₰☛ bibl Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Seih- und Ceſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen.— 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen... 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 8 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: für whchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ’——;——— auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. ,3—„„ 3„„„ 5. Auswärtibe Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defeete Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 8. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. ——— 9 9 ae Wr 22. — die eigentliche, wiewohl rniculdige urjache 8 der Entzweiung war, zechend im Mitter⸗ ſaale, aus welchem der Jubel der von Weine erhitzten Ritter zu der ſtillen Kauſe Bertha's hinuͤberſchallte. Zwiſchen dieſem 4 Jubel herbor zuungen ein Mal über 1 I dumpfes Dahinſtarren, und ließ den Thraͤ⸗ nen aus ihren Beuhen blauen Augen freien ——ͤͤ—— —— 4 heiter verlaſſen hatte. Die Urſache der Thraͤnen war ihr voͤllig unbekannt, und weil Beide nie Geheimniſſe vor einander hatten, ſragte ſie ihre Gebieterin, die mehr ihre Freundin war:„Warum in Thraͤnen, und ſo bittern Thraͤnen, wie es ſcheint, . theudee Bertha?“ Schluchzend berichtete ihr Bertha, daß Wacbers des ſo innig geliebten Adalberts Schickſal ihr dieſelben auspreſſe. Adalbert naͤmlich, der gefangene junge Ritter, war, da vordem ſein Vater und Hans Freunde waren, ihr Jugendgeſpiele, ſie waren als MRachbaren oft beiſammen, und ſo mit ein⸗ ander aufgewachſen, Bertha zur blüͤhenden 8. Jungfrau, Adalbert zum ſchoͤnen kraͤftigen Wängüng. Was 5Mßßer, sgeen ale Stelle der Worte vertreten, und waren ken in den Armen gelegen, und dabei ver⸗ maͤchtige Hebel, die Liebe, ſich maͤchti Beider Wiſſen, an Beider Herzen fe hatte? Gefuͤhlt hatten Beide, daß ih n etwas fehle, wenn ſie einander fern waren, 8 Keins hatte aber einen Laut gegen das An⸗ dre entſchluͤpfen laſſen, Blicke hatten die tiefer in das Heiligthum der Herzen ein⸗ gedrungen, als der Schall der Worte es nur immer vermag. Oft hatten ſie, als Maͤdchen und Knabe, einander wonnetrun⸗ ſichert, wie gut ſie es mit einander mein⸗ 4 nen; allein mit ihrer Mannbarkeit hatte 59 d die eherne Scheidepand des Anſt Adalbert, der kraftvolle Juͤngling, hatte auf mehrern Turnieren einen Preis er⸗ kämpft, war in mehrern Fehden unter der Zahl der Sieger geweſen, und wuͤnſchte nun ſehnlich, zumal da ſein Vater altete, ſich ein holdes Weib heimholen zu koͤnnen, um dieſem ſeine letzten Jahre durch ihre liebende Sorgfalt angenehm zu machen; daß ſeine Augen auf niemand anders als auf Bertha gelenkt werden konnten, laͤßt ſich denken. Er trug ſeinem Vater ſeinen Wunſch in geziemenden Worten vor, und 1 erfreute ſich der Genehmigung deſſelben; doch ſchlug es ihn nieder, daß derſelbe ach⸗ ſetzuckend und kopſſchuͤttelnd ſich von ſei⸗ nem Seſſel erhob, und ſinnend im Saale auf⸗ und abſchritt. Das Schweigen wur⸗ de ihm endlich zu lang, er trat ſeinem — —ÿ——— —— 8 7. Vater entgegen, um ihn aus ſeinen ſinnen zu erwecken, dieſer bemerkte hn i 3 doch nicht, ſo tief war er darin reßnnten; Adalbert mußte ihn anreden, um zu ſei⸗ 4 nem Zwecke zu gelangen, er fragte alſo, woher ihm auf einmal dieſer ungewoͤhnli⸗ che Ernſt und dumpfes Nachſinnen komme?— Er erhielt kurz, doch liebevoll zur Antwort: „Denk an unſern und Hanſens Reichthu — 4 und Du wirſt Dir mein Nachſinnen meh als zu gut erklaͤren koͤnnen.“ Betroffen ſchwieg Adalbert. Nach einer Pauſe fuhr ſein Bater ſfont: Wint der dhe Puns 1 Sire Sen ——— „Ho, ho, Vater, das muß er, ich will es ſchon darnach treiben, daß meine Thaten ſeine Schatzkammer an Werth uͤberbieten, unnd dann kann mir es mit Gottes Huͤlfe auch an Guͤtern nicht fehlen; von nun an ſſoll mir meine Tapferkeit etwas eintragen, 8 und— gut und froh zu ſeyn, braucht man ja eben kein ſo uͤbermaͤßig reicher Mann zu ſeyn; wir haben unſere eine Burg, und ſind mit unſern Unterthanen ſtets ſo froh und zufrieden geweſen, als es der alte Hans nur immer mit ſeinen vie⸗ len ſeyn konnte. Und zudem ſeyd Ihr ja alte Freunde, auf die haͤlt ja Hans.“ „Das gedenke ich auch, ſoll, er bebenken, und mir mein Geſuch, das ich in Deinem im oraus anbringen will, erfuͤl⸗ Nit Bertha glaube ich, hat es nichts 8 ——— leicht; mir ahnet ein harter Stand beim alten Hans, er wird Augen machen, we ich ihm mein Anliegen erofff zu bedeuten.“—„O, Vater, Baterl bas 3 holde liebe Geſchoͤpf will gewiß die Meine werden, ich muͤßte mich entſetzlich getaͤnſcht haben. Ihr haͤttet ſie ſehen ſollen, wie ſie mir auf dem letzten Turniere das Schwert reichte, wie ihr die Freude des Herzens, daß ich Sieger war, aus den Augen glaͤnz⸗ te; wie gern haͤtte ich mein Knie noch einmal vor ihr gebeugt, und ihr mein treues Herz aufgeſchloſſen, wenn die Men⸗ ge der Beobachter nicht geweſen waͤre. Nein, um die bangt mir nicht.— Vater, wenn reiten wir hinuͤber auf Burg Adler hoͤh, um unſere Sache ins Reine zu brin⸗ 8 gen?“—„Mein Sohn, denke Dir es nicht Pah, wird er ſagen, thoͤrichter Einfall von deinem Jungen, dem Milchbart.-“„Vater! ſiel ſchnell Adalbert ein,„das ſoll er nicht, ſonſt—“ er ſchlug an ſein gutes Schwert. —„Nun, ſonderbarer Kauz, hat Dir denn die Liebe den Kopf ſchon ſo ganz eingenom⸗ men und verwirrt, daß Du gleich in Al⸗ les mit dem Schwerte ſchlagen willſt? Hier gilt es Ruhe und Überlegung. Ich 4 hoffe denn doch fuür Dich; wenn auch der Alte im Anfange aufbrauſt, ſo werde ich och zu meinem Ziele gelangen, wenn an⸗ † ers Bertha noch für keinen Andern be⸗ ſtimmt iſt.“*—„Vater, und wenn ſie einem Heiligen beſtimmt waͤre, ich kann, ich kann b ſie nicht laſſen.*—„Nu, nu, haͤrme und enimanne Dich deshalb nicht im Voraus, umt Zeit, kommt Rath. Ich weiß wohl, ———— wmas ich dem alten Hans bin, erſt nei 11 wiederholte er es, daß er ſich ewig für meie nen Schuldner erkennen werde. O ich ge. denke mit Freuden dran, wie heiß es da 4 herging, wie Streich auf Streich fiel, und wie mir es gelang, den Todesſtreich, für 8 ihn beſtimmt, aufzufangen, und den raͤu⸗ 4 beriſchen Buben noch niederzuſtoßen; be. 4 taͤubt ſank ich zwar vom Roſſe, und laͤhmte mir dieſen Arm, daß es nun ſchwer haͤlt Schwert und Lanze zu führen; aber dieſem Stoße war auch die Fehde gewor denn Alle flohen, als ſie ihren Fuͤ ſahen. Ich ermannten mich, der 12 blieben, er hat keine Gelegenheit gehabt ſeine Verſchuldung zu heben; jetzt werde ich ihn im Nothfall daran erinnern, und ich hoffe, er wird meine Forderung billig finden. Morgen reiten wir hinuͤber, Du magſt Dich dann des Maͤdchens verſichern, waͤhrend ich den Alten fuͤr Dich gewinne.“ —„Da werde ich leichten Stand haben,“ er⸗ wiederte Adalbert;„gebe nur Gott, daß es bei Euch gut gehe, ich waͤre der gluͤcklichſte, gſte Menſch auf Gottes weiter Erde.“ beurlaubte er ſich bei ſeinem Pater, der ſein Pſalmbuch hervorlangte„ um ſich— Staͤrkung fuͤr die Nacht und das morgende 3 8* Unternehmen zu erbeten, denn er fühlte 6 wohl, daß er bein alten Hans nicht ſo gar — 3 4 151 er doch, koſte es auch was es wolle, ſei Lieblings Gluͤck befoͤrdern. Adalbert hatte ſein Lager geſucht, Vonn⸗ te aber vor wechſelſeitigen wonnigen und wehmuͤthigen Gefuͤhlen keinen Schlaf fin⸗ den; endlich erbarmte ſich ſein der Schlum⸗ mergott, er ſchlief. Aber Traͤume umgau⸗ kelten ſein Lager. Er ſah Bertha in ſei⸗ nen Armen, ſah ſie als ſeine Verlobte, und war gluͤcklich. Bald aber truͤbte ſich ſein Himmel, die finſtern Augenbraunen des alten Hans zuckten, er entriß ſie ſeiner Armen, und drohte mit Burgverließ und Kloſter; ſich ſah er aus der Burg Betwie⸗ ſen, Bertha endlich verſchwunden, mand wußte wohin ſie gekommen “ aber es iſt keine Moͤglichkeit ſie zu finden; endlich ſinkt er am Fuße eines Felſens im FSorſte zu Boden, und ſchlaͤft ermattet ein, da toͤnt ein aͤngſtlicher Ruf an ſein Ohr, es war Bertha's Stimme, er faͤhrt auf, und erblickt Bertha oben auf dem Felſen, mit einem Manne furchtbaren Anſehens kaͤmpfend, ſein Schwert entfliegt der Schei⸗ 4 de und mit Windesſchnelle eilte er hinauf;. im Augenblicke ſeines Ankommens ſinkt ſie ohnmaͤchtig zu Boden. Er ſtuͤrzt auf den Feind, nach kurzem Kampfe ſtoͤßt er ihm das Schwert in den Leib, er faͤllt, und ſturzt vom Felſen hinab. Jetzt wendet er ſich nach ſeiner Bertha, um ihr zu Huͤlfe zu eilen, ſie iſt verſchwunden, nirgends er⸗ ſiehet ſie ſein ſpaͤhender Blick, vergebens* verhallt ſein Ruf in den Felſen. Wie ein Verzweifelter eilt er vom Felſen herab. Ein neuer Schreck bietet ſich ſeinen Bli⸗ cken dar; auf der vor ihm liegenden Mat⸗ te ſieht er, wie ein ſcheußlicher Zwerg be⸗ muth iſt, ſeine Bertha, die er im Kreiſe herumjagt, zu fangen. Wuͤthend ſtuͤrzt er auf ihn los, um ihn, unwerth eines Schwert⸗ 8 ſtreichs, zu erwuͤrgen; er pakt ihn mit nerviger Fauſt; aber welch Wunder! der kleine Unhold hat ſich im Augenblicke in ein ſchreckliches Ungeheuer umgewandelt, ſein dicker Kopf iſt zum Kopfe der Hyeͤne, feine Haͤnde zu Walfatlauen 2 enne— der langen chwerzen Kutte 25 1 tger Fuchsſchwanz hervor. Kein in Wunber, 16 zu halten, und ſein Schwert zu brauchen; aber er mag Kraͤfte anwenden ſo viel er will, er bringt es nicht aus der Scheide. Welche Angſt ihn da befäͤllt, ſolch einem Ungeheuer waffenlos gegenuͤberſtehend, laͤßt ſich leicht denken. Bertha iſt waͤhrenddem, ob des Schrecks und der Mattigkeit, in ei⸗ ne neue Ohnmacht verſunken; das Unge⸗ Augen gegenuͤber. Er wagt einen neuen Angriff, er reißt das Schwert ſammt der Scheide aus dem Gurt, und füͤhrt einen Streich, aber es ſpringt ihm am Griffe entzwei. Hohnlachend ſteht das Ungeheuer vor ihm, dann bewegt es ſich nach Bertha zu ſchreiten; verzweiflungsvol dies Kind der Hoͤlle fahren laͤßt, jedo 6 fehlt es ihm keinesweges an Muth, Stand heuer ſteht ihm zaͤhnefletſchend mit blitzn⸗ 17 7 ſtuͤrzt Adalbert, den Kampf von neuem be⸗ V ginnend, darauf los, und waͤxe gewiß im un⸗ gleichen Kampfe verloren geweſen. Aber im Augenblicke der groͤßten Gefahr durch⸗ zuckt ein Blitz die Gegend, ein Donner rollt, die Erde oͤffnet ſich, das Ungeheuer verſinkt bruͤllend, blaue Schwefeldaͤmpfe ſteigen hinter ihm auf, und eine Lichter⸗ ſcheinung in weiblicher Geſtalt ſchwebt her⸗ ab, die Liebenden in ihren Schutz nehmend, ſie beruͤhrt Bertha mit einem weißen Staͤb⸗ chen, dieſe erwacht aus ihrer Ohnmacht, und die Fee, denn das iſt die Erſcheinung, fuͤhrt ſie in Abalberts Arme, dieſem ſa⸗ gend: Dein wird ſie werden, aber aus dem Vorhergegangenen ſiehſt du, daß du ſie 8 dir verdienen mußt. Deine Bertha w 4 in die Gewalt eines boͤſen Zauberers ko 48 men, aber fuͤrchte nichts, du wirſt ſie ret⸗ ten, und wenn die Gefahr zu groß wird, werde ich in eurer Naͤhe ſeyn; bleibt Beide tugendhaft, auch wenn ihr den groͤßten Verſuchungen ausgeſetzt werdet, und ſeyd meines Schutzes gewaͤrtig. Dieſe Worte ſagend und eine leiſe Bewegung mit der Hand machend, erhob ſie ſich nebſt Adal⸗ bett und Bertha, die ſie Beide umfaßt hielt, 5 und in kurzer Zeit befanden ſie ſich auf der Burg Adlerhoͤh. Adalbert erwachte und glaubte ſeiner Bertha in die Arme zu ſinken; wie ſehr erſtaunte er aber, als er gewahrte, daß er ſich auf ſei ner Vaͤter Burg, auf dem am 3 vorigen lbende beſtiegnen Lager befinde. Der Traum hatte ihn, ob der großen Leb⸗ haftigkeit, ſehr bewegt; es war noch lange 2 nicht Morgen, aber er vermochte kein Auge 8 mehr zu ſchließen, furchtbare Bilder ſchweb⸗ 5 ten ihm voruͤber. Der ſchreckliche Traum ſchien ihm eine boͤſe, doch auch ſein Ende eine troͤſtende Vorbedeutung zu ſeyn; dies darf uns nicht wundern, da im dunkeln Mittelalter der Aberglaube, wovon weder Knecht noch Herr frei war, ſo viel auf Traͤume hielt, und Alt und Jung, Groß und Klein von der Traumdeuterei hinge⸗ riſſen war. Thoͤricht war zwar oft das Beginnen, was durch einen Traum erregt wurde, dies erkannte auch Adalbert; aber dieſer Traum mochte doch nicht ganz von wolle,„Pleibt tugendhaft! ebten Werte die er im Tra men, und dieſe praͤgte er ſich ſo feſt ein, daß, wie wir aus ſeinem Handeln ſehen werden, nichts im Stande war, ihn von dem einmal vorgeſtekten guten Wege ab⸗ zubringen. Mit Gott, rief er endlich, ſich vom Lager erhebend, muß auch das ſchwer⸗ ſte Werk gelingen, Bertha wird mir der Himmel gewaͤhren, wenn er ſie mir be⸗ ſtimmt hat; meine Liebe zu ihr iſt ſo rein, und warum ſollte ſie nicht mein werden, da auch ſie ſo gut und fromm iſt. Schweigend, in ein feſtliches Kleid ge⸗ worfen, lehnte er am Fenſter, und ſchaute hinaus in den Forſt, dem Rufe des Va⸗ 4 ters wartend, da oͤffnete ſein Leibknappe* Kurt leiſe die Thuͤr ſeines Gemachs, ſpaͤ⸗ hend ob ſein Gebieter wach ſey. Da er ihn am Fenſter ſah, trat er mit forſchen⸗ n dem Auge naͤher, indem er eine gute Nacht gehabt zu haben, ihm wünſchte. Adalbert. Nein Kurt, zum beſten war ſie wahrlich nicht, boͤſe Traͤume haben mich die ganze Nacht beunruhigt. Kurt wendete dagegen troͤſtend ein: „Das iſt Folge Eurer jugendlichen Hitze; wenn Ihr, lieber Herr, in meine Jahre kommen werdet, dann werden ſie Euch nicht mehr ſo beunruhigen.“ Adalbert gab ihm Recht, doch meinte er, daß gewiſſe Traͤume in jedem Alter ſtatt finden koͤnnten, und daß auch man⸗ cher Traum eine eigne Adertung haben Könne. 22 ich in meinen aͤltern Jahren getraͤumt ha⸗ be. Einer aus der fruͤhern Zeit, wo ich Euch noch als Knabe auf meinen Knien ſchaukelte, hat mir beſonders Beſorgniß er⸗ regt; aber den Heiligen ſey Dank, bis jetzt ſſt er noch nicht in Erfuͤllung gegangen, und gebe Gott, daß es auch nie geſchehe; wohl glaube ich, jetzt mehr als je, daß ſich die Zeit der Erfuͤllung nahe. Na(mit einem frommen Blick zum Himmel) der, da oben wird es gnaͤdig lenken. Adalbert. Kurt, rede, was haſt Du für eine Ahnung. Kurt. Ach es iſt nichts, gewiß nichts, edler Herr, nur Folge des Alters und der Erinnerung an fruͤhere Zeiten. Geſtern Der Bung, und bonnt⸗ meine 3 zwanzig Jahre zuruͤck, wo ich Euch an ber⸗ ſelben Stelle auf meinen noch friſchen Knien ſchaukelte, ich freute mich dieſer ſchoͤnen Zeit. Unwillkuͤhrlich fiel mir ein Traum ein, der mir damals traͤumte, und den ich immer verſchwiegen habe. Adalbert. Nun, wenn er mich an⸗ geht, ſo erzaͤhle mir ihn jetzt, guter Alter. Kurt. Mir traͤumte, es war in der Nacht, als unſere Burg vom Raubgrafen Wolf von Drachenau uͤberfallen wurde, ich ſaͤhe Euch zu einem großen ſchoͤnnn Juͤng⸗ ling herangewachſen, ungefäͤhr des Alters, in welchem Ahr jetzt ſeyd, an der Seite einmal ſtuͤrzte ein Ungeheuer Anſehens auf Euch los, Ihr z die gute Klinge am Griffe entzwei; ich war nicht weit von Euch, aber wie von einem Zauber gehalten, vermochte ich nicht Euch zu Huͤlfe zu eilen. Auf einmal ver⸗ breitete ſich ein Lichtglanz.— Weiter traͤumte ich nicht, bei mir war es damals 3 wirkliches Licht, ich wurde geweckt, der Waͤchter bließ Laͤrm, die Burg ſollte uͤber⸗ fallen werden, ich eilte mit auf die Mauer, der Sturm wurde f fuͤr diesmal abgeſchlagen, am Morgen machten wir einen Ausfall, 5 und verjagten den alten Wolj mit ſeinem Geſindel.. Adalbert. Da ſiehſt Du ja, guter Alter, daß Dein Traum in Eifüllung ge⸗ gangen, ohne zu ſchaden.— Kurt. Wohl, edler Herr, damals, ber heute Nacht hat mir daſſelbe getraͤumt, es wird ihm bei dieſem ehrliche Aits e 4 nig fruchten. 3 Kurt. Es hat leider ſtark gefruchtet. Adalbert. Wirklich? Ha, ha. Aber biſt Du denn auch Deiner Sache ſo ge⸗ wiß? Kurt. So gewiß ich Kurt heiße edler Herr. Ich habe den Schildknappen des Ritters zum Freunde, der hat mir Al⸗ les haarklein vertraut. Adalbert. Du kennſt mich, Kurt, Du weißt ſo gut als ich, daß ich mir über nichts Vorwuͤrfe zu machen noͤthig haue, ſag alſo an, was iſt ess sn Kurt. Wie ich Euch ſchon ſagte, es hat der Pfaffe Eure Liebe erſpaͤhet; da er ſeiner Sache gewiß zu ſeyn glaubte, waͤhl⸗ te er eine paſſende Stunde, er A vom Weine erhitzt, und uͤbler Laune war, da trat er mit einer heuchleriſchen, ungluͤck⸗ verkuͤndenden Miene zu ihm, nach einer Einleitung, die die Ehrlichkeit ſeiner Ab⸗ ſccht beſtaͤtigen ſollte, erzaͤhlte er, wie er eben ſo gluͤcklich, ſo uͤberaus gluͤcklich ge⸗ weſen, ein großes Ungluͤck zu verhindern. Adalbert. Du machſt mich wirk. lich begierig zu hoͤren. Kurt. Des Ritters Aufmerkſamkeit wurde, ſo wie die Eure jetzt, geſpannt, doͤchlich erſtaunt, wie auf ſeiner Burg et⸗ was ohne ſein Wiſſen geſchehen koͤnne, fin⸗ gen ſeine Augenbraunen ſchon an leiſe zu zucken. Er hörte den Pfaffen weiter, der alſo fortfuhr: Er habe laͤngſt an Euch und 4——* Bertha die unheilige Flamme der Liebe aberſpurt, habe es aber fuͤr eine jugendliche -— 7 A 5¹ Erſcheinung gehalten, und deshalb geſchwie⸗ gen; nun koͤnne er aber, ohne eine große, nicht zu verbetende Suͤnde zu begehen, die⸗ ſes Schweigen nicht laͤnger fortſetzen; in⸗ dem er Euch vor einigen Wochen ſchon, heimlich bei ihr im Garten gefunden, und vor drei Tagen endlich dazu gekommen ſey, wie Ihr eben Anſtalt getroffen, ſie zu ent⸗ fuͤhren. Wohlweislich hat er aber den Al⸗ ten dahin zu vermoͤgen gewußt, daß dieſer vor der Hand noch nichts gegen Bertha zu unternehmen, ſondern ſie nur ſcharf bewa⸗ chen zu laſſen, verſprochen, zum Waäͤchter hat er ſich ſelbſt erboten. Adalbert. Kurt, biſt Du Deiner Sache gewiß?— Hat dieſer bekuttete Boͤſe⸗ wicht dieſe ſchaͤndliche Luͤge erſonnen, ſo ſoll ihn, das ſchwoͤre ich zu Gott, i Racheſchwert ereilen, und wenn ihn der Papſt mit ſeinem Mantel ſelbſt bedeckte. Kurt. Gewiß iſt es, Herr, und mehr noch. Ihr erinnert Euch der ſchoͤnen Muͤllerdirne im Thale, die vor einem Jahre ſo jaͤhlings verſchwand, ohne daß man errathen konnte, wo ſie hingekommen. Adalbert. Wohl erinnere ich mich ihrer; ſie war unter den Bauerdirnen hie⸗ ſiger Gegend die ſchoͤnſte und kluͤgſte. Ich ſah ſie zuletzt an meines Vaters letztem Geburtstage, wo ſie im Namen der Ge⸗ meinde Gluͤck wuͤnſchte. Wo fee nur hinge⸗ kommen ſeyn mag? Kurt. Der bekuttete Boͤſewicht weiß auch darum. Ihr, ſagte er dem alten Hans, babt ſie an dem auf Eurer Burg 3 3³ ihrer Unſchuld beraubt, und weil ſie nicht habe ſchweigen wollen, ſie wieder ins Schloß gelockt und eingeſperrt, wo ſie heute noch ſchmachte; das Kind, was ſie geboren, habt Ihr umgebracht. Adalbert. Biſt Du zu Ende, oder haſt Du noch etwas Ähnliches zu erzaͤhlen? Kurt. Weiter habe ich Euch nichts zu berichten, iſt dies doch ſchaͤndlich genug. Adalbert. Mehr als genug. Daß ich dir Galgen und Rad auf die Stirne bren⸗ nen koͤnnte, ſchwarzer Boͤſewicht. Weil ich deinen Klauen ein Lamm zu entreißen drohe, gieriger Wolf, ſuchſt du mich durch deine luͤgenhafte Zunge von meiner Bahn herab⸗ zuſchleudern. Aber es ſoll dir nicht gelin⸗ gen, und gnade Gott deiner Seele, mn du unter dieſe Faͤuſte kommſt. 