———— Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Otkmann in Gießen, 5 „2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 4 3. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und t. i 4 4 Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. SLeih- und eſebedingungen. ¹. Oikensein der Bibliothek. Die Bibliot thek ſteht zur Em⸗ vſinanehme und Rückgabe der Bücher jeden beſchmutzte, zerriſſene, verloͤrene und 8 be für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 wonat: Ni Pf 1 Fr 55 I 2 M. Ff 3 vürtig, manten haben für Hin⸗ und Zurückſendung ꝗ 1. en Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der — Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ ¹ Shei aiger größeren Werkes, ſo iſt inzen verpflichtet. 8 iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird gemacht, daß das Weiterverleihen arf, indem Diejenigen, welche die⸗ dafür zu ſtehen haben. x 6 X Rinfried a Spada, „Vater des Hasper a Spada, der edelſte und tapferſte Ritter 8 * Da iſt nun alles ganz verfallen, Der Epheu ſchlingt ſich um den Stein, Und in den offnen Fenſterhallen Spielt Waldesgruͤn mit Sonnenſchein. Da nehm' ich an zum guten Zeichen, Zum Troſt in dieſer Gegenwart, Daß auf den Truͤmmern, auf den Leichen Sich Himmel noch und Erde paart. v. Schenkendorf. ———= 5— Jagd oder in einer Fehde; in der Burg! Vorbericht. Mit Vergnügen las ich ſtets von den Tha⸗ ten und Abenteuern der kernhafteſten Ritter der Vorzeit. Eines Tages erhielt ich von einem Freunde eine Chronik, worinnen ein Mönch den edeln und tapfern Ritter Rin⸗— frieda Spada geſchildert hatte. Ich erſtaunte über die Kühnheit und den Edelmuth deſſelt ⸗ ben ſo ſehr, daß ich beſchloß, ſeine Geſchichte romantiſch zu bearbeiten. Den Grundſätzen ſeiner Ahnen getreu war er ſtets auf der men hielt er ſich nur dann auf, wenn ſeine Freunde Hugo v. Wülfingen, Walter v. Vahner, Dedo v. Steinau und Hans v. Gleichen, alle wild wie er, hn heimſuchten. Rinfried hätte die deutſe Kaiſerkrone verdient und würde ihr Chre gemacht haben. Da wo Sch ſauſten, Lanzen ſplitterten und Kolben ten befand er ſich am liebſten, do Kampf vorüber, ſo blickte durch jede ſeiner Handlungen die wilde Gutmüthigkeit hervor. Seinem Geſchlechte war der Wein das, was dem Fiſche das Waſſer iſt. Schon als Knabe von zwei Jahren griff er nach dem Humpen, und ließ nicht eher nach, bis er rein ausgeleert war; reichte man ihm aus Scherz Waſſer oder Gerſtenſaft, ſo gab er es mißmuthig wieder zurück. In den Jah⸗ ren des Jünglings machten ihn Mönche und Neider viel zu ſchaffen und nur einem Hel⸗ den⸗Genie, wie Rinfrieds, konnte es gelingen, die vielen Gefahren glücklich zu überſtehen. Als er die Liebe kennen lernte, ſo glaubten ſeine Freunde, er werde nun ſeinen wilden uUngeſtüm und Trotz ablegen, aber ſie irrten ſich, denn eben ſeine Liebe gab Veranlaſſung zu einer Reihe von Fehden.— Horch! bel⸗ len dort nicht ſeine Rüden? und iſt es nicht der Ton ſeines Hornes? J Ja gewiß, er iſt es mit ſeinen Kumpanen! Beſchedhen, am 1. Jenner 1829. C. F. Frühlich Schon ſtand die Sonne im Begriff zur Ruͤſte zu gehen, als Rinfried a Spada mit ſichtbarem Wohlgefallen einen Eber betrachtete, den er ſo eben erlegt hatte.„Schier wird's Zeit,“ ſprach er nach einer Pauſe, ſich umblik⸗ kend,„daß auch der Gaumen wieder angefriſcht wird, denn von Aufgang der Sonne bis zur Ruͤſte zu jagen, macht traun kein Hofſchranz nach.“ Er blies hierauf in ſein Horn, deſſen gellende Toͤne ſchauerlich im Walde wicheam— ertoͤnten. Den Helm abnehmend und f ch Schweis und Staub vom ſchoͤnen maͤnnlichen Geſichte wiſchend, legte ſich Rinfried unter eine tauſend⸗ jährige Eiche. Gleich darauf erſchiener Ritter Dedo von Steinau und Wa von Vahner in Begleitung von Knappen und Ruͤden. Ninfried a a. S. W die Beute gut, Kumpane? Dedo v. St. Wir koͤnnen heut⸗ traun zufrieden ſein. Walter v. V. Eben erwiſcht' ich noch einen Keuler von ſolcher Groͤße, wie ich noch nie geſehen habe. Er ſchien aus dem Forſte Iſenbarts zu kommen, denn bei uns laſſen wir die Keuler nicht ſo groß werden.— Dedo v. St. Wir durchſtoͤren zu jeder Jahreszeit den Wald nach allen Richtungen, woͤhrend der Iſenbart nur ſelten das edle Weid⸗ werk treibt. Viel lieber ſitzt er bei den Dir⸗ nen und— koft. 1k. Rinfried a S. Pi uͤber den Weichling! Oedo v. St. Dein Bartel packt' ge⸗ wiß den Keuker au? 8 W et v. B. Kaum wittert' er ihn, — 8 ihm und packt ihn in's Genick, uihrand in dem Unthier die Lanze in den Nachen ſtieß. Rinfri ied a. S. Werden ſich die Har. daß ihnen der Braten vorm t ward!— Wo bleibt aber ninger baß aͤrgern, Maule weggeſchnapp der Wülfingen? Dedo v. St. Der jagt in den Forſten Iſenbarts und Dornecks, weil dieſe, nach ſei⸗ ner Meinung, des edeln Wildprets unwerth find. 4 4 Rinfried a. S. Gerad ſo denk' ich auch! 4 Dedo v. St. Nur um er ſich micht erwiſchen laſſen—. Rinfried a. S. Der nimmt's ſchon mit ein Dutzend Knechten auf. Walter v. V. Der Wein b un heut munden— Dedo v. St. Ich meins uus Kumpan. NRinfried a. S. So kommt uns hier die Nacht nicht uͤberraſeht un wi noch einige Humpen leeren koͤnnen. V . wird ſchon nachkommen.(Zu den Knappen) Sorgt dafuͤr, daß das erlegte Wild auf meine Burg koͤmmt und habt ein wachſames Auge auf die Schnapphaͤhne in der Naͤhe! „Ihr ſeid der groͤßte Schnapphahn,“ mur⸗ mmelte ein Knappe,„nur hat's bei Euch mehr das Anſehn von Gerechtigkeit als bei andern.“ „Was murmelt der Fant?“ fragte Rin⸗ fried zornig. „Geſtrenger Ritter, weiter gar nichts, als 3 daß es heut verdammt durſtig in meiner Gur⸗ gel iſt,“ lautete die Antwort. „ So feuchte hier die Gurgel mit Waſſer an,“ meinte der Ritter,„auf Ilmen ſollſt Du eein Humpen Nierenſteiner haben.“ Indem brachten Knechte und Buben die gemachte Beute. Einſtimmig betheuerten die Niitter noch nie einen ſo großen Keuler geſehen zu habkn, als den welchen Vahner erlegt hatte. uten ſich im Voraus auf den guten infried ſeinen beſten Nieren⸗ chend, ritten ſi weiter und ſahen zu ihre! n nicht geringen Erſtaunen auf einem etwas freien Platze einen rieſenmaͤßigen Ritter imter einem Baume liegen. Etwas ſeitwaͤrts graſte 3 ſein Roß.„Der ſoll beichten,“ meinte Nin⸗ fried, und ſprengte mit eingelegter Lanze auf ihn ein.„Wer ſeid Ihr?u ſchrie er. Ohne ein Wort zu erwiedern hob der Fremdling ſeine Lanze in die Hoͤhe und ſchwang ſich auf ſein Roß. Klirrend ließ er den Helmſturz nieder und legte die Lanze ein.„Habt Ihr keine andere Antwort?“ fragte Rinfried den kecken Ritter betrachtend.„Nein!“ rief er kurz. „Beide ſprengen gegen einander. Die Lan⸗ zen ſplittern, aber keiner wankt.„Hoͤll' und Teufel, welch ein Kaͤmpe,“ meinte Rinfried.— Der fremde Ritter zog den Helmſtutz jeßt in die Hoͤhe und fragte: eHabt Ihr an einer Lanze genug?“ L 4 „Vollkommen,“ entgegnete dieſer.„Wolt Ihr uns nicht begleiten?“ 1— „Wohin?“ fragte jener. „Nach Burg Ilmen!“ „Ich bin in den Bann gethan worden,“ meinte der Fremde achſelzuckend. „Was geht es uns an, wenn Euch die Pfaffen in Bann gethan haben,“ polterte Rin⸗ fried,„auf meiner Burg ſeid Ihr ſo ſicher, als waͤr't Ihr zwiſchen Himmel und Erd', Bei'm Humpen woll'n wir weiter ſprechen.“ 5„Ich folg' Euch,“ rief der Fremde,„denn traun bei Euch muß wahre Freiheit herrſchen.“ Bei dieſen Worten reichte er Rinfrieden die maͤnnliche Rechte und raſch jagten ſie nach der Burg zu. 4 getraue ich mir die ganze Welt zu erohern. Burg Ilmen. (Gelag⸗Gaden) (Rinfried a. Spada, Walter v. Vah⸗ mer und Dedo v. Steinau ſitzen an einer langen Tafel, welche mit Humpen beſetzt iſt. Kurz darauf erſcheint der fremde Ritter mit Namen Haus v. Gleiche n. Spaͤter vermehrt Hugo v. Wuͤlfingen durch ſeine Gegenwart die Geſellſchaft.) Walter v. V. Ein freiſamer Kaͤmp' iſt der Fremde.. Rinfried a S. Saht ihr ihn wan⸗ ken, als wir die Lanz brachen? Alle. Nein! Saß ſchier wie angenagelt⸗ 4 Rinfried a S. Und ein Stoß hat er, wie’n Auerochs. Krachen mir ſchier noch alle Rippen im Leibe. Der Farbe ſeines Wehrgehaͤng's nach, iſt's ein Thuͤringer. Dedo v. St. So einen Schlaͤger in Bann zu thun, iſt die groͤßte Suͤnd'. Dieſer jagt ſchier hundert Italiener Kaiſer Friedrichs in die Flucht. Mit tauſend ſolchen Streitern 8 Rinfried a S. Sachte, ſachte, Fant. Die thuͤringiſchen Ritter laſſen ſich nicht mit tauſend ſolchen Streitern uͤberwinden. Dedo v. St.(einfallend). Und wenn's waͤr, ſo wuͤrde man ihnen den Freiheitsſinn nimmer beugen koͤnnen. Hier, auf den Burgen nur herrſcht wahre Freiheit,(jubelnd) Hier iſt jeder Ritter— Herr! NRinfried a S. Bei uns nur herrſcht Freiheit.(jauchzend) Hier beneid' ich den Kai⸗ . ſer um ſeinen Thron nicht. Trinkt, Kumpane! Alle. Es lebe die Freiheit auf unſern Burgen! Tod und Verderben uͤber den, der ſie uns nehmen will! Rinfried a S. Der Kaiſer Srterih wird gewiß unſere Gerechtſame nicht zu ſchmaͤ⸗ lern ſuchen, denn das milde Italien iſt ihm lieber als das rauhe Deutſchland mit ſeinen kernhaften Streitern.— Wo aber auch nur Fremdling hin bleibt? tedo v. St. Ein ſonderbarer Kauz, er ſein Roß den Buben nicht anvertraut. Da kommt er. Schier wackels d von ſeinen feſten Fußtritten. Walter v. V. Ein Menſch n wie'n Biet He! Kumpan, trinkt! 8 Fremder Ritter lleert auf einen In einen Humpen.) Will s ſchon noch Knunarn was ich verſaͤumt habe. Rinfried a S.(leiſe). Ei, ſo ſaß Iſt mir's doch noch nie vorgekommen, doß ein Menſch auf einen Zug einen Ilmenburger Humpen geleert haͤtt'. Kann doch mit meinen 8 Gefaͤhrten auch trinken, aber ſo! nein!—'s iſt zu arg. 9 3. Walter v. V.(rufend.) Heda! holla! Friſche Humpen her! Fremder Ritter(leert den ſeinigen wieder auf einen Zug). Der Wein iſt gut! Und hat ſo etwas ſtolzes, ſo etwas majeſtaͤti⸗ ſches beim Gange zur Gurgel hinab.(Er er⸗ greift den noch vollen Humpen Dedo' 6.) Mit Gunſt Kaͤmpe, Scheinſt mir nicht b durf 8 10 als ich es bin(er leert auch dieſen Humpen rein aus.) Rinfried a S. Ihr ſauft ſchier wie'n Meerſtrudel. gern ſeht, ſo geh ich(ſteht auf.) Rinfried a S. Bleibt! Seht, ich ſpreche gern ſo, wie mir der Schnabel gewach⸗ ſen iſt und da duͤrft Ihr nicht gleich unwirſch werden. Fremder Ritter. Ganz ſo bin ich auch, laßt nur noch einige Humpen bringen. ddet euch! Humpen her!(zum Ritter) War aber auch heut durſtig Wetter. Fremder Ritter. Ich— ich bin immer durſtig. MNinfried aS. Und wenn Ihr noch ein Dutzend wollt, die Pfaffen haben mehr. Schmeckt auch nicht nach der Kaputz, wenn er bei mir⸗ im Keller liegt. Fremder Ritter(mit den Zaͤhnen knir⸗ Fremder Ritter. Wenn Ihr's nicht Rinfried a S.(rufend) Buben, ſpu⸗ ſchend) Mit mir haben die Glatzenkoͤpf' ſchier geſpielt, wie mit Puppen(mit flammendem Blick) Ich verſtand aber das Spiel unrecht und—(trinkt) Ja, wenn ich nur bald Gele⸗ genheit haͤtt' den Kaputzenhengſten meinen Arm empfinden zu laſſen. Rinfried a S. Die wird Euch bei uns nicht fehlen.. Fremder Ritter. Wird es Euch aber auch nicht gereuen einen mit dem Bannfluche belegten Menſchen aufgenommen zu haben? Ihr wißt doch, daß derjenige eine gleiche Strafe erleiden ſoll, der einen Verfluchten beherberget und beſchirmt? Rinfried a S. Wir wiſſen's.(zu Vahner und Dedo) Seid Ihr ganz meiner Mei⸗ nung, ſo folgt meinem Beiſpiele(er entbloͤßt ſein Schwerdt und legt es auf die Tafel.) Dedo v. St. Erſt muͤſſen wir aben 1 des Ritters Nam' und Erzaͤhlung horen. Ninfried a S.(murriſch) Er hat ſein Wappen, alſo iſt der Nam⸗ unnuͤt 2 edt Ninfried a Spada. 2 die Verpfaͤndung der Guͤter. Nur außerſt ſelten 12 Erzaͤhlung iſt uͤberfluͤſſig, denn die Ehrlichkeit iſt ihm in's Geſicht gepraͤgt. Fremder Ritterttrinkt.) Hadert nicht und hoͤrt: Ich bin der Graf und Ritter Hans v. Gleichen.— Rinfried a S. Wie? was? Ihr waͤ⸗ ret der ungluͤckliche Hans, den die Pfaffen aus Rache und Bosheit in den Bann gethan haben? Hans v. G. Ich bin's. Unterbrecht mich aber nicht wieder, denn wenn ich erſt aus der Erzaͤhlung gekommen bin, ſo weiß ich mich nicht wieder hineinzufinden. Hm! wo war ich denn ſtehen geblieben? ja weiß ſchon. Mein Vater, den Gott eine froͤhliche Urſtaͤtt verleihen moge, zog mit einer Menge Gewappneter nach Palaͤſtina. Da ihm aber die Ausruͤſtung nicht weenig Geld koſtete, ſo verpfaͤndete er ſeine Muͤhl⸗ burg, Teiche, Waldungen und Laͤndereien an das Auguſtinerkloſter bei Gotha. Ich ſelbſt wurde bei meines Vaters Bruder erzogen nnd bekuͤmmerte mich wenig oder gar nicht um lichen Empfange des Kaiſers bereitet war,(gluͤ⸗ 13 titt ich nach der Muͤhlburg, weil dort nur Moͤnche und Kloſterknechte anzutreffen waren, Noch war ich nicht Ritter, und erwartete mit Ungeduld eine Gelegenheit, um mir die Ritter⸗ ſpornen zu verdienen. Die Kunde, daß Kai⸗ ſer Friedrich ſein Hoflager in Frankenhauſen aufſchlagen werde, verbreitete ſich in der Naͤhe und ich beſchloß dorthin zu eilen. Mit der Hoffnung einer ſchoͤnen Zukunft erreichte ich Frankenhauſen, wo auch bereits alles zum feſt⸗ hend) die herrliche Zeit werde ich nie vergeſſen! — Der Kaiſer kam. Am erſten Tage war fuͤr die Ritter aus der Nachbarſchaft ein glän⸗ zendes Turnier angeordnet, welches mitten auf 4 dem Markte gehalten wurde(leert einen vollen Humpen). Ja, ſeht, und den dritten Tag war ein Stechen mit ſtumpfen Lanzen fuͤr uns Nitterzbuben Ahieiue en da gewahr. 14 Walter v. V. Alſo auch Ihr liebtet ein Mal? Rinfried a S. Muß doch ein ſonder⸗ bares Ding um die Liebe ſein; ich kenn' ſie nicht, und werde ſie auch nie kennen lernen! Hans v. G. Die maͤchtige Zauberin — Liebe— wird doch gewiß bei Euch keine — Ausnahme machen ſollen!? Ja, wo blieb ich begann. Ich bebte etwas; doch ein Blick aus Amalgundens ſchoͤnem Augenpaar und doppelt mein Hengſt ſchritt ſtolzer einher und kraftvoll legte ich die Lanze ein und wie niedergedonnert Schickſal hatten noch zehn andere Ritterbuben. Die uͤbrigen aber wollten nicht mit mir kaͤm⸗ 35 pfen. Ich erndtete allgemeines Lob ein und aam naͤchſten Tage ſchlug mich der Kaiſer nebſt vielen andern zum Ritter. Jetzt komme ich zauf die gluͤcklichſte Periode meines Lebens. Am 4 denn ſtehn? aha, bei der Liebe.— Das Stechen ſtark ſchienen meine Muskeln zu ſein, ſelbſt lag mein Gegner im Sande. Ein gleiches — uns noch lieber als eine Jagd. ſchimpfen, was kuͤmmert's mich. — leben, d daß Ihr anders ſprecht.— Der Tanz 15 geladen wurde.—— Rinfried a S.(einfallend.) in. i., eine Jagd lieber als ein Bankett, nicht wahr, Kumpan?„ Dedo v. St. Aber ein Turnier iſt Walter v. V. Und da ein Bankett mit zum Turnier gehoͤrt, ſo nimmt man's mit. Rinfried a S. Wenn ich Kaiſer wer⸗ 8 den follt', ſo ſchaff ich die Bankette ab und ordne ein Turnier bei Fackeln an; moͤgen dann auch die liebekranken Dirnen ſeufzen und Hans v. G. Ich werd's auch noch er⸗ begann. Auch in mir regte ſich die Luſt mit⸗ zutanzen, aber ich konnte es nicht. Das Herz ſchlug mir hoͤrbar, der Schweiß lief mir vom. Geſicht, als haͤtte ich in der groͤßten Hise und in voller Ruͤſtung gekämpft, abe f ich Muth und bat Amalgunden n tanzen.(voller Feuer) So ein Blick, Ritter Rinfried, wie mir Amalgunde zuwarf, iſt nicht mit der ſchoͤnten Burg Deutſchlands zu be⸗ zahlen— NRinfried a S. Wenn mich e eine Dirn/ anblickt, ſo ſehe ich ſeitwärts; ich werde nie ein Verehrer des ſchwachen Geſchlechts. Hans v. G.(gluͤhend.) O Rinfried wenn's ein Weib gilt, ſo ſauſen unſere Scchwerdter ſchneller, denn ein neues, ſchoͤneres, beſſeres Leben iſt in uns aufgegangen.— Ninfried a S. aſtig.) Ich verlange gar kein beſſeres ſchoͤneres Leben. Jagd, Fehde und Wein ſind meine drei Elemente, ohne die ich nicht leben kann, wie der Fiſch ohne Waſſer. Hans v. G. Bei Amalgundens Blick blieb ich in der Erzaͤhlung ſtehen: Wir tanz⸗ ten, und es ging ſo ziemlich. Ich waͤhnte der gluͤcklichſte Menſch auf der Erde zu ſein und ſuchte nur ungern nach Mitternacht mein La⸗ ger. Der Kaiſer verließ die Stadt, ich aber 6 düßeh noch und bekannte nach wenigen Tagen “ 5 ſeinen Tod in Palaͤſtina gefunden hatte, ſo ritt ich nach dem Auguſtiner⸗Kloſter und ſagte 3 Ritter,“ ſchrie der Prior,„nichts— gar nichts Bisis und vekannten im Eifer, d 17 Amalgunden meine Liebe, und ich cher! hoͤrte das Woͤrtchen„Gegenlieb verließ nun die Stadt, verfprach bald ieder zu kommen und die holde Jungfrau dann als Hausfrau heimz ufuͤhren nach meiner Muͤhlburg. — Da mein Vater nach Ausſage von Pilgern 8 zu den Moͤnchen, daß ich binnen einem Jahre meine Guͤter wieder einloͤſen, da meine zukuͤnf⸗ tige Ehegeſponnin eine bedeutende Mitgabe er⸗ halten wuͤtde(hitzig) Da⸗ Mättet Ihr das Lachen der Gla köpfe hoͤren ſollen!„Junger erhaltet Ihr von den Guͤtern Eures frommen Vaters, denn die Handfeſte beſagt ausdrüͤcklich daß ſaͤmmtliches Haab und Gut dem Kloſter gehoͤrt, wenn Euer Vates nicht wiedert rt.1 Ich ließ mir die Handfeſte zeigen und entdeckte ſogleich, daß ſie falſch wat. Ohne Hehl a ich meine Meinung heraus, die Pfa ten den Moͤnchen ihre Betruͤgereien vor und zwei; da war aber meine Geduld gewichen und Sache brav, Kumpan! 8 8 allein ſo viel in Betrag waͤren, als die Wal dungen!„Nun, ſo gebt mir die Burg wenig⸗ ſtens!“ rief ich erzuͤrnt.„Nicht einen Stein,“ entgegneten ſie lachend. Die Unterſchrift der Handfeſte war, wie leicht zu ſehen, nachgemacht und unter Drohungen verließ ich das Kloſter. ein Erzieher wunderte ſich uͤber die Moͤnche und zeigte mir eine Handſchrift der rechtmaͤßi⸗ gen Handfeſte, worinnen den Moͤnchen die Guͤter nur pfandweiſe eingeſetzt waren. Zu ſammen ritten wir nun nach dem Kloſter, hiel⸗ fingen an zu drohen, wenn ſie die rechtmaͤßige— Handfeſte nicht herausgeben wuͤrden. Der Prior, von Wein erhitzt, nahm mir plöͤtzlich die Handfeſte aus der Hand und riß ſie ent⸗ 1 ſchlug den Elenden ſo an den Kopf, daß zur Erde ſtuͤrzte. Minfried a S. Da machtet Ihr Eure Hans v. G. Die Moͤnche hob aber Erzieher tadelte zwar etwas meine Hitze, doch 2 Schaar meiner Getreueſten ruͤckte ich vor das Kloſter und drohte ſolches mit Mann und 19 nun ein Mordjo und Zetergeſchrei⸗ daß Krachte und Buben zuſammen liefen. Mit genauee Noth erreichten wir die Pforte, ſchw vangen uns auf die Roſſe und jagten davon. Mein edler gab er mir alle ſeine Manen, und nach weni⸗ 3 gen Tagen war ich im Beſitze meiner Muͤhl⸗ burg. Geiſtliche Waffen wurden nun ange⸗ wendet. Ich wurde in den Bann gethan; meine Knappen und Reiſigen machten Miene mich zu verlaſſen und ich ſah mich genoͤthigt, einen Gewaltſtreich auszufuͤhren. Mit einer Maus zu verbrennen, wenn ich nicht ſogleich vom Banne losgeſpzochen wuͤrde. Da ließ mir der Prior ſagen, nur unter folgenden Bedin⸗ 4 gungen koͤnnte ich vom Banne losgeſprochen werden: Eiſtäns ſollte ich die e Handſeße des hochwürdigen Prior knieend um Verzeihung bitten— Ninfried a S. Teufel und Haͤll, das verlangte der Glatzenkopf!? Dedo v. St. O Pfaffen! Pfaffen! Hans v. G. Hoöͤrt nur weiter. Noch. bin ich mit den Bedingungen nicht zu End. Viehſche Geduld haͤtt ich ſchier gebraucht, um alles zu ertragen. Drittens verlangten die Unholde, daß ich ſechs Jahre nach Palaͤſtina gehen und dort fuͤr das Grab des Erlöͤſers ſtreiten, und viertens, wenn ich nach Ablauf dieſer Zeit wiederkehrte, ſo muͤßte ich mein Leben unverehelicht beſchließen(er leert raſch hinter einander zwei Humpen.) Ich will die Gall' hinunterſchlemmen. Rinfried a S. Sind wir gegen dieſe 4 verkappten Boͤſewichte nicht wahre Engel? 1 Walter v. V. Mir iſt's wie Schlacht, Bruder Gleichen, erzaͤhle nur weiter.. Hans v. G. Ich nahm alle meine Gehuld zuſammen, ſchickte einen Serold ins „— — meine Burg. Binnen einer Woche kam 21 Kloſter und ließ um gelind're Bedingungen bitten, aber verhoͤhnt kam der Herold wiedet zuruͤkk. Mein Grimm erwachte nun in ſeiner ganzen Macht. Ich ga Befehl zum Sturm— Rinfried und Dedo leinfallend), Ha! dabei haͤtten wir auch ſein moͤgen! 3 Hans v. G. Die Mauer wurd' erſtie⸗ gen und das Suͤndenneſt rein ausgebrannt. Zu Gefangenen machten wiv nur einige Klo⸗ ſterknechte, nach beren Ausſage, der Prior, die Moͤnche und Kloſterknechte durch einen unter⸗ irdſchen Gang entflohen waͤren. Meine Rache konnte ich alſo nur zur Haͤlfte ſtillan. Mit 5 Beute beladen zog ich wieder in der Muͤhlburg ein und hatte nun Muße uͤber die Folgen meiner That nachzudenken. Nach wenigen Tagen zeigten ſich bereits die Folgen.. Die 8 Haͤlfte meiner Knechte verließ mich, und fa. fenſoͤldlinge umſchwaͤrmten von allen 8 Wpei, daß wohl S0 Man meine B 22 befand ich mich mit den Nuͤden allein in der Burg, meine Leute hatten mich alle, als einen Geaͤchteten, verlaſſen. Jetzt war guter Rath theuer und doch mußte ein ſchneller Ent⸗ ſchluß gefaßt werden. Ich ſtieg auf den Wachtthurm und blickte in der Gegend nach Rettung umher, doch vergebens. Die zwei andern Burgen meiner Verwandten waren auch durch Soͤldner beobachtet. Ohne mich weiter zu beſinnen, ſchwang ich mich auf mein ſchnell⸗ ſtes Roß, oͤffnete die Pforte an der Burgmauer und jagte durch das Lager der noch ſchlafenden Feinde.„war ſetzten ſie mir nach, doch war mein Vorſprung zu groß, und ſo entkam ich gluͤcklich. Was aber nun beginnen? wo mich hinwenden? überall wurde ich gewiß ungern geſehen, doch Amalgunden mußte ich noch ein MNal ſehen, noch ein Mal ſollte mir ihr Mund laͤcheln, dann wollte ich ihr mein Ungluͤck ſagen und ſie nie wieder ſehen. Nicht ohne eine gewiſſe Angſtlichkeit erreichte ich Frankenhauſen. Auf der Burg grinſ'ten mich verdrießliche Ge⸗ ſichter an, und nichts Gutes ahnend, betrat ich zu antworten. Jach ließ ich mein treues Roß Eichen erwachte in mir und gluͤcklich jam ich 23 die Wendelſtiege. Hier kam mir der Burghetr entgegen. Starr blickte ſein Auge und blaß 6 waren ſeine Wangen.„Ritter,“ rief er mee zu,„es iſt hier ein großes Ungluͤck geſchehen; mein Stolz, meine Freude, mein Alles, meine Amalgunde iſt dort im Walde geraubt worden, als ſie luſtwandelte. Jetzt war mein Ungluͤck svollkommen. Der Schmerz preßte mir die Bruſt zuſammen, daß ich füͤrbaß unfaͤhig war vorfuͤhren und jagte wieder fort. Noch hielt ich mich in der Gegend drei Tage auf, um vielleicht die freudige Kunde noch zu hoͤren, daß Amalgunde gerettet ſei, doch vergebens, Verzweiflungsvoll faßte ich nun den Entſchluß in Palaͤſtina mit dem Schwerdte meinen Tod zu ſuchen. Drei Jahre kaͤmpfte ich dort unbe⸗ kannt, ſtuͤrzte mich in die dichteſten Reihen ber Feinde, wo der Tod die reichſte Beute hielk, doch bei mir ging er ſtets kalt voruͤber. Die 5 Sehnſucht nach dem Lande mit ſeinaſß ſtarken auch hier wieder an. Meine Amalgund 24 und bleibt verſchwwunden, auch keine Spur iſt Kloſter prangt wieder ſchoͤner als fruͤher und der teufliſche Prior lebt noch. Im Walde, fangen ſei und fand Euch, traute Geſponns. 8 Rinfried a S.