deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur . von— Eduard Otkmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. eih- und Leſe ebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bihlihthet ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen.— 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von le jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Jages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 75 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe vhn mir zuruckerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: * n.„ 7 3„„—„ 2 5. Auswärtige Abonnenten baben für nd Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Ge ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Fur beſchmutzte, zerr ſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zet ne, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren. Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet⸗ 8 3 37 ihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird für wöchentlich 2 Bücher: 4 PBücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: 4 Wet.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 M.— Pf. d ü t ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. 8 aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen * — —— Ritter des Harzes oder die 3 8 Zerſtörung der Daſenburg. Hiſtoriſch⸗romantiſches Gemaͤlde der Vorzeit. Vom Verfaſſer der Ruinen der Teufelsburg, der Eiſen⸗— Ritter, des Auguſtiner⸗Kloſters u. m. g9.. 4 1 Zweite wohlfeilere Auflage. Nordhauſen, b e i Ernſt Friedric 2 1832 ſich in der lauen Luft, die Mücken tanzten Die Dafenburg la wiſch Von einer Jagdparthie ritt an einein er mil⸗ deſten Sommerabende der Graf Wedekind von Daſenburg*) zurück, nach ſeiner Burg. — Roſen⸗ und Lindenblüthendüfte wi gten mit leichtem Surren, die immer geſchäftigen Bienen ſummten umher, und aus den Gold⸗ wogen der Getreidefelder tönte heller Was ſchlag.— Am heiteren Firmamente b ſchon freundlich und klar der Abendſte 4. bingerode. des Viertelmondes blaſſer Silberſtrahl ſpielte zit⸗ ternd im dunklen Gezweige der majeſtätiſchen Eichen und Buchen, welche am Fuße der Da⸗ ſenburg ſich ausbreiteten.— Selbſt das unbe⸗ deutendſte Geſchöpf freuete ſich heute ſeines Da⸗ ſeins, nur Wedekind war ſtill und mißmuthig. Vergebens hatte er ſeine üble Laune in dem Lieb⸗ lingsvergnügen, der Jagd, vertreiben wollen, umſonſt! Auf wem der liebliche Amor einmal ſeinen Pfeil geſchoſſen hat, der muß ihm auch huldigen!— Ja! jetzt fühlte er es nur zu ſtein bei einem Bankett zu tief in das blaue 1 Auge geblickt hatte. Aber die Hoffnung, dies herrliche Mädchen einſtens als Hausfrau heim⸗ zuführen, hatte er nicht; denn ſie war die Schweſter ſeines unverſöhnlichſten Feindes, des Grafen Ilger v. Bielſtein. Der Thurmwächter blies den Ankommen⸗ in ein fröhliches Liedel entgegen, in das ſich der Höne, der von der Jagd Zu⸗ gut, daß er der lieblichen Adelheid v. Biel⸗ ——-—— ſagte verwirrt Wedekind. Ahlanara, der Ankunft ſeines Tranas n. rend. „Willkommen, willkommen!“ rief Wedekind 3 erheitert dem Freunde entgegen.„Danke, danke! ſagte Hugo, und reichte ihm die deutſche Rechte. Schweigend ſetzten ſich Beide an ein Ah. ſter, von wo aus man die Ausſicht nach dem Bielſteine hatte. Er glaubte die ſtolze Feſte bei'm Scheine des Mondes zu ſehen, und ge⸗ rieth ſo in Gedanken, daß er die Gegenwart ſeines Freundes vergaß.— Umſonſt perlte der köſtliche Nektar im goldenen Pokaſe. „Wedekind, ſchier glaub' ich, Du biſt ein Träumer geworden, ſeit ich di nicht ahtu rief Hugo. 4 „Nein, nein! das bin ich niht 40 Lachend meinte Hugo, 3 6 Wedekind wurde roth, denn ſein Freund hatte ſein Innerſtes durchſchaut. Heller ſchien in dieſem Augenblicke dem Verliebten der Stern der Liebe zu leuchten; unwillkührlich ſtreckte er ſeine Arme aus, und rief:„O wie ſchön biſt du Natur!“ 4 Nach einer Pauſe fuhr er fort: Erhabene und Schöne, ich bin kein guter Menſch, ber ich will es werden.“— „Halt ein, Bruder!“ rief Hugo,„ich will Dir eine neue Mähr erzählen!“— „Nun„ und dieſe iſt?“ fragte geſpannt der in eine öde Gegend geſchleudert. „So höre und Piſaune, antwortete der gte.„Unſer grö ößter Feind, Heinrich der 6 wider alles Erwarten aus dem Lande r ar Herzu So ſen. 9 4ℳ „Aber nur der Tugendhafte fühlt ganz das ſich glücklich Träumende wie aus dem Paradieſe —— dem Bielſteine Kundſchaften aus ſchweiger haben ihn mit vielem Pamd anyin gen.“— ¹ 8 „Meinetwegen,“ entgegnete Wedekind un⸗ wirſch,„mir kann der überall ſiegreiche Heinrich nicht viel ſchaden, denn meine Burg kann er nie einnehmen!“— 4 „Aber was ſoll ich anfangen?“ entgegnete 4 Hugo. 3 „Schlimmſten Falles kömmſt Du mit Dei⸗ 31 nen Leuten zu mir, und beulißt Deine Burg dem Feinde.“ 3 iS iſt ein n Wort! 4 erſebte Haoeun We⸗ Auch ſchien es, gocken ektöntette 8 auf einem mit Schweiß bedeckten Roſſe zurück und berichtete:„daß der Graf Ilger von Biel⸗ ſtein nebſt ſeinen Vaſallen, den Herzog Heinrich dem Löwen nach Welſchland begleiten wollten, um die aufrühriſchen Städte zu züchtigen.“— „Alſo iſt kein Feuer auf der Burg?“ fragte der Graf. „Nein,“ entgegnete der Knecht,„das Feuer iſt auf der höchſten Warte angezündet, um die die Sturmglocken tönten ſo ſchaurig durch die Nacht.“— „Line fröhliche Botſchaft,“ jauchzte Hugo, „für uns beide; ich behalte für's Erſte meine 3 Burg noch, und Du kannſt deſto eher die Adel⸗ heid von Bielſtein entführen, und nebenbei dem Bielſteiner manchen Schaden zufügen.“ 3„Adelheid! Adelheid! mein mußt Du wer⸗ en, und wenn Dich Tauſende bewachen„Adel⸗ beid mein 8 jauchzte der Graf und ſah wonne⸗ Vaſallen aufzumuntern, ſich zu ſputen.— Hu, —— * gefüllten Humpen im Prunkſaale. Adeihed Bielſtein. (Graf Ilger v. Bielſtein, Ritter Hein⸗ rich v. Biela, Otto v. Blankenburg, Herrmann v. Ebra, Hans v. Morungen, Kaſpar v. Katlenburg, Heinrich v. Scharz⸗ feld und Feige v. Heimburg, ſitzen bei den geht zu und ab. Bald darauf kon bert v. Reinſtein.) 1 Feige v. Heimb.(trinkt einen Hunpen einmal aus, wendet dann dieſen um, a Nand auf den Nagel und fingt dabe) t Braf Al⸗ . So hielten es auch Die Vaͤter im Brauch, Wenn ſie vor Jahren 1 Fein luſtig waren. Sie ſchentten voll ein, Und tranken rein, 10 Daß man den Becher von oben Konnt auf dem Nagel proben. Waren ſie da nicht zu loben? Herrmann v. Ebra. Hol mich der heilige Criſpin, der Kerl ſäuft wie'n Meerſtrudel und brummt wie'n Bär. Feige v. Heimb. Friſche Humpen her! So!— Wo der Heimburger iſt, muß immer Naſſes vorhanden ſein(trinkt abermals einen Humpen aus). Der Wein iſt gut! Hans v. Morung. Gelt, Feige, wir wol⸗ len die erbärmlichen Italiener hetzen, wie die Eber. Feige v. Heimb.(nimmt den Humpen in die linke Hand, mit der rechten greift er an das chwert und ſingt:) Die Feinde ſchlagen, Den Wein im Magen ſt meine Sach! Dieſer allein fi ht ge⸗ Gaavu— Nur ——— ——— wein Adelheid ſeine Ehegeſpannin würde. Adelheid, Was ſagtet Ihr jetzt, Herr Graf? Otto v. Blankenb. Daß Ihr, ſchöne Adel⸗ heid, die Zierde des ganzen Gaues wäret. Adelheid. Ihr ſpottet, und könnet der Prunkworte ſo viet ſagen, als der beſte Hoſ⸗ mann. Feige v. Heimb.(taumelt von ſinem Site auf zur Adelheid) Wie mags wohl kommen daß mir der Wein von Eurer ſchönen Hand kredenzt, doppelt ſo gut mundet, als wenn ich ihn daheim mit meinem Burgpfaffen trinke!?—. Adelheid. Auch Ihr Ratt kaur, Sar Ritter! Feige v. Heimb. Ich ſpotte r und ſcmeic 12 Adelheid. Laßt mich!— Feige v. Heimb.(ergreift einen gefüllten Humpen). Auf's Wohlſein der ſchönen Adel⸗ heid v. Bielſtein! Alle. Ihr Wohl!— 5 Ilger v. Bielſt. Edle Kämpen, wenn's Euch gelegen iſt, wollen wir morgen beim Grauen des Tages gen Braunſchweig ziehen!— Alle. Ja, ja! 3 Feige v. Heimb. Seh' ich recht, ſo reitet 3 Graf Albert den Burgpfad herauf? Mhrete. Ja, es iſt Albert der Kühne! 8e v. Reinſt.(eintretend). Gott zum Gruß, edle Kämpen!— Ihr ſteht im Begriff der Lorbeern in Italien einzuerndten, und ich 5 muß hier bleiben um Ruhe und Ordnung im Lande zu erhalten; ſo lautet der Befehl vom Herzog Heinrich an mich. Ilger v. Bielſt. Dir, mein Freund, ver⸗ ich einen theuern Schatz an; willſt Du wohl in meiner Abweſenheit meine Schweſter, als ſei ſie die Deinige, beſchützen? Albert v. Neinſt. Und Du fragſt noch iſt dies nicht Ritterpflicht?— Hier meine Hand wann Du zurückkehrſt verlangſt Du Deine Schwe⸗ ſter von mir. 6 Feige v. Heimb. Und dann— dan?= Ilger v. Bielſt. Nun? Feige v. Heimb. Giebſt Du mir ſie zur Ehegeſpannin!— 6 Ilger v. Bielſt. Hier, meine Hand, wenn 4 Adelheid will. 8 6 Adelheid(eintretend). ninonmm eer Graf von Reinſtein! B. Albert v. Reinſt. Danke t Healgh ſchöne 8 Geüin.— 9 5 8 Feige v. Heimb. Adelheid— Adelheid— .s iſt mir wahrlich ganz wunderlich ums Harz; 4 Adelheid, ſchüne Aungf — — dem Herzen!— 4 Adelheid. Was verlangt Ihr Feige v. Heimb.(für ſich). 8 14 Teufel die Liebeleien.(laut) Wollt Ihr meine 4 Ehegeſpannin werden? 4 Adelheid(wird roth). Herr Ritter! Feige v. Heunb. An mein Herz. Ich leſe Eure Zuſage in dieſen ſchönen Augen— martert mich nicht länger, Ihr ſeht ja, es wird 58 mir ſauer genug(er umhalſet ſie). Adelheid(ſich beſchämt loswindend). Bö⸗ 1 3 8 Mann!* 1 Feige v. Heimb. Wahrlich, jetzt iſt mir 4 ein ſchwerer Stein vom Herzen. O der herr⸗ 1 liche Gedai Adelheid mein! mein! auf 4 ewig!——* 4 5 4 Adelheid. Ja, Dein!— Was helfen die Zierere 44 Feige v. Heimb.(zärtlich). Nun komm, traute Adelheid, ſetze Dich mit am Schenktiſch, da wollen wir erſt eins koſen, und dann— rinken. A pbelheid. Verlangt was Ihr wollt, nur dies nicht⸗ inß n mit Euch trinken ſoll 15 4 f wingen(für ſich). Mir eben recht, deſto nehe kann ich dann trinken. Otto v. Blankenb. Das war eine ſihe Liebeserklärung. Hans. v. Mor.(giftig und leiſe zu Otto). Der verdammte Heimburger hat, mir nichts dir *† nichts, die gute Beute weggeſchnappt.— Ich 1 weiß gar nicht, daß Adelheid dieſen großen, plumpen und kupfrigen Wunderfrevel licen kann! 4 Otto v. Blankenb.(lachend). Der Ge. G ſchmack iſt verſchieden. 4 Albert v. Reinſt. In Eurer Abweſenheit, 8 lieber Ilger, will ich den Daſknbucher feſt aufs — Korn nehmen. 8 Ilger v. Bielſt. Thut dieſes; denn de Gauner wird ſonſt gewiß den vorüberziehenden 3 Fuhrleuten ihre Waaren wieder ungeſtn 1 nehmen. Ich hätte längſt ſein Raubne ſtört, aber es iſt nicht möglich dieſes einzun menz; denn es ſcheint in den Wolken zu ben, und ein einziger lhmulr Fußpſat 16 hinauf. Selbſt durch Hunger iſt es nicht ein⸗ zunehmen, denn es hat mehrere unterirdiſche Gänge. 3 Albert v. Reinſt. Hm! hm! Feige v. Heimb.(hebt ſeinen Humpen in die Höhe). Meine Braut Adelheid v. Bielſtein ſoll leben, hoch! Alle(ergreifen die Humpen und ſtoßen ſi an einander). Hoch! 8 — Kloſter Walkenried*). Der Abt(ſitzt auf einem Lotterbettlein). Mein' Seel, die Dirne iſt engelſchön! Der Kellermeiſter. Das iſt ſie. Aber wie fangen wir's an ſie zu überliſten?— Ich wette arauf, ſie weiß nicht, daß es zweierlei Geſchlech⸗ Kloſters liegen eine Stunde von Ellrich. 3» di zuinen dieſes einſt ſo reichen und großen . nur erſt, wie Du ſie hierher locktet.. 17 X2&ecst Der Abt. Ha ha ha!— Aber echle Der Kellermeiſter. Auf die natürlicſſte Art von der Welt.— Es war ſchon ganz dunkel, da ich durch den Cohnſtein ging, und mir das Maͤdel begegnete, ſie vertraute ſich mir ganz an, erzaͤhlte alles offenherzig, was ich wiſſen wollte; und ich ſagte ihr dann, ihre Mutter waͤre ploͤtzlich krank geworden und wir haͤtten ſie in unſer Kloſter gebracht. Das Maͤdchen erſchrak, glaubte mir Wort fuͤr Wort, und ſo brachte ich ſie hiethne. Abt. Ein Schlaukopf ohne Gleichen. Kellermeiſter. Beſeht nur die Dirne am Tage und ich weiß gewiß, da Ihr Kenner voꝛ— 8 ſolcher Waare ſeyd, Ihr ſagt: es iſt das ſchön⸗ ſte Maͤdchen, welches ich je geſehen habe. Abt. Aber das Maͤdchen iſt ſo blöde!— Kellermeiſter. Woll'n ſie ſchon dreiſt ma⸗ Gan lenfali durch ſtaͤrkende Tetansgaſ 5 e MeNNNnee. Kellermeiſter. Ihr ſeyd wohl gar ſchon müde, wie es ſcheint. Soll euch Nummer Eins oder Zwei den Schlaf vertreiben?. Abt(lachend). Du weißt doch fuͤr al⸗ les Rath.— Erſt will ich noch trinken!— 1 Ein Pater(eintretend). Der edle Ritter o. Daſenburg bittet um Gehoͤr. Abt. Laß ihn hereinkommen! 3 Kellermeiſter. Was mag der mal wieder vollen, und in der Nacht!— Graf v. Daſenb.(eintretend). Verzeiht, Herr Abt, wenn ich ſtoͤre. Ich habe wichtige Sachen mit Euch abzumachen. Abt. Nun ſo laßt hoͤren Gum Keller⸗ meiſter). Einen Humpen Graf v. Daſenb. Laßt's nur gut ſeyn, bin alleweile nicht durſtig(für ſich). Ihr Gla⸗ enköpfe, kaßt Euch ſo'n Humpen theuer ge⸗ ut). Geſtern wurde mir die vom Alten.— t dem 4 Feind der. 19 . eeRcNeehe Kaiſer Friedrich I. einen Zug nach ann unternimmt.— 3 Abt. O dieſe Kunde iſt fuͤr mich erfreulich Graf v. Daſenb. Hoͤrt weiter. Faſt alle Ritter, Knappen und Reiſige begleiten ihn; 8 unter dieſe gehoͤrt auch Ilger v. Bielſtein, der Übermüthige, nur der alte Graf Guͤnzeln und Graf Reinſtein bleiben zuruͤck, um die lte Ordnung zu erhalten.— Seht, der Graf v. Bielſtein hat eine herrliche Schweſter, ich ljebe 5 das Maͤdchen mehr als mein Leben, und; ſie feiert heute ihre Verlobung mit dem Ritter v. Heimburg, dieſer große Toͤlpel iſt meit Ne⸗ benbuhler, er macht den Zug nach Italien mit und laͤßt ſeine Braut zurück, ſeht alſp, ich habe Luſt, das Maͤdchen zu entfuͤhren, wollt Ihr ſie mir wohl aufbewahren Abt(ſchmunzelnd). O ja! verſteht ſich gegen ein gutes Stuͤck Geld! Graf v. Daſenb. Wie pfel de an jaͤhrlich, wenn das Maͤdchen alles on verlangen kann, nur die Freiheit nich 1 2* — 20 NeNeN Abt(ſich beſinnend). Zehn Mark Silber. Graf v. Daſenb. Unerhoͤrt viel. Kaufe 8 wahrlich eine Grafſchaft dafuͤr.— Ich daͤchte ſechs Mark. Abt. Wir laſſen nicht mit uns handeln! Wenn's Euch zu viel iſt, Herr Graf, ſo ſperret ie doch in Eure Burg. Graf v. Daſenb. Nun, wenn Ihr nicht anders wollt, ſo ſollt Ihr zehn Mark erhal⸗ ten; aber unter der Bedingung, daß, wenn 6 etwas entdeckt wird, Ihr mich nicht verrathet. 4 Abt. Es ſey.— Haben ja ſchon ſo man⸗ ches Spaͤschen zuſammen ausgeführt. 8 Graf v. Daſenb. Nun ſo gehabt Euch wohl! ſobald ich die Dirne habe, bringe ich ſie 8 zu Euch!— 1 4 Abt(zum eintretenden Kellermeiſter). Den habe ich geprellt! Der Narr will eine Dirne zu uns bringen, und ich erhalte für die Koſt zaͤhrlich zehn Mark Silber! 1 ellermeiſter. Viktoria! 6 21 5 NcMNNr 8 Abt. Aber was das Schlimmſte ſt. g will erſt die Dirne rauben. Kellermeiſter. O weh! 1 Abt(froͤhlich). Nur die Hoffnung nicht ſinken laſſen.— Iſt ſchier ein herrlicher Ritter, der Daſenburger hat uns ſchon manchen Ge⸗ fallen gethan. 4 Duͤſtre Nebel hatten ſich auf Berg und KFhal gelagert, als die eherne Trompete auf Burg Bielſtein ſchon zum Aufbruch rief. Geſchaͤftig eilten die Knappen durch die Ge⸗ 3 maͤcher, um alles in Ordnung zu bringen Freudiges Jauchzen ertoͤnte von allen Sei Nach und nach verſchwanden die Nebel von den Bergen und Thaͤlern, und der erſte helle Schein erſchien im Oſten.— Ganz gerüͤſtet erwarteten die Ritter das Zeichen zum Ab⸗ marſch, ſchon ſaßen ſie auf den ne Streitroſſen; als Graf Ilger v. Bie⸗ in 22 NNNNNNNNe Zeichen zum Aufbruch gab.— Bunt wogte die Menge der Kampfluſtigen zum Burgthor hinaus. Die erſten Strahlen der Sonne kuͤßten* die Spitzen der Berge, als das kleine Heer in Ordnung geſtellt, unter dem Klange der Trompeten, Hoͤrner, Trommeln und Zympeln, in welches ſich das Jauchzen der Krieger miſch⸗ te, langſam den Burgpfad herab bewegte.— Feige v. Heimburg ſagte jetzt der weinen⸗ den Adelheid das letzte Lebewohl, druͤckte ſie noch einmal an die ſtaͤhlerne Bruſt, noch ei⸗ i Kuß, und er ſprengte auf dem unruhig rrenden Roſſe dahin. Noch einmal blickte r ſich um, nickte der, ihm freundlich Gruͤßen⸗ en zu, und entſchwunden war der Theure ih⸗ ren Blicehn.— Jetzt war Adelheid faſt ganz ohne Freund und Freundin. Sie fuͤhlte eine ſolche Leere im Inneren, wie ſie es nie verſpuͤrt hatte; frei⸗ liich fehlte der Bruder, der Geliebte und man⸗ — cher Freund. So verlaſſen und einſam ke 23 XNNNNNN ihr die ganze Natur vor.— Hinaus in Freie eilte ſie, der gepreßten Bruſt Luft zu machen, hoͤrbar und unruhig wogte der Buſen, *bis ein Thraͤnenſtrom dem Herzen Luft machte. 3 Auch Albert v. Reinſtein war mit fortgezogen, um ſeinen Herzog ein Lebewohl in Braun⸗ ſchweig zu ſagen.— Der Burgvoigt war ein alter mißtrauiſcher aber gutmuͤthiger Mann, dieſer kam herbeigeſchlichen:„Graͤfin, ſagte er, kommt in die Burg zuruͤck; der Daſenburger lugt —— immer hierher, er fuͤhrt vielleicht etwas Boͤſes im 8 Schilde. Kommt, kommt! Willig folgte Adel. heid dem Alten, denn eine innere Stimme ſagte ihr: daß er nicht ganz unrecht uben onnte. 3 Feſtlich geſchmüͤckt waren die Säuſer DABraunſchweigs, als das kleine Heer den an⸗ deern Tag einzog. Vor dem Schloſſe des Heais waren nis b Der Heriog bementie, die Throne. Viele orajm 24 oedeehe Edle ſtanden vor denſelben, eine große Menge Volk deckte den Platz.— Graf Ilger v. Bielſtein ließ ſeine Leute jetzt halten und gruͤß⸗ te den Herzog, durch ein lautes:„Hoch lebe unſer Landesvater Herzog Heinrich und ſeine Gemahlin! Hoch!“ hoch! hoch! jauchzten die treuen Unterthanen aus dem Innerſten ihrer Herzen, nicht blos, wie dies jetzt oft der Fall iſt, dem Scheine nach.— Die Muſik ſtimm⸗ te in den Toaſt ein.— Als dieſe ſchwieg, er⸗ hob ſich Heinrich von ſeinem Sitze, und ſprach: Meine geliebten, mir ſo theuern Unter⸗ 8„thanen.— Heute ſind es funfzehn Jah⸗ „re, daß ich Euer Herzog wurde. Eure Liebe hattet Ihr mir damals geſchenkt, moͤchte ich nfſie jetzt eben noch ſo beſitzen oder ſie wenigſtens „ perdient haben. An Willen hat es mir nicht ngefehlt Euch immer froͤhlich zu ſehen. Da beutige Tag ſey ganz der Freude geweihet; je „lauter und herzlicher Eure Freude iſt, neſ „mehr werde ich mich ergoͤtzen. Unter Euch nwar ich am liebſten, hoͤrte Euch gern an, und „ſprechenſten Beweis Eurer Liebe. Manche 1 „Schickſale haben mich betroffen; durch Eure 25 26ℳNNKE „Ihr kamt auch willig zu mir. Ich che es „Euch an, Ihr ſeyd mit mir zufrieden; Eure „frohen Geſichter laſſen keinen Zweifell Es lebe Heinrich! unſer Erretter! unſer Wohlthaͤter! unſer Vater! jauchzte wild das Volk. Heinrich ſprach weiter:„Genug, meine „Getreuen, herzlich danke ich Euch fuͤr den „Huͤlfe habe ich ſie gluͤcklich beſtanden. Nehmt nmeinen innigſten Dank fuͤr all' Eure Liebe, nund fuͤr die treus Sorge, die Ihr meiner „Gattin erwieſen habt. Wem etwas man⸗ „gelt oder drüͤckt, der nahe ſich heute; wem ich 3 nje Unrecht that, er komme und klage; gern nwill ich verguͤten, was ich kann!’“— Eine allgemeine tiefe Stille herrſchte, be nur von zwei Abgeſandten der Stadt Mu nchen unterhrochan wufbe⸗ welche aiſo ſprachen 26 3 Sestdcezze ſern ſchuldigen Dank zu bringen.— Unſe⸗ Mu cchen war ein kleiner, ͤder Ork; Handel *„ und Gewerbe lagen tief darnieder, Eure Huld 4 „half uns empor.— Der oͤde Ort dehnte ſich „zur großen Stadt aus. Eurer Unterſtuͤtzung „verdanken wir Leben und Glluͤck. Nehmt „dieſe Bütgerkrone, jeder brave Baier hat ſie „geſegnet, jede edetherzige Frau des Baierlan⸗ ndes ſie gekuͤßt wo wir durchzogen.— Bleibt nuns immer hold, edler Herzog, und eure Bai⸗ „ern werden Euch beſtaͤndig lieben und treu 1 nſeyn. „Ich danke Euch, meine lieben Abgeſand⸗: „ten von meinen Kindern, fuͤr die Beweiſe „Eurer Huld und Treue.— Stets werde ich „auf Euer Wohl bedacht ſeyn! ſprach der „Held.“ Jetzt traten zwei Berglente hervor, und ſporachen alſo:„Wir kommen im Namen aler 4 EFurer Inſaſſen des ganzen Harzgebürges, 4„vom Grafen an, bis zum aͤrmſten Koͤhler, Fuch Herr Herzog unſern Dank zu bringen — —— 27 NNCKe „Wir ſage 9 beine Prun h— gart „Herr ſeyd Ihr, und wir ſi nſo gern an, wenn wir bedenken, daß Ihr mit nunſerer Arbeit viele Menſchen gluͤcklich macht. „So unterſtütstet Ihr auch die Lube 8 „Stadt das Feuer ſo fannerlich vert nund halft ihnen ſo viel, daß ſie ihre Haͤuſer wieder „aufbauen konnten; und dergleichen Gutes thut „Ihr gar oft im Stillen. Die Frau Herzogin niſt auch ſo, immer freundlich wie Silberglanz. „— Gluͤck auf, edler Herzog und Frau Herzogin!