⸗ e,. 2* uni nat ſeine Cetbeifcuſten anzutaſten, weil man ihte 1.f Zue d des Lebens 3— Aer fel — 1 4 DSelſi d arhena Der Beſtser deſälban war 90 aͤußerſt braver Mann. Er war gend ein tapferer Krieger geweſen ſeinem Alter ruhete er von ſein die er geſammelt hatte, aus. jaͤhriger Sohn und er hatten ſi me. ne Liebe und Achtung ihre sthen. Die Mͤnche des Eduardo war ganz ſo wie ſein Vater„er ch ſehr frei ſowahk bei ſeiuen Fraunden, tſelben herum und herte dem ſanften d Fl 6⸗ der Philomene zu. Aber hieruͤber ver⸗ ate er auch ſeine Studien nicht, ſondern 8. Er war der Stolz ſeines Ba⸗ rde ſeines Stammes und der ten. Alle ſeine Wuͤnſche wurden befriedigt, deshalb lebte er mit ſeinem Vater in der groͤßten Einigkeit. Nie verſprach ihm dieſer etwas, was er nicht halten konnte oder woll⸗ te. Die Zufriedenheit und Heiterkeit hatten hie ihr Saher aufgeſchlagen. 3 Die Inquiſition. Eines Tages ritten Vater und Sohn zum Beſuche bei einem Freunde in der J Naͤche barſchaft. Viele der Edeln waren hier vet⸗ ſammelt, und beſonders die Vornehmſten der Geiſtlichkeit, worunter ſich auch der Prior des ſchon genannten Kloſters der ſieben Buͤf⸗ ſenden befand. Mit freundlicher Miene freuete ſich der Heuchler Kinen Nach bbar hier anzutreffen. eiebling derjenigen, die mit ihm mgang hat⸗ 8 dadurch immer heiterer wurde, das jugend⸗ liche Blut ſchnellet durch die Adern rollte und ſein Horr Nachbar⸗ der Lri uſchr, gennsch. iſt es daheicennsh. Ahnatnen an⸗ nehme, daß er Gottes Sohn iſt, erwiederte der Befragte. Gotteslaͤſterer, Ketzer! bruͤllte Prior und trot aller Bitten begab er ch noch in der Nacht in ſein Kloſter. Dem Beiſpiele ihres Amtsbruders folgten auch die Biſchoͤfe und Praͤlaten mit dem Verſprechen, ich bei dem Prior fuͤr ihn zu verwenden. 34 Die Heiterkeit der ganzen Geſelſchaft war fuͤr dieſen Abend dahin; der alte Delfi⸗ no da Raſto ahndete die uͤbeln Folgen des von ſeinem Sohne Geſagten. 9 — Den andern Tag begaben ſie und Eduardo wieder nach dem Scohloſſe ihrer Ahnen. Stillſchweigend ritten beide neben einander; der Alte ſuchte ein Mittet aufzu⸗ finden um ſeinen Sohn vol der Inauiſ zrion zu ſchuͤtzen, allein den Prior zu beſaͤuftigen war unmöglich, weil er gern die anſehnkichen Guͤter an ſein Kloſter bringen wollte. Edu⸗ ardo hingegen hing ſeinen Lieblingsideen nach und dachte nicht mehr an den Vorfall. Anmn Abend hielt der Alte eine kleine Strafpredig und erklaͤrte ſeinem Sohne die uͤbeln Fol die hieraus entſtehen koͤnnten. Allein hier ber lachte Eduardo, weil er als Juͤngli noch nicht ſo weit ſah, als— das Alter. So iſt aber der Menſch, er glaubt immer das Beſte, nie das Schlimme. 10 Im Namen der heiligen Inguiſition,“ ſprach Einer von zehn bis zwoͤlf Maͤnnern, welche in Maͤntel gehuͤllt waren,„befehlen 4 wir Euch, uns zu dem Schlafgemache des 8 Don Delſs und Gdunrdo zu bringen.“ ediente Befolgte zitternd die Be⸗ . fehle. fino, der ſich ſchlaflos auf dem DOette herumgeworfen hatte, oͤffnete bei'm er⸗ ſten Pochen an ſein Zimmer die Thuͤre deſ⸗ 8 ſelben und ließ ſich willig die Hände zuſam⸗ 4 n binden. Allein ſein Sohn, der auch er⸗— icht war, ſprang zum Fenſter’ hinaus und am gluͤcklich auf die Erde und eilte, von Furcht und Angſt getrieben, noch ehe der junge Tag erſchien, weit fort. ein, aber nen gieng es er vorwaͤrts, denn er hielt ſich .—— zu unte pyhen. Die Duͤnkelhe 11 —— nirgends fuͤr ſicher, weil ſich die Aine 36 S Inquiſition weit erſtreckten. Der Schrecken. Es wurde dunkel, ein feiner Regen fiel herab und noͤthigte dem jungen Ednardo ſich in ſeinen Mantel feſter einzuwickeln. Kein Stern war an der Himmelsdecke zu ſehen und nur zuweilen eilten graue Wolken von einem Winde getrieben, am Horizonte vorä⸗ ber und beguͤnſtigten das Regengeſtoͤber. Die Uhr der nahe liegenden Stadt Sanggoſſa verz kuͤndete die zwoͤlfte Stunde. S Jetzt vernahm ſein lauſchendes Ohr Huf⸗ ſchlag, aus Furcht vor den Dienern der In⸗ quiſttion floh er ſchnell nach einem Gehoͤlze. Bald gewahrte er die Ruinen eines Kloſters⸗ und hier hielt er ſich fuͤr ſicher. Nach tetfer Ueberlegung beſchloß er die 12. — ſeinen Marſch, der uͤber Schutt und Truͤm⸗ 4 mer fuͤhrte, und verhinderte ihn die nahen Gegenſtaͤnde zu erkennen. Der eine Fluͤgel 9* des ehemaligen Gotteshauſes war noch ziem⸗ 4 lich erhalten, jedoch durchloͤchert von Bomben und Kugeln. 516* 5 3 5. 4 waͤrts gegangen war, ſah er einige glim⸗ ke Hotz auf der Er de lienen⸗ wor⸗ —y— er ſeinen Dol, den er auf Vleer Bruſt hervor, indem er ſprach: en n Unſchuldigen uüberall 3 — ſchuͤtzen, ich bin vor dir Allmaͤchtiger nirgends ſicher, auf dich hoff und vertraue ich. Nachdem er dieſes geſagt hatte, ſchritt er muthig vorwaͤrts, und kam bald in einen großen Saal, der mehrere, aber feſt verſchloſſene Thuͤren zeigte. Wind und „ Regen waren auch im Innern des Gebaͤudes, — von Geraͤthe war nichts vorhanden. Verge⸗ bens ſuchte er Thuͤren zu oͤffnen, nach vielem Suchen entdeckte er endlich eine Treppe die 4 aufwaͤrts fuͤhrte, er erſtieg ⸗ſie und ſah nun durch die Helligkeit ſeines Lichtes Zellen fuͤr die Moͤnche. Am Ende der Zellen gewahrte der Suchende zwei Thuͤren, die eine ließ ihn die Stufen einer breiten Treppe ſehen, die hinab fuͤhrte. Er ging hinab, und ſah ſich in einer weiten Halle, die mit weißen mar⸗ morartigen Steinen gepſtaſtert war. An den 4 1 Waͤnden hiugen Heiligenbilder, die alle noch 3 unverſehrt waren, und ſtolz an den Frem ling herabſchauten. Ein lan 4* hhn endlich in ein kerkerartiges E 6 14 —— feuchte Luft umgab ihn, und erſchwerte nicht allein das Einathmen derſelben, ſondern drohte auch ſein Licht zu verloͤſchen. Err ging zuruͤck und erblickte einen etwas ſchmaͤlern Gang, und bald darauf ein großes Thor, woran ein Pergament befeſtigt war, und Eduardo las die fuͤrchterlichen Worte: 4„Die Inquiſition. Wer es wagt die⸗ ſes Thor zu oͤffnen iſt des Todes!“ gaſt waͤre er vor Schrecken zu fuuken, die Kerze entfiel ſeinen H verlöͤſchte augenblicklich. gab ihn, vergebens ſuchte er einen Ausweg, all' ſeine Bemuͤhung war umſonſt, er beſchloß den Tag abzuwarten, und ſetzte ſich auf die kalte und feuchte Erde. S Boden ge⸗ aͤnden und Dicke Finſterniß um⸗ ——— Die Hoffnung. Der alte Delfino da Raſto ließ alles mit ſich machen. Ohne nach der Urſache ſeiner Verhaftung zu fragen, beſtieg er geduldig ei⸗ nen fuͤr ihn bereit ſtehenden Wagen, zu ſei⸗ ner Rechten und Linken ſetzten ſich zwei Die⸗ ner der Inquiſition. Die Uebrigen folgten bald nach, da ſie ſahen, daß der Sohn des Alten ihren Klauen entwiſcht war. Ohne ein Wort mit ſeinen Begleitern ge⸗ ſprochen zu haben, hielt nach einigen Stunden der Wagen vor einem hohen Gebaͤude ſtill. Delfino mußte dem Beiſpiele ſeiner Begleiter folgen und— ausſteigen. Der alte Greis be⸗ ſah noch einmal den geſtirnten Himmel, wiſchte eine Thraͤne, die langſam hinter den ergrau⸗ ten Wimpern des Auges hervorquoll, aus den⸗ ſelben— und ſeufzte. Er haͤtte noch laͤng ſeine Betrachtungen fortgeſetzt, alſein die 16 — „ nerder Inquiſttion ergriffen ihn unſanft, indem ſe ihn haſtig zu einer kleinen Thuͤr hinein⸗ ſchoben, dieſelbe von außen verſchloſſen und ſich mit dem Gelaͤchter der Hoͤlle entfernten. Delſino glaubte die Stimme des Prior von dem Kloſter der ſieben Buͤßenden zu hoͤren. Dunkelheit umgab ihn, er glaubte zu raͤumen, er ſuchte vorwaͤrts zu ſchreiten, al⸗ iin ſchon nach den paar erſten. Schritten er⸗ Sriſt er Eine talte und feuchte Mauer. 