8 Leihbibliothek ddeeurſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur 1 von.—. 3 Eduard Oftmaun in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Jeih- und Jeſebedingungen.— 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ 7 Uyr bis Abends 8 Uhr offer. 2 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu. 24 Stun⸗ den angenommen. 3 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchenden Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zuruͤckgabe von mir zurückerſtattet 7 wird. z „„— 7 7„—„ 1— 1 5. Auswärtige Abonnenten baben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Fur beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. ſensſetnezcti. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens ¹ 6 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt:. für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: .—————— auf 1 Monat: 1 Mr.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. ——— Johann Gottfried von Herder's ſaͤmmtliche Werke. „ . 3 2 2* Zur ſchoͤnen Literckur und Kunſt. Fuͤnfter Theil. Stuttgart und Tuͤbingen, in der J. G. Cotta ſchen Buchhandlung. 1827. —, Der Cid. N ach Spaniſchen Romanzen beſungen durch J. G. von Herder. Mit einer hiſtoriſchen Einleitung d u rch Johann von Muͤller. Stuttgart und Luͤbingen, in der JZ. G. Cotta'ſchen Buchhandluns⸗ 44 1 8 2 7. Yo so Ruy Diaz el Cid Campeador! El poesma del Cid. Von dem Cid. Nach den Quellen. Don Rodrigo, in vertrauter Sprache Ruy, Diego's Sohn, Diaz des Sohns Layn, aus hoch⸗ verehrtem Stamm der erſten Volksrichter und Gra⸗ fen des alten Caſtlliens, gebuͤrtig von Vivar, zwei Stunden von Burgos,(es⸗Sayd, mein Herr), el mio Cid zuerſt von dankbar gemachten Fein⸗ den, Campeador(Kampfheld ohne gleichen) von ſeinem Koͤnig und Volk genannt, iſt einer der ſehr Wenigen, welchen ſo gut wurde, ohne Trug noch Verbrechen oder zufaͤlliges Gluͤck, bei ihrem Leben den Koͤnigen gleich, und nachmals Jahrhunderte lang der Stolz ihrer Nation zu ſeyn. Ueber die Art und Weiſe iſt von vielen, welche Spur ſeiner Ver⸗ haͤltniſſe oder Thaten bekommen, wunderſam gedich⸗ tet worden: hiedurch wurde die Wahrheit faſt un⸗ kenntlich, aber auch die Gerechtigkeit gegen unſere Natur verletzt, als waͤre ohne uͤbernatuͤrliche Ein⸗ wirkung unmoͤglich ein edler Mann zu ſeyn. Doch letz⸗ 6. teres wird der Schuͤchternheit gewoͤhnlicher Men⸗ ſchen, und jenes dem guten Willen zu vergeben ſeyn, von den Geſchichten des Erhabenen ſich z naͤhren, deſſen bloßer Name Aufruf zur Tugend iſ Wenn, nach des Schickſals Laune, der in ſeiner Klaſſe Vollkommenſte, unvollſtaͤndig bekannt, in ei⸗ nem gewiſſen Helldunkel erſcheint, ſo wird er dem Volk Romanheld, hoͤheren Gemuͤthern Ideal. Der Held voll Schoͤnheit, Kraft und Bildung, wie der Juͤngling, der Grieche, ihn wollte, erſcheint im Achill. Rauher ſind, hoͤher, haͤrter, blutiger, keuſcher, des kalten Nords gewaltige Soͤhne, cale⸗ doniſche, ſcandinaviſche, nibelungiſche Krieger. Was Ehre, Gott und Liebe im Ritterthum erzeugen moch⸗ ten, ſiehe an Don Rodrigo. Alle ſind Maͤnner des Schwertes geweſen. Muth iſt jeder Tugend Quell, Muth iſt jedes Standes Ehre; im allbeſchirmenden, erſten der Staͤnde leuchtet er am glanzvolleſten. Gemiſcht, gefaͤrbt wird er, nach Zeiten und Sitten, ſo oder anders, bleibt aber, ſo lang als der Grund⸗ ſaß der Ehre. Das iſt die Ehre, Mann zu ſeyn. Dieſes beſteht in der Geiſtesgegenwart, Geſchick⸗ lichkeit und Entſchloſſenheit, ſeine Pflicht ganz zu thun. Es gibt keine edlere hiſtoriſche Unterſuchung⸗ als wie große Menſchen hiezu ſich am vollkommen⸗ ſten entwickelten. Darum wollen wir die Thaten 7 und Schickſale des Cid, Campeador, vor allen Din⸗ gen aus einer, vor nicht vielen Jahren in einem Kloſter zu Leon gefundenen lateiniſchen Chronik, der erſten und aͤchten), und aus dem aͤlteſten caſtilla⸗ niſchen Gedicht, welches kaum hundert Jahre nach ihm ihn beſungen*), mit Wahrheit erzaͤhlen. Hier⸗ 1) Gesta Roderici Campedocti; gefunden bei den S. Iſidors Auguſtinern zu Leon; abgedruckt von dem Auguſtiner⸗Bruder Manuel Riſco im Anhang, als Beleg ſeiner zu Madrid 1792 in Quart(XIX. 319 und 66 S.) herausgekommenen historia del Cid. Iſt es die von Pagi gebrauchte, von Biſchof Peter zu Leon ver⸗ kaßte Geſchichte? Der urſtoff dürfte Erzählungen des Biſchofs Hieronymus(Note 155.) zuzuſchreiben ſeyn; dieſer wußte alles von Cid und Eimena ſelbſt. Gew iß iſt dieſe Chronik älter, als 1238; ſie weiß nichts von Wiedereroberung der Stadt Valencia in dieſem Jahre.. 2) El poëma del Cid. Per Abbat le escribié en el mes de Maio En era de mill e C. C. XLV. annos; nach unſerer Zeitrechnung im Jahr 1207, dem 103ten ſeit des Helden Tod. Ob esoribis ſich auf die Ab⸗ faſſung oder nur eine Abſchrift bezieht, läßt ſich nicht entſcheiden. Die aus dem Latein ſich kaum loswin⸗ dende Sprache, die noch wankende Wörterbildung, der unmetriſche Vers, wir möchten ſagen des Alterthums ehrwürdiger Roſt(ous), gewiſſe kleine umſtändlich⸗ keiten, eine gewiſſe Enthaltſamkeit im Erdichten, macht dieſes Werk ſo anziehend als wichtig. Es wurde lang zu Vivar, im Hauſe Cid's, aufbewahrt; benutzt von dem unbekannten Zuſammenſtoppler der Chronica del famoso cavallero Gid Ruy Diaz Campoa- 8 auf werden die von Herder, mit eigenthuͤmlicher Innigkeit und Vergegenwaͤrtigung, uͤberſetzten Ro⸗ manzen), theils das Wahre anſchaulicher darſtel⸗ len, theils wunderbare Lagen ſchildern, worein kuͤhne Dichtung den Ritter verſetzt, ohne die Grundzuͤge ſeiner Groͤße unkenntlich zu machen. Das Land Hiſpanien, durchſchnitten von gfelen Reihen hoher Berge, zwiſchen welchen und an den Kuͤſten die gluͤckſeligſten Thaͤler und fruchtreichſten Fluren bluͤhen, war im Anfang der Sitz vieler un⸗ abhaͤngigen Voͤlkerſchaften, welchen dieſe Natur ei⸗ nen gewiſſen hohen Sinn und einen Reichthum der mannichfaltigſten Vorſtellungen gab. In vielfaͤltiger Einſamkeit, umgeben von großen Gegenſtaͤnden, be⸗ kamen ihre Gefuͤhle Tiefſinn und Ernſt. Als nach dor, welche in dem Kloſter St. Peters zu Cardena auf⸗ behalten, auf Befehl Ferdinands, Bruders Karl V., eendlich 1552 herausgegeben wurde. Denſelben Dienſt leiſtete dem Poema, im Jahr 1779, der ſpaniſche Bi⸗ bliothekar Sanchez in einer Sammlung der älteſten ca⸗ ſtilianiſchen Gedichte, für uns aber D. Gotthilf Heinrich Schubert in ſeiner, alle Unterſtützung verdienenden Bibliotheca Castellana, Portu- gues y Proenzal, deren erſter Theil im Jahr 1804 zu Altenburg erſchienen iſt(C. und 224 S. in 8.). Im übrigen iſt von dem Poema der Anfang bis auf des Cid Entfernung aus Caſtilien verloren; auch fehlen hin und wieder einzelne Verſe. 3) Sie ſind von unbekanntem, doch nicht geringem Alter. —— 9 den mannigfaltigſten und bewunderungswuͤrdigen Kaͤmpfen das getrennte Vaterland der immer groͤ⸗ ßern roͤmiſchen Uebermacht endlich, ermuͤdet, unter⸗ lag ¹), blieben, wie zu geſchehen pflegt, eingeborne Nationalzuͤge, aber ohne die Glorie der Selbſtſtaͤn⸗ digkeit. Alſo, da durch nordiſche Barbaren die Erniedrigung und das Ungluͤck der unterdruͤckten Welt an Rom gerochen wurde, geſchah auch von den Spaniern bei weitem nicht jener alte Widerſtand. 4) Gewiſſermaßen in dem 88ſten Jahr vor unſerer Zeit⸗ rechnung: doch hielt der mitternächtliche Theil noch dreizehen Jahre ſpäter. Cantabrum indoctum juga ferre nostra, hielt Auguſt für nöthig, durch eigene Gegenwart zu ſchrecken. Hierauf, nach überſtandener Gefahr, Herculis ritu modo dictus, o plebs, Morte venalem petiisse laurum, Caesar Hispana repetit penates Victor ab ora. Unvollſtändig oder vorübergehend! Nicht wie unſere Zeitgenoſſen eilten ſie mit Schmeichelreden dem Joch entgegen. Als die Edelſten insgemein und öffentlich Gift genommen und mit ihren Burgen ſich verbrannt, als die Verkauften ihre Käufer umgebracht, wußte Agripya kein anderes Mittel als die Erwachſenen(T0„ 2 1uid) zu tödten. So wurde Cantaber non ante domabilis in dem achtzehnten Jahr vor unſerer Zeit⸗ rechnung bezwungen; es murreten die römiſchen Krie⸗ ger; Agrippa wollte nicht triumphiren.(Horaz 0d. II. 6.; III. 14.; IV. 14. Dio im drei⸗ und vier und fünfzigſten Buch.) 10 Reichthum, Einrichtungen, mancherlet Arten des Vergnuͤgens und ſogenannte buͤrgerliche Ordnung, nicht aber die Freiheit hatten ſie zu verlieren, wofuͤr jene Dinge rechtlichen Menſchen kein genugthuender Erſatz zu ſeyn pflegen. Nie vereiniget als Nation, ſondern bloß unter des Weltreichs verhaßtem Joch⸗ fuͤgte ſich der Spanier, obſchon Landsmann der da⸗ maligen elenden Kaiſer ⁵5), den vom Caucaſus, dem Rhein, der Donau und dem baltiſchen Meer bei ihm einwandernden Staͤmmen. 6) Hin waren, bis auf dunkles Andenken, alle Vortheile und Annehm⸗ lichkeiten des civiliſirten Lebens; nur die, um alles troͤſtende, Religion der Chriſten blieb. Wenu vor Zeiten Griechenland, voll Feinheit und Luſt, harte Eroberer zu zaͤhmen vermocht, um ſo leichter uͤber⸗ wand die Religion Barbaren, die nichts in ihren Seelen fanden gegen dieſe mannigfaltigen, gebie⸗ tenden, heiligen Begriffe der lang unterrichteten Welt. Die Gothen, unbaͤndig in Leidenſchaften, ſonſt von einem gewiſſen germaniſchen Verſtand, kraftvoll und empfaͤnglich, wurden ſehr elfrige Chri⸗ ſten, auch hiedurch Herren von ganz Spanien. In 5) Honorius und Arcadius, Theodoſ'ens unwürdige Söh⸗ ne, der ein Spanier geweſen. 6) Alanen, Alemannen, Weſtgothen, Wandalen. 11 Glaube, Recht, Sitten traten die Voͤlker zuſammen, und es mochte ein Nationalreich emporbluͤhen.*) Alles zerriſſen und verwirrten die Araber, wel⸗ che, von dem Propheten Mohammed entzuͤndet, in weniger als achtzig Jahren das Geſetz eines neuen Glaubens und die Herrſchaft eines Fuͤrſten der Glaͤubigen bis Indien und Spanien trugen. Nach⸗ dem der Gothen Koͤnig umgekommen, als Tarikh's und Muſa's unwiderſtehliche Schaaren das Land uͤberſchwemmten, als Ruhm und Eigenthum und Freiheit, alles, was Menſchen lieb iſt und hellig, weit und breit unterging, flohen, gedraͤngt, die Freieſten und Edelſten, uͤber Bardulien hinaus, in der Cantabern und Aſturen Gebirg, jenſeit dem nichts iſt als das unermeßliche Meer. Hier, der Koͤ⸗ nige Enkel, Don Pelayo, und Herzog Peter von Cantabrien; auf Penna Horadada dieſer, jener in des Berges Auſena vielfaſſenden Hoͤhlen; mit ih⸗ rem edlen Bergvolk die erſten, die bewieſen, daß, wer nicht ſich ſelbſt verlaͤßt, nicht verzweifeln darf am Gluͤck. Als dem koͤniglichen Hof der Flecken Gi⸗ jon genuͤgte, als groß ſchien, daß Don Fruela auf der lachenden Bergebene Oviedo erhob, gab das eitte verweichlichte Weſen nothgewordener Tugend 7) Seit Löwegild 585. den letzten alemanniſchen König in geiſtlichen Stand verſetzte. 12 Raum, und wurde altbeſungener Heldenſinn durch Armuth und Gefahr zu edlerer Abenteuer erneuert. Allein die Thaten des fortgeſetzten Gothenreichds, die Wiedereinnahme und neue Bevoͤlkerung der Staͤdte und Landſchaften, und der Bau unzaͤhliger Caſtelle, von welchen, anfangs in den obern Thaͤ⸗ lern des Ebro und immer weiter hin, das Land Ca⸗ ſtilien genannt ward ⁵), ſind eine Zier der Ge⸗ ſchichte Spaniens. Der gothiſche Thron war durch Eines Tages Ungluͤck gefallen: die Araber, in einer weit groͤßern Schlacht von den Franken uͤberwunden, getrennt von dem Fuͤrſten der Glaͤubigen, durch in⸗ nere Parteiung unheilbar entzweit, geſchlagen von ſo vielen Koͤnigen, durch unaufhoͤrliche Fehden er⸗ muͤdet, haben die Oberherrſchaft lang mit gro⸗ ßem Glanze, Gewalt in Spanien faſt achthundert Jahre, behauptet. Den Arabern gab das inwoh⸗ nende, durch Mohammed genaͤhrte Feuer, ihre feſte Nuhe uͤber die unwandelbare Vorbeſtimmung, ihre Volksmenge, die durch Freiheit und Sitteneinfalt unglaublich ſtieg, Arbeitsfleiß, Reichthum, die Poe⸗ ſie ihrer Denkungsart und Geiſtesbildung, lang das Uebergewicht: aber der Chriſten Macht verlor die 8) Zuerſt 801, in der Stiftungsurkunde eines Klo⸗ ſters im Thal Mena; bei Riſeo. Villarcayo war er⸗ ſter Hauptort. 13 Einheit, nicht ſowohl auch weil bei ihnen der Koͤnig⸗ reiche mehrere wurden, als weil ſie viel weniger Gemeinſinn hatten; der Hof, der Dienſt, die Moͤnchsmoral beguͤnſtigten die Exaltation weniger; ſelten, vereinzelt, kam von außen einige Unter⸗ ſtuͤzung, nicht wie wenn von Maroko die neubegei⸗ ſterten morabetiſchen Schaaren in unglaublicher Zahl die wankende Herrſchaft der Araber auf ſtaͤrkere Grundlage befeſtigten. Sofort beim Hervorleuchten caſtilianiſcher Pri⸗ vatnamen erſcheint Graf Rodrigo, Held wider den Erbfeind und Stuͤtze des Throns); ſein Sohn Die⸗ go Porcelloz, wie er, ſiegreich, zog Theſeus gleich, aus vielen Flecken die Hauptſtadt Burgos zuſam⸗ men. ²*⁰) Als er das Bergſchloß, als er die ſtar⸗ ) Die bei dem gothiſchen Landbuch(ſfuero juzgo Go- tico) zu Leon gefundene Chronik ſchreibt ihm zu, was, nach der Chronik von Albelda, im Jahr 860 wider Talamanca(nicht Salamanca) geſchehen. Eben⸗ derſelbe, als die Jugend Alfonſo des Großen übermäch⸗ tiget ſchien, fregit Asturias(brach Aſturiens rebelli⸗ ſchen Trotz); Chronik beim Landbuch. Alte Verſe nennen Amaya Patricia des älteſten Caſtiliens damalige Hauptſtadt; von ihm ward ſie bevölkert. (Die Verſe hat Riſco.) 10) Ex burgellis plurimis adunarat; Erzbiſchof Ro⸗ drigo. Populavit(er bevölkerte) Burgos et Ubirnam (uvierna, das wir nach dieſem in der Hand des Cid finden); Chronik beim Lanbbuch. An dem Tag 14 ken Thuͤrme, die weltumfaſſenden Mauern erhob, verdiente durch Beiſtand(man glaubt ein Deut⸗ ſcher ¹) Herr Nunno Bellides, daß er Donna Sol ¹²), ſeine Tochter, ihm gab. Sohn dieſer Ehe war Nun⸗ no Nunnez Raſura, der verſtandvolle redliche Mann, mit Layn Calvo, ſeinem tapfern Freund, ohne Er⸗ nennung, ohne Geſetz, allein durch der Tugend Macht, Richter aller Streitſachen unter dem caſti⸗ liſchen Volk. 3) Layn Calvo zeugete mit Nunnos Tochter einen Sohn, der von Mann zu Mann Va⸗ ter ward von dem Urgroßvater Herrn Diego Laynes, des Vaters vom Cid. ¹) Fernando, Sohn Gonzalo, Sohn des alten Por⸗ celloz, hatte auf das caſtiliſche Land, getrennt vom bei Poncorvo, als der Araber bis Caſtroxeris floh,⸗ führte er den Oberbefehl; Chronik von Albelda. 44) Nach dem Stadtrecht von Burgos, 1217(wenn ich den Sinn recht eingenommen) aus Cataluenna; dort floſſen Geſchlechter aus mancherlei Völkern zu⸗ ſammen; auch die von Alaman waren alt und vor⸗ nehm; leicht möchte aus ihrem Namen der Mißver⸗ ſtand kommen. 412) Sula Bella. 13) Erzbiſchof Don Rodrigo; am beſten jenes Stadtrecht. 14) Nach der Chronik vom Cid N. 1. Layn(ſie ſchreibt Flayn) Calvo zeungete Fernando Laynez, der Vater war Layn’s Fernandez, des Vaters von Nun⸗ no Laynez, von dem Layn Nunnes entſyroſſen, der durch Diego Laynez Großvater war des Cid. 15 Hof durch beſchwerliche Berge, die nuͤtzliche Wuͤrde einer Freigrafſchaft gebracht. 8) Durch die Er⸗ mordung ſeines Urenkels erbte ſie vermittelſt Mun⸗ na Elvira, der Erbtochter, an Don Sancho den Großen ²6) deſſen Voreltern, aus Merwingiſchem Stamm ¹), das Land Navarra befreit und mit koͤ⸗ niglichem Anſehen geziert. Weislich wurde ſchon dazumal die hoͤchſte Wuͤrde vererbt, ihre Gewalt 15) Er ſtarb 968. Ducatus Burgensium wird wohl bei Luca von Tuy genannt; nichts deſto weniger ſcheint ausgemacht, daß er Fredenando Gundisalviz (ſo wird er in der Chronik beim Landbuche ge⸗ ſchrieben) und ſeine Nachfolger bis auf den Infanten Garſeg(Tuy) perſönliche Dienſtmanne der Könige von Leon blieben. Das Freie mochte darin beſtehen, daß das Volk weiter nicht nöthig hatte, vom Ebro her, durch die unwegſamen Bergpfade Recht und Gericht in Leon zu ſuchen.. 16) 1028. 17) Chlotar II. hatte neben König Dagobert einen Sohn Karibert'en, von deſſen Sohn Boggis Erbherzoge von Aquitanien und Herzoge Gaſconiens abſtammen, deren einer, der tapfere Aznar, fränkiſcher Statthalter auf der ſpaniſchen Seite des Pyrenäengebirges, im Jahr 8331 im Lande Navarra ſich unabhängig erklärt; von ſeinem Bruder ſtammt als Enkel der erſte König, Don Garcia Timenez 860, deſſen Urenkels Enkel dieſer San⸗ cho iſt. Art de verifier les dates 707, 727, 805 (Ausg. 1774); wir folgen dieſen gelehrten Benedicti⸗ nern, deren Werk das Reſultat vieler Forſchungen iſt⸗ ohne uns des Rechts zu begeben, die Angaben, bei beſ⸗ ſerer Muße, neuer Prüfung zu unterziehen, 16 aber beſchraͤnkt; letzteres wider den Deſpotis⸗ mus, jenes aber wider die Anarchie. Sobald ein Fuͤrſt nicht alles darf, liegt nicht ſo viel an ſeiner Einſicht und ſeinem Willen, daß die Wahl der Ge⸗ fahr eines Buͤrgerkriegs werth waͤre; iſt er uͤber die Geſetze, ſo beruhet alles auf dem Schickſal. In dem vierhundert fuͤnf und ſechzigſten Jahr nach Erhoͤhung Loͤwegild's, Koͤnigs der Gothen, des erſten allgemeinen Herrſchers in Spanien, des er⸗ ſten, den Scepter und Krone geziert, ſtarb, ſeines Mannsſtamms der letzte, Koͤnig Bermudo der Dritte.*8) Das ganze Gothenreich, wie Don Pe⸗ layo mit zwei und zwanzig Nachfolgern deſſen Ueber⸗ bleibſel muthig behauptet und ruhmvoll vergroͤßert⸗ und Koͤnig Ordunno der Zweite daſſelbe zu Leon glaͤnzend geordnet ¹⁹), fiel an den Gemahl der Erb⸗ tochter, an Don Fernando, Sohn Sancho, jenes Großen, fuͤr den die caſtiliſche Freigrafſchaft koͤnig⸗ liche Hoheit erhielt. 20) Unter dieſem Koͤnig iſt der CEid geboren worden. Vor vielen verfloſſenen war an großen Bewe⸗ gungen dieſelbe Zeit fruchtbar. Der Stuhl des Emir's⸗el⸗Mumenjm, des altverehrten Chalifen⸗ ſtamms von Omajah, der zu Cordova dem ganzen —— arabl⸗ 168) 1037. 19) 914. 20) Bereits durch den Vertrag 1033. 17 grabiſchen Spanien als Oberherr gebot⸗), wankte ſeit mehreren Jahren durch der Fuͤrſten Schwaͤche und mancherlei Unruhen. Eben da er neu befeſtiget werden ſollte, fiel er wunderbar auf einmal. Da wollte die Gemeinde einen Herrn vom Hauſe Abder⸗ rachman Naſr des Omajadam, welcher vor den Un⸗ faͤllen mit beſonderer Weisheit bei einem halben Jahrhunderte die Regierung gefuͤhrt. ⸗) Der Ge⸗ waͤhlte ſtand, zu Empfang der Eide; da ploͤtzlich wie ein Geiſt unter alles Volk fuhr, und jeder ſchrie: „der Allmaͤchtige hat ſein Antlitz abgewendet von dem Hauſe Omajah! Dieſer wird ungluͤcklich regie⸗ „ ren; hinweg mit ihm!“ Er, vergeblich bittend, floh; die alles zuſammenhaltende Oberherrſchaft. ging unter ²³); wo in einer Stadt alter Adel*⁴), er 1 oder naͤherer Vaͤter Großthat, wo Reichthum und Kuͤhnheit einem Statthalter Anſehen gaben, erhob er ſich zum Emir oder Schelch. Wie leicht wurde dem erſten caſtilianiſchen Koͤnig die Eroberung vieler 21) Seit 755. 22) 912— 961. Daß Heſcham el Mowazed, ſein Enkel, minderzjährig war, gab den Anlaß des Verfalls. 23) Dieſes nach Abulfeda, dem clafſtſchen Geſchicht⸗ ſchreiber der moſlemiſchen Staaten. Im Jahr 1031. 24) Abulkaſem Mohamed Sohn Iſmaels des Sohns Ab⸗ bad, Vater der Fürſten von Sevilla, war aus dem ur⸗ alten arabiſchen Königshauſe von Hira; Abulfeda. Herders Werke z. ſchoͤn, Lit. u. Kunſt. V. 3 2 18 großen und unbezwingbar gehaltenen Burgen, die unterwerfung der einander nachſtellenden Fuͤrſten! Ein vereinter ſtandhafter Druck von Seite der Koͤ⸗ nige und Ritter aus Caſtilten⸗Leon, von Arragonien und Navarra, und es ſchien das fremdartige Reich der Vernichtung nahe.— Eitel iſt des Eroberers Hoffnung, wenn bedrohete Staaten in der Kraft ihres urſprungs und in ihrer Natur noch bei Zeiten Huͤlfe ſuchen. Gleichwie im neunzehnten Jahrhun⸗ derte die Reiche Europens noch nicht unter eines Einzigen Joch fallen werden, wenn ſie(wie unſere Vaͤter im Frankenbund und Schwabenbund mit ſchlechten Waffen dem Roͤmerreich widerſtanden) ei⸗ len, den Handſchlag ſich geben und mit aller Macht Erhaltung der Ehre und Freiheit oder den Tod ſu⸗ chen, eben ſo beſtanden, bei ihren unzaͤhligen Feh⸗ lern, die ſpaniſchen Araber, noch faſt fuͤnfthalbhun⸗ dert Jahre, durch die Huͤlfe aus Afrika, von wo ſie hieher gekommen, und eben das Glaubensfeuer, wodurch ſie ein herrſchendes Volk geworden. Die⸗ ſes, geſchehen in des Eid lezter Zeit, wird unten beſchrieben. Geboren wurde Ruy Diaz einem tapfern, ſieg⸗ reichen Vater, von Donna Tereſa, der Tochter ei⸗ nes reichen Grafen Diego Rodriguez, der Statthal⸗ ter in Aſturien war. Das Jahr, der Ort iſt unbe⸗ 19 kannt. ²³) Vivar, wovon er genannt wird, eroberte mit anderen Orten Dlego, ſein Vater, in dem Na⸗ varriſchen Krieg.*6) Des Koͤnigs Vater hatte das aͤlteſte Caſtllien, von den Bergen Oca bis an das cantabriſche Meer, mit Navarra dem Stammreiche, ſeinem Erſtgebornen, Don Garcia, hinterlaſſen. kerum beneidete ihn der Herr des beſſern, groͤßern Theils, Don Fernando, ſein Bruder, Koͤnig zu Ca⸗ ſtilten⸗Leon, verſuchte durch Hinterliſt ihn zur Ent⸗ fagung zu noͤthigen, und als Garcia(das iſt jener navarriſche Krieg) Rache verſuchte, erſchlug er ihn. Denſelben Tod nahm ſein Bruder Don Ramiro, Koͤnig von Arragonien, in einer Schlacht, worin vor allen der Eid geglaͤnzt ²*), noch bei Fernandv's Le⸗ ben, durch Sancho, deſſen Sohn, welchen er ſeinem Vaſallen, dem arabiſchen Emir von Zaragoza, wi⸗ 25) Gemeiniglich wird das Jahr 1026 angenommen. 26) 1054. Ulvar et illa petra, wird in Cid's Chronik N. 1. genannt. 27) 1063. Eben daſelbſt und bei Zurita. Das iſt die Schlacht bei Grados zwiſchen den Flüſſen Iſabena und Eſera; Riſco. Die Arragonier behaupten von Ra⸗ miro, wie nachmals von Sancho, ſeinem Sohne, dieſe Fürſten ſeyen auf ihrem Bette ruhig geſtorben. Das Gegentheil wird von auch wichtigen Schriftſtellern er⸗ zählt: gewiß iſt die Schlacht, und in derſelben des Cid hervorleuchtender Muth. Das übrige müſſen wir nä⸗ herer Prüfung vorbehalten. 20 der ſeinen Bruder zu Huͤlfe geſandt. Bald nach dieſem ging der große Don Fernando, prangend mit dem Lorbeer vieler arabiſchen Siege, aber befleckt mit dem Blute wenigſtens Eines Bruders und ſei⸗ nes Schwagers ⸗3), zu ſeinen Vaͤtern. Drei Soͤhne hinterließ er, durch einander ungluͤcklich; zwei ſtar⸗ ben unnatuͤrlich; der dritte, groͤßte, Alfonſo, hinter⸗ ließ von ſechs Gemahlinnen keinen Sohn, ſondern eine zum Ungluͤck geborne, verruchte Tochter. Nicht Macht, nicht Reduer ſchirmen ein blutbedecktes Ge⸗ ſchlecht; das moͤgen die Gewaltigen der Geſchichte glauben. Des Ruy Diaz, unter Fernando aufbluͤhende Jugend haben die Dichter mit der Maͤhr mancher Abenteuer geſchmuͤckt, welche zum Theil uͤbel erfun⸗ den, aber wohl beſungen, zum Theil aus Veranlaſ⸗ ſungen ſeiner ſpaͤteren Jahre genommen ſeyn mag⸗ Dem Geſchichtforſcher, beſtimmte Beweiſe und ge⸗ naue Angaben ungern vermiſſend, leuchten aus den urkunden ſelbſt ſo fruͤhe Spuren ganz ausgezeichne⸗ ten Ruhms entgegen; zu groß erſcheint in aͤchten Geſchichten Pimena, die zaͤrtliche maͤnnliche Frau; zu freudig wiehert, in Sagen und Liedern, Babieca, das ſtreitluſtige Roß, um grauſam abzufprechen, 23) Des letzten Königs von Leon. 21 wo vieles die Zelt noch erklaͤren, und ferneres For⸗ ſchen zeigen duͤrfte, daß das unerwieſene nicht immer unerweislich bleibt. Koͤnig Sancho von ganz Caſtilien, der Starke, der Erſtgeborne Fernando's, hatte ſchon als Kron⸗ prinz ²9) den Ruy Diaz mit ungemeiner Liebe und bald vollem Vertrauen ſich zugeeignet. Nie als El Moktadir mit Zaragoza unter des Vaters Joch ge⸗ bengt ³⁰), nie als eben dieſer Emir gegen Arrago⸗ 29) Dieſes iſt daraus erweislich, weil Sancho ſchon zwei Jahre vor dem Tode ſeines Vaters den Cid bei Grados wahrlich als Mann zur Seite hatte. Ri ſco hat, oh⸗ ne dieſes zu bedenken, die Ausſage der Chronik„wie Sancho den Cid zu ſich genommen“ auf das Jahr 1065, wo er den caſtiliſchen Thron beſtieg, ausgelegt. Dieſer Mißgriff bewog ihn, in Zeiten Fernando's dem Cid alle Thätigkeit abzuſprechen. Wie daß der gelehrte Mann vergaß, daß noch bei des Vaters Leben guch Don Sancho König(von Celtiberien) hieß! Dieſe Berichtigung rettet eine Menge Ueberlieferun⸗ gen von dem Vorwurf der Unmöglichkeit, macht auch unnöthig, ſein Geburtsjahr von 1025 über zwanzig Jahre weiter herabzuſetzen. Es iſt eine, auch unter uns nicht unbekannte Krankheit gelehrter Männer, bei der Entdeckung einer noch ungebrauchten Quelle mit Wegwerfung alles bisher Angenommenen, beſon⸗ ders der Ueberlieferungen, anzufangen; ſorgfältige Prüfung würde rathſamer ſeyn. 30) Im Jahr 1049. Wenn, wie Riſco ſelbſt nicht läug⸗ net(nur mag die Jahrzahl ihm nicht gegenwärtig geweſen ſeyn), auch dieſen Zug der Cid mithielt, ſo wird obbemerktes noch weit auffallender beſtätiget, und 22 nien beſchirmt wurde 3¹), wich der Juͤngling von der Seite ſeines koͤniglichen Freunds. Da er den Thron beſtieg, ſetzte Sancho uͤber das ganze Heer ihn, den Campeador. ³²) Wie waͤre unwahrſcheinlich, daß der Held, vor oder nach dieſem, fuͤnf grabiſche Haͤupter(Koͤnige wie jene fuͤnf in Abrahams Krieg) zinsbar gemacht⸗ von ihnen Cid, Herr, genannt, und von ſeinem er⸗ freuten Herrn der Name ihm geeignet ward! Un⸗ moͤglich iſt nicht, daß Kaiſer Heinrich der Dritte, unter den Deutſchen beinahe der maͤchtigſte, in der Bluͤthe ſeines Gluͤcks, von einem deutſchgebornen ſteht man, daß er nicht als vaterloſer Waiſe, ſondern ſchon bei Diego's Leben am Hoflager des Kronprinzen geweſen. 34) 1063; oben N. 27. Ahmed el Moktadir, Sohn Su⸗ leiman des Hudiden, war Herr von Zaragoza und von der obern Mark(Togr⸗al⸗glah)(Abulfeda, Rodri⸗ g0) von 1058 bis 1081. 32) Könnte nicht da her dieſer NRame kommen? Cid wird in urkunden ſeiner Zeit(wie officiellen Benen⸗ nungen und nicht Aeußerungen der Volksſtimme ge⸗ ſchieht) Campeador genannt; Urkunden Königs Al⸗ fonſo VI. und Ximena der Wittwe Cids; bei Riſco. Daß er in dem Krieg wider Garcia, den gallegiſchen König, Alferus(Bannerherr) ward(Pagi a. a. O.) iſt ſehr vereinbarlich mit der Chronik N. 1. Oberfeldherr wollte er nicht ſeyn gegen Brüder ſeines unbeerbten Herrn. 25 2 Pabſt ³³) beguͤnſtiget, auch uͤber Spanien veralterte kalſerliche Obergewalt in Anregung bringen wollen, und in des Koͤnigs Rath, und vor den Kommiſſa⸗ rien die Wuͤrde der Nationalfreiheit auf das aller⸗ waͤrmſte von dem Cid verfochten worden. Koͤnnte des ſtolzen Gormaz großdenkende Tochter nicht ſeine erſte imena geweſen ſeyn 34)? Wenn er au⸗ ßHer dem Hauſe, der Muͤlle und anderen Gebaͤulich⸗ keiten zu Vivar nicht viel ererbt 3s), und gleichwohl vor den in eigenem Namen gefuͤhrten Kriegen ur⸗ kundlich als ein ſehr beguͤterter Mann erſcheint ³6),“ 33) Victor dem Zweiten aus den Grafen von Calw. Die Ausmahlung iſt oft ſehr ungelehrt; an dieſe halten ſich die Verächter der Ueberlieferungen; ſie thäten beſſer dieſe zu entkleiden.. 34 Die nachmals vorkommende, erweisliche Heirath iſt von 1074; war er 1026 zur Welt gekommen(welches nicht widerlegt iſt), welcher Raum für einen Mann von Lebendigkeit in faſt einem halben Jahrhundert! Wir fanden erſt nachher unſere Vermuthung auch in Sandoval's Geſchichte Alfonſo VI. 35) Die muela, die sierra, die cueva ſind urkundlich und in der Sage; wenn aber ſeine Feinde ſpotten Quien nos darie nuevas de Mio Cid el de Bibar, Fues’ à Riodovir en los molinos picar, E prender maquilas como lo fuele far', (Poema 3390 ſ. f.), ſo kann man des Gedankens, daß er urſprünglich arm geweſen, ſich nicht entwehren. 36) In der Carte de arras 1074, 10. Juli, gibt er der Pimena einige dreißig Güter(ſee iſt bei Riſco). 24 ſo muß in ſeiner Jugend manches geſchehen ſeyn, wovon die Uͤrkunden fehlen. Koͤnig Sancho, der den Beſten und Groͤßten ſeiner Spanter am meiſten ehrte und liebte, mochte ſo ſchlimm nicht ſeyn, wie manchmal ein Fuͤrſt nach dem Ungluͤck vorgeſtellt wird.*) Er zerfiel, mit ſeinen Bruͤdern und Schweſtern, ohne Zweifel we⸗ gen der Oberherrſchaft. 37) Billig waͤre eine ſchoͤne Nutznießung jedem, das hoͤchſte der Staatsverwal⸗ tung ihm dem Erſten geblieben. Sein Heer ſiegte (der Campeador trug das Banner) bei Llantada am Piſuerga. Zum andernmal ſtanden die Bruͤder in der Feldmark von Carrion, bei Golpejares, wider einander ³³); ſchon blieb Sanchen kelne Hoffnung als die Schnelle ſeines Pferdes; da ſchlug der Eid ſiegtrunkene Feinde, Alfonſo wurde gefangen, Schon zuvor fiel in Galicien des andern Bruders Garcia unweiſe Regierung. Von Toro mußte Donna El⸗ vira weichen. Der Ueberwinder legte ſich vor Za⸗ *) Fuit homo formosus nimis et miles strenaus; Pela⸗ gius von Oviedo bei Pagi crit. in Baron. 