——2 —————.— 7 3 Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur 2 6 von Eduard Olkmann in Gießen, 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8§ Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines getiehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet le wird. p 14 Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und 1 eträgt: für whchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ————— auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mr. 50 Pf. 2 Mt.— Pf. 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 66. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und 2 defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der ] Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder deferte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. . Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. 1. 1 1 Aeih- und Jeſebedingungen. 1 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. en eheeeeee 3 2 — — Neue Biographie der Zeitgenoſſen, oder hiſtoriſch⸗pragmatiſche Darſtellung des Lebens aller derjenigen, die ſeit dem Anfange der franzoͤſiſchen Re⸗ volution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthuͤmer oder Verbrechen, ſowohl in Frankreich, als im Auslande, Beruͤhmtheit erlangt haben. Nebſt einer chronologiſchen Tabelle über die merkwürdigſten Epochen und Begebenheiten von 1787 bis auf die gegenwärtige Zeit. Von A. V. Arnault, ehemaligem Mitgliede des Inſtituts, A. Jay; E. Jouy, Nitglied der franz. Akademie; J. Norvins, und andern Gelehrten, Beamten und Militärperſonen. Ueberſetzt und mit Anmerkungen begleitet, von Karl Geib. Erſter Band. B-B-ͥ——AA‚AGA * —-*» Frankfurt am Main, 1821. Hermannſche Buchhandlung. Heidelberg: 3. Engelmann. Vorbericht d e s Neberſetz e r s5. Da Tendenz dieſes Werks iſt in den Viographieen ſelbſt ausgeſprochen. Sie rollen uns das Gemaͤlde der franzoͤſiſchen Revolution wieder auf, zeigen große Tugenden und Handlungen, uͤber welche die Nachwelt ſtaunen, große Laſter und Verbrechen, die ſie kaum glauben wird. Es erſcheinen muthige und ſtarke Naturen neben ſchwachen Charakteren; aber auch unter erſteren viele, die man der Haltungsloſigkeit beſchuldigen kann; dagegen wieder andere, die in jedem Wechſel der Dinge, welche Grund⸗ aͤtze ihnen auch eigen ſind, die Probe beſtanden. Die welter⸗ ſchuͤtternde Begebenheit ſchlug hie und dort tiefe Wunden, aber auch ihre wohlthaͤtigen Wirkungen auf das Ganze werden nicht verkannt. So furchtbar zieht das ſchwarze Gewitter einher: der leuchtende Blitz, der tobende Hagel vernichten, wohin ihr Schlag trifft; der Landmann weint uͤber der oͤden Stelle; aber die vom Donner erſchuͤtterte Erde gebiert ſchoͤnere Fruͤchte, und ſelbſt der Verheerung entbluͤhen einſt liebliche Blumen. Doch nicht allein jene, die ſeit dieſem Umſchwung auf der großen Weltbuͤhne thaͤtig waren, ſind in dieſen Darſtellungen gezeichnet: auch Gelehrte, Kuͤnſtler, und ſolche, die fuͤr Na⸗ tional⸗Wohlſtand und Induſtrie durch nuͤtzliche Erfindungen und vorzuͤgliches Streben wirkten; nicht allein Franzoſen, ſon⸗ dern auch Auslaͤnder, die ſich einen geſchichtlichen Namen er⸗ warben. 8 Man kennt zwar manche ſchaͤtzbare Werke uͤber den vorlie⸗ genden Gegenſtand. Die Verfaſſer des gegenwaͤrtigen haben ſowohl aus ihnen, als aus eignen Erfahrungen, und ſonſt reinen 1Vv Vorbericht des Ueberſetzers. und ſichern Quellen, ſo weit es ihnen moͤglich war, geſchoͤpft; viele, bisher wenig oder nicht bekannte, Namen ſind angefuͤhrt, wenn ſie charakteriſtiſche Belege gaben; ſo daß ſich das Ganze durch Mannichfaltigkeit, Ordnung, Praͤciſion und Reichhaltig⸗ keit auszeichnet. Die auf dem Titel genannten Verfaſſer ſind als achtungs⸗ werthe Gelehrte bekannt, und ihre Mitarbeiter wandeln mit ihnen auf gleicher Bahn. Denn alle Schilderungen athmen im Ganzen den Geiſt der Liebe zum Edlen, Guten und Schoͤnen, zu dem, was hier und jenſeits uns heilig iſt, den der Unpartei⸗ lichkeit(namentlich in Bezug auf Auslaͤnder), einen gluͤhenden Patriotismus, der jeden, von welchem Volke er auch ſey, wenn er frei iſt von kleineren Leidenſchaften, zu eigner Vaterlandsliebe hoͤher begeiſtern muß, und den Sinn fuͤr wahre Freiheit, welche die zuͤgelloſe Anarchie eben ſo ſehr verabſcheut, als willkuͤhrliche Herrſchaft, und nur da wohnen mag, nicht allein, wo, wie Klopſtock ſagt, das Geſetz und Viele, auch, wo das Geſetz und Einer, herrſchen. Mit allem dem ſoll nicht behauptet werden, daß dieſes Werk frei von Irrthuͤmern und nationeller Vorliebe ſey. Er⸗ ſtere beruhen manchmal auf ungewiſſen Angaben. Letztere iſt zwar an Niemand zu tadeln; nur darf ſie nicht zu praͤdomini⸗ rend ſeyn. Waͤre dies auch in gegenwaͤrtigen Biographieen hin und wieder der Fall,(wie denn z. B. unter vielen als wahr be⸗ kannten Zuͤgen von Tapferkeit manche ſo uͤbertrieben dargeſtellt find, daß ſolches eine augenblickliche Exaltation kaum entſchul⸗ digen kann,) ſo wird es durch die Gerechtigkeit, welche jedem fremden Verdienſt widerfaͤhrt, oft verguͤtet. Der Styl des Originals iſt klar, die Darſtellung einfachhiſtoriſch(ſelbſt da⸗ wo ſie raͤſonnirend wird), aber lebhaft und anſchaulich. In wieweit es dem Ueberſetzer gelang, derſelben beizukommen, dar⸗ uͤber mag das Publikum und eine gerechte Kritik entſcheiden. Doch bin ich beiden uͤber die Norm, welche ich bei dieſer Ueber⸗ tragung beobachtet, eine Erklaͤrung ſchuldig. Ich habe nach Treue geſtrebt, aber mehr des Sinns und Ausdrucks, als der Worte. Dies fordert ſchon der hin und wieder verſchiedene Genius beider Sprachen. Manche deutſche Schriftſteller unſerer Tage haben einen uͤbertriebenen Purismus zum Geſetze ange⸗ nommen. Mein Grundſatz iſt, Benennungen des Auslandes, welche bei uns gleichſam naturaliſirt ſind und zum beſern Ver⸗ Vorbericht des Ueberſetzers. v ſtaͤndniß der modernen Geſchichte dienen, beizubehalten, im uͤbrigen aber unſere reiche und kraͤftige Sprache vor fremdem Einfluß zu bewahren. Manches Umſtaͤndliche, beſonders das, was in Beziehung auf Perſonen, die kein hiſtoriſches Gewicht haben, wohl franzoͤſiſche, aber nicht deutſche, Leſer interefſtren kann, iſt abgekuͤrzt. Aber nie wird man das Weſentliche ver⸗ miſſen, vorzuͤglich bei bedeutenden Namen. Doch mußte eine oder die andere Stelle aus ſonſtigen Gruͤnden unuͤberſetzt bleiben. Unter den im Original oft weitlaͤufig aufgezaͤhlten Schriften der Gelehrten ſind, namentlich in poſitiven Wiſſenſchaften, nur die Hauptwerke angefuͤhrt; denn Maͤnner des Fachs kennen die Quellen ſelbſt. Ausfuͤhrlicher war man in dem, was ſich auf ſchoͤne Literatur bezieht, oder ſonſt ein allgemeines Intereſee fuͤr das gebildete Publikum hat. Die, meiſt kurzen, Anmerkungen, welche ich manchen Lebensbeſchreibungen beifuͤge, enthalten entweder ein naͤheres Erklaͤren gewiſſer Begebenheiten und Lokalitaͤten, oder charak⸗ teriſtiſche Zuͤge, oder auch Berichtigungen, wo ich ſolche zu geben vermag. K. Geib. SEinleitung d e s Originals. 74 De franzoͤſtſche Revolution iſt die groͤßte Epoche unſerer Ge⸗ ſchichte, und vielleicht der Geſchichte Europa's. Sie hatte anfaͤnglich, im Namen der Menſchenrechte, Koͤnige und Voͤlker in die Waagſchale geſtellt. Sie wollte die erſteren entthronen, um den letzteren, im Namen einer eiferſuchtigen und unerbitt⸗ nichen Republik, alle Herrſchaft zu verleihen. Zehn Jahre dar⸗ auf glaubte ſie, in der von ihr geaͤchteten Monarchie ein Aſyt zu finden; ſo ſehr hatten ſie die Ausſchweifungen der Freiheit erſchreckt. Plötzlich verwandelt dieſe Revolution den Schild, auf wel⸗ chem der Ruhm eines großen Volks einen Mann, der aus deſſen Reihen hervorgegangen war, erhob, in einen erblichen Thron, und funfzehn Jahre ſpaͤter iſt Frankreich, durch eine der maͤch⸗ tigſten Willenshandlungen des Geſchicks, beſtimmt, ſeinen Hel⸗ den geaͤchtet zu ſehen, und in ſeiner feindlich uͤberfallenen Hauptſtadt von Voͤlkern, die es ſo oft beſiegt hatte, Heſetze zu empfangen. Nur unter dem Schirme der alten Dynaſtie konnte es jetzt einen Theil der Grenzen, welche ehemals die Unabhaͤn⸗ gigkeit vorgezeichnet und der Ruhm erobert hatte, erhalten. Immer aber bewahrte Frankreich, mitten unter ſo vielem Gluͤck und Ungluͤck, die Herrſchaft einer großen Bildung, und den Ruhm der Wiſfenſchaften und Kuͤnſte, welcher dem der Waffen wenigſtens gleich kommt. Nachdem dreißig Jahre unter verſchiedenen Verfaſſungen und abwechſelndem Gluͤck voruͤbergegangen ſind, hat die franzoͤ⸗ ſiſche Revolution nichts von ihren Grundſaͤtzen und ihren Fort⸗ Einleitung des Originals. VII ſchritten verloren, und behanptet auf die Politik der beiden Welten immer den Einfluß, der das Intereſſe derſelben ſo oft umgeſtaltet oder modifizirt hat. Immer ſtellt ſie Rechte den Privilegien, die Vernunft den Vorurtheilen, aͤchte Wahrheiten eiteln Erinnerungen, und das Anſehn eines neuen Codex der veralteten Geſetzgebung, entgegen. Sie iſt wieder in ihre erſte Laufbahn getreten, wie ein eroberndes Volk in ſein Vaterland zuruͤckkehrt, und, endlich entſchieden, allen Glanz ihres Ur⸗ ſprungs aufrecht zu halten, hat ſie durch die repraͤſentative Regierung die Rechte der Voͤlker und die der Koͤnige geheiligt, indem ſie ſolche, im Namen der Freiheit der Welt, fuͤr unzer⸗ treunlich und unverletzlich erklaͤrte. Alle dieſe Erſcheinungen unſerer Revolution geben der mo⸗ dernen Geſchichte einen ganz neuen Charakter. Unſere, ver⸗ gebens bekaͤmpfte, politiſche Reformation von 1789, welche noch neulich drei ſuͤdliche Voͤller Europa's annahmen, iſt die Zeit⸗Grundlage, der Scheidepunkt, das Vorbild der neuen Civiliſation in beiden Halbkugeln geworden. Nein, Enropa konnte ſich unſerer Revolution nicht entzie⸗ hen. Seine Politik, Induſtrie, Kriegskunſt, Verwaltung, Sitten, alles„ bis auf ſeine Literatur, traͤgt das Gepraͤge die⸗ fer großen Veraͤnderung, die in der menſchlichen Geſellſchaft den naͤmlichen Platz behauptet und die naͤmliche Dauer zeigt, die uns eine Natur⸗Revolution in der Geſchichte der Erdumwand⸗ lungen und Klimate ſehen laͤßt. Auch die Menſchen, welche ſeit dieſer Zeitbeſtimmung des erneuten Europa's irgend einen Ruhm in ihrem Vaterland erlangt haben, bieten der Beobach⸗ zung Charaktere dar, die ſowohl von dem perſoͤnlichen Stande, in welchem ſie die Geſellſchaft vor 1789 bemerken konnte, als auch von den Menſchen, deren Gedaͤchtniß die vorhergehenden Epochen uͤberliefert, gäͤnzlich abweichen. Solche Modtſtkatio⸗ nen, eine ſolche Verſchiedenheit von ſich ſelbſt und andern, koͤn⸗ nen nur Zeitgenoſſen darſtellen, eine ſolche Eigenthuͤmlichkeit kann nur von Zeugen, welche ſie theilen, aufgefaßt werden. Frankreich hat natuͤrlich den groͤßten Antheil an diefer Beobachtung, weit es die Epoche dieſer Wiedergeburt ſchuß Die erſten Jahre der Revolution ließen eine Menge Phaͤnomene jeder Art erſcheinen, und offenbarten ſchöͤne Geheimniſſe der menſchlichen Ratur, die man bis dahin nicht kannte. Frank⸗ f VIII Einleitung des Originals. reich ſah mit einem Male viele Maͤnner, die den andern und ſcch ſeldſt unbekannt waren, aus der Dunkelheit hervorgehen, fuͤr welche ſie ſich geboren glaubten, und einen Nang einneh⸗ men, den eine ploͤtzliche Begeiſterung fuͤr ſie ſchuf. Sie ſah, wie, durch eine ganz eigne Metamorphoſe, andere einem ſchon feſtgeſtellten Intereſſe, einer ganz fertigen Laufbahn, entronnen, um ſogleich eine ihrer wirklichen Lage fremde Beſtimmung zu ergreifen. Ein Erneuungsgeiſt ſchwebte uͤber dem Vaterlande. Eine merkwuͤrdige Spaltung, welche ſowohl den Stand des Adels, als den der Geiſtlichkeit, unter ſich ſelbſt trennte, hatte der Re⸗ vagtion die erſten Unterpfaͤnder verliehen. Man hatte die aͤuſ⸗ ſeren Wuͤrden abgeſchworen; die Geluͤbde waren gebrochen; die Reihen des Volks oͤffneten ſich den Adlichen, die Buͤrger wur⸗ den, und der eheliche Altar empfing die Eide der Prieſter. Die Auswanderung ſelbſt war ein Vorbehalt fuͤr dieſes allgemeine Geſetz, das alle Gemuͤther ergriff; denn ſie ſah immer auf das Baterland von der andern Seite des Stroms, der ſie von dem⸗ ſelben trennte, und bald ſollten auch ihr nur langſame Reiſende uͤbrig bleiben. 1 So gaben die Tribunaͤle, die Akademieen, die Schulen, die Schaubuͤhnen, die Kunſtſtaͤtten, die Comptoirs, die Doͤr⸗ fer, der Adel, die Geiſtlichkeit, die Heere, die Auswanderung, der Revolution Geſetzgeber, Staatsmaͤnner, Unterhaͤndler, Verwalter, Krieger und Civilbeamte, die ihren neuen Stand erobert hatten, und vielleicht hierdurch allein den Triumph der Philoſophie und der Freiheit ſicherten, welchen ſie ihre Erhe⸗ bung ſchuldig waren. Dieſe Eroberung war ein Intereſſe; das Intereſſe wurde Erbgut. Die neuen Familien im Felde der Magiſtratur, der Verwaltung, oder des Kriegs, zaͤhlen gegenwaͤrtig Generationen. Die neuen und haͤufigen Gluͤcksbe⸗ foͤrderungen ſind zugleich der Beweis und die Gewaͤhrleiſtung jener großen Umwandlung, die den Stand Frankreichs erneut und verbeſſert hat. Der Widerſtand im Innern verſchwand bald vor einer Maſſe von Willensmeinungen, die ſich erhob, um das zu zerſtoͤ⸗ ren, was man nicht mehr wollte, um das zu ſchaffen, was nicht mehr ſollte umkommen. Alle Spuren der umgeſtuͤrzten Regiernng waren faſt ausgeloͤſcht im Gedaͤchtniſſe der Franzoſen, Einleitung des Originals. 1X die ſelbſt ſich jener Erinnerungen zu entledigen brannten, ſey es nun aus Beſorgniß, oder aus Uneigennutzigkeit, und ſo ge⸗ ſchah es, daß, indem man an die Stelle der beſtehenden Ein⸗ richtungen derſelben durchaus widerſprechende ſetzte, welches nur als Rache des Haſſes erſcheinen konnte, dadurch das Werk der Weisheit aufgerichtet ward. So koͤnnen die menſchlichen Leidenſchaften vaterlaͤndiſch und ſchirmend werden, wenn ſie aus der Nothwendigkeit entſtehen, und wenn ihr Ziel das groͤßte aller Intereſſen, das der Gemeinde, iſt. Alle Talente, Auf⸗ opferungen, Willensmeinungen, alle Wuth, die man fuͤr den neuen Bau der oͤffentlichen Geſellſchaft in Bewegung ſetzte, ga⸗ ben Frankreich einen Zuſtand, den es vorher nie gekannt hatte, den eines Vaterlandes, das alles der Gleichheit ſeiner Buͤrger verdankt. Vergebens wiederholte ſich zu verſchiedenen Epochen der Prozeß gegen die Revolution, und wohl vergebens dauert er noch fort. Um die Sache der alten Angelegenheiten aufrecht zu halten, wollten die Vertheidiger der unumſchraͤnkten Herrſchaft beweiſen, daß unter einer ſolchen Regierung Frankreich frei waͤre. Sie mußten ſelbſt auf den Kampfplatz der Freiheit tre⸗ ten, und das ſeltſame Schauſpiel einer Schaar von Belagerern geben, waͤhrend ſie, um an dieſen Ort zu gelangen, die Farbe der Belagerten trugen. Aber ſie wurden unter dieſer Maske erkannt, weil ihnen das Loſungswort des Vaterlandes fehlte. Doch verloren ſie nicht den Muth, und kuͤhn ſich den populaͤren Lehrſaͤtzen hingebend, verſuchten ſie aufzuſtellen, daß ſie keine anderen haͤtten, und— was noch weit verwegener iſt— wag⸗ ten es, zu behaupten, daß alle dieſe Grundſaͤtze aus unſerem alten Recht entſpraͤngen, und daß Frankreich um ſo revolution naͤrer ſey, weil es alles zerſtoͤrt und nichts erfunden habe. Unter dieſen Grundſaͤtzen und ſonderbaren Rechtsſtreitig⸗ keiten uͤberraſchte eine große Epoche ploͤtzlich das republikaniſche Frankreich und das monarchiſche Europa. Ein funfzehnjaͤhriger Despotismus, der, wie jener des Caͤſars, im Namen der Frei⸗ heit verkündet ward, hemmte die feindſeligen Verhandlungen, welche die ſtrafbare Schwachheit der Direktorial⸗Regierung er⸗ zeugt hatte. Dieſe Regierung hatte Abfaͤlle und Verraͤthereien hervorgebracht. Dies war genug, um das Chaos zu erneuern. Eine maͤchtige, aus dem Heer erſchallende, Stimme gebot den Factionen Ruhe. Sie ſchwiegen. Durch Erinnerungen ver⸗ * Einleitung des Oeiginals. fuͤhrt, gehorchte ihr Frankreich. Waͤhrend dieſer funfzehn Jahre war fuͤr daſſelbe ein Mann das ganze Vaterland. Der Ruhm betrog beide. Ein unſeliges Geſchick fuͤhrte bald die Siege der franzoͤſt⸗ ſchen Freiheit auf Irrwege, und vermengte die National⸗Uuab⸗ haͤngigkeit mit der Unterjochung Europa's. So uͤberſchritt dieſe Freiheit ihr Ziel, und jener Ruhm kannte keine Grenzen mehr. Eine ſolche Lage, welche keine andere Epoche unferer Ge⸗ ſchichte mahlt, weder die Karls des Großen, der die Beſiegten wuͤrgen ließ, noch die des heiligen Ludwigs, der ſeine Nation in den Kreuzzuͤgen zu Grunde richtete, noch die Heinrichs IV., der uͤber ſeine Landsleute triumphirte, noch die Ludwigs XIV., der Frankreich dadurch verdarb, daß er es groͤßer machte— eine ſolche, in unſern Jahebuͤchern ganz neue, Lage mußte auch andere Menſchen hervorbringen. Dieſe Schoͤpfung war ein Werk des neuen Intereſſes. Man mußte unter den Fahnen der Freiheit, zwiſchen den konſulariſchen Fascen und dem Scepter des Monarchen, wandeln. Alle Freunde der Revolntion und alle Freunde des Koͤnigthums vermiſchten und verſoͤhnten ſich offen an dieſem bisher unbekannten Hofe, der ihren Meinungen einen gleich ſichern Zufluchtsort bot. Der Thron, der jeglichen Eid empfing, war fuͤr jene der Altar des Vaterlandes, fuͤr dieſe der Thron Frankreichs. Aber er war der Thron Europa's. Ein neues politiſches Recht herrſchte uͤber das Ausland⸗ und unterwarf das Innere. Außerordentliche, der königlichen und republikaniſchen Regierung fremde, Beztehungen banden. Europa um dieſe allmaͤchtige Reformation. Die Umwandlungen geſchahen ſo ploͤtzlich und ſo allgemein, von den Beherrſchern bis zu den geringſten Indivlduen, daß man glauben mußte, die Geſchichte habe auch ihre Metamor⸗ phoſen. Einige erhielten Koͤnigreiche, andere Wuͤrden. Alle Republiken verſchwanden; es gab keine Buͤrger mehr. Ver⸗ ſchiedene weiſe Maͤnner, welche, ohne Leidenſchaft immitten jener Umwaͤlzung Frankreichs, mit ihrer Vernunft und ihrem Gewiſſen durch die Stuͤrme unſerer Revolution gegangen waren, beobachteten voll Schmerz, welchen magiſchen Einfluß die Ge⸗ walt auf die Menſchen ausuͤbt.— Sie ſchwiegen und wahrfagten bei ſich ſelbſt. Als der Koloß ſiel, waren ſie weniger uͤber⸗ raſcht, und mehr gebeugt, als die andern. Einleitung des Originals. XI Dieſe Maͤnner des Vaterlandes, welche ohne Zweifel ihre Brobachtungen noch fortſetzen, koͤnnten vielleicht erklaͤren, war⸗ um der militaͤriſche Adel ſich weniger gegen die Verkuͤndigungen der Freiheit auflehnte, als der Adel der Magiſtratur; warum die Namen La Fayette, Biron, Valence, Lameth, Latour⸗ Maubourg, Broglie, Grouchy, Ségur, Montesqulou, Cu⸗ ſtine, Dampierre, Dillon, Tilly, La Tour d'Auvergne, Or⸗ leans, ſich unter den erſten Thaten unſerer Waffen darſtellen, da jene der Molé, Séguier, d'Agueſſeau, Lamoiguon, Pas⸗ guter ꝛc. nur auf den Regiſtern der kaiſerlichen Wuͤrden er⸗ ſchienen.— Waͤhrend aber in allen Epochen der Republik und des Reichs der kriegeriſche Muth den Boden Frankreichs frei machte oder erweiterte, bewahrte eine patriotiſche Gewiſſenhaftigkeit fromm die Grundſaͤpe der erſten Freiheit, entwand ſie den Trlumvirn, dem Eroberer, oder vertheidigte ſie laut in den der Tyrannei entgangenen Ruhepunkten. Dieſer buͤrgerliche Muth, der im Sturme eines großen Schreckens und im Geraͤuſch eines großen Ruhms keinen Glanz, keine Stuͤtze, und oft keinen Zeugen, als ſich ſelbſt, hat, der immer ankaͤmpft, und oft un⸗ bekannt ſtirbt, der niemals trinmphirt, als am haͤuslichen Altar des Vaterlandes, und dem man nicht die Ehre des Pan⸗ theons bietet— dieſer buͤrgerliche Muth, vielleicht der erſte von allen, well er ſelbſt ſein einziger Lohn iſt, hat noch keinen Geſchichtſchreiber, und immer beſcheiden, wenn er die Gefah⸗ ren, die ihn nicht niederſchlagen konnten, uͤberlebt, traͤgt er noch Bedenken, das Stillſchweigen ſeiner Zeitgenoſſen Undank⸗ barkeit zu nennen. Wenn aber die Waffen ruhen, wenn das Vaterland in ſeine Grenzen und die Freiheit in ihre Schranken zuruͤckgetreten ſind, bleibt jenem gaͤnzlich das Feld des Staates. Er iſt der einzige Bewahrer deſſelben in den Zirkeln, auf der Buͤhne, in der wiſſenſchaftlichen Bahn; er iſt ſein einziger Be⸗ ſchuͤtzer in den Magiſtraturen, ſein einziger Vertheidiger auf dem Rednerſtuhle. Dann iſt es aber auch die Pflicht der Buͤr⸗ ger, welche ihr Vaterland uͤber ſein Intereſſe und uͤber ſeine Erkenntlichkeit zu erlenchten berufen ſind, dem huͤrgerlichen Muth Jahrbuͤcher zu eroͤffnen, und auch ſeine Siege und Ero⸗ e berungen zu verkuͤnden. „Das Gefuͤhl dieſer wahrhaft nationalen Gerechtigkeit, welche ſchon laͤngſt Malesherbes und Mirabeau mit Kleber und —y— XII Einleitung des Originals. Maſſena auf gleiche Stufe ſtellt, erwacht jeden Tag von neuem durch die beredten Schriften und edeln Meinungen einer großen Zahl ausgezeichneter Krieger, die ſich mit eben ſo vieler Waͤrme dem buͤrgerlichen, als ſonſt dem militaͤriſchen Ruhme, weihen. Sie finden alſo die Lorbeern des Friedens der Haͤnde, welche ſo oft die Lorbeern des Krieges brachen, nicht unwuͤrdig. Gluͤck⸗ liche und denkwuͤrdige Epoche der Freiheit Frankreichs, in der die Eroberer ſo vieler Lande nun blos ihre Vertheidiger ſind! Und wenn man von der edlen Bahn des buͤrgerlichen Muths ſich zu jener der Induſtrie, der Wiſſenſchaften, der Literatur, des Landbaus, wendet, welche Menge durch Waffenthaten, Civildienſte und Wuͤrden beruͤhmter Maͤnner erblickt man nicht, welche die freie Palme der ſchoͤnen Kunſt ſuchen, und durch wiſſenſchaftliches Streben die der Geſchichte entzogenen Jahre veredeln! Sie moͤgen nun dem Staate fortwaͤhrend gedient, oder in der Einſamkeit, oder ſelbſt in der Verbannung, gelebt haben, ſo ſcheint es, ſie haͤtten ſich vorbehalten, dem Vater⸗ kande den ruͤckſtaͤndigen Tribut vorhergehenden Ruhms zu ent⸗ richten, ihm Rechenſchaft zu geben uͤber die damals ſeinem Dienſt entwandte Muße, oder ihm mit dem ihrer Verborgenheit er⸗ laubten Troſte zu huldigen. Aber was ewig denkwuͤrdig bleiben wird, iſt das Ra⸗ menverzeichniß ſo vieler ausgezeichneter Fremden, die waͤhrend der Dauer des Reichs ſich dem Ruhme deſſelben anſchloſſen. Wenn man dieſe herrlichen Namen in unſerer Tagsgeſchichte fin⸗ det, kann ein Franzoſe glauben, er habe ſein Jahrhundert oder ſein Vaterland veraͤndert. Ganz Europa ſteht, mit allem, was ihm theuer iſt, ſeit dreißig Jahren in unſern Annalen, ſey es nun durch ſeinen erſten Widerſtand, oder durch die Einver⸗ leibung eines Theils ſeines Gebiets, oder auch durch ſeine Be⸗ freiung. Keiner der beruͤhmten Maͤnner Europa's iſt uns ſeit 41789 fremd; ſie waren alle entweder betheiligte Zeugen, oder Mithandelnde bei dem, was die Erörterung und Feſtſetzung unſerer Verhaͤltniſſe mit demſelben, und den daraus entſprin⸗ genden Genuß, betraf. Sie ſind Zeitgeuoſſen unſerer Revolu⸗ tion; ſie theilten auch ihren verſchiedenen Gluͤckswechſel. Die Meinung, welche die Staatsmaͤnner, die Krieger, die Litera⸗ toren und Gelehrten aller Nationen denjenigen, deren Vater⸗ land zu ſeyn Frankreich ſich ruͤhmt, zur Seite ſtellt, kann man in der gegenwaͤrtigen Epoche wuͤrdigen, und ſie muß auch dieſem Werke einiges Intereſſe mehr verlelhen. Einleitung des Originals. XIII England iſt der einzige Staat, den ſeine phyſiſche Lage dem Einbruch unſerer Waffen entzog; denn man darf, nach unſern Siegen bei Hondscoote, Marengo, Auſterlitz, Jena und Friedland, wohl glauben, daß, wenn man die Englaͤn⸗ der, als die erſten Feinde unſerer Freiheit, als die erſten Ur⸗ heber unſerer Kriege, in ihrem Lande haͤtte verfolgen koͤnnen, ſie nicht gluͤcklicher geweſen waͤren, als die Voͤlker des Konti⸗ nents. Letztere, nach einander Freunde Frankreichs, Sieger und maͤchtig mit ihm, erfuͤllten unſere mllitaͤriſchen und pollti⸗ ſchen Annalen, entweder als Waffengefaͤhrten, die ſich die Be⸗ wunderung unſerer Krieger erworben, oder als Staatsmaͤnner, die unſere Buͤndniſſe verherrlicht, oder auch als Gelehrte, die unſere Eroberungen gefeiert haben, indem ſie die Thaten ihrer eignen Mitbuͤrger beſangen. Alle gehoͤren in die Jahrbuͤcher unſers Vaterlandes, trotz den Banden und Angelegenheiten, die ſie von demſelben trennen; und wenn ſie Frankreich vergeſſen haͤtten, ſo hat Frankreich ſie nicht vergeſſen; die gegenwaͤrtige Epoche kann fuͤr die Voͤlker nicht die der Vergeſſenheit ſeyn. Jetzo beſonders, da die Franzoſen, unbekuͤmmert um den Ruhm der Waffen, keine andern Wuͤnſche thun, als die fuͤr gemeinſchaftliche Gluͤckſeligkeit und Unabhaͤngigkeit, ſahen wir mit tiefer Ruͤhrung an der Spitze der politiſchen Wiedergeburt der drei mittaͤglichen Staaten einen großen Theil ausgezeichneter Maͤnner, die ſich unſerem Gluͤck angeſchloſſen hatten, als es noch das ihres Vaterlandes war. Es gibt eine natuͤrliche Ver⸗ bruͤderung unter den Voͤlkern, welche gleiche Grundſaͤtze anneh⸗ men und gleiche Beduͤrfniſſe haben. Frankreich, das nach der Ruͤckkehr der koͤniglichen Familie der Welt noch das Schauſpiel einer repraͤſentativen Regierung zeigte, hat ihr ein heilſames Beiſpiel gegeben, deſſen Antrieb mehrere Beherrſcher weiſe und ruͤhmlich folgten. Beinahe alle uns begrenzende Lande ſind der Wohlthat einer konſtitutionellen Regierung theilhaftig, womit England, und vorzuͤglich Amerika, der Welt ein Geſchenk machte. Die Koͤntgreiche der Riederlande, Spanien, Baiern, Wuͤrtemberg tc. und ſonſt mehrere Staaten Deutſchlands, bilden mit Frankreich einen Verein gleicher Grundſaͤtze und Angelegen⸗ heiten. Unſer Zweck iſt, jene Reformation zu heiligen, indem wir den Zeitgenoſſen und der Nachwelt die Fuͤrſten und Raͤthe darſtellen, welche ſie annahmen. G Dieſer patriotiſche Bund bietet Europa einen maͤchtigen Troſt nach den Begebenheiten, welche die Geſchichte ſeit dreißig XIV Einleitung des Originals. Jahren betrauern konnte. Im erneuten Licht erſcheinen Be⸗ herrſcher, Krieger, und Staatsmaͤnner, die ihren Ruhm in die Annahme des Syſtems geſetzt, das unſere Revolution ſchlieſ⸗ ſen ſoll, und die es gerechter Weiſe als die Vollendung des Heils ihres Vaterlandes betrachtet haben. Die geſetzgebenden Kammern, welche ſich uͤberall erheben, ſind die Pflanzſchulen kaͤnftiger Biographieen, und werden durch jenen Muth, der Buͤrger vertheidigt und Verraͤcher anareift, die Nationen be⸗ ſchirmen. Auch die Verraͤther haben ihren Ruf; auch ſie haben ihre Stelle unter den Ungluͤcksfaͤllen der buͤrgerlichen Geſell⸗ ſchaft, wie die Landplagen unter jenen der Natur; und da die aus ihrem Wirken eutſtandenen Uebel oft ſterblich ſind, ſo ſoll ihr Leben dem Volke zur Lehre dienen. Es lerne, indem es daſſelbe lieſt, ſich, wenn auch alte Dankbarkeit eintritt, frei von Verfuͤhrung halten. Nicht in dunkeln Kreiſen ſuche man die Verraͤther! Ein unbekannter Mann kann ſein Vaterland ret⸗ ten, wenn er ſich, wie Aſſas, dem Tode weiht: der Zufall ſchafft ſeinen Ruhm. Aber um es zu verrathen, muß man darin maͤchtig ſeyn: dies iſt das Verbrechen des Ehrgeizes in den Monarchieen; es iſt das der Eiferſucht in den Volksſtaaten. die Girondiſten ſind beruͤhmt, weil ſie alle fuͤr das Vaterland, mit der Hingabe der Maͤrtyrer, ſtarben. Der Wahnſinn der Gewalt berauſchte die Triumvirn, und der Schrecken, den ſie ſelbſt erprobten, machte ſie blutgierig. Das Herz einer Jung⸗ frau, das oſſen war fuͤr alle zaͤrtlichen Leidenſchaften, wurde durch ſolche zu erhabener Aufopferung geſteigert, und vielleicht war es die Liebe, welche ihr die Seele eines Brutus einhauchte. Die Verzweiflung, durch Uſurpation und Mord die Freiheit verrathen und befleckt zu ſehen, hatte die Girondiſten unuͤber⸗ windlich gemacht; ſie konnten nur fuͤr die Freiheit ſterben. Was jene Bergmaͤnner betrifft, ſo waͤhlten ſie, anſtatt durch die Einleitung des Originals. xv Hand des Henkers zu fallen, ſich ſelbſt zu dieſer That, und be⸗ wahrten ſich wenigſtens den Muth der Aufopferung. Alle der⸗ gleichen ungluͤckſelige Beruͤhmtheiten gehoͤren nur jenen ſeltenen und ungewoͤhnlichen Zeiten an, worin die Aechtung das Ele⸗ ment der Tyrannei wird, worin, um mit Erfolg gegen das Verbrechen zu kaͤmpfen, die Tugend gezwungen werden kann, ihm zu gleichen, ja das Verbrechen ſelbſt, wenn das geſehliche Recht ferne iſt, ſich auf die Stufe der Schlachtopfer zu erheben vermag. Die religioͤſen Mordthaten, die an den Albigenſern, in den Cevennen, und auf St. Bartholomaͤus, veruͤbt wurden, ſind durch die Niedermetzelungen in Lyon, Toulon, Nantes und Paris auf ſchauderhafte Weiſe dem Andenken erneuert. Dieſe Verbrechen verſchiedener Zeiten und Leidenſchaften vermiſchen ſich durch das Grauſeu, welches ſie Frankreich einfioͤßen. Die Natur hat Geheimniſſe in ihren Unfaͤllen. Nach man⸗ chen Erderſchuͤtterungen ſah man kriechende Ungeheuer ploͤtzlich an Orten erſcheinen, wo ihre Gattung unbekaunt war, und wieder verſchwinden, nachdem ſie Tod und Schrecken in die Felder getragen. Die buͤrgerliche Geſellſchaft zeigt aͤhnliche Phaͤ⸗ nomene, und verdammt die abgeſonderten Ungehener, welche Verheerung in ihren Schoos trugen, zu einer entehrenden Be⸗ ruͤhmtheit. Man hatte ſie niemals geſehen, noch gehoͤrt; man hat ſie nur gekannt, um ſie zu verabſcheuen und zu zerſtoͤren. Sie ſchienen keine andere Beſtimmung zu haben, als den Mord eines Menſchen. War dieſer begangen, ſo war der Bernf ihres Lebens erfuͤllt; ja ſie wagten das Verlangen, ihr Schlachtopfer nicht zu uͤberleben, als muͤßten ſie zugleich Moͤrder und Selbſt⸗ moͤrder ſeyn. So richtet ſie das Volk, deſſen Ruhe ſie ploͤtzlich geſtoͤrt, und das ihnen fremd bleiben will. Indem wir die Biographie der Zeitgenoſfen unferer Revo⸗ lution darlegen, haben wir nicht den Zweck, unſerem Zeitalter ein Denkmal zu errichten, ſondern Materialien zu bereiten, deren ſich ein kuͤnftiger Geſchichtſchreiber bedienen kann. Die Biogra⸗ phie der, ſowohl geſtorbenen, als noch lebenden, Menſchen die⸗ ſer großen Periode ſchien uns zur Darſtellung ihrer Begebenbeiten unumgaͤnglich noͤthig. Letztere zu ſchildern unternimmt vielleicht in einem anderen Zeitalter eine geſchicktere Feder. Dieſe, alle nach der Natur gezeichneten, Bildniſſe werden durch die Wahr⸗ —— XVI Einleitung dys Originals. heit der Charaktere auch den Erzaͤhlungen Wahrheit verleihen. Hierdurch allein werden wir eine ehrenvolle Pflicht erfuͤllt² haben, und ſind wir dahin gelangt, ungerechte Vorurtheile zu zerſtoͤren, verlaͤumdeten Ruf wieder herzuſtellen, unvollkommene Begriffe zu ergaͤnzen, die Tugenden, Talente und großen Handlungen, die politiſchen und literariſchen Verdienſte, die Irrthuͤmer, Laſter und Verbrechen unſeres Zeitalters in ihr voͤlliges Licht zu ſetzen, dann haben wir uns, ſowohl durch unſer Lob, als durch die Strenge unſers Urtheils, um die Abgeſchiedenen, und nicht min⸗ der um die noch Lebenden durch die gewiſſenhafte Aufzaͤhlung ihrer Werke und Handlungen, wohl verdient gemacht. Ueber Letztere enthalten wir uns der Urtheile; ihr Lauf iſt noch nicht geſchloſſen. Mehrere haben um einen Tag zuviel gelebt, den ſie um den Preis ihres vormaligen Ruhms haͤtten wieder erkaufen moͤgen; mehrere lebten nicht genug, und der Ruhm erwartet ſie vielleicht noch. Andere koͤnnen den Aufſchub benutzen, den ihnen die Zeit bewilligt, um Ehre zu erlangen. Das Publikum, ſtets uͤber ſein Intereſſe wohl erleuchtet, ließ ſich keine dieſer Betrachtungen entgehen. Es wußte alle Bedingungen zu wuͤrdigen, die wir uns aufgelegt, und alle Ge⸗ ſinnungen zu errathen, die mit der Abfaſſung unſers Werks ver⸗ bunden find. Es hat wohl empfunden, daß es unſere Pflicht ſey, das zu verkuͤnden, was fuͤr Frankreich ehrenvoll iſt, und was ihm nutzlich ſeyn kann. Auch hat es ſich beeifert, unſere Aufforderun⸗ gen zu unterſtuͤtzen und unſerem Streben entgegen zu kommen. Dieſes Verhäͤltniß zwiſchen dem Publikum und uns iſt eine nicht zweideutige Offenbarung jenes Beduͤrfniſſes von National⸗Gerech⸗ tigkeit, das immer ein großes Volk charakteriſirt. Die Annalen der Geſtorbenen und der Lebenden gehoͤren eben ſowohl in das Gebiet der Moral, als in das der Geſchichte, und in dieſer Hinſicht iſt eine Biographie, welche faſt das ganze philoſophi⸗ ſche Jahrhundert, und eine gleichzeitige, ſo wichtige Epoche, wie die unſerer Revolution, umfaßt, eins der nuͤtzlichſten Werke fuͤr die Be⸗ lehrung des Zeitalters und die Betrachtung der Nachkommenſchaft. Die Maͤnner, welche ſeit dreißig Jahren von Frankreich und Europa mit Ehren genannt werden, bilden jene heilige Schaar, die in den ſchoͤnſten Zeiten Griechenlands beſtimmt geweſen, den Ruhm des Vaterlandes zu ſichern. Neue Biographien der Zeitgenoſſen. Erſter Band. Neue Biograph. I. 1 8 * . 4 2 4 ——:——êö—qêqℳMũ:₰·zznnnnn 22. 22—UAA—AA Aa(Chriſtian Karl van der), geboren zu Zwol, den 25. Auguſt 1718., geſtorben zu Harlem, den 23. Sept. 1793., ſammelte ſich vorzügliche Kenntniſſe auf den Univerſitäten Leyden und Jena, wurde im Jahr 1739. Pfarrer an der lu⸗ theriſchen Kirche zu Alkmaar, und drei Jahre darauf an der in Harlem. Dreißig Jahre lang übte er ſein ehrenvolles Amt mit nie geſchwächtem Beifall; denn nicht allein ſeine eigenen, ſondern auch andere Glaubensgenoſſen, wurden von ſeinen treff⸗ lichen Reden angezogen. Er war Mitſtifter der zu Harlem 1752. gegründeten Societät der Wiſſenſchaften, bei welcher er, bis an ſeinen Tod, die Sekretärſtelle bekleidete, und deren Archiv von ihm mit vielen gelehrten und merkwürdigen Auf⸗ ſätzen über die Naturgeſchichte bereichert ward. Dieſer ehr⸗ würdige Greis hatte das ſeltene Glück, im Alter von 74 Jah⸗ ren ſein 50jähriges Dienſtiubiläum(1792) zu feiern. Er ſtarb ein Jahr darauf, von allen Guten beklagt. Eine dem Anden⸗ ken jenes Feſtes geweihte Medaille wurde von J. G. Holtzhey, einem der beſten Künſtler Hollands, geprägt. Abadia(Franz Pavier), geboren zu Valencia, in Spanien, 1774., General⸗Lieutenant, trat als Cadet in Dienſte, und erwarb ſich alle Grade durch ſeine Fähigkeiten und ſeinen Muth. Obſchon laut angeklagt, den Franzoſen günſtig zu ſeyn, verſchmähte er, ſich zu rechtfertigen, und, treu ſeiner Pflicht, diente er dem Vaterlande, ohne ſich je durch irgend eine des braven Soldaten unwürdige Geſinnung zu entehren. Als Chef vom Generalſtabe der Inſurrections⸗ Armee in Mancha, zog er ſich mit den Trümmern dieſes Corps nach Cadix zurück, wo er zum Marechal⸗de⸗Camp ernannt ward, nachdem er einige Tage lang die Stelle des Kriegsmi⸗ niſters bekleidet. Im Jahr 1812, ertheilte man dieſem Ge⸗ m 4 Abancourt(Karl). Abancourt(Franz). neral den Oberbefehl der Armee von Gallicien, die er organi⸗ firt hatte. Als Ferdinand VII. wieder den Thron beſtieg, er⸗ hielt Abadia die Stelle eines General⸗Lieutenants und die Inſpektion über das Truppencorps/ das man bei Cadir zu einer Expedition nach dem ſpaniſchen Amerika verſammelte, deren merkwürdiger Ausgang bekannt iſt. Abancourt(Karl Pavier Joſeph Franaueville von) erhielt 1792. von Ludwig XVI. das Kriegs⸗Portefeuille. In dieſer Eigenſchaft ſtattete er der geſetzgebenden Verſamm⸗ lung einen vortheilhaften Bericht über den guten Zuſtand der Nordgrenzen ab, und kündigte ihr an, daß er die Generäle Servan, Cuſtines, Charton und Beauharnois zu Befehlsha⸗ bern des Lagers bei Soiſſons erwählt habe. Von Thuriot in der Sitzung am 10. Auguſt angeklagt, wurde Abancourt mit einem ſeiner Commis verhaftet, ins Gefängniß geſchickt, und vor den obern Gerichtshof von Orleans gezogen. Aus dieſer Stadt führte man ihn wieder nach Paris, und am 9. Sept. 1792. ward er, nebſt andern ſeiner Mitgefangenen, zu Ver⸗ ſailles ermordet.— Abancourt(Franz Johann Villemain von), ge⸗ boren zu Paris 1745., geſtorben daſelbſt 1803., war Dichter und dramatiſcher Schriftſteller. Sein Ruf war nicht größer, als ſein Verdienſt. Der Abbé Sabatier ſagte von ihm im J. 1772.:„Abancourt's Poeſien zeigen ſich nur mittel⸗ mäßig.“ Den Mangel literariſchen Ruhms erſetzte Aban⸗ court durch eine Sonderbarkeit. Er hatte eine außerordent⸗ liche Menge von Theaterſtücken geſammelt, von denen er ſich alle Ausgaben, oder, wenn ſie ungedruckt waren, Abſchriften verſchaffte, die er nach dem Maße der Kenntniß, welche man von ſeiner Manie hatte*), bezahlte. Seine eigenen Dichtun⸗ gen beſtehen in Fabeln, Epiſteln, und verſchiedenen Schau⸗ *) Den ironiſchen Auedruck des Originals: qu'il payait en proportion de la connaissance que l'on avait de sa manie, welche ſo viel heißt, als: Die Verkäufer ließen ſich mehr oder weniger gut bezahlen, je nachdem ſte ſeine Liebhaberei kannten— glaubte ich auf die nämliche Weiſe übertragen zu müſſen.— G. Abancourt. Abaseal. Abbatneci. 5 ſpielen, worunter ſich eine Ueberſetzung von Klopſtocks Tod Adams befindet. Abancourt(Karl Frenot von), General⸗Adlutant bei den Armeen der franzöſiſchen Republik, hielt ſich lange Zeit in der Türkei auf. Als er nach Frankreich zurückkam, wurde er von der conſtituirenden Nationalverſammlung bei ihrem Conſtitutions⸗Ausſchuß als Ingénieur géographe an- geſtellt, und in der Folge mit der Oberaufſicht der Karten und Plane bei der Kommiſſion der öffentlichen Arbeiten für das geographiſche und Militär⸗Fach beauftragt. Als Chef des topographiſchen Bureau's der Donau⸗Armee verfertigte er eine Generalkarte von der Schweiz. D'Abancourt ſtarb zu München 1801. Er hatte höchſt intereſſante Aufſätze von ſeiner Reiſe nach dem Orient mitgebracht— Es iſt zu be⸗ dauern, daß ſie nicht bekannt gemacht wurden, wenigſtens nach ſeinem Tode.— Abascal, Vicekönig von Peru, unternahm 1814. eine Expedition gegen Buenos Ayres, Chili und Neu⸗Granada, aber durch eine Unvorſichtigkeit, welche ſchwer zu erklären iſt, ent⸗ blöste er Lima und die ganze Provinz von Truppen. Alsbald erhob ſich eine der heftigſten Inſurrectionen in Lima und faſt in allen Städten Peru's. Die Armee von Lima, unter dem General Penzuela, war abgeſchnitten. Jetzt erhielt der Vice⸗ König den Befehl, dieſem General die Regierung des Landes zu übergeben. Er gehorchte, und reiſete ſogleich nach Europa zurück. 2 Abbatucei(Jakob Peter), wurde 1726. in Korſika, aus einer adelichen, durch Kriegsdienſte berühmten, Familie, geboren. Sein Großvater, ein Oheim, und ſein älteſter Bru⸗ der, ſind als Generäle im Dienſt der Republik Venedig ge⸗ ſtorben. Nachdem er in Padua ſtudirt hatte, kam er nach Korſika zurück. Obſchon er noch jung war, blickte doch Paoli*) mit Eiferſucht auf ſeine Talente und das Anſehn ſeiner Fami⸗ lie. Nachdem ſie beide ein Jahr lang um das General⸗Kom⸗ *) Der berühmte korſiſche Patriot und Feldherr, deſſen Bio⸗ graphie ſpäterhin folgen wird. 42 6 18 2 Abhatucci. mando der Inſel geſtritten, begnügte ſich Abbatucci mit dem zweiten Rang, begleitete ſeinen Rivalen während des gan⸗ zen Kriegs wider die Genueſer, und trennte ſich erſt dann von ihm, als derſelbe ſich einſchiffte, um Korſika zu verlaſſen. Die Franzoſen waren in dieſe Inſel eingedrungen; Abba⸗ tucci war der letzte Befehlshaber, der ſich Frankreich unter⸗ warf. Dies geſchah aber frei und offen. Jetzt folgten ihm auch ſeine zahlreichen Anhänger. Die franzöſiſche Regierung wußte ſein Betragen zu ſchätzen. Als man das Regiment der Provinz Korſika*) errichtete, ward er zum Oberſt⸗Lieutenant bei demſelben ernannt. Seine Grundſätze für Unabhängigkeit und ſein Patriotismus verfeindeten ihn mit dem Grafen von Marboeuf, Gouverneur der Inſel. Dieſer, durch ſeinen Wi⸗ derſtand aufgebracht, ließ ihn in einen Kriminal⸗Proceß ver⸗ wickeln, und er ward zu einer ſchimpflichen Strafe verurtheilt. Die Stände der Inſel, deren Mitglied Abbatucei war, vereinigten ſich, und nahmen lebhaften Antheil an ſeinem Un⸗ fall. Die ganze Inſel legte Trauer an, als das Urtheil be⸗ kannt wurde. Abbatucci mandte ſich an das Geheime⸗ Rathskollegium. Er wurde an das Parlement der Provence verwieſen, das ihn völlig losſprach. Ludwig XVI. ſetzte ihn wieder in ſeinen Grad ein, und ernannte ihn zum St. Lud⸗ wigsritter. Im Jahr 1790. ward er Marechal⸗ de⸗Camp. Als die Engländer 1793. Korſika anfielen, ſtellte ſich Abba⸗ tucci an die Spitze einer großen Anzahl Einwohner des De⸗ partements vom Liamone, gegen Paoli und ſeine Anhänger, die ſich für England erklärt hatten. Nach der Einnahme Toulons hoffte er auf keine Hülfe mehr, und floh mit zweien ſeiner Kinder und ſeinen Freunden nach Calvi. Während der Belagerung dieſer Stadt befehligte er darin unter dem Divi⸗ ſions⸗General Caſabianca. Nach der Uebergabe des Platzes kam er nach Frankreich zurück, und wurde zum Diviſions⸗Ge⸗ neral ernannt. Seine körperlichen Gebrechen erlaubten ihm nicht mehr, zu dienen. Er blieb zu Marſeille, bis die Eng⸗ *) Wahrſceinlich entſtand aus demſelben die nachmals be⸗ rühmte korſiſche Legion, welche der durch mehrere geiſtreiche Schriften und namentlich durch ſeine militäriſche Reiſe nach Deutſchland und Preußen bekannte und von Friedrich II. geſchaͤtzte Ohriſt Guibert kommandirte. G. Abbatucci. 7 länder, im Jahr 4 der Republik, Korſika räumten, worauf er in ſeine Heimath zurückging. Im Jahr 1812. ſtarb er, be⸗ weint von allen Bewohnern ſeines Kantons, deren Vater und Wohlthäter er war. Abbatucci hatte vier Söhne, die alle unter den Armeen dienten. Drei blieben auf dem Schlacht⸗ felde: einer bei Toulon als Unter⸗Lieutenant der leichten Infanterie, der jüngſte in Aegypten als Dragoner⸗Haupt⸗ mann, und der zweite, von dem der folgende Artikel ſpricht⸗ am Brückenkopf bei Hüningen.— Abbatucci(Karl), Sohn des vorbergehenden, wurde auf der Inſel Korſika 1771. geboren. Er trat 1786. in die Militärſchule zu Metz, ward 1789. Lieutenant, 1792. Capitän, und diente hierauf unter der reitenden Artillerie der Rhein⸗ Armee. Den erſten Kanonenſchuß, der gegen den Rhein ge⸗ ſchah, richtete Abbatucci auf eine feindliche Barke, die den Strom hinabfuhr und in Grund gebohrt wurde. Abba⸗ tucci, der allein bei der Batterie ſtand, bediente das Ge⸗ ſchütz, ordnete und brannte es los. Jetzt umringten ihn ſeine Soldaten, und im erſten Schwunge der Begeiſterung, die in den Kriegen der Revolution herrſchte, wollten ſie ihn zum General ernennen. Im Jahr 1794. erhielt Pichegru den Be⸗ fehl der Armee*); Abbatucci zeichnete ſich unter ſeinen Augen aus, und wurde ſein Flügel⸗Adiutant(Aide-de- Camp.). Dreimal bietet ihm Pichegru den Grad eines Ge⸗ neral⸗Adjutanten an; dreimal verweigert ihn Abbatucci. Endlich nimmt er ihn an, und leitet in dieſer Eigenſchaft den erſten Rheinübergang**). Er folgte dem Obergeneral zur Nord⸗Armee, und machte mit ihm den glänzenden Feldzug in Belgien und Holland. Das folgende Jahr(1796.) wählte ihn Moreau, nebſt den General⸗Adjutanten Decaen, Montrichard und Bellavene, um den Rheinübergang bei Kehl zu bereiten und auszuführen. Jetzt zum Grade eines Brigadegenerals *) Schon im Spätijahr 1793. Dann durch ihn und Hoche der die Moſel⸗Armee kommandirte,) wurde das Elſaß von den feindlichen Heeren befreit und Landau entſetzt. G. **) Hier iſt ein Irrthum; denn Pichegru führte erſt im Herbſt 1794., alſo nach der Eroberung Hollands, die franzöſiſche Armee über den Rhein. .⁴ 8 Abbatucci. gelangt, bemächtigte er ſich der Städte Freiburg, Donaueſchin⸗ gen, Stockach und Memmingen. Als man am 27. Juni über den Lech geht, reißt der Wildſtrom ganze Compagnien mit ſich fort; die Kolonnen verweigern, vorzurücken; da ſtürzen ſich Abbatuccei, Montrichard, Caſſagne und Savary in den Strom; ihr Beiſpiel entflammt die Kolonnen; ſie ſetzen ſich in Marſch, ringen in geſchloſſener Maſſe wider die Gewalt der Wogen, und kommen über den Lech. Abbatucci eilt ſchwimmend den Fluß herab, und rettet mehrere Soldaten, die dem reiſ⸗ ſenden Strome nicht widerſtehen können. In Rom hätte man ihm die Bürgerkrone verliehen. Am nämlichen Tage ſchneidet er zweimal dem Feinde den Rückzug ab, und nimmt ihm einen großen Theil ſeiner Artillerie. Immer mit Moreau verbunden, folgte er dieſem General bei ſeinem geſchickten Rückzuge, kam im Jahr 5. wieder auf das Gebiet der Republik, ward Divi⸗ ſtonsgeneral, und erhielt den Befehl über die Feſtung Hü⸗ ningen und die Vertheidigung ihres Brückenkopfs. In der Nacht vom 1. zum 2. December 1796, griffen die Oeſterreicher dieſen Poſten an. Schon hatten ſie ſich des Hornwerks bemei⸗ ſtert. Abbatucci macht einen Ausfall an der Spitze ſeiner Grenadiere, vertreibt den Feind nach hartnäckigem Kampf, nimmt Mehrere gefangen, und bedeckt ſich mit Ruhm. Er befand ſich auf der großen Inſel, welche der Stadt gegenüber liegt, als ihn eine Flintenkugel in die Seite traf. Wenige Tage darauf verſchied er, 26 Jahre alt. Sein letzter Ruf war: Für das Vaterland! Und dies war der Wahl⸗ ſpruch ſeines ganzen Lebens. Der Platz, den er vertheidigte, ergab ſich, und Frankreich beklagte Abbatucci als einen der geſchickteſten Feldherren und einen der beſten Bürger, die es verherrlichten. Mehrere Baſeler Offiziere, welche beſchul⸗ digt waren, den Marſch und Angriff der öſterreichiſchen Trup⸗ pen begünſtigt zu haben, wurden durch die franzöſiſche Regie⸗ rung verfolgt, und die Miniſter Bacher und Mengaud trugen auf ihre Beſtrafung an. Moreau ließ im J. 1803. dem Hel⸗ den Abbatucei ein Denkmal im einfachen und edlen Styl bei der Stadt Hüningen, die Zeuge ſeiner letzten Thaten und ſeines Todes war, errichten. Als man 1815. die dortigen Feſtungswerke ſchleifte, wurde auch dieſes Denkmal zerſtört; aber die Großthaten des Braven, dem zu Ehren es gebaut Abbatucci. Abbaythna. Abbema. 9 war, werden ewig leben.— Abbatucci vereinigte mit ſeinen heroiſchen Eigenſchaften jene männliche Schönheit und körper⸗ liche Vollendung, die man ſo ſehr an den Helden des Alter⸗ thums rühmt; dieſe äußern Gaben wurden noch durch die größten Vorzüge des Geiſtes und Herzens erhöht. Ein Aus⸗ ſchuß, unter Vorſitz des Generals Grafen Rapp, des unſterb⸗ lichen Vertheidigers der Feſtung Danzig, hat eine Subſerip⸗ tion für die Herſtellung jenes Denkmals eröffnet; ein edles Unternehmen, das dem auf dem Schlachtfelde gefallenen An⸗ führer, dem geſchätzten Krieger, der von neuem den Ruhm ſeines Waffenbruders heiligt, und allen Braven, die noch für das Wohl des Vaterlandes leben, gleiche Ehre bringt*). Abbatueci, der älteſte Sohn des Generals**), iſt noch allein von der Familie übrig. In ſeiner Jugend war er Lieu⸗ tenant im Dienſte der Republik Venedig; hierauf wurde er bei der erſten Organiſation der beſoldeten Nationalgarden zum Bataillonschef ernannt. Gefangen durch Paoli bei dem Ein⸗ bruch der Engländer, blieb er 18 Monate in Haft, und ver⸗ ließ den Dienſt, ſobald er ſeine Freiheit wieder erlangt hatte. Er war Verwalter des korſiſchen Departements, und verrich⸗ tete verſchiedene diplomatiſche Geſchäfte. Abbaythua(von), geboren zu Vittoria in Biscaya, widmete ſich nicht der Diplomatik, zu welcher er beſtimmt war. Er kam im Anfang der Revolution nach Frankreich, be⸗ ſchäftigte ſich mit Literatur, und brachte das vorher unbe⸗ kannte Melodram auf die Bühne. Zwei ſeiner Stücke in die⸗ ſer Gattung: Die Ruinen von Paluzzi, und das Feſt des Serails, blieben nicht ohne Beifall. Abbema(Balthaſar), holländiſche Magiſtratsper⸗ ſon/ machte ſich unter den Führern der patriotiſchen Partei dieſes Volks bei der Inſurrection gegen den Statthalter(um *) Als Joubert, einer der tapferſten und edelſten der jun⸗ gen Feldherren Frankreichs, der ſpäter in Italien blieb, — im Jahre 1798. einen Aufruf zu neuen Kämpfen für das Vaterland an ſein Heer erließ, beſchwor er vier Mann ge⸗ 5 fallener Helden, und nannte unter dieſen Abbatucci. G. *) Alſo ein Bruder des vorhergehenden. G. 40 Abbema. Abbott. 1784.) bemerklich, und floh nach Frankreich, als im Septem⸗ ber 1787. die preußiſche Armee in Holland eingerückt war. Als Favras*) verurtheilt wurde, war er zu Paris, erſchien als Zeuge, und ſagte aus: Er habe, als ihm Favras ſeine Plane mitgetheilt, geantwortet:„Ihre Sache iſt ein Schau⸗ „ſpiel in drei Akten: der erſte geht in Brabant vor, der zweite vin Holland, der dritte in Paris. Aber ich will weder Schau⸗ „ſpieler, noch Zähler, ſeyn.“ Abbema, der zu Paris eine Bank gebildet, hatte vielen Antheil an der Erbauung des, un⸗ vollendet gebliebenen, ſogenannten bataviſchen Hofs, in der Straße St. Denys. Nach der Rückkehr in ſein Vaterland wurde er zum bevollmächtigten Miniſter im Hamburg ernannt, wo er auch ſtarb. Abbott(Kart), Sohn eines Schullehrers in Devon⸗ ſhire, zeichnete ſich durch ſeine Studien im Weſtmünſter⸗Kol⸗ legium aus. Ein lateiniſches Gedicht zu Ehren der Kaiſerin Katharina II. von Rußland erwarb dem jungen Poeten eine goldene Medaille, die ſie ihm durch ihren Geſandten zuſtellen ließ. Ein großes Vermögen, das ihm zu Theil ward, hin⸗ derte ihn nicht an der eifrigen Fortſetzung ſeiner Studien im Fache der Geſetzgebung. Er ſchrieb mehrere juriſtiſche Abhand⸗ lungen, und wurde einigemal zum Mitgliede des Parlaments gewählt. Bei der Discuſſion über die von Pitt vorgeſchlage⸗ nen Bills gegen die aufrühriſchen Verſammlungen und für die Sicherheit des Königs, trat Abbott auf die Seite der Miniſter, und bekämpfte die Lehre des For über den Widerſtand bei Bedrückungen. Er wurde Präſident des Finanz⸗Ausſchuſſes. Den 2. November 1796. ſchlug er dem⸗ ſelben ein Regulativ zur Bekanntmachung der Geſetze vor, welches in eine Bill verwandelt ward und die königliche Sanc⸗ tion erhielt. 1799. unterſtützte er das Project der Einkom⸗ mens⸗Taxe; 1800. ſchlug er vor, von den Rechnungspflichti⸗ gen die Zinſen der in ihren Händen gebliebenen Summen zahlen zu laſſen; das einzige Mittel, ſagte er, den Wucher *) Der im J. 1739. als Verſchworner gegen die neue Ord⸗ nung der Dinge gerichtet ward. Monſieur(ietzt Lud⸗ wig XVIII.) vertheibigte ſich öffentlich gegen das Mit⸗ wiſſen. G. Abbott. Abeille. 11 und unerlaubten Gebrauch öffentlicher Gelder zu hindern. Im nämlichen Jahr erhielt er die Verlangerung der Bill, bei den Armeen und auf den Flotten die Aufregun⸗ gen und Verführungen der Uebelgeſinnten zu un⸗ terdrücken, bis zum Auguſt 1807. Immer gegen For und die Oppoſitionspartei ſtehend, vertheidigte er mit ächt mini⸗ ſteriellem Muthe die Abſichten des Kanzlers der Schatzkammer. So wurde er nach einander Staatsſekretär von Irland, Lord Kommiſſär der Schatzkammer, geheimer Rath des Königreichs, und endlich Speaker, oder Redner der Gemeindekammer, im Febr. 1802.(ein Poſten, der vorzügliche Talente, Geiſtes⸗ gegenwart und Geſetzkenntniß erfordert; auch werden in ſei⸗ nem Bureau alle von der Gemeindekammer vorgeſchlagene Bills ausgearbeitet und präparirt.) Abbott behauptete ſich auf dieſer Stelle mit Auszeichnung und Erfolg. Sein Votum in der bekannten Sache des Lords Melville iſt ein merkwürdi⸗ ges Beiſpiel, welche Wichtigkeit die Engländer in die Vorzüge der National⸗Repräſentation ſetzen. Dieſer Lord war von der anti⸗ miniſteriellen Partey angeklagt; aber die Stimmen waren getheilt, und nur das Votum des Speakersentſchied. Ab⸗ bott ſtellte ſich auf die Seite der Anti⸗Miniſteriellen, und handelte nicht ſeinen Vorgängern zuwider, die im nämlichen Fan ſtandhaft mit der Oppoſition ſtimmten. Als Redner der ammer war Abbott auch Aufſeher des brittiſchen Muſeums, und Mitgouverneur des Hoſpitals von Greenwich. Mit dieſen Würden vereinigte er die eines Doktors der Rechte der Uni⸗ verſität Orford, des Archivars dieſer Stadt, eines Mitglieds der königl. Geſellſchaft der Wiſſenſchaften zu Löndon, und der Alterzhumsforſcher, endlich des Siegelbewahrers von Irland. Am Ende d. J. 1817., als er den Vorſitz in der Gemeindekam⸗ mer verließ, wurde er zum Pair von Großbrittannien unter dem Titel: Vicomte von Colcheſter, ernannt. Unter ſeinen Schriften bemerkt man eine vorzügliche Abhandlung:„Ueber See⸗Rechtswiſſenſchaft und Handel;“ und ein anonymes, mit vielem Geſchmack verfaßtes Werk:„»Vom Gebrauch und Miß⸗ brauch der Satyre.“ Abeille(Ludwig Paul), geboren zu Toulouſe, den 2. Juni 1719., war 20 Jahre lang General⸗Inſpektor der 12 Abeille. Abel. Manufacturen Frankreichs, General⸗Sekretär des Handlungs⸗ raths, hierauf Mitglied der Ackerbau⸗Geſellſchaft in Paris. Er ſchrieb verſchiedene Werke über Ackerbau, Handel, Maas und Gewicht ꝛe. Im Jahr 1791. warf der Ausſchuß für den Landbau bei der National⸗Verſammlung die Frage auf:„Ob der Gebrauch der verabſchiedbaren Domänen dem Ackerbau nützlich ſey, oder nicht?“ Abeille gab darüber ſehr tref⸗ fende Bemerkungen. Er ward 1799. Mitglied des National⸗ Inſtituts, und ſtarb den 28. Juli 1807, 96 Jahre alt, beehrt mit der öffentlichen Achtung, die ihm ein arbeitſames und ta⸗ delloſes Leben erwarb. Abeille(Johann), war vor der Revolution Kauf⸗ mann zu St. Domingo; hierauf ließ er ſich in Marſeille nie⸗ der. Sein merkantiliſches Anſehen und ſeine populären Ge⸗ ſinnungen bewogen die Marſeiller, ihm die Vertheidigung ihrer Angelegenheiten bei der National⸗Verſammlung zu vertrauen. Er beeiferte ſich aber vorzüglich, daſelbſt die Garantie des Handels zu begehren, und Maßregeln zu bewirken, die dem⸗ ſelben alle zu ſeiner Beförderung und Unabhängigkeit nöthige Sicherheit verleihen könnten. In einem von Zeitſchriften be⸗ kannt gemachten Briefe bekämpft er die Errichtung eines Kaſ⸗ ſationshofes in den Colonien, weil dieſer nicht unter der un⸗ mittelbaren Aufſicht des geſetzgebenden Körpers ſtehe, und alſo zu Mißbräuchen verleitet werden könne. Im Jahr 1814. er⸗ mächtigte der König dieſen Mann, das Band des Johanniter⸗ Ordens zu tragen, welches er vom Großmeiſter Rohan wegen einer zu Gunſten des Maltheſer Ordens verfaßten Denkſchrift, und zur Belohnung des Eifers bei einer Sendung, mit der ihn dieſer Bund beauftragt, erhalten hatte. Man beſitzt von ihm:„Betrachtungen über den Stapelplatz von Marſeille, eine Brochüre; und Verſuch über unſere Kolonien und die Wiederherſtellung von St. Do⸗ mingo. Abel(Friedrich Gottfried), berühmter Arzt und deutſcher Dichter, begann ſeine Studien zu Halberſtadt, wo er den 8. Juli 1714. geboren ward. Er widmete ſich hierauf der Theologie, und hörte Mosheim auf der Univerſität Halle; dort beſuchte er auch die hlolopziſchen Vorleſungen Wolfs Abel. Abereromby. 13 und Baumgartens. Er predigte mit einem Erfolg, der ihn wohl hätte beſtimmen können, in dieſer Laufbahn zu bleiben; aber da ſeine Meinungen mit den Dogmen, die er lehren ſollte, nicht übereinſtimmten, ſo bewogen ihn ſeine Rechtlichkeit und freimüthige Geſinnung, dem geiſtlichen Stand zu entſagen, ſo viele Hoffnung er auch hatte, die Direction der Schule von St. Johann in Halberſtadt zu bekommen. Er ſtudirte jetzt die Arzneiwiſſenſchaft, und obſchon er ſolche beinahe funfzig Jahre lang übte und ſehr geſchickt darin war, hatte er wenig Ver⸗ trauen; denn bei allem lag der Skepticismus tief in ſeinem Geiſte. Ueber dem Studium der mediciniſchen vernachläßigte Abel nicht die andern Wiſſenſchaften; denn außer einer ſehr gelehrten Abhandlung über chirurgiſche Operationen, betitelt: Diss. de stimulantium mechanica operandi ratione, gab er eine metriſche Ueberſetzung des Juvenal, worin aber mehr Treue, als Zierlichkeit und Harmonie, herrſcht. Dies Werk, welches der Verfaſſer in ſeiner Jugend, auf den Rath eines Freundes unternommen, feilte er in ſpäteren Jahren, und gab es 1788. heraus. Auch einen andern jugendlichen Ver⸗ ſuch wollte er verbeſſert herausgeben, nämlich eine Ueberſetzung von Ovid's Remedium amoris(Seilmittel der Liebe)*); aber ſein hohes Alter und häufige Geſchäfte hinderten dieſes Vorhaben. Abel ſtarb den 23. November 1794., und hinter⸗ ließ zwei Söhne und drei Töchter**). Abel(Johann), ein Sohn des vorigen, Arzt in Düſ⸗ ſeldorf, hat ſich als Schriftſteller bekannt gemacht. Abercromby(Sir Ralph), einer der beſten eng⸗ liſchen Feldherren. Er war unerſchrocken, kaltblütig, und opferte ſeinem Ruhm nicht das Leben der Soldaten. Ent⸗ ſproſſen aus einer alten ſchottiſchen Familie, trat er frühzeitig *) Seitdem von Gerning im Versmaße des Originals treff⸗ lich überſetzt. G. Irre ich nicht, ſo iſt eine derſelben die Gattin des ehrwür⸗ digen Klamer Schmidt in Halberſtadt, der als vorzüg⸗ licher Dichter in der leichtern Gattung und als Ueberſetzer der lyriſchen Poeſten des Horaz geſchätzt iſt. Auch ich darf mich der Freundſchaft dieſer vortrefflichen Familie rühmen, die ich im Feldzuge des Jahrs 1813. kennen lernte. G. **) 14 Abercromby. in Militärdienſte mit ſeinen zwei Brüdern, deren einer in der Schlacht bei Bunkershill in Amerika getödtet ward. Anfäng⸗ lich war Sir Ralph Abercromby Kornet unter der Leib⸗ garde, wurde aber ſchnell nach einander Lieutenant, Rittmei⸗ ſter, Obriſtlieutenant, General⸗Major, und 1788. Chef des 7. Dragonerregiments. Als der franzöſiſche Revolutionskrieg begann, ſtand er bei der engliſchen Landarmee, wohnte den blutigen Gefechten bei Famars, Dünkirchen und Chateau⸗ Cambreſis bei, nahm das Fort St. André an der Maas wie⸗ der, und leitete einen der Hauptangriffe gegen Valenciennes. Im Jahr 1794. kommandirte er die Avant⸗Garde der engli⸗ ſchen Armee, und zeigte bei dem kläglichen Zuſtand, in dem ſich damals ſeine Truppen befanden, eben ſo viel Geſchicklich⸗ keit, als Muth. Obſchon bei Nimwegen verwundet, führte er doch, im Anfang des Jahrs 1795., den beſchwerlichen Rück⸗ zug des Heers, welches von den franz. Truppen bedrängt war. Hierauf ging er als General⸗Lieutenant nach Irland. Die dortigen Unruhen machten ſeinen Poſten ſehr gefährlich. Es gelang ihm, das Volk gegen den Militär⸗Despotismus ſicher zu ſtellen; bald aber, als er bei der Verwaltung Hinderniſſe und Widerſetzlichkeiten fand, welche die Indisciplin der Trup⸗ pen und die Wuth der Parteien noch vermehrten, verließ er dieſes Kommando im Jahr 1799., und ſtellte ſich an die Spitze der von dem Herzoge v. York gegen Holland gerichteten Unter⸗ nehmung. Abercromby ließ einen Aufruf an die Anhänger der Statthalterſchaft ergehen, der ohne Erfolg blieb, weil⸗ ſagen einige, die Wiederherſtellung dieſer Regierung nicht deutlich darin ausgeſprochen war, oder weil, nach andern, die Grundſätze der Freiheit Holland ſchon gewonnen hatten. Wie dem auch ſey, dieſe unglückliche Expedition brachte keinen Ta⸗ del auf Abercromby, und ſchmälerte nicht ſeinen kriegeri⸗ ſchen Ruf. Er ſelbſt hatte ſich muthvoll geſchlagen, und das Corps unter ſeinen Befehlen hatte, nachdem es Horn genom⸗ men, allein das Schlachtfeld behauptet, auf dem die Ruſſen nicht bleiben wollten. Mehrere Pferde wurden unter ihm ge⸗ tödtet. Man warf lange dem Herzog von York vor, daß er den Rath dieſes Generals nicht befolgt habe. Abercromby ging nun auf einige Zeit nach England, und bald wurde er beauftragt, die Unternehmung gegen Aegypten zu kommandiren⸗ Abereromby. 15 welches von den Franzoſen beſetzt war; eine Unternehmung, die ſein militäriſches Leben krönen, wo er aber auch den Tod finden ſollte. Er ſegelte auf einer furchtbaren Flotte iu das mittelländiſche Meer, verweigerte dem König von Neapel, Truppen zur Dämpfung des in ſeinem Reich entſtandenen Aufruhrs an's Land zu ſetzen, ſchreckte Cadix, und ging wei⸗ ter. Nach einem heftigen Sturm, der ihn übel zurichtete, erſchien er auf der Rhede von Abukir am 1. Auguſt 1801. Widrige Winde hemmten noch ſeine Landung. Endlich gab er am 7. den Befehl. Die auserleſene Mannſchaft ſeines Heers ſtieg an's Land. Der General Friant, der die Küſte bewachte, mußte ſich unter die Kanonen von Alexandria zurückziehen. Bald wurden 16,000 Mann regulirter Truppen ausgeſchifft, das Fort Abukir ward genommen, und Abercromby mar⸗ ſchirte gegen Alexandria, jedoch mit der Vorſicht, welche der Feind, mit dem er es zu thun hatte, nothwendig machte. Sein ganzer Weg war mit Vertheidigungswerkern und Linien be⸗ deckt. Nach einigen Scharmützeln richtete er ſeinen rechten Flügel auf Laaur, gegen das römiſche Lager, den linken auf das Lager bei Alexandria, der Spitze des Kanals Mandiah gegenüber, und bemächtigte ſich aller Dämme. Den 21. März griff ihn die franz. Armee, unter Befehl des Generals Menou, in ſeinen Verſchanzungen an. Einmal zurückgeſchlagen, kehrte ſie wieder, griff das Centrum an, das noch widerſtand, und beim dritten Stoß drang ſie bis zum Reſerve⸗Corps. Hier wurde Abercromby toͤdtlich verwundet. Er ſtarb; ſein Kör⸗ per wurde nach Malta gebracht, und mit aller Ehre, deren ſich dieſer Krieger im Leben und Tode würdig gemacht, be⸗ ſtattet. Abererom by dankt allen Ruhm ſeinen Feldzügen, und obſchon ihn die Grafſchaft Kindoß zweimal zum Parla⸗ mentsmitgliede wählte, ſcheint er ſich doch nie mit Geſetzge⸗ bung beſchäftigt zu haben*). *) Wäͤre bieſer brave Feldherr nicht gefallen, ſo hätten viel⸗ leicht die franzöſtſchen Druppen nach dieſer Schlacht ſchon Aegypten räumen müſſen. Aber eine Unthätigkeit trat bei und den Türken wurde erſt im September deſſelben Jahrs die Kapitulation geſchloſſen, nach welcher ſich di 2 ſen einſchifften. 4 ij dih n Frani 16 Abercromby. Aberdeen. Abereromby(Sir John Robert), engliſcher Ge⸗ neral⸗Lieutenant, Ritter vom Badorden, bekannt durch ſeine glücklichen Unternehmungen in Indien(1790.) gegen Tippo Saib und die Königin von Cananore. Er wurde nach dieſen, und als er ſich mit ſeinen Truppen auf der Grenze des König⸗ reichs Myſore feſtgeſetzt hatte, zum Gouverneur von Bombay (3. Oct. 1793.) ernannt, hierauf zum Gouverneur von Ma⸗ dras, und im folgenden Jahre zum Obergeneral aller engli⸗ ſchen Truppen auf beiden Ufern des Ganges. Durch ihn wurde England Herr dieſer reichen Landſchaften. Im Jahr 1795. bemächtigte er ſich der holländiſchen Niederlagen auf der ma⸗ labariſchen Küſte, und nun hatte der engliſche Handel keinen Mitwerber mehr in dieſem Welttheile. Nach ſeiner Rückkunft in Europa wurde Sir Robert zum Parlamentsgliede gewählt, nahm aber wenig Theil an den Verhandlungen der Gemeinde⸗ kammer. Er ſtarb zu Marſeille, den 14. Februar 1817., mit dem Rufe eines glücklichen Feldherrn und geſchickten Ver⸗ walters. Abereromby, engl. Obriſt, befand ſich unter den Eng⸗ ländern, die beim Wiederausbruch des Kriegs,(1803.) auf Befehl des erſten Konſuls, zu Verdun zurückgehalten wurden. Seine Regierung wollte ihm vermuthlich dieſen Unfall lohnen, als ſie ihm 1815. den Befehl über die engliche Bedeckung gab, die Napoleon nach St. Helena geleiten ſollte. Er iſt von der ½ Familie des Generals, der bei Abukir fiel. Aberdeen(Georg Gordon, Graf von), Vicomte von Formarine, Lord Haddo Methlic⸗Tarvis und Kellie, einer der 16 Pairs von Schottland im Oberhauſe, Ritter des Diſtel⸗ ordens*), bewirkte, als engliſcher Botſchafter, im J. 1813. den Beitritt Oeſterreichs zur Allianz gegen Frankreich, und unterzeichnete am 3. Oktober den Tractat zu Töplitz. Bald darauf zum bevollmächtigten Miniſter am Wiener Hofe ernannt, *) Auch St. Andreas⸗Orden genannt, der ſchon 319. in Schottland geſtiftet ward. Sein Zeichen iſt eine goldene, Diſteln vorſtellende, Kette, an welcher das Bild des heil. Andreas, des Patrons von Schottland, herabhaͤngt, mit der Ueberſchrift: Nemo me impune lacessit. G. „+l 8 7- —— 2— d Aberdeen. Aberli. Abildgaard. Abingdon. 17 nahm er Theil an den zwiſchen Oeſterreich und Murat angeknüpf⸗ ten Unterhandlungen. Man wollte letztern vom Throne Neapels entfernen und ihm andere Staaten zur Entſchädigung geben. Bo⸗ naparte’s Invaſion zerſtörte alle dieſe Maßregeln, und das politi⸗ ſche Betragen des Lords Aberdeen blieb ſeit dieſer Zeit ignorirt. Der Begeiſterung dieſes Diplomaten für Griechenland verdankt man das Inſtitut, genannt: Societät der nach Athen Ge⸗ reisten. Man kann nicht Mitglied werden, ohne Athen oder Griechenland beſucht zu haben. Er gründete es im Jahr 1804. Aberdeen iſt überhaupt ein Mann von Geiſt, Kenntniſſen und ausgezeichnetem Charakter. Aberli(Johann Ludwig), Mahler und Kupferſtecher, mehr in Deutſchland und der Schweiz, als in Frankreich, gekannt, hatte Mayer und Grimm zu Meiſtern, und wußte aus deren bei⸗ derſeitigem Styl eine glückliche und originelle Miſchung zu be⸗ reiten. Man ſchätzt ſeine Anſichten der Schweiz*), die treu und mahleriſch zugleich, mit Sorgfalt geſtochen, und mit ſeltenem Talent kolorirt ſind. Rietter, Freund und Schüler Aber⸗ li’s, hat ſeinen Lehrer in dieſer Gattung noch übertroffen. Man dankt ihm intereſſante Bemerkungen über das Leben dieſes Mah⸗ lers. Aberli verdiente beſondere Meldung als Meiſter einer neuen Schule. Er wurde 1723. zu Winterthur geboren, und ſtaͤrb zu Bern ungefähr im Anfang der franz. Revolution. Abildgaard(Peter Chriſtian), Arzt und berühmter Naturhiſtoriker, geb. zu Koppenhagen, zeigte ſchon frühe wiſſen⸗ ſchaftlichen Sinn, vorzüglich aber für Medizin und Naturgeſchichte. Er hat über Arzneiwiſſenſchaft, Mineralogie und Zoologie mehrere Werke geſchrieben, nebſt dem verſchiedene Aufſätze, die ſich in den Archiven der naturforſchenden Geſellſchaft und Arademie der Wiſ⸗ ſenſchaften zu Koppenhagen beſinden. Er gab, zugleich mit Cu⸗ vier, die Beſchreibung des berühmten Megatherium(verſtei⸗ nerten Faulthiers). Auch war er Mitſtifter der Vieharzneiſchule und naturforſchenden Geſellſchaft jener Stadt. Er ſtarb 1808 ſehr geehrt wegen ſeiner Tugenden und Talente. Abingdon(Lord), Nitglied der engliſchen Pairskammer, zeigte ſich in ſeinen Reden und Stimmgebungen immer als einen ſtandhaften Freund des Miniſteriums. So vertheidigte er im *) Matthiſſon, der gefühlvolle Naturſänger, gedenkt in einer Gnome der Alpengemälde dieſes Künſtlers. G. Reue Biograph. I. 2 18 Abingdon. Aboville. Jahr 1793 vorzüglich die Grundſätze und Anſichten des Lord Gren⸗ ville, welche dieſer in ſeinem Bericht über die Verſchwörungen in England darlegte. Den 2. Mai 1794 erhob er ſich mit Macht ge⸗ gen die Bill, welche die Ausfuhr der Sklaven verbot, und ſchrie laut, daß der Jakobinismus der große Beförderer jener Freiheit der Neger wäre. Im nämlichen Geiſte ſprach er ſich einige Wochen ſpäter für die Suſpenſion der Habeascorpus⸗Akte aus, und das Jahr darauf verfolgte er die geheimen Geſellſchaften als aufrühriſch und demagogiſch, und als die Veranlaſſung der Unruhen in Fraukreich. Den 8. Mai 1814 votirte er das an den Prinzen Regenten gerichtete Glückwünſchungsſchreiben bei Wieder⸗ eröffnung der Kammern, und weihte der Regierung eine lange, panegyriſtiſche Rede, deren Schlußworte eine hinlängliche Idee von ſeinem Charakter und ſeinen Meinungen geben.„Meine Her⸗ ren, ſprach er, ſehen Sie hier die Pflicht, die ich mir auflegte, als einen Beweis meiner Ergebenheit für den Prinzen, als eine Huldigung, die meine Bewunderung demijenigen darbringt, der unter ſo vielen Gefahren mit feſter Hand das Staatsſchiff lenkte⸗ und der ſo oft das Vaterland zu retten, den Thron zu befeſtigen und Europa zu ſchützen wußte.“ Man kann nicht umhin, zu be⸗ merken, daß Beſchützung Europa's eine bei den Ultras des engl. Parlaments übliche Formel iſt. Abingdon(ein anderer Lord), der Mäͤcen der engliſchen Tonkünſtler, lebte zu London um 1789. Das große Concert, in dem Graf, von Augsburg, ſo vielen Ruhm erwarb, führt ſeinen Namen. Dies war damals der glänzendſte muſikaliſche Verein Europa's. Die Compoſitionen Abingdon's für die Flöte haben Melodie, aber im allgemeinen fehlt es ihnen an Mannichfaltigkeit, Schwung und Ausdruck. Aboville(Franz Narie, Graf von), geb. zu Breſt, den 23. Januar 1730, trat mit 15 Jahren als überzähliger Offi⸗ zier in den Artilleriedienſt, gelangte ſtufenweiſe zum Grade eines Obriſten, und machte in dieſer Eigenſchaft den amerikaniſchen Krieg unter Rochambeau mit*). Er war einer derjenigen, welche am meiſten zur Kapitulirung der Engländer bei New⸗York beitru⸗ gen, einem für die franzöſiſchen Waffen eben ſo glorreichen, als *) Man behauptet nicht mit Unrecht, daß die Grundſätze von Frei⸗ beit und repräſentativer Verfaſſung, welche das franz. Militär in dieſem Kriege kennen lernte, den größten Theil deſſelben ſpäter⸗ bin beſtimmte, auf die Seite der Revolution zu treten. G. Aboville. 19 für die Sache der Inſurgenten nützlichen, Ereigniß. Im Jahr 4789 wurde er Marechal⸗de⸗Camp, erklärte ſich aber erſt 1794 für die Revolution. Als Ludwig XVI. nach Varennes reiste, proteſtirte d' Aboville bei der Nat. Verſammlung gegen ſeine bisherige Anhänglichkeit. 1792 kommandirte er als General⸗Lieu⸗ tenant die Artillerie der Nord⸗ und Ardennen⸗Armeen, und erließ 1793 eine heftige Proclamation gegen den Abfall Dumourier's. Spä⸗ terhin hatte er die Direction des Pariſer Arſenals, wurde nach dem 18. Brumaire erſter General⸗Inſpector der Artillerie, den 15. De⸗ cember 1802 Senator, kurz darauf Großoffizier der Ehrenlegion, und am 22. Mai 1804 mit der Senatorie von Beſancon begabt. Im Jahr 1805 befehligte er die Nationalgarden vom Doubs und den benachbarten Departementen*). 1809 wurde er Gouverneur von Breſt. Den 3. April 1814 befand ſich dieſer Graf zu Paris⸗ und ſandte den nämlichen Tag ſeine Beiſtimmung zu den für die Wiederherſtellung der alten Dynaſtie getroffenen Maßregeln ein. Zum Pair, und bald darauf zum Commandeur des St. Ludwigs⸗ ordens, erwählt, unterzeichnete er 1815 als Mitglied der väterli⸗ chen Genoſſenſchaft der Ludwigsritter eine die Ergebenheit für den König darlegende Schrift. Napoleon ernannte ihn zum Mitglied der von ihm neu organiſirten Pairskammer. D'Aboville nahm die Ernennung an, entſchuldigte ſich aber, daß er, ſeiner gebrech⸗ lichen Umſtände wegen, den Sitzungen nicht beiwohnen könnte. Er wurde hierauf vom König, als ein durch Bonaparte ernannter Pair, ausgeſchloſſen, aber durch eine Ordonnanz vom 14. Auguſt wieder auf die Liſte geſetzt. Er ſtarb 1819, und hinterließ zwei Söhne, wovon der eine ihm in der erblichen Pairswürde folgte. Das Inſtitut hat 1818 einer mechaniſchen Erfindung des Grafen v. Aboville ehrenvolle Meldung gethan, nämlich der gewölb⸗ ten Räder(roues à voussoir), deren Naben von Metall ſind,⸗ und deren ſich jetzo die ſchnellfahrenden Wägen(Véloci- fères) bedienen. Aboville(Auguſtin Gabriel von), älteſter Sohn des vorigen, wurde zu La Foͤre, den 20. März 1773 geboren. Von 1789 an war er beigegebener Lieutenant der Artillerie(Officier à la Suite), 1792 Kapitän, und wohnte als ſolcher deu erſten *) D. h. von der ehemaligen Franche⸗Comté. In dem damals mit Oeſterreich entſtandenen Kriege wurden alle Eliten⸗Compag⸗ nieen, oder die Grenadiers und Jäͤger, der Nationalgarde in den Grenzdepartementen des Reichs, unter die Waffen gerufen: G. 20 Aboville. Abrial. Feldzügen des Revolutionskriegs in den Nord⸗, Moſel⸗ und Sambre⸗Armeen bei. 1800 ſtand er bei der Reſerve⸗Armee, wurde Bataillonschef, 1804 Obriſt, und 1809 Brigade⸗General, in welcher Eigenſchaft er die Feldzüge in Spanien und Portugal von 1810— 1813 mitmachte, und ſich bei mehreren Gelegenheiten, vorzüglich aber bei Talavera, auszeichnete. Der König ernannte ihn 1814 zum Ludwigsritter, darauf zum Kommandanten der Eh⸗ renlegion, und endlich zum Kommiſſär der Pulver⸗ und Salpeter⸗ Adminiſtration. Er folgte ſeinem Vater in der Pairswürde. Ver⸗ gebens beſtritt er den 14ten Artikel des Geſetz⸗Vorſchlags über die Pulver⸗ und Salpeter⸗Fabrikation, durch welchen das pflicht⸗ mäßige Ausgraben abgeſchafft ward. Er gründete ſeine Meinung auf den langen Gebrauch, die Vorrechte der Krone, die Ein⸗ ſchränkung, welche dieſerinländiſche Induſtrie⸗Zweig dadurch erleiden würde, und auf die Nachtheile der damit beſchäftigten Familien, welchen nunmehr die Mittel der Erhaltung Febiten. Aboville ſtarb im Auguſt 1820. Aboville(Auguſt Marie von), lüngerer Bruder des vorigen, geb. zu La Fore, den 12. April 1776, trat 1792 als Elepe in den Artilleriedienſt, und wurde Kapitän zu Ende 1793. Als Adelicher war er eine Zeitlang ſuspendirt; doch erhielt er wieder ſeine Stelle, und diente bei den Nord⸗, Rhein⸗ und italieniſchen Armeen. Er wurde 1808 Artillerie⸗Major, verlor 1809 bei Wa⸗ gram den Arm, und ward drei Tage darauf zum Brigadegeneral und Kommandanten der Artillerieſchule zu La Fore ernannt. Vom König empfing er ſogleich das Ludwigskreuz und das Kommandan⸗ tenband der Ehrenlegion, auch wieder den Befehl über die aufge⸗ hoben geweſene Artillerieſchule zu La Fère. Einige Tage nach dem 20. März erhielt er Audienz bei Napoleon. Als bei dem zweiten Eindringen ein Corps fremder Truppen ſich La Fore's bemeiſtern wollte, ließ der General d'Aboville die Batterieen laden, ſtellte ſeine Garniſon in Schlachtordnung, und drohte, ſich kräftig zu vertheidigen. Dieſes Benehmen erwarb ihm die Würde eines Kommandeurs des St. Ludwigsordens, und eine Penſion aus der Schatulle des Königs. Man ſah auch dieſen General im Kriegs⸗ rath, der 1816 den Gegen⸗Admiral Linois und den Obriſten Boyer richtete, welche als ſolche, die 1815 zu Guadeloupe die königliche Autorität nicht erkennen wollten, angeklagt waren. Abrial(Andreas Joſeph, Graf von), der nicht mit J. Baptiſt Abrial zu verwechſeln iſt, wurde geboren den Abrial. 1 21 19. März 1750 zu Annonay, Departement vom Ardeche. Er ſtu⸗ dirte mit Auszeichnung im Collegium Ludwigs des Großen, und wurde hernach, als er Advokat geworden, vom König zum Kom⸗ miſſär bei einem der ſechs Pariſer Tribunäle ernannt. Seit 1791 war er Kommiſſär der vollziehenden Gewalt bei dem Kaſſations⸗ Gericht, wo er während des ganzen Laufes der Revolution, deren Grundſätze er mit der ſeinem Charakter eigenen Mäßigung an⸗ nahm, verweilte. Im Jahr 1799 ging er nach Neapel, mit der Organiſation der dort einzuführenden republikaniſchen Regierung beauftragt. Nach ſeiner Zurückkunft wurde er bald Juſtizminiſter. Napoleon ſoll ihm geſagt haben:„Nicht ich, ſondern die öͤf⸗ fentliche Stimme, ernennt Sie.“ Dieſes wichtige Amt war damals eine beſchwerliche Laſt. Man mußte alle judictären Collegien neu organiſiren, und auf alle Gutachten der Tribunäle, welche die Ermangelung der Geſetzbücher in beſtändiger Verwir⸗ rung ließ, antworten. Es mußte unter den alten und neuen Ge⸗ ſetzen gewählt, und der Gang ſämtlicher Juſtiz in Frankreich ge⸗ leitet werden. Abrial erfüllte mit Ehre dieſe harte Verrichtung. Im J. 1802 wurde er zum Senator erwählt, und mit der Sena⸗ torie Grenoble, ſodann mit der Würde eines Großoffiziers der Ehrenlegion, begabt. Jetzt gab er wieder, auf einer Reiſe durch das Dauphiné, ſeinem Hange für die Wiſfenſchaften nach, beſuchte die Gruben des Berges Seleucus, und den Obelisken des Berges Genevre, und ging 1808 nach Piemont, Genua, und in einen Theil Italiens, um die Tribunäle neu zu organiſiren, den Code Napoléon bekannt zu machen, und Aufſicht über die Verwaltung der Juſtiz zu halten. Bei ſeiner Rückkunft erhielt er das große Kreuz des Reunionsordens, und war bei der Kommiſſion des Se⸗ nats, welche über die perſönliche Freiheit wachte. 1812 wurde er Präſident des Wahlkollegiums des Departements vom Cantal. 1814 ſtimmte er für die proviſoriſche Regierung. Der König erwählte ihn zum Pair; Bonaparte ſchloß ihn bei ſeiner Wiederkunft aus; aber der König beſtätigte ihn wieder darin nach iſeiner zweiten Einſetzung. Abrial(der Vicomte), Sohn des vorhergehenden, er⸗ wählte frühe die politiſche Laufbahn, und war anfänglich Auditor im Staatsrathe. Nachdem er in dieſer Eigenſchaft verſchiedene Sendungen erfüllt, und darauf bei der obern Verwaltung des Straßen⸗ und Brückenbaues, auch bei der Polizei⸗Präfectur, an⸗ geſteut war, wurde er General⸗Polizei⸗Kommar in Lyon, und hierauf Präfekt in den Departementen Finiſterre, Ain und Gers. — —— 22 Abrantes. Abuckaya. Abzac de la Douze. Bei der Wiederkunft des Königs ward er zum Berichterſtatter über die Bittſchriften(Mattre des Requctes) ernannt, welches Amt er anfangs als Ehrenſtelle, hernach im außerordentlichen Dienſt, bekleidete. Zuletzt wurde er ordentlicher Staatsrath. Abrantes(Herzog von). S. Junot. Abrantes(Don F. J., Marquis von), Präſident des Regierungsraths von Portugall beim Eindringen der Frarzoſen, war bei der an Napoleon geſandten Deputation. Er wurde, nebſt den andern Mitgliedern derſelben, in Frankreich zurückgehalten, trug ſein Mißgeſchick mit Entſchloſſenheit, und obſchon ihm die politiſchen Ereigniſſe wehrten, die nöthigen Mittel zum Lebens⸗ unterhalt von ſeiner Familie zu beziehen, theilte er mit ſeinen Schickſalsgefährten das Wenige, was er beſaß. Sein Fürſt hat ihn für ſeinen Muth und ſeine Tugenden würdig belohnt, indem er ihn zu ſich rief, und ihm alles Vertrauen ſchenkte. Abrantes(Don Joſé, Narquis von), Sohn des vo⸗ rigen, geb. 1782, trat, als einer vom Hofe ſehr begünſtigten Fa⸗ milie angehörig, frühe unter die Garde des Prinzen Regenten. Als der Hof nach Braſilien abging, erhielt Abrantes den Be⸗ fehl, in Portugall zu bleiben, um die Sache der Nation gegen die Franzoſen zu behaupten. Während er, ſein Vater, und die andern Deputirten, in Frankreich zurückgehalten wurden, konnte er ſei⸗ nem Fuͤrſten nicht nützlich ſeyn, und widmete ſeine Zeit wiſſen⸗ ſchaftlichen Studien. Er verfaßte mehrere Abhandlungen über eldbau und Botanik, und wurde nach ſeiner Rückkunft(1814) Präſident der von dem Regierungsrathe ernannten Ackerbaugeſell⸗ ſchaft. Gegenwärtig iſt er Obriſt eines Küraſſier⸗Regiments. Abuckaya, Bevollmächtigter des Dey von Algier zu Paris, ward im Monat Ventoſe, 7.(Febr. 1799) in den Tempel geſetzt, weil man gegen das Betragen ſeiner Regierung Repreſſalien ge⸗ brauchte. Einige Zeit hernach ging er in ſeine Wohnung zurück, aber unter der Aufſicht zweier Wachſoldaten. Ein Jahr vor dieſer Verhaftung kamen Räuber in Militär⸗ und Polizeitracht, und mit falſchen Befehlen verſehen, zu ihm, und nahmen, unter dem Vorwand, ihn zu arretiren, ſeine Edelſteine und eine beträchtliche Geldſumme. Sie wurden bald entdeckt, ergriffen und verurtheilt. Ahuckgya ſtarb zu Paris am Ende des Jahrs 1799. Abzas de la Douze(der Nargnis von), auch, nach dem Wappenregiſter der adelichen Familien Frankreichs, von Reillge, Limerar, Cazenac, Falgueyrac c. in Peri⸗ Abzacc. Agarcq. Accum. Acedo. Aeerbi. 25 gord und Linoſin, wurde im September 1815 von dem De⸗ partement der Dordogne zum Mitgliede der Deputirtenkammer ge⸗ wählt, an deren Stimmenmehrheit er Theil hatte. Abzac von Falgueyrac und von Montaſtruc(Franz Joſeph, Graf), aus der nämlichen Familie, war vor der Revolution Infanterie⸗Obriſt. Er emigrirte 1791 und diente in der Armee der Prinzen. Nach der Auflöſung dieſer Truppen ging er nach Frankreich zurück, und lebte einſam bis zum März 1816, in welchem er den Vorſitz beim Prevotal⸗Gericht des De⸗ partements vom Lot erhielt. Acarcq(von), Profeſſor an der königlichen Militärſchule, ſtarb zu Ende des 18. Jahrhunderts. Er war Verfaſſer einer franzöſiſchen, philoſophiſchen Grammatik, der Bemerkungen über Boileau, Crebillon und Voltaire, eines Wochen⸗Taſchenbuchs, und eines Plans für öffentliche Erziehung. Man wirft ihm vor, er habe in ein grammatikaliſches Werk philoſophiſches und lächerliches Kauderwälſch eingeführt. Aber abgeſehen davon, findet man in den Schriften dieſes Autors Richtigkeit und Tiefe, Entſcheidungen, die den Regeln des wahren Geſchmacks entſprechen, und eine bisweilen feurige und kraftvolle Schreibart. Accum(N.), ein berühmter engliſcher Chemiker, hat die Verſuche Prieſtley's fortgeſetzt, und viel Verdienſt in einer Wiſ⸗ ſenſchaft erworben, die in wenigen Jahren ſo große Fortſchritte machte. Leider ſind ſeine Werke in Frankreich wenig bekannt. Man findet freilich darin weder gelehrte Diſſertationen, noch glänzende Reden, aber, was vorzüglicher iſt, eine Reihe unwider⸗ legbarer Erfahrungen, die Früchte langer Praxis. Acedo(Hiero nymus), geboren zu Valencia, in Spa⸗ nien, 1775, wurde von ſeiner Familie zum Advokaten beſtimmt, und that ſich als ſolcher bald hervor. Im Jahr 1812 zum De⸗ putirten bei den Cortes ernannt, ſchlug er ſich auf die Seite der Liberalen, deren Grundſätze er durch ſeine Weisheit und Mäßi⸗ gung noch beliebter machte. Als Ferdinand VII. in ſeine Staa⸗ ten zurückkam, ſah Acedo die Mißgunſt, welche alle Freunde der Freiheit erprobten, voraus, entſagte ſeinen öffentlichen Ver⸗ richtungen, und zog vor, ſein ehrenvolles und ruhiges Geſchäft wieder zu ergreifen. Acerbi(Joſeph), ein berühmter italieniſcher Reiſender. Als die Franzoſen in die Lombardie einrückten, verließ er Caſtel⸗ Goffredo, ſeine Heimat, und reiste mit Bellotti, von Breseia, 24 Acerbi. nach Deutſchland. Nachdem et dieſes Land beſucht, ging er nach Dänemark, und von da nach Schweden, wo er die letzten Monate des Jahrs 1798 verweilte. Talent für dasBeichnen, Geſchmack für Muſik, und vor allem die Aumuth ſeines Charakters, erwar⸗ ben ihm hier viele Freunde, von denen er treffliche Erläuterun⸗ gen über den damaligen Zuſtand der Sitten, Gebräuche, Wiſ⸗ ſenſchaften und Künſte in Schweden erhielt. Als er nach Finn⸗ land reiste, begegnete er zu Tornea dem ſchwediſchen Obriſten Skioldebrand, einem ausgezeichneten Landſchaftsmahler. Sie nahmen ſich vor, mit einander Lappland zu durchziehen, und, wenn es möglich wäre, bis zum Nordkap*) vorzudringen. Acerbi, begeiſtert von dem Verlangen, der erſte Italiener zu ſeyn, der eine ſo entfernte und ſo wenig zugängliche Stelle des Erdkreiſes beſuchte, trotzte mit Feuer allen Mühſeligkeiten und Beſchwer⸗ den, und gelangte im Juli 1799 zum Kap. Er kehrte auf dem nämlichen Wege zurück, begab ſich nach England, und 1802 er⸗ ſchien zu London ſeine Reiſe, durch Schweden, Finnland und Lappland, nach dem Nordkap, in den Jahren 1798 und 1799, mit dem Motto, das von einer Inſchrift ent⸗ lehnt war, die der Dichter Pegnard ſelbſt auf die Felſen Lapp⸗ lands ſchrieb: „Sistimus hic tandem nobis ubi defuit orbis!“ (Endlich ſtehen wir hier auf dem Punkt, wo uns endet der Erdkreis.) Es ſind 2 Theile in Ato, mit einer Karte und 17 Kupfern. Die⸗ es Werk, das Acerbi ſeinem Vater widmete, enthält ſehr ein⸗ tsvolle Bemerkungen, durch welche man das Klima, den Bo⸗ den, das geſellſchaftliche Leben, die Wiſſenſchaften und Künſte, in Schweden genau kennen lelut. Sehr gut gewürdigt iſt darin die Zeichenkunſt, nach der öffentlichen Ausſtellung, die jährlich im Monat März in der Hauptſtadt geſchieht. Der Verfaſſer gibt intereſſante und umſtändliche Nachrichten über die wenig beſuchten Länder, welche er durchwanderte, und erzählt ſeine Reiſeaben⸗ theuer auf eine ſehr anſchauliche Art. Man wirft ihm vor, er habe mit wenig Schonung von den Nitgliedern der ſchwediſchen Akademie geſprochen. Nicht günſtiger hat er die Geiſtlichkeit, den 9 Adel und die Univerſitäten behandelt, indein er dieſe drei Corpo⸗ *) Bekanntlich ein Vorgebirg, welches die nördlichſte Spitze von Norwegen(im Stifte Drontheim) bildet. Hievon nennen die Gronlanosfahrer die kleineren Wauſiſche Nordkapers. G. Acerbi. Acevedo. 25 rationen als den Fortſchritten der Vernunft, der Freiheit, der Wiſſenſchaften, Literatur und Kunſt entgegen wirkend*) betrach⸗ tete. Er antwortetehauf dieſen Vorwurf, daß er eine nur für ſeine Freunde beſtimmte Reiſebeſchreibung mit aller Freimüthig⸗ keit habe geben können; ja auch, als er ſich endlich entſchloſſen, dieſelbe drucken zu laſſen, habe er, aus Achtung gegen das Publi⸗ kum, dasjenige, was ihm Wahrheitsliebe dictirt, beibehalten müſſen. Der Schluß des Werks enthält allgemeine Bemerkungen über Lappland, wozu er eine Schrift des ſchwediſchen Miſſionärs Canut Leem benutzte, die den Titel führt:„Schilderung der Lap⸗ pen in der Finnmark, ihrer Sprache, Sitten, und ihres alten Götzendienſtes. 1. Thl. 4. mit 101 Kupfern. Acerbi konnte aus keiner beſſern Quelle ſchöpfen; denn dieſer Miſſionär hatte zehn Jahre ſeines Lebens unter den Lappländern zugebracht, und ſein geſchätztes Buch war ſehr ſelten geworden. Der Reiſebe⸗ ſchreibung Acerbi's ſind auch Stücke lappländiſcher Muſtk bei⸗ gefügt. Sie iſt in engliſcher Sprache geſchrieben, und wurde, wegen des guten Styls, für das Werk eines engliſchen Schrift⸗ ſtellers, Namens William Thomſons, gehalten. Petit⸗Radel⸗ Doctor der Medicin, überſetzte das Buch ſehr gut in das Fran⸗ zöſiſche. Einize Journaliſten wollten St. Morys für den Verfaſ⸗ ſer ausgeben, wurden aber von Acerbi Lügen geſtraft. Leuch ein Deutſcher, Namens Rühs, griff ihn an, widerlegte ihm meh⸗ rere Thatſachen, und beſchuldigte ihn ſelbſt, daß er die intereſ⸗ ſanteſten Gegenſtande aus ſchwediſchen Autoren entnommen habe. Unbemerkt zarf nicht bleiben, daß zur nämlichen Zeit Skiolde⸗ brand, der mit Acerbi die Reiſe machte, pittoreske Anſichten jener damuls noch wenig bekannten Gegenden, mit erklärenden Bemerkumzen, heftweiſe zu Stockholm herausgab. Aceyedo( Dominik), geboren in Arragonien 1760, war bei der Finanzverwaltung angeſtellt, als er(1813) zum Deputir⸗ ten bei den Cortes ernannt wurde. Ein übertriebener Anhänger Ferdinnds VII., dem er eine unbeſchränkte Macht wollte zuge⸗ ſtanden haben, heftiger Feind aller, die nicht ſeine Meinung theiltet, und mit von Natur hartem und herrſchſüchtigem Charak⸗ ter beaabt, erregte er den Unwillen ſeiner Kollegen, und ſchadete durch dieſe Exaltation der Sache, welcher er diente. Doch ern⸗ tete e nicht die Frucht, die er mit ſeinem ungeſtümen Eifer zu *) Alſo auch die univerſtäten(Academies)? Dies iſt proila⸗ matiſch. G. 25 Achaintre. erlangen hoffte. Von ſeinem Monarchen vergeſſen oder verkannt⸗ bringt er in einem Dorfe ſeiner Provinz das Leben dunkel und einſam hin. 8½ Achaintre(Nikolaus Ludwig), Helleniſt und Philo⸗ log, wurde zu Paris, den 19. November 1771 geboren. Er ſtu⸗ dirte mit dem beſten Erfolg im Collegium Harcourt unter dem Abbé Aſſeline, nachherigen Biſchof von Boulogne, und beſtimmte ſich anfünglich zum geiſtlichen Stande. Aber er nahm nicht die Weihe, und widmete ſich nunmehr dem Unterricht. Die Macht der Ereigniſſe warf ihn in eine andere Bahn. Er ſiel in die Re⸗ quiſition, machte drei Feldzüge(von 1793— 95) bei der Nord⸗ und Rheinarmee mit, wurde zu Landrecies gefangen und nach Un⸗ garn geführt, wo er 21 Monate bleiben mußte. Als er nach Frankreich zurückkam, übernahm er wieder das Lehramt. Als er Gelegenheit hatte, in der Bibliothek im Fache der griechiſchen und römiſchen Literatur zu arbeiten, faßte er den Gedanken, in Frank⸗ reich wieder den Geſchmack für ſchöne Ausgaben aum notis va. riorum zu beleben. Demnach erſchienen von ihm mehrere Edi⸗ tionen griechiſcher und lateiniſcher Autoren, und von letztern Horaz, Juvenal, Perſius, die lateiniſchen Synonyme des Gardin Dumenil mit mehr als 500 Artikeln vermehrt, Exterpte aus Ta⸗ citas, Phädrus Fabeln, ſämtlich mit Commentarien, und Bou⸗ dot’s Dictionarium latino-gallicum. Eigene Werke Achain⸗ tre's ſind: 1) Epitome historiae graecae, cun notis. 2) Humaniſtiſcher Curs, von der éten Klaſſe bis zur Rhetorik ein⸗ ſchließlich. 3) Die erſte franz. Ueberſetzung der Eeſchichte des trojaniſchen Kriegs, die man dem Dyctys von Kreu zuſchreibt. 4) Ueberſetzung mehrerer Abhandlungen Cicero's. 5) leberſetzung eines griechiſchen Manuſeripts über die Muſik, von Jolannes Da⸗ maſcenus, und eines unter den ägyptiſchen Denkmälern befindli⸗ chen griechiſchen Hymnus. Mit Lemaire zur Heraugabe der Sammlung lateiniſcher Klaſſiker verbunden, ließ Achaintre unter ſeinem Namen erſcheinen: C. J. Caesaris comnentarii, cum notis. 4 Vol. 8. Auch hat er zuerſt fünf Dialolen Pla⸗ tons in's Franzöſiſche überſetzt, welche zur vollſtändigen uebertra⸗ gung der Werke dieſes Philoſophen, die der Buchhändler Journier verlegen wird, gehören. Ungedruckt von ihm iſt ein Lexicon homericum cum dialectis, anomalis verbis, etymologis etc. 2 Vol. in fol. Gegenwärtig beſchäftigt ihn eine neue Aisgabe der Duſaulrſchen Ueberſetzung des Juvenal, welchen er Notn und Nachrichten über Leben und Schriften des Ueberſetzers bäfügt. Achard. 27 Zudem hat Achaintre anonym herausgegeben: 1) Vermiſchte Gedichte. 2) Die Immortellen⸗Krone und der Lilien⸗Strauß; bei Gelegenheit der Wiedereinſetzung des Königs, 1814. Achard(Claudius Franz), Arzt, Akademiker und Bi⸗ bliothekar von Marſeille, wurde daſelbſt 1753 oder 55 geboren. Ohne die mediciniſchen Wiſſenſchaften zu vernachläßigen, beſchäf⸗ tigte er ſich viel mit Literatur, nnd ſchrieb verſchiedene hiſtoriſche und bibliographiſche Werke, die ziemlich beträchtlich ſind, nämlich: 1) Ein Dictionaire über die Provence und die Grafſchaft Ve⸗ naiſſin, in 4 Bänden, worin ein franzöſiſch⸗provengaliſches Wör⸗ terbuch, und die Geſchichte berühmter Männer dieſer Landſchaften⸗ enthalten ſind. 2) Eine hiſtoriſche, geographiſche und topogra⸗ phiſche Beſchreibung dieſer Länder. 3) Gemälde von Marſeille. 4) Bulletin der gelehrten Geſellſchaften zu Marſeille und in den ſüdlichen Departementen. 5) Elementar⸗Curs der Bibliographie, oder die Wiſſenſchaft des Bibliothekars. 3 Thle. Wenn ein Bi⸗ bliothekar alle hier bemerkten Kenntniſſe vereinigen müßte, ſo wür⸗ den ſich wenige Gelehrte dieſem Geſchäft unterziehen können. Sonſt iſt dieſes Werk, wie alle Compilationen, nur ein Extract der be⸗ ſten über dieſen Gegenſtand vorhandenen Abhandlungen. Unter anderem hn auch Achard einen Katalog der Denkmäler des Marſeiller Muſeums angefangen, aber nicht fortge⸗ ſetzt. Er ſtarb im Jahr 1809. Achard von Bonvonloir wurde von dem normänniſchen Adel zum Mitglied der Generalſtände gewählt. Er zeigte ſich in allen Verhandlungen als einen heftigen Anhänger und Vertheidi⸗ ger der privilegirten Kaſten, und unterzeichnete 1791 mit andern ſeiner Collegen von der rechten Seite die bekannte Proteſtation gegen die Neuerungen der conſtituirenden Verſammlung. Er be⸗ ſchloß ſeine legislative Laufbahn mit einer beſondern Proteſtation gegen die Abſchaffung der Prärogative und Gewohnheitsrechte der Normandie. Es ſchien ihm alſo das alte Regiment der pro⸗ vinciellen Mißbräuche vorzüglicher zu ſeyn, als das Syſtem der Gleichheit, wodurch ein Staat nach einerlei Geſetzen und Formen regiert wird.. Achard, der General, diente im Feldzuge gegen Rußland als Obriſt des 108. Infanterie⸗Regiments. Im Gefecht bei Mo⸗ hilow, das am 20. Juli 1812 vorfiel, zeichnete er ſich durch Ta⸗ pferkeit und Kaltblütigkeit aus. 1814 wurde er zum Ludwigsrit⸗ 4. 28 Achard. Acher. Ackermann. ter und Offizier der Ehrenlegion ernannt. Im folgenden Jahr gab ihm Napolepn ein Kommando in den Weſt⸗Departementen. Achard(Franz Karl), ein berühmter preußiſcher Che⸗ miker, wahrſcheinlich franzöſiſchen Urſprungs, wurde 1783 oder 1754 zu Berlin geboren. Er iſt der erſte, welcher die köſtliche Entdeckung machte, aus Runkelrüben Zucker zu bereiten. Das fran⸗ zöſiſche Nationalinſtitut erkannte, daß der Erfinder der menſchli⸗ chen Geſellſchaft dadurch einen großen Dienſt geleiſtet habe, und ſprach den wahrhaft patriotiſchen Wunſch aus, daß die Franzo⸗ ſen, wegen des Verluſtes ihrer Kolonieen, dieſe neue Hülfsquelle benutzen möchten, anſtatt dem Auslande einen läſtigen Tribut zu entrichten. Im Jahr 1802 machte Achard die Berechnungen ſeiner ſeither im Großen geſchehenen Operationen in den Zeit⸗ ſchriften bekannt, und es ergab ſich, daß ſie Preußen eine Er⸗ ſparniß von 2 ½ Millionen Thalern jährlich verſchafften. Dies iſt der ſchönſte Ruhm des verdienſtvollen Chemikers. Unter ſeinen Schriften befinden ſich, außer der Anweiſung zur Verfertigung des rohen Zuckers, des Syrups und Brandweins aus Runkelrü⸗ ben, mehrere über Chymie, Experimental⸗Phyſik, Abhandlungen über den Ackerbau ꝛc. Auch war er Mitarbeiter am technologi⸗ ſchen Wörterbuche. Acher(Nikolaus), geb. in der Picardie 1727, war erſt im Finanzfache, darauf als Richter beim königlichen Hofe zu Amiens, und ſpäter zu Lyon, angeſtellt. Man beſitzt von ihm einen Auszug(Abrégé) von Plutarch's Leben berühmter Männer. Sein Sohn wurde 1815 vom König in der Stelle als Gerichts⸗ rath zu Lyon beſtätigt. Ackermann(Johann Chriſtan Gottlieb), Profeſ⸗ ſor der Arzneiwiſſe enſchaft, geboren 1756 zu Zeulenroda, im Voigt⸗ lande. Sehr jung legte er ſich auf das Studium der Mediein, worin ihm ſein Vater die erſte Anleitung gab. Der junge Acker⸗ mann lieferte ſchon im Alter von 15 Jahren Proben ſeiner Ge⸗ ſchicklichkeit bei einer Epidemie, die in Ottendorf entſtand, von welcher er ſehr viele Menſchen rettete. Hierauf ging er, zur Vol⸗ lendung ſeiner Studien, nach Jena und Göttingen, an welchem letzteren Orte er unter dem berühmten Heyne*) ausgebreitete *) Ein Leßrer der Arzneikunde dieſes Namens iſt mir nicht bekannt. Doch könnte auch hier der philologiſche und antiquariſche Unter⸗ richt des berühmten Profeſſors dieſer Wiſſenſchaften verſtanden ſeyn. G. Ackermann. Acloque. 29 Kenntniſſe ſammelte. Nachdem er lange in ſeiner Heimath prakti⸗ zirt hatte, verſchafften ihm ſeine Talente einen Ruf als Profeſſor nach Altdorf, wo er ſich auch als Arzt auszeichnete. Er ſchrieb: 1) Institutiones historiae medicinac. 2) Ein Handbuch der militäriſchen Arzneikunde. Außerdem gab er die Lebensbeſchrei⸗ bung von Johann Konrad Dippel, und die der Alten: Hippokrates, Galenus, Theophraſt, Dioſcorides, und Rufus von Epheſus, welche für Meiſterſtücke Sehalten werden. Ackermann ſtarb zu Altdorf 1801*). Acloque(André Arnoulf), Bierbrauer zu Paris, in der Vorſtadt St. Antoine, wurde zu Amiens geboren. Den 14. Juli 1789 war er einer der Gemeinde⸗Repräſentanten, hierauf Präſi⸗ dent ſeines Diſtrikts, und dann Kommandant eines Bataillons der Rationalgarde. An dem ſtürmiſchen Tage des 20. Juni 1792 hatte er die Wache im Schloſſe, und blieb ſtandhaft bei dem Kö⸗ nig. Dieſer Fürſt, mit einer rothen Mütze auf dem Haupt, welche ihm die in ſeine Zimmer gedrungenen Menſchen aus den Vor⸗ ſtädten überreicht hatten, lehnte ſich auf Acloque, als er die Menge aurredete. Einige Zeit hernach zog ſich Acloque von dem Schauplatze der Revolution nach Sens zurück. Wenn man den Denkwürdigkeiten über die Revolution, vom Marquis Bertrand de Molleville, Glauben beimißt, war Aclo⸗ que vom Hofe beauftragt, Geld unter das gemeine Volk der Vor⸗ ſtadt St. Antoine auszutheilen. Aeloque⸗ de⸗St. André(Andreas), Sohn des v vo⸗ rigen, treibt zu Paris einen vortheilhaften Eſſig⸗ und Senfhan⸗ del. Als im Januar 1814 Gontaut⸗Biron den Befehl über die 11te Legion der Nationalgarde ausſchlug, wurde Acloque Chef derſelben. Er leiſtete am 23. Napoleon den Eid der Treue, und unterzeichnete, gemeinſchaftlich mit den andern Offizieren der Na⸗ tionalgarde, eine Addreſſe, worin man folgende Stelle bemerkt: „Reiſen Sie ab, Sire, mit aller Sicherheit! Keine Unruhe über das Loos desjenigen, was Ihnen, was uns am theuerſten iſt, trübe Ihre erhabenen Gedanken! Gehen Sie, mit unſern Kindern und unſern Brüdern den wilden Feind zurückzuſchlagen, der un⸗ ſere Landſchaften verwüſtet! Stolz auf das heilige Unterpfand, *) Derſelbe iſt nicht mit dem geſchätzten Anatomiker und naturphi⸗ loſophiſchen Arzt Ackermann, der ſich ſowohl praktiſch, dann als akademiſcher Lehrer, in Mainz, Jena und Heidelberg aus⸗ zeichnete, zu verwechſeln.. G. —— Acloque⸗de⸗St. André. Aecto n. 30 das Sie uns anvertrauen, werden wir Ihre Hauptſtadt und Jh⸗ ren Thron gegen alle Gattungen von Feinden vertheidigen.“ Zwei Monate darauf(6. April) ſandte Acloque dem Senat ſeine Bei⸗ ſtimmung zur Abſetzung Napolcon’s, und zur Ausſchließung ſeines Sohns und ſeiner Familie von allem Recht der Erbfolge, mit dieſen Worten:„Der Senat und die proviſoriſche Regierung ha⸗ ben ihr edles Unternehmen gekrönt, indem ſie dieſen Fürſten zum König ausriefen, deſſen altes Geſchlecht während 800 Jahren die Ehre unſers Landes war. in großherziges Volk, welches uner⸗ hörte Unglücksfälle nicht beugen konnten, erneuert ſeine Rechte, die ihm der Despotismus des Tyrannen nicht in Vergeſſenheit brachte. Die Nationalgarde iſt aufgerufen, ganz Frankreich das Beiſpiel von Anhänglichkeit an dieſen Fürſten und ſein Land zu geben. Mit Wärme trete ich dem konſtitutionellen Akt bei, wel⸗ cher Ludwig Stanislaus Pavier und ſeiner erlauchten Familie den Thron Frankreichs zurückgibt.“ Den 19. December 1814 wurde Acloque zum Mitgliede der Ehrenlegion ernannt, und im Ja⸗ nuar 1815 vom Könige geadelt, mit der Erlaubniß, ſeinem Na⸗ men den von St. André beizufügen. Den 6. Juli* deſſelben Jahrs unterzeichnete Acloque eine Erklärung, in welcher Offi⸗ ziere der Nationalgarde die Beibehaltung der dreifarbigen Kokarde verlangten; am folgenden Tage proteſtirte er gegen dieſe Erklä⸗ rung. Am Ende des Jahrs 1815 ward er zum Offtzier der Eh⸗ renlegion ernannt. Acton(Joſeph), behauptet einen bedeutenden Platz in der Geſchichte miniſterieller Tyranneien. Vielleicht hat der Haß der Pölker ſein Portrait ſo ſchwarz gezeichnet und auf ſeine Rech⸗ nung jene gewöhnlichen Romane erdacht, die von der Wahrheit zu trennen es der Geſchichte ſo ſchwer fällt. Alſo können die angebliche Liſt, deren ſich dieſer Miniſter bedient haben ſoll, um ſich in der Perſon der Lady Hamilton eine Stütze beim Thron zu ſchaffen, und mehrere Einzelnheiten von Actons Despotis⸗ mus, nur Volkserzählungen einer Nation ſeyn, deren Gefühle durch Unterdrückung ſo ſehr gereizt wurden. Man konnte dieſem neapolitaniſchen Miniſter nachſagen,(wie auch ſo manche Denk⸗ würdigkeiten verſichern,) daß er ſich abwechſelnd in zwölf Zim⸗ mern verſchloß, um den Dolchen zu entgehen; ja, er konnte ſelbſt ſtolz darauf ſeyn, daß dem Tyrannen von Syrakus ünd. dem Pro⸗ *) Auf den Tag des Einmarſches der ftemnden Heere in Paris. S. die Tabelle. G⸗ 4 — Acton 31 teetor Englands ähnliche Vorſichtsmaßregeln zugeſchrieben wurden. Aber das Andenken eines hinterliſtigen, rach⸗ und drangſüchtigen Lebens ſpricht ſtärker gegen ihn, als ungewiſſe und weitſchweifige Erzählungen. Er war der Sohn eines Arztes am Militär⸗Hoſpi⸗ tal zu Beſangon*), trat ſehr frühe in den Seedienſt, wo er Unannehmlichkeiten erfuhr, verließ Frankreich, durchzog Italien, ließ ſich in Toscana nieder, und wurde vom Marquis von Tanucci dem Großherzog Leopold vorgeſtellt, worauf er das Kommando einer Fregatte erhielt. Die Spanier belagerten Algier. Acton wurde mit vier Fregatten zu ihrer Unterſtützung geſandt. Ihre Unternehmung war unglücklich, und bei einer Landung, die ſie unbedachtſamer Weiſe ausführten, wären ſie von den Mauren ein⸗ geſchloſſen worden, wenn nicht das lebhafte und von Acton zur rechten Zeit kommandirte Feuer die ausgeſchifften Truppen geret⸗ tet hätte. Jetzt öffnete ſich dieſem Ausländer die Bahn der Ehre. Ferdinand IV., König von Neapel, bat, auf den Vorſchlag des Marquis von Sambuca, ſeines Miniſters, den Großherzog, ihm Acton abzutreten, und Leopold, obgleich er ſeine Marine in neuen Stand zu ſtellen gedachte, ließ doch einen Mann, deſſen Feſtig⸗ keit und Geſchicklichkeit ihm ſchätzbar waren, in die Dienſte des neapolitaniſchen Monarchen treten, blos weil er ſeinen Charakter ſcheute.„Haben Sie Acht auf dieſen Mann! ſagte er zu Ferdi⸗ nand. Mit einigen Talenten verbindet er viel Intriguengeiſt. Er iſt geſchickt, aber gefährlich.“ Leopold urtheilte ſchon aus den erſten Schritten Acton's, welche Bahn er halten würde. Bald von der Gunſt ſeines neuen Herrn und der Königin gehoben, ward er zum Seeminiſter ernannt. Erſparniſſe, die er auf ſein Verwaltungsfach machte, kamen den königlichen Ausgaben zu Hülfe, und ſein Credit wurde gränzenlos. Er vereinigte das Kriegsminiſterium mit dem der Marine, und erhielt noch dazu das Portefeuille des Marquis von Sambuca, deſſen Creatur er geweſen, und der 1784 in Ungnade fiel; eine merkwürdige Lection, aber nicht ungewöhnlich: denn wie oft verdringen Schützlinge ihre Beſchützer! Von dieſem Zeitpunkte beginnt Acton's unbe⸗ grenzte Gewalt. Er wählte unter den Freunden ſeines Glücks diejenigen, welche ihm ausſchließend ergeben waren, ließ die Kö⸗ 4) Nämlich eines gebornen Irländers und Baronets, der die Arz⸗ neikunſt in dieſer Stadt ausübte, wo der nachmalige Miniſter am 1. Oct. 1737 geboren ward.(S. Converſations⸗ Lexikon, Art. Acton.) 32 Aeton. nigin in den Rath eintreten/ und indem er ſo ihrer Begierde nach öffentlicher Gewalt ſchmeichelte, gab er ſeinem uſurpirten Anſehn eine faſt unerſchütterliche Grundſäule. Mit Hamilton, dem Mi⸗ niſter Englands, verbunden, verfolgte er, in deſſen Gemeinſchaft, jenen Plan von Feindſeligkeit gegen Frankreich, welcher Gedanke, Zweck und Triebfeder ſeines ganzen Lebens war. Seitdem ihm Hr. v. Sertines eine Stelle in der franzöſiſchen Marine verwei⸗ gert, hatte er ſeinem Geburtslande einen Haß geſchworen, der nie erloſch. Seine Gewalt vermehrte ſich mit dieſer kleinlichen Denkungsart. Dieſer Mann hatte ſo gut auf die Leidenſchaften ſeiner Herren hin ſpekulirt, daß ſeine Kühnheit ihn nur noch mehr im Vertrauen derſelben befeſtigte. Er opferte die dringend⸗ ſten Bedürfniſſe des Staats ſeinem perſönlichen Haß auf. Bald verweigerte er, unter eitlem Vorwand, Bauholz, deſſen Ausfuhr der neapolitaniſchen Regierung nützlich war, an Frankreich, das er verabſcheute, zu überlaſſen; bald, als eine gräßliche Kataſtrophe das kalabreſiſche Volk in das tiefſte Elend ſtürzte, erklärte er einer mit Korn beladenen Fregatte, welche Ludwig XVI. den Unglücklichen ſandte, daß ſie nicht im Hafen aufgenommen werde, und ihre Ladung anderswohin bringen könne. Vergebens bezeich⸗ neten der Vater des Königs von Neapel, Karl III., König von Spanien, und der König von Frankreich, dieſe abſcheuliche Ver⸗ achtung des Menſchenlebens als der Nache der Geſetze und des Scepters werth; vergebens trachtete der Kardinal Bernis, Ge⸗ ſandter des Verſailler Hofs zu Neapel, dieſen fatalen Kampf zwi⸗ ſchen einem Miniſter und drei gekrönten Häuptern— zwiſchen Vater und Sohn— der ſich 30 Jahre ſpäter unter ſeinen Augen wieder erneuern ſollte, aufhören zu machen: Acton wurde erſter Miniſter. Stolz auf dieſen doppelten Sieg trat er alles nieder; ſein Ehrgeiz und ſeine Rache hatten keine Grenzen. Wenn im Jahr 1792 die Eskadre des Latouche⸗Treville, welche im Begriff ſtand, Neapel zu bombardiren, ſeinen Stolz zur Beugung zwang⸗ ſo wußte er ſchon im folgenden Jahre ſich für dieſe vorüberge⸗ hende Demüthigung zu rächen, indem er verhinderte, daß der franzöſiſche Miniſter bei der ottomanniſchen Pforte angenommen wurde. Im Jahr 1794 füllte er, auf den alleinigen Verdacht des Einverſtändniſſes mit den Franzoſen, die Gefängniſſe mit ſeinen Schlachtopfern an. Die ſchreckliche Staats⸗Junta, welcher er präſidirte, traf alle Stände mit Verweiſung oder Tod. Der allgemeine Haß gegen ihn ſtieg auf's höchſte. Jetzt häuften ſich die Verſchwörungen, und mit ihnen die Schaffotte und Gefängniſſe. Acton. Adair. 33 Unaufhörlich ſchienen neue Verſchwörer aus dem Blute der Schlachtopfer hervorzugehen. Die Feinde Acton's warfen ihm vor, daß er ein Franzoſe wäre. Anſtatt ſich als Neapolitaner naturali⸗ ſiren zu laſſen, gab er ſich für einen Engländer aus, änderte ſeinen Namen, indem er ſich Hacton nannte und behauptete, der Sohn eines irländiſchen Baronets zu ſeyn*). Die meiſten Biographen wurden durch dieſe politiſche Unwahrheit getäuſcht. Indeſſen wuchs täglich der Unwille des Volks. Eine ſcheinbare Entlaſſung im J. 1795 änderte nichts an Actons Einfluß, der unſichtbar und um ſo gefährlicher war. Endlich durch die Ereigniſſe gezwungen, ſchloß er mit Frankreich einen treuloſen Frieden, der nur die Rüſtungen zum Kriege, der 1798 entſtand, beſſer verbergen ſollte. Man hielt dieſen Frieden für offen und reell; man erwartete, dieſen verhaßten Miniſter, der ſeit zwanzig Jahren regierte und beſtändig am Rand von Abgründen gewandelt war, endlich in Mißgunſt zu ſehen. Aber die Königin war im Geheimniß. Der franzöſiſche Geſandte Lachaiſe führte vergebliche Klagen. Endlich hatte die große Unternehmung des Generals Mack, welche er gegen die den Kirchenſtaat in Beſitz habenden Franzoſen richtete, die Zerſtörung der neapolitaniſchen Armee, einen nach den Bedingungen des Siegers geſchloſſenen Frieden, und die wirkliche Abſetzung Actons zur Folge. Sein ſtol⸗ zes Leben zeigte ſich klein in der letzten Epoche. Man ſieht ihn nach Sicilien fliehen, ſich den Engländern in die Arme werfen, die Kö⸗ nigin beleidigen, die ihn ſo lange beſchützt und aufrecht erhalten hatte, und im J. 1808 unter Erniedrigung und öffentlicher Verach⸗ tung, ſterben.— Dieſer Mann hatte, um ſich zu erheben, ſeltene Fähigkeiten angewandt; eine große Verſtellung, viele Kenntniſſe, Geſchick, Ueberlegung und Feſtigkeit. Doch unterwarf ſich ſein harter und herrſchſüchtiger Wille den Schmeicheleien ſeiner Unter⸗ gebenen. Die Reichthümer des Miniſters waren ſo unermeßlich, wie ſeine Gewalt. Sein auf Koſten des öffentlichen Schatzes erbau⸗ ter Pallaſt fiel an die königlichen Domänen zurück, deren er durch ſeine Pracht würdig war.—. Adair(Robert), engliſcher Geſandter.— Er widmete ſich anfangs der Rechtsgelehrſamkeit, und wurde in der Folge von dem Flecken Appleby zum Mitgliede der Gemeindekammer erwählt. Den 10. Februar 1797 erhob er ſich in der Oppoſitionspartei mit Gray gegen das Ausſchiffen fremder Truppen in England. Den *) Nach andern Nachrichten iſt dies gegründet und Hacton ſein kech⸗ ter Name, den er ſelbſt früher in Acton verwandelte⸗ G⸗ Neue Viograph. I. 1 3 Adair. Adam. 14. März vereinigte er ſich mit dem nemlichen, um eine Aufhe⸗ bungs⸗Bill wegen der Landung heſſiſcher Truppen zu verlangen, ſo wie eine andere gegen diejenigen Perſonen, welche dem Könige dazu gerathen hatten. Den 7. März 1796 erhob er ſich mit Kraft gegen den Negerhandel und vertheidigte wacker den Antrag Wilberforce’s für deſſen Abſtellung. Der Tod Pitt's verſchaffte ihm 1806 den Geſandtſchaftspoſten in Wien, und der Fall des Miniſteriums von Fox⸗Grenville rief ihn 1807 wieder ab. Dennoch erhielt er wie⸗ der eine Miſſion nach der Türkei. Die Revolution Muſtapha Bai⸗ rakta's zwang ihn, auf der Inſel Malta beyzulegen. Doch ſetzte er bald ſeine Reiſe wieder fort, ward aber an den Dardanellen auf⸗ gehalten und mußte nach Malta zurückkehren. Der Tod des Groß⸗ veziers und der Fall ſeiner Partei ließen den Geſandten von neuem abreiſen, und er kam den 27. Januar 1809 in Konſtantinopel an. Das folgende Jahr befiel ihn eine ſchwere Krankheit; nach ſeiner Geneſung ging er nach England zurück. 1817 machte er eine Reiſe nach Frankreich. Man hat von dieſem Manne verſchiedene politi⸗ ſche Schriften: 1) Apologie der Feſtigkeit eines Whigs(Volks⸗ freundes), ein anonymes Werk; 2) Brief des geehrten Mitglieds Fox an die Wahlmänner von Weſtminſter; und bey Gelegenheit einer von Burke herausgegebenen Schrift, 3) Fragment eines Briefes an das geehrte Mitglied C. J. For. Adair(Jakob Mackittrick), Doktor der Medicin, hat verſchiedene Werke über dieſe Wiſſenſchaft geſchrieben, auch ein Buch, genannt: Einwurf ohne Replik gegen die Ab⸗ ſchaffung des Regerhandels. Er war Richter bey der königlichen Bank und den Gemeinde⸗Gerichten, anfänglich auf der Inſel Antigua*), hernach auf den Inſeln unter dem Winde. Adam(Nikolaus), Profeſſor der Redekunſt am Colle⸗ gium zu Liſteux, in der Normandie, wurde von dem Grafen von Choiſeul, der ihn ſehr ſchätzte, als Geſchäftsträger bey der Repu⸗ blik Venedig abgeſandt. Nachdem er zwölf Jahre lang ſein ehren⸗ volles Amt verwaltet, kam er nach Paris zurück und gab mehrere Elementarwerke heraus, die mehr gekannt zu ſeyn verdienten; nem⸗ lich: 1) Die Art, jegliche lebende oder todte Sprache, durch Hülfe der franzöſiſchen zu erlernen. 2) Eine Ueberſetzung des Horaz. 3) Eine des Phädrus. 4) Eine italieniſche Uebertragung des letzteren. 5) Die Ueberſetzung des Raſſelas, Prinzen von Abyſſi⸗ *) Eine der antilliſchen Inſeln, mit dürrem Boden und von hohen, ſchroffen Felſen umringt, welche die Landung gefährlich machen. G. Adam.— 35 nien, eines engliſchen Romans von Johnſon. Adam war ſehr un⸗ terrichtet, kannte faſt alle Sprachen Europa's und beſaß die größte Leichtigkeit, ſeine Kenntniſſe mitzutheilen. Er war geboren zu Paris 1716 und ſtarb daſelbſt 1792. Adam(Wilhelm), Nitglied des engliſchen Parlaments⸗ Sohn eines Architekten von Leith in Schottland. Er ſtudirte an⸗ fänglich die Rechte, und ſaß als junger Menſch ſchon in der Ge⸗ meindekammer. 1791 begehrte er, daß das engliſche Parlament von den durch die ſchottiſchen Gerichte ausgeſprochenen Urtheilen appelliren könnte, und führte als Belege ſeines Vorſchlags die Ur⸗ theile über Muid und Palmer an. Er ſtand anfangs bey der Op⸗ poſitionspartei; aber ſein Streben, empor zu kommen, brachte ihn bald auf die miniſterielle Seite. Die Ehrenſtellen ſchienen ſeinem Verlangen entgegen zu gehen. Er wurde nach einander Siegelbe⸗ wahrer, Staatsrath des Prinzen Regenten in Schottland, Lord⸗ Lieutenant der Grafſchaft Kinroß, endlich Advokat des Königs und der oſtindiſchen Compagnie. Einige Ausdrücke, deren ſich Fox in der Gemeinde⸗Kammer gegen ihn bediente, gaben Anlaß zu einem Duell zwiſchen beiden, worin er ſeinen Gegnes leicht verwundete. Er befand ſich einige Jahre lang nicht im Parlament, ward aber 1807 für die Grafſchaft Kincardine wieder gewählt, doch nicht im folgenden Jahre. Er hat verſchiedene Reden herausgegeben, un⸗ ter andern eine über die Frage in Betreff der Privilegien, in der Sache des Sir Francis Burdett. Adam(Ludwig), geboren zu Miettersholz um 1760, be⸗ rühmter Lehrer auf dem Piano*). Seine Liebe zur Muſik war faſt ſein einziger Lehrer in dieſer Kunſt. Er ſtudirte in ſeiner Ju⸗ gend die Werke der großen Componiſten, und ſchöpfte daraus ſeine Talente für Tonſetzung und praktiſche Uebung der Muſik. Im J. 1777 kam er nach Paris und erwarb ſich bald einen großen Ruf durch ſeine Concert⸗Symphonieen für Piano, Harfe und Violine, welche Art man zuerſt durch ihn in dieſer Hauptſtadt kennen lernte. 1797 trat er in das muſtkaliſche Conſervatorium und bildete die geachtetſten Virtuoſen. Man hat von ihm eine Methode des Fingerſatzes; eine andere über das Piano, 11 Bücher Sonaten, die Quatuors von Haydn und Pleyel für *) Man kennt auch drei Brüder dieſes Namens, welche von Nancy gebürtig und im vorigen Jahrhundert als Bildhauer geſchätzt waren. G. Adam. das Klavier bearbeitet und die Vergnügungen(beli⸗ ces) Euterpe’s. Adam(Samuel), geboren in der amerikaniſchen Pro⸗ vinz Maſſachuſſet, den 27. September 1722, empfing den erſten Unterricht vom Profeſſor Lovell, ſtudirte hierauf mit Erfolg im Collegium zu Harvord, und weihte die erſten Verſuche ſeiner Feder der Erhaltung ſeiner Familie. Ein von ihm dargelegtes Faetum rettete das Vermögen ſeines Vaters, das ein Prozeß in Gefahr ge⸗ ſetzt hatte. Bald zeichnete er ſich als politiſcher Schriftſteller wäh⸗ rend Shirley's Verwaltung aus. Er griff lebhaft dieſen Mann an, deſſen Gewalt ihm die Unabhängigkeit des Staats zu bedrohen ſchien. Damals ſchon bemerkte man bei ihm die erſten Keime jener Geiſteskraft und Seelenſtärke, welche ihm ſpäter die Benen⸗ nung: Cato des frei gewordenen Amerika“s erwarben. Lange Zeit ungewiß, welchen Stand er wählen ſollte, zeigte er jene peinliche Unruhe, welche vorzügliche Männer quält, bis ihren brach liegenden Fähigkeiten ſich würdige Beſchäftigungen darbie⸗ ten. Zum Collector der Staatsgelder ernannt, erfüllte er ſein Amt mit Treuc, aber mit Widerwillen. Die Politik und das Intereſſe ſeines Landes waren der einzige Gegenſtand ſeiner Studien und Betrachtungen. Als die erſten Unruhen entſtanden, war er ſchon alt, aber begabt mit feuriger Seele und einem feſten Kopf, wel⸗ chen die Jahre geachtet hatten, und ſo wurde er der thätigſte Be⸗ förderer der im Lande Maſſechuſſet gegen die fiscaliſche Ty⸗ rannei*) der Engländer gebildeten Oppoſition, und verband ſich mit Franklin und Jefferſon, um nicht allein die Abhülfe der Beſchwerden, ſondern auch die Unabhängigkeit der Kolonicen zu verlangen. Die Unbiegſamkeit ſeines Charakters und die Kühn⸗ heit ſeiner Meinungen erſchreckten die Regierung. Indem ſie(am 12. Juni 1775) allen Aufrührern Pardon anbot, glaubte ſie, zwei Männer allein, Johann Haucock und Samuel Adams, verfolgen zu müſſen. Aber da die Unruhen fortdauerten und der Kampf hartnäckiger wurde, ſetzte Adams durch eine einzige Maasregel,⸗ der Rache des Mutterlandes ein ſchreckliches Hinderniß entgegen. Er organiſirte die Volksgeſellſchaften dergeſtalt, daß ſie unter ein⸗ ander correſpondirten und einen Centralpunkt in Boſton hatten. Dies beſchleunigte den Ausbruch. Dennoch beſchuldigte ſie Adams *) D⸗ h. welche in den nordamerikaniſchen Provinzen von den Eng⸗ ländern ausgeübt wurde, um ſolche für den Vortheil ihres Natio⸗ nal⸗Schatzes zu benutzen. 2 — Adams. 37 der Trägheit, und als die erſten Flintenſchüſſe zu Lexington ge⸗ ſchahen, rief er voll Feuer: O glorreicher Morgen! Oft nach einander zum Mitglied des Kongreſſes beim Staat Maſſachuſ⸗ ſet gewählt, bewies er ſich immer als einen Freund der vollkom⸗ menen Freiheit und Bewunderer der alten Republiken. Er woll⸗ te, daß, um den Römern nachzuahmen, alle Amerikaner Soldaten ſeyn ſollten. Unruhig, ungeduldig, mit Lebhaftigkeit auffaſſend und zu wenig an die Hinderniſſe der Ausführung denkend, fand er in Washington*) einen Mann, deſſen Geiſt weniger heftig zum Angriff, aber tüchtiger zum Widerſtande war, der mit Klugheit den Erfolg abzuwarten wußte, und deſſen Kraft ſich niemals an einem Hinderniſſe brach. Man behauptet, daß Adams an dem 1778 gemachten Projekt, Washington den Armeebefehl zu nehmen und ihn dem General Gates zu uͤbertragen, Theil gehabt. Als eifriger Freund jeglicher Freiheit war er einer der Urheber der Konſtitution von Maſſachuſſet. Doch wandte er nachgehends ſei⸗ nen Einfluß an, ein Heer zu bilden, und eine freie, aber gemiſchte Regierung einzuführen. Unterrichtet, feſt, einfach, arbeitſam, Rö⸗ mer an Geiſt, Sitten und Charakter, lebte er arm, aber lange genug, um ſeine Anſtrengungen gekrönt und ſein Vaterland in der Blüte zu ſehen. Man will behaupten, daß das ehrwürdige Alter dieſes Weiſen, dieſes Patrioten, der ſein ganzes Leben dem Wohl ſeines Landes geweiht hatte, einſam und faſt dürftig geweſen, und daß er von denjenigen verlaſſen worden ſey, die ihm in jener ruhm⸗ vollen Laufbahn zur Scite gegangen waren. Er ſtarb, traurig und nicht erſtaunt über dieſe gewöhnliche Undankbarkeit, am 2. Ok⸗ tober 1808 im Alter von 80 Jahren. Adams(John), geboren zu Braintore in der⸗ Provinz Maſſachuſſet, am 19. October 1735, ſtammte von einem der erſten Pflanzer ab, die 1608 Maſſachuſſets⸗Bay gründeten. Schullehrer, hernach Rechtsgelehrter, hatte er ſchon einen Namen, als die ame⸗ rikaniſche Revolution ſeinen Talenten ein neues Feld öffnete. Seine Abhandlung über die Kanoniſchen und Feudal⸗Ge⸗ ſetze verkündigte einen energiſchen Vertheidiger der Nationalrechte. Eine Geſchichte der Streithändel zwiſchen Amerika *) Späterhin wird die Biographie dieſes patriotiſchen Feldherrn fol⸗ gen, der für Freiheit focht, handelte und ſprach, der, um auch dem Ehrgeize ſeiner Krieger ein beſonderes Zeichen zu verleihen, den Cineinnatusorden ſtiftete, und ſich auch, wie Cineinnatus, nach vollbrachten Kriegs⸗ und Staatsgeſchäften in ländliche Ein⸗ ſamkeit zurückzuziehen wußte. G. Adams. und dem Nutterlande, die er ſelbſt in die Boſtoner Zeitung einrücken ließ, vermehrte die Popularität, welche er ſich erworben, und hatte mächtigen Einfluß auf die Geiſter. Er war, nebſt Sa⸗ muel Adams, einer der erſten Häupter der Oppoſition in Maſſa⸗ chuſſet; aber als ein Feind aller Gewaltſamkeit, bekämpfte er auch die zu ſtarken Maasregeln, welche man ergreifen wollte, und war vor dem Boſtoner Tribunal Vertheidiger des Kapitäns Preſton und ſeiner Soldaten, welche bei dem Aufſtand am 5. März 1770 auf das Volk geſchoſſen und einige Menſchen getödtet hatten. Die Beredſamkeit des John Adams rettete Preſton, der Advokat ge⸗ wann den Rechtshandel, der Bürger verlor ſeinen Credit. Den⸗ noch wurde er 1774 zum Mitglied des Kongreſſes gewählt, 1775 erneuert, und war einer der feurigſten Beförderer jener berühmten Erklärung der amerikaniſchen Unabhängigkeit(14. Juli 1776*). Man ſandte ihn mit dem Doctor Franklin an den Verſailler Hof, wo er den Allianz⸗Tractat zwiſchen beiden Nationen unterhandelte. Bei ſeiner Rückkunft half er, ſo wie Samuel Adams, die Konſti⸗ tution von Maſſachuſſet entwerfen. Alsdann wurde er zum Be⸗ vollmächtigten bei den vereinigten Provinzen Hollands ernannt, ſchloß mit dieſen einen Freundſchafts⸗ und Handelsvertrag, ge⸗ wann dadurch eine wichtige Beihülfe, und wußte durch ſeine Ge⸗ ſchicklichkeit die General⸗Staaten mit in den Krieg gegen Groß⸗ brittannien zu verwickeln. Als man dahin gelangt war, mit Eng⸗ land den Vertrag zu ſchließen, durch welchen die Unabhängigkeit der vereinigten Staaten anerkannt wurde, ging Adams als Unter⸗ händler nach Paris, und ſeine Gewandtheit erwarb ſeinem Vater⸗ lande das köſtliche Recht der Fiſcherei auf der Bank von Terre neuve**), einer engliſchen Inſel in Nordamerika. Nach ſeiner Rückkehr ermahnte er, treu den Grundſätzen der Mäßigung, zur Nachſicht gegen die Loyaliſten(brittiſche Partei), und wurde dadurch den Republikanern verdächtig. Als man ihn nach London ſandte, um einen Vertrag zu ſchließen, ſcheiterte er in die⸗ ſer Unternehmung allein. Während ſeiner Reiſe ſuchte das in *) Alſo am nemlichen Tage, 13 Jahre ſpäter, begann die Staats⸗ umwälzung der Franzoſen, welche die Amerikaner in ihrem Kam⸗ pfe unterſtützt hatten. 3 G. **) Auch Neufoundland genannt. Die Bank iſt ein großes Gebirge, das 60 Seemeilen von dieſer Inſel und unter dem Waſ⸗ ſer liegt, ſo daß die Schiffer ſicher darüber wegſegeln können. Hier wird ein ſtarker Wallfiſch⸗ und Stockfiſch⸗Fang getrieben. 3 G. Ad ams. 39 Meinungen getheilte Amcrika feſte und gleichfoͤrmige Grundſäulen. Der individuelle, verſchiedene und einander entgegenſtehende Wille von dreizehn unabhängigen Herrſchaften ſchien die Freiheit Ame⸗ rika's zu bedrohen. John Adams war einer der erſten, welche eine Veränderung wünſchten und verlangten, damit eine Staats⸗ verfaſſung organiſirt werde, die alle Provinzen concentrirte und der Regierung einen Stützpunkt gäbe. Daher entſtand die Kon⸗ ſtitution von 1787, deren Anhänger Hamilton, Washington e., die man Föderaliſten nannte, von den Republikanern, Jefferſon an ihrer Spitze, beſchuldigt wurden, die Ariſtokratie ein⸗ führen zu wollen. Auf John Adams, der unter Washington zum Vice⸗Präſidenten gewählt war, fielen die lebhafteſten Vorwürfe. Sein glänzendes Haus, ſein Reichthum, ſeine bekannten Meinun⸗ gen, ſeine antidemokratiſchen Ideen über das Gleichgewicht der Gewalten, hefteten auf ihn die Aufmerkſamkeit und den Verdacht jener Partei. Die franzöſiſche Revolution und der Krieg zwiſchen Frankreich und England erhoben ſich faſt zu gleicher Zeit. Die Republikaner verlangten einen Bruch mit Großbrittannien: Was⸗ hington und Adams ſetzten ſich dagegen; ja, ſie ſchloſſen ſelbſt ein Bündniß mit der engliſchen Regierung. Dieſe Maasregel konnte den Sieg für die Republikaner der vereinten Staaten zur Folge haben, wenn nicht die Ausſchweifungen der in Frankreich empor⸗ wachſenden Freiheit Amerika erſchreckt und über die feindli⸗ chen Abſichten dey Agenten ſeiner Regierung in Unruhe verſetzt haͤtten*). Immer den Republikanern entgegen ſtehend ward Adams unter dem zweiten Vorſitz Washingtons zum Vice⸗Präfidenten ge⸗ wählt. Bei der dritten Wahl erklärte letzterer ſeine Abſicht, von den Geſchäften ſich zu entfernen, und Adams erhielt ſeine Stelle, trotz den Gegenbemühungen der Anhänger Jefferſons, und ver⸗ dankte ſie dem ungeſchickten Begehren des franzöſiſchen Directo⸗ rial⸗Agenten. Dieſer nämlich ſchrieb bei Gelegenheit der Wahlen dem Staatsſecretär einen Brief, in welchem er die Regierung der Parteilichkeit gegen Frankreich beſchuldigte und von den Verwal⸗ tern an die Verwalteten zu appelliren ſchien. Dieſes Schreiben, das am folgenden Tage in eine Zeitung eingerückt wurde, erregte bei den Amerikanern die Idee von fremdem Einfluß, der immer der *) Solches konnte nur von der Terroriſten⸗Negierung, aber nicht von der nachmaligen geſetzlichen in Frankreich, gelten. Dieſe än⸗ derte die Verhältniſſe. Poſſelt ſagt daher von dem ſonſt ſo trefflichen Washington, daß er damals etwas kindiſch habe Pitt nachahmen wollen. G. Adams. Freiheit tödtlich iſt. Mehr als ein dem Jefferſon ergebner Repu⸗ blikaner votirte für Adams, welchen die franzöſiſche Partei aus⸗ ſchlug. Adams benahm ſich an der Spitze der Verwaltung nach den Grundſätzen, die ihn immer geleitet hatten. Die Streitigkei⸗ ten mit dem franzöſiſchen Directorium wurden jeden Tag lebhafter. Bei dieſem Anlaß verordnete er ein allgemeines Faſten, um den Krieg, womit Amerika bedroht war, zu entfernen. Um die näm⸗ liche Zeit verweigerte er, Duchont und Rozidres als franzöſiſche Konſuln zu Philadelphia und Neu⸗York anzuerkennen. Das fol⸗ gende Jahr(1798) verſtrich unter feindlichen Bewegungen, mit eiteln Unterhandlungen vermiſcht. Gerry kam nach Paris, und ſuchte vergebens das gute Vernehmen zwiſchen beiden Völkern wie⸗ der herzuſtellen. Jetzt erklärte John Adams dem Kongreſſe die Natur dieſer Zwiſtigkeiten, rief die jungen Lente zur Vertheidi⸗ gung des Vaterlandes, und Washington an die Spitze der Heere. Als im Aufang d. J. 1799 ein franzöſiſcher Korſar das Schiff Eliſa erbeutet, fand er darin einen Befehl, auf die franzöſiſchen Fahrzeuge Jagd zu machen, unterſchrieben: John Adams. Das Directorium beklagte ſich darüber; Adams unterwarf ſein Beneh⸗ men dem Kongreſſe: es wurde feierlich gebilligt. Ein gänzlicher Bruch würde bald erfolgt ſeyn, wenn die als Folge des 18ten Bru⸗ maire eingeſetzte Regierung nicht mehr Weisheit und Geſchicklich⸗ keit in ihren Verhältniſſen zu Amerika beobachtet hätte. Am Ende des Winters 1799 kamen zwei amerikaniſche Agenten nach Frank⸗ reich, um Frieden zu unterhandeln. Den 2. December legte John Adams dem Kongreß eine Tabelle vor über ſeine Verwaltung, die Verbeſſerungen, welche er bewirkt oder vorbereitet hatte, die Lage der vereinigten Staaten, ihre Beziehung mit den übrigen Weltthei⸗ len, und ihren inneren Zuſtand. Er gab Rechenſchaft über die von ihm zur Unterdrückung der Unruhen in Penſylvanien ergriffe⸗ nen Maasregeln, indem er deren Strenge bekannte, aber auch er⸗ klärte, niemals einen Angriff auf die politiſchen Rechte der Bür⸗ ger gewagt zu haben. Er verkündigte zugleich, daß man den Sitz der Regierung nach Washington verlegen werde. John Adams zog ſich, als ſeine Präſidentſchaft geendigt war, von den Staats⸗ geſchäften zurück, und Jefferſon wurde an ſeinen Platz gewählt. Unterrichtet, aufgeklärt, und ein großer Staatsmann, zeichnete ſich John Adams auch als Literator aus. Er ſchrieb: Vertheidi⸗ gung der amerikaniſchen Konſitut ionen, ein Buch, das guten Erfolg hatte und auch in's Franzöſtſche überſetzt iſt. Er gab es neu unter dem Titel: Geſchichte der Republi⸗ Adams. Adanſon. 41 ken. Die Verfaſſer der Biographie universelle ma⸗ chen daraus zwei verſchiedene Werke. Auch wird ihm eine Aus⸗ wahl neuer Reiſen, zum Unterricht der Jugend beſtimmt, zu⸗ geſchrieben, wovon J. F. André 1799 eine Ueberſetzung her⸗ ausgab. Adams(John Quincy), älteſter Sohn des vorigen, wurde 1801 als bevollmächtigter Miniſter an den Wiener Hof ge⸗ ſandt. Als ihn der Präſident Jefferſon wieder abrief, machte die föderaliſtiſche Partei, zu welcher er gehörte, daß er eine Profeſ⸗ ſorſtelle am Collegium von Harvard, in der Provinz Maſachuſſet, erhielt. Endlich trat er als Deputirter dieſer Provinz(1804) in den Senat. Damals erklärte ſich Adams für die demokratiſche Partei, welcher er bis dahin, ſo wie ſein Vater, entgegenſtand. In der Folge ward er als Miniſter nach Rußland geſandt, und war im J. 1814 unter den Bevollmächtigten ſeiner Regierung bei den Mächten Europa's. Im März 1815 wurde er Geſandter zu London. Trotz ſeinen wichtigen Geſchäften im Felde der Diploma⸗ tik, hat Adams, gleich ſeinem Vater, immer den Wiſſenſchaften obgelegen. Man hat von ihm die Beſchreibung einer Reiſe nach Schleſien, während ſeiner Geſandtſchaft in Preußen. Sie iſt in Briefen an ſeinen Bruder gerichtet, und behandelt vorzüglich den Zuſtand der Manufakturen Schleſiens, deſſen Handelsartikel, nach ſeiner Meinung, der amerikaniſchen Regierung vortheilhaft ſind. Auch enthält ſie Bemerkungen über die beſten Schriftſteller dieſer Provinz, die Fortſchritte der Erziehung ſeit der von dem großen Friedrich geſchehenen Errichtung der Seminarien für Schullehrer, und endlich eine geographiſche, topographiſche und hiſtoriſche Be⸗ ſchreibung des Landes, worin er mehrere Unrichtigkeiten deutſcher Reiſenden rüget, nach welchen er jedoch ſeine Darſtellungen gab. Immer bleibt dieſes Werk intereſſant und belehrend, auch iſt es in einem leichten, anſpruchsloſen Styl geſchrieben. Doch wirft man dem Verfaſſer vor, daß er darin den Ackerbau zu wenig beach⸗ teet habe. J. Dupuy hat es in das Franzöſiſche überſetzt. Adanſon(Nichael), geboren zu Aix in der Provence, aus einer urſprünglich ſchottiſchen Familie, kam im Alter von drei Jahren nach mris. Eine ſorgfältige Erziehung, frühzeitige Fort⸗ ſchritte, und eine zarte Geſundheit, bezeichneten das Kindesalter dieſes Mannes, deſſen Körper damals eben ſo ſchwächlich, als ſein Geiſt kräftig war. Ein Ariſtoteles und ein Plinius, die man ihm als Preis für ſeine Kenntniß der griechiſchen und römiſchen Poeſie in den Collegien von St. Barbe und Pleſſis, wo er ſtudirte, gege⸗ 42² Adanſon. ben hatte, ſchienen mit ihrem Gewicht den jungen Knaben zu er⸗ drücken, der, im Alter von 13 Jahren, ſie mit gelehrten Bemer⸗ kungen überhäufte, und der in dieſer Laufbahn dereinſt noch wei⸗ ter kommen ſollte, als ſeine Lehrer. Noch ein anderer Umſtand beſtimmte ſeinen Beruf. Der berühmte Needham hatte ihm ein Mikroſkop mit den Worten überreicht:»Ihre Fortſchritte im Stu⸗ „dium der Menſchenwerke machen ſie würdig, auch die Werke der „Natur kennen zu lernen!“ Durch dieſe Rede wurde der junge Menſch gewiſſermaßen ſich ſelbſt offenbar, und es iſt merkwürdig, wie das Genie Adanſon's die Feinheit und Genauigkeit der Beob⸗ achtungen Needham's, die großen und umfaſſenden Anſichten des Plinius, der die Natur mit einem Blick überſchaut, und den ſyſte⸗ matiſchen Scharfſinn des Ariſtoteles, der alle ihre Triebfedern errathen und ihre Beziehungen faſſen will, in ſich vereinigt. Er war ſehr fleißig in den Vorleſungen des königlichen Collegiums⸗ und die Gelehrten Réaumur und Bernard von Juſſieu leiteten ſeine Studien. Leidenſchaftlich eingenommen für die Botanik, und unzufrieden mit dem damals herrſchenden Syſtem Linnés, hatte Adanſon ſich alle Pflanzen des königlichen Gartens bekannt gemacht/ und den Plan von vier neuen Syſtemen, die ihm mehr Sicherheit darzubieten ſchienen, entworfen. Vergebens ſuchte man ihn zum geiſtlichen Stande zu bewegen; denn die Pflichten deſſelben waren mit ſeinen Neigungen, oder vielmehr mit den Be⸗ dürfniſſen ſeines Geiſtes unvereinbar. Er entſchloß ſich, zum Nutzen ſeiner Wiſſenſchaft, zu reiſen, und ſeine Wahl fiel, wie er ſich ſelbſt ausdrückt, auf das Land, das am ſchwerſten zu durchdringen, das heiſſeſte, ungeſundeſte, am wenigſten bekannte iſt. Der Senegal*), deſſen nnheilſa⸗ mes Geſtade immer die Reiſenden erſchreckt, bot ihm ein weites⸗ noch unbenutztes Feld. 1748 reiſte er, 21 Jahre alt, ab, getrie⸗ ben durch die alleinige Liebe zur Wiſſenſchaft, ohne Beſchützer und ohne Ermunterung. Er beſuchte unter Wegs die kanariſchen und azoriſchen Inſeln, und theilte ſeine Unterſuchungen der Akademie *) Im Hübnerſchen Zeitungs⸗Lexicon iſt die Merkwürdigkeit ange⸗ führt, daß dieſer Strom viele Meilen wat in das Land Ebbe und Flut hat, auch das nördliche Ufer deſſelben unfruchtbar, und von weißen oder ſchwarzbraunen Menſchen bewohnt, das ſüdliche aber fruchtbar, und von Schwarzen bewohnt it. Die Franzoſen haben hier ein Etabliſſement. Der berühmte Mungo Park reiſte be⸗ kanntlich wieder dieſen afrikaniſchen Fluß aufwärts. G. „—— Adan ſon. 43 der Wiſſenſchaften mit, welche ihn zu ihrem Korreſpondenten im Alter von 23 Jahren ernannte. Als er am Senegal angelangt war, ergab er ſich mit Wärme den mannigfaltigſten Arbeiten. Außer ſeinen botaniſchen Unterſuchungen ſtellte er metereologiſche Beobachtungen an, nahm ſehr umſtändliche Plane auf, verfertigte eine Karte von dem zuvor unbekannten Laufe des Senegal, und ſammelte Wörterbücher von den verſchiedenen Sprachen der Ne⸗ ger⸗Völker. So brachte er fünf Jahre dort zu. Aber aus dieſer Maſſe von Beobachtungen in den drei Reichen der Natur ließ Adanſon, welcher ſich nicht enthalten konnte, ſo viele Schätze auf⸗ zuhaufen, ein eben ſo ſeltſames, als gigantiſches Syſtem hervorge⸗ hen. Er ſah, daß die Schwäche unſerer alten Methoden, und ihre Unmacht, die Natur zu faſſen, aus ihren engen Grenzen, und aus der geringen Zahl von Unterſcheidungszeichen, welche ſie zur Grundlage nehmen, entſtehen. Adanſon wollte in ſeinem Syſtem alle Gattungen phyſiſcher Exiſtenzen, belebte, todte und intellectuelle, umfaſſen, alle Glieder ihrer Verbin⸗ dungskette beſtimmen, und auf die Univerſalität, den Verein und die Beziehungen der einzelnen Theile eine große und umſtändliche Methode, wie die Natur ſelbſt, gründen. Dieſes Syſtem umſchloß alles: Subſtanzen und Cigenſchaften, Weſen und Materie, Fähig⸗ keiten und Erſchaffungen. 60,000 Gattungen von Exiſtenzen waren klaſſiftzirt; Adanſon rühmte ſich, deren 80,000 zu kennen. Jenen ungeheuern Plan faßte er unter dem brennenden Himmel des Senegals. Im J. 1757 gab er auf Subſcription den 1ſten Theil ſeiner Reiſe am Senegal, mit einer Karte, heraus. Da das üöbrige nicht gedruckt wurde, ließ er den Pränumeranten den Ueberſchuß der bezahlten Summe wieder zuſtellen. Mit Un⸗ recht behaupten der Abbé Felter in ſeinem Dictionnaire, und die Verfaſſer der Biographie universelle, daß Adanſon bei der Herausgabe ſeiner Werke von einem reichen und großmüthigen Liebhaber der Wiſſenſchaften, Hrn. v. Bombarde, unterſtützt worden ſey. Eben ſo ungegründet ſoll es ſeyn, daß ihn in den letzten Jahren ſeines Lebens, wegen großer Dürftigkeit, zwei ſeiner Diener erhalten hätten, indem ſie einen Theil ihres Lohns aufopferten und ihre Effecten verkauften. Obiges Werk, mit ſeinen neuen Details und trefflichen Beobachtungen, erregte die allgemeine Aufmerkſamkeit. Eine leichte Idee, welche er darin von ſeinem Syſtem gibt, und der neue Verſuch einer phyſiſchen Nomenclatur, gaben zu manchen lebhaften Streitigkeiten unter den Adanſon. Gelehrten Anlaß. Seine berühmte Schrift über den Baobab*), und die nicht weniger geſchätzte über die Bäume, welche Gummi ſchwitzen, das man arabiſches nennt, erwarben ihm 4759 einen Platz in der Akademie. 1763 gab er, auf das Verlangen mehrerer Gelehrten, ein Werk unter dem Titel: Die Pflanzen⸗Familien(lamilles des plantes), in 2 Bänden heraus. Der Einfluß deſſelben wurde damals durch das allein geltende Linnéiſche Syſtem zurückgehalten, jetzt aber herrſcht er in unſern(den franzöſiſchen) Schulen und Syſtemen. Wegen einiger Nachläſſigkeiten, die man darin fand, wollte er es fünf Jahre darauf neu herausgeben; aber dadurch wurde er auf ſeinen alten großen Plan zurückgeführt, den er mit neuer Begeiſterung umfaßte, nämlich eine vollſtändige Encyklopädie zu geben. Im Jahr 1775 erſchreckte er die Akademie und das Publikum, als er ihrer Beurtheilung 120 geſchriebene Bände, und 75,000 Ab⸗ bildungen, als Materialien und Grundlagen ſeines Werks vor⸗ legte. Es wurden Kommiſſarien ernannt, um dieſe erſtaunens⸗ würdige Arbeit zu unterſuchen. Man fand ſie ungeheuer, aber unvollkommen in einzelnen Theilen, und weit über die Kräfte eines einzigen Mannes. Adanſon verlor nicht den Muth, wollte ſein Gebäude allein ausführen, und ſah ſich jedes Jahr noch weit vom Ziele entfernt. Sonſt beſitzt man von ihm nur Memoiren, die ſcharfſinnig und tiefgedacht ſind. Die Artikel über Botanik, wel⸗ che er zur Encyklopädie gab, beweiſen eine große, man möchte ſa⸗ gen überreiche, Erudition. Noch bleibt uns übrig, das ausgezeich⸗ nete patriotiſche Gefühl Adanſons zu rühmen; eine Tugend, die unter den in ihrer intellectuellen Sphäre lebenden Gelehrten nicht ſehr häuſig iſt**). Er hatte 1753 der franzöſiſchen Regierung einen Plan zur progreſſiven Abſchaffung des Negerhandels vorge⸗ legt, deſſen Wichtigkeit von dem hofmänniſchen Miniſter, wie es gewöhnlich geſchieht, verkannt wurde. Die Engländer, welche ſeit 1760 Meiſter des Senegal waren, thaten ihm die verführeriſchten Vorſchläge, um ſeinen Plan und ſeine trefflichen Bemerkungen über Afrika zu erhalten. Aber er verweigerte den Feinden ſeines Vaterlandes eine Arbeit, die er für daſſelbe unternommen hatte. *) Eine Baumfrucht, deren ſich die Bewohner jenes Theils von Afrika bedienen, um den Durſt damit zu löſchen. G. **) Frankreich in der Revolution und Deutſchland im J. 1813 haben bewieſen, daß auch(nach dem Ausdruck der Fr. v. Staél) ſich das Reich des Denkens in das herrlicher Thaten verwandeln kann. G. Adanſon. 45 Vaterlandsliebe allein war auch der Grund, daß er die Anerbie⸗ tungen des Kaiſers von Oeſterreich, der Kaiſerin Katharina von Rußland, und des Königs von Spanien, ſich in ihren Ländern niederzulaſſen, ausſchlug. Adanſon reiſte nach ſeiner Zurückkunft in verſchiedene Theile Frankreichs, beſuchte die Küſten des Oceans und des mittelländiſchen Meers, und entdeckte in der Provence jene einſt in Neapel ſo gefürchtete Tarantel, die aber gift⸗ und namenlos iſt, und zwar zu Marſeille und Nizza. Als königlicher Cenſor und mit mehrern Penſionen begabt, befand er ſich in einem Wohlſtande, der über ſeine Wünſche ging. Aber das Streben, ſei⸗ nen Plan auszuführen, war wie ein Schlund, der ſeine Mittel be⸗ grub. Die Revolution raubte ihm ſein Einkommen, und er war bei annäherndem Alter in der Lage, ſich ſehr einzuſchränken. In einem Moment verlor er die Frucht von 50 Arbeitsjahren; ein Garten, worin er ſeine Verſuche über die Vegetation anſtellte, ward geplündert. Darüber befiel ihn die höchſte Traurigkeit; er ſchlug alle Hülfe aus, die man ihm anbot, ſelbſt die ſeiner Frau, von welcher er ſchon lange an Gütern getrennt war. Er ſam⸗ melte die ſchwachen Trümmer ſeines Vermögens, und kaufte ein Stück Land bei Paris, wo er ein Haus und einen zu ſeinen Ver⸗ ſuchen tauglichen Garten anlegte. Das wiederorganiſirte Nat. In⸗ ſtitut bezeigte ihm 1798 das Verlangen, daß er ſeinen Sitzungen beiwohnen möchte. Er antwortete ſcherzend, er könne nicht hin⸗ gehen, weil er keine Schuhe habe. Der Miniſter Benezech gab ihm eine Penſion von 6000 Franken, welche der Kaiſer ſpä⸗ terhin verdoppelte. Dieſer Fürſt ernannte ihn den 26. Frimaire 12. zum Mitgliede der Ehrenlegion. Adanſon, der ſeit mehreren Jahren kränklich war, fühlte ſein Ende nahen.„Meine Freundel rief er den Umſtehenden; die Unſterblichkeit iſt nicht von dieſer Welt!“ und gab ſeinen Geiſt auf(den 3. Aug. 1806). Er hatte 1800 den Verein der zur Errichtung ei⸗ nes Denkmals für den General Deſaix, der bei Marengo fiel, ver⸗ ſammelten Subſcribenten präſidirt.— Adanſon war klein, wohl proportionirt, gewandt, lebhaft, leicht zu erzürnen und zu beſänf⸗ tigen, von ganz gewöhnlichem Aeuſſern, wenig angenehmer Ge⸗ ſichtsbildung, die ſich aber im Reden ſehr belebte und einen eige⸗ nen Charakter annahm. Seine Eigenliebe war die des ſich ſelbſt kennenden Talents. Wohl lebhaft und reizbar, aber ohne Neid und Eitelkeit, hegte er für ſeine Syſteme die väterliche Neigung eines Mannes, der ſein Leben einer großen Schöpfung weihte. Berunard von Juſſieu wollte den Baobab Adanſona nennen; — —— Adanſon. Addington. aber Adanſon verweigerte jede andere Nomenelatur, als die, ſo in den Ländern der Naturerzeugniſſe üblich iſt. Man hat Bemer⸗ kungen über ſein Leben von Le Joyand. Wir beſchließen dieſen 4 biographiſchen Artikel mit einer Stelle aus der Lobrede auf Adan⸗ ſon, welche Cuvier, ſein Kollege, den 5. Januar 1807 im Inſtitut hielt:„Unbezwinglicher Muth und unbegrenzte Geduld; ein tiefer „Genius und anſtößige Bizarrerie; brennendes Verlangen eines „ſchnellen Rufs, und Verachtung der Mittel, die ihn gaben; end⸗ lich Seelenruhe unter allen Beraubungen und Leiden: alles dies, „was ihm in ſeiner langen Lebenszeit eigen war, verdient unſere „Betrachtung.“ Addington(Anton), war anfänglich Arzt, und errich⸗ tete zu Reading ein Hoſpital für Verrückte, wo er ſich in deren Behandlung, ſo wie in den epidemiſchen Krankheiten, auszeich⸗ nete. Er ſtand in vertrauter Freundſchaft mit Lord Chatam, und ward, als dieſer nach dem Frieden von 1762 ſich zurückzog, von Lord Bute gewählt, um ihn wieder zum Eintritt in das Miniſte⸗ rium zu bewegen. Seine mediciniſchen Kenntniſſe waren ihm in der Politik nicht unnütze. Als Georg III. wahnſinnig wurde, erklärte Addington in der Pairskammer:„Daß der König ſeine „Geſundheit wieder erlangen würde, und daß dieſer Anfall bei veinem Mann, der nie von Melancholie befallen worden, nur vor⸗ vübergehend ſey.“ Dieſe, durch die Zeit wiederlegte, Erklärung, war indeſſen dem jungen Pitt vortheilhaft. Addington ſchrieb ver⸗ ſchiedene mediciniſche Werke, und eine Broſchüre über die Un⸗ terhandlung zwiſchen Bute und Chatam. Er ſtarb 1790 und hinterließ ein beträchtliches, durch ſeine Prarxis erwor⸗ benes, Vermögen. Aus den politiſchen Kenntniſſen ſei⸗ nes Vaters ſchöpfte der junge Heinrich Aodington, von dem der folgende Artikel handelt, vielen Nutzen. G Addington(Heinrich)*), wurde mit dem berühmten Diplomaten Pitt erzogen, und hielt faſt ſein ganzes Leben durch gleichen Schritt mit demſelben. Beide ſtudirten zuſammen, und Pitt's glänzende Laufbahn eröffnete auch Addington den Weg zu Ehre und Glück. Er trat bald in das Parlament, und unterſtützte kräftig ſeinen Freund in dem Kampfe mit For, deſſen freimüthige und ſtürmiſche Beredſamkeit zuvor immer das Feld behauptete. Im Jahr 1789 wurde Addington zum Redner der Kammer ge⸗ wählt. Man ſah ihn eines Tags, mehr miniſteriell geſinnt, als *) geb. 1756. G. Addington. 47 der Miniſter ſelbſt, ſich von der Meinung Pitt's in einer Sache entfernen, welche die Menſchheit anging. Wilberforce nämlich ſchlug 1792 die Abſchaffung des Negerhandels vor, und Pitt unterſtützte lebhaft ſeinen Antrag. Addington trat auf die Seite des gewandten Dundas, und ſtimmte für die ſtufen⸗ weiſe Abſchaffung, und wollte ſelbſt, daß ſolche bis zum Jahr 1800 hinausgeſetzt werden ſollte. Addington wurde Miniſter, ohne daß Pitt aufhörte, es zu ſeyn, dieſer war ſein Schatten. Als Anhänger des Friedens ſeit dem Tractat von Amiens bis zu deſſen Bruch, bekämpfte der neue Kanzler der Schatzkammer alle heftigen Vorſchläge und außerordentlichen Maasregeln der neuen Oppoſition, die mit großem Geſchrei den Krieg verlangte. Doch hatte er 1799 den Antrag wegen einer neuen Truppenwer⸗ bung, um den Batavern zu Hülfe zu kommen und die erſten Fort⸗ ſchritte der Unternehmung auf Holland zu fördern, unterſtützt. „Sollen wir(ſagte er in dem Unterhauſe des Parlaments,) dieſe »Menſchen betrügen, denen wir Hülfe verſprochen, und die uns vihre Flotte nur unter der Bedingung übergaben, daß wir ihnen „die ſtatthalteriſche Regierung wieder herſtellten?*)« Dies Be⸗ kenntniß war von Wichtigkeit. Einige wollten es für Freimüthig⸗ keit nehmen; andere fanden darin eine Unbedachtſamkeit, welche zuweilen den Miniſtern entfährt.„Sie haben, ſagte Tierney, die „Uebergabe der bataviſchen Flotte angenommen, und das Verſpre⸗ chen, die Statthalterſchaft wieder herzuſtellen, war ihre einzige „Waffe bei dieſem glorreichen Triumph. Wahrhaftig, verehrungs⸗ „werthe Miniſter! Sie ſcheinen viel Vertrauen in ſich zu ſetzen. „»Man ſollte glauben, daß Sie einen Bund mit der Siegsgöttin „geſchloſſen haͤtten**).“ Pitt ſuchte die Unbedachtſamkeit(aber Offenheit) ſeines Freundes wieder gut zu machen, verſicherte, daß nur die Uebermacht jene Flotte erobert habe, verneinte jede ge⸗ heime Stipulation, und ſagte, daß die Beſitznahme der Flotte von jedem andern Erfolg unabhängig ſey. Auch hat der Erfolg bewie⸗ *) Dieſe Flotte wurde am 30. Aug. 1799 von den Engländern im Texel, faſt ohne Widerſtand genommen. Die Entſchuldigung war, daß der holländiſche Admiral der Ueberlegenheit habe weichen müſſen. G.. **) D. h. mit dieſer Flotte war die Landarmee nicht beſtegt und Holland erobert. Bald darauf ſchlug auch der franz. General Brune die anglo⸗ruſſiſche Armee, wozu die bataviſchen Truppen tapfer mitwirkten, und der Feind mußte das Land wieder räumen. G. 48 Addington. ſen, daß Pitt diesmal aufrichtig war. Den 9. Mai 1800 verſi⸗ cherte Addington, daß die Wiederherſtellung der Bourbone ein wichtiges Motiv des gegenwärtigen Kriegs, wenigſtens für Eng⸗ land, ſey. Als ſpäter Jones verlangte, daß Sir Sidney Smith Rechenſchaft über die Gründe gebe, die ihn bewogen, den zwiſchen Kleber und dem Großvezier wegen der Räumung Aegyptens ge⸗ ſchloſſenen Vertrag zu hemmen, erhob ſich Addington gegen dieſen Antrag. 1801 verließ Pitt wieder das Kanzleramt, um ſeinem Freunde Platz zu machen. Addington ſchien ſich den Ruf der Un⸗ abhängigkeit erwerben zu wollen. Als Grey die Bildung eines Ausſchuſſes, um den Zuſtand der Nation zu unterſuchen, vorſchlug, rief jener:„Nein, meine Herren! Wir müſſen nicht gerade den „Fußtapfen der alten Miniſter folgen. Wir ſind ihre Freunde, „aber nicht ihre Kreaturen. Niemals werden wir ehrenvolle Frie⸗ „densanträge verweigern.“ Solche eitele Anſtrengungen, ſich Popularität zu verſchaffen, machten Fox und Sheridan lachen. „Dieſe Unabhängigkeit der Meinungen(ſagte der letztere mit der beiſſenden Laune, die ſeine Reden auszeichnete,)„iſt die Tugend, „deren ein hübſches Weib ſich rühmt. Eine ſolche Parade ma⸗ vchende Schamhaftigkeit verlangt nur, angegriffen zu werden.“ Das politiſche Betragen, welches der Kanzler in der Folge beob⸗ achtete, bewies, daß er ſein erſtes Syſtem nicht verlaſſen hatte. Man ſah ihn über den Zuſtand Irlands die beunruhigendſten Nachrichten geben, und der Kammer die Anſchläge der Aufrührer im Norden und Süden Englands denunciren. Er ſchilderte das Königreich, als wäre es ſeinem Umſturz nahe, begehrte die Sus⸗ penſion der Habeascorpus⸗Akte, und die Erneuerung der ſchrecklichen Bill gegen die Uebelgeſinnten. Der allzu berühmte Dundas, durch ſeine unverletzliche Treue gegen alle Mi⸗ niſter bekannt, fand in ihm einen Vertheidiger, als er wegen der unglücklichen Unternehmung auf Holland angeklagt war. Als eine ehrenvollere Handlung des Kanzlers muß man das Begehren an⸗ führen, welches er für die Wittwe des Generals Abercromby that, damit ſie eine Penſion von 2000 Pfund Sterling und den Titel einer Baronin von Abukir erhalte. Aber bald auf ſeine ge⸗ wöhnliche Verhandlungsweiſe zurückkommend, vertheidigte er das Zehnten⸗Syſtem, und unterſtützte jene Erlaſſungs⸗Bill, welche jedem mit öffentlicher Gewalt Bekleideten ein Strafloſig⸗ keits⸗Brevet bewilligt. 1801 begehrte er die Genehmigung neuer Summen für das Wohl des Dienſtes, und einige Monate ſpäter gab er, um die Anwendung dieſer Summen zu rechtferti⸗ Addington. 49 gen, ein prächtiges Gemälde von dem Handel und Reichthum Großbrittanniens, und ſchloß damit, daß die der Regierung von der Nation zu leiſtende Unterſtützung den Hülfsmitteln der letztern angemeſſen ſeyn müſſe. Bald darauf verlangte er noch neue Fonds, und ſuchte durch eine blühende Beredſamkeit nicht allein die Trok⸗ kenheit ſeines Stoffs, ſondern auch das Ungeheure der Auflagen, die er von dem Volke voraus erhob, zu beſchönigen. Kurz vorher hatte er für die Verlängerung des Martial⸗Geſetzes in Irland geſtimmt. Sollte man nicht glauben, daß ein der höchſten Behörde ſo günſtiges Benehmen Addington gegen alle Feindſchaft der Höf⸗ linge ſicher geſtellt hätte? Dennoch wollte man 1804 die Krankheit des Königs benutzen, um ihn zu ſtürzen, und er hatte die momen⸗ tane Fortdauer ſeiner Gewalt nur der Wiedergeneſung des Mo⸗ narchen zu danken. Bald beſtürmten ihn neue Angriffe; man be⸗ ſchuldigte ihn der Schwachheit, der Unfähigkeit. Das Volk nannte in ſeiner freimüthigen Sprache Addington's Miniſterium, das im⸗ mer von verſchiedenen Händen regiert war, eine Verwaltung von Stücken und Fetzen(of shreds and patches). Man ſag⸗ te, daß, da ihn doch Pitt zu ſeinem Range erhoben habe, er zu vergeſſen anfinge, was er dieſem Miniſter ſchuldig ſey, und die gegen ſeinen Wohlthäter gerichteten Verläumdungen nur mit Sorg⸗ loſigkeit und Schwäche zurückwieſe. Wirklich ſchreibt ſich auch von dieſem Zeitpunkte die kurze Feindſchaft zwiſchen Addington und Pitt her, die bis dahin innigſt verbunden waren. Addington wurde Vicomte von Sidmouth und mit dem beſondern Vertrauen des Königs beehrt. Pitt ſtarb, und dieſer Tod änderte wiederum Addington's Schickſal. Er ward zum geheimen Siegelbe⸗ wahrer ernannt. Als das Parlament über die Ehrenbezeugun⸗ gen, welche zum Andenken Pitt's bei deſſen Leichenbegängniß ſtatt haben ſollten, berathſchlagte, ſtand Addington zwiſchen neuer Feind⸗ ſchaft und alter Erkenntlichkeit in der Mitte. Er erklärte, daß/ ohnerachtet er ſich ſeit einiger Zeit gegen das Verwaltungs⸗Sy⸗ ſtem Pitts ausgeſprochen habe, er doch glaube, daß die Nation dieſem großen Mann eine öffentliche Beſtattung auf Koſten des Staats halten und ihm zu Weſtminſter ein Denkmal errichten ſollte. For verließ das Miniſterium 1806, und Addington war ſein Nach⸗ folger. Ohne Zweifel müde, ſein Leben der Vertheidigung der Obergewalt zu weihen, fing er nun an, mit der Oppoſition zu ſtim⸗ men, ſprach zu Gunſten der Emancipation der irländiſchen Ka⸗ tholiken, und als der König hiezu nicht einwilligte, gab er ſeine Entlaſſung. Er wurde 1812, nach der Ermordung Percevals, zum Neue Biograph. I. 4 50 A ddington. Adelaide. Staatsſekretair des Innern ernannt, und unterſtützte von neuem die Rechte jener unglücklichen europäiſchen Parias*). Aber die Oppoſition wies aus ihrer Mitte einen Ueberläufer zurück, der ihr ärgſter Feind geweſen war. Seine Anhänglichkeit an die eigen⸗ mächtigen Befehle ſeiner Herren, die Suſpenſion der Habeas⸗ corpus⸗Akte, die fortdauernde Kraft des Martial⸗Geſetzes, das Syſtem geheimer Verhaftungen, waren noch im Andenken al⸗ ler. Addington, indirekt, aber lebhaft angegriffen, glaubte ſein miniſterielles Betragen rechtfertigen zu müſſen. Im Jahr 1820 bekleidete er noch ſein Amt. Adelaide(Madame) von Frankreich, älteſte Toch⸗ ter Ludwigs XV., Tante Ludwigs XVI. Achtungswerth durch ihre Sitten, ihre Frömmigkeit und Tugend, an einem Hofe, der wenig Beiſpiele dafür bot, in ihrer Jugend von allem Glanz um⸗ geben, den ihr Rang am Throne verlieh, brachte dieſelbe ihre letz⸗ ten Jahre in einem herumirrenden und unglücklichen Leben zu. Adelaide war zu Verſailles, am 3. Mai 1732, geboren, und lebte, gleich ihrer Schweſter Victoria, in enger Verbindung mit dem Kö⸗ nige und den Prinzen bis zum Anfang der Revolution. Sie beküm⸗ merte ſich wenig um Staatsſachen, obſchon ſie viele Gewalt über die Geſinnungen des Königs hatte. Dennoch ſah man ſie, als Ca⸗ lonne Miniſter war, ſich lebhaft den verführeriſchen Abſichten deſ⸗ ſelben widerſetzen, und mit allem ihrem Einfluß jene glänzenden Projekte, deren Leerheit die Erfahrung erwies, bekämpfen. Im Jahr 1791, erſchreckt von den Unruhen, die ſich verkündeten, be⸗ gehrte ſie vom König die Erlaubniß, mit ihrer Schweſter das Reich zu verlaſſen, welche ſie auch erhielt. Die Damen der Halle**) gingen, als ſie dieſen Entſchluß erfuhren, nach Bellevue, wo Ade⸗ laſde wohnte, und baten ſie inſtändig, den König nicht in dieſem kritiſchen Moment zu verlaſſen. Sie antwortete ausweichend, und ging mit Victorien den 19. Februar 1791, als der Tag ſich neig⸗ *) So heißen die Bewohner eines Landſtrichs von Reu⸗Andaluſten, im ſpaniſchen Südamerika. Die oft ſtiefmütterliche Behandlung derſelben von Seiten der Regierung, wird hier auf die Irländer bezogen. G. **) Bekanntlich die ſogenannten Poissardes(Fiſchweiber)/ und andere ihres Gelichters, welche in den geräuſchvollen und anarchiſchen Tagen der Revolution eine Rolle ſpielten. Sie ha⸗ ben den Namen von den Hallen oder Kaufhäuſern, wo der Markt gehalten wird. Sie erſchienen auch oft, wie hier, gut⸗ müthig. G. Adelalde. Adelaſio. 51 te, aus Paris. Sie hatten die Vorſicht gebraucht, ſich mit einem Atteſtate des Königs, und einer Erklärung der Pariſer Municipa⸗ lität zu verſehen, daß ſie, wie alle Franzoſen, das Recht hätten, das Königreich zu durchreiſen. Aber arretirt von der Municipali⸗ tät zu Moret(in der Isle de France), mit bewaffneter Hand von dem Chaſſeur⸗Regiment Hainaut*) befreit, von neuem zu Arnay⸗ le⸗Duc angehalten, konnten ſie ihren Weg nicht fortſetzen, als mit ausdrücklichen Befehlen des Königs und der Nationalverſammlung. Zu Rom, wohin ſie ſich anfänglich begaben, wurden ſie von S. H. ſehr wohl empfangen, und blieben lange in dem Palaſt des Kardi⸗ nals von Bernis. Im J. 1796 gingen ſie nach Neapel, wo ſie ſich in größerer Sicherheit glaubten. Ferdinand IV. nahm dieſe Da⸗ men in Caſerta auf; dort blieben ſie bis zum Einbruch der Franzo⸗ ſen im J. 1799. Damals ſlohen ſie nach Foggia, hierauf nach Ce⸗ rignol, und ſchifften ſich endlich zu Bari, auf einer ſchlechten Tar⸗ tane*⁵) ein, immer auf der Flucht und immer verfolgt. Sie lan⸗ deten zu Brindiſt, wurden von dem ruſſiſchen Admiral Utſchakow, der ihnen eine Fregatte zuſandte, nach Corfu übergeſetzt, und beſtie⸗ gen endlich ein portugieſiſches Schiff, welches ihnen die Kardinäle von York, Braschi, und Pignatelli ſchickten, um ſich nach Trieſt zu begeben. Mad. Victorie ſtarb den 8. Juni 1799, und ihrẽ Schweſter überlebte ſie nur um neun Monate. Adelaſto, ein Mailänder, der ſich zur republikaniſchen Par⸗ tei bekannte, erfuhr manchen Wechſel des Glücks während der Re⸗ volution ſeines Vaterlandes. Im Auguſt 1796 wurde er von dem ciſalpiniſchen Directorium zum Geſandten in der Schweiz ernannt, und im Juli 1798 ward er ſelbſt Mitglied dieſes Directoriums⸗ Als der franz. Miniſter Trouvé Aenderungen und Erneuerungen in der ciſalpiniſchen Regierung vornahm, erhielt er Adelaſio auf ſeiner Stelle, aber der neue Geſandte Fouché ſetzte ihn ab; doch wurde er bald wieder von dem franz. Directorium, welches dieſen letztern Agenten zurückrief, damit bekleidet. Als die Oeſterreicher, nach ihren Siegen über Scherer, die Lombardie beſetzten, verhaftete *) Ich kann nicht unbemerkt laſſen, daß dieſes das nachmalige 5te Regiment der Jäger zu Pferd iſt, welches durch ſeine Schönheit, Disciplin, regelmäßige Ordonnanz, und Tapferkeit, in allen bis⸗ herigen Kriegen Frankreichs vorzüglich berühmt war. Das De⸗ partement vom Donnersberg(Pfalz am Rhein) ſtellte dazu meh⸗ rere Rekruten. G. **) Ein unbedecktes, nur zweimaſtiges Schiff, das im Mittelmeeke gebraucht wird. G. ——— 52 Adelaſio, Adeler. man den Patrioten Adelaſio zu Mailand. So ſchien dieſer Erd⸗ ſtrich, der zwiſchen zwei mächtigen Nachbarn liegt, beſtimmt zu ſeyn, nur die Stürme, aber nicht den ruhigen Genuß der Freiheit, zu kennen. Adeler(Theodor), Schiffskapitän und Kammerherr des Königs von Dänemark, gehört zu einer der älteſten Familien dieſes Landes. Seine ſchwache Geſundheit nöthigte ihn, den Dienſt, noch jung, zu verlaſſen, und ſich auf eines ſeiner Landgüter zurückzuzie⸗ hen, wo er das Schickſal ſeiner Bauern verbeſſerte, indem er ſie⸗ die, wie es noch in einigen nordiſchen Staaten der Fall iſt, Leib⸗ eigene waren, zu Erbpächtern machte. Er ſchrieb ein Werk über den Ackerbau, das man in Dänemark ſehr ſchätzt und das ihm vom König die goldene Medaille erwarb. Seine Geſundheitsumſtände bewogen ihn, ſich in Frankreich niederzulaſſen. Nachdem er einige Monate in Paris verweilt, begab er ſich nach der Provence, deren Klima ihm vortheilhaft war, und lebte als Philoſoph auf einem Gute, das er ſich zwei Stunden von Avignon gekauft hatte. Be⸗ wohner des ſüdlichen Frankreichs achteten, bei der abſchenlichen Reaction d. J. 1815, nicht einen ſiebzigjährigen Greis, einen Fremden, der, während er unter ihnen war, ſeinen Nachbarn ſo oft Hülfe geleiſtet; ſie drangen bei ihm ein, plünderten und ver⸗ wüſteten ſeinen Wohnplatz; ja ſie übten, in ihrem factiöſen Wahn⸗ ſinn, Gewalt an ihm, und ließen ihn in ſeinem Blute ſchwimmend. Die Mörder ſtellten ihren Triumph dar, indem ſie ſich des Wagens und der Pferde ihres Schlachtopfers bemächtigten, und ſich deren öffentlich zu neuen Unternehmungen bedienten. Doch waren Ade⸗ ler's ſchwere Wunden nicht tödtlich. Er floh nach Avignon, wo er ſich verborgen hielt, und erſt nach der Verordnung vom 5. Sep⸗ tember des folgenden Jahrs, deren Einfluß ſo heilſam für ganz Frankreich war, kehrte er auf ſein Gut zurück. Unermüdet wohl⸗ thätig, fährt Adeler fort, ſeinen Nachbarn Lehren im Feldbau zu ertheilen, und ſeinen Mitbürgern Beiſpiele der Mäßigung und Tu⸗ gend zu geben. Er lindert, ſo viel es ihm möglich iſt, die Noth der Armen in den umliegenden Gemeinden. Sein Wohlthun er⸗ ſtreckt ſich ſelbſt auf alle nützliche Weſen. Er hat eine Art von Hoſpital für die Thiere ſeiner Meierei angelegt. Dies beſteht in einer großen Wieſe, mit einer Menge von Bäumen bepflanzt, wo die Pferde und Ochſen frei erhalten werden, wenn ſie krank ſind/ oder Alters wegen nicht mehr arbeiten können. Unter dieſen Thie⸗ ren fand er wenigſtens keine Undankbare. Adelon. Adelung. 