4 Dan hatte er ſeine eaige Wohnins ganz unterſucht und gefunden, daß ſie nicht laͤnger Fuß und eben ſo breit ſeh. Des edlen Greiſes Loos war ſchrecklich, allein er glaubte nicht, daß es moͤglich ſey⸗ er ſeine übrige Lebenszeit hier zubringen offte auf jenes große Weſen, das als es ſprach: Es werde Licht! Licht Es hatis ihn bis hterdet 8 8 8 18 —— durch alle Irrgaͤnge des Lebens hindurch gelet⸗— tet, warum, dachte er, ſollte dich denn dieſes guͤtige Weſen verlaſſen, da du nichts Boͤſes gethan haſt, und nur dein Sohn zu frei ſprach, was ihn ſein Verſtand ſagte! Mit gen Him⸗ mel gewandtem Blick betete er folgendes: Vater, der du uͤber jenen Rigionen throneſt, ſieh auch auf mich herab, und pruͤfe mich nicht zu hart, wir ſind alle Menſchen und daher unvollkommen. Aber du ſey mir gnaͤdig und barmherzig um deines Sohnes Jeſu Chriſto willen. Leite du Sohn Gottes meinen Eduardo auf dem Pfade der Tugend. Geſtaͤrkt fühtte er ſich nach dieſem kurzen Gebete. Nur das Einzige beunruhigte ihn, wo ſein Sohn ſey; denn er wußte ja nicht, daß dieſer entſiohen war. K. Weder Stuhl noch Tiſch waren in ſeinen Kerkets die ſchwachen Fuͤße kounten den mol ſehen Koͤrper nicht mehr tragen er . bald zur Erde mit dem Haupte an 8 6 iſter Theil. zigen Stein, das Blut faͤrbte die mit Ehren ergrauten Haare, aber Delfino war geduldig, er wußte, daß er hier unſchuldig leiden muß⸗ te. Nur der unſchuldig Leidende kann ſo zux 4 frieden und heiter in die Zukunft ſehen, als 1 Delſnogo 1 4 Die Natur forderte ihr Recht, und der reis entſchlief den Vergeſſer aller Leiden. 3 ls er erwachte, ſah er den Schimmer eines Lichts und ohne einen Menſchen zu erblicken, reichte eine morſche Hand zu einem Loche ſei⸗ 3 nes Gefaͤngniſſes ein Stuͤck Brod und einen Krug mit Waſſer herein. Beides ergriff der Greis und legte es auf die naſſe Erde, auf. welcher auch nicht ein Strohhalm war. Del⸗ f fino ſuchte ſich aufzurichten, aber es war un⸗ mglich, ſeine noch übeigen 8 Kraß verſagten bn den Dienſt. mit vieler Muͤhe pr e zu de Ge⸗ Sagt zu denjenigen, die Euch geſandt u. ſie mich in ein anderes Gefäng. I — niß bringen ſollten, ich, Delna⸗ da Raſto. ließe ſi ſie darum bitten.. Der Waͤrter entfernte ſich ohne zu ant⸗ worten. Leider mußte der Greis zwei volle Jahre in dieſem Kerker zubringen, ohne nur ein einziges Mal verhoͤrt zu werden, und dennoch hoffte der Unſchuldige noch. Das RNaubſchiff. Eduardo war entſchlafen; als er erwachte erblickte er das helle Tageslicht, und eilte mitz fluͤchtigen Schritten aus den ſo furchtba⸗ ren Ruinen. Ohne weiter angehalten zu werden, kam er gluͤcklich 6 den Haven von Cadix, drun er hatte beſchleſſen, ſich mit bem erſten Schiff nach Amerika zu begeben. hatte er einen nahen Verwandten. 4 8 20 — gieng er ſogleich, und ließ ſich von ihm drei⸗ hundert Guineen leihen. Er erzaͤhlte ſeinen Onkel, daß er ſich mit Erlaubniß ſeines Va⸗ ters auf Reiſen begebe. In dem nahen Wal⸗ de aber ſey er von den Guerillas aͤberfallen worden und nachdem ſie ihn rein ausgepluͤn⸗ dert, mit einigen Peisſchenhirben fakegeſchickt aͤtten. Den Betrag der Summe wird Euch mein Vater ſogleich ſenden, ſagte er, ſobald er meine Quittung empfangen hat. 4 Das bin ich von Deinen Vater uͤber⸗ wnan, lieber Eduardo. 3 Seitdem ich 79 nicht geſehen habe, biſt Du viel gräß er geuos en, es ſind freilich „Je, lieber Onkel, ſagte Ebuarbo, mar dem erſten Schiffe ſegle ich von hier nach Ita⸗ lien, gehe nach Rom um die großen Kunſt.⸗ werke der Alten zu bewundern, von dort nach Frankreich, Holland und England, und dann eile ich in die Arme meines Vaters zuruͤck⸗ Wiſſen Sie nicht, Onkelchen, wann Schiffe nach Italien abgehen?“ „Morgen mit dem Fruͤheſten, ſprach der Onkel laͤchelnd, gehen zwei Schiffe ab, das eine nach Italien, das andere nach Amerika.“⸗ Da will ich hineilen um mich einſchreiben zu laſſen, rief der entzuͤckte und neu belebte Eduardo da Raſto, und begab ſich ſogleich nach den Haven. Die Quittung iſt freilich nicht guͤltig, denn die Guͤter meines Vaters ſind eingezogen und der edle Greis in den ½ Laͤnden der Iui⸗ ſition. Mein Onkel iſt reich 39¹ die paarhundert Guineen vergen koͤnnen ſie großen Nutzen ſtiften ——8 — Waͤhrend dieſen Betrachtungen war er in den Haven angekommen; ſogleich ließ er ſich auf ein Boot nach dem Schiffe bringen, wel⸗ ches, der Ausſage des Faͤhrmanns, morgen 6 unter Segel nach Amerika ginge. X* Der Capitain des Schiffs von Geburt ein Englaͤnder, der aber ſeine Dienſte dem Koͤnige Lon Spanien widmete, ein aͤußerſt rauher aber uter Mann, war ſogleich bereit, ihn fuͤr fuͤnf und zwanzig Guineen mitzunehmen. Wer war wohl froher als Eduardo! Er erlegte ſo⸗ gleich die verlangte Summe und bleib gleich auf dem Schiffe, ohne von ſeinem Onkel Ab⸗ 3 SGhied zu nehmen. Der Morgen Brach an. Die Segel wur⸗ den gelichtet, und unter dem Donner der Ka⸗ nonen ſtach das Schif in die Ser. Enhuardo begab ſi ſi 5 auf us Verdec, hier traf er noch einige Paſſagiers, worunter auch ein Jude war, welche das ſo herrliche Schaus ſpiel der Natur bewunderten, die Koͤnigin des Tages wurde ſo eben ſichtbar, indem ſie im⸗ mer mehr und mehr ſtieg, und mit ihren er⸗ quickenden Strahlen die Bewohner dieſer Erde erfreute. Gedankenlos ſtarrte Eduardo ſie an, eine Thraͤne entfiel ſeinem Auge, ſie ſiel auf ſeine Hand und bald ward ſie von den gluͤhen⸗ den Sonnenſtrahlen verzehrt. So iſt das Le⸗ ben des Menſchen dachte er, man koͤmmt und geht, und da er auch etwas Deutſch ſprechen konnte, ſo erinnerte er ſich der Worte eines gewiſſen Dichters, welche lauten: Was iſt die Welt? Ein Opernhaus. Man koͤmmt, man 3 ſieht, man geht hinaus. 6,2 Der Jude ſtoͤrte ihn in ſeinen Betrach⸗ tungen indem er ſprach: Warum iſt der Herr— ſo in Gedanken? 1 Darnach hat Er nichts zu fragen t erwie. derte Eduardo.— r 24 —,— Mail rief der Jude, wer ſind Sie denn, daß Sie mir eine ſo grobe Antwort geben. Ich bin Eduardo da Raſto, nun wißt JIbhr's, ſprach er zornig. Bielleicht derjenige, erwiederte der Jude weiter, deſſen Vater von der Incuiſition ein⸗ gezogen iſt, und Ihr ſeyd der Sohn der ent⸗ flohen iſt; nicht wahr? Eduardo's Wangen wurden bleich, er eftig an zu zittern, und ſprach: Werdet Ihr mich verrathen!: 8 Bei Sens nicht, ehhiederse der ehrliche dhr, Antder Ebnardo⸗ Was ze n 25 Daß Ihr mir zehn Guineen gebt, oder mich zum Aufſeher einer Plantage in Amerika macht. Dann bin ich ſtumm wie ein Filch. Hier iſt meine Hand, ſo wahr ich ein ehrli⸗ cher Inde bin. Da ſprach Eduardo laͤchelnd: Was doch das Geld macht. Folgt mir in meine Cajuͤte. Schmunzelnd folgte der Jude, und erhielt ſtatt zehn zwoͤlf Guineen; Eduardo war froh, als er ſein Leben ſo wohlfeil erkauft hatte; der Schacherjude aber noch froher, als er das blanke Geld ſah, indem er meinte, daß er nun ſeinen Handel vergroͤßern koͤnne. Mit Schnelligkeit durchſchnitt das Schiff das Meer. Am andern Tage ſaͤhe man nur noch die Inſeln, welche den Spaniern gehoͤr⸗ ten. Eduardo fing jetzt an, es gewohnter zu wetden nur Waſſer u und Luf zu. ſehon und 8 26 —,— Heimath und den ungluͤcklichen Vater ſeine Blicke. Als ſich das Qchif nach einigen Wochen 1 dem Cap Cachipour naͤherte, welches wegen 5 ſeines moraſtigen Bodens unangebaut iſt, und 1 gen Spaniern von den Portugieſen ſtreitig ge⸗ macht wurde; ſchrie der im Maſtkorbe ſitzende:. Ein Schiff an der Backbordſeite. Raſch griff alles zu den Waffen. Die Offiziere richteten hre Fernroͤhre und erkannten zum allgemeinen Schrecken einen algieriſchen Kaper mit der Flagge der Unglaͤubigen. Langſam naͤherte es ſich dem Schiffe des Capitains Manuel de 4 Raguzo. Das feindliche Schiff war nicht groß, 4 es fuͤhrte nur zehn Kanonen, hingegen das 6 ſpaniſche achtzehn. Beide blieben Schußweite vwoon einander, und nachdem die Unglaͤubigen eine Kanone abgefeuert hatten, entfloh es mit vollen Segeln. Der Capitain Raguzo ließ es gern entfliehen, denn er hatte keine Luſt mit em durchſthaſſenen Schiffe nach Amerika zu Die Waffen wurden bei Seite gelegt. Allgemeine Froͤhlichkeit herrſchte; die Offiziere labten ſich an dem gluͤhenden Punſche und auch Eduardo ließ ſich einige Bouteillen in die Cajuͤte bringen, da raſſelte etwas unter ſeinem Tiſche und der dem Leſer bekannte Iude kroch hervor, indem er zitternd fragte: Nah, iſt der Feind fort, ich zittere noch am ganzen Leibe. 