deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literat „von.. Eduard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Leſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliot ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Nürzaabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 ÜUhr bis Abends 8 Uhr offen.“ 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 244 Stun⸗ * Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: —————————— : 1 Mk. Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. „ 3„ 2„ 3„ 41„ 75. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurke 3 der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt z Füͤr beſchmutzte, zerriſſene, verloren tlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß! — Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, v Theil Aigten e Werkes, ſo ichtet. Radomar der Leopard, Bundeshaupt der Flammenritter, oder: der Todtentanz im Wienerwalde. Schreckensſcene aus Oeſterreichs Vorzeit. n ee Von Ludwig Dellaroſa, Verfaſſer des Waldraf, Blutgerichts, der Höllenbraut, Lud⸗ milla von Sternberg, Nymphe vo Teplitz, Howora, Drahomira, Dunkan u. a. m. Wien 1842. Verlag von Bauer u. Dirnböck, Herrngaſſe N Radomar e Leopard, Bundeshaupt der Flammenritter. Cene Radomar. — chriſtlichen Fahnen im fernen Orien Erſtes Kapitel. 6 —=æE— Die Keiſe nach dem Oriente. Zur Zeit des grauen Alterthums, f die e weh ten, der Gatte von der Bruſt der Gattin, der Sohn aus den Armen der Aeltern ſich losriß, um ſein Blut in den heiligen Län⸗ 4 dern zu verſpritzen, lebte tief im Wiener⸗ 3 walde a9f ſeiner kleinen, 2 dem 8* Giüſtase Hagemund von Benßen in tbeinate hither Einſamkeit. 8 4 4 Den größten Theil feiner fruheren JIahre hatte er unter den Waffen zugebracht, manchen Kampf für den heimiſchen Herd und ſeine Nachbarn gekämpft, und davon Wunden, die Menge, des Dankes aber ſehr wenig geerntet, und zog ſich endlich, der Bosheit der Menſchen müde, auf ſeine einſame Waldburg zurück.— Freilich ſchon über die Jahre hinaus, N kühnſten Thaten entflammt, wünſchte er dooch einen Leibeserben, der vom Glücke . beſſer hegünſtiget vielleicht die alte Stamm⸗ burg wieder aufbauen könne, und ſah ſich daher um eine ſchmucke, ihm ebenbürtige Dirne um, welche er als eheliche Hausfrau beimfüͤhren könne. Aber auch nun hatte ihm das Glück noch nicht zu ſeinem Lieblinge erkieſen, denn kaum hatte ihm Frau Sibille einen Knak 2n geboren, ls ſie wahrſcheinlich zu wo die ungeſtüme Liebe das Herz zu den * 8. weit größeren Freuden im Lande des ewigen Friedens erkieſen ward, denn Freund Hain pochte ſo unſanft an ihre Kammerthüre, daß ſie kaum mehr Zeit fand, ſich zu jener großen Reiſe gehörig vorzubereiten und nach einem kurzen Kampfe zwiſchen Seyn und Nichtſeyn in den Armen ihres Gatten entſchlief. 1 Herr Hagemund hatte die Freude des Eheſtandes, welche ſeinem düſteren Charak⸗ ter ohnehin wenig zuſagten, genoſſen und beſchloß nun für ſich allein zu leben, un⸗ 8 terrhielt ſich mit der Jagd oder benn vol⸗ len Humpen, und war weit davon entfernt, Gäſte und Geſellſchaft zu ſuchen, auch be⸗ ſtand ſeine Umgebung bloß aus einigen alten Knechten, und ein Paar Troßbuben, und es war immer ſo ſtille und ruhig in Schloſſe, als ob hier ein Paar Eremiten ihren abgeſonderten Wohnſitz au⸗ hätten. 88 ———-— Der Knabe, welcher den Namen Ra⸗ domar erhalten hatte, wuchs unter der Auf⸗ ſicht dieſer Murrköpfe heran; was hier die Kunſt nicht bieten konnte, erſetzte die Na⸗ tur in verdoppelten Maße, denn bei der freien ungebundenen Lebensart, bei dem immerwährenden Herumſtreifen in der Wal⸗ dung entwickelten ſich die körperlichen Kräfte ungemein, bald konnte es ihm an Baum⸗ klettern, Werfen und Ringen keiner gleich thun, im S Schwertkampfe mit den Buben behielt er ſtets die Oberhand, und gewann ag P und nach eine rieſenmäßige Staͤrke und Gewandtheit. So ſtrichen, nie wiederkehrend gleich den Wellen des Stromes, die Jahre dahin,„ und Radomar hatte das Seanunnet erreicht, wo Geiſt und Herz ſich nach 8 4 ten ſehnen, und der Aufenthalt der dugfid jahre dem Käfige gleichet, in welchem der zur Frrlhei geborne Löwe ſchmachten muß. ——— * 6 Vergebens logee er dem Vater an, ihn in der weiten Welt ſein Glück verſuchen zu laſſen. 8 Zur Begleitung war dieſer zu mi riſch und kränklich, und ganz allein konnte er doch den Jungen nicht den Verderb⸗ niſſen Preis geben, welche gleich der glän⸗ 1 zend bunten Schlange auf das Verderben der unerfahrnen Jugend lauern, und ſo blieb es immer, und nur zu lange für des Jünglings Ungeduld, beim Alten. Einſt als ein ſo ſchreckliches Ungewitter tobte, daß jeder Menſch froh war, unter ſchützendem Obdache zu hauſen, wurde hef⸗ tig am Glockenringe des Schloßthores gezo⸗ gen, und bald darauf meldete ein Knappe, 7 daß ein Ritter außen harre, welcher nur dis zum Ende des Unwetters Aufnahue wünſche; Herr Hagemund zog zwar die Stirne in düſtere Falten, denn jeder Beſuch unwillkom men⸗ doc er keine Sünde gegen die damals unter den Deutſchen noch übliche Gaſtfreiheit be⸗ 1 geben„ und dem Fremden war der Zurritt geſtattet. Nach einer kurzen Pauſe 4 nunr ein lter Mann mit eisgrauem Barte herein, regte. 128G Er war in das Kleid eines Templers gekleidet und ſeine ganze Haltung verrieth innere Würde.— 2 Freurdlicher, als er Anfangs Willens war, begrüßte ihn der Burgherr, und bald Die Diener beeilten ſich die Becher zu füllen und den Nachtimbiß aufzutiſchen, 1 welchem auch Rodomar beiwohnte, 2 1 mit geſpannter Aufmerkſamkeit den Er ungen zuhorte, welche nun der Lempler — den herrlichen Ahaten der deutſchen V b ſchen Beiden. eſſen offene redliche Miene Zutrauen er⸗ “ entſpann ſich ein trauliches Geheg zwie 1 — der Welt zu nützen, hier ſeine Wownßen Ritter im Oriente begann, und von dem vielen Ruhme und der Beute, welche ſich im Kampfe mit den Sarazenen erringen ließen. Endlich war es Zeit für den Junker ſich zur Ruhe zu begeben, die Ritter aber 6 rückten, nachdem die Humpen neuerdings gefüllt waren, zum traulichen Zweigeſprä⸗ che zuſammen. »In der That,« ſprach Herr Pangrag dieß war der Ordensname des Templers,— ihr habt da einen Sohn, bei deſſen An⸗ blicke einem das Herz im Leibe lachen muß. ⸗— »Ihr habt Recht, es iſt ein ſchmu⸗ cker Junge, vermöge ſeines Wuchſes ſchon weit über die Jahre hinaus, und ihr wür⸗ det ſtaunen, wenn er auch Proben ſeiner Kraft und Gewandtheit im Kampfe geben würde.⸗ wäre doch Jammerſchade, wenn er ohne Dieß zeigt ſchon der Augenſ cein. Es 10 Tage verſäumen müßte. Was habt ihr dann mit ihm vor?« »Weiß ichs 2 Schon lange hätte ich ihn gerne in die Fremde geſendet, damit er ſich ſeines Geſchlechtsnamens und ſeiner Ahnen würdig mache, aber wie ſoll ich es bewerkſtelligen, da ich zum Herumtreiben in der Welt wahrhaftig nicht mehr geeig⸗ naet bin, und doch den Jungen nicht ſich ſelbſt überlaſſen kann?« »Wahr ſprecht ihr, dieß könnte ihm nur zum Verderben gereichen, denn wie leicht iſt ſolch junges Blut bei unerfahre⸗ nem Herzen verdorben.— Ich würde euch wohl einen Vorſchlag machen, und traun, ſo er euch angenehm wäre, würde es des Junkers Schade nicht ſein.⸗ »Wie wär es Herr Ritter, wenn ihr mir ihn anvertrautet? Ich bin dem jungen Blute herzlich gewogen, und würde ihn ſo 11 ſorgfältig wie meinen eigenen asapet bewachen.⸗* »Nirgends findet er ſo viele Gelegen⸗ heit, ſich die Ritterſpornen zu verdienen, wie im gelobten Lande,— dort iſt er in der Geſellſchaft der edelſten Fürſten und Helden, und lernt nicht nur ächte Ritter⸗ ſitte, ſondern kann ſich auch ſelbſt den Weg zu dem glänzendſten Ruhme bahnen.⸗— »Wahr ſprecht ihr, edler Herr, und gerne würde ich meine Einwilligung geben, wenn ich nur auch deſſen verſichert wäre, 8 daß er unter genauer Obhut gehaäen —₰ wird.⸗— »Wenn euch mein Wort als Ritter und eingeweihter Templer genügt, ſo will ich es euch mit Freuden geben und gelobe mit Mund und Handſchlag, auf ſein Beßtes zu ſehen, als ob es mein eigener Sohn 12 treiben; Zeit genug, um dann mit Ruhm und Ehre gekrönt in die Armen ſeines Va⸗ ters zurückzukehren.⸗ „So es euch nun Ernſt iſt, ſo mögt ihr während ich mich in Ordensgeſchäften am Hoflager in Wien aufhalte, ſeine Aus⸗ leite von noch mehreren Ritter die Reiſe an, und ich hoffe zu des Himmels Rath⸗ ſchluß, daß die Folge euren Erwartungen anihannen entſprechen wird.«⸗ 4* So weit waren die Alten mitſammen keeiinnig, und es wurde noch mancherlei be⸗ 8 ſprochen, bis endlich der Schlaf ſeine Rechte behauptete. 5. Als aber Radomar am falgenden Morgen den Entſchluß des Vaters vernahm, da ſchwebte der Junge in einem Meere 1 von Wonne, und die geſchäftige Fantaſie mahlte ihm die länzendſten Bilder der Zu⸗ kunft vor. ſtattung beſorgen. Dann treten wir im Ge⸗ 43 Nitter Pankraz nahm Auſchind, Be. ter Hagemund betrieb die Zurüſtungen mit größtem Eifer, Radomar aber übke ſich ununterbrochen in den Waffen, und phan⸗ taſirte von nichts, als ſeinen künftigen Heldenthaten.— Endlich kam der Templer von ſeiner Sendung nach Wien zurück.— Alles war in Bereitſchaft, und der dritte Tag war zur Abreiſe beſtimmt.— Radomar konnte vor Erwartung der Dinge, die da kommen ſollten, kaum ſchlafen.— 8 Wie der Morgen herangraute, war er ſchon ganz wach und zum Abzuge be⸗ reitet. Es währte eine Ewigkeit für ihn, bis der Alte nach dem Aufbenche zum Abſihiede ſich rüſtete. Es fiel ihm zwar ſchwer aufs Herz, ſich von dem geliebten Vater zu trennen, Aber die frohe Ausſicht in die Zukunft be⸗ ſchhwichtigte ſeinen Schmerz, raſch ſchwang 1 er ſich auf den Gaul, und trat mit ſeinem künftigen Mentor die Reiſe an. —— Zweites Kapitel. —.‚-—— Die Templer. Unterwegs geſellten ſich mehrere Ritter zu ihnen, welche gleichfalls Ruhmbegierde und Neuerungsſucht nach den fernen Län⸗ dern trieb.— Die Reiſe war daher um ſo ſicherer und unterhaltender, und ohne weitere Ge⸗ fährde langten ſie im Tempelhofe bei Jeru⸗ ſalem an.— Bonifaz hatte ſeine Geſchäfte 4 zur allgemeinen Zufriedenheit geendiget, 16 und der junge Rodomar wurde mit Freuden aufgenommen. Da nun eben Friede mit den Sara⸗ zenen war, mithin ſich noch keine Ausſicht zu tapfern Thaten zeigte, ſo übernahm Bo⸗ nifaz mit noch einigen Templern die Mühe, den jungen Mann in verſchiedenen Kennt⸗ niſſen zu unterrichten, welche ihm bisher, da er ohne alle Bildung aufwuchs, fremd geblieben waren. Mit Leichtigkeit lernte er die damals den Laien ganz fremde Kunſt des Leſens und Schreibens— und wurde auch mit der Geſchichte des Vaterlandes und der alten römiſchen Klaſſiker bekaunt, auch die ſtrenge Otdnung, welche hier im häuslichen Leben und in allen Zweigen der Geſchäfte herrſchte, nun ſeinen Beifall; kurz kein Jahr war verſtrichen, ſo war Rodomar zu einem ganz anderen Menſchen gebildet.— wmar ihm ganz fremd geweſen und erhielt — —— 47 Da Bonifaz, welchen die Templer zu allen wichtigen Sendungen gebrauchten, nach Tyrus beordert war, ſo übernahm die fernere Ausbildung des jungen Mannes ein ehrwürdiger Greis, Bernhard von Lö⸗ weenau, zu welchem auch Radomar die meiſte Zuneigung gefühlt hatte.. In einer ruhigen Stunde, da beide im vertrauten Geſpräche beiſammen ſaßen, äußerte nun der Jüngling gegen ſeinen neuen 4 Lehrer den Wunſch, ſich dem Templerorden* 4 einverleiben zu laſſen.— Da ſtaunte ihn dieſer mit weit geoff⸗ naeten Augen an.—»Jüngling,« riefer,»wo 4 denkſt du hin? Willſt du ſelbſt den Grund⸗ ſtein zu deinem Unglücke legen,— haſt du ſchon die Fähigkeiten die geheimen Umtriebe 3 eines Ordens zu beurtheilen, welcher dich er ganzen Welt auf immer entzieht;„ du gleich dem Schatten eines Berſtarbenen, 1 noch das Himmelreich vörſchoſſen — — 18 bleibt, ein Mittelding zwiſchen Erde und jenſeitiger Seligkeit umherſchwankeſt, und einem Bäumchen gleicheſt, das auf hartem Felſengrunde emporgeſchoſſen, ſeine Wur⸗ zeln nicht auszubreiten vermag, und jene Fruchte nicht bringen kann, wozu der Keim ſo wohlthätig in ihm liegt?⸗ »Du ſtauneſt? mich ſo ſprechen zu hören, der ich ſelbſt ein Mitglied dieſes Ordens bin, zu dem man mich gezwungen 4 hat.⸗ „Sieh mich an, in was beſteht mein Gluck? daß ich Nahrung vollauf habe 24 »Kann nicht auch der Landmann weit zufriedener bei ſeinem kargen Mahle ſeyn, welches er ſich ſelbſt erarbeitet hat, und welches ihm liebe Hausgenoſſen mit freund⸗ lichen Mienen würzen? Reitzt etwa das An⸗ ſehen, welches meine Kleidung mir erwirbt?ke „Kann nicht der Mann, welcher durch V den Schweiß ſeines Angeſichtes zur Ernäh⸗ „ 19 rung der vornehmen Schwelger beiträgt, mit freudigerem Herzen in ſeinem groben Kittel einhergehen? Oder haſt du ſchon in die inne⸗ ren, dicht verſchleierten Unternehmungen der Brüder eindringen können?⸗ „»Dein Vorſatz hat mich tieferſchuttert, da ich dich herzlich liebe, und wenn es mein Leben gelten ſollte, ſo erfordert es nicht meine Pflicht, welche ich dem Orden leiſtete, ſondern jene, welche ich als Menſch der Menſchheit ſchuldig bin, dich vor deinem ewigen Unglücke zu warnen.— „Ich will dir junger Mann eine Schrift anvertrauen, welche du in einſamer nächt⸗ licher Stunde leſen kannſt, dann wehe mir und dir, wenn fremde Augen ſie gewahrten, unſer beiderſeitiges Verderben wäre ge⸗ wiß.-⸗— »Mühſam habe ich die darinnen vor⸗ ammanden Thatſachen geſammelt, um ſie — 2* 20 einſt zur Warnung für lunge Schwärmer zu benützen. »Du ſollſt den erſten Gebrauch davon machen, ſchlägt aber die aufgezeichnete Wahrheit nicht Wurzel in deinem Herzen, ſo gelobſt du mir mit. Eid und Handſchlag ewige Verſchwiegenheit, denn du ſelbſt würdeſt dich nur für jetzt und die Folge unglücklich machen.« Mit dieſen Worten entfernte ſich Bernhard, und kehrte bald wieder mit ei⸗ nem Packchen Schriften zurück, welches er Radomar unter dem nochmaligen Auf⸗ trage ewiger Verſchwiegenheit, und ſchnel⸗ ler Zuruckſtellung übergab, und ihn bald darauf wieder verließ. Des jungen Mannes Neugierde war zu groß, als daß er ſich hätte der Ruhe überlaſſen können, er entfaltete daher die Schrift, und las folgendes:„ b 2 der Templer Arnuf won n Fanenſtein⸗ Nicht leicht lernte ich einen jungen Mann kennen, welchen die Natur mit ſo herriſchen Gaben ausgerüſtet hatte. Sein trefflicher Wuchs, der hohe Edelmuth wel⸗ cher in ſeinem Geſichte thronte, ſein offe⸗ nes edles Herz machten ihn zum liebenswür⸗ digſten jungen Manne. Er war ſeinem Vater, welcher Theil an den Kämpfen für den Glauben nahm, und zu dieſem Feldzuge all ſein Habe in Euro⸗ pa vergeudet haste, gefolgt.— Der Jüngling begleitete ihn, im Kampfe blieb der Vater, Arnulf wurde ſchwer verwundet nach dem Tempelhofe gebracht, wo er die ſorgfältig⸗ ſte Pflege fand. Gerührt von dieſer Wohlthat, ſelbſt ohne Mittel, ſich eine beſſere Zukunft zu erwerben, glaubte er in der Aufnahme in 84 22 den Orden das höchſte Glück ſeines Lebens zu finden, ach, er ahnete nicht, daß hier das Grab aller künftigen Lebensfreuden ſey, daß ein Mitglied des Ordens todt ſey für die übrige Welt, daß er entſagen müſſe allem Glücke des Lebens, wozu der Schö⸗ pfer den Menſchen beſtimmt hatte, er ah⸗ nete nicht, daß in jedem fühlenden Herzen ein Keim verborgen liege, welcher ihn zum liebevollen geſellſchaftlichen Leben be⸗ ſtimme.— 3 Genug, er trat in den Orden und zeichnete ſich in verſchiedenen Kämpfen durch ſeine Tapferkeit aus.— Da wollte es der Zufall, daß er in Jeruſalem ein 1 Mädchen kennen lernte, der höchſten Ach⸗ tung würdig, und nun erſt entwickelten ſich Gefühle in ihm, welche ihm bisher fremd geblieben waren.— Zu ſchwach, der emporlodernden Leidenſchaft zu wider⸗ A — 23 ſtreben, ward er und das Maͤdchen ein Opfer derſelben. Der Orden erfuhr das Geſchehene, Arnulf hatte ſeinen Eid gebrochen, und ward als Verbrecher gerichtet und verur⸗ theilt lebendig eingemauert zu werden, das Mädchen ward eine Beute des Kummers, und ſtarb in Verzweiflung. Dieß die Fol⸗ gen einer zu frühen Entſagung der Welt. Arbigar von Salenberg. 5 Von Feinden verfolgt; wegen Wider⸗ ſetzung, und rechtmäßiger Vertheidigung ſeiner Habe in die Acht erklärt, wußte der Aermſte keine andere Zuflucht, als ſich nach Paläſtina zu begeben. Da ihm das Leben zur Laſt ward, ſcheute er auch den Tod nicht, und ſtüͤrmte in den häufigen Gefechten mitten in die Feinde, wo er ſtts mit Ruhm gekroͤnt zu⸗ rückkehrte. Er ward einer der tapferſten Mitglie⸗ der des Ordens, und da er in ſeiner Ju⸗ gend in einem Kloſter erzogen, verſchiede⸗ ne Kenntniſſe ſich erworben hatte, ſo ward eingeweiht, und da er auch hierin ſich aus⸗ zeichnete, wurden ihm bald die wichtigſten ereignete es ſich denn, daß der Kanzler reicher und begüterter Mann ſtarb, und Ar⸗ bigarn, welcher ein Anverwandter von ihm ter zu gedenken, welche ſich wider ſeinen Willen verehelicht hattz/ und von dem Vater verſtoſſen, als Wwe von vier Kin⸗ dern in großer Duͤrftigkeit ſchmachtete. Arbigars Gewiſſen erlaubte fhm nicht, war, zum Erben einſetzte, ohne ſeiner Toch⸗ ſich dieſes ungerechte Gut zuzueignen, wozu b er bald in mehrere Geſchäfte des Ordens Sendungen nach Europa anvertraut; da des Herzogs von Baiern, ein ungemein rü ck.