53 Adelon(Nikolaus Philibert), Arzt zu Paris, geb. zu Dijon 1782, iſt, außer andern mediciniſchen Aufſätzen, durch ſeine Schrift über das Gall'ſche Syſtem berühmt. Er arbei⸗ tet gegenwärtig an einem großen Werke über Phyſiologie, und gibt mit dem Profeſſor Chauſſier eine neue Edition des wichtigen Buches von Morgagni: De sedibus et causis morborum, wovon der iſte Theil bereits erſchienen iſt. Adelung(Johann Chriſtoph), ein methodiſcher und umfaſſender Geiſt, ſtrenger Grammatiker, und großer Philoſoph*), war nicht, was Piron einen geſchworenen O iphthongen⸗ Wäger nennt; aber er wurde der Geſetzgeber ſeiner Mutterſpra⸗ che. Er beſaß die Gelehrſamkeit, welche die Materialien derſelben ſammelt, die Urtheilskraft, welche ſie ordnet, den Scharfſinn, der neue Reſultate aus ihnen zieht, und das Talent zum Analyſiren, das ſie auf die einfachſten und fruchtbarſten Redensarten zurück⸗ führt. Adelung wurde den 30. Auguſt 1734 zu Spantekow, in Pommern, geboren, beſuchte die Gymnaſien zu Anklam und Kloſter⸗ bergen(bei Magdeburg), und vollendete ſeine Studien auf der Univerſität Halle. Im J. 1759 wurde er Profeſſor am Gymna⸗ ſium zu Erfurt, ging aber zwei Jahre darauf nach Leipzig, wo er ſich ganz den philoſophiſchen Rachforſchungen widmete, die ihm ſo großen Ruf erwarben, und wodurch er der deutſchen Sprache und Literatur ſo nützlich wurde. 1787 ernannte ihn der Kurfürſt von Sachſen zum Bibliothekar**) in Dresden, in welcher Stadt er den 10. September 1806 ſtarb. Wenn die Thathandlungen ſeines Lebens leicht und kurz zu melden ſind, ſo iſt die Liſte ſeiner Geiſtes⸗ werke deſto länger, und ihr Verdienſt von der Art, daß es nicht *) Mit dieſem Titel ſcheint man freigebiger in Frankreich, als in Deutſchland, zu ſeyn. Da Adelung ſich nicht mit kritiſcher und abſtrakter Philoſophie beſchäftigte, ſo werden ihn gewiß manche deutſche Schulen nicht für einen Philoſophen gelten laſſen. Wenn aber klare Lebensweisheit, mit Gelehrſamkeit und tiefem Denken und Forſchen in der gewaͤhlten Wiſſenſchaft verbunden, Anſprüche auf dieſen Namen geben, dann verdient er ihn un⸗ ſtreitig. 1 **) Mit dem Hofraths Titel. Die eigenen, kenntnißreichen, Be⸗ merkungen der Verfaſſer ſprechen eine ſchöne, dem fremden Ta⸗ lente dargebrachte, Huldigung aus. „ 84 Adelung. obenhin gewürdigt werden darf. Sein vorzüglichſter Ruhm iſt jenes große grammatiſch⸗kritiſche Wörterbuch, wel⸗ ches zwar in einigen Punkten weit unter dem engliſchen von John⸗ ſon ſteht, in vielen andern jedoch ihm überlegen iſt. Bei dem Deutſchen findet man mehr Genauigkeit in den Definitionen, mehr Scharffinn bei Unterſuchung der Wort⸗Abſtammung, eine feinere und ſtrengere Metaphyſik in der Ordnung der Bedeutun⸗ gen, und faſt immer eine größere Wahrſcheinlichkeit der Etymolo⸗ gie. Hingegen hat der Engländer einen weit größern Vorzug in der Wahl der Schriftſteller, von welchen er ſeine Beiſpiele ent⸗ nimmt. Johnſon lebte in der Zeit, da die Addiſon, Hume und Drrden ſchrieben; die Sprache hatte ihre feſte Norm beinahe er⸗ langt, alles, was ſich von dem Londoner Dialekt entfernte, war provinciell und unzuläſſig. Es war alſo leicht, die Grenzen des Neologismus(Gebrauchs neuer Wörter) zu beſtimmen. In Deutſchland aber hatten die beſten National⸗Schriftſteller noch nichts bekannt gemacht, als Adelung ſich mit ſeiner Arbeit beſchäf⸗ tigte*). Die Biegſamkeit der deutſchen Sprache, die große Menge verſchiedener Mundarten, ihr freier Genius, machten dies Geſchäft nicht ſelten willkührlich, immer aber ſchwierig und ge⸗ wagt. Adelung, methodiſch und ſtreng, ausſchließender Anhänger des reinen meißniſchen Dialekts, erſchreckt von der großen Menge neuer Wörter, welche jeden Tag in ſo vielen entfernten Provinzen, bei ſo manchen ungebundenen Autoren, und durch die neuen Be⸗ dürfniſſe des Geiſtes und der Imagination entſtanden, zog einen viel zu engen Kreis um ſich, und war zu parteiiſch in der Wahl der Schriftſteller, welche er citirte, ſo wie in jener der von ihm gebilligten Redensarten und zugelaſſenen Worte. Voß und Campe werfen ihm dies mit weniger Schonung, als Recht, vor*). Wie *) Das Adelungiſche Wörterbuch erſchien von 1774 bis 1786, alſo lange nach der Morgenröthe unſerer Literatur, die ruhmwürdige Geiſter heraufgeführt hatten, und zu der Zeit, da mehrere jetzt noch lebende Schriftſteller ſchon klaſſiſch geworden waren. Dem⸗ nach wäre obige Bemerkung zu berichtigen. Wahr iſt freilich, daß ſeitdem der deutſche Styl an Beſtimmtheit, Leichtigkeit und Fülle ſehr gewonnen hat. G. **⁴) Dieſe Streitigkeiten ſind aus manchen gelehrten Zeitſchriften be⸗ kannt. Adelung nahm den meißniſchen Dialekt deswegen zur Grundlage, weil er am früheſten kultivirt und zur Bücherſprache gebraucht war. Er hat dadurch, bei ſeinen großen Verdienſten Adelung. 55 dem auch ſey, man kann ihn immer als das umfaſſendſte Genie be⸗ trachten, das ſich noch mit der trocknen, aber nothwendigen Baſis der Wiſſenſchaften, mit der Grammatik, beſchäftigte, die der Schlüſſel aller menſchlichen Kenntniſſe iſt, mit der aber die Gram⸗ matiker ſelbſt nur ſelten in das Heiligthum eindringen. Man ſollte ſagen, daß dieienigen Menſchen, welche dieſes Studium wählen, ſich dazu verdammen, ewig Schildwachen an den Pforten des Palaſtes zu bleiben und ſie kräftigern und geſchicktern Geiſtern zu öffnen. Adelung blieb nicht da ſtehen. Seine drei deutſchen Sprachlehren, die mehrmals gedruckt ſind, ſeine Abhand⸗ lung über den deutſchen Styl,(ein Glossarium m anuale ad scriptores mediaeet infimae lati⸗ nitatis,) offenbarten einen Mann, der den feinſten Mechanismus der Sprache kannte, der gewandt war in dem künſtlichen Theil der⸗ ſelben, oder, ſo zu ſagen, in der mechaniſchen Kunſt zu ſchreiben, geduldig genug, um in die trübſten und mit neueren Idiomen ver⸗ miſchten Quellen hinabzuſteigen, und hinlänglich geſchickt, ihre Kanäle und Abweichungen zu verfolgen. Mehrere andere Werke, wie ſein Beitrag zum Gelehrten⸗Lexikon und ſeine Tabelle aller Wiſſenſchaften, Künſte und Gewerbe, die zu den Bedürfniſſen des Lebens dienen, zeigten den verſtandvollen Mann, der in die Ge⸗ ſchichte der Literatur und Wiſſenſchaften jene praktiſche Philoſo⸗ phie, die ſo köſtlich und ſelten iſt, weil ſie gewöhnlich ſcheint, ein⸗ zuführen wußte. Endlich, nachdem er ſein Leben mit Nachdenken über die verſchiedenen Weiſen, deren ſich die Menſchen zur Aeuſſe⸗ rung ihrer Gedanken bedienen, zugebracht, entwarf er den Plan zu einem großen, dieſelben vergleichenden, Gemälde, um nämlich das für die Zergliederung der Sprache zu thun, was der gelehrte Adanſon(ſ. deſſen Art.) für alle materiellen Exiſtenzen ausfüh⸗ ren wollte. Schon wurde am erſten Theile dieſes großen Syſtems gedruckt, als der Tod den Autor überraſchte, und zwar in einem an dem Ufer der Elbe gepflanzten Weinberge, wo er ſeine Freunde verſammelt hatte, um mit ihnen ſeinen 74ſten Geburtstag zu feiern. Einige Tage zuvor war ein gleich berühmter Mann geſtorben, deſ⸗ ſen Genie, Charakter und Arbeiten mehr als eine Verwandtſchaft um die deutſche Sprachkunde, doch der Fülle und Kraft derſelben Eintrag gethan. Campe's Unterſuchungen waren eben ſo flei⸗ ßig und ausgebreiteter, und Voß erforſchte mit der ihm eignen Genialität die Quellen des niederſächſtſchen Idioms, wodurch be⸗ ſonders der poetiſche Ausdruck bereichert ward. G. Adelung. mit den ſeinigen haben. Dies war Adanſon. Beide, begabt mit einer grenzenloſen Geduld, hatten den Schmerz, das wichtigſte Werk ihres Lebens unvollendet zu laſſen. Aber Adelung fand in dem geſchätzten Linguiſten Vater in Königsberg einen, ſeiner würdigen, Fortſetzer. In dem erſten Theil dieſes Werkes, welches den Titel Mithridates führt, und worin Adelung die Aus⸗ beute ſeiner Forſchungen in den geſammten alten und neueren Spra⸗ chen niederlegen wollte, ſucht er die Wiege der menſchlichen Kul⸗ tur auf, welche er unter dem Himmel Aſiens findet, und die Ur⸗ ſprache, deren unverwerfliche Spuren er in dem älteſten und hei⸗ ligſten der Idiome, dem Sanskrit, zu erkennen glaubt. Der zweite Theil ordnet alle europäiſchen Sprachen in ſechs Haupt⸗Familien. Der dritte und vierte ſind den Sprachen Afrika's, Amerika's, und des Südmeers, gewidmet. Adelung's Erben haben Hrn. Vater die Manuſcripte jenes Gelehrten treulich zugeſtellt. Man darf nicht das edelmüthige Unternehmen des Buchhändlers Voß ver⸗ geſſen, welcher allein alle Koſten dieſes ungeheuern und bedenkli⸗ chen Werks auf ſich nahm. Je mehr die Gewohnheit, in dem Le⸗ ben einen einzigen Zweck— den Gewinn— zu ſehen, den Geiſt einengt und die Ideen niederdrückt, deſto bemerkenswerther ſind eine ſolche Kühnheit und Aufopferung. Adelung war fröhlich, ſelbſt jovial. Er liebte die foecundos calices, bei wel⸗ chen ſchon mehr als ein großer und talentvoller Mann Erholung von ſeiner Mühe und Flamme für ſein Genie gefunden hat. Sei⸗ nem, mit fremden Weinen reichlich verſehenen, Keller gab er den Namen: Bibliotheca selectissima. Er verheirathete ſich nie. Das Studierzimmer, ſagten ſeine Landsleute, iſt ſein Weib, und ſeine Kinder ſind 70 Bände von jeglichem Maaß/ welche ſeine fruchtbare Feder an's Licht gebracht hat. Adelung(Friedrich), Neffe des vorigen, geboren zu Stettin, ließ ſich in St. Petersburg nieder, wo er bei der Direk⸗ tion des deutſchen Theaters angeſtellt wurde, und auch auf eine eh⸗ renvolle Weiſe die philologiſchen Nachforſchungen ſeines Oheims fortſetzte. Er ward hierauf zum Lehrer der jungen Großfürſten er⸗ nannt, in den Adelſtand erhoben, und empfing vom Kaiſer Alexan⸗ der den St. Annen⸗Orden. Sein vorzüglichſtes Werk ſchrieb er über die in Rom(wo er ſich eine Zeit lang aufhielt,) befindlichen, aus der Heidelberger Bibliothek in die des Vatican gekommenen/ altdeutſchen Gedichte. Auch hat man von ihm eine Schrift über das Alter der nordiſchen Gedichte, und eine franzöſi⸗ ſche: Rapports entre la langue Shanskrite et la langue Adelung. Adet. 57 russe. Im J. 1811 legte er der Kaiſerlich⸗Ruſſiſchen Akademie eine ſehr ſchöne Sammlung von Manuſcripten über die verſchiede⸗ nen Sprachen der Welt, und vorzüglich über die in Aſien vor. Er verdankte einen großen Theil derſelben Hrn. Backmeiſter, der lange Zeit Bibliothekar der Akademie der Wiſſenſchaften zu Petersburg war*).. Adet(Peter Auguſt), Offtzier der Ehrenlegion, geb. zu Paris 1765, widmete ſich dem Stubium der Naturgeſchichte. Erſt war er Eleve der Artillerie⸗Schule, darauf Arzt, und wurde 1791 zum Secretär der erſten nach St. Domingo geſandten Commiſſion, ſpäter zum Verwaltungs⸗Chef der Kolonieen, und nach dieſem zum Beigeordneten des Marine⸗Miniſteriums unter Albarade, ernannt. Nach dem 10. Thermidor, 2. wählte ihn der Heils⸗Ausſchuß zum Mitgliede des Bergwerk⸗Raths, und ſandte ihn kurz darauf als Reſidenten nach Genf. Dort genoß er vorzügliche Achtung, und ging 1795 als bevollmächtigter Miniſter nach den vereinigten Staa⸗ ten Amerika's. Er war es, der 1796 dem Kongreſſe die dreifarbige Fahne von Seiten Frankreichs überreichte, und der im folgenden Jahre dem Staatsſecretär jene merkwürdige Note zuſtellte, worin das franz. Directorium ſich beklagte, daß die amerikaniſche Regie⸗ rung ihre Neutralität verletzen laſſe und von dem Tractat d. J. 1778 abgehe, und worin es erklärte, daß die Flagge der franz. Re⸗ publik jede andere Flagge eben ſo behandeln würde, wie dieſe es von den Engländern geſchehen ließe. Die Amerikaner hielten dieſe Erklärung dem Tractat von 1778 zuwider. Vorher war Adet, man weiß nicht, warum, abgerufen; das Directorium hatte ihn, ohne daß man die Motive kennt, in ſeinen Functionen wieder beſtätigt. Jetzt verkündigte er der amerik. Regierung, daß er Befehl habe, 3) Ueberdies gab Fr. Adelung eine metriſche Ueberſetzung des rö⸗ miſchen Idyllendichters Calpurnius, mit Anmerkungen. Den Werth derſelben hat ein Recenſent in der Jen. Lit. Zeitung aner⸗ kannt; doch rechnet er Hrn. A. mehr zu den ſubjoktiven, als 0 biektiv en Ueberſetzern, d. h. derſelbe hat dieſe Dichtungen mit Liebe, aber in einer ihm eignen Manier, und daher, trotz der beibehaltenen antiken Form, etwas paraphraſtiſch übertragen, an⸗ ſtatt ſich in Sinn und Ausdruck dem Original genau anzuſchmie⸗ gen. Sonſt nennt er dieſe Arbeit geiſtvoll, und im Grunde kön⸗ nen auch beide Arten gelten. Seitdem ſind noch einige Verdeut⸗ ſchungen jenes Bukolikers erſchienen. Auch Schreiber dieſes hat eine(noch ungedruckte), nebſt Erläuterungen, zu geben verſucht, ebenfalls im Versmaaße des Originals, und wenn auch nicht mit ängſtlicher Treue, doch mit Vermeidung der Paraphraſen. G. 58 Adet. Adhémar. ſein Amt zu ſuspendiren. Er konnte zwar nach Gefallen in Ame⸗ rika bleiben, oder nach Frankreich zurückgehen; aber er wählte das letztere, als er hörte, daß das Directorium den amerikaniſchen Geſandten Picknay, nicht angenommen habe. Im J. 1799 wurde er, mit St. Leger und Fréron, zum Commiſfär auf St. Domingo ernannt, ſchlug aber dieſe Stelle aus. Nach dem 18. Brumaire berief man ihn in das Tribunal, wo er Mitglied der Commiſſion der Saal⸗Inſpektoren wurde. Hier ſchlug er vor, die Wirkung der Contracte, welche über den Ankauf von Gütern in den Kolonieen, die während der Revolution verheert wurden, abgeſchloſſen waren., zu ſuspendiren. 1803 erhielt er die Präfektur des Departements von der Niévre, welche er ſechs Jahre verwaltete. Als man ihm darauf, wegen einer verläumderiſchen, von einem Miniſter Napo⸗ leons ohne Unterſuchung gegen ihn gerichteten Denunciation, an⸗ dere Verrichtungen gab, wählte ihn jenes Departement zum Kan⸗ didaten des geſetzgebenden Körpers. Er wurde hierauf vom Senat zum wirklichen Mitgliede deſſelben ernannt, und beſtieg nur ein ein⸗ zigmal die Rednerbühne(im März 1813), um der Kammer ein Werk ſeines Freundes Bouſſay: Ueber den Einfluß der Luft bei Krankheiten, anzupreiſen. Als Oberrath des Rechnungshofs focht er am 30. März 1814 unter den Mauern von Paris gegen den Feind, in der Eigenſchaft eines Grenadier⸗Sergeanten der Natio⸗ nal⸗Garde, und unterzeichnete den Akt, nach welchem der Rech⸗ nungshof der Abſetzung Napoleons beitrat. Im nämlichen Jahr ſaß er in der Deputirten⸗Kammer unter den Konſtitutionellen. Als Napoleon zurückkehrte, gab Adet den dringenden Bitten einer Deputation der Stadt Nevers nach, und ſchloß ſich an. Sonſt iſt dieſer Mann durch ein neues Syſtem chemiſcher Charaktere, das er mit Haſſenfratz aufſtellte, mehrere Schriften in dieſem Fach, und Ueberſetzungen, bekannt. Adhémar(von). Dieſe adeliche Familie, welche aus Florenz ſtammt, aber ſeit langer Zeit im Languedoer wohnt, hat der Revolution Kehr als ein Schlachtopfer geliefert. Johann von Adhémar war, als dieſes Ereigniß begann, Ludwigsritter und Obriſtlieutenant des Regiments Cambreſis. Im J. 1791 beſchul⸗ digte man ihn, er habe, im Verſtändniß mit 35 andern Perſo⸗ nen, die Citadelle von Perpignan den Spaniern überliefern wollen. Duſaillant, Chollet, er, und andere, wurden den 9. Januar 1792 vor das obere Nationalgericht in Orleans gezogen, und von da nach Verſailles gebracht, wo ſie aber den 9. Sept. 1792 ermordet wurden. Unter den Streichen der nämlichen Mörder fielen mit Adhémar. 59 Johann von Adhémar ſeine beiden Söhne Franz und Felir, Offiziere im Regiment Cambreſis, welche ihren Vater nicht hatten verlaſſen wollen.— Raimund von Adhémar ſank auch, aber un⸗ ter dem gerichtlichen Beil des Revolutionstribunals.— Der Graf Moritz Adhémar von Lantagnac, geb. den 12. Juni 1772, Page Ludwigs XVI., Zeuge des 5. Octobers 1789(ſ. die Tabelle), emigrirte im Sept. 1791 nach Koblenz, und diente unter dem Corps des Prinzen von Condé bis zu deſſen Auflöſung(1801). Als er aam 6. April 1814 nach Frankreich zurückgekehrt war, befand er ſich bei der Garde zu Pferd, welche Monſieur entgegenritt. Dieſer ſandte ihn nach Bordeaux zum Herzog von Angoulème, und er ward für dieſe gefahrloſe Miſſion mit dem Range eines Obriſten und dem Ludwigskreuze belohnt. Nach der zweiten Wiederein⸗ ſetzung des Königs wurde er zum Obriſten der Departemental⸗ Garde des Oberrheins ernannt. Sein Vetter, Joſeph, Graf Adhémar von Cianſa, Unterlieutenant im Regiment Vien⸗ nois, ging 1782 nach Amerika, wo er unter dem General Bouillé den Krieg mitmachte, kam wieder nach Frankreich, emigrirte 1792, kehrte unter Bonaparte zurück, der ihn zum Ordonnanz⸗ Gensd'armen ⁵*) ernannte, und an den er ſich beſonders anſchloß. Der Kaiſer gab ihm hierauf den Befehl über das 29. Jufanterie⸗ Regiment, den er bis 1814 behielt. In dieſem Jahr ernannte ihn der König zum Ludwigsritter, und gegenwärtig iſt er Obriſt vom Departement des Deux-Sévres.— Anton Friedrich Ludwig Adhémar von Colombier entging dem Unſtern der Zeit durch einen glücklichen Zufall. Er iſt zu Anduze, im Languedoe, geboren, war vor der Revolukion Artillerie⸗Haupt⸗ mann, und 1791 Kommandant der Nationalgarde von Anduze. Dieſen Poſten verließ er, um unter der activen Armee zu dienen, *) Dieſe ſind nicht mit der Polizei⸗Gensd'armerie(ehemals Maré- chaussée) zu verwechſeln. Napoleon errichtete im preußiſchen Kriege 1806 vier Eskadronen leichtberittener Gensd'armes d'Or- donnance, und auch eine Abtheilung derſelben zu Fuß. Sie waren ziemlich reich equipirt, und ſollten wahrſcheinlich bei der Kaiſerl. Garde die ehemaligen Königlichen Mousquetaires und Gardes du Corps vertreten. Mehrere zurückgekehrte Adeliche, und andere Sohne wohlhabender Familien, nahmen unter ihnen Dienſt. Unter den Chefs bemerkte man die Ducs de Montmo- rency und d'Alembert, den Grafen Choiseul etc. Auch der romantiſche Vertheidiger des Kaiſerthums, Carion de Nisas, war Oſfſtzier dabei. Nach dem Frieden von Tilſit wurde aber dieſes Corps wieder entlaſſen. G. 60 Adhémar. Adler. Adlung. L'Admiral. machte zwei Feldzüge am Rheiu, wurde 1793 ſuspendirt, zog ſich in ſeine Geburtsſtadt zurück, und blieb daſelbſt ruhig mitten unter den allgemeinen Flammen. Eine Ordonnanz vom 17. Juli 1817 ernannte ihn zum Kommandanten der königlichen Garde. Adler(Jakob Georg Chriſtian), ein Gelehrter, geb. im December 1756 zu Arnis, im Herzogthum Schleswig. Er konnte dem Verlangen, Rom, die Hauptſtadt der civiliſirten Welt, zu ſchauen, nicht widerſtehen, und eilte ſogleich nach Vollendung ſeiner Studien dorthin. Nebſt mehreren merkwürdigen Perſonen lernte er den Kardinal Borgia kennen, welcher ſelbſt auf eigene Koſten die Beſchreibung der vorzüglichſten Stücke des Adlerſchen Kabinets herausgab. Adler kam in ſein Vaterland zurück, wurde Profeſſor der ſyriſchen Sprache, 1788. Profeſſor der Theologie an der Univerſität zu Koppenhagen, und 1798 Schloßprediger zu Gottorp. Schon in ſeinem 17ten Jahre gab er eine Sammlung von Formeln und Verträgen, rabbiniſch, hebräiſch und deutſch, heraus. Später erſchienen von ihm, außer ſeiner Reiſe nach Rom, mehrere deutſche Reden, und manche Werke in lateiniſcher Spra⸗ che über orientaliſche Literatur, welche wohl der mittelmäßige Verſtand, als dunkel und beſchwerlich, nicht würdigen mag. Es ſind aber Materialien, welche die Geduld dem Genie bereitet⸗ und ohne ſie würde die Wiſſenſchaft nur in die Wolken oder auf Sand bauen. Adlung(Jakob), ein berühmter Organiſt, wurde zu Erfurt 1599 geboren, und ſtarb daſelbſt den 5. Januar 1792. Dieſer Mann hat ſeine Kunſt vorzüglich ergründet. D'Alembert hat Anfangsgründe der muſikaliſchen Wiſſenſchaft gegeben. Von Bemetzrieder beſitzt man eine vollſtändige Anweiſung. Aber die zwei Abhandlungen über Harmonie, in welchen die mißlichſten Fragen mit der größten Klarheit gelöſt ſind, gab Adlung, unter den Titeln: Einleitung in die muſikaliſche Wiſſen⸗ ſchaft, 1758 und die ſieben muſikaliſchen Sterne, 1768.— L Admiral(Heinrich) oder L'Amiral, geb. 1744 zu Augelot(Depart. Puy⸗de⸗Dome), von armen Aeltern, kam nach Paris, und war dort anfänglich Bedienter im Hauſe des Miniſters Bertin, durch deſſen Protection er in der Folge zum Director der Brüſſeler Lotterie ernannt wurde.— Admiral, der dieſen Platz durch die Revolution wieder verlor, und nicht wußte, wo er die Mittel der Selbſterhaltung finden ſollte, überdies der Ausſchwei⸗ ——————— ͤö——ʒ——— 2. L'Admiral. 61 fungen Robespierre's und Collot d'Herbois müde war, entſchloß ſich, dieſe beiden Deputirten zu opfern. Aber die Schwierigkeit, bis zu Robespierre zu gelangen, beſtimmte ihn, ſich nur an Collot d' Herbois zu halten. Er ſchoß nach dieſem, in der Nacht des 3. Prairial 2.(22. Mai 1794) zwei Piſtolen ab, welches großen Auf⸗ ſtand erregte. Sogleich verfolgte ihn die Wache und ein gewiſſer Schloſſer Geoffroi, welcher die Thüre des Zimmers, in das er ſich geflüchtet, einſtieß, und ihn feſthielt, nachdem jener ihn mit einem Schuß aus der letzten Piſtole, womit er bewaffnet war, verwundet hatte.— In dem Verhör erklärte l'Admiral, daß,„wenn ſein „Vorhaben, Robespierre und Collot d'Herbois zu ermorden, gelun⸗ „gen wäre, er die Republik würde gerettet und Frankreich befreit »haben, und daß er der Gegenſtand der Bewunderung und des Be⸗ „dauerns aller Welt würde geworden ſeyn.“ Dieſer Anſchlag wurde als ein Beweis der von Agenten des Auslandes gegen die Republik und die Volks⸗Repräſentanten gerichteten Conſpiration dargeſtellt. Den 26. deſſelben Monats gab der National⸗Convent, auf den Vorſchlag des Elias Lacoſte, ein Dekret, welches dem Revolutions⸗ Tribunal auferlegte, l'Admiral ohne Aufſchub zu richten, ſo wie auch die Jungfrau Renaud, 20 Jahre alt(welche ſich einige Tage vorher zu Robespierre begab, nur allein, wie ſie ſagte, um einen Tyrannen zu ſehen,) und 52 andere Helfershelfer und Mitſchul⸗ dige dieſer angeblichen Verſchwörung, worunter ſich zwei von den drei Sombreuil, Hr. von Sartines, Frau von St. Amaranthe, und Mad. Despréménil, befanden, Perſonen, die alle einander fremd waren. Als Admiral ſo viele Unglückliche ſah, konnte er den Ausdruck ſeines lebhaften Schmerzes nicht zurückhalten.„Wie „viele brave Bürger, ſagte er, ſind wegen mir in Gefahr geſetzt! „Dies iſt das größte Leid, das mich treffen konnte.“ Er beſtand darauf, daß er keinen Mitſchuldigen habe, und daß von allen de⸗ nen, die man ihm geliehen, Niemand ihm bekannt ſey. Dreizehn Tage nach jenem Dekret wurde er zum Tode verurtheilt. Als ſein Urtheil ausgeſprochen ward, ſang er mit ſtarker Stimme den Wie⸗ derholungs⸗Vers eines berühmten Liedes: Plutot la mort que l'esclavage! C'est la dévise des Francais ⁵*). *) Frangois de Reufchateau, der nachmalige Direktor und Miniſter, welcher durch mehrere Poeſieen, und namentlich auch durch eine Eviſtel an unſern Wieland, rühmlich bekannt iſt, dich⸗ tete dieſen ſchünen Freiheitsgeſang, der mit den Worten anfaͤngt: Vei llons au salut de l'Empire, NVeillons au maintien de nos droits! etc- G. 62 L'Admiral. Admyrauld. Adolph. Als er mit der Jungfrau Nenaud nach dem Richtplatze ging, ſagte er zu ihr:„Sie wollten einen Tyrannen ſehen? Sie hätten in „die Verſammlung des Convents gehen ſollen; dort würden Sie „ſolche von jedem Schlag erblickt haben.“ Das Schaffott war an der Thron⸗Barriere aufgeſchlagen. Seine 53 Mitangeklagten wurden vor ihm hingerichtet; dieſe Handlung dauerte 38 Minuten. Als die Reihe an l'Admiral kam, ſtellte er ſich dreiſt hin.„Ich „allein habe mein Vorhaben gefaßt“, waren ſeine letzten Worte. „Ich wollte meinem Vaterlande dienen.“ L'Admiral war ein ner⸗ viger Mann, von mittler Größe. Er hatte einen ſtrengen Blick, ein mageres Geſicht, und eine ſichere Haltung. Dabei beſaß er Feſtigkeit des Charakters, die ſich nicht widerlegt hat. Admyrauld(Julian Ludwig), Handelsmann, wurde 1814 vom Departement der Nieder⸗Charente in das geſetzgebende Corps gewählt, und ſaß von der Zeit an unter den Konſtitutionel⸗ len. Am 19. November erhob er ſich in einer Rede gegen das Douanen⸗Syſtem, und gegen jenen Eroberungsgeiſt, welcher alle Grundlagen desöffentlichen Glücks entſtelle. Er erhielt darauf wegen Familien⸗Geſchäften Ur⸗ laub, und wurde 1845 in die Deputirten⸗Kammer gewählt, wo er ſich unter der liberalen Minderzahl befand. 1816 ward er zum Commiſſär ernannt, um den Vorſchlag des Dugus in Betreff des Bergbaus zu unterſuchen. Immer ſaß er auf der linken(libera⸗ len) Seite, machte verſchiedene nützliche Anträge, und lenkte, in einer merkwürdigen Rede, die Aufmerkſamkeit der Kammer auf das Seeweſen. Et vertheidigte das Kolonial⸗Syſtem, und bewies den vortheilhaften Einfluß des Seehandels auf das öffent⸗ liche Wohl. Auf den Vorſchlag Laſitte's, unter die Actionäre der Bank die zurückgelegten und ſtockenden Fonds zu vertheilen, machte er darüber einen günſtigen Bericht, der jedoch unr mit mehreren Aenderungen angenommen wurde. In der Sitzung d. J. 1820 ſprach ſich Admyrauld ſtark für die Erhaltung des Wahlgeſetzes aus, und hielt über dieſen Gegenſtand eine Rede, welche ſich ſo⸗ wohl durch das Gewicht der Beweisgründe, als durch die Kraft des Vortrags, auszeichnete. Adolph(Prinz), Sohn des Königs von England, focht in früher Jugend gegen Frankreich. Er war 1793 bei der engli⸗ ſchen und hannöverſchen Armee angeſtellt, und kommandirte im März zwei Kolonnen Hannoveraner, an der Spitze des kombinit⸗ ten Heers. Bei dem nächtlichen Rückzuge am 6. September * Adolph. Adolphus. 63 1793*) ſchlug er ſich wüthend, und fiel den franzöſiſchen Truppen in die Hände. Eine hannöveriſche Patrouille verirrte ſich, und kam durch das Dorf Respoede, wo man ihn bewachte. Vereint mit einem Regiment der hannöverſchen Garden, welches der Gene⸗ ral Wallmoden eiligſt verſammelte, befreite ſie den Prinzen, der bei jenem Vorfall zwei leichte Säbelhiebe erhalten hatte. Er zählte damals nur 19 Jahre. Adolphus(John), geb. zu London im Aug. 1768, ſtammt von einer alten ſächſiſchen Familie ab. Einer ſeiner Voreltern kam mit Wilhelm III. nach England, und wirkte zu dem neuen Syſtem dieſes Monarchen thätig mit. Sein Großvater, Leibarzt Friedrichs des Großen, theilte deſſen philoſophiſche Meinungen, und gab einige ziemlich kühne Werke heraus, unter andern eine Geſchichte der modernen Teufel, welche ſehr günſtige Aufnahme fand. John Adolphus war noch ſehr jung, als man ihn in Staats⸗Geſchäften nach der Inſel St. Chriſtoph(in Mit⸗ telamerika) ſandte. Nach ſeiner Rückkunft in England legte er ſich auf die Rechtsgelehrſamkeit, erhielt einen großen Ruf als Advokat, und widmete ſich dabei der Literatur. Er gab mit Coxe die Denkwürdigkeiten des Sir Robert Walpole heraus. Unter ſeinen Werken über Geſchichte und Staatswirthſchaft bemerkt man ein ſehr fleißig und mit ſeltener Unparteilichkeit geſchriebenes, betitelt: Biographiſche Denkwürdigkeiten der franz. Revolution, 1799. Eben ſo: Geſchichte Englands, ſeit der Thronbeſteigung Georgs III. bis zum Frieden von 1773.(Wird ins Franz. überſetzt.)) Betrachtungen über die Urſache des gegenwärtigen Bruchs mit Frankreich, 1803. Geſchichte Frankreichs, ſeit 1791 bis zum Frieden von Amiens. 4 Thle. Letzteres iſt ein zu eilig und mit weniger Genauigkeit, als der Gegenſtand erfordert, verfaßtes Buch. Fer⸗ ner hat er ein großes Werk über Englands Beſitzungen, Handel, Geſetze, Einkünfte ꝛc. geſchrieben. Außerdem hat man von ihm eine Menge politiſcher Flugſchriften. Auch in dieſen findet man immer den genauen Hiſtoriker, den beredten Advokaten, den edel⸗ müthigen Vertheidiger Thiſtlewoods und ſeiner Mitſchuldigen— *) In der Schlacht bei Hondscoote, welche der Gen. Houchard gegen die Engländer und Oeſterreicher gewann, ſo daß ſie die Belage⸗ rung von Dünkirchen aufheben mußten. Die franz. Kavallerie zeichnete ſich hier beſonders aus. Auch der hannöver. General Freitag war gefangen, und wurde wieder befreit. G. 64 Adolphus. Adomé. Adorus. Adriam. den Mann, der, obſchon er durch ſeine Stellen und Meinungen der Regierung angehört, doch kühn ſeine Stimme für die Unglück⸗ lichen, die von ihrer eignen Partei verlaſſen waren, erhob. Adomé, Neger aus Cayenne, hatte ſich an die Spitze der Inſurrection geſtellt, welche in der Nacht vom 4.— 5. Februar 4794 ausbrechen ſollte, und in welcher die Neger vom Lande, ver⸗ eint mit denen in der Stadt, alle Weißen zu erwürgen beſtimmt waren. Mohrere ſalutirende Kanonenſchüſſe im Hafen ſollten das Signal zu dieſer Unternehmung geben. Aber die Verſchworenen hatten ſich verrechnet, und der Angriff, ſtatt allgemein zu ſeyn, geſchah nur auf einigen Punkten. Die Einwohner konnten nun noch zeitig zu den Waffen greifen und ſich wehren. Sie er⸗ fochten den Sieg. Adomé ward gefangen, entwaffnet, und er⸗ ſchoſſen. Adorus(Don Antonio), Advokat zu Madrid, wo er geboren iſt, wurde von da(1792) verwieſen, weil er die Grund⸗ ſätze der franzöſiſchen Revolution in ſeinem Lande verbreiten wollte. Eine wahre oder vorgebliche Wiederkehr zu den Maximen der Monarchie bewirkte ſeine Zurückberufung; aber bald offen⸗ barte er von neuem ſeine liberalen Meinungen. Im J. 1811 wurde er zum Deputirten bei den Cortes ernannt, und ſprach ſich eben ſo kräftig gegen Napoleon aus, als er und ſeine Anhänger feſt verlangten, daß man Ferdinand VII. nicht als Staats⸗Ober⸗ haupt annehmen ſolle, ehe er der Konſtitution den Eid geleiſtet habe. Als Ferdinand in ſeine Staaten zurückkehrte, verſchwand Adorus, ohne daß man wußte, was aus ihm geworden war. Man behauptete, er wäre in dem Thurm von Segovia, eingeker⸗ kert. Wenn er wirklich ſeiner Freiheit beraubt ward, ſo mußte er auch der Wohlthaten einer Revolution theilhaftig werden, welche jene Schlachtopfer für alle erlittene Verfolgungen auf ſo edle Weiſe entſchädigt hat. Adriam(Narie), ein junges Mädchen aus Lyon, kaum 16 Jahre alt, zog, als dieſe Stadt 1793 von den Convents⸗Trup⸗ pen angegriffen und von ihren Einwohnern vertheidigt ward, Mannskleider an, und diente während der ganzen Belagerung als Kanonier. Ihr tapferes Betragen und ihre Ergebenheit wurde ſelbſt unter den Männern, die zu jener denkwürdigen Epoche da⸗ von die ausgezeichnetſten Proben gaben, bemerkt. Als ſie nach der Belagerung verhaftet und zum Tode verurtheilt wurde, fragte einer der Richter:»„Wie? Sie konnten den Gefahren des Kriegs Adriam. Adry. Aepinus. Aerel. 65 „Krotz bieten und gegen Ihr Vaterland die Waffen ergreifen?«— »Ich habeiſie ergriffen, war ihre Antwort, um ihm zu dienen und ves von ſeinen Unterdrückern zu befreien. 41 37 33 Adry(Johannes Felieiſſimus), geb. zu 1Ietlote bei Auxerre, 1749, widmete ſein ganzes Leben philologiſchen und bibliographiſchen Arbeiten. Er war Bibliothekar der Congrega⸗ tion des Oratoriums, in der Straße St. Honors, und verlor durch die Revolution dieſe Stelle. Seitdem privatiſt rte er, lie⸗ ferte gelehrte Beiträge zu dem encyklopäͤ diſchen Journal und encyklopädiſchen Mag azin, und gab intereſſante Vor⸗ berichte und merkwürdige Supplemente zu mehreren ſeiner Ausga⸗ ben alter und neuer Autoren. Er ſtarb vor einigen Jahren. L — Aepinus(Franz Maria Ulrich Theodor), einer derjenigen Männer, die ſich mit dem größten Erfolg auf mathema⸗ tiſche und phyſf ſche Wiſſenſchaften lehten, wurde zu Roſtoek, delr 13. Dee. 1724 geboren, und ſtarb zu Dörpt, in Lieffand, im Aug. 1802, 78 Jahre alt. Einer der kühnſten Verfuche der menſchli⸗ chen Geduld und Wiſſenſchaft bleibt immer der, jene elektriſche Gewalt, die ſo fruchtbar an Phänomenen, ſo heftig, ſo myſte⸗ riös, und ſo wenig gekannt iſt, gleichwie die magnetiſche Kraft, deren Beziehungen mit der Elektricität noch ein Geheimniß ſind, einer genauen Berechnung g zu unterwerfen. Aepinus waͤgte dieſes Unternehmen. Wenn es auch nicht vollkommen gekang, ſo bleibt ihm doch die Ehre, die Theprie der Elektricität in? Betreff des Flui⸗ dums und ſeiner Verbreitung auf der Oberfläche der Körper er⸗ gründet, ſo wie durch ſeine Berechnung manche neue Arten von Experimenten, 3. B. mit dem Elektrophor(Blitzſtoff⸗Träger) und der Luftverdichtungs⸗Maſchine, entdeckt zu haben. Dieſer beſcheidene Gelehrte hat mehrere ſchätzbare Werke über ſeine Wiſ⸗ ſenſchaft hinterlaſße en. Aerel Olaus), ſchwediſcher Arzt und Chirurg, wurde bei Stockholm, zu Anfang des 18. Jahrhunderts, geboren. Er ſtudirte Chirurgie zu Upſal und Stockholm, durchreiſte mehrere Länder, und kam, nachdem er zwei Jahre als Wundarzt bei der franzöſiſchen Armee gedient, in ſein Vaterland zurück, wo ſein Fleiß und ſeine Talente ihm bald einen großen Ruf und wichtige Stellen erwarben. Er wurde zum General⸗Direktor aller Hoſpi⸗ täler des Königreichs, zum Ritter des Waſa⸗Ordens, und bald darauf zum Commiandeur deſſelhen ernannt. Man verdankt ihm neue Ideen, Hoſpitäler in den Feldlägern a1. bei Dden Armeen Neue Biograph. I. 66 Acrel. Affry. zu errichten, und manche andere vortreffliche chirurgiſche Schrif⸗ ten. Aerel ſtarb ſehr alt im JF. 1807. Er war zugleich Doetor bei der Univerſität Upſal, Mitglied der Stockholmer Akademie der Wiſſenſchaften, und auswärtiges Mitglied der chirurgiſchen Akademie zu Paris. Affry(Ludwig Auguſt Auguſtin), Sohn des Franz von Affry, Generallieutenants in franzöſiſchen Dienſten, aus einer der älteſten Familien Freiburgs, trat jung unter das Heer, und ein großer Theil ſeines Lebens war kriegeriſch. Er wurde 1713 zu Verſailles geboren, und befand ſich 1734, als Hauptmann un⸗ ter den Garden, zu Guaſtalla, wo ſein Vater getödtet ward*). In den Feldzügen von 1746, 1747 und 1780 bewies er eine Ta⸗ pferkeit, die ihm den Grad eines Marechal⸗ de⸗Camp erwarb. 1755 wurde er bei den Generalſtaaten Hollands, anfangs als auſ⸗ ſerordentlicher Bevollmächtigter, hierauf als Geſandter des Königs von Frankreich beglaubigt. Er diente 1762 bei der im Heſſiſchen ſtehenden Armee als General⸗Lieutenant, und ward 1781 Obriſt der Schweizergarde. In dieſer Eigenſchaft kommandirte er 1789 die zur perſönlichen Bedeckung Ludwigs XVI. beſtimmten Regi⸗ menter. Muthig ſchützte er ihn an den gefahrvollen Tagen des F. und 6. Octobers. Aber nach der Abreiſe dieſes Fürſten glaubte er ſich ſeiner Pflichten gegen ihn entbunden, und bot der Natio⸗ nalverſammlung ſeine Dienſte an. Obſchon ſeit Anfang 1792 den politiſchen Ereigniſſen fremd, wurde dieſer Greis doch in die Ver⸗ haftungen während des Auguſts verwickelt; wunderbar entging er den Niedermetzelungen im September, und zog ſich auf ſein Schloß im Waadtlande zurück, wo er kurze Zeit darauf ſtarb.— Der Graf d'Affry war einer der vorzüglichſten Männer der höheren Geſell⸗ ſchaft, worin er, bis an's Ende ſeines Aufenthalts zu Paris, eine Art Diktatur übte, ſey es nun wegen der Dienſte, die ſein mili⸗ täriſches und politiſches Leben auszeichneten, oder wegen der be⸗ ſondern Protection, womit er immerfort Gelehrte und Künſtler beehrte, oder auch wegen des hervorſtechenden Reizes ſeiner licht⸗ vollen und weiſen Unterhaltung, in welche er, mit der ihm eigen⸗ thümlichen Anmuth, die Erinnerungen an die beiden königlichen Regierungen und an die Männer der erſten Klaſſe jeder Art, mit denen er gelebt hatte, zu miſchen wußte. *) Er focht an der Spitze des Infanterie⸗Regiments du Roi. Der tapfere Ludwig Auguſt war ſein einziger Sohn. S. die Histoire militaire des Suisses, deren Verfaſſer der Baron von Zur⸗ lauben, Hauptmann in der Schweizergarde, war. G. —— Affry.. 67 Affry(Ludwig Auguſtin Philipp, Graf von), bewies in ſeinem ganzen Lebenslauf, daß Klugheit, Fertigkeit, Weltkenntniß und feiner Takt weit mehr zum perſönlichen Fort⸗ kommen dienen und die delikaten Geſchäfte der Politik beſſer ver⸗ richten, als vorzügliche Talente, wiſſenſchaftliche Kenntniſſe und Genie. Er war der Sohn des Generals Grafen d Affry, und wurde zu Freiburg 1743 geboren. Frühzeitig zum Militärdienſte be⸗ ſtimmt, begleitete der Graf ſeinen Vater nach dem Haag als Ge⸗ ſandtſchaftsjunker, und wurde alsdann Aide⸗Major*) der Schwei⸗ zergarden, Hauptmann, Brigadier, Marechal⸗ de⸗Camp, und Ge⸗ neral⸗Lieutenant. In letzterer Eigenſchaft befehligte er die Ar⸗ mee am Oberrhein bis zum 10. Auguſt 1792 und zog ſich nach der Abdankung der Schweizer Truppen in ſein Vaterland zurück**). Er ward Beigeordneter des geheimen Raths von Freiburg, und 1798 Befehlshaber der Militärmacht. Letzteres war ein mißlicher Poſten zu einer Zeit, da innere Bewegungen die Schweiz plagten und ihr zugleich ein fremder Einbruch drohte. Dieſe beiden Un⸗ glücksfälle kamen wirklich auf das Land. D Affry wandte alle Mittel an, welche ihm die Klugheit eingab, um ihre Folgen ab⸗ zuwenden. Als die franzöſiſchen Truppen Freiburg beſetzten, wurde er Mitglied der proviſoriſchen Regierung. Aber eine allgemeine Maasregel ſchloß ihn hernach von jedem öffentlichen Dienſt aus, und er bekleidete während der Schweizer Revolution keine Stelle. Dennoch verband er ſich zu keiner Intrigue wider die Regierung, welche ihn entfernte, und blieb den Inſurrectionen von 1801 und 1802 fremd. Er wurde zum Deputirten nach Paris ernannt, als Napoleon ſich den Kantonen als Vermittler anbot. Allgemein be⸗ trachtete man ihn als den Mann, der am tauglichſten ſey, alle Parteien und Meinungen wieder zu vereinigen und der Sache des Vaterlandes wahre Dienſte zu leiſten. Begabt mit verträglichem Geiſt, und mit der Annehmlichkeit der Sitten den Scharfſinn des Hofmanns, mit der Gewohnheit, bedenkliche Geſchäfte zu behan⸗ *) Was jetzt bei der franz. Armee Adjudant⸗Major oder Bataillons⸗ Adjudant heißt, der Kapitäns⸗Nang und einen Unteroffizier⸗Ad⸗ judanten als Beigeordneten hat. G. **) Im Anfang des Nevolutionskriegs dienten noch Schweizerregi⸗⸗ menter, ſie wurden aber, weil man keine fremde Truppen haben wollte, noch 1792 entlaſſen. Die ſchöne und tapfere Garde ſiel bekanntlich zum Theil als Opfer ihres Muths und ihrer Treue⸗ als ſie am 10. Auguſt die königliche Familie gegen einen wüthen⸗ den Volkshaufen vertheidigte. G . —————n— 68 Affry. deln, ein freimüthiges Aeuſſere verbindend, bewahrte er ſich Ver⸗ kehr in allen Parteien. Bonaparte zeichnete ihn unter den Depu⸗ tirten Helvetiens aus, und ihm vertraute er die Vermittlungs⸗ Akte vom 19. Februar 1803 an, ſo wie die beſchwerliche Sorge, den ſeit langer Zeit verbannten Frieden wieder herzuſtellen, jegli⸗ chen Haß zu dämpfen, und alle Intereſſen zu vereinigen. D Affry ward für dieſes Jahr zum Landamman gewählt, und, bis zur Verſammlung der Tagſatzung, mit außerordentlicher Gewalt be⸗ kleidet. Als er in die Schweiz zurückgekehrt war, wählten ihn ſeine Mitbürger zum Schultheißen von Freiburg, und Ehrenämter bezeichneten den ganzen übrigen Theil ſeines Lebens. Bei der Krö⸗ nung des Kaiſers legte er dem neuen Monarchen die Glückwünſche Helvetiens dar. Im Anfang des Feldzugs von 1807*) wurde er von ſeinen Mitbürgern deputirt, um Napoleon das Intereſſe der Schweizer Neutralität zu empfehlen. 1810 neuerdings abgeſandt, um dieſem Fürſten bei ſeiner Vermählung mit der Erzherzogin Ma⸗ rie Louiſe aufzuwarten, wurde er mit Gunſtbezeugungen überhäuft, empfing glänzende Geſchenke, und das große Band der Ehrenle⸗ gion. Er wollte der Berner Tagſatzung von ſeiner Sendung; Be⸗ richt abſtatten, als ihn der Schlag traf, worau er den 26. Juni deſſelben Jahrs ſtarb. Affry(Karl vor, Sohn des Landammans, betrat mit Ehre die Laufbahn der Waffen. Er nahm frühzeitig Militärdien⸗ ſte, und entging der Niedermetzelung am 10. Auguſt nur durch einen glücklichen Zufall, der ihn in der Normandie zurückhielt; denn er war dort als Lieutenant, an der Spitze einer Abtheilung ſeines Corps, geblieben**). Als Obriſt eines Schweizer⸗Regi⸗ ments machte er 1812 den Feldzug nach Rußland mit, und ward zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Im September 1814 em⸗ pfing er vom Könige das Ludwigskreuz, und ſechs Monate darauf von Monſteur das Brevet als Kommandant der Ehrenlegion. Den 22. März 1815, zwei Tage nach der Rückkehr Napoleons, erhielt er den Befehl, am folgenden Tage bei der Parade zu erſcheinen. Aber er glaubte ſich vorher zu dem General von Caſtella begeben *) Soll vermuthlich heißen 1809. G. **y) Wahrſcheinlich befand ſich bei dieſen in der Normandie ſtehenden Schweizer Truppen auch das Reaiment Salis⸗Samade, bei wel⸗ chem der liebenswürdige Dichter J. G. von Salis als Offtzier diente. Den Freunden der Poeſie iſt die ſchöne Monorie am Meere bei Havre de Gracc bekannt, welche er ſeiner fer⸗ nen Geliebten weihte. G. Affry. Agar. 59 zu müſſen, dem der König am 19. den Befehl uͤber die vier Schwei⸗ zer Regimenter ertheilt hatte. Dieſer General verbot ihm und allen übrigen Offzieren, im Schloſſe zu erſcheinen, und wirklich kam auch keiner dahin. Die vier Regimenter gingen ab, um in ihr Land zurückzukehren, und Karl von Affry mit ihnen. Wäh⸗ rend den 100 Tagen kommandirte er bei Baſel eine Diviſion der Schweizer Bundesarmee, drang mit derſelben in Frankreich ein⸗ und beſetzte Pontarlier. Er war nicht mehr im Dienſte Frankreichs. Der Kaiſer von Oeſterreich gab ihm das kleine St. Leopoldskreuz, und Ludwig XVIII. ernannte ihn darauf zum Marechal⸗de⸗Camp und Obriſten eines der zwei Garde⸗Regimenter. Er ſtarb 1818 in der Schweiz, während er auf Urlaub war.— Agar(Johann Anton Michael), Graf von Mos⸗ burg, geb. in dem Departement vom Lot(im ſüdl. Frankreich), 1771, Advokat und Profeſſor zu Cahors, folgte 1801 der Glücks⸗ bahn ſeines Landsmannes, des Generals Murat, und begab ſich zu der Armee, welche dieſer im Toskaniſchen kommandirte. Man be⸗ auftragte ihn mit einer Sendung in Betreff der Organiſation die⸗ ſes Großherzogthums, welches der erſte Konſul Bonaparte zum Kö⸗ nigreich für einen ſpaniſchen Prinzen des Hauſes Bourbon um⸗ ſchuf*). Agar ward kurz nachher in Geſchäften der Conſulta in Lyon ſowohl, als in Mailand, angeſtellt. Er wurde 1802 Präſi⸗ dent des Oberraths ſeines Departements, und 1804 Mitglied des geſetzgebenden Corps. Im folgenden Jahr lud Murat, der Prinz geworden war, Agar ein, ihn auf dem glänzenden Feld⸗ zuge gegen Oeſterreich zu begleiten. Man kann ſich eine Bemer⸗ kung, die jenen Zeitpunkt charakteriſirt, nicht verſagen. Agar glaubte, auf ſeine Vollmacht als Deputirter Verzicht leiſten, und den General im Koſtüm eines Geſetzgebers begleiten zu können. Als Joachim Murat zum Großherzog von Berg und Cleve ernannt war, vertraute er ihm die Verwaltung dieſer Staaten an, und wollte ihn ſelbſt ſeiner Familie nahe bringen, indem er eine ſeiner Nichten mit ihm vermählte. Die Grafſchaft Mosburg wurde Agar zugleich als Lohn für ſeine Dienſte verliehn. Als Joachim den Thron von Reapel beſtieg, ward der Graf von Mosburg mit dem Finanz⸗ Miniſterium dieſes Königreichs beauftragt. Die Ereig⸗ niſſe d. J. 1814, welche den König von Neapel bewogen, ſich ge⸗ .») Nämlich für den Prinzen von Parma, welcher daſſelbe(und nach 2 deſſen Tod ſeine Gemahlin) unter dem Namen des Konigreichs He⸗ trurien regierte. G. 70 Agar. Agier. gen Frankreich zu erklären, und die von 1845, die ihn zwangen, ſich gegen Oeſterreich zu rüſten, machten die Stellung des Grafen von Mosburg ſehr ſchwierig. Joachim, zu einem übeln Rückzuge gezwungen, dachte endlich an das Hülfsmittel einer liberalen Kon⸗ ſtitution, welches die Liebe ſeiner Völker zu ihm wieder erwecken könnte. Mosburg ſollte dieſelbe während dieſes Rückzugs entwer⸗ fen. Aber das Unglück wollte, daß ſie am Morgen des nämlichen Tages bekannt gemacht wurde, als Joachim genöthigt war, ſeine Hauptſtadt und ſein Reich zu fliehen, und ſich zu ſpät erinnerte, daß Frankreich ſein Vaterland geweſen. Mosburg blieb zu Neapel bei der Königin und ihren Kindern, welche er nach Trieſt beglei⸗ tete, und im September 1815 ging er nach Frankreich zurück. Erſt in Paris erfuhr er, daß derjenige, dem er 15 Jahre lang gedient, nach Korſika entflohen ſey und darauf ein trauriges Ende in Kala⸗ brien gefunden habe. Als der König von Preußen Herr von Berg und Cleve geworden war, glaubte der Graf von Mosburg, ſich, zur Anſprechung ſeines ſequeſtrirten Eigenthums nach Berlin bege⸗ ben zu müſſen.— Der glücklichſte Erfolg entſprach dieſem Schrit⸗ te, auf den er wahrſcheinlich keine große Hoffnung geſetzt hatte. Die Wiederherſtellung der Grafſchaft Mosburg im Herzogthum Cleve iſt die einzige bekannte Ausnahme von dem Alienations⸗Sy⸗ ſtem, welches das Berliner Kabinet gegen alle franzöſiſche Schen⸗ kungen angenommen und ausgeübt hat. Agier(Johann Peter), Rechtsgelehrter, Ritter der Ehrenlegion(Vetter von Karl Guy Franz Agier), iſt zu Paris ge⸗ boren. Er betrat die juridiſche Laufbahn, und war darin vortheil⸗ haft bekannt, als die Revolution eine neue Ordnung der Dinge ankündigte. Die im Studium des Rechts erfahrnen Männer zeich⸗ neten ſich faſt alle durch ihre Anhänglichkeit an die Reformen aus/ die auf den Grundſätzen der Ordnung und Gerechtigkeit ruhten. Agier war einer derſelben. Er ward 1789 zum Ergänzungs⸗De⸗ putirten von Paris bei den General⸗Ständen, und zum Mitglied . der Gemeindekammer am 14. Juli, ernannt, und trat den 18. November deſſelben Jahrs in den Unterſuchungs⸗ Ausſchuß, worin er ſich durch ſeine Mäßigung und Unparteilichkeit bemerklich machte. Ohne Zweifel waren es die Erinnerungen an dieſes ehrenvolle Be⸗ tragen, und die hohe Idee, welche man von ſeinem Charakter und ſeinen Grundſätzen hatte, die ſeine Aufnahme unter die Kandida⸗ ten für die Hofmeiſter⸗Stelle bei dem Dauphin, der damals kö⸗ niglicher Prinz genannt wurde, veranlaßten. Gegen Ende d. F. 1790 ward er zum Richter des zweiten Pariſer Bezirks ernannt. Agier. 71 Die Biographie der noch lebenden Maͤnner behauptet, er habe 1791 eine Reiſe nach London gemacht und daſelbſt einer Sitzung der revolutionären Geſellſchaft beigewohnt. Wir ſind ge⸗ wiß, daß dieſes unwahr und Agier niemals nach England gekom⸗ men iſt. Einige Jahre lang den Geſchäften fremd, wurde er 1795 zum Präſidenten des Revolutionstribunals, das damals völlig er⸗ neuet war, gewählt. Liger von Verdigny, jetzt Mitglied des Kaſ⸗ ſationsgerichts, war Vice⸗Präſident, und Agier hatte den Vor⸗ ſitz, als Fouquier⸗Tinville und ſeine Mitſchuldigen auf das Schaf⸗ fott geſchickt wurden(S. die Tabelle). Als er 1796 zum Ober⸗ geſchworenen ernannt und durch das Loos als Suppleant bei dem hohen National⸗Gerichtshof, vor welchen man Babeuf und ſeine Mitangeklagten zog, bezeichnet ward, verweigerte er bei der erſten Sitzung dieſe Stelle aus der Urſache, weil ihn früher die Beſchul⸗ digten auf die Liſte der Proſcribirten geſetzt hatten.“ Dieſe, auf die lobenswertheſten Motive gegründete Weigerung wurde nicht an⸗ genommen. Unter der Konſular⸗Regierung erhielt Agier zwei Ernennungen, die eines Appellations⸗Richters und die eines Prä⸗ ſidenten am Kriminalgericht. Beide Stellen waren vereinigt. Er nahm nur die erſtere an, weil, wie er einwandte, ihn weder ſeine Neigung, noch ſeine Geſundheitsumſtände zur letzteren eigneten; und der Miniſter nahm Rückſicht auf ſein Begehren. Bald her⸗ nach wurde er Vice⸗Präſident des Appellarionsgerichts. Im Ja⸗ nuar 1816 beſtätigte man ihn in der Präſidentenſtelle am königli⸗ chen Gerichtshofe. Wir beſitzen von ihm mehrere ſchätzbare Werke über Gegenſtände der Jurisprudenz nach den neueren Grundſätzen, und auch eine Ueberſetzung der Pſalmen, mit Anmerkungen. Agier(Karl Guy Franz), geb. den 29. Auguſt 1753, war vor der Revolution General⸗Lieutenant der Senechauſſée*) von Poitou, und königlicher Procurator zu St. Maixent. Er wurde 1789 zum Oeputirten des dritten Standes bei den Generalſtänden erwählt, und erwarb ſich einen ehrenvollen Ruf durch ſeine ver⸗ dienſtlichen Arbeiten in den Ausſchüſſen, und ſeinen Patriotismus ohne Uebertreibung. Er hielt die Freiheit nicht für unverträglich mit den Einrichtungen der Monarchie, und dieſe Idee leitete im⸗ 9) Seneſchall war im Mittelalter eine angeſehene Hof⸗ und Kriegswürde in Frankreich. Später, und vor der Revolution, nannte man ſo den Praͤſidenten eines Landgerichts, der auch/ im Fall der Noth, den adelichen Heerbann ſeines Bezirks ver⸗ ſammelte. Seine Jurisdietion bieß eine Senechauſſée. General⸗ Lieutenant war ein vornehmen Beamter derſelben. G. — 72 Agier. Agiormel. mer ſein Benehmen. Er ſprach 4790 für die Aufhebung der Mönchsorden, und auf ſeinen Vorſchlag erhielten die Kirch⸗ ſpiele den Namen Gemeinden. Als Ludwig XVI. von Va⸗ rennes zurückgeführt wurde, beſtritt Agier den Vorſchlag Robes⸗ pierre’s, dieſen Fürſten einem Urrheil zu unterwerfen. Er ſchlug die ihm aus Achtung für ſein Verdienſt angetragene Stelle eines Kaſſtionsrichters aus, und ſuchte in ſeiner Provinz und im Schooße ſeiner Familie die Ruhe, welche aber 1793 durch revolu⸗ tionäre Aufregungen getrübt: ward. Er theilte die Verfolgungen mit andern Gliedern der konſtituirenden Verſammlung, und ſeine der Nationalſache geleiſteten Dienſte konnten ihn nicht vor Ein⸗ kerkerung ſchützen. Der 9. Thermidor 2. ſetzte ihn wieder in Freiheit. Er erhielt nun die Stelle eines Regierungskommiſſäͤrs bei dem Civilgericht zu Niort, und iſt Vegeaivünti Aumauicher Wboeuratat Kun Ghuft htchofa Wmſen Stüdt. Aagier, Sobu des vorigenn ehemaliger Sußſtent des Geue⸗ denr Proeurgtord am königlichen Gerichtshofe zu Paris, zeichnete ſich chenffalö in der Laufbahn ſeines Vaters aus, und war no⸗ Eleve der gariſer Algdemie fün Gefetzgebung, als er erfuhr, daß ein iunger Meus 7 Namens Troche, der in die Moreauiſche Sache verwickelt war, keinen Vertheidiger habe., Er bot ſich dazu An welches der drieteige mit Dank erkgunte⸗ und hatte, das⸗ Glück, uicht allein, den zungen Meuſchen„ſondern auch ſeinen Vater⸗ deſſe en Sache er unjcht einmal ühernommen hatte, zu retten. Durch die Protection, mäͤchtiger Freuude, erhielt er 1898 die S elle eine Auditor ⸗Naths bei dem taiſerl.* lähofe Fu. Nan 5 und zuj z Apri 1811 ezeigte Agter b außergedentſiche Erageweg ür das Sahs Pourhon. Im Mär 1345 wurde⸗ fn zuſ Fapitin giner Eaiapag nie d könzalichen willi 4, 6 4 ſ h dem Fifige ſauißf 20. März,„ obſchon⸗ er iu he mag an Navoleon ſchicken wollte, wiher⸗ umung zur Zuſatz⸗„Alte verweigert war. er Präfident der Geſellſchaft 8 eo penn Soe che der Siegelbewahrer, ihrer thjitze i husurhhe halben, außſen zu müſſen glaubte. 1819 und 1820 hatte er Theil an der Redaction des danzanaicur;; eiua Artikel hurdem wenig bemerkt. 8 ns u na Ak ormel, ein ſpauiſcher Reiſender, durchzog die Welt, und befriedigterſeine unerſättliche Reugierde, erlangte aber⸗ nicht Agiormel. Agneaur de V Vienne. Agneſe. Agneſi. 73 den ſeinen Arbeiten angemeſſenen Ruf. Seine Entdeckungen ſollen köſtlich, ſeine Bemerkungen zahlrrich und intereſſant ſeyn; aber dieſe Manuſcripte, welche man zu Paris glaubt, ſind noch nicht herausgegeben, und der Name des Verfaſſers iſt jetzo wenig bekannt. Sohn eines reichen Kanfmanns, verließ er Spanien 1768, und kam mit 16 Jahren nach Paris, um auf der dortigen Univerſität als Rechtsgelehrter zu abſolviren. 4777 ging er nach den Sundi⸗ ſchen Inſeln, landete auf der Küſte von Reu⸗Holland, drang in das Innere dieſes ſo wenig gekaunten Landes, blieb dort 7% Jah⸗ re, kam 1786 in Indien an, trat als Adiutant in die Dienſte des unglücküchen Tippo Saib, kam 1789 nach Paris zurück, und wurde vin da durch die Revolution vertrieben. 1790 ging er wie⸗ der nach Spanien, und ließ ſich in der Folge zu Acapulco, in Me⸗ riko, nicder, von wo en tiefer in dieſes Land eindrang. Die wei⸗ reuum Nachiaͤ ale ſa in ejehene Lebens ſnd uni findetauatha 1ei Fndlen fant Das vieß ſeine d üiel iomneen Die Ktitik darüber zog ihn aus der Vergeſſe enheit, worin ſeine übrigen Werke ihr gekaffen hatten. Denn ſeine Briefe und Schriften über unglaubet, religiöſen Stagt, Erziehung ꝛc. ſchlafen in Frieden mit den Productionen eines Nonotte und Garaſſe. Dieſer Baediktinen aüberlebte die Aufhebung ſeines Ordens. Er war damals Profeſſor zu Soez(in der Nieder⸗ Normandie), nahm, aber ein nenig ſpät, die Begriffe der Zeit an„ und ſtarb 1792. un nter feinen ſonſtigen Schriften bemerken wir die Geſ chichte von Vordeaux(1771), und die Geſchichte von Artois, 5 Thle. 1785—87. Aaneſe 6 von), ein neapolitaniſcher Patriot, hatte ſich in Frankreich naturaliſtren laſſen, wo er 30 Jahre e zubrachte. Wäh⸗ rend der Revolution hekleidete er mehrere adminiſtrative Stellen, folgte der franzöſſſchen Armee, als ſie Neapel eroberte, blieb, un⸗ kluger Weiſe, nach dem Abmarſch der Franzoſen in dieſer Stadt/ und ward nach der Rückkehr des Königs als Rebell gehangen. al Agneſi(Maria Gaetana), geb. zu Mailand, den 46. märs 1718, von adelichen Aeltern, geſt. in der nämlichen Stadt, den 9. Januar 1799, 81 Jahre alt. Dieſe Dame, deren Leben ſo lange währte, und dalei ſo keich an Studien und Kenntniſſen⸗ an hohen K vni und ächter Frömmigkeit war, iſt würdig, einen Agneſi. ehrenvollen Rang unter den vorzüglichſten Gelehrten einzunehmen. Hätte Madame du Chatelet nicht exiſtirt, ſo würde jene die erſte ihres Geſchlechts geweſen ſeyn, die ſich in mathematiſchen Wiſſen⸗ ſchaften zu einer Stufe erhob, welche nur ſehr wenige Menſchen zu erreichen wußten. Mit fünf Jahren ſprach Agneſi die franzö⸗ ſiſche Sprache eben ſo leicht, als ihre heimiſche, mit 9 Jahren überſetzte ſie lateiniſche Autoren in’s Italieniſche, und mit 14 ſchrieb ſie die italieniſche, franzöſiſche, lateiniſche, grechiſche, hebräiſche, deutſche und ſpaniſche Sprache korrekt und giſchmack⸗ voll. Sie überſetzte verſchiedene Werke, und ſchrieb für ihren eignen Gebrauch ein griechiſch⸗lateiniſches Lexikon, dar 13,300 Wörter enthielt. Die gelehrteſten Männer Italiens ſtrelten, ihr Unterricht zu ertheilen. So erlernte ſie die Grundſätze des Eukli⸗ des in der Mathematik, und die phyſikaliſchen Wiſſerſchaften. Sie diſputirte öffentlich über philoſophiſche Theſen in ſchaaſtiſcher Form, und ließ 1738 unter dem Titel: Propositiones phi- losophicae, eine Sammlung von 191 Theſen druckm, wor⸗ über ſie im Alter von 19 Jahren diſputirt, und zwar hor einer großen Verſammlung in ihrem väterlichen Hauſe, bei welcher ſich die vornehmſten Miniſter, Senatoren und Gelehrte Malands be⸗ fanden. Agneſi's Kenntniſſe und Scharfſinn bewogen den gelehr⸗ ten Profeſſor Ramir Rampinelli von Brescia, ſie in Stand zu ſetzen, die dunkelſten und mißlichſten Probleme der Algeora aufzu⸗ löſen. Die ſtudienreiche Jungfrau erfüllte auch vollkonmen ſein Vertrauen und die Hoffnung ihrer Lehrer. Nach zehnjähriger Ar⸗ beit erſchienen ihre analytiſche Inſtitutionen, welche ſie der Kaiſerin Maria Thereſia zueignete. Dieſes Werk machte in der gelehrten Welt eine außerordentliche Senſation. Die beſchei⸗ dene Verfaſſerin, welche es nur zum Gebrauch der Jugend be⸗ ſtimmt erklärte, erhielt von allen Enden Europa's her die größten Lobſprüche. In einem Bericht Fontanelles erklärte(1749) die Pariſer Akademie der Wiſſenſchaften:„Daß es das beſte Werk „von allen dieſer Gattung ſey. Mlle Agneſi, fährt jener Ge⸗ „lehrte fort, würde zum Mitglied der Akademie ernannt worden „ſeyn, wenn die Geſetze derſelben Damen zulaſſen dürften.“ Dieſe Ehre hatte aber Agneſi ſchon 1748 von dem Inſtitut zu Bologna empfangen. Der Pabſt Benedict XIV. ſandte ihr ſeinen Glück⸗ wunſch zu dieſer Erwählung, und ernannte ſie 1750 zur Ehren⸗ Docentin der Mathematik an der Unverſität derſelben Stadt. Dies geſchah aus eigner Bewegung des Pabſtes, und nicht, wie einige Biographieen melden, auf Agnei's Anſuchen. Auch iſt es Agneſi. Agoult. 75 irrig, daß ſie auf dieſem Lehrſtuhl ihrem Vater gefolgt ſey, der ihn niemals betreten hatte; denn Dom Pietro Agneſi Mariani, der Vater dieſer Gelehrten, war königlicher Lehnsmann von Monte⸗ veglia und ſeinem Gebiete. Agoult(Vincent von), bekleidete eine angeſehene Stelle im Hauſe Condé. Einſt glaubte er ſich von dieſem Prinzen belei⸗ digt, erſuchte ihn um ſeinen Abſchied, und forderte Genugthuung. Der Prinz war es zufrieden, ſich mit ihm an Ort und Stelle zu begeben, und zog den Degen. O Agoult küßte den ſeinigen, und erklärte, daß ihm dieſe Satisfaktion genüge. Er nahm in der Folge Partei bei einem jener Ereigniſſe, welche von ferne den Umſturz der Monarchie vorbereiteten, und die, mit Leibnitz zu reden ſtarke Revolutionsſtücke(gros de revolution) wa⸗ ren. Als das Parlament auf Befehl des Königs verletzt ward, als man d'Eprémesnil und Gonslard von Montſabert ſelbſt im In⸗ nern des Juſtizpalaſtes verhaftete, wurde Vincent d'Agoult, Aide⸗ Major im Regiment der franz. Garden, mit dieſer Verhaftung beauftragt. Den zwei erzählten Thaten verdankt er den Platz, welchen er in der Geſchichte ſeiner Zeit einnimmt. Agoult(Anton Johann, Vicomte von), ſtammt aus einer alten Familie in der Provence. Standhaft ſchloß er ſich an das Haus Bourbon an, und theilte mit ihm alle Wechſel ſei⸗ nes Schickſals. Er war 1768 Mousquetaire*), erhielt den 30. März 1781 das Breyet als Unterlieutenant der Garde⸗du⸗Corps, wurde 1783 Mestre-de-Camp(Kavallerie⸗General), und 1787 Commandeur des Ordens von St. Lazarus. Im J. 1791 wan⸗ derte er aus, und wohnte unter dem Prinzen von Condé jenem Feldzuge von 1792 bei, deſſen erſte Tage den Royaliſten ſo trüg⸗ liche Hoffnungen gaben. Dieſer Vicomte ſchloß ſich nachher in Verona wieder an Ludwig XVIII., begleitete ihn nach Deutſch⸗ land, Rußland und England, und kam mit dieſem Fürſten nach *) Mousquctaires waren zwei Compagnieen, meiſtens Edelleu⸗ te, zu Pferde, die, wie die Gardes-du- Corps, Gensd'armen und Chevaux⸗legers, zu den königlichen Haustruppen gehörten. Die erſte Compagnie ritt Schimmel, und hieß Mousquetaires gris, auch Grands Mousquetaires, die zweite, welche Rappen ritt, hatte den Beinamen noirs oder petits. Sie fochten in mehreren berübmten Schlachten, namentlich bei Fontenoi, ſehr tapfer. Unter dem Kriegsminiſterium St. Germain's wurden ſie, nebſt einem andern Theil der Garde, aus Oekonomie aufgehoben. — G. . 75 Agoutt Agueſſeau. Frankreich zurück, wo ihn derſelbe zum Generallieutenant und Vomnundenr des St. Ludwigs⸗Ordens ernannte.. Agoult(Anton, Graf von), Vetter des vorigen, war 1769 Kavallerie⸗Hanptmann, trat 1784 unter die königl. Leib⸗ garde, und ward 1788 Mestre-de-Camp. Als Deputirten des Adels von Dauphiné bei den General⸗ Ständen ſah man ihn an⸗ fänglich, in der bekannten Sitzung vom 22. Juni, ſich zum drit⸗ ten Stande halten. Aber das Dekret, welches den Adel abſchaff⸗ te, brachte ihn auf die rechte Seite. 17914 ſchloß er ſich in Ko⸗ blenz an ſeine alten Kameraden an, und nahm Dienſt in Condé's Heer, von dem er ſich nur bei ſeiner letzten Entlaſſung trennte. Er begab ſich 1814 nach Paris, und wurde ſogleich zum Aide- Major général der Leibgarden ernannt. Als Napoleon wieder erſchien, begleitete d'Agoult die Prinzen bis nach Armentidres. Nach der zweiten Rückkehr des Königs übernahm er wieder ſeine Verrichtungen, und zeugte gegen La Bedoyore in dem Prozeß, nach welchem dieſer gunge, Pe porhlhazelhen General zum Tode verurtheilt wurde. i⸗ Agueſſeau(Setnidch Eardin Johann Baptiſt, Graf von), geb. zu Fresnes*), Enkel des berühmten Kanz⸗ lers, widmete ſich dem Fache der Rechtsgelehrſamkeit. Vor der Revolution war er nach einander Staarsrath⸗/ General⸗ Advokat am Pariſer Parlament, Oberrichter, Ceremonienmeiſter, und ſeit 1783 Groß⸗ Offtzier und Ordens⸗ Commandeur. 1789 wurde er in die franz. Akademie aufgenommen. Der Amtsbezirk von Meaux wählte ihn zu den Generalſtänden. Dort war er einer der erſten Deputirten des Adels, die ſich mit den Gemeinden vereinig⸗ ten; aber im Juni 1790 gab er ſeine Entlaſſung. Als 1792 ein Theil der geſetzgebenden Verſammlung Pröjecte für eine republi⸗ kaniſche Verfaſſung hatte, wurde der Graf d' Agueſſeau in der Sitzung vom 4. Juni denuncirt. Chabot klagte ihn an, in ſeinem Hauſe geheime Verbindungen und Winkelverſammlungen zu halten, und ſich, zur Auflöſung des geſetzgebenden Vereins, an die royali⸗ ſtiſche Partei angeſchloſſen zu hahene Aber dieſe Klage blieb ohne Folgen. Als d'Agueſſeau unter dem Konſulat zum Präſidenten des Appellationshofes von Paris ernannt ward, brachte er dem erſten Konſul die Huldigungen ſeines Collegiums dar, und ver⸗ herrlichte in einer Glückwünſchungsrede den Sieger Italiens. ») Ein in der Gegend von Paris liegendes Schloß, werches der Fa⸗ milie d'Agueſſeau gehörk. G. Agneſſeau. Ahlwardt. 77 Den 1. Januar 1803 erwählte ihn Bonaparte zum bevollmächtig⸗ ten Miniſter Frankreichs zu Koppenhagen, und 1805 wurde er Mitglied des Erhaltungsſenats. Man bemerkte ihn hier wenig; aber dies war kein Hinderniß, und er bahnte ſich nichts deſtowe⸗ niger ſchnell einen Weg zu neuen Würden; denn er wurde Reichs⸗ graf und Commandant der Ehrenlegion. 1844 erwählte ihn der König zum Commandeur des Ordens vom heil. Geiſte, und zum Mitglied der Pairskammer, deren Ordnung er entwerfen half; auch gehörte er zum Ausſchuß für die Bittſchriften. 1815, nach der Abreiſe des Königs, trat er aus dieſer Kammer, und erſchien erſt wieder darin nach deſſen Zurückkunft. Er war es, der, mit Hrn. de Séze, den verbündeten Monarchen die Orden des heil. Geiſtes und des h. Michaels von Seiten Sr. M. überbrachten. Als am 30. Januar 1818— die Pairskammer über den in der Deputirtenkammer gefaßten Beſchluß in Betreff der Zuläſſt gkeit ihrer Mitglieder verhandelte, ſtimmte er für die unbedingte An⸗ nahme deſſelben.„Die Zeit iſt vorbei, ſagte er, da ein 50jähri⸗ „ger Mann von dem Oberhaupte des Staats ſo betrachtet wurde, vals wäre er wenig mehr fähig, ſeinem Vaterlande zu nehmen.“ Er zeigte ſich dem Geſetzes⸗Vorſchlag über die perſönliche Verhaf⸗ tung der Schuldner günſtig, und entfernte den Einwurf, daß ſolche eine fortdauernde Strafe werden könne, durch die Bemerkung, daß dieſes Geſetz den unglücklichen Schuldnern eine Freiſtätte laſſe, und überhaupt nothwendig ſey, um den Zweifeln in dieſem Theil der Rechtswiſſenſchaft ein Ziel zu ſetzen. Ahlwardt(Peter)*), Profeſſoor der Metaphyſik, wurde zu Greifswalde, am 19. Februar 1710, als der Sohn eines Schu⸗ ſters, geboren. Er ſtudirte hier und in Jena. Außer verſchiede⸗ nen theologiſchen und philoſophiſchen Schriften hat man von ihm eine Brontotheologie, welche fromme Betrachtungen über die Phänomene des Donners und Blitzes enthält. Sie wurde in das Flamändiſche überſetzt. Ahlwardt gründete die Genoſſenſchaft der Abeliten, welche ſich eine vollkommene Rechtſchaffenheit und Rein⸗ heit der Sitten zuſchrieb. Durch ſeine Talente und geſellige Ei⸗ genſchaften gleich empfehlungswürdig, ſtand er bei ſeinen Mitbür⸗ gern in hoher Achtung. Er war freigebig, und ſeine Beſcheiden⸗ *) Wahrſcheinlich iſt Profeſſor Ahlwardt in Greifswalde, der verdienſtvolle Ueberſetzer Oſſtan's aus der celtiſchen Urſprache des Katulliſchen Atys, und Verfaſſer anderer Schriften im Fache der ſchönen Literatur, ein Sohn oder doch naher Verwandter des gegenwärtigen.. G. 73 Ahlwardt. Ahmed. Aignan. heit verlieh ſeinen Wohlthaten einen neuen Werth. Den 1. März 1791 ſtarb er, allgemein und aufrichtig beklagt. Ahmed(Bey von Soliman)*), flüchtete nach der Re⸗ volution, welche ſich 1801 in Aegypten gegen die Mamelucken er⸗ hob, nach Paris, und erhielt eine Penſion von der Konſular⸗Re⸗ gierung, welche von ihm ſehr wichtige politiſche Erläuterungen über Aegypten erhalten zu haben ſcheint. Als Fouché verwieſen wurde, folgte er dieſem Miniſter nach Aix. Ahmed ließ ſich 1813 bei einem franzöſiſchen Corps anwerben, und zeichnete ſich in den verſchiedenen Gefechten gegen die fremden Heere durch ſeine Un⸗ erſchrockenheit aus. Er wurde von den ruſſiſchen Truppen gefan⸗ gen, aber nach der Einnahme von Paris wieder frei gegeben. Man hat, von ihm ſelbſt geſchriebene, Bemerkungen über ſein Leben. Aignan(Stephan), Gelehrter, wurde zu Beaugency an der Loire, aus einer ſehr geſchätzten Civilbeamten⸗Familie, 1773 geboren. Die Grundſätze einer weiſen Freiheit waren die ſeines ganzen Lebens. Der Tod Ludwigs XVI., ſeine erſte Tragö⸗ die(oder vielmehr ſeine erſten Verſe), welche er nach dieſer trau⸗ rigen Begebenheit drucken zu laſſen wagte, iſt ein Denkmal, nicht von poetiſchem Talent, ſondern von Muth und Unwillen, davon die Revolution vielleicht kein zweites Beiſpiel darbietet. Dieſe, in ihm ſo lebhaft wirkenden, Gefühle täuſchten ſeine Jugend; denn kurze Zeit nachher nahm er die Stelle eines Anwalts(Procureur- Syndic) des Diſtrikts von Orleans an, indem er ſich bei aller Unklugheit ſeines Alters von 19 Jahren einbildete, daß er von einem kleinen Striche Frankreichs aus jene ſchrecklichen Bewegun⸗ gen zurückhalten und lenken könnte. Es gelang ihm zum Theil durch verwegene Handlungen für ſeine Grundſätze, deren Lohn Gefangenſchaft in der Conciergerie**) war. Wir haben es ſchon geſagt, und wiederholen es in jedem Fall, daß wir nicht unſere noch lebenden Zeitgenoſſen richten. Wir begnügen uns, Beweiſe darzulegen, das heißt, Thatſachen anzuführen. Eine authentiſche Schrift liegt uns vor Augen, welche die hervorleuchtenden Dien⸗ ſte, die Aignan auf jenem gefährlichen Poſten und in ſo mißlichen Zeiten ſeinem Vaterland und der Menſchheit geleiſtet, bezeugt. *) Ein Nittmeiſter der Mamelucken⸗Eskadron bei der ehemal. kai⸗ ſerlichen Garde, Namens Soliman, iſt wahrſcheinlich von dieſem Bey zu unterſcheiden. G. **) Das, in der Revolution ſehr bekannt gewordene, ehemalige Parlamentsgefängniß. G. Aignan.. 79 Dies iſt das Protokoll(Procès-verbal) der am 14. Ventoſe 3. zu Orleans gehaltenen öffentlichen Sitzung wegen Entlaſſung der jakobiniſchen Beamten, verfaßt von Porchet, gegenwärtigem Gra⸗ fen von Richebourg und einem der achtungswertheſten Mitglieder der Pairskammer. Jeder iſt darin ohne Rückſicht aufgefordert. Der Artikel in Betreff Aignan's lautet wörtlich ſo:„Sie ſind pnicht mehr, die unglücklichen Zeiten, da niedrige Ränkemacher „das Recht hatten, die beſſeren Bürger zu verläumden. Es iſt vendlich erlaubt, die Bürgerkrone jener kleinen Zahl von Män⸗ „nern zu verleihen, welche, unter der Herrſchaft der Tyrannei⸗ nden ſo ſeltnen Muth hatten, ihre Helfershelfer anzugreifen. Aig⸗ „nan, du opferteſt dich auf für die Freiheit, für das Vaterland! „Dein Muth unternahm es, in dieſen Mauern der „glücklichen Epoche des 9. Thermidor voranzueilen. „Der Repräſentant eines gerechten Volks will heute die Schuld „ſeiner Mitbürger zahlen. Du ſollſt der öffentlichen Dankbarkeit theilhaftig ſeyn!“ Im nämlichen Zeitpunkte der antiterroriſtiſchen Reaction wollte die Municipalität von Orleans durch eine Lei⸗ chenfeier das Andenken von neun Bürgern ehren, welche ein Pro⸗ konſul ihres Departements durch das Revolutionsgericht zum Tode hatte verurtheilen laſſen. Aignan wurde zur Verfertigung der Geſänge und erzählenden Darſtellungen dieſes Feſtes gewählt. Sein Leichengeſang, den Manen der neun Schlacht⸗ opfer von Orleans geweiht, mit der Tragödie über Lud⸗ wig XVI. verglichen, beweiſt, welche außerordentliche Fortſchritte das literariſche Talent des Verfaſſers ſeitdem gemacht hatte. Von jetzt an widmete er ſich beſtändig wiſſenſchaftlichen Arbeiten. Je⸗ doch bezeichnete ihn 1800 die Deputation des Departements vom Loiret als Generalſekretär ihrer Präfektur; Hr. von Lecoy ſollte Präfekt daſelbſt werden, und ſie vereinten ſich nun in der neuen Reſidenz des letztern. Aignan wurde in der Folge Secretär des kaiſerlichen Palaſtes im J. 1808, Ceremonieen⸗Gehülfe, und Secretär des Kaiſers bei Einführung der Geſandten. Seine Verrichtungen hinderten ihn nicht an literariſchen Arbeiten. 1814 wurde er zum Mitgliede der franzöſiſchen Akademie, an die durch den Tod des Bernardin von St. Pierre erledigte Stelle, ernannt. Er hatte eine Ueberſetzung der Iliade, in Verſen, her⸗ ausgegeben, welche von Menſchen, die weniger Liebe zur Kunſt, als ein kleinlicher Neid, antrieb, heftig kritiſirt wurde. Dieſe Uebertragung iſt nicht ohne Fehler; man ſindet darin Eleganz, Treue, und oft die höchſten Schönheiten. Es iſt die beſte Ueber⸗ 80 Aignan. Aigoni. Aigremont. ſetzung in Verſen, die wir bisher von der Iliade hatten*). We⸗ niger glücklich war Aignan in Theaterſtücken. Doch hat ſeine Tra⸗ gödie Brunehaut vielen Beifall erhalten. Man verdankt ihm fer⸗ ner eine Ueberſetzung in Verſen des Verſuchs über die Kri⸗ tik, von Pope, einige Uebertragungen von engliſchen Roma⸗ nen, worunter die des Dorfpredigers von Wakefield ſich auszeichnet. Auch hat er zwei Opern gedichtet: Cliſſon, mit Muſik von Porta, und Nephtali, komp. von Blangini⸗ welche letztere ſehr geſiel. In dem 1810 abgeſtatteten Bericht über die zehnjährigen Preiſe ſprach das Inſtitut mit Lob von dieſen zwei lyriſchen Dramen. Rebſt dieſem beſitzen wir von Aignan zwei treffliche politiſche Broſchüren: eine über das Geſchwor⸗ nen⸗Gericht, und eine über die franzöſiſchen Prote⸗ ſtanten, ſo wie einige ſehr kühn geſchriebene Blätter über Staatskünſte. Er war einer der eifrigſten und fleißigſten Mitarbeiter an der franzöſiſchen Minerva. Gegenwärtig vollendet er eine Ueberſetzung der Odyſſee in Verſen, von der man ſehr vortheilhaft ſpricht. innite it ine Aigoni(Franz Victor), war erſt Geſchworner am Re⸗ volutions⸗Tribunal von Paris, und hierauf National⸗Kommiſ⸗ ſär bei der Schatzkammer. In dieſem letztern Amt erſetzte er Da⸗ vesne. Im J. 1795 bewies er der Nat. Convention in einer Rede, daß gegen die öͤffentliche Freiheit eine Verſchwörung nach dem Sy⸗ ſteme Robespierres exiſtire. In der Folge war Aignan bei der polytechniſchen Schule angeſtellt. Er bewohnt gegenwärtig das Dorf Gantelu, im Dep. Seine und Oiſe. Sil 2 Aigremont(Johann Baptiſt Auguſtin von) geb. den 29. Mai 1761, war anfangs Mitglied der Munizipalverwal⸗ tung, und Maire von Caën, alsdann Präſſdent des Wahlkolle⸗ giums vom Departement des Calvados**), und Flügeladjutant *) Nämlich in franz. Sprache. Da man ſich in derſelben zur Ueber⸗ ſetzung der alten Dichter der gereimten alexandriniſchen Verſe bedient, ſo kann, bei aller Schönheit und Lebhaftigkeit des Vor⸗ trags, die Aignan's Arbeit vor vielen auszeichnen mag, doch nicht diejenige Treue und Eigenthümlichkeit des Originals beob⸗ achtet werden, wie in den dentſchen, und vorzüglich den meiſter⸗ haften Voſſiſchen Ueberſetzungen, welche das antike Sylben⸗ maas beibehalten. Die geſchätzte franz. Uebertragung, Homer s von Mad. Dacier iſt in Proſa. G.— n) Ein Fels an der Küſte der Normandie, welcher das Meer in der Länge von 4— 3 Stunden begrenzt, und dieſem Depabtemente den Namen gab⸗ 7 G. it Lo Aigremont. Aiguillon. 81 des Kaiſers. Er verließ auf kurze Zeit den Militärdienſt, um in das geſetzgebende Corps, für das er gewählt wurde, zu treten (1805). Nach 5 Jahren übernahm er wieder ſeinen Poſten bei der Armee. Als Mitglied des Munizipalraths von Caén unterzeichnete er 1813 die Addreſſe, durch welche dieſe Stadt der Kaiſerin ihre Huldigung darbrachte. Aigremont(Der General von), war Obriſt des 13. Küraſſierregiments(1809). Seine Vorgeſetzten erhoben ſehr ſein Benehmen in der Schlacht bei Wagram, wo er vielen Muth be⸗ zeigte. Er wurde 1810 an der Spitze ſeines Regiments nach Spa⸗ nien geſchickt, und trug kräftig zum Gewinn der Schlacht von Le⸗ rida bei. Bald darauf erhielt er die Stelle eines Brigade⸗Ge⸗ nerals. Aiguillon(Armand Vignerod Dupleſſis Riche⸗ lieu, Herzog von), wurde 1720 geboren. Obwohl dieſer Miniſter Ludwigs XV. nicht zur Biographie der Zeitge⸗ noſſen gehört, weil er vor der Revolution ſtarb, glauben wir doch, ihn hieher ſetzen zu müſſen wegen der Wichtigkeit der Ereig⸗ niſſe, die unter ſeinem Miniſterium ſtatt hatten, und wegen des Eifers, den ſein Sohn bewies, das Andenken ſeines Vaters gegen die Angriffe der konſtituirenden Nat. Verſammlung zu vertheidigen. Der Herzog von Aiguillon, Miniſter und Pair von Frankreich un⸗ ter Ludwig XV., war mit Glück am Hofe dieſes Monarchen er⸗ ſchienen; aber ganz beſonders von der Herzogin von Chateauroux ausgezeichnet, und von dem Könige ſelbſt geliebt, wurde er zur Armee nach Italien geſchickt. 1742 ward er bei dem Angriff auf Chateau⸗Dauphin, wo er einigen Ruhm erlangte, verwundet. Bald erblickte man ihn als Gouverneur des Elſaſſes, hierauf als Kommandant der Bretagne; welches man weniger ſeinen Kriegs⸗ dienſten, als der Hofgunſt, zuſchrieb. Der Schutz des Dauphin, des Sohns Ludwigs XV., erlaubte ihm, ſich ſtandhaft dem erſten Miniſter, Herzog von Choiſeul, zu widerſetzen. Als gewiſſe Geld⸗ edicte den Widerſtand des Parlaments von Bretagne bewirkt hat⸗ ten, erregte die außerordentliche Strenge des Herzogs von Aiguil⸗ lon die Geiſter noch mehr. Als er 1758 die Engländer, welche eine Landung wagten, geſchlagen und vertrieben hatte, bemühten ſich die Bretagner, die ihn gleichwohl ſehr gut unterſtützten, ihm ſein Theil Ehre an dem Erfolg zu nehmen, und beſchuldigten ihn, ſich während des Treffens in einer Mühle verborgen zu haben. Der General⸗Prokurator la Chalotais erlaubte ſich die bitterſten Neue Biograph. I. 6. 4. 32 1 Aiguillon. Scherze in einem Briefe, der offenkundig wurde. Er ſagt in eig⸗ nen Worten:„Wenn unſer General ſich nicht mit Ruhm bedeckt „hat, ſo hat er ſich doch mit Mehl bedeckt.“ Unverſöhnlich in ihrem Tadel warfen ihm die Bretagner ſeine Prunkliebe vor, und beſchuldigten ihn auch der Erpreſſung und Untreue. Das Parla⸗ ment ſtellte Unterſuchung gegen ihn an, und betrieb ſeine Zurück⸗ berufung. Schon hatten die Gerichtshöfe mehrerer Provinzen, bei ihren Streithändeln mit der Militärgewalt, ähnliche Vortheile erlangt; der von Rennes wollte ſich nicht weniger unternehmend und feſt zeigen. Trotz der Feindſchaft des erſten Miniſters berei⸗ tet ſich der Herzog von Aiguillon, kräftig gegen das Parlament ſeiner Provinz zu ringen, und beſchuldigt ſelbſt den General⸗Pro⸗ eurator, daß er den Umſturz der Geſetze des Königreichs anſpinne. Der nun verfolgte und eingekerkerte La Chalotais wird ein Abgott der Anhänger des Parlaments. Ferne, den Tumult zu beſänfti⸗ gen, erregen die von dem Kommandanten genommenen Maasregeln einen Aufſtand. Das Schatten⸗Parlament, welches er bildete, wird zur Zielſcheibe der Beleidigungen. Die Regierung war end⸗ lich dieſer Zwiſtigkeiten müde, und es gelang dem Miniſter Choi⸗ ſeul, das alte Parlament wieder herzuſtellen, und das Kommando in Bretagne dem Herzog von Duras zu verleihen. Die Klagen gegen Aiguillon erneuten ſich, und der König, der anfangs dieſe Hüändel beſchwichtigen wollte, ließ ihnen nun einen freieren Lauf. Die Sache wurde am Parlament von Paris anhängig. Schon ſieht ſich der Beklagte unterliegen, er nimmt ſeine Zuflucht zu Mad. Du⸗ barry(der Geliebten des Königs); ihre Protection erwirkt ihm einen Befehl Ludwigs, die Prozedur aufzuheben; durch dieſes er⸗ niedrigende Mittel glaubt ſich der Herzog mit Ehre aus der Ge⸗ ſchichte zu ziehen: aber ein Beſchluß des aufgebrachten Parla⸗ ments ſuspendirt ihn einſtweilen von den Verrichtungen der Pairie als einen, der ſich ſolcher Thaten ſchuldig gemacht, die Abſetzung herbeiführen können. Das Publikum nimmt Partei, und das Ver⸗ fahren des Parlaments wird um ſo mehr gebilligt, als der Hof trachtet, es durch die Formalität eines feierlichen Gerichts nieder⸗ zuſchlagen. Wie dem auch ſey, der Herzog von Aiguillon hat ſelbſt darin Sitz, und während ſeine Feinde ſich durch Spottverſe rächen läßt er von den Kanzleien des Parlaments alle die Prozedur be⸗ treffenden Schriften hinwegnehmen. Seine Ränke ſparten ihm einen neuen Triumph für das folgende Jahr auf; nämlich ſeine Ernennung zum Miniſter und die Verweiſung des Herzogs von Choi⸗ feul. Er, der Kanzler Maupeon, und der Abbé Terrai vereinten — Aiguillon. 83 ſich für ein ganz neues Verwaltungsſyſtem. Diejenigen, welche hierin die Ausdehnung oder Befeſtigung der königlichen Gewalt vermuthet hatten, wurden bald ihrem Irrthum entriſſen. Dieſes häufige, unbedachtſame Wanken beſchleunigte jene Unruhe der Ge⸗ müther, und die nämliche Generation ſah achtzehn Jahre ſpäter die Wirkungen deſſelben*). Noch war der neue Miniſter nicht zufrieden. Er allein wollte über das Staatsanſehn verfügen, das ihm, nach ſeinem Ausdruck, alles verdankte. Aber die öffentliche Meinung war nicht für ihn. Er hatte die, nicht ehrenvolle und vergängliche, Stütze einer Favoritin vorgezogen, ferner ſuchte er auf keine Weiſe die Theilung Polens zu hindern, welche dem In⸗ tereſſe Frankreichs ſo ſehr entgegen war. Man kannte den Ausruf Ludwigs:„Ach! Wäre Choiſeul hier geweſen, die Theilung würde „nicht geſchehen ſeyn!“ Man wiederholte dieſe Worte zur Recht⸗ fertigung des Königs. Der Miniſter hatte zwar jene Handlung nicht ausdrücklich begünſtigt, aber er war ſo nachläſſig, oder von dem Cardinal Rohan, Geſandten zu Wien, ſo ſchlecht bedient⸗, daß er zu ſpät den Beitritt Preußens und Oeſterreichs erfuhr. Die Reue der Kaiſerin Maria Thereſia, welche ſich oft Vorwürfe darüber machte, in dieſen Plan eingeſtimmt zu haben, ja es auch mit Widerwillen gethan, iſt ſchon ein Beweis, daß es dem Ver⸗ ſailler Kabinet leicht geweſen wäre, die Sache ſcheitern zu machen. Die Abneigung dieſes Miniſters gegen alle Maximen ſeines Vor⸗ gängers war Urſache, daß er die Bande des Familienvertrags ſchwächte, und ſich gegen die Allianz mit Oeſterreich erklärte**). Guſtav III. empfing von ihm auf ſeiner Reiſe nach Frankreich ei⸗ nen Theil der rückſtändigen Subſidiengelder, die letzteres ihm be⸗ willigt hatte. Der Herzog rühmte ſich, 1772 zur ſchwediſchen Revolution(welche die königliche Gewalt vergrößerte) beigetragen zu haben. Gegen das Ende der Regierung Ludwigs XV. verei⸗ nigte er die Miniſterien des Kriegs und der auswärtigen Angele⸗ genheiten. Aber nach der Thronbeſteigung Ludwigs XVI. fiel er *) Die Dendenz dieſes Syſtems ſcheint vorzüglich dieienige geweſen zu ſeyn, unter dem Scheine des Royalismus die Macht des Adels und der Geiſtlichkeit, auf Koſten des königlichen Anſehns und der Volksfreiheit, zu heben, welches, nebſt der Zerrüttung der Finan⸗ zen und der Mitwirkung einiger Ehrgeizigen von hohem Rang, die Revolution herbeiführte. G. **) D. h. er entfernte ſich dadurch zugleich von dem mit der Krone Frankreich verwandten Spanien, und näherte ſich Preußen, wo⸗ durch er gegen den Vortheil ſeines Landes handelte⸗ G. 84 Aiguillon. in Ungnade, obſchon er an ſeinem Oheim, dem Grafen von Mau⸗ repas, eine Stütze hatte. Die Königin war ihm entgegen, und er mißfiel dem Publikum; 1775 mußte er abtreten. Im Fache der Literatur beſitzt man von ihm eine Sammlung frei geſchriebener Aufſätze, unter dem Titel: Recueil de pièces choisies, rassem- blées par les soins d'un Cosmopolite, 1735; ferner eine neue Cyropädie, oder Betrachtungen des Cyrus auf ſeinen Reiſen. Man behauptet, daß die Prinzeſſin von Conti, der Pater Vinot, und der Abbé von Grécourt ſeine Mitarbeiter geweſen wä⸗ ren. Aiguillon ſtarb 1780 mit dem Rufe eines geiſtreichen Hof⸗ manns, aber nicht mit dem eines vollendeten Staatsminiſters. Zehn Jahre ſpäter hatte ſein Sohn Gelegenheit, ihn zu vertheidi⸗ gen; er rechtfertigte ſein Betragen und wollte die Beſchuldigungen des Cazalés vernichten. Aiguillon(Armand Vignerod Dupleſſis Riche⸗ lieu, Herzog von), Sohn des vorigen, war Pair von Frank⸗ reich, Obriſt des Kavallerie⸗Regiments Pologne, und Komman⸗ dant der Chevaux⸗legers von der königlichen Garde*). Der Adel aus Anjon ſandte ihn 1789 als Deputirten zu den Generalſtänden. Er ſchloß ſich an die Kammer des dritten Standes an(25. Juni), und gab in der Nacht des 4. Auguſt die zweite Stimme für die Aufhebung der Privilegien ſeiner Kaſte. Sein Patriotismus ſchuf ihm Feinde, die ſelbſt keine Verläumdung ſparten, um ſeinen gu⸗ ten Ruf zu zerſtören. Man wollte ſogar behaupten, daß er an den Tagen des 5. und 6. October als Hallenweib verkleidet erkannt worden ſey. Dieſe Beſchuldigungen wurden niemals erwieſen. Der Herzog von Aiguillon zeichnete ſich in der konſtituirenden Ver⸗ ſammlung durch ein biederes Betragen und eine glühende Liebe für die auf Geſetze gegründete Freiheit aus. In der großen Verhand⸗ lung über Krieg und Frieden ſtimmte er dafür, daß dieſes Recht der Nation vorbehalten ſey. Er griff lebhaft die Miniſter über ihren Vorſchlag an, Frankreich in den Streitigkeiten, die ſich F *) Dieſe vier Compagnieen leichter Reiter waren ſchon in den Rit⸗ terzeiten aus den hommes d'armes erleſen. Sie machten ſeit Heinrich IV. einen Theil der Garde aus, und bewährten ſich rühm⸗ lich in verſchiedenen Gefechten. Sie führten die Namen: Com⸗ pagnie des Königs, der Königin, des Dauphin, und des Herzogs von Orleans. Die dabei dienenden Unadlichen wurden Adliche nach fünf Dienſtiahren. Man nannte ſie Compagnies d' Ordon- nande, wie ſpäter Napoleon Gensd'armes d'ordonnance hatte⸗ G. 8 Aiguillon. Aikin. 85 zwiſchen England und Spanien erhoben, ins Mittel treten zu laſ⸗ ſen. Bald nach der Auflöſung der konſtituirenden Nat. Verſamm⸗ lung erſetzte er den General Cuſtine in dem Befehl über die zur Bedeckung Bruntruts beſtimmten Truppen. Als er darauf bei der Nationalconvention angeklagt und Arreſt über ihn beſchloſfen war, ſah er ſich gezwungen, Frankreich zu verlaſſen, und begab ſich nach London, von wo er nach Hamburg hinüber ging. Im J. 1810 wurde er von der Emigranten⸗Liſte ausgeſtrichen, und war im Begriff, in ſein Vaterland zurückzukehren, als ihn eine ſchwere Krankheit traf, woran er ſtarb. Wenige Männer von öffentlichem Ruf haben ſo heftigen Groll ihrer Feinde erregt, als der Herzog von Aiguillon. Um ſein Gedächtniß der Nachwelt zu empfehlen, genügt die Bemerkung, daß er Mitglied jener Minderzahl des Adels war, die ſich den Gemeinden anſchloß, und daß er niemals die kon⸗ ſtitutionelle Partei verlaſſen hat.- Aikin(Johann), engliſcher Literator, iſt einer derjenigen Männer, welche durch Reinheit des Geſchmacks, Anmuth des Styls, und eine immer gerechte, aber auch urbane, Strenge der Kritik, ſich am meiſten der franzöſiſchen Manier nähern*). Er iſt der Sohn eines presbyterianiſchen Geiſtlichen, der auf der Schule zu Warrington die Theologie lehrte, ſtudirte Medicin und Chirur⸗ gie, worin er 1780 zu prakticiren anfing, und machte ſich zugleich durch rein⸗wiſſenſchaftliche Werke bekannt, in welchen ein zierli⸗ cher und gedrängter Styl ſich mit werhütdiien und wichtigen Nachforſchungen verbindet. Seine Schweſter, Lätitia Aikin, unter dem Namen der Miſtriß Barbauld bekannt, war Mitar⸗ beiterin an mehreren ſeiner Schriften. Man weiß, daß der Name dieſer Frau in England mit den vereinten Worten: Vernunft, Geſchmack, Eleganz und Philoſophie gleichbedeutend iſt. Unter den zahlreichen Werken Johann Aikin's führen wir nur an: 1) Verſuch über Liederdichtung, mit einer Samm⸗ lung der beſten eng liſchen Lieder, worin über die ro⸗ mantiſche Poeſie der Engländer intereſſante Bemerkungen enthal⸗ ten ſind; 2) Verſuch über die Anwendung der Natur⸗ geſchichte auf die Poeſie, ein merkwürdiges Buch, wel⸗ „ Wenn auch dieſe Bemerkung nicht unwahr iſt, ſo könnte man doch eine Anmaßung darin finden. Wie dem auch ſey, ſo iſt die Kritik der Franzoſen, obſchon ſie, wie anderswo, ihre Factio⸗ nen haben mag, von Seiten der Urbanität empfehlungswerth; worüber ſie ſich ſchon ein Kompliment machen dürfen. G. 88 * 86 Aikin. Aillaud. ches beſchreibende Dichtung, die aus der Natur entnommenen Bil⸗ der, die Nothwendigkeit, mehr für die Augen, als für die Seele, zu mahlen, als Charakter der nordiſchen Muſe, behandelt*); 3) Skitze des Charakters und der öffentlichen Dienſte J. Howard's, Huldigung, einem der ſchönſten Cha⸗ raktere Englands geweiht(iſt ins Deutſche überſetzt, Leipzig⸗ 1792.); 4) Briefe eines Vaters an ſeinen Sohn über verſchiedene Gegenſtände der Moral. Als Napoleon England mit einer Invaſion bedrehte oder zu bedrohen ſchien, überſetzte Aikin Zſchokke's Geſchichte der Invaſion in die Schweiz⸗ welche ſchon von Briatte ins Franzöſiſche übertragen war, um ſei⸗ nen Landsleuten zu zeigen, was die Entſchloſſenheit einiger dem Vaterland ergebner Männer gegen den von einer ungeheuern Macht unterſtützten Ehrgeiz vermag. Er ſchrieb auch eine Geſchichte der Arzneikunde in England, und andere mediciniſche und literariſche Werke. Sein Annual Rewiew, der alle Jahre heraus⸗ kommt, iſt ein genaues Gemäaͤlde der engliſchen Literatur während des abgelaufenen Jahrs. Seit 1806 leitet er eine den ſchönen Künſten und der Literatur gewidmete Monatsſchrift, unter dem Titel Athenäum. Man muß in den Werken dieſes Schriftſtel⸗ lers weder neue Anſichten, noch tiefe Gedanken, ſuchen; aber man wird durch die Kenntniſſe, die Reflexion, den Geſchmack und die Unparteilichkeit, von denen er überall Beweiſe gibt, entſchädigt. Aikin(Arthur), Sohn des vorigen, widmete ſich beſon⸗ ders naturgeſchichtlichen Wiſſenſchaften. Man hat von ihm das Tagebuch einer Reiſe in die Provinz Wallis und nach Shropſhire, welches Beobachtungen über verſchiedene Zweige der Naturgeſchichte enthält, eine Ueberſetzung der De⸗ nonſchen Reiſe in Aegypten, und verſchiedene chemiſche⸗ phyſikaliſche und naturgeſchichtliche Schriften. Aillaud(Der Abb 6), Profeſſor der Rhetorik am Gymna⸗ ſium zu Montauban, gab 1813 in Toulouſe, unter dem Titel: Die Aegyptiade, ein Gedicht über den Feldzug Bonaparte's in Ae⸗ gypten heraus. Dieſe Production, deren Plan nach dem des be⸗ freiten Jeruſalems, von Taſſo, entworfen iſt, enthält manche trefliche Stellen, und es iſt zu bedauern, daß der Dichter *) Aber ſowohl die großartige Natur, die uns Oſſtan ſchildert⸗ als auch die reizenden Bilder eines Thomſon, Kleiſt, Matthiſſon ꝛc. mit lyriſchem Schwung und elegiſchen Gefühlen dargeſtellt, wer⸗ den dadurch zu Seelengemälden. G. Aine. Aiton. Akerblad. Alancourt. Alary. 87 ſich mehr an die Bewunderung ſeiner Helden, als an die Kraft ſeines poetiſchen Talents, gehalten hat. Aine(Maria Johann Baptiſt Nikolaus von), wurde zu Paris, um das Jahr 1750, geboren, und war Reque⸗ tenmeiſter(Aufſeher über die Annahme der Bittſchriften), und In⸗ tendant der Städte Pau, Tours und Limoges. In der Literatur iſt er bekannt durch die Ueberſetzung der Eklogen Pope's, und der Oekonomie des menſchlichen Lebens, von Tole Dodsley. Er ſtarb 1804 zu Paris. Aiton(Wilbelm), ein engliſcher Botaniker, wurde in Schottland, in der Grafſchaft Lauerk, 1731, geboren. Vom ge⸗ meinen Gärtner ward Aiton, durch Miller, den Fürſten der Gärtner, empfohlen, Direktor des königlichen Gartens zu Kew. Jetzt ſtudirte er fleißig Botanik, und es gelang ihm, jene Anlage mit einer Menge Pflanzen, die in England noch nicht klimatiſirt waren, zu bereichern. Er hat darüber einen intereſſanten Katalog, mit Zeichnungen, gegeben. Dies Werk enthält eine genaue Be⸗ ſchreibung(nach Linné) und Erklärung jeglicher Pflanze. Aiton verband mit ausgezeichneten Talenten ſehr empfehlende Eigenſchaf⸗ ten, und man muß die Beſcheidenheit rühmen, mit welcher er unter ſeinen Mitarbeitern die däniſchen Naturforſcher Solander und Dry⸗ ander lobend anführt. Er ſtarb 1793. Thunberg hat dieſem ge⸗ lehrten Botaniker zu Ehren dem Pflanzengeſchlecht Melia den Na⸗ men Aitonia gegeben. 4 Akerblad. Man verſichert, daß es dieſem gelehrten Schwe⸗ den gelang, das Alphabet der alten Aegyptier wieder aufzufinden und daß er es in einem ſehr gelehrten Briefe über die Inſchriften von Roſette auseinander ſetzte. Er hatte ſchon die auf mehreren phöniciſchen Denkmälern erklärt, auch den Schlüſſel zu der Cur⸗ ſiv⸗ oder ſchief liegenden Schrift der Kophten gegeben, die bisher in der gelehrten Welt unbekannt war.. Alancourt(von), General⸗Adiutant im Dienſte der franz. Republik, zeichnete ſich im Vendeekrieg aus, und erfocht im Juli 1795 bei dem Schloſſe Brunet namhafte Vortheile über die Chouans.— Alary(Anton), gemeiner Soldat, that Wunder der Ta⸗ pferkeit, welche die JFahrbücher der Zeitgenoſſen zu be⸗ wahren ſchuldig ſind. Er war zu Muſſidan, im Departement der Dordogne(Guyenne), geboren, und zeichnete ſich in ſeinem 15. Jahre ſchon bei den Heeren der Republik aus. Man ſah, wie er 2 88 Alary. Alaya. am Bois⸗ des⸗Choͤvres(Ziegenwald), unter den ſiegenden Ven⸗ deern, allein auf dem Schlachtfelde blieb, ihnen, den Säbel in der Hand, die Nationalfahne ſtreitig machte, ſie nahm, verlor, wieder ergriff, und ſie endlich in die Mitte ſeiner in Flucht geſetz⸗ ten Kameraden zurücktrug. Später ging er auf ein Kriegsſchiff/ und es ſcheiterte mit 1300 Mann an einem öden Felſen. Nach fünf Tagen Einſamkeit, Hunger und Verzweiflung ſpringt Alary ins Meer, unternimmt es, ſechs Stunden, die ihn vom Lande trennen, ſchwimmend zurückzulegen, kämpft ſieben Stunden lang mit den Wellen, und wird halb todt an die Küſte von Bretagne geworfen. Einige Strandwachen(Gardes- côtes) heben ihn auf, und tragen Sorge um ihn. Er erzählt ihnen ſeine Geſchichte und die Noth ſeiner Kameraden. Man ſendet ihnen Hülfe; die 1300 Mann ſind gerettet. Fünf Jahre darauf, bei Stockach, haͤlt er mit 15 Huſaren den Stoß von 600 Oeſterreichern auf. Wunden bedecken ſeinen Leib, ſein Blut rieſelt; er fällt unter die Hufen der Pferde, die ihn zerquetſchen. Endlich erſchauen ihn einige Män⸗ ner des nämlichen Regiments, fliegen ihm zu Hülfe, und bringen ihn fort. Er hat ſeine Wunden überlebt. Alaya(Michael von), Geſandter, ſpaniſcher General⸗ Lieutenant, wurde zu Vittoria 1771 geboren, trat in den See⸗ dienſt, bewährte ſich rühmlich in dieſer Laufbahn, und erhielt den Grad eines Fregatten⸗Kapitäns. Nach der Abdankung der Bour⸗ bone und der Thronbeſteigung des Königs Joſeph Bonaparte, er⸗ klärte er ſich für dieſen Fürſten, und ging im Juni 1808 nach Bayonne, wo er der Verſammlung der ſpaniſchen Notabeln bei⸗ wohnte, und die damals ſeinem Lande gegebene Konſtitution unter⸗ zeichnete. Er reiſte gleich darauf ab, um zu Vittoria den Empfang des Königs Joſeph vorzubereiten, welchem die Feinde der neuen Regierung Schwierigkeiten entgegenſetzten. Dem Eifer Alaya's gelang es, dieſe zu heben. Von da begleitete er den Monarchen nach Madrid; aber er verließ in der Folge ſeine Fahnen, und ging zu den Engländern über, nicht nach der Zerrüttung des franzöſi⸗ ſchen Heers, wie die Biographie des hommes vivans behauptet,(denn dies würde einen Zug der Unbeſtändigkeit in den der Feigheit verwandeln,) ſondern 1811 vor der Schlacht bei Al⸗ bufera, wo er verwundet ward. Dies widerfuhr ihm auch im Dienſte der Engländer. Alaya erhielt, durch die Protection Wellingtons, mit dem er ſich in der Schlacht bei Vittoria befand, den Grad eines Generals und mehrere ſonſtige Belohnungen. Die⸗ ſer Feldherr bediente ſich ſeiner bei verſchiedenen Ereigniſſen, bis Alaya.. 89 zu dem Vorfall unter den Mauern von Toulouſe*); jetzt ging er nach Spanien zurück. Die letzteren Dienſte Alaya's hatten die Erinnerung an ſeinen Abfall in Ferdinands Gedächtniß nicht aus⸗ gelöſcht. Er ward alſo anfangs arretirt; aber nach einigen Tagen ſetzte man ihn wieder in Freiheit, und er wußte ſich die Gunſt des Fürſten ſo zu verdienen, daß ihn dieſer zum General⸗Lieutenant erhob und ihn als außerordentlichen Geſandten nach Belgien ſchickte. Alaya iſt ſeit den letzten Veränderungen nicht angeſtellt. Die ſpa⸗ niſche Nation, welche Balleſteros belohnte, weil er nicht unter den Befehlen eines fremden Generals dienen wollte, glaubte, ihr Ver⸗ trauen einem begünſtigten Adiutanten des Lords Wellington nicht gewähren zu dürfen**). Auch wirft man ihm vor, er habe ſeinen Einfluß bei Wellington nicht benutzt, um die Leiden ſeiner Mitbür⸗ ger zu mindern, und führt das Beiſpiel Zea's an, der ihm nach der Schlacht bei Vittoria, worin er gefangen wurde, vorgeſtellt ward. Dieſer Gelehrte hatte eine Menge Anſprüche, die ihn einen guten Empfang hoffen ließen. Er war krank, im äußerſten Elend, und hatte, wie Alaya, die Konſtitution zu Bayonne unterzeichnet. Aber letzterer behandelte ihn ſehr übel, und überließ ihn ganz der Härte ſeines Schickſals. Der Unwille, welchen dieſes Benehmen in Zea's Innerem erregte, trug ohne Zweifel bei, daß er Mittel ſuchte, nach Amerika auszuwandern, um ſich der engliſchen Herr⸗ ſchaft in Spanien zu entziehen. Er brachte ſeine Kenntniſſe in die Provinzen Venezuela und Santa Fe, und wirkte zur Unabhän⸗ gigkeit dieſer weitgedehnten Landſchaften kräftig mit. Ehrenvoller war das Betragen Alaya's in Belgien. Während er ſich anſchei⸗ nend nach den Inſtructionen ſeines Kabinets richtete, die ihm vor⸗ ſchrieben, die Strenge der niederländiſchen Verordnung auf die geflüchteten Spanier zu legen, tröſtete und unterſtützte er heimlich ſeine unglücklichen Landsleute. Ein ſchönes Beiſpiel, welches nicht alle Diplomaten befolgen! Alaya wurde 1819, vielleicht in *) Die letzte, nicht mehr nothwendige, Schlacht vom 10. April 1814, weil ſie 11 Tage nach der Einnahme von Paris und der Wiederherſtellung der Bourbone geliefert wurde. Sie war ſehr blutig. Die Franzoſen, unter Soult, fochten mit der höchſten Tapferkeit, aber Wellington blieb im Vortheil. G. **) Als die Cortes den Lord Wellington zum Oberfeldherrn aller Ar⸗ meen in Spanien ernannten, nahm Balleſteros aus Verdruß darüber ſeine Entlaſſung, ſuchte ſich aber in einer Schrift von dem Verdacht zu befreien, als habe er aus Neid den Unternehmun⸗ gen Hinderniſſe in den Weg gelegt(S. ſeinen Art.). G. 90 Alaya. Albaneze. Albani von Urbino. Folge dieſes Benehmens, zurückgerufen. Wenn er aber jetzt(1820) angefeindet wird, ſo iſt nicht zu zweifeln, daß er unter der libera⸗ len Regierung, die in Spanien nunmehr das Uebergewicht hat, ſeine Vertheidiger findet. — Albaneze(RN.), ein berühmter italieniſcher Sopranſänger, iſt 1731 zu Neapel geboren, und erlangte daſelbſt im muſikaliſchen Conſervatorium eine herrliche Sangmethode. Er war kaum 18 Jahre alt, als er nach Paris kam, und bald vortheilhaft bekannt wurde. Sein Talent verſchaffte ihm einen Platz in der Kapelle des Königs, und ſpäter nahm man ihn als erſten Sänger des geiſtli⸗ chen Concerts auf. Er hat ſich ſowohl durch ſeinen Geſang, als durch ſeine Compoſitionen ausgezeichnet. 1800 ſtarb er, von Je⸗ dermann, wegen ſeines Talents und ſeiner Liebenswürdigkeit, beklagt.— 4 Albani von Urbino(Johann Franz), Reffe von Clemenz XI. Er wurde 1720 geboren, ward Biſchof von Oſtia und Velletri, alsdann Kardinal, und endlich Dechant des heil. Collegiums. Gegen Ende d. J. 1803 ſtarb er zu Rom. Albani beſaß hervorleuchtende Kenntniſſe, und verband eine vorzügliche Figur mit durchdringendem Geiſt. Im Alter von 27 Jahren er⸗ hielt er den Kardinalshut; aber aus Hang zu Vergnügungen ver⸗ nachläßigte er die kirchlichen Geſchäfte. Da er viel Talent zur Präſentation hatte, ſo wählte man ihn, die fremden Geſandten zu empfangen. Er dankt ſeinen großen Ruf den Jeſuiten, welche von ſeiner Familie, ſeit dem Zeitpunkte der Bulle Unigeni⸗ tus*), immer beſchützt wurden, und ſeine Partei lenkte das Conclave bei der Pabſtwahl. Als dieſer Kardinal Albani eins der erſten Mitglieder der Staatsverſammlung, die man wegen der auf die franzöſiſche Revolution ſich beziehenden Angelegenheiten hielt, geworden war, erhob er ſich mit Heftigkeit gegen die neuen Grundſätze, und erklärte ſich offen für Oeſterreich, an welches alte Bande ſein Haus feſſelten. Aber die Franzoſen rückten in Rom ein, er entfernte ſich ſchnell, und ſein Palaſt wurde geplün⸗ *) Die Bulle Unigenitus wurde vom Pabſt Clemens XI. 1713 zu Nom publieirt, um die von dem in Amſterdam geſtorbenen Pater Quesnel über das neue Deſtament gemachten moraliſchen Anmer⸗ kungen zu verdammen. Trotz aller geiſtlichen Drohungen des Pab⸗ ſtes nahm ſie die gallikaniſche Kirche nicht an, und Kaiſer Joſeph II. unterdrückte ſie gänzlich. Auch bei den Päbſten ward ſie zuletzt nicht mehr für eine Glaubensregel gehalten. G. Albani von Urbino. Albani. 94 dert. Hierauf zog er ſich in ſeine Abtei Crope zurück, und ging alsdann nach Neapel, welches ihn aber bald die Annäherung der Franzoſen zu verlaſſen zwang. Endlich hielt er ſich in Venedig auf, wo er kräftig mitwirkte, Pius VII. zum Pabſte zu erheben. Aber dieſer, obſchon durch den Einfluß Oeſterreichs und den Cre⸗ dit eines von demſelben abhängigen Kardinals ernannt, war ſo⸗ gleich beſorgt, die franzöſiſche Republik mit dem päbſtlichen Stuhl zu verſöhnen. Kurze Zeit hernach ſtellte er, vermittelſt des mit dem erſten Konſul geſchloſſenen Konkordats, den katholiſchen Kul⸗ tus in Frankreich wieder her. Der Kardinal Albani war gerecht und menſchlich; leidenſchaftlich eingenommen gegen die franzöſiſche Revolution, ſchirmte er nichts deſtoweniger die Anhänger des neuen politiſchen Syſtems in Rom gegen Verfolgungen. Wenn die Tiare (Pabſtkrone) ihm zweimal, ohngeachtet ſeines Aſcendenten und des Einfluſſes ſeiner Partei, entging, ſo muß man es der Herrſchaft zuſchreiben, die ſein Kammerdiener, Mariano, über ihn führen durfte. Dieſe Schwäche erſchien um ſo ſeltſamer, als Mariano offenbar das Niedrigſte, was Rom in ſich ſchloß, beſchützte. Das Bisthum von Oſtia und Velletri, eins der privilegirten Bisthümer, war der Zufluchtsort einer großen Anzahl Uebelthäter im römiſchen Staate geworden. Mariano trieb Handel mit dem Bürgerrecht, und verfügte über die Unterſchrift und das Siegel ſeines Herrn. Man bemerkte während der franzöſiſchen Verwal⸗ tung, daß ihr der Bezirk von Velletri allein jährlich mehr Uebel⸗ thaten, Verbrechen und Prozeſſe zuführte, als der ganze übrige Theil des Departements. Die Bewohner ſchrieben die richtige Ur⸗ ſache davon den Amneſtieen des Kardinals Albani, oder vielmehr des Mariano, zu. Albani(Joſeph), Neffe des vorigen, und auch Kardi⸗ nal, geboren zu Rom 1757, oder vielleicht einige Jahre vorher, widmete ſich erſt in ſpäterem Alter den Staatsgeſchäften. In ſei⸗ ner Jugend war er wenig dem Studiren, aber ſehr den Zerſtreuun⸗ gen ergeben; beſonders hatte er viel Hang zur Muſik, und ſetzte in der Folge einen Ruhm darein, ſich auf der Violine auszuzeich⸗ nen. Aber es kam nun für ihn der Zeitpunkt, ſich anderer Sorge zu weihen und Fortunens Tücken wieder gut zu machen. Man be⸗ merkte ſogleich ſein Talent und ſeine Fertigkeit. Er wurde mit . der Annone*) beauftragt, und verproviantirte ſich ſelbſt. Als ſeine *) In Nom hat ein vornehmer Beamter den Auftrag, die Stadt das Jahr über mit Lebensmittelu zu verſehen, und über deren Preis, Albani. Familie die guten Verfügungen und neuen Reichthümer ihres An⸗ verwandten bemerkte, wollte ſie ihm die Stelle eines Nuntius nach Wien erwirken, in der Hoffnung, ihn dadurch zu den höchſten kirchlichen Würden befördert zu ſehen. Seine Weigerung, Ita⸗ lien zu verlaſſen, wurde allgemein dem Sinn für die ſchönen Kün⸗ ſte, oder einer ſonſtigen Neigung, zugeſchrieben. Aber Manche dachten auch, dieſe angeblichen Motive möchten nur der Deckman⸗ tel für ehrgeizigere ſeyn. Man bemerkte ſie ſogar in der verſtellten Beſcheidenheit, die ihn ſagen ließ:„Ich bin meinem Rufe nicht „gefolgt: ich ſollte eher ein Tonkünſtler, als ein Fürſt der Kirche „ſeyn.“ Er zählte viel auf den mächtigen Einfluß ſeiner Familie⸗ blieb aber dennoch lange ohne Anſtellung. Pius VI. war nicht leicht zu beſtimmen. Endlich wurde er zum Auditor der apoſtoli⸗ ſchen Kammer ernannt, und trat, dem Syſtem ſeiner Familie ge⸗ horchend, dem Intereſſe Oeſterreichs gegen Frankreich bei. Er nahm laut dieſe Partei, als Baſfeville ermordet wurde(ſ. deſſen Art.), und nach ſeinen Reden und andern Umſtänden zu urthei⸗ len, glaubte man ſelbſt, daß er dieſer Begebenheit nicht fremd ſey. 1795 durchzog er verſchiedene Staaten Italiens, mit der Sendung, einen Bund gegen die franzöſiſche Republik zu bilden. Er hatte wenig Glück, und als der Pabſt ſah, daß er nur mit dem Könige der beiden Sicilien unterhandeln gekonnt, glaubte er, daß ihm nichts übrig bleibe, als einen Waffenſtillſtand mit Frank⸗ reich zu ſchließen. Albani wurde nach Wien geſandt, um dem Kaiſer die Lage der Dinge jenſeits der Alpen mitzutheilen; aber man empfing ihn ſehr kalt, wenn einer, in der Staatsverſamm⸗ lung und vor dem Pabſte, am 28. November 1796, geleſenen De⸗ peſche zu glauben iſt. Der Kaiſer fand es übel, daß S. H. ohne ſeine Theilnahme einen Waffenſtillſtand mit Frankreich und einen Vertrag mit dem König von Neapel geſchloſſen habe. Dieſer un⸗ günſtige Empfang ſchreckte die Hoffnung Albani's noch nicht ab. Er verließ Wien nicht, und ſeine Unterhandlungen, oder vielmehr Ränke, brachten großes Unglück auf Rom. Ein Brief, den ihm der Kardinal Busca ſchrieb, wurde von dem Obergeneral der franz. Armee in Italien aufgefangen. Man ſah darin, wie aufrichtig der römiſche Hof mit Frankreich unterhandelt hatte. Dieſes dem Direktorium zugeſandte Schreiben brach den Waffenſtillſtand, und reißende Fortſchritte brachten die Haustſtadt in die Gewalt des Maaß und Gewicht ꝛc. zu wachen. Dieſe Oberaufſicht heißt An⸗ none. G. Albani. Albarade. Albaret. 93 Generals Bonaparte. Albani erfuhr perſönlich die Folgen. Er verlor beträchtliche Pfründen in der Lombardie, und ſein Palaſt wurde geplündert. 1801 empfing er den Kardinalshut aus den Händen Pius VII., und wohnte fortwährend in der Hauptſtadt Oeſterreichs. Albarade(N. von), Contre⸗Admiral der franz. Repu⸗ blik, bewährte ſich ſeit ſeiner Jugend als einen Anhänger der li⸗ beralen Meinungen, welche die Revolution hervorbrachte, deren Grundſätze er mit Feuer ergriff. Als 1793 Monge das Seemini⸗ ſterium verließ, erſetzte ihn Albarade, und machte ſich des ihm verliehenen Zutrauens würdig. Wirklich konnte auch die Freiheit keine feſtere Stütze und die Verwaltung keinen eifrigern Miniſter haben. Dennoch entging er nicht den Neidharden, welche ſein Verdienſt, und die Gunſt, die er genoß, anfeindeten. Sie nah⸗ men die zu Marſeille und Toulon nach dem 31. Mai 1793 entſtan⸗ denen Unruhen zum Vorwande, um ihn der Nat. Verſammlung zu denunciren. Er rechtfertigte ſich vollkommen gegen alle Be⸗ ſchwerden, und als man ihn 1794 von neuem anklagte, bewies er, daß alle ſeine Maaäreeln durch wahre Vaterlandsliebe geleitet waren, und brachte ſeine Läſterer zum Schweigen. Als er 1794 im Miniſterium erſetzt wurde, nahm er wieder Dienſt bei der Ma⸗ rine, und erhielt 1796 den Befehl über den Hafen l'Orient. Nach der Verbrennung des Schiffes, das den Namen: Der vier⸗ zehnte Juli, führte, ward er abgeſetzt und vor ein Kriegsge⸗ richt gezogen, daſelbſt der Nachläßigkeit in ſeinem Dienſte beſchul⸗ digt, und jedes Kommando's verluſtig erklärt. Dieſes Urtheil, bei welchem der Parteigeiſt den Vorſitz geführt zu haben ſcheint, zerſtörte nicht den guten Ruf Albarade's; denn einige Zeit hernach erlangte er wieder ſeinen Grad als Schiffskapitän, und wurde in der Folge zu dem eines Contre⸗Admirals befördert. Albaret(Stephan), wurde im November 1791 Präſi⸗ dent des National⸗Gerichtshofs von Orleans. Dieſer ſollte über die Verbrechen der Agenten der vollziehenden Gewalt erkennen und alle Verſchwörer verfolgen; aber ſeine Operationen gingen der wil⸗ den Ungeduld eines Theils der damaligen Geſchäftsführer viel zu träge. Der Präſident und ſeine Kollegen wurden angeklagt, und mußten nun, nach zehnmonatlicher Amtsführung, ſich ſelbſt recht⸗ fertigen. Albaret ſaß ſpäterhin im Kaſſationsgericht, und unter dem Konſulat ward er zum Rath am Appellationshofe von Mont⸗ pellier ernannt. 94 Albemarle. Albenas. Albemarle(W. Karl Keppel), Pair von England, iſt einer derjenigen Männer, welche, obſchon von der Regierung mit Würden und Reichthümern überhäuft, im Oberhauſe das Inter⸗ eſſe der Nation zu vertheidigen wagen. Er wurde um 1774 gebo⸗ ren. Als Lauderdale's Schüler in der Politik und leidenſchaftli⸗ cher Bewunderer von For ward er bald Mitglied des Klubs der Whigs(Volksfreunde), und hielt den 21. Februar 1794 ſeine erſte Rede, jenes Maiden-speech, das immer mit beſonderer Aufmerkſamkeit angehört wird, weil die Sprache deſſelben gleich⸗ ſam jung fräulich iſt, und das reine Bild der Empfindungen eines jungen Mannes darſtellt, welchen die miniſterielle Verderb⸗ niß und der populäre Ehrgeiz noch nicht verführt haben. In die⸗ ſer erſten Rede, worin Kunſt und Vaterlandsliebe auf's höchſte glänzten, erhob ſich der neue Sprecher mit Kraft gegen die Geſetz⸗ widrigkeit der Ausſchiffung fremder Truppen auf engliſchen Boden. Er verfolgte weiter den antiminiſteriellen Weg. Als Lord Gren⸗ ville im Ausſchuſſe die Unterſuchung der Bill über die Errichtung eines Truppencorps von Emigranten vorſchlug, rief Lord Albe⸗ marle, daß dieſer Antrag eine konſtitutionswidrige Bar⸗ barei enthalte, daß er einen blutigen Krieg verlängere und die Abſichten der Feinde Englands unterſtützen werde. Im J. 1797 trug er darauf an, daß die angenommenen Maasregeln, die eng⸗ liſche Marine zur Beſchirmung Irlands gegen einen feindlichen Einbruch dienen zu laſſen, unterſucht würden, und ſeitdem hat er nicht aufgehört, ſich den Uſurpationen und der Willkühr zu wi⸗ derſetzen. Albenas(Der Ritter von), geb. 1760 zu Sommidres, Dep. vom Gard(Languedoc), ehemaliger Offizier im Regiment Touraine, machte in dieſer Eigenſchaft den amerikaniſchen Frei⸗ heitskrieg unter La Fayette mit, verließ den Dienſt vor der Revo⸗ lution, und bekleidete verſchiedene öffentliche Stellen. 1803 war er Präfekturrath ſeines Departements. Man hat von ihm mehrere politiſche Schriften, auch Gedichte. Albenas(Ludwig Eugen von), älteſter Sohn des vor⸗ hergehenden, Eskadronschef, Offizier der Ehrenlegion, wurde zu Sommidres 1787 geboren. Er begann ſehr ehrenvoll ſeine Laufbahn, indem er, während ſeines Aufenthalts im Lager von Boulogne, fünf Militärperſonen, die Schiffbruch gelitten, ſchwim⸗ mend rettete. Noch vor dem Alter von 25 Jahren hatte Eugen alle Feldzüge von 1805 bis einſchließlich 1815 mitgemacht. Er war Albenas. Albertz⸗ 98 mehrmals verwundet, und wurde bei Moskau zum Eskadronschef ernannt. Seit Entlaſſung der Armee außer Dienſtthätigkeit ge⸗ ſetzt, ſchrieb er die militäriſchen Ephemeriden, ſeit 1792 bis 1815, ein ſchätzbares und höchſt patriotiſches Werk. Albenas(Proſper von), jüngerer Sohn des Ritters, befand ſich in den Feldzügen von 1812 und 1813. Er iſt gegen⸗ wärtig Lieutenant unter der königlichen Garde. Albert(Johann Bernhard), Rechtsgelehrter, wurde 1792 von dem Departement des Oberrheins zum Mitglied der Nat. Convention ernannt. In dem Prozeß Ludwigs XVI ſtimmte er für Appellation an das Volk, Gefängniß, Aufſchub, Verban⸗ nung bis zum Frieden. Als Landsmann des Direktors Rewbel (aus dem Elſaß) zeigte er ſich dem Intereſſe deſſelben, gegen Car⸗ not, völlig ergeben. Er wurde hierauf zum Mitgliede des Raths der Alten ernannt. Nach dem 18. Brumaire trat er in das geſetz⸗ gebende Corps, in welchem er ſich bis 1803 befand. 1814 war er königlicher Procurator bei dem Kriminalgericht zu Schlettſtadt, im oberrheiniſchen Departemente. Albert(N.), Deputirter des Dep. von der Charente ſeit 1814, gehörte im J. 1815 zur Mehrzahl der Kammer. Das fol⸗ gende Jahr ward er wieder gewählt, machte Vorſchläge zur Ver⸗ beſſerung des Geſetzes gegen die Verfaſſer conſiscirter Schriften, ſtattete 1817 und 1818 verſchiedene Berichte ab, und trug darauf an, die Petition des auf halben Sold geſetzten Schiffkapitäns Laignel, welcher den Druck und die Bekanntmachung des Verzeich⸗ niſſes der von dem Seeminiſterium bewilligten Penſionen verlang⸗ te, an dieſes Miniſterium zu verweiſen. Als mehrere Grundeigen⸗ thümer von Angoulème ſich über ihren Munizipalrath wegen Miß⸗ brauch der Gewalt beſchwerten und auch den Finanzminiſter an⸗ klagten, mit dem Geſuch, denſelben bei der Pairskammer belan⸗ gen zu dürfen, unterſtützte Albert gleichfalls die Verweiſung ihrer Petition an die Kommiſſion des Budgets und den Finanzminiſter. 1819 verließ er die Kammer, und iſt gegenwärtig Präſident des Tribunals zu Angoulème. Albert(N.), war Advokat, als die Revolution begann. Er bekannte ſich zu den neuen Grundſätzen, aber mit Mäßigung, welche immer denjenigen Menſchen eigen ſeyn ſollte, die gerecht genug ſind, alte Vorurtheile zu verlaſſen, und ſelbſt, wenn es nöthig iſt, die Angewöhnungen ihrer Denkungsart zu verbannen. Er hatte mit vielem Talent im Civil⸗ und Militärfache Dienſte 96 Albert. geleiſtet, als ihn im J. 1798 ſein Departement, das vom Rieder⸗ rhein(Unter⸗Elſaß), in den Rath der 500 wählte, wo die Ge⸗ ſchäfte in den Ausſchüſſen alle ſeine Zeit erſchöpft zu haben ſchei⸗ nen. Nach dem 18. Brumaire blieb er noch mehrere Jahre im geſetzgebenden Corps. Albert(N.), Verwandter des vorigen, war Subſtitut des Kommiſſärs der vollziehenden Gewalt bei dem Tribunal in Metz. In der Sitzung vom 20. Pluvioſe 5. meldete er, daß auf allen Punkten der Republik, und beſonders in den Departementen des Rheins und der Moſel, die widerſpenſtigen Prieſter den Bürger⸗ krieg predigten, und Zwietracht und Mord zu unterhalten ſuchten. Mehrere Mitglieder ſtraften dieſe Erklärung Lügen, welches gro⸗ ßen Wortwechſel in der Verſammlung verurſachte. 1800 wurde Albert von dem Konſulat zum Richter am Tribunal in Metz ernannt. Albert(Nikolaus), geboren um 1735, gründete die Heilbäder auf dem Quai d'Orcey zu Paris, und war lange Ei⸗ genthümer derſelben. Die mediciniſchen und chirurgiſchen Socie⸗ täten ſtatteten über dieſe Anſtalt einen ſehr vortheilhaften Bericht ab. Beſonders wurde das aufwärts gehende Tropfbad für die Behandlung einiger geheimen Krankheiten bewundert, und Louis, der berühmte Sekretär der chirurgiſchen Akademie, ertheilte darüber das ſchmeichelhafteſte Lob. Die Pumpen, deren man ſich dabei bedient, treiben das Waſſer der Seine bis zur Höhe von 280 Schuhen. Albert(von Rioms, der Graf), Chef eines Seege⸗ ſchwaders, geb. in der Dauphiné 1740, nach andern 1738, trat ſehr jung in den Dienſt der Marine, und zeichnete ſich in dem Kriege, den Frankreich für die Unabhängigkeit des amerikaniſchen Freiſtaats mitführte, beſonders aus. 1779 kommandirte er ein Schiff von 50 Kanonen, der Schütze genannt. Im Gefecht bei Granada half er dem Grafen d'Eſtaing den Admiral Byron ſchla⸗ gen. Am 24. September des nämlichen Jahrs bemächtigte er ſich des Schiffes Experiment, das eben ſo ſtark war, als das ſei⸗ nige, und ſich hartnäckig vertheidigt haben muß, weil es eine be⸗ trächtliche Geldſumme führte. 1781 kommandirte er den Pluto von 74 Kanonen. Er erwarb ſich vielen Ruhm in mehreren Ge⸗ fechten, welche der Graf von Graſſe dem Admiral Hood lieferte⸗ und auch in dem vom 9. und 12. April 1782 gegen den Admiral Rodney zwiſchen St. Domingo und Guadeloupe. Dieſe letzten, ſo unglücklichen, Tage wurden der zwiſchen den Befehlshabern ent⸗ Albert. 497 ſtandenen Mißhelligkeit zugeſchrieben; ein Kriegsrath unterſuchte ihr Betragen; Albert erhielt nur Lob. Er wurde mit dem Grad eines Chef d'Escadre belohnt. 1789 befehligte er zu Toulon als General⸗Lieutenant. Hier unterſagte er den Arbeitern der Seear⸗ ſenäle den Eintritt in die Nationalgarde, und verbot ihnen, die dreifarbige Kokarde zu tragen. Als zwei Zimmermeiſter, oder Auf⸗ ſeher über die Geräthſchaften, ſeinen Befehl übertraten, ließ er ſie in das Gefängniß ſchleppen, welches einen allgemeinen Aufſtand erregte. Die Linientruppen verließen ihn, und er ſelbſt, Caſtel⸗ let und Villager wurden von dem Volke eingekerkert. Der Muni⸗ zipalrath von Toulon, unter André's Vorſitz, beſchloß, ihn wieder in Freiheit zu ſetzen. Er rechtfertigte ſich ſelbſt in einer Denk⸗ ſchrift, und begehrte, vor den Schranken der Nat. Verſammlung gehört zu werden. Dieſe dekretirte, daß weder gegen ihn, noch gegen Caſtellet und Villager, Verfolgung ſtatt haben könne; ja⸗ man ſtimmte dafür, Albert beſondere Achtung zu bezeigen. Er er⸗ hielt den Befehl über die Breſter Flotte von 30 Linienſchiffen, um Spanien in ſeinen Zwiſtigkeiten mit England zu unterſtützen, und leiſtete im Namen der Escadre den Bürgereid. Als ſeine Matroſen bei Bekanntmachung des peinlichen Geſetzbuches ſich widerſpenſtig zeigten, ſchickte er eine Klage gegen ſie ein, und ſein Benehmen wurde durch ein Dekret gebilligt. Endlich verzweifelte er daran, unter dem Schiffsvolke die Disciplin wieder herzuſtellen, und ent⸗ ſagte dem Kommando. Er verließ Frankreich, begab ſich zu den Prinzen, und wohnte mit einem Corps emigrirter Seeoffiziere dem Feldzug d. J. 1792 bei. Nach dem Rückzuge der Preußen und der Zerſtreuung der Koblenzer Armee*) zog ſich der Graf Albert nach Dalmatien zurück, und nahm keinen weiteren Theil an öffentlichen Angelegenheiten. Nach dem 18. Brumaire kam er wieder nach Frankreich. Man glaubt, daß er bis 1806 gelebt hat. Albert(Joſeph Johann Baptiſt), General⸗Lieute⸗ nant, geb. den 28. Auguſt 1771 zu Guilleſtre, Departement der Ober⸗Alpen(Dauphiné), zeigte ſich trefflich in ſeinen Studien, und beſchloß ſie, als 1792 Frankreich vom Einbruch fremder Heere bedroht war. Albert hatte ſich nicht dem Militärſtande beſtimmt; *) So nannten die Republikaner die Schaaren der Ausgewanderten, weil in Koblenz der große Sammelplatz derſelben war und die Prinzen anfänglich dort ihr Hauptquartier hatten. Sie vereinten ſich wieder nach jenem unglücklichen Feldzuge, und bildeten 1793 ein Corps bei Wurmſer's Armee im Elſaß, welches, ſelbſt von ſeinen tapfern Gegnern bewundert, mit vielem Muthe focht. G. Neue Biograph. I. 7 98 Albert. aber der Ruf des Vaterlandes waffnet ihn; ſein Beiſpiel, ſein Feuer, ſeine angeborne Beredtſamkeit entflammen die jungen Mit⸗ patrioten. Das 1. Bataillon der Ober⸗Alpen iſt gebildet; Albert, obſchon kaum 19 Jahre alt, wird von ſeinen Kameraden zum Lieu⸗ tenant erwählt, und zieht mit ihnen gegen die Feinde des Landes. Sein Bataillon ward zur Oſtpyrenäen⸗Armee geſandt, und ge⸗ hörte dort zu Augereau's Diviſton, deren Fortſchritte ſo glänzend waren. Albert bedeckte ſich mit Ruhm in mehreren Gefechten, er⸗ hielt eine Hauptmanns⸗Stelle, und wurde bald von Augereau ausgezeichnet, der ihn zum Flügel⸗Adiudanten(Aide-de-Camp) wählte. Das ſchöne Betragen des Kapitäns Albert in den drei Feldzügen erwarb ihm die ehrenvolle Sendung, der Regierung die von den Spaniern eroberten Fahnen zu überbringen. Das Di⸗ rektorium erhob ihn zum Grad eines Bataillons⸗Chefs, und ver⸗ ehrte ihm einen Säbel und ein Paar Piſtolen*). Albert machte darauf mit dem General Augereau die berühmten Feldzüge in Ita⸗ lien und den im Fränkiſchen. In den Bulletins der gallo⸗batavi⸗ ſchen Armee**) iſt rühmliche Meldung von ihm gethan. Er wurde jetzt Chef de Brigade(Obriſt), und verheirathete ſich darauf zu Offenbach, bei Frankfurt am Main. Seine Frau gehörte zu einer Familie reicher und angeſehener Fabrikanten, Abkömmlinge von Franzoſen, welche der Widerruf des Edikts von Nantes verbannt hatte. Seit der Bildung der Läger an den Küſten des Kanals und des Oceans war Albert, als Unter⸗Chef des Generalſtaabs vom Breſter Lager, in den Schlachten bei Jena und Auſterlitz, und als er ſich im Gefechte bei Golymin beſonders hervorthat, ernannte ihn der Kaiſer zum Brigade⸗General. In der blutigen Eylauer Schlacht legte er ſeine erſte Probe als General an der Spitze einer Infanterie⸗Brigade vom 7. Armeecorps ab, und erwarb ſich durch ſeinen Muth und ſeine Talente Antheil an dem Ruhm, welchen daſſelbe erlangte, indem es einen ganzen Tag lang ihm vierfach überlegenen Streitkräften widerſtand. In den Bulletins von 1807 *²) Die ritterliche Belohnung mit Waffen, welche ſo ganz in dem enthuſtaſtiſchen Sinne der franz. Nation liegt, war in der repu⸗ blikaniſchen Periode ſchon üblich, und ihr Gebrauch eine Haupt⸗ Grundlage des von Napolcon errichteten Ordens der Ehrenlegion. G **) Augereau rückte im J. 1800, während der erſte Konſul über den Bernhard nach Italien zog und Moreau am Oberrhein ſiegreich war, mit einem aus Franzoſen und Holländern(Batavern) beſte⸗ henden Truppeneorps den Main hinauf. G. Albert. 99 findet man das Lob des Generals Albert, der während der Belage⸗ rung von Danzig in der ſogenannten Nehrung(Riederung, an der Oſtſee,) ein glänzendes Gefecht hatte, wobei er 1200 Gefan⸗ gene und mehrere Artillerieſtücke nahm. Der Kaiſer erließ an ihn durch den General⸗Maior ein Beifallsſchreiben über ſein treffliches Benehmen. Im Feldzuge von 1809 kommandirte er eine Brigade vereinter Grenadiere, wirkte zum Gewinn der Schlachten bei Wagram und Eßlingen mit, und erhielt zur Belohnung das Or⸗ denskreuz der eiſernen Krone. 1812 befehligte er in Rußland die erſte Brigade der Diviſion Legrand, die zum zweiten Armeekorps gehörte. Er erwarb ſich vielen Ruhm im Gefecht von Jako⸗ bowo, wo er mit ſeiner Brigade einem Theil des ruſſiſchen Heers die Stirne bot. Aber die Folgen dieſes Gefechts waren dem franz. Armeekorps nicht günſtig; es mußte ſich hinter die Driſſa zurück⸗ ziehen, der Feind folgte ihm dieſſeits des Fluſſes nach, und die Lage der Franzoſen war nichts weniger als glücklich; denn man ſah für den nächſten Tag einem blutigen und nachtheiligen Vor⸗ fall entgegen. Die Meinung faſt aller Generäle war für den Rück⸗ zug. Albert mißbilligt dieſen Entſchluß, begehrt den Kampf, und erklärt, daß ſeine Brigade vorausmarſchirt. Man ſtimmt ihm bei: der Feind, beim Erſcheinen des Tags angegriffen, wird völlig ge⸗ ſchlagen, und zieht ſich in der größten Unordnung hinter die Driſſa zurück, eine große Menge von Todten, Gefangenen und 13 Kano⸗ nen auf dem Schlachtfelde laſſend. Bei dem Rückzuge aus Ruß⸗ land war Albert's Infanterie⸗Brigade die erſte, ſo über die Bere⸗ ſina ging. Sie eilte im Sturmmarſch auf den Feind los, und ſchlug ihn binnen zwei Stunden zurück. Napoleon ernannte, un⸗ ter Glückwünſchungen, Albert auf dem Schlachtfelde zum Divi⸗ ſions⸗General. In dem Feldzuge von 1813 kommandirte er eine Diviſton vom Corps des Marſchalls Ney, und nahm ſehr thätigen 1 Antheil an der Schlacht bei Bautzen. Der Marſchall begehrte und erhielt für ihn das Kreuz eines Großoffiziers der Ehrenlegion. Bald erntete er neues Lob ein. Als ihn am 19. Auguſt der ruſſi⸗ ſche General Sacken mit 25,000 M. Infanterie und 5000 Pferden zwiſchen Hainau und Bunzlau angriff, widerſtand er mit nicht mehr als 5000 Fußgängern und 800 Pferden, allen Anſtrengun⸗ gen des Feindes, ohne daß dieſer in ſeine Diviſion eindringen konnte, welche, obſchon überflügelt, weder Soldaten, noch Ge⸗ däcke, verlor. Der General Albert zog ſich während eines ſieben⸗ ſtündigen ſehr hartnäckigen Gefechts nur eine Stunde weit zurück. Dieſe Waffenthat wurde vom Marſchall Ney,(welchen man den 100 Albert. Braven der Braven nannte,) zum Range der ſchönſten, die je in Kriegen ſtatt hatten, erhoben. Als General Lauriſton bei Leipzig gefangen war, befehligte Albert einſtweilen ſein Armee⸗ corps, welches er nach Frankreich zurückführte. Nachdem er mit ſo vielem Muth jenſeits unſerer Grenzen gefochten, mehrten ſich noch ſein Eifer und ſeine Flamme, als es die Vertheidigung des vaterländiſchen Bodens galt. Er trug zu den Vortheilen bei, die der General Sebaſtiani in der Gegend von Bonn über die Ruſſen erhielt, als ſie über den Rhein gegangen waren. Am 1. Februar 1814 deckte er den Rückzug, welchen das Corps des Marſchalls Macdonald auf Chalons ausführte, widerſtand mit einer handvoll Fußgänger einem Anfall von 1500 preußiſchen Dragonern, ſchlug ſie mit Verluſt zurück, und rettete, durch ſeine Feſtigkeit, den Park des Armeecorps. Am 9. zog ſich die franzöſiſche Armee von La⸗Ferté⸗ſous⸗Jouarre zurück, als die Ruſſen die Vorſtädte an⸗ griffen. Die Einnahme dieſer Stadt würde mehreren Diviſionen den Rückzug abgeſchnitten und einen Theil des Armee⸗Gepäcks in die Gewalt des Feindes gebracht haben. General Albert erblickt die Gefahr, vereinigt die Trümmer ſeiner Diviſion und ein Ba⸗ taillon der Garde, ſtellt ſich an ihre Spitze, ſtürzt mit gefälltem Bajonett auf die Ruſſen los, dringt ein, ſchlägt ſie in die Flucht, verfolgt ſie eine Stunde weit, fügt ihnen einen beträchtlichen Ver⸗ luſt an Todten und Gefangenen zu, und ſichert endlich die retro⸗ grade Bewegung der franzöſiſchen Armee, die nun ruhig bewirkt werden konnte. Als der Marſchall Macdonald dem Kaiſer dieſe That berichtete, erklärte er, daß der General Albert während neun Tagen dem Vaterlande zweimal die ausgezeichnetſten Dienſte geleiſtet habe, und begehrte für ihn das große Band der Ehrenle⸗ gion. Albert, welcher ſeit 1790 alle Kriege mitmachte, hat meh⸗ rere Wunden, und unter dieſen einen Flintenſchuß in den Kopf bei dem Gefecht an der Bereſina erhalten. Im Mai 1814 wurde er zum Kommandanten der 19. Militär⸗Diviſion in Lyon ernannt. Er wußte, indem er gute Diseiplin hielt, ſich die Liebe der Truh⸗ pen und der Einwohner zu erwerben, welche ſeinem biedern Cha⸗ rakter alle Gerechtigkeit widerfahren ließen. Gegenwärtig iſt er erſter Aide-de-Camp des Herzogs von Orleans*). Am 20. März *) Wer war auch würdiger, als dieſer tapfere, patriotiſche Feld⸗ herr, der Waffengefährte eines Fürſten zu ſeyn, der ſelbſt die li⸗ beralſten Grundſätze hegt, und ſchon früher, ehe ſchreckliche Fak⸗ tionen ſeine Laufbahn hemmten, für Freiheit und Vaterland ge⸗ kämpft hatte?* G. Albert. Albertas.* 401 1815 that er, was ſeine Pflicht erfoderte, um die Abreiſe dieſes Prinzen, der ihm ſein Vertrauen geſchenkt, zu ſichern; aber im⸗ mer Frankreich getreu, ging er nicht über die Grenzen, ergriff die Waffen, um dem Eindringen fremder Heere zu widerſtehen, und befehligte eine Diviſion bei der Armee im Elſaß. Die Familie Albert's lebt jetzt mit ihm in Paris, und ſoll ſich durch Liebenswür⸗ digkeit auszeichnen. Seine Gattin beſucht zuweilen die ihrigen in Offenbach. Albert(Kaſimir Ignaz Peter Franz), Herzog von Sachſen⸗Teſchen, geboren den 11. Juli 1738. Nach⸗ dem er ſich mit der Erzherzogin Maria Chriſtina vermählt hatte, regierte er mit ihr zugleich die öſterreichiſchen Niederlande. Er war genöthigt, von Brüſſel nach Wien zu fliehen, als ſich(1789) in ganz Brabant ein Aufſtand erhob; aber bald war die öſterreichiſche Herrſchaft durch die Gewalt der Waffen wieder hergeſtellt, und der Herzog kam in ſein Gouvernement zurück. Er kommandirte 1792 die Belagerungstruppen vor Lille. Als er am 25. Septem⸗ ber die Stadt aufforderte, gab ihm die Munizipalität eine Antwort, deren Feſtigkeit er nicht erwartet hatte. Am Ende mußte er die Belagerung aufheben. Etwas ſpäter wollten die Belgier und Luͤtti⸗ cher, welchen der Herzog Albert, nebſt Pardon, den Vortheil au⸗ bot, in ſeinen Dienſt zurückzutreten, weder eins, noch das andre, annehmen, und blieben bei Frankreich. Als er damals Dumou⸗ rier zu gewinnen ſuchte, gelang es ihm, mit demſelben zu conferi⸗ ren. Aber dieſer Feldherr, den ſeine neuen Siege gar nicht be⸗ ſtimmen wollten, Belgien zu verlaſſen, verwarf die deshalb ihm gethanen Vorſchläge, und unterrichtete davon die Nat. Convention am 20. November 1792*).— Von den Geſchäften, ſeines hohen Alters wegen, abgezogen, lebt der Herzog jetzt am Hofe zu Wien. Man verſichert, daß er ein großes Vermögen beſitzt, und einen trefflichen Gebrauch von demſelben macht. Albertas(Suzanne, Marquis von), Sohn des ho⸗ hen Beamten dieſes Namens, der nach einem Feſte, welches er ſei⸗ 4 nen Vaſallen gab, ermordet wurde. Er ward zu Aix, aus einer geſchätzten und ſeit langer Zeit im Civildienſte geehrten Famillie, *) H. Albert kommandirte im J. 1794 die öſterreichiſche Armee am Rbhein, mit welcher er, an die Preußen, unter Möllendorf, an⸗ geſchloſſen, bis an die Elſaſſer Grenze vorrückte; aber nach den unfällen in Belgien ging er wieder über den Strom zurück, und nahm ſein Hauptquartier in Heidelberg, bis im Spätſommer 1795 Wurmſer den Oberbefehl wieder erhielt. G. 102 Albertas. Alberti di Villanova. Albignac. geboren, und folgte ſeinem Vater in der Stelle des erſten Präſi⸗ denten am Tribunal von Aix, welche er bis zur Revolution beklei⸗ dete. Obſchon er nicht emigrirte, blieb er doch den alten Grund⸗ ſätzen treu. Er wurde 1844 zum Präfekten des Departements der Rhonemündungen ernannt, verlor aber dieſe Stelle bei der Rück⸗ kehr des Kaiſers, und zog ſich auf ſein Landgut in Gemnes zu⸗ rück. Im Auguſt 1815 ſchrieb ihm der König einen eigenhändi⸗ gen, ſehr ſchmeichelhaften Brief, ernannte ihn zum Pair von Frankreich, und bewilligte ihm den Titel Marquis. Alberti di Villanova(Franz), ein Piemonteſer, wurde zu Nizza 1737 geboren. Er zeichnete ſich im Fache der Literatur aus, und ſein erſtes Werk war ein italieniſch⸗franzöſiſches Wör⸗ terbuch, das beſte, ſo wir beſitzen. Darauf gab er ſein: Dizzio- nario universale critico, encyclopedico della lingua italiana, heraus, ein ſehr geſchätztes Werk. Er ſtarb gegen das Ende d. J. 1800, als er eben eine neue Ausgabe des letztern veranſtaltete; doch hatte er noch Zeit, ſeinem Freunde Federighi die Leitung der⸗ ſelben anzuvertrauen. Albignar(Graf von), entſproſſen aus einem alten ade⸗ lichen Stamm des ſüdlichen Frankreichs, der nach der Normandie verpflanzt wurde, widmete ſich von Jugend auf dem Kriegsdienſte. Im J. 1780 wurde er Mestre- de-Camp(kommandirender Obriſt) der Leibgarden*), und 1784 Lieutenant⸗Brigadechef. Er emigrirte 1791, und kehrte erſt nach dem 18. Brumaite nach Frankreich zurück, wo er bis 1814 in Abgeſchiedenheit lebte. Jetzt, nach der erſten Wiedereinſetzung des Königs ward er zum General⸗Major der Leibgarden ernannt. Die Ordonnanz vom Au⸗ guſt 1816, wornach die über 50 Jahre alten Offiziere auf halben Sold und in Ruheſtand verſetzt werden, traf auch d'Albignac. Albignac(N.), Sohn des vorigen, und, wie er, vom Militärſtande, war Adjutant des Marſchalls Ney, und erhob ſich durch ſein Verdienſt zum Maréchal-de-Camp. 1845 wurde er vom Dep. Calvados zum Mitglied der Repräſentanten⸗ Kammer *) Die zu den königlichen Haustruppen gehörigen, eigentlichen Gar- des-du-Corps waren ſänmmtlich Edelleute zu Pferde, 4 Compagnieen ſtark, mit Säbeln, Piſtolen und Mousquetons be⸗ waffnet, und reich gekleidet und equipirt. Die Schlacht bei Fon⸗ tenoi war der Triumph ihras Heldenmuthes. Sie erhielten ſich bis zum 6. October 1789, da man den König nach Paris ent⸗ führte. Dies war, nach dem Ausdruck eines hiſtoriſchen Schrift⸗ ſtellers, der Todestag jenes prächtigen Corps. G. Albignac. 103 erwählt, und zugleich im nämlichen Jahr ernannte ihn eine 2 nigl. Ordonnanz zum Präſidenten des Wahlkollegiums vom Bezirk Bayeux.— Albignac(Moriz Caſtelnau, Graf von), Vetter der vorigen, diente 1792 als Offtzier in dem Heere der Prinzen⸗ und hierauf unter den Oeſterreichern. Nach dem Frieden ging er nach Frankreich zurück, und nahm 1806 wieder Dienſt, und zwar als gemeiner Ordonnanz⸗Gensd'arme in der kaiſerlichen Garde. Er wohnte dem Feldzuge bis zum Tilſiter Frieden bei, wurde Maréchal-des-logis-chef(erſter Wachtmeiſter), und bald Of⸗ fizier. Hierauf trat er in die Dienſte des Königs von Weſtphalen, der ihn zu einem ſeiner Adjutanten annahm. Er diente daſelbſt vier Jahre, ward General⸗Lieutenant, Groß⸗Stallmeiſter, und Kriegsminiſter. Dieſen letzten Platz verließ er, um wieder nach Frankreich zurückzukehren, wo er die Stelle eines Chefs vom Ge⸗ neralſtabe des 6. Corps, unter Marſchall Gouvion⸗St.⸗Cyr, und kurz darauf unter den Vice⸗König von Italien, erhielt. 1813 wurde d'Albignac mit dem Oberbefehl im Departement vom Gard und mit der Organiſation der 4. Reſerve⸗Diviſion beauftragt. Nach der Rückkehr des Königs ward er auf halben Sold geſetzt⸗ am 20. März aber trat er wieder in Thätigkeit als Chef vom Gene⸗ ralſtabe des Marſchalis Gouvion⸗St.⸗Cyr in Orleans. Er ſchloß ſich dem Herzog von Angoulème, und darauf dem König zu Gent an. Als er mit dem letztern nach Frankreich zurückkehrte, wurde er Generalſekretär des Kriegsminiſteriums, und nach dieſem Gouver⸗ neur der königlichen Militärſchule zu St. Cyr, welche Stelle er noch bekleidet. Die treffliche Art, mit welcher d'Albignac dieſen eben ſo beſchwerlichen, als ehrenvollen, Dienſt erfüllt, erwirbt ihm jeden Tag mehr die Zuneigung ſeiner Eleven, ohngeachtet der ſtrengen Disciplin, die er dorten eingeführt, und deren Härte er, trotz ſeiner geſchwächten Geſundheit, muthig theilt. 3 Albignac(von), General⸗Lieutenant, war Staabsofft⸗ zier vor der Reyolution. Seine populären Grundſüätze und ſeine Liebe für die Freiheit erwarben ihm das Vertrauen der Regie⸗ rung, welche ihm 1794 den Oberbefehl üher die Truppen im Gard⸗ Departement ertheilte. Er erſtickte in der Geburt die von den Royaliſten aus Uzes gefaßten Anſchläge, und zerſtreute ohne Ge⸗ waltſamkeit die zu Jalés Verſammelten. Die bei dieſen Vorfällen bewieſene Mäßigung erwarb ihm die Achtung aller Einwohner, und gewann ihm bald die Stelle eines Maréchal-de-Camp, Kom⸗ 104 Albignac. Albini. Albiſſon. mandanten der 9. Militär⸗Diviſion. Im Oectober des nämlichen Jahrs ward er zum Kommiſſär wegen Vereinigung der Grafſchaft Venaiſſin mit Frankreich ernannt. Eine Disciplinsſache, die ein Regiment betraf, welchem man Recht gab, beſtimmte ihn, ſeine Entlaſſt ſung zu nehmen. Man rief ihn bald darauf zurück, und er⸗ hob ihn zum Grade eines General⸗Lieutenants. Er focht neuer⸗ dings gegen die Royaliſten vom Gard, und zog ſich alodann in ſeine Heimath zurück. 1799 erhielt er den Oberbefehl der 11. Mi⸗ litär⸗Diviſion. Albini(Baron von), Miniſter des Kurfürſten von Mainz, und ſpäter des Fürſten Primas. 1792 machte er dem fran⸗ zöſiſchen Geſandten in Mainz die Ankunft des Kaiſers von Oeſter⸗ reich, des Königs von Preußen, und der franzöſiſchen Prinzen be⸗ kannt, und ließ ihm die Wahl, in der Stadt zu bleiben, oder ſich während der Conferenzen zu entfernen. Als im nämlichen Jahre die Franzoſen ſich der Feſtung Mainz bemächtigten, wohnte er dem Kriegsrathe bei, der die Kapitulation ſchloß, und 1795 repräſen⸗ tirte er den Kurfürſten auf dem Friedenskongreß; auch befand er ſich 1797 bei dem zu Raſtadt*). Man vertraute ihm in der Folge den Oberbefehl über die neu errichteten kurmainziſchen Truppen an**). Nach einigen über den Feind erlangten Vortheilen zog er ſich nach Aſchaffenburg zurück, und wollte in engliſche Dienſte ge⸗ hen. Im Jahr 1800 befand er ſich zu Wien. Er empfing vom Kurfürſten einen reich beſetzten Säbel, auf deſſen goldenem Griff die Worte ſtanden: Friedrich Karl Joſeph ſeinem Al⸗ bini; die Vorfälle an der Nidda, bei Aſchaffen⸗ burg und Neuhof. Unter dem Fürſten Primas erweiterte ſich ſein Wirkungskreis, und ſpäterhin trat er in uſterrrichiſche Dienſte***). Albiſſon, geb. zu Montpellier, 1732, zrichnete ſich daſelbſt als Rechtsgelehrter aus. Er trat hierauf in den Rath der Stände von Languedoc, und gab einige Schriften über Munizipalverfaſ⸗ *) Als während der Unterhandlungen die franz. Truppen Mainz be⸗ ſetzten, erließ er ein nachdrückliches Schreiben an die Bevollmaͤch⸗ tigten Frankreichs, das aber fruchtlos bleiben mußte. G. **) D. h. er ſtellte ſich 1799 an die Spitze des Landſturms vom Odenwald und Speſſart, mit dem ſich kurmainziſche Infanterie und Huſaren vereinten. G. ***) Er wurde von dieſer Macht zum bevollmächtigten Miniſter am Bundes ztage ernannt, ſtarb aber vor Antretung dieſer Stelle im J. 1816. G. Albiſſon. Albitte. 105 ſung und Geſetze dieſes Landes heraus. Seit der Revolution be⸗ kleidete er verſchiedene adminiſtrative und gerichtliche Stellen mit eben ſo vielem Talent, als Eifer. Das Departement vom Herault erwählte ihn 1802 zum Tribunen. Er unterſtützte lebhaft den An⸗ trag, die Kaiſerwürde in Napoleons Familie erblich zu machen. Seine Verdienſte erwarben ihm das Kreuz der Ehrenlegion, und 1805 erhielt er die Stelle des kaiſerl. Generalprokurator⸗Subſti⸗ tuten am Kaſſationsgericht. Er wurde hierauf Staatsrath; aber eine ſchmerzhafte Krankheit endigte ſeine Tage zu Paris, am 22. Jänner 1810. Albitte(Anton Ludwig), der ältere, Advokat zu Diep⸗ pe, Mitglied der geſetzgebenden Verſammlung bei der Nat. Con⸗ vention, wozu ihn das Departement der Nieder⸗Seine(Norman⸗ die) 1791 ernannte. Er beſchäftigte ſich hier faſt ausſchließlich mit der Militaͤr⸗Organiſation, legte ein Dekret über die Stellen⸗ erſetzungen bei der Armee vor, bewirkte den Beſchluß, daß aus dem Nationalſchatze ein Fonds für die Invalidenkaſſe genommen würde, widerſetzte ſich der Maasregel, daß die vom Könige abhän⸗ gigen Truppen in der Nähe der Nat. Verſammlung weilten, und verlangte, daß der Kriegsͤminiſter für die Wahrheit der über den Zuſtand der Grenzen abgeſtatteten Berichte mit ſeinem Kopfe ver⸗ antwortlich ſey. 1792 äußerte er ſeine Beſorgniß, daß die Ver⸗ mehrung der Gensd'armerie der Freiheit ſchädlich ſeyn könne; welche aber, ſo gegründet ſie auch ſeyn mochte, nicht beachtet ward. Er verlangte eine Unterſuchung der Geſetze über das See⸗ weſen, und ſtimmte für die Anklage des Seeminiſters Bertrand von Moleville und des Kriegsminiſters Narbonne. Auch rief er zur Zerſtörung der feſten Plätze im Innern des Reichs auf, weil ſie den Gegen⸗Revolutionären zu Haltungspunkten dienen könnten. Er wirkte ſtark zu den Begebenheiten des 10. Auguſts mit, und ließ den folgenden Tag, gemeinſchaftlich mit ſeinem Kollegen Sers, den Umſturz der Königsſtatuen und ihre Erſetzung durch die Bild⸗ ſäule der Freiheit dekretiren. Die Nat. Convention ſandte ihn mit Lecointre in das Departement der Nieder⸗Seine, um die Verdäch⸗ tigen zu entwaffnen und die widerſpenſtigen Prieſter zu deportiren. Ferner begehrte er den Verkauf der Emigranten⸗Güter und die Beſchränkung des Prieſtergehalts. Er wußte die gegen ihn gerich⸗ tete Anklage des Ex⸗Miniſters Narbonne, als wäre er einer der Deputirten, die Geld empfangen hätten, um der königlichen Par⸗ tei beizutreten, von ſich zu entfernen. In dem Prozeſſe Lud⸗ wigs XVI. ſtimmte er für den Tod dieſes Fürſten; auch begehrte 406 Albitte. er die zehnjährige Verbannung des Miniſters Roland, und erwirkte, daß man die Generäle Eſtourmelle und Ligneville verhaftete, und der vormalige Geſetzgeber Matthieu Dumas unter Aufſicht geſetzt wurde: Als Kommiſſär bei der Alpenarmee ſtattete er über die mit dem General Cartaux, zur Unterwerfung der Rebellen des Südens, genommenen Maasregeln Bericht ab, ließ den in Savoyen kom⸗ mandirenden General Brunet vor daß Revolutionsgericht ziehen⸗ durch deſſen Spruch er für ſeine Dienſte auf dem Schaffott ſtarb⸗ und trug darauf an, daß dieienigen, welche die Belagerung von Lyon geleitet, über ihr Benehmen Rechenſchaft geben ſollten. Vor ſeiner Sendung in die Departemente des Ain und Montblane(Bur⸗ gund und Savoyen) ſchrieb er, daß der Aberglaube und die Schlöſ⸗ ſer zerſtört und die Güter der Verdächtigen zum Dienſte der Re⸗ publik wären. Er ſuchte hierauf bei der Gemeinde Paris die Ge⸗ nehmigung ſeiner Beſchlüſſe nach, aber mehrere Anklagen werden aus den zwei obigen Departementen gegen ihn eingeſandt. Er be⸗ ſchwert ſich bei der Nat. Convention und dem Jakobinerklub über ſo viele, gegen die dem Vaterlande treuen Deputirten gerichtete, falſche Beſchuldigungen, und widerſteht jedem Angriff. Aber der Aufruhr vom 1. Preireal 3.(ſ. die Tabelle) endet ſein Glück. Er hatte am nämlichen Tage begehrt, daß das durch die Abweſen⸗ heit der Sekretäre erledigte Staatsbureau mit den bei den Armeen geweſenen Repräſentanten beſetzt werden ſollte. Delahaye erhebt ſich gegen ihn, und beſchuldigt ihn, einer der Urheber des Auf⸗ ſtandes geweſen zu ſeyn. Der Präſtdent befiehlt, ihn nicht aus dem Saale gehen zu laſſen; Tallien ſtimmt für ſeine Verhaftung, Ver⸗ nier klagt ihn an; Albitte, der jüngere, ſein Bruder, vertheidigt ihn mit Wärme, aber ohne Erfolg. Er wird, nebſt ſechs andern in Anklageſtand erklärt, doch gelingt es ihm, ſich durch die Flucht zu retten. Die Militär⸗Kommiſſion, welche ſeine Mitbeſchuldig⸗ ten richtet, verurtheilt ihn in contumaciam. In der Amneſtie vom 4. Brumaire mitbegriffen, erſcheint er wieder.— Albitte⸗ den die Revolution noch ſehr jung überraſchte, überließ ſich mit aller Heftigkeit ſeines Alters der übertriebenſten demagogiſchen Be⸗ geiſterung. Seine Verirrungen machten mehr als einmal die Menſchlichkeit ſchaudern. Bei der Vorſtellung der Tragödie Ca⸗ jus Gracchus, von Chonier, wagte er es, ſich allein gegen das Publikum zu erheben, welches dem ſchönen Halbverſe: Ge⸗ ſetze, und kein Blut! mit feurigem Beifall antwortete, und verlangte Blut, und keine Geſetze! Hatte das Direktorium keine Schaam, nach ſolchen Dingen ihm die Amtsverrichtungen Albitte. Albon. 107 eines Maire*) von Dieppe anzuvertrauen? Nach dem 18. Bru⸗ maire trat er in die Militär⸗Verwaltung, und diente lange als Revuen⸗Unterinſpektor. Er ſtarb von Strapatzen, Kälte und Hunger in dem Feldzuge nach Moskau. Albitte, der jüngere, Bruder des vorigen, wurde 1792 vom Dep. Nieder⸗Seine zum Ergänzungs⸗Deputirten bei dem Nat. Convent ernannt, trat aber nicht eher ein, als bis die Revolution vom 31. Mai 1793 die Verſammlung nöthigte, jene Mitglieder, welche dieſer Tag gefällt, durch die Suppleanten erſetzen zu laſſen. Weniger ehrſüchtig, und gemäßigter, als ſein Bruder, erſchien er nur auf der Rednerbühne, um jenen gegen die Beſchuldigung, ein Miturheber der Vorfälle im Praireal 3. geweſen zu ſeyn, in Schutz zu nehmen(ſ. den vor. Art.), ein Antrieb, der zu jeder Zeit natürlich, aber in jener ſchrecklichen Periode heroiſch genannt werden muß. Er befand ſich von 1795 an in keiner Staatsbehörde, und war noch 1816 Lotterie⸗Inſpektor zu Rheim. Albon(Claude Camille Franz, Graf von), Ab⸗ kömmling von Jakob von Albon, Marquis von Fronſac, welchen man den Marſchall von St. André nannte, wurde 1753 zu Lyon geboren. Er zeigte ſchon in früherer Jugend glückliche An⸗ lagen zur Literatur, und gab verſchiedene Werke heraus, welche ihm bald die Pforte mehrerer akademiſchen Geſellſchaften, unter andern der von Lyon, Rom, della Crusce zu Florenz ꝛc. eröffnete. Trotz ſeines Verſtandes und philoſophiſcher Affektation konnte er ſich der Adelsvorurtheile nicht erwehren. Da er Herr von Ypetot, in der Normandie, war, ließ er daſelbſt Hallen für die Märkte erbauen, und ſchmückte(ſich ohne Zweifel noch im 6. Jahrhundert dünkend, als die Herren dieſer kleinen Stadt das Recht der Kö⸗ nige uſurpirten) dieſe Hallen mit der pomphaften Ueberſchrift: Genkium commodo, Gamillus 11I. So machte er aus dieſer nützlichen Anſtalt ein Denkmal ſeiner Eitelkeit. Er hat verſchiedene poetiſche und proſaiſche Werke geſchrieben, unter an⸗ dern: 1) Dialog zwiſchen Alexander und Titus; 2) Bemerkungen eines Staatsbürgers über einen neuen Plan der Auflagen; 3) Lob des großen ökonomiſchen Schriftſiellers Quesngy; 4) Nekrolog berühmter Männer; 5) Rede über die Frage: Ob das Jahrhun⸗ *) Soll wahrſcheinlich heißen eines Munizipal⸗Präſidenten oder Stadt⸗ — beamten/ da unter dem Direktorium keine Maires exiſtirten, die mit der konſulariſchen Verfaffung erſt wieder eingeführt wurden. G. 108 Albon. dert des Auguſt dem Ludwigs XIV. in Anſehung der Literatur und Wiſſenſchaften vorzuziehen ſey(worin er ſich für die Moder⸗ nen entſcheidet); 6) Verſchiedene Gedichte, nuter welchen die Trägheit, das angeblich dem griechiſchen des Nikander nachge⸗ bildet, aber von Albon ſelbſt verfaßt iſt; man findet darin eine ſchöne Moral, Stärke der Einbildungskraft, und eine tiefe Kennt⸗ niß der Mythologie; 7) Rede über die Geſchichte, Regierung, Gebräuche, Literatur und Kunſt mehrerer europäiſchen Nationen. Der Verfaſſer unterſucht in dieſem Betracht Holland, England, Deutſchlaud, Italien und Spanien, welche Länder er alle ſelbſt bereiſt und beobachtet hatte. Beſonders wurde ſeine Anſicht von Spanien mit vielem Intereſſe geleſen, die von den brittiſchen Staaten hingegen ſtark kritiſirt. Denn er mißbilligt laut die eng⸗ liſche Konſtitution, welche er ſelbſt geeignet glaubt, die Nation zu verderben(welches nicht ganz falſch wäre, wenn er die Modiſtka⸗ tionen vor Augen gehabt hätte, die ſie ſeit dem Miniſterium Pitt's und unter dem des Robert Walpole erfuhr); 8) Lob des Court⸗ de⸗Guebelin*). Der Graf Albon achtete dieſen Gelehrten ſehr⸗ und begnügte ſich nicht damit, ihm ein ſchriftliches Denkmal zu ſetzen; ſondern er errichtete ihm auch ein Grabmal in ſeinen Gär⸗ ten zu Francoville⸗la⸗Gavenne, im ſchönen Thale von Montmo⸗ rency. Von den dort befindlichen, ſehr mahleriſch aufgeſtellten, Monumenten erſchienen 1784 19 Zeichnungen, welche Dulaure in ſeinen Curiosités de Paris umſtändlich beſchreibt.— Albon ſtarb zu Paris 1789, kaum 36 Jahre alt. Albon(Andreas Suzanne, von), geb. zu Lyon, am 15. Mai 1761, gehört zu jener alten Familie, deren Glieder vor der Revolution den Titel der Prinzen von Yvetot führten. Man weiß, daß die Herren dieſes Landes ſich ſeit dem Jahre 534 Kö⸗ nige von Yvetot nennen ließen, und daß Ludwig XI. den kö⸗ niglichen in den Fürſtentitel verwandeln ließ. Albon war ein En⸗ kel des Neffen vom Marſchall von St. André. Nach adelichem Ge⸗ brauch wählte er die Laufbahn der Waffen, und erhielt mit 17 Jahren eine Compagnie Küraſſiere. Er emigrirte 1791, und diente bei der königl. Armee der Prinzen. Als die Stadt Lyon von *) Ein großer Alterthumsforſcher und Philoſoph, der das gelehrte Werk: Die Urwelt(Monde primitik) ſchrieb, worin die tief⸗ ſten und umfaſſendſten Bemerkungen über Mythologie, die Bil⸗ dung der erſten Menſchenvereine, ihre Sitten, Gebräuche, Ge⸗ ſetze, und Geiſtesentwicklung, dargelegt ſind. G. Albon. 109 der Armee, welche der Convent, unter dem Befehl des Gen. Kel⸗ lermann, hinſandte, belagert ward, begab ſich Albon nach Bern⸗ um die Schweizer zur Befreiung jener Stadt, im Bunde mit den Prinzen, einzuladen. Aber dieſe Kantone hatten damals andere Angelegenheiten, und er war genöthigt, nach Deutſchland zurück⸗ zukehren, wo er bis 1801 blieb. Damals kam er wieder nach Lyon, und hier vermählte ſich der Abkömmling der Könige mit Fräulein von Viennois, die von Humbert II., Dauphin von Vien⸗ nois, abſtammte. 1813 wurde Albon zum Maire von Lyon er⸗ nannt. Als die Oeſterreicher 1814 in die Stadt einrückten, ließ dieſer öffentliche Beamte, aus eigner Bewegung, ohne noch von der Abdankung des Kaiſers etwas zu wiſſen, die weiße Fahne auf dem Stadthauſe aufpflanzen. Jetzt erklärten ſich den Verwalteten ſeine wiederholten Weigerungen, ihnen das Arſenal zu öffnen, da⸗ mit ſie dem Eindringen des Feindes Widerſtand leiſten könnten, und die Drohungen, ſo er an dieienigen erließ, welche die öſterr. Armee bekämpfen und die Stadt vertheidigen wollten. Albon er⸗ hielt kurz hernach von S. M. Ludwig XVIII. eine beſondere Au⸗ dienz. Als er nach Lyon zurückkam, ſetzte er ſeinen Mairiedienſt fort, und verbot durch einen Beſchluß das Feilbieten der Kupfer⸗ ſtiche, welche an den Kaiſer erinnerten. Man weiß nicht, warum dieſer durch ſeine Anhänglichkeit an die königliche Sache ſo be⸗ kannte Mann abgeſetzt wurde. Während der hundert Tage lebte er vergeſſen, und erlitt keine Verfolgung von Seiten Napo⸗ leon's. Als er bei der zweiten Rückkunft des Königs zum Mitglied der Deputirtenkammer gewählt ward, hielt er ſich beſtändig zur Mehrzahl, und ſprach ſich beſonders in einer auf das Amneſtie⸗ Geſetz Bezug habenden Rede aus, nach welcher alle, die für den Tod des Königs geſtimmt, verbannt, und, im Fall ſie dies Gebot übertreten, eine angemeſſene Strafe über ſie verfügt, und ihre Güter zur Bezahlung der Kriegskoſten verwendet werden ſollten. Dieſer Vorſchlag wurde nicht gänzlich angenommen. Die Ordon⸗ nanz vom 5. September entfernte Albon aus dieſer Verſammlung, und er ward nicht wieder gewählt. Albon(von), Bruder des vorigen, ehemaliger Kavalle⸗ rie⸗Offizier, hernach Kriegskommiſſär. Am 19. Brumaire 8. (10. November 1799) wurde das Rathscollegium der 500 nach St. Cloud verlegt, zufolge eines den Tag vorher vom Rathe der Alten erlaſſenen Dekrets, welcher auch den General Bouaparte mit der Vollziehung deſſelben beauftragte. Als dieſer General vor den Schranken erſchien, fuhren einige Deputirte, die insgeheim 110 Albon. Alborghetti,. Albouis OAzincourt. von ſeinem Vorhaben, den Rath aufzulöſen, unterrichtet waren, ihn ſcharf an, und begehrten, daß er außer dem Geſetz erklaͤrt würde. Albon eilte mit andern Militärperſonen, Bonaparten zu Hülfe, den ſein Bruder Lucian, damals Präſident des Raths, leb⸗ haft vertheidigte. Aber bald darauf trat Murat an der Spitze der Grenadiere in den Saal, erklärte den Rath für aufgelöſt, und ließ den Sturmmarſch ſchlagen, um die Oeputirten zu entfernen/ welche dann durch alle Ausgänge abzogen. Alborghetti(von Bergamo), war eins der Häupter jener Revolution, welche 1797 durch die Annäherung der Franzo⸗ ſen in ſeinem Vaterlande entſtand. Er wurde Mitglied des großen eisalpiniſchen Raths, und hielt in einer der merkwürdigſten Sitzun⸗ gen eine Rede im Betreff der geiſtlichen Güter. Albouis D'Azincourt(Joſeph Johann Baptiſt), geboren den 12. December 1747 zu Marſeille, aus einer Kauf⸗ mannsfamilie. Er entſagte frühe dem Geſchäft ſeines Vaters, auf die Ermunterung des Marſchalls Nichelien, der ihn als Bibliothe⸗ kar anſtellte, und ihn beauftragte, die Denkwürdigkeiten ſeines Lebens abzufaſſen. Mehrere Rollen, in welchen er ſich auf Ge⸗ ſellſchaftstheatern verſuchte, erweckten in ihm die Neigung für die Bühne. Das Talent und die Leichtigkeit des Spiels, ſo er in die⸗ ſen freundſchaftlichen Vereinen entwickelte, verſprachen ihm eine günſtige Aufnahme bei dem großen franzöſiſchen Theater; aber er zog vor, ſeine Kunſt auf einem weniger berühmten zu erproben. Er erhielt zu Brüſſel den lebhafteſten Beifall in der Rolle des Crispin im Luſtſpiele: Die verliebten Thorheiten(tolies amourenses). In dieſer Stadt ließ er ſich zuerſt d' Azincourt nennen. Bald hernach erſchien er auf dem Théàtre français in Paris durch die Protection des Prinzen von Ligne. Er hatte Beifall, und wurde 1778 zum Mitglied angenommen. Die Köni⸗ gin, welche Luſt hatte, dramatiſche Vorſtellungen zu geben, ließ ſich von O'Azincourt unterrichten, und belohnte ihn reichlich. Die Revolution zerſtörte das Glück dieſes Künſtlers, und vernich⸗ tete alle ſeine Hoffnungen. Er ſiel darüber in eine Traurigkeit, die mit ſeinen Verrichtungen wunderlich kontraſtirte. Die während der Revolution zerrüttete Geſellſchaft des franz. Theaters dankte ihre Wiederherſtellung den häufigen Schritten, welche d'Azincourt deshalb that. 1807 wurde er zum Profeſſor der Deklamation am Conſervatorium ernannt, und erhielt bald darauf die Direction der Schauſpiele bei Hof. Nachdem er aber etliche Monate lang dieſe Albouis D Azincourt. Albouys. Albrechtsberger. 111 Stelle verſehen, ward er am 28. März 1809, 62 Jahre alt, der Bühne durch den Tod entriſſen.— D'Azincourt s Darſtellungen vereinigten Tiefe mit Feinheit und Biegſamkeit; er war niemals trivial. Hierin vorzüglich unterſchied er ſich von Dugazon, der mit ihm die Rollen der Livreebedienten theilte. Dieſer war ein Diener vom guten Ton, das heißt, ein wenig froſtig. Preville ſagte von ihm:„Er iſt bezaubernd, Scherz bei Seite*)!“ Wäh⸗ rend der revolutionären Unruhen benachrichtigte man D'Azincourt eines Abends, daß ein Theil der Schauſpieler des Théätre fran- cais verhaftet werden ſollte, und er ſich noch retten könne. Aber er erklärte, das Loos ſeiner Mitgenoſſen theilen zu wollen. Er wurde arretirt und eilf Monate lang gefangen gehalten**). Albouys war Richter am Tribunal zu Cahors(in Guienne), als ihn das Departement vom Lot zum Conventsdeputirten wählte. Er iſt nur durch ſein merkwürdiges Votum in dem Prozeſſe des Königs bekannt, worin er alle Intereſſen zu vereinigen ſuchte, die der Gerechtigkeit, die der Nation, und die des Geſetzgebers. „Man würde, äußerte er ſich, die Autorität des Volks über die „Frage: Ob Appellation ſtatt habe? verkennen, wenn man nicht „ſagte: Ja!“ Er ſprach für Einthürmung, Verbannung bis zum Frieden, und Aufſchub. Albrechtsberger(Johann Georg), ein deutſcher Or⸗ ganiſt, wurde zu Kloſter Neubrunn, im Oeſterreichiſchen, 1729 geboren, trat als Chorknabe in das Kapitel dieſer Stadt, und er⸗ hielt einige Zeit darauf die Leitung einer Schule in der Abtei Mölk. Er genoß den muſtkaliſchen Unterricht des Hoforganiſten Monn, und wurde ſelbſt Organiſt dieſer Abtei, wo er zwölf Jahre blieb. In der Folge nahmen ihn die muſtkaliſchen Geſellſchaf⸗ ten zu Stockholm und Wien zum Mitgliede auf. Er erhielt nun in letzterer Stadt die Kapellmeiſter⸗Stelle an der Domkirche. Er komponirte viele muſikaliſche Stücke, unter welchen man ein deutſches Oratorium zu vier Stimmen auszeichnet. 1790 gab er ein Elementarbuch heraus, unter dem Titel: Gründliche An⸗ *) Beaumarchais übertrug in ſeinem unnachahmlichen Intri⸗ guenſtück Figaro d' Azincourt die Hauptrolle, und Mlle Contat ſpielte die Suſanne. Durch beide wurde der Ruhm dieſes Lunſt⸗ ſpiels vorzüglich gegründet. G. **) Nämlich bis zum 9. Thermidor 2./ an welchem Tage ubespierre und ſeine Mitſchuldigen ſielen. G. 112 Albrechtsberger. Albrizzi. Albufera. weiſung zur Compoſition. Es iſt eins der beſten deutſchen Werke dieſer Art. Die Talente Albrechtsbergers erwarben ihm die Achtung ſeiner Zeitgenoſſen, und namentlich des berühmten Haydn, der ihn oft bei ſeinen Werken zu Rath zog*). Er ſtarb den 7. März, 1803, 74 Jahre alt. Albrizzi(Jſabella Teotochi, Gräfin von), gebo⸗ ren 1770 auf der Inſel Korfu, zeichnete ſich durch Feinheit des Geiſtes, Anmuth und Liebenswürdigkeit aus, und erwarb ſich die Huldigungen und Freundſchaft einer großen Zahl berühmter Män⸗ ner in ihrer Heimath, wie im Auslande, unter welchen Victor Alfieri, der Abt Ceſarotti, der Abt Bertola, der Miſanthrop Hugo Foscolo, Lauro Quirini, Denon, d'Hancarville, der General Cer⸗ voni ꝛc. waren. Die Gräſin ſchilderte, im vereinten Gefühle ihrer Neigung und ihres Ruhms, die Charaktere dieſer vorzüglichen Maänner, und gab ihr Werk unter dem Titel: Ritratti soritti da Isabella Teotochi Albrizzi, zu Brescia, 1807 heraus. Eine Originalität voll Grazie, ein leichter und reizender Styl, zeich⸗ nen dieſe angenehme Produktion aus, die nicht des Intereſſes, welches man für das Geſchlecht der Verfaſſerin hegt, bedarf, um von Gelehrten geſchätzt zu werden. Vielleicht könnte man dieſer Dame den Vorwurf machen, daß ſie ihren Bildniſſen ein wenig geſchmeichelt habe; jedoch man weiß, daß der Geiſt unter der Fe⸗ der der Frauen nur Dolmetſcher des Herzens iſt, und daß bei ihnen die Erkenntlichkeit leicht in einen gewiſſen Enthuſiasmus übergeht. Die gedachte Sammlung enthält auch die Schilderun⸗ gen ihres Vaters, Anton Teotochi, und ihres Gemahls, Joſeph Albrizzi. Sie hat ſolche, als gute Mutter, ihrem Sohnen Joſe⸗ phin gewidmet. Jeder Charakter iſt mit einem Kupferſtiche, die Perſon vorſtellend, begleitet. Die Gräfin Albrizzi hat ſich nach einander mit zwei venetianiſchen Edelleuten vermählt. Albufera(Ludwig Gabriel Suchet, Herzog von), Narſchall und Pair von Frankreich, Großkreuz des kö⸗ niglichen Ordens der Ehrenlegion, Commandeur des königl. Mili⸗ tärordens von St. Ludwig und des ſächſiſchen von St. Heinrich⸗ Ritter des kaiſerlich⸗öſterreichiſchen Ordens der eiſernen Krone, wurde zu Lyon, am 2. März 1772, geboren. Sein Vater war ein Seidenfabrikant, ſehr geachtet wegen ſeiner nützlichen Erfin⸗ dungen und ſeiner in verſchiedenen Munizipalverwaltungen gelei⸗ *) Von Beethoven iſt einer ſeiner Schüler. G. Albufera. 113 ſteten Dienſte. Als der junge Suchet ſeine Studien im Collegium von Ile⸗Barbe vollendet hatte, trat er 1792 als Freiwilliger un⸗ ter die Lyoner National⸗Kavallerie. Den 12. Mai 1793 wurde er Hauptmann einer Freikompagnie, die man zu l'Argentiere, im Ardeche⸗Departement(Languedoc), bildete, wo er ſich mit ſeiner aus dieſem Lande abſtammenden Familie befand. Am 20. Septem⸗ ber erhielt er die Ernennung zum Chef des 4. Bataillons vom Ar⸗ deche, mit welchem er den 30. November, in der Belagerung von Toulon, den engliſchen General Ohara gefangen nahm*). Mit der Armee in Italien wohnte er 1794 den Gefechten bei Vado, St. Jaques, und allen übrigen bei, welche die Brigade La Harpe lieferte. In der Schlacht bei Loano, am 22. und 23. November 1795, nahm er an der Spitze ſeines Bataillons den Oeſterreichern drei Fahnen. 