“ Gluͤck auf! gluͤck auf! gluͤck auf! jauchzte 9 die jubelnde Menge nach.— Als alles wieder ruhig war ſprach Heinrich:„Bleibt ferner meine treuen Unterthanen, und es ſoll Euch nie am Wohlſtande mangem, Handel und Gewerbe — 4„„ſollen bluͤhen. Ich dank Euch.— Sch muß „Euch jetzt auf einige Zeit verlaſſen.— Die „Kunde werdet Ihr wohl vernommen haben, „daß mich unſer Kaiſer nach Welſchland beru⸗ 5 4 5(hat, wo dieß unruhige Volß ihn mit 1 MNdeee „Empoͤrungen bedroht. Ich muß eilen, denn er „wird ſehr gedraͤngt; Dolch und Gift umgiebt „ihn, und vor den rebelliſchen Staͤdten Krema „und Alexandria hat er lang gelegen.— Mit „ſechszehnhundert meiner Getreuen eile ich, fuͤr „mich und Euch neuen Ruhm und neue Lor⸗ „beeren zu erfechten. Wenn wir dann zum „heimathlichen Heerd mit Eichenlaub geziert „zurüͤckkehren, ſo ſeyd d rſichert, daß wir eine „freundliche Aufnahme verdienen. Alle Fehden „und Uneinigkeiten ſind von jetzt an geſtillt, „Graf Güͤnzeln und Graf v. Reinſtein werden „für die Ruhe und Ordnung ſorgen. Valet!— Unter lautem Jubel des. Volkes ging das kerlauchte Paar in das Schloß zurüͤck. Graf Ilger und ſeine Ritter zogen nach einer Herberge. 4 6 Fruͤh des andern Tages zog der Herzog, an der Spitze ſeiner Truppen, von dem gelieb⸗ ten Braunſchweig fort. Die Geiſtlichkeit und das Gelaͤute aller Glocken gaben den Sche denden das Geleite. 29 NoccCe Lachende Fluren boten ſich uͤberall den Augen der Krieger dar, bis ſie die Graͤnze von Italien erreichten. Hier nahmen die Graͤuel und Verwuͤſtungen, die Begleitungen des Krie⸗ ges, ihren Anfang.— Alles war mit Feuer und Schwerdt verheert. Kein Haus, keine Huͤtte, kein Obdach war mehr da, alles lag in Schutt und Aſche. Ließ ſich wirklich einmal ein Menſch ſehen, ſo ſah er eher einem Todten, als einen Lebendigen aͤhnlich. Die Obſtbaͤume waren gefaͤllt, die Acker der Landleute verwüͤ⸗ ſtet, mit dem Blute der Erſchlagenen durch⸗ naͤßt, und mit ihren Koͤrpern geduͤngt.— Selbſt des Kindes an der Mutter⸗Bruſt hatte man ſich nicht geſcheuet zu erwuͤrgen.— Wei⸗ ber, die ihre Maͤnner verloren hatten, liefen wie unſinnig mit zerkratztem Geſicht und aus⸗ Lerupften Haaren im Felde herum; oder wei⸗ nnnde Kinder, mit genauer Noth dem Schwerdte atronnen, ſuchten heulend Ihre Eltern und kaßen Nurzeln und Kraͤuter um den Hunger au ſtille. Ofters fanden ſie Leichen von zuim⸗ 30 ANNNNENSEe gen Maͤdchen, die ſich ſelbſt entleibt hatten, im den Barbaren, wie die Deutſchen genannt wurden, nicht in die Haͤnde zu fallen. Graf Ilger trauerte im Herzen uͤber die ſchrecklichen Verwuͤſtungen, und Herzog Hein⸗ rich ſprach eines Tages zu ihm:„Das muͤßte nicht ſeyn; ich glaube bei dieſen Menſchen laͤßt ſich mehr mit Guͤte, als mit Gewalt und Strenge ausrichten.“ Der Meinung bin ich auch, ſagte Feige v. Heimburg, iſt ſchier hier ein ſchlechtes Leben, die Fante haben allen Wein ausgeſoffen; eh' wir kamen. Wenn wir erſt naͤher zu des Kaiſers La⸗ ger kommen, troͤſtete Graf Otto v. Blanken⸗ burg, dann wird's ſchon beſſer werden. Eines Tages ſahen die Hocherfreuten die Stadt Krema, die der Kaiſer Friedrich I. ſchon zwei Monate belagerte, vor ſich liegen. Jubel herrſchte im ganzen Lager uͤber die neue Hülfe, einer ſagte zum ander⸗ Aun 31— MMNEe— wird's beſſer, der ſtarke Herzog iſt mit Noß und Mann angekommen. Der Kaiſer Friedrich ritt den Neuanges kommenen ſelbſt entgegen und reichte dem Herzog erfreut die deutſche Rechte. 8 Die Belagerung der ungluͤcklichen Stadt wurde jetzt mit neuer Wuth und Grauſam⸗ keit fortgeſetzt. Taͤglich wurden den Gefan⸗ genen erſt die Naſen und Ohren abgeſchnitten, und dann an Pfaͤhlen vor der Stadt aufge⸗ hangen.— Hatten die Ungluͤcklichen einige Tage gehangen, ſo wurden ſie heruntergenom⸗ men, die Koͤpfe abgeſchlagen, und dieſe uͤber die Mauern der Stadt geworfen. Das muß anderſter werden, ſagte Feige v. Heimburg ei⸗ nes Tages zu Ilger, ſind ja hier die Greuel mehr, als im Heidenthum!— Ilger. v. Bielſt. Und was hier geſchieht, ma⸗ 8 cen die drinnen nach, vielleicht noch toller. Haſt Daut je ſo etwas erdacht? Um ein Kaſtell vor den Maſchienen der Belagerten zu ſchuben, 3 1 3 2—————— 2„. — eern— ——— — 32 MCNNENNR ließ Friedrich heute die Gefangenen daranbin⸗ den. Iſt je ſo etwas erhoͤrt? Feige v. Heimb. Ich ſah es.*— Aber die Maſchienen ſpielten doch fort und zerſchmet⸗ terten Vater und Bruder, und achten es nicht! Ilger v. Bielſt. Unerhoͤrt! unerhoͤrt! Hab' ſchon meine halbe Lebenszeit in den Waͤldern unter den Baͤren und Sauen gehauſ't, bin alſo kein weiches Maid, aber ſo etwas! — Geſtern traten die Biſchoͤfe, Fuͤrſten und Ritter um den Kaiſer und flehten ihn an, ſei⸗ nen Grauſamkeiten ein Ziel zu ſetzen, aber er war unerbittlich. Feige v. Heimb. Ein ſchlechtes Leben, halb — nichts Naſſes!— Die ſatt zu eſſen und, Fetzen haben ja ſchier alle Weinberge in der Saͤß' ich jetzt daheim Umgegend verwuͤſtet.— bei der trauten Adelheid, und ſie kredenzte mir ein Humpen, ha!—(ſchnell) Es ſoll und muß aufhoren das Morden, oder ich bin nicht weorth Deiner Schweſter Ehegeſpan zu werden! Gleich will ich zum Kaiſer. 33 7 XNKNNNNe 25 In einem hohen Zelte, ausgeſchmuͤckt mit den groͤßten Koſtbarkeiten ſaß der Kaiſer an einer langen Tafel, um ihn herum die Fuͤrſten und Grafen des deutſchen Reiches.— Nau⸗ ſchende Muſik toͤnte dem Eintretenden entgegen. Vor einem jeden der Gaͤſte ſtand ein voller Pokal, gefuͤllt mit dem edelſten Rebenſafte. Feige v. Heimburg war der groͤßte und ſtaͤrk⸗ ſte Ritter der damaligen Zeit, in keinem Ren⸗ nen, weder im Ernſt noch im Scherz, war er buͤgellos geworden. Dieſer trat jetzt mit ern⸗ ſter Miene zum Kaiſer und ſprach:„Herr Kai⸗ ſer, ich komme, um mit Euch von wichtigen Dingen zu reden; ſagt, gabt. Ihr den Befehl, daß auf eine ſo grauſame Art mit den Italie⸗. nern verfahren werden ſollte? Nein! gewiß nicht, mein Kaiſer iſt zu gut, als daß er einen Le⸗ chen Befehl ſollte gegeben haben. Durch Strenge richtet Ihr hier weniges als durh. Guͤte aus.— Ihr ſitzt hier mit den Eroßen des Reiches in vollem Wohlleben, und wr- muͤſſen hungern und durſten; deshalb ſeyd ** 93 34 escycNcN nicht unwirſch, daß ich Euren Becher, auf Euer hohes Wohl ausleere. Bei dieſen Wor⸗ ten ergriff er den Pokal und trank ihn rein aus. Die Fuͤrſten und Grafen lachten.“ „Wer wagt es, rief jetzt hocherzuͤrnt der Kaiſer, mir uͤber das; was auf meinen Be⸗ fehl geſchehen iſt, Vorwuͤrfe zu machen?— Ich! ſagte ganz gelaſſen Feige. Iſt das recht, daß Ihr alles mit Feuer und Schwert ver⸗ heeren laßt, da es doch keine Heiden, ſondern Chriſten ſind? Haben Eure Leute nicht Jung⸗ frauen geſchaͤndet, und dann— erſtochen? ha⸗ ben ſie des Kindes an der Mutterbruſt geſchont? Nein! und Ihr, thatet dieſem Unweſen, 114 Euch auch ſchaͤndet, keinen Einhalt?“—„Wa⸗ che, ergreift den Kuͤhnen, rief der Erzürnte, ehe ihn mein Schwert zu Boden ſtreckt— „Nicht alſo, ſprach Herzog Heinrich, dieſer Mann iſt nicht zuer Gefangnerz zer iſt mein Lehnsvaſa — Er hat die Wahrheit geredet. Zetzt will auch ich ſprechen: Ich verlange von daß Ihr aufhört zu würgen, wo nichtz 85 kecochececehese ſo ziehe ich mit meinen Manen daheim. Wir alle ziehen mit! rief Feige und ſchlug krachennd an ſein großes breites Schlachtſchwert.“„Her⸗ S zog, Ihr wagt es mir Vorſchriften zu machen? ſagte ſich ermannend der Kaiſer.“— Ich wa⸗ ge es mit vollem Recht, erwiederte Heinrich. Wenn Ihr mir folgt, ſo iſt Krema, binnen drei Tagen unſer!—„Es ſey! rief der Kai⸗ ſer.“— Ich danke Euch, ſprach Heinrich, aber der erſte von den Unſrigen der einen Italie⸗ ner mordet, oder ein Maͤdchen ſchaͤndet, er⸗ haͤlt den Strang durch meine Hand, und was Herzog Heinrich ſagt, das haͤlt er.— Laßt es jetzt gleich durch einen Herold im ganzen La⸗ ger bekannt machen.— Schon zauderte der Kaiſer wieder, aber was ſollte er mit ſeinen Leuten anfangen ohne die Huͤlfe Heinrichs? Ein Wink, und mehre Herolde machten den 36 NNNNCKNN Kaiſer ſo feſt die Wahrheit geſagt hatte; aber waͤre Herzog Heinrich nicht geweſen, ſo haͤtte der Kuͤhne, ſeine Wahrheitsliebe wahrſcheinlich mit ewiger Gefangenſchaft buͤßen muͤſſen. Laut jubelten die Gutgeſinnten uͤber die⸗ ſen Befehl. Herzog Heinrich ſchickte einen He⸗ xold an die Stadt, daß die ſaͤmmtlichen Ein⸗ wohner mit ihren beſten Schaͤtzen freien Abzug haben ſollten,„und Keinem ſollte ein Haar ge⸗ kruͤmmt werden. Die Ungluͤcklichen waren da⸗ mit zufrieden, und den dritten Tag zogen die Belagerten vor dem Kaiſer und dem Heere vorbei. Feige v. Heimburg und der Herzog Heimich warfen dann und wann einen Blick auf den Zug. Ritter. 4 Feige v. Hand. Nicht mir derdankm Herzog Heinrich. Dieſe wangigkanfend Menſchen verhanken Euch das Leben, edler Euh.— Es nuus ein in erhabe⸗ ten noch die Wohnungen, und brachten dadurch die Seuche mit in das Lager. Ein Prieſter 37 1 CecN Ne nes Gefuͤhl ſeyn, zwanzigtauſend Menſchen das Leben erhalten zu haben. Herzog Heinrich. Wie Ihr ſo beſcheiten ſeyd.— Ihr ſpracht zuerſt, ohne Euch haͤtte ich nicht geſprochen, ob mir gleich die Graͤuel laͤngſt ſchon zuwider waren.— O die armen Menſchen, ſeht nur, wie elend ſie ausſehen; ſie ſind ſchier halb verhungert.— Seht, dort laͤuft ein Kind allein herum ſein Vater raffte wahrſcheinlich das Schwert hinweg und ſeine Mutter und Verwandten die Seuche. Dieſe ſo ſchoͤne und einſt ſo vueie Stadt, wurde nach dem Abzuge der Einwoh⸗ ner der Erde gleich gemacht. Viele gemeine Reutersknechte, begierig nach Beute, unterſuch⸗ mußte dieſe Stadt unter vielen Ceremonien fuͤr aber ſo bluͤhend wacde ſi 0 Einwohner. 38 oteNeNNde — Aber der Fl naf auch Friedrichen, denn taͤglich ſtarben an der anſteckenden Seu⸗ che zehn bis zwanzig Menſchen. Jetzt unterwarfen ſich faſt alle Staͤdte. Einem Triumpfzuge gleich drang das Heer bis Rom vor. Die Einwohner der ſieben Huͤgel⸗ Stadt empfingen ſie ſehr gut. Sechs Stunde von hier lag die Stadt Sueteri; dieſe verwei⸗ gerte den Gehorſam. Weder Milde, noch Haͤr⸗ te, waren vermoͤgend die Einwohner anderen Sinnes zu machen. Graf Ilger v. Bielſtein und alle ſeine Ritter quartirten ſich in einem Schloſſe ein, das von einer alten Matrone und kinem bluͤ⸗ henden Maͤdchen nebſt mehreren Dienern be⸗ wohns wurde. Der Ruf, daß jetzt unter den Feinden die beſte Mannszucht herrſchte, hatte ſie bewogen, 4 nicht zu entfliehen, budern ſe hier zu erwarten. Dem Außeren und Inneren nach, mußte die Baſizerin ſhr nich ſeyn. — Kinn, der ſchwellende Buſen, die zehn niedli⸗ den Ritter ſo ſehr, daß er ii5 4 eeen ——— 39 xxoe-e,ecxcxn Ilger trat zueiſß in den Geſellſchaftsſaal, wo ein Maͤdchen, ſchoͤn wie ein Engel, dem Grafen zitternd entgegen trat und ſprach: 8 Herr Graf oder Ritter, ſeyd herzlich willkom⸗ men; darf ich Euch um Schutz fuͤr die wilden Horden anflehen?— Ich werde ſtets meiner Ritterpflicht eingedenk ſeyn! erwiederte verle⸗ gen Ilger.— Jetzt kamen auch die uͤbrigen Ritter und einem jeden reichte das, freundliche Maͤdchen die Lilienhand zum Willkommen. Einige Diener trugen die koſtbarſten Wei⸗ ne auf, aber Ilger'n mundete er nicht eher, bis ihm das freundliche Maͤdchen den Pokal kredenzte.— Euphroſine hieß ſie, war ein Maͤdchen, der kaum der ſechszehnte Fruͤhling gelacht hatte. Ihre liebliche Stimme, dieſe be⸗ zaubernd⸗freundliche Miene, die ſchwarzen gluͤ⸗ henden Augen, der wuͤrzige Mund, das xunde nde chen Fingerchen mit den Gruͤbchen, bezaäberten 40 grooeeeee 3 Heimburg aber jauchzte/ noch ganz begeiſtert von dem herrlichen Rebenſafte auf ſeinem La⸗ ger:„Meine Adelheid ſoll leben!“ 81 ſein Geſyon Hugo v. Ahlsburg ſiben 1 an einem Tiſche und zechen. Bald donut koͤmmt ein Moͤnch. 8 e Bedekind v. Daſenb. Denke Dir de Wonne, trauter Hugo, die ſchoͤne Adelheid v. Bielſtein, in meiner Gewalt zu haben, und 8 ſollte je etwas verrathen werden, ſo geht mir die ganze Sache nichts an, denn Adelheid ü 8 1 Vshe meinem Gewahrſam, ſonder im Klo⸗. ſter Walkenried.— Hugo v. Ahlsb. Ha ha haz un Iit alle Schuld auf Dein Paupi. —ꝛ— — — — ———— ———— 41 8 X2KXNNE wirſt ſie doch nicht zum Spaß eitperten W ſen, ſondern Du beſuchſt ſie.— Wedekind v. Daſenb. Haſt recht Ge⸗ 8 ſpon. Biſt ſchier kluͤger, als ich.— Sollte ich jedoch das gute Kind nicht durch Liſt bekommen; ſo brauche ich Gewalt und kuͤndige dem Biel⸗ ſteiner Fehde an.— Hugo v. Ahlsb. Das dar rfſt Du nicht thun, ohne den Befehl des Herzogs zu verle⸗ tzen und dieſen ganz ge egen Dich zu bringen. Wedekind v. Daſenb. Was kann mir doch der Herzog auf meiner Veſte anhaben, ja wenn ſein ganzes Heer uns belagerte, ſo muͤß⸗ ten ſie doch beſchaͤmt mit langen Naſen abzie⸗ hen.— Wo giebt's eine Bu urg in Deutſchland, die auf einem ſo hohen Felſen liegt und zu der nur ein gefahrvoller ſchmaler Jußpfad fuͤhrt? Hugo v. Ahlsb. Ganz wahr. Aber der Herzog iſt ſchlau und ſein Stellbertreter Albert v. Reinſtein iſt ein gar ruͤſtiger und ſchlauer Kaͤmpe.— Iſt jetzt all micdes f 8 e2m dem Bielſtein; bewacht ſchier die Adelheid, wie'n Baͤr ſeine Jungen. Wedekind v. Daſenb. Friſch gewagt, iſt halb gewonnen!— Der Burgpfaff auf Biel⸗ ſtein und die Kammerfrau ſind auf meiner Seite. Aber— aber, der Reinſteiner! Hugo v. Ahlsb. Ja denk' Dir, geſtern Morgen lug ich zum Fenſter heraus; da reitet dicht am Fuße der Burg der Reinſteiner, nur von einem Knecht begleitet, vorbei.— Der Thurmwaͤrkel blies in's Horn, da er den Rein⸗ ſteiner erlugte. Dieſer aber rief ſtolz herauf: Mimm die Backen nicht zu voll, Thurmwaͤr⸗ tel, damit Du noch Wind zum Laufen behaͤlſt, denn deine Herrlichkeit da oben wird nicht mehr von langer Dauer ſeyn!“ 4 Wedekind v. Daſenb. Glaub's Hohlt Nun, dann haußt Du bei mir. Hugo v. Ahlsb. Aber Geſpon, haſt Du denn auch Vorrath von Lebensmitteln. Wedekind v. Daſenb. Iſt all Jahre daſüt geſorgt; 35 wenn dies niche 3 * ——— ———— — — ⁄ 43 acreccCNS 8 waͤre; die unterirdiſchen Gaͤnge ſchuͤtzen fuͤr je dem Mangel. 282 Ein Knappe(eintretend). Wir Inbana drei Wagen mit Wein, die nach Halberſta ſollten, gluͤcklich erwiſcht, ſie muͤſſen bald hier ſeyn; ich bin nur voraus geeilt, um dieſ Bot⸗. ſchaft zu uͤberbringen.. Wedekind v. Daſenb. Komm Kunz, hier trink aus meinem Humpen; iſt Dir doch ſauer geworden.““ Der Knappe(trinkt). War auch kein Spaß, der Reinſteiner.— Ein Reiſiger(mit Staub und Blut bedeckt ſtuͤrzt herein) Alles verloren! der Reinſteiner uͤberfiel uns bei Haſ⸗ ſelfelde und jagte uns zum— Teufel.— Ach! der ſchoͤne Wein! 45 Wedekind v. Daſenb. Hoͤll' und Teufe, 1 die verdammten Fetzen; wir wollen ihn wieder 5. abjagen, he Kumpan! Suo v. Ahlsb. Hab⸗ keine Luſt mir 44 Mr*εεει εέεαναιέι⁄α zu laſſen, hat ſchier eine Staͤrke wien Alerochs. 4 Wedekind v. Daſenb. O Du Memme um Knecht). Auch Ihr wart⸗ Memmen! Der Reiſige. Memme hin, Memme her; Reinſteiner nimmts allein mit zwanzig rüͤſt'gen Kaͤmpen auf! Wedekind v. Daſenb. Mit ſolchen Kaͤm⸗ pen, wie Du biſt.— O der ſchoͤne Wein! Eiin Moͤnch(eintretend). Gelobt ſei Je⸗ ſus Chriſt! Wedekind v. Daſenb(mürriſch) Nun, Moͤnchlein, was bringſt Du mir? Der Moͤnch. Mein Herr, der hochwuͤrdi⸗ ge Abt zu Walkenried, laͤßt Euch einen freund⸗ ſſchaftlichen Gruß vermelden und uͤberſchickt Euch dieſes Handſchriftchen. Wedekind v. Daſenb. Ich verſteh' mich pfaffen leſen laſſen. Der Möͤnch. Ich kann 4 teſen, ge⸗ nicht auf das Geſchreibſel; will's ben Bumg. dich Moͤnch, oder ich laſſe Dich durch mein Ruͤden forthetzen. Dies, die Antwort fuͤr d 45 NRN.CNNN. ſtrenger Herr Ritter, wenn der Inhalt ken Geheimniß iſt.“ Wedekind v. Daſenb. Behuͤte, da leſt. Der Moͤnch(lieſ'it). Theurer Freund!: „Schon vor mehreren Tagen wolltet Ihr in „unſer Kloſter eine Jungfrau bringen, abe njetzt iſt dies nicht geſchehen; ich erſuche Euch malſo meinem Kloſter, als Entſchaͤdigung fuͤnf „Mark Sülber zu geben oder unſer Kloſter „vergroͤßern zu laſſen. Im Weigerungsfalle 3 „werde ich mir Genu uung ſelbſt verſchaffenl./. Wedekind v. Daſenb.(ſchlaͤgt den Moͤnch mit ſeinem eiſernen Handſchuh, den er eben an hat, in das Geſicht, daß die rothe Bruͤhe zu Naſen und Mund heraus koͤmmt). Nun pack⸗ nen Abt—(er laͤuft eilig davon). 8 4. Hugo v. Ahlsb. Bedenke die Folgen Dei ner That! Der Abt wird jetzt gewiß Dein 8 größter Gegner werden. Kr Waß a alle Dei⸗ ne Thatm. 3 46 meNacdcreycden Wedekind v. Daſenb. Der Glatzenkopf iſt ſchlechter als ich!— Hugo v. Ahlsb. Laß uns die Grillen rtrinken!(ſie ſetzen ſich an einen mit Hum⸗ 5 beſetzten Tiſch). 3 Kloſter Walkenrieb. Der Abt. Rache! Rache! an dem Gra⸗ fen v. Daſenburg; einen Diener des Herrn ſo 3 zu beſchimpfen? Alle ſeine Schandthaten ſollen an den Tag kommen; wenn der Herzog zu⸗ ruͤckkoͤmmt, ſo ſoll er alles erfahren. Der Kellermeiſter. Der Daſenburger wweiß nur zu viel von uns, wir haben ein zer⸗ brochnes Schwert. 6 Der Abt. Wer wird's denn glauben: Und waͤre es, und unſer Kloſter ſollte unte: ſucht werden; ſo bringen wir unſere Maͤdchen 3 einſtweilen in's Auguſtiner⸗Kloſter; aber wehe 1 “ ſeyd aber doch ſehr ſchlau, Herr Abt! geſagt! Sonſt waͤre ich auch nicht Abt! der nach Elrich beſtimmt war; die Bcheckung dann dem Daſenburger, der Bannkas uͤber ihn ausgeſprochen.— Der Kellermeiſter. Der Bote nach deimn Bielſtein iſt wohl ſchon fort? Der Abt. Vor einer Stunde. habe dem Fraͤulein alles geſchrieben. der Daſenburger entfuͤhren will oder ſi ſe zu er, morden, ſei ſein Plan. Der Kellermeiſter. Herrlich, herrlich. Ihr Der Abt(ſeinen Bart mit Wohlbehagen— 1 ſtreichend). Das haben mir ſchon mehr Leute Deer Kellermeiſter(fuͤr ſich). Um Abt zu werden 1 gehoͤrt keine Klugheit, wer nur Geld und— Freunde hat!(laut). Der Rein⸗ ſteiner wird ſchier die Daſenburger und die 5 Ahlsburger feſt auf's Korn nehmen. Vor we⸗ nigen Tagen uͤberfiel der Daſenburger mit ſei⸗ ner Rotte einen Wagen mit Kaufmannsgut 43 eedcx wehrte ſich maͤnnlich, allein ſie mußte der Übermacht unkerliegen.— Der Abt(mit frommer Miene). Das Maas des Suͤnders iſt voll.— Sein Name e verloſchen und ſein Schild und Wappen Schwanz einer Stute gehangen Der Kellermeiſter. Amen! Amen! Anet — Jetzt laßt uns beim Becher aller Sorgen veergeſſen. 4 Auf dem Schloſſe der ſchoͤnen jungen Herzogin geſiel es den Rittern ſehr. Eines Tages ging Ilger im Schloßgarten 5 ſpazzeten, als die kriegeriſche Trompete im La⸗ ger ertönte und die Ritter mit ihren Knappen dem Geſchrei der Krieger zueilten.— Ilger 5 3 . *) Kein Ritter ritt t en Stute. ſchwang ſich auf ſeinen ſchwarzen Hengſt) und 8 —— Kaiſer Friedrich und der Herzog von Bra⸗ 9 ceezedee 1 wollte eben zum Schloßthore hinaus, als die liebliche Euphroſine dem Ritter entgegen ka t und ſagte:„Gott und alle Heiligen möͤgen Euch ſchuͤtzen!“ Wie aus entfernten ſchoͤn n Zonen drangen dieſe wenigen Worte dem Ri ter mitten durch's Herz. Euphroſine! ſpra er, aber die Empfindungen des Herzens erſtick ten die Worte, welche ſein Mund ausſprechen wollte. Zur Schlacht, Schwaͤher! rief Feige v. Heimburg mit einer ſolchen Loͤwenſtimme und ſprengte an ihm vorbei, daß Ilger gleich wußte; der gute Feige hatte wieder zu tief in den Humpen geſchaut. Euphroſine waͤre aber faſt fuͤr Schrecken uͤber den wilden unbaͤndigen Deutſchen in Ohnmacht gefallen. Gleich dem Sturmwinde folgte Ilger. Im Lager herrſchte allgemeine rung. Die Trateveſteriner und die eter hatten die Deutſchen uͤberfallen. Das hart⸗ naͤckigſte Gefecht hatte ſich entſponnen. a » 2.: 56 NXMMNNNN Lange war der Sieg unentſchieden, denn die Waͤlſchen fochten ſchier wie junge Loͤwen. — Die Ritter des Harzes zeichneten ſich auch diesmal durch Tapferkeit aus. Schon blinkte 4 hier und dort ein Sternchen, als mit vereinter Kraft die Waͤlſchen die Glieder der Deutſchen urchbrachen. Der Kaiſer gerieth hierdurch in die Mitte der Feinde. Zwanzig Schwerter blitzten zugleich uͤber ſeinem Haupte, Gefan⸗ genſchaft war ſein gewiſſes Loos, als Heinrich der Loͤwe ſich einen Weg durch die Feinde bahnt; ihm folgen die Ritter des Harzes: Heinrich v. Biela, Otto v. Blankenburg, Il⸗ v. Katlenburg, Heinrich v. Scharzfeld, Hugo v. d. Aſſeburg, und Adolph v. Harzburg. Nur noch ſchwach vertheidigte ſich der Kaiſer, als ein kraftvoller Hieb eines Feindes ihm das 4 ſeinen Kopf zerſchmettern, aber Heinrich der ger v. Bielſtein, Feige v. Heimburg, Hen⸗ mann v. Ebra, Hans v. Morungen, Caſpar Schwert aus der Hand ſchlug, ein zweiter ſoll⸗ Loͤwe fing ihn mit ſeinem Sohwit auf unt 3 5* 3 51 NNNNe Raſende hieben die Ritter um ſich. Der ve ſer war gerettet, der Sieg entſchieden.