— zu zehnjährigem Gefängniſſe vndäen⸗ 25 hätte er denn auch deſſen bedurft, da er ſeit ſeinem Eintritte in den Orden, der Welt gänzlich entſagt hatte. Er ſtellte für die Wit⸗ we und ihre Kinder die Schenkungsurkun⸗ den aus, überantwortete ihnen das ganze Vermögen, und kehrte ſeelenbergnügt über ſeine edle That nach dem Tempelhofe zu⸗ Das Gerücht von dieſem Ereigniſſe war früher dort angekommen, und Arbigar ward des Eidbruches angeklagt; denn er hätte ſein Vermögen den Templern über⸗ geben ſollen. Ihm ward ein Prozeß gemacht, er vertheidigte ſich mit männlicher Wuͤrde, und ſprach unumwunden, wodurch er die Rich⸗ ter nur noch mehr erbitterte, und ward 26 —— Zenno von Ehlenburg. An meinen Freund Bernhard von Löwenau. 4 Es ſind die letzten Stunden meines Lebens, welche ich dir widme du theurer Freund, an deſſen Seite ich ſo manche frohe Tage hatte. In wenigen Stunden werde ich in dem unterirdiſchen Mordgewöl⸗ be derer ſeyn, welche ich ehemals meine Brüder nannte, und durch ihre Dolche mein Leben aushauchen. Ich bin abgeurtheilt und mein Schickſal iſt nicht mehr zu ändern. Ich kenne den Schmerz, welchen du bei deiner Freundſchaft und der Unmöglich⸗ keit mich zu retten fühleſt, aber ich will mit dem ruhigen Bewußtſeyn den ſchweren Weg in jene Welt antreten, daß du, bei einem offenen Bekenntniſſe mich nicht ver⸗ dammen wirſt. Ich habe ſchwer gegen den 27 ——— Orden gefehlt, aber die Pflichten gegen die Menſchheit waren mir theuerer. Vernimm alſo die Urſache meines trau⸗ rigen Looſes,— daß ich als armer Waiſe in den Orden aufgenommen wurde, weißt du, denn ich habe ja nur dir meine fernere Bildung zu danken; eben ſo wenig darf ich es dir widerholen, wie ſehr ich durch tapfere Thaten mich auszeichnete, ſo daß ich der Liebling des damaligen Großmei⸗ ſters ward,— zugleich aber auch den Neid des Komthurs auf mich zog, welcher jeden haßte, der ihn in der Gunſt des Erſteren beeinträchtigen konnte. Hundertſach waren die Kabalen, welche er mir ſpielte, und nur mein offener Charakter, und der gerade Weg, welchen ich immer ging, entkräftete die Pfeilen der Bosheit, welche auf mich gerichtet waren, und erbitterten aber auch zugleich immer mehr dieſen böſen Feind gegen mich. 28 Da troß dichs, daß ich in einem wich⸗ tigen Geſchäfte nach Dentſchland abgeſchickt wurde. Früher als man vermuthen konnte, wurde dieſes beendiget, und ich ſetzte lang⸗ ſam meine Rückreiſe fort. Als mich einſt Nacht und Sturm ereilte, und weit und breit keine Herberge war, ſuchte ich mir ein Obdach in dem dichten Schatten des Forſtes durch welchen mein Weg ſhrts und d bemerkte eine Berghöhle, in welcher ich be⸗ quem ausruhen könne.— Aber wie ich be⸗ reits mein Noß an einen Baumſtamm ge⸗ bunden hatte, und mich der Höhle nahen wollte, drang ein aͤngſtliches Stöhnen in mein Ohr, und wie ich dem Gebüſche nä⸗ her ſchritt, gewahrte ich einen Mann, welcher ganz mit Blut überdeckt im letzten Todeskampfe zu liegen ſchien. Schnell ſchöpfte ich aus der nahen Quelle Waſſer mit meinem Helme, um ihn zu unglückliche,»doch eure Mühe mich zu 29 22 erquicken, uud wirklich gelang,as mir, ihn aufs Neue zur Beſinnung zu bringen. Ich wollte ſeine Wunden verbinden, aber nur zu deutlich erkannte ich die nutz⸗ loſe Mühe, da hier Hilfe wirklich verge⸗ bens war. »Habt tauſend Dank für eure Erqui⸗ ckung mit friſchem Quellwaſſer,« ſprach der retten iſt vergebens, denn ich fühle die Schauer des Todes bereits durch meine Glie⸗ der rieſeln. Ach! wie gerne würde ich ſter⸗ ben, denn ich habe der unglucklichen Jahre aber daß durch mei⸗ nen Tod, auch die afn Iſidora unglück⸗ lich werden muß, dieß verbittert mir meine letzte Lebensſtunde.« Ich lagerte mich neben ihn ins Gras, und drang in ihn mir den Kummer zu ent⸗ decken, welcher ſo ſehr ſeine letzte Stunde betruͤbe, indem ich vielleicht doch im Stau⸗ ſchon zu viele erlebt, 30 *— de wäͤre, irgend einer bedrängten Perſon Hilfe und Beiſtand zu leiſten. »Ach, wenn ihr das vermoͤchtet,« er⸗ wiederte der Fremde,»ſo würde des Him⸗ mels Segen auf euch ruhen, denn nicht* leicht wird eine ſchuldloſe Perſon ſo ſehr 8 verfolgt werden, und auch ſo ſehr der Hülfe bedürfen. So viel mir meine noch wenigen Kräfte erlauben, will ich euch mit dem Gegenſtande der Noth näher bekannt— machen.⸗— »Wiſſet denn— ich bin Kaſtellan auf der von hier eine Tagreiſe entlegenen Veſte Eberſtein.— Dort geboren und erzogen hing ich mit unerſchütterlicher Liebe und Treue an dem Gebieter Gandolf— ich hatte ihn ja, da er noch Kind war, ſo oft in meinen Armen getragen. Er war in Waffen aufgewachſen, aber ſo rauh ſein Charakter war, ſo gut und gefühlvoll war ſein Herz.« 31 „Erſt in ſeinem ſechzigſten Jahre, müde des ewigen Kampfes, ſchritt er zur Ehe, und führte eine der liebenswürdigſten Fräu⸗ lein anf ſeine Burg. So ſchön und jung Iſidore war, ſo war ſie doch ihrem Gemahle mit ganzem Herzen zugethan, und ſie leb⸗ ten zuſammen in der glücklichſten Ehe. Aber eben dieſe Jugend und Schönheit machte frevelhaften Eindruck auf das Herz des benachbarten Ritters Florimund.— Ver⸗ gebens ſuchte er durch alle Künſte der Ver⸗ führung Iſidorens Herz zu gewinnen, da es ihm aber nicht gelang, ſo ſchwu er bittere Rache zu üben.— „Nach einiger Zeit zog Gandolf zur Jagd in dem ungeheuren Forſte, und kehrte leider nicht mehr zurück.— Man fand ihn ermordet im Gebüſche liegen.— Un⸗ ter den Schuldtragenden war Florimund einer der Vorzüglichſten— und noch einmal verſuchte er es nun, das Herz der trauern⸗ 32 den Witwe für ic zu gewinnen. Da aber endlich alle Mühe vergebens war, ſo ging ſeine Liebe in den bitterſten Haß über, er gewann einen der Anverwandten des Verbli⸗ chenen für ſich, welcher mit Anſprüchen auf das Erbe des Verſtorbenen auftrat, und als ſich deſſen die Witwe ſtandhaft weigerte, ward ſie mit Fehde übergangen.⸗ 8 „Bereits einen ganzen Monat vertheidi⸗ get ſie ihre Felſenburg mit wahrhaft männ⸗ lichem Muthe,— aber die Vorr äthe ſo wie die Anzahl der Vertheidiger ſchmelzen dahin, und mit jedem Tage mehrt ſich die Noth.— Da gelang es mir, mich heimlich aus der belagerten Burg zu ſchleichen, und einen Ritter zum Beiſtande zu gewinnen.⸗ »Er verſprach mir Hilfe zu bringen, aber es werden noch mehrere Tage verſtrei⸗ chen, ehe dieſe anlangen kann, und Iſi⸗ dore vermag es nicht, bis dahin ſich zu geertheidigen, da es den Knechten an einem nen eingeriſſen iſt.⸗«. »Noch wäre es mir vielleicht gelungen ſie bei der nahen Ausſicht von Hilfe zur Ausdauer zu ermannen, aber da überfielen mich hier Knechte der Belagerer, welche mich wahrſcheinlich aus meiner Feldbinde erkannten, und obwohl ich mich ſtandhaft wehrte, ſo traf mich doch das Todeslos, und die ärmſte Burgfrau iſt ohne Rettung verloren, ach! und es handelt ſich doch nur um drei Tage, denn des Ritters Wort zum Entſatze iſt unverbrüchlich.⸗— »Wenn es ſo iſt,« erwiederte ich,»ſo ſei deſſen unbekümmert, denn meine Ge⸗ ſchäfte geſtatten mir einigen Verzug, und gerne würde ich der bedrängten Burgfrau meinen ritterlichen Beiſtand leiſten, wenn es nur auch möglich wäre nach der Burg zu kommen, ohne von den Feinden beobachtet zu werden.⸗— Radomar. Ach Herr! das iſt es; wandelt von hieraus immer rechts durch das Gebüſch auf dem ſchmalen Fußſteige, und ihr werdet an eine Gegend kommen, wo zwiſchen zwei hohen Eichen ein Waldbach vorüber rieſelt. — Dort gewahrt ihr unter einem Hollun⸗ dergebüſche eine Erdöffnung, in welche ihr euch mit einer Fackel von dürrem Reiſige verſehen, ohne Scheu wagen dürft,— denn dort iſt der unterirdiſche Gang, wel⸗ cher in das Innere der Veſte führt, und wo im Gange ſtets eine Wache aufgeſtellt iſt, um auf meine Ankunft zu warten, und dann den Eingang zu verrammeln.⸗— Gottes Lohn würde euch werden, wenn ihr hier chriſtlichen, der Menſchenliebe gebüh⸗ renden Beiſtand leiſten wolltet.⸗ Noch verſuchte er weiter über dieſen Gegenſtand zu ſprechen, aber er hatte ſich ſchon vorher zu ſtark angegriffen, das Blut drang heſtig aus ſeiner Wunde, und in 35 wenig Augenblicken mahlte ſich das ſchau⸗ erliche Bild des Todes in ſeinen Zügen, und er verhauchte ſeinen letzten Athem. Erſchüttert von dieſem Anblicke begab ich mich aus dieſer Gegend, bei mir be⸗ ſchließend, der bedauernswerthen Iſidore zu Hilfe zu kommen. Ich ſetzte daher meinen Weg in der bezeichneten Gegend fort, und erreichte den mir beſtimmten Platz zu dem unterirdiſchen Gange.— Mit einer Leuchte aus dürrem Reiſig verſehen, kroch ich in die unterir⸗ diſche Höhle, und fand bald den Erdgang, welcher in das Innere des Schloſſes führen ſollte. Mehrere hundert Schritte war ich fort⸗ gewandert, da trat mir eine Wache entge⸗ gen, und er kehrte die Lanze gegen mich, als ich ihr aber bedeutete, daß ich allein ſei, mithin keine Gefahr zu beſorgen ſei, ich aber der Burgfrau meinen Beiſtand 3„6 — gedacht habe, da ward 19 nach dem Inne⸗ ren des Schloſſes geführt, und ſogleich der Gebietherin vorgeſtellt.— Es war in der That ein ſchönes Weib, denn ſelbſt der vielfache Kummer, der an ihrem Herzen nagte, hatte ihre Reitze nicht ganz entſtellen können.— Ihr Anblick mußte Mitleiden und Theilnahme erregen, und mit dankbaren Thränen im Auge nahm ſie mein Anerbiethen an, zur Vertheidigung der Burg beizutragen. Sogleich unterſuchte ich alle möglichen Mund⸗ und Kriegsvorräthe. Ich überſah die vorhandenen wehrhaften Männer, ſie waren, ſammt den Feſtungswerken noch immer im Stande, durch mehrere Tage eine Belage⸗ rung auszuhalten— der Muth, der mich entflammte, ging auf ſie über, ſie ſchwu⸗ ren mir Gehorſam und Treue und ſogleich ließ ich die ganze Nacht an Verbeſſerung der Feſtungswerke arbeiten. —= 2 34 Dieſe Mühe war nicht vergebens, denn ſchon am folgenden Tage unternahmen die Feinde einen bedeutenden Sturm, welcher aber bei den geregelten Anſtalten, welche ich getroffen hatte mit bedeutendem Verluſte zurückgeſchlagen wurde.— So ſtrichen drei Tage vorüber, da brachte ein Knecht, welchen ich durch den unterirdiſchen Gang fortſandte, die Nach⸗ richt, daß in der folgenden Nacht eine ſtattliche Schaar von Rittern mit ihren Knech⸗ ten die Burg entſetzen würden und die Ver⸗ theidiger ſich gleichfalls zu einem Ausfalle bereit halten ſollten.— Ich traf daher alle meine Anſtalten, und als ich von dem Walle aus gewahrte, daß die Stürmer wirklich überfallen und in ei⸗ nem harten Kampfe begriffen waren, ſtürmte ich ihnen mit meinen Leuten entgegen, und es kam zu einem blutigen Gefechte. 8 Der Zufall wollte es, daß ich mit — ach ich ahnete nicht, welch ein Unglück dem Anführer der Belagerung zuſammen⸗ traf. Ein wahrer Rieſenkampf begann, denn wir waren uns beide an Manneskraft und Gewandtheit im Kampfe gleich, doch end⸗ lich war das Glück mir günſtig und ich ſtreckte ihn mit Wunden überdeckt zu Boden, an welchem er auch nach einigen Augenbli⸗ cken ſtarb.— Dieß war das Signal zur Flucht, die Feinde flohen und die Veſte war befreit,— aber auch ich hatte in dem letzten Zweikam⸗ pfe eine bedeutende Wunde erhalten, und einige Monate vergingen, ehe ich durch die ſorgfältigſte Pflege geneſen, meine Reiſe weiter antreten konnte. Vergnügt, meine Ordensgeſchäfte glücklich geendet, und zugleich meine Pflicht gegen die bedräͤngte Iſidore erfüllt zu haben, trat ich meine Reiſe nach dem Oriente an, 39 mir bevorſtehe— der Feind, welchen ich im Kampfe erſchlagen hatte, war der Bru⸗ der des mich haßenden Komthurs. Während der Monate, welche die Geneſung meiner Wunden erforderte, war bie Nachricht lange an den Tempelhof nach Paläſtina gelangt, und mein Verderben war beſchloſſen, denn ich hatte mein Leben in einer Fehde ohne zum Beßten des Ordens gewagt, und ſo gerecht meine Vertheidigung der armen Iſi⸗ dore war, ſo wurde ſie doch von meinem Feinde, der mich nur als ſeinen Bruder⸗ mörder haßen mußte, mit den ſchwärzeſten Farben geſchildert, und ich wurde vor ein Gericht geladen, welches mich trotz meiner bündigſten Vertheidigung zum Tod verur⸗ theilte.— Nun, mein Freund, weißt du mein ganzes Verbrechen, wir ſehen uns nicht mehr, aber wenigſtens wirſt du einen Men⸗ 4 ——— ſchen nicht verurtheilen, der das Opfer eines Ordens wird, welcher jeder Menſch⸗ lichkeit eigennützig und grauſam entſagt hat. 0n0 Oodoc— * d. “ Drittes Kapitel. —— Gefährliche Kämpfe. So weit ging die Schrift, welche Radomar nicht ohne Staunen und Abſchen las, er ſah nun deutlich ein, daß ihn bei den Temp⸗ lern kein Glück erwarten könne. Seine Luſt zur Einverleibung in den Orden, war ent⸗ ſchwunden, und er wünſchte ſo ſchnell als möglich Gelegenheit, ſich entfernen zu kön⸗ nen. Dieſe fand ſich bald, denn die Feinde hatten den Waffenſtillſtand nur benützt, um 42 neue Kräfte zum Kampfe zu ſammeln„ daher ward dieſer auch ſchnell gebrochen, und ſie zogen mit erneuerter Kraft zum Blutvergie⸗ ßen heran. Nadomar hatte Gelegenheit gefunden, mit den Feldherrn des Königs von Jeruſa⸗ lem Bekanntſchaft zu machen. Seine äußere Geſtalt, ſein ganzes Be⸗ nehmen berechtigte zu den beßten Erwartun⸗ gen, man vertraute ihm ein Fähnlein Rei⸗ ter an und bald kam es zu verſchiedenen klei⸗ nen Gefechten, in welchen ſich Radomar vorzüglich auszeichnete. Unter den jungen Rittern, welche ſich bei dem Heere befanden, war ein Däne, Egin⸗ hard genannt, welcher ſi ſich vorzüglich um Radomars Gunſt bewarb— ein ſtattlicher Mann voll kriegeriſcher Kenntniſſe und ſehr unterhaltend in Geſellſchaft, ſo daß Je⸗ dermann ihn ſchätzen und lieben konnte, aber dem ohngeachtet hatte er doch etwas 5 4 8* an ſich, welches unſern jungen Radomar lange zurückhielt, ihm ſeine ganze Freund⸗ ſchaft zu ſchenken, denn ſo ſehr er ſich mit offener Freundſchaft zu brüſten wußte, ſo lag doch in ſeinen Blicken etwas, welches nicht allein Zurückhaltung, ſondern auch innerliche Bosheit verrieht.— Nur durch Länge der Zeit gelang es ihm, das ganze Zutrauen des übrigens ganz argloſen Radomars zu erringen. Endlich waren ſich die Hauptheere ſo nahe gekommen, daß ein Haupttreffen un⸗ vermeidlich war. Mit Kampfgierde bereitete ſich alles vor, und voll der ſchönſten Hoffnungen und Erwartungen rückten die kühnen Jünglinge entgegen. Der blutige Kampf war geſchlagen, und die Hoffnung der chriſtlichen Streiter hatte ſich bewährt gefunden, denn die Feinde wurden aufs Haupt geſchlagen, und nur das entging dem Tode, was mit ſchneller Flucht ſich retten konnte. Radomar hatte ſich ſo ausgezeichnet, daß er gleich auf dem Schlachtfelde von dem Könige von Jeruſalem zum Nitter geſchlaa gen wurden. s Auch war es ihm gelungen ein kleines Vorwerk, welches ein türkiſcher Cmir ver⸗ theidigte, mit Sturm zu erobern, und dabei anſehnliche Beute zu gewinnen. Bereits anderthalb Jahre hatte er im Oriente zugebracht, mithin die Hälfte der Zeit, welche ſein Vater ihm zur Rückkehr beſtimmt hatte, und er beſchloß, ſobald ein günſtiger Friede eintreten würde, ſich nach Italien zu begeben, um dort noch mehr Sitte und Gewandtheit zu lernen, und dann nach dem lieben deutſchen Vaterlande zurück⸗ zukehren. Aber noch lange war die Ausſicht zu dieſem Frieden entfernt; denn mit gleicher Wuth rüſteten ſich beide Theile, und mit Anſtrengung aller Gewalt dem für Alle ver⸗ derblichen Kriege ein Ende zu machen. 3 Während dieſer Zeit aber, bevor nem⸗ lich eine Hauptſchlacht entſcheiden konnte, 1 fielen verſchiedene kleine Gefechte vor, und jene Krieger, welche nicht zu irgend einer bei timmten Unternehmung abgeordert waren, ſtreiften mit ihren Söldnern in der Gegend umher, um wo möglich reiche Beute zu arndten. So waren einſt Radomar und Egin⸗ hard lange im Gebüſche herumgeirrt, ohne irgend ein ethebliches Abentheuer zu beſtehen, und da ihre Roſſe ermüdet waren, lagerten ſie ſich in einem angenehmen Gebüſche, um ſich durch einige mitgenommene Vorräthe zu erquicken. Lange ruhten ſie hier im vertraulichen Geſpräche, als einer der Knechte, welchen ſie auf Kundſchaft ausgeſendet hatten, eilig 46 durch das Gebuſche mit der Nachricht her⸗ vorbrach, daß er von Ferne eine Truppe Türken gewahrt habe, welche, wie es ſchien, ohne kriegeriſche Abſicht einherzogen; viel⸗ mehr ſtehe hier reichliche Beute zu erwarten, denn ſie führen ſtark beladene Kamele und eine wohl verſchloſſene Sänfte mit ſich, und es ſei wahrſcheinlich, daß darinnen anſehn⸗ liche Schätze verborgen ſeien. Kaum vernahmen dieß die Ritter, als ſich alles ſchnell auf die Roſſe warf, und nach der bezeichneten Gegend hinjagte. Auf der nahen Plane hatten ſich die Türken ſorglos gelagert, denn es war nicht zu vermuthen, daß hier einige Gefahr dro⸗ hen ſollte; da ſtürmten die Ritter mit ihren Leuten vom Hügel herab, und ein hitziges Gefecht begann— beſonders hatten ſich alle um die Sänfte zuſammengedrängt, um ſelbe mit Manueskraft zu vertheidigen, doch nichts konnte den deutſchen Streitern wider⸗ —— — ſtehen, die Feinde wurden überwunden unb genöthiget, ihr Heil in der Flucht zu ſuchen. Die Beute war ergiebig, denn die Ka⸗ mele waren mit koſtbaren Stoffen und ande⸗ ren Sachen von Werthe beladen, als aber nun die Sieger die Sänufte öffneten, fanden ſie ein verſchleiertes Mädchen in ſelber, wel⸗ ches ſogleich herausſtieg, und ſie um Scho⸗ nung und Mitleiden anflehte. Radomar verhieß ihr, um ſie zu beruhi⸗ gen, Schutz und Sicherheit, der ungeſtümere Eginhard aber ſchlug ihr mit Gewalt den Schleier auf, und beide Ritter prallten zu⸗ ruͤck, denn noch nie hatten ſie ſolche bezau⸗ bernde Reitze bemerkt.