1071, XIX. 37) Der Erſtgeborne behauptete ſie mit Recht; ſo hatte felbſt Ludwig Pius getheilt; aber die Verhältniſſe wa⸗ ren in den meiſten Verfügungen unvollſtändig oder nicht beſtimmt. 1 386) Cids Chronik N. z. die Schlachten in Plantata et Vulpegera. Pelagius: Gosbiliera. Erzbiſchof Ro⸗ drigo: in Vulpecularia. 25 mora, der andern Schweſter Urraka gewaltige Stadt; vor deren Mauern der Cid Campeador, von ſieben Bepanzerten und acht Leichtſtreitenden zugleich an⸗ gerannt, einen erſchlug, zwei niederwarf, und durch den Schrecken ſeiner Anſicht und Waffen die uͤbrigen zwoͤlf in die eilfertigſte Flucht gebracht ³⁹); er, der den Vornehmſten von Pamplona Eimeno Garcez, er, der Fares von Medina Celi, den mohammedani⸗ ſchen Rieſen, in anderweiten Kaͤmpfen unter ſeine Knie beugte. ¹⁰) Als vor Zamora Koͤnig Sancho meuchelmoͤrde⸗ riſch erſtochen, und ſofort Alfonſo, den der Eid vor acht Monaten ſchlug, auf den Thron berufen wor⸗ den, wurde er von dem neuen Koͤnig mit groͤßter Achtung empfangen. 1¹) Alfonſo, der, wenn er wollte, ſehr gut verſtand Koͤnig zu ſeyn, ehrte ſo des großen Dienſtmanns jetzt ihm heilige Treu, daß er ſich alle Muͤhe gab, ſich denſelben ganz zuzneig⸗ 39) Chronik N. 1. 40) Sben dieſelbe. Dieſe Begebenheiten ſind etwas ſpäter. 40 Er ſoll im Namen der Stände Caſtiliens ihm über Sancho's Ermordung einen Reinigungseid mit ſo ein⸗ dringlichem Ernſt vorgeleſen haben, daß Alfonſo er⸗ ſchüttert und beleidigt ward. So die Romanzen. Eid’s Chronik N. z. hat es nicht. Es wird von Ge⸗ ſchichtſchreikern, aber nicht als gewiß, erzählz, 26 nen. Er gab ihm die Hand ſeiner Nichte, Donna Pimena, welche Elvira, zweite Schweſter des letz⸗ ten leoniſchen Koͤnigs, dem Statthalter Aſturiens, Grafen Diego, gebar 4); nicht weniger durch Schoͤnheit glaͤnzend ¹⁵) als durch alle Tugenden einer großen Frau. Alſo glorreich begleitete CEid Ruy Diaz den Koͤnig auf der Wallfahrt nach Oviedo. 44) Da ſaß mit Wenigen Er uͤber große Streltfragen als Richter 4⁵); er machte, daß der Weg des Rechts vorgezogen wurde 4⁶): wer wollte Zweikampf ſtehen dem Campeador! ¹) 42) Bei Riſco die Charta arreharum 19. Jul. 1074. Ego Roderico Didaz; Scemena, filia Didago ducis de terra Asturiensis(daher in der Chronik N. 1. von Oviedo genannt). Unterzeichnet von Alfonſo, Urraca und Helvira, ſeinen Schweſtern, cum fratribus(unäch⸗ ten? oder Brüdern Cid's oder der Pimena, die aller⸗ dings mehrere hatte?). Im übrigen führt Sandoval für dieſe Heirath und Abſtammung außer Biſchof Peters Chronik(N. 1) auch eine caſtilianiſche ur⸗ kunde an. 43) Decor pulchritudinis iſt in der Urkunde. 44) Nach S. Salvators Domkirche, im Frühling 1075. 45) In Sachen Arias Biſchofs zu Oviedo, des Grafen von Vela und deſſelben Bruders Vermudo Ovequiz über ein Kloſter zu Taule; Urkunde am Ende März 1075; bei Riſco. 3 46) In Sachen des Königs gegen die Infanzones del con- cejo de Langreo; 24. März. Die Urkunde eb. daſ. 47) Der König nennt ihn ſo. urkunde für Abt Liei- 27 Solchermaßen, und noch durch Steuerfreiheit fuͤr Vivar 4⁸) geehrt, wurde er von dem Koͤnig an die arabiſchen Fuͤrſten von Cordovg und Sevilla ge⸗ ſandt, welche um den caſtilianiſchen Schirm Tribut gaben. 49) Er fand El Motamed, den ſevilliſchen Fuͤrſten, in großer Gefahr, von Abdallah Sohn Mo⸗ daffer's, Fuͤrſten von Granada, deſſen Großvater Malaga erobert so) und welcher viele, ſehr vorneh⸗ me chriſtliche Ritter in Sold hatte 5¹), uͤberwaͤltiget zu werden. Der Campeador, ſofort, mahnte ab von Krieg wider die Schirmgenoſſen Caſtiliens; ver⸗ nius, ſeinen Vetter(Ego Adefonsus Imperator Hispa- niae); bei Riſco. 48) Riſco. Beſtätiget bis zur Zeit Philipps V. 49) Der Fürſt von Cordova Abbad, Sohn des Fürſten El Motamed Mohamed Sohn Abbad, von Sevilla, war um dieſe Zeit umgebracht worden; ſiehe Abu Bekr el Kodj von Valencia bei Caſiri Bibl. Arab. Hisp. t. II. p. 44.(Er muß ein Kind geweſen ſeyn; der Vater war erſt 36 Jahre alt). Die Chronik N. 1. nennt den Fürſten von Sevilla Moktemir; wir folgen lieber den Arabern. 50) Badis el Hadſheb el Modaffer; Abulfeda. Er ſtarb 1072; da folgte ſein Enkel; Balkin, ſein Sohn, ſtarb wohl vor ihm. Die Chronik N. 1. nennt den Enkel auch el Modaffer. 31) Chronik N. 1. Garcia Ordonnis; Fortun und Lope (Lupus) Sanchez, Brüder, deren erſterer die Tochter Königs Garcia(† 1054) von Navarra hatte, Diegs Peres(Pedriz) vom caſtiligniſchen Hofe. 2⁸ geblich. Sie fielen verwuͤſtend in das Cordovani⸗ ſche. Wo in der Feldmark von Monturque der Weg von Agullar ſich nach Lucena und Cabra theilt, und der Stein des Cid bis auf uns genannt wird ⁵2, ſchlug er Granada in dreiſtuͤndiger Schlacht und wur⸗ den die Ritter von ihm gefangen. Hierauf ſuchte Eid, wie Caͤſar 5³), einen edlern Sieg durch Guͤte, indem er am dritten Tag die Gefangenen frei ließ. Dafuͤr fuͤhlten die nichts, welche das groͤßte Unrecht hatten, ſeine Anverwandte 5¹), Diener ſeines Koͤ⸗ nigs. Von dem an wurde er, anfangs ohne Erfolg, bei Alfonſo verlaͤumdet. Es war aber Cid bei ſei⸗ 3 ner Geradheit, bei ſeiner ſtrengen Tugend, ein groß⸗ muͤthiger, guter Mann, unbeugſam, hochgeſinnt, Veraͤchter des weichlichen Lebens; der Ernſt ſeiner Zuͤge, ſein breiter langer Bart*) erweckte nur Ehr⸗ furcht und Scheu; einen Erſten Freund, Alvaro Fa⸗ nez Minaya, Waffenbruder, in Freud und Leid ihm 52) Man ſehe auf demſelben Merkmale einer Burg. Riſco. 53) Siehe den vortrefflichen Brief an Oppius und Balbus. 54) Beſonders Garcia Ordonnit, der in dem Heiraths⸗ briefe für Ximena ſein Bürge(ädejussor) geweſen, und, wie das Poema zeigt, von nun an, bis er ſtarb, ſein bitterſter Feind wurde. *) Er iſt berühmt; Riſco hat vor ſeiner Geſchichte das männlich ſchöne Bild, 29 treu, ſeine Pimena und ſeine Kinder liebte er; das Hofleben war nicht ſeine Sache. Im naͤchſten Jahr ⁵s⁵), als der Koͤnig wider die Unglaͤubigen in Suͤd ausgezogen, zogen feindliche Schaaren aus Arragoniens Gegend uͤber den Duero wider Gormaz, die Burg. Der Campeador, von einer Krankheit erſtanden, ſchlug dieſe. Auf dem Ruͤckzug nahm er von ihren Glaubensgenoſſen die Rache; ſiebentauſend Menſchen mit all ihrem Gut fuͤhrte er aus dem Toletaniſchen weg. Der Vater des Fuͤrſten von Toledo, Almamun Jahia Sohn Diel Nun'’s, aus afrikaniſchem Geſchlecht 56), war in Kö⸗ nigs Alfonſo ungluͤcklicher Jugend ſein Gaſtfreund, und hatte deſſen Wort, ſeinen Sohn zu ſchonen. Die Feinde Cid's bei Hofe ſtellten vor,„wie der „ſtolze, neidiſche, damit nur Alfonſo nicht ohne ihn „ſiege, Toledo ohne Befehl zum Kriege gereizt, um „den Koͤnig zum Ruͤckzug zu noͤthigen.“ Deßwegen,⸗ oder weil er friedbruͤchig oder ohne Befehl gehandelt, wurde ihm auferlegt, Caſtilien auf eine Zeitlang zu verlaſſen. 5) Geblendet, ſeit er Koͤnig ward, von 55) 1077. 55) Abulfeda, mit Caſiri's Quellen einig. Er ſtarb 1076. 57) Die Romanze: auf Ein Jahr; vier habe er genom⸗ men. In der That blieb er in das zwölfte Jahr ab⸗ weſend(nach der Chronihd); aber dieſe Maßregel 30 ungetruͤbtem Gluͤck, durch allzu lauten Ruf der Tha⸗ ten Eid's etwa beleldiget, hlelt Alfonſo fuͤr gleich⸗ guͤltig und erleichternd, einen ſolchen Mann nicht um ſich zu haben. Der Cid, nach alter Freundſchaft, aus den Zei⸗ ten der vorigen Koͤnige, begab ſich nach Zaragoza. Ahmed el Muktadir nahm ihn freundlich auf, und lehr⸗ te ſeinen Sohn, in dieſem Mann die Stuͤtze ihres Reichs verehren. Daher, als der Grels zu ſelnen Vaͤtern ging, Joſeph el Muktamam die ganze Herr⸗ ſchaft von dem Cid verwalten ließ. 58) Welslich: denn bald uͤberzog ihn El Faglb, ſein Bruder, un⸗ zufrieden, daß ihm der Vater nur Denla gab 9; mit ihm Koͤnig Sancho von Arragonien und Navar⸗ ra 60), Berenguel Ramon, Graf zu Barcellona, und ſcheint wirklich nicht eben Folge wahrer bitterer un⸗ gnade geweſen zu ſeyn; der König mochte nützlich fin⸗ den, daß er dort ſich aufhalte; ſein Vaſall war von Arragonien bedrohet. 58) Dieſer Emir herrſchte von 1081 bis 85. 59) Ein ziemlich weit entferntes Reich; aber die zarago⸗ ziſche Dienſtmannſchaft ging nahe bis Valeneia(poe- ma), und wir wiſſen, daß der Emir von Sahlat ein weiſer, friedſamer Fürſt war(Abulfeda); daher der alte Muktadir in einer der vielen unruhen Denia wohl einnehmen mochte. 60) Des 1063 bei Grados, nicht ohne Cid's Veiwzerung, unglücklichen Don Ramir's Sohn. 1 31 viele Maͤchtige des Gebirges. 67) Gerecht, als fuͤr Caſtiliens Schirmverwandten, aber traurig, weil zwiſchen Bruͤdern, ſchwer, und, bei⸗feindlicher Ueber⸗ macht, blutig ſchien dieſer Krieg dem Eid: aber ſeine Nachgiebigkeit erhoͤhete den Trotz. Da ſchlug er die ſichern. 5) Viele der Großen und Graf Beren⸗ guel, des Heers Fuͤhrer, fielen in ſeine Hand; am fuͤnften Tag entließ er ſie. Sancho, der Koͤnig, hat hier nicht geſtritten. Sein Stolz(den Cid ver⸗ geblich ſchonte) wurde nachmals in den Bergen von Morella durch den Verluſt einer groͤßern Schlacht gebeugt 6³); wo der Campeador zweitauſend Gefan⸗ gene gemacht und(er, unermuͤdlich edel) frei gab. 54) Aber Moktamam, an Gold, Silber, mit aller mor⸗ genlaͤndiſchen Pracht, noch mehr durch Ehrfurcht und Liebe dankbar, er und die ganze Stadt Zaragoza zo⸗ 61) Die Grafen von Cardena(oder iſt Cardavieſis der von Cerdaigne?), der Bruder des Grafen von Urgel, die Gewalthaber(Potestates) von Rouſſillon(Rocionen- sis), Lambourdan(Impurdensis) und Auſena. 62) Schlacht bei Almenara zwiſchen dem Cinge und Segre. 63) Schlacht bei Alcala di Morella unfern der Mündun⸗ gen des Ebro. 4. 64) Raimund Dalmaz Biſchof zu Roda, Graf San⸗ cho Sanchez von Pamplona, Graf Nunno von Por⸗ tugal, Nunno Suares(Suarii) von Leon, Anaya Snarez aus Galizien, Blaſco Garcez Obriſthof⸗ meiſter. Man ſieht die mannigfalte Zuſammen⸗ ſetzung. 32 gen dem Sieger mit Freudengeſchrel mehrere Stun⸗ den weit entgegen. Bald nach dieſem ſtarb der Fuͤrſt; ſein Sohn Achmed der Zweite el⸗Moſtain⸗billah wurde Emir an ſeine Statt. 65) Alles dieſes vernahm Koͤnig Alfonſo nicht ohne Bewunderung. In einer traurigen Zeit, als Ibn Falak, der vielfaͤltige Verraͤther 66), ihm viele vor⸗ treffliche Ritter gemordet 6), hatte er Eid wieder geſehen, und leicht verſoͤhnt; nur die Gewalt ſeiner hinterliſtigen Feinde mied er.*) Doch als dem — Koͤ⸗ 65) Von 1085 bis 1109; Abulfeda. 66) Zuerſt an dem Emir Moſtai⸗billah, dem er mit caſtili⸗ ſcher Hülfe Adafir ſeinen Oheim entgegen ſetzen wollte: als dieſer plötzlich ſtarb, an dem König von Caſtilien, um ſich den Emir wieder zu ſöhnen. Rueda am Xa⸗ lon war die Burg des Verräthers(Ferreras). Die mauriſche Chronik bei Dombay macht aus dem Vorfall einen förmlichen heftigen Krieg wider Zara⸗ goza, ſcheint aber aus unſerer N., die älter und nä⸗ her war, zu berichtigen. .67) Unter andern den Infanten Don Ramir, den Fer⸗ reras für Cid's Eidam hält(mit dem Stillſchweigen der Chronik N.., mit dem Poem und den Jahren unvereinbarlich). Eben ſo zählt er Gonzalo von Sal⸗ vadores, welcher im Poem weit ſpäter vorkommt, und Runnez von Lara unter die Todten. *) Zuſammenkunft zu Tudela, welche die Chronik N. z. erzählt; vermuthlich als dieſe damals noch mau⸗ riſche Stadt mit franzöſiſcher Hülfe von dem König belagert wurde.(Ur kunde bei Pagi 1034. XVI.) 3³ 3 Koͤnig das Gluͤck wieder lachte, als die Eroberung der alten Hauptſtadt von ganz Spanten 68) den Ruhm ſeines Namens uͤber alle ſeine Vorfahren er⸗ hob, blieb Cid, vernachlaͤſſlget, in Zaragoza. Da erhob ſich Joſeph, Sohn Teſchſin's, der Lemtune, der Morabete, der maͤchtigſte Koͤnig von Afrika, fuͤr die Rache und Erhaltung des Glaubens und Reichs der Araber in Spanien. Von Alters her wanderte in Sahra, der uner⸗ meßlichen Wuͤſte, das Volk der Lemtunen; mit Brod wenig, mit Mohamed's Geſetz unvollſtaͤndlg, mit Bezaͤhmung der Beglerden eben nicht ſehr be⸗ kannt, ſonſt gut, empfaͤnglich; groß unter jenem Koͤnig, der einſt, mit tauſend Kamelen umgeben, zwanzig Fuͤrſten der Schwarzen beherrſchte. 69) Die⸗ ſen und alle benachbarten Staͤmme bewegte der feu⸗ rige Lehrer Abdallah, Sohn Jaſin. In Rabit⸗ ten(Huͤttchen) auf einer Inſel unterrichtete er die Morabeten, ſeine Schuͤler*), die, hochentflammt, 48) Toledo; am 17. Dec. 1086. Jener Sohn Almamun's, den Alfonſo zu ſchonen hatte, war todt. 59) Zur Zeit Tijuletan's, Sohns von Tiklan; ſt. 836. Siehe Abulhaſſan's Ali Sohns Abdallah Sohn Abu Zeraa von Fes Geſchichte der mauri⸗ taniſchen Könige, überſetzt durch Franz von Dombay. (Agram 1704. 11. 8.) *) Er war für den Chalifen in Bagdad, für den Abbaſi⸗ den; ſonſt herrſchte hier der Chalife aus Aegypten, der Herders Werke z. ſchoͤn. Lit. u. Kunſt. V. 3 3 34 ſchwuren:„Alter, dir folgen wir, wenn wir auch „Vater und Mutter umbringen ſollten.“ Da wur⸗ de die ganze Wuͤſte bis an die Goldberge der Schwar⸗ zen°), der Atlas mit hundert eingebornen und ein⸗ gewanderten Staͤmmen, Fes, Mekines, alle Staͤdte in Magrab unterworfen, dreizehn Koͤnige dem Soh⸗ ne Teſchfins zinsbar, und im Gebet von ſieben⸗ zehnhundert Moſcheen ſein Name genannt. Die⸗ ſer iſt Joſeph, welcher von El Motamed Fuͤrſten von Sevilla wider die caſtilianiſche Uebermacht zu Huͤlfe gerufen, in dem ſieben und ſiebzigſten Jahre ſeines Alters an den Ufern der Guadiana nicht weit von Badajoz den Koͤnig Alfonſo, ſchwer verwundet, mit kaum fuͤnfhundert Reitern, dem Reſt eines großen Heers, zu fliehen genoͤthiget.**) Da kam Satemide. Wichtig waren die Verſchiedenheiten der Sunna(Ueberlieferungen und Auslegungen der beider⸗ lei Sekten.) In den Sitten, wenn man die Ceremo⸗ nien ausnimmt, war auch der Morabete nicht eben ſtreng; er nahm monatlich mehr als ein Weib. Seine Schüler, auch ſieghafte Feldherrn, die etwa zu kühn ge⸗ weſen, geißelte er(Herrn von Dombagy's Abulhaſ⸗ ſan Ali). 70⁰) So der Araber; er meint wohl die, von welchen die Schwarzen zu Abulfeda's Zeit Goldſtaub durch die Wüſte brachten. 71) Die große Schlacht bei Zalaka am 23. Okt. 1087, von unſern Geſchichtſchreibern wenig erwähnt, bei Nowazri und von Abulhaſſan deſto umſtändlicher, und wenn 35 Eid wieder nach Caſtillen. Der Koͤnig ſchenkte ihm viele Burgen und was immer er erobern wuͤrde; auf den Marken jene, auf daß er dem Feind nahe ſey. ²) Koͤnig Alfonſo, nachdem ſein Ueberwinder in Trauer um einen Sohn heimgezogen, trug raͤchende Waffen in das Land Sevilla.„³) Nicht weniger Don Rodrigo der Campeador nahm ſiebentauſend Mann auch nach arabiſcher Art vergrößernd, doch ſo erzählt, daß man unſere Nachrichten daraus weit beſſer be⸗ ſtimmen kann. Des Siegers nach Afrika geſandter Bericht iſt auch bei Abulhaſſan. 72) Die Chronik N. 1., wenn ſie dem Aufenthalte bei Moſtain⸗billah neun Jahre gibt, widerſpricht andern gewiſſen Zahlen: der Verfaſſer mag ſich verrechnet ha⸗ ben: wir zählen die neun Jahre entweder(am liebſten) für den zaragoziſchen Aufenthalt im Ganzen(1078— 1087.) oder für die Periode, wo Cid nach dem Tode Muktadir's die dortigen Geſchäfte geführt(1081— 1089). Unter den Burgen, die Alfonſo ihm auf den Marken(in extremis) gab, iſt Gormaz. Wir ſahen ſchon einmal ihn ſich des Ortes gewaltig annehmen. Spur einer erſten Pimene, Tochter von Gormaz! ei⸗ nes Anſpruchs! 73) Eroberung von Labit ⸗el⸗Mewalj; Abulhaſſan. Im übrigen könnte Joſeph(die Jahrzahl nur iſt zu ſchwan⸗ kend) durch unternehmungen der Piſaner und Genue⸗ ſer wider die afrikaniſche Küſte, an der Verfolgung des Siegs bei Zalaka verhindert worden ſeyn. Siehe bei Pagi 1087. II. die quellenmäßige Meldung. 56 in ſeinen Sold 7), brach auf von Gormaz*³), ging uͤber den Duero. Da er in das rauhe Gebirg an den Quellen des Guadalaviar im Lande Teruel kam, ergab ſich der arabiſche Herr von Albarracin; er wurde auch ſein Cid. Weiter zog er hervor auf die Kuͤſte, damit nicht der wiederkommende Mo⸗ rabete, der des Proviants wegen die große Sierra mied und neulich von der Weſtſeite Caſtilien bei⸗ kommen wollte, nun uͤber Murcia und Valencia den Ruͤcken und das Reich Alfonſo's bedrohe. Da Cid in dem Thal erſchien, deſſen Waſſer die Mauern des alten Sagunt(Murviedro) beſpuͤhlt, erſchrack Berenguel, der Graf zu Barcellona, welcher Va⸗ lenoia belagerte. ⁵) Wegen des Koͤnigs Verwandt⸗ ſchaft wuͤrde er nicht angegriffen worden ſeyn 7); aber ſo ſchwer fiel auf ihn die Erinnerung von Al⸗ menara, daß er, wider den Willen der Seinigen, aufbrach und floh. Der Fuͤrſt von Valencia, Jahja el⸗Kadir⸗billah, jener, den der Koͤnig aus Toledo 74) Solidatam; Chronik N.. 75) Darum brauchte er über den Duero zu ziehen. 7⁶) Planmäßig; er wollte die Zufuhr abſchneiden; daher die Chronik:„et fecit contra eam Cebollam et Li- riam.«(Hiezu befeſtigte er dieſe Orte.) 77) Bei Almenara führte Cid Vertheidigungskrieg und nicht für ſich. 37 vertrieb, eilte, mit Geſchenken und Unterwerfung den Campeador zu beguͤtigen. Der Fuͤrſt der Glaͤubigen aber, Joſeph der Mo⸗ rabete, landete mit Macht, und ſeine Mahnung er⸗ ging an alle Fuͤrſten des grabiſchen Spaniens;— nicht mit erwartetem Erfolg: theils fuͤrchteten dieſe die Laſt ſeines Heers, theils war er vor Plaͤtzen der europaͤiſchen Vertheidigungskunſt nicht gewachſen. Woruͤber aufgebracht, nachdem er den Sohn Abdel⸗el⸗ Aziz, Fuͤrſten von Murcia, die Schwere ſeines Zorns fuͤhlen laſſen, Joſeph durch deſſen Reich mit unge⸗ wiſſer Abſicht Koͤnig Alfonſen bedrohete.*³) Dieſer befahl dem Campeador, Halahet, eine von dem Feinde ſehr geaͤngſtigte, wichtige Burg zu entſetzen. Es pflegte aber Don Rodrigo den Krieg nicht ſo mit Ungeſtuͤm als mit Ueberlegung zu fuͤhren. Er wollte nicht, nach ſeiner Feinde Wunſch, durch tollkuͤhnes Vorruͤcken ſeiner wenigen Mannſchaft den Ruhm der Unuͤberwindbarkeit verlieren. Da er Vereini⸗ gung der Heere vorſchlug, wurde von dem Hofe ganz ein anderer Marſch vorgeſchlagen als befolgt.*9) 78) Nach Abulhaſſan. 79) Der König rückte nicht ſo weit vor. Eine Urkunde vom 25. Nov. 1089 für S. Millan, datirt er von dem Lager auf dem Berge Aragon zu Conchilla(das wohl Chinchilla iſt, wo man aus dem caſtiliſchen Lande nach Murcia zieht). Sie iſt bei Riſco. 4 38 Der Cid, betroffen, betruͤbt(er erkannte den Hof⸗ kriegsrath) ritt mit wenigen aus dem Lager, bis er zu Molina vernahm, daß der Sohn Teſchfin's, durch Geruͤchte betrogen, oder uͤberdruͤſſig, von Halahet uͤber Lorca nach Almeria gezogen, und ſich in die Schiffe begeben habe. 80) Don Rodrigo, zuruͤck. Aber Alfonſen wurde vorgebildet, um welchen ruhm⸗ vollen Sieg er ihn gebracht; Unterthans, Dienſt⸗ manns Pflicht verſchmaͤhe er; als Cid Campeador, fuͤr eigenen Ruhm und Vortheil, wiſſe er zu ſtrei⸗ ten. Der Grimm entbrannte.„So miſſe er denn „was er von der Krone hat! Weib, Koſtbarkei⸗ „ten, Geld, was hat er als von mir!“ Die Guͤter wurden eingezogen, Donna Rimena und ihre Toͤchter gefangen. Cid, als er im Lager ³¹) das Ungluͤck vernahm, ſandte nacheinander vier Proteſtationen ſeiner Schuldloſigkeit, und Mannen, bereit im Zwei⸗ kampf ſie zu erhaͤrten. Der Koͤnig, weil er die Wahrheit ungern ſelbſt fuͤhlte, und weil niemand ſich wagte, enthielt ſich zu antworten; Donna Xi⸗ mena ließ er frei. 30) Bei Elſo; Chronik N. 1. Elche in Valencia? Da⸗ rum wagen wir nicht, jene in den Romanzen und im Poem geſchilderte Flucht hieher zu ſetzen; denn da floh er über Burgos. 81) Sie begab ſich mit ihrer Familie nach St. Peter von Cardena. Dort finden wir ſie wieder. 39 Der Cid, verſtoßen, gepluͤndert, zuruͤckgeworfen auf ſich, nun da er frei und fuͤr ſich ſtritt, wurde gluͤcklicher und groͤßer als je zuvor. Nachdem er den Winter im Lager zugebracht, ritt er die Kuͤſte hinauf. Zu Polop, an einem durch Natur und Kunſt feſten Ort 8²), fand er die Zuflucht einer großen Ge⸗ gend, eine Hoͤhle voll Geld, voll ſeidener und ſonſt reicher Stoffe. Als er hierauf Ondara feſtete, beſorgte man zu Denia die Erinnerung voriger Feindſchaft, und erwarb Friede. Deſſen erſchrak Valencia, und El⸗Kadir⸗billah gab großes Geld um ruhig zu bleiben. Der Schrecken des Cid Campeador lag ſchwer uͤber den Großen des Landes; ſo daß der Treuloſe von Denia keines Gutes ſchonte, um Navarra, Arragonien, Zaragoza, Urgel und Bar⸗ cellona zu Vertilgung dieſes einigen Ritters zu waff⸗ nen. Koͤnig Sancho und Ermengald, Graf zu urgel, wieſen es von ſich; Berenguel'n gefiel Geld und Nache, und Moſtain, der Undankbare, meinte, ob man dadurch nicht Alfonſo einen Gefallen erweiſen, ob er es nicht unterſtuͤtzen wuͤrde! Sie ſahen Al⸗ fonſo; er weigerte ſich. So, zornig, gierig und bang, umſtanden ſie, wie einen Loͤwen, den Cid, welcher nach langem Aufenthalte zu Burriana die Kuͤſte ver⸗ 82) Unweit Benidorme, nun im Reich Valencia. 40 ließ. In die ſchoͤnen Berge bei Morella zog er, und in das Gebirge, welches den Cbro in die See beglei⸗ tet. Er, nicht unwiſſend, ſchwieg. Sie, begierig ſeine Stimmung zu erforſchen, verſuchten Liſt. El Moſtain, der alte Freund, ſchrieb an ihn im Ver⸗ trauen, von des Grafen Berenguel erſtaunlichen Ruͤſtungen und Verbindungen, ſeinem Zorn, ſeinem großen Plan. Auf dieſes erwartete er Bitte um Vermittlung, Vergleichsvorſchlaͤge. Cid, in der Antwort, gab ſcherzhaft zu erkennen, daß er den er⸗ ſchrecklichen Grafen zu erwarten gedenke. Da brach, von Calamoxa der Berenguel wuͤthend auf. Er ſah den Eid auf einem hohen Berge(noch traͤgt der Berg den unſterblichen Namen ³³), in einer Stel⸗ lung, die nicht zu uͤberhoͤhen, noch zu uͤberfluͤgeln ſchien.„Aufgebracht,“ ſchrieb der Graf,„außer „mir uͤber den Schimpf des Briefes an Moſtain, „bin ich hier, zum Streit, mit Macht, mit Muth. „Steige herab; verſuche das Feld! Sind Adler, „Geier, Raben ²¹), deine Goͤtter? Steige herab, 33) Immensum Hab'ntiarum montem der Chronik N. 1. halten wir für die in allen Charten bezeichnete Penna del Cid, wo der Weg von Calamoxa gerade hin führt. Letzteres Ort lag in der albarracinſchen Herrſchaft; wir wiſſen nicht, ob auch der Berg? oder ob dieſer za⸗ ragoziſch war?. 34) Nisi, cornellae. Riſco: cornejas, gavilanes, esme- rejones. ———ʒ₰— — 41 „Campeador, wenn du der biſt. Wo nicht, Prah⸗ „ler, Luͤgner ³⁵), ſo wiſſe, ich weiche nicht, endlich „ſollſt aufgerieben werden.“³66) Und das war die Antwort:„Um dein und deiner Freunde ruhmredi⸗ „ges Weibergeklaͤtſch, zu Kalatayub und weiter, „konnte ich euch fuͤr keine mannhaften Ritter halten. „Voran, Graf Berenguel! Du ſollſt mich auf einer „Ebene finden. Scheue nicht die Koſten des Mar⸗ „ſches zu mir; du ſollſt bezahlt werden, o du luͤgen⸗ „hafter Verlaͤumder!“ ³*) Hierauf ließ CEid durch einen verſtellten Ueberlaͤufer dem Grafen beibrin⸗ gen, daß er in der folgenden Nacht aufzubrechen und ſich in unzugaͤngliche Gegenden des Hochgebirges zu⸗ ruͤckzuziehen gedenke. Der Graf, ein von ſich zu groß, vom Feinde zu gering denkender Mann, in Beſorgniß der Sieg moͤchte ihm entgehen, theilte ſich; ſo daß eine Diviſion durch Bergpfade ſich hin⸗ auf in Paͤſſe hinter dem feindlichen Lager erhob, er ſelbſt zum Angriff aufmarſchirte— alles dem Cid, welcher ihn kannte, nicht unerwartet. Alſo wurden die, welche den Berg erſtiegen, von einem Hinter⸗ 4 85) Caſtiliſch, alevoso; franzöſiſch, bauzador. 36) Tandem faciam de te alboroz. Man ſieht, wie das Arabiſche in die Landesmundart überging. 87) Quod feci aleve ad forum Castellae cum bauzia ad fo- rum Galliae ſey erlogen. 42 halt empfangen 83); er von dem Feind, den er flie⸗ hend glaubte, ſchnell, gewaltig, uͤberraſcht, uͤber⸗ mannt, mit ſeinen Alliirten und fuͤnftauſend Mann gefangen, der Troß, die ganze Pracht ſeines Lagers, erbeutet. 89) Der Cid, von einem Fall etwas ver⸗ wundet, ſaß in ſeinem Zelt; er wollte den Mann nicht ſehen; Befehl gab er, ihn vortrefflich zu be⸗ wirthen. Aber Berenguel, in dem Jammer ſolcher Erniedrigung, wollte keine Labung; drei Tage ent⸗ hielt er ſich aller Nahrung: bis der Sieger, uͤber⸗ wunden, großmuͤthig und freundlich Freiheit und Heimkunft ihm in der Naͤhe zeigte. 90) Hierauf er⸗ freute Berengueln Speiſe. Als die Herren uͤber die Loͤſung eins geworden 9*), wurden die Gefange⸗ nen auf ihr Wort entlaſſen. Bald brachten ſie, was 88) Girald commandirte die Hinaufſteigenden, Bruder eines(damalt wohl) berühmten Wilhelms des Nor⸗ mannen; doch entweder nicht deſſen der England ero⸗ bert, auch nicht Wilhelms II.(wie ſollte die Chronik des Königthums nicht erwähnt haben!); vielleicht ein ſonſt nicht bekannter Baſtard des erſtern— wenn nicht Alaman für Normande zu leſen iſt. 89) Nach der Chronik N. 1., deren Erzählung etwas verworren iſt, daher wir gewählt, was das paſſendſte ſcheint. 90) So das Poema. 91) 80,000 Mark des Goldes von Valencia. Sollte die Zahl in der Chronik nicht verſchrieben ſeyn? Wir glauben, es waren 8,000. 43³ moͤglich, dar; fuͤr das Uebrige Geiſel. Da erließ der Sieger den Reſt. Sie, entzuͤckt, ſchwuren, er ſoll ihr Herr ſeyn, ihr Cid. Hierauf nach einigen Monaten erkrankte er zu Daroca; da ſandte er nach Zaragoza um Arznei. Seine Maͤnner fanden bei Emir Moſtain auch Gra⸗ fen Berenguel und ſeine catalaniſchen Ritter. Herz⸗ lich redete dieſer mit ihnen, bis er ſie gewann, zu erwerben, daß der Cid, Campeador, von nun an ſein Freund ſey. Ein edler Feind war Eid gern; ſchwerer war, daß er Freundſchaft gab. Aber er wurde von ſeinen Mannen bezwungen. Wie freute ſich Graf Berenguel! ſo daß er alſobald ſich auf⸗ machte, zu ihm zog, voll Vertrauen ihm ſeine Ge⸗ danken mittheilte, und Catalonien dringend ſeinem Schutze empfahl. 92) Von dem an, in der Welt getroſt, bereitete Graf Berenguel mit ſeinem Freun⸗ de von Toulouſe 93) den Zug zu dem Grab Chriſti; ſie ſtarben in dem heiligen Lande. Don Rodrigo aber, getreu dem Plane, das Reich Valencia der Nation und Religion zu gewinnen, lag vor der Stadt Liria. Zu derſelben Zeit eroberte in Suͤdſpanien der Fuͤrſt der Glaͤubigen, Joſeph, 92) Die Chronik. Es geſchah 1091. 93) Wilhelm dem Allerchriſtlichſten. 1092 zogen ſie hin und ſtarben in dem folgenden Jahr; Art de vérifier les dates. 44 Sohn Teſchfin's, in anderthalb Jahren fuͤnf Koͤnig⸗ reiche, die er zum Theil caſtillaniſchem Schirm ent⸗ riß. 94) Da Koͤnig Alfonſo in den Mohrenkrieg zog 95), ſchrieb Coſtanza von Burgund, ſeine Ge⸗ mahlinn, auch dem Cid,„es wuͤrde gut aufgenom⸗ „men werden, wenn er ihm zu Huͤlfe eilte.“ Er ſofort von Liria durch das Land Cuenca, die Mancha, uͤber Baeza, uͤber Jaen, bis wo er den Koͤnig fand, zu Martos im Cordoviſchen. 96) Der Herr, geruͤhrt, empfing den Ritter ehrenvoll; doch ſiegte der Edel⸗ muth nicht uͤber Mißtrauen und Neid. Granada zu ging der Marſch; aus dieſer, durch tauſend und dreißig Thuͤrme und doppelte Mauer feſten Stadt wmar der Emir Abdallah durch den Sohn Teſchfin's gefangen weggefuͤhrt worden. 9) Der Koͤnig lag auf dem Elvirengebirg 9³), in der Ebene vor ihm der Eid. Dieſes gleich ſchicklich und muthvoll ge⸗ waͤhlte Lager mißfiel:„kuͤhner ſeyn zu wollen, als 94) Abulhaſſan Aliz oben N. 69. 95) Urkunde der Donna Mayor, 12. Jun. 1092 bei Riſco; der einzige diplomatiſche Beweis dieſes Feld⸗ zuges. 96) So die Chronik N. 1. Nun wird dieſe Stadt unter Jaen gerechnet. 97) Abulhaſſan. So that Joſeph auch dem Fürſten zu Malaga, deſſen Bruder. 98) Bei Libriella(Chyonik) auf der Sierra d'Elvira (Riſco). — 4⁵ „der Koͤnig, ſey herabſetzender Trotz.