingen mußten,— I es 9 Bald gelang es ihr eben ſo, ihren Sahn Manfred zum Lieblinge ſeines Vaters zu ma⸗ chen, und der natuͤrliche Sohn ſtand ſehr bald dem vaͤterlichen Herzen naͤher, als der rechtmaͤßig erzeugte eheliche Sohn Conrad. Unterrichtet von ſeiner liſtigen Mutter in allem, was ihm des Vaters Liebe erwerben und eerhalten konnte; ausgezeichnet durch eine ſchoͤne Geſtalt; geuͤbt im aſlem, was ihn als 10 Ritter auszeichnen konnte; ſtolz und beſchei⸗ den und beides mit Liſt am gehoͤrigen Orte anwendend, warnes ihm leicht/ das Zielnzu erreichen, das der Ehrgeiz ſeiner Mutter und ſein eigener Stolz ſich vorgeſetzt hätten. Auf Koſten des Prinzen Conrad wurde Manfred überall vorgezogen; ſein Wunſch war es, Erbe der Reiche ſeines Vaters zu werden, und baldiedarauf, als er merkte, daß der Kaiſer hierin anders dachte, wurde er der Mͤrder ſeines Vaters, den er durch Ver⸗ trauete uͤberfallen und mit Betten erſticken liß. Jetzt war er Verweſer des Reiches Neapel, deſſen beſtimmter Koͤnig, der min⸗ derjaͤhrige Prinz Conradin, am Hofe des Herzogs von Baiern ſich aufhielt. Ueber⸗ zeugt, daß die Neapolitaner nichts ſo ſehr wuͤnſchten, als ihn zum Koͤnige zu haben— veerbunden mit den maͤchtigſten Haͤuſern die⸗ ſes Reiches, dachte Manfred auf nichts ſo ſehnlich, als auf die Krone dieſes Landes — 1 5 7 —,—— 11 und machte zur Erteichung dieſer MaNcht 4 die iſt Aaſtaltem Prinz Conradin, der beſtimmte Erbe der Reiche ſeines Vaters, des Kaiſers Con⸗ rad des Vierten, hatte ſchon in ſeinem elften Jahre das Ungtuͤck, ſeinen Vater zu verlie⸗ ren. Der Vetdacht ruhet nicht ganz mit Unrecht auf Manfred, daß dieſer den Kair ſer durch Gift hinrichten ließ. Conradinus wurde an dem Hofe des Herzogs Heinrichs von Baiern erzogen„Moͤglich, daß der Herzog, der nur eine Tochter hatte, in Hin⸗ ſicht dieſer mehr fuͤr Conradin beſorgt war, als um dieſes Prinzen ſelbſt willen— mag die Abſicht geweſen ſeyn, welche ſie will— genug ſey es zur Ehre des Herzogs und ſei⸗ ner Gemahlin geſagt, daß der verwaiſete Prinz nie in beſſere Haͤnde haͤtte kommen koͤnnen. Der Herzog ſelbſt, trotz ſeiner rauhen Außenſeite, ein edler, liebonswuͤr⸗ 12 diger Menſch, hatte in den fruͤhern Kriegen des Kaiſers Friedrichs in Italien ſich einen großen Namen gemacht. Faſt allen Belage⸗ rungen und Treffen hatte er beigewohnt und der dankbare Friedrich aͤußerte oft, daß er ohne des Herzogs Waffen und Beiſtand nie ſo gluͤcklich geweſen ſeyn wuͤrde, als er wirk⸗ lich war. Heinrich war es, der durch den feſten Muth den er dem Kaiſern mittheilte, die zu ſehr uͤberhand nehmende Gewalt und den zu großen Einfluß der Paͤpſte bracht Er war der Einzige, der es wagte, dem Kaiſer Vorwuͤrfe uͤber ſeine Nachgiebigkeit gegen den Papſt Innocentius zu machen, und verließ erſt da das Heer, als er ſah, daß den Kai⸗ ſer, der freilich mit vielen Schwierigkeiten zu kaͤmpfen hatte, der eigene Muth verließ. Er war es, der bis auf den letzten Augen⸗ blick dem Kaiſer das Schaͤdliche und Ent⸗ ehrende ſeiner Unterwuͤrfigkeit gegen den Papſt vorſtelltezi der Einzige, der ſich erbot, die — 13 deutſchen Fuͤrſten zu vereinigen und ſo, ver⸗ bunden mit ſo manchem edlen Fuͤrſten, der immer wachſenden, ſteigenden Macht des paͤpſtlichen Stuhles einen Felſendamm ent⸗ gegen zu ſteilen. Vergebens waren ſeine Vorſtellungen; keine ſeiner Warnungen wurde gehoͤrt, und alle ſeine Bitten, ſelbſt die Thraͤnen, die der Tapfere im Kreiſe der deutſchen Fuͤrſten uͤber die ſo entehrende Sclavenkette Deutſchlands vergoß, drangen nicht bis zu den Herzen der Fuͤrſten, die— leider nicht das letzte Bei⸗ ſpiel— von ihren Weibern beherrſcht wur⸗ den. Nahe war jetzt Deutſchlands voͤllige Un⸗ terjochung, als bei der Belagerung von Par⸗ ma das Ungluͤck, das den Kaiſer Friedrich aus Nachlaͤſſigkeit traf, der Herzog dahin zu benutzen wußte, den Muth dieſes Fuͤrſten von neuem zu beleben. Der Gegenkaiſer, Heinrich der Thuͤringer, beguͤnſtigt von den Paͤpſten 14 ggegen Feiebrich, bisher gluͤcklich in ſeinen Unternehmungen, wurde von Conrad, dem Sohne Friedrichs, bei Uim geſchlagen und ſtarb an ſeinen Wunden. Mochte der Papſt nun auch alle Anſtalten machen, ganz Deutſch⸗ land von neuem gegen Friedrich aufzubrin⸗ gen; mochten ſeine Legaten den General⸗Ab⸗ laß noch ſo verſchwenderiſch ausbieten: Frie⸗ drich behielt die Oberhand und verdankte dem Herzoge Heinrich von Baiern, der an ſeiner Seite ſtritt, manchen neuen Sieg. Nach Friedrichs Tode ging Herzog Hein⸗ rich in ſeine Laͤnder zuruͤck, um in der all⸗ gemeinen Verwirrung, die damals in Deutſch⸗ land herrſchte, ſeine eigenen Staaten ſicher zu ſetzen. Ueber alles Erwarten gelang dies ſeinem Muthe und der Klugheit, mit der er jedem Ungluͤck vorzubeugen wußte. Der neu 1 15 erwaͤhlte Kaiſer Conrad war und blieb ſein Freund, und ſo kam es, daß dieſer kurz vor ſeinem Jode dem edlen Herzoge die Rechte eines Vaters uͤber den ungluͤcklichen Prinzen Conradin, Conrads Sohn, uͤbertrug. Mit vaͤterlicher Liebe nahm Heinrich den Prinzen zu ſich; mit ernſtem Willen, aus dem Prin⸗ zen einen Helden zu ziehen, der einſt des Pap⸗ ſtes Macht gefaͤhrlich werden, der die Graͤn⸗ zen und den Ruhm Deutſchlands einſt ſichern ſollte, ſuchte er den jungen Prinzen zu bil⸗ den. Fruͤh machte er ihn mit allen dem bekannt, was zu dieſem erhabenen Poſten noͤthig war; fruͤh bildete er ihn zu Waffen und Krieg— aber da mußte ſeine Gemah⸗ lin Eliſabeth durch ihren ſanften Charakter und ohne dieſe Abſicht zu haben, den ganzen Plan des Herzogs untergraben. Der Prinz, ein Juͤngling von dem ſanfteſten und lie⸗ benswuͤrdigſten Charakter, ſchloß ſich immer mehr an die eben ſo ſanfte, zaͤrtliche Herzo⸗ 16 gin und an ihre Tochter. Er war nie gluͤck⸗ licher, als in ihrer Geſellſchaft, in der ſich freilich ſein ſanftes Herz immer mehr bildete, immer mehr entfaltete, aber in welcher Ver⸗ bindung auch ſich jener feſte, ernſte, alle Ge⸗ fahren verachtende Muth immer mehr ver⸗ lieren mußte. Vielleicht gab es nie zwei Er⸗ zieher, die, wie hier der Herzog und ſeine Gemahlin, aus der beſten Abſicht, nach ſo entgegen ſtehenden Grundſaͤtzen handelten. Dem Juͤnglinge galt die Mutterliebe der Her⸗ zogin Eliſabeth mehr, als der Beifall des Herzogs; ihm war es gleichguͤltig, ob der Herzog mit ſeinen ritterlichen Uebungen zu⸗ frieden war, wenn er nur wußte, daß die Herzogin einer Erzaͤhlung, eines Gedichts, oder der Anordnung eines kleinen haͤuslichen Feſtes wegen mit Mutterfreude auf ihn ſah. Freilich wurde der Herzog, der nun aͤlter geworden war, immer ernſter bei dieſer Er⸗ fahrung; freilich zog ſich auf ſeinem benarb⸗ 17 ten und braungefaͤrbten Geſichte manche Falte, wenn er den Prinzen im Kreiſe der Freun⸗ dinnen und Geſellſchafterinnen der Herzogin fand; wenn er ſah, wie ungern Conradin ihm zu den Waffen, oder zu den Pferden folgte; wenn er dann bemerkte, wie der Geiſt und das Herz des Prinzen unter den Waffenuͤbungen nur immer in den Saͤlen der Herzogin war; freilich machte er dann manche ernſtere Vorſtellung— aber, er machte dann auch die Erfahrung, daß die Zaͤrtlich⸗ keit des Weibes jede Kraft, jeden ernſten Willen des Mannes bricht. Er war jetzt faſt Greis; wurde jetzt aus Schwachheit nach⸗ gebender, als es ſeine Grundſaͤtze ſonſt gethan haben wuͤrden, und ſo konnte es wohl nicht anders kommen, als, der Prinz mußte jetzt eine Denkungsart, eine Richtung nehmen, die etwas zu nahe an das Weichliche graͤnzten.— Er fuͤhlte ſich gluͤcklich am Hofe Hein⸗ (2) 18 richs; ſein Leben war das Leben in einer Idyllenwelt; die Liebe zu der zwoͤlfjaͤhrigen Marie, des Herzogs Tochter, mußte dazu kommen, um den achtzehnjaͤhrigen Juͤngling ganz aus dem Kreiſe des thaͤtigern, ernſtern und ſtrengern Berufslebens zu ziehen und ihm jene ertraͤumte, bloß in Gemaͤlden der Einbildung ſich findende Gluͤckſeligkeit als das Ziel ſeiner Wuͤnſche vorzuſtellen. Seine ganze Beſchaͤftigung war auf dieſes Ziel berechnet; Luſtreiſen und Spaziergaͤnge in den ſchoͤnen Anlagen der Gaͤrten wechſelten mit Taͤnzen und Feſten ab, und, wie das ſehr natuͤr⸗ lich war, dieſe Ergoͤtzlichkeiten mußten immer mehr Eingang in dem Herzen des gewiß edel denkenden Prinzen finden, je groͤßer der Kreis der Theilnehmer wurde; und das wurde er bald.— Mit innigem Mißvergnuͤgen ſah der alte Herzog auf dies alles; aber er konnte nichts mehr ausrichten, und wurde endlich bei dieſer Erfahrung lauer und kaͤlter / 9 in einer Angelegenheit, die ſonſt ſein ganzes Herz beſchaͤftigte. Das Einzige, was er noch thun konnte, war das, daß er um ſich einen kleinern Kreis alter, gepruͤfter Ritter bildete, deren ernſte Worte und deren Beiſpiel es hinderten, daß der Prinz nicht ganz verweich⸗ licht wurde.— Des Prinzen Geburtstag war ſeit eini⸗ gen Wochen der Hauptgegenſtand jenes Krei⸗ ſes, in welchem der Prinz ſich ſo gluͤck⸗ lich fuͤhlte, geweſen. Plaͤne und Entwuͤrfe zu der Feier deſſelben wurden entworfen; wurden mit einem Aufwande von Kraͤften und Berathſchlagungen entworfen, als ſollte dadurch der Ruhm und der Glanz des gan⸗ zen Vaterlandes bezweckt werden. Laͤndliche Feſte, Hirtenaufzuͤge, Gaͤrtner⸗ und Winzer⸗ luſtbarkeiten, Verkleidungen und Taͤnze waren die Are, um die die wochenlangen Unterhal⸗ tungen ſich dreheten. Jeder der Eingeweihe⸗ 2 ——— ——y— 4 20 ten trug ſeine Anſicht, ſeine Meinung deſto freudiger, deſto erwartungsvoller vor, je ſiche⸗ rer er nur dann auf den Beifall rechnen konnte, wenn er viel Neues, viel in die Augen Fallendes vorbrachte. Tauſende von Zuſchauern hatten ſich zu der Feier eines Feſtes verſammlet, wo alles, was Erfin⸗ dungsgeiſt und verſchwenderiſcher Aufwand je wirkten, im hoͤchſten Glanze ſich zeigen ſollte. Keiner von denen, die an dieſem großen Schauſpiele, in einer der ſchoͤnſten Gegend, Antheil nahmen, kannte den Andern, ſo ver⸗ kleidet, ſo vermummt waren die Theilneh⸗ mer, die in einer, nahe an's Wilde graͤn⸗ zenden Freude ſich in dem bunten Gewuͤhle herumdreheten. Der Prinz Conradin ſtand in einem Kreiſe voͤllig ſo, wie er ſelbſt, gekleideter Hirten, als ein Verkleideter in der Tracht eines Alvenhirten ſich naͤherte und nach dem Prinzen fragte. Moͤglich, daß Conradin in dem Verkleideten einen Freund ſah, den er 21 burch eine kleine Taͤuſchung in Verlegenheit ſetzen wollte; moͤglich, daß ein dunkles Vor⸗ gefuͤhl irgend eines Ungluͤcks ihn warnte: genug, er nannte einen neben ihm ſtehenden Juͤngling, den Sohn eines Ritters, als den Prinzen, den der Unbekannte ſuchte. In die⸗ ſem Augenblick durchbohrte dieſer mit einem Dolche des Juͤnglings Bruſt. Entſeelt ſtuͤrzte der Ungluͤckliche nieder, indeß der Moͤrder ſich im Gedraͤnge derer, ihm gleich gekleideten verlor. Schrecklich war die Stoͤrung dieſes zur Freude beſtimmten Tages; viel fehlte nicht, und der Schrocken haͤtte bei dem Prin⸗ zen das ausgerichtet, was des Moͤrders Dolch ausfuͤhren ſollte, ſeinen Tod. Faſt entſeelt ſtand der Prinz neben dem Gemordeten; eben ſo erſchrocken ſtanden die Uebrigen an der Leiche, und eine lange Zeit verging, ehe man an irgend eine Anſtalt dachte, den Moͤrder aufzuſuchen, deſſen Stand und Abſicht bei dieſem Morde ein Raͤthſel blieb. —— — 4— ——————— —— Gluͤcklich kam der von Manfred gedun⸗ gene Moͤrder in Neapel anz denn dieſer Fuͤrſt, der nur auf Conradins Tod wartete, um das Reich, deſſen Verweſer er war, als ſein Eigenthum an ſich zu bringen, hatte dieſen Moͤrder zu der graͤßlichen That erkauft. — Mit Freuden wurde er von dem Fuͤrſten empfangen und verſchwenderiſch wurde der Mord belohnt, da nichts gewiſſer war, als der Tod des Prinzen. Gleich an dieſem Tage wurde der Tod des Prinzen Conradin offentlich bekannt gemacht; das Reich wurde fuͤr ein Land ohne Oberhaupt erklaͤrt und Man⸗ fred wußte es durch ſeinen Anhang und durch das Anſehen, in welchem er ſelbſt ſtand, bald dahin zu bringen, daß das ganze Land ihm als ſeinem Koͤnige huldigte. An alle Hoͤfe Europa's gingen die Geſandten Manfreds mit der Nachricht von Conradins Tode und von Manfreds Erhebung auf den erledigten Thron Neapels. Viele der Fuͤrſten und 23 Staaten, beſonders viele der italieniſchen, er⸗ kannten Manfred fuͤr den rechtmaͤßigen Koͤnig dieſes ſchoͤnen Reiches; mehrere wuͤnſchten in einem freundſchaftlichen Verhaͤltniſſe mit ihm zu ſtehen; mehrere erboten ſich zu einem Trutz⸗ und Schutzbuͤndniß mit dieſem Fuͤr⸗ ſten, deſſen Grundſaͤtze man zwar haßte; deſe ſen Muth und Kriegesgluͤck man aber um ſo mehr fuͤrchtete. Ein beſchaͤmendes Beiſpiel des Gegentheils gab allen dieſen ſchwaͤchern Fuͤrſten der Papſt Alexander der Vierte, Mochte ſonſt ſein Leben das tugendhafteſte nicht ſeyn, mochte er zur Sittenloſigkeit des damaligen Zeitalters vieles beigetragen haben, ſo verdient er doch die Hochachtung der Nach⸗ welt, durch den feſten Muth, mit dem er durch die an ihn geſchickten Geſandten, dem neuen Koͤnige das dreiſt und entſchloſſen ſagen ließ, was er uͤber Manfreds Betragen dachte. Oeffentlich nannte er ihn den Moͤrder des ungluͤcklichen Conradins; oͤffentlich ſprach er 124 . die Bannformel uͤber den gekroͤnten Boͤſewicht und uͤber deſſen Anhang aus; oͤffentlich ver⸗ urtheilte er den Manfred zu einer harten Kirchenbuße, zu einem Pilgerzuge nach der Grabſtaͤtte des Erloͤſers. Freilich mochte den Geſandten Manfreds eine Sprache dieſer Art unerwartet und neu ſeyn, da ſchon acht Fuͤr⸗ ſten ihre Gluͤckwuͤnſche und Geſandten nach Neapel geſchickt hatten; freilich mochte ihnen die Sprache um ſo mehr neu und unerwar⸗ tet ſeyn, da gerade des Papſtes Laͤnder die⸗ jenigen waren, die bei einem Kriege mit Manfred der Gefahr am meiſten ausgeſetzt waren, indeß, alles dies vermehrte den Muth des Papſtes, der ſich dies Mal als edler, trefflicher Freund, als muthiger Verfechter der Wahrheit zeigte. Erſtaunt ſtanden die Gefandten da, als ſie dieſe ernſten Aeuße⸗ rungen aus dem Munde des Papſtes hoͤrten; kaum wagten ſie es, nach den Bewegungs⸗ gruͤnden zu fragen, die dem Papſte jenen unerwarteten Widerſtand zur Pflicht mach⸗ ten.—„Sagt es dem Manfred,“ war des Papſtes Antwort,„daß er ein Moͤrder ſey. Wer ſonſt haͤtte den frommen, ſanften Con⸗ radin morden laſſen? Wem ſonſt ſtand die ſer Prinz im Wege, als dem ungetreuen Manfred, der auf keine beſſere Art das Reich an ſich reißen konnte, als daß er den recht⸗ maͤßigen Erben hinterliſtig morden ließ.“— Erſchrocken, und die Wuth des roͤmiſchen Poͤbels fuͤrchtend, eilten die Geſandten mit dieſer Botſchaft zu Manfred zuruͤck. Moͤg⸗ lich, daß Herzog Heinrich von Baiern dem ganzen Plane Manfreds bald auf die Spur kam, und— wie es auch der Fall wirklich war— den Grund und die Ausfuͤhrung dieſes Mordes in der Herrſchſucht Manfreds ſuchte und fand; genug, kaum hatte Man⸗ fred Anſtalten gemacht, als Feind in den Kirchenſtaat zu dringen, um des Papſt Alex⸗ 3 — 26 anhers Beleidigung fuͤrchterlich zu beſtrafen, als ſchon die Nachricht, daß Prinz Conradin noch lebe, und daß ein ganz Anderer gemor⸗ det ſey, ſowohl in Rom, als in Neapel bekannt gemacht wurde. Mehrere Boten mit dieſer Nachricht wurden an alle Fuͤrſten geſandt; eine Veranſtaltung, die der Herzog Heinrich gleich auf der Stelle traf, um Manfreds ferneren Verſuchen vorzubeugen.— Manfred war außer ſich vor Wuth; Vern haͤtte er ſeinen Unmuth an dem Mor⸗ der geaͤußert; aber dieſer hatte ſchon auf die er ſte Ankunft dieſes Geruͤchtes ſich entfernt, urn in den ſichern paͤpſtlichen Staaten die Beſtaͤtigung oder die Widerlegung dieſer Sage ab zuwarten. Fuͤr den Koͤnig hatte ſich Man⸗ fred einmal erklaͤrt; das Land hatte ihm, mehr aus Furcht, als aus Neigung gehul⸗ diget; ſeinem Ehrgeize konnte er es nicht anmuthen, dieſen wichtigen Schritt zuruͤck⸗ 27 zuthun; ſein Muth und ſein Anſehen ließen ihm eine gluͤckliche Zukunft ſehen, und ſo be⸗ ſchloß er, ein Reich zu behaupten, das er ſich durch Mord verſchafft hatte, und eine Krone mit den Haͤnden ſich aufzuſetzen, an denen das Blut des rechtmaͤßigen Beſitzers klebte. Er ſammelte ein ſtarkes Heer und wollte uͤber Terracina geradezu auf Rom gehen, als Papſt Alexanders ganz unerwar⸗ ter Plan mit dem Koͤnigreich Neapel bekannt wurde. Aus der Geſchichte des elften Jahr⸗ hunderts iſt bekannt, daß der Papſt Gregor der Siebente, um in ſeinen Streitigkeiten mit Kaiſer Heinrich dem Vierten, einen Freund in Italien mehr zu haben, dem Robert das Reich Neapel als ein paͤpſtliches Lehn, gegen Erlegung einer jaͤhrlich abzutragenden Sum⸗ me Geldes uͤberlaſſen hatte. Dieſe Summe wurde an einem beſtimmten Tage, nebſt einem weißen Ritterpferde oder Zelter, mit großer Feierlichkeit abgeliefert, und der jedes⸗ 28 malige Beherrſcher von Neapel war verbun⸗ den, dies alles durch einen der Vornehm⸗ ſten ſeines Landes zu uͤberſenden. Moͤglich, daß bei den folgenden Paͤpſten dieſer Gebrauch und dieſe oͤffentliche Anerkennung der Abhaͤn⸗ gigkeit⸗Neapels von dem paͤpſtlichen Stuhle ſchon aufgehoͤrt hatte; moͤglich, daß Alexan⸗ der ſchon als gewiß vorausſetzte, daß Man⸗ fred, wenn er Koͤnig bliebe, ſich von dieſer, einen Fuͤrſten entehrenden Gewohnheit, gleich befreien wuͤrde; genug, der Eigennutz und der Stolz thaten hier etwas, was das Herz Alexanders nie gut geheißen haben wuͤrde. In vollem Vertrauen, der Papſt werde ſich ſeiner annehmen, reiſete Prinz Conrad nach Bologna, wohin der Papſt, um der Rache des anruͤckenden Koͤnigs Manfred zu ent⸗ gehen, geflohen war. In der ſchoͤnſten Hoff⸗ nung, daß ihn der Papſt mit deſto groͤßerer Guͤte empfangen werde, da er ihm die ge⸗ wiſſe Nachricht mitbrachte, daß ein großes Heer aus Schwaben und Baiern, angefuͤhrt von den tapferſten Fuͤrſten Deutſchlands, gegen Manfred anruͤcke, eilte er dahin, wo der Papſt war, um der Erſte zu ſeyn, dem der Greis Alexander dieſe Nachricht verdanken ſolle. Wie mußte es dem Prinzen auffallen, da er die kalte Gleichguͤltigkeit bemerkte, mit welcher Alexan⸗ der ihn anhoͤrte; wie mußte es den Juͤngling kraͤnken, da Alexander auf alles dies nicht ein Wort antwortete; und wie mußte es ſein Herz, ſein Ehrgefuͤhl empoͤren, da der Papſt mit haͤmiſcher Bitterkeit dem unſchuldigen Prinzen alles das vorwarf, wodurch ſein Vater, der Kaiſer Conrad, ſich an dem hei⸗ ligen Stuhle des Papſtes Innocentius ver⸗ ſuͤndigt hatte. Freilich hatte er darin nicht Unrecht; freilich hatte Kaiſer Conrad nicht ohne Grauſamkeit die Heere der Huͤlfstrup⸗ pen des Papſtes vernichtet, die Stadt Capua und ſelbſt Neapel verwuͤſtet und uͤberall, beſonders in dem Gebiete des Papſtes, 30 die Spuren einer ſchrecklichen Rache hinter⸗ laſſen. Allein dies alles war durch den Frie⸗ den und durch Conrads Tod beigelegt; uͤber⸗ dies war es unruͤhmlich fuͤr den Papſt Alex⸗ ander, das, was der Vater an dem Papſte Innocentius gethan hatte, dem Sohne in einem Verhaͤltniß, in welchem er des Pap⸗ ſtes Unterſtuͤtzung noͤthig hatte, als ein Ver⸗ brechen anzurechnen.