— Hohe Röthe flammten auf beider Wangen— Radomar ſuchte ſie damit zu tröſten, daß ſie gegen zu beſtimmendes Löſegeld wieder ihren Angehörigen eingehändiget würde, ſie mußte daher die Sänfte wieder beſteigen, und der Zug ging mit der reichen Beute nach — 48— Jeruſalem zurück, wo die ſchöne Gefangene„ einer ehrwürdigen Matrone zur einſtweili⸗ — gen Pflege übergeben wurde.— Die anſehnliche Beute war nun frei⸗ lich den Siegern anheimgefallen, aber dieſe hatte wenig Reitz für ſie, denn der Inhalt ihres Geſpräches war nun freilich die reitzen⸗ de Fatime deren Schönheit ſo heftigen Ein⸗ druck auf ſie gemacht hatte.— Doch hü⸗ thete ſich weislich Einer vor dem Andern, die Heftigkeit ſeiner Gefühle laut werden zu laſſen. So ſtrichen einige Tage vorüber, da meldete man beiden Rittern„daß ein Türke gegen ſicheres Geleite mit ihnen nothwen⸗ dig zu ſprechen wünſche, und als ihm dieß bewilliget ward, trat ein alter Mann ein, deſſen Bart bis an den Gürtel reichte, und deſſen ehrwürdige Miene das vollkommenſte Zutrauen erregte. 8 Es war ein reicher Emir, welcher nun 49 in den rührendſten Ausdrücken um die L08: laſſung ſeiner Tochter flehte.— „»Sie iſt meines hohen Alters einzige Freude,« ſprach er,»und ich fühle mich doppelt glücklich, da ich ſie einem ſehr edlen Manne, welchen ſie innig liebt, als Brant zuſenden konnte.— Das Waffenglück hat ſie euch in die Hände geführt, doch unmög⸗ lich werdet ihr ſo grauſam ſeyn, mein und meiner Tochter Lebensglück auf immer zu vernichten.— Außen ſtehen vier Mohren⸗ ſklaven, jeder trägt ein Käſtchen mit Ju⸗ welen und Geſchmeiden,— es iſt zehnfach mehr, als ihr mit Billigkeit Löſegeld for⸗ dern könntet, doch welche Aufopferung könnte dem Vater zu viel ſeyn für das Wohl ſeines Kindes,— darum laßt euch durch die Thränen eines vom Alter gebeng⸗ ten Mannes erweichen, und gebt mein ge⸗ 4 liebtes Kind frei in meine Arme zurück. 3»lind wenn du uns Saladi 18. mn Nadomar. liche Schätze bieten würdeſt,« polterte der rauhe Eginhard,»ſo kann ſie nicht mehr aus unſerer Gewahrſam kommen,— mit unſerm Blute haben wir ſie erkauft 1 unſere Beute iſt rechtmäßig erworben, und du magſt dich damit tröſten, daß wir alles aufbieten wer⸗ den, ihr angenehme Tage zu verſchaffen⸗⸗«— Da ſank der Alte in ſeine Knie, und während häufige Thränen über ſeine benarb⸗ ten Wangen rollten, flehte er mit aufgeho⸗ benen Händen um Fatimens Freiheit. Spott und Hohngelächter war Eginhards Antwort. Da konnte Radomar nicht mehr den aufſchwellenden Zorn unterdrücken.—»Du irrſt,⸗« ſprach er zu Eginhard,»wenn du glaubſt ein größeres Recht auf die Gefan⸗ gene zu haben als ich, denn mit gleichem Muthe, mit gleicher Anſtrengung haben wir ſie erbeutet„ und nicht haarbreit kann Einer den Andern beeinträchtigen.⸗— 3 1 * 4 SDacht ich's doch,« rief Eginhard, es war ein fürchterliches Schauſpiel, wie trieben, aber Eginhard ließ zu ſehr von Puth ſich hinreißen, und ſo wenig Rado⸗ — 51 »daß euch der bisherige Weiberfeind von ihren Reitzen blenden würde, ſie ward mit den Waffen in der Fauſt erobert und nur mit eben dieſen Waffen ſoll einem von uns der Beſitz zugeſichert werden..— Vergebens bemühten ſich Radomar und der alte Emir ſeinen unbändigen Zorn zu beſänftigen;— er warf Radomar den Hand⸗ ſchuh hin, und forderte ihn zum Kampfe, welchen dieſer ſeiner Ehre willen, nun nicht länger mehr ablehnen konnte.— Vom Zorne entbrannt, ließen beide von ihren Knappen ſich waffnen,— einige alte verſuchte Kampfhelden wurden zu Schiedsrichtern erwählt, und hinaus ging es ins Freie zum blutigen Werke.. Beide waren gleich geübt und ſtark, die beiden Wüthenden ſich im Kampfe herum⸗ 4 K . 52 mar es Willens war, ihm nach dem Leben zu trachten, ſo war doch dieſer unvorſich⸗ tig genug, ſelbſt in das Schwert ſeines Gegners zu rennen, röchelnd ſtürzte er zu Boden, und in wenigen Augenblicken hatte er ſein Leben ausgehaucht. 4 Jubelnd führten die üͤbrigen an Blut und Mord gewohnten Ritter den Sieger nach Hauſe.— Zitternd vor Angſt, folgte der alte Emir, um nun das Schickſal ſeiner Fatime zu erfahren.— »Du haſt dich überzeugt,« ſprach Ra⸗ domar,»daß ich mir nun doppeltes Recht auf Fatimen erworben habe, doch ſey un⸗ bekümmert, nicht laſten ſollen auf mir die Thränen eines bekümmerten Vaters, auch ein ich zu ſtolz, um mich mit erzwungener Gegenliebe zu begnügen— oder mich auf eine Koſten zu bereichern.— Behalte da⸗ er immerhin die mitgebrachten Schätze, 53 und nimm auch Fatime mit dir, denn bei meinem Ritterworte, ſie iſt frei, und kein Haar ſoll auf ihrem Scheitel gekrümmt wer⸗ den;— ich ſelbſt will mit meinen Knechten ſo weit ſie begleiten, bis ihr in vollkomme⸗ ner Sicherheit ſeid.«— Da umklammerte der Alte ſeine Knie und benetzte ſie mit dankbaren Thränen. Sobald ſich Radomar vom Kampfe erholt hatte, begann der Zug; bis ſie an eine kleine Waldpläne gelangten, wo ſich das Gefolge des Emirs gelagert hatte.— Mit lautem Freudengeſchrei wurde dieſer und das Mädchen empfangen, und als nun Radomar Abſchied nehmen wollte, da zog der Alte einen Ring vom Finger, in welchem verſchiedene Charaktere einge⸗ graben waren.— »Unbedeutend,« ſprach er,»ſcheint dieſer Ring zu ſeyn, und doch iſt er vm 54 größten Werthe, vermöge der wenigen ein⸗ geprägten Worte.« »Er iſt ein Talismann, welcher dich in jeder Gefahr ſchützen wird, welche dir von den unſrigen drohen könnte„ und welchem unſers Volkes du ihn zeigſt, der wird dir freundſchaftliche Aufnahme und Sicherheit bereiten.⸗ »Sollteſt du aber in Verlegenheit ge⸗ rathen, daß es dir an Geld und Gut fehlt, ſo ſende nach Damaskus an den Emir Haſſan Effendi mit dieſem meinen Gürtel, und kühn magſt du fordern, was meine Kräfte vermögen.⸗ Dankbar nahm Radomar beide Ge⸗ ſchenke, herzlich umarmte er don Alten und Fatimen, und kehrte mit den Seinen zu⸗ rück, wo er ſich in einer kleinen Aue lagerte, und ſeinen düſtern Gedanken nachhing, denn nun, da Fatime ſich entfernt hatte, fühlte 5⁵ er erſt, wie theuer ſie ſeinem Herzen gewor⸗ den war. Zwar tröſtete ihn das Bewußtſeyn ſeiner edlen Handlung, aber beinahe nie läßt ſich auch bei der ſtrengſten Pflicht⸗ erfüllung die Stimme des Herzens über⸗ täuben.— Er ſehnte ſich nach Gelegenheit zum Kampfe, wo er am erſten Zerſtreuung hoffen durfte; dieſe Gelegenheit, und zwar mit einem ſehr gefährlichen Feinde war ihm näher als er glaubte.— Nachſinnend lag er im Gebüſche, da erhoben plötzlich ſeine Leute ein heftiges Geſchrei und ſtürzten aus dem Gebüſche hervor, ihnen nach folgte in gewaltigen Sätzen ein Leopard, deſſen Augen gierig einer Beute entgegen flammten.— Schnell wie der Blitz hatte ſich Ra⸗ domar aufgerafft, um ſich dem unerwarte⸗ ten Feinde entgegen zu ſtellen, und wie 56 das Ungeheuer heranſtürmte, führte er mit voller Manneskraft einen ſo glücklichen Hieb, daß ſelbes taumelnd zurückprallte, und ehe es noch ſich zum neuen Angriffe ſammeln konnte, fand es ſeinen Tod durch eine noch tiefere Wunde.— Nun erſt konnte man ſich Zeit nehmen, den beſiegten Feind näher zu betrachten, und alle verſicherten„ noch nie ein Thier von ſolcher Größe und bewunderungswür⸗ diger Schönheit geſehen zu haben. Sogleich machte man ſich an die Ar⸗ beit, dem Thiere das wunderſchöne Fell abzunehmen„ und Radomar verwendete es zu einem Mantel, welchen er mit ſilbernen Tatzen an der Bruſt befeſtigen konnte. Da es bald hierauf zu verſchiedenen Gefechten mit den Feinden kam, und er ſich allenthalben wüthend der größten Ge⸗ fahr entgegenſtürzte, und dennoch immer ſiegreich aus den Gefechten zurückkehrte, ſo 57 ward ihm bald ſeines Mantels wegen von Freunden und Feinden der Rame Radomar der Leopard beigelegt— er ward der Schre⸗ cken der Feinde, und von allen ſeinen Mit⸗ genoſſen mit Achtung und Ruhm über⸗ hänuft; doch alles dieß konnte ſeinem Her⸗ 1 zen nicht genügen, da Fatimens Bild nicht aus ſeiner Seele wich. Viertes Kapitel. — Unerwartetes Wiederſehen. 3 S, ſtrichen abermals Monde auf Mon⸗ de dahin„ und Radomar ſehnte ſich nach ſeinem Vaterlande zurück; doch wollte er, da eben eine Schlacht bevorſtand, ſich dieſer nicht entziehen, und beſchloß nach deren glücklichem Ende den Orient zu verlaſſen. — Allmählig rückte der Augenblick näher, wo abermals der Tod kinf zahlreichen Opfer mähen ſollte. “ Radomar hatte eine anſehnliche Schaar 8 Knechte geſammelt, und ihm ward vom Kriegsrathe, da man ſo ſehr auf ſeine Ta⸗ pferkeit bauen konnte, einer der gefährlich⸗ ſten Poſten angewieſen. Er ſah wohl ein, daß ihm hier nur die Wahl zwiſchen einem ruhmvollen Tode, oder dem Siege ührig blieb, und beſchlos daher, alle ſeine Kräfte aufzubieten, um wenigſtens mit Ehre zu fallen.— Der entſcheidende Augenblick war her⸗ angebrochen und Radomar vermöge ſei⸗ ner Stellung genöthiget, den blutigen Kampf anzufangen. Schrecklich wüthete das Eiſen von bei⸗ den Seiten.— Leichen häuften ſich auf— Leichen; gleich einer ehernen Mauer ſtand Nadomar mit ſeinen Leuten, da hatten die 1 Feinde ihren Vortheil erſehen, und die kleine tapfere Schaar, während der Kampf der lebrigen ſich ſeitwärts hinzog, zu um 6 ¹ 60 gehen gewußt;— ſo ſah ſich nun Radomar von allen Seiten eingeſchloſſen. Furchtbar wüthete de Schwert der chriſtlichen Streiter, aber die Uebermacht war zu groß, Einer nach dem Andern ſank in die Arme des Todes hin, und zuletzt er⸗ hielt auch Radomar eine ſolche Wunde am rechten Arme, daß ihm das Schwert ent⸗ fiel, er vom Pferde ſank, und ſein Be⸗ wußtſeyn verlor.— Wie er ſich wieder ermannte, fand er ſich auf einem Laublager, und ſeine Hand ſorgfältig verbunden.— Es bedurfte lange, ehe er ſeine vori⸗ b ge Beſinnung wieder erlangen konnte— 4 er ſah ſich in einer geräumigen Berghöhle, von einer Lampe erhellt, doch Niemand war zugegen, welcher ihm hätte einen Auf⸗ ſchluß geben können.— Der Schmerz der Wunde übermannte 3— 51 ſein mattes Bewußtſeyn, und er ſank aber⸗ 2. mals in Bewußtloſigkeit dahin.— So mochte eine geraume Zeit verſtizz chen ſeyn, bis er wieder die Augen öffnete, da ſah er einen alten Mann mit eisgrauem Barte vor ſich, in einen härenen Kittel ge⸗ hüllt, welcher mit herzlicher Theilnahme ihm etwas Labung darreichte, durch wel⸗ che ſich der Kranke mächtig geſtärkt fühlte. »Wo bin ich,« frogte Radomar,»und wem habe ich die wohlthätige Hilfe zu dan⸗ 4 ken, welche mir hier zu Theil wird?« »Beruhige dich,« erwiederte der Greis 8 4 und ſchone deiner, da heftiges Sprechen und Gemüthsbewegung dir ſehr gefährlich 3 werden könnten.— Du biſt wahrhaftig in guten Händen, und was meine wenigen Kräfte zu deiner Beſſerung beitragen kön⸗ nen, kannſt du auch ſicher erwarten,«— In ſtiller Einſamkeit verlebe ich hier meine Tage, und mein Beruf iſt, Neth⸗ * 562 leidenden zu helfen— ſobald daher die Schlacht in dieſer Gegend vorüber war, be⸗ gab ich mich nach dem Blut bebeckten Schlachtfelde um zu ſehen, ob ich nicht vielleicht dennoch einen unglücklichen Ver⸗ wundeten zum Leben zurückrufen könne.« »Bei dir gelang es mir, wenigſtens einem größeren Uebel vorzubeugen, ſobald du daher noch ein Paar Tage hier verweilt haben wirſt, werde ich dich nach einem nahen Frauenſtifte leiten, deſſen Bewohne⸗ rinnen vorzüglich damit ſich befaſſen, verwun⸗ dete Krieger zu heilen, und die ſchon Wunder⸗ kuren vollbracht haben;— ſuche aber nur auch vorzüglich dein Gemüth zu beruhigen, denn die Heiterkeit des Geiſtes muß dem leidenden Körper zu Hilfe kommen.« 3 Radomar dankte innig dem wohlthäti⸗ gen Alten, und brachte einige Tage in der Klauſe zu, dann aber begann es unruhig in der Gegend zu werden, der Alte be⸗ ,— 63 fͤrchtete eine neue Ankunft von feindlichen Schaaren, und ermahnte ſeinen Pfleg⸗ ling nun ſelbſt, ſich zum Aufbruchs! berei⸗ tet zu halten.— In der Stille der Nacht verließen ſie die Hütte, und wanderten in der dichten Waldung fort. Zweimal mußten ſie unter Weges ruhen, da Radomars Hand bei der ſtarken Bewegung heftig ſchmerzte. Endlich aber, als ſchon das Tageslicht der Morgenröthe zu folgen begann, erreich⸗ ten ſie das tief in der Waldung gelegene Stift. Hier nahm der Greis Abſchied von dem Ritter, dieſer aber zog am Glocken⸗ ringe, und als er an der Pforte ſein An⸗ liegen, und die nothwendige Pflege kund that, ward er ſogleich nach einem reinlichen Gemache geführt, und ihm ſchnelle Hilfe durch eine der Stiftsbewohnerinen ver⸗ hießen. 5 64 Während er nun mit einem von einem Kloſterknechte gebrachten Becher Weines ſich labte, und ermüdet ſich auf ein Lager hinſtreckte— öffnete ſich eine Seitenthür, und hereintrat eine verſchleierte Frauenge⸗ ſtalt mit einem Käſtchen, in welchem ſich verſchiedene Salben und andere Arzeneimit⸗ tel befanden, kniete vor ihm nieder, löſte den Verband der Wunde, und träufelte mehrere heilende Tropfen aus einem Fläͤſch⸗ chen in die Wunde.— Wie Glut brannte die Arzenei,»o! das ſchmerzt heftig,« rief Radomar und be⸗ deckte das Haupt mit der einen Hand, aber kaum hatte er dieſe Worte ausgeſtoßen, ſo entfuhr ein lauter Schrei dem Munde des Mädchens, das Arzneikäſtchen entſank ihrer Hand, und ſie rief den Namen„»Ra⸗ 1 domar⸗— dieſer raffte ſſich auf, ſchlug ihr den Schleier zurück, und erkannte Fa timen.— 65 »Wie la rief er,»du hier in dieſem Gebäude? Welch ein unerwartetes Zuſam⸗ mentreffen? Wie um aller Welt willen iſt es möglich, dich hier zu treffen 2⸗ 4 »Durch einen traurigen Zufall,« er⸗ wiederte Fatine,»weil ich nun dich wieder ſehe, ſo faſſe ich neuen Muth, vernimm denn alſo, was mich hieher brachte.⸗ »Mein Vater mit ſeinen Knechten beglei⸗ tete mich zu meinem Verlobten.«— »Ach! warum ſoll ich es dir nicht geſte⸗ hen, was ich für Liebe zu ihn hielt, war nur Täuſchung meiner ſelbſt, denn ſeit ich dich und deinen Edelmuth kennen lernte, fühlte ich erſt, was wahre Liebe ſey, und nur mit bangem Herzen zog ich einer Ver⸗ bindung entgegen, welche nun unmöglich mehr meinen Wuͤnſchen entſprechen konnte.⸗ »Plötzlich wurden wir von einer Schaar Bewaffneten überfallen. Ein blutiges Ge⸗ fecht begann. Mein Vater ſah die Gefohr Rademar. 5 ein, welche mir neuerdings drohe, er über⸗ gab mich zweien vertrauten Dienern, und befahl uns nach einer uns wohlbekannten Höhle in der Tiefe des Waldes zu fliehen.— Raſch jagten wir mit verhängten Zügeln da⸗ von, aber ach! kaum eine Viertelſtunde wa⸗ ren wir fortgeritten, ſo ſtürmte eine neue Schaar Bewaffneter auf uns ein— die bei⸗ den Diener wurden an meiner Seite zu Boden gehauen und der Anführer der feind⸗ lichen Rotte, ein ſchon bejahrter Ritter, ergriff mein Pferd am Zügel und jagte mit mir, von den Uebrigen begleitet, Wald ein⸗ wärts, bis wir an dieſes Stift gelangten.⸗ „Befürchte nichts,« ſprach er, ves ſoll an Leben und Unſchuld dir kein Schade ge⸗ ſchehen. Ich preiſe den Himmel, der ein ſo junges Blut in meine Hände lieferte,— um deine zarte Seele den Klauen des Sa⸗ tans zu entreiſſen.« „Hieri in dieſem Stifte ſoll dein kunf⸗ — keit mahlten deine Worte vor meinen Bli⸗ veerrrſchende Leidenſchaft? nun denn ſo ſch 1 ich es auch bei meinem Schwerte 67 tiger Aufenthalt ſein, und durch das Bei⸗ ſpiel der frommen Bewohnerinnen belehrt, wirſt du bald deine bisherigen Meinungen ändern, und dich bemühen, dereinſt zum ewigen Leben einzugehen.⸗ »Widerſpruch kounte hier nichts nützen, ich mußte mit mir nach Gutdünken Schal⸗ ten und Walten laſſen, auch erfreute mich die Freundlichkeit, mit welcher man mich empfing.— Ach! welch eine traurige Zu⸗ kunft erwartet mich hier für mein ganzes Leben.«— Ein Thränenſtromm hinderte ſie weiter zu ſprechen. „Beſorge nichts mehr,« rief Radomar, „ſo lange ich Kraft in mir habe, werde ich dich ſchützen. O Himmel! welch eine Selig⸗ cken— du liebſt mich Fatime, und ich könnte Hoffnung nähren für die in meinem Innern genthum ſollſt du bleiben all mein Lebenlang und komme, und beſiegle mit dem erſten Kuße der Liebe dein beſeligendes Geſtänd⸗ niß.⸗— Mit dieſen Worten ſchlang er ſie in ſeine Arme, und glühende Küſſe brannten auf ihren Lippen, da öffnete ſich die Thüre, herein trat die Obervorſteherin des Stiftes und blieb wie eingewurzelt am Eingange ſtehen. 1 Endlich hieß ſie mit donnernder Stim⸗ me Fatimen, ſich zu entfernen.—. 4 „»Sie iſt reif zur Strafe,« rief ſie, »Ihr aber, ruchloſer Mann, der ihr ein Heidenkind ableiten wollt von der herrli⸗ chen Bahn, welche wir ihr mit Mühe zu 5 bereiten ſuchen, ihr entfernt ench augen⸗ blicklich von hier, und dankt es nur mei⸗ ner Langmuth, daß ich euch ohne Ueber⸗ 8 lieferung an ein höheres Gericht, fre ven 4 innen ziehen laſſe.« k Bruſt, und ſchon griff er nach dem Dolche, 69 Kalter Schauer durchrieſelte Rädomars Gebeine;— er ſuchte auf alle mögliche Art die Erzürnte zu beſänftigen, er bat auf ſeinen Knien um Fatimens Loslaſſung. Als aber alles dieſes vergebens war, da entbrannte er in Wuth, riß den Dolch aus ſeinem Gürtel, aber ſchnell entſprang die ’entſetzte Frau durch die Seitenthüre, und als Radomar nacheilen wollte, ſtürzte ein eiſernes Gitter herab, und hinderte ihn weiter zu ſchreiten.— Vergebens rüttelte er mit Macht an den eiſernen Stäben, ſie wichen ſeiner Ge⸗ walt nicht, und er ſtürzte in Verzweif⸗ lung und ohne Bewußtſeyn zu Boden. Wie er ſich wieder ermannte, fand er ſich im Gebüſche allein in der Nähe des Schloſſes.