8 Schon lange, erwiederte Eduardo lachend und Ihr verkriecht Euch gleich Weibern hinter dem Tiſche! Pfui, ſchaämt Euch! Mit den Saͤbeln, Piſtolen und den Bayo⸗ netten iſt nicht zu ſpaßen, ich bin ein friede⸗ liebender Jude. Und mit dieſen Worten ente fernte er ſich. Nach Enigen Stunden waren die Flalchen geleert, und Eduardo hattt Bergeſ ſich raſch naͤherte. 1 Alle Beiſegel waren aufgeſpannt und es kam bald ganz nahe heran. Der Captitain er⸗ kannte es an der Flagge fuͤr einen ſpaniſchen Kaper und man glaubte nichts zu befuͤrchten zu haben. Der ſpaniſche Kaper forderte ſo⸗ gleich den Befehlshaber Raguzo auf, ſich zu ergeben. Dieſer antwortete, er wuͤrde ſich bis zum ſetten Hauche ſeines Lebens vertheidigen, und warum er gegen ſeine Bruͤder fechten wolle. Die Schießluken wurden im Nu geöffnet, um das Schiff mit einer vollen Ladung zu be⸗ gruͤßen. Der Kaper entfernte ſich dann einige Klafter und ruͤckte dann mit geſtrichenen Se⸗ geln naͤher, und ſchickte dem ſpaniſchen eine 1 ichtige Ladung, die die Takellage und Segel⸗ 1 einem ͤblen Zuſtand verjeste. Eilig erblickte ein ſchnellſegelndes Fahrzeug, welches— dend, die Bramſegel aufſetzen und die Hano⸗ nade beantworten. Der Jude war nirgend zu ſehen; einige Soldaten meinten er ſey in ein Faß gekrochen. Eduardo da Naſto half die Kanonen mit laden und begab ſich an die ge⸗ faͤhrlichſten Stellen. Das Schießen dauerte ſchon zwei Stun⸗ den, als endlich das ſpaniſche ſo zugeſetzt war, daß es auf dem Bauche lag und ſeine Wen⸗ dungen ſehr langſam verrichtete. Nun ruͤckten die beiden Schiffe naͤher an⸗ einander. Bald ſtießen die Raave des Kapers an die feindlichen; die Boͤte begegneten ein⸗ ander und im Nu ſaßen die Enterhaken. Allein das Vorhaben des Kapers wurde vereitelt; denn das ſpaniſche, unter Anfuͤhrung des Capitain Raguzo kam ihnen zuvor, und unter dem Feuern mit groben und kleinen Gewehren, ſprangen die Spanier in dae per⸗Schiff. 2. Das Gefecht war moͤrderiſch und allge⸗ mein. Eduardo focht in dem dichteſten Ge⸗ draͤnge, ob er gleich ſchon einige ſtarke Wun⸗ den am Kopfe erhalten hatte. Endlich, da die Spanier ihr Pulver ver⸗ ſchoſſen hatten, fingen ſie an zu weichen, die Leute des ſeindlichen Schiffs trieben ſie auf ihr Verdeck zuruͤck und die Feinde folgten. Alles, 4 bas ſich nicht ergab wurde in die Pfanne ge⸗ hauen. Endlich warfen die meiſten ihre Waf⸗ fen weg und alles ſchrie um Gnade. Nur da Naſto focht noch gleich einem Ver⸗ eelten, doch endlich wurde er uͤberwaͤltigt, die Haͤnde gebunden und nebſt den uͤbrigen in den unterſten Schiffsraum geworfen. die nach dem Lande der Freiheit wollten⸗ im Schiſſornume wohnen. Capitain Raguzo war wahrſcheinlich Hier mußten nun die armen Ungluͤcklichen, 1 1 31 —— Die armen Gefangenen waren uͤber ihr ungluͤckliches Schickſal faſt untroͤſtlich. Einige waren bereits an ihren erhaltenen Wunden geſtorben. Endlich erſchien der dritte Tag, ein Tag der Wonne und des Entzuͤckens fuͤr die Gefangenen. Der Kaper⸗Capitain erſchien naͤmlich an dieſem Tage bei den Gefangenen, um zu er⸗ forſchen, ob ein Freund unter ihnen ſey. Mit barbariſchem Blicke ſah er ſeine Bruͤder an indem er ſprach: Spanier, ich lebte ſonſt in eurem Vaterlande und bin was ihr ſeyd ein Spanier, ich lebte zufrieden; allein von der Inquiſition angeklagt, als einen Schaͤnder der Religion, mußte ich entfliehen und— wurde Seeraͤuber. Meinen Namen will ich euch nicht nennen, wenn ihr mich nicht ſo kennt. (Indem er ſie der Reihe nach anſteht) ruft er: Heilige Maria! was ſeh' ich, taͤuſchen mich meine Augen nicht, ſo biſt du Don Ehnae da Raſto?— 8⁸ Der bin ich, ſagte Eduardo und ſank in die Arme ſeines Freundes und ehemaligen Nachbars Colledo. Eduardo mußte nun ſo⸗ gleich mit in die Cajuͤte des Capitains und ſeinem Freunde ſeine Schickſale erzaͤhlen, als dieſer zu Ende war, rief Colledo wehmuͤthig aus, indem er ſeinen Freund an das Herz druͤckte, unſere Schickſale haben viel Aehnliches mit einander und nun wollen wir Freunde bleiben auf ewig. Ewig! wiederholte Eduardo⸗ ich weiche nun nicht wieder von Dir. Colledo's Erzaͤhlung. Unſere Gefangenen, ſprach eines Tages Solledo, wollen wir, ſobald wir an eine frucht⸗ bare Inſel kommen, ans Land ſetzen, es war zwar mein Vorſatz, alle Spanier ermorden zu laſſen, da ich aber einen Freund unter ihnen 4 fand, ſo will ich gelinde mit ihnen verfahren. . Geledo, erwiederte Gando⸗ du biſt ungerecht! NMichts weniger, als„ erwiederte Colledo, 3 vurde aus meinem Vaterlande von meinen 33 Bruͤdern getrieben und haͤtten ſie mich erwiſcht. ſo hätte ich das Tageslicht nie wieder erblickt. Iſt das alſo grauſam, wenn ich ihnen den Kopf fuͤr die Fuͤße legen laſſe! ich uͤbe nur das Vergeltungsrecht. Du biſt Gebieter auf dem Schiffe, ſprach Eduardo ernſt, wie Du es machſt ſo iſt es gut gemacht. Erzaͤhle mir doch Deine Begebenheiten, ſeitdem ich Dich nicht geſehen habe. Gern, erwiederte Colledo, Beide ſetzten ſich, griffen nach den gefuͤllten Punſchglaͤſern und Colledo begann folgender⸗ maßen: Die Inquiſition haßte mich von Herzen⸗ denn ich lobte nie die Moͤnche und Pfaffen, ſondern ſagte immer die Wahrheit von ihnen, und das wollten die hazeigen Glatzköpfe nicht wiſſen, deshalb ſchickte der Abt eines Kloſters einen Boten mit einen Brief an mich worin er mich ermahnte, in Zukunft höſlicher von den Dienern Gottes zu reden. Ich lachte daruͤher und blieb wie zuvor.— aſter Theil. 4— 2 . Eines Tages begab ich mich auf die Jagd, und indem ich einen Hirſch haſtig verfolgte, gewahrte ich einen Menſchen, der ſich in einen vor Schrecken und ſuchte aͤngſtlich eine Jagd⸗ flinte unter ſeinem Gewande zu verbergen. Der Kerl gebaͤrdete ſich jaͤmmerlich, und ich ſagte zu ihm: ſieh Pfaffe, wenn du es wagſt 3 naͤchſten Baum auf. Deine Pfticht iſt zu be⸗ Kieber, daß ſich die Augen im Kopfe verdreh⸗ een, wie bei einem abgeſtochenen Kalbe. Den andern Tag brachte mir ein Bote aus vem Abt, daß ich augenblicklich in ſeinem Klo⸗ ten und nicht zu jagen. Darob erzuͤrnte ſich der heilige Mann, indem er von Ketzer und Bann ſprach. Ich lachte uͤber ihn, und gab 3 ihm im Weggehen noch einen ſo derben Naſen⸗ Buſch verkriechen wollte, raſch eilte ich ihm nach und ergriff einen Moͤnch aus dem nahen Carmeliter Kloſter. Der Moͤnch war halb todt noch einmal in meinem Walde zu jagen und ich erwiſche dich, ſo haͤnge ich dich an den —— dem Kloſter der Carmliter Mͤnche den Befehl ‿ ſter erſcheinen ſolle, um von dem Gethanen und Geſagten Antwort zu geben. Mir war doch nicht ganz wohl zu Muthe bei dieſem Befehle, und ich war unſchluͤſſig, was ich thun ſollte. Da entſchloß ich mich denn endlich, mich in's Kloſter zu begeben. Von einem einzigen Die⸗ ner begleitet, begab ich mich dahin, und mußte uͤber zwei Stunden harren, ehe ich vorgelaſſen wurde. Schon war ich im Begriff mich zu ent⸗ fernen, wuͤthend, daß ich ſo lange harren muß⸗ te, da erſchien ein Moͤnch, und brachte mich in's Zimmer des Abts. Der Abt lag auf einem Sopha, daneben ſtand ein Tiſch mit Weinbouteillen. Bei mei⸗ nem Eintritt machte ich ein Compliment; ohne mich nur anzuſehen, ſieng der Abt ungefaͤhr ſo an zu reden: Don Colledo, Ihr habt Euch hart ſowohl an der heiligen Kirche, als auch an ihre Diener verſuͤndiget. Nun ſchenkte er ſich einen großen Kelch mit Wein ein, den er bis auf den letzten Tropfen dusleer fuhr dann im Sprechen fort: Die 36 — Kirche hat lange mit Euch Ketzer Nachſicht ge⸗ habt, aber Ihr ſeyd deren unwerth, thur Buße, ſo ſoll Euch vergeben werden. „Ich bin mir nichts Boͤſes bewußt, er⸗ 3 wiederte ich dreiſt!” Rchte, bruͤlte das e neg, indem . zeſtern Eng an den Pater Ignulfo vergan⸗ gen, habt Ihr ihn nicht gemißhandelt, da er doch in unſerm Reviere und nicht in dem Eurigen jagte? „Das hat er gelogen, ich erwiſchte ihn einem Gehoͤlz bei der zroßen Tanne, er⸗ „We, Ihr, ein Laie, erkuͤhnt Ench, nen Geweihten des Herrn einer Luͤge zu 7 Teu— kind, willſt du Buße thun, Nein, rief ich lachend, Herr ¹ b zu viel Wein neeruneen ſchlaft erſt Euer