— Conradinus, der trotz ſeiner weichlichen Erziehung, durch ſei⸗ nen Vormund, den Herzog Heinrich, und durch deſſen Ritter ſich einen gewiſſen ſtolzen Muth zu eigen gemacht hatte, fragte jetzt entſchloſſen den Papſt um die Abſicht, die er bei dieſen, ihm ſo unverdient gemachten Vor⸗ wuͤrfen habe.— „Keine andere,“ war die Antwort,„als die Ehre und das Anſehen des Papſtes zu ſichern und zu erhalten. An Euer Haus, Prinz Conradin, kommt Neapel nicht an⸗ 31 ders, als wenn Ihr im Namen aller Eurer Nachfolger es mir feierlich und eidlich ange⸗ lobt, Neapel als ein Lehn des Papſtes an⸗ zuſehen und jaͤhrlich unaufgefordert den Tri⸗ but zu entrichten, den Ihr eurem Fahnsherrn ſchuldig ſeyd.“— Ein Anmuthen dieſer Art, vielleicht mehr noch die Art, mit welcher es vorge⸗ bracht war, vielleicht die Stimmung, in wel⸗ cher der, in ſeiner Hoffnung getaͤuſchte Prinz ſich befand, mußte Conradin aufbringen. Er wußte, daß dem ſtolzen Papſte vielleicht noch mehr mit Huͤlfe und mit der Ausſicht auf Unterſtuͤtzung gedient ſey, als ihm ſelbſt; denn er war noch nicht ein umherirrender Fluͤchtling. Sein ganzes Ehrgefuͤhl erwachte; erwachte vielleicht zu gluͤhend in einer Lage, in der ein kluͤgeres Nachgeben weiſer geweſen waͤre. Mit Stolz trat er vor dem Papſte auf und erklaͤrte feſt, daß er, der Enkel und Sohn 3² eines Kaiſers, ſich nie ſo weit demuͤthigen werde, der Lehnstraͤger eines Mannes zu ſeyn, der aus dem niebrigſten Stamme ab⸗ ſtammen koͤnne und der vielleicht, ehe er ſeine jetzige Wuͤrde bekleide, ein bloßer Moͤnch geweſen ſey. Mit Stolz verließ er den Papſt und ging nach Deutſchland zuruͤck. Moͤglich, daß Papſt Alexander dieſen Schritt des Prin⸗ zen gern ſah, ſo ſehr auch fuͤr den Augen⸗ blick ſein Stolz beleidigt war. Ihm oͤffnete dies Benehmen eine Ausſicht, die er als Verbuͤndeter des Prinzen nicht haben konnte, da bei den Unruhen, die in Deutſchland mit jedem Tage haͤufiger wurden, auf eine ſtarke Unterſtuͤtzung vor dorther nicht zu rechnen war. Um dieſe Zeit ſtarb Papſt Alexander. Sein Nachfolger, Urbanus der Vierte— ſey es, daß er mit ſeinem Vorgaͤnger den Plan ſchon beredet hatte; ſey es, daß es Urbans eigener Entwurf war— griff in alles das ein, und brachte alles das auf's Reine, was ſein Vor⸗ 33 gaͤnger Alexander ſich Lielri erſt dunkel ge⸗ dacht hatte. Ludwig der Neunte, Koͤnig von Frank⸗ reich, einer jener Fuͤrſten, die den Beinamen, den ihnen die Geſchichte gibt, ganz verdienen — und er fuͤhrte den Namen, des Heiligen — zeichnete ſich ſowohl durch ſein Anſehen, als durch ſeine Tugenden aus. Er war jetzt von einem, durch ein Geluͤbde unternomme⸗ nen Kreuzzuge zuruͤckgekehrt, und Papſt Ur⸗ banus ſuchte nichts ſo ſehnlich, als ein enge⸗ res Freundſchaftobuͤndniß mit dieſem treffli⸗ chen Fuͤrſten zu gruͤnden. Das ſchoͤnſte und leichteſte Mittel dazu war— das Koͤnigreich Neapel. Urbanus erklaͤrte dies Reich fuͤr erledigt und trug es dem Herzoge Carl von Anjou, einem Bruder Ludwigs des Heiligen, als ein Lehn an. Vielleicht waͤre dieſer Plan des Papſtes geſcheitert, denn der Koͤnig Lud⸗ wig war ſehr dagegen und ſtellte es ſeinem (39 Bruder als eine Gewiſſensſache vor, ſich nicht in eine Sache zu miſchen, die zu einem weit⸗ laͤufigen blutigen Kriege Anlaß geben koͤnne. Vielleicht haͤtte der ſonſt ſtolze und kuͤhne Herzog Carl ſich durch ſeines Bruders War⸗ nung lenken laſſen, haͤtte nicht— wie ſo oft bei den wichtigſten Welthaͤndeln— ſeine Ge⸗ mahlin und deren Schweſtern bei dieſer An⸗ gelegenheit den Ausſchlag gegeben. Beatrix, geborne Graͤfin von Provence, die Gemahlin des Herzogs, hatte noch zwei Schweſtern, die Beide an Koͤnige verheirathet waren. Oft hatten die letztern uͤber den niedern Stand mit ihrer Schweſter geſcherzt; oft mochten ſie dies mit Aeußerungen gethan haben, bei denen fie gewiß die Abſicht nicht hatten, zu kraͤnken; aber der Stolz der Herzogin ſah in dieſem aufgefuͤhrten Verhaͤltniß etwas Ent⸗ ehrendes. Kaum hatte ihr Gemahl mit ſei⸗ nem Bruder, dem Koͤnige, uͤber des Papſtes Plan geſprochen, und kaum merkte die Her⸗ 35 zogin, daß vielleicht des Koͤnigs Zureden mehr wirke, als eigene Ueberzeugung, als ſie ſchon alles hervorſuchte, ihren Gemahl zu der An⸗ nahme der Koͤnigskrone von Neapel zu bewe⸗ gen. Leicht wurde es ihr, den grundſatzloſen, bloß nach Leidenſchaft handelnden Herzog, der mit ſeinem edlern Bruder gar nicht zu ver⸗ gleichen war, zu dieſem Schritte zu beſtim⸗ men. Leicht mußte es ihr werden, da ihre Schweſtern, Beide Koͤniginnen, mit ihr zu⸗ gleich den Herzog mit dieſem Anliegen beſtuͤrm⸗ ten. Kaum hatte er eingewilligt, als ſchon ein Geſandter an den Papſt abging und den ganzen Plan in Richtigkeit brachte. Carl von Anjou erklaͤrte ſich, das Koͤnigreich Nea⸗ pel als ein Lehn vom Papſte anzunehmen und jaͤhrlich die feſtgeſetzten vierzigtauſend Ducaten, nebſt dem Zelter an den Papſt zu uͤberſenden. Erſt jetzt machte er ſeinem Bru⸗ der, dem Koͤnige, die Art und die Bedin⸗ gungen, wie er Koͤnig geworden, bekannt. Aeußerſt unzufrieden mit dieſem Schritte, antwortete der edle Monarch:„Alſo erkauft Ihr den Titel eines Koͤnigs und die Ausſicht auf Blutvergießen mit dem Verluſte Eurer Freiheit, mit der Abhaͤngigkeit vom Papſte?“ — Carl fuͤhlte freilich, daß dies für ihn ein harter Vorwurf, ein gerechter Tadel ſey; in⸗ deſſen wußte er's eben ſo gut, daß ſein Bru⸗ der, der Koͤnig, viel zu freundſchaftlich dachte, als daß er ihm die Bitte um Unterſtuͤtzung bei dieſem Unternehmen verſagen koͤnnte. Mit mehr verſtellter, als wirklicher Beſcheidenheit trug er ihm ſein dringendſtes Anliegen um Truppen und Geld vor, und was vielleicht der Koͤnig dem Bruder⸗ abgeſchlagen haͤtte, konnte der Gatte der Gattin nicht verweigern— eine Huͤlfsarmee und Geld. Freilich war dies beides leichter zugeſagt, als ausgefuͤhrt, da die Wunden, die die Kreuzzuͤge dem Lande geſchlagen hatten, noch zu ſehr bluteten; in⸗ deß machten die Anſtrengungen und die Auf⸗ 37 opferungen es moͤglich, daß Carl von Anjou als Koͤnig von Neapel noch in eben dem Jahre mit einem wohlgeruͤſteten Heere im Kirchenſtaate erſcheinen konnte.— Auf Niemand machte dieſer neue Plan des Papſtes ſo ſtarken Eindruck, als auf Manfred, der durch das Andringen des Her⸗ zogs Carl von Anjou von dem Gipfel herab⸗ geſtuͤrzt wurde, auf den die ſtolzen Traͤume ſeines Ehrgeizes und ſeiner Herrſchſucht ihn erhoben hatten. Er hatte die ganze ſuͤd⸗oͤſtliche Seite des Kirchenſtaates eingenommen; Rom ſelbſt wurde von ihm mit einer Belagerung bedrohet; der Papſt irrte als Fluͤchtling um⸗ her und die Vornehmſten der Hauptſtadt 1 dachten ſchon an die Aufopferungen, die, mochten ſie ſo groß ſeyn, wie ſie wollten, ihnen den Frieden verſchaffen ſollten; als der neue Koͤnig Carl erſchien und alle die ſtolzen Entwuͤrfe Manfreds zertruͤmmerte. Aus den 38 Appeninen herab hatten ſich Manfreds Schaa⸗ ren wie eine Fluth in die Gegenden der Tiber verbreitet; an dem gluͤcklichſten Ausgange der Unternehmung war gar nicht mehr zu zwei⸗ feln, als Carls Truppen theils uͤber Florenz zu Lande, theils zu Waſſer ankamen und unter Anfuͤhrung ihres entſchloſſenen Fuͤrſten gerade auf Rom ruͤckten. Mit der groͤßten Freude wurde Carl hier aufgenommen; der Papſt, der in ihm nicht bloß den Raͤcher an Manfred, ſondern mehr noch den Fuͤrſten ſah, der des Papſtes Schatzkammer bereichern werde, rief ihn gleich zum Koͤnige von Nea⸗ pel, von Jeruſalem und Sicilien aus. Sein Heer war im trefflichſten Stande und, was dieſem Heere den meiſten Werth gab, Jeder glaubte fuͤr die gute Sache der Kirche zu ſtreiten. Mit mehr als gewoͤhnlichem Muthe wurden Manfreds Schaaren angegriffen und flohen uͤber die Graͤnze weit zuruͤck. Carl folgte entſchloſſen und ließ ſeinem Gegner 39 keine Zeit, ſich zu ſammeln. Sechs Tage hatte dieſer Ruͤckzug gedauert, als Manfred endlich in der Gegend von Benevento Stand zu halten gezwungen war. Das Treffen war kurz; aber deſto entſcheidender. Manfreds Heer ergriff die Flucht; in den unzugaͤng⸗ lichen Schluften der Appeninen ſuchten die Geſchlagenen Schutz. Manfred, der durch Tapferkeit und Verzweiflung das wieder gut⸗ machen wollte, was das Gluͤck ihm heute rauben zu wollen ſchien, war der letzte, der das Schlachtfeld verließ. Leicht verwundet floh er nach Calabrien zu ſeinem Freunde, dem Grafen Caſerca, und bedachte nicht, daß er in des Feindes Lager ſicherer geweſen waͤre, als in den Armen dieſes Verraͤthers. Er vergaß, daß dieſer die Verfuͤhrung der Gat⸗ tin durch Manfred dann gewiß blutig raͤchen werde, ſobald er in Manfred nicht mehr ſei⸗ nen Koͤnig, ſondern einen huͤlfsbeduͤrftigen Fluͤchtling ſah. Mit verſtellter Freundſchaft 40 nahm er den Ungluͤcklichen auf; mit glatten Worten ſuchte er ihm Hoffnung auf eine ſchoͤne Zukunft zu machen, und ſandte am andern Morgen den Kopf des Ueberwunde⸗ nen an den Sieger, der jetzt vor den Thoren der Hauptſtadt ſtand. Manfreds Tod wurde gleich bekannt ge⸗ macht; ſein Kopf wurde vor der Porta Ca⸗ puana auf eine Lanze geſteckt und diente zu einem ſcheußlichen Bewegungsgrunde zu der Uebergabe der Einwohner. Mit großen Feier⸗ lichkeiten wurde Carl von Anjou gekroͤnt und Neapels Bewohner fingen ſchon an, ſich einer ſo lange gewuͤnſchten Ruhe zu erfreuen, als Conradin ernſtlich darauf dachte, ſeine An⸗ ſpruͤche auf das Koͤnigreich geltend zu machen. Dieſer Prinz war von jener merkwuͤrdi⸗ gen Unterredung mit dem Papſte von Bo⸗ logna nach Deutſchland zuruͤckgekommen. Das 41 Heer ſelbſt blieb in den ſchoͤnen Ebenen von Mailand bis Venedig ſtehen, waͤhrend er in Wien, Muͤnchen und Augsburg Alles auf⸗ bot, um ſein Erbe wieder zu bekommen. Den groͤßten Theil ſeiner Beſitzungen in Schwa⸗ ben, mehrere Diſtricte zwiſchen dem Lech und der Iſer, verkaufte er an den Herzog von Baiern und brachte durch dieſes Geld, mehr aber noch durch die Theilnahme ſeines Freun⸗ des, des Herzogs Friedrich von Oeſterreich, ein ſchoͤnes Heer zuſammen, mit deſſen Huͤlfe er ſeinen Anſpruͤchen Gewicht geben wollte. Sanft und die Guͤte verfuchend— ein Grund⸗ ſatz, zu dem der ſanfte Friedrich ihm rieth— ſandte er an den Papſt Urbanus und an den neuen Koͤnig von Neapel; bittend nahete er ſich dem letztern; alles verſprechend, was er dem Papſt Alexander abgeſchlagen hatte, ſuchte er den erſtern zu ſeinem Freunde zu machen; allein, ſeine Verſuche einer guͤtlichen Heraus⸗ gabe ſeines Erbtheils wurden vom Papſte mit 42 dem angedroheten Bann, vom Koͤnige Carl mit kraͤnkendem, entehrenden Spotte beant⸗ wortet. Da erſt entſchloß ſich der ſanfte, liebenswuͤrdige Conradin zu einem wirklichen Kriege. Der Ruf, in welchem er ſeines freundſchaftlichen Herzens wegen ſtand, ver⸗ ſchaffte ihm nicht nur bald ein zahlreiches Heer, ſondern bewog auch mehrere Fuͤrſten und Vornehme, ſich auf dieſem Wege an ihn zu ſchließen. Unter dieſen waren beſon⸗ ders der Prinz Heinrich von Caſtilien und der junge Herzog Friedrich von Oeſterreich, den ſeine Mutter vergebens von dieſer Unter⸗ nehmung abhalten wollte, da die Freund⸗ ſchaft fuͤr Conradinus alle Gegengruͤnde üͤber⸗ wog. Das Gluͤck ſchien dem trefflichen Prin⸗ zen guͤnſtig ſeyn zu wollen. Faſt alle Staͤdte des noͤrdlichen und mittleren Italiens oͤffne⸗ ten ihm, als einem erſehnten Freunde, die 43³ Thore; ſein Heer wurde mit allen Nothwen⸗ digkeiten, wie ein Bundesheer verpflegt; man ſah in dieſer Schaar die Befreier Italiens, das von Frankreich viel, ja alles zu fuͤrchten hatte; uͤberall mit Freude empfangen, durch⸗ zog dies Heer den Kirchenſtaat, und wahr⸗ ſcheinlich wuͤrde Conradin ſein Reich erorbert haben, haͤtte er mit ruhigerer Ueberlegung ſeine bisherigen Fortſchritte benutzt; haͤtte er weniger auf den Rath der beiden juͤngern, unvorſichtigeren Freunde, Heinrich und Frie⸗ drich, geachtet, und haͤtte er es mit ſeinen groͤßtentheils ungeuͤbten, neu angeworbenen Truppen nicht auf eine große entſcheidende Feldſchlacht ankommen laſſen. . Nur noch wenige Tagemaͤrſche ſtand Conradins Heer von Rom entfernt, deſſen Einwohner, unzufrieden mit der Nachbar⸗ ſchaft eines Koͤnigs, der mit Frankreich ſo nahe verbunden war, mit Sehnſucht der An⸗ kunft Conradins entgegenſahen und bereit waren, die Thore dieſer Stadt zu eroͤffnen; als Prinz Conradin ſich von der Tiber noͤrd⸗ lich wandte und uͤber Rieti in Neapel ein⸗ drang. Das Heer des Koͤnigs Carl ſtand zwiſchen den Appeninen und dem fuciniſchen See in einer feſten, faſt unangreifbaren Stellung. Conradin war zweifelhaft, ob die gewaͤhlte Stellung des Feindes Furcht und Sicherung des Landes zum Grunde habe, oder ob Carl dadurch gewiſſe, weit aus⸗ ſehende Abſichten verbergen wolle. Mit ſei⸗ nen beiden raſchen, aber eben ſo unerfahre⸗ nen Freunden, Heinrich und Friedrich, uͤber⸗ legte er den weitern Plan; Beide wollten nicht muthlos ſcheinen; Beide ſtimmten alſo fuͤr die Schlacht, fuͤr den Angriff, obgleich ſie die Schwierigkeiten deſſelben auf den erſten Blick ſahen. Wenige der erfahrenen aͤltern Ritter riethen dem Prinzen, den Feind bloß zu beobachten, ihm die Zufuhr abzuſchneiden * 45 8 und ihn in dieſer Stellung ſo lange aufzu⸗ halten, bis der Hunger das thaͤte, was die Waffen nicht thun koͤnnten— den Feind zur Uebergabe zwingen. G So einleuchtend dieſer Rath war— denn dem Koͤnige Carl fehlte es an hinlaͤng⸗ licher Mannſchaft, wie an Lebensmitteln; in ſeiner Stellung wurde er auf zwei Seiten von dem Feinde beherrſcht und auf den an⸗ dern beiden Seiten zeigten ihm das Gebirge und das ſumpfige Ufer des Sees der Schwie⸗ rigkeiten zu viele, wenn er angreifen, oder wenn er ſich zuruͤckziehen wollte— ſo ein⸗ leuchtend dieſer Rath war, ſo gewiß er zu dem Endzweck fuͤhrte, zu dem er fuͤhren ſollte; ſo wenig wurde er befolgt. Conradin und ſeine neugeworbenen Truppen brannten vor Begierde, ſich mit einem Feinde zu meſſen, der ſchon um ſeiner Abſtammung, und mehr noch um ſeines Kronenraubes, ſo verhaßt 3 46 4 war. An einem ſchoͤnen Herbſtmorgen ruͤckte Conradin mit ſeinem entſchloſſenen, muthi⸗ gen Heere an; der ſchmale Platz zwiſchen den Suͤmpfen und dem Gebirge, ein Poſten, der dem feindlichen Lager die meiſte Sicher⸗ heit gab, wurde im erſten Anlaufe genom⸗ men; Carls Truppen wurden verjagt; die ſich immer weiter ausbreitende Ebene wurde genommen; Carls Heer floh faſt auf allen Seiten, als die neugeworbenen Deutſchen ſich ſicher glaubten, weil ſie keine Gefahr mehr ſahen und nun in aufgeloͤſeter Ordnung uͤber das reiche Gepaͤck der Feinde ſtuͤrzten. Carl, der ſelbſt ſchon Alles verloren gab, bemerkte ſehr bald, daß der Hang zur Pluͤnderung ſich dem ganzen Heere des Prinzen mitge⸗ theilt hatte; er ſahe, wie die Deutſchen ihre Zuͤge und Glieder getrennt hatten und wie unbedachtſam ſie ſich ſicher im Beſitz der ſo leicht erkaͤmpften Beute glaubten. Da brach er mit einem, noch nicht zum Schlagen ge⸗ 47 kommenen Haufen vor; leicht verbreitete er Unordnung in den regelloſen Schaaren der Pluͤnderer; die Unordnung theilte ſich dem ganzen Heere mit; Carls zerſtreuete Haufen ſammelten ſich, und griffen nun von allen Seiten unter ſeiner Anfuͤhrung an. Ueberall wurden die Feinde, die, um die reiche Beute fortzubringen, zum Theil die Waffen weg⸗ geworfen hatten, in die Flucht geſchlagen und Carls Rachbegierde und Grauſamkeit mußten dazu wirken, daß uͤber neun Tau⸗ ſend der geſchlagenen Deutſchen theils in dem eingeengten Thale erſchlagen, theils in den Moraͤſten des nahen Sees verſinken mußten. So war mit Einem Schlage die ganze Hoffnung des Prinzen Conradin zertruͤm⸗ mert; ſo waren durch dieſe Schlacht, in der er ſchon Sieger war, alle ſeine Ausſichten verwiſcht. Und doch haͤtte er vielleicht dem Ganzen eine guͤnſtige Wendung geben koͤnnen, 48 waͤre er nicht in ſeinem erſten Schrecken, in ſeinem Mangel an Gegenwart des Geiſtes eben ſo weit gegangen, wie er's einige Stun⸗ den fruͤher in ſeinem Ungeſtuͤm gethan hatte. Der letzte Zug ſeines Heeres, den der erfah⸗ renere Graf Gerhard von Piſa und der treff⸗ liche ſchwaͤbiſche General Hirnheim anfuͤhrten, ſtand noch feſt, da er noch gar nicht zum Angriffe gekommen war. Leicht haͤtte dieſer das Schauſpiel, das Carls Truppen gegeben hatten, durch einen neuen Angriff wieder⸗ holen koͤnnen; aber da kam Conradin und mit ihm Friedrich, verkuͤndigte den gaͤnz⸗ lichen Verluſt der Schlacht und befahl den Ruͤckzug, der ſich bald, da die andern ge⸗ ſchlagenen Truppen, wie ein aus dem Ufer getretener Strom, nachdraͤngten, in eine wilde Flucht verwandelte. Conradin und Friedrich ſchlugen auf ihrer Flucht einen Seitenweg ein und ſuch⸗ 49 ten und fanden Schutz auf dem einſam und verborgen liegenden Schloſſe des Johann di Lancea, der ſich ihrer gewiſſenhaft annahm, Beide mehrere Tage verbarg und ihnen dann die Kleidung gemeiner Knechte gab, durch deren Huͤlfe es ihnen mit Muͤhe gelang, das an den Pontiniſchen Suͤmpfen liegende paͤpſt⸗ liche Staͤdchen Aſtura zu erreichen. Sie kamen in eben dem Augenblick hier an, als eben ein Fiſcher am Geſtade beſchaͤftigt war, ſich zu einem Fiſchfange vorzubereiten. 8 Sich in dieſem Staͤdtchen nicht ſicher glaubend— denn Carls Schaaren verfolg⸗ ten die fliehenden Deutſchen bis tief in den Kirchenſtaat hinein— handelten ſie mit dem Fiſcher, daß er ſie auf ſeinem leichten Fahr⸗ zeuge an dem Ufer hinauf bis uͤber Rom hinaus fahren ſollte. Man wurde des Han⸗ dels einig; in der Nacht ſollten ſie ſeinen (4) 50 Kahn beſteigen, als es dem Prinzen Conra⸗ din einfiel, ſich auf dieſe, wahrſcheinlich ſehr weite Reiſe mit Lebensmitteln zu verſehen. Keiner von Beiden hatte Geld. Da zog Friedrich einen Ring von außerordentlichem Werthe vom Finger und gab ihn dem Fiſcher, um in der Stadt Lebensmittel dafuͤr einzu⸗ handeln. Der Zufall wollte, daß dieſer Bote, der die Prinzen uͤbrigens nicht kannte, mit dem Ringe zu der Gemahlin des paͤpſtlichen Commandanten Frangipani kam. Der Ring ſiel dieſer auf. Sie zeigte ihn ihrem Ge⸗ mahl und dieſer kam gleich auf den Gedan⸗ ken, daß die Verkaͤufer, deren Aeußeres der Fiſcher beſchreiben mußte, verkleidete Vor⸗ nehme waͤren. Er ſelbſt ging zu der Woh⸗ nung des Fiſchers; er erkannte Beide und die Ungluͤcklichen wurden feſtgehalten. Viel⸗ leicht war die Furcht vor dem anruͤckenden Köonige Carl die einzige Urſach, daß Fran⸗ gipani dieſen Verrath beging, deſſen Groͤße 51 er dadurch noch vermehrte, daß er beide Ge⸗ fangene dem Koͤnige Carl auslieferte.— Schrecklich war das Loos der beiden Prinzen. Beide wurden als Gefangene in das Lager Carls, und von da nach der Hauptſtadt Neapel gebracht. Carl, der jetzt noch im Felde ſtand, ließ ſie in ſeiner Haupt⸗ ſtadt ſcharf bewachen. Jetzt kam er mit meh⸗ 4 reren gefangenen deutſchen Herren und Rit⸗ tern zuruͤck, und ſeine erſte Frage, ſeine erſte Verhandlung mit ſeinen Verbuͤndeten, war das Loos der beiden Ungluͤcklichen.— Edel und trefflich nahm ſich bei dieſer Frage der Graf Rupert von Flandern, der Schwiegerſohn Carls.