— Tiefe Todtenſtille umgab ihn, aber laut tobte der Sturm in ſeinem Inneren, er wüthete gegen die eigene um auch ſein elendes Daſeyn zu enden, als er ſich plötzlich rückwärts an dem zum Morde aufgehobenen Arme ergriffen fühlte, er blickte rückwärts, und ſtaunte nicht wenig, als er den alten Emir, Fati⸗ mens Vater, hinter ſich erblickte. »Unglücklicher!« rief dieſer,»was haſt du vor, o! wie ſehr muß ich dem Propheten danken, der mich zu deiner Rettung herbei⸗ führte.⸗— »O tadle meinen Schmerz und meine Verzweiflung nicht,« rief Radomar,»du ſollſt meine Erzählung hören, und das Blut wird ſelbſt in deinen Adern erſtarren;⸗ und unn machte er den Emir mit allen bishe⸗ rigen Vorfällen bekannt, und verſchwieg ihm auch Fatimens Liebesgeſtändniß nicht. Aufmerkſam hörte der Greis der Er⸗ 1 zählung zu, dann hob er gefaltet ſeims Hände gen Himmel.— »O! Allah,« rief er, ⸗wie ſoll ich für 71 deine Gnade und Weisheit dir wuͤrdig dan⸗ ken, denn nur du leiteteſt mich hieher, wo ich Nachricht von meinem geliebten Kinde erhalten konnte, welches ich in Verzweif⸗ lung ſchon allenthalben ſuchte;— theure geliebte Fatime, du biſt mir ſo nahe und in ſchrecklicher Todesangſt? o verzage nicht, denn Hilfe iſt dir nahe.« »Dank meiner Vorſicht, daß ich mit einer zahlreichen Schaar Bewaffneter mich her begab, um vielleicht mit Gewalt deine Befreiung zu erwirken.« „»Nun denn, ſo möge das Schwert entſcheiden, und ich ſchwöre es bei dem Barte des Propheten, daß ich Fatimen be⸗ freien will, und wenn kein Stein auf dem Anderen bleiben ſollte in dieſem verhaßten Gebäude.⸗— Er klatſchte in die Hände, und her⸗ beieilten einige Diener, welche er eilig be⸗ orderte, den im Thale gelagerten Krieger⸗ 72 ſchaaren zu befehlen, ſich augenblicklich zum Sturme zu rüſten. Radomar biß ſich vor Ingrimm die Lippen blutig, daß er nicht mitwirken konnte im Gefechte für Fatimens Befrei⸗ ung, aber dennoch eilte er mit gegen die Mauern, um wo nöthig, Anordnungen 5 zu treffen. Mehrere hundert Bewaffnete waren zum Sturme bereit.— Radomar führte ſie vor die Pforte, welche bald mit Aexten eingehauen war. Einer ſolchen Ankunft von Feinden war man nicht gewärtig und alſo nicht auf Gegenwehre gefaßt. Der Befehl des Emirs wurde genau beachtet, aller Leben wurde geſchont, jede Plünderung oder ſon⸗ ſtige Gewaltthäͤtigkeit war auf das ſtrengſte unterſagt, man ſuchte nun Fatime. deren Aufenthalt einer der gefangenen Stifts⸗ knechte verrieth. Mit Geheul des Entſetzens entflohen die Anweſenden, da ſo unvermuthet die Türken hereinſtürmten, dieſe aber kümmer⸗ 8 4 ten ſich um die Fliehenden nicht. Fatime erblickte den Vater und den Geliebten, und ſank von Freude übermannt in die Arme von Beiden. Doch plötzlich drang das dumpfe Glo⸗ ckengeläute zu ihren Ohren,— es war die Nothglocke, welche die Stiftsfrauen in ihrer Aangſt ſchnell anziehen ließen, um aus der Nachbarſchaft Beiſtand herbeizuziehen.— Da unferne davon ſich einige feſte Plätze — der Deutſchen befanden, ſo ſah Radomar nur zu gut die Gefahr ein, welche ſie hier treffen könne, indem dieſe keinen Augenblick 3 ſäumen würden, dem bedrängten Stifte mit aller Macht beizuſtehen. Da entdeckte er dem Emir die nahe Gefahr, und ſo ſchnell als mäöglich verließen alle das Gebände, und eilten ſo lange durch die dichte Waldung, bis ſie an eine kleine von Sarazenen beſetzte Schanze gelangten, wo ſie mehre Sicher⸗ heit erwarten konnten. 1 Anſtrengung und Ermüdung erforderten vor Allem die noͤthige Erquickung und Ruhe; am folgenden Morgen aber berief der Emir, nachdem er vorher lange und anhaltend mit Fatimen geſprochen hatte, Radomarn zu ſich.— »Junger, edler Mann,« ſprach er, ich habe mit meinem Kinde über die gan⸗ zen bisherigen Vorfäͤlle geſprochen. Seit ſie dich ſah, iſt ihr die Verbindung mit dem auserſehenen Verlobten zur unerträglichen Qual geworden, und ferne ſei es von mir, ſie zu einer Verbindung zu zwingen, welche ſie nur unglücklich machen würde.« „»Sie liebt dich mit gränzenloſer Zärt⸗ lichkeit und ſchwur mir hoch und theuer nur an deiner Seite, in deinen Armen ihres Le⸗ bens froh zu werden.— Was bleibt mir 75 als zärtlich liebendem Vater übrig, als ſie deinem Edelmuthe anzuvertrauen, da es denn doch einmal nicht anders beſtimmt iſt, als mich von meinem Kinde zu trennen.⸗— »Ich übergebe ſie dir als deine Gat⸗ tin, und du ſchwöre mir, ihre Liebe mit Edelmuth und Biederſinn zu erwiedern.« Hoch und theuer ſchwur der entzückte Radomar, ſie zu ſchätzen und zu lieben all' ſein Lebenlang.— Er beſchwur den Alten mit ihm nach Europa zu ziehen, aber dieſer beſtand un⸗ erſchütterlich darauf, den kurzen Reſt ſei⸗ ner Tage unter ſeinen Glaubensgenoſſen zu verleben.— Auch bedeutete er Radomarn, daß ihre Entfernung aus dem Bereiche der tür⸗ kiſchen Macht nur heimlich geſchehen müſſe, indem er ſich ſonſt die bitterſten Verfolgun⸗ gen zuziehen wuͤrde. Er gab daher bei dem Beſel ls9ai,s der Schanze vor, daß der Ritter mit ihm nach ſeinem Landgute ziehen, und dort den muſelmänniſchen Glauben annehmen werde wofur Radomar die freundlichſte Behand⸗ lung erhielt. Einige Tage verweilten ſie hier, bis die von dem Emir ausgeſandten Bothen zu⸗ rückkehrten, und ein reich beladenes Ka⸗ mel mitbrachten;— und nun wurde alles zur Abreiſe bereitet Der Zug ging in der Nacht vor ſich, als ſie aber ein dichtes Gebuſch erreicht hat⸗ ten, nahm der Greis den herölichſten Ab⸗ ſchied von ſeiner Tochter. Zweien Sklaven ſcheukte er die Frei⸗ heit unter der Bedingung, den Ritter und Fatime ſchützend nach ſeinem Vaterlande zu begleiten— auch führten dieſe Kameele mit ſich, welche betraͤchtliche Schätze als Milttgabe Fatimens trugen. Im nächſten Orte wechſelte die Braut 7 77 ſammt den beiden Dienern die türkiſche Kleidung, um ungeſtörter weiter kommen zu können. Aber kaum hatten ſie eine Tagereiſe zurückgelegt, und ruhten in einer kleinen Herberge aus, da traf Radomar einen ſei⸗ ner ehemahligen Knechte und erfuhr, daß das Gerücht es ſchon weit und breit aus⸗ poſaunt hätte, er habe mit Hilfe der Feinde des Glaubens das Stift beſtürmt, und eine zum Schleier beſtimmte heidniſche Dirne entführt.— 1 Die ſchreckliche unerhörte That verbrei⸗ tete Entſetzen und Abſcheu, und des Rit⸗ ters Verderben war beſchloſſen. Fünftes Kapitel. er Aeue Gefahren und Verfolgung. Radomar ſah ſich alſo hier aufs Neue von einem traurigen Schickſale bedroht, und beſchloß alle in der Gewalt der Chriſten ſtehende Städte zu meiden, zu Schiffe nach Italien zu ſegeln, und von da ſeine Reiſe nach Deutſchland anzutreten.— Sie fanden bei Zeiten ein Schiff, welches ſie aufnahm.— Glüͤcklich ging die Reiſe durch einige Tage vor ſich, aber bald 79 verkündete der erfahrene Steuermann die Annäherung eines gewaltigen Sturmes, und alle Anſtalten wurden getroffen, wel⸗ che zur Erhaltung des Schiffes nothwendig erſchienen. Wirklich brach bald das Unwetter in einer beiſpielloſen Stärke aus,— und was vermögen Menſchenkräfte gegen die Macht der wüthenden Elemente? Sturm und Fluthen tobten in gränzenloſer Wuth, und trieben das gebrechliche Fahrzeug an eine Felſenklippe, wo es einen ſo ungeheuren Leck bekam, daß deſſen Unterſinken trotz aller Anſtrengung unvermeidlich war.— Was ſich mit den beſten Habſeligkei⸗ ten von dem gewiſſen Verderben retten konnte, ſuchte ſein Heil in den Booten. Schon hatte Fatime ſich in eines der⸗ ſelben gerettet. Eben wollte Radomar ſich über Bord hinablaſſen, da zertrummerte plötzlich das Schiff, und er ſank in die 380 Fluthen, welche brauſend über ihn zuſam⸗ menſchlugen. Plötzlich fühlte er ſich von einer ſtar⸗ ken Hand mit Macht ergriffen, er arbei⸗ tete ſich aus den Wellen empor, und ſchwang ſich auf einen Maſt, deſſen ſich ein Mann aus dem Schiffe bemächtigt hatte, welcher ihm nun emporhalf, und in dem Radomar den deutſchen Knecht erkannte, der mit ihm aus Paläſtina ge⸗ zogen war.— Auf dieſem gebrechlichen Werkzeuge überließen ſie ſich nun den brauſenden Fluthen, welche endlich, da der Sturm nachließ, zu wüthen aufhörten, und die beiden Schwimmenden, auf ihrem Schaum bedeckten Rücken weiter trugen, bis ſie ein kleines Eiland erreichten, wo ſie ſich an dem dicht hervorragendem Geſträuche auf den feſten Erdboden emporſchwangen, 8¹ und ganz erſchöpft und betäubt zu Boden ſanken. Wie ſie ſich wieder ermannten, hatte ſich der Sturm ganz gelegt, ruhig wogten die Wellen vor ihren Blicken vorüber, wel⸗ che im erneuerten Glanze die wieder hervor⸗ V ſchimmernde Sonne übergoldete, aber in V 4 Radomars Seele bherrſchte die Düſternheit des Sturmes, denn weit und breit war von dem Boote mit Fatimen nichts zu ſehen, bald aber übertäubten die Forderungen des Körpers die Betrübniſſe des Geiſtes,— denn vor Durſt trocknete ihnen die Zunge am Gaumen„ und der heftigſte Hunger trieb ſie an Nahrung zu ſuchen. Zwar fanden ſie bald eine reine Quelle, machten aber auch zugleich die traurige Be⸗ merkung, daß das ganze Eiland, welches nur einige Stunden im Umfange faſſen konnte, unbewohnt ſey. Sie fanden wohl eine Menge Vogel⸗ 3 Radomar. 6 82²2 eier am mooſigen Boden und einige Wald⸗ früchte, dieß machte ihre ganze Nahrung aus, und ſo ſchwanden ihnen in Noth und Elend drei qualvolle Tage vorüber,— da gewahrten ſie endlich in der Ferne ein Fahr⸗ zeug, ſogleich ließen ſie an einen Baumaſt gebunden ihre Tücher in der Luft flattern, und aus der Richtung, welche das Fahr⸗ aber nun vergrößerte ſich ihre Furcht noch weit mehr, denn es waren Türken, welche ſich dem Eilande nahten. ſe die Schiffbrüchigen als ihre Sclaven zu behandeln, und einige ſchleppten ſie nach dem Boote, während die übrigen die leeren ten eine große Galeere, zu welcher das Boot gehörte. zeug nahm, erkannten ſie, daß man ſie be⸗ merkt habe; denn es ruderte allmählig heran, Sobhald ſie gelandet waren, begannen Fäſſer mit ftiſchem Quellwaſſer füllten.— Endlich ruderten ſie fort, und erreich⸗ Der Korſar, denn es war ein türki⸗ ſches Raubſchiff, empfing die beiden Gefan⸗ genen mit Widerwillen, denn von ihrer ab⸗ gezehrten Geſtalt konnte er ſich keinen gro⸗ ßen Vortheil verſprechen. Jetzt erinnerte ſich Radomar des vom alten Emir erhaltenen Ringes, und wies ihm dem Korſaren Hauptmanne vor, da hei⸗ terte ſich deſſen Miene auf.— »Du magſt Großes an einem unſeres Volkes verübt haben,« ſprach er,»ſonſt würdeſt du dieſen Ring nicht erhalten haben.⸗ »Von nun an biſt du mein Sclave nicht mehr, denn der Koran macht es mir zur hei⸗ ligen Pflicht dich als meinen Gaſt zu ehren.⸗ »Zeige mir an, wo ich dich hinbringen ſoll, damiꝛ ich darnach meine Anſtalten tref⸗ fen konn e, auch an deinem treuen Diener 8 will ich keinen Theil nehmeng denn er ſoll frenems— 84 »Nun aber geht und fudht euch durch Speiſe und Ruhe zu erquicken.⸗— Der Korſar ſteuerte nach ſeiner Küſte zurück— dort mußten ſie noch einige Tage verweilen, bis ein chriſtlicher Kauffahrer ſegelfertig war, welcher nach Italien ſteu⸗ erte, denn nur dort hoffte Radomar Nach⸗ richt von Fatimen zu erhalten. Sobald er daher ſeine Seereiſe glück lich zurückgelegt hatte, ſtellte er alle mögli⸗ 8 chen Unterſuchungen an, doch leider erfuhr er von einem Kauffahrer, daß man auf der See die Trümmer eines Bootes entdeckt habe, aber nicht die geringſte Spur von Menſchen. Pbanden war. 85 Höchſt wahrſcheinlich! war es baißo, as— Fatime bei dem ſchrecklichen tur Tod in den Wellen gefunden habe. Der Schmerz Radomars läßt ſich nicht ſchitern. All den bisher erlittenen Anſtren⸗ 3 gungen und Gemüthsbewegungen mußte end. 85 lich ſeine Natur liegen, und er wurde naq einem Hoſpitale gebracht, wo er in eine Krankheit verfiel, und er Monate lang zwi⸗ ſchen Leben und Tod ſchwankte. Endlich zwar am Körper hergeſtellt, doch über Fatimens Verluſt im höchſten Grade geiſteskrank verließ er Italien, und kehrte nach Deutſchland zurück;— aber auch hier erwarteten ihn noch granſame Schläge des Schickſals. Seine ſchönſte Hoffnung war, ſich nach der väterlichen Burg zu begeben, und dort ferne vom Getümmel der Welt in ſtiller Einſamkeit ſeine Tage zu vertrauern.— Miit jedem Tage mehrte ſich die Sehn⸗ ſucht nach der väterlichen Heimath und end⸗ lich war er ſo nahe, daß er von einem Hüͤ⸗ gel die Spiten d der Thürme zu erblicken hoffen konnte. Aber vergebens ſchwebte ſein Auge in der Gegend umher,— ſchon glaubte er ſich verirrt zu haben, aber die nur allzubekannte Gegend, wo er ſeine Jugendjahre verlebt hatte, überzeugte ihn vom Gegentheile.— Eine ſeltſame bange Ahnung ſchien ſein Herz zu begreifen, er jagte den Gaul in ununterbrochener Eile fort, und leider kam er früh genug um von einem ſchreck⸗ lichen Anblicke gleichſam zu Boden gedon⸗ nert zu werden. Statt den ſtattlichen Thürmen und Wällen der Veſte ſahen ihm nur traurige Ruinen und Steinhaufen eutgegen, und ſtatt der blühenden Mayerhöfe, welche ehmals die Burg umgaben„ ſah er nur an den umher verbreiteten Brandſtätten die Spuren einer gränlichen Verwüſtung.— Dieß war mehr, als ſein ohnehin aufgereg⸗ tes Gemüth ertragen konnte, er ſank auf einen Steinhaufen des Schloſſes hin und ſein Bewußtſeyn entſchwand. Wie er ſichawieder ermannte, fand er — — 9-— 87 ſich auf einem ärmlichen Strohlager in einer halb abgebrannten Hütte, und neben ſich ſeinen aus Aſien mitgenommenen Knecht Wolf, ſammt einem alten Bauer, welchen er ſogleich als einen ehemaligen Unterthanen ſeines Vaters erkannte.— »Dem Himmel ſei Dank,« rief der Bauer,»daß ihr noch lebt, war doch eure Ohnmacht ſo anhaltend, daß wir wahrhaftig, an eurem Wiedererwachen zu zweifeln began⸗ nen,— ja, ja, man kanns euch edler Herr wahrhaftig nicht verübeln, denn es mag für euch ein ſchrecklicher Schlag des Schick⸗ ſals ſein, euer Eigenthum ſo verheert zu finden.«— „Was hat ſich für ein Unglück ereig⸗ net,« rief Radomar,»wer iſt der Thäter, welcher dieſes Unglück ſtiftete, um ihn zur Rechenſchaft zu ziehen 24—.. „Das wird nicht leicht möglich ſein,« erwiederte der Landmann,„doch euch, der 4 . 88 ihr erſt aus fernen Landen hieher kommt, können die Begebenheiten nicht bekannt ſein, welche ſich während dem hier ereigneten.— Wegen der Traͤgheit des Königs Wenzel vermehrten ſich die Unruhen in Böhmen beina⸗ he täglich. Dieß benützte vorzüglich Prokop, Markgraf von Mähren, der ſeinem älteren Bruder Jodokus den Beſitz dieſes Mark⸗ grafthums ſtreitig machen wollte, er eroberte bereits Znaym, und ſeine Streifereien brei⸗ teten ſich bis gegen Oeſterreich aus,— dieß nöthigte den Herzog mit einem Heere vor Znaym zu rücken, um den Räaubereien Prokops, deſſen Heer aus zuſammengelau⸗ fenen Mördern, Dieben und Landesverwie⸗ ſenen beſtand, Einhalt zu thun, aber die Feinde wehrten ſich verzweifelt, tödeten viele von Alberts Leuten, und ſteckten die Stuumgerüſte in Brand.⸗ »Als endlich König Sigmund von — — —— 89 Hungarn zur Hilfe herbeiriekte,— nahm Prokop zu meuchelmörderiſchen Ränken ſeine Zuflucht.«„. »Er ließ dem Könige und dem Her⸗ zoge Gift beibringen.— Noch war Sig⸗ mund ſo glücklich, durch Hilfe ſeiner Aerzte dem Tode zu entgehen, aber bei Alberten wurden alle Gegenmittel fruchtlos verſucht, er ließ ſich in einer Senfte nach Kloſterneu⸗ burg bringen, wo er in der Blüthe ſeiner Jahre ſtarb.« »Da ſein Sohn Albert erſt das ſechſte Jahr erreicht hatte, ſo führte nun der Bru⸗ der des Berblichenen, Herzog Wilhelm als Vormund die Regierung.⸗« „»Da aber nun auch dieſer ohne Erben ſtarb, ſo verurſachte dieß unter den herzog⸗ lichen Brüdern eine neue Auszeichnung der oſterreichiſchen Staaten. Leopold und Er⸗ neſt. Dem unndeeſheigen Albent. blieb Oeſterreich.⸗ »Die Bormundſchaft über den jungen Herzog gab Stoff zur Entzweiung der Brüder.« S »Leopold glaubte ſeines Alters wegen hierzu berechtiget zu ſeyn, auch wurde ſie ihm von den Landſtänden übergeben, aber bald brachen nene Unruhen aus, man war mit der Regierung Leopolds ſehr wenig zu⸗ frieden, man wollte den Herzog Erneſt zur Regierung befördert wiſſen, und kaum vernahm dieſer die Stimmung mehrerer Großen, als er herbeieilte, und die Vor⸗ mundſchaft übernahm.— „Leopold begab ſich nach Neuſtadt, warb Truppen an, und verheerte die Gü⸗ ter derer, welche zu Ernſts Parthei über⸗ getreten waren, und ſo war nun das ge⸗ ſegnete Oeſterreich der Schauplatz der größ⸗ ten Unruhen, es iſt in zwei Partheien ge⸗ theilt, Eine befehdet die Andere, und verwüſtet gegenſeitig die Beſitzungen.« — 91 Unter denen, welche es mit Ernſten hielten, war auch Hagemund von Finſteran, euer Vater, Herr Ritter,« fuhr der Land⸗ mann fort,»und hatte Leopolds Freunden manchen Abbruch gethan, denn ſo alt er war, ſo wacker wußte er noch das Schwert zu führen, und vorzüglich durch ſeinen auf vieljährige Erfahrung gegründeten Roth zu nützen.⸗ „»Schon bei dem Namen Hagemunds entbrannte Leopold vor Zorn, und brachte es dahin, daß er in die Acht erklärt wurde; — deß lachte wohl Herr Hagemund An⸗ fangs, als aber dadurch geſchreckt, ſelbſt ſeine vertrauteſten Freunde ihn verließen, und bald Leopolds Fahnen vor den Mauern ſeiner Burg flatterten, ward er auf eigene Vertheidigung beſchränkt, und unmöglich konnte dieſe bei ſeinen wenigen Hilfsmit⸗ teln lange währen.