Naͤuſchgen aus, dann wollen wir weiter mit einander reden. Indeſſen get habt Euch wohl! und lachend gieng ich fort, ohne auf das Fluchen des Herrn Abts weiter zu hoͤren. Unterwegs erzaͤhlte ich den Hergang der Dinge meinem Knechte und dieſer verſicherte mir treuherzig, daß ich binnen vier Tagen in den Haͤnden der Inquiſition ſey. Ich lachte daruͤber, aber es gieng mir nicht recht vom Herzen, ich wurde nachden⸗ kender und kam verdrießlich nach meinem Schloſſe. Ich fand, daß mein Knecht nicht ganz unrecht haben koͤnne. Ich ertheilte da⸗ her den Befehl, in der Nacht, ſey es wer da wolle, Niemanden im Schloſſe einzulaſſen. Aus Vorſicht nahm ich mein ganzes baares Geld, Piſtolen und Saͤbel in meine Schlaf⸗ kammer. Nach einem Monat eeſcht fn en⸗ lich die Diener der heiligen r —2— dem Schloſfe, als der Tag ſchon anfing zu grauen. Ungeſtuͤm forderten ſie Einlaß; ich riß eine Fünte von der Wand und ſchoß nach ſie; ich hatte gut getroffen, einer von ihnen ſtuͤrzte zu Boden, die uͤbrigen entflohen und — riefen Moͤrder! Moͤrder! Ich fuͤhlte es⸗ daß meine That zu raſch geweſen war. Ich reaffte alle meine Koſtharkeiten zuſammen, ſteckte die Piſtolen zu mir, that einen Man⸗ tel um und eilte rafch zur Treppe hinab. Todtenbleich kam mir der Thuͤrhuͤter entgo⸗ gen, und meldete mir daß die heilige Inqui⸗ rion da geweſen ſey und ungeſtuͤm Einlaß⸗ verlangt habe, indem waͤre ein Schuß gefal⸗ len und einer von den heiligen Maͤnnern ſey todt zur Erde geſtuͤrzt. Ich wage es mir gar nicht, fuhr der Alte fort, den heiligen kte, ohne dem Alten nur ein Le⸗ ße nur tragen wollten, in das Koͤnigreich Portug, 1⸗ ruhrte mich einige Zeit in anen Heren anzutaſten. Jetzt lache ich uͤber ſeine „aber damals zitterte ich am ganzen 5 ohl zu ſagen, ſo ſchnell als mich meine 39 Gaſthofe aus und eilte dann nach einer See⸗ V ſtadt, wo ich mit einem Schiffe, das nach Italien wollte, unter Segel ging. Aber ehe ich weiter erzaͤhle laß uns erſt ein Paar Bou⸗ teillen trinken. Dies geſchah und Colledo er⸗ zaͤhlte weiter: Eines Tages erhob ſich bet⸗ hellem, ſchoͤnen Wetter ein fuͤrchterlicher Wind, der Himmel wurde mit ungluͤcks⸗ ſchwangern ſchwarzen Wolken bedeckt, der Tag wurde zur Nacht und aus dem Winde wurde ein wuͤthender Orkan, der mit dem Schiffe wie ein Kind mit einem Balle ſpielte⸗ Auf einmal hieß es: das Schiff hat einen Leck bekommen; Niemand konnte den Leck finden, und alles Pumpens ungeachtet, ſtieg das Waſſer binnen fuͤnf Minuten vier Fus hoch. Der Algierer.. Maſtkorbe Sitzende. einander; das gewonnene ſy 0 noch immer auf dem Bauche, und nur durch den guten Wind hatten es die Seeraͤuber mitnehmen koͤnnen. Colledo ertheilte ſogleich Befehl, daß 8 wurden. Die Mannſchaft theilte ſich, ſo daß auf keinem von beiden Schiffen etwas Voll⸗ kommenes war. Der allgieriſche Kaper ruͤckte naͤher heran und ſuchte, da er die beiden za entfliehen. Er ſpannte deshalb alle Segel „allein Colledo ließ darauf losfeuern, ſo, daß die Segel faſt alle unbrauchbar wurden vor Angen ſahen. Die Kanonade begann, der Algterer antwortete ohne Erfolg. Eduar⸗ do, der auf dem andern Schiffe Anfuͤhrer war, antwortete ebenfalls und das Raubſchiff uuna auf der e inen Seite; da ergriff der An⸗ auf beiden Schiffen die Kanonen geladen ſiarken Schiffe mit den vielen Kauonen ſah, und ſie ihre Gefangenſchaft oder hren Tod * ⁵ 1 — 4 heitere Himmel ſchien truͤbe zu werden durch den Rauch; auch nicht das Geringſte konnte gerettet werden. Eduardo war erſchrocken uͤber den Tod der Tuͤrken, allein die rohen Matroſen lach⸗ ten, indem ſie einſtimmig ſagten, idaß dieß der ſchoͤnſte Tod ſey. 3 Jetzt trat eine gaͤnzliche Windſtille ein, dergeſtalt daß das erbeutete ſpaniſche Schiff mit fort zu bringen unmoͤglich war. Daher wurden die beſten Sachen in das Kaperſchiff gebracht. Zwoͤlf gefangene Spanier, welche keine Dienſte nehmen wollten, erhielten ihre Freiheit und das Schiff, welches ſie auf die nahe Inſel Mino bringen ſollte. Dies ge⸗ ſchah dann auch, und Niemand war froher als der furchtſame Jude;„das Waſſer hat ſprang er vor Freuden wie ein ntnnas 2 Auf Colledo's Kaper wurde wieder Alles in gutem Stande geſetzt. Eduardo verrichtete die ſchwerſten Arbeiten, ohne auf Colledo zu hoͤren, der ihn bat, es Mgtroſen zu uͤber⸗ kuſſten. Als der Abend herankam, ſetzten ſich beide Freunde auf ein weiches Sopha, vor ihnen ſtanden die gefuͤllten Glaͤſer und Colledo er— zählte auf Bitte ſeines Freundes folgender⸗ maßen: 1 Colledo's Erzaͤhlung. (Fortſetzung) Wir ſahen unſern Untergang vor Augen. Wir wurden von unermeßlichen Wellen herum⸗ geworfen, die, wenn ſie uns bis an die Wol⸗ ken emporgohoben, uns wieder in den Abgrund zu verſenken drohten. Wir ſahen den Ocean in hohe Gebirge verwandelt. Furcht und Schrecken bemeiſterten ſich meiner, da ich 1 znſes Untergang gewiß ſey, und —ö——— — nun bereuete ich meine raſche That recht herze lich, die ich an den Pfaffen veruͤbt hatte. Als die Segel, die wir hatten hiſſen wol⸗ len, vom Sturme zerriſſen waren; ſo machten wir das Steuerruder mit Stricken und Ketten feſt. Wir halfen, ſo gut wir konnten, um womoͤglich uns und das Schiff zu retten; al⸗ lein unſer vereintes Beſtreben war nicht ver⸗ moͤgend, dem Ungeſtuͤm des Meeres und dem Sturme Widerſtand zu leiſten. Die Gefahr ward mit jeder Minute groͤßer. Die Nacht vermehrte unſere Jurcht, ſo mußten wir uns von Wind und Wetter trei⸗ ben laſſen und hofften von einer Stunde zur andern, daß ſich der Sturm legen wuͤrde, aber umſonſt. Wir waren ſo weit von unſerer Farth abgekommen, daß wir nicht recht wuß⸗ ten, wo wir waren, und wir konnten in der erſten Stunde an einem Lande, das vor uns liegen konnte, Schifföruch leiden, ohne daß Capitain mit aller ſeiner Geſchicklichkeit uns vor einem ſolchen Ungluͤcksfall bewahren konnte. Peinigend war unſere Lage. Alles zit⸗ terte. Ich war unvermoͤgend meine Gedanken zu ſammeln. Der Capitain ſuchte uns Muth einzuſprechen, welches ihm auch gelang, und der Sturm fing an etwas nachzulaſſen; wir athmeten nun freier, aber auf einmal blies der Sturm mit erneuerter Heftigkeit. Alles verzweifelte nun an einer moͤglichen Der Tod war das einzige, was wir zu er⸗ warten hatten. Eine hohe Woge kam unſerm Schiffe entgegen und hob es ſehr hoch empor, und als dieſe fiel⸗ ſank es in eine fuͤrchterliche wir waren noch nicht verloren. Rettung. Das Waſſer drang durch den Leck immer mehr; die Mannſchaft war entkraͤftet. Tiefe und ſchoͤpfte ſo viel Waſſer, daß wir kaum wieder in die Hoͤhe konnten. Doch — Elend u vermehren und dis verlaͤngern⸗ 4 So ſchwebten wir eine Nacht und einen Theil des Tages zwiſchen Leben und 4 Gegen vier Uhr des Abends hoͤrte einmal ein ſchreckliches Krachen, uußs aus dem Schiffe erſchallte ein tauſen⸗ 8 verwirrtes Geheul, das uns den Pikegang verkuͤndigte. Wir waren auf 9ℳ Sandbank, die dem Waſſer gleich war, gerathen, und da⸗ das Schiff durch das Toben der Belſen mit Ge⸗ walt daran⸗hingeworfen ward, ſo giengen wir in wenig Minuten zu Grunde. 