—„Gebt einem von Beiden Eure Tochter,“ ſagte er,„und dem Andern Eure Baſe zur Gemahlin. Ihr ge⸗ winnt dadurch zwei Freunde, die es ewig treu mit Euch meinen werden,“— Ein . ——— ——, 5² Nath, der das Herz der Koͤnigin beſonders anſprach. Sie redete ihrem Gemahl zu, denn beide Gefangene waren ihrer Freund⸗ ſchaft werth. Koͤnig Carl ſchwankte; ſchon war er entſchloſſen, die Bitte ſeines Schwie⸗ gerſohnes zu erfuͤllen, als es ihm einfiel, den finſtern, ehrgeizigen Koͤnig von Boͤhmen, Ottogar, der ſich an ſeinem Hofe befand, um ſein Urtheil zu fragen. Dieſer hatte laͤngſtens ſchon des jungen Herzogs Friedrich von Oeſterreich Tod gewuͤnſcht, weil mit deſ⸗ ſen Abſterben er das Herzogthum Oeſterreich zu erben hoffte. Aeußerſt willkommen war ihm daher die Frage Carls um ſeine Mei⸗ nung, und ohne der Thraͤne der Koͤnigin, ohne der Vorſtellung Ruperts zu achten, gab er den grauſamen Rath, beide Gefangene enthaupten zu laſſen. Freilich erſchrak Carl ſelbſt bei dieſem Rathe; indeſſen Ottogar wußte die wenigen Ueberreſte der Menſchlich⸗ keit und Guͤte gegen Ungluͤckliche bald ſo aus 53 Carls Hetzen zu verwiſchen, daß dieſer, un⸗ ter der Bedingung, die Meinung des Pap⸗ ſtes Urbanus erſt zu hoͤren, ſeine Erklaͤrung zuruͤckbehielt. Gerade dies war es, was Otto⸗ gar wuͤnſchte. Mit dem Papſte war er ſchon dahin uͤbereingekommen, daß dieſer, durch alten Haß gegen Conradins und Friedrichs Vorfahren aufgeregt, ihm ſeine Unterſtützung, in Hinſicht ſeiner Anſpruͤche auf Oeſterreich, verſprach. Noch ehe Koͤnig Carl ſich an den Payſt wendete, hatte Ottogar dieſen ſchon geſtimmt. Schrecklich waren die wenigen Worte, die Urbanus zuruͤckſchrieb, als Carl ihn um ſein Urtheil bat.„Vita Conta- dini, mors Caroli; mors Conradini, vita Caroli.“— Conradins Leben iſt Carls Tod; Conradins Tod, Carls Leben.“—- Mehr war nicht noͤthig, als dieſe wenigen Worte, um das Herz des Koͤnigs Carl, das ſo ſchon zur Grauſamkeit und zu unbegraͤnztem Ehr⸗ geize geneigt war, fuͤr eine Schandthat em⸗ 54 pfaͤnglich zu machen, wie die Geſchichte deren nur wenige aufzuweiſen hat. Conradins und Friedrichs Tod war beſchloſſen,— Beide ungluͤckliche Prinzen ſaßen immer noch in gefaͤnglicher Haft, ſcharf bewacht von den Anhaͤngern ihres Ueberwinders. An ihren Tod dachten ſie nicht; ihr Stand, ihr koͤnig⸗ liches Blut, eine Reihe Verwandte auf Thro⸗ nen, ſchienen ihnen Buͤrgen ſeyn zu muͤſſen. Aber gerade dies war es, was den grauſa⸗ men Carl mit Beſorgniſſen erfuͤllte, die nicht eher als mit dem Tode der Ungluͤcklichen ſchwinden koͤnnten. Ein feierliches Gericht wurde nun angeſetzt. Conradinus, Friedrich, Graf Gebhard und Hirnheim wurden oͤffent⸗ lich als Feinde der Kirche, als Stoͤrer des Friedens, als Raͤuber eines Reichs, das der Papſt dem Koͤnige Carl verliehen habe, an⸗ geklagt, beſchuldigt und uͤber ſie wurde das ſchreckliche Todesurtheil ausgeſprochen. Um 4 3 ——; 55 aber doch den beiden Prinzen Conradin und Friedrich, einigen Vorzug zu geben, wurden ſie von den andern Gefangenen abgeſondert. Auffallend bleibt es in der Geſchichte, daß der ſonſt ſo ſanfte Conradinus im Gefaͤng⸗ niſſe einen Muth, eine feſte Entſchloſſenheit zeigte, die ſelbſt den Koͤnig, in deſſen Ge⸗ walt er doch war, nicht ganz ruhig ließ. Trauriger und niedergeſchlagener war der junge Herzog Friedrich, auf deſſen Ruhe der Gedanke, gegen den Wunſch ſeiner Mutter dieſen Zug unternommen zu haben, zu ſtar⸗ ken Einfluß hatte, als daß Grundſaͤtze der Ehre und der Unſchuld ihn haͤtten aufheitern koͤnnen. Am folgenden Morgen wurden die Ge⸗ fangenen, Conradin und Friedrich, auf ein mit rothem Sammet uͤberzogenes Schaffot gefuͤhrt. Ernſt und feſt ging Conradin die⸗ ſen fuͤrchterlichen Gang; er troͤſtete ſogar den 8 7f 56 aͤngſtlichern Friebrich, der blaß und zitternd das Geruͤſte hinaufſtieg. Tauſende von Zu⸗ ſchauern hatten das Schaffot umgeben. Mit feſtem Blick uͤberſahe Conradin die wogende Menge; mit geſenktem Blick ſtand Friedrich da; als Robert von Bar, des Koͤnigs Kanz⸗ ler, der beſonders zu dieſer Hinrichtung gera⸗ then hatte, vortrat, um noch einmal das Todesurtheil vorzuleſen. Kaum hatte er die in dem Urtheil als Form gebrauchten Worte: „Landesverraͤther und Aufruͤhrer“ geleſen, als der ganze Muth Conradins von neuem er⸗ wachte. Er trat dem Canzler naͤher, ſpie ihm in's Geſicht und fragte laut: Was ihn ſo keck mache, uͤber koͤnigliches Blut ein Todesurtheil zu ſprechen? Alles ſtaunte. Aules ſah mit geſpannter Aufmerkſamkeit auf den Prinzen, der nun geradezu gegen dies Urtheil proteſtirte, den Koͤnig Carl einen Kronenraͤuber nannte, und oͤffentlich erklaͤrte, daß er nichts weiter geſucht habe, als das 52 ihm geſtohlene Koͤnigreich wieder an ſich zu bringen, um es mit mehr Ehre zu beſitzen, als der jetzige Beſitzer ſich ruͤhmen koͤnne.— Moͤglich, daß er die Hoffnung hatte, ſein Muth werde ihn dadurch retten, daß die Tauſende der Neapolitaner, die nur ungern und gezwungen unter Carls Scepter ſtanden, einen Tumult erregen wuͤrden; moͤglich, daß er ſich mit der Hoffnung ſchmeichelte, ſein Muth werde den Koͤnig zum Widerruf des Todesurtheils bewegen. Aber beide Ausſich⸗ ten verſchwanden. Mit feſtem Blick ſah der Prinz auf die Menge. Da erblickte er unter den zunaͤchſt am Geruͤſte ſtehenden Zuſchauern . den Grafen Heinrich von Wallburg, den er fruͤher ſchon kannte. Er rief ihn naͤher, zog dann den Siegelring von ſeinem Finger, ſteckte ihn in einen Handſchuh und reichte ihm dieſen mit der Bitte, den Ring an ſei⸗ nen Vetter, den Koͤnig Peter von Arragonien 7 58 als einen Beweis zu uͤbergeben, daß ihm das Koͤnigreich Neapel von dem rechtmaͤßigen Beſitzer vermacht ſey.— Jetzt entſtand ein ungewoͤhnliches Ge⸗ raͤuſch unter der Menge; der Prinz ſah ſich um, und ſo eben fiel das abgeſchlagene Haupt des Herzogs Friedrich vom Blocke herab. Der Canzler hatte dieſen Augenblick dazu gewaͤhlt, um die Aufmerkſamkeit der Menge von dem Prinzen abzuziehen. Er befuͤrchtete einen Aufſtand, dem er dadurch am beſten vorbeugen zu koͤnnen hoffte. Dieſe entſtandene Unruhe rettete den Grafen Hein⸗ rich von Waldburg, der ſich nun im Ge⸗ draͤnge verlor und gluͤcklich nach Arragonien kam.— Faſt außer ſich ſtand der Prinz Conra⸗ din da, als er das blutige Haupt ſeines Freundes ſah. Fuͤr das, was er jetzt empfand, 59 hatte er keinen Ausdruck.— Sich ſeiner faſt unbewußt, hob er das blutige Haupt ſeines Freundes auf, kniete, daſſelbe an ſeine Bruſt gedruͤckt, nieder, kuͤßte es und machte ſich ſelbſt die haͤrteſten Vorwuͤrfe, daß er nicht alles gethan, den ungluͤcklichen, um ſeinet⸗ willen ungluͤcklichen Friedrich, von einer Un⸗ ternehmung abzuhalten, die ſo ſchrecklich endete. Dann legte er ſich nieder auf den Block, und ſein Blut mit dem Blute des Freundes vermiſcht, endete der letzte Zweig „der Herzoge von Schwaben, die dem roͤmi⸗ ſchen Reiche fuͤnf der beruͤhmteſten Kaiſer gegeben hatten. Ein ſchrecklicher Zug in dem Charakter des Koͤnigs Carls bleibt es, daß er aus dem Fenſter eines nahen Thurmes die ganze Hinrichtung anſah.—. Das Geruͤſte wurde nun der Sammet⸗ decke beraubt, und jetzt wurden die andern Gefangenen, der Graf Gebhard und der Ge⸗ 69 neral Hienheim, vorgefuͤhrt, um enthauptet zu werden. Das Urtheil wurde vollzogen, und in eben der Stunde wurden vier Nea⸗ politaner von hohem Stande, heimliche Freunde des ungluͤcklichen Peinzen, gehenkt. Graf Rupert von Flandern, des grau⸗ ſamen Koͤnigs Carls Schwiegerſohn, hatte ſich, obgleich er die unbiegſame Haͤrte ſeines Schwiegervaters kannte, doch immer noch mit der Hoffnung geſchmeichelt, der Koͤnig werde ſeinen Rath beruͤckſichtigen und die bei⸗ den ungluͤcklichen Prinzen durch Heirath zu ſeinen Freunden machen. Eine Hoffnung, in der ihn ſelbſt die Koͤnigin beſtaͤrkte. Ruhi⸗ ger, als er es ſonſt gethan haben wuͤrde, reiſete er mit ſeiner Gemahlin nach Flandern zuruͤck, wo ſeine Gegenwart noͤthig war. Er ging uͤber Rom und wollte, da er wußte, daß das Schickſal der Ungluͤcklichen von dem Urtheile des Papſtes abhing, dieſen ſelbſt mit 5 61 F theile vermoͤgen. Aus des Papſtes Verlegen⸗ heit und aus der auf Schrauben geſtellten Antwort ſchloß er, daß das Ungluͤck der bei⸗ den Prinzen ſchon beſchloſſen war. Ohne weiter nachzufragen, eilte er nach Neapel zuruͤck. Nur um einen Tag kam er zu ſpaͤt; die Ungluͤcklichen waren geſtern gemordet. Außer ſich vor gerechtem Zorn, eilte er in das Schloß. Die goͤttliche Gerechtigkeit wollte es, daß er in des Koͤnigs Zimmer Niemand, als den Kanzler Robert von Bar antraf. Er wußte, welchen Einfluß dieſer auf den Tod der beiden Prinzen hatte. Kaum war er ſo ſehr Herr uͤber ſich, dieſen erſt zu fra⸗ gen, ob er wirklich den Koͤnig zum Morde der beiden Ungluͤcklichen bewogen habe, und ob er ihnen das von ihm ſelbſt abgefaßte Urtheil vorgeleſen? Beides bejahete der Kanzler; als in eben dem Augenblick der Graf ſein Schwerdt * 62 zog, und den Kanzler eigenhaͤndig durchbohrte. Noch nicht mit dieſer Rache zufrieden, ließ er durch einen ſeiner Getreuen den Scharfrichter umbringen, damit, wie er nachher dem Koͤnige in'’s Geſicht ſagte, keiner von den Buben ubrig bliebe, die ſo edles Blut vergoſſen hatten. II. Die ſicilianiſche Vesper. ———— Wieneicht gibt es in der Geſchichte kein Beiſpiel eines gluͤcklichen Landes, das, beſon⸗ ders im zwoͤlften und in der erſten Haͤlfte des dreizehnten Jahrhunderts, Sicilien an die Seite geſtellt werden koͤnnte. Die trefflichen Kaiſer aus dem ſchwaͤbiſchen Hauſe, Conrad der Dritte, Friedrich der Erſte und Friedrich der Zweite, regierten dieſe ſchoͤne Inſel mit Milde und nie fuͤhlten ſich die Bewohner Siciliens ſo gluͤcklich, als unter dem Scepter dieſer Kaiſer, deren Namen auch in dieſer Hinſicht mit Recht ruͤhmlich von der ſpaͤten 1(5) 66 Nachwelt genannt wurden. Der neun und zwanzigſte October, ein tauſend zwei hundert acht und ſechzig, hatte dieſen edlen Kaiſer⸗ ſtamm vertilgt; denn an dieſem ſchrecklichen Tage verlor der letzte Sproͤßling dieſes erha⸗ benen Hauſes, der Prinz Conradin, auf dem Blutgeruͤſte ſein Leben. Der Paͤpſte Ueber⸗ macht und das immer ſteigende Anſehen Frankreichs, deſſen Sohn Carl von Anjou, jetzt Koͤnig von Neapel und Sicilien war; mehr vielleicht noch die zu befuͤrchtenden Un⸗ ruhen in Deutſchland ſelbſt, waren die Ur⸗ ſachen, daß dies Land nichts that, den Tod eines liebenswuͤrdigen Prinzen zu raͤchen, deſſen Vorfahren auf dem Throne ſo beruͤhmt geworden waren. Selbſt in der letzten Stunde ſeines Lebens hoffte der ungluͤckliche Prinz noch Rettung. Er kannte den Cha⸗ rakter der Einwohner Neapels; er wußte, wie ſehr er geliebt wurde; aber dieſe Hoff⸗ nung taͤuſchte ihn; er fiel als ein Opfer der 67 grauſamſten Barbarei, und dreizehn Jahre nachher erſt trat das Schickſal in der Rolle eines Raͤchers auf, um das zu vergelten, was das Vaterland des Ungluͤcklichen zu thun verſaͤumt hatte. . Carl von Anjou, der ungleiche Bruder des trefflichen Koͤnigs von Frankreich, Lud⸗ wigs des Heiligen, beherrſchte jetzt die Reiche Neapel und Sicilien. Moͤglich, daß die alte Anhaͤnglichkeit an die fruͤhern Beherrſcher— und dieſe Vorliebe witterte er uͤberall— ihm jenen verderblichen Grundſatz eingab, ſeine neuen Unterthanen durch Haͤrte und Zuruͤck⸗ ſetzung zu zuͤgeln; moͤglich, daß er bei ſei⸗ nem uͤbertriebenen Stolze, bei ſeinem Hange zur Grauſamkeit ein jedes Volk, wenn es ihm auch noch ſo ergeben war, auf dieſe druͤckende Art beherrſcht haben wuͤrde; genug, er zeigte, daß er mehr Tyrann, als Beherr⸗ ſcher ſeyn wollte. Sich ſtützend auf die All⸗ 68 gewalt des Papſtes, gab er ſeiner unerſaͤtt⸗ lichen Eroberungsſucht immer mehr Gehoͤr und ließ alle Warnungen ſeines weiſern und beſſern Bruders unbeachtet. Selbſt die Fuͤr⸗ ſten Italiens, die ihm zur Erlangung der Krone von Neapel und Sicilien behuͤlflich geweſen waren, ſahen mit Mißtrauen auf jeden Schritt, den er that, und zitterten bei dem Gedanken,“ daß ſie das Opfer ſeiner Herrſchſucht werden wuͤrden, ſobald er, mit Frankreich verbunden, das huͤlfloſe Italien unterjochen wolle. Noch unzufriedener waren ſeine eigenen Unterthanen, die es nun jetzt, durch eine Menge Erfahrungen belehrt, recht einſahen, was ſie an ihren vorigen Beherrſchern ver⸗ loren hatten. Carl von Anjou, in Frank⸗ reich unter den Genüͤſſen aller Vergnügungen erzogen, hatte in ſeinem Vaterlande eine Menge Freunde, die ihm nach Neapel gefolgt 69 waren. Mehrere unter ihnen hatten redlich fuͤr ihn geſtritten; ein ungleich groͤßerer Theil aber hoffte in Neapel jene Genuͤſſe wieder zu finden und waren deshalb ſchaarenweiſe ihrem Konige gefolgt. Sie fuͤr ihre Treue, fuͤr ihre Anhaͤnglichkeit zu belohnen, ſah Carl kein leichteres Mittel, als— die Beſitzungen der Bewohner ſeines neuen Reiches. Alle Provinzen Neapels wurden mit Auslaͤndern uͤberſchwemmt, und dieſe Abentheurer benutz⸗ ten die Denkungsart ihres koͤniglichen Freun⸗ des nur zu gut, um ihrer Raubſucht und ihrem zuͤgelloſen Uebermuthe alles zu geſtat⸗ ten. Beſonders war das ſchoͤne weibliche Ge⸗ ſchlecht ein Gegenſtand ihrer Luͤſte, da ſie es ſehr gut wußten, wie wenig der Koͤnig dies zu einem Verbrechen anrechnete, wenn die Nachſicht gegen ſolche Vergehungen eine Art von Belohnung fuͤr geleiſtete Dienſte aus⸗ machte. Die Regierung wurde immer ver⸗ haßter, und immer dringender wurde der 8 70 Wunſc nach jenen alten rechtlichen Zeiten⸗ in denen Neapel unter den Kaiſern aus dem ſchwaͤbiſchen Hauſe ſtand⸗ Waren dieſe Bedruͤckungen ſchon hart in dem Theile des Landes, in welchem der Koͤnig ſelbſt wohnte, und waren die Klagen ſchon da gegruͤndet; wie drückend mußten die erſtern, wie gerecht die letztern in Sicilien ſeyn; in einer Provinz, die eben dadurch, daß der Koͤnig nie dahin kam, der Willkuͤhr der Statehalter und ihrer Anhaͤnger Preis gegeben war. Alle dieſe Stellvertreter des Koͤnigs waren aus der wilden Zunft ſeiner fruͤhern Freunde, bei denen der Glaube an die fruͤhere Vertraulichkeit es ſchon als aus⸗ gemacht vorausſetzte, daß Carl jeden Miß⸗ brauch ſeines Anſehens verzeihen und gut heißen muͤſſe. Vielleicht waren nie in einem Lande die hoͤhern Behoͤrden ſo einig, als ſie es hier in Sicilien waren. Alle belebte Ein 71 Geiſt der Unterdruͤckung, Alle wurden von dem einzigen Grundſatze beſeelt, ſich hier auf Koſten ungluͤcklicher Bewohner eines unker⸗ jochten Landes zu bereichern. Mit den druͤ⸗ ckendſten Auflagen wurde die Inſel belaſtet, und kein altes Vorrecht, keine alte Freiheit einzelner Staͤdte und Staͤnde— oft durch edelmuͤthige und große Aufopferungen erwor⸗ ben— wurden mehr geachtet. Sie dienten 2 den uͤbermuͤthigen Fremdlingen zum Spotte. Je reicher, je angeſehener eine Familie war, um deſto mehr wurde ſie, unter dem Vor⸗ wande der Anhaͤnglichkeit an die alte Regie⸗ rung, verfolgt und gedrüͤckt. Keinem Vater war es erlaubt, ſeine Tochter zu verhei⸗ rathen, wenn er dazu nicht die Einwilligung der Statthalter hatte. Sie wurde nur dann gegeben, wenn die Braut arm war. War ſie reich, dann wurde die Heirath unter keiner andern Bedingung zugegeben, als wenn der Braͤutigam ein Franzoſe war. Mißhand⸗ 72² lungen des weiblichen Geſchlechts gingen noch weiter. Frechheit, Wolluſt und Gewalt thaten hier vieles, uͤber deſſen Graͤuel die Geſchichte den Schleier wirft.— 4 Daß ein Benehmen dieſer Art nicht ohne Wirkung bleiben konnte, war vorauszuſehen; daß die Einwohner dieſer Inſel, durch die gluͤhende Sonne ihres Himmelsſtriches zu den heftigſten Leidenſchaften erhitzt, dieſe Ty⸗ rannei blutig raͤchen wuͤrden, war eben ſo gewiß anzunehmen, Die Gelegenheit durfte ſich nur darbieten und die Flamme, die ſo lange im Innerſten geglimmt hatte, mußte ausbrechen, Unbegreiflich bleibt die Verblen⸗ dung der frechen Unterjocher, daß ſie den Eindruck nicht merkten, den ihre Tyrannei guf die Unterjochten machen mußte; uner⸗ klaͤrbar ihr Leichtſinn, daß ſie von dieſen Eindruͤcken nichts fuͤrchteten. Oft ſchon hat⸗ ten die Ungluͤcklichen ſich mit Bitten und 73 Vorſtellungen an den Statthalter der Inſel gewendet; aber vergebens. Selbſt an den Koͤnig Carl ſandten ſie aus ihrer Mitte einige Maͤnner, deren Klägen’ der Koͤnig anhoͤrte, deren Bedruͤckungen er gehoben haben wuͤrde, wenn ſeine Statthalter in Sicilien gewohnt geweſen waͤren, ſeinem Befehle zu gehorchen. In der That befahl er dem erſten Statthal⸗ ter Herbert von Aureillon, die Klagen des Volkes zu unterſuchen und ihnen abzuhelfen; ein Befehl, auf den Aureillon ſo wenig ach⸗ tete, daß er vielmehr die hart beſtrafen ließ, die ſich an den Koͤnig gewendet hatten. Eine Tyrannei, die den Uebermuth der uͤbrigen Franzoſen um ſo mehr heben mußte, da das Beiſpiel des Statthalters voranging.— Eben ſo vergebens war eine Sendung der Unter⸗ jochten an den Papſt Nicolaus den Dritten, zu dem der Biſchof Bartholomaͤo und ein Moͤnch, Johann Marino, reiſeten, um ihn zur Fuͤrbitte bei dem Koͤnige zu bewegen. 74 Koͤnig Carl erfuhr dies, und beide Ungluͤck⸗ liche mußten im Gefaͤngniſſe ihr Leben be⸗ ſchließen. Alles dies mußte dazu beitragen, den Uebermuth der Franzoſen auf's Hoͤchſte zu treiben. Kaum dachten die Bewohner Siciliens noch an die Moͤglichkeit einer Huͤlfe, als dieſe naͤher war, naͤher, als ſie im Trau⸗ me hoffen konnten. Johannes Procida— einer jener edlen Maͤnner, die jede Gefahr verachten, wenn es die Rettung ihres Vaterlandes gilt— ein ſaternitaniſcher Edelmann und Beſitzer der be⸗ nachbarten kleinen Inſel Procida; ein Mann von bewundernswuͤrdigem Scharfſinn und Weltklugheit, einer der gebildeteſten und mu⸗ thigſten Maͤnner ſeiner Zeit, hatte laͤngſt das Schmerzliche ſeines ungluͤcklichen Vaterlandes gefuͤhlt, ohne es ſo, wie er wuͤnſchte, retten zu koͤnnen. Er war fruͤher ein Freund Kai⸗ ſers Friedrich geweſen, hatte dies gute Ver⸗ 75 nehmen mit dem natuͤrlichen Sohne deſſel⸗ ben, mit Manfred, fortgeſetzt und war einer von denen, die an dem traurigen Schickſale des ungluͤcklichen Conradins den aufrichtig⸗ ſten und waͤrmſten Antheil nahmen. Viel⸗ leicht hatte er durch Unvorſichtigkeit ſich ſelbſt verrathen; genug, Carl ließ ihn als einen Anhaͤnger des ſchwaͤbiſch⸗hohenſtaufenſchen Hauſes in's Gefaͤngniß werfen, ließ ihm ſeine Beſitzungen nehmen und geſtattete dem Statt⸗ halter jede Mißhandlung der edlen Gemah⸗ lin Procida's. Im Gefaͤngniß hatte der edle Mäͤrtyrer fuͤr ſein Vaterland, kein anderes Gefuͤhl; als Kummer uͤber die ungluͤckliche Lage ſeines Vaterlandes; keinen andern Wunſch, als den, irgend einen Plan zu erſinnen, durch den er ſeine ungluͤcklichen Landsleute befreien koͤnnte. Die Krankheit des Statthalters machte ſeine Huͤlfe noͤthig; denn Procida hatte ſich 3 mehr als gewoͤhnliche aͤrztliche Einſichten er⸗ worben, er rettete den Statthalter und die Freiheit war ſeine Belohnung. Von ſeinen Feſſeln frei, glaubte er ſchon das ſchimpfliche Joch ſeines Vaterlandes zerbrochen. Er ſtand nicht bloß in Sicilien, ſondern auch in ganz Italien, in den groͤßten und weitlaͤufigſten Verbindungen. Er erfuhr bei ſeiner Be⸗ freiung alles, was waͤhrend ſeiner Gefangen⸗ ſchaft Wichtiges vorgefallen war, und ſuchte nun alles, was er als heilſam anſah, zu der Erreichung ſeines großen Entwurfes zu be⸗ nutzen. Dahin gehoͤrte beſonders das Be⸗ nehmen des Koͤnigs Carl gegen den Papſt Nicolaus, deſſen Verwandter um Maria, Carls Tochter, angehalten, aber ſowohl von ihr, als vom Koͤnige ſelbſt, auf eine belei⸗ digende Art abgewieſen war. Keiner fuͤhlte dieſen Schimpf tiefer, als der ſtolze Papſt, deſſen weit ausſehende Entwuͤrfe, ſeine Ver⸗ wandten einſt auf einem Throne zu ſehen, 77 durch die ſchnoͤde Behandlung des Koͤnigs mit einem Male ſcheiterten. Er ſann auf eine Gelegenheit, dieſen Schimpf raͤchen zu koͤnnen, und dieſe fand ſich in den Unter⸗ druͤckungen, die die Sicilianer jetzt ſchwerer und haͤrter, als jemals fuͤhlten. Lange ſchon hatte er auf neue Klagen der Sieilianer ge⸗ wartet, als Johannes Procida, dem ein Alliirter, wie der Papſt es war, zu willkom⸗ men ſeyn mußte, vor dem Papſte erſchien. Ohne weitere Umſtaͤnde zu machen— denn der Kluge merkte bald, daß er dem Papſte mit einem Erbieten dieſer Art ein willkom⸗ mener Bote war— ſchilderte er die uͤber⸗ triebenen Frechheiten der Franzoſen in ſeinem Vaterlande.