— un⸗ aufhaltſam flohen jetzt die Waͤlſchen. Die Stadt 4 Sueteri wurde erſtuͤrmt und auf Befehl des Kaiſers alle Einwohner der Stadt niede e. hauen, des unſchuldigen Kindes an der Mut. terbruſt wurde nicht geſchont.— Bald ſtieg aus mehreren Haͤuſern die Flamme empor und roͤthete den heitern ſternenvollen Horizont. Auch nicht ein Haus verſchonte dies furchtbare Element. Die Mauern und Thuͤrme wurden niedergeriſſen.— Jetzt ſieht man von dieſer ſchrecklichen Zerſtoͤrung nur noch einen Stein haufen; aber kein Haus, keine. Hütte ziert die 2 ſtolzen Ruinen. Den— fand man en dn —— Wahlplatze. Die Ritter des aſan waren⸗faſt alle verwunde aber am ſten der Herzo v. 3 — —— —— 52 dededededec edese Verwundet im Herzen von der ſchoͤnen ſchen ritt Ilger den anderen Tag wieder im Shloſſ ein. Die gute Euphroſine verband den Gra⸗ kmutt die Wunde, und ich wette tauſend gegen eins; ſie waͤre nicht ſo ſchnell verharſcht, wenn Euphroſine ihn nicht gepflegt haͤtte. Ganz Italien unterwarf ſich jetzt dem Sieger, aber leider— nur zum Schein. Ilger mit mehreren Verwundeten blieb im Schloſſe zuruͤck und ließen den Kaiſer neue Lorbeeren einſammeln. Daſenburg. Wedekind Graf v. Deſenburg, Graf v. Aſchersleben und Hugo v. Ahlsburg ſitzen beim gefuͤllten — Humpen. Bedekind v. Daſenv. Drinkt Freunde 4 Euphroſine, und am Kopfe von einem Waͤl⸗ 1 1 . 53 NNRNNede trinkt ſo lange Ihr es ſo greift einen Humpen). Bei dieſ ſchwoͤre ich Fehde der ganzen Welt! Graf v. Aſchersl. und Hugo Es gilt, Kumpan! Wedekind v. Daſenb.(ſrendi Wi ja ſchier ein Heer zuſammen von tauſend und wenn uns Fortuna guͤnſtig 4 einem Monat Braunſchweig unſer und ich— bin Herzog! 8 Graf v. Aſchersl. Nicht alſo. Ich bin ſo maͤchtig als Du, wir regſeren das Land zuſammen. 18 Wedekind v. Daſenb. Bin's auch zufrie⸗ den! Heh! was werden dann die Fetzen, wie der Reinſteiner, fuͤr Reſpeckt fuͤr uns haben und wer nicht will wie wir den jagen wir zum Teufel. Hugo v. Ahlsb. Snsaes i 5 Wedekind v. deſe 8 54 MeN XN wenn Du ſchlau biſt, ſo kannſt Du meine Veſte und Doͤrfer erhalten und nennſt Dich emme Gref v. ühesuutg,(xaſch) aber erſt muͤſ⸗ entbloͤßt und wir dringen unauf⸗ ſchweig. Aber, wie iſt's; wollen wir die ſil zen Loͤwen vor dem Schloßthore ſtehen laſſen? Wedekind v. Daſenb. Behuͤte! die muͤſ⸗ ſen herunter und unſere Wappen mit Eichen⸗ lanub umwunden kommen an deren Stelle. 5 4 Graf v. Aſchersl. Herrlich ausgedacht. Aber wenn der Herzog aus Italien zuruͤck⸗ ommt wird's ſchon machen Kampf koſten, aber — unſere Macht— 4 Wedekind v. Daſenb. Wir beſiegen die ganze Welt.— Aber Freunde, die Adelheid v. Bielſtein haͤtte ich gern in meinem Garne;* zum ehelichen Gemahl mag ich ſie mir jetzt nicht 8 auserkieſen, denn als Herzog giebt mir d — 55 NKNNNNe Kaiſer vielleicht ſeine Tochter, weil der Loͤwe ihm zu maͤchtig iſt. Ich moͤchte der Jung⸗ frau gern meine Macht recht empfindlich mer⸗ ken laſſen und ſie dann ihrem Bruder wieder heim ſchicken. Ha! ha! ha!— Graf v. Aſchersl. Gut! ſo wollen wir erſt die Veſte des Bielſteins einnehmen, und dann gehts gerade nach Braunſchweig. Wedekind v. Daſenb. Dabei bleibt's, aber was wir thun wollen muß raſch geſchehen, 1 denn Ihr kennt ja das Sprichwort:„Friſch gewagt, iſt halb gewonnen!“ Graf v. Aſchersl. In acht Tagen bin ich mit dreihundert Reiſigen, hundert Bogen⸗ ſchutzen und hundert Knappen, alle gut be⸗ ritten, bei'm Kloſter Ilſenſtein. „Wedekind v. Daſenb.(ſtolz) Ich brin⸗ ge noch mehr zuſammen! Graf v. Aſchersl. Das koͤnnt Ihr denn Ihr habt der Schaͤtze mehr als ich beraubte auch keine Reiſenden Wedoeki agſenb. Ho 56 Needeeoe wenn mir das ein Anderer geſagt haͤtte!— Ich ſtellte vierhundert Reiſige, funfzig Bogen⸗ ſchuͤtzen und zweihundert Knappen. Alles muß mit fort und waͤr'ns ſchier Buben von zwoͤlf 3 Jahren.. Hugo v. Ahlsb. Ich ſtelle dreißig Mann und— mich ſelbſt! Graf v. Aſchersl.(trinkt) Es bleibt bei der Verabredung; ich will alles in Stand ſetzen laſſen. Valet!* Burg Bielſtein. Heinrich v. Buͤlzingsloͤwen, der Burgvoigt, Caͤſperle, und Stich⸗ ler, Knechte, dann Adelheid. inrich v. Buͤlzingsl. Wie ſiehts aus, Herr; die Nicht vom Beſten, Ihre Leute brennen vor Begierde zu rauben 57 KNNKNNN Feinde haben ſchier die ſchwache Seite de Burg mit ihren Maſchienen jaͤmmerlich zerfetzt. Heinrich v. Buͤlzingsl. Wird alles noch gut werden, haben ja die Fetzen zweimal zu⸗ ruͤckgeſchlagen von unſeren Maueren, werden s ja mit Gottes und aller Heiligen Beiſtand auch das drittemal koͤnnen! lichler. Glaub's nicht, denn di der Feinde iſt zu groß. 3 3 CEaͤſperle.(koͤmmt froͤhlich bag nrr gen), Juchhe, Herr Burgvoigt ich hring frehe Kunde! Heimich v. Bülzingsl. Ci, du Blitbube, biſt ſchon wieder da, was bringſt Du Neues?— Caͤſperle. Gar viel! Nun ſo hoͤrt:„Die ſe Nacht ſchlich ich mich dort am Geraͤndig⸗ vorbei in das Lager unſerer Feinde. Ich be⸗ lauſchte ſie und vernahm, daß die Grafen v. Daſenburg und Aſchersleben erſt dieſe Burg zerſtoͤren wollen und dann geraden Wegs nach 8 Braunſchweig ziehen und Her zoͤge werden. 58 esNezcede aber nicht zu fechten. Überall herrſchte ſchon ggwietracht. Keiner wollte gehorchen, alle be⸗ fehlen. Man ſprach von ſchnellem Aufbruch, denn Graf Albert v. Reinſtein komme uns zu Pue— 4 rich v Buͤlz. Danke fuͤr die frohe ber ſeyd nur auf der Huth, fuͤllt Lanzen I ſchnitzt die Pfeile. 4 Stichler. Hab' alles beſorgen laſſen! (Caſperte geht ſort). 3 Heintich v. Bulz. Ein herrlicher Bube der Caͤſperle, ſo gut, treu und ſchlau. (ſie gehen auf den hoͤchſten Thurm). 3 ic recht, ſo reitet ja Trolle ſchon dort! Heinrich v. Bülz. Mein' Seel'! der Blitzungei— Sich in ſo eine Gefahr zu begeben.— ſchleift die Schwerter, ſpitzt die Stichler(froͤhlich). Schaut! ſchaut! ſeh Stiehler. Seht! ſeht! dort jagt er rechts uber die Heide, nach dem Haſſel⸗Dickicht 8 ja des Daſenburgers Turnier⸗Hengtt. öſtreicher, rufend). Heda! Knechte! reitet hal⸗ auf dem andern bleiben, ales as Lcbend in 59 1 Pferd geſtohlen!— Huh, zwanzig— hun⸗ dert Feinde hinter ihm.— 5 (ſie gehen herunter.) Trolle(ſprengt auf ſeinem Roſſe zum Hin⸗ terpfoͤrtchen herein, an der Hand hat er einen ledigen Gaul). Haͤtt' mir faſt das bischen Leben gekoſtet.— Aber iſt's auch werth, war Heinrich v. Buͤlz. Pah! ſo einen ſchoͤ⸗ nen Gaul hab' ich nicht! S Ses Trolle. Holt Euch auch Ein an. Marhold(der Burgwart, von Geburt en ter dort am Spitzſtein den Pfad heruf ein. Ritter mit weißem Faͤhnlein. Derr Nitter.(von außen) Burgwatt, 3. richte dem Burgvoigt, daß wenn er die Burg freiwillig uͤbergiebt, er mit allen ſeinen Leuten freien Abzug haben ſoll; nur die Adelheid— uns ausgeliefert werden. Verweigert er aber dieſe billigen Bedingungen ſo ſoll kein Stein 1 60 Kctxoerceze,e der Burg angetroffen wird muß ſterben, und bleibt unbegraben zur Speiſe der Voͤgel liegen. Ich erwarte aber kurze Antwort. Heinrich v. Buͤlz. Burgwart, ſag' ihm, daß wir alle einen ehrenvollen Tod vorziehen würden. 1 Marhold. Mein Herr will den Tod ei⸗ 4 ner Übergabe vorziehen, und ſo lange halter nur einer von uns lebt nehmt ihr die Burg nicht ein. Dies Euer Beſcheid. Adelheid(koͤmmt mit fliegenden Haaren) Was wirds aus uns noch werden? Heinrich v. Buͤlz. Hoffet das Beſt. Der Graf v. Reinſtein ſoll nicht mehr fern ſeyn!— Adelheid. Ach waͤre doch mein Bruder hier, und Feige v. Heimburg, die wollten die Ehroergeſſinen ſchon zuͤchtigen. Marhold.(von der Warte) Ich bemetke Stoße. Bewegungen im Feindes Lager! 5 Heinrich v. Buͤlz. Nun denn mit Gott! Knechte, zu den Waffen! 88 61 xsitcxcscoeede eldlager der Grafen v. Aſchersleben und Daſenburg. Drachtvolles Gezelt. (Wedekind v. Daſenburg und Graf v. Aſchersleben ſind in praͤchtigem Ritter⸗ ſchmuck. Hugo v. Ahlsburg lehnt ver⸗ druͤßlich an einer Eiche. Knechte ſind mit Waffen aller Art beſchaͤftigt: geradde gegen uͤber die Burg Bielſtein.)* Wedekind v. Daſenb.(zu einigen Knecha ten) Brennt und haut nur alles in dieſem Gau zur Kurzweil nieder. In einigen Stun⸗ den gehts von hier fort gegen den Reinſteiner. Ein Knappe.(koͤmmt athemlos gelaufen Seer Graf, wir ſind verloren; ein furchtbar 3 Beer an der Spitze der Reinſteiner iſt gegen 62 zcxeeeeeeec Wedekind v. Daſenb.(ſtolz) O du Haaſe! wie viel ſind es denn wohl? Der Knappe. Über Zweitauſend! Wedekind v. Daſenb.(lachend). Du haſt gewiß jeden Baum fuͤr'n Feind angeſehen. Der Knappe. Nein, Herr Graf, beiem heiligen Bonifaz ſchwoͤre ich es Euch zu, über Zweitauſend zu Pferde und zu Fuß ſind gegen uns im Anzuge. Wedekind v. Daſenb. Sieh Veit, wenn Du luͤg'ſt, ſo laſſe ich Dich und alle Haaſen in den Eichenwald aufhaͤngen; ein jeder Baum ſoll ein Galgen werden!— Ein anderer Knappe.(koͤmmt eilig) Herr Graf, laßt uns aufſitzen, der Reinſteiner hat ſich eben auf dem Moͤnch“) gelagert, als ich wegritt; er hat eine ſtarke Heeresmacht bei ſich.— Als mich die Fetzen erlugten, jagten 8 8 Ein freier ſchoͤner Platz, bei der Neuſtadt em Hohenſteine. 8 1 65 NNE Kloſter Walkenried. Der Abt und mehreke Moͤnche. Der Abt(weinerlich). Der heilige Bene⸗ dict moͤge uns, die Diener des Herrn beſchuͤtzen vor der Nache der weltlichen Boͤſewichter!— Ein Moͤnch. Mundet mir jetzt kein Hum⸗ pen des edlen Traubenſaftes mehr.— Aber denkt Euch auch nur, uͤber tauſend Mann be⸗ lagern den Bielſtein, und dann wenn ſie dieſen haben, ſo kommen ſie gerade zu uns. Der Abt(zitternd). Heiliger Benedict! Der Moͤnch. Das koͤnnen uns theure fuͤnf Mark Silber werden; und der koͤſtliche Wein und unſere vier huͤbſchen junge- Der Abt. Hals Maul, Du Schwäber Hier trinkt,'s iſt was vom Eehn Der Kellermeiſter(bringt mehrere Hum⸗ 66 aeꝛέισεμεαέά 4 Der Kellermeiſter. Je(lachend) der from⸗ me Nicolovius in Erfurth hat uns zwei Wein⸗ ſchlaͤuche voll geſchickt; der gute fromme Mann. Der Abt Etwas erheitert). Gott und alle Heilige moͤgen ihn dafuͤr ſegnen. Ein Moͤnch(krazt ſich hinter den Ohren). Alles gut, aber der Daſenburger!— Der Abt. Hu, hu, hul(mit verzerrten Geſicht). O Grelchen Gretchen, Du gutes Kind. Ein Moͤnch(Leic). 0, dersum Pe Ins Ein anderer Moͤnch(der es gehoͤrt hat). Schimpf' nur nicht unſern Herrn Abt, Du al⸗ ter Gauch. Weiß all' daß pecus'n Rind⸗ vieh heißt!— Der Moͤnch(bittend). Silentium! Da ink mal und halt's Maul! Shlaih ſie find all' hart aneinander. Der Abt. Halga Benebie beichits 8 — Ein Moͤnch(koͤmmt eilig). Jetz iſt die 67 XNNNXMXNNNR dem ewigen ſtinkendem Pfuhle der Suͤnde umkommen und dies alles zur Ehre Deins 8 Namens!— Ein anderer Moͤnch(koͤmmt athemlos). Geſegnet ſey der heilige Benedict!—(froͤhlich) die Daſenburger und Aſchersleber ziehen ſich uͤber Haſſelfelde zuruͤck nach ihren Burgen.— Der Bielſtein iſt befreit!— Unſer Eſeltreiber Chriſtlieb den wir auf's ſpioniren ausgeſchickt e⸗ iſt eben mit der frohen Kunde heimge⸗ !— Da iſt er ſelbſt. Chriſtlieb. Gruͤße, edle Herren! Der Abt. Suit ſo erzaͤhle doch, Du Gauch! CGhriſtlieb. Je ſeht, da bei dem Bielſteine erwarteten die Daſenburger den Reinſteinar.— Nun— nun— Der Abt. O Du asinust! Ghriſtlieb(leiſe). Ja das biſt (laut) Jetzt begann ein Gefecht ſenburger zogen ſich unter Jubelgeſe denn der Rei ſteiner wollte die 8* * cxεꝓέωνσαινένιακε nicht angreifen, weil er ſeine Reiterei nicht gut 1 anbringen konnte, wegen den vielen Bergen.— Der Abt. Aber geſchlagen waren die Daſenburger noch nicht, als Du wegritteſt? Chriſtlieb. Nein, Herr Abt! Sie zogen ſich nur zuruͤck! Der Abt. Wir ſind doch zum wenigſten den Cannibalen fuͤr's erſte los and ſo der hei⸗ lige Benedict die gerechte Sache beſchuͤtzt, auf immer. Denn der Kerl druͤckt ein' ſchie Genick' ein, wie'n Kramſer.— huh!( nach ſeinem Genicke). Moͤgt gleich in ein Maͤuſeloch kriechen, wenn ich mir den Daſen⸗ burger als Feind denke— und ſonſt waren wir ſo gute Freunde, hab' ihm manchen Ge⸗ fallen gethan; verſteht ſich fuür Geld!— Sett wollen wir trinken. Humpen her! Der Kellermeiſter. Gleich, gleich! Gu einem anderen Moͤnch). Hilf mir mit zutra⸗ en„friſch! Prich Weim ſie erſt genug 39 68 —— ſo waͤr' man 1 Lang' kann ich hneßin n nicht uuſce wenn —— —— 69 NNCNNEE andete. Bes S Der Kellermeiſter. Dauert gar che iun ge! Wenn jeder vier bis fechs Humpen hat, ſo liegen ſie feſt. Der Moͤmch. Aber der Kloſtervoigt? Der Kellermeiſter. Trinkt vicht viel! Seht, ſeht, ſchon verdreht er die Augen. Kloſtervoigt(kaumelt unter den Tiſch). Zu Bet— tet— tet— te! 4 2 Der Kellermeiſter. Jetzt ſinkt der Abt auch!— Nun ſetz Dich zu min⸗ wollen eins trinken und eins koſen. Du biſt hier noch'n Neuling, aber es wird Dir baß gefallen, denn wir fhren ein hereich Leben Ganz begeſte e verrath mich nichtt ga hen führe mich.— Ach Gretche Die Grafen von Daſenburg und Aſchers⸗ leben wollten euſt dem Grafen Reinſtein ent⸗ gegenruͤcken, allein Wedekind beſchloß, jetzt gleich, ſich in den Harz tiefer zuruͤckzuziehen; weil hier der Reinſteiner ſeine Reiterei gar nicht gebrauchen konnte. Wuth und Rache kochte in ſeinem Herzen, daß er ohne den Bielſtein erobert zu haben mit ſeinem ſtarken Heere wieder abziehen mußte. In dem ſo ſchoͤnen und romantiſchen Il⸗ ſenthal, das von dem Fluͤßchen Ilſe bewaͤſſert L⸗ wird, lagerten ſich die Daſenburger und Aſchersleber. Derr Graf v. Daſenburg begab ſich ſo⸗ gleich auf das Schloß Ilſenſtein, welches einer ſeiner Vaſallen bewohnte. Der Blick von Il⸗ ſenſtein in das Thal, links nach dem Brocken, 1 4. rechts in das flache Land iſt ſehr ſchoͤn; und zu den ſchoͤnen Gefuͤhlen welche die Umſicht erzeugt, geſellten ſich herrliche Erinnerungen der Jugend in Wedekind's Herzen. Denn erſt durch Verſthrung und Beiſpiel anderer un 71 XNNNNNCde Wedekind ein Raub⸗ oder Stegreifritter ge⸗ worden; in ſeiner fruͤhen Jugend hatte er oft edle Handlungen ausgeubt.— Dem Ilſen⸗ ſtein gegenuͤber, erhebt ſich der Weſterberg, eine ſchoͤne Felſenmaſſe, auf deren Gipfel die Ruinen einer alten Burg ſichtbar waren. Noch viele andere Burgen ragten im Daͤm⸗ merlichte bis in die Wolken. Ganz in Be⸗ trachtungen verſunken, ſtand noch der Graf, als ein Maͤdchen; ſchoͤn wie die Morgenroͤthe, in ein leichtes weißes Gewand gekleidet, in ei⸗ nem Muſchelwagen, von zwei ſchneeweißen Pferden gezogen, daher kam; und mit ſanft lispelnder Stimme ſagte:„Morgen vor dem Aufgange der Sonne, erwartet Euch, Herr Graf, meine Gebieterin die ſchoͤne Prinzeſſin Ilſe dort am Fuße des Flußes!“ Gleich dem Sturmwinde floh ſie dahin, den ſteilen Felſen herunter.— Wedekind konnte gar nicht glau⸗ ben, daß es Wahrheit geweſen ſey, ſondern nur ein Gebilde der ſchwaͤrmeriſchen Phantaſie. 72 *. 6ERKNNNNN Von eigenen wunderbaren Gefuͤhlen be⸗ lebt, ging er in das Schloß. Der Boigt, ein alter braver deutſcher. Mann, dem der Handſchlag heiliger war, als jetzt Manchem der Schwur,— kam ihm ehr⸗ erbietig entgegen und füͤhrte den hohen Gaſt in den Prunkſaal. Einige Humpen wurden aufgetragen. Wedekind wurde geſpraͤchiger, befahl dem Voigt, wenn das Schloß ſollte be⸗ 3 lagert werden, alle Zugaͤnge verſchuͤtten zu aſſen. Unter andern kam man auch auf die Prin⸗ zeſſin Ilſe zu ſprechen, welche die Ilſe bewohnte. „Herr Graf, ſagte der Voigt leiſe, ich will Euch alles was mir bekannt iſt, von der ſchoͤnen Waſſer⸗ Prinzeſſin erzaͤhlen.— Begierig horchte der Graf, und jener begann ganz leiſe:„Vor vie⸗ e Jahren bewehnte die ſchoͤne Ilſe diees — Schloß, aber eine ungluͤckliche Liebſchaft be⸗ wirkte, daß ſie ſich von der Wel 4 los riß und die oberſte der Nympfen der Ilſe w rde.— Man 4 erzaͤhlt ſich nichts als Gutes von ihr. Seht, mein 73 XMαεέναικρκνα Knappe Wunfried ging eines Tages am un 4 der Ilſe ſpazieren; es war aber vor Sonnen⸗ Aufgang, als er ein Geplaͤtſcher vernimmt/ er geht leiſe hinter einem Felſen hervor und ſießt, 8 die ſchöne Prinzeſſin indem ſie ſich badet; denn 8 dies thut ſie im Sommer alle Morgen. Die uͤbrigen Nympfen tanzten auf der Flaͤche des Waſſers herum.— Wunfried konnte ſich nicht ſatt ſehen, als ihn Eine gewahrte. Jetzt tauchten ſie alle unter, aber die Prinzeſſin ſetzte ſich in einen Muſchelwagen, kam zu Wunfried gefahren, und gab ihm Gold und Silber, mit der Weiſung, daß er es⸗ ja Nie⸗ manden ſagen ſollte, daß er ſie geſehen habe, und verſchwand.— Der Knappe bat um ſeine Entlaſſung, erzaͤhlte mir einiges, und ging fort.— Vor wenigen Wochen habe ich erfah⸗ ren, daß Wunfried jetzt vom Kaiſer die Er⸗ laubniß erhalten habe, ſich eine Burg zu bauen. Jetzt nennt er ſich aus Dandbarkeit: Wunfried v. Ilſe.— Auch ich hab ſie Mehreremals des Morgens geſehen, r u * 74 de Keee auf Augenblicke.„Sie fuͤgt alſo Niemanden etwas Boͤſes zu?“ fragte der Graf.„Nein, bei allen Heiligen, nur Gutes thut ſie; ob ſie gleich eine Feindin der Menſchen iſt, weil ſie ihr Trauter verlaſſen hat.“„öAber, verſetzte der Graf, wenn ſie einige hundert Jahr alt lit, kann ſie doch nicht mehr ſchoͤn ſeyn?“— Und dennoch iſt ſie ſchoͤn wie'n Engel.— So hatten ſie die Mitternacht herbeige⸗ 4 ſchwatzt, als Wedekind nach Helm und Schwert „Herr, rief dieſer aͤngſtlich, Ihr wollt doch nicht wieder in's Thal?“ Verſteht ſich, lieber Alter, ich kann nicht hier bleiben. So ſehe ich Euch nimmer wieder, denn dieſer Weg iſt am Tage gefahrvoll, ielmohr des Nachts!— Sey a ging mit raſchen Schritten dahin. Hell blinkten die freundlichen Sterne am dender Wind im Thale die Wachfeuer. Auch griff, und dem Alten eine gute Nacht wuͤnſchte. Horizonte, und herbſtlich bewegte ein ſchnei⸗ war ein ſchoͤner Anblick; uͤber ſechzig 75 . xxeewe Feuer brannten unten. Rauch und Dampf ſtiegen wild unter einander weſtlich in die Hoͤhe, denn bei ihrem Ruͤckzuge hatten ſie Appenrode, Biſchoffrode, Ober⸗ und Unter⸗ Haſſelfelde angeſteckt, ohne daß die ungluck lichen Bewohner vermoͤgend waren, dem furcht⸗ baren Elemente Einhalt zu thun. Leicht, wie von hoͤhern Maͤchten beſchuͤtzt, 1 glitt der Graf in ſeiner ſchweren Ruͤſtung von Felſen zu Felſen, bis zur naͤchſten Wache: „Wer da!“ rief eine verſtaubte Baßſtimme. „Der neue Herzog!“ erwiederte Wedekind. Im Lager war alles ruhig und ſtill, nur zuweilen ho man das Feldgeſchrei.— Mit unruhigem Herzen begab er ſich zur Ruhe, aber ohne dieſe zu genießen; denn wunderbar und ſeltſam wogte es in ihm, neugierig der Dinge, die ſeiner harreten. Fruͤher, als zur beſtimmten Zeit, Sus der Wligih dem beſtimmten Srte u. 76 NcNSNN feſt umrankt hatten, ſaß ein Maͤdchen, ſchoͤn wie der junge Lenz der neuerr achten Natur, von einem leichten weißen Gewande umfloſſen; in ihren zarten, weißen und runden Haͤndchen hielt ſie eine Laute.— Raſch und wild guſe ſie auf einmal in die Saiten und ſang: Ich klage dir, du Sommerwonne, Du hoͤchſte ſuͤße Freudigkeit! Ich klage dir, du ſchoͤne Sonne! Du Wald! ich klage dir mein Leid! Ich klag' es dir, du Klee, du Haide, Dir Mai, und Goͤttin Liebe, dir! Wedekind, meine ſuͤße Freude, Nimmt alle ſuͤße Wonne mir. Ihr Gotter, wenn ich mich betruͤbe, So bin ich nicht im Herzen ſchwach: Denn meinem Herzen gibt die Liebe Zu bitterliches Ungemach. Wedekind ließe mich verderben! Verderben mich in ſuͤßer Quaal; Er ſaͤhe die Betruͤbte ſterben, Und klagte, glaub⸗ ich, nicht einmal! Als die ſchoͤne Saͤngerin die letzten Stro⸗ dden ſang, ſtürzte Wedekind hinter eine 771 die Lilienhand. Perlenſchimmer der blendend weißen Zähne brach durch die Purpurroſen ihrer ſchwellenden Lippen, als ſie mit ſanfter melodiſcher Stimme ſprach: Lieber Wedekind, Du haſt mich belauſcht.