5 auf ₰1 Das Krachen des Schiffs und das ſchreck⸗ liche Geſchrei ſo daruͤber ausbrach, ließen mich das Schrecklichſte ahnden. Doch kehrte meine Geiſtesgegenwart zuruͤck; ich faßte mich) rief zum heiligen Stephanus, in deſſen Haͤnde Leben und Tod ſtellte, um Gnade und tete was er uͤber mich beſch eßen Das Schwimmen, wie du weißt, habe ich gelernt, und in der Angſt erhaſchte ich eine Tonne, dieſer habe ich meine Erhaltung zu verdanken. Endlich als der Tag anbrach ward ich⸗ meine Tonne feſthaltend, an das Ufer einer Inſel geworfen. Die wuͤthende See ſpielte zts auf die Stelle wo ich war; ſie haͤtte mich alſo gewiß wieder mit fortgeriſſen, waͤre ich nicht halb tod tiefer in's Land hineingekro⸗ chen. Dies war aber auch alles, was ich thun konnte. Mieina Kraͤfte ſchwanden und ich ſans endlich leblos zur Erde. 36 war der einzige, wie ich muthmaße, der von dem Schiffbruche garettet wurde. Das Schiff ging mit Maus und Mann unter, wie lange ich aber ſinnlos da gelegen habe, weiß ich nicht. Als ich erwachte war s heller Tag. Die Goͤttin des Tages brennte 3 Wangen und Kopf, um mich herum — ſtanden mehrere Maͤnner und zwar weiße, die mich mitleidig anblickten. Ich rufftd meine Kraͤfte zuſammen, und ſiel den Maͤnnern zu Fuͤßen; Worte konnte ich nicht hervorbringen, ſie verſtanden aber ſehr wohl, was ich ſagen wollte. Einer unter ihnen redete mich italie⸗ niſch an, ich ſchuͤttelte mit dem Kopfe; nun fing ein anderer an ſpaniſch zu ſprechen: Er ſagte mir, daß ich unter Freunden ſey und mich auf der Inſel Stromboli befaͤnde. Dieſe Inſel iſt von wenigen Menſchen bewohnt und iſt hoch uͤber die Oee hervorragend, kaum daß ſie fuͤnf Quadratmeilen im Umfange hat; hier iſt unſer Aufenthaltsort. Da die Maͤnner ſahen, daß ich ſchwach war, ſo hoben ſie mich auf und ich wurde von ihnen in eine Hoͤhle getragen, worin ſich wohl zwei hundert Men⸗ ſchen befanden, die mich verwundert anſahen. Ich wurde in ein Bett gebracht, wo ich bald in einen erquickenden Schlaf verfiel Als ich erwachte füͤhlte ich mich netz ges ſtaͤrkt; man reichte mir Speiſe und Traßk⸗ 48 ich verſchlang beides in der groͤßten Haſt; denn ich hatte nach meiner Berechnung in vier und dreißig Stunden nichts gegeſſen. Ich verſuchte aus dem Bette zu ſteigen, es war aber nicht moͤglich. Indem trat ein Mann zur Stube herein, der ſich ſowohl durch ſeine Kleidung, als auch durch ſein edles Ge⸗ ſicht vor den uͤbrigen auszeichnete. Er redete mich ſpaniſch an, ob er gleich von Geburt ein Italiener war. Ich erzaͤhlte ihm meine ganze Geſchichte, er war innig geruͤhrt und bat mich meine Geſchichte Niemanden weiter zu erzaͤh⸗ ſen, er wolle ſchon ſeinen Leuten erzaͤhlen was ſie wiſſen ſollten. Bald darauf hoͤrte ich, daß getrommelt wurde und nicht lange waͤhrte es, ſo erſcholl es aus vielen Kehlen: Es lebe der edle Don die Erlaubniß, mich bedienen zu duͤrfen, gern bewilligte ich ihnen dies, aber begreifen koßnfe ich es nicht, warum man mir dieſe Ehre err zeigte. Den andern Tag war ich durch gute Pflege ſo weit gebracht, daß ich mein Lager verlaſſen konnte, und ohne Unterſtuͤtzung begab ich mich außerhalb der Hoͤhle. Der vornehme Italiener kam mir entge⸗ gen und erzaͤhlte mir, daß er meinen Pater gut gekannt habe. Euer Vater, Don Colledo, ſprach er, hat mir bei Saragoſſa das Leben gerettet. Ein feindlicher Reiter hatte ſchon das Schwert geſchwungen mir den Kopf zu ſpal⸗ ten, aber Euer Vater ſieng den Hieb auf, der ihn ſtark am Arm verwundete, ich ſuchte Eu⸗ ren Vater zu raͤchen, und hieb den Kerl die rechte Hand ab, daß er ohnmaͤchtig vom Roſſe herabſtuͤrzte. Gegen Euren Vater ſuchte ich mich dankbar zu beweiſen, allein er verſch hte allen Dank. Und nun, Don Colledt aſter Theit. 45 ———jjjj—— ———õÿõÿõÿõÿõ“ ich Euch einen Antrag zu machen, der darin beſteht, daß ihr Capitain von einem Schiffe werdet, wir treiben naͤmlich das Handwerk der Seekaper, unſer Capitain iſt neulich in ei⸗ nem hitzigen Gefechte mit einem algieriſchen Kaper getoͤdtet worden, ich bin ſein Nachfolger, allein um dankbar zu ſeyn, uͤbertrage ich Euch die Stelle. Die Mannſchaft beſteht aus eini⸗ gen ungluͤcklichen Spaniern, Portugieſen, Ita⸗ lienern, Franzoſen und einigen Deutſchen, an der Zahl 447. Wollt Ihr, ſo ſchlagt ein. Ich beſann mich nicht lange, ſchlug ein und war nun Herr uͤber ein Schiff, das zwanzig Kand⸗ nen fihre⸗ Ich wurde nun uach t den Haven in einer Saͤnfte getragen und nachdem der Lieutenant bekannt gemacht hatte, daß ich Capitain ſey, mit tautem Iubel empfangen. 1 Geich bei der erſten Ausfahrt der Schiffe Kurzte einer der Lientenants, der ſich zu weit vor 8 auf das Verdeck gewagt hatte, in's Mei und — es war trotz unſerer Bemuͤhungen vergebens ihn zu retten. Meine Leute ſahen dieſes fuͤr ein boͤſes Zeichen an, indem ſie meinten, unſere Fahrt wuͤrde ungluͤcklich ablaufen. Noch an demſelben Tage ließen ſich zwei algteriſche Ka⸗ per ſehen; nach einem kurzen Gefecht waren die Unglaͤubigen in die Pfanne gehauen und wir Meiſter beider Schiffe. Mein Wohlthaͤter ſtarb ſchon nach einigen Wochen, herzlich beweint von mir, in meinen Armen. Alle lobten meinen Muth und, froͤhlich äber dieſen reichen Fang, gieng es der gelieb⸗ ten Inſel Strombolt zu. Alle drei Schiffe lie⸗ gen jetzt vor Anker und warten auf meine Zu⸗ ruͤckkunft. Wenn der Wind ſo Pleibt, ſo ſind wir binnen neun Tagen zu Hauſe, wo Du ding, lieber Freund, Epitat Mein Vorgaͤnger betrieb die Kaperei ganz in s Kleine, denn er hatte nur ein Schiff nebſt einen Kaperbrief vom Koͤnige von Spanien. Bei einem Gefechte gieng beinahe die ganze Mannſchaft zu Grunde. Nach und nach wur⸗ den ihrer Mehrere und bald beſtand die ganze Macht beinahe aus Auslaͤndern; daher kam es denn, daß man keine Ausnahme machte, es konnte ein ſpaniſches oder irgend ein Schiff ſeyn, man machte Jagd darauf. Ich wurde, wie du weißt, ihr Anfuͤhrer und habe mich an den Spaniern furchtbar geraͤcht; offenherzig geſtehe ich es Dir, daß ich mich ſchaͤme ein Spanier zu ſeyn, wo die Pfaffen Alles ver⸗ moͤgen.— Der Kaperbrief iſt in meinen Haͤn⸗ en und keinem ſpariſchen Schiff wird es je eeinfallen auf das unſrige Jasd zu machen, wenn ich den Brief vorzeige.— Sieh, lieber Edu⸗ ardo, dies iſt die ganze Geſchichte und nun glaube ich iſt es Zeit, daß wir uns zur Ruhe begeben. Dies hatte Eduardo auch gewuͤnſcht, denn die Mitternacht war bereits voruͤber. Eduardo da Raſto als Capitain. Ohne Ungluͤcksfaͤlle landete es bald an der Inſel Stromboli. Die Kanonen donnerten von den drei Schiffen und die Neuangekomme⸗ nen wurden auf das Herzlichſte bewillkommt. Colledo, von Eduardo und dem Lieutenant begleitet, giengen in die geraͤumige Hoͤhle. Colledo ſtellte Eduardo dem Lieutenant Rizza als ſeinen Freund vor. Herrlich wurden ſie hier bewirthet, waͤhrend Colledo emſig an ſ nem Tagebuche arbeitete. 2 Die Leute, welche mit auf dem Schiffe Colledo's geweſen waren, lobten einſtimmig den Muth und die Tapferkeit Eduards's, wel⸗ ches ihn auch bei den Uebeites in Aſehen brachte. . Schon den folgenden Tag begaben ſich die faͤmmtlichen Matroſen auf den hoͤchſten Felſen, genannt: der Schatzfelſen; hier war es, wo die Seeraͤuber ihre Verſammlungen hielten, auch waren hier die erbeuteten Schaͤtze in einem nur fuͤr den Wiſſenden erſteiglichen Felſenruͤk⸗ ken aufbewahrt. Von hier aus konnte man die ganze Inſel überſehen, und nach den Huͤtten zu urtheilen, wurde ſie kaum von funfzig Menſchen hewohnt. Lebensmittel fuͤr die Freibeuter wurden von den Inſeln Sardinien, Sicilien oder wohl gar . Corſica herbeigeſchaft. Colledo ließ ſogleich als er hier ankam, einen Kreis um ſich ſchließen, nannte Eduardo's Namen, lobte ſeine Kenntniſſe und fragte ob ſie es zufrieden waͤren, wenn Eduardo, Rizza und der Englaͤnder Sarpi ein jeder Capitaͤn auf einem Schiffe wuͤrde; er ſelbſt wollte das groͤßte Schiff, Iſabelle, fuͤr ſich haben und die Capi⸗ täͤns ſtänden unter ſeinem Befehle, da er von 55 —— jetzt an ſich den Namen eines Admirals bei⸗ lege. Einſtimmig lobte man ſeinen Einfall und war mit der neuen Einrichtung vollkommen zu⸗ frieden. So erhielt auch jedes Schiff einen Steuermann, zwei Lieutenants, einen Schrei⸗ ber, zwei Koͤche u. ſ. w. Eduardo dankte ſeinem Freunde; froh eilte er im Freien herum um ſeiner beklemmten Bruſt Luft zu machen; da wendeten ſich ſeine Augen unwillkuͤhrlich nach Morgen indem er ſeufzend an ſein Vaterland und an Vater Delfino dachte, da vernahm ſein lauſchendes Ohr frohen Men⸗ ſchengeſang, der ſich immer mehr und mehr naͤherte. Sechs Abgeordnete von ſeinem Schiffe⸗ erſchienen, uͤberreichten die Liſte der Mann⸗ ſchaft, waͤhrend einer unter ihnen zu dem eh⸗ renvollen Poſten gratulirte. Enardn gif iu Guiten, welche er noch bei ſich hatte. ——— Jubel erſcholl von allen Seiten; am Nach⸗ mittage ging Eduardo auf ſein Schiff, wo er unter dem