— „Und Euer Entſchluß?“ fragte der Papſt mit geſpannter Aufmerkſamkeit. 2.„Iſt, uns frei zu machen. Ich bitte im Namen eines unterdruͤckten Volkes, daß Ihr, heiliger Va⸗ ter, unſern Plan nicht hindert.“— Suͤßer konnte dem Papſte kein Antrag ſeyn. Er Konnte ſeine Freude nicht verbergen; er er⸗ zaͤhlte dem edlen Procida alles, wodurch Koͤnig Carl ihn gekraͤnkt hatte; er mun- terte ihn dadurch auf, daß er ihm die Gefahr zeigte, in welcher durch Frankreichs und Neapels Macht alle uͤbrigen Reiche ſich befaͤnden; er verſprach ſeinen Beiſtand und gab dem Procida Briefe an den Koͤnig Peter von Arragonien, den Conradinus, als den Enkel des Koͤnigs Manfred von Neapel, noch auf dem Blutgeruͤſte zum Erben dieſes Reichs erklaͤrt hatte. Voll der ſchoͤnſten Hoffnungen eilte Pro⸗ cida nach Sicilien zuruͤck. Mit drei ſeiner vertrauteſten Freunde uͤberdachte er nun die weitere Ausfuͤhrung dieſes edlen Planes, und dieſe drei Maͤnner— ſchade, daß die Ge⸗ ſchichte ihre Namen nicht aufdewahrte!— 1 6 die das Vaterland liebten, wie Procida, tha⸗ ten nun alles, jene ſchimpflichen Feſſeln zu zerbrechen. Heimlich und verkleidet verließ Procida ſein Vaterland und ging an den Hof Peters des Dritten von Arragonien, wo des Papſtes Empfehlungsbriefe und der ganze ſchoͤne Plan ihm bald den Koͤnig, mehr noch die Koͤnigin Conſtantia geneigt machten. Beide nahmen den, ihrer Familie ſo ergebe⸗ nen Fremdling als Freund auf; mit Wuͤrden und Ehrenſtellen, wie mit den ſchoͤnſten Be⸗ ſiungen in Valencie wurde eer uͤberhaͤuft. Dankbarkeit gegen ſeine koͤniglichen Wohl⸗ thaͤter kam nun noch dazu, den Haß gegen Carl von Anjou zu vollenden. Procida ſah ſehr bald ein, daß es der Schwierigkeiten noch viele gab, deren Beſiegung ſo leicht nicht war. Es blieb fuͤr ein unterdruͤcktes Land ein gewagtes Unternehmen, ſich gegen einen Koͤ⸗ 80 nig aufzulehnen, dem nicht allein ſein eigenes Heer, ſondern auch das Heer ſeines koͤnig⸗ lichen Bruders, Ludwigs des Heiligen, zu Gebote ſtand. Selbſt der Koͤnig Peter von Arragonien durfte nicht ganz frei und offen handeln, weil er Frankreich fuͤrchten mußte. Es mußten alſo auswaͤrtige Fuͤrſten in dieſen Bund gezogen werden und unter dieſen war der morgenlaͤndiſche Kaiſer Michael Palaͤolo⸗ gus der erſte, der ſich zu thaͤtiger Huͤlfe er⸗ bot. Auf den Rath dieſes Fuͤrſten mußte Peter von Arragonien eine Unternehmung gegen die Barbaren in Afrika vorgeben, und ſo konnte er unter dieſem Vorwande ſeine Kriegsruͤſtung auf's hoͤchſte veranſtalten. Un⸗ gewiß iſt es, ob Carl von Anjou Verdacht ſchoͤpfte, da er von dieſen Anſtalten hoͤrte; aber gewiß iſt es, daß der an Zerſtreuungen und Vergnuͤgungen gewoͤhnte Koͤnig nicht die mindeſten Gegenanſtalten machte. In dieſer Zeit der Gaͤhrung ſtarb der Papſt Nicolaus. 81 An ſeine Stelle kam Martin der Vierte, ein geborner Franzoſe, und ein Anhaͤnger des Koͤnigs Carl von Anjou. Dieſer Umſtand machte eine verdoppelte Vorſicht noͤthig, ſollte nicht der ganze Entwurf in ſeinem Entſtehen ſcheitern, und ſollten nicht die Feſſeln fuͤr das ungluͤckliche Sieilien noch druͤckender werden. Mit der groͤßten Behutſamkeit reiſete Procida, verkleidet als Moͤnch, in Sici⸗ lien umher, um im Stillen zu beobachten und den ungluͤcklichen Einwohnern immer mehr Haß gegen die Franzoſen beizubringen Ihm, als einem geachteten Manne, waren alle Herzen offenz ihm, als einem klugen Manne, war es leicht, die Menge auf eine große Begebenheit vorzubereiten. Jetzt ging Procida wieder nach Arragonien und auf ſeinen Rath unternahm Peter wirklich den Zug nach Tunis, durch deſſen Vorſpiegelung 66) 82 er den Koͤnig Carl ſo ſicher machte, daß dieſer ihn mit Gelde und Nothwendigkeiten unterſtuͤtzte. ₰ —— Laͤngere Zeit, faſt zwei Jahre, wurde an dem Plane gearbeitet, das ungluͤckliche Land zu befreien; aber noch immer war der Augenblick nicht da, in dem man dieſen Ent⸗ wurf mit wahrſcheinlichem Gluͤcke ausführen konnte. Die Statthalter Siciliens waren zu aufmerkſam, als daß ſie nicht auf alles haͤtten achten ſollen; aber eben dieſe Auf⸗ merkſamkeit machte auch die Haͤupter der Verbuͤndeten— und deren hatte man in allen Staͤnden— um ſo behutſamer. Jetzt wurden die Franzoſen ſicherer, und wenn ihnen auch die gefaͤhrliche Stimmung des Volkes nicht unbekannt blieb, ſo achteten ſie doch weniger darauf. Sie ſahen darin den 83 ohnmächtigen Unwillen des Unterdruͤckten, der ſehr oft zu Ausdruͤcken und Mienen ſeine Zu⸗ flucht nimmt, indem er keine andere Huͤlfe, keine andere Erleichterung ſeines Herzens kennt. Nur das Eine befahl man von Seiten der Statthalter, daß kein Sicilianer irgend eine Waffe bei ſich fuͤhren duͤrfe. Dieſer Befehl wuͤrde vielleicht kaum auf⸗ gefallen ſeyn, haͤtte er nicht ein altes Vor⸗ recht der Bewohner dieſer Inſel zu ſehr an⸗ gegriffen. Seit alten Zeiten hatten die Si⸗ cilianer den Gebrauch, an ihren hohen kirch⸗ lichen Feſten bewaffnet zu erſcheinen und in dieſem Schmuck den Gottesdienſt zu beſuchen. Ritter und Vornehme unter ihnen erſchienen mit Schwerdt oder Lanze bewaffnet; jeder Andere kam mit Degen oder Dolch, je nach⸗ dem er irgend eine Waffe beſaß. Auf die⸗ ſen Gebrauch hatte man den Statthalter aufmerkſam gemacht, und er verbot das 84 àAà Tragen dieſer Waffen. Natuͤrlich, daß die⸗ ſer uralte Gebrauch den Sicilianern heiliger war, als der Befehl des verhaßten Statt⸗ halters. Natuͤrlich, daß jeder ſeine Waffen, den hoͤchſten Schmuck, der ihn an fruͤhere gluͤckliche Zeiten erinnerte, beibehielt; aber eben ſo natuͤrlich, daß der Statthalter ſeine Befehle ſtrenger gab, und den Franzoſen jede Willkuͤhr geſtattete. Es war den dreißigſten Maͤrz des Jah⸗ res 1282, als die Einwohner von Paler⸗ mo, der volkreichſten Stadt dieſer Inſel, zur Feier des Oſterfeſtes nach dem benachbarten Montereale zogen, um dort in der Kirche Spirito ſanto die große Vesper zu feiern. Der Volkszulauf war groß; und die Volks⸗ ſitte, bewaffnet zu erſcheinen, zeigte ſich hier in ihrer ganzen Groͤße. Unter den Palermi⸗ tanern befand ſich ein ſehr geachteter Mann, Giovanni Angelo, der an der Seite ſeiner — NN 8⁵ ſchoͤnen Tochter Iſabella und ihres Braͤuti⸗ gams, nach der Kirche ging. Aus einer gewiſſen Ehrfurcht machte ihm und ſeinem kuͤnftigen Schwiegerſohn die Menge Platz; er ſtand bewaffnet vor dem Altare, als die Schoͤnheit ſeiner Tochter einem jungen, muth⸗ willigen Franzoſen auffiel. Mit einer Frech⸗ heit ſonder gleichen, die nicht einmal das Heiligthum des Orts beruͤckſichtigte, nahete er ſich mit einigen andern Frechen der ſchoͤ⸗ nen Sicilianerin, die ſich um deſto verle⸗ gener an ihren Vater ſchmiegte, je zudring⸗ licher der Franzoſe wurde, der nicht auf die Miene des allgemeinen Unwillens achtete, die er auf allen Geſichtern ſo deutlich las. Angelo, ein Greis, verwies ihm ſein unanſtaͤndiges Benehmen. Da erwachte der Stolz des Frechen.—„Wißt Ihr den Be⸗ fehl nicht, daß Ihr keine Waffen tragen ſout?“ ſagte er laut.„Wißt Ihr nicht, daß 86 1 ich Eurer Tochter Kleidung zu unterſuchen, das Recht habe? Wie leicht koͤnnen hier Dolche verborgen werden? Mit dieſen Wor⸗ ten griff er das zitternde Maͤdchen auf die 2 unanſtaͤndigſte, frechſte Art an, um ihr den Schleier zu entreißen. Iſabella, und die in ihrem Gefolge ſich beſindenden Freundinnen ſchrien laut auf; allgemein war das Erſtau⸗ nen der Menge, die in dieſer Frechheit das Heiligthum entweihet ſieht; knirſchend vor Wuth ſtehen der Vater und der Geliebte daz der Schrecken hat ſie zu ſehr gefeſſelt, als daß ſie gleich einen Entſchluß faſſen koͤnnten, zumal da mehrere Franzolen ſich eben der⸗ gleichen Frevel an andern Sicilianerinnen geſtatten. Jetzt ging die Wuth des alten Vaters in Verachtung des Todes uͤber; ſein Leben hatte am Werth verloren.—„Fluch uͤber die Buben! Nieder mit ihnen!“ rief er außer ſich; die Menge, die jetzt aufſprang, wiederholte dieſe fuͤrchterlichen Worte; ein 82 kuͤhner, unbewaffneter Juͤngling ſtuͤrzt auf jenen frechen Franzoſen, wirft ihn nieder, riß ihm das Schwerdt von der Seite und durchbohrte ihn vor dem Altare. Wie verabredet, gab dieſe kuͤhne That das Zeichen zu einem allgemeinen Aufſtande. Die Kirche wurde in einem Augenblick der Schauplatz des Mordes; uͤberall kommen verborgene Dolche zum Vorſchein und ehe eine halbe Stunde verſchwindet, liegen meh⸗ rere Hundert Franzoſen gemordet auf dem Fußboden der Kirche. Die unter den Sici⸗ lianern, die hier nicht zum Morden kommen konnten, ſteigen theils auf den Thurm, um zu ſtuͤrmen, theils verbreiten ſie ſich unter Aufruf, jeden Franzoſen zu morden, in den Straßen des Staͤdtchens, wo alles, was Franzoſe heißt, unter ihren Haͤnden blutet. — Wie eine Fluth ſtroͤhmen ſie nach der Hauptſtadt Palermo; ſie kommen den fliehen⸗ 88 den und hier ihre Rettung ſuchenden Fran⸗ zoſen zuvor, verbreiten die Nachricht von der Ermordung ihrer Feinde zu Montereale und nun erſt faͤngt hier eine Scene an, die um ſo ſchrecklicher war, je groͤßer hier der Schau⸗ platz, je zahlreicher die Opfer waren, die hier bluten mußten. Wie auf ein Signal lauernd, ſtuͤrzten die Sicilianer aus ihren Haͤuſern; was der Zufall ihnen in die Haͤnde gab, mußte als Waffe dienen, um dies grauſende Schauſpiel noch ſchrecklicher zu machen. Man ließ den Franzoſen keine Zeit, ſich zu ſammeln; wo ſie ſich zeigten, wurden ſie von der Menge, die ſich jeden Augenblick vergroͤßerte, die mit jedem Morde wuͤthender wurde, angegriffen und unter un⸗ ſaͤglichen Qualen niedergemetzelt. Keiner der Ungluͤcklichen wurde verſchont, auf kein Er⸗ bieten eines reichen Loͤſegeldes hoͤrte man, und der Anblick des vergoſſenen Blutes, der Anblick der graͤßlich verſtuͤmmelten Leichen 89 reizte den Durſt nach Menſchenblut immer mehr. Aber am ſchrecklichſten wurde die Scene, da die Moͤnche ſich unter die Wuͤthen⸗ den warfen und den Mord als eine Sache vorſtellten, die fuͤr den entweiheten Tempel, fuͤr die entehrte Religion Pflicht ſey. Jetzt wurde der Mord erſt graͤßlich; jetzt kannte man vollends kein Erbarmen mehr, und der Eifer, das ungluͤckliche Vaterland zu befreien, ging in voͤligen Wahnſinn uͤber. 1 Es iſt mehr als wahrſcheinlich, daß Procida die Feier irgend eines kirchlichen Feſtes mit in ſeinen Plan verflochten hatte; wahrſcheinlich, daß er und die Hauptperſonen dieſes fuͤrchterlichen Auftrittes laͤngſt darauf hingearbeitet hatten, an einem ſolchen Tage, an dem die kirchliche Feier die ganze Maſſe zuſammen hielt, das große Werk zu vollen⸗ den. Ungewiſſer aber iſt's, ob er gerade dieſen Tag gewaͤhlt hatte; ungewiſſer, ob 90. nicht der Zufall, daß Angelo heute mit ſei⸗ ner Tochter in der Kirche erſchien, auch die ganze Rebellion zufaͤllig veranlaßte. Bei⸗ ſpiele des Ausbruches einer ſolchen Gaͤhrung in Italien gehoͤren nicht zu den unmoͤglichen, und Genuag's Empoͤrung im Jahre 1746 dient zu einem Beleg, daß der aufgereizte Italiener zu Allem faͤhig iſt. Die einzige Zuflucht, die den Franzoſen in Palermo uͤbrig blieb, war das Caſtell, das nach damaliger Art ſehr feſt und faſt unangreifbar war. Hieher rettete ſich der Statthalter Remi; hieher flogen einige Hun⸗ dert Franzoſen. Aber was half den Ungluͤck⸗ lichen dieſe Zuflucht? Die wuͤthende Menge ſtuͤrzte ſich in die Graͤben, erſtieg die Mau⸗ ern, erbrach die Thore und hier war faſt der Auftritt noch graͤßlicher, da die erſte Wuth abgekuͤhlt war, da man mit kaltem Blute, mit ruhiger Ueberlegung auf Qualen ſann, und Zeit 91 hatte, ſie auszufuͤhren.— Zwei Stunden— aber welche ſchreckliche zwei Stunden waren dieſe?— waren nur noͤthig und in ganz Paler⸗ mo lebte kein Franzoſe mehr. Die Stadt war frei und nun war es das Erſte, das entwe⸗ deerr Procida ſelbſt, oder ſeine Vertrauten tha⸗ ten: allen uͤbrigen Staͤdten der Inſel Nach⸗ richt von der gluͤcklichen Befreiung Palermo's zu geben und die Bewohner zu einem glei⸗ chen Entſchluſſe anzufeuern. Bei einem Charakter, wie der Sicilianer ihn beſitzt, bei dem vielen entehrenden Frevel, durch den die Franzoſen an dieſem, ſo leicht Feuer fangenden Volke verſuͤndigt hatten, be⸗ durfte es nur der Erinnerung und die ganze Maſſe that das, was die Bewohner Paler⸗ mo's gethan hatten. In allen Staͤdten ver⸗ breitete ſich eine gleiche Wuth; die ſchreck⸗ lichen Auftritte von Palermo wurden in allen Staͤdten der Inſel wiederholt und zu Tau⸗ 9² ſenden zogen Palermo's Einwohner nach an⸗ dern Staͤdten, um bei dieſem ſchrecklichen Schauſpiele eine Hauptrolle zu uͤbernehmen. In Marſalo, Girgenti, Leucate und beſon⸗ ders in Catanea wurden die ſchrecklichen Auf⸗ tritte, wo moͤglich, noch ſchrecklicher wieder⸗ holt.— Bis zu dieſem Augenblicke ſchien das Ganze mehr die Wirkung der aufgereizten, planloſern Wuth geweſen zu ſeyn; aber jetzt zeigte es ſich, daß ein tief angelegter, den Feinden verborgen gebliebener Plan das Ganze leite. In zwei Tagen waren auf der Inſel alle Franzoſen ausgerottet; nur die beiden Staͤdte, Meſſina und Tarmino, ſtanden noch unter der Herrſchaft der Franzoſen. Hier befehligte Herbert von Aureillon als Unter⸗ koͤnig. Er hatte das ganze Gewitter laͤngſt vermuthet und, ſo viel ihm moͤglich war, Gegenanſtalten getroffen. Dazu gehoͤrte, daß 93 er in Meſſina eine ſtarke Beſatzung hielt und daß er mit mehr Aufmerkſamkeit, aber mit ungleich weniger Strenge und Haͤrte, auf alles achtete, was zu ſeinem Poſten gehoͤrte. Ruhiger blieb es daher in ſeiner Reſidenz. Aber deſto thaͤtiger waren die Haͤupter der Verſchworenen in Palermo. Wie aus der Erde gewachſen, traten drei kleine Heere auf, verbreiteten ſich auf der ganzen Inſel, reiz⸗ ten jeden ruhigen Bewohner zur Theilnahme an dem Aufruhr, riſſen uͤberall das Wapen Carls von Anjou ab, und pflanzten dafuͤr das Kreuz auf, indem ſie, durch die Moͤnche belehrt, die ganze Sache zur Angelegenheit des Glaubens machten. Die Zerſtreuung die⸗ ſer Heere in der Inſel benutzte der Unter⸗ koͤnig Herbert zu einem Verſuch, ſich der Stadt Palermo wieder zu bemaͤchtigen. Mit einem Theile der Beſatzung von Meſſina und mit einer kleinen Flotte ging er nach Paler⸗ mo, er hoffte dieſe Stadt zu uͤberrumpeln Schrecken uͤber die Bewohner Siciliens zu verbreiten. Aber ſeine Abſicht war verrathen. Palermo's Bewohner, die es ſehr gut wuß⸗ ten, welches ſchreckliche Loos ihrer wartete, wenn ſie uͤberwunden waren, entſchloſſen ſich, eeher zu ſterben, als die Stadt zu ergeben. Bewaffnet gingen ſie Aureillons Heere zent⸗ gegen; entſchloſſen vereinigten ſich andere Sicilianer mit ihnen und die Franzoſen wur⸗ den in die Flucht geſchlagen. Nicht zufrie⸗ den mit dieſem Siege, ruͤckten ſie vor die von den Feinden noch beſetzte Stadt Tormino, eroberten ſie im Angeſichte der aus Meſſina yerzu eilenden Huͤlfstruppen der Franzoſen und ermordeten die ganze Beſatzung. Nun war nur noch Meſſina in fran⸗ zoͤſiſchen Haͤnden; dieſe Stadt, die naͤchſte an Neapel, und bloß durch eine Meerenge von dieſem Koͤnigreiche getrennt, durfte, we⸗ 1 4 5 32 5— Koende . 2 gen der nahen Reſidenz Carls, es nicht wa⸗ gen, ſo offen zu handeln, wie die uͤbrigen Staͤdte Siciliens. Herberts Wachſamkeit und eine hinlaͤngliche Beſatzung hinderten jene Ausbruͤche. Freilich glimmte auch hier das Feuer in der Aſche und einer der erſten An⸗ haͤnger Procida's, ein gewiſſer Alaimos von Lentini, that alles, dieſer Glut neue Nah⸗ rung zu geben. Verſchlagen und liſtig wußte er die ſicherſten Mittel, Meſſina's Einwoh⸗ ner mit jenen großen Vorgaͤngen auf der Inſel bekannt zu machen; liſtig wußte er ſich bei dem Unterkoͤnig in der Meinung zu er⸗ halten, als waͤren ihm jene Auftritte un⸗ bekannt und verhaßt; liſtig und verſteckt wußte er die Bewohner dieſer volkreichen Stadt auf den gluͤcklichen Zeitpunkt vorzu⸗ bereiten, an dem auch ſie zu den Waffen greifen ſollten.— Und dieſe Gelegenheit fand ſich bald. Auch hier war es ſtrenge verbo⸗ ten, bewaffnet zu erſcheinen; ein Verbot, 96 auf deſſen Achtung der aufmerkſame Unter⸗ koͤnig ſehr hielt. Demungeachtet erſchien einſt ein Sicilianer bewaffnet auf dem Markte der Stadt. Vier Franzoſen um⸗ ringten ihn, um ihn als einen frevelnden Uebertreter des Geſetzes fortzuſchleppen. Der Gefangene weigert ſich zu folgen; mehrere ſeiner Mitbuͤrger kommen ihm zu Huͤlfe und handgemein wird die Wache mit dem Poͤbel, der von allen Siſten heizäee den Gefan⸗ Penan zu retten. 8 Durerſcelns mit einem Male Lentini. Auf ſeinen Befehl entfernt ſich die zuſam⸗ mengelaufene Menge. Ueberzeugt, daß der rechte Zeitpunkt noch nicht da iſt; erwaͤgend, daß ein Aufruhr an dieſem Tage den Unter⸗ gang der ganzen Stadt zur Folge haben muͤſſe, nimmt er auffallend die Miene der Freundſchaft und der Ergebung gegen die Franzoſen an, und liefert ſelbſt jenen Ueber⸗ 97 treter des Geſetzes, nebſt denen, die ſich am thaͤtigſten zu ſeiner Rettung bezeigt haben, an die Wache des Unterkoͤnigs aus, der ſie ſammt ihren Weibern in's Gefaͤngniß brin⸗ gen laͤßt. Auffallend iſt es, daß der Poͤbel jetzt ganz ruhig ſich alles gefallen ließ; und nur aus dem Zutrauen, das man in Len⸗ tini's tiefer angelegten Plan ſetzte, kann die Unthaͤtigkeit in den erſten Stunden erklaͤrt werden. 