(aufſpringend.) Kum⸗ pane, theilt Ihr jetzt meine Meinung? — Dedo v. St. und Walter v. V. Jal (ſie entbloͤßen ihre Schwerdter und treten vor 1 Hans v. Gleichen.) und berührt damit den Helm des Hans.) Ich, Rinfeied a Spada, makelloſer und turnierfaͤhi⸗ in Gegenwart dieſer Ritter vom Bannfluche der Kirche, gelobe Dir Schutz zu jeder Zeit und kuͤndige demjenigen Fehde an, der etwas gegen meinen Nichterſpruch einzuwenden hat. Amen!(Die drei Ritter umarmen Hanſen.) Dedo v. St. Wir und unſere Knechte von ihr entdeckt worden. Das Auguſtiner⸗ wo Ihr mich antraft, uͤberlegte ich was anzu⸗ Rinfried a S.(ergreift ſein Schwerdt ger Ritter, entbinde Dich, Graf und Ritter Hans von Gleichen, kraft meiner Wuͤrde, hier „ —,— ——— ſten Gerichts erwarten. 25 G 3 d4 verlachen den Bannfluch. Man nennt uns zwar Stegreifritter, aber traun, Bruder Hans, es wird hier manche That ausgeuͤbt, wie dies der Fall in den Palaͤſten der Großen nicht iſt. Hier iſt die Freiſtadt der verfolgten Tugend und ruhig koͤnnen wir einſt den Tag des juͤng⸗ Walter v. V. Ja, das koͤnnen wir! Rinfried a S.(feierlich.) Der Prior des Auguſtiner⸗ Kloſters ſoll gezuͤchtigt perden dies gelobe ich hier! 1 6— Hans v. G. Der Dankworte tann 4 nicht viel ſagen, edle Ritter, aber fuͤhlt wie hier pocht(auf ſein Herz deutend) das ſpricht. meine Gefüͤhle aus. Rinfried a S.(ſttreng.) Erwähnt kein Wort des Dankes(mit großen Schritten um⸗ hergehend, halb laut.) Der Prior ſoll ſchen hienieden ſeine Strafe erhalten, doch ſoll die Sache in moͤglichſter Stille abgethan werden. Ich und meine Gefährten ſind hinreichen ſo ein kleines Wagſtuͤck auszuführen. daß die 26 Moͤnche ſchier glauben ſollen, der Teufel ſei unter ſie gerathen und habe den Herrn Prior als gute Beute mit fortgefuͤhrt.(laut) Wo aber auch nur der Waͤlfingen bleiben mag,'s coeht doch ſchon auf Mitternacht? 5 Walter v. V. Der wird ſich nichts thun laſſen.. Dedo v. St. Wiellicht iſt er mit dem Iſenbart zuſammengerathen. Hans v. G. ſſtuͤrtt den Helm auf den 6 Kopf) Gebt mir ein paar Knechte, die des Wegs kundig ſind, ich will ihn ſuchen. Walter v. V. Wenn wir'n ſuchen, ſo * heißt's: alle oder keiner von uns. (Getümmel außerhalb der Vurg; man hoͤrt den Lugner ins Horn ſtoßen, worauf eine Stimme antwortet und die Zug⸗ brücke fäͤllt). Rinfried a S.(cufend.) Biſt Du's, Hugo v. Wuͤlfingen?! Hugo v. W. Ich bin's, beſorgt nur etwas Naſſes und nebend pflaſter wien Fauſt groß. di auch ein Wund⸗ 27 Rinfried a S. Tlelts, a hat's was geſetzt. Dedo v. St. Wird niht in dem Iſenbart zuſammen gerathen ſein und da pflegt's nicht ohne Beulen abzugehen. Wird ſich der freiſame Kaͤmp' baß freuen uͤber'n Gleichen. (Man hoͤrt raſche Fußtritte, die Thuͤr fliegt auf und Hugo von Wuͤlfingen in bluti⸗ ger und ſtaubiger Ruſtung tritt ein. „ Auf dem Hofe bellen die Ruͤden und Knechte fluchen dazwiſchen.) Die Ritter. Willkommen, Wuͤlfingen! 4 1 Wülfingen. Danke ſchoͤnſtens(erinkt) Faſt haͤtten mich die Gauner dies Mal erwiſcht (nimmt den Helm ab, greift ſchnell nach einem Pflaſter und legt es in's Genick.) War traun ein harter 6 56 uß! ¹ Aber wer iſt denn dieſer fremde groß Ritter, der ſchier noch aus der Vorwelt herzuſtammen ſcheint? Hans v. G. Ich halt' zwar nur wenig auf Namen, doch muͤßt Ihr den meinigen wiſſen; ich bin Ritter Hans v. Gleichen. Rinfried aS. 3 Hugo v. W. Hagel und Blitz! Ihr Gleichen, der im Bann iſt? Rinfried a S.(mit Nachdruck.) Ich hab' ihn vom Banne der Pfaffen losgeſprochen und ihm Schutz verheißen. Hugo v. W.(halb laut.) Ein tuͤcht'ger Kaͤmp', paßt ſchier zu uns; wo der aber hin⸗ ſchlaͤgt mag ſich Gott erbarmen. Ein wahrer Huͤhne.(laut) So laßt uns gute Kamerad⸗ ſchaft halten! Hans v. G. So lange noh eine Sehne in mir ſtraff iſt. 8 Walter v. V. Nun, welche Ganner hatten Dich auf dem Korne, Bruder Wuͤlfin⸗ gen? Da ſpühle aber erſt den Staub zur Gurgel hinab(reicht ihm einen Humpen.) Hugo v. W. Unſer Herrgott hatte ſchier das Laͤmpchen des Tages ausgeblaſen, ehe ich daran dachte, und ſo kam es denn, daß mich die Dunkelheit in der Mitte des Iſenbartſchen Waldes uͤberfiel. Bei der Verfolgung eines Hirſches war ich in der Hitze von meinem 29 Knappen getrennt worden und ſo mußte ich nun auf gut Gluͤck einen Ausweg ſuchen. Als Signal ſtieß ich anemein Horn, aber die Toͤne verhallten unbeantwortet. Immer dunkler wurd' es und noch war kein Ausgang gefun⸗ den. Mein Roß am Zuͤgel fuͤhrend hatte ich eben kurzes Geſtripp' erreicht, da glaubt' ich Menſchenſtimmen zu hoͤren, wollt' mich eben umſchauen, aber indem erhielt ich einen Schlag uͤber'n Helm, daß mir's Hoͤren und Umſchauen verging. Zu gleicher Zeit ziſchten Pfeile und Bolzen durch die Luft, die aber theils ſchlecht trafen, theils an der Ruͤſtung abprallten. Hier galt's! Ich ſchwang mich auf's Roß, ſtieß in's Horn und ſchrie:„Hallunken, kommt aus eurem Verſteck vor!“ Auf gut Gluͤck ſprengt⸗ ich nun weiter und erreichte unangefochten die Blutſchlucht. Hier gab's aber einen harten Strauß. Der Schluck v. Iſenbart lauerte hier mit ein halb Dutzend Knechten auf mich. „Habe ich Dich endlich, verhaßter Wuͤlfinger¹ ſchrie er mir zu, und ſchlug gewaltig auf mich 3* 8 30 ein. Der Kampf war zu ungleich, ſieben Streiter gegen einen.— Rinfried a S.(einfallend.) Der elende Iſenbart ſicht nur ſtets mit übermacht. War ſonſt ſo gut, aber(hiitzig) die Pfaffen haben ihn verdorben. 3 Hugo v. W.(fortfahrend.) Mein Schwerdt war auch locker und ich ſchlug in der Dunkelheit um mich, wien gereizter Eber, den die Ruͤden in der Mitt' haben. Eben hatte ein Knecht mir eine Wunde am Genick beigebracht; da traf ein gluͤcklicher Hieb von mir Iſenbarts Helm ſo feſt, daß er betaͤubt vom Roſſe ſank. Seine Knechte erhoben ein Mordjogeſchrei, und ich ſagte zu ihnen:„Ge⸗ braucht alles geſund,“ und ritt weiter. Rinfried a S. Nun wolln's dem Freiharte naͤchſtens wett machen, damit er ſich ſo leicht nicht wieder vergißt. Walter v. V. Auch der Dornecker wird jetzt verwegen— Rinfried a S. So wolen wirs ihm 1 31 auch gedenken.— Nun greift zu den friſchen Humpen, damit man gut ſchlaͤft. Alle(jubelnd.) Ja trinken und dann ſchlafeern—— Es war am fruͤhen Morgen des folgenden Tages, als Rinfried mit Hans v. Gleichen Arm in Arm am gothiſchen Fenſter ſtand. „So weit Dein Auge reicht,“ begann Rinfried, „ſo weit gehoͤren die Laͤndereien mir und mei⸗ nen Freunden. Dorthin liegen die Burgen 8 Horningen und Dorneck, deren Beſitzer fruͤher meine beſten Kumpane genannt werden konn⸗ ten, denn unſere Freundſchaft wurde ſchier in den Juͤnglings⸗Jahren geſtiftet. Den Iſen⸗ „bart verdarben die Pfaffen, ſo daß ich gezwun⸗ 8 gen war, mich von ihm loszureißen und den 32 Herzen. Schon die Eva verleitete den guten ſchwachen Adam zur Suͤnde und nicht mit Unrecht behaupt' ich, daß alles Ungluͤck in der Welt durch Weiber un und— Pfaffen herräührt. 4 „Keine Regel ſſt ohne Ausnahme,“ meinte Hans und ſtarrte mit zufriedenem Antlitz in die Natur. Ninfried fuhr fort:„Den Manſo v. Dorneck liebt ich mehr als mein Leben und er mich eben ſo. Was der Eine wollt', machte dem Andern Vergnuͤgen. Keine Fehde gab's in der Naͤhe, wo wir nicht dabei geweſen waͤren. Wir ſchutzten einander im blutigſten Kampfe ohne auf die eigene Sicherheit zu denken; kurz wir waren ein Herz und eine Seele, oder mit Ka⸗ ſtor und Pollux zu vergleichen, wie uns der Burgpfaffe zu nennen pflegte. Bei einem Tur⸗ niere errang ich den erſten Preis und erhielt ihn aus den Haͤnden des Fraͤuleins von Biel⸗ ſtein. Dieſe Buhldirne gab mir unzweideutige Beweiſe ihrer Gunſt, ich lachte aber, ſchlug ein Schnippchen und ritt ohne meinen Freund heimm: waͤrts. Dorneck hatte ſich von den Netzen der Buhldirne umſtricken laſſen und— nach zwei 4 — 1 — 33 Monden war ſie ſein Weib. Da ihr mein Anblick verhaßt ſein mußte, ſo machte ſie den Eheherrn ſo eiferſuͤchtig auf mich, daß er es lieber ſah, wenn ich ging, als wenn ich kam. Nun hat er ſich mit dem Iſenbart eng verbun⸗ den und— iſt mein Feind.“ „Glaubt aber auch nur die Weiber ſtiften ſo manches Gute,“ entgegnete Hans,„denn ohne ſie wuͤrden wir weit roher ſein und ein⸗ ander ohne Urſache ermorden. Nur Blut wuͤrde unſer Element ſein und das feine menſchliche Ge⸗ fuͤhl wuͤrde gar nicht in uns wohnen. Du ſchuͤt⸗ telſt unglaͤubig den Kopf? Siehe! Du wollteſt eine ungerechte Fehde beginnen und ein Freund ſagte zu Dir: laß ab von dieſer Fehde, ſie iſt ungerecht, ſo wuͤrdeſt Du gewiß im Zorn ihn erwuͤrgen koͤnnen, tritt aber ein holdes weibli⸗ 16d ches Weſen zu Dir und ſpricht: Rinfried, ed⸗ ler Mann, laß ab von der Fehde, vergieße wei⸗ ter kein Blut; auch ſelbſt wenn De beleidigt biſt, ſo bedenke, daß Vergeben mehr Ruhm er⸗ wirbt, als eigene Rache. Was wishef Du 34 antworten? Verſchaͤmt wuͤrdeſt Du den Boden mit den Augen ſuchen und— dem weiblichen Weſen folgen.“ „Wenn ich eine Fehde beſchloſſen haͤtte,“ ſo gut wie ſie, was Recht oder Unrecht iſt!“ Mit gemaͤßigter Stimme fuhr er fort:„Es mag ſein, daß Du nicht ganz Unrecht haſt, aber laß uns uͤber dieſen Punkt nie wieder ſprechen, denn ich mag uͤber die Weibsbilder nun einmal kein Lob hoͤren.“ Indem ſprengte ein Reiſiger auf dem Wege von Horningen her nach Ilmen zu. „Der ſcheint Eile zu haben,“ meinte Rinfeied, und erkannte bald an der Farbe des Reiters einen Horninger. „Jetzt, jetzt reitet er zum Burgpfad her⸗ auf, am Ende giebts Fehde,“ meinte Hans. „Die wuͤrde mir willkommen ſein,“ laͤchelte Rinfried. Der Burgwart blies ins Horn. Rinfried poolterte Rinfried,„ſo ſollte mich auf Ritter⸗ ehre kein Weib davon abhalten, denn ich weiß —44— —— 35 befahl ſogleich die Zugbruͤcke nieder zu laſſen und uͤber ſie weg ſprengte der Reiſige.„Was bringſt Du fuͤr Kunde?“ fragten ihn einige Knappen.„Mein Auftrag iſt an den Herrn der Burg gerichtet und nicht an euch,“ erwie⸗ derte er keck.„Biſt verdammt kurz,“ meinten ſie,„wart, wollen Dir naͤchſtens die Heftnaͤgle feſtklopſen. Ohne hierauf weiter zu achten, ſchritt er ſtolz nach Rinfried's Gemach.„Was bringſt Du mir?“ fragte der Ritter haſtig den Eintretenden. Dieſer kam theils durch die ra⸗ ſche Frage, theils durch den Anblick des riefen⸗ maͤßigen Hans außer Faſſung. Sprachlos ſtarrte er dieſen an. Erſt als Rinfried ſeine Frage wiederholte, entgegnete er ſtotternd: „Mein Herr, der edle Ritter von Ifenbart, laͤßt Euch hierdurch in Kenntniß ſetzen, daß Eure Kumpane und Lehnstraͤger in ſeinen Forſten jagten. Ein Keuler, von ungewoͤhn⸗ licher Groͤße, ſei geſtern von ihm angeſchoſſen worden, der ſich nach ſicherer Kunde in Eurer Gewalt befinden ſoll.— Mein Herr laͤßt Euch „ alſo bitten den Keuler wieder an ihn zuszulie fern.— „Sage Deinem Herrn,“ entgegnete Rinfried. „daß der große Keuler wirklich bei mir ſei, wenn er ihn daher wieder haben wolle, ſo ſollte er kommen und ihn holen. Da Ritter Schluck v. Iſenbart hierzu jedoch ſchwerlich Luſt hat, ſo laſſe ich ihn naͤchſten Sonntag Abends ein⸗ laden, bei mir ein Stuͤck des Keulers zu eſſen. Was meine Kumpane betrifft, ſo ſteht es die⸗ ſen frei, wo ſie jagen wollen, wogegen ich Dei⸗ nem Herrn die Jagd in meinen Waͤldern auch erlaube. Ob jedoch meine Kumpane den edeln und tapfern Ritter Iſenbart ungeſchoren laſſen, wenn ſie ihn in meinen Waldungen treffen, weiß ich nicht. Das viele Wild iſt die groͤßte Plage des Landmanns, weshalb ich dieſer auch nach Kraͤften abhelfen werde. Dies zur Ant⸗ wort, und damit baſta!“ 1 Indem trat Hugo von Wuͤlfingen ein. „Ei, wie ich ſehe biſt Du ein Horninger?“ fragte er den Reiſigen am Wehrgehaͤnge zupfend. „‚Der bin ich,“ entgegnete der Befragte. „ So ſage Deinem Herrn,“ ſchrie Hugo, „daß wenn er mir vor die Lanze kaͤme, ſo muͤßte er an den Stoß oder ich poſaunt's in Deutſchland aus, daß er ein Feigling, ein Elen⸗ 3 der iſt.“. „Ich werd's ausrichten,“ antwortete der verlegene Reiſige.. „Iſt denn Iſenbart ganz munter von der geſtrigen Jagd zuruͤckgekehrt?“ fragte er ploͤtz⸗ lich weiter. „Mit verbundenem Kopfe kam er wuͤthend zuruͤck und ließ— ließ“— „Nur heraus mit der Sprache,“ fiel Rin⸗ — fried ein. V„Er ließ ſeine Begleiter in den Thurm werfen, aber die Urſache weiß ich nicht,“ ſagte zagend der Reiſige. V„Gewiß weil ſie mich nicht feſtnehmen konnten,“ lachte Hugo und ſetzte ſich in ge⸗ maͤchlicher Ruhe an den Tiſch. V Der Reiſige verbeugte ſich und ging „Sollte Deine Antwoort wohl keine Fehde her⸗ beifuͤhren?“ fragte Hans.„Der fuͤrchtet mich und meinen Anhang zu ſehr,“ entgegnete kopf⸗ ſchuͤttelnd Rinfried laͤchelnd. Am Nachmittage ſaß Rinfried mit ſei⸗ nen Freunden vor der Burg im Schatten eini⸗ ger uralten Eichen. Das Burgthor ſtand offen und Bettler zogen aus und ein. Hans konnte nicht laͤnger ſchweigen:„Rinfried,“ be⸗ gann er,„meine Verwunderung erreicht jetzt den hoͤchſten Grad. Du, der verrufendſte Ritter im deutſchen Reiche, laͤſſeſt Brot und Almoſen unter die Armen austheilen.“ „Was ich den Reichen und Geizgen ab⸗ nehme, erhalten die Armen,“ antwortete jener, „und eben deshalb bin ich auch ſo verrufen, weil ich nicht handle wie ſie!“ Ein duͤrftig gekleideter junger Menſch naͤ⸗ herte ſich und ſtoͤrte das Zwiegeſpraͤch.„Seid Ihr der Burgherr?“ fragte er, Hanſen zagend aanpblickend. Schweigend wieß dieſer auf Rin⸗ frieden.„Edler Ritter, wollt Ihr mich nicht 4 3.. 39 als Buben in Eure Dienſte nehmen?“ fragee er, und ſetzte ſchnell betheuernd hinzu: nich werde Euch redlich dienen.“ „Wer biſt Du und wo warſt Du?“ fragte der Examinator. „Ich bin aus Gotha gebuͤrtig,“ lautete die Antwort,„wo mein Vater Waffenſchmidt war; leider verlor ich ihn aber ſchon, als ich kaum zehn Jahre alt war. Die Moͤnche des Auguſtiner⸗Kloſters nahmen mich auf und ge⸗ brauchten mich zu mancherlei Sachen. Als der Ritter v. Gleichen, es moͤgen nun drei Jahre ſein, das Kloſter niederbrannte, ent⸗ wiſchte ich faſt mit der ganzen Sippſchaft durch einen unterirdiſchen Gang. Als das Kloſter wieder aufgebaut war, trennte ich mich wieder von meiner Mutter, die kaum ſo viel erwerben konnte, um ſich und mein Schweſterchen zu ernaͤhren, und begab mich wieder in das Kloſter. Das heimtüͤckiſche Weſen der Moͤnche, ſo manche unerlaubte That, die ſie ſich zu ſchul⸗— 40 den kommen ließen, brachten mich gaͤnzlich ge⸗ gen ſie auf.“— „Alſo weißt Du guten Beſcheid im Klo⸗ ſter?“ fragte Rinfried einfallend. „Jedes Plaͤtzchen zum Ein⸗ oder Aus⸗ gang,“ entgegnete er. Mit treuherziger Miene fuhr er fort:„Ich weiß, daß Ihr kein Freund der Pfaffen ſeid, darum biet' ich auch Euch meine Dienſte an, denn ich habe ſie kennen . gelernt. Wo haben ſie denn ihre reichen Be⸗ ſitzungen her? Durch Lug, Betrug und Gleis⸗ nerei!“— „Bub', haͤtte ich Gold, ich ließe Dich einfaſſen,“ meinte Hans. Jener fuhr fort:„Ich liebe die Fehden, wo der Flammberg geſchwungen wird und die Lanze kracht, aber im Kloſter vertritt deren Stelle ein elender Gaͤnſekiel. Ein paar Mal handelte ich gegen den Willen des Priors, er drohte mich einkerkern zu laſſen und da ich weiß, daß er mit ſolchen Sachen nicht zu ſpa⸗ ßen pfleg⸗ ſo khnalue ich meine Kliuge um 41 9 und verließ das Kloſter durch den unterirdi⸗ ſchen Gang. Zwar wußt ich nicht ſo recht, wo ich mich hinwenden ſollte; da fielt Ihr mir ein. Ich hoͤrte von Euren Thaten, ſah wie die Ar⸗ men beſchenkt wurden und beſchloß Dienſte bei Euch zu ſuchen.“— G „Die haſt Du gefunden,“ antwortete Rinfried. Zu Hans gewendet ſprach er:„Der Bube iſt Dein, wenn Du ihn willſt.“ „Bruder Rinfried, Du kommſt meiner Bitte zuvor,“ entgegnete er, ihm traulich die Hand ſchuͤttelnd,„der Bube kann uns gute Dienſte leiſten.“ Waͤhrend Rinfrieds Kumpane zechten und jubelten ging dieſer mit großen Schritten und nachdenkend im Gemache umher.„Ich kenn ihn,“ ſagte Hugo zum Vahner,„eine Fehde ſpukt ihm gewiß im Kopfe umher, denn die Adern vor der Stirne ſind ihm gewaltig an⸗ geſchwollen. Juſt ſo ſah er auch aus, als die Fehde mit dem Grafen von Kaͤfernburg begann. Da ſeht, guülich heitert ſich ſein Geſicht auſf. ————.— 42 und ein guter leichter Plan iſt ausgedacht, denn eh'r hat er keine Ruhe.“ „Morgen, meine Gefaͤhrten,“ begann er, „erwarte ich Euch, wenn die Sonn' ihr Bett⸗ lein verlaſſen hat, in voͤlliger Ruͤſtung, ohne Begleitung im Ruͤſtſaale und hoffe mit Euch einen gluͤcklichen Streich auszuführen. Noch bemerke ich, daß Eure Nuͤſtungen, Wehrgehaͤnge und Helmbuͤſche ſchwarz ſein muͤſſen.“ 8 „Da giebts einen Strauß!“ rief Hugo v. Wuͤlfingen.„Hagel und Blitz! da wolln wir Mal tuͤchtig drein ſchlagen!“ 8 Der eintretende Burgvoigt erhielt Befehl mit ſeinen Leuten wachſam zu ſein, weil man den Nachbarn nicht zu ſehr trauen duͤrfe.. 43 Auguſtiner⸗Kloſter. EEs iſt Abend.) (Der Prior, Pater Gervaſius und der Kellner ſitzen an einem kleinen Tiſche, auf welchem Humpen mit Wein ſtehen.) 18 Prior(dehnt ſich gemaͤchlich im Stuhle.) Habe jetzt ein herrliches Leben, ſo recht in bona pace. Wenn'’s aber auch jemand ver⸗ dient, ſo bin ich's, denn ich habe viele Sorgen gehabt. Gervaſius. Eurer weiſen Anordnung verdankt das ganze Kloſter ſeinen Wohlſtand, denn ohne Euch koͤnnten wir gewiß nur Waſſer 1 trinken. Prior. Hat mir aber auch manche ſchlafloſe Nacht gekoſtet, waͤhrend ihr wie die Baͤrenhaͤuter geſchlafen habt(trinkt.) Es iſt doch etwas herrliches, wenn man ohne Sorgen in die Zukunft ſehen kann und mit Zuverſicht weiß: du ſelbſt haſt dir und andern dieſe Ruhe 5 — dieſes Gluͤck geſchaffen. Rinfried a Spada. 4 ſchoͤn ſein, doch te ich taͤglich alle Heiligen, 44 Kellner(leiſe.) O du eingebildeter Geisbock. Prior. Da ich des Guten ſo viel in der Welt geſtiftet habe, ſo ſcheint es wirklich, als ob Gott und alle Heiligen mir ewige Ju⸗ gend verleihen wollten, denn der Ausſicht nach, werde ich taͤglich juͤnger und die jungen Dir⸗ nen ſcheinen oft ihre Freude an mir zu haben. Kellner(fuͤr ſich.) Wenn du eein halb Dutzend Humpen geleert haſt, ſo ſiehſt du aus wie ein Saͤufer und man waͤhnt ſchier, daß du ganz von Kupfer biſt.(laut) Es kommt vieles darauf an, wie man in der Jugend gelebt hat Prior ſſttolz.) Auch hierin bin n 19 als ein Muſter aufzuſtellen. Gervaſius. Der hochwuͤrdige Herr wird aber auch jenſeits die ewige Seligkeit er⸗ halten, als Lohn fuͤr das Gute, ſo er hier ge⸗ ſifftet. Prior(trinkt.) Jenſeits mag es wohl 45 mich hienieden ſo lange wandeln zu lnſſen, 44 nur moͤglich iſt. Kellner. So denk' ich auch. Gervaſius. Wenn ich aber an die 8 Schreckenszeit noch denke, wo der ewig verr. fluchte Hans v. Gleichen unſer Gotteshaus zerſtoͤrte, ſo ſtraͤubt ſich mir das Haar und alle 4 Glieder beben. Prior(heilig.) Er hat die gerechte Strafe erhalten, wie ſie von Gott fuͤr den Frevler beſtimmt war.(heimtuͤckiſch) So raͤchen 4 ſich die beleidigten Diener der Kirche.(mit Feuer) Faſt alle Ritter muͤßten ein gleiches Schickſal haben Gubelnd) denn— dann wuͤrde dieſe⸗ Erde zum Paradieſe fuͤr uns! Wer wagt es denn uns hienieden zu miderſprechen⸗ die 8 Ritter allein— Gervaſins. Und das beilge 2. gericht! 8 Prior(trinkt.) Hul ein ſt e richt, das im Finſtern umherſchleicht n Kellner kenfabens.) Sachte Prior laͤngſtlich.) Man wird uns doch nicht behorcht haben?! 8 Kellner. Ich will nachſehen(ab.) 4 Gervaſius. Mir wird zuweilen ganz unheimlich zu Muthe, wenn ich an den geaͤch⸗ teten Gleichen denke. Prior. Mir auch. Dieſer Gedanke iſt allein vermoͤgend mich zu beunruhigen. Wenn ein Pilger mir die gewiſſe Kunde braͤchte, daß er todt ſei, ſo wollte ich ein Saͤckel mit Kaiſer⸗ 4 guͤlden drum geben. Zwar hatte er keine Be⸗ 3 weiſe, daß die Handfeſte falſch ſei, aber das aberkluge und alles wiſſende Vehmgericht koͤnnte— doch der Wahrheit auf die Spur kommen und dann— dann Prior(ſigurirend) wirſt du mit einem Dolche erſtochen und mußt den Voͤgeln zur Speiſe dienen, ſtatt in eelhtar Erde be⸗ 5 graben zu werden. 3 8 Gervaſius. Da ich Paulinzelle verließ, 6 ſo ſah ich juſt ſo'n freiſamen großen Kaͤmpen, wie den Hans, mit andern Nittern nach dem † nahen Walde reiten. Ich zitterte wien Espen⸗ laub und konnte mich vor Schrecken baum 3 der Stelle bewegen. 4 Prior. Wenn er's geweſen waͤre!(koln Er kann uns nichts ſchaden, er iſt ja in Bann! 4)hjubelnd) Trink, Gervaſius, man muß die Sor⸗ . gen nicht aufſuchen, die finden ſich von ſelbſt.. Gerva ſius. Das Recht iſt auf unſerer Seite, denn was vermoͤgen Schwerdter gegen 4 Gaͤnſekiele?! Kellner(die Thuͤr oͤffnend.) Eine MMaid. aus Gotha wuͤnſcht den Herrn Prior in einer wichtigen Angelegenheit zu ſprechen. Prior(freudig.) Aha! Fuͤhre ſie nur in die Jasmin⸗Laube des Kloſtergartens, ich werde ſogleich ſelbſt kommen.(zum Gervaſius) Ihr 3 begleitet mich und ſorgt dafuͤr, daß ſich nie⸗, 4 mand der Laube naͤhere, denn wer weiß, weſche 4 wichtigen Sachen mir die Maib nntucheien hat!(ſie trinken und gehen dann Kelſmer Erſcheint 1 10 neabie ahne Ahnung nicht kruͤgt, ſo iſt das Maas der Suͤn⸗ den des Priors nun ziemlich voll und bald— nur zu bald wird die Strafe kommen. Armer Gleichen! Man hat ſchrecklich mit dir geſpielt. (Pauſe.) Man ſieht's wirklich deutlich, daß 6 die Langmuth des Allmaͤchtigen groß iſt, ſonſt 3 muͤßte ſchon laͤngſt ein Blitz das Haupt des gleißneriſchen Buben zerſchmettert haben. Die arme— arme Amalgunde,(wuͤthend) um dieſe 4 allein verdient der Bube einen zehnfachen Toddd (er geht fluchend ab.).* IWm Gehöoͤtze, nahe bei Gotha, hatten ſch fuͤnf Ritter und ein Knappe gelagert, die ſtets 4 ſorgſam nach der Sonne blickten, ob ſie nch nicht zur Ruͤſte gehen wollte, denn reines Quell⸗ 3 waaſſer ſchien nicht zu munden und Nierenſtei⸗ 4 naer war nicht zu bekommen. Indem nahte ſich ein gut gekleideter Kriegsknecht mit ſtolzen Schritten, reichte Rinfrieden ein Stuͤck Perga⸗ ment und wollte ſich wieder entfernen.„Bleib!“ herrſchte er ihn an. Jener zog ſchweigend einen Dolch aus dem Guͤrtel, worauf deutlich zu leſen war:„Heilige Vehme.“ Ungehindert ging dieſer nun weiter, waͤhrend Rinfried das „Pergament oͤffnete. Da er weder richtig leſen, noch ſchreiben konnte, denn er pflegte alles mit den Waffen abzumachen, ſo las Dedo v. Steinau ſtatt ſeiner:„Huͤtet euch vor dem Auguſtiner⸗ Kloſter!“„Schier ſollt' man waͤhnen die Vehme ſei allwiſſend,“ rief Rinfried unmuthig,„aber ſolch' freie Ritter wie wir, handeln nach eig'nem Gutduͤnken!“ „Die Vehme kann unſere Entſchluͤſſe nicht wankend machen,“ meinte Hans und ſchlug kraͤftig an das Schwerdt.„Bann! Bann! Bann!“ rief es jetzt drei Mal mit dumpfer geiſteraͤhnlicher Stimme, ſo daß die Nitter un kührlich aufſprangen und einander „Gaukelſpiel!“ ſchrie Rinfried. Ein hoͤh⸗ niſches Gelaͤchter diente zur Antwort. Mit nicht geringer Neugierde erwarteten ſie die ferneren Begebenheiten, aber nichts ließ ſich weiter hoͤren, noch ſehen.