Donner der Kanonen und dem herzlichen Jubelgeſchrei ſeiner Leute in daſſelbe einſtieg. Die ganze Nacht hindurch wurde gejubelt und gezecht. Der Admiral, die drei Capitains, die acht Lieutenants und die vier Steuermaͤn⸗ ner, ſpeiſ'ten unter einem herrlichen Zelte; ein eder hatte die ſeinem Range anggmeſſene Montirung an, aber der ſchoͤnſte unter allen war doch der Capitain Ebuardo da Raſto, er glich ganz dem Bilde eines Liebesgottes, ob⸗ gleich nichts zur Liebe vorhanden war, denn nur dreizehn von den ſaͤmmtlichen Leuten wa⸗ een verheirathet. Als die Sternlein bleicher würden, verlor ſich allmaͤhlig der Tumult und ein jeder ſuchte ſich eine Lagerſtelle, ob nun unter freiem Himmel oder in einem weichen Bette, das war den abgehärteten Leuten gleich viel. Als die Sonne ſchon hoch am Fuma mente ſtand, fruͤhſtuͤckten die Offiziere abermals in dem Zelte, dann begab ſich ein jeder Capi: tain mit ſeinen Lieutenanten und Steuermanne auf ſein Schiff, um des Admirals Befehle zu erwarten. Colledo's fruͤher Tod. As ging ſeinen ruhigen Gang auf dem Schiffen, nur einige murrten uͤber ihre jetzige Unthaͤtigkeit bei ſo gutem Winde. Es kam ſogar zu Eduardo's Ohren, dieſer verwies ſie an den Admiral, ohne deſſen Erlaubniß kein Capitain etwas unternehmen duͤrfe, verwies ſte aber auch zugleich zum Gehorſam, ſonſt⸗ wuͤrde er es als eine Meuterei anſehen und die Stifter ſollten alsdann den Maſtbanum zieren. Eduardo meldete den Wunſch ſeiner Leute ſeinem Freunde und Admiral⸗ dieſer 58 aufhaͤugen laſſen ſollte. Er ſey Admiral und muͤſſe wiſſen, was fuͤr ſie das Beſte ſey. So verſtrichen eine und zwei Wochen bei dem ſchoͤnſten Wetter und alles war unthaͤtig und mißlaunig, beſonders da ſie hoͤrten, daß der Proviant beinahe ſchon aufgezehrt ſey. Eines Tages, da ſich die mehreſten der Matroſen von den Schiffen entfernt hatten, ging auch Colledo und Eduardo, beide mit Buͤchſen und Hirſchfaͤnger verſehen, auf die Jagd; ein Haſe lief nicht weit von ihnen, Colledo legte an, ſchoß und fehlte, Eduardo ſchoß und winſelnd ſtreckte er alle Viere. In denſelben Augenblicke hoͤrte Eduardo einen Schuß, und todt lag der Admiral Colledo zu ſeinen Fuͤßen. Raͤche meinen Tod, ſprach er mit matter Stimme und verſchied in den Ar⸗ men ſeines Freundes. Eduardo und die uͤbrigen Capitains ſuch⸗ ten ſeinen Moͤrder aufzufinden, aber alles war 59 vergebens. Viele heuchelten Trauer, den we— nigſten aber ging es von Herzen, weil er nicht Unternehmungsgeiſt genug beſeſſen hatte. Das toͤdtliche Geſchoß war durch's Herze gegangen; wahrſcheinlich hatte es ein Unzu⸗ friedener von ſeinen Leuten gethan. Den dritten Tag wurde er in ſeiner gan⸗ zen Admiralsuniform oͤffentlich zur Schau aus⸗ geſtellt; Eduardo weinte Thraͤnen des tiefſten Schmerzes uͤber den Verluſt ſeines beſten Freundes.— Die See ⸗Offiziere waren alle in der tief⸗ ſten Trauer; ein Felſen ſollte die Huͤlle des entſeelten Don Colledo aufnehmen. Dumpf erſchallte der Donner der Kanonen von dem Fort vom hoͤchſten Felſen herab, als ſich der Zug langſam bewegte. Die Matroſen ſtimme ten einen Trauergeſang an und leichter ſloſſen Eduardo's Thraͤnen. e 60 — Das Grab war fertig und der Sarg hielt vor den Felſen ſtill, der Degen wurde heraus⸗ genommen und der Sarg langſam in die Gruft hinabgelaſſen. Feierlich toͤnte jetzt der Geſang; dumpfer krachten die Kanonen, da trat Eduardo an das Grab und ſprach ernſt und feierlich: Freunde! wer es redlich mit unſerm Admiral meinte, der ſuche den Buben herauszufinden, welcher der Moͤrder eures Oberhauptes ward, ſtebzig Guineen liegen bereit, wer den Ver⸗ ruchten nennt! Brav Kapiratns riefen mehrere Stimaen. Der Todtengraͤber ſprach ein kurzes Gebet, dann ging der Zug, wobei froͤhliche Muſik er⸗ klang, raſch zur Hoͤhle. Fruͤh des andern Tages wurde zur Wahl eines neuen und beſſern Admirals geſchritten. — Der neue Admiral und deſſen Liebe. Eduardo und die andern beiden Capitains gingen zum Verſammlungsplatz auf den höͤcht ſten Felſen, wo ſchon die Mannſchaft der Schiffe verſammelt war; man wartete nur noch auf die Ankunft der Lieutenants, mit un⸗ geheuchelter Freude wurden ſie empfangen. Die Stimmenzahl ſollte entſcheiden. Ungedul⸗ dig pochten die Herzen der Seeoffiziere, wer von ihnen Admiral wuͤrde. Die Stimmen waren getheilt; viele, die Zeugen von Eduardo's Muth geweſen waren, verlangten ihm, andere wieder den Capitain Rizza und die wenigſten Stimmen hatte der Englaͤnder Sarpi. Endlich gaben die ſchwaͤchern Parteien nach und Eduardo da Raſto wurde als Admis ral ausgerufen. Die vaehne ihm Freude.[Denn er baut⸗ ſich Aller Liebe et⸗ worben. Am Abend war großes Tractement, wo ein jeder eſſen und trinken konnte ſo viel er wollte. Die auf dem Schiffe Wachhabenden wurden auch nicht vergeſſen. Der Platz der Freude war auf einer großen Wieſe, die ein⸗ zige auf der ganzen Inſel. Die Hautboiſten ſpielten und nun ſchickte ſich alles zum Tanze an und tanzte bunt durcheinander, da ſeufzte der Admiral und ſehnte ſich zum erſtenmal in ſeinem Leben nach dem ſchoͤnen Geſchlechte. Ihm wurde es hier zu eng; er begab ſich von ſeinem treuen Jonas begleitet von dem Tum⸗ melplatz der Freude hinweg und erſtieg einen jaͤhen Felſen, uͤber ihm tobte der Wind, unter ihm brachen ſich die Wellen des Meeres an den ſteilen Felſenklippen. Nicht weit davon rauchte der kleine feuerſpeiende Berg Oda. Schaudernd blickte er um ſich, ſah ſich auͤberall, wohin er blickte vom Tode umgeben und Pänelrks keimte der Gedanke in ihm, ſich vom Vernambuko ſoll zur Bewachung der Inſel und 3 Felſen herab in's Meer zu ſtuͤrzen, wo er alsn* dann von aller Sorge los und ledig ſey. Da fluͤſterte ihm ein guter Genius zu: Thu es⸗ nicht, du kannſt noch gluͤcklich werden. Der Entſchluß morgen ſchon abzureiſen gedieh zur Reife und gedankenvoll kam er wie⸗ der bei ſeinen Leuten, wo er ſchon vermißt worden war, an. Er ließ ſogleich ſeine Leute, die etwas zu befehlen hatten, in ſeinem Zelte verſammeln. Es erſchienen drei Hauptleute, acht Lieutenants, vier Steuermaͤnner und eben ſoviel Schreiber. Eduardo ließ den Schreibern Folgendes ſchreiben: Ich, Eduardo da Raſto thue hiermit mei⸗ nen Leuten kund, daß die Schiffe: Iſabelle, Nuduo und Virginia morgen in der Mittags⸗ ſtunde in die See ſtechen ſollen. Das Schiff 64 — Gott und alle Heiligen moͤgen mit Euch und uns ſeyn. Lebt wohl! Nach und nach verlor ſich der Tumult und ein jeder begab ſich auf ſeinen Platz, um das Noͤthige zur baldigen Abfarth in Stand zu ſetzen. Nur wenige ſchwaͤrmten noch fort, ſich uͤber die baldige Thaͤtigkeit freuend. Die Stunde der Abreiſe erſchien und mit guͤnſtigem Winde ſtachen die drei Schiffe unter dem Donner der Kanonen von den abgehenden und dem bleibenden Schiffe in die See. *X Der Wind war guͤnſtig und die drei Schiffe ſegelten ſchnell vorwaͤrts. Es wurde bald Abend, die Offiziere ka⸗ men alle auf die Iſabelle des Admirals und da es ein herrlicher Abend war, ſo ſetzten ſich dieſelben auf das Verdeck des Schiffes. Ruhig gliütt das Schiff auf dem unuͤberſehbaren Oeeane 65“ Eduardo fuͤhlte ſich wehmuͤthig geſtimmnt. deshalb griff er nach der Floͤte, die er von 8 einen ſeiner Leute gekauft hatte, ſetzte ſich wie⸗ der unter ſeine Freunde und ſpielte die herr⸗ lichſten Oupertuͤren, Sonnahen und Arien. Alle lobten einſtimmig den ſchoͤnen Floͤtenbla⸗ ſer. Er achtete wenig darauf, ihm war es— genug, daß es ihm leichter um's Herz war. Fruͤh des andern Morgens ertheilte er ſeinen Schiffen Ruduo und Virginig den Be⸗ fehl, ſich nach der Tuͤrkei zu wenden, um wo moͤglich den Unglaͤubigen einige Schiffsladun⸗ gen abzunehmen. Es geſchah. Eduardo landete bald mit ſeiner Iſabelle in dem Haven von Cagliari auf der Inſel Sardinien. Von ſeinem treuen Jonas begleitet ging er in die Stadt, ſeinen Offizieren hinterließ er den Befehl: das Schiff mit Kor u. dgl. m. reichlich zu vfrſehen. aſter Theil.. Neugierig begaffte er alle Haͤuſer. Ihm konnte die Stadt gefallen. Er war als ſpa⸗ niſcher See⸗Capitain gekleidet, die Admirals⸗ Uniform durfte er nicht anziehen, denn ſonſt waͤre es verrathen worden, daß er ein Kaper ſey. 2 2 5* Beſonders geſtel ihm das praͤchtige Uni⸗ verſitaͤtsgebaͤude, welches uͤber ſechshundert Schuh lang und dreihundert breit iſt. Nahe an dieſem ſchoͤnen Gebaͤude ſtand ein Haus, wie ein Palaſt. Eduardo beſah es und ge⸗ wahrte ein Maͤdchen, wie er noch keins ſo ſchoͤn geſehen hatte, an ihn vorbeiſchluͤpfen und in das Haus gehen. Ihr Gang war leicht und ſtolz, der Bau ihres Koͤrpers ſchien ganz zur Liebe geſchaffen, den Kopf bedeckte ein leichter Strohhut. Eduardo ſah ihr gleich ei⸗ nem Traͤumenden nach.