3 Vielleicht haͤtte Lentini die Ausfuͤhrung ſeines Planes noch weiter aufgeſchoben, um die Feinde ganz ſicher zu machen; haͤtte nicht hier der Zufall dem Ganzen eine an⸗ dere Richtung gegeben und den Lentini be⸗ ſtimmt, ſeinen Entwurf fruͤher auszufuͤhren. Unter den gefangenen Frauen waren mehrere, die in den Vorſtaͤdten Meſſina's Verwandte hatten. Dieſe erfuhren kaum (7) 95 die Geſchichte, als ſie ſich zuſammenrotteten, mit Gewalt in die Stadt drangen, ihren Haufen mit jedem Schritte vergroͤßerten, und nun Alles mordeten, was Franzoſe hieß. Mit den Waffen in der Hand, befreien ſie die Gefangenen. Ein Verwandter deſſen, der Gelegenheit zu dieſem Auflaufe gab, wurde zum Anfuͤhrer gewaͤhlt und auf ſeinen Be⸗ fehl wurde das Blutbad und der Mord immer graͤßlicher, Jetzt warf Lentini die Maske der Ver⸗ ſtellung ab; letzt laͤuft er wuͤthend durch alle Straßen und ermuthigt durch ſein Zureden die Einwohner von Meſſina, alle Franzoſen zu morden. Ein Aufruf, dem nur zu bald, zu ploͤtzlich Folge geleiſtet wurde, da die, die unter Lentini zu dem großen Plane mitwirk⸗ ten, ſich augenblicklich unter die Menge miſchten und ſie, ſich frei zu machen, auf⸗ munterten, Dem Unterkoͤnige Aureillon kam 1t 1 8 9 9 dieſer ganze Auftritt zu ploͤtzlich. Er wußte nicht, was er thun ſollte. Einzeln warf er in den breiten Straßen der Stadt ſeine Leib⸗ wachen dem Poͤbel entgegen und einzeln wur⸗ den ſie gemordet. Ihm blieb nichts uͤbrig, als ſich in das Caſtell mit dem Ueberreſte ſeiner Beſatzung zu fluͤchten; er hoffte hier Schutz zu finden. Aber vergebens. Lentini und ſeine Vertraueten hetzten den Poͤbel im⸗ mer mehr auf; raſtlos und ununterbrochen dauern die Stuͤrme fort; die Graͤben wer⸗ den uͤberſtiegen, die Thore eingeſchlagen, die Menge dringt ein und die Beſatzung wird bis auf den letzten Mann gemordet. Lentini ſelbſt nimmt den Unterkoͤnig gefangen und— gibt ihn dem Muthwillen des auf's hoͤchſte wuͤthend gemachten Poͤbels Preis. Wie im Triumphe wird der Ungluͤckliche durch die Straßen geſchleppt, an einer Kirch⸗ thuͤr erdroſſelt und auf dem Markte aufge⸗ 100 henkt. Ueber drei Tauſend Franzoſen wurden in Meſſina niedergemetzelt und nur zwei der⸗ ſelben, Maͤnner, die ſich durch Billigkeit und Guͤte gegen die Sicilianer ausgezeichnet hat⸗ ten, Philipp Calambré und Wilhelm Por⸗ celle, werden von der wuͤthenden Menge ver⸗ ſchont und mit Guͤte behandelt. In drei Stunden war auch Meſſina frei, und die Befreiung dieſer Stadt war der letzte Auf⸗ tritt in dieſem blutigen Trauerſpiel. Am vierten April— alſo in einem Zeit⸗ raume von fuͤnf Tagen— war Sicilien frei. Tief angelegter Plan und Zufall boten ſich hier die Haͤnde, um etwas hervorzubringen, das in ſeiner Art einzig war: die Ver⸗ 8 tilgung der Franzoſen. Ueber zwanzig Tau⸗ ſend derſelben buͤßten mit ihrem Blute die Frepel der Regierung. Die beiden Staͤdte, Meſſina und Palermo, ſchloſſen ſogleich ein engeres Buͤndniß mit einander, Der tapfere 101 Lentini wurde Befehlshaber in Meſſina, und mit dem groͤßten Eifer, ihm treu zu dienen, ſchwuren ihm die Einwohner. Sicilien war ſchon frei; kein Franzoſe lebte mehr auf dieſer Inſel, als der Koͤnig Carl von Neapel erſt Nachricht von den Un⸗ ruhen auf Sicilien bekam. Er war gerade zum Beſuch bei ſeinem Freunde, dem Papſte Martin, als er die erſte Nachricht von ent⸗ ſtandenen Unruhen, und nach einigen Stun⸗ den die zweite Poſt von der Ermordung aller Franzoſen hoͤrte. Dieſe Nachrichten machten den ſchrecklichſten Eindruck auf den leiden⸗ ſchaftlichen, jaͤhzornigen Koͤnig. Verſtummt und außer ſich ſtand er einige Minuten da, dann legte er die Hand auf das Crucifix. „So ſchwoͤre ich denn, daß ich der Nach⸗ welt ein Strafexempel geben will, an dem alle Rebellen ſich ſpiegeln ſollen’“— 102 1 Wuͤthend und aufgebracht eilte er ſo⸗ gleich nach Neapel, um die Anſtalten zur Ausfuͤhrung dieſer Rache zu machen. Sein Freund, der Papſt, konnte ihn nicht mit Soldaten, mit Waffen unterſtuͤtzen; aber dafuͤr waͤhlte er ein Mittel, das in den da⸗ maligen Zeiten ſelten ohne die vorher berech⸗ nete Wirkung blieb: er hat ganz Sicilien in den Bann und ſandte ſelbſt den Cardinal Bianchi nach jener Inſel, um dort den Bann und den Fluch gegen die Einwohner zu verkuͤndigen. Carl ſelbſt ging mit einer Armee von faſt hundert Tauſend Mann nach Sicilien. In der Bai von Malaſſo landete er, und ging nun gerade auf Meſſina los, das er im erſten Anfall zu nehmen hoffte. Allein, Lentini war Befehlshaber in dieſer Stadt, und hatte den Einwohnern hinlaͤnglich vorgeſtellt, was ſie zu erwarten haben wuͤrden, wenn der Koͤnig Carl in die 8 103 Mauern ihrer Stadt eindraͤnge. Er ſtellte ihnen vor, daß ihre Tapferkeit das Muſter aller frei gewordenen Sicilianer ſeyn muͤſſe. Entflammt durch ſolche Aeußerungen verſpra⸗ chen ſie, ſich bis auf den letzten Mann zu wehren und ſich lieber unter den Truͤm⸗ mern der Stadt begraben zu laſſen, als dem Feinde die Stadt zu uͤbergeben. Sie hiel⸗ ten Wort. Mit der muthigſten Entſchloſſen⸗ heit vertheidigten ſie jeden Fuß breit Erde und oͤfters wurden die wuͤthendſten Stuͤrme der Franzoſen abgeſchlagen. Aber endlich riß der Mangel an Lebens⸗ mitteln ein, da Carls Heer die Stadt von der Landſeite einſchloß, indeß ſeine Flotte die Meerenge ſperrte. Krankheiten, durch Man⸗ gel an Lebensmitteln und noͤthiger Pflege er⸗ zeugt, riſſen ein; taͤglich wurden Hunderte der braven Vertheidiger begraben und kaum konnten die Uebriggebliebenen die Feſtungs⸗ 104 werke nur noch nothduͤrftig beſetzen. Sich ergeben wollen, hieße ſo viel, als ſich ſelbſt den groͤßten Martern darbieten, da man wußte, wie ſchrecklich der Sieger die Re⸗ bellion raͤchen wuͤrde. 3 Schon war Lentini daruͤber mit der Beſatzung einig, ſich durch das feindliche Heer durchzuſchlagen, als in der Nacht vor der Ausfuͤhrung dieſes Entwurfs ein Ver⸗ kleideter ſich bei Lentini meldete und ihm die Nachricht von der nahen Huͤlfe brachte. Jetzt ſchoͤpfte Alles neuen Muth, und alle Gefahren, alle Muͤhſeligkeiten verachtend, ent⸗ ſchloß man ſich, dieſe Huͤlfe getroſt zu erwar⸗ ten. Die Hoffnung aunh nicht.— Der Koͤnig Peter von Arragonien hatte unter dem Vorwande, die barbariſchen Raub⸗ ſtaaten auf der Kuͤſte von Afrika zu bekrie⸗ gen, ſich mit einer Flotte von vier und 1 * 7 . 105 funfzig Galeeren und mit dreizehn Tauſend der tapferſten Soldaten in See begeben. Roger di Loria, einer der erſten Seehel⸗ den jener Zeit, fuͤhrte dieſe Flotte, die jetzt an Afrika's Kuͤſte war. Hierher kam jetzt der Stifter der ſicilianiſchen Freiheit, Pro⸗ cida, in einem Gefolge der erſten Sicilia⸗ ner und trug dem Koͤnige Peter die Krone der Inſel Sicilien an. Peter nahm dies Erbieten mit Freu⸗ den an. Die Anker wurden gelichtet und ſchon den ſiebenten Tag erſchien ſeine Flotte in der Meerenge Siciliens. Carls Schiffe wurden theils erobert, theils verbrannt und verſenkt; Peters tapfere Arragonier loͤſeten die Beſatzung Meſſina's ab; das Belage⸗ rungsheer Carls wurde geſchlagen; es mußte die Inſel raͤumen, und Peter wurde zum Koͤnige dieſes ſchoͤnen Landes ausgerufen. 106 Vernichtet war Frankreichs Einfluß auf dieſer Inſel, deren Bewohner ſich unter Pe⸗ ters ſanftem Scepter ganz gluͤcklich fuͤhlten. — — — In der Geſchichte der Rebellionen findet ſich gewoͤhnlich darin die groͤßte Aehnlichkeit, daß Ehrgeiz oder Eroberungsſucht einer oder der andern Parthei die Triebfedern ſind; daß oft Maͤchtige und Große den ganzen Gang eines Aufruhrs leiten und gewoͤhnlich dann erſt vortreten, wenn ſie mit Sicherheit handeln koͤnnen; daß weit ausſehende Plaͤne laͤngſt ſchon entworfen ſind, und daß der aufge⸗ brachte wuͤthende Poͤbel gewoͤhnlich nur das Werkzeug iſt, deſſen ſich Maͤchtigere bedie⸗ nen, um die lange vorher ſchon gewuͤnſcht 110 2 Gewalt an ſich zu ziehen; daß Große lange ſchon jeden Schritt berechnet haben, um zu dieſem Ziele, auf Koſten des Fuͤrſten und Landesherrn, zu gelangen. Dies iſt faſt die Geſchichte aller Rebellionen, bei denen man gewoͤhnlich erſt am Ende des großen Trauerſpiels den errathen, den vermuthen kann, der den Faden lenkte und die Rollen des Schauſpiels vertheilte. Ganz anders verhaͤlt es ſich mit zwei merkwuͤrdigen Auftritten in Italien, mit der Rebellion des Maſaniello zu Neapel im Jahr 1647, und mit dem Auflauf, den am 5ten 1 December 1746 ein gewiſſer Lucas in Genua veranlaßte. Beide fingen ohne alle Vorberei⸗ tung an; Beide waren durch nichts eingeleitet; an Beider Spitze ſtanden gemeine Menſchen, die kaum ein Obdach, kaum die Beduͤrfniſſe des Tages beſaßen, und dennoch in Lumpen uͤllt, das Schickſal der volkreichſten Staͤdte 1 111 entſchieden. Beide hatten auf keine andere Staaten Einfluß und Beide hoͤrten eben ſo ploͤtzlich zu wirken auf, als ſie in ihrem Ent⸗ ſtehen unerwartet waren. Beide verdienen einen Platz in der Geſchichte der Tumulte. Carl der Fuͤnfte, der maͤchtigſte unter den deutſchen Kaiſern, der zugleich Koͤnig von Spanien war, der von 1510 bis 1558 re⸗ gierte, war nicht ſo wohl beruͤhmt wegen der Macht, die er beſaß, als vielmehr wegen der edlen Art, mit der er ſie benutzte. Seiner Macht ſich bewußt, fuͤrchtete er Niemand, und am wenigſten ſeine Unterthanen— zu denen auch Neapel gehoͤrte— die mit grän⸗ zenloſem Zutrauen an ihm hingen. Seine Weisheit erhielt die großen Beſitzungen ruhig und ſeine Macht, die nach den Siegen uͤber Frankreich ſich mit jedem Tage vergroͤßerte, ſicherte ſeine Staaten. Ganz verſchieden von ihm dachten und handelten ſeine unweiſern 112. Rachfolger, die Philippe, die ganz von ihren eigennutzigen Miniſtern abhingen, und den Grundſaͤtzen ihres erhabenen Vorfahren entgegen, ſich um nichts weniger, als um die Denkungsart und den Charakter ihrer Voͤlker bekuͤmmerten. 3 Carl hatte durch manche kleinere Vor⸗ rechte, die er jedem Volke gab, Aller Her⸗ zen gewonnen, und beſonders haͤtte er die unruhigern Neapolitaner durch manche Aeuße⸗ rung, durch manchen erlaubten Kunſtgriff zu ſolchen Unterthanen umgeſchaffen, die unbe⸗ dingt mit Treue an ihm hingen. Von allen dieſem thaten feine Nachfolger das Gegen⸗ theil. Die Miniſter, die das ſonſt ſo ſchoͤne, von der Natur verſchwenderiſch ausgeſtattete Land regierten, ließen es ihre Hauptſorge ſeyn, die Koͤnige von dem Beſuche dieſes Reiches abzuhalten und— es gluͤckte ihnen. Von drei Koͤnigen Spaniens kam nicht einer 113 nach Neapel, und die Bewohner dieſes ſcho⸗ nen Landes hatten faſt in hundert Jahren nicht einmal die kleine Freude, ihren Koͤnig in den Graͤnzen ihres Landes zu ſehen; hat⸗ ten nicht einmal den Troſt, ihrem Monar⸗ chen die Klagen uͤber ſo manchen Druck, uͤber ſo manche Ungerechtigkeit vorbringen zu koͤnnen. Die Miniſter waͤhlten oder befoͤrderten wenigſtens den jedesmaligen Vicekoͤnig, und dieſer hielt es nun fuͤr ſeine erſte Pflicht, ſich auf Koſten des ungluͤcklichen Landes dankbar gegen die eigennuͤtzigen Miniſter zu zeigen. Vicekoͤnige und Miniſter waren faſt alle Aus⸗ laͤnder, die weiter kein Band, als das des Eigennutzes und der Habſucht an ein Land band, deſſen Bewohner ſie mit orientali⸗ ſchem Despotismus beherrſchten. Das Ein⸗ zige, worauf ſie ſannen, war das Beſtre⸗ ben, eine gewiſſe Spannung und Uneinig⸗ (8) 114 kiit zwiſchen dem Adel und dem Volke zu erhalten, um durch dies Mißtrauen jede Vereinigung gegen ſie unmoͤglich zu machen. Ein Kunſtgriff, der— wie das die Geſchichte manches Reiches lehrt— ſelten ohne Wir⸗ kung bleibt. Sicherer konnten nun die Vicekoͤnige mit den Miniſtern das Land druͤcken, und ſie thaten dies, ſoͤ gut es nach ihrem Eigen⸗ nutze moͤglich war. Eine Menge druͤckender Abgaben— um ſo druͤckender, da ſie neu waren— wurden hervorgeſucht; Zoͤlle und Wegegelder wurden verpachtet und eben da⸗ durch willküͤhrlich gemacht; und eine Menge erzwungener Geſchenke, die dem Untertha⸗ nen unter allerlei Vorſpiegelungen abgeliſtet wurden, trugen dazu bei, ein Land, das die Natur zu einem der reichſten ſchuf, zu einem Sammelplatze von Bettlern zu ma⸗ chen.— . 1 115 Freilich hatte oft ſchon der Mißmuth des Volkes Miene gemacht, in verzweif⸗ lungsvolle Empoͤrung auszubrechen; aber zum Gluͤcke Spaniens herrſchte jene Uneinig⸗ keit zwiſchen Beguͤterten und Armen; wurden die Stifter einer ſolchen Rebellion, oder auch nur die, die deshalb verdaͤchtig waren, in der Stille durch Vertraute auf die Seite geſchafft; oder es gab unter den Vicekoͤni⸗ gen und Miniſtern Liſtige, die durch Ver⸗ ſprechungen und Erlaß mancher kleinen Ab⸗ gabe, durch Abſtellung mancher fruͤhern har⸗ ten Verordnung dem Sturme vorbeugten. Sie nahmen die Religion zu Huͤlfe, und beſaͤnftigten die aberglaͤubiſche Menge durch den Vorwand, daß ſie nur gezwungen ſo anſcheinend hart regieren muͤßten; ſie rie⸗ then den Unterthanen, ihre Klagen an den Hof zu Madrid ſelbſt ergehen zu laſſen, und — verhinderten durch ihre Goͤnner an die⸗ ſem Hofe, daß je eine Klage dieſer Art zu 116 den Ohren der ſchwachen und thorichten Koͤ⸗ nige kam. Die Verblendung des Madridter Hofes ging ſo weit, daß man es dem Vice⸗ koͤnige Carlos, dem Admiral von Caſtilien, zu einem Verbrechen anrechnete, aus Furcht vor Unruhen, den Neapolitanern einige der unbedeutendſten Abgaben erlaſſen zu haben. Man rief ihn im Jahre 1646 aus Neapel zuruͤck und die Miniſter des Koͤnigs wußten es dahin einzuleiten, daß ihm der Aufent⸗ halt am Hofe verſagt, und dadurch jeder Beruͤhrungspunkt mit dem getaͤuſchten Langze verhindert wurde,— Grtnt bamals der Herzog von Arcos; ein Mann, in allen Kuͤnſten des Hofes bewaͤhrt, ein Mann von unbiegſamen Stolze und uner⸗ ſättlichem Eigennutz. Ob wirkliche Freund⸗ ſchaft der Miniſter dieſen Mann zu dem Poſten eines Vicekoͤnigs in Neapel, dem Ein Liebling des Koͤnigs Philipp war 217 Koͤnige vorſchlug; oder ob man ihn nur von dem Hofe Philipps entfernen wollte, weil er hier Alles galt und durch ſeinen Stolz und Eigennutz die Plaͤne mancher Maͤchtigen ver⸗ nichtete, iſt ungewiß. Genug, er wurde zum Vicekoͤnige von Neapel erwaͤhlt und trat dieſen wichtigen Poſten in einer aͤußerſt bedenklichen Zeit an. Laͤngſt ſchon war Alles in Neapel geſpannt; man trauete keinem Verſprechen mehr, weil keins erfuͤllt wurde; man war erbittert gegen eine Regierung, die nur auf den Untergang, und nie auf den Wohlſtand des Landes dachte; man fing ſchon an, die Summen zu berechnen, die aus Neapel theils nach Spanien, theils in die Schaͤtze der Vicekoͤnige und der Miniſter gegangen waren; man ſah in der Nach⸗ giebigkeit des abgegangenen Vicekoͤnigs Car⸗ los eine große Furcht, und ſo war's natuͤr⸗ lich, daß man von einem Aufſtande alles hoffte, und daß ſelhſt die Wohlhabendern es 118 nicht ungern ſahen, wenn die Mine ſpraͤnge. Nur Eins hielt ab: die Erwartung, wie der neue Vicekoͤnig ſich nehmen werde. .* Der neue Vicekoͤnig kam an. Schon der Glanz, mit dem er einzog, mußte den Neapolitanern zeigen, was ſie in Hinſicht ſeines Stolzes von ihm zu erwarten hatten; mehr noch mußten ſeine Aeußerungen den Ungluͤcklichen ſchrecklich ſeyn, da ſie hoͤrten, daß ſein Eigennutz noch groͤßer ſey, als ſein Stolz. Ihm ſchienen— wie er ſelbſt laut ſagte— die Maßregeln ſeiner Vorgänger noch zu gelinde, und kaum hatte er ſo viel Klugheit, dieſe Aeußerung nicht oͤffentlich bekannt zu machen. Um dieſe Zeit war es, als die Fran⸗ zoſen uͤber Toscana in Neapel einbrechen wollten. Der neue Vicekoͤnig brachte ein Heer und ein Flotte zuſammen; er ſchlug 119 freilich die Feinde zuruͤck, aber dieſe Zuberei⸗ tung hatte ſo viel gekoſtet, daß nicht nur das Eintreiben der alten Reſte, ſondern auch eine neue Contribution von einer Million Ducaten hefohlen wurde. Freilich durften die Staͤnde ſich nicht weigern, ſich zu dieſer Contribution zu verſtehen; wichtiger war die Frage, welche Artikel man jetzt noch mit Ab⸗ gaben zu belegen habe. Alles, ſelbſt das Salz und das Mehl, war ſchon uͤbermaͤßig beſteuert; bloß die gruͤnen Feld⸗ und Gar⸗ tenfruͤchte waren zu der Zeit noch frei; jetzt ſollte die Reihe an dieſe kommen. Aber gerade dies war es, was dem gemeinen Volke am empfindlichſten ſeyn mußte, da hier in dieſem warmen Clima, bei dem uppig fruchtbaren Boden, Obſt und gruͤne Fruͤchte die gewoͤhnlichſte Speiſe ſind. Oefters hatte man ſchon verſucht, Abgaben auf dieſe Erzeugniſſe zu legen; immer hatte man ſie aus Furcht vor unruhigen Auftritten wieder 120 aufgehoben. Kaum war jett der Befehl zu dieſer, einem Jeden doppelt ungerecht ſcheinen⸗ den Steuer gegeben, als das ganze Volk un⸗ ruhig wurde, und als der Vicekoͤnig den ten Januar 1647 zur Kirche fuhr, hielt die Menge den Wagen an und zwang dem Vice⸗ koͤnig das Verſprechen der Linderung dieſer Abgabe ab. Wahrſcheinlich war es ihm mit dieſem Verſprechen kein Ernſt; aber dennoch wurde er einigermaßen beſorgt, als ſich am andern Morgen eine Menge Zettel, in denen das Volk zum Aufruhr aufgehetzt wurde, an den Kirchthuͤren und an den Ecken der Stra⸗ ßen befanden. Dazu kamen zwei Umſtande, die es ihm zur Pflicht machten, die Staͤnde noch einmal zuſammen kommen zu laſſen, und ihnen aufzugeben, eine andere, weniger gehaßte Abgabe auszuſinnen. 3 Siciliens Hauptſtadt, Palermo, war gerade um dieſe Zeit der Schauplatz einer 1 . 12T fürchterdcher Empheung. Das durch die Theurung erbitterte Volk hatte unter der An⸗ fuͤhrung eines gewiſſen Joſeph Alexi die Zeug⸗ haͤuſer gepluͤndert, die Zollbuden und Zoll⸗ huͤcher verbrannt, ſich der Galeeren bemaͤch⸗ tigt, die Sclaven befreiet und den Statthal⸗ ter zu einem ſchimpflichen Frieden gezwungen. Freilich endigte ſich dieſer Aufſtand mit dem Tode des Alexi und mit der Beſaͤnftigung des Volkes; aber man ſah doch, was das Volk ausrichten koͤnne, wenn es ſich, um ſeine Ketten zu zerbrechen, vereinige. Ein zweiter Umſtand, der den Statt⸗ halter vorſichtiger machte, war die unbegreif⸗ liche Verbrennung des Admiralſchiffes, der heiligen Maria, auf welchem eine ungeheure Geldſumme, nach Spanien beſtimmt, nebſt vielen unſchaͤtzbaren Koſtbarkeiten waren. Un⸗ begreiflich war es, daß dieſes ſchoͤne Gehaͤude mit einem Male brannte und mit vierhun⸗ 122 dert Menſchen, und allen Kriegsbedürfniſſen und einer großen Summe Geldes in die Luft flog. Der Statthalter witterte nicht ohne Grund Meuterei, ließ einen Abt Amitrano und ſeinen Bruder Joſeph verhaften und drang mit Ernſt darauf, daß die Staͤnde einen andern Gegenſtand, auf den man die Abgabe zur Anſchaffung der noͤthigen Sum⸗ me legen koͤnne, ausfinden moͤchte. Moͤg⸗ lich, daß hierbei die Abſicht, dem Statt⸗ halter ſchaden zu wollen, im Spiele war; genug, die Staͤnde erklaͤrten, daß es bei die⸗ ſer Abgabe von den Fruͤchten bleiben muͤſſe, indem kein anderer Gegenſtand auszumitteln ſey. Ueberdies haͤtten die Paͤchter dieſer Ab⸗ gabe ſchon ein jaͤhrliches Pachtquantum von ſechzigtauſend Ducaten vorzuſtrecken, erboten. Das Volk, das decgeblich auf Abnahme dieſer Abgabe gehofft hatte, wurde immer ſchwieriger und der Statthalter entſchloß ſich, 123 die Sache durchzuſetzen, indem er die Be⸗ kanntmachung dieſer druͤckenden Verordnung bis zu der Zeit des Einſammlens der erſten Fruͤchte aufſchob. Demungeachtet wurde ſein Wille bekannt, und nun mehrte ſich das To⸗ ben der unruhigen Menge immer mehr. Am Iſten Junius wurden alle Zollbu⸗ den auf dem Markte in Brand geſteckt, und waͤhrend des Tumultes, Joſeph aus dem Ge⸗ faͤngniß befreiet. Dem Poͤbel ſeinen Unwillen fuͤhlen zu laſſen, verbot der Vicekoͤnig die Feier des Johannisfeſtes; ein Verbot, das den Poͤbel immer unruhiger machte. Der ganze Monat Junius verging unter klei⸗ nern Unruhen, die endlich ziemlich aufhoͤr⸗ ten; denn noch war kein Oberhaupt da, und der Mann, der es werden ſollte, gehoͤrte zu einer Claſſe, in welcher man dies nicht ſuchte, noch weniger erwartete, als er ploͤtziich vor⸗ trat, 4 Thomas Aniello, der Sohn eines armen Fiſchers aus Amalſi, ein gewandter, muthi⸗ ger, ſelbſt witziger Menſch, der in außerſter Duͤrftigkeit mit ſeinem Weibe und vier Kin⸗ dern lebte; ein Menſch, der das Unrecht tief fuͤhlte, und in deſſen Herzen der Trieb nach Rache gluͤhete, konnte es nicht vergeſſen, daß er einſt, um die Strafe fuͤr einige einge⸗ ſchwaͤrzte Lebensmittel zu bezahlen, ſeinen nothduͤrftigen Hausrath hatte verkaufen muͤſ⸗ ſen; dieſer ganz unbekannte, unbemerkte Menſch war vom Schickſal dazu beſtimmt, in dieſem großen Trauerſpiel die Rolle des erſten Helden zu uͤbernehmen. Voll des Entſchluſſes, ſich nicht an den Zollbedienten, ſondern an dem Vicekoͤnige ſelbſt zu raͤchen, ging er in eine Kirche, in der das Schickſal ihn bei zwei der beruͤchtig⸗ ſten Banditen fuͤhrte. Dieſe ſahen die Span⸗ nung, in der er war; ſie fragten um die Urſach.