1796 war das 4. Bataillon vom Ardeche erſt der 211., dann der 69. und zuletzt der 18. Halbbrigade der Linien⸗In⸗ fanterie, von welcher Suchet das 1. Bataillon kommandirte, ein⸗ verleibt. Er focht bei Coſſaria, Dego, Lodi und Borghetto, un⸗ ter den Befehlen des Generals Augereau. Als er hierauf unter die unſterbliche Diviſton Maſſena verſetzt wurde, nahm er Theil an den Schlachten und Gefechten bei Rivoli⸗ Caſtiglione, Lonata, Peschiera, St. Marco, Trient, Baſſano und Arcole. Er wurde am 24. September zu Cerca, bei Arcole, gefährlich verwundet. Kaum hergeſtellt machte er den denkwürdigen Feldzug mit, der den Frieden von Campo Formio bewirkte. Den 4. März 1797, nach der Schlacht bei Tarvis, wo Suchet verwundet wurde, ſandte ihn der General Maſſena zum Obergeneral, um ihm die an dieſem Tage eroberten Fahnen zu überbringen. Bei dem Gefecht in den Bergſchluchten von Neumark, im Oberſteiermärkiſchen, traf ihn eine Flintenkugel in die Schulter. Den 29. November wurde er vom General Bonaparte auf dem Schlachtfelde zum Brigade⸗Chef (Obriſten) ernannt. Sein Negiment befand ſich bei dem 1798 in die Schweiz geſandten Heer. Suchet ſtellte ſich bei Verſoix auf⸗ drang in das Waadtland ein, und unterhandelte, im Namen des Generals Ménard, mit den Abgeſandten von Bern und Freiburg. Der General Brune übernahm jetzt den Oberbefehl über die Ar⸗ mee, und die Feindſeligkeiten begannen. Suchet hatte Theil an der Eroberung der wichtigen Poſten von Murten und Gumine, an ») Bekanntlich zeichnete ſich in dieſer merkwürdigen Belagerung auch Napoleon, als Bataillonschef der Artillerie, zuerſt aus, und nooch andere nachmals berühmte Feldherren gründeten dort ihren Nuhm. G. Neue Biograph. I. 8 8— 114 Albufera. der Kapitulation Freiburgs, und an dem Gefechte, welches bei der Brücke von Seuvine vorfiel, nach welchem die Armee bis unter die Mauern Berns vorrückte und ihre Vereinigung mit den vom Rhein gekommenen Truppen bewirkte. Das glänzende Betragen Suchet's in dieſem Feldzuge erwarb ihm die Ehre, 23 vom Feind eroberte Fahnen nach Paris zu bringen. Den 23. März wurde er zum Grade eines Brigade⸗Geueralz erhoben, und mit zur Unterneh⸗ mung auf Aegypten beſtimmt. In dieſer Epoche drohte der italie⸗ niſchen Armee eine gänzliche Desorganiſation. Das Anſehen der Generäle und Offiziere wurde nicht mehr erkannt; die Disciplin und das Vertrauen mußten wieder hergeſtellt werden. Dieſe Gründe bewogen den Obergeneral Brune, den General Suchet nicht nach Aegypten abgehen zu laſſen, ſondern ihn zum Chef ſeines General⸗ ſtabs zu ernennen. Bald wurde der Sold ausbezahlt und die Ord⸗ nung neu befeſtigt. Einige Monate hernach ſetzte Suchet den näm⸗ lichen Dienſt unter dem General Joubert fort, deſſen Freund und Ruhmgefährte er war. Von dieſer Zeit an gewahrte man bei Su⸗ chet jene ſtandhafte Thätigkeit für die Organiſation und Verwal⸗ tung der Truppencorps und beſonders das ſeltene Talent, die Sol⸗ daten durch ſein Beiſpiel zu leiten, und ſolche für ſich zu gewinnen, welchen Zweck er ſowohl durch ſeine Feſtigkeit in Erhaltung der Dis⸗ eiplin, als durch den Eifer, die Thaten des Kriegers neu zu bele⸗ ben und ſeine Begeiſterung für den Ruhm zu entflammen, erreichte. Eine furchtbare Koalition zwiſchen Rußland und Oeſterreich, und der Marſch eines ruſſiſchen Truppencorps nach Italien verkündig⸗ ten ungeheure Projekte. Piemont erregte Beſorgniſſe, und bedrohte durch ſeine Lage die Sicherheit der Armee. Der General Joubert erhielt gegen Ende 1798 Befehl, dieſes Land zu beſetzen. Suchet veranſtaltete dieſe uUnternehmung, und durch ſeine Sorgfalt wurde ſie ohne Blutvergießen beendigt. Als er mit der Wiederorganiſi⸗ rung der Armee beſchäftigt war, ſah er ſich in Oppoſition mit den Kommiſſarien des Direktoriums*), welche die in Italien erhobe⸗ nen Gelder nach Frankreich ſenden wollten, da ſie doch zum Unter⸗ halt einer ſorgfältig gebildeten Armee unumgänglich nöthig waren. Dieſe Zwiſtigkeiten veranlaßten einen Beſchluß, nach welchem er bedroht war, auf die Liſte der Emigranten geſeßt zu werden, wenn *) Es befanden ſich damals ſogenannte Sivilkommifſäre bei den Armeen, welche über die Verwendung der erhobenen Contri⸗ butionsgelder, auch wohl über das Betragen der Anführer und ibrer Untergebenen wachen, und der Regierung davon Bericht er⸗ katten ſollten. G. Albufera. 115 er nicht binnen drei Tagen nach Frankreich zurückkehrte. Er mußte gehorchen. Aber der General Joubert, mißvergnügt über das Be⸗ tragen des Direktoriums und die ungerechte Abrufung ſeines Freun⸗ des, deſſen Maasregeln er alle ſelbſt diktirt oder gebilligt hatte, übergab in den erſten Tagen des Februars 1799 den Befehl über die Armee dem Diviſions⸗General Delmas, der ihn bis zur Ankunft des neuen Obergenerals und vormaligen Kriegsminiſters, Sche⸗ rer, behielt. Als Suchet zu Paris ankam, enttäuſchte er ohne Mühe die Regierung, welche ihn im April zur Donau⸗Armee ſandte. Er wurde, unter den Befehlen Maſſena's, der ihn zwei⸗ mal zu ſich gerufen hatte, nach Graubünden detaſchirt. Hier war er vom 15. bis zum 19. Mai von der Armee getrennt, vertheidigte die Stellungen von Davos, Bergen und Schlügen, ſchlug den Feind, der ihn umringte, und vereinte ſich wieder mit dem Haupt⸗ corps des Heers, längs den Quellen des Rheins hin, auf dem St. Gotthardsberge, ohne daß der Feind in ſeine Abtheilung eindringen konnte, indem er, um mit derſelben nach Urſeren zu kommen, auf dem Eiſe über den See Oberlaps ging. In dieſen Vorfällen wurde er verwundet. Die gedachte Bewegung begünſtigte die Rückkehr des Corps unter General Lecourbe zur Armee, welches ſich bei Bellinzona befand, und Gefahr lief, völlig von derſelben getrennt zu werden. Damals wählte der Obergeneral Maſſena Suchet zum Chef ſeines Generalſtabs. Nach dem unſeligen Feldzuge Scherer’s übernahm Joubert wieder das Kommando der italieniſchen Armee, und erwirkte die Ernennung Suchet's zum Diviſions⸗General und Chef ſeines Stabes, der aber ungern die Donau⸗Armee, die ſtärkſte, ſo Frankreich damals hatte, verließ. Er mußte der Freund⸗ ſchaft, die ihn enge mit Joubert verband, die Gefühle der An⸗ hänglichkeit und Dankbarkeit, welche er für Maſſena hegte, unter welchem er in allen Graden gedient, aufopfern. Nach der Schlacht bei Novi(15. Auguſt), durch welche Frankreich den tapfern Jou⸗ bert verlor, ſetzte Suchet, der beſte Freund deſſelben, ſeinen Dienſt unter dem General Moreau fort, und ſollte dieſem an den Rhein folgen, als Championnet nach Italien beordert wurde. Der Ge⸗ neral Bernadotte, damals Kriegsminiſter, ſchrieb den 26. Auguſt an Suchet:„Das Vaterland fodert ihren Beiſtand, mein werther vund tapferer Freund! Verlaſſen Sie nicht die Armee in einem „Augenblick, wo Ihre Talente derſelben ſo nothwendig ſind! Cham⸗ „pionnet erſetzt Joubert. Seyen Sie ihm mit Ihren Einſichten „behülſlich! Das öffentliche Wohl heiſcht es.“ Er war deshalb ge⸗ nöthigt, auf der Küſte von Genua zu bleiben, wo er unter Cham⸗ 116 Albufera. pionnet einen um ſo beſchwerlichern Feldzug vollendete, als die Ueberlegenheit des Feindes an Zahl ſehr häufige, und ohne Erfolg glänzende, Gefechte veranlaßte. Im November erſetzte Maſſena den General Championnet, und ernannte Suchet zu ſeinem Lieu⸗ tenant*). Das Brevet wurde ihm von dem erſten Konſul Bona⸗ parte, am 7. März 1800 ausgefertigt. An der Spitze eines ſchwa⸗ chen Corps von 6 bis 7000 Mann, die kaum gekleidet waren, ohne Magazine, in einem verheerten Lande, und gegen 40,000 Oeſter⸗ reicher unter dem Obergeneral Baron Melas fechtend, nahm Su⸗ chet einen glänzenden Antheil an den Erfolgen des Feldzuges auf der Küſte von Genua und in den Vargegenden(April, Mai und Juni); denn jener Feldzug iſt nicht weniger denkwürdig durch die Talente, die Vorſicht und die wunderſame Thätigkeit, welche die⸗ ſer General entwickelte, als durch den unerſchütterlichen Muth ſei⸗ ner Truppen mitten unter den größten Gefahren und den härte⸗ ſten Entbehrungen. Getrennt von der rechten Seite des Heeres, das in Genua ſich einſchließen mußte, woſelbſt der General Maſſena ſeinen Ruhm durch die heldenmüthigſte Vertheidigung noch erhöh⸗ te, rang ſein Lieutenant während 38 Tagen gegen die zehnfach überlegene Macht des Generals Melas, und vertheidigte Schritt vor Schritt die Küſte von Genua. Die Fortſchritte des Feindes nöthigten ihn, ſich auf das rechte Varufer zu ziehen, wo er ſich verſchauzte und einen Brückenkopf hielt. Die Anſtrengungen des Generals Melas und ſeines General⸗Lieutenants Elsnitz, die 16 Tage lang erneuert und von einer engliſchen Eskadre unterſtützt wurden, ſcheiterten an ſeinen Anſtalten und der Tapferkeit ſeiner Truppen. Durch dieſe hartnäckige und kluge Vertheidigung rettete er das ſüdliche Frankreich vor einem feindlichen Einbruch, und erleichterte die Fortſchritte der Reſerve⸗Armee, welche die Alpen überſtieg, um in Italien zu wirken. Er hatte die kunſtreiche Hülfe des Telegraphen ſehr nützlich zu machen gewußt. Zwei Stücke deſ⸗ ſelben, die er bei den Forts von Villafranca und Montalbano, mitten unter den Oeſterreichern, gelaſſen, benachrichtigten ihn von der retrograden Bewegung, die Melas befahl, um ſich den vom St. Bernhardsberge herabkommenden franz. Truppen zu wider⸗ ſetzen. Sogleich nahm Suchet die Offenſive, beſchleunigte ſeinen⸗ Marſch über den Rücken der Berge, ſchnitt dem Feinde, der am *) Der nämlich unmittelbar unter ihm kommandirte. Spaͤterhin hieſ⸗ ſen bei Napoleons Heer diejenigen General⸗Lieutenants, welche ein Armeekorps, aus zwei Diviſionen beſtehend, befeh⸗ ligten. 3 G. 1e Albufera. 117 Meerufer hinzog, den Rückzug ab, und nahm ihm in dieſem Feld⸗ zuge 33 Kanonen, 6 Fahnen, und 15,000 Gefangene. Genua hatte ſich aus Hunger ergeben. Suchet, der dies nicht wußte, und die Hoffnung, es zu befreien, hegte, durchzog in wenig Zeit die Küſte von Genua, vereinte ſich wieder, vorwärts Savona, mit der rechten Flanke der Armee, welche vermittelſt einer ſehr ehren⸗ vollen Kapitulation die Feſtung Genua verlaſſen hatte, und eilte ſchnell nach den Ebenen von Alexandria. Seine Gegenwart zu Aqui trug viel zu dem Siege bei Marengo(14. Juni 1800) bei, nach dem officiellen Bericht des Generals Melas, der genöthigt war, ihm eine ſtarke Abtheilung entgegen zu ſtellen. In Folge des zu Marengo geſchloſſenen Vertrags wurde Suchet beordert, Genua, Lucca, und ihr Gebiet, wieder zu beſetzen, woſelbſt er eine ſtrenge Disciplin beobachten ließ. Der Feldzug eröffnete ſich wieder den 16. December 1800 nach ſechsmonatlichem Waffenſtill⸗ ſtande. Der General Suchet kommandirte damals das Centrum der Armee, das aus drei Diviſionen, 18,000 Mann ſtark, beſtand. Bei dem Uebergang über den Mincio unterſtützte und befreite er den General Dupont, mit welchem er nun bei Pozzolo 4000 Gefangene vom Corps des öſterr. Generals Bellegarde machte. Er nahm thä⸗ tigen Antheil an allen glänzenden Vorfällen, die bei Borghetto, Verona, Montebello ꝛc. ſtatt hatten, bis zum 16. Januar 1801, da der Waffenſtillſtand zu Treviſo unterzeichnet ward. Als die Trup⸗ pen kantonnirten, wurde er zum Gouverneur von Padua, bis zum Lüneviller Frieden, ernannt. 1802 und 1803 erhielt er die In⸗ ſpektion über einte große Anzahl Regimenter im ſüdlichen und weſt⸗ lichen Frankreich. Den 25. October 1803 übernahm er das Kom⸗ mando einer Diviſion im Lager von Boulogne, und wurde beſon⸗ ders beauftragt, den Hafen von Wimereux*) graben zu laſſen. Den 11. December ward er Mitglied der Ehrenlegion, den 14. Juni 1804 Großoffizier derſelben, und Gouverneur des Palaſtes von Laecken, bei Brüſſel, am 3. Februar 1805. Bei Eröffnung des Feldzuges in Deutſchland war ſeine Diviſion die erſte vom 5. Corps der großen Armee, welches der Marſchall Lannes komman⸗ dirte. Sie zeichnete ſich bei Ulm und Hollabrunn aus. Bei Au⸗ 2) Dieſer neu angelegte, ohngefähr eine Meile von Bonlogne gegen Calais hins liegende, kleine Hafen iſt aus einem bei dem Dorfe Wimereur in das Meer fließenden Bache gebildet. Im J. 1812 ſtand zwiſchen ihm und der Stadt eine Abtheilung des Beobach⸗ tungscorps, bei dem ſich auch Schreiber dieſes als Offizier befand,/ im Lager. 4 418 Albufera. ſterlitz bildete ſie den linken Flügel, warf ſich auf den rechten der ruſſiſchen Armee, und trennte ihn vom Centrum. Man bewunderte ihren Marſch, der, wie auf dem Exerzierplatze, Regimenterweiſe in Echelons*), unter dem Feuer von 50 Artillerieſtücken, voran⸗ ging. Den 8. Februar 1806 erhielt Suchet, zur Belohnung ſei⸗ ner an jenem Tage geleiſteten Dienſte, das große Band der Ehren⸗ legion, und eine Dotation von 20,000 Franken auf die Güter des Ordens. In dem preußiſchen Feldzuge erfocht ſeine Diviſion den erſten Vortheil bei Saalfeld. Sie begann den Angriff bei Jena, und trug zum Gewinn der Schlacht durch ihre geſchickten Maneu⸗ vres und durch Wunder von Tapferkeit bei. Sie zeichnete ſich aufs neue in Polen aus, wo ſie, im Gefechte bei Pultusk, allein dem ruſſiſchen Heere widerſtand. Der ruſſiſche General Benning⸗ ſen meldete in ſeinem officiellen Berichte, daß er gegen eine ganze Armee gekämpft habe. Sie ſchlug noch die Ruſſen bei Oſtrolenka. Nach dem Tilſiter Frieden wurde Suchet beauftragt, gemeinſchaft⸗ lich mit den ruſſiſchen Generälen Grafen von Tolſtoi und Witt⸗ genſtein die Demarkationslinie an den Grenzen des neuen Großher⸗ zogthums Warſchau anzuordnen. Hierauf erhielt er den Oberbe⸗ fehl über das 5. Corps, das er in Schleſien kantonniren ließ. Die vollkommenſte Disciplin wurde von ſeinen Truppen beobachtet, die bei den Einwohnern in dankbarem Andenken ſteht. Den 19. März 1808 wurde Suchet zum Reichsgrafen ernannt, und den 22. December zum Commandeur des ſächſiſchen Militärordens St. Hein⸗ rich, welchen der König von Sachſen ihm als einen Beweis ſeiner hohen Achtung und ſeiner beſondern Auszeichnung verlieh. Das 5. Corps, das nach Spanien beordert wurde, empfing in Frank⸗ reich bei ſeinem Durchmarſch große Ehrenbezeugungen, und kam den 29. November auf den Pyrenäen an. Der General Suchet deckte mit ſeiner Diviſion die Belagerung von Saragoſſa auf dem rechten Ufer des Ebro, wo er manche Vortheile erhielt. Den 10. Mai 1809 wurde er zum Obergeneral des 3. Corps, das jetzt den Namen: Armee von Arragonien, bekam, und zum Gouverneur dieſer Provinz, ernannt. Aber der Abmarſch des 5. Corps, der Krieg mit Oeſterreich, und die Zerrüttung eines geſchwächten *) En échelons(treppenförmig) marſchieren, heißt, in kleinen, gleich weit von einander entfernten Abtheilungen, vorrücken, ſo daß der rechte Flügel der zweiten Abtheilung den linken der erſten ꝛc. berührt; wornach denn das vordere Treffen ſich in das Gefecht ein⸗ läßt, und, nach Lokal und Umſtänden, von den andern unter⸗ gützt wird. G. Albufera. 119 Heers, machten ſeine Lage ſehr kritiſch. Kaum war er am Ort ſeiner Beſtimmung eingetroffen, als der ſpaniſche General Blake ſich mit 25/000 Mann vor Saragoſſa zeigte. Die niedergeſchlage⸗ nen Truppen begehrten den Rückzug. Suchet theilt ihnen ſeine Energie mit, und führt ſie gegen den Feind, den er am 14. Juni bei Maria ſchlägt: er nimmt ihm 4000 Gefangene und 30 Kano⸗ nen, und vollendet am 18. ſeine Niederlage bei Balchite. Seine Siege zerſtörten die Projekte der Spanier, welche auf die Pyre⸗ näen vordringen und die Franzoſen in Spanien einſchließen woll⸗ ten. Seine gute Verwaltung, ſeine Gerechtigkeitsliebe und Mäßi⸗ gung, ſein Bemühen, diejenigen Beamten, welche die allgemeine Achtung genoſſen, an ihren Stellen zu laſſen, der Schutz, den er der Geiſtlichkeit bewilligte, ſeine ſtrenge Disciplin, ſeine Talente und glänzende Tapferkeit, gewannen ihm die Arragonier und ſchu⸗ fen ihm Hülfsquellen. Sein Heer kam in blühenden Stand. Nach einem Marſch auf Valencia, den im Januar 18140 die Regie⸗ rung in Madrid befahl, begann es ſeine denkwürdigen Feldzüge. Lerida, die Klippe mehrerer großen Feldherren, ſiel zuerſt in ſeine Gewalt nach einem vollſtändigen Sieg, den es über den General Heinrich O'Donnel, nachmaligen Grafen von Abisval, in der Ebene von Margalef, unter den Mauern der belagerten Stadt, er⸗ focht. Der Feind verlor 5600 Mann, und Mequinenza war ge⸗ zwungen, am 8. Juni zu kapituliren. Tortoſa öffnete ſeine Thore am 2. Januar 1811, dreizehn Tage nach Eröffnung der Laufgrä⸗ ben. Das Fort San⸗Felipe, im engen Paß von Balaguer, ſiel am 28. Juni nach 56tägiger Belagerung, oder vielmehr nach einer anhaltenden und ſchrecklichen Schlacht, in Gegenwart und unter dem Feuer der engliſchen Eskadre, ihrer Landungstruppen, und der ſpaniſchen Armee von Katalonien. Hier erwarb ſich Suchet den Marſchallsſtab. Das Dekret, ſo ihm denſelben verlieh, er⸗ wähnt alle Dienſte dieſes ruhmwürdigen Kriegers, und nament⸗ lich die Thaten bei Lerida, Mequinenza, Tortoſa und Tarragona. Nach dem Fall Tarragona's wurde die furchtbare Stellung auf dem Montſerrat mit heftiger Gewalt erobert. Der Marſchall eröffnete im September den Feldzug in Valencia. Die Feſtungswerke des alten Sagunt*), welche die Hauptſtadt dieſer Provinz decken, und **) Auf der Stelle deſſelben ſteht gegenwärtig die Stadt Murviedro, am Fluſſe gleiches Namens. Im Alterthum wurde Sagunt, da es als Pflanzſtadt italiſcher Völker ſich an die Römer angeſchloſſen, von dem karthaginenſiſchen Feldherrn Hannibal nach heftiger Ge⸗ genwehr erobert. 120 Albufera. mit großen Koſten von den Spaniern angelegt waren, hielten ſei⸗ nen Marſch auf. Man konnte das Belagerungsgeſchütz nicht an⸗ ders, als auf der großen Straße von Barcelona, herbeiführen, die aber von Oropeza beherrſcht und vertheidigt war. Die Veſte wurde von dem Marſchall ſelbſt belagert und genommen. Am 25. October hatte die Garniſon Sagunts zwei Stürme abgeſchlagen. Man ſchoß Breſche; aber jetzt that der General Blake einen Aus⸗ fall aus Valencia mit 30,000 Mann, um jenen Hülfe zu bringen; er erlitt eine gänzliche Niederlage im Angeſicht der Stadt Sagunt, welche kapitulirte und der Schlacht ihren Namen gab. Der Mar⸗ ſchall wurde dabei an der Schulter verwundet. Den 26. Decem⸗ ber, als er das vom General Reille kommandirte Reſerve⸗Corys aus Navarra aufgenommen, ging er, ohne die Diviſionen der Ar⸗ mee von Portugal abzuwarten, über den Guadalavier, berennte Valeneia den nämlichen Tag, betrieb eifrig die Belagerung, und zwang Blake, den 9. Januar 1812 zu kapitnliren. Am 10. erga⸗ ben ſich die Spanier, 17/500 Mann Infanterie und 1800 M. Ka⸗ vallerie ſtark, zu Kriegsgefangenen, und Valencia wurde beſetzt. Die Eroberung von Peniscola und Denia vollendete die des Kö⸗ nigreichs Valeneia. Es ahmte die Ergebung Arragoniens nach, das durch die Sorgfalt des Siegers weniger unglücklich war. In ſeinen Berichten erwähnt der Marſchall mit großem Lobe die Ta⸗ pferkeit und die Talente der Generäle Valée, Rogniat, Haxo, Reille, Harispe, Habert, Musnier, Severoli, Palombini, und Saint⸗Cyr Nugues, Chef ſeines Stabes. Zur Belohnung ſeines glänzenden Feldzuges und ſeines edlen Betragens erhielt der Mar⸗ ſchall, durch zwei Dekrete vom 24. Januar, den Titel: Herzog von Albufera, und den Beſitz dieſer Domäne, die bei Valencia liegt und auf welcher er gefochten hatte. Am 24. April 1813 wurde ihm der Oberbefehl über die vereinten Armeen von Katalo⸗ nien und Arragonien übergeben. Siegreich behauptete er ſich in verſchiedenen Kämpfen mit dem General O⸗Donnel, und der anglo⸗ ſpaniſchen Armee. Er nahm bei Valencia die Armeen des Cen⸗ trums und des Südens auf, welche ſich daſelbſt vereinigten, um gegen das, von Lord Wellington befehligte, engliſche Heer zu mar⸗ ſchiren. Der Marſchall ließ im Juni die Belagerung von Tarra⸗ gona aufheben, weil er von dem General Murray heftig bedrängt war, der aber ſeine ſämmtliche Artillerie verlor. Der Rückzug der franzöſiſchen Armee jenſeits der Pyrenäen nach der Schlacht bei Vittoria nöthigte ihn, Valencia den 5. Juli, 48 Monate nach der Uebergabe dieſer Stadt, zu räumen. Er ließ Garniſonen zu 1 Albufera.— 12¹ Denia, Sagunt, Peniscola, Tortoſa, Lerida und Mequinenza, die auf länger als ein Jahr proviantirt wurden. Im September ſchlug er den Lord Bentink im engen Paß von Ordel. Den 19. December erhielt er die Ernennung zum General⸗Obriſten der kaiſerlichen Garde an die Stelle des Herzogs von Iſtrien, der in der Schlacht bei Lützen gefallen war. Er behauptete ſich ſechs Monate lang in Katalonien; 20,000 Mann ſeiner Truppen wurden im Januar und Februar 1844 begehrt; er näherte ſich jetzt den Pyrenäen, und empfing Ferdinand VII. in ſeinem Hauptquartier zu Figuera. Mit der Sendung beauftragt, dieſen Monarchen zur ſpaniſchen Armee zu geleiten, empfing er von demſelben öffentliche Beweiſe der Achtung, und bewirkte die Beſchleunigung ſeiner Ab⸗ reiſe. Er beſtand, trotz der Schwäche ſeiner auf 9000 Mann re⸗ duzirten Armee, auf dem Entſchluß, in Spanien zu bleiben, da⸗ mit er die, von Ferdinand VII., verſprochene, Rückkehr der 18,000 Mann Garniſonstruppen, die er daſelbſt gelaſſen, ſichern, und hauptſächlich, damit er den Feind hindern könne, die Grenze anzufallen*). Als die Nachricht von der Abdankung Napolcons zur Armee kam(13. April), erkannte ſie Ludwig XVIII. an. Den 22. April hatte der Marſchall den Oberbefehl der Armee vom Süden, welche aus denen von Katalonien und den Pyrenäen be⸗ ſtand. Den 4. Juni wurde er zum Pair von Frankreich ernannt, den 22. zum Gouverneur der 10. Militär⸗Diviſion in Toulouſe, den 24. September zum Commandeur des königlichen und Militär⸗ ordens von St. Ludwig, und den 27. November zum Gouverneur der 5, Militär⸗Diviſion in Strasburg. Trotz der durch die bedeu⸗ tenden Ereigniſſe d. J. 1815 erregten Begeiſterung erhielt er die Truppen ſo lange dem Könige treu, bis derſelbe aus Frankreich abgereiſt war. Ohne Inſtructionen von den Miniſtern zu haben, verfügte er ſich am 30. März nach Paris, und wurde am 5. April nach Lyon beordert. Bei ſeiner dortigen Ankunft hob er den Be⸗ lagerungszuſtand auf, und entließ die Nationalgarden. Im Mai wurde er zum kommandirenden General der 10,000 Mann ſtarken Alpenarmee ernannt. Den 15. Juni ſchlug er die Piemonteſer, und einige Tage darauf die Oeſterreicher bei Conflans. Die An⸗ kunft der, mehr als 100,000 Mann ſtarken, großen öſterreichiſchen 2) Man erſieht aus der Geſchichte dieſes ausgezeichneten Feldherrn⸗ daß er während ſeiner ganzen militäriſchen Laufbahn faſt immer ſiegreich, ja, daß auch bei den letzten Unfällen der franz. Armee in Spanien ſein Corps eigentlich niemals geſchlagen war. G. 122 Albufera. Albuquerque. Alendia. Aldeguier. Armee bei Genf nöthigte ihn, Savoyen zu verlaſſen und ſich dem bedrohten Lyon zu nähern. Als er am 11. Juli erfuhr, daß der König zum zweitenmal nach Paris zurückgekehrt ſey, erhielt er für Lyon eine ehrenvolle Convention, welche, indem ſie ſeine Ge⸗ burtsſtadt rettete, ihm zugleich die Mittel an die Hand gab, dem Staate ein Artillerie⸗Material von 10,000,000 an Werth zu er⸗ halten. Das Municipal⸗Corps und die Handelskammer bezeigten ihm die lebhafte Erkenntlichkeit der Lyoner für dieſen auſſeror⸗ dentlichen Dienſt, und ſchrieben ſie in ihre Tagbücher. Suchet ſandte am nämlichen Tage drei Generäle zum Könige, welche ihm die Unterwerfung der Armee(bis zu ihrer Entlaſſung) überbrach⸗ ten. Am 16. Auguſt 1816 wurde er als Großkreuz des königl. Ordens der Ehrenlegion aufgenommen. Die Ordonnanz vom 5. März 1815 ſetzte ihn von neuem in ſeine Würde eines Pairs von Frankreich ein. Albuquerque, Grand von Spanien und General⸗Lieute⸗ nant. Sein Name allein iſt ein Ehrenglanz*), und er zeigte ſich deſſen würdig durch ſeinen Patriotismus.— Er war unter dem General Romana bei dem nach Dänemark detaſchirten ſpaniſchen Truppencorps angeſtellt, und ging mit ſeinem Chef von dorten, um zur Vertheidigung ſeines Vaterlandes zu eilen; denn dies iſt die erſte der Pflichten. Albuquerque kommandirte jetzt eine Abthei⸗ lung der Armee unter dem Herzog von Infantado, und zeichnete ſich in der Schlacht bei Medellino aus. Er beſetzte die Inſel Leon, als der Herzog von Belluno Cadix angriff, das ſich ergeben wollte, aber neu durch die Gegenwart dieſes ſpaniſchen Generals ermu⸗ thigt, den Anſtrengungen der franzöſiſchen Armee widerſtand, und ihm alſo ſeine Erhaltung dankte. Er ſtarb in England, wo er ſpaniſcher Geſandter war. Alcudia(Herzog von), Friedensfürſt.(S. Godoi.)— Aldeguier(von), ehemals Parlamentsrath zu Toulouſe⸗ unter der kaiſerl. Regierung Präſident des dortigen Appellations⸗ hofs. Der König erhielt ihn auf dieſer Stelle, und als Napoleon 1815 zurückkam, gab er ſeine Entlaſſung. Nach den 100 Tagen ertheilte ihm der König wieder ſein Amt; hierauf wurde er vom Departement der Ober⸗Garonne in die Deputirtenkammer gewählt⸗ *) Sein Ahnherr iſt der im 15. und 16. Jahrhundert ſo berühmt geweſene Vicekönig von Indien Alphons von Albuquer⸗ aue, den man ſeiner Thaten wegen den portugieſtſchen Mars nannte. G. Aldeguier. Aldini. Ald obrandini. Aleſſandri. 12³ worin er zum Ausſchuſſe der Bittſchriften trat. Sein Bruder, Auguſt von Aldeguier, Inſpektor der Bibliothek, ſchrieb eine Antwort an Chénier, im Namen Voltaire's (1806), deſſen Styl er aber nicht genügend nachahmte. Aldini(Anton), geb. 1756 zu Bologna, wo er ſeine Stu⸗ dien anfing, die er in Rom unter berühmten Profeſſoren, welche ſeine Fähigkeiten erkannten, fortſetzte, erwarb ſich nachmals durch ſeine Prozeßführung einen ſo großen Ruf, daß er zum Profeſſor der Rechtswiſſenſchaft an der univerſität Bologna angeſtellt wurde. Als ſeine Mitbürger der päbſtlichen Herrſchaft entledigt waren, erwählten ſie ihn zu ihrem Geſandten in Frankreich. Er wurde hierauf Präſident des Kongreſſes in Modena, und ſpäter des Raths der Alten bei der cisalpiniſchen Republik. Dieſe beauftragte ihn mit mehreren Sendungen, und Napoleon ernannte ihn zum Mit⸗ gliede der Regierungskommiſſion. Er wurde von neuem nach Pa⸗ ris geſandt, um über das Intereſſe der Republik zu unterhandeln, und wohnte 1801 der in Lyon gehaltenen Conſulta bei. Nach ſeiner Zurückkunft ward er Präſident des Staatsraths. Als man ihn, wegen eines Zwiſtes mit dem Vicepräſidenten Melzi, aus⸗ ſchloß, machte er lebhafte Gegenvorſtellungen⸗ die aber nicht ange⸗ nommen wurden. Bei der Errichtung des Königreichs Italien (1805) rief ihn der Kaiſer nach Paris, und ernannte ihn zum Staatsſekretär von Italien, ſo wie zum Grafen und Ritter meh⸗ rerer Orden. Aldini war noch bei Napoleon, als dieſer 1814 ab⸗ dankte; damals erhielt er das Wohlwollen des Kaiſers von Oeſter⸗ reich, der ihn mit einer Sendung nach Wien beauftragte. Nach ſeiner Rückkehr in Italien(1815) ließ er ſich in Mailand nieder. Aldini(Johann), Bruder des Miniſters, Mitglied der galvaniſchen Geſellſchaft und Profeſſor der Phyſik an der Univer⸗ ſität Bologna. Man hat von ihm verſchiedene Schriften, unter andern ein Werk über den Galvanismus, mit Kupfern. Der Vicekönig Eugen wünſchte die Erfindung einer Naſchine, um das Getraide vermittelſt der Ebbe und Flut des Meeres in den Lagu⸗ nen(Kanälen) der Stadt Venedig zu mahlen. Aldini gab hier⸗ über eine Schrift heraus. Durch das Anſehn ſeines Bruders wurde er 1811f zum Staatsrath des Königreichs Italien ernannt, und erhielt den Orden der eiſernen Krone. Aldobrandini.(S. Borgheſe.)— Aleſſandri(von Bergamo), ſpielte daſelbſt(1797) in der Revolution eine wichtige Rolle und wurde zum Mitgliede des 424 Aleſſandri. Alexander Paulowitz. eispadoniſchen Kongreſſes erwählt. Hierauf trat er in das Direk⸗ torium der eisalpiniſchen Republik. Im Jahr 1806 ward er von dem franz. Miniſter Trouvé, der mit der Erneuerung der Autori⸗ täten und der Konſtitution dieſes Staates beauftragt war, in ſei⸗ ner Würde beſtätigt. Alexander Paulowitz, Erſter dieſes Namens, Kaiſer und Gelbſtherrſcher aller Reuſſen, und König von Polen. Dieſer Fürſt, älteſter Sohn Pauls J. und der Prinzeſſin Sophia Dorothea Ma⸗ ria von Württemberg⸗Stuttgard, wurde am 24. December 1777 geboren. Er vermählte ſich den 9. October 1793 mit Eliſabetha Aleriewna(Loniſe Marie Auguſte von Baden), und beſtieg am 24. März 1801 den Thron. Das politiſche Syſtem Katharina's II. war durch Pauls Eigenheiten unterbrochen. Sein Sohn Alexan⸗ der, den der Obriſt La Harpe, aus dem Waadtlande, erzog, ſammelte die Ueberlieferungen jenes großen Syſtems, und nahm es ſogleich wieder an, als das einzige, das fähig war, Künſte und Civiliſation in die entlegenſten Provinzen ſeiner Staaten zu verbreiten*), ja ſelbſt einmal das Uebergewicht Rußlands über Europa und Aſien zu befeſtigen. Wenn die Macht der Begebenhei⸗ ten Einzelnes an dieſem Syſteme geändert hat, ſo iſt doch immer die ruſſiſche Regierung bei jedem günſtigen Anlaß mit Wärme dar⸗ auf zurückgekommen. Als Franzoſen müſſen uns die reiſſenden Fortſchritte dieſes ungeheuern Reichs bennruhigen; als Geſchicht⸗ ſchreiber können wir nur der Gewandtheit, mit der jener Plan ge⸗ faßt und in Vollzug geſetzt wurde, Gerechtigkeit widerfahren laſſen. Es iſt ein Glück, daß ſich einmal der Ehrgeiz mit der Menſchlich⸗ keit verträgt; ein Glück, daß die Beförderung der Künſte und Wiſſenſchaften die Fortpflanzung der Kenntniſſe, und die ſtufen⸗ weiſe Abſchaffung der Sklaverei mit den Waffen übereinſtimmen um die Macht eines Fürſten und das Loos ſeiner Völker auf die höchſte Stufe der Größe zu erheben. Nach dem Beiſpiele Katha⸗ rina s ſtellte ſich Alexander an die Spitze der liberalen Lehrſätze⸗ die jedoch durch ein religiöſes Gefühl gemildert wurden, welches ohne Zweifel der Ueberzeugung angehört, aber auch aus der Poli⸗ tik hervorgehen kann, weil es der Regierung mehr Kraft und einen ausgebreitetern Einfluß verleiht. Dieſe vorläufigen Bemerkungen werden alle Thatſachen, die wir richtig und genau darlegen wollen, *) Man kennt Klopſtocks erhabene Ode an die Humanität, und Voſſens ſchönen, Freiſinn athmenden Geſang, womit beide den Regierungsantritt Alexanders feierten.„ Alexander Paulowitz. 125 erklären. Am Tage, da Kaiſer Alerander, nach einer traurigen Begebenheit, die Zügel der Regierung nahm, verkündeten ſolches ſchon mehrere wohlthätige Handlungen. Die Cenſur wurde abge⸗ ſchafft, die Gleichförmigkeit von Maas und Gewicht angenommen, der Großhandel ermuthigt und geehrt. Die Gerechtigkeitspflege erfuhr baldige Verbeſſerungen, und in Kriminalſachen erging die Verordnung, daß zu einem Todesurtheil die Einmüthigkeit der Meinungen aller Richter unumgänglich nöthig wäre. Im Juni 1802 wurde in Memel zuerſt das Band geſchloſſen, welches ſeit dieſer Zeit zwiſchen dem Kaiſer von Rußland und dem Könige von Preußen beſtand. Vor dieſer Reiſe hatte Alexander dem Großmei⸗ ſterthum von Malta entſagt, einer eiteln Würde, welche unnützer Weiſe die Eiferſucht der dem römiſchen Glaubensbekenntniß erge⸗ benen Fürſten erregen konnte. Seit dieſer Zeit bemerkte man recht die Toleranz, die Leutſeligkeit und den Edelmuth des Kaiſers von Rußland. Er befahl, daß eine beträchtliche Summe zum Druck derjenigen Werke, die als nützlich anerkannt wären, verwendet werden ſollte; er kaufte das ſchöne Kabinet der Prinzeſſin Zablo⸗ nowska und Forſter's berühmte mineralogiſche Sammlung. Aus⸗ gezeichnete Gelehrte und Literatoren des übrigen Europa's wurden, mit verdienſtvollen Männern des Inlandes, ſeiner Wohlthaten theilhaftig. Der Abbé Delille, der ihm ſeine Ueberſetzung der Aeneide widmete, erhielt ein prächtiges Geſchenk*). Der wei⸗ ſeſte Zug in Alexanders öffentlichem Leben war die Organiſation des derigirenden Senats. Dieſer Monarch ſah ein, daß er ſeine Gewalt feſter gründen würde, wenn er eine Mittelautorität zwi⸗ ſchen ſich und dem Adel errichtete. Er gewahrte, daß die Nevo⸗ lutionen des Palaſtes weniger zu fürchten ſeyen bei einer Anſtalt, welche die Blicke der, auf ihre Titel und Privilegien ſtolzen, oberen Klaſſe auf ſich ziehen und daher dem Regenten um ſo mehr ergeben ſeyn müſſe. Die Erfahrung hat bisher bewieſen, daß dieſe Maasregel eine Berechnung hoher Politik und ein Mittel der Er⸗ haltung war. Wir dürfen nicht vergeſſen, daß Alexander, durch ein denkwürdiges Dekret, für alle Klaſſen ſeiner Unterthanen die Confiscation der Erbgüter,(welches Verbrechens halben der Schul⸗ dige auch verurtheilt war) aufhob. Im Jahr 1804 errichtete der Kaiſer eine Schule für den öffentlichen Unterricht zu Tiflis, der 2) Der Ruf mehrerer deutſchen Profeſſoren an ruſſiſche Aka⸗ demieen iſt bekannt, z. B. Fiſcher s von Mainz, für die Na⸗ turgeſchichte, nach Moskau, Bronners, des Jdyllendichters, aus der Schweiz, für ſchöne Literatur, nach Kaſan ꝛe. G. 126 Alerxander Paulowitz. Hauptſtadt Georgiens; er legte die Univerſitäten von Wilna und Cherſon an; er gründete ein Seminarium für den Unterricht der katholiſchen Geiſtlichen; er ertheilte Vorſchriften für die Organi⸗ ſation der mediciniſchen, chirurgiſchen und chemiſchen Lehranſtal⸗ ten, und bildete in der Hauptſtadt eine See⸗Akademie. Die kai⸗ ſerliche Freigebigkeit verwendete beträchtliche Summen auf alle dieſe Anſtalten. Die jährlichen Ausgaben für öffetliche Erzie⸗ hung erhoben ſich allein auf 2,000,000 Rubeln. Die Fortſchritte jener Anſtalten entſprachen den Hoffnungen des Stifters. Die Zeit iſt nicht ferne, da Licht und Kenntniſſe in Rußland nicht weniger, als in dem übrigen Europa, verbreitet ſeyn werden. Seit der Thronbeſteigung Alexanders hatten ſich die friedlichen Verhältniſſe zwiſchen Rußland und Frankreich erhalten, als der Tractat von Amiens gebrochen ward. Napoleon glaubte, ſich bei dieſem Um⸗ ſtand über den politiſchen Gang des St. Petersburger Kabinets be⸗ klagen zu müſſen. Er hatte lebhafte Erklärungen mit dem ruſſi⸗ ſchen Geſandten, Grafen von Markoff, und ließ bei dieſen ſtürmi⸗ ſchen Conferenzen ſeinem heftigen Charakter freien Lauf. Der Bruch war entſchieden, Hr. v. Markoff verließ Paris 1804, und der Graf von Hédouville, franz. Geſandter in Rußland, begehrte ſeine Päſſe zur nämlichen Zeit. 1805 unterzeichneten die Kabi⸗ nette von St. Petersburg, Wien, London und Stockholm einen offenſiven und defenſiven Allianz⸗Tractat gegen Frankreich, und im Moment, da ſich jene furchtbare Koalition bildete, ſetzte Napo⸗ leon die Königskrone Italiens auf ſein Haupt. Jetzt konnte man den ſchrecklichen Kampf vorausſehen. Seit der Theilung Polens war die politiſche Waagſchale Europa's, deren Reſultat, nach 30 Kriegsjahren, der weſtphäliſche Fundamental⸗Vertrag war, zer⸗ brochen. Offenbar hing der Friede der Welt von einer oberherr⸗ ſchenden Macht ab. Es war nur die Frage, zu wiſſen, ob der Hebel zu Paris, London, oder St. Petersburg, ſeyn würde. Nach außerordentlichen Begebenheiten, großen Fortſchritten, unerhör⸗ tem Mißgeſchick, hat ſich dieſe große Frage gegen Frankreich ent⸗ ſchieden, aber noch nicht zwiſchen England und Rußland. Der Krieg wurde damals erklärt. Nie ward eine wundervollere Thä⸗ tigkeit von Seiten Napoleons entwickelt. Oeſterreich, welches ſeine Lage den erſten Angriffen der Franzoſen ausſetzte, erlag faſt ohne Widerſtand. Es herrſchte wenig Einigkeit unter den verbün⸗ deten Mächten. Preußen zauderte, den ruſſiſchen Heeren einen Durchmarſch in ſeinem Lande zu öffnen. Eine koſtbare Zeit ging perloren, und der Kaiſer Alexander erſchien erſt nach der Nieder⸗ Alerander Paulowitz. 127 lage der öſterreichiſchen Armee und der Eroberung Wiens auf dem Wahlplatze. Die öffentliche Meinung in Preußen ſprach ſich gegen Frankreich aus, aber die preußiſche Regierung war noch nicht zum Kriege gerüſtet. Unterdeſſen vereinigten ſich die Streitkräfte Rußlands und Oeſterreichs, und verſuchten ihr Glück bei Auſter⸗ litz. Napoleon erfocht am 2. December 1805 über die zwei Kaiſer einen der entſcheidendſten und glorreichſten Siege, deren Andenken die neuere Geſchichte bewahrt hat. Der zu Presburg zwiſchen Frankreich und Oeſterreich unterzeichnete Friede war die unmittel⸗ bare Folge dieſes merkwürdigen Tages. Die von Preußen darge⸗ legten feindlichen Geſinnungen veranlaßten eine Kriegserklärung. Der Kaiſer Alexander hatte ſich verbindlich gemacht, Preußen zu unterſtützen. Aber er kam zu ſpät an. Ein eben ſo glänzender Sieg, als der bei Auſterlitz, die Jenaer Schlacht, ſtürzte an ei⸗ nem Tage das Gebäude, zu deſſen Errichtung der große Friedrich ſein langes Leben angewendet hatte. Die ruſſiſchen Armeen mach⸗ ten ſchnell eine Rückbewegung, und nahmen ihre Stellung hinter der Weichſel. Sie wurden bei Pultusk lebhaft angegriffen, und gezwungen, die Schlacht bei Eylau zu liefern. Nach einem be⸗ trächtlichen Verluſt von beiden Seiten erklärte ſich das Glück zu Gunſten der Franzoſen, welche nunmehr ihre Operationen bis zum Frühling d. J. 1807 aufſchoben. Zahlreiche Verſtärkungen kamen an, Napoleon marſchirte gegen die vereinten ruſſiſchen und preu⸗ ßiſchen Heere, und zwang ſie, durch Anwendung der klügſten Ma⸗ neuvres, bei Friedland ihre Stellung zu nehmen, wo ſie völlig ge⸗ ſchlagen und mit außerordentlichem Verluſt über den Niemen ge⸗ drängt wurden.— Wenige Tage darauf hatte auf demſelben Fluſſe eine Zuſammenkunft der drei Beherrſcher von Rußland, Frank⸗ reich und Preußen ſtatt. Man vertrug ſich über die Friedens⸗Prä⸗ liminarien, und der definitive Tractat wurde zu Tilſit, den 8. und 9. Juli 1807, unterzeichnet. Das nicht zu entſchuldigende Beneh⸗ men der brittiſchen Regierung gegen Dänemark, die Beſchießung Koppenhagens ohne Kriegserklärung, die Anzündung der däniſchen Flotte, erweckten die Aufmerkſamkeit des St. Petersburger Kabi⸗ nets, und ſchienen auf ſeine Rathſchlüſſe Einfluß zu haben. Ale⸗ rander verkündigte, daß jedes Verhältniß zwiſchen England und Rußland abgebrochen werde, bis die ungerechte, gegen die däni⸗ ſche Regierung begangene Gewaltthat wieder gut gemacht ſey. Da Schweden ſich nicht von England trennen gewollt, nahm ein ruſſiſches Heer Finnland weg, eine Provinz, nach welcher es Ruß⸗ land ſchon lange gelüſtete und die unter ſeiner Herrſchaft geblie⸗ ₰ 128 Alerander Paulowitz. ben iſt. Alexander und Napoleon, die in Erfurt zuſammenkamen, verhandelten, einer mit dem andern, über das Intereſſe Euro⸗ pa's, und kamen überein, ſtrenge über die Blokade des feſten Landes(Continentalſyſtem) zu wachen, als das einzige Mittel, England zur Einwilligung in einen auf ſolide Grundlagen gebau⸗ ten Frieden zu zwingen. Das beunruhigte England regte zum zwei⸗ tenmal die öſterreichiſche Macht auf, welche in den berühmten Fel⸗ dern Wagrams abermals unterlag, und ein neuer Friede, oder vielmehr ein neuer Waffenſtillſtand wurde zu Wien geſchloſſen. Die Verbindung Napoleons mit der Erzherzogin Marie Louiſe ſchien die freundſchaftlichen Verhältniſſe zwiſchen den Höfen von Wien und den Tuilerieen dauerhaft befeſtigen zu müſſen; eine Idee, die für Napoleon unſelige Folgen hatte. Er glaubte von Deutſchland nichts mehr befürchten zu dürfen, überließ ſich der Trunkenheit ſeiner Siege, und ſetzte ſeinen Vergrößerungs⸗Pro⸗ jekten keine Grenzen mehr. Damals ſchmeichelte er ſich, jenen fatalen ſpaniſchen Krieg, der die Quelle unſerer ſämmtlichen Un⸗ fälle war, glücklich zu endigen. Rußland, welches Frankreich dieſen unſinnigen Kampf eingehen gelaſſen, fing bald an, in das Kontinentälſyſtem Modificationen zu bringen, welche deſſen Wirk⸗ ſamkeit zerſtörten. Napoleon beklagte ſich bitterlich darüber, und erhielt keine Genugthuung. Der Kaiſer Alexander beſchwerte ſich ſeiner Seits über die Beſetzung des Herzogthums Oldenburg, und verweigerte die Confiscation der engliſchen Mannfakturprodukte. Der Krieg wurde von neuem erklärt, und 1812 marſchirte die große franzöſtſche Armee nach der Weichſel. Der Schrecken hatte den Kontinent unter den Adlern Napoleons vereinigt. Smolenst/ die Moskowa, waren Zeugen der franzöſiſchen Tapferkeit. Die Ruſſen zogen ſich in Unordnung zurück. Moskau ⸗ward von den Händen ſeiner Bewohner den Flammen übergeben, und dieſe ver⸗ zweifelnde Handlung wurde ein Rettungsmittel. Die franzöſiſche Armee, nach blutigen Schlachten, langen und beſchwerlichen Märſchen, ohne gewiſſe Verproviantirung, fand, als ſie in der alten Hauptſtadt Rußlands ankam, nichts als Aſche/ Mangel⸗ und die Ausſicht auf eine ſchreckliche Zukunft. Napoleon ſchmei⸗ chelte ſich, daß ihn der Kaiſer Alexander um Frieden erſuchen würde. Dieſe Erwartung machte ihn einen Fehler begehen⸗ der nicht wieder gut gemacht werden konnte. Er verlor Zeit auf den Trümmern Moskau, und als er ſich bereitete, nach Polen zurück⸗ zugehen, ließ ihn ein frühzeitiger Winter ſeine Strenge fühlen Der unſeligſte Rückzug bewerkſtelligte ſich mitten im Schuee, wähe Alerander Paulowitz. 129 rend einer für die Jahrszeit auſſerordentlichen Kälte, und unter beſtändigen Gefechten, die mit einer Unerſchrockenheit ohne Glei⸗ chen geliefert wurden. Nichts ward gerettet⸗ als die National⸗ ehre.— Die Franzoſen zogen ſich nach Deutſchland zurück; der Kaiſer Alexander begab ſich nach Warſchau, ſobald er vernahm, daß Polen von ſeinen Truppen beſetzt ſey. Aus dieſer Stadt er⸗ ging den 22. Februar 1813 ſein Manifeſt, worin er alle Könige und alle Völker zu den Waffen gegen Napoleon rief. Dieſer Auf⸗ ruf wurde gehört; die aus Intereſſe geſchloſſenen Bündniſſe löſte die Politik wieder auf*). Preußen gab das Beiſpiel des Abfalls. Indeſſen waren die letzten Anſtrengungen der franzöſiſchen Regie⸗ rung ungeheuer und bewundernswürdig. Seit dem Monat Mai 1813 erſchien Napoleon, nachdem er Franken durchzogen, an der Spitze einer furchtbaren Armee mitten in Sachſen, und richtete ſeinen Marſch auf Dresden. Die Thore dieſer Stadt öffneten ſich ihm durch die Schlachten bei Lützen und Bautzen, welche in kurzer Entfernung von einander geliefert wurden, und worin er zwei glänzende Siege erfocht, die aber auch das Endziel ſeines Glückes waren. Der franzöſiſchen Armee fehlte es an Kavallerie, und dieſe Waffe, welche die Alliirten im Ueberfluſſe hatten, ſollte über das Schickſal des Feldzugs entſcheiden. Die Abfälle vermehrten ſich während des Waffenſtillſtandes, welchen Napoleon ſo unpolitiſch mit den verbündeten Mächten geſchloſſen hatte. Er erlangte bald die Gewißheit, daß er nicht mehr auf Oeſterreich zählen könne, und daß dieſe Macht nur einen günſtigen Augenblick erwarte, um ſich zu erklären. Der 17. Auguſt 1813 war der für den Wiederan⸗ fang der Feindſeligkeiten beſtimmte Tag. Den 16. kam der Gene⸗ ral Moreau zu Prag an; der Kaiſer Alexander empfing ihn mit Wärme, ernannte ihn zum General⸗Major der Armee, und ver⸗ traute ihm die Sorge, den Plan des Feldzugs zu ordnen. Die Anſtalten wurden ſchnell getroffen. Am 26. verkündeten die Bewe⸗ gungen der beiden Heere ein nahes Gefecht, und am Morgen des 27. begann jene Schlacht bei Dresden, in welcher man zwei Tage lang mit unglaublicher Wuth und ohne Entſcheidung kämpfte. Der General Moreau, der Sieger bei Hohenlinden, ward dabei *) Regierungen können, wenn ihre eigne Eriſtenz oder das Wohl ih⸗ rer Staaten auf dem Spiele ſteht, in den beſten Abſichten aus Intereſſe und Politik handeln. Wenn aber die Völker, auf Antrieb der Regenten ſich für alles, was ihnen theuer iſt, begeiſtert erhe⸗ ben, dann ruft ſie eine andere Stimme, als die der Politik. G Neue Biograph. I... 9 130 Alexrander Paulowitz. unter feindlichen Fahnen getödtet. Der Erfolg dieſer ſchrecklichen Tage, durch welchen die Franzoſen Meiſter vom Schlachtfelde blie⸗ ben, konnte jedoch als der erſte Vortheil für die Alliirten betrach⸗ tet werden; denn Napoleon ſah ſich genöthigt, die Stellung bei Dresden zu verlaſſen; er eilte nach Leipzig, um ſich den Grenzen Frankreichs zu nähern, und ſtieß auf die Feinde in wenig beträcht⸗ licher Entfernung von dieſer Stadt. Hier wurde die blutigſte und entſcheidendſte Schlacht dieſes Feldzugs geliefert, welche die Alliir⸗ ten nach den Planen des ehemaligen Reichsmarſchalls Bernadotte, damals königlichen Prinzen von Schweden, der den Oberbefehl über die feindliche Armee hatte*), vornahmen. Bis an die Ufer des Rheins zurückgeſchlagen, und genöthigt, ſich über dieſen Strom zu ziehen, nachdem er die Hälfte ſeines Heers verloren, fuhr Na⸗ poleon fort, den Frieden, den man ihm anbot, zu verweigern; ſein Schickſal riß ihn hin. Die Verbündeten brachen die Schran⸗ ken, die ihnen der Rhein entgegenſtellte, und ſchon im Januar 1814 war der Kriegsſchauplatz in den Ebenen der Champagne. Der Kaiſer Alexander hatte ſich mit dem Kaiſer von Oeſterreich und dem Könige von Preußen vereinigt, und dieſe drei Fürſten er⸗ ließen am 24. Februar zu Chaumont eine Erklärung, welche die Unabhängigkeit der Schweiz garantirte; acht Tage darauf machten ſie, einſtimmig mit dem brittiſchen Miniſterium, den Tractat be⸗ kannt, durch welchen die Koalition ſich verband,„ein vollzähliges „Heer von 150,000 Mann auf den Beinen zu halten, und alle „Hülfsquellen ihrer Staaten der kräftigen Fortſetzung des Kriegs „gegen Frankreich zu weihen bis zum Schluſſe eines allgemeinen „Friedens, unter deſſen Schutz die Rechte und die Frei⸗ „heit aller Nationen feſtgeſtellt und geſichert ſeyn könnten.“ Zu dieſer Zeit erwachten die Hoffnungen der An⸗ hänger des Hauſes Bourbon, die um ſo ſtärker waren, als der im⸗ mer wachſende Despotismus Napoleons den induſtriöſen und aufge⸗ *) Der Kronprinz von Schweden kommandirte bekanntlich ſeine Truppen und ein Corps Preußen, und vereinte ſich mit Blücher an der Elbe, während die Hauptarmee unter Schwar⸗ zenberg in Sachſen eingedrungen war. Daß hier der Kronprinz und Morceau nur allein, und nicht auch andere geſchickte Tak⸗ tiker der verbündeten Heere, als Entwerfer des Plans zu dem Feld⸗ zuge genannt werden, dieſe Meinung mag wohl(ſo großen An⸗ theil auch gewiß beide hochverdiente Feldherren daran hatten) in der nationellen Vorliebe des Verfaſſers dieſer Biographie liegen. . G. Alexander Paulowitz. 131 klärten Theil der Nation ſeiner Regierung entfremdet hatte. Der militäriſche Ruhm, ſo glänzend er auch war, gewährte keine hin⸗ längliche Entſchädigung für den Verluſt der öffentlichen Freiheit. Napoleons Fall iſt ein großes Beiſpiel für die Könige. Er bewei⸗ ſet, daß die Liebe der Völker und die Kraft nationeller Anſtalten die haltbarſte Stütze des Thrones ſind, und daß die materielle Kraft nicht hinreicht, eine von der moraliſchen verlaſſene Regie⸗ rung aufrecht zu halten. Die Verbündeten entſchloſſen ſich dem⸗ nach, gegen Paris zu marſchiren. Den 30. März, Morgens um 6 Uhr, griffen 150,000 Mann dieſe Stadt an. Am nämlichen Tage wurde, nach neunſtündigem Widerſtand, von dem Marſchall Mar⸗ mont, Herzog von Raguſa, eine Kapitulation vorgeſchlagen, wel⸗ che die Alliirten annahmen und unterzeichneten. Den 31. hielt die feindliche Armee ihren Einzug in Paris. Der Kaiſer Alexander erklärte durch einen ſeiner erſten Akte in ſeinem und ſeiner Ver⸗ bündeten Namen,„daß ſie weder mit Napoleon, noch mit einem „Gliede ſeiner Familie unterhandeln, daß ſie die Integrität des „alten Frankreichs, wie ſie unter ſeinen ehemaligen Königen be⸗ „ſtand, achten, und daß ſie die Konſtitution, welche die „franzöſiſche Nation ſich geben würde, anerkennen und garan⸗ „tiren wollten.“ Wie ſich auch die Verbündeten in dem Laufe der Unterhandlungen, welche ſeit ihrer Ankunft in der Ehampagne oder in Paris ſtatt hatten, benahmen, ſo ſcheint es doch, daß ſie immer die Reſtauration des Hauſes Bourbon wünſchten). Frank⸗ reich, dem erblichen Scepter dieſer Dynaſtie unterworfen, hörte auf, ein Gegenſtand des Schreckens für auswärtige Regierungen zu ſeyn. Europa ſah in der Wiedereinſetzung der königlichen Fa⸗ milie das Unterpfand eines langen Friedens; die Nation erblickte das Ziel eines verheerenden Kriegs und die Hoffnung der Freiheit. Das Benehmen und die Sprache des Kaiſers Alexander während ſeines erſten Aufenthalts in Paris gaben den Beweis, daß ihm an der Achtung der Franzoſen gelegen war. Er beſuchte im Schloſſe Malmaiſon die Kaiſerin Joſephine, und ſpeiſte mit ihr. Er nahm ein Frühſtück bei dem Marſchall Ney, wohnte bei Hrn. v. Talley⸗ rand, beſah auf's Genaueſte alle Anſtalten der Hauptſtadt, und *) Hätte ſich Napoleon zu den immer noch vortheilhaften Bedingun⸗ gen, welche ihm auf dem Kongreß zu Chatillon, während jener auf franzöſiſchem Boden gelieferten blutigen Gefechte, worin freilich er mit ſeinem Heere noch Wunder that, vorgelegt wur⸗ den, verſtanden, ſo würde er ſicher auf dem Throne Frankreichs geblieben ſeyn. G.. 132 Alerander Paulowitz. ſammelte mit Sorgfalt in der Verwaltung, in Wiſſenſchaften und Künſten, alles, was ihm nützlich ſchien in ſeine Staaten zu ver⸗ pflanzen und dort einheimiſch zu machen. Dieſer Fürſt und der König von Preußen wohnten am 21. April einer Sitzung der franz. Akademie bei, in der faſt hundertjährigen Epoche, da Peter der Große die Akademie der Wiſſenſchaften, deren Mitglied er war, mit ſeiner Gegenwart beehrt hatte. Endlich unterzeichneten, nach langen und ſchwierigen Verhandlungen, die verbündeten Mächte am 30. Mai 1814 mit dem Könige von Frankreich den definitiven Friedenstractat. Zwei Tage hernach reiſten der Kaiſer von Ruß⸗ land und der König von Preußen nach London ab, wo ſie auf die glänzendſte Art empfangen wurden. Den 28. Juni verließen beide Fürſten England wieder. Alexander nahm den Weg nach Karls⸗ ruhe, wo ihn die Kaiſerin, ſeine Gemahlin, erwartete. Er hielt ſich kurze Zeit dort auf, und ſetzte ſeine Reiſe nach St. Peters⸗ burg fort, wo Schmeichelei und Dankbarkeit ihn erwarteten. Er verwarf die erſte, und empfing die zweite mit einer Mäßigung, de⸗ ren ſehr wenige Menſchen und ſehr wenige Beherrſcher fähig ſind. Er verweigerte den Titel: Gebenedeiter, welchen der Senat ihm geben wollte, und erwiederte, daß die Beſcheidenheit und De⸗ muth eben ſowohl Tugenden der Regenten, als ihrer Unterthanen, wären. Bald darauf begab ſich Alexander nach dem Wiener Kon⸗ greß. Er kam dort am 25. Sept. 1814 an, und erklärte, daß ſein Vorhaben ſey, die Krone Polens auf ſein Haupt zu ſetzen, und er, im Fall Widerſtand erfolge, den Entſchluß gefaßt habe, ſein Be⸗ gehren mit den Waffen zu unterſtützen. Der Kongreß willigte ein, und im Monat Januar 1815 wurde Alexander als König von Po⸗ len anerkannt. Zur nämlichen Zeit ließ er ſich von Perſien be⸗ trächtliche Landſchaften abtreten, und erweiterte auch von dieſer Seite die ruſſiſche Herrſchaft bis an das kaspiſche Meer. Der Wie⸗ ner Kongreß war faſt beendigt, als man die Landung Napoleons auf den Küſten der Provence und ſeinen Einzug in Paris erfuhr. Dieſe Nachricht hielt die verbündeten Monarchen noch zurück, und ſie verbanden ſich durch einen förmlichen Akt, alle Kräfte ihrer gegenſeitigen Staaten zu vereinen, um die Artikel und Bedingun⸗ gen des Pariſer Tractats achten und vollziehen zu machen, und die auf dem Kongreſſe zu Wien genommenen Maasregeln in ihrer Voll⸗ kommenheit zu erhalten. Die ruſſiſche Armee hatte ſich in Bewe⸗ gung geſetzt, als eine einzige Schlacht in zwei Tagen jene große politiſche Frage entſchied. Sobald die Nachricht vom Unſtern bei Waterloo bekannt war, gingen die ruſſiſchen Truppen wieder rück⸗ Alerander Paulowitz. Alexandre. 133 wärts, mit Ausnahme des Armee⸗Corps unter dem General Bar⸗ clay⸗de⸗Tolly, welches allein Befehl erhielt, in Frankreich ein⸗ zudringen. Alexander ſäumte nicht, ſich ſelbſt dorthin zu begeben. Er kam den 11. Juli 1815 an. Der zweite Aufenthalt dieſes Für⸗ ſten zu Paris bietet nichts beſonders Merkwürdiges dar. Nachdem er ſeine Truppen am Dorfe Vertus gemuſtert, reiſte er faſt unmit⸗ telbar darauf nach Brüſſel, um die Vermühlung der Großherzogin Anna mit dem Kronprinzen der Niederlande zu ſchließen. Bald hernach ging er nach Polen ab, dem er eine Konſtitution gab, wel⸗ che ihm jedoch nicht hinreichenden Troſt für den Verluſt ſeiner Un⸗ abhängigkeit gewährte. Der bekannte Vertrag der heiligen Allianz wurde von Alexander abgefaßt und vorgeſchlagen. Die⸗ ſer Fürſt beſchaftigt ſich unausgeſetzt, Rußland auf die höchſte Stufe des Glanzes zu erheben. Drei nothwendige Elemente, um große Dinge auszuführen, die Zeit, die Stärke, und der Raum, ſtehen ihm zu Gebot. Er hat unternommen, in den unbewohnten Landſtrichen ſeines ungeheuern Reichs Militär⸗Kolonieen zu bil⸗ den, nach dem Plane jener alten, welche Rom in den Ländern, wohin es den Schrecken ſeiner Waffen trug und die es ſeiner Herr⸗ ſchaft unterwarf, einrichtete. Dieſes Koloniſations⸗Syſtem wird in der neueren Geſchichte Epoche machen. Der Kaiſer Alerander, der Herr in ſeinen Staaten ſeyn will, hat, durch ein Edikt vom 1. Januar 1816, die Jeſuiten hinausgewieſen, welche anfingen, in Rußland Wurzel zu ſchlagen, und ſich ſchon Befreiung vom allgemeinen Geſetz und die Unabhängigkeit einer beſondern Kaſte anmaßten. Dadurch hat der ruſſiſche Kaiſer den übrigen Beherr⸗ ſchern Europa's eine gute Lehre gegeben. Auch die abſolute Ge⸗ walt kann bei glücklichem Willen das Beſte der Völker befördern. Alexandre(Karl Ludwig), nahm, noch jung, lebhaf⸗ ten Antheil an der Revolution, und namentlich an den Volksbewe⸗ gungen des 10. Auguſt, wo er ſich an der Spitze des Pariſer Ba⸗ taillons, les Gobelins genannt, deſſen Befehl ihm ſein Freund Santerre übertrug, bemerklich machte. Als er ſich 1793 in der Eigenſchaft eines Oberkriegskommiſſärs(Commissaire Ordonna- teur) bei der Alpenarmee befand, ſchlug ihn Barroèͤre zum Kriegs⸗ miniſter an Bouchotte's Stelle vor, weil Alexandre von Beauhar⸗ nois dieſes Amt verweigert hatte; aber Billaud Varennes und Thu⸗ riot waren ſeiner Ernennung entgegen. Dennoch ſetzte er dieſen Dienſt bei den Armeen fort bis zum Jahr 5(1797), da er als Kandidat für das Directorium mit Barthélemy concurrirte, wel⸗ cher letztere ernannt ward. Als 1799 der General Bernadotte, 134 Alerxandre. Alez d'Anduze. Alfield. jetzt König von Schweden, vom Kriegsminiſterium entfernt wurde, erhielt Alexandre die Stelle eines Chef der 1., ſodann der 2. Di⸗ viſion deſſelben. Nach dem 18. Brumaire wurde er Mitglied des Tribunals, worin er ſich nur durch einen Bericht über die Han⸗ delsbörſen und den Nutzen der Wechſelagenten bekannt machte. 1814 war er General⸗Inſpektor über die Verwaltung der vereinig⸗ ten Gebühren(droits réunis)., Der König ernannte ihn 1815 zum Direktor disſer Verwaltung, doch trat er erſt im zweiten Mo⸗ nat der 100 Tage ſeine Stelle an. Nach der Wiederkehr des Königs erhielt er das Amt eines Steuer⸗Directors im oberrheini⸗ ſchen Departement. Alez d'Anduze(Johann Joſeph Maria Augu⸗ ſtin), geboren 1757 aus einer adelichen Familie in Languedoc, widmete ſich dem geiſtlichen Stande, empfing 1785 die Weihe, und wurde zum General⸗Vikarius von Bayeux und zum Grafen von St. Pierre und St. Chef zu Vienne ernannt, geiſtliche Adels⸗ würden, die man jetzt wenig kennt. In der Revolution verwei⸗ gerte er den Eid, und proteſtirte gegen die bürgerliche Verfaſſung des Klerus. 1792 bot er ſich als Geißel für Ludwig XVI. an, und gab ſein Kapitularkreuz hin, um in die für den Wiederkauf der königlichen Familiengüter gebildeten Liſte eingeſchrieben zu wer⸗ den. Er wurde darauf zum Generalvikar der Diöceſe Albi er⸗ nannt, aber unter der Schreckensregierung nach Spanien depor⸗ tirt, wo er 14 Jahre wohnte. Nach Frankreich kam er erſt im J. 1814 zurück, und ward Almoſenier der Anſtalt von Sainte Perine zu Chaillot. Er wurde dem König am 8. Juli 1814 als Mitglied der Deputation von Albi, und am 21. Auguſt als einer der Gei⸗ ßeln für Ludwig XVI., vorgeſtellt. Man verſichert, daß dieſer Abbé Alez einer der eifrigſten Freimaurer des großen Orients von Frankreich und mit den höchſten Graden dieſes Ordens bekleidet iſt*). Alfield(Thomas), engliſcher Kapitän, zeichnete ſich durch ſeine Tapferkeit bei der Belagerung von St. Jean d Acre aus(1799). Der Commodore Sidney Smith, der de Muth die⸗ ſes Offtziers kannte, beauftragte ihn, ſich der von den Franzoſen „) Die Theilnahme an einer Verbrüderung, die mit den ſchönen, romantiſchen Grundſätzen der Chevalerie jene einer aufgeklärten wohlthätigen Religion und heitern Lebensphiloſophie verbindet, kann bei einer orthodoxen, wenn auch rechtlichen und frommen, Denkungsart auffallend ſcheinen. G. Alfield. Alfieri. 135 angelegten Mine zu bemächtigen. Alfield durchging mit ſeinen Soldaten einen großen Theil der feindlichen Truppen, und war ſchon bei der Mine angelangt, als er mitten unter ſeinen Streit⸗ genoſſen getödtet ward. Die Franzoſen ehrten ſeine Kühnheit, und begruben ihn unter ihren Todten. Alfieri(Victor), geb. zu Aſti, in Piemont, den 17. Ja⸗ nuar 1749, Sohn von Anton Alſieri und der aus Savoyen abſtam⸗ menden Monica Maillard von Tournon. Dieſe war vorher Wittwe des Marquis von Cacherano, und ſchloß ſeitdem, noch jung, die dritte Eheverbindung. Anton Alfieri, der 60 Jahre alt war, ſtarb ſchon im gedachten Jahre, und Victor kam unter die Vor⸗ mundſchaft ſeines Oheims Pellegrino Alfieri⸗ damals Gouverneur von Coni. Er ſtudirte 1758 auf der adelichen Akademie zu Turin, wo man ihn der beſondern Aufſicht des Grafen Benedict Alfieri⸗ erſten Architekts des Königs, anvertraute. Victor machte keine Fortſchritte, entweder, weil er übel geleitet wurde, oder aus eig⸗ ner Schuld, oder hauptſächlich wegen ſeines Temperaments, das vielleicht eben ſo ſonderbar war, als ſein Charakter. Schon mit 44 Jahren konnte er über ſein Vermögen disponiren, und fand ſich am Ende ſeiner Studien nicht mehr unterrichtet, als im Anfange derſelben. Selbſt die Leibesübungen, und beſonders der Tanz,⸗ hatten ihm mißfallen; nur das Reiten zog ihn aus dieſer Apathie. So, ſich ſelbſt überlaſſen, ehe er ſich gehörig kannte, nach und nach von dem Verlangen der Ortsveränderung, vom Hange zur Verſchwendung, und manchmal ſelbſt von Anwandlungen des Gei⸗ zes, hingeriſſen, verlebte er zehn Jahre unordentlich, zwiſchen Vergnügungen und Verdruß, bis zur heftigſten Leidenſchaft ver⸗ liebt, melancholiſch bis zum Wahnſinn, und mitten unter allen Genüſſen von öfterem Drange zu ſterben gequält. Dieſen Anre⸗ gungen von Thorheit geſellte ſich bald die Neigung zum Reiſen. Er durchzog Europa, weit weniger aus Verlangen, zu beobachten und ſich zu unterrichten, als aus bloßer Neugierde, und aus Lau⸗ ne, die im Frühlinge grämlich und das ganze Jahr hindurch un⸗ gebändigt war. Auf einer zweiten Reiſe ging er durch Deutſch⸗ land, Dänemark und Schweden, kam aus Rußland durch Preu⸗ ßen und Holland zurück, und hielt ſich ſieben Monate in Englaud auf, wo er ſich durch die Unbeſonnenheiten ſeiner Liebe zu einem ſo übel gewählten Gegenſtande auszeichnete, daß ihn, nach man⸗ chem Abentheuer, ein Zeitungsartikel den Spöttereien der Londo⸗ ner Einwohner zum Beſten gab. Er mußte abreiſen, ohne die Un⸗ getreue zu erdolchen, die er völlig verachtete, aber immer noch 136 Alfieri. zärtlich liebte*). Damals(1771) eilte er im höchſten Schmerz von Paris nach Barcelona, über Bordeaux und Toulouſe, ohne daß die Leſung von Montaigne's Schriften ſeine Traurigkeit mil⸗ dern konnte. Keiner von allen Reiſenden, der je zu ſeinem Ver⸗ gnügen auf der Poſt fuhr, hat wohl mehr geweint, als er. Aber in Katalonien hält er an, kauft ſich zwei hübſche Pferde, ſpringt hoch vor Freuden, und kehrt auf dem Umwege über Madrid, Liſ⸗ ſabon, Cadix und Valencia nach Piemont zurück. Nach ſeinem Geſtändniſſe hielt man ihn damals für einen außerordentlichen Mann, aber in einer ſehr wenig günſtigen Bedeutung. Uebrigens war dieſe Liebhaberei für Pferde eine ſeiner dauerhafteſten Nei⸗ gungen; er wählte ſie mit Achtſamkeit, und hatte ihrer gewöhn⸗ lich zwölf. Das war viel für einen unabhängigen Geiſt, dem je⸗ der Luxus unnütz ſchien, weil ihm im allgemeinen wenig daran ge⸗ legen war, in der großen Geſellſchaft zu gefallen. Späterhin wollte er J. J. Rouſſeau nicht ſehen, aus Furcht, wie er ſagte, ihu mürriſcher zu finden, als ſich ſelbſt. Seine Urtheile über ir⸗ gend eine Sache waren manchmal ſehr gerecht, aber meiſtens übereilt und unbarmherzig. Zu oft beſtimmt durch den Einfluß der Jahrszeiten, durch beſondere Umſtände und Vorurtheile aller Art, deren unangenehmen Grund er nie verhehlte, hatte er nur mehrere Theile Italiens, Schweden bis zu einem gewiſſen Punkt, und für einige Zeit England, nach ſeinen Geſchmack gefunden. Preußen unter Friedrich war ihm nur eine traurige Wachtſtube, und in den Ruſſen ſeiner Zeit ſah er nur als Europäer maskirte Barbaren. Im Alter von 19 Jahren durchreiſte er Frankrcich, dem er niemals den Eingang in Paris durch die Faubourg St. Marceau, das Roth, welches die Frauen damals noch auflegten⸗ und die Ausſprache des u mit Zuſpitzung der Lippen, ähnlich dem Blaſen su la minestra bollente(auf heiße Suppe), verzeihen konnte. In der Folge hatte er die Stärke, Frankreich und Pa⸗ ris, wo er aus eigner Wahl einen langen Aufenthalt nahm, in Satyren anzugreifen. Er ſprach mit Achtung von Montesgieu, fand aber keinen Geſchmack an J. J. Rouſſeau's Werken. Vor al⸗ len mißſtel ihm die neue Heloiſe. Nach ſeinem Sinne hieß das nicht lieben, wenn man gegen die Hinderniſſe nicht löwenmäßig brüllte, nicht(nach ſeinem eignen Ausdrucke) heulte, nicht auf *) Man bemerkte noch ſpäterhin, daß die Liebesneigungen dieſes ſon⸗ derbaren Charakters entweder auf Damen von ganz hohem Stan⸗ de, oder auf geringe Mädchen, gingen. G. Alfieri. 137 der Poſt von London nach Madrid, oder von Wien nach Liſſabon, flog, Wuth und Furien im Herzen. Jetzt geht eine weſentliche Veränderung während ſeines Aufenthalts in Turin, 1773, in ihm vor. Ein neues und ernſteres Band fößt ihm den Sinn für Poeſie ein. Nach einigen eiteln Verſuchen beſchäftigt er ſich mit ächteren dramatiſchen Compoſitionen*). Den 13. Juni 1775 ließ er eine Art von Tragödie, gleichſam einen Entwurf, unter dem Titel: Kleopatra, vorſtellen. Dieſe kritiſirte er ſelbſt in dem kleinen Stück: Die Poeten, welches man zugleich aufführte. Dieſe beiden Skitzen ſcheinen nicht würdig, in die Sammlung ſeiner Werke zu kommen; aber obſchon ſie nur zweimal vorgeſtellt wur⸗ den, entſchied doch dieſer erſte Erfolg über das Schickſal des Ver⸗ faſſers. Er ſah nun, was er werden könnte, und ſeine Seele ſchien ſich zu ſtärken, ſobald ſeine Imagination ein, ohne Zweifel noch fernes, aber ehrenvolles, Ziel erblickte. Er war der Müſ⸗ ſigſte aller Menſchen geweſen; er wurde jetzt der arbeitſamſte; aber die Originalität ſeines Geiſtes, und ſein Hang für ausſchlie⸗ ßende Ideen, hatten einigen Antheil an ſeinem nunmehrigen Stu⸗ dienplane. Während er ſelbſt die Anfangsgründe des Italieni⸗ ſchen, das ihm faſt unbekannt geworden, erlernte, und ſich ziem⸗ lich dem Lateiniſchen widmete, um wenigſtens die Proſaiker, unter welchen ihm Tacitus und Salluſt werth waren, zu verſtehen, legte er ſich das Geſetz auf, die franzöſiſche Sprache gänzlich zu ver⸗ nachläßigen, obſchon er Amyot und Montaigne liebte. Er las fleißig den Dante und Petrarca, deren Schriften er aus dem Ge⸗ dächtniſſe hätte herſagen koͤnnen. Leidenſchaftlich eingenommen für eine anhaltende Beſchäftigung, wie er es vorher für die Reize des müſſigen Lebens war, verfertigte er in weniger als ſieben Jah⸗ ren das gerächte Etrurien, ein Gedicht in vier Geſängen, fünf große Oden über die amerikaniſche Revolution, und einen Aufſatz über die Tyrannei. Er überſetzte den Salluſt, und gab zuletzt 14 Tragödien, worunter Philipp II., Polynices, die Verſchwörung der Pazzi, Dom Garcias, die Ore⸗ ſtie, Merope, Virginia, Saul ec.**). Alle wurden mit Begeiſterung aufgenommen. Man bewundert im Saul die Stärke und Wahrheit der Hauptrolle, und das Erhabene in der von Da⸗ *) Ein Schauſpiel, das er, um die lange Weile zu tödten, in frü⸗ herer Zeit verfertigt, ſiel ihm in die Hände. Dies ſoll den Ge⸗ danken erregt haben, daß er für die dramatiſche Laufbahn be⸗ „. ſtimmt ſey. G. ) Von 1776— 17832. G. 138 Alfieri. vid. Einige Kritiker haben behauptet, daß in der Merope nichts von Voltaire Entlehntes wäre. Der einzige Unterſchied beſteht in der Anordnung des Plans. Alſieri hat in einem Akt die doppelte Wiedererkennung des Aegiſth durch Merope und Polyphont verei⸗ nigt. Dies iſt eine neue Verbindung zweier Mittel, die ihm nicht zuſteht. Wenn der Akt dadurch gewinnt, verliert das Stück. Ue⸗ brigen: gefiel ihm das Theater Voltaire's nur mittelmäßig, viel⸗ leicht mit Ausnahme des Mahomet und der Alzire. Er wollte Brutus verbeſſern, und blieb weit unter dem franzöſiſchen Dich⸗ ter. Alfieri, ohne Zweifel der einzige Poet, der wegen eines zu⸗ fällig ihm ausgezogenen Haars ſeinen Kammerdiener beinahe ge⸗ tödtet hätte, indem er demſelben, in Ermanglung eines beſſern, den Leuchter an den Kopf warf, ſchien freilich dazu geboren zu ſeyn, jenen Konſul von unbeugſamer Gemüthsart auf die Bühne zu bringen. Dieſe raſch vollendeten Arbeiten genügten kaum der Thätigkeit ſeines Geiſtes. Er hatte den Geſchmack am Reiſen nicht verloren; aber es war für ihn nichts mehr, als eine Erho⸗ lung. Gegen 1780 hatte er ſich für immer einer Frau, die eben ſo ausgezeichnet durch ihr perſönliches Verdienſt, als durch ihre Geburt, war, ergeben, nämlich der Prinzeſſin von Stolberg, Ge⸗ mahlin des letzten Stuart, den man gewöhnlich den Prätendenten nannte*). Dieſe Leidenſchaft erinnerte an jene des Petrarca. Alfteri beſang auch ſeine Liebe, aber in männlicherem Ton. Seine Neigung hatte Theil an ſeinem dramatiſchen Geiſte. Aber dieſe Verbindung bewirkte ſeine Verweiſung aus Rom; er behielt deshalb gegen die Prieſter und die Stadt einen langen Groll. Dennoch bot er dem Pabſte die Dedikation einer ſeiner Tragödien an. Die abſchlägliche Antwort Sr. H. kränkte den unbiegſamen Verfaſſer eines republikaniſchern Brutus, als der von Voltaire. Auf einer Reiſe nach dem Elſaß dichtete er Agis, Sophonisbe und Mirrha. Man hat 19 Tragödien von ihm. Er ließ zu Kehl (außerhalb des franz. Gebiets) den Aufſatz über die Tyran⸗ nei, den über den Fürſten und die Wiſſenſchaften, und ſein Gedicht Etruria, drucken, Werke, die er in der Tos⸗ kaniſchen Zeitung zu leugnen ſchien. Sey es nun, daß ihn die Herausgabe derſelben gereute, oder daß ſein Zweck war, den Buch⸗ händlern, die ihm aus Speculation anderes zuſchrieben, zuvorzu⸗ kommen— er erkannte in dieſem Blatt nichts an, als ſeine *) Alfteri blieb dieſer edlen Liebe, die auf ihn den würdigſten Ein⸗ fluß hatte, bis an ſein Ende treu. G. Alfieri. 139 Tragödien, die Lobrede auf Traijan, das freie Amerika, und die verkannte Tugend. Un dieſe Zeit begab er ſich nach Paris, wo Didot ſein Theater druckte. In die⸗ ſer Stadt wurde ſeine Beſtändigkeit durch eine heimliche Vermäh⸗ lung gekrönt; denn man erfuhr im Februar 1788 den Tod des Prätendenten. Alfieri war ſeit drei Jahren in der Hauptſtadt Frankreichs. Der Druck ſeines Theaters ging zu Ende, als die Revolution entſtand. Er war damals einer ihrer eifrigſten Anhän⸗ ger. Ihre männlichen und fruchtbaren Grundſätze ſprachen den Genius dieſes begeiſterten Mannes an, und die Eroberung der Ba⸗ ſtille gab ihm den Stoff zu einer Ode. Schon einige Jahre zuvor hatte er ſeine erſten Schriften der Sache der Freiheit geweihet, und die Verfechter der willkührlichen Gewalt begannen ihren Ein⸗ fluß zu fürchten. Aber vom Augenblick, da er die, ſelbſt im Na⸗ men der Freiheit begangenen, Ausſchweifungen ſah, trug er gegen dieſes Ereigniß einen tiefen Haß. Sogleich nach dem 10. Auguſt ging er aus Frankreich, nicht ohne einige Schwierigkeiten erfah⸗ ren zu haben; kaum in Toskana angelangt, widerſprach er öffent⸗ lich den Grundſätzen, welche er bisher bekannt, und zog vor, lie⸗ ber das, was er in Paris gelaſſen, zu verlieren, als ſeiner neuen Antipathie nicht Genüge zu thun. Man folgert aus dieſer Abnei⸗ gung Alfieri's für die neue Ordnung der Dinge, daß er jede auf Reflexion gegründete und mit poſitiven Begriffen übereinſtimmende Politik abſchwor; aber man beachte wenigſtens, daß er in einem ſeiner ſchönſten Sonnette ſagt:„Dies ſind meine Empfindungen für „Freiheit; dies iſt meine Art zu ſchauen, in meiner Jugend, in „meiner Kraft. Bin ich beſtimmt, mich dereinſt zu verändern, ſo „widerlege ich von heute an dieſe Schwäche des Alters.“ Um den Wechſel ſeiner Meinungen zu rechtfertigen, ſagte er: Ich kannte die Großen, aber nicht die Kleinen. 1793 behandelte man ihn wie einen franzöſiſchen Emigranten. Man zog ſeine zu⸗ rückgelaſſenen Geräthſchaften und Bücher ein, ſo wie ſeine in der Staatskaſſe angelegten Gelder. Er fühlte dieſes Unrecht, und äußerte darüber ſeinen Unwillen mit der gewöhnlichen Heftigkeit. Sein Haus zu Florenz wurde der Sammelplatz der aufgebrachteſten Franzoſen und überhaupt der glühendſten Feinde der Revolution. Seine Leidenſchaft für Arbeit ſchien immer mehr zu wachſen. Im Alter von 48 Jahren begann er, mit vielem Eifer das Griechiſche zu ſtudiren. Es gelang ihm vollkommen mit Hülfe der Methoden, die er erfand, und wovon er in ſeinen Denkwürdigkeiten ſpricht. Aus Furcht, daß ſein Leben von andern, und unrichtig⸗ 140 Alfieri. 9 beſchrieben würde, entſchloß er ſich, ihnen zuvor zu kommen, und ſchilderte ſich ſelbſt, wahrſcheinlich nicht mit ſo vieler Aufrichtig⸗ keit, aber mit weniger Kunſt, und mehr Nachläßigkeit, als man in den Bekenntniſſen, von J. J. Rouſſeau findet. Seine Denkwürdigkeiten erſtrecken ſich bis zum 14. Mai 1803. Man bemerkt um dieſe Zeit das Vorgefühl eines baldigen Verfalls. Wirklich erſchöpft durch dauernde Arbeiten, durch Phantaſicen und übermäßige Eindrücke, oder durch die Folgen einer zu ſyſtemati⸗ ſchen Lebensordnung, ſchwächte er ſich vor den Jahren, und ſtarb den 8. October 1803. Ganz mit dem Studium des Griechiſchen in der letzten Zeit ſeines Lebens beſchäftigt, hatte er ſich eine Or⸗ denskette eingebildet, um ſeine eigne Beharrlichkeit zu lohnen. In die, ſolche ſchmückenden, koſtbaren Steine ſollte man die Na⸗ men von 23 alten und neueren Dichtern zeichnen: Dante würde nicht vergeſſen worden ſeyn. Man hätte daran einen Camee(erha⸗ ben geſchnittenen Edelſtein), Homer vorſtellend, befeſtigt, und zwei griechiſche Verſe hätten bezeugt, daß der von Alfteri, Homers⸗ ritter, erfundene Orden glorreicher und edler wäre, als die, wel⸗ che Kaiſer und Könige geſtiftet. Er wurde zu Florenz, in der Kirche Santa Croce, begraben, wo die Reſte vieler berühmter Männer vereinigt ſind. Das marmorne Grabmal, welches ſeine Gattin ihm errichten ließ, wurde von Canova verfertigt. Die In⸗ ſchrift iſt diejenige, welche er ſelbſt vorher gemacht hatte, und die man in ſeinen Denkwürdigkeiten lieſt: Quiescit hic tandem Victorius Alfierus, Astensis, Musarum ardentissimus cultor, Veritati tantum modo obnqlius, etc. (Hier ruhet endlich Victor Alfteri, aus Aſti, der wärmſte Verehrer der Muſen, nur der Wahrheit unterthan ꝛc.) Kurze Zeit nach ſeinem Tode gab man(in Florenz oder London) heraus: Die beiden Theile ſeines Lebens, eine metriſche Ueber⸗ ſetzung der Aeneide, ſieben Luſtſpiele, mehr biſarrer, als komiſcher Art, die metriſche Ueberſetzung des Terenz, der Per⸗ ſer, des Aeſchylus, des Philoktet von Sophokles, der Fröſche des Ariſtophanes, und der Alceſte des Euripides, eine andere Alceſte, ein Drama, genannt Abel, eine ſehr geſchätzte Uebertragung des Salluſt, einige Son⸗ nette, und 16 gegen verſchiedene Völker, beſonders gegen die Franzoſen, gerichtete Satyren. Sein Leben, der Aufſatz über die Tyrannci, und ſeine dramatiſchen Werke ſind in das Franzöſiſche überſetzt. Der Verfaſſer der letztern hat tref⸗ 4 Alfieri. 141 fende Bemerkungen über den Charakter, welchen Alfieri der ita⸗ lieniſchen Tragödie geben wollte, beigefügt. Welche Meinung man auch hege, ſo iſt doch nicht zu verkennen, daß er der Litera⸗ tur in einem Felde, das ſchon ſo reich für die ſchöne Kunſt iſt, große Dienſte geleiſtet hat. Jene ſtrenge Simplicität, an welche ſich die Griechen hielten, und deren Schönheit Alfieri empfand, eignete vielleicht mehr der Geiſtesſtimmung der Alten. Die Fort⸗ ſchritte der Erfindungen und die raſche Mittheilung der Ideen ha⸗ ben die Stufe der Simplicität in den ſinnreichen Künſten unwie⸗ derbringlich verwandelt. Es iſt eine andere Ruance für die gleiche Vollendung. Auch geziemt es ſich, und wird ſich ſtets geziemen, gerechten Geiſtern nur das Nothwendige zu bieten; aber die Be⸗ dürfniſſe des Geiſtes vermehren ſich von Jahrhundert zu Jahrhun⸗ dert. Die vielleicht übermäßige Strenge Alfieri's in dieſem Punkt mußte wohl, beſonders in Italien, einiges Erſtaunen erregen; aber er konnte dort keine Revolution ſchaffen. Sein Styl hätte harmoniſcher und reiner ſeyn müſſen, um die Italiener zu feſſeln, und um in Europa den Ruf des erſten Tragikers ſeines Jahrhun⸗ derts, den er ſich ſelbſt gab, zu erhalten. Er begriff zu ſpät die Hülfsquellen, welche ſeine Mutterſprache ihm darbot, und obſchon er ſie ſeither mit einer ſo ausſchließenden Leidenſchaſt geliebt, daß er faſt alle Vorzüge der franzöſiſchen, engliſchen und deutſchen Sprache verkannte, ſo war ſie vielleicht nicht die paſſendſte für ſein Genie. Dieſe Hinderniſſe, und ſeine natürliche Ungeduld, entfernten ihn von der Vollendung; aber kühne Mittel, Staunen erregende Ideen, und ſtarke Begriffe, ſichern ihm einen dauernden Ruhm*). Alfieri, der in ſeinen früheren Jahren mager und von 2 *) Ohne den hier angeführten, gründlichen Bemerkungen des franz. Biographen die unſern an die Seite zu ſetzen, verweiſen wir auf Schlegel's vortreffliche dramatiſche Vorleſungen, 2r Band. „Iſt Metaſtaſto's Muſe, ſagt dieſer Kunſtrichter, eine liebeſchmach⸗ tende Nymphe, ſo iſt die Alſteri's eine mann⸗weibliche Amazone. Er iſt nicht nur nicht muſtkaliſch, ſondern geradezu unmuſtkaliſch, er zerreißt das Gefühl durch die härteſten Mißlaute ohne alle Mil⸗ derung und Auflöſung. Die Tragödie ſoll durch eine erhebende Geſinnung unſer Gemüth gewiſſermaßen von der ſinnlichen Ge⸗ walt des Lebens entfeſſeln; aber ſie darf dieſe gefährliche Gabe des Himmels nicht von ihrem Neiz entkleiden: ſie muß uns viel⸗ mehr die höchſte Herrlichkeit unſers von Abgründen umringten Daſeyns zeigen ꝛc.“ Alſieri rang zuletzt nach der Kraft und Erha⸗ benheit der Griechen, die ihm aber nur in ſtoiſcher Hinſicht eigen waren. Weil er nicht auch nach ſchön⸗ſinnlichem Geiſte 142 Alfieri. ſehr zarter Geſundheit war, der faſt keine intellectuellen Fähig⸗ keiten beſaß, und eine für ſein Alter kleine Geſtalt hatte, erlangte nach und nach einen hohen Wuchs, eine ausgezeichnete Geſichts⸗ bildung, und eine faſt unermüdliche Tüchtigkeit des Körpers. Er war von hoher Stirne, rothen Haaren, ſtrenger Phyſiognomie, etwas höhniſchem Blick, und ziemlich dünnen Beinen. Der Stolz, oder vielmehr Hochmuth, war ſein Hauptfehler, und wenn er Dich⸗ ter wurde, ſo geſchah dies vielleicht weniger aus Neigung, als um einen Namen zu hinterlaſſen, der ihn über andere Menſchen erhübe, und damit er das Gemurmel der Bewunderung um ſich hörte. Bei großem Feuer und weniger Empfindſamkeit war er den⸗ noch ein guter Freund, ein guter Gatte, ein guter Sohn; ja, er ſchien ſelbſt treu in der Liebe zu ſeyn, als er, nach ſo ſehr übeln Wahlen, eine traf, die ſeiner würdig war. Von dem unabhäͤn⸗ gigſten Charakter, und frühe ein ziemlich beträchtliches Vermögen mit den Vortheilen der Geburt vereinigend, ſchien er dazu beſtimmt, alle Freuden der Jugend zu genießen. Aber ſeine ungeordnete Gemüthsart entfernte die Zufriedenheit weiter von ihm, als es die Feſſeln der Vernunft, oder ſelbſt die Mißgunſt des Schickſals, ge⸗ than haben würden. Weder ſeine Arbeiten, noch ſeine Vergnü⸗ gungen machten ihn viel glücklicher. Anſtatt ſich zu beſchäftigen⸗ legte er ſich ein Joch auf. Erhielt er ſchnellen Beifall, ſo wurde er ihm lange wieder ſtreitig gemacht. Man tadelte ſelbſt die Schön⸗ heiten, die in ſeinem fehlerhaften Style glänzten; man wollte nur Eigenheit darin ſehen. Im Styl war er beſonders eigen. Er führte keine bisher unbekannte Dichtungsart auf dem italieniſchen Theater ein, aber mehr Feſtigkeit im Ausdruck, mehr Stolz⸗ Pomp und Kühnheit. Seine Verſe ſind von gelehrtem Bau, aber fern von Grazie und Zartheit; er ſucht zu ſehr das Erhabene, welches man dadurch am wenigſten findet. Richts deſto weniger ſpricht er mit Kürze und Kraft die edeln oder tiefen Leidenſchaften aus, und ſein Gang, obwohl einfach, iſt vollkommen gefügt. Sein Dialog iſt ausdrucksvoll, beſtimmt, überzeugend; ſeine Ideen ſind groß. Unglücklicher Weiſe iſt er nicht frei von Dunkelheit, und ſeine Charaktere haben faſt alle eine Stärke, die ſich nicht mit der dramatiſchen Wahrheit verträgt. Er leiſtet weniger Genüge auf dem Theater, als im Staatskabinett. Durch die Einſchränkung der Vertrauten und Rebenperſonen vermeidet er unſtreitig Längen und harmoniſcher Darſtellung ſtrebte, ſo verkannte er allerdings ſeine Muſter. G. Alfieri. Alhoy. Ali. 143 und weniger intereſſante Scenen; aber in dieſem raſchen Fort⸗ ſchreiten ſind zu wenig Ergießungen für den Sturm der Seele; man glaubt, weniger die dargeſtellte Perſon zu hören; man ſieht nur einzelne Stücke für den Effekt hingeſtellt. Anſtatt die Tragö⸗ die zu verbeſſern, wie er es ſich verſprach, ſcheint er ſich noch wei⸗ ter von naiver Wahrheit entfernt zu haben, als uns(den Franzo⸗ ſen) die Fremden vorwerfen. Man beſchuldigt ihn, daß er ſelten zum Herzen ſpricht; doch müſſen hier manche Scenen ſeiner Tragö⸗ dien Merope, Polynices, Maria Stuart, Antigone und Philipp II. ausgenommen werden. Iſt er auch in der Erneuerung eines Stof⸗ fes nicht ſo glücklich, wie ſeine Vorgänger, ſo weiß er doch immer originell zu ſeyn. Selbſt in ſeinen weniger berühmten Arbeiten, in dem Aufſatze über die Tyrannei und in dem Lobe Tra⸗ jan's ahmt er weder Plinius, noch Machiavell, nach; er iſt we⸗ niger zierlich, aber ſtärker, als der erſte; weniger ſinnreich, als der zweite, aber offen und heftig ſtreitend, ſchreibt er als ein Mann, der keinen Herrn will. Dieſer Dichter Italiens wird hauptſächlich als einer der ſtandhafteſten Dolmetſcher freier Seelen in ſchwer zu täuſchenden Zeiten geehrt werden. Der Miso Gal- lo, eine beſonders gegen Frankreich und die Franzoſen gerichtete Satyre, iſt das einzige von Alfieri's Werken, das noch nicht her⸗ ausgekommen iſt.. Alhoy, geb. zu Angers 1757, Mitglied der Congregation des Oratoriums, und Profeſſor. Während der Aechtung des Abbé Sicard verſah er deſſen Stelle in der Taubſtummen⸗Schule. Man hat von ihm eine Rede über die Erziehung der Taubſtummen, auch ein Gedicht: Die Hoſpitien, das mehr gekannt zu werden ver⸗ dient, weil der Verfaſſer die in der didaktiſchen Gattung gewöhn⸗ lich eintretenden Schwierigkeiten glücklich überwunden hat. Ali(Tependatenti), Baſa von Janina. Entſproſ⸗ ſen aus einer berühmten albaneſiſchen Familie, wurde er zu Tepe⸗ leni 1744 geboren. Das Glück war ihm anfangs wenig günſtig. Kaum 16 Jahre alt ſah er ſich, durch den Tod ſeines Vaters, ge⸗ nöthigt, gegen die Türken ſein ſchwaches Vaterland perſönlich zu vertheidigen. Er erfuhr manche Unfälle, und wurde ſelbſt gefan⸗ gen. Eine Laune des Schickſals ward das Signal zur ſchnellen Wiederherſtellung ſeiner Sachen, und ſeit dieſer Zeit gelangen ihm die kühnſten Unternehmungen. Man verſichert, daß er einſt in ſeiner höchſten Noth, auf einem abgelegenen Orte ſinnend und nach Auskunftsmitteln forſchend, in unwillkührlicher Bewegung mit ſeinem Stock im Sand rührte, und durch das Hemmen einer 144 Ali. mit Gold gefüllten Kiſte aus ſeinen Träumereien geweckt wurde. Die Hand, welche ſie hingelegt, ſcheint unbekannt zu ſeyn. Der glückliche Ali hob ſogleich 2000 Mann aus, ſiegte in mehreren Gefechten, und zog bald triumphirend in ſeine Geburtsſtadt ein. Neue Fortſchritte brachten benachbarte Landſtriche unter ſeinen Gehorſam. Jüngſthin noch genügte ihm der Rang eines Veziers, obſchon ſeine Stellung und die Nachbarſchaft der Griechen ihn in der europäiſchen Türkei faſt eben ſo mächtig machten, als den Großherrn ſelbſt. Gegenwärtig führt er, wie man ſagt, den Ti⸗ tel eines Königs von Epirus, und ſeine Rebellion verurſacht der Pforte viele Unruhe. Die Kühnheit ſeiner Entſchlüſſe und die wenigen Hinderniſſe, die ihnen entgegen zu ſtehen ſcheinen, könn⸗ ten Anlaß zu Vermuthungen geben, die uns zu weit von unſerem Gegenſtande entfernen würden. Als ein unternehmender Anführer, oder ſelbſt als ein Staatoͤmann betrachtet, beſitzt dieſer neue Günſt⸗ ling des Glücks große Vortheile. Man bemerkt an ihm eine ziem⸗ lich tiefe Keuntniß des menſchlichen Herzens, und viele Beſtimmt⸗ heit in der Wahl derienigen, die ſeinen Abſichten dienen können. Mit Klugheit weiß er das für ihn Günſtige aus den widrigſten Umſtänden zu ziehen: und— was bei einem kühnen Manne ſelten iſt— manchmal auch die Gelegenheit abzuwarten. Das Alter hat ſeine Tapferkeit noch nicht geſchwächt, oder jenen überlegten Muth verwirrt, der ſeinem Ehrgeize die Wahl läßt, den Gefahren zu trotzen oder ihnen geſchickt auszuweichen. Ja, er weiß, für ſeine eigne Sicherheit, ein wohlberechnetes Vertrauen bei ſeinen Untergebenen zu erkünſemn⸗ die ihn meiſtens haſſen, aber alle fürchten. Trotz der Hülfsquellen ſeines Geiſtes und Charakters konnte er ſich keine Liebe erwerben.— Er iſt falſch, mißtrauiſch, rachſüchtig. Geiz und Ruhmſucht vereinen ſich, ihn blutgierig zu machen. Dieſe Begierde, dieſe Leidenſchaft, ſeine Staaten zu vergrößern, haben ihn auch in ſeinen Verhältniſſen mit einigen europäiſchen Mächten geleitet. Aber ſein wilder und treuloſer Sinn offenbarte ſich vornämlich in Bezug auf ſeine Alliirten, die Franzoſen, als ſie, nach den Unfällen des Jahrs 1812, aufhörten,⸗ in dieſen Gegenden furchtbar zu ſeyn*). Nichts beſänftiget ſeinen *) Von Ali Paſcha's Thaten, von Parga's und Previſa's Erſtür⸗ mung durch die albaneſiſchen Krieger mit den franz. Truppen⸗ ſpricht der von Lord Byron nachgeahmte(in der äbendgeitun d. vor. J. überſetzte) türkiſche Schlachtgeſang: Tambourgi, Tambourgi! Des Allarmwirbels Nah'n Gibt dem Tapfern die Hoffnung: Der Krieg zieht heran! ꝛc. * Ali. Ali Effendi. Alibert. 145 Groll. Wenn er ſich verſtellen muß, wird er nur deſto grauſamer und unverſöhnlicher. Man ſah einſt, wie er, bei der Muſterung ſeiner Truppen, einen albaneſiſchen Soldaten, der ihm zwanzig Jahre zuvor misſiel, kaum erkannte, als er ihn ſelbſt aus dem Bataillon riß, und den Henkern übergab, damit er auf der Stelle und unter ſeinen Augen getödtet wurde. Von drei Söhnen dieſes wilden Zerſtörers von Parga iſt Sally noch zu jung, um deſſen Aufmerkſamkeit auf ſich zu ziehen, und Vali, ein brutaler Menſch, iſt zugleich ein Verſchwender, der ſich nur um ſeine Vergnügungen bekümmert, und wenig Anhänger hat. Der Aelteſte beunruhigt ſeinen Vater mehr; auf ihn befürchtete er den Einfluß einer Frau, Namens Euphroſine, die er, nebſt 15 angeblich mitſchuldigen Wei⸗ bern, zum Tode verurtheilen ließ. Ali Effendi(Eſſeid), türkiſcher Geſandter, arbeitete auf der Staatskanzlei in Konſtantinopel, erhielt dort die erſten Stel⸗ len, und wurde im Mai 1795 als außerordentlicher Geſandter nach Berlin beordert. 1797 ging er von da als Geſandter nach Paris⸗ und hatte beim Direktorium den glänzendſten Empfang. Ali ver⸗ hehlte nicht, daß ſein Intereſſe größer für Frankreich, als für England, ſey. Auch wagte er nicht, weil er den Einfluß der letz⸗ tern Macht auf die Pforte ſcheute, nach Konſtantinopel zurückzu⸗ kehren, als nach der Unternehmung auf Aegypten der Krieg zwi⸗ ſchen ſeinem Lande und Frankreich ausbrach. Das Direktorium bezeigte ihm fortwährend viele Achtung, welches Anlaß zu der Meinung gab, daß er mehr für das Intereſſe Frankreichs, als für das der Türkei, gearbeitet habe. Als der 18. Brumaire das gute Vernehmen zwiſchen beiden Mächten wieder herſtellte, unterzeich⸗ nete Ali Effendi am 17. Vendemiaire 10. mit Talleyrand die Frie⸗ dens⸗Präliminarien, und am 6. Meſſidor wurde der definitive Frieden geſchloſſen. Ali erhielt jetzt die Erlaubniß, nach Konſtan⸗ tinopel zu kommen, wo ihn der Divan ſehr wohl empfing. Er zog ſich alsdann auf ſein Landhaus zurück, das an dem ſchönen Ka⸗ nale des ſchwarzen Meeres liegt. Alibert(Johann Ludwig), Arzt des Hoſpitals St. Ludwig in Paris, und Beigeordneter des königlichen mediciniſchen Kollegiums in Stockholm. Er hat verſchiedene ſchätzbare Schrif⸗ ten über Fieber, Hautkrankheiten, Entbindung der Frauen ꝛc. her⸗ auogegeben, und iſt Mitarbeiter am Diotionnaire des Scienoes médicales. Auch im Fache der Literatur hat er ſich verſucht, aber mit geringerem Erfolg, als in der Medicin. Neue Piograph. I.. 10 —, 146 1 Aliff. Aligre. Denn er zeigt in ſeinen ärztlichen Abhandlungen mehr Imagina⸗ tion, als in dem Gedicht über den Rangſtreit der Blumen. Aliff, ein Engländer, iſt Verfaſſer mehrerer politiſchen Schriften, und eines Buchs, betitelt: Ueber die Pflichten des Staatsbürgers. In dieſem letztern Werke ſpricht er ſeinen Haß gegen die Tyrannei aus, deren Agenten er die Muſte⸗ rung paſſiren läßt. Er begreift unter denſelben die Rechtsgelehr⸗ ten, die Prieſter und die Soldaten; auch erlaubt er ſich, Perſo⸗ nen des alten und neuen Teſtaments, namentlich Moſes und Chri⸗ ſtus, lächerlich machen zu wollen. Seine Sarcasmen erſtrecken ſich auf dieienigen, welche an die Lehrſätze derſelben glauben, die er als eine Quelle der Tyrannei anſieht. Dieſe Schrift verur⸗ ſachte ein ſtrenges Urtheil gegen Aliff und den Drucker ſeines Werks. Alligre(Stephan Franz von), erſter Präſtdent des Parlaments von Paris, wurde 1726 aus einer durch Waffen und Magiſtratur berühmten Familie geboren. Frankreich zählt zwei Kanzler dieſes Namens. Aligre war noch ſehr jung, als er Prä⸗ ſident wurde, machte ſich aber durch die Klarheit und Beſtimmt⸗ heit, womit er die Beſchlüſſe ausſprach, bemerklich. Oft machte er Vorſtellungen gegen die Auflagen und gewiſſe miniſterielle Ope⸗ rationen, die er als den Thron ſtürzend anſah. Als der Miniſter Necker die Zuſammenberufung der Generalſtände vorbereitete, hatte Aligre eine Privat⸗Audienz beim Könige in Gegenwart dieſes Mi⸗ niſters. Er las einen Aufſatz ab, in welchem er das Unglück, das, nach ihm, aus dieſer Berufung entſtehen würde, vorher ver⸗ kündigte. Als aber dieſe Schrift nicht den von ihm erwarteten Effekt hervorbrachte, gab er ſeine Entlaſſung, und wurde(1788) von Ormeſſon von Royſeau erſetzt. Am Tage der Baſtillenerobe⸗ rung wurde Aligre verhaftet und nach dem Stadthauſe geführt. Dort würde er ohne die Geiſtesgegenwart eines ſeiner ehemaligen Bedienten umgekommen ſeyn. Er war einer der erſten, die Frank⸗ reich verließen. Er begab ſich nach England, wo ihn ſehr große Geldſummen, die er auf der Londoner Bank angelegt, erwarteten. Einige Jahre nachher kam er auf das feſte Land zurück, und ſtarb 1798 in Braunſchweig, indem er ein ungeheures Vermögen hin⸗ terließ, deſſen Genuß ihm ſein außerordentlicher Geiz nicht erlaubt hatte. Zweimal war er verheirathet; das erſte Mal mit Mlle Ta⸗ lon, die von der Familie dieſes Namens abſtammte; aus ſeiner zweiten Ehe hatte er einen Sohn und eine Tochter. Aligre. Aliſſac. Aliva. Alix. 147 Aligre(Der Maraquis von), Sohn des vorigen. Er war 1793 gefänglich eingezogen; aber nach dem 18. Brumaire er⸗ hielt er das ungeheure Vermögen ſeines Vaters. 1804 wurde er Kammerherr der Prinzeſſin Murat, hierauf Mitglied des General⸗ Departementsraths von der Seine, und 1845 Präſident des Wahl⸗ kollegiums von Eure⸗ und Loire. Im Auguſt deſſelben Jahrs ward er zum Pair von Frankreich erwählt. Beim Prozeſſe des Mar⸗ ſchalls Ney ſtimmte er für Deportation. Aligre iſt dermalen Mit⸗ glied des Raths der Gefängniſſe. 128 15 n Aliſſac(RN.), ehemaliger Mousquetaire; wurde den 26. Juni 1746 zu Valréas, dem heimatlichen Orte des Cardinals Maury, deſſen Mitſchüler er war, geboren. Er iſt Einnehmer der Schiffahrtsgefälle auf dem Bureau des Rhonefalls. Man hat von ihm verſchiedene Poeſicen: 1) Die Chouchonide, Ge⸗ dicht auf einen Hund, in 5 Geſängen, welches nicht ohne Beifall blieb; 2) eine metriſche Nachahmung des 13. Buchs von Ovid’s Metamorphoſen, die er dem Kardinal Maury zueig⸗ nete; 3) eine Kantate, die ſich in der Sammlung der auf die Geburt des Königs von Rom verfertigten Gedichte, betitelt: Poe⸗ tiſche Huldigungen, findet. 11 i Al3 26 mn Aliva(Don Ignaz Maria von), ſpaniſcher Viee⸗Ad⸗ miral, wurde von den Engländern den 21. October 1805 im Ge⸗ fecht bei Trafalgar gefangen, da ſein Schiff, die Santa Anna, von 112 Kanonen, in ihre Gewalt ſiel. Der Kampf war einer der mörderiſchſten, und der Viee⸗Admiral hatte ſich den Englän⸗ dern erſt nach einer ſchweren Wunde, die ihm nicht mehr zu kom⸗ mandiren erlaubte, ergeben. Die zwei folgenden Tage benutzten die ſpaniſchen Gefangenen einen Sturm, um ſich der engliſchen Beſatzung zu bemeiſtern und das Schiff in den Hafen von Cadix zurückzuführen. Der Admiral Collingwood, ohne Zweifel weniger ein Bewunderer dieſer ſchönen Waffenthat, als unbeugſamer Rich⸗ ter der Uebergabe des Schiffes, ſchrieb ſieben Tage darauf an Ali⸗ va, daß, da er ſich in dem Gefecht als Gefangener erklärt, er ſich nicht anders, denn frei auf ſein Ehrenwort, betrachten dürfe, bis er wieder ausgewechſelt wäre.. e d Alix(Johaun), Korporal bei der 98. Halb⸗Brigade der Linien⸗Infanterie. Den 21. December 1800 in einem Holwege im Hinterhalt liegend, ſtürzte er wüthend auf eine vorbeiziehende Schaar ungariſcher Grenadiere, ſtreckte mehrere derſelben zu Boden,⸗ jagte den Reſt in die Flucht, verfolgte die Fliehenden, deren er 148 Alir. noch mehrere erlegte, und ſiel endlich ſelbſt, von einem tödtlichen Schuß getroffen*). 1 Alix(Johann Baptiſt), Offzzier der Ehrenlegion, Es⸗ kadronschef beim 2. Küraſſierregiment, wurde zu Oullins, bei Lyon, im Rhone⸗Departement, geboren. In dem Gefecht bei Mont⸗Caſtel(in Flandern)/ am 17. März 1794, griff er an der Spitze einer Reiterabtheilung mehrere engliſche Bataillone an, machte 200 Gefangene, und eroberte eine Kanone. Fünf Tage nachher⸗/ im Gefecht bei Lers, nahm er mit nur 2 Reitern ein öſterreichi⸗ ſches Peloton gefangen. In den italieniſchen Feldzügen vertrieb er einmal mit 12 Mann eine ziemlich ſtarke Abtheilung Oeſterrei⸗ cher, welche in Multa eine vortheilhafte Stellung hatten, und nahm ihnen 11 Huſaren ab. Alir vereinte kriegeriſche Talente mit Tapferkeit. Er gab Proben davon in der Schlacht bei Marengo zu deren Gewinn er an der Spitze des 2. Küraſſier⸗Regiments⸗ welches er kommandirte, beitrug. Im heftigſten Gedränge, ſtürzt er, durch ſeinen Muth fortgeriſſen, allein in die Mitte der feind⸗ lichen Bataillone, bemächtigt ſich einer Fahne, und erhält zum Lohn den Ehrenſäbel**).— Alir lebte ſeit mehreren Jahren zu⸗ rückgezogen in ſeiner Heimat, von ſeinen Mitbürgern geachtet, die ihn mehrmals zum Maire erwählt hatten. Im J. 1815 wurde die⸗ ſer treffliche Bürger, dieſer braͤve Soldat, als Verſchwörer ange⸗ ſehen und in das Geheimgefängniß gebracht. Als minder unglück⸗ liche Zeiten jener traurigen Epoche folgten, ward auch Alir ſeiner Familie wieder gegeben. *) Dieſe brave Kriegsthat ſcheint hyperboliſch zu ſeyn. Aber wie oft wird der Gegner durch Ort, Stellung, Tagszeit, und andere umſtände, getaäͤuſcht! So gewann hauptſächlich Napoleon die Schlacht bei Arcole dadurch, daß er den Oeſterreichern eine Com⸗ pagnie ſeiner Guiden, mit einer Menge Trompeter, in den Rük⸗ ken ſandte. So erzählt man, daß im erſten Nevolutionskriege, bei Homburg, 16 Huſaren des Wurmſerſchen Negiments 3⁰⁰ Mann franz. Infanterie und Kayvallerie in die Flucht ſprengten⸗ die aber bald wieder den Rücken wandten, als ſie nur Plänkler gewabr wurden; und ſo mag es auch hier geweſen ſeyn. G. **) Bekanntlich entſchied, nachdem die Konſulargarde, wie ein ſair die Schlacht, und hauptſächlich ein wohlgeleiteter Angriff der ſchweren Reuterei unter General Kellermann. Das Regiment, bei Amadis und Roland gleichen, diente, iſt das ehemalige, in frü⸗ hern franz. Kriegen ſchon rühmlich genannte, Neyat Cavallerie⸗ Granitfels, der feindlichen Macht getrotzt, die Diviſion De⸗ 8 welchem der tapfere Alir, deſſen ritterliche Thaten jenen eines —— Allafort. d'Allain. Allain de la Coeurtière. Allais Targé. 149 Allafort(Johann), von dem Departement der Dordogne zum Deputirten bei dem Nat. Convent ernannt, machte ſich wenig bemerklich. In dem Prozeſſe Ludwigs XVI. ſtimmte er für den Tod, ohne Appellation an das Volk und ohne Aufſchub. Er be⸗ fand ſich ſpäter im Rath der Alten, wurde Kommiſſär des Direkto⸗ riums in ſeinem Departement, und ſtarb in der Dunkelheit. d'Allain(Der Chevalier), kommandirender Adjutant, befand ſich 1806 bei der 3. Diviſion des 5. Corps der großen Armee. Als er ſich in der glorreichen Schlacht bei Auſterlitz hervorgethan, wurde er zum Commandanten der Ehrenlegion ernannt. Den 16. Mai 1814 beauftragten ihn die Obriſten der Armee, dem König ihre Huldigung darzubringen. Er ſagte Sr. Majeſtät, daß ſie alle Grade durchgangen ſeyen, bis ſie ihre gegenwaͤrtigen erlangt hät⸗ ten, und betheuerte ihre Treue und Anhänglichkeit. Seit der Er⸗ richtung der Prevotalhöfe(März 1816) iſt der Obriſt Allain Vor⸗ ſteher des von Ajaccio. Allain de la Coeurtière, Gelehrter, wurde um die Mitte des vorigen Jahrhunderts geboren. Er hat ſich durch zwei Werke bekannt gemacht: 1) Geſchichte des Menſchen; 2) Ge⸗ dicht über die Natur. In der letztern, originellen, Pro⸗ duction hat der Dichter zu gleicher Zeit die griechiſche, ägyptiſche, jüdiſche, ſkandinaviſche, und chriſtliche Mythologie benutzt. Auch iſt er Verfaſſer einer eigenthümlichen Hervorbringung, in Atlas⸗ Format, betitelt: Die Uhr der Gelehrten. Allais Targé(R.), war unter Rapoleon Maire von Sau⸗ mur(in der ehemal. Provinz Anjou). Während dieſer Fürſt ſich im Feldzuge nach Rußland befand, überſandte Allais der Kaiſerin Marie Louiſe eine Addreſſe des Munizipalraths ſeiner Stadt in fol⸗ genden Worten:„Im Jahr 1589, der unglückſeligſten Epoche un⸗ „ſerer Monarchie, als der Beherrſcher nur noch fünf Städte beſaß⸗ „war Saumur, durch die Treue und den feſten Willen ſeiner Bür⸗ „ger von dieſer Zahl. Im Jahr 1808, als Ihr erlauchter Ge⸗ „mahl in unſere Mauern einzog, las er auf dem Triumphbogen, nden wir ihm errichteten, jenen einfachen Ausdruck der Gefühle, »welche immer die Einwohner dieſer Stadt und ihres Gebiets be⸗ „ſeelten und beſeelen werden: Dem Größten der Helden! »Unſere Herzen und unſere Arme gehören ihm.“ Dies waren in der That die Geſinnungen des braven Maire’s, der 1589 Gouverneur von Saumur war. Man ſieht, daß jene Ad⸗ dreſſe zu einer Zeit geſchrieben wurde, da das Glück Napoleon 150 Allais Targé. Allan. Allard de la Rochelle. ſchon verlaſſen hatte. Wir würden dieſe Thatſache nicht anführen, wenn ihrer nicht in der Biographie der Brüder Michaud Meldung geſchähe, welche ſich wundern, daß ein Beamter ſeinem Eide treu geblieben ſey, ehe ihn die hinlängliche Behörde deſſen entbunden hat. Sie werden uns ohne Zweifel dieſes Plagiat zu Gunſten der Grundſätze verzeihen. Allan(Der Major), engliſcher Offizier. Eine dete und muthige Handlung knüpft ſeinen Namen an das Unglück des Tiy⸗ poo Saib. Während des Sturms wagte er es allein, in das In⸗ nere des Palaſtes dieſes Sultans zu dringen*), und beſchwor die Prinzen ſeine Söhne, und ihre Mutter, ſich der Großmuth des Siegers anzuvertrauen. Nur mit Mühe erhielt er ihre Einwilli⸗ gung, und es gelang ihm, ſie zu retten. Er ſuchte hierauf nach dem Körper des Tiypoo, den er unter Haufen von Leichen, mit Bajonettſtichen durchbohrt, fand, in der Stellung, wie Salluſt den entſeelten Katilina ſchildert. Der nämliche Major Allan über⸗ gab dem Marquis von Wellesley, Gouverneur von Madras, den Degen des Kommandanten und die Garniſon von Seringapatnam. Am Tage, da der General feierlich die Fahnen dieſes Platzes em⸗ pfing, ertheilte er der Tapferkeit, mit welcher Allan ſeine gefähr⸗ liche Sendung erfüllt, großes Lob. Der Reſt ſeines Lebens iſt uns unbekaunt. Allard de la Rochelle, Vendee⸗Chef, iſt zu Sables d'Olonne geboren. Er machte die Feldzüge von 1793 und 1794 als Aide- de-Camp Heinrichs von la Rochejacquelein mit. Als die Ven⸗ deer bei Savenay geſchlagen waren, entſtahl ſich Allard mehrere Tage den Verfolgungen der Republikaner. Er wurde endlich er⸗ griffen, und nach la Roche⸗ſur⸗Yon geführt, wo man ihn zum Tode verurtheilte. Eben ſollte er ſeine Strafe erleiden, als die Republikaner angegriffen wurden. Dieſe Unterbrechung ſchob die Exekution auf, Um ſich ſeinem böſen Schickſal zu entziehen, nahm Alllard Dienſt unter den Republikanern, und begab ſich mit ihnen nach Roirmoutiers. Hier fand er einen Soldaten von der Divi⸗ ſton Charette, der ſich, wie er, unter die republikaniſche Armee anwerben laſſen. Einige Zeit nachher deſertirten beide in der Nacht, als man eben ihr Detaſchement nach Sables d'Olonne marſchiren ließ. Im Juni 1795, nachdem der Vendee⸗Chef Gué⸗ rin im Gefecht bei St. Cyr getödtet war, ſtellte Charetts, der im „) Bei der Erſtürmung Seringapatnams durch die Engländer im J. 1799, wo Tippog Saib, auf dem Walle kämpfend/ ſiel. 4 Allard dela Rochelle. Allard. Allarde. 151 Anfang Allard übel aufgenommen hatte, ihn jetzt an die Spitze der Diviſion von Sables. Bald darauf drangen Republikaner in ſein Lager ein, und bemächtigten ſich ſeiner Perſon und ungefähr 20 anderer Offiziere. Allard wurde in das Gefängniß von Sables, und hierauf in das Schloß von Saumur, gebracht, wo es ihm noch einmal gelang, zu entkommen. Aber er ward wieder gefan⸗ gen und von neuem einem Urtheil unterworfen. Man beſchuldigte ihn, daß er republikaniſche Soldaten habe morden laſſen. Doch wurde er losgeſprochen, und legte die Waffen nieder, um ruhig zu Fontenay⸗le⸗Comte zu leben. Er ergriff ſie nochmals im Juni 1815, und kommandirte die Diviſion von Aubiers, unter dem Be⸗ fehl des Auguſt de la Roche Jacquelein. Sein damals aihrige Sohn war Aide-de-Camp ſeines Vaters. Allard(Marguérite Annc Louis), geb. den 16. Ot. tober 1750, Doctor und Profeſſor der Rechtswiſſenſchaft, war Präſident der Gemeinde Poitiers, als die Revolution ausbrach. Er wurde in die geſetzgebende Verſammlung gewählt, und zeichnete ſich immer durch Mäßigung aus; auch beſtritt er die Vorſchläge zur Errichtung einer Republik. Nach dem Ereigniß vom 10. Au⸗ guſt wagte er, der Verſammlung zu ſagen, daß ſie ſich zu ihren Dekreten durch die Minderzahl habe zwingen laſſen. Später wurde er Mitglied des Kriminalgerichts ſeines Departements. Einer ſei⸗ ner Verwandten, der Pfarrer von Brosneux, hatte ſich, vielleicht auf ſein Anſtiften, geweigert, den Bürgereid zu leiſten, und Al⸗ lard ſelbſt hatte in Schriften und Reden zur Wiederherſtellung des Königthums aufgerufen. Er wurde deswegen vor das Revolutions⸗ gericht von Paris gezogen, zum Tode verurtheilt, und im Februar 794 hingerichtet. Allard, geb. zu Revel, in Languedoe, wurde im Eeptember 1792, als eifriger Anhanger der Revolution, zum Ergänzungs⸗De⸗ putirten bei der Nat. Convention ernannt; doch trat er erſt am 16. Thermidor 2.(1794) als wirklicher Deputirter an die Stelle des in Verhaft erklärten Julien, ein. Aber Allard war ſelbſt durch manche Beſchuldigungen gedrängt, wovon ihn der Sicherheits⸗Aus⸗ ſchuß jedoch befreite. Neue Anklagen bewirkten 1795 ſeine Ver⸗ haftung; durch das Amneſtie⸗Geſetz vom 4. Brumaire 4. ward er wieder auf freien Fuß geſtellt. Allarde(Peter Gilbert Leroi, Baron von), gebo⸗ ren 1749 zu Beſangon, aus einer adelichen Familie der Franche⸗ 3 Comté. Er trat ſehr jung in den Militärdienſt, und war Kapitän bei dem Regiment Franche⸗ Comté im Anfang der Revolution. 152 Allarde. Alaſſeur. Allegrain. Der Adel von St. Pierre le Mouſtier erwählte ihn zu den Gene⸗ ralſtänden. Obſchon Soldat, beſchäftigte er ſich faſt ausſchließ⸗ lich mit den Finanzen, und beſtritt Reckers Vorſchläge. Im J. 1790 zum Mitglied des Ausſchuſſes für Auflagen, den er geſchaf⸗ fen hatte, ernannt, bewirkte er, unter andern finanziellen Akten, die Abſchaffung der Zünfte, ſo daß jedem Bürger, wenn er ein Patent gelöſt, die Freiheit eines Handels oder Gewerbes erlaubt war. Während der ſtürmiſchen Perioden der Revolution zog ſich Allard von den politiſchen Geſchäften zurück, und widmete ſich Handelsſpekulationen. Erſt nach dem 18. Brumaire 8.(November 799) erſchien er wieder. Er wurde 1803 Regiſſeur des Pariſer Munizipal⸗Octroi's. Da aber die Zahlung der ihm von der Re⸗ gierung ſchuldigen Summen ausblieb, ſo verfiel er in einen Ban⸗ queronte, der jedoch weder ſeine Ehre, noch ſeinen Credit, be⸗ fleckte. Auch beeiferte er ſich, ſobald die Möglichkeit da war, ſeine Schulden gänzlich zu tilgen. Er ſtarb zu Beſangon 1809, im Alter von 60 Jahren. Unter dem Namen Francis hat ſich ſein Sohn durch artige Geſänge und hübſche Vandevilles, z. B. Boileau zu Auteuil etc. bekannt gemacht. Alaſſeur(Peter), Deputirter des Departements vom Cher(Berry) bei der Nat. Convention, erſchien nur einmal auf der Rednerbühne, um ſein Votum im Prozeſſe Ludwigs XVI. zu geben, und zwar in folgenden Worten:„Rom vertrieb ſeine Kö⸗ „nige, und erhielt die Freiheit. Cäſar wurde von Brutus ermor⸗ det, und hatte einen Nachfolger. Die Engländer opferten ihren „Tyrannen, und kamen bald wieder in Feſſeln. Ich glaube da⸗ „her, daß, um die Freiheit feſt zu ſtellen, Ludwig bis zum Frie⸗ „den eingezogen und alsdann verbannt werden müſſe.“ In dieſer Erſcheinung und kurzen Rede ſindet ſich das ganze politiſche Luben Alaſſeur'’s, den man nirgends mehr ſah. 4 Allegrain(Chriſtoph Gabriel), Bildhauer, Sohn des Stephan Allegrain, Landſchafter und Mahler des Königs, wurde zu Paris, 1710 geboren. Die franzöſiſche Schule befand ſich damals auf übelm Wege. Der Geſchmack am Wahren und Schönen war nicht der, den man zu beleben ſuchte. Allegrain, eines in den Künſten erleuchtetern Jahrhunderts würdig, mußte⸗ indem er ſich von der Manier ſeiner Zeitgenoſſen entfernte und nach eigenem Genie arbeitete, viele Schwierigkeiten erfahren. Pigale*), deſſen Schweſter er geheirathet, konnte, trotz ſeiner e*) Der das berühmte, in der Thomaskirche zu Strasburg aufgeſtell⸗ ge, Monument des Marſchalls von Sachſen verfertigte⸗ G. Allegrain. Allégre de Saint Trone. Allemand. 153 Lehren und ſeines Ruhms, ihn zu keinem andern Syſtem bringen. Sein Ehrgeiz war, originell zu ſeyn. Deswegen ward er auch oft von den Mitgliedern der Akademie, welche das Anſehn haben woll⸗ ten, einen Künſtler zu verachten, von dem ſie ſich ſelbſt, verachtet glaubten, abgewieſen. Demohnerachtet öffnete ihm eine Nareiſſen⸗ Figur den Eintritt in die Akademie. Aber man war dennoch nicht einig über das Verdienſt dieſer Hervorbringung. Anders ging es mit den Statuen der Diana und Venus. Sie erhielten ungetheil⸗ ten Beifall. Man kann urtheilen, ob ſie deſſen werth waren; denn ſie ſind gegenwärtig in der Gallerie des Pallaſtes Luxembourg auf⸗ geſtellt. Allegrain verfertigte noch mehrere Bildſäulen für die Gärten der Madame Dubarry zu Luciennes. Dieſer Künſtler iſt einer von denen, welche das Studium der ſchönen Natur und der Meiſterwerke des Alterthums an die Stelle der Theorieen, die allzu lange unſere Schule beherrſchten und den falſchen Geſchmack nach Regeln lehrten, geſetzt haben. Allegrain ſtarb am 17. April 4795, ohne Kinder und Lehrlinge, 85 Jahre alt. Allégre de Saint Trone, Vendeer⸗Chef, kommandirte in der Niederbretagne eine Diviſion der Chouans⸗Armec. Den 5. Ja⸗ nuar 1796 unterzeichnete er eine Addreſſe an die Städtebewohner dieſes Landſtrichs, wodurch man ſie einlud, mit denen der Dorf⸗ ſchaften, die für Religion und König im Kampfe ſtünden, gemeine Sache zu machen. Aber bald darauf erkannte er die republikani⸗ ſche Regierung an, legte die Waffen nieder, und unterwarf ſich den beſtehenden Geſetzen. Allemand(Zacharias Jakob Theodor, Graf von), geboren zu Port Louis 1762, Sohn eines Schiffslieutenants, Lud⸗ wigsritter, begann ſeine Laufbahn wie der berühmte Jean Bart, und dankt ſeine Fortſchritte und Ehrentitel nur ſeinem perſönli⸗ chen Verdienſt. Matroſe, Steuermann, Auriliaroffizier, Schiffs⸗ Unterlientenant, Oberlieutenant, Kapitän eines Kriegsſchiffs, Di⸗ viſions⸗Chef, Contre⸗Admiral, Vice⸗Admiral, dies ſind die Stu⸗ fenleitern ſeines Glücks. Mit 12 Jahren ſchon im Dienſt zeichnete ſich Allemand unter dem Bailli von Suffren in dem Seekriege von 4778— 1783, als Auxiliaroffizier aus; 1786 wurde er Unterlieu⸗ tenant, 1792 Lieutenant, und 1793 Schiffskapitän. Damals nahm er mit der Fregatte Carmagnole von 44 Kanonen die engliſche Fregatte Themſe von 32, nebſt mehreren Fahrzeugen, und ver⸗ proviantirte während ſeines Befehls in den Gewäſſern von Calais die Häfen durch ſeine verſchiedenen Eroberungen. 1794 komman⸗ 154— Allemand. Allen. dirte er den Duquesne von 74 Kanonen, hierauf als Diviſions⸗ Chef einen Theil der Escadre des Contre⸗Admirals Richeri, welche beſtimmt war, die Niederlagen der Engländer auf der Küſte von Labrador zu zerſtören, und bemeiſterte ſich der Kauffahrtheiflotte von Quebek. 1801 ſandte ihn der Admiral Bruix gegen Touſſaint 1'Ouverture. 1803 that er ſich bei St. Domingo hervor. 1805 machte er als Kommandant von Rochefort einen Kriegszug auf dem Ocean, nahm das Linienſchiff Calcutta, und eroberte oder zer⸗ ſtörte ungefähr 100 Fahrzeuge. 1808 befehligte er die Schiffsar⸗ mada bei Toulon. Als er 1809 die Stelle eines Contre⸗Admirals und Kommandanten der Escadre von Breſt und Rochefort erhielt, die auf der Rhede der Inſel Aix vereinigt waren, wo er, nach dem Befehl des Seeminiſters bleiben ſollte, konnte er nicht verhindern, daß, durch die übeln, von mehreren unter ſeinem Kommando ſte⸗ henden Offizieren getroffenen Anſtalten, vier Schiffe der Escadron durch den Ausbruch der engliſchen Höllmaſchine, welche der Kapi⸗ tain, jetzt Lord, Cochrane leitete, zerſtoͤrt wurden. Dies Unglück ſchadete jedoch ſeinem Ruhme nicht. Die Regierung billigte laut ſein Benehmen. 1810 wurde er Vice⸗Admiral und Oberkomman⸗ dant der Touloner Eskadre, welche er 1811 verließ, um die von“ Lorient zu bewaffnen und mit der Breſter zu vereinen. Bei einer neuen Fahrt auf dem Ocean machte er für 20 Millionen Priſen, deren Fahrzeuge er verſenkte oder verbrannte, und kam in den Ha⸗ fen zurück, obſchon ihn 30 engliſche Schiffe verfolgten. Als man ihn den 28. December des nämlichen Jahrs zum Befehl über die Flotte bei Vlieſſingen berief, ſchlug er ihn aus. Er war bereits Graf, und wurde 1813 zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt. Er trat 1814 der Abſetzung Napoleons bei, und erhielt das Lud⸗ wigskreuz. Obſchon er nicht während der hundert Tage ge⸗ dient hatte, ward er doch nicht in die Organiſation der königlichen Marine mitbegriffen. Vice⸗Admiral Allemand, Ritter des Ordens oder der Brüderſchaft vom heiligen Grabe, hat 1816 eine kurzge⸗ faßte Geſchichte dieſer Brüderſchaft, deren Groß⸗Adminiſtrator er iſt, geſchrieben.. 5 Allen(Ethan), einer der Helden der amerikaniſchen Revo⸗ lution, in Sitten ein einfacher Mann, brav bis zur Verwegenheit, großmüthig nach dem Kampfe, ſehr warmer Patriot, wurde um 1752 zu Salisbury, in Connecticut, geboren. Roch ſehr jung zeigte er ſich als einen Gegner der engliſchen Regierung von Neu⸗ York, nahm lebhaften Antheil an dem Aufruhr der Söhne von dem grünen Berge, ward verwieſen und nachmals zum Tode Allen. Allent. 15⁵ verurtheilt. Seiner überaus energiſchen und unternehmenden Par⸗ tei gelang es, ihn zu retten. 500 auf ſeinen Kopf geſetzte Gui⸗ neen verſuchten Niemand, obſchon er ſich im Lande aufhielt und ſein Zufluchtsort bekannt war. Man ſah Allen, nach der Schlacht bei Lexington, die das erſte Signal zur Unabhängigkeit Amerika’s gab, ſich Ticonderago's und des Sees Champlain in Gemeinſchaft des Generals Arnold bemeiſtern. Ein ſo glänzender Anfang ver⸗ ſprach kein verächtliches Ende. Dieſer Schlüſſel Canada's war für die vereinigten Staaten eine koſtbare Eroberung. Aber Allen blieb nicht dabei ſtehen. Er faßte das Vorhaben, dieſes ungeheure Land, deſſen die Engländer Frankreich beraubt hatten, und das frühe oder ſpät, durch die alleinige Kraft der Dinge, mit der Beſitzung jener Staaten verſchmolzen werden muß, an Amerika zu bringen. Der amerikaniſche General griff Montréal an, wurde zurückge⸗ ſchlagen, von den Wilden grauſam mishandelt, und kam in die Gefangenſchaft der Engländer, bei denen er noch härter, als bei den Canadiern, gehalten wurde. Endlich wurde er wieder frei ge⸗ laſſen, kam gegen 1778 nach Amerika zurück, und ſtarb plötzlich im Jahre 1789, nachdem er ein dem Vaterlande geweihtes Leben ruhig auf ſeinen Gütern beſchloſſen hatte.— Von allen Häuptern der amerikaniſchen Oppoſttion zeigte er allein wenig Achtung vor religiöſen Glaubensmeinungen, und dennoch war er, bei ſtarker Denkungsart und glühender Seele, der Lehre von der Seelenwan⸗ derung und andern pythagoräiſchen Träumereien zugethan. Der⸗ ſelbe Mann, der ein ſatyriſches Pamphlet gegen Moſes und die Orakel geſchrieben(Theologie von Allen, oder die Ora⸗ kel der Vernunft, 1786), ſagte zu ſeinen vertrauten Freun⸗ den:„Sie ſehen dieſes weiße Pferd. Nun! das iſt der Leib, der „meine Seele erwartet, wenn ich aus dieſem Leben gehe.“ Allent(Peter Alexander Joſeph), geboren zu St. Omer, den 2. Auguſt 1772, war beim Bombardement von Lille (1792) Kanonier. Am 1. Mai 1793 wurde er Adioint im Genie⸗ Corps, und 1795 Kapitän. Er kam ſpäter in das topographiſche Kabinet für die Operationen und das Geſchichtliche des Krieges, und ward hierauf Chef des Stabs vom Genie⸗Corps der Armeen von Mainz und der Donau. 1797 und 1798 erhielt er den von dem Nationalinſtitut vorgeſchlagenen Preis in Betreff der Frage über den mnoraliſchen und politiſchen Einfluß der Malerei. 1799 beauftragte ihn der Kriegsminiſter, die Bewe⸗ gung der Reſerve⸗Armee über den Gotthardsberg zu leiten. Den 7. Auguſt 1800 wurde er Bataillonschef, und hierauf, nach einigen 156 Allent. Allier. andern Anſtellungen, Chef des Stabs vom Genie⸗Corps bei der Graubündner Reſerve⸗Armee. Während der engliſchen Unterneh⸗ mung auf der Schelde(1809) wurde er vom dirigirenden Mini⸗ ſter, wegen Recognoscirung der Stellungen, nach Antwerpen ge⸗ ſandt. Man ernannte ihn hierauf zum Major und 1811 zum Mit⸗ gliede des Befeſtigungs⸗Ausſchuſſes. Seit dem December 1813 bis zum 30. März 1814 befand er ſich in dem damals gebildeten Vertheidigungsrathe. Den 29. März bewerkſtelligte er eine Recog⸗ noſcirung der Päſſe des Feindes auf Paris, und den 30. führte er eine zweite auf der Schlachtlinie der Armee aus bis zur Bewe⸗ gung, welche der Marſchall Blücher machte, um ſich links einen Weg zu öffnen. Er widerſtand demſelben, und wußte den Feind auf der Straße von Clichy zu halten, bis die Kapitulation unter⸗ zeichnet war. Man zog ihn zu deren Verhandlungen, und beauf⸗ tragte ihn mit der Vollziehung des die Nationalgarde betreffenden Artikels. Er ward von der proviſoriſchen Regierung am 10. April 1814 zum Chef des Stabes der Pariſer Nationalgarde, und hier⸗ auf zum Aide⸗Major deſſelben Corps vom ganzen Königreich er⸗ nannt. Als in den 100 Tagen Napoleon ihn zum Staatsrath berief, ſchlug er es ſchriftlich ab, und ließ die Copie ſeines Brie⸗ fes in die Zeitungen einrücken. Nach der Rückkehr des Königs übernahm Allent wieder ſeinen obigen Poſten als Aide⸗Major, und bald darauf wurde er zum außerordentlichen Staatsrath er⸗ nannt. Er iſt Verfaſſer mehrerer Werke. Von dieſen kennt man: 1) Denkſchrift über die Vereinigung der Artillerie und des Genie⸗ weſens; 2) Verſuch über militäriſche Recognoscirungen; 3) Ge⸗ ſchichte des Genie⸗Corps, oder des Belagerungskriegs und der Feſtſtellung der Grenzen, unter Ludwig XIV.(wurde zufolge einer Berathſchlagung des Befeſtigungs⸗Ausſchuſſes geſchrieben). 4) Kur⸗ zer Inbegriff der Künſte und militäriſchen Einrichtungen in Frank⸗ reich ſeit den Römern, für die Genie⸗Offiziere verfaßt und 1808 dieſem Corps mitgetheilt. Im Manuſcript hat er noch eine Ge⸗ ſchichte Frankreichs in Bezug auf die Feſtſtellung ſeiner Grenzen und auf ſeine Defenſiv⸗Kriege. 3 Allier(Claude)⸗ Pfarrer zu Chambonas bei uzés, offen⸗ barte gleich im Anfang ſeinen Haß gegen die Revolution. Er prä⸗ fidirte den Central⸗Ausſchuß einer Verſammlung von Adelichen, die ſich 1790 in einem bei Puy en Velay liegenden Dorfe gebildet hatte, und welche man das Lager von Jalés nannte. Die⸗ ſer Diener eines Gottes des Friedens hatte ein ſo zahlreiches Corps von Anhängern organifirt, um die neuen Autoritäten und Allier. Allier. Alliette. 157 Einrichtungen umzuſtürzen, daß man ihm mehrere Regimenter entgegenſtellen mußte, und erſt nach hartnäckigem Kampfe unter⸗ lag die gegenrevolutionäre Partei. Am 18. Juli 1792 dekretirte die geſetzgebende Verſammlung die Anklage wider Claude Allier, aber es gelang ihm, ſich der Verſammlung zu entziehen. Doch wurde er im folgenden Jahre arretirt und nach Mende, vor das Kriminalgericht des Departements der Lozére(Languedoc), ge⸗ bracht, das ihn zugleich als einen Emigranten, der überwieſen ſey, der ſpaniſchen Armee den Eingang in das franzöſiſche Gebiet haben öffnen zu wollen, zum Tode verurtheilte. Am 5. September 1793 ward er hingerichtet. 1 Allier(Dominiquc), Verwandter des vorigen, war nicht weniger berühmt durch die Rolle, welche er im Lager von Ja⸗ 16s ſpielte, und wurde zugleich mit jenem angeklagt. Aber er befand ſich abweſend auf Sendung bei den franz. Prinzen in Ko⸗ blenz. Dennoch ſcheute er nicht, 1794 wiederzukommen, und regte mit dem Grafen von Saillent von neuem die Volksmaſſe des ſüdlichen Frankreichs auf. Noch 1797 brachte er einen Theil des Garddepartements in Aufſtand, und half mit St. Chriſtol, im September deſſelben Jahrs, zur Eroberung der Citadelle von Pont St. Eſprit. Zur Zeit des 18. Fructidor 5.(4. Sept. 1797.) rich⸗ teten dieſe beiden Anführer mehrere Proclamationen an die Royg⸗ liſten jener Gegenden, um ſie gegen das Direktorium zu bewaff⸗ nen. Aber als beide geſchlagen waren, ſloh Allier mit dem Reſte ſeiner Truppen in die Gebirge von Vivarais, wo er bald verhaf⸗ tet ward. Man fand unter ſeinen Papieren den Beweis, daß er Agent der franzöſiſchen Prinzen war, worüber ihm der Graf von Surville Inſtructionen geſchickt hatte. Er wurde im November 1798 zum Tode verurtheilt.. Alliette, angeblicher Wahrſager oder Kartenſchläger, hat verſchiedene Schriften über die eingebildete Kunſt, das Künftige vorauszuſagen, bekannt gemacht. Unter andern: Etteilla(Ana⸗ gramm ſeines eignen Ramens) oder die wahre Art, die Karten zu ſchlagen, Amſterdam 1770—73. Der Thier⸗ kreis, oder Etteilla's Orakel c. Dieſe Sammlungen von Träumereien und Albernheiten, deren Ausgaben ſich unaufhörlich vermehren, haben ihrem Verfaſſer mehr Ruf erworben, als er vielleicht durch nützlichere Werke nicht erhalten hätte. Am Ende des vorigen Jahrhunderts wurde ſein Tod angekündigt, obwohl er noch bei Leben war. 3 158 Allioni. Allix. Allioni(Karl), piemonteſiſcher Arzt, geb. 1725, wurde Profeſſor der Botanik an der Univerſität zu Turin, Mitglied des Inſtituts von Bologna, der Akademie von Montpellier, der könig⸗ lichen Societäten der Wiſſenſchaften zu London, Madrid, Göttin⸗ gen ꝛc. Man hat von ihm viele Werke über Arzneikunde, Bota⸗ nik und Naturgeſchichte. Das wichtigſte unter ſeinen allen gründ⸗ lichen Botanikern bekannten Werken iſt die piemonteſiſche Flora, oder: Flora pedemontana, sive enumeratio metho- dica Stirpium indigenarum Pedemontii. Augustae Taurino- rum, 1785. 3 Tom. in Folio. Man findet darin die Aufzeich⸗ nung und gleichbedeutende Benennung von 2800 Pflanzen in 12 Klaſſen. Ferner die Anfangsgründe der Botanik, und die Ab⸗ bildungen von 237 Pflanzenarten. Die Originalzeichnungen jeder Gattung befinden ſich im Turiner Muſeum. Allioni hat in ſeinem Werke auch die urſprüngliche Heimat jeder Gattung, den ihr zu⸗ träglichen Boden, und ihre Benennung in den verſchiedenen Pro⸗ vinzen Piemonts, angegeben. Nach ihrer Eintheilung gleicht dieſe Flora der Geſchichte der Pflanzen in der Schweiz, von Haller, mit welchem Allioni in fortdauerndem Briefwechſel ſtand. Auch eine korſiſche Flora gab er heraus. Ueberhaupt geben die Fort⸗ ſchritte, welche die Wiſſenſchaft durch dieſen Botaniker erhielt, da er ſie immer mit neuen Entdeckungen bereicherte, ihm das Recht, unmittelbar nach denen, welche ſie ſchufen, ſeine Stelle einzuneh⸗ men. Mehrere Gelehrte haben ihm öffentliche Beweiſe ihrer Ach⸗ tung gegeben. Löffling weihte ihm unter dem Namen Allio⸗ nia eine Gattung aus der Familie des Dipsacum(Kartendiſtel), welche Linné angenommen hat. Allioni ſtarb 1804, 79 Jahre alt. Allix(Jakob Alexander Franz), Sohn eines berühm⸗ ten Profeſſors der Mathematik auf einer Artillerieſchule, General⸗ lieutenant, Ritter der Ehrenlegion, ehemaliger Commandeur des Ordens der weſtphäliſchen Krone, Mitglied der Göttinger Akade⸗ demie, wurde zu Perci, in der Normandie, den 21. September 1776, geboren. Nach ausgezeichneten Studien trat er mit 16 Jah⸗ ren als Eleve der Artillerie in den Dienſt, und machte die erſten Feldzüge des Revolutionskriegs bei der Nordarmee mit. Sein Be⸗ nehmen in der Belagerung von Luxemburg wurde durch ein De⸗ kret der Nat. Convention ehrenvoll gemeldet. Er ſtieg ſehr ſchnell⸗ und war mit 20 Jahren ſchon Obriſt. In dieſer Eigenſchaft wohnte er verſchiedenen Feldzügen bei, und that ſich beſonders beim Ueberſteigen des St. Bernhardsberges und in dem Angriff auf Verona hervor, welche Stadt er mit Sturm einnahm. Bei Allit. 459 der Unternehmung auf St. Domingo gab er neue Proben ſeiner Talente und ſeines Heldenmuths. Für die Revolution des 18. Bru⸗ maire zeigte Allix ein ſehr laues Intereſſe. Man glaubt, daß ihm dieſe Gleichgültigkeit als ein Vergehen angerechnet wurde, und iſt geneigt, derſelben ſein von jetzt an langſames Emporkommen, und die Hartnäckigkeit, mit der man ihn von Frankreich entfernt hielt, zuzuſchreiben. Wie dem auch ſey, im October 1808 trat er als Brigadengeneral in die Dienſte des Königs Hieronymus von Weſtphalen. Den 15. April 1812 wurde er Diviſions⸗General,⸗ und erſt in dieſem hohen Grade verlieh man ihm den Orden der Ehrenlegion. Nach dem Rückzuge aus Rußland entwickelte er die größten Talente, und bewährte in der Vertheidigung Weſtphalens den höchſten Muth. 1813 hielt er die durch die Unglücksfälle der Franzoſen dreiſt gewordenen, Inſurgenten nieder, und führte den König Hieronymus in ſeine Hauptſtadt, aus welcher ihn der Auf⸗ ruhr verdrängt hatte, wieder ein.*) Zum Lohn ſeiner Dienſte ſicherte ihm dieſer Monarch eine Penſion von 6000 Franken auf ſeine Kaſſe, und wollte ihn zum Grafen von Freudenthal ernennen, welchen Titel er aber nie angenommen hat. Als er, durch das Eindringen der fremden Truppen genöthigt, nach Frankreich zu⸗ rückkam, ward er von Napoleon nur als Brigade⸗General aner⸗ kannt, indem derſelbe die im Auslande erhaltene Beförderung nicht gelten ließ. Trotz dieſer ſtrengen Verfügung ſäumte der General Allix nicht, im Augenblick, da der Feind den vaterländiſchen Boden bedrängte, um Dienſt anzuſuchen. Er that ſich in dieſem Feldzuge hervor, beſonders am 18. Februar in dem Walde von Fontaine⸗ bleau, aus welchem er die Oeſterreicher und Koſaken vertrieb, und am 26.-des nämlichen Monats durch die merkwürdige Vertheidigung der Stadt Sens, die er mit ſehr wenigen Truppen gegen den Feind ſchirmte. Hier erlangte er wieder ſeinen Grad als Diviſions⸗Ge⸗ neral. Nach der Abdankung Napoleons war er nicht in Dienſtthä⸗ tigkeit, und zog ſich in den Schoos ſeiner Familie zurück, bis zum März 1815, wo er ſich an dieſen Fürſten zu Auxerre auſchloß uii „ Allir that freilich dem Könige von Weſtphalen gute militäriſche Dienſte gegen die in ſeinem Staate bei den Fortſchritten der Al⸗ liirten hin und wieder entſtandenen Unruhen. Aber Aufruhr zwang den König nicht, ſeine Hauptſtadt zu verlaſſen, ſondern er mußte ſich bekanntlich am 20. Sept. vor dem Streifcorps des Generals Czernitſcheff zurückziehen. Er kam zwar wieder nach Kaſſel, aber die Katiſeuhhe der Leipziger Schlacht nöthigte ihn bald zur Flucht. G. 160 Allir. Allonville. mit dem Oberbefehl im Departement der YVonne beauftragt wurde. Kurz darauf ward er in das Hauptauartier der Nordarmee berufen und zum Präſidenten einer außerordentlichen Kommiſſion zu Lille ernannt. Von dort ging er nach Calais, und war nicht bei Wa⸗ terloo. Nach dieſer Schlacht übernahm er den Befehl einer Divi⸗ ſion bei Paris. Man beauftragte ihn, St. Denis zu befeſtigen, aus welchem ſein Talent eine unüberwindliche Poſition machte. Hierauf begab er ſich an die Loire mit dem Reſt des Heers. Nach der Rückkehr des Königs in die Ordonnanz vom 24. Juli 1815 mit⸗ begriffen, war er genöthigt, nach Deutſchland auszuwandern. Er hoffte, einen Zufluchtsort auf dem Gute Frendenthal, das ihm der König Hieronymus geſchenkt, zu finden; aber der Kurfürſt von Heſ⸗ ſen vertrieb ihn daraus. Allix appellirte an den Bundestag zu Frankfurt, aber dieſer erklärte ſeine Incompetenz in dieſer Sache, und ſandte ſie an die gewöhnlichen Gerichte. Der General hat die Muſe ſeiner Verbannung ſehr ehrenvoll angewandt, indem er ſich mit den Wiſſenſchaften beſchäftigte. Es erſchien von ihm ein Werk, worin er ein neues Weltſyſtem, das dem Newtoniſchen geradezu entgegengeſetzt iſt, aufſtellt. Er ſucht zu beweiſen, daß die Bewe⸗ gungen der himmliſchen Körper von der Auflöſung des Gaſes ihrer Atmoſphären herrührten. Wir können nicht über das Verdienſt dieſes Syſtems entſcheiden, welches der Marquis de Laplace ver⸗ warf, ohne es näher unterſuchen zu wollen; aber wir müſen be⸗ merken, daß jenes Werk in das Deutſche, Engliſche und Italieni⸗ ſche überſetzt wurde, und das mehrere vorzügliche Gelehrte, na⸗ mentlich Compagnoni, ihm ein glänzendes Lob ertheilten. 1819 ward Allix nach Frankreich zurückgerufen und wieder auf die Liſte der Generäle geſetzt. Alllonville(Armand Franz, Graf von), Naltheſer⸗ Ritter, war Major im Regiment Auxerrois Infanterie, und emi⸗ grirte 1791. Er wohnte dem Feldzuge der Prinzen 1792 bei, und erhielt 1795 das Ludwigskreuz. Als Wittwer heirathete er in Ruß⸗ land, wohin er gereiſt war, eine Urenkelin des unglücklichen Ge⸗ nerals Münnich,*) und wurde dadurch Eigenthümer der koſtbaren Manuſcripte des nordiſchen Eugen. Am 22. Mai 1792 hatte, *) Den die Kaiſerin Eliſabeth nach Siberien deportiren laſſen, Pe⸗ ter III., und Katharina II. aber wieder in ſeine Würden einſetz⸗ ten.— Er ſchrieb ein Werk, betitelt: Ebauche, pour don- ner une idée de la forme du gouvernement de l'Empiro de Russie. „ Allonville. Allut. 164 der Graf d'Allonville den Brief eines Royaliſten an Hrn. Malouet erſcheinen laſſen, in welchem er mit Wärme die Grund⸗ ſätze dieſes Anhängers der conſtitutionellen Monarchie bekämpft. Seit dieſer Zeit hat er ſich unaufhörlich mit hiſtoriſchen Arbeiten beſchäftigt, aber nichts herausgegeben, außer eine kurzgefaßte Biographie Ludwigs des XVIII., eine Production, welche der glühende Eifer für die royaliſtiſche Sache und die Bourbon“⸗ ſche Familie eingab. Der Verfaſſer richtete ſie im J. 1813 an die gegen Frankreich verbündeten Mächte. Seit 1815 hat er ſich in Paris niedergelaſſen. Allonville(Ludwig, Graf von), üngerer Bruder des vorigen, geb. 1774, emigrirte 1791 mit ſeinem Vater, der Maré⸗ chal⸗de⸗Camp war, und im Feldzuge von 1792 den berittenen Adel der Provinz Champagne kommandirte. Graf Ludwig diente deu Prinzen bis 1797, dann kehrte er nach Frankreich zurück.*) Bald darauf erfolgte die Revolution vom 18. Fructidor(Sept. 1797), und einige Monate ſpäter trat er in Dienſte und beglei⸗ tete ſeinen Anverwandten, den General Dommartin, Kommandan⸗ ten der Artillerie, auf dem Zuge nach Aegypten. Dort ver⸗ ſah d'Allonville das Amt eines Finanz⸗Direktors. Nach ſeiner Rückkunft in Frankreich(October 1802) wurde er zum Inſpektor in der Domänen⸗Verwaltung ernannt. Er erklärte ſich im April 1814 für die Dynaſtie der Bourbone, erhielt die Präfektur des Departements von der Creuſe(im ſüdl. Frankreich), und ward vom König mit dem Orden der Ehrenlegion begabt. Bey Napo⸗ leons Rückkehr ſeiner Stelle entſetzt, ging er nach Vitry zu ſeiner Familie. Nach der zweiten Wiederkunft des Königs wurde er Präfekt von Ille⸗ und⸗Vilaine(in Bretagne), und erhielt das Lud⸗ wigskreuz. Jetzt iſt er Präfekt des Somme⸗Departements(Pi⸗ cardie). 3 Allut(Anton), geb. zu Montpellier um 1743, war Advo⸗ kat zu Uzés(in den Sevennen), wo auch ſeine Schweſter, Ma⸗ dame Verdier, wohnte, die ſich durch reizende Dichtungen bekannt gemacht. Er ſelbſt lieferte mehrere intereſſante Artikel für die —— Wahrſcheinlich unter Begünſtigung verwandtſchaftlicher Verhält⸗ niſſe/ weil das ſtrenge Geſetz gegen die Emigranten noch in ſeiner Kraft war. Doch glaubt man ſich eines um dieſe Zeit zu Gunſten derſelben gegebenen Beſchluſſes zu erinnern, wodurch manche mö⸗ gen zurückgekehrt ſeyn, bis der 18. Fructidor den noch Auswärti⸗ gen wieder den Weg verſchloß.— G. Neue Viograyb. I. 44 1632 Allut. Almenara. Encyklopädic. Im J. 1791 wurde er vom Garddeparte⸗ ment zum Mitgliede der geſetzgebenden Verſammlung erwählt. Als im Auguſt 1792 ein Nat. Convent berufen wurde, ging er auf ſeinen vorigen Poſten, als Gemeinde⸗Prokurator, nach Uzés zu⸗ rück. Im Mai des folgenden Jahrs erklärte ſich Allut mit Wärme für die Gironde⸗Partei, und verfaßte ſelbſt einige Addreſſen gegen den Berg. Dieſer Eifer ächtete ihn als Föderaliſten. Lange wußte er ſich den Verfolgungen zu entziehen. Aber endlich ward er ergriffen, und vor das Revolutionstribunal gebracht, das ihn, einem Monat vor dem Sturze Robespierres, zum Tode ver⸗ urtheilte. Allut ſtand damals in ſeinem 51ſten Jahre. Almenara(Don Joſeph Martinez de Hervas, Marquis von), wurde in der Stadt Urijar, im Königreich Granada(Spanien), im Monat Juli 1760 geboren. Noch ſehr jung erwarb er ſich das Zutrauen Karls IV., der ihm als Finanz⸗ rath wichtige Sendungen an das franz. Direktorium, zu Gunſten bedeutender öffentlicher Einrichtungen, übertrug. Er wurde nach dieſem Geſchäftsträger ſeines Hofes beim erſten Konſul, und darauf außerordentlicher bevollmächtigter Miniſter zu Konſtantinopel, wo er ſich in kritiſchen Augenblicken befand. 1809 kam er nach Spa⸗ nien zurück, fremd den Exeigniſſen, welche den Einbruch der Fran⸗ zoſen in ſein Land bewirkten. Als die Maxarredo's, die Azanza's⸗ die O'Farrill's, die Urquijo's, und ſo viele andere ruhmwürdige und rechtſchaffene Bürger, welche hinlängliche Proben ihrer Ta⸗ lente und Redlichkeit dargelegt, den Thron von Napoleons Bru⸗ der umgaben, erhielt der Marquis d'Almenara die Stelle eines Staatsraths, und bald darauf das Portefeuille des Miniſteriums des Innern. Während ſeines Amtes rechtfertigte er, als Diplo⸗ mat und Verwalter, die günſtige Meinung, die man allgemein von ſeinem Patriotismus und von ſeinen Talenten hatte. Gezwun⸗ gen, bei der Rückkehr Ferdinands VII., ſein Vaterland zu ver⸗ laſſen, ergriff er, mitten unter den Bedrängniſſen der Aechtung⸗ die Feder, um ſeinen Sohn, den Ritter von Hervas, zu verthei⸗ digen, der ungerechter Weiſe in einem Schreiben des D. Pedro Cevallos angegriffen war. In dieſer ſchwierigen Lage wußte der Marquis die Liebe des Vaters mit der Würde eines Mannes, der ſich über das böſe Geſchick erheben kann, zu vereinigen. Aufs edelſte rächte er den Namen ſeines Sohnes, indem er deſſen Feinde zwang, ihr begangenes Unrecht zu erkennen und einzugeſtehen.— Auch im Fache der Literatur ſind Almenara's Verdienſte bekannt. Seine geſchichtliche Lobrede auf den General Ri⸗ 1 Almenara. Alméras. 163 eardos*) wurde beſonders günſtig aufgenommen. Während ſei⸗ nes Erils in Frankreich gab er im Merkur mehrere ſcharfe und geiſtvolle Artikel unter dem Namen des Baccalaureus von Salamanka, wo denn ſeine Landsleute ſogleich den Verfaſſer des friedfertigen Spaniers, des Alcade von Mira⸗ bueno, und anderer philoſophiſcher und patriotiſcher Geiſtesfun⸗ ken erkannten, die unter dem Schleier eines leichtfertigen Spottes die geſundeſten und edelſten Anſichten bargen. Mit den nämlichen Empfindungen, aber mit gewichtigern Ideen, ſchrieb er die Ana⸗ lyſe der beiden erſten Theile der beurtheilenden Geſchichte der ſpaniſchen Inquiſition. Männern, wie er, kommt es zu, die Meinungen aufzuklären, und man erwartet von ſeinem Talent und ſeiner Erfahrung eine wahrhafte und pragma⸗ tiſche**) Geſchichte des Kriegs und der Revolution in Spanien. Die Herzogin von Friaul, Wittwe des Generals Duroc, iſt die Tochter dieſes berühmten Ausgewanderten. Almenara(Don Diego), geb. in Eſtremadura, wurde vom Friedensfürſten Godoi Karl dem IVten empfohlen, deſſen Wohlwollen er gewann. Er mußte ſich verbergen, als in Ma⸗ drid die Revolution gegen jenen Miniſter entſtand. Als er nach der Thronbeſteigung Ferdinands VII. wieder bey Hof erſchien, ward er übel empfangen, und ging baͤld nach Frankreich. Bei der Junta zu Bayonne widerſetzte er ſich aus allen Kräften der Einſetzung Ferdinands; ſobald er aber ſah, daß die königliche Fa⸗ milie in der Gewalt Napoleons blieb, kehrte er in ſein Land zu⸗ rück, und erklärte ſich ſtark gegen den letztern. Seine liberalen Neinungen bewirkten ſeine Wahl zum Oeputirten bei den Cor⸗ tes, wo er ſich fortwährend gegen Ferdinand erhob. Später nahm er Theil an der Abfaſſung der conſtitutionellen Akte; als aber jener Monarch wieder den Thron beſtieg, war Almenarg ge⸗ nöthigt, nach Frankreich zu fliehen, wo er ſich noch im. J. 1816 aufhielt. Almeras, Generallieutenant, Kommandant der Ehrenlegion, trat frühe in die Laufbahn der Waffen. 1794 wurde er in den Alpen von einem ſardiniſchen, 1500 Mann ſtarken Corps ange⸗ griffen, und obſchon er nur an der Spitze von 200 ſtand, gelang *) Ein tapferer, und wirklich genialer, Feldherr, der die Spanier im J. 1793 gegen die Franzoſen kommandirte. G. **) Im. Original philosophiquc, welches aber hier, wie öͤf⸗ ter, bei den Franzoſen dieſen Sinn hat. G. 164 Alméras. Almodovar. Almon. 165 ihm, jene in die Flucht zu ſchlagen und Meiſter des Feldes zu bleiben. Deshalb erhielt er den Befehl über ein größeres Corps, zerſtreute in dem Garddepartement die Verſammlungen der Royali⸗ ſten, und verhaftete Saint Chriſtol und Allier, zwei ihrer Anfüh⸗ rer. Er folgte dem General Kleber nach Aegypten, wo er ſich neuerdings auszeichnete. Nach ſeiner Rückkehr wohnte er den ver⸗ ſchiedenen Schlachten gegen Oeſterreich und Preußen bei. 1810 wurde er Brigadegeneral; 1812 befand er ſich bei dem Feldzuge nach Rußland, und 1814 bei dem in Frankreiech. V Almodovar(Herzog von), geſtorben zu Madrid 1794. Er ließ daſelbſt 1781 ein Journal, unter dem Titel: Decada epistolen, erſcheinen. Auch hat man von ihm eine Ueberſe⸗ tzung der philoſophiſchen und politiſchen Geſchichte beider Indien, deren Verfaſſer der Abt Raynal iſt. Dieſe Ueberſetzung läßt den Einfluß der Epoche, in welcher ſie gemacht wurde, deutlich merken, weil ſich der Verfaſſer, um ſie herauszugeben, manche Aufopferungen mußte gefallen laſſen. Aber man muß ihm Dank wiſſen, daß er ſich nicht durch die Strenge der Mönchs⸗Cenſur, welche damals alle Geiſteswerke, die Licht nach Spanien briggen konnten, ſo unbarmherzig verſtümmelte, abſchrecken ließ. Der Augenblick der philoſophiſchen und literariſchen Wiedergeburt iſt endlich gekommen, um dieſes ſchöne Land und ſeine große Nation für ſo viele Jahrhunderte der Barbarei und Verfolgung zu tröſten. Der Herzog von Almodovar wurde vom Könige von Spanien nach einander zum bevollmächtigten Miniſter in Rußland, Portugall und England ernannt. G Almon(Johann), engliſcher Buchhändler, wird, ohne die Behörde drohend und unmitteibar angegriffen zu haben, unter diejenigen Männer gezählt, welche gegen das Ende der Regie⸗ 5 rung Georgs III., durch ihre kräftige Oppoſition eine eigenſin⸗ nige, reizbare, aber ſchwache und unruhige, Gewalt erſchreckten. Er wurde zu Liverpool 1738 geboren, ließ ſich 1759 in London nieder, nachdem er das Ausland bereiſet hatte, und gab verſchie⸗ dene Werke heraus, wodurch er ſich die öffentliche Aufmerkſam⸗ keit und Achtung erwarb. Seine Unterſuchung der Regie⸗ rung Georgs ll., 1760, ſeine Unterſuchung der Ver⸗ waltung Pitt's, die Anekdoten aus dem Leben Cha⸗ tams, und die biographiſchen Anekdoten über die be⸗ rühmteſten Perſonen dieſer Zeit, beweiſen, ohne einen großen literariſchen Vorzug zu haben, ein gerades Urtheil und ein patriotiſches Gemüth. Bald begann jener bekannte Streit Almon. 165 von Wilkes gegen Bute, das Miniſterium und die Behörde. Al⸗ mon, der eine Buchhandlung in Piccadily gekauft, lieh dem an⸗ timiniſteriellen Schriftſteller nicht allein ſeinen Credit und ſeine Preſſen, ſondern auch ſeine Feder und ſeinen Namen. Das von ihm bei dieſer Gelegenheit herausgegebene Pamphlet: Ueber die. Geſchwornen und Libelle, bewirkte ſeine Citation vor das königliche Obergericht. Eine criminelle Klage erhob ſich gegen ihn; aber ſie hatte keine Folgen; denn ſchrecklichere Feinde be⸗ ſchäftigten die Autorität. Die erſten Briefe des Junius er⸗ ſchienen. Dieſer unbekannte und muthige Kampfheld der öffentli⸗ chen Meinungen, dieſer Rieſe, wie Burke ſagt, der Schrek⸗ ken der Hof⸗Pymäen, hatte eine rauhe und heftige Bered⸗ ſamkeit, eine Kraft des Styls und einen Schwung der Satyre, die man noch bei Niemand gefunden und auch ſeitdem nicht in höherem Maaße fand, außer in der franzöſiſchen Minerva. Eine hohe literariſche Macht griff, mit geſchloſſenem Viſier, alle Mächte der Zeit an, und warf ſie durch ihr Genie und ihren Freiſinn zu Boden. Aber ihre Kühnheit hatte etwas ſo feſtes, ihre Heftigkeit und Bitterkeit ſchienen aus einem ſo tiefen und rei⸗ nen Patriotismus zu entſpringen, daß die Behörde ſtumm und wie betroffen blieb. Junius wurde nicht bei den Tribunälen angezeigt. Endlich erſchien jener merkwürdige Brief des Junius an den König, worin dem Monarchen die ſtrengſten und kräftigſten Wahr⸗ heiten dargelegt werden, und worin die Geſchichte ſelbſt ihre Stimme zu erheben ſcheint, um dem Fürſten die Fehler der Ver⸗ gangenheit, die Bedürfniſſe der Gegenwart, und die Drohungen der Zukunft ins Licht zu ſtellen. Alles, was den Thron umgab, war ſeit dem Erſcheinen dieſes Briefs in Bewegung. Der Her⸗ ausgeber ward vor Gericht gezogen, die judiciären Nachforſchun⸗ gen waren häufig, aber vergeblich, und die Buchhändler, welche man des Verkaufs von Exemplaren überwieß, wurden mit der äuſ⸗ ſerſten Strenge behandelt. Almon war unter der Zahl dieſer letz⸗ tern. Man verurtheilte ihn zu einer Geldſtrafe von 10 Marken und zu einer dreijährigen Bürgeſtellung für ſein Betragen. In der Folge gründete er die, für die Geſchichte vielen Werth habende, Zeitſchrift: Parlamentariſches Regiſter, welche noch fort⸗ dauert. Er gab auch die Correſpondenz von Wilkes, und eine Sammlung von Poeſieen, heraus, welche letztere ſich nur durch einen glühenden Patriotismus auszeichnen. Seine letzte Unternehmung iſt der Junius, mit biographi⸗ ſchen und erklärenden Anmerkungen. In dieſer Aus⸗ 166 Almon. Alonzo de Viado. gabe finden ſich die genaueſten Erläuterungen über verſchiedene in dieſen Briefen figurirende Perſonen. Almon ſtrebte, den wahren Verfaſſer dieſes literariſchen Myſteriums zu entdecken; aber er that⸗ wie alle, die ſich mit dieſem Gegenſtande beſchäftigten: er ſam⸗ melte nur neue Wolken über eine ſchon ſehr dunkle Frage. Ver⸗ gebens wurden die Briefe des Junius zwanzigmal commen⸗ tirt und allen großen Autoren nach einander zugeſchrieben; das Geheimniß blieb undurchdringlich. Ein Schriftſteller, der die gründlichſte Beredſamkeit beſaß/ ein mit der ſtärkſten und eindring⸗ lichſten Urtheilskraft begabter Mann, der auch mit eben ſo viel Kunſt, als Energie, den hinreiſſendſten und unwiderſtehlichſten Scherz anzuwenden wußte, blieb unbekannt, und bewahret ſeinen Denkſpruch: Stat nominis umbral!— Alonzo de Viado(Emannel Joſeph Bernhard), geb. den 27. Februar 1775 zu Gijon, in Aſturien, wurde von ſeinen Verwandten zur Rechtsgelahrtheit beſtimmt, und machte auf der Univerſität Oviedo gute Fortſchritte in ſeinen Studien. Allein 1792 trat er als Cadet unter das Regiment Leon. Er ward hier⸗ auf Major⸗Adiutant im adelichen Regimente von Aſturien, und erhielt, nachdem er dieſe Stelle auch in andern Corps bekleidet⸗ den Majorsrang unter der regulirten Miliz des Königreichs Gua⸗ timala.*) Er diente unter dem Marquis von Campo Sagrado, der ſeitdem Miniſter bei Ferdinand VII. wurde, und wohnte, un⸗ ter dem General Caro, den Feldzügen in Biscaya und Navarra gegen die Franzoſen bei. Patriotiſche Abſichten und militäriſche Entwürfe änderten, ſo zu ſagen, Alonzo's Beſtimmung/ und mach⸗ ten aus ihm einen Gelehrten und einen Staatsmann. Auf ſeinen Feldzügen hatte er Gelegenheit, kennen zu lernen, daß die Orga⸗ niſation der kaſtiliſchen Monarchie wenig Mittel darbot, um eine Invaſion zu vermeiden. Die Ereigniſſe haben, trotz des Erfolgs im Kampfe gegen die franzöſiſchen Truppen, dieſe Anſicht gerecht⸗ fertigt. Die Unternehmung der Spanier erforderte Hülfsvölker und hing vom Zuſammenfluß gewiſſer Umſtände ab, die nicht we⸗ niger günſtig für Spanien, als ſeine Beharrlichkeit ſelbſt⸗ waren. Von dieſer Idee erfüllt, ſchlug Alonzo Verbeſſerungen vor, und gab ſeinen Entwurf zur Reform der ſpaniſchen Armec⸗ 1802. Er entſagte dem Militärdienſt 1805, und wurde zum Ge⸗ *) Die Audiengia Guatimala iſt eins von den 3 Generalgouver⸗ nements in Neu⸗Spanien(in Nordamerika) und eine an ſüdlichen Erzeugniſſen ſehr reiche Landſchaft. G. Alonzo de Viado. Alopeus. 167 neral⸗Adminiſtrator des königlichen Zehentens in Granada er⸗ nannt. Als die Franzoſen in Spanien waren, ſandte ihn die Junta derſelben Provinz an die von Sevilla. Bei dieſer Miſſion zeigte er beſonders ſeine Talente, Anhänglichkeit an ſein Vaterland, und Liebe zu den Grundſätzen einer weiſen Freiheit. Dieſen Verdien⸗ ſten dankte er auch die ihm von dem Könige Joſeph verliehene Stelle eines General⸗Adminiſtrators der Zehenten und National⸗ güter von Jaen(in Andaluſten). Durch die Begebenheiten von 1813 nach Frankreich verdrängt, wurde er Mitglied der für die nach Toulouſe geflüchteten Spanier errichteten Hülfscommiſſion. Gegenwärtig iſt Alonzo de Viado Theilhaber an den patriotiſchen Geſellſchaften von Madrid, Granada und Jaen; auch iſt er Mit⸗ glied der königlichen Societät der Alterthumsforſcher in Frankreich, und Correſpondent der Akademie der Inſchriften, Wiſſenſchaften und ſchönen Literatur zu Toulouſe. Außer dem genannten hat man von ihm noch mehrere ſchätzbare Werke: 1) Organiſche Ver⸗ ordnung für das Präſidium beim Zuchtgerichte in Cadix; 2) Ue⸗ berſetzung der Plutarchiſchen Biographieen, mit Anmerkungen (von welchem aber nur Fragmente in der Madrider litera⸗ riſchen Oenkſchrift bekannt ſind; 3) La Croix's Geometrie, a. d. Franz.; 4) die Ancrika's, aus dem Engl. des Robertſon, mit Anmerkungen; 5) einen bei der Toulouſer Akademie vorge⸗ leſenen Aufſatz über den Urſprung der gothiſchen Baukunſt. Alopeus(Maximus von), Sohn eines Archidiakonus an der Hauptkirche zu Wiburg, in Rußland, widmete ſich, nach⸗ dem er ſeine Studien mit Auszeichnung beendigt, der Diplomatie, und wurde als ruſſiſcher Miniſter nach Berlin geſandt. Hier er⸗ hielt er 1796 von Katharina 1I. ſeine Ernennung zum Staats⸗ rathe. Kalitſcheff erſetzte ihn in Preußen, und er ward nunmehr Geſandter bei dem niederſächſiſchen Kreiſe, hierauf aber(1798) bei dem Reichstage zu Regensburg. Im J. 1802 wählte ihn ſein Hof zum zweitenmal zur Geſandtſchaft nach Berlin, wo er wäh⸗ rend des Krieges, den Rußland und Oeſterreich gegen Frankreich führten, blieb. Die Truppen des Königs von Schweden beſetzten das Lauenburgiſche. Alopeus wurde an dieſen Fürſten geſandt, um ihn zum Hinwegziehen derſelben zu bewegen, und die Unter⸗ handlung gelang. Im März 1806 überreichte er, auf Befehl ſei⸗ nes Monarchen, dem Baron von Hardenberg das Großkreuz des St. Andreasordens. Auf ſein Verlangen, ſich von den Geſchäf⸗ ten und dem Hofe zu entfernen, erwirkte er ſeine Entlaſſung, und kam nach Berlin zurück, um als einfacher Privatmann zu leben. 1 46b06s Alopeus. Alphonſe. Alquier. Demungeachtet trat er ſeitdem wieder in den Geſchäftskreis. Der Kaiſer Alexander ernannte ihn 1815 zum wirklichen geheimen Rath, welche Stelle er noch bekleidet. Alopeus(David von), Uüngerer Bruder des vorigen, auch in Wiburg geboren, und ehemaliger Zögling der Militär⸗ Akademie zu Stuttgard, war ruſſiſcher Miniſter am ſchwediſchen Hofe. Guſtav IV. befand ſich in einer ſehr kritiſchen Lage durch den Widerſtand, welchen er der Ausführung der von verſchiedenen Mächten, und namentlich von Rußland, zu Gunſten des Konti⸗ nentalſyſtems getroffenen Verbindungen entgegenſetzte. Der König wieß die Rathſchläge des Geſandten zurück, und ließ ihn, als die ruſſiſchen Truppen Finnland hinweggenommen hatten, verhaften und ſeine Papiere unter Siegel legen. Dieſe Behandlung erwarb Hrn. v. Alopeus die Belohnungen Alexanders. Dieſer Fürſt, um ihn zu entſchädigen, ernannte ihn zum Kammerherrn, ſchmückte ihn mit dem St. Annenkreuz der erſten Klaſſe, und ſchenkte ihm ein Landgut von 5000 Rubeln Einkommen; ſpäter erhob er ihn zur Würde eines geheimen Raths. In dieſer Eigenſchaft unterzeich⸗ nete er den Friedenstractat mit Schweden. Als nach der Revo⸗ lution, welche Guſtav abzudanken zwang, der Herzog von Süder⸗ mannland, ſein Oheim, den ſchwediſchen Thron unter dem Namen Karls XIII. beſtieg, wurde Alopeus wieder nach Schweden ge⸗ ſandt, um denſelben im Namen ſeines Kaiſers zu begrüßen. Wäh⸗ rend der Feldzüge d. J. 1814 und 1815 befand er ſich bei der Central⸗Verwaltung der alliirten Armeen, und wurde General⸗ Gouverneur von Lothringen für den Kaiſer von Rußland. Eine Proklamation, welche er im Juli 1815 an die Bewohner dieſes Landes richtete, gibt einen Beweis von der Mäßigung, mit der er in Frankreich ſeine Verwaltung übte.. Alphonſe(Der Baron von).(S. Dalphonſe.) Alquier, geb. den 13, October 1752 zu Talmont, Departe⸗ ment der Vendee. Nachdem er verſchiedene wichtige königliche Aemter bekleidet, wurde er 1789 Deputirter des dritten Standes für die Landſchaft Aunis bei den Generalſtänden, und daſelbſt Mitglied des Ausſchuſſes der Berichterſtattungen. Man beauftragte ihn, der Verſammlung über ein Ausſchreiben des Biſchofs von Tréeguier, welches die Abſicht hatte, Brétagne gegen die neuen Geſetze in Aufſtand zu bringen, Erläuterung zu geben. Seinem Bericht zufolge wurden die Maasregeln zur Beruhigung dieſer Pro⸗ vinz genommen und das Verbrechen vor dem competenten Gericht * Alquier. 169 verfolgt. Den 31. Juli 1790 wurde er zum Sekretär der Nat. Ver⸗ ſammlung, unter dem Vorſitze d'André's, ernannt. Als auf der Inſel Tabago wegen der Revolutions⸗Grundſätze, deren Anhänger von den Häuptern der Kolonie Verfolgungen erlitten, unvermu⸗ thete Unruhen entſtanden waren, wurde er mit einem Berichte be⸗ auftragt, dem zufolge man den dortigen Gouverneur abrief. Hef⸗ tige Streithändel waren zu Nimes zwiſchen den Katholiken und Proteſtanten ausgebrochen. Letztere hatten die greulichſten Exceſſe erlitten. Alquier rieth in ſeinem darüber erſtatteten Bericht, der Munizipalität einen öffentlichen Verweis zu geben und ſie aufzulö⸗ ſen; welche Meinung von der Verſammlung angenommen ward. Am 2. April bewirkte er ein Dekret, nach welchem die Vereine der ſogenannten Katholiken von uUzss für aufrühriſch erklärt und unter Androhung gerichtlicher Strafe verboten wurden. Als der König ſich entfernte, ſchien man zu fürchten, daß dieſes Er⸗ eigniß den bei den Truppen, welche unter Hrn. von Rochambeau die Departemente vom Nord und Pas⸗de⸗Calais beſetzten, ent⸗ ſtandenen Unruhen zum Vorwand dienen könnte. Alquier wurde zum Commiſſär bei dieſen Departementen, nebſt noch zwei Mitglie⸗ dern der Verſammlung, Boullé, Deputirten vom Morbihan, und dem Herzoge von Biron, ernannt. Nach ſeiner Rückkunft unter⸗ richtete er die Verſammlung in der Sitzung vom 28. Auguſt von dem Inſurrectionszuſtande, in welchem ſich das Regiment Bauce befand, und begehrte, daß man die ſchnellſten Maasregeln zur Un⸗ terdrückung dieſer Unordnungen ergreife. Sein Bericht über die Unruhen zu Arles bewirkte die Aufhebung der Beſchlüſſe des De⸗ partements der Rhonemündungen, und die Misbilligung des Betra⸗ gens der Wahlverſammlung. Im Laufe ſeiner Arbeiten bei der konſtituirenden Verſammlung ſtimmte er für die freie Eröffnung aller Häfen für die aus Indien zurückkommenden Schiffe; auch verlangte er, daß das Volk eine Inſtruction über die bürgerliche Verfaſſung der Geiſtlichkeit erhalte. Er wurde hierauf Präſident des Kriminalgerichts vom Departement Seine⸗und⸗Oiſe, und war es, als die nach Verſailles gebrachten Gefangenen daſelbſt ermor⸗ det wurden. Er hatte Maasregeln ergriffen, um dieſem abſcheuli⸗ chen Ereigniſſe zu begegnen; aber ſehr gebieteriſche Befehle Dan⸗ ton's, des damaligen Juſtizminiſters, hinderten ihn, ſein Vorha⸗ ben ins Werk zu ſetzen. Er war ſelbſt gezwungen, ſich einige Zeit von Verſailles zu entfernen. 1792 wählte ihn das genannte De⸗ partement zum Deputirten bei der Nat. Convention. Er wurde mit Boiſſy d'Anglas und Vitet nach Lyon geſandt, um die Unru⸗ 170 3 Alquier. hen, welche bei der bevorſtehenden Ernennung eines Maire erregt werden könnten, zu verhindern, und auch, um die Kleidungoma⸗ gazine der Alpenarmee zu unterſuchen. Bei ſeiner Zurückkunft ſtimmte er bei der mit der Sache des Königs beſchäftigten Nat. Convention füͤr den Tod, jedoch mit der Einſchränkung, daß die Exekution nicht eher, als beim allgemeinen Frieden ſtatt habe; daß alsdann das geſetzgebende Corps das Urtheil vollziehen laſſen oder mildern könne, daß es aber im Fall einer fremden Invaſion anzuwenden ſey. Im J. 1794 erhob er ſich gegen die in der Ven⸗ dee begangenen Greuel, und klagte den General Turreau an, Be⸗ fehle zur äußerſten Gewaltthätigkeit ertheilt zu haben. Dann er⸗ hielt er eine Sendung in die Weſtdepartemente, um die Remonte für die Kavallerie zu beſchleunigen, und 1795 eine zur Nordarmee, wo er ſich durch die Mäßigung ſeines Betragens Achtung erwarb. Nach der Eroberung Hollands organiſirte er mit ſeinen Kollegen die neuen Verwaltungen deſſelben. Späterhin wurde er Mitglied des Raths der Alten, und bei dieſem Sekretär. Auf ſeinen Be⸗ richt wurde das Conſervatorium der Künſte und Gewerbe errichtet und deſſen Lokal in den Gebäuden der ehemaligen Abtei St. Mar- tin des champs gewählt. 1798 ernannte ihn das Direktorium zum Generalkonſul in Algier, und hierauf zum bevollmächtigten Miniſter bei dem Kurfürſten von Baiern. Er hatte den Befehl, das Zurückziehen der kaiſerlichen Truppen zu begehren. Er wi⸗ derlegte, während ſeines Aufenthalts in München, auf die kräf⸗ tigſte Weiſe in einem Briefe an den Baron Hompeſch die dem Di⸗ rektorium angeeigneten Projekte, das Würtemberger Land und das Kurfürſtenthum Baiern revolutioniren zu wollen, und beſchul⸗ digte die engliſche Regierung, dieſe Nachrichten hinterliſtig ver⸗ breitet zu haben. Einige Zeit vor der Auflöſung des Raſtadter Kongreſſes erſuchte ihn der Prinz Karl, ſich von München hinweg zu begeben, und ertheilte den nöthigen Befehl, daß er, von zwei Offizieren begleitet, durch die öſterreichiſche Linie zur franzöſiſchen Armee gelangen konnte, wo er im März 1799 ankam. Im Sep⸗ tember des nämlichen Jahrs wurde er General⸗Einnehmer des Departements von Seine und Oiſe, verſah aber dieſes, ſeiner Neigung wenig entſprechende und von allen ſeinen ehemaligen ganz verſchiedene, Amt nur einige Wochen lang. Nach dem 18. Bru⸗ maire ernannte ihn das Konſulat zum Geſandten in Spanien. Im Monat Juli mußte er mit dem Madrider Hofe die Wiederabtre⸗ tung Louiſiana's. gegen Toscana unterhandeln, welches letztere nach dieſer Uebereinkunft das Königreich Etrurien bildete. Der Alquier. 171 Tractat wurde auf die von ihm gegebenen Grundlagen abgefaßt, aber ein anderer unterzeichnete ihn. Er blieb fortwährend auf ſeinem Poſten in Spanien, bis ihn gegen Ende 1800 Lucian Bo⸗ naparte ablöſte. 1801 unterhandelte er als bevollmächtigter Mini⸗ ſter mit dem Hofe von Reapel den Frieden zu Florenz; hierdurch erhielt Frankreich den Beſitz der Inſel Elba. Darauf wurde Al⸗ quier Geſandter in Reapel. Als(1804) der Ritter Acton, der ſchon beinahe 30 Jahre erſter Miniſter und unumſchränkter Herr der Angelegenheiten dieſes Hofes war, ſich erlaubte, bei einem diplomatiſchen Verkehr in wenig abgemeſſenen Ausdrücken von Frankreich zu ſprechen, unterbrach Alquier die Conferenz,⸗ erklärte, daß er nicht weiter mit ihm verhandeln würde, und benachrichtigte davon den König. Dieſer Vorfall verurſachte das Abtreten Acton's, der ſich nach Sieilien begab. Alquier reſidirte zu Neapel bis an's Ende 1805, und ging, ohne Abſchied zu nehmen, mit allen Ange⸗ ſtellten der Geſandtſchaft und des Generalkonſulats, am nämlichen Tage hinweg, da der Hof von Sicilien, indem er in ſeinen Hä⸗ fen und in ſeiner Hauptſtadt eine kombinirte engliſch⸗tuſſiſche Flotte und Armee aufnahm, offenbar den Neutralitäts⸗Tractat brach, den er einen Monat zuvor mit Frankreich geſchloſſen hatte. Er begab ſich nach Rom, wo er bald den Kardinal Feſch als Ge⸗ ſandten beim heil. Stuhl erſetzte. Da er die von ſeinem Vorgän⸗ ger eröffnete Verhandlung über die zwiſchen Frankreich und Rom entſtandenen Streitigkeiten fortſetzen mußte, hatte er oft Gelegen⸗ heit, ſich mit dem Pabſte perſönlich zu benehmen. Er überzeugte ſich bald, daß der edle und feſte Widerſtand des oberſten Prieſters bei übertriebenen und wenig rechtmäßigen Forderungen ein unüber⸗ ſeeigliches Hinderniß für jegliche Vereinigung wäre; auch ver⸗ hehlte er es der Regierung nicht. Dieſe Anſicht misfiel demieni⸗ gen, der gewohnt war, alles ſich unter ſeinen Willen beugen zu ſehen. Der Geſandte ward nach Paris berufen, um die Beweg⸗ gründe ſeiner Meinung darzulegen. Er reiſte von Rom ab im Fe⸗ bruar 1808. Schon im Juni wurden gewaltſame Maasregeln ge⸗ gen die Perſon des Pabſtes befohlen. Alquier's Betragen unter dieſen Umſtänden zog ihm jedoch keine Misgunſt zu. 4810 ging er als außerordentlicher Geſandter nach Stockholm. Er hatte den Befehl, die ſtrengſte Beobachtung des Kontinentalſyſtems zu ver⸗ langen und ſich jeder Handelsunternehmung mit England zu wider⸗ ſetzen; ein Zweck, der fürwahr unmöglich erreicht werden konnte, weil Schweden im Fall war, an Großbrittannien ſeine Landes⸗ produkte gegen Dinge von der hoͤchſten Nothwendigkeit, die ſein 172² Alquier. Alricy. Alſtroemer. Boden nicht hervorbringt, auszutauſchen. Dieſer Stand der Din⸗ ge, und die unter einigen nordiſchen Höfen ſchon verabredeten Maasregeln, führten Zeichen von Mishelligkeit zwiſchen den Ka⸗ binetten von Paris und Stockholm herbei. Der Miniſter Frank⸗ reichs ging nach Dänemark mit dem Titel eines außerordentlichen Geſandten. Er kam im November 1811 in Koppenhagen an, und ſchloß daſelbſt 1813 einen offenſiven und defenſiven Allianz⸗Ver⸗ trag. Dies war der letzte Akt ſeines politiſchen Lebens. Die Be⸗ gebenheiten der Reſtauration machten ſeiner Gewalt und ſeiner Thätigkeit bei dem däniſchen Hofe bald ein Ende. Er verließ die Reſidenz, vom Könige mit Beweiſen der Güte überhäuft, und kam im Juni 1814 nach Frankreich. Im J. 1816 wurde das Ge⸗ ſetz vom 12. Januar auf ihn angewendet. Er ſuchte ein Aſyl in Belgien, und lebte einſam und ruhig in der kleinen Stadt Vilvorde. Im Anfang des Jahrs 1818 erfuhr er unvermuthet, daß ihm die Freiheit, nach Frankreich wiederzukehren, bewilligt ſey. Ein Mann, deſſen Leben fruchtbar an Zügen aller Art von Tugend, Muth und Rechtſchaffenheit iſt, der Graf Boiſſy d'Anglas, Pair von Frankreich, wußte, daß jenes Geſetz nicht auf Alquier anwend⸗ bar war. Ohne darum erſucht zu ſeyn, ja ſelbſt ohne Wiſſen des Verbannten, unternahm er es, bei der Regierung zu deſſen Gun⸗ ſten ſein Wort einzulegen. Der König genehmigte den 14. Januar 1818 im Miniſterrathe, auf den Bericht des Hrn. Decazes, die Vorſtellungen des Hrn. von Boiſſy d'Anglas, und ermächtigte Al⸗ quier zur Rückkehr. Er kam ſchnell, um die Rechte eines franzö⸗ ſiſchen Bürgers in ihrer ganzen Fülle zu genießen. Gegenwärtig lebt er ruhig und zurückgezogen in Paris oder der Umgegend.