— Ich beſtellte Dich hierher, aber nicht ſo fruͤh vermuthete ich Dich; welches ein Beweis Deiner Liebe zu mir iſt, oder— Neugierde, wie die Waſſernympfe Ilſe hier lebt!— Nur Liebe zu Dir, bewog 4 mich, Deiner Sendung Folge zu leiſten.— Jetzt winkte ſie mit einem rothen St 6 en und ploͤtzlich rauſchten hoch auf die Welle Ilſe, kraͤuſelnd erhob ſich die Fluth, laut toͤnte das Ziſchen der Waſſerblaſen, die wa lend und ſchaͤumend ſich erhoben. Im Silbet⸗ ſchimmer taumelten die Wellen empor, ſanfte Saitentoͤne durchrauſchten die Lüͤfte. in blendend weißes Schiffchen ſchwamm aus der MNitte des Stromes hervor, der Vordertheil Meeerce Baume hervor, der überraſchten ſich zu Fuͤßen 3 werfend.— Liebreich hob ſie ihn in die Hoͤhe, gluhende Kuſſe druͤckte der Wonnetrunkene auf 18., AXNese 4 war mit den ſchoͤnſten Blumen ausgeſchmuͤckt. 5 4 „Meine Ilſe, ſtammelte Wedelind, und ſah erſtaunt bald ſie, bald das Schiffchen an, wel⸗ ches jetzt das Ufer erreicht hatte. Komm, komm! ſagte ſie mit ihrer bezaubernden Stim⸗ me zu dem Erſtaunten. Wedekind war alles* zufrirden.— Mit weichen ſeidenen Polſtern war das Schiffchen belegt. 1 Ilſe, die ſchoͤne Waſſerprinzeſſin, umfaßte ihn mit beiden Armen, druͤckte ihn heftig gegen ihren wallenden, hochklopfenden Buſen, preßte 6 ihn mit ſtuͤrmiſchem Entzuͤcken feſt an ſich, und ftete ihre brennenden Lippen auf ſeinen Mund.— Ein wilder Sturm erhob ſich, laut braußten die Wellen, und das Schiffchen ſtürzte pſeilſchnell hinab in die Tiefe. Von ſeltſamen Gefühlen durchbebt, mit 1 klopfendem Herzen, ſeiner ſelbſt unbewußt, fuhr Wedekind, feſt umklammert von den runden Armen der ſchoͤnen Ilſe, in die Tiefe. Der ſchoͤnen Ilſe liebliche Stimme brachte ihn wieder zu ſich. Hier biſt Du gut auf — — nende Kerzen, und duftende Woͤllchen von den. Ilſe aber ſtrich die duͤſtern Falten ſeiner Stirn mit ihren Pflaumenhaͤndchen hinweg, 79 XNNSCSee 3 hoben, lispelte ſie, indem ſie ihn Birtlig u8 te. Jetzt ſteige aus und folge mir. Auf der einen Seite erblickte der Erſtaun⸗ te ein geoͤffnetes Thor, geſchmuͤckt mit Golß und Diamanten. Muſik und Geſang toͤnte den Kommen⸗ den entgegen. Hell und lieblich ſchimmerten im bunten Farbenglanze, wohl hundert bren * 5 k. ———jjü Raͤucherwerk durchfluteten den Saal, und Ilſe zog ihren Liebling ſanft nach ſich auf eiimn weiches Sopha. Arm in Arm ſaßen ſie auf den ſchwellenden Polſtern. Liebliche Waſſer⸗ nymphen trugen jetzt Speiſe auf in ſi bbernem Geſchirr, und perlender Goͤttertrank war in goldenen Bechern. Wedekind ſchien jetzt nachdenkend zu wer⸗ undd ſprach;„Sey frohen Muthes, mein Lie⸗ und fuͤrchte keine Hinterliſt von der, bie ch i. unausſprechlic liebt. Alles was — 80 Ne&?cde yjer ſiehſt iſt Dein, und ich ſelbſt bin die Deinige! Sie reichte ihm einen Becher Wein, den er auf ihr Wohlſeyn leerten⸗ Ilſe. Sey heiter und froh! Du biſt bei mir, Du Auserkohr'ner. Sieh(auf ihr Herz deutend) wie liebevoll mein Herz ſchlaͤgt?— Wedekind. Vergieb mir meine Angſtlich — keit, denn Du biſt ein anderes Weſen, als 4 23 ich!— 5 Ilſe. Deine Freundin, Deine Geliebte bin ich; das ſage ich Dir ſelbſt.— Kannſt Du mehr verlangen, mein trauter Ritter. BVedelind. Aber ich bin ein Menſch, und Du— 4 Ilſe. Daß ich ein Menſch bin, daͤchte ich, haͤtten Dir dieſe Lippen ſchon bewieſen.. Furchteſt Du den Druck von dieſer Hand?—) Fuͤrchteſt Du den Kuß von dieſen Lippen?,— 4 Schreckt Dich das Klopfen dieſes Herze 86. Schreckt Dich der feurig⸗zaͤrtliche Blick dieſſer Augen?— Bebſt Du jetzt erſt vor dieſen Umarmung? 5 81 sceNe „ MBVedekind. Ach! ſchöͤne, beſte Ilſe, wie. Ilſe. Ich weiß es, was Dich ſchreckt; weil ich die Prinzeſſin der Nympfen bin! Wuͤrdeſt Du Lanzen und Schwertern gegen⸗ uͤber zittern?— Gewiß nicht, denn Du biſt kuͤhn und tapfer, und zitterſt neben einer Nympfe zu ſitzen? Trink, trink! 5 Wedekind. Ach, liebe Ilſe, Du biſt beſſer und vollkommener, als ich; denn nur Gutes hoͤrt man von Dir!—— Ilſe. Ja, Gutes uͤbe ich nach Kraͤften aus, obgleich mich die Menſchheit ſchrecklich betrog.— Vor mehreren Jahrhunderten be⸗. wohnte ich den Ilſenſtein, und that den Men⸗ ſchen nichts, als Gutes; da fand ich eines Tages im Gebirge einen Ritter, den Freund Holzmeyer ſchon feſt gepackt hatte.— Ich ließ ihn auf mein Schloß bringen, ſeiner Wunden pflegen, und nach kurzer Zeit war er wieder geneſen. Der Elende ſchwur mir ewi: ge Liebe, ich trauete ſeinen Schwuͤren. Nach einem Jahre war er meiner uͤberdruͤßig, entfloh, 6 82 1 4 xNN und ließ ſich nie wieder ſehen.— So wie 3 dieſen, liebte ich ſeit dieſer Zeit nur Dich.— Jetzt wurde ich eine Menſchenfeindin, und be⸗ wohne von dieſer Zeit dieſen Fluß. Alſo— wenn Du mich nicht immer lieben kannſt, ſo 4 verlaß mich, zwar wird die Wunde meines Herzens dadurch nie verharrſchen, aber dieſes Herz vertraͤgt keine Nebenbuhlerin.— MWBedekind. Liebliche Ilſe, hier nimm meine Hand und mein Herz, ewig werde ich Dich lieben!— Meine Liebe iſt treu, und geht mit Dir bis an Dein Grab. Ilſe. Wie gluͤcklich bin ich. So lange Roſen uns bluͤhen, laß ſie uns bre⸗ chen. Lebe fuͤr jeden Moment, im Genuß. Was in Minuten verſaͤumt wird, gibt keine der ſchnell dahin eilenden Stunden je zuruͤck. In rauſchende Freudentoͤne von der lieb⸗ lichſten Muſik begleitet, ertoͤnte ein ſtuer Ge⸗ ſang. 4 8 Sanſt zog der Ansatwaͤßlte die Gel 5 83 NcNde 1 4 zu ſich. Süßes Verlangen beftuͤgelte die Wuͤnſche der Liebebegluͤckten, und— die Liebe feierte die gluͤcklichſte Stunde der ſanfteſten Freuden eines liebenden Paars, das den innig⸗ ſten Empfindungen keine Schranken zu ſetzen vermochte. Taͤglich entdeckte Ilger v. Bielſtein neue Vorzuͤge, neue Tugenden, an der ſchoͤnen Euphroſine.— Der Hauspfaffe aber merkte die empor keimende Liebe des Ritters zu dem 8 ſchoͤnen Maͤdchen, und eilte ſogleich den Vor⸗ geſetzten ſeines Kloſters davon Bericht zu er⸗ ſtatten.— Die reichen Beſitzungen der jungen Gräfin ſielen nach ihrem Tode dem Kloſter— anheim, aus dieſem Grunde war der Graͤfinmn ein Haß gegen das ganze Maͤnnergeſchlecht, und gegen das Heirathen eingepraͤgt worden, aber Amor, der loſe Schalk, hatte das ſchoͤne Herz der lieblichen Euphroſine doch mit ſeinem Pfeil verwundet.—„Wenn Du von her . 6 ⁵ 84 eNeRSee be der Graͤfin zu dem groben Deutſchen feſt uͤberzeugt biſt, ſprach der Abt, ſo iſt das beſte, ſie wird vergiſtet.“ Der Meinung bin ich auch, erwiederte der Hauspfaff, und dadurch erhaͤlt unſer Kloſter die anſehnlichen Guͤter ſo⸗ gleich.— Und der Herr im Himmel wird ſich freuen, ob dieſer That! ſprach mit frommer MNiene der Abt. Mitt dieſem Beſcheid begab ſich der Ver⸗ laͤumder nach dem Schloſſe zurüͤck, wo er 8 Ilgern und Euphroſinen, die ſich ſo eben ewige Liebe geſchworen hatten, in einer Laube an⸗ traf.— Groll und Rache war in ſeiner Miene unverkennbar, obgleich ein Laͤcheln es zu be⸗ maͤnteln ſuchte. D die Gluͤcklichen, ſie ahneten nicht, daß ihre Seligkeit ſo fruͤh geſtoͤrt werden ſollte! 8 Reine, unverdorbene und keuſche Lhebe wohnte 8 in ihnen! Sie muß ſterben! ſagte der Pfaffe für ich, und zwar in wenigen Tagen.— Ein Beub, herrlich aisgeſthmückt —— 85 acεcανενααεε 3 koͤſtlichen Waffen, von zwei Trompetern be⸗ gleitet, hielt vor dem Thore des Schloſſes, und ſprach: 4— „Allen Deutſchen, ſey biermit im Namen nunſers gnaͤdigen Kaiſers kund gethan, daß „jeglicher, binnen vier Tagen ſich in Rom auf „dem Trajansplatze einfinden moͤge, um dem „Conſilio in Pavia mit beizuwohnen!“ Man reichte ihm und ſeinen Begleitern einen Ehrentrank, alsdann entfernten ſie ſich wieder. Vor wenigen Augenblicken waren die Lie⸗ benden noch die Gluͤcklichſten auf der Erde, und jetzt waren ſie ſo ploͤtzlich aus dieſem Wonne⸗Himmel in einen jaͤhen und tiefen Abgrund geſchleudert. Ich ziehe mit Dir, ſprach Euphroſine, und ſuchte eine Thraͤne in dem ſchoͤnen Auge zu zerdruͤcken, nichts als der Tod ſoll mich von Dir trennen.— Eine feurige Umarmun war die Antwort. Der nichtswuͤrdi⸗ 86 NNNNMS ligem Laͤcheln zu ſich ſelbſt:„Du bleibſt hier Euphroſine, und Dein Liebhaber, der deutſche Hund, zieht ohne Dich, oder ich will nicht Garquilo heißen!“— „Das wird ein Jubel, ein Trala, ein Hoho in Rom werden, wenn wir, die Rit⸗ ter des Harzes, dort einziehen, polterte der Ritter Feige von Heimburg, und was werden die Maͤdchen ſchier nach mir lugen, bin aber auch ein flotter Kerl, aber lugt nur ihr Dirnels, der Wein iſt mir doch lieber; ber meine Adelheid, die iſt doch noch beſſer als der Rebenſaft!“ Man war geſchaͤftig, alles zur baldigen Abreiſe in Stand zu ſetzen. Die Knappen und Reiſige trugen hellpolirte Harniſche, ſchoͤne Wehrgehaͤnge, neu beſiederte Helme und blanke Schwerter uͤber den Hofraum nach der Ruͤſt⸗ kammer.— Jubel ertoͤnte von allen Seiten; von neuem erklangen Cympeln und Trompe⸗ ten, bald kriegeriſch, bald froͤhlich und ſanſt. gar euli durch einander. — 87 eααναναναεαανεν dem Safte lieblich ſchmeckender Aräuter, M a zu dem Bubenſtuͤck des Pfaffen auserſehen. Nichts Arges ahnend, trank die gute Seele das ihr von dem Boͤſewicht zubereitete Getraͤnk.— Schon nach wenigen Stunden fing das Gift an zu wirken; immer heftiger wurden ihre Schmerzen. Ilger ſtand te 3 an ihrem Schmerzenlager, und Garquilo betete zu Gott dem Scheine nach. Quaalvolle Stunden vergingen, und Italiens Zierde ſtarb den Tod, den ſo viele Deutſche durch italie⸗ niſche Falſchheit erhielten. Innig und herzlich trauerten die Ritter um den Verluſt dieſes Engels, ſelbſt der wilde Feige von Heimburg, ſeiner Adelheid daheim gedenkend, wiſchte ſich eine maͤnnliche Thraͤne aus dem Auge. Den andern Tag erklaͤrten mehrere der Ritter, daß die junge Graͤfin vergiftet ſey. Ilger bot dem, der den Moͤrder entdeckte, ſein anzes Land in Deutſchland an; aber unſonn e Heieexczeez Faſt konnte er ſich nicht von ihrem Leichnam trennen, denn kurz vor ihrem Dahinſcheiden, hatte ſie Ilgers Hand krampfhaft gefaßt, und mit verklaͤrtem Antlitz geſagt:„Hier ſollte ich nicht die Deine werden, aber dort— ewig!— In das Familien⸗Begraͤbniß wurde die Frühnollendete, neben ihren Vorgaͤngern, bei⸗ Aue Ritter mit ſchwarzen Ruͤſtungen arten ihr die letzte Ehre erzeugt.— Manche Chraͤne folgte ihr nach, denn Allen bac ſie Gutes gethan. Nur durch vieles Zureden ſchlo ger dem Zuge der nach Rom eilenden Ritter zog zu Braunſchweig, und alle Vaſallen ver⸗ ſammelt. Mit ſeinem jetzt nur noch aus fuͤnf⸗ hunndent Kriegern beſtehendem Heere, ſtand er 3 im Begriff ſich nach Pavia zu begeben, um wurde hur gelegt. 3 3 an.— Hier war Heinrich der Loͤwe, Her⸗ dem Rufe des Kaiſers Folge zu leiſten. Un⸗ gern that er es, denn der Grund zu der erſten Unzufriedenheit zwiſchen ihm und dem Kuſſt 8 2 65 89 xseNeseee . Unter lautem Jubel des Volks und der Krieger kam die kleine Heldenſchaar hier an. Zwei Biſchoͤfe wollten Paͤpſte werden. Der eine Victor, ein ſchlauer Kopf, wurde von Heinrich dem Loͤwen fuͤr den rechtmaͤßigen Papſt anerkannt, der andere Alexander, wurde vom Kaiſer Friedrich I. anerkannt. Beide Paͤpſte thaten einander ſogleich in Bann, und Victor mußte, um von ſeinem Gegner nicht gefangen zu werden, fuͤr's erſte Italien verlaſſen. Nach Frankreich floh er, von den Bannfluͤchen des Gegners begleitet. Dieſe Leute nannten ſich:„Stellvertreter Chriſti.“— Da leben wir jetzt doch in einer gluͤcklichen Zeit, denn was fuͤr edle und menſchenfreund⸗ che Lehrer der Neligion, haben wir jetzte Hoͤchſt unzufrieden war natuͤrlich mit der Wahl Friedrichs,— Heinrich, und im vollen 4 Verdruß verließt e er mit ſemmem Hert Paois, *u Se-eNeNNe ſenburg und Aſchersleben mit ſtarker Heeres⸗ ¹ macht, um— Herzoge von Braunſchweig zu werden. 4 Heinrich lachte zwar darüͤber, aber daß ſich Leute, wie dieſe, ſeine Abweſenheit zum Nutzen zu machen ſuchten, das kraͤnkte den Helden. Die meiſten der Ritter trugen ſchwarze Ruſtungen, und dieſes erzeugte in Ilgers trauerndem Herzen den Wunſch, einen Bund von guten und edlen Rittern zu errichten, un⸗ ter dem Namen:„die Ritter des Har⸗ zes,“ um das Laſter zu zuͤchtigen und die Unſchuld zu beſchuͤtzen.— Er theilte ſeine Ge⸗ danken Einigen mit, und ſprach mit einer ſol⸗ chen Begeiſterung, daß ſeine Idee in mehreere der Ritter uͤberging, und ſie traͤumten ſchon voon einer beſeligenden Zukunft. 3 Auf deutſchem Boden, bei einem Gaſt⸗ freundſchaft liebenden Ritter, ruhte man von dem ſchnellen und— beſchwerlichen Marſch aus. Der Herzog aber eilte mit wenigen — f in dem Prunkzimmer, wer nicht in dem 91 e3e NEeze Getreuen voran.— Ilger hatte fuͤr den Bund Geſetze entworfen. Sie wurden von den Rittern beſchworen. Die Ruͤſtung des Bun⸗ des war ſchwarz. Die Bruſt und den Helm zierte die Goͤttin Ceres, gekleidet als ein auf⸗ : bluͤhendes Maͤdchen, das Fuͤllhorn der Gaben des Sommers und Herbſtes uͤber der Erde ausſtreuend. Ein Adler und ein Loͤwe, welche einen Lorbeerkranz hielten, war das Sinnbild des Wappenſchildes. Ilger wurde einſtim⸗ mig zum Bundeshauptmann erwaͤhlt, ſeine Ruſtung zeichnete ſich nur dadurch aus, daß Helm und Panzer feiner geformt und die Ce⸗ res von Gold war. Ein rother Mantel ſchmuͤckte ſeine Schultern, uͤbrigens trug er wie ſeine Gefaͤhrten ſchwarze Lalbbinden und Bnaeer Heute zum erſtenmal verfenrmelten ſie d Kufgenommen war, mußte lich ntfern 92 Ne* eddede 3 „und Bruͤder! Zum erſtenmal ſind wir ver⸗ „ſammelt, um uns noch einmal die Verſiche⸗ „rung zu geben, daß Einer fuͤr Alle und Alle „fuͤr Einen ſterben muß, wenn es nicht an⸗ „ders ſeyn kann.— Entehrt das ſo ſchoͤne „Sinnbild Eurer Ruͤſtung nie, ſtrebt ſtets zum „Guten empor, wie unſere Ahnen.— Wenn „Tugend ſeufzt, wenn die Unſchuld Eure Huͤlfe „fordert, ſo reißt Euch von jedem Vergnuͤgen nlos; achtet der Gefahr nicht, und Gott der „Allgerechte, wird Euch dafuͤr belohnen. „Frauentugend ſey fuͤr Euch achtbar wie Gold, nim Biederſinn eiſern, wie Eure Nüſtungen. — Im Kampfe wehe das Bundes⸗Panier „ſtets in Eurer Mitte. Seyd gerecht und „menſchlich, dann wird Segen Euch werden, „ſey es nun hier oder dort!“ 4 Ein Kuß, den alle dem Bundeshaupt⸗ 77 mann gaben, war hinreichend die inneren Ge⸗* fuͤhle zu erkennen. Jetzt uͤberließ ſich alles der Freude. Der. 4 gaßffreundliche Hurqhen leß es an vollen Be 93 deezec;cac,czcde 6*4 chern der Freude und Wonne nicht fehlen. „ Ich kann auch trinken, und das nicht wenig, meinte der Burgherr, aber ſo wie der Große mit dem Schnautzbart(er meinte Feige v. Heimburg) doch nicht, glaub' ſchier koͤnnt in Muͤhlrad in ſeinen Magen herumgehen!“ Die Ritter lachten und meinten, dies ſey noch vom Anfang, er muͤßte nur erſt in Zug kommen, dann koͤnnten zwei Kellner nicht genug Hum⸗ pen aus dem Keller ſchaffen. Es war Mittag, als Wedekind von Wein und Liebe berauſcht, ſich den Umarmungen der ſchoͤnen Ilſe entwand.„Eile zu den Deinen, 8 ſprach ſie mit liebefloͤtender Stimme, Du wirſt Entzuͤcken, wenn ich Dich je vergeſſe oder Dir untreu werde; ſo moͤge mich der Höch 7 der Todesſtunde auch verlaſſen! Bei dieſen Worten legte er ſeine Hand auf das unruhig geſucht!“ Ilſe, erwiederte Wedekind voll 94 NNNNN klopfende Herz; Ilſe aber zog einen koſtbaren Ring von den Fingern, und ſteckte ihm dieſen an.— Noch eine feurige Umarmung und ein ſeelenvoller langer Kuß, als ein ſchoͤner Wagen mit zwei Nilpferden beſpannt, vorfuhr. Wedekind ſetzte ſich ein. Ein unwiderſtehlicher Schlaf bemaͤchtigte ſich ſeiner, und er erwachte auf einem Felſen. Noch hielt er alles fuͤr einen lebhaften Traum, aber der Ring am Finger bewies ihm die Wahrheit. Durch einen kur⸗ zen Schlaf neu geſtaͤrkt ſprang er in die Hoͤ⸗ 1 he. Fernher ertoͤnte Roſſegewieher und aͤngſt⸗ liche Stimmen. Wedekind konnte aber nur ſo viel gewahren, daß er ſich am Fuße des Ilſenſteins befand; nicht weit davon brach ſich die Ilſe mit Gewalt einen Ausweg uͤber Fel⸗ ſenbloͤcke und Steine. 4 AÄngſtlich hatte man den Verſchwundenen geſucht, und jetzt war die Freude deſto groͤßer ihn wieder zu haben. „Wie ſieht's im Feindes⸗Laager aus?“ ragte der durch Liebe beſeeligte. Sie er⸗ 6 v. Aſchersleben, denn ſie hoffen, daß der Her⸗ und Stangen bewaffnet, wurden 3 95 eeerededee 3 rethalten ſich ganz ruhig, erwiederte der Graf 3 zog bald zuruͤck koͤmmt. Auch ich habe ſo eben durch ſichere Kunde erfahren, daß der Herzog ſich mit dem Kaiſer, wegen dem zu 4 waͤhlenden Papſt, entzweit habe, und bereits auf deutſchem Boden iſt. Und das ſagt Ihr ſo gleichguͤltig, fragte jener verwundert, haͤngt denn hiervon nicht unſer künſtiges Gluͤck ab? — Wir ſchlagen noch heute! Wir ſiegen oder — ſie. Meine Veſte kann nie erobert werden, denn ſie ragt in die Wolken! Man ſtellte ſich in Schlachtordnung. Trompeten und Trommeln ertoͤnten zum Auf⸗ bruch. Der Feind erwartete ſie muthvoll und kuͤhn, durch das Beyſpiel ihrer Anfuͤhrer der tapfern Grafen v. Reinſtein und Schwerin begeiſtert.— Das Feldgeſchrei der Daſenbur⸗ ger und Aſchersleber war: Ilſel Kraftvoll war der erſte Anbrang, Feinde, größtentheils Landleute, mit S el —— 96 xxα ☛ οM⁄(AZI geſprengt; die Verwirrung wurde allgemein; nur hoͤchſtens hundert Reiſige und Knappen hielten Stand, und auch dieſe flohen oder wurden niedergehauen. Unter den Gefange⸗ nen zaͤhlte man den Graf Guͤnzeln v. Schwe⸗ rin.— Graf Albert von Reinſtein verdankte ſeine Rettung der Schnelligkeit ſeines Pferdes. — So war dieſes Herr, das nur aus ſechs⸗ hundert Mann haſtand, welches der Ruf zu zweitauſend vergrößerte, binnen wenigen Mi⸗ nuten gaͤnzlich aufgerieben. Der gefangene Graf v. Schwerin erſchien vor Wedekind mit einem ſtolzen Laͤcheln. „Das haͤtte ich nicht geglaubt, ſagte Wede⸗ kind, daß mein ehemaliger Geſpon und Kum⸗ pan einſtens mein Gefangener werden wuͤrde! Wie doch der Menſchen Schickſale ſo wunder⸗ bar ſind!— Gebt mir Eure Rechte, Graf, daß Ihr nichtszu meinem Nachtheil unterneh⸗ mmen wollt, und hier— iſt Euer Schwert! „Einem Rebellen, erwiederte der Befragte, gebe ic keine Hand„Nun ſo ſeht, daß ich 97 XXNNNXNNNe Euch nicht fuͤrchte, ſagte ſtolz der Sieger, hier 8 iſt Euer Schwert, ohne Eure Rechte!“ Wuͤ⸗ thend hing es dieſer um, und entfernte ſich einige Schritte, um die Wuth ſeines Innern zu verbergen.„Verdiene ich dieſe Beleidigung, daß Du mir den Ruͤcken zukehrſt?“ fragte ſanft der Sieger. Der Beſiegte ſah ſich um, zerdruͤckte eine Thraͤne im Auge, und ſprach: „Wedekind! Wedekind, werde wieder ein guter Menſch, laß Deine Raͤubereien, die zu nichts, als Schande und Ungluͤck führen, bezwinge Deine Ehrſucht nach hoͤheren Dingen. Sey ein Mann. Du kannſt nie Herzog von Braunſchweig werden, bedenke— ehe Du handelſt.— O Wedekind, was war es ſonſt fuͤr eine ſo ſchoͤne Zeit, als wir zuſammen am Hofe des Landgrafen v. Thuͤringen als Edel⸗ knappen waren. Was warſt Du da für ein ſo guter Menſch. Trauter Wedekind, verlaß dieſen Pfad, der nur zu Deinem Verderben fuͤhrt! Gedenke unſerer ſchoͤnen Jugendzei wo Du mir oftmals ewige Freundſe 4 7 ℳ* 98 xNXNNNNNN. Tugend und Gerechtigkeit gelobteſt? Weißt Du noch, als wir Beide um die Liebe der Bertha v. Rothenburg minten, Beiden war ſie gleich guͤnſtig, und Du warſt ſo großmuͤ⸗ thig, ſie mir allein zu uͤberlaſſen! Wedekind, was warſt Du da fuͤr ein ſo guter Menſch! der Stolz und die Zierde der Jugend warſt Du! Und als uns der Landgraf v. Thuͤringen zu Heldrungen zu Rittern ſchlug, was gelobteſt Du da?„Halt ein, rief Wedekind, Du haſt zu meinem Herzen geſprochen, aber es iſt zu ſpaͤt wieder gut zu werden, wie Du es meinſt. Sieh, auch Rebellen, koͤnnen großmuͤthig han⸗ deln: Geh, Du haſt Deine Freiheit!