„Herr Admiral, Ihr ſtehet ja ganz in Gedanken,“ ſprach Jonas laͤchelnd.„Siehſt du ſie, Jonas? das herr⸗ 4 liche Maͤdchen!“ Bei meiner armen Seele, ſprach Jonas, ſie war ſchoͤn. Zieh doch Erkun⸗ — 3 und langſam durchfuhren ſie die Straßen. 67 — digungen ein, ſprach Eduardo, wer hier wohnt. Dies that Jonas. Einige ſagten: der Beſitzer des Hauſes ſey ein franzoͤſiſcher Graf, andere wieder, ein vornehmer Italiener, die Dame ſey ſeine Tochter, mehr konnte er niaht erfahren. Dieſe ſoll meine Gattin werden oder keine; ſprach der Admiral im Ernſt zu ſich ſelbſt. Der Abend war indeſſen herangeruͤckt und beide begaben ſich auf das Schiff. Das Mittagseſſen. Unruhig war unſers Helden Schlaf, ſehr fruͤh kleidete er ſich ſorgfaͤltig an; miethete einen offenen Wagen, ſetzte ſich mit ſeinem Lieutenante hinein, Jonas trat hinten 68 Vergebens ſuchte der Admiral das ſchoͤne Maͤd⸗ chen an einem der Fenſter. Die Glocken er⸗ ſchallten und zahlreich begaben ſich Leute in die Kirchen ihrer Gemeinde. Eduardo glaubte ſie vielleicht in einer derſelben zu finden. Be⸗ zahlte den Kutſcher und ging in die vornehm⸗ ſte Kirche. 1 1 Langſam durchſpaͤhten ſeine feurigen Augen die Menge der Damen. Laut haͤtte er moͤgen aufjauchzen, denn die Schoͤne ſtand nicht weit von ihm. Sein Freund lobte die Schoͤnheit der Dame. Scherzend ſagte er zum Admiral: Wollet Ihr ſie Herr Admiral, ſo uͤberlaſſe ich ſie Euch gern, nur uͤberlaßt mir die, mit wel⸗ cher ſie eben im Geſpraͤche begriffen iſt. Herz⸗ lich gern, erwiederte Eduardo und ſah das⸗ Gluͤck ſeines Lebens mit Liebe gluͤhenden Au⸗ gen an; auch ſie gewahrte ihm; ein ſchoͤnes Roth uͤberzog ihre ganzen Wangen und ihre ſanften blauen Augen ſuchten den Boden. Sduardo, der dies gewahrte, war ganz entzuͤckt, 8& 1 — 48 8 3 5 59 6 8 er hoͤrte und ſah nur ſie, denn ſchon ſchrutt⸗ chelte er ſich, daß er ihr nicht gleichguͤltig ſeii 5 1 Endlich war der Gottesdienſt zu Ende, aber leider noch viel zu fruͤh fuͤr den verlieb⸗ ten Schwaͤrmer, ungeduldig wurde er, als ſie ſich entfernte, das Blut wallte raſchen in ſei⸗ nen Adern, er wollte zu ihr hineilen, ihr ſeine Liebe geſtehen, aber— was haͤtten die Men⸗ ſchen wohl von ihm geſagt? Langſam, in einiger Entfernung folgte er ihr nach und ſah ſie zu dem Hauſe, wo er ſie das erſtemal hatte hineingehen ſehen, wieder dahin eilen. Ihre Freundin, denn nach aller Muthmaßung war ſie es, ging mit ihr. So⸗ gleich war ſein Entſchluß gefaßt, er wolle ſich naͤmlich bei'm Herrn des Hauſes melden laſſen. Dies geſchah. Ein Bedienter fragte nach ſeinem Begehren. Gleich daran ie wieder und brachte ſie in das Geſellſchet . 70 — Verzeihen Sie mein Herr, ich habe ge⸗ höͤrt, daß Sie ein Franzoſe ſind, iſt dem ſo wahr.— Graf. Sie ſind irrig belehrt mein Herr, ich bin der Graf v. Luͤdeck, ein Deutſcher. Eduardo. Ich glaubte in Ihnen Herr Graf einen Freund oder Bekannten zu treß⸗ fen.— Graf. Mit wem habe ich denn die Ehre zu ſprechen? Eduardo. Mein Name iſt Carl, Graf v. Charloy und Toi, meine Guͤter liegen im ſuͤd⸗ lichen Frankreich.— Graf. Sie ſind jetzt wahrſcheinlich auf Reiſen? Eduardo. Nein Herr Graf, ich bin Cas itain eines Schiffs, das hier Lebensmittel h⸗ Graf. Die mannichfaltigen Unruhen in Deutſchland ließen in mir den Entſchluß rei⸗ fen, mich mit meiner einzigen Tochter hierher zu begeben; allein es ſieht hier auch kriegeriſch genug aus. Eduardo. Leider iſt ganz Europa in Kriege verwickelt. Der Graf Luͤdeck ſprach ſo gut franzoͤſiſch, als Eduardo, welcher, wie der Leſer weiß, von Geburt ein Spanier, war. Die Geſpraͤche wurden immer heiterer und Graf Luͤdeck bat unſern Eduardo nebſt ſeinen Lieutenant bei ihm zum Mittagseſſen zu blei⸗ ben. Eduardo und ſein Lieutenant ſießen ſich dieſes nicht zweimal ſagen; der len will, um ſie nach meinem Vaterlande 39 bringen, wo oͤfters große Noth iſt. — * — den. Bald erſchien die Tochter des Grafen Der Graf ſtellte den Kaper⸗Admiral ſeine Tochter vor; das feine Betragen derſelben, der melodiſche Ton ihrer Stimme, ihr ſchoͤner An⸗ zug, bezauberten den Admiral ganz. Die an⸗ dere Schoͤne, war die Tochter eines ſardini⸗ ſchen Edelmanns. Nach den wenigen Komplimenten und ei⸗ nigen gleichguͤltigen Geſpraͤchen ſchlug der Graf einen Spaziergang vor, der angenommen wurde. Ein ſchoͤner Garten hinter dem Hauſe war der Ort wohin man ſich begab. Die junge Graͤfin Adelheid war ſehr ge⸗ ſpraͤchig. Schon zweimal hatte ſie den Admi⸗ ral gefragt: warum er auf einmal ſo ſchwer⸗ muͤthig ſey? Als ſie ihn zum drittenmal fragte, gab er ihr die verkehrte Antwort: — todt. Adetheid laͤchelte und— ſchwieg. mit Namen Adelheid und die Unbekannte. Mein Vater und Mutter ſind ſchon laͤngſt — Man trat in's Haus und ein hetines Mittagsmahl wartete den Ermuͤdeten. Dei 4 Tiſche herrſchte die froheſte Laune, wozu die junge Graͤfin und ihre Freundin Roſchid ſehr viel beitrugen. Man unterhielt ſich bis am Abend, der fuͤr die beiden verliebten Seefah⸗ rer viel zu fruͤh herbei kam. Beide ſollten zum Abendeſſen da bleibenz allein Eduardo ſchuͤtzte Geſchaͤfte vor und ent⸗ 5 fernte ſich mit dem Verſprechen recht bald wieder zu kommen. Auf dem Wege nach einem Gaſthofe, won hin ſich der Admiral und ſein Lieutenant be⸗s gaben, ſprach Letzterer: Herr Admiral ich gehe nicht wieder in das Haus, denn der jungen Grafin Freundin iſt eine Buhldirne, beim Abſchiede als ich ihr die Hand kuͤßte, druͤckte ſie die meinige mehreremal und ſo etwas thut ein rechtliches Maͤdchen nicht. Eduart legte ſich zu Bette; allein erſt ails 4 5 ———, wieder zu tagen, entſchlief er von holden Bil⸗ dern der Liebe umgaukelt. Seine Unternehmungen, die er mit ſei⸗ nem Schiffe machen wollte, waren ſeinem Ge⸗ daͤchtniſſe entſchwunden. Durch ſeinen Lien⸗ tenant ließ er ſeinen Leuten ſagen, daß er ſich in der Stadt einmiethen wolle, ſie ſollten ſich hier vergnuͤgte Tage machen. Den folt genden Nachmittag begab ſich der verliebte Spanier abermals zum Grafen v. Luͤdeck. 1 Man trank den Thee im Garten, der ſehr durch die Geſpraͤche Adelheidens gewuͤrzt Ein Bedienter brachke einen Brief. Luͤ⸗ deck erbrach ihn und las mit Erſtaunen, daß er wegen eines Duells, welches er im vori⸗ gen Jahre gehabt hatte, nach einer zehu Stunden von hier entfernten Stadt vor das Gericht ſech begeben ſolle. u 2 heid! Wie? Du wollteſt unſern Gaſt und Freund allein hier zuruͤcklaſſen? fragte Luͤdeck mit einem ernſten Blick, der eine Beſchaͤs mung der Betroffenen nach ſich zog. Luͤdeck eilte nach ſeinem Zimmer, ſeine Sachen in Ordnung zu bringen. Den andern Tag ſchon reiſte er ab, nach⸗ dem er zuvor zu ſeiner Tochter ſprach: Toche ter, ich mache es Dir zur groͤßten Pflicht, fuͤr unſern Gaſt zu ſorgen; er wird bis zu meiner Zuruͤckkunft in dieſem Hauſe wohnen und Dir rathen and helfen, wenn Du ſeiner. bedarfſt, ſo bald werde ich wohl nicht wieder⸗ kommen. aps heretngehende e und war! Augen entſchwunden. Ich begleite Dich mein Vater! tief us — 8 — — —õ * 4 2 GSortt! nun iſt mein Vater fort, ſprack Adelheid, ſich unbefangen an des Freundes Arm haͤngend, und wanderte mit ihm durch die Straße, die ihr Vater geritten war. Ich fuͤrchte nur, ſprach ſie, Sie werden bald die Qualen der langen Weile empfinden und die Sehnſucht nach der geliebten Heimath wird ſich Ihres Herzens bemaͤchtigen. Wenn Sie, ſchoͤne Graͤfin, ſagte der Spanier, ihre Hand an ſein Herz druͤckend, dieſes Haus nicht verlaſſen, ſ wird es hier wle im dieſe ſeyn. Dis Deutſche erwiederte: ich glaube die 3 Franzoſen ſind die groͤßten Schmeichler auf — der Welt;— Nact⸗ Bei dem 1 großen Se Lebenden e— igkeit. 