3 urt. Herr, laßt mich ihn zucht. gen, oder wenigſtens dabei ſeyn, wenn Ihr ihm ſeinen Lohn gebt. Adalbert. Ich hoffe, dies ſoll bald geſchehen. Heute noch reiten wir hinuͤber, Du reiteſt mit. Ich will dem Unhold un⸗ ter die Augen treten, und ihn zu Boden donnern; ſeine luͤgenhafte Zunge ſoll in ſeinem Schandmaule verdorren. Vor allem aber muß ich meinen Vater daruͤber ſpre⸗— chen, waͤhrend dies geſchieht, magſt Du die 2 Roſſe bereit halten;z denn bald werden 1 Vir aufbrechen. Kurt ging, ſeines Herrn Befehle zu vollziehen, dieſer ſeinen Vater aufzuſuchen, und ihm die ſaubere Geſchichte, wie er ſie von Kurt gehoͤrt, zu erzaͤhlen. Der Ate konnte ſic, da er ſeines Sohnes Nebliche 35 keit kannte, vor Erſtaunen ob der ſchaͤnd⸗ lichen Bosheit kaum beſinnen, ob er wache oder traͤume. Endlich erwachte er;„Laß die Roſſe bringen, mein Sohn, wir muͤſſen eilen, ehe die Bosheit neue Plaͤne ſchmie⸗ det. Hier gilts nun Klugheit; nicht im Geringſten daͤrf man ahnen, daß wir etwas von dem Vorgefallnen wiſſen, Kurt legſt Du Schweigen auf, auch nicht durch einen Blick, wenn etwa der Pfaffe ſichtbar wird, darf er ſich verrathen; Du desgleichen be⸗ zeigſt ihm die gewohnte Ehrfurcht, wenn er Dir, was leicht moͤglich iſt, da er einen Spion abgibt, von ungefaͤhr in den Lauß kommt. Im übrigen bleibt es bei unſerer Verabredung, ich mache den Alten mit Deinen Wuͤnſchen bekannt, Du verſicherſt Sich des Midchens. des fort, bigubet.n 5 8 Sie beſtiegen ihre Roſſe, und ſchwei⸗ gend, Jeder in tiefe Gedanken verſunken, ritten ſie, bald was die Pferde laufen wollten, bald langſam, als ob ſie einem Sterblichen die letzte Ehrenbezeigung erwie⸗ ſen, dahin, des ſchoͤnſten Morgens, der um ſie lachte, kaum gewahrend; nur wenn hie und da ein Waldthier ſein Lager am Wege verließ„und die Roſſe deshalb zu⸗ fammenfuhren, erwachten ſie aus ihrem Sinnen, aber nur um in ein neuesverſinken zu koͤnnen: der Vater, ob des Ausgangs 4 beim Alten, der Sohn, wie er ſich 39 ſchicklicher Zeit an dem bekutteten Unge⸗ 8 euer raͤchen moͤge; mehr aber noch, wie er in ſoſcher Siindmung dem Maschen Peine 3 wohl kundig, es uͤberlaſſend, wann und wie ſie an's Ziel kaͤmen. Die Sonne war ſchon ziemlich hoch heraufgeſtiegen, als ſie endlich am verſchloſſenen Thore der Burg 37 Aitten ſie dahin, den Roſſen, die des Weges Adlerhoͤh hielten. Als alten Bekannten offnete ſich ihnen das Thor ohne Weiteres⸗ Wie ſie einritten, ſchlich eben der alte Be⸗ 3 nedikt, Hanſens Beichtvater, uͤber den Hof⸗ ſie hatten mit den Roſſen zu thun, und thaten daher als bemerkten ſie ihn nicht; nnan fuͤhrte ihre Roſſe zum Stall, und ſie wollten nun gerades Wegs zum Burgherrn. K Da bat hoͤflich ein Knappe, ſie moͤchten hier harren, bis er ſeine Pflicht gethan⸗ und ſie gemeldet habe, er wiſſe wohl ihr gegenſeitiges freundſchaftliches Ver (aber ſeit drei Tagen laſſe her Nitt * mand ungemeldet vor ſich. Somit verließ er Vater und Sohn, und ging in das Innere des 4 Schloſſes ſeiner Pflicht nach. Beide waren uͤber dieſe Erſcheinung Bachch verwundert, denn ſolch Benehmen hatten ſie ſich doch nicht gedacht. Indeß kam der Knappe zuruͤck und meldete: ſein Herr ſey ſehr zufrieden, daß dieſer Beſuch eben heute komme; der Vater ſey ihm willkommen, und moͤge ſich zu ihm in den Ritterſaal bemuͤhen, wo ſie wichtige Dinge zu beſprechen haͤtten; der Sohn moͤge ſich einſtweilen die Burg beſehen, oder den Garten beſuchen, wo er vielleicht Geſellſchaft finden werde. Wie aus den Wolken gefallen, ſtand Adalbert uͤber dieſen Empfang, dies hatte er nicht erwartet, dem alten verſtaͤndigen er doch zugelrauet⸗ er erſt unterſuchen, was an der Sache ſeyz Ganz anders ſtand es freilich bei dieſem was ihm ſein ehrwuͤrdiger Beichtvater, der ſehr ehrbeduͤrftige Pater Benedikt ſagte, das war untruͤgliches Wort, und durfte, ohne klaren Beweis, ſelbſt von ſeinem be⸗ ſten Freunde nicht widerſprochen werden, und wo ſollten hier noch Beweiſe herge: bracht werden? 9n Waͤhrend Adalbert ſinnend ſo ſtand, Was ſein Vater den bekannten Weg nach dem Ritterſaale gegangen, der Knappe oͤffnete, und Hans kam ſeinem alten Freunde und Waffenbruder, mit einer halb freundlichen, halb finſtern Miene entgegen, und bewill⸗ 3 kommte ſeinen Gaſt, der ihn nach gewohn⸗ ter Sitte, mit einem herzlichen Hande⸗ R Knde begrißte Ein Knappe brachte We 3 Hans. Willkommen biſt Du mir, Freund und Waffenbruder, ſagte er mit etwas gepreßter Stimme, willkommner waͤrſt Du mir jedoch, wenn Du allein gekom⸗ men waͤrſt. r Konrad. Wie meinſt Du das? Dei⸗ ne Rede iſt mir zu dunkel, ich verſtehe ſie nicht. Ich war Dir doch ſtets willkommen in jeglicher Begleitung, warum ſoll ich's heute weniger ſeyn? Hans. Ach Konrad, laß mich ſchwei⸗ gen. Wir ſind heute noch beiſammen, wer weiß, wie lange und wie oft wir es noch ſt ind, laß uns die Zeit genießen, komm, ſetz Dich, und trinke(den Becher ergreifend) aufs Wohl ehrlicher Ritter! Konrab. Aufs Seuhl ehrlicher Rit⸗ 41¹ 1 ter!(ſie leeren die Becher) und auf trane Freundſchaft. 1 Hans. Auf treue Freuudſchaft! ja das klaͤnge ganz gut, wenn es ſo waͤre, wenn es uͤberall ſo waͤre. Eine Pauſe tritt ein, waͤhrend welcher Hans, den Kopf auf den Tiſch gelehnt, ſich am Ende mit der Fauſt vor die Stirn ſchlaͤgt, indem Konrad eben beginnt:„Aber ſag mir lieber Bruder, was ſpukt Dir im Kopfe? ſonſt biſt Du doch beim erſten Be⸗ cher umſonſt und um nichts nie in ſo truͤbe Laune verſetzt geweſen, nie ſah ich Dich ſo. Sag, was iſt es? Hans. Ach Alter, mir fehlt nichts, gar nichts! Ha, ha, ha! noch einmal aufs Wohl treuer Freunde! deren 139 6 viele habe, trink. Konrad. Aufs Wohl treuer Freun⸗ del(trinkt) und noch einmal, aufs Wohl treuer Freunde! Hans. Du haſt doch den alten Schlund noch, und die alte Ehrlichkeit liegt noch in Deinen Zuͤgen. 4 Konrad. Bruder!— Ich ſehe wohl, ich ſinde Dich heute in einer truͤben Lage, ertraue mir, was Dich druͤckt, vielleicht tan ich es heben.. Hans. Nein, und— ja! Doch laß mich ſchweigen, ich moͤchte ſonſt zu fruͤh wild werden, und dann weißt Du wohl, iſt bei mir nicht gut ſeyn. Konrad. Es thut mir leid, daß ich gerade zu dieſer Zeit kommen mußte, denn heute finde ich nun ſchon fuͤr mein Anliegen kein Gehdr. 4 S 43 Hans(geſpannt). Was wilſt Du, Alter, was ſollen dieſe Reden? Faſt ahne ich es. Bei Ritterwort und Ehre, es waͤre ſchrecklich, wenn meine Ahnung Wis⸗ lich wuͤrde!. Konrad. Nun, ſo gar ſchrealich iſ 8 es eben nicht, was mich heute zu Dir führt. Daß Dir es ahnete, wuͤrde ich zu jeder andern Zeit gern geſehen haben; freilich heute, da Du alles von der finſter⸗ ſten Seite zu nehmen ſcheinſt, und 5 tube geſtimmt biſt— Hans. Ei der Henker mag auch nicht wild werden, wenn einem ſo mitgen 4 fahren wird. Mit Kummer und Herzeleit 1 werden unſrer Beider Haare, wenn DM Freilich die Liebe zum Kinde kann man⸗ ches aͤndern. O ich moͤchte raſend werden. Konrad. Daß ich immer das war, was ich ſchien, habe ich gnuͤgend bewieſen, daß ich meinen Sohn als einen braven Jungen liebe, kann darinnen nichts aͤn⸗ dern, und daß wir Beide noch ein recht frohes Alter verleben werden, hoffe ich; drum zaͤhme Deinen Unmuth, und hͤre mich. Hans. Rede, ich will mich faſſen, um Dich nicht zu unterbrechen. Konrad. Du erkennſt wohl ohne mein Erinnern, daß wir Beide dem Grabe edeutend naͤher ſind als der Wiege, und daß in dieſem Zeitpunkte es ſich gut ſchlaͤft, 4 wenn man ſorgenlos das Lager beſteigen ꝛann; dß es aber auch gerade hier das Sorgen ſo viele gibt, welche dem alten Koͤrper und dem ſchwach werdenden Geiß— ernſtlich zuſetzen. S— Hans. Leider haſt Du cht. 8 Konrad. Nicht alle Alte ſind aber ſo gluͤcklich als wir Beide, wir ſind doch noch im Stande uns unſer Alter ſelbſt zu verſuͤßen, wenn wir nur wollen. Du haſt eine Nichte, die ſo gut als eine Tuchter 8 Dich pflegt und wartet, und die Du auch als Tochter betrachteſt; ich habe einen Sohn, der gern ſein Herzblut fuͤr mich verſpritzen wuͤrde, wenn es noͤthig waͤre. Sind wirr nun nicht gluͤckliche Vaͤtere Hans. Ach, rede mir nicht von die fem Gluͤck, es taugt nichts! 5 88 1 onrad. Warum foll 6 uct in 5 — Stunde S ten Freund, zu erheitern, laß mich es alſo immer erwaͤhnen, wir ſind gluͤckliche Vaͤter. Dazu biſt Du einer der geehrteſten Ritter im Gau, Deine Burgen glaͤnzen herrlich auf den erhabenſten Bergen umher, mit Jauchzen begruͤßen Dich Deine Untertha⸗ nen, wenn Du ihren Huͤtten naheſt, gern zollen ſie Dir, und mehr als ihre Schul⸗ digkeit iſt. Ähnliches Gluck widerfaͤhrt auch mir, freilich im geringern Maße, aber ich bin zufrieden, worum wollteſt Du es nicht auch ſeyn?. 3 Kopfſchuͤttelnd antwortete Hans. 2 Konrad. Manchmal nur truͤbt ſich 1 mein Himmel, wenn ich an mein vielleicht nicht fernes Ende denke, und meinen Sohn ass den letzen meines Stammes daſtehen de vor Augen ſtellen, um Dich, meinen al⸗* 47 2a ſehe; dann wuͤnſchte ich recht ſehnlich, daß e ſich bald ein holdes Weib heimholen mo⸗ ge, damit ich in meinen alten Tagen noch Freude an Enkeln erleben moͤge. Vor ſich brummte Hans:„Er wird ſich ſchon eine rauben.“. Konrad, der dies nicht bemerkte, fuhr fort:„Wie waͤr es Freund, wenn Du ihm Deine Nichte zum ehelichen Gemahl gaͤbeſt, und dieſe Beiden zu gluͤcklichen Gat⸗ ten, uns zu gluͤcklichen Vaͤtern machteſt?“ Hans. Daß dies Verlangen unter andern Umſtaͤnden nicht ungerecht waͤre, und daß ich ſogar oft ſelbſt gewuͤnſcht habe, wir moͤchten durch die Bande des Bluts naͤher noch vereinigt werden, um dadurch meine Schuld an Dich abzutragen, fan ich ofen geſtehen; aber ehe ich Dir dieſe Frg⸗ jett beantworte, trink noch einmal aufs Wohl ehrlicher Ritter! Mit ihm anſtoßend erwiederte Ronrad: „Ja, aufs Wohl ehrlicher Ritter!“ Hans. Verdammniß und Tod allen Schurken und Dirnenraͤubern! f Konrad. Verdammniß, Tod und Verachtung von jedem, der es redlich meint! Sie leerten die Becher, und nun begann „Mit Muͤhe habe ich mich gehalten bis jetzt, das haſt Du mir wohl anmerken koͤnnen, nun vermag ich es nicht laͤnger. Gleich bei Deiner Ankunft errieth ich die Abſicht derſelben; aber aus dem allen kann ein fuͤr allemal nichts werden, hier haſt Du kurz und deutlich meine letzte Ant⸗ wwort. Erlaß mir die Gruͤnde, aich nace 48 ¹ een geſchlichen, wie es gekommen, weiß ich nicht, genug er war heimlich dort, da hat er ihr wahrſcheinlich das Herz vergiftet mit ſeiner ſchaͤndlichen Liebeserklaͤrung; vor einigen Tagen wollte er das Bubenſtück ausfuͤhren, iſt aber zu meinem Gluͤck oder Ungluͤck daran gehindert worden; denn wer⸗ de nun daraus was da wolle, ich nehme Rache, blutige Rache an dieſem Buben. Konrad. Beſinne Dich, Alter, und haͤufe nicht Beleidigung auf Beleidigung, ich ſage Dir, es iſt unmoͤglich, die Be⸗ ſchuldigungen ſind grundfalſch.— Hans. Heein⸗ ſage ic, ſie ſind. —— wer die verſchwundene Muͤllerdirne im Thal in ſeiner Hut hat? Du in Deinem Raub⸗ neſte. Er hat ſie ihrer Unſchuld beraubt, gefangen, weil ſie nicht Iizweſden wollte, und eingeſperrt.. 1 Konxad. Schaͤndliche Luͤge. Hans. Dich hielt ich fuͤr unwiſſend in der Sache, da Du ihn aber ſo lebhaft 1 vertheidigen kannſt, ſo ſehe ich, Ihr ſeyd Beide ſchuldig; damit Du aber ſiehſt, daß ich das Gaſtrecht auch an einem Buben ehre— denn ich koͤnnte Deinen ſaubern Sohn, ſeiner ſchäͤndlichen Thaten halber, von meinen Knech⸗ ten binden und ins Burgverließwerfen laſſen, ſo zieht jetzt friedlich fort; aber in drei Tagen, die ich Euch nicht vergoͤnnen ſollte, erwartet einen Beiuch von m wo ich Euch Ddie 3 nes Andern uͤberführen; aber ſo 53 Geſicht zeichnen werde, daß eus Ieders mann kenne. Konrad. Vergebene Muͤhe, ehrwi⸗ driges Beginnen waͤre es, wenn ich ſo er⸗ hitztes Gemuͤth beſaͤnftigen wollte; wenn ich ſo grobe Beleidigungen geduldig wie ein Troßbube hinnehmen, vielleicht gar um Frieden bitten wollte, ich werde bereit ſeyn⸗ Aber tief ſchmerzt es mich, daß ich gegen den das Schwert ziehen ſoll, fuͤr den ich einſt den Todesſtreich auffing. Der Him⸗ miel wird entſcheiden in dieſer anedcch angefponnenen Fehde. Hans. Jetzt nichts von Angereeg. keit. Dir werde ich nie vergeſſen koͤnnen, was Du mir gethan, was Du mir zuarſt. Jetzt woltte ich ſelbſt, Du koͤnnteſt mich ei 54 nicht anders, Blut muß die Schande ab⸗ waſchen. Und nun verlaß mich, es thut nicht gut, wenn Feinde der Art unter ei⸗ nem Dache hauſen. Schweigend und niedergeſchlagen, alle feine Hoffnungen vereitelt zu ſehen, ver⸗ ließ Konrad ſeinen vieljaͤhrigen Freund, dem er nun Feind ſeyn, und in offener Fehde, deren ſie ſo viele mit einander geſchlagen, gegenüberſteyen ſollte. Lang⸗ ſam, von einem Knappen geleitet, an deſf⸗ ſen Stelle ſonſt der Ritter, auch wohl die holde Bertha ſich befanden, ging er die Stiegen hinab, am Hausthor ſtand ſchon pein Noß. Ohne die Umſtehenden im Ge⸗ ringſten zu beachten, ſetzte er ſich auf, und ritt dahin; am Bargthore erwartete ihn Adalbert, den Knauf ſeines Schwertes, das 55 er vor ſich auf dem Roſſe liegen hatte, tieſſinnig anſtarrend. Der Pater, deſſen Ankunft er nicht gewahrte, mußte ihn erſt aus ſeiner Betaͤubung wecken. wonie aattt Adalbert. Ha, Vater, ſeyd Ihre 8 ⁸ — Was bringt Ihr fuͤr Rachricht? Konrad. Schlechte, mein Sohn. Dies war alles, was fie zuſammen ſpra⸗ chen; langſam ritten ſie ihter Burg zur Hinter ihnen ſo, Pater Benedikt 2us dem Thore. mn 8 Sie mochten eine Gute Stredke geriften ſeyn, als ſie von ferne Huftritte und bald aͤngſtliches Huͤlferufen einer weiblichen Stimme vernahmen. Raſch druͤckten fie ihren Roſſen die gewichtigen Sporen in te Flanken, und mit gezogenen Schwer⸗ Sing es waldeinwaͤrts, hinter ühnen Kurt, der Leibknappe. Nach kurzem Ritte kamen ſie auf eine freie Stelle im Walde, wo ſie drei geharniſchte Reiter, den einen mit einer Dirne auf dem Roſſe, welcher bemuͤht war, ihr den Mund zu verſtopfen, erblickten.„Hier gilt es Dirnenraͤuber zu zuͤchtigen!! rief Adalbert, und drauf ging es, als ob ſein Roß zur Windsbraut ge⸗ worden. Bald hatte er ſie eingeholt, und auf den erſten Streich ſpaltete er ſeinem Gegner den Helm, pp ein Streich, und noch einer, und er ſank vom Roſſe. Waͤh⸗ renddem hatten ſein Vater und Kurt den mit der Dirne, der das Weite geſucht, eingeholt, und ohne Weiteres gefangen einen Seitenweg eingeſchlagen, und n im Fluge davondeßnengt. Sie brfis, 4 genommen. Einer hatte gleich Anfangs dem das Blut aus einer tiefen Kopfwunde *... 57 ten den Zweiten mit ſeinem Raube zuruͤck, und forderten nun ein Bekenntniß üͤber ihr unruͤhmliches Beginnen. Der erſtere, rann, hatte ſich indeß vom Boden aufge⸗ rafft, und haͤtte ſein Heil gern in der Flucht geſucht, wenn es nur halbwege moͤglich geweſen waͤre. Nach wiederholten Fragen, waͤhrend ſie die freilich damals oft vorkommende Luͤge erſannen, ſagten ſie end⸗ lich aus: es ſey eine ungehorſame, ihrem Vater, der ſie fuͤrs Kloſter beſtimmt, ent⸗ laufene Dirne; vor Kurzem ſey ſie wieder⸗ gefunden worden, und nun habe ſie an den Ort ihrer Beſtimmung gebracht werden ſollen, ſie habe durch ihr Geſchrei die Rit⸗ ter betrogen, dieſe moͤchten ſie daher nun 68 nur wieder des S ges ziehen laſſen, den ſie vorgehabt. Waͤhrend der Rede hatte die Dirne Sergelnens den Kopf geſchuͤttelt, man hatte naͤmlich, da ihr Geſicht verſchleiert war, nicht wahrnehmen koͤnnen, daß ſie einen Knebel im Munde hatte; ſie luͤfteten ihr den Schleier, und— man denke ſich das Erſtaunen der Kaer, ſie ſahen die Muͤl⸗ lerdirne aus dem Thale. Augenblicklich wurde ihr der Knebel geloͤſt, und ihre bei⸗ den Raͤuber wurden gebunden. Nun er⸗ zaͤhlte ſie, daß ſie ungefaͤhr ſeit einem Jahre im benachbarten Benediktiner⸗Kloſter eingeſperrt geweſen ſey, wo ſie damals 3e beichtet und aus dem Beichtſtuhlte in ein unterirdiſches Gewölbe berfenkt worden 659 Nacht gelegen, endlich ſey ihr Beichtvater, 1 der Pater Benedikt, mit einer Blendlaterne zu ihr hereingeſchlichen, habe ihr ſeine Liebe zu ihr vorgeſtellt, ihr Abſolution aller ih⸗ rer Suͤnden, und viel andere ſchoͤne Sachen verſprochen, wenn ſie ihm ſeinen Willen erfuͤllen wolle. Endlich, da ſie ihm keiner Antwort gewuͤrdigt, habe er ſie wuͤthend 3 verlaſſen. Nun habe ſie wieder ungefaͤhr vierundzwanzig Stunden ohne Nahrung und Trank gelegen, dann ſey Benedikt wieder zu ihr getreten, habe ihr verſichert, daß, wenn ſie verſchweigen wolle, was hier vorgegangen, ſie morgen am Tage ihre Straße wieder ziehen koͤnne, er ſehe nun wohl, daß ſie keine Neigung zu ihm 4 fuͤhle; darauf habe er ihr ein Gefaͤß, aus elchem ſie ein brennender Durſt zu trinken v.„ 8 50 genoͤthigt, nebſt etwas Speiſe gereicht, und ſie verlaſſen. Bald habe ſie eine außerordent⸗ liche Mattigkeit in allen Gliedern, und zu⸗ gleich eine entſetzliche Hitze empfunden, und ſey von erſterer uͤberwaͤltigt eingeſchlafen. Hier ſtockte ſie in ihrer Erzaͤhlung, die 35 Ritter baten, ſie moͤge weiter erzaͤhlen, ſchluchzend fuhr ſie fort: da ſey ſie ihrer Unſchuld beraubt worden. Ein anderer Moͤnch habe ihr die folgende Nacht Nah⸗ szung gebracht, an Freiheit ſey aber nicht zu denken geweſen. Sie habe ſich bald Mutter gefuͤhlt, und endlich einen Knaben 8 geboren, den man ihr genommen, und ſie ſo unendlichem Jammer üͤberlaſſen habe; äbrigens habe man ihr die ganze Zeit uͤber weiter kein Leid zugefugt. Vor ungefähr zwei Stunden ſey ſie aus ihrem Gefaͤn⸗ N 61 genommen, durch eine Hinterpforte aus dem Kloſter gebracht, da von einem auf ein Roß genommen worden, und wie ſie errathen, habe ihr das jenſeit des Waldes gelegene Nonnenkloſter zur lieben Frauen zum fernern Aufenthalte dienen ſollen. Da ſie im Walde angekommen, Tritte von Roſſen in der Naͤhe vernommen, ſo habe ſie, koſte es auch was es wes.⸗ alle ihre Kraͤfte zuſammengerafft, und um Huͤlfe gerufen, um doch vielleicht ſo der Gewalt ihrer Pei⸗ niger zu entkommen; da habe man ſie ge⸗ knebelt, und ſchnell ſey es vorwaͤrts ge⸗ gangen; bald habe ſie die Tritte verfolgen⸗ der Roſſe hinter ſich vernommen, nun ſey ſie frohen Muthes geworden, noch mehr aber daruͤber, daß gleich anfangs einer ühur Begleiter die Flucht genommens h darauf habe ſie das Getoͤſe des Kampfes vernommen, und habe nun heiße Gebete um Sieg fuͤr ihre Befreier zum Himmel geſendet, der ſie auch erhoͤret habe. Hier endete ſie, fiel ihren Rettern zu Fuͤßen, und umklammerte ſchluchzend ihre Knie, dann hob ſie das khränenvoll Auge zum Himmel. 1 89 Nun bewegit ſich der Zug vorwaͤrts, die Gefangenen, um die man ſich noch nicht bekuͤmmert, wer ſie ſeyen, voran; daheim ſollte eine Pruͤfung beginnen, und 5 ihre Beſtrafung nach ihrem Stande einge⸗ richtet werden. Hoch erfreut war Koͤntad, daß er nun dem alten Hans, den er immer noch freundſchaftich liebte, wenigſtens ei⸗ nen Theil der ſchaͤndlichen Verläumdung, ſeines Sühnes betreffend, einen redend 64 63 Beweis derſelben entgegenſtellen konnten denn ſchon morgen gedachte er ihn wieder heimzuſuchen, die Zeugen ihm vorzuſtellen, und ſeinen Sohn au's erſehnte Ziel zu bringen. Anders jehoch wollte es das Schickfat; zu fruͤh haͤtte Adalbert erlangt. was ihm vom Hiin ne f 19 verdienen beſtimmt war. Kaum hatten ſie den Kampfplat ver⸗ laſſen, da toͤnte auf einmal ſtarker Huf⸗ ſchlag durch den Forſt; unter wuͤthenden Toben ſtuͤrzte eine Schaar Vermummter auf ſie los, von Weitem ſchon ſahen ſie, daß es ihnen gelte, und daß es hier Blut koſten werde; ſie hielten, und machten 8 ſich zum Kampfe bereit. Heranſtütmte Haufe von mehr als zwanzig. Im ungleichen Kampfe haͤtten ſie eriiegen 64 muͤſſen, wenn die Horde ſich ſonderlich um ſie gekuͤmmert haͤtte; nur Einige ließen ſich mit ihnen in den Kampf ein, waͤhrend ſich die Übrigen pfeilſchnell der Gefangenen nebſt der Dirne bemaͤchtigten, und ſich dann eiligſt auf die Flucht begaben; wie der Troß floh, wendeten auch die Kaͤm⸗ pfenden ihre Noſſe, und Konrad und Adal⸗ bert ſtanden allein auf dem Kampfplatze. Nachzuſetzen waͤre wohl ritterlich, aber hier vergebens geweſen, denn die Bande mußte im Zorne Gottes recht eigentlich zum Flie⸗ hen geſchaffen ſeyn; wenig Augenblicke, und ſie waren ihnen aus den Augen, als ob ſie gaͤnzlich vom Erdboden verſchwunden waͤren. Was ſollten die beſiegten Sieger anders thun, als, die arme Roſa bedauern ihre Straße zuruͤckreiten. Hoͤchſt aufgebracht uͤber die Schand⸗ lichkeit der Pfaffen, kamen ſie ſpaͤt Abends auf ihrer Burg an.„Den naͤchſten Mor⸗ gen,“ beſtimmte Konrad,„will ich Dir, mein Sohn, mittheilen, was ich ausgerichtet, dann wollen wir berathen, was weiter zu unter⸗ nehmen.