“ Als nichts vom Feind zu fuͤrchten ſchien, wurde abgebrochen, Ruͤckzug verordnet. In der vom Quadalquivir 99) bewaͤſſerten fruchtbaren Ebene, im Hauptquartier zu Ubeda, redete Alfonſo hart mit dem Cid, als der ihm kein Verbrechen anſchuldigen konnte, aber von gereizter Empfindlichkeit eine unſchickliche Aeußerung hoffte, um ihn wegen verletzter Majeſtaͤt gefangen zu nehmen. Der Cid gebot ſich, ſchwieg. Nachts brach er auf, mit wenigen, den Getreuſten. So, von den meiſten verlaſſen und mit allem ſchlecht verſehen, floh Don Rodrigv, wie David vor Saul. Hierin war er dem ebraͤiſchen Helden auch vormals gleich, daß er, ſeinem Gott und Volk eben ſo treu, Sicherheit bei den Unglaͤubigen ſuchen mußte. Nach Burgos kam er ¹⁰0); ſie ſahen den Campeador mit ſcheuer Ehrfurcht, ſtummer Trauer; des Koͤ⸗ nigs Brlefe verfolgten ihn; er wurde nicht gegruͤßt, 9⁰) El Chavir in der Chronik; richtig; Guada iſt Fluß. 100) Hier die Erzählung, mit welcher das Fragment vom poëma(höchſt intereſſant) beginnt; wir bringen ſie hie bei, weil bei der vorigen Ungnade ausdrücklich in der Chronik ſteht:„er ſey im Lager zu Elſo ge⸗ blieben.“ Sie zwar ſcheint auch dieſem Umweg nicht günſtig. Doch, wenn die Scenen des Poéms und der Sage irgend paſſend, hier am beſten. Er mochte dem kürzern Weg nicht trauen; auch die Seinigen wieder ſehen wollen. 1 46 nicht bewirthet, noch unterſtuͤtzt. Lager am Fluſſe Arlanzon; gaͤnzlicher Mangel des Noͤthigſten; und er hatte fuͤr ſeine Freunde, fuͤr Ximene'n, die Toͤch⸗ ter und fuͤr Lanzen zu ſorgen, durch die er in weitem Marſch durch fremdes Land ſich Luft machen und naͤhren moͤge. Da half durch ſchnelle Liſt Martin Antolinez. In dieſer Nacht wurde Achill bewogen, uUlyſſes zu werden. Kiſten, ſchwer von Sand, in Jahresfriſt erſt zu eroͤffnen, wurden, als der Schatz des Cld Campeador, um ſechshundert Mark Silber an Juden verpfaͤndet. Er traute ſeinem Gluͤck, daß hiebei niemand verlieren wuͤrde. Jetzt nach S. Pe⸗ ter von Cardena, wo die Seinigen waren, die ſtark⸗ muͤthige Pimena, Sol und Elvira, die holden Jung⸗ frauen. Sofort nachdem ſie angebetet, empfahl er ſie dem heiligen Ort. Caſtilien aber bewegte ſich; dreihundert Lanzen ¹0¹), die Acht verſchmaͤhend, eil⸗ ten zu der Fahne des Unuͤberwindlichen. Ernſt, je⸗ doch freudig, uͤber die Landmark 0²), uͤber den Duero. Zum erſten wurde Caſtejon gepluͤndert, nach Beuterecht froh getheilt. o3) Alsdann wurden die 101) Que todas tienen pennones. Poëma. 102) Passé por Alcobiella que de Castiella fin es ya; eb. daſ. 3 103) Hundert Mark dem Reiter, fünfzig dem Fußknecht, toda la quinta à mio Cid fincaba(ihm immer ein Fünf⸗ theil); eb. daſ. 47 Maͤnner der Feſte Alcoger durch verſtellte Flucht ge⸗ lockt, bis, als der Hinterhalt ihnen ihre Stadt ab⸗ lief, Cid ſich zu ihrem Untergange wandte. Da fiel große Furcht auf Kalatajub, und erzitterte ganz Teruel; Boten des Schreckens hinunter nach Va⸗ lencia; nicht mehr zum Friedenskaͤufer, dem Emir Kadir⸗el⸗Billah: ihn ermordete Abudſhjafar der Kadi ¹⁰⁴), nun gewaltig durch den afrikaniſchen Schutz. Drei Fuͤrſten ſandte er zum Kampf mit dem Campeador. Dieſe Feldſchlacht war die erſte, worin er auf der Flucht, allein durch ſich, mit weni⸗ gen, vollkommen ſiegte. Dreißig reich verzierte, hohe Streitroſſe brachte Minaya, der Freund, zu dem Koͤnig Alfonſo; der, erſtaunt, uͤber die Treue mehr, als den Muth, nun frei gab, wenn einer oder viele in Cid's Krieg ziehen wolle. 105) Waͤhrend er zu Morella, in einer guten feſten Gegend uͤberwinterte 406), erdachten die Feinde eine ſehr geſchickte Verraͤtherei zu ſeiner Vernichtung. Nicht weit von den Grenzen Arragoniens und Na⸗ varrens(dieſe Koͤnigreiche waren vereiniget unter Don Sancho, ſeinem alten Feinde); nicht weit von der Gegend Caſtiliens, welche ſein bitterſter Feind, 104) Erzbiſchof Roderich von Toledo. 2 105) Dieſes alles nach dem poëma beſchrieben. 106) Dieſes nach der Chronik N. 1. 48 Garcia Ordonniz, in Verwaltung hatte, und nahe der zaragoziſchen Herrſchaft Moſtajns des Treuloſen, liegt eine nicht unbedeutende Stadt, Namens Bor⸗ ja. ¹⁰*) Dahin ſollte durch verſtellte Unterhandlung, als ob der Vorſteher den Ort ihm uͤbergeben wollte, Eid gelockt werden. Einsmals wurde er von Moſtajn dringend erſucht, nach Zaragoza zu kommen, weil der Emir von Don Sancho zu fuͤrchten bekam. 108) Er, unargwoͤhniſch, hin. Sein Blick erkannte ſchnell, daß Moſtains Herz nicht offen ſey. Nicht lang blieb der Plan ihm verborgen. Wie immer wer aus Schwaͤche boͤſe iſt, Moſtajn bebte. Eid aber, von fuͤrbittenden Freunden umgeben, gedachte des Groß⸗ vaters und Vaters, und ſah ihn. Dann marſchirte er den Weg, welchen er einſt von Almenara trium⸗ phirend heimzog. In den Bergen bei Fraga, an der Wuͤſte Arragoniens, fand er den Koͤnig Don Sancho, der, als er ihn ſah, den Groll fallen ließ: alſo, daß der Campeador auch fuͤr Moſtajn Friede erwarb. Nachdem er uUnglaͤubigen die Reue ſo ge⸗ lohnt, 107) Nicht zu verwechſeln mit dem nähern Borias, da die Chronik unſer castrum Borgae ausdrücklich in die Nachbarſchaft von Tudela ſetzt. 108) Don Sancho wollte ſich des Anlaſſes bedienen, da er Moſtaijn gegen Cid in großer Verlegenheit glauben mußte, und das Glück des wider ihn gemachten Plans mit Recht bezweifelte. Siehe N. 57. 49 lohnt, fiel er ploͤtzlich ein bei dem Urheber ſeiner unfaͤlle, Garcia Ordonniz, ſeinem Vetter. Cala⸗ horra, Logronno, Naxera, Alfaro, in ſchnellem Sturm erobert, Flammen in ganz Rioja, die Flucht der ge⸗ pluͤnderten Menge, alles rief zu dem Grafen um Rettung. 106) Sieben Tage gab der Cid, auf daß Ordonniz auf ſey zur Schlacht. Weit und breit*¹0) erging die Mahnung: aber als die Macht verſammelt war, fehlte ihm der Muth; worauf Cid, in Erbar⸗ mung der Landſchaft, allein mit dem Herbſt der Weinberge 111) nach Zaragoza zuruͤck zog. Im naͤchſten Fruͤhling 1²) bekam er Nachricht, wie, nach der Einnahme von Denia, von Pativa*¹3), die ganze Oſtkuͤſte von der morabetiſchen Macht un⸗ aufhaltbar uͤberſchwemmt, und was in vierthalbhun⸗ dert Jahren ſo viele Helden befreit, auf's neue mit Sklaverei bedrohet werde; hievon ſey Haupturſache, 109) Es iſt keine Spur, daß jemals Alfonſo ihm dieſes vorgehalten; es iſt aber auch nicht bekannt, was in Rioja dem Ordonniz eigen, wie überhaupt ſein Ver⸗ hältniß darüber zu dem Könige war. 110) Von Pamplona bis Zamora. 114) Vielleicht weil er unter Mohamedanern deſſelben ent⸗ behrte. 112) 1093. Des Königs Zug ſahen wir im Juni 92(Nro. 95.); daß Cid zu Morella Weihnacht hielt, meldet die. Chronik. 113) Dombay's Abulhaſſan. Auch Segura gewann Joſeph. Herders Werke z. ſchoͤn. Lit. u. Kunſt. V. 4 50 daß der Fuͤrſt von Valencia die Morabeten aufge⸗ nommen und ihnen ein Blutbad der daſelbſt woh⸗ nenden Chriſten erlaubt habe.*4⁴) Da machte Eid ſich auf, mit etwa vierthalbtauſend Lanzen s), und ſetzte ſich zu Cebolla, welcher Ort auf einem Huͤgel, ein paar Stunden von der Stadt, nahe an der See, liegt. Valencia war mit ſeinen Mandelbaͤumen, war mit Gaͤrten ¹¹6) und arabiſchen Landhaͤuſern zier⸗ lich umgeben; durch die Fluren weit und breit lachte die Ernte. Dieſe ließ er durch ſeine Reiterei theils einſammeln, theils verwuͤſten, das Gartenfeld, die Landhaͤuſer verbrennen. Da erbot Abudſhjafar ſich zu allem; nur daß er die Morabeten, Lente des Fuͤrſten der Glaubigen, Lehrer und Muſter des Volks, nicht entfernen duͤrfe. Alſo fuͤhrte Don Rodrigo zum Sturm, worauf bald mit großem Kriegsgeſchrei die Neuſtadt erobert und unermeßli⸗ cher Reichthum gewonnen ward. Als die Maͤnner Eid's mit ihrer Wuth und ihrem Stoß auf Alcudia, der innern Stadt, ſchwaͤchere Pforten zuprellten, wurde von der Mauer um Friede geſchrieen. Die⸗ ſen Frieden gab der Cid im Anfang des Juli:„Die „Morabeten legen die Waffen von ſich, ziehen aus, 11) Chronik. Nro. 1. 115) Poëma. 3600. 116) Miran la huerta, espesa es è grant. 51 „und halten ſich, vertheilt und ruhig, in den Ge⸗ meinden*²*) bis Denia. Wenn inner vier Wo⸗ „ichen der Sohn Teſchfin's mit Macht erſcheint, ſo „wird nach dem Kriegsgluͤck entſchleden; kommt er „nicht, ſo dient die Stadt Valencla dem Eld Cam⸗ „peador.“ Hlerauf verproviantirte er Cebolla und Penna⸗ caſtel, haltbare Plaͤtze, und ſchlug das Land Albar⸗ racin, weil der Vorſteher, ſein Dienſtmann, den Emir Moſtajn lud, alsdann im Ruͤcken ſeiner Feinde zu ſeyn, wenn er Joſeph den Morabeten in der Fron⸗ te wider ſich habe. Dlie Laſt von fuͤnfundachtzig Jahren beugte koͤr⸗ perlich den Sohn Teſchfin's: aber alles Land von Liſboa, von Denia, bis an die Goldberge jenſeits der Wuͤſte, umfaßte er noch mit feſtem Blick; ſein Afri⸗ ka durchzog er jaͤhrlich. Die Menge der Koͤnige diente ihm. Er hatte elnen unglaublichen Schatz. 118) Dem Cid ließ er ſagen, der Krieg wider Valencia mache ihn zu ſeinem Feind. Aber Cid bot ihm Trotz und machte den ſpaniſchen Koͤnigen Muth. Die Schaaren der Morabeten ritten zuſammen: Verſor⸗ 117) Pueblos. 118) 50,000 Centner goldene Dinars, 13,000 an baarer Münze. Aber waren die Dinars nicht auch Münze? Der Ueberſetzung fehlt etwas. Wir ſchöyfen aus Herrn von Dombay Abulhafſan. 3 52 gung, Einſchiffung, Marſch waren langſam wegen der Zahl. Die Valenclaner, da ſie die Bewegung vernahmen, brachen ihr Wort, und verſchloſſen die Stadt. Erneuerung des Kriegs durch Abſchneidung der Zufuhr, welches bei einer der See ſo nahen Stadt meiſt langſam wirkt; aber Cid genoß das Land und ſchonte ſein Volk. In dem neunten Mo⸗ nat*¹9) ſtieg die Theurung zur Hungersnoth; Ein Pferd nur und Abudſhijafars Mauleſel war uͤbrig. Da erſchien die Vortruppe des morabetiſchen Entſa⸗ tzes. Allein die Stellung, die Schanzen, die Ruͤ⸗ ſtung, die Haltung, die Majeſtaͤt des Cid laͤhmte den Muth. Als nun den Erſchoͤpften auch die Hoff⸗ nung verſchwunden, Sturm, Eroberung der ganzen Stadt, und jenſeits der Guadalaviarbruͤcke, des praͤchtigen Palaſtes der vorigen Fuͤrſten. Hundert und fuͤnfzigtauſend Mark gemunztes Gold und Sil⸗ ber ²²0), die koſtbarſten Gefaͤße, Edelſteine, Sei⸗ denſtoffe, wurden vertheilt. Er ſandte dem Abt von Cardena tauſend Mark; er erfreute dieſelben Ebraͤer ¹²¹); hundert Pferde fuͤhrte Minaya zu Al⸗ fonſo, dem Koͤnig. Es knirſchte der Hofneid, es 119) Alſo im April 1094. 120) Denn ſein Fünftheil wird in dem Posm auf 30,000 geſchätzt. 121) Die Romanze ſpricht von ihrer Bezahlung. 53 murrete Ordonniz; der Koͤnig ſprach:„uͤberhaupt „dient mir Eid weit beſſer als Ihr.“ Mohamed aber, Schweſterſohn Joſephs, des Fuͤrſten der Glaubigen, zog in beſchleunigten Maͤr⸗ ſchen heran. Er lag mit unermeßlichem Heere 2²) vor Valencia zehn Tage, hohnſprechend, auffordernd; vergeblich, man ſchwieg. Die Morabeten, ſtolz und ſicher, verbrelteten ſich, das Land auszufreſſen: bis, zu unerwarteter Stunde am eilften Tag, das Rit⸗ terheer mit großem Geſchrei und verhaͤngtem zuͤgel einfiel, und dem verſprengten Schwarm kaum Zeit ließ, mit Hinterlaſſung vieler Todten und des rei⸗ chen Lagers ſich zerſtreut in die ſchnellſte Flucht zu werfen.. Da kam Cid auf Holokau*²³) in Kadir's⸗el⸗Bil⸗ lah feſt gewoͤlbte Schatzkammern, brachte zur Thei⸗ lung hervor den alten Reichthum der Dilnune, was Kadir zu Toledo erpreßt, was Valencia ihn um die Liebe des Volks gebracht. Nachdem er die naͤchſte Serra beſetzt 1²⁴), ſandte er den Freund ſeines Her⸗ zens, Alvaro Fanez Minaya, zu Einholung ſeiner Geliebten. Als Donna Pimena, als die Jungfrauen 122) 150,000 zu Pferd, 30,000 zu Fuße, ſagt(nach vergröſ⸗ ſerter Schätzung) die Chronik. 123) Chronik. Dlokabit. Vier Stunden von Valencia. 124 Einen dem eigentlichen Valencia wichtigen Paß. 54 Elvira und Sol, durch das rauhe Bergland von ſei⸗ nem edlen mauriſchen Freunde, Ihn Galvon, gelei⸗ tet 2⁵), alsdann umgeben von herrlichen Rittern 26), auf den geſchmuͤckteſten Pferden*27) der Stadt nahe kamen, da ſie auf Babieca, dem bekannten Streit⸗ roß 128), den Campeador, ernſt und gut, große Thraͤ⸗ nen rollen ſahen in den ehrfurchtgebietenden Bart, ſank die Frau, uͤberwaͤltigt vom Herzen, zu den Fuͤſ⸗ ſen des Vaters. 129) Wie da ſie in dem erworbe⸗ nen Erb, in der Fuͤrſten Palaſt, wechſelweiſe die große Stadt, das ſchoͤne Land, das weite Meer be⸗ wundernd ſah 30), bewundernder auf den den Blick heftete, der nicht durch Zufall, nicht durch Gunſt, ſondern groß ward durch Gott und ſich! Da ſegnete 125) Posm. Er war Herr(Al cajaz) zu Molina in der caſtiliſchen Sierra. 126) 650;3 Poëm. 127) A petrales è à cascabeles(et à cuberturas de cen- dales de escudos à los cuellos. Cid hatte gute cen- dales de Adria) von der Fabrik adriatiſcher Seeſtädte. 128) Mio Cid saliò sobrél e armas de fuste tomaba, Vistiôs' el sobregonel, luenga trae la barba, Fizo una corrida, esta fue la estrana. Des dia se precié Babieca en quant grant Espana. 129) Quando lo vièò Donna Nimena, à pies se le echaba; Merced, Campeador, en buen ora cinxiestes espada u. ſ. f. 130) Miran Valencia, come yace la cibdad, E del' otra parte à oio han el mar: Alzan las manos por a Dios rogar Desta ganancia eomo es buena e grant. 5⁵ ſie Hieronymus, der treffliche Biſchof, der Manu von Rath und von Muth, ſanft in Troſt und Lehre, an Tagen der Schlacht durch That hervorleuch⸗ tend*³¹); ihn hatte Cid uͤber ſeine Stadt zum Bi⸗ ſchof erkoren. 32) Zu derſelbigen Zeit ſtarb Don Sancho, zu Ar⸗ ragonien und Navarra Koͤnig; Don Pedro, ſein Erſtgeborner, welcher ſchon mit Koͤnigswuͤrde So⸗ brarbe und Ribagorza beſaß, beſtieg des Vaters zweifachen Thron. Da redeten die Großen von Ar⸗ ragonien mit ihm, daß er die Freundſchaft des Cam⸗ peador ſuche. Don Pedro an die Kuͤſte hinab; ſie ſchwuren den lebenslaͤnglichen Bund. Mit einander zogen ſie in die Gegend von Xativa, zwiſchen welcher und der See auf einem langen Bergruͤcken Moham⸗ med, Joſephs Neffe, mit beſſeren Truppen eine vorzuͤgliche Stellung hatte 183); in der See waren 131) De pie è de cavallo mucho era areciado; und ſiehe im Poom, wie er der Unglaubigen mit der Lanze zwei, fünf mit ſeinem Schwert getödtet. 132) Aus Perigord war er gebürtig(Riſco); von Orient kam er dem Cid(Posm); vermuthlich aus dem h. Lande. 133) Dieſe und jene vorige Schlacht mag das Poem ver⸗ wechſelt haben, und läßt unter Valencia's Mauern eine(wohl jene erſte) durch Joſeph, dieſe zweite, auch da, durch Bukar verlieren, welches weder der Chronik Cid's noch der von Fes zuſagen will, und im Posm der Wirkung wegen ſo geordnet ſeyn mag. 56 ſeine Schiffe. Sobald die Afrikaner des Feindes anſichtig wurden, erhoben ſie uͤberlaut Allah Allah, welches Feldgeſchrei in manches Heer Schrecken ge⸗ bracht. Auch die Spanier wurden von Erſtaunen ergriffen. Da ſprengte Cid durch die Schaaren: „Alke, die ihr ſehet und hoͤret, ſind in unſere Hand „gegeben auf dieſen Tag.“ Indeß Minaya, der Freund und Held, auf einer Seite oder im Ruͤcken, den Feind verwirrte, marſchirte Cid mit Pedro ſo unwiderſtehlich auf, daß Mohammed, geworfen, ſein Heil in den Schiffen ſuchte. Dieſe, wegen Untiefen oder ſeindlicher Pfeile, hielten in einiger Ferne, und es blieb ungewiß, ob im Waſſer mehr vergangen oder auf der Wahlſtatt geblieben. Als das reiche Lager den Sieg belohnt ¹34), eroberte Cid Mont Ornes, dem koͤniglichen Freunde zum Geſchenk. Dem Koͤnig von Caſtilien ſandte er von der Beu⸗ te, und zweihundert Pferde. 135) Da ließ Alfonſo 134) Das Feldherrn⸗Zelt habe Cid erhalten(dos tendales la sufren, con oro son labrados), 3000 Mark an Gold und Silber. Er gab von ſeinem Fünftheil ein Zehn⸗ theil der Kirche. Poëém. den Romanzen. Wir geben der Sache ihren mit ächter Hiſtorie vereinbarlichſten Ort. Nur möchte der Anfang etwas höher zu ſetzen, und Mohammeds zweite Schlacht die ſeyn, welche die von Carrion geſehen ha⸗ ben ſollen. Daß die wahrſcheinlich zu Leon geſchrie⸗ bene Chronik Nro. 1. der ſchlechten That leoni⸗ ſcher Grafen nicht erwähnt, iſt keine Widerlegung. 135) Alles, was hier ſolgt, iſt aus dem Poëm und aus 8 57 (ſo oft der Hof ihn nicht mißleitete, auch er keine gemeine Seele!) ſich nicht halten, ihn zu beſuchen; auf der Grenze zu Requenna ſah er den Cid; er wandte ſein Herz nie wieder von ihm. Indeß die Edeln ſich ergoſſen, trieb im Finſtern die Bosheit ihr Werk. Zwei Bruͤder, Grafen von Carrion, hochgeboren, Koͤnigen gleich ²36), beſchloſſen, durch Heirath ſeiner Toͤchter den Reichthum Cids in ihre Haͤnde zu bringen. Alfonſo, arglos, wurde der Werber. Cids Genius(wenn innere Ahnung ſo genannt werden mag) ſagte dem Antrag nicht zu: dem Koͤnig wollte er nichts abſchlagen. Die Juͤng⸗ linge, ſtolz und niedertraͤchtig, zogen mit einem heim⸗ tuͤckiſchen Oheim nach Valencia. Aus Gehorſam (wann der Cid frei handelte, dann war er gluͤcklich), aus Ruͤckſicht wurde die Hetrath geſchloſſen. Die Juͤnglinge nach Valencia. Der Sittenton voll Mann⸗ heit und Ernſt, die Ordnung des Hauſes, das taͤg⸗ liche Geſpraͤch von Ritterkampf und Krieg, der tapferen Maͤnner Unbekanntſchaft mit weibiſcher Ge⸗ faͤlligkeitskunſt, paßte in ihre Art wenig. Alſo mit Donna Elvira und Donna Sol, mit großem Reich⸗ thum, den Cid erbeutet*³), mit Koſtbarkeiten, die 136) De natura Somos de los condes mas limpios. Debiemos casar con fijas de Reyes ò de Emperadores. 137) Ohngefähr 8000 Mark; und hiemit meinten ſie, in Carrion gute Tage zu haben. 58 das Andenken heiligte 133), begaben Diego und Fer⸗ nando, die Juͤnglinge von Carrion, ſich zuruͤck in ihr Land. Sobald ſie ſich des Geleites entlediget und jedermann entfernt, in einer wilden Bergwuͤſte, riſſen ſie den Frauen die Kleider vom Leibe, banden ſie, ſchlugen ſie, bis die Unwuͤrdigkeit und der Schmerz ihre Stimmen erſtickte. Nach vollbrachtem Buben⸗ ſtuͤck ritten ſie nach Carrion, freuten ſich des Geldes und frei zu ſeyn von Weibern, die ihres hohen Adels doch nicht werth geweſen ſeyen. 139) Aber der Cam⸗ peador, zu erforſchen, wie man zu Carrion ſeine Toͤchter halten wuͤrde, hatte einen Vertrauten heim⸗ lich nachgeſchickt; dieſen fuͤhrte Geheul und Winſeln zu Entdeckung des Jammers; die Unſchuld wurde gerettet; ſie kamen zu ihren Aeltern. Da berief Koͤnig Alfonſo(Cid foderte Recht) alle Dienſtman⸗ nen von Leon und Caſtilien an ein hohes Landgericht in die Stadt Toledo. Auch Eid kam, und mit groſ⸗ ſem Gefolge die Moͤrder. Der Koͤnig trug vor 40); 138) Das Poëma muthet unſerm Glauben eine ſchwere Sache zu, wenn es erzählt, er habe die Tizona und Colada, ſeine Schlachtſchwerter, von ſich gegeben— Leu⸗ ten, die er als unkriegeriſch kannte. 139) War nicht Ximena dem König verwandt? Führten ſie ihren Mannsſtamm an die alten gothiſchen Könige hinauf? 140) Die Formel war: Oydme las escuellas, cuendes e infanzones! Man erkennt die Scholas des ſpätern Römerreichs. 59 es ſprachen die Großen und Weiſen. Ruͤckgabe ge⸗ boten ſie der Koſtbarkeiten und Schaͤtze, und fuͤr den Schimpf gerechten Zweikampf der Juͤnglinge mit Mannen, die Cid nennen wuͤrde. Sie ſuchten die⸗ ſen abzulehnen; aber der Koͤnig war fuͤr das Recht. Mit ſchlecht verſtellter Scheu ritten ſie in die Schran⸗ ken; da kamen die Ritter des Cid, rannten ſie und ihren Oheim herunter; das entehrte Leben wurde ihnen gelaſſen. Von den oͤffentlichen Thaten des Cid war die letzte jene, welche in Hannibals Leben die erſte, die Eroberung von Sagunt; und nach dreizehnhundert⸗ jaͤhrigem Wandel der Dinge zeigten ſich die Sagun⸗ tiner der Vaͤter wuͤrdig. Von der alten Maur, welche die treue Stadt umfing, wurde ſie Murvie⸗ dro genannt; noch heißt ſie ſo. Groß war ſie, und wohl auch durch des Alterthums Glanz vor vielen andern Staͤdten anſehnlich. 44¹) Nachdem der Cid viele Staͤdte bezwungen, unverſehens mit aller Macht ſtuͤrmte er auf Murviedro; fand Widerſtand; haͤrter ſetzte er zu; jeder neue Anfall zeugte von erneuer⸗ ter Kraft. Da winkten ſie ihm.„Es koͤnne der „Campeador mit Billigkeit nicht begehren, daß eine „weitberuͤhmte loͤbliche Stadt auf den erſten Augen⸗ ublick ihre Freiheit hingebe; man habe hier von Al⸗ 141) Tantae famae in cognitione gentium; Chronik Nr. 1. 60 „ters her eine andere Sitte; lieber als die Schmach „tragen, werden ſie alleſammt umkommen.“ Dreißig Tage gab Eid; waͤhrend welcher Zeit alle benachbar⸗ ten Fuͤrſten zu Huͤlfe gerufen wurden. Aber die morabetiſchen Hauptleute zweifelten, ob der alte Joſeph eine Heerfahrt unternehmen wuͤrde. Der Emir Moſtain wußte keinen andern Rath als uͤber⸗ menſchliche Tapferkeit; er kenne Cid's beharrlichen Muth. 14²) Der Fuͤrſt von Albarracin ließ ihnen ſagen, daß er wider dieſen Mann ſchlechterdings nichts vermoͤge. An dem caſtilianiſchen Hof beka⸗ men ſie die Erklaͤrung, daß Alfonſo ihre Stadt alle⸗ zeit dem Cid lieber als Arabern goͤnnen werde. Nur meinten die Raͤthe Berenguels des jungen, des ca⸗ talaniſchen Grafen 43), durch Belagerung von Oro⸗ peza eine Diverſion zu machen, waͤhrend welcher die Stadt ſich verſehen koͤnne; doch ſchnell ergriff ſie die Furcht. Murviedro aber, in ungewiſſen Hoffnun⸗ gen, und die Verſpaͤtung des letzten Tags natuͤrlich wuͤnſchend, bat um Verlaͤngerung des Waffenſtill⸗ ſtandes.„Auf daß ihr erkennet,“ ſprach der Cid, „wie wenig ich von dem Entſatz eurer Koͤnige fuͤrch⸗ nte, zwoͤlf Tage noch! Wiſſet, wenn ihr auch dann „umtriebe ſucht, ſo wird eure Stadt in Aſche ver⸗ 142) Homo cervicis et praeliator fortissimus. 143) Des verſöhnten Berenguel's Neffe und Nachfolger, aber in ſeinem dreizehenten Jahr. 61 „wandelt, ſo fallt ihr durch die Schaͤrfe des Schwer⸗ „tes.“ Pfingſten kam, des Stillſtands Ende; kein Entſatz, keine Hoffnung, noch der Muth neuer Bitte. Da bedachte Cid, was es Buͤrgern ſeyn muß, in die Vaterſtadt, in ihre Haͤuſer fremde Krieger ein⸗ fallen, ihr Eigenthum ſich zueignen, ihre Ordnung, ihr Gluͤck ſchmaͤhen und zerſtoͤren zu ſehen, gab von ſelbſt noch uͤber ſechs Wochen 4¹), damit ſie mit ih⸗ ren Weibern und Kindern und mit ihren Sachen ge⸗ maͤchlich ausziehen koͤnnen. Wenn ſein Arm die Bewaffneten uͤberwunden, ſo bezwang ſeine Guͤte die Herzen. 4⁵) Sie, geruͤhrt, ehrfurchtsvoll, zogen von dannen. Solche die blieben, um hinterlaſſenes Gut fuͤr ſich oder die Morabeten zu rauben, wur⸗ den, da ſie daſſelbe nicht gut machen konnten, mit Gefaͤngniß beſtraft. Don Rodrigo Diaz der Cid Campeador,„der zu guter Stunde geborne, zu guter Stunde umguͤr⸗ 144) Wenn, wie wir glauben, Murviedro in dem 1095ſten Jahr erobert wurde(Palencia eroberte Cid 1094 im April; im Juni ſtarb Don Sancho; wir nehmen die letzten Monate für den gemeinſchaftlichen Zug mit Don Pedro; die erſten drei Monate 1095 für die Be⸗ lagerung von Almenara), ſo iſt zu merken, daß Pfing⸗ ſien am 13. Mai geweſen, und er ihnen bis S. Johann Baptiſten Zeit ließ. 145) Fuit tantae bonitatis, ut quos armis subegit, clementia magis vicerit; Roderich Sanche; Biſchof Pa⸗ lenza bei Riſco. 62 tete Ritter 6),“ ſtarb zu Valencia, im vierten Jahr nach dieſer That, unſerer Zeitrechnung in dem tauſend neun und neunzigſten, in der erſten Haͤlfte des Juli ⁴); ein in allen Zeiten und in beiderlei Gluͤck ſich ſelbſt gleichgebliebener Mann. In den letzten Jahren verwandelte er die Moſchee bel dem Palaſt in Valencia in eine praͤchtige Kirche 148); da glaͤnzte ſein Dank in reichen Denkmalen. 249) Der Sultan von Perſien(dazumal Borkejarok der Seld⸗ ſchukide) ſoll den großen Ritter des Abendlandes mit einer Geſandtſchaft beehrt haben, die nicht we⸗ niger den Mann bewunderte, als die Einſalt ſeines Hauſes.*5°) Nach ſeinem Tod(ſein Sohn Diego 146) So wird er im Poëm hundertmal ohne Nennung ſeines Namens bezeichnet: el que en buen ora naſco; el que en huen ora cinxé eſpada. 147) Chronik N. 13 Riſco, nach Uebereinſtimmung der Nachrichten, am zehenten Juli. Chron. Malleacense mit einfacher Würde: In Hispania apud Valentiam Ro- derious omes defunctus est, de duo maximus luctus Christianis fuit, et gaudium inimigis paganis. 148) Miro et decoro opere; Chronik N. 1. 14 mit Gold und Seide gewürkte Guitarren. Unter den Vergebungen im Stiftungsbriefe 1098 ſind zwölf parriliatus infra terminum Muri Veteris. 150) Die Chronik ſagt es nicht, aber die Romanze. Durch Berenguel und andere Pilgrime, durch ſeine Verhältniſſe mit Teſchfin's mächtigem Sohne kann der Name in die Morgenlande gekommen ſeyn, und Fürſten 19) Ein Kelch von Gold, 150 Mark ſchwer; zwei ſeltene 63— Royz ſiel vor ihm in einer Schlacht 51) wurde die Herrſchaft unter Donna Pimena zuſammengehal⸗ ten. 15²) In dem dritten Jahr ¹53) legten die Mo⸗ rabeten ſich vor die Stadt; zu gewaltig ſchien denen die Macht, welchen der Unuͤberwundene fehlte: es kam auch der Sohn Teſchfin's nach Spanien, und bluͤhete neu auf in Abulhaſſan Ali, ſeinem Sohn, dem er ſchwoͤren ließ. 154) Da ſandte die Frau den Biſchof an den Koͤnig Alfonſo. Bei der Annaͤherung des Entſatzes entfernte ſich der Feind. Aber was des Orients haben oft aus andern als politiſchen Urſa⸗ chen Geſandte geſchickt; ſo daß dieſes, wie die Aben⸗ theuer deren von Carrion, weder ſicher noch unmög⸗ lich iſt. 151) Bei Conſuegra in der Mancha; Riſco. 152) Vergabungsbrief der Ximena 21. Mai, 14101 (bei Riſco) Per remedium animae domini et viri mei Roderici Cam Didatoris; de meis urbibus et castris; boni homines mei kommen auch vor; auch Abgaben de balneis detentis vel cabernis(Ciſternen? Höhlen, wie zu Polop?), de alfondicis(Buden, Magazinen), fur- nis, de illas maximas et minimas alcabalas(Steuern von Kauf und Verkauf!). Am verwunderlichſten iſt, ſie von mehreren(cunctis) flliis et filiabus reden zu hören: wenn dieſe Ausdrücke im gemeinen Sinn zu nehmen ſind, ſo müſſen jene bald und unbeerbt geſtor⸗ ben ſeyn, da von ihnen keine weitere Spur iſt. 153) Im Oktober 1101; Riſco;* 154) Der von Dombay herausgegebene Chroniſte dieſes Namens ſetzt die Begebenheit in 1102. Geboren war der Prinz 1084, kam 1105 an die Regierung und ſtarb 1144. * 64 der Eine Mann gewann und ſieben Iahre hielt, ſchien ſchwer zu behaupten fuͤr die Macht von Leon und Caſtilien. Alſo zog*) Donna Eimena mit ih⸗ ren Toͤchtern, der Biſchof Hieronymus 155), alle Ritter und Lanzen und Knechte des Cid, er, der Leichnam, man ſagt in der gewohnten Ruͤſtung und auf dem alten Streitroß in der Mitte ¹36), mit al⸗ lem Reichthum, aus der Stadt, und kamen nach Caſtilien. Zu St. Peter von Cardena wurde der Held in ſeine Grabſtaͤtte geſenkt; Koͤnige und Kaiſer haben dieſelbe verehrt. 15) Da liegt auch die Eimena 5⁸); ſie hatte ausgelebt, nachdem ſie ihn begraben, und ihre *) Daß die Chriſten Valencia ohne Niederlage verlaſſen, ſtimmt überein mit Abulfeda und Abulhaſſan des Herrn von Dombay. 155) Im Jahr 1107 bei Wiederherſtellung des biſchöflichen Stuhls von Salamanca wurde von dem Grafen Don Ramon und von der Erbprinzeſſinn Caſtiliens, Donna Urraca, Tochter Königs Alfonſo, derſelbe, zugleich mit dem Bisthume Zamora, dieſem Hieronymus anver⸗ traut. Er ſtarb 1120. Urkunden bei Riſco. 156) Daß ſeine Gegenwart die Feinde weggeſchreckt, iſt eine Ausmahlung, die doch leicht in Proſe zu überſetzen iſt. 157) Alfonſo X. ließ 1272 das Grab erneuern; da es nach⸗ mals verändert wurde, gebot Karl V. ernſtlich die Her⸗ ſtellung auf dem vorigen Platz; Urkunde 1541 bei Riſco. 158) um 1104 geſtorben; Riſco. 65 ihre Toͤchter, großer Grafen und Koͤnige Muͤtter 159), vortrefflich verſorgt. Unter Baͤumen vor dem Klo⸗ ſter liegt auch Babieca, das treue Pferd. 60) In dem Hauſe zu Viyar, wo Cid, wo der alte Diego gelebt, blieb das Wapen, und lang manche Erinne⸗ rung. 16¹) Der Campeador, groß und gut, die Maͤhre ſeiner Abenteur, worin er Koͤnig Artus und Karln dem Großen gleich ward 162), der Ruhm ſei⸗ 159) Maria heirathet 1103 jener Berenguel, Graf zu Bar⸗ cellona, oben bei N. 143 erwähnt; von imena, ihrer Tochter, ſtammen die alten Grafen von Foix bis auf Gaſton Phöbus, der 1390 ſtarb. Chriſtina heirathet Ra⸗ miro, Infant von Navarra, deſſen Sohn Don Garcia IV dieſes Reichs Thron beſtieg. Durch Blanca, dieſes Garcia Tochter, kam Cids Geblüt in das Königshaus von Caſtilien. So ſtammen auch portugieſiſche und arra⸗ goniſche Könige da her. Dem Poëm, der Romanze⸗ nach wären am Landgericht zu Toledo Elvira und Sol, die unglücklichen Kinder, von Sancho und Garcia In fanten zu Arragonien und Navarra geehlichet worden; welches, wenn es Grund haben ſoll, andere Heirathen als oberwähnte ihrer Schweſtern geweſen ſeyn müſſen. Von dieſen Heirathen ſiehe Riſco und die Art de véeérifier les dates. 