— Alle dieſe Thatſachen wurden geſammelt und auf das Gewiſſenhaf⸗ teſte geprüft. Man vergleiche dieſen Artikel mit den Notizen der übrigen Biographieen, und man wird finden, wie viele That⸗ ſachen weggelaſſen, vermuthet, oder verfälſcht worden ſind. Alricy(A. J.), Mitglied des Raths der 500, wozu ihn das Departement der Iſére(Dauphiné) für das Jahr 4.(Sept. 1795) ernannte. Alſtroemer, Naturkundiger und Zögling Linné's, geb. in Schweden 1736, ſtudirte unter dieſem Fürſten der Botaniker die Naturgeſchichte. Linné meldet in ſeinen Werken, daß er ihm eine große Anzahl neuer Pflanzen geliefert habe, namentlich die Lilie Alſtrömers oder der Incas. Alſtrömer ſtarb 1794, 58 Jahre alt. Alter. Alton. 173 Alter(Franz Karl), geb. 1749 zu Engelsberg, in Schle⸗ ſien. Dieſer gelehrte Philolog war Jeſuit. Nach der Aufhebung ſeines Ordens trat er in das Gymnaſium von St. Anna; hierauf er⸗ hielt er einen Lehrſtuhl, und war, bis an ſeinen den 29. März 1804 erfolgten Tod, Profeſſor der griechiſchen Sprache am akademiſchen Gymnaſium zu Wien. Meuſel hat in ſeinem gelehrten Deutſch⸗ land die Liſte ſeiner zahlreichen Werke gegeben. Rebſt mehreren Ueberſetzungen und Ausgaben alter, griechiſcher und römiſcher, Autoren, hat man von ihm auch die griechiſche Chronik des Georg Phranza oder Phranzes, Groß⸗Garderobe⸗ meiſters des orientaliſchen Kaiſers, und eine Notiz über die georgiſche Literatur: ferner Abhandlungen über griechiſche und orientaliſche Manuſcripte in der kaiſerlichen Bibliothek, und über die tagaliſche Sprache*); endlich eine kritiſche Ausgabe des neuen Teſtaments, zu deren Grundlage der Codex Lambecii gebraucht iſt, verglichen mit ſclavoniſchen, kophti⸗ ſchen und lateiniſchen Ueberſetzungen, und mehreren Manuſcripten der Bibliothek. Alton(Richard, Graf von), öſterreichiſcher General⸗ war glücklich in den Kriegen, welche der Theilung Polens folgten. Im Jahr 1789, als dieſes unglückliche Land zur Erhaltung ſeiner Freiheit edle, aber fruchtloſe, Anſtrengungen machte, hatte Kaiſer Joſeph II. den Gedanken, die alte Verfaſſung Belgiens zu verän⸗ dern. Die Abſichten dieſes Monarchen wurden übel beurtheilt. Er wollte Misbräuche verbeſſern; man beſchuldigte ihn, daß er Rechte angreife. Das Volk in den Niederlanden trug allein die Laſt der Auflagen; der Adel, die Geiſtlichkeit, und die Abteien, deren Beſitzungen 2 des Gebiets einnahmen, waren frei davon. Der Kaiſer, um die Gleichheit der Beſteuerungen wieder herzuſtellen, erließ mehrere Beſchlüſſe, durch welche er den Verkauf des Eigen⸗ thums gewiſſer geiſtlicher Brüderſchaften befahl, mit dem Verbot, daß die Geiſtlichkeit in Zukunft Eigenthümer werden könnte, wel⸗ che er zugleich verband, für die Güter, ſo ſie behielt, die Territo⸗ rial⸗Abgabe, wie er ſie in der neuen Konſtitution geordnet hatte, zu entrichten. Die, über ihr Intereſſe wenig aufgeklärten, Bel⸗ gier ſahen in dieſem Akt des Beherrſchers nichts, als eine Verlez⸗ zung jener alten Charte, die ſie freudiger Einzug(loreuse —— *) Tagal iſt bekanntlich eine Stadt, mit einem Seehafen, auf der oſtindiſchen Inſel Javs. G. 174 Alton. Entrée) nannten*). Der Klerus benutzte das Misvergnügen. Es gelang ihm, die Erzherzogin Chriſtine, General⸗Statthalterin der Niederlande, in ſein Intereſſe zu ziehen. Dieſe ehrgeizige Fürſtin war den Vorſchlägen geneigt, die ihr Hoffnung gaben, Beherrſcherin von Belgien zu werden. Der Kaiſer, ſtark aufge⸗ bracht über die Hinderniſſe, welche ſeine eigene Familie ſeinen Projekten in den Weg legte, ernannte zwei Gouverneurs, einen für das Civil⸗, den andern für das Militärfach, die ſich, obſchon, nach ihrer Würde, der General⸗Statthalterin untergeordnet, al ler Gewalt bemächtigten. Hr. von Trautmannsdorf wurde zum Ci⸗ vil⸗Gouvernement berufen. Dieſe Wahl war ziemlich gut. Aber der Kaiſer täuſchte ſich vollkommen, als er das Militär⸗Gouver⸗ nement dem Grafen d' Alton übergab. Dieſer General, welcher durch Charakter und Gewohnheit ſtreng bis zur Härte war, kam nach Brüſſel in der Ueberzeugung, daß er die Belgier ſo, wie vorher die Polen, behandeln müſſe. Er wollte ſchrecken, da er doch beſänftigen ſollte, und mit Soldaten und Nachrichtern glaubte er die Annahme der Konſtitution fordern zu können. Die nieder⸗ ländiſchen Gefängniſſe waren bald mit Leuten angefüllt, die ihren Widerſtand gegen die Grundſätze der Regierung an den Tag gelegt hatten. Die vornehmſten Perſonen wurden verhaftet; Hinrichtun⸗ gen hatten ſtatt; der Schrecken verbreitete ſich bis in die Dörfer⸗ Um das Maas der Unklugheit voll zu machen, erhob ſich ein Miß⸗ verhältniß zwiſchen beiden Gouverneurs. Sie wetteiferten, einan⸗ der entgegen zu arbeiten und anzuklagen. Die Grundſätze des Gra⸗ fen d'Alton erinnerten an jene des Herzogs von Alba: ſie hatten die nämlichen Folgen. Das Volk erhob ſich; waffenloſe Bürger vertrieben aus Brüſſel 69000 Mann der beſten öſterreichiſchen Trup⸗ pen. Die Genter, welche 4000 Mann in die Kaſernen von St. Pe⸗ ter eingeſchloſſen hatten, nöthigten ſolche, zu kapituliren und ihre Waffen zu übergeben. Auf allen Seiten ſah man ſchreckliche Re⸗ preſſalien, und diejenigen, welche man für Joſephiſten hielt⸗ wurden unbarmherzig niedergemetzelt. Die Begebenheiten erfolg⸗ ten ſo ſchnell und mit ſolcher Uebereinſtimmung, daß der Graf d'Alton viele Muhe hatte, ſich mit weniger, als 2000 Mann, zu⸗ rückzuziehen. Joſeph, über ſo große Unfälle,(die natürlicher 9) Dieſe, den Privilegien der Brabäntiſchen Stände gegebene Be⸗ nennung kommt daher, weil ſie die Herzöge vor ihrem feierlichen Einzuge in die Hauptſtadt beſchwören mußten. Sobald dieſelben eins dieſer Vorrechte aufhoben, durften ihnen die Unterthanen den Gehorſam verweigern. G. — Alton. Alvensleben. 175 Weiſe nur der Wahl eines ſolchen Befehlshabers zuzuſchreiben wa⸗ ren,) auf's äußerſte gebracht, befahl ihm, nach Wien zu kommen. Man verhaftete ihn einige Tagreiſen von dieſer Hauptſtadt. Der Kaiſer, um ſowohl ſeinem erzürnten Gefühle Genugthuung zu lei⸗ ſten, als um die Belgier zu beruhigen, befahl die Errichtung einer Militär⸗Eommiſſion zu Luxemburg. Der General ſchien unfehlbar verurthettt werden zu müſſen; aber gegen Ende des Decembers 1789 ſtarb er, ehe er dorthin kam, einige Stunden von Linz. Seine Todesart iſt noch unbekannt: man glaubt, er habe ſich vergiftet. Dieſe Begebenheiten, welche eine große Senſation in Europa ge⸗ macht, wurden bald vergeſſen. Die franzöſiſche Revolution begann. Sie beſchäftigte alle Geiſter ſo ſehr, daß man auf das, was ſich in Belgien zugetragen, wenig achtete. Wenn man die Urſachen dieſer beiden Revolutionen mit einander vergleicht, ſo kann man nicht umhin, zu bemerken, daß die franzöſiſche durch das Volk ge⸗ gen den Adel und die Geiſtlichkeit entſtand, deren Privilegien die Regierung aufrecht halten wollte, während ſich in Belgien die Völker gegen die Regierung bewaffneten, die einen Theil der Pri⸗ vilegien des Adels und der Prieſterſchaft zu zerſtören trachtete, und daß in beiden Ländern das Loſungswort: Freiheit! war. Alton(Graf von), Generallieutenant im öſterreichiſchen Dienſte, zeichnete ſich zuerſt im Türkenkriege aus. Er hatte dem Buchdrucker Joubert verſprochen, Denkſchriften zur Rechtferti⸗ gung ſeines verſtorbenen Bruders, des Grafen Richard d' Alton, herauszugeben. Dies verurſachte am 20. März 1792 ſeine und des Buchdruckers Verhaftung. Im folgenden Monat wurde er bei der Armee der Niederlande gegen die Franzoſen, als Befehlshaber ei⸗ ner Diviſion, angeſtellt. Er war bei der Belagerung von Valen⸗ ciennes, und ſtand dort unter dem General Ferrari. Hierauf kom⸗ mandirte er die öſterreichiſchen Truppen, welche, gemeinſchaftlich mit dem Herzoge von York, zur Belagerung Dünkirchens beſtimmt waren. Den 24. Auguſt 1793 erfolgte bei dieſer Stadt eine blutige Schlacht, in welcher der Graf d'Alton getödtet wurde*). Alvensleben(Philipp Karl, Graf von), geb. zu Hannover, am 12. December/1745, Sohn eines Geheimenraths im Kriegsdepartement. Seinen erſten wiſſenſchaftlichen Unterricht erhielt er in Magdeburg zugleich mit Friedrich Wilhelm II., nach⸗ ———„. * 8, ) Er ſoll, als ein wohlgeſinnter und tapferer Feldherr, allgemei⸗ nes Bedauern erhalten haben. G. 176 Alvensleben. Alvinzy. 8 maligem Könige von Preußen. Alsdann ſtudirte er zu Halle die Rechte. Hierauf wurde er zum Referendär beim Rechnungshofe in Berlin ernannt. Er war nach einander bei mehreren Höfen Eu⸗ ropa's als Geſandter angeſtellt. Als er ſich während den 1770er Jahren in dieſer Eigenſchaft in Sachſen befand, beſorgte er den Lauf der Geſchäfte zwiſchen dem Hofe von Baiern und dem von Berlin, ſo wie zwiſchen den Armeen Friedrichs und des Prinzen Heinrich. 1787 erhielt er eine Sendung an den König von Frank⸗ reich, und in den beiden folgenden Jahren war er Geſandter in Holland und England. 1790 wurde ihm das preußiſche Miniſte⸗ rium der äußeren Angelegenheiten übertragen. Alveusleben beſaß Klugheit, Tiefe, eine bewundernswürdige Thätigkeit, und alle Eigenſchaften, die einen Staatsmann auszeichnen. Seine Aufklä⸗ rung, Wohlthätigkeit und Menſchenfreundlichkeit erwarben ihm als Privatmann die Liebe ſeiner Mitbürger. Er gründete mehrere nützliche Anſtalten, und ſtarb, allgemein bedauert, den 21. Octo⸗ ber 1802. Er gab 1792 in Berlin heraus: Verſuch einer chronologiſchen Tabelle über die Kriegsbegeben⸗ heiten ſeit dem Münſterſchen bis zum Hubertsbur⸗ ger Frieden. Alvensleben hatte den rothen und ſchwarzen Ad⸗ lerorden. Albvinzy(Baron von), geb. 1726 in Siebenbürgen, öſter⸗ reichiſcher General, Inhaber eines Infanterie⸗Regiments, Groß⸗ kreuz des Thereſtenordens. Er zeichnete ſich in dem ſiebenjährigen Kriege als Grenadierhauptmann aus. 1789 kommandirte er eine Diviſion bei Laudons Armee gegen die Türken. Im nämlichen Jahr erſchien er vor Lüttich, und forderte dieſen Platz auf, ſich dem Kaiſer zu unterwerfen. 1792 und 93 diente er gegen Frank⸗ reich in den Niederlanden. Den 25. Juli begab er ſich nach Leuze⸗ wo ſich die Truppen, welche Dumourier gefolgt waren, verſam⸗ melt hatten, und fragte ſolche: ob ſie ſich dazu verſtän⸗ den, Ludwig XVIII.*) auf den Thron zu ſetzen. Auf ihre Bejahung ließ er ſie dem Kaiſer den Eid der Treue leiſten. Am 17. April 1794 erhielt er einige Vortheile über die Franzoſen bei Nouvion und Caſtillon, an der Sambre, wo er auch ſeine Er⸗ nennung zum Großkreuz des Thereſienordens empfing. Im Juni deſſelben Jahrs vertheidigte er Holland, an der Spitze des öſterr. *) Soll wohl heißen Ludwig XVII., da bei Dumourier's Ueber⸗ gang mit einigen Regimentern der Dauphin noch am Leben war⸗ 2* Alvinzy. Alxinger. 477 Armee⸗Corps unter dem Befehl des Prinzen von Koburg, und über⸗ nahm im April 1795 das Kommando der Armee am Rhein. Den 26. März 1796 wurde er Kommandant von Gallicien, und darauf Mitglied des Hoffriegsraths. Nach dieſem erhielt er den Oberbe⸗ fehl der Armee in Italien, ging am 13. October über die Piave, hatte von neuem einige Vortheile gegen die Franzoſen bei Scalda Ferro, und begab ſich am 9. Januar nach Roveredo, nachdem er den Marquis von Provera nach Mantua detaſchirt hatte. Hier wechſelte das Glück. Seit dem 13. hatten Alvinzy's Angriffe wie⸗ der begonnen, jedoch mit zweifelhaftem Erfolg. Am 14. wurde er völlig geſchlagen, und die berühmten Schlachten bei Rivoli und Arcole vollendeten ſeine gänzliche Niederlage. Hier ſchloß ſich, nach 44 Dienſtiahren, ſeine militäriſche Laufbahn. Weil er nicht glücklich war, häufte man Beſchuldigungen auf ſein Talent und ſei⸗ nen Charakter. Aber er rechtfertigte ſich, und ſein Monarch, der ſelbſt von ihm Unterricht in der Taktik erhalten, und ihn mit beſon⸗ derem Wohlwollen beehrte, übertrug ihm 1798 die Generalkom⸗ mandantſchaft in Ungarn. Er ſtarb, geachtet und bedauert, den 27. November 1810, zu Ofen, an einem Anfall von Schlagfluß. Alkringer(Johann Baptiſt von), wurde, aus öſter⸗ reichiſchem Erbadel, den 24. Januar 1755, zu Wien geboren. Er ſtudirte unter Eckhel, dem Aufſeher des Wiener Münzkabinets. Dieſer berühmte Antiquar entwickelte den natürlichen Hang ſeines Eleven für die alte Literatur ſo, daß Alxinger ſein Gedächtniß mit dem größten Theil der Werke jener Dichter, die Zeitgenoſſen Pin⸗ dars und Horazens waren, erfüllte. Dennoch genügte ein einziges Fach ſeinem Geiſte nicht. Er ſtudirte mit faſt gleichem Eifer die Philoſophie und Rechtswiſſenſchaft, ward Doctor der letztern und nahm den Titel eines Hofadvokaten an. Er ſtrebte nach keiner ein⸗ träglichen Profeſſur. Erbe eines bedeutenden Vermögens wandte er ſeine Geſetzkenntniß zur Verſöhnung minder hartnäckiger Parteien an, und weihte ſeine Talente der Vertheidigung ſolcher Perſonen, welchen der Mangel an Einkommen die Hoffnung, Recht zu erhal⸗ ten, entzogen hätte. 1777 war Alxinger Redacteur der öſterrei⸗ chiſchen Zeitſchrift, und in der Folge gab er im Wiener Mu⸗ ſenalmanach und in der literariſchen Monatsſchrift einige poetiſche Verſuche*). Dieſe Gedichte erſchienen in einer *) Später lieferte er auch Beiträge zu dem, eine blühende Periode unſerer Poeſte bezeichnenden, Voſſiſchen Muſenalmanach⸗ G. Reue Biograph. I. 12² 178 Alringer. Aly Bey. Alyon. Sammlung zu Leipzig 1784 zum Beſten der Wiener Armenanſtalt, und gründeten ſeinen literariſchen Ruf, welchen bald das Ritter⸗ gedicht Doolin von Mainz(Wien 1787) ſicherte. Durch dieſe Wahl eines nationellen Stoffs betrat er Wieland's Bahn. Dieſem widmete er ſeinen Doolin, und gab in der Folge zu Leipzig den Bliomberis, ein Gedicht in der nämlichen Gattung, heraus*). Seine Ueberſetzung des Numa Pompilius, von Florian, erſchien zu Wien in zwei Theilen; nach dieſem(1794) eine Samm⸗ lung vermiſchter Gedichte, worin man viele triviale Bil⸗ der und Nachläßigkeiten fand. Man erkannte hier nicht den reinen Styl und die Empfindungen jener von 1784. Seitdem beſchäftigte ſich Alxinger nur mit der Herausgabe einiger Journale, aber in einer Manier, die ſowohl ſeinen Patriotismus, als den Umfang ſeiner Kenntniſſe, darlegte. Immer leidenſchaftlich für die Lite⸗ ratur eingenommen, ermuthigte er alle, die ſich ihr widmeten. Haſchka**) ſtand in ſeinen Augen auf der erſten Stufe. Er ver⸗ band ſich enge mit ihm, und nachdem dieſer lange ſein Gaſt war, ſtellte er ihm eines Tages 10,000 Gulden zu. Sein Benehmen ge⸗ gen ſeine Freunde und ſeine Uneigennützigkeit müſſen einigen Tadel, dem er ausgeſetzt war, vergeſſen machen. Ein kleiner Hang zu Ausſchweifungen und etwas Eitelkeit können ſolchen ſchätzbaren Eigenſchaften nicht die Waage halten. Zuletzt war er Sekretär und Aufſeher des Hoftheaters, und ſtarb am 1. Mai 1797. Aly Bey(S. Badia Y Leblich.)— Alyon(Peter Philipp), geb. in Auvergne 1758, war Vorleſer des Herzogs von Orleans, und nahm Theil an der Erzie⸗ hung ſeiner Söhne. Im J. 1783 legte er der mediciniſchen Ge⸗ *) Nicht blos Fleiß, ſondern auch wahres poetiſches Talent, iſt, meines Erachtens, in dieſen zwei romantiſchen Epopeen zu erken⸗ nen, und Eſchenburg nennt mit Recht den Doolin einen ſehr ſchätzbaren Verſuch. Wenn Alringen die farbige Dichtung Wieland's nicht erreicht,(welches auch ſehr ſchwer iſt,) ſo fehlt es ihm doch nicht an phantaſtereichen, lebhaften, kräftigen und rührenden Darſtellungen. Er war auch Mitarbeiter im äſthe⸗ tiſchen Fach an der geſchätzten jenaiſchen Lit. Zeitung, und zeich⸗ nete ſich überhaupt unter den Männern ſeines Landes aus, deren Geiſter durch das von dem unvergeßlichen Joſeph II. verbreitete Licht geweckt wurden. G. **) Im Original aus Verſehen Haſelka genannt; ein Wiener Dichter, deſſen Oden nicht ſelten ſchwülſtig, aber auch nicht ohne Schwung und erhebende Bilder und Gedanken, ſind. G. Alyon. Amalia. 179 ſellſchaft eine Abhandlung über die Verwahrungsmittel gegen das veneriſche Gift vor. Er beharrte nicht auf ſeinem Verlangen, eine Krankheit, der ſchon ſo viele geopfert wurden, wo möglich zu ver⸗ tilgen. Die ſyſtematiſchen Zweifel eines Freundes brachten ihn davon ab. Dieſer ſeltſame Moraliſt fand die Fortpflanzung des Uebels als einen Zaum für die Unordnungen der zu wenig from⸗ men Jugend dienlich. Man hat von Alyon mehrere Schriften über chemiſche und mediciniſche Gegenſtände, vorzüglich ſeinen, in alle Sprachen Europa's überſetzten, Verſuch über die medi⸗ ciniſchen Eigenſchaften des Sauerſtoffs. Nach dem Tode des Herzogs von Orleans wurde er zu Nantes mehrere Monate gefänglich gehalten. Nach ſeiner Befreiung dirigirte er die Phar⸗ macie⸗Anſtalt von Val⸗de⸗Grace und hierauf die des Hoſpitals de la Garde. Jetzt iſt er Mitglied des Pharmacie⸗ Collegiums und der mediciniſchen Geſellſchaft zu Paris, ſo wie mehrerer gelehrten Societäten. Amalia, Herzogin von Sachſen⸗Weimar, aus dem Stamme der Guelfen, wurde in Italien geboren, und vermählte ſich 1756 mit dem Herzoge Ernſt Konſtantin von Sachſen⸗Weimar. Zwei Jahre darauf war ſie ſchon Wittwe, und befand ſich im Alter von 19 Jahren an der Spitze der Regierungsgeſchäfte. Trotz ihrer Ju⸗ gend und den Uebeln des ſiebenjährigen Kriegs regierte ſie mit ſo vieler Ordnung, Sanftmuth und Klugheit, daß ſie Verluſte, die in jener unglücklichen Zeit unvermeidlich waren, wieder erſetzte, und es gelang ihr ſelbſt, die Staatskaſſe zu füllen, ohne das Volk zu belaſten. Vorzüglich erkannte man im J. 1772 die Weisheit ihrer Verwaltung; denn ſie wußte aus ihren Landern den Mangel in entfernen, der einen großen Theil von Deutſchland drückte. Sobald ihr Sohn volljährig war, übergab ſie ihm die Herrſchaft, welche ſie ſo achtungswerth geführt. Die Prinzeſſin Amalia hat noch andere Anſprüche auf Unſterblichkeit. Sie beſchränkte ſich nicht auf die Sorgen der Gegenwart; ſie wollte dem öffentlichen Glück dauerhafte Mittel bereiten. Sie begünſtigte die Verbreitung lichtvoller Kenntniſſe und die Fortſchritte der usbildung, ſo weit ſich ihr Einfluß erſtreckte. Sie errichtete, veyollkömmnete oder beſchützte zahlreiche literariſche Anſtalten und alle Unternehmun⸗ gen der Induſtrie. Sie nahm Gelehrte und ausgezeichnete Schrift⸗ ſteller auf. Die Herder, Göthe, Böttiger, Schiller, und andere berühmte Männer, Deutſche und Ausländer/ waren das Vergnü⸗ gen ihres Ruheſitzes, nachdem ſie ihren Hof verſchönt hatten. Man ſah dort auch Monnier, deſſen Verdienſt ſich ſelbſt in der 180 Amalia. Amand. Amanthon. Nationalverſammlung ſo bemerklich machte. Wielanden vertraute die Herzogin die Erziehung ihres Sohns an. Im J. 1788 reiſte ſie über die Alpen; der Verfaſſer Werther's begleitete ſie. Der Hang, den ſie immer für die ſchönen Künſte hatte, wurde in Ita⸗ lien zur wahren Leidenſchaft. Nach ihrer Rückkunft in Deutſch⸗ land gab ſie ſich, mit eben ſo viel Edelmuth, als Urtheilskraft, mehr als jemals Mühe, diejenigen, welche ſie übten, zu ermuthi⸗ gen oder zu unterſtützen. Ihr Tod wurde allgemein beklagt. Man hat die Zeit deſſelben in Frankreich oder den Niederlanden verſchie⸗ dentlich angegeben. Ohne Zweifel wird er irriger Weiſe in das Jahr 1808 oder ſelbſt 1809 geſetzt, weil er eine Wirkung des Kum⸗ mers war, den die Begebenheiten am Schluſſe d. J. 1806 dieſer Fürſtin verurſachten*). Amand(Franz), geb. zu Bourg, Departement vom Ain (Burgund), den 4. September 1774, Soldat im 102. Linieninfan⸗ terie⸗Regiment, gab oft Proben von Muth, beſonders aber in der Schlacht bei Zürich, wo er ſich durch ein ſeltenes Beiſpiel von Un⸗ erſchrockenheit auszeichnete. Dort ſtürzt er allein in die Mitte ei⸗ nes feindlichen Bataillons, entreißt eine Fahne, und tödtet drei Mann, die ſie vertheidigen wollten. Bald darauf von vier ſeiner Kameraden unterſtützt, macht er 14 Offiziere und 163 Soldaten die Waffen niederlegen, und bringt nach geendigter Schlacht ſelbſt dem General Maſſena die eroberte Fahne. Drei Jahre nachher erwahnte der Verwaltungsrath ſeines Regiments in einem dem Ge⸗ neralinſpektor Legrand abgeſtatteten Bericht ſein treffliches Beneh⸗ men. Er ward den 25. Prairial 11. zum Mitgliede der Ehrenle⸗ gion ernannt, und ſtarb zu Alexandria(in Piemont), bedauert von ſeinen Führern und Kameraden, welche die militäriſchen Tu⸗ genden und den glänzenden Muth dieſes Mannes zu ſchätzen wußten. Amanthon(Clande Nikolaus), geb. zu Villers⸗les⸗ Ports, den 20. Januar 1760, vor der Revolution Advokat zu Di⸗ jon, war, nachdem er einige Maireſtellen bekleidet, 1813 Präfek⸗ turrath des dortigen Departements. Gegenwärtig iſt er Correſpon⸗ dent der Dijoner Societät für Wiſſenſchaften, Künſte und Acker⸗ bau. Außer der Apotheoſe des Rameau hat man von ihm biographiſche, antiquariſche ꝛc. Schriften, in das M. agasin encyclopédique eingerückte Aufſätze, und eine Rede, die er bei Gelegenheit der Vermählung Napoleons mit Marie Louiſe ſprache *) Die edle Herzogin ſtarb wenige Monate nach dem 14. Oktober 1806. G. Amar. 181 Amar(R.), ehemaliger Parlamentsadvokat zu Grenoble und Schatzkammerrath von Frankreich, wurde 1792 vom Iſerede⸗ partement zum Deputirten hei der Nat. Convention ernannt. Er zeigte ſich als einen heftigen Anhänger der Revolution, und begann damit, die Machinationen der Ariſtokratie vom Nie⸗ derrhein(Unterelſaß) anzuklagen. Dann ſprach er ſich gegen Lanjuinais aus, der behauptete, die Nat. Convention wäre nicht competent, Ludwig XVI. zu richten. Er ſelbſt ſtimmte nach einan⸗ der gegen die Appellation an das Volk, für die Todesſtrafe, die Hinrichtung in 24 Stunden, und gegen den Aufſchub. Bald dar⸗ auf ſchlug er eine Addreſſe an die Departemente über das Betra⸗ gen der Verſammlung in dieſer Sache vor, denuncirte einen dem Konſtitutionsplan gegebenen und von Condorcet abgeleſenen Zuſatz, und unterſtützte den Antrag des Robert Lindet über die Organiſa⸗ tion des Revolutionsgerichts. Behauptend, daß die Republik auf der Seite des Montblanc, wo Kellermann kommandirte, verrathen wäre, klagte er dieſen General auf der Rednerbühne an, und be⸗ gehrte ein Urtheil über ihn. Im März 1793 erhielt er eine Sen⸗ dung in das Aindepartement. Sein patriotiſcher Eifer blieb nicht in den Schranken der Mäßigung, wie man aus den Reclamationen urtheilen kann, welche die dortigen Bewohner wegen der, von ihm befohlenen, häufigen Einkerkerungen an den Convent erließen. Unter den ungerechteſten dieſer Verhaftungen bemerkte man die ei⸗ ner Dame, welche beſchuldigt war, mit ihrem ausgewanderten Sohn in Briefwechſel zu ſtehen, obſchon ſie niemals Kinder hatte. Nach ſeiner Rückkunft in den Convent begehrte Amar die Sendung von Kommiſſarien in das Departement der Lozoͤre(Languedoc), um die dortigen Unruhen zu ſtillen, und bewirkte das Anklagdekret gegen Buzot. Nach dem Austritt Petion's und Laniuinais's ver⸗ langte er, daß die Deputirten, welche ſich ſeit dem 31. Mai von den Sitzungen zurückgezogen, in einem Nationalgebäude einge⸗ ſchloſſen werden ſollten. So verurſachte er mehrere Anklagen und Verhaftungen. Den 8. Auguſt ward er zum Sekretär ernannt, votirte die Einthürmung der Ariſtokraten und Verdächtigen bis zum allgemeinen Frieden, und bekräftigte die gegen Lestery⸗Beauvais,⸗ als Mitſchuldigen der Lyoner, geſchehenen Ausſagen. Am 14. Sept. trat er in den Sicherheits⸗Ausſchuß, und veranlaßte, als Bericht⸗ erſtatter, viele revolutionäre Maasregeln. Den 3. October berich⸗ tete er über die Briſſot'ſche Faction, wornach 73 Deputirte in Verhaft erklärt und 46 in Anklageſtand geſetzt wurden. Dieſer wilde und argwöhniſche Mann hörte nicht auf, die Girondiſten zu 4182. Amar, verfolgen; er ſchonte ſelbſt ſeine Partei nicht, und machte einen Bericht gegen Chabot, Bazire und Fabre d'Eglantine, um zu be⸗ weiſen, daß dieſe Deputirten, mit Delaunay von Angers und Jul⸗ lien von Toulouſe ſich auf Koſten der Republik bereichern gewollt, und daß die Verfügungen des Dekrets, welches das Intereſſe der Nation bei der indiſchen Compagnie ordnete, von ihnen verfälſcht worden ſey. Dieſe Handlungsweiſe erwarb ihm gefährliche Feinde. Hebert denuncirte ihn bei den Cordeliers als einen Adelichen, als einen Verſchwörer und verſteckten Ariſtokraten, der die Freunde der Freiheit verderben wollte, indem er ſie gegen einander aufhetze. Weit entfernt, unter der Laſt dieſer Beſchuldigungen zu erliegen, klagte er ſelbſt Hébert und ſeine Genoſſen an, welche auch ohne Säumen Bazire, Chabot und Fabre d' Eglantine auf das Schaffott folgten. Am 4. April 1794 wurde er Präſident der Nat. Conven⸗ tion, und machte in dieſer Eigenſchaft dem Kanonier Gechter ein Geſchenk; auch verkündigte er, auf ein Geſuch der Einwohner von Franciade(St. Denis), die Anſprüche J. J. Rouſſeau's auf Unſterblichkeit und die Ehre des Pantheons. Den 8. Thermidor (25. Juli) vereinte er ſich mit den Deputirten, welche, wie er, das Vorhaben Robespierre’s fürchteten, wagte es, ſich gegen deſſen Beſchuldigungen zu erheben, und forderte ihn auf, ſie gengau darzulegen. Auf dieſe Art trug er zum Erfolg des 9. bei. Demungeachtet wurde er am 11. Fructidor(28. Auguſt) von Le⸗ cointre aus Verſailles als Mitſchuldiger des nämlichen Robespierre angeklagt; aber es gelang ihm, ein Dekret zu erhalten, welches ſein Betragen mit dem Nationalwunſch übereinſtim⸗ mend erklärte. Als Collot d'Herbois, Billaud Varennes und Barrère, Mitglieder des ehemaligen Heilsausſchuſſes, am 12. Germinal 3.(1. April 1795) zur Deportation verurtheilt waren, übernahm Amar ihre Vertheidigung. Seine Ergebenheit zog ihn mit in ihr Verderben. Er wurde verhaftet und nach dem Schloſſe Ham(in der Picardie) geführt. Man entdeckte damals einen Brief⸗ in welchem er dem Revolutions⸗Ausſchuß vorwarf, daß es nicht den Betrag des Vermögens derienigen Perſonen, die er verhaften ließ, angebe. Nach einigen Monaten ward er wieder in Freiheit geſetzt. Das Amneſtiegeſetz vom 4. Brumaire 4. zerbrach ſeine Feſſeln. Er lebte, von Geſchäften entfernt und in der Verborgen⸗ heit, zu Paris, als das Direktorium ihn, als Mitſchuldigen der Verſchwörung Drouet'’s und Baboenf's, wollte verhaften laſſen. Hier dankte er ſeine Rettung einer Waſchflickerin, die er aus Er⸗ kenntlichkeit heirathete. Es war ihr gelungen, ihn eine Zeitlang Amar. Amar Durivier. 183 allen Nachforſchungen zu entziehen; aber endlich wurde er in einem Hauſe neben demjenigen, worin er einſt ſelbſt ſeinen Kollegen Ra⸗ baud von St. Etienne arretirt hatte, verhaftet. Als man ihn vor den hohen Nationalgerichtshof von Vendôme brachte, gab er eine Apologie ſeines politiſchen Betragens und der revolutionären Re⸗ gierung, und ſchrie über Ungerechtigkeit. Man fand ihn nicht frei von Schuld und Grauſamkeit; aber kein geſetzlicher Beweis erhob ſich gegen ihn. Er ward in das Gefängniß zurückgeführt, und vor das Tribunal des Seine⸗Departements verwieſen, damit das Geſetz vom 22. Floreal, welches mehrere Ex⸗Conventsglieder aus Paris exilirte, auf ihn angewendet würde.— Amar war von Natur düſter und geordnet. Unter Vonaparte's Regierung 1815 wollte dieſer Mann, zufrieden mit der Dunkelheit, in der er ſeit einiger Zeit lebte, weder eine Stelle annehmen, noch einen Eid leiſten. Folglich befand er ſich nicht in der Kategorie der am 12. Januar 1816 Proſcribirten. Er ſtarb plötzlich zu Paris, etliche 60 Jahre alt, und war im Wohlſtaude.. Amar Durivier(Johann Auguſtin), einer der Auf⸗ ſeher der Mazariniſchen Bibliothek, und penſionirter Profeſſor der großen Univerſität Frankreichs, wurde zu Paris 1765 geboren. Er trat aus dem Stifte Noôtre⸗Dame in das Kollegium Montai⸗ gu, wo er, vermittelſt einer Geldbörſe, die er als einen auf der Univerſität erlangten Preis empfangen, zugelaſſen wurde. Hier vollendete er ſeine Studien unter geſchickten Meiſtern, welche da⸗ mals dieſe berühmte Anſtalt leiteten. Aus Reigung widmete er ſich dem öffentlichen Unterricht, und war Profeſſor in der Congre⸗ gation der Väter von der Doctrina christiana bis zum Ende d. J. 4791. Mehrere Privaterziehungen füllten nun ſeine Zeit bis zur Epoche, da ein Großmeiſter der Univerſttät erwählt wurde, der ihn von neuem auf die Bahn des öffentlichen Unterrichts führte. . Obſchon durch ſeinen Charakter, und ſelbſt durch die Natur ſeiner Veſchäftigungen von den politiſchen Unruhen entfernt, zahlte er ihnen nichts deſtoweniger ſeinen Antheil an dem Tribut, welchen die Zeitumſtände allen Klaſſen der Franzoſen nach der Reihe auf⸗ legte. Er war Lehrer zu Lyon während der Belagerung dieſer Stadt, theilte Gefahren und Unglück, und entging dem Todes⸗ ſpruch nur durch die kraftvolle Ergebenheit eines Mitgliedes der Commiſſion ſelbſt, die ihn verurtheilt hatte. Einige Zeit nachher übernahm Amar wieder ſeinen Unterricht zu Lyon, den er bis zum Ende d. J. 1802 fortſetzte. Jetzt rief ihn der Miniſter des Innern in die Hauptſtadt, und 1803 ward er zum Aufſeher der Mazarini⸗ 184 Amar Durivier. Ambérieut. Ambert, ſchen Bibliothek ernannt, welchen Poſten er ſeitdem fortwährend mit Auszeichnung bekleidete. Unter ſeinen Schriften beſinden ſich einige über Rhetorik, eine Ueberſetzung ausgewählter engliſcher Fabeln von Gay, Moore, Wilkes, u. a., Ausgaben der Ueberſe⸗ tzung des Terenz, von Lemonier, der Lukaniſchen Pharſalien, von Marmontel, der Jerſten Theile des Ovid, der Werke des J. J.- Rouſſeau, mit Noten, und einem Verſuch über das Leben dieſes Dichters ꝛc. Seit 15 Jahren gäͤb er literariſche Artikel im Mo⸗ niteur, die eine geſunde Kritik und lobenswerthe Unparteilichkeit zeigen. Trotz dieſer guten Eigenſchaften konnte ſich ſeine Zeitſchrift: Quinzaine littéraire, nicht über ein Jahr halten. Auch zu der allgemeinen Biographie(Biogr. universelle) hat er viele Artikel, unter andern die von Homer und Heſiod ge⸗ liefert, welche man unter die beſten dieſer großen Sammlung, die der Parteigeiſt entehrt, zählen kann.— Ambérieux(Dujas von), ehemaliger Herr des Fleckens dieſes Namens bei Lyon, wo er auch geboren iſt, brachte die ſtür⸗ miſche Zeit d. J. 1793, in ſeiner Heimat zu, geliebt von ſeinen Mitbürgern, die von ihm häufige Wohlthaten empfingen. Er be⸗ ſchäftigt ſich mit Literatur, und iſt Verfaſſer eines ſehr angeneh⸗ men Werkchens, betitelt: Affen. Im Auguſt 1815. präſidirte er das Wahlkollegium des Departements von Ain, und hielt bei dieſer Geltgenheit eine Rede, die gedruckt wurde. Sein Sohn hat Romane geſchrieben, die Beifall erhielten, und war Mitarbeiter an der zu Lyon bei Bruyſet herausgekommenen Flora. Ambert(Johann Jakob), Generallieutenant der Armeen des Königs, wurde den 1. October 1766. zu St. Céré, Departe⸗ ment vom Lot, geboren. Im J. 1780. wohnte er, als Freiwilliger im Dienſt der Marine, auf dem Pluto, unter Albert von Rioms jenem Zuge bei, der durch die Eroberung der Inſeln St. Chriſtoph und Tabago merkwürdig iſt. Der Friede ward 1783 unterzeichnet. 1792 ernannte man ihn zum Chef des 2ten Bataillons vom Lot. Seine, noch neue, Schaar ward bei Rodenmachern(im Luxem⸗ burgiſchen) von den Preußen überfallen. Ambert, durch Krank⸗ heit im Bette gehalten, entreißt ſich demſelben, leitet ſeine Sol⸗ daten, und ſchlägt die Feinde. Sogleich belohnt in der Grad eines Brigadegenerals. Im Rovember 1793 wurde er Diviſions⸗General, unterſtützte mächtig den geſchickten General Hoche, und kommandirte unter deſſen Oberbefehl die ſämmtliche Infanterie der Armee in dem unglücklichen Treffen bei Kaiſerslautern. 1794 hielt er mit Ambert.— 185 4500 Mann den Stoß von 25,000 Preußen aus*) und vertrieb den Feind aus dem ganzen Zweibrücker Lande. Mit dem Oberbefehl der Blokade von Luxemburg beauftragt(1795) brachte er fünf Monate unter den Mauern dieſer Stadt zu, machte die Anſtrengungen der Garniſon unwirkſam, und bereitete die Uebergabe der Feſtung. Ein Theil der Sambre⸗ und Maasarmee löſte die von der Moſel ab. Letztexe ward, unter Ambert's Befehl, der Rheinarmee einverleibt. Er zeichnete ſich fortwährend bei mehreren Vorfällen, bei Mann⸗ heim,**) Heidelberg, Neckerau tc. aus, und als ihn ſeine geſchwächte Geſundheit nöthigte, in den Schoos ſeiner Familie zurückzukehren, bewies er einen mächtigen und ſeltenen Einfluß von Mäßigung und Weisheit auf ſein von Erſchütterungen bedrohtes Departement.— Nachdem er wieder den Frieden unter ſeine Mitbürger gebracht, eilte er von neuem unter die Fahnen, und ſtritt tapfer auf dem merkwürdigen Rückzuge von Waldkirch, in dem Gefecht bei Stei⸗ teteun***), bei Hüningen, vor Kehl, bis zum Frieden von Leoben. Während des Raſtadter Kongreſſes nahm er mit Sturm die Rhein⸗ ſchanze vor Mannheim, und ſandte die daſelbſt gemachten 800 Ge⸗ fangenen wieder zurück. Hierauf kommandirte er drei Jahre lang in Korſika, beſänftigte die blutigen Streithändel, wovon dieſe In⸗ ſel der Schauplatz war, und ließ nach ſeiner Abrufung im J. 1801 ein ſolches Andenken unter den Korſen, daß ſie ihn lebhaft zurück⸗ verlangten; aber der General war nach Italien gegangen. Als er, nach den dortigen Feldzügen, ſich im J. 1802 in Paris befand, zog er die Blicke einer argwöhniſchen Behörde auf ſich. Mit Mißtrauen ſah man den Freund Moreau's und Pichegru's. Er wurde nach der Inſel Guadeloupe als Truppenkommandant, mit der Anwart⸗ ſchaft auf das Gouvernement, geſendet. Das hieß einen unvermö⸗ *) Die Rede iſt hier wohl von dem zweiten Vorfall bei Kaiſerslau⸗ tern, im Mai 1794. Ein Angriff der Oeſterreicher in der Ge⸗ gend von Speier war verunglückt. Durch den Sieg der Preu⸗ ßen im Weſtrich wurde die Sache wieder hergeſtellt. In Bezug auf Ambert ſagt der preußiſche Bericht, daß die Bewegungen der(an Zahl geringeren) Franzoſen ſehr gut, und von einem ach militäriſchen Kopfe, geleitet worden ſeyen. G. **½ε) Wahrſcheinlich der falſch geſchriebene Name eines Orts, bei wel⸗ chem auf dem berühmten Moreauiſchen Rückzuge ein Treffen vorſtel. G. ***) Die pfalzbairiſchen Truppen vertheidigten ſehr brav dieſe Ver⸗ ſchanzungen, bis ſie der großen Mehrzahl ihrer Gegner nicht län⸗ ger widerſtehen konnten.— G. 186 Ambert. genden Friedensſtifter mitten unter die wüthendſten Parteien ſtellen. Er fühlte es, und zog ſich gleich nach ſeiner Ankunft anf das Land zurück. Da er den dortigen Angelegenheiten keine nützliche Rich⸗ tung geben konnte, verweigerte er, Theil daran zu nehmen. So verſtrichen vier Jahre, als— ſonderbar genng— ein Abſetzungs⸗ Dekret vom 23. Auguſt 1808 ihm eine Gewalt nahm, von der er nie Gebrauch gemacht, und ihn als Staatsverbrecher bezeichnete. Er will die Inſel verlaſſen; man ſchlägt es ab. Er verlangt, ru⸗ hig in ſeiner Einſamkeit zu bleiben; man ſchlägt es ab. Endlich begehrt er, daß ſein Betragen unterſucht werde, und das(1812) von einem Reichsmarſchall präſidirte Gericht erklärt ihn für un⸗ ſchuldig, und läßt über dieſe Sache einen eben ſo feierlichen, als für den General ehrenvollen, Spruch ergehen. Iezt tritt er wie⸗ der in Thätigkeit; ein Dekret vom 17. April 1812 ernennt ihn zum Befehlshaber der 11. Militär⸗Diviſion in Holland: er zieht ſich durch das aufrühriſche Friesland zurück, eilt nach Antwerpen, und feſſelt noch das Glück, welches die franzöſiſchen Adler verlaſſen will, durch verſchiedene kriegeriſche Operationen. Am 13. Januar 1844 widerſteht er bei Merxen mit 3000 Franzoſen 12000 Mann von der engliſchen Armee und einem Corps von 5000 Preußen: der General Graham befehligte die feindlichen Truppen, der Herzog von Clarence war zugegen. Zwei Stunden lang glauben ſich die Franzoſen ohne Rettung; dem General Ambert gelingt es, ſie frei zu machen, und er ſchlägt ſich fort bis in die Nacht, die ſeinen Rückzug begünſtigt. Einige Zeit darauf verwundet, ging er nach Frankreich zurück mit einer Truppen⸗Kolonne und einem Artille⸗ riepark, als wunderbar geretteten Trümmern. Im Jauuar 1815 wurde er zum Kommandanten der 9. Militär⸗Diviſion ernannt, und gab, um den ruhig triumphirenden Marſch Napoleons aufzu⸗ halten, Rathſchläge, die nicht befolgt wurden. In der Folge glaubte er, in der Gewalt der Dinge und in der Furcht vor einem Bürger⸗ kriege hinlängliche Beweggründe zur Rechtfertigung ſeiner Anhäng⸗ lichkeit an die kaiſerliche Regierung zu finden, und erfuhr die Ab⸗ ſetzung. Er hatte damals den Befehl über die Vertheidigungslinie des Kanals vom Oureq*), und kommandirte den linken Flügel der Loire⸗Armee zur Zeit ihrer Aufiöſung. Die Beziehungen mit den Anführern der Vendeer Truppen waren delikat und ſchwierig. Er wußte ſich in ſo mißlichen Umſtänden ziemlich geſchickt zu beneh⸗ men, ſo daß der Munizipalrath von Tours eine feierliche Dankſa⸗ gung an ihn ergehen ließ. *) Ein Fluß, der ſeine Mündung in der Marne hat. G. Ambly. Ambrogi. 187 Ambly(der Marquis von)) war einer jener unerſchrocke⸗ nen Männer, welche der Wildſtrom der Revolution und des Jahr⸗ hunderts nicht mit ſich fortriß, und welche, auf einem ſchon ver⸗ lornen Platze ſtehend, in Trümmer geſunkene Einrichtungen und beſiegte Vorurtheile Schritt vor Schritt vertheidigte. Er war Gou⸗ verneur von Rheims, Generallieutenant, und Ritter des rothen Bandes, als ihn der Adel von Champagne 1789 zum Deputirten bei den Generalſtänden erwählte, wo er ſich gleich anfangs durch den Eifer, mit dem er beſondere Berathſchlagungen jeder Klaſſe verlangte, hervorthat. Als die Verhandlung über das Jagdrecht Anlaß gab, ſo manche Feudal⸗Barbarei zu rügen, damit man ſie ſtürzen könne, begehrte der Marqnis, daß das Recht, Gewehr zu tragen, von einer gewiſſen Anzahl Güter abhangen ſolle. Einige Zeit darauf hörte man ihn die Ausſchließung jedes verläumderi⸗ ſchen Deputirten vorſchlagen. Mirabeau wies dieſen Antrag zurück, weil derſelbe, wie er ſagte, für die Verſammlung der Re⸗ präſentanten ehrenrührig ſey, und Ambly fand nichts, als ſeinen Degen, um der Beredtſamkeit des Volksſprechers zu ant⸗ worten. Sein übriges politiſches Betragen beruhte fortwährend auf den nämlichen Grundſätzen. Er vertheidigte den Grafen von Lautrec, ſeinen Freund, der über ſeinen Aufenthalt zu Toulouſe bei der Verſammlung angeklagt war, verlangte, daß die Armee auf den Fuß der ehemaligen Beförderung organifirt werde, und forderte zur Verfolgung der Urheber des 5. und 6. Octobers 1789 (ſ. die Tabelle) auf, welchen Rang und welche Gewalt ſie auch hätten. Als der König nach Varennes floh und die Erneuerung des Bürgereids dekretirt wurde, ſtieg Ambly auf die Tribune, und ſprach dieſe merkwürdigen Worte:„Ich bin ſehr alt; ich hatte be⸗ „gehrt, angeſtellt zu werden, und ſtand auf der Liſte der General⸗ „lieutenants. Aber die Jakobiner ſtrichen mich aus, und ſetzten „»Hrn. von Montesquien an meine Stelle. Ich bin ein Greis; mein „Vaterland iſt undankbar gegen mich: es liegt nichts daran! Ich ſchwöre ihm treu zu bleiben.“ Einige Tage darauf emigrirte der Marquis.— Ambrogi(Anton Maria), Jeſuit und Dichter, glänzte mehr als Improviſator, denn in ſeinen aufgeſchriebenen Poeſieen. Letztere ſchmeckten nach der Gewohnheit zu improviſiren. Man fand darin mehr Wohlklang, als Gedanken, einen langweiligen Ueber⸗ fluß, oft eine Fluth von Worten in einer von Ideen verlaſſenen Oede; aber Einbildungskraft, Anmuth, Leich⸗ 188 Ambrogi. Ambroſio. tigkeit. Er trug ſie in den Sitzungen der arkadiſchen Akademie*) vor, wo ſie immer eine Menge Zuhörer herbeizogen. Dieſer Am⸗ brogi war zu Florenz, den 13. Juni 1712, geboren, trat 1729 unter die Jeſuiten, ſtand 32 Jahre lang auf der Univerſität zu Rom als Lehrer der Beredſamkeit und Poeſie, bildete ausgezeich⸗ nete Eleven, wurde 1743 zum Aufſeher des Kircherianiſchen Mu⸗ ſeums**) ernannt, blieb nach Crlöſchung ſeines Ordens zu Rom, und ſtarb 1793. Er hat nur Ueberſetzungen hinterlaſſen, die aber alle geſchätzt werden, namentlich: der Gedichte des P. Noce⸗ ti, de Fride, de Aurora boreali;(man erkennt darin den Jeſuiten, der immer bemüht iſt, den Ruhm ſeines Ordens zu er⸗ heben;) der Geſchichte des Pelagianismus, von dem Abbé Patouillet; der ausgewählten Briefe Ciceross, und der Aeneis des Virgil. Letztere verdient Lob wegen ih⸗ rer Treue, Korrektheit und Harmonie; aber ſie iſt zu weitſchweifig und manchmal proſaiſch. Sie ſteht unter der edlen, zierlichen und kräftigen Uebertragung des Annibale Caro. Die erſte Ausgabe (Rom, 3 Thle) mit Kupfern, nach Gemälden im Muſeum des Va⸗ ticans, und mit einem gelehrten Kommentar verſehen, iſt die geſuch⸗ teſte. Dieſer Jeſuit glaubte ſeine Feder durch die Ueberſetzung mehrerer Tragödieen Voltaire's nicht zu entweihen. Man hat auch von ihm ein gutes didaktiſches Gedicht über die Pnzung der L tronenbäume. Ambroſio, neapolitaniſcher General, hatte das geſchäft ei⸗ nes Advokaten(paglietta) geübt. Hierauf war er in der ehema⸗ ligen Armee nur bis zum Grade eines Unterlieutenants(alfiere) gelangt, und befand ſich ſelbſt ohne Anſtellung, als die Franzoſen im Februar 1806 in das Königreich Neapel einrückten. Sechs *) Die Geſellſchaft der Arkadier wurde 1690 in Rom geſtiftet, und verbreitete ſich durch ganz Italien. Ihr Zweck iſt Beförde⸗ rung der ſchönen Litergtur, und vorzüglich der Poeſie. In der Form ahmt ſie das arkadiſche Idyllenleben nach, und ihre Mit⸗ glieder, Dichter und Dichterinnen, führen griechiſche Schäferna⸗ men. Das Wappen iſt die Syringe(Pansflöte), mit Fichten und Lorbeern umkränzt. Ehemals war der Ruf dieſer Akademie größer, als gegenwärtig. G. 2) Von Athanaſius Kircher⸗ einem Jeſuiten aus Fulda, der im 30 jährigen Kriege nach Nom ſtoh, geſtiftet. Dieſer war ein geſchätzter Philoſoph, Philolog, Kosmograph, Phyſtker, Mathe⸗ matiker ꝛc. und hat mehrere Schriften in dieſen Fächern hinter⸗ laſſen. G. Ambroſio. 189 Jahre nachher war er alle Grade der Armee durchgangen, und jetzt Generallieutenant. Ambroſio dankte vorzüglich ſeine Beförderung den günſtigen Glücksfällen, welche die faſt tägliche Vergrößerung der Cadres*) einer ſich neu bildenden Armee darbietet. Während dieſer kurzen Zeit diente er in Italien, Spanien und Calabrien. Er war Capitän und Aide⸗de⸗Camp des Grafen Matthien Dumas, Kriegsminiſter unter dem König Joſeph, und von dieſem als Ba⸗ taillonschef nach Spanien geſendet, wo er verwundet ward. 1809 ernannte ihn der König Joachim zum Oberſten des Regiments Royal⸗Samnite, daß er in kurzer Zeit mit dem größten Erfolg organiſirte. An der Spitze dieſes Regiments nahm er an der Un⸗ ternehmung auf Sicilien Theil, die der Diviſions⸗General Ca⸗ vaignac kommandirte. Nachdem er den größten Theil der Truppen wieder einſchiffen laſſen, wollte er ſelbſt folgen. Aber, obgleich er ſchon im Meere war, erreichte ihn dennoch die engliſche Kavalle⸗ rie und nahm ihn gefangen. Er wurde nach Malta geſchickt, all⸗ wo, wenn er auch nicht frei auf ſein Ehrenwort war, ihm doch der Gouverneur alle Art von Nachſicht bewilligte. Er benutzte ſie, um während eines Feſtes, welches der Gouverneur gab und bei dem er ſelbſt anfangs erſchien, zu entwiſchen. Als er ſein Vorha⸗ ben ausführen wollte, ſchlug er den mit ihm gefangenen franzöſi⸗ ſchen Offizieren vor, ſich ſeiner Mittel und Wege zu bedienen; aber ſie weigerten ſich deſſen. Sobald es der Gouverneur erfuhr, ſandte er ſie auf ihr Ehrenwort zurück, und bald darauf bewilligte die engliſche Regierung ihre definitive Auswechſelung:; doch verwei⸗ gerte ſie ſtandhaft die des Generals Ambroſio. Bei ſeiner Rück⸗ kunft(1841) wurde er zum Marechal⸗ de⸗Camp ernannt, und be⸗ fand ſich in dieſer Eigenſchaft im Feldzuge 1813 in Sachſen unter dem Armee⸗Corps des Generals Grafen Gérard. Als er im näm⸗ lichen Jahr nach Neapel zurückkam, ward er Generallientenant, und Aide⸗de⸗Camp des Königs. 1814 wurde dieſer General mit dem Prinzen Cariati und dem Herzoge von Campo Chiaro auf den Wie⸗ ner Congreß geſandt, um das Intereſſe des Königs Joachim zu vertheidigen. Sein Benehmen bei dieſer Sache zog ihm die ſchwer⸗ ſten Beſchuldigungen zu. Man klagte ihn, ohne Zweifel mit Un⸗ —*) Dieſer Ausdruck, welcher wohl auch: Stock der Regimenter, überſetzt wird, iſt allgemein im Deutſchen aus dem Franzöſiſchen angenommen. Er bezeichnet die Zahl der Offiziere und Unteroffi⸗ ziere, welche vorläuſig für neu zu errichtende Corps ernannt ſind. G. 190 Ambroſio. Ambrugeac. recht, an, daß er Vorſchläge, welche abzuweiſen ihm die Ehre zur Pflicht gemacht, günſtig aufgenommen habe. Als Joachim dem Kaiſer von Oeſterreich den Krieg erklärte, erhielt Ambroſio, den man wieder zurückrief, den Befehl über eine Diviſion, mit dem Auftrage, ſich bei Ravenna feſtzuſetzen und den Rückzug der Nea⸗ politaniſchen Armee zu decken. Obſchon Ambroſio ſcharf verwun⸗ det worden, ſo zogen ihm die Uebereilung, mit welcher er ſich in der Nacht zurückzog, und der Verluſt eines großen Theils ſeiner Diviſton, welche von den Oeſterreichern gefangen wurde, neue Vorwürfe zu. Die Gerechtigkeitsliebe, zu der wir uns bekennen, hindert uns, zu ſagen, ob dieſer General ſie verdient habe, oder nicht. Aber die Gunſt, welche er bei Ferdinand IV. genoß, der ihn zum General⸗Inſpektor der Infanterie ernannte, hat dieſen ungünſtigen Gerüchten keine geringe Nahrung gegeben. Indeſſen zählt ihn die gegenwärtige Revolution Neapels unter diejenigen, welche an ihr den thätigſten Antheil nehmen. Zur Belohnung die⸗ ſer neuen Dienſte wurde ihm der Befehl über das neue Schloß zugetheilt, und gegenwärtig iſt er Gouverneur von Neapel. Ambrugeac(der Graf Alexander Valon von), aus einer alten Familie in Auvergne, wurde 1770 geboren, und trat ſehr jung in Kriegsdienſte. Er ward 1789 als Dragonerhaupt⸗ mann in die Landſchaft Marche geſandt, um aufrühriſche Bewe⸗ gungen, die des Mangels halber entſtanden, zu unterdrücken. Er legte ziemliche Kraft in die Ausführung der Hofbefehle, ſo daß Ludwig XVI. ihm einen ſchmeichelhaften Brief ſchrieb, und die Autoritäten der Stadt Souterraine ihm eine Pyramide auf ei⸗ nem Platze errichteten, der Place Valon genannt wurde. Er ging wieder zu ſeiner Compagnie nach Valenciennes, emigrirte 1791, und nachdem er zu Koblenz unter dem Corps der Edelleute von Auvergne, gedient, ernannten ihn die franz. Prinzen zum Ma⸗ jor, und gaben ihm den Auftrag, ihr erſtes Regiment anzuwerben und zu bilden. Nach dem Feldzuge von 1792 war er Obriſt, und ſtand in der Folge, als die Royaliſten⸗Armee entlaſſen worden unter einem Corps im Dienſte Englands. Er fand ſich 1794 in Nieuport von dem linken Flügel der franzöſiſchen Truppen einge⸗ ſchloſſen, und rettete bei dieſer Gelegenheit 500 Emigranten, welche durch die republikaniſche Artillerie zerſchmettert worden wären. Dies waren die Reſte von 1100 Mann, die der engliſchen Flotte zuſegelten, und von dem in den Dünen verborgenen Geſchütz über⸗ raſcht und zum Theil zerſtört wurden. Nieuport ergab ſich; die Emigranten kamen um. Ambrugeac rettete ſich mit vier andern, Ambrugeac. 191 indem er deutſch ſprach und ſich für einen hannöverſchen Wagen⸗ knecht ausgab. Dennoch wurden die vier Flüchtlinge als Gefangene betrachtet. Sie täuſchten durch die Zuverſicht ihrer Reden und Ma⸗ nieren das Revolutionstribunal von Dünkirchen, wurden weiter vor das Tribunal von Ypern gebracht, und darauf als Kriegsgefangene nach Amiens geſandt. Einer von ihnen ward unter Wegs erkannt, und erſchoſſen. Ambrugeac entwiſchte, reiſte einen Monat darauf nach der Schweiz, kam 1795 wieder zu den Prinzen, ward 1797 zu London Ludwigsritter, und bald nachher, als er ſpaniſche Dienſte geſucht, verhaftete man ihn als einen der Bonrbon'ſchen Sache Un⸗ treuen. Er entſchuldigte ſich aber, daß, wenn er nicht un⸗ mittelbar ſeinem Souverain weiter dienen könne, er wenigſtens einem Fürſten vom nämlichen Geblüt dienen wolle. 1709 ging er nach Frankreich zurück, und 1803 wurde er zum Oberſten eines Regiments Ehrengarden*) ernannt. Kaum hatte Napoleon abgedankt, als Ambrugeac ſich zu Gunſten der alten Dynaſtie erklärte. Während der hundert Tage war er einer der thätigſten Chefs zur Wiederorganiſtrung der Vendée. Als er den Befehl erhalten, ſich der Landſchaft Maine und der angrenzenden Gegenden zu bemeiſtern, correſpondirte er mit allen Royaliſten⸗Chefs, nahm Lude(in Anjou) ein, beſetzte bald darauf Maine, und ließ den Repräſentanten Dubois verhaften, der ihn in der öffentlichen Verſammlung eines ſtrafbaren Anſchlags gegen die National⸗Repräſentation beſchuldigte. S. M. ernannte 1815 Ambrugeac zum Kommandanten der 1. Brigade der königlichen Garde. Im folgenden September wurde et Mitglied der Kammer, welche man die unauffindbare(introuvable) nennt. Er ſaß *) Wahrſcheinlich von den Ehrengarden, die ſich, als Napoleon in dieſen Jahren reiſte, zu ſeinem Empfang in Städten und auf dem Lande bildeten, und zum Theil glänzend equipirt und berit⸗ ten waren. Sie ſandten auch, gleichwie die Departemental⸗Garden und Linientruppen, Deputationen zur Krönung des Kaiſers. Viel⸗ leicht iſt aber auch hier ein Druckfehler in der Zahl, und es ſoll heißen 1813. Dann ſind jene 4 Regimenter leichter Kavallerie darunter verſtanden, welche man meiſtens aus Söhnen reicher Familien errichtete, die, wenn ſie nicht freiwillig dazu traten, ge⸗ zwungen wurden, ohne ſich erſetzen laſſen zu dürfen. Napoleon ſchien ſich dadurch der Treue jener Familien verſichern zu wollen, und verfehlte ſeinen Zweck. Gegen Ende des Feldzugs von 1813 kommandirte General Sebaſtiani dieſe Ehrengarden, von de⸗ nen ein Theil ſich brav ſchlug. Nach dem Frieden wurden alle entlaſſen. G. 49u9 Ambrugeac. auf der rechten Seite, in der zweiten Section. Man bemerkte bei zwei Veranlaſſungen, mit welcher Wärme und nach welchen Grund⸗ ſätzen er die königlichen Vorrechte vergrößere, und ihnen nur die Mäßigung des Monarchen zur Grenze beſtimmen wollte. Dies ge⸗ ſchah in ſeinem Bericht über den Geſetz⸗Vorſchlag wegen der Re⸗ krutirung, und in der Verhandlung über das beſondere Budget des Kriegsminiſteriums. Im erſteren bekämpfte er die Beförderungs⸗ weiſe nach dem Dienſtalter, um dem königlichen Ernennungsrecht die willkührlichſte Ausdehnung zu laſſen, und bei der zweiten ſtellte er als letzten Grundſatz feſt, daß die Vereinigung der nothwendi⸗ gen Oekonomie mit der Würde des Throns unbeſchränkt auf der Weisheit des Monarchen beruhen müſſe. Ambrugeac(Ludwig, Graf von), Bruder des vori⸗ gen, emigrirte, wie dieſer, 1791, und diente lange gegen das re⸗ publikaniſche Frankreich. In den Jahren 1792, 93 und 94 kom⸗ mandirte er ein Corps brittiſcher Uhlanen*). 1800 kam er in ſein Vaterland zurück, nahm Dienſt als Bataillons⸗Chef, wohnte zwei Feldzügen unter dem Marſchall Victor bei, und befand ſich bei der Blokade von Cadix. Seine Beförderung wurde in der Folge durch ſeine Heirath mit Fräulein von Marboeuf begünſtigt, und Napoleon ließ den beiden Brüdern Ambrugeac Obriſtenbrevets in verſchiede⸗ nen Waffencorps ertheilen. Von dem Könige in dem Grade, den ihm der Kaiſer bewilligt hatte, beſtätigt, erhielt Ambrugeae den Befehl über das 10. Linien⸗Infanterieregiment. Als Deputirter des Departements von der Corréze(Limouſin) in den Jahren 1846/ 17 und 18 ſaß er in der Kammer beſtändig auf der rechten Seite. 1817 ſprach er zu Gunſten der den Emigranten und Royaliſten be⸗ willigten Penſionen, beſſerte einigemal an den Kriegs⸗Budgets und widerſetzte ſich am häufigſten den vorgeſchlagenen Einſchrän⸗ kungen. In der Sitzung d. J. 1819 ſtimmte er für die zwei Aus⸗ nahm⸗Geſetze und für das neue Wahlgeſetz. Am 7. Juni 1820, bei Gelegenheit der Unruhen, welche zu Paris, und beſonders in der Gegend des Deputirten⸗Palaſtes, in Bezug auf die Verhand⸗ lung über dieſes Geſetz, ſtatt hatten,(ſ. die Tabelle,) verſuchte Hr. v. Ambrugeae, die königliche Garde, und namentlich die Dra⸗ goner, gegen den Vorwurf, den ihnen ſelbſt die Verſammlung machte, zu rechtfertigen, daß ſie nämlich friedliche und waffenloſe Bürger niedergeſäbelt hätten. *) Ein von den Emigranten für engliſchen Sold angeworbenes Regi⸗ mment Lanzenreiter. G. Amedroz. Ameilh. 193 8 Amedroz(Jakob), zeichnete ſich in den unglücklichen Kriegen aus, deren Gang Frau von Pompadour in ihrem Kabi⸗ nettchen, und, nach Diderots Ausdruck mit Schönpfläſter⸗ chen, vorzeichnete. In der verlornen Schlacht bei Roßbach war ſein Regiment eins von denen, welche am längſten den ſiegreichen Preußen widerſtanden. Als er während der Belagerung der Stadt Kaſſel(in Heſſen) ſich daſelbſt als Königs⸗Lieutenant*) befand, widerſetzte er ſich allein der Unterzeichnung einer vorgeſchlagenen, ſchimpflichen Kapitulation, und beſtand darauf, daß man die äuſ⸗ ſern Feſtungswerke ausbeſſern ſolle. Auch jetzt, nach ſo vielen Kriegen und ſo vielen heroiſchen Handlungen, wird man dieſe zu einer Zeit, da Führer ohne Erfahrung, und Soldaten ohne Nach⸗ eifer von Niederlage zu Niederlage wandelten, geſchehene That merkwürdig finden. Amedroz war zu La Chaux de Fonds, in der ſchweizeriſchen Herrſchaft Neufchatel, 1719 geboren, wurde Obriſt⸗ lieutenant des Regiments Guaſtalla, nahm im ſiebenjährigen Kriege großen Antheil an allen militäriſchen Operationen, bekleidete aus⸗ gezeichnete Poſten, und wandte alle Geſchicklichkeit und allen Muth an, um Unternehmungen, die oft unklug und mißgünſtig waren, aufrecht zu erhalten. Er ſtarb zu Reufchatel, den 15. Februar 1812. Privattugenden vereinten ſich in ihm mit Talenten und Tapferkeit. Ameilh(Der Baron), Kommandant der Ehrenlegion und St. Ludwigs⸗Ritter. Er trat zuerſt als gemeiner Soldat un⸗ ter die Infanterie, ging alle militäriſchen Grade in dem Revolu⸗ tionskriege durch, und gelangte zu dem eines Obriſten. 1805 be⸗ fand er ſich im Generalſtabe der Armee im Hannöverſchen, unter Befehl des Marſchalls Bernadotte, jetzigem Könige von Schweden. Er zeichnete ſich in den verſchiedenen deutſchen und ruſſiſchen Feld⸗ zügen aus, und wurde den 21. Nov. 1812 beim Rückzuge von Moskau zum Brigadegeneral ernannt. 1814 war er im Innern, bei der erſten Invaſion der fremden Truppen, und bei Errichtung der proviſoriſchen Regierung, angeſtellt. Am 7. April ſandte er dieſer Regierung ſeinen Beitritt zur Abſetzung Rapoleons und zur Wiederherſtellung der Bourbons auf dem Throne. Im März 1815 begleitete er Nonſieur, Grafen von Artois, als dieſer ſich dem Marſche Napoleons widerſetzen wollte. Da aber der Prinz ſeinen ————— *) So nannte man damals vornehme Offiziere, die unmittelbar im Namen des Königs bei verſchiedenen Armeecorps ſtanden. G. Nene Biograph. I. 13 194 Ameilh. Weg nicht fortſetzte, erwartete Ameilh zu Lyon die Ankunft Na⸗ poleons, der ihn nach Auxerre ſandte, wo er auf Befehl des Kö⸗ nigs arretirt und in das Militärgefängniß der Abtei gebracht wurde. Man hielt ihn dort feſt bis zur Ankunft Napoleons, unter welchem er wieder Dienſte nahm. Im Juli des nämlichen Jahrs, als er bei Iſſoudun ein Corps Kavallerie befehligte, ſchrieb er an den König folgenden Brief:„Getroffen vom Unglücke Frankreichs, überzeugt, „daß es nur die Vereinigung aller Franzoſen enden kann, in der „Gewißheit, daß Ew. M. der Nation und der Armee jede Rück⸗ „wirkung und jede Verfolgung wegen politiſcher Handlungen und »Meinungen erſparen werden, wende ich mich ehrfurchtsvoll an „Sie mit der Verſicherung meiner Unterwerfung. Ich biete Ih⸗ „nen meine Dienſte für die Vertheidigung des Vaterlandes und „der Geſetze an. Sire, Ew. Majeſtät werden ſich bei den Inter⸗ yeſſen Frankreichs und des Throns erinnern, daß der Friede, wel⸗ ycher dem bürgerlichen Kriege während der Minderjährigkeit Lud⸗ „wigs XIV. ein Ziel ſetzte, alles Vergangene gänzlich vergeſſen „machte, und daß aus der Partei der Fronde*) Turenne, Condé „und andere Männer, welche die Regierung dieſes großen Königs „verherrlicht haben, hervorgingen. Ich lege zum Fuße des Thro⸗ „nes Ew. M. die Verſicherungen der ehrfurchtsvollſten Ergeben⸗ „heit.“ Dieſer Unterwerfungsakt wurde nicht angenommen, und der General Ameilh, der erfuhr, daß er, zufolge der Ordonnanz vom 24. Juli, vor ein Kriegsgericht geſtellt werden ſollte, hielt für gut, Frankreich zu verlaſſen. Er flüchtete ſich nach England, nachdem er vorher Plünderung erlitten. Von dort ging er nach dem Hannöverſchen, und hatte den Vorſatz, zu dem Könige von Schweden zu reiſen, bei dem er einen guten Empfang hoffte, weil er ſein Waffengefährte war. Aber auf dem Wege, ſich einzuſchif⸗ fen, ward er in Lüneburg verhaftet, und zu Hildesheim als Staats⸗ gefangener eingezogen. Durch die Furcht, entweder nach Frank⸗ reich ausgeliefert, das heißt, einem gewiſſen Tod übergeben zu werden, oder hier ewig gefangen zu ſeyn, unterlag ſeine Vernunft einem ſolchen Mißgeſchick. Er blieb ſeitdem in beſtändiger Gei⸗ ſteszerrüttung, in der ihm wenigſtens das Unglück ſeiner Auswan⸗ derung fremd iſt. Glückliche Täuſchungen hat der Wahnſinn, aber nicht die Verzweiflung! *) Dicjenige Faction, welche ſich während jener Minderjährig⸗ keit dem Hofe und dem Miniſter Cardinal Mazarin widerſetzte. . Ameilhon. 195 Ameilhon(Hubert Pascal), ein Mann von Gelehr⸗ ſamkeit und zugleich von Geſchmack, was zur Zeit eines Schop⸗ pius und Salmaſius ſich ſelten vereinte. Als Ameilhon, Dekan und Präſident des Nat. Inſtituts, im J. 1800 die jungen Künſt⸗ ler, welche den Preis erhalten, krönte, ſchilderte er mit beſonde⸗ rem Scharfſinn den Zuſtand der ſchönen Künſte im Alterthum, und erinnerte daran, daß ſie damals nicht blos Gegenſtände des Luxus und der Ergötzlichkeit, ſondern weſentliche und koſtbare Be⸗ ſtandtheile der öffentlichen Einrichtungen geweſen ſeyen. Indem er dieſe Wahrheit darlegte, zeigte der gelehrte Akademiker, es heiße nur die ſchönen Künſte verſchlingen und ſeine eigne Niedrig⸗ keit beweiſen, wenn eine Nation ſolche ihres edlen Einfluſſes auf die öffentliche Moral beraube, ſie dem Laſter oder der Gewalt Preis gebe, und, anſtatt durch ſte gleichſam ein Prieſterthum der Phantaſie und Intelligenz zu gründen, ſie zu Spielen der Leicht⸗ fertigkeit und zu Werkzeugen der Verdorbenheit herabwürdige. Dies war die fortwährende Tendenz der gelehrten Arbeiten Ameil⸗ hon’s. Er wurde den 5. April 1730 zu Paris geboren, und er⸗ langte frühzeitig einen Ruf durch ſeine Geſchichte des Han⸗ dels und der Schäffahrt der Aegyptier unter den Ptolemäern. Ein dunkler und ſchwieriger Stoff! Aber die Ar⸗ beit wurde durch den vollkommenſten Erfolg gekrönt. Nach dem Tode Lebeau's erhielt Ameilhon den Auftrag, die Geſchichte des Niederreichs(Bas-Empire) fortzuſetzen. Auch dies Werk trägt den Stempel eines ſcharfſinnigen und philoſophiſchen Gei⸗ ſtes; aber wie faſt bei allen Modernen, erſcheint hier die Geſchichte farbenlos, unbelebt, und mehr geſchickt analyſirt, als mit großen Zügen dargeſtellt*). Nachdem er von der Akademie der Inſchrif⸗ ten drei Preiſe erhalten, ward er in dieſelbe aufgenommen. Den übrigen Theil ſeines Lebens widmete er der Redaction von Jour⸗ nalen, namentlich des Verſailler, der Anordnung öffentlicher Bi⸗ bliotheken, und antiquariſchen Nachforſchungen. Ehemals beſchäf⸗ tigten ſich manche Gelehrte mit weitſchweiſigen Commentaren, um⸗ ſtändlichen Erläuterungen, öfter erzwungenen Etymologieen, lan⸗ gen und unfruchtbaren Unterſuchungen über den Sinn eines Worts, einer alten Gewohnheit, einen Brief, oder einen Accent. Ameil⸗ *) Wenn dies auch im Ganzen wahr iſt, ſo giebt es doch Ausnahmen unter den Neuern, nämlich die, ſo aus der ächten und reichen Quelle der Alten ſchöpften, wie unſere J. Müller, Poſſelt ꝛc⸗ In der Lebendigkeit der Gemälde glänzt Voltaire unter den Fran⸗ zoſen. G. 3 196 Ameilhon. Amelot. hon, der ſeine Forſchungen auf den Zuſtand der mechaniſchen Künſte bei den Alten richtete, folgte dem Hang eines Jahrhunderts, in welchem man das Rützliche zu ſehr achtet, um nicht den pomp⸗ haften Kram einer eiteln Gelehrſamkeit zu verſchmähen*). Er ſtarb zu Paris 18411. Amelot(R.), ehemaliger Miniſter des königlichen Hauſes, lebte im Ueberfluß und ſtarb im Gefängniſſe. Im Schloſſe Luxem⸗ bourg eingekedkert empfing er von einer jungen Frau(S. Tardieu⸗ Malaſſis) die rührendſten und heroiſchſten Beweiſe von Sorg⸗ falt, die aber ſein Daſeyn nur wenig verlängerten. Er ſtarb 1794 in ſeiner Haft. Dieſer Miniſter hat ſich über die willkührliche und grauſame Handlung, deren er ſich gegen den unglücklichen La⸗ tude ſchuldig machte, nicht durch die Erklärung gerechtfertigt, daß er nur den Befehlen einer Favorite, welche damals Frankreich re⸗ gierte, gehorcht habe. Latude, den die Revolution aus den Löchern der Baſtille befreite, verfolgte vor Gericht die Erben ſeines Fein⸗ des, und dieſe mußten den Schaden, welchen der Agent der Frau von Pompadour ſeinen Glücksumſtänden zugefügt, erſetzen. Amelot(R.), Sohn des vorigen, entging den Stürmen der Revolution trotz ſeines Namens und ſeiner Grundſätze. Als Inten⸗ daut von Bourgogne gab er über dieſe Provinz eine ſehr genaue und ſorgfältige Statiſtik heraus. 1790 war er Commiſſär beym auſſerordentlichen Kaſſendienſt, und bewirkte 1792 den Umlauf der neuen Aſſignaten. Die Gemeinde von Paris, die immer den Bege⸗ benheiten und der öffentlichen Meinung voraneilte, ließ bei ihm die Siegel anlegen, welche die geſetzgebende Verſammlung wieder löſte. Amelot leiſtete der Nat. Convention den Eid, ward Domä⸗ nen⸗Direktor, 1793 abgeſetzt, angeklagt, nach dem 9. Thermidor befreit, und 1798 nach Italien geſandt, um die Rechnungen aller franz. Verwalter dieſes Landes zu verificiren. Man beſchuldigte ihn, wie alle Agenten Scherer's, bei dem Direktorium der Erpreſ⸗ ſung. Doch wurden die Verfolgungen gegen ihn nicht fortgeſetzt, *) Dieſer Hang wäre lobenswerth, wenn das Rützliche mit dem Schönen und Neinwiſſenſchaftlichen immer im würdigen Bund ſtünde. Aber wie oft ſah man, und beſonders in unſerer Zeit, beide Parteien nachtheilig gegen einander und auf das Ganze wir⸗ ken! Das Mechaniſche auf einer, leere Spiele der Phantaſte und Kunſt auf der andern Seite; hier pedantiſche Gelahrtheit, dort einen anmaßenden Hausverſtand. Das Alterthum hatte andere Geſinnungen. Aber— das waren Griechen! ſagt Bo. * Amelot. Ames. Amey. 197 und hier ſchließt ſich ſein politiſches Leben. Er beſchäftigt ſich jezt auf ſeinem Landgute allein mit dem Feldbau. Amelot(R.), Verwandter des vorigen, ward von dem erſten Konſul zum Lotterie⸗Verwalter, und 1815 zum Diviſions⸗Chef in dieſer Adminiſtration ernannt. Man hat von ihm eine Schrift über die Vortheile der Steuereinnahme in Natura. Ames(Fiſher), einer der vorzüglichſten Redner der ver⸗ einten Staaten, ein eifriger Patriot und großer Staatsmann, wurde zu Dedham, einer kleinen Stadt von Maſſachuſſetsbay, geboren. Er ſtudirte zu Harvard die Rechtsgelehrſamkeit, ward als Advokat berühmt, kannte und achtete aber vor allem die Rechte des Men⸗ ſchen. Das freie Amerika betrachtet die Kenntniß des Gerechten und Ungerechten als die Grundlage der nützlichſten von allen Kennt⸗ niſſen. Fiſher Ames wurde im Anfang der Revolution ſeines Va⸗ terlandes als erſter Repräſentant ſeines Diſtrikts zur Geſetzgebung berufen, wobei er acht Jahre lang ein ausgezeichnetes redneriſches Talent bewies, in allen wichtigen Verhandlungen Licht gab, und ſeinen Namen mit allen großen Fragen jener Zeit verband. Obſchon durch die häufigen Anſtrengungen krank und ſchwach, nahm er doch lebhaften Antheil an dem letzten mit England geſchloſſenen Tractat. So hinreiſſend war die Beredſamkeit dieſes Mannes, die einfach, ohne Schwulſt und Verzierung, aber voll und kräftig, aus dem Innern der Seele drang, daß, als er am 23. April 1796 ſeine Rede geendigt, ein Mitglied, deſſen Meinung der ſeinigen entgegen⸗ ſtand, ſich erhob, und ſprach:„Meine Herren, es iſt mir unmög⸗ „lich, jezt meine Stimme zu geben, in einem Augenblick, worin „die Verſammlung und ich ſelbſt noch von dem unwiderſtehlichen »Einfluſſe dieſes Redners gefeſſelt ſind.“ Ames ſtarb den 4. Juli 1808.— Amey(der Baron), Generallieutenant, Ludwigsritter und Kommandant der Ehrenlegion, begann den Waffendienſt in einem Bataillon Freiwilliger, wo ſein gutes Betragen, ſein Muth und ſeine Talente ihn ſchnell beförderten. Schon 1792 befand er ſich als General⸗Adiutant im Kriege gegen die Vendée*). 1793 wurde er Brigadegeneral und ſtand im folgenden Jahr bei der Al⸗ penarmee. Nach mehreren Feldzügen erhielt er verſchiedene Mi *) Soll wohl heißen 1793 Denn damals fing jener Krieg eigent⸗ lich an, da 1792 nur unter den Landleuten einige Unruhen wegen der Religion entſtanden waren, die bald wieder unterdrückt wurden. 3 6. 198 Ames. Amfrye. Am herſt. litärkommandos im Innern, und befand ſich am 18. Brumaire 8, in St. Cloud. 1801 zog er mit dem General Leclerec zur Unterneh⸗ mung auf St. Domingo. Nach ſeiner Rückkehr war er bei der Austheilung der Kreuze an die Ehrenlegionäre zugegen, und hielt Bei dieſem Anlaß eine Rede. Er zeichnete ſich in Spanien, und namentlich 1809 bei der Belagerung Girona's, aus, ging 1812 zur großen Armee, und gab im ruſſiſchen Feldzuge, unter dem Mar⸗ ſchall Gouvion St. Cyr, fortwährende Proben einer lobenswerthen Tapferkeit. Am 18. und 19. October nahm er Theil an den Gefech⸗ ten bei Polotsk, ſo daß in den Berichten ſeiner ehrenvoll gedacht wurde. Nach dem unglücklichen Rückzuge vom 18. und 19. Novem⸗ ber, auf welchem er viel zur Rettung eines Theils der Armee bei⸗ trug, ward er Diviſionsgeneral. Den 8. Juli 1814 ernannte ihn der König zum Ludwigsritter und Kommandanten der Ehrenlegion; darauf erhielt er als Generallientenant das Kommando von Bour⸗ ges, in der 21. Militär⸗Diviſſon, unter dem Narſchall Herzog von Tarent(Macdonald). Bei der Rückkunft Napoleons 1818 ent⸗ ſagte er nicht dem Dienſt, und im Juni des nämlichen Jahrs ſandte er dem Könige ſeine Unterwerfung. Amfrye(R.), Chemiker, gelangte durch eine beſondere, mit Arcet gemeinſchaftlich entdeckte Verfahrungsweiſe, dahin, Kohlen⸗ ſäure, Schwer⸗ und Strontian⸗Erde*) zu erhalten. Dieſe Ma⸗ terie, die unter allen Agenten der Auflöſung einer der mächtigſten iſt, verſprach der Wiſſenſchaft und den Manufakturen Vervollkomm⸗ nungen, wie ſie noch ineht der Erwartung der Gelehrten entſpra⸗ chen. Amfrye war an der Münze von Paris angeſtellt, und iſt bis jezt nur durch dieſe Entdeckung bekannt. Amherſt(Jeffery, Lord von Holmsdale und von Montréal), einer der engliſchen Feldherren, welche ſich Canada's bemächtigten, in deſſen Beſitz Frankreich ſeit zweihundert Jahren geweſen, und das bis dahin, trotz der häufigen Verſuche und der ungeheuern Unternehmungen der Engländer, franzöſiſch geblieben war. Nur die Ergebenheit der Wilden für die Franzoſen hatte ih⸗ nen dieſe Niederlaſſung erhalten, die faſt jedes Jahr durch Hunger und Brand verwüſtet wurde, und welche die Beſitzer ohne Hülfe, ohne Thätigkeit und ohne Induſtrie ließen. Endlich glückte(1759) die von Amherſt, Wolf und Pridcane befehligte Unternehmung.— Amherſt, oder vielmehr Jeffery,(denn dies war ſein Name, ehe *) Der Name kommt von Strontian, in Schottland, wo ſie zu⸗ erſt entdeckt wurde. G. Amherſt. Amici. 499 ihm ſein Verdienſt einen Titel erwarb,) wurde 1741 Adjutant des Generals Ligonier, und wohnte in dieſer Eigenſchaft den Schlach⸗ ten bei Dettingen, Rocoux und Fontenoi bei. In der Schlacht bei 5 Laffeld war er Adiutant des Prinzen von Cumberland. Hierauf ging er(1748) nach Amerika, nahm Lonisbourg und das Cap Bré⸗ ton ein, und folgte dem General Abercromby im Oberbefehl der Armee in Nordamerika. Bald darauf wurde der Plan zur Erobe⸗ rung Canada's entworfen. Amherſt'’s Armee, eine der drei zum Hauptangriff beſtimmten, dringt durch Albany und Ticonderago, bemächtigt ſich Crown⸗Points, bleibt 3 Monate im Winterquar⸗ tier, marſchirt im Frühlinge 1760 am Lorenzofluß hinauf, belagert Montréal, und Amherſt empfängt die Schlüſſel der Stadt aus den Händen des Gouverneurs, Hrn. von Vaudreuil's. Bald ſind alle Plätze Canada's in der Gewalt der Engländer. Als der General 1763 nach England zurückkam, ward er Gouverneur von Guerneſey, Baron von Amherſt, Kommandant der Armee, und endlich Gene⸗ ral⸗Lieutenant aller Armeen, eine Würde, mit welcher das Zeichen des goldenen Stabes verbunden iſt*). 1787 zum Pair erwählt verließ er das Kommando der Armee, übernahm es wieder 1793, und wurde 1795 durch den Herzog von York erſetzt. Der entlaſſen geweſene Amherſt erhielt aber 1796 den Grad eines Feldmarſchalls, und ſtarb den 3. Auguſt 1797 auf ſeinem Schloſſe in Kent, 80 Jahre alt. Amherſt(Lord). Der Name dieſes Geſandten iſt nur durch ſeine Miſſion in China bekannt. Als der Lord bis zum Mittelpunkte dieſes undurchdringlichen Reichs gelangt war, verweigerte er, ſich einigen chineſiſchen Ceremonien zu unterwerfen, und wurde auf eine für ihn eben ſo beleidigende, als dem Intereſſe des brittiſchen Handels ſchädliche Art aus dem Lande gewieſen. Dieſe Reiſe hat jedoch über die Lage China's einiges neue Licht gegeben. In der Erzählung des Kapitäns Elie erkennt man die Willkühr der Regierung, die Beſchränktheit der Mandarinen, die Unwiſſen⸗ heit des Volks, und den rohen Zuſtand der Sittlichkeit. Amici(R.), phyſikaliſcher Machiniſt, war noch ſehr jung, als er eine Art von Metall zuſammenſetzte, das eben ſo hart und eben ſo wenig ſchmelzbar iſt, als die zu aſtronomiſchen und phyſi⸗ kaliſchen Inſtrumenten beſtimmten engliſchen Compoſitionen. Er bediente ſich deſſen zur Verfertigung merkwürdiger Spiegel, und *) So wie die Marſchälle von Frankreich den mit Lilien beſetzten Stab führen. G. 200 Amici. Amiet. Amiot. zweier Fernroͤhre, die man noch nicht ſo groß in Italien geſehen. Er legte 1811 den Aſtronomen des Mailänder Obſervatoriums eins derſelben vor, welches 17 Schuhe focus auf 14 Zoll Oeffnung hatte. Dieſes Telesgop hat der Wiſſenſchaft mehrere nützliche Reſultate gegeben. Amici war Profeſſor der Mathematik am Lyceum zu Panaro. Amiet, Plünderer der Poſtwägen, erwarb ſich durch Kühn⸗ heit und Räuberei eine verhaßte Celebrität. Er hatte eine Bande organiſirt, welche lange das Departement vom Ain(in Burgund) verheerte; aber endlich fiel ein Theil derſelben, mit ihrem Anfüh⸗ rer, in die Hände der Juſtiz. Dieſe Räuber wurden im October 1800 von dem Departements⸗Tribunal zum Tode verurtheilt und nach dem Richtplatze geführt. Sie fingen an, das Schaffot zu be⸗ ſteigen; aber mit einmal entwiſchten ſie den Bewachenden, über⸗ ſprangen, was ſie hemmte, warfen alles über den Haufen, drangen durch mehrere Ausgänge, ſchlugen ſich dann wie Verzweifelte mit der Gensdarmerie, und fielen, entweder von ihrer eigenen Hand, oder unter den Bajonetten. Nur den Amiet und einen gewiſſen Hyvert gelang es, lebend zu fangen, die man ſofort dem Henker überlieferte.. Amiot(der Pater), ein gelehrter Jeſuit, Miſſionär in China, wurde zu Toulon 1718 geboren. Er begab ſich nach Macao im J. 1750. Der Kaiſer von China hörte von ſeinen ausgebrei⸗ teten Kenntniſſen, vorzüglich in der Phyſik und Mathematik, und berief ihn in ſeine Hauptſtadt. Amiot arbeitete Verſchiedenes für dieſen Fürſten, der ſein Verdienſt zu ſchätzen wußte, und ihm mit ſeiner vollkommenſten Achtung lohnte. Der eif ige Miſſionär hatte bald genug chineſiſch gelernt, um eine Brüderſchaft junger Chriſten zu leiten. Er ſäumte nicht, ſich in dieſer Sprache zu befeſtigen⸗ und lernte auch das Tartariſche. Von dieſen Mitteln unterſtützt er⸗ holte er ſich Raths in allen, ſowohl älteren als neueren, Werken⸗ welche von Geſchichte, Sitten, Wiſſenſchaften, Künſte, Literatur, und von allem, was China betrift, handeln. Ein ſcharfſinniger Geiſt, ein glückliches Gedächtniß, und ein für Studium und Nach⸗ forſchung ſtandhafter Eifer ließen ihn eine Menge eben ſo gelehr⸗ ter, als nützlicher, Schriften hervorbringen. Wir führen nur an: 1) Die franzöſiſche Ueberſetzung, mit geographiſchen und hiſtori⸗ ſchen Bemerkungen, eines chineſiſchen Gedichts, betitelt: Lob der Stadt Moukden, vom Kajſer Khian Laung. Ueber dieſes Werk hat Voltaire an den Kaiſer von China die bekannte witzreiche Epi⸗ ſtel gerichtet. 2) Die militäriſche Kunſt der Chineſen. Amiot. Amman. Ammon. 2041 3) Briefe über die chineſiſche Buchſtabenſchrift. 4). Ueber chineſiſche Muſik. 5) Leben des Confucius, mit Figuren nach chineſiſchen Zeichnungen. 6) Tartar⸗Mant⸗ ſchu⸗Franzöſiſches Wörterbuch. 7) Eine, Gramma⸗ tik über dieſe Sprache. 8) MePere Briefe, Bemer⸗ kungen, Menoiren ꝛc. Das Hauptwerk dieſes Autors iſt un⸗ ſtreitig: 9) Das Alterthum der Chineſen, durch Denk⸗ mäler bewieſen. Es widerlegt ſiegreich den Verſuch eines an⸗ dern Miſſionärs, des P. Cibot, über dieſen Gegenſtand. Letzterer hatte die fabelhafte Geſchichte der ſieben Kaiſer, die vor Yaoregierten, behandelt, und dieſen Fürſten für den Stifter und erſten Geſetzgeber des chineſiſchen Reichs angenommen. 10) Die Ueberſetzung einer Abhandlung über Muſik, von Ly⸗Koang⸗Ty; das beſte Werk der Chineſen über dieſen Gegen⸗ ſtand. Bougainville, Sekretär der Akademie der Inſchriften und ſchönen Literatur, legte dieſe Ueberſetzung in der königl. Bibliothek nieder, wo man ſie noch einſehen kann.— Der gelehrte P. Amiot, dem Europa die genaueſten Erläuterungen über China während der 2ten Hälfte des 18. Jahrhunderts verdankt, ſtarb zu Peking 1794 im 77. Jahre. Er hatte 44 Jahre in dieſem Lande gelebt, das ſowohl der Forſchungen des Gelehrten, als der Betrachtungen des Philoſophen, würdig iſt.— Die meiſten der obengedachten Arbei⸗ ten Amiot's finden ſich in den Mémoires concernans l'’histoire, les Sciences et les arts des Chinois.„ Amman(Ignaz Ambroſius), ein deutſcher Geograph, hat ſich durch die geographiſche Beſchreibung des öſtlichen Schwa⸗ bens und der angränzenden Länder berühmt gemacht. Die Karten ſind von Abel in Stuttgard geſtochen. Amman wurde den 7. De⸗ cember 1753 zu Mühlheim an der Donau geboren. Aus den Dien⸗ ſten des Grafen von Schenk trat er in die des Fürſtbiſchofs von Augsburg, ward Hofrath und Aufſeher über die Vermeſſung des Landes, hierauf königlich baieriſcher Directionsrath, und privati⸗ ſirte alsdann in Ulm mit einer Penſion. Er iſt nicht mit dem Na⸗ turforſcher Ammann von Schaffhauſen, der daſelbſt, 85 Jahre alt, 1811 ſtarb, zu verwechſeln. Ammon(Chriſtoph Friedrich), ein berühmter baieri⸗ ſcher Theolog und Gegner der Kantiſchen Lehre, wurde zu Bai⸗ reuth, den 16. Februar 1765, geboren. 1790 ward er außeror⸗ dentlicher Profeſſor der Philoſophie, 1792 Profeſſor der Theologie und zweiter Prediger zu Erlangen, 1794 ordentlicher Profeſſor der 202 Ammon. Amoretti. Theologie und Prediger zu Göttingen, und daſelbſt 4803 Konſiſto⸗ rialrath. Im folgenden Jahre berief man ihn wieder nach Erlan⸗ gen als Direktor des homiletiſchen Seminariums. Verſchiedene theologiſche Abhandlungen und Reden haben ihn ſowohl als wiſ⸗ ſenſchaftlichen Kopf, dar als Anhänger der Orthodonie, bekannt gemacht. Von ſeinen Schriften bemerken wir: Die Geſchichte der homiletiſchen Theologie, den Aten Theil des neuen griech. Teſta⸗ ments mit Kopp's Commentar, das Rürnberger theol. Journal, die griechiſche Ueberſetzung der 5 Bücher Moſes, nach dem Meß⸗ buch der Bibliothek von St. Marcus, und mehrere Aufſätze gegen das Kantiſche Syſtem. Eine umfaſſende Gelehrſamkeit, eine feſte oder ſcharfſinnige Kritik, ſind die Waffen, deren ſich dieſer prote⸗ ſtantiſche Theolog gegen den ſeltſamen*) Rieſen der deutſchen Me⸗ taphyſik bediente. Aber dieſe Waffen ſind ſchwach gegen den Mann, der die Geheimniſſe des menſchlichen Denkens ſo tief erforſchte. Ammon konnte ihm nicht immer in den Wendungen und Dunkel⸗ heiten ſeines ideologiſchen Skepticismus folgen. Ueberall, wo Kant ſich fragt: Warum?— Wie?— Zu welchem Zweck? glaubt jener Gelehrte ihm durch bibliſche Citationen antworten zu können. Auf dieſe Weiſe mußte man den kühnen Neuerer, welcher der Vernunft, den Sinnen, allem Glauben, und aller Realität den Prozeß macht, bekämpfen.**) Man kann übrigens bei die⸗ ſem mißlichen Streit die Autorität des Seribenten in Zweifel zie⸗ hen, der in der Regensburger Ze itſchrift ernſtlich zu be⸗ weiſen trachtete, daß die Muſik des Himmels herrlich, lieblich, melodieenreich und Puu kräftiger Harmo⸗ nie ſey, und daß die Chöre der Engel den italieni⸗ ſchen Fugen gleichen müſſen. Amoretti(der Abt Karl), ein berühmter italieniſcher Mineralog, wurde im Mailändiſchen, um 1743 geboren. Er iſt Mitaufſeher der ambroſianiſchen Bibliothek zu Mailand, und be⸗ kannt durch ſeine Reiſe von Mailand nach den drei Seen,(dem von Como, Lugano und dem Lago Maggiore). Die⸗ ſes Werk enthält eine genaue und merkwürdige Beſchreibung aller mineraliſchen Subſtanzen, die ſich an den von dem Autor erforſch⸗ *) Ich mußte den Ausdruck des Driafnals: Bizarre, die edlere Bedeutung geben, wenn er mit dem, was gleich darauf geſagt iſt, im Einklag ſtehen ſoll. G. **) Ich überlaſſe den kritiſchen Philoſophen, dieſe gewaltſame Be⸗ hauptung zu widerlegen. G. — — Amoretti. Amoreuxr. Amoros. 203 ten Stellen finden. Nebſt mehreren anderen Schriften hat man von ihm Bemerkungen über das Leben des Leonardo da Vinci, worin viele beſondere Züge dieſes großen Malers ent⸗ halten ſiod. Der Diplomat Abt Fumagalli, der 1804 ſtarb, ver⸗ machte Amoretti ſeine kenntnißreichen Bemerkungen, welche letzte⸗ rer zu ſeiner Ausgabe das Codice diplomatico Sanct-Ambro- siano benutzte, mit Beifügung einer Lobrede auf Fumagalli. Als ſch 1805 Napoleon als König von Italien krönen ließ, gab Amo⸗ retti den Wegweiſer für Fremde in Nailand und den Umgegenden heraus. Für dieſe alle Merkwürdigkeiten umfaſ⸗ ſende, treffliche Beſchreibung erhielt der Verfaſſer den Orden der eiſernen Krone, und wurde Mitglied des Inſtituts für Wiſſenſchaf⸗ ten, Literatur und Kunſt vom Königreich Italien. Auch trat er in den Bergrath. Zudem iſt er Mitglied mehrerer Akademieen Italiens, der zu Genf ꝛc. Man verdankt ihm noch eine Ausgabe der erſten Reiſe um die Welt, von Pigafetta, mit Noten und Erläuterungen. Auch hat er eine Reiſe von Ferrer Mal⸗ donad nach dem ſtillen Occean herausgegeben.— Ohne ehrgeiziges Streben lebt Amoretti im mittleren, aber guten Wohl⸗ ſtande. Sein Glück iſt die öffentliche Achtung, deren er ruhig ge⸗ nießt. 3 Amoreur(Peter Joſeph), geb. zu Beaucaire, im Gard⸗ departement, Mitglied und Bibliothekar der mediciniſchen Facul⸗ tät zu Montpellier, hat ſich durch mehrere Werke einen Ruf er⸗ worben, in welcher eine vorzügliche Gelehrſamkeit leider! nicht immer mit klarem Styl und wohlgeordneten Ideen verbunden iſt. Unter vielen naturhiſtoriſchen und mediciniſchen Schriften iſt die berühmteſte disſes Autors ſeine Notiz über die für giftig gehaltenen Inſekten Frankreichs, wohhn der Merkur und andere Journale mit Lob ſprachen. Sonft ſchrieb er eine Ge⸗ ſchichte der Arzneikunde der Araber, eine Abhandlung über den Olivenbaum, eine biographiſche Notiz über Wilhelm Amo⸗ reur, ſeinen Vater ꝛc. ꝛc. Amoros(Don Francisco), geb. in Spanien, den 19. Fe⸗ bruar 1770, trat mit neun Jahren, als Sohn eines Militärs in Dienſt, und ſtudierte dieſes Fach. Mit 21 Jahren wohnte er als Unterlieutenant der Belagerung von Oran*), in Afrika, bei, wo *. 8 1½. NSins; in der afrikaniſchen Barbarei, auf der algieriſchen Grenze, iegende, jetzt den Spaniern gehörige, kleine Stadt und Feſtung. 204 Amoros. er zum Oberlieutenant befördert wurde. In den Feldzügen von 1792 und 93 zeichnete ſich Amoros bei mehreren Vorfällen aus, und erwarb ſich beſonders im Angriff auf die Verſchanzungen von Bel⸗ legarde den Beifall ſeines Chefs; denn er drang zuerſt in das Fort, und ordnete die Beſitznahme. Gleiches Lob verdiente er bei der Einnahme von Villefranche und bei dem unglücklichen Angriff auf Vernet. Mit Unerſchrockenheit hielt er den Rückzug der ſpaniſchen Armee in Ordnung. Bei Peirestortes verließ er zuletzt das Schlachtfeld, und griff die gegen das Fort St. Elmo gerichtete Breſch⸗Batterie an. Nachdem er das Lager der Franzoſen durch⸗ zogen und ſich mit 500 Mann von dem Heere dieſer Nation einge⸗ ſchloſſen fand, wollte er ſich nicht ergeben, und beſtimmte ſeine Soldaten, die ſie umringenden zahlreichen Kolonnen anzugrei⸗ fen. Durch ſein Beiſpiel angefeuert, ſtürzten ſie in die feind⸗ lichen Reihen; aber ſie erlagen faſt alle, und nur 37, unter wel⸗ chen Amoros war, gelang es, die Stadt Collioure zu gewinnen. Damals war er Generalmajor, und ſchloß die Kapitulation der Feſte St. Elmo mit dem General Despinois. Letzterer begehrte als erſte Bedingung, daß man ihm die Emigranten ausliefere. Amoros widerſetzte ſich förmlich. Der General, durch ſeine Weige⸗ rung aufgebracht, drohte, alle Spanier über die Klinge ſpringen zu laſſen. Amoros antwortete ihm, daß die Soldaten, welche dem Tode getrotzt, um ſich Bahn mitten durch das franz. Heer zu ſchaf⸗ fen, eher umkommen, als dieſen Artikel bewilligen würden. Jetzt begann Despinois den Sturm von neuem. Amoros beeiferte ſich, die Emigranten zu retten; er ſchiffte ſie unter dem mörderiſchen Feuer der Franzoſen ein; kurz darauf ward das Fort übergeben. Der Friede zu Baſel vom 22. Juli 1795 endigte den Krieg zwi⸗ ſchen Frankreich und Spanien, und Amoroſens 5 Thätigkeit nahm eine andere Rich ung. Er wurde berufen, um unter dem Befehl ſeines Oheims, des Generallieutenants Fons von Viela, Gouver⸗ neurs von Cadix und nachmaligen Vice⸗Königs von Navarra, zu dienen. Er erhielt bald(1796) eine Stelle bei dem Sekretariat des Kriegs⸗Miniſteriums. Hierauf war er mit mehreren außerordentli⸗ chen Sendungen beauftragt, und 1803 mit der Organiſation verſchie⸗ dener Anſtalten für Wohlthätigkeit und öffentlichen Nutzen. Amo⸗ ros legte den Grund zu einem Miniſterium des Innern, das noch nicht eriſtirte, und empfing zur Belohnung ſeines Wirkens eine außerordentliche Penſion von 4000 Franken. Er erhielt die Di⸗ rektion eines Militärinſtituts zu Madrid, um die öffentliche Erzie⸗ hung zu verbeſſern und die Peſtalozziſche Methode einzuführen. — Amoros. 2035 Auch wählte ihn 1787 Karl IV. zur Oberaufſicht bei der Erziehung des Iufanten Don Franz, und lohnte ſeiner Sorgfalt mit Bewei⸗ ſen hoher Achtung. In Folge der Revolution, welche den 19. März 1808 in Madrid entſtanden, ward Amoros auf Ferdinands Befehl verhaftet, jedoch auf die ſchriftliche Verwendung des Infanten Don Antonio wieder in Freihcit geſetzt. Um der Regierung ſeine Ergebenheit und ſeinen Gehorſam zu beweiſen, bot er Ferdinanden ſeine Dienſte an, und repräſentirte in der Folge den indiſchen Rath in der zu Bayonne gehaltenen Verſammlung der Cortes, wo er bei Napoleon Zutritt hatte. Als dieſe Verſammlung aufhörte, ſchloß ſich Amoros an das Intereſſe des Königs Joſeph an. Er ward mit mehreren wichtigen Sendungen beauftragt, und nachein⸗ ander zum Staatsrath, Generalintendanten der Polizei und könig⸗ lichen Kommiſſär in den Provinzen Guipuscoa, Alava und Bis⸗ caya ernannt. Er ſchlug die Engländer bei Bermeo und Leguey⸗ tio zurück, organiſirte die Milizen des Landes, erhielt die Ord⸗ nung, und verſchaffte der Regierung des neuen Königs Achtung. Die Hinderniſſe, welche er zu Burgos fand, nöthigten ihn, nach Madrid zurückzugehen, wo ihn der König Joſeph günſtig empfing, und ihn beim Staatsrath mit den Geſchäften des Innern beauf⸗ tragte, um welche Stelle er für die ihm widrige eines General⸗ intendanten der Polizei angeſucht hatte. Man erſah ihn jetzt, den Zuſtand aller öffentlichen Anſtalten zu unterſuchen und Verbeſſe⸗ rungsmittel vorzuſchlagen. Nach der Unternehmung auf Andalu⸗ ſien erhielt er das Amt eines Miniſter Staatsſecretärs der Polizei, und 1811 vertraute man ihm, als königlichen Kommiſſär der Ar⸗ mee von Portugal, das Gouvernement der Provinzen Toledo, Avila, Eſtremadura und la Mancha, wo er den Muth der von einem gänzlichen Mangel bedrohten Einwohner aufrecht hielt. Als ihn die Wiedereinſetzung des Königs Ferdinand nach Frankreich zu fliehen zwang, richtete er 1814 an dieſen Fürſten eine recht⸗ fertigende Denkſchrift, worin er begehrte, gerichtet zu ſeyn; aber ſein Geſuch ward nicht angenommen. 1815 glaubte er, als Ge⸗ flüchteter, ſeine Dienſte Napoleon anbieten und ihn ſeiner Erge⸗ benheit verſichern zu müſſen. In der Folge widmete er ſich dem öffentlichen Unterrichte, wurde Mitglied der Pariſer Societät für Elementar⸗Unterweiſung, und gab eine Denkſchrift über die Vor⸗ theile der Peſtalozziſchen Methode, und über die phyſiſche und gymnaſtiſche Erziehung, wie er ſie in Madrid eingeführt, heraus. Der Departementsrath von der Seine hat fortwährend ſeine gym⸗ naſtiſche Anſtalt beſchützt. Auch hat der Polizeiprüfekt eine ſolche 4 206 Amoros. Ampère. Amy. Amyot. Schule für die Sappeurs⸗Pompiers vorgeſchlagen. Der Kriegs⸗ miniſter organiſirt ſeit 1848 eine ähnliche für das Militär. Amo⸗ ros iſt gegenwärtig Director aller dieſer gymnaſtiſchen, Civil⸗ und Militäranſtalten. Nach den nämlichen Grundſätzen leitet er gratis die Erziehung der Eleven, welche arm oder Waiſen ſind. Die Achtung, deren er genießt, und der Erfolg ſeiner Einrichtungen rächen ihn genugſam gegen die Angriffe einer eiferſüchtigen Miß⸗ gunſt. Die Feinde jeder heilſamen Neuerung ſuchen vergebens das Monopol der Erziehung wieder an ſich zu reiſſen, um die ge⸗ genwärtige Generation mit den Erinnerungen und Hoffnungen der neuen franzöſiſchen Civiliſation in Widerſtreit zu ſetzen. Als Sol⸗ dat und Verwalter hat Amoros ſich um ſein Vaterland, als phi⸗ loſophiſch geſinnter Lehrer ſich um das Menſchengeſchlecht wohl ver⸗ dient gemacht. Ampeère(Andreas Naria), ein vorzüglicher Mathema⸗ tiker, geb. zu Lyon, den 22. Januar 1775, iſt Mitglied des In⸗ ſtituts, Profeſſor an der polytechniſchen Schule, und Mitglied des Conſultations⸗Büreaus für Künſte und Gewerbe. Außer eini⸗ gen mathematiſchen und chemiſchen Werken hat er ſich hauptſäch⸗ lich durch eine Abhandlung über das Spiel bekannt gemacht, de⸗ ren Zweck iſt, den Gefahren dieſer Leidenſchaft vorzubengen. Sie führt den Titel: Betrachtungen über die mathemati⸗ ſche Theorie des Spiels, Lyon, 1802.— Das Inſtitut hat, in ſeinem Bericht über die Fortſchritte der Wiſſenſchaften dieſem Werke das ſchönſte Lob ertheilt, mit den Worten:„Daß „es wohl fähig ſeyn könnte, die Spieler zu heilen, wenn ſie ein „wenig mehr Geometer wären.“ Amy(Ludwig Theodor Anton), wurde 1791 vom Departement Eure und Loire zum Deputirten bei der geſetzgeben⸗ den Verſammlung ernannt, ward nach dem 18. Brumaire Richter beim Tribunal erſter Inſtanz des Seine⸗Departements, und iſt gegenwärtig Präſident deſſelben. X Amyot, oder Amyon de Poligny, Gutsbeſitzer und Maire, wurde 1792 vom Jura⸗Departement zum Deputirten der Nat. Convention erwählt. Er ſtimmte für den Tod Ludwigs XVI. und gegen die Appellation und den Aufſchub. Als Mitunterzeich⸗ ner der Proteſtationen vom 6. und 9. Juni gegen die Begebenhei⸗ ten am 31. Mai wurde er, auf Amar's Bericht(ſ. deſſen Art.) mit 72 ſeiner Kollegen verhaftet. Der 9. Thermidor gab ihm die Frei⸗ heit wieder. Er trat von neuem in den Convent, dann in den Amyot. Ancelot. Ancillon. 207 Rath der Alten bis 1797. Seitdem erſchien er nicht mehr auf der politiſchen Bühne, und ſtarb in ſeiner Heimath. Ancelot(N.), geb. zu Havre um 1795, trat zuerſt mit ei⸗ nigen Vandevilles, aber ohne Erfolg, auf. Er hatte nicht das Ta⸗ lent, ein Epigramm zu ſchärfen, aber das, ſeinen Gedanken ein leichtes und glänzendes poetiſches Gewand zu geben. Seine Tra⸗ gödie Ludwig[X., die bei der Vorſtellung günſtig aufgenommen ward, iſt ein erſter Verſuch, der Hoffnungen erweckt. Man ſchreibt ihm auch einige komiſche Opern zu. Ancillon(Johann Peter Friedrich), ein berühmter Profeſſor, Prediger und Hiſtoriker, wurde zu Berlin, den 30. April 1766, geboren. Seine Ahnen waren berühmte Franzoſen, die man ihrer religiöſen Meinungen wegen verfolgte. Sein Ur⸗ großvater, David Ancillon, aus Metz, Sohn eines geſchickten Juriſten vom kalviniſchen Glaubensbekenntniß, hatte bei den Je⸗ ſuiten ſtudirt, welche, trotz ihrer argliſtigen Einflüſterungen, ihn nicht zur Annahme der katholiſchen Religion bewegen konnten. Aber der, für Frankreich ſo unſelige, Widerruf des Edikts von Nantes, zwang ihn, auszuwandern, und erſt nach Frankfurt und dann nach Berlin zu flüchten. Sein Sohn Karl Ancillon er⸗ langte zu Metz als Advokat einen großen Ruf, und wurde von den dortigen Reformirten an den Hof geſandt, um für ſie eine Aus⸗ nahme von jenem traurigen Widerrufe zu erbitten. Aber es ge⸗ lang ihm nicht, ungeachtet er treffliche Beweisgründe gab, daß die Verfolgung der Reformirten dem Intereſſe Frankreichs nachthei⸗ lig, und das Edikt von Nantes, nach den Grundſätzen des Rechts und der Politik, unwiderruflich ſey. Darum entſagte er ſeinem Vaterlande, und ging zu ſeinem Vater nach Berlin. Seine per⸗ ſönlichen Eigenſchaften, und der beredte Eifer, mit dem er ſeine un⸗ glücklichen Landsleute vertheidigt hatte, erwarben ihm bald eine große Achtung. Er wurde Aufſeher über alle Gerichte der nach Preußen entftohenen Franzoſen, und am Ende Geſandtſchaftsrath, königli⸗ cher Hiſtoriograph, und Vorſteher der franz. Schule zu Berlin, wo er 1715 ſtarb. Johann Peter Friedrich Ancillon, von dem der gegenwärtige Artikel handelt, zeigte ſchon frühe ſehr glückliche Anlagen*). Er legte den Grund zu ſeinem Glücke durch eine Nede, die er 1791 zu Rheinsberg, vor dem Prinzen Heinrich von Preußen, bei der Einſegnung eines Ehebündniſſes, —— *) Er war der Sohn des geiſtvollen Ludwig Friedrich Aneil⸗ lon, der die Studien ſeines Sohns leitete. G. 208 Aneillon. Anckwitz. . hielt. 1793 ſprach er ſich in mehreren Reden über die Va⸗ terlandsliebe aus. Im Anfange 1794 ließ er in die Berli⸗ ner Monatsſchrift das Bruchſtück einer Reiſe nach der Schweiz, und einen von Paris 1789 geſchriebenen Brief über den Zuſtand der franz. Literatur, über die Gelehr⸗ ten und Schauſpiele, einrücken. Seiſte Mélanges de Litterature et de Philosophie, 1801 erhielten die Ehre einer zweiten Ausgabe. Seinen vorzüglichſten Ruhm aber dankt er dem Werke: Tableau des RGvolutions du Système politique de l'Europe depnis la fin du 15me Siécle. Das franz. Nat. Inſtitut nangte ihn deswegen „den würdigen Erben Leibnitzens, der durch ſein Beiſpiel zeige, „daß der Zweck der wahren Philoſophie ſey, die Wahrheiten zu „vervielfältigen und nicht zu zerſtören; daß ſie ihre Hauptſtärke „durch die Verbindung der Gefühle mit den Grundſätzen erlange, „und nur unter erhabenen Seelen ihre Geweihten ſuche.“ Er ſelbſt gab eine Ueberſetzung dieſes durch Styl und Reflexion ausge⸗ zeichneten Werks unter dem Titel: Allgemeine Betrachtun⸗ gen über die Geſchichte ꝛc. 1806. Der König von Preußen, um den Verfaſſer zu belohnen, ernannte ihn zum Hofmeiſter des NKrronprinzen und ſeines Neffen. S. M. erhob ihn darauf zum 48 Staatsrath und verlieh ihm den Civilverdienſt⸗ und ſchwarzen Adlerorden. Unter ſo vielen Geſchäften verlor Ancillon nicht die Quelle ſeines Ruhms aus den Augen, und ſetzte die Beſchäfti⸗ gung mit der ſchönen Literatur fort. 1810 gab er die Lobrede auf den Akademiſten Merian, und im nämlichen Jahr ſprach er in der reformirten Hauptkirche die Trauerrede auf den Tod der Königin⸗ welche nicht die Gunſt erhielt, in Frankreich bekannt zu werden. 1814 begleitete Ancillon die beiden Prinzen, ſeine Eleven, nach Paris. Er verband ſich mit mehreren berühmten Männern dieſer Hauptſtadt, wo er Freunde und ein ehrenvolles Andenken hin⸗ terließ. Anckwitz(R.), Landbote*) der Woiwodſchaft Krakau, ver⸗ einte mit großen Laſtern merkwürdige Talente. Er war Spieler, ehrſüchtig, habgierig, ohne Aufführung, ohne Grundſätze, aber beredt, gewandt und geſchickt. Als Deputirter der Ritterſchaft bei dem Reichstage und außerordentlicher Geſandter der Republik am Däniſchen Hofe kam er 1792 nach Warſchau zurück, um der *) Oder Nuntius So hießen die von den Polniſchen Provinzen zu dem Landtage geſandten Deputirten. G. Anckwitz. Andermatt. Anderſon. 209 General⸗Conföderation von ſeiner Sendung Rechenſchaft zu geben. Am 23. Juli 1793 unterzeichnete er im Namen des Königs und der Republik den nach der zweiten Theilung Polens mit Rußland ge⸗ ſchloſſenen Allianz⸗Tructat. Er empfing darauf als Marſchall des permanenten Raths einen Gehalt von 30000 Gulden. Aber die allgemeine Stimme war gegen ihn. Am 18. April 1794 eilte das aufgebrachte Volk nach ſeinem Pallaſte. Man fand verdächtige Briefe. Er ward zum Tode verurtheilt und mit dem Strang hin⸗ gerichtet. Andermatt(RN.), General im Dienſte der helvetiſchen Re⸗ publik, hatte den Auftrag, die Schweizerkantone, welche 1802 ihre alten Verfaſſungen bewahren wollten, und der neuen Verwaltung, die man ihnen äͤufbürdete, ſich hartnäckig widerſetzten, zu unter⸗ werfen. Die beiden ſchwachen Kantone Glarus und Appenzell ſchlugen ſich ſo tapfer für ihre Unabhängigkeit, als es nur immer große Völker können, um ihr Uebergewicht und ihren Ruhm zu erhalten*). Bald war das helvetiſche Direktorium, von den Fort⸗ ſchritten der Inſurrection erſchreckt, genöthigt, ſeine Reſidenz an⸗ derswohin zu verlegen. Anderwatt ſchirmte ſeinen Abzug. Dieſer General focht lange mit abwechſelndem Erfolg gegen die Kantone. Zürich, der Mittelpunkt jener republikaniſchen Oppoſition, ward von ihm beſchoſſen. Dieſer Kanton vertheidigte ſich hartnäckig, wurde aber im September 1802 zum Kapituliren gezwungen. Andermatt erhielt andere entſcheidende Vortheile über die Inſurgenten. Bei Murten und Vuilliers geſchlagen, und aus der Stadt Freiburg ver⸗ drängt mußten ſie ihre gänzliche Niederlage großen Theils den Waffen dieſes Generals zuſchreiben. Zum Lohn ſeiner Dienſte er⸗ theilte ihm die Regierung den Senatortitel. 1809 deputirte ihn der Kanton Zürich zur Tagſatzung nach Freiburg, und 1816 war er einer der Kommiſſarien bei den zu Bern über die Erneuerung der Militärkapitulation des Hauſes Bourbon mit der Schweiz ſtatt gehabten Unterhandlungen. Anderſon(Aeneas), engliſcher Offizier, der den Ge⸗ *) Aloys Reding, der ſich 1798 durch ſeine tapfere Gegenwehr bei Nichtenswyl die Achtung der franz. Truppen erwarb, leitete dieſen vaterlaͤndiſchen Bund. Man kennt ſeine ſchöne, begeiſterte Rede, die er auf der Tagſatzung hielt. Als auch der erſte Konſul Frankreichs ſeine Vermittlung ſchon angetragen hatte, blieben die Hirtenkantone(Schwyz, Uri, Unterwalden, Glarus ꝛc.) bei ihrem Entſchluſſe ſtehen. Doch wiekte die Einrückung eines franz. Heers⸗ die Vermittlung erfolgte, und war den Wünſchen jener beharrli⸗ chhen Kantone angemeſſen. G. Neue Biograph. I. 14 210 Anderſon. ſandten Lord Macartney nach China begleitete. Er gab ein Werk über die Sitten und Gebräuche dieſes Landes heraus. Auch hat man von ihm ein Tagebuch über die geheime Expedition unter Ge⸗ nerallieutenant Pigot im April 1800, und über die daraus folgen⸗ den Kriegsoperationen des Generals Abercromby in Aegypten. Doch enthält es weniger intereſſante Darſtellungen, als die Beſchreibung dieſer Unternehmung von Sir Wilſon, iſt aber wegen ſehr wichti⸗ ger Anmerkungen über Geographie und Naturgeſchichte zu em⸗ pfehlen. Anderſon(Johann), engliſcher Arzt, geb. 1726, iſt Ver⸗ faſſer eines geſchätzten Werks, betitelt: Mediciniſche Inſti⸗ tutionen. Er war lange Zeit Profeſſor der Naturphiloſophie*) auf der berühmten Univerſität Glasgow, und ſtarb 1796. Anderſon(Jakob), Sohn eines Landmanns, geb. zu Her⸗ niſton, bei Edinburg, 1739. Sein Hang für die Wiſſenſchaften entwickelte ſich frühzeitig. Rach Vollendung ſeiner Studien wid⸗ mete er ſeine ganze Zeit der Chymie, und genoß den Unterricht des berühmten Cullen. Er machte ſehr ſchnelle Fortſchritte in dieſer Wiſſenſchaft, und wurde zum Magiſter der freien Künſte und Doktor der Rechte auf der Univerſität Aberdeen ernannt. Das Studiren hinderte ihn nicht, ſich auch dem Ackerbau und andern ländlichen Beſchäftigungen auf dem Gute, das ihm ſein Vater hinterlaſſen, zu widmen. Beſonders intereſſirte er ſich für den erſteren, und nimmt unter den engliſchen Agronomen einen bedeutenden Rang ein durch ſeine über dieſen Gegenſtand geſchriebenen Werke. Auch beſchäftigte er ſich mit philanthropiſchen Arbeiten. Seine Schrif⸗ ten ſind has Werk eines Menſchenfreundes, der beſtändig ſein Au⸗ genmerk auf das allgemeine Wohl richtete. Als 1783 Schottland durch Hungersnoth gebeugt ward, hemmte Anderſon aus allen Kräf⸗ ten ihre Fortſchritte, und erwarb ſich immer mehr die Achtung und Dankbarkeit ſeiner Mitbürger. Er wohnte 1797 in der Gegend von London, und wurde um die nämliche Zeit zum Mitgliede der königl. Geſellſchaft dieſer Stadt ernannt. Sein Tod erfolgte 1808. Anderſon, Alderman von London,*) und Mitglied der mi⸗ *) Im Original philosophie naturelle. Vielleicht iſt hier Philoſophie in Beziehung auf phyſiſche Natur, und etwa Anthropologie, verſtanden, nicht eine, die mit dem plato⸗ niſchen Syſtem Schellings in Verbindung ſteht. G. **) Deren ſind 26, die, nebſt dem Lord⸗Major, den Stadtrath bilden. G. 7 Anderſon. Andignc. 211 niſteriellen Partei in der Kammer der Gemeinden. In der Sitzung vom 18. Februar 1794 wollte For beweiſen, daß in allen Gegenden, wo die Engländer Handelsniederlaſſungen errichtet, die brittiſche Re⸗ gierung Beweiſe ihrer Nachläſſigkeit hinterlaſſen hätte. Anderſon vertheidigte die Sache der Miniſter, und führte klare Thatſachen an.„Zum Beiſpiel, ſagte er: obſchon wir uns jetzt im Kriege be⸗ „finden, ſo ſind doch die Verſicherungs⸗Prämien für das baltiſche „Meer die nämlichen, wie zur Zeit des tiefſten Friedens.“ Im J. 1800 erklärte er ſich gegen eine der Kammer eingereichte Peti⸗ tion der Friedensfreunde. Behauptend, daß Britanien im blühend⸗ ſten Stande ſey, ſtimmte er für eine Dankaddreſſe an die Miniſter, die er der Nationalerkenntlichkeit würdig hielt. Andigné(Ludwig Marcus ⸗Antonius Auguſt For⸗ tunat, Ritter von), Naréchal⸗ de⸗Camp und Pair von Frank⸗ reich, iſt zu St. Gault, bei Segré, Dep. Maine und Loire, ge⸗ boren. Er trat frühe in den Dienſt der Marine, und war im An⸗ fang der Revolution Schiffslieutenant. Da er die neuen Ideen nicht anerkannte, wanderte er 1791 aus, und ging nach England, wo er ſogleich unter das im brittiſchen Solde ſtehende Regiment Hektor als Offizier aufgenommen wurde. 1795 rief ihn der Graf von Puiſaye, Vendée⸗Chef, zu ſich nach der Bretagne; dort focht er unter deſſen Befehl. Als Cormatin*) mit den Republikanern den Frieden zu la Prevalaye unterhandelte, gab ſich der Ritter Andigné, der zu Rennes war, für einen Offtzier der königlichen Armee aus, und erhielt von dem Konventsdeputirten Rollet, vom Pas⸗de⸗Calais, der ſich auf Miſſion bei der Weſtarmee befand, einen Paß nach Paris, wo er im März ankam. Er wurde von den royaliſtiſchen Agenten wohl empfangen, und als Deputirter zu Char⸗ rette geſandt.**) Jetzt ſprach er ſich laut gegen den Grafen von Puiſaye aus, mit dem er bisher verbunden war. Die nämlichen Agenten ſchickten ihn ihres Intereſſes halber an den Londoner Hof. Als er von da 1799 zurückkam, ward er Generalmajor der von dem Grafen von Chatillon kommandirten Armee, welcher den Vicomte von Scépeaur erſetzte. Im Januar 1800, zwei Monate nach *) Ein geſchickter und entſchloſſener Anführer der Vendsèiſten. G. *) Der Graf von Puiſaye, unter dem Andigné diente, komman⸗ dirte die ſogenannten Chouans, welche, obwohl ſte für den näm⸗ lichen Zweck zu fechten vorgaben, wie die Royaliſten der Vendeé⸗ doch oft mit dieſen uneinig waren. Deswegen wollte Andigné hier für einen Royaliſten⸗Ofſizier gelten. G. d 7 212 Andigné. Andigné von Maineuf. Andlaw. der Revolution des 18. Brumaire, die dem General Bonaparte die Leitung der Geſchäfte verlieh, kam d'Andigné während des Auf⸗ ſchubs der Feindſeligkeiten nach Paris, wo er mit den royaliſti⸗ ſchen Agenten conferirte. Als er hierauf eine Audienz bei dem er⸗ ſten Konſul erhielt, ſchlug er dieſem vor, die Monarchie wieder. herzuſtellen, und erſuchte ihn, die Familie der Bourbons wieder auf den Thron zu ſetzen. Dieſe Unterhandlung hatte keinen Erfolg, und im folgenden Jahr, nach der Exploſion der Höllenmaſchine, welches Verbrechen man anfangs den Jakobinern zur Laſt legte, aber es bald für das der entgegengeſetzten Partei erkannte, wurde der Ritter d'Andigné in das Schloß von Joux gefangen geſetzt, aus dem er nicht ohne große Mühe entwiſchte. Man wuͤrde ſeiner zum zweitenmale habhaft, als George Cadoudal verurtheilt ward, und brachte ihn in die Citadelle von Beſangon. Aber er hatte nochmals das Glück, nach einigen Monaten zu enkommen. Er war nach Frankfurt am Main entflohen, und erhielt auch dort in Zeiten Nachricht, daß ein Befehl, ihn nach Paris zu führen, unter Wegs ſey. Schnell verließ er ſeinen Zufluchtsort, und nachdem er in verſchiedenen Gegenden Deutſchlands umhergeirrt war, ging er heimlich nach England hinüber. Im Jahr 1813 kehrte er von dort nach Frankreich zurück. Er erhielt in den Weſtdepartementen, an dem Ufer der Loire, den Befehl über eine Diviſion, von welcher er 1799 Generalmajor geweſen. Nach der Reſtauration ging dieſer Mann wieder nach Paris, und empfing den Grad eines Maréchal⸗ de⸗Camp. Aber als Rapoleon 1815 wieder kam, ergriff er von neuem die Waffen in den Weſtdepartementen, und erkämpfte einige ſchwache Vortheile, vorzüglich bei Auray. Nach der zweiten Re⸗ ſtauration wurde er Präſident des Wahlkollegiums von Maine und Loire, und hierauf Pair von Frankreich. Andigné von Maineuf(der Graf), ward 1815 von dem Dep. Maine und Loire in die Deputirtenkammer gewählt. Er ſaß immer auf der rechten Seite, und ſtimmte in der Sitzung von 1849— 20 für die Ansnahme⸗Geſetze und das neue Wahlgeſetz. Andlaw oder Andelau von Homburg(Friedrich An⸗ ton Marcus, Graf von), St. Ludwigsritter und Offzzier der Ehrenlegion, ward 1736 aus einer adlichen Familie im Elſaß ge⸗ boren, und vermählte ſich mit der Tochter des Philoſophen Hel⸗ vetius. Er trat frühe in die militäriſche Laufbahn, war anfangs Subaltern⸗Offizier, und darauf Obriſtlieutenant des Regiments * Andlaw. Andrc. 213 Royal⸗Allemand.*) Er hatte, als die Revolution begann, die Stelle eines Maréchal- de-Camp. Im J. 1789 deputirte ihn der Adel von Hagenau zu den Generalſtänden, wo er mit dem drit⸗ ten Stand über die wichtigſten Fragen einſtimmte. In der Folge wurde er Präſident des Hüninger Diſtrikts, und entſagte darauf. allen öffentlichen Aemtern. 1815 ernannte ihn der König zum Prä⸗ ſidenten des Wahlkollegiums vom Oberrhein, aber ſeine Geſundheit erlaubte ihm keine Dienſte. Er ſtarb, von ſeiner zahlreichen Fa⸗ milie und ſeinen Freunden mit Recht beklagt. Andlaw(R.), Bruder des vorigen, ehemaliger Abt⸗Prior von Murbach, war von der Kolmarer Geiſtlichkeit als Deputirter zu den Generaͤlſtänden ernannt, und votirte, wie jener, mit dem dritten Stande. Doch wirkte er mit zur Proteſtation gegen das Dekret vom 13. Juni 1790, durch welches die konſtituirende Ver⸗ ſammlung die religiöſe Toleranz heiligte, und den Vorſchlag, die katholiſche Religion als Staatsreligion anzunehmen, zurückwies. Andlaw(Felix), älteſter Sohn des Grafen, war Stall⸗ meiſter Napoleons, und 1813 Major eines Regiments Ehrengar⸗ den. Der König hat ihn ſeitdem zum Oberſten eines Küraſſierre⸗ giments ernannt... Andlaw(Guſtav), jüngerer Bruder des vorigen, geweſe⸗ ner Stallmeiſter der Kaiſerin Joſephine, iſt gegenwärtig Unter⸗ lieutenant bei der königlichen Leibgarde. G Andlaw(.), Offtzier beim ehemaligen Regiment Deux- Ponts(Zweibrücken), wohnte den erſten Feldzügen des Revolu⸗ tionskriegs bis 1793 bei. 1814 war er Unterpräfekt zu Cleve; aber das Einrücken fremder Truppen bewog ihn, ſeinen Dienſt aufzu⸗ geben. André, Maire von Lille, ein Mann von den reinſten und ein⸗ fachſten Sitten, verdankte ſeiner⸗Induſtrie und Rechtſchaffenheit den im Handel erlangten Wohlſtand. Die öffentliche Achtung über⸗ trug ihm das Amt eines Maire, und er war damit beehrt, als die Oeſterreicher im September 1792 die Stadt belagerten. Sie be⸗ ſchoſſen dieſelbe mit einer Beharrlichkeit, welche ſie vielleicht zur Uebergabe vermocht hätte, aber André, in Gemeinſchaft des Mi⸗ litär⸗Kommandanten Ruault, belebte überall den Muth, vereitel⸗ — ) Ein deutſches Regiment Grenadiere zu Pferd, das im Anfange der Revolution emigrirte, und in öſterreichiſchen Dienſt aufgenom⸗ men ward, bis auf einen kleinen zurückgebliebenen Theil, den man der Kellermänniſchen Legion einverleibte. G.. 214 Andreé. te jedes Einverſtändniß mit dem Feinde, und war immer da, wo die Gefahr ſeine Gegenwart heiſchte. Mehr bemüht, Frankreich einen wichtigen Platz zu erhalten, als Sorge für ſein eigenes Le⸗ ben zu tragen, drohte er, den erſten, der von Kapitulation reden würde, aufhängen zu laſſen. André war für Lille, was Euſtache von St. Pierre*) für Calais geweſen; doch war er glücklicher. Er ſtarb um das Jahr 1811. André(Peter), wurde nach dem 18. Fructidor 5.(Sept. 1797), als Deputirter des Departements vom Niederrhein(Unter⸗ elſaß), in den Rath der 500 gewählt. Unter manchen finanziellen Vorſchlägen erklärte er ſich auch gegen die Mißbräuche der Spiel⸗ häuſer. Die Preßfreiheit war durch die Verlängerung eines Ge⸗ ſetzes, welches ſeit dem 18. Fructidor alle Journaliſten der Ver⸗ fügung des Direktoriums übergab, unterdrückt. André ſprach leb⸗ haft gegen dieſes Geſetz, das er für offenbar nutzlos erklärte, weil die Verſchwörer, ſo es traf, vom geſetzgebenden Corps ausgeſchloſ⸗ ſen und aus Frankreich verbannt wären, wie ſelbſt die Anhänger dieſes Geſetzes eingeſtünden. Als die Rede von einer Tabaksauf⸗ lage war, erhob er ſich gegen die Idee, Munizipalbeamte den Pacht⸗ Inquiſitoren gleich zu ſtellen, und wies den Vorſchlag zurück. Durch einen neuen Bericht erwirkte er eine Botſchaft an das Direktorium zur Unterdrückung der Spielhäuſer. Im Februar 1799 erklärte er den Vorſchlag, die proteſtantiſchen Kirchengüter als National⸗ güter anzuſehen, für dringlich, vertheidigte das Projekt in Bezug auf die Primärſchulen, und unterſtützte den Bericht zur Fällung eines Urtheils über die bei Calais geſtrandeten Emigrirten. Er hatte ſich immer den Ereigniſſen widerſetzt, welche die Konſtitution d. J. 8. vorbereiteten, und wurde deswegen am 18. Brumaire von dem geſetzgebenden Corps ausgeſchloſſen. 1811 war er Rath am kaiſerl. Gerichtshofe zu Colmar, und behielt dieſe Stelle bei der Wiederorganiſtrung der Tribunäle im J. 1815. André(Johann Peter), von der Lozore(Languedoe), Deputirter im Rathe der 500 ſeit 1795. Er machte ſich bemerklich durch den Eid, welchen er am 21. Januar 1790 in folgender beſon⸗ dern Form leiſtete:„Ich ſchwöre Haß dem Königthum und jeder „Art von Tyrannei, unter welcher Maske ſie ſich auch verbergen „will; denn der Tyrann in der rothen Mütze flößt mir eben ſolchen *) Der berühmte Vertheidiger der Seeſtadt Calais, welche 1346 von Eduard III. nach der tapferſten Gegenwehr endlich erobert ward⸗ worauf ſie die Engländer bis 1558 beſaßen. Andreé. 215 „Abſcheu ein, wie der gekrönte.“ Bei dieſem Anlaß erſuchte der Präſident die Deputirten, der von dem Geſetze geheiligten Formel keine Ausdehnung zu geben. André ſprach gegen das Geſetz, wel⸗ ches, die Anverwandten der Emiggrirten von jedem öffentlichen Amt ausſchloß, und hatte deswegen einen lebhaften Wortwechſel mit ſeinem Kollegen Legot. Als die Munizipalität von Toulouſe im Verdacht war, die dortigen Unruhen erregt zu haben, verſprach André, jeden, der ſie denuncire, zu unterſtützen, und hielt ſich zu denen, welche die Demokraten als Anſtifter beſchuldigten. Das Direktorium wollte, daß die Wahlmänner Haß dem Königthum ſchwören ſollten; André bekämpfte ſtark dieſen Vorſchlag. Am 18. Fructidor(1797) ſetzte ihn das Direktorium, gegen welches er laut ſeinen Haß ausgeſprochen, auf die Deportations⸗Liſte. Er nahm die Flucht, und ging nach Deutſchland, wo er ſich mit Wärme an die Sache der Bourbons anſchloß. Nach dem 18. Brumaire kam er nach Frankreich zurück; aber die Konſular⸗Regierung verwies ihn nach Tonlouſe unter die Oberaufſicht der Behörden. Endlich erhielt er die Freiheit, in ſein Departement zurückzukehren. Den 18. Auguſt 1814 ward André von dem Könige geadelt, und den 15. October mit dem Orden der Ehrenlegion geſchmückt. Im fol⸗ genden Jahr wurde er Mitglied jener Deputirten⸗Kammer, welche ſich 1815 eine ſo unglückliche Celebrität erworben, und wahrſchein⸗ lich gegenwärtig unauffindbar(introuvable) ſeyn würde. André(Johann), geb. zu Offenbach, den 28. März 1741, geſt. um 1800, war einer der berühmteſten neuern Tonkünſtler Deutſchlands. Die dramatiſche Gattung fand keinen in dieſem Lan⸗ de, der mehr Anmuth und Heiterkeit in ſeine Compoſitionen legte, als er. Zum Handel beſtimmt widmete ſich André lange dieſem Geſchäft; ohne Meiſter und ohne Beihülfe erlernte er die Violine und das Klavier. Das Choralbuch von König diente ihm lange zum Studium der Harmonie. Er begann mit einigen Stük⸗ ken für Inſtrumentalmuſik, verfertigte ſeine komiſche Oper: Der Thürſteher, und ermuthigt durch deren Erfolg verkaufte er ſeine Handelsniederlage, ward zur muſikaliſchen Direction nach Berlin berufen, gab auf der dortigen Bühne eine Menge Opern*), die Glück machten, und erhielt die Stelle eines Kapellmeiſters bei dem Grafen von Brandenburg⸗Schwedt. Er errichtete in Offenbach — O— *) Eine ſeiner früheren Operetten war die Infantin von Zamo⸗ ra. Unter den übrigen Compoſttionen für Geſang zeichnet ſich die trefliche der ſchönen und rührenden Ballade Bürgers: Des Pfar⸗ rers Tochter von Taubenhain, aus. G. X 216 André. ein Magazin für Muſtk, eins der ſchönſten, das Europa beſitzt. Nicht ſo göoßer Symphoniſt, als andere ſeiner Landsleute, aber naiver und lieblicher, hat André das Verdienſt einer reizenden Originalität. André(Johann A nton), dritter Sohn des vorigen, wur⸗ de zu Berlin, um 1776, geboren. Gleich ſeinem Vater zeigte er frühe ſchon Neigung für die muſikaliſche Compoſition. Im Alter von 13 Jahren ſetzte er eine Sonate. Seit dieſer Zeit gab er meh⸗ rere Werke, die Beifall erhielten. 1709 folgte er ſeinem Vater in der Direction des ſchönen Magazins für Muſik zu Offenbach, in welchem gegenwärtig mehr als 3000 von dieſer Familie beſorgte Werke gedruckt ſind. Im J. 1802 führte er zuerſt den Gebrauch des Steindrucks für die Muſik ein. Hierdurch wird der Anbau und das Studium einer derjenigen Künſte, die am meiſten auf das Herz des Menſchen wirken, fehr erleichtert. 8 André(Chriſtian Karl), ein deutſcher Literator, ward am 20. März 1763 zu Hildburghauſen, in Franken, geboren. Nach⸗ dem er Sekretär des Fürſten von Waldeck geweſen, übernahm er mit dem berühmten Salzmann die Direction der belobten Erzie⸗ hungsanſtalt zu Schnepfenthal, bei Deſſau, in Oberſachſen. Zwei Jahre nachher ſtand er zu Gotha der Penſionsanſtalt für junge Frauenzimmer, und 1798 zu Brünn, in Mähren, dem proteſtan⸗ tiſchen Gymnaſium, vor. NRebſt manchen Erziehungsſchriften hat man von ihm eine Charakteriſtik Friedrichs des Einzigen, ein Ma⸗ gazin für die Geſchichte der Jeſuiten, eine neue Ausgabe von Rafs Geographie ꝛc. ꝛc. André(Noel), bekannter unter dem Namen Chryſolo⸗ gue von Gy, geb. 1728. in der Franche⸗Comté, ließ ſich an⸗ fänglich in den Orden der Kapuziner aufnehmen, war aber bald des müſſigen Kloſterlebens müde, von dem er nur die Mäßigkeit bewahrte, und widmete ſich dem Studium der Geographie und der Aſtronomie. Mit dem berühmten Lemounier in Paris unternahm er verſchiedene aſtronomiſche Arbeiten, unter andern die Verferti⸗ gung mehrerer Kugelkarten. 1781 ſtellte er geographiſche Beobach⸗ tungen in den Vogeſen an, und entwarf eine neue Karte für die⸗ ſes Land. Die Regierung bewilligte ihm 1806 eine Penſion von 000 Franken, genug für einen Kapuziner, aber zu wenig für einen Aſtronomen. Er zog ſich in ſein Geburtsort Gy zurück, wo er 1808 ſtarb. Man hat von ihm: 1) Mehrere Kugelkarten: 2) eine Karte der Franche⸗Eomte; 3) Theorie der Erd⸗ Andréa. Andrei. Andréoſſi. 217 oberf läche. Das letzte Werk erhielt bei der Akademie der Wiſ⸗ ſenſchaften eine ſehr ehrenvolle Meldung. Andréa, geb. zu Dijon, zog ſich im Anfang der franz. Revo⸗ lution nach Reapel zurück, und kam daſelbſt 1800 bei dem Wieder⸗ einzuge der königlichen Truppen um. Man gibt ihn als Verfaſſer mehrerer Schriften an, welche weder Geſchmack, noch Sitten, bil⸗ ligen können, unter andern eines oft gedruckten Romans: Felicia, oder meine Jugendſtreiche. Andrei(Anton Franz), geb. in Korſika, war bei der Opera buffa des Theaters von Monſieur angeſtellt, um italie⸗ niſche Opern zu dichten, oder ſolche in das Franzöſiſche zu über⸗ ſetzen, als ihn im September 1792 die Wahlmänner von Baſtia zum Deputirten ihres Departements bei der Nat. Convention er⸗ nannten. Seine Geſinnungen waren gemäßigt. In dem Prozeſſe Ludwigs XVI. ſtimmte er für die Appellation an das Volk, die Gefangenhaltung, ſo lange es das öffentliche Wohl erforderte, und den Aufſchub. Er hielt ſich zu den Girondiſten, und hätte beinahe das Schickſal derſelben erfahren. Nach den Begebenheiten am 31. Mai 1793 ward er mit dem größten Theil ſeiner Kollegen verhaftet, und dankte nur dem Sturze Robespierre’s ſeine Rettung. Er trat wie⸗ der in den Nat. Convent, und ſpäter in den Rath der 500. Aus dieſem ging er im Mai 1797, und ſtarb kurz darauf. Andréoſſi(Anton Franz, Graf), aus Italien ſtammend, Abkömmling des Franz Andréoſſi, der mit Riquet den Ruhm theilt, den großen Kanal von Languedoe bewerkſtelligt zu haben, iſt, wie ſeine Urgroßväter, zu Caſtelnaudary geboren. Er war es, der zu⸗ erſt die, lange unter dem Rufe Riquets erſtickten, Anſprüche ſeines Großvaters geltend machte. Seine Histoire générale du Canal du Midi, welche 1800 erſchien und zweimal aufgelegt wurde, erregte die Einwendungen der Familie Riquet. Dieſe in⸗ tereſſante Verhandlung, in welcher man große Autoritäten(die dAgueſſeau, Colbert, Vauban) ſich gegen einander erheben ſieht, iſt unparteiiſch gewürdigt in einem Werke Allent's, betitelt: Hi- stoire du Corps impérial du Génie.— Der General Andréoſſi (geb. den 6. März 1761) war mit 20 Jahren Artillerie⸗Lieutenant, machte als ſolcher 1787 den Krieg in Holland mit, ward von den Preußen gefangen, kam durch Auswechslung wieder nach Frankreich, theilte die Begeiſterung unſerer Armeen im Anfang der Revolu⸗ tion, deren ſämmtlichen Feldzügen er beiwohnte, ſtieg ſchnell von Grad zu Grad, und war Generalinſpektor der Artillerie, als Na⸗ — 218 Andreoſſi. poleon den Thron erlangte. Damals erhielt er das große Band der Ehrenlegion, ward Commandeur des Ordens der eiſernen Krone⸗ und Großkanzler des der drei goldenen Vlieſſe*), der aber nicht organiſirt wurde. Mehr als eine ſchöne Waffenthat ehret dieſen General. Er war es, der am 26. Juli 1796 vor dem belagerten Mantua die 5 Kanonier⸗Schaluppen kommandirte, deren verſtellter Angriff alles Feuer der Feſtung auf ihn wandte, und den wirkli⸗ chen, von den Generälen Murat und Dallemagne geleiteten Angriff begünſtigte. Am 19. Mai 1797 ward er als Brigadegeneral von dem Oberbefehlshaber Bonaparte beauftragt, zu unterſuchen, ob der Iſonzoſtuß durchwatbar ſey. Um deſſen gewiß zu ſeyn, warf er ſich in dieſen Strom, und durchging ihn zu Fuß auf zwei ver⸗ ſchiedenen Stellen hinüber und herüber. Seine 1798 längs den Küſten gemachte Reiſe ſollte die Anſtalten zur Landung in England⸗ welche jener Oberfeldherr zu kommandiren beſtimmt war, beſchleu⸗ nigen. Er folgte Bonaparten nach Aegypten, und mehr als ein⸗ mal lobte dieſer in ſeinen Berichten die Talente und den Muth An⸗ dréoffi's, der auch, als Mitglied des zu Cairo errichteten Inſtituts, mit großem Vorzuge gelehrte Arbeiten vollendete, einige wichtige Stellen beobachtete, von welchen er genaue Beſchreibungen gab, und zu dem prächtigen Werke der ägyptiſchen Kommiſſion ausge⸗ zeichnete Beiträge lieferte. Seine Memoiren über den See Men⸗ zahleh, über das Thal des Sees Natron, über den Fluß ohne Waſ⸗ ſer, die in den Mémoires sur l'Egypte erſchienen, kamen auch zu Paris, 1800 beſonders heraus. Bonaparte kehrte nach Frank⸗ reich zurück mit einigen ihm ergebenen Männern, die er in ſeinem Generalſtabe wählte; unter ihnen war Andréoſſi. Er unterſtützte mächtig ſeinen Chef, der das Konſulat überſtieg, den Scepter ergriff, und ſeinen ehemaligen Waffengefährten dadurch belohnte, daß er für ihn eine Até Diviſion des Kriegsminiſteriums ſchuf, wel⸗ ches die geſammte Verwaltung des Artillerie⸗ und Genieweſens umfaßte. Alsdann wurde er Diviſions⸗General, Kommandant von Mainz, und darauf Chef des Generalſtabs der gallobataviſchen *) Ein Orden, der, hauptſächlich, um die Begeiſterung für militäͤ⸗ riſchen Nuhm zu entflammen, während des Kaiſerthums errichtet werden ſollte, aber nicht zur Ausführung kam. Niemand konnte ihn erhalten, er mußte denn wenigſtens drei im Kriege empfange⸗ ne Wunden aufweiſen können. Selbſt die Prinzen von Geblüte mußten, um darin aufgenommen zu werden, einen Feldzug mit⸗ gemacht haben. Großritter waren nur die obern Befehlshaber ei⸗ ner Armee. G. Andréoſſi. 219 Armee. Als ſolcher ſtattete er(1800) Bericht ab über das glän⸗ zende Gefecht, in welchem eine Handvoll Franzoſen zwiſchen Nürn⸗ berg und Laufenburg ein ganzes Corps ſchlug. Er war darauf Di⸗ rector über das Kriegs⸗Depot, und ohne daß ihm jemand auf die⸗ ſen wichtigen Poſten nachfolgte, erhielt er die ſo delicate und ſchwierige Geſandſchaft an den Londoner Hof nach dem Tractat von Amiens. Als dieſer wieder aufgehoben ward, kam Andréoſſi nach Paris zurück, wurde Präſident des Wahlkolleginms von der Aube(Champagne), ſpäter Reichsgraf, Kandidat des Senats/ Ge⸗ ſandter zu Wien, und 1809 Gouverneur dieſer Stadt nach der Schlacht bei Wagram ⁴). Nach ſeiner Rückkehr vertraute man ihm die Geſandtſchaft bei der ottomanniſchen Pforte an. Sein Benehmen auf dieſem ſchwierigen Poſten, der edle und ſtandhafte Schutz, welchen er den in jenem Lande angeſiedelten Franzoſen und dem Handel Frankreichs in der Levante angedeihen ließ, die Auf⸗ richtigkeit, die er bei ſeinen Verhältniſſen mit den Miniſtern der Türkei zeigte, machten es lebhaft bedauern, daß ihn der König, mit Zuſendung des St. Ludwigskreuzes, den 14. Auguſt 1814 ab⸗ rief, und an ſeine Stelle den Marquis von Rivière ernannte. Als die Begebenheiten von 1815 Frankreich und Europa überraſchten, er⸗ ſchien der General Andréoſſi, welcher einige Zeit der Ruhe, deren ihn ſein militäriſches Glück beraubt hatte, genoß, wieder auf der politi⸗ ſchen Bühne, und gab ſeinen Namen zu der bekannten Delibera⸗ tion des Staatsraths**) vom 27. März 1815. Man ſah ihn hier⸗ auf eine Pairie, die aber nur momentan war, und die Präſiden⸗ tenſtelle der Kriegsſection annehmen. Napoleon wollte ihm die Geſandtenwürde bei der hohen Pforte wieder verleihen; aber er ſchlug ſie aus. Er befand ſich nun bei der mit Berichterſtattung über die Maasregeln zur allgemeinen Sicherheit be⸗ auftragten Commiſſion, und nach der Schlacht bei Waterloo war er einer der zu den fremden Heeren geſandten Kommiſſarien. Doch konnte er nicht zum General Blücher ſelbſt gelangen, deſſen erſte Kolonnen ihm und ſeinen Kollegen bei Pont Sainte Marxence be⸗ gegneten.— Der Graf Andréoſſi war auch durch ſeinen Aufenthalt in Konſtantinopel den Wiſſenſchaften nützlich. Seine Nachfor⸗ ſchungen am Bosphorus und in mehreren Theilen des osmanniſchen —— *) Auch 1805 kommandirte er en chef die Artillerie im Kriege ge⸗ gen Oeſterreich. elehe die Abdankung Napoleons im J. 1814 für nichtig er⸗ irte. G. 220 Andréoſſi. Andreozzi. Andres. Andrés. Reichs werden einen großen Plan ausfüllen, deſſen Materialien er gegenwärtig zu ordnen beſchäftigt iſt. Die Memoiren über den dei niuh des Pontus Euxrinus in das mittellän⸗ diſche Meer,(worin er die Kenntniß des Geſteins an der Mün⸗ dung dieſes aftatiſchen Meers zu geben verſuchte, was kein Gelehr⸗ ter vor ihm gethan,) ferner über die Waſſerleitungen in Konſtantinopel,(worin ſich intereſſante Bemerkungen über die Hydraukik der Türken und ihre Anwendung bei europäiſchen Maſchinen ſinden,) welche er dem Nat. Inſtitut ſandte, gehören unter die köſtlichſten Erwerbungen im hydroſtatiſchen Fache, und werden als ſolche von Barbier du Bocage angeführt, deſſen Bei⸗ fall hierin unverwerflich iſt. Auch verdankt man dem Gen. An⸗ dréoſſi die Darſtellung des Feldzugs der gallo⸗bata⸗ viſchen Armee, unter Augercaus Wefehl, am Main und an der Rednitz, 1802. Andreozzi(Gaetano), ein berühmter italieniſcher Ton⸗ künſtler und Kapellmeiſter zu Neapel. Er iſt ein Schüler des be⸗ rühmten Jomelli, ſeines Anverwandten, und erlangte von ihm die Leichtigkeit, Naivetät und Harmonie, welche die Stücke dieſes Meiſters auszeichnen. Die prachtvolle Arie Andreozzi's: No que- sta anima non speri hat einen beſondern Reiz, der nie ver⸗ geſſen werden baun. Auch verfertigte er eine rührende und erhe⸗ bende Paſſion J. C. Er arbeitete für die meiſten Bühnen Ita⸗ liens. Seine vorzüglichſten Opern ſind: Olympias, Arbas, Cato und Ageſilaus. Wir erwähnen nicht die Duos, Qua- tuors, und eine Menge kleiner Stücke, die geſchickten Comiponi⸗ ſten zur Erholung dienen, in welcher ſich aber ihr Charakter und ihr Talent ausſpricht. Andres(Bonaventura), ehemaliger deutſcher Jeſuit. Nach der Aufhebung ſeines Ordens wurde er Profeſſor der alten Literatur an der Univerſität Würzburg, und ſpäter geiſtlicher Rath und Profeſſor der Homiletik. Man hat von ihm: 1) Chresto- mathia quintiliana, mit der deutſchen Ueberſetzung; 2) Vanieres Gedicht über den Landbau, Praedium rusticum, naßi Ueberſetzung; 3) Ueberſetzung der Fabeln des Desbillons; 4) Vanierii carmina mi- noraselecta. 5) Neues Magazin für Prediger und Seelenhirten; 6) Frankiſche Chronik. Andrés(Der Abt Don Juan), ſpaniſcher Exieſuit, geb⸗ zu Valencia, im Auguſt 1727. Als im J. 1766 ſein Orden au⸗ Andrés. Andrezel. 221 Spanien vertrieben war, begab er ſich nach Italien, und bewährte auch dort den Ruf, den er ſich in ſeinem Vaterlande erworben. Er ſchrieb ein ſchätzbares und gründliches Werk über die Philoſo⸗ phie des Galilei. Seine Schrift über den Zuſtand der Literatur, worin Eleganz, Reinheit des Styls, und Unparteilichkeit herr⸗ ſchen, wurde ins Spaniſche, von ſeinem Bruder Don Carlos An⸗ drés, überſetzt. Auch hat man von ihm Briefe über ſeine Reiſen. — Don Andrés ging, zufolge der von der Regierung den Exjeſui⸗ ten ertheilten Erlaubniß, nach Spanien zurück; aber nach dem Tode ſeines Vaters riefen ihn das Verlangen, alte Freunde wieder zu ſehen, und geſchloſſene Verbindungen nach Italien zurück. Er wurde königlicher Bibliothekar zu Neapel. 1807 bewies er, daß man mit Unrecht dem Flavio aus Amalſi die Erfindung des Kom⸗ paſſes zuſchreibe. Durch einen Staar, den ſein hohes Alter nicht zu ſtechen erlaubte, verlor er 1813 das Geſicht. Obſchon ihn ver⸗ ſchiedene Biographieen ſterben ließen, hat man doch Urſache zu glauben, daß er noch lebt. Andrezel(Chriſtoph Franz Thereſe Picon von), geb. zu Paris 1746, war anfangs Page, dann trat er in den Waf⸗ fendienſt, und hatte 1791 den Grad eines Obriſtlieutenants im Re⸗ giment Rouergue. Damals emigrirte er, und diente den Prinzen unter dem Regiment Navarre. Er war Ludwigsritter und vorher Mitglied des Adels bei den Ständen der Brétagne. 1794 wurde er Major des engliſchen Regiments Mortemart, und diente bis 1802 bei demſelben in Portugall. Im folgenden Jahr kam er nach Frankreich zurück, und führte über zehn Jahre ein unbekanntes Leben. Nach der Reſtauration ernannte ihn der König zum Ma⸗ rechal⸗de⸗Camp und Inſpektor der Nationalgarden im Vogeſen⸗ Departement. Durch Napoleons Rückkehr verlor er dieſe Stelle; aber als der König wiederkam, wurde er Unterpräfekt von St. Diez und Wahlmann des Departements von der Meurthe. Man hat bekannt gemacht, daß er ein Jahr lang ſeiner Militär⸗Penſion entſagt, um das durch den Aufenthalt fremder Truppen erſchöpfte Frankreich erleichtern zu helfen und zum Löſegeld beizutragen. Dies beweiſt eine wahre vaterländiſche Geſinnung. Andrezel(Barthélemi Philibert von), Bruder des vorigen, geb. zu Salins(Franche⸗Comté), ſtudirte in der Militärſchule zu Lafléche, wählte aber darauf den geiſtlichen Stand, und war ſchon mit 25 Jahren General⸗Vikarius zu Bordeaux. 1792 wurde er nach England deportirt, und kam erſt 1803 wieder 222 Andrezel. Andrien. Andrieur. nach Frankreich. Er ergdel 1808 die Stelle eines Generalinſpek⸗ tors der kaiſerlichen Univerſität, und 1815 ernannte ihn der König zum Generalinſpektor der Studien. Man hat von ihm mehrere Schriften, unter andern die Ueberſetzung eines engliſchen Werks von dem berühmten Redner und Publiciſten Fox, woran derſelbe die 6 letzten Jahre ſeines Lebens wandte, nämlich: Geſchichte der zwei letzren Könige des Hauſes Stuart, mit Bei⸗ lagen und einer Notiz über das Leben des Verfaſſers. Dieſes Werk iſt eine Lobrede auf die engliſche Revolution d. J. 1688. Während der 100 Tage war Andrezel Mitarbeiter am Journal géné- ral. Sein Oheim, der Marquis d'Andrezel, gab 1757 in Am⸗ ſterdam die Essais politiques anonym heraus, und ſeinem Großvater, dem Vicomte d'Andrezel, der Geſandter zu Konſtantinopel war, verdankt man die in dem Quartier Pera für das Studium der orientaliſchen Sprachen errichtete fra nzöſiſche Schule. Der Abbé Andrezel hat zuletzt bei der, von dem Mini⸗ ſter des Innern, Simeon, erwählten, Cenſurkommiſſion eine Stelle angenommen.. Andrieu, Maire von Aigue⸗Perſe, und ehemals Generalad⸗ vokat des Herzogthums Montpenſter. 1789 ernannte ihn das Land⸗ gericht von Riom(Auvergne) zum Mitglied der Generalſtände. Unter anderem gab er ſeine Meinung, daß man das Haus Orleans nicht zu Gunſten der ſpaniſchen Linie von der Krone entfernen möge.— Andrieux(Franz Wilhelm Johann Stanislaus), Gelehrter, Mitglied des Inſtituts, und der Ehrenlegion, Profeſ⸗ ſor der Literatur am franz. Collegium, wurde den 6. Mai 1759 zu Strasburg geboren, und widmete ſich der Rechtswiſſenſchaft*). Er trat bei dem Herzog von Uzés als Sekretär in Dienſte; aber dieſe precäre Stelle geſiel ihm nicht lange, er verließ ſie 1785 und wählte wieder ſeine vorige Laufbahn. Man wollte ihn 1789 auf die Liſte der Advokaten bringen, aber die Begebenheiten der Revo⸗ lution zerrütteten die beſtandene Ordnung. Seitdem war er Chef de Bureau bei der General⸗Liquidation, Richter am Kaßationsge⸗ richt, Deputirter beim geſetzgebenden Corps, und Mitglied des Tribunats. In dieſen verſchiedenen Aemtern zeichnete er ſich durch Genauigkeit, Eifer, Liebe zur Pflicht und Gerechtigkeit, und einen *) Nach andern Nachrichten waͤre er 1755 in Melun(bei Paris) ge⸗ boren.. G. Andrieur. 223 ſtandhaften Willen, Gutes zu wirken, aus. Zwölf Jahre lang verſah er mit dem beſten Erfolg die Profeſſur der Grammatik und ſchönen Literatur an der polytechniſchen Schule; aber 1815 wurde ihmt dieſe Stelle genommen. Man belohnte damit einen jungen Menſchen, Namens Aymé Martin, aber für ſeine Meinungen, und nicht für ſeine Talente. Andrieux war auch ſeit 1814 zum Pro⸗ feſſor der Literatur am Collegium von Frankreich ernannt. Die Lehrer deſſelben waren unentſetzbar, und widerſtanden auch den Reinigungen d. J. 1815. Andrieux ward von einem Prieſter, der ſich die Mühe gab, ein Libell gegen ihn zu ſchreiben, allzu freier philoſophiſcher Meinungen beſchuldigt*). Der Dichter rächte ſich durch eine ſchöne Epiſtel voll Mäßigung und Heiterkeit. Wir wiſſen nicht, ob der Prieſter glücklich iſt; aber dieſe Verleum⸗ dung ſtörte weder die Ruhe, noch das Glück des Philoſophen. Trotz allen ernſten Studien und wichtigen Amtsverrichtungen hat Andrieur ſich unabläſſig mit der Literatur beſchäftigt, und in mehr als einer Gattung einen gerechten Ruhm erlangt, der ſeinen Na⸗ men und ſeine Schriften vor der Vergeſſenheit retten wird. Als dramatiſcher Dichter behauptet er in unſerer Literatur einen ſehr ausgezeichneten Platz zwiſchen ſeinen zwei Freunden Collin d'Har⸗ leville und Picard. Anarimandre, die Unbeſonnenen, der Schatz, die Komödiantin, Helvetius, und Molidre mit ſeinen Freunden, werden ſo lange auf dem Repertorium des franz. Theaters ſtehen, als man bei uns Geiſt, Geſchmack, Na⸗ tur und Heiterkeit achten wird. Er hat 1818 eine Sammlung ſei⸗ ner Werke herausgegeben. Man ſagt, daß dieſer Schriftſteller den Vorſatz hatte, die reden den Thiere, von Caſte, zu über⸗ ſetzen; auch ſoll er eine Abhandlung über Plautus, von dem La Harpe in ſeinem Lycée eine zu oberflächliche Darſtellung gege⸗ ben, verfaßt haben. Andrieur hat ſich ganz in das Fach der Literatur zurückgezogen; er ſteht in der höchſten Kraft ſeines Ta⸗ lents. Die Epoche, welcher er Ehre macht, erwartet neuerdings von ihm nützliche und angenehme Hervorbringungen. Männern, wie er, gebührt es, in Frankreich den Geſchmack des Schönen und Rützlichen zu erhalten. Andrieux(R.), Handelsmann zu Lyon, war in Tarare, bei dieſer Stadt, geboren. Seine Beſchäftigungen hinderten ihn nicht, dem Hange zur ſchönen Literatur zu folgen. Man findet *) Dieſen Sinn ſcheint hier das Original in das bloße Wort Phi⸗ loſophie zu legen. * —,.— 224 Andrieur. von ihm in Sammlungen und Zeitſchriften poetiſche Stücke, die Leichtigkeit verrathen. Sein Charakter erwarb ihm viele Freunde. Er ſtarb 1797, und ward lebhaft von ihnen beklagt, wie eine im Muſenalmanach auf 1798 befindliche, ſeinem Andenken ge⸗ weihte, Epiſtel zeigt. Andrieux(Peter Auguſtin), Schiffslieutenant, Mit⸗ glied der Ehrenlegion, wurde zu Toulon geboren. Dieſer Offizier, von welchem die Biographie des hommes vivans ſagt, er wäre vor dem Monat Februar 1815 wenig bekannt geweſen, hatte ſich ſeit der Revolution fortwährend ausgezeichnet, und in einem Beſchluſſe des Direktoriums vom 30. Mai 1796 geſchah eh⸗ renvolle Meldung ſeines trefflichen Benehmens in den Gefechten, welche das Schiff le Caira den 13. und 14. März 1795 gegen ſechs engliſche Schiffe beſtand. Er ward in der Schlacht bei Abu⸗ kir verwundet. Aber nicht allein auf der See erfuhren die Eng⸗ länder ſeine Tapferkeit, die durch mehrere Berichte der obern Of⸗ fiziere an den Marine⸗Miniſter beſtätigt wird; ſie fanden ihn auf dem Lande nicht weniger brav, als er, da ſie 1813 die Stadt Li⸗ vorno angriffen, die von ihm kommandirte Brigg Zephyr da⸗ ſelbſt vertheidigen half. Zur nämlichen Zeit verjagte er aus dem toskaniſchen Meere die Korſaren, welche es beunruhigten, und noch kreuzte er in den Gegenden der Inſel Elba, als Napoleon dieſe (26. Febr. 1815) verließ, um nach Frankreich zurückzukehren. Seine Brigg und die Napoleons ſegelten Bord an Bord einander vorbei. Andrieux unterhielt ſich eine Zeitlang mit dem Schiff⸗ lieutenant Taillade, den er gut kannte. Demungeachtet entfernte er ſich, ohne zu ahnen, daß dieſes ſchwache Fahrzeng, welches jetzt aus ſeinen Augen ſchwand, das Glück des neuen Cäſars trüge, weil dieſer die Vorſicht gebraucht hatte, ſeine Grenadiere die Mützen abnehmen zu laſſen. Einige Zeit darauf ward Andrieux von Napoleon zum Fregatten⸗Kapitän ernannt, nach der Rück⸗ kunft des Königs aber durch die Ordonnanz vom 29. Juli 1815 wieder abgeſetzt, mit der Erklärung, daß er unfähig ſey⸗ ſelbſt auf Kauffartheiſchiffen zu dienen. Dieſer Seemann verbindet mit dem glänzendſten Muth große Kenntniſſe in ſeinem Fache, die er auf häufigen Fahrten erlangte. Andrieux(Marie Martin Anton), geb. den 25. März 1768 zu Limoux, Depart. vom Aude(Languedoc), trat 1791 als Hauptmann unter das 1. Bataillon dieſes Departements. Er gab bald Beweiſe der höchſten Tapferkeit. So drang er, am 22. Sept. Andrieur. Androee. Androt. 223 1793, mit 100 Mann in eine Verſchanzung, und nahm ſie weg. Nachdem er mehrere Grade durchgangen, ward er 1799 General⸗ Adjutant, leiſtete in Italien wichtige Dienſte, beſonders beim Ue⸗ bergang über den Mincio im Jahr 1800, wo ein Pferd unter ihm getödtet ward, und bei der Blokad de von Genua, wo er Proben eines ſeltenen Talents und großer Unerſchrockenheit gab. Der Ge⸗ neral Maſſena beauftragte ihn, die Kapitulation dieſer Stadt zu unterhandeln, welche aus Erkenntlichkeit ihm einen prächtigen Sä⸗ bel zum Geſchenk machte. Nach dieſem Feldzuge wandte er ſeine Muße dazu an, die Geſchichte der Vertheidigung Genuass zu ſchrei⸗ ben, als er zur Unternehmung auf St. Domingo berufen ward, wo er 1802 am gelben Fieber ſtarb, nachdem er bis zum letzten Augen⸗ blick den größten Muth bewieſen. Androee(Johann Gerhard Reinhard), Sohn eines Apothekers, geb. zu Hannover 1724, geſt. 1793. Er übernahm das Geſchäft ſeines Vaters, und erwarb ſich einen Ruf durch vorzüg⸗ liche Kenntniſſe in der Phyſik und Chemie. Mehrere Aufſätze von ihm enthält das hannöverſche Magazin. Auch ſchrieb er, auf beſondern Auftrag des Königs von England, ein Werk über den Anbau mehrerer Landſtriche, welche zu den Beſitzungen Sr. britt. M. gehören. Die berühmten Chemiker und Phyſiker Frank⸗ lin, Gmelin und Muſchenbrock beehrten dieſen praktiſchen Gelehr⸗ ten mit ihrer Freundſchaft. Androt(Albert Auguſt), Tonkünſtler, ward 1781 zu Paris geboren. Er begann mit 15 Jahren im muſikaliſchen Con⸗ ſervatorium, und nachdem er 1804 den großen Preis erhalten, wurde er, wie es gebräuchlich iſt, auf Koſten der Regierung nach Rom geſandt, um ſich weiter zu vervollkommnen. Der berühmte Guglielmi entdeckte bald in dieſem Lehrlinge außerordentliche Anlagen, und ließ ihn im erſten Jahre eine Todtenmeſſe und ein anderes re⸗ ligibſes Stück componiren. Dies letztere, welches in der hei⸗ ligen Woche, vor einer ſehr großen Verſammlung, in der Kirche gegeben ward, erregte eine ſolche Begeiſterung, daß der Direktor des erſten Theaters in Rom, und Guglielmi ſelbſt, den jungen Ver⸗ faſſer beauftragten, die muſikaliſchen Compoſitionen für die große Oper während der Herbſtzeit zu übernehmen. Androt ergab ſich dieſem Geſchäft mit allem Feuer ſeines Alters und jener Begierde nach Ruhm, die das aufkeimende Genie belebt. Die neueſte Her⸗ vorbringung war faſt beendigt, als das Uebermaas von Nachtwa⸗ chen und Anſtrengungen die Tage dieſes intereſſanten, kaum 23 Jahre Reue Viograph. J⸗. 45 4 226 Androt. Angelucci. Angiolini. Angiviller. alten, Künſtlers beſchloß. Um ſein Gedächtniß zu ehren, gab man im October deſſelben Jahrs in de Kirche San Lorenzo in Lu⸗ cina zu Rom ein de profundis, welches er ſelbſt noch am Sterben componirt hatte. So wurde das ſchöne Requiem von dem berühmten Mozart für Mozart ſelbſt gegeben, der kurze Zeit nach ſeiner Vollendung ſtarb. Beide ließen ihren Schwanengeſang hören. 1 Angelucci, Arzt in Rom, zeichnete ſich unter den dortigen Anhängern der franz. Reyolution aus. Die päbſtliche Regierung, deren Intereſſe jenen philoſophiſchen Grundſätzen entgegen ſtand, ſäumte nicht, ihn zu verfolgen. Er ward verhaftet und in die Engelsoburg geſetzt. Auf die Verwendung der Kardinäle Antonelli und Albani wieder frei gelaſſen, verband er ſich von neuem mit den Liberalen; aber ſein verdächtiges Betragen bewirkte zum zwei⸗ tenmal ſeine Arreſtation. Doch entließ man ihn wieder auf das Begehren des Generals Bonaparte, dem zu danken er in der Folge nach Paris kam. Als die franz. Armee Italien beſetzte, wurde An⸗ gelucci zum Konſul ernannt. Aber eine Anklage machte ihn dem franz. Kommandanten verdächtig, und er verlor wieder ſeine Stelle. Nachdem die Franzoſen den Kirchenſtaat geräumt hatten, fürchtete er eine noch gefährlichere Verfolgung, und ging nach Paris. Seit⸗ dem hat er ſich nach Mailand begeben. Angiolini war Miniſter des Großherzogs von Toscana zu Rom, als ſich daſelbſt im J. 1797 der Aufſtand gegen die Franzo⸗ ſen erhob. Sein muthiges Benehmen erwarb ihm das Wohlwollen der Direktorial⸗Regierung. Er beſchützte die nach der Räumung zu Rom gebliebenen Franzoſen, und gab ihnen Päſſe nach Frank⸗ reich. Der General Bonaparte, der die italieniſche Armee kom⸗ mandirte, machte über Angiolini's Betragen dem Direktorium einen ſehr günſtigen Bericht. Er ward darum von demſelben als nach⸗ maliger Geſandter des Großherzogs von Toskana auf die ehrenvollſte Weiſe empfangen. Auch bezeigte ihm ſein Souverän alle Zufrie⸗ denheit mit ſeiner Sendung nach Paris. Angiviller(Labillarderie, Graf von), war nachein⸗ ander Kammerjunker bei Ludwig XVI. als Dauphin,*) Staats⸗ rath, Meſtre⸗de⸗Camp der Kavallerie, Direktor des königl. Gar⸗ *) Im Original Menin, von dem ſpaniſchen Wort Menino kommend. So hießen die Junker, welche mit den Prinzen erzo⸗ gen wurden. Es iſt gleichbedeutend mit dem Worte Mignon, Günſtling.— — Angiviller. Anglés. Angleſea. 227 tens, uno Mitglied der Akademie der Wiſſenſchaften. 1791 wur⸗ den ihm, auf die wegen ſeiner Verwaltung erhobene Anklage, ſeine Güter confiscirt, worauf er auswanderte. d'Angiviller liebte die Geſellſchaft der Gelehrten, und ſtand beſonders mit dem Dramati⸗ ker Ducis in Verbindung, der ſelbſt bei ihm wohnte. Die Künſte ſind ihm viel ſchuldig. Er war es, der die Idee faßte, der Ma⸗ lerei die Gallerie des Louvre zu weihen, und aus dieſem Gebäude der Vorzeit das größte Muſeum der Welt zu ſchaffen. Anglés(Karl Gregor), geb. 1740, iſt, nachdem er mehrere Stellen bekleidet, ſeit 1844 Mitglied der Deputirtenkammer. 1816 unterſtützte er das Proiekt, den Emigranten ihre noch nicht ver⸗ kauften Güter zurückzugeben und alle übrigen zu entſchädigen. 1819 erklärte er die Wahl des Grégoire, ehemaligen Biſchofs von Blois und Konventsdeputirten, für nichtig, weil ſie geſetzlos und unwürdig ſey, und ſetzte in ſeiner Abſtimmung als Präſident, das letzte Motiv vor das erſtere; welches lebhafte Einwendungen erregte. Auch ſtimmte er für die zwei Ausnahm⸗Geſetze und das neue Wahlgeſetz. Anglés(Der Graf), Sohn des vorigen, geb. zu Grenoble 4780, ſtudirte die Rechte, um eine juridiſche Stelle zu erhalten. Aber die Revolution öffnete ihm eine andere Laufbahn. Er ward Auditor im Staatsrathe, und als ſolcher bei der Verwaltung der eroberten Länder angeſtellt. In Wien erhielt er ſeine Ernennung zum Requetenmeiſter. Hierauf wurde er mit der Korreſpondenz der General⸗Polizei in den Departementen jenſeits der Alpen beauf⸗ tragt, auf welchem Poſten er bis zur Abdankung Napoleons blieb. Den 3. April 1814 ernannte ihn die proviſoriſche Regierung zum einſtweiligen Generalpolizei⸗Miniſter, und drei Monate nachher eine königl. Ordonnanz zum Staatsrath. Als Napoleon wiederkam, folgte Anglés dem Könige nach Gent, und traf kurz vor deſſen Rückkunft in Paris ein, und wurde Polizei⸗Präfekt an Decazes Stelle, der im Generalpolizei⸗Miniſterium den als bevollmächtig⸗ ten Miniſter nach Dresden geſandten Herzog von Otranto(Fouché) erſetzte. Der König beſtätigte den Hrn. Anglés von Napoleon ver⸗ liehenen Grafentitel. Angleſea(Heinrich William Pages, Graf von Orbridge, Marquis von), engliſcher General, erhielt 1815 den Titel eines Marquis. Er hatte lange gedient, ohne eine ſchwere Wunde zu empfangen; aber in der Schlacht bei Waterloo zerſchmetterte ihm eine Kanonenkugel den Schenkel. Bald reiſte 228 Angleſea. Angoſſe. er nach England zurück, um auf ſeinem Schloß der Ruhe zu leben. Als er durch Lichtſield kam, ging ihm der Magiſtrat mit allen Eh⸗ renbezeugungen entgegen. Man führte ihn im Triumph auf das Rathhaus, wo ein glänzendes Banquet veranſtaltet war, und über⸗ reichte ihm in Gegenwart der geſammten Volksmenge einen De⸗ gen, welchen ihm die Gemeinde beſtimmt hatte. Nach dieſer Cere⸗ monie führten ihn die Autoritäten immer triumphirend bis zu den Thoren der Stadt, und bei ſeiner Abreiſe begrüßte ihn der Froh⸗ ruf der Menge. Augoſſe(der Marquis von), Pair von Frankreich, iſt 1774 in der Landſchaft Bearn geboren. Sein Vater war General und Mitglied der Generalſtände als Deputirter des Adels von Ar⸗ magnac. Der junge Angoſſe befand ſich im Anfang der Revolu⸗ tion auf der Militärſchule. Bald darauf trat er in Dienſt, und dem Antriebe folgend, der damals den größten Theil der adelichen Offtziere jenſeits des Rheins verſammelte, verließ er Frankreich im J. 1791, und ſah es erſt 1801 wieder. Eine verbeſſernde Re⸗ gierung weiſſagte damals unſerem Vaterlande Jahre des Ruhms und der inneren Ruhe. Angoſſe nahm eine der ehrenvollſten admi⸗ niſtrativen Stellen, die eines Maire, an. 1806 ernannte ihn der Kaiſer zum Kammerherrn, und vertraute ihm mehrere wichtige Sendungen. Er wohnte dem Empfang der Erzherzogin Marie Louiſe bei, und begleitete ſie nach Frankreich. Jetzt erhielt er die Prä⸗ fektur des Departements der Haiden(des Landes, in Gascogne). Er unterſtützte mit einigem Erfolg den kräftigen Widerſtand, wel⸗ chen die Armee des Herzogs von Dalmatien der Coalition des Sü⸗ dens entgegenſtellte. Im nämlichen Augenblick, da er zur Beloh⸗ nung ſeines Eifers, das Offtzierkreuz der Ehrenlegion empfing⸗ war er auch genöthigt, ſein Departement zu verlaſſen. Der Akt, welcher ſeinen Nachfolger ernannte, iſt einer der erſten der am 12. März 1814 zu Bordeaux errichteten Regierung. Als nach dem 20. März 1815 alle Hoffnung zum Frieden verſchwunden und Frank⸗ reich mit einer furchtbaren Invaſion bedroht war, zögerte Angoſſe nicht, die Verwaltung des Oberrheins(Oberelſaß) zu übernehmen. Er war dort auf den Vorpoſten. Mit Ergebenheit, und nicht ohne große Reſultate, leitete er die wunderbaren Anſtrengungen und den glühenden Patriotismus der Elſaſſer. Der Unſtern bei Water⸗ loo machte ſie unnütz. Den 5. März 1819 wurde der Marquis von Angoſſe vom Könige zur Pairie berufen. d. Angoſſe. Angouléme. Angran d Alleray. 229 Angoſſe(Armand von), Deputirter der Nieder⸗Pyre⸗ näen, ſtimmte fortwährend mit dem Centrum der Verſammlung, und erklärte ſich in der Sitzung von 1819— 20 für die Ausnahm⸗ Geſetze und das neue Wahlgeſetz. Angouléme(Ludwig Anton von Bourbon, Her⸗ zog von). S. Ludwig Anton. Angouléme(Madame, Herzogin von). S. Ma⸗ ria Thereſe. Angran d'Alleray(Dionyſius Franz), geb. zu Paris 4715 aus einer alten in der Magiſtratur geehrten Familie. Die⸗ ſer achtungswerthe Beamte zeigt uns einen jener Charaktere, die man in alten Zeiten, welchen ſeine Einfachheit, Tugend, Beſchei⸗ denheit und Humanität anzugehören ſcheinen, ſo gerechter Weiſe verehrte. Im Innern ſeines Hauſes, in ſeinen geſelligen Verhält⸗ niſſen, und in der Ausübung ſeines Amtes, gab d'Alleray ein Bild jener alterthümlichen Sitten der franzöſiſchen Magiſtratur, welche mehrere Jahrhunderte lang den Namen des politiſchen Prieſter⸗ thums unſerer Inſtitutionen verdiente. Er hatte die ehrwürdigen Ueberlieferungen der Lamoignon, Molé, Harlay, und d'Agueſſeau, bewahrt, und theilte ſie mit dem unſterblichen Malesherbes. Auf einen minder hohen Schauplatz geſtellt, aus einer weniger berühm⸗ ten Familie eutſproſſen, vielleicht nicht mit ſo umfaſſendem Geiſt und ſo feuriger Seele begabt, wie dieſer, gelangte d'Alleray durch die Herrſchaft einer ſtets erleuchteten Tugend, die nur gegen ihn ſtreng war, durch die unermüdete Ausübung ſeiner öffentlichen Pflichten, und den Schatz einer tiefen Gelehrſamkeit, gleicher Weiſe zur Erinnerung und Hochſchätzung der Nachwelt. Man kann ſagen, daß die 15 letzten Jahre ſeines politiſchen Daſeyns die letz⸗ ten des Ruhms der franzöſiſchen Tribunäle waren, den zu überle⸗ ben er nicht beſtimmt zu ſeyn ſchien. Im J. 1774 wurde er zu der wichtigen Stelle eines Civil⸗Lieutenants des Chatelet von Pa⸗ ris*) berufen, verwaltete ſolche bis zu Ende 1789, und erlangte die hohe Achtung, welche das Andenken jenes Gerichtshofs ſo eh⸗ renvoll zurückruft. Eine ſolche Verrichtung ſtellte d'Alleray gleich⸗ ſam an die Spitze aller Privatintereſſen der Hauptſtadt. Er war — 1 ») Ein Tribunal, vor welchem die Civil⸗ und Kriminalſachen in er⸗ ſter Inſtanz entſchieden wurden. Es hatte ſeinen Namen von der alten Feſte le grand Chatel et; in deren Lokal es ſich be⸗ fand. Der Civil⸗ Lieutenant war eine dem Prévôt beigeordnete königliche Gerichtsperſon.. - 230 Angran dAlleray. Beamter von Paris; er wollte auch Vermittler unter den Familien ſeyn. Er übte auf ſie jene väterliche Gewalt aus, welche dem herr⸗ lichen Schiedsrichter an der Eiche von Vincennes“) einen ſo gerechten und unſterblichen Ruhm verlieh. In der Stille ſeines Kabinets, wo er alle Schmerzen, alles Vertrauen aufnahm, rich⸗ tete, tröſtete und verſöhnte d'Alleray die Prozeſſirenden, und ent⸗ ließ ſie beſſer und glücklicher. Durch dieſe Ausübung einer häus⸗ lichen Magiſtratur bewahrte er den Bürgern Glück und Ehre, und den Gerichten den Anſtand. Seine unveränderliche Liebe zum Gu⸗ ten bewog ihn auch, zweimal wöchentlich einen Conferenz⸗Curs für junge Räthe, die er beſonders ſich auszuzeichnen berufen glaub⸗ te, zu eröffnen.— In dieſen Conferenzen entfalteten ſich die auſ⸗ ſerordentlichen Kenntniſſe und die Tugenden dieſes wahren Beam⸗ ten, und wenn auch eine Art von Langſamkeit die Wirkungen ſei⸗ nes Geiſtes, der eben ſo geordnet, als ſein Herz rein, war, zu charakteriſiren ſchien, ſo ſchöpfte doch die, trotz ihrer natürlichen Lebhaftigkeit aufmerkſame, Jugend klare Definitionen, lichtvolle Anwendungen, und ſichere Angaben des Rechten und Unrechten, die ſich tief in ihr Gedächtniß prägten, und ſie in den Amtsver⸗ richtungen, welchen d Alleray vorſtand, leitete. Dieſer juridiſche Curs war zugleich ein ſchöner moraliſcher. Ein Zug, der dem Dichter Chaſtenet⸗Puiſégur den Stoff zu einem Schauſpiel in 3 Akten: Der wohlthutige Richter, geliefert hat, ehret d'Al⸗ leray auf immer. Im Winter 1787 hatten die Handelswächter einen Unglücklichen wegen einer ziemlich beträchtlichen Summe ver⸗ haftet. Er war Vater einer zahlreichen Familie, und ihre einzige Stütze. Der rechtſchaffenſte Richter konnte den Armen nicht der geſetzlichen Verurtheilung entziehen. Aber der Menſchlichſte der Menſchen erwartete ihn im Gefängniſſe, und als er hineintrat⸗ fand er— d'Alleray, die Bezahlung ſeiner Schuld, und die Frei⸗ heit. Im J. 1787 ward d'Alleray Staatsrath und Mitglied der Verſammlung der Notabeln. Zwei Jahre darauf berief ihn der König zur Präſidentſchaft einer der adelichen Sectionen bei den Generalſtänden. Eine ſo ruhige Seele, wie die ſeinige, mußte durch den Ausbruch der Revolution d. J. 1789, wovon jene Ver⸗ 2) Noch im 16. Jahrhundert zeigte man im Walde von Vincennes⸗ bei Paris, eine Eiche, unter welchen der heil. Ludwig ſeinen Unterthanen Recht ſprach. Würdig ſteht dem Namen des frommen Königs der des edlen Nichters zur Seite, deſſen Leben hier die Muſe der Geſchichte zeichnet. G. Angrand Alleray. Angran. 231 ſammlungen ſchon das ſturmbewegte Vorſpiel gaben, allerdings heftig beunruhigt werden. Die Verrichtungen eines Civil⸗Lieute⸗ nants, welche er 15 Jahre mit Freuden geübt, dünkten ihm jetzt eine zu ſchwere Laſt. Der nahe Fall des Parlaments gab nunmehr dem Chatelet eine Vereinzelung und eine Verantwortlichkeit, zu der ſich die Gewohnheiten und Erinnerungen eines alten Magi⸗ ſtrats nicht bequemen konnten. D'Alleray nahm ſeine Entlaſſung, mit dem Bedauern ſeiner Kollegen und der ganzen Stadt Paris geehrt. Dies Bedauern war um ſo ſchmerzlicher, als er durch ſei⸗ nen Rachfolger Talon bei weitem nicht erſetzt werden konnte(S. Favras und Talon). Er fand nun im Schooße ſeiner Familie einen Zufluchtsort während den Revolutionsunruhen. Sie beſtand aus drei Töchtern. Die älteſte war die Gattin des Marquis von Vibraye, General⸗Licutenants und Erziehers des Herzogs von Enghien; die zweite des Marquis de la Luzerne, anfänglich Geſand⸗ ten zu Konſtantinopel, hernach zu London; und die dritte des Gra⸗ fen de la Luzerne, damaligen Sceminiſters. Die Auswanderung trennte ihn bald von einem Theil ſeiner Familie. Während der Schreckenszeit ward er verhaftet, und vor den allzu famoſen Fou⸗ quier⸗Tinville, damals öffentlichen Ankläger am Revolutionstri⸗ bunal, geführt. Dieſer Mann, der Prokurator am Chatelet ge⸗ weſen, erinnerte ſich der Tugenden ſeines ehemaligen Vorgeſetzten, und faßte, als unerklärbare Ausnahme von der verſöhnungsloſen Wildheit ſeines Charakters, den Vorſatz, ihn dem Tode zu entzie⸗ hen. Aber d'Alleray war als Vater von Emigranten verhaftet, und er mußte hier leugnen, daß er ſeinen Kindern Unterſtützung geſandt habe. Dieſer ruhmwürdige Bürger konnte nicht zwiſchen dem Leben und der Lüge wanken.„Weißt du nicht, ſagte der rauhe „Fonquier⸗Dinville mit einer unterdrückten Gemüthsbewegung, „das Geſetz, welches dergleichen verbietet?— Ich kenne ein hei⸗ „ligeres, erwiederte der Greis; das der Natur, welches den Vä⸗ „tern gebeut, ihren Kindern Hülfe zu leiſten!“ Dieſe edle und rührende Antwort war Schuld, daß d'Alleray ſein Haupt auf das Schaffott trug, am 18. April 1794, in einem Alter von 79 Jahren. Angran(Ludwig Alerander), Bruder des vorigen⸗ geb. 1713, geſt. 1801 ohne Nachkommenſchaft. Er war Rath an der großen Kammer, und wegen ſeiner Einſichten und Rechtſchaf⸗ tbei⸗ den erblichen Eigenſchaften dieſer Familie, allgemein 232 Angri. Aniſſon du Perron. Angri(Von), ein neapolitaniſcher Prinz, zeigte ſch ſehr bald als einen Anhänger der Revolution. Als aber im J. 1799 die königlichen Truppen die Stadt Neapel wieder einnahmen, ward er geächtet, und entzog ſich nur durch die Flucht der ihm vorbehal⸗ tenen Strafe. Man ſtürmte nach ſeinem Palaf, und legte ihn in Aſche. Aniſſon du Perron(Stephan Alerander Jakob), geb. zu Paris 1748, aus einer Familie, die ſich durch typographi⸗ ſche Kunſt rühmlich auszeichnete. Er bewahrte den Ruf, den die Celebrität ſeiner Väter von ihm heiſchte. Seine Werkſtätten, die er mit beſonderer Sorgfalt leitete, und deren Thätigkeit während den Arbeiten der konſtituirenden Verſammluns nicht erſchlaffte, wurden von Einheimiſchen und Fremden, Liebhabern der bewun⸗ dernswürdigen Kunſt,„das Wort zu mahlen, und die Augen anzu⸗ „ſprechen,“ um die Wette beſucht. Im J. 1790 gab er ein Schrei⸗ ben über den Oruck der Aſſignaten heraus. Am 4. Juli 1792 war er gezwungen, ſich, zur Entfernung der Schuld, einen inkonſtitutionellen Beſchluß des Departements der Somme gedruckt zu haben, bei der geſetzgebenden Verſammlung dahin zu rechtfertigen, daß er Befehl vom General⸗Sekretär des Miniſte⸗ riums gehabt. Nach dem 10. Auguſt gab er, durch mancherlei Unannehmlichkeiten bewogen, die Direktion der Druckerei auf, die jetzt die nationale hieß. Er glaubte, ſich ſeinem ſchlimmen Schick⸗ ſale gänzlich zu entziehen, wenn er ſich auf das Land begäbe. M Aber er ward im Germinal 2. verhaftet. Geldaufopferungen, die er, zur Wiedererlangung ſeiner Freiheit, an mehrere Munizipal⸗ glieder von Ris und Corbeil, wo ſeine vorzüglichſten Güter lagen, zu machen verſuchte, beſchleunigten ſein Verderben. Er wurde unmittelbar vor das Revolutionsgericht gezogen, und den 6. Flo⸗ réal(April 1794) zum Tode verurtheilt. Seine Wittwe recla⸗ mirte bei mehreren geſetzgebenden Verſammlungen, und zuletzt bei dem Rathe der 500, gegen die Konfiscation ſeiner Güter. Der Rath, nach angehörtem Bericht und Verhandlung, entfernte die Reklamation, indem er zur Tagesordnung überging.— In einem Memoire über den Buchſtabendruck, mit der Be⸗ ſchreibung einer neuen Preſſe begleitet, welches im März 1783 in der Akademie der W zätenſchaften geleſen und 1785 herausgegeben ward, behauptet Aniſſon du Perron der Erfinder einer beſondern Preßmaſchine zu ſeyn, welchen Vorzug aber die Herren Di⸗ dot in Anſpruch nehmen, weil, ſagen ſie, die Ausgabe des Romans Daphnis und Chloe, von d' Anſſe de Villoiſon, 1777, von ihnen mit derſelben gedruckt worden ſey. Anniſſon du Perron. Ankarſtroem. 