“ Kaum hatte daher am andern Morgen die Koͤnigin des Tages ihre Bahn aufs neue begonnen, als Adalbert auch ſchon bei ſeinem Pater erſchien, um ſich — Aufſchluß uͤber den Hergang der geſtrigen unterredung zu erbitten; ſein heißes Blut iz ihn nicht laͤnger ruhen. Der Vater, noch immer aufgebracht ob des letzten ge⸗ ſtrigen Unfalls, hatte des erſtern nicht ganz ſo gedacht, wie es wohl noͤthig geweſen F 6 waͤre, um ſeinem Sohne, wie er es an⸗ 3 Rötönaug vul. den Vorfall nicht 8 3 5 66 mit den ſchwarzen Farben zu ſchildern, wie ss leider jetzt geſchah, und wodurch des gu⸗ ten Adalbert's Ehrgefuͤhl im Innerſten er⸗ ſchüttert, und der Grund zu manchem kom⸗ menden Unfall gelegt wurde. Haͤtte der Vater nur etwas behutſamer gegen ſeinen 2 Sohn geſprochen, ſo haͤtte die angekundigte Fehde gewiß noch in Ruhe beigelegt wer⸗: den koͤnnen; denn wohl ſchwerlich häͤtte 4 Hans die Erzaͤhlung des Vorfalls im Wal de für ein Maͤhrchen gehalten, man haͤtte nachgeſpärt, der ſchaͤndliche Pfaffentrug waͤre entdeckt worden, und Adalbert haͤtte gerei⸗ nigt dageſtanden. Wie es aber Millionen⸗ male in unſerm gebrechlichen Erdenthale zu geſchehen pflegt: der mit dem Laſtet käͤmpfenden Tugend— ſchwebt ein Schleiet ——yyy— vor dem Auge, daß ſie die bſt Sand nahe 67 liegenden Auswege nicht wahrnimmt, ſo hier. Der Vater ſprach in etwas harten Ausdruͤcken von Hans, daher war der ge⸗ rade, ehrliche Adalbert, zumal da er von der angekuͤndigten Fehde hoͤrte, durch nichts zu beſaͤnftigenz denn er ſah wohl, daß nicht nur ihm, ſondern zugleich ſeinem al⸗ ten geliebten Vater Gefahr drohe, wenn die Sache nicht ausgefochten werde.„Ber⸗ tha wird mein,“ rief er mit ſchrecklicher Stimme,„oder ich und Hans ſterben zu⸗ gleich. Ihr, mein alter Vater, duͤrft an der Fehde keinen Theil nehmen, ich, ich allein will ſie fuͤhren, und Hans ſoll ſehen„ daß er ſie mit keinem Dirnenraͤuber, ſondern mit einem ehrliebenden Ritter zu thun habe“⸗ Fort ſtärmte er, Boten, auszufendets an ſeine Freunde, daß ſie ihm au Suͤſte eilan 68 moͤchten, weil er in ungerechte Fehde ver⸗ wickelt ſey. Die Knechte auf der Burg trieb er an, alles zum bevorſtehenden Kam⸗ pfe zuzuruͤſten, damit ſie den Feind nach Wuͤrden empfangen moͤchten. Es herrſchte eine Thaͤtigkeit auf der Burg, wie ſie lange nicht dageweſen war; der alte Konrad hatnt mit ſeinen Nachbaren weit umher ſeit lans ger Zeit in Frieden gelebt, nun ſollte das Blutpanier auf einmal wieder wehen. Hart rückte es ihn, doch er konnte es nun nicht andern. In dumpfer Beraͤubung ſaß er am Abende des zweiten Tages in ſeinem Lehnſtuhle, vergebens nach einem Auswege pennead, da ertoͤnte des Waͤchters Nuf von bert in der Mitte derſelben in den Saal „Seht Vater, ſchon find ſie hier die Tapfein, die uns den Sieg erringen helfen wenden, 1 ſchon ſehe ich den Kampf beginnen, bald ihn geendet, zu unſerm Vortheile geendet, der alte Hans muß Frieden ſchließen, ich ſtehe am Ziele meiner Wuͤnſche.“„o , Halt,“ rief der Vater,„maͤßige Dein Entzuͤcken, wer ſich zu fruͤh freut, trauerk nicht ſelten am Ende.“ Seine Freunde be⸗ willkommend, und ihnen zugleich für ihr 8 ſo baldiges und zahlreiches Erſcheinen dan⸗ kend, fuͤhrte er ſie zur wohlbeſetzten Tafel; hier wurden ſie nun zunaͤchſt mit dem Feinde und der Urfache der Fahde bekannt gemacht. Hoͤchſt erſtaunt waren Alle uͤber des alten, ſonſt ſo bedachtſam und rechiſchaf⸗ fen handelnden Hans gemeines Beginnen. —y 7⁰ und ſogleich waren einige bereit, den Han⸗ del uͤber ſich zu nehmen, und ihn zu ver⸗ ſoͤhnen, wenn es nicht unritterlich geweſen, und fuͤr Feigheit haͤtte gelten koͤnnen, gleich⸗ ſam um Frieden zu bitten, e eheein Schwert⸗ ſtreich gethan. Wußte man doch auch nicht, ob ihn nicht vielleicht ſein raſches Wort 1 gereuen, und er die angebotene Fehde zu⸗ ruͤcknehmen werdez denn Niemand mochte V es glauben, daß ſich zwei ſo alte Freunde, ohne Unterſuchung des Gegenſtandes be⸗ fehden werden. Endlich, da man ſich lange ob der Sonderbarkeit des Handels gewun⸗ dert und beſprochen hatte, fuͤhrte man das Geſpraͤch auf andere Gegenſtaͤnde, und zu⸗ naͤchſt auf eines Jeden eigne Angelegenhei⸗ ten, und was ihnen etwa auf ihrem Heer zuge begegnet ſey. So erzaͤhlte unter a 2 ½ dern Adolph von Kyffheim, daß ihm heute gegen Mittag, nahe bei dem Kloſter der lieben Frauen, ſeitwaͤrts ein Zug Ritter begegnet, die, nach dem, was er in derFerge habe ſehen koͤnnen, zu urtheilen, eine ver⸗ cchleierte Dirne in der Mitte gehaht; wie ſie ſeinen Haufen erblickt, waͤren ſie ſchnell nach dem Kloſter zugeiagt. Ich ahnete Un⸗ rath, meinte er, und wollte drauf, aber fte waren mir zu weit vor, und bald ums Kloſter hinum. Wo ſie hingekommen ſeyn moͤgen, oder was es fuͤr Geſellen geweſen, weiß der Himmel; d98 es nicht richtig da⸗ mit war, iſt gewiß. h— „Gut iſt es, Freund 4 begann Kou⸗ nih„daß Ihr uns gelegentlich dieſe Nach⸗ richt mitbringt; wir kennen dieſe Strauch⸗ 8 diebe; wiſſen wir doch nun, wo die Dime 22 hingebräicht worden iſt. Wart aes ſoll dir nicht gelingen, heuchleriſchet/ boͤsartiger Moͤnch, deine winana beehnaten Dnech weifee auszufuͤhren.”“* i i eeen Nun erzaͤhlte er die Gecheess der 86 Inngenen Muͤllerdirne, und Alle ſtimmten mit ihm überein, daß ſie es ſey, die in jenes Kloſtor gebracht worden; weil ſich der Mnch ats gewiß denken werde, niemand werde auf den Gedanken kommen, da deerben, und die Enthuͤllung ſeiner Buͤbe: nachzuforſchen, wo, wie die Dirne ſelbſt ers und verrathen habe, ihr felerer Auf⸗ enthaltsort beſtimmt geweſen. Sie ſchwu⸗ ren dem bekutteten, in die Farbe des Teu⸗ fels gehuͤllten Ungeheuer, Tod und Ver⸗ reien; ſich unter einander Treue bis i ſeine Lagerſtaͤtte, um aus des Schlummet⸗ gottes Schaale irum zur aagena— Arbeit zu ſchlürfen win nih hiiih 6. zuer Adalbert vermochte die ganze dange Nacht kein Auge zu ſchließen, denn wenn er ja entſchlummerte, fuhr er augenblicklich von boͤſen Traͤumen geſchreckt empor, und langſam bemaͤchtigte ſich ſein ein heimlithes Grauen vor dem Ausgange des morgenden Tages. Er kannte wohl ſeine Kraft und der Seinen Treue, vertraute auch auf die Gerechtigkeit ſeiner Sache; kannte uber aauch des alten Hans Kunſtz eine Fehde zu beginnen und zu fuͤhren; er kaunte ſeine oft verſtellten Ruͤckzuͤge, und nahm ſich vor, mit moͤglichſter Borſicht zu handeln. Er entwarf Plaͤne, wie es moͤglich ſey. — hne dieles Blutwagießen den 1 Behn 74 Verwirrung zu bringen, ihn zu verfolgen, und die Fehde ſo auf ſein Gebiet hinuͤber zu ſpielen, ihn vielleicht gar in ſeiner Burg zu belagern, oder zugleich mit ihm in dieſelbe einzudringen, dann Frieden zu ſchließen, und ſeine Bertha heimzufüͤhren. In welche Froͤhlichkeit er ſich durch den Gedanken der Moͤglichkeit des Letztern ver⸗ ſetzt fühlte, iſt meine Feder zu ſchwah n. Aauteme 5 341 343 Anders war jedoch des Schickſals vor⸗ 48 veſimemte Lauf. Der alte Benedikt, Gift und Galle gegen Adalbert und ſeinen Va⸗ ter ſprüͤhend, war auf Burg Adlerhoͤh wie. der angekommen, und hatte nun nichts unverſucht, kein Mittel unangewendet ge: laſſen, den Alten gegen ſeinen Freund auf zubringen. So a adählh er denn uuh unte 875 heuchleriſch frommem Seufzen, wie die Menſchheit je mehr und mehr verfalle, und daß er von dem, was er fruͤher nicht ganz geglaubt, jetzt leider vollkommene Überzeu⸗ gung habe, indem er mit eignen Augen erſchaut, wie der alte Konrad ſeinen Sohn in der Buͤberei unterſtuͤtze, indem Beide ſelbander eine verſchleierte Dirne, welches gewiß und wahrſcheinlich die geraubte Muͤllerdirne geweſſn⸗ durch den Walb⸗ bef dem Kloſter des heiligen Benedikt in dr 8 Morgendaͤmmerung vorbeigebracht bätten, 3 wahrſcheinlich, um ſie“ in einem Idern 6 Schlupfwinkel zu verbergen, weil ſie ſich 4. auf ihrem Raubneſte nicht ſicher genug hielten. Hans, bei dem der fruͤher erregte Verdacht jetzt durch ſeinen frommen Beicht: entet Bänis beſtaͤtigt war, war an ußex — 76 ſich; er ſchaͤumte vor Wüth uͤber ſich ſelbſt, ſolch einem Manne ſeine Freundſchaft ge⸗ ſchenkt zu haben. Schleunigſt gab er Be⸗ beuche bereit ſeyn, damit noch vor Tages⸗ zöͤnne. Nach kurzer Ruhe wurde dann aufgebrochen; der heuchleriſche Benedikt ⸗ Aühyen Hebenn ein. eh fehl⸗ uin Mitternacht ſolle Alles zum Auf⸗ Anbruch Burg Loͤwenau erreicht werden mißbrauchte zuvor ſein heiliges Amt noch eißeg, er ſegnete die Ktreiter zu dieſer igei⸗ ten, von ihur ſelbſt bſt angeſponnenen Sbem es je ſo dhing, uis da alten Hans am ſolgenden Tage. Der Zug bewegt ih 77 . von allen Seiten umgaben, lange vor der Morgendaͤmmerung an; wie der Morgen graute, kuͤndete ein Trompeter den Bela⸗ gerten den Sturm an, der auch bald dar⸗ auf begann, und dem alten Hans, gewiß leicht, ſehr leicht geworden ſeyn wuͤrde, denn er kannte die Schwaͤchen der Burg, wenn nicht Ungewoͤhnliches ſich ereignet hotte. Sie mochten eine gute Weile ſich bemuͤht haben, den Felſen, worauf Burg Loͤwenau erbaut. war, zu erſteigen, was ihnen aber diesmal, trotz dem, daß er nicht ſonderlich ſteil war, doch faſt unmoͤg⸗ lich ſchien, und wunderbar war es auch, denn die Baligatm hatten noch kdine Arm. wagten ſie mit vereinter Kraft einen An⸗ lauf auf den Hauptfelſen; aber welch ein Wunder! ein großer Feuerball rollt zwi⸗ ſchen den Belagerern und der Burg ringg um den Felſen herum, ſo glaͤnzend, das alle Streiter geblendet daſtehen, und ſich vor Verwunderung und Schrecken nicht er⸗ holen koͤnnen. Die Stuͤrmer ließen ab, die Roſſe der Übrigen wurden ſcheu, und verließen den Kampfplatz, ohne daß ihre Reiter es hindern konnten; kurz es fand, 4 da die Reiter flohen, ein allgemeiner, un⸗ regelmaͤßiger Rückzug Statt. Das Thor 1 wurde geoffnet, Adalbert an der Spitze ſeie ner Treuen, ſtuͤrzte heraus und verfolgte den fliehenden Feind. Doch wie Jugend peft erhitzt und daher unüberlegt handelt, ſo dieſerz kein Roß war ſo ſchnell, es dem allein umſonſt; Haus befahl, den Ge ſeinen gleich thun zu koͤnnen, und weg waren jetzt alle ſeine Paͤne von voriger Nacht, er ſetzte mit einer fuͤrchterlichen Schnelle dem Feinde nach; auf einmal war er mitten darunter, furchtbar wuͤthete ſein Schwert, und er allein haͤtte ſie alle, die feigen Soͤldner, die einmal im Fliehen waren, vollends in die Flucht geſchlagen, wenn nicht Hans eben hier einen Hinter⸗ halt angelegt gehabt, der jetzt hervorbrach, Durch die Huͤlfe ermuthigt, machten die Fluͤchtigen Halt, und ſehr natürlich, daß Adalbert bald uͤbermannt, vom Roſſe ge⸗ worfen und gefangen wurde; zwar wehrte er ſich mit der Kraft eines Loͤwen, auch kamen ihm ſeine Freunde zu Huͤlfe, und würgten von außen auf den Haufen los. 8⁰ enen ſchnell fort, nach der Burg zu brin⸗ en, und dann dem Gefecht ein Ende zu achen. Das geſchah; Adalbert wurde on mehreren Neiſigen in die Mitte genom⸗ chnell vorwaͤrts nach Burg Ablerhoͤh. In ieſem Augenblicke war der alke Konrad, der ſich in einem dichten Haufen befand, in Gefahr, niedorgehauen zu werden, da er ſich nicht geben wollte, Hans gewahrte es, ſprengte hinzu und donnerte Halt. Dann 8 er ihm, nachdem ſich ſeine Hitze geleg uen, und trotz ſeines Straͤubens ging es wendete er ſich zu Konrad:„Jetzt iſt meine Schuld bezahlt, nun zieh nach nach Hauſe.“ Schmell gab er das Zeichen 8 ur Ruhe, und ſprengte davon; dann ſchickte er einen Ritter an Konrad, den Feden mit ihm zu unterhandeln, indem 7 2 wozu die Feuererſcheinung bedeutend mit 8 gewirkt haben mochte, ſagen ließ, mit ihm habe er in dieſer Fehde fortan nichts mehr zu ſchaffen, und mit ſeinem Sohne wolle er ſchon fertig werden, er werde jetzt Gele⸗ genheit, haben zu erfahren, wie es mit der Dirnenraͤuberei ſtehe; die hochfliegenden Plaͤne werde er ihm ſchon aus dem Kopfe zu bringen wiſſen, im Übrigen ſolle ihm fuͤr jetzt kein Leid geſchehen, wenn er ſich nicht unanſtaͤndig bezeige. Mit dieſen Auf⸗ traͤgen verſehen, ritt Heinrich von Vlies⸗ 3 burg, ein Vaſall des alten Hans, und zu⸗ gleich Konrads Freund, zu dieſem hinuͤber, und Hans ließ die Mannen, nachdem er ihnen Daahrüng und Trank hatte geben laf⸗ der Nachrichten, die der Bote uͤberbrachte. Faͤrs erſte hatte er nicht geglaubt, daß dieee Fehde ſo baldiges Ende nehmen werdez füͤrs V zweite kam ihm die Nachricht, daß ſäin Sohn gefangen, ſo ganz unmoͤglich vor, daß er vor Schreck daruͤber, faſt vom Roſſe geſunken waͤre, wenn ihn nicht ſein Freund, der Vliesburger ſelbſt, zur rechten Zeit thaͤ tig unterſtuͤtzt und zugleich erinnert haͤtte, daß er kein Leid fuͤr ihn zu befuͤrchten habe. Anfaͤnglich war er nicht zu beruhigen, und wollte gleich mit all ſeinen Mannen nach, um ihn zu befreien, als ihn zu rechter Zeit ſein gelaͤhmter Arm, und zugleich ſeine Freunde an die Unmoͤglichkeit eines gluͤck⸗ lichen Erfolgs erinnerten, und ihn ermahn⸗ 1 ten, die Friedensvorſchlaͤge anzunehmen; 1 lenkte er fain Roß, und ruͤckwaͤrts ging de 4 83 Zug nach Loͤwenau. Waͤhrenddem war der Zug Reiſige, welcher Adalbert gefangen fuͤhrte, auf Adlerhoͤh angekommen, wo die ſchoͤne Bertha auf der Zinne, die Nuͤckkehr des Heeres erwartend, ernſte Gebete um Sieg fuͤr ihren Adalbert zum Himmel ſen⸗ dete; denn daß ſie ſich fuͤr einander erklaͤrt, wird keiner meiner Leſer mehr bezweifeln. Als ſie ihn daher entwaffnet in der Mitte der Knechte erblickte, waͤre ſie faſt ohnmaͤch⸗ tig zuſammen geſunken; ſie ermannte ſich jedoch zu rechter Zeit, und eilte hinab, um 1 ahn bei der Abweſenheit ihres Pflegers noch einmal zu ſprechen, und ihn ihrer Liebe und Freue e z1 berſe ichern. Athemlos, ſich— 8 8 4 auf der Burg mit dem Gefangenen Zwei⸗ geſpraͤch halten duͤrfe, und daß ſie ſich nur bald entfernen moͤge, wenn ſie ſich nicht dem Zorne des gleich nachkommenden Burg⸗ herrn ausſetzen wolle. Beſchaͤmt, ihre Lei⸗ denſchaft hier verrathen zu haben, im In⸗ nerſten betruͤbt, ſich von ihrem Adalbert ganzlich, und vielleicht auf immer getrennt 3 zu ſehen, befolgte ſie unwillkuͤhrlich des Knappen Nath; aber ſie wankte mehr als ſie ging, nach ihrer Klauſe. Der Knappe hatte wahrgeſprochen, eben kam der alte Hans mit den aͤbrigen Rittern; Adalbert ſtand noch auf dem Hofe, bei ihm ſeine Suter Keines Blick's ihn würdigend, ging der Alte an ihm voruͤber, und befahl eine Knappen, man ſolle den Gefangenen i ein anſtaͤndiges Zimmer bringen, und er, der Knappe, mit ſeinem Kopfe fuͤr ben Gefangenen haften. Alles geſchah puͤnkt⸗ lich, wie es Hans befohlen. Adalbert wurde in ein freundliches Gemach gebracht, wo Jalles zu ſeiner Bequemlichkeit eingerichtet zu ſeyn ſchien; man brachte ihm Wein und gute Speiſen, und er vermißte hier nichts, als ſeine Freiheit, an deren Verluſt ihn hauptfaͤchlich ein unter ſeinem Fenſter hin unnd her ſchreitender bewaffneter Knecht 4* mahnte. So faß er den erſten Tag und die folgende Nacht. Am Morgen kam ein Kuappe, welcher in Bertha's Namen ſein Beſinden erkundete, und ihm friſche Nah⸗ rung brachte Wie ſehr Adalbert dadurch erheitert wurde, laͤßt ſich nicht ſchi der 2 er gkeich nur erſt dieſe Trank und Speiſe reichen; uͤbrigens wuſſ ner Freiheit beraubt war, und es ihm auch hier an nichts fehlte, ſo erquickte es ihn doch ſo, wie der erſte Herbſtregen eine durch⸗ gluͤhte Steppe; wie dort alles erfriſcht her⸗ vorſchießt, ſo ſchoß ihm augenblicklich der Gedanke: Bertha kann etwas zu deiner Frei⸗ heit beitragen, kann mit dir frei werden, durch den Sinn. Er lies ihr durch den war Dhahe der ſie auf dem Hofe warnte— ſeinen berzlichſten Gruß und Dank vermel⸗ den, daß ſie ſo lebhaft Antheil an ſeinem Schickſal nehme, uͤbrigens ließ er ihr ver⸗ ſichern, daß er ſich, trotz ſeiner Gefangen⸗ ſchaft, deren er doch wieder los werden muͤſſe⸗ unendlich glücklich in ihrer Naͤhe fühle; weit glucklicher wuͤrde er ſich jedoch fuͤhlen, wenn er ſie nur mit einem Blicke ſehen, 87 aus ihren holden Augen die Beſtäͤtigung ſeines Glückes leſen duͤrfte. Der Knappe ging. Nicht lange waͤhrte es, ſo wurde der wacheſtehende Knecht abgeloͤſt, und der Poſten blieb leer; dieß bemerkte Adalbert erſt nach einiger Zeit, indem unvermuthet Lautentoͤne ſein Ohr trafen; er oͤffnete leiſe das Fenſter, und erblickte unter einer da⸗ ſelbſt ſtehenden Linde ſeine Bertha ſitend, wie ſie eben beſchaͤftigt war, eine geſprun⸗ gene Saite wieder in den Stand der Brauchbarkeit zu ſetzen. Wehe, dachte er, das Springen der Saite gibt eine ſchlimme Vorbedeutung; im Augenblicke wo ſie dich erfreuen will, wird ihr das Mittel dazu un⸗ 3 treu. Hartes Schickſal, daß du die Ben. den der Sterblichen ſo oft im etſten tſehen dernhreſ Wkeena dusi Betrachtung hatte ſie die Saite wieder feſtgeknuͤpft, und begann nun mit ihren zarten Fingern die Saiten zu Silberwellen zu ruͤhren, und die reizendſten Toͤne dar⸗ aus zu locken. Ha, dachte er, wie er von ihrem holden Spiele ſo erfreut daſtand, auf Regen folgt doch Sonnenſchein, auch ſonne wird wieder ſcheinen, die ich emporſteigenden Toͤne verkuͤnden es mir.— Nach einer herrlichen, gemuͤth⸗ 3 vollen Einleitung ſang ſie ein ihm wohl bekanntes Lied, deſſen Inhalt die Tugend pries, und zur Standhaftigkeit und dem Gutbleiben ermahnte. Laͤnger konnte er ſich nun nicht mehr hallen, nachdem ſie geendet, rief er hinab:„Ja, holde Bertha, gut will Uich bleiben, aber auch nie aufhoͤ⸗ sren, Euch fuͤr Eure Liebe mein trauts Freude waͤhrte jedoch nicht lange 89 Herz zu weihen.“ Erſchrocken fuhr Bertha auf, winkte ihm zu ſchweigen.„Um alles in der Welt,“ rief ſie ſo leiſe, daß er die 1 Ohren gewaltig ſpitzen mußte, um ſie zu verſtehen,„ſchweiget davon, wenn Ihr Euer und mein Schickſal nicht verſchlimmern wollt. So viel kann ich Euch ſagen, daß der Bote von Eurem Vater zun iſt, und daß Ihr Eurer Pns an ene ſeyn werdet, nur huͤtet Euch um Gottes⸗ willen von Liebe zu ſprechen.“ Adalbert dankte ihr ſhweigend, und Betha verließ den Ort, froh von keinem 6 Spaͤher hier getroffen zu feyn, und recht innig erfreut, daß ſie zur Erheiterung i 3 res Adalbert etwas beigetragen habe. der Leſer beim Beginnen ihres Spiels ge⸗ dacht haben wird, war geſchehen, ſie hatte außer Adalbert noch einen Zuhoͤrer, der ſich aber weislich verborgen gehalten ge⸗ habt; der heuchleriſche Benedikt hatte ſie mit der Laute uͤber den Hof ſchreiten ge⸗ ſehen, war ihr nachgeſchlichen, und hatte nun Wort fuͤr Wort aufgefangen. Schnell lief er mit ſeinem Schatze zum alten Hans, und erzaͤhlte im Vertrauen noch viel mehr, als er gehoͤrt und geſehen hatte; that zwar, ahls ob er ihn keineswegs dadurch beunru⸗ higen wollte, ſtellte aber ſeine Worte doch ſoo gut, daß dieſer im hoͤchſten Zorne den beiden jungen Leuten Tod und Verderben ſſchwur, wenn ſie fortfuͤhren, an eine Ver⸗ inigung zu denken, aus welcher nie und nuimmer etwas werden edürfe. ſo tange er 9 ½ es zu hindern im Stande ſey. Er entließ den Moͤnch, rief einem Knappen zu, der gefangene Nitter ſollte gebracht werden, und warf ſich nun in ſeinen Lehnſtuhl, wo er faſt regungslos liegen blieb. So traf ihn der eintretende Adalbert. Schwei⸗ gend winkte Hans dem Knappen„ ſich zu entfernen, und mit einem Auge voll Zorns und Verachtung, Adalbert ſich zu ſetzen; dieſer blieb ſtehen, aber ſchnell winkte Hans mit einem befehſenden Blicke noch einmal, er nahm alſo Platz. Das Schweigen waͤhrte fort, endlich brach es Adalbert, dem es ſchon beim Niederſetzen zu lange gewaͤhrt hatte,„Herr Ritter Hans von Adlerhoͤh,““ begann er,„Ihr habt mich zu Euch be⸗ ſcheiden laſſen, wollt Ihr mir ſagen ich bei Euch zu erwarten habe?