„So folgt mir, Kumpane,“ ſprach Rinfried, als voͤllige Dunkel⸗ heit eingebrochen war. Sie ſchwangen ſich auf die Roſſe und trabten vorſichtig nach dem Au⸗ guſtiner⸗Kloſter zu. Da es ſchon ziemlich ſpaͤt war, ſo fuͤhrte Hanſens Knappe die Ritter ſo⸗ gleich an den unterirdiſchen Gang. Nach Rinfrieds Anordnung ſollten am Eingange zwei Ritter harren, waͤhrend er ſelbſt mit Hans v. Gleichen, Hugo v. Wuͤlfingen und dem Knappen Sperl, alle mit herabgelaſſe⸗ nen Viſtren, in das Kloſter gehen wollten, um den Prior zu zuͤchtigen. Der Eingang zum unterirdiſchen Gange war durch Gebuͤſche ſorgfaͤltig verborgen. Es wurde eine Fackel angezuͤndet und mit entbloͤß⸗ ten Schwerdtern betraten ſie den Gang. Der Weg war ſtets ſo niedrig, daß die Ritter ge⸗ buͤckt gehen mußten. Mit Vorſicht führte ſte der neue Ritkerbube Sperl bis zu einer Thuͤr, welche nur durch ihre vereinte Anſtrengung gehoben werden konnte. Indem verliſchte die Fackel und dichte Finſterniß umgab ſie. Sperl bat, ruhig ſtehen zu bleiben, weil er erſt eine Thuͤr oͤffnen wollte. Nicht ohne Muͤhe geſchah dies, worauf ſie etwas Helligkeit bekamen. 2 Wenige Schritte hatten ſie noch zu gehen, ſo befanden fie ſich in der Kirche des Kloſters. „Soll ich Euch nun, edle Ritter,“ fragte Sperl, „nach dem Gemache des Priors füͤhren oder wollt Ihr Euch hier verbergen? Um Mitter⸗ nacht pflegt er gewoͤhnlich hieher zu gehen.“ 82„Wir wollen hier den Buben erwarten,”,“ meinte Rinfried, waͤhrend Hanſens Hand un⸗ willkuͤhrlich nach dem Schwerdte fuhr. Es hatte ſich draußen ein heftiger Wind 3 erhoben, wodurch die runden Scheiben der Fen⸗ ſter klapperten, ſo daß die Ritter ſi 3 ten, um das Erſcheinen des Prior bemerken. Nicht lange brauchten 88 5 52 3 zu harren, ſo oͤffnete ſich eine nur ſchmale Pforte und heraus trat der Prior, mit einer Laterne in der Hand, ſich vorſichtig um⸗ blickend. Rinfried trat ploͤtzliich hinter ſeinem Verſteck vor und trat ihm entgegen. Der Prior glaubte den Geiſt eines verſtorbenen Ritters zu ſehen, kreuzigte ſich und rief alle Heiligen, vorzuͤglich aber den heiligen Auguſtin, um Rettung an. Waͤhrend dies vorging er⸗ ſchien noch Hans und Hugo. Jetzt wollte er die Flucht ergreifen, aber Hans erwiſchte ihn. „ Jetz, Pfaff, ſollſt Du uns beichten,“ gebot Rinfried und packte den Zitternden bei der Bruſt. „[Frevelt nicht mit einem Diener der Kirche,“ ſtotterte mit den Zäͤhnen klappernd jener,„ſonſt vernichtet Euch der Blitz Gottes!“ „Salbadre nicht und antworte; ich will hier Gericht halten!“ rief der Ritter mit hohler Stimme. AKaßt mich los,“ flehte jener,„alle Eure „ 53 jetzigen und zukuͤnftigen Suͤnden will 3 Ech vergeben!” „Wir verlangen von Dir keine Vertebung, Du Bube,“ polterte Hans und ſchlug den † Prior mit dem Blechhandſchuh ſo feſt in's Ge⸗ ſicht, daß er zur Erde ſtuͤrzte. Blutend richtete er ſich ſogleich wieder in die Hoͤhe, ſiel auf die Knie und flehte um Gnade.„Beantworte erſt meine Fragen, dann wollen wir ſehen, ob Du Gnade verdienſt,“ entgegnete Rinfried,„doch erwarte ich die ſtrengſte Wahrheit. 2 Prior. O ich Ungluͤcklicher! 4 Rinfried a. S. Wo wollteſt Du eben hingehen? Prior(zoͤgernd.) Ich— ich wollte beten. Rinfried a. S. Du luͤgſt! Prior(heilig.) Wie moͤgt Ihr einem Diener des Herrn zumuthen, daß er luͤge? Rinfried a. S.(ſetzt ihm das Schwerdt— auf die Bruſt.) Geſtehe die Wahxhei oder 5 Du biſt des Todes. 8 ——:—-—— 54 Hans v. G.(einfallend) Goͤnnt mir dieſe Wonne. Prior(erſchrocken). Heiliger Auguſtin, welche Stimme! Rinfried a S. Antwort! Prior(ſeufzend). Eine große Suͤnderin iſt in meinem Keller des Kloſters eingeſperrt; zu dieſer pflege ich oͤfters in der Nacht erſt zu 4 gehen, um ſie zu bekehren, weil ich am Tage keine Zeit habe. Rinfried a S. Wir wollen die Suͤn⸗ derin ſehen. Prior. Dieß geht nicht. Durch den Anblick ſuͤndlicher Weltkinder wuͤrde ſie wieder „Gehts nicht?“ fragte Hans, dem Prior an einem Ohre in die Hoͤhe hebend.„Ja, ja, es geht!“ ſchrie er entſetzt. Sperl ſteckte bei der Laterne wieder ſeine Fackel an und den Fallthuͤr am Altar. Nachdem ſie zwanzig hinab geſtiegen waren, oͤffnete der ausarten und dem Satan ganz anheim fallen. Prior in der Mitte, fuͤhrte ſie dieſer zu einer „. — fliehen, aber der flinke Sperl erhaſchte ih hiieruͤber ging jedoch ſeine Fackel aus und 55 Prior ſeufzend eine Thuͤr. Ein haͤ ßlicher Ge⸗ ruch kam ihnen entgegen, und eine ſanfte Maͤdchen⸗Stimme fragte:„Und Ihr komit nicht allein, Herr Prior?“— Rinfried ſah ein gut gekleidetes Midchen und merkte nun recht gut, daß ſie die Buhl⸗ dirne des Priors ſei.„Dieß iſt alſo das boͤſe Weltkind?“ fragte er. Seine Lippen bebten ein leiſes„Ja.“ Hagel und Blitz! welch ein Geisbock!“ ſagte Hugo und betrachtete die Ge⸗ ſtalt des Priors. w1 Indem ſeufzte Jemand.„Wer iſt hier noch?“ fragte Rinfried.„Weiter Niemand,“ 4 antwortete an allen Gliedern bebend der Elende. Rinfried haͤtte faſt ſeinen Worten geglaubt, aber indem ſeufzte es abermals und eine kla⸗ gende Stimme ließ ſich hoͤren.„Es muß noch Jemand hier ſein, Pfaff!“ ſchrie Rinfried.„Ja, dort im Seitengange,“ antwortete er ſtotternd, loͤſchte ſeine Laterne aus, und ſuchte zu ent⸗ 56 befanden ſich in der ſchrecklichſten Dunkelheit. Der Prior ſchrie entſetzlich um Huͤlfe, aber ein Fauſtſchlag Rinfrieds rachte ihn zum Schweigen. Sperl, der ſich den Weg genau gemerkt hatte, ſuchte vorſichtig den Ruͤckweg und fand ihn auch richtig. Zwar war es in der Kirche auch ſchauerlich und faſt ganz finſter, doch leuch⸗ tete am Hochaltar die ewige Lampe, an der er die Fackel wieder anzuͤndete und zu den Har⸗ renden zuruͤckeilte.. Der Prior fing an zu toben und zu flu⸗ then, und als alles nichts helfen wollte, nahm er zu geiſtlichen Waffen ſeine Zuflucht. Hans fuͤhrte ihn am Ohre in den Seitengang, wo man in einem engern Behaͤlter ein menſchliches Weſen erblickte, welches reichlich mit Ketten behangen war.„Nahen endlich meine Retter, nach denen ich ſchon ſo lange geſeufzt habe?“ ſprach eine weibliche Stimme. Als dieß Rin⸗ fried bejahte, lispelte ſie leiſe:„Nun will ich gern ſterben.“ Die Ketten der Ungluͤcklichen — auch nicht, die Kirche unbewaffnet zu bet 57 konnte man nicht losmachen, weil der Prior dem Vorgeben nach keine Schluͤſſel hatte. Hans, der Starke, umſchlang daher mit den Ketten ſeine Hand und riß die Ringe davon mit Loͤwenſtaͤrke aus der Wand. Das weibliche Weſen lag ohnmaͤchtig am Boden, als ſich ein Geraͤuſch von der Treppe hoͤren ließ. Es war Dedo v. Steinau, der anzeigte, daß ſich menſchliche Geſtalten in der Naͤhe des Einganges zum unterirdiſchen Gange gezeigt haͤtten.„So wollen wir uns ſputen,“ meinte Hugo, nahm das weibliche Weſen auf die Schulter und folgte den uͤbrigen. In der Kirche wieder ankommend, hoͤrten ſie bereits im Kloſterhofe die Buhldirne des Priors ſchreien, welche unbemerkt entwiſcht war und jetzt alles aufzubieten ſuchte, um ihren Wohlthaͤter aus den Haͤnden der Unbekannten zu befreien. Die Kloſterknechte ſchliefen feſt oder zeigten wenig Luſt, ihr Leben heute auf 8 Spiel zu ſetzen und die Moͤnche wagten e Als nun eben die Ritter mit dem geknebelten Prior nach dem unterirdiſchen Gange gehen wollten, erſchien ein großer Moͤnch, den Sperl genau kannte. Bei dem Anblick der ſchwarzen Ritter ſchrie er ein Zetermordjo und ſuchte zu entſliehen. Sperl erwiſchte ihn und beſtrich ihn mit ſchwarzen Kohlen das ganze Geſicht. Der Moͤnch war ſo erſchrocken, daß er ſich alles gefallen ließ und zuletzt wie todt nieder⸗ ſtuͤrzte. Wegen dem Prior und der Ungluͤcklichen bot der unterirrdiſche Gang den Rittern dop⸗ pelte Schwierigkeiten dar, doch wurden ſie gluͤck⸗ lich uͤberwunden. Walter v. Vahner freute ſich laut uͤber ihr gelungenes Wagſtuͤck und wollte die naͤchſten Gebuͤſche unterſuchen, aber Rin⸗ cried ſprach von großer Eile; alle ſchwangen ſch auf die Roſſe und jagten fort. 59 Burg Ilmen. (Ein großes Gemach.) (Die aus dem Kloſter befreite Ungluͤckliche liegt auf einem Lotterbettlein. Ihr Ge⸗ ſicht iſt blaß und nur matt blickt das Auge umher. Bald darauf erſcheint Rinfried a Spada und Hans v. Gleichen.) Ungluͤckliche(umherblickend). Alſo iſt's kein Traum! ich bin gerettet. Ich hoͤre Ruͤ⸗ dengebell und die kraͤftigen Fluͤche der Knappen, alſo muß ich wohl auf einer Burg ſein. Hal wie ſie dort ſo majeſtäitſch empor ſteigt die Koͤnigin des Tages! wie ſie auch mich mit 3 ihren freundlichen Strahlen erwaͤrmt.(ſchwaͤr⸗ meriſch) O wenn ich der ſchoͤnen Vergangenheit gedenke, wo ich auf der Burg meines Vaters lebte. O ſchoͤne Zeit kehre nur noch ein Mal 3 zuruͤck!(traurig) Du wirſt nimmer wieder keh⸗ ren. Der Verluſt der Tochter wird den Vater in's fruͤhe Giab geſturzt haben und des Ge⸗ liebten bin ich unwerth, denn ich bin entehrtt.. (ſtolz) Freiwillig gab ich dem Barbaren ne, Rinfried a Spada. 1 t 60 Unſchuld aber nicht, ſondern nur gezwungen (ſchaudert zuſammen) Ich entehrt! Nimmer werde ich wieder gluͤcklich werden und der Tod wird mir Labſal ſein! Horch! es nahen Tritte, gewiß ſind es meine Erretter. (Die Thuͤr geht auf und in leichter Haus⸗ kleidung erſcheint Rinfried a Spada und Hans v. Gleichen.) Rinfried. Habt Ihr auf Burg Ilmen gut geruht? 3 Ungluͤckliche. In vielen Jahren habe ich ſo ſanft nicht geſchlafen(erblickt Hanſen, voerhuͤllt das Geſicht und ſchreit laut.) Hans. Iſt Euch mein Anblick ſo furchtbar? uungluͤckliche. Kennſt Du mich nicht mehr? Hans. Gott! welche Stimme! Meine Ahnung! Ungluͤckliche. Mein trauter Hans, ich bin Deine Amalgunde! Hans(ttuͤrzt uͤber ſie her und kuͤßt die — 61 ſterbenden Lippen.) Amalgunde, Dich ſehe ich wieder? Iſt's auch keine Taͤuſchung? Amalgunde(weinend.) Laß mich, Ge⸗ liebter, ich bin Deiner unwerth. Hans. Biſt Du mir ungetreu geworden? Amalgundes O Hans, wenn Du wuͤßteſt, wie es mir ergangen iſt, Du wuͤrdeſt mir gewiß verzeihen, denn Dein Herz iſt gut. Hans(mit rollenden Augen.) Traute! Nenne die Namen der Buben, die Dich ein⸗ kerkerten und ich ſchwoͤre es Dir zu, daß ch ſchreckliche Rache ausuͤben will. Ninfried. Kumpan, ich gelobe Dir gleichfalls jene Buben zu zuͤchtigen. Hans(druͤckt ihm ſchweigend die Hand, zu Amalgunden gewendet.) Erzaͤhle uns Deine Geſchichte, dann uͤbe ich Rache und will in Deinen Armen von den Mühſeligkeiten des Lebens ausruhen. Amalgunde(matt.) Die Fteude hat n ſehr auf mich gewirkt und nur wenige Saunden wird noch Leben in mir ſein. 85 * 62 2 Heans. Du wirſt ſchier hienieden noch tacklich werden. Doch, erzaͤhle, ich brenne vor Begierde Deine Geſchichte zu hoͤren. Amalgunde(matt.) Gebt mir jenes Geſchirr mit Waſſer, nder Gaumen iſt mir trocken und alle Pulſe ſchlagen ſieberhaft(trinkt). Lohne Euch Gott dieſe Stäͤrkung, edler Ritter! Hans(in ihren Anſchauen yerſunken). Geſchwind, Geliebte, nenne mir den Buben, der dieſe ſchoͤne Blume ſo zerknickte, und mit den Naͤgeln will ich ihn ſo lang kratzen, bis er ſtirbt.(raſch) War's der Priors, A malgunde. Hoͤre meine Erzaͤhlung. Damals als Du, mein Trauter, mit den Moͤn⸗ chen des Auguſtinerkloſters uͤber ihre nichtige Forderung in Streit geriethſt, luſtwandelte ich mit einer Magd im obern Gehoͤlze bei Fran⸗ kenhauſen; da ſprangen ploͤtzlich einige Ver⸗ mummte aus den Gebuͤſchen, ſchlugen meine Begleiterin zu Boden, mich ſetzten ſie auf ein Roß und fört ging s zum tiefen Walde hinein. In einer ſchauerlichen Hoͤhle hielten wir uns 63 drei volle Tage auf, dann ſetzten wir unausge⸗ ſetzt die Reiſe bis nach einem Kloſter fort. So ſehr ich auch ſchrie und tobte, ſo konnte mich doch niemand hoͤren. Man hatte mir ein aͤhnliches Gemach angewieſen, wie das, wo ich gefunden wurde.(feurig) Gern haͤtte ich mich ermordet, aber es fehlte mir ein Inſtrument, denn meine Unſchuld ging mir uͤber alles, aber— Hans leinfallend). Nenne den Namen des Verruchten! Geſchwind, geſchwind, ich bitte Dich. Amalgunde. Maͤßige Deine Hitze. ufeierlich) Ich ſchwoͤre es Dir zu, daß man an den Pforten der Ewigkeid ganz anders denkt, als im gewoͤhnlichen Leben, drum wuͤnſche ich keine Rache an denen, die mein Ungluͤck her⸗ beigefuͤhrt haben, vor den Richterſtuhle Gottes wird er ſeine Strafe erhalten.(In der Er⸗ zaͤhlung fortfahrend) Um welche Zeit es war, weiß ich zwar nicht, doch glaube ich, es war in der Nacht, als der Prior mit einem grinſenden Lacheln erſchien. Er fing ſogleich n e 64 Schoͤnheit zu preiſen und als ich hierauf nur mit Thraͤnen antwortete, ſo wagt' es der Un⸗ verſchaͤmte mich zu kuͤſſen.— Hans. Verdammter Geisbock! Will dir eine Rechnung machen, daß dir hier und jenſeits die Ohren davon gellen ſollen. Amalgunde ſfortfahrend). Ich ſtieß ihn lange mit ihm herum. Mit Drohungen ver⸗ ließ er mich. Ruhe hatte ich nicht mehr; aus Furcht, der Elende moͤchte mich im Schlafe uͤberfallen. Zwar erſchien er noch oͤfters, doch erreichte er nie ſeine Abſicht. Endlich kam er mit wichtiger Miene.„Amalgunde,“ ſprach er, reits von allen ſeinen Knechten verlaſſen wor⸗ den. Da ſeine Burg eng eingeſchloſſen, ſo iſt Rettung unmoͤglich. Du— nur Du, ſchoͤ⸗ nes Maͤdchen kannſt ihn erretten. Erfuͤlle meine Dir bekannten Wuͤnſche und Hans von Gleichenf iſt gerettet!“ Ich ſah es dem Pfaf⸗ fen an, daß er log und entgegnete:„Ein ſol⸗ zuruͤck; er wurde kuͤhner und ſo kaͤmpfte ich „Dein Geliebter iſt im Bann gethan und be⸗ 3 4 . —,— zum Opfer bringen, um das ſeinige zu retten, Tages erhalten hatte, ſpuͤrte ich eine unge⸗ der Schaͤnder in meiner Gewalt iſt. 65 ches Opfer wird mein Geliebter nicht von mix 4 1 verlangen(ſchwaͤrmeriſch) mein Leben will ich doch meine Unſchuld nimmer.“ Da lachte der Prior hoͤhniſch und ſprach:„Ich will Dir nur die Wahrheit ſagen, Dein Trauter befindet ſich bereits unter der Zahl der Todten. Ich— ich bin das einzige Weſen auf dieſer Welt, welches ſich Deiner noch annimmt, darum bitte ich Dich, erfuͤlle meine Wuͤnſche oder— oder fuͤrchte Strafe.“ Ich ſpie dem Elenden in das Geſicht und mit Drohungen ging er fort. Nach einer koͤſtlichen Mahlzeit, die ich eines woͤhnliche Schlaͤfrigkeit und denkt Euch mein Erwachen; der Prior lag in meinen Armen. Ich ſchrie, fluchte und ſtieß den Elenden von mir Hans(wild lachend). Nur gut, daß Amalgunde.„Dieß iſt meine Rache,“ ſprach er,„an dem jungen ritterlichen Laffen, 65 der den Dienern der Kirche Gefetze vorſchreiben wollte.“ Er ging hoͤhniſch lachend fort. Nach wenigen Tagen erſchien er in Begleitung zweier Genoſſen, die mich nun unter mancher⸗ lei unſaubern Spaͤschen in der Nacht nach je⸗ nem Kloſter brachten, wo Ihr als Retter er⸗ ſchienet.(feſt) Ich bin nun mit meiner Er⸗ zaͤhlung zu Ende und bitte Dich herzlich, mein Hans, daß Du die Beſtrafung des Priors dem Weltrichter uͤberlaͤßt. Hans. Fordere alles, nur dieß nicht. Rinfried. Strafe muß ſein, damit das Boͤſe nicht zu ſehr um ſich greift und(knirr⸗ ſchend) der Prior hat ſie im reichlichſten Maaße verdient, denn er predigt nur die Tu⸗ gend, iſt aber ſelbſt der groͤßte Suͤnder. Amalgunde. Harte Maͤnner!(zum Rinfried) Schickt mir Euren Lungpſaſſen ich will mit ihm beten. Rinfried. Sogleich, arme Ungluͤckliche. Hans. Ach, meine Amalgunde. 1(Beide ab.) Daſſelbe Gemach. (Es iſt gegen Abend.) (Rinfried a Spada und Hans v. Gleichen ſitzen zu beiden Seiten des Lagers von Amalgunden. Hugo v. Wuͤlfingen ſteht auf ſein Schwerdt geſtuͤtzt am gothiſchen Fenſter; Dedo v. Steinau und Walter v. Vahner verwenden keinen Blick von dem Ant⸗ litz der Sterbenden und ſcheinen ſehr nachdenkend zu ſein.) Amalgunde(zu Hans.) Im Fruͤhlinge unſerer Liebe haſt Du mir ſo manche herzliche Freude gemacht, gewaͤhre mir im Winter un⸗ „ſerer Liebe auch noch eine, es ſoll die letzte ſein. Hans. Gebiete, und wenn's mein Tod waͤr', ich opfre mich gern.. Amalgunde l(laͤchelnd.) So ſchlimm iſt's nicht. Wende meine Lagerſtelle, damit der Kopf dorthin ſieht, wo die Sonne ſo ſchoͤn untergeht.(Hans und Rinfried erfuͤllen ihre Bitte.) So! ich danke euch herzlich!(mit einem raſchen Haͤndedruck zum Rinfried) Moͤge 68 Eure Liebe einſt gluͤcklicher ſein, als die meinige. Rinfried. Ich liebe nicht. Amalgunde(erſtaunt.) Ihr liebt nicht?! O gewiß habt Ihr mancher Dirne ſchon das Mieder gewaltig beengt und— wißt's nicht. (feurig) O die Freuden meiner Liebe waren ſo kurz und doch ertraͤgt man jahrelange Leiden geduldig, wenn man nur ein Mal wahrhaft geliebt hat. Mit Entzuͤcken erinnere ich mich noch des Banketts in Frankenhauſen, wo Hans zu mir ſagte:„Amalgunde, ich liebe Euch mehr als mein Leben!“ dieſer einzige Moment, der ſchoͤnſte im Leben, iſt nicht mit Gold zu bezahlen.(im Anblick der Sonne verſunken) Wie ſie ſo ſchoͤn, ſo herrlich untergeht! Auch ich folge dir, glaͤnzendes Licht, und werde da, wo Vollkommenheit herrſcht, gluͤcklich— ewig gluͤcklich werden.(matt) Ich habe auf dieſer Welt nichts mehr anzuordnen, denn ich habe nichts; ich bin arm. Meinen Feinden habe ich alles vergeben, und werde auch jenſeits die Gnade Gottes erflehen.(zu Hans v. Gleichen) ———— 69 Nimm hiermit meinen herzlichſten Dank fuͤr Deine treue Liebe und leb recht wohl, jenſeits erwartet Dich mit offenen Armen Deine Amal⸗ gunde.. Hans v. G. Du darſſt noch nicht ſterben— Amalgunde. Die Stimme des Schick⸗ fals ruft.(aͤußerſt matt) Ein ſchoͤn'res Leben erwartet mich.— Rinfried a S. Ungluͤckliche Dirne! Amalgunde(in abgebrochenen Saͤtzen.) Bald— bin— ich— gluͤcklich zu nennen. Hans v. G. O meine unnlgunde ver⸗ laß mich nicht. Amalgunde. Lebt alle wohl und gluͤcklich.(ſie laͤchelt und im Moment brechen auch ihre Augen.) Hans v. G.(ſchmerzhaft.) eie in 3 nicht mehr.(die Ritter betrachten ſie geruͤhrt und falten die Haͤnde zum Gebet.) (Pauſe.) Rinfried. Zwar war es der Wilk der 70 Seligen nicht, daß wir an ihrem Verführer und Peiniger Rache ausuͤben ſollten, doch waͤre hier Vergebung die groͤßte Suͤnde; auch haben wir leicht Entdeckung zu befuͤrchten, wenn wir den Prior am Leben ließen. Hans v. G. Mir gebuͤhrt die Rache allein.. Rinfried a S. Nach Beerdigung Amalgundens uͤbergebe ich Euch den Elenden zur Beſtrafung, doch nur unter der Bedingung, daß Ihr ihn nicht grauſam behandelt. Hans v. G. Hier meine Hand zum) Unterpfande! Obgleich die Moͤnche des Auguſtiner⸗Klo⸗ ſters fleißige Nachforſchungen wegen ihren Prior anſtellten, ſo entdeckten ſie doch keine Spur von ihm und nur zu bald verbreitete ſich das Geruͤcht, Luzifer ſei erſchienen und habe ihn gehabt. und ewigem Hoͤllenpfuhl.„Bereite Dich zum 8 8 muthigt der Prior fort,„Ihr ſeid ausgeſtoßen 71 Nachdem Amalgunde beerdigt worden war, wurde der Prior eines Nachmittags, nachhem man ihm weltliche Kleidung angezogen hatte, in den Gelag⸗Gaden gefuͤhrt. Die Ritter zechten, nur Hanſen ſchien der Wein nicht zu 6 munden.„Kennſt Du mich noch?“ fragte er 6 den Prior. Dieſer fuhr ſichtbar erſchrocken zu⸗ ſammen und ſtammelte dann etwas von Bann 3 Tode, Elender, das Maas Deiner Suͤnden iſt voll!“ ſchrie Hans. „Wie vermag es ein Laie uͤber einen Diener des Herrn zu richten?“ fragte der Prior. „Ritter Hans von Gleichen vermnag dieß lautete die Antwort. „Euer Athem iſt Peſtgeruch,“ fuhr er⸗ vom Antheile des Himmels und Eure Seele wird nimmer Ruhe finden.“ „Ich habe ihn losgeſprochen vom Bunie ſagte Rinfried mit Stolz. „Nur der heilige Vater zu Rom eann dieß,“ erinnerte jener,„und nicht ein armer deutſcher Ritter.“ „Du haſt genug geſalbader,,“ rief Hans, „doch das Blut Deines verruchten Herzens ſoll hier nicht fließen, ſondern im Ruͤdenzwin⸗ ger!“ Mit dieſen Worten packte er ihn bei einem Fuße an und ſchleifte ihn ſo zur Treppe hinab nach dem Ruͤdenzwinger. Die wilden Beſtien ſtuͤrzten auf den Ungluͤcklichen zu und fingen an ihn zu zerzaußen. Er ſchrie entſetz⸗ lich um Huͤlfe; Hans weidete ſich einige Mi⸗ nuten an ſeiner Angſt, dann riß er einen Dolch aus dem Guͤrtel, rief die Ruͤden von ihm ab und ſprach:„Nichtswuͤrdiger, verruchter Menſch! Du biſt es, der mir und meiner Amalgunde die Freuden dieſes Lebens geſtohlen haſt, empfange daher den gerechten Lohn.“ Und tief in die Bruſt des Elenden ſtieß der Ante ſeinen Dolch. Schwarzes Blut quoll aus ſeiner Wunde und mit einem Seufzer Koͤrper an einem einſamen Plaͤtzchen beerdigt, 5 entfloh ſein Leben. In aller Stille wurde der 8 ten Ritter, doch und wie man ſagte, ſo tangten um Mitternacht blaue Flaͤmmchen auf jenem Platze umher. Selbſt die aͤlteſten Knappen behaupteten dieß und mieden um Mitternacht dieſen Ort. . Ritter Rinfried a Spada ſpielte eines Tages mit ſeinem alten ehrlichen Burgpfaf⸗ fen Schach, denn ſeine Kumpane waren nach ihren Burgen gezogen und hatten ſelbſt Hans v. Gleichen mitgenommen; da blies der Thurmwaͤrtel ein gar luſtiges Liedel und rief mit lauter Stimme:„Der edle Nitter von Neuenburg bittet fuͤr ſich und ſeine Tochter um Einlaß!“„Laßt die Zugbruͤcke nieder,“ rief er den Knechten zu,„und fuͤhrt ſie in den Gelag⸗ Gaden!“ In ſeiner leichten Haustidung empfing Rinfried ſeine Gaͤſte. Den alten Neuenburger kannte er bereits als einen allgemein geachte⸗ hatte er ihn nie heimgeſucht 4 1 5 3 — 74 und wußte alſo auch gar nichts von ſeiner Tochter.„Willkommen edler Ritter,“ ſprach Rinfried herzlich, ihm die Hand reichend. „Auch Ihr ſeid mir herzlich willkommen,“ ſagte er zur Tochter gewendet. Dieſe lispelte eine leiſe Antwort und hob den Schleier ven ihrem Antlitze. Eine gluͤhende Roͤthe uͤberflog Rinfrieds Wangen, als er das herrlichſte Maͤdchen, das er je geſehen, vor ſich erblickte. Ihre braunen Haare umtanzten in natuͤrlichen Locken den ſchoͤnen weißen Nacken, der volle Buſen wogte uͤppig und die blauen glaͤnzenden Augen ſchienen der Aödruck ihrer Seele zu ſein. Weiß, wie Elfen⸗ bein, waren ihre 32 Zaͤhne und zum Kuſſ einladend die friſchen Purpurlippen der Jung⸗ frau. Ninfried fuͤhlte ein leiſes inneres Beben und eine nicht geringe Verlegenheit. Er wollte gern ſprechen, vermochte es aber nicht nnd ſtot⸗ terte unzuſammenhaͤngende Worte. Aber auch Amalie, ſo hieß das Fraͤulein, fuͤhlte das Er⸗ wachen der erſten Liebe in ſich und blickte ver⸗ wirrt hald auf die Eide, bald auf einige Rü 73 ſtungen an der Wand. Der alte Neuenburger ſchien die Verlegenheit der jungen Leute zu 8 merken und verſuchte daher ein fuͤr Rinfrieden intereſſantes Geſpraͤch anzuknuͤpfen.„Ihr lebt ja hier wie im tiefſten Frieden,“ begann er, „waͤhrend ſich Eure Nachbaren heftig befehden!“ „Auch ich liebe die Fehden,“ entgegnete Rinfried mit flammendem Blick,„und bin nur ſelten in meiner Burg anzutreffen. Gibts keine Fehde, ſo iſt mein liebſter Aufenthalt in den Waͤldern.“ „So war ich auch in der Jugend,“ meinte der Alte,„doch nun finde ich Gefallen an Ruhe. Indeſſen ſo ein Paar Stunden das edle Waidwerk zu uͤben, dazu fuͤhle ich noch ſtets Kraft in mir.“ „Pflegt hier der Ruhe, und wenn es Euch dann beliebt,“ laͤchelte der Burgherr,„ſo koͤn⸗ nen wir ja unſer Gluͤck noch verſuchen; Eure ſchoͤne Tochter wird uns doch auch begleiten?,., „Ja wohl,“ antwortete der Ritter von KRinfried a Spada.— Neuenburg,„die Maid weiß recht gut den Speer zu ſchwingen.“ „Iſt's wahr?“ fragte Rinfried freudig erſtaunt. Das Koͤpfchen tief auf die wogende Bruſt ſenkend, entgegnete ſie:„Ich kann's nicht leug⸗ nen, daß ich der Jagd hold bin.