233 Anniſſon du Perron(Hippolote), älteſter Sohn des vorigen, war beim Tode ſeines Vaters ohngefähr 19 Jahre alt. Er vollzog mehrere Sendungen in Italien unter der kaiſerlichen Regierung, die ihn 1809 zum Auditor im Staatsrath, und hernach zum Generalinſpektor der kaiſerl. Druckerei, ernannte. Nach der Wiedereinſetzung des Hauſes Bourbon auf den Thron ward er auf die Liſte der Requetenmeiſter geſetzt, und 1815 zum Direktot der königlichen Druckerei ernannt. Während der 100 Tage ſetzte man dieſe Druckerei in den vorigen Stand; aber nach der zweiten Reſtauration trat Anniſſon du Perron wieder in den Genuß ſeiner Prärogative, und wurde zugleich Mitglied der Siegel⸗Kommiſſion und außerordentlicher Requetenmeiſter. Die königliche Ordon⸗ nanz erregte vieles Mißvergnügen unter den Buchdruckern zu Paris. Sie behaupteten, daß ſie Hrn. Aniſſon die Mittel gäbe, zu ihrem Schaden ein Monopol zu üben, deſſen Koſten von der Regierung getragen würden. Doch blieb ſie in ihrer Kraft. Ankarſtroem(Johann Jakob), ſchwediſcher Offtzier,⸗ wurde 1759 geboren. Sein Vater war ein Neugeadelter. Auch er zeigte ſich mehr den Inſtitutionen des Adels, als dieſem ſelbſt, er⸗ geben. Der ariſtokratiſche Fanatismus bewog ihn nicht mehr, als der demagogiſche, jenen ſchrecklichen Streich zu küßren, durch wel⸗ chen er eine ſo traurige Celebrität erhielt. Zur Laufbahn der Waffen beſtimmt, ward der junge Ankarſtroem bald unter die kö⸗ nigliche Garde als Fähndrich aufgenommen, der den Rang eines Unterlieutenants hat. Mit 24 Jahr ten verließ er den Dienſt, und zwar 1783, nicht 1789, wie andere Biographen ſagen. Er hatte keine Beförderung erhalten; aber in ſeinem Abſchied bewilligte man ihm den Hauptmanns⸗Titel, welches bei dem Garde⸗Re⸗ giment und andern privilegirten Corps ſtatt hat, in denen, ſo wie in Frankreich, jeder Grad einem höheren bei der Armee gleich ſteht. Ankarſtroem zog ſich auf ſein Landgut zurück. Einige Zeit nachher ward er, auf die Anklage eines Unterbeamten der Polizei, in un⸗ ſchicklichen Ausdrücken von König Guſtao III. vor einer Bauern⸗ verſammlung geſprochen zu haben, verhaftet, in die Feſtung Wis⸗ by, auf der Inſel Gothland, geſetzt, und darauf, mehrere Jahre lang, von Feſte zu Feſte gebracht. Endlich entließ man ihn wie⸗ der, weil man keine juridiſche Beweiſe gegen ihn finden konnte; daher der noch fortdauernde Glaube, der König habe ihm Gnade verliehen. Er ging auf das Land zurück, und erſchien erſt wieder 1789 zu Stockholm. Auf dem Reichstage deſelben Jahrs bewirkte Guſtav, der ſchon die ſchwe diſthe Regierung im J. 1772 verändert/ 234 Ankarſtroem. eine völlige Umwandlung, ſchaffte den Senat ab, befeſtigte die königl. Gewalt, und ließ 17 der einflußreichſten Repräſentanten des Adels, worunter Graf von Ferſen, Vater desjenigen, der eine Rolle in Frankreich geſpielt, der Graf von Horn, die Barone Mack⸗ leans ꝛc. ſich befanden, verhaften. Ankarſtroem ſprach erſt in der vorletzten Sitzung, aber mit äußerſter Heftigkeit. Jezt ließen der Adel und ein Theil der Plebeier die Klagen über den Verluſt ihrer Rechte laut werden. Der Groll, den Ankarſtroem gegen den Mo⸗ narchen trug, wurde noch bitterer durch die an dem Oberſten Hoetsko vollzogene Todesſtrafe. Dieſer Offizier, einer der ausge⸗ zeichnetſten der Armee in Finnland, hatte am meiſten dazu beige⸗ tragen, dieſelbe vom Offenſiv⸗Kriege gegen Rußland abzuhalten, weil dieſe Unternehmung, als von den Ständen des Königreichs nicht gebilligt, für illegal gehalten wurde. Deswegen wurde er auf dem öffentlichen Platze zu Stockholm hingerichtet. Ankarſtroem begleitete den Oberſten bis zum Schaffott, und dort faßte er, nach ſeiner im Verhör gegebenen Erklärung, den Entſchluß zum Morde des Königs. Er wollte ihn allein vollbringen. Mit dieſer beſtimm⸗ ten Aeußerung ſchloß er ſich an die Mißvergnügten an, die ſein Vorhaben begünſtigten. Dieſe ſchreckliche Sendung ward ihm von Niemand ſtreitig gemacht. Deswegen loſete man nicht, wie man⸗ che Biographien behaupten. Die Bändereichen Akten des zu Stock⸗ holm 1792 gedruckten Prozeſſes ſagen nicht ein Wort davon. Der Kurier von Europa hat allein dieſe Erzählung verbreitet; kein ſchwediſches Journal enthält ſie. Wie dem auch ſey, der Anſchlag konnte weder damals zu Stockholm, noch ſpäter zu Gehle, wohin der König auf den 23. Januar 1792 den Reichstag berufen hatte, gelingen. Die Verſchwornen hatten ſich dort verſammelt; aber die Gelegenheit fehlte. Aufgebracht durch die Widerwärtigkeiten und die nenen Maßregeln des Reichstags kamen ſie nach Stockholm zurück, mit dem Entſchluſſe, den Vorſchub, welchen ihnen ein Maskenball darbot, zu benutzen. Hier war es, wo am 16. März (nicht am 15., wie man irriger Weiſe gemeldet,) der ſchwediſche Monarch den Schuß erhielt, von welchem er ſterbend in die Arme des Grafen von Eſſen ſank, mit dem er eben den Saal durchging. Ankerſtroem, der ſein Ziel ſicher gefaßt hatte, ſchoß auf Guſtav eine mit zwei Kugeln und mehreren Nägeln geladene Piſtole ab; alsdann verlor er ſich in der Menge. Er hatte, ſagt man, ge⸗ fürchtet, den Konig unter dem Domino nicht zu erkennen; aber der Graf Horn bezeichnete ihm denſelben, indem er den Fürſten mit den Worten grüßte:„Guten Tag, ſchöne Maske!« Nach der Ankarſtroem. Annecy. 235 Räumung des Saals fand man auf dem Fußboden eine Piſtole und einen Dolch. Ein Waffenhändler aus Stockholm erkannte die Pi⸗ ſtole, welche Ankarſtroem bei ihm gekauft. Dieſer ward am 18. März in ſeiner Wohnung, wohin er ſich ganz ruhig begeben hatte, verhaftet. Man hat fälſchlich geſagt, daß eine Kommiſſion ihn gerichtet; er wurde vor die gewöhnlichen Tribunäle geſtellt. Mit Feſtigkeit geſtand er, daß er Vollzieher des Mords ſey, und nannte einige Perſonen, nicht als Mitſchuldige, ſondern nur als Mitwiſſer, ſeines Vorhabens. Den 29. April 1792 ward er verurtheilt, drei Tage lang mit Ruthen gepeitſcht, und darauf, nach Abhauung der rechten Hand, enthauptet zu werden. Er ging ruhig zum Tode, indem er gleichgültige Blicke auf die ihn umgebende Menge warf, und erlitt ſein Schickſal mit Ergebung im Alter von 33 Jahren. Mehr als 200 Perſonen von allen Klaſſen wurden in dieſe Sache verwickelt, Edelleute, Beamte, Bürger, Offiziere, und Plebeier. Einer dieſer letzteren gab ſich den Tod im Gefängniſſe, zur nämli⸗ chen Zeit, als ſich der Baron von Bielke in ſeiner Behauſung töd⸗ tete, und alle geiſtliche und zeitliche Hülfe, die man ihm reichen wollte, ausſchlug. Vier Mitſchuldige Ankarſtroems wurden zur Landesverweiſung verdammt, nämlich: die Grafen von Horn und von Ribbing, der Obriſt des Garde⸗Regiments Liliehorn, und der Artillerie⸗Adjutant Ehrenſward. Fünf andere verurtheilte man zu einer mehr oder weniger langen Gefangenſchaft, nämlich: den alten General Pechlin, die zwei Brüder des Miniſters der äußern Angelegenheiten Engſtroem ꝛc. Die andern wurden frei gelaſſen. Ankarſtroems Verſchwörung und Tod gaben den Stoff zu einer Tragödie, welche das Théaâtre français annahm, deren Vorſtel⸗ lung zu erlauben aber die Regierung von 1793 nicht für gut hielt. Selbſt der Heilsausſchuß und Robespierre fanden dieſes Stück übertrieben, das den Antor der republikaniſchen Tragödie Pau⸗ ſanias zum Verfaſſer hatte.(S. Trouvé.) Dieſer war damals Redacteur des Moniteur oder der National⸗Zeitung, und wurde ſpäter Mitarbeiter am Conſervateur, einer Art von ul⸗ tramonarchiſchem Blatte. Er hatte die Entwickelung ſeines Stücks, deſſen Autorität die Nationalzeitung ſeyn mußte, auf das Ziehen der Looſe berechnet, deren Urne mit Pomp auf die Bühne getragen ward. Dies konnte wohl Anlaß zu einer ſchö⸗ nen Scene in einer Tragödie oder in einem Melodram geben, ver⸗ ſtieß aber gegen die hiſtoriſche Wahrheit.(S. Guſtad III.) Annecy, einer der ſogenannten farbigen Menſchen(Mulat⸗ ten), wurde von der Kolonie St. Domingo 1797 als Deputirter 236 Annecy. Aunée. Anquctil. zum Rathe der Alten abgeſandt; da aber ſeine Ernennung einige Schwierigkeiten hatte, erfolgte ſie erſt 1798, und im folgenden Jahre ward er Sekretar des Raths. Als 1801 Touſſaint'Ou⸗ verture die Kolonie vom Mutterlande unabhängig erklärt hatte, be⸗ ſchuldigte man Annecy des Einverſtändniſſes mit den aufrühriſchen Schwarzen, als deren eifrigen Anhänger er ſich gezeigt, und de⸗ portirte ihn 1802 nach der Inſel Elba. Année(Anton), erklärte ſich ſehr bald für die Sache der Freiheit. Als er ſich aber in den Epochen des 20. Juni, des 10. Auguſt und der Septembertage zu Paris befand, machten das Un⸗ glück und die Verbrechen derſelben einen ſo tiefen Eindruck auf ihn, daß er ſeitdem nicht aufhörte, ſich gegen dieſe unſeligen Aus⸗ ſchweifungen zu erheben. Während der Schreckensregierung war er bei den Armeen, dem einzigen Aſyl und Sicherheitsort derie⸗ nigen Männer, welche dort keine ſo hohe Poſten bekleideten, daß ſie Neid erregen oder die Furcht einer unruhigen und eiferſüchti⸗ gen Behörde wecken konnten. Einige Monate nach dem 9. Ther⸗ midor 2, kam er nach Paris zurück, und gab daſelbſt unter dem Titel des Widerherſtellers(Rehabilitateur) ein Journal heraus, welches er dem rächenden Andenken der auf den Altären des Schreckens geopferten Unglücklichen weihte. Es erſchienen nur ohngefähr 20 Numeros deſſelben. Noch war das greuliche Syſtem⸗ gegen das er aufſtand, zu nahe; die Menſchen, welche dabei die erſten Rollen geſpielt, waren noch zu mächtig, als daß ein ſolches Blatt hätte ungeſtraft an's Licht treten dürfen, und— der Autor war gezwungen, es aufzugeben. Eine glücklichere Zeit hat, we⸗ nigſtens zum Theil, die traurigen Eindrücke jener unſeligen Epoche in ſeinem Geiſte ausgelöſcht. Er widmete ſich ſeitdem der Literg⸗ tur, und dichtete mehrere artige Stücke für das Theater des Vau⸗ deville, in Verbindung mit Gerſin, Ferrière, Jouy ꝛc. z. B. Ar⸗ lequin décorateur, le Carrosse espagnole eic für das Théâ- tre Favart unter andern une nuit d'iés und für das Théâ- tre Louvois das Luſtſpiel: Un Tour de Soubrette, u. a. Er lieferte Beiträge für mehrerr Journale, und iſt einer der fleißigſten Mitarbeiter an der Revůͦe encyclopédique. Zur Zeit, als der wohlbekannte Kritiker Geoffroy die Kuliſſen in Verwirrung ſetzte, ſammelte Année ſeine verſchiedenen urtheile, ſtellte ſie ge⸗ geneinander, und verfertigte daraus ein Werk, d das man wcherm Pigault⸗Lebrun zugeſchrieben hat. Aunaurtil(Ludwig Peter), Mitglied der zweiten Kuſe — ₰— Anquetil. Anquetil du Perron. 237 des Nat. Inſtituts und der Ehrenlegion, wurde 1723 zu Paris ge⸗ boren. Er ſtudirte die Theologie in der Congregation von St. Ge⸗ novefa, und machte in allen Wiſſenſchaften ſo reiſſende Fortſchritte, daß er ſelbſt unterrichtete, während er noch zu lernen ſchien. Mit 20 Jahren war er Profeſſor der ſchönen Wiſſenſchaften, der Philo⸗ ſophie und Theologie am Collegium St. Jcan. Als Direktor des, — Seminariums zu Rheims gab er eine wohlgeſchriebene Geſchichte dieſer Stadt. Ein mit Recht berühmtes Werk iſt der Geiſt der Ligue. Im Anfang der Revolution war er Pfarrer zu La Vilette, bei Paris. Dort entwarf er den Plan zu ſeinem kurzen Inbe⸗ griff der Univerſalgeſchichte. Während der Schreckens⸗ zeit verhaftet, ſetzte er dieſes Werk im Gefängniſſe fort, und vol⸗ lendete es nach ſeiner Befreiung. Jetzt wurde er Mitglied der Aka⸗ demie der Inſchriften und ſchönen Literatur, und in der Folge bei dem Miniſterium der auswärtigen Augelegenheiten angeſtellt. Außer den genannten hat man von ihm mehrere vorzügliche hiſtoriſche und po⸗ litiſche Schriften über Frankreich, auch Abhandlungen, die ſich unter den Denkwürdigkeiten des Inſtituts befinden. Jedes Jahr machte er eine Reiſe zu ſeinen ehemaligen Pfarrkindern in Chateau⸗ Renard, bei Orleans, wo er einmal als Prior geſtanden. Da ſein dortiger Aufenthalt durch den Eifer in Erfüllung ſeiner Pflichten und durch Wohlthätigkeit bezeichnet war, ſo empfing er immer häu⸗ fige Beweiſe der Achtung und Ergebenheit. Er war von ſehr ge⸗ ſelligem Charakter, und verſchieden von ſeinem Bruder Anguetil⸗ du Perron, mit dem er jedoch beſtändig in enger Freundſchaft lebte. Seine Gemüthsart war immer gleichbleibend und von großer Mä⸗ ßigung. Ihr verdankt er die Stärke, die ihn bis zum letzten Au⸗ genblicke aufrecht hielt. Er arbeitete zehn Stunden des Tags, ſelbſt in den letzten Jahren ſeines Lebens. Den 6. September 1808 ſtarb er, 84 Jahre alt. Den Tag vor ſeinem Tode ſagte er zu ei⸗ nem ſeiner Freunde:„Sehen Sie hier einen Mann, der voller „Leben ſtirbt!« Anquetil du Perron(Abraham Hy aeinth), Bruder des vorigen, geb. zu Paris 1731, ſtudirte auf der dortigen Univer⸗ ſitäty wo er mit Erfolg die hebräiſche Sprache lernte. Hr. von Caylus*), Biſchof von Auxerre, leitete ſeine theologiſchen Stu⸗ dien ſowohl in ſeiner eignen Diöceſe, als im Seminariam zu Amers⸗ — *) Dieſer iſt nicht mit dem berühmten Alterthumsforſcher Grafen von Caylus zu verwechſeln, welcher in Militärdienſten ſtand. Wahrſcheinlich gehört er aber zu deſſen Verwandten. G. 238 1 Anquetil du Perron. fort, bei Utrecht; aber Anquetil neigte ſich beſonders zum Hebräͤi⸗ ſchen, ſeinen Dialekten, und zum Perſiſchen. Die Bitten des Prä⸗ laten konnten ihn nicht mehr in Amersfort halten, als dort nichts mehr für ihn zu lernen war. Er kam wieder nach Paris, und ſein Fleiß auf der Bibliothek wurde von dem Aufſeher Abbé Sallier bemerkt, der ihn mit ſeinen Freunden bekannt machte. Ihren Ver⸗ wendungen dankte er einen mäßigen Gehalt als Eleve der orienta⸗ liſchen Sprachen. Zufällig fielen ihm mehrere kalkirte Blätter nach einem Manuſcript des orientaliſchen Werks Vendidad- Sade in die Hände. Sogleich faßte er den Vorſatz, nach Indien zu gehen, um die heiligen Bücher der Parſen*) zu entdecken. Da er die Vergütung der Reiſekoſten nicht erhalten konnte, ließ er ſich als Soldat auf einem königlichen Seeſchiff anwerben. Seine Freunde benachrichtigten hievon den Miniſter, der, gerührt von ſeinem Eifer für die Wiſſenſchaften, ihm die Reiſekoſten von Sei⸗ ten der Regierung, den Tiſch des Kapitäns, Bücher, mathema⸗ tiſche Inſtrumente, Karten, und einen Gehalt, den der Gouver⸗ neur der franzöſiſchen Niederlaſſungen in Indien anweiſen ſollte, bewilligte. Aber dieſes Wohlwollen kam Anquetil du Perron nicht zu gut; denn er war ſchon vor Empfang der Depeſchen des Mini⸗ ſters abgereiſt. Die Fahrt dauerte neun Monate. Er ſtieg den 10. Auguſt 1755 zu Pondichery an's Land, und nahm dort ſeinen Aufenthalt, um das Neu⸗Perſiſche zu erlernen. Darauf ging er nach Shandernagor, weil er das Samſerit ſtudiren wollte. Als er im Begriff war, dieſe Stadt wieder zu verlaſſen, befiel ihn eine ſchwere Krankheit. Kaum ſah er ſich hergeſtellt, als der Krieg zwiſchen Frankreich und England ausbrach. Shandernagor wurde genommen; Anquetil du Perron, der den Zweck ſeiner Reiſe zu ver⸗ fehlen fürchtete, hatte den Muth, zu Land nach Pondichery, ganz allein, ohne Geld, mitten durch ungeheure, von wilden Thieren unſicher gemachte, Gegenden, zurückzuwandern. Auf ſeinem Wege betrachtete er alle Pagoden, und nachdem er einen Raum von 400 Stunden in brennenden Wüſten durchzogen, kam er endlich nach Pondichery, und fand dort einen ſeiner Brüder, mit dem er ſich nach Surate einſchiffte. Da ihr Schiff unter Wegs anhalten mußte, begab ſich Anquetil nach Calicut, nach Goa, nach Auren⸗ gabad, drang in das Land der Maratten ein, unterſuchte die Denk⸗ mäler der Juden und Chriſten zu St. Thomas, und ſammelte ſorg⸗ *) Ein Volk, das, unter Indiern und Perſern wohnend, ſeine be⸗ ſondere Religion hat, und von dieſen auch Gebern, d. h. Un⸗ gläubige oder Feueranbeter, genannt wird. G. — 4—— Anguetil du Perron. 1 239 fältig die Ueberlieferungen derſelben. Auch ſtellte er über das Klima und die Sitten der Einwohner viele Beobachtungen an. In dieſer Stadt wurde ſeine Hoffnung erfüllt; er fand die Prieſter, welche die heiligen Bücher beſaßen, die er ſuchte. Doch ſetzten ihm dieſe Prieſter manche Schwierigkeiten entgegen, weil ihnen das Geſetz verbot, die Bücher anderer Religionsverwandten mitzuthei⸗ len. Indeſſen gelang es ihm, durch Beharrlichkeit und Unterwür⸗ figkeit, einen dieſer Prieſter oder Destours dahin zu bringen, daß er ihn die Sprache Pehlvi lehrte. Er ſtudirte mit ſolchem Eifer, daß er bald ein Wörterbuch dieſer Sprache verfertigen konn⸗ te, welches er am 24. März 1759 ſchloß. Der Prieſter, der ihn unterrichtet, führte ihn mit Gefahr ſeines Lebens in das innerſte Heiligthum des Tempels. Hier erblickte er die Gebräuche und Ce⸗ remonien, von welchen die Liturgieen nur eine ſehr unvollkommene Beſchreibung geben. Er hatte ſich vorgenommen, die Sprachen und Bücher der Hindus zu Benares zu ſtudiren; aber die Erobe⸗ rung Pondichery's hinderte ihn daran. Ein Streit, den er mit ei⸗ nem Franzoſen hatte, nöthigte ihn, ſich unter den Schutz der brit⸗ tiſchen Flagge zu begeben. Er landete in England, und ging nach Orford, um die Schriften, die er beſaß, mit dem daſelbſt befind⸗ lichen Manuſcript des Vendidad-Sade zu vergleichen. Der größte Theil der perſiſchen Bücher war von ihm überſetzt. Er kam den 4. Mai 1762 nach Paris zurück, ohne Vermögen, aber im Be⸗ ſittz von 180 Manuſcripten, und überdies mit einer großen Menge ſeltener und merkwürdiger Gegenſtände verſehen. Der Abbé Bar⸗ thelemy(Verfaſſer des Anacharſis), erwirkte, in Gemeinſchaft ei⸗ niger Literaturfreunde, die Anquetil ſchätzten, ihm eine Penſion und die Ernennung zum Dolmetſcher der orientaliſchen Sprachen in der königlichen Bibliothek. 1763 ward er Mitglied der Akademie der ſchönen Wiſſenſchaften. 1771 gab er den Zend⸗Aveſta,*) eine Sammlung der heiligen Bücher der Parſen, heraus. Er fügte ſeiner Ueberſetzung eine intereſſante Darſtellung ſeiner Reiſen und das Leben Zoroaſters bei, der den Zend⸗Aveſta zum Theil ab⸗ faßte, deſſen älteſte und merkwürdigſte Stücke der Vondidad und der ILzeschne ſind; mit dem Vorſatze, Montesquieu zu widerlegen, der die Völker Indiens als Sklaven ſchildert, ſchrieb Anquetil ein Werk, betitelt: Orientaliſche Geſetzgebung, ——. *) Zend⸗Aveſta heißt das lebendige Wort. Zend und Pehlvi ſind die altperſiſchen Dialekte. In der Zendſprache ſind die hier angezeigten heiligen Bücher des Zoroaſters ercheieten 240 Anquctil du Perron. oder Unterſuchung des Despotismus in der Türkei⸗ Perſien und Hindoſtan. Er bemüht ſich vorzüglich, zu be⸗ weiſen, daß es dort Geſetze giebt, die ſowohl für den Beherrſcher als für die Nation verbindlich ſind. Außerdem hat man von ihm hiſtoriſche und geographiſche Unterſuchungen über Indien, und ein Werk über den Handel. Aus Frankreich ſchrieb Auquetil an die Braminen, um ſie zur Ueberſetzung der alten indiſchen Bücher in das Perſiſche zu bewegen. Er ſchildert ihnen ſeine Lebensart fol⸗ gendermaßen:„Brod mit Käſe, im ganzen A franzöſiſche Sols „oder das A einer indiſchen Rupie werth, und Brunnenwaſſer⸗ „dies iſt meine tägliche Nahrung. Ich lebe ohne Feuer, ſelbſt im „Winter, ſchlafe ohne Bettücher, ohne Federn. Meine Waſche iſt „weder gewechſelt, noch gelaugt. Ich nähre mich von meinen li⸗ „terariſchen Arbeiten, ohne Einkommen, ohne Gehalt, ohne Stelle. „Ich habe weder Frau, noch Kinder, noch Dienerſchaft. Der „Güter beraubt, auch der Verbindungen mit dieſer Welt entle⸗ „digt, allein, gänzlich frei, aber ein wahrer Freund aller Men⸗ „ſchen, und beſonders rechtſchaffener Leute, in dieſem Zuſtand „hart gegen meine Sinne kämpfend, triumphire ich über die Reize 2 „der Welt, oder verachte ſie. Mit Wärme nach dem höchſten und „vollkommenſten Weſen emporſtrebend, erwarte ich voll Ungeduld „die Auflöſung meines Leibes.“ Ludwig XVI. wollte einer gewiſ⸗ ſen Anzahl Gelehrter Belohnungen ertheilen, und Anquetil du Perron war für 3000 Franken auf die Sr. M. vorgelegte Liſte ge⸗ ſetzt. Nur fand man ſchwierig, ihn zur Annahme dieſer Summe zu bewegen. Einer ſeiner Kollegen übernahm den delikaten Auf⸗ trag. Nachdem derſelbe vergebens alle Mittel der Ueberredung angewendet, legte er verſtohlen das Gold in einen Winkel des Ka⸗ mins, und ging ſchnell hinaus. Aber er konnte nicht ſo geſchwind die Treppe hinabſteigen, als der Sack unten ankam. Anquetil ſchlug auch eine Penſion von 6000 Livres aus, deren ihn der Aus⸗ ſchuß für die öffentliche Erzichung würdig erklärt hatte. Er ſchickte das Brevet zurück, mit der Erklärung, daß er nichts bedürfe. In⸗ deſſen war er in der größten Noth; dies bewies ſchon ſeine ſchlechte Kleidung. Einer ſeiner Kollegen, der ihm mehrere Jahre nicht begegnet, hielt ihn eines Tags für einen ſchüchternen Armen(pau⸗ vre honteux), und erkannte ihn erſt beim Anbieten eines Allmo⸗ ſens.„Sie überraſchen mich nicht, ſagte Anquetil, und ernie⸗ „drigen mich eben ſo wenig. Sie wollten ein gutes Werk thun. Dies „ſey Ihnen nicht geraubt; ich werde ſelbſt Theil daran nehmen. „Bieten Sie der leidenden Menſchheit Ihre Gabe an, und zwar in * Anquetil du Perron. Anſart. 241 „der Perſon eines andern Greiſes, der wenige Schritte von hier viſt und ſehr unglücklich zu ſeyn ſcheint. Was mich betrifft, ſeyen „Sie verſichert, daß ich es nicht bin und nicht ſeyn kann.“ Als er bei der Wiederorganiſirung des Inſtituts zu deffen Mitglied er⸗ nannt wurde, hielt er ſich für ſehr reich.„Nennen Sie mir, ſagte er zu einen ſeiner Freunde,„eine ehrbare Familie, die der Hülfe bedarf; ich kenne deren keine mehr. Ich habe jeden⸗Monat 100 „Franken, die mir nichts nützen.“ Auch machte er ſich bald von dieſem Reichthum los; denn er trat aus dem Inſtitut, weil er ſich weigerte, den Reichskonſtitutionen den Eid zu leiſten. Der näm⸗ liche Uneigennutz und der edelſte Patriotismus waren Urſache, daß er in England 30,000 Livres für ſeine Ueberſetzung des Zend⸗ Aveſta verweigerte. Der Tod entriß ihn 1805, als er eine Ueber⸗ ſetzung der Reiſe des P. Paulin de St. Barthelemy nach Indien revidirte, wovon er die erſten Theile herausgab. Sylveſtre de Sacy beſorgte den Druck nach ſeinem Tode. Anque⸗ til du Perron überſetzte auch den lateiniſchen Traité sur PEglise, von dem berühmten Doctor Legros. Er wird mit Recht unter die gelehrteſten Männer des 18. Jahrhunderts gezählt, und es iſt nur zu bedauern, daß die Sonderbarkeit und Rauhheit ſei⸗ ner Sitten, der Geſellſchaft das Beiſpiel ſeiner Tugenden raubte, die eines beſſern Zeitalters würdig waren. Anſart(Dom Andreas Joſeph), Benedictiner, war 1723 in der Provinz Artois geboren. Man will wiſſen, daß er, als Prokurator, mit der Ordenskaſſe, die ihm in Verwahr gegeben worden, entfloh. Er trat hierauf als Kapellan in den Malteſer⸗Or⸗ den*), und ließ ſich ſpäter als Parlamentsadvokat und Doctor der Rechte zu Paris aufnehmen. Endlich wurde er Pfarrer zu Ville⸗ conin bei Etampes. Man hat von ihm mehrere Schriften, unter andern: Dialogen über den Rutzen der rentirten Mönche. 1768. Dieſer angebliche Nutzen, den zu widerlegen damals noch nicht an der Zeit war, ſcheint 20 Jahre ſpäter keinen großen Eindruck auf die Nationalverſammlungen Frankreichs ge⸗ macht zu haben. Das nützlichſte, was Anſart gab, iſt ſeine lite⸗ rariſche Bibliothek der Landſchaft Maine, eine hiſio⸗ riſche und kritiſche Abhandlung. Er war Mitglied einiger litera⸗ riſchen Geſellſchaften, unter andern der Akademie von Arras und —Oᷓʒ *) Dieſer beſtand bekanntlich aus eigentlichen Nittern, die mit dem ihnen untergebenen Militär den Waffendienſt übten, dann aus Geiſtlichen, die in Kapellanen(Conventuels) und Servienten eingetheilt waren. G. Neue Biograph. I. 16 242 Anſart. dAnſe de Villoiſon. der Arkadier in Rom. Man will behaupten, daß er weder ſehr gelehrt, noch ſehr fleißig geweſen, und faſt alle ſeine Werke aus den koſtharen Archiven der Abtei von St. Germain zuſammengetra⸗ gen habe; welches man freilich nicht bewahrheiten kann, da im Anfang der Revolution ein Brand jene berühmte Bibliothek zer⸗ ſtörte. Dom Anſart ſtarb 1790, im 67ten Jahre ſeines Alters. dAnſe de Villoiſon(ohann Baptiſt Kaspar)) ein berühmter Helleniſt, Mitglied der Ehrenlegion, des franz. Inſti⸗ tuts, der Akademien zu Berlin, Madrid, Göttingen ꝛc. Aus Spa⸗ nien abſtammend wurde er den 5. März 1750 zu Corbeil⸗ſur⸗Seine geboren. Seine Voreltern hatten ſich in franzöſiſchen Kriegsdien⸗ ſten ausgezeichnet. Sein Großoheim fiel in der Schlacht bei Hoch⸗ ſtädt, wo er eine Compagnie Dragoner anführte. In der Schlacht bei Fleurus wurde ſein Großvater gefangen, der damals Capitän⸗ Lieutenant der Obriſten⸗Compagnie*) war, die zuvor unter dem Marquis de! Hospital ſtand. Auch ſein Vater war nach einander Page, Mousquetaire und St. Ludwigsritter. Der junge Villoiſon bewies einen vorzüglichen Fleiß in dem Collegium zu Liſteux und in dem von Pleſſis zu Paris, wo ſein leidenſchaftlicher Hang zu den alten Sprachen ſich offenbarte. Darauf beſuchte er das Col⸗ legium des Grassins unter dem berühmten Profeſſor Lebeau, und zeichnete ſich durch ſeine Fortſchritte in der griechiſchen Sprache aus, indem er jeden von der Univerſität ausgeſetzten Preis erhielt. Im Alter von 15 Jahren war er mit den ſchwierigſten Werken der Griechen vertraut, und ſeine Profeſſoren hatten ihn nichts mehr zu lehren. Er wohnte nun mit neuem Eifer den Vorleſungen des berühmten Capperonnier im franz. Collegium bei, welche ſeine Studien vollendeten. Er hatte nicht allein die alten Autoren ge⸗ leſen; mit eben ſo ſeltener als wunderbarer Vereinigung des Ge⸗ dächtniſſes und der Urtheilskraft ſagte er ſie mit lebhafter Stimme auswendig her, und gab zugleich ihre Erklärung. Er beſchäftigte ſich damals mit einer großen Arbeit, die unter den Kräften eines jungen Menſchen zu ſeyn ſchien und den Ruf eines vollendeten Ge⸗ lehrten genugſam begründet haben würde, nämlich mit dem home⸗ riſchen Lexicon des Apollonius, das er 1773 griechiſch und lateiniſch, mit einem ſehr gelehrten Commentar herausgab. *) Das Regiment iſt nicht angegeben. Jedes hatte ehemals eine Compagniecolonelle, welche aus ſehr großen Leuten be⸗ ſtehen mußte, die man daher aus allen Nationen anwarb, ſie aber auch, der Deſertion wegen, unter ſehr ſtrenger Aufſicht hielt. G⸗ dAnſe de Villoiſon. 243 Dies Werk erwarb ihm die Aufnahme in die Akademie der Inſchrif⸗ ten und ſchönen Literatur. Er hatte dafür noch nicht das erfor⸗ derliche Alter, weil er erſt 22 Jahre zählte. Aber die Geſellſchaft bewirkte für ihn eine Ausnahme, welche bisher noch keinem andern geſtattet war. Er wurde hierauf bald Mitglied der vorzüglichſten gelehrten Societäten Europa's. In jener las er ſeine Unterſu⸗ chungen über die nemeiſchen Spiele, und kritiſche Unterſuchungen über das Neugriechiſche vor. Das Journal des Savans vom Juni 1773 enthält ein Schrei⸗ ben von Villoiſon, worin er die Verbeſſerung einer Stelle in Sophokles Oedipus der König vorſchlägt. Dieſe ward aber von den Philologen Vanvilliers und Brunck verworfen. 1778 gab er eine griechiſche und lateiniſche Edition des Schäferromans Daphnis und Chloe, von Longus*), mit ſehr ſchätzbaren An⸗ merkungen. In dem nämlichen Jahr reiſte er, auf Koſten der Re⸗ gierung, nach Venedig, um die Manuſcripte der St. Marcus⸗Bi⸗ bliothek, welche der Kardinal Beſſarion im 15. Jahrhundert aus Griechenland gebracht, zu unterſuchen. Er ſchöpfte daſelbſt großen Theils die Materialien zu einer hiſtoriſchen, mythologiſchen und philologiſchen Sammlung, die er zu Venedig 1786 unter dem Ti⸗ tel: Anecdota graeca e regia Parisiensi et e VenetaSane- ti Marci deprom pla, 2 Vol. erſcheinen ließ. In dieſer Bibliothek ſammelte Villoiſon auch die alten Scholien von Alexan⸗ dria über den erſten der Dichter, und benutzte dieſelben mit eben ſo viel Geſchmack als Urtheil in ſeiner Ausgabe der Iliade Ho⸗ mers, die zu Venedig 1788 erſchien. Dies Werk drückte den Stem⸗ pel auf ſeinen Ruhm, und erwarb ihm die Glückwünſche des ge⸗ lehrten Europa, welches ihm den glorreichen Titel: Homer’s Retter, verlieh. Auch gab er in Venedig 1783 eine kritiſche Schrift über einige Stellen des Fürſten der Arzneikunde heraus: pistola ad Virum Lorry, de locis quibusdam ippocratis, heraus. Zudem copirte er in der St. Marcus⸗ —O—O—:—C—C—C—O—O— N *) Dieſer reizende Schäferroman, für deſſen Verfaſſer man Lon⸗ gus, einen ſpäteren Erotiker hält, und der in anmuthiger Dar⸗ ſtellung, Naivetät und ſchöne Sinnlichkeit athmet, verdient nicht blos von Gelehrten, ſondern von allen Freunden der Poeſte, ge⸗ kannt zu ſeyn. Man hat eine gute franz. Ueberſetzung von Amiot, und, meines Wiſſens, zwei deutſche. Florian will(wiewohl etwas übertrieben) ihn ſelbſt über Theokrit und Virgil ſetzen, und tadelt nur einige zu freie Gemälde. Bemerkenswerth iſt, daß die⸗ ſer Noman unſern Geßner auf den Gedanken brachte, ſeine ſchö⸗ ne Hirtenerzählung Daphnis zu ſchreiben. G. 244 dAnſe de Villoiſon. Bibliothek eine anonyme griechiſche Ueberſetzung mehrerer Bücher der heil. Schrift. Sie erſchien zu Strasburg 1784, als er Ita⸗ lien verlaſſen hatte, um Deutſchland zu beſuchen. Der regierende Herzog von Weimar, der Wiſſen und Talent ſchätzte, empfing dieſen fleißigen Gelehrten mit Wohlwollen in ſeinen Staaten und Villoi⸗ ſon gab zu Weimar eine beträchtliche Sammlung Varianten, Ver⸗ beſſerungen und Bemerkungen über Nonnus, Homer, Heſiod, Hyp⸗ parthus, Joſeph ꝛc. unter dem Titel: Epistolae Vimari- enses, heraus. Er verband ſich mit mehreren Gelehrten und Literatoren dieſes Landes, namentlich mit dem berühmten Göthe, und mit Wieland, den man den Voltaire Deutſchlands*) nennt. Als im J. 1785 Hr. von Choiſeul⸗Gouffier zum Geſand⸗ ten in Konſtantinopel ernannt wurde, nahm er Villoiſſon mit, der vor Begierde brannte, Griechenland, das ſo reich an Erinnerun⸗ gen iſt, zu erforſchen. Er durchwanderte es drei Jahre lang als eifriger Beobachter, dem nichts Intereſſantes entgeht, und der ſelbſt in Ruinen die köſtlichen Denkmäler gewahrt, welche das Va⸗ terland der Homere, Platone und Perikles verſchönten. Beſonders unterſuchte er alle Bibliotheken, namentlich die der Klöſter, wo er merkwürdige Handſchriften fand, die ihm zur Ausarbeitung eines wichtigen Werks: über das alte und neue Grie⸗ chenland, dem er die letzten 20 Jahre ſeines Lebens widmete, dienen ſollten. Doch kam dieſes vollkommen geſchichtliche Buch⸗ welches 15 Theile in 40 bildet, nicht heraus, und man glaubt, daß der Verfaſſer noch nicht die letzte Hand daran gelegt hatte. Wäh⸗ rend ſeines Aufenthalts in Griechenland war Villoiſon ſo feſt in der neugriechiſchen Sprache geworden, daß er ſie beinahe mit eben der Leichtigkeit, wie ein Eingeborner, ſprach. Als er nach Frank⸗ reich zurückkam, erſtattete er der Akademie Bericht über ſeine Reiſe. Darauf brachte er mehrere Jahre in Orleans zu, um alle die ſeltenen und koſtbaren Werke der dortigen Bibliothek zu be⸗ nutzen. Er hatte die Geduld, alle handſchriftlichen Noten der zahl⸗ reichen griechiſchen und römiſchen Editionen zu copiren. Auch hielt er es für ein Vergnügen, ſelbſt für Pflicht,(ſo rein und un⸗ eigennützig war ſein wiſſfenſchaftlicher Eifer,) ſolche mit eigenen *) Wo Wieland mit Recht der deutſche Voltaire heißt, und wo dieſer Name nicht für ihn paßt, darüber findet ſich in dem von Voigt und Weitzel herausgegebenen rheiniſchen Archiv (wenn ich nicht irre im Jahrg. 1809 oder 1810) eine ſchätzbare Abhandlung, deren Verfaſſer der, nunmehr verſtorbene, kennt⸗ nißreiche Profeſſor Booſt von Speier iſt. G. d dAnſe de Villoiſon. Anſelme. 245 Bemerkungen den neuen Commentatoren des Lucian, Penophon, Philoſtrat ꝛc. mitzutheilen. Im J. 1797 kam er wieder nach Paris, eröffnete eine Vorleſung über griechiſche Literatur, und wurde bald darauf von der Regierung zum Profeſſor des Neu⸗ griechiſchen an der Specialſchule für orientaliſche Sprachen er⸗ nannt. 1802 erſetzte er im Inſtitut den verſtorbenen Literator Selis. 1804 errichtete er einen Lehrſtuhl für das Neu⸗ griechiſche im franz. Collegium. Aber eine harte Krankheit entriß ihn am 26. April 1805 den Wiſſenſchaften und ſeinen Freun⸗ den. Er war nur 55 Jahre alt, und hatte eben den Orden der Ehrenlegion erhalten. Da er kein Teſtament gemacht und man keine Anverwandten von ihm wußte, wollte ſich die Regierung, nach dem Heimfallsrecht, in den Beſitz ſeines Vermögens ſetzen. Aber man erzählt hierüber eine ſonderbare Anekdote. Ein Vorüberge⸗ hender bemerkte den Ramen d'Anſe auf dem Aushängeſchild eines Schuhputzers am Pont⸗ neuf. Er argwöhnte, daß das Schickſal, welches Adeliche aus ſo vielen Geringen machte, hier einen Gerin⸗ gen aus einem Adelichen habe machen können, und daß dieſer arme Teufel etwa der Familie d'Anſe von Villoiſon angehören möchte. Er befragte den Mann, und erfuhr, daß er von Corbeil(dem Ge⸗ burtsort des gelehrten Helleniſten) wäre und keine Verwandten kenne. Aber ſeine Urkunden bewieſen bald ſein alleiniges Recht auf die Verlaſſenſchaft. Der Schuhputzer wurde demnach Herr eines beträchtlichen Vermögens. Man bemerkt dabei, daß die Ge⸗ ſinnungen des neuen Reichen nicht geringer waren, als ſein Glück; denn er faßte den Entſchluß, ſeinem Sohn eine ausgezeichnete Er⸗ ziehung zu geben, damit derſelbe, wie er ſagte, einmal ein Ge⸗ lehrter werde, wie ſein Großoheim.— Außer den angeführten Schriften hat Villoiſon noch Manches in Bezug auf das Alter⸗ thum herausgegeben, beſonders mehrere Abhandlungen im Maga- sin encyclopédique. Die Denkwürdigkeiten der Akademie enthalten auch verſchiedene Aufſätze von ihm, unter andern einen über die Kunſt der Orientalen, die Schlangen zu be⸗ zaubern. Dacier, Sekretär der Klaſſe für Geſchichte und alte Literatur am Inſtitut, gab eine ſehr gute Notiz über das Leben und die Schriften Villoiſons. Anſelme franzöſiſcher General, vor der Revolution Gre⸗ nadier⸗Obriſt, erhielt 1791 den Grad eines Maréchal⸗de⸗Camp, und den Befehl über die Armee vom Var. Bei den im April 1792 von den Soldaten des Regiments Vermandois zu Perpignau erreg⸗ ten Unruhen begab ſich Anſelme mit den Behörden der Stadt in — 246 Anſelme. Anſon. die Kaſernen, und es gelang ihm, die Halsſtarrigen zu beſänftigen. Im darauf folgenden September ging er mit ſeinem Armee⸗Corps über den Var, und bemächtigte ſich Nizza's und der Feſtung Mon⸗ talban. Darauf nöthigte er das Schloß Villefranche, das 100 Kanonen vertheidigten, zur Kapitulation, und erfocht einen voll⸗ kommenen Sieg über den Feind, deſſen Truppen in der größten Unordnung die Flucht nahmen. Den 3. December 1792 überreichte ſein Adjutant, von einer zahlreichen Deputation der Marſeiller be⸗ gleitet, dem Nat. Convent im Namen des Generals 4 dem Feind abgenommene Fahnen. Kurz nachher erfuhr der General Anſelme Unfälle, und ward bei Soſpello geſchlagen. Die zur Var⸗Armee geſandten Kommiſſarien ſuspendirten ihn, und klagten ihn an, die Plünderung in dem Nizzaer Lande begünſtigt zu haben. Er gab eine rechtfertigende Denkfſchrift heraus, worin er die dort begangenen Unordnungen der Nachläſſigkeit des Generals Montesquion zuſchreibt. In der Sitzung vom 16. Februar 1793 wurde Anſelme, auf Goupileau's Vorſchlag, in Verhaftſtand er⸗ klärt, und nach dem Gefängniſſe der Abtei geſchickt. Wegen einer ſchweren Wunde erhielt er aber kurz darauf wieder ſeine Frei⸗ laſſung. Anſon(Peter Hubert), geb. zu Paris, den 18. Juni 1744, geſt. den 20. November 1810. Hr. von Ormeſſon, Inten⸗ dant der Finanzen, vertraute ihm die Erziehung ſeines Sohnes, der hernach General⸗Controleur ward. Anſon wurde mit der Stelle eines General⸗Einnehmers belohnt, und war Mitglied des Central⸗Ausſchuſſes dieſer Beamten. Im J. 1789 wählte man ihn zum Deputirten bei den Generalſtänden, wo er ſich durch libe⸗ rale Meinungen bemerklich und ſchätzbar machte. Er that ver⸗ ſchiedene Vorſchläge in Betreff der Finanzen. Im J. 1790 trug er darauf an, den Aſſignaten Münz⸗Curs zu geben, bewirkte, daß Paris im Umfang ſeiner Mauern den Einfuhr⸗Gebühren unter⸗ worfen ward, verlangte die Aufhebung der Kaſſe des Klerus, und die Liquidation der Staatsſchuld in Aſſignaten. Als er am 24. December den Rednerſitz beſtieg, ſprach er:„Ich verkünde der „Nation eine gute Nachricht. Endlich ward heute eine Million der verſten Aſſignaten verbrannt. Es bewahrheitet ſich nun das Vor⸗ „zeichen, welches wir ſo glücklich waren, Euch im letzten Monat „April zu geben, daß nämlich das Jahr nicht vorubergehen würde, vohne daß wir die erſte Million dieſer Münz⸗Papiere, die den „Staat gerettet, vernichtet ſähen! Am 1. Januar wird keine »Nation mehr mit ihren Zahlungen im Gange ſeyn, als die fran⸗ Anſon. Anſpach. 247 zöſiſche.“ Man überhäufte ihn mit Beifall. Den 3. Februar 1791 unterzeichnete er als Vice⸗Präſident die an den König ge⸗ richtete Petition, um ihn zu bitten, daß er dem Dekret wegen der unbeeidigten Prieſter ſein Veto*) beifüge.— Nach dieſen Ver⸗ handlungen trieb Anſon den Landbau, und wurde Pächter. Lange darauf, als er gänzlich mit agronomiſchen Planen beſchäftigt war, wurde er zum Präſidenten des Präfekturraths von der Seine und zum Poſtverwalter ernannt. Er war auch einige Jahre Mitglied der Adminiſtration der Prytaneen von Paris und St. Cyr. Anſon beſaß gründliche literariſche Kenntniſſe und viel Hang zu den Wiſ⸗ ſenſchaften. Man hat von ihm verſchiedene Schriften, worunter eine Ueberſetzung des A nakreon, deren Anmerkungen mehr Werth haben, als ihre Verſification, ein Luſtſpiel: der Alchy⸗ miſt, und die Briefe der Lady Montague, deren Ueberſe⸗ tzung ſein beſtes Werk iſt. Anſpach(die Markgräfin von), bekannter unter dem Na⸗ men der Milady Craven, verdankt ihren Ruf einem herumrei⸗ ſenden und eigenthümlichen Leben, einigen guten Schriften, und ausgezeichneten Talenten. Sie war die jüngſte unter den Töchtern des Grafen von Berkeley, und 1750 geboren. Sie vermählte ſich 1767 mit Wilhelm, Graf von Craven, und lebte 14 Jahre glücklich mit demſelben. Als ſie ihm ſieben Kinder gegeben, und nun, nach einer ſo langen Verbindung von ihm übel behandelt ward, trennte ſie ſich 1781 von dieſem Manne. Ein Frauenzimmer, welches die Gunſt des Grafen genoß, veranlaßte dieſe Trennung. Milady Craven verließ England, ging nach Frankreich, und von da nach Anſpach, wo der Markgraf Chriſtian Friedrich Karl Alexan⸗ der, Neffe des großen Friedrichs, ſeinen Hof hielt. Dieſe Dame fößte ihm eine lebhafte Neigung ein, welche ſie bald theilte. 1787 durchreiſ'te ſie die Krimm, die Türkei und Rußland. Der Graf von Choiſeul⸗Gouffier, franzöſiſcher Geſandter, nahm ſie zu Kon⸗ lantinopel auf, und von ihm ermuthigt ſtieg ſie in die Grotte An⸗ 8 tiparos*) hinab, die noch kein Frauenzimmer beſucht hatte. Jenes — *) Das bekannte Veto beſtimmte die Macht des Königs, Beſchlüſſe der Nat. Verſammlung zu verwerfen. Es galt aber nur für den erſten und zweiten Beſchluß über den nämlichen Gegenſtand. Wenn bei der dritten Deliberation die Nat. Verſ. auf dem erſten beſtand, verlor das Veto ſeine Kraft. Ein dem Aehnliches iſt in der neuen ſpaniſchen Conſtitution eingeführt. G. **) Dieſe berühmte Grotte befindet ſich auf der Inſel Antiparos, 248 Anſpach. Anſtey. Schauſpiel, von welchem die Reiſenden mit Begeiſterung reden, machte wenig Eindruck auf ſie. Freilich ſprach die Beobachtung der mancherlei Sitten in geſelligen Verhältniſſen ihren leichten und zarten Geiſt mehr an, als ihm die wilden Schönheiten der Natur Bewunderung entlockten. Nach dem 1791 erfolgten Tode des Lords Craven vermählte ſie ſich zu Liſſabon mit dem Markgra⸗ fen, der ſie für das in der erſten Ehe ſo lange geraubte Glück ent⸗ ſchädigen ſollte. Der Markgraf überließ ſeine Staaten dem Könige von Preußen, wogegen er ein bedeutendes Jahrgeld empfing, und zog ſich mit ſeiner Gemahlin nach England zurück. Dort wohnte er in einem bei Hammerſmith erkauften Schloſſe, daß er Schloß Brandenburg nannte. Milady Craven lebte in dieſer glückli⸗ chen Einſamkeit ihrem Hange zu den Wiſſenſchaften. Sie ſchrieb im Deutſchen, Engliſchen und Franzöſiſchen mit Originalität, Leichtigkeit und Eleganz. Man hat von ihr mehrere angenehme Luſtſpiele, denen aber die komiſche Kraft fehlt. Das beſte darunter iſt der moderne Philoſoph, in franz. Verſen, welches vor dem Markgrafen aufgeführt wurde. Dies iſt ein ſinnreiches Gemäl⸗ de jener Lächerlichen, die ſich in die edeln und ernſten Ideen des 18ten Jahrhunderts miſchten; denn Ausſchweifung und Thorheit finden ſich manchmal bei Größe und Begeiſterung. Frühe ſchon hatte Milady Craven artige engl. Gedichte und angenehme Romane verfertigt. Ihre Reiſe nach Konſtantinopel durch die Krimm iſt bekannt. Weniger romanhaft, und genauer, als die ſcharfſinnige Darſtellung der Lady Montague, erhielt ſie den Bei⸗ fall der ſtrengſten Kritiker. Sie erſchien engliſch, und, wenn man dem Biographen dieſer Nation glaubt, zum Vortheile Mereiers⸗ Verfaſſers der Tableaux de Paris. Zweimal ward ſie in das Franzöſiſche überſetzt. Es iſt merkwürdig, daß eine unſerer ſchönſten ländlichen Romanzen: Non, non, jenirai plus au bois, das Werk einer Engländerin und Gemahlin eines deut⸗ ſchen Fürſten iſt, die den größten Theil ihres Lebens in Konſtan⸗ tinopel zubrachte. Im Hauſe der Milady Craven(Brandeburg- House) hat auch die gegenwärtige Königin von Englaud ein Aſyl gefunden. Anſtey(Ehriſtoph), ein engliſcher Schriftſteller, ausge⸗ zeichnet durch eine originelle und beiſſende Laune, drollige Ein⸗ fälle, leichte und qusdrucksvolle Verſiſication, wurde von den mei⸗ im Archipelagus, welche durch einen Kanal von der wegen ihrer Marmorbrüche hekannten Inſel Paros getrennt wird. Ge 4 Anſtey. Anthoine. 249 ſten Biographen vergeſſen. Aber ſein Führer in Bath und ſeine Denkwürdigkeiten eines ehemaligen Maca⸗ roni ſtellen ihn unter dieienigen Sittenmahler(in Frankreich be⸗ ſcheidene Proſaiſten), welche die Geſellſchaft mit ihren eignen Lä⸗ cherlichkeiten unterhalten. Er ward zu Wiltshire gegen 1787 ge⸗ boren, zu Eaton und Cambridge erzogen, und begann damit, ſein ſatyriſches Talent an einigen ſeiner Vorgeſetzten zu üben. Aber er bezahlte ſeine Einfälle theuer; denn die Univerſität jagte den übeln Spaßmacher aus ihrer Mitte. Er trat hierauf in den Waffendienſt, und wohnte zu Bath. Dort ſchrieb er ſeinen Führer, eine ſcharfe Muſterung der komiſchen Verkehrtheiten einer kleinen Stadt, wo man auf einige Lächerlichkeiten des Adels eiteln Werth legt, und wo die literariſche Pedanterie bis zum Uebermaße ſteigt. Auſſer⸗ dem gab er noch mehrere ſatyriſche Schriften, und einen angeneh⸗ men Roman: Die Tochter des Pächters. Er ſtarb 1805*). Sein Leben war müſſig, locker, glücklich, und alle ſeine Werke tragen das Gepräge eines Weltmanns, der geiſtreich, galant und leichtſinnig zugleich war. Anthoine(Anton Jgnaz), Baron von St. Joſeph⸗ wurde zu Embrun, Departement der Ober⸗Alpen(Dauphiné), am 21. Sept. 1749 geboren. Sein Leben war großen Handelsunter⸗ nehmungen und der Verbeſſerung des Handels gewidmet. Er wohnte zehn Jahre zu Konſtantinopel. In dieſer Stadt machte er das Projekt, durch Oeffnung einer Straße des ſchwarzen Meers durch den Bosphorus eine Kette von Handelsverbindungen zwiſchen Frank⸗ reich, Polen und Rußland zu bilden. Dar drei intereſſirten Mächte empfingen und ermuthigten ſeine Planc. Frankreich beauftragte ihn, nach Rußland und Polen(1781, 82 und 83) zu reiſen. Zu Cherſon in der Krimm errichtete er ein Handelshaus, das erſte franzöſiſche in dieſer Gegend. Katharina II. beſchützte dieſe Nie⸗ derlaſſung, und der dortige, bisher nichts bedeutende Handel nahm einen unerwarteten Schwung. Auch das Verſailler Kabinet er⸗ kannte den Werth ſeiner Dienſte. Der Abbé Raynal, deſſen Na⸗ me ſchon in Betreff des Großhandels von Gewicht war, wünſchte dem Urheber Glück, und unterſuchte zu Toulon das Maſtwerk, wel⸗ ches jener aus Rußland kommen ließ. Dieſes, in der Mitte des ungeheuern Reichs gefällte, Bauholz, war, anſtatt durch die nor⸗ diſchen Meere in drei Jahren anzulangen, der auf dem —C—C—ꝭ—O—O—C—C—L—L—L—Q—Q—C—C—L—L——— 4 5 *) Vielleicht iſt die Angabe ſeines Geburtsiahrs irrig. Denn in die⸗ ſem Fall hätte er kaum das Jünglingsalter erreicht. G. 2 * 250. Anthoine. Onieper, dem ſchwarzen und mittelländiſchen Meere von Anthoine bezeichneten Straße gefolgt, und befand ſich nach drei Mona⸗ ten in einem franzöſiſchen Hafen. Anthoine's Vermögen wuchs im Verhältniſſe mit dieſen dem Staat erworbenen Vortheilen. Sein Verſuch über den Handel und die Schiffahrt auf dem ſchwarzen Meere beweiſet den Triumph des Willens und der Standhaftigkeit über alle Art von Hinderniſſen. Er ließ ſich in Marſeille nieder, rüſtete Fahrzeuge, und dehnte ſeine Opera⸗ tionen bis in die Stapelplätze der Levante, Afrika's und Amerika's aus. Die Einwohner der Stadt Marſeille beriefen ihn in ihren Rath und in die Handelskammer. Zweimal präſidirte er ihr Wahl⸗ kollegium. Er wurde Ofßzzier und Schatzmeiſter der 8. Cohorte der Ehrenlegion, und Maire von Marſeille. Rein und gerecht ſorgte er in dieſem Amt für das Intereſſe ſeiner Mitbürger, und war auch bemüht, ihre Stadt zu verſchönern. Er ließ mehrere Monu⸗ mente wieder herſtellen, und den Obelisk auf dem Platze Caſtellane, der am Ende der ſchönſten Straße ſtand, in ein weites Baſſin ſtel⸗ len, wo er ſogleich dem Reiſenden ins Auge fällt. Nicht, als ob die perſönlichen Verdienſte dieſes ehrwürdigen Bürgers dadurch er⸗ höht würden, ſprechen wir von ſeinen Familienverbindungen. Wir erzählen nur Thatſachen. Madame Anthoine von St. Joſeph iſt die älteſte Schweſter der gegenwärtigen Königin von Schweden, und der Gräfin von Survilliers, geweſenen Königin von Spa⸗ nien*). Auch iſt ſie die Mutter der Marſchallin, Herzogin von Albufera und der Herzogin Decrés.. Anthoine(Franz, Ritter von St. Joſeph), Sohn des vorigen, ward zu Marſeille 1787 geboren. Er wählte die mi⸗ litäriſche Laufbahn, und diente anfänglich im J. 1804 als Freiwil⸗ liger unter dem 1. Dragonerregiment bei der Küſten⸗Armee. Im nämlichen Jahr trat er als Eleve in die Militär⸗Schule zu Fon⸗ tainebleau, ward, als er dieſe verließ, Unterlieutenant beim 25. Regiment Jäger zu Pferd, und begab ſich 1807 zur großen Armee, in Polen, wo der Marſchall Soult ihn zum Aide⸗de⸗Camp wählte. Er befand ſich mit demſelben in der glorreichen Schlacht bei Fried⸗ land, erhielt darauf eine Sendung nach Petersburg, und folgte dem genannten Marſchall nach Spanien und Portugal, wo er, öf⸗ ter beim Vortrab der Armee befindlich, der treue Waffenbruder des Generals Franceſchi Delonne ward, deſſen Gefangenſchaft zu Al⸗ hambra in Granada er theilte. Durch den Marſchall Herzog von *) Nämlich der Gemahlin von Napolcons Bruder Joſeph. 6. 2 Anthoine. 2514 Albufera, ſeinen Schwager, im J. 1809 ausgewechſelt, komman⸗ dirte er in Holland eine Compagnie Huſaren vom 8. Regiment, und kam wieder nach Spanien, um unter Albufera, der ihn zum Aide⸗ de⸗Camp verlangt, den glänzenden Feldzügen der J. 1811, 12 und 13 beizuwohnen. Bei dem ſchrecklichen Sturm, der die Fran⸗ zoſen Meiſter von Tarragona machte, war er einer der erſten, ſo die Mauer erſtiegen. Er brachte die Nachricht davon nach Paris,⸗ wurde zum Eskadronschef ernannt, und wohnte den Belagerungen von Oropeza und Sagunt bei, deren Kapitulation er unterzeichnete. Er that ſich hierauf bei der Berennung Valencia's hervor, und ſtrebte, ſeinem Obergeneral, der ihn mit ſeinem Vertrauen beehrte, bei der Organiſirung der Civil⸗ und Militärverwaltungen nützlich zu ſeyn. Im J. 1814 zum Oberſten ernannt, fuhr er fort, unter Albufera zu dienen, und folgte ihm 1815 zur Alpen⸗Armee. Er ward 1816 außer Thätigkeit geſetzt, 1818 aber im königlichen Ge⸗ neralſtabe angeſtellt. Anthoine(Anton), Ingenicur des Brücken⸗ und Stra⸗ ßenbaus, war vorher Friedensrichter. Man kennt von ihm ein Werk über die Mittel zur Erleichterung der Schif⸗ fahrt auf der Saone, und eins über die Beweggründe zur Einziehung der Güter des franz. Klerus. Dem Convent übergab er ein Geſuch wegen Vollendung des Ka⸗ nals von Bourgogne. 4 Anthoine(Franz Paul Nikolaus), ehemaliger Gene⸗ ral⸗Lieutenant der Baillage von Boullay. Im Anfang der Revo⸗ lution ernannte ihn das Wahlkollegium von Saargemünd zum Depu⸗ tirten des dritten Standes bei den Generalſtänden. Er ſprach be⸗ ſonders für die Errichtung des Geſchwornen⸗Gerichts, und legte der konſtit. Verſammlung ein Projekt für die Organiſation des Kaſ⸗ ſations⸗Tribunals vor. Im J. 1791, nach der Entlaſſung der Offiziere von der Armee, ſtimmte er für die Aufhebung der Rit⸗ terorden, ſchlug vor, die Gewalt des Juſtiz⸗Miniſteriums zu be⸗ ſchränken, und begehrte endlich, haß der König allein mit der Or⸗ ganiſation der Miniſterien beauftragt ſey und das dreifarbige Band der königlichen Familie als alleinige Auszeichnung zukommen ſolle. Nach Auflöſung der konſtituirenden Verſammlung wurde er Maire von Metz. Er erſchien nach der Ermordung des Abbé Fiquelmont vor den Schranken der geſetzgebenden Verſammlung, um die Stadt Metz von der Anklage zu befreien, als habe ſie geheime Verſtänd⸗ niſſe mit den ausgewanderten Prinzen und mit dem General Bouillé. * 2⁵2 Anthoine. d'Anthouard. Die Departements⸗Verwaltung nahm ihm ſein Amt; aber die Verſammlung ſetzte ihn wieder ein und ſuspendirte die Verwalter. Am 10. Auguſt 1792 war er bei der Zuſammenrottung, welche nach den Tuilerieen ſtürmte, und da er ſtark dazu beigetragen hatte, den Munizipalrath zu Gunſten dieſer Volksbewegung zu ſtimmen, ward deſſen in der Sitzung vom 18. ehrenvolle Meldung gethan. Als, vom Moſel⸗Departement ernannter, Konventsdeputirter war er einer von denen, welche in Ludwigs XVI. Prozeß den Tod, ohne Appellation und Aufſchub, votirten. Unmittelbar darauf in das Meurthe⸗Departement geſandt, ward er von Salles wegen Druck und Erpreſſungen angeklagt. Er ſandte dem Convent eine gedruckte Denkſchrift, in welcher er ihm dieſe Vorwürfe ins Klare ſetzte. Hierauf nahm er ſeinen Abſchied, und ſtarb zu Metz im Mai des J. 1793. Obſchon er ſein ſämmtliches Vermögen der Na⸗ tion hinterließ, nahm doch der Convent dies Vermächtniß nicht an, erklärte aber, daß ſein Andenken dem Vaterlande werth ſey. d'Anthouard(Karl Nikolaus), geb. zu Verdun, den 3. April 1773, trat 1789 als Eleve der Artillerie in Dienſt. Im folgenden Jahre wurde er Lieutenant, und zwei Jahre darauf Ka⸗ pitän. 1793 war er bei der Belagerung Lyon's unter dem General Vaubois. Er hatte bei Toulon unter dem unmittelbaren Befehl Bonaparte’s geſtanden, und folgte ihm auch in die italieniſchen Feldzüge und zur ägyptiſchen Expedition. Nach ſeiner Zurückkunft wurde er Aide⸗de⸗Camp des Vice⸗Königs von Italien. Im J. 1807 erhielt er den Grad eines Brigade⸗Generals, und zeichnete ſich(1809) beſonders in der Schlacht bei Raab, in Ungarn, aus. 1810 ward er Diviſions⸗General, und bald darauf ertheilte man ihm den Oberbefehl in den illyriſchen Provinzen. Im J. 1813 (Monat Juli) ſchloß er ſich wieder an den Vice ⸗König an, wel⸗ cher tägliche Gefechte lieferte, um ſich dem Uebergange der öſter⸗ reichiſchen Armee über die Etſch zu widerſetzen. Aber damals ver⸗ band ſich Murat, der König von Neapel, mit der Koalition. Der Prinz Eugen, der vom Marſche der neapolitaniſchen Truppen ge⸗ gen Parma und Piacenza benachrichtigt war, gab dem General d'Anthouard das Kommando über beide Städte. Die Abdankung Napoleons veranlaßte ihn, nach Frankreich zurückzukehren. Am 8. Juli 1814 wurde er zum Ludwigsritter, und am 29. zum Groß⸗ offizier der Ehrenlegion, ernannt. Während der 100 Tage be⸗ gab er ſich, als General⸗Inſpektor der Artillerie, in die Weſt⸗De⸗ partemente. Im April 1816 präſtdirte er den Kriegsrath, wel⸗ cher den General Drouot freiſprach. Dieſes, ſo gerechte, Urtheil d'Anthouard. Antibes. 2533 machte durch ſich ſelbſt einige Senſation. Damals wurden die Kriegsgerichte manchmal mit den Prevotalhöfen vermengt, und es traf ſich oft, daß man bei ihrer Bildung Offiziere wählte, deren Intereſſe, während unſerer langen Kriege, nicht das von Frank⸗ reich geweſen war. Antibes(Der Ritter von). Eine Nachbildung der Ro⸗ manze Richard, die er 1791 in die Journale einrücken ließ, er⸗ warb ihm den Beinamen Blondel.*) Er hatte ſeit dem An⸗ fange der Revolution eine große Liebe und Ergebenheit für die kö⸗ nigliche Familie gezeigt. Inſtändig bat er, ihn als Geißel für Ludwig XVI. anzunehmen, und 1792 vollendete er ſeinen Eifer durch ein kleines Werk, betitelt: Marie Antoinette, Köni⸗ gin von Frankreich, an die Ration. So wenig zweideu⸗ tige Geſinnungen ſetzten mehrmals ſeine Freiheit in Gefahr. Aber er hatte noch das Glück, zu entkommen, zog ſich unter die Vendeer zurück, und kam erſt 1797 wieder nach Paris. Zwei Jahre darauf ſtellte ihn Trottouin als Sekretär bei der Redaction eines Bulletins der franzöſiſchen Angelegenheiten, das man nach Angsburg ſandte, an. Wie groß auch die literariſchen und politiſchen Verdienſte des Chevalier d'Antibes waren, ſo erhielt er dafür keine ſehr lucrative Belohnung. Vierzig Sols täglich, welche nicht einmal richtig ausbezahlt wurden, ſollten ihn für ſeine Arbeit am Bulletin ent⸗ ſchädigen. Ja, er ward immer negativ belohnt. Denn als er 1800 eine Denkſchrift für Ludwig XVIII. verfertigt, hatte er nicht einmal die Freude, daß ſolche von den Agenten dieſes Prin⸗ zen gebilligt wurde. 1801 von neuem verhaftet, ſaß er 4 Jahre lang im Tempel. Hierauf ſtellte man ihn zu Orleans unter Auf⸗ ſicht bis zu den Begebenheiten des J. 1814. Der übrige Theil ſeines Lebens war uns unbekannt, als der Moniteur vom 25. September 1820 die Nachricht gab, daß die Frau Herzogin von Berry dieſem ehrenwerthen Ritter eine Medaille mit dem Bild⸗ niſſe ihres erlauchten Gemahls habe zuſtellen laſſen. *) Wer kennt nicht aus der romantiſirten Geſchichte des ritterlichen Königs Nichard Löwenherz die Erzählung, daß, als ihn der Herzog von Oeſterreich gefangen hielt, ſein Minneſänger Blon⸗ del durch ſeinen Geſang und die Töne ſeiner Harfe den Aufent⸗ halt ſeines Gebieters erforſchte, worauf die Ritter des Helden ihn befreiten. Das Schloß, wo er gefangen ſaß, lag nach einigen an der Donau. Nach andern war es die Burg Trifels, in der ſchönen Gegend von Landau, deren Trümmer man noch ſieht. G. 254 Antiboul. d'Antilly. Antoine. Antiboul(Karl Ludwig), vor der Revolution Advokat zu St. Tropez. Als Konventsdeputirter bewies er in dem Prozeſſe Ludwigs ſeine Mäßigung durch die Erklärung:„Daß er ſich nicht als „Richter betrachte; daß er für die Einthürmung ſtimme, und daß er vin Betreff des Aufſchubs keine Meinung äußern wolle.“ Dieſer Volks⸗ repräſentant hatte ſich an die ſeinen Grundſätzen entſprechende Par⸗ tei der Girondiſten angeſchloſſen. Vor ſeiner Sendung nach Korſika bewirkte er das Dekret, daß die franzöſiſchen Korſaren er⸗ mächtigt ſeyen, die mit Waaren für feindliche Häfen beladenen neutralen Schiffe aufzubringen. Als er von dieſer Sendung zurück⸗ kehrend, durch Marſeille reiſte, ward er von den gegen die Nat. Convention, nach den Begebenheiten des 31. Mai, aufgeſtandenen Sectionen verhaftet. Auf ihr Befragen äußerte er ſich mit wenig Schonung über die Handlungen der proſcribirenden Partei. Die Annäherung der Armee des Generals Carteaux, welche gegen die Stadt rückte, und ſolche, nachdem die unbedeutenden Streitkräfte des Feindes vernichtet waren, am 25. Auguſt 1793 einnahm, gab Antiboul wieder die Freiheit, der dann ſogleich nach Paris ab⸗ reiſte. Kaum trat er in den Convent, als Amar(ſ. deſſen Art.) ihn anklagte, daß er den Repräſentanten⸗Charakter herabgewür⸗ digt, weil er ſich einem ſchimpflichen Verhör der Aufrührer unter⸗ worfen, und daß er ſich als Anhänger der geſtürzten Faction ge⸗ zeigt habe. Er wurde als Mitſchuldiger der Gironde⸗Partei vor das Revolutionsgericht geſtellt, und mit 20 ſeiner Kollegen zum Tod verurtheilt. Die Vollziehung des Urtheils geſchah den folgen⸗ den Tag(31. Oct. 1793). Antibonl war 44 Jahre alt. d'Antilly(A. L.), erſter Commis im Finanzdepartement der königl. Caſual⸗Gefälle, hat einige geſchätzte Theaterſtücke gelie⸗ fert. Doch iſt ſeine Schule des Jünglingsalters, welches man 1789 aufführte, das einzige, in welchem der Dichter einige Kenntniß des menſchlichen Herzens gezeigt. Unſtreitig gehörte auch ein großer Meiſter dazu, den jungen Geizigen für den Haupt⸗ charakter eines Luſtſpiels zu nehmen. Antilly hat nur zu ſehr dieſe Bemerkung gerechtfertigt. Doch verdiente er nicht, in allen Vio⸗ graphieen ausgelaſſen zu ſeyn. Ein leichter, natürlicher und an⸗ ziehender Dialog, eine einfache und reine Moral, und Empfind⸗ ſamkeit ohne Affektation, ſind keine ſo gemeine Eigenſchaften, daß man ſie ſtillſchweigend übergehen ſollte. Antoine(Anton), geb. zu Paris, den 14. Oct. 1776, be⸗ gann ſeine literariſche Laufbahn mit einigen dramatiſchen Witzfun⸗ Antoine. Antoinette. Anton.(255 ken, die man 1799 auf dem Theater des jeunes Artistes gab. Er ſchrieb nur einen Roman, betitelt: Ein Roman, wie jeder andere, von mir. Sein Buch: Die berühm⸗ ten Thiere enthält eine Darſtellung der Seelenkräfte ꝛc. des Thiergeſchlechts. Ferner hat man von ihm: Die Schönhei⸗ ten der Ratur, oder Beſchreibung der Bäume, Pflan⸗ zen, Waſſerfälle, Quellen, Vulkane, Gebirge, Berg⸗ werke ꝛc., die man in den vier Theilen der Welt vorzüglich be⸗ wundert, einige Kinderſchriften, und die Biographieen Ludwigs XVI., XVII. und XVIII., letztere bis zum Friedensvertrag des J. 1815. Antoine(Jakob Denis), Architekt des Pariſer Münzge⸗ bäudes, Mitglied der vormaligen Akademie der Architektur und des franz. Inſtituts, wurde zu Paris am 6. Auguſt 1733 geboren, und ſtarb plötzlich daſelbſt den 24. Auguſt 1801. Obgleich er in Spa⸗ nien, der Schweiz und Frankreich mehrere vorzügliche Werke ſei⸗ ner Kunſt hinterlaſſen, ſo verdient doch jenes M ünzgebäude, das er 1768 anfing und 1775 vollendete, den höchſten Anſpruch auf die Achtung der Künſtler und die Erinnerung der Nachwelt. Zu⸗ dem hatte Antoine den Nuf eines rechtſchaffenen und tugendhaften Mannes. Antoine(R.), franz. General, machte, unter Montesquion, den Feldzng in Savoyen(1792) mit, zeichnete ſich an den Abgrün⸗ den von Mians*) aus, wo er die piemonteſiſchen Batterieen zer⸗ ſtörte, und nahm den 21. und 22. September Bellegarde und das Schloß Marches ein. Antoinette Marie Joſephe Johanna), Königin von Frankreich.(S. Marie Antoinette). Anton(Victor), Erzherzog von Oeſterreich, General der Artillerie ꝛc., iſt den 31. Auguſt 1779 geboren. Nach dem Tode Maximilian's„Erzbiſchofs von Köln, wurde er zum Biſchof von Münſter gewählt. Aber nach den Einwendungen des Berliner Hofs entſchloß er ſich, dieſe Würde nicht anzunehmen. Franz Il., als Mack(in Ulm) kapitulirt hatte und ſeine Hauptſtadt von den Fran⸗ zoſen eingenommen war, ſtand in Ungewißheit über die Ankunft der ruſſtſchen Armee, und ſandte den Prinzen Anton nach Berlin, *) Das Franziskanerkloſter Mians liegt in der Gegend von Cham⸗ bery. In den dortigen Gebirgen ſind viele Abgründe, wo die Stadt St. André verſunken ſeyn ſoll. Deswegen nennt man die Gegend Abyſſus Mianenſis. G. 256 Anton. Antonelle. um den König von Preußen zur Verbündung zu bewegen. Dieſer Schritt gelang nicht, und die preußiſche Regierung entſchloß ſich erſt, wie man weiß, das folgende Jahr zum Kriege. Der Prinz Karl, Antons Bruder, entledigte ſich zu deſſen Gunſten der Groß⸗ meiſter⸗Würde des deutſchen Ordens. Am 7. März 1816 ward Erzherzog Anton zum Vice⸗König des lombardiſch⸗venetianiſchen Königreichs ernannt. Anton(Karl Gottlob), ein deutſcher Schriftſteller, geb. zu Laubau*), ſchrieb verſchiedenes, worunter eine Geſchichte der Deutſchen, ein Buch über den Urſprung ꝛc. der Slaven, eine Ueberſetzung des Tacitus: De moribus Germanorum, eine Ge⸗ ſchichte des deutſchen Ackerbaus zc. ꝛc. Man hat auch von ihm ei⸗ nen Verſuch über die Geſchichte des Tempelherrn⸗ Ordens, mit Nachforſchungen über deſſen Geheimniſſe. 1797 wurde Anton zum Senator in Görlitz ernannt. Antonelle(Peter Anton Marquis von), ein Mann, dem es weder an nützlichen Kenntniſſen, noch an guten Vorſätzen fehlte, den aber eine ungezähmte Leidenſchaft für die Freiheit, die er falſch verſtand, in ſeltſame Ausſchweifungen ſtürzte. Zu Arles⸗ in der Provence, aus einer adelichen Familie, die eine der älteſten und reichſten dieſer Stadt war, geboren, hatte er vor der Revolu⸗ tion, nach der Sitte des Adels, die militäriſche Laufbahn gewählt. Er war, wiewohl langſam, zum Hauptmannsgrade gelangt, als er, überdrüſſig eines Standes, der ſo wenig mit dem neuen Hange, den die Reftexion in ihm entwickelte, übereinſtimmte, denſelben verließ und ſelbſt nicht die neun Monate abwarten wollte, die ihm noch zur Erlangung des St. Ludwigskreuzes fehlten. Antonelle hielt ſich damals für einen Philanthropen, und richtete ſeine Studien auf ſolche Gegenſtände, welche das Glück der Menſchen gründen oder vermehren. Philoſophie, Politik, Literatur und Kunſt be⸗ ſchäftigten ihn ganz, als die Revolution ausbrach. Er wurde ei⸗ ner ihrer wärmſten Anhänger, und beurkundete gleich im Anfang ſeine Grundſütze in einer Schrift, betitelt: Katechismus des dritten Standes. Dies erregte Aufmerkſamkeit für ihn. Er ward von der Gemeinde Arles zum Maire gewählt, und erhielt in dieſer Stelle Lobſprüche von Mirabeau. Die vollziehende Gewalt vertraute ihm 1791 zwei wichtige Sendungen: die eine nach Avig⸗ non, um die Vereinigung dieſer Grafſchaft mit Frankreich zu er⸗ *) Soll wahrſcheinlich heißen: Lauban, eine Stadt am Fluſſe Queis, in der Oberlauſitz? G. Antonelle⸗ 228: leichtern, welches ihm auch gelang; die andere nach Marſeille, um die Erbitterung der Parteien zu beſänftigen, welchen Zweck er ebenfalls, wenigſtens für den Augenblick, erreichte. Jedoch er⸗ weckte ihm die erlangte Popularität viele Feinde. Die Chif⸗ fonniers*)(ſo nannte man in Arles die Ariſtokraten) verfolg⸗ ten ihn mit Wuth; aber mit gleicher vertheidigten ihn die Revolu⸗ tionäre dieſes Landes. Man gab einem öffentlichen Platze den Na⸗ men Antonelle. Während er, als Deputirter des Departements der Rhonemündungen in der geſetzgebenden Verſammlung ſaß, zeigte man an, daß der dort aufgerichtete Stein weggenommen und zer⸗ brochen ſey, und daß der Pöbel einen Gliedermann, der Antonelle vorſtellte, mit einem Strick um den Hals durch die ganze Stadt Arles geſchleift und ihm endlich das Innere des Leibes ausgeriſſen habe. Die Munizipalität von Arles, welche die Meinungen Anto⸗ nelle's nicht theilte, und kein Misfallen an dieſen Gerüchten hat⸗ te, ward dennoch genöthigt, ſie für unwahr zu erklären. Anto⸗ nelle machte mehrere Berichte über die Unruhen im Süden, und ſprach gegen die dorthin geſandten Civilkommiſſarien. Die Geſetz⸗ gebung beauftragte ihn, der Central⸗Armee die Begebenheiten des 10. Auguſts und die Abſetzung des Königs mitzutheilen. Er ſchrieb an die Verſammlung, daß dieſe traurigen Nachrichten mit allge⸗ meiner Freude aufgenommen worden ſeyen. Bei dieſer Gelegenheit wurde er auf Befehl des Generals La Fayette arretirt, und mit ſeinen Kollegen Kerſaint und Peraldi, als Geißel für die Unver⸗ letzbarkeit des Monarchen, nach Sedan geführt. Die dortige Mu⸗ nizipalität, welche die Verhaftung begünſtigt hatte, ließ dennoch die Gefangenen ſogleich wieder in Freiheit ſetzen, welches aber nicht hinderte, daß ein Jahr ſpäter alle Mitglieder dieſer Verwal⸗ tung die Kühnheit ihres erſten Entſchluſſes mit ihren Köpfen bezahl⸗ ten. Die Rat. Convention ward berufen, aber Antonelle nicht un⸗ ter ſie. Man kann darüber erſtaunen, da er ſich ſchon lange vor Einführung der Demokratie als einen raſenden Demokraten gezeigt⸗ Die vollziehende Commiſſion ernannte ihn 1793 zu einem der Kom⸗ miſſarien für St. Domingo und die Inſeln unter dem Winde; aber die Elemente hinderten die Sendung. Er kam wieder nach Paris⸗ und ward Geſchworner am Revolutions⸗Tribunal. Hier rivaliſirte er mit Hebert, dem ſchändlichſten der Ankläger M. Antoinettens; —. *) Dies Wort bedeutet eigentlich Lumpenſamm ler. Sonſt heißt „ es auch, ſeinem Sinn nach, Neuigkeitskrämer, Zank⸗ ſüchtige ꝛc. G. Reue Biograph. I. 17 2 18s8 Antonelle. er ſprach als Direktor des Geſchwornen⸗Gerichts ihr Urtheil in dieſem ſchrecklichen Prozeſſe aus. Das nämliche Amt bekleidete er in dem Prozeſſe der Girondiſten. Hier ſchien er ſich mehr den Grundſätzen der Menſchlichkeit, die er affektirte, zu nähern. Denn als ihn Fouquier⸗Thinville, der öffentliche Ankläger, aufrief, ſeine Meinung über die Sträflichkeit der Beſchuldigten abzugeben, er⸗ klärte er, daß ſein Gewiſſen nicht genugſam erleuchtet ſey. Ein Dekret der Nat. Convention ermächtigte das öffentliche Miniſterium, nach drei Tagen an das Geſchwornen⸗Gericht einen gleichen Auf⸗ ruf ergehen zu laſſen. Antonelle ſchien ſolches nur zu misbrauchen, um die Unabhängigkeit ſeiner Meinung zu bekräftigen, die jedoch den Wünſchen der Proſcribirenden angemeſſen war: denn 24 Stun⸗ den darauf erklärte er, ſowohl in ſeinem als ſeiner Kollegen Na⸗ men, die Angeklagten des Verbrechens einer Verſchwörung gegen die Republik ſchuldig— und dies waren die Genſonné, Guadet, Ducos, Vergniaud!... Er hatte unwiderſprechlich nach dem Ge⸗ wiſſen geſtimmt, wenn man nach einer Schrift urtheilte, die er über das Revolutionsgericht herausgab, in welcher er die Freiheit der Meinung, wovon er bei dem Jury Gebrauch gemacht, recla⸗ mirte. Dieſe Broſchüre brachte ſeine Verdienſte in Vergeſſenheit. Er ward auf Befchl des Heilsausſchuſſes verhaftet, und im Luxem⸗ burg, bis nach dem 9. Thermidor, feſtgehalten. Die Erkenntlich⸗ keit war übrigens nicht die herrſchende Tugend bei den Terroriſten. Vor jenem Unfall wurde Antonelle als Adelicher von der Jakobi⸗ ner⸗Liſte ausgeſtrichen, obſchon er alles mögliche gethan, um ſich darauf zu erhalten. Am 13. Vendémiaire 4.(13. Oct. 1795) ſtellte er ſich unter die Fahnen der von den Sectionen angegriffe⸗ nen Nat. Convention. Sein philoſophiſcher Charakter zeigte ſich bei dieſem Vorfall wieder auf eine eigne Weiſe. Man ſah ihn während des Gefechts in der Straße Cul⸗de⸗Sae⸗Dauphin, ruhig und ohne Waffen, mit einem Buche in der Hand, mitten unter dem Feuer umherſpazieren. Das kurz darauf eingeſetzte Direkto⸗ rium beauftragte ihn mit der Redaction eines offiziellen Blatts. Da dieſe Art von Geſchäft ſich nicht mit der Unabhängigkeit ſeines Charakters vertrug, entſagte er ihm bald. Aber er gab in dem Journal des hommes libres mehrere Artikel, die kühn genug waren, um die Regierenden zu beunruhigen, welche, ſagte man, ſich dadurch rächten, daß ſie ihn in die Babeufiſche Sache verwickelten. Antonelle entſtahl ſich eine Zeitlang den Nachfor⸗ ſchungen der Polizei⸗Agenten; aber bald des Verſteckens müde er⸗ ſchien er mit einem Male im Palais⸗royal, wo er von einem ſol⸗ Antonelle. 2 259 chen Agenten, Namens Doſſonville, verhaftet, und vor den Ge⸗ richtshof von Vendôme geſtellt wurde. Indem er hier verſchmähte, ſich ſelbſt zu rechtfertigen, und ſogar die ihn betreffende Anklage in Scherz verdrehte, wandte er alle Kräfte ſeines Geiſtes zur Ver⸗ theidigung ſeiner Mitbeſchuldigten an; ja, er vertheidigte auf eine ſehr originelle Weiſe den öffentlichen Ankläger ſelbſt, welcher ſich verbunden glaubte, in ſeiner Zuſammenfaſſung des Gegenſtandes dieſem Uebermaaße von Großmuth Gerechtigkeit widerfahren zu laſ⸗ ſen. Mit dem größten Theil der Beſchuldigten entlaſſen, kam An⸗ tonelle nach Paris zurück, und begann wieder ſeine polemiſchen und politiſchen Arbeiten. Er ſtand auf dem Punkt, in die Aech⸗ tung vom 18. Fructidor 5.(1797) mitbegriffen zu werden. Mer⸗ lin von Thionville begehrte, daß man Antonelle auf die Liſte ſetze, worauf ſo viele Royaliſten ſtünden, weil er, nach ſeinem Ausdruck, mit einem Streich die Anarchie und den Despotismus ſchlagen wolle. Dieſen Antrag genehmigte die Geſetzgebung nicht. Doch wurde Antonelle, als unbeſſerlicher Auarchiſt, von der vollziehen⸗ den Behörde verurtheilt, ſich ausſchließlich in dem Departement der Nieder⸗Charente(Aunis) aufhalten zu müſſen. Da man aber dieſe Maasregel nicht mit Strenge vollzog, ſo ſtand es ihm frei⸗ ſich noch einige Zeit zu verbergen. Bei den Wahlen des Jahrs 6 (1798) ward er zum Mitgliede des Raths der 500 ernannt. Dazu beſtimmte ihn auch für die Sitzung des Jahrs?7 das Departement der Rhone⸗Mündungen. Aber der Rath der Alten entkräftete dieſe Wahl. Am 18. Brumaire ſah er ſich nochmals auf eine De⸗ portations⸗Liſte gebracht, die jedoch ſogleich widerrufen wurde. Er war dazu beſtimmt, in alle Aechtungen mitbegriffen zu ſeyn. Auch die vom 3. Nivoſe traf ihn. Der Bürger Fouché(ietzt Her⸗ zog von Otranto), der den Terroriſten mit der rothen Mütze ein Verbrechen aufbürdete, welches den Wüthenden von einer andern Farbe angehörte, ließ ihn 48 Stunden von Paris verweiſen. An⸗ tonelle ging weiter. Er benutzte die Veranlaſſung, durchzog Ita⸗ lien, und in dieſem ewigen Vaterlande der Künſte fand er, mit⸗ ten unter den Trümmern und Erinnerungen der Vorwelt, ſo wie unter Denkmälern und Meiſterwerken der neueren Zeit, das Ver⸗ geſſen ſeiner ehemaligen Verirrungen und ſeiner gegenwärtigen Leiden. Nach einigen Jahren kam er nach Frankreich zurück, ohne gegen ſeine Verbannung Einſprüche gethan zu haben. Dieſe war nicht aufgehoben; aber eine Regierung, die zu ſtark war, um be⸗ unruhigt zu werden, kümmerte ſich wenig um ihren Bruch. Nach Arles zurückgezogen, lebte er dort endlich in Ruhe, obſchon man 260 Antonelle. Antonelli. nicht aufhörte, Denunciationen gegen ihn bei Napoleon einzurei⸗ chen. Ausſchließlich ſeinen philoſophiſchen Spekulationen ergeben, von welchen ihn das Intereſſe für die Revolution zu lange abgezo⸗ gen hatte, war er ganz vergeſſen, als man im J. 1814 ſeinen Namen wieder vor einer gegen die Regierung des Kaiſers gerich⸗ teten Schrift erſcheinen ſah. Er ſprach ſich darin für die alte Dynaſtie aus. Die Anarchie machte ſich zum Gehülfen der Monar⸗ chie. Dieſes Werk, betitelt: Das Erwachen eines Grei⸗ ſes, iſt das Nunc dimittis Antonelle's, der gegen 1819 ſtarb. Dieſem Mann, der mehr verirrt, als ſchlimm, mehr gemißbraucht, als verdorben, war, fehlten in gewiſſem Betracht weder Eigen⸗ ſchaften des Geiſtes, noch ſelbſt des Herzens. Er theilte ſeine letzten Jahre(und dies ſind unglücklicher Weiſe für ihn die dun⸗ kelſten), zwiſchen Studiren und Wohlthätigkeit; er ward ein Va⸗ ter der Unglücklichen, nachdem er ſo viele dazu gemacht. Perſön⸗ lich ohne Eigennutz, beſchäftigte ihn die Verwaltung ſeines Vermö⸗ gens ſo wenig, daß er erſt nach einer Abweſenheit von einigen Jab⸗ ren gewahr wurde, daß ſeine Pächter ihm eine Summe von 27,000 Franken ſchuldeten. Er gab ihnen zur Abtragung derſelben 27 Jahre Zeit. Die katholiſchen Prieſter verweigerten ihm das Be⸗ gräbniß. Chriſtlicher, als ſie, trugen die Einwohner von Arles ſeinen Leichnam in die Kirche, und nöthigten die Geiſtlichkeit, ihn zu beſtatten. Antonelli(Leonhard), Kardinal, Biſchof von Velletri und Oſtia, Dechant des heil. Collegiums, war zu Sinigaglia, den 6. November 1730 geboren. Weil er als Anhänger der Jeſuiten mit Klemens XIV. in Oppoſition ſtand, gelangte er erſt unter Pius VI. zur Kardinalswürde. Unſtreitig kam Antonelli einige 100 Jahre zu ſpät in die Welt; denn ſeine Ideen waren aus der Zeit, als Europa der geiſtlichen und weltlichen Gewalt der dreifa⸗ chen Krone unterworfen war. Während der franzöſiſchen Revolu⸗ tion ſchlug er, als eins der Häupter der Staatsverſammlung, die übertriebenſten Maasregeln vor. Nichtsdeſtoweniger wollen einige Perſonen in ſeinem Votum vom 15. Januar 1791 für die Sanction der bürgerlichen Verfaſſung des Klerus, welche die franz. Nat. Verſammlung am 12. Juli 1790 dekretirte, eine geheime Neigung für die neuen Grundſätze erblicken. Aber es iſt nicht weniger ge⸗ wiß, daß er die Revolution durch die Oppoſition der Biſchöfe gegen dieſe Verfaſſung aufzuhalten hoffte. Er wohnte 1800 der Wahl Pius VII. bei, und ſtarb im Januar 1811. In ſeiner Jugend hatte er das Brevet wegen Interdiction des Herzogs von Parma⸗ Antonio. 26¹ abgefaßt, welches Voltaire die Idee zu ſeinem Schaußxii Le Royaume mis en interdit, gegeben hat.— Antonio(Pascal Franz Johann Nevomueenus Aniello Raimund Sylveſter), Infant von Spanien, Bru⸗ der Karls IV., war den 21. December 1755 geboren. Er vermähl⸗ te ſich mit ſeiner Nichte, Maria Amalia, Infantin von Spanien, welche den 27. Juli 1798 ſtarb. Lange Zeit lebte er von politi⸗ ſchen Geſchäften entfernt. Mit friedlichen Tugenden und dem Han⸗ ge zu mechaniſchen Künſten begabt, fand er ſich von dem hohen Poſten, den ihn die Rcvolution einzunehmen zwang, zu ſehr ge⸗ drückt. Als Ferdinand im April 1808 nach Burgos abreiſte, er⸗ nannte er ihn zum Präſidenten der obern Regierungs⸗Junta, die aus 5 Staatsminiſtern beſtand. Ferdinand hatte die Gewalt ſei⸗ nes Oheims auf die dringendſten Geſchäfte beſchränkt; die übrigen ſollten durch ihn ſelbſt gehen. Er hatte beſonders Folgſamkeit ge⸗ gen die Maasregeln des Generals Murat empfohlen, aus Furcht, die Vortheile, welche ſeine Reiſe haben könnte, zu zerſtören. Die Lage Don Antonio's wurde bald eine der ſchwierigſten, ſowohl durch die Drohungen des franzöſiſchen Generals, welche Don Ma⸗ nuel Godoi, den Friedensfürſten, der dem Volk und Ferdinands Partei ein Greuel war, zurückforderten, als durch das verbreitete Gerücht, Napoleon habe nicht in die Abdankung Karls IV. ge⸗ willigt, wie auch durch Murats Begehren an die Königin von Etru⸗ rien und den Infanten Don Franz. Ein Brief, den ihm ſein Bru⸗ der Karl IV. ſchrieb, in welchem dieſer Fürſt gegen ſeine Abdan⸗ kung proteſtirte, weil ſie nur die Wirkung kritiſcher Zeitumſtände geweſen ſey, vermehrte ſeine Unruhe. Der triegeriſche Vorfall zwiſchen den Spaniern und Franzoſen vollendete ſie. In der Nacht vom 1. zum 2. Mai unterhandelte man, aber ohne daß die Dinge ein anderes Anſehn gewannen, als am 2. Mai, auf das erſchollene Gerücht, daß ein franzöſiſcher Adjutant erſchienen ſey, um den Prinzen Franz hinwegzuführen, das Volk in Maſſe nach dem Pal⸗ laſt eilte. Es geſchahen einige Flintenſchüſſe, und bald entſtand ein allgemeines Gefecht, in welchem 200 Spanier getödtet oder verwundet wurden und die Franzoſen eine große Anzahl Leute ver⸗ loren; welches aber den genannten Prinzen Don Francisco nicht hinderte, Madrid zu verlaſſen und nach Bajonne abzureiſen. Bald folgte ihm Don Antonio ſelbſt nach einer Conferenz mit dem franz. Geſandten, worin er vernahm, daß Ferdinand in der Gewalt Ra⸗ poleons und Joſeph Bonaparte für den ſpaniſchen Thron beſtimmt ſey. Die Miniſter wandten alle Mühe an, ihn von dieſem Enr⸗ 262 Antonio. Antraigues. ſchluß abzubringen: ſie ſtellten ihm vergebens das Wohl des Staats und ſeiner Familie vor. Die Noth war ſtärker, als alle Vorſtel⸗ lungen. Er ließ ein Billet an den Bailli Don Francisco Gil von Lemus zurück, mit den Worten:„Ich thue der Junta zu wiſſen, vum ſich darnach zu achten, daß ich, auf Befehl des Königs nach »Bayonne abgereiſit bin; und ich fordere die gedachte Junta auf, vin der nämlichen Stellung zu bleiben, als ob ich noch in ihrer „»Mitte wäre. Gott ſtehe uns bei! Leben ſie wohl, meine Herren, „bis zum Wiederſehen im Thale Joſaphat!“ Don Antonio kam zu ſeiner Familie nach Bayonne, und reiſte mit ihr nach Valengay, wo er ſich frommen Handlungen widmete, und bis zum April 1814 blieb. Jezt ging er mit Ferdinand wieder nach Madrid, und wur⸗ de ſogleich von demſelben zum Großadmiral Kaſtiliens ernannt. Er ſtarb im April 1817762 Jahre alt. Antraiaues(De Launcy, Geuf von). Sein wahrer Name iſt Audenel, den er, man weiß nicht warum, in Au⸗ deinel, als Anagramm von de Launcy, einem kleinen von müt⸗ terlicher Seite herkommenden Gute verkleidete. Eine andere Erb⸗ ſchaft gab ihm Veranlaffung zu den Namen Entraigues und Antraigues. Unter jeder dieſer vier Benennungen erſchienen mehrere Werke von ihm. Obſchon Antraigues(ſein gewöhn⸗ licher Name) nicht von Adel war, fand er doch Mittel, von dem Adelſtande des Amtsbezirks Villeneuve⸗de⸗Berg zum Deputirten bei den Generalſtänden gewählt zu werden. Auf ſeinen Vorſchlag entſagte dieſer Stand ſeinen Privilegien in Hinſicht der Auflagen. Ferner unterflützie er die Erklärung der Menſchenrechte, machte einen patriotiſchen Plan wegen der freien Umfuhr des Getraides, und bekämpfte mit Erfolg ein neues Anleihen des Miniſters Necker. Dieſe in der großen Welt, für welche die Revolution nur noch die Neuheit eines intereſſanten Schauſpiels hatte, behaupteten Mei⸗ nungen erwarben ihm den Beinamen des ſchönen Verſchwor⸗ nen, den er auch wenige Jahre nachher rechtfertigte, aber außer⸗ halb ſeines Vaterlandes und für ganz andere ôngelegenheiten. Er emigrirte, ging nach Spanien, ward vom König ſehr ſchmeichel⸗ haft empfangen, erhielt eine dringende Empfehlung an die fran⸗ zöſiſchen Prinzen, und begab ſich nach Koblenz, wo Monſieur ſeine Dienſte annahm, der ihn bald als Miniſter in Italien ge⸗ brauchte. Von jezt an kann man das politiſche Leben Antraigues unter verſchiedenen Geſtalten ſehen. Zu Venedig und Mailand ſcheint er zugleich England(in der Perſon der Herren Drake und Wickam), S. M. Ludwig XVIII., und Rußland gedient zu ha⸗ -— Antraiguces. Aouſ. 263 ben. Er hatte Mad. Sant⸗Huberti, Schauſpielerin bei der Oper, geheirathet. Der König bewilligte ihm den Orden von St. Michael. Antraigues Anweſenheit in Oberitalien erregte der fran⸗ zöſiſchen Regierung Argwohn. Der General Bernadotte, jezt Kö⸗ nig von Schweden, der eine Diviſion der italieniſchen Armee unter Vonaparte befehligte, ließ Antraigues verhaften, der hierauf einen ſehr ſtolzen Brief an den Obergeneral ſchrieb. Er daukte ſeine Freiheit den deshalb gethanen Schritten und der Gewandtheit ſei⸗ ner Frau. 1803 wurde er von Rußland mit dem Titel eines Ge⸗ ſandtſchaftsraths nach Dresden berufen, und mit einer Miſſion beauftragt. Wenige Jahre darauf ward er, nebſt ſeiner Frau⸗ einige Meilen von London, von einem engliſchen Bedienten*) auf die kläglichſte Weiſe ermordet.— Während der drei erſten Jahre der Revolution verdiente d'Antraigues, durch ſeine Meinungen und Schriften den Ruf eines ausgezeichneten Publieiſten und eines edel⸗ denkenden Mannes. Unter manchen Werken, die ſich auf die fran⸗ zoͤſiſchen Staatsverhältniſſe beziehen, iſt ſein wichtigſtes: Mémoi- re sur les Etats généraux, 4788, worin man Stellen findet, in denen man die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft zu leſen glaubt. Dies Werk trägt das Gepräge eines ge⸗ rechten, feurigen, erhabenen und tiefen Geiſtes, und charakteri⸗ ſirt zugleich die edle Freiheit, deren die erſten Publiciſten der Re⸗ volution genoſſen. Aouſt(J. M. Marquis von), bekannte ſich, trotz ſeines Namens und Titels, zu den kühnſten Grundſätzen der Revolution. Er war zu Douay geboren, ſtand lange in Militärdienſten, und lebte dann auf ſeinen Gütern, als ihn 1789 der Adel des Bezirks von Douay zu den Generalſtänden berief. Hier ſtimmte er für die Vereinigung des Adels mit dem dritten Stande, und ſchloß ſich an die kleine Zahl der Adelichen an, welche, Vorurtheile, die ſchon die Philoſpphie beſiegt hatte, verwerfend, das Intereſſe der Na⸗ tion ihrem eigenen vorzogen. Als Konvents⸗Deputirter im Sept. 1792 folgte er dem Antriebe dieſer Epoche, ja er eilte ihm manch⸗ mal zuvor. Im Rovember deſſelben Jahrs klagte er die Gemeinde St. Amand an, welche ſich einem ſchwachen öſterreichiſchen Trupp ohne Widerſtand ergeben hatte. Die Jakobiner⸗Geſellſchaft ſchloß ihn als chemaligen Marquis aus. Von dem Direktorium wurde er in der Folge zum Kommiſſär der Centralverwaltung des Nord⸗ **) Nach andern war er ein Italiener, Namens Lorenzo, der ſich gleich darauf erſchoß. G. 264 Aouſt.[Apparent. Appelius. Departements, und nach dem 18. Brumaire von dem Oberkonſul Bonaparte zum Maire der Gemeinde Quincy, ernannt/ wo ſeine Güter lagen, und wo er vor kurzem ſtarb. Aouſt(Euſtache von), Sohn des vorigen, folgte, wie ſein Vater, dem Strome der neuen Ideen, und ward einer der ſchätzbarſten Generäle der Republik. Er erlitt das Schickſal faſt aller derjenigen, welche in jenen Zeiten politiſcher Stürme einigen militäriſchen Ruhm erlangt, und trug auf das Schaffott ein Haupt, das ſich lange dem feindlichen Feuer für das Wohl des Vaterlan⸗ des ausgeſetzt hatte, Er zählte kaum 31 Jahre. Vor der Revo⸗ lution war d Aouſt Offizier im Regiment des Königs(Infanterie), und wurde nach der republikaniſchen Verfaſſung nach einander Brigade⸗ und Diviſtonsgeneral. Er führte den Krieg in Spanien mit Erfolg, befehligte die Armee während Doppet's Krankheit, that ſich durch ſeine Tapferkeit hervor, und wurde für einen der beſten Generäle gehalten, als eine durch perſönliche Feindſchaft bewirkte Anklage ihm die Unfälle bei Perpignan zuſchrieb, und ſein Todesurtheil veranlaßte. Aouſt(Adolph, Marguis von), zweiter Sohn des Mar⸗ quis, anfänglich See⸗Offzier, wanderte 1792 aus, und kehrte erſt nach der Revolution vom 18. Brumaire nach Frankreich zu⸗ rüͤck. Napoleon ernannte ihn 1811 zum Präſidenten des Wahl⸗ kollegiums von Douay. In der Folge bediente er ſich des Einfluſ⸗ ſes, den ihm dieſe Stelle gab, gegen den, der ſie ihm verliehen hatte. Napoleon ließ ihn 1815 arretiren. Seine vorübergehende, wenig entfernte und wenig harte, Verweiſung hatte die Abdankung Napoleons zum Ziele. Man ſah bald den Hrn. Marquis d'Aouſt wieder auf der politiſchen Bühne als Kandidat der Deputirten⸗ Kammer erſcheinen, wo er auf den erſten Bänken der rechten Seite ſaß. [Apparent(Comte de). S. Cochon. Appelius, geb. zu Middelburg in Seeland, wo ſein Vater Prediger war, Er ſelbſt war dort anfänglich Notär. Als Depu⸗ tirter bei der Nat. Verſammlung der bataviſchen Republik zeichnete er ſich durch Thätigkeit und Geſchicklichkeit aus, und ſetzte ſeine öffentlichen Verrichtungen unter allen bisherigen Regierungen Hol⸗ lands 23 Jahre lang fort, Er war unter Ludwig RNapoleon Mi⸗ niſter und Staatsſekretär, und wurde nach der Vereinigung Hol⸗ lands mit Frankreich zum Staatsrath für die Section der Finan⸗ zen ernannt. Als Holland ſeine Unabhängigkeit wieder erlangt Appelius. Appiani. 268 hatte, ſtellte ihn die neue Regierung erſt als Staatsrath, darauf als General⸗Adminiſtrator der Finanzen, und endlich als Gene⸗ raldirektor der indirekten Auflagen an. In dieſer Eigenſchaft or⸗ ganiſirte er das jetzt im Königreich der Niederlande geltende Sy⸗ ſtem dieſer Auflagen. Der Sinn dieſes Mannes iſt ſehr für den Vortheil der Staatskaſſe geſtimmt. Auch wurden nicht alle ſeine Vorſchläge von den Generalſtänden angenommen. Als großer An⸗ hänger der Geldſtrafen hat ſie Appelius zu einer der Hauptquellen des Fiscus gemacht. Man wirft ihm vor, daß er unter andern die Ausgrabung des Torfs ſo ſchwierigen Formalitäten unterwor⸗ fen, daß der Eigenthümer, wie er es auch anfange, nicht vermei⸗ den kann, in Zuwiderhandlung und Strafe zu fallen. Solche An⸗ wendung ſeiner Talente erwarb Hrn. Appelius die Liebe der Be⸗ wohner nicht. Im J. 1819 erhielt er in Rotterdam einen nicht zweideutigen Beweis des öffentlichen Misfallens, obſchon er vorher das große Band des belgiſchen Löwenordens empfangen hatte. Appiani(Andrea), ein berühmter italieniſcher Maler, wurde 1754 zu Boſizio, am See Puſiano, im Ober⸗Mailändiſchen, aus einer adelichen, aber güterloſen, Familie geboren. Er verkün⸗ digte frühzeitig große Anlagen für die Malerei. Er ſtudirte die Anfangsgründe der Zeichenkunſt unter dem Ritter Giudei, dem beſten Profeſſor in Mailand. Hierauf diente er, um ſich die Mit⸗ tel des Lebensunterhalts zu ſchaffen, den Theater⸗Decorateurs; zugleich beſuchte er anatomiſche Vorleſungen. Alsdann durchzog er mit andern Malern, an die er ſich ſchloß, die vornehmſten Städte Italiens, und ſtudirte ſorgfältig die bewundertſten Werke der großen Meiſter einer Kunſt, die ihn mit Begeiſterung erfüllte. Ohne die Manier eines derſelben ausſchließlich anzunehmen, ſchuf er ſich eine eigenthümliche Gattung, die ihm vor allen ſeinen Lands⸗ lenten die Palme zuſicherte, und ihn dem Rufe Correggioss einigermaßen das Gegengewicht halten ließ. Er that ſich beſonders in Fresko⸗Gemälden hervor, die er zu Mailand verfertigte, und denen er viele Vollendung gab, indem er ſie bei ſeiner Rück⸗ kehr ausbeſſerte. Seine ſchönſten Arbeiten ſind die in der Kuppel des Chors der Kirche Santa Maria di S. Celſo in Mailand. Auch hatte er ein prächtiges Gemälde für den Palaſt Busca und artige Plafonds für das Schloß Monza verfertigt. Der Erzherzog Fer⸗ dinand, Gouverneur der Lombardie, erwies ihm eine beſondere Gunſt, welche Napoleon, ſeit er ſich Italien unterwarf, fortſetzte. Als dieſer Beherrſcher des Landes wurde, ernannte er Appiani zum Mitglied des ital. Inſtituts und königlichen Maler, und er⸗ 266— Appiani. Appteton. theilte ihm eine Penſion. Endlich ſchmückte er ihn mit dem Orden der Ehrenlegion und der eiſernen Krone. Appiani malte faſt alle Bildniſſe der Familie Napolcons und der vornehmſten Perſonen ſeines Hofes. Aber was ihm vorzüglich die Gunſt dieſes Fürſten erwarb, waren die Plafonds in den Sälen des königlichen Palla⸗ ſtes zu Mailand, welche er in Fresko, auf eine eben ſo geiſtreiche als erſtaunenswerthe Art, malte, beſonders wenn man das hohe Alter des Künſtlers betrachtet. Die Gemälde dieſer Plafonds ſind eben ſo viele Denkmäler des Ruhms jenes Eroberers, und der Künſtler arbeitete daran mit dem nämlichen Erfolg, wie in ſeiner erſten Zeit; aber im April 1813 unterbrach ein Anfall von Schlagſluß⸗ der ihm iedoch nicht das Leben nahm, dieſe ſchönen Werke, zu de⸗ ren Fortſetzung kein anderer Maler die Kraft in ſich fühlte. Dieſe Meiſterſtücke der Kunſt, welche zum Theil unvollendet geblieben ſind, wurden von der gegenwärtigen Regierung geachtet, und ſind jetzt eine Zierde des Pallaſtes des öſterreichiſchen Vicekönigs. Man ſieht auch ein Deckengemälde von ihm, das Apollo und die Mu⸗ ſen vorſtellt, in einem Saale des Pallaſtes, welcher unter dem Namen Villa Buonaparte dem Prinzen Eugen Beauhar⸗ nais, damaligen Vicekönig, geſchenkt war. Als Napoleon den Thron verließ, wurde dieſer Künſtler ſeiner Penſionen beraubt. Vater einer zahlreichen Familie und gebrechlich, lebte er noch faſt ſechs Jahre in einem der Dürftigkeit nahen Zuſtande. Endlich ſetzte(den 8. November 1818) ein nochmaliger Anfall von Schlagfluß ſeinem unglücklichen Leben und ſeiner ehrenvollen Laufbahn ein Ziel.— Appiani's berühmteſte Oelgemälde ſind: Der Olymp, Juno von den Grazien geſchmückt, die Zuſammen⸗ kunft Jacobs und Rachels, Rinaldo in den Gärten Armidens, und vorzüglich Venus und Amor, eine kleine reizende Compoſition, welche eine der ſchönſten Zierden der Villa Sommariva, am Comer See, iſt. Auch die Portraits die⸗ ſes Malers haben ihm einen großen Ruf erworben. Seine Ma⸗ nier hat einen weſentlichen Vorzug durch die Grazie und Reinheit der Zeichnung, durch Glanz, Harmonie und Reiz der Farben. Appteton(Miß Eliſabeth), zeichnet ſich unter den eng⸗ liſchen Frauen aus, die ſich in neuerer Zeit mit der Literatur be⸗ ſchäftigten. Ueberhaupt iſt es eine Eigenheit dieſer Literatur, daß ſeit 1789 mehrere Frauen in allen Gattungen denſelben Beifall er⸗ halten haben. Die Namen der Miſtriß Barbauld, Edgeworth⸗ Morgan, Trimmer, Han⸗MNore, Wootſtoncraft, Robinſon, Bur⸗ ney, Charlotte Smith ꝛc. bilden einen neuen Verein poetiſcher, * Appteton. Aquin de Chateau Lion. Aquilar. 267 philoſophiſcher, literariſcher und dramatiſcher Talente. Miß Appte⸗ ton iſt gegen 1792 aus einer achtungswerthen, aber unbemittelten, Familie geboren. Sie verlor frühe ihren Vater und Bruder, und fand eine Hülfsquelle in ihren Geiſtesfähigkeiten. Als Erzieherin in einem reichen Hauſe gab ſie eine Schrift über die Erziehung junger Frauenzimmer heraus, wodurch ſie die Aufmerkſam⸗ keit des Publikums auf ſich zog. Ein großer moraliſcher Gedanke beherrſcht dieſes Werk: geſunde, reine, bisweilen exaltirte, Anſich⸗ ten ſind in einem glänzendern und farbenreichern Style vorgetra⸗ gen, als es der Gegenſtand erfordert. Der wiederholte Druck die⸗ ſer Schrift beweist ihren Erfolg. Später lieferte die Verfaſſerin einen moraliſchen Roman: Edgar, wobei ſie Gelegenheit fand, den Reichthum ihrer Phantaſie und ein merkwürdiges Talent für beſchreibende Dichtung zu entfalten. Sie hat kürzlich ein neues Werk, unter dem Titel: Erziehung in den erſten Jahren, gegeben, deſſen Zueignung die Herzogin von Kent angenommen hat. Es beruht auf der ſo richtigen Idee, daß nichts, was den Menſchen umgiebt, ohne Einfluß auf ſeine Neigungen und auf ſein Schickſal iſt. Sonſt bietet das Buch eine eigenthümliche Miſchung philoſophiſcher und religiöſer Begeiſterung dar. Aquin de Chateau Lion(Peter Ludwig), ein mittel⸗ mäßiger Literator, geb. zu Paris 1720, geſt. daſelbſt 1796, war der Sohn eines berühmten Organiſten.„Man blies für den „»Vater, ſagt ein Epigramm, man pfeift für den Sohn.(On souffla pour le père, on siffle pour le fls.) Er war lange Zeit Herausgeber des literaxiſchen Almanachs, und veranlaßte vielleicht dadurch die Grimm und Rivarol, die ſchönen Buchſtaben und das überfeine Papier deſſelben zu rühmen, um manchmal mit gerechtem Grunde ſeine Poeſie herabzuſetzen. Aquin erhielt den Grad eines Baccalaureus der Mediecin, beſchäftigte ſich aber wenig mit dieſem Fache. Außer mehreren literariſchen Schrif⸗ ten gab er auch jährlich eine Sammlung in Verſen und Proſa her⸗ aus, betitelt: Apolls Neujahrsgabe, welche bei weitem nicht dem Muſenalmanach gleich kam. Aquilar(von), geb. in Andaluſſen, ſchiffte ſich 1808 als Obriſt nach Amerika ein. Er wurde in Mexiko General, und kommandirte im Januar 1815 ein royaliſtiſches Regiment von 1200 Mann, mit dem er einem Corps Inſurgenten entgegenrückte. Aber dieſe erhielten den Vortheil, und Aquilar ward mit mehre⸗ ren ſeiner Offiziere verwundet. 4 268 Arago. Arancey. Aranda. Arago(Dominik Franz), geb. den 28. Februar 1786 zu Eſtagel, bei Perpignan, trat 1804 in die polytechniſche Schule, und erhielt 1805 die Sekretärſtelle auf dem Längen⸗Bureau. Er ward mit Biot und zwei ſpaniſchen Kommiſſarien, Chaix und Ro⸗ driguez, beauftragt, die große geodäſiſche Operation Delambris und Mechain's, welche das vollkommene Maas des Mittagskreiſes zwiſchen Barcellona und Dünkirchen geben ſollte, fortzuſetzen. Dieſe Arbeit wurde durch die Kriegsereigniſſe in Spanien geſtört. Arago, ein Opfer des durch den Einbruch der Franzoſen erregten. Haſſes, kam als Gefangener in das Fort Roſes. Wieder in Frei⸗ heit geſetzt, wollte er zur See nach Frankreich zurückkehren, ſiel aber in die Gewalt eines barbaresken Korſaren, der ihn nach Al⸗ gier brachte. Nur auf die anhaltenden Bitten des franz. Konſuls endete ſeine Gefangenſchaft. Arago, einer der vorzüglichſten Ge⸗ lehrten Europa's, iſt Mitglied des Inſtituts, und widmet ſich nicht allein der Aſtronomie, ſondern auch der Phyſik. Mau verdankt ihm merkwürdige Forſchungen über die Eigenſchaften des Lichts. Arancey(Der Baron von), diente während der Revolu⸗ tion einer jener lächerlichen Anklagen, welchen die Ausſchweifung der Parteien allein Haltbarkeit verleihen kann, zur Zielſcheibe. Nachdem er(1793) dem Feldzuge in Spanien beigewohnt, ward er zu Toulonſe denuneirt, verhaftet, und einige Zeit feſtgehalten, mit der Beſchuldigung, er habe Kleien in die Patronen gethan, um die Fortſchritte der republikaniſchen Waffen zu hemmen. Wahr iſt es, daß d'Arancey ſich ſeitdem als einen Feind der damals herr⸗ ſchenden Grundſätze gezeigt hat. Er ward zu Vitry⸗le⸗Francais (in Champagne) geboren, ſtand lange in den Garniſonen, und entging der gedachten Anklage. Später machte er die Feldzüge in Italien und Rußland unter Napoleon mit, deſſen Fall ihm Ge⸗ legenheit gab, für die königliche Sache einen Eifer an Tag zu le⸗ gen, der ſich vielleicht um ſo lebhafter äußerte, weil er lange un⸗ terdrückt war. Aranda(Don Pedro Bablo, Abarga de Boleca) Miniſter Karls IV., geb. zu Saragoſſa 1716. Er ſtammte von Don Sancho Abarca, König von Navarra, der 1082 lebte. Im J. 1740 befand er ſich im Kriege, und wurde in der denkwürdigen Schlacht bei Campo Santo ſchwer verwundet. Man ließ ihn dort für todt liegen, und er ward erſt zwei Tage nachher von einem ſeiner Bedienten, der ihn unter einem Haufen Leichuame erkannte, gerettet. 1758 erhielt er die Geſandtſchaft bei König Anguſt lll. * 1 4 Aranda. 269 von Polen. Nach ſeiner Rückkehr wurde er Generalſtatthalter von Valencia. Kurz darauf ernannte ihn der König zum Präſidenten des Raths von Caſtilien, in welcher Stelle er viele Kraft und Fe⸗ ſtigkeit zeigte. Er verſchönerte die Hauptſtadt ſeines Gouverne⸗ ments, gründete nützliche Anſtalten, und beſchützte die Wiſſen⸗ ſchaften. Unter Karl III. hatte er vielen Antheil an der Vertrei⸗ bung der Jeſuiten. Nichts deſtoweniger wurde er dem Groll der Geiſtlichkeit und des römiſchen Hofs aufgeopfert; denn der König entfernte ihn auf ehrenvolle Weiſe, indem er ihn zum Geſandten in Paris ernannte. Er erwarb ſich während der neuu Jahre, die er dort verweilte, die allgemeine Achtung. Einige Mißhelligkei⸗ ten, die er mit dem Marquis von Florida Blanca gehabt, bewirk⸗ ten 1784 ſeine Zurückberufung nach Spanien. Er lebte zu Madrid, vom Hofe entfernt, als Karl III. ſtarb. Die Königin ernannte ihn jetzt zum Miniſter an Florida Blanca'’s Stelle. Doch war ſeine Gunſt von kurzer Dauer, und bald wurde er von Don Ma⸗ nuel Godoi, der unter dem Namen des Friedensfürſten eine ſo unglückliche Celebrität erhalten hat, erſetzt.*) Er blieb jedoch Decan des Staatsraths, den man während ſeines Miniſteriums wieder hergeſtellt hatte. Als einſt der König dieſen Rath präſi⸗ dirte, ſprach ſich Don Aranda mit Freimüthigkeit über den ſchlech⸗ ten Zuſtand der Finanzen aus, und erlaubte ſich in dieſer Hinſicht Bemerkungen gegen Godoi's Verwaltung. Weil er ſein Schickſal ahnte, hatte er vorher den Wagen anſpannen laſſen, um ſich auf eins ſeiner Güter in Arragonien zu begeben, und wollte eben ein⸗ ſteigen, als man ihm ſein Exil ankündigte.„Sie ſehen, ſagte er, „daß ich mich beeiferte, den Befehlen des Königs zuvorzukommen!“ In Arragonien beſchloß er ſeine ehrenvolle Laufbahn im September 41794, nachdem er bei ſeinem Schloſſe eine Kapelle erbauen laſ⸗ ſen, in welcher man ihm ein Grabmal errichtete, das unter ſei⸗ nen Augen vollendet ward. Er hinterließ eine junge Wittwe, mit der er keine Kinder gehabt.— Während des Aufenthalts in Pa⸗ ris hatte Aranda häufigen Umgang mit den Philoſophen, die ihn wegen ſeines Scharfſinns, ſeines erhabenen Charakters und ſeiner tiefen Menſchenkenntniß auszeichneten. Er war würdig, in jener glänzenden Geſellſchaft, welche Paris allein Europa, als ein Mu⸗ ſter der Bildung und den Mittelpunkt menſchlicher Kenntniſſe, dar⸗ *) Dies geſchah im J. 1792. An ſeinem nachher gemeldeten Un⸗ fall ſoll auch ſeine im Staatsrathe geäußerte Meinung über den Krieg gegen Frankreich ſchuld geweſen ſeyn. G. 270 Aranda. Aranto. Arbaud de Jouques. bot, genannt zu werden. Aranda war ſehr der Religion ergeben: aber er verwarf die Mönchsanſtalten, die ſein Vaterland bedeck⸗ ten, und ſagte,„dies hieße dem Ackerbau ſo viele Arme, der In⸗ „duſtrie ſo viele Künſtler, dem Handel ſo viele Speculatoren, und „dem Staate ſo viele nothwendige Familienväter, entziehen.“ Er verſuchte einen Angriff auf die Inquiſitions⸗Behörde, und war weniger mächtig gegen ſie, als gegen die Jeſuiten. Dennoch ſagt Voltaire von ihm, daß, indem er die Gläubigen erleuchtet, er der Inquiſition die Flügel beſchnitten habe: Aranda dans l'Espagne éclairant les fidèles, A'Inquisition vient de rogner les atles. Sein Geiſt hatte mehr Tiefe, als Umfang; welches Caraccioli, Ge⸗ ſandter von Neapel mit den Worten ausdrückte:„Er iſt ein Brun⸗ „nen, tiefer, als weit.“ Aranjo(Azvedo, Ritter von), portugieſiſcher Geſand⸗ ter, ward, nachdem er bei Eröffnung der bataviſchen Nat. Con⸗ vention eine Sendung nach Holland beendigt, beauftragt, im J. 1796 zu Paris an der Verſöhnung Portugals mit Frankreich zu arbeiten. Die Zwiſtigkeiten wurden glücklich durch ihn gehoben. Aber die Königin verweigerte dem geſchloſſenen Vertrag ihre Ge⸗ nehmigung. Aranjo ward, auf Befehl der franz. Regierung, den 30. December 1797 arretirt und in den Tempel geſetzt. Im darauf folgenden März verkündigten gewiſſe Tageblärter, die gewöhnlichen Organe politiſcher Lügen, daß der Gefandte aus ſeiner Gefangen⸗ ſchaft entronnen ſey. Dies war wirklich der Fall, aber mit ſtill⸗ ſchweigender Einwilligung des Direktoriums. Schwache, ängſtli⸗ che, in ihrer Tyrannei furchtſame Regierungen bieten mehr als ein Beiſpiel ſolcher lächerlichen Ver gleiche und kläglichen Liſten. Sie ſind, wie ein beredter Schriftſteller(der Herzog von St. Si⸗ mon) in ſeinen Einfachen Denkwürdigkeiten« ſagt, immmer in den Laufgräben. Aranjo kehrte nach Wiedererlangung ſeiner Frei⸗ heit nach Portugal zurück, und vertauſchte die Diplomatie gegen die Muſen. Man kennt von ihm glänzende Dichtungen, bilder⸗ und harmoniereiche Oden. Arbaud de Jouques(Joſeyh Karl André), Sohn eines Parlaments⸗Präſidenten der Provence, der 1793 zu Lyon auf dem Schaffott ſtarb. Der Marquis Arbaud de Jougues trat 1791 in den Malteſer⸗Orden, und emigrirte faſt zugleich mit ſei⸗ nen zwei Brüdern. Seine Dienſte bei der Condéiſchen Armee er⸗ warben ihm das St. Ludwigskreuz. Nach dem 18. Brumaire kehr⸗ Arbaud de Jouques. 271 ten er und ſeine Brüder nach Frankreich zurück. Er wurde erſt Unter⸗Präfekt von Aix, dann Reichsbaron, Ritter der Ehrenle⸗ gion, Prefekt der Ober⸗Pyrenäen, und zeigte ſich der kaiſerlichen Gunſt nicht unwürdig. Die Truppen der Coalition rückten heran. Der glühende Eifer des Präfekten, ſeine unermüdliche Thätigkeit in Aushebung der Konſcribirten, die ſogleich organiſirt und in Be⸗ wegung geſetzt wurden, die energiſchen Proklamationen, welche er häuſig in ſeinem Departement verbreitete, zogen die Aufmerkſamkeit der Regierung auf ihn, und die amtliche Stimme des Moniteur erklärte, daß die Vorſicht und der Eifer des Präfek⸗ ten der Ober⸗Pyrenäen des größten Lobes würdig ſeyen. Eine neue Proklamation Arbaud's folgte diefer ehrenvollen Meldung. Darin finden ſich dieſe merkwürdigen Worte:„Der Soldat, der ſeinen Adler nicht über ſich erblickt, iſt ein Verräther, ein Elender. Der ihn verhehlt, verdient den Tod; ſein Haus ſoll dem Erdboden gleich gemacht werden ꝛc. Die proviſoriſche Regierung ließ ihn an ſeiner Stelle; auch S. M.; Napoleon ſetzte ihn während der 100 Tage ab; in der Folge ward er vom Könige zum Prä⸗ fekten von la Rochelle, und nachmals vom Gard⸗Departement an Hrn. von Cabrières Stelle, ernannt. Eine neue und intereſſante Epoche ſeines adminiſtrativen Lebens! In einem Lande, wo alle ſich entgegenſtehende Elemente zugleich wirken, wo der Proteſtan⸗ tismus in aller Kraft und der Papismus in aller Glut, ſowohl den perſönlichen Haß, als die politiſchen Zwiſte zu einem ſo furchtba⸗ ren Grade ſteigern, war es ſchwer, das Gute zu thun. Arbaud konnte weder über die Größe des Uebels, noch über die Urſachen der Verwirrung, welche zu beſchwichtigen er berufen war, die Augen ſchließen. Seine erſten Schritte waren weiſe, und ſeine er⸗ ſten Maasregeln kündeten einen Beamten des Friedens an. Aber dieſe ſüßen Hoffnungen ſchwanden bald. Er glaubte daher, ſich mit Strenge waffnen zu müſſen. Man ſah gegen die aufrüh⸗ riſch genannten Zuſammenfottungen jenes ſchreckliche Dekret er⸗ ſcheinen, welches erklärt, daß jede Verſammlung von der bewaff⸗ neten Macht zerſtreut, und jede Gemeinde, die ein aufrühriſches Zeichen aufpflanzen würde, unter militäriſche Exekution geſtellt werden ſolle. Dieſes Dekret hatte ſeine natürliche Wirkung. Es entflammte jeden Haß, und ſchärfte alle Dolche. Arbaut erkannte ſeinen Fehler. Es war zu ſpät. Der Departe⸗ ments⸗Kommandant Lagarde fiel gemeuchelmordet; geſetzliche Ver⸗ folgungen begannen, und wurden bald wieder aufgeſchoben. Eu⸗ 272 Arbaud de Jouques. Arbaud. Arberg. ropa, deſſen Augen auf die blutigen Ufer der Rhone und des Aveyron geheftet waren, erfuhr mit Erſtaunen in einer neuen Proklamation des Präfekten, daß der König mit den Bewohnern der Stadt Nimes zufrieden ſey, und daß er(der Praͤfekt) nicht verſchmäht habe, ihr Betragen vor dem Ange⸗ ſicht der Welt zu rechtfertigen. Man wird in der Ge⸗ ſchichte leſen, daß die Mörder des Generals Lagarde, die vor ein Geſchwornen⸗Gericht zu Nimes geſtellt waren, im Triumph, un⸗ ter den Augen des erſten Beamten, hinweggetragen wurden. Rie⸗ mals wurden das Anſehen und die Majeſtät des Throns ſo tief verletzt. Die Miniſter empfanden es, und der Präfekt von Nimes ward abge⸗ ſetzt.— Arbaud gab 1811 eine Rachahmung einiger Dich⸗ tungen Oſſian's heraus, die aber keinen Beifall hatte. Arbaud(Johann Paul), ehemaliger Richter am Civil⸗ tribunal des Var⸗Departements, und Gutsbeſitzer, überreichte der Deputirtenkammer in der Sitzung von 1819— 20 ein Geſuch, worin er ein Geſetz forderte, das auf den Fall des Todes, der Entlaſſung oder Abſetzung des Königs, Vorſichtsmaas⸗ regeln enthielte. Die linke Seite begehrte die Sendung dieſes Geſuchs an das Juſtizminiſterium. Arbaud wurde deswegen vor das Aſſiſen⸗Gericht ſeines Departements geſtellt, und zu acht Monaten Gefängniß und 100 Franken Strafe und in die Uukoſten verurtheilt. Arberg(Graf von), öſterreichiſcher General, folgte dem General⸗Major Schröder in dem Befehl über ein Truppencorps⸗ das gegen die brabantiſchen Inſurgenten marſchirte. Als er in Gent einzog, folgten ihm die Patrioten nach, und zwangen ihn zu kapituliren. Er zog ſich alsdann auf Brüſſel, wo er, nach ei⸗ nigen Vortheilen, genöthigt ward, das Land zu räumen. Die militäriſchen Annalen zeigen uns wenig Feldzüge, die an Unge⸗ ſtüm und Fanatismus mit denienigen wetteifern könnten, welche die Operationen des Generals Arberg endigten. Ein Zug, der den Zeiten der Barbarei entlehnt zu ſeyn ſcheint, genüge zur Charak⸗ teriſtik jenes Kampfes der brabantiſchen Unabhängigkeit gegen das Haus Oeſterreich. Man fand auf dem Schlachtfelde die Leichname eines öſterr. Offiziers und eines jungen Patrioten von Gent liegen⸗ die ſich beide tödtlich getroffen. Aber der Genter war auf dem Antlitz ſeines Feindes verſchieden, welches er noch vor dem letzten Hauche, in Ermanglung der Waffen, mit den Zähnen zerfleiſcht hatte. Der General Arberg, dieſer Unfälle halben des Dienſtes müde, 5 ſich auf ſeine Güter zurück,. Arberg de Valengin. d'Arbley. Arbogaſt. 273 Arberg de Valengin(Karl Philipp von), Offtzier der Ehrenlegion, war einer derjenigen Belgier, die in den letzten Ereigniſſen am meiſten den Mann von Geiſt und den Hofmann zeig⸗ ten. Mit einer liebenswürdigen Geſtalt und feinen Manieren ver⸗ band er einen ſeſten Willen, einen durch mehrere Zweikämpfe erprobten Muth, und einen edlen Charakter. Er war der Sohn des öſterreichiſchen Generals dieſes Namens, und mit 28 Jahren Kammerherr bei Napoleon. Die Grafin, ſeine Mutter, war Eh⸗ rendame bei der Kaiſerin Joſephine. Bald machte er ſich durch die Thätigkeit und Anmuth ſeines Geiſtes bemerklich, und erhielt eine beſondere Miſſion nach St. Petersburg. Er wohnte dem ſchö⸗ nen Feldzuge bis zum Tilſiter Frieden, als Rittmeiſter unter den Ordonnanz⸗Gensdarmen der kaiſerlichen Garde, bei. Nach den Ereigniſſen zu Bayonne ward er mit der Bewachung der ſpaniſchen Prinzen, die nach Valencey geleitet wurden, beauftragt. In der Folge vertraute man ihm eine neue, und nicht weniger delikate, Verrichtung. In Bremen, wo er als Präfekt ſtand, wußte er durch ſeine Geſchicklichkeit die in den Hanſe⸗Städten entſtandenen Inſurrectionen unwirkſam zu machen. Der Tod entriß ihn den 18. Mai 1814, ehe er 40 Jahre alt war. Er ließ das gerechteſte Be⸗ dauern in den Herzen ſeiner Freunde zurück. Er machte das Glück ſeiner Mutter und ſeiner Schweſtern, der Gattinnen zweier Gene⸗ rallieutenants, die beide einen ſchönen Platz in unſerer Geſchichte behaupten, Mouton's, Grafen von Lobau, und Klein's. d'Arbley(Madame). S. Burney(Miß). 1 Arbogaſt(Ludwig Franz Anton), geb. zu Mutzig, im Elſaß, den 4. October 1759, war Rector der Univerſität Stras⸗ burg, Profeſſor der Mathematik an der Centralſchule des nieder⸗ rheiniſchen Departements, Correſpondent des Inſtituts und der wiſſenſchaftlichen Akademie zu Petersburg. Von letterer erhielt er im J. 1790 den Preis für ein mathematiſches Werk, deren er verſchiedene ſchätzbare ſchrieb. Er war Mitglied der geſetzgebenden Verſammlung und der Nat. Convention. In dem Prozeſſe des Königs ſtimmte er für Gefangenhaltung bis zum Frieden. Er war es, der das neue Syſtem von Maas und Gewicht, nach dem Maaße des Erdmeridians, bewirkte, worüber er auch 1800 eine Schrift herausgab. Mit Lakanal und Daunoun unterſuchte er den Telegra⸗ phen von Chappe, und 1794 das Betragen Carrier's. Er kehrte hierauf wieder zu ſeinen mathematiſchen Studien zurück. Ar⸗ baaf gehört unter unſere beſten Geometer. Er ſtarb im April 03.— 3 Neue Biograph. I. 8 18 274 Arborio de Brème. Arcambal. Arborio de Bréme.(S. Breme.)— Arcambal(N.), Mitglied der Ehrenlegion, begann ſeine Laufbahn als Kriegsſekretär unter St. Germain’s Miniſterium, und ſtieg bis zum Diviſions⸗Chef, welche Stelle er unter Dupor⸗ tail bekleidete. Er wurde nach dem 10. Auguſt 1792 verhaftet, erhielt aber wieder ſeine Freiheit wenige Tage vor den Niederme⸗ tzelungen im September, und entging ſo einem faſt gewiſſen Tode. In der Folge erhielt er die Stelle eines Archivars beim Kiegsmi⸗ niſterium, und blieb darin bis zu ſeiner Verſetzung in Ruheſtand nach 40 Dienſtiahren. Arcambal(Jakob Philipp), Bruder des vorigen, fing mit 17 Jahren ſeinen Dienſt unter den königlichen Haustruppen an. Unter den Marſchällen Clermont⸗Tonnerre und Broglio war er Kriegskommiſſär. Am Ende 1793 wurde er als beigeordneter Oberkommiſſär bei den Nord⸗ und Weſt⸗Armeen angeſtellt. Als er ſich im J. 1799, da die Unternehmung gegen Neapel ſtatt hatte, als erſter Oberkommiſſär(Commissaire ordonnateur en chel) bei Championnet's Armee befand, wurde er, nach dem Eindringen der Franzoſen in dieſes Königreich, Kriegsminiſter daſelbſt, und behielt dieſe Stelle, bis das dortige franz. Heer ſeinen Rückzug antrat, um ſich mit dem in Oberitalien zu vereinigen. Nach ſeiner Rückkunft in Frankreich ernannte man ihn zum Muſterungs⸗In⸗ ſpektor. Er machte einen Feldzug nach Deutſchland mit, worauf ihn der Marſchac Berthier auf das Kriegs⸗Bureau berief, wo er Diviſtons⸗Chef war bis zur Bildung des Lagers bei Boulogne. Jezt wurde er einer der Ordonnateur en chef der großen Armee bei dem Corps des Marſchalls Herzogs von Dalmatien. Mit dieſem war er in dem durch die Schlacht bei Auſterlitz merkwürdigen Feld⸗ zuge. Napolcon ernaunte ihn zum General⸗Intendanten von Nie⸗ der⸗Oeſterreich. Als der Prinz Joſeph Napoleon zur zweiten Un⸗ ternehmung auf Neapel abging, wurde Arcambal Commissaire ordonnateur en chef ſeiner Armee, und ſpäterhin Generalkom⸗ miſſär der vereinigten franzöſiſchen und neapolitaniſchen Heere⸗ erhielt dann vom Kaiſer die Erlaubniß, dieſer neuen Regierung zu dienen, ward Offzzier der Ehrenlegion, Großkreuz des neapolita⸗ niſchen und pfälziſchen Loͤwen⸗Ordens von Baiern, Staatsrath Kriegsminiſter, General⸗Intendant des königl. Hauſes, und end⸗ lich General⸗Direktor der Muſterungen und Conſcription. Aber er nahm ſeine Entlaſſung von allen dieſen Stellen und Hof⸗Ehren⸗ ämtern, als man ihm die Wahl ließ, ſich zu naturaliſiren und in der enropäiſchen Koalition gegen Frankreich zu dienen, oder in — d'Arcet. Archambault. Archenholz. 273 ſein Vaterland zurückzugehen. Er that das Letztere im Auguſt 1814 Seitdem wurde er zum Ober⸗Muſterungsinſpektor und Ludwigs⸗ ritter ernannt, und erlangte endlich den 9 Ruhegehalt zu welchem eine lange Reihe ehrenvoller und unnnterbrochener Dienſte ihm das Recht gaben. d'Arcet.(S. Darcet.)— Archambault(R.), zeichnete ſich durch eine nftige Oppo⸗ ſition gegen die revolutionären Grundſätze aus. Er war 1795 Prä⸗ ſident einer der Sectionen von Paris, in welchen ſich gegen die ſchwache und hinſterbende Nat. Convention eine Verſchwörung ohne Zweck und ohne Nittel organiſirte. Archambault unterzeichnete eine Einladung an die Bürger von Vitry, damit ſie den gedachten Sectionen, die ſich gegen die Linientruppen und die Ausſchüſſe der Regierung in Aufſtand geſetzt, zu Hülfe kommen möchten. Da das Aktenſtück authentiſch war, wurde Archambault von einer Militär⸗ kommiſſion zum Tode verurtheilt. Jedoch war man des Blutver⸗ gießens müde, und jene Verurtheilungen galten nur für leere Dro⸗ hungen. Er benutzte die Milde oder Sorgloſigkeit der Behörde, entrann, ſtellte ſich zwei Jahre darauf vor dem Kriminalgericht des Seine⸗Departements, ward einmüthig losgeſprochen, erhielt ſpäter die Vice⸗Präſidentenſtelle bei dieſem Gericht, und iſt gegen⸗ wärtig Dekan des Sachwalterſtandes von Paris. Archenholz(Ritter von), einer der durch Patriotismus, Ta⸗ lent und Wiſſen ausgezeichnetſten Schriftſteller Deutſchlands, ver⸗ dient in den Biographieen der Zeitgenoſſen die Stelle, welche man ihm verweigerte. Als ehemaliger Haupmann im preußiſchen Mi⸗ litär diente er mit Ruhm in dem ſiebenjährigen Kriege, that meh⸗ rere Reiſen in Europa, und ließ ſich endlich in Hamburg nieder, wo er lange Zeit ein periodiſches Werk, Minerva, herausgab, deſſen Anſichten und Grundſütze eine beſondere Aehnlichkeit mit der faſt zwanzig Jahre ſpäter erſchienenen NMinerve française haben. In dieſer deutſchen Minerva erhob Archenholz 1793 ſeine Stimme gegen die Gefangenhaltung des Generals La Fayette. Dieſes Heft ſeiner Zeitſchrift gelangte heimlich zu dem ruhmwürdigen Gefangenen, welcher Mittel fand, dem Verfaſſer in einem Schreiben voll Adel und Gefühl, das in der von 1789 beginnenden listolre de Ei rance, von Toulongeon(Theil 5. Pag. 430.) angeführt iſt, ſeinen Dank abzuſtatten. Der Ritter von Archenholz iſt Verfaſſer mehrerer Reiſeſchilderungen, nament⸗ lich einer Reiſe nach England, worin er weniger treu die N6 Archimband. Argcon. Sitten, als die geheimen Triebfedern der Verwaltung und die fei⸗ nen Schattirungen des Nationalcharakters, beobachtet hat*). Seine Geſchichte des ſiebenjährigen Kriegs iſt voll genauer Darſtellungen, die man anderswo vergebens ſucht, aber manchmal parteiiſch. Archimbaud(der Marquis von), im September 1815 vom Departement Vaucluſe zum Mitgliede der Deputirtenkammer er⸗ nannt, machte, als Kommiſſär des Bureau über die Budjets einen Bericht über die Reformen und Herabſetzungen der innern Ausga⸗ ben der Kammer. Argon(Johann Claude Eleonore Lemiceaud von) geb. zu Pontarlier 1733, Correſpondent des Inſtituts, General 5 des Genie⸗Corps. Sein Vater beſtimmte ihn dem geiſtlichen Stande. Aber um ſeinen Verwandten zu zeigen, wie ſehr ſie ſeine Beſtimmung misbrauchten, bediente er ſich eines ziemlich originel⸗ len Mittels. Er verwandelte auf ſeinem Bildniß den Abbé⸗Rock, in dem man ihn hatte mahlen laſſen, eigenhändig in eine Inge⸗ nieur⸗Uniform. Die Verwandten begriffen nun ſeine Neigung, und ſtanden ihr nicht mehr entgegen. Die vorherrſchende Leiden⸗ ſchaft des jungen d'Arcon für den Waffendienſt beſtimmte ſeinnn Vater, ihn in die Militärſchule zu Mézières(1754) aufnehmpen zu laſſen. 1755 wurde er Ingenieur, und zeichnete ſich im ſieben⸗ jährigen Kriege, und namentlich 1761 bei der Vertheidigung Kaſ⸗ ſels, aus. Im J. 1774 beauftragte man ihn, die Karte des Jura und der Vogeſen aufzunehmen. Um dieſes Geſchäft zu beſchleu⸗ nigen, erfand er eine neue Tuſchmanier, wodurch die Arbeit ſchnel- ler ging und mehr Effekt hervorgebracht wurde, als durch die ge⸗ wöhnliche. Man hat dieſe glückliche Erfindung als eine Eroberung für die Kunſt betrachtet. Er war mit vieler Thätigkeit und Ein⸗ bildungskraft begabt. Im Jahr 1780 machte er für die Belage⸗ rung Gibraltars ein kühnes Projekt, welches durchaus neue Aus⸗ fuͤhrungsmittel verlangte. Nach einigen über das Verbrennen an⸗ geſtellten Verſuchen gab er ſeinen Vorſchlag für die unverſenklichen und unverbrennlichen Batterieen ein, die den Platz von der See⸗ *) Das bekannte Werk England und Italien. Auch das Sit⸗ tengemälde hat in der anziehenden und gewandten Schreibart des „Verfaſſers viel Treffendes. Nicht ohne Grund warf man ihm ſeine Vorliebe für England und Ungerechtigkeit gegen Italien vor. Doch mag ihn auch oft hier die Liebe zum wahren Guten geleitet haben. G. — Argon. 8 277 ſeite beſchießen ſollten, während man durch andere, vorwärts am Ufer errichtete, die Werker, welche die ſchwimmenden Batterieen von vorn angriffen, im Rücken nehmen würde. Dieſe Batterieen wurden unter ſeinen Augen gebildet. Er ließ ſie ſtark mit Holz verharniſchen, mit einer Blendung*), die feſt genug war, den Bomben zu widerſtehen, bedecken, Waſſer herumleiten, das durch Pumpen, zum Schutze gegen das Feuer, unterhalten ward, und vermittelſt eines Ballaſtes, der fähig war, der Artillerie das Ge⸗ gengewicht zu halten, erlangte er ein völliges Gleichgewicht. Er unterſtützte dieſe Maſchinen durch Kanonier⸗ und Bombardierſcha⸗ luppen und durch Linienſchiffe, die auf mehreren Punkten manö⸗ vriren ſollten, um die Belagerten zu beſchäftigen und ſie zu Diver⸗ ſionen zu zwingen. 150 Kanonen waren in 5 Maſchinen auf eine Batterieen⸗Reihe, und in 5 andern auf eine Reihe, vertheilt. Dieſes Projekt wurde mit lebhaftem Intereſſe vom ſpaniſchen Hof angenommen; er dachte nur daran, es auszuführen. Um ſich der Stellung ſeiner Pramen**) zu verſichern, hatte ſich d'Argon auf einem dem Feuer der Feſtung ausgeſetzten Boot eingeſchifft, Am 13. September 1782 wurde das Vorhaben ausgeführt. Aber man betrieb das Unternehmen ſo, als habe man die Abſicht gehabt, es ſcheitern zu machen. Von zehn Pramen ſegelten nur zwei vorwärts, und erſt lange nachher folgten ihnen die andern, ſo daß die erſten alles Feuer des Platzes aushalten mußten. Es war leicht, dieſem Unfall abzuhelfen, wenn man ſie ſchnell auf die andern zurückzog; aber man brachte während des Angriffes den Befehl, alle dieſe Fahrzeuge den Flammen zu übergeben, unter dem Vorwand, daß die Engländer ſich unvermeidlich derſelben bemächtigen würden. Dies untreue Vorhaben, weihes bald der ſchlechte Fortgang der Unternehmung bewies, konnte d'Arçons Scharfblick nicht entgehen; tiefer Unwille und gerechter Groll entſtand in ihm. Der Prinz von Naſſau, der alle Eigenſchaften der in Romanen berühmten Helden allein in ſich vereinigen und ihre abentheuerlichen Unternehmungen wagen zu wollen ſchien, und dereimmer kam, wenn in Eu⸗ ropa ein Flintenſchuß geſchehen ſollte, für oder gegen wen es auch war, ließ die Gelegenheit nicht vorbeigehen, ſeinen ) Blendung(blindage) iſt ein Fortifications⸗Ausdruck. Sie beſteht aus ineinander gelegten Stücken Holz oder Bäumen, und wird auch dazu gebraucht, die Arbeiter in den Laufgraͤben zu ſchützen. **) Eine Art glatter Kriegsfahrzeuge, die mit Bruftwehren und Ge⸗ ſchütz verſehen und. G. 278 Argon. Namen— der gefährlichen That des Generals Argon beizufügen, und blieb allein mit ihm auf der ſchwimmenden Batterie, welche das feindliche Feuer ſchon in Kohlen verwandelt hatte.„Sie wer⸗ nden erſt nach mir hinweggehen, ſagte er zu d'Argon.“—„Dies „verlange ich, mein Prinz“, war die Antwort.„Es iſt meine »Schuldigkeit, hier als der Letzte zu bleiben.“ Wahrſcheinlich muß man das Nichtgelingen eines ſo kühnen und geiſtreichen Verſuchs, deſſen Erfolg nicht zweifelhaft ſchien, beſonders der Rivalität, Eiferſucht und Uneinigkeit, die zwiſchen den ſpaniſchen und fran⸗ zöſiſchen Offizieren ſtatt hatten, zuſchreiben. Ellzot, der Gibral⸗ tar vertheidigte, erkannte vollkommen das Verdienſt der Erfindung Argons, und ertheilte ihm ein rühmliches Zeugniß. Letzterer legte ſeinen tiefen Kummer und Verdruß, aber mit Würde, in einer Denkſchrift dar.— Im J. 1793 war d'Argon mit einer Re⸗ cognoszirung auf dem St. Bernhardsberge beauftragt. Aber als man ihn denuncirte, zog er ſich nach St. Germain zurück. Man rief ihn von neuem zur Ausführung des Invaſions⸗Projekts in Holland, und dankt ihm die Eroberung der Feſtungen Breda und Gertruydenberg*). Zum zweitenmal denuneirt, ſchrieb er in ſei⸗ ner Einſamkeit ſein letztes Werk, betitelt: Considérations militaires et politiques sur les fortifications. Die Regierung verordnete den Druck deſſelben. Eine Zeitlang ging das Gerücht, er wäre Dumonrier gefolgt; aber er wiederlegte es durch ein Schreiben an die Nat. Verſammlung. Carnot ſtellte ihn hierauf in den Kriegsräthen und Ausſchüſſen an. 1799 wurde er Mitglied des Erhaltungsſenats. Auſſer dem genannten hat man noch mehrere ſein Fach betreffende Werke von ihm. Er ſtarb den 1. Juli 1800 auf der Tuilerie, einem ſchönen Landgute, das er ſeit kurzem in der Gegend von Auteuil erkauft hatte. Arconville(erone fa Eharlotta dAblus Thiroux von), geb. den 17. October 1720, geſt. den 23. December 1805. Dieſe mit einem geſundeh Urtheil und zartem Geiſt begabte Dame verhehlte ſich nicht das gegen gelehrte Frauen exiſtirende Vorur⸗ theil.„Sie mögen ſich(ſagte ſie) für wiſſenſchaftliche oder für „ſchöͤne Geiſter ausgeben, wenn ihre Werke ſchlecht ſind, n „ſie verhöhnt: ſind ſie gut, raubt man ſie ihnen. Es bleibt ihnen „dann unr die Lächerlichkeit, ſich als Verfaſſerinnen genannt zu 3*) Dies geſchah im Anfang 1793, als Dumourier den wohlangelegten Plan faßte, Holland zu erobern. Aber die Unfaälle ſeiner in Brabant zurückgelaſſenen Truppen zwangen ihn, denſelben wieder aufzugeben. G⸗ Areonville. Arena. 279 „haben.“ Deswegen gab ſie auch alle ihre Schriften unter dem Schleier der Anonymität heraus. Ihr Hauptzweck war, nützlich zu ſeyn. Sie beſaß eine lebhafte Einbildungskraft, tiefes Gefühl und die mannichfaltigſten wiſſenſchaftlichen Kenntniſſe. Der wür⸗ dige Civil⸗Lieutenant Angran d'Alleray(ſ. d. Art.) war ihr Schwa⸗ ger, und unter ihre Freunde zählte ſie mehrere ausgezeichnete Män⸗ ner, als: Lavoiſier, Malesherbes, Sainte⸗Palaye ꝛc. Gut, mit⸗ leidig, gern das Unglück lindernd oder tröſtend, hatte ſie dennoch eher das Anſehn der Verbindlichen, als der Wohlthäterin.„Wenn „dieſe Unglücklichen(ſagte ſie) wüßten, wie viel Freude ſie mir da⸗ „durch gewähren, daß ich ihnen nützlich ſeyn kann, ſie würden „mir nicht ſo vielen Dank abſtatten.“ Mad. d'Arconvile hatte ein glückliches Geſtirn, und ihr Leben war faſt frei von Stürmen. 228. Sie erlag dem Alter von 85 Jahren unter meiſt anhaltenden Lei⸗ den; aber die Sauftmuth ihres Charakters und alle Friſche des Geiſtes erhielten ſich; ja, ſie arbeitete noch mit Wärme in den kurzen Augenblicken der Ruhe, welche ihr die letzte Krankheit, die ſie den Wiſſenſchaften und der Freundſchaft entriß, vergönnte. Außer einigen Ueberſetzungen engliſcher Dichter und Proſaiker hat man von ihr: Pensées et Reflexions de l'Amitié, des Passions; L'Amour éprouvé par la Mort, ou lettres de deux amans; Vie de François II. eto. Arena(Joſeph), Bataillonschef bei der erſten Organiſa⸗ tion der Nationalgarde, ward General⸗Adiutant bei der Belage⸗ rung Toulon’s, wo er ſehr auszeichnende Proben von Tapferkeit gab. Er verließ den Dienſt im J. 4, begleitete Salicetti in ſein Exil, kam mit ihm nach Frankreich zurück, und folgte ihm zur italieniſchen Armee, von wo er im Jahr 5. nach Korſika hinüber⸗ ging. Als Deputirter des Golo⸗Departements ſiattete er einen Bericht ab, um Maasregeln zur Unterwerfung der korſiſchen Re⸗ bellen zu bewirken. Kurz darauf erhielt er den Grad eines Briga⸗ de⸗Chefs der Gensd'armerie. Die Revolution vom 18. Brumaire beſtimmte ihn, ſeine Entlaſſung zu nehmen, die man ſeiner Abnei⸗ gung gegen den erſten Konſul Bonaparte zuſchrieb. Er ſah ſich in eine Verſchwörung verwickelt, die den Zweck hatte, des erſten Kon⸗ ſuls los zu werden, und zwar am 9. November 1801, in der Oper, als man zum erſtenmale die Horatier gab. Man ſtellte ihn, nebſt Ceracchi, Topino Lebrun, Demerville, und Diana, vor das Kriminalgericht, und der Prozeß blieb lange unentſchieden. Aber der Anſchlag vom 3. Rivoſe beſchleunigte das Urtheil. Er wurde zum Tode verdammt, und mit den drei erſten ſeiner Mitſchuldigen 8 280 Arena. am 30. Nivoſe 9. hingerichtet. Mit Muth ging er zum Richt⸗ platze. Arena's Vertheidigung durch Guichard, welche mit viel Talent und Energie geſchah, verdient Lob. Arena(Barthélemy), bewährte ſich frühe als einen An⸗ hänger der hranun Er wurde von der Inſel Korſika zum Er⸗ gänzungs⸗Deputirten bei den Generalſtänden ernannt. Als man die Provinzen in Departemente verwandelte, ſtand er mit mehreren Mitgliedern der Munizipalität von Baſtia in Oppoſition. Eine 1791 in dieſer Stadt entſtandene Bewegung bewirkte den Triumph ſeiner Feinde, ſo daß er und andere Adminiſtratoren ſich einzuſchif⸗ fen genöthigt wurden. Sein Haus ward verwüſtet; aber ein De⸗ kret der Nat. Verſammlung verfolgte die Schuldigen. Den 2. Juli 1792 ſtimmte er, als Deputirter der Nat. Verſammlung, für die Erklärung, daß das Vaterland in Gefahr ſey, und ſchlug die Entlaſſung des Generalſtabs der Nationalgarde vor. Hierauf erhob er ſich gegen das neue Miniſterinm, durch welches der Hof Du⸗ mourier, Roland ꝛc. erſetzt hatte. Man ſandte ihn zur Erhaltung der Ordnung in das Departement der Nieder⸗Seine(Normandie). Als er nach Korſika zurückkam, zeigte er ſich von neuem in der pa⸗ triotiſchen Partei, und kämpfte gegen Paoli. Er that ſich im Juni 1793 durch ſeine Standhaftigkeit gegen die Inſurgenten von Calvi hervor, und gab in einem Schreiben ausführliche Nachrichten über die Kapitulation dieſes Platzes. Als Korſika unter die Herrſchaft der Engländer ſiel, ging er nach Paris zurück, und beſuchte häufig die Geſellſchaft der Jakobiner. Er beklagte ſich über das Still⸗ ſchweigen und eine gewiſſe Schlafſucht ihrer Mitglieder in dem Augenblick, da die Patrioten unterdrückt wären. Nach dem Ab⸗ zuge der Engländer kehrte er wieder nach Korſika zurück, und be⸗ ſchwichtigte mit dem General Cafalta die in der Stadt Ampugnano entſtandenen Unruhen. Als Mitglied des Raths der 500 fuhr er fort, die Grundſätze der Revolution darin aufrecht zu halten. Er ſtimmte für die Aushebung der Konſcribirten, und begehrte die Preßfreiheit. Er behauptete, daß der Direktor Merlin eine Armee von 15— 20,000 Mann zu Paris habe, deren er ſich bedienen würde, um die National⸗Repräſentation zu decimiren, und fügte hinzu, daß man, auf Befehl dieſes Direktors, in den Polizei⸗Bu⸗ reaux alle Papiere verbrenne, die ein Licht auf die Verſchwörung vom 30. Prairéal 7.(ſ. die Tabelle) werfen könnten. Bei der Verſammlung in dem Gebäude der Reitſchule that er ſich als Red⸗ ner hervor, beſchuldigte den Kommandanten von Turin der Verra⸗ therei, weil er dieſen Platz den Auſtro⸗Ruſſen übergeben habe, er⸗ Arena. Arenberg. 284 hob ſich gegen die Direktorial⸗Partei, welche das Vaterland in Gefahr zu erklären hinderte, und begehrte für Maſſena und die helvetiſche Armee Beweiſe der National⸗Erkenntlichkeit. Er blieb ſtandhaft der Demokratie ergeben, und widerſetzte ſich ſtark den Be⸗ gebenheiten des 18. Brumaire. Man beſchuldigte ihn, er habe den Gencral Bonaparte mitten im Rath der 500 erdolchen wollen*). Er ſchlug vor, die Liſte der anweſenden Repräſentanten drucken zu laſſen, und ſchwur, daß er die Konſtitution aufrecht halten wolle. Auf die Liſte der vom geſetzgebenden Corps Ausgeſchloſſenen ge⸗ bracht, ſollte er deportirt werden. Aber es gelang ihm, ſich den Nachforſchungen zu entziehen. Er machte ein Schreiben bekannt, in welchem er ſein Benehmen am 18. Brumaire rechtfertigte. Jetzt lebt er ſehr zurückgezogen in der Gegend von Livorno. Arenberg oder Aremberg(Ludwig Engelbert, Herzog von), geb. den 3. Auguſt 1750. Er verlor das Geſicht auf einer Jagdpartie kurz nach ſeiner Vermählung mit Fräulein von Lauraguais. An der brabantiſchen Revolution nahm er thäti⸗ gen Antheil, wegen der Anſprüche auf die Souveränität dieſer Provinz. Als Napoleon den kaiſerlichen Thron beſtiegen hatte, ſchloß ſich der Herzog von Arenberg an ſein Glück, und wurde den 19. Mai 1806 zur Senatorwürde erhoben. Einige Jahre nachher ward er Großkreuz des Reunions⸗Ordens. Seit Errichtung des neuen Königreichs der Niederlande, zog er ſich nach Brüſſel zurück, und zeigte eben ſo viel Widerwillen gegen die Anhänger Rapoleons, als vorher Enthuſiasmus für denſelben. Er ſtarb im Mai 1820. Arenberg(Der Prinz Prosper von), Sohn des Her⸗ zogs Ludwig, geb. den 28. April 1785, gehörte, als regierender Herzog von Arenberg, zum Rheinbunde. Er vermählte ſich den 1. Februar 1808 mit Fräulein Stephanie Taſcher de Lapagerie, Nichte der Kaiſerin Joſephine, und beſtimmte ihr eine Million Fr. zum Heirathsgut, unter der Bedingung, daß dieſe Summe zum Ankauf eines Hötels in Paris verwendet werde. Im nänlichen Jahre errichtete er ein Regiment leichter Kavallerie, und gab es dem Kaiſer zum Geſchenk, welcher demſelben Nro. 27. unter den Jägern der Garde**) verlieh. Mit dieſem Regiment ging der *) Deswegen wurde der im vorigen Artikel genannte Arena in ſeinem Prozeſſe mit dem gegenwärtigen verwechſelt, wogegen ſein Vertheidiger ſprach.— G. **) Die franz. Armee zählte damals 26 Regimenter Chasseurs à cheval. Das vom Prinzen Arenberg befehligte wurde das 27. Da die Kaiſer⸗ 282 Arenberg. Prinz 1809, als Obriſt nach Spanien. Er zeichnete ſich in dieſem langen Kriege bei verſchiedenen Vorfällen aus, und namentlich beim Angriff des Hafens Huelba im März 1810, wo er einen Transport von neun mit Korn beladenen Fahrzeugen nahm, und im Angeſichte dieſer Stadt, deren er ſich, nach einem der tapfer⸗ ſten Anfälle, am 15. Mai deſſelben Jahrs bemächtigte. Den 28. vernichtete er faſt ein ganzes Corps Kavallerie. Gegen den Sep⸗ tember 1811 erhielt er den Auftrag, die beiden Ufer des Tajo, von der Seite Albuquerque's, zu reinigen, und entledigte ſich deſſelben ſo gut, daß er den General Caſtanos bis an die Grenzen Portu⸗ gals trieb. Dieſe Unternehmung beſchloß ſeine Fortſchritte auf der Halbinſel. Er ließ ſich am 28. October 1811 bei Carciroz überfal⸗ len, und wurde mit 15 Offizieren, 500 Soldaten, und 2 Kano⸗ nen, gefangen genommen. Der nach England geführte Prinz kehrte erſt nach dem Frieden nach Brüſſel zurück. Die Prinzeſſin, welche immer eine Art Antipathie gegen ihn zu fühlen ſchien, klagte bei den Pariſer Tribunälen auf Nullität des Ehebündniſſes, und for⸗ derte nichtsdeſtoweniger eine jährliche Unterhattsſumme von 36,000 Franken. Dieſe wurde ihr bis zum Belauf von 12,000 Fr. bewil⸗ ligt, unter der Bedingung, daß ſie ihrem Gemahl die Diamanten und andere Mobiliar⸗Gegenſtände, die er in Anſpruch nahm, zu⸗ hellen ſollte. Ihre Ehe ward alsdann in allen Formen aufgelöſt, wodurch der Prinz die Freiheit erhielt, eine neuc zu ſchließen. Er heirathete 1819 eine Prinzeſſin von Lobkowitz. Gegenwärtig iſt Prinz Prosper von Arenberg General im Dienſt der Niederlande. Seit dem Tode ſeines Vaters hat er den Herzog⸗Titel auge⸗ nommen. Arenberg(Peter, Prinz von), Bruder des vorigen, wohnte mit Auszeichnung dem Feldzuge in Rußland bei. Er em⸗ pfing mehrere Wunden in der Belagerung von Darnzig, wo er als Ordonnanz⸗Offizier des Kaiſers diente. Bei einem ſehr mörderi⸗ ſchen Ausfall wurden drei Pferde unter ihm getödtet. Er iſt jetzt im Dienſt des Königs der Niederlande. Arenberg(Auguſt, Prinz von), Oheim der beiden vorigen, und Bruder des Herzogs Ludwig Engelbert, iſt zugleich Belgier, Franzoſe und Oeſterreicher. Er ward zu Brüſſel 1753 geboren, zu Paris erzogen, und hat lange in Wien gelebt. Er garde unter ihrer Kavallerie nur ein Jägerregiment hatte, ſo iſt hier wohl ein Mißverſtand. 2 G. Arenberg. 283 nahm ſeines mütterlichen Großvaters, Lamarck, Namen an, weil ihm derſelbe unter dieſer Verbindlichkeit das Regiment Lamarck*) überließ. Gegen 1780 ging er mit dieſem franz. Regimente nach Indien. Die Entſchloſſenheit des Oberſten theilten nicht alle Of⸗ fiziere. Einer von ihnen, Perron, weigerte ſich über das Meer zu ſchiffen, und nahm ſeine Entlaſſung. Als der Graf von La⸗ marck nach Frankreich zurückkam, verlangte dieſer Offizier, der Kammerherr des Königs von Schweden, Guſtavs I11. geworden war, Rechenſchaft über einige von jenem bei obigem Anlaß geſche⸗ hene Aeußerungen. Der Graf ſchlug ſich mit ihm, und tödtete ſeinen Gegner, von dem er ſelbſt ſchwer verwundet ward. Lamarck⸗ der bis 1787 nur Hofmann war, und an den erſten Höfen Euro⸗ pens einer großen Gunſt genoß, wurde mit einem male eine politi⸗ ſche Perſon, und fand ſich in zwei große Revolutionen gemengt. Er nahm einen ſehr thätigen Antheil an der brabantiſchen, welche der Herzog, ſein Bruder, mit ſeinem ganzen Credit unterſtützte, und diente als General unter dem Heer der Stände. Zu gleicher Zeit machte ſich ſeine Schweſter, die Herzogin von Urſel, durch ihre Begeiſterung für den Advokaten Van der Noot, eines bürger⸗ lichen Chefs dieſer Revolution, bemerklich. Im März 1700 ſchrieb der Graf von Lamarck an die Brabanter Stände, um ſich über die ihn bedrohenden Verfolgungen zu beſchweren, weil er eine Addreſſe unterzeichnet hatte, in welcher die Verſammlung eingeladen war, über die unverjährlichen Rechte der Völker zu be⸗ rathſchlagen. Er begehrte auch Gerechtigkeit über die Mord⸗ thaten und andere verhaßte Handlungen, zu welchen der Pöbel auf⸗ gereizt worden. Den 2. April ſchrieb er von neuem, und gemein⸗ ſchaftlich mit dem Herzog von Urſel, an die Stände, daß es ihnen gelungen ſey, die Ordnung in der empörten Armee herzuſtellen. Indeſſen war Lamarck 1789, in Folge der Rechte, welche ihm ſeine im franzöſiſchen Flandern liegenden Güter ertheilten, von der Stadt Guesnoy zum Deputirten des Adels bei den Generalſtänden ernannt worden. In Frankreich nicht minder eifriger Anhänger einer Re⸗ volution, welche philoſophiſche Ideen zur Grundlage hatte, wie es nicht in Belgien bei einer durch Aberglauben hervorgerufenen der Fall war, trat der Graf, mit der geringern Zahl ſeiner Kaſte, auf die Seite des dritten Standes. Er ſuchte mit Wärme die *) Dieſes gehörte unter die ehemaligen fremden, und namentlich deutſchen, Regimenter im franzöſiſchen Dienſt. Es iſt, wie ſein hier angeführter Inhaber, in der Kriegsgeſchichte berühmt. G. 284 Arenberg. Freundſchaft Mirabeau's, und es ſchien aus dem innigen Verhält⸗ niß, das ſich unter beiden gebildet, Ruhm für ihn hervorzugehen. Aber bald erkaltet für die Sache der Revolution, knüpfte er wieder Verbindungen mit dem Hofe an, und wurde, in Gemeinſchaft des öſterreichiſchen Geſandten, Grafen von Merci, der Rathgeber der Königin. Er war es vorzüglich, der die Annäherung Mirabeau's an den Hof einleitete, deren Wirkungen vielleicht nur der ſchnelle Tod dieſes großen Redners zuvorkam. Mirabeau verſchied in den Armen Lamarck's und Talleyrand's von Perigord, nachdem er er⸗ ſteren zum Vollzieher ſeines Teſtaments beſtellt hatte. Im J. 1792 verlor das Regiment Lamarck Leute, als es ſich dem Einzug der Marſeiller in Avignon widerſetzte. Es iſt nicht geſagt, daß bei dieſer Gelegenheit ſein Oberſter an der Spitze ſtand; aber der Ver⸗ faſſer eines Briefs, in dem dieſer Vorfall aufgezeichnet iſt, läßt ſich ſo vernehmen:„Man muß ein Auge auf dieſes Re⸗ „giment haben. Der Herr Graf von Lamarck, ſein inhaben⸗ „der Obriſt, ſprach zu ſeinem Revolutionsfreunde Mirabeau ein „»Wort, das kein Patriot aus dem Gedächtniß verlieren ſoll. Es „war die Rede vom bürgerlichen Kriege ꝛc. Eine Zeit wird „kommen, ſagte der Graf Lamarck, da ein Regiment für „ſich mehr werth iſ, als der Beſitz eines Landguts. »Der Graf Lamarck ſtand im Schloſſe der Tuilericen immer in der „größten Gunſt.« Als die Sache des Hofs ihm ohne Rettung ver⸗ loren ſchien, kam er nach Belgien zurück, verſtändigte ſich wieder mit der öſterr. Regierung, entſagte ſeiner Eigenſchaft als Franzoſe, und trat als General in öſterreichiſchen Dienſt. Doch war er nie in Thätigkeit. Da er ſich während der ganzen Zeit, daß Belgien mit Frankreich vereinigt war, in Wien aufhielt, ward er auf die Liſte der Emigranten geſetzt. Unter Thugut's Miniſterinm gebrauchte man ihn zu mehreren Unterhandlungen gegen Frankreich, während der General Bonaparte, deſſen ſich dieſer Prinz ſehr wohl erinnerte,⸗ in Italien kommandirte. Als der Herzog von Arenberg in den Senat aufgenommen war, wünſchte der Prinz Auguſt von Aren⸗ berg(dieſen Namen hatte der Graf Lamarck wieder angenommen und ſeitdem beibehalten) von neuem in die Dienſte der franz. Re⸗ gierung zu treten. Da aber Napoleon den Grundſatz hatte, fremde Militärperſonen in der franzöſiſchen Armee nur in einem geringe⸗ ren Grade, als der, den ſie bekleideten, zuzulaſſen, ſo verfolgte der Prinz ſein Geſuch nicht weiter. Seit der Vereinigung Vel⸗ giens mit Holland iſt er Diviſions⸗General im Dienſt des Königs der Niederlande, aber ohne in Thätigkeit zu ſeyn. — ⏑ Aretin. Arezzo. 285 Aretin(Adam), geb. zu Ingolſtadt, den 24. Auguſt 1709, trat ſeit 1789 in die baieriſche Kanzlei, wo er wichtige adminiſtra⸗ tive Stellen bekleidete. Man kennt ihn weniger als Literator, denn als Liebhaber der ſchönen Künſte. Er ſchrieb: 1) Magazin der Zeichenkünſte: 2) Handbuch der Lebensphiloſophie; 3) Katalag der von Chodowiecki geſtochenen Kupfer ꝛc. Aretin(Johann Georg), Bruder des vorigen, geboren in Ingolſtadt, den 28. April 1771, Direktor des Departements der Agrikultur und des Straßen⸗ und Brückenbau's in der Oberpfalz. Er hat mehrere Werke über Landwirthſchaft geſchrieben. Im J. 1802 gab er heraus: Der Geiſt Baierns unter Maximi⸗ lian IV. 1 Thl. 8. mit Kupfern. 1800 war er Haupt⸗Redacteur des oberpfälziſchen Wochenblatts. Seine Hervorbrin⸗ gungen ſind ziemlich geſchäͤtzt. 1 Aretin(Johann Chriſtoph, Freiherr von), Ge⸗ lehrter und arbeitſamer Biograph, Mitglied der Göttingiſchen und Vice⸗Präſident der baieriſchen Akademie der Wiſſenſchaften ꝛc., Bruder der beiden vorigen, iſt zu München, den 2. September 1773, geboren. Er wurde 1799 baieriſcher Landes⸗Direktionsrath, 1804 Vice⸗Präſident der Münchner Akademie, und einige Zeit nachher erſter Aufſeher der dortigen Bibliothek. Von ſeinen zahl⸗ reichen Werken ſind die vorzüglichſten: 1) Diatriba episto- lioa, deprima eaque rarissima collectione acto- rum pacis Westphaliceae. 2) Aelteſte Sage über die Geburt Karls des Großen. 3) Ausſprüche der Minnegerichte, 1803. 4) Beiträge zur Geſchichte und Literatur, vorzüglich aus den Schätzen der Münchner Nationalbibliothek. 5) Geſchichte der Juden in Baiern. 6) Beitrag zur Geſchichte der Wünſchelruthe ꝛc. Man verdankt ihm auch eine Schrift über die neueſten Forſchungen für eine allgemeine Sprache.*) Arezzo(Thomas), geb. den 17. October 1756, ſtudirte in Rom, und war 1801 päbſtlicher Geſandter am ruſſiſchen Hofe. Nach dem Tode Pauls I. verließ er Petersburg und begab ſich nach Dresden. Auf Napoleons Einladung ging er(1807) zu demſelben nach Berlin. Der Kaiſer ſandte ihn nach Rom, um dem Pabſte — *) Hr. von Aretin mwar auch Herausgeber der Zeitſchrift Allemania⸗ und von 1804— 6, mit Babo und ſpäter mit Scherer, des geſchätz⸗ ten Tagblatts Aurora. G. 286 Arezzo. Argenſon. Vergleichungs⸗Vorſchläge zu thun. Die Miſſion gelang nicht. Demungeachtet wurde Arezzo an die Stelle des Prälaten Cayalchi⸗ ni zum Gouverneur von Rom ernannt. Im September 1808 ward er verhaftet, in die Citadelle von Florenz geſetzt, und von da nach Rovara in der Lombardie verwieſen. Ex erhielt wieder ſeine Freiheit, und zog ſich nach Florenz zurück. Aber 1811 exilirte man ihn nach Korſtka, und ſtellte ihn darauf vor eine Militär⸗ Kommiſſion, deren Urtheil er nur durch die Flucht nach Sardi⸗ nien entging. 1816 erwählte ihn Pius VI. zum Kardinal⸗Prieſter von St. Peter, und ſandte ihn als Legaten nach Ferrara. Argenſon(De Voyer Marquis von), Mitglied der Deputirten⸗Kammer, Sohn des Generallieutenants Marquis d'Ar⸗ genſon, iſt 1771 zu Paris geboren. Er trat ſehr jung in Kriegs⸗ dienſte. Die Revolution überraſchte ihn in ſeinen Studien zu Stras⸗ burg. Nach des Königs Abreiſe nach Varennes ſchien der Krieg unvermeidlich. Argenſon begehrte Anſtellung, und wurde Aide⸗ de⸗Camp des Generals Wittgenſtein, der an der Maas eine Divi⸗ ſion kommandirte. Im folgenden Jahre, als der Krieg erklärt war, befand ſich d'Argenſon in der nämlichen Eigenſchaft bei dem General La Fayette, dem Obergeneral des auf dieſer Grenze ver⸗ ſammelten Heers. Dieſer, um ſich den ihm drohenden Gefahren zu entziehen, verließ Frankreich, und d'Argenſon ging in das In⸗ nere, und wohnte auf dem Lande. Nach den blutigen Tagen des 1. und 2. Septembers 1792 brachte er drei Wochen in England zu, wohin er eine ſeiner Schweſtern begleitete. Dies war ſeine alleinige Abweſenheit ſeit der Revolution. Er heirathete die Wittwe des Prinzen Victor von Broglio, eine Enkelin des Marſchalls von Roſen, und Mutter des Herzogs von Broglio, Paiks von Frank⸗ reich.(S. deren Art.) Mit ihr auf ſeine Güter zurückgezogen theilte er ſeine Zeit zwiſchen der Erziehung ſeiner eigenen und der Kinder ihres erſten Gemahls, und der Benutzung ſeiner Felder und zweier beträchtlichen Hüttenwerke, die er im Ober⸗Elſaß hatte. Große Dienſte, die er dem Landbau in Poitou auf ſeinem ſchönen Gut Ormes leiſtete, erwarben ihm eine beſondere Achtung in die⸗ ſer Provinz. Er hatte das Glück, die Noth ſeiner Mitbürger zur Zeit des Mangels zu lindern, indem er die geringeren Fruchtpreiſe erhielt. Als man im J. 1803 die Wahlkollegien bildete, ward d'Argenſon Präſident des von der Vienne, welches keine Deputa⸗ tion an den Kaiſer ſandte. Aber das folgende Jahr war er bei der Deputation. Er ſchlug eine Kammerherrn⸗ Stelle aus, nahm aber die des Präfekten vom Departement der beiden Rethen an. —— Argenſon. 287 Treu den Grundſützen legaler Unabhängigkeit fand der neue Prä⸗ felt zu Antwerpen bald einen Anlaß, ſie gegen die ſtärkſte Gewalt, die jemals eine Regierung charakteriſirte, zu behaupten. Der Maire dieſer Stadt und vier andere Perſonen waren dem Kaiſer, wegen Verſchlenderungen in der Verwaltung des Octroi, acht oder neun Jahre vor d Argenſon's Adminiſtration, denuncirt. Eine Kommiſſion des Staatsraths machte darüber einen Bericht, auf welchen der Kaiſer, der damals auf dem Schiffe Charlemagne die Schelde befuhr, ſchrieb: An den Großrichter verwie⸗ ſen, um die Geſetze des Reichs vollziehen zu laſſen. Dieſe Perſonen hatte nun die öffentliche Behörde weder verurtheilt, noch ſelbſt angeklagt, noch verfolgt; ſie waren nur denuncirt. Auf die Weigerung des Präfekten, ihre Güter in Beſchlag zu nehmen, ertheilte ihm die Domänen⸗Verwaltung durch den Finanzminiſter hiezu den Befehl; aber es erfolgte die nämliche Weigerung, ge⸗ gründet auf die Illegalität einer ſolchen Operation. Endlich nach fruchtloſer Korreſpondenz mit den Miniſtern und langem Wortwech⸗ ſel im Staatsratheüber dieſen Gegenſtand nahm und erhielt er ſeine Entlaſſung, und beßab ſich auf ſeine Eiſenwerke im Elſaß, wo er noch beim erſten Einrücken fremder Truppen war. Sobald die Straße durch die Champagne frei wurde, reiſte d'Argenſon nach Paris. Unter Wegs hatte er durch eine Zeitung die Verwerfung des von dem Senat vorgelegten Konſtitutions⸗Akts und ſeine Er⸗ nennung zum Präfekten der Rhone⸗Mündungen erfahren. Nach ſeiner Ankunft in Paris ſchrieb er, daß er kein Amt annehmen könne, als unter einer freien Verfaſſung und nach der Räumung des Gebiets. Auch blieb dieſe Ernennung ohne Erfolg. Nach dem 20. März wählte ihn der Bezirk Béfort, im oberrheiniſchen De⸗ partement, zum Mitglied der Repräſentanten⸗Kammer. Im Wahl⸗ kollegium des Dep. von der Vienne leiſtete er den erforderlichen Eid erſt nach der Erklärung für das unveräußerliche Recht der Völker, ihre Konſtitutionen zu ändern oder zu modiſtziren. Er erfuhr die Mordthaten zu Nimes.„Einigen, ſagte er, iſt das »Ohr von aufrühriſchem Geſchrei verletzt, anderen aber iſt das „Herz zerriſſen von der Nachricht, die man über die Niedermetz⸗ nlung der Proteſtanten im Süden verbreitet.“ Es iſt merkwürdig, daß Argenſon von der Kammer zur Ordnung verwieſen und wenige Tage darauf durch eine etwas langſame Erklärung des Miniſte⸗ riums gerechtfertigt wurde. Er allein erhob ſich gegen die Errich⸗ tung der Prevotalhöfe. Mit Tournemine erklärte er ſich gegen die angenommenen Sicherheitsmaasregeln. In der Sitzung von 1816 288 Argenſon. —; 17 machte er ſeine Meinung über die an den König entworfene Addreſſe wegen der von Sr. M. bei der Eröffnung gehaltenen Rede bekannt. Dieſe, nur in geheimem Ausſchuſſe dargelegte, Mei⸗ nung, gab eine kräftige Schilderung der traurigen Effekte des Schreckensſyſtems von 1815. Sie wurde bitter recenſirt, aber in gewiſſe Journale nicht eingerückt. Der Redner gab auf dieſe Kri⸗ tiken eine Antwort, deren Bekanntmachung ihm nicht erlaubt wur⸗ de. Während dieſer Sitzung war d'Argenſon der einzige, der das Projekt über die kirchlichen Dotationen beſtritt, und behauptete, daß die Anſtalten für den öffentlichen Nutzen allein, und nicht als Corporationen, ſondern als zum gemeinen Eigenthum gehörig, mit Einkünften verſehen werden könnten. Eben ſo ſprach er ge gen die Unterdrückung der perſönlichen Freiheit, und gründete ſeine Mei⸗ nung auf die Menge der im gemeinſchaftlichen Geſetz enthaltenen Mittel. In der nämlichen Sitzung machte ſich d'Argenſon durch ſeine Anſichten über die Freiheit der öffentlichen Blätter, das Re⸗ krutirungsgeſetz, und das Alter der Deputirten, bemerklich. In der folgenden ſuchte er zu beweiſen, daß die Charte eine Beſchränkung, und keine Einräumung, der Natio⸗ nalrechte iſt. Mit nicht weniger Kraft ſprach er über das Ge⸗ ſuch der Verbannten in Pierre⸗chatel, über die Zurückberufung der Verwieſenen, über den Abmarſch der fremden Truppen, gegen die zu Gunſten Richelieu's vorgeſchlagene National⸗Belohnung, über die Verweigerung des Miniſters, proteſtantiſche Zöglinge in die Collegien aufzunehmen, gegen die Gebühren für Päſſe und Waffen⸗ ſcheine, für die Abſchaffung der Lotterieen und die Unterſuchung der Erſindungs⸗Brevets, gegen das Monopol der Briefpoſt, und die den öffentlichen Fuhrwerken zum Beſten der Poſtmeiſter aufge⸗ legte Taxe:„woher es kommt, ſagt der verehrliche Deputirte daß „diejenigen, welche nicht anders reiſen können, zur Bequemlich⸗ „keit reicher Leute, mit der Poſt zu reiſen, beitragen.“ Auch ſtimmte er gegen die Univerſitäts⸗Abgabe.—„Preßfreiheit und „Cenſur, ſagte ferner d'Argenſon, Freiheit des Gottesdienſtes und „herrſchende Religion, ſind nicht unvereinbarer, als die Fortſchritte „des menſchlichen Geiſtes und die Erhaltung eines Univerſttäts⸗ „Prieſterthums.“ Er ſtimmte endlich gegen den Geſetzes⸗Vorſchlag wegen beſchränkender Maasregeln in Hinſicht der Getraide⸗Ein⸗ fuhr; dies wäre, nach ihm, ein Monopol der Gutsbeſitzer über die verzehrende Klaſſe, und die Regierung würde ihnen da⸗ durch eine Prämie des MRüſſiggangs ertheilen. In Argenteau. Argenteuil. Argout. Argnellada. 2338 der Sitzung vom J. 1819— 20 ſprach er ſich beſonders über das neue Wahlgeſetz aus*). Argenteau.(S. Mercy d'Argenteau). Argentenil(Anton le Bascle von), trat ſehr jung in Dienſt und gelangte bis zum Maréchal⸗de⸗Camp. Er lebte zu⸗ rückgezogen in ſeiner Heimat, als ihn der Bezirk Auxois(Bour⸗ gogne) zu den Generalſtänden rief, wo er ſich durch ariſtokratiſche Geſinnungen auszeichnete, und immer mit den Mitgliedern der da⸗ mals ſchon ſo genannten rechten Seite ſtimmte. Er unter⸗ zeichnete 1791 die Proteſtationen gegen die Nat. Verſammlung, ging hierauf zur Condéiſchen Armee, und ſtarb dort 1793. Argis(von). S. Boucher d'Argis. Argout(der Graf von), begann unter dem Kaiſerthum ſeine adminiſtrative Laufbahn als Auditor im Staatsrathe. Nach 1815 war er Präfekt im Gard⸗Departement/ und die Proteſtanten zu Nimes konnten ſeine Verwaltung loben. Jezt befindet er ſich in der Pairskammer, und hat im Auguſt 1820 Bemerkungen über die Schrift des Clausel de Coussergues gegen den Herzog Decazes erſcheinen laſſen. Der Verfaſſer widerlegt ſiegreich die (zum wenigſten ungereimten) Beſchuldigungen, welche der Anklä⸗ ger auf der National⸗Rednerbühne, in Beiſeyn ſeines Gegners, zu entwickeln verweigerte. Arguellada(Naimund), iſt zu Granada 1768 geboren. Seein entſcheidender Charakter und ſeine philoſophiſchen Grund⸗ ſätze gewannen ihm das Zutrauen ſeiner Mitbürger, die ihn als Deputirten zu den Cortes ſandten, wo er zur Abfaſſung der Kon⸗ ſtitutionsakte beitrug. Die Wiederherſtellung Ferdinands VII. auf den ſpaniſchen Thron war dem Beitritt dieſes Königs zu der ihm von einer Deputation vorgelegten Staatsverfaſſung unterge⸗ ordnet. Arguellada war Mitglied derſelben. Da aber die Partei Ferdinands täglich anwuchs, ſo verweigerte er die Unterzeichnung⸗ und verkündigte, als er bald darauf im Triumph in ſeine Haupt⸗ ſtadt einzog, die Auflöſung der Cortes.— — 7 *) Welcher wahre Freund geſetzlicher Freiheit hegt nicht den Wunſch⸗ daß das hier in einigen ſchönen Zügen dargeſtellte Leben dieſes talent⸗ vollen, reinen, uneigennützigen und aufgeklärten Patrioten einen Big⸗ Lraphen finden möchte, der eine ausführlichere Beſchreibung deſſelben gäbe?— G. Neue Biograph. J. 49 290 Arguelles. Arici. Arismendi. Arguelles(Auguſt), geb. 1775 zu Ribadeſella, in Aſtu⸗ rien, ſtudirte mit Auszeichnung auf der Univerſität Oviedo, und widmete ſich beſonders der Rechtswiſſenſchaft. Er hatte wenig Vermögen, nahm einſtweilen zu Madrid eine Stelle auf dem Ue⸗ berſetzungs⸗Sekretariat an, ward darauf mit einer Sendung nach Liſſabon beauftragt und nach ſeiner Zurückkunft wegen einer ſehr wichtigen diplomatiſchen Unterhandlung nach London geſandt. Bei der letzten Revolution*) war Arguelles zu Cadix. Seine Mitbür⸗ ger erwählten ihn für die Verſammlung der Cortes, welche ihm die Abfaſſung des Konſtitutions⸗Projekts anvertrauten. Dieſes Projekt und ſein Bericht darüber ſind Muſter von Einſicht und Be⸗ redtſamkeit. Sie wurden zu Cadix gedruckt, und bald von Nunner Taboada in das Franzöſiſche überſetzt. Die liberal geſinnten Spa⸗ nier, von dem Verdienſt und Patriotismus d'Arguelles begeiſtert, verliehen ihm den Namen des Göttlichen. Den 10. Mai 1814 wurde er auf Befehl Ferdinands VII. arretirt und vor Gericht ge⸗ ſtellt. Die Gewandtheit ſeiner Antworten nöthigte die Richter, ihr Verhör mehrmals von neuem zu beginnen. Der König, dieſer Verzögerung müde, ließ ſich die Prozeßakten bringen, und ſchrieb ſogleich darauf:„Zehn Jahre Galeerenſtrafe.“ Arguelles erlitt ſeine Strafe, und verweigerte die Beihülfe an Geld, welche ihm einige Engländer anboten, weil, ſagte er, ihre Regierung nicht, wie ſie verſprochen, zur Freiheit Spaniens mitgewirkt habe. Arici(Cäſar), ein italieniſcher Dichter, geb. 1785 im Brescianiſchen. Er gab einige didactiſche Gedichte, worunter das auf die Kultur der Oliven, in Jamben, Werth hat, und ihm die Aufnahme in die Akademie zu Brescia erwarb. Arismendi(Don Juan Baptiſt), ein berühmter ame⸗ rikaniſcher General, Befreier der Inſel Margaretha**) und eins der Oberhäupter der Republik Granada, iſt aus einer der angeſe⸗ henſten Familien jener Inſel geboren. Frühe ſchwang er ſich im Waffendienſt empor, und wurde ſchnell Hauptmann. Der Eifer, den er für die Sache der Freiheit offenbarte, und ſein kräftiges Wirken im Anfange der Revolution des ſüdlichen Amerika's, ge⸗ *) Es iſt ungewiß, ob hier die Reaction, durch welche Frankreich das alte Königshaus entthronte, oder die letzte Reform von 1820, verſtanden iſt. **) Margaretha(la Marguérite), die größte der antilliſchen Inſeln⸗ gehört den Spaniern. Sie iſt unfruchtbar, doch fiſcht man daſelbſt die fchönſten Perlen. Ein Kanal trennt ſie von Neu⸗Andaluſien. G. — — Artsmendi. 291 wannen ihm die Achtung und das Vertrauen ſeiner Mitbürger, die ihn zum Feldherrn ihrer Truppen ernannten. Morillo erſchien bald vor der Inſel Margaretha an der Spitze der Unternehmung, welche die Inſurgenten unterwerfen ſollte. Der General Arismendi, deſ⸗ ſen Streitkräfte nicht hinreichend waren, um ſich mit Erfolg zu vertheidigen, wurde zum Kapituliren gezwungen. Der Vertrag war ſo vortheilhaft, als er es nur wünſchen konnte, und der ſpa⸗ niſche General lud Don Arismendi zur Tafel und zu verſchiedenen Vergnügungen ein, die er veranſtaltete, ſo daß alles, ſo lange die⸗ ſer General auf der Inſel war, ſehr ruhig von ſtatten ging. Aber es änderte ſich nach ſeiner Abreiſe. Als Arismendi ſah, daß die feierlichſten, von der Religion ſelbſt geheiligten, Verſprechungen die unglücklichen Einwohner nicht vor Proſcriptionen, Plünderun⸗ gen und Unbilden aller Art ſchützten, nahm er Sicherheitsmaasre⸗ geln, und barg ſich ſelbſt jede Nacht in einer Höle. Die Erfah⸗ rung rechtfertigte ſeine Vorſicht. Morillo ſäumte nicht, dem Gou⸗ verneur der Inſel, Don Juan Uriſtieta, ein bewaffnetes Fahrzeug zu ſenden, mit dem Befehl, Don Arismendi verhaften zu laſſen, damit er nach Caracas gebracht und dort gerichtet werde. Der amerikaniſche General entging der Gefahr, und die Spanier, in Wuth, daß ſie ihres Schlachtopfers nicht habhaft werden konn⸗ ⸗ ten, verdoppelten die Verfolgungen, ſchleppten die Gattin Aris⸗ mendis in das Gefängniß, und verſprachen denienigen, welche dieſen Inſurgenten⸗Chef ausliefern würden, große Belohnungen. Aber Arismendi war in ſeinem Zuſluchtsort von allem, was ſich zutrug, benachrichtigt, und dachte mit einigen ſeiner braven Ge⸗ noſſen auf die Befreiung ihres Landes. Die Verſchwornen ent⸗ ſchloſſen ſich ſogleich, das Kaſtell im Norden durch Ueberfall weg⸗ zunehmen. Sie bewaffnen ſich mit Scheitern, Piken, und einigen Piſtolen, und ſetzen ſich gegen Mitternacht in Marſch. Wie Ver⸗ zweifelte greifen ſie die Feſtung an, nehmen ſie ein, und machen den Hauptmann Cabian, mit ungefähr 80 Mann, zu Gefangenen. Don Arismendi läßt eine Garniſon in dieſer Feſtung, und rückt ſogleich mit den meiſten Truppen, die er ſammeln kann, ins Feld. Bald iſt die ganze Inſel in Aufſtand. Der Kampf iſt ſchrecklich, gber faſt überall werden die Spanier zurückgeſchlagen. Nach einem Jahre triumphirt endlich die Sache der Freiheit, und die Spanier ſind von der Inſel Margaretha vertrieben. Morillo, der ſich ge⸗ rühmt hatte, daß ſeine Gegenwart zur Unterwerfung derſelben hin⸗ reichen würde, erwartete demungeachtet neue Verſtärkungen aus Spanien, und machte erſt an der Spitze von 8000 wohl bewaffne⸗ 292 Arioͤmendi. Ariza. Arizaga. ter und ausgerüſteter Männer einen neuen Verſuch. Arismendi, der den Krieg mit einem Schlage beendigen wollte, ließ ihn in das Innere des Landes eindringen, und griff ihn dann mit ſeiner gan⸗ zen Macht an. Das Gefecht dauerte drei Tage; Morillo, völlig geſchlagen, ward zu dem übelſten Rückzuge genöthigt. Seit dieſer Zeit haben die Spanier nichts mehr auf die Inſel Margaretha un⸗ ternommen, und den General Arismendi ruhig die Früchte ſeiner Thaten genießen laſſen. Aber ſie rächten ſich an ſeiner Gattin, Donna Cazares, welche ſie nach Caracas führten, wo man ihr den Prozeß machte. Zur immerwährenden Einthürmung verurtheilt, wurde ſie nach Cadix eingeſchifft. Sie war in einem ſehr elenden Zuſtande, und ihre Leiden hatten ſie ganz niedergedrückt. Ein Kor⸗ ſar der Inſurgenten, welcher ſich des Schiffes, das ſie führte, im Angeſicht des Hafens von Cadix bemächtigt hatte, bot ihr an, ſie hinzuführen, wo ſie es für gut fände. Donna Cazares wollte lie⸗ ber die Gefangenſchaft erdulden, als ſich neuen Gefahren ausſetzen. Jedoch der Generalſtatthalter von Andaluſten, Don Francisco Onis Santa Pan, welchem ſie der Schiffskapitän vorſtellte, ward von ihrer Lage gerührt, und gab ihr die Freiheit. Die Leiden die⸗ ſer Dame wurden dadurch nur wenig vermindert. Denn ſie mußte zu Cadir, in gänzlicher Hülfloſigkeit, bleiben, bis endlich ein Bür⸗ ger der vereinten Staaten Amerika's ihr die Mittel verſchaffte, ſich nach der Inſel Margaretha einzuſchiffen, wo ſie, nach zwei Tren⸗ nungsjahren, bei ihrem Gatten das Ziel ihres langen Kum⸗ mers fand. 1 Ariza(Der Marquis von). In einer eben ſo wahrhaf⸗ ten, als unparteiiſchen und wohl erforſchten Biographie, der des Hommes vivans, behauptet man, daß es zwei Marquis von Ariza gibt, ein Admiral von Arragonien, der Ferdinand VII. treu blieb, und ein Grand von Spanien, der ſich für Joſeph erklärte. Aber es hat nicht mehr als einen Marquis von Ariza gegeben, der 1818 ſtarb. Dieſer war auch Marquis von Guadaleſte, und Ad⸗ miral von Arragonien, ein von König Johann II. allen Marquis von Guadaleſte bewilligter Erbtitel. Ariza war Mitglied der zu Bayonne 1808 gehaltenen Verſammlung der ſpaniſchen Notabeln. Er leiſtete dem König Joſeph dreimal den Eid: den erſten als Mitglied der Verſammlung, den zweiten als Kammerherr, den dritten als Groß⸗ kammerherr. Ferdinand VII. beſtätigte ihn bei ſeiner Rückkunft in letzterer Stelle. Arizaga, ſpaniſcher General, aus einem alten und ruhmvol⸗ len Geſchlecht entſproſſen, diente anfangs(1793) als Kadett unter Arizags. Arjuzon. Arkwright. 293 dem königlichen Garde⸗Infanterie⸗Regiment. Er wurde Komman⸗ dant der Freiwilligen von Toloſa, in der Landſchaft Guipuscoa, ſeinem Geburtsorte, nach dem Kriege Brigade⸗General, und hier⸗ auf Maréchal⸗de⸗Camp. Arizaga zeichnete ſich mehr durch die übertriebene Strenge aus, mit welcher er über die franzöſiſchen und ſpaniſchen Kuriere, die durch Irun, wo er kommandirte, gin⸗ gen, wachte, als durch das Talent, welches er zuvor bei der Ver⸗ theidigung der Sierra Morena entwickelte. Während er als Sol⸗ dat nur mittelmäßig zum Ruhme ſeines Landes beitrug, glaubte er ſich, als Verwandter der Familie Loyola's, verbunden, eine ſehr merkbare Vorliebe für die jeſuitiſchen Lehrſätze darzulegen. Arjuzon(Der Graf von), ehemaliger General⸗Einueh⸗ mer der Finanzen, wurde im Mai 1806 Präſident des Wahlkolle⸗ giums von der Eure(Normandie), und hierauf erſter Kammerherr der Königin Hortenſta. Madame d'Arjuzon war Pallaſtdame dieſer Prinzeſſin, lange zuvor, ehe Ludwig Bonaparte den Thron Hol⸗ lands beſtieg. Am Ende des J. 1813 kommandirte der Graf ein Vataillon der Pariſer Nationalgarde. 