160) Welches Cid von früher Jugend in allen Waffentha⸗ ten geritten haben ſoll. Zeigt nicht Büffon ein fünf⸗ zigjähriges Pferd bis in ſeine ganz letzten Tage in Ar⸗ beit, ohne ſo viele Schonung und Wartung, wie Ba⸗ bieca geworden iſt? Hist. natur., gener. T. XI, 105 sedq. (Ausg. Zweibrücken 1786). 161) Zum Beiſpiel unſer Poem. 162) Ihnen und roͤmiſchen Helden vergleicht ihn die ſpä⸗ Herders Werke z. ſchoͤn. Lit. u. Kunſt. V. 5 66 ner erhabenen Seele, den wir von Fabeln moͤglichſt gereiniget 263), ging weit hinaus uͤber Spanien durch Europa in Welten, die er nicht gekannt, hinab den Lauf der Jahrhunderte; er bleibt, er wird bleiben, ſo lang fuͤr aͤchten Edelſinn in menſchlicher Bruſt ein Gefuͤhl uͤbrig iit. Berlin den zten Juli 1805. Johann von Muͤller. tere, doch ſchon alte Grabſchrift, welche ſeiner 72 Sie⸗ gestage erwähnt. 163) Auf daß erfüllet werde, was nach einem andern der ehrwürdige Antoine Pagi gewünſcht. Obiit hoc anno magnus ille heros et fidei in Hispania defensor Roderi- cus Diaz Cidus, quem iure merito queritur Sandovallius, historicum nactum non esse, qui illustres ejus actiones posteritati commendaret(Ann. crit., in Baron. 1099, XXI). — LTa —— ᷣ ——yꝑ,— Der E i unter d Ferdinand dem Großen. 1. Traurendtief ſaß Don Diego, Wohl war keiner je ſo traurig; Gramvoll dacht' er Tag' und Nachte Nur an ſeines Hauſes Schmach, An die Schmach des edlen alten Tapfern Hauſes der von Lainez, Das die Inigos an Ruhme, Die Abarcos übertraf. Tief gekränket, ſchwach vor Alter, Fühlt' er nahe ſich dem Grabe, Da indeß ſein Feind Don Gormaz Ohne Gegner triumphirt. Sonder Schlaf und ſonder Speiſe, Schläget er die Augen nieder, Tritt nicht über ſeine Schwelle, Spricht mit ſeinen Freunden nicht, Höret nicht der Freunde Zuſpruch, Wenn ſie kommen ihn zu tröſten; Denn der Athem des Entehrten, Glaubt' er, ſchände ſeinen Freund. Endlich ſchüttelt er die Bürde Los, des grauſam ſtummen Grames, Läſſet kommen ſeine Söhne, Aber ſpricht zu ihnen nicht; 70 Bindet ihrer aller Hände Ernſt und feſt mit ſtarken Banden; Alle, Thränen in den Augen, Flehen um Barmherzigkeit. Faſt ſchon iſt er ohne Hoffnung, Als der jüngſte ſeiner Söhne, Don Rodrigo, ſeinem Muthe Freud' und Hoffnung wiedergab. Mit entflammten Tigeraugen Tritt er von dem Vater rückwärts; „Vater,“ ſpricht er,„Ihr vergeſſet, Wer Ihr ſeyd und wer ich bin.“ „Hätt' ich nicht aus Euern Händen Meine Waffenwehr empfangen, Ahndet' ich mit einem Dolche Die mir jetzt gebotne Schmach.“ Strömend floſſen Freudenthränen Auf die väterlichen Wangen, „Du,“ ſprach er den Sohn umarmend, „Du, Rodrigo, biſt mein Sohn.“ „Ruhe gibt dein Zorn mir wieder; Meine Schmerzen heilt dein Unmuth! Gegen mich nicht, deinen Vater, Gegen unſers Hauſes Feind“ „Hebe ſich dein Arm!“—„Wo iſt er?“ Rief Rodrigo,„wer entehret Unſer Haus?“ Er ließ dem Vater Kaum, es zu erzählen, Zeit. ——— Angehört den Schimpf des Hauſes, „Geht gedankenvoll Rodrigo, Denkt an ſeine jungen Jahre, Denkt an ſeines Feindes Macht. „In Aſturiens Gebirgen Zählet Gormaz tauſend Freunde, Er in Königs Rath der Erſte, Er der Erſte in der Schlacht.“ Aber, wenn er die dem Vater Zugefügte Schmach bedenket, Was bedeutet alles andre? Recht will er vom Himmel nur. Bravheit iſt er ſeiner Ehre Schuldig; ſchadet der die Jugend? Für ſie ſtirbt aus ächtem Stamme Selbſt das neugeborne Kind. Eilig langet er den Degen Sich herab, den einſt Mudarda Führte, jener tapfre Baſtard; (Traurig hing der Degen da, Als ob er, vor Aktter roſtend, Seines Herren Tod betraure). Eh' er noch ihn an ſich gürtet, Redet er den Degen an: „Dir geſagt ſey es, du edler Degen, daß ein Arm dich faſſet, Gleich des Baſtards Arm! und fühleſt Du, daß ihm noch Stärke fehlt;“ „Rückwärts wird er niemals weichen, Wenn er dich im Kampfe führet; Edler, du von gutem Stahle, Doch von beſſerm iſt ſein Herz.“ 72 „Werth wird deſſen, dem du dienteſt, Der ſeyn, dem fortan du dieneſt; Würd' er jemals unwerth deiner, Nun, ſo dienſt du keinem mehr.“ „Tief in ſeine Eingeweide Birgt er dich— Hinaus in's Freie! (Rief er) denn die Stund' iſt kommen Der gerechtſten Rache Zeit.“ Heimlich, daß es niemand wußte, Ging er aus des Vaters Hauſe; Und noch war es keine Stunde, Traf er ſeinen ſtolzen Feind. 3. Auf dem Platze des Palaſtes Traf Rodrigo auf Don Gormaz. Einzeln, niemand war zugegen, Redet' er den Grafen an: „Kanntet Ihr, o edler Gormaz, Mich, den Sohn des Don Diego, Als Ihr Eure Hand ausſtrecktet Auf ſein ehrenwerth Geſicht?“ „Wußtet Ihr, daß Don Diego Ab von Laynn Calvo ſtamme? Daß nichts reiner und nichts edler Als ſein Blut iſt und ſein Schild?“ „Wußtet Ihr, daß, weil ich lebe, Ich ſein Sohn, kein Menſch auf Erden Kaum der mächt'ge Herr des Himmels, Dieß ihm thäte, ungeſtraft?“— —= 75 „Weißt du,“ ſprach der ſtolze Gormaz, „Was wohl ſey des Lebens Hälfte?— Jüngling!“„Ja,“ ſprach Don Rodrigo, „Und ich weiß es ſehr genau.“ „Eine Hälfte iſt, dem Edlen Ehr' erzeigen, und die andre, Den Hochmüthigen zu ſtrafen; Mit dem letzten Tropfen Bluts“ „Abzuthun die angethane Schande.“— Als er dieß geſagt, Sah er an den ſtolzen Grafen, Der ihm dieſe Worte ſprach: „Nun, was willſt du, raſcher Jüngling?“— „Deinen Kopf will ich, Graf Gormaz,“ Sprach der Cid,„ich hab's gelobet!“ „Streiche willſt du, gutes Kind,“ Sprach Don Gormaz,„eines Pagen Streiche hätteſt du verdient.“ O ihr Heiligen des Himmels! Wie ward Cid auf dieſes Wort! — 4. Thränen rannen, ſtille Thränen Rannen auf des Greiſes Wangen, Der, an ſeiner Tafel ſitzend, Alles um ſich her vergaß, Denkend an die Schmach des Hauſes, Denkend an des Sohnes Jugend, Denkend an des Sohns Gefahren Und an ſeines Feindes Macht. Den Entehrten flieht die Freude, Flieht die Zuverſicht und Hoffnung; Alle kehren mit der Ehre Froh und jugendlich zurück. Noch verſenkt in tiefer Sorge Sieht er nicht Rodrigo kommen, Der, den Degen unter'm Arme, Und die. Händ' auf ſeiner Bruſt, Lang' anſieht den guten Vater, Mitleid tief im Herzen fühlend, Bis er zutritt, ihm die Rechte Schüttelnd:„Iß, o guter Greis!“ Spricht er, weiſend auf die Tafel: Reicher floßen nun Diego Seine Thränen:„Du, Rodrigo, Sprachſt du, ſprichſt du mir dieß Wort?“ „Ja, mein Vater! Und erhebet Euer edles, werthes Anklitz.— „Iſt gerettet unſre Ehre?“ „Edler Vater, er iſt todt.“ „Setze dich, mein Sohn Rodrigo, Gerne will ich mit dir ſpeiſen. Wer den Mann erlegen konnte, Iſt der Erſte ſeines Stamms.“ Weinend knieete Rodrigo, Küſſend ſeines Vaters Hände; Weinend küßte Don Diego Seines Sohnes Angeſicht. —,— — 75 5. Heulen und Geſchrei und Rufen, Roſſetritt' und Menſchenſtimmen, Mit Geräuſch der Waffen tönte Zu Burgos vor Königs Hof. Niederſtieg aus ſeiner Kammer Don Fernando, Er, der König; Alle Großen ſeines Hofes Folgten ihm bis an das Thor. Vor dem Thore ſtand Eimene a); Aufgelöst das Haar in Trauer; Und in bittern Thränen ſchwimmend, Sank ſie zu des Königs Knie. Gegenſeits kam Don Diego Mit dreihundert edlen Männern, Unter ihnen Don Rodrigo,. Er, der ſtolze Caſtellaner. Auf Maulthieren ritten alle; Er allein auf einem Roß. Biſamhandſchuh' trugen alle, Er allein den Reiterhandſchuh; Alle reich in Gold und Seide, Er allein in Waffenwehr. Und das Volk, den Zug erſehend, Und der Hof, als an ſie kamen, Alle riefen:„Schaut den Knaben, Der den tapfern Gormaz ſchrug.“ Rings umher ſah Don Rodrigo, Ernſt und feſt:„Iſt Euer Einer, Den des Grafen Tod beleidigt, Freund, Verwandter, wer er iſt;“ a) Auszuſprechen wie das deutſche Ch, nur mit einem ſtaͤrkern Hauch; nicht wie das franzoͤſiſche Chimène. . 76 „Sey's zu Fuße, ſey's zu Roſſe, Stell' er ſich.“ Sie riefen alle: „Dir mag ſich der Teufel ſtellen, Er nur, wenn es ihm beliebt.“ — ,— Ab von ihren Mäulern ſtiegen Die dreihundert edle Knappen, Ihres Königs Hand zu küſſen; Sitzen blieb auf ſeinem Roß Don Rodrigo.„Steige nieder, Sohn Rodrigo,“ ſprach der Vater, „Deines Königs Hand zu küſſen.“— „Wenn Ihr es befehlt, o Vater, Eurenthalben thu' ich's gern.“ 5 6. Mit zerrißnem Trauerſchleier Sprach Pimene jetzt zum König: (Thränen ſchwollen ihre Augen, Wie war ſie in Thränen ſchön! Schön, wie die bethaute Roſe, Glänzte ſie in ihren Thränen; Schöner blühten ihre Wangen, Glühend in gerechtem Schmerz. Ihre Worte fingt der Sänger, Doch nicht ihre Blick' und Seußzer.) „König,“ ſprach ſie,„edler König, Schaffe mir Gerechtigkeit.“ „Er erſtach mir meinen Vater, Er erſtach ihn, eine Schlange. Meinen Vater, der, o König, Denk' es, dir dein Reich beſchützt'!“ —.— 77 „Meinen Vater, der von Helden Stammte, die mit ihren Fahnen Einſt Pelagius, dem erſten Chriſtenkönig, folgeten.“ „Meinen Vater, der den Chriſten⸗ Glauben ſelbſt mit Macht beſchirmte, Ihn, das Schrecken der Almanzors, Ihn, der Ehre deines Reiches Erſten Sproß, in deiner Krone, Ihn, den erſten Edelſtein.“ „Recht nur fleh' ich, nicht Erbarmen; Recht muß beiſtehn jedem Schwachen, Unwerth iſt ein ungerechter Fürſt, daß ihm der Edle diene, Daß die Königinn ihn liebe, Keines ihrer Küſſe werth.“ „Und du wildes Thier, Rodrigo, Auf! durchbohr' auch dieſen Buſen, Den ich hier in tiefſter Trauer Dir eröffne. Mord' auch mich!“ „Warum nicht die Tochter tödten, Der du ihren Vater raubteſt? Warum nicht die Feindinn morden, Die dir's jetzt und ewig ſeyn wird Rache fodert ſie des Himmels, Und der ganzen Erde Rache Gegen dich!“— Rodrigo ſchwieg. Und des Roſſes Zaum ergreifend, Kehret langſam er den Rücken Allen Feldherrn, allen Kriegern; Wartend, ob ihm einer folge; Aber keiner folget' ihm. 78 Als imene dieſes ſahe, Rief ſie lauter noch und lauter: „Rache, Krieger, blut'ge Rache, Ich ſelbſt bin des Raͤchers Preis!“ 7. An der Tafel ſaß Fernando, Zu Burgos im Königs⸗Palaſt, Als Fimene, tief in Trauer Und in Thränen, vor ihm kniete. Mit beſcheidener Geberde Sprach ſie jammernd dieſe Worte: „König, eine arme Waiſe,* Komm' ich, ſuchend Euern Schutz.“ „Eben ſtarb auch meine Mutter, Gramvoll, die mir unſers Hauſes Schmähung nachließ: denn der Mörder Unſers Hauſes lebet noch.“ „Täglich darf er ſich mir zeigen, Der großſinnig⸗ſtolze⸗Lainez, Reitet täglich mir vor Augen, Seinen Falken auf der Hand,“ „Der mir meine Tauben würget 5 Alt und jung. Schau' her, o König, Sieh' das Blut auf meiner Schürze, Meiner jüngſten Taube Blut.“ „Oft hab' ich's ihm unterſaget; Und was gab er mir für Antwort? Lies, o König. Dieſe Zeilen Sandt' er heute mir zum Hohn:“ — 79 An Donna Fimena. Du klageſt, einzige, verehrte, ſchöne Fimene, Daß täglich dir mein Falk die Tauben Komme zu rauben. Sein Herr begleitet ihn— O dürft' er kühn Die einmal ſehn, der auf ſo harte Art 1 Vom Schickſal und vom Falk er angemeldet ward. Als der König dieß gereſen, Stand er auf von ſeiner Tafel, Schrieb ſofort an Don Diego, Heimlich ſandt' er ihm den Brief. Wiſſen will den vollen Inhalt Don Rodrigo.„Nein! bei Gott nicht! Und bei ſeiner heil'gen Mutter!“ Sprach er,„laß ich Euch, o Vater, Euch allein nach Hofe ziehn.“ 8. Eingefallen in Caſtilien Waren Könige der Mauren Fünf. Verwüſtung, Lärm und Feuer, Mord und Tod zog ihnen vor. Ueber Burgos ſchon hinüber, Montes d'Oca, Belſorado, San Domingo und Naxara Steht verheeret alles Land. Weggetrieben werden Heerden, Schafe, Chriſten, Chriſtenkinder, Männer, Weiber, Knaben, Mädchen; Jene weinen, dieſe fragen: „Mutter, wohin ziehen wir?“ * 8⁰ Ruhmreich ſammeln ſchon die Mauren Ihren Raub, zurückzukehren; Denn niemand begegnet ihnen, Niemand, auch der König nicht. Zu Bivar auf ſeinem Schloſſe Hörte dieſe Noth Rodrigo; Noch war er nicht zwanzig Jahre, Doch an Muth war er ein Mann. Auf ſein Roß, es hieß Babiega, Stieg er, wie hoch in den Wolken Gott auf ſeinem Donnerwagen, Und durchrannte rings das Land. Die BVaſallen ſeines Vaters Bot er auf; ſie waren alle Angelangt zu Montes d'Oca 8 Und erwarten ihren Feind. Guter Himmel! von den Mauren Zog fortan nicht Einer weiter— Aber die geraubten Heerden, Männer, Weiber, Chriſtenkinder Alle ziehen ihres Weges Froh und frei. Die fünf gefangnen Mohrenkönige— dem König Don Fernando ſchickt Rodrigo 3 Die Gefangnen zum Geſchenk.— 9. Auf dem Throne ſaß Fernando, Seiner Unterthanen Klagen Anzuhören und zu richten. Strafend Den und Jenen lohnend: Denn kein Volk thut ſeine Pflichten Ohne Straf' und ohne Lohn. Afs 81 Als mit langer Trauerſchleppe, Von dreihundert edeln Knappen Still begleitet, ehrerbietig Vor den Thron Eimene trat. Auf des Thrones tiefſte Stufe Kniete ſie demüthig nieder, Tochter ſie des Grafen Gormaz, Hob ſie ſo zu klagen an: „Sechs Monate ſind es heute, Sechs Monate, großer König, Seit von eines jungen Kriegers Hand mein edler Vater fiel.“ „Viermal kniet' ich Euch zu Füßen, Viermal gabt Ihr, großer König, Euer Wort mir, mir zuſagend Rächende Gerechtigkeit.“ „Noch iſt ſie mir nicht geworden; Jung und frech und uͤbermüthig Spottet Eurer Reichsgeſetze Don Rodrigo von Bivar.“ „Und Ihr ſchuͤtzt ihn, edler König, Ihr: denn wer von Euern Männern Seiner ſich bemächtigt hätte, Uebel wär' es ihm gelohnt.“ „Gute Könege ſind auf Erden Gottes Bild. Die ungerechten Sind undankbar ihren treuen Dienern, nähren Faktionen, Haß, Verfolgung, ew'ge Feindſchaft, Seufzer und Verzweifelung.“ Herders Werke z. ſchon. Lit. u, Kunſt. V. 6 82 „Denkt daran, o großer König, Und verzeihet einer Waiſe, Der die Klag' auf ihren Lippen Schmerzlich Euch ein Vorwurf wird.“ „Was Ihr ſpracht, ſey Euch verziehen,“ Sprach der König;„doch Eimene, Gnug geredet und nicht weiter. Euch erhalt' ich den Rodrigo; 7 Wie um ſeinen Tod Ihr jetzo, Werdet bald Ihr um ſein Leben Und um ſeine Wohlfahrt flehn.“ 10. Nie erſcholl ein Ruhm gerechter, Größer nie, als Don Rodrigo's: Denn fünf Könige der Mauren, Mauren aus der Moreria, Waren ihm Gefangene. Und nachdem er mit Vereidung In Vaſallenpflicht und Zinspflicht Sie genommen, ſandt' er alle Wieder in ihr Land zurück. Als nach ſieben langen Jahren (Nie wär' er von ihr gewichen) Don Fernando jetzt die feſte 3 Stadt Coimbra, feſt durch Mauern Und durch Thürme, überwand, Weihet' er der Mutter Gottes Die prachtvollſte der Moſcheen; Hier in dieſem heil'gen Tempel Hielt Rodrigo Ritterwacht. 8³ Hier mit eignen Königshaͤnden Gürtet ihm das Schwert der König; Und die Königinn, ſie führet Selber ihm den Zelter zu. Die Infantinn Donna Uraka Schnallt' ihm an die goldnen Sporen: „Mutter,“ ſprach ſie,„welch ein Ritter! Einen ſchönern ſah ich nie!“ „Glücklich iſt das Bauermädchen, Die ihn ohne Scheu' des Vorwurfs Unanſtändig niedrer Sitte, Lang anſchauen nach Gefallen, Ohne Scheu' ihn ſehen darf. Gluͤcklicher iſt die Gemahlinn, Die ihm zuführt ſeine Mutter, Ihm, dem Schönſten, den ich ſah.“ Alſo ſprach die Königstochter, Doch nicht mit der Roſenlippe; Tief nur im verſchwiegnen Buſen Sprach arſo ihr ſtilles Herz. 11. a) „Edler Ritter, Don Rodrigo, Jung und kühn und klug und tapfer, Strafe dich mit Schmach der Himmel, Daß du mir mein Herz bekämpft! Kühner! ohne zu bedenken, Wer du biſt und wer ich bin.“ — a) Die Inſantinn Donna Uraka ſpricht hier. 84 „Daß du eine Stadt bezwungen, Daß fünf Könige der Mauren Du in deine Feſſeln zwangeſt, Daß den ſtolzen Grafen Gormaz Du in früher Jugend ſchlugeſt, Macht dich dieſes ſo verwegen? Welcher Spanier, o Ritter, Thät' es nicht? und wohl noch mehr!“ „Edel zwar biſt du geboren, Auszuüben ſchöne Thaten: Dem, wer einzig ſeine Pflicht thut, Dem iſt keinen Dank man ſchuldig; Und gebührt er dir, ſo wiſſe, Dieſe Pflicht iſt nicht die meine; Sie iſt meines Vaters Pflicht.“ „Wenn ein Mangel an Vermögen Mich dir anzunähern ſcheinet, Mich, die meine Königs⸗Abkunft Ueber dich ſo hoch erhebt; O ſo wiſſe, Königstöchter Sind deswegen arm an Gütern, Weil der Adel ihres Stammes Ihnen mehr als Reichthum gilt. Armuth iſt an mir kein Flecke; Sie iſt meiner Hoheit Ruhm.“ „Reich, das weiß ich, iſt imene, Darum iſt's, daß du ſie liebeſt; Nein! nicht darum: denn, Rodrigo, Unrecht will ich dir nicht thun. Sie auch liebt dich— Nun ſo liebet! Mir macht es den kleinſten Kummer, 3 Daß der Cid Rimenen liebt.“ 85 „Eines reichen Grafen Tochter Gnüget dir, du kleiner Ritter; Ich bin arm— bedarf ein edler Diamant, bedarf er Gold?“ „Schön biſt du; wie einſt Narciſſus, Weiſe; Salomon war weiſer. Edel; deren gibt es viele. Tapfer; Spanien erziehet Keine Memme, Don Rodrigo. Reich; das ſind ſo viele Narren. Weit berühmt; das waren viele, Mehr als du, und ſtarben dennoch Eingehüllet in die Tücher Menſchlicher Vergeſſenheit.“ „Ritter, wenn dein eigner Spiegel Dir nur deine Schönheit vorhält: So tritt her vor meinen Spiegel, Er erniedert deinen Stolz. 8 Geh' dann hin zu Deinesgleichen, Ritter, eine Königstochter Blicke nur mit Ehrfurcht an.“ Alſo ſprach die eiferſücht'ge Königstochter, Donna Uraka; uUnd der Cid, er ſtand und ſchwieg. Denn ſie liebt ihn tief im Herzen; Und als ſie nun ausgeredet, Fuhr ſie fort mit ihrer Nadel Ihm zu nähn die ſchönſte Scherpe, Die er— nicht begehrete. — 86 12. In dem blüh’nden Oſtermonat, Da die Erde neu ſich kleidet, Da die weiß behaarte Mutter Sich wie eine Fee verwandelt, In die ſchönſte junge Nymphe; Da kuſtwandelte der König Von Caſtilien, Don Fernando, Er mit ſeinem ganzen Hofe Vor Burgos im ſchönen Thal. Und von ſeinem ganzen Hofe Nahm er keinen als Rodrigo Hin zu einer Silberquelle, Glänzend ſchöner als Kryſtall; Mit ihm ſprach er an der Quelle; Aller Augen ſahn ihn ſprechen, Aber keines Ohr vernahm, Was zu Cid der König ſprach. Dieß ſprach er:„Ich lieb' Euch, Ritter! Jung ſeyd Ihr und brav und tapfer; Aber noch nicht welterfahren, Und am wenigſten verſteht Ihr Euch auf's weibliche Geſchlecht.“ „Alle wollen ſie regieren, Und regieren denn auch wirklich! Leider wir ſind nur ihr Werkzeug; Unſre männlichſten Gedanken Oft zerſtörte ſie— ein Weib.“ „Gleich als hätte Gott zuletzt noch In ſein ſchönes Haus, die Schöpfung, Deshalb nur die Frau geführet, Daß durch ſie und für ſie alles, Alles je geſchehen ſollte,. Sonder Schein, daß ſie es thut.“ 3 87 „Junger Mann, die Frauen kennen Iſt dir nützlich; dieſes Wiſſen Ueberſteiget jedes andre; Doch zu weithin— forſche nicht.“ „Dir ſonſt könnt' es auch ſo gehen Wie dort jenem alten Weiſen; Weil er ihn nicht faſſen konnte, Stürzet er ſich in den Schlund.“ „Das Geheimniß iſt— der Weiber Macht auf unſre Männerherzen. Dieß Geheimniß ſteckt in ihnen Tief verborgen, Gott dem Herren, Glaub' ich, ſelber unerforſchlich. Wenn an jenem großen Tage, Der einſt aufſucht alle Fehle, Gott der Weiber Herzen ſichtet,— Findet er entweder alle Sträflich oder gleich unſchuldig; So verflochten iſt ihr Herz.“ „Ungeheu'r iſt die Entfernung Zwiſchen einem Mann und Mädchen, Und durchaus zum Vortheil dieſer; Junger Mann, weißt du warum?“ „Darum! Männer gehen vorwärts; Und das Weib— es ſieht ſie kommen. Er veranſchlagt; ſie begegnet Seinen Planen— weißt du wie?“ „Sieh dort jenen leichten Bogel, Der von Zweig zu Zweige hüpfet; Necken wird er lang den Jäger, Der ihm folget Schritt vor Schritt.“ 7 88⁸ „Vor dem Angeſicht des Eigners Wird er ſeine ſchönſten Früchte Naſchen, weil er ohne Waffen Ihn da vor ſich ſtehen ſieht; Und was haben gegen Weiber Wir, die Männer, wohl für Waffen? Deshalb dann regieren ſie.“ „Und hiebei iſt keine Ausnahm'; Jede gleicht hierin der andern. Junger Mann, der Weisheit Regel Räth, ſich zu vermählen— nie.“ Alſo ſprach zu Cid der König, Der dadurch ihn prüfen wollte; 8 Hört, was er antwortete. 13. An dem Rand der Silberquelle, Als der König ausgeſprochen, Nahm der Cid alſo das Wort: V „Freilich bin ich jung, o König, Für die Regeln alter Weisheit; Aber, das Geſetz der Ehre Zu verſtehen, nicht zu jung.“ „Denn aus gutem Blut erzeuget Und genährt in guter Schule, Spricht die Ehre mir:„Erhalten Muß ein Edler ſein Geſchlecht;“ „Muß dem Vaterlande dienen, Muß in Rath und That dem Herren Hold und treu ſeyn und gewärtig,* Muß ihm beiſtehn, mit Gewicht.“ ——— 89 „Dazu alſo einen Namen, Einen hohen Baum ſich pflanzen, In deß Schatten auch der Fremée Ruh' und Schutz und Rettung ſucht.“ „Muß der Kirche, muß dem Staate Kinder geben, die ihm gleichen; Dieß iſt mein Geſetz der Ehre, Das Vermählung mir gebeut.“ „Wer das heil'ge Band der Ehe Flieht, o König, der verläugnet Feige, wie ein Ueberläufer, Väter und Religion.“ „Er zerreißt den Zaum der Ehre, Trennt das Band, das ihn an Menſchen, Das an ſein Geſchlecht ihn knüpfet, Und an andere Geſchlechter; Dafür wird er hart geſtraft.“ „Den entlaufenen Verächter Straft Verachtung aller Edlen; Jedermann erſcheint er nutzlos, Und unwürdig ſeines Stammes.— „Was das Regiment der Frauen Anbetrifft, o großer König, So iſt meine Meinung dieß:“ „Sie regieren wie die Diener Ueber fehlerhafte Herren. Wer zur Decke ſeiner Mängel Ihrer nicht vonnöthen hat, Gegen eine Welt von Feinden Iſt er ſtark, und ſtehet ſicher. Sonderlich im Punkt der Ehre Gab kein Weib dem Mann Geſetze; Durft' auch nie ihm ſolche geben; Das Vergnügen iſt ihr Feld.“ 71 90 „Und da mögen ſie regieren. Sie verſtehn darauf ſich beſſer, Beſſer, dünkt mich, als die Maͤnner— Dieß iſt meine Meinung, Herr.“ „Und was anlangt ihre Gleichheit, Unterwerf' ich mich der Meinung Meines Lehnherrn. Alle taugen Nicht, ſobald der Mann nicht taugt.“ „Alſo nehm' ich's gegen alle Auf, zu Roß und auch zu Fuße; Nur behaupt' ich, jedes Weibes Fehler iſt des Mannes Schuld.“ „Eine Bitte noch, o König, Vor dem Ende des Geſpräches: Zur Vermählung mit imenen, Waiſe jetzt des Grafen Gormaz, Bitt' aus königlicher Gnade Ich mir die Bewilligung.“ An dem Rand der Silberquelre Gingen jetzt ſie auseinander, Don Fernando und der Cid. 14. Rodrigo. In der ſtillen Mitternacht, Wo nur Schmerz und Liebe wacht, Nah' ich mich hier, Weinende Pimene, (Trockne deine Thräne!) 4 Zu dir. 7 — · 91 imene. In der dunkeln Mitternacht, Wo mein tiefſter Schmerz erwocht, Wer nahet mir? Rodrigo. Vielleicht belauſcht uns hier Ein uns feindſelig Ohr; Eröffne mir— imene. Dem Ungenannten, Dem Unbekannten Eröffnet ſich zu Mitternacht Kein Thor. Enthülle dich; Wer biſt du, ſprich! Rodrigo. Verwaiſete imene, Du benneſt mich. Fimene. Rodrigo, ja ich kenne dich. Du Stifter meiner Thränen, Der meinem Stamm ſein edles Haupt, Der meinen Vater mir geraubt— Rodrigo. Die Ehre that's, nicht ich. Die Liebe will's verſöhnen. Fimene. Entferne dich! unheilbar iſt mein Schmerz. Rodrigo. So ſchenk', o ſchenke mir dein Herz; Ich will es heilen. 92 imene. Wie? zwiſchen dir und meinem n Water, ihm! Mein Herz zu theilen?— Rodrigo. Unendlich iſt der Liebe Macht. imene. Rodrigo, gute Nacht. 15. Als der König Don Fernando, Von Rodrigo und imenen Beider Wort und Treu' empfangen, Zu vergeſſen allen Haß, Und deshalb ſich vor dem guten Frommen Biſchof Luyn Calvo Zu vermählen— denn die Liebe, Sie allein verzeihet ganz— Gab er, um den Cid Eimenen Gleichzumachen an Vermögen, Valduerna und Saldanna, Belſorado und San Pedro De Cordonna gab er ihm. Herrlich ging am Hochzeittage Auf die Sonne. Don Rodrigo, Abgelegt die Waffenrüſtung, Kleidet ſich mit ſeinen Brüdern Hochzeitlich und fröhlich an. 93 Aecht' Walloner Pantalone, Mit Scharlach gezackte Schuhe Fein an Leder; zween Stifte Hefteten ſie feſt und enge An den kleinen netten Fuß. . Jetzo zog er an die Weſte, Eng' anliegend, ohne Borten: Dann die ſchwarze Atlas⸗Jacke, Wohlgepufft, mit weiten Aermeln; (Wenig hatte ſie ſein Vater Nur getragen.) Auf den Atlas Fiel von ausgezacktem Leder Breit anſtändig das Kollet. Und ein Netz von goldnen Fäden Eingewirkt in grüne Seide Schloß ſein Haar ein. Auf dem Hute Von Cortrayer feinem Tuche, Hob ſich eine Hahnenfeder Wunderbarlich hoch und roth. Schoͤnbefranzt bis auf die Hüfte Reichet ihm die Jazerine; Und um ſeine Schultern ſpielet Ausgeplüſcht ein Hermelin. Und der unverzagte Degen, Tizonada war ſein Name, Er das Schrecken aller Mauren, Saͤngt in ſchwarzen Sammetbändern An dem feſten tapfern Gurt. Ausgezackt, gefaßt mit Silber War der Gurt; ein feines Schnupftuch, Wcohlgefaltet, hing an ihm. 94½ So gekleidet ging der edle Eid, begleitet von den Brüdern, Hin zum weiten Kirchenplatz, Wo der König und der Biſchof Und die Herrn des Hofes alle Mit imenen ihn erwarten, Mit Simenen ſeiner Braut. Sittſam ſtand ſie da, Eime ne, Von elaſtiſch feiner Leinwand Puffte ihre Flügelhaube; Von dem feinſten Londner Tuche, Wohl garnirt war ihre Kleidung, Die von Schultern zu den Füßen Barg und zeigte ihren Wuchs. Auf zwei roſigen Pantoffeln Stand als Königinn ſie da. Ihren Hals umſchlang ein Halsband; An ihm hingen acht Medaillen, Einer Stadt an Werthe gleich; Und die reichſte unter ihnen, Den Sankt Michael darſtellend, Schwer von Perlen und Juwelen, Hing Pimenen an der Bruſt. So begaben die Verlobten Zum Altar ſich; vor'm Altare, Eh' der Braut die Hand er reichte, Sah er mit dem Blick der Liebe Und ſprach zu ihr tiefbeſchämt: „Fräulein, einen Mann von Ehre, Leider hab' ich Euch getödtet! Denn es wollt' es Ehr' und Pflicht. Dieſen Mann geb' ich Euch wieder, 4 95⁵ Und was Ihr mit ihm verloret, Vater, Freund, Verwandte, Diener. Alles geb' ich Euch, mit allem Mich Euch, Euren Ehgemahl.“ Aus zog er den kühnen Degen Vor'm Altare, kehrt zum Himmel Seine Spitze:„Mich zu ſtrafen,“ Sprach er,„diene dieſer da, Wenn mein Lebenkang den Eidſchwur Ich verletze: Euch zu lieben, Und Euch alles zu erſetzen, Wie ich Euch vor Gott gelobt.— Und nun auf, mein guter Onkel, Luyn Cakvo, ſegnet uns!“ — 16. Vom Altar und aus der Kirche Zog die Hochzeitfeier prächtig, Don Rodrigo und imene. Stattlich an Eimenens Seite Ging der König, der Vermählten Vormund; an Rod rigo's Seite Ging der fromme gute Biſchof; Dann der Herren langer Zug. Wohl durch einen Ehrenbogen Ging der Zug hin zum Palaſte. Ausgehängt aus allen Fenſtern Hingen goldgeſtickt⸗ Tapeten, uUnd den Boden deckten Zweige, Friſche Kräuter, Rosmarin. 96 Auf den Straßen, auf den Gaſſen Längs hinan bis zum Palaſte Tönet in getrennten Chören, Unter Saitenſpiel und Cymbeln, Glückwunſch, Freud' und Luſtgeſang. Alvar Fannez(unter allen Freunden Cids ihm ſtets der Erſte), Jetzt von Dienern reich begleitet, Und geſchmückt mit ſchönen Hörnern, Zeigt er prächtig ſich als Stier. Antolin auf einem Eſel, Ihn gleich einem Roſſe tummelnd; Martin Pelasz mit Blaſen Voller Erbſen, die er auswarf, Allem Volk zur lauten Luſt. Herzlich lacht darob der König, Gab dem Pagen, der den Damen Zum Erſchreck den Teufel ſpielte, Eine Handvoll Maravedi's, Auszuwerfen unter's Volk. Alſo führete der König Sich zur rechten Hand Eimenen; Und die Königinn empfing ſie, Hinter ihr die Herrn vom Hofe; Froh und freier war der Zug. 3 Waizen warf man aus den Fenſtern, Daß der Hut des Königs ſelber, Daß imenens Buſenkrauſe Dicht und voll von Waizen lag. Korn nach Körnchen las der König Selbſt ihn aus Eimenens Krauſe Vor der Kön’ginn Angeſicht. 4 Atbact 97 Alvar Fannez, der es anſah, Rief als Stier:„Wohl möcht' ich lieber Statt des Kopfes meines Königs Jetzt beſitzen ſeine Hand.“ „Gebt ihm einen Korb voli Waizen,“ Sprach der König,„und Simene, Angelanget im Palaſte, Ihr umarmt ihn für den Scherz.“ Aber von Fimenens Seele War das taumelnde Gelächter Weit entfernt; ſie iſt zu glücklich, Als daß ſie ſich luſtig zeige. Mehr ſpricht ihr gerührtes Schweigen, Als die kautſte Fröhlichkeit. 17. Zu dem hochverehrten Sitze Pedro's, den der Biſchof Victor Damals einnahm, trat der Deutſchen Kaiſer,(Heinrich war ſein Name,) Klagend trat er ſo vor ihn: „Gegen König Don Fernando Von Leon und von Caſtilien Heil'ger Vater, klag' ich hier. Jede Chriſtenmacht erkennet Mich für ihren Herrn und Kaiſer; Er verweigert mir die Ehre, Er verweigert uns Tribut.“ Zwingt ihn dazu, heil'ger Vater, Zu Erhaltung, wie des Glaubens, So auch unſrer beider Reich',“ Herderz Werke z. ſchoͤn. Lit. u. Kunſt. V. . 