“ 9²2 Hans. Ihr ſeyd ſehr neugierig, jun⸗ ger Herr; Zeit genug werdet Ihr mehr noch zu hoͤren bekommen, als Euch lieb ſeyn duͤrfte. n 5 Adalbert. Ich muß es erwarten, da ich in Eurer Gewalt bin. Hans. Das iſt das Beſte im Liede. Es wurmt Euch wohl ſchier, daß Ihr hier bei mir ſitzen muͤßt, ohne liebaͤugeln zu konnen? Adalbert. Euch darauf zu antwor⸗ ten, Herr Ritter, ſcheint mir, ſey ich nicht verbunden. Was Ihr uͤbrigens damit ſagen wollt, fieht ein Blinder; laber ich bin auf Alles gefaßt, und ich fage es Euch ernſt und gerad, wie ich es gewohnt bin, ter meiner Geliebten ſoll mich nicht 95 Hans. Ei ſeht doch den großmüͤthi⸗ gen Ritter. Wo iſt Euch denn auf einmal dieſe Großmuth hergekommen, wenn man fragen darf? Ich ſollte meinen, Ihr haͤt⸗ tet Euch erſt neulich von einer ganz andern Seite gezeigt; bei dem Auftritte im Walde vermißte man die ritterliche TnGand gaͤnz⸗ lich an Euch. Avbalbert. Was meint Ihr damit? Wie ich und mein Vater die Muͤllerdirne aus den Klauen Eures Pfaffen entriſſen? Da mag aber auch ein Anderer den Sieg davon tragen, wenn zwanzig und mehr uͤber Dreie ſind; ſie haͤtten uns am Ende zu Brei ſchlagen koͤnnen, wenn ſie nicht „ui anns ighet davon gejagt haͤtte. Hans. Da haͤttet Ihr den gerehten 4 ehe fuͤr Eure That hekommen⸗ Ooch 4 was wollt Ihr vom Entreißen aus den Klauen meines Pfaffen? Junger Herr, Ihr ſeyd in meiner Gewalt, und ich weiß nur zu gut, daß Pater Benedikt ein gar frornmer Mann iſt, ich werde ihn gegen Euer Läͤſtermaul zu ſchuͤtzen ziſene Das iſt das Beſte im Liede. t A bdalbert. Und ich weiß nur mehr als zu gut, daß Euer Pfaffe ein Schurke und Dirnenraͤuber, und mir feind iſt, weil ich ihm ehrlicher Weiſe einen Raub vor der Naſe wegziehen wollte. Hans. Ihr ſprecht da Dinge, die Ihr nun und nimmer verantworten koͤnnt; dankt es meiner alten Freundſchaft, daß ich nicht läͤngſt ſchon haͤrter gegen Euch ver⸗ fahren. Wißt Ihr denn auch, was es heißt; dieſen Mann Gottes bei mir ver⸗ kleinern wollen. Adalbert. Wohl weiß ich, wie Großes Ihr auf dieſen heuchleriſchen Bo⸗ ſewicht haltet; aber verlaßt Euch auf mich. der Glaube wird Euch, wenn Ihr ihm zu viel trauet, in die Häͤnde kommen. Hans. Nein, das iſt zu viel! Soh ich ihn Euch gegenuͤberſtellen, daß er Euch zu Boden donnere? Ihr wollt dieſem heiligen Manne Dinge aufbuͤrden, die Ihr gethan; Ihr, Ihr nennt ihn einen Dirnen⸗ raͤuber? Nun, bei allen Heiligen, das iſt das Beſte vom Liede. Seyd doch ſo gut, und bringt mir von alle dem, was Ihr da geſagt, nur einen Beweis, Ihr wißt, ich bin ein Freund davon, dann koͤnnte. es ſeyn, ich glaubte Euch, aber ſo, fagen Iähf ſich viel, aber ueweſa oft ger 96 Adalbert. Ritter, gebt mir meine Freiheit, verſprecht mir, Bertha keinem Andern zu geben, bis ich Euch den Be⸗ weis gebracht, und Ihr ſollt ſehen, wie bald ich wieder bei Euch ſeyn will; zum . Vllat⸗ weiß ich, was ich zu wiſſen noͤthig habe. Hans. Wie? Bertha keinem An⸗ dern geben; Euch die Freiheit, und Ihr woollt bald wieder bei mir ſeyn?— mir Beweiſe zu bringen, und Bertha zu ent⸗ fuͤhren, woran Ihr das letzte Mal gehindert wurdet, iſts nicht ſo? Sis Adalbert. Nein, Ritter, darauf habe ich fuͤr Euch keine Antwort. Jetzt mag ich meine Freiheit nicht, jetz mag ich Euch keinen Beweis bringen; der Himmel wird's führen, wie es gut ſe wird. Eins nur vergoͤnnt mir: † det, 92 einen Boten an aboleh von Kyffheim, und laßt ihn zu Euch entbieten, und wenn er gekommen, dann laßt mich wieder xu. fen, fuͤr jetzt gehabt Euch wohl. i Ehe Hans ein Wort fnnden vnnte, war Adalbert hinaus, und eilte nach ſeiner Wohnung, wo er nicht eher wieder heraus⸗ treten wollte, als bis ſich ſeine Unſchuld erklaͤrt habe. 4 Hans war uͤber ſein ganzes Benehmen hoͤchſt aufgebracht, hauptſächlich daruͤber, daß er die Verbindung mit Bertha noch immer nicht aufgeben wollte. Er eilte zu ſeinen Freunden, die noch im Ritterſaale 6 verſammelt waren, um da ſeinen unmuth zu Berttineen allein er machte dadurch das Abalbert ins Gefäͤngniß werfen laſſen wollte, und ſeine Freunde hatten Muͤhe, ihn von einer doppelten Übereilung und Ungerechtigkeit abzuhalten. So ſtanden die Sachen, als der ver⸗ traute Knappe zu Bertha geſchlichen kam, und was ihr von Adalbert zu wiſſen noth war, erzaͤhlte. Adalbert war ihm naͤmlich begegnet, und aus ſeiner Haſt hatte er be⸗ merkt, daß etwas Wichtiges vorgegangen ſeyn muͤſſe. Im Namen ſeiner Gebieterin hatte er ihn gebeten, es ihm zu vertrauen; das hatte Adalbert zum Theil gethan, und nun wiſſen wir uns auch die Urſache von Bertha's heißen Thraͤnen, die wir gleich Anfangs haben fließen geſehen, zu erklaͤren Sie berathete ſich mit ihrer treuen An ie ernſtlich bemüht war, die Dur ben, oder wenigſtens ihre jetzt ſehr bedrohte dies geſchah, bemerkte ſie, wie Einer eine Strickleiter am Famſter befſigu dies 94— 8 Muhe, und nun Aſebs ſich der Aus, hoͤch 1 101 hr, ſie ſolle ihre Juwelen zu ſich ſtecken, ſie oͤffnete ein Wandſchraͤnkchen, und that es, dabei ſteckte ſie in der Schnelle einen Dolch, der dabei lag, zu ſich; indem ſie nun wohl ſahe, worauf es abgeſehen ſey, ſo wollte fie nicht von Raͤuberhaͤnden. wo⸗. für ſie die ſaubere Geſellſchaft hielt, den 4 Tod empfangen, ſondern ſich ihn ſelbſt ge Unſchuld damit vertheidigen. Während moͤge, ſie ſey entflohen. Man gebot ihr jetzt nochmals, unter Drohungen aller Art, den langen Corridor, die Stiege hinab⸗ üͤber den Hof, nach dem kleinen Hinter⸗ pfoͤrtchen; dies war ſchon geoͤffnet, man ſchob ſie hinaus, ihre Begleiter folgten, bis auf einen, der die Pforte von innen wieder verſchloß. Man fuͤhrte ſie auf die andere Seite der Burg, hob ſie auf eins von den bereitſtehenden Roſſen, und nun ging es anfaͤnglich langſam und leiſe, dann ſchneller und ſchneller vorwaͤrts in die tNaht hinein. Den auf der Burg Zurückbleibenden 3 1 werden ſich meine Leſer wahrſcheinlich den⸗ en. Es war niemand anders als der heuchleriſche Moͤnch, der zwar anfaͤnglich genug hatte, und gewonnen Spiel zu ha⸗ ben glaubte, weil die Fehde begann, a3 weil er ſeinen Erbfeind gefangen ſah; abe 3 G 103 nun auch Alles zu verlieren fuͤrchten mußte, wenn er es ruhig abwarten wollte, bis jener Adolph von Kyffheim ankomme. Ber⸗ tha mußte von da weg aus der Burg, damit man, wenn dieſer ja komme, mit andern Dingen beſchaͤftigt ſey, als an Adalberts Angelegenheiten denken zu koͤn⸗ nen. Er hatte in der Abſicht ſeine Raub⸗ 1 gefellen aufgeſucht, und ihnen unter Ver⸗ heißungen reichen Lohnes zur Pflicht ge⸗ macht, ſie nach dem Kloſter der lieben Frauen zu bringen; daß ſie daſelbſt ſogleich einge⸗ kleidet werde, wie die neulich dahin gebrach⸗ te Dirne, werde dieſer Brief, den er ihnen uͤbergab, bewirken, und wenn ſie nur ein⸗ mal eingekleidet ſey, dann habe es nichts 4 zu bedeuten, dann wolle er Ichor ſer⸗ 3 6 en. Und ſo kam es auch, erſ gte; 104 ſeine Sorge war eine graͤnzenloſe Angſt, in welcher er ſich, da es ihm doch ſonſt nie an 5 einer Aushuͤlfe fehlte, weder zu rathen noch zu helfen wußte; der Brief wurde ſein Verderben. Als wenn er die ruͤhmlichſe That be⸗ gangen, und Gott für ſeinen Segen dazu in der freien Natur ſein Morgenopfer brin⸗ gen wolle, zeigte er ſich den Burgbewohnern am Morgen, indem er das Außere der Burg umging. Bei der Gelegenheit kam er auch 1 unter Bertha's Fenſtern voruͤber. Wie von uungefaͤhr blickte er in die Hoͤhe, und mit einem Ausruf des Entſetzens kehrte er eilend zuruͤck, hin zum alten Hans, ihm die Un⸗ glüͤcksbotſchaft zu verkünden, daß an den einen Fenſter von Bertha's Klauſe eine Strick — leiter bsfähg und daß ſie hoͤchſt uahrſan lich dieſe Nacht entfuͤhrt oder gar geflohen nachſehen, ob der gefangene Ritter nicht zu entdecken, Abalbert horte den Lärm im los zu ihm herein, und berichtae. daß — 105 ſey. Zugleich erinnerte er, man moͤge doch— etwa auch fort ſey, dann ſey es klar. wo ſie ſich befinde. Der Ritter war nun wohl noch da, aber was nun anfangen, woher eine Vermuthung, wohin ſie ſich gewendet, nehmen. Eilig wurden Boten nach allen Enden ausgeſandt, um vielleicht eine Spur 4 Schloſſe und war begierig zu wiſſen, was es gaͤbe; da ſtuͤrzte die treue Anna athem⸗ 4 das Fraͤulein Bertha heute Nacht wahr⸗ ſcheinlich geraubt ſeyn muͤſſe, denn ſie ſey nitgends zu finden, und an ibrem Fenſtar ſey eine Strickleiter beſeſigt. 106 ſe ſtuͤrzte er fort zum alten Hans.„Rit⸗ ter,“ rief er dieſem entgegen,„ich habe die Trauerbotſchaft vernommen, um Gotteswil⸗ 4 ien gebt mir jetzt meine Freiheit, daß ich Bertha auſſuche und befreie; und nehmt — mein ritterliches Ehrenwort, daß ich ſie be⸗ freie, oder Ihr ſeht mich nie wieder.* Hans. Das Letztere koͤnnte wohl ge⸗ ſchehen, auch wenn das Erſte ſtattfaͤnde. Daß ich ein Thor waͤre, und Euch frei zie⸗ hen Uieße. Erſt waͤre das Taͤubchen hinaus, nun wollte ſich der girrende Tauber durch eine Liſt nachhelfen. Nein, nein, bleibt 4 nur, junger Herrz die ungerathene Dirne — 1 wird auch ohne Euch wieder gebracht wer⸗ 13 dertet Ihr einen Vertheidiger; wohlan, e 3 wird kommen, dieſen Morgen in aller Fuun in Bote nach ihm geſendet. 5 den. Ihr muͤßt bleiben, denn geſtern for⸗ 107 Adalbert. Ihr wollt es, ich muß bleiben, und wenn dem ſo iſt, wie Jhr mir eben ſagt, ſo kann und will ich ganz ru⸗ hig ſeyn, da ich dann gewiß meine Freiheit erlangen werde. Und dann, dann Bertha, und wenn man dich in dem Mittelpunkt der Erde verborgen haͤtte, dann will ich dich ſinden, und den Buben, die dich ge⸗ fangen halten, entreißen.— Der Moͤnch, der zugegen war, wuͤnſchte ihm zum Voraus Gluͤck dazu, im Abgehen ſagte er mit bos⸗ haftem Laͤcheln gedehnt: Wenn Ihr Euer Ziel nur ſchon erreicht haͤttet. Adalbert. O, laß mich nur ſorgen, Pfaff, und— riefer ihm nach:„Wenn Du felbſt ſie verborgen hätteſt, ich finde fte⸗ Damit verließ er den Ritter. Dieſer ſaß ſinnend in ſeinem Lehnſeſſel und bau n9s Plane, die er, wie ſie entſtanden, wieder verwarf; ſo kam der Mittag heran, und die Boten kamen einzeln unverrichteter Sa⸗ che wieder zuruͤck, Keiner brachte die gering⸗ ſte Nachricht; nur einer fehlte noch, es war Bertha's Vertrauter, Bruno, ein bejahrter, in Fehden wohlerfahrner Diener des Hau⸗ fes. Er hatte vor ſeinem Abgange die Burg „paͤhend umritten, und nicht umſonſt. An der Hinterſeite, links vom kleinen Pfoͤrt⸗ chen, wo der Fels, auf dem die Burg ſtand, ſteil in die Hoͤhe ſtieg, fand er ſeine Muͤhe ſchon in etwas belohnt; hier im moorigen Boden fand er friſche Huftritte mehrerer Roſſe, die von da weiter und weiter gingen, er ritt der Spur nach, die wahrſcheinlich, um das Nachforſchen zu erſchweren, durch Hecken und uͤber Graͤben fuͤhrte, die Spur 109 eines Roſſes aber fand er uͤberall in höriger Ordnung, dies brachte ihn auf It Gedanken, daß hier ſein Fraͤulein geritten ſeyn koͤnne. Er war ein gutes Stuͤck gerit⸗ 5 ten, da machte er Halt, um zu ſehen, wo er ſich denn eigentlich befinde, er uͤberlegte den zuruͤckgelegten Weg, die Lage der Burg, und fand, daß er ſich in der Naͤhe des Klo⸗ ſters der lieben Frauen befand; er ritt wei⸗ ter im Forſte, in welchem er ſich ſchon ei⸗ ne ziemliche Weile befunden, auf einmal aber hatte er ſeine Spur verloren, da ge⸗ wahrte er abgehaune Zweige an verſchiedenen Orten, er ritt dieſer Spur nach. Auf ei⸗ nem freien Platze angelangt, fand er die Spurih der Roſſe miedek⸗ er verfolg 110 ſtraͤuche erkennen konnte; aber auf einmal wmar auch die ganze Spur weg, die Roſſe hatten hier beiſammen geſtanden. Wahr⸗ ſcheinlich waren die Reiter abgeſtiegen, und hatten den Weg zu Fuße nach dem Kloſter fortgeſetzt. Wie froh war er, daß er ſo viel wußte; denn fuͤr ausgemacht hielt er es, daß dies der Weg der Raͤuber ſey. Er wen⸗ dete ſein Roß, und trieb es an, zu laufen was es konnte, um die Botſchaft nach Hauſe 8 zu bringen. Waͤhrend ſeiner Abweſenheit hatte ſich Benedikt mehrmals nach ihm er⸗ kundigt, ob er noch nicht zuruͤck ſey, und ob man nicht wiſſe, welchen Weg er einge⸗ ſchlagen. Die Knechte, die ihn alle nicht leiden mochten, hatten ihm kurz geantwor⸗ tet: nach dem Kloſter der lieben Frauen. 3 3 Dieſe Nachricht hatte er mit einiger Ver⸗ 111 legenheit aufgenommen, und einer hatte ihn 4 vor ſich reden gehoͤrt: Der Teufelskeri macht 3 mir die mehrſte Sorge.“ Dieſer hatte ihn gefragt, was er damit meine; aber kurz hatte er ihm geantwortet:„Nun ja, weil er ſo lange ausbleibt, am Ende iſt er ganz nachgeritten, und kehrt auch nicht wieder:“ Des Moͤnchs Rede ging dem Knechte im Kopfe herum, aber er ſchwieg. Endlich kam Bruno, ſein Roß war mit Schaum bedeckt, ſo war er gejagt. Haſtig ſtuͤrmte er die Stiege hinauf. hinein zum Ritter, er war allein, das war ihm lieb. Hans. Nun, kommſt Du endlich wieder, und haft Du gute Nachricht fuͤr mich? Bruno. Ja Herr, die hab ich. Herr, ich will nicht ehrlich heißen, wenn gewiß weiß, wo Eure Bertha v balten wird. 66 Hans. Alſo nicht ſelbſt entflohen, agt Du ue B runo. Keineswegs, edler Herr, geraubt, ſchaͤndlich Haanbs,, und ins Klo⸗ ſter gebracht. n Hans. Was ſagſt Du, ins s Kloſter? 1 Geh, ruf mir vor allen den Pater Benedikt. Bruno. Laßt den, edler Herr; ge⸗ waͤhrt mir meine Bitte, laßt ihn. Zu Euch geſagt, ich traue ihm ſchon lange nicht. recht, an der Fehde mit dem alten Konrad, Eurem Freunde, iſt auch Niemand Schuld, als er. Doch verzeiht meine Rede, ich will Euch erzaͤhlen, was ich weiß, dann zuͤrnt auf mich.— Nun erzaͤhlte er ihm, was wir bereits wiſſen. Am Ende meinte der Alte: Du haſt Recht, Bruno, ich will Dir fol⸗ nd allein handeln, ohne den Mna geen, un .41 113 denn iſt ſie im Kloſter, ſo hilft er mir* ) nühtse uñd iſt ſiedicht ba ſp kann ermrr nicchts helfen. Aber was ſoll ich anfangene gewaltſam gegen das Kloſter verfahren geht 3 nicht; zuletzt werde ich doch meinen Geſange⸗ nen loslaſſen muͤſſen, denn daran iſt er doch unmoͤglich ſchuld; haͤtten ſie ſeine Freunde geraubt, ſo wuͤrden ſie ſie doch wahrlich nicht ins Kloſter gebracht haben. Faſt leuch⸗ tet mir ein, daß der Pfaffe darum weißz lange ſchon hat er mir angelegen, Bertha dem Kloſter zu weihen, und immer habe 8 ich ihm keine genuͤgende Antwort gegeben, 8 woruber er ſeine Unzufriedenheit freilich nie laut aͤußerte, aber ich habe es ihm doch aangemerkt, daß es ihn wurmte.— Aber nein, nein, ſage ich, daß kann ja nicht ſeyn, ſo gewaltſam und heimtükiſch kann 114 er ja gar nicht verfahren.“ Jetzt trat ein Knappe ein und meldete den Ritter Adolph von Kyffheim.„Er iſt willkommen,ief Hans auffpringend;„vielleicht kann der mir rathen.“ Der Ritter trat ein, Bruno perlief das Gemacht. era Hans(ihm entgegen). Seyd mir herzuih willkommen Ritter, und habt zu⸗ gleich Hunt, daß dh meine Bitte 4 bald efue Jeles Adolph. Nichts als Schubigket buteer hebe alſo keines Dankes. Ich eilte, weil ich errieth, weshalb Ihr mich zu Euch entbieten ließet; denn einem Freunde aus der Noth zu helfen, kann man ja nie zu hln kommen, Euer Gefangener— ban⸗ „Hans. So iſt es. Aber ich bin— chen im Voraus ſo ziemlich von n ſtna 3 115 Unſchuld. uͤberzeugt, daß dies Geſchaͤft ab⸗ 8 zumachen ein leichtes ſeyn wird. Laßt mich vorerſt Euren Rath in einer andern 1Ei legenheit nuͤtzen. Adolph. Sagt nur an, wenn ich Euch in etwas dienen kann, ſo ſoll es, da ich Euch ſo finde, von Herzen gern ge⸗ ſchehen. Hans. Ihr trefft mich in enerdage welche mir den Kopf ſo verrüͤckt hat, daß ich mir ganz und gar nicht zu helfen weiß. Ihr kennt den Handel meiner Nichte mit Konrads Sohne wahrſcheinlich zur Gnüge. Seitdem hielt ich ſie etwas ſtreng, und dem armen Dinge mag das Herzchen gewaltig gepocht haben; ich haͤtte auch noch hart ge⸗ — gen ſie ſeyn koͤnnen, aber da mir es ſo geht, 1.4 annß wohl das Ganze eine andere Wendung 3 116 nehmen; denkt nur, heute Nacht iſt ſi ſie mir entfährt, ſchaͤndlich geraubt worden, und ihr Buhle iſt doch hier auf der Burg. Adolph. Ritter, Ihr macht mich er⸗ ſtaunen! Aber habt Sär Weidiuzf wo d ſi. bingekommen? Hans. Einer meiner Knappen hat eine Spur nach dem Kloſter der Ueben Frauen gefunden. 1 Adolph. Halt, jetzt faͤllt mir etwas ein; es iſt doch manchmal gut, wenn man auf den Weg ſieht, den man vor ſich hat. Da habe ich unterwegs, eben von dieſem Kloſter daher, ſeitwaͤrts vom Wege, einen Brief gefunden; weil keine Aufſchrift darauf wmar, offnete ich ihn, und was ich daraus — zuſammenbtingen k konnte, ſagt nir, daß es ie rechte Spur ſeyn tonne, die Euer Knappe 217 t gefänden. 36. Lehsbet ſchon das arme le haͤtte gher, nie e geglaubt daß 26 Eue Nichte ſeyn werde. S Hans. Habt Ihr den Brief gier: 8 A dolph. Hixiſter. „Hans. He, Knappe! Pater Bene⸗ ₰ ditt ſoll gleich hierher kommen. 4 Adolph. Halt. Wer iſt aeseBencite Hans. Mein Beichtvater. 1ns Adolph. Ein Benediktus ſteht im 1 Briefe unterſchrieben, es wird doch nicht der⸗ 12 ſelbe ſeyn? Laßt aber fuͤr jetzt dieſen nicht rufen. Gibt es denn niemand anders in der Burg, der beſſer leſen kann als ich⸗ Hans. So ruf. mir den Bruno, der kann auch leſen wie ein Mänch. Der Knap⸗ e ditte fort, und ſesisch erſchien Bruno. 118 4 Adolph. Iſt das etwa der, welcher„ die Spur gefunden?(Bruno bejaht es.) 84 Nun, gluͤcklicher Jaͤger, Du 38 ſoſfenelich⸗ 8 auf guter Faͤhrde. Hans. Du ſollſt uns durch Deine Kunſt, die Du den Moͤnchen abgelernt haſt,„ Licht in der ganzen Sache geben; dieſer Brief hier enthaͤlt ſonder Zweifel das ganze 4 Geheis mniß, wo meine gute Bertha hinge⸗ kommen. Eile, ihn uns aus einander zu ſetzen. 4 Bruno. Ei, das iſt ja des Feanmen Wenedit Geſchreibſel. 1 Adolph. Dachte ich es doch, daß der Dieb in Euten eignen Mauern hauſte.) Hans(zu Bruno). Lies, ich kann 1 88 kaum erwarten zu hoͤren. Bruno iieſh. Hochwürdige Frau. Im Herin geliebte Schweſter! endlich ſt bin der Herrſchaft Adlerhoͤh, daß ſie bei Euch. daß Ihr ſie ſo bald als moͤglich einkleidet, dafuͤr will ich ſchon ſelbſt beim alten Hans „ ſorgen, Ihr verſteht mich ſchon. Bis jetzt hen wir am lange erwuͤnſchten Ziele; ich ſende Euch nebſt dieſem Schreiben, die reiche Er⸗ bleibe, iſt Eure Sorge. Mein Rath iſt, ohne Probezeit; ſie muß ja einmal da blei⸗ ben, darum thuts je eher, deſto beſſer, dann iſt ſie fuͤr die Welt verloren, und ihre Schaͤtze ſind unſer; daß dies bald geſchehe, hat mir es viel Muͤhe und Vorſicht geko⸗ ſtet, und beinahe waͤre ſie uns noch ent⸗ wiſcht. Die erzielte Fehde hatte ich ganz gluͤcklich über den alten Konrad und ſeinen Buben verhangen, noch glüͤcklicher brachte Letztern ſeine Unbeſonnenheit in Gefangen: ſGaſt aber da ſollte, wie ich REluufh 120 Adolph von Kyffheim ſeine Unſchuld beſtaͤs meine ganze Muͤhe und Hoffnung verloren geweſen. Ich ſuchte daher in Eile meine Getreuen auf, brachte ſie zur Nachtzeit in die Burg, und nun iſt die Dirne in Eurer Gewalt. Was ſie an Juwelen von hier mitgenommen, das haben ihre Begleiter s Lohn verdient, Ihr duͤrft euch alſo nicht undem, wenn ſie fuͤr jetzt nichts zu Euch bringt, deſto mehr kommt noch nach. poffentlic nun auch nicht nach Adlerhoͤh, denn der Bote, der ihn holen ſollte, iſt ganz gewiß von meinen Leuten aufgehoben. Der Laffe Adalbert bleibt alſo fortwaͤhrend in Gefangenſchaft, und wir haben nichts 8 tigen, haͤtte ich dies abgewartet, ſo wäre A „Jener Adolph, von Kyffheim kommt zu befuͤrchten; den einfaͤltigen Hans bringe „ ich ſchon auf andere Gedanken, und wie geſagt, auch bald in ein ander Land. Noch eins, wie befindet ſich denn das 5 Dirnchen, daß ich Euch neulich zuſchickte, iſt ſie eingekleidet? Die hat freilich nichts mit⸗ gebracht, aber Ihr muͤßt ſie mir und dem reichen Fraͤulein zu Gefallen, ſchon behal⸗ ten. Der alte Hans machte ſchoͤne Augen, als ich ihm ſagte, Adalbert und Ko⸗ d haͤtten ſie zu Euch gebracht. Ha 5 883 was man ſo einem alten Narren alles auf⸗ heften kann, wenn man ihm einmal glau⸗ 1 ben gemacht hat, man ſey, was das Laien⸗ volk ehrlich nennt. 195 Ich brenne vor Begierde, bald in Gure Arme zu eilen, gehabt Euch indeß moh, die heilige Jungfrau ſegne Euch. 1 Nochmals bitte ich Euch, vergeß 3 Rath nicht. Benediktus. Burg Adler⸗ hoh, am dritten Tage nach St. Jakobus, t. J. J. d. H. 1279. 