1815 ernannte ihn Napoleon zum Pair, und der König beſtätigte ihn in der neuen Kammer. Arkwright(Sir Nichard), ein engliſcher Manufakturiſt. Er war ohne Vermögen geboren, und arbeitete in ſeiner Jugend bei einem Barbier. Alsdann errichtete er ſelbſt zu Mancheſter eine Bude, mit dem Aushängeſchild: Bei dem Barbier im Kel⸗ ler wird für einen Penny(10 Centimes) raſirt. Da⸗ durch erhielt er Zulauf. Die andern Barbiere waren genöthigt⸗ ihren Preis herabzuſetzen. Arkwright verminderte den ſeinigen bis auf 12 Penny. Als ein Schuhflicker mit einem überaus harten Barte, zu ihm kam, ſtellte Arkwright demſelben vor, daß es ihm ein Scheermeſſer koſten würde, deſſen Verluſt ½ Penny nicht er⸗ ſetzen könnte. Da aber dieſer Mann auf der Taxe beſtand, begnügte ſich jener damit. Dieſer Zug erregte des Schuhflickers Bewunde⸗ rung, der Arkwright lieb gewann, und ihm einen ſeiner Bekann⸗ ten, der eine Spinnmaſchine erfunden, vorſtellte. Einige Zeit darauf wurde Arkwright Pferdehändler, und durchreiſte in ſeinen Geſchäften verſchiedene Grafſchaften Englands. Zu Warrington theilte er dem Uhrmacher John Kay das Projekt einer Mechanik mit, wodurch ein das Perpetuum mobile betreffendes Problem realiſirt werden ſollte. Dieſer erſuchte ihn, ſeine Erfindung bei den Baumwollſpinnereien anzuwenden. Arkwright verband ſich mit demſelben, und hierauf mit Smulley von Preſton. Als ihre 294 Arkwright. Arlincourt. Armagnac. Sachen eine üble Richtung nahmen, gingen beide nach Mortingam, wo Kapitaliſten ihnen die nöthigen Summen zur Errichtung einer beträchtlichen Spinnerei, die durch Pferde in Bewegung geſetzt wurde, vorſchoſſen. Arkwrights Fortſchritte erweckten ihm Reider⸗ welche die Erfindung der Maſchinen ihm ſtreitig machten. Man ſchilderte ihn auf verſchiedene Weiſe: bald als einen überlegenen⸗ erfinderiſchen und unermüdlichen Geiſt, bald auch als einen un⸗ dankbaren, liſtigen und ränkevollen Mann, der die Geſchicklichkeit beſitze, ſich der Erfindungen eines andern zu bemeiſtern. Wie dem auch ſey, ſo kann man ihm ein übergewöhnliches Verdienſt nicht ab⸗ ſprechen. Der König erhob ihn am 22. December 1786, auf eine Addreſſe der Notabeln von Wickworth, zum Ritter. Er ſtarb zu Crumford, in Derbyſhire, den 3. Auguſt 1792, und hinterließ ein Vermögen von 12,000,000 Franken(500,000 Pf. Sterling.) Arlincourt(Victor, Vicomte von), unter der kaiſerl. Regierung Auditor im Staatsrathe, vom König zum Requetenmei⸗ ſter ernannt, ſchrieb das Gedicht Karl der Große, in 12 Ge⸗ ſängen, worin er ſich mehr als guter Franzoſe, denn als vorzüg⸗ licher Dichter, bewährt. Geleyrte Nachforſchungen, kühne Bilder/ manche ſehr glänzende Stellen, ein ſehr ungleicher und unzuſam⸗ menhängender Styl, der bald ſchwülſtig, bald einfach bis zur Nai⸗ vetät, iſt, dies ſind die Hauptcharakterzüge jenes Werks, deſſen Erfindung mehr für einen wunderbaren Roman, als für die ganz poetiſche Geſchichte des erſten unſerer Kaiſer, paßt. Armagnac(Baron von), geboren zu Toulouſe, trat 1792 unter die erſten der Bataillone der Freywilligen, die nach den Gren⸗ zen abgingen. Er wohnte mit Auszeichnung den erſten Feldzügen in Italien bei, und erhob ſich durch ſein Verdienſt zum Chef der 32. Halbbrigade, deren Thaten wie Wunder lauten.*) An der Spitze dieſes Corps befand er ſich bei der ägyptiſchen Expedition. Er kommandirte 1798 in Jaffa. 1804 hatte er als Brigade⸗Ge⸗ neral den Oberbefehl im Departement Finisterre(Bretagne). Ei⸗ nige Zeit nachher wurde er Platzkommandant von Paris, und ſpã⸗ ter zur Armee nach Spanien geſchickt, wo er ſich bei verſchiedenen Anliſſen, und namentlich bei der Eroberung von Medina del Rio Seeco, hervorthat. Er ward dort ſchwer verwundet. Nachher *) Im Revolntionskriege hießen eine Zeitlang die Oberſten(Colonels) Chefs de Brigade und die Infanterie Regimenter Halbbri⸗ gaden. Die hier genannte 32te beſtand zum Theie aus dem ehemali⸗ gen Negiment Médoc. G. Armagnac. Armaille. Armand. 295 unterſtützte er als Diviſions⸗General kräftig die Operationen des Marſchalls Suchet gegen Valencia durch die Eroberung Cuenca's, woraus er im Auguſt 1811 die Inſurgenten vertrieb, und durch die dem ſpaniſchen General Baſſecourt beigebrachte Niederlage; denn er ſchlug denſelben am 22. und 25. November, und zwang ihn, das Königreich Murcia zu verlaſſen. Viel trug er zur Einnahme des engen Paſſes von Maya bei, den man im Juli 1813 angriff. Den 13. December, im Gefecht bei Conferia, ſiel er mit Ungeſtüm auf die Engländer, und vertrieb ſie aus ihren Stellungen auf dem Ge⸗ birge Partenhezi. Hierauf war er in der Schlacht bei Toulouſe an der Spitze ſeiner Diviſion. General Armagnac iſt nicht weni⸗ ger lobenswerth durch die Kriegszucht, welche er in ſeinem Corps erhielt, als durch ſeine Schonung gegen das Eigenthum der Land⸗ bewohner. Den 8. Juli 1814 ward er zum Ludwigsritter ernannt. Als Napoleon von Elba zurückkam, verlieh er ihm den Befehl über die 11te Militär⸗Diviſton. Am 28. Juli deſſelben Jahrs übernahm er, nach dem Abgange des Generals Clauſel, das Kommando der bei Bordeaur ſtehenden Truppen. Im folgenden September er⸗ nannte ihn der König zum Befehlshaber der 20. Militär⸗Diviſion. Armaille(La Forét von), geboren in der Bretagne, Prä⸗ ſident des königl. Gerichtshofs zu Rennes, ward 1815 vom Depar⸗ tement der Ile und Vilaine zum Mitglied der Deputirtenkammer ernannt. Armand(R.), Obriſt des 22. Linien⸗Infanterieregiments, behauptet eine vorzügliche Stelle unter den unerſchrockenſten Krie⸗ gern Frankreichs. Zu Wollin, einer kleinen Stadt in Preuſiſch⸗ Pommern, wo er ſich im März 1807 mit 100 Mann ſeines Regi⸗ ments befand, überſtelen ihn des Nachts 600 Mann Infanterie und Kavallerie vom Schill ſchen Freicorps.*) Sein Haus wurde um⸗ ringt. Er entſprang im Hemde durch ein Fenſter, verſammelte 5 oder 6 Maun, ſchlug den Feind in allen Winkeln der Straße, auf allen Plätzen, erweckte endlich durch das Kampfgetöſe die ſchla⸗ fenden Franzoſen, vertrieb die ganze Schaar, verfolgte ſie außer⸗ halb Wollin, nahm ihre Kanonen, wandte ſolche gegen ſie ſelbſt, 87 *) Nach andern Nachrichten wurden dem damaligen Lieutenant Schill von dem Kommandanten der Feſtung Kolberg nie mehr, als 50 bis 60 Mann zu ſeinen Streifzugen bewiſligt. Darum iſt hier entweder ein Mißver⸗ ſtand, oder eine Ausnahme. Dieſe Heldenthat, zumal gegen jene kühne Schaar, ſcheint, bei aller Tapferkeit des Oberſten und ſeiner Mannſchaft⸗ ſehr hyperboliſch dargeſtellt zu ſeyn. G. 296 Armand. Armbruſter. tödtete 250 Mann, machte die übrigen zu Gefangenen, und kam triumphirend nach Wollin zurück, wo er ſich wieder zu Bette legte. Später, in der Belagerung von Danzig, ſah man, wie er ſich mit 250 Mann, unter dem ſchrecklichen Feuer der öſterreichiſchen*) und preußiſchen Vatterieen, einſchiffte, und eine zwiſchen der Weichſel und dem Kanal liegende Inſel wegnahm, einen wichtigen Poſten, der von zwei Schanzen, 20 Feuerſchlünden, und 800 Gre⸗ nadieren, vertheidigt ward. Dieſe, auf eine ſo ſchnelle, gefahr⸗ volle und erſtaunenswürdige Weiſe ausgeführte, Operation hielt man erſt für eine Fabel, und ein Soldat, der Zeuge war, hätte beinahe mit ſeinen Kameraden Händel bekommen, als er dieſe That erzählte, die aber bald bekräftigt wurde. Der Marſchall Lefèvre überhäufte den braven Oberſten mit Lobſprüchen, und verlieh ihm in der Folge den Befehl über Danzig. Armand ward zu Hilsberg, vier Tage vor der Schlacht bei Friedland, gefährlich verwundet. Er verließ darauf den Waffendienſt, in welchem er ſo großen Ruhm erworben, und zog ſich in ſeine Heimat zurück. Armand(Franz), ehemaliger Advokat zu St. Flour, war 1789, als Deputirter bei den Landſtänden, ein eifriger Verthei⸗ diger der Nationalſache. Seine Rechtſchaffenheit bewirkte ſeine Ernennung zum Inſpektor der ſüignaten⸗Fabrication. Als die konſtituirende Verſammlung ihre Sitzungen ſchloß, ging Armand in ſein Departement, und erſchien erſt wieder im Jahr 4 auf der politiſchen Bühne als Deputirter beim Rathe der 500. Nach dem 18. Brumaire ward er Richter am Appellationsgerichte zu Riom, und ſtarb daſelbſt 1812. 4 4 Armand Gouffé(S. Gouffé). Armbruſter(Johann Nichacl), deutſcher Literator, geb. 1761 zu Sulz, im Würtembergiſchen, war anfänglich Sekre⸗ tär bei Lavater, und gab mit ihm die Züricher Zeitung her⸗ aus. Alsdann begab er ſich nach Konſtanz, um ruhig der Lite⸗ ratur zu leben. Von dort ging er nach Günzburg, und endlich nach Wien, wo er 1805 die Stelle eines Hof⸗ und Polizeirathö erhielt. Seitdem iſt er der Haupt⸗Redacteur der Wiener Zei⸗ tung. Man kennt von ihm viele poetiſche und proſaiſche Schrif⸗ ten, worunter die phyſiognomiſchen Fragmente(Auszug des Lava⸗ *) Da hier die Belagerung und Eroberung Danzigs von 1806— 7 durch den nachher genannten Marſchall Lefébre verſtanden iſt, ſo können keine Oeſterreicher zugegen geweſen ſeyn, weil dieſe damals nicht im Kriege mit Frankreich waren. 3 G. Armenonville. Armfeld. 297 terſchen Werks), hiſtoriſches Andenken Joſephs II., Sündenregi⸗ ſter der Franzoſen während ihres Aufenthalts in Schwaben und Vorderöſtreich, der ſchwäbiſche Bote, dichteriſche Verſuche ꝛc. 4 Armenonville(Lecouturier von), geb. zu Giſors(Nor⸗ nmandie), wählte ſehr jung die Laufbahn der Waffen. 1793 diente er unter Dumouriez als Maréchal⸗de⸗Camp, und zog ſich unmit⸗ telbar nach dem Abfall dieſes Generals zurück. Unter der kaiſer⸗ lichen Regierung ward er Mitglied des geſetzgebenden Corps, be⸗ fand ſich darin im April 1814, und trat der Abſetzung Napoleon s bei. Als ihn 1815 der Wunſch ſeiner Mitbürger in die Repräſen⸗ tanten⸗Kammer rief, ſchlug er dieſe Stelle aus, und ging nicht aus ſeiner Einſamkeit. Eine königliche Ordonnanz verlieh ihm den Titel Vicomte. Armfeld(Guſtav Moriz, Baron von), ehemaliger Groß⸗Gouverneur von Stockholm, Geuerallieutenant der ſchwedi⸗ ſchen Armeen, wurde das Opfer ſeines hohen Glücks und vielleicht ſeiner Intriguen. Die gleichzeitige Geſchichte, welche der Rach⸗ welt oft ſo unbeſtimmte, unſichere und widerſprechende Materia⸗ lien liefert, ſtellt ihn unter ſchwer zu vereinigenden Geſichtspunk⸗ ten dar. Bald iſt er ein Verſchwörer, ein ehrgeiziger und hab⸗ ſüchtiger Mann, zu jeder Unternehmung entſchloſſen, um ſeine Landesregierung zu ändern und ſich einen großen Theil der obern Gewalt anzumaßen; bald auch iſt er ein leichtſinniger Hofmann, der faſt wider ſeinen Willen in eine Frauenintrigne verwickelt, † und, bei einigem Schein von Verbrechen, dem Haß eines Großen,⸗ vorzüglich aber ſeiner eigenen Unklugheit, aufgeopfert wird. So iſt die Geſchichte der Männer, welche mehr oder weniger der öf⸗ fentlichen Aufmerkſamkeit würdig ſind, ewig mit Ungewißheiten und Zweifeln umhüllt. Das perſönliche Intereſſe deckt die Wahr⸗ heit mit Wolken, welche ſelbſt die Zeit nicht immer zu theilen ver⸗ mag. Wir beſchränken uns auf Thatſachen. Armfeld iſt einer ade⸗ ichen Familie entſproſſen. Er ward im März 1789 mit andern Verbündeten des Adelſtandes, deſſen Gewalt der König beſchränkt hatte, verhaftet.— Dieſe Maasregel, die mehr allgemein, als auf Armfeld beſonders angewendet war, hinderte nicht, daß er in dem Feldzuge 1790 gegen die Ruſſen das Oberkommando erhielt. Er erfocht mehrere Vortheile, wurde hierauf zum bevollmächtigten Mi⸗ niſter ernannt, und ſchloß in der Ebene von Warela, zwiſchen den Vorpoſten der Heere, am 3. Auguſt 1790 mit Rußland den Frieden ab. Den 19. October 1791 unterzeichnete er einen Allianz⸗ 298 5 Arm feld. Tractat zwiſchen beiden Höſen. Vald nach der Ermordung Gu⸗ ſtavs III. wurde er Gonverneur von Stockholm. Im Juli 1792 legte er ſeine Stelle als General nieder, weil der Herzog Regent dem mit der Kaiſerin von Rußland geſchloſſenen Vertrag nicht ent⸗ ſprechen, und keine Truppen gegen Frankreich marſchiren laſſen wollte. Dieſer Charakterzug, der nicht dem eines Höflings gleicht, bereitete vielleicht die ihm widerfahrene Ungnade. Doch ward er am 11. des nämlichen Monats zum ſchwediſchen Miniſter bei den italieniſchen Höfen ernannt; eine Stelle, die er nicht lange be⸗ kleidete. Im Februar 1794 kam ein ſchwediſcher Kurier nach Nea⸗ pel, mit dem Befehl, den Miuiſter, als einer Verſchwörung gegen den Prinzen Regenten und einer verbrecheriſchen Korrespondenz mit der Gräfin Rüdensköff verdächtig, zu arretiren. Die neapo⸗ litaniſche Regierung ließ den Baron Armfeld entrinnen; der ſchwe⸗ diſche Hof beklagte ſich darüber, und erhielt blos zur Antwort, daß die erforderlichen Formalitäten in dieſer Sache vernachläßigt worden ſeyen. Die Vermittlung Spaniens ward zwiſchen beiden Mächten nothwendig. Armfeld, der nach Polen entfloh, rechtfer⸗ tigte ſich in öffentlichen Blättern. Das Hofgericht verurtheilte ihn, als der großen Verrätherei und Verletzung der Majeſtät ſchul⸗ dig, zum Tode. Seine aufgefangenen Briefe, die ſeine Anhänger für fälſchlich zu ſeinem Verderben gefertigt ausgaben, wurden in der Sitzung verleſen, und entſchleierten das Projekt einer Aende⸗ rung der Dynaſtie. Eine ruſſiſche Flotte ſollte in die ſchwediſchen Häfen dringen und die Unternehmung begünſtigen. Er wurde auſſer dem Geſetz erklärt, und ſein in allen großen Städten Schwe⸗ dens angeſchlagenes Urtheil erlaubte jedem, über ihn her⸗ zufallen, wenn er das Land beträte. Als Guſtav Adolph den Thron beſtieg, kam Armfeld wieder in Gunſt. Seine Ge⸗ mahlin wurde Großhofmeiſterin der königlichen Kinder, und bald ſah man ihn als ſchwediſchen Miniſter nach Wien abreiſen. Doch ward er kurz darauf wieder abgerufen, und befand ſich bei der Armee, die 1805 in's Feld rückte; alsdann war er Gouverneur von Finnland. Im J. 1807 vertheidigte er Stralſund gegen die Franzoſen, wo ihn ein Flintenſchuß an der Hüfte verwundete. Er kommandirte im folgenden Jahr ein Armeecorps, um Rorwegen den Dänen abzunehmen, erhielt leichte Vortheile, denen Nieder⸗ lagen folgten, mußte das Land wieder räumen, und kam nach Schweden zurück, wo die Revolution, welche Guſtav entthronte, und ſeinen Oheim zum König erhob, veranſtaltet ward. Letterer⸗ der ſeinen Groll vergeſſen hatte, ernannte ihn zum Präſidenten des V Armonville. Arnaud. 299 Kriegsraths; aber er trat 1810 in ruſſiſchen Dienſt. Es ſcheint, daß auf allen geheimen Triebfedern ſeines Benehmens und auf den meiſten Urſachen ſeines ſtürmiſchen Geſchicks der nämliche Schleier liegt*) Armonville(J. B.), Deputirter bei der Nat. Convention im J. 1792, wozu ihn das Departement von der Marne erwählte, nannte ſich ſelbſt Armonville Rothkappe, und ſtellte ſich ge⸗ wiſſermaßen freiwillig unter die Zahl derjenigen Menſchen, welche dazu geboren ſcheinen, die Harmonie oder die Würde der Geſell⸗ ſchaften, in deren Kreis ſie das Ohngefähr warf, durch ihre Ver⸗ kehrtheiten und Lächerlichkeiten zu zerſtören. Sie zahlen öffentlich und für alle den Tribut, welchen der Menſch für ſich allein der Unvollkommenheit ſeines Geſchlechtes ſchuldig iſt, und das Ge⸗ wicht der höchſten Amtsverrichtungen legt ihren traurigen oder ſchimpflichen Raſereien keinen Zügel an. In dunkelm Stande ge⸗ boren, trieb Armonville zu Rheims das Gewerb eines Wollkäm⸗ mers. Der Wohlthaten guter Erziehung beraubt, war er eins der unwürdigſten und verächtlichſten Mitglieder der Nat. Convention. Oft betrunken, immer grob und zänkiſch, machte er ſich der Ein⸗ gebungen Marat's würdig, neben dem er gewöhnlich in jenem Theile der Verſammlung, welchen man den Berg nannte, ſaß, und deſ⸗ ſen Weiſungen er treulich befolgte. Stehe auf, bleibe ſitzen! ſagte Marat, und Armonville war immer gehorſam anf das Wort. In dem Prozeſſe des Königs ſtimmte er für den Tod und die Voll⸗ ziehung in 24 Stunden. Der Moniteur hat uns einige ſeiner Thaten und Werke, ſo wie die Denunciation aufbewahrt, welche die Volksverſammlung des Pont⸗neuf, wegen des von ihm an ei⸗ nen Eingekerkerten aus Chalons ſur Marne geſchriebenen Briefs, gegen ihn richtete. Man wird nicht erſtaunen, daß dieſer Anarchiſt einer der letzten war, die den Saal der Jakobiner räumten, als im Rovember 1794 die geſetzgebende Behörde, übereinſtimmend mit dem öffentlichen Zuruf, deſſen Schließung befahl. Armonville trat, nach Auflöſung dieſer Verſammlung, in die Dunkelheit zurück, aus der er nie hätte hervorgehen ſollen. Vor einigen Jahren ſtarb er im Hospital. Arnaud(N.), Lieutenant bei der Gendarmerie, that ſich un⸗ ter den Braven hervor. An der Spitze von 40 Reutern warf er *) Sonſtige Nachrichten melden, daß ihn der ruſſiſche Kaiſer 1812 in den Grafenſtand erhob, und daß er 1814 ſtarb.— G. 300 3 Arnand. in dem Treffen bei Muzillac eine Kolonne von 600 Mann, welche die Straße abſchnitt und dem Marſch des Generals Rouſſean ent⸗ gegen ſtand, über'n Haufen*). Im Gefecht bei Auray nahm er mit 20 Dragonern und 30 Gendarmen das Dorf Brech, welches von mehr als 500 Mann vertheidigt ward. Dieſe Thaten gehören zum Wunderbaren, und ihre einfache Erzählung ſcheint übertrieben zu ſeyn. Aber die Denkſchriften und Erinnerungen ſind neu, und die Zeugen leben noch. Arnaud(Joſeph), Bataillonschef der ehemaligen Garde, Offizier der Ehrenlegion, geboren zu Saint Laurent ſous Roche⸗ fort, Dep. der Loire, trat 1791 als gemeiner Soldat unter das 25. Linienregiment. Beim Angriff auf das Lager von Ravuſe, 8 in Piemont(13. Juni 1793) ſtürzte Arnaud, damals Sergeant⸗ Major, nebſt einem ſeiner Kameraden, auf eine von 30 Piemon⸗ ſern vertheidigte Schanze. Mehrere Tapfere, durch ſein Beiſpiel angefeuert, eilten ihm nach: acht Feinde blieben auf dem Platz⸗ und die andern nahmen die Flucht. Arnaud erhielt bei dieſem Kampf einen Flintenſchuß in das linke Bein. Bei St. Jean d'Acre eroberte er, als Unterlieutenant an der Spitze eines Grenadier⸗ Pelotons, 2 Kanonen: 20 Türken fielen auf ihrem Geſchütz, und die übrigen, bis unter die Mauern des Platzes verfolgt, wurden dort faſt alle getödtet. Bei Eylau(s. Febr. 1807) wollte er, ob⸗ ſchon im Anfang des Streits gefährlich verwundet, ſich nicht zu⸗ rückbegeben, als nach dem Gewinn der Schlacht. Sein trefliches Benehmen lohnte das Band der Ehrenlegion. Bei der Einnahme von Regensburg zeichnete er ſich durch eine ſeltene Unerſchrocken⸗ heit aus. Damals war er Oberlieutenant, und kommandirte eine Compagnie Grenadiere. Der Herzog von Montebello beſiehlt den Sturm durch eine im Haupttheile des Platzes geöffnete Breſche; Arnaud eilt an der Spitze ſeiner Compagnie vorwärts, ſteigt zuerſt hinan, und dringt, trotz des hartnäckigſten Widerſtandes, in den Platz ein. Sein Muth machte der Kolonne die Breſche zugäng⸗ lich; ſie folgte ſeiner Bewegung. Sich unterſtützt ſehend fällt er auf die Feinde, und verdrängt ſie aus einer andern Stellung. Ein vollkommen guter Erfolg krönte ſeine Tapferkeit; aber am Ende des letzten Angriffs ward er von zwei Flintenkugeln verwundet. Zum *) Der 10. Juni iſt als Tag, aber nicht die Jahrzahl, angegeben. Wahr⸗ ſcheinlich geſchah es 1793 im Vendéekrieg. Denn das nachher genann te Auray iſt eine kleine Stadt und Hafen im Meerbuſen Morbihan in Brétagne. G. Arnaud. 301 Bataillonschef in der alten Garde*) ernannt, wohnte er mit ihr dem Feldzuge in Rußland bei. Auf dem Rückzuge von Moskau, vor dem Dorfe Krasnoë, widerſtand ſein Regiment, das erſte der Vol⸗ tigeurs, einer zahlreichen Infanterie und mehreren Kavallerie⸗An⸗ fällen, deren Zweck war, die Armee abzuſchneiden. Der uner⸗ ſchrockene Arnaud that Wunder der Tapferkeit. Von einer Flin⸗ tenkugel in der rechten Seite getroffen, wäre er in Gefangenſchaft gerathen, hätten nicht einige ſeiner Soldaten alles gewagt, um ihn vom Schlachtfelde wegzubringen. Bei Lützen wurde er noch⸗ mals verwundet. 1814 machte er den Feldzug in Frankreich mit, focht bei Brienne, bei Craon ꝛc. Dieſer Brave empfing neun Wun⸗ den unter den Mauern von Paris. Man glaubt, daß er noch lebt. Arnaud(Franz Thomas Maria Baculard von), geb. zu Paris 1718, geſt. daſelbſt 1805, gehörte zu einer adeli⸗ chen Familie der Grafſchaft Venaiſſin. Er ſtudirte bei den Jeſui⸗ ten in Paris, und zeigte ſchon frühe Hang zur Poeſie. Mit neun Jahren machte er Verſe, und noch in ſeiner frühen Jugend ver⸗ fertigte er zwei Tragödieen: Jdomeneus und Dido, die aber weder aufgeführt, noch gedruckt wurden; dann eine dritte: Co⸗ ligny oder die St. Bartholomäusnacht, welche 1740 im Druck erſchien. Da Arnaud glücklich genug war, die Aufmerk⸗ ſamkeit Voltaire's zu feſſeln, ermuthigte ihn dieſer große Mann, gab ihm Nath und half ihm von Zeit zu Zeit mit Geld, ſo daß er beſſer im Stande war, der Literatur obzuliegen. Im J. 1750 ließ Arnaud auf einem Geſellſchaftstheater ſein Luſtſpiel: Le mauvais riche, aufführen. Voltaire, welcher der Vorſtel⸗ lung beiwohnte, war erſtaunt über die Anlagen des Schauſpielers, der die Hauptrolle hatte. Dies war Lekain. Arnaud ſtellte ihm denſelben vor, und war ſomit die Urſache, daß ſich Talente ver⸗ banden, die vereint dem Publikum ſo angenehme Früchte brach⸗ ten. Es lag in Arnaud's Schickſal, daß er das Wohlwollen der zwei größten Männer des Jahrhunderts erhalten ſollte. Zwei Jahre lang wählte ihn Friedrich, König von Preußen, zu ſeinem Korre⸗ ſpondenten in Paris. Hierauf zog er ihn nach Berlin, empfing ihn mit beſonderer Güte, und nannte ihn ſeinen Ovid. Ja, der — *) Die ſchon unter der Konſular⸗Regierung und im Anfange des Kaiſer⸗ thums beſtandene Garde zu Pferd und zu Fuß hieß die alte, die in der Folge noch bei derſelben errichteten Regimenter nannte man die junge Garde. Beide wurden fortwäbrend durch verdienſtliche Linienſoldaten oder auserleſene Konſcribirte ergänzt. G. 302 Arnand. König richtete ſelbſt Verſe an Arnaud, worunter ſich welche fin⸗ den, in denen Voltaire nicht geſchont iſt.*) Dieſer, nur vorüber⸗ gehende, Vorzug brachte Arnaud keinen Nutzen, und empfahl ihn übel bei ſeinem erſten Beſchützer. Nachdem er ſich faſt ein Jahr am Hofe des nordiſchen Salomon aufgehalten, ging er nach Dres⸗ den, wo er Legationsrath wurde. Er kam nach Paris zurück, und lebte in auserleſener Geſellſchaft, von der er ſich aber allmählig entfernte, um ſich mit Verfertigung ſeiner zahlreichen Werke be⸗ ſchäftigen zu können. Glücklich, hätte er den Wiſſenſchaften allein gelebt und ſich nicht in den allkundigen Prozeß des Raths Göz⸗ mann miſchen wollen. Dieſe Intervention zog die Aufmerkſamkeit Beaumarchais auf ihn, den er mit Deklamationen angegriffen hatte, welche durch Sarkasmen beantwortet wurden. Dies einzigemal hatte Arnaud das Publikum beluſtigt, welches traurig zu machen, er ſich immer anmaßte. Während der Schreckenszeit ward er ein⸗ gekerkert und ſelbſt vor das Revolutionsgericht geſtellt; dies ſprach ihn aber los, trotz ſeines Talents, ſeiner Meinungen, und ſeines Verbrechens; denn ein Verbrechen war in dieſem Zeitpunkte die Großmuth, einen Emigranten aufzunehmen. Wieder in Freiheit, aber ohne anderes Einkommen, als den Ertrag ſeiner Schriften und die Beihülfe der Regierung, lebte er in mittlerem Wohlſtande, der aber durch üble Oekonomie bald in tiefes Elend verwandelt ward. Jedermann kennt ſeine Tollheit, kleine Summen zu leihen, die er niemals erſtattete, deswegen Chamfort ſagte, daß Arnaud 100,000 Thaler in 6 Sous⸗Stücken ſchuldig wäre. Un⸗ ter der Menge ſeiner Schriften fanden die Proben des Ge⸗ fühls und die Erholungen des gefühlvollen Menſchen bei ihrer erſten Erſcheinung großen Beifall, und wurden in mehrere fremde Sprachen überſetzt. Aber ſchon lange ſind dieſe Werke in Miß⸗ kredit gefallen. Der wahre Sinn für Literatur und der reinere Ge⸗ ſchmack des Publikums hat auf die rechte Art iene weinerliche Gat⸗ tung gewürdigt, welche nicht Ausdruck der Empfindſamkeit iſt, und mit dem beißenden Neologismus: Empfindeley, charakteriſirt wurde, ſo wie der verſchrobene und ſpitzfindige Geiſt des Marivaur *) Sie lauten, als Schluß eines Gedichts, ſo: Déjà'Apollon de la France Lachemine à sa décadence; Venés briller à Votre tour! Elevés-Vous, s'il baisse encore; Ainsi le couchant d'un beau jour Promet une plus belle Aurore. Voltaire's Satyre raͤchte ſich durch Spottyerſe an Arnaud. G. Arnaud.— 303 und ſeiner Nachahmer den Schriften, in welchen ſich Affektation und Subtilität der Ideen offenbarten, den Beinamen Marivau⸗ dage erwarb. J. J. Rouſſeau ſagt indeſſen von Arnaud:„Die »Meiſten unſerer Gelehrten ſchreiben aus dem Kopfe, Arnaud aber „ſchreibt aus dem Herzen.“ Daß dieſe Phraſe ein wahres Lob würde, müßte ſie beſonders auf Rouſſeau angewendet werden. Für die Bühne hat Arnaud vier Dramen von ſehr düſterer Art verfertigt; doch nur eins wurde 1790 vorgeſtellt: Der Graf von Comminge. Außer den beiden oben genannten ſind die vorzüglichſten ſeiner poe⸗ tiſchen Werke: Die nützlichen Ruheſtunden, und die unglücklichen Gatten. Der Held des letzteren Gedichts iſt einer der Vorfahren des durch ſein trauriges Schickſal bekaunten Oberſten La Bédoyère. Auch gab er eine Ueberſetzung der Kla g⸗ lieder des Jeremias, die mehrmals gedruckt wurde, aber jetzt ohne folgendes Quatrain Voltaire's vergeſſen ſeyn würde: Savés-Vous, pourquoi Jérémie Se lamenta toute sa vie? C'est qu'en Prophète il prévoyait, Que Baculard le traduirait. In der letzten Zeile hat Voltaire nachmals den Namen des Le⸗ franc(von Pompignan) untergeſchoben. Das heißt mit einem Steine zwei luſtige Würfe thun!— Was Arnaud beſonders zur Ehre gereichte, war ſein religiöſer Sinn.*) Arnaud(Anton), Brigade⸗General, Kommandant der Eh⸗ renlegion, geboren zu Grenoble, den 14. Januar 1749, trat den 25. April 1767 als Soldat unter das Regiment der lothringiſchen Garden,**) und verließ es wieder im April 1779. Obſchon er im Revolutionskriege nicht mehr zu den Jüngeren gehörte, vernahm er, als das Vaterland von fremden Truppen bedroht war, doch nur die Stimme der Ehre, und ging wieder in Dienſt. Er ward am 17. October 4791 Hauptmann unter dem 1. Bataillon von Calva⸗ dos(Normandie), und noch am nämlichen Tage Kommandant deſ⸗ ſelben. Nach der Nordgrenze geſandt, war er in der denkwürdigen Schlacht bei Hondscoote, und wirkte zur Niederlage der Engländer mit. Ein Flintenſchuß zerſchmetterte ihm den linken Arm. Den 2. Fructidor, wurde er Obriſt des 48. Regiments, drang mit in —— *) Er ſtarb 1805, 89 Jahre alt. G. * Wabhrſcheinlich die ebemaligen des Königs Stanislaus, der Lothringen beſaß, welches nach ſeinem 1766 erfolgten Tode an Frankreich zurückfiel. Alsdann wurde auch wohl dieſes Regiment mit den königl. franzöſiſchen Garden verbunden. G. 3043 Armand. d'Arnaudat. Brabant ein, und wohnte den Feldzügen der Jahre 4, 5, 6 und 7 in Holland bei. Im J. 8 kam dieſer Obriſt zur Rheinarmee. Hier that er ſich vorzüglich im Treffen vor Thirelberg an der Do⸗ nau(Juni 1800) auf das glänzendſte hervor. Beordert, ſich den Oeſterreichern, welche aus den Waldpäſſen von Balzheim hervor⸗ rückten, zu widerſetzen, ſiel er ſie mit ausnehmender Unerſchrocken⸗ heit, und nur mit 5 Compagnien ſeines Regiments/ an. Trotz dem Feuer aus acht Kanonen, die Mitraillen auf ihn ſchoſſen und ihm viele Leute niederſchlugen, ſtürzte er auf den Feind, warf 3 Ba⸗ taillone und ein Kavallerie⸗Regiment zurück, bemächtigte ſich ih⸗ rer Artillerie, und machte 1200 Gefangene. Nicht weniger nützlich war er in der berühmten Schlacht bei Hohenlinden, wo er viel dazu beitrug, daß man ſich der ganzen öſterr. Artillerie bemeiſterte. Er ſtarb 1811, an der Küſte Seelands, mit dem Grade eines Bri⸗ gade⸗Generals, den er das Jahr zuvor in dem hannöverſchen Feld⸗ zuge erhalten hatte. d'Arnaudat(N.). Die Alten würden dieſem braven Sol⸗ daten Bildſäulen errichtet haben. Den 9. März 1814 beauftragte. ihn der Marſchall Ney, an der Spitze einiger Jäger⸗Flanqueurs der Garde*) in einem Walde, wo der Feind im Hinterhalt lag,⸗ vorzurücken. Arnaudat wird umzingelt und von ſeiner Abtheilung getrennt. Schon hat ſich ſein Korporal, der durch einen Flinten⸗ ſchuß wehrlos geworden, an einen Baum geflüchtet. Arnaudat lehnt den Rücken an den nämlichen Baum, deckt den Leib des Ver⸗ wundeten, und hält allein den Stoß der ganzen feindlichen Truppe aus.„Ergeben Sie ſich! ruft ihm ein ruſſiſcher Offizier in fran⸗ „zöſiſcher Sprache zu. Man wird Ihnen nichts Uebels thun.— „Mich ergeben? Sehen Sie nicht, daß ich noch einen Säbel „habe?“ Eine Viertelſtunde lang wirft Arnaudat alles nieder, was ihm naht, wendet die Lanzen ab, die ihn bedrängen, erhält zwei Wunden am Schenkel, mehrere Piſtolenſchüſſe, die ihm den linken Fuß und die Hände zerſchmettern, und läßt nicht ab, ſei⸗ nen Korporal zu vertheidigen, der nach großem Blutverluſt ohne Beſinnung liegt. Endlich erfährt es der Marſchall Ney, und ſchickt ſogleich einige Jäger ihm zu Hülfe: die beiden Braven ſind geret⸗ *) Vor dem ruſſiſchen Feldzuge errichtete Napoleon bei ſeiner Garde ein Regiment von Chaſſeurs⸗Flanqueurs, welche meiſtens aus ſolchen be⸗ ſtehen mußten, die ſich dem Forſtweſen widmeten, und nach ihrem Mi⸗ litärdienſt Förſter⸗ oder höhere Stellen in dieſem Fach erhalten Snre⸗ d'Arnaudat. Arnault. 305 tet. Dieſe heldenmüthige That ſollte dem Kaiſer gemeldet werden. Aber ein zu gewöhnliches Vergeſſen läßt einen der ſchönſten Züge franzöſiſcher Tapferkeit ohne Belohnung. Arnault(Anton Vincent), geb. zu Paris 1766, Ritter der Ehrenlegion, erhielt 1785 die Stelle eines Kabinetsſekretärs bei Madame, womit weder Ehrenſold, noch Dienſt, verbunden war. Im J. 1787 hatte er bei Monſieur(jezt Ludwig XVIII.) einen ſehr theuern Poſten erkauft, deſſen Einkommen er durch die Auswanderung der Prinzen verlor; für welchen Verluſt er bei ihrer Rückkehr nicht entſchädigt wurde. Er machte ſich frühzeitig im dramatiſchen Fache bekafnnt, und trat zuerſt 1791 mit Marius in Minturnä auf, einer Tragödie, deren Vorſtellung bald die einer zweiten: Lucretia, folgte. Nach dem 10. Auguſt 1792 bewogen ihn ſeine Anhänglichkeit an die königliche Sache und der Abſcheu, den ihm die Niedermetzlungen am 2. September einflöß⸗ ten, nach England, und hierauf nach Brüſſel, zu gehen. Als er nach Frankreich zurückkam, wurde er zu Dünkirchen arretirt, und als Emigrant in's Gefängniß geſetzt. Aber die Ausſchüſſe erklär⸗ ten, daß das Geſetz auf einen Gelehrten, auf den Verfaſſer des Marius, nicht anwendbar wäre. Wieder befreit widmete er ſich allein literariſchen Arbeiten, und gab den Bühnen nach einander die Opern Horatius Cocles und Phroſine und Melidor, ſo wie die Tragödien Cincinnatus und Oskar. 1797 ging er nach Italien. Dorten beauftragte ihn der General Bonaparte mit der Organiſation der Joniſchen Inſeln. Dennoch beſchäftigte ihn ſeine Tragödie: Die Venetianer, die er zum Theil in Venedig ſelbſt, auf den Trümmern der Staatseinrichtungen, welche ſie in's Gedächtniß ruft, verfertigte. Im folgenden Jahre ſchiffte er ſich zur Unternehmung auf Aegypten mit dem Obergeneral ein, und folgte ihm bis nach Malta, wo ihn die Sorgfalt für ſeinen plötzlich krank gewordenen Schwager Regnaud de St. Jean d'An⸗ gely zurückhielt. Da unt deſſen die Flotte weiter geſegelt war, reiſte er wieder nach Frankreich ab. Die Fregatte, welche er be⸗ ſtieg, wurde von einem engliſchen Fahrzeug genommen. Dieſes kommandirte der Kapitän James Footes, ein eben ſo guter als tapferer Mann, der ſeine Gefangenen mit großer Menſchlich⸗ keit behandelte. Arnault wurde am Ende von? Tagen in⸗ reiheit geſetzt. Als er nach Paris zurückkam, gab er im Théatre fran- Lais ſeine Tragödie: Die Veuetianer, 1799. Im nämlichen Jahr wurde er Mitglied des Nat. Inſtituts, aber noch vor dem Nen Biograph. I. 20 306 Arnault. 18. Brumaire, welcher Begebenheit er nicht fremd geweſen zu ſeyn ſcheint. Ihm wurde 1800 von Lucian Bonaparte im Miniſterium des Innern die Diviſion des öffentlichen Unterrichts anvertraut. 1801 begleitete er denſelben nach Spanien. Die Akademie zu Ma⸗ drid nahm Arnault unter ihre Mitglieder auf. Hier ſprach er in einer Rede, worin er ein Gemälde der in Frankreich herrſchenden Wiſſenſchaften und Künſte darlegte, das Verlangen aus, zwiſchen den Gelehrten beider Nationen eine eben ſo innige Mittheilung und eine eben ſo feſte Verbindung, als zwiſchen beiden Regierungen beſtünden, eingeführt zu ſehen. Nach ſeiner Rückkunft in Frank⸗ reich übernahm er wieder ſeine Stelle im Fache des öffentlichen Un⸗ terrichts, und wurde acht Jahre lang Mitarbeiter des berühmten und gelehrten Fourcroi, der Generaldirector deſſelben war. Im J. 1805 brachte er, als Präſident des Inſtituts, dem Kaiſer nach ſeiner Rückkehr von dem Feldzuge deſſen Glückwunſch. Als 1808 die Univerſität organiſirt wurde, erhielt er das Amt eines ordent⸗ lichen Raths und Generalſekretärs dieſer großen Verwaltung. Ar⸗ nault war Mitglied der mit den Vorarbeiten für das Dictionai- re de TAcadémie beauftragten Kommiſſion. Auch wurde er zum Special⸗Sekretär für die Abfaſſung und Anordnung der von jeder Klaſſe des Inſtituts wegen der zehnjährigen Preiſe begehrten Berichte ernannt; es waren prüfende Berichte desjenigen, den die vereinten Bureaux der vier Klaſſen vorgelegt hatten. Der an der Spitze dieſer Arbeit befindliche Brief an den Kaiſer, und ſeine Schlußſätze, ſind gänzlich Arnault's Werk. Im J. 1813 wurde er Mitglied der königl. Geſellſchaft d. W. in Neapel. Nach der Abdankung des Kaiſers ging Arnault dem Könige bis Compiegne entgegen. Die Erklärung über dieſen Schritt, wenn er deren be⸗ dürfte, findet ſich in der Notiz, welche er vor ſeinen Werken von ſich ſelbſt gegeben hat:„Vewunderer der hohen Eigenſchaften »„Napoleons, erkenntlich für ſeine Wohlthaten, habe ich ihn in „ſeinem Glück geliebt, liebe ich ihn noch in ſeinen Unfällen, und „wünſche ihm alles Wohlergehen, das kein Unglück für „Frankreich ſeyn wird. Man verzeihe mir dieſen Wunſch! „Ich that ihn für die Bourbons unter Napoleons „Herrſchaft, der darin nur die Geſinnung eines rechtlichen Man⸗ „nes Cuh.“ Durch dieſen Schritt wurde Arnault an keiner ſeiner Anhängehkeiten zum Verräther. Im Januar 1815 verlor er alle ſeine Stellen. Napoleon's Rückkunft gab ſie ihm wieder. Zudem erhielt er einſtweilen die Verrichtungen eines General⸗Verwalters der Univerſität, und wurde Mitglied des Departementsraths von 4 Arnault. 397 der Seide. Als Wahlmann dieſes Departements wohnte er der Mai⸗Verſammlung bei. Am nämlichen Tage ward er zum Depu⸗ tirten bei der Repräſentanten⸗Kammer ernannt. Den 24. Juni hielt er es für dringlich, einen Geſetzes⸗Vorſchlag über die allge⸗ meine Sicherheit zu beſprechen. Er war bei der zur Armee ge⸗ ſandten Deputation. Auf ſeinen Vorſchlag votirte die Kammer eine Subſcription von 50 Franken auf jeden Deputirten zu Gun⸗ ſten der verwundeten Krieger. Die Ordonnanz des Königs vom 24. Juli verbannte Arnault 20 Stunden von Paris. Die vom 17. Ja⸗ nuar 1816 zwang ihn, in das Königreich der Niederlande zu flie⸗ hen, wo er bald in Holland, bald in Belgien lebte. Er ſuchte und fand in den Wiſſenſchaften und in der Achtung der ruhmwürdigſten Bewohner Belgiens einen Troſt, der ihn, nicht ſein Vaterland, aber ſeine Verfolger, vergeſſen ließ. Sein Eril war für jenes viel⸗ leicht nicht unfruchtbar. Er ſcheint entſchloſſen geweſen zu ſeyn, jene edlen Geächteten nachzuahmen, die unter Ludwig XIV. ihre Talente noch dem Nutzen Frankreichs weihten, das ſie nicht wieder ſehen ſollten. Arnault war glücklicher. Er wurde Frankreich im November 1849 wieder gegeben. Der Ruhegehalt, zu welchem ihn ſeine vieljährigen Arbeiten im Verwaltungs⸗Fache berechtigten, ward durch eine königliche Ordonnanz wieder feſtgeſetzt, welche demohngeachtet der Finanzminiſter, ſein Kollege während der 100 Tage, zu vollziehen verweigerte. Bei der Wiederorganiſirung des Inſtituts hatte man ihn in den Stammliſten ausgeſtrichen. Seine poetiſchen und andern Werke ſind, außer den ſchon genannten Tra⸗ gödien und Opern, welche letztere von Mehul in Muſik geſetzt ſind, folgende: 1) Don Pedro, oder der König und der Landmann, Tragödie in 5 Akten; 2) Scipio, heroiſches Dra⸗ ma in 1 Akt. 3) Ueber die Verwaltung der Anſtalten des öͤffentlichen Unterrichts ꝛc. 4) Reden über den öffentlichen Unterricht, bei der Preisvertheilung gehalten; 5) Die Ranzion des Dugueselin, oder die Sitten des 42. Jahrhunderts, ein Luſtſpiel; 6) Fabeln; 7) Lyri⸗ ſcher Geſang bei der feierlichen Aufrichtung der von dem Inſtitut dem Kaiſer beſtimmten Statue; 7) Kantate auf die Geburt des Königs von Rom; 8) Germanicus, Tragödie in 5 Akten, deren einzige Vorſtel⸗ lung, die vielleicht beſtimmt war, dem Verfaſſer die Pforten ſei⸗ nes Vaterlandes wieder zu öffnen, durch die ſeltſamſte Verir⸗ rung des Parteigeiſtes zur wahren Tragödie unter den Zuſchauern X 308 Arnault. Arnavon. Arndt. ward*) Arnault las im Juſtitut Fragmente ſeiner Tragödie Zenobia, und im franz. Theater eine unter dem Titel: Die Guelfen und die Gibellinen, die auf das Repertorium ge⸗ ſetzt wurde. Später noch gab er demſelben ſeinen Lykurg. Er arbeitete an mehreren periodiſchin Blättern, namentlich an den Veillées des Muses, 1797, und am Merkur, 1815. Der größte Theil der Artikel über Moral, Literatur und Philoſophie, die ſich in dem belgiſchen Journal: Le Libéral, von 1816— 20, befinden, ſind von ihm. In die Minerve hat er nur einen Artikel geliefert. Er iſt einer der vier Herausgeber der gegenwär⸗ tigen Biographie der Zeitgenoſſen.— Arnault hat meh⸗ rere Kinder. Der älteſte ſeiner Söhne, Lucian Emil Ar⸗ nault, 1808 zum Auditor im Staatsrathe ernannt, hat 5 Jahre lang die Verwaltung der Provinz Iſtrien, in Illyrien, organi⸗ ſirt und geleitet. 1813 wurde er nach ſeiner Rückkehr Unterprä⸗ fekt zu Chateauroux und darauf Präfekt des Dep. von Ardöche. Jezt beſchäftigt er ſich, wie ſein Vater, blos mit Literatur; 1818 gab er dem Théâtre français ſeine Tragödie Pertinar, welche man Grund hat, ſeinem damals noch exilirten Vater zuzu⸗ ſchreiben. 1819 folgte ſein Trauerſpiel Regulus, das noch günſtigere Aufnahme fand und ihm ganz allein gehört. Sein Bruder Stephan Peter Arnault erwählte die militäriſche Laufbahn. Er war tapfer, wie die ganze Armee, und würde hier nicht angeführt ſeyn, wenn eine ehrenvolle Ausſchweifung, in welche ihn bei der Vorſtellung des Germanicus die kindliche Liebe ſtürzte, nicht die Aufmerkſamkeit des Publikums auf ihn gezogen hätte. Arnavon(Franz), ehemaliger Kanonikus zu Lille, Prior zu Vaucluſe, geboren zu Lille gegen 1750. Er widmete ſich den Wiſſenſchaften, und ſchrieb verſchiedene Werke, worunter die vor⸗ nehmſten: Apologie der chriſtlichen Religion gegen den Contratsocial; Petrarca zu Vaucluſe; Rück⸗ kehr zur Quelle von Baucluſe. Gegenwärtig iſt Arna⸗ von Titular⸗Kanonikus der Hauptkirche zu Paris, und General⸗ vikar des Erzbisthums Korfu. Arndt(Ernſt Moriz)*), iſt einer jener deutſchen Phi⸗ *) Dieſes(auch in's Deutſche von Th. Hell und v. NRieſch überſetzte) Stück wurde am 22. Mai 1817 im Théatre frangçais dargeſtellt, und erregte die durch die öffentlichen Blätter bekannten tumultuöſen Auf⸗ tritte. G. **) Schreiber dieſes enthält ſich mancher näheren Bemerkungen über dieſen Arndt. 309 loſophen, welche das Schwankende ihrer Spekulationen am Ende in die Gährungen der Politik geworfen hat. Großer Ideolog, und Anhänger jener Bildungslehren, die in Deutſchland zu einer ge⸗ wiſſen Religion des Denkens werden, begeiſtert für bürgerliche Frei⸗ heit, und Vertheidiger der Unabhängigkeit ſeines Vaterlandes, ſetzte er dem Vorhaben Napoleon's alle Stärke ſeiner Dialektik entgegen. Sein unter dem Titel: Geiſt der Zeit im J. 1806 erſchienenes Werk machte einen großen Eindruck auf tiefdenkende und exaltirte Köpfe. Er entwarf darin mit Kühnheit das Gemälde unſerer Epo⸗ che, und ſchlug den bedrohten Deutſchen einen National⸗Aufſtand vor. Dieſes Buch mußte die Aufmerkſamkeit Napoleon's feſſeln, und da Arndt Urſache hatte, den Groll des Fürſten, den er angriff⸗ zu fürchten, ſo zog er ſich eiligſt nach Schweden zurück, wo er nichts deſtoweniger fortfuhr, Briefwechſel mit dem Tugend⸗ bunde(Société unie pour la propagation de la vertu) zu unterhalten, deſſen Haupt er war, und der ſo mächtig auf den öf⸗ fentlichen Geiſt wirkte. Sein Verlangen ward endlich erfüllt. Eine europäiſche Koalition, die vorauszuſehen man weit entfernt war⸗ ſtrafte Frankreich für ſeine zahlreichen Triumphe und einen zu glän⸗ zenden Ruhm. Arndt war vorher Profeſſor der Philoſophie zu Greifswalde, in Pommern. Außer dem Geiſt der Heit hat er geſchrieben*): Eine Rede über die Freiheit der al⸗ ten Republiken, 1800; Reiſen in Oeutſchland, Ita⸗ lien und Frankreich, 1800 und 1803(Werke voll gründli⸗ cher Gedanken und Beurtheilungskraft, worin man auch eine be⸗ merkenswerthe Unparteilichkeit gegen die Franzoſen, welche Arndt ſo wenig liebte, findet**); Deutſchland und Europa⸗ Artikel, und überläßt es dem deutſchen Leig. ſelbſt, die dem franzöſiſchen Autor eigene Anſicht über den hier geſchilderten berühmten Schriftſteller zu prüfen, und deſſen ziemlich unparteiiſche Beurtheilung des Mannes⸗ der ſo kräftig ſeine Landsleute zum Kampfe gegen Frankreich anfeuerte⸗ zu würdigen. G. *) Mehrere Flugſchriften Arndt's bei Gelegenheit der obgedachten Reak⸗ tion ſind hier nicht angeführt; auch kennt man von ihm mehrere kraft⸗ und ſinnvolle Gedichte, theils auf die Erhebung Deutſchlands,⸗ theils auf andere Gegenſtände, von welchen letzteren ſich in dem von A ſchen⸗ berg im Anfang der 1800er Jahre herausgegebenen niederrheini⸗ ſchen Taſchenbuche, und neuerdings im Taſchenbuch Cornelia⸗ ſchöne Blumen finden. G. **) Es iſt ſchon anderswo bemerkt worden, daß, was die Revolution, die Bewohner Frankreichs, und ihr ehemaliges Staatshaupt⸗ betrift, Aradts 310 Arudt. Arnold. 4803; Der Storch und ſeine Familie, 1804.(Eine mehr biſarre, als muntere, Satyre, die, in Form einer Tragödie von 3 Akten, gegen den Eroberer Deutſchlands gerichtet iſt.)— Reiſe in Schweden, 1806; Ueber die Sprachen ꝛc. und Frag⸗ mente über Menſchenbildung.— Die Ideenkette iſt bei dieſem Philoſophen bisweilen myſteriös. Um ihre Beziehungen zu ergreifen, muß man faſt immer einige Ringe derſelben errathen. Aber ſie iſt fruchtbar an originellen Zuſammenſtellungen, an Be⸗ trachtungen, die Staunen erregen und zum Nachdenken führen. Ein engliſcher Biograph und Ueberſetzer, der(1808) aus dem Geiſt der Zeit in ſeiner Sprache einige Auszüge gab, hat be⸗ hauptet, daß der deutſche Buchhändler Palm, Herausgeber dieſes Werks, auf Befehl des Kaiſers Napoleon den Tod erlitten habe. Dieſe Nachricht iſt falſch*). Arnold(Theodor Ferdinand Eajetan), Profeſor der Philoſophie zu Erfurt, hat mehrere Werke geſchrieben, worun⸗ ter ſich eine Beſchreibung der Merkwürdigkeiten die⸗ jur Stadt, Amgalia Balhi, eine wunderbare Viſion, ꝛc. Arnold(Benedict), amerikaniſcher General⸗Major, tapfer bis zur Verwegenheit, aber Verräther ſeines Vaterlandes, von ſtolzem, der größten Entſchlüſſe fähigem Geiſt, und ſeltenen Talenten, ein glühender und leidenſchaftlicher Charakter, nöthigt den philoſophiſchen Geſchichtſchreiber, das Wandelbare ſeines Be⸗ tragens näher zu unterſuchen. Der erſte Theil ſeines ſonderbaren Lebens war ganz ruhmvoll. Arnold marſchirt gegen die Englän⸗ der, um ſie zu ſchlagen, vereinigt ſich mit dem Brigadier Allen⸗ und nimmt Ticonderago, durchzieht im Winter die unwegſamen Steppen von Main, uht zeigt ſich plötzlich, nach einem der klüg⸗ ſten und beſchwerlichſten Märſche, vor Quebeck. In den letzten Tagen des J. 1775, beim Sturm auf dieſe Stadt, verwundet geht er aus dem Gefechte; der Sieg geht mit ihm, und die Ame⸗ rikaner haben Nachtheil. Kaum wieder fähig, die Waffen zu er⸗ greifen, ſchlägt ſich Arnold an dem See Champlain, und ſchafft ſeinem Heere, durch Wunder von Tapferkeit, den Vortheil wieder. Anſichten in der letzteren Zeit von denen, als er dieſes Land bereiſte, in vielem verſchieden ſind.— G. *) Sie iſt bekanntlich nur in ſo weit falſch, daß nicht dieſes Buch,(welches Palm nicht verlegte,) ſondern ein anderes, Schuld an dem unglückli⸗ chen Ende des edlen und fandhaften Mannes war. G. ——— — —— 2 Arnold. Arnould. 311 Unter dem General Gates ſieht man ihn die an den Ufern des Nordſtroms dem General Burgoyne gelieferten zwei Schlachten ent⸗ ſcheiden, nach welchen die ganze engliſche Armee die Waffen ſtreckte. Der Mann, dem ſein Vaterland ſo viel dankte, wurde hochmuthig und berauſcht von ſeinem Ruhme. Als Kommandant von Philadel⸗ phia zog er ſich durch fürſtlichen Luxus und Verachtung der Civil⸗ behörde den Haß ſeiner Mitbürger zu. Er machte Schulden, wollte ſich durch das Spiel wieder aufhelfen, verſank in Noth, und nahm zu unwürdigen Mitteln ſeine Zuflucht. Man beſchuldigte ihn des Kaſſenraubs, der Erpreſſungen, und die Nat. Verſammlung von Penſylvanien verurtheilte ihn, von dem General Washington einen öffentlichen Verweis zu erhalten. Er unterwarf ſich ſtillſchweigend dieſer Erniedrigung, beſchloß aber, ſie zu rächen. Er hatte lange um den Oberbefehl in Weſt⸗Point angeſucht, einem wichtigen Poſten in der Rähe von Neu⸗York, wo ſich das engliſche Haupt⸗ quartier befand. Man bewilligte ihm ſolchen, und hier führte er ſeinen Verrath aus. Ein Briefwechſel zwiſchen ihm und dem Ge⸗ neral Clinton eröffnet ſich durch den Major André. Dieſer ſieht Arnold zu Weſt⸗Point, empfängt das Verſprechen, den Poſten zu überliefern, verläßt ihn mit einem Paſſe unter falſchem Namen, fällt den amerikaniſchen Wachen in die Hände, verliert den Kopf,⸗ und verräth ſich. Die in ſeinen Stiefeln verborgenen Briefe ent⸗ decken das Komplott. André wird erſchoſſen. Arnold rettet ſich noch zeitig, dient als General⸗Major unter der engl. Armee, will durch Proklamationen beweiſen, daß er nur aus Patriotismus ſo gehandelt, und ruft ſeine Waffenbrüder auf, dieſem Beiſpiele zu folgen. Als der Friede geſchloſſen und die Unabhängigkeit Ameri⸗ ka's anerkannt war, zog er ſich nach England zurück, wo er 1804 ſtarb. Für ſeine Dienſte wurde ihm ein Denkmal in der Weſtmin⸗ ſter⸗Abtei, zwiſchen Rewton und Nelſon, errichtet. Nicht weit davon ſteht ein kleineres von weißem Marmor zu Ehren des Majors André. Wenig Menſchen haben in ihren letzten Augenblicken ſo viel Muth und Gefühl gezeigt, als Arnold. Man ſagt, daß ſein Tod dem großherzigen Mitleiden Washington's Thränen entlockte. Arnould(Ambroſius Maria), beſchäftigte ſich fort⸗ während mit den Finanzen, und verließ nur augenblicklich dieſes Fach im J. 1795, um unter den Häuptern der Sectionen⸗Oppo⸗ ſttion zu figuriren. Er kam hierauf erſt wieder 1798 zum Vorſchein⸗ wurde in den Rath der Alten und dann der 500, gewählt, und war Anhänger des 18. Brumaire, deſſen günſtigen Einfluß auf den öffentlichen Credit er darlegte. Unter manchen finanziellen Vor⸗ 312 Arnould. Arnoult. ſchlägen begehrte er, daß die Rechnungspflichtigen des Staats ei⸗ ner Caution unterworfen ſeyn ſollten; im J. 1800 gab er intereſ⸗ ſante Bemerkungen über die Tilgungskaſſe in England heraus, und ſprach lebhaft für die Ermunterungen zum Handel und Ackerbau. Er war im Tribunat, nach deſſen Auflöſung Maitre des Comptes, und ſtarb 1812. Man hat von ihm eine Schrift, betitelt: Ba- lance du Commeroe, und einen Auszug derſelben: Point de terrorisme contre les Assignats. Arnoult(N.), Advokat, wurde vom Departement der Gold⸗ hügel(Burgund) zum Deputirten bei den Generalſtänden erwählt. Er begehrte, daß man die ſpaniſche Linie für unzuläſſig zum Throne Frankreichs erkläre, verlangte die Abſchaffung der Zehnten, ſprach gegen die Getraide⸗Ausfuhr ꝛc. Arnoult hat eine Sammlung der Dekrete der konſtituirenden Nat, Verſammlung herausgegeben. Arnoult(Sophie), geboren zu Paris 1740. Ihr Vater war ein wohlhabender Bürger, der eine möblirte Mierhwohnung hielt, und an der Erziehung ſeiner Kinder nichts vernachläßigte. Die Natur hatte Sophien mit lebhaftem Geiſt, zärtlichem Herzen, göttlicher Stimme, und den ſchönſten Augen von der Welt, begabt⸗ So viel brauchte es nicht, um Glück bei der Oper zu machen. Sophie Arnoult gelangte auf beſonderem Wege dazu. Die Prin⸗ zeſſin von Modena, die ſich im Frauenſtift Val⸗de⸗Grace auf⸗ hielt, wurde von der Schönheit ihrer Stimme gerührt, welche die Abendmette ſang. Sie kam dadurch, ſo ungern es ihre Mutter auch ſah, zur königlichen Muſik. Dies war ein ſchicklicher Weg⸗ die Bühne zu betreten. Frau von Pompadour ſagte, nachdem ſie Sophien geſehen und gehört hatte:„Hier iſt etwas, um eine Prin⸗ „zeſſin zu machen.“ Mlle Arnoult rechtfertigte bald die ihr von der Favorite geſtellte Nativität, und verdunkelte ſie auf einer Büh⸗ ne, die nicht weniger ſtürmiſch war, als der Hof. Man ſagte da⸗ mals:„Die Damen der franzöſiſchen Komödie, die Demoiſellen der vitalieniſchen Komödie, und die Mädchen der Oper.“ Freilich ſagte man auch:„Die Damen der Halle.“ Sophie Arnoult erhob ſich bald durch die Schönheit ihres Geſangs, durch ein ausneh⸗ mendes Gefühl, durch die Anmuth und Lebhaftigkeit ihres Gei⸗ ſes, und durch den Glanz ihrer Liebſchaften, zur Königin der Oper. Sie fand das Mittel, die Vortheile einer Jungfrau, den Beifall als große Schauſpielerin, und den Ruf eines geiſtvollen Weibes, zu erhalten. Sie verſchwendete in gleichem Maaße ihre Jugend, ihre Einfälle, und die Gaben ihrer Liebhaber. Eine edle — Arnoult. 313 Anhänglichkeit, die immer dauerte, und einige hervorſtechende Bei⸗ ſpiele von Untreue, verſchafften dieſem berühmten Frauenzimmer ausgezeichnete Freunde, und die Geſellſchaft der erſten MMänner von Paris. Ihr Haus, welches oft an das der Ninon de Len⸗ clos) erinnerte, wurde von vornehmen Herren und von berühm⸗ ten Männern beſucht. D'Alembert, Diderot, Helvetius, Mably, Duclos, J. J. Rouſſeau, erneuerten hier die Unterhaltungen der Philo⸗ ſophen bei Aſpaſien. Sophie ward von Dorat, Bernard, Rhulieres, Marmontel, Favart, und von allen ſchönen Geiſtern jener Zeit, be⸗ ſungen. Die witzigen Einfälle der Mlle Arnoult haben ſie überlebt. Man that nicht wohl, ſolche zu ſammeln; man muß auch eine Aus⸗ wahl treffen. Eine Freundin klagte bei ihr, daß ſie den dreyßigen nahe käme, obſchon ſie mehr hatte.„Tröſte dich! war die Ant⸗ wort; du entfernſt dich alle Tage weiter von ihnen.“ Ein Geck, der ſie kränken wollte, ſagte zu ihr:„Jetzt läuft der Verſtand „auf den Straßen umher.“—„Ach! mein Herr, erwiederte So⸗ phie,„dies iſt ein Gerücht, welches die Narren in Umlauf ſetzen.“ Eines Tags begegnete ſie im Boulogner Walde ihrem Arzt, der mit einer Flinte unter dem Arm einen Kranken beſuchen ging. „Doktor! rief ſie ihm zu, es ſcheint, Sie fürchten zu fehlen.“ Eine vornehme Dame ſagte neben ihr im Schauſpielhauſe:„Man ſollte nehrbare Frauen durch ehrenvolle Zeichen unterſcheiden.“—„»Ma⸗ dame, verſetzte Mlle Arnoult,„warum wollen Sie die Mädchen in den Fall ſetzen, jene zu zählen.“ Als ſie einen Zug von Ver⸗ ſchwendung erfuhr, rief ſie:„Wenn man ſo des Geldes zu viel „hat, warum iſt das Glück nicht verkäuflich?“ Nachdem die Ehe⸗ ſcheidung eingeführt war, benutzte ſolche ihre Tochter. Sie tadelte dies, und ſagte:„Die Eheſcheidung iſt das Sacrament des Ehe⸗ „bruchs.“ Im Jahr 1802 ſagte ſie zu dem Pfarrer von St. Ger⸗ main l'Auxerrois, der ihr die Sacramente reichte:„Ich bin wie »Magdalena. Viele Sünden werden mir erlaſſen ſeyn; denn ich „habe viel geliebt.— Das Jahr 1802 ſah die drei berühmteſten Schauſpielerinnen des 18. Säkulums ſterben: Clairon, Dumesnil und Arnoult. Conſtant Dioville de Brancas, dritter Sohn der Mlle Arnoult, Küraſſier⸗Obriſt, wurde in der Schlacht bei Wa⸗ gram getödtet. *) Wem iſt der Name dieſer ſchönen und geiſtreichen Frau, die noch im hohen Alter bezauberte, und die franzoſiſche Aſpaſia genannt wurde, nicht bekannt? G. 314 Arnoux Laffrey. Arpajean. Arriaza. Arrighi. Arnoux Laffrey, geb. zu Gap, den 18. Sept. 1735, geſt. zu Paris den 19. Sept. 1794, hat das Privatleben Lud⸗ wigs XV. und die Annalen der franz. Monarchie ge⸗ ſchrieben. Arpajean(D'Aſſy von), Arzt zu Montpellier, geb. 1738 zu Mauzac in den vier Thälern, hat aus dem Lateiniſchen(und nichts aus dem Engliſchen, wie einige Biographen melden) die mediciniſchen Werke Gorter“ überſetzt. Auch verdankt man ihm eine Dissertation sur la phtisie pulmo- naire, worin ſich neue Anſichten, wichtige Beobachtungen, und geſchickt zuſammengeſtellte Thatſachen finden. Arrigza(Don Juan Baptiſt), geb. in Altkaſtilien 1770, ſonſt im Seedienſt, darauf Geſandtſchafts⸗Sekretär, und gegen⸗ wärtig im Staatsſekretariat angeſtellt, hat ſich mit Erfolg den ſpaniſchen Muſen gewidmet. Im J. 1800 gab er ein kleines Ge⸗ dicht über den Tanz, und 1803 ein größeres über die Malerei und Architektur. Aus 1798 der Herzog von Alba, der letzte Spröß⸗ ling einer allzu berühmten Familie, ſtarb, ehrte Arriaza die Manen dieſes Herrn mit dem poetiſchen Tribut ſeiner Klagen. Es iſt zu be⸗ dauern, daß Arriaza, deſſen Anhänglichkeit für dieſen Prinzen ſchätz⸗ bar iſt, die Achtung der Männer, welche Freunde des Friedens ſind und Irrthümer vergeſſen, zu verſchmähen ſcheint. Er bekennt ſich zur Lehre der politiſchen Intoleranz, und hat ſich mit wenigem Edelmuth gegen die Franzoſen, und gegen die Spanier, ſo Freunde derſelben waren, ausgeſprochen. Kürzlich gab er Briefe heraus, die den Zweck haben, den Einfluß der zu Gunſten der Konſtitu⸗ tionellen d. J. 1808, welche man Josefinos benennt, er⸗ ſchienenen Broſchüren zu vermindern. Aber er fand einen eben ſo verſtand⸗ als kraftvollen Gegner in Minano, dem Verfaſſer des ar⸗ men kleinen Müſſiggängers. Arriaza beſuchte 1801 oft das Haus des Geſandten Lucian Bonaparte. Arrighi(Johann), geboren in Korſika, trat am 48. Ven⸗ démiaire 3.(9. Sept. 1794) als Ergänzungs⸗Deputirter in die Nat. Convention, wo er ein Dekret zu Gunſten der nach Frank⸗ reich geflüchteten Korſen erwirkte. Im Jahr 4 wurde er Mitglied des Raths der 500 und nach dem 18. Brumaire des geſetzgebenden Corps. Im Mai 1803 erhielt er eine Präfektur des Departements von Liamone(in Korſika), ward darauf Baron und Offtzier der Ehrenlegion. Als Napoleon am 28. Februar 1815 von der Inſel ———— — ₰ ——— ꝑꝑ 2 — Arrighi. 3415 Elba abfuhr, ernannte er ihn zum Mitglied der mit der Verwal⸗ tung Korſika's beauftragten Junta. Arrighi(Hyacinth), Vetter des vorigen, trug im J. 1815 viel dazu bei, die Inſel Korſika Napoleon zu unterwerfen, weil er dem Kommandanten von Baſtia Beweiſe gab, daß die Junta nur im Namen und für das Intereſſe Napoleons handelte. Arrighi(Herzog von Padua), Diviſions⸗General⸗ Groß⸗Offizier der Ehrenlegion ꝛc,, gehört zur Familie der vor⸗ hergehenden. Er trat ſehr jung in die militäriſche Laufbahn, die er mit Ehre durchging, Anfänglich war er Aide⸗de⸗Camp des Generals Alexander Berthier, nachmaligen Fürſten von Neuf⸗ chatel, machte den Feldzug in Aegypten mit, und that ſich ſpäter in der Schlacht bei Auſterlitz hervor, in welcher er ſchon Dragoner⸗Obriſt war. Den 19. Mai 18056 erhielt er den Befehl über das Dragoner⸗Regiment der Garde, und wurde hier⸗ auf zum Herzog von Padua ernannt. Er befand ſich im Feldzuge von 1809 gegen Oſterreich, und zeichnete ſich durch ſeinen Muth in der Schlacht bei Wagram aus. Im Februar 1812 vermählte er ſich mit der Tochter des Grafen Montesquion, damaligen Kam⸗ merherrn des Kaiſers. Arrighi wurde nun bald zum Grade eines Diviſions⸗Generals befördert, und erhielt das große Kreuz des Reunions⸗Ordens.*) Im J. 1813 wohnte er dem Feldzuge in Gachſen bei, und hatte den Auftrag, mit ſeiner Kayallerie das ganze linke Elbufer zu reinigen.*) In der Schlacht bei Leipzig ward ihm die Vertheidigung der Vorſtädte übergeben, und er er⸗ warb ſich vielen Ruhm während des 18ten. Dieſer brave Krieger diente fortwährend mit Auszeichnung im Feldzuge des J. 1814 in Frankreich. Den 26. Februar eilte er nach Rogent, um dem Feinde den Durchgang zu wehren. Nach der Abdankung Napoleons glaubte Arrighi, ſeine perfönliche Meinung dem Intereſſe des Vaterlandes aufopfern zu müſſen. Er unterzog ſich der königlichen Regierung⸗ und ward einige Zeit darauf zum Ludwigsritter ernannt. Als Na⸗ *) Im J. 1812, während die große Armee unter Napoleon nach Rußland zog, befehligte der Herzog von Padua das Obſervations⸗ Corps in Flan⸗ dern und an der Nordſeekuſte Frankreichs. G. **³) Dies konnte bei der Kühnheit und Thätigkeit der fliegenden Corps von Czernitſcheff, Lützow, Colomb ꝛc., welche hinter der franz. Armee den derſelben zumarſchirenden Verſtärkun en immerfort bedeutenden Schaden an Mannſchaft und Geſchütz zufugten, nichr gelingen, ſo viel auch Ar⸗ rigbi mit ſeiner wenigen Kapallerie that. Erſt der Waffenſtillſtand un⸗ terbrach dieſe Kämpfe. G. 316 Arrighi. poleon von Elba zurückkam, trat er in die Pairs⸗Kammer, und ging im Mai als außerordentlicher Kommiſſär nach Korſika. Er ſchlug ſein Hauptquartier in Calvi auf, das er befeſtigte, und ſeine Anſtalten verkündigten, im Fall eines Angriffs, den kräftigſten Widerſtand. Die Schlacht bei Waterloo änderte nichts daran; nur der Zweck wurde verſchieden; er wollte Korſika unabhängig machen. Doch konnte er kaum einiges Geld und wenige Mannſchaft erheben. Er wurde in die königl. Ordonnanzen vom 14. Juli und 16. Januar 1816 mitbegriffen, und zog ſich, nachdem er bei dem Könige von Sardinien vergebliche Schritte gethan, um ein Aſyl in ſeinen Staaten zu erhalten, in die Lombardie zurück. Die Or⸗ donnanz vom 19. Noyember 1820 rief ihn wieder nach Frankreich. Arrighi(Joſeph Philipp), Vetter der vorigen, Titu⸗ lar⸗Kanonikus am Dom zu Piſa und an der Hauptkirche zu Flo⸗ renz. Als Napoleon nach den Begebenheiten des J. 1814 Frank⸗ reich verließ, war Arrighi General⸗Vikar des Biſchofs von Ajac⸗ cio und des Fürſtenthums Piombino. Sein Benehmen zeigte, daß er weniger dem Glück, als der Perſon des Kaiſers anhing; denn er wünſchte den Einwohnern der Inſel Elba öffentlich Glück, ihm eine Zufluchtsſtätte zu gewähren. Arrighi(Anton), Kapitän, geboren zu Corte, auf der In⸗ ſel Korſika, erzogen in der Militärſchule zu St. Cyr, trat den 24. September 1810 als Unterlieutenant zu dem 39. Linienregi⸗ ment, welches ſich damals bei der Unternehmung Maſſena's in Portugal befand. Er ſtand bei verſchiedenen Vorfällen, in welchen ſein Corps glänzende Beweiſe von Tapferkeit gab, nach einander unter den Befehlen des Fürſten von Eßlingen, des Herzogs von Ra⸗ guſa, und des Marſchalls Soult. Er zeichnete ſich beſonders den 8. Mai 1813 bei dem Angriff der Schaaren des Campillo und Herriero aus. Nachdem er unter dem Feuer des Feindes mit den Voltigeurs der Avantgarde über einen Fluß gegangen war und jenen mit dem Bajonett in ſeinen Verſchanzungen beim Dorfe Mahon angegriffen hatte, warf er ihn über'n Haufen und machte eine Menge Gefangene. Dieſe That war nicht allein ruhmvoll, ſon⸗ dern auch von hohem Nutzen. Die Zerſtreuung dieſer Schaaren erlaubte dem General Foy, die Arbeiten bei der Belagerung von Caſtro⸗Urdiales zu beſchleunigen, deſſen er ſich 20 Tage darauf bemeiſterte. Im November 1813 gab der Kapitän Arrighi Proben der größten Unerſchrockenheit beim Sturm auf ein mit Schießſchar⸗ ten verſehenes, im Grunde des Thals Carlos gelegenes, Haus, wel⸗ Arrighi. Artaud. Arriule. Arteaga. Artigas. 317 ches 40 Spanier vertheidigten, die faſt alle getödtet wurden. Trotz dem feindlichen Feuer erſchien er zu wiederholten Malen allein vor dem Thore, in der Abſicht, es zu ſprengen. 1815, in der Schlacht bei Toulouſe, ward er gefährlich verwundet, nachdem er Wunder der Tapferkeit gethan. Artaud, Ritter des ſpaniſchen Ordens Karls IV., verfolgte die diplomatiſche Laufbahn, iſt aber vorzüglich als Literator be⸗ kannt. Man hat von ihm Betrachtungen über die italieniſche Mah⸗ lerei von Raphael, und eine Ueberſetzung der Dantiſchen Epopen. Bei letzterer ſind lehrreiche Bemerkungen über die in dem Gedichte vorkommenden Allegorieen und hiſtoriſchen Thatſachen. Artaud(Franz Soulange), Bruder des vorigen, geb. zu Paris 1779, gab eine Ueberſetzung der Naturgeſchichte Blu⸗ menbachs, und eine der Spittleriſchen Geſchichte der Revolution in Dänemark von 1660. 2 Arriule(Baron von). S. Darriule. Arteaga(Stephan), Jeſuit und ſpaniſcher Gelehrter, ge⸗ boren zu Madrid 1744, Freund des Ritters von Azzara, befand ſich bei deſſen Geſandtſchaft in Frankreich; aber ſein Alter und ſeine Geſundheitsübel erlaubten ihm nicht, demſelben wieder in das Vaterland zu folgen. Er ſtarb zu Paris am Ende 1799. Dieſer Gelehrte ſchrieb ein von der Akademie zu Madrid gekröntes Werk über das Ideal des Schönen, als das höchſte Ziel der Nach⸗ ahmung. Ein anderes: Revoluzioni del teatro italia- no, wurde von einem franzöſiſchen Ueberſetzer mit wenig Geſchmack im Auszuge gegeben. Außer mehreren gelehrten Abhandlungen verfertigte Arteaga eine Sammlung von griechiſchen und lateiniſchen Poeſieen, und ein Werk über den Rhyth⸗ mus, welche bei Bodoni in Parma gedruckt werden ſollten; aber die politiſchen Ereigniſſe in Italien hinderten es. Das letztere er⸗ hielt von Grainville(dem Arteaga die Ueberſetzung anvertraute, welche aber, weil der Verfaſſer ſtarb, kaum angefangen wurde,) ein vorzügliches Lob. Der Autor hat ſehr gründlich aus den Quel⸗ len der Alten geſchöpft, und Muſik, Poeſie, Grammatik, Pan⸗ tomime, Tanz ꝛc. behandelt. Artigas(Don Juan), geb. zu Montevideo, aus einer ſpa⸗ niſchen Familie, war, als die Revolution in jenen Kolonieen aus⸗ brach, Kapitan im Dienſt des Mutterlandes. Er war anfangs nicht auf der Seite der Independenten/ und erſt nach einigen Zwi⸗ 348 Artigas. ſtigkeiten mit dem portugieſiſchen Gouverneur der Stadt St. Sa⸗ crament verließ er für immer die royaliſtiſche Partei. Die neue Republik von Buenos Ayres machte ihn zuerſt zum Anführer von Guerillas“*), aber bald vertraute ſie ihm den Befehl über ein Armee⸗Corps. Nachdem er einige unentſcheidende Vortheile über die königlichen Truppen davon getragen, brachte er ſie in der Schlacht bei Las Piedras, wo ſie zahlreicher waren, als die ſei⸗ nigen, in Unordnung; er machte viele Gefangene, und der Gene⸗ ral ſelbſt mußte ſich ergeben. Viel trug er zum guten Erfolg der Belagerung Montevideo's bei. Während ihn der General Rondeau an der Spitze der Independenten unterſtützte, ſchlug er ſich mehr⸗ mals mit den Portugieſen von Braſilien, welche, unter dem Schein, ſich für die Erhaltung der Herrſchaft des Königs von Spanien be⸗ waffnet zu haben, Anſtalt machten, das gaͤnze linke Ufer des Pla⸗ taſtroms an ſich zu reißen. Artigas Fortſchritte veranlaßten einen Vergleich zwiſchen dem Kabinet von Rio Janeiro und dem Staate von Buenos Ayres. Aber dieſer Befehlshaber war nicht lange im guten Einverſtändniſſe mit der Junta. Man mißtraute ihm, be⸗ hauptete, daß er nur für ſich arbeite und ſich einen Theil des Lan⸗ des unterwerfen wolle. Es ſcheint im Gegentheil, daß Puyredon und die andern Häupter dieſer neuen Republik ihre eigne Herrſchaft zu gründen dachten, und daß ein Republikaner von Artigas Cha⸗ rakter ihnen im Wege ſtand. Unter ſo vielen angeblichen Bürgern aufkeimender Staaten, welche insgeheim treuloſes Vorhaben oder perſönliche Anſichten in Bewegung ſetzen, iſt es manchmal ſehr ſchwer, die wahren Freunde der Unabhängigkeit herauszufinden. Dieſe reinen Männer, deren Seelenſtärke, und vorurtheilloſe Tu⸗ gend nur den freien Staaten angehören, mögen auch in der neuen Welt eine Seltenheit ſeyn: unſere Gattung verändert ſich nicht ganz von einer Hemiſphäre zur andern. Wie dem auch ſey, die Zuſammenberufung eines Kongreſſes zur Deputirtenwahl vollendete Artigas Entſchluß. Da er ſah, daß man die Grundſätze, deren Vertheidigung er ſich geweiht, nicht befolgte, gebrauchte er ſein Anſehn bei den Truppen. Unvermerkt entfernten ſie ſich aus dem Lager bei Montevideo, und Artigas verließ es ſelbſt. Dieſe Deſer⸗ tion nöthigte die Independenten, die Belagerung aufzuheben, wel⸗ che ſie doch in der Folge mit neuer Kraft wiederholten, bis ſich die Stadt im Juni 1814 ergab. Aber Poſarda, welchen man zum *) So nannte man in dem ſpaniſch⸗franzöſiſchen Kriege leichtbewaffnete/ als Tirailleurs ſtreitende, Freicorps. Mina war ein Chef derſelben. G⸗ 6 Artigas. 219 Director ernannte, hegte einen ſolchen Groll gegen Artigas, daß er ihn ſeiner Stellen beraubte, ihn für ehrlos erklärte, und ſo weit ging, daß er 6000 Franken auf ſeinen Kopf bot. Unterdeſſen war Artigas voller Thätigkeit und Energie, und ſeine Landsleute liebten ihn um ſo mehr, als er ihre Gewohnheiten, welche jenen der ehemaligen Flibuſtiers*) gleichen, theilte. Auſſerdem hatte er eine geheime Stütze in Buenos Ayres ſelbſt. Als er in den Pro⸗ vinzen, über welche er verfügen konnte, Mannſchaft ausgehoben, marſchirte er auf die gegen ihn geſandten Truppen los, ſchlug Viamond, und bemeiſterte ſich Santa Fe's und Montevideo's. Nach der durch den General Saint Martin erlittenen Niederlage der ro⸗ yaliſtiſchen Armee ſchickte die Regierung von Buenos Ayres 1800 Mann unter Balcarſel's Befehl gegen Artigas. Das Glück blieb unentſchieden; doch ſchien der Vertrag zum Vortheil des Artigas zu ſeyn. Es ward bedungen, daß die Truppen von Buenos Ayres Santa Fe und das ganze öſtliche Ufer räumen ſollten. Artigas Ruhe war von kurzer Dauer. Durch Flüchtlinge auß Buenos Ayres angeregt, bildete ſich der Braſiliſche Gouverneur ein, ganz gewiß Eroberungen zu machen. Er beauftragte Lecor, das Land bis zum Plata zu unterwerfen. Dieſer General, der ſeine Opera⸗ tionen im Frühling angefangen, kampirte im December 1816 bei Maldonado. Artigas fürchtete dieſe Invaſion wenig. Er kannte vollkommen die Hülfsquellen des Landes, die Geſinnungen der Ein⸗ wohner; er theilte ihnen ſeine eigne Zuverſicht mit, und die erſten Begebenheiten rechtfertigten ſeine Verſprechungen. Als aber die Portugieſen Montevideo überfallen und einige Vortheile erkämpft hatten, und die, welche Artigas ſeiner Seits erhielt, nicht ent⸗ ſcheidend ſeyn konnten, entſchloß er ſich, den Krieg nach Braſilien zu ſpielen. Aber dieſe Diverſion, welche ihm anfangs gelang, be⸗ wirkte nicht die Befreiung Montevideo's. Im J. 1818 wurde Ar⸗ tigas unglücklicher. Die Streitkräfte von Buenos Ayres, mit de⸗ nen der Portugieſen vereint, verſetzten ihm eine gänzliche Nieder⸗ lage, und er fand keinen Ausweg, als mit der Regierung, von wel⸗ — *) Berühmte Seeräuber in Amerika am Ende des 17ten Jahrhunderts. Sie erhielten ihren Namen von den Flibots, einer Art kleiner Schiffe. Die erſten beſtanden aus Einwohnern der Inſel St. Chriſtoph, welche die Spanier vertrieben und zur Rache gereizt hatten. Ihre Verwegen⸗ heit machte ſie furchtbar, und ſie ſchadeten beſonders den Spaniern. Nach und nach geſellten ſich Abentheurer aller Nationen zu ihnen. Am Ende ließen ſich die meiſten in St. Domingo nieder, und wurden die erſten Koloniſten des damaligen franzöſtſchen Antheils dieſer Inſel. G. d „ 320 Artigas. Frtois. Arzberger. Aspaſiga. cher er ſich getrenne te, zu unterhandeln. Man ward einig, das öſtliche Land an dem lata zu verlaſſen. Auch hätte man es ſchwer⸗ lich gegen die große uͤnternehmung, welche das Mutterland aus⸗ rüſtete, vertheidigen können. Als aber in der Folge die Geſtalt der Sachen in Spanien ſich plötzlich geändert, richteten die von Furcht befreiten Republiken am Plataſtrom von neuem ihre Auf⸗ merkſamkeit auf die Abſichten ihrer Chefs. Man ſah ſie gewillt, eine erbliche Regierung einzuführen; man ſprach ſelbſt von einer geheimen Unterhandlung mit enropäiſchen Mächten. Artigas wurde die Hoffnung der Freiheitsfreunde. Puyredon, wohl wiſſend, wie furchtbar dieſer General, ſowohl durch ſeine Talente, als durch die Popularität, deren er genaß, ſey, ſchickte Truppen, unter Rondeau's Befehl, gegen ihn. Wäre dieſe Unternehmung gelun⸗ gen, ſo ſahen die Republikaner alle ihre Hoffnungen zerſtört. Der Augenblick war entſcheidend, und Artigas Triumph ſchien für die Erhaltung der Freiheit unumgänglich nöthig. Man verſicherte ſich einer großen Anzahl Offiziere und Soldaten in dem Armeecorps⸗ welches ihn bekämpfen ſollte, und er ſelbſt ward von dem, womit man zu Buenos Ayres umging, benachrichtigt. Sobald die Trup⸗ pen beiſammen waren, verſtanden ſie ſich, und marſchirten vereint gegen die Hauptſtadt. Man ſtellte Don Aguirre einſtweilen an die Spitze der Staatsangelegenheiten; Puyredon und ſeine Anhänger entfernten ſich. Dieſe Veränderungen geſchahen, ohne daß Artigas beiwohnte. Er ſcheint keinen andern Ehrgeiz zu haben, als wie er zuvor gethan, fernerhin zur gänzlichen Unabhängigkeit jener un⸗ geheuern Landſtrecken mitzuwirken. Artois(Graf von). S. Carl Philipp. Arzberger(Chriſtoph), Profeſſor der Mathematik am Gymnaſium zu Coburg, und Hofrath, wurde zu Arzbergen, im Fürſtenthum Baireuth, den 22. October 1772, geboren. Er ſchrieb verſchieneoe mathematiſche und aſtronomiſche Werke in lateiniſcher und deutſcher Sprache, und namentlich in erſterer: Adumb ra- tio doctrinae Hesiodi de origine rerum deo- rumque naturae, und in letzterer eine Elementarlehre der Geometrie für diejenigen, welche nicht Nathe⸗ matik ſtudiren wollen. Aspaſia, bekannter unter dieſem, als unter ihrem Familien⸗ Namen Carlemigelli oder Carle Migelli, war die Toch⸗ ter eines Läufers bei dem Prinzen von Condé. Als Opfer einer unglückſeligen Leidenſchaft, die durch eine grauſame Krankheit, in * Aſpaſia. Aſpre. 321 . welcher man ihr heftige Mittel eingab, verurſacht wurde, brachte man ſie in das Spital, und unterwarf ſie fremder Pflege. Sie verließ es nicht in völliger Geneſung, wenn man nach den Ereig⸗ niſſen ihres Lebens urtheilt. Im Jahr 2 denuncirte ſie ihre Mut⸗ ter als Gegen⸗Revolutionärin, aus Haß wegen übler Behandlung, die ſie von ihr empfangen zu haben behauptete. Sie ſelbſt ward arretirt, weil ſie des Nachts mit dem Ruf: Es lebe der Kö⸗ nig! die Straßen durchlief, aber wieder freigelaſſen. Den 1ſten Prairéal 3.(21. Mai 1795) ſchritt ſie, mit einem Meſſer bewaff⸗ net, an der Spitze von Frauen, die mit dem Volk der Vorſtädte in den Saal der Nat. Convention drangen, um Brod und die Kon⸗ ſtitution von 1793 zu begehren, und hatte Theil an der Ermordung des Deputirten Férand, auf den ſie mit ihren Ueberſchuhen los⸗ ſchlug. Der Deputirte Cambonlas konnte ſich nur mit Mühe dem Tode entziehen, den Aſpaſig ihm geben wollte. Sie würde Boiſſy d'Anglas, den man ihr als Urheber des Mangels bezeichnet, er⸗ mordet haben, wenn ſie ihn in ſeinem Hauſe angetroffen hätte. Als man ſie dieſer Handlungen wegen verhaftete, geſtand ſie ſolche mit dem Vorgeben, daß ſie nur dem Antriebe der Engländer, Emi⸗ granten und Royaliſten gehorcht habe. Sie fügte hinzu, daß man das Komplott gemacht, ſich des Sohns Ludwigs XVI., der im Tempel war, zu bemächtigen, und ihn zum König auszurufen; aber ſie nannte keine Mitſchuldigen. Den 19. Prairéal 4(1796) wurde Aſpaſia, nachdem ſie ein Jahr gefangen ſaß, vor Gericht geſtellt. Sie beſtätigte ihre erſten Geſtändniſſe, erklärte, daß, wenn man ihr wieder die Freiheit gäbe, ſie auf's neue Camboulas und Boiſſy d'Anglas treffen würde, verweigerte ſtandhaft einen Verthei⸗ diger, und hörte mit kaltem Blute ihr Urtheil. Ihr Muth verließ ſie nicht auf dem Wege zu dem Schaffott. Sie war erſt 23 Jahre alt.* Aſpre(Conſtantin, Baron von), öſterreichiſcher Feld⸗ marſchall⸗Lieutenant, wurde zu Gent, aus einer ſehr angeſehenen Familie Flanderns, geboren. Als Brabant aufſtand, war er Haupt⸗ mann in einem Linienregiment. In dieſer Epoche that er der kai⸗ ſerlichen Sache nützliche Dienſte, beſonders im Herzogthum Lim⸗ burg, wo er Mannſchaft aushob, und die Patrioten in gänzliche Unthätigkeit zu bringen vermochte. Er bildete hieraus aus dieſen Truppen ein regulirtes Corps, welches er befehligte, und erhielt 1790 das Thereſienkreuz. Die Stadt Lüttich war damals in In⸗ ſurrection. Aſpre wurde mit ſeinem Regiment und einem andern öſterr. Corps hingeſandt. Als 1792 der Krieg zwiſchen Frankreich Reue Piograph. I.. 24 322 Aſpre. Aſſalini. und dem deutſchen Reiche ausbrach, fand er einige Gelegenheiten, ſi ich auszuzeichnen, und der General Clairfait ertheilte ihm Lob. Doch ſcheiterte er gänzlich in einer Miſſion, mit welcher ihn der Herzog von Sachſen⸗Teſchen beauftragte. Man wollte die Stadt Lille zur Kapitulation bewegen. Aſpre, ſeinen Befehlen gehor⸗ chend, trat kühn vor den Kommandanten, und forderte ihn auf. Aber der Kommandant ergab ſich nicht, und jener war glücklich genug, ſich dem Unwillen der Einwohner zu entziehen. 1796 war er beim Feldzuge in Baiern unter General Latour, und wurde ver⸗ wundet. 1799 hatte er den Auftrag, die Inſurrection in Toscana zu leiten. Nach einer Krankheit, die er in Flandern, wo nach dem Frieden von Lüneville wieder ſein Aufenthalt war, erlitt, trat er von neuem in Dienſtthätigkeit, als Oeſterreich mit Frankreich brach; aber er ward nach dem Treffen bei Ulm gefangen. Der Friede zu Presburg(1807) gab ihm die Freiheit wieder. Man glaubt, daß der Krieg von 1809, der ihm neue Lorbeern ſchaffte⸗ ſeine Laufbahn beſchloß. Andere Nachrichten aber vermuthen, daß der Baron von Aſpre im J. 1813 Vortheile bei Trieſt errang, und daß er ſich ſelbſt 1815 bei der Armee befand, welche die übel ver⸗ abredeten Projekte des Königs Murat vereitelte. Aſſalint(Peter), geboren zu Modena, ſtudirte ſehr jung die Chirurgie. Ein beſonderer Vorfall, den er in ſeinem Lande hatte, nöthigte ihn, Zußlucht bei den franzöſiſchen Heeren zu ſu⸗ chen, wo er den Grad eines Chirurgien-Major erhielt. Nach dem italieniſchen Feldzuge folgte er dem General Bonaparte nach Ae⸗ gypten. Er ſcheint ſich der dortigen Peſtkrankheit nicht viel ausge⸗ ſetzt zu haben; dennoch hat man von ihm eine Darſtellung derſel⸗ ben, worin er behauptet, daß ſie nicht anſteckend ſey, und ſich auf das Beiſpiel Larrey s beruft, der ohne böſe Folgen ſeine Ver⸗ ſuche an Peſtleichnamen angeſtellt habe.(S. deſſen Art.) In der Folge ward Aſſalini bei der Konſular⸗Garde, und zwar bei dem Regiment der Guides*), welches der Prinz Eugen kommandir⸗ te, als Chirurgien-Major angeſtellt, und folgte demſelben in den zweiten italieniſchen Feldzug. Als dieſer Prinz Vice⸗König von Italien wurde, nahm er Aſſalini zum Leib⸗Chirurgus an. Rebſt dem erhielt er in Mailand die Direktorſtelle bei dem Hoſpitium für Wöchnerinnen und Findelkinder, und die eines Oberchirurgus des *) Die nämlichen, durch deren liſtiges und kühnes Manöver Naxyoleon früber die Schlacht bei Arcole gewann, und welche nachmals das Jäger⸗ regiment zu Pferd bei der Garde bildeten. G. Aſſalini. Aſſcherade. Aſſelin. Aſſelince. 323 Ambroſienhoſpitals. Aſſalini wohnte auch dem Feldzuge in Ruß⸗ land bei, wo ihn der Froſt hart traf; ferner den Feldzügen in Sachſen und Italien, und mußte nach der Abdankung Napoleons Mailand, wo er ſich aufhielt, ſchnell verlaſſen. Doch iſt er ſeit⸗ dem wieder in dieſe Stadt zurückgekommen, und bekleidet daſellſt, wie man ſagt, die Stelle eines Profeſſors der Chirurgie. Außer der oben gedachten Darſtellung hat er ein chirurgiſches Ma⸗ nual, auch eine Abhandlung über Augenkrankheiten geſchrieben. Auch iſt er Erfinder mehrerer chirurgiſchen Inſtrumente. Aſſcherade(Karl Guſtav Schulz von), ſchwediſcher Geſandter am Berliner Hofe, hat ein Werk in lateiniſcher Sprache herausgegeben, deſſen Hauptgegenſtand der ſiebenjährige Krieg iſt, das ſich aber auch über andere Begebenheiten des 18. Jahrhunderts verbreitet. Der Verfaſſer beginnt mit dem Erdbe⸗ ben zu Liſſabon, und endet mit Gedanken über Charakter und Sit⸗ ten des 18. Säkulums. Er ſtarb 1799 zu Stockholm. Aſſelin, ehemaliger Maire von Cherbourg, wurde daſelbſt nach dem 18. Brumaire Unter⸗Präfekt. 1815 erwählte ihn das Dexpartement von der Manche(Normandie) zum Oeputirten in der Repräſentantenkammer. Man ſchreibt ihm eine Ausgabe der Vau⸗ devires, von Olivier Baſſelin, mit einer Vorrede und Bemer⸗ kungen, zu. Dieſe Arbeit kann für Charles Nodier, der eine neue Ausgabe der Poeſteen jenes normänniſchen Dichters und Müllers veranſtaltet, von Nutzen ſeyn. Aſſelin, ehemaliger Advokat, war nachher einer der gemä⸗ ßigſten Deputirten der Nat. Convention, wozu ihn das Departe⸗ ment von der Somme(Picardie) erwählte. In dem Prozeſſe Lud⸗ wigs XVI. ſtimmte er für Gefangenhaltung oder Verbannung bis zum Frieden. Er iſt als Schriftſteller bekannt. Aſſeline(Johann Réné), Biſchof von Boulogne, iſt zu Paris 1742 geboren. Sein Vater war Stallknecht beim Herzog von Orleans. Dieſes Haus ließ dem jungen Aſſeline auf der Pa⸗ riſer Univerſität eine ausgezeichnete Erziehung geben. Er ſtudirte vorzüglich die orientaliſchen Sprachen, betrat ſehr jung, nach dem Abbé Ladvocat, den Lehrſtuhl der hebräiſchen, und behielt ihn, ſo wie den eines Großvikarius des Erzbiſchofs von Paris, bis zur Revolution. Ohne die damals herrſchenden Grundſätze würde er nicht Biſchof geworden ſeyn. Der Adel ſetzte ſich dagegen. Aber Ludwig XVI., als er von den Tugenden und Kenntniſſen Aſſeli⸗ ne's unterrichtet ward, ſagte:„Dies iſt gerade ein Biſchof, wie 324 Aſſeline. Aſſemani. Aſtorg.„¼ „wir ſie in Zukunft haben müſſen.“ Nach Erlangung des Bis⸗ thums ſchien aber der Abbé Aſſeline die Grundſätze, zu denen er ſich im J. 1778 bekannt, zu vergeſſen; denn er billigte die neue Eidesformel der engliſchen und irländiſchen Katholiken; er weigerte ſich nicht allein, der bürgerlichen Verfaſſung des Klerus zu gehor⸗ chen, ſondern forderte auch die Prieſter ſeiner Dibceſe zum Wider⸗ ſtand auf. Er that noch mehr; denn er ſchrieb gegen dieſe Verfaſ⸗ ſung eine Paſtoral⸗Inſtruction über die geiſtliche Gewalt der Kirche. Die konſtituirende Nat. Verſammlung hielt dieſe Schrift für aufrühriſch, und ließ ihren Autor verfolgen, der ſich nach England flüchtete. Auch von dort hörte er nicht auf, in ſeiner ehemaligen Diöceſe Verwirrungen anzurichten. Hartnäk⸗ kig weigerte er ſich, dem Konkordat von 1801 Folge zu leiſten. Nach dem Tode des Abbé Edgeworth wurde er Beichtvater Lud⸗ wigs XVIII., und begleitete dieſen Prinzen an verſchiedene Orte ſeines Exils, bis ihn, nach einer langen Krankheit, der Tod ſeinen geiſtlichen Geſchäften entriz. Er hat im Auslande verſchiedenes in ſeinem Fach geſchrieben, unter andern: Betrachtungen über das Geheimniß des Kreuzes te. Aſſemani(Der Abbé Simon), ein gelehrter Maronit*). Er war Lehrer der orientaliſchen Sprachen im Seminarium zu Pa⸗ dua. Man verdankt ihm Erklärungen über die arabi⸗ ſchen Denkmäler in Sicilien, und die Beſchreibung einer arabiſchen Himmelskugel aus dem Muſeum Bor⸗ gia, wovon das franz. Inſtitut ehrenvolle Meldung that. Aſtorg(Jakob Peter Hippolyte, Graf von), Ritter der Ehrenlegion, des St. Ludwigs⸗ und Cincinnatus⸗Or⸗ dens. Dieſer Graf, der 1761 zu Poligny in der Franche⸗Comteé, aus einer alten ſpaniſchen Familie, die lange in Guyenne gewohnt hatte, geboren iſt, trat ſehr jung in den Seedienſt, und wurde mit 25 Jahren Schiffslieutenant. Im November 178s ſtellte ihn der Bailli von Suffren, unter dem er fünf Feldzüge in Indien mitgemacht, dem Könige vor. Während der Revolution lebte er zurückgezogen auf ſeinen Gütern, theils in Bretagne, theils in Franche⸗ Comté. Erſt nach dem 18. Brumaire erſchien er wieder, 1 *) Maroniten ſind eine Sekte orientaliſcher Chriſten, deren Oberhaupt auf dem Berge Libanon ſeinen Sitz hat. Ihr Glaubensbekenntniß hat viele Vehnlichkeit mit der griechiſchen Religion. In ihren Sitten beob⸗ achten ſie die Frugalitaͤt und Gaſtfreiheit der alten Araber. Zur Bildung ibrer Geiſtlichen beſindet ſich in Rom ein Kollegium. G. — Aſtorg. Aſtorga. Aſtrug. Atwood. 325 1 und wurde in der Folge Mitglied des geſetzgebenden Corps. Im J. 1814 ſtimmte er unter andern für die Zurückgabe der nicht verkauf⸗ ten Emigranten⸗Güter an ihre Eigenthümer, und für die Entſchä⸗ digung jener, deren Güter veräußert wären. Auch begehrte er die Keatat ne dühe von Marſeille, Dünkirchen, Bayonne, und der Stadt Strasburg, und legte die Vortheile dieſer Maasregel dar. 1815 übernahm er das Kommando eines Linienſchiffs zu Tou⸗ lon, und 1816 ernannte ihn der König zum Kommandeur des St. Ludwigsordens. Aſtorga(Der Marquis von), Grand von Spanien er⸗ ſter Klaſſe, veränderte nicht, wie die Biographie des hom- mes vivans behauptet, ſeinen Titel nach dem Tode ſeines Va⸗ ters. Er iſt Beſitzer von mehr als 30 Marquiſaten und Grafſchaf⸗ ten. Obſchon, wie das nämliche Werk ſagt, dieſer Marquis der zweite Edelmann war, der für eine beträchtliche Summe zu den Koſten des Kriegs gegen Frankreich unterſchrieb, überbrachte er doch, als unſere Truppen in Madrid einzogen, auf pompöſe Weiſe dem Großherzog von Berg(Murat) den Degen Franz I.*). Wenn Könige von Spanien ausgerufen wurden, gebührte es den Marquis von Aſtorga, die Standarte von Madrid zu erheben. Der gegen⸗ wärtige erhob ſie für Ferdinand VII., und hätte es auch ohne Zweifel für Joſeph gethan, wenn er ſich nicht durch Krankheit zu entſchuldigen gewußt und die Koſten bezahlt hätte. Nachdem Aſtorga dem König Joſeph gehuldigt, unterhielt er Verſtändniſſe mit den Inſurgenten, welches ihm die Mißgunſt Napoleons zuzog. Aſtrug, Bataillons⸗Chef, wohnte im 64. Linienregiment den Feldzügen in Spanien bei. Er that ſich den 18. November 1809 in der Schlacht bei Occana hervor, und erhielt das Kreuz der Ehrenlegion. Noch machte er ſich im Juni 1811. durch ſeine Tapferkeit im Gefecht bei Villaba bemerklich. Atwood, ein berühmter engliſcher Phyſiker, geb. 1742, war Profeſſor der Phyſik an der Univerſität Cambridge. Mehrere aus⸗ gezeichnete Perſonen beſuchten ſeine Vorleſungen, unter welchen ſich eines Tags der berühmte Pitt befand. Dieſer bekam von At⸗ wood’s Verdienſt eine ſo hohe Idee, daß er ihn im Finanzminiſte⸗ rium**) anſtellte, und ihm eine Penſion erwirkte, deren Atwood im *) Welchen nämlich dieſer ritterliche König nach ſeiner tapfern Gegenwehr und endlicher Gefangenſchaft in der Schlacht bei Pavia abgegeben hatte. G. *) Warum einen Geweihten der Naturwiſſenſchaft in dieſem Fache? Oder 326 Atwood. Aubernon. J. 1806 durch den Tod ſeines Beſchützers wieder geranbr ward. Er ſelbſt ſtarb 1807.— Man hat von dieſem Gelehrten verſchie⸗ dene Werke über die Theorie der Bewegung und andere phyſikaliſche Gegenſtände. Auch erfand er eine zu ſolchen Verſuchen nöthige Maſchine.— Aubernon(Philipp), Sohn des Joſeph Aubernon, erſten Handelsrichters der Stadt Antibes, machte als Kriegs⸗Kommiſſär, und zuletzt als Commissaire ordonnateur en chef ſeit 1792 funfzehn Feldzüge unter den verſchiedenen franzöſiſchen Heeren mit. Seiner Sorgfalt iſt es zu danken, daß der rechte Flügel der italie⸗ niſchen Armee während der Jahre 2, 3 und 4 dem Zuſammenfuß von Umſtänden, welche die Beſetzung des genuneſiſchen Küſtenlandes ſehr ſchwierig machten, widerſtehen konnte. Er wirkte viel zum glücklichen Erfolg der Schlacht vom 2. Frimaire 4.(ſ. die Tabelle,) welche die Eroberung Italiens vorbereitete. Der Obergeneral Maſſena ertheilte ihm das Lob, daß er während der Belagerung Genua's im J. 1800 durch ſeine Thätigkeit und außerordentliche Maasregeln der Armee neue Hülfsmittel ſchaffte, als der Mangel auf s höchſte geſtiegen war, und dadurch mächtig beitrug, die Ue⸗ bergabe des Platzes zu verzögern.— Die Biographie des hom- mes vivans iſt in einem großen Irrthum, da ſie behauptet⸗ daß Aubernon bei Bonaparte's Armee im Jahr 1797 ſtrenge Maas⸗ regeln gegen die Emigranten, welche ſich in die Verwaltung ein⸗ geſchlichen, ausgeübt habe. Richtiger hätte man ſagen ſollen, daß zu jener Zeit kein Emigrant von den Armee⸗Behörden weder ver⸗ folgt, noch beunruhigt ward; daß Aubernon mit ſeinen Berufs⸗ pflichten immer die Grundſätze der Menſchlichkeit und Gerechtig⸗ keit zu vereinigen wußte, und daß man die Namen mehrerer Emi⸗ granten kennt, welchen er durch Anſtellungen und Empfehlungen nützlich war. Aubernon(Fofeyh Victor), geb. zu Antibes 1783, Sohn des vorigen; machte als Kriegskommiſſär die Feldzüge von 1805 und 1809 in Oeſterreich mit. 1810 wurde er Auditor im Staatsrathe bei der Kriegs⸗Section, und erhielt nachgehends meh⸗ rere wichtige Aufträge und Sendungen. Im Juni 1812 ging er mit Hrn. v. Pradt, Erzbiſchof von Malines, nach Warſchau als Geſandtſchafts⸗Auditor. Gleich darauf begab er ſich nach Leo⸗ — war das Talent für phyſtkaliſche Berechnungen auch zu finanziellen geeig⸗ net?— Freilich kann ſich beides ſehr würdig vereinbaren. G. Aubernon. Aubert. Aubert du Bayct. 3327 pold*), der Hauptſtadt des öſterreichiſchen Polens, und blieb in dieſer diplomatiſchen Sendung bis zur Auftöſung des Prager Kon⸗ greſſes beglaubigt. Im December 1813 begleitete er den Senator Grafen von Valence, außerordentlichen kaiſerl. Kommiſſär in der 6. Militär⸗Diviſion. Er wurde im Januar 1814 zum Departe⸗ ments⸗Präfekten vom Herault(Languedoc) ernannt, in welcher Stelle ihn der König beſtätigte; auch ernannte er ihn zum Ritter der Ehrenlegion. Während Aubernon's Verwaltung wurden die Geſetze geachtet und die öffentliche Ruhe erhalten. Trotz der Auf⸗ regung, welche eine doppelte politiſche Kriſe unter einer glühenden und leidenſchaftlichen Volksmaſſe natürlich hervorbringen mußte, zählte das Departement vom Herault kein einziges Schlachtopfer bürgerlicher Unruhen in ſeinem Schooße. Als am 3. April 1815 die kaiſerl. Regierung zu Montpellier wieder eingeführt ward, ſandte er dem Miniſter des Innern ſeine Entlaſſung, und nachdem er alle ihm möglichen Maasregeln zur Beruhigung des Departements ge⸗ nommen, übergab er die Verwaltung einem Präfekturrath, obſchon ein kaiſerliches Dekret ihn unterdeſſen zum Präfekten des Dep. Tarn und Garonne ernannt hatte. Seine konſtitutionellen Grund⸗ ſätze und ſeine Anhänglichkeit an eine repräſentative Regierung ſtellten ihn immer den Denunciationen der Ultra⸗Monarchiſlen blos. Einige derſelben, die man in Lyon und Paris auffing, be⸗ wogen Napoleon, ihn zum Präfekten zu ernennen. Aber Auber⸗ non's Betragen im März und April erregten ihm wieder deſſen Mißgunſt. Er hat ſich ſeitdem von allen öffentlichen Geſchäften zurückgezogen, und auch nicht, wie die Biographie dos hommtes vivans irrig behauptet, während der 100 Tage eine Stelle bekleidet. Aubert(von der Seine), war Steuerinſpektor ſeines Depar⸗ tements, als er in den Rath der 500 gewählt wurde. In der Sitzung des Jahrs 6. behandelte er mehrere finanzielle Fragen. Er war es, der für die National⸗Schatzkammer die Autoriſation⸗ Kreditbriefe zu ertheilen, erhielt. Nach dem 18. Brumaire trat er in das deſetzgebende Corps, das er 1802 verließ. Später ward er Regiſſeur des Munizipal⸗Octroi's der Stadt Paris, über deſſen Einführung er zuvor berichtet hatte. Aubert du Bayet(Johann Baptiſt Hanniban,g ge⸗ boren in Louiſtana, den 9. Auguſt 1759, diente lange vor der 2 *) Wahrſcheinlich iſt Leopoldſtadt,/ eine Feſtung an der* Wag⸗ in Nie⸗ derungarn, verſtanden. G. 328 Aubert du Bayet. volution, ging 1780 als Unterlieutenant nach Amerika, wurde während des Kriegs für die Unabhängigkeit Capitän, und kehrte einige Zeit vor der Revolution nach Frankreich zurück. Anfänglich ſchien er nicht die neuen Grundſätze anzunehmen, und gab ſelbſt eine heftige Broſchüre gegen die Juden heraus worin er, wegen ihres raubſüchtigen Geiſtes, die Gefahr vorſtellte, ſie Theil an der öffentlichen Verwaltung nehmen zu laſſen. Aber bald zogen ihn die Patrioten auf ihre Seite, und das Wahlkollegium des Dep. der Iſere(Dauphiné) ernannte ihn zum Deputirten bei der geſetzge⸗ benden Verſammlung. Unter anderem ſchlug er vor, daß der Kö⸗ nig von den fremden Mächten verlange, ihren feindlichen Anſtalten zu entſagen, und die Emigranten⸗Corps, die ſich an der Grenze gebildet, aufzulöſen. Er ſprach ſich ſtark für den Krieg gegen Oeſterreich aus. Auch vertheidigte er La Fayette und Duport Du⸗ tertre, welche von den Girondiſten und Anarchiſten wechſelsweiſe angegriffen waren, und widerſetzte ſich kräftig einer allgemeinen Föderation. Er wollte ferner, daß die geiſtliche Tracht verboten werde; aber er widerſetzte ſich dem Verbrennen der alten Regiments⸗ fahnen. Für das Geſetz der Eheſcheidung gab er ſeine Stimme. Merkwürdig iſt, daß er nach den Vorfällen des 10. Auguſts nie mit der Minorität, welche durch die Umwerfung der Conſtitution all⸗ mächtig geworden war, votirte. Nach der Auflöſung der Verſamm⸗ lung nahm Aubert wieder Militärdienſte. Er wurde Capitän im Regiment Bourbonais, hierauf Obriſtlieutenant im Reg. Saintonge, und nach 1792 Brigade⸗General. Er befand ſich 1793 in der Be⸗ lagerung von Mainz, deſſen Uebergabe ihm ein Anklag⸗Dekret zu⸗ zog. Aber ein darüber abgeſtatteter Bericht gab ihm den 4. Auguſt die Freiheit wieder. Er ſtellte ſich vor die Schranken der Nat. Convention, und wußte ſich und die Garniſon ſo wohl zu rechtfer⸗ tigen, daß ihm der Präſident den Bruderkuß ertheilte. Hierauf marſchirte er mit der Mainzer Beſatzung*) nach der Vendée, und erlitt einen großen Stoß bei Cliſſon, wo er ſein Gepäck, ſeine Ar⸗ tillerie, und 800 Mann verlor. Doch erſetzte dieſer General bald wieder ſeinen Unfall durch verſchiedene Vortheile, die ihm den guten Erfolg eines Angriffs, den er bei Mortagne unternehmen wollte, ſicherten. Im Begriff, das Gefecht zu liefern, erhielt er *) Die geſchickte und heldenmüthige Vertheidigung derſelben wurde von den Belagerern allgemein anerkannt und gewürdigt. Auch nahm durch ihre tapfere Beihülfe der Vendéekrieg für die Republikaner bald eine beſſere Wendung.— G. Aubert du Bayet. 329 ſeine Abſetzung; aber man ſchlug ſich dennoch, und der Sieg war vollſtändig. Jetzt ging er nach Paris ab. Trotz dem erlangten Ruhm und trotz manchen ihm zu Gunſten erlaſſenen Addreſſen der Volksgeſellſchaft zu Nantes, griff man ihn ſtark im Convent an. Er ward verhaftet, in Freiheit geſetzt, und endlich, auf den Be⸗ richt Merlin's von Thionville, gänzlich losgeſprochen. Darauf kehrte er in die Vendée zurück, und half dem General Hoche das Land beruhigen. Er benahm ſich menſchlich bei dieſer Unterneh⸗ mung; nur eine Aufwallung kann man ihm vorwerfen, die nicht an ihrem Platze war. Während man den Tractat zu Laval abfaßte, affektirte er gegen Cormatin Dezotteux viel Stolz und Strenge, weil er ihn als Ueberläufer betrachtete.(S. deſſen Art.) Corma⸗ tin bemerkte ihm, daß der Friede alle Leidenſchaften beſänftigen ſollte.„Der Friede! der Friede! ſprach Aubert Du Bayet; wir „wollen Euch wohl eine Freiſtätte auf dem Gebiet der Republik er⸗ „lauben. Aber Frieden— den macht man nicht mit Rebellen.“ In der Folge ſchlug er ihm vor, ihren Streit durch einen Zwei⸗ kampf auszumachen, der aber nicht ſtatt hatte. Kurz darauf zum Diviſions⸗General und Befehlshaber der Küſten⸗Armee vor Cher⸗ bourg ernannt, ſtellte er die Verbindungen zwiſchen Mans, Alen⸗ gon, Angers, und la Floche wieder her, verfolgte auf's äußerſte alle Banden der Chouans, und erfocht über ſie mehrere Vortheile. Im Anfang des Vendémiaire 4.(1795) wollte er mit ſeiner Ar⸗ mee der Nat. Convention gegen die Inſurgenten zu Hülfe kommen; dieſe hatte aber ſchon die Oberhand, und die Konſtitution des Jahrs 3 ward angenommen. Jetzt wurde Aubert du Bayet zum Kriegs⸗ miniſter ernannt. Als ſich häufige Streitigkeiten zwiſchen ihm und Carnot erhoben, fand Aubert den Kampf ungleich, nahm ſeine Ent⸗ laſſung, und erhielt die Ernennung zum Geſandten bei der otto⸗ manniſchen Pforte. Er reiſte den 9. Praireal 5.(Mai 1797) ab, und führte mit ſich ein zahlreiches Gefolge und eine Compagnie leich⸗ ter(reitender) Artillerie, welche im Dienſte der Türkei bleiben ſollte. Bei ſeiner Ankunft empfing er nicht alle dem Charakter ei⸗ nes Geſandten ſchuldige Aufmerkſamkeit. Aber er wußte ſich Ach⸗ tung zu verſchaffen, und genoß am Ende die größte Gunſt bei die⸗ ſem Hofe. In der erſten Audienz gab ihm der Großherr alle Be⸗ weiſe einer hohen Auszeichnung. Dann trat er in alle Rechte ein, welche die Geſandten Frankreichs vor der Revolution beſaßen. Nach einem kurzen Aufenthalt zu Konſtantinopel ſtarb er faſt plötzlich an einem bösartigen Fieber, den 7. December 1797.— Aubert du Bayet war gut, edelmüthig, und von zartem Ehrgefühl, leiden⸗ 330 Aubert du Bayet. Aubert. ſchaftlich für Freiheit, aber die Anarchie verabſcheuend. In der letzten Zeit ſeines Lebens war er ein eifriger Republikaner geworden. Immer hatte ihn der Nationalruhm begeiſtert. Man wünſchte ihm eines Tags Glück zu ſeiner Geſandtſchaft.„Ich habe,“ erwiederte er,„mit Ruhm die Heere der Republik angeführt; ich ſetzte, als vich Krigsminiſter war, das Militär auf einen andern Fuß. Viel⸗ „leicht hätte ich Direktor werden können. Jetzt verleiht man mir neinen Geſandtſchaftspoſten, welcher der intereſſanteſte in Europa viſt. Es bleibt mir nichts übrig, als mit den Waffen in der Hand nzu ſterben, indem ich für die Freiheit kämpfe.“ ubert(Marie Honoré Clotoald), geb. den 5. Octo⸗ ber 1765, war in der Revolution immer ein wahrer Freund der Freiheit und der Geſetze, und den Ausſchweifungen der Parteien fremd, weswegen er mit den Girondiſten geächtet ward. Nach dem Sturz der Schreckensregierung erhielt er mehrere Stellen, bis er 1807 in das geſetzgebende Corps trat. 1814 ernannte ihn der König zum Ritter der Ehrenlegion. Während der 100 Tage ſtimmte er immer mit den Anhängern der National⸗Unabhängigkeit und Freiheit. Aubert(Der Abbé Johann Ludwig), ein eben ſo gu⸗ ter Kritiker, als Dichter, zwei ſchwer zu vereinende Eigenſchaf⸗ ten. Voltaire nannte ihn den erſten Fabuliſten nach La Fontaine. Florian war damals noch nicht, aber vorher ſchon La Mothe, deſſen Lob man übertrieb. Auf den Fuß der von dem Bildhauer Moitte verfertigten Büſte des Abbé Aubert ſetzte ein Spaßmacher die Worte:„Geht ſchnell vorüber! Er beißt.“ Wohl iſt ſeine Kritik ſcharf; aber heut zu Tage würde ſie, aufrichtig geſprochen, ein Mu⸗ ſter von Geiſt, Geſchmack und Anſtändigkeit ſeyn. Er war Kirchen⸗Kaplan zu Paris und Profeſſor der franz. Literatur am königl. Collegium, und Cenſor, bis 1784, wo er in Ruheſtand ver⸗ ſetzt wurde. In allen dieſen literariſchen Aemtern mußte er wohl die Gewohnheiten annehmen, die man ihm vorwirft. Aber die Ar⸗ tikel: Thédtre cet Literature dcs Petites-Affi- ches, welche er lange Zeit gab, ermangeln weder der Leichtigkeit noch der Anmuth. In ſeinem Gedicht Psychsé herrſcht unge⸗ zwungene Eleganz. Seine moraliſchen Erzählungen haben das Verdienſt einer fließenden Verſiſtkation; ſo auch der Tod Abels⸗ ein Drama, das übrigens ſchwach an Intereſſe und Erfindung iſt. Aubert war ſein ganzes Leben durch Kritiker von Profeſſion. Er war Redacteur einiger äſthetiſchen Zeitſchriften, und auch zu wie⸗ Aubert. Aubier. 331 derholten Malen der Gazette de France. In einer wohl⸗ geordneten und gelehrten Abhandlung ſuchte er die Grundſätze J. J. Rouſſeau's über die franzöſiſche Muſik zu widerlegen, welche durch die Geſänge Gluck's, Grétry's, Mehul's und Catel's noch beſ⸗ ſer widerlegt worden ſind. Aber den wahren literariſchen Beruf geben ihm ſeine Fabeln. Ziemlich natürlich, ohne das unnachahm⸗ liche Gehenlaſſen des argloſen Menſchen*) zu haben, von ziem⸗ lich reiner Schreibart, ohne der Feinheit La Mothe's und der An⸗ muth Florian's beizukommen, bleiben ſie immer originell und in ihrer Gattung empfehlungswerth. Eine gewiſſe ſpruchreiche und kauſtiſche Philoſophie miſcht ſich in die Naivetät der Fabel. Man erkennt leicht das Jahrhundert der d'Alemberts und Chamforts. Wenn jedoch Urtheil, Wahl des Stoffs, und Talent im Ausfüh⸗ ren, den Rang, welchen der Patriarch von Ferney dem Abbé Aubert eingeräumt hat, rechtfertigen können, ſo wird es auch er⸗ laubt ſeyn, mit Stadius dabei zu ſagen: Longo, sed proxi- mus, intervallo. Aubier(Emanuel), aus einer ſehr angeſehenen Familie in Auvergne, wurde zu Clermont, den 20. September 1749, ge⸗ boren, und erkaufte, nach dem Zeitgebrauch, eine Hofcavalierſtelle bei Ludwig XVI.; aber in der Folge ſchloß er ſich auch mit ſehr ehrenvoller Beſtändigkeit dieſem unglücklichen Fürſten an. Aubier war einer der fünf Männer, welche am 10. Auguſt den König un⸗ aufhörlich vertheidigten, und ihm in die geſetzgebende Verſamm⸗ lung nachfolgten, als er ſich entſchloß, dorthin zu gehen, um das Blutvergießen zu hemmen. Er blieb im Vorzimmer des Gemachs, wo man den König gefangen hielt, brachte daſelbſt die zwei Nächte zu⸗ welche der Verſetzung der königlichen Familie in das Tempel⸗Ge⸗ fängniß vorhergingen, und legte, als man ihn endlich ſich zu ent⸗ fernen zwang, eine Börſe, mit 50 Louisd'or gefüllt, auf den Tiſch Ludwigs XVI. Dies war alles Geld, was er damals beſaß. Aubier zog ſich hierauf nach Deutſchland zurück. Als er das Ur⸗ theil des Königs vernahm, drang er in den General Dumouriez und in den franz. Geſandten im Haag, ihm die Erlaubniß auszu⸗ wirken, vor den Schranken der Nat. Verſammlung erſcheinen zu dürfen. Er wollte gegen den Vorwurf zeugen, daß Ludwig ſchrift⸗ lichen Befehl gegeben habe, auf das Volk zu ſchießen. Da er keine *) Mir ſchien dieſer Ausdruck am paſſendſten für das franzöſiſche: Bon- homme; nätnlich ein Menſch, der arglos ſcherzt, ohne übels da⸗ bei zu denken. G. 332 Aubier. Aubrée. Aubry Dubonchet. Aubry. Antwort erhielt, ſtand er im Begriff, nähere Mittel zu wählen; aber Malesherbes, nachdem er den König ſelbſt davon benachrich⸗ tigt, widerrieth ihm ein gefährliches Vorhaben, das kein günſtiges Reſultat haben konnte. Als Friedrich Wilhelm(von Preußen) dieſe Schritte und edelmüthigen Gefühle Aubier's erfuhr, ſchrieb er an denſelben in den ſchmeichelhafteſten Ausdrücken, und ernann⸗ te ihn zum Commandeur des ſchwarzen Adlerordens und zum Kam⸗ merherrn. Nach dem 18. Brumaire kehrte Aubier nach Frankreich zurück, und lebte dort einſam bis zum Frühlinge 1814. Jezt über⸗ nahm er wieder ſeinen ehemaligen Hofdienſt. Seine drei Söhne dienten in der Condéiſchen Armee. Einer derſelben iſt Maior un⸗ ter den preußiſchen Truppen: die zwei andern kamen mit dem Vater wieder nach Frankreich. 3 Aubrée(R.), Brigade⸗General zur Zeit der Republik, diente in Holland unter dem unglücklichen Marſchall(damaligen General) Brune, und zeigte im Gefecht bei Berghen 1799 viele Tapferkeit. Er ward auf dem Schlachtfelde zum Brigade⸗General ernannt. Bei Kaſtrikum that ſich Aubrée von neuem hervor, und wurde ei⸗ nige Zeit darauf getödtet. 3 Aubry Dubouchet, Kommifür zur Terriers, und 1789 Deputirter des dritten Standes, hat ſich immer mit dem Finanz⸗ Fache beſchäftigt. Den 7. Sept. 1790 ſchlug er vor, 500,000,000 Aſſignaten zur Zahlung der Staatsſchuld in Umlauf zu ſetzen. Auch machte er den Antrag zur Errichtung der Tilgungskaſſe. Man kennt von ihm mehrere Werke über Staatsökonomie, unter andern: Das allgemeine Lagerbuch(Cadastre) Frankreichs, das auf Befehl der National⸗Verſammlung gedruckt ward. 3 Aubry(Johann Baptiſt), geb. zu Daviller, bei Epinal (D. d. Vogeſen) 1736, geſt. zu Commercys(D. d. Maas) 1809. Er ward bei den Jeſuiten erzogen, wählte aber, aus Hang zur Einſamkeit, den Benediktiner⸗Orden. Wie faſt alle, die zu den vornehmen geiſtlichen Orden Frankreichs gehörten, war er unter⸗ richtet und fleißig. Man hat von ihm mehrere Werke, welche eine durchdachte Lektüre und viel Urtheil anzeigen, und den Beifall mehrerer Gelehrten und berühmten Literatoren erhielten. D'Alem⸗ bert ſagte von Aubry's Ami phi losophe et politique etc. 1776,„daß es das Werk eines tugendhaften und ſtaatsbürgerlichen „Philoſophen wäre.“ Er ſchrieb noch Mehreres, worunter: Que- stions philosophiques sur la réligion naturelle; FAnti⸗Condillac, ou Harangue aux Idéologues Aubry. Aubry de Gouges. 333 modernes etc. Sein 1804 erſchienenes Buch: Nouvelle Théorie des Etres wurde im Journal des Débats übel behandelt. Er antwortete Geoffroi und Mongin durch apo⸗ logetiſche Briefe. Sein neuer Nentor entfernt ſich von der gewöhnlichen Art der übrigen Schriften dieſes Verfaſſers. Er gibt klare, beſtimmte und intereſſante Grundlehren über Wiſſen⸗ ſchaften, ſchöne Literatur und Kunſt. Aubry hat nützliche und ge⸗ lehrte Werke, die mehr moraliſch, als angenehm, ſind, hervor⸗ gebracht. Er ſchrieb mehr unter dem Einfluß der Vorurtheile, als unter dem der Philoſophie. Doch war er,(gegen den Gebrauch derjenigen, welche die Ideen anderer wieder geben, und ſehhe, um ſie ſich anzueignen, entſtellen,) ſo gerecht, freimüthig zu be⸗ kennen, daß er ſelten anders Bücher verfertige, als mit Büchern. Aubry de Gouges(Maria Olympia), geboren zu Mon⸗ tauban 1755,(und nicht 1735, wie der Abbé Feller beyauptet,) kam mit ihrer Familie im Alter von 18 Jahren nach Paris, und machte ſich durch ihre Schönheit bemerklich. Es fehlte ihr nicht an Einbildungskraft; auch war ſie nicht geiſtlos. Begierig nach Celebrität, ſuchte ſie ſolche anfänglich im Fache der Literatur, worin ſie weniger Talent als Empfänglichkeit zeigte. Luſtſpiele, Dramen, welche die Schauſpieler verweigerten oder das Publikum verwarf, ſchon vergeſſene Romane, dies ſind ihre literariſchen Ur⸗ kunden. Wahrſcheinlich würde der Name der Mad. Aubry de Gouges mit ihr geſtorben ſeyn, hätte ſie ihn nicht an zwei merkwürdige politi⸗ ſche Thatſachen geknüpft. Die erſte derſelben iſt, daß ſie die einzige Frau war, welche den Muth hatte, nach der Ehre zu ſtreben, Ver⸗ theidigerin Ludwigs XVI. zu ſeyn; und die zweite, weniger ehren⸗ volle, daß ſie die Stifterin der Volksgeſellſchaften von Frauen war, die man Strickerinnen(Tricoteuses) nannte. Als die Re⸗ volution ausbrach, war Frau von Gouges ohngefähr 35 Jahre alt. Die Begeiſterung, welche ſich aller Köpfe bemächtigte, entflammte auch den ihrigen. Schon als gelehrte Frau hatte ſie ſich gewiſſer⸗ maßen in einen Mann verwandelt. Sie hatte keine Furcht, in der revolutionären Arena*) Erfolge zu ſuchen, die ſie als drama⸗ tiſche Sehrifätellerin nicht gefunden, und bezahlte ihre Unklugheit *) Die Arena war ein großer mit Sand beſtreuter Platz in der Mitte des römiſchen Amphitheaters, wo die Kampfſpiele der Gladiatoren und wilden Thiere gehalten wurden. Die Revolution entlehnte gern Aus⸗ drücke des alten Roms. G. 2 334 Aubry de Gonges. Aubry. bald und ſehr theuer. Indem ſie die Hoffnungen für National⸗ Ruhm und Unabhängigkeit theilte, wollte ſie die Verbeſſerung der Mißbräuche, und nicht Frechheit und Unordnungen. Sie hing leidenſchaftlich an den ruhmvollſten Männern und den trefflichſten Genien dieſer Zeit; denn bloße Bewunderung war nur Kaltſinn für einen ſo glühenden Kopf. Aber indem ſie dieſe Männer lobte, ließ ſie keine Gelegenheit vorbeigehen, der Freiheit, welche ihr Haupt⸗Idol war, ihren Tribut zu entrichten. Robespierre und Marat zerſtörten ihre geliebten Täuſchungen; ſie ſah mit Schau⸗ dern die Heuchelei des einen und die Unverſchämtheit des andern Frinkreich mit Verbrechen und Blut bedecken. Sie hatte den Muth, dieſe Menſchen mit Wafſen anzugreifen, die freilich ſehr ſchwach waren, deren Wunden ſie aber fühlten. Die Preßfreiheit war da aber auch das Geſetz für die Verdächtigen. Es erſchien von ihr eine merkwürdige Broſchüre: Die drei Urnen, oder das Heil des Vaterlandes. Der Erfolg dieſer Schrift war das Verderben der Verfaſſerin, welche das Mémoire zu Gunſten Ludwigs JVI. ſchon geächtet hatte. Sie ward den 28. Juli 1793 verhaftet, in die Abtei, und hierauf in die Conciergerie ge⸗ führt, erſchien alsdann vor dem Revolutions⸗Tribunal, und hörte mit Feſtigkeit ihr Todesurtheil, welches den 4. November geſpro⸗ chen und vollzogen wurde. Das Dicetionnaire historique meldet ohne Beweis, daß ſie bei Anhörung des Urtheils ſich für ſchwanger erklärt habe. Es iſt wenig edel, die Sitten einer Frau⸗ die ſchon 15 Jahre Wittwe war, am Schaffott, auf das ſie ihr Muth brachte, anzugreifen. Frau von Gouges hatte einen Sohn/ der bei den Armeen diente, und im Anfang d. J. 1793 ungerechter Weiſe abgeſetzt ward.— Die Werke dieſer Dame ſind ſehr zahl⸗ reich. Der kleine Almanach unſerer großen Frauen meldet, daß Mad. Aubry de Gouges, um ihre außerordentliche Leichtigkeit zu beweiſen, ſich erbot, in 24 Stunden ein Drama über jeden ihr vorgeſchlagenen Stoff zu liefern. Sie ſchrieb mehrere Theaterſtücke, auch, außer den genannten, manche politiſche Schriften. Aubry(Mademoiſelle), Figurantin im Ballet der gro⸗ ßen Oper, zeichnete ſich durch die Schönheit ihrer Formen aus, und wurde folglich gewählt, bei den Ceremonien, durch welche die Beſeſſenen von 1793 den religiöſen Kultus erſetzen wollten, die Vernunftsöttin vorzuſtellen. Dieſe Rolle war ihr weniger gefährlich, als die der Göttin des Ruhms, welche ſie öfter auf der Bühne gab. Einer der Stricke, woran ihr Luftwagen hing,⸗ Aubry. 335 ſprang eines Abends entzwei; ſie ſiel ziemlich hoch herab, und brach⸗ den Arm. Als Opfer des Ruhms erhielt Mlle Aubry einen Ru⸗ gehalt. Man weiß nicht, ob ihr das Spielen der Vernunft et⸗ was erworben habe. Aubry, Pfarrer von Veel, wurde 1789 von dem Amtsbezirke⸗ Bar⸗le⸗Due zum Deputirten bei den Generalſtänden gewählt. Er war ſogleich bereit, ſich mit den Deputirten des dritten Standes zu vereinigen, und unterzeichnete in der Folge den von Ludwig XVI. angenommenen Konſtitutions⸗Akt vom 13. September 1791 als Mitglied des Bureau's der konſtituirenden Nationalverſammlung. 1791 ward er zum konſtitutionellen Biſchof des Maas⸗ Departements gewählt. Nach dieſer Epoche ſind die biographiſchen Nachrichten über ihn unvollſtändig und widerſprechend. Nach einigen war er vor dem Concordat in der Forſt⸗Verwaltung angeſtellt, und erhielt darauf die Pfarrei Commercy, wo er 1813, ſehr bedauert, ſtarb. Nach andern hatte er ſich, als die Zeit dem katholiſchen Kultus ungünſtig war, dem Advociren gewidmet, wurde alsdann Verwal⸗ ter ſeines Departements, und 1811 Rath des kaiſerl. Gerichtshofs in Colmar, und verlor 1816 dieſes Amt durch eine Maasregel, welche ſich auf die Prieſter, die ſich ſelbſt ſekulariſirt hatten, an⸗ wandte. Aubry(Carl Ludwig), Geometer, ehemaliger Kommiſfär zu Terriers, gegenwärtig Buchhändler zu Paris, wurde zu La Ferté Milon(Provinz Isle de France), 1746, geboren. Dieſer gründliche Calculator hat mehrere mathematiſche Werke, beſonders über die Grundbücher und über Maas und Gewicht, verfaßt. Auch ließ er eine bibliographiſche Ueberſicht, betitelt: Buchhändler⸗ Correſpondenz, drucken. Durch ſeine, dem geſetzgebenden Corps gemachten Vorſchläge, und durch öffentliche Lehren, trug er viel zur Annahme des Decimal⸗Syſtems bei, welches die Rech⸗ nungen vereinfacht, und das Studium ſowohl, als die Ausführung,⸗ erleichtert. Aubry(Franz), geb. zu Paris, Sohn eines Kaufmanns, der Güter in der Provence beſaß, im J. 1789 Artillerie⸗Haupt⸗ mann, erklärte ſich lebhaft für die Revolution, wurde Deputirter beim Nat. Convent, und ſtimmte für den Tod des Königs mit Auf⸗ ſchub bis nach der Annahme des Konſtitutionsakts durch das Voll. Weil er die Proteſtation gegen die Dekrete vom 31. Mai 1793(ſ. die Tabelle) mit untezeichnete, war er einer der 63 Deputirten, welche die Bergpartei verhaften ließ. Als er und ſeine Colle⸗ 336 Aubry. gen wieder durch das Dekret vom 8. Dec. 1794 in ihr Amt einge⸗ ſetzt wurden, trat er in den Heilsausſchuß als Nachfolger Carnot's. Hier beſchaftigte ihn faſt ausſchließlich das Militärfach. Nach den Ereigniſſen des 1., 2. und 3. Prairéal 3.(ſ. die Tabelle) ließ Aubry jedem, der Befehl geben würde, Generalmarſch zu ſchlagen, die Todesſtrafe verkündigen. Einem Oekret zufolge, mit der Füh⸗ rung der bewaffneten Macht, zur Sicherheit der Hauptſtadt, beauf⸗ tragt, marſchirte er an der Spitze der Bürger von den Sectionen ge⸗ gen die aufrühriſchen Vorſtädte, und ließ die Gendarmerie der Tribunäle, die ſich faſt ſämmtlich mit Terrorismus beſleckt hatte⸗ abdanken. Dieſes Benehmen verdroß die Thermidorianer, die ihn beſchuldigten, er habe von den Armeen eine überaus große Zahl patriotiſcher Offiziere, unter andern Bonaparte und Maſ⸗ ſena, ausſchließen laſſen, um ihre Stellen ehemagjgen Adelichen und andern Privilegirten zu geben. Die Dienſtloſigkeit Bonapar⸗ te’s, der nach der Belagerung Toulon's, zu deſſen Wiedererobe⸗ rung er ſo glänzend beigetragen, nach Paris gekommen war, und ſich in Noth befand, machte Aubry den Republikanern noch beſon⸗ ders verhaßt. Man ſagt, daß, als ein gemeinſchaftlicher Freund leb⸗ haft den Deputirten zu Gunſten des Generals habe ſtimmen wollen, er folgende Antwort erhielt:„Sie, deſſen durch die Anarchie be⸗ „wirktes Unglück und Haß gegen ſolche bekannt ſind, wollen mich „für einen Mann ſtimmen, der die Stütze der Terroriſten ſeyn „würde, wenn man ihm einigen Einfluß gewährte?“ Bonaparte, der Aubry's Antwort ſogleich zu vernehmen wünſchte, hatte ſei⸗ nen Freund zu dem Deputirten begleitet, und ſich in einem Theile des Hauſes, wo er die Unterredung anhören konnte, verborgen ge⸗ halten. Als ihm ſein Freund die Antwort brachte, ſuchte er die Ausdrücke derſelben zu mildern. Bonaparte ließ ſich nicht irre machen, und ſchwur, ſich zu rächen. Die Offtziere, welche Theil⸗ haber ſeiner Mißgunſt waren, theilten auch ſeine Unzufriedenheit. Ihre Zahl vermehrte die der Feinde Aubry's, welcher, weit ent⸗ fernt, ſeinen Weg zu ändern, nur feſter gegen eine Contre⸗Revo⸗ lution anſchritt. Er machte gemeinſchaftliche Sache mit den Mit⸗ gliedern der clichianiſchen Partei(ſ. die Erklärung d. Be⸗ nenn.), begünſtigte die erklärteſten Feinde der Revolution, indem er ſie zu öffentlichen Stellen berief, begehrte, daß die 23 der Con⸗ ventodeputirten, welche in das geſetzgebende Corps eintreten ſoll⸗ ten, nicht durch die Nat. Convention ſelbſt, ſondern durch die Wahl⸗ verſammlungen bezeichnet werden ſollten, widerſetzte ſich dem Vor⸗ ſchlag, daß die in Paris befindlichen Militär⸗Perſonen für die An⸗ 1 Aubry. 337 nahme der Konſtitution ſtimmen ſollten, und begünſtigte am 13. Ven⸗ démiaire 4. die Verſuche der Sectionen gegen die National⸗Re⸗ präſentation. Der Unwille der republikaniſchen Konventsdeputir⸗ ten war auf's höchſte geſtiegen. Sie nahmen Aubry für den ſchlech⸗ ten Erfolg des Rheinübergangs in Anſpruch, und erwirkten gegen ihn, als einen, der die Armeen desorganiſire, ein Anklage⸗Dekret. Allein dieſe Sache blieb ohne Folgen, und Aubry trat in den Rath der 500, wo er die nämlichen Grundſätze offenbarte. Er bekämpfte die Meinung der Mitglieder, welche Camus Vorſchlag einer allge⸗ meinen Amneſtie verwarfen, und ließ über das Geſetz vom 3. Bru⸗ maire, das die Adelichen und Verwandten der Emigrirten von öf⸗ fentlichen Stellen ausſchloß, Bericht erſtatten. Auch bewirkte er die Annahme eines peinlichen Geſetzbuches für das Militär, das noch beſteht, deſſen gänzliche Reviſton aber man höchlich wünſcht. Als Aubry ſah, daß er die Zielſcheibe einer allgemeinen Feindſchaft war, wollte er mit Kühnheit widerſtehen. Die Menge ſeiner vor⸗ geſchlagenen Maasregeln gingen hauptſächlich gegen das Direkto⸗ rium. Als Mitglied des Ausſchuſſes der mit der Polizei des Saals beauftragten Inſpektoren und der Garde des geſetzgebenden Corps, begehrte er die Vermehrung dieſer Garde, und ſchlug vor, ſie un⸗ ter den unmittelbaren Befehl des Ausſchuſſes zu ſtellen, denuncirte die nahe Ankunft der Truppen in der Gegend von Paris*) und das Konſtitutionswidrige ihrer Bewegungen, beklagte ſich über eine Menge willkührlicher Abſetzungen, und trug darauf an, über alle dieſe Handlungen von dem Direktorium Erklärung zu fordern. Der 18. Fructidor 5 ſtürzte die elichianiſche Partei. Aubry, der eins ihrer Häupter war, wurde verhaftet, zur Deportation verur⸗ theilt, zu Rochefort eingeſchifft, und nach Cayenne geführt, von wo er am 4. Juni 1797, mit Pichegrü und mehreren andern Ver⸗ wieſenen, auf einer Piroque*) entrann, die ſie nach Demerary brachte. Alle Biographieen, eine ausgenommen, melden, daß Au⸗ bry auf dieſer Inſel ohngefähr 49 Jahre alt, ſtarb. Dies iſt ein Irrthum. Denn man weiß, daß dieſer Deportirte von Demerary *) Das Direktorium ließ, der Konſtitution zuwider, von der unter Hoche's Befehl ſtehenden Sambre⸗ und Maasarmee, Truppen nach Paris mar⸗ ſchiren, um ſeine Plane gegen die elichianiſche Partei, wovon ein Theil die Wiederherſtellung der Bourbons, ein anderer aber nur die Er⸗ baltung der geſetzlichen Ordnung wollte, zu unterſtützen. Dies bewirkte die Neaction vom 18. Fructidor§. G. *) Ein aus einem einzigen Baum gezimmertes Boot, deſſen ſich die Wil⸗ den in Amerika, beſonders die Caraiben, bedienen. G. Reue Biograph. I. 22 338 Aubry. Aubuiſſon. d'Aubuſſon de la Feuillade. nach den vereinten Staaten, und von da nach Endland ging, wo er von den Herzogen von Portland und von Wickham, welchen er vorge⸗ ſtellt ward, einen ſehr wohlwollenden Empfang und die Verſiche⸗ rung erhielt, daß ihn die engliſche Regierung ſchützen werde. Als Bonaparte erſter Konſul geworden, wurde allen Deportirten, die ſich noch am Ort ihrer Verbannung befanden, oder die demſelben entrinnen gekonnt, die Rückkehr nach Frankreich erlaubt. Aubry war allein von dieſer großmüthigen Maasregel ausgenommen.*) Der erſte Konſul hatte vielleicht die perſönliche Kränkung, welche ihm iener zugefügt, nicht vergeſſen. Aubry ſtarb in England, bit⸗ terlich beklagend, daß er ferner von ſeinem Vaterlande abſcheiden müſſe. Aubuiſſon(De Voiſins von), Mitglied der Akademie und Ober⸗Ingenieur im königl. Mineur⸗Corps, hat ein Werk über die Vulkane geſchrieben. 4 d Aubuſſon de la Feuillade(Peter Jakob Alexan⸗ der, MNarquis)) iſt ein Abkömmling jenes Herzogs von la Feuil⸗ lade, den Ludwig XIV. mit Gunſt überhäufte, der ein Götzendie⸗ ner ſeines Herrn war, geſchickt, ihm auf die prächtigſte Weiſe zu ſchmeicheln, und der 20,000,000 vergeudete, um den Siegesplatz zu erbauen, und die Statue des Eroberers, unter angeketteten Skla⸗ ven, zu errichten, mit der Inſchrift: Viro immortali,**) welche Saint Simon wahrhaft heidniſch nennt. Der gegen⸗ wärtige Marquis de la Feuillade, geb. im März 1763, überreichte dem Könige die deshalb geprägte Medaille, welches alle 5 Jahre durch den Aelteſten des Hauſes geſchah. Er war vor der Revolu⸗ tion Obriſt. Ludwig XVIII. ernannte ihn bei ſeiner Wiederkunft zum Ludwigsritter. 1815 war er Präſident des Wahlkollegiums von Aubuſſon. *) Doch war auch Pichegrü in dieſer Kategorie, der ſich aber ſeit ſei⸗ ner Wiederbefreiung als offenbarer Gegner der franz. Regierung zeigte. G **) Zeder, der edle Thaten verrichtet, macht ſich im Herzen ſeiner Mit⸗ bürger unſterblich. Alſo wäre jene Inſchrift, wenn ſie dem ächten Ver⸗ dienſte gilt, nicht zu verwerfen. Das genannte Kunſtwerk aber iſt im Geiſte mancher orientaliſchen Despotie oder des übermüthig gewordenen Roms gedacht. Das heißt denn wohl heidniſch,(wenn man ſich doch dieſes vom Neomyſtizismus gemißbrauchten Wortes bedienen will,) näm⸗ lich der Idee des Göttlichen und böherer Menſchlichkeit entgegen, zu der uns der reinſte aller Lehrer, Chriſtus, erhebt. Aber auch Homer⸗ Sokrates und Plato waren ſchon Geweihte dieſer IJderer. G. Aubuſſon de la Feuillade. Aubuſſon de Soubreboſt. Auckland. 339 Aubuſſon de la Feuillade(Hector Graf von), von der nämlichen Familie, Kammerherr der Kaiſerin Joſephine, hierauf Geſandter bei der Königin von Etrurien, und 1807 beim König Jo⸗ ſeph von Neapel. Nach ſeiner Rückkunft in Frankreich vermählte er ſeine Tochter mit dem Bruder des Herzogs von Vicenza, Hrn. von Caulincourt, der fünf Monate nach der Schlacht an der Mos⸗ kowa getödtet ward. Der Graf von Aubuſſon wurde bei der Rück⸗ kehr des Königs von den Geſchäften entfernt; Napoleon aber er⸗ hob ihn 1815 zur Pairswürde. In der Sitzung des 26. Juni be⸗ ſtritt er die zur allgemeinen Sicherheit vorgeſchlagenen Maasre⸗ geln, und verſicherte, daß er lieber unter dem türkiſchen Despotis⸗ mus, als unter einem ſolchen Geſetze, leben wolle, wenn es ohne Verbeſſerung durchginge. Die Schlacht bei Waterloo, vernichtete zwar ſeine desfallſige Unruhe, raubte ihm aber zum zweitenmal ſeine Würden. Er hat ſich ſeitdem in den Privatſtand zurückge⸗ zogen. 3 Aubuſſon de Soubreboſt(Ludwig), geb. den 13. Fe⸗ bruar 1748 zu Bourganeuf(Provinz Marche), ſtand vor der Re⸗ volution in Militärdienſten, war 1788 Maire von Bourganeuf, und wurde während der Revolution von ſeinen Mitbürgern zu verſchie⸗ denen öffentlichen Amtsverrichtungen berufen, bis er 1812 in das geſetzgebende Corps gewählt ward, in welchem er ſich bis zu ſeiner Auflöſung im J. 1815 befand. In der Sitzung d. J. 1814 hatte er gegen den Geſetz⸗Vorſchlag über die Organiſation des Kaſſa⸗ tionshofs geſtimmt, weil deſſen Abſicht dahin ging, aus dieſem Hofe eine Section des Staatsraths zu bilden. 1816 ward er wie⸗ der zum Maire von Bourganeuf ernannt. Er ſtarb den 15. April 1820, und hinterließ ein ehrenvolles Andenken in der Gegend, wo ſeine Geburtsſtätte war, und wo er geſtrebt hatte, den Sinn für Landwirthſchaft, die friedliche Beſchäftigung ſeiner Muße, einzu⸗ flößen. Die Biographie des hommes vivans giebt ihm, man weiß nicht warum, den Vornamen Matthieu. Auckland(William Eden, Lord, Baron von), ent⸗ ſproſſen aus einer alten, 1672 von Karl II. geadelten Familie, widmete ſich frühzeitig dem Studium der Rechtswiſſenſchaft, ward 1771 Auditor, und im nämlichen Jahr Direktor des königlichen Hoſpitals von Greenwich. Er verſah ſechs Jahre lang die Staats⸗ ſekretär⸗Stelle. 1774 ward er zum Repräſentanten von Woodſtook gewählt, und zeichnete ſich in der Gemeindekammer aus. Im J. 1776 bewirkte er eine Bill, durch welche die nach den weſtlichen 340 Auckland. 2 Kolonieen geſchickten Miſſethäter zu öffentlichen Arbeiten gebraucht wurden. Er bewies viel Geſchick bei mehreren diplomatiſchen Sendungen, namentlich 1778 als Vermittler zwiſchen den Kolo⸗ nieen und dem Mutterlande. Aber ſein und ſeiner vier Kollegen Talent konnte nichts ausrichten, und England mußte die Unabhän⸗ gigkeit Amerika's anerkennen. Ihm, ſo wie Howard und Black⸗ ſtone, verdankt England ſeine neue Polizeiordnung und die gänz⸗ liche Reform der Gefaͤngniſſe. 1780 wurde er Staatsſekretär von Irland, wo ſich der Graf Carlisle(der mit ihm in Amerika war) als Vice⸗König befand. Er ward Mitglied des Parlaments, und ließ eine Nationalbank errichten. Während ſeines Aufenthalts in dieſem Lande erwarb ſich der Baron von Auckland eine ausgebrei⸗ tete Kenntniß der Sitten, Bedürfniſſe und Hülfsquellen der Ir⸗ länder. Als er 1782 nach London zurückkam, begehrte er, daß man Irland in Betreff der Geſetzgebung für unabhängig erkläre; aber er nahm aus Ehrerbietung gegen die Majorität der Kammer, die anderer Meinung war, ſeinen Antrag zurück. 1783 wurde er Vice⸗Schatzmeiſter von Irland, legte aber kurz darauf dieſe Stelle nieder. 1785 war er Lord Kommiſſär des Handelsraths und der V Kolonicen. Auckland ſchloß im J. 1786 den Handelstractat mit dem franzöſiſchen Hofe, und faßte noch 1787(zu Verſailles) mit 1 dem franz. Miniſter neue Artikel ab, um den Schwierigkeiten, welche ſich zwiſchen beiden Mächten in Bezug auf Oſtindien erheben könn⸗ ten, zuvor zu kommen. Dieſe Unterhandlung, wobei er viele Klugheit bewies, erwarb ihm die Glückwünſche der engliſchen Re⸗ gierung, für welche die Bedingungen ſehr vortheilhaft waren. Die franzöſiſche glaubte ähnlicher Zeugniſſe von Zufriedenheit gegen ihren Miniſter überhoben zu ſeyn. 1788 ward Auckland Geſandter in Spanien, hierauf in Holland, von welchem er eine Escadre er⸗ wirkte, um ſich mit der engliſchen Seemacht gegen Spanien z verbinden. Er ſchloß den Tractat zwiſchen Oeſterreich, Holland, 3 Preußen und England, in Betreff der niederländiſchen Angelegen⸗ heiten, mit ab. Im Januar 1792 benachrichtigte er die General⸗ ſtaaten, daß S. brittiſche Majeſtät dem Geſandten der franz. Re⸗ publik den Befehl ertheilen ließ, England in acht Tagen zu verlaſe ſen. Als er in ſein Vaterland zurückkam, trat er in die Pairse⸗ kammer. Als Lord Stanhope den Antrag machte, daß man das Betragen dieſes Miniſters in Holland unterſuchen ſollte, unterſtützte er denſelben zuerſt. Alle ſeine dortigen Operationen wurden gebil⸗ ligt. Auckland ſprach zu Gunſten der Errichtung von Emigranten⸗ Corgps, an welchen er viel Intereſſe zu nehmen ſchien. In der » Auckland. 341 1796 ſtatt gehabten Verhandlung über den Finanz⸗Zuſtand Eng⸗ lands bemerkte er, daß die Ausgaben dieſes Kriegs nicht mit denen des amerikaniſchen verglichen werden könnten. Er ſagte bei dieſer Gelegenheit:„England ſtreitet ietzt für ſeine Geſetze, ſeine Frei⸗ pheit, ſeine Religion, ſein Eigenthum, ja ſelbſt für ſeine Exiſtenz. „Es ſtreitet gegen Barbaren, um nicht ſelbſt in Barbarei zu fal⸗ „len.“ In dem Munde eines Engländers mußte der Ausdruck Bar⸗ baren, da er von Franzoſen ſprach, ſeinen ehrenwerthen Kollegen noch lächerlicher ſcheinen, als er unbeſcheiden war. Im nämlichen Jahre wurde er zum Kanzler des Maréchal Collége von Aberdeen ernannt. 1799 ſtimmte er für den Plan, Irland mit England zu vereinigen. 1800 beſtand er kräftig auf den gegen die in England herrſchende Theurung zu ergreifenden Maasregeln, und ſtimmte dafür, daß die Mitglieder der Kammer zuerſt ihren Auf⸗ wand vermindern ſollten. Er unterſtützte in der Folge ein Geſetz, das dem Ehebruch ſteuern ſollte, und beklagte, daß man für dieſen Theil der Geſetzgebung bisher ſo wenig geſorgt habe. Als Schrift⸗ ſteller gab er: 1) Vier Briefe an den Grafen von Car⸗ lisle, welche Gegenſtände der Kriegsverwaltung und der Reprä⸗ ſentation in Irland behandeln. 2) Grundſätze der Krimi⸗ nal⸗Geſetzgebung*). Auckland(Henriette), eine Heldin, deren Namen und ſonderbare Abentheuer alle Biographen vergeſſen haben. Ihr Gat⸗ te, Johann Dyke Auckland, war Major eines engliſchen Regi⸗ ments, ſtand 1778 gegen das amerikaniſche Heer, und diente in den folgenden Jahren in Canada. Dort hatte er gegen die Wil⸗ den, die Strenge der Jahrszeiten, und den Mangel an Lebens⸗ mitteln, zu kämpfen, und nur wenige Soldaten führte er von die⸗ ſer mörderiſchen Unternehmung zurück. Ueberall hin folgte ihm ſein Weib. Sie ſelbſt verband eine Wunde, die er bei der Fahrt über den See Champlain empfangen, wachte bei ihm in ſeinem Zelte, wohnte den meiſten Kriegsvorfällen bei, und vertheidigte ihn oft mit eigner Hand. Als hätte die Vorſehung über ſolchen Heroismus gewacht, entging Mad. Auckland allen Gefahren, denen ſie zu trotzen gewußt. Drei andere Frauen, die Baronin von Ried⸗ eſel und die Damen Harnage und Reynell, waren mit ihr, und zeigten denſelben Muth. Der Gatte der letztern wurde den 6. Ok⸗ tober 1777 neben ſeiner Frau getödtet. Die Armee erlitt eine voll⸗ „ kommene Riederlage. Auckland, gefährlich verwundet, ward vom — *) Nach ſonſtigen Nachrichten ſtarb er plötzlich im Juni 1814. 6. 342 Auckland. Aude. General Gates gefangen. Kein Zelt und kein Wagen blieb auf dem Schlachtfelde; alles floh, alles war zerſtört. Henriette Auck⸗ land ſandte dem General Gates ein Schreiben, worin ſie die Er⸗ laubniß begehrte, ihren Gatten aufzuſuchen und Sorge für ihn zu tragen. Der über dieſe Botſchaft erſtaunte General bewilligte die verlangte Gunſt, und das muthvolle Weib begab ſich— in der Nacht, zwiſchen einzelnen Soldatentrupps, unter rauhem Him⸗ mel, auf einem durch anhaltenden Regen verwüſteten Boden, ſtets dem Feuer der Vorpoſten und der Grauſamkeit umherſchweifender Wilden ausgeſetzt— zu ihrem Mann, trug Sorge für ſeine Wun⸗ den, und rettete ihn gegen alle Erwartung. Sie kamen nach Eng⸗ land zurück, wo ſie das Glück hatten, beide kurz nach einander, am Ende des letzten Jahrhunderts, zu ſterben.. Aude(Joſeph), Maltheſer⸗Ritter, geboren zu Apt, De⸗ partement von Vaucluſe, den 12. December 1755, war 5 Jahre lang Sekretär des neapolitaniſchen Miniſters Caraccioli, der ſeine philoſophiſchen Grundſätze nicht abſchwor, als er Vice⸗König von Sicilien wurde. Aude war auch mehrere Jahre Sekretär des franzöſiſchen Plinius, Buffon, deſſen Leben er 1788 her⸗ ausgab. Man findet in dieſem Werke eine Antwort des großen Friedrichs an den Ritter Aude, welcher Sr. M. auf die dem Mül⸗ ler von Sansſouci erwieſene Gerechtigkeit ſeine Achtung bezeigt hatte. Er iſt der Verfaſſer mehrerer Schau⸗ und Luſtſpiele, auch des bekannten: Madame Angot im Serail zu Konſtan⸗ tinopel, 1805. Dieſes burleske Stück, deſſen Heldin von dem Schanſpieler Corſe vorgeſtellt wurde, gewann dem Theater Am⸗ bigu⸗Comique lange einen großen Zulauf. Feruer gab er meh⸗ rere Vaudevilles und Farcen, unter welchen die Cadet⸗Rouſ⸗ ſel, deren Erfinder Aude iſt, den erſten Rang einnehmen, ein⸗ zelne Gedichte in dem Muſenalmanach ꝛc. Aude(Franz), machte ſich in der Schlacht bei Laffeld 1747 durch einen Zug von Tapferkeit bemerklich. Der engliſche General Ligonnier war im Handgemenge von einem Corps franzöſiſcher Rei⸗ ter umringt. Er faßte ſchnell den Gedanken, ſich für ihren Chef auszugeben, und fing an, ſie zu kommandiren. Schon hatte er ſie gegen das feindliche Lager gelenkt, als Aude ihn erkannte, auf ihn zueilte, und ihn gefangen nahm. Dieſe That erwarb ihm von der franz. Regierung eine Penſion von 200 Franken. 1790 bat er die National⸗Verſammlung, ſeines Alters halben, um eine Vermeh⸗ rung dieſer Penſton. Sie wurde dem braven Aude unter gerechten Lobſprüchen bewilligt. 3 —— ———— Audebert. 343 Audebert(Johann Baptiſt), ein berühmter Kupferſte⸗ cher und Naturforſcher, wurde zu Rochefort 1739 geboren. Sein Vater, der bei dem Proviant⸗Magazin für die Marine angeſtellt war, ließ ihm zwar den erſten Unterricht in den Wiſſenſchaften er⸗ theilen, aber ſein mittelmäßiges Vermögen erlaubte nicht, die glück⸗ lichen Anlagen, die er bei ſeinem Sohne bemerkte, zu unterſtützen. Deswegen ſchickte er ihn nach Paris, und war gezwungen, ihn dort gleichſam ſeinem Schickſale zu überlaſſen. Der junge Aude⸗ bert verſchaffte ſich das Mittel einer ehrenvollen Exiſtenz durch Por⸗ trait⸗Mahlerei en miniature. Er zeigte darin viele Geſchicklich⸗ keit, als 1789 der General⸗Einnehmer der Finanzen, Hr. von Orcy, ein edelmüthiger und anfgeklärter Freund der Naturge⸗ ſchichte, der ſein Talent erkannte, ihm auftrug, die wichtigſten Gegenſtände ſeiner prächtigen Sammlung zu mahlen, und ihn nach England und Holland ſandte, um neue Reichthümer in die⸗ ſem Felde zu ſammeln. Audebert brachte von ſeinen Reiſen eine Menge koſtbarer Zeichnungen mit, unter welchen diejenigen, welche zur Geſchichte der Inſekten des gelehrten Olivier/ Mitglied des Inſtituts, gehören, vorzüglich bemerkt werden müſſen. Niemand hatte vor ihm die Idee, die Figuren in Farben abzudrucken. Nicht al⸗ lein verdankt man ihm dieſe Erfindung und das Auftragen verſchie⸗ dener Farben auf eine einzige Platte, ſondern er bediente ſich auch, ſtatt der Waſſerfarben, der dauerhafteren und feſteren Oelfarben. Auch gelang es ihm, die Goldfarben im Druck mannichfach zu verändern, ſo daß er die ausdruckvollſten und ſchwierigſten Effekte damit hervorbrachte. Mahler und Kupferſtecher von ſeltenem Ver⸗ dienſt, guter Schriftſteller und großer Naturforſcher, that ſich Audebert beſonders in der Kunſt hervor, die Farbe in allem, was zur Naturgeſchichte der Thiere gehört, tren nachzuahmen. Er wußte den Ausdruck eines jeden Gegenſtandes und den beſondern Charakter ſeiner Gattung aufzufaſſen, und ihn mit vollkommener Wahrheit und lebenverleihendem Geiſte darzuſtellen. Seine Hi- stoire des singes etc. Histoire des colibris, oiseaux- mouches, jacamars et promerops, treflich ausgeführte und reichhaltige Werke(mit Kupfern), ſind bewundernswürdige Denkmäler der Kunſt. Audebert wollte die Naturgeſchichte der Vögel, darauf die der Säugthiere vervollſtändigen, und alsdann die des Menſchen in den vier Welttheilen geben; aber der Tod übereilte den Künſtler in der Ausführung eines Theils ſeiner wichtigen Arbeiten, welche ſein Freund Vieiltot nach den Planen, die er gezeichnet, fortſetzte. — 344 Audier Maſſillon. Audiffredi. d'Audiffredi. Audehert verſchied 1800, kaum 44 Jahre alt. Er beſaß die edel⸗ ſten Neigungen und die reinſten Sitten. Er war liebenswürdig, gut, geduldig, arbeitſam, unterrichtet, liebte die Künſte, als Elemente ſeines Lebens, und die Wiſſenſchaften, welche ſeine liebſte Erholung waren. Audier Maſſillon(Bruno Philibert), General·Lieu⸗ tenant des Gerichtsbezirks von Aix, wurde 1789 Deputirter deſſel⸗ ben bei den Generalſtänden. Er ging durch die Reyolution, ohne ſich viel bemerklich zu machen. Er ward zuletzt Richter am Kaſſa⸗ tionshofe. Ein beſonderer Umſtand zog die Aufmerkſamkeit des Publikums auf ihn. Nachdem er ſich für die Abſetzung des Kaiſers miterklärt und in ſeiner Stelle beibehalten war, legte er den 12, Juli 1845 eine Addreſſe des Kaſſationshofs vor, welche den heili⸗ gen Unwillen einer Partei gegen ihn entflammte.„»Glücklich“(ſagte er)„diejenigen, welche, ferne von öffentlichen Geſchäͤften, ſich dar⸗ vauf beſchränken konnten, in der Stille über die Leiden des Vater⸗ „landes zu ſeufzen! Geruhen Ewr. M. die Motive des Betragens „derjenigen zu würdigen, welche, durch ihr Amt unmittelbar un⸗ vter den Druck geſtellt, ihm nicht hätten widerſtehen können, ohne „daß dadurch die Herrſchaft der Geſetze aufgehört hätte und der „Anarchie die Verwaltung der Gerechtigkeit überliefert worden „wäre.“ 6 Audiffredi(Fohann B aptiſt), ein berühmter italieniſcher Aſtronom, beſchäftigte ſich auch mit Mathematik, Naturgeſchichte, Bibliographie und Alterthümern. Sein Leben war dunkel, wie das faſt aller Gelehrten, die beſcheiden und der Ränkeſucht abhold ſind, Er wurde zu Saorgio, bei Nizza, 1714, geboren, trat in den Or⸗ den der Dominikaner, und wurde in der Folge Bibliothekar zu Rom, welches er bis zu ſeinem 1794 erfolgten Tode blieb. Pius VI. hatte ihn beauftragt, mineralogiſche Bemerkungen in den Bergwer⸗ ken von Tolfa zu ſammeln. Seine Werke ſind zahlreich, und ha⸗ ben meiſtens bibliographiſches Intereſſe. Als ein Hauptprodukt derſelben führt der Abbé von St. Leger ſeinen Catalogus bi- bliothecace casanatensis librorum typis im⸗ pPréssorum an. Doch ſchrieb er auch andere, z. B. Phae- nomena coelestia observata etc. d Audiffredi(Madame), geborne Thereſe von Ker⸗ koves, eine neue Helena, die, noch unverheirathet und viel we⸗ ₰ dvAudiffredi. Audiffret. 345 niger gefällig*), als die ſchöne Griechin, durch die Macht ihrer Reize beinahe einen Bürgerkrieg entflammt hätte, fand ſich in der Mitte ſo beſonderer Umſtände, daß ſie einem Schriftſteller Stoff zu einem Roman geben könnten, und auch wohl der Geſchichte nicht unwürdig ſind. Geboren in Guiana aus einer der älteſten Fami⸗ lien dieſer Kolonie, wohin einer ihrer Ahnen ſich nach dem Wider⸗ ruf des Edikts von Nantes geflüchtet, wurde ſie mit 6 Jahren nach Frankreich geſchickt. Man erzog ſie in einem Kloſter zu Bordeaup⸗ das ſie im Alter von 18 Jahren verließ. Sie ſchiffte ſich 1775 auf dem Fahrzeuge Equité ein, um nach Cayenne zurückzukehren; mit ihr eine jüngere Schweſter. Der Schiffskapitän, ein leiden⸗ ſchaftlicher und roher Mann, that auf befehlshaberiſche und brutale Weiſe den Eindruck kund, welchen die Jugend und Schönheit des Fräuleins von Kerkove auf ihn gemacht hatten. Die Länge der Ue⸗ berfahrt, welche fünf Monate dauerte, vermehrte noch das Unan⸗ genehme ihrer Lage. Aber das nämliche Schiff trug auch mehrere Offiziere der franzöſiſchen Marine, und unter ihnen Sonnini, welcher ſeitdem einer der Fortſetzer Buffon's geworden. Sie ſchütz⸗ ten ſie gegen die Drohungen und Verſuche des Capitäns. Gerne findet man, immitten der Meere, ferne von dem, was in der ge⸗ bildeten Geſellſchaft üblich iſt, jene Biederkeit, jene Delikateſſe und Tapferkeit wieder, welche die franzöſiſche Jugend charakteriſirt. Dank ihren Beſchützern! Das Fräulein von Kerkove kam glücklich nach Cayenne, wo ſie ſich 15 Tage ſpäter mit Hrn. von Audif⸗ fredy, Ludwigsritter und ehemaligem Offizier der Infanterie, dem ihre Hand ſchon verſprochen war, vermählte. Sie wurde da⸗ durch eine der reichſten Eigenthümerinnen Cayenne's. Dieſe Dame war es auch, welche Pichegru und andern Verwieſenen ſo edelmü⸗ thige Beihülfe leiſtete. . Audiffret(Gaſton, Graf von), wurde zu Paris, aus einer alten Familie der Dauphiné, geboren. Er trat frühe in die Finanz⸗Behörde, und erhielt das Vertrauen des Miniſters Mollien, der ihn zum Bureau⸗Chef ernannte. Nach der erſten Reſtauration war dieſer Graf einer der erſten Nationalgardiſten, welche die weiße Kokarde aufſteckten. Der Baron Louis ernannte ihn zum Diviſions⸗ Chef und erwirkte ihm das Kreuz der Ehrenlegion. Als der Kai⸗ ſer zurückgekommen war, unterzeichnete Audiffret in Betreff der ——˖—Q—OñV—ęñQQt—r 3. *) Im Original tendre. Dies laͤßt ſich aber auch im beſten Sintie nehmen. G. 446 Audin. Audinot. Zuſatz⸗Akte mit Nein. Dennoch behielt er ſeine Stelle, die er noch bekleidet.. Audin(J. M. V.), geb. zu Lyon 1794, Buchhändler in Paris, hat eine Schrift unter dem Titel: Ludwi gXVIII. oder Vaterland und Ehre, auch eine über die Begebenheiten zu Lyon nach der Wiederkunft Bonaparte’s ꝛc. heraus⸗ gegeben. Sonſt iſt er Verfaſſer des philoſophiſchen Romans Mi⸗- chel Morin, ou la Ligue, und mancher liter. Journal⸗ Artikel. 3 Audinot(Nikolaus Méedard), geb. zu Nancy, geſt. zu Paris 1801, Schauſpieler und Theaterdirektor, eröffnete ſeine Laufbahn bei der italieniſchen Komödie, die er aber wegen einer ihm widerfahrenen Ungerechtigkeit verließ, und deshalb einigen Groll gegen ſie bewahrte. Nachdem er in den Jahren 1767 und 68 die Verſailler Bühne dirigirt, kam er nach Paris zurück, und errichtete auf dem Marktplatze St. Germain(1769) ein Marionet⸗ ten⸗Theater. Jede Figur deſſelben ahmte einen Schauſpieler der italieniſchen Komödie nach. Die Bosheit des Publikums unter⸗ ſtützte vollkommen den Direktor, der ſich rächte, indem er ſich zu⸗ gleich bereicherte. Das folgende Jahr ließ er auf dem Boulevard du Temple das Theater Ambigu⸗Comique(ſ. den Art. Jo⸗ ſeph Ande) erbauen, wo es noch beſteht. Anfänglich ſpielten daſelbſt Marionetten, hierauf Kinder. Im J. 1772 verband ſich Audinot mit Arnould, und erſetzte jene Drathpuppen durch Schau⸗ ſpieler, welche Pantomimen darſtellten. Audinot's Bühne iſt die erſte, auf welcher das Melod rama, das man anfänglich dia⸗ logiſirte Pantomime nannte, eingeführt ward; eine Gat⸗ tung, welche die Theater der Boulevards annahmen, worin Audi⸗ not aber immer einen gewiſſen Vorzug behauptete*). Auf dem Théatre italien war er in den ſogenannten Schurzfell⸗Rol⸗ len(réôles à tablier) berühmt. Er wählte die des Hufſchmieds in der Operette gleiches Namens; auch ſchrieb er für dieſe Bühne den Faßbinder**), der ſich auf dem Repertorium erhalten hat, und für das Ambigu⸗Comique die Pantomime Dorothea. Als *) Nouſſeau's Pygmalion war eins der erſten. Auch im Deutſchen wur⸗ de bekanntlich dieſe Gattung treflich nachgeahmt, wie Gotter's Medea, Brandes Ariadne,(beide mit Benda's Muſtk,) und Ramler's Ce⸗ phalus und Prokris, beweiſen. In Frankreich wird ſte noch immer bear⸗ beitet. G. **) Beide Singſpiele ſieht man auch noch gern auf deutſchen Theatern. G. Audinot. Audouin. 447 ſein Theater noch mit Kindern beſetzt war, ließ er folgende In⸗ ſchrift, als Calembourg, auf den Vorhang ſetzen: Sicut In- fantes audi nos!(höre uns wie Kinder an!) Das Volk überſetzte ohne Anſtoß: Ce sont les enfans d'Audinot. (Dies ſind Audinot's Kinder). Audouin(Peter Johann), war, ehe er im Sentenker 1792 in die National⸗Convention trat, durch ſein Journal uni- versel bekannt, in welchem er ſich mit vieler Heftigkeit für die neuen politiſchen Lehrſätze erklärte. Um dieſem Journal mehr Po⸗ pularität und Eigenthümlichkeit zu geben, unterzeichnete er: Au⸗ douin, Sapeur des Karmeliter⸗Bataillons. Von al⸗ len Blättern der damaligen Epoche war dieſes das verbreitetſte und überſpannteſte. Es trug nicht wenig dazu bei, die Revolution von ihren urſprünglichen Grundſätzen abzuleiten und die Freiheit in Anarchie zu verwandeln. Zur Erkenntlichkeit für ſeine der Faction vom 10. Auguſt und September geleiſteten Dienſte ward er in den Nat. Convent gewählt. Auch in ſeinem geſetzgebenden Amte be⸗ hauptete dieſer Repräſentant den im Klub der Jakobiner und Cor⸗ deliers dargelegten Charakter. Er war Mitglied eines Sicherheits⸗ Ausſchuſſes, welchen die Girondiſten, die den Bergmännern entgegen ſtanden, mehrmals denuncirten. In dem Prozeſſe Lud⸗ wigs XVI. ſprach er gegen den Appel an das Volk und den Auf⸗ ſchub, und ſtimmte für den Tod. Als Marat getödtet ward, be⸗ weinte ihn Audouin, und bezeigte ſeinen Schmerz in Verſen, welche nicht die einzigen ſind, die zu Ehren dieſes Ungeheuers verfertigt wurden. Von Robespierre's Fall erſchreckt machte er den Antrag, ſich mit den organiſchen Geſetzen der Konſtitution beſchäftigen zu wollen. Da aber dieſer Vorſchlag den übrigen Mitgliedern der Vergpartei mißfiel, und er ihren Groll fürchtete, erklärte er ſich darüber in einem Schreiben, n/ das er durch die Zeitungen bekannt machte. Es heißt darin, daß„die Nat. Convention, wäh⸗ „rend ſie an der konſtitutionellen Organiſation arbeite, dennoch die „revolutionäre Regierung bis zum Frieden beibehalten ſolle.“ Als Mitglied des Raths der 500, in welchen ihn der Einfluß der Re⸗ volution vom Vendémiaire 4(ſ. die Tabelle) gebracht, begehrte er das ſchnelle Urtheil über die Royaliſten, welchen die Ereigniſſe nicht günſtig geweſen, indem er ſich in ſtarken, revolutionären Aus⸗ drücken für das, was er Sicherheit des Vaterlandes nannte, aus⸗ ſprach. Audouin ſtimmte ferner gegen die Herſtellung der Lotterie, verlangte den Verkauf der Emigrantengüter, und unterſtützte das auf die Verwandten der Emigrirten ſich beziehende Geſetz. Er 348 Audouin. ſprach zu Gunſten der Amneſtie für Verbrechen, deren Grund in der Revolution liegt, hielt eine Rede über die Freiheit der Reli⸗ gionsübung, und behauptete, daß man keine Erklärung von ihren Dienern fordern dürfe. Den Begebenheiten des 18. Fructidors er⸗ theilte er Lobſprüche, und begehrte die Jahresfeier dieſes Tags. Er forderte die Aufhebung des Klerus und der geiſtlichen Brüder⸗ und Schweſterſchaften im ehemaligen Belgien, ſo wie die Einzie⸗ hung ihrer Güter als National⸗Eigenthum, übergab einen Bericht über die Theater⸗Polizei, und bewirkte den Beſchluß, daß ihre Einſchränkung unthunlich ſey; endlich ſtimmte er zu Gunſten des von dem Direktorium verkündeten Vorſchlags, die Wahlen für das Jahr 6. aufzulöſen, und legte ihn als einen für das Heil des Va⸗ terlandes ſprechenden Akt vor. Er trat den 1. Prairéal deſſelben Jahrs aus dem geſetzgebenden Corps*⁵), blieb einige Zeit ohne Stelle, arbeitete in den Bureaux des Polizei⸗Miniſteriums, und gab Beiträge zu dem Journal dos hommes libres, welches bald nachher aufgehoben wurde. Im Jahr 10.(1802) ward er zum Kommiſſär der Handelsverhältniſſe zu Napoli di Ro- mania(in Morea) ernannt, wo er lange reſidirte. Seitdem lebte er unbekannt, wo nicht vergeſſen. Audouin ſchrieb in den verſchie⸗ denen Epochen der Revolution Aufſätze über politiſche oder natio⸗ nelle Gegenſtände, unter andern über die Siege der Armee in Ae⸗ gypten, welche in die Journale eingerückt wurden. Auch hat man von ihm Verſuche von Ueberſetzungen aus dem Virgil. Audouin(Franz Taver), gewöhnlich Xavier Au⸗ douin genannt, entſpricht dem Namen, welchen er mit dem vo⸗ rigen gemein hat**). Geboren zu Limoges 1766, Vicarius an der dortigen Pfarrei St. Maurice, wurde er 1792 Wahlmann und Mitglied der Pariſer Munizipalität. Als Kommiſſär der vollzie⸗ henden Gewalt nach der Vendée geſandt, wo die Inſurrection auszubrechen drohte, ſammelte er die Beweiſe darüber. Er wurde jetzt Generalſekretär beim Kriegsminiſterium, unter Pache, heira⸗ thete 1793 deſſen Schweſter, und erhielt darauf die Stelle eines Commissaire-Ordonnateur. In dem Jakobiner⸗Klub zeichnete er ſich durch überſpannten Patriotismus aus. Nach den Tagen des Prairéal 3.(4795) ſchlug er eine Addreſſe gegen die Deputir⸗ *) Nämlich zufolge der auf dieſen Tag ſtatt gehabten Erneuerung der Mit⸗ glieder. G. **) Das alleinige homonyme des Originals ſpricht doch wohl dieſen Sinn aus? G. Audounin. Audran. Audrein. 349 ten, welche man die von Sumpf(Marais, ſ. d. Erklär.) nannte, vor. Bourdon de Oiſe erwirkte vom Convent einen Be⸗ richt gegen ihn, worauf er, ſein Schwiegervater, und der dama⸗ lige Kriegsminiſter Bourhotte, als Mitſchuldige der revolutionären Regierung, vor das Kriminalgericht des Dep. von Eure und Loire (Orleans) geſtellt wurden. Die Revolution vom 13. Vendémiaire gab ihnen die Freiheit wieder. Als Anhänger des Direktoriums erhielt er von demſelben den Auftrag, die Kriegsgeſchichte zu ſchrei⸗ ben, und ließ heftweiſe ein periodiſches Werk: Der philan⸗ thropiſche Publiciſt, erſcheinen. Seit dieſer Zeit nahm er beſſere Grundſätze an. Er wurde Richter am Kaſſationsgericht. Am 18. Brumaire wurde Audonin auf die Deportationsliſte geſetzt, die man aber wenige Tage nachher widerrief. Seine Kollegen, de⸗ ren Achtung er ſich zu verſchaffen gewußt, verlangten ihn wieder in ihre Mitte. Doch geſchah es nicht, aber der erſte Konſul er⸗ nannte ihn zum Präfekten des Departements der Wälder(Luxem⸗ burg), welche Stelle er kurze Zeit bekleidete. Er hat Mehreres im politiſchen Fache geſchrieben, unter andern: Du Commeroe maritime, de son influence sur la force et la ri- chesse des états etc. etc. Audran(Prosper Gabriel), hat auf das Studium der hebräiſchen Sprache jene ſynoptiſche Methode angewandt, wel⸗ che, ſeitdem Dumarſais und Court de Gebelin die Analyſe in die grammatikaliſche Wiſſenſchaft gebracht, üblich wurde; eine köſtliche Methode, welche unter dem nämlichen Geſichtspunkte alle Verſchie⸗ denheiten, Mannichfaltigkeiten und Analogicen der Sprache verei⸗ nigt. Audran war zu Romans, im Dauphiné, geboren, wurde Profeſſor der hebräiſchen Sprache am franz. Collegium(1799), und gab 1805 ſeine hebräiſche Grammatik in Tabellen heraus. Er ſtarb den 2. Juni 1819. Audrein(Yves Marie), chemaliger Profeſſor am Colle⸗ gium zu Quimper(Bretagne), erhielt durch ſeine Reden einen ſo großen Ruf, daß ihn der Biſchof vom Morbihan zu ſeinem Vica⸗ rius ernannte. Später war er Studien⸗Präfekt des Kollegiums Louis le Grand. Als Anhänger der neuen Ideen empfahl er ſei⸗ nen Schülern, unter welchen ſich Robespierre und Camille Desmoulins befanden, die Freiheit zu lieben und die Scheinheili⸗ gen zu haſſen. Im März 17914 ſchlug er, als Mitglied der konſti⸗ tuirenden Verſammlung, in einem Erziehungsplane vor, den geiſtlichen Korporationen den Unterricht der Jugend zu entziehen, und ſolchen gleichfoͤrmig und nationell zu machen. Aehnliche Vor⸗ 450 Audrein. Auffenberg. ſchläge that er bei der geſetzgebenden Verſammlung. Er wurde müt mehreren ſeiner Kollegen beordert, den Niedermetzlungen am 2. und 3. September 1792 Einhalt zu thun, kehrte aber unverrich⸗ teter Sache zurück. Im Convent ſtimmte er beim Prozeſſe Lud⸗ wigs XVI. anfänglich für den Appel, darauf für den Tod und Aufſchub. Seine Amtsverrichtungen nahmen im September 1793 ein Ende. Eine Rückkehr zu ſeinen politiſchen Meinungen*) be⸗ ſtimmte ihn, eine Schrift zu Gunſten der Tochter Ludwigs XVI. herauszugeben, welche, ſagte er, die Lage dieſer im Tempel ge⸗ fangenen Prinzeſſin mildern ſollte. Das Direktorium ernannte ihn im J. 6(1798) zum Biſchof von Quimper. Als ſolcher hielt er in dem 1800 von der konſulariſchen Regierung berufenen Conci⸗ lium eine Rede gegen die Philoſophie, weil dieſe das Unglück der Nevolution und den Tod Ludwigs XVI.,(zu welchem er doch ſelbſt mitgewirkt) verurſacht habe. Dieſe Handlung der Reue wurde ihm nicht angerechnet. Als er ſich im nämlichen Jahr nach ſeinem biſchöflichen Sitze Morlaix begeben wollte, ward der Poſt⸗ wagen, auf dem er ſich befand, von einer Bande Chouans ange⸗ halten. Ein gewiſſer Le Cat, ihr Anführer, hieß Audrein, der unbewaffnet war, ausſteigen, befahl drohend den übrigen Reiſen⸗ den, im Wagen zu bleiben, und ließ den Unglücklichen nieder⸗ metzeln, zur Wiedervergeltung, wie er ſagte, für den Tod des Kö⸗ nigs, der Verzeihung vorgeſchrieben hatte. Auffenberg(N.), geb. in Schwaben 1760, diente als Obriſt der öſterreichiſchen Truppen in den Niederlanden, und wurde ſpä⸗ ter(1796) im Gefechte bei Würzburg von dem General Hotze aud⸗ gezelichnet. Er wurde General⸗Major im J. 1797. Seitdem war er tinglücklich. Als Befehlshaber eines Armee⸗Corps in Grau⸗ bünden ſchlug ihn Maſſena, und nahm ihn ſelbſt gefangen. Bald ausg ewechſelt ſtand er bei Souwarow's Heer; dann 1800 in Tyrol an der Spitze eines Verbindungs⸗Corps. Im J. 1805 ward er im Schwarzwalde, als eben Ulm kapitulirte, noch ehe er ſich in Schlachtordnung geſtellt und Vertheidigungsmaasregeln ergriffen geſchlagen. Er blieb Murat's Gefangener bis zum Preßburger Frieden. Als er nach Wien zurückkam, wurde er, als einer ſtraf⸗ baren Nachläßigkeit beſchuldigt, des Dienſtes entſetzt und zu vier⸗ jähriger Staatsgefangenſchaft verurtheilt. *) Heißt wohl ſo viel als: zu den beſſeren kmuaninmonelle, und gemäßig⸗ tien?— 5 Auger. 354 Auger(Athanaſius), geboren zu Paris 1734, wählte den geiſtlichen Stand, war Profeſſor der Rhetorik am Collegium zu Rouen, und wurde Großvikar Noe's, Biſchofs von Lescar, der ihn ſcherzend ſeinen Großvikar in partibus Atheniensium nannte, als Anſpielung auf ſeine vollkommene Kenntniß der grie⸗ chiſchen Sprache. Der Abbé Auger, deſſen Geſtalt an die des Sokrates erinnerte, ſo wie ſeine Tugenden die treflichen Eigen⸗ ſchaften des atheniſchen Weiſen in's Gedächtniß riefen, bot ſein ganzes Leben durch das Muſter eines wahren Gelehrten dar. Un⸗ terrichtet, arbeitſam, beſcheiden, von den ſanfteſten und reinſten Sitten, immer wohlwollend und dienſtfertig, mit einer wenig be⸗ mittelten Familie ein mäßiges Einkommen theilend, hatte er nur Freunde, obſchon er auch Großen die Wahrheit ſagte, und das Anſehn der antiken Vorwelt, die er leidenſchaftlich liebte, mit Muth gegen ihre Läſterer zu behaupten wußte. So edle Geſinnun⸗ gen, ſo ehrenvolle Talente, erwarben ihm die Aufnahme in die Akademie, wo er neue Freunde und neue Bewunderer erhielt. Durch ſeine Studieu und täglichen Arbeiten gewiſſermaßen unter Grie⸗ chen und Römern wohnend, entzückte ihn der Anfang der franzö⸗ ſiſchen Revolution, und er hegte die Hoffnung, daß viele Mißbrän⸗ che aufhören würden. Er zweifelte nicht, daß die Nation eifrig dahin ſtrebe, Rechte, welche Kenntniſſe und Erfahrung ihr be⸗ kannt gemacht, zu erlangen und zu bewahren. Darum wollte er einer der erſten ſeyn, die dem Vaterland ihren Tribut entrichteten. Es geſchah in ſeinem Vorſchlag zur öffentlichen Erzie⸗ hung, ſeinem Katechismus des franzöſiſchen Bürgers, und in einem Werke über die Regierungen im Allgemei⸗ nen, und beſonders über diejenige, welche für uns paßt. Sein im Februar 1792 erfolgter Tod(den das Diotio- naire historique ein Jahr früher angibt, ſo wie es dieſen Autor zehn Jahre ſpäter geboren ſeyn läßt,) erlaubte ihm nicht, für die Freiheit, deren Morgenröthe er mit dreifacher Huldigung ſeines Geiſtes begrüßt, länger zu wirken. Sein Lob wurde in der Freimaurer⸗Loge der Neuf-Soeurs, von Hérault de Sechelles, ſeinem Freund und Mitſchüler, verkündet.— Die Werke des Abbé Auger bilden eine Sammlung von 30 Octav⸗Bänden. Er gab die erſte vollſtändige Ueberſetzung der Schriften des Demoſthenes und Aeſchines in franz. Sprache, woran er 10 Jahre arbei⸗ tete. Sein Werk über die Verfaſſung der Römer unter ihren Königen und zur Zeit der Republit beſchäftigte ihn 30 Jahre. So ſchwer es auch iſt, in eine neuere Sprache die 352— Auger. Stärke des Gedankens, die glänzenden Bilder, die Lebhaftigkeit des Ausdrucks, welche die Sprache der Redner und Dichter Athens auszeichnet, überzutragen, ſo kann man doch wenigſtens dadurch eine annähernde Idee ihrer Schönheiten geben. Auger hatte oft dieſes Verdienſt, vbſchon er gewöhnlich mehr genau, als energiſch, war. Sein Styl iſt korrekt. Demnach iſt es zu verwundern, daß ihm ein Kritiker vorwirft, er wiſſe das Griechiſche beſſer, als das Franzöſiſche. Außer den genannten ſchrieb er noch mehrere Werke, die das fruͤhere und ſpätere klaſſiſche Alterthum betreffen. Sein letztes war: Ueber die griechiſche Tragö⸗ die, das vier Jahre nach ſeinem Tod erſchien, und zur Vorrede einer Ueberſetzung dreier griechiſcher Tragödien in Proſa und Ver⸗ ſen beſtimmt war. Auger(Ludwig Simon), geboren zu Paris, den 29. De⸗ cember 1772, anfangs bei der Proviant⸗Verwaltung, alsdann beim Miniſterium des Innern angeſtellt, begann ſeine literariſche Laufbahn mit kleinen Vandeville⸗Stücken, deren geringer Erfolg ihn bald lehrte, daß er ſeine wahre Gattung nicht gefunden habe. Einiges klaſſiſche Studium, eine natürliche Anlage zur Kritik⸗ die aus der Schwierigkeit, ſelbſt hervorzubringen, entſtand, beſtimmten ihn, das Geſchäft eines Journaliſten und Anmerkers zu ergreifen. Er gab in der Décade philoso- phique*) von 1802— 1808 viele mit 0. unterzeichnete Arti⸗ kel. Auch arbeitete er eine Zeitlang am Journal général, und war Mit⸗Redacteur des periodiſchen Blatts: Le specta- teur, deſſen Exiſtenz aber, trotz der Protection des Miniſteriums, nur einige Monate währte. Auger verließ die Décade, um ſich mit dem Journal de IEmpire zu verbinden, deſſen literari⸗ ſche Grundſätze, die auf einer ausſchließlichen Bewunderung der großen Männer des 17. Jahrhunderts beruhten, den Meinungen ſeiner Schule mehr entſprachen. Immer bemüht, ſeinen Ruf an den anderer zu knüpfen, war er Herausgeber mehrerer Werke, die er mit Noten überlud, welche meiſtens den Werth der Ausgaben, in denen ſie figuriren, um nichts erhöhen. Darunter gehören Schriften von Duclos, Fénélon, La Fontaine, das Ly- cée von La Harpe, die Sonvenirs de Mlle de Caylus, die Schriften und Briefe der Damen de la Fayette, Tenein und Aiſſé ꝛc. ꝛc. Dasjenige, worauf er bis jezt wahren, oder *) Ein ſchätzbares Journal für Literatur, Poeſte, auch politiſche Gegen⸗ ſtünde. G. Auger. Augereau. 353 vielmehr alleinigen, literariſchen Anſpruch hat, iſt eine Lobſchrift auf Boileau, welche das Inſtitut 1805 krönte, und eine auf Corneille, die bei der folgenden Aufgabe das Acceſſit erhielt. Bei der Rückkehr der Bourbons im J. 1814 widmete Auger ſeine Feder politiſchen Kämpfen mit einem Eifer, welcher der Beloh⸗ nung um ſo würdiger war, als er ſich in dieſer Wiſſenſchaft ganz fremd zeigte. Er wurde Mitglied der franz. Akademie, zur Zeit, als das Inſtitut eine neue Organiſation erhielt, und zu Folge der königlichen Ordonnanz, welche von dieſem gelehrten Bunde meh⸗ rere ſeiner ruhmvollſten Mitglieder ausſchloß. Auch gehört er zu der laut dem Suſpenſions⸗Geſetz der Preßfreiheit im J. 1820 er⸗ richteten Commiſſion. Augereau(Peter Franz Kar!), Herzog von Caſtiglione und Marſchall von Frankreich, Sohn eines Obſthändlers in der Vor⸗ ſtadt St. Marceau, trübte durch das Haltungsloſe ſeines politiſchen Betragens einen Muth, der zu den glänzendſten, und einen Namen, der zu den glorreichſten der franzöſiſchen Armee gehört. Er kettete ſeine Tapferkeit und ſeine Talente an alle auf einander folgende Herrſchaften, und war in ſeinen Abfällen nicht weniger unerſchrok⸗ ken, als auf dem Schlachtfelde. Schöpfer ſeines Glücks, wollte er es um jeden Preis bewahren, und betete die Gewalt an, in welche Hände ſie auch fiel, es mochten nun das Direktorium, die Räthe, der Konſul, der Kaiſer, oder der König, Machthaber ſeyn. Der erſte Theil ſeines Lebens iſt der glänzendſte und reinſte, weil er ihn in den Lägern und ferne von den Höfen zubrachte. Auge⸗ reau war zu Paris, den 11. November 1757, geboren. Er ließ ſich als Carabinier unter den neapolitaniſchen Truppen anwerben, und diente bis 1787 als gemeiner Soldat. Darauf ließ er ſich zu Neapel als Fechtmeiſter nieder, bis im J. 1792 alle verdächtige Franzoſen den Befehl erhielten, das dortige Gebiet zu verlaſſen. Er kam nach Frankreich zurück, diente als Freiwilliger unter der republikaniſchen Armee im Süden, ſtieg ſchnell von Grad zu Grad, und zeigte bei allen Gelegenheiten jene brauſende Unerſchrockenheit, welche ſtets der beſondere Charakter ſeiner Tapferkeit war. 1794 that er ſich als Brigade⸗General bei der Pyrenäen⸗Armee, im Gefecht bei Figuieras hervor; 1795 trug er mächtig zur Niederlage der Spanier an den ufern der Flavia bei; 1796 diente er als Di⸗ viſions⸗General in Italien, und entwickelte bei tauſend Vorfällen einen Muth und eine Thätigkeit, die unaufhaltbar waren. Nach ei⸗ nem angeſtrengten Marſche von zwei Tagen bemächtigt er ſich den 10. April 1796 der Bergſchluchten Mileſimo's, vereint ſich dadurch Neue Biograph. I. 23 354 Augereau. mit den Generälen Mesnard und Joubert, jagt den Feind aus al⸗ len umliegenden Stellungen, führt ſchnell das kühnſte Manövre aus, und umſchließt die ganze Diviſion des Generals Provera. Kurz darauf Sieger bei Dego, beſetzt er die Schanzen Monteleſimo's, und eröffnet ſo eine Verbindung zwiſchen der ital. Armee und dem im Thale des Tanaro ſtehenden General(ſeitdem Marſchall) Serrurier. Es wird ſchwer, alle ſeine Anſprüche auf Ruhm zu zählen; der ganze Feldzug iſt voll davon. Nachdem er das Lager bei Ceva, auch Alba und Caſale genommen, ſtößt Augereau auf die am Brücken⸗ kopf von Lodi verſchanzten Feinde, wo ſie durch ein ſchreckliches Feuer den Uebergang wehren. Er ſtürzt voran, ſeine Truppen fol⸗ gen in Begeiſterung; Brücke und Schanzen ſind erobert.