—„Ich muß mein Vaterland befrei⸗ en, und ſollte ich daruͤber am Galgen ſter⸗ ben!“ war ſeine Antwort. Freilich war nur ein Blick auf den zerlumpten Anzug, auf die nackten Fuͤße noͤthig, um den Heldenmuth des Bettlers laͤcherlich zu finden; aber als Maſaniello— wie er gewoͤhnlich genannt wird— mit gluͤhenden Augen, mit ent⸗ ſchloſſenem Geſicht ſagte:„Haͤtte ich nur zwei oder drei brave Kerls, die es treu mit mir meinten; bei Gott, ich wollte bald zei⸗ gen, wer ich bin und was ich vermag.“— Da wirkte ſein Entſchluß auf dieſe beiden Kuͤhnen. Vor einem nahen Marienbilde ſchwuren ſie ihm Beiſtand.—. Jetzt war Maſaniello's einzige Beſchaͤf⸗ tigung, an die Ausfuͤhrung ſeines Planes zu denken. Er hetzte alle Obſthaͤndler auf, und brachte es wirklich dahin, daß einigemal die Zolleinnehmer vergebens auf den Obſtmarkt 126 kamen. Jett lehrte er den Kindern aus den niedrigen Staͤnden Lieder, durch deren Abſin⸗ gung ſie die Gemuͤther noch mehr erhitzten; und endlich warf er ſich bei den Spielen der Lazaroni zu deren Anfuͤhrer auf. Es war die Gewohnheit, daß an dem Feſte Maria del Carmine dieſe Horde ſich in zwei Haufen theilte, deren einer im Anzuge der Tuͤrken ein dazu aufgerichtetes hoͤlzernes Haus beſetzte; indeß der andere Theil in Matroſenkleidung dieſe Feſtung belagerte. Es war eine Art Volksfeſt, deſſen Anblick ſelbſt den gebildetern Staͤnden Vergnuͤgen und Un⸗ terhaltung gewaͤhrte. Mehrere Sonntage vor⸗ her pflegten die Angreifer in der Stadt um⸗ her zu ziehen, um Almoſen und Beitraͤge zu der Feier des Feſtes zu ſammeln. So kam man jetzt vor den Pallaſt des Vicekoͤnigs, der mit mehreren Vornehmen auf dem Bal⸗ kon ſtand, um den Deputirten zu erwarten, 127 der die Beitraͤge abholen ſollte. Aber, wie mußte es dem Vicekoͤnig auffallen, da nicht nur Niemand kam, ſondern da der ganze Haufe unter Spottreden und unter lautem Geſchrei vorbeizog. Beſſer haͤtte der Vice⸗ koͤnig gethan, wenn er hier weniger großmuͤ⸗ thig gedacht, und nicht uͤber den ganzen Han⸗ del gelacht haͤtte. So kam der ſiebente Ju⸗ lius, und mit ihm der Tag des letzten Auf⸗ zuges vor dem Kampfſpiele. Maſaniello fand ſich mit ſeinem Haufen wieder auf dem Markte ein. Er dachte nicht an die Ausfuͤhrung ſei⸗ nes Planes, wenigſtens fuͤr heute nicht, als der Zufall mit einem Male die Buͤhne zu dem großen Trauerſpiel eroͤffnete.— Zwiſchen einem Feigenhaͤndler und einem Kaͤufer derſelben war ein Streit entſtanden, welcher von beiden die feſtgeſetzte Abgabe be⸗ zahlen ſolle. Der Streit verbreitete ſich uͤber den ganzen Markt, haufenweiſe draͤngte ſich das Volk zuſammen; als eine obrigkeitliche Perſon, die uͤber die Sache entſcheiden ſollte, das Urtheil zum Vortheil des Kaͤufers aus⸗ ſprach und den, ſeine Unzufriedenheit laut äußernden Gaͤrtner mit der Galeere bedrohete. Dies Urtheil brachte den ſo ſchon wuͤthenden 1 Gaͤrtner außer ſich.—„So moͤgen meine Feigen,“ rief er aus,„eher jedem Andern zur Speiſe dienen, als daß dieſe Hunde, die Zoͤllner, die uns bis auf's Blut ausſau⸗ gen, Nutzen davon haben!“— Mit dieſen Worten ſtieß er den Korb um; die Feigen rollten auf dem Erdboden umher. 25 Das Aufſammeln vermehrte den Laͤrm; da trat Maſaniello vor, umgeben von ſei⸗ nem Anhange, und rief mit lauter Stimme: „Keine Steuern mehr!“— Mit einem Male rief das Volk dieſe ſo lange gewuͤnſchten Worte nach; der Aufſeher der Abgaben wollte ſprechen, Maſaniello warf ihm einige, ihm 129 bargereichte Feigen in's Geſicht; laut lachend folgte das Volk dieſem Beiſpiele; man ſtuͤrzte uͤber die Zollbedienten her, kaum konnten dieſe entfliehen, und der Aufſeher war der Erſte, der ſogleich zum Vicekoͤnig eilte, um ihm Nachricht von dem Aufruhr zu geben. „Es iſt ein Auflauf muͤßiger Gaſſenbuben!“ ſagte der Vicekoͤnig.„In wenig Augen⸗ blicken iſt alles vorbei!“ Er hatte ſich ge⸗ irrt. Maſaniello ſahe kaum die Stimmung des Poͤbels, ſahe kaum die Flucht der furcht⸗ ſamen Zollbedienten, als er fuͤhlte, daß der Plan jetzt ausgefuͤhrt werden muͤßte. Er ſprang auf einen der Markttiſche. Mit gluͤ⸗ henden Augen, mit ſtarker Stimme rief er der Menge zu, daß er ſie befreien werde. Er beſchwor ſie, muthig zu ſeyn.„So wie,“ ſetzte er hinzu,„ein Fiſcher, der Apoſtel Pe⸗ trus, Rom gegruͤndet, und die Welt aus des (9) 130 Satans Ketten befreiet habe, ſo werde er, ein Fiſcher, Neapel aus der Sklaverei ber Spanier befreien.“ Seine Rede riß Alles hin. Tauſende ſchloſſen ſich an ihn. Die Zollbude auf dem Markte mit allen Schriften wurde in Brand geſteckt. Die Buden in den andern Straßen hatten das naͤmliche Schickſal. Keiner nahm Geld, oder Geldeswerth; wie ein Strom wuchs die Menge anz halbnackte, mit Lum⸗ pen behangene, mit Stangen bewaffnete, den Wilden aͤhnliche Maͤnner brachen nun die Gefaͤngniſſe auf, deren Bewohner ſich anſchloſſen, und ſo zog der fuͤrchterliche Haufe, der ſich mit jedem Schritte vermehrte, zum Palaſt des Vicekoͤnigs. Waͤre der Vicekoͤnig weniger Hofmann, und mehr Soldat geweſen, ſo haͤtte er be⸗ ſtimmt dem ganzen Aufruhr Grenzen ſetzen, 131 und die Rebellen in ihre Schranken zuruͤck⸗ weiſen koͤnnen. Denn immer noch fehlte den Empoͤrern ein allgemein anerkanntes Ober⸗ haupt, und Tauſende von ihnen hatten ſich an den Haufen angeſchloſſen, ohne ſelbſt zu wiſſen, wen ſie fuͤr ihren Befehlshaber aner⸗ kennen ſollten. Die ganze Bewaffnung be⸗ ſtand aus Pruͤgeln, die gegen Feuergewehr gar nicht in Anſchlag kommen konnten. Ueberdies hatten die wenigſten der Rebellen eigentlich Muth. Haͤtte der Vicekoͤnig die aus alten deutſchen und ſpaniſchen Soldaten beſtehende Beſatzung gegen dieſen wilden re⸗ gellofen Schwarm anruͤcken, haͤtte er ſcharf auf den Haufen feuern laſſen, ſo haͤtten vierzig oder funfzig Todte zu ſtarken Ein⸗ druck gemacht und die ganze Schaar haͤtte muthlos den Kampfplatz verlaſſen, auf den wahrer Heldenmuth die wenigſten von ihnen gefuͤhrt hatte. Dies war der Rath, den ſelbſt die Gemahlin des Vicekoͤnigs gab; ein Rath, der dem ehemaligen Hofmanne doch zu gewagt ſchien. Sein Muth verließ ihn. Faſt wider ihren Willen mußte ſeine Gemah⸗ lin in das ſogenannte Caſtell fluͤchten, und man zog hinter ihr die Bruͤcke auf, als be⸗ fuͤrchte man eine Belagerung. Unruhig irrte der Vicekoͤnig im Pallaſte umher; bald ſuchte er einen Winkel, ſich zu verbergen; bald einen Ausweg zur Flucht. Bald zeigte er ſich an dem Fenſter, und rief dem Volke das Verſprechen der Verminde⸗ rung der Abgaben zu; bald verließ ihn vol⸗ lends der Muth, da er ſah, daß das Volk danach nicht hoͤrte.— Mehrere Hundert dran⸗ gen in den Pallaſt ſelbſt ein; die Wachen wurden uͤber den Haufen geworfen, des Vicekoͤnigs Zimmer wuͤrden erbrochen ſeyn, er wuͤrde ſein Leben eingebuͤßt haben, haͤtte ſich nicht in eben dieſem Augenblicke der groͤ⸗ ßeſten Gefahr eine Mittelsperſon einseſanden. 133 Tiberio Caraffa, Prinz von Beſignano, Feldmarſchall des Neapolitaniſchen Heeres, war lange ſchon ſeiner milden Freundlichkeit und ſeines rechtlichen frommen Benehmens wegen, der Liebling des ganzen Volks. Jetzt wandten ſich die Erſten der Anfuͤhrer an ihn, und baten um ſein Fuͤrwort, daß dem Lande die alten Vorrechte der Zeiten unter Carl dem Fuͤnften wieder gegeben werden moͤchten. Um den ganzen Schwarm vom Pallaſte zu entfernen, ſetzte er ſich zu Pferde, nachdem ihm der Vicekoͤnig Vollmacht zum Unterhandeln gegeben hatte, und fuͤhrte die Menge auf den entlegenen großen Platz vor der Kirche Maria del Carmine; die Kirche war klein, nur ein geringer unbedeutender Theil der Rebellen konnte hinein kommen. Mit dem Crucifixe in der Hand beſtieg der Prinz die Kanzel und verſprach feierlich die Abſchaffung des Fruchtzolls. 134 Vielleicht waͤren die Aufruͤhrer mit die⸗ ſem Erbieten fruͤher zufrieden geweſen, jetzt hatten ſich Maſaniello's Grundſaͤtze zu allge⸗ mein verbreitet; jetzt, da man in dem Nach⸗ geben des Statthalters Schwachheit und eine Aufforderung zu neuen Erleichterungen ſah. Jetzt foderte man die Abſchaffung des Mehl⸗ und Fleiſchzolls. Des Prinzen Voll⸗ macht ging ſo weit nicht. Sich ſicher zu ſtellen, erklaͤrte er, daß er mit dem Statt⸗ halter daruͤber erſt ſprechen muͤſſe. Unmuthig wandte ſich der Haufen wieder nach dem Pallaſte. Der Statthalter ſah die Aufruͤhrer kommen, und hatte auch jetzt nicht den Muth, ſich an die Spitze ſeiner Garden zu ſtellen, deren Befehlshaber ihre Beredtſamkeit ver⸗ ſchwendeten, ihn zu einem Angriffe zu bewe⸗ gen. Der Poͤbel rief ihm ſchon von ferne zu, daß er alle, alle Abgaben erlaſſen ſollte. „Alle Abgaben kann und darf ich nicht er⸗ laſſen; aber mindern will ich alle!“ Dies 135 war die Antwork, die er ſchuͤchtern und aͤngſtlich gab. Die Aufruͤhrer wurden drei⸗ ſter; ſie ſtuͤrzten von neuem in den Pallaſt. Fuͤr ſein Leben beſorgt, entfloh der Statthalter durch eine verborgene Thuͤr— er wollte nach dem Caſtell Elmo, denn die Zugbruͤcke des neuen Caſtells war aufgezo⸗ gen— und ſaß ſchon in einer Kutſche, als der Poͤbel ſeine Abſicht merkte, die Straͤnge der Pferde abhieb, und den Statthalter un⸗ ter den groͤßeſten Beleidigungen und Beſchim⸗ pfung zwang, aus dem Wagen zu ſteigen. Ungeachtet der Freude, mit welcher ein gro⸗ ßer Theil des Poͤbels dies aufnahm, wuchs dennoch die Lebensgefahr des Statthalters augenblicklich, denn bei weitem der groͤßere Theil wurde in ſeinen Forderungen, um Ab⸗ ſchaffung aller Abgaben, deſto ungeſtuͤmer, je huͤlfloſer der Statthalter in der Mitte des Pobels ſtand. Da fiel dem Statthalter ein 136 7 ſelten truͤgendes Mittel ein, einige hundert Ducaten, die er auf den Nothfall eingeſteckt hatte, unter die zunaͤchſt um ihn Stehenden zu werfen. Dieſer Kunſtgriff rettete ſein Leben. Seine Vertrauten brachten ihn ohne Hut und Degen, mit dem Mantel eines Bedienten bekleidet, aus dem Gedraͤnge in die dem Pallaſte gegenuͤber liegende Ludwigs⸗ Kirche. Nichts iſt dem katholiſchen Poͤbel ſonſt heiliger, als ſeine Tempel; dies wußten des Statthalters Freunde, und daher brachten ſie ihn an einen Ort, an dem er ihrer Mei⸗ nung nach ſicherer war, als im Palaſte ſelbſt. Aber— man taͤuſchte ſich in dieſer Vorausſetzung. Rache war ſtaͤrker als alle Achtung gegen das Heilige. Die Aufruͤhrer traueten den Verſicherungen nicht, die der Statthalter gegeben hatte; ſie erbrachen die Kirche, und ſchrecklich wuͤrde das Loos des 137 Statthalters geweſen ſeyn, haͤtte er nicht unverhofft in der Perſon des herzueilenden Erzbiſchofs von Neapel, des Cardinals Filo⸗ marino, einen Retter gefunden. Ehrwuͤrdig durch ſein Alter, geachtet wegen ſeines Le⸗ bens, geliebt von Allen, weil man wußte, daß er oft dem Statthalter das Wohl des Volkes dringend und nachdruͤcklich empfohlen hatte, ſtand er da vor der Menge, die, ſo bald ſie ihn erblickte, ruhiger wurde, und mit Verlangen ſeine Aeußerungen erwartete. Einer aus ſeinem Gefolge mußte auf ſeinen lauten Befehl zum Vicekoͤnig gehen und ihm den Rath des Erzbiſchofs uͤberbringen, dem Volke nachzugeben, und dies, von dem Statthalter eigenhaͤndig geſchrieben, zuruͤckzu⸗ bringen. Es geſchah. Der Cardinal fuͤhlte ſich gluͤcklich im Beſite dieſes wichtigen Actenſtuͤcks, er zeigte es dem Volke, und, um den Poͤbel von der Kirche zu entfernen, erbot ſich, dieſe gewuͤnſchte Befreiungsacte auf dem Markte 138 vorzuleſen. Mit einſtimmigem Jubel antwor⸗ tete man ihm. Er beſtieg ſeinen Wagen, die Anfuͤhrer des Tumults zogen ihn nach dem Markte. Groß war die Freude, groß die Erwartung; aber deſto empoͤrender war die Taͤuſchung, da man hoͤrte, daß der Statthal⸗ ter nur die eine Haͤlfte der Abgaben erlaſſen wolle, um der andern deſto gewiſſer zu ſeyn. Laut ſchrieen die naͤchſten uͤber ſchaͤndlichen Betrug— fuͤrchterlich wiederholten die Tau⸗ ſende dies Wort— Alles rief, daß man nun berechtigt ſey, das Verlangte mit Gewalt zu fodern, und der Sturm wurde wuͤthender, als er je geweſen war. Der Erzbiſchof war außer ſich. Ver⸗ drießlich uͤber das Benehmen des Statthal⸗ ters wollte er noch das letzte Mittel verſu⸗ chen, den kuͤhnen Maſaniello auf ſeine Seite zu ziehen. Er bot ihm ein Jahrgehalt von mehr als zweitauſend Scudi an, und hoffte, daß dies Erbieten mit Freuden von einem Manne angenommen werde, deſſen aͤrmliche Habſeligkeit kaum einige Seudi werth war. Aber, wie ſchrecklich mußte ihm der halb⸗ nackte Bettler werden, da er hoͤrte, daß nichts in der ganzen Welt ihn vermoͤgen werde, das Gluͤck ſeiner Mitbuͤrger zu ver⸗ kaufen.„Geht der Vicekoͤnig meine Fode⸗ rungen ein,“ fuhr Maſaniello fort,„ſo wuͤrde er der getreueſte Unterthan ſeyn. Weigert er ſich, ſo—“ Maſaniello ſchwieg bei dieſen Worten, mit einem Blick, der ihm des Cardinals Achtung und Ehrfurcht gewann.— Die Zeit der Entfernung des aufruͤhreriſchen Poͤbels hatte der Statthalter zum Entweichen auf das Caſtell Elmo benutzt. Von hier ging er, beguͤnſtigt vom Dunkel des Abends, geſchuͤtzt von einem großen Theile der Beſatzung, auf das neue Eaſtell. Wuͤthend drang der Hau⸗ 140. fen nach der Ludwigskirche, und von da, als man den Vicekoͤnig nicht fand, nach dem Pallaſte. Die Wachen wurden entwaffnet, die Gefaͤngniſſe geoffnet, und das große Mehl⸗ magazin wurde mit allen ſeinen Vorraͤthen in die Aſche gelegt. Noch hatten die Empoͤrer immer kein eigentliches Oberhaupt gehabt. Sie hatten darauf gerechnet, daß der Fuͤrſt von Caraffa, oder irgend ein anderer vornehmer Neapoli⸗ taner, die alle das Spaniſche Joch nur ge⸗ zwungen trugen, ſich an ihre Spitze ſtellen werde; aber alle dieſe waren zu feige, hatten zu wenig Aufopferungsgeiſt, um etwas Gro⸗ ßes fuͤr die, ſehr wahrſcheinlich einen gluͤckli⸗ chen Ausgang nehmende Befreiung des Va⸗ terlandes zu wagen, und hielten es fuͤr gera⸗ thener, ſich durch Flucht oder Verborgenheit zu ſichern. Jetzt ſah die Menge ein, wie nothwendig ein Oberhaupt ſey, und ein⸗ 141 N ſtimmig waͤhlten die Tauſende den Mann, deſſen kuͤhger Geiſt den Plan laͤngſt ſchon entworfen hatte, den Maſaniello. Er ließ ſich willig dazu finden, und ſchon die erſten Schritte auf dieſer neuen ſchluͤpfrigen Bahn bewieſen, daß er dieſem Poſten gewachſen ſeyn muͤſſe. Er befahl ſogleich, daß Alles bei der jetzt einbrechenden Nacht ſich bewaffnen ſollte; zu ſeinen Gehuͤlfen waͤhlte er den Prieſter Ge⸗ nuino und einen Banditen, Perrone. Ueber⸗ all ſtellte er Poſten und Wachen aus, und verbot nicht nur aufs ſtrengſte alle Beein⸗ traͤchtigung der Buͤrger, ſondern ließ es auch ungeſtraft hingehen, daß einige von ſeinen Anhaͤngern im Hauſe eines Buͤrgers, das ſie pluͤndern wollten, erſchlagen wurden. Er ſelbſt viſitirte die Poſten, und ließ, um den Dienſteifer ſeines buntſcheckigen Heeres zu pruͤfen, mitten in der Nacht Sturm ſchlagen. 142 Seinen Maaßregeln war es zuzuſchreiben, daß ſelbſt waͤhrend der Gaͤhrung in der Stadt Sicherheit des Eigenthums und Ruhe in den friedlichen Wehnungen der Buͤrger herrſchte. unruhiger aber und aͤngſtlicher war man in dem neuen Caſtell. Der Rath und die Anhaͤnger des Statthalters waren freilich hier verſammelt; aber bei der ſchrecklichen Ausſicht, die der kommende nahe Tag ge⸗ waͤhrte, wußte Niemand zu rathen. Ein wuͤ⸗ thendes aufgebrachtes Volk, eine Stadt, die laͤngſt ſchon der ſpaniſchen Bedruͤckung muͤde war ein Adel, der bei jeder Gelegenheit ſich zuruͤckgeſetzt ſah gegen. Abentheurer, die jen⸗ ſeits des Meeres hergekommen waren; die einzelnen Regimenter der Spanier und Deut⸗ ſchen im Lande umher zerſtreut; keinen Bun⸗ desgenoſſen, auf den man ſich verlaſſen konn⸗ te; an deren Stelle die immer noch im nahen 143 Kirchenſtaate ſtehenden Franzoſen; kein Zu⸗ fluchtsort, als drei elende Caſtelle mit ver⸗ fallenen Werken und ohne Lebensmittel;— dies war das ſchreckliche Gemaͤlde, das dem Statthalter, dem gekraͤnkten, oͤffentlich be⸗ ſchimpften, heimlich gehaßten Statthalter alle Beſonnenheit, alle Zuverſicht auf einen gluͤck⸗ lichen Ausgang rauben mußte. Noch ein⸗ mal verſuchten es ſeine Landsleute und die Befehlshaber der Garde, ihn zu uͤberzeugen, daß er gerade in dieſer Verlegenheit zu einem muthigen Entſchluſſe, die zuſammengelaufenen Horden mit ſeinem Militair zu zerſtreuen, ſeine Zuflucht nehmen muͤſſe. Allein— ver⸗ gebens. Er war zaghaft, und wurde aus Furcht— haͤmiſch. Es iſt ihm zu verzei⸗ hen, wenn er in dieſer Unruhe die Herzen des Volks durch Nachgiebigkeit zu gewinnen ſuchte; wenn er noch waͤhrend der Nacht die Abgaben vom Obſt und Fruͤchten aufhob; wenn er aus Beſorgniß groͤßerer Gefahr alle 144 Pulvervorraͤthe in der Stadt mit Waſſer zu begießen befahl; wenn er die Wachen auf jedem gefaͤhrlichen wichtigen Poſten verſtaͤrken ließ; wenn er nach den von der Hauptſtadt entfernten Garniſonen den Befehl, einzu⸗ ruͤcken, nach Madrid und Rom Bittbriefe um ſchleunige Huͤlfe ſandte; aber ein Beweis ſeines niedrigen gemeinen Charakters bleibt es, daß er ſeine Hoffnung darauf ſette, Zwieſpalt zwiſchen dem Adel und dem Volke zu erregen, und eine Claſſe der andern ver⸗ daͤchtig zu machen. Das beſte Mittel dazu ſchien ihm— eine Geſandtſchaft an das Volk, zu der er zu gleicher Zeit den Erzbiſchof und den bisher gefangenen Herzog von Matalone waͤhlte. Der Erzbiſchof war von dem Volke faſt an⸗ gebetet; aber deſto verhaßter war er dem Adel, beſonders der Familie Matalone. Froh und gluͤcklich fuͤhlte ſich der Herzog, da er 145 ſeiner Haft entlaſſen war; froh und gluͤcklich kehrte er in ſeinen Pallaſt, mit dem Auftrage vom Statthalter zuruͤck, ſein Anſehen dahin zu verwenden, das aufgebrachte Volk zu be⸗ ruhigen. In eben der Minute ſchrieb der Vicekoͤnig an den Erzbiſchof, wie wenig er den Adel, beſonders dem Hauſe Matalone, traue, und bat ihn, dem Volke Mißtrauen gegen den Adel beizubringen. Ein Streich, der nicht ganz ohne Wirkung bleiben konnte. Der ſchreckensvollſte Tag fuͤr Neapel brach jetzt an. Aus der ganzen Umgegend erſchienen jetzt die Landleute bewaffnet. Alle Geſchaͤfte waren gehemmt; ſelbſt ein Befehl des Erzbiſchofs zu einer feierlichen kirchlichen Proceſſion wurde nicht befolgt, und ungehoͤrt laͤuteten die Glocken zu der Verſammlung. Mehr als hunderttauſend Empoͤrer waren jetzt auf den Beinen; auf Maſaniello's Be⸗ fehl wurden fuͤnfhundert von Puzzuolo ein⸗ (10) 146 ruͤckende Deutſche angegriffen und aufgeho⸗ ben. Die Haͤuſer derer, die durch Bedruͤ⸗ ckungen reich geworden waren, wurden jetzt gepluͤndert und vernichtet mit allen Reichthuͤ⸗ mern, an denen keiner der halbnackten Em⸗ poͤrer ſich vergriff, ſondern Alles verbrannte. Mit beiſpielloſer Strenge wurden auf Maſa⸗ niello's Befehl die Aufruͤhrer beſtraft, die auch nur die geringſte Kleinigkeit fuͤr ſich behalten wollten. Vier und achtzig Pallaͤſte wurden in dieſen ſchrecklichen drei Tagen der Erde gleich gemacht; der Werth von Millionen ward vernichtet, und keiner der Empoͤrer, — mochte es ihm auch an der geringſten Muͤnze fehlen, ſich ein Brodt zu kaufen— wagte es, ſich in dieſem allgemeinen Gewirre zu bereichern. Selbſt die Kloͤſter mußten die ihnen zum Aufbewahren anvertraueten Sa⸗ chen herausgeben, um ſie vernichten zu koͤn⸗ nen. So wollte es Maſaniello. Aber an keinem der Beſitzer jener Pallaͤſte und Sachen 147 vergriff man ſich; denn uͤber dieſen Punkt hatte Maſaniello kein Gebot gegeben, Der Herzog, von Matalone war indeß auf dem Markte unter den Aufruͤhrern er⸗ ſchienen. Seine erſte Frage war nach Ma⸗ ſaniello, den er bald fand. Freilich hatte der Statthalter nach ſeinen haͤmiſchen Grund⸗ ſätzen durch Vertrauete das Volk gegen den Herzog mißtrauiſch gemacht; demungeachtet hoͤrte Maſaniello des Herzogs Vortrag ruhig an. Seine Antwort war kurz und buͤndig. „Wir verlangen die Zeiten Carls des Fuͤnf⸗ ten,“ ſagte er.