1, del Wie vom Donner geruͤhrt, ſtanden ſchon waͤhrend dem Leſen die Ritter, und lange bedurfte hauptſaͤchlich der alte Hans ſich 8 wieder zu erholen.„Steht das alles ſo da“ fragte er endlich Bruno, der den Brief noch in ſeiner Hand hielt, und noch ein⸗ mal zu leſen begann.. Bruno. So gewiß ich elig zu wer⸗ den wuͤnſche, edler Herr. 3 Hans. Gutß aber Du ſollſt mirs buͤßen, grauer Boͤſewicht, mein Vertrauen ſo ſchaͤndlich zu mißbrauchen. 1 Nun war ſein erſter Gedanke, Abalbert in Freiheit zu ſetzen. Er bat daher Adolph, er moͤchte dies Geſchaͤft uͤber ſich nehmen, 8 1253 und ihn in ſeinem Namen, da er jetzt nicht im Stande ſey, es ſelbſt zu lthun, tauſendfach um Verzeihung bitten, und ihm jegliche Genugthuung zuſichern. Zu⸗ gleich ſandte er den treuen Bruno mit ſicherm Geleit in aller Eile nach Burg Loͤ⸗ wenau, und ließ ſeinen alten Freund Kon⸗ rad gar freundlich zerſuchen, zu ihm zu 3 2 kommen, und das Feſt der Befreiung ſei⸗ nes Sohnes, ſeiner Bertha und der Muͤl⸗ lerdirne mit zu begehen. Er habe ſein be⸗ gangenes Unrecht vollkommen eingeſehen, und bereue es innig, wolle auch allen an⸗ gerichteten Schaden, ſo weit es in ſeinen Kraͤften ſtehe, wieder gut machen. i 4 Jetzt kamen Adolph und Adalbert, uns eilte ihnen entgegen, und ſchloß den ſwerbeleidigten Adalbert ſtumm in ſeine 8 124 Arme, dieſer erwiederte die Umarmung lebhaft; nun erſt vermochte Hans Worte zu finden. a m ge Hans. Fordert jede⸗ Genmgthwung Ritter, nur verzeiht mir; ich habe Euch ſchwer, ſehr ſchwer beleidigt, aber ich will alles, alles wieder gut machen; ich will alle Eure Wunſche erfuͤllen, nur verzeiht mir, ich will Bertha Eure Arme geben und. Euch zum glücklichſten Paare machen, nur nerhilht mir. Ad albert. Wahr iſt es S Ihr habt mich ſchwer beleidigt, aber ich verzeihe ohne alle Genugthuung dem Vater meiner Geliebten; Ihr waret ja nur die unſchuldige Urſache ſchaͤndlicher pfaſfenaͤnke, Ihr waret einer von den Geißane 1 4 9 125 zerreißen drohen. Ich freue mich gneiner Freiheit, die ich, nach dieſes Ungeheuets 8 Willen, wohl nicht ſo bald wieber genies. ßen ſollte. Was wuͤrde er Euch nicht noch alles vorgeſchwatzt haben! Doch jetzt laßt uns eilen, Bertha in moͤglichſter aaus den Klauen ihrer Peiniger zu beſteten, N ſehe uns dieſe Befreiung erſchwert wird.—e N Gemeinſchaftlich beriethen ſie, wie das Werk am ſicherſten zu betreiben ſey. Zuerſt wurde daher beſchloſſen, ſich des Moͤnches zu bemaͤchtigen, der ſchon an den Bewe⸗ gungen auf der Burg Unrath gemerkt ha⸗ ben mochte, und eben ſein Heil außerhalb derſelben ſuchen wollte. Der vom Burg⸗ verrn beauftragte Knappe, ihn mit Güte oder Gewalt zu ihm zu bringen, kam eben noch zu rechter Zeit, als das ſaubete — Mönchlain ſich euafehlem wollte.„Herr F Pater,“ redete er ihn kurz an,„Ihr ſollt zum Burgherrn⸗ kommen.“ Nothwendige Geſchafte in ſeinem Kloſter vorwendend, und ſogleich nach ſeiner Ruͤckehr zu erſchei⸗ nmen verſprechend druͤckte er ſich nach dem h Ausgunge Aber der Knappe, welcher ohnehin nicht etwa ſein ſehr guter Freund war, gedachte ihm nicht weit nachzulaufen, 7 8 packte ihn, und ſchleuderte ihn zuruͤck:„Ihr V 3 muͤßt zum Burgherrn, und daß jetzt, er. hat es befohlen.“ Und ohne weiteres faßte er ihn beim Kragen, und fuͤhrte ihn die Stiegen hinauf. Daß der Moͤnch uͤber Entweihung eines heiligen Dieners der Re⸗ A ligion, uͤber Grauſamkeit und Meuchelmord ſchrie, denn er mochte ſich wohl rrilären, daß ſein letztes Stündlein geſchlagen, d 5. A& 127 er Feuer und Schwefel uͤher dieſe ſundhafte Rotte herabbetete, laͤßt ſich denken„denn dieſe heiligen Diebe wollten ſich ja ſtets, auch wenn ſie ertappt waren, das Anſehen des groͤßten Rechtes geben. Hier half es ihm leider nichts; der Knappe, wenig Scherz verſtehend, raunte ihm ganz deutlich ins Ohr:„Moͤnch, wenn Ihr nicht aufhöͤrt zu ſchreien und ſo gottloſe Reden zun füͤhren, ſo macht Ihr, daß ich Euch die Gurgel zuſchnuͤre, und Euch damit noch eine Wohl⸗ that erzeuge, daß Ihr nicht im Thurme erhungern müßt. So atg, gedachte Be⸗ nedikt, wird es doch nicht werden; er hielt aber doch Schweigen fuͤr's Beſte, und ging gelaſſen, jedoch immer vom Knappen gehalten,— ſeinen Gang nach dem Gemach, wo die Ritter 8 . 128 ſich befanden; der Knappe ſtieß ihn hinein, daß er weit vorflog, er blieb an der Thuͤr 1 ſtehen, und berichtete, wie der hochwuͤrdige Hert eben damit begriffen geweſen ſey, die Burg zu verlaſſen, und er ihn nur mit Mühe habe zutückhalten koͤnnen, des⸗ halb habe der hochwürdige Herr abſcheulich geſchrien und geſchimpft; er habe ihn dafür etwas unſanft bei der Kutte gepackt, und dies ſey auch die Urſache, warum er ihn auf dieſe Art vorſtelle. Der Moͤnch wollte hierauf reden, und den Knappen verklagen, aber ein donneraͤhnliches„Schweig“ brauſte g ihm entgegen. Jetzt ſahe er, daß ſich das Blatt ge⸗ wendet, und daß er nicht mehr den vor⸗ maligen Hans vor ſich habe, er hielt es alſo fuͤrs Gerathenſte, der wohlmeinenden 129 Ermahnung nachzukommen, und ſeine Re⸗ den bis auf beſſere Zeiten zu verſparen. So kalt als nur immer moͤglich, trat jetzt Hans vor ihn hin, und legte ihm ſeine beiden Faͤuſte auf die bekutteten Achſeln, daß er wohl glaubte zu Boden ſinken zu muͤſſen. Er machte jedoch zum ganz ver⸗ dorbenen Spiele immer noch eine gute Miene, er verzog die erblasten Lippen zu dem wohlſtudirten Laͤcheln, und wollte ſie eben zum Sprechen oͤffnen, da frug ihn Hans mit einer Kaͤlte, die einem vernuͤnf⸗ tigen Menſchen das Blut in den Adern haͤtte ſtocken machen vnnen:„Kennſt u mich?“ und ſchuͤtelte ihn, daß er, enn ſich Unkraut ſo leicht verloͤre, wohl atte ſein Innres vn ſich geben, und der elt Ade ſagen mgen. Aber ſo freund⸗ 9 2 130 lich, als es nur immer einem heuchleriſchen Pfaffen moͤglich ſeyn kann, antwortete er; 8 „Ei wie ſollte ich nicht? Ihr ſeyd ja der geſtrenge und ehrenfeſte Freiherr und Ritter, Herr Hans von Adlerhoͤh, genannt der Wilde. Hans. Daß Du verſtummſt. Fuͤr Dich bin ich der Sanfte, waͤre ich wilder nur, Dir koͤngte es nichts ſchaden; Dich ſperre ich in einen Graben, unter ein Dutzend blutgieriger Hyaͤnen, und Du biſt noch zu gut aufgehoben. Benedikt. Aber geſtreng— Hans. Schweig! Darauf ging er zum Tiſche, nahm den Brief, entfaltete ihn, und hielt ihm daſelben vors Geſicht. „Kennſt Du dieſen Brief?“ Erblei⸗ chend vor Schdeck, ſich edoch ſo ſchnell al maoglich faſſend, antwortete Benedikt doch ſo ziemlich keck:„Nein, geſtrenger Herr.1 1 Hans. Du grauer Boͤſewicht! Du kennſt ihn alſo wirklich nicht, uaiht niche was er enthaͤlt?— Benedikt. Ich verſchen 618,1 weiß nicht, was Ihr von mir wollt. Hans. Du weißt alſo auch nicht, wer meine Nichte entfuͤhtt hat? Du weißt nicht, daß ſie im Kloſter zur lieben Frauen iſt? Du weißt nicht, wer die Muͤllerdirne in daſſelbe Kloſter hat bringen laſſen? Du weißt auch nicht, wer die letzte Fehde zwi⸗ ſchen mir und Konrad von Loͤwenau ange⸗ hane hate 4ge Benedikt. Keine Shlbe von allen 6 is, geſtrenger Herr. enn e der 3 Hans. Du Meine endiih woht auch nicht, wer mich in ein anderes Land brin⸗ gen will? 8 Benedikt. Wie ſollte ich, der ſich nur um das Heilige der Religion beküm⸗ mert, dergleichen Dinge erſahren; gibt es etwa wieder einen neuen Kreuzzug? da wuͤrdet Ihr fuͤr das Wohl Eurer Seele Euch eine große Stufe bauen.— Hans. O des ſchaͤndlichen Buben, wie die Ausgeburt der Hoͤlle ſo teufliſch kalt da ſteht! Glaubſt Du denn nicht, 3 Bube, daß Du verrathen biſt, daß Dich Dein Erbleichen, als ich Dir den Brief vorhielt, ſelbſt genugſam verrathen habe? . Benedikt. Sagt mir nur, geſtren⸗ ger Hert, was Ihr mit dem Briefe wollet, ich weiß keine Sylbe davon; und wenn mir etwas zugeſchrieben wird, ſo bergen zu wollen. Adolph. Meinſt Du, Pfaff? Wo⸗ her weißt Du denn, wo er hergekommen, und warum ſtierſt Du mich ſo ſcharf au⸗ indem Du Deinen Gift ausſpeieſt? Benedikt. Da ſeht Ihr es, geſtren⸗ ger Herr, daß ich unſchuldig bin, wie ſich der getroffene Wurm kruͤmmt. Waͤhrend⸗ dem hatte er ſich dem Tiſche, auf welchem der Brief lag, ſo weit genaͤhert, daß er den⸗ ſelben erlangen konnte; pfeilſchnell griff er darnach, aber Adalbert, der an demſelben faß, und alle ſeine Bewegungen genau be⸗ Ihr Euch bei allen Heiligen darauf ver⸗ laſſen, es iſt ſchaͤndliche Luͤge.(Auf Adolph blickend) Wer weiß, wer ihn geſchrieben hat, um ſeine Schandthaten dadurch ver⸗ 8 hachtet hatte, ſchung ihn im Augentid 134 des Zugreifens ſo tuͤchtig mit ſeinem Hand⸗ ſſchuh auf die raͤuberiſche Kralle, daß er ſie augenblicklich ſchreiend zuruͤckzog. Hans, ohne ihn weiter eines Wortes wuͤrdigend, rief dem Knappen zu:„Binde ihn, und wirf ihn in den feuchteſten Thurm, dazu mag er hungern, vielleicht iſt er morgen andern Sinnes.“ Raſch war der an der Thuͤr ſuchende 3 Knappe zur Hand, und ſchnuͤrte ihm mit ſeiner Kuppelleine die Haͤnde ſo feſt auf dem Ruͤcken zuſammen, daß ihm das Blut aus den Fingern ſpritzte, und trotz der wohl nicht geringen Schmerzen, regte er ſich doch nicht. Er wurde abgefuͤhrt. Nachdem ſich der alte Hans von ſei⸗ . nem Grimme uͤber die Bosheit des Pfaſfen wieder erholt, und ſich der Verzeihung Adae 155 berts wiederholt verſichert hatte, beriethen die drei Ritter, was ferner in der Sache zu thun ſey. Sie kamen endlich darin uͤber⸗ ein, morgen in aller Fruͤhe nach dem Klo⸗ ſter der lieben Frauen aufzubrechen, den Moͤnch gebunden mitzunehmen, und ſo die beiden Dirnen, ſeyen ſie eingekleidet oder nicht, aufzuſuchen und zu befreien. Dabei blieb es fuͤr heute;„was ferner zu thun iſt,“ meinte Hans,„wird die Zeit lehren; ſo viel ſage ich, der Moͤnch ſoll mir dieſe Schand⸗ thaten auf eine ſchreckliche Weiſe buͤßen.“ Sie ſetzten ſich zum einſtweilen berei⸗ teten Mahle, aber Keinem wollte weder Spei⸗ ſe noch Wein behagen, die Geſellſchaft war noch nicht vollzaͤhlig, darum wollte auch kein Geſpraͤch in Fluß kommen. Sie hatten nge ſo beiſammen geſeſſen/ da meldete der 136 Vaͤchter vom Thurme die Ankunft Frem⸗ der, und alle Drei entſtuͤrzten, als brennte es in der Burg, dem Saale; denn Alle vermutheten Konrads Ankunft. Er war es. Als die Boten auf Burg Loͤwenau an⸗ kamen, hatte eben Konrad ſeine Freunde verfammelt, um ſich mit ihnen zu berathen, wie ſeinem Sohne die Freiheit wiedor zu verſchaffen ſey; da vernahmen ſie die Freu⸗ denbotſchaft. Sie baten ſich gleich alle ſelbſt zu Gaſte, warfen ſich auf die Roſſe, und im ſcharfen Ritte ging es nach Ad⸗ lerhoͤh zu. Sie kamen an; Hans, Adalbert und Adolph eilten ihnen entgegen, und ju⸗ belnd zogen ſie in die Burg ein. Hans war vor Freuden außer ſich, ſeinen alte Freund Konrad wieder bei ſich zu ſehen doch vermochte er anfangs keine Sylbe 9 6 137 ſprechen vor Schaam und Reue, erſt als Konrad die Arme oͤffnete, um ihn an ſeine Bruſt zu druͤcken, und ihn an die alte Freundſchaft erinnerte, wurde er heiter. Er bat ihm Angeſichts der Ritter die zugefüͤgte harte Beleidigung ab, verſprach allen Scha⸗ den wieder gut zu machen, erhielt dagegen eine nochmalige Verſicherung der Freund⸗ ſchaft und voͤlliger Verzeihung, und das Zeichen zur allgemeinen Freude war gege⸗ ben; man zechte und jubelte bis in die Nacht, wo endlich Jeder ſein Lager fuchte, um ſich zum morgen vorhabenden Ge ſihäſte auszuruhen. Der ſaubere Pater Benedikt war, von nniſetzlicher Angſt und graͤulicher Furcht des Alten Haͤrte gefoltert, dem Gericht vor gekommen. Der Hungertod war ihm 138 in grauſender Geſtalt in der Ferne zu ſchreck⸗ lich erſchienen, als daß er waͤre im Stande geweſen, ſeine Ankunft abzuwarten, die er mit Gewißheit vor Augen zu ſehen glaubte, denn nichts, das wußte er, konnte ihn jetzt retten. Zudem bekam auch ſeine boͤſe Zau⸗ berei, deren er ſich bis jetzt nicht recht hatte bedienen koͤnnen, erſt eigentliche Kraft, wenn er ſich durch einen Gewaltſtreich der goͤttli⸗ chen Gnade, die ihm vielleicht doch am Ende zu Theil haͤtte werden koͤnnen, verluſtig machte; denn er ſollte, ſo ſtand es in ſei⸗ nem Pakte, wenn er, von Henkershand bedroht, ſich den Tod ſelbſt gaͤbe, ehe ihn die Gerechtigkeit erreicht, im Augenblicke des Entſchluſſes mit allen Kraͤften begah werden, die ein echter Sproͤßling der Hoͦ heduͤrfe, um im Stande zu ſeyn, ſeine S zur Aufnahme in den ewigen Feneryfuhl wuͤrdig zu machen. Damit aber Alles moͤg⸗ lich werden koͤnne, hatte er laͤngſt, und zwar von Tage zu Tage, die Zaubertraͤnke genoſſen, welche noͤthig waren, den Geiſt im Koͤrper auch dann feſtzuhalten, wenn alle ihn fuͤr todt hielten. Um alſo ſeinen boͤsartigen Zweck, trotz allen Hinderniſſen dennoch zu erreichen, hatte er das letzte, ihm aber auch ſehr erſchwerte Mittel, ſich zu ermorden, ergriffen. Man fand ihn am Morgen erdroſſelt in ſeinem Kerker. Wie er die auf dem Ruͤcken zuſammengeſchnuͤr⸗ ten Haͤnde befreit habe, war Allen ein Raͤth⸗ ſel; genug der Knecht, der die Botſchaft brachte, meinte, er habe ſeine ſchwarze Seele 4 an den Ort geſchickt, wo ſie Aewiß † huſapaben ſey, als in dieſe r 140 ſeiner Gottheit gekleideten Leibe. Mit ei⸗ nem Worte alſo, es glaubte Jeder, er habe ſich in die Haͤnde feines treuen Pftegers, des Teufels, geliefert; und wenn die Seelen bei ihm nach Rang und Wuͤrden behandelt wurden, und die ſchwarze Majeſtaͤt aͤhnli⸗ cher Leute beduͤrfe, ſo ſey nicht zu zweifeln, daß dieſer Seele ein recht anſehnlicher Po⸗ ſten uͤbertragen werde. Er war hinuͤber, die Erde hatte ein Scheufal weniger zu tragen. Das Tages⸗ licht beſcheint ſeinen Koͤrper nicht wieder, und offenbar waͤren auch die Strahlen ver⸗ koren gewefen, die ihn beſchienen haͤtten. Er ſollte in ſeinem Gefaͤngniſſe eingeſcharrt, und die Thuͤr vermauert werden, daß auch nicht der Fuß eines Verbrechers dieſe durch hhn verunreinigte Stäͤtte betreten 141 Das erſtere geſchah ſogleich, das letztere zu thun, wurden die Maurer gerufen.. Run brach der Zug nach dem Kloſter auf. In der Ferne vernahm man lange und anhaltend den Klang des Kloſtergelaͤu⸗ tes. Alle waren einig, daß etwas Beſon⸗ deres im Kloſter vorgehen muͤſſe. Da kam ein Landmann die Straße vom Kloſter da⸗ her; auf die an ihn gerichtete Frage, ob er nicht wiſſe was das Gelaͤute bedeute, be⸗ richtete er, daß heute zwei Schweſtern ein⸗ gekleidet wuͤrden. Kaum hatten die Ritter dieſe Kunde vernommen, ſo war es ihnen klar, daß dieſe Schweſtern keine andern ſeyn koͤnnten, als Bertha und die Muͤllerdirne. Sie preßten den Roſſen die gewaltigen Sporen in die Flanken, und fortjagten ſie, ie auf Geiſterſchwingen ging es nach dem 142 Kloſter. Sie langten eben zu rechter Zeit daſelbſt an; denn ſchon fuͤllte eine bedeu⸗ tende Volkszahl den Hofraum und die Kir⸗ che, der Zug der Nonnen, an deren Spitze die Abtiſſin mit Bertha und Roſa, hatte ſich eben dahin in Bewegung geſetzt; da ſtuͤrmten die Ritter herein, und ein fuͤrch⸗ terliches„Halt,“ aus Aller Munde gerufen machte den Zug ſtehen. Das Volk begann ob dieſer haͤßlichen Stoͤrung zu murren. Als Bertha, die bis jetzt in Thraͤnen ge⸗ ſchwommen, ihren Oheim und Adalbert er⸗ blickte, ſank ſie mit einem Freudenſchrei zu⸗ ſammen, denn ſo nahe hatte ſie ſolche Huͤlfe nicht erwartet, und ſich ſchon gaͤnzlich fuͤr ver⸗ loren gehalten. Mehr Kraft hatte Roſa, ſie eilte aus dem Zuge der Nonnen in den Kreis der Ritter, die indeß abgeſeſſen hatte gangen waͤre. 64 1. gebrauchen, und die Ritter aus den Mauern des Kloſters weiſen. Jedoch Hans ſagte ihr kurzweg, daß dies vergebene Muͤhe ſeyn wer⸗ de, und ſie im Augenblick ſagen moͤge, wer ihr ein Recht gegeben, dieſen beiden Dirnen den Schleier aufzudringen. Sie wollte ſich darauf nicht einlaſſen, und von Verletzung des heiligen Kirchenrechtes ſprechen, allein das Murren des Volkes, das erſt den Rittern gegolten, und das dieſe nun beſaͤnftigt hat⸗ ten, hinderte ſie zum Worte zu kommen. Waͤhrenddem hatte ſich Bertha, mit der ſich Adalbert im Kreiſe der Nonnen beſchaftigte, hrem Oheim, der ſis freudig i ſe Die Abtiſſin wollte ihr heilie Anfchen erholt, und ging nun an ſeiner Hand Arme ſchloß. Er winkte dem Volke, ruhig zu ſeyn, und Bruno begann den uns be⸗ 3 kannten Brief laut und langſam vorzule⸗ ſen. Ehe er noch damit zu Ende kommen konnte, verlangte das Volk mit wilden To⸗ ben den ſchaͤndlichen Moͤnch. Hans bedeu⸗ tete ſie, indem er erzaͤhlte, wie er ſich, von ſeinem boͤſen Gewiſſen gefoltert, heute Nacht erdroſſelt habe. Nun wendete ſich der Sturm gegen die Abtiſſin, die, wenn ſie Hans, auf Bertha's Bitten, die naͤmlich erzaͤhlte, wie ſie die kurze Zeit uͤber ſo gut von ihr be⸗ handelt worden ſey, wie ſie ihr ſtets mit Bitten und freundlichen Worten entgegen⸗ gekommen, und ſie mit ſuͤßem Troſt geſtaͤrkt habe, nicht in Schutz genommen haͤtte, we⸗ nigſtens geſteinigt worden waͤre; er bat da⸗ her das Volk, das Kloſter ruhig 1e 7 5 e 145 laſſen, und verſicherte, er werde hier ein eben ſo ſtrenges a3 re e 8 hanten 8 4* Das Volk gehorchte ſeinet Bitte und 1 ging, aber manche Verwuͤnſchung des 4 Moͤnches und der Äbtiſſin wurde noch laut; endlich war der Raum leer. Die Abtiſſ in bat die Ritter, ſie moͤchten A in 3 Innere des Kloſters begeben) was auch 4 ohnehin geſchehen waͤre. Schweigend gin⸗ gen alle von ihr geleitet in den großen Hörſaal; die Nonnen gingen in ihre Zellen; von Laienſchweſtern ließ ſie Erfriſchungen bringen und bat die Verſammlung, ſich es bei ihr ſo gefallen zu o ſſen. Allein damit war die Säche nicht geendet, und ſo weit war es 3 dherinupt voch gar nict. 146 Kloſters bier zu verſammeln. Die Abtiſſin zog eine Glocke, bald erſchienen die Non⸗ nen; nachdem ſie verſammelt, begann er kangſam und ernſt ſeine Nichte zu befragen, wie man mit ihr umgegangen ſey, und ſchwur dazu einen fuͤrchterlichen Schwur, daß darob die verſammelten Nonnen hoͤch⸗ lich erſchraken und ſich kreuzten, jedes be⸗ leidigte Haar graͤßlich zu raͤchen. Bertha wiederholte, was ſie ihm vorhin ſchon ge⸗ ſagt, und betheuerte, daß ſie Wahrheit ge⸗ ſprochen; ferner erzaͤhlte ſie, daß man ihr auch unterwegs mit ziemlicher Achtung begegnet, und nur einmal ſie hart angere⸗ det, da man ihre Juwelen gefordert habe, dies ſey im letzten Gebüſch vor dem Kloſter geweſen.„Ganz recht,“ fiel Adolph ein, 3 „an ſelber Stelle fand ich den Brief. 4 147 Bertha fuhr fort:„Da ich meinet e an. baren Begleiter Willen ſogleich erfüͤllte waren ſie ruhig, und es waͤre mir faſt 3 3 leicht worden, bei der Gelegenheit zu ent⸗ fliehen, wenn ich einen Schutz in der Naͤhe gewußt; denn es begann wegen mei⸗ ner Perlen, weil ſie mit der Theilung, die ſie ſogleich vornahmen, nicht ins Reine kom⸗ men konnten, ſolch ein Schlagen und R fen, daß ſie mich ganz daruͤber zu deh ſchienen. Ich hielt es jedoch fuͤrs Beſte zu bleiben, denn gefangen haͤtten ſie mich doch wieder, vorzuͤglich, weil ſie mir ein lahmes Roß gegeben, und dann haͤtte es an Mißhandlungen gewiß nicht gefehlt. Ich baute auf Gott, der ſeine Kinder nie verlaͤßt, und nun auch mich gerettet hat 3 4 Hans. Du haſt klug zehandet Gh r 2* 448 Wochter. So ſchreiende Bosheit muß alle⸗ mal an den Tag kommen, nur geſchieht es leider nicht immer ſo ſchnell, als dies⸗ mal. Jetzt noch ein Wort zu Euch, Frau Äbtiſſin. Weil ich mich an den Pfaffen leider nicht mehr halten kann, ſo ſagt Ihr mir, falls Euch Eure ſterbliche Huͤlle lieb iſt, wer ſind die Buben, die Euch meine Nichte uͤberbrachten? btiſſin. Ihr habt, edler Ritter, 1 Eure Großmuth ſchon an mir bewieſen, ich traue daher ferner auf dieſelbez Ihr werdet ſchonend mit mir und meinem lie⸗. hen Kloſter verfahren, wenn ich Euch auf⸗ richtig bekenne, daß ich die Maͤnner, weß Standes ſie ſeyn moͤgen, nicht kenne. „Hans. Wie? Ihr kennt ſie nicht, Ihr ſteht mit ihnen in Veüindung⸗ und 149 kennt ſie nicht? Ihr wollt ſie min nicht. nennen!. en Abtifſin. Bei meinem Glauben an 4 die heilige Jungfrau, ich kenne ſie nicht. Zwei Mal ſind ſie hier geweſen, beide Mal in lange Maͤntel gehuͤllt, daß ich auch nicht einmal habe ſehen koͤnnen, ob ſie ge⸗ harniſcht oder nicht. Ich beſchwoͤre Euch darum, quaͤlt mich nicht, ich kann Eus uͤber ſie nichts ſagen. 