“— Und ſchnell verließ der Großmuͤthige den Er⸗ ſtaunten. Mit der Freilaſſung des Grafen war der Graf von Aſchersleben nicht ganz zufriedan, ſdoch ſchwieg er. 8 Seinen Sieg verfolgend ruͤckte das Heer*4 an dieſem Tage noch bis Stapelnburg 1 99 XNGNNMNC woor.*) Der Beſitzer der Burg ſchloß ſich ſo⸗ gleich mit vielen Reiſigen an das Heer der Sieger an. Ein lebhafter Traum aͤffte den Daſen: burger. Liebliche Muſik und geiſtvoller Ge⸗ ſang, wie aus jenen Zonen, glaubte der Suͤß⸗ Traͤumende zu hoͤren. Eine Geſtalt, mit wei⸗ ßem Kleide und ſchwarzem Guͤrtel, raben⸗ ’ ſchwarze Locken tanzten auf dem Marmorbu⸗ ſen, ſchwebte aus der Hoͤhe herab, in den zarten Haͤndchen einen Kranz von Eichenlaub geflochten, dem Schlaͤfer um die Stirn win⸗ dend. O des Gluͤcklichen! Jetzt berührte ſiee mit ihren Purpurlippen ſeinen Mund.— We⸗ 8 dekind wollte das holde Weſen an ſein Herz druͤcken, aber er ergriff— nichts. Ilſe! Ilſ 1 rief er, aber vergebens. Ein Kranz war abe um ſeine Stirn gewunden und uͤberzeugte ihm, daß er Wahrheit getraͤumt habe. 8 Im Oſten erſchien der junge Tag. Fei ) Jetzt eine ſchoͤne Nuinlne. 1 7* 3 100 4 4 ncseJec,e . lcch und majeſtätiſ ſtieg die Koͤnigin des Ta⸗ ges aus ihrem Bette. Die Lrompets rief zum Aufbruch. Unaufhaltſam ruͤckte das Heer heute bis Goslar vor, aber die Einwohner, auf die ſtarken Mauern der Stadt vertrauend, ver⸗ weigerten dem Sieger den Gehorſam. Stolz auf den Sieg bei Ilſenſtein, befahlen die Gra⸗ fen ſe ſogleich die Stadt zu erſtuürmen. Alle 35 Beute ſollte ein jeder fuͤr ſich behalten.— Dies feuerte den Muth zur Raſerei an, und 9 mehrere hundert tapfere Kaͤmpen mußten in's — Gras beißen, ohne die Stadt erobert zu haben. — Traurig war der Anblick; ringsum von Goslar's Mauern lagen verſtuͤmmelte Leichen und Waffen aller Art.— Selbſt der Graf v. Aſchersleben hatte eine tiefe Kapſunde er⸗ halten. griff legte ſich ein jeder zur Ruhe. indern Tag; aber mit eben ſo wenig Erfol Mismuthig uͤber den Fhigetlagenen An⸗ Mit neuem Muth begann der Sturm den 3 ſowoßt die Krieger, als auch die 101 NNNNNNEMe „Wenn wir erſt Herzoͤge ſind, ſagte We dekind, ſo unterwirft ſich die Stadt von ſelbſe 8* drum raſch, auf Braunſchweig los.“ Mit fliegenden Panieren und klingendem Spiele in das ſic der Krieger Geſaͤnge miſch⸗ ten, zog das Heer von der Stadt fort, und erreichte am Mittage das Dorf Aſtfeld.— Hier wurde allen die niederſchlagende Kunde zu theil, daß der Herzog Heinrich der Loͤwe, wieder in Braunſchweig angekommen ſey. Jetzt wurde auf einmal Halt gemacht.— Ein Feldherr beſchuldigte den andern, der Saumſeligkeit.— Das Heer, welches auch viele Ausreißer unter ſich hatte, ſing an zu 3 murren uͤber ſchlechten Sold oder ſie ſuchten— wohl gar das Weite. Spione wurden nach Braunſchweig ger-. ſchickt, aber alle kamen mit der boͤſen Mele dung, daß ein großes Heer zum Büfruche bereit ſey unfreundliches, herbſtliches Wettas me 4 8 102 NNKEe zoge traͤumende Feldherrn ganz verdruͤßlich; eines Tages kam die Kunde, daß die Grafen v. Schwerin und Reinſtein mit einem Heere im Anzuge waͤren. Jetzt hatten die Verbuͤn⸗ deten Reſpect, denn das Heer beſtand aus Kriegern, die aus Italien zuruͤckgekehrt waren. Oft trafen die Vorpoſten hart zuſammen, ohne daß aber etwas Entſcheidendes vorſiel. Gedraͤngt vom Feinde mußten ſie ſich alſo zu⸗ ruͤckziehen.— Die Stadt Blankenburg wurde mit Sturm genommen, um dem Heere Muth einzuſloͤßen. Aber an der Veſte Blankenburg zermetterten ſich viele vergebens die Koͤpfe. Die Ritter des Harzes aber, den Augenblick des Kampfes nicht erwarten koͤn⸗ nend, griffen den Feind an, und jagten ihn aus der Stadt.. Bei Cattenſtaͤdt griff Wedekind v. Daſen⸗ burg und der Graf v. Aſchersleben den Feind mit furchtbarer Gewalt an. Er wich, aber 2 die Ritter des Harzes, ſtuͤrzten ſich in re Glieder, und eßretce, Tod und Ver⸗. 103 XAM⁵μαάνσέαᷣ. deerben. Auf dem jetzt ſogenannten Brombeer⸗: berge maͤhte der Engel des Todes mit furcht: barer Hippe. Der Graf v. Aſchersleben zog ſich auf einen Huͤgel, der Salpeterkopf ge⸗ nannt, zuruͤck, und vertheidigte dieſen mit Ver⸗ zweiflung. Wedekind ſchlug ſich indeſſen tapfer her⸗ um, mußte aber der Übermacht des Feindes weichen.*) Die mehreſten ſeiner Leute lagen tod auf dem Wahlplatze, viele entflohen, und nur mit wenigen Getreuen entkam er ſeinen Verfolgern.— Als der Graf v. Aſchersleben ſah, daß ſein Kumpan geſchlagen war; warf er ſein Schwert von ſich und rief:„Ich bin Euer 3 Gefangener!“ Er wurde ſogleich nebſt ſeinen Leuten entwaffnet, und unter ſtarker Bedeckung nach der Veſte des Grafen von Blankenburg gebracht. 4 8) Auf dem Brombeerberge und Salpeterkopfe indet manffnoch jetzt ganze Manſchengerinie und Waffen aller Yrt. 104 *ecNee Wedekind war froh nach wenigen Stun⸗ den ſeine Veſte, die unuͤberwindlich war, wie er meinte, erreicht zu haben.— Jetzt waren auf einmal die hochfliegenden Plane geſcheitert, und der Herzog und das Herzogthum nur ein ſchoͤner Traum geweſen. „Wenn ich auch kein Herzog bin, rief er endlich, ſich zum Troſte aus, ſo beſitze ich werth iſt, als ein Herzogthum!“ Rippen auf einen Stock geſtuͤtzt auf die Burg. Wedekind lachte laut auf, als er ihn in dieſem Zuſtande ſah.„Lache nur Du Fant, ſprach Hugo, Du biſt mit heiler Haut davon ge⸗ kommen; aber mir krachen noch alle Rippen Durſtige. 1 doch die Liebe der ſchoͤnen Ilſe, die mehr Nach einigen Tagen kam ſein Kumpan, der Ritter Hugo v. Ahlsburg mit zerbrochenen im Leibe!“„Nun ſo ſetz' Dich und erzaͤhle ddie grauſe Maͤhre,“ ſprach Wedekind. Erſt trinken und dann erzaͤhlen, erwiederte der Ein Knappe trug einige Humpen au 10⁵ ANNNN und dieſer ſprach:„Als die Schlacht bei Cat⸗ 3 tenſtaͤdt fuͤr uns verloren war, entrann ich dem Gewuͤhle mit genauer Noth und erreichte meine Burg.— Schon war alles bereit mir zu folgen und die Burg in Brand zu ſtecken, als der Lugner meldete, daß wir bereits ein⸗ geſchloſſen vom Feinde waͤren.— Jetzt eilte 4 jeder auf die Mauer. Zum Gluͤck hatte ich noch kein Feuer in den Holzſchoppen anlegen laſſen.— Jetzt erſchien ein Trompeter, und forderte auf Befehl des Herzogs die Übergabe der Burg. Ich ließ ihm antworten: Nur uͤber unſere Leichen kaͤmen ſie in die Burg.— Albert v. Reinſtein fuͤhrte ſogleich einige hun⸗ dert Bogenſchuͤtzen heran, und nach einer Stunde drangen die ſchwarzen Ritter, welche 4 3 dein Nachbar, Ilger v. Bielſtein anfuͤhrte, zum Burgthore herein.— Nun war guter Rath theuer; alle meine Leute wurden niederge⸗ hauen, nur ich hatte keine Luſt dazu.— 4 Schnell eilte ich nach meinem Schlafgemach, G oickelte mich feſt in einen Bettlaken, der gut 106 nνέεέινέιαά mit Federn ausgeſtopft war, und ſtuͤrzte mich zum Fenſter heraus auf die ſchroffſte Klippe. 6 — Aber Bruder wie war mir da, alles knackte im Leibe, und als ich erwachte, war es finſter um mich, nur ein heller Schein leuchtete eetwas. Ich ſah mich um, und meine Burg ſtand in hellen Flammen.— In dieſer Be⸗ taͤubung habe ich mehrere Stunden gelegen, † und bin nun halb zerſchmettert wieder bee Dir.— Ein Knappe trat ein und meldete: daß die Veſte des Grafen v. Aſchersleben in Faamm men ſtehe. Der Graf aber muͤſſe zeitlebens als Gefangener in Braunſchweig bleiben. „Humpen her, ſchrie Wedekind, damit ich die Galle hinunterſchwemme.— Das Beſte iſt, das ſie den nur was thun, den ſie haben!— 4 Kloſter Walkenried. Der Abt(aͤngſtlich zu einem Boten Aber hoͤre lieber Freund iſt’s auch Wahrhe — 107 AMNN b der furchtbare Daſenburgrr geſchlagen 612 Der Bote. Wie ich Euch geſagt habe der Daſenburger iſt vernichtet! Der Abt(weinerlich). Weiß ſchier nicht was ich fuͤr Freude zuerſt thun ſoll(ergreift einen Humpen und trinkt ihn aus) achl jetzt ſchmeckt ſo etwas wieder. Gelobt ſey der hei⸗ lige Benedict und alle Heiligen, daß das Un⸗ thier mit ſeiner Macht vernichtet iſt.— Und ach! was wird ſich unſer Schirmvoigt, der Herr Graf von Klettenberg daruͤber freuen? Der Kellner(eintretend). O Wonne, Wonne! Die Ahlsburg brennt; bald wird's auch an die Daſenburg kommen. Der Abt. Heiliger Benedict, Du haſft das Flehen deiner Heerde erhoͤrt! Dank! dank — Dir! Der Kellner. Wir haben nun ſo leicht nichts mehr zu befüͤrchten, denn Ilger v. Bielſtein iſt Hauptmann eines Bundes, der ſich: die Ritter des Harzes ne⸗ t! Der Abt. Wenn ich nur ni 108 AMHeeeede de ſterbe!— Auf den Klettenberger konnten wir uns auch nicht verlaſſen, denn als ihn der Daſenburger einmal: Pfaffenſoͤldling nann⸗ te; nahm er es hin, ich(ſtolz) haͤtte ihn zum Zweikampf auf Leben und Tod, herausge⸗ fordert! Der Bote. Still, der Daſenburger hat uͤberall Spione!. Der Abt(aͤngſtlich). Wird's doch nie⸗ mund gehoͤrt haben, was ich geſprochen habe? Heda, holla? Freund Kellner, ſchaff Wein! (nachrufend) Und auf dieſen Abend etwas anders! Der Kellner(im Abgehen fuͤr ſich). Wird ſein Lebtag nicht anders der Saufaus, geht uns ſchier mit einem guten Beyſpiele vor.— Iſt aber auch ganz zum Pfaffen geboren: klein, großen Kopf mit der Platte, kupfrige Naſe, und tiefliegende kleine Augen dachend) Moͤcht's ihm nur mal ſagen. Der Abt(kommt eilig). Ja Freund, — ihn an:„Woher haſt Du die Goldſtuͤcke?“ 109 edococEede was ſalbaterſt Du denn ſo lange, dunden her!(er ergreift einen) Der Kellner. Wohl bekomm's Herr Abt. In ſtolzer Ruhe lebte auf ſeiner Burg Graf Wedekind v. Daſenburg, und verubte ſeine Wegelagerungen jetzt oͤfter, als ſonſt; denn wie konnten es die Braunſchweiger nur wagen ſeine Burg zu belagern, da nur ein ein⸗ ziger ſchmaler Fußpfad hinauffuͤhrte! Aber es wurde ihm doch zu enge, des⸗ halb beſchloß er, ſeine theure Ilſe wieder zu beſuchen. Auf dem Wege dahin, ſah er einen alten Mann am Wege ſitzen, der ſich am Anblicke 3 einiger Goldſtuͤcke weidete. Wedekind redete „Von einem wunderſchoͤnen Fraͤulein,“ erwie⸗ derte der Alte.— Auch ihn befchenin der 110 84 NxxXNNSece Verliebte, eilte fort, und rief aus:„Meine einzig geliebte Ilſe, wo biſt Du?“ Jetzt fing das Waſſer an zu toſen und zu brauſen. Wedekind band ſein Roß an einen Baum. Immer hoͤher wurden die Wel⸗ len, als ploͤtzlich ein Fiſch von ungewoͤhnlicher Groͤße an das Ufer geſchwommen kam. Ohne — ſſich lange zu beſinnen, ſprang Wedekind auf ihn. Die Wellen ſchlugen uͤber ihm zuſam⸗ men, und er fuhr mit Blitzesſchnelle in die Tiefe. 8 3 Das ihm wohl bekannte Schloß lag vor ihm, aber alle Thuͤren waren feſt zu. Hinter dem Schloſſe lag ein gar ſchoͤner Garten. Obgleich auf unſerer Erde jetzt der harte Winter eingetreten war, ſo dufteten doch hier in dem milderen Himmelsſtriche, Roſen, Nel⸗ ken und Lilien, Philomele girrte liebevoll, woorin denn auch die übrigen Waldbewohner nitt einſtimmten. Aber kein menſchliches Weſen . geſtorben zu ſeyn. Verdruͤßlich und aͤngſtlich war zu ſchauen. Die Natur ſchien hiervon aus⸗ 111 ANMNCcCNee 8 warf er ſich auf eine Raſenbank.— Fernhe erſchallten ganz leiſe die Toͤne einer Lautte, und ſiehe, Ilſe kam ſchnell daher. Wedekind umſchlang ſie feſt, und weiche Lippen begeg⸗ neten einander. Ihre alabaſter Arme ſchlang das holde Fraͤulein um ſeinen Nacken, und rief aus:„Mein Wedekind, wie haſt Du 1 mich durch Deinen Beſuch ſo angenehm über⸗— raſcht!“ „Ach was iſt das Leben ohne Dich? er⸗ G wiederte Wedekind. Was haſt Du aus mir gemacht? Zauberin! Engel!— Mein Herz und meine Liebe gehoͤrt nur Dir!“ Mein Trauter, lispel ſie, denke nur immer ſo.. Inmmer werde ich ſo denken, rief ganz begeiſtert der Verliebte, denn wo linde 4½ einre gleichen? Die findeſt Du wohl, erwiederte die Be⸗ 3 fragte, ſieh; wenn Du die Probe der Liobe gegen mich beſtändeſt, ſo koͤnnte ich, Dir zu Pebe n wieder auf jene Welt kommen 112 K ꝓαανάακραν ne Schweſtern, die Nixen der Elbe, Oder, Saa⸗ le, Ilme, Wipper und Helme, ſind ſchoͤner reizender und reicher, als ich! Ich mag ſie gar nicht ſehen! rief freude: trunken der durch Liebe beſeligte. Aber ſag' einmal aufrichtig, lebt ih Nixen ſtets ohne Maͤnner? „Das iſt einmal unſer Schickfal, ſprach ſie zaͤrtlich, daß wir ohne Maͤnner leben muͤſ⸗ ſen; wenn wir mit einem Menſchen keine zaͤrtliche Verbindung knuͤpfen koͤnnen; muͤſſen wir alſo der Liebe ſuͤße Freuden entbehren.“— Aber, der Sage nach, biſt Du ſehr at, 1 fragte Wedekind. 1 Das bin ich, erwiederte ſie. 1 Sonderbar, meinte jener, ſehr alt, und — dieſe Jugendroͤthe auf Deinen Wangen, das Feuer Deiner himmliſchen Augen, die eeinen reinen Wiederſchein Deines Innern ge⸗ ben, dieſer Buſen—— Halt ein, rief ſie oder— 3 S verſchloß ihm den Mund mit feun⸗ 113 &NNNKCE gen Kuͤſſen; zaͤrtlich umſchlangen ſeine Arme ſie, und der Gott der Liebe ſpendete hier ſeine Freuden im vollſten Maaße. Erſt ſpaͤt trennte er ſich von ihr.— Muthig wieherte ihm ſein Roß entgegen.— Naſch ſchwang er ſich hinauf und trabte wohl⸗ gemuth ſeiner Burg zu, die im heiteren Abend⸗ glanze ihm entgegen ſchimmerte. Da ertoͤnte ploͤtzlich der Ton eines Hor⸗ nes, und Feige v. Heimburg auf ſeinem Hol⸗ ſteiner ſitzend, ritt mit eingelegter Lanze We⸗ dekinden entgegen. Holla! Heda! rief er. Zum Teufel mit Eurem Holla und heda, dies iſt mein Gebiet! Aha, rief ſpoͤttiſch Fei⸗ gg alſo der Herr von der Daſenburg ſelöſt in hoͤchſt eigener Perſon? Nun wenn's Euch eluſtet ſo wollen wir hier eine Lanze brechen! 3 Heute nicht mehr, ſagte der Entmuthigte; 4 ber morgen bei der Dammmuͤhle ſtehe ich zu Euren Dienſten. Nicht doch, rief Feige wild, bhr brecht mit mir eine Lanze oder— ſeyd ein Gefangener! Wie, Ihr Feige 9. den. 114 XNꝓNNe burg wagt es, ſo mit mir zu ſprechen? rief entruͤſtet uͤber ſeines Gegners Übermuth der Beleidigte, und zog ſein Schwert. Mir eben recht, jauchzte Feige und zog das Seinige. Jetzt ſiel Schlag auf Schlag. Die Heft⸗ naͤgle an Wedekind's Ruͤſtung waren faſt alle locker; aus mehreren Wunden rann ſein Blut; — da ritt jeder der Kaͤmpfer einige Schritte zuruͤck, um Athem zu ſchoͤpfen und neue Kraͤf⸗ te zu ſammeln. Feige ſchnallte ſeinen Helm⸗ löͤhr feſter, als Wedekind durch einen Satz des Pferdes bei ihm war und einen ſolchen Hieb uͤber den Helm ſeines Gegners fuͤhrte, daß dieſer ganz betaͤubt davon war. Aber ſchnell beſann er ſich wieder und rief:„Jetzt biſt 3he verloren, Elender! Von Neuem ertoͤnte d Waffengeraſſel, die Echos der Berge hallt dumpf wieder. Der Mond ſtieg langſam aus ſeinem Bette hervor, gleichſam als wollte er nicht Zeuge bei dieſem Zweikampfe ſeyn.— Immer ſchwaͤcher focht Wedekind, da erſah Feige einen Fehler ſeines Gegners, und ſchlug 115 26NCNNE ihm das Schwert aus der Fauſt, daß es weit davon flog.— Er knirſchte mit den Zaͤhnen,. aber es half ihm nichts, er mußte vom Roſſe herabſteigen. Der Knappe des Heimburgers fuͤhrte es, und Wedekind, der ſtolze üͦbermſt thige Ritter, mußte zu Fuße ohne Sopt ſeinem Überwinder folgen, der das Recht, hatte, ihn bei der geringſten Widerſpenſtigkeit nieder⸗ 8 zuhauen. Was hatte er jetzt für Schmach und Schande zu erwarten? Mußte er es ſich's nicht gefallen laſſen, man lieferte ihn an den Herzog aus? Burg Bielſtein. (Im Gelag⸗Gaden). Feige v. Heimb.(trinkt) Mundet mir heute ganz herrlich der Goͤttertrank! Adelheid v. Bielſt. Ach, d Gea ich Dich jetzt wieder habe.)— 116 XAceee Feige v. Heimb. Nun gedulde Dich nur, bald ſoll Hochzeit ſeyn!— Adelheid. Du loſer, lieber Feige! Feige v. Heimb. Wo nur Dein Bruder ſo lange bleibt? Adelheid. Faſt werde ich aͤngſtlich um den lieben Wildfang, iſt's doch ſchon lange dunkel.. Feige v. Heimb.(trinkt einen vollen Hum⸗ pen aus) Köſtlicher, herrlicher Wein! Hat ſchier ſo was majeſtaͤtiſches im Gange zur Gurgel hinunter,(zum Wedekind v. Daſenburg) und ihr trinkt, hol's der Hammer, als thaͤtet Ihr's zum Frohndienſt. Wedekind(ſieht muͤrriſch vor ſich nieder). Mundet mir nicht, Kumpan!— Feige v. Heimb. Glaub's traun wohl! Seht nur, wie mir's mundet.— 8 A delheid(zaͤrtlich). Mein Feige!(ſte ſſtreichelt ihm die Wangen) Ach was hat uns ddieſer boͤſe Mann fuͤr Angſt und Sorge ge⸗ macht, da Du in Italien warſt!— 117 dNNNR Feige v. Heimb. Jetzt zuten wir alles weit machen! Koͤnnten den After⸗Herzog nach Braunſchweig ſchicken und— Wedekind(halb laut). Teufel Dut Und die Adelheid ſitzt bei ihm!— Feige v. Heimb. Was wird ſch: mein Schwaͤher Ilger nicht wundern, wenn er die⸗ ſen hier ſieht(zu Wedekind) ich— ich anm Eurer Stelle, ſchlemmte alles Gift und Galle durch den Wein hinunter, oder biß' mir dis Adern auf, wie mein Araber! Wedekind(auffahrend). Was hilft's? Ihr waͤr't und blieb't doch ein Gefangener? — So klug wie Ihr ſeyd, glaub' ich, bin ich es auch!— Euer Araber wird ſich manche Ader aufgebiſſen haben und meidlih n um ſig 118. 8*MKNNzede. 2* Feige v. Heimb. Haltet Eure Zunge im Zaum, oder— Wedekind(ſpoͤttiſch). Ich wollte damit weiter nichts ſagen, als, daß der Mann das Haupt der Schoͤpfung— das Weib aber- die Krone ſey!— Denn, maͤchtiger ſchwellen unſere Muskeln, ſtaͤrker ſpannen die Nerven ſich an— unſere Lanzen und Schwerter ſaus ſen füͤrchterlicher— ſelbſt unſere Streithengſte rennen raſcher, wenn's— ein Weib gilt! Feige v. Heimb.(lachend) Eine ſchoͤne— Lobrede!— Aber warum ſuch'ſt Du Dir denn eine Hausfrau? 4 Wedekind(muͤrriſch). Hm! hm! Feige v. Heimb.(trinkt) Wo nur Ilger bleibt?— (Geſchrei einiger Knechte und Pferdege⸗ wieher auf dem Hofe) 3 Wedekind(ſchlaͤgt ſich vor die Stirn). 3 Beim Himmel, er iſt's!— 1 Feige v. Heimb.(eilt an's Fenſter) Da, 3 da— iſt er! Guten Abend Igger—(zum 8 119 Xx⁵ααάαναάαμαααάσ 8 3 Wedekind gewendet) Nun griesgramt nur nicht“ ſo, Ihr ſeyd ja mein Gefangener, und nicht des Bielſteiners!— In's Burgverließ kommt Ihr nicht!— S 3(Ilger v. Bielſtein und Adelheid, die ihm entgegen gegangen war, treten ein) Ilger(ſieht den Wedekind ohne Ruͤſtung und ſcheint zu erſchrecken). O Wedekind, wie — muß ich Dich ſehen?— Wie uns ſonſt ſo wohl war, wenn wir hier zuſammen zechten! (zum Feige) Was wollt Ihr mit ihm machen, — und wie fingt Ihr ihn? Feige v. Heimb. Ich ſchlug mich ert ein biſſel mit'n herum; ſo kam's denn, daß er mein Gefangener wurde.(lachend) Er dauert mich der arme Teufel, und deshalb bin ich willens ihn laufen zu laſſen!— glger. Mir aus der Seale geſszien 3. Und ſeine Ruͤſtung? . Feige v. Heimb. Gehoͤrt mir! Wil ſie .4 in meine Ruͤſtkammer aufhaͤngen laſſen! — 120 Xoccsc eee Wedekind(mit verbiſſener Wuth). Wann kann ich gehen:. Feige v. Heimb. und Ilger. Jetzt gleich, ſo es Euch beliebt, denn— wir fuͤrchten de After⸗Herzog nicht!(beide lachen) Wedekind(knirſchend). Hatte ich ein Schwert? 3 Feige v. Heimb.(ſpoͤttiſch) So waͤr's auch nichts!(rufend) Haſſel!—(er tritt ein) Geleite dieſen Ritter zur Burg hinaus; es gefaͤllt ihm hier nicht!— Wedekind. Ich gehe, aber— aber— 4 Feige v. Heimb. Drohe nur nicht, oder ich uͤbergebe Dich zur Beſtrafung unſerem Bundeshauptmann!— Wederind(im Abgehen). Eine ſolche Be⸗ leidigung gegen mich? unerhoͤrt! unerhoͤrt! —. Verzweiflung, Tod und Rache ſchnaubend, kam der ſonſt ſo gefuͤrchtete Wedekind v. Da⸗ 121 zceexxNcdene ſenburg um Mitternacht auf ſeiner Burg an. Sein Freund Hugo v. Ahlsburg und der Burgpfaff ſaßen noch bei'm gefuͤllten Hum⸗ pen, und wunderten ſich gar ſehr den Graäfen ohne Ruͤſt ſtung eintreten zu ſehen.— Es war ihm aber ohnmoglich die erlittenen Unbilden zu erzaͤhlen. Waͤhrend ſeiner Abweſenheit war 8 ein Herold da geweſen, und hatte von Hein⸗ rich dem Loͤwen folgendes Schreiben uͦber⸗ bracht, welches der Burgpfaffe vorlas: „Wir Heinrich, Herzog zu Braunſchweig, „Bayern und Sachſen, Fuͤrſt zu Wolfenbuͤttel. „Herr zu Blankenburg u. ſ. w., thun Euch, „dem Ritter Wedekind v. Daſenburg, hiermit 4 „kund, daß, da ihr Raͤubereien und andere „ſchlechte Thaten in unſern Landen verüͤbt „habt, wir Euch Gnade und Verzeihung zu-⸗ „ſichern, wenn Ihr Eure Burg ſchleifen und „zu uns nach Braunſchweig ziehen nn. „ure Einkünfte ſollen Euch Mleiden wenn 122 Mx„ „Der Graf von Aſchersleben iſt dieſe Bedin⸗ „gungen eingegangen. Wenn Ihr Euch aber „widerſpenſtig zeigt, ſo ſeyd verſichert, daß nwir Mittel beſitzen, Euch mit Gewalt zum „Gehorſam zu zwingen.