98 Drohende Befehle ſandte Bictor jetzt zu Don Fernando, Einen Kreuzzug ihm ankündend, Wenn er nicht dem heil'gen Stuhle Und dem Kaiſerthum der Deutſchen Ehr' und Gaben willigte. Lange ſtand Caſtiliens König In Gedanken; wohl erwägend, Wenn die Sache fürder ſchritte, Die Gefahren ſeines Reichs. Alle riethen nachzugeben, Nachzugeben größrer Macht. Nur der Cid(er war abweſend; In der erſten Zeit der Liebe Schlummernd an Eimenens Bruſt) Aber als er von der Botſchaft Und von Königs Rath gehöret, Eilt' er und ſprach zu ihm ſo⸗ „Ach zum Unglück Eures Reiches Wäret Ihr geboren, König, Wenn, ſo lang Ihr lebt, ein Andrer Hier geböt' in Eurem Reich!“ „Nimmermehr ſoll es geſchehen; So lang' Ihr lebt und ich lebe. Denn, o König, jede Ehre, Die Euch Gott gab, zu erhalten, Iſt uns, Euern Dienern, Pflicht, Wer Euch anders rieth, o König, Rieth Euch ſonder Ueberlegung, Und vermindert Euren Ruhm. Fordert ſie heraus, die Droher, Die Ausfordrung iſt des Königs; 3 Die Ausführung iſt des Kriegers; Fordert ſie; ich nehm' es auf.“ 99 „Denkt, o König, und bedenket, Wir erwarben Euch Caſtiljen, Wir mit Ehre, Gut und Blut; Eher gäb' ich auch mein Leben Hin, eh' dieſe fremden Weſpen Zehren ſollen unſre Beute, Ernten unſrer Siege Frucht. Denn, o König, gebt Ihr ihnen Etwas, o ſo bleibt Euch— RNichts.“ Und ſo führt der unverzagte Cid zehntauſend wackre Männer, Durch die Alpen hin in's Feld. Ihm entgegen zog Graf Raimond Von Savoyn, mit vielen Roſſen, Doch der Cid, er ſchlug den Grafen, Macht' ihn ſelber zum Gefangnen, Und nur gegen ſeiner Tochter Geißelſchaft gab er ihn los. Auf der Welt das ſchönſte Fräurein, Ward ſie Königes Geliebte, Und der Sohn, den ſie erzeugten, Ward der Kirche Kardinar. Auch der König der Franzoſen Sandt' dem Cid ein Heer entgegen, Das er ſchnell zerſtreuete; Da er dann mit ſeinen Tapfern In Italien alſo waltet, Daß in Eile Papſt und Kaiſer, Beide des Tributs vergeſſend, Botſchaft ſenden zu Fernando, Nur den Eid hinwegzuziehn. 1 Und ſo kehrete der Feldherr Stolz zurück mit ſeinen Tapfern. Seine königliche Rechte 100 Reicht ihm dankend Don Fernando; O wie war der C(id ſo fröhlich Ueber ſeines Königs Dank! 18. Gen Zamora, wo der König Eben Hof hielt mit den Edeln, Kamen Mauriſche Geſandte Zum Rodrigo von Bivar. Von fünf Königen der Mauren, Die er einſt in Pflicht genommen, Waren ſie die Abgeſandten, Ihm zu reichen den Tribut: Hundert Pferd' Araberſtammes, Edle Roſſe, drunter zwanzig Weiße, zart wie Hermelin; Zwanzig apfelfarbne graue, Dreißig rothe, dreißig braune, Alleſammt mit reichen Decken Ueberlegt und ſtolz gezäumt. Für Donna Rimena brachten Reichen Schmuck ſie an Juwelen, Zwei koſtbare Hyacinthen; Auch zwei Kiſten Seidenſtoffe, Ihren Knappen zur Livrei. Ehrerbietig, wie Vaſallen, Naheten ſie ihrem Lehnherrn, Nannten ihn Gebieter Cid. „Freunde,“ ſprach der Cid,„Ihr irret, Wo mein Herr, der König, Hof hält, Bin ich ſelber ein Vaſall. Der Tribut, den Ihr mir bringet, Er gehöret meinem Herrn.“ 101 „Sagt,“ erwiederte der König, „Euren Herren, daß ihr Lehnherr Kein Monarch zwar ſey, doch leb' er Mit Monarchen. Ich beſitze Nitcchts, was ich nicht Ihm verdanke, Meinem Feldherrn, Eurem Cid.“ Alſo kehrten die Geſandten Rückwärts, ohne recht zu wiſſen, Wer Vaſall und König ſey. 19. Sehnlich wartete Nimene In den Sälen ihres Palaſts, Sehnlich harrt' ſie auf Rodrigo: Denn die Stunde der Entbindung Naht, die grauſamſüße Stunde; Ihres Lebens, wie ſie hoffet, Freudenreichſter Augenblick. Eines Morgens,(es war Sonntag) Meldeten ſich ihr die Schmerzen, Und es badet ſich in Thränen, Ihr beſcheidnes Angeſicht. Seufzend nimmt ſie ihre Feder, Manche, manche zarte Klage, Mehr als tauſend liebevolle Bitten ſchreibt ſie dem Gemahl, Den ſie wohl erweichen könnten, Wenn die Ehre nicht in Felſen Wandelte der Helden Herz. Nochmals nimmt ſie jetzt die Feder, Und mit neuer Klag' und Seufzen Schreibt ſie auch an ihren König, An den edelſten der Welt: „Guter, weiſer, großer König, Sieghaft und gerecht und bieder, Eure Dienerinn Fimene Klaget vor Euch, über Euch.“ „Scherz nur war es, Don Fernando, Eurer königlichen Laune, Die mir den Gemahl einſt gab. Denn wohl wenig junge Frauen Waren weniger vermählet, Als ich bin; verzeiht, o König, Und allein durch Eure Schuld.“ „Dieſen Brief ſchreib' ich in Burgos, Wo mein Leben ich verwünſche, Und auch Euch viel Böſes will: Denn von den Geboten Gottes Welches gibt Euch Recht, o König, Ehgenoſſen, alſo lange Sie zu trennen und ſo oft?“ „Welches gibt Euch Macht, o Koͤnig, Mir aus einem zarten Manne, Artig, liebenswerth, bezaubernd, Aller Welt zum wüſten Schrecken Einen Löwen zu erziehn?“ „Sechs Monate, Tag' und Nächte, Haltet Ihr ihn feſt im Zügel; Und wohl Einmal kaum im Jahre Sieht er ſeine Gattinn, mich.“ „Und wie kommt er? Blutgebadet, Bis zu Füßen ſeines Pferdes; Wenn ich dann mit meinen Armen Ihn umfange, ſchläft er ein;“ 108 „Träumet, wie ein Wildbeſeßner, Schlachten, Kämpfe. Kaum noch taget An dem Firmamente drunten Der Aurora frühſter Strahl,“ „Ohne mich nur anzuſchauen, Ob ich wache, ob ich ſchlafe, Springt er auf. Mit welchen Thränen, Großer Gott, empfing ich ihn! Vater wollt' er mir und alles, Vater und Gemahl mir ſeyn! Alles fehlet der Verlaßnen Jetzo, Vater und Gemahl.“ „Thut Ihr dieß, um ihn zu ehren, König, deß bedarf er nicht. Längſt war er der Vielberühmte; Eh' am Kinn der Bart ihm ſproßte, Waren Könige der Mauren Fünf ihm ſchon Gefangene.“ „Königlicher Herr, den letzten Augenblick erwart' ich bald; Bald wird er Euch Nachricht geben— Und ich fürchte faſt die Thränen, Die dem Vater ich vergoſſen, Schadeten vielleicht dem Kinde, Das an meinem Herzen ſchläft.“ „Guter König, alſo ſchreibet Mir in Eures Herzens Sprache, Wollt Ihr den Gemahl mir ſenden? Oder wollt Ihr, daß die Gattinn Eures ehrenvollſten Feldherrn Ihm den Erſtgebornen bringe, Einen Waiſen, vaterlos?“ „ 104 Nachſchrift. „Und noch Eins, o guter König, Werfet meinen Brief in's Feuer, Daß nicht Eurer Höfling' Einer Ihn belache! Denkt daran.“ „Und auch daran, Don⸗ Fernando, Daß, ſtatt meines Ehgemahles, Mir nur ſeine alte Mutter Blieb, die mir zur Seite ſchläft.“ 20. Zehn Uhr war's am frühen Morgen, Als der König ſeinen Schreiber Rief, und forderte Papier. Mit vier Punkten und dem Zuge Paraphirt er Kreuz und Namen, Und alſo antwortet er: „Edle, ſittſame Eimene, Meinen Gruß Euch ehrerbietig, Meine Hochachtung und Gunſt!“ „Ihr beklagt um den Gemahl Euch Gegen mich, Donna imene; Wenn ich ihn zum Nachtheil Eurer, Mir zur Luſt zurückbehielte, Klagtet Ihr mit vollem Recht. Aber da die Heidenkriege, Die auf meinen Grenzen ſtürmen, Ihn rückhalten, iſt es meine, Oder iſt es ſeine Schuld?“ 105⁵ „Daß er nicht in Euren Armen Stets geſchlafen, dieß beweiſet, Edle Donna, Euer Brief. Alſo glaub' ich auch der Furcht nicht, Daß Ihr einen vaterloſen Säugling in dem Schooſe tragt.“ „Drängt ihn nicht zurück zu kommen, Euren Ehgemahl; er hörte, Auch an Eurer Seite hört' er Mit Unluſt die Kriegsſchalmei. Und wenn er nicht Feldherr wäre, Saget mir, was wär't Ihr beide? Edelmann und Edelfrau.“ „Hat er Könige der Mauren Fünf als Jüngling zu Vaſallen; Wollte Gott, er hätte deren Fünfmal fünf: denn um ſo minder Hätte Feinde jetzt mein Reich.“ „Kann er alſo nicht, Fimene, Bei Euch ſeyn im Augenblicke, Wo Ihr ihn ſo ſehnlich wünſcht, So erlaubt mir, edle Mutter, Daß ich ſeinen Platz vertrete: Denn ich glaub' es, nur der König Iſt für ihn des Platzes werth.“ „Euern Brief ſollt' ich verbrennen Sehen ſollen ihn die Lacher Meines Hofes, tief beſchämt. Daß Ihr meinen nicht verbrennet, Zeichne ich ihn zum Kontrakte, Und verbinde mich, Eimene, Iſt's ein Sohn, den Ihr gebäret, Geb' ich Zelter ihm und Degen. 106 Mit zweitauſend Maravedis, Ihm, dem Ritter, zum Geſchenk. Iſt es eine Tochter, ſetz' ich Vierzig Mark an gutem Silber, Vom Geburtstag' an, ihr aus.“ „Und ſo lebet wohl, Eimenen In der Stunde Eurer Schmerzen Helf' Euch die hülfreiche Mutter, Aller Himmel Königinn!“ Nachſchrift. „Eben kommt, ich hör⸗ ihn kommen, Euer ernſter, lauter Feldherr, Mir die Lektion zu leſen, Daß ich nicht zu Felde bin.“ 21. Ehren, Glück und Macht und Güter, Aller Ruhm und Pracht der Erde, Eine leichte Waſſerblaſe 3 Seyd ihr, auf dem Lüftchen ſchwebend Einen kurzen Augenblick. Don Fernando, Er, der Große (Und mit Recht ſo zubenamt,) Spaniens Monarch und Kaiſer, Liegend auf dem Todesbette, 1 Seine letzte Stund' erwantend, Denkt er nur der Ewigkeit. Ausgetheilet hatt' er alle Reich' und Güter ſeinen Söhnen.— Welche Stimme ſchallt auf Einmar In den traurigen Gewölben Des Palaſtes? Der Infantinn Donna Uraka Stimme ruft. 107 Weinend tritt ſie vor den König, Traurend tief im Trauerſchleier, Nahet ſich dem Bett des Vaters, Fällt auf's Knie vor ſeinem Bette; Die verehrte Hand ihm küſſend, Flehet ſie ihn alſo an: „O mein Vater, unter allen Göttlich⸗menſchlichen Geſetzen Nennet mir, was Euch verbindet, Eure Töchter für die Söhne Zu enterben? Ausgetheilet Habt Ihr Eure Reich' und Länder Meinen Brüdern, und vergaßet, Vater, und vergaßet mich.“ „Alſo bin ich Eure Tochter Nicht, Sennor: denn wenn ich's wäre, Wär' ich auch nur Euer Baſtard, Hätte, meiner zu gedenken, Euch erinnert die Natur.“ „Hab' ich, königlicher Vater, Dieſe Schmach um Euch verdienet, Nun ſo nennet meine Schuld. Nennet ihr ſie nicht, was werden Fremde Völker von Euch ſagen? Sagen alle edle Männer, Wenn ſie von dem Unrecht hören, Das Ihr, ſtets gerechter König, Einer Unbeſcholtnen thut?“ „Männer, in die Welt eintretend, Bringen, Güter zu erwerben, Kräfte ſich und Anſehn mit. Was ſie ſich erwerben konnten, Müßigen zu hinterlaſſen, Hieße das nicht, edler Vater⸗ 4 108 Seine Söhn' erniedrigen? Aber ſagt: was kann die Tochter? Was kann ſich ein Weib erwerben? Hingeworfen auf die Erde, Hat ſie nichts als des Gehorſams Als des Dienens niedern Lohn.“ „Wenn Ihr mich enterbet, Vater; Ohne Land und ohne Boden, Muß mich in die Fremde flüchten, Muß— verzeiht ein hartes Wort mir, Eure Härte zu verbergen, Muß die Tochter Euch verläugnen; Weil Ihr ſie verläugnetet.“ „Wohl, ſo geh' ich dann als Pilgrim In die Welt; in meinen Adern Wallet königliches Blut. Deſſen fürcht' ich zu vergeſſen, Weil mein Vater es vergaß.“ Alſo ſprach mit lautem Weinen Die Infantinn Donna Uraka. Als ſie ausgeredet hatte, Wartete ſie auf die Antwort Ihres Vaters, der im Sterben War, des Königs jetztes Wort. 1 22. Königen den Mund zu ſchließen, Darf es oft nur eines Weibes Freier Rede. Don Fernando, Eine Beute jetzt des Todes, Hörend ſeiner Tochter Klagen, Hatte Kraft genug zu ſeufzen 1⁰9 Uever ihre ſtolze Kühnheit; Aber kaum genug der Kräfte, Zu antworten. Lange ſucht' er Worte, bis er alſo ſprach: „Tochter, flößen Eure Thränen, Die Ihr jetzt um eitle Güter Weinet, ſo um Euren Vater; Sie verlängerten, ich glaub' es, Selber noch mein Leben jetzt; Aber da Ihr, ſtolze Tochter, Hier vor meinem Todesbette Nur um Erdengüter weint, So bedenkt, was nehm' ich jetzo Sterbend mit mir aus der Welt?“ „Und ich dank' es meinem Schöpfer, Daß er mir, Euch zuzureden, Euch zu reinigen die Seele, Kraft noch und Vermögen ſchenkt. Graden Weges geht zum Himmel Jetzo, hoff' ich, meine Seele; In dem Feuer Eurer Worte Litt ſie ihre Läutrung ſchon: Denn bedenket es, o Tochter, War die Stunde meines Scheidens, Mich noch alſo zu betrüben, Ein erleſ'ner Augenblick?“ „Eurer Brüder Reich' und Güter Neidet Ihr, und wollt nicht ſehen, Daß mit dem Beſitz ich ihnen Auch auflege Pflicht und Laſt? Pflicht, die Laͤnder zu beſchützen, Laſt, ſie weiſe zu regieren; Alles deß bedürft Ihr nicht. Sie vielleicht ſind arm bei Vielem, Ihr bei Wenigem die Reiche: Denn Perſonen Eures Standes, Denen Niemand gleich ſich ſchützt, Was bedürfen ſie für Reichthum, Als ihr Leben hinzuleben, Eines Kloſters Einſamkeit.“ „Freilich ſeyd Ihr meine Tochter, Denk ich, aber eine Eitle; 3 Wohl dacht' ich an Eitelke iten, Als ich Euch erzeugete. Euch trug eine edle Mutter; Aber eine böſe Amme, (Denn das zeugen Eure Reden,) Säugte Euch mit ſchlechter Milch.“ „Drohet Ihr in fremde Lande Euch zu flüchten; wer, o Tochter, So der Zunge läßt den Zügel, Reißet auch der Ehre Zaum; Längſt hatt' er ihn ſchon zerriſſen, Als er ſo verwegen ſprach.—— Leichter wird mir's, die Verwirrung Eures Kopfes zu gedenken, Tochter, als daß meines Blutes Alſo Euer Herz verdarb.“ „LEuch, die Schweſtern, ſollten Eure Brüder(dieſes war mein Wille,) Unterhatten; jetzt befehl' ich, Um mit mir den Segen aller Meiner Kinder mitzunehmen, Jetzt befehl' ich— höret mich.“ „Arm will ich Euch nicht verlaſſen, Seit Ihr, was Ihr ſprechet, ſpracht. Edel iſt Dein Blut, Ura ka,* Doch ich kenne Dein Geſchlecht. 111 Alſo meine Stadt Zamora Laß ich Dir, die Wohlverwahrte, Wohlbevölkerte. Dich werden Tapfre Männer in ihr ſchützen, Und Dir ſolche Ehr' erzeigen, Daß der Ehre zu gedenken Du durch ſie gezwungen wirſt. Ob mich Deine jüngſte Schweſter Gleich mit keinen Bitten anging, Setz' ich ihr, wie Dir Zamora, Das Gebiet von Toro aus.“ „Dieſes iſt mein ernſter Wille: Und wenn meiner Söhne Einer, Euer Erbtheil Euch zu rauben Je gedenkt, dem geb' ich meinen Schwerſten väterlichen Fluch.“ Alle, die den König alſo Reden hörten, ſprachen:„Amen! „Fluch dem Räuber ſeiner Schweſtern; „Schrecklich treff' ihn Tod und Fluch!“ Don Garzia, Don Alfonſo Sprachen Amen; doch Don Sancho Er allein in der Verſammlung Vor dem Bett des Vaters— ſchwieg. II. Der E i d unter Don Sancho dem Starken. 25. Lärm und Schlachten, Blut und Feuer, Kriegesſtimmen allenthalben, Trommeln, Pauken und Trommeten Schallen in Caſtilien laut. Denn kaum hatte mit den Brüdern Seines Vaters Sarg Don Sancho Mitbegleitet an die Gruft; Steigt er auf ſein Roß, und braſen, Blaſen läßt er allenthalben Gegen ſeine Brüder Krieg⸗ Die Vaſallen ſeines Reiches Bot er auf; nicht ſeine Rechte An der Brüder Land zu prüfen; In das Treffen ſie zu führen, Rief er ſie bei Ehr' und Pllicht. „Ach, Rodrigo,“ ſprach Fimene, „Alſo haſt du ſie beſchloſſen 2 Meine Leiden; Eins von beiden Soll ich miſſen, Eins aufgeben— Wohl mein Leben, Oder mindſtens die Geduld.“ * 113 „Meiner Treue mich zu rühmen Stehet mir nicht an; der Liebe Iſt treu ſeyn die ſchönſte Pflicht. Nur wie dürft Ihr mir, der Treuen, Mir der Liebenden, Rodrigo, Von ſo langem Abſchied ſagen?“ „Ach beſchloſſen iſt's, beſchloſſen, Eins von beiden Soll ich meiden— Eins aufgeben— Wohl mein Leben, Oder mindſtens die Geduld.“ „Wenn ich Euch verehrend liebe, Denkt Ihr nicht daran, Rodrigo, Daß die Zeit ja alles, alles Rückwärts führe? Daß im Herzen Auch der tiefſten Liebe Wurzel Sterbe, wenn man ſie nicht pflegt? Zwar iſt dieß Euch keine Drohung: Denn in Worten wie in Thaten Kann Kimene den Rodrigo Nie beleid'gen. Eiferſüchtig Könnte ſie als Kind nur— ſterben.“ „Ja, es iſt, es iſt beſchloſſen! Eins von beiden aufzugeben, Die Geduld oder mein Leben.“ „Undankbare Männerherzen! Euch entflammt der Weiber Leichtſinn; Die Beſtändigkeit des Weibes Tödtet Eurer Liebe Gluth. Kennten Wir Euch recht, ihr Männer, Würden Wir Euch je vertrau'n? Sprich mir auf dein Herz, Rodrigo, Denkſt du noch an jene Schwüre, An die ſuͤßen Schmeicheleien, Herders Werke z. ſchan. Lit. u. Kunſt. V. 114 An die Thraͤnen und Gelübde, Die du einſt mir treu gelobt? Alles iſt dir aus der Seele, Aus dem Herzen dir verſchwunden; Wie ein Lüftchen über'm Sande Hat die Zeit es fort geweht.“— Zärtlich küſſete Nimenens. Angeſicht der tapfre Feldherr, Schwur ihr auf den Griff des Degens, Schwur ihr, treu zurück zu kommen, Sey's lebendig oder todt. 24. Lange führeten die Brüder, König Sancho in Caſtiljen, In Galizien Don Garzia, An der Reiche Grenzen, Krieg. Endlich trafen ſie zuſammen; Und von beiden Seiten fielen Tapfre Männer, bis Don Sancho, Sancho ſelbſt gefangen ward. Nahe war's, daß, der mit Unrecht Krieg begonnen, ihn mit Schande Endigte: denn unter allen Streitenden war König Sancho Wohl an Leibeskraft der ſtärkſte, Doch der feigeſte an Muth. Alvar Fannez, Er, der erſte Freund des Eid, kaum ſieht den König Er gefangen, draͤngt er ſtürmend An den Platz des Unglücks ein. „Laßt den König, ihr Verräther!“ Ruft er wüthend, und ſie flohen Die harten Aſturier. 115 Frei ſtand alſo König Sancho. Doch die Schlacht, ſie war verloren; Uebrig waren dem Befreiten Kaum ſechshundert Caſtiljaner. Wie? ſechshundert Caſtilianer? Für die ganze weite Erde. Sind ſie gnug, wenn Cid ſie fuͤhrt! An kommt Er. Auf ſeinem Roſſe Als ihn Sancho kommen ſiehet, Ruft er laut zu ſeinem Heer: „Auf; von neuem in das Treffen! Bald iſt jetzt das Schlachtfeld unſer: Denn der Cid iſt da! Willkommen Eid Ihr kommt zu rechter Zeit.“ Ernſt antwortet ihm Rodrigo: „Und Ihr, Herr, zu ſehr unrechter, Trafet Ihr auf dieſen Platz. Beſſer wäret Ihr am Grabe Eures Vaters ſtehn geblieben, Betend, mit gefaltnen Händen; Als, im ungerechten Kriege Mit dem Bruder, einzuernten Eures Vaters harten Fluch.“ „Ungern nehm' ich Don Garzia Jetzt gefangen; für die Ehre, Und doch muß ich's, für die Ehre, Für den Dienſt muß ich es thun, Muß ihn nehmen, oder ſterben, Als ein Kriegsmann. Euch, o König, Bringet hier in dieſem Felde Weder Sieg noch Niederlage Ruhm; Euch ſchändet dieſer Krieg.“ 116 Eben trat Garzia ſingend Auf den Kampfplatz, tief⸗ unwiſſend Was geſchehn war und geſchah. Stracks erklangen die Trommeten, Die Trommeten und die Zinken, Neue Bruderſchlacht begann. und in Mitte ſeiner Edlen Ward Garzia bald gefangen; „Ach, was thut Ihr, edler Cid?“ „König was für Euch ich thäte, Wenn Ihr mein Gebieter wäret. Jetzt will es das Schickſal alſo; Unterzieht Euch ihm, wie ich.“ 25. Als Don Sancho ſeinen Bruder, Den gefangenen Garzia, In den feſten Thurm von Luna Eingeſperret— wie ein Sperber, Der den erſten Raub gekoſtet, Jetzt nach reicherm größerm Raube Dürſtet und nach wärmerm Blut; Warf auf ſeine jüngſte Schweſter Sancho ſich; er ſchleppt' Elviren, Wie die ſchwache Taube wehrlos, Aus dem ihr verlieh'nen Toro Gen Burgos in's Kloſter hin. Jetzt entblößet Don Alfonſo, König von Leon, die Spitze Seines Degens und verkündet Laut der Welt und offenbar: ⸗ 117 „Aus Ehrfurcht für ſeinen Vater, Und ſich ſelber zu beſchützen, Unternehm' er dieſen Krieg; Doch nicht gegen ſeinen Bruder, Einzig gegen den Beſchützer Eines niederträcht'gen Räubers; Der Beſchützer heiße Cid. Dann ſprach er, die Böſen müßten Abſtehn von den Frevelthaten, Wenn zu ſolchen kein Rechtſchaffner Ihnen diente, denn der Beſte Wird im Dienſt der Böſen ſchlecht.“ „Rede jetzt,“ ſprach König Sancho, „Perle meines Reiches rede. Ziehet er nicht gegen mich?“ „Gott iſt's, der uns alle richtet!“ Sprach der Cid.„Doch wollt Ihr's wiſſen, König und mein Herr, ſo ſag ich: Euer Bruder, weil er Recht hat, Eilet er vorjetzt zum Unglück.“ „Auf! zu Waffen!“ rief Don Sancho, „Fliegt ihr Fahnen! Fliegt Paniere! Seht, es kommen die Leoner! Löwen der Standarten kommen, Doch nicht Löwen, die ſie tragen; Und wir haben für ſie Thürme, Thürm' und Schlöſſer zum Gefängniß.“ 2) „Auf!“ fiel Cid ihm in die Rede, „Auf! weil man an Mich denn wilt!“ —— a) Anſpielung auf die Wappen von Leon und Caſtilien, de⸗ ren jenes Loͤwen, dieſes Kaſtelle fuͤhret. 6 118 „Gott genad' ihm, wer an dich will, Braver Cid, du Blume Spaniens, Spiegel ächter Ritterſchaft.“ Alſo zogen ſie zum Kriege; Don Alfonſo weard gefangen, Und gefangen ward Don Sancho, Jener von den Caſtiljanern, Von den Leoneſen dieſer, und noch wankt das Glück der Schlacht. Als der Cid auf ſeinem Roſſe Losſprengt auf den Haufen Krieger, Der Sancho umſchloſſen hielt. „Fangen oder hangen!“ rief er; „Nicht das Eine, nicht das Andre, „Guter Cid,“ ward ihm zur Antwort. „Fangen oder hangen!“ rief er, Und ſein König ſtand befreit. Don Alfonſo blieb gefangen, Ward geſperret in ein Kloſter; Wo ihn bald zum Dank der Ehre, Die dem Cid er laut erzeiget, Donna Uraka ihn in's Freie Fördert, daß er gen Toledo Hin zu Ali⸗Maimon floh. 26· Auf Zamora geht der Feldzug, Auf die feſte Stadt Zamora! Zahllos iſt das Heer der Krieger, Zahllos Königes Entwürfe.—— Tapfrer Cid, du edler Feldherr, Vor Zamora zieheſt du? 119 Unterweges ſpricht der König Zu ihm:„Freilich! ausgehauen Iſt die Stadt, wie aus dem Felſen, Der ihr anliegt, wie ein Panzer. Dick wie eines Mannes Länge Iſt die Dicke ihrer Mauern; Und die Thürme dieſer Mauern, Ihre Veſten aufzuzählen Forderte wohl einen Tag. Abzuleiten den Duero, Der ſie einſchließt wie ein Mädchen, Iſt ganz über Menſchenmacht. Uebergäbe mir Zamora Meine Schweſter; Cid, ſo hätt' ich Eine Feſtung; in ganz Spanien Wär' ihr keine Veſte gleich. Guter Cid, von meinem Vater Als ein Kleinod mir vererbet, Eidlich mußten wir verſprechen, Lebenslang Euch hoch zu ehren, Und zu folgen Eurem Rath; Guter Cid, du unſres Hauſes Säule, thu' es mir zu Liebe, Bringe Botſchaft nach Zamora, Fordre es von meiner Schweſter, Fordre es zum Tauſch um alles— Doch vergiß nicht beizufügen, Wenn ſie mir die Bitte weigert, Daß ich nehme, was ich bat.“ „Freilich weiß ich nicht,“ antwortet Ihm der Cid,„je mehr die Mauern Von Zamora ich betrachte, Deſto kühner, deſto ſtolzer Scheinen ſie mir dazuſtehn.“ 12⁰ „Recht,“ ſpricht Sancho,„recht geredet, Dieſes ſind die erſten Mauern, Die nicht deinem Anblick zittern.“— Und je näher Cid der Stadt kam, Ging ſein muntres Roß Babiega „Langſam und hing ſeinen Kopf. 27. Trauer war noch in Zamora Um den Tod des großen Königs Don Fernando, tiefe Trauer. Ueberhängt mit ſchwarzen Tüchern Waren Kirchen und Altaͤre. Kein Geſang, kein Ton der Freude, Auch kein Inſtrument der Liebe Ließ ſich hören auf den Gaſſen; Die Infantinn Donna Uraka, Schmerzlich bitter weinte ſie Um den Tod des großen Vaters, Um den Gram, den ſie ihm ſterbend Noch in ſeiner letzten Stunde Zugefügt, um ſeine Güte, Um das Unglück ihrer Schweſter, Der vertriebnen Donna Elvira, Um das Unglück ihrer Brüder, Don Garzia, Don Alfonſo; Und wer ſollt' und könnt' es glauben? Noch beweint im tiefſten Herzen Einen andern Wunſch Uraka. Den Verluſt wird ſie beweinen, Wenn ſie jeden kängſt vergaß. Denn dem Glück geliebt zu werden, Gleicht kein ander Glück auf Erden; Die geliebte Schäferinn, Sie allein iſt Königinn. 121 In dergleichen Gramgedanken Tief verſenket ſaß Uraba, Als auf einmal vor den Thoren Von Zamora Cid erſcheint. 28. Grad' einreiten in Zamora Will der Cid; als ihn die Wache Ihn mit ſeinen funfzehn Kriegern Anhält, draußen vor dem Thor. Laut und lauter wird der Lärmen, Lauter das Geſchrei der Straßen, Bis es zur Infantinn drang. Und in ihren Trauerkleidern Eilet ſchnell ſie auf die Mauer, Als— das Schrecken von Caſtiljen, Sie den Cid da vor ſich ſieht. Ihre ſchönen Augen netzen Thränen; an die Mauer drücket Sie die Bruſt, enthüllt ihr Antlitz, Und, vorbreitend ihre Arme, Rufet ſie ihm furchtbar zu: „Da du uns zu Feinden haben wollteſt, Warum klopfeſt du an unſre Thore! Da durch dich wir hier im Jammer leben, Warum kommſt du und was willſt du weiter? Da, der Freundſchaft Maske weggeworfen, Du dem Unrecht deinen Arm geliehen—“ „Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo! Deine Ehre iſt verloren! Rückwärts, rückwarts, ſtolzer Cid!“ 122 „Seit er ſeinen Eid an mir gebrochen, Den er zuſchwur einer Königstochter, Mich zu ſchirmen; mich, die einſt ihn liebte, Und noch jetzt ſein Bild in dieſen Mauern Ehrt, in Mauern, die er kommt zu ſtürmen; Seit, von ſeinem neuen Glücke trunken, Er vergaß die ſchönen Jugendtage, Die an meines Vaters Hof er lebte.“— „Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo! Deine Ehre iſt verloren! Rückwarts, rückwärts, ſtolzer Cidt“ „Dem mein Vater Ritterwaffen reichte, Meine Mutter ſelbſt den Zelter zuführt', Ich anſchnallete die goldnen Sporen, Knieend auf dem Marmor. Er bemerkte Damals nicht, was jedes Mädchen merket; Er vergiſſet, was er war, und denkt nur, Was er iſt. Auch ich, ſo manches dacht' ich, Was der Himmel mir um meiner Fehler Willen nicht vergönnte. Meine Eltern Hoben ihn; er ſtürzte mich hernieder. Weil ich denn um ſeinetwillen weine“— „Rückwärts, rückwärts, Don R odrigon Deine Ehre iſt verloren! Rückwärts, rückwärts, ſtolzer Cidl“ „Ich ein Weib, dazu noch jung und zärtlich, Kann ihm zwar kein Leid vom Himmel wünſchen; Hat er mich mit ſeinem Stolz beleidigt, Hat er innig mir das Herz verwundet, Kommen von ihm alle meine Leiden; So komm' auf ihn meine Güt' und Gnade; Ich verzeih' ihm. Er darf mich beleid'gen Ohne Strafe: denn des jungen Ritters, Seiner, in der prächt'gen Kirche zu Coimbra, Werd' ich ſtets gedenfen.— Aber dennoch“— 12³⁵ „Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo! Deine Ehre iſt verloren! Rückwärts, rückwärts, ſtolzer Cid!“ „Daß er nicht den Bruch des Eids verhindert'’, Den Don Sancho meinem Vater zuſchwur, Daß er ſeinem Raube nicht gewehret, Der dem Don Garzia, Don Alfonſo Ihre Reiche nahm— der Eine ſchmachtet Im Gefängniſſe; der Andre mußte u Ungläub'gen fliehen, zu den Heiden— Daß Don Sancho meiner armen Schweſter, Die im Kloſter jetzt von Milde lebet, Toro, ihr rechtmäßig Erbtheil raubte, und der Cid auch dieſes ihm nicht wehrte; Daß mein Bruder nicht, und auch der Cid nicht, Tief erröthen, Mich hier zu bekämpfen, ⸗ Mich, die Schweſter, mich, ein ſchwaches Weib nur, Die zu Waffen nichts ſonſt hat, als Thränen— „Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo! Deine Ehre iſt verloren! Rückwärts, rückwärts, ſtolzer Cid!“ Alſo ſprach, gepreßt den Buſen An die Mauer, Donna Uraka; So antwortet ſie dem Cid. Er, betroffen von der Antwort, Halt verworren; dann auf einmal Lenkt er um ſein Roß Babiega: „Rückwärts!“ höret man ihn murmeln, „Rückwärts!“ zwiſchen ſeinen Lippen, Reitend nach dem Lager ſtumm. und ſo kommt er von Zamora Wohl von manchem Pfeil verwundet, Der auch ohne Spitz' und Eiſen, Tief im Herzen vohrend glüht. 124 29. Stiklverſunken in Gedanken, Gab der Cid, als von Zamora Jenes Tages er zurückkam, Stracks gab er dem König Sancho Rechenſchaft von ſeiner Botſchaft, Der ihm dieſe Worte ſprach: „Solches iſt der Könege Schickſal, Wenn ſie mit zu wenig Klugheit, Zu viel Ehr' erzeigen Einem, Einem ſtolzen Unterthan.“ „Ihr, Graf von Bivar, ich weiß es, Jenen kecken Zamoranern Riethet Ihr den Ungehorſam Und das Widerſtreben an.“ „Eure Weisheitsregeln kenn' ich, Fortan ſind ſie nicht die Meinen; Und zu meinen Füßen läge Augenblicks hier Euer Kopf; Hätt' ich es nicht meinem Vater, Ich mit allen meinen Brüdern, Auf ſein Haupt zuſchwören müſſen, Euch zu ehren. Fort dann! Fort Aus Caſtiljen. Weg aus allen Meinen Reichen!“ „Auch aus denen, Die ich Euch erobert habe? Oder nur aus denen Reichen, Die ich, König, Euch erhielt?“ „Fort aus allen!“ 125 Don Rodrigo, Der gedankenvoll erſt daſtand, Lächelte, ſah ruhig um ſich, Und— beſtieg ſein Roß Babiega; Todesſtille herrſcht im Lager: Denn der Cid— er iſt hinweg! 30. Ein Gerauſch von Waffenrüſtung! Pferdetritt', Galopp, Galoppe! Zween Zamoraner Ritter Sind es, von der erſten Bravheit. Längs dem Ufer des Duero Reiten ſie mit grünen Schilden; Füchſe reiten ſie; die Degen Sind von braunem ſcharfem Stahl. Wohlgewaffnet; auf dem Satter Feſt und leicht; wie Haſen ſprengen Sie hinauf dort jenen Hügel, Und im Augenblicke ſtehn ſie Vor den Caſtiljanerfahnen Alſo nah', daß man ſich hört. 7 Einer iſt ein akter Ritter, Arias Gonſalo ſein Name, Weitbekannt. Zwei Gegner ſind ihm Wie ein Haar aus ſeinem Bart. Neben ihm der junge Ritter Iſt ſein jüngſter Sohn; er ſcheute Wohl auch nicht den dritten Mann. Unverzagt, ſobald ſie hörbar Reden konnten, rufen ſte: 2 126 „Sind im königlichen Lager Zwei der Ritter, die mit zweien Zamoranern ihre Lanzen Brechen wollen, ſind wir da, Sie zu lehren, König Sancho Sey kein Edelmann, indem er Seiner Schweſter das zu rauben Kommt, was ihr der Vater gab.“ „Thun dabei Verzicht auf jede Ritterehr' und Königsladung, Nie zu ſitzen einem Edeln An der Seite, nie von Frauen Zu empfangen Lieb' und Gunſt; Thun Verzicht auf dieſes alles, Wenn mit zweien Lanzenſtößen Wir den Platz von unſern Gegnern Nicht geleert. Wenn Zwei ſich fürchten, Mögen Drei und Vier und Zwanzig, Selbſt auch mit dem Teufel kommen, Nur mit Einem nicht— dem Cid.