4 Hans. Ihr kennt ſie alſo wirklich nicht? Gut, ſo ſagt mir Eure Vermu⸗ thung uͤber ſie. Abtifſin. Ihrem Außern nach kann ſich nichts anders vermuthen, als das es Raͤuber ſeyn muͤſſen. Hans. Ei waͤren ſie etwas enberes, ch wenn ſie von der edelſten Abkunſt 150 wären? Aber das kann ja gar nicht ſeyn, man hat ſeit langer Zeit in der ganzen 8 Gegend nichts von Raͤubereien vernommen. V Adolph. Doch, Ritter, erſt neulich habe ich einen Strauß mit derer etlichen gehabt; aber es iſt feige Brut, ſie zerſtieb⸗ ten wie Spreu, nachdem einer von ihnen gefallen. Adalbert. Nun, die ſollen nicht lange hier hauſen. Hans. Das findet ſich. Jetzt zu etwas anderm; daß Euch dieſe Buben muͤndlich berichtet, was noth war, verſteht ſich, da ſie den Brief verloren hatten. Wie ſeyd Ihr in das Complot mit dem Moͤnche) gekommen? geſteht es frei und offen. FAbtiſſin. Pater Benedikt war Beicht⸗ vater unſers Kloſters, daher beſuchte e 151 auch von Euch, edler Her Er ee mir viel von Eurer Neigung fuͤrs Kloſter⸗ leben, zugleich erwaͤhnte er, daß Ihr Eure. Nichte längſt für daſſelbe beſtimmt härtet, daß ſie aber durchaus keine Neigung dazu habe, und Euch deshalb manche trübe Stunde ver⸗ urſache. Erſt neulich ſagte er mir, daß ſie, da ſie ungluͤcklich liebe, wovon ich jetzt woohl das Gegentheil ſehe, bald in Eure Vuͤnſche willigen, und den Schleier neh⸗ men werde. Zugleich ſagte er mir, daß Ihr bei Eurer fortgeſetzten Kraͤnklichkeit, ſie nicht ſelbſt wuͤrdet hieher geleiten koͤn⸗ 2* nen, daß ich ſie aber, wenn ſte ankaͤme, ſo bald als moͤglich einkleiden m Warum hat er mir nicht geſag. war die Einkleidung der Schweſter Clara Roſa) auf heute feſtgeſetzt— DHans. Da wolltet Ihr auf einen Schlag doppelte Beute machen? Schon gut, ich kenne Euch; Ihr ſeyd dem Moͤnche aufs Haar aͤhnlich, Ihr ſucht Euch ſo aus der Schlinge zu ziehen, weil er nicht ge⸗ gen Euch zeugen kanm Aber wie waͤre es denn, wenn er nug ſchon alles ausgeſagt hitte⸗ Abtiſſin. Bei Gott, was er auch giſggt haben kann, ſo kann es nicht an⸗ dexs gelautet haben, als ich es eben Euch 1 gte „Hans. Eurer Ruhe halber muß ich ns glauben, und weil ich Euch des Ge⸗ gentheils nicht uͤberfuͤhren kann. Indeß ſage ich Euch ſo viel: Gott hat es Euch gerathen daß Ihr gut mit meiner Nichten uumgegangen ſeyd, ich wuͤrde eine ſchreckliche Strafe uͤber Euch verhangen haben. Daß Ihr meine Nichte aus Raͤuberhaͤnden, wie Ihr ſelbſt vermuthet, empfangen, und mir 4 deshalb keine Nachricht ertheilt habt, iſt aͤußerſt ſtrafbar, Ihr zeigt dadurch„ daß Euch die Ehrlichkeit nicht ſonderliches Herz⸗ geſpann verurſachen mag; aber weil ich ſie ſo unbeſchadet wieder habe, verzeihe ich es Euch, als einen von denjenigen dummen Streichen, die Weiber ſo haͤufig begehen,. wovon der Grund ein Naturfehler zu ſeyn ſcheint, und die aus Mangel an Nachden⸗ ken entſtehen. Aber wie n Dir es er gen, Roſa? 3 Roſa. Ich kann Euch geſihen, edler Herr, ſo weit es einem im Kloſter gehen kann, iſt es bei mir der F ſen. Da ich nun einmal keine Beſteiung mitnehmen wollt. Hans. Verſteht ſich, daß Du nicht hier bleibſt, wenn es nicht ganz Dein Wille ſſt. Ich bringe Dich Deinem alten Vater⸗ der hoch erfreut ſeyn wird, wenn er ſein Kind wieder ſieht. Dankend wollte Roſa zu ſeinen Füͤßta *ℳ 3 Falln, und ſeine Knie umklammern, allein er wendete ſich ſchnell zur Äbtiſſin, die nie⸗ dergeſchlagenen Blicks daſtand, und ſich eben auf eine Bitte um Verzeihung beſinnen mochte.„Ihr haͤttet,“ begann er,„oh der an dieſer Dirne begangenen Schaͤndlichkeit, eine harte Strafe verdient; warum Ihr ſie hier behalten, will ich nicht wiſſen, Ihr 3.. 4“ wuͤrdet mir doch, wie vielleicht auch vorhin freiwillig gewaͤhlt; doch nun dehme ich mein Wort zuruͤck, wenn Ihr mich anders 4 hehen 1eige agen; was fahren, will aumh nicht erwähnen;: di ſie aber fuͤr ihre langen Leiden wenigſtens eine Entſchaͤdigung habe, dafuͤr werdet Ihr 3 ſorgen, und damit Ihr nicht lange nachzu⸗ ſinnen habt, ſo will ich Euch kurz ſagen, daß Ihr ihr jetzt gleich, zu ihrer Ausſteuer 9 8 außer dem Kloſter, ſie nutzt Euch ja ſo in 1 demſelben nichts, da ſie Euch kein Vermõ⸗ gen mitgebracht, hundert Goldguͤlden zahlt. Meiner Nichte ſind auf dem Wege, in Eu⸗ ren Angelegenheiten, ihre Juwelen geraubt worden, dieſe ſollt Ihr nicht erſetzen, ich kann ihr andere kaufen, und habe uͤbrigens ſolches Bettels genug, aber zu einiger Eite ſchäbigung bezalſt Ihr wmihe auch Pundent 156 Ihr werdet es mit dieſer gelinden Strafe 8 ebenfalls ſeyn. Jetzt geht und holt die Summe.“ Schweigend, da ſie wohl ſah, hier ſey weiter nichts auszurichten, gehorchte die Äbtiſſin, und ging, die verlangte Buß zu uͤben. Aufs neue wollte Roſa dem Ritter zu Fuͤßen ſinken, dieſer aber hielt ſie davon ab, indem er ihr erinnerte, daß ſie wohl jetzt nicht feine, ſondern Gottes Huͤlfe werde erkannt haben, dieſem moͤge ſie ihr dankba⸗ es Herz bringen. Die Äbtiſſin brachte die verlangte Summe und aberreichte ſis dem Ritter; unter Verſicherung herzlicher Zufrie⸗ denheit, die man ihr freilich nicht ſhganz 3 anſehen mochte, mit ſeiner Großmuth, bat ſie zugleich recht inſtaͤndig, er moͤge ihr den kleinſten Theil der Schuld beineſfn,— 157— wuͤrdig halten. Er ſagte ihr nah einige . kraͤftige Worte, welche wohl nicht wie Schutz verheißungen moͤgen geklungen haben, und verließ mit den Seinen das Kloſter. Sooch erfreut und laut jubelnd begruͤß⸗ ten die ſich beim Zuge der Ritter befind⸗ lichen Mannen die befreite Bertha, und im Triumphe ging es vorwaͤrts. Auch Roſa— wurde nicht vergeſſen, die Knappen unter, hielten ſich mit ihr, und namentlich Bruno ließ es ſich angelegen ſeyn, die alte Bekannt⸗ ſchaft mit ihr zu erneuen; ſie hatte ihm ſonſt gefallen, und gefter ihm noch, denn. ſie war trotz ihrer mannichſachen Leiden noch ſchon, und er ſchlug ſich jetzt lebhaft mit dem Ge⸗ danken an eine Verbindung mit ihr; da drohte ihm Hans⸗ der ſeins arrben üngſt 158 no's Hetz, er faßte den Entſchluß, bei naͤch⸗ ſter ſchicklicher Gelegenheit den Ritter um ſeine Einwilligung zu bitten. Was ſich Adalbert und Bertha, die einander nicht von der Seite kamen, unter⸗ wegs zu ſagen hatten, werden ſich meine Leſer gewiß denken koͤnnen, wenn ihnen je der loſe Schelm mit den verbundenen Au⸗ gen einen Streich geſpielt hat. Die beiden Leutchen waren ganz in Entzuͤcken verſun⸗ ken, denn nun ſtand ja nichts ihren Wuͤn⸗ ſchen mehr im Wege. Hans hatte ihrer weitern Angelegenheiten freilich noch mit kei⸗ ner Sylbe erwaͤhnt; aber ſie kannten ihn ja, ſie wußten ‚daß er nie auf halbem Wege ſtehen bliebe; daß er daher ihr Gluͤck voll⸗ kommen machen werde, war außer Zweifel, ſee lebten deshalb Beide in den angenehm⸗ fen Erwartungen. So waren ſie untes 159 23 Liebkoſungen, die übrigen unter Geſprichen verſchiedenen Inhalts, der heimathlichen Burg ziemlich nahe, und ſchon in dem Waͤldchen, das die Burg umgab, angelangt, da rauſchte es auf einmal in den Baͤumen, Alle wurden aufmerkſam, und blickten nach der Gegend, wo das Geraͤuſch herkam; ſie ſtutzten, und mochten ihren Augen kaum trauen, denn ſie erblickten den Pater Be⸗ nedikt in leibhafter Geſtalt dahinſchreitend, doch ermannten ſie ſich ſchnell, und ſpreng⸗ Veen, an ihrer Spitze Adalbert, drauf los, dieſer ſchwang des Schwert, um auf das Trugbild einzuhauen. Aber im Augen⸗ blicke zeichnete die Geſtalt zauberiſch Cha⸗ raktere in die Luft, ſein Arm ſank herab,— daß ihm beinahe das Schwert entfallen waͤr. — bäi Geſtalt war verſchwunden, ohn daß kemauu hatte, wo ſie hinge mmm 8“ 160 Alle waren hoͤchſt erſtaunt uͤber den Teufelsſpuk, zogen aber ſtill ihres Wagss„ nach der Burg Hier. angelangt, kam man ihnen, nach den erſten Freudenbezeugungen, mit einer wunderbaren Maͤhre entgegen. Es ſeyen naͤmlich am Morgen, bald nach des Moͤnchs Beerdigung, die Maurer ge⸗ kommen, um ihn in ſeinem Käſſg feſt, und jedem frommen Chriſtmenſchem den Eingang— zu ihm unmoͤglich zu machen. Mit heim⸗ lichen Grauen ſeyen ſe en ihr Werk ge⸗ gangen, das habe man ihnen angeſehen; und damit ihnen die Furcht nicht gar zu ſehr zuſetzen moͤge, ſo ſeyen zwei der beherz⸗ teſten Knechte wohl bewaffnet mit ihnen ge⸗ gangen. Als ſie zur Stelle gekommen, ſeyen ſie hoͤchlich erſtaunt und haben ihren Angm kaum trauen moͤgen, denn ein ble Schein Inbe das Verließ erleuch de gel ſey aufgeworfen, und der Leichnam verſchwunden geweſen. Die Werkleute ſeyen beim Gewahren ſolcher Spukereien geſlohen,— ſie aber haben muthig ausgehalten, um zu ſehen, was etwa noch daraus werdez da habe auf einmal ein unterirdiſches Getoͤſe den Boden ſo erſchuͤttert, daß ſie geglaubt, von dem einſtuͤrzenden Gemaͤuer begraberemn zu werden, es habe ſich aber weiter nichts ereignet, als daß der Schein mit einem Knall, der ſie faſt betaͤubt, erloſchen ſey. Nun haͤtten ſich freilich ihre Haare etwas geſtraͤubt, da auch mit dem Knalle ihre Leuchte verloſchen, ſie haͤtten ſich nicht mehr halten koͤnnen, und haͤtten den Ort ber⸗ laſſen.. Die Wittar ſahen einander 9 ber 168 nun wohl zu wiſſen, wer ihnen im Walde begegnet ſey, konnten ſich aber, trotz dem, daß ſie den Ort ſelbſt beſuchten, den Zu⸗ ſammenhang und eine Moͤglichkeit nicht er⸗ Karen; ſie ſtimmten endlich darin uͤberein: 8 Benedikt koͤnne unmoͤglich was er geſchienen geweſen, ſondern müſſſe ein boͤſer Zauberer ſeyn, der mit dem Satan ſelbſt im Bunde ſtehe, und dieſen Teufelsſpuk, ſie zu aͤffen, mit ihnen getrieben habe. Sie gingen mit etwas umheimlichem Muthe davon, und mancherlei wurde ge⸗ ſprochen, zuletzt lenkte ſich das Geſprach auf etwas anderes, man ſuchte das erſte zu vergeſſen, um ſich ganz der Freude weihen zu können, dies gelang auch allen, nur Adalbert nicht, dieſem wollte nichts mun⸗ den; er erinnerte ſich ſeines Traumes, den er aiſt vor Kurzem getraͤumt, und deſſen er⸗ 1 — und ihm ſtil mit einer Thraͤne im n Arge, 6 163 ſte Haͤlfte er jetzt erfuͤllt zu ſehen glaubte, Bertha war verſchwunden geweſen, ſie war wiedergefunden und gerettet, wohl nicht durch ihn, doch war er dabei; und eigentlich doch durch ihn, denn haͤtte ſein Vertheidiger den Brief nicht gebracht, ſo haͤtte man trotz der Spur, die man hatte ſich doch noch lange vergebens bemuͤhen koͤnnen. Nun graute ihm vor der Erfuͤllung der zweiten Säüſte, und er ſank darob in tiefes Nachſinnen. Nichts half es, daß Bertha ſich froͤhlichen Muthes ihm nahte, er war ſo verſunken, daß er ſich ſchon in Gefahr ſahe, und eben mit der Hand nach ſeinem Schwerte fuhr, als ihn Hans aus ſeiner Betaͤubung weckte, 164 ſ uoß Beide mit den Worten:„Des beſten 2 Dankes Eurer Liebe bin ich noch gewaͤrtig!“ in ſeine Arme. Jetzt wurde der Tag der prieſterlichen Einſegnung feſtgeſetzt, und aufs feſtlichſte zu feiern beſchloſſen. Der Fubel wunde allgemein, und aufs Wohl des neues Paares wurde noch mancher Be⸗ cer geleert, ſo daß Adalbert am Ende ſei⸗ nes Traumes gar nicht mehr eingedenk war, 6 und nur kuͤnftiges Gluͤck an der Seite ſei⸗ ner holden Bertha traͤumte. Da gedachte dieſe der armen Roſa, die bis jetzt vergeſſen worden war; ſie bat, falls des Roſa'n gefalle, ſie bei ſich behalten zu duͤrfen, was ihr auch, wenn ihr Vater, an welchen indeß ein Bote geſendet war, der ihn aufs Schloß beſcheiden ſollte, wo er eine ich S Meangitit erfahren, und ein rum 4 1265 entbehrtes Gut wieder erhalten ſolle, nicht 4 dagegen habe, gern zugeſtanden wurde. Roſa wurde gerufen. Fein züchtig, und an den Boden gehefteten Blicks erſchien ſitrz Bertha rief ſie ſogleich zu ſich, und liebreich, wie ihr ganzes Weſen war, bat ſie, ſie moͤch⸗ e, falls es ihr hier gefalle, und ihr alter Vater nichts dagegen habe, bei ihr bleiben, und da ſie ihr im Ungluͤcke ſo nahe gewe⸗ ſen, auch ihr Gluͤck mit ihr theilen. Roſa hatte den Wunſch im Stillen ſchon lange ge⸗ hegt, auf der Burg, in der Naͤhe des Fraͤu⸗ — leins bleiben zu koͤnnen, ſie willigte daher 4 ſogleich mit Freuden ein, und meinte, ihr alter Vater, der ohne ſie ja auch verſorgt Ty. werde ihr die Freude nicht we Seen. 166 Dienerin, ſondern als ihre Freundin und Geſellſchafterin, die ſie auch fuͤglich ſeyn konnte, denn ihr Vater hatte ſehr fuͤr ihre Erziehung geſorgt, betrachtet, und war nun immer um ſie; denn auf des Vaters Ein⸗ willigung rechnete man als ganz gewiß, 3 ber war indeß auch angekommen, und wollte vor Freude außer ſich werden, als er ſein verloren geglaubtes, ſo vielfach beweintes Kind wieder ſah. Dem Ritter, der ſie be⸗ freit, konnte er ſeinen Dank nicht deutlich und oft genug zu erkennen geben, wohl hn Mal wollte er ihm zu Fuͤßen fallen, und ſeine Knie umklammern, welches die fer aber ſtets verhinderte, und immer daran 3. erinnerte, er moͤge nicht ihm, dem Werk⸗ 8 Kuße⸗. ludern. der Hande die diffnse ge * 3 Tochter Munde vernahm, daß ſie naͤmlich 3 durch ihn ſo reich begabt worden ſey, konn⸗ te er ſich nicht länger halten, er ſtürzte zu ſeinen Fuͤßen, und weinte laut Thraͤnen ber 3 Ruͤhrung und Freude. Hans hob ihn auf und erklaͤrte ihm, daß er hier nichts als eine Pflicht, die jedem Menſchen zukomme, gethan habe, und hieß ihm von Danke ſchweigen, indem ihr dies billig als eine Entſchaͤdigung fuͤr die vielfaͤltigen Leiden gebuͤhre; zugleich erinnerte er, daß ſich nun vielleicht bald, was ſonſt wohl weniger der Fall geweſen ſeyn koͤnnte, eine Verſorgung — fuͤr ſie finden wuͤrde, wozu er vielleicht ſelbſt 8 etwas beitragen koͤnnte. Da wurde es auf 86 einmab laut unter den Knappen ar Schenk⸗ 3 tiſche, und Bruno trat aus der Zahl liben beſcheiden dem Burgherrn naͤhe ker Herr,“ begann er,„Ihr ſpracht 168 einem Freier oder ſo etwas fuͤr die liebe Roſa; was meint Ihr, wenn ſich nun, ehe ſie ſo reich geweſen, ſchon einer gefunden gehabt haͤtte; und wenn er nun um Ent⸗ laſſung aus Euren Dienſten, und um Eu⸗ ren Segen baͤte, wuͤrdet Ihr ihm dieſe Bitte wohl gewaͤhren?“. 3 Hans. Verſtehe ich Dich vecht, ſo biſt wohl am Ende Du der Freier, das waͤre das Schoͤnſte im Liede. Roſa bin ich laͤngſt einig, und auch ihr Vater weiß um unſer fruͤheres Verhaͤltniß; wenn der boͤſe Streich nicht dazwiſchen ge⸗ ommen waͤre, ſo haͤtte ich Euch laͤngſt um Eure Einwilligung gebeten. 1 Hans. Jwas Du nicht alles ſchwatzeſt Bruno. Ja, edler Herr. Ich habe waͤhrend ich in Eurem m Dienſte bin Bruno. So iſt es, edler Herr, mit 169— ſo ein kleines Suͤmmchen erſpart, daß ich mir gedenke, mit Eurer Erlaubniß, ein Guͤtchen anzukaufen, und da beduͤrfte ich denn natuͤrlich auch einer Gehuͤlfin.* Hans. Ei ſeht doch, hat ſich der Burſche Schaͤtze bei mir geſpart. Nun, das iſt mir lieb zu hoͤren, da ſieht man doch, daß es keine Noth hier gibt, na na. Alſo ein Guͤtchen willſt Du Dir kaufen, haſt wohl ſchon eins im Auge? 8 Bruno. Ja, edler Herr; unten am Walde liegt Erichs Gut, es iſt freilich nicht in den beſten Umſtaͤnden, aber da⸗ her auch nicht zu hoch im Preiſe, und durch meine guten Faͤuſte und meiner lieben Roſa Huͤlfe glaube ich es ſchon me der aufzubringen. 3 Hans. So? Aber wen zu Deinem ganzen Handel u wie waͤre es denn dann? Ich daͤchte, Du koͤnnteſt bei mir bleiben, denn wie wir eben von Dir gehoͤrt, haſt Du hier keine Noth. 2 Bruno. Nein, die habe ich mein- Lebtage bei Euch nicht gehabt, und jetzt bin ich Euer Diener, ich muß⸗ daher, wie Ihr wollt; aber das kann ich Euch ſagen, daß es dann um meine Zufriedenheit ge⸗ ſchehen waͤre. Ich bin des Handwerks — herzlich muͤde, und moͤchte mir gern mei⸗ uen eignen Heerd bauen, da lebt ſich es mit Wenigen froh und zufrieden. Hans. Nun ſorge Dich um meinet⸗ willen nicht, ich will Dir Dein Gluͤck nicht verderben; aber jetzt haſt Du es mit mei⸗ uer Nichte zu thunz wie Du wohl wirſt gehoͤrt haben, will die Deine Roſa hiet hahalten.— Bruno. 8 Herr, unfer gutes hane * 171 lein weiß, was es heißt, wenn einem buS 8 ſchoͤnſte Glück gewaltſam geſtrt wird, die wird mich nicht umſonſt bitten laſſen. Nicht wahr, edles Fraͤulein, Ihr ſagt gern ja dazu? Bertha. Dies, guter Bruno, er⸗ fordert bei mir Bedenkzeit. Dies geſagt, ſchluͤpfte ſie, der die Freude daruͤber laͤngſt auf den Wangen gegluͤht, zur Thuͤre hin⸗ aus. Bruno ſah ihr, bei der er nie eine Fehlönte gethan, erſtaunt nach. 5 4 „Hans. Da ſiehſt Du, Bruno, zuletzt thuſt Du meiner Nichte noch wehe, daß Ou ihr die Geſelſchafterin wegfuͤhren willſt. Aber, wenn auch dies nicht waͤre, ſo haſt Du 9. immer noch eine 5 uptperſon, auch im Reinen feyn, denn jetzt koͤnnen ſich ſeine Geſinnungen doch bedeutend ge⸗ aͤndert haben.. Bruno. O der gibt gewiß ſein Ja gern und willig dazu. Nicht wahr, Ihr ſeyd unfer guter Vater? . Freundlich nickte der Alte mit feinem ſilberbehaarten Haupte und wollte eben be⸗ innen, da flog Bertha herein, zwiſchen ſie, and faßte Beider Haͤnde alfo beginnend: „ ohl habe ich Dich, ehrlicher Bruns, in Verkegenheit geſetzt, daß ich Dich ohne Antwort ſtehen ließ, verzeihe mir es. Manchen Dienſt haſt Du mir erwieſen, manche Freude mir gemacht; was Du mir aus den Blicken erſehen konnteſt, haſt Du ſtets gern und willig gethan, auch ſogar m Gefahr Deines Lebens haſt du mein undankbar von mir, wenn ich Dein Gluͤck ſtoͤren, wenn ich es nicht vielmehr beför⸗ iß ich, wie es Herzens ſchoͤnſte dern wollte; denn wohl ſchmerzt, wenn einem des ben fuͤhlt. Drum nimm auch von mir zum Lohne Deiner treuen Dienſte das Ja) Hiermit Pate ſie Beider Sinde Pasan 1 Dir keines vergeſſen, und es waͤre hochſt Wuͤnſche zertruͤmmert werden, und wie gluüͤcklich man ſich in der Erfuͤllung derſel⸗ das Dich gluͤcklich machen ſoll. Damit Du aber ſiehſt, daß ich meine Dankbarkeit nicht bloß mit Worten aͤußere, ſo nimm dies als einen thaͤtigen Beweis derſelben an, 1 laͤngſt ſchon hatte ich es fuͤr Dich beſtinmt Wange; den ſchoͤnſten Lohn fand ſie jedoch in ihres Adalberts Armen, der ob ihrer Engelsguͤte ganz entzuͤckt war.* Hans, der dem allen ſtill zugeſehen und gehoͤrt nahm jetzt wieder das Wort:„Mit den Heirathsangelegenheiten waͤren wir alſy ſo weit zu Endezzund haͤt⸗— ten es num nur noch mit der Sorge für die Zukunft zu thun. Erichs Gut alſo willſt Du kaufen? Da wirſt Du aber viel Arbeit und wenig Vortheil bekommen. Ich daͤchte, Du ſaͤheſt Dich nach einem andern um, wo Du Dich beſſer naͤhren konnteſt. Kennſt Du des alten Jakobs Gut am Muͤhlenbache? Bruno. Ei ja, edler Herr, wer 3 ſollte das nicht kennen. Hans. Diſer Alte will auch etane 175 6 fen, um ſich zu Ruhe zu begeben. W waͤre es mit dieſem? Bruno. Ja, muß ich mir ſchon ſteht viel hoͤher im Pr ſam it in meinen Sekel gebracht hak, durch F noch manches er⸗ Geld. Bruno. ich auch zu Anhange etwas knapd behel⸗ 4 muß.— Hans.⸗ Aber, alter Kauz kannſt dr— denn auf mich gar nichts rechnen? Glaubſt Du denn nicht, daß ich noch ſo viel habe Dir aushelfen zu koͤnnen, um 8 für ehe treue Anhangtchkei, und eſonden edler Herr, Wierwas en laſſen, das meine Spar⸗ je⸗ Hans. Alein der Alte will baares * es nun ſchon bei meinem erſten Vorſatze bleiben, wenn ich 176 fuͤe Deinen letzten Eifer um meine Bertha zu bezahlen? Ich will Dein Schuldner nicht bleiben, nimm alſo von mir zu Deit nem Hochzeitsgeſthenke dieſes Gut, und bearbeite es n J tel gluͤcklichem Erfolge, als ich Dir wuͤnſche. Morgen will ich die Sache ins Reine bringen; biſt Du dann zufrieden mit mir? 8 . Bruno. O, edler Herr, wie ſoll ich Euch danken? wie habe ich ſo viel Guͤte um Euch verdient? ſur te viel Lohn habe ich nicht gearbeitet/ was ich that, habe ich als meine Pflicht gethan.. Hans. Na, mache jetzt nicht viee Redens. Geht jetzt zuſammt Eures alten was Ihr zu Eurer Vaters, und uͤberlegt, Einrichtung noͤthig habt, dann wollen wir ſehen, was weiter zu thun ſeyn wird, I Ihr ſollt fuͤr nichts ſorgen. 