“ „Eine hertliche Dirne,“ ſprach Rinfried bei ſich ſelbſt, und bemerkte jetzt erſt, daß ſeine Gaͤſte noch keinen Ehrentrank erhalten hatten. Fluchend befahl er den aufwartenden Buben Wein zu bringen und zwar von der beſten Sorte. Auch fragte er ſie jetzt erſt, welchem Zufall er das Gluͤck zu verdanken habe ſie bei ſich zu ſehen? Der Alte erwiederte, daß ſie in Hildburghauſen einen Berwandten beſucht haͤtten, deſſen Vermoͤgen ſie erben wuͤrden. Bei den Humpen mit unverfälſchtem Re⸗ benſafte wurde der alte Neuenburger bald wie⸗ der zum Juͤngling. Zwar nippte Amalie nur einige Mal daran, doch wurde ſie Ffſpraͤchiger und ließ manchen treffenden Witz hoͤren. Mit 77 jedem Zuge, den der Alte that, erwachten ſeine Lebensgeiſter mehr und mehr, ſo daß er nun wirklich den Vorſchlag zu einer Jagdparthie machte, den auch Rinfried freudig annahm. . Amalie waͤhlte ſich einen nicht ganz leich⸗ ten Speer, ſchwang ſich auf ihren Zelter und tummelte ihn mit geſchickter Hand im Burg. hofe umher. Rinfried freute ſich herzlich uͤber das ſchoͤne wilde Maͤdchen und nahm auch ſein Roß zuſammen, daß es ſtolz einherſchritt, um von ihr nicht ausgelacht zu werden. X In Begleitung einiger Nuͤden verließen iie die Burg. Burg Ilmen. (Lincks und Warz, zwei Knappen, ſte⸗ hen auf der Burgmauer und ſehen den 8 Zortreitenden nach.) e)) Wer nur das herrliche Weſm 6 6 78. Warz. Wer wird's ſein, eine Maid. Lincks. Gauch! So viel weiß ich auch! Warz. Wetter! So'ne Ehegeſpannin mäßte ſich unſer Herr auserkieſen, das ſollte eine Art geben. Lincks.(treuherzig.) Will ſie ihn denn 4 auch erſt? 5 4 Warz. Verſteht ſich! Wenn ihr Vater und ſie keine Bekanntſchaft mit unſerm Herrn luchten, ſo koͤnnten ſie ja daheim bleiben. (figurirend) Sieh, Gauch, wenn Du nur noch einmal ſagſt, ob eine Dirne unſern Rinfried auch zum Chegeſpann haben will, ſo geb' ich Dir Naſenſtuͤber, daß Du Dich gebaͤhrden ſollſt, wie'n Geißler.*) Lincks. Schimpf' nur nicht, Fant, oder mein Flammberg ſoll Dir Mores lehren. Warz. So boͤſ' meint ichs nicht. Schau! 8 5 Geißler waren im z2ten Jahrhundert die⸗ jenigen, welche von einer Stadt zur andern zogen und ſich blutig geißelten, bei ſche reckliche Grimaſſen machten. * 1. ————— ſchau! dort reitet der Herr ſo recht vertraut an der Seite des Fraͤuleins.— 3 Mincks. Sollte es wohl ein Fraͤulein ſein? 4 Warz. Wie Du auch nur ſo dumm fragen kannſt! Es wird keine gewoͤhnliche Dirne ſein, ſondern die Tochter des Ritters von— 4 Neuenburg. Schier tummelte ſie hier den Zel ter als wenn ſie da geboren und erzogen ſei. Hu! Die ſchoͤnen blauen Augen; man waͤhnt traun in den Himmel zu ſchauen. Lincks. Ja, ja, auch ich koͤnnte mich gewiß noch einmal verlieben, wenn ſo ne Dirne einem gewogen ſei. Warz. Glaub's gern, Du aſter Filz. Muß mir aber doch den Tag merken, wo un⸗ ſer Herr mit einem Fraͤulein weggeritten iſt. Was wird Hans v. Gleichen ſagen, wenn er wiederkehrt und ein Fraͤulein zum Beſuch findet?! 8 Lincks.(leiſe) Scheint mir nur ein hal⸗ ber Menſch zu ſein. Die uͤbrigen Ritter koͤn⸗ nen doch gewiß quch ein Träpfchen Wein ers ken, aber bei dem Hans iſt's nicht zum Aus⸗ halten; muß ſchier einen gluͤhenden Stein im Leibe haben. Warz. Ja ſaufen kann er, daß es zum Erbarmen iſt. Links. Da ich das Siechlager verlaſſen hatte, ſetzt ich mich in den Burghof, um die warmen Strahlen der Sonne zu genießen; da kam der tolle Hans auf ſeinem rothen Hengſt angeſprengt und ſetzte mit ihm uͤber mich hinweg. 1 Warz. Sagte er denn nichts zu Dir? Links. Er ſprach: dummer Teufel, werde nicht wieder krank, damit ich nicht noͤthig habe, meinen Fuchs uͤber Dich Pins ſetzen zu laſſen.— Warz. Gabſt Du ihm denn nichts zur Antwort? Links. Je nun, ich ſchimpfte ihn leiſe einen Eſel. Warz. Daran thateſt Du ſehr wohl, denn wenn er's wuͤßte, ſo ließ er Dich vom 1 doͤchſten Thurme herabwerfen. Links. Jeſus, Marie und Joſeph! ver⸗ 4 rathe mich nicht, Kumpan. 8 Warz. Ich bin verſchwiegen wie's Grab. Links. Dort ſprengt der tolle Hans aus dem Tannig hervor.(rufend) Heda, Bu⸗ ben! beſorgt Humpen. 3 Warz. Wo ſoll noch aller Wein her⸗ kommen! Mit einem recht heitern Sinn ritt im Zwielicht Ninfried a Spada mit ſeinen Gaͤſten wieder nach Ilmen. Er fuͤhlte es recht gut, daß er der trefflichen Jaͤgerin ſehr gewogen 3 ſei. Ein ſanfterer, ein milderer Geiſt wohnte in ihm, ſeit den wenigen Stunden, da er Ama⸗ 8 nen geſehen hatte. Er ergriff ihre Hand und 82 ſchlenderte mit ihr zur breiten Stiege hinauf in den Gelag⸗Gaden. Mit großen Augen betrachtete ihn Hans v. Gleichen, ſtreichelte ſeinen Bart und meinte bei ſich: der hat ſich von der Liebe ſchnell fan⸗ gen laſſen. Rinfried hatte nur Augen und Ohren fuͤr ſie, waͤhrend Hans ſich mit ihrem Vater unter⸗ hielt. Zwar wußte er der Prunkworte wenige zu ſagen, weil er die Haͤlfte ſeiner Lebenszeit auf der Jagd und in Fehden zugebracht, und nie an den Hof des Kaiſers gekommen war, wo man feinere Sitte lernen konnte, doch wa⸗ ren ſeine Worte kraͤftig und ganz aus dem Herzen geſprochen. Nachdem Amalie den Imbiß mit gehalten hatte, begab ſie ſich nach dem ihr angewieſenen Schlafgemache. So gern auch Rinfried geſe⸗ hen haͤtte, daß ſie noch laͤnger hier geblieben waͤre, ſo ſuchte er ſie doch nicht abzuhalten, 1— weil ſie Muͤdigkeit vorſchuͤtzte. Mit der Entfernung des ſchoͤnen Mäd⸗ ren,“ entgegnete er gewandt,„harrte ich ſo lange bis Euer Spiel und Geſang beendigt war.“„Die Herren wiſſen ſtets Ausreden,“ laͤchelte ſie mit einem bezaubernden Blick. Dies Geſpraͤch ſtoͤrte Amaliens Vater.„Es iſt Zeit zur Abreiſe, mein Toͤchterlein,“ ſprach er. Rinfried bat ihn noch laͤnger hier zu blei⸗ ben, doch der Alte ſchuͤtzte boͤe Nachbarn vor, nahm Amalien bei der Hand und fuͤhrte ſie in die Burg zuruͤck. So angenehm es auch dem verliebten Rinfried geweſen waͤre, wenn er Amalien haͤtte allein ſprechen koͤnnen, ſo war dies doch wegen ihrem Vater unmoͤglich. Rinfried ſuchte ihre Abreiſe zu verzoͤgern, doch der Alte rief den Knappen im Burghofe zu:„Sputet euch, wir haben heute noch ein' weiten Ritt!“ Als nun die Zeit des Abſchiedes heran⸗ kam, bat Rinfried um die Erlaubniß ſeine ihm ſo werthen Gaͤſte bis an die Grenze ſeines Gaues begleiten zu duͤrfen, welcher Borſchlag gern angenommen wurde. Da nun der letzte 3 86 Humpen geleert wurde, ſprach Rinfried:„All' Heiligen moͤgen nur geben, daß meine werthen Gaͤſte mich recht bald wieder heimſuchen!“ „Nun iſt die Reihe an Euch“ meinte der Neuenburger,„gebt mir Euer Ritterwort, daß Ihr mich bald heimſuchen wollt!“ „Recht bald verſpreche ich, dies zu thun,“ entgegnete er, und warf einen Blick auf die hocherroͤthete Amalie. Ninfried geleitete ſeine Gaͤſte bis an die Grenze ſeines Gaues. Dem Alten reichte er treuherzig die Hand, der Tochter aber kuͤßte 3 er ſie und erhielt einen langen ſeelenvollen 3 Baͤck von ihr. Raſch jagte er zwar nach ſei⸗ ner Burg zuruͤck, fuͤhlte eine frohe nie gekannte Empfindung in ſeinem Herzen, und blickte ſich ſo oft nach Amalien um, als ſie ſein Blick nur gewahren konnte. Endlich verſchwand ſie mit ihrem Vater im nahen Walde; ein langer Seufzer entwand ſich der maͤnnlichen Bruſt und leiſe lispelte er den Namen„Amalie.“ Jetzt dachte er an den ſeelenvollen Blick Ama⸗ — ——— ——— j——— 1 7 4 —— 8 87 liens bei dem Abſchiede, jauchzte laut auf und ließ dem Hengſte die Kraft ſeiner Schent fuͤhlen. 2 Rinfrieds Kumpane begruͤßten ihn mit ihrem freudigen„Halloh!“ und hielten ihm die Humpen entgegen. Im Gelag⸗Gaden bei ihnen ankommend, umarmte er ſie alle ſo freu⸗ dig, daß ſie ſchier meinten, ihn noch nie ſo ver⸗ gnuͤgt geſohen zu haben. 2 Nachdem nun der erſte Rauſch det Freude voruͤber war, fuͤhlte Rinfried eine nur zu be⸗ merkbare Leere im Herzen, ſo daß er den Vorſchlag zu einer Jagdparthie machte; alle waren hierzu bereit, und bald eilten ſie in die gruͤnenden Waͤlder. Des verliebten Ritters Lieblingsvergnuͤgen, die Jagd, wollte ihm heute nicht gefallen und gar bald warf er ſich unter eine Eiche, um nur ungeſtoͤrt an Amalien den⸗ ken zu koͤnnen. Noch wußte er nicht, daß er wirklich liebe, ſondern hielt alles fuͤr eine vor⸗ uͤbergehende Laune. Als aber wohl einige Stunden verſtrichen, ohne daß die geringſte Luſt zur Jagd ſich eingeſtellt hatte, da begann es endlich in der Seele des Ritters zu tagen.* (Er kannte in ſeinem 22 ſten Jahre die Gefuͤhle noch nicht, die jetzt ein Knabe von 12 bis 14 Jahren zu deuten weiß.) Endlich ſprang er auf:„Sollte ich denn das Maͤdchen wirklich lieben,“ ſprach er zu ſich ſelbſt, und ſetzte dann gleich hinzu:„O Amalie, koͤnnte ich dich doch an dies treue Herz druͤcken!“ Hans von Glei⸗ chen hat Recht, die Liebe findet ſich ein, ehe man daran denkt!“ Ruͤdengebell und das Geſchrei Wuͤlfingens brachten ihn wieder auf's Roß. „Bruderherz,“ rief ihm dieſer entgegen,„war die Jagd gut?!“„Ganz ſchlecht,“ entgegnete der Befragte,„die Waͤlder des Iſenbarts wollen wirr in Zukunft fleißiger benutzen.“ Mit dieſen Worten ſprengte er nach einer Wieſe. Wuͤl⸗ ſingen ſchuͤttelte den Kopf und meinte:„Iſt's wohl moͤglich, daß unſer Rinfried auch ein Narr werden kann!2“. Zwar ſuchte ſich Rinfried auf jede Art zu zerſtreuen, doch hatte er nirgend Ruhe. 89 Gern waͤre er ſchon in den näͤchſten Tagen nach der Neuenburg gereiſ't, wenn ihn eine gewiſſe Schaam nicht zuruͤckgehalten haͤtte. Heute ſaß er am gothiſchen Fenſter und ſah in die Ferne, wohin wohl die Neuenburg liegen konnte. Sein Burgpfaffe ſaß allein bei dem Schachbrete und bei dem Humpen, und konnte ſich Rinfrieds Laune nicht erklaͤren. Hans v. Gleichen war allein zur Jagd ausgezogen, denn die uͤbrigen Ritter hatten Burg Ilmen verlaſſen und waren auf die ihrigen zuruͤck⸗ gekehrt. Die geſchaͤftige Phantaſie Rinfrieds bil⸗ dete eben die ſchoͤnſten Plaͤne fuͤr die Zukunft, als ſein Waffengefaͤhrte Hugo v. Wuͤlfingen erſchien.„Hagel und Blitz!“ rief er bei ſei⸗ nem Eintritte,„ſchier ſcheint es mir, als ob Du ein Traͤumer geworden waͤrſt. Du biſt der Alte nicht mehr, was fehlt Dir?“ Rinfried war um eine Antwort verlegen, denn luͤgen wollte er nicht. Jener fuhr fort:„Bring Dir heut' eine neue Kunde.“ „Und die iſt?“ fragte der Burgherr. „Auf Burg Dorneck iſt die Trauerfahne aufgeſteckt,“ lautete die Antwort,„denn Man⸗ ſo's Ehegeſpannin iſt vom Freund Holzmeier abgeholt worden in das Reich, wovon uns die Moͤnche ſo viel vorpredigen.“ „Eine Buhldirne weniger,“ murmelte Rinfried, und ſah Hugo'n mit einem Blick an, der ſagen wollte:„Iſt dies deine ganze Kunde?“ Hugo legte das große Schwerdt bei Seite und fuhr fort:„Der Manſo muß aber auch gar nichts in der letzten Zeit auf ſein Weibſen gehalten haben, denn er ſchranzt jetzt ſchon wieder um die Liebe eines ſchoͤnen Fraͤuleins.“ „Ei, der Flatterhafte,“ ſagte Rinfried. „Heut kam mein Delto von der Neuen⸗ rg, wo er uͤbernachtet hatte, und brachte mir ie Kunde, daß Manſo dem Fraͤulein Amalie den Hof mache und beſonders vom Alten gern geſehen werde.“ „Was? Der Manſo, auf Neuenburg! Hoͤt⸗ ich recht!“ rief Rinfried vom Seſſel aufſpringend. 91 „Blitz und Hagel! ſicht Dich der Teufet an?“ fragte Hugo erſtaunt. 5 „Ich muß fort nach Neuenburg,“ ent. gegnete er,„Du bleibſt indeſſen auf meiner Burg und ſchickſt mir den Gleichen nach.“ NNooch wußte Hugo keinen Zuſammenhang zu finden.„Haͤtt' ich doch in dieſem Moment die Klugheit eines Pfaffen,“ meinte er bei ſich ſelbſt und ſah in den Burghof hinab, wo des Herren Befehl mehre Knappen und Buben in Thaͤtigkeit geſetzt hatte.— Leicht, aber ſchoͤn gewappnet trat nach we⸗— nigen Minuten Rinfried wieder zu Hugon. „Leb' wohl, trauter Kumpan,“ ſprach er,„bald ſehen wir uns wieder, und hoffentlich bin ich dann recht gluͤcklich“ Ohne nur auf eine Antwort zu harren eilte er zur Stiege hir nab, ſchwang ſich auf ſeinen Goldfuchs und jagte, nur von einem Knappen begleitet, fort, Nicht weit von ſeinem Gaue traf er Hans v. 8 chen, der ſogleich ijm folgte. —— Rinfried a 8. 92 Unfreundlich und herbſtlich wehte der Wind. Schwarze und graue Wolken von Regen an⸗ gefuͤlt hingen am Hiutmel und drohten mit jeder Minute, ſich zu entladen; als Rinfried, Hans und der Knappe auf die Neuenburg ein⸗ ritten. Ein ehrwuͤrdiger Greis, deſſen weißer Bart bis auf die Guͤrtel herab hing, empfing die Ankommenden recht freundlich. Der alte Neuenburger kam ſelbſt in den Burghof und auf ſeinen Feind Manſo v. Dorneck erkannte. Mit reecht freundlicher Miene nahte er ſich, fragend: „i, ei, aus welcher Urſache mag denn mein Nachbar die Neuenburg beſuchen?“ —„Grad aus der Urſache, wo Ihr ſie be⸗ ſucht,“ entgegnete Ninfried ziemlich unwirſch und folgte dem Alten. „War traun ein ſcharfer Nitt,“ meinte Hans, im Gelag⸗Gaden ankommend, waͤhrend ſeine Blccke auf der Tafel den Humpen noch dem Fuße folgte ihm ein von Gold⸗ und Sil⸗ berkleidung ſtrotzender Mann, in dem Rinfried 3 4 —-— Befehle deshalb ertheilt, und kaum daß ſich Hans geſetzt hatte, ſo wurden auch Humpen und Kannen aufgetragen.„Der ſoll trefflich munden, nach ſo'n Ritte, als ging's auf Tod und Leben,“ wiederholte Hans. „Und Ihr ſeid wohl zur Kurzweil ſo ſcharf geritten?“ fragte der ſchlaue Manſo. „Nach der Urſache habt Ihr doch nichts zu fragen!“ eiferte Hans und ſetzte dann noch hinzu:„Ein Hageprunk kann uns ſo'n Ritt nicht nachmachen.“ Mit den Zaͤhnen knirſchend ſetzte ſich Manſo etwas ſeitwaͤrts, den Reben⸗ ſaft nur wenig koſtend, denn er waͤhnte, daß dieſer in ſeiner eeigen Gkinnuuns zur Galle werde. 8 Der Burgherr war indeſſen mit Rinfried auf den hoͤchſten Thurm geſtiegen, doch ver⸗ ſtattete die truͤbe Witterung keine weite Ausſicht und bald betraten ſie den Gelag⸗Gaden wieder. Das Geſpraͤch wurde bald llger woran ſelbſt Hans thaͤtigen V vermißten; aber ſchon hatte der Burgherr ſeine . weil ihm fleißig eingeſchenkt wurde. Noch zu fragen, aus Furcht er moͤchte ſich verrathen. Manſo hatte ſich entfernt und kehrte mit einem Strauß Herbſtblumen lachend wieder.„Da hat mir Eure ſchoͤne Tochter,“ ſprach er zum Alten,„ein koͤſtliches Geſchenk gemacht. Was dieſe Blumen in der Ritterſprache zu bedeuten haben, wird Euch wohl noch aus der Jugend⸗ zeit bekannt ſein.“ Rinfried erblaßte, denn er ggewahrte unter den Blumen die Aſter.*) Meine Tochter muß heute bei guter Laune ſein,“ meinte der Alte, runzelte aber doch dabei etwas die Stirn. Indem flog die Thuͤr auf, und ſchoͤn wie ein Engel, erſchien Amalie. Sie 8 verbeugte ſich erroͤthend gegen die neu ange⸗ kommenen Gaͤſte und lis spelte mit ihrer reinen Stimme ein herzliches„Willkommen. 4 Rinfried vermogte es nicht, auch nur ein *) Aſter heißt in der Ritterſprache: wirſt dn mch auch treu lieben? 7 hatte es Rinfried nicht gewagt nach Amalien † 1 —2— lihre. Erſcheinung und der Strauß Manſo. Mit zumlich ernſthafter Miene und gebieteri⸗ Wort. zu ihr zu ſagen, ſo verwirrt hatte ſcher Haltung trat ſie auf Manſo zu und ſprach:„Gebt mir den Blumenſtrauß zuruͤck, den Ihr mir geſtohlen habt, oder ich muß ernſtlich auf Euch zuͤrnen.“. Jetzt war der Luͤgner entlarvt. Er wurde bald roth bald blaß, und ſtotterte eine nichts ſagende Entſchuldigung. Amalie beſtand ernſt⸗ haft auf die Zuruͤckgabe der Blumen und— erhielt ſie wieder. Freier athmete nun auch wieder Rinfried und begann mit Amalien ein Geſpraͤch anzuknuͤpfen. Noch gab indeſſen Manſo nicht alle Hoffnung auf, daß es ihm gluͤcken werde, ſeinen Nebenbuhler zu vertreiben, denn nur zu gut hatte er die Urſache errathen, warum Rinfried hieher gekommen ſei. Manſo war ſtill und einſil big, denn er dachte uͤber verſchiedene Plaͤne nach, doch ſchei⸗ terten ſie alle an Rinfrieds Mach Am naͤchſten Tage ſtand N f ———— wieder auf dem hoͤchſten Thurme, von wo aus man eine köͤſtliche Ausſicht hatte.„Amalie,“ ſagte er und ſah wie begeiſtert umher.„Welche Amalie meint Ihr, wenn man fragen darf?“ fragte eine weibliche Stimme, und bei ihm ſtand die Geliebte. Er, der Held, deſſen Tap⸗ ferkeit und Ruhm in Deutſchland allgemein bekannt war, ſtand jetzt ohne Worte bebend vor einem ſchwachen Moͤdchen. Ploͤtzlich aber raffte er ſeinen Muth zuſammen, legte traulich die Hand auf des Maͤdchens Schulter und ent⸗ gegnete:„Prunkworte weiß ich nicht zu ſagen, aber treu und innig liebe ich eine Amalie.“ Er ſtockte. Eine große Thraͤne quoll aus ſeinem Auge. Auch die Jungfrau ſenkte hoch erroͤ⸗ thend das Koͤpſchen auf den Buſen und war um Worte verlegen. Ninfried fuhr fort: „Wenn ich Euren Blick bei dem Abſchiede recht deutete, ſo ſagte er mir, daß ich Euch auch nicht ganz gleichguͤltig ſei. Amalie! Euch — nur Euch liebe ich, ſeit dem Augenblicke — unſerer Bekanntſchaft. Darf ich hoffen?“ Er — 97 war auf ein Knie geſunken, hatte ihre H and an ſeine Lippen gezogen und blickte hoffend auf das ſchoͤne Maͤdchen. Amalie druͤckte ihm leiſe die Hand, blickte ihn mit ihren ſchoͤnen blauen Augen an und lispelte:„Mein Rinfried.“ In demſelben Moment ruhte auch ſchon Bruſt an Bruſt, und Mund auf Mund.„So zu ſterben muͤßte ſuͤß ſein,“ meinte Rinfried, der Gluͤckliche, und ſah trunken in die Natur. Heute war die Witterung ſchoͤn zu nen⸗ nen. Da ſtanden ſie nun, die Gluͤcklichen, und uͤberſahen mit einem Blick die im Herbſt⸗ ſchmucke ſtehende Natur. Es ſchien, als ob fuͤr ſie eine neue Natur aufgegangen ſei. In 3 voller Pracht ſtieg die Koͤnigin des Sages em⸗ por und zerſtreute mit ihren eraut nden Strahlen den Nebel. Allmaͤhlig zeigten ſich nun auch in der Ferne Huͤtten, Kirchthuͤrme, Haͤuſer und Baͤume. Aus den nahen Kloͤſtern hoͤrte man das Gelaͤute der Glocken, welche den Landmann zum Gebet riefen, um Gedei⸗ hen zu ſeiner Arbeit vom Himmel zu erfleh 3 Arm in Arm ſtanden ſie noch beiſammen, als ein Geraͤuſch bei ihnen ihre Blicke auf ſich zog. Es war Amaliens Vater, der nicht ohne Ver⸗ wunderung die Liebenden betrachtete. Rinfried wendete ſich ſogleich mit folgenden Worten an ihn;:„Es wird Euch bekannt ſein, daß mein Adel bereits einige hundert Jahre alt iſt und kein Makel auf meine Vorfahren haftet. Auch ich habe meinem Stande nie Schande gemacht, kann eine Ehegeſpannin anſtaͤndig ernaͤhren — und bitte Euch daher, gebt mir Eure ſchoͤne Tochter zum Weibe.“ In den Augen des Alten zeigten ſich Freudenthraͤnen.„Seid gluͤcklich, meine Kin⸗ der,“ antwortete er geruͤhrt und umarmte bald Rinfrieden, bald ſeine Tochter. Die drei gluͤck⸗ lichen Menſchen verließen den Thurm, um au⸗ ßerhalb der Burg die freie Natur recht zu ge⸗ nießen.„Sechs und funfzig Herbſte erlebte ich hier auf der trauten Neuenburg,“ ſprach der Alte außer ſich vor Entzuͤcken,„aber kein Tag erſchien mir ſa ſchoͤn als der heutige. Ja, ja, ich merke es, durch meine Kinder werde ich wieder verjuͤngt werden, und der Reſt mei⸗ ner Lebenszeit wird mir in Liebe und Freund⸗ ſchaft entſchwinden. Kommt, meine Kinder, ſetzt Euch zu mir!“ 3 Indem erſchien Manſo v. Dorneck. Er merkte augenblicklich was hier vorgegangen ſei. „Ich bin wohl uͤberfluͤſſig?“ fragte er ſpoͤttiſch. 8„Vollkommen,“ entgegnete Rinfried. Da warf jener einen hoͤhnenden Giftblick auf ihn, mur⸗ melte unverſtaͤndliche Worte, und ging. Hans v. Gleichen hatte bereits dem Hum⸗ pen fleißig zugeſprochen und kam auch ziemlich ſelig herbei. Der Burgherr ſagte etwas leiſe zu ihm, worauf er ſich augenblicklich wieder entfernte. Da nun die Gluͤcklichen zum geoͤffneten 3 Thore wieder in die Burg gehen wollten, ſprengte Manſo mit ſeinem Knappen fluchend fort. Von den Zianen der Burg ſchmetterten gleich darauf Trompeten und Pauken. Reiſige Knechte und Buben jubelten ein lautes Vivat, und erhielten zum Dank einige Schlaͤuche Wein. Der faſt ganz verwilderte Hans wiſchte ſich Thraͤnen aus den Augen, als er Rinfried's Gluͤck ſah. Er dachte an die vergangene ſchoͤne Zeit ſeiner Liebe mit Begeiſterung, und knirſchte dann wieder, uͤber die Buͤbereien des Priors vom Auguſtiner⸗Kloſter, mit den Zaͤhnen. So entſchwand der erſte Tag unter allge⸗ meiner Freude, doch der zweite war bereits ein Verkuͤndiger des nahen Ungluͤcks. Ein Bote prachte die Kunde, daß der Verwandte in Hild⸗ burghauſen geſtorben ſei. So viel der Ritter 5 v. Neuenburg wußte, ſollte er die Haͤlfte des Nachlaſſes, und die andere Haͤlfte ein nahes Kloſter erhalten.„Rinfried,“ ſprach er,„ich weiß, Ihr braucht weder Geld, noch Laͤndereien, aber damit Ihr meine Tochter nicht ohne Mit⸗ gift erhaltet, ſo will ich Euch das Erbtheil in Hildburghauſen uͤberlaſſen.“ „Ich danke Euch, Vater Nauenburg,“ 8. entgegnete Rinfried ihm die Hand reichend. der Alte fort,„alles in Richtigkeit bringen, 101 „Morgen will ich dahin abreiſen,“ fuhr 8 und dann ſoll die Hochzeit ſein.“ „Dann die Hochzeit, jubelte Rinfried, und* zog die Braut an die maͤnnliche Bruſfe. Abgereiſt von Neuenburg war bereits meh⸗ rere Tage der Burgherr, in deſſen Abweſenheit Rinfried hier bleiben wollte. Der wilde Hans trieb ſich vom Auf⸗ bis zum Niedergang der Sonne in den nahen Forſten umher, um nur die Liebeleien der Brautleute nicht mit anzu⸗ ſehen. Auf der Warte ſtanden eben Rinfried und Amalie, als ein Boote auf fluͤchtigem Roſſe daher ſprengte. Das Roß drohte jeden Au⸗ genblick niederzuſtuͤrzen, und doch trieb es der Reiter noch zur Eile an. Es war ein Rei⸗ ſiger des Steinau, wie die Leibbinde zeigte, und etwas Vnnraes ging Ninfried nach der Stiege.„Welche Kunde bringſt Du?“ fragte er den Reiſigen. „Boͤſe,“ entgegnete er, und uͤberreichte ein Stuͤck Pergament. Rinfried machte von den gewoͤhnlichen Rittern damaliger Zeit keine Ausnahme, denn er konnte weder leſen noch ſchreiben. Aengſtlich ſtand ſeine Braut bei ihm und ſchmiegte ſich ſanft an ihn.„Lies Du!