« »Die Veſte wurde mit Sturm avober Hagemund fiel mit den Waffen in der Hand, bei Vertheidigung ſeiner Habe, die Burg wurde ganz zerſtört, und leider vernichtete Feuer und Plünderung auch unſere Woh⸗ nungen.. »Ach! wie ſehr ſeyd ihr edler Herr zu bedauern, denn nicht nur, daß ihr all euer Eigenthum verloren habt, ſondern des Va⸗ ters Acht ruht auch auf euch— und da bis jetzt Herzog Leopold die Oberhand be⸗ hielt, ſo ſeyd auch ihr im ganzen Lande nicht ſicher, doch ſorgt euch nicht, ſo lange es möglich, ſollt ihr in meiner Hütte ei⸗ nen ſicheren Zufluchtsort finden.⸗ So endete der Landmann ſeine Er⸗ zählung, und Radomar war in düſteres Schweigen verſunken.— »Nein!a rief er,»ihr ſollt meinetwe⸗ gen nicht in noch größeres Unglück kommen; — dieſe Nacht nur gewährt mir eine Frei⸗ ſtätte und etwas Labung, morgen aber ziehe —— 93 ich mit Tagesanbruch von dannen.— Du treuer redlicher Wolf wirſt mich begleiten, ich habe weder im Oriente, uoch in meinem Vaterlande etwas zu ſuchen, nach dem fer⸗ nen Norden will ich mich begeben, und dort in der nächſten Fehde das Ende mei⸗ nes Lebens ſuchen.« Wolf willigte gerne in dieſen Vor⸗ ſchlag ein, und nachdem ſich beide gelabr hatten, ſuchten ſie ſich durch Ruhe von der Ermüdung der Reiſe zu erholen. 80 O Obers— “ Sechstes Kapitel. 4☛☛— er Dundesſat — Wie der Worgen heranbrach, ließ ach Ra⸗ domar waffnen, und beſtieg, nachdem er den B uer für ſeine Bewirthung belohnt hatte, och eine Thräne dem geliebten Vater wei⸗ nend, ſeinen Gaul und begab ſich tief in die Schatten des ungeheuren Wienerwaldes. Ohne Plan, ohne Abſicht ritten ſie ſo lange fort, bis endlich ihre Roſſe ganz ermüdet waren, und ſie ſich im bohen Graſe lagern 8 mußten. ——OO⏑QOO⏑O⏑O— 4öm:-— ——O⏑—˖-:— 95 „»Es iſt wahegaftt eine traurige Zeit,⸗ ſprach Wolf, als ſie im Graſe ruhten, „und hätte ich doch nicht gedacht, daß ſolch ein Unheil der Zwietracht das geſegnete Oeſterreich treffen würde.« „Wundert es mich doch wahrhaftig, daß ſolch einer unnatürlichen Sache nicht die ſogenannten Flammenritter inen bedeu⸗ tenden Ausſchlag geben.“ »Wer ſind dieſe Flammenritter?* fragte Radomar nur ſo obenhin, um nicht das Geſpräch ſogleich abzubrechen. »Ja, euch kann ich's freilich nicht ver⸗ übeln,« fuhr Wolf 1 fort,»daß ihr von der Sache nichts wiſſet, denn euer Geiſt iſt immer ſo beſchäftigt, daß ihr gar nicht wiſſet, was um euch vorgeht, aber auf der ganzen Reiſe hieher hörte ich von dieſen Rittern ſprechen.« »Die Zeiten haben ſich wieder in die⸗ ſem geſegneten Lande ſo geſtaltet, daß 56 er — ͦ(— ꝑꝑꝑꝑ— durch die Zwietracht der Großen auch die Gemüther der übrigen verdorben wurden.. „Wo kein rechter Herr iſt, da iſt auch kein rechter Diener.« »Die Gewalt hat nun die Oberhand erhalten; wer ſich zum Kampfe rüſten kann, ſucht ſich auf Koſten Anderer zu bereichern, denn nur das Recht des Starkeren gilt, und ohne Schützeriſt Unſchuld und Armuth Preis gegeben.« »Da traten endlich mehrere Edle des Landes zuſammen, und ſo wie ihre Herzen zum Schutze für Tugend und Necht ent⸗ flammten, ſo gab ſich dieſer Bund auch den Namen der Flammenritter— welches auch ihre äußerlichen Zeichen beſtätigen, denn auf ihrem Schilde und ihrem Helme prangt eine goldene Flamme.⸗ „Auch ſind ſie bereits ſo machtg ge worden, daß der Boshafte ſie zu fürchten hat, der unterdrückte Gerechte aber nie 3 3 vergebens ihren Beiſtand angefleht hate-“. „»Ja, in der That, edler Herr, ver⸗ möge eures Biederſinnes und anerkannten Muthes würdet Ihr ein wackeres Mitglied dieſes edlen Bundes ſeyn. »Wer weiß,« grwiederte Nadomar,»ob 8 nicht auch hier Hinterliſt und Bosheit zu Grunde liegt, und ob nicht dieſe Flammen⸗ ritter ſich ihres Bundes nur zur Maske be⸗ dienen, um deſto ungeſtörter ihre Boshei⸗ ten ausüben zu können?« »Wohl wäͤre es eine ſchöne Sache, zu ſtreiten für Unſchuld und Recht im lieben Vaterlande, aber ſind die Zeiten nicht ſo, daß man leider Urſache hat, von jedem Men⸗ ſchen überall das Ueble mehr a als das Gute nn glauben?« Mein, nein, ich . neue Verbindung mehr treten Mir blüht kein Glück m Radomar. 8 7 8 98 Vaterlande am Wenigſten.— Ich habe nur noch einen Wunſch, bald im biutigen Gefechte zu enden.— »Auch dazu könnte der Bund euch am Erſten Gelegenheit geben,« fuhr Wolf fort, »und Ihr könntet euren traurigen Wunſch mit Ruhm und Ehre bedockt, erreichen.·⸗— „öSprichſt du doch, als ob du ſelbſt einer der Verbündeten wäreſt.⸗— 1»Nein, Herr, beim Himmel, das bin ich nicht, aber ich habe des Rühmli⸗ chen ſchon ſo Vieles gehört, daß es mich wahrhaftig freuen würde, euch in dieſer edlen Geſellſchaft einverleibt zu ſehen, wenn man ſie nur zu ſehen wüßte;— aber ihr ſeid ja ſelbſt klug genug, um vorher zu prüfen, ehe ihr euch zu etwas herbeilaſſen werdet.⸗ ſtand mitſammen, als ſie unferne lauten Tumult und Kampfgetöſe vernahmen. Noch ſprachen ſie uͤber dieſen Geger 5 Ditter„welcher ſich, den Rücken an einen Raſch ſprang Radomar auf, riß das Schwert aus der Scheide, und ſtürzte durch das Gebüſche fort, woher der Tumult kam. 2 Wolf folgte ihm gleichfalls mit gezo⸗ gener Klinge, da ſahen ſie einen einzelnen Baum gelehnt, gegen ſechs vermummte Knechte vertheidigte. Dieſer Kampf war zu ungleich und za ungerecht, um nicht Radomarn im höchſten Grade zu erbittern. Haſtig ſtürzte er auf die Fethtenden zu, mit wenigen Streichen von ſeiner 2 kampfgeübten Fauſt ſanken zwei zu Boden, auch Wolf ließ ſich nicht ſpotten, häm⸗ merte wacker auf einen ſeiner Gegner los, und als nun auch der dritte ſank 1 da über⸗ fiel Schrecken die Uebrigen, und ſie ent: flohen in das dichte Gebüſche. »Nehmt meinen wärmſten— 7* 190 ſprach der Ritter,»denn der Feinde waren zu viele, als daß ich auf gewiſſen Sieg hätte rechnen können, ich weiß, daß ihr auf Vergeltung keinen Anſpruch machet, aber wenigſtens werdet ihr die Bitte mir nicht verſagen, einige Tage auf meine Burg zuzubringen, denn traun, ich werd mich glücklich ſchätzen, einen ſo wackern Mann näher kennen zu lernen⸗. Nadomar konnte ein ſo höfliches An⸗ 8 erbieten nicht vermeiden, und ſo zogen ſie denn hinab bis an das Ufer der Donau, woo ſie endlich an eine ſtattliche Veſte ge⸗ langten, deren Aeußeres ſchon auf den — Reichthun des Gebieters ſchließen ließ. Sobald die Ritter ihre Rüſtungen abgelegt hatten, führte der Burgherr ſei⸗ nen Gaſt in ein herrliches Prunkgemach, 3 wo bereits zu einem ſchmackhaften Imbiß alles hergerichtet war, und ſie nun bei vol⸗ len Bechefn nähere Bekanntſchaft ſchloſſen. 2* 4 —4444 101 Der Wein machte die Zunge geſprächis 1 und das Herz vertraut. Radomar erzählte frei und offen alle ſeine Begebenheiten, und fand einen auf⸗ richtigen Theilnehmer an dem Ritter. Dieſer aber entdeckte ihm nun, daß er der Bundeshauptmann der Flammenrit⸗ ter ſey, über welchen Gegenſtand nun ſehr vieles geſprochen wurde.— „Es ſey ferne von mir,⸗ ſprach Rit⸗ ter Woldram von Spangenberg, ſo nannte ſich der Burgherr,»Jemanden zu bereden, in meinen Bund zu treten, hier kann nur der eigene Wille beſtimmen„ doch lieb iſt es mir, wenn Jedermann ſich von der nã⸗ heren Beſtimmung unſerer Unternehmungen überzeugen würde, und traun, ein ſolcher Mann, wie Ritter Radomar der Leopard, deſſen Thaten ſchon aus dem fernen Oriente zu uns herüber eſchollen ſind, würde ein Seoßer S hmuck in unſerer Mitte ſen 102 »Gönnt mir daher die Freude, euch noch drei Tage bei mir beherbergen zu kön⸗ nen, und traun, ihr ſollt euch von un⸗ ſerm Thun und Laſſen eines Räheren über⸗ zeugen können.⸗— Da Radomarn nichts zur Eile nöthig⸗ te, gab er gerne ſeine Einwilligung, und er hatte in dieſer Zeit Gelegenheit genng, die Pracht in dieſer Burg, und vorzüglich die herrlichen Ruͤſtkammern zu bewundern, in welchen auch die Statuen der Ahnen des Hauſes Spangenberg in glänzenden Rüſtun⸗ gen aus hellpolirtem Stahle in Lebensgebhe aufgeſtellt waren. Endlich nahte der Tag heran, an wel⸗ chem die Bundesritter ihre Derſannulung hielten. Schon in der Nacht war es äußerſt unruhig im Schloſſe, mehr als zwanzig⸗ mal gab der Thurmwächte, nit ſeinem Horne das Zeichen, und immer toͤnnte dumpf der —— —E—— — —= 103 Hufſchlag der Roſſe auf der Zugbrücke, und das Waffengeraſſel im geräumigen Schloßhofe;— bis es endlich ſtille zu wer⸗ den begann, da der Schlaf auch ſeine Rechte zu behaupten ſuchte. Am frühen Morgen aber trat ein Leib⸗ knappe des Burgherrn ein, und bat den Ritter, ihm an einen Ort zu folgen, wo er den Bundesſaal genau überſehen koͤn⸗ ne.— Durch eine Reihe von Gemächern ka⸗ men ſie an einen Erker, durch deſſen Fen⸗ ſter man genau alles überſehen konnte, was in dem ungeheuren Bundesſaal vorging. Noch war Alles leer, aber Radomar konnte nicht genug die Pracht des Ortes bewundern. Die Kuppel des weitläufigen Gebäu⸗ des ruhte auf marmornen Säulen, zwi⸗ ſchen velcen Shh von Stein angebracht 104 verziert. An dem oberſten Ende des Saales aber befand ſich auf mehreren Stufen ein ſtanden vier Sitze, welche goldene Dra⸗ chen formirten, aus deren weit geöffneten Rachen Feuerflammen zu ſprühen ſchienen. Die Wände des gauzen Saales aber 1 waren mit ungemein lebhaften Gemählden verziert, welche kriegeriſche Szenen darſtell⸗ Ritters mit goldenen Flammen auf Helm und Schild ſich auszeichnete.— Noch war Radomar in Betrachtung dieſer Gegenſtände verſunken, als Trom⸗ petenſtöße ertönten— eine hohe eiſerne Pforte ſich öffnete„ und zwanzig Ritter waren;— alles war reichlich mit Gold Thronſitz vom rothen Sammt mit Gold reichlich verziert; allenthalben waren gol⸗ dene Flammen angebracht, und nebenher ten, und wobei immer die Geſtalt eines n mit Gold überzogenen Haruiſchen her⸗ —— — mit rothen Feoldbinden und einer rothen 405 eintraten, mit den gewöhnlichen Flammen⸗ zeichen des Bundes, und weißen Feldbinden geſchmückt— ihre Helme waren geſchloſſen. Der Anführer aber trug eine weiße Fahne mit goldenen Flammen durch⸗ wirkt.— Er ging über die Stufen hinauf, und nahm ſeinen Platz neben dem Thronſitze, wo er vor ſich die Fahne in den Boden ſtieß.. Gleich darauf ertönte wieder ein Trom⸗ petenſtoß, und durch das geöffnete Thor trat. abermals eine Schaar von zwanzig Rittern in blanken Silberrüſtungen mit grünen Feldbinden. Ihr Anführer trug eine grüne Fahne, er nahm dem Erſteren gegenüber ſeinen Platz, die Fahne aufpflanzend, die Ritter aber unter den unteren Sitzen. Dieſen folgte ein Zug von eben ſo vie⸗ len Rittern in kupferartigen Rüſtungen Fahne, dann aber kam ein Zug von Rit⸗ tern in ganz ſchwarzem Waffengeſchmeide, von eben dieſer Farbe waren ihre Feldbin⸗ den und ihre Fahnen, ſo daß außer den gol⸗ denen Flammen keine andere Farbe zu ſehen war, und das Ganze einen ſchauerlichen Anblick darbot. Als nun alle vier Abtheilungen ihre Plätze eingenommen hatten, ertönten aber⸗ mals drei Trompetenſtöße, und hereintrat der Burgherr ſelbſt, in reich mit Gold be⸗ z ſetzten Kleide, weiß und nach dem Wap⸗ pen Oeſterreichs mit rother Feldbinde, und ¹ einem rothen mit weißen Federn geſchmucka ten Barette, auch floß ein purpurfärbiger mit Gold verzierter Mantel über ſeine Schultern. Mit königlichem Anſtande ging er durch den Saal, und beſtieg den Throuſitz— eine 1 allgemeine Stille herrſchte.— „Ihr lieben Bundesgenoſſen und Freun⸗ 107 de,« ſprach endlich der Hauptmann,»die ihr hier verſammelt ſeyd, um Recht und Gerechtigkeit zu üben, in dem nun durch Partheien und Raubluſt verheerten herrli⸗ chen Lande, deſſen Wappenfarbe mich ſchmü⸗ ckt.— Gebt nun Rechenſchaft, was ſich ſeit unſerer letzten Zuſammentretung ereig⸗ net habe.« »Dich rufe ich zuerſt, Anführer der Bundesabtheilung, welche den Frieden be⸗ zeichnet.·⸗— 3„»Weiß wie die reine Blüthe des ſe⸗ genſpendenden Baumes iſt deine Farbe, und golden deine Rüſtung wie die reichen Ga⸗ ben, welche der Friede uns ſpendet,— was haſt du uns Gutes zu verkünden?« »Leider ſehr wenig,« entgegnete der Anführer der erſten Rotte,»denn noch im⸗ mer ſind die herzoglichen Brüder mitſam⸗ men im harten Kampfe begriffen, und nur im Buche des Schickſals iſt eingetragen 198 welche Zukunft dem Lande bevorſteht,— doch haben wir in Einzelnem die beiden mächtigen Grafen von Silberſee und Rau⸗ henthurm verſöhnt, daß ſie nicht mehr vom Partheigeiſte entzweit, in blutiger Fehde begriffen ſind, und des Habes ihrer Unter⸗ thanen ſchonend, ruhig die künftigen Ereig⸗ niſſe abwarten wollen.⸗— »Dann habt ihr,« fuhr der Haupt⸗ mann fort,»für die kurze Zeit, welche euch zugemeſſen war, genug gethan— bleibt in Ruhe, bis die Zeitumſtände ſich ändern 88* werden„ dann werdet ihr gleich dem golde⸗ nen Frieden hervortreten und mithelfen, ſei⸗ ne Segnungen zu befördern.⸗— »Nun zu euch ihr Edlen, welche die grüne Farbe der Hoffnung ſchmücket, wel⸗ che Ausſicht für die Zukunft könnt iht uns eröffnen 2— »Die Beſte,« erwiederte der Anführer — 109 der grünen Rotte,»doch wird bis dahin noch manches Unrecht vor ſich gehen.⸗ „Die Strenge Herzog Leopolds, wel⸗ cher den Bürgermeiſter Vorlauf und drei Rathsherrn hinrichten ließ, wird nicht un⸗ geahndet bleiben, nicht nur daß Herzog Ernſt im höchſten Grade erbittert iſt, und die Wiener und alle Landſtände ihm äußerſt abgeneigt ſind, auch König Sigmund von Ungarn verläßt ſeine Parthei.— 4»Rembert von Wolſee und Ernſt von Roſenberg betrügen ihn öffentlich, und un⸗ ter Leitung des weiſen und friedliebenden Propſten zu Wien, Georg von Lichtenſtein, werden die angeſehenſten Landſtände ſich verſammeln, um endlich den Frieden her⸗ beizuführen.⸗— »Deine Aeußerung,« ſprach der Haupt⸗ mann, viſt Balſam für unſ're trauernden Herzen, und grünen werden aufs Neue die 8 Hoffnungen des Landmannes, die Fru „bringenden Aecker, welche nun die Hufe der Roſſe zerſtampfen.— Begebt euch ferner unter die Edlen des Landes, und macht ſie dur ch die Hoffnung einer blühenden Frie⸗ denszeit geneigt den Abſichten des Edlen Lichtenſteiners beizutreten.« »So könnt Ihr auch ehne Schwert⸗ ſtreich Gutes ſtiften zum Veſt n eurer Mit⸗ brüder.⸗ wackeren Kämpfer und Vertheidiger der Un⸗ ſchuld.— Was iſt, ſeit wir nicht verſam⸗ melt waren, in eurem Gebiete geſchehen 2⸗ „»Der Unthaten viele,« ſprach der An⸗ führer der dritten„ mit rothen Feldbinden geſchmückten Abtheilung. 1 „Ranulf von Starkenhelm„einer der mächtigſten Herrn des Landes, welcher ſich nur bereichert hat von Raub und Wegela⸗ »Nun aber zu euch ihr Blutrichter, gerung, iſt lange ſchon in ſträͤflicher Liebe 141 gegen die Burgfrau des edlen Edwin Nagſe entbrannt.«— »Dieſer ſuchte ſeine und ſeines Weibes Ehre zu rächen, und forderte ihn zum Kampfe auf Leben und Tod.«— „»Leider war Edwins Körperkraft der ſeines Gegners nicht gewachſen, er unter⸗ lag im Kampfe, und nun zog Ranulf mit Roß und Mann gegen die Veſte, um die zagende Witwe in ſeine Gewalt zu brin⸗ gen.⸗— „»Wir vernahmen dieſe ungerechte That, und warſen uns in die Veſte der hart Be⸗ drängten Beiſtand zu leiſten.« »Es kam zu mehreren blutigen Gefech⸗ ten; aber dennoch beſiegten wir den Stol⸗ zen, er mußte mit ſeinem Geſchwader ab⸗ ziehen von der bedrängten Veſte,— und ein wackerer Ritter iſt im Begriffe die Wit⸗ we zu ehelichen. So erhält ſie nicht nur einen wackeren Schützer ihres eigenthums⸗ 4* 9 112 ſondern auch ich habe beiden im Namen unſeres Bundes zur Zeit der Noth bedeu⸗ tende Hilfe zugeſagt.⸗— »Dann habt ihr vollkommen nach Recht und Pflicht gehandelt, und der Bund iſt euch zu hohem Danke verpflichtet⸗— ant⸗ wortete der Hauptmann.»Nun aber zu euch, ihr Diener der Rache, in was beſtand euer Gewerbe?«— Da ſtand der ſchwarze Ritter auf, und antwortete:»Da wo die Bosheit die Oberhand erhält, und ungeahndet Grauel auf Gräuel häuft, da beginnt unſer Amt zu ſtrafen und zu rächen die verborgenen Un⸗ thaten.«⸗— „»Heinemann, der gefuͤrchtete Raub⸗ ritter von Aggſtein war nicht zufrieden Rei⸗ ſende zu plündern, und ſie nach ſeiner Burg zu ſchleppen, um durch die harte Behand⸗ lung in ſeinen Gefängniſſen reichliches Löſegeld zu erpreſſen.— Wer dieſes* nicht leiſten kann, den weiht er auf eine grauſame Art dem Tode, denn auf ſeiner Felſenburg eröffnet ſich ein Abgrund, wel⸗ cher in eine gräßliche Tiefe hinabführt.«⸗— „»Dieſen Ort nannte der Unhold ſein Roſengärtlein, und wer ſeinen Zorn ge⸗ reitzt hatte, welcher durch nichts zu verſöh⸗ nen wor, der wurde von ihm mit eigener Hand in die Tiefe hinabgeſtürzt, wo der Unglückliche ohne Hilfe und Rettung ver⸗ loren war.«⸗— »Nur zu lange ſchon trieb dieſer Bar⸗ bar ſein Unweſen, bis wir es erfuhren;— denn einer ſeiner Leibeigenen hatte eine holde Maid zur Tochter, deren Reitze die Lüſtern⸗ heit des Buben erregte.«⸗— »Da ließ er beide ergreifen und nach ſeiner Burg ſchleppen, und da der Alte im Gefuhle des höchſten Unrechtes durch harte Ausdrucke den Zorn des Machthabers er⸗ regte, ward er in den gräßlichen Abgrund⸗ Radomar. 2 8 114 hinabgeſchleudert, die Dirne aber in das Verlies geſchleppt, damit Noth und Elend ſie zwingen ſollen, den Willen des Tyranen zu erfüllen.⸗ »Unter den jungen Burgknechten war einer, welcher lange ſchon Sibillen, die nun gefangene Dirne liebte.— Er ver⸗ mochte nichts zu ihrer Rettung beizutragen, und ſeine Gefühle gränzten an Verzweif⸗ lung.⸗— „Bei mir ſuchte er um Hilfe an, und alle Ritter meiner Abtheilung, welchen ich dieſe Ereigniſſe bekannt machte, ſchwuren Rache zu nehmen an dem Entehrer der heilig⸗ ſten Rechte der Menſchheit.