„Was ſeit dieſer Zeit uns aufgelegt iſt, ſoll aufgehoben werden.“ Der Herzog ging zu dem Vieekoͤnig, ihm dies Verlangen des Volks bekannt zu 1 machen. Er kam mit einer vom Statthal⸗ ter unterzeichneten Acte zuruͤck, die alle ſeit Carls Zeiten gemachten Auflagen widerrief. 14838—. Jetzt kam einer aus den Aufruͤhrern auf den Gedanken, das Original jener Acte zu ſehen, in welcher Carl der Fuͤnfte die Auflagen des Volks beſtimmt haben ſollte. Mit lautem Geſchrei verlangte dies der ganze Haufen, und der Herzog— mochte er vor⸗ ſtellen, was er wollte— ſah ſich gezwungen, noch einmal zum Statthalter zuruͤckzugehen, um jenes Original zu holen. Moͤglich, daß kein ſolches Original vor⸗ handen war; moͤglich, daß der Statthalter s verheimlichte; genug, er ließ in der moͤg⸗ lichſten Eile ein falſches Document ſchmie⸗ den, ließ ein ausgeſchnittenes Siegel des Kaiſers darunter kleben, und ſandte nun mit dieſem Machwerk den Herzog unter das Volk, nachdem ſeine Vertraueten ſchon den Aufruͤh⸗ rern zu verſtehen gegeben hatten, daß der Herzog auf Betrug ausgehe. Kaum hatten Maſaniello und Genuino das Actenſtuͤck ge⸗ 149 ſehen, als ſie gleich den Betrug entdeckten, und laut:„Verrath! Verrath!“ riefen. Wuͤthend ſiel die Menge uͤber den Un⸗ gluͤcklichen her; er wuͤrde das erſte Opfer des Aufruhrs geworden ſeyn, haͤtte nicht der fruͤher in Verbindung mit dem Herzoge ge⸗ ſtandene Bandit Perrone ſich ſeiner ange⸗ nommen und ihn in ſo fern gerettet, daß der in Ketten gelegt, und, ſeinem Beſchuͤtzer anvertrauet, in ein Gefaͤngniß gebracht wur⸗ de, um ſeine Sache nach geendigtem Auf⸗ ſtande vor Maſaniello gerichtlich unterſuchen zu laſſen. Beiſpiellos war in Neapels Geſchichte ein ſolches Benehmen gegen einen der Erſten des Adels. Beſtuͤrzt ſtand dieſe Caſte bei dieſer Nachricht; ſelbſt der Statthalter nahm die Miene des Verlegenen, des Beſtuͤrzten an, ob er ſich gleich im Herzen uͤber dieſen if 4 4 5 150 gelungenen Streich freuete. Matalone hatte einen Freund, den Herzog von Rocello, einen ſanften, uͤberall geliebten Mann. Durch Vorſpiegelungen wußte ihn der Statthalter dahin zu bringen, ſich bei dem Volke ſeines gefangenen Freundes anzunehmen. Um dies deſto leichter zu erreichen, mußte Rocello dem Volke eine nochmalige Copie von jenem Befreiungsbriefe anbieten. Aber gerade das geſchah, was nach des Statthalters Plan geſchehen ſollte: das Volk ſah in dieſem Er bieten eine neue Falle, und der Adel wurde immer verdaͤchtiger. Kaum konnte Rocello ſein Leben retten, als das Volk, durch jene Aeußerung noch argwoͤhniſcher gemacht, ihn morden wollte. Der Adel war nun, da das Volk ihm nicht trauete, um ſeiner eigenen Exiſtenz willen gezwungen, ſich an den Statthalter anzuſchließen, der immer noch hoffte, daß der 151 ganze Schwarm des Volkes, ohne ein eigent⸗ liches Oberhaupt, bald aus einander gehen werde. In unthaͤtiger Ruhe erwartete er dies; indeß Maſaniello Alles that, ſich auf ſeinem Poſten furchtbar zu machen. Er ließ der ganzen Buͤrgerſchaft befehlen, ſich in wehrhaftem Stand zu ſetzen; er ließ nach Kriegsbeduͤrfniſſen Hausſuchung thun, und fand bei einem Kaufmann neunzehn verpfaͤn⸗ dete Kanonen; noch mehrere entdeckte man auf den in dem Hafen liegenden Schiffen; — ein Genueſer lieferte ihm viertauſend Flin⸗ ten— er verordnete Kriegsuͤhungen, ſetzte Anfuͤhrer und Hauptleute an, und war bei allemn, was geſchah, immer ſelbſt zugegen. Streng hielt er auf Befehle. Mit jedem Augenblick wuchs ſein Anſehen, und der halbnackte Bettler, den vor vier und zwan⸗ zig Stunden Niemand kannte, ſah ſich jetzt von faſt einer halben Million Menſchen ge⸗ fuͤrchtet. — 1 152 Aber jetzt, da er den hoͤchſten Gipfel ſeines Anſehens erreicht zu haben ſchien;— jetzt, da er Alles that, was er nur thun konnte,— jetzt drohete ihm das Gefaͤhrlichſte — Verraͤtherei. Maſaniello hatte die Auf⸗ ſicht uͤber den gefangenen Matalone, einem ſeiner erſten Vertraueten, dem Perrone, an⸗ vertrauet. Dieſer Menſch— fruͤher Bandit und Raͤuber— hatte ſich gern und willig an Maſaniello geſchloſſen; aber jetzt ſahe er bald, daß ſeine Plaͤne das Gegentheil von den Entwuͤrfen Maſaniello's waren. Dieſer wollte ſein Vaterland bloß befreien; Peronne wollte rauben und in dieſer allgemeinen Ver⸗ wirrung einen Spielraum fuͤr ſeine Habſucht finden. Getaͤuſcht in ſeinen boshaften Entwuͤr⸗ fen haßte er jetzt den Maſaniello mehr, als den Statthalter, und nach ſeinen Banditen⸗ grundſaͤtzen koſtete es ihm zur Erreichung 153 ſeiner Abſicht nur die unbedeutende Kleinig⸗ keit, den Maſaniello zu morden, und ſich dann den Einfluß dieſes allgemein Gefuͤrchte⸗ ten zu verſchaffen. In eben der Zeit, da er uͤber dieſen Plan bruͤtete, hatte der eben ſo nichtswuͤr⸗ dige Herzog von Matalone im Gefaͤngniß die beſte Zeit, einzuſehen, daß er von dem Statt⸗ halter ſelbſt in die Falle gefuͤhrt ſey. Natuͤr⸗ lich, daß er nun Beide, den Statthalter, wie den Maſaniello, in gleichem Grade haßte; natuͤrlich, daß mit ſeiner Rachbegierde ſein Stolz ſich verband; natuͤrlich, daß mit ſeiner Rachbegierde ſein Stolz ſich verband; natuͤr⸗ lich, daß er auf Mittel ſann, dieſe beiden Leidenſchaften zu befriedigen. Das ſicherſte Mittel ſchien ihm eine Verbindung mit Per⸗ ronne, den er ſchon fruͤher als einem Ban⸗ diten ſeiner naͤhern Bekanntſchaft werth ge⸗ halten hatte. Mit dem Verſprechen von 4 —— — — zwoͤlftauſend Zechinen gewann er dieſen Bu⸗ ben bald. Maſaniello's Tod war beſchloſſen. Ein teufliſcher Plan war entworfen, und theils zum Beweiſe, wie ſehr Matalone auf den Banditen rechnen koͤnne— theils um dieſen Entwurf deſto ſicherer ausfuͤhren zu koͤnnen— ließ Perrone den Gefangenen ent⸗ wiſchen. Maſaniello's zweiter Vertrauter, Ge⸗ nuino, fruͤher Moͤnch, und jetzt als ein aus dem Kloſter Gejagter, hatte von dem Unter⸗ nehmen Maſaniello's faſt eben die Folgen er⸗ wartet, mit denen Perrone ſich geſchmeichelt hatte, Getaͤuſcht in ſeinen Erwartungen, wurde er jetzt verdrießlicher, und dieſe Stim⸗ mung entging den Spionen des Statthalters nicht. An ihn ſich zu wenden, hielt der Statthalter nicht fuͤr elſtehrend; er trug ihm eine große Geldſumme und ein bequemes Le⸗ ben an, und ſo wurde der zwei und achtzig⸗ 155 jaͤhrige Greis— ein Verraͤther. Der dritte Tag des Aufruhrs brach an, und der un⸗ ſchuldige, ſeinen Anhaͤngern das Beſte zu⸗ trauende Maſaniello, ahnte nichts von allem dem, was ſo ſchrecklich uͤber ſeinem Haupte ſchwebte. Die Unruhe im Volke nahm an dieſem Tage immer zu. Man drang immer mehr auf die Auslieferung jenes wichtigen Privile⸗ giums Carls des Fuͤnften, auf welches Ma⸗ talone erſt recht aufmerkſam gemacht hatte, und welches der Statthalter immer noch ver⸗ weigerte. Maſaniello ſah ein, daß er ſich in noch groͤßeres Anſehen ſetzen muͤßte, und daß Hes noͤthig ſey, ſich irgend eines haltbaren feſten Poſtens in der Stadt zu bemaͤchtigen. Der beſte Poſten war der Thurm des Lorenz⸗ kloſters. Er beſtrich nicht nur den ganzen Markt, ſondern kennte auch wegen ſeines ſchoͤnen Gelaͤutes am beſten zum Sammel⸗ 156 platze und zum Signale dienen. Gleich im Anfange der Unruhe hatte ihn der Statthal⸗ ter mit ſechzig der tapferſten Spanier beſetzt, und jetzt eilte Maſaniello, ſich dieſes wichtigen Poſtens zu bemaͤchtigen. Nach dreiſtuͤndigem Angriff war er in ſeiner Gewalt, denn die ſchwache Beſatzung konnte dem Angriff einer unuͤberſehbaren Menge, die mit Artillerie und Musketen anruͤckte, unmoͤglich widerſtehen. Großmuͤthig ſchenkte Maſaniello der Beſatzung das Leben. Wichtig war der Poſten fuͤr ihn. Er fand einen großen Vorrath von Kriegsbeduͤrfniſſen, und ſechzehn Kanonen, die er ſogleich dazu gebrauchte, eine Batterie ge⸗ gen das Fort Elmo ſelbſt zu errichten. Jetzt ſtieg die Rebellion auf's hoͤchſte; ſelbſt Tauſende von Weibern, ja ſogar die Frauen und Toͤchter der rechtlichſten Einwoh⸗ ner ſchloſſen ſich, wie Amazonen bewaffnet, an. Die Huͤlfstruppen des Statthalters, 157 einige fuͤnfhundert Mann ſtarke deutſche und ſpaniſche Truppen, die von Torno del Greco und von Capua her beordert waren, ruͤckten an. Maſaniello ging ihnen entgegen und nach einem kurzen Gefechte traten ſie alle in Maſaniello's Dienſte; ein Umſtand, der des Statthalters letzte Hoffnung zu ſehr erſchuͤt⸗ terte. Und doch ſollte ein noch fuͤrchterliche⸗ rer Feind erſcheinen— der Hunger. Das Caſtell, in welchem der Statthal⸗ ter ſich geſetzt hatte, war mit Soldaten be⸗ ſetzt, war mit Waffen aller Art hinlaͤnglich verſehen; aber Niemand hatte an Lebensmit⸗ tel gedacht. Maſaniello vermuthete dies; da⸗ her verhinderte ee jede Zufuhr und die Blo⸗ kade wurde immer enger. Nun ſah ſich der Statthalter gezwungen, mit dem Volke zu unterhandeln. Jenes— ſo lange entweder zum Schein oder zum Ernſt nicht aufzufinden geweſene Privilegium Carls des Fuͤnften—— 8 fand ſich. Der Erzbiſchof wurde beauftragt, dies dem Volke zu uͤberreichen, und die Be⸗ dingungen des Friedens zu entwerfen; ein Auftrag, den dieſer virkich edle Mann gern uͤbernahm. Maſaniello, an den er einſtimmig von dem Volke verwieſen war, um mit ihm, dem Anfuͤhrer, das Ganze zu reguliren, ſchlug dem Erzbiſchof vor, die Kanzel einer nahen Kirche zu beſteigen, und von dieſer heiligen Stelle das Privilegium vorzuleſen. Freilich aͤußerten wieder einige aus der Menge Arg⸗ wohn; ſie riefen, daß auch der Erzbiſchof ſie betruͤgen wolle; indeß, Maſaniello rettete des Abgeſandten Ehre, der ſich nun auch erbot, dieſe Acte von einem Sachverſtaͤndigen pruͤ⸗ fen zu laſſen. Das Volk hoͤrte dieſen Vor⸗ ſchlag gern. Er ſchien Buͤrge der Sicherheit zu ſeyn, und wen konnte man beſſer dazu waͤhlen, als Genuino,? 159 Man war jetzt mit der Unterſuchung der Acte beſchaͤftigt; man wollte jetzt die Ver⸗ gleichungsbedingungen feſtſetzen, als Einige auf den Gedanken kamen, die Einraͤumung des Forts Elmo zur erſten Bedingung zu machen. Zu ſehr ſiel der Vortheil dieſer Be⸗ dingung in die Augen; denn die geſetzge⸗ bende Gewalt des Statthalters kam durch dieſe Einraͤumung ganz in die Haͤnde des Volkes, als daß Maſaniello dieſen Vorſchlag nicht ſogleich haͤtte ergreifen ſollen. Zu groß war die Verlegenheit des Erz⸗ biſchofs, der vom Statthalter ganz unbedingte Vollmacht hatte, zu thun, was er fuͤr gut faͤnde. Einige Minuten vergingen, ehe Je⸗ mand ſeine Meinung uͤber dieſen wichtigen Punkt aͤußerte. Genuino, auf den jetzt Alles ſah, ſchuͤttelte bedaͤchtig das greiſe Haupt.— „Das Volk von Neapel,“ ſagte er,„hat ſich, von Carl dem Fuͤnften berechtigt, mit den 4 160 Waffen in der Hand, verſammelt, ſeine Frei⸗ heiten, die ihm einmal bewilligt waren, zu vertheidigen. Bis jetzt iſt dies noch kein Aufruhr. Aber, wenn man jetzt koͤnigliche Domainen verlangt, wenn man jetzt die Einraͤumung der Feſtung fodert, ſo zeigt man dadurch, daß man die Rechte des Koͤ⸗ nigs angreifen will, und dies heißt Rebellion und gewaltſame Empoͤrung, zu der ein Volk nie ein Recht hat.“ Maſaniello nahm ſich hier vortrefflich. So groß der Vortheil war, wenn das Volk jenes Fort und mit ihm die rechte Hand der Gewalt beſaß, ſo war doch das eine Wort: Rebellion! noͤthig, um ihn, der den Statt⸗ halter gewiß von ganzem Herzen haßte, zu mildern Geſinnungen zu bringen.„So mag dieſe Bedingung fallen,“ rief er.„Ich bin kein Rebell; ich bin ein treuer Unterthan des Koͤnigs!“ So ſtillte dieſer eine Ausdruck: 161 Rebellion! jetzt einen Sturm, um ihn in der naͤchſten Stunde deſto wuͤthender losbrechen zu laſſen. In Verlauf der Capitulation las der Erzbiſchof folgende von dem Statthalter eigen⸗ haͤndig abgefaßte Stelle.—„Und ſo ſoll denn Alles vergeſſen und vergeben ſeyn, was waͤh⸗ rend der Rebellion ſich zugetragen hat,“ als die ganze Menge wuͤthend ausrief: „Wer macht uns zu Rebellen? Wir ſind es nie geweſen, wir werden es nie. Wir als treue Unterthanen des Koͤnigs fodern nichts, als Beſchuͤtzung unſrer Privilegien!“ Von allen Seiten wurde der Tumult aͤrger; man witterte wieder Liſt und Betrug, und der Erzbiſchof ſah ſich gezwungen, eine Ge⸗ ſandtſchaft an den Statthalter zu ſchicken. Er ſelbſt blieb in der Kirche, und Maſa⸗ niello gewann mit jedem Augenblick die Ach⸗ tung des Erzbiſchofs mehr, der jetzt laut ſeine (11) 162 Verwunderung uͤber das Benehmen des, dem Anſcheine nach ſo geringen Mannes aͤußerte. Fuͤr Maſaniello ſchien dies alles zu groß, zu viel zu ſeyn; im Uebermaaß ſeiner Em⸗ pfindungen willigte er in Genuino's Vorſchlag, einen gewiſſen Arpaga zum Vorſteher des Volkes zu waͤhlen; einen Mann, der unlaͤngſt erſt von den Galgeren zuruͤckgekommen war, — 4 wohin ihn ſeine Morde und ſeine Raͤubereien gebracht hatten. Im Uebermaaß ſeiner Em⸗ pfindungen aͤußerte er jene merkwuͤrdige Pro⸗ phezeihung, daß eben dies Volk, das er jetzt befreien wolle, ſeiner Hinrichtung mit Freu⸗ den beiwohnen werde.— Mochte das Volk hier noch ſo laut rufen, daß es fuͤr ihn und fuͤr ſeine Rettung das Leben wagen wolle; das Gewitter, welches den Ungluͤcklichen tref⸗ fen ſollte, bluͤhete ſchon uͤber ſeinem Haupte auf.— Der durch Perrone's Verguͤnſtigung entwiſchte Herzog von Matalone ging jetzt 163 ernſtlich auf die Ausfuͤhrung ſeines teufliſchen. Planes aus. Neapel war damals reich an Banditen. Mag der Begriff, den man ſich in unſrer Gegend von dieſen Menſchen macht, oft uͤbertrieben ſeyn, ſo iſt doch ſo viel ge⸗ wiß, daß mancher Mord durch ſie geſchieht. An dieſe Klaſſe machte ſich jetzt der Herzog von Matalone, und in einer Stunde hatte er einige hundert in ſeinem Bunde, deſſen erſter Zweck war, Maſaniello zu ermorden, den Bruder des Herzogs, den Joſeph Ca⸗ raffa, an deſſen Stelle zu ſetzen, und zugleich an den ſtolzen Statthalter ſich zu raͤchen. Selbſt der Statthalter wurde von Matalone ſo weit getaͤuſcht, daß er Alles that, die Un⸗ einigkeit im Volke zu befoͤrdern. Maſaniello war gerade mit der Muſte⸗ rung ſeiner einhundert und vierzig tauſend Anhaͤnger beſchaͤftigt, als die Antwort des Statthalters ankam, aber auch zugleich die 164 Nachricht, daß fuͤnfhundert bewaffnete Ban⸗ diten zu Pferde in die Stadt gezogen waͤren. Maſaniello wunderte ſich hieruͤber, da trat der Verraͤther Perrone vor, und erklaͤrte, daß er um dieſe Einrichtung wiſſe, und daß er jene Banditen beſtimmt habe, zu Pferde die Ronde durch die Stadt zu machen. Ma⸗ ſaniello beruhigte ſich bei dieſer Nachricht; aber aus einem gewiſſen Vorgefuͤhl deſſen, was ihm bevorſtand, aͤnderte er den Befehl Perrone's, und verordnete, daß jene Bandi⸗ ten zu Fuß dienen, und ſo durch die Stadt vertheilt werden ſollten. Perrone, der durch dieſen Befehl Maſa⸗ niello's ſeinen ganzen Plan vereitelt ſah, bat um Widerruf. Maſaniello wiederholte den Befehl noch einmal, und zwar mit ernſterer Strenge; mit verſtellter Unbefangenheit ge⸗ horchten die Banditen, aber indem ſie neben der Kirche vorbeizogen, gaben ſieben von 165 ihnen Feuer auf Maſaniello. Keine Kugel traf. Ein fuͤrchterlicher Laͤrm entſtand jetzt unter der Menge. Der ganze Haufen der Neapolitaner ſtuͤrzte auf die Banditen los; dreißig derſelben fielen auf die erſte Salve, die uͤbrigen entflohen, wurden aber von dem ihnen folgenden Volke bald eingeholt und nie⸗ dergehauen. Perrone wurde gefangen vor Maſaniello gebracht, und der Bube geſtand auf der Folter den ganzen Plan. Er buͤßte mit dem Tode, und faſt der ganze Tag ver⸗ ging unter dem Aufſuchen und Morden der verſteckten Banditen. Perrone hatte auf der Folter die drei Caraffa's, naͤmlich den Herzog von Matalone, ſeine Bruͤder Joſeph und Gregoris als Stifter des Planes, angegeben. Sie wurden ausgeſucht, aber nur Joſeph gefunden, der auf eine ſchreckliche Art gemor⸗ det wurde. Auffallend iſt es, daß die Hinrichtung 166 Joſephs dem Charakter Maſaniello's eine ge⸗ wiſſe blutdürſtige Wildheit gab, die ihm ſonſt ganz fremd war. Seine Befehle gab er unter den auf Spießen ſteckenden blutigen Koͤpfen der niedergehauenen Banditen, und jede Uebertretung ſeiner Befehle wurde nun mit Blut bedrohet. Streng und hart waren dieſe Befehle; aber eben dieſer Strenge mußte man die Ordnung verdanken, die uͤberall das Eigenthum eines Jeden ſicherte. Wie der Sieger in einer erſtuͤrmten Feſtung gab er Befehle, die mit der groͤßten Bereitwilligkeit befolgt wurden. Einigkeit herrſchte in den Reihen der Tauſende.. 2 Aber eben dieſe Einigkeit war es, die die Unruhe des im Caſten⸗ Elmo blokirten Statthalters auf's hoͤchſte trieb. Er be⸗ ſchloß, den Frieden unter jeder Bedingung herzuſtellen, und gab dem Erzbiſchof die Voll⸗ macht dazu. Dieſer rief ſogleich den Maſa⸗ . 