“ Als zwei Caſtiljanergrafen Hörten dieſe kühne Fordrung, Wie die Löwen brüllten ſie: „Wartet, Ritter, zwei Minuten, Anzulegen uns die Waffen.“ Indeß ſie ſich alſo rüſten, Sprach der alte Zamoraner, So ſprach er zu ſeinem Sohn: „Rückwärts ſieh dich um, o Jüngling! Auf den Mauern, auf den Thürmen Von Zamora ſehen Frauen Und Jungfrauen auf uns her. Nicht auf mich, der alt und grau iſt, Aber auf den jungen Ritter, 127 Den mannhaften, ſchauen ſie. Führeſt du dich wohl, ſo gäb' ich Für mein Landgut nicht die Bänder, Die man dir verehren wird. Gegentheiles ſtürb' ich lieber, Als die Spötterei'n zu hören, Die ſich rüſten deinem Ohr.“ „Feſt im Bügel! Halt' die Lanze Grade vor dich; auf den Schild! Halt' dein Roß zum Angriff fertig; Wer im Kampf den erſten Stoß thut, Hat das halbe Werk gethan. Sieh', da kommen ſie! Wohlauf denn Siegen oder ſterben, Sohn!“ Sieg war Ausgang ihres Kampfes. Allen Damen in Zamora Hoch zur Freude, wirft der Jüngling Seinen Feind mit Einem Stoß Um und um; des Alten Gegner Flog vor ſeiner ſtarken Lanze Zehn Schuh weit von ſeinem Roß. In die edle Stadt Zamora Zogen jetzt als Ueberwinder Ein der Vater und der Sohn. 31. Sehr verlegen war Don Sancho Vor Zamora, ſehr verlegen. Nahen konnten ſeine Krieger Nicht der Stadt; doch aus Zamorc Naheten oft ſeinem Lager Stolze Ritter, trotzigkühn. 12⁸ Endlich traten alle edeln Caſtiljaner vor den König: „Großer König, nimmer werden Wir Zamora nehmen, nimmer; Hilft uns Gott nicht und der Cid. Euch, o König, ausgenomman, Wiegen alle wir zuſammen Ihn nicht auf. Er überwiegt.“ Alſo ſendete der Köngg Don Diego von Ordonna, Aufzuſuchen und in's Lager Rückzuführen, ihn, den Cid. Wenn ein Herr auch unrecht zürnet, Muß ihm der Vaſall gehorchen; Wenn ein König ſich entſchuldigt, Muß er ihm treu ſeyn und hold. Als Don Sancho von Rodrigo's Rückkehr hörte, zog er freudig Ihm entgegen, weit hinan. Wenn ein König unrecht zürnte, Muß er ſich zur Ehrerſtattung Zwingen mit Erniedrigung. Kaum erſahe Cid den König, Sprang er ſchnell von ſeinem Pferde; Um ſo mehr beſchäͤmt es dieſen, Daß Cid ſich erniedrigte. „Bald nun nehmen wir Zamora,“ Sprach der König.„Und ich ſage Nochmals: nehmt Euch vor Zamora, König, nehmet Euch in Acht.“ Pfeifen, Trommeln, Klarinetten Künden an dem Kriegeslager Cids Zurückkehr. Des Don Sancho Ohren ärgerte der Luſthalt, Doch ſein Mund— er ſprach kein Wort. 32. Huͤte, hüt' dich, König Sancho, Vor Verräthern. Vor Verräthern Hüte jeder ſich; am meiſten, Wer Gewalt und unrecht thut. Aus dem Thore von Zamora Eilt heran Bellido Dolfos; Seht, wie er ſein Roß dort ſpornet! Seht, er eilt zu Königs Zelt. „Großer König, Gott beſchütze Eure Waffen,“ ſpricht Bellido; „Gott beſchütz' Euch!“ ſpricht der König, „Edler Mann, was führt Euch her?“ „Eu'r Baſall bin ich geboren, Hoher König,“ ſprach Bellido. „Unter Euern Fahnen ſtritt ich, Unter ihnen blieb mein Herz.“ „Als ich dieſes in Zamora Frei bekannte, und Zamora Rieth an Euch, an Euch den Herren, Willig ſich zu übergeben, Droht mir Gonſalo, der alte Arias drohet mir den Tod. Da ich drinnen nichts vermochte, Komm' ich, Euer pflichtverbundner Caſtiljaner, hier in's Lager, Sichern Weges Euch, o König, Einzuführen in die Stadt. Einen engen Gang der Mauer Kenn' ich, eine kleine Oeffnung—“ Als er alſo im Geſpräch war, Zeigte auf dem nächſten Bollwerk Sich der edelſte der Krieger, Arias Gonſalo, und rief: Herders Werle z. ſchoͤn. Lit. u. Kunſt. V. 130 „Sey es Euch geſagt, o König, Euch geſagt, ihr Caſtiljaner. Ein Verräther iſt entwichen Aus der Stadt; er heißt Bellido. Vier Verrätherei'n beging er, Wenn er Euch die fünfte zufügt: Keinem edlen Zamoraner Rechnet's an; ihr ſeyd gewarnt.“ Hüt' dich, hüt' dich, König Sancho, Vor Verräthern! Vor Verräthern Hüte jeder ſich; am meiſten, Wer Gewalt und Unrecht thut. „Glaubet nichts davon, o König,“ Sprach Bellido,„was der Alte, Euch Mißtrauen zu erregen, Dorther von der Mauer ruft; Wohl weiß er, daß ich die Oeffnung Und den Gang der Mauer kenne; Und dann weiß er auch ſein Schickſal.“— „Ja, Bellido,“ ſprach der König, „Ich kenn' ihn als einen ſtolzen, Einen unbiegſamen Mann. Ungern küßt' er mir die Hand einſt— Auf! wohlauf denn zu der Oeffnung, Zum geheimen Mauergang.“— „Jetzt, o König, würde jeder Uns mit ſeinen Augen folgen“— „Wohl dann! ſo geſcheh' es ſpäter!“ „Und am beſten wär's, o König, Erſt die Lage zu beſehen: Ihr und ich, wir gehn allein.“ 131 Eh' ſie gingen, ſtellt der König All ſein Heer hin in die Waffen; Schwören ſollten alle Führer Nichts zu ſchonen in Zamora, Keinem Flehn zu geben nach. Als der Cid ſo ſchwören ſollte, Sprach er:„Meine Männer werden Wie des Mannes Freunde kämpfen, Der nichts fürchtet. Allenthalben Werden ſie mich vorwärts ſehn, Aber abgelegt die Waffen, Schwör' ich bei dem Himmel droben, Gegen die erhabne Schn eſter Meines Königes den Degen Nie zu zucken! Hört den Schivur!“ Einen Wurfſpieß in die Rechte Nahm der König, und ſte gingen. Längs dem ufer des Duero Sah man lang ſie vorwärts gehn. Bis auf einmal ſich Bellido Hob und mit dem Dolch den König Zehnmal in den Rücken ſtieß. Fallen ſah man den Monarchen, Todtverwundet, doch nicht todt. Vor Verräthern, vor Verräthern Hüte jeder ſich; am meiſten, Wer Gewalt und Unrecht thut. Unbewaffnet, wie er daſtand, Schwang ſich auf ſein Roß Rodrigo, Einzuholen den Verräther. An die Pforte vor Zamora Sprengt' er, ach! als ſich die Pforte Eben hinter dem Verräther 132 à 4 Schloß.„O zeuge mir's die Erde Und der ganze weite Himmel,“ Rief er,„wie ich mich verwünſche, Jetzt um einen Augenblick! Hätt' ich Sporen, ach ich wäre Vorgekommen dem Verräther, Hätt' ihn hier am Thor ergriffen, Ihm gegeben ſeinen Lohn!“ Todt verwundet trug den König Man in's Lager; alle ſprachen Zu ihm; und ein Einz'ger nur Sprach die Wahrheit, die ihm diente, Ein bejahrter Rittersmann: „König, denkt an Eure Seele! Sonſt an nichts mehr auf der Welt.“ Sterbend ſeufzete Don Sancho⸗ Als der edle Graf von Cabra Dieſe Worte zu ihm ſprach: „Ach, der Kön'ge hartes Schickſal! Daß, wenn man ſie nicht mehr fürchtet, Dann nur ihnen Wahrheit ſpricht.“ „Auch zu andern, andern Zeiten Sagt man ihnen wohl die Wahrheit, Aber ſie, ſie hören nicht,“ Sprach der Cid; er ſprach es leiſe, Daß er ſeines Königs Seele Scheidend nicht beleidigte. 135 53. Sterbend noch die letzten Blicke Hingekehret gen Zamora, Liegt der König bleich und todt. Um den blut'gen Körper ſtehen Ringsum ſeine beſten Ritter; Alle ſchweigen, tief verſtummt. Traurig, doch mit edler Stimme, Bricht der Cid das todte Schweigen, Und geleitete die Seele Seines Herrn, mitleidig ſo: „Ungtkück⸗ unglückſel'ge Stunde, Als Ihr wider meinen Willen Hieher vor Zamora zogt. König, wer Euch das gerathen, Scheute weder Gott noch Menſchen, Hieß Euch das Gelübde brechen Eurer heil'gen Ritterpflicht.“ „Jetzt erſcheint Ihr vor dem Richter, Der Euch Die, die Ihr bekriegtet, Ernſt als Eure Schweſter zeigt, Die ihr Leben, die ihr Erbtheil, Das Ihr ihr abdringen wolltet, Gegen Euch vertheidigte.“ „Ihr, das Schrecken aller Eurer Brüder, Schweſtern, Unterthanen, Was ſeyd jetzt Ihr? Eine Handvoll Staubes, die indeß wir ehren, Ehren woll'n mit aller Macht.“ „Krieger, eh' der Tag ſich endet, Muß ein Ritter vor Zamora, Auszufordern alle, wegen 8 Schändlicher Verrätherei.“ 1 7 1⁵⁴ Sprach es; doch niemand erhob ſich; Alle, ſcheint es, alle fürchten Arias Gonſalo und ſeiner Vier berühmten Söhne Muth. Alle heften ihre Blicke Auf den Cid, der weiter ſpricht. „Krieger,“ ſprach er,„meinen Eidſchwur Wiſſet ihr, mich nie zu rüſten Gegen dieß Zamora. Doch Einen Mann will ich euch nennen, Als wählt' ich ihn für mich ſelbſt.“ Don Diego von Ordonna, Der dem königlichen Leichnam, Wie abweſend in Gedanken, Traurigſtumm zu Füßen ſaß, Er, der Ritterſchaft von Lara Blüh'nder Ruhm, erhob die Stimme Mit unmuth'gem Laute ſo: „Hat,“ ſprach er,„der Cid geſchworen, Was er wohl nicht ſchwören ſollte: So entbrech' er ſich, uns Einen Herzunennen, den er wählt. Biele Ritter hat Caſtiljen, Wie, den er uns nennen würde; Und(doch ohn' ihn zu verachten,) Ritter, ſelbſt wie er, der Cid. Wer die Fordrung gen Zamora Bringt und ſie beſteht, bin ich.“ Damit griff er zu den Waffen, Und hinaus! hin vor die Mauer. Da, mit aufgehobnen Händen Und mit fürchterlicher Stimme (Seine Augen flammten Feuer, Zorns und Ehre), ſprach er ſo: 13³⁵ „Ihr meineidigen Verräther, Niederträcht'ge Zamoraner, Memmen! denn das ſeyd ihr alle, Seit ihr einer feigen Memme, Eijnem niedrigen Verräther, Meuchelmörder meines Königs, Dem Bellido Zuflucht gabt: Denn Verräther iſt der ſelber, Welcher die Verräther ſchützt.“ Eure Vorfahrn, euern Abſtamam, Und das Brod, das ihr genießet, Und das Waſſer, das ihr trinkt.“ „In's Geſicht nenn' ich euch ſolche, 1— 1 „Daß ihr's ſeyd, will ich beweiſen: Komme Einer gegen Einen, 2 Einer nach dem andern fünf; Diego Ordonno iſt mein Name, Unbeſcholtnen Bluts, aus Lara; Und ich werf' euch Zamoranern Nicht, weil ihr ihn nicht verdienet, Meinen Handſchuh hin; ein Pferdhaar Werf' ich euch hin, ſtatt des Handſchuhs, Gieß' aus dieſer Tintenflaſche Schwarze Tint' euch in's Geſicht.“. Arias Gonſalo, der Edle, Gab herunter von der Mauer Ihm zur Antwort kalt und feſt: „Iſt es, was du redeſt, Wahrheit, Lara, o ſo wär' ich lieber Nie geboren; doch ich nehme Deine Fordrung an und hoffe 3 Dir mit Gott es za beweiſen, Daß du, ein Verläumder, kügſt.“ 136 Damit ſtieg er von der Mauer, Und verſammelnd alle edeln Zamoraner, ſprach er ſo: „Tapfre Krieger, Zamoraner, Die das ganze Wektall ehret, Findet unter euch ſich Einer In den Schandverrath verflochten, Nenn' er ſich und tret' hervor! Lieber will in meinem Alter Ich auf fremder Erde ſterben, Tief verſteckt in Dunkelheit; Als um niederträcht'gen Mordes Willen, auf geſchloßnem Felde, Ueberwinder ſeyn im Kampf.“ „Feu'r vom Himmel falle nieder Und verzehr' uns!“ riefen alle Zamoraner,„wenn ein Einy'ger Von uns auf die mindy'ſte Weiſe Theil hat an der Frevelthat. Fechten könnet Ihr mit gutem Redlichen Gewiſſen, Graf.“ 54. Auf die Forderung des edeln Don Diego Ordonno Lara, Mehr von ihres Bruders Tode Als vom Vorwurf auf Zamora Tief betroffen und verwirrt, Rief in größter Ein' zuſammen Donna Uraka ihren Rath. Niederträcht'’ge nur verſchonet Feige Niederträchtigkeit; Auf die edelſten Gemüther Spritzet ſie zuerſt ihr Gift. 137 „Warum zögert denn der Alte?“ (Murmelt in der Rathsverſammlung Der und Jener.)„Nicht aus Kleinmuth Zögert er wohl aus geheimem Mitbewußtſeyn des Verraths?“ RNiederträchtiger, du lügeſt! Murmelnd bleibe die Verläumdung, Daß er wohl aus Mitbewußtſeyn Zögre, dir in deinem Bart. / In den Saal der Rathsverſammlung Tritt mit allen ſeinen Söhnen Maijeſtätiſch ein der Graf. Ganz in ſchwarze Trauerkreppe Eingekleidet, als beweinten Die begrabne Ehre ſie. Vor der königlichen Tochter Ließ der Greis auf's Knie ſich nieder⸗ Und alſo ſprach er zu ihr: „Königstochter, und ihr Edeln, Helden dieſer Rathsverſammlung. Don Diego Ordonno Lara, (Seinen Namen nur zu nennen Iſt zum Ritterruhm ihm gnug) Statt des Cids iſt er erſchienen, Uns des Mordes an dem Kön'ge Von Caſtilien laut zu zeihn. Dieſe Schmach von uns zu wälzen, Stell' ich mich und meine Söhne. Nicht mehr iſt es Zeit zu ſprechen, Zeit iſt es das Schwert zu zücken; Schon zu lange ſäumten wir.“ 15⁸ In dem Augenblick zerriß er, Er und ſeine vier Begleiter Ihren Trauerſchmuck; in blanken Waffen ſtanden ſie geruſtet, Alle fünf gerüſtet da. Nieder ſenkten ſich die Häupter Der erſt murmelnden Verſammlung. Aus dem Auge der Infantinn Floſſen Thränen. Arias ſprach: „Und nun, edelſte Infantinn, Würdigt mich und meine Söhne Anzunehmen; ſie als Kämpfer Für die Ehre von Zamora, Mich den Greis als ihren Rath. Ihren Mangel an Erfahrung Heb' und ſtütze Eure Gnade; Deß zum Zeichen reichet ihnen Eure königliche Hand. Eine leichte Gunſt, wie dieſe, Iſt der Sporn für edle Krieger; Für gemeine iſt's der Sold.“ Huldreich reichte die Infantinn Den vier jungen, edeln Kriegern Ihre königliche Hand. Feuer drang in ihre Adern, Stärke drang in ihre Glieder— Auf brach die Verſammelung. 35. Und mit Thränen in den Augen, Unausſprechlich rührend flehte 139 Die Infantinn Donna Uraka, Den ungleichen Kampf zu meiden, An, den väterlichen Greis. „Trätet Ihr dem Cid entgegen,“ Sprach ſie,„ach! der edle Cid Wüßte ſein und unſre Ehre Beide rettend zu verbinden; Aber Lara, unverſöhnlich Dürſtet er nach unſerm Blut. Und Ihr, in ſo hohen Jahren, Nach ſo viel beſtandnen Kämpfen Wollt Ihr Eurer mich berauben, Edler Greis. O ſo bedenkt, Was Ihr meinem Vater ſchwuret, Nie mich zu verlaſſen, nie!“ Ach hätt' es gewollt der Himmel, Daß der Cid— „Wie denn Infantinn? „Daß der Cid“ Vom Undankbaren Freilich ſprechen wir zu viel, Doch verſprecht mir— „Was verſprechen?“ Wenigſtens zuletzt zu kämpfen— „Ich zuletzt? Wie denn, Inſantinn, Habe nicht Ich auf der Mauer Ich den Schimpf empfangen, Ich?“ Unbiegſamer, laſſet Eure Jungen Söhne vor Euch ſtreiten— „Wenn ſie fallen, denkt Infantinn, So verlieret Ihr mit ihnen Ihrer Dienſte ſechzig Jahr“— 140 „Und wenn Ihr fallt?“ „Eine Stunde Oder zwei von meinem Leben, Die verlier' ich und nicht mehr. Und mein Tod, wenn er dem Kampfe Meiner Söhne kühn vorangeht, Ihnen ſchaffet er den Sieg.“ Alle Damen, alle Krieger, Arias Söhne ſelbſt, vor allen Donna Uraka, alle flehen An den väterlichen Greis, Zuzuſchauen erſt dem Kampfe— Er, gezwungen von den Bitten, Nicht im mindſten überzeuget, Wirft, ohn' einig Wort zu ſagen, Wirft die Waffen weg, im Zorn. 56. Nah' der Mauer von Zamora War zum grauſen Todeskampfe Zubereitet ſchon der Platz. Schon durchritt ihn Don Diego, Mit der Stärke des Alciden, Seine jungen Feind' erwartend. Schweigt unglückliche Trommeten, Eines Vaters Eingeweide Wenden ſich bei euerm Hall! Wer den väterlichen Segen Erſt empfing, es war Don Pedro, Er, der Brüder Aelteſter. Als er vor Diego's Antlitz Kam, begrüßt' er ihn beſcheiden, Als den ältern Kriegesmann; 6 1 141 „Möge Gott, Euch vor Verräthern Schützend, Eure Waffen ſegnen, Don Diegol Ich erſchein' hier, Von dem Schimpfe des Verrathes Mein Zamora zu befrein“— „Schweig'!“ erwiedert Don Diego, „Denn Verräther ſeyd ihr alle!“ Und ſo trennen beide ſich, Raum zu nehmen; beide rennen Mächtig los; es ſprühen Funken— Ach, das Haupt des jungen Kriegers Trifft Diegoz er zerſpaltet Seinen Helm, durchbohrt ſein Hirn— Pedro Arias ſtürzt vom Roſſe In den Staub hin. Domn Diego Hebt den Degen und die Stimme Fürchterlich hin gen Zamora. „Sendet einen andern,“ rief er, „Dieſer liegt.“ Es kam der andre, Kam der dritte, der auch fiel. Schweigt, unglückliche Trommeten! Eines Baters Eingeweide Wenden ſich bei euerm Hall. Thränen floſſen, ſtille Thränen, Auf des guten Greiſes Wangen, Als er ſeinen jüngſten Sohn, Seines Lebens letzte Hoffnung, Waffnete zum Todeskampf. „Auf,“ ſprach er,„mein Sohn Fernando, Mehr als du an meiner Seite Noch im letzten Kampf geleiſtet, Mehr verlang' ich nicht von dir. 142 Eh' du in die Schranken eintrittſt, So umarm' erſt deine Brüder, Und dann blick' auf mich zurück“— „Weint Ihr, Vater?“ „Sohn, ich weine! So weint' über mich mein Vater Einſt, beleidiget vom König Zu Toledo— ſeine Thränen Gaben mir des Löwen Stärke, Und ich bracht' ihm, welche Freude! Seines ſtolzen Feindes Haupt.“ Mittag war es, als der letzte Sohn des Grafen Arias, Don Fernando, auf den Platz trat; Dem Beſteger ſeiner Brüder, Seinem ſtolzen Blick begegnet Er mit Ruh' und Feſtigkeit. Dieſer, ſpielend mit dem jungen Krieger, nahm den erſten Streich auf, Auf die Bruſt; er war nicht tödtlich. Aber bald lag mit den Trümmern Ihrer Rüſtungen der Kampfplatz Ueberdeckt. Gebrochen lagen Schon die Schranken; beide Roſſe Keichen, durch und durch im Schweiß. Als man ihnen Morgenſterne, Kolben brachte, deren Eiſen Blitzt in ihrer beider Hand. Und der erſte Schlag des Eiſens In der ſtärkern Hand Ordonno's Traf— des edeln Jünglings Haupt. 1⁴½3 Todtverwundet,(ſeinem Roſſe Griff er um den Hals und hält ſich An der Mähn' ihm;) Hölleneifer Gibt zum ſetzten Streich ihm Kraft. Dieſen Streich, er thut ihn tapfer; Aber weil das Blut des Hauptes Sein Geſicht bedeckt, ſo trifft er, Ach, die Zügel nur des Roſſes, 5 Sie durchhau'nd. Es bäumt das Roß ſich, Wirft den Reiter aus den Schranken— Sieg! ſchrien alle Zamoraner; Das Gericht des Kampfes ſchwieg. Arias Gonſalo, zum Kampfplatz Eilend, fand den Kampfplatz leer; Sah den jüngſten Sohn verblühen, Ihn verblühn wie eine Roſe, Eh' ſie ſich entfalrete. Schweigt, unglückliche Trommeten, Eines Vaters Eingeweide Wenden ſich bei euerm Hakt. d unter Alfonſo dem Sechsten, dem Tapfern. — 57. „Fliegt, getreue Boten, flieget Zu Alfonſo, meinem Bruder!“ Sprach Uraka.„Er vergiſſet Seines Glückes in Toledo, Da ſein Glück ihn nicht vergißt.“ „Sagt ihm, daß der Feind nicht mehr iſt, Daß ſein Bruder, Don Garzia, Aus dem Kerker in das Grabmahl Seiner Ahnen wanderte. Sagt ihm, daß die Caſtiljaner, Die Aſturier, die Leoner, Ihn erwarten, ihren König, Wie die Schweſter ihren Bruder; Sagt es ihm und flieget ſchnell.“ „Was zu thun?“ ſprach Don Alfonſo; „Ali⸗Maimon, dieſer gute Saracene, that mir Guts. Was dem Flüchtling man erzeiget, Thut man das auch einem König? Ob mein neuer Stand dem Mauren Wohlgefalle, weiß der Himmel. Eines, weiß ich, iſt mir nöthig, Mit Vorſicht geheime Flucht.“ 145 „In der Rundung dieſer Mauern Iſt ein Ort,“ ſprach der Geſandte, „Niederſteigen wir zu Nacht. Auf rückwärts beſchlagnen Pferden Eilen ſicher wir davon.“ Angekommen in Zamora, Zog Alfonſo dann nach Burgos, Und die Reichsverſammlung ſprach: „Erbe ſeyd Ihr aller Thronen Unſers großen Don Fernandoz Niemand ſtreitet ſie Euch jetzt. 4 Aber, ohn' Euch zu mißfallen, Fordern wir von Euch den Eidſchwur, An dem Morde des Don Sancho Theilgenommen nie zu haben, Mitter⸗ und unmittelbar; Solchen Eidſchwur uns zu keiſten Förmlich, wie es uns gefällt, Und bekräft'gen ihn zu laſſen Von zwölf Eurer Edelſten.“ „Dieſer Wunſch ſey euch gewähret,“ Sprach Alfonſo;„morgen ſchwör' ich, In der Kirche der Gadea, Vor dem heiligen Altar. Heut' begehr' ich nur zu wiſſen, Wer von euch mir dieſen Eidſchwur Abzunehmen dann gedenkt?“ „Ich!“ ſprach Cid.— 4„Ihr, Don Rodrigor Denket Ihr daran, daß morgen Ihr ein Unterthan mir ſeyd?“ „Noch nicht! Daran werd' ich denken, Herr, wenn Ihr mein König ſeyd.“ Herders Werke z. ſchon. Lit. u. Kunſt. V. 10 146 38. Vor'm Altare der Gadea, Knieend, ſeine Hand geleget Auf das Evangelium, Und ein Eiſenſchloß und eine Leimruth', ſo, das Haupt entblößt, So erwartet Don Alfonſo Seinen Eidſchwur von dem Cid. Fürchterlich war dieſer Eidſchwur; Schrecklich war's, ihn anzuhören, Grauſenvoll dem, der ihn thar: „Feig' ermordet müſſ' ich werden Von dem Niedrigſten der Menſchen, Wie Don Sancho von Bellido; Mein Gedächtniß ſey entehrt; Ausgeriſſen aus der linken Seite ſoll das Herz mir werden, Und verſchlucken müſſ' ich es: Wenn ich niat die Wahrheit ſage, Daß am Morde meines Bruders Ich durch Wollen, Rath und Wiſſen Habe nicht den kleinſten Theil.“ „Sprechet Amen,“ rief der Cid. Und alſo zu dreienmalen Wiederholte Don Alfonſo Den ihm vorgeſagten Eidſchwur; „Sprechet Amen,“ rief der Cid. Unverwandt, mit Feuerblicken, Flammend von des Zornes Flamme, Sah, als er den Eid ablegte, Sah Alfonſo an den Cid. 147 39. „Künftig rath' ich Euch mehr Vorſicht, (Euch betrifft jetzt meine Rede, Don Rodrigo von Bivar!) Zittert über jenen Eidſchwur, Den mit Schimpf Ihr von mir nahmt. Jenes Schloß und jene Leimruth', Zeugen meines Schwures, waren Zeugen meiner tiefen Schmach. Künftig rath' ich Euch zu wiſſen, Daß ich Euer König bin.“ „Seyd Ihr tapfer; wohl, ſo zeiget Euch auch ohne Leidenſchaften. Unterwürfigkeit gebühret Dem Vaſallen auch im Recht. Zeiget Ihr im Felde Kühnheit,— Kopf und Herz; ſo zeigt am Hofe Höfliche Beſcheidenheit. Mit den Worten nimmt die Zunge Weg die Hälfte des Verdienſtes, Das der Arm ſich kühn erwarb.“ „Viel zu viel habt Ihr geſprochen, Viel zu viel Euch angemaßet; Doch— Ihr dientet meinem Vater; Sonſt— und dann, was ſagt der Eid?“ „Durch die Hand des ſchlechtſten Menſchen Sterben? Nur des ſchlechtſten Menſchen— Nie die Hand des Edelmannes Waget an den König ſich.“ „Kurz, des Unbenehmens halber, Und Beſcheidenheit zu lernen, Weiſ' ich Euch aus meinen Landen, Don Rodrigo, auf ein Jahr.“ 148 „Und ich nehme vier der Jahre,“ Sprach der Cid,„um ſo viel lieber, Da vom Hofe die Entfernung Mir der König ſelbſt gebeut.“ Ohne ihm die Hand zu küſſen, Ging Rodrigo von Alfonſo; Seine dreimalhundert Männer Mit geſpitzten ſcharfen Lanzen, Mit Wolfsrachen auf den Schilden, Alle zogen ſie mit ihm. 40. um zehn Uhr am frühen Morgen Putzt Eimene ihre Töchter, Donna Sol und Donna Elvira; Schön're Kinder ſah man nie. Schmückte ſie mit art'gem Kopfputz Und mit feinen Linnenkleidchen, Ueberſä't mit ſeidnen Blumen, Die Fimene ſelbſt geſtickt. Ließ dann ihre edeln Knappen Anziehn ihren reichſten Anzug: Denn die Liverei der Diener Zeigt des Herrn Reichthum und Stand. So geputzet ſchickt REimene Ihre Kinder der Infantinn, Die zu ſehen ſie begehret. Sie ſelbſt ging nicht mit den Kindern; Denn des Cids Gemahlinn hält ſich Nach der Vorſchrift des Gemahls. ——— 2 149 6 Seinen Rang beliebt zu machen G Bei Geringeren; bei Höhern b Ihn vehaupten, war ſein Wort. 4 Auch die wildſten Herzen rühret 1 Schon der Anblick dieſer Kinder, Und erfreut den Schauenden. Thränen fließen der Infantinn, Wenn die Kleinen ihr zulächeln. Man weiß nicht, ob ſie ſie haſſe, Oder liebe! Wie im Unmüth Stößt ſie ſie zurück und zieht ſie Liebender zu ſich heran. Faſt verſchlingt ſie ſie mit Küſſen, Und wenn ſie ſie ſtill betrachtet, Steigen Seufzer ihr empor; 3 Rennt ſi. bald die ſchönſten Kinder,. 4 Die die Erde ſah; und findet Dann in ihren Zügen etwas, Das das Bild des Vaters ſtört. Dann verändert ihren Putz ſie, Als ob er durch ihre Hände Schöner würde; o wie manches Ging im Herzen der Infantinn, —⏑Q˖OQ:,UQ’::— Ihr ſelbſt unbemerket, vor. 8 „Wem gehören dieſe Kinder?“ 3 Fragt Alfonſo.„Einem Krieger, 6 Der verbannt iſt, den die ganze Chriſtenheit mit Wunſch zurückruft, Und die Maurenwelt mit Wünſchen Bon ſich treibet. Das Gerücht geht, Daß der Cid in allen Städten Furcht verbreite. Seht die Kleinen, Seht die Liebenswürd'gen, Bruder, Die ſind nicht ſo färchterlich.“ — 150 „Kinder,“ ſprach Alfonſo lächelnd, „Bittet was von mir. Was wünſcht Ihr?“ „Euer Wohlſeyn, großer König, Wünſchen wir,“ antworten beide.— „Hört Ihr,“ ſprach des Königs Schweſter, „Was ſie wünſchen? Ihren Vater Bitten ſie zurück.“ „Das hör' ich,“ Sprach der König,„daß Uraka Den Verbannten noch ein wenig Lieb hat.“„Nein, ich ſchwör' Euch, Bruder, Daß ich ihn von Herzen haſſe.“ „Nehmt in Acht Euch,“ ſprach Alfon ſo, „Daß Ihr nicht aus lauter Haſſe Ihn bis zur Anbetung liebt.“ ⸗ 41. Eines Sonntags in der Kirche Des San Pedro de Cordonna Nach der Meſſe ſprach Alfon ſo Mit dem Cid Campeador. Neue Plane der Erobrung In den Ländern, einſt verloren Durch des Gothenkönigs Schuld, Den die Liebe ſcharf anklaget, Und doch auch die Lieb' entſchuldigt— ⸗ Neue Plane der Erobrung Legt Alfonſo ſeinem Feldherrn Vor, der dann mit ſtillem Ernſt So antwortet: 151 „Zu erobern, König. iſt wohl nicht das Hauptwerk; Das Eroberte erhalten, Dieſes iſt das Schwerere. Ihr ſeyd neu auf Euerm Throne, Traget noch ein junges Zepter, Euer Reich Euch zu verſichern, König, ſey jetzt Euer Werk. Nichts gefährlicher war öfters Fürſten, als Abweſenheit.“ Statt des Königes erwiedert Abt, Bermudo:„Seyd des Feldziehns, Edler Cid, Ihr etwa müde, Daß Ihr jetzt ſo friedlich denkt? Oder gab Euch die Gemahlinn Solche Lehren; wohl, ſo gehet Mehr zu lernen, nach Bivar⸗ Spanien hat zu edeln Kriegen Mehr Feldherren, als den Cid. Cid ſprach:„Bruder, Eure Kutte Steht Euch ſchief.“„Die Kutte, Feldherr, Weiß ich in dem Chor zu tragen, Wie im Feld einſt die Standarte. Hab' ich Könige der Mauren Nicht beſiegt, ſo hab' ich Söhne, Die gar. wohl für mich es können; Auch bin ich, ein Pferd zu ſpornen, Manns genug.“ 3„Wohin zu ſpornen?“ Sprach der Cid,„etwa zur Flucht?“ „Faſt auch glaub' ich,“ ſprach der König, Unterbrechend dieſe Reden, „Daß nicht Furcht zwar, aber Liebe Euch ſo friedlich denken macht.“— 152 „Weder Eines, noch das Andre, Mein Monarch! Kein ander Weibsbild Sah man je an meiner Seite Als die Tizonada a) hier.“ „Cid, Ihr duldet an Euch Fehler, Die auch Steinen Stimme gäben, Möchtet Ihr nicht ſelbſt die Kirche Hier zum blut'gen Felde machen; Und— um welche Kleinigkeit!“ „Herr!“ antwortete der edle Feldherr,„mir iſt's unerträglich, Daß ein Mann, der in den Kleidern Wohl Oelflecken, aber keines Tropfen Bluts Blutflecken hat, Daß der Mann vom Feldziehn ſprechen, Und dem König und dem Feldherrn Unverſchäͤmt einſprechen darf. Seine Stell' iſt vor dem Chorpult, Seine Pflicht, für die zu beten, Die im Felde Streiche thun.“ Beſſer wär' es dir geweſen, Edler Cid, du hätteſt allen Saracenen Hohn geſprochen, Als der Kutte dieſes Abts. 42. b) V „Wenn Ihr, um Euch hoch zu heben, Meines Armes zu bedienen Wiſſet, Ritter von Bivar, 3 1 So erwartet Ihr vergeblich 4 Künftighin auf dieſem Wege Euern Gang zum Firmament.“ a) Cids Degen. 4 5) Der König ſpricht. 153 „Fürchterlich iſt Euer Gradſtun; Auf den Knien vor mir zu bleiven, Ziemet Stolzen, wie Ihr ſeyd. Vor mir Euer Haupt zu blößen— Deſſen Stolz ſich gnug entblößte, Sammt der haſſenswerthen Urſach' 8 Eures ſo geſtiegnen Ruhms. „Welches edle Unternehmen Hielt Euch, ſeit dem letzten Winter, Meinem Hofe ſo entfernt? Warum tragt Ihr, da zum Hofmann Edel Ihr geboren wurdet, Warum tragt Ihr Bart und Haare Wie ein Wüſten⸗Eremit? Mir antworten auf die Frage Werdet Ihr wohl nicht, das weiß ich; Doch ich weiß auch, Heucheleien Gibt es von verſchiedner Art.“ „Und ob Ihr mir ſagen wolltet, Daß dem Feldherrn, ſich zu putzen, Weder Zeit noch, Luſt gebeut; So geruht mir auch zu ſagen, Warum Ihr denn meine Plane, Sie enthüllend, ſcheitern machtet, Ihr wißt es, zu Alcala?“ „Feinde, werdet Ihr mir ſagen, Hab' ich; ja! ſo ſagt der Beſte, und wohl auch der Schlechteſte. Feinde, das darf ich Euch ſagen, Feinde habt Ihr allenthalben; Keinen Freund. Und ohne Freunde Iſt der Redlichſte auf Erden Wohl auch der Unnützeſte.“ 154 „An den Grenzen meines Reiches, Sagt man, fürchten Euch die Mauren, Andre lieben Euch, und alle Ehren Euch, als einen Gott. Wohl! prägt ihnen ferner Achtung Ein, für Euch, auch mir entgegen. Einer, deſſen Freund Ihr nicht ſeyd, Ali⸗Maimon in Toledo, Bleibt mein Bundgenoß und Freund.“ „Nach dem unglüͤckſel'gen Tode Meines Bruders küßten alle Mir die Hand; Ihr nicht, der Cid. Ihr dagegen ließet ſchwören Und verhöhntet mich, den König, Mit dem Eidſchwur auf die Bibel, Und die Leimruth' und das Schloß. Stolz betruget Ihr Euch damals, Und um dieſen Stolz zu beugen, Sag' ich Euch, was damals viele, Biele ſagten:„Den VBerräther, „Den Bellido, hätte freilich „Cid erfaſſen, tödten können, „Als ein Mann von Ehr' auch ſollen; „Zeit hatt' er genug dazu. „Doch er that es nicht: denn immer „Thut der Cid nur, was er— will.“ „Keiner, der mir angehörte, Mann und Weib, es dachte keiner, Daß an meines Bruders Tode Theil ich hätte; nur der Cid. Seinen Tod ſandt' ihm der Himmel, Sagten alle, Ungehorſams Wegen gegen ſeinen Bater; Nur der Cid argwohnete. —— 155⁵ „Deſſen dann und anderswegen Bann' ich Euch zum zweitenmale Fern aus allen meinen Reichen Und bemächtige mich Eurer Güter; wem anheim ſie fallen, Ddieß entſcheide mein Gericht. Auch verbiet' ich Euch auf alles, Was ich Euch geſagt, die Antwort.“ Alſo ſprach, von ſchlechten Menſchen Angereget, Don Alfonſo; So ſprach er zum Ruhm und Spiegel Aller Tapferkeit, zu Cid. —M 45. a) „Euch antworten muß ich, König, Denn ich hab' Euch zu antworten, Und ich kenne, wer die Antwort Mir verbieten darf, nur Einen, Und der Eiyn' iſt nicht auf Erden, Gott!