⸗— »Da wir aber nur zu gut wußten, 5 daß der feſte Aggſtein ſo leicht durch Ge⸗ walt nicht zu erobern ſey, ſo nahmen wir zur Liſt unſere Zuflucht, um endlich ein⸗ mal dieſem ſchrecklichen Unweſen zu ſteu⸗ erns e— 3 35 —————ͤ———--— 14153 »Der Knecht verrieth uns einen heim⸗ lichen Weg in die Burg, und ſo wurden wir derer Meiſter, erlöſten mehrere Gefan⸗ gene, und der Verbrecher fand in dem Ab⸗ grunde ſeinen Tod.« »Recht habt ihr gehandelt,« erwie⸗ derte der Vorſteher,»daß ihr einen Miſſe⸗ thäter beſtraft, und ſo viel unſchuldiges Blut gerächt habt, doch bin ich mit der Art und Weiſe, wie dieß geſchah, na einverſtanden.“⸗— »Der Ritter, welcher den ehen ſo kühnen uls großmüthigen Leu nachzuahmen hat, ſoll nicht wie die räuberiſche Hyäne im Dunkeln ſchleichen, um ſein auserſehe⸗ nes Opfer zu uüberfallen.« „In offener Fehde hättet ihr den Un⸗ bhold bekriegen ſollen, und willig würde euch der ganze Bund und viele Edle des Landes Beiſtand zugeſagt haben.⸗— »Doch nur der Umſtand, daß ihr da⸗ — 8* durch vielem Bintvergießen geſteuert, und um ſo ſicherer der Gefangenen Leben geret⸗ tet habt, welches der Böſewicht leicht ſei⸗ ner Wuth hätte opfern können, mag euch zur Entſchuldigung dienen, und nun trete der Kläger auf, und zeige an, ob neue Aufforderungen zu unſerm Beiſtande einge⸗ gangen ſind.⸗— Da trat ein Mann in einen weiten Mantel gehüllt hervor.— 651 »Nur eine Klage,« ſprach er, iſt ein⸗ 4 gereicht worden, aber dieſe iſt wichtig ge⸗ nug, die Aufmerkſamkeit des Bundes zu erheiſchen.« Er zog eine Pergamentrolle hervor, welche er dem Hauptmanne übergab, und ſich wieder entfernte. Aufmerkſam las jener die Rolle durch — dann begann er mit lauter Stimme: „Liebe Freunde und Brüder! eine Gräuel⸗ ————— —— 11 47 that ohne Gleichen hat ſich in unſerer Nihe ereignet. Ka »Graf Raul der Langbart, iſt wie be⸗ kannt, einer der Machtigſten des Landes, nicht nur ſeiner weitläufigen Güter, ſon⸗ dern auch ſeiner zahlreichen eben ſo mächti⸗ gen Feinde willen.« „Lange genug trieb dieſer Grauſame ſein Unweſen, und da nichts ſeinen Geiz zu ſättigen im Stande iſt, welcher wie ein Krebs⸗ artiger Schaden immer weiter am Herzen des Menſchen frißt, ſo ſucht Raul ſeine Reichthümer noch immer durch Raub und Ungerechtigkeit zu vermehren, und waͤre lange ſchon zur Strafe reif geweſen, doch nun hat er ſeinen böſen Thaten das höchſte Ziel geſteckt, und iſt dem dacheſcwerße anheimgefallen.«⸗— »„Durch Zufall, ſprach er in der Veſte des allgemein als einen der redlich⸗ ſten Männer bekannten Nitters Veit von 118 Blumenau ein, als dieſer eben ſeine einzi⸗ ge Tochter an einen jungen biedern Ritter verſprach.“⸗— „Die ſchöne Mathilde ſehen, und in heftige Leidenſchaft entbrennen, war bei Raul das Werk eines Augenblickes, und er ſchwur bei ſich ſelbſt, zu ihrem Beſitze zu gelangen, und wenn es die Hälfte ſeiner Habe koſten ſollte.— entfernt, als er ſeinen Plan entwarf, mit ſeinen eben ſo ruchloſen Knechten, welche alle, um unkenntlich zu ſeyn, ganz ſchwarz vermummt waren, ſich auf die Lauer legte und den alten Ritter, welcher zur Löſung eines Gelübdes mit ſeiner Tochter nach einem entfernten Stifte ritt, überſtel.«⸗— »Die begleitenden Knechte wurden alle zu Boden gehauen, der Blumenau aber und ſeine Tochter Mathilde mit verbunde⸗ nen Augen nach Rauls Raubneſt geſchleppt »Kaum hatte er ſich von Blumenau ——— „— 3 119 und dort in gefängliche Verwahrung ge bracht.⸗ »Erſt als ſie in volle Sicherheit ge⸗ bracht waren, erfuhren ſie, in weſſen Ge⸗ walt ſie ſich befanden, und Raul forderte nun Mathilden zur Gattin unter der An⸗ drohung, daß der Vater ſterben müſſe, wenn ſie ihre Einwilligung verſagen würde.« „»Man kann ſich Mathildens Entſe⸗ tzen denken, da ſie mit gränzenloſer Liebe an ihrem Verlobten hing, und der alte Blumenau wirklich ins Verlies geſchleppt wurde.— Ihr blieb alſo nur die Wahl zwi⸗ ſchen dem Verluſte des Vaters oder des Geliebten übrig.« »Die kindliche Liebe erhielt endlich die Oberhand, und ſie willigte ein, für des Vaters Freiheit, des gehaßten Rauls Gattin zu werden.« 1 „Die Vermählungsfeier wurde in Ge⸗ 8 120 genwart des alten Ritters vollzogen, und ſchon am folgenden Tage wurde er von Rauls Knechten nach ſeiner Veſte beglei⸗ tet«— ₰ »Leider erreichte er dieſe nicht, denn man fand ihn erſchlagen im tiefen Forſte.⸗ »Im tiefen Schmerze vertrauerte Ma⸗ thilde ihre Tage an der Seite eines Gat⸗ 4 ten, den ſie zu haſſen ſo viele Urſache hat⸗ te, aber ihr Verlobter ward eine Beute der Verzweiflung; über Mathildens Auf⸗ 5 enthalt herrſchte ein undurchdringliches Ge⸗ heimniß, und er durchzog als Minneſäͤnger die ganze Gegend.« »Er kam nach Rauls Burg, wo er am Abhange des Felſens ſeine Laute an⸗ ſtimmte.« — »Nur zu bekannt waren der Burgfrau die Lautentöne und der Geſang.⸗ »Raul ſelbſt war abweſend und ſie —— 121 *— fand Gelegenheit, ihn in das Schloß zu laſſen.« 4 1 »Hier nahm ſie nun als das Weib eines Anderen den zärtlichſten Abſchied von ihm.«— „ben gewährte ſie ihm die letzte Uni⸗ armung, als Raul, welcher unverinut het zurückgekommen war, in das Genach ſtuͤrzte.«⸗— „»Von Zorn und Wein entbrannt durch⸗ bohrte er den Jüngling;— Mathilden aber ergriff er bei den Haaren, ſchleppte ſie mit Hilfe einiger Knechte auf die Zinne der Burg, und ſtürzte ſie in den gräßlichen Abgrund hinab.⸗— „»Landleute fanden arn folgenden Tage ihre zerſchmetterte Leiche. So hatte nun dieſe einzige Begebenheit ein en dreifachen Mord auf Rauls Seele gehö uft, er iſt ein un⸗ würdiges Glied der menſchlichen Geſell⸗ ſchaft, welches nur Werderben verbreitet⸗⸗ »Das durch ihn vielfach gefloſſene Blut ſchreit um Rache, und nun fordere ich alle Glieder des Bundes auf, ob ſie mit mir einverſtanden ſind zur blutigen Rache an dem Verbrecher.⸗— Da ſprangen alle Ritter raſch von ih⸗ ren Sitzen auf, ſchlugen mit ihren Schwer⸗ tern an die Schilder, und laut tönte ihr Racheruf durch die weiten Hallen.— Der Hauptmann ertheilte noch gemeſ⸗ ſene Befehle, die Sitzung war geendiget; Radomar tief erſchüttert von dem, was er nun gehört und geſehen hatte, kehrte nach ſeinem Gemache zurück. 8 6 — e0 O Oeco ——-— = Slbbentes Kapitel. —;— Die gefährlichen Proben. Gehr natürlich mußte der heftigſte Wunſch in ihm aufkeimen,— ſich dieſem edlen Bun⸗ de einzuverleiben, wo er ſo viele Beſchäf⸗ tigung für ſeinen gebeugten Geiſt erhalten konnte. Sobald er daher mit dem Bundeshaupt⸗ manne allein war, theilte er ihm dieſen Wunſch mit.— »Ihr würdet mir eines der liebſten 122 Mitglieder ſeyn,« ſprach dieſer, vund hoch würde ich euch ſtets achten, meiner Lebens⸗ rettung willen, aber von mir allein hängt die Aufnahme eines Mitgliedes nicht ab.⸗ »Jedes derſelben mußte ſich ſchweren Proben unterziehen, und nur dann erſt, wenn wie das Gold auf der Kayelle ſein Herz rein befunden worden iſt, ward er der Aufnahme würdig erkannt.«⸗— »So nehmt mich auf die Probe, und beim Himmel und meinem Schwerte, ich will auch das Schwerſte beſtehen.«⸗— »Euer Wunſch ſoll erfüllt werden,« erwiederte der Bundeshanptmann, ⸗doch faßt euch in Geduld, denn wahrhaftig es werden noch viele Tage vorüber gehen, ehe die Ritter von iyrem Zuge zurückkehren wer⸗ den, und bis dahig werdet ihr noch Zeit genng haben, uns noch näher kennen zu lernen.« „Ihr ſeyd einer meiner liebſten Gäͤſte, 125 und ſo es euer Vorſatz bleibt, in den Bund zu treten, ſo betrachtet mein Haus als das Eure, ja ich will euch die ganze Ver⸗ waltung anvertrauen, da ich ſelbſt morgen mit Tagesanbruch den Zug gegen Raul er⸗ öffne, da es, wenn alle vier Abtheilungen der Ritten zu gleicher ausziehen, die Pflicht des Hauptmannes iſt, ſie anzuführen.«⸗— Radomar war deſſen vollkommen zu⸗ frieden, und der Burgherr gab ihm nun in Allem den nöthigen Unterricht. Gerne hätte der Ritter dem Zuge ſelbſt beigewohnt, da aber die Bundesritter keinen Uneingeweihten an ihrer Seite woll⸗ ten kämpfen laſſen, ſo mußte er ſich mit dem Oberbefehl in der Burg begnügen. Mehrere Tage waren verſtrichen, Lan⸗ geweile begann den Ritter zu befallen, da nahm er einen Jagdſpieß zur Hand und be⸗ gab ſich in den Forſt, um ſich durch Auftret 1 3 ben eines leichten Wildes zu zerſtreunen. 126 Doch trotz ſeines Umherirrens fand er dieß⸗ mal wenig Beute, und ſuchte endlich ein Plätzchen, um auszuruhen, wo bald eine heftige Sehnſucht nach Schlaf ihn befiel, welcher er nicht länger widerſtehen konnte, und allmählig tiefer in das Gebiet der Träu⸗ me hinabſank.£ Wie er aufwachte, hatte ſich bereits ein heftiges Ungewitter zuſammengezogen, und jetzt erſt bemerkte er, daß er ſich im Forſte werirrt habe, denn er konnte den Rückweg zur Burg nicht mehr finden. Es war bereits Nacht um ihn her, und er ſuchte ſich mit dem Schwerte einen Weg durch das verworrene Gebüſche zu bahnen. Jetzt drang der Schein eines Lichtes in ſeine Augen, welcher immer näher und näher herankam, und plötzlich ſtand ein Greis mit eisgrauem Barte und in Eremi⸗ 127 tenkleidung vor ihm und lächelte ihm freund⸗ lich entgegen. »Wahrſcheinlich, edler Ritter,« ſprach er,»habt ihr euch in der Gegend verirrt, kann ich euch vielleicht zu rechte weiſen, wo wollt ihr denn hin?« »Nach der Veſte Spangenberg,« er⸗ wiederte Radomar.— »O! da ſeyd ihr weit abgekommen,⸗ erwiederte der Greis,»die Nacht iſt ſtark hereingebrochen, und das Unwetter beginnt gewaltig auszubrechen⸗— »Meine Hütte iſt kaum einige hundert Schritte entfernt, und ſo ihr bei mir ein⸗ ſprechen wolit, ſoll es euch wahrhaftig an dem nicht fehlen, was meine wenigen Kräf⸗ te euch zu bieten vermögen.« Nadomarn konnte ein ſölcher Antrag nicht anders als willkommen ſeyn— er ſchritt alſo an der Seite des Klausners wei⸗ ter durch das verworrene Gebüſche. 128 Unterwegs erzählte ihm dieſer, daß er noch als Gaſt einen verwundeten Rit⸗ ter bei ſich habe, welcher wohl in einigen Tagen ſein ſchmerzhaftes Daſeyn enden werde.— So langten ſie endlich in einer von hohen Bäumen umſchatteten und vor Wind und Regen geſchüßten Hütte an, wo der Eremit ſogleich einige kleine Vorräthe 8 trug, ſeinen Gaſt zu laben.— In einer Ecke der Hütte lag auf ei⸗ nem Bette von Laubſtreu der fremde Rit⸗ ter in tiefem Schlummer, und Radomar ſtaunte nicht wenig, als er neben ſelbem ein Schild mit dem Flammenzeichen der Bundesbrüder liegen ſah. Doch der Alte bat ihn nicht den Schlummer des zum Sterben Kranken zu ſtören.— Sie ſetzten ſich alſo zu Tiſche und be⸗ gannen ein leiſes Geſpräch, während ſich „ der Ritter nach Kräften von den dargebo⸗ tenen Erfriſchungen labte.— Während dem begann der Verwundete auf ſeinem Lager ängſtlich zu ächzen, der Exremit eilte ſogleich hin, einen neuen Ver⸗ band auf ſeine Wunde zu legen. »In der That,« ſprach er zu Rado⸗ marn,»ſeine Wunden ſind unheilbar, und wahrſcheinlich wird er nur noch ein oder zwei Tage zu leben haben.⸗ »Wenn ihr mit ihm ſprechen wollt, ſo geht zu ſeinem Lager hin, denn durch Ruhe und den neuen Verband hat er ſich etwas wieder erholt.«— Radomar begab ſich zu dem Lager hin, und trat betroffen einige Schritte zurück, als er ſogleich die Züge des Anführers der ſchwarzen Bundesrotte erkannte, welche im Verſammlungsſaale mit dem Baugtmun⸗ ne geſprochen hatte. 5 »Wie um aller Welt Willen 6. es nag⸗ Radomar. 9 130 lich,« ſprach er, veuch in dieſer traurigen Lage zu finden, da ihr doch erſt vor wenigen Tagen in der Bundesveſte ſolch eine bedeu⸗ tende Rolle ſpieltet?«— »Saht Ihr mich dort?« ſprach der Verwundete mit matter Stimme,»ſeyd Ihr etwa Radomar von Finſterau, welcher bei — 8 uns einſprach?— O dankt dem Himmel, daß Ihr dieſem Raub⸗ und Mordneſte ent⸗ kommen ſeyd.⸗ rſtaunt mich an, und glaubt viel⸗ eict, daß ich irre rede? Gein, mein Lie⸗ ber, der Schmerz meiner Wunden hat meine Sinne noch nicht zerrüttet, und vielleicht kann ich noch vor meinem Hin⸗ tritte in jene Welt etwas Gutes ausüben, indem ich euch warne, jn nicht mehr das Schand⸗ und Mordneſt Spangenberg zu be⸗ treten.⸗— »Dieſer ehrwürdige Greis hier, dem ich die Friſtung meines Lebens wenigſtens⸗ 434 Tags noch danke, mag die Wuhr⸗ er Worte beſtätigen.« 1 „baßt von dem äußeren Scheine euch nicht blenden,— nur Vorwand ſind die ed⸗ len Handlungen, welche der Bund auszu⸗ üben ſcheinet unter der Maske der Red⸗ lichkeit üben ſie der Gräuelthaten viele und bereichern ſich von den Geldern, welche ſie von armen Bedrängten erpreſſen.«—- »Leider ließ ich ſelbſt mich lange genug von ihnen täuſchen.— Als ich aber hinter die Wahrheit kam und entſchloſſen war, aus dem Bunde zu treten, überwarf ich mich mit dem Bundeshauptmanne, und ge⸗ wohnt immer frei und offen zu ſprechen, ließ ich manche Worte fallen, welche ihm ent⸗ decken ließen, wie rief ich in ſeine Geheim⸗ niſſe eingeweiht ſey.« »Noch überredete er mich, den vor⸗ habenden Zug mitzumachen, aber mein 4 Verderben war bereits beſchloſſen.«⸗ 9* 1382 »Als ich von ihm einen Auftre einer nahen Ritterburg erhielt, lauerten die Mörder im Gebüſche, und nur zu gut war ich getroffen, um mir ewiges Gtil ſchweigen aufzulegen.⸗ »Nehmt daher noch meine Warnung, und tretet ja nicht in den Bund mit dieſen Räubern und Mördern.«— Da fühlte der Verwundete ſich von dem vielen Sprechen ganz ermattet, und ſank auf das Lager zurück.— Radomar aber warf ſich ganz erſchüt⸗ tert auf ſein Laublager, wo er erſt nach langer Zeit einzuſchlummern begann. Wie der folgende Morgen heranbrach, und Radomar aufwachte, fand er die Klauſe und das Lager des Verwundeten leer, und bald darauf trat der Eremit mit einem Grab⸗ ſcheite ein.— „Ruhe ſeinen Gebeinen„ ſprach er, ver hat nun ausgerungen, kaum,« fuhr er 133 zu Radomarn fort,»hatte ſich mein Auge zum Schlummer geſenket, als ein lautes Röcheln mich aufweckte und der Verwun⸗ dete kämpfte ſeinen letzten Kampf.“« »Gegen Anbruch des Morgens grub ich außen ſein Grab, verſcharrte ihn ſammt den Waffen, um ja richt durch irgend einen Zufall zur Rechenſchaft gezogen zu werden.«⸗— »Ihr habt ſeine letzten Worte vernom⸗ men, edler Ritter, und was denkt ihr nun zu thun?«— »Die Sache näher prüfen,« antwor⸗ tete Radomar,»denn unmöglich kann ich von dieſem Bunde ſolche Gräuelthaten glau⸗ ben, und leicht können Wunden und Blut⸗ verluſt ſein Gehirn zerrüttet haben.— „Ich lobe euren Entſchluß, Herr Rit⸗ ter, denn ich börte von den Bundesrittern des Guten und Böſen gleich viel, und kann euch darüber kein genügendes Urtheil geben, 134½ aber verweilt noch bei mir, bis die höher heraufſteigende Sonne den dichten Nebel zerſtreut, indeß will ich uns beiden einen kleinen Morgenimbiß bereiten.“« Noch ſaßen ſie beiſammen, als plötz⸗ lich die Thure aufgeriſſen wurde, und ein liebes, holdes Mädchen hereinſtürzte.— „»Um aller Heiligen Willen,« rief ſie, vehrwürdiger Herr! nehmt mich in euren Schutz, ſonſt bin ich verloren.⸗— »Ach! habt ihr denn keinen Winkel, wo ihr mich verbergen könnt 2— »Was hat ſich ereignet,« fragte der Eremit,»und wo kommſt du her 2— »Ich bin aus dem nächſten Dorfe,⸗ ſprach das Mädchen,»wo ich ruhig an der Seite meines armen, alten Vaters lebte— ein edler, guter Jüngling liebte mich, und ſchon war unſere Verlobung nahe, als ein Bundesritter aus Spangenberg in unſerer 135 Hütte einſprach, und ſträfliche Liebe zu mir faßte.« »Ich widerſtand ſeinen ſchändlichen Zu⸗ muthungen, und Rache drohend verließ er unſere Hütte. Da kam denn nun ein Burg⸗ kuecht aus Spangenberg zu uns, welcher mich ermahnte, ja keine Minute zu verlie⸗ ren, und zu eutfliehen, indem ein Ritter aus Spangenberg bereits unter Weges ſey, um mich mit Hilfe ſeiner Knechte gefangen nach der Burg zu ſchleppen.« „Schnell raffte ich mich auf, und als ich durch den Wald floh und mehrere Män⸗ nerſtimmen vernahm, da gewahrte ich hin⸗ ter Gebüſch verhorgen, wirklich den böſen Ritter mit mehreren Knechten, welche mei⸗ ner Hütte zueilten.«“— „Wie ein aufgeſcheuchtes Reh floh ich durch den Wald, da gewahrte ich eure Hütte, und hoffe hier Unterkunft und Sicherheit zu finden.«— ———— 5— 1 ————— —— 4 »Herzlich gerne,« erwiederte der Ere⸗ mit, wenn ich nur auch wüßte, wo ich dich verbergen ſoll, da ich keinen verborgenen Schlupfwinkel aufznweiſen habe.«— »Ach! das ſey dem Himmel geklagt,« rief die Dirne,„ſo bin ich verloren.« Ra⸗ domar aber ließ ſchnell ſich waffnen um zum Schutze der Dirne bereit zu ſeyn.— Kaum war dieß Geſchäft geendigt, ſo vernahm man von Außen mehrere Männerſtimmen, die Thüre wurde aufgeriſſen, und hereintrat ein Bundesritter mit ſo vielen Knechten, daß die Stube beinahe angefüllt war.— »Habe ich dich endlich, du lockeres Vo⸗ gelchen,« rief er,»nun ſollſt du mir ſo leicht nicht mehr entkommen.⸗— Radomar ſtellte ſich zum Schutze ent⸗ gegen, aber da der Raum zum Gefechte zu enge war, wurde er plötzlich von rückwärts ergriffen und entwaffnet. Lautes Hohngelächter tönte aus dem 3137 Munde des Bundesritters.— Radomar und die Dirne wurden von den Knechten in die Mitte genommen, und nach der Burg geſchleppt, wo man Erſteren in ein tiefes Gefängniß verſperrte. Nun hatte er freilich Zeit genug, über die bisherigen Begebenheiten nachzudenken, und Menſchenhaß begann ſich ſeiner zu be⸗ mächtigen, da er ſich auch in dieſem Bunde geirrt hatte.