*) Dar⸗ auf geht er über den Po, und nimmt zu Bologna den päbſtlichen Generalſtab, 400 Soldaten, und den Cardinallegaten, gefangen. Jetzt rückt er wieder in ſeine vorige Stellung im Centrum der Ar⸗ mee, und befreit durch ſchnelle und kühne Bewegungen Maſſena, der ſich in einer ſchwierigen Lage befand. Einen ganzen Tag lang hält er den Stoß an Zahl überlegener Truppen auf nimmt Caſtiglione weg, geht uͤber die Etſch, und ſchlägt den Feind bis Roveredo zu⸗ rück. Alsdann nimmt er Primolano, Cavelo, hält ein bei Baſſano aufgeſtelltes Corps en échec,**) und nimmt ſeine Richtung auf Porto Legnago, während Maſſena auf der Seite von Villanova vorrückt. Dieſe Operation droht die 20,000 Mann des Generals Wurmſer zu unzingeln, der ſich, nicht ohne Mühe, nach Mantua rettet, indem er längs der Etſch hinzieht. Bald öffnete das berennte Porto Legnago Augereau ſeine Thore: er fand darin 22 Kanonen. Darauf bemächtigte er ſich, mit dem General Sahuguet, der Veſte St. Georg, eilt nach dem Feinde, der über die Brenta gegangen war, holt ihn ein, verfolgt ihn vier Stunden lang, und wirft ihn auf Baſſano zurück. Die letzte That Augereau's in dieſem denkwürdigen Feldzuge erſcheint in der Schlacht bei Arcole, die ihn ſo glorreich ſchloß. Die franzöſiſchen Kolonnen wanken, halten *) Ein Augenzeuge erzählte, daß, als das ſtandhafte und vernichtende Feuer des Feindes den Muth der Truppen aufhielt, Napoleon und Auge⸗ reau mit Fahnen allein auf die Brücke geeilt ſeyen, wo über 10/000 Schuͤſſe auf ſie ſtelen; daß nun das Beiſpiel der Feldherrn die Krieger entflammt habe, ſie im Sturme hinüber drangen, und der Sieg erkämpft ward.. G. **) Viele wiſſen, daß dieſer nicht wohl zu überſetzende Ausdruck heißt: durch geſchickte Manöpres Truppen ſo in Unthätigkeit halten, daß ſie nichts unternehmen können. G. * Augereau. 355 ein, und weichen ſchon einem fürchterlichen Artillerie⸗Feuer. Au⸗ gereau entreißt eine Fahne ihrem Träger, eilt, ſie in der Luft ſchwenkend, voran, die Truppen folgen im Sturmmarſch, deſſen unwiderſtehlicher Drang alles niederwirft, und ſiegt. So viele herr⸗ liche Thaten grenzen an's Wunderbare. Leider entſtellt ein unaus⸗ tilgbarer Fleck ſo großen Ruhm! Die Stadt Lugo, freilich auf⸗ rühriſch, aber beſiegt und ſchon beſtraft, ward drei Tage lang der Plünderung übergeben. Noch tadelt man an Augereau die Ehrſucht welche ihm ſeine Triumphe einflößten, und die außerordentlichen Reichthümer, die er aus Italien mitbrachte.„Du haſt nicht“ ſagte der Soldat zu ſeinem armen Kameraden,„den Fourgon(Packwa⸗ gen) Augercau's.“ Wenn die Stimme des Volks die Stimme Got⸗ tes iſt, ſo war dieſe Aeußerung des gemeinen Mannes eine Anklage. Wie dem auch ſey, der Ueberfluß, deſſen Quellen Philoſophie und Geſchichte erforſchen und würdigen, hat immer, von welcher Seite er auch komme, bedeutende Einwirkung auf das Leben der Menſchen, die ein großer Name oder ein großer Charakter der öffentlichen Auf⸗ merkſamkeit empfiehlt. Augereau's Ruhm ſchien von allem Glanze des Goldes, das ihn bei ſeiner Rückkunft bedeckte, vermehrt.*) Das Direktorium erkannte ihm öffentliche Belohnungen zu; der Ge⸗ neral Bonaparte gedachte ſeiner auf die ehrenvollſte Weiſe. Er ward beauftragt, der Regierung die vor der Einnahme Mantua's vom Feinde eroberte Fahnen zu überbringen, und der Sieger bei Arcole erhielt, als feyerliches Geſchenk, das nämliche Banner, deſ⸗ ſen er ſich dort ſo ſchön bediente. Der Biograph bedauert, daß er nicht auf dieſem Punkte von Augereau's Leben ſtehen bleiben kann, und daß er ihm in eine Laufbahn folgen muß, worin einer der brav⸗ ſten Krieger Frankreichs zum dienſtbaren Werkzeuge jeglicher Herr⸗ ſchaft werden ſollte. Im J. 1797, als das Direktorium Bonapar⸗ te, der ihm ſchon Beſorgniſſe erregte, und Hoche, deſſen Genie nicht *) Augereau liebte ſehr äußern Prunk; ſelbſt die Schuhe ſeiner Stiefel waren mit Gold beſetzt. Als im F. 1806 der Marſchall Lefsvre ihm in Mainz die Offiziere der Eliten⸗Compagnieen der National⸗Garde des Dep. Donnersberg vorſtellte, befand ſich auch Schreiber dieſes unter ih⸗ nen(ſpäter bei den Linientruppen). Augereau erſchien in koſtbarem pol⸗ niſchen Pelze, mit goldenen Schnüren. Sein rieſenartiger Wuchs er⸗ innerte an das Bild eines Hünen der Vorwelt, und mit ſeinem ſtarken Profil an den Cyklopen Polyphem. Der ausgezeichnete Krieger benahm ſich ſehr fein und zuvorkommend. Lefevre lobte den Dienſteifer des Corps. „Voilà une Garde nationale, erwiederte Augereau, qui a l'air et la tenue d'une troupe de ligne.“— 3⁵⁶ 4 Augereau. weniger fürchten ließ,*) entfernt hatte, bedurfte es eines uner⸗ 1 ſchrockenen Mannes, der mehr feurig, als geſchickt, mehr entſchloſe ſen, als hellſehend, und Anführer der Truppen war, ohne nach er Regierung des Staats zu trachten. Man wählte Augereau. Be⸗ ſtimmt, jenen 18. Fructidor, der die Geſtalt der Regierung änderte, zu bewirken, nahm er den Befehl, nicht über die Pariſer Militär⸗ Macht, ſondern über die 17. Diviſion, an, wodurch auch die übri⸗ gen Truppen unter ſeine Gewalt kamen. Damals wandten ſich auf ihn die Blicke der verſchiedenen Parteien. Das Schweigen, ſo er beobachtete, ſetzte ſie in Unruhe. Man wollte ihn zu einer Erklä⸗ rung nöthigen, die er zu vermeiden ſchien. Deswegen ertheilte ihm Matthieu Dumas im Rath der Alten einen jener glänzenden Lobſprüche, die eine freimüthige Antwort fordern und nothwendig Geſtändniſſe herbeiführen. Augereau zeigte bei dieſem Anlaß eine Gewandtheit und Fertigkeit, die man nicht von einem unter den Zelten aufgewachſenen Mann erwartete.„Ich bin ein Kind aus „Paris! rief er auf der Tribune, wo ihm die Schlinge gelegt war. „Niemals wird Paris etwas von mir zu fürchten haben.“ Aber die gebieteriſche und drohende Proclamation, welche er kurz zuvor ge⸗ gen den ſogenannten Klub von Clichy gerichtet hatte, beun- ruhigte über das Vorhaben dieſes Generals. Ein einziger Journa⸗ liſt ſah die Begebenheit voraus: Dupont uun Redacteur des Historien, hatte den von der Militä ewalt veranſtal⸗ teten Einbruch vorhergeſagt. Die Unruhen waren ſchon lange ge⸗ nährt, und der Nationalgeiſt ſprach ſich in verſchiedenen Zeichen 4 aus, die den Sturm verkündeten. Gewiſſe Kleidungsſtücke waren als Zeichen des Royalismus beſchimpft worden. Die Zänkereien über den geflochtenen Zopf(cadenette) und den ſchwarzen Kragen erneuerten ſich. Augereau beſchützte in einer neuen Pro⸗ clamation die ſchwarzen Kragen, und endigte dieſen elenden Zwiſt. Das hieß das Maas der Autorität, die er ſich aneignete⸗ beſtimmen. Demohngeachtet hörte er nicht auf, ſeine Achtung für die Geſetze, und ſeine Anhänglichkeit an die obere Behörde zu be⸗ theuern. Er erfüllte wenigſtens das letztere Verſprechen. Wirk⸗ lich harte dieſe Behörde kein treueres Werkzeug. Er war es, der —an der Spitze der Militär⸗Macht in den Saal des geſetzgebenden Corps trat, dem Oberſten Ramel die Epauletten herunter riß die *) Das heißt, Bonavparte ſtand in Italien, und betrieb zugleich die Frie⸗ dens⸗Unterhandlungen, und Hoche befehligte in Deutſchland die franz. Armee. Beide aber wirkten für den 18. Fructidor. G. Augereau. 3⁵57 Verdächtigen nach dem Tempel führen ließ, und die Verſammlung decimirte. Die ſiegende Partei rief Augereau als Retter des Vaterlandes und Triumphator des 18. Fructidors aus. Aber ein herabwürdigender Lohn war jenem verhaßten Trium⸗ phe beſtimmt. Man hatte Augereau die Stelle eines der fructi⸗ doriſirten Direktoren verſprochen; doch ward das Verſprechen nicht erfüllt. Der Form wegen ſetzte man ſeinen Namen auf die Kandidaten⸗Liſte. Merlin von Douai und Francois von Neufcha⸗ teau waren zuvor ernannt. Der ſo gehöhnte General beklagte ſich bitter; er drohte ſelbſt; aber das neue Direktorium eilte, ihn zur Rhein⸗ und Moſel⸗Armee zu ſenden, deren Obergeneral Hoche geſtorben war. In dergleichen Fällen waren dieſe entfernten Kom⸗ mando's immer ehrenvolle Exile. Augereau zeigte in dieſer unthä⸗ tigen Stelle einen eifrigen Republikanismus, über den man ſich lange beklagt hat, und den Prunk eines Emporkömmlings, der mit ſeinen ganz kriegeriſchen Gewohnheiten ſtark contraſtirte. Das Direktorium fand ihn noch zu nahe bei ſich. Falſche und lächer⸗ liche Gerüchte beſchuldigten ihn, er habe, trotz dem Frieden, Schwa⸗ ben revolutioniren wollen,*) auch habe er durch eine geſchmiedete Correſpondenz den Untergang des Generals Bonaparte und des Di⸗ rektors Rewbel angezettelt. Man rief ihn vom Rhein zurück, und ernannte ihn zum Befehlshaber der 10. Militär⸗Diviſion(zu Per⸗ pignan), unter dem Vorwand einer Unternehmung auf Portugal. ſiden koſten macchiavelliſtiſchen Regierungen nichts. Das Depar⸗ ment der Ober⸗Garonne wählte ihn 1799 in den Rath der 500. Er eilte daher, Perpignan und ſein unnützes Kommando zu verlaſ⸗ ſen, und trat in Paris ſein neues Amt an. Bald verließ der Ge⸗ neral Bonaparte, auf die Nachrichten ſeiner Anhänger, Aegypten, und kam nach Frankreich zurück, um eine unüberlegte Gewalt zu ſchrecken. Er fand, daß er hier der Gegenſtand der öffentlichen Aufmerkſamkeit und der Richtpunkt aller Intereſſen war. Damals wollte Jourdan das Vaterland in Gefahr erllären, und Augereau, beſtürzt von dem immer wachſenden Einfluß ſeines be⸗ *) Wahr ſoll es ſeyn, daß wäbrend des Waffenſtillſtands 1797 der enthu⸗ ſiaſtiſche Augereau ſich anfangs für die ſogenannte cisrhenaniſche Nepublik, die ſich am Mittel⸗ und Niederrhein bilden wollte, inter⸗ eſſirt habe. Auch wurde von Errichtung einer transrhenaniſchen Nepublik am Oberrbein, ſo weit die franz. Truppen ſtanden,(unter beſonderem Schutze dieſes Generals,) geſprochen. Wir laſſen die Wahr⸗ beit oder Unwahrheit des Letzteren dabin geſtellt ſeyn. Auch machte der Friede von Campo Formio ſolchen Planen ein Ende. G. 358 Augereau. rühmten Waffengefährten, bekräftigte dieſen Antrag, und betheuerte am Ende mit einer ächt populären Energie, daß eher der Kopf des Generals vom Fructidor fallen ſollte, als man wagen würde, etwas gegen die beſtehende Regie⸗ rung zu unternehmen. Er war nicht beim Mahle, das man dem General Bonaparte in der Kirche St. Sulpice gab, und er⸗ klärte ſich einen Moment gegen den Helden, auf den aller Blicke geheftet waren. Als dieſer aber das Kommando in den Tuilerien erhielt, und die Gewalt in ſeinen Händen feſt zu ſeyn ſchien, ſuchte Augereau, treu dem Glück, den General Bonaparte zu St. Cloud auf, umarmte ihn, und ſagte:„Wie? Sie wollten etwas „für das Vaterland thun, und haben Augereau nicht gerufen?“ Er erhielt von dem Konſul Bonaparte den Befehl über die Armee von Holland, und ward ehrenvoll von den dortigen Behörden em⸗ pfangen, die ihn an die Spitze der gallo⸗bataviſchen Armee ſtell⸗ ten. Er unterſtützte kräftig die Operationen Moreau's, bekämpfte Kalkreuth*) mit verſchiedenem Erfolg, beſchloß den Feldzug durch den Sieg bei Hohenlinden, und fand im Militärleben den Ruhm wieder, der ihm darin faſt überall folgte. In Holland 1801 durch den General Victor erſetzt, einige Jahre ruhig und zurückgezogen lebend, ward er in der Folge zum Befehlshaber einer Unterneh⸗ mung auf Portugal ernannt, die nicht ſtatt hatte, kam wieder nach Paris, um der Krönung des Kaiſers beizuwohnen, wurde dem Pabſte zu Fontainebleau vorgeſtellt, trat der Erhebung des neuen Monar chen bei, und ward ſogleich Reichsmarſchall, Großadler der Ehren legion, Präſident des Wahlkollegiums vom Loiret, und Ritter des ſpaniſchen Ordens Karls 111. Napoleon erſtickte den Neid und die Rivalität unter Ehrentiteln. Der Krieg brach bald in Deutſchland aus. Augercau zieht mit ſeinem Armee⸗Corps hin, ſchlägt die Oeſterreicher auf dem rechten Ufer des Konſtanzer Sees, und nimmt Bregenz und Lindau. Der chrenvolle Friede zu Preßburg iſt großen Theils ſein Werk. Auf den Feldern Jena's ſah man ihn Talente entwickeln, wie er ſie bisher noch nicht gezeigt; ſeine Klugheit und Geſchicklichkeit änderten das Loos des Kampfes, und am 26. Octo⸗ ber bemeiſtert er ſich Berlins. Die Schlacht von Eyzau beginnt; Augereau iſt einem heftigen Fieber preis gegeben. In der Unmög⸗ lichkeit, ſich aufrecht zu erhalten, läßt er ſich auf ni Pferd bin⸗ den, kommandirt, kämpft, ſetzt ſich dem ſtärkſten Feu *) Da dies nicht der Name eines öſterreichiſchen, ſonder! 1e nnes preußiſchen Feldherrn iſt, deſſen Konig damals nicht mit Granteeß im Kriege war, ſo iſt hier allerdings ein Mißverſland. G. er aus: eine Augereau. 359 Kugel durchbohrt ihm den Arm, und er merkt es erſt nach dem Siege. Welcher Held des Plutarchs könnte ſich einer heroiſchern Handlung rühmen?— Dieſer Feldzug hatte die Geſundheit des Marſchalls erſchüttert. Er kehrte nach Frankreich zurück, um ſie herzuſtellen, und wurde erſt 1809 bei der Armee von Spanien wie⸗ der in Thätigkeit geſetzt, wo die erſten Erfolge ſeine Waffen krön⸗ ten, wo ihn aber auch eine Niederlage erwartete, die eben ſo voll⸗ ſtändig, als neu für ihn, war. Der Kaiſer rief ihn zurück, und ſeine Ungnade dauerte bis 1812, als der Feldzug nach Rußland begann. Man vertraute ihm einen wenig wichtigen Befehl. Im Jahr 1813 1 dem Unſtern der Armee in Berlin erreicht, verthei⸗ digt er ſich in ſeiner Wohnung gegen ein Corps Preußen und Koſa⸗ ken, ſchlägt ſie zurück, verläßt die Stadt, zieht ſich auf Frankfurt (an der Oder), und wird daſelbſt zum General⸗Gouverneur ernannt, während er zu gleicher Zeit das Gouvernement des Großherzog⸗ thums Würzburg erhält. Bei Leipzig vertheidigt er den ganzen Tag hindurch einen wichtigen Poſten mit einer Handvoll Leute ge⸗ gen weit überlegene Streitkräfte. Aber ſpäter gibt er in Lyon das traurige Schauſpiel eines Kriegers, der ſich freiwillig ſeines edlen Charakters beraubt. Nachdem er zu Gunſten Napoleons die kräf⸗ tigſte Proklamation verkündet, erläßt er wenige Tage darauf eine andere, nicht weniger heftige, gegen den nämlichen Beherrſcher, und zieht ſich nach Valence zurück. Bei der Wiederkunft des Kö⸗ nigs erhält der Sieger des Fructidors das St. Ludwigs⸗ kreuz, wird den 4. Juni zum Pair ernannt, und bringt, zu Ehren Sr. M., bei einem feſtlichen, militäriſchen Gaſtmahle, den Toaſt der unbegrenzteſten Ergebenheit aus. Napoleon bezeichnet, nach ſeiner Abreiſe von Elba, Augereau als einen Verräther. Die kai⸗ ſerliche Proklamation gelangt zu dieſem Marſchall von Frankreich, welcher damals die 14. Militär⸗Diviſion in der Normandie befeh⸗ ligte. Sogleich erklärt er ſich für dieſes Oberhaupt des franzöſi⸗ ſchen Reichs, und ruft in einer neuen Proklamation die Soldaten unter ihne alten Fahnen, unter die glorreichen Flügel je⸗ ner unſterblichen Adler, die ſie ſo oft zum Siege führten. Napoleon verweigerte das Anerbieten dieſes höftſchen Kriegers, der zweimal abtrünnig war, und nöthigte ihn ruhig zu bleiben. Der König kam zurück; neue Anſtrengungen eines unaus⸗ löſchlichen Ehrgeizes. Aber diesmal ſind ſeine Hoffnungen ge⸗ täuſcht; er muß auf ſeinem Gute la Houſſaye bleiben, bis zu ſeinem Tode, der durch eine Bruſtwaſſerſucht den 12. Juni 1816 er⸗ 360 Augereau. Augier. folgte.*) Man kann bei dieſem berühmten Mann zwei Charaktere finden: den Krieger und den Hofmann. In dieſer zwiefachen Stel⸗ lung läßt ſich von ihm abwechſelnd mit Pascal ſagen:„Wenn „du dich erhebſt, erniedrige ich dich; wenn du dich erniedrigſt, er⸗ hebe ich dich. Unbegreifliches Geheimniß von Kleinheit und „Größe!— Augier(N.), Weinhändler zu Cognac**), reformirter Re⸗ ligion, bekämpfte lebhaft unſere politiſchen Reformen. Er war als Deputirter des dritten Standes 1789 bei den Generalſtänden. Mit Erſtaunen ſah man den Sohn eines Geächteten des Edikts von Nantes mit ausſchließendem und heftigem Eifer zu Gunſten der alten katholiſchen Monarchie ſprechen, und den achtungswerthen, in dieſer Sache unintereſſirten Handelsmann mit einem gewiſſen Fanatismus Rechte vertheidigen, die ihm wenigſtens hätten gleich⸗ gültig ſeyn ſollen. Als die konſtituirende Verſammlung durch ihre Dekrete vom September 1791 ſich dem Proteſtantismus ſo günſtig zeigte, ſchloß ſich Augier der rechten Seite an, welche gegen dieſe Dekrete ſprach, und ſein Name figurirte bei den Unterſchrif⸗ ten der Gegner ſeines eignen Glaubens. So viel iſt gewiß, daß der politiſche Eifer an Stärke manchmal den religiöſen übertrifft. Diplome vom 6. September 1817 erhoben Augier in den Adelſtand, und am 24. deſſelben Monats wurde er Ritter der Ehrenlegion. Augier(Johann Baptiſt), von ſeinem Vater, dem De⸗ kan der juridiſchen Facultät zu Bourges für die Rechtswiſſenſchaft beſtimmt, trat in die militäriſche Laufbahn. Er iſt zu Bourges, den 27. Januar 1769, geboren, und diente 1792 mit Auszeich⸗ nung. Seine Vertheidigung der Feſtung Bitſch gegen ein zahlrei⸗ ches Corps Oeſterreicher***), das Talent und die Thätigkeit, welche er in ſeinen Manövres entwickelte, verſchafften ihm eine ſchnelle Beförderung. Er wurde 1793 Brigade⸗General. Einige Zeit darauf, als er vom Zerſpringen einer Haubitzenkugel gefährlich *) Nach andern Nachrichten erſchien er wieder in der Pairskammer, ſaß un⸗ ter Ney's Richtern, und war dann bis zu ſeinem Tode ohne öffentliche Stelle. G. **) Eine angenehme Stadt, in einer ſchönen Gegend der Landſchaft An⸗ goumois. Sie iſt bekannt durch den in der Nähe wachſenden trefflichen Wein, und den Franzbrandtwein, der ihren Namen führt, aber auch be⸗ rühmt als Geburtsort Königs Fra nz I. G. **r) Nicht Oeflerreicher, ſondern Preußen, wagten den kühnen, aber verun⸗ glückten, Sturm auf die Bergfeſtung Bitſch, gegen Ende 1793. G. 11 1 . Augier. 361 verwundet ward, entſagte er dem aktiven Dienſt, wurde Militär⸗ Kommandant der Departemente Cher und Manche, und zur Armee von Spanien geſandt, wo er zwei Jahre blieb, erhielt das Kreuz der Ehrenlegion, ward ſpäter bei der Armee in Rußland angeſtellt, und befand ſich als Kommandant in Königsberg, als ihn ſeine Mitbürger in das geſetzgebende Corps wählten. Nach ſeiner 1814 erfolgten Rückkunft in Frankreich, trat er den Staatsveränderun⸗ gen bei, und erhielt das St. Ludwigskreuz. Sein Benehmen als Geſetzgeber war unentſchieden; denn bald hielt er es mit der libe⸗ ralen, bald mit der entgegengeſetzten Partei. Dieſe Unentſchie⸗ denheit hörte mit Napoleons Rückkehr von Elba auf. Denn Rie⸗ mand zeigte bei dieſem Anlaß eine lautere Oppoſition, einen glü⸗ hendern Eifer gegen den Monarchen, als Augier, der unter deſſen Fahnen ſchweigend und mit Ehre gegangen war. Er ſchlug die gewaltſamſten Mittel vor, um dieſen Eroberer in ſeinem Marſch aufzuhalten: Aufſchub der gerichtlichen Verfolgungen für die, ſo gegen ihn ſtreiten würden, National⸗Belohnungen, Ehren⸗Me⸗ daillen, die dreifache Bezahlung eines Feldzugs ꝛc. Er wollte auch, daß man die dreifarbige Kokarde annähme; ein Vorſchlag, den der Royalismus mit Unwillen zurückſtieß. Die Schnelligkeit des Napoleoniſchen Marſches zerſtörte dieſe kräftigen Projekte und die von der Regierung ergriffenen Maasregeln. Als Napoleon in die Tuilerieen zurück kam, ſetzte er Augier ab, der ihm den näm⸗ lichen Tag ſeine Entlaſſung ſandte. Nach der zweiten Reſtauration in alle ſeine Würden neu eingeſetzt, befand er ſich bald in jener Kammer, deren überſpannte Grundſätze dem Vaterland und dem Throne ſo unſelig wurden. Augier zeigte ſich mäßig immitten die⸗ ſes Wahnſinns; das heißt Muth. In den folgenden Jahren ver⸗ ließ er ſelten das Centrum, wo man erſtaunt war, einen Mann zu finden, der in ſchwierigen Umſtänden Beweiſe von Kraft gegeben hatte. Er that verſchiedene zweckmäßige Vorſchläge.— Die Ge⸗ ſchichte der franzöſiſchen Revolution zeigt beſondere Abweichungen in den Geſinnungen ihrer Urheber, oder derienigen, die Theil dar⸗ an nahmen, und führt uns auf ganz eigne Verkettungen. Fort⸗ geriſſen von den Begebenheiten, Spielbälle der Dinge und des Ge⸗ ſchicks, erinnern die Menſchen oft an jene verzerrten Arabesken, in welchen man einen Frauenkopf auf einem Weinſtock, oder ein Kind zu Pferd auf einem Löwen, erblickt. Der nämliche Mann iſt anfänglich Advokat, dann Soldat, dann Gegner der militäriſchen Regierung. Die Geſellſchaft zählt mehr als einen Abbé, der Haupt⸗ mann, Dichter, Geſetzgeber oder Journaliſt war. 362 Augier de la Sauzaye. Augier. Auguis. Augier de la Sauzaye(N.), war anfänglich Deputir⸗ ter des dritten Standes, dann Geſetzgeber, in der Folge Unter⸗ präfekt zu Rochefort, und hierauf in Deutſchland angeſtellt. Augier(Victor), Advokat, und Mitarbeiter des Mehée de la Touche am Patrioten von 89. Gegenwärtig hält er ein literariſches Kabinet im Palais royal. Man kennt von ihm: Fingal und Iniſthere, eine ritterliche Novelle, nebſt der Reiſe nach Vaucluſe und Poeſieen der leich⸗ tern Gattung. Ferner einen Brief an den Abbé Bar⸗ ruel über die Revolution von 1815. Augier(Contre⸗Admiral.) S. Daugier. Auguis(Peter Johann Baptiſt), geb. 1742 zu Melle, Departement der zwei Sevres(Poitou), gehörte zu einer der älte⸗ ſten Familien dieſes Landes. Er wählte anfänglich den Waffen⸗ dienſt, und war Dragoner⸗Hauptmann. Dann übernahm er Ci⸗ vilſtellen. Er zeigte ſich als Anhänger der Revolution, und wurde von ſeinem Departement 1791 zum Deputirten bei der geſetzgeben⸗ den Verſammlung ernannt, wo er ſich nur wenig bemerklich machte. Im folgenden Jahr kam er in die National⸗Convention. Im Pro⸗ zeſſe Ludwigs XVI. ſtimmte er anfänglich gegen den Appel an das Volk, alsdann für die Gefangenhaltung des Königs und für ſeine Verbannung bis zum Frieden, unter Todesſtrafe, wenn er auf das franzöſiſche Gebiet zurückkehrte; endlich, nach der Verurtheilung des Monarchen, war er für den Aufſchub der Vollziehung. Nach dem 9. Thermidor 2.(27. Juli 1794) ſandte ihn die Convention nach Marſeille, wo er die, in dieſer Gegend noch allmächtigen, Anhänger Robespierre's mit Muth verfolgte, und ſie nicht ohne Gefahr bekämpfte. Bei ſeiner Rückkunft wurde er Mitglied des Sicherheits⸗Ausſchuſſes. Als im April 1795 die Vorſtädte in Auf⸗ ruhr waren, hielt ihn die Section des Pantheons an, als er eben die Gefängniſſe unterſuchte. Er lief Gefahr, und ward ſelbſt ver⸗ wundet. Aber dies erſchütterte nicht ſeinen Muth und Eifer. Mit der nämlichen Energie half er im folgenden Mai die neue Inſur⸗ rection unterdrücken; denn um Mitternacht ging er mit einigen an⸗ dern Deputirten an der Spitze der bewaffneten Macht in den Saal der Sitzungen, und vertrieb die Menge, die ſich hineingedrängt hatte, um auf die Berathſchlagungen der Verſammlung Einfluß zu haben. Er erhielt darauf eine Sendung zur Weſtpyrenäen⸗Armee. Noch in dem nämlichen Jahr(1795) kam er in den Rath der Al⸗ ten. Den 17. Brumaire 5.(12. November 1796) bewirkte er die — Auguis. 363 Genehmigung des Beſchluſſes, der die Zahl der Grenadiere, welche die Garde der National⸗Repräſentation bildeten, auf 1200 feſt⸗ ſetzte*). 1799 wählte ihn das Departement der zwei Sevres in den Rath der 500. Er beſtritt in der ſtürmiſchen Sitzung am 24. Vendemiaire den Antrag des Generals Jourdan, das Vaterland in Gefahr zu erklären, und bemerkte, daß man dadurch die Exi⸗ ſtenz der Direktorial⸗Regierung preis gebe. So war, ſagte er, das Vorhaben der geſetzgebenden Verſammlung,(in der er ſich ſelbſt befand,) als ſie vor dem 10. Auguſt 1792 eine ähnliche Er⸗ klärung gemacht, kein anderes, als den Thron zu ſtürzen. Ob⸗ ſchon Auguis von ſeinem Kollegen Lamarque widerlegt ward, der lebhaft den Vorſchlag des Generals unterſtützte, ſo wurde letzterer doch verworfen, und nichts widerſtand mehr der Revolution vom 18. Brumaire 8.(9. November 1799), nach welcher man die De⸗ putirten Jourdan und Lamarque vom neuen geſetzgebenden Corps ausſchloß. Auguis hingegen blieb darin, und wurde zum Sekretär ernannt. Sein Departement wählte ihn ſeitdem zweimal wieder. Er ſtarb zu Melle, den 17. Februar 1810.— Wenn Auguis ſich dem öffentlichen Wohl ſtandhaft weihte, ſo ward er auch dafür von ſeinen Mitbürgern ehrenvoll belohnt; denn ſie erhielten ihn nicht nur ſeit 1791 in dem geſetzgebenden Amte, ſondern brachten ihn auch fortwährend auf die Liſte der Kandidaten für den Senat. Auguis(Peter Réné), Sohn des vorigen, geb. zu Melle, bei Niort, den 6. October 1786, begann 1795 ſeine Stu⸗ dien zu Paris. Im Collegium Louis le Grand machte er die ſchnell⸗ ſten Fortſchritte im Studium alter Sprachen, und wurde Profeſ⸗ ſor der Literatur. Alsdann verließ er die Laufbahn des Unter⸗ richts, und trat in die der Waffen. Er diente als Offizier in Frankreich und Holland. Vom Militärdienſte zurückgezogen lebte er hierauf blos den Wiſſenſchaften. Im October 1814 wurde er, auf Befehl der Regierung, verhaftet, weil er einem Buchhändler in Paris, auf deſſen Begehren, die Anzeige zweier Artikel des Moniteurs, und einiger anderen Aufſätze, die Injurien gegen die Perſon des Königs enthielten, gegeben habe. Die Ereigniſſe vom 20. März 1815 ſetzten Auguis wieder in Freiheit; aber am 16. September wurde er wieder arretirt, und blieb im Gefängniß bis zum 27. Auguſt 1817. Obſchon noch jung, hat er eine große Menge von Schriften herausgegeben, unter andern: Brief des *) Sie war die Grundlage des Grenadier⸗Corps der nachmaligen Konſular⸗ und ſpäteren Kaiſergarde. G. 364 Auguis. Bürgers Zarillo an den Bürger Rillin, über eine griechiſche Inſchrift; Geſchichte der Kaiſerin Ka⸗ tharina lI. von Rußland, und ihres Sohns Paul, nebſt einem Schreiben an den dermaligen Kaiſer von Rußland, 1814; Die unbeſcheidenen Offenbarun⸗ gen des 18. Jahrhunderts, 1814. Dieſes Buch ward von der Polizei weggenommen, und der Verkauf deſſelben erſt nach der Austilgung deſſen, was der Behörde misfiel, erlaubt. Corre⸗ ſpondenz Ludwigs XVIII. mit dem Herzog von Fitz⸗ james, dem Marquis und der Marquiſin von Favras⸗ und dem Grafen von Artois, 1815. Auguis hat immer ſeinen Antheil an dieſer Schrift geläugnet. Napoleon, die Revolution, die Familie der Bourbons; Denkmal des Nationalruhms, oder Sammlungder Berichten. der franz. Armeen ſeit 1792 bis 1815. Hiervon ſind nur zwei Theile erſchienen. Ueberſetzung der empfindſamen Reiſen, und mehrerer Fragmente, Sterne’s; Denk⸗ würdigkeiten und Briefwechſel des Marſchalls Ca⸗ tinat; Lobſchrift auf Millin, Nitglied des Inſti⸗ tuts; Der Schatten des Robespierre, ein epiſches Frag⸗ ment, im Nivoſe 9.(1801); Die neue Odyſſea, ein Gedicht, 1812; Der Phädon des Plato, unter dem Namen Cham⸗ fort herausgegeben, 1814; Nachahmung einiger Epi⸗ gramme des Martial ꝛc.; Betrachtungen über die Geſchichte der vornehmſten Kirchenverſammlun⸗ gen(Conciles), ſeit der Zeit der Apoſtel bis zu der großen Trennung(Schisme) im Abendlande. 2Thle⸗, 8. Das erſtemal unternahm hier ein von Vorurtheilen freier Geiſt⸗ mit Unparteilichkeit die Geſchichte des Urſprungs, der Fortſchritte und der Einführung des Chriſtenthums darzuſtellen. Dieſes Werk hat mit allem, was bisher über denſelben Gegenſtand geſchrieben wurde, nichts gemein. Das Chriſtenthum, heißt es darin, iſt nichts anders, als eine philoſophiſche Sekte, welche, ſowohl durch Menſchen, als durch Umſtände, beſſer, als die übrigen, angewen⸗ det, nach einem Kampf von mehreren Jahren endlich die Ober⸗ hand behielt, und ſich als Religion auf den Trümmern des Götzen⸗ dienſtes erhob. Das Werk hat Pottern zum Verfaſſer. Auguis brachte es in beſſere Ordnung, und unterſuchte mit der gewiſſen⸗ hafteſten Sorgfalt die häufigen Citationen griechiſcher Stellen, auf welche ſich jener ſtützt. Es war vorher ſchon in Frankreich bekannt geworden, von ihm aber neu revidirt.— Die Journale haben an⸗ Auguis. Augnſt. 365 gekündigt, daß Auguis ſeit mehreren Jahren eine neue Ausgabe der Dioniſiaken des Nonnus, mit einer lateiniſchen Ueberſetzung und einem weitläuftigen Commentar, veranſtalte. Auch gab er mehrere Artikel zu den 12 erſten Theilen der Biographie uni- verselle, und Beiträge für den Moniteur, das Jour- nal des arts, nachher Nain jaune genannt, das Jour- nal de Paris, die Annales politiques etc. Er machte ein beſonderes Studium aus der Geſchichte der Künſte, und gilt für einen geſchickten Gemälde⸗Kenner. Der König ernannte ihn zum Aufſeher der Thermen, und der Kunſtdenkmäler, welche, ſobald die Herſtellung dieſes antiken Gebäudes vollendet ſeyn wird, darin aufgeſtellt werden ſollen*). 1 Auguis(Peter Johann Baptiſt Bonaventure), Bruder des vorigen, Fregatten⸗Capitän, ſtarb zu Havanna lin Weſtindien) 1801. Er war Aide⸗de⸗Camp ſeines Vaters im J. 1794 während deſſen Sendung in die Departemente des ſüdlichen Frankreichs und zur Oſtpyrenäen⸗Armee. Auguis(Louis Sinc dre), auch ein Bruder der vorher⸗ gehenden, war Bataillons⸗Chef unter der alten Garde. Er iſt Kommandant der Ehrenlegion. Auguſt(Friedrich Wilhelm Heinrich), Prinz von Preußen. Seiner muß mit Lob und Erkenntlichkeit ein Franzoſe gedenken. Als die Alliirten in Frankreich eindrangen, griff der Prinz Auguſt Landrecies an. Lange widerſtand dieſer Platz. Die Noth bewog zur Kapitulation, und die brave Beſatzung erwartete, für ihre langwierige Vertheidigung geſtraft zu werden. Aber der Prinz ließ ſie mit allen Kriegsehren ausmarſchiren, und bewilligte 50 Mann von jedem Bataillon, und einem Regiment Veteranen, das ſich dort befand, die Mitnahme ihrer Waffen. Dieſe Handlung iſt ihm ehrenvoller, als eine gewonnene Schlacht. Der Prinz Au⸗ guſt wurde den 19. September 1799 geboren, und iſt der Sohn des Prinzen Auguſt Ferdinand, Großoheim des Königs, und der Prin⸗ zeſſin Anna Eliſa Louiſe von Brandenburg⸗Schwedt. Er folgte dem König als General⸗Major in den Feldzügen von 18131, 4814 und 1815. Als ſich die Preußen(im Sept. 1813) Dresden nä⸗ *) Es iſt nach dem Muſter der ehemaligen Thermen angelegt, welche unter den römiſchen Kaiſern prächtige Badanſtalten, mit Spaziergän⸗ gen und Uebungsplätzen, und vorzügliche Dautmaͤler der Baukunſt/ waren. 3 366 Auguſt. Auguſta Amalie. herten, kommandirte er ein abgeſondertes Armee⸗Corps, und wirkte mit dem General Kleiſt zur Niederlage des Vandammſchen Corps. Beſonders mit der Belagerung der feſten Plätze beauftragt, eroberte er den 16. Juli Maubeuge; den 23. ſchloß er die ſchöne Kapitu⸗ lation von Landrecies, und zog bald darauf in Marienburg ein. Philippeville hielt ihn länger auf. Er eröffnete die Laufgräben in der Nacht vom 7. zum 8. Auguſt, und befahl, von 4 Uhr des Mor⸗ gens an, die Beſchießung, welche, da noch ein Brand dazu kam, den ganzen Tag über den Ort verheerte und ihn ſo zur Uebergabe zwang. Der Prinz ging von da nach Lothringen, wo er einige Forts belagerte und einnahm; den 25. October kam er nach Paris⸗ und verließ erſt dieſe Stadt, als er mit dem König nach Berlin zurückkehrte. Auguſta Amalia, Tochter des Königs von Baiern, eine durch Frümmiakeir Puharhnn und gefühlvolles Herz ausgezeichnete Fürſtin, wurde den 21. Juni 1788 geboren. Ihr Vater, der Prinz Mapimilian, war damals Obriſt des Regiments Royal-Deux- Ponts(Zweibrücken) im Dienſte Frankreichs. Im J. 1796 ver⸗ lor ſie ihre Mutter Maria Wilhelmine Auguſte, Prinzeſſin von Heſſen⸗Darmſtadt. Als in der Folge der Kurfürſt Maximilian den Thron Baierns beſtieg, erhielt er zu ſeinem Lande mehrere beträcht⸗ liche Theile des öſterreichiſchen Gebiets. Der Sieger bei Auſter⸗ litz bat ihn auch um die Hand ſeiner Tochter Auguſte Amalie für ſeinen Adoptiv⸗Sohn Eugen Beauharnais, den er zum Pice⸗Kö⸗ nig von Italien erhob. Den 17. Juni 1806 wurde die Vermählung zu München, in Gegenwart des Kaiſers Napoleon, gefeiert, und die Vire⸗Königin reiſ'te nach Italien ab. Die Herzensgüte der⸗ ſelben machte ſich während des Kriegs von 1809, als der Vice⸗ König die Oeſterreicher in Italien ſchlug, der Bewunderung und des Lobes würdig*). Man ſah, wie ſie mit eigenen Händen die den Verwundeten beſtimmte Charpie bereitete, und allen Spitälern beträchtliche Unterſtützungen ſandte. Im J. 1810 wohnte ſie mit dem Vice⸗König der Vermählung Napoleon's und Maria Louiſens bei. Sie befand ſich zu Mailand mit ihrem letzten Kinde in ge⸗ ſegneten Umſtänden, als die Oeſterreicher(1813) bis nach Verona vorgerückt waren. Der General Bellegarde that ihr den Vorſchlag *) Der gefuͤhlvollen und edelmüthigen Züge dieſer liebenswürdigen Prin⸗ zeſſin(der Gattin eines ruhmreichen Fürſten und Feldberrn) gibt es ſo viele, daß ich mir und meinen Landsleuten, den gegenwärtigen Rhein⸗ baiern, Glück wünſche, daß es uns vergönnt iſt, ſie die unieige zu nen⸗ nen. 2... Auguſta Amalia. Auguſti. Auguſtin. 367 während ihres Wochenbetts das Landſchloß Monza zu bewohnen. Die Fürſtin verweigerte dies Anerbieten, und kam bei ihrem Ge⸗ mahl, mitten unter dem Geräuſche der Waffen, nieder. Im J. 1814, als der Vice⸗König Italien zu verlaſſen genöthigt war⸗ reiſ'te ſie von Mailand ab, und wollte durchaus nicht die Geſchenke an Silbergeräthſchaften, welche ſie den Kirchen gemacht, von den⸗ ſelben zurücknehmen. Sie kam wieder nach Baiern, wo ſie mit dem Fürſten, ihrem Gemahl, der Herzog von Leuchtenberg gewor⸗ den, ihren Sitz genommen hat. Auguſti(Johann Chriſtian Wilhelm), geboren den 27. October 1772 zu Eſchenberg, im Herzogthum Gotha, that ſich in ſeinen Studien hervor, und richtete ſein Augenmerk gänzlich auf die Kenntniß der heiligen Bücher und der Sprachen des Orients. Er wurde einer derjenigen Gelehrten ſeines Vaterlandes, welche auf die dunkelſten Punkte der Theologie, des Mahometismus, der orientaliſchen Philologie, und der bibliſchen Exegeſe, das meiſte Licht warfen. 1798 wurde er zu Jena Profeſſor der Philoſophie, und 1803 der orientaliſchen Sprachen. Seit 1807 iſt er Titular⸗ Profeſſor der Theologie. Die Liſte ſeiner Werke würde lange ſeyn. Wir führen die merkwürdigſten an: 1) Der kleine Koran, oder Ueberſetzung der Hauptſtellen des Koran, 1798. 2) Christologiae coranicae lineamenta, 1799. 3) Memorabilien des Orients.(Ein koſtbares Werk für orien⸗ taliſche Philologie) 1802. 4) Vindiciarum coranica- rum perioulum, 1803. 5) Libri veteris testamen- ti apocryphi, Leipzig, 1804.(Eine umfaſſendere Ausgabe, als die des Fabricius, mit Varianten bereichert, und merkwürdig durch die Verbeſſerung des Textes, den Auguſti ſelbſt revidirt hat.) Von 1796 bis 1802 gab er eine theologiſche Monatſchrift heraus. Auguſtin(Chriſtian Friedrich Bernhard), Jour⸗ naliſt, Kanzelredner und Satyriker. Er iſt den 28. November 1771 zu Gröningen(im Halberſtädtiſchen) geboren, und dermalen Doctor der Philoſophie und Domprediger in Halberſtadt. Man hat von ihm: Predigten, zu Quedlinburg herausgegeben; die Bibliothek der literariſchen Geſellſchaft zu Hal⸗ berſtadt, und eine Satyre, betitelt: Briefe eines Akade⸗ mikers über Halle, ſeine Bewohner, und ſeine uni⸗ verſität. Germanien. Das letzte Werk machte Aufſehen, und wurde lange J. F. Kinderling zugeſchrieben. In Deutſchland, 368 Auguſtin. FAulnaye. wo ſich tauſend kleine Mittelpunkte unabhängiger und eigenthümli⸗ cher Sitten finden, konnte man in dieſer Hinſicht keinen Spott auf eine kleine Stadt*) werfen, ohne jegliche Eigenliebe zu er⸗ wecken und zu verwunden. Die anonyme Satyre verwirrte alle Köpfe, und die Univerſität, die Geſellſchaftsſäle, die Familien⸗ zirkel, antworteten dem Angreifer mit einer Menge vertheidigender Flugſchriften. Es ſchien, als habe ſich ein ſummender Bienen⸗ ſchwarm erhoben, wenn der unſelige Feuerbrand in ſeine Republik fiel. Auguſtin war ſo beſcheiden oder ſo klug, ſich nicht zu erken⸗ nen zu geben. Im J. 1803 gab er einen lateiniſchen Katalog über die Bibliothek ſeines Freundes C. N. Fiſcher, den er verloren hatte, heraus. Dieſer berühmte Journaliſt hinterließ mehrere Werke, die Auguſtin beſorgte. Er ſezte auch deſen Wochenblatt fort, welches die literariſche Geſellſchaft in Halberſtadt zum Beſten der Armen herausgibt. 'Aulnaye ranz Heinrich Stanislaus von), darf nicht mit einem gewiſſen Delaulnaye, welchen verſchiedene Biographen, namentlich Erſch und Oeſeſſart, anführen, verwech⸗ ſelt werden. Ein herumirrendes Leben und mehrere im Ausland gedruckte Werke geben wenig Licht über das Leben dieſes Schrift⸗ ſtellers. Er wurde zu Madrid, den 7. Juli 1739, geboren, und 1789 von der Académie des inscriptions gekrönt als Verfaſſer eines Mémoire über den theatraliſchen Tanz, oder Unterſuchung des Urſprungs, der Fortſchritte, und der Wirkungen der Pantomime bei den Alten. Paris,. 1790. Dies iſt die merkwürdigſte und gelehrteſte Abhandlung über dieſen Theil der dramatiſchen Kunſt, die von den Alten ſo geſchätzt war, die Plutarch eine ſtumme Poeſie nennt, und von der ein Römer ſagt: . Mirabilis ars est Quae facit, articulos, ore silente, loqui. d. i. veine bewunderswürdige Kunſt, welche den Geberden Stimme „verleiht, indem das Wort ſchweigt.“ De l'Aulnaye zeichnet die Geſchichte der Pantomime bei allen bekannten Völkern. Er findet Spuren derſelben in dem Tanze des Natſchez und des Irokeſen bei den Hebräern, Aegyptiern, Chineſen ꝛc. Er folgt ihr in ihren Fortſchritten, handelt von der Epoche ihrer Einführung in Grie⸗ *) Es ſcheint dem Biographen unbekannt zu ſeyn, daß Halle keine kleine Stadt und der dortige Ton nicht kleinſtädtiſch iſt. Aber die ernſtt und ſcherzende Satyre weiß allem ſowohl die lobenswerthe, als tadel⸗ hafte, Seite abzugewinnen. G.. —— l'Aulnayc. Aultanne. Aumont. 369 chenland, meldet die Abänderungen, die ſie in Rom erfuhr, bis auf Pylades und Bathyll, und die leichten Merkmale, welche die Neueren in ihren ſceniſchen Darſtellungen davon bewahrten. Fer⸗ ner gab er ein in's Deutſche überſetztes Werkchen heraus: Be⸗ ſchreibung und Nutzen des Stickluftprüfers(Respi- rateur anti-méphitique), erfunden von Pilatre du Rozier und vervollkommnet von dem Verfaſſer. 1791 unternahm er mit Leblond ein großes Werk, von dem aber nur drei Lieferungen erſchienen: Allgemeine und beſondere Geſchichte der Religionen und des Gottesdienſtes al⸗ ler Nationen. Aultanne(N. von), that ſich durch ſeine Tapferkeit in Na⸗ poleons Feldzügen gegen die Ruſſen, Preußen, Engländer und Spa⸗ nier hervor. Beſonders machte er ſich bei Pultusk, den 26. De⸗ cember 1806, bemerklich. Bald darauf ward er Diviſions⸗Gene⸗ ral und Kommandant der Ehrenlegion. Er diente nachher im ſpa⸗ niſchen Kriege unter dem General Harispe, und bei mehreren Vor⸗ fällen erſchien ſein Name ehrenvoll in den Bulletins der Armec. 1814 ernannte ihn der König zum Ludwigsritter. Der General Aultanne wurde hierauf im mittäglichen Frankreich angeſtellt, und kommandirt gegenwärtig eine Diviſion der königlichen Garde. Aumont(N.), aus dem Deparment Ille und Villaine, zeigte ſich immer als einen weiſen und gemäßigten Freund der Revolution, bekleidete ſeit derſelben verſchiedene richterliche und polizeiliche Stellen, und trat nach dem 18. Brumaire in das Kaſſationsgericht/ wo er noch ſeinen Sitz hat. Aumont(Jakob, Herzog von), Pair von Frankreich General⸗Lieutenant, wurde den 25. Auguſt 1723, aus einer Pi⸗ cardiſchen Familie geboren. Am Tage der Baſtillen⸗Eroberung gab man ihm das Oberkommando der Pariſer Nationalgarde, wel⸗ ches er einige Zeit darauf dem General La Fayette abtrat. Im J. 1791 befand er ſich, als Kommandant der 11. Militär⸗Diviſion⸗ im Schloſſe der Tuilerien, in der Nacht, da die königliche Fami⸗ lie heimlich abreiſte. Das von ihm befehligte Bataillon ſah ihn als Verräther an, und führte ihn gefänglich nach dem Stadthauſe. Bald wieder befreit, erſchien er vor den Schranken der Nat. Ver⸗ ſammlung, um ſeine Treue und Ergebenheit zu betheuern. Der Herzog von Aiguillon bürgte für die Aufrichtigkeit ſeiner Geſinnun⸗ gen. Er wurde General⸗Lieutenant und kurz darauf Kommandant in Lille. Hier zeigte er ſich als Anhänger der populären Regierung⸗ Neue Biograph. J⸗. 24 370 Aumont. ließ ſich den Jakobinern vorſtellen und unter ſie aufnehmen behielt einige Zeit ſeine Stelle, verlor ſie, als die Revolution einen ganz demokratiſchen Charakter annahm, zog ſich dann auf ſein Land⸗ gut Guiscard, bei Noyon, zurück, und ſtarb unbekannt im J. 1799, 66 Jahre alt. Im Anfang der Revolution hatte eine kleine Lä⸗ cherlichkeit dem Herzoge von Aumont einige Popularität verliehen. Kindiſcher Nachahmer des Gangs und der Gewohnheiten Hein⸗ richs 1V., wie man uns ſolche überliefert hat, wiederholte er dies bis zu den geheiligten Worten, welche immer das Andenken jenes Fürſten begleiten werden. Einige Epigramme rügten dieſe Ver⸗ kehrtheit. Er war hinkend, und ſo, daß man fand, daß er ſelbſt zu Pferd hinkte. Bei allem Talent und Heroismus, und trotz aller Anſtrengungen, war der Herzog von Aumont im Grunde nur ein unbedeutender Menſch. Als Dante in ſeiner göttlichen Komö⸗ die die Guten und Böſen erſcheinen ließ, und in Verlegenheit kam, welchen Aufenthalt er denjenigen Menſchen anweiſen ſollte, die ohne Stärke für das Gute und ohne Kraft für das Böſe ſind, verwies er dieſe neutralen Weſen an das Thor der Hölle, die ſie nicht verdient hatten, und ferne vom Paradies, deſſen ſie unwür⸗ dig waren. Der Platz d'Aumont' iſt an dieſem Ort bezeichnet. Wir wollen, dieſen Artikel abkürzend, mit dem Dichter ſagen: Non ragionam di lor; ma guarda e passa!“(Infern. c. 3.) „ 8* g P. oder: Man ſprach zu viel: ſchau an, und geh' vorüber!— Aumont(De Pienne, Herzog von), Sohn eines Man⸗ nes, deſſen politiſches Betragen ihm nicht zum Muſter diente, iſt 1770 in der Picardie geboren. 1791 wanderte er aus, diente im Heere der Prinzen, ging nach Schweden, verband ſich mit verſchie⸗ denen mächtigen Perſouen, und wurde der Freund des Grafen von Ferſen. 1800 errichtete er in der Landſchaft Schonen ein Regiment, Royal-Suedois genannt, das Napoleon zu bekämpfen beſtimmt war. Als aber nach dem Tilſiter Frieden der Graf Ferſen die kö⸗ nigliche Gunſt verloren hatte, entſagte der Duc d'Aumont ſeinen Projekten, und blieb in Schweden, wo keine politiſche Veränderung ſeine Ruhe ſtörte. Hier erfuhr er die Begebenheiten von 1814. Er ging nach Frankreich, that bei Ludwig XVIII. den Dienſt als erſter Kammerherr, wurde Generallientenant und Kommandant der 14. Militär⸗Diviſion, deren Hauptort Caen iſt, und befehligte daſelbſt, als Napoleon landete. Vergebens ſuchte er, durch alle mögliche Mittel, eine Volksmenge in Aufſtand zu bringen, die un⸗ beweglich blieb und den Begebenheiten nur die Stärke der Unthä⸗ Aumont. Aupetit Durand. Auran Pierre Feu. Aure. 371 tigkeit entgegenſetzte. Die Armee wollte das Vaterland nur da ſehen, wo die Adler waren; und ſo war d'Aumont genöthigt, zu fliehen. Von Caën ging er heimlich nach Lavenes, wo er ſich in der Nacht vom 23, auf den 24. März einſchiffte; auf der Inſel Jer⸗ ſey ſtieg er an's Land, begab ſich nach England, und von da nach Gent zum Könige. Als die Ereigniſſe der königlichen Sache gün⸗ ſtig wurden, landete er wieder in der Normandie, und bemächtigte ſich im Namen des Königs der Städte Caön und Bayeux. Nach deſſen Wiedereinzug kam er nach Paris zurück, nahm von neuem Dienſt, und wurde im Juni 1815 Pair von Frankreiche Er kom⸗ mandirt jetzt die 11. Militär⸗Diviſion. Aupetit Durand, geb. 1764, wurde 1815 königl. Procu⸗ reur bei dem Tribunal zu Montlucon(Bourbonnais), und 1816 Mitglied der Deputirten⸗ Kammer. In der Sitzung d. J. 1818 ſprach er ſich ſtark und beredt über die Vertheilung der Auflagen aus. Er erklärte ſich gegen das Cadaſter, und rief:„Meine „Herren! Wenn die Deputirten ſich einer übeln Vertheilung nicht „widerſetzen können, werde ich morgen den Weg nach meiner Ein⸗ „ſamkeit zurücknehmen. Ich unterſtütze die Verbeſſerung, gegen „welche Hr. von Courvoiſier ſich erklärt.— Warten Siel ſagt er „mir.— Rein, mein Herr; das Intereſſe wartet nicht!“ Der Redner wird auf die lärmendſte Weiſe unterbrochen, fährt aber fort:„Ich begehre ein wenig Stillſchweigen, meine Herren! Drei „Jahre habe ich den Mund nicht geöffnet. Das Intereſſe meines „Departements gebietet, das Stillſchweigen zu brechen. Es gelte, „was es wolle, hören Sie mich!... Auran Pierre Feu, Deputirter vom Var, von 1815 bis 1818, hat nur in der Verhandlung über die Mittel und Wege ge⸗ ſprochen, und ſaß beſtändig auf der rechten Seite. Aure(Johann Peter Paulin Hector, Graf von) Offizier der Ehrenlegion, Ritter von St. Ludwig, Commandeur des königl. Ordens beider Sicilien, Großkreuz des königl. Sächſ. Or⸗ dens, ward 1775 zu Paris aus einer adelichen Famtlie der Stadt Lourdes, im Oſtpyrenäen⸗Departement, geboren. 1791 trat er in Dienſt als Unterlieutenant bei den Huſſaren. Darauf kam er in die Armee⸗ Verwaltung, und ward 1796 Kriegskommiſſär unter Moreau's Heer, bei Deſaix's Diviſion, welcher immer für Aure die zärtlichſte Freundſchaft behielt, bis zu dem unglückſeligen Tage/ an dem die Armee und das Vaterland jenen ruhmvollen General verloren. 1797 ward er bei der italieniſchen Armee angeſtellt/ und 372. Aure. wohnte 1798 als Commissaire ordonnateur bei der Diviſion De⸗ ſaix der Unternehmung auf Aegypten bei. Obſchon erſt 23 Jahre alt, wurde er bald Commissaire ordonnateur en chef, war als ſolcher mit Bonaparte im Feldzuge nach Syrien, und nach deſſen Abreiſe bei Kleber in der Schlacht von Heliopolis. 1801 ernannte ihn Menou zum Muſterungs⸗Inſpektor. Nach ſeiner Rückkunft in. Frankreich ging er mit dem General Leclere zur Expedition gegen St. Domingo ab. Er vereinigte daſelbſt, nach Benezech's Tod, ſeine Stelle mit der eines Kolonial⸗Präfekten, und kam im Juli 1803 wieder nach Frankreich. Unſtreitig hatte Hr. von Aure ein beſonders günſtiges Schickſal. Sechs Jahre lang diente er unter den größten Feldherren, einem Deſaix, Moreau, Maſſena, Bona⸗ parte und Kleber, und mit 27 Jahren war er Ordonnateur en chef in allen vier Welttheilen geweſen. Aber jetzt entfernten Er⸗ wägungen eines höheren Befehls in Betreff der Angelegenheiten St. Domingo's ihn ſechs Jahre lang von allem öffentlichen Dienſt, und ſeine augenſcheinliche Ungnade charakteriſirt jene blinde und despotiſche Politik, welche ihre Unfälle auf die Wandelbarkeit des Glücks ſchob. St. Domingo war für Frankreich verloren. Das Oberhaupt der Regierung glaubte, in den Kolonial⸗Agenten jene Unfälle ſtrafen zu müſſen, die es weder ſeinen eignen Rathſchlüſſen, noch ſelbſt dem Klima zuſchreiben wollte. Das Unglück war und wird immer ein Staatsverbrechen ſeyn, für welches keine Amneſtie gilt. Auch mußte man ſich, dem äußern Schein nach, über die Nichtbezahlung der Wechſel auf St. Domingo dadurch rechtferti⸗ gen, daß man den Beamten, dem dieſe Sache anvertraut, und der durch ſeine reine Verwaltung ihr natürlicher Beſchützer war, entfernte. 1809 trat Aure in die Dienſte des Königs Joachim von Neapel. Er wurde Staatsrath, Generaldirektor der Muſterungen und Conſeription, Kriegs⸗, See⸗ und Polizei⸗Miniſter. Der Ver⸗ einigung dieſer drei Miniſterien verdankt man die Zerſtbrung des Raubweſens im Königreich Reapel. 1811 kam Aure nach Frank⸗ reich zurück, nahm aber erſt 1813 Dienſt in ſeinem Vaterlande, und zwar bei der großen Armee als Oberkommiſſär des Kriegsunterhalts. Er wohnte dem Feldzuge in Sachſen, und dem in Frankreich von 1813 und 1814 bei, ward am 3. April 1813 Requetenmeiſter, und blieb bis zum 12. in Fontainebleau. Bis zum Mai 1815 war er in Unthätigkeit. Er wurde jetzt General⸗Intendant der Armee, war mit bei Waterloo, ging darauf mit der Armee hinter die Loire, und führte deren Verwaltung im Hauptquartier zu Bourges bis zum 1. Januar 1816. Er trat nun wieder als Requetenmei⸗ ——, Aurc. Auſſenac. Autichamp. 373 ſter in den Staatsrath, und wurde 1818 zum Militär⸗Intendan⸗ ten ernannt. Seit dieſer Zeit iſt er Mitglied einer vom Marſchall Gouvion St. Cyr, damaligen Kriegsminiſter, errichteten Kommiſ⸗ ſion für die Organiſation des Materials der Armee, die Abfaſſung der militäriſchen Verwaltungs⸗Ordnung, und die Adminiſtration des Kriegsunterhalts. Auſſenac(Baron von), Marechal⸗de⸗Camp, trat frühe in Dienſt, und durchging alle Grade bis zum Oberſten. Man wird ſich lange jenes Oberſten des 7. Linienregiments erinnern, der ſchwur, eher ſich unter den Mauern Barcelona's zu begraben, als ſie dem Feinde zu überlaſſen; ein Schwur, der mit heroiſcher Fe⸗ ſtigkeit gehalten ward, und die Spanier zwang, ſich einige Stun⸗ den zurückzuziehen, der aber auch dem 7. Regiment ſeine uner⸗ ſchrockenſten Soldaten und beſten Ofſiziere koſtete. Auſſenac fand indeſſen Verläumder. Man wollte ihm mehr Gewandtheit in der Führung, als Standhaftigkeit im Gefecht, zuſchreiben. Er hatte ſchon zu Azua, einer Kolonie von St. Domingo, kommandirt, und in dieſem fatalen Kriege Talent und Kühnheit gezeigt. An die Stelle des Generals Ferrand, beim Aufruhr der ſpaniſchen Inſur⸗ genten, ernannt, bewirkte er einen geſchickten Rückzug auf die Hauptſtadt der Inſel, und ſchlug völlig den Feind. Den 4. Ja⸗ nuar 1809 wurde ſein Ruhm durch die Eroberung des Fort St. Jeronimo und des Ortes St. Carlos vermehrt. Im J. 1813 ward er General⸗Adjutant, und den 10. December 1814 Kommandant des Militär⸗Verdienſtordens. Als Auſſenac im Juli 1815 im De⸗ partement vom Ain(Bourgogne) kommandirte, beeiferte er ſich/ ſeinen Beitritt zu den für die Wiederherſtellung der Monarchie ge⸗ nommenen Maasregeln kund zu thun.. Autichamp(Der Marquis Johann Thereſe Lud⸗ wig von Beaumont, Herzog von), Sohn eines Oberſten im Regiment Enghien, der in der Schlacht bei Laffeld getödtet wurde, Haupt der erſten Linie einer ſehr alten Familie, ſtieg im Dienſte ſchnell von Grad zu Grad, ſah die Revolution ausbrechen, und weihte den Reſt ſeines Lebens dem Grundſatze, gegen ſie die alten Rechte des Adels und Throns zu vertheidigen. Er iſt im J. 1738 auf dem Schloß Angers in Dauphiné geboren, und war noch nicht eilf Jahre alt, als er im Grade eines Unterlieutenants zum Regiment König Infanterie kam. 1757 wurde er Aide⸗de⸗ Camp des Marſchalls Broglio, ſeines Anverwandten, und befand ſich mit demſelben im Kriege von 1757—1760. Darauf ward er 374 Autichamp. Rittmeiſter und erſter Aide⸗de⸗Camp, und 1761 Obriſt, in wel⸗ cher Eigenſchaft er vom König das Dragoner⸗Regiment Caraman erhielt, das nun ſeinen Namen führte. Er kommandirte es noch bei Filinghauſen und bei Minden, und behielt es bis 1770. Mit 4 Jahren war er Ludwigsritter, und jetzt wurde er Brigadier der königlichen Armeen, und zweiter Kommandant der Gensd'ar⸗ merie*) unter dem Marſchall von Caſtries, erhielt 1779 das große Ludwigskreuz, und wurde im folgenden Jahre Maréchal⸗de⸗Camp und General⸗Inſpektor, hierauf Mitglied des Kriegsraths und Gouverneur von Longwi. Ein ſo ſchnelles und frühzeitiges Fort⸗ rücken beweiſt vielleicht weniger für die vorzüglichen Talente des Hrn. v. Autichamp, als für das damals herrſchende Syſtem der Gunſt und des Patronats. Als ſich im J. 1789 in der Gegend von Paris jene ihren Schöpfern ſo unſelig gewordene Armee bil⸗ dete, ward Autichamp von dem Herzog von Broglio gewählt, als Maréchal⸗de⸗Camp dabei zu dienen. Die, vielleicht durch dieſe unkluge Maasregel beſchleunigte, Revolution war am 14, Juli vollbracht. Autichamp verließ ſogleich Frankreich, folgte dem Prinzen von Condé nach Turin, und befand ſich im Rath des Grafen pon Artois. Die fruchtloſen Klagen und Hoffnungen der Emigration genügten ſeiner Thätigkeit hicht⸗ Er errichtete eine Lorreſpondenz mit den Mißvergnügten in Lyon, und mit den In⸗ ſurgenten im Lager von Jalés, that häufige Reiſen nach den Grän⸗ zen Frankreichs, und eilte nach allen Punkten, von denen er eini⸗ ges Verſtändniß mit dem Innern unterhalten konnte. Seine Schritte bewirkten ſtarke Anklagen gegen ihn. Er ging 1794 nach Koblenz⸗ und kommandirte im folgenden Jahre ein berittenes Corps unter dem Namen: Hommes d'armes à cheval. mit welchem er dem, ſeiner Partei ſo unheilbringenden, Feldzuge in der Cham⸗ pagne beiwohnte. Darauf zog er ſich nach Maſtricht zurück, und ) Gensd arme hieß vor Zeiten ein Gewaffneter zu Pferd, ein Ritter. Noch unter Karl VII. bildete die Gensd'armerie faſt die geſammte Rei⸗ terei. Später machte ſie einen Theil der königl. Garde aus, und beſtand aus 4 Eskadrons, welche man, nach ihrem Urſprung, die ſchottiſche⸗ engliſche, fandriſche, und burgundiſche, nannte. Es wurden nur Ade⸗ liche oder Männer von ſonſtigen angeſehenen Familien darunter aufge⸗ nommen. Außer dieſen gab es noch eine beſondere, aus Edelleuten be⸗ ſtebende, Compagnie Gensd'armes bei den königl. Haustruppen. Letztere wurden unter St. Germain's Miniſterium aufgehoben, erſtere blieben bis zur Revolution. Jetzt hieß die vormalige Maréchaussée Gens d'ar- merie nationale. Die Gensd'armes d' Ordonnance unter Napoleon hatten Aehnlichkeit mit den königlichen. 1 G. 2 Autichamp. 375 war daſelbſt, als die von Maſſena kommandirte franz. Armee die Stadt belagerte. Sie wurde vom Prinzen von Koburg wieder be⸗ freit, und Autichamp ging nach der Schweiz, von wo er vergebens die Rückkehr nach Frankreich verſuchte. Seine Abſicht war, bis nach Lyon zu gelangen, welches Royaliſten⸗Anführer nach dem 31. Mai beunruhigten. Der Graf Artois rief ihn nach England. Er ſollte ein Corps in der Vendée kommandiren; aber der Vorfall bei Quiberon vernichtete dieſe Unternehmung, und für den Augenblick auch die letzten Hoffnungen der royaliſtiſchen Partei. 1797 trat Autichamp in die Dienſte des Kaiſers Paul von Rußland, der ihn in Lüneville*) gekannt, und ihm nun mehrere wichtige Poſten an⸗ vertraute. Denn ihm gab man 1799 den Befehl über das Reſerve⸗ Corps von 30,000 Ruſſen, welches ſich in der Schweiz mit Souwa⸗ row's Armee vereinigen ſollte. Aber Mißverſtändniſſe und Maſſe⸗ na's ſchnelle Siege zerſtörten dieſe Plane und endigten den Feld⸗ zug. Autichamp kehrte nach Rußland zurück. Er kam erſt im November 1815 wieder nach Frankreich. Im folgenden Jahr be⸗ fehligte er die 10. Militär⸗Diviſion. Er iſt der erſte ſeiner Fami⸗ lie, welcher den Herzogtitel führt, den ihm der König jüngſt er⸗ theilte.— Autichamp(Anton Joſeph Eulalie von Beau⸗ mont, Marquis von), Neffe des vorhergehenden, trat, wie ſein Oheim, in die Laufbahn der Waffen, und that ſich bei meh⸗ reren Gelegenheiten, und in verſchiedenen Gegenden, hervor. Der Marſchall von Broglio entnahm ihn der Linie, worin er ſeit ſeiner Jugend diente, und ernannte ihn 1759 zu ſeinem Aide⸗de⸗Camp. Zehn Jahre darauf ging er als Aide-Major- général-des-lo- gis nach Korſika, wo er ſich tapfer ſchlug; ſein Pferd wurde bei Pontegolo unter ihm getödtet. Er kam nach Frankreich zurück, ward Mestre-de-Camp der Dragoner, hierauf Obriſt des Regi⸗ ments Agénois, und ging mit dem General La Fayette nach Ame⸗ rika. In der Belagerung von York⸗Town zeichnete er ſich aus, erhielt 1781 das Brevet eines Brigadters, gab neue Proben von Tapferkeit bei der Eroberung von St. Chriſtoph, wo ſein Sohn todt an ſeiner Seite blieb, und wurde zum Maréchal⸗de⸗Camp ernannt. In der Folge erhielt er den zweiten Befehl über den mit⸗ täglichen Theil von St. Domingo, und kam kurz vor der Revolu⸗ *) Daſelbſt war das Standquartier jener 4 Escadrons der Gensd'armerie. Die bei den königl. Haustruppen befindliche Compagnie ſtand in Ver⸗ failles.— G. 7 376 Autichamp. tion wieder nach Frankreich. Er war Diviſions⸗Inſpektor in den Provinzen Touraine und Orleans. 1792 wohnte er den Feldzügen der Emigranten bei, und betrat Frankreich erſt wieder nach dem 18. Brumaire(9. Nov. 1799). Autichamp(Marie Johann Joſeph Jakob von Beaumont, Vicomte von), Sohn des vorigen, geb. 1768, war mit 15 Jahren Unterlieutenant, und mit 20 Major, im Ka⸗ vallerie⸗Regiment Mestre-de-Camp. 1790 ſchloß er ſich an den Grafen Artois an, diente 1792 unter dem von ſeinem Großoheim befehligten Corps der Hommes d'armes, und folgte dieſem nach Maſtricht. Hierauf ging er nach England, und von da nach Quiberon, wohin er glücklicher Weiſe zu ſpät kam. Er begab ſich nach Jerſey, und dann mit dem Emigranten⸗Corps, welches der General Stuart kommandirte, nach Portugal. Doch hatte dieſes nur eine ephemere Exiſtenz. Der Graf Artois beauftragte ihn 1798, ſeinen Bruder Karl d'Autichamp in der Vendée zu unter⸗ ſtützen. Die Beruhigung des Weſtens zwang ihn, ſich wieder nach London einzuſchiffen. Er kam erſt 1800 wieder nach Frankreich, und ließ ſich daſelbſt nieder. Der König ernannte ihn nach ſeiner Rückkunft zum Lieutenaͤnt der Leibgarden, und ſpäter zum Maré⸗ chal⸗de⸗Camp. Während der 100 Tage beauftragte der Her⸗ zog von Angouléème, Hrn. v. Autichamp, Madame, die damals in London war, aufzuſuchen. Dieſe Prinzeſſin ſandte ihn nach dem Weſten, wo man vergebens den Vendée⸗Krieg neu zu erregen ſuchte. Er vereinte ſich mit ſeinen Brüdern in Poiton, kam 1815 nach Paris zurück, und erhielt im Auguſt das Kommando im Dep. der Vienne. Gegenwärtig iſt er erſter Lieutenant der Leibgarden⸗ Compagnie Roailles. 3 ³ Autichamp(Karl Beaumont, Graf von), lüngerer Bruder des vorigen, geb. in Anjou, den 8. Auguſt 1770. Man findet in dem Leben aller Autichamp eine beſondere Aehnlichkeit, die ſich in Glück, Gunſt, Betragen und Anhänglichkeit an den Thron nach ſeinem Fall, ausſpricht. Derjenige, welchen das Schickſal in die neueſten Begebenheiten miſchte, war Karl Beau⸗ mont, der jüngſte ſeiner Familie. Mit 12 Jahren trat er unter die in Lüneville garniſonirende Gendarmerie, welche ſein Oheim kommandirte. 1787 diente er als Unterlieutenant im Regiment Dauphin, und darauf als Capitän im Regiment Royal⸗Dragons. Man bemerkte eine enge Freundſchaftsverbindung zwiſchen ihm und dem Grafen von la Rochejacquelin. Beide gingen 1792 unter die eo Autichamp. 377 konſtitutionelle Garde des Königs; beide ſahen die erſchütternden Begebenheiten des 10. Auguſts; beide— verzweifelnd, mit ihrem Degen den wankenden Thron zu erhalten— retteten ſich nach An⸗ jon. Freilich geſchah dies, um dort den Bürgerkrieg zu nähren, und bald wurden ſie unter die thatigſten Führer der Vendée ge⸗ zählt. Autichamp ſchloß ſich an Cathelineau an, als dieſer im März 1793 die Stadt Beaupréau überſiel. Einige Zeit darauf verband er ſich mit Hrn. von Bonchamp, ſeinem Vetter und Schwa⸗ ger, der ihm bei der Belagerung von Rantes eine Kolonne zu kom⸗ mandiren gab. In dem verſchiedenen Glückswechſel dieſes Kriegs lief Autichamp mehr als einmal Gefahr. Als unter andern in einem Gefecht die Royaliſten unterlagen, konnte er ſich nur dadurch retten, daß er ſich feſt an den Schweif eines Pferdes band, das ihn fern vom Schlachtfelde mit ſich zog. Mit den Schaaren Fleuriot's und Scepeaux's vereint, lieferte er eine Schlacht bei Douai, und beſetzte darauf St. Laurent mit den bretagniſchen Compagnien. Roch befand er ſich daſelbſt, als mehrere Begebenheiten die roya⸗ liſtiſchen Heere beugten und in Trauer verſetzten: die Niederlage Choltet's und Beaupréau's, und der Tod Bonchamp’s. Dieſer, eben ſo brave, als edelmüthige, General, deſſen Andenken die Ge⸗ ſchichte bewahren muß, gab ein Beiſpiel von Mäßigung, das in Bürgerkriegen höchſt ſelten iſt. Er war am Sterben, als er Hrn. „Autichamp rufen ließ.„5000 Republikaner, ſagte er zu ihm, „ſind in der Abtei St. Florent eingeſchloſſen. In den Kellern lie⸗ „gen 60 Tonnen Pulver, welche ſie in die Luft ſprengen ſollen. „General, ich empfehle Ihnen, dieſen Menſchen das Leben zu ret⸗ „ten.“ Autichamp, würdig, einer ſo edlen Handlung verbündet zu ſeyn, vollzog ſie gewiſſenhaft. In dieſen außerordentlichen Zei⸗ ten ſtrahlen große Handlungen und die edelſte Ergebenheit oft im reinſten Glanze unter Niedermetzlungen und Greueln des Bürger⸗ kriegs. Man ſehe auch hier ein von den Republikanern gegebenes Beiſpiel. Autichamp, nachdem er der Niederlage der royaliſtiſchen Truppen bei Mans, und ihrem unglücklichen Verſuch⸗ über die Loire zu gehen, und bis zu einem Hafen zu gelangen, wo ſie Hülfe von England erhalten konnten, beigewohnt, flüchtete ſich, ver⸗ wundet und von Miüdigkeit erſchöpft, zu einer Bewohnerin von Mans, Namens Bellemare. Die edelmüthige Frau hatte ſchon einem republikaniſchen Huſaren⸗Oberſten, der auch verwundet war, die nämliche Sicherheitsſtätte gewährt. Dieſer Obriſt ſchloß ſich ohne Bedenken an ſeinen Unglücksgefährten an, und nahm denſel⸗ ben, um ihn dem Tod zu entziehen, als Exerciermeiſter(Officier . * 8. 378 3 Autichamp. instructeur) unter ſein Regiment auf. Man kennt die ſtrengen Geſetze jener Zeit gegen ſo bewundernswürdige Vergehungen. Au⸗ tichamp war, als Exerciermeiſter eines republikaniſchen Regiments, unter dem Namen Villemet, mit ſeinem Oberſten zu Antwerpen, als er den mit den Vendée⸗Chefs geſchloſſenen Frieden vernahm. Jezt gab er ſich den Kommiſſarien der Nat. Convention zu erken⸗ nen, und ging mit ihrer Bewilligung auf ſeine Güter. Als ihn im J. 1795 Stofflet zu dem Grafen Artois ſandte, der auf Isle Dieu*) angekommen war, ſchlug er das Ludwigskreuz, womit ihn dieſer Prinz ſchmücken wollte, aus.„Ich kann es,“ ſagte er,„nicht an⸗ „nehmen, als nach der Herſtellung der Monarchie.“ Noch öftere Anſtrengungen machte Autichamp, um hinläugliche Streitkräfte zur Wiederorganiſirung der Vendée zu ſammeln; aber er fand nur Trümmer, die man unmöglich wieder vereinen, und neu beleben konnte. Sie waren nur die Aſche einer großen Feuersbrunſt. Cha⸗ rette ſtarb. Der General Hoche, welchen man um Frieden bat, beruhigte dieſe unglücklichen Gegenden, und der Krieg zerriß nicht mehr den Schoos des Vaterlandes. Im J. 1799, als das Geſetz der Geiſelſchaft Hrn. v. Autichamp getroffen, verſuchte er einige neue, aber ohnmächtige, Anſtrengungen, und wurde bei mehreren Vorfällen geſchlagen. Endlich erkannte er die Unmöglichkeit eines längern Widerſtandes. Der General Heédouville ſchloß den Frie⸗ den. Autichamp kam nach Paris, wurde vom Kaiſer wohl em⸗ pfangen, machte öffentlich dieſe Ehre geltend, und blieb ihm ſo lange treu, als das Glück, welches, in Rückſicht ſeiner Lage, we⸗ der ein Lob, noch eine Rüge, ſeyn ſoll. Als die erſten Unfälle Napoleon's die Hoffnungen der Freunde der Legitimität neu belebt hatten, trug Autichamp ſeine, mit leichter Mühe ſiegreichen, Waf⸗ fen im Weſten, und kam nach Paris zurück, um dem König die Früchte ſeiner Triumphe darzubieten. Er ward zum General⸗Lieu⸗ tenant, Commandeur des St. Ludwigs⸗Ordens, und zum Kom⸗ mandanten der 14. Militär⸗Diviſion ernannt. Während der 100 Tage, nachdem er, durch den Zug des Herzogs von Bourbon un⸗ terſtützt, vergebliche Verſuche gemacht, Anjon aufzuregen, raffte er einige 100 Leute zuſammen, mit welchen er Chotet beſetzte. Der zwiſchen ihm und dem Marquis von la Rocheiacquelin bere⸗ dete Plan war, ſich, ſo viel möglich, dem Meerufer zu nähern. Man zählte noch auf den Beiſtand jener Inſulaner, die immer *) Eine kleine Inſel im atlantiſchen Meere, nahe der Küſte von Poitou. G. ——— — Autichamp. Autié. 3 379 bereit waren, die Unruhen in Frankreich zu unterhalten. Aber der Plan konnte nicht ausgeführt werden. Kaum war Autichamp zu Legé angekommen, als der Aufruhr der von Sapinaud und Suſannet befehligten Corps und die Annäherung der kaiſerlichen Truppen ihn zum Einhalt zwangen. Nach einigen unbedeutenden Kämpfen erfolgte das Gefecht bei la Roche Servières, worin 15000 Mann des Generals Lamarque die Royaliſten niederwarfen und zerſtreuten. 300 Mann, und ſechs ihrer beſten Staabsoffiziere, auch der General Suſannet, wurden getödtet. Neun Tage nach der Schlacht bei Waterloo, deren Ausgang noch unbekannt war, unterzeichneten die Generäle Lamarque und Sapinaud einen Frie⸗ densantrag, an welchem Autichamp keinen Theil nahm. Er blieb in Aujou bis zum Ende des Juli. Als ſich, nach der zweiten Rück⸗ kehr des Königs, das Gerücht verbreitete, daß die Vendée⸗Armee ſich mit der an der Loire vereinigt hätte, hielt es Autichamp für Pflicht, ſeine Offiziere eine Tagesordnung unterzeichnen zu laſſen, welche dieſe Behauptung förmlich widerlegte. Franzoſen vereini⸗ gen, die Fahnen des Königs und die der Nation vermengen, die Zwietracht auslöſchen, Ströme von Blut aufhalten, die noch flie⸗ ßen wollten, war dies ein Schimpf oder ein Aergerniß, die man mit einer ſo beklagenswerthen Affektation zurückſtoßen mußte? Konnte die Wirkung einer ſolchen Erklärung eine andere ſeyn, als die Gemüther zu erbittern, den Haß wieder anzuregen, neue Wun⸗ den zu öffnen, und die Verſöhnung, welche man zu wünſchen ſchien und doch ſo verſchmähend von ſich wies, unmöglich zu ma⸗ chen?— Autichamp wurde bei ſeiner Rückkunft in Paris Präſi⸗ dent des Wahlkollegiums von Beaupréau, und erhielt bald darauf die Ehre der Pairie. Autié(Johann Franz Stephan), nahm frühzeitig Dienſt, und that ſich hervor. Im Jahr 3. wurde er, als Capi- taine Adjoint im Stabe der Pyrenäen⸗Armee, beauftragt, einem Brigade⸗General einen wichtigen Befehl zu überbringen. Er be⸗ traf den Angriff der Verſchanzungen bei St. Clement, vor Roize. Autié ſollte, laut förmlicher Aufgabe, nicht eher, als nach geen⸗ digtem Gefecht und vollkommenem Erfolg, zurückkommen. Der General glaubte ſich zu ſchwach, und verweigerte den Sturm. Autié ſuchte den Capitän Breda auf, machte ihm fühlbar, wie ſchimpflich es wäre, von dieſer Unternehmung abzulaſſen, beſtimm⸗ te ihn, ſchlug ſich an ſeiner Seite, und nahm mit einer Handvoll Grenadiere die Verſchanzung. Im J. 6. wurde Autié bei der Armee in Helveiien angeſtellt, und war einer derienigen, welche 330 Autié. d'Auvergne. am meiſten zur Räumung des Waadtlandes durch die Berniſchen Truppen beitrugen. Er zeichnete ſich in Spanien als Obriſt des 8. Linienregiments aus, focht muthig bei Cadix, that in der Schlacht bei Chiclana Wunder der Tapferkeit, und ward in derſelben, den 11. März 1811, an der Spitze ſeines Corps, getödtet. d'Auvergne(Theophile⸗Malo Corret de la Tour), erſter Grenadier der franzöſiſchen Republik. Man ſieht hier einen Helden, wie ſich in den militäriſchen Jahrbüchern aller Zeiten und Völker vielleicht kein zweites Beiſpiel findet. Ein⸗ fach, edelmüthig, uneigennützig, eben ſo gefühlvoll, als tapfer, von trotzigem und ſanftem Gemüth, verband er in ſeinem ſchönen Charakter alle Züge, aus denen die wahre Größe beſteht. Aus einer Baſtard⸗Linie des Hauſes Bouillon entſproſſen, führte er mit Turenne denſelben Namen, und war ihm auch in vielem Be⸗ tracht ähnlich: die nämliche Phyſiognomie, Klugheit und Tapfer⸗ keit. Aber Turenne wurde geſchlagen, änderte ſeine Partei, diente Spanien. La Tour d'Auvergne war immer Sieger, ſeinem Vater⸗ lande treu, lebte und ſtarb unter dem National⸗Banner. Gebo⸗ ren zu Carhaix, im Departement Finiſtoͤre(Bretagne), den 23. No⸗ vember 1743, trat er 1767 in Dienſt,*) wurde 1779 Capitän beim Regiment Angoumois, und diente 1782 als Freiwilliger im ame⸗ rikaniſchen Kriege. Bei der Belagerung Mahon's war er Aide⸗de⸗ Camp des Herzogs von Crillon, der die ſpaniſche Armee komman⸗ dirte. Man trug ihm den Befehl über ſein Corps an; er ſchlug ihn aus. Immer war er im erſten Gliede, wenn es zum Sturme ging, immer der letzte beim Rückzug. So ſah man, wie eines Tags dieſer unerſchrockene Mann einen Verwundeten auf ſeine Schultern nahm, ihn an einen vom Schlachtfeld ziemlich entlegenen Sicherheitsort trug, ſchnell wieder ſeinen Platz in den gebrochnen Gliedern einnahm, bis zum errungenen Siege focht, und— eine beträchtliche Summe ausſchlug, die ihm der König von Spanien als Lohn jener Handlung anbot. Die Bürger der alten Republi⸗ ken würden ihm eine Krone oder eine Statue, den einzigen dieſer ſchönen That würdigen Lohn, beſtimmt haben. Als der Revolu⸗ tionskrieg ausbrach, war La Tour d'Auvergne beinahe 50 Jahre alt, und lebte zurückgezogen mit einer mäßigen Penſion. Der glü⸗ hende Edelmuth ſeines Charakters mußte ihn für die Ideen der Frei⸗ heit, welche dieſe Revolution verſprach, begeiſtern. Er war einer der erſten, die ſich unter die dreifarbige Fahne ſtellten. Er diente *) Er begann als Mousquetaire bei der königlichen Garde. G. — d'Auvergne. 5 381 als Grenadier⸗Hauptmann, und kommandirte 1793 8000 Grena⸗ diere bei der gegen Spanien geſandten Armee, ohne den Generals⸗ Titel annehmen zu wollen. La Tour d⸗Auvergne lehrte das Fuß⸗ volk die, zuvor vernachläſſigte, Kunſt, ſich des Bajonetts zu bedie⸗ nen,*) das ſeitdem ſo viele Gefechte zum Vortheil der franzöſi⸗ ſchen Truppen, welche dieſe Waffe vorzüglich anwenden, entſchied. Er wagte jeden Tag ſein Leben, welches von dem feindlichen Ge⸗ ſchütz geachtet ward; ſein Hut und ſeine Kleider waren von Kugeln durchlöchert, und nie erhielt er eine Wunde.**) Er that ſich be⸗ ſonders auf dem Rückzuge von Uſtariz, bei der Eroberung St. Se⸗ baſtian's und der ſpaniſchen Batterie dieſſeits der Bidaſſoa hervor. Er ſelbſt machte alle Recognoscirungen, und hauchte der Avant⸗ Garde, die er anführte, ſo feurig ſeinen Muth ein, daß jene Ko⸗ lonne, welche man die hölliſche(infernale) nannte, faſt immer den Sieg vor der Vewegung des Armee⸗Corps entſchied. Alle Züge ſeiner Herzhaftigkeit kann man hier nicht anführen. In dem Ge⸗ fecht bei Andaye eilte er ganz allein nach einer im Feld einzeln ſte⸗ henden Kirche, in welche ſich die Feinde geflüchtet hatten, und er⸗ brach die Thüre mit Arthieben. Als der Friede von Baſel geſchloſ⸗ ſen war, ſchiffte er ſich nach Bretagne ein, wurde von einem eng⸗ liſchen Korſar gefangen, vertheidigte die Nationalkokarde, indem er ſie bis an das Heft ſeines Degens ſpieſte und den Feind mit der Spitze bedrohte, blieb ein Jahr auf den Pontons, und kam nach Frankreich zurück, wo er ſich zu Paſſy, bei Paris, anſiedelte, und ſeine Muße Beſchäftigungen mit National⸗Alterthümern weihte⸗ bis neu die Flamme des Kriegs entſtand. Er ging jetzt zu der von Maſſena befehligten Armee in Helvetien ab, vertrat dort die Stelle eines Konſeribirten, des Sohns ſeines Freundes Lebrigant, und bewies ſtets die nämliche Unerſchrockenheit. Im J. 1800 bot ihm Bonaparte einen hohen Grad an; La Tour d⸗Auvergne ſchlug ihn aus. Damals erhielt er den ſchönen Beinamen: Erſter Gre⸗ nadier Frankreichs, und das feierliche Geſchenk eines Ehren⸗ ſäbels. Noch verweigerte er den mit dieſer militäriſchen Auszeich⸗ nung verbundenen Gehalt. Dieſer ſo edle, ſo ſtandhafte Uneigen⸗ nutz hat etwas Alterthümliches, das den Menſchen in ſeinen eig⸗ nen Augen erhebt. Er weigerte ſich, den Ehrenſäbel zu tragen, bevor er(ſo ſchrieb er an einen ſeiner Freunde) ihn dem Feinde *) Welche der Marſchall von Sachſen in ſeinem Reveries mili- taires ſchon ſo ſehr empftehlt. G. **) Deswegen ſagten die Soldaten:„Unſer Hauptmann verſteht die Ku⸗ geln zu bannen.“ G. 382 Auvergne. gezeigt habe. La Tonr d'Auvergne nahm wieder Dienſt in der 46. Halb⸗Brigade,*) bei der Rhein⸗Armee, und wurde den 27. Juni 1800 in der Schlacht bei Neuburg getödtet. Er mar⸗ ſchirte in den vorderſten Reihen, mit erhobenem Säbel, als ein Uhlan ihm mit ſeiner Lanze das Herz durchbohrte. Beſtattung und Grabmal waren ſeiner würdig. Sein Körper ward auf dem Felde der Ehre begraben; Eichen⸗ und Lorbeerzweige verkündeten ſeine Ruheſtätte. Ehe man der Erde die Reſte dieſes ruhmvollen Man⸗ nes anvertraute, wandte ihn ein Grenadier herum, und ſagte: „Nie hat er in ſeinem Leben dem Feinde den Rücken gekehrt. Legt wihn in das Grab, wie er auf dem Schlachtfelde war!“ Sprecher und Leichenrede waren des Helden werth. An der Stelle, wo er fiel, wurde ein Sarkophag errichtet, mit der Inſchrift: X la mémoire de la Tour d'Auvergne, premier Gré- nadier de France, tné le 27. Juin 1800. Der Gene⸗ ral Deſſoles fügte zu dieſem glorreichen Denkmal ein noch dauer⸗ hafteres. Er befahl, daß ſeine Stelle erledigt bleibe, und daß ſein Name in der letzten Compagnie, worin er gedient, bewahrt werde. Beim jedesmaligen Vorleſen derſelben antwortete eine Stimme im Namen La Tours: Geſtorben auf dem Felde der Ehrel Sein einbalſamirtes Herz wurde von dem erſten Sergeanten(in einer goldenen Kapſel) vor der Compagnie hergetragen: eine neue Ehrenbezeugung, wie das heilige Alterthum in ſeinem patriotiſchen Sinn nichts Gleiches bietet. Lebrigant, der Freund La Tour's, hatte ihm die Neigung für celtiſche Antiquitäten eingeflößt. Wäh⸗ rend ſeines Aufenthalts zu Paſſy ſchrieb der erſte Grenadier der Republik ein Gloſſarium über 45 Sprachen, ein franzöſiſch⸗celtiſches Wörterbuch, und eine Abhand⸗ luns über die galliſchen Stämme(origines gauloises). In dem letzteren Werke, dem einzigen, das er herausgab, findet man gründliche Gelehrſamkeit, unermüdliches Forſchen, aber viel⸗ leicht zu kühne Hypotheſen. Im Ueberfluß bietet das Leben dieſes berühmten Mannes Züge von Muth und edle Handlungen. Unei⸗ gennützig und beſcheiden, wie einer ſeiner vorzüglichen Zeitgenoſſen⸗ der gelehrte Anquetil⸗ Duperron,(ſ. d. Art.) duldete er die *) Sie beſtand aus dem ebemaligen Regiment Noyal⸗Rouſſillon und aus der 2. Legion des Francs. Erſteres hatte wohl La Tour in den Pyrenäen kennen gelernt, wo baskiſche Grenadiere unter ihm fochten. Der erſte Konſul hatte ihn in das geſetzgebende Corps be⸗ rufen.„Ich verſtebe keine Geſetze zu machen, war ſeine Antwort; aber nvertheidigen kann ich ſie. Man ſchicke mich zur Armee!“ G. —— 1 d'Auvergne. Auvray. 383 Armuth mit ſeltener Entſchloſſenheit, und zog ſie einem Reichthume vor, der vielleicht die Einfachheit ſeiner Sitten gefährdet hätte. Der Kriegsminiſter bot ihm 400 Thaler an, als er aus England zurückkam. Er nahm 120 Franken, und ſagte:„Wenn ich neue „Bedürfniſſe habe, werde ich wieder kommen.“ In die Lager trug er die Mäßigkeit eines Spartaners. Er ſchlug die Geſchenke des Prinzen von Bouillon aus, ſo wie jene des Königs von Spanien und des erſten Konſuls Bonaparte. Standhaft behielt er den Ton der republikaniſchen Freimüthigkeit und Würde.„Ich biete Ih⸗ „nen meinen Kredit,“ ſagte ihm ein Volks⸗Repräſentant.—„Ich „nehme ihn an.“—„Wohlan denn! Wollen ſie ein Regiment?— „Nein, ich will ein Paar Schuhe“*).* Auvray(Louis Marie), geb. den 12. October 1762, vor der Revolution Sekretär der Intendanz zu Paris, hierauf Offtzier. Er zeichnete ſich im Revolutionskrieg aus, ward Obriſt des 40ſten Linienregiments, und nahm wegen verſchiedener Unannehmlichkei⸗ ten, die er erfahren mußte, ſeinen Abſchied. Nach dem 18. Bru⸗ maire wurde er Präfekt des Sarthe⸗Departements, und war ein treflicher Verwalter. 1814 ernannte ihn der König zum Maréchal⸗ de⸗Camp und Ludwigsritter. Man hat von ihm eine geſchätzte Statiſtik über das genannte Departement. *) La Tour dAuvergne war allerdings, wie eine Erſcheinung aus den beſſeren Tagen des griechiſchen oder römiſchen Alterthums. Er dachte und focht mit ächtem Sinne für ſein Vaterland und ein Ideal der Freiheit, wie es ſeinem edlen Geiſt vorſchwebte. Seine romanti⸗ ſche Natur erinnerte an die ſchönere Zeit des Ritterthums, an einen Du Guesclin, Bayard, und unſern biederherzigen Götz von Berlichin⸗ gen. Der berühmte Matthieu Dumas gab eine ſchöne Charakteriſtik des erſten Grenadiers, und der Verehrung, die ſeinen Manen gezollt ward, und die ſo ganz das Gepräge der Chevalerie trägt. Da die Gre⸗ nadiere von jeher das ruhmvollſte Corvs in dem franz. Heere bildeten⸗ ſo konnte ſein Sinn nicht beſſer getroffen werden, als in der ihm er⸗ theilten Benennung. Ich lernte bei der Armee einen braven und wahr⸗ heitliebenden Offizier kennen, der früher mit La Tour in dem nämlichen Regimente gedient, und ſeine Erzählung beſtätigt mir das, was in ge⸗ genwärtiger Schilderung über die Denkungsart dieſes Kriegers geſagt iſt. Er war ein redlicher Patriot, ein treuer Freund, tapfer bis zur Verwegenheit, mild gegen Ueberwundene und gegen die Bewohner der eroberten Länder. Bei reichem und tiefem Geiſt beſaß er eine unge⸗ wöhnliche körperliche Größe, Stärke und Ausdauer. Vergnügt bei ein⸗ facher Koſt und ſeiner Pfeife, verſchmähte er auch allen äußern Prunk: ſeine Lieblingstracht war die National⸗Uniform. Moreau, der Feldherr⸗ übergab La Tour's Denkmal dem Schutz der Braven eines je⸗ den Landes. G.. 384 Avaray. Avelloni. Avaray(Beziade, Marquis von), war 1789 Depu⸗ tirter des Adels von Orléans bei den Generalſtänden, wo er ſich nicht bemerklich machte. Als Mitglied der konſtituirenden Ver⸗ ſammlung ſchlug er vor, die Erklärung über die Pflichten des Bür⸗ gers neben die über die Menſchenrechte zu ſetzen. Er emigrirte 1791 und floh nach Deutſchland. Nach der erſten Reſtauration (1814) wurde er Garderobemeiſter des Königs, 18415 trat er in die Pairs⸗Kammer, und 1816 in den Verwaltungsrath des In⸗ validenhauſes. Avaray(Graf von), Sohn des vorigen, im Anfang der Revolution Obriſt des Regiments Boulonnais, begünſtigte Mon⸗ ſieurs Auswanderung. Dieſer Prinz war mit ihm zu Maubeuge angekommen, um ſich nach Mons zu begeben. Aber man konnte ohne Vorzeigung der Päſſe keine Poſtpferde erhalten. Avaray ſtellte ſich, als habe er dieſe Formalität verſäumt, und wandte die Ue⸗ bereilung ſeiner Abreiſe vor, weil ſeine Schweſter, Stiftsdame zu Mons, gefährlich krank wäre. Er fügte hinzu, daß der geringſte Aufſchub ihn fürchten laſſe, ſie nicht mehr lebend zu finden, und bat den Poſtmeiſter, ihn auf Abwegen ſchnell dahin zu fahren, mit dem Verſprechen, dieſe Gefälligkeit großmüthig zu belohnen. Der Mann lieferte Pferde, und der Graf kam mit dem königlichen Prinzen in der Nacht zu Mons an. Aus Dankbarkeit ernannte ihn der Prinz zum Garde⸗Capitän und zu einem ſeiner Miniſter. Zudem ermäch⸗ tigte er die Familie Avaray, in ihrem Wappen den Schild Frank⸗ reichs zu führen, mit dem aus Virgil entnommenen Wahlſpruch: Durum facit pietas iter. Avaray, der ſich in der Folge von dem Schloſſe Hartwell nach Madera begeben, ſtarb daſelbſt 1810, und wurde vom Grafen von Blacas in der Stelle eines Gar⸗ derobe⸗Meiſters erſetzt. Avaray(R.), jüngerer Bruder des vorigen, 1815 Offñzier bei den Chevaux⸗Legers, hat jezt ein Kommando im Departement Loir⸗et⸗Cher. Avelloni(Franz), iſt einer der Schriftſteller, deren po⸗ puläre Wirkungen die ſtrenge Kritik nicht anerkennt. Man ge⸗ ſteht ihm zu, daß er Begebenheiten zu verbinden, ſeine Erzählung oder ſeinen Dialog zu beleben, und ergreifende Situationen zu er⸗ finden weiß. Man ſpricht ihm weder Furchtbarkeit, noch Simpli⸗ eität des Ausdrucks, ab. Aber die Stoffe, welche ſeine Feder be⸗ handelte, ſind zu romanhaft, und ſeine Gattung iſt dunkel. Des⸗ wegen verweiſet ihn die Kritik unter die Verfaſſer der Melodra⸗ — — Avellony. Avenay. 385 men. Geboren zu Verona 1756, begann er in Italien mit der kläglichen Laufbahn eines wandernden Komödianten. Hierauf hei⸗ rathete er eine ſchöne, geiſtvolle und berühmte Schauſpielerin, und legte ſich nun mit Erfolg auf die dramatiſche Dichtkunſt. Die Ita⸗ liener des 19. Jahrhunderts, welche in der Literatur auf den Ge⸗ ſchmack der finſtern und ſchrecklichen Gattung und auf die Ideen des Dante zurückzukommen ſcheinen, nahmen ſeine Hervorbringun⸗ gen, die mehr breit und pathetiſch, als korrekt und regelmäßig wa⸗ ren, günſtig auf. Sie vervielfältigten ſich unter ſeiner Feder mit erſtaunenswürdiger Schnelle. Sein beſtes Drama: Julius Wil⸗ lenvel, oder der Rörder, wurde in 15 Tagen, und der 5te Akt in einer Nacht, fertig. In ſeiner magiſchen Laterne, und dem Luſtſpiele: Schlimmer Kopf und gutes Herz, hat er nicht jene feine Beobachtung der Molière und Goldoni, aber ein eigenes Talent gezeigt, die Sitten und Kontraſte der Ge⸗ ſellſchaft mit denen der Natur auszugleichen, und einen biſarren, aber kräftigen, Charakter mit Feſtigkeit zu ſchildern. Als Nach⸗ ahmer Schakspeare's ließ er die Geſchichte in beweglichen und ausdrucksvollen Gemälden wieder aufleben, und gab die Regierung Heinrich's IV.(von Frankreich) in drei Abtheilungen. Die Zeich⸗ nung der Perſonen iſt ziemlich treu, aber ihre beſondern Charak⸗ tere ſind weniger gut beobachtet, als die Sitten der Zeit. Man findet hier den Sieger von Jory, aber nicht den Freund Sully's und den Geliebten Gabrielens. Die Tapferkeit, der Biederſinn des Helden ſind dargeſtellt; vergebens ſucht man die Freimüthigkeit und naive Güte des populären Königs. Einem Franzoſen(Collé) war es vorbehalten, Heinrich IV. in einigen Situationen ſeines Pri⸗ vatlebens zu ſchildern, und den Sieger von Paris, ohne ihn herab⸗ zuſetzen, an dem Tiſche des Müllers Michaud zu zeigen. Dennoch ſind die drei Schauſpiele Avelloni's intereſſant, und haben, wie faſt alle Werke dieſes Autors, Beifall erhalten. Bei allem guten Erfolg, dem die Journaliſten Italiens, als Ausleger des Ge⸗ ſchmacks, entgegen wirken, beſaß Avelloni im J. 1813 zu Venedig nur ein ſehr mittelmäßiges Vermögen*) Avenay(N. von), Obriſt des 6. Küraſſier⸗Regiments, war *) Wir enthalten uns über die bier gegebene, wohl gute, aber von kon⸗ ventioneller Theorie einigermaßen geleitete, Schilderung aller eignen Be⸗ merkungen, und verweiſen auf das, was A. W. Schlegel in ſeinen Vorleſungen über dram. Kunſt und Lit. von romantiſcher Darſtellung⸗ namentlich bei Schakspeare und Calderon, geſagt hat. G. Nene Biograph. I. 25 386 Avenay. Averdy. im Feldzuge von 1807. Man hat von ihm eine Rede aufbewahrt, die in dem Ohr eines Philoſophen ſehr traurig klingt, und welche der Reiz jener glänzenden Täuſchung des kriegeriſchen Ruhmes kaum bemänteln kann. Nach der Schlacht bei Friedland, wo d'Ave⸗ nay ſich hervorgethan, zeigte er dem Großherzog von Berg(Murat) ſeinen von Blut triefenden Säbel.„Muſtern Sie mein Regiment!“ ſagte er zum Fürſten.»Sie werden keinen Soldaten finden, deſen „Säbel ſo roth iſt, wie der meinige.“ D'Avenay wurde Brigade⸗ General, wohnte dem Feldzuge 1808 in Spanien bei, und zeichnete ſich beſonders den 5. Januar 1809 bei Prieros aus. Den 3. Aug. 1814 erhielt er das St. Ludwigskreuz. Averdy(Clemens Karl), wurde von den Schmeichlern bald de l'Averdy, bald Della Verdi, nach dem Namen ei⸗ ner altadelichen Familie Italiens genannt. Wie dem auch ſey, er bezahlte, bei gründlichen Talenten und philanthropiſcher Seele⸗ bald mit Ruhe, Ehre, Glück, und endlich mit ſeinem Kopf, das kürzeſte der Miniſterien, welches er mit reinen Abſichten verwaltet hatte. L'Averdy ward zu Paris 1720 geboren, und zeigte als Par⸗ laments⸗Rath Uneigennutz und Rechtſchaffenheit. 1763 erhielt er die Protection der Frau von Pompadour, und wurde General⸗Con⸗ troleur der Finanzen. Er war einſichtsvoll, klug, und uneigen⸗ nützig, aber auch äußerſt furchtſam. Er verdarb es daher mit der Behörde, deren Anſichten er nicht billigen wollte, mit dem Volke⸗ das er mit wenig Kraft ſchützte, und mit dem Hofe, dem er nicht gänzlich ergeben war. Flugſchriften ohne Zahl griffen ihn an. Man verſchwendete ſatyriſche Lieder gegen dieſen Mann, der weder den Geiſt des Hofs, noch den der Menge, beſaß, der ſich weder von öffentlichen Geldern zu bereichern, noch dem Strome der Berau⸗ bungen zu widerſtehen wußte, und der alles übel machte, ſelbſt das Gute. Er antwortete dieſen Angriffen, den ſchrecklichſten von allen in einem Lande, wo der Geiſt allmächtig iſt, und wo das Lächer⸗ lichmachen umbringt, durch das Edikt vom December 1764, wel⸗ ches verbietet, nichts, was die Finanz⸗Verwaltung betrift, druk⸗. ken zu laſſen. L'Averdy ſah unter ſeinem Miniſterium jenes ver⸗ haßte Getraide⸗Monopol und jene Niederlagen zu Jerſey und Guer⸗-⸗ neſey entſtehen, welche zu den, nicht am wenigſten unmittelbaren, Urſachen der Revolution gehörten. Er widerſetzte ſich allem, hin⸗ derte nichts, und ward entlaſſen. Kaum war er in ſeiner Einſam⸗ keit zu Gambais, als ſich das Publikum und die Hofleute vereinig⸗ ten, um ihn zu kränken. Man wollte ihn mit einem Male ſeines geliehenen Adels und ſeiner wirklichen Talente, ſo wie des Guten⸗ 9 Averdy. Aversberg⸗Tranſton. 387 das er theils gewünſcht, theils gethan, berauben.„Er hatte deſſen „gethan,“ ſagt Voltaire.„Denn“ fügt dieſer große Mann hinzu, „man dankt ihm die Freiheit des Getraidehandels, die der Aus⸗ „übung aller Gewerbe, das den Handelsleuten verliehene Adels⸗ „diplom, die Aufhebung der Nachſuchung des 100ſten Dénier ꝛc⸗ „Oft iſt das Publikum ungerecht und undankbar.“ L'Averdy trö⸗ ſtete ſich über die Undankbarkeit und Ungerechtigkeit des größten Theils ſeiner Mitbürger, indem er ſich in ſeinem ruhigen Aufent⸗ halt der Literatur, dem Landbau und landwirthſchaftlichen Verſu⸗ chen widmete. Aber die Revolution erreichte, traf ihn. Er wurde zum Tode verurtheilt als Mitſchuldiger an den unter ſeinem Mi⸗ niſterium ſtatt gehabten Monopolien, und als habe er in einen der Waſſerbehälter zu Gambais Getraide werfen laſſen, um das Volk auszuhungern. Mit Würde wies der Greis dieſe lächerlichen Be⸗ ſchuldigungen von ſich, ging im October 1794*) zum Richtplatze, und ſprach ſelbſt einem ſeiner unglücksgefährten Troſt zu. Trau⸗ riges und edles Ende eines Einſiedlers von 70 Jahren!— Seine Schriften öffneten ihm die Thüren der Akademie. Er gab unter andern: Code pénal, 1752; De la pleine Souverai- neté du Roi sur la Province de Bretagne, 1765; Expérience de Gambais, sur les blés noirs ou cariés etc. Auch hat man von ihm eine Tabelle der in den Memoiren der Aoadémie des Inscriptions enthaltenen Werke. Aversberg⸗Tranſtom(Karl, Prinz von), geboren im Oetober 1750, wurde, nachdem er in den Feldlagern einen ehren⸗ vollen Ruf erlangt, im Jahr 1792 beauftragt, den Höfen von Ber⸗ lin und Dresden die Krönung Franz II. anzukündigen, und erhielt bei dieſer Gelegenheit vom Könige von Preußen eine Doſe von 30,000 Franken Werth. 1793 nahmen ihn die Franzoſen, welche die Niederlande beſetzten, gefangen, und die Nat. Convention de⸗ kretirte, daß er als Geiſel für die Kommiſſarien, welche umou⸗ riez den Oeſterreichern überliefert hatte, dienen ſollte. Er ward 1795 ausgewechſelt, und erhielt Befehl, ſich in den dem Hauſe Oeſterreich zugefallenen Theil Polens zu begeben, um die Huldi⸗ gung der neuen Unterthanen Sr. M. zu empfangen. Im Decem.⸗ ber 1796 wurde dieſer Prinz Hauptmann der Trabanten⸗ Garde *) Sollte dies nicht ein Schreib⸗ oder Druckfehler ſeyn? Denn damals war die Terroriſten⸗Regierung ſchon geſtürzt, und die beſtehende gemaͤ⸗ ßigte wärs gerechter und menſchlicher geweſen. G. * 388 Aversberg⸗Tranſton. Aviec. d'Avila. und 1805 Kommandant von Wien. Joachim Murat rückte an der Spitze der franz. Avantgarde vor; der Kommandant erhielt Befehl, bei deſſen Annäherung alle Brücken zu verbrennen. Aber zu ſehr den Mittheilungen Murat's trauend, glaubte er den Frieden ge⸗ ſchloſſen, oder auf dem Punkt, es zu werden, ſchonte die Brücken, eröffnete alſo den franzöſiſchen Truppen den Uebergang, und war Schuld an ihrem Siege. Am Ende des Feldzugs ſtellte man ihn vor eine Militär⸗Commiſſion, die ihn degradirte, aller Orden, den des goldenen Vließes ausgenommen, beraubte, und gefänglich ein⸗ zog. Doch milderte der Kaiſer ſeine Strafe, und verwandelte die Gefangenſchaft in Verweiſung. Er lebte ruhig auf ſeinen Gütern bis 1809. Jetzt von neuem, aber in einem geringeren Grad, an⸗ geſtellt, glaubte er den auf ſeinem Ruhm haftenden Fleck auslö⸗ ſchen zu müſſen, und ſchlug ſich tapfer bei Wagram, wo er mit den Waffen in der Hand gefangen ward. Avice(Der Baron), Narechal⸗de⸗Camp, nahm 1779 Dienſt bei einem Dragoner⸗Regiment, wurde 1792 Capitän, und im folgenden Jahr Huſaren⸗Obriſt. Er diente lange in dieſer Eigenſchaft bei den Armeen vom Nord⸗Rhein, von der Vendeée, und Italien, zeichnete ſich in mehrereu Vorpoſten⸗Gefechten, un⸗ ter andern bei der Wiedereroberung der Weiſſenburger Linien, aus, wo er unter den Augen des Generals Ferino die Redoute von Berk⸗ heim hinwegnahm. 1797 ward er unter den Mauern Kehl's ver⸗ wundet, und im Jahr9 zeigte er vielen Muth beim Uebergang über den Mincio. 1814 leiſtete er dem Kaiſer den Eid als Brigade⸗ General, und wurde kurz darauf zur Pyrenäen⸗Armee geſandt/ welche er wieder verließ, um ſich an das 3. Kavallerie⸗Corps der großen Armee anzuſchließen. Im J. 1813 ward er zum Diviſions⸗ General erhoben, und 1814 zum Commandeur der Ehrenlegion und St. Ludwigsritter ernannt. Beim zweiten Eindringen der Al⸗ liirten im J. 1815 kommandirte der Baron Avice im Oepartemeltt der Oiſe, und wurde darauf in Ruheſtand geſetzt. lla(Don Juan), ſpaniſcher Advokat, Mitglied der aber wenig würdig, unter ihnen zu ſitzen, zeichnete ſich durch ſeine dienſtbare Beredtſamkeit aus. Er erhielt Gunſt und eine angeſehene Stelle im juridiſchen Fache. In ſeinen laugen Re⸗ den wurde jede Freiheit, jede Geſetzlichkeit, und alles was dem Menſchen in ſeinen natürlichen Rechten heilig iſt, mit Füßen ge⸗ treten. Die Vorzüge der leichten und bequemen Logik, die er in dieſer Hinſicht entwickelte, ſcheinen aber die Quiroga, Riegoge. nicht gewürdigt zu haben. 3 — Aviſſe. Avoyne⸗Chantereyne. 389 Aviſſe, ein Blinder und Poet, verlor das Geſicht, indem er die Küſten Afrika’s durchzog, wohin ihn die Hoffnung, Kennt⸗ niſſe und Glück zu erlangen, getrieben hatte. Im Alter von 18 Jahren kehrte er nach Frankreich zurück, ſetzte, mit Hülfe eines Vorleſers, ſeine Studien fort, und befeſtigte ſich in der Kunſt zu dichten. Einige Zeit bekleidete er die Stelle eines Profeſſors der Grammatik mit 800 Franken Gehalt, die für ſeine Bedürfniſſe nicht hinreichten. Um einige Milderung ſeines Looſes zu erhalten, wandte er ſich mit einem Geſuch an den erſten Konſul, worin er ziemlich fröhlich ſagte:(Wir geben den Vers im Original.) Il est plaisant ce boulanger farouche, Qui ne sourit que les jours de paiment, Et qui permet, que mon malheur le touche, Quand il a touché mon argent. Jeune et sage héros, ne crois point que je raille, Je serais homme à t'envoyer ma taille. Dans la douleur, qui m'accable aujourd'hui, Je m'addresse au Consul suprème; Eh bieu!''écrirais à Dieu mèͤme, Si la poste allait jusqu'à lui.— Dampierre hat zum Beſten der Wittwe d'Aviſſe's die Werke dieſes Dichters geſammelt, worunter ſich artige Fabeln, und ein Luſt⸗ ſpiel: Die Liſt des Blinden, bemerklich machen, welches letztere von Mehreren nachgeahmt ward. Avoyne⸗Chantereyne(Victor), geb. den 22. Juni 1762, war 1789 Advokat, und bekleidete in den erſten Revolutionsjahren mehrere Stellen im Verwaltungsfach. Im J. 1813 ward er Mit⸗ glied des geſetzgebenden Corps für das Dep. der Manche(Norman⸗ die). Im Auguſt 1814 bekämpfte er gewaltig den Vorſchlag Ray⸗ nouard's für die Preßfreiheit, unterſtützte den der Miniſter für die Cenſur, rieth zur Tagesordnung, als man die Freilaſſung des Druckers Dentu und einiger, wegen des Verkaufs eines aus dem Moniteur von 1797 entnommenen Aufſatzes, verhafteten Buchhänd⸗ ler verlangte ꝛe. Er erhielt im November 1814 das Kreuz der Eh⸗ renlegion. 1815 präſidirte er das Wahlkollegium von Cherbourg. 1816 trat er in die Deputirten⸗Kammer, und ſtimmte in der Siz⸗ zung von 1817— 18 für die körperliche Verhaftung, ſelbſt bei Siebzigjährigen, indem er behauptete, daß dieſe Maasregel eine Sicherſtellung gegen Liſt und Betrug, und der perſönlichen Freiheit nicht entgegen wäre. In der Sitzung von 1818— 19 un⸗ terſchrieb er für die Verantwortlichkeit der Miniſter. Er ſprach noch verſchiedenemal. Aber die Petition der Eleven der Rechts⸗ 390 Avoyne⸗Ehantereyne. Aprigny. ſchule, in welcher ſie ihren Profeſſor Bavoux auf ſeinen Lehrſtuhl zurück verlangten, und über die Avoyne⸗Chantereyne Bericht er⸗ ſtattete, lehrte ihn beſſer, als alles bisherige, kennen. Er rieth zur Tagesordnung, weil Bavoux im Anklagſtand ſey, weil die Un⸗ terſuchung ſeines Betragens der Regierung, und nicht der Kam⸗ mer, zuſtehe, und endlich, weil dieſe Petition wegen der ihr vor⸗ ausgegangenen Unordnungen von der Kammer nicht angenommen werden könne. Trotz der Oppoſition der muthigſten und ruhmvoll⸗ ſten Vertheidiger unſerer Freiheiten trat die Kammer den Schlüſ⸗ ſen des Berichterſtatters bei. Derſelbe ſaß immerfort im Centrum, und ſtimmte für das Intereſſe des Miniſteriums. 1820 ward er zum Rath am Kaſſationshof ernannt. 1 Avrigmy(C. J. L. Loelliard von), ein Gelehrter, weihte ſein nicht gemeines, dichteriſches Talent Gegenſtänden des Vaterlandes, die man lange Zeit beinahe wie außer poetiſchem Grund und Boben liegend betrachtete. Seit Wiederauflebung der Wiſſenſchaften waren die Helden und Sitten Griechenlands und Roms faſt allein im Beſitz unſerer tragiſchen Bühne, auf welcher Voltaire im letzten Jahrhundert die erſten franzöſiſchen Namen hören ließ. Die, in vielen Punkten verzweifelnde, Nullität einer Geſchichte, die mehr Ueberfluß an Anekdoten, an beſondern Thaten hat, als an Zügen, die der Epochen und der tragiſchen Muſe würdig ſind, bewog unſere großen Dichter, bei den Alten oder den Fremden Stoffe zu ſchöpfen, die ihren Genius begeiſtern konnten. Frankreich ſchien, immitten ſeines literariſchen Ruhms, Frank⸗ reich vergeſſen zu haben, welches einen Klodwig, Karl den Großen, Heinrich, Karl IX., und ſo viele andere ruhmvolle, ſo viele durch Tugenden oder durch Verbrechen bekannte, Charaktere hervor⸗ brachte. In der letzteren Zeit, als ſich aus dem Schooße des Ge⸗ witterſturms einer Revolution(der denkwürdigſten, die jemals war⸗ und die auch ir kommenden Jahrzunderten einzig bleiben wird) der Nationalgeiſt entwickelte, nahm die Literatur einen neuen, kraftvollen und patriotiſchen, Charakter an. Der Name d'Avrig⸗ ny's ſteht ehrenvoll unter denjenigen unſerer Dichter, welche es wagten, die heimiſchen Thaten zu verherrlichen (celebrare domestica facta. Hor.). Seine Natio⸗ al⸗Dichtungen, wovon der Jury der zehnjährigen Preiſe Meldung thut, waren hinlänglich, ihm die akademiſchen Ehrenbe⸗ zeugungen zu verdienen, welche ein bedeutenderes Werk(die Tra⸗ gödie Jeanne d' Aro) ihm noch nicht erwerben konnte. D'Av⸗ rigny iſt auf der Infel Martinique, gegen 1760, geboren. Nach⸗ Avrigny. Avril. 391 dem er ſich einige Jahre in Montpellier aufgehalten, kam er nach Paris, ließ ſich daſelbſt nieder, und heirathete im Anfang der Re⸗ volution die berühmte Sängerin Mlle Regnault die ältere. Er hatte 1778 um den Preis in der Dichtkunſt bei der franz. Akademie gerungen. Der Preis ward nicht zuerkannt, aber d'Avrigny's Ge⸗ dicht ehrenvoll im Berichte gemeldet. Der vorgeſchlagene Stoff hieß: Bitte des Patroklus an Achill. Sein erſter dra⸗ matiſcher Verſuch war eine komiſch⸗verwickelte Oper (Opéra-comique- imbroglio), betitelt: Die Verwirrungen (Brouilleries), die Lebreton in Muſik ſetzte, und deren Verfiech⸗ tung mühſam ſchien. In der Folge dichtete er für die Theater Feydeau und Vaudeville Stücke mit gutem Erfolg. Man bemerkt darunter: Die Heirath vom vorigen Tage(NMuſik von Jadin), die beiden Jockeys, Doria, eine Oper,(mit Le⸗ gouvé) ꝛc. In den erſten Jahren der kaiſerlichen Regierung wurde d'Avrigny Bureau⸗Chef beim Seeminiſterium. Er gab ſeine Na⸗ tional⸗Dichtungen, und einige geſchätzte Oden auf die Zeit⸗ ereigniſſe, heraus. Sein Gedicht: Die neue Schiffahrt, oder die Abreiſe des La Peyrouſe, hat Werth durch Ele⸗ ganz und Korrektheit des poetiſchen Styls. Unter unſern beſten hiſtoriſchen Schriften rechnet man ſeine Tabelle des Anfangs und der Fortſchritte der brittiſchen Macht in OÖſtin⸗ dien, welche Michaud in ſeine Geſchichte Myſore auf⸗ nahm. Endlich erſchien d'Avrigny's Tragödie Jeanne dArc mit vielem Glanz auf der Bühne, und verdiente in mehrerem Be⸗ tracht ihren hervorleuchtenden Beifall; doch wäre es ungerecht, ei⸗ nen Theil deſſelben der bewundernswürdigen Künſtlerin, welcher man die Rolle Johanna's anvertraute, zu verſagen(S. Duches⸗ nois). Ungern fügen wir hinzu, daß dieſer Autor einer der mit der vorgängigen Unterſuchung der Theaterſtücke beauftragten Cen⸗ ſoren iſt. Avril(R.), Maréchal⸗de⸗Camp, war Obriſt in der von Ronſin kommandirten Revolutions⸗Armee.*) Nach der Hinrich⸗ tung deſſelben und der Auflöſung ſeines Armee⸗Corps nahm der General Avril mit den Ofſtzieren und Soldaten, welche ſeinem Bei⸗ — *) Dieſes merkwürdige Coeps wurde, zur Zeit des Terrorismus, im Inne⸗ ren Frankreichs, zum Schrecken derienigen, welche man für Gegner dieſes Syſtems hielt, errichtet. Aber die revolutionäre Regierung fürchtete am Ende ſelbſt, daß ein demagogtſcher Sylla dieſe Schaaren zu ſeinen Abſichten gebrauchen mochte, und löſte ſie im März 17i wieder auf. 4. . 392 Avril. Aymard. Aymé. ſpiel folgen wollten, Dienſt unter den Truppen der Republik, und zwar im Departement Morbihan. 1794 befehligte er eine Diviſion der Küſtenarmee von Breſt. Er kämpfte gegen die Vendeer, und errang ausgezeichnete Vortheile über ſie an den Eiſenwerken bei Coſſé. Nach der Veruhigung dieſes Landes blieb er bei der 11. Mi⸗ litär⸗Diviſion, und erhielt 1804 die Würde eines Kommandanten der Ehrenlegion. Am Ende des Jahrs 18412 übernahm der Gene⸗ ral Avril den Befehl über eine Brigade der National⸗Garde, in deren Namen er Napoleon um die Ehre bat, in die Linie einzutre⸗ ten, um die Gefahren der großen Armee zu theilen.(Dies Anſu⸗ chen geſchah von allen Cohorten deſſelben Corps, welche darauf zu Linientruppen erklärt wurden.) Aymard(N.), Obriſt vom 32. Linien⸗Regiment, zeichnete ſich im Feldzuge von 1807, und nameutlich in der Schlacht bei Eylau, durch Tapferkeit aus. Neue Proben derſelben gab er mit ſeinem Regiment in Spanien bei Riol⸗Amenzara(1810), und bei Baza(1812), und wurde Brigade⸗General. Trotz dem hartnaͤcki⸗ gen Widerſtande eines krieggewohnten und zahlreichen Feindes nahm er den engen Paß von Wathon, eine wichtige Stellung,(10. Octo⸗ ber 1813) ein, kam nach Frankreich zurück, und wurde bei der großen Armee angeſtellt. Der Bericht über das den 11. Januar 1814 den Preußen gelieferte Gefecht erwähnt ihn mit Lob. Den 13. Auguſt deſſelben Jahrs wurde er zum Ludwigsritter ernannt. Aymé(Baron von), Kommandant des Ordens beider Si⸗ eilien, Ritter der eiſernen Krone, Aide⸗de⸗ Camp des Königs Joa⸗ chim, iſt im Departement Deux⸗Sevres geboren. Sein Vater war Präſident des Handelsgerichts. Weil das Genie⸗Corps durch die Auswanderung einen langen fühlbaren Mangel erlitt, ward Aymé, Ingenieur des Brücken⸗ und Straßenbaues, darin auf⸗ genommen. Er wohnte den Feldzügen in Italien und Aegypten bei⸗ und zeichnete ſich in den Belagerungen Jaffa's und St. Jean d'Acre's aus. Bei letzterer wurde er verwundet. Gleich rühmlich diente er unter dem Marſchall Lefoͤvre bei Danzig als General⸗Adiutant des Genie⸗Corps. Hierauf nahm er Theil an der Eroberung Rea⸗ yels, ward 1807 Offtzier der Ehrenlegion, diente in Spanien unter Murat, that ſich(1809) bei Cuenga hervor, und kam ein Jahr darauf wieder zu dieſem Fürſten, als er den Thron Neapels beſtie⸗ gen hatte. Er wurde zuletzt bei dieſem neuen Monarchen Chef des Generalſtabs, ſiel aber in Ungnade, als derſelbe ſich der Coalition gegen Napoleon anſchloß. Eine Miſſion entfernte ihn vom Fürſten. Ayme. 393 1815 kam er mit ſeiner Familie nach Genua, und erhielt von der ſardiniſchen Regierung einen Paß nach Marſeille. Er gehorchte der königl. Ordonnanz vom 16. December, nach welcher jeder Fran⸗ zoſe ſogleich den fremden Dienſt verlaſſen ſollte. In Neapel hei⸗ rathete er die älteſte Tochter des Fürſten Caramanica, aus einer der angeſehenſten Familien des Königreichs. General Aymé be⸗ kleidet jetzt wieder ſeine Stelle als Generallieutenant bei der franz. Armee. Aymé(Jakob), Bruder des vorigen, Offtzier der Ehren⸗ legion, trat im Anfang der Revolution in Dienſt. Er wohnte dem Vendée⸗Krieg als Hauptmann bei. Ein Flintenſchuß, der ihm den Leib durchdrang, nöthigte ihn, ſich in Ruheſtand zu begeben. Als Landsmann des Generals Murat wurde er bei der Unternehmung auf Aegypten in der Armee⸗Verwaltung angeſtellt. Doch mußte er ſeiner geſchwächten Geſundheit halben, bald nach Frankreich zu⸗ rückkehren. Als Murat wiederkam, ward Aymé ſein Sekretär, dann General⸗Intendant ſeines Hauſes, als er Großherzog von Berg geworden, und folgte ihm nach Spanien. Als dieſer Fürſt den Thron Neapels beſtieg, erhielt Aymé das große Band des Ordens beider Sicilien, wurde Staatsrath und erſter Kammerherr des Kö⸗ nigs. Später verhaftete man ihn in Frankreich wegen einer in Betreff der ſpaniſchen Angelegenheiten ergangenen Denunciation, und ſetzte ihn einen Monat im Schloſſe Vincennes gefangen. 1814 heirathete er eine Tochter Dandré's, Generaldirektors der Kron⸗ Domänen. Aymé(Johann Jakob), oder Job Aymsé, ehemaliger Advokat, war 1795 im Rath der 500, und wurde von Geniſſeux und Gonpilleau von Montaigu als Beſchützer der Royaliſten im Süden, der aufrühriſchen Prieſter, und als Chef der Jeſus⸗ und Sonnen⸗Compagnieen(ſ. d. Erkl.) denuneirt. Er ver⸗ theidigte ſich mit vieler Mäßigung, läugnete die ihm aufgehefteten Thatſachen, betheuerte ſeine Anhänglichkeit an die Republik, und verlangte, nach den konſtitutionellen Formen gerichtet zu werden. Angriff und Vertheidigung erregten einen lebhaften Wortwechſel. Aymé ward von der Verſammlung ausgeſchloſſen, aber nach 18 Mo⸗ naten wieder aufgenommen, und bald darauf zum Sekretär ernannt. Seinen Einfluß benutzend, verlangte er die Vollziehung des Depor⸗ tations⸗Dekrets gegen Barroͤre und Verdier, trug beim Direkto⸗ rium auf Unterſuchung des Alters von Barras an, welches Villot nicht für conſtitutionell erklärte, widerſetzte ſich der Feier des 9. Ther⸗ 394 Aymé. Ayral. Ayſcough. Azais. midors, und begehrte, daß in Zukunft nur die des 1. Vendémiaire*) anerkannt werden ſollte. Auf die Liſte der Deputirten geſetzt, welche in Folge des 18. Fructidors, deportirt wurden, wußte er durch Ver⸗ bergen ſich dem erſten Transport ſeiner Unglücksgefährten zu ent⸗ ziehen. Aber vier Monate darauf konnte er dem folgenden nicht entgehen, und ward an den Barrieren verhaftet, als er eben Pa⸗ ris verlaſſen wollte. Ein Beſchluß der Konſuln rief ihn im Decem⸗ ber 1799 zurück. Man ſtellte ihn zu Dijon unter Aufſicht: er gab dort ein Memoire über die Deportation heraus. Die Regierung ernannte ihn im Jahr 10 zum Großrichter der neuen Kolonie, die ſich auf Louiſiana bilden ſollte. Im J. 1804 wurde er Direktor der vereinigten Gebühren des Gers⸗Departements, und bekleidete 1816 die nämliche Stelle im Dep. vom Ain. Ayral, Arzt, und Deputirter der Nat. Canvegtton vom De⸗ partement der Ober⸗ Garonne, ſtimmte im Prozeſſe Ludwigs XVI. für den Appel an das Volk, dann für den Tod und gegen den Auf⸗ ſchub. Nach dieſer Sitzung kehrte er in ſein Departement zurück, und nahm keinen weitern Theil an öffentlichen Geſchäften. Man weiß nicht, ob er noch lebt. Ayſcough(Samuenh), geboren zu Nottingham gegen 1740, erhielt eine gute Erziehung, wurde aber, da Unfälle die Vermö⸗ gensumſtände ſeines Vaters zerrütteten, Müllerburſche. Ein edel⸗ müthiger Mann, mit dem er ſtudirt, rief ihn 1770 wieder nach London, und durch die Bemühungen dieſes Freundes kam er in das brittiſche Muſeum. Durch wiſſeenſchaftlichen Fleiß und gefälliges Betragen gelangte er zur Stelle eines beigeordneten Bibliothekars. Seine Werke ſind nützliche und genaue Compilationen. Er hinter⸗ ließ unter andern einen Katalog über die Manuſcripte des Muſeums, und einen Inder über Shakspeare, den koſt⸗ barſten von allen. Seine Bemerkungen über die Briefe eines amerikaniſchen Pächters machten wenig Senſation. Er ſtarb 1790. Azais(Peter Hyacinth), geb. den 1. März 1766 zu Soreze (Languedoc). Er war Eleve der berühmten Schule dieſer kleinen Stadt, wurde Religionslehrer, und ſtand eine Zeitlang als Pri⸗ vat⸗Sekretär bei dem Biſchof von Oleron. Ohne Zweifel ſchöpfte er ans dem Geiſt ſeines Amtes und aus ſeiner erſteu Erziehung die Grundſätze, auf welche wir ihn ſo muthvoll zurückkommen ſahen. Kaum entſtand die Revolution, als er auch mit Wärme alle Ideen *) Das Feſt der Gründung der Republik. G. Azais. 4 395 derſelben aufnahm. Bald aber verläugnete er ſolche zum Theil, unterſtützte die fruchtloſe Bewegung am 18. Fructidor, und floh, als ihn das Tribunal zu Albi verurtheilte, nach Tarbes in das Ho⸗ ſpitium der barmherzigen Schweſtern. Die edelmüthige Gaſtfreund⸗ ſchaft, die er genoß, gab ihm jene Theorie der Ausgleichun⸗ gen ein, womit er in der Folge Paris in Erſtaunen ſetzte. Seine Erkenntlichkeit brachte Lehrſätze hervor, welche jener ruhige Auf⸗ enthalt zu ordnen und zu glätten erlaubte. Kurz nachher hob das Tribunal ſein Urtheil wieder auf. Azais ging nach Bagneres, wo er, wie man ſagt, ſein Systéme universel ſchrieb. Er war 40 Jahre alt, und hatte noch nichts herausgegeben. Paris, auſ⸗ ſerhalb welchem die(franzöſiſchen) Gelehrten keinen Ruf haben, zog ihn an. Er gab 1806 einen Verſuch über die Welt, als Programm zu jenem Werke. Darauf ward er Profeſſor der Ge⸗ ſchichte am Prytaneum von St. Cyr, und ſchrieb an den Kaiſer einen Brief, der unter folgendem Titel gedruckt iſt: Discours sur la vérité universelle. Eine dieſer Wahrheiten war, daß, zufolge des Rechts, der Stärke und des Genies, S. M. im Fall war, den erſten Scepter der Erde zu er⸗ greifen. Sonſt ſah man lange kein irrigeres, mit ſo propheti⸗ ſchem Ton ausgeſprochenes, Syſtem. Azais ging nicht mit dem Prytaneum nach la Fleche, ſondern kam wieder nach Paris, wo er ſeine Ausgleichungen(Compensations) herausgab. Je mehr ſich dieſes Werk durch Plan und Styl von dem Geſchmack und den Einſichten des Jahrhunderts entfernte, deſto mehr Aufſehen er⸗ regte es. Die Zeit wird entſcheiden, ob es von Seiten des Autors die Frucht einer ſyſtematiſchen Eigenheit, oder die eines reellen Ver⸗ dienſtes war, von dem er ſich ſelbſt überzeugt hatte. Die Kritik ſchonte es nicht. Man zog ein vergeſſenes Buch wieder an'’s Licht: Das Syſtem der allgemeinen Waage, von Ant. Laſalle. Darin glaubte man die Quelle des Azais'ſchen zu finden. Die Kritiken verwandelten ſich am Ende in ziemlich luſtige Epigramme, und gaben den Journaliſten Stoff zu Artikeln, die allein dem Werke eine Art von Celebrität verliehen. Azais wurde Inſpektor des Buch⸗ handels zu Avignon, und ergänzte daſelbſt, trotz dem Journaliſten⸗ Geſchrei, ſein Syſtem. 1812 ging er nach Nancy; 1844 erhielt ihn der König auf ſeiner Stelle. Doch verlor er ſie 1815, ward aber während der 100 Tage zum Rector der Akademie zu Nancy, an d'Argel's Stelle, von dem kaiſerl. Kommiſſär, General Ram⸗ pon, ernannt. Doch blieb dieſe Ernennung ohne Wirkung, weil der Kommiſſär kein Recht zu dergleichen hatte. Dies wäre ſonſt 396 Azais. d'Azanza. eine glückliche Compenſation geweſen. Jetzt gab er verſchie⸗ dene politiſche Flugſchriften heraus, vertheidigte an ihm ganz un⸗ gewohnre Meinungen, und trat als ergebener Kampfheld des Mini⸗ ſteriums auf. Sein Ruf litt dadurch, ohne daß ſein Ruhm ſich vermehrte. Er arbeitete am Merkur, am Ariſtarch, an den politiſchen Annalen, gab, gemeinſchaftlich mit ſeiner Frau, eine Fortſetzung des Kinderfreunds, von Berquin, und ſah die literariſche Beachtung ſeiner erſten Werke auf den politiſchen, dunkeln und antinationalen Blättern, womit er das Publikum überhäufte, verſchwinden. Man weiß nicht, ob der Philoſoph Azais ein Sohn des Tonkünſtlers gleiches Namens iſt, der durch einige Stücke für das Violoncell bekannt ward. Er war Muſikmeiſter an der Mili⸗ tär⸗Schule zu Sorroͤze, und lebte noch im Anfang der Revolution. Auch gab er eine Methode für Muſik nach neuem Plan heraus. Iſt der Philoſoph ſein Sohn, ſo ſcheint das Neuerungs⸗ Syſtem in dieſer Familie erblich zu ſeyn. Unſer Azais iſt ſelbſt ein geſchickter Muſiker, und Improviſator auf dem Piano. Wäre er vielleicht der nämliche?— Als Publiciſt verſpricht er für das Ende 1820 ein neues Werk ſeiner Art, deſſen Titel eine hohe Bedeutung ankündigt: Du sort de l'homme dans toutes les conditions, du sort des peuples dans tous les siècles, et particulièrement du sort actuel du peuple françdais. Azais zieht die Dinge weit her. Man ſieht Horazens ab ovo in ſeinem Syſtem. d' Azanza(Don Joſeph Miguel), geb. 1746 zu Aoiz (nicht Aviz, in Navarra, wie einige Biographieen angeben), hat ſeinen ganzen Lebenslauf durch Dienſte, die er dem Staat als Mi⸗ litär und Verwalter leiſtete, bezeichnet. Man erblickt ihn an der Spitze der achtungswertheſten Spanier, die, indem ſie den Umſtän⸗ den nachgaben und ihr Vaterland vor einem langen und ſchrecklichen Kriege retten wollten, ſich auf Napoleon's Seite ſchlugen. Ferdi⸗ nand konnte nur ſich ſelbſt über den Abfall ſo großer Talente und edler Muthgefühle anklagen, die ihm endlich ein glücklicheres Re⸗ gierungs⸗Syſtem wieder verſöhnen ſoll.— Azanza that, noch ſehr jung, große Reiſen in Amerika, bekleidete mehrere Civil⸗ und Militärſtellen, diente darauf in Europa, und bedeckte ſich in der Belagerung Gibraltars mit Ruhm. Alsdann war er Geſandter in Petersburg und Berlin, und endlich Intendant der Armee⸗Corps in Valencia und Murcia. 1795 ſtand er im Felde, und wurde Kriegsminiſter. Karl IV. ernannte ihn darauf zum Vice⸗König von Mexiko, welchen Poſten er ſo verſah, wie es ſeine Talente — d'Azanza. 397 und adminiſtrativen Kenntniſſe erwarten ließen. Unter der mo⸗ mentanen Regierung Ferdinands VII. war er Finanzminiſter, und wurde in der Folge Mitglied der hohen Junta, die ſich unter dem Vorſitze des Infanten Don Antonio verſammelte, als Ferdinand nach Bayonne abging. Der General Murat hatte von Madrid mi⸗ litäriſchen Beſitz genommen. Azanza bewies in ſeinen Verhältniſ⸗ ſen mit demſelben, unter ſchwierigen Umſtänden, Weisheit und edle Feſtigkeit. Bald nachher präſidirte er zu Bayonne die für Na⸗ poleon’s Bruder verſammelte Junta, und war einer derjenigen, die am meiſten zur vorübergehenden Veränderung der Regierung mitwirkten. Er ſtand in großer Gunſt bei dem franzöſiſchen Mo⸗ narchen und ſeinem Bruder Joſeph. Man mußte ihn wegen ſeines Einfluſſes und ſeiner Talente ſchonend behandeln, und er ſelbſt verſäumte nichts, um eine dem Intereſſe des Vaterlandes nöthige Gunſt zu erlangen. Als Juſtizminiſter des neuen Königs erhielt er 1810 das große Band des königlich⸗ſpaniſchen Ordens, und ward darauf Miniſter von Indien. Dieſe Länder konnten den Rath nicht unmittelbar beſchäftigen, weil wichtigere Angelegenheiten ihn zwangen, auf das heftig bewegte Spanien und das in blutige Kriege verſenkte Europa ein offnes Auge zu richten. Mit dem Miniſterium von Indien und dem des geiſtlichen Fachs vereinigte Azanza bald das Departement der äußeren Angelegenheiten, welches ſeinen Ta⸗ lenten mehr entſprach. Bei aller Gunſt bewahrte er immer jene Liebe zur Freiheit, jenen Patriotismus, der, lange erſtickt unter dem edlen ſpaniſchen Volke, in den Verſammlungen der Cortes ſo glänzend hervortrat, und endlich eine Veränderung bewirkte, die andere, nicht weniger edelgeſinnte, Völker entflammt hat. Man hörte Azanza in einer an den König gerichteten Dankſagungs⸗Rede, bei der Inſtallation der Räthe(3. Mai 1809), ſagen, daß die Spanier hofften, die perſönliche und bürgerliche Freiheit künftig als Grundlage der Nonarchie zu ſehen; daß der König ſelbſt ihnen dieſe großmü⸗ thige Verſicherung gegeben, und daß man ihm für ſolche Wohlthat ewige Dankbarkeit ſchuldig ſey. Er wurde abgeordnet, Napoleon zu ſeiner Vermählung mit der Erzherzogin Marie Louiſe Glück zu wünſchen. Hierauf war er kö⸗ niglicher Kommiſſär für Granada, und erhielt die Orden vom gol⸗ denen Vließ und von Santa Fe. Nach der Rückkunft Ferdi⸗ nands VII. verſchwand ſein Glück. Unverſehrt blieb ſein Ruf; aber der in Ungnade gefallene Staatsmann findet immer feige An⸗ kläger. Er ſowohl, als ſein Kollege O Farill, rechtfertigte ſich in 398 d'Azanza. Azem a. Azincourt. Azorque. Azuni. einem Mémoire. Dies Werk iſt intereſſant durch Anſichten und Styl. Es iſt eine hiſtoriſche Beweisſchrift, voll ausführlicher Darſtellungen, die ſich ſonſt nirgends finden. Biederkeit, Adel, Freimüthigkeit, charakteriſiren dieſes Werk, welches Al. Fondras ins Franzöſiſche überſetzte. Azema(Michael), war 1791 in der geſetzgebenden Ver⸗ ſammiung, und trat in den Nat. Convent. Er ſtimmte für den Tod Ludwigs XVI., verwarf den Appel an das Volk, und ſprach gegen den Aufſchub. Er kam glücklich durch alle Parteien, wurde Kommiſſär des Direktoriums bei Departements⸗Verwaltungen, und darauf Richter am Tribunal zu Pamiers(Dep. Arriége). Spä⸗ ter kam er zu Paris wieder in das Verwaltungsfach. Emſig bei dem Polizei⸗Miniſterium und bei den Großen des Tags, gab er Vermuthungen aller Art ein freies Feld. Azincourt(S. Alblouis von).— Azorque(Der Marquis von), General⸗Lieutenant im ſardiniſchen Dienſt und Gouverneur der Grafſchaft Nizza, wagte es im J. 1815, ſich, in Gemeinſchaft des engliſchen Oberſten Bur⸗ ke, Monaco's zu bemächtigen, in der Abſicht, Italien zu ſchützen, als Napoleon von Elba kam; ein kühner Schritt, den der Mar⸗ quis d'Azorque ſelbſt vor dem Herzog von Valentinois, Herrn von Monaco und Pair von Frankreich, verantworten wollte. Fretlich hatte er, um ihn zu bewerkſtelligen, die gewiſſe Nachricht der Lan⸗ dung abgewartet. Seit einiger Zeit waren oberflächliche Lärmge⸗ rüchte auf den Küſten verbreitet, die Napoleon, ſein Leben, ſeine Projekte, und die Möglichkeit eines ſolchen Verſuchs, betrafen; aber nichts, was um die Inſel Elba vorging, beſtätigte ſie. End⸗ lich hörte man den Patron einer Fiſcherbarke rufen, daß man bald etwas Neues ſehen würde, und die Militär⸗Chefs verſtanden ſich, auf den Fall, daß dieſe Vorausſagung durch die Rückkehr Napoleons verwirklicht werden möchte, über die zu er⸗ greifenden Maasregeln. Einige Tage gehen vorüber; man vergißt die Gerüchte, die Furcht, und— der Kaiſer erſcheint im Golf Juan. Damals nahm es Azorque auf ſich, Monaco zu beſetzen; eine Vorſicht, welche durch den Marſch Napoleons und die daraus erfolgenden Begebenheiten überflüßig geworden war. Azuni(Dominik Albert), geboren zu Saſari, in Sar⸗ dinien, wurde Franzoſe aus Neigung und durch ſeine Stellen, und verdankte einem merkwürdigen Talent hohe Aemter, welche ihm der Sturz ſeines Wohlthäters raubte. Er ward gegen 1760 ——— —;— Azuni. 399 geboren, legte ſich frühe auf Literatur und Rechtswiſſenſchaft, ſtu⸗ dirte aber beſonders gründlich die See⸗Geſetzgebung, welche ſo ver⸗ ſchiedene Intereſſen durch ſo wenig beſtimmte Statuten ordnet. Bald Senator, und Richter am Handels⸗ und Seegericht zu Niz⸗ za, auch Mitglied mehrerer Akademieen, zog er die Blicke des Generals Bonaparte auf ſich, der 1796 nach Nizza kam, und deſ⸗ ſen Gedächtniß die Namen und Charakterzüge verdienſtvoller Män⸗ ner, und jedes, der ihm einmal zu ſeinen Proijekten dienen konnte, treu bewahrte. Von dieſem Feldherrn, als er noch erſter Konſul war, nach Frankreich gerufen, kam Azuni nach Paris, verband ſich mit den berühmteſten Gelehrten dieſer Hauptſtadt, und gab in franzöſiſcher Sprache ſein Univerſal⸗Syſtem der Grund⸗ ſätze des europäiſchen Seerechts heraus; ein erſtaunens⸗ würdiges Werk, ſowohl durch die Korrektheit des Styls, der nichts fremdartiges hat, als durch die lichtvolle Zuſammenſtellung der Thatſachen, und die Kraft einer an Reſultaten fruchtbaren Analyſe. Das Miniſterium des Innern ſtellte dieſen Gelehrten bei der mit Abfaſſung des neuen Handelsgeſetzbuchs beauftragten Com⸗ miſſion an, und vertraute ihm den das Seeweſen betreffenden Theil. Auch gab er einen Verſuch über die geographiſche, po⸗ litiſche und moraliſche Geſchichte Sardiniens, mit einer koſtbaren Karte, heraus. Zum Nitglied des geſetzgebenden Corps ernannt, bezeigte er demſelben ſeine Achtung durch Ueberrei⸗ chung eines Werks, betitelt: Abhandlung über den Kon⸗ trakt und die Wechſelbriefe nach den Grundſätzen des neuen Coder. Im FJ. 1809 verwickelte eine kleine Flug⸗ ſchrift, durch welche Azuni die Erfindung des Kompaſſes, ſo die Italiener ſich zuſchreiben, für die Franzoſen in Anſpruch nahm, denſelben in eine polemiſche Verhandlung. Ein Gelehrter, Namens Joſeph Hager, Profeſſor der orientaliſchen Sprachen zu Paris, wi⸗ derlegte, wenn nicht triumphirend, aber doch ſo, daß der Schein ſehr für ihn war, die Beweiſe Azuni's, gegen welche der Ehrgeiz der Italiener ſich empörte; denn dieſe haben, obſchon ſie kein ge⸗ meinſchaftliches Vaterland beſitzen, eine Art Nationalgeiſt, einen patriotiſchen und reizbaren Stolz, die nicht mehr unfruchtbar ſind. Als man im J. 1811 die Tribunale neu organiſirte, wurde Azuni, (der vertraute Freund des Großrichters und Juſtizminiſters im Kö⸗ nigreich Italien, Luoſt,) da er vorher die Stelle als Präſtdent des Appellationsgerichts zu Genua bekleidet hatte, Präſident der Kammer der genueſiſchen Compagnie, und erhielt das Kreuz der Eghrenlegion und des Reunions⸗Ordens. Napoleon unterlag. Azuni 400 Azuni. Azzara. theilte das Loos aller Männer, die ſein Fall von den Ehrenſtellen in das Privatleben warf. Im J. 1815 gab er ein neues und gu⸗ tes Werk heraus, betitelt: Denkwürdigkeiten zur Ge⸗ ſchichte der Narſeiller Seeſchiffer. Er lebt gegen⸗ wärtig zu Nizza ohne Anſtellung.. „Azzara(Don Joſeph Rikolaus, Ritter von), ſpa⸗ niſcher Miniſter, genoß einer hohen Gunſt, bis ihm die eines frem⸗ den Hofs das Wohlwollen ſeines Gebieters raubte. Er war ein Be⸗ ſchützer der ſchönen Künſte, denen er ſich ſelbſt mit Liebe und Er⸗ folg widmete, und bietet das beſondere Schauſpiel eines Grand von Spanien dar, der ſich als einen Freund der Aufklärung, ver⸗ traut mit Gelehrten, und als Beförderer freiſinniger Lehren zeigte. Obſchon er frühe einen ſehr lebhaften Hang zu den Künſten offen⸗ barte, wählte er doch die Diplomatie, welche ſich mit Einbildungs⸗ kraft und Genius*) ſo ſchwer zu vereinigen ſcheint, zur Laufbahn. Er ward zu Barbanales, in Arragonien, den 28. März 1731, aus einer adlichen Familie, geboren, und ſtudirte auf der Univerſität Huesca mit ſo gutem Erfolg, daß Don Ricardo⸗Val, Miniſter Ferdinands VI. ihm eine Stelle anbot, die er in der Magiſtratur, oder bei der Armee, oder im diplomatiſchen Fach, zu wählen hatte. Er entſchied ſich für das letztere. Als Agent des Königs für die geiſtlichen Angelegenheiten bei der Dataria(päbſtlichen Kanzlei) nach Rom, unter Clemens XIII., geſandt, gewann er die Freund⸗ ſchaft des ſpaniſchen Miniſters Don Joſeph Monino, den er bei ſei⸗ nen häufigen Arbeiten kräftig unterſtützte. Monino wurde durch Don Grimaldi, Titular⸗Geſandten, erſetzt, in deſſen Namen Az⸗ zara alles betrieb, und ſein Amt ſo verrichtete, daß er ihm nur die Ehre des Rangs ließ. Der Graf von Arreanda, Präſident des Raths von Kaſtilien, wirkte am mächtigſten zur Vertreibung der Jeſuiten. Azzara folgte hierin den Abſichten ſeines Hofs, und die Thätigkeit ſeiner Schritte, die Gewandtheit, mit der er dieſe, in Rom ſo delikate, Sache vollzog, beſtimmten und beſchleunigten die Aufhebung jenes Ordens, der, unter dem Schleier der De⸗ muth, die Erde mit ſeinen Paläſten bedeckte, und mit dem Garn des heiligen Petrus ſo viele Gewalt und Reichthümer umfing. Azzara, ein erklärter Feind der Jeſuiten, zählte dennoch unter ſeine Freunde mehrere ausgezeichnete Männer dieſer Verbindung,⸗ einen Andrèés, Roqueno, Clavigero, Ortiz, beſonders Arteaga (ſ. d. Art.), der ihm immer verbunden blieb, und in ſeinem Hauſe ſtarb. Uebrigens vereinte ſich alles, was Rom Berühmtes hatte, bei Azzara, der nach Grimaldi's Tod Geſandter ward. Man ſah dort Bernis und Albani, Canova und Wintelmann, Angelika Kauf⸗ mann und Raphael Mengs. Beſonders fand der letztere in dem *) Mehrere Beiſpiele, unter andern die eines Petrarea, Prior, Bernis⸗ Reinbard, Kleiſt, Salis ec. beweiſen, daß ſich zu dieſer und der militä⸗ riſchen Beſtimmung, als den beiden lebendigſten, der dichteriſche Genius(der ſich freilich unabhängig am leichteſten bewegt, eher ge⸗ ſellt, als zu jeder andern ihm heterogenen). G. Azzara. 494 ſpaniſchen Miniſter einen edelmüthigen Mäcen, oder vielmehr einen wahren Freund. Ihm verdankte er den Titel als erſter Mahler des Königs, mit 5000 Piaſtern(34,000 Fr.) Gehalt, und die Erlaub⸗ niß/ in Rom zu bleiben. Rach Mengs's Tod vertrat Azzara Va⸗ terſtelle bei deſſen Kindern, und erhielt für ſie eine Peuſion vom Hofe. Er ſchrieb auch eine Nachricht über das Leben dieſes be⸗ rühmten Mahlers und Kupferſtechers, welche er den Werken deſ⸗ ſelben, die, auf ſeine Koſten, von Bodoni gedruckt und von Milizia revidirt wurden, beifügte. So theilte er die in Rom zugebrachten 30 Jahre zwiſchen Beſchäftigungen mit der Kunſt und zwiſchen Schutz unnd Freundſchaft, die er vorzüglichen Künſtlern gewährte. Gemein⸗ ſchaftlich mit dem Prinzen Santa Croce ließ er zu Rivoli, in der Villa der Piſonen, bedeutende Nachgrabungen vornehmen, die ſich durch ziemlich wichtige Entdeckungen belohnten. Unter andern Antiken fand man jene ſchöne Büſte Aleranders, deren Aechtheit bewieſen iſt, und deren grandioſe Formen dem Ruhme des Helden ſo wohl eſttſpre⸗ chen. Azzara machte ſie Napolcon zum Geſchenk, der ſie im Muſenm aufſtellen ließ. In jenen Gruben fanden ſich auch ſchöne Fresko⸗Ge⸗ mälde, die von Mengs kopirt und von Volpato geſtochen wurden, und zwei treffliche Moſaiken, deren zierliche Inſchriften Bodoni abdruckte. Von ſo vielen koſtbaren Dingen legte Azzara bald ein ſehr reiches Kabinet an. Seine Gemälde⸗Sammlung iſt ſehr ge⸗ ſchätzt, ſo wie ſeine Reihe geſchnittener Steine, die zu⸗ erſt in Spanien, und dann von Millin zum Theil in Frankreich, bekaunt gemacht wurde. Doch war Azzara durch ſeine Begeiſte⸗ rung für das Alterthum manchmal ungerecht gegen den Genius der Neueren. Ein auffallendes Beiſpiel ſeiner ausſchließenden Nei⸗ gung für jenes zeigt ſich in dem von ihm(1788) zum Gedächtniß Karls III., Königs von Spanien, in der ſpaniſchen Kirche zu Rom, crrichteten Cenotaph. Ein auf Säulen in doriſcher Ord⸗ nung ruhender Tempel umſchließt den Cenotaph, auf dem ſich eine Urne erhebt, die nach der auf dem prächtigen Grabmal Agrippa's ſtehenden verfertigt iſt. Man tadelte dieſes Monument; aber in einer ſeinem Verdienſt geweihten Anzeige führte ein Freund Azza⸗ ra's die Stelle eines griechiſchen Autors an, welche von einem durchaus ähnlichen Gebäude, das Pauſanias zu Ehren des Oxilus errichtete, handelt. Azzara genoß der öffentlichen Achtung und der Gunſt des Pabſtes. Die Revolution brach aus. Die Seele des Miniſters, wie alle edelmüthigen Seelen, bekannte ſich zu dem, was ſie hoffen ließ. Er wurde deswegen nicht weniger am Hofe geachtet. Indeſſen griff die Flamme um ſich. Der General Bona⸗ parte, um die dem franzöſiſchen Geſandten von dem fanatiſchen Pöbel Roms widerfahrene Beleidigung zu rächen, zog an der Spitze ſeines Heers heran. Azzara war der geeignetſte Mann, den Sturm abzuwenden; man wählte ihn dazu. Von Sr. H. zu dem Feldheuru geſandt, die Schonung Roms zu erbitten, nößte er dem Helden Achtung ein, bewarb ſich um die Freundſchaft ſeines Bruders Jo⸗ ſeph*), erfüllte mit Eifer ſeine Sendung, und erhielt dennoch üur Er ſchloß mit demſelben eine ſehr innige Verbindung. G. Nene Biograph. I. 26 — — —— . ——— ——õ—— 402 Azzara. einen halben Erfolg. Der General Bonaparte verſprach allein, daß ſeine Armee nicht in Rom einrücken ſollte. Als Azzara nach Rom zurückkam, erntete er von ſeiner Unterhandlung nur Verdruß und Mißgunſt. Man beſchuldigte ihn der Schwäche, und ſelbſt der Verrätherei; die Kardinäle und der Hof von Madrid überhäuften ihn mit Vorwürfen: der Pabſt allein und einige Freunde bewahr⸗ ten ihm ihre Hochſchätzung. Als die Franzoſen in Rom einzogen, begab er ſich nach Florenz, aus welcher Stadt ihn die Miniſter Karls IV., blos aus politiſchen Abſichten, wieder zu gehen ver⸗ mochten. Man glaubte, daß er bei der franz. Regierung ſehr gut ſtehe, und ernannte ihn zum Geſandten in Paris. Wirklich hatte er immer freien Zutritt bei dem erſten Konſul und Kaiſer. Aber, indem er vielleicht zu ſehr der Freundſchaft und dem Schutz des franzöſiſchen Monarchen vertraute, wagte er es, die Vollziehung einiger Befehle des begünſtigten Miniſters und Friedensfür⸗ ſen, Don Manuel Godoi, zu vernachläßigen, ward zurückberu⸗ fen, nach Barcelona verbannt, endlich ſeines Exils entlaſſen, und wieder als Geſandter nach Paris geſchickt. Aber die nämlichen Urſachen brachten ihm neue Ungnade. Der ſpaniſche Miniſter konnte auf dieſem Poſten keinen Mann dulden, der ihn gewiſfer⸗ maßen mit Hartnäckigkeit bekämpfte. Er verlor ſeine Stelle; aber Napoleon erlangte, daß er zu Paris blieb. Kurze Zeit darauf, den 26. Januar 1804, ſtarb er plötzlich, als er an ſeinem Kamin ſaß, und ſich mit ſeinem Bruder über die Kürze des Lebens und die Wohlthat des Todes unterhielt. Er war nie verheirathet.— Dieſer vorzügliche Mann, von dem man ſagen kann, daß ſein Le⸗ ben vollſtändig war, beſaß eine barſche Freimüthigkeit, obſchon er als Diplomat viele Gewandtheit zeigte. Er war ein Bewunderer der neuen Philoſophie, und darum nicht weniger religiös, und hatte ein geſundes Urtheil, einen gerechten Sinn, und eine aufgeklärte Frömmigkeit. Sparſam in ſeinem Hauſe, verſchwenderiſch für ſeine Freunde und ſein Kabinet, war er ſeines großen Vermögens werth. Er war ſehr bekannt mit den bürgerlichen und kanoniſchen Geſetzen, und ſchrieb das Franzöſiſche rein, das Italieniſche mit Leichtigkeit, das Spaniſche mit Kraft. In allem, was aus ſeiner Feder ging, erkennt man einen ſtrengen Geſchmack, ein ausgezeich⸗ netes Talent. Er hat in das Spaniſche überſetzt: Das Leben Cicero's, von Middleton(mit geſtochenen antiken Köpfen)⸗ die Naturgeſchichte Spaniens, von Bowles, das 6. Buch des Plinins(de artibus), Sencka, der Philo⸗ ſoph(deſſen Herausgabe ſein Tod hinderte). Der ſchöne Ho⸗ r az, von Bodoni, und die Religion vengée, von Ber⸗ nis, wurden durch ſeine Sorgfalt gedruckt. Mengs hat ſein Bildniß gemahlt, und der berühmte Pickler es in Stein geſchnit⸗ ten. Der verſtorbene franz. Miniſter in Spanien, Bourgoing, hat Nachrichten über Azzara's Leben geſchrieben. Fehler des Manuſeripts, welche man der Buchdruckerei nicht an⸗ rechnen wolle. Einige unbedeutende wird der geneigte Leſer ſelbſt zu verbeſſern die Güte haben. Tabelle der berühmteſten Epochen. ‿ o. ſtatt: Duval d'Egremenil I. Duval d'Eproͤmenik u. ⸗ Breze l. Brezé 8 — σ◻ 19. Febr. l. 28. Februar 18. Auguſt⸗ 12. Auguſt S. 3.. * 4 2 „ 2 4 4 2 17 3 2 „ 46 ⸗ 223 ⸗ o. Bearbaraux l. Barboroux 2 2„ 26 ⸗ ⸗ 2 Noſan ⸗ Nohan 3 1 „⸗ ⸗ ⸗ ⸗ Beauharnois l. Beauharnais ⸗ 22 ⸗ 3 ⸗ u. ⸗ 28. März ⸗ 29. März 26 ⸗ 8 ⸗ p. ⸗ Daucan ⸗ Duncan „ ⸗ 2 24 ⸗ u. ⸗ 13. Frimaire ⸗ 13. Frimaire „ 2 13„„ 2⸗ 144. Niyos„ 13. Niyos 29 ⸗ 7 ⸗ 9.„ 2%. ⸗ 2 14. ⸗. * 31 ⸗ 5 ⸗ u. ⸗ 21. Frimaire⸗ 22. Frimaire „ 35„ 1„ ⸗ 14. Prail. 20. Jul. I. 21.Prair. 10. Jul. „ 36„ 3 ⸗ p.* 5. Meſſidor ⸗ 6. Meſſidor 37 ⸗ 13„⸗„ 14. Februar ⸗ 13. Februar * 38 ⸗ 26 u. ⸗ Lnueca l. Lucca „ 39„ 18 ⸗ ⸗ ⸗ François I. Français „ 41 ⸗„ 1 ⸗ o. ⸗ Schandau ⸗ Spandau 42 ⸗27 ⸗„ ⸗ 7. Juny 6. Juny „ ⸗ 13 ⸗ u. 42. July 22. July „ 43 ⸗ 21 ⸗ o. ⸗ Sonult* Viktor „ 44„ 11 ⸗ u.„ 13. Auguſt ⸗ 13. Auguſt „ 46 ⸗„ 3 ⸗ o. ⸗ 13. Juny ⸗ 18. Juny 2 ⸗ 15 ⸗ ⸗, ⸗ Nadrigo ⸗ Rodrigo 2 7 ⸗ u. ⸗ Mortier- Marmont „ 47„ 6 ⸗ o. ⸗ 3. Januav ⸗ 8. Januar 48 ⸗ 1565 ⸗ ⸗ 21. May ⸗ 23. May ⸗ ⸗ 9 ⸗ u. ⸗ Ronceyval ⸗ Noncevaux * 55 ⸗ 25 ⸗„ 23. April ⸗ 13. April -⸗ ⸗ 3„ ⸗ Chacobuco ⸗ Chacabuco 36 ⸗ 22 ⸗ o. ⸗ 25. Oktober⸗ 135. Oktober 5 -⸗ ⸗ 19 ⸗ u. ⸗Kokordatst ⸗ Konkordats „ 57 ⸗ 4 ⸗ o. ⸗ Talon ⸗ Talca * 2 2 2 22. Mai ⸗ 21. Mai S. 37 3. 3 v. u. ſt. 16. Nov. l. 15. Nov. 2 59 ⸗ 25 ⸗„„ Bryaca l. Bryaco „„ 4„„„ 22. Oktober l. 24. Oktober 641 21 ⸗-„ 828. May⸗- 22. May 2 2§„- 5 July 2 6. July S. 9 3. 3 v. u. ſt. Mann k. Manen * 37 44 ⸗„ ⸗ ⸗Braintore l. Braintyvee - 74 11-„⸗ Faontanelle's⸗ Fontenelle's „ 838 20 ⸗ Allaya l. Alava, und ſo durch die ganze 4 Biographie 167 21„ v. ⸗ die Amerika's I. die Geſchichte Amerika's 202 ⸗ 3 ⸗ ⸗ Drthodonie ⸗Orthodoxie „ 19 nach macht, fehlen die Worte: wohl nicht * 209 ⸗ 19 v. o. ⸗Annderwatt l. Andermatt 2 214 ⸗ 1 ⸗ u. fehlt die Unterzeichnung G. * 220 ⸗„ 1„ ⸗ fehlt die Unterzeichnung G. „ 234 ⸗ 16„„ f., Gehle l, Gefle 239„ 6 ⸗ d.„⸗ anderer ⸗ anderen „ 243 ⸗ 11 ⸗ u. das Wort heraus wegzulaſſen 4 262„ 13 u. 17 ⸗ Launcy ⸗ Launey 264 ⸗ 12 ⸗ g. ⸗ nach der⸗ unter der „ 266„ 7 ⸗ u. ⸗ Appteton l. Appleton „ 277 13„ p. ⸗ eine Batterieen⸗Neihe l. zwei Bat⸗ terie⸗Reihen - 2 2 u. ⸗ glatter l. platter „ 285 46 ⸗⸗„ Biograph l. Bibliograph 292„ 13„⸗„ erforſchten⸗erforſchenden 302„ 6„„⸗ PTrachemine I. S'achemine 3253„ 14 ⸗„⸗„ Aſtrug ⸗ Aſtrue ——̈⏑ñ—’̈—ʃ⏑ꝛ—— —ö————————V ̈△ᷣ ˖˖˖—;-AAêÖ;ͥ Tabelle in ehronologiſcher Ordnung, der beruͤhmteſten Epochen von 1787(dem eigentlichen Anfang der Franzoͤſiſchen Revolution) bis auf die gegenwaͤrtige Zeit, mit einer ſummariſchen Anzeige der vornehmſten Begebenheiten, merkwuͤrdiger Thaten, Geſetze, Dekrete, oder wichtiger Ent⸗ ſcheidungen, Seegefechte, Belagerungen und Schlachten, auch denkwuͤrdiger Ereigniſſe bei den fremden Maͤchten ꝛc. ꝛc. 1787. 22. Februar. Erſte Verſammlung der Notabeln zu Verſailles, unter Vorſitz Ludwigs 16 gehalten. Ihr Gegenſtand iſt, die Finanzen zu verbeſ⸗ ſern, und ein Deftcit von 140 Millionen zu decken. 20— 24 April. Flucht des H. v. Calonne, General⸗Controleurs der Finanzen. 4 G 23. Mai. Die Verſammlung trennt ſich, nachdem ſie unter andern Dingen die Einſetzung von Provinzialverſammlungen für die gleiche Verthei⸗ lung der Auflagen, die Unterdrückung der Frohndienſte, die Bildung eines Finanzraths ꝛc. beſchloſſen hat, aber auch, ohne eine zur Verbeſſerung der Staatsgebrechen geeignete Entſcheidung genommen zu haben. 22. Juni. Erklärung des Königs für die Errichtung der Provinzial⸗ verſammlungen zu gleicher Vertheilung der Auflagen. 27.— Durch eine weitere Erklärung verwandelt der König die Frohndienſte in eine Geldleiſtung. 6. Juli. Das Parlament von Paris erhält die Weiſung, zwei Geld⸗ edicte(édits bursaux) in Betreff der neuen Auflagen zu regiſtriren. Es begehrt Mittheilung der Liſten über Einnahmen und Ausgaben; ſie wird ihm abgeſchlagen. 1. Auguſt. Herr von Brienne iſt zum erſten Miniſter ernannt. 6.— Parlamentsverſammlung zu Verſailles, in welcher der Köͤnig die zwei Edicte vom 6. July regiſtriren läßt.. 7.— Große, in dem Hofſtaat des Königs getroffene Neformen. 15.— Verweiſung des Parlaments von Paris nach Troyes. 18.— Die Brüder des Königs begeben ſich, von Truppen begleitet/ an die Rechnungs⸗ und Steuerhöfe/ um ſie zur Regiſtrirung der Geld⸗ edicte vom 6. Juli zu zwingen 10. Sept. Der Miniſter Brienne, nachdem er die vornehmſten Mitglieder des Parlaments verführt, läßt dieſes Collegium zurückrufen, worauf es die neuen Auflagen zuläßt. A 8 10. Octob. Wiedereinſetzung des Statthalters zu Amſterdam durch die preuſſiſchen Truppen. le 35 3 2 Tabelle der berühmteſten Epochen. 1787. 1788, 19— 20. Novemb. Parlamentsverſammlung, um das Parlament von Paris zu zwingen, ein Ediet für die Errichtung von Anleihen, 440 Mill. Franken betragend, zu regiſtriren. Muthiger Widerſtand der Räthe Duval d'Egremenil⸗ Robert von St. Vincent/ und Abbe Sabatier von Cabre. Ver⸗ weiſung des Herz. v. Orleans und der Räthe Freteau und Sabatier v. Cabre. 18. Dec. Der König verkündet durch eine Erklärung, daß die Zu⸗ ſammenberufung der Generalſtände in fünf Jahren ſtatt haben wird. 4. Jan. Das Parlament von Paris erklärt durch einen Beſchluß vom heutigen Tage die ſogenannten geheimen Briefe(lettres de cachet). für ungeſetzlich, begehrt die Zurückberufung der Verwieſenen, und ſpricht ſich ſtark gegen alle Aete der Willkühr aus. 17—18.— Caſation dieſes Schluſſes durch den König, welchen Schluß aber das Parlament bekraͤftigt. 15. Febr. Aufhebung der Frage wegen der Angeklagten. 3— 3. Mai. Das Parlament von Paris erklärt durch einen Be⸗ ſchluß, daß Frankreich eine Monarchie ſey, nach Geſetzen regiert, deren vor⸗ nehmſte die Rechte der Nation heiligen. Dieſe Berathſchlagung gibt Anlaß zur Verhaftung bei Racht mehrerer Näthe der verſammelten großen Kammer; eine Maßregel, welche durch Vincent d'Agoult, Officier der königlichen Haustruppen, an der Spitze von 800 Schweizern, Leibgarden ꝛc. ausge⸗ führt wird. Trotz des öffentlichen Unwillens, erhält dieſer Officier die Stelle eines Gouverneurs der Tutlerien. 8.— Einſetzung eines allgemeinen Reichstags(cour pleniére). 16.— Das höchſte Gericht(le chätelet) erläßt einen Beſchluß gegen die Edicte vom 8. 20.— Erklärung des Parlaments von Nennes, welches die Mitglie⸗ der des allgemeinen Reichstags mit Infamie bezeichnet. 7. Juni. Die Einwohner von Grenoble und der umliegenden Ge⸗ gend widerſetzen ſich zweien Regimentern gegen die Verhaftung der Mitglie⸗ der ihres Parlaments. 20.— DerKönig verweiſet 8Parlamente, deren Beſchlüſſe er caſſirt hat. 5. Juli. Das Volk von Nennes empört ſich, und verbrennt die Ediete vom 8. Mai. 8. Auguſt. Die Einſetzung des allgemeinen Reichstags iſt ſuſpen⸗ dirt, und die Eröffnung der Generalſtände auf den 1 Mai 1789 feſtgeſetzt. 40.— Audienz, von Ludwig 16 den Geſandten des Tippo⸗Saib ertheilt. 24.— Abtretung des H. v. Brienne. H. Necker erſetzt ihn. 27.— Das Volk von Paris verbrennt zu den Füßen der Statue Heinrichs 4 das Bildniß des H. v. Brienne. 29.— Aufluf in der Hauptſtadt. Die Truppen geben Feuer auf das Volk. Mehrere der Hauptanſtifter werden mit dem Tode beſtraft. 25. Sept. Das Ediet vom 8. Auguſt über die Verſammlung der Ge⸗ neral Stände im Parlament regiſtrirt. Ausdrückliche Meldung, daß jede Klaſſe die nämliche Zahl von Deputirten liefert, und daß dieſe Klaſſen abgeſondert votiren. 6. Nov. Eröoffnung der zweiten Verſammlung der Notabeln, gehal⸗ ten zu Verſailles, unter Vorſitz des Königs. Necker hatte das Proiject, eine Territorial⸗Beiſteuer einzuführen, an welcher alle Klaſſen des Königreichs Theil nehmen ſollten. In dieſer Abſicht wollte er dem dritten Stande eine Tabelle der berühmteſten Epochen. 1788. 1789. 3 doppelte Nepräſentation geben und das individuelle Votum zulaſſen, damit, weil die Zahl der Mitglieder dieſes Standes jener der zwei andern gleich wäre, der Adel und die Geiſtlichkeit gezwungen ſeyen, die Auflagen mit ihnen zu theilen. Die Verſammlung verwarf dieſen Vorſchlag. 12. Dec. Schließung der Verſammlung. Sie trennt ſich ohne etwas entſchieden zu haben. 17.— Ordonnanz des Königs für die Zuſammenberufung der Gene⸗ ralſtände. Die Zahl der Deputirten des dritten Standes ſoll jener der De⸗ putirten des Adels und der Geiſtlichkeit gleich ſeyn. 27. Jan. Zwiſchen dem Adel und der Bürgerſchaft zu Rennes kommt es zu blutigen Händeln. 7. April. Tod des Sultans Achmet. Sein Neffe, Selim 3, folgt ihm in der Regierung. 28.— Der Pöbel plündert die Manufactur der gemahlten Papiere von Reveillon, in der Vorſtadt St. Antoine, und ſteckt ſie in Brand. 3. Mai. Die Deputirten der General⸗Stände werden dem Könige vorgeſtellt. 4.— Allgemeine Proceſſion und Meſſe des heil. Geiſtes. 5.— Eröffnung der General⸗Stände zu Verſailles. Die Zahl der für die drei Klaſſen berufenen Deputirten war: 317 für die Geiſtlichkeit, 317 für den Adel, und 616 für den dritten Stand. Der Adel in Bretagne verweigerte, Sitz zu nehmen.— Reden des Königs und des Siegelbewah⸗ rers.— Necker legt ein Verzeichniß der jährlich ſtändigen Einkünfte und Ausgaben vor, nach welchen ein jährliches Deſicit von 56/,150,000 Livres herauskommt.— Entſcheidung der Deputirten des dritten Standes für die Vereinigung der drei Klaſſen, um gemeinſchaftlich ihre reſpectiven Voll⸗ machten zu bewahrheiten. 6.— Die Deputirten des dritten Standes verſammeln ſich in der Kammer der Gemeinden, und die der beiden andern in beſondern Kammern. — Die Geiſtlichkeit ernennt proviſoriſch zum Präſidenten den Kardinal von Richelieu, und der Adel den Grafen von Montboiſſier. 8.— Der dritte Stand beſpricht ſich über den Grundſatz der gemein⸗ ſchaftlichen Bewahrheitung der Vollmachten.— Einladung des dritten Standes an die Geiſtlichkeit und den Adel zur Vereinigung der 3 Klaſſen. 10.— Die Geiſtlichkeit beſchließt die Ernennung von Kommiſſarien, wegen der Vereinigung zur Bewahrheitung der Vollmachten mit den beiden andern Ständen. 11.— Der Adel beſchließt/ daß er ſich, in Betreff derjenigen Deputir⸗ ten, deren Vollmachren ohne Widerſpruch beſtätiget worden, für conſtituirt halte. 13.— Von den nach den Gouvernements elaſſiſizirten Amtmannſchaf⸗ ten(Bailliages) erwählt jede einen Commiſſär, um eine Polizei⸗Ord⸗ nung feſtzuſetzen. 18.— Der dritte Stand ernennt Commiſſarien, um ſich mit denen der Geiſtlichkeit und des Adels über die Bewahrheitung der Vollmachten zu benehmen. 3 20.— Die Geiſtlichkeit eutſagt ihren Geldprivilegien. 22.— Der Adel entſagt den nämlichen Privilegien. 23.— Conferenz der Commiſarien der drei Klaſſen. ————— —õ——õ— . G— 4 Tabelle der berühmteſten Epochen. 1789. 26. Mai. Beſchluß des Adels wegen der abgeſonderten Verification der Vollmachten. Er verweiſet die Unterſuchung der Vortheile und Nachtheile dieſer Form an die Eröffnung der Generalſtaͤnde. 27.— Neue Deputation des dritten Standes wegen Vereinigung der drei Klaſſen. 28.— Der König fordert die drei Klaſſen zu einer neuen Vereini⸗ gung ihrer Kommiſſarien, in Gegenwart jener Sr Majeſtät und des Siegel⸗ bewahrers auf.— Die drei Klaſſen fügen ſich der Einladung des Königs. 30. Mai bis 5. Juni. Verſchiedene Vereinigungen der Kommiſſa⸗ rien der drei Klaſſen.— 5. Juni. Vergleichungsvorſchlag der Kommiſſarien der drei Klaſſen, welcher dahin geht, die Widerſprüche, die ſich über die Gültigkeit der De⸗ putirten erheben könnten, vor eine Kommiſſion dieſer Klaſſen zu bringen. Die Geiſtlichkeit ſtimmt bei; auch der Adel; letzterer jedoch mit der Modifikation, daß er über die Gültigkeit der Vollmachten ſeiner eigenen Deputirten ſtatui⸗ ren könne. 10.— Die Deputirten des dritten Standes beſchließen eine letzte Einladung an die andern Stände, ſowohl vereint, als einzeln, in den Natio⸗ nalſaal zu kommen, um der Bewahrheitung der Vollmachten beizuwohnen. 12.— Die naͤmlichen Deputirten beſchließen, daß dieſer Bewahrhei⸗ tung ein Aufruf an alle Deput. vorhergehen ſoll. Sie ernennen Sekretäre. 13— 13.— Drei Pfarrer aus Poitou begeben ſich in den gemein⸗ ſchaftlichen Saal, und darauf noch mehrere andere. 17.— Nach dem Antrag des Abbe Sieyes in einer Nachtſitzung conſti⸗ tuiren ſich die Deputirten des dritten Standes in eine Nationalver⸗ ſammlung. Bailly wird zum Präſidenten ernannt. Alle ſchwören, die ihnen anvertraute Sendung genau zu erfüllen. 4 19.— Die Kammer der Geiſtlichkeit votirt für die Vereinigung der drei Klaſſen. —— Errichtung von vier Ausſchüſſen, nämlich: der Subſiſten⸗ zen, der Berichte, der Schriftverfaſſungen und der Verord⸗ nungen. 20.— Die Mitglieder der Nationalverſammlung vernehmen, daß auf den Befehl des Königs ihr Saal geſchloſſen ſey. Sie begeben ſich nach dem Ballhauſe(auch in Verſailles, Straße St. Francois, Quartier St. Louis), und leiſten den Eid, ſich nicht zu trennen, ehe ſie Frankreich eine Konſtitution gegeben. 22.— Sitzung der Nat. Verſammlung in der Kirche St. Louis, wo ſich die Mehrheit der Geiſtlichkeit zur gemeinſchaftlichen Bewahrheitung der Vollmachten verſammelt. 23.— Ludwig 16 caſſtrte in einer königlichen Sitzung, welche Recker mißbilligte und welcher er nicht beiwohnte, die Beſchlüſſe des dritten Stan⸗ des, befahl ihm, ſo wie den Gliedern des geiſtlichen und Adelſtandes, ſich hin⸗ weg, und den folgenden Tag(24.) in ihre reſpeetiven Kammern zu begeben. Nach der Abreiſe Sr. Majeſtät erklärte die Verſammlung, daß ſie auf ihren Beſchlüſſen beharre, und daß die Perſon eines jeden Deputirten unverletzlich ſey. Als der Marquis von Breze, Ceremonienmeiſter, die Näumung des Saals verlangt, erhebt ſich Mirabeau„ und fährt ihn mit den Worten an: „Sie, die hier weder Sitz, noch Stimme, noch das Necht, zu reden, haben, 8 Tabelle der berühmteſten Epochen. 1789. 5 „ſagen Sie Ihrem Herrn, daß wir durch die Gewalt des Volks hier ſind, „und nur durch die der Bajonette hinausgehen werden!“ 24. Juni. Die Verſammlung beginnt ihre Arbeiten. Die, ihre Majorität bildenden, Deputirten der Geiſtlichkeit nehmen Theil an den Be⸗ rathſchlagungen und vereinigen ſich mit denen der National⸗Verſammlung. 25.— Die Mitglieder des Adelſtandes, 40 an der Zahl, worunter der Herzog von Orleans und einige Geiſtliche, begehren und erhalten die Ver⸗ einigung. 7. Juli. Gänzliche Vereinigung der drei Klaſſen, welches aber die Mehrheit des Adels nicht hindert, ſich in geheimen Ausſchüſſen zu verſammeln. 8.— Die Verſammlang entſcheidet, daß ihre Operationen nicht durch die Einwendungen oder Abweſenheit einiger ihrer Mitglieder aufge⸗ ſchoben werden können. 1 12.— Necker erhält den Befehl, Frankreich zu verlaſſen. 12— 13.— Unruhen in Paxis. Ein deutſches Negiment und ein Corps Schweizer, von dem Prinzen Lambese kommandirt, greifen das Volk an, auf deſſen Seite ſich die franzöſtſchen Garden ſchlagen. 13.— Auf Befehl des Königs wird die Beſtrafung der Soldaten mit flachen Säbelhieben abgeſchafft. 14.— Aufſtand des Volks in Paris. Es nimmt die im Invalidenhauſe bewahrten Waffen und Artillerie hinweg, zerſtört und verbrennt die Schlag⸗ bäume, und bemächtigt ſich der Baſtille. 15.— Das Volk beginnt, dieſe Veſte zu demoliren.— Der König begibt ſich in die Verſammlung, und zeigt ihr den Abmarſch der deutſchen Truppen an, welche ſich der Hauptſtadt genähert, und deren Rückſendung das Volk verlangt hatte.— Bildung der Bürgermiliz oder Nationalgarde.— Zurückberufung Neckers. Bailly wird zum Maire von Paris, und H. von La Fayette zum oberſten Kommandanten der Nationalgarde ernannt. 16.— Der Graf Artois, der Prinz Conde, und eine große Anzahl be⸗ deutender Perſonen des Hofs, entfernen ſich ſchnell von Paris, und fliehen über die Gränze. 17.— Ankunft des Königs zu Paris. Er wird von Bailly empfangen, der ihm die Nationalkokarde überreicht. 4. Auguſt. Berühmte Nachtſitzung. Eine patriotiſche Begeiſterung bewegt die Mitglieder des Adels und der Geiſtlichkeit, daß ſie plötzlich, ohne weiter zu berathſchlagen, aufalle Feudalrechte⸗ Obergerichtsbarkeiten, Pri⸗ vilegien, Zehnten und Grundzinſen, Verkauf der Stellen ꝛc. Verzicht leiſten. Man erkennt an, daß alle Franzoſen Anſprüche auf die verſchiedenen Staats⸗ ämter haben. Am Ende der Sitzung wird Ludwig 16 als Wiederherſteller der franzöſiſchen Freiheit proclamirt. 20.— Annahme des Vorberichts und der erſten Artikel der Erklärung der Menſchenrechte. 23.— Dekret, welches die Freiheit der religiöſen Meinungen pro⸗ klamirt. 27.— National⸗Anlehen von 80 Millionen⸗ 9. Sept. Die Nationalverſamml. erklärt ſich permanent. 15.— Dekret über die Unverletzlichkeit des Königs, und über die Un⸗ theilbarkeit und Erbfolge der Krone. 1. Oct. Feſt, welches die Leibgarden den Offizieren der Linientrup⸗ —— 6 Tabelle der berühmteſten Epochen. 1789. 1790. ven geben. In der daraus erfolgten Trunkenheit tritt man die National⸗ kokarde mit Füßen. 5— 6. Oct. Geraͤuſchvolle Tage. Das Volk von Paris eilt nach Ver⸗ ſailles, zerbricht die eiſernen Gitter des Schloſſes, ermordet einige Leibgar⸗ den, und führt den König nach Paris.— Bildung des Klubs der Konſtitu⸗ tionsfreunde, der ſpäter den Namen des Jakobinerklubs annimmt. 9.— Verbeſſerung der Criminalprocedur. Abſchaffung der Tortur. 14.— Verweiſung und Abreiſe des Herzogs v. Orleans nach England. 19.— Die Nationalverſammlung hat nun in Paris ſtatt. Sie hält ihre erſte Sitzung im erzbiſchöflichen Gebäude. 21.— Einführung des Martialgeſetzes gegen die Zuſammenrottun⸗ gen. Ein Kanonenſchuß ſoll jede Bekanntmachung dieſes Geſetzes ankündigen, und die rothe Fahne ſoll auf dem Stadthauſe wehen. 28.— Dekret, welches die Mönchsgelübde proviſoriſch aufhebt. 2. Nov. Die Güter der Geiſtlichteit ſind, laut Dekret, der Nation zur Verfügung übergeben. 5.— Aufhebung des Standesunterſchieds aller Staatsbürger. 9.— ErſteSitzung der Nationalverſamml. im Saale der Reitſchule. 22.— Einführung der Aſſignaten. 19. Dec. Die Nationalverſamml. beftehlt die Ausſtoßung von 400 Millionen Aſſignaten, welche aus dem Betrag der verkauften Güter des Clerus wieder erſetzt werden ſollen. 23.— Tod des Abbé de l'Epée, Stifters der Taubſtummen⸗Anftalt. 24.— Dekret, welches die Nichtkatholiken zu den Staatsämtern zuläßt. 26.— Monſteur(gegenwärtig Ludwig 18) begibt ſich auf das Stadt⸗ haus, um ſich gegen alle Beſchuldigung von Theilnahme an der Sache des Favras, der als Verſchworner verhaftet iſt, zu rechtfertigen. 15. Jan. Eintheilung Frankreichs in 83 Departemente.. 21.— Dekret, welches die Confiscation der Güter der Verurtheilten aufhebt, mit der Erklärung, daß, da Vergehungen perſönlich ſind, die Familie der Verurtheilten nicht durch den über ſolche ergangenen Spruch be⸗ ſchimpft wird. 4. Febr. Der König begibt ſich in die Verſammlung, und verſpricht, die konſtitutionelle Freiheit zu vertheidigen. Die Deput. leiſten den Bürgereid. 13.— Dekret, von dem Abbé Montesquion verfaßt, welches völlige Aufhebung der Mönchsgelübde ausſpricht. 16. März. Abſchaffung der geheimen Briefe(lettres de cachet). 13. April. Die Verſammlung verweigert die Annahme des Vorſchlags,⸗ daß die katholiſche Neligion allezeit die Staatsreligion ſeyn ſoll. 17.— Tod Franklins, 34 Jahre alt. 4 12. Mai. Bildung des Klubs der 89(welcher bald den Namen des Klubs der feuillans annimmt) um dem Einfluß des Jakobinerklubs das Gleichgewicht zu halten. 22.— Beſchl., daß das Recht über Krieg und Frieden derat. zuſteht. 12. Juni. Um das Bürgerrecht zu erhalten, muß man, laut Dekret, unter die Nationalgarde treten. 19.— Aufhebung des Erbadels und aller dahin zielenden Titel und Abzeichen. 3 12. Juli. Bürgerliche Verfaſſung der Geiſtlichkeit. Tabelle der berühmteſten Epochen. 1790. 1791. 7 14. Juli. Bundesverſamml. auf dem Marsfelde, welcher der König, ſeine Familie, und die Mitglieder der Nationalverſamml. beiwohnen. H. v. Talleyrand⸗Perigord, ietzt Prinz von Benevent⸗ hält die Meſſe. H. v. Bon⸗ nay, Präſident der Verſamml., nimmt Sitz zur Rechten des Königs. 4 31.— Die patriotiſchen Gaben, Folge der ſeit dem 22. Sept. 1 789 bis 31. Juli 1790 auf der Münze geſchmolzenen Edelſteine, Gold⸗ und Sil⸗ bergeſchirre, ſteigen auf 12,500,000 Franken. 5. Auguſt. Ernennung der Friedensrichter und Familiengerichte. —— Aſchaffung der Heimfall⸗ und Detractionsrechte.— Dekret über die gerichtliche Organiſation und über den peinlichen Seecoder. 25.— Beſchl., daß die Geiſtli. nicht zu gerichtl. Aemtern wählbar ſind. 31.— Unruhen zu Nancy in Folge des Aufruhrs des Schweizerregi⸗ ments Chateau⸗Vieur. Der junge Deſilles(Offizier im Negiment du Noi), de rſich vor die Nündung einer Kanone warf, um zu verhindern, daß man Feuer gebe und franzöſiſches Blut fließe, iſt das Opfer ſeiner edlen That. Die Schweizer unterwerfen ſich erſt nach einem ſehr mörderiſchen Gefechte. 4. Sept. Entlaſſung und Abreiſe Neckers. 4 6.— Abſchaffung der Parlamente, ſouveränen Gerichte ꝛc. 22.— Dekret, welches die Einführung von 800 Mill. Aſſignaten be⸗ fiehlt, und diejenigen, welche in Circulation geſetzt werden können, auf 1200 Mill. beſtimmt.. 27.— 58 Geiſtliche, Mitglieder der Verſammlung, an ihrer Spitze den Pfarrer Gregoire, ſeitdem Biſchof von Blois, leiſten den durch die Conſtitution des Clerus vorgeſchriebenen Eid. 30. Dec. Dekret, welches den Urhebern nützlicher Entdeckungen das Eigenthum ihrer Erfindungen ſichert. 13. Jan. Dekret, das Eigenthum dramatiſcher Werke und die Frei⸗ heit der Bühne betreffend. 16.— Organiſation der Marechauſſee⸗Reiterei zu einer Gendarmerie. 13. Febr. Aufhebung aller Meiſter⸗ und Geſchwornen⸗Rechte bei Handwerkszünften. Einführung der Patente. 28.— Sogenannter Tag der Dolchritter, weil eine ziemlich beträcht⸗ liche Zahl von St. Ludwigs⸗Rittern im Schloſſe der Tuilerieen, mit Dolchen bewaffnet, gefunden wurden. Sie werden durch die Nationalgarde verjagt. 1. März. Bericht an die Nationalverſammlung über den wirklichen Stand der Armee. Sie iſt 130,000 Mann ſtark. 2.— Dekret in Betreff der Organiſation des öffentlichen Schatzes, welcher den Namen Nationalſchatzamt führen ſoll. 5.— Aufhebung der Generalpachtung. 4. April. Tod des Mirabeau, 42 Jahre alt. Allgemeine Trauer bei dieſem Fall. Schließung der Schauſpiele.— Die neue Kirche der heil. Genovefa ſoll die Aſche großer Männer aufnehmen und künftig franzöſiſches Pantheon heißen.. 22. Mai. Eröffnung der innern Zollſtätten, und Abſchaffung der Eingangsgebühren. 20— 24.— Dekret, welches die Erfindungsbrevets einführt. 26.— Die Verſamml. erklärt durch ein Dekret, daß keins ihrer Mit⸗ glieder für die nächſtfolgende Legislatur wieder wählbar ſey. 14. Juni. Dekret, welches die Corporationen aufhebt, und die Ver⸗ ſammlungen von Perſonen des nämlichen Gewerbes verbietet. 8 Tabelle der berühmteſten Epochen. 1791. 18. Juni. Einführung von 600 Mill. Aſſignaten. 20.— Der König und ſeine Familte, mit falſchen Päſſen verſehen, reiſen heimlich von Paris ab. 22.— Die Nationalverſamml. theilt einen um 8 Uhr des Abends em⸗ pfangenen Brief der Municipalität von Varennes mit, welcher die Ankunft des Königs in dieſer Stadt und die Verhaftung Sr Maj. ankündigt⸗ 23.— Die Herren Latour⸗Maubourg, Petion und Barnave werden nach Varennes geſandt, um den König auf ſeiner Rückreiſe zu begleiten. 25.— Die Herren Tronchet, Duport und Dendré ſind von der Ver⸗ ſammlung zu Kommiſſarien ernannt, um die Erklärungen Ihrer Majeſtäten wegen deren heimlichen Abreiſe zu vernehmen.— Ankunft des Königs in Pa⸗ ris.— Das Volk zwingt diejenigen Perſonen, welche ſich auf die Straße begeben, die er kommt, das Haupt bedeckt zu halten. 11. Juli. Verſetzung der Aſche Voltaire's in das Pantheon. Die Nationalverſammlung beſindet ſich im Zuge. 14.— Bundestag auf dem Marsfelde, gefeiert von den verſchiedenen in Paris beſtndlichen Truppen. 17.— Zuſammenrottungen auf dem Marsfelde. Man unterzeichnet auf dem Altar des Vaterkandes eine Petition, in welcher man begehrt, daß die Nationalverſamml. bei der Nation anfrage: ob das Recht des Königs ver⸗ fallen ſey? Das Martialgeſetz wird, auf Baehl der Munieipalität, verkün⸗ digt, und die Truppen geben Feuer, um die Haufen zu zerſtreuen. 19.— Derret über das Eigenthum dramatiſcher Werke. 30.— Aufhebung der Corporationen und Ritterorden. Das Dekret iſt von Noederer abgefaßt. 22. Aug. Errichtung der Spar⸗ und Wohlthätigkeitskaſſe v. Lafarge.⸗ 23.— Inſurrection auf St. Domingo. 27.— Detret, welches J. J. Rouſſeau die Ehre des Pantheons bewill. 3. Sept. Conſtitution von 1791, abgefaßt von den Herren von Tal⸗ leyrand⸗Perigord, Sieyes, Alerandre Lameth, Petion, Buzot, Target, Beaumetz, Thouret, Duport, Barnave, Chapelier und Desmeuniers. Eine Deputation von 60 Mitgliedern legt ſie dem König vor. 13.— Der König nimmt die Conſtitution an. 14.— Vereinigung des Landes Avignon und der Grafſchaft Venaiſ⸗ ſin mit dem franzöſiſchen Gebiete. 19.— Dekret, nach welchem die Nat. Verſ. ſich den 30. trennen wird⸗ 29.— Dekret über die Organiſation der Nationalgarde. 30.— LetzteSitzung der N.Verſamml., welcher Ludwig 16 beiwohnt⸗ 1. Oct. Erſte Sitzung der geſetzgebenden Verſamml. in dem Saale der Neitſchule. Dieſe Verſamml. beſteht aus 745 Mitgliedern, nämlich aus 400 Advokaten, ungefähr 70 konſtitutionellen Prieſtern/ einer gleichen Anzahl Gelehrten, und der Reſt aus Gutsbeſitzern. 8.— Entlaſſung des H. v. Lafgyette von der Commandantenſtelle der Pariſer Nationalgarde. 16.— Schreiben Ludwigs 16 an die Prinzen, ſeine Brüder, um ſie nach Frankreich zurückzurufen. 30. u. 31.— Dekret und Proclamation des Königs, wodurch Mon⸗ ſieur aufgefordert wird, in das Königreich zurückzukehren. 9. Nov. Dekret, welches die Güter der Prinzen und Emigranten ſequeſtrirt. Tabelle der berühmteſten Epochen. 1792. 9 2. Jan. Die Verſamml. erklärt, daß das 4. Jahr der Freiheit den 1. Januar 1792 angefangen hat.— Anklagdekret gegen Monſieur, den Grafen Artois, den Prinzen Condé, Calonne, den Vicomte von Mirabeau ꝛc. 18.— Ludwig Stanislaus Xaver(Monſiteur, gegenwärtig Ludwig 13) iſt ſeines Rechts an der Regentſchaft verluſtig⸗ 1. Febr. Dekret, nach welchem Jedermann, der reiſen muß, ſich mit einem Paß verſehen ſoll. 9.— Dekret, welches die Güter der Ausgewanderten für National⸗ güter erklärt. 17. März. Dekret, welches die Art der Enthauptung der zum Tode Verurtheilten beſtimmt, und Annahme der von dem Arzt Guillotin(geſt. 1814) erfundenen Maſchiene, die daher Guillotine heißt.