— Kein Braver darf ſich fürchten; Aber Unſchuld geht zu Grunde Durch unzeitig Schweigen, Herr.“ „Hätten, Ehre zu zerſtören, Worte Macht: ſo war es beſſer, Einen Dolch auf mich zu zücken, Als zu reden, wie ihr ſpracht. Aber das Geſetz entehret,— Nicht der König. Ihr vermöget Mich ſo wenig zu entehren, König, als der ſchlechtſte Mann.“ a) Cid antwortet. 156 „Ich auf Knieen vor Euch liegen? Als ein Sklav?— Und mich zu heben? Eures Arms bedarf ich nicht. Keines Menſchen Arms, als dieſes, Und der iſt der Meinige.“ ¹„Laßt ſich Die vor Euch bedecken, Die Euch ſchmeicheln. Sie thun wohl. Ich auch werde mich bedecken, Ich, der nie Euch ſchmeichelte.“ „Daß ich nicht bei Hof erſchienen, Und was ich bei'm Friedensbündniß Für Euch that zu Alcala; Hiervon ſchweig' ich. Wer die Gutthat Nicht empfand, die ihn verbindet, Dem wird ſie umſonſt erklärt. Des Wohlthäters Rede löſchte,f Gleich dem Schwamm, die Wohlthat aus.“ „Es erfreu' Euch, Don Alfonſo, Daß den Cid die Mauren achten; Wenn ſie ihn nicht mehr verehren, Fürchten ſie Euch ſchwerlich mehr.“ „Euer gutes Herz, o König, Bring Euch lieber in Gedanken, Was ich Gut's für Euch gethan. Hätt' ich Euch, o König, wollen Mit dem Flecken der Verachtung Vor mir ſehen auf dem Thron, Wahrlich ich hätt' Eure Ehre Durch den Schwur nicht hergeſtellt.“ „Wer mir von Bellido redet, Kann mich wahrlich tief betrüben, Aber nicht beleidigen; Treilich hätt' ich ihn ergriffen, Fehleten mir nicht die Sporen— Ach in ſolchen Fällen ſeufzet Jedes edle brave Herz; Indem es den Fehl geſtehet, Fuühlt es ſchmerzlicher die Schuld.“ „Endlich da ich mein Vermögen König, Eurem Dienſt geopfert, Da ich, was durch meine Waffen Ich erworben, Euch verehret, Was wollt Ihr mir nehmen, Herr? Weder Ihr, noch Eure Räthe, Können finden, wo nichts iſt.“ „Aber von nun an, o König, Von nun an will ich erwerben, Ich für mich und nicht für Euch. Nicht, weil Ihr's befahlet, König, Frei entfern' ich mich, beleidigt, Weil Ihr alſo zu mir ſpracht. Ehrenlos, wer von dem König Solche Reden duldete.“ Eure Waffen zu beglücken, Daß Ihr nie vermißt, o König, Einen Degen, der Euch fehlt.“ Alſo ſprach der Cid zum König; Dieß ſind ſeine ächten Worte, Eh er in die Bannung zog. „Sey mit Euch des Himmels Jungfrau, 44. a) „Undankbar⸗grauſamer König Undankbarer Don Alfonſo (Alſo rief in ihrem Schloſſe, Rief Eimene zu Bivar) Mir gehört's, dich anzuklagen:. Denn allein der Weiber Herzen Geben der Empfindung Laut.“ „Unglück, Unglück dir, o König, Daß du meinen Cid beleidigt. Zwar mit Worten nur; du durfteſt Es nicht anders; mit dem Degen, Mit ihm redet mein Gemahl. Müßig wär' er in der Scheide Nicht geblieben, wärſt, o König, Wäreſt du ein Edelmann.“ „Du verbannſt ihn— werche Einfalt! Ueberall in der Verbannung Schafft ſich Cid ein Vaterland. Läſſeſt beißen ihn vom Neide; Der zerbeißt an ihm die Zähne: Mein Cid iſt bedeckt mit Stahl. Läſſeſt ziehn ihn mit dem Degen; Wohl, du wirſt zurück ihn wünſchen, Wünſchen in der erſten Schlacht. Eher ſchätzet man das Gute Nicht, als bis man es verlor.“ „Was denkſt du, daß ihn gereue? Reut ihn etwas, o ſo iſt es, Feinde ſich gemacht zu haben Um Freundſchaft der Könige; Ihrer Ohnmacht aufzuhelfen, a) imene ſpricht. 159 . Furchtbar ſich gemacht zu haben; Deine Staaten zu vergrößern, That er alles, was er that. Ohn' Ihn wären deine Reiche Nur Aſturiens Felſen noch.“ „Und wie hat er dir gedienet? Hätt' er es gethan, wie jene Hofeskrieger, die dir ſchmeicheln, Dich erheben, dich belügen, Jetzt noch wär' er dir gar theuer, Seine Dienſte wohlbelohnt. Sahſt du ihn dagegen aber Lieber geben, als empfangen— Undankbare Fürſten drücket, Drückt und dränget nichts ſo ſchrecklich, Als großmüth'ger Unterthanen Edelmuth— auch gegen ſie. Geht dann, gehet, Don Alfonſo, Euer Bann ſey denen Straſe, Die an Hofe, Müßiggänger, Aber manchem edeln Mann, Deſſen Weib ſie ſeitwärts locken, Locken wie die jungen Hirſche, Wenn der Mann für Lieb' und Ehre Kämpfet und zu Felde liegt.“ „Unglück, Unglück dir, o König Gunſt und Wahrheit waren einmal Nur beiſammen in der Welt. Du, du gehſt umringt von Hunden, Hunden, die dir heute ſchmeicheln, Morgen bei dem erſten Fehltritt Dich anfallen, dich zerreißen. So umgeben iſt ein König, Der, von Günſtlingen verblendet,⸗ Seiner Seele Blick verlor.“ 5 Fürchterlich ſind— nicht den Mauren, 169 Alſo ſprach in ihrem Zorne Cids Gemahlinn, nie ablaſſend So zu reden als wenn Thränen Hemmten ihrer Klage Ton. 45. Als der gute Cid, der Feldherr, Deſſen Leben Gott bewahre, Gott mit aller ſeiner Macht; Als er ab nun reiſen wollte, Mit Rimenen und den Töchtern, Mit dem Hofe ſeiner Edeln, Fand er alle ſeine Güter In den Kriegen aufgezehrt; Fand er keinen Maravedi, tas Zu beſtreiten ſeinen Zug. Jene praͤcht'gen Hyacinthen, Die die Könige der Mauren Einſt verehrt dem großen Cid, Legt anitzt Donna Rimena In die Häͤnde des Gemahles, Zum Verſatze, zum Verkauf. Donna Sol und Donna Ekvira, Die zwei liebenswürd'gen Kleinen, Als den Schmuck ſie glänzen ſahn, Und von dem Verkaufe hörten, Bitter floſſen ihre Thränen, Seufzer ſtiegen aus dem Herzen Der unſchuld'gen Kleinen auf. „Ach, die ſchönen Prachtjuwelen, Zum Verſatze, zum Verkauf ſ 4 „Glel⸗ 161 „Gleichen, ſprach der Cid, die Kinder⸗ Die um das, was glänzt, nur ſeufzen, Gleichen ſie nicht Königen? Weiber, Könige und Kinder, Eben ihrer Schwachheit wegen Werden ſie uns achtenswerth: Denn der Schwachheit nachzugeben Iſt des Starken Pflicht; Eimene, Geben wir den Kleinen nach.“ „Und behalten die Juwelen,“ Riefen froh die kleinen Mädchen; Die des Vaters Bart ſonſt ſcheuten, Ihn zu küſſen, klimmen an ihn, Küſſen ihn mit Herzensluſt. Kommen ließ der Cid zwei Juden, Neben ſich an Tafel ſitzen Mit viel Ceremonien; Will von ihnen tauſend Goldſtück⸗ Auf die Sicherheit von zweien Großen Kaſten, angefüllet Mit all ſeinem Silberwerk. Jedoch unter der Bedingung, Nicht vor Jahresfriſt die Kaſten Zu eröffnen, und nur dann erſt Sich zu halten an den Inhalt, Wenn er ſie nicht ausgelöſ't. Mehr geſichert durch den edlen Namen Cids, als durch die Kaſten, Zahlten ihm die zwei Beſchnittnen Tauſend Goldſtück'; gingen beide Die Bedingung ein; doch nahmen Sie mit ſich die ſchweren Kaſten, Die der ECid(ſo wollt' es jetzo Seine Noth) mit Sand gefüllt. Herders Werke z. ſchoͤn. Lit. u. Kunſt. V. 11 162 That dem Herzen Cids das wehe? Nicht im mindſten. Herzhaft that er's, Voll Vertrauen auf ſein Glück. Auf, Fimenel jetzt zur Kirche! Weihn wir jetzt zur Hülfe Gottes, Meine Waffen, mein Panier! 46. Laut von Prieſtern und von Kriegern Ward die Meſſe Cids geſungen, Und das heilige Geheimniß Mit Trommeten laut begrüßt; Zimbeln klangen, Pauken ſchallten, Daß die heiligen Gewölbe Bebten; aller Krieger Herzen, Der dreihundert Unverzagten, Füllt ein neuer Heldenmuth Zu dem Kampf entgegen Mauren, Mauren in Valencia. Als geweihet war die Fahne, Nahm der Cid ſie in die Hand. Alſo ſprach er:„arme Fahne Eines armen und verbannten Caſtiljaners, nach dem Segen, Den auf dich der Himmel kegte, Mangelt dir nur Spaniens Achtung; Und die ſag' ich dir vorher.“ Hiermit rollt' er auf die Fahne, Hebt ſie ſchwingend in die Lüfte: „Sieg und Ruhm wird dich begleiten, Fahne, bis vielleicht du fliegeſt Neben Königes Panier. Don Alfonſo, Don Alfonſo, Unter der Sirenen Sange Schlummerſt du; dir drohet Ungrück, Wenn du, wenn du nicht erwachſt.“ 165 „Krieger, ſprach er, iſt's nicht alſo? Wir ſind aufgeweckt. Entehret Wären wir, die etwas werth ſind, Dort, wo Keiner etwas taugt. Achtung und Verdienſt, ſie haben Nur an ihrer Stelle Werth.“ „Eingewiegt von den Sirenen Schlummert dort der tapfre König; Nutzen wir den tiefen Schlummer, Die Boshaften zu erſchrecken, Nicht am Hofe, ſondern fern. Fürchterlicher iſt den Böſen Nichts, als derer, die ſie haſſen, Fern erworbner, ſchöner Ruhm. Tauſend edle Herzen ſeufzen Ingeheim, verfolgt von Böſen; Glücklich, wenn, ſie zu enthüllen Vor dem Angeſicht des Weltalls, Sich, wie uns, der Anlaß veut.“ „Edle Fahne, in den Lüften Flattre ſtolz, die Zuflucht Aller, Die das Laſter ſeufzen macht!“ Nieder ſenkt' er jetzt die Fahne: „Tapfre Krieger, meine Freunde, Rache des Vaſallen gegen Seinen angevornen Herrn, Auch gerecht, erſcheint ſie immer Nur als Aufruhr und Verrath. Die Beleidigung verſch merzen ſt das Merkmat höh'rer Seelen, Opo ſte ſie gleich tief gefühlt. Gält' es Rache, mir entflöhen Meine Feinde nicht; ich folgte Ihnen nach zum Firmament.“ 164 „Hier, o Krieger, in des Friedens Und der Liebe heil'ger Wohnung, Hier blaſ' ich jetzt in die Lüfte Das Gedächtniß meiner Schmach. Jegliches Gefühl der Rache Geb' ich athmend hin den Winden. Einzig trag' ich meine Waffen, Die ich für mich ſelbſt anlegte, Einzig trag' ich für Caſtiljen Sie und für die Chriſtenheit. Hab' ich Stärke gnug, ſo pflanz' ich Meine Fahne gen Toledo, Und was dort ich dann erwerbe, Heiße Neu⸗Caſtilien.“ „Unterdeß für jetzt, ihr Freunde, Da uns eine Herberg' fehlet, Iſt uns baldigſt die Erobrung 1 Eines kleinen Schloſſes Noth. Wer auf mehr als Ehre wartet, Der verlaſſe mein Panier.“ Hiemit hob er auf die Fahne: „Edle Fahne, ſchwinge, ſchwinge Dich entfaltend durch die Lüfte. Klarinetten und Trommeten Tönt! Ihr Trommeln und ihr Pauken! Euer Sammtgehall erſchrecke Nur die Schwachen und die Böſen und der falſchen Heuchter Zunft.“ 47. Kön'ge wollen ihre Diener Nur an ihrem Platze ſehen; Den Erhabneren darüber, Drücken ſie, wie Buhlerinnen 165 Den verächtlich ſtorz behandeln, Der ſich, ihnen zu gefallen, Nicht verächtlich machen ließ; Oder wie die großen Götter, Deren hoher Zorn im Donner Nur das Binſenrohr verſchont. Als des Cids ruhmreichen Abzug Don Alfonſo's Ohr. vernahm, Sprach, in Mitte ſeines Hofes, Sprach er alſo:„Weggewandt Hat ſich heut von unſern Fahnen Wohl der tapferſte der Ritter, Der je mauriſch Blut vergoß!“ „Schien zuweilen ſeine Freiheit Schrankenlos und nah der Kühnheit, Ihm vielleicht war dieſe Freiheit Zu erlauben; ſeiner Treue, Seiner alten Liebe wegen, Die für unſer Haus er trug.“ „Jetzo geht er; und auf lange— Ein einfacher Mann; und tauſend, Tauſend Herzen gehn mit ihm. Ein einfacher Mann, verliert er Mit dem Hofe, wo er nichts war, Etwas? Einzig ſchon ſein Name Macht ihm einen andern Hof, Wo er alles iſt. Vom Schloſſe, Wenn ein hoher Stein ſich kosreißt, Folgen bald ihm andre nach.“ „Könige ſind nie in Ruhe. Dieſer will und Der den Degen; Und an alles ſoll der König Denken, prüfen, widerſtehn— Sagt' ich dem geſammten Hofe, Ahndung keiner ſeiner Diener, 166 Daß der Cid mir für Euch alle Gilt, nähm' ich Euch das Vergnügen Seines Falles, und Ihr nähmet Meine Red' als Vorwurf auf; Oder ſprächet: das ſind Launen, Launen ſind's der Könige.“ „Summa: Cid, der erſte Krieger, Edel, auf der Ehre Gipfel, Treu, verſtändig, mannhaft, klug— Ohne Beugung vor dem Herren, Was kann er vom Herrn erwarten? Alſo bleib' es, wie es iſt, 1 Damit auch die fremden Völker (Hört es Alle, die umherſtehn,) Damit auch die fremden Völker Sagen, daß König Alfonſo's 7 Selbſt der Cid auch, nicht entging. 2 48. Daſteht nun der Cid gerüſtet; Unwiſſend, was werden ſolle, Schwört der Maure bei Mahoma. Daß er Cid beleidigt habe, Reuet jetzt König Alfonſo; Doch der Cid, er ſteht in Waffen; Es geht nach Valencia. Daſteht nun der Cid gerüſtet: Aufgeſtützt auf ſeinen Degen, Spricht zuletzt er mit Eimenen; Babiega beißt die Zügel, Heiß⸗erwartend ihren Reiter, Und des Cids Paniere rauſchen In der Luft, erwartend ihn: 167 7 „Warum weinet Ihr, Rimene, Iſt ſo ſchwach denn unſre Liebe, Daß ſie nicht ertragen könne Einige Abweſenheit? Jeder Edle iſt dem König Dienſte ſchuldig; dem Gerechten Leiſtet man ſie pflichtenmäßig, Undankbaren ſchenkt man ſie.“ „Muth und Sinn iſt Euer Erbtheil; Tochter eines Heldenſtammes, Die Gemahlinn eines Kriegers, Frei von jeder Weibesſchwachheit, So imene, laß ich Euch.“ „Jeden Augenblick des Tages Wendet wohl an, nähend, ſtickend, Singt am Abend mit den Töchtern, Und, um Euer Haus zu ordnen, Wachet mit Auroren auf.“ „Zu Vergnügungen verlaß ich Euch die Sorge für die Heerden, Für die Wolle, für's Gefieder; Nie, imene, nie ſeyd müßig, Arbeit iſt des Blutes Balſam, Arbeit iſt der Tugend Quell.“ „Eure reiche Kleidung ſchließet Ein, bis auf mein Wiederkommen; Nicht, darin mir zu gefallen, Sondern mir zur Ehre dann. In Abweſenheit des Mannes Kleidet einfach ſich die Frau.“ „Junge Mädchen, fern vom Feuer, Wie den Werg; doch laßt die Töchter, Wenn Gefahren Ihr entfernet, Sie nichts merken von Gefahr. — 168 Laſſet ſie an Eurer Seite Schlafen, und hinaus in's Grüne Nie ausgehen ohne Euch. Töchter ohne ihre Mutter Sind wie Lämmer ohne Hirt.“ „Zeigt den Hausgenoſſen Würde, Euren Frauen ſeyd geſprächig; Gegen Freunde ſeyd beſcheiden; Gegen Euch und Eure Kinder Unnachgebend ſtreng und feſt. Keiner Freundinn, auch der beſten, Zeiget Einen meiner Briefe, Wie ich keinem meiner Freunde Einen Eurer Briefe zeige: Denn das Band der Ehgenoſſen Iſt ein zart vertraulich Band.“ „Nie erwirbt man ſich Hochachtung, Wo man alles von ſich wiſſen, Alles überſehen läßt. Die geſchwätzige Gemahlinn Zieht den Mann in ihr Geſchwätz, Macht dabei ſich ſelbſt verächtlich; Und doch ruhet auf der Achtung Eines Hauſes ſeine Macht.“ „Sollt' es Euch bisweilen Mühe Koſten, meiner Briefe Inhalt Zu verbergen: denn der Freude Botſchaft, ſie verbirgt ſich ſchwer: So entdeckt es, ſie zum Schweigen Zu gewöhnen, Euren Töchtern; Ihrem Vater zu gefallen Schweigen, weiß ich, ſie gewiß.“ „Nehmet Rath von keinem Manne; Fragt, was Ich Euch rathen würde, 8 169 Wär' ich da, und folgt dem Rath. Und in ſchweren Dingen— ſchreibet; Nie verläßt Euch meine Feder, Wie mein Degen und mein Herz.“ „Zweiundzwanzig Maravedi's Laß ich Euch zur Tages⸗Ausgab'; Haltet Euch darnach; der wahre Adel ſteht nicht im Erſparen, Doch auch im Vergeuden nicht. Seyd Ihr geldbedürftig, laſſet Keinen als nur mich es wiſſen; Keinen Eurer Leute ſetzet Je zum Pfande; ſuchet lieber. Geldesſummen auf mein Wort.“ „Auf mein bloßes Wort, Fimene⸗ Dieſes, wie des Himmels Veſte, Weiß man, iſt feſt und gewiß. Wie ich mich für andre ſchlage, Glaubt, ſo werden ſich auch andre Froh bemühn für mich und Euch.“ „Lebet wohl! Und einen Kuß noch Einen nur; ich bringe keinen Aus den Schlachten dir zurück. Lebe wohl, meine Eimene!— Fort! die Krieger möchten ſagen, Ich ſey hier dein Bräutigam.“ IV. Der EGid zu Valencia und im Tod. 49. Handelt ungerecht der König, V Wilt der Cid nicht alſo handeln; Er verließ ſein Weib in Thränen, Und in Thränen ſeine Töchter,— Alle von ihm hoch geliebt; 3 Brach in Länder ein der Mauren, Ueberwand ſie in Gefechten, Er erobert' ihre Schlöſſer, Legte ihnen Zins und Pflicht auf. Als er Alcocer erobert, 8 Schloſſen ihn die Mauren ein⸗ Zahlreich waren ihre Heere, Keinen Ausfall waget' er. Da trat zu ihm Alvar Fannez, Der ſich nannte von Minaya: „Galt es dazu unſre Mühe, (Sprach er zu den Kriegsgenoſſen) 8 Daß wir unſer Land verließen, Um uns hier den Bart zu kämmen? Brod, das müßig wir hier zehren, 171 Krieger, iſt kein Ehrenbrod. Auf! hinaus unter die Mauren!“ „Alvar Fannez von Minayag,“ Sprach der Cid,„du redeſt tapfer, Du ſprichſt wie ein Ehrenmann. Nimm vie Fahne!“ 8 „Und bei'm Schöpfer Schwör' ich dir,“ antwortet dieſer, „Wo du ſie vielleicht nicht ſelber Hintrügſt, aus Bedenklichkeit, Trag' ich ſie.“ Der Ausfall glückte; Alvar Fannez von Minayva Drang fort in die Mauren⸗Länder. Zwar beklagten ſich die Mauren, Da ſie Königes Alfonſo's Schutz genöſſen, über Unrecht. Aber welcher Ueberwundne Klaget über Unrecht nicht? 50. Briefe ließ der König ſchreiben, Stoltze Briefe an den Cid, Voll von mancherlei Verläumdung Seeiner Feinde, der Spione. Was dem Grafen Conſuegra Cid antwortete, vernehmt! „Edle Männer von Villalon, Tapfre Ritter von Valverna, Gute Leute von Vilalda, Gute Cyriſten von Salſuenng, Böſe Spurer des Betragens Andrer, leſ't und leſet recht;“ 172 „Don Rodrigo iſt mein Name, Wohl auch Cid Campeador, So ergeben meinem König', Als mein Weib, Fimene, mir, Leb' ich als ein ſchlichter Kriegsmann, Der kaum zweimal in der Woche Ab die Kriegeswaffen legt, Schlafe nirgend als im Zelte, Thue keinem Freunde übel, Stünd' es auch in meiner Macht. Haue nur mit meinem Degen, Aber nie mit Zung' und Feder, Eſſe ſitzend auf der Erde, Weil mir eine Tafel fehlt, Laſſe niemand mit mir ſpeiſen, Als die Braven und die Guten, Anzuſpornen, durch die Sitte, Meiner Freunde Heldenmuth. Unſre Tiſchgeſpräche ſcharren Nie auf die begrabnen Todten, Greifen nie dem Urtheil Gottes Ueber die Lebend'gen vor. Ich, der Cid, ich ſpreche ſelten, Kümmre wenig mich um andre, Frage nichts, als ob Babiega Sey gewartet und gezäumt, Aufzuſitzen gleich nach Tafel, Neu zu eilen in's Gefecht.“ „Lege nieder mich zum Schlafe, Nicht zu wachen und zu ſinnen, Wie auf Wegen des Betruges Ich erſchleiche fremdes Gut. Wach' ich auf, ſo geht's zu Felde, Hier— ein feindlich Schloß zu nehmen, Oder— kiegen es zu laſſen, Wie das Glück will, wie es fällt.“ 17³ „Bin ich einſam, ſo gedenk' ich An mein Weib, und das mit Seufzen; Weinend mußt' ich ſie verlaſſen, Klagend, wie die Turteltaube; Und wohl einſam, und wohl traurig Lebet jetzt ſie in der Fremde; Doch ſie lebet glücklich dort.“ „Uebrigens, ihr hohen Herren, Kann und darf der Cid antworten Jedem, wer es ſey, der frägt. Er darf ſeine Seel enthüllen Ohne Lug' und ohne Scham.“ 51. Von der Tafel ſeiner Tapfern Rief der Cid, doch unvermerket, Einen Krieger, der im letzten Treffen übel ſich erzeigt, Martin Pelaszz er rief ihn Seitwärts, und ſprach ſo ihm zu: „Eſſen beide wir zuſammen Heut' an dieſer ſondern Tafel: Denn das Mahl mit jenen Tapfern, Die mit hohem Ruhm dort ſitzen, Steht für heute uns nicht zu. Eſſet Ihr von Eurem Schemel, Ich von dieſem; beide werden Wir hier wohl beiſammen ſeyn.“ Fort fuhr er in dem Geſpräche: „Jene, die an hoher Tafel Dort mit Alvar Fannez ſpeiſen, Sind Dämonen, leiden keinen 174 Neben ſich, der ſeine Ehre Nur im mindeſten befleckt. Ehre duldet keine Flecken, Jeder Fehl an ihr iſt Brandmak, Brandmal auf der ſchönſten Stirn. Dieſen Mackel und ſein Elend Wegzutilgen, das vermögen Spaniens reiche Schätze nicht.“ Und ſprach weiter:„Eine Quelle, Ab zu waſchen ſolchen Flecken, Quellet in des Feindes Bruſt. Feindes Blut tilget die Schande Des Verzagten. Lieber ſterben, Junger Mann, als ſcheun ſich müſſen Und ſich nicht erkühnen dürfen, Mit den Braven umzugehn.“ „An die Thaten Eures Baters, Meines guten Freundes Pedro, Pelaéz, laßt uns gedenken; Ha, wie ſpaltete ſein Schwert! Die Beiſpiele ſolcher Männer Sollen uns aufmuntern, Jüngling, Das zu thun, was jeder brave Mann gehalten iſt, zu thun. Bitten dürfen wir dann jene Alte Teufel, daß ſie wieder Uns an ihre Tafel nehmen. Sorecht mir, junger Mann, die Wort⸗, Mir mit Mund und Herzen nach:“ „Lieber unter'm Fuß der Heidenroſſe Sterben und zerquetſcht, zertreten werden, Als daß Einer der lebend'gen Chriſten Ehrlos uns vertreib' aus der Geſellſchaft!“ 175 „Setzt Euch feſt auf dieſe Worte, Jüngling, Daß, wenn wir auf jene Ebne kommen, Sie der Wind nicht etwa Euch entnehme. Auf, zum Schwert! Eu'r Pferd habt Ihr verroren. Sorget nicht; ich geb' Euch gleich ein andres.“ Leiſe ſprach er dieſ' und andre Worte Zu dem Jüngling. Es ward aufgeſtanden; Da ergriff er bei der Hand ihn, rufend, Rufend aus mit ſeiner Eiſenſtimme: „Lieber unter'm Fuß der Heidenroſſe Sich zertreten laſſen, als bei Chriſten Leben und entehrt ſeyn!“ Alſo rief er. Indem tönten die Trommeten, Klarinetten, Cymbeln klangen; Auf, in's Feld! Es geht zum Siege, Krieger gen Valencial Von den Reden Cids entflammet That an dieſem Tage Wunder Pelaséz, vor'm Auge Cids. 52. „Da die Königinn des Himmels, Die gebenedeite Jungfrau, Uns Valencia zu erobern, Hülfpeich beigeſtanden hat, Pedro, ſo geht zu den Mauren, Schafft den Leidenden Erquickung, Und dem Todtenheer ein Grab.“ 176 „Sagt den Ueberwundnen allen, Männern und den Weibern ſaget, Daß, die ſtolzeſten im Kriege, Wir die ſanfteſten im Frieden, Menſchlich und großmüthig ſey'n.“ „Regt ſie an, zu mir zu kommen, Daß ich ſelbſt mit ihnen ſpreche, Und für ihre Schätz' und Weiber Bleibe keinem eine Furcht. Denn mir fehlen für die Schätze Kaſten, und für ihre Weiber Fehlt ein Frauen⸗Harem mir. Eine nur iſt meine Gattinn, Eine, meine ächte Frau.“ „Alvar Fannez, auf! zu meiner Armen leidenden Eimene. Führt ſie her, und meine Kinder; Nehmt auch etwas Gold mit Euch, Daß ſie ſich das Nöth'ge kaufen Und anſtändig hier erſcheinen, Dieſe ſchöne Stadt zu ſehen Und Rodrigo, ihren Freund.“ „Ferner dreißig Mark an Golde Nimm mit dir, dem heil'gen Pedro Lege ſie auf den Altar. Auch zweitauſend Silberſtücke Stelle den ehrhaften Juden, Iſrael und Benjamin, Bittend zu, mir zu verzeihen Meine allereinz'ge Lüge, Die ich lebenslang beging.“ „Die verpfändeten zwei Kaſten, Die verſchloſſen ſie annahmen, Glaubten ſie voll guͤten Goldes, Und 177 Und ſie waren voller Sand. Dennoch war es keine Täuſchung: Denn mein Wort war in den Kaſten, Und mein Wort iſt gutes Gold.“ „Antolinez, Ihr begleitet Alvar Fannez. Seine Zunge Iſt ein wenig träg'; und Eure, Sie gefällt im Sprechen ſich. Auf! erzählet der REimene Unſre Abentheuer alle, Helft ihr dann auch im Geſange: Denn ſie liebt in frohen Stunden Die Guitarr' und den Geſang.“ 6 „An den Hof des Königs ziehet Dann auch beide mit einander: Ueberreicht ihm die Geſchenke, Mit der ehrerbiet'gen Bitte, Daß er Gattinn mir und Kinder 1 Gnädig laſſe mit Euch ziehn.“ „Was in deiner Kriegerſprache Du zu ſagen haſt, vergiß nicht Alvar Fannez, auch kein Wort. Wohl, daß einem Held an Hofe, In der Schule ſeines Lehnherrn, Du dabei zu lachen gibſt. Andre werden meine Plane, So wie deine Worte, meiſtern Und beſpötteln. Mach' es alſo, Daß dem Neide nichts auch bleibe, Als das Gift in ſeiner Bruſt.“ „Zieht denn, meine Freunde, ziehet! Wenn hieher zurück ihr kehret, Findet ihr mich Ueberwinder Andrer Mauren, meiner Feinde, Oder— findet mich nicht mehr.“ Herders Warke z. ſchon. Lit, u. Kunſt. V. 13 178 53. Angekommen itzt zu Burgos, Küſſete die Hand dem König Alvar Fannez von Mingya, Antolinez neben ihm. „Unterthänige Geſchenke, Ueberbring' ich, großer König, Von dem ſtolzeſten Vaſallen, Den Ihr aus dem Reich gebannt.“ „Und mich ſelbſt in dieſer Sendung Nicht zu täuſchen, ſo erlaubet, Daß ich Euch die Worte ſage, Die er zu mir ſelbſt geſagt: Denn wo Cid nicht iſt, bin ich.“ „Alſo ſprach er:„Aus Valencia Send' ich, was von dem Vaſallen Seinem Oberherrn gebührt. Das Andenken an die Härte, Die Ihr, König, mir erwieſen, Längſt iſt es aus meiner Bruſt. Vielmehr ſegn' ich alles, alles, Was daher zu meinem Ruhme Und für Euer Reich entſprang. Ueberreichen wird Euch Fannez Hundert ritterliche Pferde Mit den Decken und Geſchirr; Hundert Sklaven, die ſie führen, Und im Kaſten dreißig Schlüſſel Bon den Städten und den Schlöſſern, Die hiemit Euch der Verräther, Die der Cid Euch übergibt.“ 179 „Stolz bezahl' ich meine Schulden, König, mit den Gütern reicher Ueberwund'ner Könige. Einem Armen und Vertriebnen, Dem Ihr nichts, o König, ließet, Blieb nichts übrig, als auf Koſten Andrer Euch befriedigen.“ „Alvar Fannez, mein Geſandter, Iſt ein Krieger, der ſich ſelber Sein Gut zu erwerben weiß; Er begehret nicht Geſchenke, Nur daß Ihr ihm, König, zuſprecht, Wie es ſeiner Ehre ziemt. Was ich nie von Euch erlangte, Wahrlich, das verdienet Er.“ „Ehrenworte koſten wenig, Und ſie ſind ſo reich einträglich Einem guten Könige; Sie gewinnen ihm die Herzen, Wenn bei ungerechten Worten Sich das treuſte ihm entzieht. Daß der Cid Euch treu blieb, König, Traut, o trauet nicht dem Beiſpiel; Viele ſind vielleicht an Muthe, Wen'ge ihm an Großmuth gleich. Edel hielt er's, euch zu dienen, Andre könnten's edel halten, Sich zu rächen für die Schmach. Wer den Dolch Bellido reichte, Kann ihn dreißig andern reichen, Wenn er ſie dafür bezahlt. Fing Bellido nicht mit Schmeicheln Seinen Trug an bei Don Sancho, Den ſein Dolchſtich endete?“ 180 „Wer einmal den Schmeichtern wohlthut, Leget ſich die harte Noth auf, Immer ihnen ſchön zu thun. Schmeichler ſind es, die ſich rächen; Aus dem Honig' ihrer Lippen Machet Euch ein Bollwerk, König, Und Ihr werdet es erfahren, Wie dieß Euch vertheidige.“ „Werdet Ihr vielleicht mir ſagen: „Aus dem ungeſtümen Munde Cids ergehen nichts als Lehren?“ Freilich ging wohl mancher König Irre durch zu viele Lehren; Aber der war ſtets verloren, Dem kein Rath gefällig war.“ Spottend hob ein Graf die Stimme, Sprach mit höhniſchem Gelächter: „Klar iſt's, lieber heut als morgen Wünſcht der CEid ſich her nach Burgos, Um hier fort zu predigen.“ Alvar Fannez ſtieß im Zorne Rückwärts ſich den Helm, und knirſchend Rief er:„wer hier wagt zu mucken— Wo der Cid nicht iſt, bin Ict.“ Alles ſchwieg; und Antolinez, Er begann mit ſüßer Rede; Seine ſanften Worte rührten So die Seele des Monarchen, Daß er Augenblicks Eimenen Frei es ſtellte, zum Gemahle Hinzuziehn, zum großen Cid. 181 54. Angekommen in Valencia, Angelangt nach langer Trennung In der ſchönen Stadt, gewonnen Durch die Tapferkeit des Cid, Lebten jetzt Donna Fimena, Sie die Mutter und die Töchter, Mit dem Cid, der hoch ſie liebte, In Verehrung, Freud' und Glück. Als ſchnell eine Botſchaft ankam: „Miramamolin, der Große, Nahe ſich mit mächt'gen Heeren; Funfzigtauſend Mann auf Roſſen, Die zu Fuße nicht zu zählen; Ihm Valencia zu entreißen, Nah' er mächtig ſich dem Cid.“ Wohlerfahren in den Waffen, Rüſtet dieſer ſtracks die Veſten Aus mit Vorrath und mit Volk; Muntert' auf dann ſeine Ritter Freudig, auf gewohnte Weiſe, Führte dann Donna imena, Sie und ſeine beiden Töchter, Auf des Schloſſes höchſten Thurm. Allda ſahen ſie zum weiten Meer hinaus, die Mauren kommen, Sah'n mit großer Eil' und Sorgfalt Sie aufſchlagen ihre Zelte, Unter Kriegsgeſchrei und Trommeln, Kriegsgeſchrei und Paukenhall. Großes Schrecken faßt die Mutter Wie die Töchter: denn ſie hatten Solche Heere nie zu Felde, 18² Nie auf Einem Platz geſehn. „Fürchtet nichts, ihr Lieben alle, Sprach der Cid, ſo lang' ich lebe, Nah' Euch keine Sorg' und Angſt: Morgen; und Ihr ſehet alle Dieſe Männer überwunden; Töchter, und von ihrer Habe Mehrt ſich Euer Heirathsgut. Je mehr ihrer, deſto beſſer, Deſto reicher wird die Beute, Für die Kirche zu Valencia, Die, dem Volk zu hoher Freude, Morgen euch zu Füßen liegt.“ Jetzt bemerkend, daß die Mauren Nah ſich an die Thore drängten, Sonder Ordnung, im Gewühl, Sprach er:„Alvar Salvadores, Leget an Euch Eure Rüſtung, Nehmt mit Euch zweihundert Reiter, Wohlgeübt auf ihren Roſſen, Und macht auf die Heiden Jagd, Daß imene und die Mädchen An dem JIagen ſich erfreun.“ Kaum geſprochen, ſo geſchah' es: Im Getümmel, im Getrappel, Flohn die Mauren zu den Zelten, Wer nicht fliehen konnte, blieb; Doch hier wandten ſie ſich alle, Und weil Alvar Salvadores Vorwärts ſich zu weit gewagt, Fiel er in die Hand der Mauren, Bis ihn Tages darauf mit reichem Ruhm befreiete der Cid. 18³ 55. Wohlgeordnet ſeine Völker, Die zu Fuß und die zu Roſſe, Zog der Cid jetzt aus Balencia: Aus dem Thor der Waſſerſchlange Zogen ſie hinaus in's Feid. Seine Fahne trug Vermudes; Hieronymus, der Biſchof⸗ Zog in Rüſtung mit dem Heer, Gegen den Barbarenkönig, Miramamolin aenannt, Der dem Cid die ſchöne Beute, Sein erworbnes Reich Balencia, Mit wohl funfziatauſend Reitern Trotzig abzunehmen kam. Als einander gegenüber Mauren nun und Chriſten ſtanden, So viel Mauren, Chriſten wenig, War alles in Furcht und Angſt; Bis auf ſeinem Roß Babiega Cid erſchien, in reichen Waffen Und mit lauter Stimme rief: „Gott mit uns, und San Jago!