“ bat er Amalien. Sie begann: . Bruderkuß und Handſchlag! Deine Feinde Schluck v. Iſenbart und Manſo v. Dorneck haben Deine Abweſenheit trefflich benutzt. Ohne einen Fehdebrief zu ſchicken, haben ſie in einer dunkeln Nacht Burg 4 Ilmen uͤberfallen. Noch zur rechten Zeit wur⸗ den ſie vom wachſamen Thorwart bemerkt, wel⸗ cher ſogleich Laͤrm machte. Die Feinde waren ſtark und maͤchtig, ſo daß ein furchtbarer Kampf entſtand. Hugo v. Wuͤlfingen focht ſtets wie ein Loͤwe, obgleich der im Anfange ſchon zehn „Wunden erhielt Ein Theil der Raͤuber, denn 103 8 einen beſſern Namen verdienen ſie nicht, hatte unbemerkt die Mauer an der Oſtpforte erſtis⸗ gen und von hier aus Pechkraͤnze in den Holz⸗ ſchoppen geſchleudert. Rettung war unmsglich, da ein heftiger Wind das Feuer zu ſchnell an⸗ fachte. Es iſt ein trauriger Anblick, einen Theil Deiner Burg in Aſche zu ſehen! Am andern Morgen kam aber Walter v. Vahner, als die Feinde die Mauer üͤberall erſtiegen hat⸗ ten, und die wenigen Deiner Knechte nur noch einen ganz geringen Widerſtand leiſteten. Die Feinde empfingen Waltern herzhaft, und gewiß haͤtte er den Ruͤckzug antreten muͤſſen, wenn ich mit meinen Leuten nicht gekommen waͤre. Der ſchrecklichſte Kampf entſpann ſich, welcher damit endigte, daß ſich die Feinde zuruͤckzogen. Jetzt halte ich mit meinen Leuten Deine Burg beſetzt, waͤhrend der Vahner die Feinde beob⸗ achtet, welche als Sieger in unſern Gauen umherziehen. Eile, trauter Rinfried, zu uns, uns 5 denn ſtehſt Du an unſerer Spite, ſo iſt 5 104 der Sieg gewiß, ohne Dich fehlt nicht mehr wie Alles. Dein Waffenbruder Dedo v. Steinau. Wuͤthend ſchlug Rinfried an das Schwerdt und befahl an der Sturmglocke zu ziehen, da⸗ mit ſein Kumpan Hans eilig zuruͤckkomme. Kriegeriſches Getuͤmmel herrſchte in der Burg, denn Amalie gab Befehl, daß zwanzig Neiſige ihren Braͤutigam begleiten ſollten; ſie ſelbſt wollte dies thun, wenn Rinfried es zu⸗ gegeben haͤtte. Dumpf ertoͤnte die Sturm⸗ glocke in das Thal und von der Warte ſtieg der Rauch auf. Wͤhrend dies hier vorging, erſchien Hans, worauf auch Rinfried ſogleich Befehl zum Ab⸗ mmarſch gab. Amalie wollte ihm jetzt in der — Angſt ihres Herzens, alle ihre Leute mitgeben, doch ſchlug er dies ab, um ſie nicht ſelbſt in Gefahr zu bringen. Schon war die Zugbruͤcke herabgelaſſen und der Trompeter blies; da —— ſprengte auf ermattetem Roſſe abermals ein Reiter herbei, nach dem Ritter a Spada fra⸗ gend. Mit unbefangener Miene reichte er ihm ein kleines Stuͤck Pergament, worauf die we⸗ gen Worte ſtanden, welche Amalie las: „Die Moͤnche wollen den ganzen Nachlaß meines Verwandten an ſich reißen. Die Hand⸗ feſte weiſt ihnen nur die Haͤlfte an, doch ſoll er ihnen die andere Haͤlfte wenige Stunden vor ſeinem Tode noch zugeſichert haben. Eilt daher mit einer bewaffneten Schaar hierher, daß die Moͤnche Reſpekt erhalten. . Riitter v. Neuenburg. „Und wenn die ganze Welt ſich gegen mich verſchworen haͤtte,“ rief er aus,„ſo will ich doch nimmer nachgeben, ſondern ſiegen oder fallen!“ Sein Schwert entboͤßend und gen Himmel haltend, ſprach er:„Hier gelobe ich, meine Braut nicht eher heimzufuͤhren, als bis die ſeindlichen Nachbarn gedemuͤthigt und die Moͤnche allen Anſpruͤchen auf die zweite Haͤlfte der Erbſchaft entſagt haben!“ men,“ ſprach Hans und machte das Schlachtſchwert locker. A bermals ertoͤnte die Trompete.„Ich muß fort,“ ſprach Rinfried zu Amalien,„ich ahne es, lange werde ich erſt kaͤmpfen muͤſſen, ehe ich im Hafen der Ruhe und des Gluͤcks einlaufen kann. Jede Minute, die ich hier zu lange verweile wird zur Suͤnde. Lebe wohl, und bete fuͤr mich!“ Er umarmte, kuͤßte die Braut, und als er keine Thraͤne in ihren Au⸗ gen ſah, umarmte er ſie nochmals und nannte ſie, meine Engeldirne.“ Fort ſprengte er mit ſeinen Leuten, daß dieſe gar bald hinter ihn und Hans zuruͤck⸗ blieben:„'s ſind keine Ilmenburger, ſprach er zu ſeinem Buſenfreunde, waͤhrend dieſer ſich ſchon in das Schlachtgetuͤmmel verſetzt hatte. Faſt ohne Raſt ritten ſie bis in die Naͤhe von Ilmen. Hier gewahrte Hans, daß ſich die Dornecker gelagert hatten und ſogleich wollte er ſie, ohne die noch etwas entfernten Neuen⸗ purger, angreifen, doch Rinfried hielt ihn davon . Nur zu bald entdeckten jedoch die Feinde, ab. 107 die Ankunft des allgemein gefuͤrchteten Ninfried und ſie ſtellten ſich in Ordnung. 4 Bei dem feindlichen Haufen war kein Ritter zu ſehen, doch war er wenigſtens 1100 Mann ſtark, waͤhrend Rinfried nur 20 erſchoͤpfte Streiter hatte. Wie der Sturmwind ſo brauſ te die kleine Schaar in die Feinde. 1 Burg Ilmen. (An der eingefallenen Mauer lehnen zwei 8 verwundete Knechte und ſchauen ſorgſam 5 nach dem Thale, wo die Feinde in Ord⸗ nung ſtehen, waͤhrend eine kleine Schaar gegen ſie einſprengt. Hierauf ſprengt Dedo v. Steinau mit Knechten zum 5 Thore hinaus.) Erſter Knecht. Hu! da fäͤll Schlag auf Schlag. ¹ weiter Knecht. Die kleine Schäat ficht furchtbar. Ich kann die Leibbinden weg Rinfried a Spada. 3 der Sonne nicht erkennen; wer ſie nur ſein muͤſſen? Erſter Knecht. Befreundet ſind ſie mit uns. Zweiter Knecht. Schau! ſchau! wie die zwei Ritter um ſich hauen! Knacks! Plumps! alle gehen verloren. Wenn's unſer Herr waͤr' und der tolle Hans?! Erſter Knecht. Faſelſt Du, Fant? die konnen hoͤchſtens dieſen Abend ankommen. Zweiter Knecht. Jetzt geht s hart her. Der eine Ritter ſinkt. Hah! ſchon iſt er wieder außm Gaule. Zwei, drei, vier Mann hat er wieder in's Gras geſtreckt. Die Dorn⸗ ecker wenden ſich nach dem Walde, die Ritter nach. Jetzt ſtehen ſie wieder. Ein harter Kampf beginnt von neuem. Dedo v. St. Lugner, haſt Du denn den Staar, daß Du den Burgherrn nicht er⸗ kennſt?!(es wird in ein Horn geſtoßen) Holla! hehl Knechte zu Gaule! Sputet euch, der Herr iſt im Thale! Zweiter Knecht. Siehſt Du, bummer Fant, daß unſer Rinfried im Thale iſt. Der wird die Feinde bald vernichten. Erſter Knecht. Vernichtet ſich ſo leicht nicht, wenn die meiſten Kaͤmpfer oder todt ſind. Zweiterr Knecht. Wenn meine Rip⸗ pen noch ganz waͤren, ich liefe hinter de ſigen her und wuͤrde einen bitten, mich mit auf's Roß zu nehmen,(traurig) aber ſo muß ich wohl hier harren. Das Traurigſte was einem Krieger wiederfahren kann, ſind— 4 Wunden.. Erſter Knecht. Sie gehoͤren zum Kriegshandwerk. Ein Krieg, wo's nur Sieg oder Tod gaͤb', waͤr' mir verhaßt. der Frende) Wenn man ruͤhm erhalten hat und eine Dirne ve dies nicht wahrer Balſam? gweiter Knecht. Ich danke fuͤr ſon , Balſam. Da lobe ich mir doch ſo ne kuſſige . Dirne im Arm und— keine Wund— verwundet n Rei⸗ (in aufwallen⸗ liche Wunden rbindet ſie, iſ dent., 110 Erſter Knecht. Biſt'n Gauch, der gern ohne Veraͤnderung das Leben liebt, durch dieſe wird's mir aber erſt angenehm. Zweiter Knecht(ſieht in's Thal). O weh! die Ritter ſinken. Da, da, hat ſich der Hans wieder aufgerafft und wuͤthet wie⸗ der wie ein Auerochs.. . Erſter Knecht. Die Feinde weichen. Unſer Rinfried ſitzt auch all' wieder zu Gaul.(Dedo von Steinau ſprengt mit Reiſi⸗ gen zum Thore hinaus). Dedo v. St.(zuruͤcklaufend). Seid wachſam! Zweiter Knecht. Gum Gefaͤhrten). Was hilft Wachſamkeit bei der eingeſtuͤrzten Mauer, wenn dieſe nur von Verwundeten be⸗ wacht wird? 3 Erſter Knecht. Man muß doch die Feinde in Reſpeckt zu erhalten ſuchen. Zweiter Knecht. Scheinen doch or⸗ dentlich zu fliegen unſere Kumpane und der reedliche Steinau voran. — Ende biſt; eben koͤmmt der Steinau auf dem — * ſie ihn erreichen. Rinfried und Hans 111 Erſter Knecht. In ihm ſind alle Tu⸗ genden vereint. Sein ehemaliger Knappe, der Sichele, begegnete ihm kuͤrzlich mit einect Handbrieflein von Dornecker. Als er den Steinau ſah, wollte er einen andern Weg einſchlagen, doch—. es ging nicht. Sichele bebte wie ein froſtiger Bettelbub', gruͤßte de⸗ muͤthig und dachte, daß ihm der Herr nieder⸗ hauen wuͤrde. Was that jener aber? Sichele,“ rief er,„fuͤr Deine kurze Dienſtzeit nimm von mir noch zum Andenken dieſes ſilberne Kett⸗ lein, welches ich in Italien erbeutete.) Da haͤtteſt Du den Beſchaͤmten ſehen ſollen, wie er da ſtand! Ich— ich an ſeiner Stelle wuͤrd' einen feſten Strick ſuchen und—(figu⸗ rirend. Zweiter Knecht. Gut, daß Du zu Kampfplatze an. 15 Erſter Knecht. Die in G nach dem ſchuͤtzenden Walde. Num ſchal 112 nach; alles folgt ihnen. Hoͤrſt Du ihr Ge ſchreis He! Lugner! Blaſ' das Siegeslied und Du Klingsohr ſtimme an ein' Schlachtgeſang! (Allgemeiner Jubel auf der Burg.) Mit Beute an Roſſen, Harniſchen, ſo wwie uͤberhaupt an Waffen zeder Art, zog Rin⸗ fried unter allgemeinen Jubel ſeiner Leute wie⸗ der in Burg Ilmen ein. Der erfochtene kleine Sieg konnte ihn aber nicht erfreuen, als er die— graͤßlichen Zerſtoͤrungen ſah, welche das Feuer angerichtet hatte. Ein großer Theil der Burg lag in Aſche und Truͤmmer, und nur die maſ⸗ ſiven Gebaͤude ſtanden trobzig, aber ſchwarz ge⸗ brandt, noch da. Nochmals gelobte er im Her⸗ zen den ſchaͤndlichen Feinden gluͤhende Rache, ließ ſogleich die Sturmglocke und das Heerhorn erſchallen, auf welchen Ruf die friedlichen Land⸗ leute nach der Burg kamen. ——õm—õõõ——— 3 113 Hugo v. Wuͤlfingen lag hart darnieder.. In der Nacht hatte er ohne Harniſch gekaͤmpft und daher zehn theils ſchwere, theils leichte. 3 Wunden erhalten. Ohne nur eine Miene zu 2 verziehen, ertrug er alle Schmerzen, doch wuͤnſchte er mit Sehnſucht, an dem ferneren Kampfe Theil nehmen zu koͤnnen, um ſich zu raͤchen, aber ſeine Wunden waren von ſolcher Beſchafe⸗ fenheit, daß er wenigſtens zwei Monate das Lager huͤten mußte. Die Ringmauer wurde ſogleich unter An⸗ weiſung einiger Maurer von den Landleuten ausgebeſſert, der Schutt von den abgebrannien Gebaͤuden aufgeraͤumt und der Bau der neuen ſollte beginnen. Rinfried ſorgte fuͤr alles und zeigte ſich ſehr thaͤtig. Noch am Abende fertigte er ei⸗ nen Boten nach Neuenburg ab, um ſeiner Braut anzuzeigen, daß er einen Theil der Feinde geſchlagen und nun naͤchſtens hoffe nach Hid⸗ 8 burghauſen aufbrechen zu koͤnnen. Hans v. Gleichen und Dedo v. Steian ſaßen ganz geharniſcht und mißmuthig an ei⸗ ner Tafel, denn der Weinkeller war von den Truͤmmern der Gebaͤude zugedeckt worden und bis jetzt hatten die Arbeiter den Eingang nicht gefunden. 5 „Kumpan, Du biſt unwirſch,“ meinte Hans. „Du auch,“ entgegnete Dedo,„wo's nichts Naſſes gibt, da ſind wir nicht gern, wie Du weißt.“ 3 „Woll'n uns einen guten Humpen auf Dorneck holen,“ fuhr Hans fort.⸗ „Mir iſt's recht,“ antwortete Dedo,„mor⸗ 5 gen in aller Fruͤh ſind wir wieder hier und haben friſche Kraͤfte.“ Beide ſtanden von ih⸗ reen Seſſeln auf, um ſich die Roſſe ſatteln zu laſſen.„Wenn wir aber auf Dorneck erkannt wuͤrden,“ wendete Dedo ein. „So hau'n wir die Knechte zuſammen und— haben die Burg erobert,“ antwortete lakoniſch der furchtbare Gleichen. Indem ſtieß „Was gibt's,“ ſchrie „ der Lugner in's Horn. Rinfried aus dem Burghofe ihm zu.„Es iſt Feuer in Eurem Gau, wahrſcheinlich in Lindenbuͤhl!“ lautete die Antwort. „Alles ſoll aufſitz en,“ ſchrie er dem Ruͤſt⸗ meiſter zu,„und die Bogenſchuͤtzen ſollen fol⸗ gen!“ Jetzt war der Plan Dedo's und Hanſens vereitelt. Rinfried ließ ſich das groͤßte Schwert aus der Ruͤſtkammer bringen und ſchnallte es um.„Die Mordbrenner ſollen ih⸗ rem Schickſal nicht entgehen,“ ſprach er,„oder mein Name moͤge den Gaſſenbuben zum Ge⸗ - ſpoͤtt dienen.“. 5 Die Flamme vergroͤßerte ſich mit jeder Minute. Das ganze Dorf mußte in Flam⸗. men ſtehen, denn wie ein Feuermeer wogten ſie umher. Waͤhrend dies vorging, ſprengte noch Walter v. Vahner mit einer Schaar Be⸗ waffneter auf Ilmen.„Du haſt lange auf Dich harren laſſen,“ ſagte Rinfried mit einem Tone des Vorwurfs. „Gern waͤr' ich eher gekommen,“ lautete 116 die Antwort,„wenn Schluck v. Iſenbart meine Burg nicht belagert haͤtte.“ „Teufel und Hoͤlle, die Fetzen werden kuͤhn!“ ſchrie Hans. Walter fuhr fort:„Die Feinde haben ſich ſchon lange ins Geheim gegen uns geruͤſtet und benutzten nun Deine Abweſenheit. Ihre Macht beſteht wenigſtens aus 200 Reiſigen und 400 Bogenſchützen.“ „Wie ſtark ſind wir?“ fragte Rinfried.“ „Wenn Ihr die Burg durch Verwundete und Landleute beſetzen laßt,“ meinte der Nuͤſt⸗ meiſter,„ſo koͤnnt Ihr 80 Reiter und eben ſo viel Bogenſchüten ins Feld ſtellen; denn die beſten Knechte ſind hier gefallen, und von den Döͤrfern hat der Feind waffenfaͤhige Leute mit weggefuͤhrt.“ „Unſere Sache iſt gerecht!“ lief Rinftied, weshab auch meine kleine Schaar ſiegen wird!“ Er ertheilte noch verſchiedene Befehle, dann ſprengte er mit Rittern und Reiſigen nach dem Feuer zu. —; 5 8„ 117 (Das Dorf Lindenbuͤhl ſteht in vollen Flam⸗ men. Die Bewohner fluͤchten nach ver⸗ ſchiedenen Seiten. Ritter Schluck v. Iſenbart mit vielen Reiſigen hat das Dorf umringt und laͤßt die ungluͤck⸗ lichen Bewohner theils niederhauen, theils ihre wenige Habe abnehmen.) Schluck v. J. Schuͤrt das Feuer zu⸗ ſammen, damit das Neſt rein ausgebrannt wird! Wenn doch der Auerochs Gleichen hier waͤr', ſollt' herrlich bei dieſem Feuer braten. Wie wird ſich der freiſame Rinfried die Naͤ⸗ gel zerkauen, wenn er ſein ſchoͤnes Dorf in Aſche ſieht. Ein Knecht(eeiſe). Edler Ritter! Schier waͤhnt' ich entferntes Roſſegewieher und Stam⸗ pfen zu hoͤren; wenn's nur die Feinde nicht ſind. Schluck v. J. Sie moͤgen kommen; ihre Macht iſt gebrochen. Meine entfernt aus⸗ geſtellten Poſten werden mir ihre Naͤhe mel⸗ den, unbeſorgt vermagſt Du indeſſen noch zu rauben und zu nothzuͤchtigen. 118 Ein anderer Knecht. Herr! die Beute war heute gut. Eure Leute haben nun fri⸗ ſchen Muth und werden doppelt tapfer ſtreiten. Schluck v. J. Wenn wir erſt Burg Ilmen erobert haben, ſo ſchlage ich euch alle zu Rittern. Der Knecht(beſorgt). Wird ſchier ſchwer halten, denn der Loͤwe iſt in die Hoͤhle zuruͤckgekehrt.— Schluck v. J. Der von Memmen ſo gefuͤrchtete Loͤwe wird doch nicht ſtets in der Bähle verweilen? Der Kne Ja, wenn man mehr als ein ein Leben zite ſo koͤnnte man's wohl icht auf's Spiel ſetzen, aber dies eine leicht⸗ ſinnig zu opfern, iſt'ne Schande. Schluck v. J. Verdammte Memme (rufend) Heda! Trompeter blaſe!(Man hoͤrt raſche Trompetenſtoͤße) Wolln im naͤchſten Dorfe auch,'n Beſuch abſtatten und ſo den Winfried ſeiner beſten Mittel berauben uns 8 — Triumphen(das Schwerdt ſchwingend) Sieg 119 thaͤtigen Widerſtand zu biſn üben rotten ſich die Reiſigen um ihn.) Der Trompeter. Da ganze dorf 1 iſt nieder, auch nicht ein Stall ſteht mehr. Schluck v. J. Folgt mir zu neuen oder Tod ſei unſere Loſung! Alle(freudig). Sieg oder Tod! Ein Knecht lauf keuchendem Roſſe an⸗ kommend). Die Feinde ſind ganz in der Naͤhe. Ich hoͤrte Rinfrieds Donnerſtimme und Han⸗ ſens Gelaͤchter. Schluck v. J.(erſchrocken). Wie ſtark ſind die Feinde? Der Knecht. Wohl hundert Reiſige. 1 Schluck v. J. Wennss nicht mehr ſind, dann iſt der Sieg unſer(rufend.) Ordnet euch in drei gleiche Haufen. Geſchwind! geſchwind! Wer von euch den Rinfried toͤdtet oder leben⸗ dig faͤngt, erhaͤlt meine ſchoͤnſte Meierei!(ſie ordnen ſich, waͤhrend Schluck ſi durch feurige Reden zu entflammen ſucht). 120 Schluck. J.(fuͤr ſich). Waͤr ein Hauptgaudium, wenn ich hier den Rinfried gefangen naͤhm und der Manſo die ſchoͤne Amalie von Neuenburg.(Man hoͤrt von zwei Seiten raſche Trompetenſtoͤße)(rufend) Jetzt gilt's, haltet euch tapfer! Wie ein reißender Orkan, ſo ſtuͤrmten die Ritter mit ihren Reiſigen daher.„Hier gilt es* ſchrie Rinfried.„Haltet euch tapfer, ſonſt iſt unſer und euer guter Ruf auf immer da⸗ hiin!“ Obgleich die Schaar Rinfrieds kaum 3 80 Streiter zaͤhlte, ſo war ihr Angriff doch ſo kraͤftig, daß im Nu die Reihen der Feinde zerbrochen waren. Rinfried, Hans, Dedo und Walter hieben ſo furchtbar um ſich, daß in wenigen Minuten ein Drittel der Feinde am Boden lag. Der Commandoruf der Ritter, das Geſchrei der Verwundeten und das Heizſe es barts Gau, um ſeine Burg zu belagern. Waffen hoͤrte man in der ſtillen Nacht ziem⸗ lich weit. Schluck v. Iſenbart ſtritt zwar bald hier, bald dort, doch mied er ſorgfältig ein Zuſam⸗ mentreffen mit einem der Ritter. Seine Schaar wich bereits zuruͤck; da ließ er den Trompeter blaſen, um den geſunkenen Muth zu beleben. Mit dem Kerne ſeiner Leute drang er jetzt ge⸗ gen die Ritter, doch Hans faſt allein hielt den Andrang aus und verwundete Iſenbart an der rechten Schulter. Mit genauer Noth zog er ſich aus dem Getuͤmmel zuruck und gab nun ſelbſt das Zeichen zur allgemeinen Flucht. Der groͤßte Theil ſeiner Leute fand den Tod und nur wenige erreichten mit ihm Burg Hor⸗ ningen. Ninfried verfolgte den Reſt der Feinde nicht weit, weil er einen feindlichen Hinterhalt befuͤrchtete. Als nun aber auch ſeine Bogen⸗ ſchuͤtzen ankamen, ruͤckte er vorſichtig in Iſen⸗ 7 Unter kriegeriſcher Muſik erreichte das 122 kleine Heer Burg Horningen, welche ſogleich voonn allen Seiten eingeſchloſſen wurde. Auf einem nahen Huͤgel ließ Rinfried ſein Zelt aufſchlagen,*) wo die Ritter ſich wegen den ferneren Operationen berathen wollten. Die Burgwar feſt und mit hohen Mauern umgeben, und die Streiter zahlreich. Auch ließ ſich erwarten, daß ſie mit Lebensmitteln verſorgt ſei. Die Ritter wunderten ſich nicht wenig, daß Manſo v. Dorneck ſie nicht beunruhigte, und ahneten mit Recht, daß er auf einem Streifzuge begriffen ſei. Waͤhrend Rinfried die ſchwaͤchſte Stelle der Burg auszukundſchaften ſuchte, hatte ſich Hans nach einem nahen Kloſter begeben, wo er von den Moͤnchen einige Schlaͤuche Wein erpreßte, welche er nach dem Zelte bringen ließ. Nachdem nun Ninfried den ſchicklchſten *) Jetzt iſt dieſer Huͤgel mit Cizetunen hopſtanzt. 123 Ort zum Sturme ausgekundſchaftet zu haben glaubte, ließ er Sturmleitern anfertigen und die große Blieden⸗Maſchine von Ilmen holen, in deren Beſitz ſeine Familie faſt hundert Jahre war. Am Abende ſaßen die Ritter im Zelte 8 „ und ließen ſich den Wein trefflich ſchmecken. Hans v. Gleichen war ganz wieder in ſeinem Elemente und jubelte laut. Ziemlich ſpaͤt und auch mit einem tuͤchtigen Rauſche verſehen, ſchlugen die Ritter ihr Lager auf, wo ſie ſaßen. Im Lager war es ſchon laͤngſt ſtill, nur hoͤrte man zuweilen die ausgeſtellten Wachen einander zurufen. Es war heute eine ruhige ſchoͤne Herbſtnacht, welche aber bald durch krie⸗ geriſches Getoͤſe verdraͤngt werden ſollte. Die ausgeſtellten Wachen horchten, ſahen den Feind eilig anruͤcken und konnten kaum das Lager erreichen, um Laͤrm zu machen, denn der Feind folgte auf der Ferſe. Ehe nur die Belagerer erwachten, war bereits ein großer Theil nieder⸗ gehauen. Hier ſah man einen Mallgen iu Ninfried g Spada. — 124 Fuß und halb nackend kaͤmpfen, dort ſloh ein Haufen Bogenſchuͤtzen ohne Waffen und im Mittelpunkte des Lagers bereicherten ſich die Feinde mit Waffen; da hoͤrte Rinfried den erſten Trompetenſtoß, ſprang taumelnd nach dem Eingange des Zeltes und ſah nun was im Lager vorging.„Rettet uns, ſonſt ſind wir verloren!“ rief ein Reiſiger ihm zu.„Der Feind hat einen Ausfall gemacht und wuͤrgt auf eine entſetzliche Art. Mit ſeiner Donner⸗, ſtimme weckte Rinfried ſeine Kumpane. Zum Gluͤck waren ſie noch alle geharniſcht, ſchwan⸗ gen ſich auf die Roſſe und folgten dem Vor⸗ angeeilten. 8 Rinfrieds Ankunft verbreitete ſich ſchnell im Lager. Neuer Muth erfuͤllte die Belage⸗ rer und von einem kleinen Haufen unterſtuͤtzt, drang er gegen die Maſſe der Sieger. Ein ſchrecklicher, ein furchtbarer Kampf entſpann ſich. Sowohl die uͤbrigen Ritter, als auch die ſchon fliehenden Belagerer ſammelten ſich wie⸗ der. Die Echo der Berge toͤnten wieder von dem Getoͤſe der Waffen und dem Geſchrei der Kaͤmpfenden. Hans war kein Menſch mehr, er hatte das zwei und eine halbe Ellen große Schwerdt mit beiden Händen angefaßt und hackte ſo auf die Feinde ein. Da Schluck v. Iſenbart ſeine Leute nicht ſelbſt anfuͤhrte, we⸗ gen ſeiner Wunde am Arme, ſo zogen ſich nach dem ſchrecklichſten Kampfe nun auch ſeine Leute zuruͤck, kaͤmpften aber gegen die Belagerer mit wahrer Erbitterung. Da dieſe zu ſchwach und zu ſehr erſchoͤpft waren, ſo konnten ſie jene auch nicht weiter verfolgen.— Der Verluſt Rinfrieds war fuͤr ſeine jetzige Lage hoͤchſt bedeutend, denn wohl die Haͤlfte ſeiner Streiter deckte den Wahlplatz. Durch die Reihen der erſchoͤpften Krieger kam auch ein hinkender Reiſiger Rinfrieds, welcher eifrig nach ſeinem Herrn forſchte, der von einem Orte zum andern eilte. Endlich traf er ihn. Rinfried erkannte ihn ſogleich an der Stimme und fragte:„Wie ſieht's auf Neuenburg aus?“„Schlimm! ſehr ſchlimm!“ 9*† 5 126 lautete die Antwort.„Wie ſo?“ fragte er aͤngſtlich weiter.„Manſo v. Dorneck belagert die Burg mit einem ſtarken Haufen,“ fuhr je⸗ ner fort,„hat ſchon zwei Mal geſtuͤrmt, aber ohne Erfolg, doch bei einem moͤglichen dritten Sturm wird die Burg wohl erobert werden.“ „Schreckliche Kunde,“ rief Rinfried,„Neuen⸗ burg erobert und meine Amalie in den Haͤnden des Schaͤndlichen!“ Er ſchien uͤber einen Plan gachzudenken, wie er, gleich dem Winde, nach Neuenburg eilen koͤnnte⸗ Der Jubel der Feinde von der Burg herab, brachte ihn faſt in Ra⸗ ſerei und noch ohne Entſchluß ſprengte er im Lager umher. Die eherne Trompete berief die Reiſigen zuſammen. Zu den Rittern, die Rinfrieden umringt hatten, ſprach er:„Waffengefaͤhrten und treue Kumpane! Das Schickſal ſcheint plöͤtzlich mit ſeiner ganzen Macht auf mich zu ſtuͤrmen, doch verzage ich nicht, ſo lange ich Euch bei mir ſehe. So gern ich auch hier die Belagerung fortſetzte, ſo muß ich ſie doch ge V — 127 zwungen aufheben, denn meine Braut, meine Amalie iſt in Gefahr vom ſchaͤndlichen Manſo v. Dorneck gefangen zu werden! Nur die groͤßte Eile von unſerer Seite kann ſie retten. Drum folgt mir Kumpane, ein ander Mal ſteht auch mein Schwerdt wieder zu Euren Dienſten.“„Und ging's in den Tod, wir fol⸗ gen Dir!“ riefen alle freudig. Zu den Neiſi⸗ gen gewendet fuhr er fort:„Wir ziehen jetzt gegen einen maͤchtigen Feind, doch werden wir ſiegen, da meine Sache gerecht iſt. Haltet euch tapfer im haͤrteſten Kampfe, an Beloh⸗ nungen werde ich es nicht fehlen laſſen. Weſ⸗ ſen Pferd ſtuͤrzt, verſpreche ich nach beendigter Fehde ein neues.“— Dem Fuͤhrer der Bo⸗ genſchuͤtzen gebot er die Zelte ſchleunig abbre⸗ chen zu laſſen und ihm in der Nacht nach Neuenburg zu folgen und zwar ſo ſchnell als moͤglich. Ein Gefecht mit den umher ſtrei⸗ fenden Feinden moͤchte er zu vermeiden ſuchen. Alle Muskeln Rinfrieds waren in der hoͤchſten Spannung.„Amalie!“ rief er, und 128 jagte ſo raſch fort, daß Ritter und Reiſige ihm kaum folgen konnten. So jagte er fort bis ſein Roß ermattet ſtuͤrzte. „Nur bis an die Spitze jenes Waldes trage mich, du treues Thier,“ ſprach Rinfried zu ſeinem keuchenden Hengſte am Mittage, als ein kalter Herbſtwind Baͤume und Geſtraͤuche gar weidlich ſchuͤttelte. Aber kaum hatte er die vorigen Worte geſprochen, ſo ſtolperte ſein Roß uͤber eine Baumwurzel und nichts war vermoͤgend es wieder in die Hoͤhe zu bringen. Faſt ein Drittel der Roſſe war geſtuͤrzt und zu Fuß folgten die Ex⸗Reiter nun nach. Hans v. Gleichen bot Rinfrieden zwar ſein Noß an, doch machte er keinen Gebrauch von dieſem Anerbieten, ließ ſich das Roß eines Reiſigen geben und verfolgte ſeinen Weg wei⸗ ter. Endlich war die Spitze des Waldes er⸗ ——— „ — reicht, aber die Thuͤrme der freundlichen Neuen⸗ burg winkten ihm keinen Willkommen zu. Eine ſchreckliche Ahnung uͤberfiel ihn, doch glaubte er ſich im Wege geirrt zu haben. Er kam naͤher und gewahrte deutlich die dampfenden Ruinen der Burg.„Rache! Rache! Rache!“ ſchrie er wie ein Verzweifelter, zog ſein großes Schwerdt und jagte im ſchnellſten Trabe weiter. Doch auch dies Roß ſtuͤrzte und nun ſetzte er den Weg zu Fuße fort. 5 Die Neuenburg war ganzlich zerſtoͤrt. Selbſt von jenem Thurme, wo Rinfried ſeiner Amalie ewige Treue gelobt hatte, blickte nur noch wenig aus den uͤbrigen Truͤmmern hervor. Starr auf eine Stelle ſehend, ſtand Rinfried ohne Beſinnung bei den Ruinen. Die Aus⸗ rufungen der Ritter zur Rache brachten ihn wieder zur Beſinnung.