177 lungen, erſt in rechten von neuem begann; manther Becher wurde noch geleert, und auch das Wohl des zweiten Paares erklang unter den Trinkſprüͤchen des frohen Ver⸗ eins. Doch endlich fuͤhlte man maͤnniglich das Beduͤrfniß der Ruhe, einer nach dem andern ließ ſich ſein Ruheplaͤtzchen zeigen, die holdtg aut Bertha hatte ſich laͤngſt 4 Geſellſhaft entfernt, und e noch Adalbert nebſt den bei⸗ Vern vorhanden. In der Ställe der n Voümond erleuchteten Nacht fühlten maͤchtig die Herzen an einander gezogen; umarmten einander zugliih, und die bung gebracht, man jubelte lange, 8 heiden Alten fanden auf hen kftsslh jungen Adalbert geſtuͤtzt, und hielten nun ganz an ihn, wie die alte untftuiht Rebe ſich an di j lebendig fuͤhltenſſs ietz des Erdenwallens ſo bedeutend naͤher ge⸗ rückt, einer Stütze in ihren letzten Tagen, um ſie ruhig verleben zu koͤnnen, bedürf⸗ ten. In Adalbert fanden ſie, was ſie bedurf⸗ ten; ſie ſchloſſen ihn enger an ſich, und beſchwuren laut und feierlich, daß nun nichts die alte, unter den Vaͤtern ſo lange beſtandene Freundſchaft mehr ſtoͤren ſolle. Adalbert ſollte nun ein neues tha des Bundes, für Rechtſchafftnh. teriugend kömpfend, ſeyn. Aus det tie Tiefe ſeines edlen Herzens floß die Zuſege, daß er ihrer ſtets werth bleiben werde; ud ſo verließen endlich auch ſie, als ſchoͤnſt . K eeblatt tvereint, den Saal, um ihre Ruße, 1 6 e zu ſuchen. Adalbert ſchlich, als ſie fn Clofet ſeiner Braut voruͤbergingen, naͤher an die Thuͤre, um ihre Athemzuͦge vielleicht noch zu erlauſchen; er boͤrte ſie im 1 Traume ſeinen Namen froͤhlich ausrufen, und wie ein Seliger eilte er ſeinem Lager zu. Der S Schlummergott ſchwang bald ſeinen dittig uͤber ihm, und ſuͤße Traͤume 1ms gaukelten ſeinen Schlaf. Doch bald aͤnderte ſich die Scene; finſtere Geſtalten zogen in ſeiner Phantaſie herauf, er ſahe ſeine Ber, aus ſeinen liebenden Armen geriſſen, erlei Mißgeſchick ausgeſetzt, zuletzt ſchwebte ſein feuͤherer verhaͤngnißvoller Traum wie⸗ der heran; er ſah naͤmlich daſſelb kleine ungeheuer, das ſich in ſo ſcheußliche Ge. ſtalt umwandelte, welches ihm fber ſchon mali im Trauue erſchien. 18⁰ um die ohnmaͤchtige Bertha begann n it. demſelben Erfolge, das Schwert iprang Im Kampfe vom Hefie, er fund waffenlos daß . angſtvoll blicte e um f ch, da ſah er ein hellpolirtes zierliches Schwert hinter ſich liegen, pfeilſchnell ergriff er es, fuͤhrte einen gewaltigen Streich damit u des Unge⸗ heuers Haupte, und ſiehe, er war ſo gluͤck⸗ lich, es zu ſpalten; in demſelben Augen⸗ blicke erhellten Blitze die Gegend, ein leiſer Donner rollte in den Wolken, und die naͤmliche Lichtgeſtalt, die ihm ſchon einmal erſchien, und ſich ihm jetzt als die Fes Zuvowiteſa zu erkennen gab, ſtand vor ihm. Ein neuer ſtärkerer unterirdiſcher Don-⸗ ner rollte, die Erde Sftste einen weiten Rachen„ die Fee ſchleuderte das Ungehcuer Vindb, die Sfinung ſchioß ſch, ohn n 181 aus auszuſpeien, nur ein kleines freund⸗ maͤchtige Bertha, empfahl Beiden wiederholt die Tugend zu ihrer Begletterin durchs Le⸗ ben, kein Ungemach dieſer Art werde ihnen mehr begegnen, da ihr beiderſeitiger Feind, der ehemals verkappte Moͤnch, Banedite nicht mehr ſey. Adalbert erwachte, es war rag, er 3 6 erhob ſich von ſeinem Lager, und ſuchts ſeiner Unruhe, die ihm der ſo ſehr lebhafte Traum verurſacht hatte, im Freien los zu werden; er ging hinab in den Burggarten. r bauate ſein böun die holde„etu 3 iches Flaͤmmchen ſtieg nahe neben dem Ort: 8* Hempor; die Fee erweckte die immer noch ohn 182 7 ſfeine umwoͤlkte Stirn gewahrte, borſchtz ſie theil nehmend nach der Urſache. Er er⸗ zaͤhlte ihr nach einigem Weigern ſeinen Traum. Als er ihr eine Beſchreibung der Fee machen wollte, kam ſie ihm auf hal⸗ bem Wege entgegen, indem ſie eine aͤhn⸗ liche gehabte Erſcheinung zeichnete. Dieſelbe liebliche Geſtalt, die ihm am Ende erſchie⸗ nen, war auch ihr im Traume ſichtbar geweſen, ſie hatte gerade ſo wie er getraͤumt, nur mit dem Unterſchiede, daß ſie nicht vorher ſolche Schreckniſſe auszuſtehen ge⸗ habt, ganz ohne Angſt war ſie jedoch auch nicht weggekommen. Sie erzaͤhlte ihm 3 näͤmlich, es habe ihr getraͤumt,— wandele auf einem hohen Begge, an 1 Fuße ein tiefes, tauſchendes Waſſer ſtieß⸗ ſie lagere ſich im warmen Sonnenſt unter bluͤhe den Baͤumen, ſchlafe daſe 3 ein, im Schlafe rolle ſie den Berg hinab; aber auf einmal, dem Waſſer ſchon Jan nahe, werde ſie von einer Lichtgeſtalt auf gehalten, die ſie wohlbehalten wieder auf den Berg fuͤhre; unterwegs habe die Fre, denn dafuͤr habe ſie ſie gehalten, ein G. ſpraͤch uͤber Tugend und Frommſeyn, das ſie ihr vorzuͤglich empfohlen, mit ihr am geknuͤpft, und als ſie auf des Berges hoͤche ſten Gipfel angekommen, ſey die Geſtalt, nach nochmaliger Aufmunterung zum Gut⸗ bleiben verſchwunden, und ſie ſey erwacht. Die Sache kam Adalbert, ob der ver⸗ ſchiedenen Wiederholungen, gar bedenklich vor, er beſcht dhct die it kußeiſtt Vorf 3 184 Ka toͤnte auf einmal der aͤngſtliche Ruf der Sturmglocke von der benachbarten Burg Ebershoͤh in ihr Ohr, und bald ſahen ſie die lichte Flamme uͤber den Wald in die Hoͤhe ſchlagen. Alles, was von Maͤnnern in der Burg war, warf ſich eilig zu Roſſe, um zu Huͤlfe zu eilen. Bertha, Roſa, nebſt den 1 Maͤgden und zwei alten Knechten blieben allein in der Burg. Bertha, der die Angſt nirgends Ruhe ließ, erſtieg endlich den Wart⸗ thurm, um, was freilich jetzt noch nicht ge⸗ ſchehen konnte, die Ruͤckkehrenden in der Ferne ſchon erſchauen zu koͤnnen; hier hatte ſie den furchtbar ſchoͤnen Anblick, die ganze Burg in Flammen ſtehen und eine durchgluͤhte Mauer nach der andern zuſammenſtürzen 5 zu ſehen. Endlich erloſch das Feuer, und ſie kreute ſich ſchon der Ruͤckkunft ihrer Ge 8 tieb n; da rauſchte e6 8 in der Luft, ſie ſah uur da dahin⸗ uͤber Wälder, M um ſich, und ein ſonderbares Fahrzeug ſchwebte vor ihren Blicken, in Geſtalt einer ungeheuern Seemuſchel, von zwei unge⸗ heuern ſchwarzen Vögeln„ wie ſie derglei⸗ chen in ihrem Leben noch nie ſah, wurde 4 es daher gezogen. Sie wollte Anfangs den Thurm verlaſſ en, aber das ſonderbar Glaͤn⸗ zende hielt ihren Blick zu lange, daß ſie noch ſtund, als es ſich auf der Zinne nie⸗ derließ. In der Ferne hatte ſie nichts darx⸗ innen gewahrt, jetzt aber ſah ſie einen lan⸗ 4 gen, hagern Mann darinnen, in dem ſie den Moͤnch Benedikt zu erkennen glaubte; nun wollte ſie fliehen, jedoch der Mann ſprang heraus, faßte ſie mit gewaltigem Arme, und bob ſie in ſein Fahrzeug, und fort ging es 186 Siitnne nicht maͤchtig zu bleiben vermochte, ſie ſank in Ohnmacht, und aus dieſer im einen tiefen feſten Schlaf; ſie gewahrte da⸗ her nicht, wohin, und wie weit die Reiſe ging, noch was mit ihr ſelbſt vorging. Als ſie erwachte, ging eben die Sonne auf, ihre hellen Strahlen fielen in ihr Gemach, und beſchienen ein herrliches Lager. Sie ſah er⸗ aunt um ſich, denu es war ihr als ob ſie 5 eben aus einem langen, tiefen Traume er⸗ wache; alles kam ihr anders vor, und doch konnte ſie ſich nicht uͤberzeugen, b ſte wa⸗ che oder traͤume. Sie rief nach ihren Frauen. da erſchien ein altes zwergartiges Muͤtter? chen, des nan fuglich fuͤr eine Mumie haͤtte halten 7 3 3 oſreht nreh 8 znnen, pur war das Geſicht mehr ſchwefelig, mit kleinen, funkelnden, raben⸗ ſchwarzen Augen, und mit einer wunberlis chen Kleidung behangen, mit einem Worte, J es erſchien eine Geſtalt, die nicht in dem 5 Stande war, einem weiblichen Weſen Muth einzufloͤßen. Bertha erſchrack heftig, dies bemerkte die Alte, redete ſie freundlich an, und ſuchte ihr Muth einzufloͤßen, bat ſte, ſich an die Geſtalten die ſie hier ſehen werde, die haͤßlichſten wolle ſie ſchon fern halten, nicht zu kehren, und ganz ohne Furcht zu ſeyn, es werde ihr hier ſehr wohl gehen, wenn ſie nur kein Starrkopf ſeyn, und huͤbſch thun werde, was man von ihr ver⸗ lange, der Herrſcher hier ſey gar ſo uͤbel nicht, als er auf den erſten Anblick er⸗ ſcheine. Jetzt erſchien eine andere Geſtalt, 1 die nicht weniger haͤßlich als die rſte war; denn ob der auf einem ſpindelbürten, ſpan⸗ 1 nenlanigen Halſe ruhende Kopf mit Men⸗ ſchen⸗ oder Pferdehaaren bewachſen ſey, er⸗ kannte man nicht, und ob die 188 Haut gelb, roth, blau oder ſchwarz ſey⸗ konnte man eben ſo wenig unterſcheiden. Sie trug in den unfoͤrmlich langen, bis an die Achſeln entbloͤßten Armen, die ſie von einem Skelet entlehnt zu haben ſchien, auf ſilbernen Schuͤſſeln, die gewaͤhlteſten Erfriſchungen, ſetzte ſie auf einen herrlichen Tiſch in der Mitte des Gemachs, und ent⸗ fernte ſich. Als ſie weg war, begann dis Alte wieder aus ihrer vertrockneten Kehle Töne hervorzuknarren, indem ſie Bertha, mit den ſuͤßeſten Namen, denen man, aus einem andern Munde geſprochen, gewiß nicht haͤtte widerſtehen koͤnnen, einlud, von S dem Aufgetragzgen Gebrauch zu machen, und ſich zu ſtaͤrken, indem ſie bold von dem Gelhete des Schloſſes, von dem ſie 189 6 Berthars Augen enrſtürzten Thrsnen, 5 denn ſie ahnete nun wohl, in weſſen Haͤn⸗ den ſie ſich befinde; denn trotz ihres gutemn Unterrichts, den ſie außergewoͤhnlich ge⸗ 8 noſſen, drang ſich ihr doch der ſonſt un⸗ glaubliche Gedanke an Zauberei, die ſie bis jetzt wenigſtens nicht fuͤr ſo arg gehal⸗ ten hatte, wovon ſie aber hier die deutlich⸗ V ſten Beweiſe fand, auf. Sie ſank auf ihr Lager zuruͤck, und verhuͤllte das Haupt in die Kiſſen. Da begann die Alte von neuem ſie zu troͤſten, jedoch war ihre Mühe gaͤnzlich vergebens. Endlich, da ſie ſo, daß alles nichts half, verließ ſie das Ge⸗ mach. Nun wagte es Bertha, ihr Lager* z3 berlaſfen⸗ an ein Jenſter zu Nhns um kers zu beſchauen, ob es viel einen gewagten Sprung moͤglich 190 Freiheit zu erlangen; allein das war ſo vergeblich, wie vorhin der Alten Rede. Das Gebaͤude ſtand auf einem himmelhohen Falſen, der von aͤhnlichen ungeheuren Nach⸗ barn umgeben war; an eine natuͤrliche Er⸗ löͤſung aus dieſem Neſte war alſo ganz und gar nicht zu denken. Neue Thraͤnen entſtürzten ihren Augen, ſie glaubte ohne Nettung verloren zu ſeyn, und mußte ſich in ihr Schickſal fügen. Sie ging zurück zu ihrem Lager; hier mochte ſie ungefaͤhr eine Stunde geſeſſen haben, da oͤffnete ſich die Thuͤre„ und der lange, hagere Mann, den ſie geſtern erkannt hatte, in koſtbarer, aber ſonderbarer Kleidung, uber welche ein langer weißer, mit verſchiedenen Charakte⸗ ren bezeichneter Mantel herabhing, welchen r am Eingange ablegte, trat zu ihr ein. Außerſt verbindlich neigte er ſich vor der SGebieterin ſeines Herzens„wie er B. tha zu ſetzen, und verſprach Alles wieder gut 191 nannte, bat ſich einen Seſſel aus ſetzte ſich ihr gegenuͤber. In den Kerlit— ken Ausdruͤcken bat er ſie um Verzeihung, aß er ſich erkuͤhnt habe, ſie in einige Angſt zu machen, wenn ſie ſeine Liebe zu ihm, die er ihr nun aufs feierlichſte erklaͤrte, nur einigermaßen erwiedern wolle. Bertha, die hier, wenigſtens für den Augenblick, auf keine Erloͤſung rechnen durfte, und ſich ſo halb und halb einen. Plan ihres Benehmens gemacht hatte, peigte ſich, freilich mehr aus Furcht als aus 8 1 heit, da er feine Rede geendet hatte, zjem, lch ſrennglis gegen ihn,. nur bat ſe— 4 192 vergeſſen habe. Der Alte hatte dies gand und gar nicht erwartet, ſondern ſie ſich wüthend und tobend gedacht, war daher aͤußerſt erfreut daruͤber, ſo leichtes Spiel zu haben. Er ſagte ihr alles zu, was ſie nur wuüͤnſchte, auch geſtattete er ihr, und wie es ſchien, ſehr gern, ſich das Schloß, die Gaͤrten, und alles, was dazu gehoͤre, zu beſehen, und von allem, was ihr Ver⸗ gnuͤgen gewaͤhre, Gebrauch zu machen; auch meinte er, koͤnne ſie wohl außerhalb einen Spazirgang machen, um der Gegend kun⸗ dig zu werden, da werde ſie ſich es aber wohl gefalen laſſen, wenn er ihr einen Begleiter mitgaͤbe, der ſie vor Schaden huͤtete, und ihr jederzeit den Weg zum Schloſſe wieder zeige; denn, erinnerte er, wenn man es einmal aus den Augen ver⸗ loren habe, könne man es wegen der vielem 4 veerſchlungenen Wege, ohne genau bekannt zu ſeyn, auch mit dem beſten Willen, nicht. wieder finden. Sie nahm alles mit ſichtbarer Pruude an, denn darauf baute ſi e ja die Möglich⸗ keit ihrer Errettung, und erinnerte ihn nun nochmals an ihre erſte Bitte, deren Erfuͤllung der Alte als erſte Pflicht zu be⸗ trachten verſicherte. Er las in ihren Blik⸗ ken den Wunſch, den Vormittag im Freien zu genießen, ſogleich erbot er ſich, ſie in einen der Gaͤrten zu füͤhren, bedauerte aber zugleich, dann das Vergnügen in ih⸗ rer Geſellſchaft zu ſeyn, nicht laͤnger ge⸗ nießen zu koͤnnen, weil wichtige, nicht auf⸗ auſchiebende Geſchaͤfte ſeiner harrten, weß⸗ wegen er ſich hei ihr beurlauben müſſ. Mit größtem Danke nahm ſie ſein Aner⸗ . bieken an, und tiaß ſich von ihm in einen Garten geleiten; dort angekommen, außere man gegenſeitiges Bedauern, ſich verlaſſen zu muͤſſen, und er blieb zuruͤck. Welcher Art bei Bertha die Gefuͤhle waren, laßt ſicch keicht erklaͤren, ſie ſetzte, faſt laut zu⸗ velnd, daß ſie ihn fuͤr diesmal ſo los ge⸗ worden, ihren Weg durch die verſchiedenen Gaäͤnge 1 und Anlagen fort, bewunderte die vielfaͤltigen Schonheiten, die ſie hier fand, und den vorzuglichen Geſchmack, mit wel⸗ chem der Garken angelegt war; und wenn ſte nicht des ſchonſten Gutes, der Freiheit, 8 verluſtig geweſen waͤre, haͤtte ſi ſie e ſ c) hie echt tückich fühlen koͤnnen. In Beirhtttgen vetzunken, n Wnas war heraüchte ns da 5 — ſch auf einmal ein klein liedlicher durch das Geſtraͤuch, und lud ſie hoͤfllich zur Mittagstafel, indem er. fragte, ob ſie allein, oder an der Tafel ſeines Gebieters ſpeiſen wollte; ſie wuͤnſchte erſteres, und ehe ſie in ihrer Wohnung angekommen, 3 zu der er ſie geleitete, war dort alles aufs herrlichſte bereitet. Die Speiſen waren aufs beſte zugerichtet, ſie langte zu, da ihr In⸗ neres ſie ſtark dazu antrieb. Nach der Mahlzeit ſiel ſie in einen Schlummer, aus welchem ſie durch eine lieblich toͤnende Wu: ſik erweckt wurde. Einige Zeit nachher be⸗ kam ſie wieder Beſuch vom Alten, er ges leitete ſie wieder in einen andern Garten, ließ ſie unter lebendigen Bedauern wieder allein, und ſo ging ihr die zweite Haͤlft des Tages ggleich der erſten vorübe abend I eſe ſenn mit dem Alten neb 196 macht hakte, welche hoch erfreut daruͤber war, daß es ihr hier ſo wohlgefalle; uͤbrigens wurde wenig und von gleichguͤltigen Din⸗ gen geſprochen, und bald nach der Mahl⸗ zeit begab ſie ſich zur Ruhe. Suͤße Traͤume umgaukelten ſie, in welchen ihr Adalbert jederzeit voranſchwebte; ſie erwachte mit dem Tage, der eben ſo hinging wie der voorige, in gleicher Ordnung folgten ſeine HNBruͤder, welche ſie bald in⸗, bald außer⸗ halb des Schloſſes zubrachte. Der Alte hielt Wort, ſowohl in Anſehung ſeiner Lie⸗ beserklaͤrang, als auch in Anſehung des Begleiters; ſobald ſie aus dem Thore ſchritt, war ein niedliches Zwerglein an ihrer Seite. Sie ſah auch ein, daß der Alte wahr ge⸗ ſprochen, denn ohne dieſen Begleiter häͤtte— ſie manche Schoͤnheit nicht kennen gelernt, und ſich auch zuweilen ſo weit vom Schlaſſe den Forſt der Burg zuſprengten bernah⸗ entfernt, daß ſie es nicht wieder gefunden haben wuͤrde, was ihr gewiß nicht ſo un angenehm geweſen waͤre, wenn ſie nur dann auch gewußt haͤtte, wohin ſie ſich wenden koͤnne; ſo war ihr es recht ange⸗ nehm, daß der Alte, den ſie ſtets mit Ver⸗ teoͤſtungen auf die Zukunft hinhielt, und der mit ihrem Anſchauen ſchon zufrieden ſchien, dieſe Einrichtung getroffen hatte. Da ſie jetzt hier nichts zu befuͤrchten zu haben ſcheint, laſſen wir ſie, und kehren zuruͤck auf Burg Adlerhoͤh. s Ddie Ritter waren hoͤchſt aufgebracht dafelbſt wieder angelangt, auch nicht einen Funken Feuer hatten ſie in jener Burg geſehen, kaum daß ein Schornſtein geraucht, ales war Teufelsſpuk geweſen. Als ſi durh men ſie immer noch das aͤngſtliche 198 geelaͤute, im Freien angekommen, war Feuer⸗ ſchein und Sturmgelaͤute verſchwunden; die Ackerleute waren ruhig bei ihren Geſchaͤften, und konnten ihnen auf ihre Fragen auch 1 nicht den geringſten Beſcheid von einem Brande oder Sturmlaͤuten geben, kurz die Burg und Alles ſtand unverſehrt da. Hoch erfreut, daß kein Ungluͤck geſchehen, aber voll Verdruß, daß ſie ſo geaͤfft waren, warfen ſie ihre Roſſe herum, und ritten wieder zuruͤck. Im Reiten ſah Adalbert von ungefähr uͤber ſich, und erſchaute zwei große Vögel in ſtiller Ruhe neben einander dahin ſchweben, er machte ſeine Begleiter auf ihren Flug aufmerkſam, und man ſahe ihnen lange nach; da ſchien es einem, als bemerke er hinter ihnen noch etwas, das eben keine Bogelgeſtalt ſey; man ſah⸗ genauer hin, und die Vermuthung beſtäͤ⸗ 1999— tigte ſich. doch konnte man nichts⸗ deutlich erkennen. Der eine vermuthete dies, der andere das; ſo ritten fie endlich, nachdem ſie die Nichtung der Vögel wohl beachtzt, weiter, und hald waren ſie wieder auf Adlerhoͤh. 2. Sie waren hoͤchlich verwundert, Bertha nirgends zu ſehen, die ſie doch ganz gewiß am Burgthor harrend vermiuthet hatten. Man ſuchte uͤberall, ohne ſie zu ſi unden, man rief ihren Namen, vergebens; auch konnte Niemand andere Auskunft uͤber ſie geben, als daß man ſie den Wachtthurm habe beſteigen ſehen. Eilig rannte Adalhert dahin, aber auch hier war ſie nicht, nichts war da als ein kleines elfenbeinernes Stäb⸗ chen, er nahm es zu Iix un zeigte S in. 900 einſtimmig der Meinung, Bertha ſey durch Zauberei entfuͤhrt. Welche Beſtuͤrzung jetzt herrſchte, laͤßt ſich kaum glauben. Man ließ den akten Einſiedler, der nicht fern von hier hauſete, holen, erzaͤhlte ihm, als er kam, den Hergang der Sache, zeigte ihm den Stab, und er beſtaͤtigte nicht nur die Ver⸗ muthung, daß dies ein Zauberſtab ſey, wel⸗ ches ſchon die eingegrabenen Charaktere zeig⸗ ten, ſondern auch die zweite, daß Bertha durch Zauberei entfuͤhrt ſey; zugleich erklaͤr⸗ te er, daß nur demjenigen ihre Rettung ge⸗ lingen koͤnne, der den Stab bei ſich trage. Sehr natuͤrlich war es, daß ihn nun Adal⸗ bert nicht wieder aus den Haͤnden gab. Man erzaͤhlte ihm ferner, was man unter⸗ wegs geſehen, worauf er ihnen den Rathh ſie moͤchten nur dieſen Weg ein⸗ 201 ſchlagen, und eines gläcklichen ees ge⸗ wiñ ſeyn. 4 Adbalbert machte 66 alsbald mit eini. gen ſeiner Freunde, ſeinem Leibknappen Kurt, und Bruno, der ſich dem Zuge an⸗ ſchloß, auf den Weg, immer in gerader Richtung, ſo meinten ſie, dem Zuge, den die Voͤgel genommen, nach; eilig legten fie eine große Strecke zuruͤck, denn in der Naͤhe glaubten ſie gewiß, wuͤrden ſie ihr Ziel nicht finden, dann begannen ihre Forſthun⸗ gen, aber ziemlich lange vergebens. Sie kehrten in mancher Ritterburg ein, durch ſtrichen Berge, Waldungen, Hoͤhlen und Ruinen in Menge, umſonſt. An verſchie⸗ denen Orten hatte namentlich der ſchoͤne ruͤſtige Adalbert mancherlei Anfaͤlle auszu: halten, manch Dirnenherz flog ihm zu, und biele Gelegenheiten, ſeiner Betha Ehbitt* 202 nichts im Staude emnen feñen a Shun zu beugen, ſie blieb ihm ganz, was ſie ihm einſt war. Zuletzt noch begegnete ihm ein Fall„ der merkwuͤrdig genug fuͤr ihn war, wo ſein Herz noch einen harten Stand hat⸗ te. Sie kamen ſpaͤt Abends auf einer Burg an, alle Fenſter derſelben waren er⸗ keuchtet, ſie vermutheten, hier muͤſſe es ir⸗ gend ein Feſt geben, und ſie hatten recht vermuthet. Eine Zahl