“ SGegeben zu Braunſchweig im Jahre uunſers Heilandes 1165. Herzog Heinrich. 1 3 Vortrefflich, rief Wedekind aus, ſie glau⸗ ben mich jetzt verlaſſen und muthlos, daß ich jede Bedingung eingehen muͤſſe; nein, dahin koͤmmt es nie, ſo lange ich lebe! Jetzt ſoll erſt das Rauben, Morden und Brennen an⸗ gehen, alles fruͤhere war nur Kinderei!— So hatte ihn Hugo noch nie geſehen, — daß etwas Wichtiges vorgefallen war, das maerkte er. der Pfaffe, ſtehn die Drohungsworte noch füͤr „Hier am Nande des Pergaments, ſagte N 4 7 klärtlun)— Ich moͤchte ſchier toll werden! ſchrie er jektzt. Heda, holla! Wolff! Caſpar! meinen Rappen!— Edler Ritter, wo wollt Ihr denn hin? A fragte beſorgt der Pfaffe. Aber Wedekind onnerte ihm ein: Schweig Glatzkopf! ent⸗ 4 gegen, daß dieſer froh war, als die Humpen 4 geleert und er ohne Mißhandlungen d die u erreicht hatte, um ſchnell in ſein Kämmerlein 4 4 zu eilen, und ſich dem Gotte Marhhens em⸗ pfehlen konnte. Wedekind ſprengte bald darauf in der dunkeln Nacht zum engen Burgpfade herunter, wo ein einziger Fehltritt ſeines Roſſes ihn in unüberſehbare Abgruͤnde ſtuͤrzte. Wild braußte *) Jemanden für voge elfrei erkͤren n heißt: ein jeder kann ihn ſchimpfen, mi hhandeln r todſchlagen, ohne daß dem 8 ter uhr 3 124 nxxXNNeec der Sturm durch die entlaubten Baͤlme, Schhnee und Hagel ſchlugen ihm in das Ge⸗ ſicht, aber er achtete es nicht; bis ein Sei⸗ tenſprung ſeines Pferdes ihn aus ſeiner Be⸗ taͤubung weckte.— Ein Baͤr von ungewoͤhn⸗ licher Groͤße ſchritt bequem und langſam den Kommenden entgegen. Schnell war das Klanke Schwert aus der Scheide; hoch baͤume⸗ t ſich das Pferd, die Sporen des Nitters — ſtarker als gewoͤhnlich fuͤhlend; auf die Hin⸗ terfuße ſich ſetzend brummte der Baͤr ihn ſtaͤr⸗ ker an, und ſah ſtolz auf ſeinen Gegner; der keinen Trieb in ſich fͤhlte, den furchtbaren Feind anzugreifen. Auf einmal ſchwieg er ſtill und ging mit langſamen feierlichen Schrit⸗ ten davon.— Jetzt gewahrte der Ritter erſt das Mißliche ſeiner Lage, denn er wußte kei⸗ nen Ausweg, und wie, wenn er wirklich hier übernachten wollte, konnte dieſer Forſt nicht einen von ſeinen Feinden gehören?— Nach langem vergeblichen Suchen und Umherirren 4 wurden die Gebuͤſche duͤnner und der Weg 125 WexxMxXMx beſſer. Noch braußten Sturm und Schne⸗ als er ganz durchfroren den Schein eines Lich⸗. tes gewahrte.— Er ſprang vom ermuͤdeten Roſſe herab, nahm es am Zuͤgel und ging dem Lichte nach.— Eine aͤrmliche Huͤtte bot ſich ſeinen Blicken dar, raſch und ſtark klopfte er an.— Ein niedlicher Lockenkopf ſah zum Fenſter furchtſam heraus, und fragte wer dae ſey. Ein verirrter Rittersmann! war die Antwort. Ein kleines Pföͤrtchen wurde geöff⸗ net, und Wedekind trat ein, nachdem er ſein Roß an einen Baum gebunden hatte. Ein alter Mann lag auf einem aͤrmlichen Lager, und war krank.— Der Lockenkopf war ſeine Tochter. Sie trug dem Ritter Brot und Milch auf, der begierig zulangte, denn ein freundliches Geſicht reichte es ihm, und das Feuer im Kamine wurde angeblaſen. Wedekind war ganz entzuͤckt uͤber den Liebreiz des Maͤdchens.— Der Alte an dem 126 NMNeze er, wo er ſey, und das Maͤdchen antwortete: „im Gau des Grafen v. Blankenburg.“ Wie ein Blitz niederfaͤhrt, ſo drangen dieſe Worte Schemel hin und her, als er gewahrte, daß der junge Tag im Oſten langſam herauf daͤm⸗ merte.— Herzlich dankte er der freundlichen Geberin fuͤr die gute Aufnahme und Bewir⸗ thung, und druͤckte bei dieſen Worten dem holden Kinde einen Kuß auf die Purpurlip⸗ pen. Ein hohes Karmin uͤberzog ihre Wan⸗ gen, noch einmal druͤckte er ihr die Hand, ſchwang ſich auf ſein Roß, und trieb dieſes zur moͤglichſten Eile nach ſeiner Burg an. Ehe er dieſe aber erreichte, traf er mehrere von ſeinen Knappen, die ihn emſig ſuchten.— Unter ihrem Jubelgeſchrei ritt er in die Burg ein.— 25 — Auf dem Bielſteine herrſchte allgemeiner Jubel. Pauken, Trompeten und Eympeln durch ſein Herz.— Er ruͤckte auf ſeinem 127 txαανέαιενα ertoͤnten von den Zinnen herab. Gaͤſte im groͤßten Pomp zu Pferde und zu Fuß begaben ſich dahin, denn es war heute der Hochzeittag der Adelheid von Bielſtein mit dem Ritter Feige von Heimburg. Die Ritter des Harzes, alle in der Ruͤſtung des Bundes, hatten ſich verſammelt, um uͤber die Boͤſen Gericht zu halten. Viele ſtimmten zu einer Fehde gegen den raͤuberi⸗ ſchen Daſenburger, andere meinten, man ſollte ihn nur warnen, und wenn dieſes nichts fruchtete, ſo waͤre es ja immer noch Zeit zur Fehde. Dieſer Meinung war auch der Bun- deshauptmann Ilger. Er erhob ſich von ſei⸗ nem Sitze und ſprach:„Freunde und Bruͤder! Der Daſenburger verdient keine Zeit zur Beſ⸗ ſerung; wenn dieſe Fehde uns allen nicht den groͤßten Nachtheil bringen koͤnnte, ſo aber iſt es beſſer, wir ſuchen blos ſeinen Raͤubereeen Einhalt zu thun, ihn ſelbſt aber laſſen wie uhig. Sagt ſelbſt, iſt er nicht ſo maͤchtig, 66 s wir alle?— Vor mehreren Wochen ha 128 x*ενεέανααάνι der Heimburger den Daſenburger auf dem Wege getroffen. Nach einem kurzen Kampfe war der Daſenburger uͤberwunden, und mein Schwaͤher brachte ihn hierher zu mir.— Es war ein ſchoͤner Anblick, den ſo oft gefuͤrchte⸗ ten Mann, jetzt ohne Schwert und Ruͤſtung uͤberwunden und gefangen zu ſehen.— Der Heimburger aber war ſo großmuͤthig und ſchenkte ihm die Freiheit, ich glaube alſo, er wird ſo leicht nicht gegen Einen von uns et⸗ 3 was unternehmen.„Keine Fehde mit ihm!“ 2 riefen jetzt die meiſten Stimmen, und dabei blieb es. 8*. Froͤhlich kreißte der Becher herum. Lieb⸗ liche Muſte ertoͤnte im Saale, und Paar und Paar ordnete ſich zum Tanze; Jubel herrſchte uͤberall, nicht nur auf der Burg, nein; auch in den Doͤrfern jubelten die Leute, denn meh⸗ rxere Faͤſſer Bier wurden ihnen gegeben. 5 Nach und nach verſtummte der Jubel, 3 und jeder ſchich 1 kaunnelnd nach ſeinem Pöge 129 RM*Cee— 4 Kämmerlein.— Alle Lichter waren erloſchen, ein jedes genoß des Schlafes, als der Thurm⸗ wart mit ſtarker Stimme: Feinde! Feinde! rief, und in das Laͤrmhorn ſtieß. Alles fuhr vom Schlafe emnpör— Auf 3 dem Hofraume fochten nur wenige Bielſteiner gegen einen unbekannten ſtarken Feind. Das Burgthor hatten ſie erſtuͤrmt und geͤffnet. Da. eilte Feige von Benen mit ſeinem Schwerte in der Hand, ohne Ruͤſtung und Helm mit Mehreren deher, und richtete Tod und Verderben bei dem Feinde an; aber ihre Macht war zu ſtark, als Ilger v. Bielſtein mit mehreren Bundesrittern, dah„ ſtuͤrzte, die jetzt erſt von dem Waffengetoͤſe erweckt waren. Verzweiſ flung ſtaͤrkte ihre Arme, und — die Feinde weichen.— Waͤre nur ein kuͤh⸗ ner Man an ihrer Spibe keweſen, ſ waͤren 130 NNNNNANNe Angſtliches Geſchrei vernahm Feige, als er zuruͤckeilte um ſich die Ruͤſtung anzulegen, und ſiehe— ein ganz Gewappneter iſt be⸗ muͤht eine ſich ſtraͤubende Dirne zum Hinter⸗ pfoͤrtchen der Burg hinauszutragen. Aber des Heimburgers raſcher Tritt verſcheuchte den Nachtvogel, und er ließ ſeine Beute im Stich. — Die Gerettete war— Adelheid, des Heim⸗ burgers Ehefrau.— Zum Holzſchoppen drang Feuer und Rauch heraus, aber es wurde bald wieder geloͤſcht, und die furchtbare Abſicht des 1 Feindes war— vereitelt. Wer anders als deer Daſenburger konnte wohl der Feind ſeyn? einer!—„ Den andern Tag uͤberſchaute man erſt mit Grauſen das Bubenſtück des Feindes. Alles war gut berechnet; aber durch Muth und Glück vereitelt. Viele koſtbare Waffen hatte der Feind von ſich geworfen um ſchnsle 22 ler ihen zu koͤnnen. 4 4 Der Bund hielt heute wieder Süaus 131 x*αααάαᷣάαεαναεέ und foͤrmliche Fehde war der Beſchluß Seges den elenden Grafen Wedekind v. Daenbue Drei Tage vor dem Anfang der Fehde wurde dem Daſenburger der Fehdebrief ge⸗ ſchickt. Ilger v. Bielſtein, als Bundeshauptmann, und die uͤbrigen Ritter, gewaͤhrten einen ſchoͤ⸗ nen Anblick. Ein jeder der Ritter hatte o viele Knappen und Reiſige mitgehracht, als 8 3 nur moͤglich war, und ein Heer von ſieben⸗ 8 hundert Mann, ruͤckte in dem Gau des Da⸗ ſenburger ein. Aber kein Raub und Feuer bezeichnete ihren Weg, obgleich Wedekind an 8 ihrer Stelle dies gethan haͤtte.— Kein Feind ließ ſich blicken, nur die Daſenburg ſelöſt war von Streitern uberfuͤllt. 88 Schon mehrere Monate waͤhrte die Bas⸗ gerung, ohne den Lenhüte nucht⸗ denn 132 *εꝓειράνν φν fuͤr den Bund beſtimmt ſeyn ſollte, erbauen feld) Der Herbſt kam herbei, und noch kein Gefecht war vorgefallen, denn die Belagerten huͤteten ſich wohl einen Ausfall zu machen, da ſie in der Burg ſicher genug waren und an ein ſtuͤrmen nicht zu denken, war, denn ein jeder haͤtte gleich einer Gemſe klettern muͤſſen. Da der erſte Schnee ſie fie l, hob man zwar die Belagerung auf und zog mit klingendem Spiel und fliegendem Panier fort, allein die Belagerten ließen es hierbei auch nicht an Schmaͤhreden fehlen. . Der bis jetzt ſo ſichere Weg wurde wie⸗ der durch Wedekinds Raubgeſindel umſicher. 8** zu laſſen. Dieſes wurde die Ilburg bei Il⸗ 8 3 Jetzt unter dem Namen der Burgberg bekannt., 5 Woch ſieht man einige Ruinen.— ——— * 133 eNNE 13 Taglich ſielen Raͤubereien, ſowohl im Gase als auch im Kleinen vor. Eines Tages begab ſich Wedekind als Pilger gekleidet, nach jene ut„ wo er ſo gaſtfreundlich war aufgenomme Des Maͤdchens Vater war wieder ihrer frommen engelreinen imme fragte ſie: „Woher des Landes! frommer Pilger. Aus dem Sachſenland! erwiederte der Betruͤger.— „Und wohin fuͤhrt Euch Euer Weg?“ fragte ſie. — Nach Braunſchweig, erwiederte er, zum heiligen Gnadenbild der Mutter Gottes.— „Ein ſehr lobenswerther Entſchluß!“ meinte ſie, und zuckte dabei am Buſentuche, weil ſie zu tief in des Pilgers ſchwarze Feueraugen ge⸗ ſchaut hatte. Man ſah es ihr an, ſie waͤre gern mit dem Fremden zum Gnadenbilde ge⸗ pilgert.— Der Alte ſprach wenig, heobaichteh. aber Wedekinden ſcharf.“ zu ruhen. Nach einem kurzen Aufenthalt begab er ſch fort, um einmal wieder in Ilſa's Annen 134 ecN Lange und oft mußte er ihren Namen rufen, ehe ſich die Fluthrn oͤffneten ihn auf⸗ zunehmen. 1 Mit einer elancholiſchen Miene, die nur unglücklich; liebenden eigen iſt, ſaß die ſchoͤn Iſe in einer Laube von dufteten Jas⸗ min und Immergrün, und ſtuͤrzte mit lauten Ausrufungen der Freude in des Geliebten Arme. Wedekind. Hab ich Dich endlich wieder meine Ilſe? Ilſe. O mein Wedekind, wie ſo ann haſt Du mich nicht beſucht? —. Wedekind. Konnte ich ohne Gefahr eher kommen? hielten die Zeinde meine Veſte nicht belagert. 8* Ilſe. Ein Wink, ein ſehnſuchtsvoller Seufzer und mein Wagen mit den Muſchel⸗ p ferden fuͤhrte Dich allen unſichtbar dunch die Läfte— Wedekind. Nun komme ch oͤfter zu 8 5 —* meine tenzig Geliebte! ich erwarten konnte! “ 135 Xheά ꝓεκ 4 Ilſe(ſeuſzend). Einzig Geliebte, ſagft Du. Wo warſt Du denn geweſen ehe Du zu mir kamſt? 3 Wedekind(erroͤthend). Bei einem alten Manne! Ilſe(raſch). Nein, bei ſeiner huͤbſchen Tochter! Du logſt Ihr noch vor, Du wollteſt zum wunderthuenden Gnadenbilde nach Braun⸗ ſchweig! Wedekind. Vergieb! vergieb! meine theure Ilſe! 1 Ilſe. O ich vergebe ſo gern, denn wir alle— fehlen; auch ich! Aber dies merke Dir, wenn Du eine Andere, als mich noch ieben ſollteſt, ſo trifft Dich die ſchrecklichſte Rache.— Jetzt aber laſſe ich noch fuͤr Dich, wenn es ſeyn müßte, mein Leben. Sieh, jene 8— Schaͤtze uͤbergebe ich Dir, damit Du Deine Fehden gegen die Ritter des Harzes and gegen Heinrich dem Loͤwen fortſetzen ko inſt. Wedekind. Du thuſt mehr fuͤr mich, als 136— 3cMNKt einen ſeelenvollen Kuß auf die wuͤrzigen Lip⸗ pen. Arm in Arm wandelte das gluͤckliche Paar durch ſuͤßduftende Blumenflur. Aus einer dunkeln Ahorn⸗Laube ſchwebten gleich Grazien acht Maͤdchen, oder Waſſer⸗Nympfen an dem Erſtaunten voruͤber. Ihre Gewaͤnder beſtanden aus dem feinſten weißen Zeuge, ein ſchwarzer Guͤrtel umgab die zarten Huͤfte. Auf jedem Geſichte glaͤnzte die friſche Jugend. In ihren Haaren hatte jede ein gruͤnes Lor⸗ beerbuſchchen. Eine war ſo fchoͤn, als die doch— Inlſe. Schweigend, in ſeeliges Ent⸗ uͤcken verſunken, folgte man ihnen. Ein Schiffchen, aus dem beſten H. he verfertigt, it Guirlanden von Laub umhangen, nahm Pfeil und Bogen in den Haͤnden, und ſtand im Begriff, denſelben auf das glückliche Paar abzudruͤcken; in danſäten figenbüi ertoͤnte Jetzt umfaßte er ſie und druͤckte geruͤhrt Andere von ihnen; aber am ſchoͤnſten war die acht Nympfen auf. Auf der Vorderſeite ſaß eine Nympfe, als Amor gekleidet, mit heit.—*— Minuten war er wieder auf ſeiner Burg. 137 N?eeKde eine gar liebliche Muſik aus einem Pavillon, und die Nympfen begleiteten ſie mit ihrem Geſange.— Feuriger umſchloß Wedekind die Geliebte; öfterer wurden die Kuͤſſe gewechſelt, der angenehme Geſang der Nachtigallen toͤnte darzwiſchen.— Wedelind glaubte im Elyſium zu ſeyn, und folgte der Geliebten voller Ent⸗ zuͤcken in das Schloß.— Auf einem kleinen Tiſchchen, das nur fuͤr zwei Perſonen einge⸗ 5 richtet war, ſtanden die auserleſenſten Spei⸗ ſen. Man aß, trank und ſcherzte. Der ſuͤße Traubenſaft erhob die Gemuͤther bis zur Ghit⸗ 4 Mehrere Tage brachte der Gtiskiche hier zu; dann fuhr er in Ilſe's Muſcheſwagen mit Koſtbarkeiten uͤberhaͤuft, gleich der Kugel— aus der Buͤchſe, durch die Luͤfte. In wenigm . Laut jauchzte ihm ſein Freund Hugo v. Ahlsburg entgegen, als er in das Zinmet trat. Denn, daß der Thurmwaͤrte i ſ Ankunft nicht geblaſen hatte wunderte ihn gar — 138 *ααάαᷣανανεέα nicht, weil die Burg einen unterirdiſchen Ein⸗ gang hatte. 1 Alle Monate verſammelten ſich die Rit⸗ ter des Harzes einmal auf Ilgers neu er⸗ bauten Ilburg und beſprachen ſich uͤber das Wohl des Vaterlandes.— Eines Tages, als ſie auch ſo beiſammen waren kam erſt noch ſpaͤt Otto v. Blankenburg. Mit heiterer Mie⸗ ne, ein Geſchenk der Vorſehung fuͤr eine gut 1 verlebte Jugend, trat der Greis in die Mitte 6 der Ritter und ſprach:„Freunde! am Tage Lothar feiere ich die Verlobung meiner Tochter mit dem wohlbekannten Graf Guͤnzeln v. Schwerin, und lade Euch Alle ein; dieſes Feſt nmit Eurer Gegenwart zu verherrlichen; denn nur in Eurer Mitte und bei meiner Tochter bin ich ganz gluͤcklich, und Ihr koͤnnet Eure Liebe zu 946 nicht beſſer an den Tag legen, wenn dhr Alle kommti— Wir kom⸗ “ 6 1 139 dteNNNNXMKNXNN men! wir kommen! riefen alle aus einem Munde. Die Fehde mit dem Daſenburger bei'm erſten Strahl der jungen Fruͤhlingsſonne wie⸗ der anzufangen, war der Wille aller Ritter. Das Kloſter Walkenried allein wollte hundert wohlgeruͤſtete Reiſige gegen den Da⸗ ſenburger in's Feld ſtellen. Ilger v. Bielſtein ließ ſich jetzt Ilger v. Ilburg nennen, weil es ihm auf der Ilburg beſſer gefiel, als auf dem Bielſteine.— Von nefn Knappen begleitet, ritt er in der Ruͤſtuͤng als Bundeshauptmann nach ankenburg. Schwermuͤthig an ſeine eſte Kiebe in Italien gedenkend erreichte er die Blankenburg. Reich gekleidete Diener fuͤhrten ſeinen Hengſt in den Stall. Ihn aber em⸗ pfingen die Bundesritter an der Stiege. Er eeichte jedem die Hand und den Bundeskuß. Durch dieſen neuen Beweis ihrer Liebe gege ihn, war er noch ernſthafter geworden. Im Gelag⸗Gaden waren ſchon viele 140 dc*ce cderese ſte verſammelt, er gruͤßte jeden, und die Toch⸗ ter Otto's, an der Hand ihres Braͤutigam's hießen ihn herzlich willkommen. Ilger dankte mit den verbindlichſten Worten und gratulirte dem Paare; da ſiel ſein ſchon etwas freundli⸗ cher gewordener Blick auf eine nicht weit von ihm ſitzende Dame. Gleich, als vertheilte die Sonne den Nebel, ſo erheiterte ein Blick von ihr ſein ganzes Gemuͤth. 6 Wer aber auch nur einmal in die En⸗ gelaugen der Graͤfin Gertrud v. Kirchberg geſchaut hatte, mußte ihr gut ſeyn, iſt es alſo t bewundern, daß Ilger auch in dieſe Verle⸗ nheit kam? Er hatte ſie noch nie geſehen, und erfuhr auch zugleich von einem Ritter den er fragte, daß ſie mit den Schoͤnheiten des Koͤrpers ein noch ſchoͤneres Herz verbinde, denn ſie waͤre die Pflegerin der Armen in den Beſitzungen ihres Vaters, und alle Unter⸗ thanen deſſelben liebten ſie wie ihre Mutter. Aber bis jetzt haͤtte ſich keiner der Bewerber um ihre Hand, der Liehe der Graͤfin zu er⸗ —— 141 NNNNXEee freuen.— Jetzt hatte ſie auch Ilgers Herz ganz erobert.— Ihr Vater, der auch mit zugegen war, wuͤnſchte in dem Bunde mit ſchritten und Ilger genoß das Gluͤck, der aufgenommen zu werden, und Ilger verſprach es ihm; wenn er die Pruͤfungen beſtaͤnde, die ſich ein Jeder jetzt unterwerfen muͤßte. Er verſprach in allem Folge zu leiſten. Bald darauf wurde zur Abendtafel ge⸗ Nachbar der ſchoͤnen Gertrud zu ſeyn. Er knuͤpfte mit ihr ein Geſpraͤch an, und eine Stunde durch ihre ſinnige Unterhaltung ge⸗ wuürzt, entfloh gleich einer Minute. Der Wein mundete ſeinem Gaumen noch um eins 3 ſo gut, als ſonſt, und von Liebe taumelnd, warf er ſich ſpaͤt auf ſein Lager. Morpheus 6 floh ihn, die Morgenroͤthe fand ihn ſchon mit offenen Augen von der ſchoͤnen Gertrub traͤumend. Nach und nach wurde es bhaſ der Bung. Ein Herold machte jetzt benmn. 6— 1 1 142 e*. KeNe wegen des guten Wetters ein Kampfſpiel zum Scherz dieſen Nachmittag auf der Rennbahn gehalten werden ſollte. Schon wimmelte eine Schaar von Die⸗ nern auf der Kampfbahn, um die Sitze fuͤr den Grafen, Braͤutigam und der Braut, ſo wie fuͤr die Ritter; welche an dem Kampfe keinen Antheil nahmen, herrlich zu ſchmuͤcken. Alle waren erfreut uͤber das Kampfſpiel, denn den Tag vorher hatte der Graf kein Wort davon geſagt. Am geſchaͤftigſten war der Wappenherold, die Schranken mit Panieren und Schildern jeder Art zu zieren; dann kuͤndigte er die Ordnung des Tages an. Unter dem Laͤrmen der Pauken, und dem Schalle der Hoͤrner und Zimpeln, zogen die Kaͤmpfer in den Schranken ein. Die Balkons waren herrlich durch die Dämen ausgeſchmuͤckt, unter ihnen hervor— Gertrud v. Kirchberg. glaͤnzte gleich der Abendſtern unter den übri⸗ Des beſten Kaͤmpfers Preis war— ein — Schhranken; der andere aber, Feige v. Heim⸗ Ilgers Schild, und dieſer ritt auf ſelnem wil⸗ 143 cccoXS Kuß von den Purpurlippen der Cnia Gertrud.* Wind und Sonne wurden getheilt, und zwei Kaͤmpfer flogen wild gegen einander. Klirrend ſplitterten die Lanzen an den Ruͤſtun: gen der Ritter. Mit Neuen verſehen, rannten ſie zum zweitenmal, und der eine Kaͤmpfer war buͤgellos, und ritt mißmuthig aus den burg, beruͤhrte mit ſeiner Lanze jedesmal die Wappen derjenigen, die nicht zum Bunde ge⸗ hoͤrten. Freundlich laͤchelte ſeine junge Gattin zu ihm herab. Die meiſten Ritter waren durch ihn buüh gellos geworden, da beruͤhrte er endlich auh den Hengſte in die Schranken des Kampf⸗ klaßes. eige v. Heimburg neigte ſeine Lanze 144 NNRNe rere Schilder, aber wenn es Bundesbrüder waren, ſo ſtießen ſie wie Knaben, um ihren Bundeshauptmann als Sieger zu ſehen. Endlich rief der Kampfrichter:„Das Turnier iſt zu Ende!“ Wir erkennen den ta⸗ pferen Graf v. Ilburg als Sieger an, er moͤge den Preis empfangen! Und raſch, wie immer, ſprang der Juͤngling vom Roſſe, und eilte die Stufen zum Balkon hinauf. Knieend mit entbloͤßtem Haupte empfing er den Kuß von der erroͤtheten Jungfrau.— Jetzt bot er ihr ſeinen Arm und fuͤhrte ſie unter dem Jauchzen mehrerer Ritter in das Schloß. Alsdann ging es zur Tafel, dann ertoͤnte die Muſik, und 3 Zlger am Arme Gertruds eroͤffnete den Ball. So gluͤcklich war Ilger lange nicht geweſen. 3 Er hatte das Maͤdchen ſeiner Seele umſchlun⸗ gen, und ſchwebte im leichten Tanz mit ihr, zt die Liebe das 4 4 145 MMNNNe Fall iſt, ſo wird durch ſie der Froßh. finn verſcheucht, der Schoͤnheit Bluͤ⸗ then gebrochen, die Jugend geſtuͤrzt dann wird zum Leiden in das Grab: die Liebe, und durch ſie das Hoͤchſte zerſtoͤrt. Ilgers Herz war voll von ſeeligen Ge⸗ fuͤhlen, er ſuchte nur einen Augenblick, um der Holden ſeine Liebe zu geſtehen und ihr das Herz zu ſchenken.