„Amalie,“ ſagte er einige Mal ſanft und ſchritt auf den dampfen⸗ den Ruinen umher. Die faſt noch an man⸗ chen Stellen gluͤhenden Steine hemmten ſeine Schritte. Er fand nur einige menſchliche Leich: name, welche aber durch Feuer und Rauch graͤßlich entſtellt waren. Jetzt wichen die ſanf⸗ ten Empfindungen ſeiner Bruſt; er trat zu dem verfallenen Thurm, hielt ſein Schlacht⸗ ſchwerdt gen Himmel, wendete auch den Blick dahin und ſprach feierlich:„Hier auf den Truͤmmern der Neuenburg ſchwoͤre ich, Rache an dem zu nehmen, der die Burg zerſtoͤrte und mir meine Amalie raubte. Niicht eher ſoll meinen Gaumen ein Tropfen Wein erfriſchen, ehe nicht der Nichtswuͤrdige die gerechte Strafe fuͤr ſeine That erhalten hat!“„Amen!“ rie⸗ fen die Ritter. Nach der Ausſage einiger Landleute war die Burg von Manſo v. Dorneck erſtuͤrmt worden. Mit Beute beladen ſei er mit ſeiner Horde, in deren Mitte eine verſchleierte Dirne geweſen ſei, dieſen Morgen von hier wieder ab⸗ gezogen. Rinfried dachte nur an Rache und nicht daran, daß ſein Haͤuflein Streiter zu ge⸗ ring ſei, um etwas gegen Burg Dorneck zu unternehmen, wohin der Feind wahrſcheinlich 81. gezogen war, ne um ſeine Beute in Sicherheit zu bringen. Ob ihn gleich die Ritter hierauf auf⸗ maerkſam machten und ihm riethen, erſt hier die Ankunft der Bogenſchuͤtzen abzuwarten, ſo wollte er doch von keinem Aufſchub etwas hoͤren. Ohne nur den Pferden die ſo noͤthige Ruhe zu laſſen, ließ er das Zeichen zum Auf⸗ bruch G geben. Dieſer wurde jedoch dadurch ver⸗ 5 it, weil ſich einige Reiſige und Bogen⸗ den einfanden, welche dem allgemeinen Blutbade auf Neuenburg gluͤcklich entronnen waren, und nun dasjenige ausführlich erzäͤhlten, was Rinfried in Kuͤrze ſchon durch die Landleute erfahren hatte. Da er von ihnen mit Gewiß⸗ heit hoͤrte, daß die gute Amalie wirklich von Manſo fortgefuͤhrt ſei, ſo knirſchte er mit den Zaͤhnen, gab dem Roſſe die Sporen und der Aufbruch begann.„Ich glaubt' ſchier, Rinfried werde nun Fehd' und Jagd ruhen laſſen,“ meinte Hans zum Walter leiſe,„denn die Liebe 4 iſt das einzige Mittel dagegen, mir aber ſcheint's, 12 4„ .* N. als wuͤrde durch die 1,e. munge und ſchreckliche Fehde entſtehen.“ „Da bin ich Deiner Meinung 24 8 entgeg⸗ nete jener.„Jammerſchade ſſe's um die ſchö⸗ nen Doͤrfer Rinfrieds, denn der Schluck v. Iſen⸗ 4 bart hat jetzt freies Spiel im Felde und wird den Gau mit Feuer und Schwert verheeren.“ „Wenn mich Rinfried abreiten ließ,“ mein Hans,„ſo wollte ich mit bewaffneten den verdammten Schluck ſchon in Reſp halten.“ „Du biſt bei uns zu noͤthig,* fuhr ter kopfſchuͤttelnd fort,„denn wenn es der necker ernſtlich meint, ſo werden wir durch ſeine Uebermacht in Kochſtuͤcken gehauen. „Der Feind hat keine gerechte Sache,“* ſagte Hans,„und dann hat er auch zu viel Furcht gegen uns, denn oft hat's ein Einzel⸗ ner von uns mit ein Paar Dutzend ſeiner Söldlinge aufgenommen.“ Ein vorbeiſprengen⸗ der Reiſiger ſtoͤrte ihr Geſpraͤch. Wo muß der hinreiten?“ fragte Walter.„Er bringt —— 8 133 den Bogenſchuͤtzen den Befehl, den Weg nach 1 4 Dorneck einzuſchlagen,“ entgegnete der herbei⸗ kom mende Dedo v. Steinau. „Sputet Euch Kumpane!“ ſchrie Rinfried, und ſchneller ging der Zug wieder weiter. Benedictiner⸗Kloſter bei Hildburghauſen. (Der Prior und mehre Moͤnche ſitzen an einer Tafel in Geſpraͤch begriffen. Spaͤter erſcheint der Ritter v. Neuenburg in voͤlliger Ruͤſtung.) 8 Prior. Es iſt traurig, daß die Welt⸗ kinder ſo ſehr verdorben ſind, und ihr wahres Wohl nicht einſehen koͤnnen(mit frommer Miiene.) Wer ſeine Seele dem Fegfeuer ent⸗ ziehen will, kann dies nur dadurch, daß er die Diener der Kirche reichlich beſchenkt. Erſter Moͤnch. Immer tiefer ſinken 8 3 8 men, ſonſt ſieht es mit uns ſchlimm aus; man muß ihnen ſoen r ſtatt ein u machen koͤnnen, und ſelbſt dann wenn ſie's merken, muͤſſen ſie 6 den hat, als es bei uns iſt. Das Beiſpiel des die Menſchen und gewiß waͤr's kein Wunder, wenn der juͤngſte Tag kaͤm'. Zweiter Moͤnch. Die Welt wird zu klug. In fruͤheren Zeiten wurden wir als Heilige verehrt, und jetzt? ſpottet mancher Rit⸗ ter uͤber uns. Dritter Moͤnch. Es iſt eine traurige 3 Zeit. Vierter Moͤnch. Nach meiner Mei⸗ nung ruͤhrt alles Ungluͤck vom Kaiſer her, der viele Buͤcher uͤber die chriſtliche Religion gele⸗ ſen und darinnen manches anders gefun⸗ Großen wirkt ſtets auf den Geringern. Prior. Pater! Ihr ſcheint mir ſo recht aus dem Fundamente zu ſprechen. Die Auf⸗ klaͤrung unter Laien darf nicht uͤberhand neh⸗ ———— ſchweigen. Dritter Monch. Wo man ſonſt reich⸗ — liche Geſchenke erhielt; da fallen ſie jett ſo karg aus,(mit gen Himmel gerichtetem Blick) daß deine Diener o Gott! kaum des lieben Brodtes genug haben⸗ Erſter Moͤnch(laͤchelnd). Wenn nicht zuweilen ein frommer reicher Herr an uns daͤchte, dann haͤtten wir freilich weiter nichts als Brodt und Waſſer. Vierter Moͤnch. Koſtet jetzt aber auch Muͤhe und Nachdenken, um ſo'n Herrn die einſtige Seligkeit recht anſchaulich vorzuſtellen. Prior. Ihr wißts, meine Freunde, welche Muͤhe es uns koſtete, den alten v. Hitz⸗ acker die Haͤlfte ſeiner Guͤter abzuſchwatzen, und bei ſeinen Lebzeiten haͤtte er nimmer ſchwarz auf weiß uns uͤbergeben laſſen, wenn wir den Kunſtgriff nicht gebraucht haͤrten den Pater Gervaſius ihm in der Nacht in der Geſtalt ei⸗ nes Engels erſcheinen zu laſſen, mit der Mah⸗ nung, unſer Benedictiner⸗Kloſter reichich beſchenken⸗ Erſter Moͤnch(äiftig). Gervaſius war aͤber auch ein plumper Engel. Prior(ſtrafend). Ihr habt in Eurem Leben noch nie ſo'n klugen Plan ausgedacht, als Gervaſius; die Kirche iſt ihm daher vielen Dank ſchuldig und einſtens wird er in die Reihe der Seligen aufgenommen werden. Vierter Moͤnch. Es gehöͤrt mit zu unſern Pflichten, auf die Vermehrung der Guͤ⸗ ter des Kloſters zu ſorgen. Prior. Wenn uns der Neuenburger Hitzackers Guͤter ungetheilt uͤberlaſſen ſollte, dann ſind wir auf immer gedeckt und jeder von uns kann einen Humpen Wein taͤglich mehr trinken. Erſter Moͤnch Cfür ſi ſich). Wirſt an uns wenig kommen laſſen, du Saufaus!(laut) Wie Ihr gehoͤrt habt, ſo wird ſich der Ritter v. Neuenburg nicht gutwillig dazu verſtehen dem Kloſter das ganze ſchoͤne Erbtheil zu uber⸗ nſſen,. — —— 137 Prior. Unſere geiſtlichen Waffen ver⸗ moͤgen viel. Erſter Moͤnch. Das Erbtheil hat er ſeiner Tochter zur Mitgift beſtimmt. Prior. Was kuͤmmert dies uns? Erſter Moͤnch(haſtig). Viel, ſehr viel kuͤmmert uns dies! Seine Tochter iſt die Braut des wilden Rinfried a Spada, der keinen Spaß verſteht. Prior aͤngſtlich). Des Rinfried a Spa⸗ dal? Hu! dies ſoll nur ein Halbmenſch ſein. Vierter Moͤnch. Ängſtigt Euch nicht umſonſt, ehrwuͤrdiger Herr; ich kenne Rinfrie⸗ den genau. Zwar iſt er ein wilder Menſch, aber nicht ſo furchtbar als man ihn gewoͤhn⸗ lich ſchildert. Prior(tief Athem holend). Unſere geiſt⸗ lichen Waffen vermoͤgen ja auch mehr, als die des maͤchtigſten Ritters. Vierter Moͤnch. Unſere hoͤchſte Mcht ſchleißt ein einzig Woͤrtchen ein„Bann“ ge⸗ nannt(feurig) für ihn zittert ſelbſt der Kaiſer⸗ 138. 4 Prior. Neuenburg mag wollen oder nicht, er muß uns die Guͤter ungetheilt uͤber⸗ laſſen. Ein Moͤnch(eintretend). Der edle Rit⸗ ter von Neuenburg wuͤnſcht Euch, hochwuͤrdi⸗ ger Herr, zu ſprechen. 3 Prior. Fuͤhrt ihn ſogleich hieher!(zu den uͤbrigen) Jetzt wird's einen harten Streit geben; ſprecht mit ein, Freunde!(rufend, waͤh⸗ rend er die Thuͤr oͤffnet) Kellner! bring einen Humpen Wein zum Willkommen! 4 (In voͤlliger Ruͤſtung mit ſtarken maͤnnlichen Schritten erſcheint jetzt der Ritter von Neu⸗ enburg. Sein Geſicht iſt blaß und wild rollen ſeine großen Augen.) R. v. Neuenburg. Friede ſei mit uns! Die Moͤnche. Bis in Ewigkeit. Prior. Setzt Euch, Herr Ritter.— Es freut mich wirklich, daß Ihr meinem Kloſter die Ehre erzeigt und es noch vor Eurer Ab⸗ reiſe beſucht. R. v. Neuenburg. Ich mußte wohl 5 139 noch einen Gang zu Euch machen, um alles in Guͤte ausgleichen zu ſuchen. Prior ſſich erſtaunt ſtellend). Ihr ſprecht ſonderbar, was haben wir denn mit einander auszugleichen? R. v. Neuenburg(mit dem Fuße ſtampfend). Die Guͤter des ſeligen Hitzackers, den Gott eine froͤhliche Urſtaͤtte verleihen moͤge. Prior(gelaſſen ihm den Humpen reichend). Trinkt erſt, edler Ritter. R. v. Neuenburg(ſtreng.) Nicht bis wir im Reinen ſind(hitzig). Zum letztst Mal komme ich zu Euch, um zu fragen, ob Ihr mir die Haͤlfte der Guͤter des ſeligen von Hitzacker uͤberlaſſen wollt? Prior(heilig). Ich habe meinem Klo⸗ ſter nichts zu verſchenken, ſonſt wuͤrde ich einſt Rechenſchaft ablegen muͤſſen und ſchlecht beſtehen. Der fromme Herr v. Hitzacker hat uns zwar nur die Haͤlfte der Guͤter durch eine Handfeſte zugeſichert, doch die andere in Gegenwart meh⸗ Rinfried a S. 10 8 Habt Ihr etwas ſchriftliches? Nein. Erbe— Prior(einfallend). Uns hat aber der fromme Mann alles— alles zugeſichert. Ubri⸗ armen Kloſter die Guͤter nicht goͤnnt. die gerechteſten Anſpruͤche anf die Guͤter. t, Ihr ſtiftet ein gutes Werk. R. v. Neuenburg. Nimmermehr! Die in der Handfeſte nicht angebenen Doͤrfer, Meierein und Laͤndereien erhaͤlt meine Tochter als Mitgift; ihr Braͤutigam, der edle und tapfere Nitter a Spada wird ſie in Beſitz nehmen.— Prior(hitzic). Dann ſprechen wir uber Euch den Bannfluch aus. 1 R. v. Neuenburg. Ich verlache die⸗ ſen!(ihn bei der Bruſt faſſend) Moͤnchlein! ter Mönche, wie ich Euch ſchon geſagt habe. R. v. Neuenburg. Ich bin der naͤchſte gens wundere ich mich ſehr, daß Ihr meinem R. v. Neuenburg(wild). Ich habe Prior(ſanft). überlaßt ſie uns unge⸗ 5 141 ¹ vergiß nicht, daß der Erzbiſchof v. Maynz ein naher Verwandter von mir iſt und unſer gute Kaiſer Friedrich dem Rinfried das Leben zu verdanken hat.. Moͤnche(ſchreiend). Gewalt! Gewalt! R. v. Neuenburg. Elende Creaturen! (zum Prior) Aus Bekanntſchaft rathe ich Euch, wenn Rinfried mit ſeiner Schaar im Gau einruͤckt, legt ihm keine Hinderniſſe in den Weg, ſonſt bin ich Euch nicht gut dafuͤr; daß der rothe Hahn aufgepflanzt wird. Prior. Heiliger Gott, hoͤre die Worte dieſes Frevlers nicht!(mit blitzenden Augen) Ungetheilt gehoͤren die Guͤter dem Kloſter. Richtet Euch darnach! R. v. Neuenburg. Ich waſche meine Haͤnde in Unſchuld, denn uͤber euch nur kann das Blut, welches fließen wird, um Rache ſchreien.. Moͤnche(trotzig). Die Guͤter gehoͤren ungetheilt dem Kloſter. R. v. Neueuburg leinige Schritte 19. vor⸗ 142 tretend), Schweigt!(zum Prior) lberlegt die Sache, damit Reue nicht zu ſpaͤt komme. Valet!(er geht fort. Der Prior und die Moͤnche ſehen einander ſchweigend an und verlaſſen nach und nach das Gemach.) Als Rinfried mit ſeiner kleinen Schaar bei Burg Dorneck ankam, lachte die Beſatzung die Ankommenden weidlich aus. Manſo ſelbſt ſtand auf der Mauer und rief hoͤhniſch herab: „Ritter a Spada! wenn Ihr Muth habt, ſo kommt herauf und holet Eure liebekranke Braut.“ Rinfried knirſch te mit den Zaͤhnen und haͤtte ſich ſchier vor Ingrimm den Kopf an den ſteilen Felſenmaſſen zerſchellen moͤgen. Auf der Burg Mlangten mit Ungeſtuͤm znoe und Knechte einen Ausfall zu machen. Manſo war ſel bſt hiezu geneigt, doch hielt er einen Verſteck des Feindes fuͤr gewiß, weil er nicht denken konnte, daß Rinfried die Kuͤhn⸗ heit ſo weit treiben und mit wenigen Reiſigen hieher kommen wuͤrde. Der Ausfall wurde jedoch um einige Stun⸗ den verzoͤgert, weil Manſo durch einen gehei⸗ men Ausgang erſt Spaͤher ausgeſandt hatte, um die naͤchſten Walbungeu zu durchſuchen. Als dieſe aber nun mit der, Kunde wieder keh⸗ ten, daß kein Feind weiter in der Naͤhe ſei⸗ da ließ der Ritter auf drei Seiten einem Aus⸗ fall machen. Ninfried, die uͤbrigen Ritter und Reiſigen zogen den Tod der Flucht vor, und bald war die kleine Schaar umringt. Ob ſie nun gleich wie Loͤwen, denen man die Jungen rauben will, ſtritten, ſo war doch ſchon ihre Niederlage als entſcheidend zu betrachten, wenn im Moment der hoͤchſten Gefahr nicht Eym⸗ beln und Hoͤrner ertoͤnt waͤren. Rinfrieds Bogenſchuͤtzen kamt eben aus dem nahen Walde. Kaum erblickten die Feinde die na Huͤlfe der Belagerer, ſo ergriffen ſie die Jlucht 8 144 um ſich hinter die ſchuͤtzenden Mauern zu ver⸗ bergen. Ohne die Ankunft der Bogenſchuͤtzen waͤre beſtimmt Rinfrieds Schaar vernichtet worden. Wiederum deckten den Wahlplatz mehre Leichen der tapferſten ſeiner Leute. Er ſelbſt, ſo wie ſaͤmmtliche Ritter waren verwundet. Zur allgemeinen Freude fuͤhrten die Bo⸗ genſchuͤtzen die ſo nuͤtzliche Bliedenmaſchine in ihrer Mitte, von der Rinfried mit Gewißheit glaubte, wegen den ſchnellen Aufbruch ſei ſie in die Haͤnde des Feindes gefallen. 1 4 Noch ſpotteten die Feinde uͤber die geringe Macht Rinfrieds, doch flaͤßte ihnen die Ma⸗ ſchine, welche Steine von der Groͤße eines Menſchenkopfes bis in die Burg ſchleuderte, nicht wenig Reſpekt ein. Hier wurden dadurch Fenſter, Mauern und Daͤcher beſchaͤdigt, und doort Menſchen verwundet oder getoͤdtet. Man war faſt in keinem Gemache der Burg ſicher. So verſtrichen einige Tage. Rinfried konnte es nicht wagen mit ſeiner kleinen Schaar inen Sturm zu unternehmen und ſann daher p vergebens uͤber einen Plan nach, die Burg ſchnell zu erobern. Der Winter war auch nicht fern und doch wollte er vor ſeinem Erſcheinen Amalien erſt wieder erringen. In eben dieſer Zeit war es, als der Rit⸗ ter v. Neuenburg auf Ilmen einkehrte und hier die ſchrecklichen Neuigkeiten erfuhr. So⸗ gleich eilte er nach den Ruinen ſeiner Burg, ſchwur an Manſo Rache zu nehmen und ſammelte in Eile eine Menge herumziehender Soͤldner, welche er in Dienſte nahm, und Ninfrieden zufuͤhrte, deſſen Freude hieruͤber groß war, weil er nun einen Sturm wagen konnte. Doch wurde ſeine Freude bald wieder durch die Kunde getruͤbt, daß Schluck v. Iſenbart im Gau Rin⸗ frieds umherziehe und alles mit Feuer und Schwerdt verheere. Einen Angriff auf Ilmen habe er jedoch bis jetzt nicht wieder verſucht. Um die noch verſchonten Doͤrfer vor Schlucks Verheerungen zu ſichern, mußte bei den Belagerern ein ſchneller Entſchluß 9. 146 wozu ſich die Ritter auch verſam⸗ Prachtvolles Gezelt. (Am Ausgange ſieht man Burg Dorneck liegen. Die Sonne iſt im Begriff un⸗ terzugehen. Im Thale herrſcht unge⸗ woͤhnliche Thaͤtigkeit unter den Kriegern und unaufhoͤrlich ſchleudert die Maſchine Steine nach der Burg. An einer Ta⸗ fel im Gezelt ſitzen die Ritter Rin⸗ fried a Spada, blaß und etwas eingefallen, Walter v. Vahner, Dedo v. Steinau und der wilde Hans v. Gleichen. Zuletzt erſcheint mit truͤber Miene Wippricht v. Neu⸗ enburg.) infried. Kumpane! Wir ſind jetzt hier verſammelt, um uns uͤber einen wichtigen Ge⸗ genſtand zu beſprechen. 1 Wippricht. Nur noch 500 Knechte and die Ve ſannnlung r waͤr' unnüͤtz. Rinfried. Häͤtt' ich nur hundert Knechte mehr, ſo— 18 8 Hans leinfallend). So wollten wir Schluck und Manſo zuͤchtigen, daß es ihnen nimmer einfallen ſollte ans zu beunruhigen. Walter(knirſchend). Wie werden die Buben jauchzen, daß ſie freies Spiel in den Gauen haben; durften ſich ſonſt kaum blicken laſſen, wie die Maͤuſ' am hellen Tage. Dedo. Wenn wir vereint und kraͤftig handeln, ſo bleibt uns der Sieg gewiß. Viel⸗ leicht ſchon in wenigen Tagen fuͤhrt uns mein Knappe neue Soͤldner zu. Hans. s wird ihn ſchwer genug wer⸗ den, welche zu werben, denn wo's was zu Nauben gibt, da laͤuft das Geſindel dutzend⸗ weis hin. iſt uns weit uͤberlegen. Sobald er uns hier von zwei Seiten angreift und die Belagerte 4 Rinfried. Die Sachen ſtehen fuͤr uns jetzt ſehr ſchlecht, ſobald die Feinde im Einver⸗ ſtaͤndniſſe miteinander handeln. Schlucks Macht 148. einen tuͤchtigen Ausfall machen, ſo ſind wir alle verloren. Um daher dieſen moͤglichen Falle 1 faßt werden. Wippricht. Mir ſcheint es zwar, als deln, doch rathe ich zum Sturme der Burg. Hans(den Helm feſt ſetzend). Ich auch. G Rinfried. Der Sturm iſt bei unſern ſchwachen Kraͤften immer noch ſehr gewagt, doch vermag Tapferkeit und Ausdauer viel. Wenn wir ſiegen, ſo iſt Dorneck mit ſeiner Macht vernichtet und Iſenbart ſoll ſeiner Strafe auch nicht entgehen. Dann geht s gen Sildburghauſen.— Hans. Nun Gottlob, da dähr ſih ja Fehde, an Fehl!— Widppricht. Ach, wenn ich doch erſt 5 meine Tochter wieder in die vaͤterlichen Arme ſchließen koͤnnte. 3 NRiufried. Meine Braut! 3 8. Wann wollen wir ſtuͤrmen? vorzubeugen, muß ein ſchneller Entſchluß 3 ob die Feinde nicht mehr in Verbindung han⸗ 1 8 — Rinfried. Wenn Ihr wollt, in lifes Nacht. Walter. Ein gewagtes Unternehmen iſt's, doch werden der gerechten Sache, alle Heiligen, den Sieg verleihen. 4 Rin fried. Alle Anſtalten ſind gereoffen Mit dem Schlag eilf Uhr haltet Euch bereit⸗ Sieg oder Tod ſei unſere Loſung! Alle. Sieg oder Tod! — Freundlich funkelte die große Menge der Sternlein am hellen Herbſt⸗Himmel, als die Ritter ihre Leute leiſe zum Aufbruch er⸗ mahnten. In der Burg war eben das letzte Licht aausgeloͤſcht worden und tiefe Ruhe herrſchte da⸗ ſelhſt. Manſo ſelbſt ſchlief ruhig und feſt, und hatte nur wenige Poſten ausſtellen laſſen, weil er einen Sturm mit ſo geringen Streit⸗ — * — — 150 kraͤften fuͤr unmoͤglich hielt. Bereits hatte er durch den geheimen Ausgang einige Kundſchaf⸗ ter an Schluck geſandt, mit dem Auftrage, ihn von den ungebetenen Gaͤſten zu befreien, aber Schluck hatte zur Antwort gegeben, daß er erſt im Gau ſein Muͤthchen abkuͤhlen wolle und dann die Belagerer vertreiben werde. Zum ſteilſten Felſen kletterten zwanzig der tapferſten Knappen, gleich Gemſen, hinauf und gelangten gluͤcklich an die Mauer. Leiſe legten ſie eine nur ſchwache Leiter an und ga⸗ ben nun durch einen herabrollenden Stein das Zeichen, daß ſie oben angelangt waͤren. Nun ließ auch Rinfried das Zeichen geben und von zwei Seiten ſtuͤrmten die Belagerer gegen die Mauer und das Thor. Jene zwanzig Klet⸗ erer waren bereits im Burghofe am Thore und verſuchten es zu oͤffnen. In der Burg verbreitete ſich ein allgemeiner Schrecken, als ſich die Kunde verbreitete: die Feinde oͤffnen das Thor. Niemand wollte fechten. Verge⸗ bens ſuchte Manſo ſeine Leute zu ſammeln. 151 Nur wenige folgten ihm nach dem Thore, wo ſich ein hartnaͤckiger Kampf entſpann, weil die⸗ ſes noch nicht geoͤffnet war; doch war in die⸗ ſem Moment die Mauer an vielen Seiten er⸗ ſtiegen und auch das Thor flog, durch kraͤftige Arthiebe, von den eiſernen Ketten befreit, auf, und die Belagerer drangen mit dem Geſchrei „Sieg oder Tod!“ ein. 1 4 Durch Verſprechung vieler Geſchenke war es Manſon gelungen, den groͤßten Theil ſeiner Leute zum Kampf zu vermoͤgen. Rinfrieds kleine Schaar vermochte es nicht, dem heftigen Andrange zu widerſtehen. Sie wich. Nur Hans und Rinfried hieben nieder, was ſich ihnen nahte. Der Kampf war allgemein und der Sieg hoͤchſt zweifelhaft. Die Arme der beiden Ritter erſchlafften und Tod oder Ge⸗ fangenſchaft ſchien ihnen gewiß, wenn Wipp⸗ richt von Neuenburg dem Feinde nicht eben im Nuͤcken gekommen waͤre. Manſo ſelbſt ſtritt tapfer, doch ſuchte er jedes Zuſammen⸗ treffen mit einem Ritter zu vermeiden, Dieß 1⁵² merkend, warf Hans Schild und Schwerdt von ſich, kroch auf Haͤnden und Fuͤßen durch die Kaͤmpfenden bis zum Manſo, hob ihn mit unglaublicher Staͤrke bei den Beinen in die Hoͤhe und trug ihn ſo bis in Rinfrieds Naͤhe. „Jetzt laß uns kaͤmpfen, Bube!“ donnerte ihn Hans an, indem er einen Flammbetg ergriff. „Mir laß dieſen Verruchten!“ ſchrie Rinfried. Ein heftiger Kampf entſpann ſich zwiſchen bei⸗ den.„Wo haſt Du meine Braut?“ fragte Ninfried wäͤhrend des Kampfes.„Da, wo Du ſie nimmer finden wirſt,“ lautete die hoͤh⸗ niſche Antwort. Heftiger wuͤthete der Streit. Schlag fiel auf Schlag; da erſah Rinfried ei⸗ nen Fehler ſeines Gegners und ſtieß ihm das Schwerdt tief in den Unterleib, ſo daß er lautlos zur Erde ſtuͤrzte.* Schnell verbreitete ſich die Kunde vom Tode Manſo's und der Sieg war hierdurch entſchieden. Die Feinde ſuchten zu entfliehen der warfen die Waffen von ſich. Ninfried belnht⸗ ſich zwar den befalenen 3 Feind wieder ins Leben zu bringen, doch ver⸗ gebens.„Armer Manſo,“ klagte er,„Du warſt ſonſt ſo gut und wurd'ſt durch ein Weib — zum Buben. Gib mir meine Amalie wieder!“ Zwar wurde die ganze Burg durchſucht und aus dem Verließe verſchiedene Eingeker⸗ kerte befreit, doch fand man keine Spur von Amalien. Die Gefangenen wurden vorgefuͤhrt, ſagten aber einſtimmig aus, daß Amalie von hier aus weiter gebracht worden ſei, wohin? wuͤßte aber nur der Ritter und ſein Leibknappe, den man auch unter den Todten fand. Rin⸗ fried verſprach demjenigen eine große Beloh⸗ nung, der ihn Amaliens Aufenthalt anzeigen könnte. Von neuem wurde die Burg durch⸗ ſucht, doch fand ſich keine Spur. Der erfochtene Sieg war alſo fuͤr Rin⸗ frieden von nur geringer Bedeutung. Waͤhrend ſeine Kumpane zechten und allgemeiner Jubel uͤber die verſchiedene Beute unter ſeinen Leu⸗ ten herrſchte, ſtand er mit dem alten Neuen⸗ burger hoͤchſt mißmuthig am Fenſter und ſah nach Oſten, woher ihm der junge Tag Balſam der Hoffnung in die Bruſt traͤufelte. 1 Nachdem er am Tage abermals alle Ge⸗ maͤcher durchſucht hatte und die Gefangenen ihm nochmals verſicherten, daß Amalie nicht hier ſei, ließ er an verſchiedenen Stellen Holz⸗ ſtoͤße auffuͤhren. Der Trompeter gab das Zei⸗ chen zum Aufbruch. Mit Fackeln und Pech⸗ kraͤnzen ſtanden Reiſige bei den Holzſtoͤßen. Rinfried winkte, und von verſchiedenen Seiten 3 ſchlugen Feuer und Rauch wirbelnd gen Him⸗ mel.„Werft den Leichnam Manſo's in das Feuer,“ gebot er, ſetzte aber dann noch hinzu: .„Haut ihm aber erſt den Kopf ab und legt ihn unter die Schwelle des Gelag⸗Gadens meiner Burg, damit jeder brave Ritter mit den Fuͤßen auf ihn treten kann!“ Als nun die Burg von Feuer und Rauch gaͤnzlich umgeben war, zogen die Sieger ohne Mufik von daͤnnen, denn ihr Herr, der ge⸗ liebte Rinfried, war traurig. Volle zehn Jahre lag dieſe Burg in Ru⸗ inen, bis Manſo's einziger Sohn, der in ei⸗ nem Kloſter erzogen wurde, heranwuchs und die Burg wieder aufbauen ließ. Mit einem feierlichen Schwure gelobte er: ſich am Ge⸗ ſchlechte der Spada's zu raͤchen. Er wurde auch wirklich Haſpar a Spada's grimmigſter Feind*) Schluck v. Iſenbart ſah jetzt recht gut ein, daß er einen großen Fehler begangen hatte, weil er mit Manſon nicht in Verbindung ge⸗ handelt hatte. Doch hatte er ſeine Zeit treff⸗ lich genutzt. Ninfried's Gau war faſt gaͤnzlich verheert, ſeine Burg nur mit Landleuten be⸗ » Man ſehe: Cramere Haßhar a Spada. 2 Bde. Rinfried aS. fetzt und aͤußerſt ſchlecht ausgebeſſert. Burg Horningen befand ſich dagegen im beſten Zu⸗ ſtande und Iſenbart hatte auch ein ſtarkes Heer im Felde. 