— Er war feſt entſchloſſen, wenn er aus dieſem ſchauerlichen Aufenthalte kommen würde, ſich in ein fernes Land zu begeben, um dort vielleicht in einer Eremitenklauſe ſeine Tage zu vertrauern.— Zwei Tage waren verſtrichen, wo er bloß in einem von oben herabgelaſſenen Korbe ſeine Nahrung empfing, als die Thüre ſei⸗ nes Gefängniſſes ſich öffnete, und einer der Bundesritter von mehreren Kuechten beglei⸗ et, hereintrat.— 8 „Radomiar von Finſterau,« ſprach er, vihr habt euch ſchwer vergangen, da ihr ge⸗ gen einen Bundesritter das Schwert gezo⸗ gen, und in Geheimniſſe eingedrungen ſeyd, welche in ewige Nacht begraben ſeyn ſollten.« »Ich komme im Namen des Bundes⸗ hauptmanns, und habe euch freie Wahl zu laſſen zwiſchen Leben und Tod.⸗ »Entweder ihr tretet in den Bund, und verbindet euch durch theure Eide ein Mitglied unſerer Geſellſchaft zu werden, alle euch zu ertheilenden Befehle ohne wei⸗ tere Unterſuchung, ob Recht oder Unrecht, genau zu befolgen, und alles was ihr bis⸗ her geſehen habt, als das tiefſte Geheim⸗ niß mit euch ins Grab zu nehmen,— denn dieß fordert Wohl und Sicherheit des Bun⸗ des, oder ein ſchneller Tod erwartet euch.« »Tretet ihr zu uns über, und erfüllet genau alle Bedingniſſe, ſo ſteht euch das herrlichſte Leben in Ueberfluß und Freude ——— 139 bevor, und der Bund iſt bereit, in Er⸗ füllung eurer Wünſche euch ſtets hilfreiche Hand zu leiſten.⸗ »Nun euntſcheidet, wie es euch weiſe dünkt,— doch ſchnell, denn meine Zeit iſt gemeſſen.«— »Hier bedarf es keiner langen Ueber⸗ legung,« erwiederte Radomar,»denn mein Entſchluß iſt unabänderlich gefaßt. Nie werde ich in einen Bund treten, welcher unter der 6 Maske der Redlichkeit ſeine Gräuelthaten verbirgt.« 3»Nie werde ich gegen meine Ritter⸗ pflicht handeln, und zu begangenem Un⸗ rechte ſchweigen, daher opfert mich dem Tode, denn ich ſchwöre es euch bei meiner Ehre, ich werde nicht aufhören, euch zu ent larven, und alles aufbieten, einen ſolchen ſchändlichen Bund zu vernichten.“⸗— »So habt ihr ſelbſt euer lrtheil geſpro⸗ —— 140 chen, darum folgt mir wohin ich euch füh⸗ ren werde.« Standhaft folgte Radomar den Be⸗ waffneten durch einen langen, unterirdiſchen Gang, wo ſie eine ſchmale Wendeltreppe aufwärts ſtiegen, und endlich in einem fin⸗ ſteren Gemache ſtille hielten.— „Ich verlaſſe euch nun,« ſprach der An⸗ führer,»und gebe euch noch einige Minu⸗ 4 ten Bedenkzeit; ſo ihr aber noch bei eurer vorigen Aeußerung heharret, ſo begebt euch durch die Thüre, und euer Schickſal wird ſchnell entſchieden ſeyn.⸗— Sie ließen ihn nun allein.—»Wozu noch dieſe Verzögerung„2 ſprach Radomar zu ſich ſelbſt,»mit dem Himmel bin ich ausgeſohnt, da kein Verbrechen meine Seele drückt, wozu alſo noch länger mich bei einem Schritte bedenken, welcher mich zur ewigen Ruhe in die Arme meiner Fa⸗ time führt?⸗ 1 141 „Soll der Ritter nun vor dem Tode zagen, dem er ſchon ſo oft mit kühnem Muthe entgegen ging, ſoll wohl gar dieſe Mörderrotte hier noch triumphiren, daß mein Muth in den letzten Augenblicken mich verließ? Nein! ſo weit ſoll es nicht kommen, ich will ſchnell mein Daſeyn en⸗ den.⸗— Mit dieſen Worten riß er die eiſerne Thüre auf, und blieb ſtaunend ſtehen, denn er ſtand in dem prächtigen, mit hundert Ker⸗ zen erleuchtetem Saale, wo alle Rit⸗ ter im prunkvollſten Ornate verſammelt waren. Bei ſeinem Eintritte erſchallten Trom⸗ peten und Pauken, ein lautes Willkommen ſchallte ihm aus aller Munde entgegen, und raſch eilten ihm zwei Ritter entgegen, nah⸗ men ihn unter die Arme, und führten ihn zu den Stufen des Thronſitzes. 142 »Was habt ihr mit mir vor?« rief Radomar,»wollt ihr alle Zeuge meines Todes ſeyn?— Mirr gleich viel; vollen⸗ det nur euer Henkeramt, denn ich bin nicht der Erſte, an dem ſich enre Blutgierde ſättigt.⸗— »Hart ſind deine Worte,« ſprach der Hauptmann, ſich von ſeinem Sitze erhe⸗ bend,»doch nicht ſchwer ſoll unſere Recht⸗ fertigung werden. Du haſt den Wunſch ge⸗ äußert, in unſerer Mitte aufgenommen zu werden, und mit Freude erfüllte mich der Antrag, einen ſolchen wackeren Mann in unſerem Bunde aufgenommen zu ſehen, doch wer Geſetze gibt, iſt am erſten ver⸗ verpflichtet, ſelbe zu befolgen.«⸗— »Keiner iſt noch in unſern Bund auf⸗ genommen worden, ohne ſchwere Proben zu erdulden.⸗—— 8 »Auch bei dir mußte dieß der Fall 4ʃ3 ſeyn, und meine Hoffnung war gegrüͤndet, du würdeſt ſie mannhaft beſtehen.«— „Ueberzeuge dich nun von der Wahr⸗ heit meiner Worte. Erkenne in dieſem Bun⸗ desritter hier den Eremiten, welcher dich abſichtlich aufſuchte, dich nach der Klauſe zu bringen, und in dieſem Ritter hier den ſcheinbor Verwundeten.— Hier aber in der Tochter des Schloßvogtes die Dirne, welche zum Scheine nach der Bundesburg geſchleppt wurde! „Dadurch war der Verdacht gegen den Bund in deinem Herzen erregt, und nun begann die ſchwerſte Probe, denn es wurde dir der Tod angekündigt, wenn du nicht als Mitglied und Mitwiſſer, oder viel⸗ mehr als Mithelfer unſerer Thaten eintre⸗ ten wollteſt.«— „Redlich und ſtandhaft biſt du deiner Würde als Ritter und deinem Edelmuthe ttren geblieben, und nun haͤngt es von 4144 dir ab„ ob du in unſerer Mitte verwei⸗ len und eines unſerer würdigſten Mitglie⸗ der werden willſt.«— »Nehmt mich in eure Mitte auf,« rief Radomar,»nach welchem ich lange mich ſehnte!« »Ihr habt durch eure Rechtfertigung einen Srein von meinem Herzen gewälzt, denn nicht leicht fäͤllt es dem redlichen Manne, ſich in der Rechtlichkeit Anderet zu täu⸗ ſchen.⸗— — Da erhoben die anweſenden Ritter ein lautes Freudengeſchrei, man bekleidete Ra⸗ domarn mit einer prachtvollen Bundesrü⸗ ſtung, er kniete vor dem Hauptmanne nie⸗ der, und dieſer nahm ihn durch den er⸗ neuerten Ritterſchlag zum Mitgliede des Bundes auf.— So war denn nun nicht nur Rado⸗ mars Herz beruhigt, ſondern auch ſein ſehnlichſter Wunſch erfüllt; und mit 145 Freude nahm er Theil an den Thaten der Ritter, woran es bei den damaligen un⸗ ruhigen Zeiten an Gelegenheit nicht 3 fehlte.— — 0nn Oocoe— Radomar. Achtes Kapitel. 3 Uettung. Schon haben wir des weiſen und frieden⸗ liebenden Biſchofs von Trient und Prob⸗ ſten von Wien, Georgs von Lichtenſteins 8 erwähnt, welcher ſich alle Mühe gab, die entzweiten Herzoge zu vereinen, und ſo in dem durch. Partheien unglücklichen Oeſter⸗ reich Ruhe und Frieden wieder herzu⸗ ſtellen. Leider war bisher ſeine Mühe immer vergebens geblieben. Die erbitterten Ge⸗ 147 müther der Fürſten hatten zu großen Ein⸗ fluß auch auf die ſtets nach Raub lüſternen Mächtigen, und das zur Ausſchweifung ſtets geneigte gemeine Volk; auch hatte der Rang der Vormundſchaft über den jungen Prinzen und künftigen Herrſcher Oeſterreichs Albert, und der damit verbundenen Gewalt zu vie⸗ len Reitz, um ſelbe ſo leicht aufzugeben. Endlich, nach langer Mühe, hatte es der edle Lichten ſtein dahin gebracht, daß Zpolfen von den anſehnlichſten Landſtänden die Entſcheidung der Sache gänzlich über⸗ laſſen wurde, deren Ausſpruche ſich beide Herzoge unterwerfen mußten, wenn ſie nicht ſich König Siegmunden und die Landſtände ſelbſt zu Feinden machen wollten. Die gehörigen Verträge wurden von den Landſtänden unterzeichnet und vom n K5 nig Lieguude beſtätigt.— 4 Hierauf kehrten die beiden Herzoge Len⸗ pold und Eenſ mit dem jungen Albert nach„ 10* 448 Wien zurück und ließen ſich insgeſammt von den öſterreichiſchen Ständen den Eid der Treue ſchwören.— Doch lange dauerte dieſe Ruhe nicht; — zwei Herrſcher in gleicher Machtvollkom⸗ menheit können ſich nie miteinander vertra⸗ gen. Der beinahe eingewurzelte Haß der bei⸗ den Brüder war nicht auszurotten, bis end⸗ lich der Himmel ſelbſt ſich ins Mittellegte.— Es war im Jahre 1411, als zu Wien eine furchtbare Peſt ausbrach, Hunderte und Hunderte ſanken unter der Geißel die⸗ ſes Würgengels dahin, und endlich breitete er noch weiter ſeine Verderben träufelnden Fittiche aus. Auch über die treue Neuſtadt ſchwebte er in ſeinem verheerenden Zuge, es fand ſich alſo in den beiden Orten keine Sicherheit mehr für den jungen hoffnungs⸗ vollen Prinzen Albert, und er mußte nach dem Schloſſe Stahremberg gebracht werden. Dieſe Gelegenheit wußte der ihm un: 149 endlich zugethane Rembert von Waldſee, einer der erſten Begüterten in Oeſtreich zu benü⸗ tzen, denn er war es müde, die gſchönen Fluren ſeines Vaterlandes durch unſeligen Bruderzwiſt, und ſeine gräßlichen Volgen verheert zu ſehen. Ein fremder Ritter wurde einſt, bei⸗ nahe ſchon gegen Mitternacht in der Bun⸗ desveſte gemeldet.— Bei Nacht und Nebel war er herange⸗ ſprengt, daß Roß und Reiter dampften, und verlangte mit dem Burgherrn ſelbſt zu ſpre⸗ chen.— 1126 b 1 Anhaltend blieben beide beiſammen und 1 Dunkel der Nacht noch ritt der fremde Ritter wieder von dannen. Als aber der Morgen herangraute, da ertöͤnte laut von der Warte das Lärm⸗ horm und im Schloßhofe die Sturmglocke, um die anweſenden und entfernten Ritter zuſammen zu berufen— und bald zagen 150 die ringsum wohnenden Vaſallen in die Burg, und begaben ſich in den Ritterſaal zur all⸗ gemeinen Verſammlung.— Die Zeitziſt endlich gekommen,« ſprach der Bundeshauptmann,»in welcher die Segnungen des Friedens ſich über Waſt⸗ reich verbreiten werden..— „»Bei den unſeligen Verheerungen der Peſt wurde der Prinz nach Starhemberg gebracht und dieſe Gelegenheit will Nem⸗ bert benützen, um wie mit einem Zauber⸗ ſchlage dem Bruderkriege ein Ende zu machen, er will den Prinzen befreien von ſeinen bö⸗ ſen Vormünden, und fordert daher unszun Beiſtande auf.⸗ »Rüſtet euch alſo ſo ſchnell als möglich, daß wir Hand anlegen zur Befreiung unſers künftigen Herrſchers und zu Oeſterreichs Frieden, welchen wir mit unſerer geſamm⸗ ten Macht herbeiführen wollen.⸗— Allgemeiner Jubel begleitete die Rede 151 des Hauptmannes, und der ganze Bund ver⸗ einte ſich, zum Beſten des Landes mitzuwirken. So ging nun der Zug nach hem⸗ 4 berg, wo Rembert von Waldſer ber Lihrer i wartete.* Die Veſte konnte einer langwierigen Belagerung trotzen, da machte endlich Ra⸗ domar den Vorſchlag, ihrer um alles Blut⸗ vergießen zu vermeiden, durch Liſt ſichzn be⸗ mächtigen. Acht Tage bedingte er ſich Zeit zu Ausführung ſeiner Unternehmung, und 3 gab ſich in gemeiner Kleidung eines Kne gehüllt nach der Burg, wo er Dienſte ſuchte. Willig ward er von dem Kommandan⸗ ten aufgenommen, denn ſein ſtarker Kör⸗ perbau und der Muth, der aus ſeinen Au⸗ gen blitzte, verrieth einen tüchtigen Käm⸗ pfer; mit Eifer trat er ſeine neue Dienſt⸗ leiſtung an, vorzüglich aber hielt er ſich an 15²2 den Burgvogt, einen Trunkenbold, wel⸗ cher das größte Vergnügen daran fand, nens hn der neue Knecht von verſchiede⸗ nen Abenteuern im Oriente erzählte, wobei ein Becher um den Anderen geleert wurde. In einigen Tagen ſchon hatte er das Zutrauen des Alten errungen, und da ſei⸗ nen Späherblicken nichts entging, hatte er bald den Ort entdeckt, wo der Alte die Sclüſſel zum Thore und dem kleinen Aus⸗ — fallpfͤrtchen verwahrte, von welcher Ent⸗ deckung er nun den größten Nutzen erwar⸗ tete.— 86 Sobald er daher durch einen vertrau⸗ ten Freund Nachricht erhielt, daß die Ver⸗ bündeten ſich bereits gänzlich geſammelt hatten, benützte er die Gelegenheit, da der Burgvogt, bereits von zu vielem Weine be⸗ nebelt im tiefen Schlafe lag, und entwen⸗ dete ihm die Schlüſſel.— Mitternacht war herangebrochen, Alles 153 1 im Schloſſe lag im tiefen Schlafe, Rado⸗ mar aber benützte dieſe Gelegenheit, ſchlich ſich heimlich nach dem Hintertheil der Burg und öffnete das Ausfallpförtchen. Schon harrten die Getreuen ſeiner, ſie ſchlichen leiſe herein, und zugleich ſtürmten die Uebrigen auf die Mauern, wo ein wüthendes Gefecht begann, als aber die in der Stille Hereingelaſſenen den Ver⸗ theidigern in den Ruͤcken fielen, und den Uebrigen das Hauptthor öffneten, da war bald die Burg in den Händen der Feinde. Doch mit dieſem allein konnte man ſich nicht begnügen, leicht konnte der junge Prinz durch irgend einen geheimen Ausweg. den Siegern entriſſen werden; ſobald daher Rembert von Waldſee durch das Ausfall⸗ pförtchen in die Burg geſchluͤpft war, lei⸗ tete ihn Radomar, ohne den Ausſchlag des Sturmes zu erwarten, nach der Woh⸗ nung des Prinzen, die vor der Thüre ſte⸗ 1⁵⁴ hende Wache wurde zu Boden gehauen, und als der Jüngling eben durch den Tu⸗ mult vom Schlafe erwachte, trat Rembert an ſein Lager, und verkündete ſeine Freiheit mit der herzlichen Bitte, ihm zu folgen⸗ und durch die Zuſtimmung der Landsſtände von der läſtigen Vormundſchaft befreit zu werden. Herzog Albert hatte zu viel Liebe und Zutrauen zu dem edlen Waldſee, um ihm nicht augenblicklich zu folgen, und ſo ward er denn, nachdem die Vertheidiger der Burg alle beſiegt waren, im Triumphe nach Eigenburg gebracht.— Schon waren die vorzüglichſten Land⸗ ſtände vorbereitet, auf das erſte Aufgebot eilten ſie nach der Burg, und in allgemei⸗ ner Sitzung wurden die Vormünder der Re⸗ gierung enthoben, und ſelbe Alberten, den ſeine anwachſenden Johre bereits hierzu fähig machten, übergeben. Im Triumphe ward de lunge ven 4 15⁵ nach Wien gebracht, wo er unter den fteu⸗ digſten Zurufungen des Volkes empfangen, und ihm mit den wonnevollſten Hoffnun⸗ gen einer künftigen, durch den Frieden entſpringenden Glückſeligkeit die Regierung übergeben wurde, die Herzoge aber gaben ſich, nachdem ſie alle Hoffnung verloren hatten, nach den ihnen eigenthümlichen Provinzen zurück. Auch ſchien die Hoffnung der Oeſter⸗ reicher nicht auf Sand gebaut, denn der junge Albert beſaß ſo herrliche Geiſtes⸗ und Gemüthsgaben, daß Kaiſer Sigmund ſich verlauten ließ, er ſchätze jene Reiche für glücklich, denen ein ſolcher Beherrſcher zu Theil würde, daher er ihn auch unter ſo vie⸗ len Mitwerbern am würdigſten erkannte, und ihm ſeine einzige Tochter und Erbin der ungariſchen, und bohmiſchen Krone, Eliſa⸗ beth zur Gemahlin im Jahre 1422 liherließ “ Neuntes Kapitel. —.e— Kriegeriſche Szenen. Das Glück ſchien Alberts Schritte zu be⸗ günſtigen, trotz allen Widerſetzungen der verwittweten Königin Barbara in Ungarn und des Statthalters Podiebrad in Böh⸗ men wurde er doch in beiden Ländern als König gekröͤnt.— Riadomar, welchen Albert vordiglich liebgewonnen hatte, und ein Theil der Bun⸗ desritter begleiteten ihn auf allen ſeinen Zügen.— Aber noch ſollte eine neue Krone ſein Haupt ſchmücken, Kaiſer Sigm nd ſtarb, und die Churfürſten wählten zu Frankfurt, 157 der vortrefflichen Hoffnungen wegen, welche die ganze Welt von ihm gefaßt hatte, Al⸗ berten zum Reichsoberhaupte. Die höchſte Stufe des Glückes ſchien er erreicht zu haben, aber leider mußte auch Albert bald den Beweis liefern, wie ver⸗ vergänglich das Glück der Menſchen ſey, und daß der höchſte irdiſche Glanz ſo leicht vertilgt werden könne, wie das Bild der ſtral⸗ lenden Sonne von den Wolken des Sturmes. So viel Albert dem Flammenbunde zu danken hatte, ſo ſah er doch nur zu gut ein, wie gefährlich ein ſolcher Bund, deſ⸗ ſen Macht von Tag zu Tag zunahm, in der Folge werden könne, er berief daher alle Glieder desſelben zuſammen. Jeden Einzelnen ſuchte er durch Ge⸗ ſchenke und Ehrenzeichen zu entſchädigen, den Bund ſelbſt aber löſte er auf, indem der Bund der Treue gegen Fürſt und Va⸗ terland der Schönſte ſey, wozu ohnehin jeder einzelne Bürger durch die Stimme der Natur verpflichtet ſey. Nur Radomar und einige der vorzüg⸗ lichſten Glieder wurden unter ſeine Leib⸗ wache aufgenommen.— Die Acht von dem Vater des Erſte⸗ ren ward aufgehoben, und er mit ſo vielen beträchtlichen Guͤtern und Einkünften be⸗ ſchenkt, daß er immer unter die Vermögen⸗ deren des Landes gezahlt werden konnte. Bald darauf hatte der kriegeriſche Sul⸗ tan Amurath die an Ungarn angrenzenden Provinzen mit einem gewaltigen Heere überzogen, und Albert ſah ſich genöthiget, ſeine Woffen gegen dieſen damals ſchon un⸗ gemein gefährlichen Feind zu wenden. Alles wurde nun aufgeboten durch Macht den Namen des geliebten Fürſten bei Züchtigung der Feinde zu verherrli⸗ chen.— 83 Von allen Seiten ſtrömten die tüßn⸗ 3 159 ——— ſten Ritter mit ihren Bewaffneten herbei um unter den Augen ihres Herrſchers die glänzendſten Proben ihrer Tapferkeit abzu⸗ legen; die Vertilgung des Feindes ließ ſich vorausſehen, aber im Buche des Schickſa⸗ les war es anders beſchloſſen.— Alberts Heer wurde zuerſt durch einen Aufruhr, dann aber durch eine anſteckende und furchtbar um ſich greifende Seuche ſo geſchwächt, daß er nichts von Bedeutung unternehmen konnte. Aber auch über ihn ſelbſt, über die Hoffnung ſo vieler Nationen war das To⸗ deslos verhängt. Er hatte ſich durch zu viel Melonen eſſen eine tödtliche Ruhr zugezo⸗ gen, und wollte ſich alſo nach Wien bringen laſſen, allein die Wuth der Krankheit nahm ſo heftig zu, daß er Unterwegs verſchied. 1 Auch Radomar wurde von der anſte⸗ kkenden Seuche befallen, und wurde nach einem Hoſpitale gebracht, doch widerſtand ſeine rieſenhafte Natur ihrer Wuth, und allmählig betrat er den Weg der Beſſerung wieder.— Nun war ſein ernſter Vorſatz, ſich nach Oeſterreich auf ſeine Güter zu bege⸗ ben, um dort in ſtiller Einſamkeit, ferne vom Getümmel der Welt ſeine Tage zu verleben, denn der Tod ſeines erhabenen Freundes Albert hatte noch mehr mit Dü⸗ ſternheit und ſchmerzhaften Erinnerungen ſeine Seele umgeben. Langſam ſetzte er ſeiner Schwächlich⸗ keit wegen ſeine Reiſe fort, und doch war ſchon dieſe Reiſe der noch nicht her⸗ geſtellten Geſundheit wegen für ſeinen Körper zu beſchwerlich, er fühlte ſich ſehr erſchöpft, und war froh eines Abends, wo er ſich der Pflege höchſt beduürftig fühlte, ein Stift zu erblicken, wo er Unterkunft erwarten konte. 