— Er ſah ſie endlich in ein Seitenzimmer gehen, ſchnell folgte er ihr, und war mit ihr allein. Wo das Herz von Freude ſo voll iſt, da muß der Mund ſchweigen. Jetzt nahete er ſich ihr, indem er ihr die Hand kuͤßte. verweigerte ſie ihm nicht, das niedliche Haͤnd⸗ chen ruhte in der Seinigen. Er konnte dem Drange Eines Herzens nicht laͤnger widerſte⸗ Sie ſchien uͤberraſcht und wollte entfliehen; aber Ilger thek ſ ſie feſt. Er bat ſo gutherzig a um Gegen⸗ 8 hen, und geſtand ihr ſeine Liebe. Sie 146 *Nee liebe, und ſie— ſank erroͤthend in ſeine Arme und ſtammelte:„Ich liebe Dich!“ »Auf der Daſenburg herrſchte jetzt inmer Jubel, denn Wedekind hatte ſich mit ſeiner 3 Rotte an allen Fahrwegen gelagert und nahm den Voruͤberziehenden ihre Waaren oder Gel ab.— Seine geliebte Ilſe hatte er mehrere⸗ male beſucht, und da dieſe zu gut gegen ihn geweſen war, ſo ſehnte er ſich nicht mehr nach ihr. Aber an jenes Maͤdchen, in der einſamen Waldhuͤtte, dachte er oft mit Sehn⸗ ſucht. Eines Tages, da er ſich etwas be⸗ rauſcht im Wein hatte, befahl er dem Hugo von Ahlsburg, ſich augenblicklich mit dreißig Knechten auf den Weg zu machen, und das Maͤdchen aus der Waldhuͤtte zu rauhen. Er 3 beſchrieb ihnen genau die Gegend, und einer der Reiſige wußte jene Huͤtte ſehr genau. 147 Nxacxxees Maͤdchen.— Wedekinden ſchauderte beim An⸗ blicke des todtenbleichen Maͤdchens die Haut Blutend ſprengte Hugo zum Thore herein, und rief: Bruder, das Maͤdchen koſtet Dir zehn Leute, denn nur ich allein bin entronnen. Der Graf v. Blankenburg hatte uns aufge⸗ lauert, und in wenigen Minuten waren meine zehn Leute zuſammengehauen, und ich allein entkam meinen Verfolgern durch die Schnel⸗ ligkeit des Pferdes.— Jene Zwanzig wiſſen von uns nichts, weil ſie mit der Beute vor⸗ auseilten!„Wo iſt des Maͤdchens Vater?“ fragte Wedekind.— Niedergehauen! antwor⸗ tete Hugo kurz.— Wedekinden reuete jetzt ſein raſcher Befehl, aber— zu ſpaͤt. Dem ſich ſtraͤubenden Maͤdchen wurden koſtbare Kleider gereicht, aber vergebens, ſie ſeerraufte ſich die Haare und fluchte ihren Ver⸗ khfuͤhrern. Wedekind wollte ſie jetzt noch nicht beſuchen, weil er die Ausbruͤche ihres Mundes furchtete. Noch an dieſem Abende winkte er 410 . 148 93 NMRNNRNNNNNE in die Ferne, um, daß wie gewoͤhnlich der Muſchelwagen kommen ſollte und ihn in Ilſes Arme zu fuͤhren— umſonſt. Ihre gerechte Rache fürchtete er jetzt mit Recht. Unruhig legte er ſich auf ſein Lager. . Schon fruͤh des andern Tages erſchien ein Bote an ſeinem Lager und uͤberreichte ihm einen Brief. Der Burgpfaffe wurde gerufen und muß⸗ te ihn vorleſen. Hoch fuͤr Freude jauchzte Wedekind auf, als er den Inhalt vernommen hatte.— Mehrere deutſche Fuͤrſten wollten die Macht Heinrich des Loͤwen, Herzogs v. Braun⸗ ſchweig zertruͤmmern, und baten ihn nach Mer⸗ ſeburg zu kommen, um das Naͤhere zu er⸗ fahren. Merſeburgg V (Saal im Schloß) 1 Ludwig, Landgraf v. Thuͤringenz Al brecht, Markgraf zu Brandenburg ——O—O—Z—C—C—C—C—C—O—C—C—C—C—O—O—O—O—O—O—mp—B—,ñ ——·————= 3 149 zedcNxxde e Herrmann, Biſchoff zu Hildesheim, Wedekind v. Daſenburg, Dedo v. Beichlingen, Otto v. Anhalt und meh⸗ rere Grafen und Ritter. 8 Ludwig. Das iſt die letzte Zuſammen⸗ kunft. Wir muͤſſen uns ſpuden, ehe Kaiſer Friedrich aus Welſchland zuruͤck koͤmmt. 3 Albrecht(jauchzend). Der Anfang des neuerwachenden Fruͤhlings muß den ſtolzen Loͤwen von allen Seiten umringt, und ſo un⸗ ſer Gluͤck will, in unſerer Macht ſehen. Wichmann. Den Stolzen in unſerer Gewalt. Herrmann. Dann iſt auch unſere geiſt⸗ liche Macht außer aller Gefahr; denn der Un⸗ verſchaͤmte belehnte ja ſelbſt die Bäſchüfe mit 6 Annd und Stab!— 1 zedekind. An der Sonmatug dichte 6 waͤr' unſer Re erlana andehla. 150 deNMNN Albrecht. Ha! wie er aus ſeiner ſtolzen Ruh' empor ſpringen wird, wenn ihn ringsum die Paniere entgegen wehen. Die Paniere ſeines Falles und— unſerer Siege! Man wird dann auch unſere Namen nennen, und die wandernden Pilger werden nicht blos nach dem großen Herzog fragen, und im Auslande nicht blos von ihm erzaͤhlen. Wiitchmann. Und wir, Diener des Herrn, werden nicht mehr ſeine Buben ſeyn; denn erſt kaum ſah er mich ganz veraͤchtlich von ſeinem Roſſe herab, an? 3 Herrmann. Das moͤchte noch angehen, wenn er nur die Macht nicht haͤtte ſeine ſtolle Meinung geltend zu machen. Schmaͤlert er nicht unſere Gerechtſame? Beſtimmt er nicht alle Einrichtungen? Iſt er nicht anschtiger als der Kaiſer? 1 * Albrecht. Er bes es aber auch, wer er iſt!. Wedekind. Auf drum! mit Roß und 3 Mann gegen ihn! Seine Burgen geſchleift, 154 A*KNNNS ſeine Staͤdte und Doͤrfer verbrannt! Ihn ſelbſt, wenn wir eſſen unter unſerem Tiſche. — Ich ſtelle tauſend Mann gegen ihn ins Feld! 1 Ludwig(befremdend). Aber, wer ernaͤhrt ſie?. Wedekind(ſtolz). Ich! Ja, wenn es ſeyn muß ſtelle ich noch mehr und ernaͤhre ſie! Ludwig(halb fuͤr ſich). Mehr Leute kann ich nicht ſtellen, und bin doch Landgraf v. Thuͤringen, und er— Graf. Albrecht. Tod und Verderben ihm, oder uns! Alle. Tod und Verderben ihm! Miißmuthig ſaß Ilger am gothiſchen Fen: ſter ſeiner Ilburg und ſchaute nach den her⸗ abfallenden Schneeflocken.— Er hatte auch das Jawort des alten Grafen v. Kirchberg er⸗ halten, und hatte ſeine Braut bis dahin be⸗ gleitet. In Helmſtedt kaufte er ihr einen 6 desdt ſchneeweißen Zelter, denn keine Dame ritt auf einem andern Pferde. Wie jetzt doch alles ſo auf ewig verbinden laſſen. Alles ſchien ihm nur ein lieblicher Traum zu ſeyn, haͤtte ihn nicht ſein Ring am Finger von der Wirklich⸗ keit uͤberzeugt. Selten beſuchten ihn hier ſeine Freunde, weil dieſe Burg eine Stunde weiter von ihnen entfernt war, ſelbſt ſein Schwaͤher Feige v. Heimburg ſuchte ihn ſelten heim, weil ſeine hatte. von den Gebirgen; hin und wieder ſang ein neuangekommener Saͤnger des Haines ſein Lied, da rüſteten ſich die Bundesritter zum . Daſenburg. ſenburger, weil er ihnen in Lunzer Ze anders iſt! Auf das Fruͤhjahr wollten ſie ſich Gattin ihn mit einem holden Knaben beſchenkt Vier Wochen ſpaͤter ſchmolz der Schnee Kampfe 8 den raͤuberiſchen Wedekind v. Das Kofer Walkenried ſtelle cbernas undert wohlgeruͤſtete Reiſige gegen den Da⸗ ————,— 1453 zcNxxdedezeNe Fuder Wein abgenommen hatte, und ſo etwas. nahmen ſie ſehr uͤbel auf. Als Ilger eben auf dem Burghofe war, und die Steinkoͤrbe fuͤllen ließ, erſchien vor ihm ein alter ehrwuͤrdiger Mann. In ſeinen Zuͤgen lag etwas duͤſteres und ſchwermuͤthiges: 5 „Herr Graf, ſprach er zu Ilger, ich komme im Namen von zwoͤlf ungluͤcklichen Menſchen, um Euch zu bitten, daß wir am Fuße Eurer Burg uns Huͤtten bauen duͤrfen.— Wir 8 wollen uns ſtets, als treue Unterthanen zei⸗ gen; damit Ihr niemals Klage uͤber uns fuͤh⸗ ren koͤnnet.— Forſcht nicht naͤher, edler Herr, nach unſerem Ungluͤck; denn wir muͤßten die kaum verharrſchten Wunden dadurch von Neuem aufreißen.“— Eure Bitte, ſprach Il⸗ ger, ſey Euch gewaͤhrt, wenn Ihr mir den Eid der Treue leiſtet! Gern! erwiederte de Alte.— 3— Dieſe zwoͤlf Menſchen beſtanden aus vier Maͤnner und acht Kindern.— Wahrſcheinlich hatten ſie ihre Weiber durch irgend ein un: —— xMoNKMKNN gluͤck verloren. Ihren Wohnort nannten ſie Ilfeld; nach und nach wurden dieſe Huͤtten erweitert, und ſo entſtand das jetzige Flecken Ilfeld!— Einſamkeit liebende Maͤnner wa⸗ ren die Stifter. Auf der Daſenburg war man— auch nicht muͤßig geweſen.— In aller tille hatte Wedekind uͤber ſiebenhundert viſtige Kaͤmpfer zuſammen gebracht, und wartete nur das Signal zum Aufbruch nach der Sommer⸗ burg. Muͤßſigang iſt aller Laſter Anfang, uges 3 das Sprichwort, und es hat recht. Wedekind, ſtolz auf ſeine Macht, die ſich taͤglich noch mehrte, ging eines Tages in das Zimmer des 8 geraubten Maͤdchens.— In einer Ecke des p Gemachs lag die Unglüͤckliche auf den Knieen 4 und betete um baldige Befreiung zu Gott; da 4 trat Wedekind ein, ſt rzte auf die Erſchrockene zu und umſchlang ſie. Aber uiht allein den -— ñ—— ——. 155 NNNNrcde Manne, nein, auch dem Weibe gab die Vor⸗ ſehung in der Gefahr Staͤrke. Wuͤthendd, gleich einer gereizten Löwin, entwand ſie ſich ſeinen Umarmungen, und ſchleuderte den auf dieſen Widerſtand nicht Gefaßten einige Schritte 3 zuruͤck.— Wedekind laͤchelte und betrachtete 8* ſie mit veraͤchtlichem Blick.„Du mußt in dieſer Minute noch die Meinige werden!“ ſchrie er. Sie aber zog einen Dolch aus 1 8 Buſen und ſprach feierlich und ernſt: 4„Böſewicht; iſt es nicht genug, daß Du mei⸗ *½ nen Vater morden ließeſt? willſt Du auch 1 mein Blut noch ſehen? Sieh hier/ dieſe ent⸗ 3 bloͤßte Bruſt, ein Schritt den Du naͤher thuſt, fuͤhrt dieſen Dolch in mein Herz!— Glaubſt Du nicht, daß ein Gott uͤber uns lebt, der uns nach unſern Handlungen einſt richtet?— „Dirne, ſchrie aufgebracht der Gereizte, wo haſt Du den Dolch her?“— Ich will's Dir ſggen, ſprach ſanft mit ihrer Engelsmiene dee Befragte. Ein allen Ungluͤcklichen wohlwol⸗ keades Weſen erſchien mir in dießr Nacht un 1 —— 156 deceeede ab ihn mir mit den Worten: Den wenn Du dieſen Dolch nicht gebraucheſt, in deinem kuͤnftigen Gluͤcke zuweilen an die ungluͤckliche Ilſe, die es mit Dir gutmeinte.— Blend⸗ werk der Hoͤlle! knirſchte Wedekind, und ſtüͤrzte auf die Ungluckliche zu. Aber das Maͤdchen darauf gefaßt, ſtieß ſich mit Kraft den Dolch in das Herz, ohne einen Laut des Schmerzes aank ſie tod zur Erde. Das warme rothe Zlut des ſchoͤnen Maͤdchens quoll aus der Bruſt, und Wedekind ſchauderte zuſammen. Auf ihrem himmliſchen Antlitze thronte der Himmelsfriede, ſie war ohne Groll von dieſer Welt geſchieden, um in Jener freudiger zu erwachen. Nur durch dieſe raſche und kühne That konnte ſie ihre Unſchuld retten.— Was habe ich gethan? fragte von ſeiner blinden Leidenſchaft erwachend der Elende, warf ſich auf den Leichnam, und bedeckte die ſchon er⸗ kalteten Lippen mit ſeinen wuͤthenden Kuͤſſen. 3 Durch das aus des Maͤdchens Bruſt heraus⸗ 8 auellende Blut, war ſein Kamiſol ganz dar 157 NMMNNNee toth geworden, und in ſeiner Betaͤubung lief er aus dem Zimmer fort; ſein Hugo v. Ahls⸗ burg kam ihm entgegen und fragte verwun⸗ dert:„Wedekind, was iſt vorgefallen?“ der Befragte erwiederte ſchmerzlich: Geh nach dem Zimmer des Maͤdchens und Du wirſt d die Beweiſe finden. Schnell ging Hugo nichts Gutes ahnend dahin, und fand das im Blute ſchwimmende NMaͤdchen, mit den Blicken einer Verklaͤrten. Schaudernd nahte er ſich ihr, und zog ihr den Dolch aus der Bruſt, den Wedekind in der Angſt ſeines Herzens hatte vergeſſen her⸗ auszuziehen.— Aber kein Leben war mehr in ihr, ihr Geiſt war entflohen. Als es dunkel wurde verſcharrte man die Ungluͤckliche an einen entlegenen Ort.— We⸗ dekind aber nahm den Dolch zu ſich und prach ihn ernſthaft betrachtend:„Du nahmſt einem Maͤdchen, fuͤr das ich mit ſo heißer iebe brannte das Leben, Du ſollſt es auch mir nehmen, wenn es mir nicht gut geht!“ † 138 56NNKNNEN. Da ertoͤnte des Thurmwarts Horn von der Warte und meldete einen Ritter. Ein großer Mann im Ritterſchmuck, als ſollte es zu einem Turniere gehen, trat mit ſtolzer finſterer Miene ein, und uͤbergab eine Pergamentrolle. Hugo, welcher etwas leſen konnte, wurde gerufen, und ſagte dem Erfreu⸗ ten, daß der Graf von der Daſenburg mit ſeinen Leuten, den erſten kuͤnftigen Mo⸗ nats bei der Sommerburg eintreffen ſollte. „Da giebts Beſchaͤftigung, ſprach Wedekind zu ſich ſelbſt halb laut, und das Maͤdchen wird vergeſſen!“ Dem Fremden wurde ein Ehrentrank ge⸗ reicht, und Wedekind fragte:„Woher des Landes?“ Ein Thuͤringer, erwiederte der Be⸗ fragte. Meine Burg liegt ſechszehn Feldwege von hier, ich bin der Ritter von Queſten berg*) *) Noch jetzt ſieht man die Ruinen der Burg Queſtenberg, umweit dem Staͤdtche 159 Nde Allgemeiner Jubel erſcholl, als die Knap⸗ pen und Reiſige erfuhren, daß es morgen zur Fehde gehe. Der Ritter v. Queſtenberg aber ritt noch an dieſem Abende fort von hier, um noch einigen befreundeten Rittern die Botſchaft zu uberbringen. Kurz vor Mitternacht begab ſich Wede⸗ kind zur Ruhe, Luna glaͤnzte am Firmamente und erfreute mit ſeinem Silberlichte die Be⸗ wohner unſerer Erde.— Wer ein reines Ge⸗ wiſſen hatte konnte ſich erfreuen, aber Wede⸗ kinden fehlte dieſes. Unruhig warf er ſich auf ſeinem Lager umher, boͤſe Traͤume unterbrachen ſeinen Schlummer.— Plötzlich verfinſterte ſich der Himmel, truͤbe Wolken erſchienen aus Norden, ein furchbarer Sturm erhob ſich, die SButg ſchien durch ihn in ſeinen Grunhſeltam 4 160 NNNNSE zu beben. Wedekind erwachte. Ein Gemaͤlde an der Wand bewegte ſich und heraus ſtieg Ilſe mit zorniger Miene; das Zimmer wurde durch blauliche Flaͤmmchen ſpaͤrlich erleuchtet. — Wedekind wollte nach ſeinem Schwert greifen, er wollte aufſpringen, er wollte rufen, aber alles war an ihm wie gelaͤhmt und ver⸗ ſagten ihm diesmal den ſchuldigen Gehorſam. — Ilſe aber wendete ſich zu ihm und ſprach: „Undankbarer, ich liebte Dich ſo herzlich, uͤber⸗ fuͤllte Dich mit Schaͤtzen und Du— wurdeſt mir untreu und brachteſt es dahin, daß ſich das Naͤdchen Deiner Begierden ſelbſt erſtechen 5 3 ternachtſtu n mußte.— Zweimal liebte ich, und Beide wa⸗ ren untreu und undankbar; den Erſten verzieh ich, aber Du ſollſt meiner Rache nicht entge⸗ hen und Ungluͤck möge Dich auf allen, Dei⸗ nen Wegen begleiten! Sie ſprach's und ver⸗ ſchwand. Wedekind glaubte getraͤumt zu ha⸗ ben, da verkündete der Thurmwaͤrter die Mit⸗ Er ſuchte den boͤſen Traum 8 zu uetziſſ und wieder zu Auihliftn da 1 161 NNNXNNNNE ſchuͤtterte ploͤtzlich ein furchtbarer Stoß vom neuen die Burg, und Lucifer in ſeiner ſcheuß⸗ lichen Geſtalt kam mit grinſendem Laͤcheln zum Fenſter herein. Draußen tobte der Sturm und uͤbte ſeine Wuth an den Baͤumen und Geſtraͤuchen aus. Zu Lucifers Fuͤßen beweg⸗ ten ſich Schlangen und Eydexen; eine Eule ſaß auf ſeiner Schulter und kraͤchzte: Lucifer ſprach: „Bald biſt Du mein!“ und verſchwand. Jetzt trat Luna hinter den Wolken wieder hervor, der Sturm ſchwieg und der Thurmwaͤrter verkuͤn⸗ digte, daß die Mitternacht vorüber ſey.— Von Angſt auf das hoͤchſte getrieben ſprang Wedekind am ganzen Korper zitternd vom La⸗ ger auf, griff nach ſeinem Schwert und ſetzte ſich an das Fenſter. Aber Morpheus forderte ſein Recht und erſt da Alle ſchon auf dem Burghofe verſammelt waren, erwachte Wede⸗ kind. Schnell ließ er ſich wappnen und er⸗ ſchien alsdann in der Mitte der 8 inige 162 eesee Funfzig Knechte blieben zuruͤck, zur Ver⸗ theidigung der Burg mit den Übrigen zog er von bangen Ahnungen ergriffen den ſteilen Felſenpfad hinab. Luſtig erklang die Muſik. Voran wehte das Panier und von allen Seiten ſtroͤmten noch Reiſige herbei, zu Wedekind's Panier; weil ſie wußten, daß man unter ſeiner Anfuͤh⸗ rung rauben, morden, brennen und— ſchaͤnden konnte.— Über zwoͤlfhundert Mann hatte er zuſammen gebracht, als die Sommerburg er⸗ reicht war. Wohl zehntauſend Krieger ware (hier verſammelt, den Herzog zu befehden, der jetzt nicht einmal in Braunſchweig, ſondern in der Hauptſtadt Muͤnchen in Bayern war. Die umliegenden Orter wurden abge⸗ brannt, die Maͤnner, wenn ſie ſich wider etzten niedergehauen und die Weiber und Jungſtauen geſchaͤndet. Dieſen Unfug ſahen ſelbſt der Erzbiſchoff v. Magdeburg und der Biſchoff v. Hildesheim zu. Warmn Aeſes auch Lehrer der eugan 163 NNNNNNNNN Nur ſchwachen Widerſtand fanden die Verbuͤndeten. Sieg folgte auf Sieg, aber eben hierdurch wurden ſie ſtolz, welches ihren Untergang nach ſich zog. Bremen und Luüͤbeck wurden von dem Markgrafen v. Brandenburg und von dem Landgrafen v. Thuͤringen belagert. Freiburg wurde nach einer kurzen Gegenwehr mit Sturm genommen und Goslar ergab ſich diesmal ohne ein Schwertſtreich dem Sieger— übberall zeichnete ſich Wedekind durch Klugheit und Tapferkeit aus. Nur noch we⸗ nige Stunden war er mit ſeinem ſtarken Hee⸗ re von Braunſchweig entfernt, und noch war der Herzog von Muͤnchen nicht zuruͤck ge⸗ kommen. Schon ſah er ſich als Braun⸗ ſchweigs Herzog auf dem Throne, der ſo hoch⸗ gefeierten Guelfen, aber das unergründliche Fatum hatte es anders beſchloſſen. Ein Ritter, abgeſandt vom Landgrafen 8 Eudwig brachte ihm die Kunde, unt jd Bre⸗ 164 de,ee geben haͤtten; alſo wollte er(Ludwig) mit ſeinem Heere ſelbſt Braunſchweig erobern und Wedekind moͤchte auf den Harz zuruͤckeilen, und die Ritter des Harzes die dort vie⸗ len Unfug trieben zerſtreuen oder ſchlagen. Wedekind's Stirn zog ſich ob dieſer Kun⸗ de in duͤſtere Falten. Dem ſonſt ſo gefuͤrch⸗ teten Braunſchweig ſo nahe, ſollte er die glaͤn⸗ zende Siegerbahn verlaſſen und einen entfern⸗ teren Feind aufſuchen; dies war wirklich von einem freien Manne viel verlangt.„Sage Deinem Herrn, erwiederte er nach einigem Nachdenken, daß ich ſeine Bitte erfuͤllen wollte; uͤbrigens hoffte ich aber beſtimmt, daß er ſeine Zuſage erfuͤllen wuͤrde.“. Ein Kundſchafter brachte jetzt die Kunde, daß Heinrich der Loͤwe in Braunſchwem an⸗ gekommen ſey. Wedekind ſchuͤttelte bedenklich ſeinen 2o. ckenkopf und ritt mit ſeinen Rittern auf eine Anhoͤhe von wo aus man Braunſchweig mit feinem vielen Thuͤrmen ſehen konnte. uuf der 165 NCKNE t Danwerderodaburg brannten auf der — hoͤchſten Warte Freudenfeuer und der eherne . Loͤwe blickte ſtolz herab und drohle jeden zu 2 zerreißen der ſich nahte. Wedekind befahl zum Rückzuge zu blaſen und kaum war dieſer Befehl vollzogen, als leichte Reiterei vom Peinde Wedekind's Heer beunruhigten. — In Goslar wurden fuͤnfhundert Mann, * als Beſatzung zuruͤckgelaſſen und kaum hatten ſie die Stadt verlaſſen; ſo verbreitete ſich das Geruͤcht, daß der Feind ſchon vor den Mauern ſey und anfinge ſie zu belagen. In duͤſtre Gedanken verſunken ritt Wede⸗ kind beſtaͤndig dem Heere voran.— Eines Tages wurde der Himmel mit ſchwarzen Wolken dedeckt, die Luft war ſchwul und man Sorizonte, als Wedekinds Jfesd vermuthete ein Gewitter.— Da es Abend wurde und Mann und Roß vor Mattigkeit kaum noch fortkonnten, ertoͤnte fernher dee Donner, einzelne Blitze ſchlaͤngelten ſich am 166 MNNRNNNeC de ſtuͤrzte und den Reiter herabwarf.— Ohne Schaden ſprang er auf und ſah vor ſich den Fluß Ilſe, der ihm ſo oft gluͤckliche Stunden bereitet hatte. Er ſchauderte zuſammen.— Seine Ritter freuten ſich daß der Fall ſo ganz ohne Ungluͤck abgegangen war. Auf dem Berge lag der Ilſenſtein. Wedekind ſchwang ſich auf ein anderes Pferd und bat die Ritter, ihm nach dem Schloſſe zu folgen um es noch vor dem Ausbruche des Ungewitters zu erreichen. Die Knappen, Reiſige und Wurfſchützen lagerten ſich im Thale. Jetzt bruͤllte der Donner furchtbarer, Schlag folgte auf Schlag, welchen das Echo noch verviel⸗ faͤltigte; die Daͤmmrung verwandelte ſich in ſchwaͤrzeſte Nacht, die nur durch die Blitze er⸗ leuchtet wurde. Die Ilſe ſchwoll hoͤher an; die ſonſt kleinen Wellen thuͤrmten ſich hoch, der Sturm wuͤthete und Regen und Hagel ſtürzten ſtromweis herab. Die ganze Natur war in Aufruhr. Wedekind und die Ritter konnten mit ihren Roſſen nicht weiter ohne 167 de*εαννιναάαάαάα befüͤrchten zu muͤſſen in einen Abgrund zu ſtuͤrzen.— Immer noch heftiger wurde der Regen und die im Thale Gebliebenen mußten ſich auf die Baͤume fluͤchten, um nicht zu er⸗ ſaufen.— Die Ilſe trat aus ihren Ufern und wurde zum reißendem Strome.— Wild blick⸗ te Wedekind in die empoͤrten Elemente der Natur, und ſah auf den Wogen des Fluſſes ſeine ſonſt ſo innigſt geliebte Ilſe in weißem Kleide mit ſchwarzen Guͤrtel, die Ringellocken wild auf den alabaſter Nacken herunterhaͤn⸗ gend bei dem Scheine eines Blitzes.—„Ilſe!“ ſtammelte er. Sie aber winkte zuͤrnend mit der Hand und verſchwand.