— 5. April. Abſchaffung der geiſtlichen Congregationen, ſowohl von Männern, als Frauen, und Verbot aller geiſtlichen Trachten. 20.— Frankreich erklärt dem König von Ungarn und Böhmen den Krieg⸗ 4 30.— Bisherige Ausſtoßung von 1900 Millionen Aſſignaten. 19. Juni. Dekret, welches die Verbrennung der genealogiſchen Be⸗ nennungen öffentlicher Niederlagen(depôts) beſiehlt. 20.— Volksaufſtand in den Vorſtädten St. Antoine und St. Mar⸗ ceau. Das Volk dringt in die Gemächer des Königs, und zwingt ihn, die rothe Mütze aufzuſetzen. 11. Juli. Das Vaterland wird in Gefahr erklärt. 14.— Bundesfeſt auf dem Marsfelde, welchem der König und ſeine Familie beiwohnen. Das Volk, um Petion, Maire von Paris, der wegen der Auftritte des 20. Juni von ſeinen Amtsverrichtungen ſuſpendirt war, und ſie nun von neuem übernahm, ſeine Freude darüber zu bezeugen, läßt auf alle Hüte ſchreiben: Es lebe Petion! Petion oder Tod! 27.— Dekret, welches die Confiskation und den Verkauf der Emi⸗ grantengüter, zum Beſten der Nation, beſtehlt. 30,— Ankunft eines Bataillons Marſeiller zu Paris, und Anfang ihrer Ausſchweifungen.. 3. Aug⸗ Geſuch, der Nat. Verſamml. von Petion, im Namen der Pa⸗ riſer Sektionen vorgelegt, um die Abdankung des Königs zu erhalten. 10.— Bekannte Ereigniſſe dieſes Tags, in Folge deren die geſetzge⸗ bende Verſammlung eine National⸗Convention, und die proviſoriſche Su⸗ ſpenſton Ludwigs 16 dekretirt⸗ 11.— Geſetz, welches die Wegnahme der königlichen Statuen, Bas⸗ reliefs und ſonſtigen Denkmäler der Monarchie von den Plätzen und andern öffentlichen Orten zu Paris befiehlt. 13.— Der König und ſeine Familie werden nach dem Temvel gebracht. 17.— Lafayette, durch ein Dekret proſeribirt verläßt ſeine Armee in der Gegend von Sedan, und flieht aus dem Vaterlande. Dumourier erſezt ihn. 23.— Einnahme der Feſtung Longwy durch die preußiſchen Trup⸗ pen, nach 24ſtündigem Bombardement. 26.— Geſetz, welches die unbeeidigten oder eidbrüchigen Prieſter verbannt, mit Ausnahme der gebrechlichen und ſechzigjährigen⸗ 30.— Geſetz in Betreff der Theaterſtücke und des Autorenrechts. 2. Sept. Einnahme der Feſtung Verdun durch die preuß. Armee. Der Kommand. Begurepaire erſchießt ſich, um nicht Zeuge der Uebergabe zu ſeyn. 10 Tabelle der berühmteſten Epochen. 1792. 2. u. 3. Sept. Niedermetzelung in den Gefäͤngniſſen in Parts. 12.— Die preußiſche Armee rückt ins Innere vor, und die franzöſ. Truppen ziehen ſich auf Chalons zurück. 16.— Diebſtahl, an Edelſteinen und Diamanten der Krone, im königlichen garde-meuble verübt. 19.— Dekret, welches den Maltheſerorden in Frankreich aufhebt, und den Verkauf ſeiner Güter verordnet.— Dekret, laut welchem die Ge⸗ maälde und ſonſtigen Denkmäler der Kunſt, die aus National⸗ oder andern Gebäuden herkommen, im Louvre aufgeſtellt werden. 20.— Geſetz, welches die Art und Weiſe, den Civilſtand der Bürger zu beglaubigen, beſtimmt.— Ein anderes, welches zur Eheſcheidung er⸗ mächtigt.— Gefecht bei Valmy, wo die Preußen einen Angriff thun, ohne in die von den Generälen Dumourier und Kellermann kommandirte franzöſ. Armee einbrechen zu können.— Schließung der geſetzgeb. Verſamml. Die neuen Deputirten, 371 an der Zahl, vereinen ſich in dem der neuen Geſetz⸗ gebungskammer beſtimmten Saale, und konſtituiren ſich hierauf zur Nat. Convention.— Dieſelbe beſteht aus 750 Mitgliedern. 21.— Auf den Vorſchlag des Collot d'Herbois wird die Abſchaffung der Königswürde dekretirt. Von dieſem Tage beginnt die republ. Zeitrechnung. 24.— Aufhebung der Appanagerenten der franz. Prinzen. 25.— Beſchießung der Feſtung Lille durch die Oeſterreicher. 28.— Geſetz, welches die franz. Republik für ein und untheilbar erkl. 29.— Sieg der franz. Armee in den Ebenen der Champagne über die preuß. Truppen, und Rückzug dieſer letztern. 6. Okt. Die Nat. Conv. beſiehlt, daß die Siegel, das Scepter und die Krone Frankreichs zerbrochen und in Münze verwandelt werden ſollen. 9.— Geſetz, laut welchem die mit den Waffen ergriffenen Emigran⸗ ten mit dem Tode beſtraft werden. 3 13.— Die Benennungen Monſteur und Madame werden gegen die von Bürger und Bürgerin vertauſcht. 15.— Wiedereinnahme Verduns durch die franz. Truppen. 21.— Abſchaffung des St. Ludwigsritterkreuzes. 22.— Longwy wird den Preußen wieder abgenommen⸗ 23.— Geſetz, welches die Emigranten auf immer von dem Gebiete der Republik verbannt, und die Todesſtrafe gegen dieienigen ausſpricht, die nach Frankreich zurückkehren würden. 3. 29.— Ludwig 16 wird in den großen Tempelthurm gebracht. 6. Nov. Schlacht bei Jemappes, von den Franzoſen gewonnen. 6.— Auf den Bericht des Mailhe beſchließt die Nat. Convention, daß Ludwig XVI. von ihr gerichtet werde. 227.— Vereinigung Savoyens mit Frankreich. 12. Dec. Ludwig XVI. begehrt zu Vertheidigern Tronchet und Target. Der letztere ſchlägt es ab. 14.— Malesherbes will Target erſetzen.„Der König,“ ſagt er, »beehrte mich mit ſeiner Gunſt, ſo lange er glücklich war: ich darf ihn „nicht im Unglück verlaſſen.“ Er wird angenommen. 15.— Madame Aubry von Guges ſchreibt an die Nat. Konvention, tm als Vertheidigerin des Königs zugelaſſen zu werden. Tagesordnung⸗ 16.— Geſetz, nach welchem die Glieder der Familie Bourbon, Tabelle der berühmteſten Epochen. 1792. 1793. 11 ausgenommen die im Tempel eingethürmten, und der Herzog von Orleans, Frankreich verlaſſen ſollen. 19.— Die Nat. Convention nimmt das Begehren Tronchets und Malesherbes an, ſich Herrn Deſéze beizuordnen⸗ 25.— Das Teſtament Ludwigs XVI. wird öffentlich bekannt ge⸗ macht. 15. Jan. Nach einem namentlichen Ausruf erklärt die Nat. Convent. mit einer Majorität von 693 auf 719 Stimmen:„Daß Ludwig Capet der „Verſchwörung gegen die Freiheit der Nation und des Anſchlags auf die all⸗ „gemeine Sicherheit ſchuldig iſt.“ 17.— 715 Mitglieder der Nat. Convent. ſind gegenwärtig; aber 2 verweigern zu votiren. Die Zahl der Mitglieder beträgt 714. Von dieſen ſtimmen 364 für den Tod, ohne Friſt oder Rückſicht auf Beſſerung; 67 für den Tod, mit Friſt oder Bedingungen; im Ganzen 428. Die übrigen 286 ſtimmen für Gefängniß, Verbannung, oder eine andere, als die Todesſtrafe. 18.— Manuel und Kerſaint geben ſchriftlich ihre Entlaſſung, erklä⸗ rend, daß ſie als Geſetzgeber, und nicht als Richter, ernannt ſeyen. 21.— Enthauptung Ludwigs 16, 38 Jahre alt. Er war den 23. Aug. 1734 geb⸗ u. beſtieg den Thron den 10. Mai 1774. Er regierte nicht ganz 498. 21— 23. Jan. Den 21. wird Michael Lepelletier von St. Fargeau⸗ bei einem Reſtaurateur im Palais⸗Royal, von dem Leibgardiſten Paris er⸗ mordet, weil er für den Tod des Königs geſtimmt hat.— Die Nat. Conv. wohnt vereint ſeinem Leichenbegängniſſe bei, und ſeine Tochter wird im Namen des Vaterlandes adoptirt. 31.— Vereinigung der Grafſchaft Nizza mit Frankreich. 1. Febr. Kriegserklärung Frankreichs an England und Holland⸗ 14.— Weitere Vereinigung der Grafſchaft Monaco mit Frank⸗ reich. 19.— Nach einem Bericht des Präſidenten Chabot beträgt die Activ⸗Schuld des Staates, welche aus den Gütern der Geiſtlichen und Emigranten, den Domänen und Nationalt Waldungen, Einkünften der Collegien, Hoſpitäler ꝛc⸗ beſteht, 9 Milliarden, 198 Millionen; die Paſſiv⸗Schuld 8 Milliarden, 24 Millionen, und 360 Millionen Inter⸗ eſſen von lebenslänglichen Leibrenten und Penſtonen. 1. März. Frankreich zählt acht Armeen: Die des Nords, unter Befehl des Gen. Dumourier; die der Ardennen, unter Valence; der Mo⸗ ſel, unter Bournonville; des Niederrheins, unter Cuſtine; der Alpen, unter Kellermann; die von Italien, unter Biron; der Pyrenäen, unter Servan, und der Küſten, unter Labourdonnaye. 1—9.— Folgende Länder und Städte werden mit Frankreich vereinigt: Die Städte Brüſſel, Salm, Mons, die Länder Hennegau, Franchimont, Lüttich, die Städte Gent, Florennes und 30 zu ihr gehö⸗ rige Gemeinden, die Stadt Tournai und ihr Gebiet, die Städte Löwen, Oſtende; Ramur, und faſt ganz Belgien. 7.— Kriegserklärung Frankreichs an Spanien.— Das deut⸗ ſche Neich, England, Preußen, Holland, Portugal, Spanien, Sardi⸗ nien, die beiden Sicilien, und der Kirchenſtaat, verbinden ſich gegen Frankreich. 11.— Errichtung des Revolutions⸗Tribunals. 12 Tabelle der berühmteſten Epochen. 1793. 17. März. Die Inſurgenten verwüſten das Depart. der Mayenne. 18.— Aufrühriſche Bewegungen in der Vendee.— Schlacht bei Neerwinden und Niederlage Dumourier's. Er räumt Belgien. 19— 30.— Mehrere Länder mit Frankreich vereinigt, nämlich: Viele Gemeinden Belgiens und am Rhein; Dentingen und andere dem Moſelde⸗ parkement benachbarte Gemeinden; das Land Bruntrut unter dem Namen des Dep. Mont⸗Terrible; das Turneſiſche; Mainz. 4 4. April. Abfall Dumourier's; er geht, nebſt den Söhnen des Herzogs von Orleans, zum Feind über. 6.— Errichtung des Heils⸗Ausſchuſſes.— Geſetz, laut welchem die ganze Familie der Bourbone gefänglich eingezogen werden ſoll. 9.— Arreſtation der Glieder dieſer Familie, worunter auch der Herzog von Orleans, genannt Philippe-Egalité. 23.— Deportationsgeſetz für die unbeeidigten Prieſter. 8. Mai. Beſtimmte Vereinigung des Lütticher Landes mit Frank⸗ reich. 10.— Die Rat. Konvention nimmt zum erſtenmal Sitz im Schloſſe der Tuillerien.. 11.— Neue Fertigung von Aſſignaten, deren Totalſumme ſich bis jetzt auf 3 Milliarden, 100 Millionen beläuft. 20.— Gezwungenes Anleihen von 1 Milliarde, nur auf die Rei⸗ chen anwendbar. 21.— Anzündung des Kaps(auf der Inſel St. Domingo), und allgemeine Niedermetzelung der Weißen. 26.— Die Bewohner Korſtka's, von Paoli verführt, trachten, ſich der Herrſchaft Frankreichs zu entziehen. 29.— Inſurrection der Stadt Lyon: die republikaniſche Partei unterliegt, und Chalier⸗ Gemeindeprocurator, wird vor das Kriminal⸗ gericht dieſer Stadt gezogen. 31.— Tag oder Revolution des 31. Mais: Fall der Gironde⸗ und Triumph der Berg⸗Partei. 2. Juni. Folge dieſer Revolution. 6. u. 9.— Proteſtationen mehrerer Deputirten gegen die Ereigniſſe am 31. Mai und 2. Juni. 10.— Geſetz über die Organiſation des Pflanzen⸗(vormals königl.) Gartens, und des Ratnralien⸗Kabinets, unter der Benennung Muſeum. 23.— Abſchaffung des Martial⸗Geſetzes. 3 27.— Neue Konſtitution, genannt die von 1793. 29.— Nantes wird von den Vendeeiſten angegriffen, die aber mit beträchtlichem Verluſt zurückgeſchlagen werden. 3. Juli. Die Vendeeiſten, kommandirt von Lescure und Laroche⸗ Jacqueline, erleiden bei Chatillon(Dep. des deux Sévres) eine Nieder⸗ lage durch die Republikaner, welche der General Weſtermann anführt. 13.— Marat wird von Charlotte Corday ermordet. 14.— Befehl der Nat. Verſammlung an ihre Kommiſſarien, den General Kellermann aufzufordern, Druppen nach Lyon, zur Herſtellung der Ordnung, marſchiren zu laſſen. 16.— Das Kriminal⸗Gericht zu Lyon verurtheilt Chalier zur To⸗ desſtrafe, und läßt ſie vollziehen, ohne auf die Vermittelung der Nat. Fonv. zu achten. ¹ Tabelle der berühmteſten Epochen. Jahr 2.(1793.) 13 19. Juli. Geſetz in Betreff des Eigenthumsrechts der Schriftſteller, muſikal. Componiſten, Mahler, Zeichner ꝛc. 20.— Hinrichtung der Charlotte Corday. 23.— Die Feſtung Mainz, ſeit vier Monaten von 80,000 Mann belagert, wird durch Kapitulation den Preußen übergeben. Die republika⸗ niſche Armee, welche im Anfang der Belagerung 22,000 Streiter hatte, iſt jetzt nur 17,000 Mann ſtark. Die einzige Bedingung, welche man ihr vorſchrieb, iſt, während eines Jahres nicht gegen die verbündeten Maͤchte zu dienen. 26.— Annahme des Telegraphen, von Chappe erfunden, und Geſetz, welches demſelben den Titel Ingénieur-Télégraphe, und den Gehalt eines Lieutenants vom Genie⸗Corps bewilligt. 18.— Uebergabe der Feſtung Valenciennes an die Truppen des Kaiſers von Oeſterreich, nach einer Belagerung von zwei Monaten.— Die frei ausmarſchirende Garniſon wird ſogleich gegen die Vendeer gerichtet⸗ 31.— Die Nat. Convention dekretirt, daß die Mainzer Beſatzung mit Poſt nach der Vendee geführt werden ſoll. 1. Auguſt. Geſetz, welches die Glieder der Familie Bonrbon ver⸗ bannt, mit Ausnahme der im Tempel gefangenen, und welches Maria Antoinette vor das Revolutionsgericht zieht. 1.— Geſetz über die Gleichförmigkeit und das allgemeine Syſtem der Maaſe und Gewichte. 6.— Die Kommiſarien der Nat. Convention verkünden, daß ſie mit 20,000 Republikanern, unter Kellermanns Befehl, nach Lyon mar⸗ ſchiren. 8.— Erſter Ausfall der von den republik. Truppen belagerten Lyo⸗ ner zum Vortheil der letztern.— Geſetz, welches die Academieen und ge⸗ lehrten Geſellſchaften, die von der Nation patentirt oder dotirt ſind, auf⸗ hebt. 10.— Die Deputirten der Primär⸗Verſammlungen der 44,000 Gemeinden legen ihre Annahme der Konſtitution auf dem Altar des Vater⸗ landes, im Marsfelde, nieder. 18.— Geſetz über die Verdächtigen. 22.— Verhandlung über den Plan des neuen bürgerlichen Geſetz⸗ buchs(Code civil), welchen Cambaceres im Namen des Geſetzgebungs⸗ Ausſchuſſes vorlegt. 23.— Geſetz, welches die Franzoſen von 18 bis 25 Jahren zum Kriegsdienſte requirirt.— Beſchießung der Stadt Lyon. 27.— Uebergabe Toulon's an den engliſchen Admiral Hood. Eilf Linienſchiffe werden ihm von den Contre⸗Admirälen Tongoff und de Graſſe überliefert. Der Contre⸗Admiral St. Julien entrinnt mit ſteben andern Staabsoffizieren. Ludwig XVII. wird in dieſer Stadt als König procla⸗ mirt. 28.— Anleihe einer Milliarde, von den Reichen zu zahlen.— Hin⸗ richtung des Generals Euſtine. 1. Sept. Geſetz über das Eigenthumsrecht der dramatiſchen Werke. 5.— Errichtung der Revolutions⸗Armee. 6.— Geſetz, welches die Arreſtation aller in den mit Frankreich im im Kriege begriffenen Ländern gebornen Fremden beſiehlt.* „ 14 Tabelle der berühmteſten Epochen. J. 2.(1793.) J. 3.(1794.) 6. 7. 8. u. 9.— Schlacht bei Hondscoot, gewonnen durch Houchard gegen die Engländer und Oeſterreicher, wodurch Dünkirchen entſetzt wird. Der Feind laͤßt Gepäck, Munition, und 52 Kanonen von ſchwerem Ka⸗ liber zurück. 9.— Geſetz, welches den Handwerkern von Paris 2 Franken für jede Sitzung bei ihren Sections⸗Verſammlungen bewilligt.— Geſetz, wo⸗ durch die Militärſchulen aufgehoben werden. 3 11.— Uebergabe der Feſtung Quesnoy. 21.— Geſetz, dasalle Frauen zum Tragen der dreifarbigen Kokarde verbindet. 4 7. Vend. 28. Sept. Dekret für die Ausſchießung von 2 Milliar⸗ den Aſſignaten. — 8.— 29.— Geſetz, welches ein Maximum der nothwendigſten Le⸗ bensmittel beſtimmt. 12.— 3. Oct. Arreſtation von 53 Deputirten der Parteien, wel⸗ che man Girondiſten, Briſſotiner und Föderaliſten nennt.— Beſchluß über die Arreſtation von 66 andern Deputirten, welche die Proteſtation vom 6. und 9. Juni unterzeichneten. 1 14.— 3.— Proceß der Königin Marie Antoinette.— Geſetz/ welches die chriſtliche Zeitrechnung abſchafft, und die republikaniſche, vom 22. Sept. 1792 anzufangen, gründet.— Arreſtation der Mitglieder der konſtituirenden Verſammlung, die gegen ihre Decrete proteſtirten. 16. Vend. 7. Oct. Dekret, zufolge deſſen der Herzog von Or⸗ leans vor das Nevolutionsgericht von Marſeille gezogen wird. 18.— 9.— Einnahme Lyon's durch die republikaniſchen Truppen. 19.— 10.— Die Regierung iſt bis zum Frieden revolutionär er⸗ klärt. Alle Civil⸗ and Militaͤr⸗Behörden ſind unter die Aufſicht des Heils⸗ ausſchuſſes geſtellt.— Vereinigung Montbeliard's(Mümpelgards) mit Frankreich⸗ 21.— 12.— Dekret zur Zerſtörung der Stadt Lyon, und Verwand⸗ lung ihres Namens in den der befreiten Gemeinde. 24. u. 25.— 13. u. 16.— Schlacht bei Wattignies, und Aufhe⸗ bung der Blokade von Maubeuge. G 25.— 16.— Kriegserklärung des Königs von Neapel an Frank⸗ reich.— Hinrichtung der Königin Marie Antoinette. 10. Brum. 31.— Enthauptung von 21 Conventionsgliedern, Briſſotiner, Girondiſten oder Föderaliſten genannt⸗ 11.— 1. Nov. Geſetz, welches die Konfiskation der Güter der vor dem 14. Juli 1789 abweſenden Perſonen ausſpricht. 16.— 6.— Hinrichtung Philipps, Herzogs von Orleans, ge⸗ nannt Egalité. 17.— 7.— Der Biſchof von Paris und ſeine Vikarien entſagen an den Schranken der Convention ihren prieſterlichen Verrichtungen. 18.— 8.— Errichtung des muſtkaliſchen National⸗Inſtituts. 20.— 10.— Feſt der Vernunft in der Kirche unſerer l. Frauen (Nötre-Dame). 25.— 13.— Abſchaffung aller Lotterieen in Frankreich. 11. Frim. 1. Dec. Beſchluß der Gemeinde Paris zu Gunſten der Freiheit des Gottesdienſtes. Tabelle der berühmteſten Epochen. Jahr 2.(1794.) 15 14.— 4.— Geſetz über die Organiſation der proviſoriſchen Revo⸗ lutions⸗Regierung, zufolge des Dekretes vom 10. October. 26.— 16.— Abſchaffung der Vorſteher und Commis des Zoll⸗ weſens. 29.— 19.— Wiedereinnahme Toulon's durch Dugommier, wo⸗ zu Bonaparte, damals erſt Offizier im Genie⸗Corps, mächtig beiträgt. 2. Nivoſe. 22.— Völlige Niederlage der Vendeer bei Savenay, durch Moreau und Kleber. 27.— 16. Jan. Marſeille, für rebelliſch erklärt, iſt dem Haſſe des Barras und Freron ausgeſetzt. 8. Ventoſe. 27.— Geſetz, welches in den Acten jeden Feudal⸗ ausdruck verbietet. 13.— 1. Febr. Vorſchlag eines zweijährigen Wafeenſtillſtandes durch die coaliſirten Mächte. Er wird nicht angenommen.— Geſetz, das die Zerſtörung aller feſten Schlöſſer beftehlt. 16.— 4.— Abſchaffung der Sklaverei der Neger. 17.— 3.— Pichegru iſt zum Kommandanten der Nordarmee er⸗ nannt, wo er Jourdan erſetzt. 27.— 135.— Die Convention beßinunt die Tarben der National⸗ fahne. 22. Vent. 12. März. Konſiskation der Güter der deportirten Geiſt⸗ lichen zum Beſten der Republik⸗ 2. Germinal. 22.— Einnahme der Inſel Martinique durch die Engländer. Der General Nochambeau erhält eine ehrenvolle Kapitulation. 3.— 23.— Hinrichtung Hebert's, Nouſin's und Anacharſis⸗ Clootz's. 7.— 27.— Auflöſung der Revolutions⸗Armee. 12.— 1. April. Abſchaffung der Sklaverei in allen Kolonieen, und Bewilligung des franz. Bürgerrechts für die farbigen Menſchen.— Aufhebung des proviſor. Vollziehungsrathes, der durch Kommiſſarien er⸗ ſetzt wird⸗ 16.— 5.— Hinrichtung der Deputirten Danton, Chabot, Ba⸗ fire, Camille Desmoulins ꝛc. 19.— 8.— Einnahme von Oneille durch die italieniſche Armee unter General Maſſena. 23.— 12.— Geſetz, welches den Kriminalgerichten erlaubt, ſo viele Zeugen abzuhören, als ihnen zur Erleuchtung ihrer Meinung nöthig ſcheint. 27.— 16.— Geſetz, welches alle Fremden und die Er⸗Adlichen aus der Hauptſtadt, den feſten Plätzen, und den Seeſtädten verbannt, bei Strafe, außer dem Geſetz erklärt zu werden⸗ 30.— 19.— Traktat zwiſchen England, Preußen, und HKolland. 3. Floreal. 22.— Dekret der Convention, welches eine Com⸗ miſſion, aus Cambaceres, Merlin von Douai und Couthon beſtehend, ernennt, um den Coder der bisher gegebenen Geſetze abzufaſſen.— Todes⸗ urtheil und Hinrichtung Malesherbes und Thouret's. 11.— 30.— Einnahme von Landrecies durch die coaliſirten Ar⸗ meen. 18.— 7. Mai. Die Nat. Convention erkennt das Daſeyn des höchſten Weſens und die Unſterblichkeit der Seele⸗ 16 Tabelle der berühmteſten Epochen. Jahr 2. 3.(1794.) 19. F.lor. 8. Mai. Todesſtrafe des berühmten Chemikers Lavoiſter, auch von 27 Generalpächtern. 21.— 10.— Hinrichtung der Prinzeſſin Eliſabeth und des Herrn von Brienne. 29.— 18.— Schlacht bei Turcoing, von Moreau gegen die Alliir⸗ ten gewonnen. 3. Praireal. 22.— Die Engländer, von Paoli gerufen, lan⸗ den auf Korſtka, und überziehen dieſe Inſel. 13.— 1. Juni. Die Engländer bemächtigen ſich der Veſte Port⸗ au⸗Prince.— Seegefecht ziniſchen Villaret⸗ Joyeuſe und dem Vice⸗Ad⸗ miral Howe. Rückzug, von Jean⸗Bon⸗St. André befohlen. Die Folge iſt ein Verluſt von ſechs Kriegsſchiffen. 20.— s.— Feſt zu Ehren des höchſten Weſens. 28.— 16.— Erſte und unentſcheidende Schlacht bei Fleurus.⸗ 29.— 17.— Einnahme von Ppern durch den General Moreau. 30.— 18.— Wiederholte Ausſchießung von 1 Milliarde, 200 Millionen Aſſignaten. 6. Meſſidor. 24.— Einnahme der Feſtung Bellegarde durch die Spanier. 8.— 26.— Zweite Schlacht bei Fleurus, durch Jourdan gewonnen, und anhaltende Vortheile der Nordarmee, welche bis zum 9. Thermidor Oſtende, Mons,⸗ uutnai⸗ Gent, Brüſſel, Namur, Antwerpen ꝛc einnimmt. 18.— 6. Juli Die Deputirten Sallen, Guadet und Barbaraur wer⸗ den zu Bordeaur hingerichtet. 5. Therm. 23.— Todesurtheil der Prinzen von Montbazon und von Roſan, und der Herren von Beauharnois und Andreas Chenier. 4 7.— 25.— Hinrichtung des Herzogs von Roquelaure und des Barons von Trenk. 9.— 27.— Arreſtations⸗Dekret wider Robespierre, Couthon, St. Juſt, Lebon, Henriot, Dumas ꝛc. Sie wollen eine neue Inſurrektion im Schoos der Gemeinde bilden. Bourdon von der Oiſe, von der bewaffneten Macht begleitet, bemächtigt ſich der Angeklagten. 10.— 28.— Hinrichtung Robesyierre's und ſeiner Mitſchuldigen. 11.— 29.— Abſchaffung des Maximums. Hinrichtung der außer dem Geſez erklärten Mitglieder der Gemeinde Paris.— Einnahme Lüttichs durch die Franzoſen⸗ 12.— 30.— Entlaſſung des Barras von dem Generalkommando der bewaffneten Macht. 14.— 1. Auguſt. Berichterſtattung über das Geſetz vom 22. Prai⸗ real in Betreff der Organiſation des Revolutions⸗Tribunals⸗— Einnah⸗ me von Fontarabia, St. Sebaſtian und Drier. 23.— 12.— Inſtallation des neuen Revolutions⸗Tribunals⸗ 27.— 14.— Der Geſandte der vereinigten Staaten empfängt den Bruderkuß vom Präſidenten der Nat. Konvention. 29:— 16.— Wiedereinnahme Quesnoy's durch Scherer. 1. Fructidor. 18.— Anzündung der Bibliothek v. St. Germain des Prés. 6.— 23.— Geſetz, welches die Führung anderer, als der im Ge⸗ burtsregiſter angegebenen, Namen verbietet⸗ Tabelle der berühmteſten Epochen. Jahr 2. 3.(1794.) 17 7. Fruct. 24. Aug. Die Ausſchüſſe des Heils und der öffentlichen Sicherheit werden neu organiſirt, aber ihre Gewalten ſind beſchränkt.— Revolutionäre Ausſchüſſe werden in jedem Bezirk errichtet. 10. u. 11.— 27. u. 28.— Wiedereinnahme von Condé und Valen⸗ ciennes durch die Franzoſen⸗ 14.— 31.— Erploſton des Pulvermagazins auf der Ebene von Gre⸗ nelle bei Paris. 15.— 1. Sept. Barrere/ Collot d'Herbois und Billaut⸗Varennes werden im Heilsausſchuß erſetzt. 23.— 9.— Verordnung des Drucks des neuen Vorſchlags eines Ge⸗ ſetzbuches. 24.— 10.— Mordanſchlag gegen Tallien. 28.— 14.— 94 Einwohner von Nantes, welche das Revolutionsge⸗ richt dieſer Stadt nach Paris ſandte, erhalten ihre Freiheit⸗ 2. E. T.— 18.— Geſetz, laut welchem die Republik keine Religions⸗ diener beſoldet.— Wiedereinnahme der Feſtung Bellegarde. . 1. Vend. 22.— Wegnahme eines beträchtlichen Artillerie⸗ Parks zu Aachen durch die Franzoſen. 7.— 28.— Arreſtations⸗Dekret wider den General Turreau. 11.— 2. Okt. Schlacht bei Altenhoven(an der Roer), durch Jour⸗ dan gewonnen. 12.— 3.— Einnahme Jülichs durch die Franzoſen. 16. Vend. 7. Okt. Die Nordarmee bemächtigt ſich Herzogenbuſchs. 400 Emigranten, mit den Waffen in der Hand gefangen, werden erſchoſſen. Einnahme von Köln. 19.— 10.— Geſetz, welches ein Conſervatorium der Künſte und Gewerbe etrichtet. 1 20.— 11.— Die Aſche des J. J. Nouſſeau wird nach dem Pantheon gebracht. 25.— 16.— Geſetz, das alle Art von Affiliationen unter den Volks⸗ geſellſchaften verbietet. 26— 17.— Die Armee der Oſt⸗Pyrenäen rückt in Navarra ein. Einnahme Frankenthals durch die Franzoſen. 27.— 18.— Einnahme von Worms durch ſolche. reßt 28.— 19.— Geſetz, welches die Arbeit in den Arreſthäuſern be⸗ ehlt. 2. Brum. 23.— Einnahme von Andernach und Coblenz durch Jourdan. 5.— 26.— Verhaftung des Babeuf auf Befehl der Convention⸗ Einnahme von Vanloo durch Pichegrü⸗ 9.— 30.— Geſetz, das eine Normal⸗ Schule errichtet. 13.— 3. Nov. Scherer übernimmt das Oberkommando der ital. Armee⸗ 14.— 4.— Einnahme Maſtricht's durch Jourdan. Einnahm⸗e Praga's, der Vorſtadt von Warſchau, durch den ruſſiſchen General Souwarow. Niedermetzelung von 1400 Menſchen daſelbſt. 18.— 8.— Einnahme von Nimwegen durch die Franzoſen⸗ 21.— 11.— Der Volksrepräſentant Legendre geht mit einigen gut⸗ geſtunten Bürgern in den Jakobiner⸗ Saal, jagt alle Minalieder hinaus⸗ 18 Tabelle der berühmteſteu Epochen. J. 3.(1794. 1795.) und überbringt die Schlüſſel dem Heilsausſchuß. Die Sitzungen der Ja⸗ kobiner⸗Verſammlung werden ſuspendirt. 4 4 27. Brum. 17. Nov. Geſetz, welches Primar⸗Schulen, und ein Unterrichts⸗Jury für die Wahl der Lehrer, errichtet. 3 28.— 18.— Nachricht von der Ermordung der Franzoſen im Fort Dauphin durch die Neger auf St. Domingo. 30.— 20.— Schlacht am ſchwarzen Berge, in Catalonien, gewon⸗ nen von Dugommier, der dabei getödtet wird. 4 Frim. 24.— Anklags⸗Dekret gegen Carrier. 7.— 27.— Einnahme von Figuieres durch Perignon⸗ 12.— 2. Dec. Verkündigung einer Amneſtie zu Gunſten der Chouans, ſo die Waffen niederlegen. 14.— 4.— Errichtung von Geſundheitsſchulen zu Paris, Stras⸗ burg und Montpellier. 16.— 6.— Cambaceres ſtattet neuen Bericht über das Civilgeſetz⸗ buch ab. 18.— 8.— Die den 3. October 1793. wegen ihrer Proteſtationen vom 30. Mai und 2. Juni verhafteten Deputirten kehren wieder in die Mitte der Nat. Convent. zurück. 19. Frim. 9.— Beſchluß der Nat. Convention wegen Unterſu⸗ chung der durch Nobespierre aufgebrachten und beförderten Geſetze. 26.— 16.— Carrier, Grand⸗Maiſon und Pinard werden zum Tod verurtheilt und hingerichtet. 28.— 18.— Dekret. der Nat. Conv. wegen Erneuerung des Revol. Gerichts. Anklag⸗Dekret gegen Fouquier⸗Dinville. 4. Niv.— 24.— Deſtnitiv⸗Abſchaffung der Geſetze über das Mari⸗ mum. 14.— 3. Jan. Theilung Polens. 19.— 8.— Agier, ernannter Präſtdent des Nevol, Gerichts, hält eine Rede voll Muth, Gerechtigkeitsliebe und Menſchlichkeit. 27.— 16.— Entlaſſung des Statthalters in Holland; er flieht nach England. 30— 19.— Pichegrü bemächtigt ſich der Stadt Amſterdam. 1. Pluv.— 20.— Die holländiſche Flotte wird im Texel von den franz. Huſaren genommen. 8.— 27.— Dekret, welches beſtehlt, daß die ehemaligen Nonnen in ihre Familien zuruckkehren ſollen. 14.— 2. Febr. Ein Dekret nimmt die wider die Stadt Lyon erlaſſe⸗ nen peinlichen Geſetze zurück. 18.— 6.— Verkündigung der Nepublik der vereinigten Provinzen. 20.— 8.— Holland iſt gänzlich von Pichegrü erobert. Die Aſche Marat's und Lepelletier's wird aus dem Pantheon genommen. 25.— 13.— Ratiftcation des Friedenstractats mit Toscana. 4 27.— 13.— Vertrag zwiſchen dem General Charette und der Nat. Convention. Dekret über die freie Ausübung des Gottesdienſtes der ver⸗ ſchiedenen Neligionen. 3. Vent.— 21.— Dekret über die Errichtung von 12 Municipalitäͤ⸗ ten für die Gemeinde Paris⸗ 7.— 25.— Errichtung der Centralſchulen. 8. Tabelle der berühmteſten Epochen. Jahr 3.(1798.) 19 12. Vent. 2. März. Barrere, Billaut⸗Varennes und Collot d'Herbois ſind in Verhaftszuſtand erklärt.. 23.— 13.— Seegefecht im mittelländiſchen Meer zwiſchen dem Con⸗ tre⸗Admiral Martin und dem engl. Vice⸗Admiral Hotham. 30.— 20.— Einſtweilige Suspenſion des Verkaufs der confiseitten Güter.— 1. Germ.— 21;— Bildung der politechniſchen Schule. Geſetz gegen die aufrühriſchen Verſammlungen, namentlich in Bezug auf die gegen die republikaniſche Regierung und die National⸗Nepräſentation gerichteten An⸗ griffe. 12.— 1. April. Das Volk dringt in den Saal der Nat. Convention, begehrt Brod und die Conſtitution von 93. Pichegrü iſt zum Obergeneral der Nationalgarde ernannt. Barrere, Billaut, Collot d' Herbois und Vadier werden zur Deportation verurtheillt. 12.— 1.— Chasles, Chondieu, Leonhard Bourdon, Amar ꝛc. wer⸗ den in Verhaftungszuſtand erklärt. 13.— 4.— Pichegrü legt ſein Kommando nieder. 1 16.— 3.— Moſes Bayle, Cambon, Thuriot, Levaſſeur, Lecoin⸗ tre ꝛc. ſind angeklagt. Friedenstractat mit Preuſſen. 18.— 7.— Geſetz, welches die Ramen und den Werth der neuen Maaſe und Gewichte beſtimmt. 3. 21.— 10.— Entwaffnung der Terroriſten. 28.— 17.— Geſetz für die Verfertigung von 150 Millionen Fran⸗ ken in Kupfermünze. 29.— 18.— Errichtung der Commiſſton der Eilf für die Fertigung der organiſchen Geſetze. G 18. Flor.— 7. Mai. Hinrichtung des Fouquier⸗Tinville und der 14 Mitglieder des vorigen Nevol. Gerichts. 27.— 16.— Friede zwiſchen der franz. Republik und den vereinigten Provinzen. 28— 30.— 17— 19.— Aufruhr in Toulon. 1. Prair.— 20.— Die Nat. Convention wird neuerdings von den Faktionsmännern und Bewohnern der Vorſtädte bedrängt. Sie ermorden den Deputirten Ferraud. Während dieſer Verwirrung dekretiren die An⸗ hänger Barrere's ſeine, des Collot d' Herbois ꝛc. Zurückberufung. Als aber die Ruhe wiederhergeſtellt iſt, wird dieſes Dekret zurückgenommen, und die es erlaſſen habenden Deputirten werden verhaftet⸗ 4.— 23.— Die bewaffnete Macht marſchirt gegen die Vorſtadt St. Antoine, welche genöthigt wird, ihr Geſchütz und den Mörder Ferraud's auszuliefern.— Errichtung einer Militär⸗Kommiſſion, uin über die Anſtif⸗ ter der Unruhen am 12. Germ. und 1. Prair. Gericht zu halten. 3— 14.— 24— 2. Juni. Barrere, Collot d'Herbois, Billaud⸗Va⸗ rennes und Vadier werden vor das Kriminalgericht des Depts. der Nieder⸗ Charente gezogen, und de Pache, Bouchotte ꝛc. vor das der Eure und Loire⸗ — Verhaftung einer Menge Deputirter; mehrere tödten ſich ſelbſt.— Ab⸗ ſchaffung des Revolutions⸗Tribunals.— Ermächtigung zur Ausübung des katholiſchen Gottesdienſtes. 17.— 5.— Die Rebellen zu Toulon müſſen ſich unterwerfen. 19.— 7.— Einnahme der Feſtung Luxemburg durch die Franzoſen⸗ 20 Tabelle der berühmteſten Epochen. Jahr 3.(1795.) . 20. Prair 8. Jun. Ermächtigung des Geſetzgebungs⸗Ausſchuſſes, über Ausſtreichungen auf der Emigranten⸗Liſte zu ſprechen. 24.— 12.— Tod des Sohns Ludwigs XVI. im Tempel. 29.— 17.— Die Deputirten Romme, Duquesnoy, Bourbotte, und andere werden zum Tod verurtheilt. 3. Meſſ. 21.— Geſetz, welches einen Verhältniß⸗Maasſtab für die Aſſignaten verordnet. 3 5.— 23.— Vorſchlag einer neuen Konſtitution, von Boiſſy d'An⸗ glas überreicht.— Seegefecht bei Port⸗Louis, wo die Republik drei Schiffe verliert. 6.— 24.— Der Chef der Vandeer, Charette, ergreift wieder die Waffen. 9.— 27.— Errichtung einer Polizei⸗Legion für die Bewachung der Stadt Paris. 10.— 28.— Landung der Emigranten zu Guiberon. 12.— 30.— Natifikation des Vertrags der Auswechſelung der Toch⸗ ter Ludwigs XVI. gegen die franz. Geſandten. Alle in Frankreich geblie⸗ bene Bourbone werden in Freiheit geſetzt. 26.— 14. Jul. Geſetz, welches ein Anleihen von 1 Million, zu 3 Pet. Zinſen, eröffnet. 3. Therm. 21.— Niederlage der Emigranten und Engländer zu Quiberon; die mehr als ſechzehn Jahre alten Emigranten werden erſchoſſen. 4.— 22.— Friede mit Spanien. 21— 22.— 8— 9. Aug. Verhaftdekret gegen die Deputirten Du⸗ pin, Maſſieu, Fouché von Nantes ꝛc.. 28.— 13.— Die Nat. Convention orͤnet alles, was ſich auf die Fa⸗ brikation der Münze bezieht.— Geſetz, welches alle ſeit dem 10. März 1793. bis zum 8. Nivoſe 3. erlaſſenen revolutionären Urtheile vernichtet. 5. Fruct. 22.— Annahme der Konſtitution, genannt die vom Jahr 3., durch die Nat. Convention.— Zwei Drittheile der Conventions⸗Mit⸗ glieder ſollen zum geſetzgebenden Collegium gehören, und der Konſtitutions⸗ akt ſoll den Primär⸗Verſammlungen vorgelegt werden. 3 6.— 23.— Geſetz, welches die Klubs oder Volksgeſellſchaften auf⸗ löſet. 7.— 24.— Die Sansculottidentage werden nunmehr Ergänzungs⸗ tage genannt.— . 9.— 26.— Der Vorſchlag zur Reviſton des Civilcoder, ſo wie der peinlichen und gerichtlichen Geſetze wird an den Geſetzgebungsausſchuß ver⸗ wieſen. 11.— 28. Friede mit dem Landgrafen von Heſſen⸗Kaſſel. 20.— 6. Sept. Einnahme Düſſeldorfs durch Gen. Jourdan. 27— 29.— 13— 15.— Mehrere Sektionen erklären, daß ſie die Konſtitution angenommen, aber die Dekrete vom 3. und 13. dieſes Monats über Wiedererwählung von 6 der Konventionsglieder verworfen haben. 2. E. T.— 18.— Dekret, welches den Tuilerien⸗Pallaſt dem Nath der Alten, den Pallaſt Bourbon dem Nath der 500., und das Schloß Lu⸗ remburg dem Direktorium anweiſet. 4.— 20.— Einnahme Mannheims durch Pichegrü⸗ 5.— 21.— Geſetz, welches die Anverwandten und Verſchwaͤgerten Tabelle der berühmteſten Epochen. Jahr 4.(1795.) 24 der Emigranten und unbeeidigten Prieſter von allen öffentlichen Aemtern ausſchließt.— Ernennung einer Commiſſion von fünf Mitgliedern, um dem Unglück, das die Nepublik bedroht, zu begegnen. 1. Vend.— 23. Sept. Die Nat. Konvention erklärt, daß die Kon⸗ ſtitution und das Dekret vom 3. und 13. Fructidor angenommen ſind. 3.— 25.— Stürmiſche Verhandlungen und Unruhen in der Nat. Konvention⸗ Sie erklärt, daß, wenn einige ihrer Mitglieder angegriffen werden, ſie ſich nach Chalons an der Marne zurückziehen wird. Sie beauf⸗ tragt die Repräſentanten, die an der Spitze der bewaffneten Macht ſtehen, 3 mit Herſtellung und Erhaltung der Ordnung⸗ 7.— 29.— Es wird den Gerichten verboten, auf die durch Prieſter ausgefertigten Civilſtands⸗Akten Nückſicht zu nehmen. 9.— 1. Oct. Geſetz, welches Belgien und andere Länder dieſſeits des Rheins mit der Republik vereinigt. 10.— 2.— Die Eröffnung der Sitzungen des geſetzgebenden Kolle⸗ giums wird auf den 3. Brumaire beſtimmt. Landung des Grafen Artois in der Vandée mit 8000 Emigranten und 4000 Engländern. 11.— 3.— Die Unruhen wegen der Wahlen dauern fort. Die Nat. Convention erklärt ſich permanent. 12.— 4.— Das Geſetz über die Verdächtigen wird zurückgenommen. 13— 5.— Ereigniß vom 13. Vendemiaire. Barras wird Kom⸗ mandant der bewaffneten Macht. Bonaparte, der mit den Truppen für die Nat. Convention ſicht, zerſtreut die Faktionsmänner. 14.— 6.— Befehl, die von den Sektionen in die Departemente geſandten Couriere anzuhalten. 16.— 8.— Aufhebung des Stabs und der Eliten⸗Compagnien der Pariſer Nat. Garde.. 17.— 9. Todesurtheil des Joſeph Lebon. 18.— 190. Bonaparte erhält das zweite Kommando im Innern. 23.— 13.— Verhaftung des Saladin und Rovoôre, nach einer von Tallien gegen mehrere Deputirte er gangenen Anklage. 24.— 16. Rückzug der Sambre⸗ und Maas⸗Armce. 23.— 17.— Organiſation der Nationalbibliothek. 29.— 21.— Geſetz, welches die durch royaliſtiſche Verbindungen, wie unter andern die der Jeſus⸗ und Sonnen⸗ Compagnien ꝛc. begangenen Ermordungen beſtraft. 30.— 22.— Tallien, Dubois von Crancé ꝛc. ſind zu Mitgliedern einer Commiſſion ernannt, die beauftragt iſt, Maasregeln für das öffentli⸗ che Wohl zu bereiten. Verhaftung der Nepräſentanten Lhomont und Franz Aubry, und Ziehung vor Gericht des Generals Ménou. 2. Brum. 24.— Geſez über die Organiſation des Kaſſationsge⸗ richts⸗ 3.— 25.— Organiſation des öffentlichen Unterrichts und des Na⸗ tionalinſtituts. Aufhebung der Kommiſſion der fünf. 4.— 26.— Verfügung, welche die Abſchaffung der Dodesſtrafe auf die Epoche des allgemeinen Friedens verlegt. Amneſtie für die vor dem 13. Vendemiaire begangenen revolutionären Verbrechen.— Vereinigung des Herzogthums Bouillon mit Frankreich.— Bildung der Conventions⸗ Mitglieder in ein Wahlkollegium, um die ⅛ vollzählig zu machen.— Ende der Sitzung der Rat. Convention. 22 Tabelle der berühmteſten Epochen. Jahr 4.(1795. 1796.) 5. Brum. 27. Oct. Die wiedergewählten Mitglieder der Nat. Konvention und die neuen vom Volk ernannten Deputirten ſchreiten zur Bildung der Näthe der Alten und der Fünfhundert. 6.— 28.— Der Nath der fünfhunderz verſammelt ſich in der Reit⸗ ſchule, und der der Alten im Conventions⸗Saale. 7.— 29.— Gefechte bei Mombach und bei Mannheim zum Nach⸗ theil der Franzoſen. 3 10.— 1. Nov. Die Räthe ſchreiten zur Ernennung der Mitglieder des Vollziehungs⸗Direktoriums. Rewbell, Barras, Carnot, Laréveillére⸗ Lépaur, und Letourneur von der Manche, ſind zu Direktoren ernannt. 14.— 5.— Ernennung der Miniſter durch das Direktarium. . 23.— 46.— Das Direktorium wird ermaͤchtigt, diejenigen Wah⸗ len, welche nicht durch die Wahlkollegien geſchahen, zu ergänzen. 26.— 17.— Die Vendeer unterwerfen ſich, nach der Abreiſe des Grafen Artois, von neuem. 2— 3. Frim. 23— 24.— Schlacht bei Loano, von Maſſena ge⸗ wonnen.. 4.— 25.— Abdankung des Königs von Polen. 19.— 10. Dec, Geſetz, welches ein gezwungenes Anleihen von 6 Millionen Franken auf die wohlhabenden Bürger verordnet. 28.— 19.— Die Tochter Ludwigs XVI. geht aus dem Tempel. 30.— 21.— Wiedereinnahme Mannheims durch die Oeſterreicher. 8. Niv.— 29.— Auswechſelung der Tochter Ludwigs XVI. ge⸗ gen Quinette, Lamarque, Beurnonville, Drouet ꝛc. 10.— 31.— Waffenſtillſtand zwiſchen Frankreich und Oeſterreich. 5. Pluv. 25. Jan. Sendung von Kommiſarien in die Kolonien. 13.— 2. Febr. Inſtallation der 12 Municipalitäten von Paris. 30.— 19.— Vernichtung der Platten, welche zur Verferkigung der Aſſignaten dienten. 1. Vent. 20.— Aufhebung der Generalſtände Hollands, welche eine Nationalkonvention der bataviſchen Republit erſetzt. 4.— 23.— Bonaparte wird zum Obergeneral der Armee von Ita⸗ lien ernannt. 6.— 25.— Der Vendee⸗General Stofflet wird zu Angers er⸗ ſchoſſen. 12.— 2. Marz. Barrére, Billaud⸗Varennes, Vadier, und Col⸗ lot d'Herbois werden deportirt. 28.— 18.— Verfertigung von Territorial⸗Mandaten für die Summe von 2 Milliarden, 400 Millionen. 8. Germ. 28.— Die Engländer bemeiſtern ſich des Fort⸗Noyal auf Martinique. 9.— 28.— Hinrichtung des Vendee⸗Generals Charette zu Nantes. 13.— 2. April. Inſurrektion der Noyaliſten in der ehemal. Pro⸗ vinz Berry. 20.— 9.— Niederlage dee Chouans bei Sancerre; Ende der In⸗ ſurrection in Berry. 22.— 11.— Geſetz, welches den Gebrauch der Glocken unterſagt. Sieg bei Montenotte, erfochten durch den General Bonaparte. 24.— 13.— Monſeeur reiſet von Venedig zur Armee des Prinzen von Condé ab. Tabelle der berühmteſten Epochen. Jahr 4.(1796.) 23 25. Germ. 14. April. Sieg bei Milleſimo durch General Bona⸗ varte. 27.— 16.— Dekret, welches die Todesſtrafe gegen dieienigen ver⸗ hängt, die zur Anarchie oder zum Königthum auffordern. 28.— 17.— Geſetz gegen die Vergehungen der Preſſe. 30.— 49.— Sidney Smith wird zu Havre gefangen. 3. Flor. 22.— Schlacht bei Mondovi, durch Bonaparte gewonnen. 9.— 28.— Beſchluß für die Bildung der mobilen Colonnen. 19.— 8. Mai. Uebergang über den Po. 21.— 10.— Erſtürmung der Brücke bei Lodi. 23.— 18.— Verhaftung des Babeuf, Drouet ꝛc. auf Befehl des Direktoriums. 24.— 13.— Moreau iſt zum Obergeneral der Rhein⸗ und Moſel⸗ Armee ernannt. 25.— 14.— Einnahme Mailands durch Maſſena. 26.— 15.— Friede zwiſchen Sardinien und der franz. Nepublik. 29.— 18.— Babeu f ſchlägt dem Directorium vor, mit ihm, wie Macht gegen Macht, zu unterhandeln. 2. Prair. 21.— Erneuerung der Feindſeligkeiten zwiſchen der franz. Nheinarmee und der vom Prinzen Karl kommandirten. 10.— 29.— Feſt der Erkenntlichkeit, den Siegen der Nepublik zu Ehren. 11.— 30.— Uebergang über den Mincio. 13.— 1. Junin Sieg des Gen. Kleber an dem Flüßchen Sieg. 16.— 4.— Schlacht bei Altenkirchen, durch Kleber gewonnen. 6. Meſſ. 24.— Eroberung des Kehler Brückenkopfs durch Deſaix. 91.— 29.— Einnahme des Schloſſes von Mailand. 13.— 1. Juli. Niederlage des Prinzen Condé bei Ettlingen. 17.— 5.— Schlacht bei Naſtadt, durch Moreau gegen den Prinzen Karl gewonnen. 20.— 8.— Vorlegung eines neuen Civil⸗Geſetzbuchs⸗ 27.— 15.— Aufruhr im Lager von Grenelle. 28.— 16.— Einnahme von Frankfurt am Main durch Kleber. 29.— 17.— Verweiſung Babeuf's und ſeiner Mitſchuldigen vor den obern National⸗Gerichtshof zu Vendöme. 30.— 18.— Die Aſſignaten kommen außer Umlauf. 3. Therm. 21.— Einnahme Stuttgard's durch den General Gou⸗ vion St. Cyr. 17.— 4. Aug. Einnahme Bambergs durch Jourdan. 18.—§.— Schlacht bei Caſtiglione, gewonnen durch Bonaparte. 19.— 6.— Die hollänbiſche Escadre am Vorgebirge der guten Hoffnung wird den Engländern ohne Gefecht übergeben. 26.— 13.— Friedenstraktat mit dem Herzog von Würtemberg. Herſtellung des Friedens in der Vendée. 30.— 17.— Der Deputirte Drouet entwiſcht aus der Abtei. 1. Fruct. 18.— Offenſiv⸗ und Defenſiv⸗Bündniß zwiſchen Frank⸗ reich und Spanien. 14.— 31.— Friedenstraktat mit dem Markgrafen von Baden. 17.— 3. Sept. Schlacht bei Würzburg, durch Jourdan verloren. 1 — 24 Tabelle der berühmteſten Epochen. J. 4. 5.(1796.1797.) 18. Fruct. 4. Sept. Schlacht bei Noveredo, durch Bonaparte gewonnen⸗ 21.— 7.— Wafefenſtillſtand mit Baiern. 22.— 8.— Sieg bei Baſſano⸗ 23— 24.— 9— 10.— 6 bis 700 Verſchworne wollen ſich des Lagers von Grenelle bemeiſtern. Sie werden zurückgeſchlagen. 29.— 15.— Schlacht bei St. Georg, durch die Oeſterreicher ge⸗ wonnen. 5. E. T. 21.— General Marceau ſtirbr an ſeinen bei Altenkirchen empfangenen Wunden. 1. Vend. 22.— Beurnonville iſt zum Obergeneral der Sambre⸗ und Maas⸗Armee ernannt. 11.— 2. Oct. Moreau triumphirt, auf ſeinem Rückzuge, über die Oeſterreicher bei Biberach. 17.— 8.— Kriegserklärung Spaniens an England. 19.— 10.— Friedenstraktat zwiſchen Frankreich und Ferdinand, König beider Sicilien. 22.— 13.— Endedes Rückzugs des Gen. Moreau. Er kommt zu Strasburg an. 4 21.— 13.— Die Engländer räumen Korſika. 1. Brum. 22.— Ankunft des Lords Malmesbury zu Paris, um Frieden zu unterhandeln. 7.— 28.— Die beiden Söhne des Herzogs von Orleans ſchiffen ſich nach den vereinigten Staaten ein. 15.— 3. Nov. Das Volk in Mailand verkündigt ſeine Unabhän⸗ gigkeit⸗ 16.— 6.— Friede zwiſchen der franz. Republik und dem Pginzen von Parma. 25—27. 13—17. Schlacht bei Arcole, durch Bonaparte gewonnen. 27.— 17.— Tod Katharina'’s II., Kaiſerin von Nußland. 1. Frim. 21. Sieg auf den Höhen von Rivoli. 20.— 10.— Gründung der Republik zu Padua⸗ 29.— 19.— Die Vorſchläge des Lords Malmesbury werden als unzuläſſig betrachtet und er aus Frankreich zurückgeſandt. 4. Niv. 24.— Unternehmung auf Irland. 20.— 9. Jan. Kehl ergibt ſich mit Kapitulation dem Prinzen Karl. 25.— 14.— Schlacht bei Rivoli, durch Bonaparte gewonnen⸗ 26.— 15.— Gefecht bei St. Georg, gewonnen durch den nämlichen. 27.— 16.— Schlacht bei der Favorite, gew. durch den näml. . Pluv. 30.— Einnahme Drients durch Joubert. 41— 2. Febr. Einnahme Mantua's durch die Franzoſen.— Der Abbé Brottier und Berthelot de la Villeurnoi, der royaliſtiſchen Verſchwö⸗ rung beſchuldigt, werden vor das Kriegsgericht der 17. Diviſion gezogen. 21.— 9.— Eroberung Ancona's durch den General Viector⸗ 27.— 13.— Der General Bonaxparte erlaubt den geflüchteten franzöſiſchen Prieſtern, in den Staaten des Pabſtes zu bleiben, und bewilligt tynen Schutz. Vent. 19.— Friede zwiſchen dem Pabſt und der franz. Republik. 23— 16. März. Vorfall am Tagliamento; Sieg des Gen. Bo⸗ naparte über den Prinzen Karl. Tabelle der berühmteſten Epochen. J. 5.(1797.) 25 29. Vent. 19. März. Einnahme von Gradisca⸗ 1. Germ. 21.— Einnahme von Drieſt durch Bernadotte.⸗ 3.— 23.— Schlacht bei Tarwis, Maſſena ſiegt. 9.— 29.— Einnahme Klagenfurt's durch Maſſena. 42.— 1. April. Einnahme Laibachs durch Bernadotte. 19.— S.— Todesurkheil der einer royaliſtiſchen Verſchwörung Beſchuldigten. Ihre Strafe wird gemildert und in Gefangenſchaft ver⸗ wandelt. 23— 129.— Der Abbé Poule, ehemals Mönch, verſucht einen Meuchelmord an Sieyes.— Die Stände von Ungarn beſchließen ein Aufge⸗ bot in Maſſe. 27.— 16.— Krönung Pauls I. zu Moskau. 28.— 17.— Rheinübergang Hoche's, Obergenerals der Sambre⸗ und Maasarmee bei Neuwied. Niederlage der Oeſterreicher. 29.— 18.— Schlacht bei Altenkirchen und andere, durch die Sam⸗ bre⸗ und Maasarmee gewonnen. Friedenspräliminarien zu Leoben unter⸗ zeichnet. 1. Flor. 20.— Rhein⸗Uebergang Moreau's. 2.— 21.— Wiedereinnahme Kehl's durch die Franzoſen. 4.— 23.— Waffenſtillſtand am Rhein. 5.— 24.— Einnahme Verona's durch die Franzoſen. 14.— 3. Mai. Manifeſt des Gem Bonaparte und Kriegserklärung an die Republik Venedig. 27.— 16.— Einnahme Venedigs durch Augereau⸗ 1. Prair. 20.— Inſtallation des neuen 6 der Deputirten. 6.— 23.— DTodesurtheil Babeuf's und Darthé's 12.— 31.— Revolution in Genua. Bildung der liguriſchen Ne⸗ publik. 10. Meſſ. 28. Juni. Eroberung Korfu's durch die Franzoſen. 15.— 3. Ju li. Beſchießung von Cadit durch die Engländer. 20.— 8.— Proklamation der cisalpiniſchen Nepublik. 24.— 12.— Ankunft des türkiſchen Geſandten Eſſeid⸗Ali⸗Effendi zu Paris. 20. Therm. 7. Aug. Erklärung der Armeen gegen das geſetzge⸗ bende Corps. 25.— 12.— Wiederorganiſtrung der Nationalgarde. 29.— 16.— Eröffnungsrede des Conciliums der gallikaniſchen Kirche, in der Kathedralkirche zu Paris geſprochen. 7. Fruct. 24.— Zurücknahme der peinl. Geſetze gegen die unbe⸗ eidigten Prieſter. 14.— 31.— Zurücknahme jedes bisher gegebenen Dekrets, das gußer dem Geſetze erklärt. 18.— 4. Sept. Revolution dieſes Tags. Das Directorium läßt Truppen über die konſtitutionelle Grenze gehen. Die Dirrktoren Carnot und Barthelemy, 53 Deputirte, und mehrere Bürger werden zur Deporta⸗ tion verurtheilt. 22.— 8.— Maen von Douai und Frangois von Reufchateau ſind zu Direktoren ernannt. 26.— 12.— Der General Bonaparte richtet an ſeine Armee eine Proclamation über den 18. Fructidor. 26 Tabelle der berühmteſten Epochen. J. 5. 6.(1797. 1798.) 1. E. T.— 17. Sept. Geſetz über die Eheſcheidung wegen Unver⸗ träglichkeit der Gemüthsart.— Bruch der Unterhandlungen mit England. 3.— 19.— DTod des Generals Hoche. 1. Vend. 22.— Abreiſe der nach Guiang Deportirten. 2.— 23.— Der General Augereau erhält den Oberbebefehl der Armee in Deutſchland. 9.— 30. Erſtattung der ½ der Staatsſchuld. 20.— 11. Oet. Seeſchlacht, durch den engl. Admiral Daucan gegen die Holländer gewonnen. 26.— 17.— Friedensſchluſſ zu Campo⸗Formio zwiſchen der franz. Republik und dem Kaiſer von Oeſterreich. 4. Brum. 23.— Ratiftation des offenſiven und defenſiven Bun⸗ desvertrags, der den 16. Germinal 5. zwiſchen der Republik und Sardinien geſchloſſen ward.. 8* 5.— 26.— Bonnier und Treilhard ſind zu bevollmächtigten Mi⸗ niſtern bei dem Congreß in Naſtatt ernannt.— Bildung einer Armee, welche die von England heißt⸗. 14.— 4. Nov. Proviſoriſche Eintheilung in Departemente der, zwiſchen Maas und Rhein, und Rhein und Moſel, eroberten Länder. 26.— 16.— Tod des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm II. 27.— 17.— Eintheilung der eisalpiniſchen Nepublik in 20 De⸗ partemente⸗ 6. Frim. 26.— Ankunft des Gen. Bonaparte zu Raſtatt wegen Eröffnung des Kongreſſes. 9.— 29.— Geſetz, welches die politiſchen Rechte der ehemaligen Adlichen beſchränkt, und dieſe Klaſſe von Bürgern den Fremden gleichſetzt. 13.— 5. Dec. Ankunft des Gen. Bonaparte in Paris. 20.— 10.— General Bonaparte wird mit großer Feierlichkeit dem Direktorium von Talleyrand⸗Perigord vorgeſtellt, welcher letztere dieſem Eroberer in einer Rede das höchſte Lob ſpendet. 30.— 20.— Großes, vom geſetzgebenden Corps dem Gen. Bona⸗ parte gegebenes, Feſt. 5. Niv. 25. Lobpreiſung der republikaniſchen Regierung von dem Cardinal Ehiaramonti, nachmaligen Pabſt Pius VII. 8.— 28.— Geſetz für die Bildung eines neuen großen Buchs der Staatsſchulden.— Aufruhr zu Nom; Ermordung des Gen. Duphot⸗ Der Geſandte Joſeph Bonaparte verläßt die Stadt.. 14.— 4. Jan. Allgemeine Hinwegnahme der engl. Waaren. 16.— 3.— Gezwungenes Anleihen von 80 Millionen für die Lan⸗ dung in England. 2. Pluv. 21.— Inſtallation des Naths der 500, in dem Saale des Pallaſtes Bourbon. 4— 6. 23— 25. Verſchiedene Schweizer⸗Kantone pflanzen den Frei⸗ heitsbaum, und bilden eine Republik.. 6.— 25.— Cidesleiſtung des Santhonar als Deputirter von St. Domingo⸗ 8* 11.— 30.— Einmarſch von 15,000 Mann der ital. Armee in das Waatland(Pays de Vaud.) 12.— 31. Sieg bei Murten, von den Franzoſen gegen die Bewoh⸗ ner Berns erfochten. Tabelle der berühmteſten Epochen. J. 6.(1798.) 27 13. Pluv. 1. Febr. Geſetz, welches das Feſt der Volks⸗Souve⸗ ränität am 30. Ventoſe jedes Jahrs zu feiern verordnet. 19.— 7.— Montpellier u. Lyon ſind in Belagerungsſtand erklärt. 21.— 9.— Narſch des Generals Berthier nach Rom. 23.— 11.— Monſteur verläßt das Herzogthum Braunſchweig, um ſich nach Rußland zu begeben.— Beſetzung der Burg St. Angelo durch den General Berthier. 27.— 15.— Die römiſche Republik wird proclamirt. 2. Vent. 20.— Der Pabſt verläßt Rom, und begiebt ſich nach Siena. 10.— 28.— Die römiſchen Konſuln bezeigen der franz⸗ Nepublik ihre Dankbarkeit. 45 11.— 1. März. Die Grenzen der franz. Nepublik werden bis an das linke Ufer des Rheins auf dem Kongreß zu Raſtatt beſtimmt. 12.— 2.— Sieg der franz. Armee bei Freiburg. Die Schweiz empört ſich gegen die Oligarchie. 15.— 5§.— Sieg des Generals Brune bei Bern. Kapitulation die⸗ ſer Sta 22 12.— Die Kantone Bern, Luzern ec. widerſetzen ſich, als ſie eneral Brune einladet, die Konſtitution, welche ihnen die franz⸗ Negierung vorlegen werde, anzunehmen. 26.— 16.— Entwaffnung der Schweiz durch General Brune⸗ 27.— 17.— Genehmigter Allianz⸗ und Handels⸗Traktat mit der cisalpiniſchen Republik. 30.— 20.— Feſt der Volksſouveränität. 4. Germ. 21.— Ankunft des Prätendenten(Ludwig XVIII.) zu Mietau. 24.— 13. April. Beleidigung, dem franz. Geſandten Berna⸗ dotte zu Wien widerfahren. Er verläßt dieſe Stadt. 28.— 17.— Geſetz über die Organiſation der Gendarmerie. 1. Flor. 20.— Fortdauer des Bürgerkriegs in Irland. 5.— 24.— Sidney Smith entwiſcht aus dem Tempelgefängniß. 12.— 1. Mai. Holland nimmt den Namen der ein und untheilba⸗ baren bataviſchen Republik an. 20.— 9.— Die Engländer räumen den weſtlichen Theil von St. Domingo. 26.— 15.— Treilhard wird Mitglied des Vollziehungs⸗Direkto⸗ riums. 28.— 17.— Vereinigung der Republik Genf mit Frankreich.— Jean Debry wird zum Bevollmaͤchtigten in Raſtatt ernannt. 30.— 19.— Abfahrt der Flotte von Toulon nach Aegypten, un⸗ ter den Befehlen des Generals Bonaparte und des Admirals Brueys. Be⸗ ſchießung der Stadt Oſtende durch die Engländer. 1. Prair. 20.— Dritte Sitzung des geſetzgebenden Corps. Die neuen Deputirten leiſten den Eid, das Königthum zu haſſen.— Niederlage der bei Oſtende gelandeten Engländer. 2000 derſelben werden gefangen. 24.— 12. Juni. Eroberung der Inſel Malta. 26.— 14.— Ankunft des franz. Generals Hédouville auf St. Do⸗ mingo, um daſelbſt das Kommando zu führen. 3 ———j———————õy——————— Tabelle der berühmteſten Epochen. J. 7.(1798. 1799.) 29 24. Frim. 14. Dec. Maſſena iſt zum Obergeneral der Armee in Helvetien ernannnt. 25.— 15.— Wiedereinnahme Noms durch den General bam⸗ pionnet. 28.— 18.— Allianz⸗Dractat zwiſchen Nußland und England. 2. Niv. 22.— Flucht des Königs von Neapel aus ſeiner Hauptſtadt. 24.— 3⸗ Jan. Eroberung der Feſtung Gaeta durch den Gen. Noy. 1. Pluv. 20.— Ende des zweiten Vendee⸗Kriegs. 2.— 21.— Bündniß zwiſchen der Türkei und dem König von Nea⸗ yel gegen die franz. Republik. 4.— 23. Einnahme Neapels durch die franz. Armee. 6.— 26. Niedermetzelung mehrerer aus Aegypten zurückkommen⸗ der Franzoſen in Sizilien. 21.— 9. Febr. Unternehmung auf Syrien. 29.— 17.— Dumolard, Boiſſy d'Anglas, und andere verwie⸗ ſene Deputirten, gehen nach der Inſel Oleron, ihrem einſtweiligen Auf⸗ enthalt, ab. 30.— 18.— Eroberung der, auf der Straße von Aegypten nach Syrien liegenden, Feſtung El⸗Ariſch, durch den Gen. Neignier. 5. Vent. 21. Scherer wird Obergeneral der Armee in Italien. . 7.— 24.— Einnahme von Gazah.— Der General Champion⸗ net wird vor ein Kriegsgericht gezogen. 12.— 2. März. Jourdan wird Obergeneral der Donau⸗ Armee. 14.— 4.— Feindliche Bewegungen Oeſterreichs. 16— 20. 6— 10. Eroberung Jaffa's mit Sturm. 22.— 12.— Kriegserklärung der franz. Republik an den Kaiſer von Oeſterreich. 28.— 18.— Erſter Brand des Saals im Odeon. 5. Germ. 25.— Rückzug Jourdan's nach mehreren Niederlagen bei Pfullendorf und Stockach. 6.— 26.— Sieg des Gen. Lacombe bei Finſtermünſter. 8.— 28.— Einmarſch der Franzoſen in Florenz. 10.— 30.— Ankunft der Armee Suwarow's bei Trieſt. 16.— 5. April. Niederlage Scherer's bei Magnano. 23.— 12.— Maſſeng erſetzt Jourdan im Oberbefehl über die Do⸗ nau⸗Armee. 24.— 13.— Suwarow übernimmt zu Verona das Generalkom⸗ mando über das ruſſiſche und öſterreichiſche Heer. 27.— 16.— Gefecht am Berge Thabor, durch General Bona⸗ parte gewonnen. 3. Flor. 22.— Moreau folgt Scherern in dem Befehl über die Ar⸗ mee in Italien. 4.— 23.— Eroberung Seringapatnam's durch die Engländer. Tippo⸗ Saib wird dabei getödtet. 7.— 26.— Abfahrt der Breſter Flotte nach Aegypten. 8.— 27.— Schlacht bei Caſſano, durch Suwarow gegen Mo⸗ reau gewonnen. 9.— 28.— Ermordung der franz. Bevollmächtigten bei Raſtatt. 11.— 30.— Der Pabſt wird, auf Befehl des Direktoriums, nach Briangon geführt. 28 Tabelle der berühmteſten Epochen. J. 6. 7.(4798.) 3. Meſſ. 21. Juni. Riederlage der Irländer bei Werford. 13.— 1. Juli. Landung der franz. Armee bei Abukir. 14.— 2.— Einnahme der Stadt Alexandria. 48.— 6.— Das Direktorium wird zu Hausſuchungen ermächtigt, um die engliſchen Agenten zu verhaften. 3. Therm. 21.— Schlacht bei den Pyramiden, gewonnen durch Bonaparte gegen Murad⸗Bey und Ibrahim⸗Bey.. 5.— 23.— Die Franzoſen rücken in Catro ein. 14.— 1. Aug. Seeſchlacht bei Abukir. Tod des Admirals Brueys. 27.— 14.— Offenſiver und defenſiver Allianz⸗Traktat zwiſchen Oeſterreich und dem König beider Sizilien. 3 2. Fruct. 19.— Allianz⸗Vertrag zwiſchen der franz. und helveti⸗ ſchen Republik... 1 5.— 22.— Landung des Generals Humbert in Irland mit 1130 Franzoſen. Einnahme von Killala. 18.— 4. Sept. Kriegserklärung der Türken an Frankreich. 19.— 3.— Verordnung der Militär⸗Conſcription. 20.— 6.— Verſchwörung auf Malta, um alle Franzoſen zu morden⸗ 22.— s.— Niederlage des Gen. Humbert bei Ball ck. Er wird mit 840 Mann durch eine engliſche Armee von 23000, ut nfüh⸗ rung des Generals Cornwallis, gefangen. 2 3. Vend. 24.— Geſetz, welches die Aushebung von 200,000 Kon⸗ ſcribirten beſtehlt. 2— 8. 23— 29. Pichegru, Barthelemy ꝛc., die aus Cayenne ent⸗ ronnen, kommen in England an. 11.— 2. Oct. General Morcau übernimmt den Oberbefehl über die Armee in Italien. 16.— 7.— Schlacht bei Sediman, durch den General Deſaix ge⸗ gen Murad⸗Bey gewonnen. 19-— 410.— Die Oeſtreicher rücken in Chur ein. 22.— 13.— Paul I. läßt ſich zum Großmeiſter des Maltheſerordens ernennen.— Niederlage eines franz. Geſchwaders an den Küſten Irlands. 27.— 18.— Errichtung eines Octroi's zu Paris. 30.— 21.— Empörung in Cairo. 1. Brum. 22.— Inſurrection in Belgien.— Abreiſe des Gen. Hedouville von St. Domingo. Er läßt Touſſaint⸗Louverture den Oberbefehl. 7.— 28. Oct. Die belgiſchen Inſurgenten werden bei Courtrai geſchlagen. 12.— 2. Nov. Joubert wird zum Obergeneral der Armee in Ita⸗ lien ernannt. 1. Frim. 21.— Der öſterr. Gen. Mack greift die franz. Vorpoſten mit einer neapolitaniſchen Arme an. 9.— 29.— Einzug des Königs von Neapel in Rom. 14.— 4. Dec. Vollkommener Sieg Macdonald's bei Civita⸗Caſtel⸗ lang über die neapolit. Armee. 4 — 16.— 6.— Kriegserklärung der franz. Nepublik an die Könige von Neapel und Sardinien. 19.— 9.— Beſetzung Turin's durch den Gen. Joubert. Der Kö⸗ nig von Sardinien entſagt der Herrſchaft über Piemont.— Macdonald ſchlägt gänzlich die Neapolitaner bei Calvi. 4 30 EZabelle der berühmteſten Epochen. J. 7. 8.(1799.) 23. Flor. 18. Mai. Sieg Moreau's üher die Auſtro⸗Nuſſen bei Baſſignano. 27.— 16.— Sieyes wird zum Mitglied des Direktoriums an Rew⸗ bel'sStelle ernannt.— Gefecht bei St. Jean d'Aere⸗ 1. Prair. 20.— Vierte Sitzung des geſetzgebenden Corps; Ein⸗ tritt des neuen Drittheils. Bonaparte hebt die Belagerung von St. Jean d'Aere auf.— Der König von Schweden und der Kurfürſt von Baiern tre⸗ ten der Coalition gegen Frankreich bei. 4.— 23.— Eroberung der Citadelle von Mailand durch Souwarow. 6.— 25.— Einmarſch Souwarow's in Turin.— Sieg Maſſeng's uͤber den Prinzen Karl bei Winterthur⸗ 17.— 5. Jun. Die Franzoſen räumen Zürich⸗ 20.— 8.— Vermaählung des Herzogs von Angouleme mit der Toch⸗ ter Ludwigs XVI. 24.— 12.— Sieg Macdonald's über die Auſtro⸗Ruſſen bei Modena. 29.— 17.— Gohier tritt in das Direktorium an die Stelle Treil⸗ hard's— Entlaſſung der Direktoren Merlin und Laréveillére⸗Lepeaux⸗ 29—1. Meſſ. 19.— Blutige Schlacht an der Trebia. 30.— 18.— Revolution, die eine Aenderung im Direktorium bewirkt.— Ernennung des Generals Joubert zum Obergeneral in Italien. 19. Meſſ. 28.— Berufung aller Klaſſen der Konſerib. zur Armee, und gezwungenes Anleihen von 100 Millionen auf die wohlhabenden Staats⸗ bürger.. 15.— 3. Juli. Kriegserklärung Rußlands an Spanien. 28.— 16.— Eroberung Abukir's durch die Türken. 30.— 18.— Einmarſch der neapolit. Truppen in Nom. 35. Therm. 23.— Eroberung Alexandria's(in Piemont) durch die Ruſſen.. 7.— 25.— Schlacht bei Abukir, durch Gen. Bonaparte gegen die Türken gewonnen. 10.— 28.— Eroberung Mantua's durch die Oeſterreicher. 13.— 2. Aug. Wiedereinnahme Abukir's durch Bonaparte. 26.— 13.— Schließung der politiſchen Geſellſchaft im Saal der Neitſchule. 27— 29. 14— 16. Siege des Generals Lecourbe bei Schwitz, Altorf ꝛc. 28.— 13.— Schlacht bei Novi, durch Souwarow gewonnen. Ge⸗ neral Joubert wird getödtet. 30.— 17.— Eroberung des St. Gotthards⸗Berges. 5. Fruct. 22.— Abreiſe des Gen. Bonaparte aus Aegypten.⸗ 6.— 23.— Eroberung der Citadelle von Tortona durch die Auſtro⸗ Nuſſen. 10.— 27.— Landung der Engländer in Nordholland⸗ 18.— 29.— Dod des Pabſtes Pius VI. zu Valence⸗ 13.— 30.— Die Engländer nehmen im TDexel die holländiſche Flotte, welche ſich ohne Gefecht ergibt⸗ 3. E. T.— 19. Sept. Schlacht bei Berghen, gewonnen durch General Brune gegen die Anglo⸗Ruſſen. 5.— 21.— Der General Championnet übernimmt das Kommando der Armee in Italien... 2. Vend. 24.— Heerzug Souwarow's nach der Schweiz⸗ — Tabelle der berühmteſten Epochen. J. s.(1799.) 31 3. Vend. 25. Sept. Schlacht bei Zürich, gewonnen durch Maſſena gegen die Ruſſen und Oeſtreicher. Fortwährende Vortheile in der Schweiz⸗ 9. u. 10.— 1. u. 2. Oct. Eiliger Rückzug Souwarow's in Grau⸗ bünden, nach verſchiedenen Unfällen. 12.— 4.— Mehrere aufrühreriſche Royaliſten zu Toulouſe ge⸗ richtet. 14.— 6.— Schlacht bei Kaſtricon, durch Gen. Brune gegen die Anglo⸗Ruſſen gewonnen. 15.— 7.— Gefechte bei Konſtanz, und Einnahme dieſer Stabt. 16.— 8.— Landung des Generals Bonagparte bei Frejus⸗ 24.— 16.— Ankunft dieſes Generals zu Paris⸗ 25.— 17.— Einnahme Mannheims durch die Oeſterreicher. 26.— 18.— Kapitulation der Engländer bei Alkmair. 27.— 19.— Die Chouans überfallen Nantes, werden aber ſchnell darauf von den Einwohnern hinausgejagt. 3 28.— 20.— Blokade der Inſel Malta durch die Engländer. 1. Brum. 23.— Lucian Bonaparte wird Präſtdent des Raths der 500. 5.— 27.— Der Gen. Ney ſchlägt gänzlich die Chouans bei Vire. 8.— 30.— Ergebung Surinam's an die Engländer. 9.— 31.— Rückmarſch Souwarow's nach Rußland. 13.— 4. Nov. Schlacht bei Savigliano, durch die Oeſterreicher gewonnen.. 14.— 5.— Gefecht bei Novi, gewonnen durch General Gouvion St. Cyr. 15.— 6.— Großes Feſt, vom geſetzgebenden Corps den Generälen Bonaparte und Moreau gegeben. 18.— 9.— Dekret des Raths der Alten, welches den Sitz des ge⸗ ſetzgebenden Corps nach St. Clond verlegt. General Bonaparte iſt mit Voll⸗ ziehung deſſelben beauftragt. 20.— 11.— Deportation des Felix Lepelletier, Jourdan, Santho⸗ nar, und anderer Deputirten, zuſammen 60.— 27.— 18.— Geſetz, das jenes über das fortrückende Anleihen von 100 Millionen aufhebt. 29.— 20.— Sendung mehrerer Mitglieder des geſetzgebenden Torps in die Departemente, um den drückendſten Uebeln abzuhelfen. 3. Frim. 24.— Moreau iſt zum Obergeneral der Rheinarmee, und Maſſena zu dem der Armee in Italien ernannt⸗ 4.— 25.— Beſchluß der Konſuln, welcher die am 20. Brumaire zur Verweiſung verurtheilten Deputirten unter die Aufſicht der Polizei ſetzt. 10.— 1. Dec. Errichtung der Konſular⸗Garde: ſie ſoll 1100 M. ſtark ſeyn. 12.— 3.— Gefecht bei Philippsburg, von den Oeſterreichern ge⸗ gen die Franzoſen gewonnen.— 14.— 5.— Eroberung Coni's durch die Oeſterreicher. 21.— 13.— Bonaparte iſt zum erſten, Cambacérés zum zweiten, und Lebrun zum dritten Conſul ernannt⸗. 24.— 15.— Gefecht bei Monte⸗Faccio, gerbonnen durch Gen. Gouvion St. Cyr gegen die Oeſterreicher.— Bekanntmachung der Konſtitu⸗ tion vom Jahr 8. Der erſte Konſul erklärt, daß die Revolution geendigt ſey. 32 Tabelle der berübmteſten Epochen. J. 8.(1799. 1800.) 3. Niv. 24. Dec. Die Tullerien ſind zur Wohnung der Konſuln/ der Pallaſt Luxemburg dem Erhaltungs⸗Senat, und der Pallaſt Bourbon dem geſetzgebenden Corps beſtimmt. 4.— 25.— Die Amtsverrichtungen der Konſuln und des Erhal⸗ tungs⸗Senats nehmen ihren Anfang.— Bildung des Staatsraths. 5.— 26.— Schreiben des Oberkonſuls Bonaparte an den König von England, um ihn zum Friedensvertrag einzuladen. 11.— 1. Jan. Beginn der Amtsverrichtungen des Tribunats und des geſetzgebenden Corps. 15.— 5.— 130 Perſonen ſind zur Deportation verurtheilt. 921.— 11.— Geſetz, welches von allen Beamten das Verſprechen fordert, der Konſtitution treu zu ſeyn. 27.— 17.— Beſchluß, welcher die Anzahl der Journale feſtſetzt, und ſie der Cenſur unterwirft. 28.— 18.— Neue Herſtellung des Friedens in der Vendee durch den General Hedouville, nach dem Vertrag von Montfaucon⸗ 5. Pluv. 23.— Traktat von El⸗Ariſch wegen der NRäumung Ae⸗ gyptens. † 22.— 11. Febr. Errichtung der franzöſiſchen Bank.— I 28.— 17.— Eintheilung Frankreichs in Präfekturen und Ge⸗ meindebezirke⸗ 7. Vent. 26.— Geſetz über die Cautionen, heleh die Notarien, Adminiſtratoren ꝛc. leiſten ſollen. 17.— S. März. Proklamation der Konſuln bei Eröffnung des Feldzugs.— Beſchluß, welcher die Bildung einer Reſeryearmee von 60,000 Mann beſiehlt. 22.— 13.— Wahl Pius VII. 29.— 20.— Treuloſtgkeit der Engländer, welche die Schlacht bei Heliopolis bewirkt. Dieſe wird von Kleber mit 10,000 Franzoſen gegen 60,000 Türken gewonnen. 1. Germ. 22.— Eintheilung des franz. Prytaneums in vier Col⸗ legien. 7.— 28.— Deftnitiver Friedensſchluß zwiſchen der Nepublik und dem König beider Sicilien. 30.— 20. Apr. Rückzug Maſſena's auf Genua. 5. Flor. 23.— Wiedereroberung Cairo's und anderer Plätze in Aegypten, die im Vertrag von El⸗Ariſch abgetreten waren⸗ 6— 10.— 23— 30. Rheinübergang der Armee Moreau's. 13.— 3. Mai. Schlacht bei Engen, durch dieſen General gewonnen. 25.— 5.— Schlacht bei Möskirch, gewonnen durch den nämlichen. 19.— 9.— Schlacht bei Biberach, gewonnen durch den nämlichen. 20.— 10.— Einnahme Monningens durch Lecourbe. 3 26.— 16.— Die Reſervearmee marſchirt über den St. Bernharoͤs⸗ Berg. 28.— 18.— Eroberung Aoſta's in Piemont durch den General Lannes. 9. Prair. 29.— Einnahme Augsburgs durch den Gen. Lecourbe⸗ 13.— 2. Jun. Eroberung Mailands durch die Franzoſen. Maſſe na kapitulirt in Genua⸗ 3— Tabelle der berühmteſten Epochen. J. 8. 9.(1800. 1801.) 33 18. Prair. 7. Juni. Einmarſch des Generals Lannes in Pavia. 20.— 9.— Schlacht bei Montebello, durch Bonaparte gewonnen. 25.— 14.— Schlacht bei Marengo, durch den nämlichen Feldherrn gewonnen. Ermordung des Generals Kleber. 27.— 16.— Waffenſtillſtand zu Alerandria zwiſchen Gen. Bona⸗ parte und dem öſterr. General Melas geſchloſſen. 30.— 19.— Schlacht bei Höchſtädt, durch Moreau gewonnen. 1. Meſſ. 20.— Traktat zwiſchen England und Oeſterreich⸗ 4.— 23.— Wiedereroberung Genua's durch Suchet. 7.— 26.— Einmarſch der Franzoſen in München. 13.— 2. Jul. Rückkehr des Gen. Bonaparte nach Paris. 26— 13.— Waffenſtillſtand, vom General Moreau und dem öſterr. General unterzeichnet. 24. Therm. 12. Aug. Ernennung einer Kommiſſion zum Vor⸗ ſchlag eines Civil⸗Geſetzbuches. 30.— 18.— Friedensvertrag zwiſchen Algier und der franz. Re⸗ publik.. 18. Fruct. 3. Sept. Die Franzoſen kapituliren auf Malta nach zweijähriger Belagerung. 19.— 6.— Beſchluß wegen Errichtung eines Denkmals zu Ehren der Generäͤle Kleber und Deſaix.* 1. Vend. 23.— Aufhebung des Senators Clément de Ris in ſei⸗ nem Landhauſe. 8.— 30.— Friedens⸗ und Handelsvertrag zwiſchen der franz Re⸗ publik und den vereinigten Staaten. 18.— 10. Oct. Verhaftung Arena's und ſeiner Mitſchuldigen. 27.— 19.— Abfahrt des Schiffskapitäͤns Baudin zu einer Welt⸗ umſegelung.. 28.— 20.— Beſchluß der Konſuln, welcher 52,099 Perſonen von der Emigrantenliſte ſtreicht. 1. Frim.— 22. No v. Das geſetzgebende Corps eröffnet die dritte Sitzung.. 7.— 28.— Erneuerung der Feindſeligkeiten mit Oeſterreich. 12.— 3. Dec. Schlacht bei Hohenlinden, durch Gen. Moreau ge⸗ wonnen.“ 18.— 9.— Lecourbe geht über den Inn. 21.— 12.— Der Prinz Karl übernimmt wieder das Kommando der öſterr. Armee.. 1 24.— 415.— Einnahme Salzburg's durch Lecurbe und Decaën. 25.— 16. Vertrag bewaffneter Neutralität zwiſchen Rußland, Schweden und Daͤnemark. 29.— 20.— Einnahme von Linz. 3. Niv. 24.— Erxploſton der Höllenmaſchine.— 4.— 25.— Waffenſtillſtand zwiſchen dem General Moreau und dem Prinzen Karl. 4— 6.— 25—27.— Schlacht bei Pozzolo, gewonnen durch Ge⸗ neral Brune. Man geht über den Mineiv. 11.— 1. Jan. Eröffnung des Kongreſſes zu Lüneville.— Ueber⸗ gang über die Ftſch· 4 34 Cabelle der berühmteſten Epochen. Jahr 9.(1801.) 13. Niv. 3. Jan. Einnahme Verona's. 18.— 8.— Einnahme Vicenza's.. 26.— 16.— Waffenſtillſtand zwiſchen den Generälen Brune und Bellegarde. 1 29 a ktatde 3. Pluv. 23.— Monſteur reiſet von Mietau nach Preußen ab.— Die Breſter Flotte, unter Führung des Admirals Gantheaume, ſegelt nach Aegypten. 1 11.— 31.— Hinrichtung Arena's und ſeiner Mitſchuldigen. 20. Pluv. 9. Febr. Friede von Lüneville. 22 29.— 18.— Waßffenſtillſtand zwiſchen der franz. und neapolitani⸗ ſchen Armeer. 9 3 3. Vent. 22.— Rückſendung der ruſſiſchen Kriegsgefangenen⸗ die auf Koſten der Republik bewaffnet und gekleidet ſind. 47.— 8, März. Landung des engliſchen Generals Abererombie bei Abufirr. 3 25.— 16.— Eroherung Abukir's durch die Engländer. 30.— 21.— Schlacht bei Canope, ohnweit Alexandria's, durch General Menou verloren. Friedenstraktat zwiſchen Frankreich und Spa⸗ nien, geſchl. zu Madrid. 3 2— 1. Germ. 25.— Tod Pauls I. Kaiſers von Rußland. 7.— 28.— Friedensvertrag zwiſchen der franz. Republik und dem Königreich Neapel. 1 12. yril Seegefecht bei Koppenhagen zwiſchen den Dänen und Engländern. 16.— 6.— Verurtheilung der des Mordanſchlags am 3. Niv. Schuldigen.. 18.— 8.— Dreimonatlicher Waffenſtillſtand zwiſchen England und Dänemark nach der Beſchießung Koppenhagens. 5 20. Flor. 10. Mai. Gefecht bei Namieck in Aegypten. NRückzug des Generals Lagrange auf Cairov. 6 3. Prair. 23.— Landung des engliſchen Generals Baird in Ae⸗ gypten mit 11,000 Nann. n10 7.— 27.— Kapitulation der Garniſon von Cairo. 17.— 6. Juni. Friede zwiſchen Spanien und Portugal. Die Hä⸗ fen des letztern Königreichs ſollen den Engländern verſchloſſen werden. 28.— 17.— Vertrag zwiſchen Rußland und England; Dänemark und Schweden treten kurze Zeit darauf bei. 9. Meſſ. 28.— Kapitulation der Garniſon von Cairo. 36 40.— 29.— Eröffnung der National⸗Kirchenverſammlung Frank⸗ reichs. 3 8 3——. 12.— 1. Juli. Touſſaint⸗Louverture wird zum lebenslänglichen Gouverneur von St. Domingo ernannt. Die Gleichheit der Nechte wird auf dieſer Inſel feſtgeſetzt. Aa. 16.— 3.— Seegefecht bei Algeſtra, in der Meerenge von Gibral⸗ tar. Sieg des Contre⸗Admirals Linois. 45 24.— 13.— Sieg des vom Kapitän Broud befehligten Schiffes: der Furchtbare, über drei engliſche Kriegsſchiffe. un aee 26.— 13. Unterzeichnung des Konkordats. 27. Therm. 16. Aug. Seegefecht zwiſchen Admir Nelſon und der Boulogner Flotille: die Franzoſen ſind ſiegreich. 1 Tabelle der berühmteſten Epochen. J. 9. 10.(1801— 2.) 35 6. Fruct. 24. Aug. Friedensvertrag zwiſchen Baiern und Frank⸗ reich. 92.— 30.— Kapitulation der Franzoſen in Alexandria. 1. Vend. 23. Sept. Feſt der Gründung der Republik. 7.— 29.— Friede, zwiſchen der franz. Nepublik und Portugal unterzeichnet. 9.— 1. Oct. Friedenspräliminarien mit England. 16.— 8.— Friedensvertrag zwiſchen Frankreich und Nußland. 17.— 9.— Friedenspräliminarien mit der Türkei. 25.— 17. Verkündigung einer neuen Konſtitution in Holland. 18. Brum. 9. Nov. Großes Feſt zur Feier des allgemeinen Frie⸗ dens. 91.— 12.— Abfahrt der Expeditiou nach St. Domingo. 1. Frim. 21.— Eroͤffnung der Aten Sitzung des geſetzg. Corps. 26.— 17. Dec. Friede zwiſchen der franz. Republik und dem Dey von Algier. 1 6. Pluv. 26. Jan. Der General Bonaparte wird zum Präſtdenten der eisalpiniſchen Republik ernannt, die den Namen italieniſche Republik annimmt⸗ 16.— 5. Febr. Anzündung des Kaps und Niedermetzelung der Weiſſen durch Chriſtoph, bei der Rachricht von der Landung der Franzoſen. 28.— 17.— Der General Touſſaint⸗Louverture iſt außer dem Geſetz erklärt. 3 4. Vent. 23.— Friedenstraktat mit Tunis. 3. Germ. 24. März. Ernennung einer Kommiſſton für die Ab⸗ faſſung der bürgerlichen Prozeßordnung. 4.— 23.— Friedensſchluß zu Amiens zwiſchen Frankreich, Spa⸗ nien und der batav. Republik einer, und England anderer Seits. 25.— 6. April. Das Konkordat wird dem geſetzgebenden Corps zur Genehmigung vorgelegt. 18.— 8.— Geſetz über die Organiſation der verſchiedenen Gottes⸗ dienſte, die Gewiſſensfreiheit:c. 19.— 9.— Vorſtellung des Cardinals Caprara, päbſtlichen Lega⸗ ten beim erſten Konſul. 3 6. Flor. 26.— Senatuskonſult über die den Emigranten bewil⸗ ligte Amneſtie. 6.1 11.— 1. Mai. Geſetz, wegen Errichtung der Primär⸗ und Se⸗ eundärſchulen, Lyeeen und Specialſchulen. 18.— 3.— Das Konſulat Napoleon Bonaparte's iſt auf zehn Jahre verlängert.— Schreiben des Generals Leclere, welches die Unter⸗ werfung St. Domingo's anzeigt. 28.— 19.— Errichtung der Ehrenlegion. 29.— 20.— Geſetz, welches die Sklavererder Neger wiederherſtellt. 5. Prair. 25.— Schreiben des Gen. Nichepanſe, anzeigend, daß er Guadeloupe unterworfen hat. 9.— 29.— Regierungsveränderung der liguriſchen Republik. 20.— 9. Jul. Aufhebung der Mönchsorden in den Departementen des linken Rheinufers. 4 4 21.— 8o.— Beſttznahme der Inſel Elba durch die Franzoſen. 36 Tabelle der berühmteſten Epochen. J. 10.11.(1802. 1803.) 22. Prair. 11. Jul. Schreiben des Generals Leclere, anzeigend, daß er ſich Touſſaint Louverture's bemächtigt hat, und ihn nach Frankreich führen läßt.. 1 4 5. Meſſ. 25.— Defſtnitiver Friedensſchluß zwiſchen Frankreich und der Türkei. 10.— 29.— Breve des Pabſtes, welches Talleyrand, ehemaligen Biſchof von Autun, ſeiner Gelübde entbindet.. 11.— 30.— Organiſation der Inſel Tabago. 14. Therm. 2. Aug. Der Senat proklamirt Napoleon Bonaparte als Konſul auf Lebenszeit. 16.— 4.— Organiſches Senatuskonſult über die Konſtitution vom Jahr s. 3 27.— 15.— Feſch, Oheim des erſten Konſuls, wird vom Cardi⸗ nal Caprara zum Erzbiſchof von Lyon geweiht.. 29.— 17.— Inſurrektion in der Schweiz. s Fruct. 26.— Verminderung der Tribunats⸗Glieder.— Ver⸗ einigung der Inſel Elba mit Frankreich. 24.— 11. Sept. Vereinigung Piemonts mit Frankreich. 29.— 16.— Inſurrektion der Schwarzen auf St. Domingo. 8. Vendem. 30.— Vortheile der Schweizer Inſurgenten. 12.— 4. Oct. Errichtung einer Genie⸗ und Artillerieſchule zu Metz. 17.— 9.— Die Franzoſen beſetzen Parma. 3 24.— 16.— Brand in der Getraide⸗Halle zu Paris. Ankunft des Generals Sebaſtiani zu Alexandria(in Aegypten) auf ſeiner Sendung nach der Levante. 29.— 21.— Einrückung der Franzoſen in die Schweiz. 11. Brum. 2. Nov. Tod des Generals Leclere in St. Domingo. 13. Niv. 3. Jan. Der General Rochambeau wird an die Stelle des Gen. Leclere zum Generalkapitän von St. Domingo ernannt. 14.— 4.— Errichtung der Senatorerien. 3.— 3. Pluv. 23.— Eintheilung des Nationalinſtituts in vier Klaſſen. 30.— 19. Febr. Vermittlungsakt des erſten Konſuls Bonaparte bei den Unruhen der Schweizer⸗Kantone.. 6. Vent. 25.— Organiſation einer Kunſt⸗ und Gewerbsſchule zu Compiegne. 4 14.— 5 4 Die Einleitung zum bürgerlichen Geſetzbuche wird dem geſetzg. Corps vörgelegt. 23.— 14.— Geſetz über die Organiſation des Notariats. 26.— 17.— Räumung Alexandria's durch die Engländer⸗ 7. Germ. 28.— Geſetz über die Verfertigung der Münzen. 4 24.— 14. April. Geſetz, welches der franz. Bank das Privilegium zur Erlaſſung der Bankzettel ertheilt.. 1. Flor. 21. Ma⸗ Geſetz/ welches den Veteranen, die ſich in der 26. und 27. Militär⸗Diviſion niederlaſſen wollen, Eigenthum von liegenden Gütern bewilligt.. 19 Z.— 27.— Der Kaiſer von Oeſterreich ſanktionirt den auf dem Reichstag zu Regensburg gefertigten Vertheilungsakt wegen Entſchädigung der verſchiedenen Staaten Deutſchlands.— Dod des Touſſaint Louverture. 10.— 30.— Abtretung der Provinz Louiſtana von Heiten Frank⸗ reichs an die vereinigten Staaten Amerika's, gegen 15,000,066 Dollars. Tabelle der berühmteſten Epochen. J. 11. 12.13.(1803— 4.) 37 30. Flor. 20. Mai. Erneuerung der Feindſeligkeiten mit England. 2. Prair. 22.— Befehl, alle in Frankreich befindliche Englaͤnder zu arretiren. 14.— 3. Juni. Beſitznahme des Kurfürſtenthums Hannover durch den General Mortier⸗ 1. Fruct. 19. Aug. England verwirft die Vermittlung Rußlands. 4. Vendem. 27. Sept. Dekret über die Preßfreiheit. 8. Frim. 30. Nov. Neutralitäts⸗Vertrag zwiſchen Portugal einer, und Frankreich und Spanien anderer Seits. Kapitulation des Gen. Ro⸗ chambeau auf St. Domingo.. 10. Niv. 1. Jan. Proelamation der Unabhängigkeit St. Domin⸗ go's. Dieſe Inſel nimmt ihren alten Namen Hayti an. 23. Pluv. 14. Febr. Verhaftung des Generals Moreau wegen der Verſchwörung des Generals Pichegru. 5. Vent. 23.— Errichtung der vereinigten Gebühren. 8.— 28.— Verhaftung Pichegru's. 30.— 21. März. DTod des Herzogs von Enghien, der gefangen wurde, als er nach Frankreich zu gehen ſtrebte⸗ 10.— 31.— Geſetz, welches die Vereinigung der bürgerlichen Geſetze, unter dem Ditel: Civil⸗Coder der Franzoſen, verordnet. 16.— 6. April. Pichegru erdroſſelt ſich im Gefängniß. 22. Germ. 12.— Monſteur(Ludwig XVIII.) ſendet an Karl IV., König von Spanien, den Orden des goldnen Vließes zurück, weil dieſer Fürſt ihn Napoleon verliehen hat. 23— 24.— 13— 14.— Ein engliſches Geſchwader greift ohne Er⸗ folg die Boulogner Flotille an. 8. Flor. 28.— Proklamation des Deſſalines, Oberhaupt der Ne⸗ ger auf St. Domingo, welche eine allgemeine Niedermetzelung der dortigen Weißen bewirkt. 10.— 30.— Dem DTribunat gethaner Vorſchlag, Napoleon Bo⸗ naparte die Kaiſerwürde zu verleihen. 28.— 18.— Napoleon Bonaparte empfängt vom Senat den Titel: Kaiſer der Franzoſen. 29.— 19.— Ernennung der 18 Reichsmarſchälle. 21. Prair. 10. Jun. Dodesurtheil des George Cadoudal und ſei⸗ ner Mitſchuldigen. 11. Meſſ. 30.— Wiederherſtellung der Jeſuiten durch Pabſt Pius VII. im Königreich beider Sizilien. 21.— 10. Jul. Wiederherſtellung des Polizeiminiſteriums, das Fouché von Nantes anvertraut wird. 23. Therm. 11. Aug. Der Kaiſer Franz II. nimmt den Titel ei⸗ nes Erbkaiſers von Oeſterreich an. 10. Vendem. 2. Oct. Neuer fruchtloſer Angriff der Engländer anf die Flotille bei Boulogne⸗ 46.— 8.— Deſalines nimmt den Titel eines Kaiſers v. Haytt an. 10. Frim. 1. Dec. Bewilligung der Erblichkeit der Kaiſerwürde in der Familie des Napoleon Bonaparte's.. 11.— 2.— Krönung Napoleon s, als Kaiſers der Franzoſen, und Joſephinens, als Kaiſerin⸗ —— —— — 38 Tabelle der berühmteſten Epochen. J. 13. 14.(1804. 4805.) 12. Frim. 3. Dec. Allianz⸗Traktat zwiſchen England und Schweden gegen Frankreich. 21.— 12.— Kriegserklärung Spaniens an England. 24. Niv. 14. Jan. Schreiben des Kaiſers Napoleon an den König von England, um ihn zum Friedensvertrag zwiſchen beiden Nationen ein⸗ uladen. 4 27.— 17.— Aushebung von 60,000 Konſcribirten. 9. Pluv. 29.— Annahme des Projekts für die Erbauung von Na⸗ poleonsſtadt.. 9. Vent. 28. Febr. Landung des Generals Lagrange auf der In⸗ ſel Dominik. 27.— 18. März. Der Kaiſer Napoleon nimmt die Krone Italiens vom Senat an. 13. Germ. 5. April. Abreiße des Pabſtes von Paris. 21.— 11,— Vertrag zu Preßburg zwiſchen Rußland und Engkand gegen Frankreich. 30. Flor. 20. Mai. Rückkehr der Eskadre von Rochefort, nach häufigen Vortheilen. 6. Pvair. 26.— Krönung des Kaiſers Napoleon zu Mailand als König von Italien. 4 19.— 8. Juni. Das Vice⸗Königthum Italiens erhält der Prinz Eugen Beauharnois, adoptirter Sohn des Kaiſers Napoleon. 20.— 9.— Der Genueſiſche Staat wird mit Frankreich vereinigt⸗ 4. Meſſ. 23.— Errichtung des Fürſtenthums Lneca für Eliſa Bo⸗ naparte, Schweſter des Kaiſers Napoleon⸗ 3. Therm. 22. Jul. Seegefecht bei dem Kap Finiſterre in Spanien. Wegnahme zweier ſpaniſcher Schiffe durch die Engländer. 21. Therm. 9. Aug. Oeſterreich tritt der Coalition gegen Frank⸗ reich bei. 21. Fruct. 8. Sept. Einbruch der Oeſterveicher in Baiern. 22.— 9.— Senatuskonſult für die Wiederherſtellung des grego⸗ rianiſchen Kalenders, der vom 1. Januar 1806 anfängt. 4. E. T. 21.— Neutralitäts⸗Vertrag zwiſchen dem franz. Reich und dem Königreich Neapel. 2. Vendem. 24.— Aushebung von 80,000 Konſcribirten. 9.— 1. Oet. Traktat von Potsdam zwiſchen Rußland u. Preußen. 416.— 3.— Gefecht bei Wertingen zum Vortheil der Franzoſen. 17.— 9.— Gefecht bei Günzburg, durch Marſchall Ney gewonnen. 20.— 12.— Wiedereinnahme Münchens durch Marſchall Berna⸗ dotte. 22.— 14.— Einnahme Memmingens durch Marſchall Soult⸗ Gefecht bei Elchingen, durch Marſchall Ney gewonnen. 28.— 20.— Kapitulation von uUlm. 29.— 21.— Seeſchlacht bei Trafalgar. 6. Brum. 28.— Einnahme Braunau's durch Marſchall Lannes. 11.— 2. No v. Rückzug des Prinzen Karl aus Italien. 13.— 4.— Gefecht bei Amſtetten, von den Ruſſen gegen die Fran⸗ zoſen verloren.— Einnahme Wiens durch die Armee von Italien. 16.— 7.— Einnahme Inſpruck's durch den Marſchall Ney. Tabelle der berühmteſten Epochen. J. 14.(1805. 1806.) 89 20. Brum. 11. Nov. Glorreicher Vorfall bei Dierſtein, wo der Marſchall Mortier Sieger iſt. 22.— 13.— Eroberung Wiens. 23.— 14.— Eroberung Trients durch den Marſchall Rey. 24.— 15.— Eroberung Preßburgs durch den Marſchall Davouft. 27.— 18.— Vereinigung der zwei ruſſiſchen Heere. 28.— 19.— Eroberung Brünn's durch die Franzoſen. 3. Frim. 24. Nov. Eroberung Trieſt's durch die ital. Armee. 4.— 25.— Sieg des Marſchalls Ney über den Prinzen Nohan⸗ öſterr. General. Letzterer wird aus Tyrol vertrieben. 7.— 28.— Vereinigung Maſſena's mit der großen Armee. 11.— 2. Dec. Schlacht bei Auſterlitz, durch die Franzoſen gegen die Nuſſen und Oeſterreicher gewonnen. 15.— 6.— Oeſterreich wird ein Waffenſtillſtand bewilligt. 24.— 15.— Preußen tritt an Frankreich die Länder Cleve, Bai⸗ reuth ꝛc. ab. Das Berliner Kabinet verſpricht, ſich nicht zu widerſetzen, daß Frankreich England das Kurfürſtenthum Hannover hinwegnimmt. 19. 5. Niv. 26.— Friede zu Preßburg zwiſchen Frankreich und Oeſter⸗ reit 1. Jan. Bildung der Königreiche Baiern und Würtemberg. 6. Febr. Seegefecht in der Bai von St. Domingo zum Vortheil der Franzoſen. 8.— Einbruch der Franzoſen i in das Königreich Neapel wegen Ver⸗ letzung des Traktats vom 4. Ergänzungstag, J. 13. 15.— Einzug Joſeph Bonaparte's in Neapel. 8. März. Vertrag zwiſchen Frankreich und Preußen. 15.— Der General Murat wird Großherzog von Berg⸗ 404— Joſeph Bonaparte wird als König beider Sizilien ausgerufen⸗ 1. April. Der König von Preußen bem zeßtidt ſich des Kurfärſten⸗ thums Hannover. 14. u. 15. Mai. Niedermetzelung der noch übrigen Weißen auf Cap⸗ Frangçois. 5. Juni. Ludwig Bonaparte wird als König von Holland ausgerufen. — Herr v. Dalleyrand iſt zum Fürſten von Benevent ernannt. 12. Juli. Napoleon iſt als Protektor des Nheinbundes anerkannt⸗ 18.— Eroberung Gaeta's durch den Marſchall Maſſena. 20.— Friede zwiſchen Frankreich und Rußland. 25. Aug⸗ Der Kaiſer von Rußland verweigert die Genehmigung die⸗ fes Vertrags. ſ 1. Oct. Gefecht bei Eaſtel⸗Novo, durch den Gen. Marmont gegen die Ruſſen und Montenegriner gewonnen. 5.— Der Friedensfürſt Godoi ermahnt in einer Proklamation die Spanier zur Ergreifung der Waffen. 6.— Bruch mit Preußen. Ankunft Rapoleons zu Bamberg⸗ 9.— Gefecht bei Schleitz, durch den Marſchall Bernadotte ge⸗ wonnen. 10.— Gefecht bei Saalfeld, gewonnen durch General Suchet Der Prinz Louis von Preußen wird getödtet⸗ 14.— Schlacht bei Jena, gewonnen durch Kaiſer Napoleon⸗ 40 Tabelle der berühmteſten Epochen. 1806. 1807. 16. Oct. Soult's Sieg bei Greußen.— Einnahme Erfurt's durch die Franzoſen.— Deſſalines, Kaiſer von Hayti, wird ermordet, und Chri⸗ ſtoph übernimmt die Regierung. 17.— Sieg des Marſchalls Bernadotte bei Halle über die preußiſche Arriere⸗Garde.. 18.— Einnahme Leipzigs durch den Marſchall Davouſt. 20.— Der Elb⸗Uebergang wird durch die Marſchäͤlle Soult und Lan⸗ nes erzwungen. 3 . 24.— Einnahme Potsdam's durch den Marſchall Lannes. 23.— Einnahme Brandenburgs durch Bernadotte, Spandau's durch Lannes, und Berlins durch Davouſt. 6.— Einnahme von Heſfen⸗Kaſſel durch den Marſchall Mortier. 21.— Einnahme Bremens.— Kaiſerliches Dekret, welches die brittiſchen Inſeln in Blokadeſtand erklart. 28.— NMurat rlückt in Warſchau ein. 2. Dec. Uebergabe Glogau's an den General Vandamme. 3 4.— Senatuskonſult wegen Aushebung von 80,000 Konſeribirten des Jahres 1807.. 6.— Einnahme von Thorn. 11.— Friede und Bündniß zwiſchen dem Kaiſer der Franzoſen und dem Kurfürſten von Sachſen. 17.— Krieg zwiſchen der Türkey und Rußland. 23— 26.— Kriegsvorfälle bei Czarnowo, Mohrungen, Pultusk und Golymin zwiſchen den Franzoſen und Nuſſen zum Vortheil der erſtern. 5. Jan. Einnahme Breslau's durch die Generaͤle Vandamme und Hedouville, 27.— Errichtung der Republik Hayti. Chriſtoph wird außer dem Ge⸗ ſetz erklärt. 8. Febr. Schlacht bei Eilau, durch die Franzoſen gewonnen. 2 16.— Sieg Oudinots bei Oſtrolenka. 9. März. Ende der Sitzungen des großen Sanhedrin. Den Juden iſt der Mitgenuß aller bürgerlichen und politiſchen Rechte bewilligt. 12.— Der Fürſt von Naſſau tritt Kaſtel und Koſtheim an Frank⸗ reich gb.. 7. April. Aushebung von 80,000 Konſeribirten des Jahres 1808. 24. Mai. Eroberung Danzig's durch den Marſchall Lefebre: er wird zum Herzog von Danzig ernannt.. 29.— Selim III. wird abgeſetzt. Sein Sohn Muſtapha IV. beſteigt den Thron von Konſtantinopel. 1. Juni. Ankunft von 25,000 Spaniern in Deutſchland. Tabs elle der berühmteſten Epochen. 1807. 1808. 41 5— 10. Juni. Siege der Franzoſen bei Schandau, Deppen, Gutſtadt und Heilsberg. 14.— Schlacht bei Friedland, durch Napoleon gewonnen. 16.— Einnahme von Königsberg durch Marſchall Soult. 16—18.— Eroberung von Neiſſe, Glatz und Koſel. 25.— Zuſammenkunft der Kaiſer von Frankreich und Rußland auf dem Miemen. 7. Juli. Friede zu Dilſtt zwiſchen Frankreich und Nußland. 9.— Friedensvertrag daſelbſt zwiſchen Frankreich und Preußen. 29. Nückkehr des Kaiſers Napoleon nach Paris. 18. Aug. Bildung des Königreichs Weſtphalen. 19.— Aufhebung des Tribunats. 20.— Eroberung Stralſund's durch den Marſchall Brune. 4. Sept. Organiſation der Regierung der ſieben Inſeln. — Der König von Preußen verbietet den Engländern allen Handel in Kiuen Staaten. 2 7.— Eroberung der Inſel Rügen durch den Marſchall Brune.— Koppenhagen wird von den Engländern beſchoſſen und in Brand geſteckt. 14.— Napoleon erklärt, daß er ſich aller Verbindung der Kontinen⸗ tal⸗Mächte mit England widerſetzen werde. 16.— Auianz zwiſchen Frankreich und Dänemark.—-Das Heer unter General Junot marſchirt aus der Gegend von Bayonne nach Portu⸗ gall ab. 27.— Vertrag zu Fontainebleau zwiſchen Frankreich und Spanien.⸗ 30. Okt. Der Prinz von Aſturien(Ferdinand VII.) wird, nebſt mehreren Großen, verhaftet. 31.— Der Kaiſer von Rußland bricht alle Verbindung mit England ab, und verkündet die bewaffnete Neutralität. 5. Nov. Der Prinz von Aſturien verſöhnt ſich wieder mit dem König, ſeinem Vater. 10. Nov. Der Kaiſer von Rußland läßt Beſchlag auf das engliſche Eigenthum legen. 11.— Traktat zwiſchen Frankreich und Holland.— Vlieſſingen wird an Frankreich abgetreten.— Repreſſalien⸗Gebot des Königs von Eng⸗ land gegen den Berliner Vertrag vom 21. Nov. 1806. in Betreff des Konti⸗ nental⸗Syſtems. 30.— Einnahme Liſſabons durch General Junot. P 1. Dec. Der König von Preußen verbietet alle Kommunikation zwi⸗ ſchen ſeinen Staaten und England. 8.— Erhebang des Hieronymus Bonaparte, Bruders des Kaiſers Napoleon, auf den Thron Weſtphalens⸗ 10.— Die franz. Truppen bemächtigen ſich des Königreichs Hetrurien. 17.— Beſchluß, zu Mailand gegen England erlaſſen. 1 3. Jan. Der König von Spanien nimmt den Beſchluß von Mai⸗ and an. 21.— Senatuskonſult wegen Vereinigung von Vlieſſingen, Kaſtel⸗ Kehl, und Weſel, mit Frankreich.— Senatuskonſult wegen Aushebung von 80,000 Konſcribirten des Jahrs 1809. 27.— Ankunft der königlichen Familie Portugall's in Braſilien⸗ 2. Febr. Einmarſch der franz. Truppen in Rom. —⸗- 1 — 42² Tabelle der berühmteſten Epochen. 1808. 17. Fe br. Die Franzoſen bemeiſtern ſich der Citadelle von Pampelona. — Dieſelben nehmen Barcelona weg, und verbreiten ſich in ganz Spanien. 11⸗ März. Errichtung der Majorate und der erblichen Titulaturen von Prinz, Graf, Baron und Ritter. 13.— Tod Chriſtians VII., Königs von Dänemark. Sein Sohn, Friedrich VI., iſt Nachfolger⸗ 17—24.— Anfang der Unruhen in Spanien. Abdankung Karls IV. zu Gunſten des Prinzen von Aſturien. Verhaftung des Friedensfürſten Don Manuel Godoi. 27.— Der Pabſt erläßt ein, Ercommunication drohendes, Breve gegen den Kaiſer Napoleon. 2. April. Auflöſung des Kirchenſtaats und mehrerer andern. Sie werden mit dem Königreich Italien vereinigt. 13.— Ankunft des Kaiſers Napoleon zu Bayonne, wo auch Ferdi⸗ nand VII. und Karl IV. nach einander eintreffen. 1. Mai. Ferdinand giebt ſeinem Vater die Krone von Spanien zurück. 2.— Inſurrection der Einwohner von Madrid. 5.— Vertrag zu Bayonne, nach welchem Karl IV. die Krone Spa⸗ niens an Napoleon abtritt. 11.— Abreiſe der ſpaniſchen Fürſten nach Valen gay. 13.— Ahreiſe Karls IV. nach Compiegne.— Erklärung der Ober⸗ Junta Spaniens, durch welche ſte Joſeph. Bonaparte, Bruder des Kai⸗ ſers Napoleon, zum König begehrt. 24.— Toscana, Parma und Piacenza werden mit dem franz. Reiche vereinigt. 27— 30.— Inſurrection in verſchiedenen Provinzen Spaniens. 7. Juni⸗ Joſeph Bonaparte wird als König von Spanien und In⸗ dien ausgerufen.— Aushebung einer außerordentlichen Militz in Oeſter⸗ reich. 14.— Die ſpaniſchen Inſurgenten bemeiſtern ſich der franz. Schiffe, welche der Niederlage bei Drafalgar entgingen. 15.— Eröffnung der Bayonner Junta. 16.— Aufſtand der Portugieſen zu Oporto. 2 14. Juli. Schlacht bei Medina⸗del⸗Rio⸗Seco, durch den Marſchall Beſſiéres gewonnen. 13.— Murat, Großherzog von Berg, wird König von Neapel. 22.— Kapitulation des Generals Dupont. 8 28.— Neue Revolution zu Konſtantinopel. Muſtapha wird entthront, und ſein Bruder Mahmud als Sultan ausgerufen. 29.— Der König Joſeph verlaͤßt Madrid und begibt ſich nach Vittoria. 3¹1.— Landung der Engländer in Portugall. 17. Aug. Der Marquis de la Nomang ſchifft ſich mit einem Theil ſei⸗ ner Truppen nach Spanien ein. 2¹.— Schlacht bei Vimeiro zwiſchen dem General Junot und dem engl. General Wellington. 24.— Ferdinand VII. wird in Madrid als König ausgerufen. 30.— Uebereinkunft des Generals Junot mit den Engländern, nach welcher er Portugall räumt. 1 8. Sept. Vertrag zwiſchen Frankreich und Preußen. — —ö—õnnnnnn Tabelle der berühmteſten Epochen. 1808. 1809. 43 10. Sept. Senatuskonſult wegen Aushebung von 160,000 Konſcri⸗ birten. 27.— Zuſammenkunft der Kaiſer Napoleon und Alexander zu Erfurt. 29. Oet. Die Engländer dringen in Spanien ein. 4. Nov. Ankunft des Kaiſers Napoleon auf dem ſpan. Gebiet. .10.— Einnahme von Burgos durch die Marſchälle Soult und Beſ⸗ ſtoͤres. 10—12.— Schlacht bei Espinoſa, von den Franzoſen gewonnen. 23.— Schlacht bei Tudela, von denſelben gewonnen. 3. Dec. Die Franzoſen ziehen ſich freiwillig aus Berlin. 4.— Eroberung Madrids durch die Franzoſen. 5.— Eroberung von Noſes durch den General Gouvion St. Cyr⸗ 16.— Gefecht bei Cardedon, durch dieſen General gewonnen. 21.— Gefecht bei Hobregat, gewonnen durch denſelben. 3. Jan. Sieg des Marſchalls Soult bei Prieros über die Engländer. 12.— Eroberung von Cayenne und der franz. Guiana durch die Spa⸗ nier und Portugieſen. 13.— Gefecht bei Tarragona, gewonnen durch den Marſchall Soult gegen die Spanier⸗ 14.— Allianz⸗Traktat zwiſchen England und Spanien. 19.— Gefecht bei Corunna, durch den Marſchall Soult gegen die Engländer gewonnen. 27.— Einnahme Ferrol's durch denſelben. 30.— Landung der Engländer auf Martinique. 21. Febr. Eroberung Saragoſſa's durch den Marſchall Lannes. 24.— Kapitulation von Martinique. 1. März. Die vereinigten Staaten von Amerika brechen ihre Han⸗ delsverhältniſſe mit England und Frankreich ab⸗ 13.— Nevolution in Schweden. Guſtav Adolph IV. wird arretirt, und der Herzog von Südermannland, ſein Oheim, an die Spitze der Regie⸗ rung geſtellt. 28.— Schlacht bei Medellino, von den Franzoſen gegen die Spa⸗ nier gewonnen. 29.— Einnahme Oporto's durch den Marſchall Soult.— Abdan⸗ kung des Königs von Schweden Guſtav Adolph IV. 9. April. Anfang der Feindſeligkeiten von Seiten Oeſterreichs⸗ Deer Prinz Karl rückt in Baiern ein. 12.— Die Engländer ſtecken mehrere franz. Schiffe bei der Inſel Ait in Brand. — Einbruch des Erzherzags Ferdinand in das Großherzogthum Wharſadan.. 19.— Gefecht bei Pfaffenhofen, durch den General Oudinot gegen die Oeſterreicher gewonnen.— Gefecht bei Tann, gewonnen durch den Marſchall Davouſt gegen dieſelben⸗ 20.— Schlacht bei Abensberg, durch Kaiſer Napoleon gewonnen. 21.— Gefecht bei Landshut, von den Franzoſen gewonnen. Kapitu⸗ lation von Warſchau. 22.— Schlacht bei Eckmuͤhl, gewonnen von den Franzoſen. 23.— Einnahme Negensburgs durch dieſelben. 44 Tabelle der berühmteſten Epochen. 1809. 26. April. Uebergang über den Inn. 28.— Der preußiſche Parteigänger Schill zieht ins Feld. 29.— Sieg des Prinzen Eugen Beauharnois über den Erzherzog Jo⸗ hann bei Caldiere. 30.— Man geht bei Burghauſen über die Salza. 3. Mai. Kriegserklärung Rußlands an Oeſterreich. 4. Gefecht bei Ebersberg. 8.— Die Armee von Italien geht über die Piave. 10.— Schweden nimmt die Abdankung Guſtav Adolphs an, und er⸗ klärt ihn und ſeine Erben des Throns verluſtig. 13.— Einnahme Wiens.. 17.— Vereinigung des römiſchen Staats mit Frankreich. 18.— Wiedereinrückung des Marſchalls Soult in Spanien. Ein⸗ nahme von Trieſt durch die Franzoſen. 19.— Einnahme von Inſpruck durch den Marſchall Lefevre⸗ 214—22.— Schlacht bei Eßlingen. 22.— Einnahme Laibachs durch Macdonald. 25.— Einnahme Leobens in Steiermark durch den Prinzen Eugen⸗ 26.— Vereinigung der Armee von Italien mit der großen Armee⸗ 1. Juni. Die Oeſterreicher raͤumen Warſchau. 6.— Der Herzog von Südermannland wird als König von Schwe⸗ den ausgerufen. 11.— Der Kaiſer Napoleon wird vom Pabſt erkommunciirt. 14.— Schlacht bei Naab, gewonnen durch den Prinzen Eugen. 18.— Gefecht bei Belchite, gewonnen durch den Gen. Suchet gegen die Spanier. 22.— Einnahme von Naab durch den General Lauriſton. 4, Juli. Die franz. Armee geht über die Donau. 5— 6.— Murat gibt Befehl, ſich der Perſon des Pabſtes zu be⸗ mächtigen, und ihn aus Rom zu entfernen. Schlacht bei Wagram. 7.— Eroberung von Santo⸗Domingo durch die Engländer. 12.— Wafefenſtillſtand von Znaim. 44.— Eroberuug der franz. Riederlaſſungen am Senegal durch die Engländer.— Oudinot, Marmont und Macdonald werden zu Reichsmar⸗ ſchällen ernannt. 28.— Schlacht bei Talavera. 99— 31.— Unternehmung der Engländer auf Vlieſſingen. 8. Aug. Gefecht bei Arzobispo, gewonnen durch Marſchall Soult gegen die Spanier.— 13.— Eroberung von Vlieſſingen durch die Engländer. 5. Oet. Aushebung von 36,000 Konſeribirten. 14.— Friede, geſchloſſen zu Wien zwiſchen den Kaiſern Napoleon und Franz II. 19. No v. Schlacht bei Ocana, durch Marſchall Mortier gegen die Spanier gewonnen. 23.— Sieg des GeneralKellermann über die ſpaniſchen Inſurgenten lei Alba de la Tormes.. 10. Dec. Eroberung Girong's durch den Marſchall Augereau. 16.— Auflöſung der Ehe des Kaiſers Napoleon und der Kaiſerin Jo⸗ ſephine. 3 Tabelle der berühmteſten Epochen. 1809. 1810. 1811. 45 24. Dec. Die Engländer räumen Vlieſſingen. 6. Januar. Friedensſchluß zwiſchen Frankreich und Schweden. Zu⸗ folge dieſes Vertrags tritt die letztere Macht dem Continentalſyſtem bei. 2. Februar. Eroberung Sevilla's durch den Marſchall Soult.— Die Junta flüchtet ſich nach Cadix. 6.— Eroberung der Inſel Guadeloupe durch die Engländer. 7.— Ehebündniß zwiſchen dem Kaiſer Napoleon und der Erzherzo⸗ gin Marie Louiſe, Tochter des Kaiſers von Oeſterreich. 17.— Senatuskonſult, welcher dem Pabſt eine Dotation von zwei Millionen bewilligt. 16. März. Abtretung Seelands, des holländiſchen Brabants ꝛc. an Frankreich. 19 April. Bildung der Bundesregierung zu Venezuella. — Sieg des Generals Suchet über O'Donnell bei Lerida. 1. A ai. Verbot des Einlaufs engl. und keans⸗ Kriegsſchiffe in die amerikaniſchen Häfen. 6.— Eroberung Aſtarga's durch den Gen. Junot. 13.— Eroberung Lerida's durch den Gen. Suchet. 15.— Entrinnung der franz. Gefangenen von den Pontons zuCadix. 8. Juni. Eroberung von Mequinenza durch den Gen. Suchet. 1— 9. Juli. Abdankung des Ludwig Bonaparte's, Königs von Hol⸗ land. Die Staaten dieſes Fürſten werden Frankreich einverleibt. 7— 8.— Eroberung der Inſel Bourbon durch die Engländer⸗ 10.— Eroberung von Ciudad⸗Rodrigo durch den Marſchall Ney. 21. Aug. Der Marſchall Bernadotte iſt zum Kronprinzen von Schwe⸗ den erwählt. 3 27.— Eroberung Almeida's in Portugal durch den Marſchall⸗ Maſ⸗ ena. 27. Sept. Schlacht bei Buſaco in Portugal.. en aun 18. Oct. Einſetzung der Prevotalhöfe und Zollgerichte. 2. No v. Wiederruf des am 1. Mai gegen Frankreich ergungenen Kon⸗ eehuden der amerikaniſchen vereinigten Staaten⸗ 9.— Eröffnung des Kanals von St. Ouentin. 3. Dez. Die Engländer erobern Ile⸗de⸗France. 13.— Senatuskonſult, welcher vHolland⸗ die Hanſe⸗Städte, Wal. lis:c mit Frankreich vereinigt, und die Anzahl ſeiner Departemente auf 130 bringt. Aushebung von 120,000 Konſkribirten des Jahres 1814.— 2. Januar. Eroberung von Tortoſa durch den Gen. Suchet. 8.— Der Prinz von Wallis iſt zum Regenten Englands ernannt. 120e aa.— Die Franzoſen erobern Oporto und Olivenza in Por⸗ tuga 19. Febr. Schlacht bei Gebora, durch Marſchall Soult gewonnen. 28.— Die Franzoſen bemeiſtern ſich des Herzogthums Vmdenburg. 4. März. Rückzug des Marſchalls Maſſena aus Portugal.. 5.— Gefecht bei Chiclana, durch den M. Victor gegen die Spanier gewonnen. 8 10.— Eroberung von Badajoz durch den Marſchall Mortier. 3e 20.— Geburt des Königs von Nom. 4— 6.— Gefecht bei la Fuenta de Onoro. Räͤumung Almeida 4. 16.— Schlacht bei Alboerra. —=— ——,— 1* 46 Tabelle der berühmteſten Epochen. 1811. 1812, 2. Inni. Chriſtoph wird als König von Hayti gekrönt. 11.— Eröffnung einer Kirchenverſammlung in Paris. 13.— Aufhebung der Belagerung von Badajoz durch den engl. Gene⸗ ral Wellington. 28.— Eroberung Tarragona's durch den Gen. Suchet. 20. Sept. Breve des Pabſtes, welches die Beſchlüſſe der Kirchen⸗ verſammlung zu Paris vom 4. Auguſt beſtätigt. 25. Oet. Schlacht bei Sagonta, gewonnen durch den Marſchall Su⸗ chet gegen die Spanier. 26.— Eroberung von Sagonta. 1 20. Dec. Senatuskonſult wegen Aushebung von 120,000 Konſeri⸗ irten. 9. Jan. Eroberung Valencia's durch den Marſchall Suchet. 13.— 100,000 Hektaren Land ſind zur Pflanzung der Nunkelrüben beſtimmt.— 19.— Eroberung von Ciudad⸗Radrigo durch den engliſchen Gene⸗ ral Wellington. 26.— Eroberung Stralſund's durch den General Friant. 24. Febr. Neuer Vertrag zwiſchen Frankreich und Preußen. 13. März. Eintheilung der Nationalgarde Frankreichs in den 1. 2. und 3. Heerbann.. 14.— Allianz⸗Traktat zwiſchen Frankreich und Oeſterreich. 24.— Allianz⸗ Traktat zwiſchen Rußland und Schweden. 7. April. Badajoz wird von den Engländern mit Sturm erobert. 3. Mai. England tritt dem zwiſchen Schweden und Rußland ge⸗ ſchloſſenen Vertrag bei. 9.— Abreiſe des Kaiſers Napoleon nach Deutſchland. — 26.— Zuſammenkunft der Kaiſer von Frankreich und Oeſterreich, und des Königs von Preußen zu Dresden. 3 28.— Friedenspräliminarien zwiſchen Nußland und der Türkei. 12. Juni. Gefecht bei Tarragona, durch den Marſchall Suchet ge⸗ gen die anglo⸗ſpaniſche Armee gewonnen. 1 18.— Kriegserklärung der vereinigten Staaten Amerika's an Eng⸗ and⸗ 1 1 129.— Ankunft des Pabſtes zu Fontainebleau. 22.— Kriegserklärung des Kaiſers Napoleon an Rußland. 24— 25.— Die franz. Armee geht über den Niemen. 235.— Proklamation des Kaiſers von Rußland an ſeine Völker.. 928.— Die Franzoſen rücken in Wilna ein. Verkündigung der Wie⸗ derherſtellung des Königreichs Polen⸗ 38 den. 20.— Vertrag zwiſchen Nußland und Spanien.— 22.— Schlacht bei den Aropiles, verloren durch den Marſchall Mor⸗ tier gegen Wellington.. fts. 23.— Gefecht bei Mohilow, auf dem Dnieper, zwiſchen dem Mar⸗ ſchall Davouſt und dem ruſſiſchen General Bagratiovn. 28.— Einrückung der Franzoſen in Witepsk. 11. Aug. Allianztraktat zwiſchen Rußland und England.— Gefecht bei Obaierzma, gewonnen durch den Marſchall Oudinot gegen die Ruſſen. 18. Juli. Friedensvertrag zu Oerebro zwiſchen England und Schwe⸗ Tabelle der berühmteſten Epochen. 1812. 1813. 47 14. Aug. Eroberung Madrid's und des Schloſſes Retiro durch die Engländer. 17.— Schlacht bei Smolensk und Einnahme dieſer Stadt. 18.— Schlacht bei Potolsk, gewonnen durch den General Gouvion St. Cyr. 19.— Gefecht bei Voluntina Cora, von den Franzoſen gegen die Ruſſen gewonnen. 28.— Zuſammenkunft des Kaiſers Alexander mit Bernadotte zu Abo in Finnland. 1. Sept. Senatuskonſult wegen Aushebung von 137,000 Konſeri⸗ birten. 6 7.— Schlacht an der Moskwa, von den Franzoſen gewonnen. 14.— Eroberung Moskau's und Brand daſelbſt.. 3 18.— Vereinigung der ruſſiſchen Donau⸗ und Reſervearmee⸗ 17— 19. Oct. Sieg des Marſchalls Gouvion St. Cyr über den ruſ⸗ ſiſchen General Wittgenſtein bei Potolsk. 4 20. Aufhebung der Belagerung von Burgos durch den engl. General Wellington. 21. Gefecht bei Winskowo, durch Murat verloren.— 23.— Verſchwörung Mallet's. Räumung Moskau s. 24.— Schlacht bei Malo Jaroslawitz, gewonnen durch den Prinzen Eugen gegen den General Kutuſow. Atth! 3. Nov. Schlacht bei Wiazma zum Vortheil der Franzoſen. 7.— Ankunft der Franzoſen bei Smolensk. 10.— Vereinigung der in Portugal, dem Mittelpunkt und Süden Spaniens ſtehenden franzöſiſchen Armeen. Rückzug Wellingtons auf Ciu⸗ dad⸗Rodrigo.„9 14— 16. Nov. Räumung von Smolensk. Hannact 16.— Einnahme von Minsk durch die Ruſſen. 8* 16— 19.— Sieg der Franzoſen bei Krasnoc. 4 21.— Eroberuug von Boriſow, an der Bereſina, durch die ruſſ. Do⸗ nau⸗Armee. 23.— Gefecht bei Boriſow. 26— 28.— Uebergang über die Bereſina. 3 3. Dec. Der Kaiſer Napoleon verkündet ſein Mißgeſchick in dem 29. Bülletin der großen Armee⸗ 5.— Ankunft des Kaiſers Napoleon zu Smorgony, und ſeine Ab⸗ reiſe von der Armee. 3 11.— Näumung Wilna's⸗ 1 a. 16.— Die Trümmer der franz. Armee gehen über den Niemen. 20.— Ankunft des Kaiſers Napoleon in Paris⸗ 30.— Der vreußiſche General York unterzeichnet zu Taurogen einen Neutralitätsvertrag mit den Ruſſen. 3. Jan. Der Befehl über die franz. Armee wird dem Prinzen Eugen, an der Stelle Murat's, übergeben. 11.— Senatuskonſult für die Aushebung von 250,000 Konſeribir⸗ ten. Die Cohorten des 1. Heerbanns der Nat. Garde werden in Linienregi⸗ menter organiſtrt⸗ Ie 21.— Die franz. Armee kommt bei Berlin an. 48 Tabelle der berühmteſten Epochen. 1813. 25. Jan. Konkordat von Fontainebleau. 1. Febr. Proklamation Ludwigs XVIII. an die Franzoſen. 8.— Eroberung Warſchau's durch die Nuſſen. 10.— Proklamation des Kaiſers Alexander an die Völker Deutſch⸗ lands. 1. März. Allianztraktat zwiſchen dem Kaiſer von Rußland und dem König von Preußen. 3.— Traktat zu Stockholm, zwiſchen England und Schweden ge⸗ ſchloſſen. 4.— Die Koſaken beſetzen Berlin. 10.— Rückzug der Armee von Spanien nach dem Norden dieſes Kö⸗ nigreichs.— 3 12.— Die Franzoſen räumen Hamburg. 21.— Einnahme Dresdens durch die Ruſſen. 241.— Schreiben Bernabotte's an den Kaiſer Napoleon, um ihn zum Frieden einzuladen.. 5 11 — 31.— Manifeſt Preußens gegen Frankreich. 1. April. Kriegserklärung Frankreichs an Preußen. —— Senatuskonſult für die Aushebung von 180,000 Streitern. 5.— Errichtung von 37 ſtädtiſchen Cohorten. 2 3 15.— Abreiſe des Kaiſers Napoleon von Paris zur Armee in Deutſch⸗ e.— 2e ea a 16.— Eroberung Thorns durch die Nuſſen. 29.— Gefecht bei Weißenfels zwiſchen den Franzoſen und Preußen. 2. Mai. Schlacht bei Lützen, von den Franzoſen gewonnen. 1 8.— Wiedereinnahme Dresdens durch den Prinzen Eugen. 20.— Gefecht bei Bauzen, und andere, durch die Franzoſen ge⸗ wonnen. nut— 22.— Gefecht bei Reichenbach.. 1 30.— Eroberung Hamburgs durch den Marſchall Davouſt. 1. Juni, Wiedereinnahme Breslau's durch den General Lauriſton. 4.— Waffenſtillſtand zwiſchen den Franzoſen und Alliirten. un 21.— Schlacht bei Vittoria, durch den Marſchall Jourdan verloren⸗ 30.— Uebereinkunft zu Dresden.. 38 1⸗ Juli. Rückkehr des Marſchalls Soult nach Spanien. 5.— Rückzug des Marſchalls Suchet an den Ebro. usles 10.— Bündniß zwiſchen Frankreich und Dänemark..8 12.— Eröffnung des Kongreſſes zu Prag. 20.— Ankunſt des Gererals Moreau zu Gothenburg. 27.— Oeſterreich tritt dem Bündniſſe Rußlands und Preußens bei⸗ 28.— Ankunft des Herzogs von Vicenza zu Prag. 3 128— 31.— Gefechte bei. Nonceval zwiſchen den Engländern und Franzoſen. 837 ztusſe 12. Aug. Oeſterreich macht ſeinen Beitritt zur Allianz Rußlands und Preußens bekannt. 4 2 126 143.— Proklamation des Prinzen Bernadotte an ſeine Soldaten, um ſie zum Kriege gegen Frankreich vorzubereiten.— Verrath des Generals Jomini, Chefs vom Generalſtabe des Nevy'ſchen Corps. Er meldet dem Feind Napolcons Vorhaben, nach Berlin zu marſchiren..ê18 18.— Räumung des Koͤnigreichs Valence durch den Marſchall Suchet. — Tabelle der berühmteſten Epochen. 1813. 49 23. Aug. Gefechte bei Berlin, durch Bernadotte gegen den Marſchall Dudinot gewonnen. 24.— Senatuskonſult wegen Aushebung von 30,000 Konſcribirten in den an den Pyrenäen liegenden Departementen⸗. 26—27. Schlacht bei Dresden, durch Napoleon gewonnen. 26.— Gefecht an der Katzbach in Schleſten, gewonnen durch den preuß. General Blücher gegen den Marſchall Maedonalldd. 27— 29,— Niederlage des Marſchalls Maedonald deim Uebergang über die Bober und die Queis. 30.— Gefecht bei Kulm. Der General Vandamme wird gefangen. 2. Sept. Raͤumung Schwerin's durch den Marſchall Davouſt. 6.— Gefecht bei Dennewitz, in der Gegend von Berlin, durch den Prinzen Bernadotte gegen den Marſchall Ney gewonnen. 8.— Eroberung von St. Sebaſtian durch die Engländer. . 9.— Oeſterreich, Nußland und Preußen unterzeichnen einen Al⸗ lianz⸗Traktat in Töplitz. 12.— Sieg desMarſchalls Suchet über die Engländer bei Villafranca de Panada. 1 3. Okt. England und Oeſterreich ſchließen ein Präliminar⸗Bündniß. 7.— Die Engländer, Spanier und Portugieſen gehen über die Bidaſſoa. 9.— Senatusconſult wegen Aushebung v. 280,000 Konſcribirten⸗ 15.— Vereinigung der Baiern mit den Oeſterreichern.— 16—17. Gefecht bei Leipzig. 18— 19. Schlacht bei Leipzig, von den Franzoſen verloren. 30.— Gefecht bei Hanau, durch dieſelben gewonnen. 3.— Eroberung Baſſano's durch den Prinzen Eugen.— Eroberung Pamplona's durch die Engländer. 3. Nov. Ankunft Napoleon's zu Mainz. 9.— Ankunft dieſes Fürſten zu St. Cloud. 10.— Gefecht bei St. Jean⸗de⸗Luz, durch General Wellingron ge⸗ wonnen.— 11.— Die Franzoſen in Dresden kapituliren⸗ 1413.— Senatuskonſult, welches die Aushebung von 300,000 Kon⸗ ſeribirten beſtehlt. 21.— Kapitulation der Franzoſen in Stettin. 24.— Eroberung Amſterdams durch die Preußen. 1. Dec. Erklärung der Monarchen in Frankfurt. Sie verkünden, daß ſie nicht den Krieg gegen Frankreich führen. 2.— Friedensvorſchlag des Herzogs von Vicenza an den öſterreichi⸗ ſchen Miniſter.— Einnahme Utrechts durch die Preußen 5.— Eroberung Lübecks durch die Schweden⸗ 8—13. Gefechte an der Niye zwiſchen Lord Wellington und dem Mar⸗ ſchall Soult. 8.— CEroberung Ancona's durch den König Foachim 11.— Vertrag von Valengay zwiſchen Napoleon und Ferdinand VII. 15.— Waffeenſtillſtand zwiſchen Rußland und Dänemark. 49.— Zuſammenberufung des geſetzgebenden Korps. 21.— Die Oeſterreicher gehen über den Rhein. d 50 Tabelle der berühmteſten Epochen. 1813. 1814. 22. Dec. Ernennung zweier Commiſſionen, um Kenntniß von den, die angeknüpften Unterhandlungen betreffenden, Papieren zu nehmen. 24.— Die Franzoſen räumen Holland. 28— 30.— Bericht der gemeldeten Kommiſſion. 31.— Vertagung des geſetzgebenden Korps.— Genf ergiebt ſich den Oeſterreichern. Die Preußen gehen über den Rhein. 1. Jan. Kapitulation der Franzoſen in Danzig. 2.— Einnahme von Fort⸗Louis(Depart. Niederrhein) durch die Nuſſen. 6.— Vertrag zwiſchen England und dem König von Neapel. 10.— Einnahme von Forbach(Dep. Moſel) durch die Preußen. 11.— Vertrag zwiſchen Oeſterreich und dem König von Neapel. 12.— Die Stadt Bourg(Dep. Ain) wird von den Oeſterreichern der Plünderung übergeben. 16.— Einnahme von Nancy, durch die Ruſſen. Kapitulation der Veſte Joux. 19.— Beſetzung Dijon's durch die Oeſterreicher. Einnahme Roms durch die neapolitaniſche Armee. 20.— Einnahme Toul's durch die Ruſſen. Einnahme Chambery's durch die Oeſterreicher. 21.— Die Ruſſen gehen über die Maas. 23.— Ankunft der ruſſ. Armee an der Marne. 3 26.— Napoleon ſchlägt ſein Hauptquartier zu Chalons an der Mar⸗ ne auf. 1 27.— Wiedereinnahme von St. Dizier durch Napoleon. 29.— Gefecht bei Brienne, durch Napoleon gegen die ſchleſiſche Ar⸗ mee gewonnen. 1. Febr. Schlacht bei la Rothiére zwiſchen Napoleon und der ſchle⸗ ſiſchen Armee.— Näumung der Stadt Brüſſel. 2 3.— Die Cortes verwerfen den Vertrag von Valengay. 4.— Ruͤckzug des Prinzen Eugen Beauharnois an den Mincio. 5.— Eroffnung des Kongreſſes zu Chatillon. 6—7.— Die Alliirten nehmen Chalons an der Marne und Troyes. 8.— Schlacht am Mineio, durch den Prinzen Eugen gewonnen. 9.— Einnahme von Avesnes durch die Ruſſen. 10.— Gefecht bei Champaubert, durch Napoleon gewonnen. 11.— Gefecht bei Montmirail, durch denſelben gewonnen. Prokla⸗ mation des Herzogs von Angouleme. 11—12.— Die Alliirten nehmen Nogent⸗ſur⸗Seine, Sens und Pont⸗ſur⸗Honne. 12.— Einnahme Laon's durch die Ruſſen. 14.— Gefecht bei Vauchamp, gewonnen durch Naypoleon. 17.— Dieſer Fürſt verwirft die von den Alliirten auf dem Kongreß zu Chatillon geſetzten Friedensbedingniſſe.— Gefecht bei Naugin, ge⸗ wonnen durch Napoleon. 18.— Gefecht bei Montereau, gewonnen durch den ſelben. 21.— Ankunft des Grafen Artois zu Veſoul. 22.— Gefecht bei Mery⸗ſur⸗Seine, durch die Franzoſen gewonnen. 24.— Wiedernahme der Stadt Troyes durch dieſelben. ——— — Tabelle der berühmteſten Epochen. 4 1814. 81 27. Febr. Einnahme von la Fere durch den preuß. Gen. Bülow.— Schlacht bei Orthez zwiſchen dem Marſchall Soult und dem Lord Wellington. 27— 28.— Gefechte bei Bar⸗ und la Ferté⸗ſur⸗Aube, durch den Marſchall Oudinot verloren. 2. März. Gefecht bei Parma, gewonnen durch den General Gre⸗ nier gegen die Oeſterreicher und Neapolitaner.— Einnahme von Soiſſons durch den preußiſchen General Bülow. 7.— Schlacht von Craonne. 9— 10. Gefechte bei Laon. 9.— Denkwürdiger Sieg der Franzoſen über die Engländer in Bergopzoom. 12.— Der Herzog von Angoulemezieht mit der anglo⸗ſpaniſchen Ar⸗ mee in Bordeaur ein. 13.— Abreiſe Ferdinands VII. nach Spanien. 13— 14.— Gefechte bei RNheims. Wiedernahme dieſer Stadt durch Napoleon. 19.— Trennung des Chatilloner Kongreſſes. 20— 21. Gefechte bei Arcis⸗ſur⸗Aube. 21.— Einnahme Lyon's durch die Oeſterreicher. 24.— Ankunft Ferdinands VII. in Spanien. 25.— Gefecht bei Fere⸗Champenoiſe, verloren durch die Marſchaͤlle Mortier und Marmont. 26.— Gefecht bei St. Dizier, gewonnen durch Napoleon gegen die ruſſiſche Neiterei. 28.— Marſch der Alliirten nach Paris. 29.— Der Kaiſer von Rußland und der König von Preußen nehmen ihr Hauptquartier zu Bondi, bei Paris. 30.— Napoleon verläßt ſein Heer, um ſich nach Fontainebleau zu begeben.— Schlacht dei Paris⸗ 31.— Kapitulation dieſer Hauptſtadt.— Einmarſch der Alliirten. 1. April. Vorſchläge, durch den General Caulincourt dem Kaiſer von Rußland, aber ohne Erfolg, gethan.— Errichtung einer proviſori⸗ ſchen Regierung. 2.— Der Erhaltungs⸗Senat erklärt Napoleon des Throns verlu⸗ ſtig, und hebt das Necht der Erbfolge in ſeiner Familie auf.— Der Gene⸗ ral Deſſolles wird von der proviſoriſchen Regierung zum Kommandanten der Pariſer Garde ernannt.— Die proviſoriſche Regierung entbindet die Ar⸗ mee von ihrem, Napoleon geleiſteten, Eide. 2— Das geſetzgebende Korps ſtimmt der Abſetzung dieſes Fürſten bei. 4.— Die proviſoriſche Regierung ſchafft die Sinnbilder der kaiſerl. Regierung ab. 4—6.— Uebereinkunft zu Chantilly zwiſchen dem Marſchall Mar⸗ mont und den fremden Armeen. 6.— Der Kaiſer Alexander verweigert, die Abdankung Rapoleons zu Gunſten ſeines Sohnes zu ſanktioniren.— Der Senat dekretirt eine neue Konſtitution. Die Bourbons werden zurückgerufen. 9.— Die proviſoriſche Regierung beſchließt, daß die Nationalko⸗ karde an die Stelle der dreifarbigen treten ſoll⸗ 10.— Denkwürdige Schlacht bei Toulouſe zwiſchen dem Marſchall Soult und dem Lord Wellington⸗ ⁸½ 532 Tabelle der berühmteſten Epochen. 1814. 1815. 14- April. Vertrag zu Paris zwiſchen den Bevollmächtigten Napo⸗ leons und den Miniſtern der verbündeten Mächte.— Abdankung des Kaiſers Napoleon. 12.— Einzug des Grafen Artois in Paris. 14.— Die proviſoriſche Regierung Frankreichs wird dem Grafen von Artois unter dem Titel: General⸗Lieutenant des Königreichs, übertragen. 16.— Uebereinkunft zwiſchen dem Prinzen Eugen und dem öſterkei⸗ chiſchen General Bellegarde.— Die Abreiſe der Kaiſerin Marie Louiſe nach Wien wird bei einer Zuſammenkunft derſelben mit dem Kaiſer von Oeſterreich beſchloſſen. „,18.— Waffenſtillſtand zwiſchen dem Marſchall Soult und dem Lord Wellington. 20.— Abreiſe Napoleons nach der Inſel Elba. 24.— Landung Ludwigs XVIII. zu Calais. 27.— Vertrag zu Paris, laut welchem Napoleon als Herr der Inſel Elba anerkannt wird. 2. Mai. Erklärung des Königs zu St. Ouen. 3.— Einzug Ludwigs XVIII. in Paris. 4.— Auftlöſung der Cortes durch Ferdinand VII. 13.— Bildung des Miniſteriums. 15.— Der König erlaubt den Konſcribirten des Jahres 1813 die Rückkehr zu ihren Familien. 30.— Friedensvertrag, zu Paris zwiſchen Frankreich und den ver⸗ bün eten Mächten geſchloſſen. 1 4. Juni. Der König nimmt Sitz in der vom geſetzgebenden Korps und einem Theil des Senats gebildeten Verſammlung. Verkündigung der Charte.— Bildung der Kammern. 16. Juli. Verordnung des Königs wegen der Nationalgarde. 20.— Friede zwiſchen Frankreich und Spanien. 7. Aug. Wiederherſtellung der Jeſuiten durch Pius VII. 21.— Abſchaffung der Einſchreibung in die Liſten der Ausgewan⸗ 18. Sept. Proklamation Chriſtophs, unter dem Namen Heinrichs I. Königs von Hayti⸗. 24. Oet. Geſetz über die Preßfreiheit. 3. Nov. Eröffnung des Wiener Krongreſſes. 5.— Geſetz in Betreff der Civil⸗Liſte. 3. Dec. Ernennung des Marſchalls Soult zum Kriegsminiſter. 5.— Geſetz wegen der nicht verkauften Güter der Emigranten. 21.— Geſetz, welches diejenigen Schulden, ſo die königliche Fa⸗ 3 milie im Auslande bis zum Belauf von 30 Millionen kontrahirt hat, als Sctaatsſchulden annerkennt. 30.— Die geſetzgebenden Kammern ſind bis zum 1. Mai 1815. vertagt. 18— 19. Jan. Ausgrabung der Reſte Ludwigs XVI. und der Ma⸗ rie Antoinette. 26. Febr. Der König von Neapel verlangt von Oeſterreich den Durchmarſch einer Armee gegen Frankreich. 1. März. Napvleon landet in der Bucht Juan, bei Cannes. 6.— Zuſammenberufung der geſetzgebenden Kammern. Napolcon wird durch eine königliche Ordonnanz als Verräͤther und Rebell erklärt. Tabelle der berühmteſten Epochen. 1818. 63 7. März. Ankunft Napoleons zu Grenoble. 10.— Ankunft des Fürſten zu Lyon. 11.— Zuſammenberufung der allgemeinen Departementsräthe.— Der Herzog von Feltre iſt zum Kriegsminiſter an die Stelle des Marſchalls Soult ernannt⸗ 13.— Erklärung der verbündeten Mächte auf dem Wiener Kongreß⸗ — Ein zu Lyon von Napoleon erlaſſenes Dekret löſet die Kammern auf, und beruft die Wahlkollegien zur Verſammlung auf dem Marsfelde. 16.— Königliche Sitzung der vereinten Kammern.— Der König und alle Prinzen ſchwören Treue der Charte. 17.— Der Prinz v. Oranien erklärt ſich zum König der Niederlande. 20.— Abreiſe des Königs.— Ankunft Napoleons in Paris.— Der General Carnot wird zum Miniſter des Innern ernannt. 23.— Ankunft Ludwigs XVIII. zu Lille. 25.— Die vier großen Mächte Europa's ſchließen zu Wien einen neuen Allianz⸗Vertrag gegen Frankreich. 27.— Der Staatsrath erklärt die Abdankung Napoleons für nichtig⸗ 28.— Die neapolitaniſche Armee rückt in die päbſtlichen Staaten ein. — Murat greift die Oeſterreicher an. Er erklärt ſich zum Herrn der Lande, welche er durchzieht. 1. April. Abreiſe des Herzogs von Bourbon aus der Vendee, nach vergeblichen Verſuchen, die Einwohner zum Aufſtand zu bewegen⸗ 2.— Die Herzogin von Angouleme verläßt Bordeaur. 5.— Der Kaiſer Franz vereinigt das Königreich der Lombart mit ſeinem Reiche. 46.— Einſchiffung des Herzogs von Angouleme zu Cette. 22.— Vorlegung der Zuſatz⸗Akte zur Reichsverfaſſung. 2. u. 3. Mai.— Schlacht bei Tolentino, gewonnen durch Murat gegen die Oeſterreicher. 12.— Dem Kongreß zu Wien abgeſtatteter Bericht über die Noth⸗ wendigkeit des Kriegs. 19.— Marſch der Ruſſen nach dem Rhein. 20.— Beitritt der Schweiz zum Bunde gegen Frankreich.— Vertrag von Capua, durch welchen der Koͤnig Murat alle feine Beſitzungen verliert. 26— 27.— Abreiſe der Kaiſer von Nußland und Oeſterreich und des Königs von Preußen zu ihren Armeen. 31.— Vertrag zu Wien, nach welchem die vier großen Mächte die Errichtung des Königreichs der Niederlande anerkennen. 1. Juni. Verſammlung des Maifeldes⸗ 2.— Ernennung von 118 Pairs⸗ 7.— Ervoöffnung der Kammern⸗ 8.— unterzeichnung der Bundesakte Deutſchlands⸗ 9.— Ende des Wiener Kongreſſes. 12.— Abreiſe Napoleons zur Armee. 13.— Einführung des wechſelſeitigen Unterrichts. 15.— Die Franzoſen rücken in Belgien ein. 16.— Schlacht bei Ligny, durch Napoleon gewonnen⸗ 18.— Unglückliche Schlacht bei Waterlov. 21.— Ankunft Napoleons zu Paris.— ie Kammern eonfzituiren ich permanent; ſie erklären, daß die Unabhängigkeit der Ration bedroht iſt. 54 Tabelle der derühmteſten Epochen. 1816. 22. Juni. Neue Abdankung Napoleons.— Ernennung einer pro⸗ viſoriſchen Vollztehungs⸗ Kommiſſton. 23. Einbruch der Oeſterreicher in Frankreich. 25— 26.— Niedermetzelungen in Marſeille. 26.— Ende des Vendee⸗Kriegs.. 28.— Ludwig XVIII. richtet aus Cambrai eine Proklamation an die Franzoſen. 29.— Abreiſe Napoleons von Paris. — 3. Juli⸗ Waffenſtillſtand, geſchloſſen zwiſchen dem Marſchall Da⸗ vouſt einer, und den engl. und preuß. Generaͤlen Wellington und Blücher anderer Seits. 6.— Einmarſch der fremden Truppen in Paris. 7.— Die Verrichtungen der proviſor. Kommiſſion hören auf. 7— 8.— Die Saͤle der Kammern werden Nachts geſchloſſen. 8.— Wiedereinzug Ludwigs XVIII. in Paris. 9.— Ernennung der Miniſter. 114.— Proklamation des Marſchalls Davouſt an die Loire⸗Armee. 3 15.— Einſchiffung Rapoleons auf dem engliſchen Schiff Bellero⸗ phon. 9 16.— Verordnung des Königs wegen einer neuen Organiſation der rmee. 17.— Die Loire⸗Armee erhält die weiße Fahne. 20.— Entlaſſung der Nationalgarden. 21.— England ſtellt ſeine Feindſeligkeiten an den Küſten Frank⸗ reichs ein. 1 24.— Ordonnanz, zufolge der 19 Generäle und Stabsoffiziere ver⸗ haftet und dem gerichtlichen Urtheil unterworfen, auch 38 Perſonen, bis ie tammer über ihr Schickſal entſchieden, unter Aufſicht geſetzt werden ſollen. 1. Aug. Entlaſſung der Loire⸗Armee. 2.— Der Marſchall Brune wird zu Avignon ermordet.— Vertrag zwiſchen den vier großen Maͤchten, nach welchem ſie Napoleon Bonaparte für ihren Gefangenen erklären und ſeine Bewachung England anvertrauen. 7.— Der General Ramel wird zu Toulouſe ermordet.— Ernen⸗ nung von 93 Pairs.. 19.— Ordonnanz des Königs, welche die Erbfolge der Pairs ein⸗ führt. 27.— Kapitulation des Generals Barbanogre in Hüningen. 1. Sept. Verordnung des Königs, wodurch die königliche Garde auf 25,000 Mann gebracht, und 1400 Mann Leibgarden ernannt werden.— Die Kaiſerin Marie Louiſe wird Herzogin von Parma und Piacenza. 18.— Kapitulation der Franzoſen in Longwy. 26.— Erneuerung des Miniſteriums. Vertrag des heiligen Bundes, geſchloſſen zwiſchen Nußland, Oeſterreich und Preußen zu Paris. 7. O kr. Eröffnung der Kammern; der König wohnt bei. 13.— Ankunft Napoleon Bonaparte's auf St. Helena.— Mürat, Ex⸗König von Reapel, wird zu Pizzo in Calabrien erſchoſſen. 29.— Susypenſion der perſönlichen Freiheit.— 3. Nov. Bildung Staates der joniſchen Inſeln unter Englands Schutz. tuts. Tabelle der berühmteſten Epochen. 1815. 1816. 1817. 56 6. Nov. Die Offtziere der ehemaligen Armee werden unter Aufſicht geſetzt. 9.— Geſetz gegen das aufrührariſche Geſchrei und die Aufforderun⸗ gen zur Empörung. 12.— Der General Lagarde wird zu Nimes ermordet⸗ 20.— Parifer Vertrag zwiſchen Frankreich und den vier vornehmſten Mächten.— Die Feſtungen Philippeville, Marienburg, Sarre⸗Louis, Lan⸗ dau ꝛc. werden Frankreich weggenommen; 150,000 Mann ſollen ſein Ge⸗ biet fünf Jahre lang beſetzen. 27.— Konſtitution, welche der Kaiſer Alexander Polen gibt. 7. Dec. Der zum Tod verurtheilte Marſchall Ney wird erſchoſſen. 12.— Errichtung der Prevotalhöfe.. 27.— Verordnung des Königs, die Ernennung der Offiziere der Na⸗ ionalgarde betreffend. 2. Januar. Die Jeſuiten werden aus Rußland vertrieben⸗ 12.— Amneſtie⸗Geſetz mit haͤufigen Modiſtkationen. 19.— Geſetz für die Errichtung eines Sühnungs⸗Denkmals wegen Ludwigs XVI. Tod⸗ 31.— Bildung eines Sece⸗Kollegiums zu Angouleme. 13. März. Traktat zwiſchen Frankreich und der Schweiz. Letztere foll Frankreich 12,000 Mann Truppen liefern. 20.— Tod der Königin von Portugal. 21.— Vier Akademieen treten an die Stelle der 4 Klaſſen des Inſti⸗ 23. Apvil⸗ Entlaſſung der Zöglinge der polytechniſchen Schule. 29.— Ende der Sitzungen der Kammern. 4. Mai. Unruhen zu Grenoble. 8.— Abſchaffung der Eheſcheidung. 8. Juni. Tod des Marſchalls Augereau. 2— 6. Juli. Schiffbruch der Meduſa. 9.— Mehrere Provinzen des ſüdlichen Amerika’s verkündigen ihre Unabhängigkeit.— Puyredon wird zum Ober⸗Direktor des Staates, ge⸗ nannt Silber⸗Republik, erwählt. 4. Seyt. Wiederherſtellung der polytechniſchen Schule. 5.— Ordonnanz des Königs, erklärend, daß keine Reviſton oder Konſtitutions⸗Charte ſtatt habe⸗ 25.— Andere Ordonnanz, welche zu Miſſionen in Frankreich er⸗ maͤchtigt. 30. Okt. Tod des Königs von Würtemberg.. 4. Nov. Eröffnung der Sitzung d. J. 1816. Der König ſagt in ſei⸗ ner Rede, daß die Charte keine Verletzung erleiden ſoll. 5.— Bildung der deutſchen Bundes⸗Verfaſſung. 5. Februar. Konſtitutionelles Geſetz in Betreff der Wahlen⸗ r 10.— Verminderung der Occupations⸗Armee in Frankreich auf 120,000 Mann.. 4 12.— Neues Gefetz über die perſönliche Freiheit.— Sieg bei Cha⸗ eobuco, durch den Independenten⸗General Saint⸗Martin über die Spa⸗ nier erfochten. 28.— Geſet über die Journale und gegen weggenommeneSchriften. 56 Tabelle der berühmteſten Epochen. 1817. 1818. 25. März. Feſtſetzung des Budgets auf 1817. 26.— Ende der Sitzung von 1816. 30.— Denkwürdige Rede des franz. Er⸗Marſchalls Bernadotte, Kronprinzen von Schweden, üher die ſich gegen ihn gebildete Verſchwörung. 4. April. Tod des Marſchalls Maſſena. 8. Juni. Unruhen zu Lyon, wobei der General Canuel beſchuldigt 10.— Vertrag, zu Paris zwiſchen Frankreich und den verbündeten Maächten geſchloſſen, wornach die Herzogthümer Parma und Piacenza an die Infantin von Spanien Marie Louiſe und ihren Sohn Karl Ludwig, nach dem Tode der Erzherzogin Marie Louiſe von Oeſterreich, zurückfallen. 1565. Juli. Der König trifft eine Uebereinkunft mit dem Pabſt, um das Konkordat, ſo zwiſchen Franz I. und Leo X. geſchloſſen worden, wieder in Kraft zu ſetzen. 25. Aug. Verordnung des Königs, welche die Majorate errichtet und ſte mit der Pairie verbindet. 3. 28.— Vertrag zwiſchen Frankreich und Portugal wegen der endli⸗ chen Zurückgabe der franzöſchen Guiana. 12. Sept. Ernennung des Marſchalls Gouvion St. Eyr zum Kriegsminiſter. 4 26.— Berufung der 1ſten Serie der Wahlkollegien⸗ 26. Oct. Tod des berühmten Polen Kosciusko. 2— 17. Nov. Gefechte der Engländer in Indien gegen den Peishwa. Dieſer Fürſt zieht ſich in die ſüdlichen Provinzen zurück. 5.— Rede des Königs bei Eröffnung der Sitzung von 1847. Se. Mai. verſpricht neuerdings, daß die Charte treu ſoll beobachtet werden. 6.— DTod der Prinzeſſin Charlotte, Tochter des Prinzen Regenten von England. 10.— Bolivar wird zum Oberhaupt der Regierung von Venezuela ernannt.. 22.— Die Verfügungen des Kokordats vom 16. Juli werden ver⸗ worfen. 14. Der. Sieg der Engländer in Indien gegen den Rajah von Behrar. 21.— Schlacht bei Madheipooe, von den Engländern gegen die Ma⸗ ratten gewonnen. 30.— Geſetz, welches die Journale verbindet, nicht ohne Autoriſa⸗ tion des Königs zu erſcheinen. 1. Januar. Chili verkündet ſeine Unabhängigkeit. 3 5. Febr. Tod Karls XIII. Bernadotte beſteigt den ſchwediſchen Thron. 4 11.— Abſetzung des Peishwa, und Abſchaffung dieſer Würde durch die Engländer. 1 15.— Ausbruch eines Vulkans in den Cordilleras. Er verſchlingt zwei⸗ oder dreihundert ſpaniſche Soldaten. 17.— Kriegsvorfall bei Sumbrero zwiſchen Bolivar und dem ſpa⸗ niſchen General Morillo. 3 18.— Urtheil über Mathurin Bruneau, genannt der falſche Dau⸗ phin. 21.— Ende des Kriegs in Indien. * — Tabelle der berühmteſten Epochen. 1818. 87 28. Febr. Geſetz, welches die Rekrutirungsweiſe der Armee be⸗ ſtimmt, und die Dauer des Dienſtes feſtſetzt. 6. März. Geſetz über die Rekrutirung der Armee.— 19.— Sieg der Spanier bei Talon über die von dem General Saint⸗ Martin kommandirten Independenten. 20.— Zweiter Brand im Saale des Odeon. 26.— Sieg Bolivar's über die Spanier bei Ortig. 29.— Tod des Petion's, Präſidenten der Republik Hayti. Er wird durch Boyer(Johann Peter) erſetzt. 9 der April. Sieg des Generals Saint⸗Martin über die Spanier bei aipo 25.— Eine Uebereinkunft wird zwiſchen dem Könige von Frankreich und den verbündeten Mächten wegen Tilgung der von der franz⸗ Regierung mit den Unterthanen bieſer Mächte kontrahirten Schulden geſchloſſen. 2. Mai⸗ Blutiges Gefecht zwiſchen den Independenten und den Spa⸗ niern in den Ebenen von Sebanos. 11.— Proklamation der Geſtüchteten des Felds Aſile bei ihrer An⸗ kunft am Teras. 13.— Tod des Prinzen von Condoͤ. 15. Mai. Feſtſetzung des Budget's. 16.— Ende der Sitzung von 1817. 22.— Eine ſpaniſche Unternehmung gegen Lima ſegelt von Cadix auf der ruſſiſchen Flotte ab.. 26.— Bekanntmachung der Konſtitution des Königreichs Baiern. 28.— Eroberung Penſacola's durch den amerikaniſchen General Jakſon. 2. Aug. Verordnung des Königs über das Avancement in der Armee⸗ 13.— unruhen zu Konſtantinopel. Brand von 20,000 Häuſern⸗ 26.— Ordonnanz des Königs wegen Aushebung von 80,000 Kon⸗ ſcribirten der Jahre 18146. und 1817. 30.— Königl. Ordonnanz, welche die Nationalgarde den Präfekten, Unter⸗Präfekten und Maires zur Verfügung ſtellt· 2. Sept. Unruhen zu Mancheſter in England⸗ 27.— Ankunft der verbündeten Monarchen zu Aachen.— Eröffnung des Kongreſſes. 9. Okt. Der Aachner Kongreß ſetzt die Epoche der Räumung Frank⸗ reichs von der Occupationsarmee auf den 30⸗ November. 20— 26.— Die Wahlkollegien ernennen die Deputirten der 2ten Serien. 28.— Ankunft des Kaiſers don Rußland und des Königs von Preu⸗ ßen zu Paris.. 16. Nov. Eine Erklärung der europäiſchen Mächte auf dem Aachner Kongreß bewegt Frankreich, ihrer Coalition beizutreten. 3 17.— Anfang der Räumung Frankreichs durch die Occupations⸗ armee⸗ 24.— Der Marſchall Gouvion St. Cyr läßt zu Paris einen Rormal⸗ Curs des wechſelſeitigen Unterrichts für alle Armee⸗Korps eröffnen · 10. Dez. Eröffnung der Sitzung von 1848. 24.— Dod des Marſchalls Perignon ⸗ 58 Tabelle der berühmteſten Epochen. 1818. 1819. 26. Dec. Zurückberufung mehrerer Verbannten. 97.— Tod der Königin von Spanien⸗ 29.— Veränderung im franz Miniſterium. 2. Jan. Verſchwörung des ſpaniſchen Obriſten Vidal zu Valencia⸗ Er wird vom General Elio getödtet. 4.— Dekret des Königs von Spanien gegen die im Dienſt der In⸗ ſurgenten befindlichen Fremden⸗ 8.— Dod der Königin von Würtemberg, Schweſter des Kaiſers von Rußland. 20.— Dod Karls IV., Vater Ferdinands VII. 21.— Erneuerung der Arbeiten der deutſchen Bundesverſammlung in Frankfurt. 2. Febr. Errichtung eines Majorats von 50,000 Franken Einkünf⸗ ten zu Gunſten des Herzogs von Richelieu. 2— 4.— Unruhen auf der mediciniſchen Schule zu Montpellier. 10.— Der Kaiſer von Oeſterreich reiſet von Wien nach Italien ab. 15.— Eröffnung des Kongreſſes in Venezuela.— Die Republik bil⸗ det ſich in einen unabhängigen Staat. 20.— Der Marquis Barthelemy ſchlägt der Kammer eine Aende⸗ rung im Geſetz der Wahlen vor. 22.— Vertrag zwiſchen Spanien und den vereinigten Staaten Ame⸗ rika's wegen Abtretung der Florida's. 23.— Fruchtloſe Unternehmung des Lords Cochrane auf Lima⸗ 5. März. Erwählung von 60 Pairs auf Befehl des Königs. 8— 9.— Unruhen zu Nimes. 10.— Ankunft des perſiſchen Geſandten zu Paris. 22.— Die Kammer der Deputirten verwirft den Vorſchlag des Hrn. Barthelemy gegen das Wahlgeſetz, welchen die Kammer der Pairs vorher angenommen. 23.— Ermordung Kotzebue's durch Sand, einen jungen fanatiſchen Deutſchen. 24.— Eine königliche Societät wird in Frankreich für die Verbeſſe⸗ rung der Gefängniſſe errichtet. 25.— Erwaͤhlung Benjamin Konſtant's und mehrerer Liberalen in die Kammer der Deputirten⸗ 7 9. April. Eroberung der indiſchen Stadt Aſſeerghur durch die Eng⸗ känder⸗ 10.— Eroberung Puerto Bello's durch Mae Gregor, Chef der Inde⸗ pendenten. 24.— Abtretung Parga's von den Engkändern an Ali, Paſcha von Janina, den tödtlichſten Feind der Parganioten.— Abtretung der joniſchen Inſeln an England. 28.— Befehl zur Aushebung von 40,000 Konſcribirten des Jahrs 1818. 30.— Wiedernahme Anelt Bello's durch den ſpaniſchen General Ahezander Hore. . Mai. Geſetz wegen Hemmung der Preßvergehungen.— Geſuch wegen Jurückberufung der Verbannten, wobei der Siegelbewahrer, Hr. de Serre, das ſchreckliche Wort: Niemals! ausſpricht 12. Juni. Ankunft des Generals Lelong, mit 4— 500 Fremden, —— — —— Tabelle der berühmteſten Epochen. 1819. 59 im Texas. Er verkündigt die Unabhängigkeit des Landes.— Sieg des In⸗ dependentengenerals Marino über die Spanier. 20. Juni. Eroberung der Stadt Glava durch den Kaiſer von Ma⸗ rokko. 26.— Landung des Schiffes San⸗Julian bei San⸗Fernando, wo⸗ durch die Peſt nach Spanien gebracht wird. 29. Jun.— 2. Jul. Unruhen auf der Rechtsſchule zu Paris. 1. Jul. Verſuchter Meuchelmord des jungen Löning an der Perſon des Naſſauiſchen Regierungs⸗Präſtdenten Ibell.— Sieg Bolivar's über die Spanier bei Tunja⸗ 8.— Der General O'Donnel läßt eine Abtheilung der Expeditions⸗ Truppen zu Cadir/ wegen Empörung des Heeres, entwaffnen. 9— 10. uUnruhen zu Konſtantinopel. 12.— Verſammlung von 50,000 Nadikalen zu Birmingham, in England 17.— Feſtſetzung des Budget's von 1819. 20.— Unterzeichnung des allgemeinen Beſchluſſes der zu Frankfurt errichteten Territorial⸗Commiſſion. 21.— Verſammlung von beinahe 80/000 Nadikalen zu Smithſteld/ in England⸗. 25.— Auswanderung von faſt mehr als 2000 Schweizern nach Bra⸗ ilien. 30.— Verſammlung der engliſchen Reformatoren zu Stockport. 2. Aug. Unruhen zu Würzburg, gegen die Juden erhoben. 7.— Eröffnung des Kongreſſes in Karlsbad.— Schlacht bei Bryaca, gewonnen durch den Anführer der Independenten, Bolivar, gegen die Spa⸗ nier. 10.— Eroberung von Santa⸗Fe durch Bolivar. 11.— Aufſtand gegen die Juden zu Frankfurt⸗ 16.— Blutiger Tag in Mancheſter. 28.— Vermählung des Königs von Spanien, Ferdinands VII., mit der Prinzeſſſn Joſephine, Nichte des Königs von Sachſen. 7. Sept. Aufſtand gegen die Juden in Koppenhagen⸗ 11.— Berufung der Wahlkollegien von der 3ten Serie⸗ 20.— uUnruhige Auftritte im Bezirk Starkenburg(Heſſen⸗Darm⸗ ſtadt).— Beſchluß der Bundesverſammlung in Frankfurt wegen Er⸗ richtung einer Central⸗Kommiſſion in Mainz. 25.— Konſtitution des Königreichs Würtemberg⸗ 6. Okt. Tod Karl Emanuels IV., vormaligen Königs von Sardi⸗ nien.— Die Jeſuiten wollen ſich ſeiner Verlaſſenſchaft bemeiſtern. 8.— Ankunft des Königs von Würtemberg zu Warſchau. Derſelbe erhält vom Kaiſer von Rußland den Beitritt zur Aufrechthaltung der Konſti⸗ tution, welche er ſeinen Staaten gegeben. 1 5 9.— Niederlage der Holländer in dem Strome von Palembang⸗ 16.— Beſtrafung der armeniſchen Familie Douz⸗Oglou. 22— 27.— Unruhen zu Breſt. Die Miſſionäre müſſen dieſe Stadt verlaſſen. 25.— Der König von Syanien bewilligt ſeinen Unterthanen allge⸗ meine Amneſtie: häufige Ausnahmen machen ſie faſt nichtig. 8 4 60 Tabelle der kerihintehen Epochen. 1819. 1820. 30. Nov. Vertrag zwiſchen den Engländern und dem König der Kaffern nach mehreren Niederlagen der letztern. 19. Nov.— Neue Aenderung im franz. Miniſterium. 20.— Entlaſſung der Landwehr von Heſſen⸗Darmſtadt. 29.— Eröffnung der Sitzung der Kammern. 7. Dec. Neue Organiſation des Königreichs Hannover. 17.— Vereinigung der Nepubliken Venezuela und Neu⸗Granada. 18.— Die franz. Regierung verbietet die Verſammlung der Freunde der Preßfreiheit⸗ 1. Jan. Inſurrektion in Spanien. 5.— Eroberung Calaboſa's durch⸗Bolivar.— Eroberung der In⸗ ſel Leon durch die ſpaniſchen Inſurgenten. 15.— Eröffnung der erſten Sitzung der repräſentativen Verſamm⸗ lung des Königreichs Würtemberg. 16.— Die Kammer der Deputirten geht, in Betreff der Bittſchrif⸗ ten von 19,000 Staatsbürgern, welche die Aufrechthaltung des Wahlgeſetzes verlangen, zur Tagesordnung über. 23.— Eroberung Aleppo's durch den Paſcha Chorſched⸗Achmed nach zwei blutigen Stürmen. 29.— Tod des Königs von England Georgs III. und Thronbeſteigung des Prinzen von Wallis, der den Namen Georg IV. annimmt. 31.— 4. Febr. Bekanntmachung der Konſtitution der Cortes zu Algeſtras und Veger durch den Obriſten Riego. 12. Febr. Eroberung der Feſtung Valdivia und mehrerer ſpan. Fahr⸗ zeuge durch Lord Cochrane. 13.— Ermordung des Herzogs von Berry.— Einmarſch Riego's in Granada. 14.— Verkündung der Konſtitution zu Oviedo. Clauſel von Couſſer⸗ gues ſchlägt der Deputirten⸗Kammer vor, einen Anklagakt gegen Decazes, Präſtdenten des Miniſterial⸗Raths, als Mitſchuldigen der Ermordung des Herzogs von Berry, zu richten. 19— 21.— Verkündung der ſpaniſchen Konſtitution zu Ferrol und Corunna. 20.— Sieg bei Caſa⸗Vermeia, durch Riego über den Gen. O'Donell erfochten.— Entlaſſung des Herrn Decazes. Er wird zum Herzog, Staats⸗ miniſter, Mitglied des geheimen Naths Sr⸗M., und zum Geſandten am Londoner Hofe, ernannt. 25,— Rückkehr des Generals Mina nach Spanien. Er verſammelt ſeine alten Schaaren in Ravarra.— Unruhen in Irland. Vorfall zwiſchen den Truppen und den Bandwebern.— Bildung einer Berathungs⸗Junta über die Geſetzgebung in Sardinien. 5. März. Proklamation der Konſtitution in Saragoſſa. 6.— Dekret des Königs von Spanien, durch welches er die Ver⸗ ſammlung der Cortes beruft. 7.— Der König von Spanien nimmt die Konſtitution der Cortes vom Jahr 1812. an. 9.— Abſchaffung der Inquiſttion in Spanien. 10.— Die Junta dieſes Landes führt die Preßfreiheit ein.— Nie⸗ dermetzelung einer Menge Einwohner von Cadix durch die dortige Garniſon⸗ — ————·————ͦ—᷑—᷑—ꝛ—ꝛ—ꝛ—ꝛ˖--— Tabelle der berühmteſten Epochen. 1820.. 61 11. März. Einzug Mina's in Pamplona; die Konſtitution wird da⸗ ſelbſt verkündet. 20.— Verkündigung der Konſtitution zu Cadix.— Vereinigung der Truppen von Buenos Ayres mit denen des Generals Artigas, und Flucht des Puyredon.— Traktat zwiſchen den Negierungen von Santa Fé, Bue⸗ nos Ayres und Rios.. 25.— Geſetz, welches die perſönliche Freiheit beſchränkt.— Ent⸗ ſchiedene Hinwegweiſung der Jeſuiten aus Rußland. 28.— Grenzbeſtimmung zwiſchen dem Königreich Frankreich und dem der Niederlande⸗ 30.— Die Kammer der Deputirten nimmt den Geſetz⸗Vorſchlag über die Cenſur der Journale und periodiſchen Blätter an. 8. April. Fortwährende Unruhen in Schottland. Vorfall zwiſchen den Nadikalen und den Truppen. 3 17.— Vermählung des Königs von Würtemberg⸗ 25.— Verhandlung bei der Deputirten⸗Kammer über das Geſuch des Herrn Madier von Montijau⸗ 9. Mai. Nachricht von der gänzlichen Niederlage der ſpaniſchen Ar⸗ mee unter Morales. Die Provinz Caracas erlangt wieder die unabhängigkeit⸗ 28.— Hinrichtung Sand's, der Kotzebue ermordete·— Kriegsan⸗ ſtalten zwiſchen der Pforte und dem Paſcha von Janina. 31.— 7. Juni. Unruhen in Paris wegen des Wahlgeſetzes; meh⸗ rere Perſonen werden verwundet, und der junge Rechts⸗Eleve Lallemant/ der unbewaffnet war, von einem Soldaten der königlichen Garde getödtet; 6000 junge Leute begleiten ſeinen Leichenzug. 5. Juni. Ankunft der Königin von England zu Dovres. 6.— Die Kammer der Pairs verurtheilt Louvel, den Mörder des Herzogs von Berry, zum Tode. 19.— 6 Artikel des Wiener Congreſſes werden auf dem Bundestag in Frankfurt als Fundamental⸗Artikel für Deutſchland erklärt. 19.— 31 Deputirte Darmſtadts proteſtiren gegen die Konſtitution. 28.— Die Kammer der Pairs nimmt das neue Wahlgeſetz an, wel⸗ ches die Zahl der Deputirten vermehrt ꝛc. 5. Juli. Unruhen zu Neapel; die Truppen vereinen ſich mit dem Volke, unter dem Nuf: Es lebe die Konſtitution! 3.— Verkündigung der Konſtitution in Neapel.— Anklag⸗Bill gegen die Königin von England. 9.— Eröffnung der Kammer der Cortes⸗ 21.— Annahme des Budiet's durch die Kammer der Pairs. 22.— Ende der Sitzung für 1819. * . qæq-qꝑ——————OAAAÖA—A Eklaͤrung der Benennungen und Ausdruͤcke, welche die intereſſanteſten, ſowohl allgemeinen, als beſondern, Züge der franzöſiſchen Revolution, die geſetzgebenden Verſammlungen, — Factionen/ Parteien ꝛc. naͤher bezeichnen. A larmiſten: die, im Laufe der Revolution, wahren oder falſchen Lärm verbreiteten. Anarchiſten: ſo wurden von den Girondiſten diejenigen Mitglieder der National⸗Convention genannt, welche Anhänger Marat's und der Schreckensregierung waren. Anhänger(Partisans) der Civil⸗Liſte: Namen, welchen die Republikaner denjenigen gaben, die ſte dem Hofe verkauft glaubten. Anti⸗Nevolutionäre: Feinde der Revolution. Ariſtokraten: Anhänger der alten Regierung⸗ Auslöſcher(Eteignoirs): Feinde des Lichts und ſeinerFortſchritte, d. h. der Philoſophie und Freiheit⸗ Babouviſten: Anhänger des Babeuf oder der Volksregierung Bauch, Bäuchige: S. Centrum. 2 Bemitleider(Apitoyeurs): mit dieſem Namen bezeichnete man, im Anfange der Revolution, diejenigen, welche das Schickſal der Emi⸗ granten, der widerſpenſtigen Prieſter ꝛc. beklagten. Berg, oder Kamm: die exaltirteſten Mitglieder der Nat. Konvention ſaßen auf den oberſten Stufenbänken des Saals, weswegen man ſie Bergmänner, und dieſen Theil des Saals Berg nannte.. Blaue: Benennung, von den Vendeern und Chouans den Soldaten der Republik gegeben. Bonapartiſten: Anhänger Bonaparte's. Briſſotiner. Der Convents⸗Deputirte Briſſot war Haupt dieſer Par⸗ tei, welche von der des Robespierre geſtürzt wurde. Buzotiner: Anhänger des Konv. Dep. Buzot. Caperianer: Anhänger des Königs. Dieſe, im Jahr 1792. eingeführte Bezeichnung kommt von dem Namen Hugo Capet's, des erſten Königs der dritten Linie, deren Abkömmlinge man Kapetinger nennt⸗ Erklärung der Benennungen zc. 63 Carmagnole: Eine Art Kleidung, in einer runden Aermel⸗Weſte und Schifferhoſen beſtehend, welche, nebſt der rothen Kappe, die vollſtän⸗ dige Tracht eines ächten Jakobiners im Jahr 1793. war. Carmagnolen: Name, welchen die Royaliſten den republikaniſchen Soldaten gaben. Die Benennung Carmangolen erhielten auch gewiſſe emphatiſche und lügenhafte Berichte, welche die Redner der Regie⸗ rungs⸗Ausſchüſſe von Zeit zu Zeit auf ihrer Bühne hören ließen, um den öffentlichen Geiſt zu unterhalten. Centrum. Mit dieſem Wort bezeichnet man die Vereinigung der miniſte⸗ riellen Deputirten, welche gewöhnlich den Mittelpunkt des Saals ein⸗ nehmen. Charte: die vom König am 2. Mai 1814, im 19. Jahr ſeiner Regierung, verliehene Konſtitution. Chouans: Männer, welche, unter dem Vorwande, dem Königthum zu dienen, auf den Landſtraßen die Poſtwägen anſielen, Staatsgelder raubten, und auch zuweilen die Reiſenden ausplünderten. Man muß ſie nicht mit den Vendeern verwechſeln. Clichi, oder Clichianer. Nach dem 9⸗Thermidor, im 2. republ. Jahr⸗ bildeten diejenigen Mitglieder der Nat. Konvention, welche das Kö⸗ nigthum wünſchten, einen Verein, anfänglich im Garten zu Clichi, hierauf bei dem Deputirten de la Haye. Die Revolution des 18. Fruc⸗ tidors 5 zerſtörte dieſe Partei⸗ 1 Compagnieen(geſus⸗ und Sonnen⸗): Verbindungen, nach dem Sturze Nobespierre's durch junge Leute gebildet, welche, unter dem Vorwand, die Schlachtopfer der Schreckens⸗Regierung zu rächen, zu Lyon, Marſeille, und faſt im ganzen ſüdlichen Frankreich, mordeten. Conſtitutionelle: Freunde der Konſtitution. Conſtitutionen: 1) Von 1791. dekretirt am 3. September 1791. und durch den Koͤ⸗ nig am 13. ſanktionirt. 2) Von 1793. dekretirt durch die Nat. Convention am 24. Jun. 1793. und am 10. Auguſt vom Volke angenommen. 3) Vom 3. Jahrz dekretirt am 17. Auguſt 1795. 4) Vom s. Jahr; angenommen am 7. Februar 1800. 5) Organiſches Senatuskonſult dieſer Conſtitution, ge⸗ geben am 4. Auguſt 1802. 6) Conſtitutionelle Charte, verliehen durch Ludwig XVIII. am 4. Juni 1814. 7) Zuſatz⸗Akte zu den Reichskonſtitutionen, gegeben am 22. April 1813. Conventionelle: Nitglieder der National⸗Convention. Cordeliers. Im Jahr 1793 bildete ſich in der Kirche der Cordeliers (Franziskaner) ein Klub, der ſich nach ihnen den Namen gab und mit dem in dem Kloſter der Jakobiner rivaliſirte. Dantoniſten: Anhänger Danton's Demagogen: Schimpfende Benennung, von den Feinden der Nevolu⸗ tion den Republikanern gegeben, welche ſie der Volksverführung be⸗ ſchuldigten. Demokraten; Anhänger der Demokratie oder Volksregierung. Erklärung der Benennungen zc. Doctrinäre: Publieiſten, welche auf die Konſtitution eine ihnen eigene Lehre gründeten⸗ Ihr Gegenſtand, oder ihre Anmaßung, iſt, die Waage zwiſchen der liberalen und royaliſtiſchen Partei zu halten, ſo daß ſie unabhängig vom Miniſterium bleiben. Dolchritter. Benennung, welche man den Edelleuten und St. Lud⸗ wigs⸗Rittern gab, die im Jahr 1792 mit Dolchen und Piſtolen im Schloſſe zu erſcheinen wagten, aber am 28. Februar deſſelben Jahres durch die Nationalgarden entwaffnet und zerſtreut wurden. Einſchläferer(Endormeurs): Ein Titel, welchen die Republikaner denjenigen verliehen, die durch ihre Reden den Gang der neuen Ord⸗ nung der Dinge zu hemmen ſuchten. Emigranten: Franzoͤſen, die aus Haß gegen die Revolution, oder aus Furcht davor, das Land freiwillig verließen. Fayettiſten: Anhänger des Generals La Fayette, als er Commandant der Pariſer National⸗Garde war.— Föderaliſten⸗ Girondiſten, Moderirte. Robespierre, oder die Bergpartei, gab dieſen Namen den Deputirten der Gironde und ihren Anhängern, die ſich dem Joch der Pariſer Gemeinde entziehen/ und eine Bundes⸗Republik von einigen Departementen errichten zu wollen ſchienen. Sie wurden durch die Nevolution vom 31. Mai 1793 geſtürzt. Föderirte: Arbeiter und junge Leute von allen Ständen und Profeſſio⸗ nen, welche freiwillig Soldaten wurden, als im Jahr 1816 das Va⸗ terland von den fremden Heeren bedroht war. Feuillans. Als die konſtituirende Verſammlung aufhörte, vereinigten ſich die gemäßigten Mitglieder derſelben in der ehemaligen Abtei der Feuillantiner. Dieſer Club ſtellte ſich dem der Jakobiner kräͤftig ent⸗ gegen. Freiheitsmörder: Feind der Freiheit(Liberticide). Freiwillige(National⸗): Namen, welchen diejenigen Franzoſen erhielten, die ſich in den erſten Jahren der Revolution, vor dem Auf⸗ ſtand in Maſſe, oder der am 23. Auguſt 1793. verkündeten erſten Re⸗ quiſition(von 18 bis 25 Jahren), freiwillig anwerben ließen. Freiwillige(K önigliche): Junge Leute,⸗ die ſich bewaffneten, um dem König bei ſeiner erſten Wiedereinſetzung entgegen zu gehen. Sie waren vor dem 20. März 184 in geringer Zahl, haben ſich aber ſeit der zweiten Wiederkunft vermehrt. Flructidoriſirt: Als das Direktorium die elychianiſche Partei geſtürzt hatte, wurden die meiſten Mitglieder derſelben am 19. Fructidor 5⸗ devportirt, und man bediente ſich des Wortes fructidoriſirt zur Be⸗ zeichnung der durch dieſe Revolution weggeſchafften Mitglieder. Gegen⸗Nevolution äre: Feinde der Revolution ſeit ihrem Urſprung⸗ gegenwärtig Anti⸗Revolutionäre genannt⸗ Girondiſten. S. Föderaliſten... Grünſpäne(Verdets). Man behauptet/ daß dies im mittäglichen Frankreich geheim organiſirte Compagnieen ſind, bereit, zur Zeit der Reaction auf den erſten Wink der noch unſichtbaren Anführer zu erſchei⸗ nen. S. Jeſus⸗ und Sonnen⸗Compagnieen. der Pariſer Gemeinde Hebertiſten: Anhänger des Hebert, Mitglied im Jahr 1793, welcher von der Bergpartei zum Tode verurtheilt 2 * Erklärung der Benennungen ꝛc. 62 wurde. Nobespierre, der ſie in Bewegung ſetzte, klagte ihn als Athei⸗ ſten an. 3 Honnette Leute: Stolze Benennung, welche ſich die Feinde der Re⸗ volution ſeit 1789 anmaßten. Die braven Leute erlauben ſie ihnen zum Spaß⸗ Hundert Dage: Zeit zwiſchen dem 20. März und 8. Juli 1815, oder zwiſchen der Abreiſe und Rückkehr des Königs. Ignorantiner: Namen der Brüderder chriſtlichen Schulen. Man gibt ihn ſowohl den untergeordneten Jeſuiten, als auch allen Anhängern der alten Soſteme des Primär⸗Unterrichts, den Gegnern des wechſel⸗ ſeitigen Unterrichts, und überhaupt allen Feinden der Aufklärung. S. Auslöſcher. Indeyendenten.. Liberale⸗ Jakobiner: Ultra⸗Nevolutionäre. Jakobiner(Geſellſchaft der). Sie gab ſich den Namen vom Kloſter der Jakobiner, wo ſie ſich verſammelte, und beſtand großentheils aus Demagogen. Der Tod Robespierre's, ihres Oberhauptes, bewirkte ihre Auflöſung. Sie bildete ſich von neuem im Jahr 1799, und hielt ihre Sitzungen im Saale der Reitſchule; aber ſie war weder ſo furcht⸗ bar, noch ſo berüchtigt, als das erſtemal.. Jakobiner(Weiße). S⸗ honnette Leute⸗ Kamm. S. Berg⸗ 3 Kammer der Deputirten: Vereinigung der Nat. Nepräſentanten⸗ Kammer(Unauffindbare): Spottname der Deputirten⸗Kammev, die im Jahr 1815. zuſammenberufen, und 1846, laut Ordonnanz vom 3⸗ September, aufgelöſet ward.— Kappen(Rothe). Man bezeichnete mit dieſem Wort die feurigen Nepubli⸗ kaner, welche in ihrer Begeiſterung eine Mütze von dieſer Farbe trugen⸗ Kröten des Sumpfs. S. Sumpf⸗ Lager von Jalés: Bewaffneter Verein von Adelichen, im Ländchen Vélai(Dep. Ober⸗Loire), welcher 1790 die Einwohner des mittägl⸗ Frankreichs gegen die konſtitutionelle Regierung aufregte. Liberale: Freunde der geſetzl. Freiheit, und Feinde aller Unterdrückung. Männer des 14. Juli, 10. Au guſt, 31. Mai: Diejenigen, wel⸗ che in dieſen Zeitpunkten die Waffen ergriffen. Männer(Monarchiſche): Noyaliſten, d. h. Anhänger der reinen Monarchie, ohne die konſtitutionelle Charte. Maratiſten: Anhänger Marat's⸗ Marſeiller: Bataillon von Marſeille, welches zu den Vorfällen am 10. Auguſt 1792 mitwirkte. 1 Miniſterielle Deputirte. S. Kammer der Deputirten. Moderirte. S. Föderaliſten. Monarchiſten: Anhänger der Monarchie unter der republik. Regierung. Muscadins: Benennung, von den Republikanern den jungen Leuten gegeben, welche etwas Geſuchtes in ihrer Kleidung affektirten, um nicht mit den Sansculotten verwechſelt zu werden. 3* Obſcuranten: Bezeichnender Name der Feinde des im Jahrhundert ver⸗ breiteten Lichts, der neuen Einrichtungen, nützlichen Erfindungen/ als: der Vacoination, des wechſelſeitigen Unterrichts ꝛc. Ohnehoſen(Sans-Culottes): Spottname, den Patrioten gegeben, die in der Folge einen Ruhm darein ſetzten, ihn zu führen⸗ 66 Erklärung der Benennungen ꝛc. Oligarchen: Mehr, als Ariſtokraten, und Gegenſatz der Demagogen. Orleaniſten: Anhänger des verlebten Herzogs von Orleans. Patrioten von 1789. Dieienigen, welche ſich für die Revolution, ſeit ihrer Entſtehung, erklärten. Philoſophen. S. Liberale⸗ 4 Prieſter(Beeidigte): welche der im Jahr 1791 dekretirten bürger⸗ lichen Verfaſſung des Klerus den Eid des Gehorſams leiſteten. Prieſter(Unbeeidigte und widerſpenſtige): welche dieſen Eid nicht leiſteten, oder ihn zurücknahmen. Näuber(Brigands) der Loire: Verhaßte Benennung, womit eine kleine Anzahl Franzoſen, Feinde ihres Vaterlands, die Trümmer der alten Armee, welche, vermöge des unter den Mauern von Paris am 3. Juli 1815 unterzeichneten Waffenſtillſtands, ſich hinter die Loire zurückzog, beſchimpfen wollte. Reaction: Triumph irgend einer Gegenpartei. Reitſchule(Manége). In dem Saale derſelben wurden die konſtitui⸗ rende, geſetzgebende, und konventionelle Verſammlung, und im Jahre 1799. die Geſellſchaft der Jakobiner, gehalten. Revolutionäre: übertriebene Anhänger der Revolution⸗ Nobespierriſten: Anhänger Robespierre's. Schankel(Bascule): Politiſches Manöver, dem Einfluß einer Par⸗ kei durch die Gewalt und verſtellte Gunſt, welche man der entgegenge⸗ ſetzten verleiht, die Waage zu halten⸗ 4 Schrecken(Terreur) von 1793: Richtige Benennung für die Regie⸗ rungsepoche Robespierre's und ſeiner Mitſchuldigen. Schrecken(Perreur) von 1815 und 16: ein Gegenſatz des von 1798. Die Libexralen waren allein das Opfer derſelben. Schreckensmänner(TDerroriſten): Anhänger der durch Robespierre, Marat, und andere Conventsdeputirte von der Bergpartei⸗ organi⸗ ſirten Schreckensregierung⸗ Schweif(Queue) des Nobespierre: Benennung der Anhäͤnger deſſelben, welche die Nevolution des 9. Thermidor 2. überlebten. 3 Seite(Nechte und linke): In allen geſetzgebenden Verſammlun⸗ gen, von der konſtituirenden an bis jetzo, haben unter den Deputirten die Freunde der Privilegien auf der rechten, und die Vertheidiger der bürgerlichen Freiheiten auf der linken Seite, Platz genommen. Septembriſirer: Mörder, Urheber und Lenker der Niedermetzelungen, die am 2. u. 3. Sept. 1792 in den Pariſer Gefängniſſen verübt wurden⸗ Staatsmänner(Hommes d'état). Dies waren die Doktrinäre der Nat. Convention. Briſſot und die Girondiſten wurden ſo von den Berg⸗ männern genannt. Sumpf(Marais), Ebene,(Pleine), und Bauch(Ventre): Theile des Saals der geſetzgebenden Verſammlung und Nat⸗Conven⸗ tion. In der Ebene, oder dem Bauche, vereinigten ſich die Repräſen⸗ tanten, welche zwiſchen beiden Parteien ſchwankten, oder die, als Gegner der Bergmänner, von den Ereigniſſen des 31. Mai 1793 wi⸗ der ſolche rangen, und Kröten des Sumpfs genannt wurden. Tage(merkwürdige): 14. Juli 1789. Erſte Inſurrektion des Pariſer Volks: Eroberung der Baſtille. §. u. 6. Okt. 1789. Das Pariſer Volk zieht nach Verſailles, greift das Schloff an, und dringt in die Gemächer des Königs und der Königin. 1 b Erklärung der Benennangen zc. 67 21. Juni 1791. Der Koͤnig verlaͤßt heimlich die Hauptſtadt. 20. Juni 1792. Das Volk eilt nach dem Schloſſe der Tuilerien, und überreicht dem König die rothe Kappe, welche er aufſetzt. 10. Auguſt. Angriff auf das Schloß der Tuilerien. Abſetzung und Verhaftung Ludwigs XVI. 8 2. und 3. September. Niedermetzelung in den Pariſer Gefängniſſen. 21. Januar 1793. Hinrichtung Ludwigs XVI., 31. Mai. Triumph Robesvierre's und der Bergpartei über die der Gi⸗ rondiſten oder Gemäßigten. 16. Oktober. Hinrichtung der Königin Marie Antoinette. 9. Thermidor, 2.(27. Juli 1794.) Sturz und Tod des Robespierre⸗ 12. Germinal, 3.(1. April 1795.) Verſuch des Pariſer Pöbels gegen die Nat. Convention. 1. 2. und 3. Praireal(22. und 23. Mai). Neuer Vertrag deſſelben, und Ermordung des Deputirten Feraud. 18. Vendemiaire, 4.(5. Oktober 1795.). Angriff der Sektionen auf die Nat. Convention: die Inſurgenten verlieren Leute, und ziehen ſich zurück. 18. Fructidor, 5.(4. September 1797.). Auflöſung des geſetzgeben⸗ 7 den Corps, und Triumph des Direktoriums. 30. Praireal, 7.(18. Juni 1799.). Die Räthe der Alten und 500 ſtürzen die Direktoren Merlin/ La Reveillére⸗Lepaut und Rewbel. 18. Brumaire, 8.(November 1799.). Revolution zu Gunſten des Generals Bonaparte, und durch ihn ſelbſt bewerkſtelligt. 3. Nivoſe, 9.(24. December 1800.). Anſchlag auf das Leben des er⸗ ſten Konſuls durch den Ausbruch einer Höllenmaſchine⸗ 2. Auguſt 1802. Bonaparte wird zum erſten Konſul auf Lebenszeit ausgerufen. 18. Mai 1804. Napoleon erhält das Kaiſerthum. 2. Dec. 1804. Krönung und Weihe des Kaiſers Napoleon und der Kai⸗ ſerin Joſephine. 2. April 1810. Vermählung des Kaiſers Napoleon mit der Erzherzo⸗ gin Marie Louiſe von Oeſterreich. 4. April 184A. Napoleon entſagt durch ſeine Unterſchrift zu Fontai⸗ nebleau dem Kaiſerthum. 3. Mai.— Feierlicher Einzug Ludwigs XVIII. in Paris. 20. März. 1815. Abreiſe des Königs. Rückkehr Napoleons⸗ 1. Juni— Feierliche Verſammlung des Maifeldes. 22. Juni.— Zweite Abdankung Napoleon’'s. . Juli.— Zweite Rückkehr Ludwigs XVIII. Theophilanthropen: Mitglieder einer deiſtiſchen Sekte, welche der Direktor La Neveillére⸗Lepaur in den J. 1797. 98. u. 99. ſtiftete. Jeder unter ihnen konnte das theophilanthropiſche Prieſterthum ausüben⸗ Thermidorianer: Urheber der Revolution des 9. Thermidors, 2, durch welche Robespierre und die Bergpartei geſtürzt wurden. ultras: Name, von den Liberalen auf diejenigen angewandt, welche ſich Freunde des Königthums, mehr Royaliſten, als der König, nennen, und nichts anders, als die Jakobiner und Nevolutionäre der Legitimi⸗ tät, ſind. Die damit Bezeichneten haben ihn auch angenommen. unbewegliche(lmmobiles): Männer, die nicht ihre Meinung än⸗ derten, und die man den Wetterfahnen entgegenſtellt. Dieſe Benen⸗ Erklärung der Benennungen de. nung wurde auch denjenigen gegeben, die ſeit der Revolution nichts ge⸗ lernt und nichts vergeſſen haben. Unverſöhnliche(Implacables): Namen, welchen man den Mördern des Südens, und im allgemeinen den Reaktoren von 1845. und 16. z83u geben pflegt. 8 3 Vendeer: Bewohner des Departements der Vendee und anderer umlie⸗ genden, die in den Jahren 1793. 94. und 93. im Namen des Throns und des Altars gegen die republikaniſche Regierung aufſtanden. Wenn ſie ſich wie Verzweifelte ſchlugen, ſo mordeten ſie nicht auf den Land⸗ ſtraßen, wie die Chonans. 3 Vendemiaitriſten: Anhänger der Pariſer Sektionen, welche am 13. Vendemiaire 4. die Nat. Konvention angriffen. Verächtlichmacher(Avilisseurs). So nannte man in der erſten Zeit der Revolution diejenigen, welche Verachtung gegen die republi⸗ kaniſche Negierung, die konſtituirten Autoritäten, die franzöſiſchen Armeen, ihre Generäle, die Aſſignaten ꝛc. affektirten⸗ 1 Verborgen(Occulte): Benennung einer geſetzwidrigen Regierung, deren Grundſatz unbekannt iſt, und die geheime Triebfedern hat, deren Neſultate jedoch man allzu deutlich errathen kann. Verdächtige: So hießen bei den Republikanern diejenigen, welche ſie in Verdacht hatten, die demokratiſche Regierung nicht zu lieben. Verſammlungen(National⸗ oder geſetzgebende): Verſammlungen der Notabeln zu Verſailles, wovon die erſte den 27. Febr. 1787., und die zweite den 16. Nov. 1788. inſtallirt wurde. 34 General⸗Stände zu Verſallles, den 5. Mai 1789. Konſtituirende Verſammlung, den 9. November 1789. zu Paris, wie alle folgenden.— Geſetzgebende Verſammlung, den 1. Oktober 1794. National⸗Convention, den 21. September 1792. Räthe der Alten und 500, den 28. Oktober 1795. Erhaltungs⸗Senat, den 25. December 1799. Geſetzgebendes Korps, den 1. Januar 1800. Tribunat, am nämlichen Tage. Kammer der Pairs, ernannt vom König, den 4. Juni 1814. Kammer der Deputirten am nämlichen Tage. Kammer der Pairs, ernannt von Napoleon, am 7. Juni 1816. Kammer der Repräſentanten, am nämlichen Tage⸗ 4 Kammer der Pairs, ernannt vom König, den 7. Oktober 1815. Kammer der Deputirten am nämlichen Tage.. (Seit dieſer Zeit erneuerte ſich die Deputirtenkammer regelmäßig 7 um ein Fünftel am Ende jedes Jahrs, die Sitzung von 18415. aus⸗ genommen, welche, zufolge der königl. Ordonnanz vom 5. Sept. 1846. aufgelöſet und durch eine gänzlich neue Kammer erſetzt wurde.) Voltigeurs Ludwigs XIV.: Scherzhafte Benennung jener braven Freunde der Legitimität, welche, nachdem ſie beinahe 30 Jahre lang ihre Liebe für den König verheimlicht, und ihre martialiſche Hitze ge⸗ mäßigt hatten, mit einem Male in den Jahren 1815. und 16. erſchie⸗ nen, um kühn den Lohn dafür zu begehren. Votirer(Votans)! Nitglieder der Nat. Convention, die im Prozeſſe Ludwigs XVI. den Tod votirten. Würger(Egorgeurs): Mörder zu allen Epochen und von allen Farben. —— —j “ ———