167 niello und deſſen Vertraute, Genuino und Arpaga, zu ſich. Genuino's Bosheit gelang 3 es, dem Maſaniello ein unbedingtes Zutrauen 5 gegen den Statthalter einzufloͤßen. Die Be⸗ dingungen des Friedens wurden feſtgeſetzt; Alles war einig und Hunderttauſende timme ten ein lautes Danklied an. Im Gefuͤhl der Freude war es dem Erzbiſchof leicht, Maſaniello zu einem Beſuch in einem feierlichen Anzuge zum Statthalter zu bewegen. Vorher hielt er eine Rede an das verſammelte Volk, die mit lautem Bei⸗ fall aufgenommen wurde. Dann ritt ernzu dem Statthalter, der ihm auf dem Hofe des Pallaſtes entgegen kam. Maſaniello fiele vor ihm nieder und dankte fuͤr die Einwilligung des Vergleiches und fuͤr den Frieden. ⸗ Mit Heuchlersfreundlichkeit hobi der Statthalter ihn auf und umarmte ihn vor den Augen der Menge. Maſaniello machte bei dem Bolke 168 noch einige ſtrenge Befehle wegen der Ord⸗ nung in der Stadt bekannt; ſie wurden be⸗ folgt, und nun begleitete er den Statthalter ſelbſt zur Domkirche, wo Beide den Vertrag auf das Evangelium und auf das Blut des heiligen Januarius beſchworen; eine Feier⸗ lichkeit, die mit einem lauten Te Deum ſich endigte. Vergoͤttert wurde er von ſeinen Landsleuten, gefuͤrchtet vom Statthalter und dem Adel— und doch war jetzt ſein Ungluͤck nahe. Es ſchwebt von dieſem Augenblicke an ein undurchdringliches Dunkel uͤber den Grund ſeines nachherigen ſonderbaren Benehmens. Gewiß iſt es, daß er Abweſenheit ſeines Ver⸗ ſtandes zeigte; aber unentſchieden wird es bleiben, ob die Anſtrengung dieſer ſieben muͤhevollen Tage; ob der Mangel an Ruhe; ob die Angſt, durch Banditen gemordet zu werden; ob genoſſene ſtarke Getraͤnke, oder 169 — was bei dem Charakter des Statthalters eben nicht unwahrſcheinlich iſt— ob beige⸗ brachtes ſchleichendes und langſam den Ver⸗ ſtand zerruͤttendes Gift der Grund der Son⸗ derbarkeiten war, die Maſaniello ſich zu Schul⸗ den kommen ließ. Er zeigte wirklich Spuren der Verruͤcktheit, und der Politik des Statt⸗ halters war dies Mittel, ihn bei ſeinem An⸗ hange laͤcherlich, veraͤchtlich und verhaßt zu machen, gewiß das zweckmaͤßigſte. Maſa⸗ niello wurde ſtolzer, auffahrender, grauſamer, und wurde dies, ohne gegruͤndete Veranlaſ⸗ ſung dazu zu haben. Er ließ hinrichten, wen er wollte, oft die bravſten Maͤnner, und hatte keinen weitern Grund, als den, durch ein Beiſpiel ſolcher Art die Andern zu ſchrecken. Wie raſend durchlief er die Straßen, ſchlug die, die ihm begegneten, und ließ Andere verhaften. Daß ein Betragen dieſer Art die Unruhe 170„ in der Stadt vermehren, daß es beſonders denen, deren Verwandte gefangen ſaßen, viel Angſt verurſachen mußte, war natuͤrlich. Man wandte ſich deshalb an den Cardinal Erzbi⸗ ſchof, den Maſaniello ſehr ſchaͤtzte; und wirk⸗ lich bewog er den Maſaniello, die Hinrich⸗ tungen fuͤr dieſen Tag aufzuſchieben und beredete ihn, eine Zerſtreuungsreiſe nach Pau⸗ ſilippo zu machen. Maſaniello bat um des Erzbiſchofs Begleitung, dieſer ſchlug ſie ab und verſprach nachzukommen. In dem An⸗ zuge eines Verruͤckten ging Maſaniello zum Statthalter, um dieſen zu der Begleitung zu bewegen; allein auch dieſer wußte dies An⸗ erbieten abzulehnen, gab aber ſeine Scha⸗ luppe zu der Reiſe her, die nun wirklich eine der feierlichſten war. Vierzig mit Mufik ver⸗ ſehene Gondeln fuhren dem Maſaniello nach, indeß das Ufer mit Menſchen bedeckt war. Auf dieſer Reiſe zerruͤttete der uͤbermaͤßige Gebrauch des Weins noch vollends ſeine Verſtandeskraͤfte. 1271 Der neunte Tag brach an, und immer noch hing die Menge an ihren Anfuͤhrer, obgleich ſein Wahnſinn immer ſichtbarer wurde. Bis jetzt hatte Maſaniello immer noch die groͤßeſte Ehrfurcht gegen den Koͤnig gezeigt; jetzt ſchwand auch dieſe. Er ließ oͤf⸗ fentlich bekannt machen,„daß, wenn der Koͤ⸗ nig den entflohenen Matalone in Schutz naͤhme, er mit hundert und funfzigtauſend. Mann alle Laͤnder des Koͤnigs von Spanien einnehmen und verheeren werde.“ Laͤcherlich war dieſe Drohung gewiß; aber es that ſie ein Verruͤckter, dem andert⸗ halb hundert tauſend verwegene kuͤhne Maͤn⸗ ner zu Gebote ſtanden; Maͤnner, unter de⸗ nen gewiß ein großer Theil mehr aus Raub⸗ ſucht, als aus Vaterlandsliebe die Waffen ergriffen hatte. Klug war es daher vom Statthalter, daß er das Caſtell von neuem mit Lebensmitteln verſehen ließ, und daß er 172 mit vielen ſeiner Freunde und einer tuͤchtigen Beſatzung hineinzog. Unter dieſen Freunden waren die meiſten von dem Maſaniello belei⸗ digt; alle baten ſie den Statthalter, doch ja alles zu thun, die Stadt von dieſem Unge⸗ heuer zu befreien; eine Bitte, deren Erfuͤl⸗ lung gewiß keiner ſo ſehnlich wuͤnſchte, als der Statthalter ſelbſt. Waͤhrend der Berathſchlagungen erſchie⸗ nen die beiden Vertrauten Maſaniello's, Ge⸗ nuino und Arpago, die jetzt ſeine offenbaren Feinde geworden, und die in groöͤßter Todes⸗ gefahr waren. Nicht viel beſſer ging es den uͤbrigen Heerfuͤhrern Maſaniello's; mehrere derſelben kamen, und— zur groͤßten Freude des Statthalters— wurde Maſaniello's Tod beſchloſſen. Man beſchloß, den Maſaniello zu einer zweiten Fahrt nach Pauſilipp zu be⸗ reden, ſeinen treueſten Freund, den Vitale, durch den er Alles ausrichtete, auf's Schloß 173 zu locken, ihn hier aufzuhalten, und die Zwi⸗ ſchenzeit zu einer Verſammlung des Volks und der Vorſteher zu benutzen, um dieſe mit in den Plan zu verflechten. Alles geſchah. Die Verſammlung war zwar nicht zaͤhlreich, aber doch ſtark genug, um Maſaniello dahin zu entſcheiden, daß er auf irgend eine Feſtung gebracht werde, und daß man ſeines Lebens, ſeiner großen Verdienſte wegen, ſchone. Aber dies war nicht der Plan des Statt⸗ halters; der gefeſſelte, der gefangene Maſa⸗ niello war ihm noch immer zu furchtbar. Mit Vergnuͤgen hoͤrte er daher den Vorſchlag vor drei andern an, die ſich erboten, den Maſaniello umzubringen. Fuͤrſtlich waren die Belohnungen, die er verſprach. Seine niedrige feige Seele athmete zum erſten Male freier. Maſaniello's Verwirrung hatte indeß ſo zugenommen, daß ſelbſt der Erzbiſchof gegen den er die meiſte Achtung bezeigt 8 hatte Tcihn nicht beſaͤnftigen konnte, auf ſeine Gefangennehmung drang, und ihn wirk⸗ lich feſſeln ließ. Moͤglich, daß die Nacht, in einem kuͤhlen Gefäͤngniß hingebracht; daß der Schlaf, den er lange entbehrt hatte; daß ſelbſt das Faſten ſein Blut ruhiger gemacht hatte; genug, er war des Morgens ganz vernuͤnftig, und— man weiß nicht, wie er's moͤglich machte— er entwiſchte ſeinen Waͤchtern und eilte nach der Kirche Maria del Carmine. In der Zwiſchenzeit ſeines Arreſtes hatte er aber eine ſeiner erſten Stuͤ⸗ tzen, den Vitale, verloren, der auf Veran⸗ ſtaitung des Statthalters ermordet wurde. — In der Kirche erwartete Maſaniello den Erzbiſchof, der an dieſem Tage hiers eine 4 feierliche Meſſe zu leſen pflegte. Er kam. Die heilige Handlung war vollbracht, als Maſaniello die Kanzel beſtieg und, mit einem Crucifix in der Hand, die Volksmenge an⸗ 175 redete. Der Anfang ſeiner Rede ließ vermu⸗ then, daß ſein Verſtand wiedergekommen ſey; man hoͤrte ihn mit Ehrfurcht. Aber eben das Feuer, das ihn in ſeiner Rede er⸗ griff, riß ſeinen Verſtand mit ſich fort. Er ſagte Unanſtaͤndigkeiten. Der Erzbiſchof ließ ihn von der Kanzel entfernen, und befahl einigen Ordensleuten, ihn mit auf ihre Zelle zu nehmen und ſeiner dort zu pflegen. Jetzt wurde der Ungluͤckliche ein Gegen⸗ ſtand des Spottes und der Verachtung. Der vor einigen Stunden noch Gefuͤrchtete mußte es als Barmherzigkeit anſehen, daß die Moͤnche ihm einige duͤrftige Kleidungsſtuͤcke und Waͤſche gaben. Jetzt ſchien der Aufruhr in ſeiner Seele ſich wieder zu legen. Er trat ruhiger an ein Fenſter, das eine ſchoͤne Ausſicht uͤber das Meer hin gewaͤhrte. Da erfuhren jene vom Statthalter erkauften Meuchelmoͤrder, daß Maſaniello in der Kirche 175 ſey. Sie eilten dahin. Das Volk hatte ſich groͤßtentheils verlaufen. Mit dem Ausruf: „Es lebe der Koͤnig von Spanien! Niemand gehorche mehr dem Aufruͤhrer Maſaniello!“— gingen ſie durch's Kloſter auf den Saal, auf dem der Ungluͤckliche war. Sie riefen ſeinen Namen. Maſaniello kam mit den Worten „Sucht Ihr mich?“ ihnen entgegen. Da ſchlugen ſie Alle auf ihn an, und der Un⸗ gluͤckliche ſank mit dem Ausruf:„O, ihr Ver⸗ raͤther!“ todt nieder. Mehrere Andere waren ſchon mit den Verraͤthern einverſtanden; denn Mehrere kamen, hieben den Kopf des Ent⸗ ſeelten ab, ſteckten ihn auf eine Lanze und mit teufliſcher Wuth ſchleppte der Poͤbel den Leichnam ſeines Befreiers durch die Straßen. Befreiung Genua's im December 1746. (12) Ma Kuͤhnheit und Gluͤck hatte der oͤſter⸗ reichiſche General Botta ſich der Stadt Genua durch die Gebirgspaͤſſe der Bochetta genaͤhert. Unvorhergeſehen war dieſer Angriff⸗ Die Uneinigkeit in der Stadt ſelbſt, zwiſchen der oͤſterreichiſchen und bourboniſchen Parthei, beguͤnſtigte Botta's Angriff. Die Stadt ergab ſich, und Oeſterreichs Krieger fanden Beute und Erholung genug, die ſie die lan⸗ gen Strapagen des gefuͤhrten beſchwerlichen Krieges leicht vergeſſen ließen. Muthlos wa⸗ ren die vornehmern Genueſer; ſie wagten 180, 8 kaum den Gedanken an eine Befreiung, noch weniger unternahmen ſie es, irgend eine An⸗ ſtalt dazu zu treffen. Muthlos ſahen ſie auf den gaͤnzlichen Untergang ihrer alten Freiheit, muthlos auf den Ruin ihres ausgebreiteten Handels, da die Oeſterreicher die ungeheuern Summen aus der, damals ſo reich angefuͤll⸗ ten, Georgs⸗Bank nahmen, und die Miene machten, dieſen erbeuteten Schatz zur voͤlli⸗ gen Unterjochung aller feindlichen Laͤnder an⸗ zuwenden. In Verbindung mit den Sardi⸗ niern unternahmen die Oeſterreicher einen Streifzug nach der anſtoßenden Provence, und gluͤcklich mußte dieſer Angriff ablaufen, da das eroberte Genua von der Seeſeite her die Zufuhren zu dieſem von Feſtungen und Soldaten entbloͤßten Lande am beſten ſicherte, 8 33 Der Plan des oͤſterreichiſchen Heerfuͤh⸗ rers war kuͤhn, ließ aber die ſchoͤnſte Errei⸗ chung im Hintergrunde ſehen, Mit Genua’s — 181 Schiffen, mit den Schaͤtzen des eroberten maͤchtigen Arſenals verſehen, konnte er Pro⸗ vence erreichen, ohne die Gebirge Piemonts paſſiren zu muͤſſen. Ihm ſtanden die Haͤfen von Toulon und Marſeille offen, die nicht hinlaͤnglich beſetzt waren, und mit der Erobe⸗ rung dieſer Staͤdte war faſt die ganze mit⸗ täͤgliche Kuͤſte Frankreichs in ſeiner Gewalt. Empfindlicher konnte fuͤr Frankreich nichts ſeyn, als eine ſolche Eroberung; ſelbſt der wichtigſte Sieg, am Rheine oder in Italien erfochten, zeigte den Oeſterreichern nicht ſo viel Erfreuliches, als dieſer Plan. Mit Feuer verfolgte ihn der oͤſterreichiſche Feldherr; alle Schiffe wurden zuſammengebracht, in dem Hafen zwiſchen dem Damm und Arſenal lag ein großer Theil der Transportſchiffe, groͤß⸗ tentheils ſchon mit Soldaten bemannt. Sechs Regimenter, gepruͤfte alte Truppen, ſtanden in denen nach dem Arſenal fuͤhrenden Straßen * 182²2 aufmarſchirt, und erwarteten mit dem Ge⸗ wehr bei Fuß den Befehl, in die Schiffe zu ſteigen, die ihrer warteten. Da kam aus einer Querſtraße ein Zug Artillerie und da der Officier glaubte, daß er das naͤchſte Schiff beſteigen ſolle, ſo ruͤckte er in die Luͤcke, die die beiden Bataillons des Regiments Kheven⸗ huͤller trennte. Verdrießlich, daß ihn der Oberſt des Regiments zuruͤckwies und ihm andeutete, daß er auf das Schiff warten moͤge, das zum Transport der Artillerie beſtimmt ſey, indem die vorhandenen Fahrzeuge fuͤr die Infanterie beſtellt waͤren, wollte der Officier mit ſeiner Batterie umwenden; er that dies zu kurz, eine Kanone fiel um, und eine Achſe der Affuͤte brach. Unbedeutend ſchien dieſer 1 Umſtand, und wurde ſo wichtig. Es waren mehrere Zuſchauer des Einſchiffens da, groͤß⸗ tentheils muͤßiges Geſindel, denn der ſtolzere 183 Genueſer wuͤrde ſeinem Herzen die Quaal nicht gemacht haben, Zeuge von einer Unter⸗ nehmung zu ſeyn, die auf den Untergang der Verbuͤndeten Genua's abgeſehen war. Moͤglich, daß mehrere dieſer Art Zuſchauer uͤber den Unfall des oͤſterreichiſchen Officiers lachten; moͤglich, daß er's aus Verdruß that; genug— er verlangte von einem vor der Menge ſtehenden Handwerker, daß er bei dem Aufrichten der umgefallenen Kanone be⸗ huͤlflich ſeyn ſolle. Dies Anmuthen, das der aufgebrachte Officier nicht in den freundlichſten Ausdruͤ⸗ cken ſagte, mochte dem Genueſer auffallen. Mit jenem frechen Laͤcheln, das oft mehr beleidigt, als eine in Uebereilung hervorge⸗ ſtoßene Grobheit, gab er zur Antwort, daß ja ſein Kaiſer Leute genug haͤtte, die derglei⸗ chen Arbeiten thun muͤßten. Die Menge des Poͤbels fing laut an zu lachen, als der Ge⸗ nueſer mit der ſtolzeſten Miene umkehrte. Eben dies Lachen aber war es, was den Officier am meiſten aufbrachte; er riß einem Unterofficier den Stock aus der Hand, und gab dem Kuͤhnen einige Streiche. Wie wuͤ⸗ thend ſtuͤrzte dieſer auf den Officier los, r=iß ihn den Stock aus der Hand, zerbrach ihn und warf ihm die Stuͤcke an den Kopf. Dies Alles war das Werk Einer Minute. Der Officier befahl, den Genueſer arre⸗ tiren zu laſſen. Einige Artilleriſten traten vor, der Beleidiger war ſchon in ihrer Mitte, und ſchon wollte ihn der Officier uͤber eine Kanone ziehen, um ihn nach Gebrauch des oͤſterreichiſchen Militairs gbſtrafen zu laſſen, als die ganze ungeheure Menge, die von der Spitze des Dammes bis zum Arſenal einen unuͤberſehbaren Kreis um den Hafen bildete, ein fuͤrchterliches Geſchrei erhub. Die, der Execution am naͤchſten Stehenden fielen der Bedeckung der Batterie in die Flanke und Fronte; die Waffen wurden genommen, rind raſend ſchlug die wuͤthende Menge mit denen, dem Geſchuͤtz entriſſenen Hebebaͤumen auf die Artilleriſten. Nur wenige Augenblicke wa ren noͤthig und die hundert und zwanzig Ka no⸗ niere lagen erſchlagen da. Der Oberſt des Regiments Khevenhuͤller wußte nicht, wie er ſich in dieſem Augenblick gleich nehmen ſollte. Haͤtte er, was ihm gewiß ſehr zu verzeihen war, nur ein Mal Feuer auf die raſende Menge geben laſſen, ſo haͤtte er ſie gewiß ſtutzig gemacht und zur Flucht vermogt. So aber zauderte er, und ſandte, um von aller Verantwortung frei zu ſeyn, ſeinen Adjutan⸗ ten an den General Botta, der das in der Straße Balbi aufmarſchirte zweite Treffen commandirte, um von dieſem Verhaltungs⸗ befehle zu hoͤren. Ueber dieſe Sendung ver⸗ ging eine Viertelſtunde, in der der An⸗ drang des Poͤbels immer ſtaͤrker wurde, und 18 ſelb ſt das Regiment Khevenhuͤller zu braͤngen anſing.. 2 4. Jetzt kam der General Botta ſelbſt; nur mit Muͤhe und Vorſicht konnte er bis zu denn Platze gelangen, da alle dahin fuͤhrende Straßen mit Poͤbel uͤberſaͤtt waren. Eben wolte der ſich in der Geſchichte des Krieges nie als entſchloſſener Mann auszeichnende An fuͤhrer Anſtalten treffen, als das in der Steraße Balbi ſtehende Treffen von einer un⸗ uͤberſehbaren Menge des Poͤbels angegriffen und in die Flucht geſchlagen wurde. Unglaub⸗ lich wuͤrde dies ſcheinen, und eben ſo unrecht wuͤrde man dem gemeinen oſterreichiſchen Sol⸗ daten thun, wollte man ihn der Feigheit be⸗ ſchuldigen, wenn man nicht auf zwei Um⸗ ſtaͤnde Ruͤckſicht nimmt. Die Straßen waren alle abhaͤngig und der Poͤbel bemaͤchtigte ſich gleich aller großen Gebaͤude und Pallͤſte, aus denen das Feuern und das Werfen mit 182 Steinen den Oeſterreichern um ſo nachtheili⸗ ger war, da ſie nie oder doch nur ſelten einen der Rebellen trafen, ſie hingegen ihren Waffen ganz bloß geſtellt waren. In ziemli⸗ cher Ordnung zog ſich das Treffen dem Ha⸗ fen zu; aber leider war dieſe Ordnung nicht von langer Dauer, ſie loͤſete ſich in wilde regelloſe Flucht auf; in der groͤßeſten Unord⸗ nung ſtuͤrzte ſich das zweite Treffen auf die am Arſenal ſtehenden ſechs Regimenter, und dieſe wurden bald mit fortgeriſſen. Nach allen Seiten hin flohen die Oeſterreicher. Bis dieſen Augenblick war Alles Sache des gemeinſten niedrigſten Poͤbels; jetzt, da alles nach Wunſch ging, fanden ſich die Ab⸗ geordneten hoͤherer Staͤnde, die dem Volke Waffen und ſtarke Getraͤnke brachten. Fruͤher hatte ſich nicht einmal ein rechtlicher Hand⸗ werker in den Streit gemiſcht, Nach zwei Stunden war kein Oeſterrei⸗ cher mehr in Genua; nach allen Seiten hin flohen ſie aus der Stadt mit einem Verluſt von viertauſend Todten; und erſt jenſeits der Bochetta ſammleten ſich die traurigen Ueber⸗ reſſe eines ſchoͤnen Heeres. Gedruckt bei G. Baſſe. Folgende, vor kurzem erſchienene intereſ⸗ ſante Romane ſind in allen Buchhand⸗ lungen Deutſchlands um beigeſetzte Preiſe zu haben: Nicolai, C., Coeur⸗Bube. Luſtiger Ro⸗ man. 2 Theile. 8. 1 Rthlr. Der Schleier. Zwei Erzaͤhlungen, von C. Hildebrandt und H. Muͤller. 8. 1 1 Rthlr. Udo von Horſtenburg, oder Vatermord und Rache. Rittergeſchichte aus dem dreizehn⸗ zten Jahrhundert. Vom Verfaſſer des Al⸗ bert von Reinſtein. 3 Theile. 8. 3 Rthlr. Wilhelm Meiſters Wanderjahre. 2 Theile. 8. 2 Rthlr, Blutſauger, die. Ein Roman. 8. . I Rthlr. 4 Gr. Carlo Cellini, oder die Maͤnner der Nacht. Seitenſtig zum Rinaldo Rinaldini. 8. 1 Rthlr. 4 Gr. Hildebrandt, C., Carl von Tellheim und Minna von Barnhelm. Ein kriegeriſches Gemaͤlde aus den Zeiten Friedrichs des Großen. 3 Theile. 8. 3 Rthlr. 8 Gr. Derſelbe, Kuno von Schreckenſtein, oder die weiſſagende Traumgeſtalt. Ritterroman in 3 Theilen. Mit 1 Kupfer. 3 Rthlr. 12 Gr. Mettingh, Philippine v., Opfer des Zeitgeiſtes. Ein Roman in 2 Theilen. 8. 2 Rthlr. 8 Gr. Muͤller, H., das Pfarrhaus zu Liebenthal, oder die ſeltene Braut. Roman in 2 Thei⸗ len. 8. 1 Rthlr. 20 Gr. Derſelbe, die Corſarenbeute, oder Fatime. Roman in 2 Theilen. 8. 1 Rthlr. 20 Gr. Ritter Golo der Grauſame, oder die Buͤßende in der Felſengruft. Ritterroman in 3 Thei⸗ len. Mit 1 Kupfer. 8. 3 Rthlr. 12 Gr. Verſchwornen, die, oder die Ruinen der Ro⸗ thenburg. Ritter⸗ und Raͤuberroman aus der Vorzeit. 3 Theile. 3 Rthlr. 4 Gr. Benno von Rabeneck, oder das warnende Gerippe im Brautgemach. Eige Ritterge⸗ ſchichte aus dem 13ten Jahrhundert. Vom Verfaſſer des Albert von Reinſtein. 2 Thle. 8. 3 1 Rthlr. 16 Gr. Brautraub, der. Roman, vom Verfaſſer der Paulowna. 2 Thle. 8. 1 Rthlr. 18 Gr. Graf Albert von Reinſtein, oder das heim⸗ liche Gericht der Teufelsmauer. Ritterge⸗ ſchichte aus den Zeiten der Vehme. 3 Th le. Mit 1 Kupfer. 8. 3 Rthlr. 4 C3r. Hildebrandt, C., der Huſar. Roman in 3 Theilen. Mit 1 Kupfer. 8. 3 Rthlr. 8 Gr. Derſelbe, die Burg Helfenſtein, oder das feurige Rachſchwerdt. 2 Theile. 8. 1 Rthlr. 18 Gr. Kunze, St.,(Verf. Heinrichs des Loͤw en) der Landpfarrer von Schoͤnberg. 2 Thle. Mit 1 Kupfer. 8. 2 Rtylr. Liebesprobe, die. Roman, vom Verfaſſer Al⸗ berts von Reinſtein. 2 Theile. 8. 2 Rthhlr. Mettingh, Philippine von, der Fluch der Weiſſagung. Roman in 2 Theilen. 8. I Rthlr. 12 Gr. Mitternachtsglocke, die, oder Walther von Windheim. Roman von Jean Piexrre, Verfaſſer des Romans: Thomas Irmgenrt. 8 1 Rthlr. 4 Gr. Nicolai, C., Erzaͤhlungen und Schwaͤm ke. 2 Thle. Ir Theil: Der Kornpreis.— Die Stecknadel.— Bagage einer Schauſpieler⸗ geſellſchaft.— Bruchſtuͤck aus dem Tage⸗ buche eines Gaſtwirths. 2r Theil: Idalia. — Die Reiſe in's Bad. 2te wohlfei⸗ Nere Ausgabe. 8. 1 Rthlr. 12 Gr. Nicolai, C., die Familie Sternfels. Ro⸗ rnan in 3 Theilen. 2te wohlfeilere Ausgabe. 8. 2 Rthlr. 12 Gr. Rauber, die, in den Kluͤften des Latrofelſens. 8.. 1 Rthlr. 4 Gr. Sarazenenſchwerdt, das, Ritterroman aus den Zeiten der Kreuzzuͤge. Vom Verfaſſer Alberts von Reinſtein. 2 Thle. 8. 1 Rthlr. 14 Gr. Schulze, Ernſt, Kuͤnſtlerfahrt. Roman in 2 Baͤndchen. 8. 1 Rthlr. 10 Gr. Derſelbe, Rino, oder der Liebe Taͤuſchung. 8. I Rthlr. 4 Gr. Vasco und Iſabella, oder der Groß⸗Inqui⸗ fitor. Schaudergeſchichte aus Spaniens furchtbaren Inquiſitionsgerichten. Vom Verfaſſer des Dedo von Adlerſtein. Zwei TFhle. 8.„ 2 Rthlr. 6 Gr. — 14 15