8 Rinfrieden blutete das Herz, als er die Verwuͤſtungen in ſeinem Gaue ſah. Gern haͤtte er den Feind ſogleich aufgeſucht, wenn die Ver⸗ nunft nicht dagegen geſtritten haͤtte. Theils durch den thaͤtigen Neuenburg, theils auch durch ſeine eigene Anwerbung, vermehrte ſich ſeine Schaar in wenigen Tagen um den dritten 4 Theil, und ſogleich zog er gegen den Feind, der jedoch eine ſo feſte Stellung inne hatte, daß ein Augriff ſehr gewagt ſchien. Ninfried zog daher in den feindlichen Gau, erlaubte zwar ſeinen Leuten zu pluͤndern, doch fielen nirgend 4 Greuelſcenen vor, wie unter der ſchaͤndlichen Rotte des Iſenbarts. Kaum erfuhr dies Iſen⸗ bart, ſo verlies er ſeine feſte Stellung und ſuchte Rinfrieden auf. Dieſer hatte ſeine Leute in drei Theile getheilt, wovon er mit dem groͤß⸗ ten einen Berg beſetzt hatte; die andern beiden 3 1 157 1 hielten ſich in den nahen Waldungen verbor⸗ gen. Kaum gewahrten die Feinde das ſchwache Haͤufchen, ſo ſtuͤrmten ſie ohne Befehl von mehren Seiten gegen daſſelbe. Rinfrieds Schaar aber ſtand feſt und ſchlug jeden An⸗ griff muthig zuruͤck. Der Feind entwickelte nun ſeine ganze Macht und drang heftig ein. Die Ritter verrichteten Wunden der Tapferkeit, aber eben deshalb erſchlafften auch ſchneller ihre Sehnen; da gab Rinfried ein Zeichen mit dem Horne und von zwei Seiten kamen die ver⸗ ſteckten Krieger zum Vorſchein. Der blutigſte Kampf entſpann ſich, denn auch die Feinde fochten tapfer. Rinfrieds Worte:„Mir nach, Cameraden!“ goſſen ein neues electriſches Feuer in die Arme der Ilmenburger und die Feinde mußten fliehend den Berg verlaſſen, wo ſie viele Todte und Gefangene zuruͤckließen. Zwar verſuchte Rinfried die Feinde weiter zu verfol⸗ gen, aber Iſenbart hatte bereits wieder eine Schaar geſammelt, an welche ich die Flihene den anſchloſſen. N 6 158 Die Ilmenburgen waren ermattét und die Feinde jetzt noch einmal ſo ſtark als ſie. So ſtanden ſie gegen einander uͤber und keine Par⸗ thei wagte einen Angriff. Zwei volle Tage ſtanden ſie ſo gegen einander, als der erſte Schnee fiel. Dies war ein gewoͤhnliches Zeichen zur Einſtellung aller Feindſeligkeiten. Die Fehde hatte alſo fuͤr dieſes Jahr ein Ende. Mit Muſik und unter froͤhlichen Geſaͤngen zogen die Schaaren den befreundeten Burgen zu. Neue Gebaͤude ſtanden an der Stelle der alten auf Burg Ilmen und lauter Jubel toͤnte den zuruͤckkehrenden Kriegern entgegen. Die Landleute, welche die Burg theils ver⸗ theidigt, theils dort gearbeitet hatten, wurden voon Ninfeieden reichlich beſchenkt. Wer alt w,a oder ſchwach, weſſen Hütte abgebrannt oder Kinder ohne Ernaͤhrer erhielten doppelte Ge⸗ ſchenke, ſo daß Rinfrieds Lob wie aus einem Munde ertoͤnte. Er aber ſelbſt ſtand traurig in einer Fenſterbruͤſtung und ſah ohne Gefuͤhl ſeinen Kumpanen zu, die ſich guten Nierenſtei⸗ ner trefflich munden ließen. Da ſie aber ih⸗ ren Liebling trauern ſahen, ſo war ihre Freude auch nicht ſo groß, als es gewoͤhnlich nach ei⸗ ner Fehde der Fall war. Hugo v. Wuͤlfingen ſaß zwar mit unter ihnen, aber die Wunden verſtatteten ihn kaum, ſich zu bewegen, weshalb er zuweilen ſeltſame Grimaſſen machte.— Am naͤchſten Tage ritten die Ritter mit ihren Reiſigen nach den verſchiedenen Burgen. Hugo ließ ſich auf einer Baahre von Weiden⸗ zweigen nachtragen. Alle hatten Rinfrieden gelobt, bis zum Fruͤhjahre ſo viele Knechte imn Sold zu nehmen, als ihre geringen Einkunfte es geſtatteten, um die Fehde mit Aacpras zu beginnen. 160 „Es waͤre Suͤnde,“ ſagte Rinfried eines Tages zum alten Neuenburger,„wenn ich mich den Winter uͤber, waͤhrend Amalie vielleicht in den Haͤnden eines Wuͤthrichs ſchmachtet, auf die Baͤrenhaut legen wollte. Mein Entſchluß iſt daher, nach ihr umher zu ſpaͤhen, ſowohl in der Naͤhe, als auch in der Ferne. Gleichen wird mich begleiten.“—„und ich auch! fiel der alte Neuenburger ein. „Ihr muͤßt ſchon hier bleiben,“ entgegnete Rinfried,„denn meine Leute muͤſſen ein Ober⸗ haupt haben, fuͤr welches ſie Reſpect haben, Man darf den Fetzen da druͤben nicht zu vielzutrauen; er fiſcht gern, wenn die Waͤchter ſchlafen.“ Wippricht ſah ſelbſt die Noth wendigkeit hiervon und willigte ein. Im groͤßten Schneegeſtoͤber verleßen Nin. fried und Hans die Burg. Ein fliegendes Band ſollte ihnen die Richtung zeigen, welchen Weg ſie zu nehmen haͤtten, um das erſehnte Ziel zu erreichen. Im Anfange forſchten ſie in Kloͤſtern und 161 auf Burgen, welche in der Naͤhe lagen, aber nirgend entdeckten ſie eine Spur. Nun wen⸗ deten ſie ſich in die Ferne, doch anch hier war all ihr Forſchen vergebens. Jetzt zogen ſie abermals in die Nähe, denn auch der Winter verſchied und hin und wieder kehrte ein Ver⸗ kuͤndiger des Fruͤhlings zuruͤck. Blaß mit eingefallenen Wangen ritt Rin⸗ 3 fried neben den getreuen Hans her, als ploͤtz⸗ lich ein Vogel aus einer Furche empor flog, wodurch ſich Rinfrieds Roß baͤumte und ſich mit ſeinem Reiter uͤberſchlug. Rinfried hatte zwar keinen Schaden genommen, aber ſein Roß war ſo feſt mit dem Kopfe auf einen Stein geſtuͤrzt, daß es, wie unſinnig, in einem Kreiſe ſo lange umher lief, bis es lechzend wie⸗ der zur Erde ſtuͤrzte. Da es nicht in die Hoͤhe gebracht werden konnte, ſo ließ es Rinfried liegen und ſetzte nun den Weg zu Fuß bis nach einem nahen Kloſter fort.„Bin zwar kein Freund der Pfaffen,“ meinte Hans,„muͤſ⸗ fen aber heut' bei ihnen ſchon einkehren.“ 8 162 „ Ich bin plöͤtzlich heitrer geſtimmt,“ ent⸗ gegnete Rinfried,„wer weiß, ob ich nicht hier finde, was ich ſuche?“ Am Fuße eines etwas hohen Berges lag ein duͤſtres Nonnen⸗Kloſter mit hohen Mauern und Thuͤrmen umgeben, die duͤſter den Wand⸗ rer anzublicken ſchienen. Ninfried hatte Hanſens Roß beſtiegen und dieſer folgte ihm, trotz ſeiner Ruͤſtung, ziemlich ſchnell zu Fuße. Bei der Pforte des Kloſters ankommend, zog Rinfried an der Schnur, worauf die Pfoͤrtnerin erſchien:„Was giebts?“ fragte ſie mit ihrer etwas ſtarken Baßſtimme. „Zwei Ritter bitten um ein Nachtlager und um etwas Nahrungsmittel!“ lautete die Antwort. Bald oͤffnete ſich die Pforte und die Ritter wurden in den Speiſeſaal gefuͤhrt. Ninftied hatte keine Ruhe. Er ſchlich ſich in verſchiedene Gemaͤcher, um Geſpraͤche der Non⸗ nen oder anderer Leute zu belauſchen, doch 3 Ales vergebene. Hans ließ ſich den Kloſter⸗ 163 wein trefflich ſchmecken und als man ihm kei⸗ nen mehr geben wollte, fing er an zu drohen. Nachdem den Fremden ihre Lagerſtellen angewieſen worden waren, und Hans bereits ſo feſt ſchnarrchte, daß man es von einem Ende des Kloſters bis zum andern hoͤren konnte, ſo waͤlzte ſich Rinfried noch ſchlaflos umher. Ein ungewoͤhnliches Feuer wuͤhlte in ſeinem Koͤrper, er ſtand auf und trat an das ſtark vergitterte Fenſter. Nachdenkend ſah er gen Himmel, an welchem duͤſtere Wolken voruͤber 8 zogen und nur zuweilen des Mondes ſanfte Licht die Erde erleuchtete; bei deſſem Scheine 3 er zwei Maͤnnergeſtalten gewahrte. Ihr Ge⸗ ſpraͤch war ziemlich laut und er vernahm fol⸗ gendes: 3 Erſter Mann. Eine hoͤchſt fatale Ge⸗ ſchichte kann's fuͤr's Kloſter werden, denn daß der nicht umſonſt hier iſt, laͤßt ſich leicht den⸗ ken.— Der Iſenbart wird bald wieder die Fehde beginnen. Zweiter Mann. Und wo Er nicht ₰ iſt, da fechten ſchier ſeine Leute wie Kinder. Erſter Mann. Hum! hum! Beſſer nommen.— Zweiter Mann. Du ſprichſt, wie Du's verſtehſt. Die ſechszehn Guͤlden monat⸗ lich iſt kein geringes Geld; dafuͤr kann man ſchon etwas auf's Spiel ſetzen. Zwar verſteht der Hallunke in ſolchen Faͤllen keinen Spaß, aber doch iſt's ein Ritter, den man leicht in eine Falle locken kann. 4 Erſter Mann. Haſt Du ihn geſehn? Zweiter Mann. Werd'’ ja, ſieht ſich nicht mehr aͤhnlich. Sonſt ſtrozt' er ſchier von Lebensfuͤlle, und jetzt dauert er einem, wenn man ihn nur anſieht. Erſter Mann. Aber ein Zittern konnt' ich nicht laſſen, als ich ihn ſah. Zweiter Mann. Sieht die Dirne beſſertaus? Nein! Graͤmt ſich ſchier Tag und fall von der Abtiſſin, daß ſie die Duns fort⸗ waͤr's, die Dirne wurde hier gar nicht ange⸗ Nacht um ihn. War aber der geſcheutſte Ein⸗ —— V — 165 bringen ließ, denn haͤtt' er ſie hier gefunden, ſo haͤtt' er und der Auerochs, den er bei ſich hat, das Kloſter der Erde gleich gemacht. Erſter Mann. Hul! Der ſcheint nur ein Halbmenſch zu ſein. Es iſt nun Zeit, daß wir unſere Dolche in Bewegung ſetzen. Komm! Rinfried hatte recht gut gemerkt, daß von ihm, dem Iſenbart und ſeiner Amalie die Rede geweſen war. Mit dem blanken Schwerdt in der Hand ſtuͤrmte er aus ſeinem Gemache bis an eine feſt verſchloſſene Pforte. Dieſe hemmte ſeine Schritte. Die Pfoͤrtnerin kam aͤngſtlich herbei, um die Urſache des Laͤr⸗ mes fragend. Ninfried noͤthigte ſie mit dem Schwerdte die Pforte zu oͤffnen. Vergebens ſpaͤhte er aber nach den Maͤnnern umher und wuͤthend trat er den Nuͤckweg an.„Wo iſt die Äbtiſſin?“ ſchrie er der Pfoͤrtnerin zu. „Sie iſt verreiſt,“ entgegnete dieſe und konnte ſich das Betragen des Ritters hicht erklaͤren. e 85 um das Faͤrulein v. Naenburg 166 in ein anderes Kloſter zu bringen,“ fuhr er ſchreiend fort,„geſteht, nach welchem Kloſter iſt ſie gereiſt?“ „Ich weiß es nicht,“ lautete die Antwort der Zitternden. „Du willſt es nicht fagen,“ kreiſchte jener ihr das Schwerdt auf die Bruſt ſetzend,„ge⸗ ſtehe odrr ich durchbohre Dich!“ Da ſchrie die Geaͤngſtigte um Huͤlfe. Der Schirmooigt des Kloſters, ein Ritter, kam mit einigen Knechten herbei und verwieß Rinfrie⸗ den ernſtlich zur Ruhe. Dieſer aber ſah ihn ſpoͤttiſch an und ſagte giftig:„Pfaffenſöldling, ſchweig!“ Dieſer aber nannte Rinfrieden einen Trunken⸗ bold, und ſchlug ihn mit der flachen Klinge uͤber den Harniſch. Darob ergrimmte Rin⸗ 4 fried gewaltig und fing an mit dem Gegner zu fechten. Im Kloſter wurde alles wach. Der un⸗ umwoͤlkte Mond gab den Kaͤmpfenden Licht genug. Schon blutete Rinfried an mehren Stellen, weil ſein Koͤrper von keiner Ruͤſtung 107 gedeckt mutde; da packten ihn die gſter knechte von hinten an, entwanden ihm ds Schwerdt und warfen ihn zu Boden.„Werft ihn in den Kroͤtenthurm,“ befahl hohnlachend der Schirmvoigt,„damit ſich ſein Blut ab⸗ kühle. Vielleicht giebt Schluck von Iſenbart ein gutes Stuͤck Geld fuͤr den Vogel. Um⸗ ſonſt knirſchet Du mit den Zaͤhnen. Fuͤge Dich geduldig in Dein Schickſal oder ich laſſe Dir zur Veraͤnderung die Daumſchrauben an⸗ ſetzen!“ „Du?“ fragte eine hohe Minnergeſtalt, ſchleuderte den Schirmvoigt zu Boden, hieb unter die erſtaunten Knechte und Rinfried — war wieder frei. Es war Hans von Gleii: chen. Schirmvoigt und Knechte flohen.„Wapp⸗ ne Dich eilig,“ ſagte Hans zu ihm,„denn die Fetzen werden ja doch wohl das ganze Kloſter noch auf uns hetzen!“ Rinfried raffte einen Flamberg auf, ſtuͤrzte nach ſeinem Gemache, wappnete ſich in Eile und ſtuͤrmte num jeder in den Hof, wo die Kloſterknechte eine llb⸗ 168. kreis um ſeinen Buſenfteund gebildet hatten. Wie zwei gereizte Loͤwen, ſo ſtuͤrmten ſie auf die Feinde und trieben ſie leicht in die Flucht. Ein gefangener Knecht öͤffnete, aus Furcht vor dem angedrohten Tode, das Thor, und die bei⸗ den Ritter begaben ſich etwas raſch hinaus, denn Steine und Pfeile wurden ihnen in Menge nachgeſendet. Zum Gluͤck ſchlugen ſie einen Weg durch den Wald ein, wo ſie von dem nacheilenden Schirmvoigt und ſeinen Knechten nicht angetroffen wurden. „Mein Roß muß ich vom Kloſter mit Zinſen wieder erhalten,“ meinte Hans etwas 3 verſchnaufend. „Und mir muß das Kloſter mein⸗ Ama⸗ le ſchaffen rief Rinfried drohend. 4* Nachdem ſie ſich gelagert hatten, erzaͤhlte Rinfried dem Freunde das Geſpraͤch der beiden Maͤnner und die Urſache des Streites. Nach. langen Berathungen wurde der Entſchluß ge⸗ faßt, die Fehde mit Iſenbart ſogleich zu be⸗ 3 — — 169 ginnen, weil er vom Aufenthalsorte Amaliens wiſſen muͤſſe. Da die Kaſſen der Ritter nicht in den beſten Umſtaͤnden, auch keine befreundete Burg in der Naͤhe war, ſo mußten ſie die Reiſe zu Fuß fortſetzen. So erreichten ſie eines Abends die Huͤtte eines Einſiedlers, welche kaum noch einige Feldwege von Rinfrieds Gau gelegen war. Waͤhrend der Einſiedler ein frugales Mahlbereitete, ſetzte ſich Rinfried auf die Bank vor der Einſiedlei. Das Haupt in die hohle Hand geſtuͤtzt, ſaß Rinfried lange nachdenkend.„Amalie, ich werde dich wieder finden!“ rief er ploͤtzlich hei⸗ ter und ſtreckte vor Sehnſucht die Arme aus. Zu dieſer Hoffnung trug unſtreitig das heutige gute Wetter das meiſte bei. Es war der erſte ſchoͤne Fruͤhlingstag geweſen. Die Sonne hatte faſt wolkenlos am Firmamente geprangt, 470 die neu angekommenen Saͤnger des Haines zwitſcherten, hoch in die Luft ſchwang ſich die Lerche, und luſtiger huͤpften die Laͤmmer auf den mit Neugruͤn bedeckten Wieſen. Jedes Geſchoͤpf ſchien ſich heute ſeines Lebens zu freuen und auch bei Rinfrieden verfehlte dies alles ſeine Wirkung nicht. Mit laͤchelnder Miene ging er wieder in die Einſiedlei, wo ſich folgendes Geſpraͤch entſpann: Einſiedler. Dem Anſcheine nach, ſind die Herren Ritter in der Naͤhe wohnhaft? Rinfried. Du haſt's errathen, Alter! Einſiedler. Ich nehme gern Beſuche 2 an, denn faſt ſtets erfahre ich etwas neues. Rinfried. Von uns wirſt Du nichts erfahren, denn wirwiſſen beſtimmt nichts, was Dich intereſſiten koͤnnte.* Einſiedler. Iſt's wahr, daß Manfo v. Dorneck erſchlagen und ſein Kopf unter der Thuͤrſchwelle auf Burg Ilmen verſcharrt iſt? Ninfried. So iſt's, Alter! Hans. Ich ſelbſt hab' ihn verſcharrte 171 Einſiedler. Wielleicht ſeid Ihr alſo der Waffengefaͤhrte des edeln Rinfrieds? Hans. Ja! Einſiedler. Ritter Schluck v. Iſen⸗ bart verdient ein gleiches Schickſal, wie Manſo, denn er haußt ſchrecklich in Rinfrieds Gau. Rinfried. Im vergangenen Jahre war dies der Fall, doch in dieſem ſoll er ſeine Strafe erhalten. Einſiedler. Das bezweifle ih, denn er durchzieht ja als Sieger Srſ de Gau nach allen Richtungen!— Hans. Jetzt aber doch nicht? Einſiedler. Allerdings. Feuer und Raub bezeichnen ſeinen Weg. Hans. Du luͤgſt! Einſiedler. So verlaſſe nich Gott in meiner Sterbeſtunde, wenn ich dies thue. Rinfried. Waͤr's moͤglich, daß der Hallunke die Fehde ſo fruͤh begonnen haͤtte?! Einſiedler. überzeugt Euch ſelbſt von meiner Ausſage. Seht Ihr dort am Sunne Rinfried a Spada. 12 172 den rothen Streif? das iſt ein brennendes Dorf. Hier auch und dort wieder eine neue Feuerſaͤule. Ach, die armen Menſchen! Rinfried. Hoͤll' und Teufel! Wo haſt du den Muth her, Iſenbart? Kaum halb geſaͤttigt ſetzten die beiden Ritter ihre Helme auf und eilten von dem er⸗ ſtaunten Einſiedler fort. Da ſie ſchon am Tage einen ſtarken Weg gemacht hatten, ſo wurbe ihnen der fernere Marſch in der ſchwe⸗ ren Ruͤſtung doppelt anſtrengend. Burg Ilm e n. Es iſt Mitternacht. (In einem Kreiſe, auf ihre Schwerdter ge⸗. ſtützt, ſtehen im Burghofe die Ritter Hugo v. Wuͤlfingen, Walterv. Vahner, Dedo v. Steinau und der alte Wiypricht v. Neuenburg. um ſie herum fehen Reiſige und Krechte 4 nen Seiten am naͤchtlichen Himmel. Wildes Jauchzen verkuͤndigt die An⸗ kunft der Erwaͤrteten.) Wippricht. v. N. So viele Boten ſind ausgeſandt und keiner bringt Kunde von ihnen.(traurig) Arme Amalie! Hugo v. W. Hagel und Blitz! Wenn's uns Rinfried nicht auf die Seele angeknuͤpft haͤtt;', daß wir vor ſeiner Ankunft die Fehde nicht beginnen ſollten, ſo koͤnnten wir ſchon ſo'n An⸗ griff auf unſere eigne Hand wagen, denn die . Feinde ſind zerſtreut. * Dedo v. St.(knirſchend.) Und treiben des Unfugs in unſern Landen ſo viel, daß es ſchier ein Wunder iſt, daß unſer Herrgott nicht Schwefel und Pech uͤber die Mordbrenner her⸗ abgießt(wuͤthend) Ziehen ſchier umher, als ge⸗ hoͤrte das Land den Heiden, denn bei denen kann's nicht aͤrger getrieben werden. Walter v. V. Daran ſind die Pfaftn allein Schuld. Sie nennen Rinfrieds Gau einen Verdammten, weil er Grmeinſchaft he Rauch und Feuer zeigen ſich von verſchiede⸗ 174 mit dem ſich im Bann befindlichen Hans v. Gleichen. lich! Hugo v.. W.(leiſe.) Alles Ungläck durch eine Dirne. Dedo v. St. Wenn morgen Rinfried nicht zuruͤck kommt, ſo muͤſſen wir ſchon gegen den Feind ziehen, wenn wir nicht zum Ge⸗ ſpoͤtte der Buben werden wollen. Hugo v. W. Dem Feinde trau' ich's und jetzt? muͤſſen wir uns auf den Burgen Loͤcher. Vergangenheit, die ich auf Neuenburg ver⸗ (an das Schwerdt ſchlagend) Moͤnche! wa Wippricht v. N. Schrecklich! Schreck⸗ ſchon zu, daß er aus dieſer geſegneten Gegend eeine Einoͤde macht(ſeufzend) Sonſt war's an⸗ ders. Da zitterte alles, wo wir uns zeigten, verkriechen, wie die Maͤuſe und Hamſter in ihre Dedo v. St. So darf's nicht blbiben! Wippricht v. N. O der ſchönen Tage bte!(ſeufzend) Sie werden nie hiehehnn 2 3 werdet ihr lachen, daß ich meine Drohung nicht 3 4 in Erfuͤllung bringen kann. Aufgeſchohen iſt jedoch nicht aufgehoben! Dedo v. St. Die Jagd in den Waͤl dern hat aufgehoͤrt und machte der Jagd auf Menſchen Platz. Hugo v. W. ˙s wird nicht ewig ſo blei⸗ ben. Hagel und Blitz! Schluck muß am Ende doch alles verguͤtigen. Walter v. V. Seine Macht iſt nur 1 zu groß—— 4 Dedo v. St. Unſere Sehnen ſtaͤrkt die Rache. Auch unſere Schaaren ſind voll⸗ zaͤhlig— 8— Walter v. V.(ſpottiſch). Deine 3 am vollzaͤhlichſten. e* Dedo v. St. Schweig! Was kann ich dafuͤr, daß alles dem Iſenbart zulief? Walter v. V. Werde nur nicht gleich † unwirſch, Bruderherz! Nur ſchweige von den vollzaͤhligen Schaaren. 176 Dedo v. St. Mit unſern 300 Strei⸗ tern ſchlaͤgt Rinfried die 900 Feinde.— Walter v. V. Fruͤher war ihm dies ein Spaß, aber jetzt ſind die Feinde zu keck ge⸗ worden; ſie ſehen, das der Sieg nicht ſtets ſeinem Paniere folgt. (Es entſteht ein allgemeines Getuͤm⸗ mel in und außer der Burg). Hugo v. W. Was gibt’s? 3 Dedo v. St. Vielleicht geht die Keck⸗ heit der Feinde ſo weit, daß ſie uns hier ein⸗ ſchließen wollen.(Das Getuͤmmel vergroͤßert ſich. Man hoͤrt deutlich laute Ausrufungen der Freude und die Reihen der Knechte weichen ehrerbietig zuruͤck). Hugo v. W. Unſer Rinfried iſt da! Alle(frͤhlich.) Gauc auf! Nun wird's beſſer! 1 Rinfried und Hans. Wir gruͤßen Euch, wackre Geſponne! Alle. Danke] Danke(ſie ſbütdam ein⸗ ander die Binde)⸗ 177 4 Rinfriedlrufend.) Heda! Sperl! Brins 3 21 Deinem Herrn einen Schlauch Wein, hat ſchier lang genug gedurſtet. Sperl. Wenn's nur des lieben Weins * ſo viel gaͤb, als des Waſſers. Rinfried(rufend). Setzt alles zum Abmarſche in Stand! Dedo v. St. Der Feind iſt maͤchtig⸗ Rinfried. Mein Dedo zagt doch nicht? Ich war in der Mitte des feindlichen Lagers und ſah wie's dort zugeht. Gott wird der ge⸗ rechten Sache den Sieg verleihen. 6 8 . Als nun Ritter, Reiſige und Knechte um ihren Gebieter auf dem Burghofe, ſich verſam⸗ melt hatten; da ſprach dieſer zu ihnen alſo: „Gefährten! Der Feinde übermuth hat wieder die Sehde eröffnet. Sie wollen deſe 8 178 zu einer Einoͤde umſchaffen, und haußen hier mordet oder gemißhandelt, die Äcker verwuͤſtet kann in dieſer Sache nichts entſcheiden, weil die unruhigen Italiener ihn zu ſehr beſchaͤfti⸗ gen. Unſere Schwerdter muͤſſen entſcheiden, wer in Zukunft Herr der Gaue ſein wird. Wo ſonſt unſer Feldgeſchrei ertoͤnte, da gab's Sieg; jetzt hat ſich dies geaͤndert. Gefaͤhrten! uf euch beruht 8, die alte Zeit wieder herbei zu führen. Streitet tapfer, dann iſt der Sieg unſer und kit ihm die Fehde zu unſerm Vor⸗ 8 theil. Das Blut der Erſchlagenen ſchreit um RNache. Auf! Folget ihrem Ruf!!“ Ausrufungen der Freude dienten als Ant⸗ wort. Das Thor flog auf und bunt wogte die Maſſe der Streiter zu ihm hinaus. Er ſelbſt fuͤhrte 142 Reiſige an. Die 160 Knechte oder Bogenſchuͤtzen theilte er in zwei gleiche ſchrecklicher als gegen die Heiden. Die Huͤtten der Landleute werden verbrannt; ſie ſelbſt ge⸗ und die Gewaͤſſer vergiftet. Kaiſer Friedrich Haufen, welche die Feinde von zwei Seiten an⸗ b b „ — — — —-— —, — — 2— Hier waren die Feinde wachſam und empfin⸗ 179 greifen ſollten, waͤhrend er ſelbſt in den Mit⸗ 3 telpunkt des Lagers eindringen wollte. 88 In moͤglichſter Stille brach jede Abthei⸗ lung gegen den Feind auf, um ihn zu üͤber⸗ fallen. Naturlich kam Ninfried mit ſeiner Rei⸗ terei weit fruͤher an, als die Knechte, und von blinder Kampfluſt getrieben, vergaß er die ſo noͤthige Vorſicht, und griff das feindliche Lager, ſtatt in der Mitte, auf dem rechten Fluͤgel au. gen ihn mit einer Pfeil⸗ und Stein⸗Saat. Seine Leute ſtutzten.„Vorwaͤrts!“ ertoͤnte ſein Ruf, und wie der Wind den Spreu aus⸗ einander ſtreut, ſo waren die Glieder der Feinde durchbrochen. Er ſammelte ſich wieder und ein blutiger Kampf entſpann ſich. Rinfried und 6 Hans verrichteten Wunder der Tapferkeit und was ihnen in den Weg kam, war eine Beute des Todes. Aber jetzt ruͤckte Schluck v. IJfe: 5 bart aus der Mitte des Lagers, ſeinen bedraͤng⸗ ten Leuten zur Huͤlfe heran. Rinfrieds Schas 5 180 wurde umringt, und rechts und links ſanken die bravſten Streiter. Flucht konnte ihn vor gaͤnzlicher Vernichtung mit dem Reſte ſeiner Schaar ſchutzen, aber er zog den Tod der Flucht vor. Hans v. Gleichen hatte kaum Iſenbarten bemerkt, ſo war er auch ſchon bei ihm, packte ihn am Helme an, und ſchleuderte ihn vom Roſſe herab. Neuer Muth ſtaͤhlte Rinfrieds Schaar. In dieſem Moment kameu die Bo⸗ genſchuͤtzen an.„Vorwaͤrts!“ hoͤrte man die Riittter rufen, waͤhrend die Feinde, ihres An⸗ fuͤhrers beraubt, nach allen Richtungen ent⸗ flohen.—. So ſehr auch Rinfried zur Verfolgung des Feindes ermahnte, ſo ließen ſeine Leute, von Beute gelockt, bald nach. Das ganze reiche Lager ſiel in die Haͤnde der Sieger, und auter Jubel ertoͤnte. Rinfrieds Schaar zaͤhlte jedoch auch viele Verwundete und Todte, wel⸗ ches ihn herzlich betruͤbte. Sein Gau war nun 181 von Feinden befreit, und des Feindes Mat 3 auf immer gebrochen.— Mit klingendem Spiel und unter frohen Geſaͤngen zogen die Sieger nach Burg Hor⸗ ningen, deren Belagerung ſie ſchon vor ſieben Monaten begonnen hatten, aber ſie durch die Kunde, daß die Neuenburg belagert würde, auch wieder aufheben mußten. In wenigen Stunden erhielt Rinfried ei⸗ nen Zuwachs von wenigſtens hundert Streitern, welche ſtets da kaͤmpften, wo Sieg zu hof⸗ fen war. Burg Horningen war reichlich mit Lebens⸗ mitteln verſehen, hatte viele Vertheidiger und war gut befeſtigt. Rinfrieden ſchreckten dieſe Hinderniſſe nicht ab. Er ließ die Blieden⸗ Maſchine von Ilmen holen und 9e Befehl zur Verfertigung von zweihundert Pechkraͤnzen. Die Feinde unternahmen keinen Ausfall, ſpotteten aber von der Mauer herab auf die Belagerer. Durch einen liberläufer erfuhr man, di Schluck durch den Sturz von 1 Naſe eine— 182 tiefe Wunde am Halſe habe, welche ihm nicht geſtattete zu fechten. 8 Die Belagerung wurde ernſtlich fortgeſetzt. Die Blieden⸗Maſchine that hier zwar weniger b Schaden als auf Dorneck, doch huͤteten ſich die Feinde, da zu erſcheinen, wohin ſie gerich. tet war. 4 Vurg Horningen. Es iſt Abend..* Schluck v. Iſenbart liegt auf einem Lodtterbettlein. Er ſtarrt duͤſter auf eine Stelle und nur ſpaͤrlich iſt das Gemach erleuchtet. Die Haͤnde uͤber den ſtattli⸗ chen Bauch gefaltet, ſitzt bei ihm der Burgpfaffe Hilarius, waͤhrend er zu⸗ frieden nach dem gefuͤllten Weinkruge ſieht.) 4 Schluck v. J.