— Die Ritter, welche aberglaͤubiſch waren kreuzigten ſich und 4 beteten ein andaͤchtiges pater noster. Bis zur Mitternacht dauerte dieſes Wetter und dann erſt konnte jeder auf der Stelle wo er war, ſein Lager aufſchlagen. Tauſende von neuangekommenen Sängern des Haines begruͤßten den jungen Tag. Mit friſchem Gruͤn waren Baͤume und Sene * 168 Necezede 8 bekleidet. Die duͤſteren Wolken waren zer⸗ ſtreut und die Sonne erſchien die Gemuͤther zu erfreuen. 1 1 Aber durch die Ilſe zu reiten war nicht moͤglich, denn das ſonſt kleine Fluͤßchen war gaͤnzlich aus ſeinen Ufern getreten. Ein ſon⸗ derbares Gefuͤhl hielt Wedekinden ab, einen Verſuch zu machen. An der Spitze ſeiner Leute zog er links vom Fluſſe ab, der Heimburg zu. Als dieſe erreicht war fortderte er ſie gleich zur Überga⸗ be auf. Der Burgvoigt, ein tapferer Mann, ſprach zum Herolde:„Sag' Deinem Herrn, daß wir die Burg bis zum letzten Hauche un⸗ ſers Lebens vertheidigen werden. Erzuͤrnt ob dieſer Antwort befahl Wedekind zu ſtuͤrmen. Er ſelbſt mit dem Kern der Mannſchaft ſtuͤrm⸗ tee das Thor, waͤhrend die übrigen die ſchwa 1 che Beſatzung auf den Mauern beſchaͤftigte. Das Thor wurde erbrochen und wie ein Strom ſtuͤrzten ſie in die Burg. Alles hur⸗ de niedergehauen und ſiegestrunken eilte W 169 neeexNNeex Ein Knecht, mit dem man allerlei Unfug trieb, ehe man ihn in jene Welt befoͤrderte, berichtete: daß Feige v. Heimburg bei den Bundesrittern ſei und ſeine Gattin, Ilgers Schweſter haͤtte ſich aus Vorſicht vor wenigen Tagen auf die Ilburg begeben. Ob dieſer Mauern und Thuͤrme niederzureißen. nur noch einzelne Mauerſtücke, Feuer und Rauch. Vom Ritter bis zum Knecht pries ein jeder Wedekind's Entſchloſſe enheit, denn man⸗ cher Andere meinten ſie, haͤtte die Heimburg ſturmen laſſen. Kunde wurde Wedekind wuͤthend. Er befahl, Feuer in die Holzbehaͤlter zu werfen und die 4 — Nach wenigen Stunden erblickte man erſt mehrere Monden belagert und dann— er⸗ Mit dem neuerwachten Irbling. 69 kind nach dem Prunkſaale, in der Hoffmng“ hiier die Gattin des Feige v. Heimburg zu finden, die er ſonſt ſo innig geliebt hnt aber umſonſt. 5 170 NMcdee auch Wedekinden eine neue ſiegreiche Laufbahn ſich zu eroͤffnen. In der Naͤhe Walkenrſps angelangt er⸗ fuhr er durch ausgeſandte Spaͤher, daß die Ritter des Harzes in der Naͤhe waͤren.— Wachen wurden nach allen Seiten ausgeſtellt und jeder war wachſam auf ſeinem Poſten. Unter Gottes freiem Himmel ſchlief das ganze Heer. Unruhig waͤlzte ſich Wedekind auf dem feuchten Graſe umher, da ſah er im Traume die treue Ilſe auf einer Wolke zu ihm herabſteigen indem ſie ſprach:„So wie Du die Heimburg zerſtoͤrt haſt, wird Deine Veſte auch zerſtoͤrt werden!“ Nach dieſen Worten entſchwand ſie mit ſcha⸗ denfroher Miene. Unruhig uͤber den ſo leb⸗ haften Traum erwachte er ohne wieder ent⸗ ſchlafen zu koͤnnen. Fruͤh des anderen Tages ließ Wedekind einen Kreis von ſeinen Leuten um ſich ſchlie⸗ ßen und ermahnte fe zur Tapferkeit in umaſe 171 ANRNKNN Aber nur wenige Reiſige vom Feinde be⸗ obachteten ſeine Bewegungen und flohen ſo⸗ 1 bald einige von Wedekinds Leuten naͤher kaa⸗ men; denn die Ritter des Harzes belagerten Wedekinds Burg. Es wurde alſo beſchloſſen den Feind dort anzugreifen und zu vernichten. — Noch denſelben Tag erreichte man den. Feind, der die Daſenburg eingeſchloſſen hatte. Schnell zog er ſeine Leute zuſammen und ſtell⸗ te ſich in Kampfordnung. Wedekind aber ſchickte einen treuen Knappen durch den unter: irdiſchen Gang an ſeine Leute auf der Burg mit dem Befehl, an jenen Felſen wo der Feind ſtehe bei'm Kampfe Wurfmaſchienen und Wal⸗ zen herabzuwerfen. Die Nacht hindurch blieb alles unter den Waffen und am fruͤhen Morgen, griff Wede⸗ kind die Ritter des Harzes die jetzt aus vier⸗ zig der tapferſten Ritter beſtanden mit ſeinen Rittern an. Die Knappen und Reiſige beliefen ſich auf vierhundert, wogegen We⸗ dekind wohl ſiebenhunder Mann du ſtelle 172 edXRN hatte. Den erſten Andrang ertrugen die Bun⸗ desritter mit Kraft, keiner von ihnen wich, mit neuer Wuth drang man auf ſie ein; aber ſie ſtanden wie eingemauert. Da wich Wede⸗ kind mit ſeinen Rittern zuruͤck, und von den Mauern der Burg ſtuͤrzten die furchtbaren Maſchienen herab, und zerſchmetterten in we⸗ nig Minuten die Haͤlfte der Feinde. Wede⸗ kind ſtuͤrzte jetzt frohlockend in die zerriſſenen SGllieder. Die Knechte flohen oder warfen die Waffen von ſich. Immer weniger wurde die Zahl der Bundesritter, immer ſchwaͤcher der Widerſtand.„Sieg oder Tod! rief jetzt Ilger, Sieg oder Tod, hallte es durch die leihend der Kaͤmpfer. Ilger ſah es, daß kaum noch zehn Ritter um ihn kaͤmpften, da rief er voller Begeiſte⸗ rung:„Feige, wenn Du mein Freund biſt, ſo ſuche Dich mit dem Panier des Bundes zu eettan Deine Gattin und Kind fordern dies von Dir!“ Von neuem drang jetzt Ilger in w Feinde, er ſank aber von einer Keule halrof⸗ 173 ANXNNNNNMSZEde fen vom Roſſe herab. Bruͤder, rief jetzt Feige v. Heimburg, laßt uns das Panier retten! Mit Begeiſterung begann der Kampf von neuen und nur Feige'n und noch zwei Rittern gelang es ſich durchzuhauen.— Ein ſchreckbares Blut⸗ bad war es. Aufgethuͤrmt lagen Wedekinds Leute und in dem Viereck die gefallenen Bun⸗ desritter. Nach vielen Umwegen und Verfolgungen gelang es drei Rittern auf der Ilburg wieder mit der Schreckensbotſchaft anzukommen.— Feige von mehreren Wunden bedeckt, ging wuͤ⸗ thend umher, ohne ſich dieſe verbinden zu laſe⸗ ſen; denn ſein Verluſt war zu groß. Der Feind hatte ſeine Burg, den Wohnſitz ſeiner Vaͤter in eine Ruine verwandeln laſſen. Sei⸗ ne Gattin hatte einen Bruder verloren, ſie be⸗ durfte des Troſtes ſelbſt und ſuchte doch ihren Ehegeſpan zu troͤſten.„Das haͤtte ich nie ge⸗ glaubt, daß uns dieſer verachtete Feind, der mit mir zu Fuß auf den Bielſtein geher te, noch bezwingen wuͤrde!“ rief Feige 8 uͤbergegangen waren, um unter ſeinem Panier 174 zeneNxXNSede Pauken und Trompeten erſchallten von— der Daſenburg herab in das Thal. Jubel herrſchte auf der Burg und im Thale. Hun⸗ dert Knechte die das Kloſter Walkenried be⸗ ſoldete, waren die erſten die zum Wedekind zu fechten. Laͤchelnd betrachtete ſie Wedekind nach der Schlacht und fragte: Wer war Euer Herr? Beym Kloſter Walkenried ſtanden wir im Dienſte, antwortete Einer. b Alſo Pfaffenſoͤldlinge, ſpoͤttelte der Sieger; aber wartet Ihr Glatzenkopfe, morgen ſtecke ich Euch zur Strafe den rothen Hahn auf's Dach, und keiner von den Moͤnchen ſoll heraus, alle muͤſſen braten! Pfui, das wird ein Geſtann werden! Viele Knechte nach Beute begierig durdh ſuchten die Todten und Verwundeten. Den gefallenen Rittern wurden die Ruͤſtungen auſf geloßt und als Eigenthum in Wedekinds Prunkſaale, als Siegestrophaͤen aufgehangen; die Todten aber ſogleich begraben.— Sn a⸗ 175 KNNNxene niger Entfernung vom Kampfplatze lag Ilger in der glaͤnzenden Ruͤſtung als Bundeshaupt⸗ mann. Er erwachte aus ſeiner Betaͤubung und wurde unter allerlei Schmaͤhungen vor Wedekinden gefuͤhrt. Dieſer voller Rache, be⸗ fahl augenblicklich: den Gefangenen mit Ketten zu belegen und in das Burgverließ zu werfen. — Ich bin Ritter, ſprach mit matter Stimme Ilger, ich verlange daß ich, als ſolcher behan⸗ delt werde.— Knabe! rief der Erzuͤrnte, als ich auf Deiner Burg als Gefangener war, ſprachſt Du zu mir: Ich fuͤrchte den Af⸗ ter⸗Herzog nicht, deshalb kannſt Du gehen wenn Du willſt! So denke ich aber nicht. Knechte vollziehet meinen Befehl! Zur Verherrlichung dieſes Sieges fehlt nur noch die Kunde, daß Braunſchweig ero⸗ bert iſt, rief begeiſtert Wedekind, oder dieſer Sieg iſt mir vom Schickſal noch aufbewahet! — Dann bin ich— Herzog! 4* Die Mitternacht nahte bereits, und noch war alles auf der Daſenburg froͤhlich, nur 476 rNNMN Ilger, der Edle, lag mit Ketten belaſtet auf ſeinem aͤrmlichen feuchten Lager, und flehte vergebens den Schlaf an, ihn auf einige Zeit zu erquicken, um ſeine Leiden zu vergeſſen. 8 Auf einmal nahete ſich ein holdes weibliches Weſen, ihr Außeres war mit einem hellen anften Lichte umſloſſen.„Heilige Mutter Gefangene! Erſt befreite ſie ihn von ſei⸗ nen Ketten, den un bot ſie dem Erſtaunten die Hand. Langſam und ſchmerzvoll hob er ſich in die Hoͤhe, und ſie fuͤhrte ihn ohne ein Wort zu ſprechen durch einen anderen Gang als den, welchen man ihu Seflur hatte zum Verließe hinaus. Jetzt var-er ſo matt, daß ſich die Augen von ſelbſt⸗ 1 chloſſen und er nun nicht mehr wußte, was mit ihm vorging. Als er erwachte, wr er am Thore ſeiner Il⸗ burg. Die Jungfeau aber, gab ihm einen Kuß und ſproch „Denke zuwejlen an die ungluͤckliche Ilſe!“ und— verſchwand. Marie!“ ſagte mit feierlicher Ruͤhrung der Wie zum neuen Leben Aunchs ſühle ſich 177 deexxxNne Ilger, faſt hielt er alles fuͤr einen Traum, da pochte er an das Thor, und als man ſich uͤberzeugt hatte, daß er es ſelbſt ſey und nicht ſein Geiſt, da wurde alles geweckt. Die Freude war groß und herzlich; nur die Er⸗ zaͤhlung ſeiner wunderbaren Rettung hielt man fuͤr ein Maͤhrchen. Die verhaͤngnißvolle Stunde uͤber das Kloſter Walkenried ſchlug. Feſt war es ein⸗ geſchloſſen von Wedekinds Leuten. Eifrig be⸗ teten die Moͤnche zu Gott, daß er den Frev⸗ ler vernichten moͤge, der ſein Heiligthum nnd die Diener der Religion in dem Feuer ver⸗ brennen wollte. 8 Bei Wedekin fruchteten die Ernehln gen mehrerer religioͤſen Ritter nichts, das Klb⸗ ſter zu ſchonen. Er woͤllte noch ein Denkmal 4 ſeiner Rache und ſeiner Gewalt zuruͤcklaſſen, und dann den Harz verlaſſen, um in Verbin⸗ dung mit den andern deutſchen Fuͤrſten Braun⸗ 178 8 64. X⁵εναάααάςαᷣ ſchweig zu erobern.— Schon waren die Pech⸗ kraͤnze gewunden und ſtanden ihrem Herrn zu 3 Dienſte, um das ſchoͤne und große Kloſter, das die Graͤftn Adelheid von Klettenberg 113, geſtiftet hatte, zu vernichten. Wedekind hatte erfahren, daß Ilger aus dem Burgverließe verſchwunden ſey und nie⸗ mand habe eine Spur von ihm entdeckt, des⸗ halb war er nachdenkender, als gewoͤhnlich, und ſchaute oͤfters auf ſein Schwert geſtuͤtzt nach dem Kloſter.— Da ſprengte auf ſchaum⸗ bedecktem Roſſe in blutiger und ſtaubiger Ruͤ⸗ ſlung ein Ritter daher. Es war Hugo v. Ahlsburg, den Wedekind bei dem Landgraf Ludwig gelaſſen hatte, um ihn von Allem, was Wichtiges vorfiele Kunde zu geben.— Deine Burg erreicheſt, der ſiegende Feind folgt mir auf dem Fuße!„Bremen hat der SHeerzog wieder erobert, und iſt im Bann ge⸗ köthigen Silbers davon loskaufen, dann zog Wedekind, rief er haſtig, ſpude Dich, daß Du than, und kann ſich nur mit tauſend Mark — 3 f 179 XNNNeeeze er an den Mauern von Magdeburg herab und ließ es belagern, er ſelbſt zog nach Freiburg und eroberte es wieder, und ſchnitt Goslar die Zufuhre ab, weshalb in der Stadt eine fuͤrchterliche Hungersnoth entſtand. Unſer großes ſchoͤnes Heer iſt vernichtet und die meiſten Ritter gefangen. Jetzt weißt Du alles, nun geſchwind nach Deiner Burg, ſonſt moͤchten wir zu ſpaͤt kommen. Schrecken verbreitete 1 Kunde unter Wedekinds Leuten, und von ſtebenhundert folg⸗ ten ihm nur hoͤchſtens hundert. Kaum, daß ſeine Veſte erreicht war, ſo 4 erſchien auch ſchon der Feind und fing an ſie foͤrmlich zu belagern. Aber die Belagerten ſpotteten und warfen zuweilen Nahrungsmit⸗ tel herab, welche öfters bei den Belagerern. fehlten. In ſeinem Felſenneſte hielt er ſich ſo ſicher, wie im Himmel. Zum Imbiß hatte er die Fuͤlle oben, und die Keller Ager voll Weinee. 8 180 NENeENN gab ſich frohen Muthes uͤber die gluͤckliche Wendung der Dinge mit ſeinem Freund Feige v. Heimburg zu den Belagerern. Zwei Monate bereits dauerte die Belage⸗ rung der Veſte. Üüber zweitauſend Mann hiel⸗ ten ſie eng eingeſchloſſen, konnten aber weder ſtuͤrmen noch die Wurfmaſchienen gebrauchen, denn nur durch Hunger, oder wenn ſie das Fliegen lernten und auf dieſe Art hinaufkaͤ⸗ men, konnte die Veſte erobert werden. Die⸗ ſer Meinung war das ganze Heer. Eines Tages verbreitete ſich die frohe Kunde, daß der Herzog ſelbſt die Belagerung betreiben wolle. Wirklich kam auch der ta⸗ pfere Herzog den andern Tag, und berief ſo⸗ gleich die vornehmſten Ritter in ein Zelt zu ſich, um m ihnen über die Belagerung zu ſprechen.— Alle waren der Meinung, daß die Veſte nur durch Hunger einzunehmen ſey. Der Herzog aber ſprach: vaͤre es 8 unndd war gar bald ausgetrunken. 181 „ XXNxdNXze. Wurſet abgezapft wird.— Einem jeden ge⸗ fiel dieſer Rath, und einſtimmig jauchzten ſie: „Lange noch lebe der weiſe und tapfere Der⸗ zog!“— Ilſe, die Waſſer⸗Nympfe, war nemlich dem Herzog im Traume erſchienen und hatte ihm dieſen Rath gegeben, um die Daſenburg einzunehmen. s 4 Heinrich dachte uͤber den ſo lebhaften Traum nach und fand den Nath der Erſchei⸗ nung gut und ausfuͤhrbar. Goslars Bergleute wurden herbeigerufen, und trieben auf dieſe Art das Waſſer aus den Brunnen, daß es einen andern Weg nahm. Jetzt entſtand das groͤßte Übel fuͤr Belagerte, es fehlte ihnen am Waſſer. Der Wein, an⸗ ſtatt den Durſt zu loͤſchen, vermehrte ſhi. n9, Wedekinds Leute drohten ihm, wenn er die Burg nicht uͤbergeben wollte, ſo würden ſie es thun. Er bat ſie, doch nur noch einile Tage auszuhalten und verſprach ihnen 182 *NNRee Beute, weil er in dieſer Nacht durch den un⸗ terirdiſchen Gang einen Ausfall auf die Feinde machen wollte. Zugleich ließ er den letzten Wein unter ihnen vertheilen. Abend war's da drang wuͤſtes Getuͤmmel durch den Burghof. Die Feinde hatten den unterirdiſchen Gang entdeckt, und ſtuͤrmten jetzt von einer Seite der innern Burg zur anderen, jeder der ſich widerſetzte wurde nie⸗ dergehauen. Wedekinds Stimme rief die Ta⸗ pferſten um ſich, ſie fochten wie Verzweifelte; aber jetzt war auch von Heinrichs Leuten die 84 Mauer erſtiegen. Keine Rettung mehr ge⸗ wahrend, als eine ſchimpfliche Gefangenſchaft und dann einen ſchmaͤhligen Tod, bahnte er ſich durch die Dunkelheit begünſti tigt einen Weg durch den Feind, ſetzte eine Leiter an die Mauer und ſtieg r ſch hinauf, die Feinde foolgten ihm, er aber zog jenen Dolch, mit welchem ſich das ungluͤckliche Maͤdchen erſtochen 5 hatte von der Bruſt, indem er ſich ihn unter tauſend Fluͤchen bis an das Heft in das Herz 8 tiefer, das hohe Gras wucherte uͤppig zu den 183 XNKNMNSNE 3 ſtieß, ſtuͤrzte er ſich von der Mauer herb von Felſen zu Felſen. Ilſe ſtand nicht weit davon und ſprach:„Dies iſt der Lohn fuͤr Deine ungetreue Liebel“ 1 Auf Befehl des Herzogs durfte ſich nie⸗ mand mit der Beute bereichern, ſondern alles wurde den Flammen Preis gegeben.— Rauch und Feuer ſtieg auf allen Seiten empor, die Thuͤrme und Mauern wurden zum theil ein⸗ geriſſen, und nach weuigen Stunden nickten nur noch halbe Wachthuͤrme aus den Ruinen traurig empor.— Die Daſenburg war nicht mehr, auf deren Felsmauern Wedekind ſo ſtolz trotzte. *5 Nuhe herrſchte jetzt im ganzen Lande.— Unbewohnt waren die ſonſt ſo gefuͤrchtete Dda⸗ burgs Ruinen und die Truͤmmer ſanken immer Fenſterbogen hinein, und die Eule und das 3 3 Naubthier ſchlugen hier ihr Lauer af. Da⸗ 184 NNRNKNN ſenburg ward vergeſſen, und war ſo groß und herrlich.— Geht denn des Menſchen Arbeit und Treiben all' ſo uͤber hin?— Jetzt ſieht man nur noch wenige Spu⸗ ren von dieſer einſt ſo beruͤhmten Burg. Aber Reiſende, die den Harz beſuchen, genießen von oben die herrlichſte Ausſicht. Ilger v. Ilburg, der Gerechte aber, ge⸗ noß von jetzt an der wuͤnſchenwertheſten Ruhe in den Armen ſeiner Ehegattin der Gertrude von Kirchberg, und lange noch bluͤhete dieſer Stamm und trug die herrlichſten Früchte. Der Bielſtein wurde in der Folge von Iigern gar nicht mehr hewahnt und veßſie mit der Zeit ganz. 4 Der Bund war nicht mehr, denn nur ſie⸗ ben Ritter lebten noch. Aber das Panier war in Ilgers Ruͤſtkammer aufgeſtellt. FSeige v. Heimburg ließ ſeine Burg wie⸗ der aufbauen, aber wenige Jahre darauf wur⸗ de ſie zum zweitenmal von den Kaiſerlichen zerſtoͤrt.— Denn der undankbare Kaiſer ſeine Burg und zerſtoͤrten ſie. Aber ſchon im Jahren zu ſehen war, ließ Ilger eine ewi ige ten erhalten wurde.— Hier beteten Harzrei⸗ NNXANSeSe Friedrich I. erklaͤrte den Retter ſeines Lebens Heinrich den Loͤwen in die Reichsacht und uͤberzog ſein Land mit Raubgeſindel.— Ilger, und mehrere andere Grafen und Ritter hiel⸗ ten es mit Heinrich dem Loͤwen, aber— heimlich. Feige v. Heimburg aber ſtellte ſich ſelbſt an die Spitze ſeiner Leute und focht gegen die Kaiſerlichen; deshalb uͤberfielen dieſe andern Jahre bluͤhete eine neue Burg aber⸗ mals aus den Ruinen empor. Zwanzig Jahr ſpaͤter, im Jahr 1190 ließ Ilger das Kloſter bei Ilfeld erbauen. Auf einem Stein, der noch vor wenigen Lampe brennen, zu deren Erhaltung er 24 Mark Silber legirte, und von deſſen Einkuͤnf⸗ ſende ehe ſie den ſonſt ſo furctbxtm Wald betraten, inbruͤnſtig zu Gott. Nach einem Jahre beſchenkte Gertrud ihren Gatten n mit einem Knaben, der umit den 2 nocdeNxkN Jahren des Vaters Ebenbild wurde.— Jubel und Friede herrſchte ununterbrochen, bis an Ilgers Ende. Seegen ſeiner Aſchel Ende. Empfehlenswerthe Romane welche von dem Ver⸗ faſſer dieſes Werks türz id erſchienen und durch alle Buchhanblungen zu bekommen ſind: Auguſtiner⸗ Kloſter, das, oder: das Turnier zu Feruſalem. Eine Kloſter⸗ und Rittergeſchichte aus dem 13. Jahr⸗ hunderte. 8. 1823. geh. 1 Thlr. Naufluſtige Ritter, Fehden, Turniere, zarte Burgfraͤuleins, alles Ingredienzien, welche zu keeiner guten Rittergeſchichte gehoͤren, kommen darin ſehr abwechſelnd vor, und machen dieſes ——ͤ wenigſen⸗ eine heitere Stunde gewähren. 3— Buch ſehr intereſſant. Jedem Leſer wird es Eduardo da Raſto, der kuͤhne See⸗ raͤuber⸗Admiral, oder: Thaten und Abentheuer deſſelben in Afrika und der europaͤiſchen Tuͤrkei. 2 Theile. 8. 2 Thlr. Um den ſo allgemeinen Fragen in den Leſe⸗Bibliotheken nach einer Seeraͤuber⸗Ge⸗ ſchichte doch einigermaßen abzuhelfen, ſchrieb der Verfaſſer dieſes Werk.— Von der ſo furchtbaren Inquiſition ver⸗ folgt, entflieht der junge Eduardo da Raſto, und begiebt ſich auf ein Schiff. Im mittel⸗ laͤndiſchen Meere wird dieſes von einem See⸗ raͤuber gekapert. Nach dem Tode des Anfuͤh⸗ rers wurde Eduardo Admiral uͤber vier Schif⸗ fe, und fand in Sardiniens bluͤhenden Hainen eine Gattin. Auf dem Meere von einem al⸗ gieriſchen Kaper wurde er mit zehn ſeiner Leu⸗ te, da er eben in einer Barke entfliehen wollte, gefangen. Durch eine gluͤckliche Zahnoperation am Kaiſer von Marokko, wurde er deſſen Ve⸗ 3 zier. Von ſeinen Leuten aufgeſucht, die ihn um ein hohes Loͤſegeld den Unglaͤubigen abkau⸗ fen wollten, kam er auf ſeinem Schiffe an, wurde aber abermals gefangen und uf ben 2* Sclavenmarkt einer Seeſtadt in der europaͤi⸗ ſchen Tinkei gebracht. Hier wurde er Anfuͤh⸗ ver einer Beduinen⸗Bande, bis er endlich zur Wuͤrde eines Paſcha gelangte, und entfloh. Auf Stromboli's fand er alle ſeine Lieben wieder.— Die vielen verſchiedenen Gegenſtaͤn⸗ de machen dieſes Buch zu einem der Inte⸗ reſſanteſten, und gewiß wird es keinen Leſer von Geſchmack und Gefuͤhl gereuen, einige Stunden darauf verwendet zu haben. 1 Heormann da Raſto, der Tapfere, Sohn des Seeraͤubers Eduardo da Raſto, oder: deſſen Abentheuer zu Waſſer und zu Lande. Ein romanti⸗ ſches Gemaͤlde aus der neueſten Zeit. 8. 1823. geh. 1 Thlr. 4 gr. Das leſende Publikum erhaͤlt in der Perſon des Herrmann da Raſto einen zweiten Rinaldo inaldini, nur im Plane kuͤrzer und fuͤr unſer Zeitalter intereſſanter. Der Verfaſſer ſchildert hierin die ſeltſamen Schickſale und Abentheuer eines Seeraͤuber⸗Anfuͤhrers, der, begeiſtert von der gerechten Sache der ſich zu ihnen begiebt.— In ein wird er von verſteckten Muſelmq fallen; trotz der verzweifelten G er doch ſchon mehrere Wunde der Aga, Othman Ben ihn ner Pflegerin, einem holden nach vielen Gefahren ein Beruͤhmt und geachtet wurde er bald Anfuͤhre und kein Lefer, wird dies Buch er Verfaſſer ſtellt die Gegenſtaͤnde Kelnd und lebhaft dar. Fehden ter ſind an der Tages⸗Ordnung, Maͤdchen ſie mit einem Minne⸗ Die Leſewelt wird gewiß auch ganz ohne Beifall aus der 16 17