4 . Zehntes Kapi tel. —,— Das Wiederſehen. Es war ein adeliges Frauenſtift, in wel⸗ chem ſich die adelichen Bewohnerinnen der Pflege auf der Reiſe Erkrankter widmeten. Er fand dort willige Aufnahme in dem für erkrankte Männer beſtimmten Lo⸗ kale, und— mußte nicht nur durch meh⸗ rere Tage das Lager hüten, ſondern auch 1 nach erfolgter Beſſerung geſtattete ihm der Arzt nicht, ſich vor mehreren Tagen wie⸗ der zu entfernen. Radomar.— 41 — Nun hatte e er Renhe genug, den Aufenthaltsort nä äher zu betrachten,— und er unterhielt ſich von einem getreuen Stifts⸗ diener begleitet in dem prächtigen Schloß⸗ garten. Lange ſchon war ihm ein kleines, go⸗ thiſch gebautes Hänschen aufgefallen, mit . buntfarbigen Glasfenſtern geſchmuckt, wel⸗ ches einer Kapelle ahnlich ſah, doch zu einem ordentlichen„Gortesdienſde viel zu klein war. K11 11411 ans „»Sagen mir doch, mein Lieber,« ſprach n bends 85 domar, welcher mit dem Silihrm. h de wu ,. zu⸗ Keune 11 ſ agen,„ doch die 12 reer an k ſa Fäa mit Pum Wr 41* 1463 fremde Dame hieher, welche wegen Kränk⸗ lichkeit Unterkunft forderte und erhielt.« In der That, Herr! ich bin weit und breit in der Welt herumgekommen, aber ſolche Schönheit habe ich noch nie ge⸗ ſehen, auch ſchmückt ſie noch weit mehr hohe Herzensgüte und Sanftmuth, und ſie mochte wohl trotz ihrer Jugend ſchon viele Schläge des Schickſals erduldet haben, 3 denn ihr ganzes Betragen zeigt von innerer, tiefer Schwermuth. 100 426 neen haDer Aufenthalt hier mochts ihr zu⸗ Häpgt haben, denn unſere Damen find— von der gewöhnlichen Eingeſchränktheit ſol⸗ cher Stifter weit entfernt, und leben in ſeltener und daher Leenennbanunde Elutenhi zuſammen.« Nic d „Sie machte alſo der Whewuſteerin den n Pateag hier zu bleiben, jedoch ohne ſich dem Stifte einverleiben zu laſſen, und daſie beträchtliche Schätze zu beſitzen ſcheint, 11* 5 1 3 164 —— wurde ihr Antrag mit Freuden bewil⸗ liget.⸗ »Da erbat ſie ſich nun dieſes kleine Gebäude aufführen zu laſſen, wo ſie nun einſam oft ganze Stunden hinbringt.⸗— »Da übrigens ihr Lebenswandel ſo ganz ſtill und ruhig iſt, bekümmert man ſich wenig um ihr Thun und Laſſen, und ſie lebt hier ruhig und gleichſam ganz ab⸗ geſondert von der Welt.⸗— »In der That,« ſprach Radomar, „du reizeſt meine Neugierde im höchſten Grade, wäre es denn nicht möglich das Innere dieſes Gebäudes näher zu betrach⸗ ten.— Dieſen Wunſch kann ich euch wohl gewaͤhren, ich will euch hinbegleiten, wenn die fremde Dame nicht zugegen iſt, denn täglich bringt ſie mehrere Stunden hier in der Einſamkeit zu.— Laßt mich alſo vor⸗ 468 ber noch ſehen, ob alles geheuer iſt.— Er ging und kehrte bald zurück.— „Die Kapelle iſt leer,« ſprach er, ihr mögt hineingehen, aber müßt ja nicht zu lange verweilen, denn die Zeit iſt doch et⸗ was unbeſtimmt, wenn ſie ſich hier ein⸗ findet.⸗ »Ihr mögt indeſſen die verſchiedenen Gemählde betrachten, während ich noch ei⸗ nige andere kleine Verrichtungen beſorge.⸗ Radomar trat daher in die kleine Hal⸗ le, er bewunderte verſchiedene Gemählde von nicht unbedeutender Meiſterhand, wel⸗ che an den Wänden aufgehängt waren, aber ein Monument aus ſchwarzem Mar⸗ mor, welches in der Mitte der kleinen Halle ſtand, erregte ſeine ganze Aufmerk⸗ ſamkeit. Es war ein einfacher Sarg mit gol⸗ denen Löwenköpfen verziert, oben befand ſich die Statue eines Ritters im vollen 1466 ——:—:—;——H Hᷣñ Waffenſchmuife, unten aber ſtanden mit goldenen Vuhſohen ddien Worte: ni 10 1„Das höchſte Staunen ergriff den Rit⸗ ter bei Leſung dieſer Worte.— Jetzt erſt elen ihm die Gemählde beſſer auf,— er 3 ſoh zwei Ritter im Kampfe, und neben ihnen einen alten Türken mit einem Mäd⸗ chen, auf dem andern Gemählde war ein unterirdiſches Gewölbe, wo eben ein Mädchen eingenlauert werden ſollte, wäh⸗ rend bewaffnete Türken zu ihrer Befreiung herbeiſtürmten, das dritte ſtellte ein türki⸗ ſches Zelt vor, in welchem der alte Turke ſegnend ſeine Hand auf das Mädchen und den Ritter legte. AisInno. Das Bietts aber ſtellte einen Meerſturm or, wo leben ein Schiff an einst Belſat Ae ſcheiterte. Bzuid au — 467 auf Bei dem allmächtigen Gotte, daßtiſt aneine Geſchichte,« rief Radomar.»Wer vum äller Welt willen kann ſo genan von meinen Begebenheiten unterrichtet ſeyn, und was fann a leri nodh 4 Whanderei er⸗ Aäßente en Io 448 Noch tprach er mit ich d’ſt;,„ da ver⸗ nahm er, daß Jemand ſich dem Eingange nähere, und da er nicht gerne geſehen ſeyn wollte, zabdgbt 3 er ii in den G handen einer Säulen ent ni Bald darguß trat eine nskauengeftal herein, tief in Schleier gehüllt, gleich zeinem geiſtigen Weſen ſchwebte ſie langſam gegen das Monument/ wo ſie auf ihren Knien in bethender Stellung blieb. n 2Radomar horte ſie deutlich ſchluchzen, nand er ſelbſt befand nch anu in de aacſhan Erwartung. „Taut begann die Gethende zu ſctug⸗ 1 zen, gjetzi zog ſie ein Tuch⸗ Hnues and ———— . 168 ſchlug den Schleier zurück, um ſich eine Thräne zu trocknen.— Hell beleuchtete der Schein der von oben herabhängenden Lampe ihr Geſicht.— Radomar blickte hin, o Himmel, wie ward ihm zu Muthe, als er augenblicklich Fatimens Züge erkannte, er war ſeiner nicht mehr mächtig.— „Fatime,« rief er, und ſtürzte her⸗ vor,— da riphtete ſich die Frauengeſtalt auf, ſie blickte in das Geſicht des Ritters und mit einem lauten Schrei ſtürzte ſie zu Boden. In dem Augenblicke trat der Diener in die Kapelle und eilte mit Radomarn der Ohnmächtigen zu Hilfe. 8 1 Sie erholte ſich— es war Fatime;— doch nichts von den Aeußerungen der höchſten Freude, bei dieſem unvermutheteten Wie⸗ derſehen.— Allmählig richtete ſich Fatime wieder empor, aber die ſchnelle Freude Boot, in welchem ſie ſich befand auf den 169 hatte zu ſtark auf ihre Nerven gewirkt, ſie fühlte ſich unendlich ſchwach, und wurde durch den Diener nach ihrem Gemache ge⸗ bracht. 1 Radomar aber harrte in der heftigſten Unruhe, bis ihm vergönnt ſeyn würde, die Wiedergefundene zu ſprechen. Mit Erlaubniß der Vorſteherin des Sttiftes wurde ihm dieß endlich bewilligt, und auch hier bedurfte es noch lange Zeit, ehe ſie ſich einem ruhigen Geſpräche über⸗ loſſen konnten, die Gluͤcklichen, welche ſich nun ſo unvermuthet fanden, da ſie ſich ſchon lange als todt betrauert hatten;— Fatime begann nun ihre Erzählung: In der größten Gefahr ſchwankte das ſtürmiſchen Wellen, und ſchon ſahen ſie alle den Tod vor Augen, als endlich der Sturm ſich legte; aber nun drohte ihnen eine andere Art des Todes, denn bel der 470 ſchnellen Flucht war es nicht möglich ge⸗ weſen, auf 6 von Scdehsfhtt tolndzurdenken,(don 12n2 iug Von der heftigen Anſtrengung ermat⸗ ttet quälte ſie nun auch Hunger und Durſt, und ganz ohne Kräfte fanken ſie in ſtumme Betäubung dahin, ſich ganz ihrem trauri⸗ agen Schickſale überlaſſend,,“i n Sb wan in Noth und Elend der zweite Tag vacheſſtna da aohſten ſes von ncha Keiehifane nabidus rnis 20Fetzt uſten keimge ihre tagten aräfte iſandans„ num durch Schwingung von Tuͤchern ſich bemerkbar zu machen, noi . Zum Glüche entging dieß den Vor⸗ überſchiffenden nicht, bald nahte ich ein großes Boot) welches das der Schiffbrüͤ⸗ higen ins Schleppthau nahm, und ſis ſo endlich an Bord der Galeere brachte, wo ſie die nöthige Verpflegung erhielten, 2 171 un 10 Ohne weitere Gefahr landeten ſie an der Küſte von Dalmatien, und Fatime be⸗ gab ſich nach Ungarn, hier erlagen endlich ihre Kräfte den zu vielen Anſtrengungen und dem Kummer üͤber den Verluſt des Geliebten, denn her vor heta Anch i in die „Fluthen ſtürzen ſah. 196 Sie fand nutratge Aufnahme in dem adelichen Frauenſtifte, und da ſie hier am erſten⸗ rüͤhigen Aufenthalt erwarten rkonnte, ſo beſchloß de aie Whie abe zu⸗ aud gen. 1127 An Geld fehlte es ihr nicht, denn ſie ptee ihr eſagan mit den Jiwelen Luad lich gerettet. Sobald ſie daher in dem Sufte als einheimiſch betrachtet wurde, war ihr erſtes Geſchäft mit Erlaubniß der Oberin dem Anvenken ihres Radomars die kleine Kapelle erbauen und einrichten zu klaſſen, wo ſte nun täglich mehrere Stunden zubrachte, “ — 17²2 um des Geliebten trauriges Schickſal zu beweinen. Nun hatte durch die Macht der Vor⸗ ſehung das Ganze eine andere Geſtalt ge⸗ nommen. Sie hatten ſich wieder gefunden und konnten den Gedanken an eine abermalige Trennung gar nicht faſſen. Fatime übergab der Vorſteherin ein Geſchenk von bedeutendem Werthe an Ju⸗ welen, und ſchickte ſich an, mit Radomarn nach Oeſterreich zu reiſen. Während dem aber hatten in dieſem Lande die Unruhen aufs Neue wieder über Hand genommen, und die unaufhörlichen Fehden wütheten wieder wie früher. Zahlreiche Räuberbanden hatten ſich organiſirt, ſie überfielen ſogar Ritterſchlöſ⸗ ſer, mordeten oder vertrieben die Bewoh⸗ ner, und ſtalteten ſie zu Raubneſtern um. 173 Vorzüglich geeignet war ihnen hierzu die alte Veſte Finſterau,— der Vogt mit ſeinen Leuten wurde daraus vertrieben, und nun hauſten dort die Räuber nach Willkühr; um aber jeden unberufenen Späher aus ihrer Rähe zu verbannen, war bald das Gerücht verbreitet, daß böſe Geiſter dort ihren Wohnſitz aufge⸗ ſchlagen haben, und wirklich hörte man oft gegen Mitternacht ſchreckliches Ge⸗ heul, und man ſah weiße Geſtalten auf den Wällen im ſchauerlichen Todtentanze herumſchweben.— Bei dem ſchrecklichen Aberglauben der damaligen Zeit war nichts leichter als ſolche Gerüchte zu verbreiten, und bald verödete die Gegend; Niemand wagte es mehr, ſich ihr zu nähern.— Die Räuber aber, welche ſtets ver⸗ mummt nur in fernere Gegenden auf 1 Beute ausgingen„nk ungeſtört ihr Unweſen ſtreiben, Beute⸗ und Gefangene nach der Burg ſchleppen, und dort ganz 18 1I 41743] läch Gutdünken hauſen, in K rere Freunde zu finden hoffte, und zugleich alle zanſettn nusWomaßs mit Fati⸗ 5 unant thaßß u andimm d21) a . 8 1 „Ner nene 2unde w. ſce bedanets nun Radnar wWel cher ſchon unterwegs alle dieſe Ereigniſſe vernahm, die Aufloſung des Flammenbun⸗ des, durch welchen doch ſa d veAa nunbaie deſtenent worden war. n⸗ 114 10 Ernbegab ſich nach Wien, wo er meß⸗ 176 Wirklich fand er der ehemaligen Bun⸗ desglieder mehrere, welche ſich bereitwillig zeigten, ihm Beiſtand zu leiſten, doch war ihre Kraft zu beſchränkt, und zur Vertil⸗ gung der Räuberbanden war ein? bedeutende Macht erforderlich. Radomar bemühte ſich alſo aus den Umgegenden Söldner anzuwerben, auch ſeine Freunde thaten das Gleiche, und ſo brachten ſie endlich eine bedeutende Schaar zuſammen. Auch Wiens Bürgermeiſter trat auf Radomars Seite, und ließ den Zug durch mehrere Stadtwappner verſtärken. So gerüſtet zogen ſie endlich den Ge⸗ genden des Wienerwaldes zu,— in deſſen dichten Schatten ſie ſich verbargen.— Die Nacht war hereingebrochen, Ra⸗ domar und noch einige Ritter, da ſie keine Sehnſucht nach Schlaf fühlten, wanderten im Gebuͤſche umher, und kamen ins Ge⸗ 177 ſpräch vertieft der Burg ziemlich nahe, da gewahrten auch ſie beim hellen Monden⸗ lichte mehrere weiße Geſtalten auf der Mauer, welche unter den ſeltſamſten Wen⸗ dungen herumſprangen. »Es geht nun einmal hier nicht mit rechten Dingen zu, wie wäre es denn, wenn wir als Geiſter wider die Geiſter kämpften?« »Wißt ihr denn keinen geheimen Weg in die Burg, welches euch doch wohl, als dort aufgewachſen, bekannt ſeyn müßte?— „»Wohl wußte ich damals einen gehei⸗ men Weg,« erwiederte Radomar,»wenn er nicht bereits durch die Länge der Zeit ein⸗ geſunken und verſchüttet worden iſt. ⸗ »Gut, wir wollen es durch einige vertraute Knechte unterſuchen laſſen;— doch horch! hört ihr nicht in der Ferne Waffongeraſſel?— ein ich täuſche mich nicht;— unſere Nähe iſt den Ränbern ver, Radomar. 3 1 ½ 8 * 1 —, 178 rathen, und ſie kommen zu einem Ueber⸗ falle herbei,— laßt uns eilig aufbrechen, und unſere Leute bereit halten«⸗— Sie eilten ſchnell nach dem Verſamm⸗ lungsorte zurück, und in wenig Minuten ſtand alles unter den Waffen— Radomar hatte ſich nicht geirrt;— er zog mit einem kleinen Häuflein vor⸗ wärts, und plötzlich ſtürzte eine ungeheure Schaar aus dem Gebüſche hervor.— Doch auch die im Hinterhalte lauernden Leute der Ritter brachen nun hervor, und ein allgemeines, wüthendes Gefecht begann.— Viele der Räuber lagen dahin ge⸗ ſtreckt, die Andern ſuchten ſich Ruuch die Flucht zu retten.— Unter den liegen gebliebenen Räubern war einer, obgleich mit Wunden bedeckt, noch am Leben geblieben. Sobald daher dieſer gehörig verbun⸗ den war, wurde in ihn gedrungen, die — — 49 Anzahl der Vertheidiger des Schloſſes an⸗ zugeben, und ob der unterirdiſche Gang noch brauchbar ſey. Als er dieß be⸗ jahte, da trat der Ritter hervor, und bat ihn ſeinen Plan vollziehen zu laſſen. Die Ritter waren, damit zufrieden und zogen alle mit ihren Wuten ſich weiter zurück, denn erſt die folgende Nacht war zum Sturme beſtimmt; während dem aber war ſchon mit Tagesanbruch ein Knecht nach der Stadt geſprengt, welcher dann mit einer Kiſte gegen Abend ſpät zurück⸗ kehrte.. Nun wurden alle Anſtalten zur be⸗ vorſtehenden Unternehmung getroffen. Zwanzig wohl verſuchte Knechte muß⸗ ten ſich in die Kleidung und Rüſtung der erſchlagenen Räuber werfen und ihr Feld⸗ zeichen umnehmen— auch nahmen ſie Tod⸗ tenlarven um, welche der Ritter aus der Stadt ſich hatte bringen laſſen. Dieſer, 12 ⁴ 180 Radomar und noch Einige nahten ſich nun dem Orte, wo der unterirdiſche Weg ſich im Geſtrippe öffnete, während die Haupt⸗ macht zum Ueberfalle der Burg ſelbſt her⸗ anrückte. So zog nun Radomar mit ſeinem Häuflein durch den unterirdiſchen Gang fort, und kam bis in das Innere der Burg, als bereits von Außen das Getöſe des Kampfes erſcholl.— Wüthend wurde von beiden Theilen auf der Mauer gefochten. Jetzt brachen aber die Uebrigen aus dem unterirdiſchen Gange hervor.— Die Räuber erkannten Waffen und Kleidungen der Ihrigen, und prallten bei dem Anblicke der Todtengeſich⸗ ter zurück.— „Ihr ſeyd verloren, denn die Unter⸗ 1 welt fordert ihre Opfer!« rief Radomar, und bald fühlten die Räuber die wirklichen Kräfte ihrer Gegner, ſie ſahen ſich von ——— 181 Innen und Außen zugleich angegriffen, und wurden endlich trotz der tapferſten Gegen⸗ wehr übermannt. Die Burg war erobert, und auch nicht 3 einer der Vertheidiger war am Leben ge⸗ blieben. Ungeheure, zuſammengeraubte Schätze fanden ſie, und die geworbenen Söldner wurden ſo reichlich belohnt, daß es ihre kühnſten Erwartungen übertraf, und ſie noch lange von dem verſtellten und wirkli⸗ chen Todtentanze im Wienerwalde zu ſpre⸗ chen hatten. Während nun Radomar ſeine Burg wieder herſtellen ließ, begab er ſich mit ſeiner Gattin Fatime nach Wien zurück. Viele Ritter kamen nun zu ihm und beſchwuren ihn, aufs Neue den Flammen⸗ bund zu organiſiren, welches um ſo noth⸗ wendiger und erwünſchter ſchien, als die im⸗ merwährenden Streitigkeiten, welche Fried⸗ 132 rich mit ſeinen Nachbarn und den eigenen Unterthanen hatte, nur dazu diente, die Un⸗ ruhen, Fehden und Räubereien zu vermehren. Wirklich, ſobald ſeine Veſte nach Wunſch hergeſtellt war, ſammelte er gegen dreyßig Ritter um ſich, welche ein Schutz⸗ und Trutzbündniß gegen ihre gegenſeitigen Feinde errichteten, und Radomarn zu ihrem Haupt⸗ manne erwählten. Vergebens bat Fatime ihn, ſich nach vielen überſtandenen Gefahren der Ruhe zu überlaſſen. So innig er ſie liebte, ſo galt ihm doch die Ehre und der Ruhm noch mehr, in ſeinem Vaterlande Sicherheit und Ruhe herzuſtellen und zu erhalten. Bald hatte Radomars Bund ſeie vorige Stärke wieder erreicht, welches umm ſo nothwendiger war, als durch den Krieg mit Mathias, König von Ungarn, Fried⸗ ich die öſterreichiſchen Staaten verlaſſen — 1833 mußte, und alſo die Zügelloſigkeit um ſo allgemeiner einriß. Aber nicht lange genoß Mathias den Triumph, in Wien zu reſidiren. Er ſtarb zu Wien in ſeiner Hofburg im 47. Jahre ſeines Alters, und nun in⸗ 2 2 derte ſich plötzlich die Scenes. Kaiſer Friedrich's Sohn, der große Maximilian, Maan bald Truppen im Reiche, und nahm damit Oeſterreich in Be⸗ ſitz, das nun wieder an ſeinen rechtmäßigen Herrn zurückkam.— Friedrich brachte nun die letzten Jahre ſeines Lebens in Ruhe zu, wobei ſeine Länder wenig Nachtheil hatten, da der thätige Maximiliagzſich mit allem Eifer der Regierung annahm. Des neuen Herrſchers erſtes Geſchäft war es nun, den allgemeinen Landfrieden bekannt zu machen, und ſelben mit aller ihm zuſtehenden Macht zu behaupten. Die por⸗ 4843 züglichſten Raubſchlöſſer wurden nun zer⸗ ſtört, und wer es wagte den Frieden zu brechen und Räubereien auszuüben, wurde mit dem Tode durch Henkershand beſtraft. So ward denn auf einmal die eiſerne Geiſel vernichtet, welche bisher über Oeſter⸗ reichs geſegnete Fluren herrſchte. Die Segnungen des Friedens began⸗ nen ſich wieder zu Luls en⸗ und Rado⸗ mar hob nun ſelbſt den nicht mehr noth⸗ wendigen Bund auf. Er lebte in Ruhe und glücklich durch Liebe bei ſeiner Fatime, bis endlich auch ſe beide abgerufen wurden in die ewigen Wohnungen des Friedens. Sazeu,, 1 ffffffffffffn 14 15 16 17 18