(vie aus einem Traume etwachend.) Schrecklich haben meine Leute im Gau des Feindes gewuͤthet. Hu! die blutigen Geſtalten, wie ſie mich umtanzen! Hilarius. Ihr habt zu hitziges Blut, edler Ritter. Schluck v. J. Und hab' doch erſt kuͤrz⸗ lich wenigſtens ſo'n Schoppen vergoſſen. Schwatzt was Ihr wollt, ſo etwas ruͤhrt nicht vom Blute ſondern daher, weil ich kein gutes Gewiſſen mehr habe. Hilarius. Alles geſchah zur Ehre Goltes. Schluck v. J.(mit dem Kopfe ſchuͤt⸗ telnd.) Ich mußte die unſelige Fehde nicht — ſelbſt beginnen, ſo war es leicht mit dem edlen Manne eine Ausſoͤhnung zu Stande zu bringen. Hilarius(erſtaunt.) Ihr nennt den edel, der einen mit dem Banne belegten Ritter durch V Eigenmacht losſpricht? Was muß ich hoͤren? (mit frommer Miene) Solltet denn auch Ihr ¹ von der boͤſen Welt angeſteckt ſein?— Schluck v. J. Oft folgt ich Euch g gen meine Ueberzeugung, aber es ſoll nicht 4184 wieder geſchehen(in Erinnerung verſunken.) O der gluͤcklichen Tage der Jugend, wo ich mit dem guten Rinfried zuſammen warz wo noch keine Suͤnden, noch keine Laſter unſere Handlungen leiteten. Aus ſo mancher Verlegenheit hat mich Rinfried errettet, weil ich ſtets ein Hitzkopf war(finſter.) Jetzt hat ſich dies alles geaͤndert, ich kann ihn nicht mehr frei anſehen, denn große Suͤnden belaſten mein Gewiſſe- Hilarius. Wie Ihr nur ſo ſprechen koͤnnt. War's nicht ſchon ſeit mehrern Jah⸗ ren Euer ſehnlichſter Wunſch, Euch wegen der Unbilden zu raͤchen, die Euch der Ilmenburger und deſſen Kumpane zufuͤgten? Durftet Ihr wohl dreiſt den Fuß aus Horningen ſetzen, ohne von den Buben verſpottet zu werden? Jagten ſie nicht in Euren Forſten und lachten Euch weidlich aus? Dies alles ſolltet Ihr ſchon vergeſſen haben? Schluck v. J.(etwas heiterer.) Wahl weiß ich dies alles noch, aber meine Grauſam⸗ keiten im feindlichen Gau an den unſchuldigen „— — ,. 185 Bewohnern, die verſcheuchen den Schlaf von meinem Lager. 5 Hilarius. Ich habe es Euch ſchon ſo oft geſagt, Ihr verdient eher Lob als⸗Tadel. Schluck v. J. Die arme Amalie!(raſch.) Verfaͤhrt Rinfried nicht in meinem Gau wie ein edler Mann? 2 Hilarius. Aus Furcht verfaͤhrt er ſo glimpflich. Denkt nur daran, als die nichts⸗ wuͤrdige Rotte Euch den großen Keuler vor der Naſe wegfiſchte, und Euch dann zum Spott zu dem Eſſen einladen ließ. Schluck v. J. Alles wahr, nur mußte ich ritterlicher handeln. Hilarius. Und wenn Ihr geſundigt haͤttet, ſo habe ich Euch ja alles— lles ver⸗ geben. 1 Schluck v. J. Nun, ſo will ich mein Gewiſſen auch zu bereden ſuchen, daß es mir ſage: ich habe ſtets rechtlich gehandelt(heiter.). 8. Alſo im Nonnenkloſter iſt er ſeiner Amalie auf der Spur geweſen? 186 Hilarius. eo iſrs; aber die Frau öt ſin hat ſie in ein anderes Kloſter bringen laſſen, welches nur einen Feldweg davon liegt. Schluck v. J. Wenn ich wuͤßte, daß er zur Ausſoͤhnung geneigt ſei, ſo wollte ich ihm hierzu die Hand bieten. aiccht, oder Ihr ſeid ein ungehorſamer Suhn der Kirche.* 3 2* Schluck v. J. Nun ſo will ich ſo bange fechten, als nur eine Sehne in mir ſtraff iſt. Hilarius. So höͤr ich Euch gern ſprechen. 3 Schluck v. F. Wenn meine Halswunde. erſt wieder geheilt iſt, ſo mache ich mit meinen Leuten Ausfälle, daß den Feinden darob nicht wohl zu Muthe werden ſoll. Hilarius. Und ich will die ausziehen⸗ den Streiter fegnen. Schluck v. J. Trinkt doch, rauter Pa⸗ ter, der Wein iſt ja fuͤr uns dal Hilarius(freundlich einen Humpen fül⸗ Hilarius lauffahrend.) Dies duͤrft Ihr Schaafe in der Noth nicht. 187 lend.) So ein Troͤpfchen des eblen. Weines giebt uns neue Kraͤfte. 3 Schluck v. J. Und erheitert das 64 muͤth. 8 Hilarius(trinkt.) Und verſetzt uns auf Minuten an die Pforten der Seligen. Schluck v. J.(ſeufzend.) Ja, ſo war's bei mir auch fruͤher. Horcht! Welch ein Ge⸗ tuͤmmel. Hilarius(oͤffnet ein Fenſter.) Heiliger Gott! Die Feinde werfen Pechkraͤnze in die Burg! Seht! ſeht! Schluck v. J. Koͤnnt' ich doch das Schwert ſchwingen! Hilarius. Von allen Seiten brennende Pechkraͤnze! Wir ſind verloren, es muß hier Feuer entſtehen. Eure Leute eilen nach dem Thore! Der Feind ſtuͤrmt! Burgwaͤrteel(rufend) Verraͤthereil Ver⸗ raͤtherei! Die Feinde haben die Mauer erſtiegen! Hilarius. Guͤtiger Gott, verlaß deine 1 Rinfried/a S 8, 188 Schluck v. J.(ſich aufrichtend.) Meine Waffen!(er ſinkt vor Schmerz wieder zuruͤck.) Durch die Dunkelheit beguͤnſtigt, hatten Rinfrieds Streiter die niedrigſte Stelle der Mauer noch nicht erſtiegen, als noch etwas zu fruͤh bereits Pechkraͤnze von den Stuͤrmenden am Thore in die Burg geworfen wurden. In der nun herrſchenden allgemeinen Verwirrung wurde die Mauer nun wirklich erſtiegen, und ein Theil der Stuͤrmenden hatte ſich bereits im Burghofe feſtgeſetzt, ehe nur an Widerſtand Bnd. wohl aber begab ſer ſch mit dem groͤßern Theile von der Maufet herab in den Burghof, wo heftig geſtritten Kurde. Er und — Burgpfaffen, den Streit fortzuſetzen, befahl 189 ſeine Kumpane trieben die das Innere der Burg. Jetzt entſta and nun erſt der hartnaͤck warfen Steine auf die Stuͤrmenden. Die älti ren ſorgfaͤltig verwahrt, und nach d Sirt und niedrig. R gher einen bedeutenden ſ Verlu ſt, und faſt agend ſah g. Da half ihm ein gluͤcklicher Gedanke aus dieſer Verle⸗. genheit. Er ließ eilig eine Parthie brennender Pechkraͤnze auf mehreren Seiten der Burg an⸗ legen, und ließ bekannt machen, daß, wenn die Burg nicht ſoͤgleich uͤbergeben wuͤrde, ſie an allen Enden angezuͤndet wuͤrde, und daß die Vertheidiger alsdann in den Flammen umkom⸗ men ſollten. Daß es ihm mit ei Dechumd. Ernſt fei, zeigte er bereits. Der 2 hoͤrte auf, und trotz der Eunahnas d8 ¶ 1 derſelbe auf die wohlverwah Schluck v. Iſenbart dennoch, die Rottan zu oͤffnen. Die Feinde wurden entwaffnet und ſo⸗ gleich entlaſſen. Hans v. Gleichen hatte be⸗ reits den Ritter Schluck bei der Bruſtegepackt um ihn aus dem Fenſter zu ſtuͤrzen, als Rin⸗ fried in Begleitung der uͤbrigen Ritter ankam. Der ernſte Blick Rinfried's bewirkte ſogleich ſoviel, daß er den Geaͤngſtigten los ließ, wobei er unmuthig die Worte ſprach:„Dieſer Bub' verdient lebendig gebraten zu werden!“ Als Schluck ſeinen ehemaligen Freund Rinfried ſah, fuhr er ſichtbar erſchrocken zuſammen:„Biſt Du's wirklich?“ fragte er nach einer kleinen Pauſe. 3 „Ich bin's leibhaftig,“ entgegnete er. An dieſer jetzt eingefallenen Geſtalt biſt“ Du mit Schuld daran!“ Schluck verhuͤllte mit bei⸗ den Haͤnden das Geſicht. Rinfried fuhr fort: „Schluck, haͤtten wir wol in unſerer ſchoͤnen Jugendzeit geglaubt, daß wir in ſpaͤteren Jah⸗ ren ernſtliche Fehde mit einander beginnen wuͤrden?— Was uns in der roſigten Ju⸗ gend unmoglich ſcheint, vere ndern oft gaͤnzlich 191 die Verhaͤltniſſe in ſpaͤtern Jahren. Du wurd'ſt ein Pfaffenknecht und ich— We meinen fruͤhern Grundſaͤtzen getreu.“ „Ich habe ſehr gefehlt,“ ſeufzte Schli „doch vertraue ich auf Deine Großmuth.“ „Großmuth waͤr' bei Dir gewiß uͤbel an⸗ gewandt,“ polterte Hans,„laß Wein bringen, Du brauchſt den edlen Rebenſaft mit den Pfaffen nicht allein zu trinken; ſoll uns eben ſo trefflich mun⸗ 3 den, als ihnen!“ Schluck wollte hierzu zwar Befehl geben, doch ſah er keinen Diener. Außerhalb des Gemachs hoͤrte man die Stimme des Sperl.„Macht auf, Beſtien,“ ſchrie er eini⸗ * allein iſt im Stande, dieß Schlaͤuchel noch heute zu leeren.“ Waͤhrend nun die Ritter zechten, ſaß Rin⸗ fried an Schlucks Lager. Ploͤtzlich flammte —— gen Schuͤtzen zu,„denkt ihr denn, daß die ed⸗— len Ritter nicht auch durſten? Mein Herr —— ———— bn Amzf hiher und die Adern ſchwollen an.. 192 Recht,“ antworkete er,„doch will ich Deinen Unterthanen alles verg Macht ſteht.“ Ri glaͤtter.„Ich will Gnade vor Recht ergehen igen, was in meiner eds Stirn wurde wieder laſſen,“ fuhr er fort,„doch verlange ich auch außerdem, daß Du meinen Unterhanen die Huͤtten wieder aufbauen und einen Theil des Gerauhten ihnen erſatten laͤßt, ſo wie die Ab⸗ tretung von vier Deiner groͤßten Doͤrfern.“ „MNinfried, alles will ich Dir bewilligen,“ meinte er,„nur ſchone meines Lebens, ich will noch ein guter Menſch werden und mich be⸗ muͤhen, meinen gemachten Fehler durch gute Thaten erhellen zu ſuchen.“ Da blickte — Rinftied geruͤhrt in die Augen Iſenbarts, um in ihnen zu leſen, ob ſeine Worte auch Wahr⸗ heit waͤren. Und als er nun dieſe zu finden glaubte, ſo legte er traulich die Hand auf deſ⸗ ſen Schulter und meinte:„Schluck, Du biſt noch der alte gute WManſch aber von den Pfaf⸗ fen verfuͤhrt.“ Iſenbart ſah traurig zur Erde und mur⸗ 2 —— 193 melte:„Die Ritter verachten mich, aber. Rin⸗ 2 ſollen ſehn, daß ich wirklich gut bin⸗ frieden ſchwebte bereits die Frage nach ſeiner Amalie auf der Zunge; als Iſenbart ſich zu Du den Auf⸗ enthalt Deiner Amalie noch nicht?“ „Nein,“ entgegnete er, fuhr aber freudig fort:„Du wirſt ihn mir doch nennen?“ Iſen⸗ bart beſann ſich ein Weilchen:„Ich ſelhſt werde Dir binnen einem halben Monden Deine Amalie zufuͤhren. Dieß gelobe ich auf Ritter⸗ ehre!“ „Nenne mir ihren Aufenthalt,“ rief Rin⸗ fried,„und Du ſollſt mir auch die vier Döͤrfer nicht abtreten!“ „Mit Deinem Ungeſtäm würdeſt Du Amalien nimmer befreien koͤnnen, nur ich allein ihm wandte und fragte:„Wei kann dieß.“ „Und waͤr' ſie im Mittel unte der de ſo wuͤrd' ich ſie befai koͤnnen! mir den Aufenthaltsork nen. aber ſchwieg und ließ ſe 194 Wein reichen. Als nun Rinfried heftiger in ihn drang, ſo ſicherte er ihm nochmals die Rettung ſeiner Braut zu und erbot ſich ſogar, ſeine Lieblingsknappen als Geißeln zu ſtellen⸗ Nun zweifelte Rinfried nicht laͤnger an ſeiner redlichen Geſinnung und gab ihm einen Ver⸗ ſoͤhnungskuß, welchem Beiſpiele die uͤbrigen Ritter folgten. Hans v. Gleichen reichte ihm allein nur die Hand, waͤhrend Schluck meinte: „Haͤttet Ihr mich in der Schlacht nicht vom Pferde heruntergeworfen, ſo ſaͤße ich vielleicht auf Burg Ilmen und traͤnke andern Wein!“ Als nun die Sonne in Oſten empor ſtieg und das Chor der befiederten Saͤnger des Haines dem Schoͤpfer, der alles ſo ſchoͤn ge⸗ ſchaffen hatten, auf die verſchiedentſte Art ihr Loblied darbrachten, ſo falteten ſich unwillkuͤhr⸗ lich Rin frieds Haͤnde und ein leiſes Gebet ſtieg zum Vater alles Guten empor.„Bald ſehe ich meine Amalie wieder,“ jauchzte er.„Und ich meine Tochter!“ rief der alte Neuenburger. Obgleich die Ritter noch zechten und die 4 Kriegsknechte ſich verſchiedene Ungerechtigkeiten gegen die Beſiegten erlaubten, ſo machte der ſchlaue Burgpfaffe zu allen doch eine gute Miene. Hoͤchſt lieb war fuͤr ihn aber der Entſchluß, daß die Feinde ſchon wieder abziehen wollten, denn er hatte große Luſt den Ritter zu bere⸗ den, daß er nicht Wort halten ſollte. Begleitet von ſeiner mit Beute beladenen Schaar zog Rinfried a Spada die Straße nach Hildburghauſen, um ſein rechtmaͤßiges Eigen⸗ thum, als Brautſchatz, in Beſitz zu nehmen. Obgleich verſchiedene Ritter den Durch⸗ gang durch ihre Gaue einen ſo großen bewaff⸗ neten Haufen nicht geſtatten wollten, ſo wurde dieſer zuweilen erzwungen, wodurch natuͤrlich heftige Gefechte entſtanden; doch verringerte ſich hierdurch die Schaar nicht, denn taͤglich ließen ſich neue Soͤldlinge anwerben. In der Naͤhe bei Hildburghauſen ankom⸗ mend, ließ Rinfried ſogleich das Benedictiner⸗ Kloſter einſchließen, waͤhrend er ſich ſelbſt ſaͤmmtlichen Rittern an die Pforte de Kloſt 8 4 „ 196 begab.„Fuͤhrt uns zu Eurem Prior!“ herrſchte er den Pfoͤrtner an.„Der hochwuͤrdige Prior iſt verreiſt,“ lautete die Antwort.„So wollen wir deſſen Ankunft im Kloſter erwarten,“ meinte er, und betrat mit den uͤbrigen Rittern den Hofraum, wo alles wie ausgeſtorben ſchien. Waͤhrend die Ritter ſich im Geſellſchaftszimmer mit einigen Moͤnchen unterhalten, wollen wir 8 die Geſpraͤche von einigen Dienern des Kloſters elauſchen Kloſterhof. 8(Der Holztraͤger Engel und die Kloſter⸗ knechte Schilf und Porax treten ſchuͤchtern aus einer Ecke hervor und blicken ſich nach allen Seiten aͤngſtlich um.). Engel. Mirr zittern alle Glieder. . 197 4 Schilf. Da ſieht man doch, wer kein kriegeriſches Herz in der Bruſt hat. Engel. Fent, Du! Sprich nur nicht von kriegeriſchen Herzen, Du zitterſt ja ſchier als ob Du's Miſerere haͤtteſt. Porax(mit aufgeſperrtem Munde). Sind ſie fort? 3 3. Schilf. Ja, wie's ſcheint ins Geſell⸗ ſchaftszimmer. Porax. Schallen mir ſchier noch die Ohren, ſo feſt wie ſie auftraten. Schilf. Memme, Du? Porax. Schimpf nicht, Gauch, oder ich geb' Dir eine mit dem Flammberg, daß Du eine Flenne ziehen ſollſt, von einem Ohre bis zum andern! Schilf. Halt's Maul! Glaubſt wohl nicht, daß ich den Flammberg gut zu fuͤhren weiz? Engel. Streitet Euch nicht. Ihr ſeid beide Memmen, ſonſt haͤttet ihr euch nicht verkrochen. Schilf. Wir thaten dies nicht aus Fu 8— 22 rcht, 198 ſondern aus dem Grunde, daß die Ritter hier leichter gefangen wuͤrden, wenn der Voigt hier⸗ zu Befehl ertheilte. 1 Engel. Ein Hans von Gleichen jagt euch unnuͤtzes Geſindel ſo in die Enge, daß, wenn es moͤglich waͤre, ihr alle in ein Maͤuſe⸗ loch kriechen wuͤrdet. Schilf(mit Anſtand). übertreib' Deine Spaͤßchen nicht, Holztraͤger, oder——— Engel laachend).'s iſt mein Ernſt, aber keine Spaͤschen. Wenn ihr ſo nahe bei ihm geweſen waͤret, wie ich, ſo waͤret ihr vor Schreck geſtorben. Porax(zutraulich.) Nun, wie war's denn eigentlich? Engel. Ich ſtand grade am Holzſtoße bei der Pforte, als der furchtbare Rinfried a Spada mit den uͤbrigen Rittern den Kloſterhof betraten. Pogxax laͤngſtlich.) Nun, nnd was ſag⸗ ten ſie denn zu Dir? Engel. Ich blieb vor Schrecken wie an⸗ 1 — ten ausgeglichen ſind(ſie gehn 49. gewurzelt auf einer Stelle ſtehen.„Hundsfott, geh' mir aus dem Weg!“ rief. mir Rinfried mit ſeiner Donnerſtimme zu; als ich aber dar⸗ nach wie ein Espenlaub bebend ſtehen bliebz da faßte mich der huͤhnenmaͤßig Gleichen mit zwei Fingern bei der Bruſt und ſchleuderte mich zehn— nein! zwanzig Schritte zuruͤck. Porax. Das wan groh! Engellleiſe.) Stillel Kaum war ich wieder zu mir ſelbſt gekommen, ſo nahm ich Reißaus und fand zwei tapfere Knechte in einem ſichern Ortchen verſteckt. Porax. Sei nur ſtill, Fant; ſollſt auch Mal ein' Humpen mit ausleeren. Schilf. Muͤßten ſchier große Narren ſein, wenn wi uns die Knochen wollten entzwei ſchlagen laſſen. Porax. So denk' ich auch. Schilf Laßt uns wieder in unſere Schlupfwinkel zuruͤckkehren, bis die Strelagteſ 200 4 Kaum hatte der im Kloſter verborgene Prior die Kunde vernommen, daß die Ritter ſeine Nuͤckkunft hier erwarten wuͤrden, ſo beſchloß er ſeinen Ort zu verlaſſen; durch den unterir⸗ diſchen Gang ſich aus dem Kloſter zu begeben und dann wieder nach dem Kloſter zuruͤckzu⸗ kehren, damit es den Schein habe, als ob er wirklich verreiſt geweſen ſei. Nicht ohne Zagen betrat er das Geſell⸗ ſchaftszimmer, wo bereits die Ritter dem Klo⸗ ſterweine trefflich zugeſprochen hatten. Nur Rinfried, ſein Geluͤbde haltend, trank Waſſer und ertheilte verſchiedene Befehle. Kaum zeigte ſich der Prior, ſo faßte er ihn bei der Schul⸗ ter und fragte:„Wollt Ihr mir gutwillig die Haͤlfte der Guͤter des Verſtorbenen abtreten oder nicht?“ 4 201 Der rior bebte.„Muͤndlich hat uns der Selige ſaͤmmtliche Guͤter verſprochen,“ ſtot⸗ terte er. „Nur die Haͤlfte!“ ſchrie Rinfried. „Aber die Worte des Seligen,“ wendete der Prior noch ein,„waren ſpaͤter als die Hand⸗ feſte ausgefertigt worden war.“ „Die Haͤlfte der Guͤter gehoͤren mir,“ ſchrie nun Rinfried, waͤhrend Hans dicht vor den Prior trat und durch Mienen deutlich ver⸗ rieth, was ſein Wille ſei. Der geaͤngſtigte Prior meinte nun:„Zwar will ich Euch die Guͤter nicht vorenthalten, doch ſehr erſprießlich wuͤrde es zu Eurem Heil ſein, wenn Ihr die Guͤter dem Kloſter uͤberließet.“ „Fuͤr mein Heil werde ich ſorgen,“ ent⸗ gegnete der Ritter. „So laßt augenblicklich eine Handfeſte uͤber dieſen Vertrag ausſtellen,“ ſprach der alte Neyenburger,„denn die Zeit iſt koſtbar.“ 6„Die Zinſen, ſo Ihr empfangen, ſeit ſe⸗ 1 Pi daß der Selige entſchlaßen iſe habt —— 202 Ihr an den Ritter v. Neuenburg zu zahlen,“ gebot Rinfried..— „Dies iſt unmoͤglich,“ wendete der Prior muthig ein,„denn unſer Kloſter iſt arm und die Einkuͤnfte ſind bereits verwendet.“ „Was dergleichen Leute ein Mal feſt ha⸗ ben,“ meinte Hugo v. Wuͤlfingen,„das halten ſie auch feſt.“ Rinfried ſchwieg, um nicht neue Streitigkeiten herbei zu fuͤhren. Nachdem nun die Handfeſte nach dem Willen des Verſtorbenen abgefaßt war, zogen die Krieger nach der Burg und nahmen ſie in Beſitz. Wenige Tage darauf leiſteten die Un⸗ terthanen den Eid der Treue und jubelnd zo⸗ gen die Krieger der Heimath wieder zu. Rinfried wuͤnſchte ſeinem Roſſe Fluͤgel, um nur recht bald etwas mit Gewißheit von ſeiner Amalie zu erfahren. Als er nun end⸗ lich eines Tages Burg Horningen vor ſich lie⸗ gen ſah, trat aus einem nahen Gebuͤſche i 5 großer brauner Mann, mit faſt gaͤnzlich hehn r r⸗ tem Geſichte und in hoͤchſt duͤsftiger Kleidun⸗ 203 Rinfried erkannte in ihm ſogleich einen Zigeu⸗ ner. Er winkte mit einem Stabe, und Rin⸗ 5 frieds Roß fing an ſich zu baͤumen.„Was ſoll dies?“ fragte der Ritter aufgebracht.“ „Laßt Euch warnen,“ ſagte der Braune mit hohler Stimme,„und beſchleunigt die Befreiung Eurer Geliebten nicht dadurch, daß Ihr nach Horningen reitet. Man hat Boͤſes mit Euch im Sinne; reitet nach Burg Ilmen!“ 24. ̈ „Ein Ritter,“ entgegnete Rinfried,„laͤßt ſich durch die Gaukeleien eines Zigeuners von ſeinem Vorhaben nicht zuruͤckhalten!’ Mit dieſen Worten jagte er weiter.„Zu ſpaͤt wer⸗ det Ihr's bereuen!“ kreiſchte ihm jener nach, und verſchwand im Gebuͤſche.— Die Thore von Burg Horningen flogen auf, als die Sieger ankamen. Rinfrieds erſte Frage war nach Schluck v. Iſenbart. Man erzaͤhlte ihm, daß er erſt vor wegen ſeiner Wunde, die und leicht zwei Wochen ver Rinfried a S. 20¼ ehe et wieberkehre. Zwar verſicherte ihm der Burgpfaffe, daß ſeine Braut beſtimmt mitkom⸗ men werde, aber dennoch konnte er ſich nicht ganz beruhigen. Sein ehemaliger Feind hatte das Schickſal ſeiner Braut in Haͤnden. Wie leicht konnte er ſeine Geſinnungen aͤndern? Nein! dies war wohl aus dem Grunde un⸗ moͤglich, weil er im Beſitze ſeiner Burg war. Um ſich zu zerſtreuen, begab ſich daher Rin⸗ fried mit ſeinen Kumpanen taͤglich auf die Jagd, wo ſtets gute Beute gemacht wurde. Schon war es etwas ſpaͤt, als Rinfried in ein Horn ſtieß, zum Zeichen, daß ſich ſeine Kumpans um ihn vetſammeln moͤchten. Da teat jener behaarte Zigeuner aus einer Grotte, indem er ihm zurief:„Noch iſt's Zeit; erwar⸗ tet Eure Braut auf Ilmen und verlaßt ſchleu⸗ nig Horningen!“„So nenne mir die Ur⸗ ſache!“ entgegnete Rinfried.„Gift!“ ſchrie die Geſtalt, und verſchwand. Vergebens ſuchte ihn der Ritter auf, er war nirgend zu finden. Etwas nachdenkend hieruͤber begab er ſich nach der Burg, wollte ſie aber dennoch nicht ver⸗ laſſen. Ruͤdengebell und Hoͤrnerton verkuͤndigten eben auf Burg Horningen, daß die Ritter ſich wieder auf die Jagd begeben wollten, als Wippricht von Neuenburg mit ungewoͤhnlich freundlicher Miene den Gelag⸗Gaden betrat. Rinfrieb war mit den Rittern in ein ernſtes Geſpraͤch begriffen, und merkte alſo die Ver⸗ aͤnderung nicht, welche mit Wippricht vorge⸗ gangen war. Pltzlich rollte ein Vorhang in die Hoͤhe. Pauken, Trompeten, Hoͤrner, CEymbeln und Pfeifen ertoͤnten. Rinfried und die Ritter ſahen ſich um, da fuͤhlte ſich der erſtere von weichen Armen umſchlungen. Es war ſeine Braut Amalie. Jauchzend zog er ſie an die Bruſt, und gab ihr Aauſendiſ hoͤne Namen⸗ hing er ſprachlos am Halſe der Geliebten. 206. 6 Als nun endlich der erſte Rauſch der Freude voruͤber war, dankte Rinfried dem Schluck Iſenbart mit einer herzlichen Umarmung. Amalie hatte ſeit der Trennung vom Geliebten eben ſo viel gelitten, als dieſer. In Kuͤrze erzaͤhlte ſie ihre Geſchichte, ſeit die Neuenburg erobert worden war, welche der Sinaas Leſer bereits weiß. Ddie Jagd wurde natürttch unfgeſchaen. Humpengeklirr und froͤhliches Jauchzen ertoͤnte auf Horningen, in welches ſich die Toͤne des Gloͤckleins der Kapelle miſchten.„Was iſt das?“ fragte Rinfried als er dies hoͤrte.„Der Prieſter harrt Deiner zur Trauung mit Dei⸗ ner Braut,“ entgegnete Schluck. Da wurde Rinfried vom Gefuͤhle des Gluͤckes uͤbermannt; 3 Thraͤnen entfielen ſeinen Augen, und lange Begleitet von den treuen Waffengefaͤhrten as ſich Rinfried an der Hand der Braut a der Kapelle, wo der Prieſter bereits 207 Nachdem die kirchliche Ceremonie beendigt war, zogen die Gluͤcklichen wieder in den Ge⸗ lag⸗Gaden ein, wo gejubelt und gezecht wurde. Die allgemeine Freude wurde ſpaͤt in der Nacht nur dadufch geſtoͤrt, daß Rinfried und Amalie uͤber ein ſtarkes Übelbefinden klagten. Das Vorhaben des abſcheulichen Burgpfaffen war zum Theil gelungen, denn er hatte in die Becher des gluͤcklichen Paares Gift gemiſcht. Rinfrieds Unterthanen wurden reichlich entſchaͤdigt. Aus den Ruinen der Neuenburg ſtieg eine neue empor, von wo aus Wippricht ſeine Unterthanen mit Milde regierte. Weder Rinfried noch Amalie erfreuten 203 † „Haſper“ erhielt, war die Frucht ihrer Ehe. Schon im vierzigſten Jahre verließen Rinfried und Amalie dieſe Erde, um in einer ſchoͤnern zu erwachen. derſelben. 1828. 8. Broſch. 7 Sgr. 6 Pf. 6 gGr. 27 Kr. Raͤthſel, Charaden und Logogryphen, zweihundert der beſten, nebſt deren Aufloͤſungen. Als Anhang: zwan⸗ zig der beliebteſten Geſellſchafts⸗ ſpiele. Ein nuͤtzliches Handbuch zur Erheiterung in frohen Abend⸗ zirkeln. 8. Elegant broſch. 1329. 10 Sgr. 3 gr. 36 Kr. Schimkeverfertiger, der erfahrene, eine Anw iſang wie man ſich auf eine ſchoͤne, wohlfeile und unſchaͤdliche Art ſchinken kann. Rebſt den be⸗ ſten Rezepten zur Anfertigung von wohlriechenden und das Wachs⸗ thum der Haare befoͤrdernder Pom⸗ maden, Schoͤnheitsmilch, das Faͤr⸗ ben der Haare, Vertreibung der rothen Flecken im Geſicht, wohl⸗ 6 riechende Waſchpulver u. dgl. ente haltend. Als Anhang: acht nuͤtz⸗ liche Hausmittel. 8. Broſch. 7 Sgr. 6 Pf. 6 gGr. 27 Kr. Suutzer, der galante, oder: die Kunſt ſich bei dem ſchoͤnen Geſchlechte 8 beliebt zu machen. Nebſt einem Anhange, enthaltend: Muͤndliche und ſchriftliche Heirathsantraͤge; Liebesbriefe; Neujahrwuͤnſche; wie man ſich in Geſellſchaften zu ver⸗ halten hat; die feine Lebensart bei Abſtattung der Viſiten; Hoͤf⸗ lichkeitsregeln und andern Bemer⸗ Füngen im Umgange mit dem ſchoͤ⸗ nen Geſchlechte. Ein nuͤtzliches Handbuͤchlein fuͤr Herren jeden Standes. Zweite verbeſſerte Auflage. 8. Elegantbroſch. 1829. 7 Sgr. 6 Pf. 6 gGr. 27 Kr. Verbeſſerung und Miſchung der Weine, uͤber die, oder: die Kunſt, ohne Nachtheil fuͤr die Geſundheit, aus ſchlechten Weinen gute zu machen, wie auch Champagner⸗, Burgun⸗ der⸗, Rhein⸗, Muskat⸗ und noch andere Weine auf die taͤuſchendſte Art nachzumachen ſind; nebſt einer Abhandlung uͤber die Erkenntniß verfalſchter Weine. Dritte ver⸗ mehrte und verbeſſerte Auf⸗ 3 lage 3. Broſch. 1829. 10 Sgr. 9Gr. 36 Kr. — 8