“ Sprengte dann ein in die Feinde; Hieb und todtete; gebadet War ſein Arm in Heidenblut; Wer ſich ihm zu nahen wagte, Jeder Maur' galt Einen Hieb. Endlich fand den Maurenkönig Selbſt er auf, im Schlachtgetümmel; Dreimal traf er; dreimal ſchützte Den Barbaren nur die Rüſtung, Bis er ſich, erſt hintern Hügel Schleichend, dann in ein Kaſtell zog, Und dem Cid das Feld verließ. 18⁴4 Von dem Volk, mit ihm gezogen, Blieben wenig' ihm der Tauſend; 1 Was nicht todt lag, ward gefangen, Und das Lager, reich an Silber, Reich an Pferden, ward erbeutet; Und im allerreichſten Zelte, Das die Chriſtenheit je ſah, Fand ſich Alvar Salvadores. Hoch erfreuet war der Cid; Hoch erfreuet kehrten Alle Nach Valencia. Mutter, Töchter, Die vom Thurm die Schlacht geſchauet, Froh empfingen ſie den Cid. 56. Dankend Gott und San Jago Für den Schutz, den ſie ihm ſchenkten, Für die Kraft, die ſie ihm liehen, Auszufechten ſolche Schlachten, Zu bezwingen ſo viel Mauren, Zu gewinnen Städt' und Beſten, Wie kein andrer ſie gewann; (Denn Gott und der Erz⸗Apoſtel Hielten ob ihm ihre Hand!) Lebte Cid jetzt, hochgefürchtet, Hochgefürchtet und verehrt, In Valencia mit Pimenen, Und mit ſeinen beiden Töchtern, Donna Sol und Donna Elvira, Die er über alles liebt'. Ringsum in Caſtiljen gingen Von ihm Wunder⸗Neuigkeiten, Alſo daß zwei junge Grafen, 185⁵ Reiche Grafen Carrion, Vor den König Don Alfonſo Bittend traten, daß er beide, (Brüder waren ſie) vermähle Mit den edlen Töchtern Cids. Don Alfonſo, kein Bedenken Findend an der reichen Heirath, Lud den Cid, ihn in Requenna Zu beſuchen, ſprach mit ihm Viel von ſeinen Wunderthaten, Von den Schlachten, von den Siegen; Rechenſchaft gab ihm der Cid. „Aber Ihr ſeyd alt geworden, Guter Cid,“ ſprach Don Alfonſo. „Großer König, ſprach der Feldherr, So viel Sorg' und Kriegesarbeit Macht ſchon alt; kaum hatt' ich Ruhe, Kaum Erholung einen Tag. Alles indeß überſtanden, Iſt Valencia Euch gewonnen, Voll Vergnügen, voll von Gütern, König, Euer Eigenthum.“ „Guter Cid, genießt das Eure, Sprach Alfonſo; mir genüget Eurer Thaten Ruhm, die Ehre Eines Feldherrn und Vaſallen, Wie kein Chriſtenreich ihn hat; Gerne wünſcht' ich Euren Töchtern Standesmäßige Gemahle; Und da haben ſich zwei Grafen Reiche Grafen Carrion, Brüder, ſie von mir erbeten; Uebel waͤre nicht die Heirath, Und ich ſteh' für die Gelahr.“ 186 Sprach der Cid:„ſie ſind die Eure, Guter König, und Rimenens Wille iſt gewiß der meine; Die ich über alles liebe, Meine Töchter ſchenk' ich Euch.“ Traten zu ihm beide Grafen, Küſſeten dem Cid die Hände, Nach Caſtilien zog der Köniag, Nach Valencia zog der Cid. 57. Mit ihm zogen beide Grafen, Ihm zu ſeinen Schwiegerſöhnen, Seinen Töchtern zu Gemahlen Von dem Könige geſchenkt; Hoch erfreuet war imene, Hoch expfreuet beide Töchter; Alvar Fannez übergab ſie Den Gemahlen, und der gute Erzbiſchof verlobte ſie. Feſte werden angeordnet, Ritterkämpfe, Prachtturniere; Mohren, Chriſten, Afle freuen Auf das Feſt ſich, auf die Spiele; Ach ein böſer Unfall ſtörte Alle Freuden, alle Luſt. Hört! Ein ungeheurer Löwe, Den der Cid an ſeinem Hofe Längſt ſchon hielt, entkam dem Wächter, Und, als wär' er angewieſen, Lief er auf die beiden Grafen, (Eben ſchlummerte der Cid) 1 187 Warf die Tafel um und brüllte Schrecklich. Sein Geſchrei erweckte Schnell den Schlummernden; er ſprang Auf den Stuhl, erhob die Stimme: und der Löwe, der ihn anſah, Der die Eiſenſtimme kannte, Wandte ſich und ging zurück. Blaß von Todesfurcht und Schrecken, Schleichen jetzt die Grafen ſeitwärts, Wähnend, daß zu ihrem Schimpfe Dieſer Scherz bereitet ſey. Darin ſtärket ſie ihr Oheim, Der zur Heirath ſie begleitet, Und ſo werden Eins ſie Alle, Abſchied ſchnell vom Cid zu nehmen, Wegzuziehn mit ihren Weibern, Und zu rächen an den Töchtern, Was am Vater ſie nicht könnten— O des ſchändlichen Beginnens! O des bübiſchen Verraths! Ehrerbietig treten beide Vor den Cid, Abſchied zu nehmen, Heimzuziehn mit ihren Bräuten, Und die Hochzeit dort zu feiern, Alſo wünſchte es ihr Vater.— Cid, befremdet und betroffen, Hielt in ſeinem großen Herzen Beide— nicht für niederträchtig, Nur für launig und unhöflich; Doch der Mutter Herz wehklaget, Und es ſchlägt das Herz der Töchter, Unter Seufzern, unter Thränen Scheidend; Cid begleitet ſie. „ 188 58. Auf geradem Wege zogen Erſt die Grafen; wohl empfangen Von des edlen Cids Bafallen, Freundlich auch von Jedermann; Wer des Helden Namen kannte, Wer des Helden Töchter ſah, War ihr froher Unterthan. Auch die Schwiegerſöhne heucheln Freundlich ihrem guten Vater, Der beklommen von den Töchtern Und mit Seufzen Abſchied nahm; Denn ein Strom gepreßter Thränen Gießt ſich auf der Töchter Wangen: „Warum geht Ihr, guter Vater? Wem verlaßt Ihr Eure Töchter?“ Warum gehſt du, edler Cid? Seitwärts ab vom Wege lenken Jetzt die Grafen in die Wüſte, Voraus ſendend ihren Zug. Und als tief ſie im Gebirge Waren, einſam von den Menſchen, Hießen ſie die edeln Donna's Niederſteigen von den Mäutern; O der niedrigen Verräther! „O des ſchändlichen Verraths! Rache jetzt an Cid zu nehmen, An Cid, der ſie nie beleidigt, Auch des Caſtiljaner⸗Adels Neid und Haß und bittern Grolt Auszugießen, einzuprägen Unauslöſchbar auf ſein Haus, Reißen ſie den Schmuck der Kleider Ab vom Buſen der Vermählten, 27 189 Schleppen ſie an ihren Haaren, Geben Streiche ihren Wangen, Ihren Rücken Riemenſtreiche, Daß ihr Blut zur Erde fließt.. „Habt das jetzt für Euren Vater, Für den großen Cid, den Edeln, Der den Caſtiljaner⸗Adel, Der den Hof verachtend ſchmähte, Der auf uns den Löwen ließ.“ Alſo ließen ſie die beiden, Die Unſchuld'gen, angebunden Tief im Wald' an einem Baum. Und, wie nach vollführtem Siege, Ziehen fürder ſie die Straße: „Wo iſt unſre Herrſchaft blieben?“ Fragt der Zug. Die Grafen ſprechen: „Donna Sol und Donna Elvira Beide ſind ſie wohl verſorgt.“ O der niedrigen Verräther! O des ſchändlichen Verraths! Doch vom Himmel und im Herzen Ihres edlen, großen Vaters War die Rettung der Verlaßnen Wunderbar vorher beſtimmt. „Reitet, ſprach der Cid bei'm Abzug', Zu Ordonno, ſeinem Neffen, Reitet querhin durch die Wüſte, Zu Valeneia ſehn wir uns.“ 59. Angſtgeſchrei und Weh und Seufzen, Aechzen, wie der Sterbenden, Drang hinauf von den Verlaßnen, Auf gen Himmel und erreichte Bald Ordonno's horchend Ohr. 190 Den Verlaſſenen zu Huͤlfe Eilt' er tiefer in die Wüſte, Und als er die Edlen ſah— Wüthend rauft er ſich die Haare, Wüthend flucht er den Verräthern, Feig' entflohen waren ſie; Decket dann mit ſeinen Kleidern Die Verlaſſenen, Halbtodten, Löſet ihre harten Bande, Eilt Erquickungen zu ſuchen, Rettung, Oddach, Sicherheit. Bald auch fand er einen Landmann, Treu dem Cid und ganz ergeben, In deß Hütte trugen beide, Schweigend die Verlaſſenen, Wo des Landmanns Weib und Töchter Freundlich ihrer ſich annahmen Und ſie treu verpflegeten. Don Ordonno ſprach: Sennora's, Unter dieſer guten Leute Sichrer Obhut weilet hier; Ich geh' jetzt mit einer Nachricht— Ach, wo werd' ich Worte finden, Sie dem Vater, ſie der Mutter Zu verkündigen? dem Cid! Wo die Thaten Rache fordern, Schweigen Worte. Cid erwiedert Nichts, und ſchlug ſich an die Bruſt. „Wohl haſt du mir das geſaget, Gutes Herz! doch ſo abſcheulich, 4 Schändlich, häßlich, niederträchtig, 1 Nicht der Teufel handelt ſo.“ 191 Aber welche Thränenquellen Werden jetzt der Mutter Augen! Standhaft tröſtet ſie der Cid; Sendet Boten ab zum König, Schnelle Boten, um Erlaubniß, Kommen ſelbſt vor ihn zu dürfen, Gen Toledo, wo er war. 60. Gnädig nahm ihn auf der König, Als er ankam mit den Rittern, Gnädig, wie es Cid verdient: „Meine Dienſte wißt Ihr, König, Für Fernando, Euern Vater, Für den unglückſel'gen Sancho, Und, Alfonſo, auch für Euch.“ Alſobald gebot der König; Und die beiden Grafen reichten, Schimpflich, und doch nicht beſchämet, Den Tizona und Colado Ihrem edeln Herrn zurück. „Hab' ich,“ ſprach der Cid,„euch wieder, Angedenken meines Lebens, Dich Tizonaz einſt gewonnen Von Bukar, dem Mohrenkonig, Als Balencia ich bezwang; Dich Colado, den der edle Graf von Barcelona trug, Als den Arragonier⸗König Wir mit Ruhm beſiegeten; Nehmt die Degen, Don Bermudes Und Alvar Fannez Minayaz 19²2 Bis zum Schluß der Reichsverſammlung, Wahrt vor jedem Niederträcht'gen, Wahret ſie in Eurer Hand.“ Jetzt mit fürchterlichem Aufruf Griff der Cid an ſeinen Bart, Nannt' in Gegenwart des Königs Und der ganzen Reichsverſammlung Nannt' die Grafen und den Oheim, Der den Anſchlag angegeben, Niederträchtige Verräther. Als ein Mann von Ehre trug er Ritterlich die Klage vor. Sich entſchuld'gen wollen beide; Doch umſonſt iſt die Entſchuld'gung, Auf der Lippe ſtockt das Wort. „Sprechet,“ rief der Cid noch lauter, „Iſt es Wahrheit, was ich ſage? Tod oder Bekenntniß.“— „Der, Sprach im Spott Garzia Cabra, „Der mit ſeiner Eiſenſtimme Und mit ſeinem kangen Bart Will Euch, Grafen, hier erſchrecken; Geh' er hin zu ſeinen Mauren“— „Schweigt,“ antwortete der König⸗ „Recht gilt hier es und Gericht. Fechten müßt Ihr, Angeklagte, Drei mit drei; Ihr beiden Grafen Und der Oheim in Perſon; Anderſeits, wen von den Rittern Gegenüber Euch zu ſtellen Der Beleidigte ſich wäpylt.“ 19³⁵ Auf der Stelle wählte Cid Drei von ſeinen wackern Männern, Den Bermudes und zwei Vettern, Stellend ſte dem Feinde dar; Nahm darauf vom König Abſchied, Nach Valencia zog er heim. 61. Niederträchtige Verräther Bleiben immer hinterliſtig; Können ſie mit RitterEhre Nicht entgehn dem böſen Kampf, Wollen ſie ihn von Toledo Fernhin ziehen auf die Ebne Ihres Städtchens Carrion. Schon verſammelt ſind dort alle Große ſtattliche Verwandte, Selbſt aus königlichem Stamm; Alle reich in goldner Rüſtung, „Alle prächtig im Gefolge, Uebermüthig, frech und ſtolz Und ihr Anſchlag iſt, die Ritter Cids voran hinweg zu blaſen, Ehe noch der Kampf beginnt. Kaum wird dieſen ſolches merkbar, Wenden ſie ſich an den König: „Unter des Geſetzes Schutz Und in deinem ſind wir, König; Dir vertraut, dir anbefohlen; Wenn wir hinterliſtig fallen, Rächen wird uns unſer Cid.“ Herders Werke z. ſchoͤn. Lit. u. Kunſt. V. 13 So gewarnet nimmt der König Aller dreier Leib und Leben Oeffentlich in ſeinen Schutz; Weißt die hinterliſt'gen Grafen Gen Toledo, unterſagend 1 Das Gefecht in Carrion. 3 O wie ſank das Herz den Frechen! Vor'm Colado, vor Tizong Zittert jetzt ihr Uebermuth. Feld und Platz ſind abgemeſſen, Aufgerichtet ſtehn die Schranken, Wo bleibt Fernan Gonſalez? Denn Bermudes ſteht erwgartend— 1 Endlich tritt er auf, erbebend, Stößt zuerſt mit ſeiner Lanze, Und ſchon liegt er tief am Boden, Mit durchbohrtem Schild und Harniſch, Bittend fleht' er um ſein Leben, Als er die Tizona ſah 4 Aufgehoben.„Stirb, Verräther!“ Rief Bermudes.„Schenk', o ſchenke Mir mein Leben,“ ſprach der Feige; „Ich erkenne mich beſiegt.“ „Martin Antolin von Burgos Hob die Lanz' und den Colado Gegen Diego Gonſalez. Mächtig ſchrie er um Erbarmen Unter Puffen, unter Streichen 1 Des Colado, bis ſein Roß ihn Günſtig aus den Schranken riß. „O wie ſchändlich,“ riefen alle, „Schändlich iſt auch der beſtegt.“ Nunno Guſtios tritt entgegen Dem verrätheriſchen Oheim, 8 19⁵ Suer Gonſale;, durchbohret Ihm auf einmal Helm und Schild: Blutend liegt er an dem Boden, Schon ſetzt Nunno ihm die Lanze In's Geſicht; da ruft des Baters Klägliches Geſchrei:„Erbarmen! Lieget er denn nicht beſiegt?“ Ja beſiegt, und niederträchtig Feige, ſind ſie uͤberwunden, 3 Die Stolzen, Vermeſſenen. Nichts bleibt jetzt dem König übrig, Als das Urtheil auszuſprechen „Niedriger Verrätherei.“ Ehrlos werden ihre Namen, Eingezogen ihre Güter, Und kein Mann von Ehre nennet Ohne Scham die Niedrigen. Als der Cid von ſeinen Siegern Froh die gute Botſchaft hörte, Dankt' er Gott; doch blieb im Herzen Ihm die bittere Erinn'rung Lebenslang ein wunder Ort. Seit der Schmach, die ihm begegnet, Trug er fortan ſchwarze Rüſtung, Ueberſät mit goldnen Kreuzen, Und war ſtiller als vorher. 62. Eingeſchlummert, matt vor Alter, Saß auf ſeinem hölzern Stuhle Eid, der Feldherr, neben ihm Saß Kimene mit den Töchtern, Stickend eine feine Leinwand, Ihnen winkte mit dem Finger Sie, des Vaters ſüßen Schlummer Nicht zu ſtören; alles ſchwieg Als zwei perſiſche Geſandte, Den ruhmvollen Cid zu grüßen, Kommen mit Geräuſch und Pracht, Denn der Ruf von ſeinen Thaten, Von der Größe ſeines Werthes Drang durch Mauren und Araber Hin in's ferne Perſien. Von des Helden Ruhm ergriffen, Sandt' der Sultan ihm Geſchenke, Seidenſtoffe, Spezerei'n. Angelanget mit Kameelen, Traten vor ihn die Geſandten; „Ruy Diaz,“ ſprach der eine Mit hinabgeſenktem Blick, „Ruy Diazl tapfrer Feldherr! Unſer mächtiggroßer Sultan Beut dir ſeine Freundſchaft an. Bei dem Leben Mahoms ſchwur er: Hätt' er dich in ſeinem Lande, Wohl die Hälfte ſeines Reiches Gäb' er gerne dir als Freund. Seine Achtung dir zu zeigen, Sendet er dir die Geſchenke.“— Ihm antwortete der Cid: „Sagt dem Sultan, Euerm Herren, 4 Daß die Ehre ſeiner Botſchaft Ich empfange unverdient.— Was ich that, es war nur wenig; Was ich bin, ward oft verläumdet. Hätt' er ſich bei uns erkundet, Wer ich ſey, er hätte ſchwerlich Mir die Ehre nicht erzeigt. Indeß, wär' er Chriſt, ich machte 6 Ihn zum Richter meines Werths 197 Alſo ſprach der Cid und zeigte Ihnen darauf ſeine Schätze: Die Gemahlinn und die Töchter; Zwar nicht überdeckt mit Perlen, 4 Ohne Schmuck und Edelſteine, Doch des Herzens Güt' und Unſchuld Sprach aus jeglichem Geſicht. Ueber ſeiner Töchter Schönheit Waren beide hoch erſtaunt; Und noch mehr, noch mehr erſtaunet Ueber ſeine ſchlichten Sitten, Ueber ſein einfaches Haus. Auch in Spanien beſiegte Bald ſein Ruhm die ärgſten Neider:; Seeine ſchönen edeln Töchter, Donna Sol und Donna Elvira, Fand der Lohn; an zwei Infanten Arragoniens und Navarra's Wurden glücklich ſie vermählt. . 65. Matt von Jahren, matt von Kriegen, Obwohl uͤberdeckt mit Ruhme, 4 Als der Cid, Bukar entgegen, Der Valencia ihm zu rauben, 2 Auf ihn drang mit ſtarker Heerskraft, Dreißig Könige mit ihm; Als Cid gegen ſie hinauszog, Sprach er zu Eimenen ſo: „Wenn ich überdeckt mit Todeswunden Auf dem Schlachtfeld falle, ſo beſtatte Mich bei'm heil'gen Pedro de Cordonna, Nahe dem Altare; und, imene, 1* Sey wohl auf der Hut, daß dich der Mauren Keiner dann in Furcht und Schwachheit ſehe. Wenn man diſſeits über meinem Leichnam Ruhepſalmen ſingt, ſo rufe jenſeits Man zu Waffen, daß mein Tod den Feinden Neuen Muth nicht und den Sieg nicht gebe.“ „In der Rechte laß mir die Tizona Auch in meiner Gruft, daß ſie kein andrer, Kein Unwürd'ger führe. Will es Gott ſo, Und du ſiehſt Babiega aus dem Schlachtfeld Ohne mich heimkehren; öffn' ihm freundlich Gleich die Pforte; ſtreichle ihn, Rimene; Wer dem Herrn ſo treu, wie er, gedient hat, Iſt auch Lohns werth nach des Herren Tode.“ „Hilf, Rimene, hilf mir in die Waffen; Sieh dort blinket ſchon die Morgenröthe; Und es geht auf Leben oder Tod jetzt. Gib mir, Liebe, gib mir deinen Segen; Und was ich erworben, ſey der Himmer Gnädig deiner Kraft, es zu erhalten.“ Ausgeſprochen dieſe Wonte, Schwang er mühſam ſich vom Eckſtein Auf ſein gutes Pferd Babiega; Das ſah ſeinen Herren traurig, Traurig hing es ſeinen Kopf. 64 Matt von Kriegen, matt von Kämpfen Lag der Eid auf ſeinem Lager, 3 Denkend an die nahe Zukunft, An Gefahren der Eimene, Als er neben ſich am Bette Leuchten ſahe welchen Glanz! 199 Einen Mann an ſeiner Seite Sah er; heiter war ſein Antlitz, Glänzend; und ſein Haar gekräuſelt, Weiß, wie Schnee; er ſaß ehrwurdig Da, in ſüßem Himmelsduft. „Schlummerſt du, mein Freund Rodrigo?“ Sprach er,„Auf! ermuntre dich!“ „Und wer biſt du,“ ſprach der Feldherr, „Der im Wachen mit mir ſpricht?“ „Pedro bin ich, der Apoſtel, Deſſen Haus dir ſo beliebt iſt, Hergeſandt auf deine Sorgen, Komm ich zu verkünden dir⸗ Daß dich Gott nach dreißig Tagen Rufet in die andre Welt,“ „Wo dich alle deine Freunde, Wo die Heil'gen dich erwarten; Um die Freunde, die du läſſeſt, Um Fimenen ſey nicht bange; Aufgetragen meinem Vetter, Dem San⸗Jago iſt ihr Sieg. Mache fertig dich zur Reiſe, Und beſtelle froh dein Haus.“ Dieß gehöret, ſprang Röodrigo Munter auf von ſeinem Lager, Will dem heiligen Apoſtel Dankend froh zu Fuße fallen; Doch die himmliſche Erſcheinung War hinweg; er ſtand allein. Tauſend hundert zwei und dreißig, Am dreizehnten Tag des Maimonds War es, als der gute Feldherr Von Bivar die Welt verließ. Tages drauf, als ihm Sa n⸗Pedro Prophezeihend war erſchienen, Ließ er ſeine Freunde kommen, Und Kimenen ihm zur Seite, Sprach er ſeinen letzten Willen Ernſt und ruhig alſo aus: „Zu San⸗Pedro de Cordonna Wie du mir verſprachſt, Eimene, Wird mein Körper heimgeführt; Jedem meiner edeln Männer Gib fünfhundert Maravedi's: Denn ſie waren treuergeben, Treu dem Cid bis in den Tod. Alvar Fannez von Minaya, 1 Du, mein Freund, wirſt ſie vertheilen Was dir bleibt, meine Fimene, Wend' es an zu frommen Werken, Und für deine Güt' und Liebe Habe meinen treuſten Dank. In das Kloſter zu Cordonna Wirſt du meinen Leib begleiten; Mein Vertrauteſter, Gil Diaz, Don Jeronymo, der Biſchof, Alvar Fannez, und Berm udes, Meine Treugeliebten alle, Werden, dir und mir gefällig, Wohl mit dir die Reiſe thun.“ So empfahl er Gott die Seele, Rahm Abſchied von ſeinen Freunden, Und empfing das Sakrament. —. —x 201 66. Tages noch vor ſeinem Tode Ließ Cid ſeine Freunde kommen, Und als Feldherr ſprach er ſo: „Ich weiß, daß der Mohrenkönig, Daß Bukar mit ſeinen Heeren, Der Valencia hart umſchließt, Gierig meinen Tod erwartet; Bergt dem Sarazenen ihn.“ „Und die koſtbar'n Spezereien, Die Balſame, die der Sultan Mir aus Perſien geſandt, Sandt' er wohl für meinen Leichnam— Wohl, ihr Freunde, laßt ihn waſchen, Balſamirt ihn mit der Myrrhe, Kleidet ihn von Haupt zu Fuß; San⸗Jago wird Euch begleiten, Und kein Klaggeſang erſchalle, Keine Thräne wein' um mich.“ „Vielmehr, wenn ich ausgeathmet, Laſſet die Trommeten tönen, Laßt die Pauken, laßt die Cymbeln, Laßt die Klarinetten rufen, Feldgeſchrei zur nahen Schlacht.“ „Und wenn ihr dann nach Caſtilien Meinen Leichnam hinbegleitet, Wiſſ' es ja kein Mohren Seewolf, Alle laſſet hier zurück. Sattelt meinen Freund Babiega Kleidet mich in meine Waffen, ürtet an mir die Tizona, Und ſo ſetzt mich auf mein Roß. 202 Neben mir dann geht Gil Diaz, Don Jeronymo, der Biſchof, Und mein tapfrer Freund Bermudes. Ihr Alvar Fannez Miaya Ziehet ſtracks hin auf Bukar; Daß Euch Gott den Sieg verleihn wird, Sagte mir San Pedro ſelbſt.“ Alſo ſprach der Feldherr rühig, Und des Sultans Ehrenbalſam War geſandt ihm zum Triumph. 6⁷. Fahnen, gute, alte Fahnen, Die den Cid ſo oft begleitet In und ſiegreich aus der Schkacht, Rauſchet ihr nicht in den Lüften Traurig, daß euch Stimm' und Sprache, Daß euch eine Thräne fehlt: Denn es brechen ſeine Blicke, Er ſieht euch zum letztenmal. Lebet wohl, ihr ſchönen Berge, Teruel und Albarazin, Ew'ge Zeugen ſeines Ruhmes, Seines Glückes, ſeines Muths; Lebet wohl, ihr ſchönen Höhen, Und du Ausſicht auf das Meer hin. Ach, der Tod, er raubt uns alles, Wie ein Habicht raubt er uns, Seht, es brechen ſeine Augen— Er blickt hin zum etzteninal. 203 Was hat er geſagt, der gute Sid? Er liegt auf ſeinem Lager. Wo iſt ſeine Eiſenſtimme! Kaum noch kann man ihn verſtehen⸗ Daß er ſeinen Freund Babiega, Ihn noch eiymal ſehen will. Babiega kommt, der treue Mitgefährt' des wackern Helden In ſo mancher, mancher Schlacht. Als er die ihm wohlbekannten Guten alten Fahnen ſiehet, Die ſonſt in den Lüſten wehten, Hingebeugt auf's Sterbelager, Unter ihnen ſeinen Freund, Fühlt' er ſeinen Lauf des Ruhanes Auch geendet, ſteht mit großen Augen ſtumm da, wie ein Lamm; Sein Herr kann zu ihm nichts ſprechen⸗ Er auch nichts zu ſeinem Herrn. Traurig ſieht ihn an Babie ga, Cid ihn an zum letztenmal. Gerne hätt' ſich Alvar Fannez Mit dem Tode jetzt geſchlagen; Ohne Sprache ſitzt Rimene; Cid, er drückt ihr noch die Hand. Und nun rauſchen die Paniere Stärker; durch das offne Fenſter Weht ein Wind her von den Höhen— Plötzlich ſchweigen Wind und Fahnen Edel: denn der Cid entſchläft. Auf, nun auf! Trommeten, Tromimeln, Pfeifen, Klarinetten tönet, Uebertönet Klag' und Seufzen; Denn der Cid befahl es da. Ihr geleitet auf die Seele Fines Helden, der entſchlief. 68. Ausgeathmet hat der gute Cid, der von Bivar ſich nannte. Zu vollbringen ſeinen Willen Iſt Gil Diaz jetzt bedacht. Balſamiret wird ſein Leichnam; Friſch und ſchön, als ob er lebte, Sitzt er da mit hellen Augen, Mit ehrwürdig weißem Bart; Eine Tafel ſtützt die Schultern, Eine Tafel Kinn und Arme; Unbewegt auf ſeinem Stuhle Sitzt er da, der edle Greis. Als zwölf Tage nun vergangen, Schalleten die Kriegstrommeten, Weckten auf den Maurenkönig, Der Valencia hart umſchloß. Mitternacht war's, und man ſetzte Auf ſein gutes Pferd Vabiega Grad' und feſt den todten Herrn; Schwarz und weiße Niederkleider, Aehnlich dem gewohnten Harniſch, Den Eid an den Beinen trug, Durchgenäht mit goldnen Kreuzen War die Kleidung; ihm am Halſe, Eingefaßt mit der Deviſe, Wellenförmig hing ſein Schild. Von gemahltem Pergamente 205 Stand ein Helm ihm auf dem Haupte Ganz in Eiſen eingekleidet Schien er da auf ſeinem Roß, In der Rechten die Tizona.— Neben ihm zu einer Seite Ging Jeronymo, der Biſchof, An der andern ging Gil Diaz Beide führten den Babiega, Der ſich ſeines Herrn erfreute, Der noch einmal auf ihm ſaß. Sacht geöffnet ward die Pforte, Die hin gen Caſtiljen führet, Trabethor wird ſie genannt: Durch ſie zog Pedro Bermudes Mit erhobner Fahne Cids, Neben ihm vierhundert Ritter, Zur Bedeckung ihr, voran. Jetzt nun folgete Cids Leiche, Hundert Ritter um ſie her; Hinter ihr Donna Fimene, Wohlbegleitet von ſechshundert Edeln Männern, ihrem Schutz. Schweigend ging der Zug und langſam, Leiſ, als wären es kaum zwanzig; Aus Valencia waren alle Längſt ſchon, als der Tag anbrach. Alvar Fannez war der Erſte, Wüthend ſtürzt er auf die Mauren, Die Bukar hieher gelagert; Ungeheuer war die Zahl. Traf zuerſt auf eine ſchwarze Mohrinn, die aus türk'ſchem Bogen Gift'ge Pfeile tödtlich ſchoß, 206 Alſo meiſterhaft, daß man ſie Einen Stern des Himmeis nannte; Sie und ihre Schweſtern alle, Hundert ſchwarze Weiber, ſtreckte Alvar Fannez in den Staub. Dieß geſehn, erſchracken alle Sechsunddreißig Mohrenkön'ge; Furchterblaſſet ſtand Bukar. Wohl ſechshunderttanuſend Ritter Dünkt ihnen das Heer der Chriſten, Alle weiß und hell wie Schnee. Und der Schrecklichſte vor allen, Reitend vor auf weißem Roſſe, Größer als die andern alle, In der Hand ein' weiße Fahne⸗ Auf der Bruſt ein farbicht Kreuz, Sein Schwert glänzete wie Feuer— Als er anlangt bei den Mauren, Breitet ringsum er den Tod. Alle fliehen nach den Schiffen, VBiele ſtürzen ſich in's Meer. Wohl zehntauſend waren ihren, Die die Schiffe nicht erreichten, Die des Meeres Fluth verſchlang. Von den Mohrenkön'gen blieben Zwanzig; nur Bukar entrann. Alſo ſiegt' auch nach dem Tode, Weil San⸗Jago ihm voranging, Cid; gewonnen ward an Beute Großer Reichthum, alle Zelte Voll von Golde, voll von Silber, Auch der Aermſte wurde reich. Sodann ſetzten nach dem Willen Eids die freundlichen Begleiter Nach San⸗Pedro de Cordonna Ruhig ihre Reiſe fort. — — 207 69. Boten ſandte jetzt imene Auf der Reiſe nach Caſtiläen, Boten an Cids Anverwandte, Boten auch an ihre Töchter, Und an ihre Schwiegerſöhne, Zwei gekrönte Könige; Daß ſie kämen und den Feldheyrn, Ihren Freund und Vater ehrten, Ihm erzeigend noch die letzte⸗ Trauervolle Liebespflicht. Alvar Fannez war dery Meinung, Daß man in den Sarg ihn legte, Dieſen dann mit Purpur deckte, Und mit goldnen Nägeln ſchlöſſe; Doch Eimene Gormaz ſprach: „Eid mit ſeinem ſchönen Antlitz, Mit den hellen, offnen Augen, Soll er in den Trauerkaſten, In den feſtverſchloſſ'nen Sarg? Nein! Es ſollen meine Töchter, Meine Schwiegerſöhn' ihn ſehen, Wie er noch im Tode lebt.“ Angenommen ward die Meinung; Eine Stunde weit von Osma⸗ Sammelte ſich die Verſammlung Und der Ehrenzug begann. Arragoniens König Sancho Kam mit ſeinen braven Rittern; Ihre rückgekehrten Schilde Hingen an dem Sattelbogen, Schwarze Mäntel trugen alle, Aufgeſchlitzte Trauerkappen, Nach eaſtiliſchem Gebrauch. 208 In der tiefſten Trauer waren Donna Sol und ihre Damen, Schwarz umhüllt mit Etamin. Faſt erhob ſich ſchon ein Weinen; Aber ſchnell verbot Rimene Alle Klagen, alle Thränen, Weil der Cid es unterſagt: Ihres Vaters Hand zu küſſen Nahten ſtill verehrend beide, König und die Königinn. Auch der König von Navarra Trat hinzu mit Donna Elvirag, Küſſend ihres Vaters Hand; Viele ſtille Thränen floſſen, Bis ſie zu San Pedro kamen, Wohin ſich der Cid gewünſcht. Selbſt der König von Caſtiljen, Als er von dem Zuge hörte, Sandt' er Boten, ihn zu grüßen, Ehrenvoll ihn zu begleiten, Eilte ſelbſt hin nach Cordonna, Und als er den Todten ſah, Wundert' er ſich ſeiner Schönheit, Ordnete, daß ſtatt im Grabe Er auf einem prächt'gen Stuhle Säße, neben dem Altar. 1 Aufgerichtet, reich vergoldet Ward ihm ſchnell ein Tabernakel. Länger als zehn Jahre ſaß er Da in ſeiner vollen Rüſtung, Als ob er noch leibt' und lebte, Die Tizona in der Hand. 70. 70. Sancho, König in Navarra, Zugenamt der Heldenmüth'ge, Er, des großen Cids Urenkel, Den ganz Spanien noch verehrt, Mit Alfonſo von Caſtilien Führet' er ſiegreiche Kriege, Drang hinein bis über Burgos, Ueverall gewinnend Beute, Bis mit ſolcher reich beladen Er hinwegzog, voll des Wahnes, Niemand könn' ihm widerſtehn. So kam er auf ſeinem Rückzug In das Kloſter de Cardenna, Wo begraben lag der Cid, Hochverehrt: denn niemand glich ihm Seit der Zeit, an Muth und Stärke, Wie an Güt' und Redlichkeit. Vorgeſetzter dieſes Kloſters War ein Abt, ein Mann von Jahren, Der als Ritter einſt in Waffen 5 Ehre ſich und Ruhm erworben, An Geſtalt ein Mann von Anſehn, Voll Gemüths; es drückt' ihn ſchmerzlich, Daß der König von Navarra Mit dem Schimpfe von Caſtiljen So viel Beute mit ſich nahm. Als der König zum Altare Trat, bewundernd ſeine Fahne, Deren gleich' er in ganz Spanjen Keine nirgend je geſehn, Riß der Abt ſie vom Altare, Und erhob die Fahne— Cids. Herders Werke z. ſchoͤn. Lit. u. Kunſt. V. 14 210 „Wiſſe,“ ſprach er,„großer König, Wiſſ', in dieſem heil'gen Kloſter, Das mir anvertrauet iſt, Liegt ein Held; mit deſſen Fahne, Unter ihr, darf ich mich meſſen, Großer König, ſelbſt mit dir. Denn hier iſt die Leichenſtätte Cids, genannt Campeador. „Eine Gunſt von dir zu bitten, Herr, ergriff ich ſeine Fahne Kühn, und trage meine Bitte Dir in tiefſter Demuth vor. Laß den Raub zurück, o König, Den du unſerm Land entzieheſt;* Dir gereicht's zu höherm Ruhme, Wenn du ihn der Heldenfahne Weiheſt und dem Grabe Cids.“ Einen Augenblick betroffen und nachdenkend ſtand der König Ueber dieſes Abtes Muth; Dann ſprach er:„Aus mehrern Gründen Thu' ich, Vater, was Ihr bitter, Und laſſ' meine Beute hier.“ „Erſtens, weil ich aus dem Blute Des Campeadors entſproſſen, Der Urenkel bin von Cid. Seine Tochter Donna Elvira, Die Gemahlinn Don Garzia's, Rühm' ich, iſt Broßmutter mir.“ „Zweitens laſſ' ich aus Verehrung Gegen dieſe Heidenfahne Und des hier Begrabnen Ruhm, Eurer Obhut anvertrauet, Gern die Kriegesbeute hier⸗ 211 „Die ich dann auch, recht geſaget, Wäre jetzt der Cid am Leben, Wohl nicht mit mir nehmen dürfte; Nie wär' ich ſo weit gekommen, Hätte nie ſie mir erworben, Nie ließ er vor ſeinen Augen Sie hinziehn aus ſeinem Lande Lebte noch der tapfre Cid. Alſo laſſ' ich ſie dem Todten, Euch zu frommem Brauch zurück.“ Er befahl— und alle Beute Blieb dem Kloſter von Cardenna; Sie ward eine fromme Stiftung. Ein Wohlthäter für die Armen, Ein Beſchützer der Verlaſſ'nen Ward der Cid auch in der Gruft. on dem Cid.... V Der Cid. 1. Der Cid unter Ferdinand dem Großen 9) 11. Der Cid unter Don Sancho dem Starken 112 1II. Der Cid unter Alfonſo dem Sechsten, dem Tapfern..... 14144 . 170 IV. Der Cid zu Balencia und im Tod