Gäͤſte ſtroͤmte ih⸗ nen entgegen als ſie abgefeſſen waren, und fuͤhrten ſie gaſtlich in den großen Saal, wo ſich Ales im bunten Gewi te durch ein⸗ ander drehtez ein junger ſtat iche r Ritter empfing ſie, an der Hand nes höchſt rei⸗ zenden Weibes, das er ihnen als ſeine Ber⸗ lobte vorſtellte; dahinter ſtund eine Dirne, 6 ſcön n wie 9 Juno, die Thalert faſt mit. ihren feurigfunkelnden ſchwarzen Augen ver⸗ ſchlang. Ob der taͤuſchenden Ahnlichkeit mit ſeiner Bertha, glaubte er dieſe gefun⸗ den zu haben, und oͤffnete ſchon Mund und Arme, um auf ſie hinzueiley, da⸗ blickte er ihr noch zur gelegenſt ſten Zeit in die Augen. und erkannte ſeinen Irrthum. Ihr war. ſeine Bewegung nicht entgangen, und ihr 8 Herz ergluͤhte im Augenblicke ganz fuͤr ihn, denn wohl mochte ſie dieſe ſeine Bewegung fuͤr etwas anders gehalten haben, als ſie es. eigentlich war. Sie nahm den j jungen Rit⸗ ter bei Seite und redete leiſe und hitzig mit ihm, wobei ſie wundervoll ſchmelzende Feuerblicke auf Adalbert ſchoß, der Ritter bejahte ihr endlich kopfnickend etwas, und ſie gingen aus einander. Nun wurden die 5 Fremden zu einer wohlbeſt ten Taß 37 2⁰ ½ berts Seite niederließ. Sie knuͤpfte ein Geſpraͤch mit ihm an, welches bald zu ei⸗ ner gaͤnzlichen Liebeserklaͤrung wurde. Adal⸗ bert gab ihr ſeine Verwunderung daruͤber zu erkennen, aber es half Alles nichts, er ſollte und mußte eer Ihrige werden, ſie winkte dem jungen Ritter, und forderte ihn auf, ihre Sache zu uͤbernehmen. Adalberts Freunde hielten das fuͤr Scherz, und lach⸗ ten herzlich dazu, daß er auf der Irrfahrt nach ſeiner Geliebten, ſo reichlichen ausge⸗ zeichneten Fund mache. Da nahm der jun⸗ ge Ritter das Wort, und erklaͤrte Adalbert den Willen des reichſten und edelſten Fraͤu⸗ leins der Gegend, daß ſie ihn, und nur ihn zum ehelichen Gemahl verlange, und 1 daß, da ſie ſo brennend heiße Liebe zu ihm fuͤhle, im Weigerungsfalle der Zwei⸗ kampf eniſcheiden muͤſſe. Von neuem dah en, die Ritter, doch die Sache wurde thig war, von ſeiner Geſchichte; es half nichts, die Dirne beſtand auf ihrem Ver⸗ langen, und wendete alles an, ihn fuͤr ſich zu gewinnen. verw Seufzer und ſo⸗ e, um zu ihrem Ziele gar Thraͤnen i zu gelangen, u alle moͤgliche Weiſe ſeine Erklaͤrung, daß ter nie der Ihrige werden koͤnne. Sie er⸗ klaͤrte frei und ſo feierlich, daß es der Ver⸗ ſſten denn doch zu ernſt wurde, wenn er ihre Waͤnſche nicht befriedige, ſo moͤge und koͤn⸗ deer duͤrfe dann nicht lebendig aus dieſer 11 acgen. Man wendete 213 n, nhi 7 vernſthaft. Adalbert erzaͤhlte, ſo viel noͤ⸗ erſchwerte Adalbert auf ſammlung, und namentlich den neuen Gaͤ⸗ ne ſie fortan nicht laͤnger leben; aber auch aah kommen, fondern muͤſſe, muen nicht Gedanken zu benehmen, aber umſonſt; ſie beſtand auf den Zweikampf auf Leben und Tod, welcher auch ſogleich beginnen ſollte. Dagegen machte jedoch der junge Ritter einige Einwendungen, indem er ihr die rit⸗ teerlichen Pflichten de Galfreundſchaft und 3 ſeines Rechtes vorſtellte, und ihr rieth, ſich, ſda ſie ſo ſehr ergriffen ſey, fuͤr heute zur Nuhe zu begeben, das Feſt ſolle fuͤr heute Leendet ſeyn, und morgen wollen ſie die Sache weiter beſprechen, vielleicht kommen auch dem Ritter uͤber Nacht andere Geſin⸗ nungen, welche ihn geneigt machen, ihre Wünſche zu befriedigen, und ihr das er⸗ ſehnte Gluͤck zu gewaͤhren; Alle vereinigten ihre Bitten, und Adalbett, deſſen Herz maͤch⸗ g beklommen war ob der aufkeimenden MNeigung zur engelſchönen Elma, bat recht anſtaͤndig, ſie moge ſich heute der Ruhe uͤber⸗ kaſſen, und morgen, bei nur einiger A lichkeit, des beſten Erfolgs ihrer Wünſche gewaͤrtig ſeyn, da ſein Herz ihm ſage, daß er bei ihrer großen Liebe, auch hier gläcklich ſeyn werde; er werde mit ſeinen Freunden dieſe Nacht noch einen Plan ent⸗ werfen, wenn dieſer ohne Erfolg ausgeführt ſey, das wolle er ihr vorlauft ig ſagen, dann wolle er zurückehren und ihre Wünſche nach Kraͤften erfuͤllen; jetzt muͤſſe er aber, von heiligen Pflichten gekrieben, ſeinem vor⸗ 8 geſteckten Ziels nacheilen. Schluchzend faßte Elma ſeine Rechte, und preßte ſie krampf⸗ haft an ihr hochſchlagendes Herz, und be⸗ ſchwor ihn, bei allem was ihm heilig, ſt nicht zu verlaſſen, und nicht fo grauſam mit ihrer reinen Liebe umzugehen; denn ſie koͤnne den Tag, wo ſie das, ihr durch 3 4 1 Shenr zugeführte Gläd auf inm 208 von ſi ch ſcheiden ſehe, nicht uͤberleben; daß dies keine leere Redensart ſey, beſchwor ſie mit gen Himmel gewandtem Blick, ſo feier⸗ lich, daß Allen ein heiliger Schauer ankam, und es ſtand, da ſie das, was haͤufig herz⸗ liche Liebe genannt zu werden pflegt, nicht zu kennen ſchien, zu erwarten, daß ſie, bei ihrem feuxigen gemperaments, Wort hal⸗ ten werde. Sie ging aus der Verſamm⸗ lung, nachdem ihr Abalbert eben ſo feier⸗ lich verſichert, er werde und wolle, wenn ſein Plan, den er ihr morgen mittheilen werde, ihn nicht zum Ziele bringe, das er heiliger Pflicht halber ſuchen muͤſſe, gewiß nichts ungeiſirut laſſen, um ſie nach ſei⸗ nen beſten Kraften gluͤcklich zu machen. Insgeheim hegte er aber den Wunſch, die Burg mit den Seinigen noch dieſen Ahend zu periaſſnz denn er wollte lieber P hiet ſitzen ſcheinen, als in die Gefahr gerathen, 2 ſeiner Bertha untreu zu werden. Er theilte dieſen Wunſch ſeinen Freunden in allet Stille mit, die zum Theil dafuͤr, zum Theil dagegen waren. Waͤhrend ihres Ge⸗ ſpraͤchs war unbemerkt der junge Ritter, ihr heutiger Wirth, dazu getreten, und in⸗ dem er den Zuſammenhang des Geſprächs hoͤrte, machte er ſich ſchnell bemerkbar, d— durch, daß er ſehr nachdrucksvoll Adalbert und die Seinen zum Bleiben noͤthigte. Adalberk, deſſen Herz nicht ganz rein vo Neigung zu der ſchoͤnen n nns ſöhaldit baß er dies nut e änſche, un 1 in etwas zu erſparen. Es mnses lei hin und her geſprochen, wo unte ar 210 der Wirth erinnerte, Elmas Herz ſey ſo ſchwach nicht, ſondern ſie ſey nur heute von ſo heftiger Liebe hingeriſſen geweſen, daß es ihr unmoͤglich geſchienen, eine Tren⸗ nung von demjenigen, welchen ihr gleich⸗ ſam das Schickſal an dem Tage zugefuͤhrt, wo ihre heißeſten Wuͤnſche, durch die Ver⸗ lobung ihrer Schweſter aufgeregt, zu er⸗ tragen, wenn ſie ſein Ritterwort empfinge, daß er wiederkehren werde, ſo wuͤrde ſie ſich gewiß beruhigen; auch werde ihre Liebe dadurch nichts erleiden, ſondern vielmehr an Feſtigkeit gewinnen, denn wo ihr Herz einmal hingelenkt ſey, davon halte es aͤu⸗ Ferſt ſchwer, ſie wieder abzubringen; daß ſee aber ihre Drohung nicht in Erfuͤllung 1 bringen werde, das ſey von nun an ſeine Sorge. Nun kam die Rede auf den er⸗ waͤhnten Plan. Es wurde unnncher vnr N geſchlagen, aber Adalbert, bei dem ber 60, danke an ſeine Bertha jetzt wieder der erſte war, wollte zu nichts ja ſagen. Endlich kamen ſie doch darin uͤberein, daß ſie, nach einem Jahre vergeblichen Suchens, von heute an gerechnet, zuruͤckkehren, und wenn ſich die Geſinnungen des Fraͤuleins bis dahin nicht geaͤndert haͤtten, die Sache weiter verhandeln wollten. Adalbert nahm den Vorſchlag mit beklommenem Herzen, aber auch mit einiger Freude an, denn er 3 glaubte bald am Ziele ſeiner Wuͤnſche zu ſeyn; und die Liebe der ſchoͤnen Elma wollte ihm auch nicht ſo recht behagen, denn, dachte er, wer ſeine Liebe ſo mit Zlitzesſchnelle gibt, kann ſie wenigſtens mit 8 Windesſchnelle wiedernehmen, und ſeiner⸗ ſeits dachte er, er werde doch, auch in den Aumen des ſchoͤnſes Weibes, ſeine Brnhn nie vergeſſen koͤnnen; daher ſeine Beklom⸗ menheit. Fuͤr heute blieb es bei dem Ent⸗ ſchluſſe, den man am Morgen Elma mit⸗ zutheilen und dann weiter zu reiſen ge⸗ dachte. Man begab ſich zur Ruhe, aber lange konnte man, ob des wunderlichen Ereigniſſes, keinen Schlaf finden, Adalbert durchwachte die ganze Nacht. Nicht ſo⸗ Elma, uͤber ſie ergoß der Schlummergott 3 ſeinen Mohn bald, wie es oft bei denen geſchieht, deren Geiſter zu ſehr beſchaͤftigt wa⸗ ren; ſie ſank in einen wohlthaͤtigen Schlum⸗ mer, ſchoͤne Traͤume umſchwebten ihr La⸗ ger, in welchen ihr ſtets Adalbert aͤhnliche Geſtalten vorſchwebten. Aber wie es beim weiblichen Geſchlecht im Leben oft geſchieht, ihre Geſinnungen kann ein leiſer Hauch zerſtiben, ſo geſchah es gerade hier, un zwar ſchon im Ttaume Anſinaliche Adalberts Bild nicht aus ihrer Seele, 5 ſie erwachte. Sie entſchlummerte wi d 1 neue Geſtalten erſchienen, und unter dieſen ein junger Mann, der Adalberts Bild ſehr in Schatten ſtellte; ſie traͤumte von ihm bis an den Morgen, und zwar ſo lebhaft, daß er ihr, als ihr der Entſchluß des Ritters mitgetheilt wurde, noch gegenwaͤrtig war, und ſie ganz zufrieden damit ſchien. Man ſchied endlich, da floſſen nun freilich noch einige Thraͤnen, aber Weiber⸗ thraͤnen und Sonnenregen ſind ja ſelten von langer Dauer; ihre Thraͤnen verſiegten, und um den guten Adalbert waͤre es ge⸗ ſchehen geweſen, wenn er e vergeb⸗ lich geſucht, und dann zuruͤck 214 haft lebendiges Compendium der Erdhe⸗ ſchreibung, denn faſt in jedem Winkel der bewohnten Erde war er bekannt, weil er uͤberall geweſen, und trotz dem, daß er manches beſtandene Liebesabentheuer zum Gegenſtande der Unterhaltung machte, er⸗ kannte Elma ihr Traumbild in ihm, und verliebte ſich eben ſo ſchnell und heiß in ihn. Er ließ ſich bereitwilliger als Adal⸗ bert finden, zu bleiben, er hatte ja auch keine andere Geliebte zu ſuchen, als etwa die ſich ihm mit Gewalt in die Arme eine, eit Elma fWane Wuck, die diefe fuͤr baare 3 Muͤnze annahm, die Verlobung wurde ge⸗ feiert, und bald darauf fuͤgte des Prieſt Er hatte, was ſehr natuͤrlich 9 me h herzliche Liebe empfunden, die ihre verflog mit dem Reiz der Neuheit, und ſo haͤtten ſie das geknuͤpfte Band endlich gern wieder geloͤft, wenn dies in der allein felig⸗ machen den Kirche eine Moͤglichkeit gewe⸗ ſen waͤre. Zuletzt loͤſte es der KNitter ohne Wiſſen und Willen des heiligen Vaters und ſeiner Kardinaͤle und Biſchoͤfe, und wie die Herren weiter heißen moͤgen„ und ohne feine Gemahlin um Rath zu fragen, oder ſich bei ihr zu beurlauben. Er fuͤllte ſeine Borſe, ſteckte an Koſtbarkeiten zu ſich, was man etwa uf ein ei ohne Ziel brauchen kann, r a w va dn er mit ſch⸗ Herberge zu erreichen im Stande waren, ſee beſchloſſen eben, hier unter freiem Hi mel zu uͤbernachten„da gewahrten ſie au einmal, in einiger Entfernung, hinter 216 alfo dafuͤr, daß ihm Elma's Anblick nie⸗ wieder Herzdruͤcken verurſachen konnte. El⸗ ma waͤhlte, da ihr Gemahl allzulange auf der Jagd blieb, den Schleier, und ver⸗ ſperrte durch dieſes Gitter jeglichen Liebes⸗ gedanken den Ein⸗ und Ausgang ihres Herzens. Adalbert erfuhr den erſten Vorfall noch auf ſeiner Irrfahrt, und war herzlich froh, ſeiner Bertha, die er denn doch endlich zu finden hoffte, treu geblieben zu ſeyn. Er ritt mit ſeiner Geſellſchaft, ſo gut ſich es in ſeiner Lage thun ließ, luſtig in die Welt hinein, dem erſehnten Ziele entgegen. So ereilte ſie einſt die Nacht, ehe ſie eine ſtandene Wentheuer, war bei dem Flim⸗ mern der Lichter ſchnell Alen gegenwaͤrtig, und unter mancherlei Bemerkungen über die verſchiedenen Elmen in der Welt, zo⸗ gen ſie darauf los. Allein auf einmal ſahen ſie ſich in einem Labyrinth von un: geheuren Felſen, daß es keine Moͤglichkeit war, auch nur einen Schritt vorwaͤrts zu reiten. Von einer Burg war hier nichts zu ſehen, noch zu hoͤren; es war ihnen daher nichts üͤbrig, als zuruͤck zu reiten. Wie ſie an die erſte Stelle kamen„ ſahen ſie ruͤckwaͤrts, aber auch kein Fuͤnkchen war ihnen mehr ſichtbar. Sie laͤrmten ſchier uͤber dieſen Spuk, beſchloſſen hier zu huuhien. und morgen am Tage die 218 es, daß ſie hier am Ziele ihrer Reiſe ſeyn FFnnnten. 1 Sie ſaßen ab, bereiteten ihre Lager ſo gut es moͤglich war, und begaben ſich zur Ruhe, doch in Keines Auge kam der Schlaf, wachend begruͤßten ſie den Morgen eines herrlichen Tages. Sie warfen ſich auf ihre Noſſe, und nun ritten, nachdem ſie die Gegend, wo ſie die Burg bemerkt zu haben glaubten, noch einmal genau durchſpaͤhet hatten, die Felſen von allen Seiten, aber es fand ſich keine Moͤglichkeit, hinein zu gelangen; wenn je ein Pfad hinein zu fuͤh⸗ ren ſchien, ſo war er bald von ungeheuren Felsmaſſen verlagert, und der ihn gefun⸗ den, mußte unverrichteter Sache den Ruͤck⸗ 8 weg ſuchen. ⸗So hatten ſie ſich lange ver⸗ bens faſt mude gefucht, als ſie beſchloſſen Bertha. Sett gewwahrte er auch eine n 8 erklettern; denn Adalbert ahnete es mehe als deutlich, daß ſeine Bertha hier verbor⸗ gen ſeyn muͤſſe. Es geſchah. Adalbert Fnd guückuch einen Pfad, auf welchem es ihm nicht ala zu ſchwer wurde, emporzuklimme 3 Kurt und Bruno folgten ihm, doch ſie vermoch⸗ ten es ſeiner Geſchwindigkeit nicht gleich zu thun, ſie blieben weit hinter ihm; endlich hatte er den Gipfel erreicht, und forſchend ſich nach allen Seiten umſchauend, ge⸗ wahrte er in einiger Entfernung eine weib⸗ 2 liche Geſtalt. Schnell bog er einen Sei en⸗ weg durch Hecken und Geſtraͤuch ein„ ſo, daß er ſie immer im Auge bet Immer naͤher ſchreitend, erkannte 220 ner erſten Entdeckung verwendet hatte; un⸗ willkuͤhrlich erinnerte er ſich ſeines Traumes,— doch ſein einmal entflammter Muth war nicht zu erſchuͤttern. Er ſchlich naͤher, wie er ſo nahe war, daß er Flucht fuͤr un- moͤgli⸗ te ſtuͤrzte er mit dem Rufe: „ Bertha!“ hervor. Sie er⸗ kannte ihn ſogleich, wollte mit offenen Armen auf ihn zu eilen, da vertrat ihr der Zwerg den Weg, und ſchleuderte ſie hin⸗ ter ſich, daß ſie ohnmaͤchtig zu Boden raumelte. Abalbert wollte ihn mit kraͤfti.. ger Fauſt packen, und ebenfalls zu Boden 6 werfen, da ſtand auf einmal das ganze — chreckliche Bild ſeines erſten Traumes vor ihm. Der kleine dicke Kopf war nicht mehr, 4 ein ſcchrecklicher Hyaͤnenrachen klaffte im 5 entgegen, ſtatt der Haͤnde ſtarrten Wolfs⸗ jedem Aungenbi licke —— die ihn in 221 zu zerſleiſchen drohten, daher, und un: ter der langen ſchwarzen Kutte, die den lang ausgedehnten Rumpf umfing, ragte ein zottiger Fuchsſchwanz hervor. Jetzt hieß es, Kopf und Herz nicht verlieren. da er immer noch von ſeinen Freunden nicht erreicht war. Erſt hatte er ihn mit deer Fauſt packen wollen, jetzt nahm er ſeine Zuflucht zum Schwerte, wie ein Blitz fuhr es aus der Scheide, er fuͤhrte mehrere Streiche, keiner gelang, endlich ſchlug das uUngeheuer bei einem neuen kraͤftigen Strei⸗ e das Schwert auf die Seite, es ſprang vom Hefte, nun ſtand er waffenlos da, das Ungeheuer, das wie an den Boden gefeſſeit ſchien, ihm zähnefletſchend gegen: uͤber. Der Traum ſtand in ſeiner ganzen Furchtbarkeit vor ſeiner Seele, da beſann 282 er ſich auf ſeinen Stab, erczog ihn herpor,, um. eieid danie de Saulus zu Aüſen, im n augexbhe wugge dhnn⸗ gein helpuhetss, kleines Schwert, am Boden liegend, ſicht⸗ bar, er ergriff es im Nu, und mit dem eiſten Streiche ſpaltete er dem Ungeheuer. den ſcheußlichen Kopf, das nun bruͤkend zu Boden ſank. Im Augenblicke rollte ein leiſer Donner, esarauſchte in der Luft, und eine glaͤnzende Geſtalt, wie uns die Einbildung die guten Engel mahlt, und wie ſie ihm im Traume erſchienen war, ſtand vor ihm, alſo beginnend:„Dank Dir, Adalbert, treuer Kaͤmpe, daß Du aus⸗ gehalten, den mancherlei Verſuchungen wi⸗ uigrheet befreist haſt, das die Zeit uͤber, ſenen giftige Hauche b erſtanden, und nun die Welt von einem Luft verpeſtete, vielfältige Nokh geſtiftet. arbeite, raubte er, durch meine Güte er⸗ muthigt, als ier durch ſeine Zaubertraͤnke, aus dem ſich ſelbſt bereiteten Tode erſtan: den, und nun geiſterhaft herumzuwandeln im Stande war, einen Theil meiner Macht; jetzt iſt ſie mir durch ſeine Unvorſichtigkeit und Deine Treue wieder geworden. Du warſt das gluͤckliche Werkzeng; denn haͤtteſt Du ſeinen Stab, den er in der Haſt ver⸗ geſſen, nicht gefunden und bei Dir getra⸗ gen, ſo waͤre Dir ſeine Erlegung undig lich geblieben; Du haſt gluͤcklich mit ihm geendet, er wird nie wieder erſcheinen. Ou ſollſt zum Danke von mir dafür ge⸗ ſegnet ſeyn, Bertha ſoll Dein, Du Sau, Ins Aunc als Sesuih 8s. Mir, die ich zum Schutze guter Meiſchetn —— A dalbert blickte mitleidig auf die noch immer ohnmaͤchtige Bertha. Ich kenne Deinen Wunſch, doch laß mich gewaͤhren; erſt muß dieſes Ungeheuer verſchwunden ſeyn, damit ſie kein neuer Schreck beun⸗ ruhige.. Kd.. Sie ſtampfte m mit dem Gußes die Erde öffnete ſich unter dem Zauberer, er ver⸗ ſank, und ſein Grab ſchloß ſich von felbſt. Nun ſey Dein Wunſch gewaͤhrt. Mit einem feinen Staͤbchen Bertha beruhrend, zufte ſie dieſe ins Leben zuruͤck, die hoch⸗ erſaunt und nicht wiſſend, was ihr begeg⸗ net, wie aus einem ſchweren Traume er⸗ wachend die Augen oͤffnete, und ſich unter A dalberts Hüͤlfe vom Boden erhob. Waͤhrend dem hatten ſich nun auch Wwalberts Freunde herzugefunden, die nicht neng erſtaunt waren, hn in ſolcher Ge⸗ 225 ſelſchaft zu finden.„Das Ungeheuer, das Luch und viele Andere aͤngſtete,“ begann die Geſtalt ferner,„iſt durch Deinen Muth nicht mehr. Dieſes Schwert, womit Du es erlegteſt, iſt mein Geſcent an Dich. trage und brauche es wider Deine Feinde«, und Du wirſt ſiegen, ſo wie alle Dine Nachkommen, ſo lange ſie gut bleiben, wie Du es bisher wareſt, ſtets Sieger ſeyn werden. Das Staͤbchen, was Du von dem Boͤſewicht haſt, ſoll ebenfalls Dein bleiben, laß Dich ſtets dadurch erinnern, daß Beharr⸗ lichkeit und Muth immer zum ſchoͤnen Ziele fuͤhren. Die uͤbrigen Werke der teuf⸗ liſchen Kunſt des Verdammten moͤgen wie⸗ der in ihr Nichts zuſammenfallen.* 8 Sie ſtampfte abermals mit dem Fu e, und Shich und Felſen weiinlen 1 1 2266 3 Boden, nur der Fels, auf welchem ſie ſtan⸗ den, blieb und ſollte, dem Ungeheuer gleich⸗ ſam zum Grabſteine dienend, ſtehen blei⸗ ben. Nochmals die beiden Liebenden zum Gutbleiben ermunternd, hob ſie ſich mit ei⸗ nem leichten Schwunge in die Luft, ihle letzten Worte waren:„Adalbert und Bertha, ſeyd gluͤcklichl, utſchwunden war fie den Augen der Skaunenden, die vom Dankgefuͤhl durch⸗ drungen und frohen Muthes, ihre Rück⸗ 5 reiſe antraten, die um ſo ſchneller von ſtat⸗ ten ging, da ſie nirgends Aufenthakt hat⸗ ten. Nach kurzer Zeit zogen ſie trium⸗ phirend in Burg Adlerhöh ein. Die Freu⸗ de Aller war graͤnzenlos; nach den beiden Alten freute ſich niemand ſo herzlich, wie die gute Roſa, die ihren Bruno ſchon in 8 des Teufels Klauen geglaubt hatte, und berts. Verbindung nicht laͤnger aufge⸗ daß der Fremde Elma's Gemahl war. Er. ihn doch nun wieder wohlbehalten in ihre Arme ſchließen konnte. Der alte Hans hatke woͤhrenddem fuͤr Bruno das Gut er⸗ kauft, ſie feierten ihre Verbindung, und zogen nach wenigen Tagen zuſammen ein. Jetzt wurde aber auch Bertha's und Adal⸗ ſchoben, in den naͤchſten Tagen wurde der Bund ihrer Herzen durch einen froͤmmern Moͤnch, als Benedikt war, gfeliet. Hochzeitsabende verſchien ein Fremder, er wuͤnſchte Adalbert zur gluͤcklichen Vollbrin⸗ gung ſeines Planes, und daß er nicht habe zu Elma zuruͤckkehren duͤrfen, Gluͤck. Adal⸗ bert wunderte ſich, wie ein Fremder ſeinen ein Mal vorgegebenen Plan kenne; man erklaͤrte ſich deutlicher, und es fand ſich, erzaͤhlte von ſeinem Stande, den er ber 4 8. as 5 8 ihr gehakt, und Adalbert war herzlich er⸗ reut, daß er nun mit ſeiner Bertha ein glücklicheres Leben genießen konnte. Dies wurde ihm auch zu Theil, denn ſie uͤber⸗ lebten zuſammen ihre guten Eltern und Pfleget lange, und beſchloſſen, hoch an Jah⸗ rem ihr gluckliches Leben, von Kiedern und Enkeln beweint und geſegnet, wun⸗ derbar einem und demſelben Tage, ein h hre irdiſchen Huͤllen auf, und ein Denkmal, worauf ihre Geſchichte im Bilde eingegraben, bezeichnete den Nach⸗ kommen die Staͤtte ihrer Ruhe. Blankenburg, edenet bei C. W. Kircher.