5* Se ſind aus Marſeitte? fragte die Srs ain mi einem ſchelmiſchen Laͤcheln.— —yy— „Verzeihen Sie, aus Toulon. Fruͤh eilte ich auf die Fluthen des wilden Oceans, und unter Seefahrern findet man keine Bildung, noch weniger Schmeichelei. Sie macgen aber von den Seefahrern eine Ausnahme, Herr Graf. In eben dieſem Augenblicke erſchien ein Bedienter und lud zur Abendtafel ein. Dies kam dem Admiral recht gelegen, denn er 8 hatte lange nichts gegeſſen. Zwei Wochen waren verſtrichen und Li⸗ deck war noch nicht zuruͤckgekehrt. Die Liebe des feurigen Spaniers wuchs biuht ſo wie Abelheldens Neigung zu ihm. Auf einmal befangenes, frur ich 83 hetters, an⸗ ja d ft hhe nes Veaees er ſie dann nach der Urſache, ſo auaͤlte ſie ein heftiges Kopfweh. Bat ſie der Spanier zu ſpielen, ſo war das Clavier verſtimmt, oder etwas anderes war die Urſache ihrer Weigerung. Oft ſchien ſie mit Abſicht den Spanier zu fliehen, zog ſich dieſer dann be⸗ ſcheiden zuruͤck, ſo ſuchte ſie ihn auf und bat um ſeine Geſellſchaft zu einem Spaziergange. Der Admiral, ogleich noch unbekannt mit den Koketterien der Damen, legte dieſes ſon⸗ derbare Benehmen doch zu ſeinem Vortheile aus, worin er ſich auch nicht irrte. Seine Liebe zu ihr wuchs mit jeder Minute und doch hatte er das Herz nicht, ſich durch ein freies Geſtaͤndniß ſeiner Qual zu entladen. Sowohl bei'm Schlafengehen als auch bei'm Erwachen, war ſein erſter Gedanke an Adelheid. Der Admiral und der Graf. Der Kaper⸗Aomiral begab ſich eines Ta⸗ ges auf ſein Schiff, mit lautem Jubel wurde er empfangen, denn ſie hatten der Ruhe nun lange genug gepfleget und ſehnten ſich wieder auf das ſtuͤrmiſche Element. Der Admiral begab ſich mit den Lieutenants und dem Schrei⸗ ber nach der Cajuͤte, wo er dem Letzteren ſeine Befehle dictirte. Dem Lieutenant gab er den Auftrag mit dem Proviant ſich ſchleunig nach der Inſel Stromboli, ihrem Aufenthaltsorte, zu begeben, da vielleicht die Zuruͤckgebliebenen den Proviant noͤthig haͤtten. Aber er, wolle noch vier bis fuͤnf Wochen hier bleiben, wo Sas Schiff wieder kommen ſolle um ihn abzus holen. Der Lieutenant verſprach die Befehle des Admirals auf's Dänttüchſt zu erfigen. ℳ Mt gutem Winde each es 8b Tag in die See. — 80 — Ebuardo begab ſich wieder in das Haus, wo alle ſeine Wuͤnſche und Hoffnungen waren. Er traf die herrliche Adelheid nicht in ih⸗ rem Zimmer; warf eine Flinte uͤber und wan⸗ derte nach einem Gehoͤlz, das nach des Grafen v. Luͤdeck Ausſage ſein Eigenthum war. Die Koͤnigin des Tages hatte ihren hoͤch⸗ ſten Standpunkt erreicht; ſingende Landleute verkuͤndigten ihre Zufriedenheit. 4 3 Ganz mit eigenen Ideen beſchaͤftiget, ach⸗ tete der Spanier des Weges nicht; die Phanta⸗ ſſte mahlte ihm die Zukunft mit den herrlich⸗ ſten Farben. Oefters dachte er wieder an die Vergangenheit und ſein Herz wurde mit Trauer erfuͤllt.. Dann wuͤnſchte er ſich hinaus auf das ſtuͤrmiſche Meer, wo nichts als Waſſer und Himmel zu ſehen iſt. Aber nur ein einziger Gedanke an Adelheid und ſeine Plaͤne, ſeine 81 —— goldenen Hoffnungen ſcheiterten, wie das Schiff auf der verborgenen Sandbank im Oceane. Daher war er nie heiterer, als in dem Um⸗ gange der ſchoͤnen Deutſchen, die das Muſter des weiblichen Geſchlechts war. 7 Auf einmal vernahm er in einiger Entfer⸗ nung einen Schuß, der ihn aus ſeinen Traͤn⸗ men weckte. Bald folgte ein zweiter und drit⸗ ter, und ein verwirrtes Geſchrei und Degen⸗ geklirr hoͤrte der horchende Graf v. Charloy und Toi. Er ahndete nichts Gutes, indem er ſchnell nach der Gegend zu eilte. Aber wie groß war ſein Erſtaunen, als er den Grafen Luͤdeck ſich gegen vier Kerls vertheidigen ſah. Am Boden lag der Diener des Grafen und mit halben Kopfe einer der Gauner. Der Spanier machte ſich ſchußfertig und ſtreckte augenblicklich einen der Naͤuber zu Boden. Die Naͤuber wendeten ſich nun gegen den neuen Feind. Dieſer vertheidigte ſi maͤnnlich) wuͤrde aber doch unterlegon haben ꝛſtar Theil. 5 82 —,— wenn nicht Luͤdeck auf ſeinem wilden Hengſte herzugeeilt waͤre. Bald ſtuͤrzte der andere der Raͤuber auch, die beiden uͤbrigen ſuchten das Weite, allein einen jagte der Spanier noch eine Kugel durch den Kopf. Luͤdeck ſprang vom Roſſe und ſtuͤrzte in die Arme Eduardo's. Freund! rief er voll Begeiſterung, wie ſoll ich den Retter meines Lebens lohnen! Nur ſtill, redete der Admiral, laſſen Sie uns eilen, ganz gewiß ſind noch mehr derglei⸗ chen Schnapphaͤhne in der Naͤhe und wir ſind zu ſchwach ihnen zu widerſtehen. Mit ernſten Worten hob der Sprecher den Graf auf's Roß, das ſehr ſtark blutete, ohne weiter auf Luͤdeck's Ausbruͤchen der Dank⸗ arkeit zu hoͤren. 63 Q— ,— Des treuen Dieners Pferd kam langfam daher, nur hinkte es ein wenig. Der Kaper⸗ Admiral ſchwang ſich darauf und nun ging es ſchnell fort. Vier der Raͤuber lagen todt am Boden, der fuͤnfte war entronnen. Der Arm des Don Eduardo da Naſto blutete ſehr; einer der Banditen hatte ihm mit einem Schuſſe verwundet. Adelheid ſah zum Fenſter hinaus und eilte voll Freude den geliebten Vater und den lie⸗ ben Eduardo, wenn ich den letzteren ſo nen⸗ nen darf, entgegen. Sie bemerkte, daß ſo⸗ wohl des Spaniers Arm, als auch der Kopf des Vaters blutete. Der Vater druͤckte ſie in ſeine Arme, den rettenden Admiral aber die maͤnnliche Rechte.„Dieſem Freund! rief er. haſt du es zu danken, daß du mich wieden ſiehſt, waͤre er nicht gleich einem Engel vom Himmel mir geſandt, ſo haͤtteſt du mich nicht wieder geſehen. Mein Koͤrper w ch ſtarrt; meine Augen dich nicht ſehen 4— zoͤnnen.— O Tochter! haͤtteſt du ihn geſehn, wie ritterlich er kaͤmpfte, du wuͤrdeſt ihn fuͤr einen Kriegsgott gehalten haben.“ Der Graf haͤtte noch in dieſem Tone fortgefahren, haͤtte ihn nicht Eduardo den Mund zugehalten, und ſie gingen in das Haus, nachdem er die noͤthigen Befehle, nach einem Wundarzte zu ſchicken, um den Arm ſeines Freundes verbinden zu laſſen, gegeben hatte. Auch ließ er es der Polizei melden, welche ſo⸗ gleich Bewaffnete dahin ſendete, die aber nichs als Blut fanden. Die Koͤrper der Todten waren verſchwunden. Luͤdeck erzaͤhlte ſeiner Tochter und ſeinem Freunde, er ſey langſam mit ſeinem Diener daher getrabet und im Walde von fuͤnf Ban⸗ diten angefallen, die ſeinen Mantelſack und Boͤrſe gefordert haͤtten. Den erſten habe eine Kugel getoͤdtet, aber die Ueberlegenheit ſeiner 4 Feinde ſey zu groß geweſen und er wuͤrde gewiß ſein Leben verloren haben, wenn en nicht Graf Charloy zu Huͤlfe gekommen Wäre. Die junge Graͤfin hoͤrte dieſe Erzaͤhlung mit Entſetzen zu und befahl Thee zu bringen, indeß ihr Vater von Angſt und Kampf ermuͤ⸗ det, ſich auf's Sopha warf und der Admiral auf ſein Zimmer eilte, um ſeine blutige Klei⸗ dung mit einer beſſern zu verwechſeln. Als er ſich angekleidet und ein Arzt ſeine Wunde verbunden hatte, ging er auf das Zimmer Luͤdeck's. In ſeinem Herzen kaͤmpften die Leidenſchaften einen ſtarken Kampf, wo die Liebe den Sieg davon trug.— Der Graf v. Charloy ſammelte ſich und war im Begriffe zu reden, aber mehrere Male verſagte ihm die Zunge den Dienſt und eine Angſt, die er ſich nicht zu erklaͤren wußie be mäͤchtigte n ſi ch ſeiner. 86 — Herr Graf, redete er endlich mit feſter Stimme, als Sie mich, nach jenen kleinen Scharmuͤtzel, an's Herz druͤckten; da aͤußerten Sie den Wunſch, mich fuͤr meine That lohnen zu koͤnnen.— Wenn Sie wollen, ſo koͤnnen Sie es!——— Bitte recht ſehr, laſſen Sie mich ausreden. Ich bin aus einer ural⸗ ten Familie Frankreichs, den Namen Charloy und Toi kennt die ganze Provinz; ich bin reich, ſehr reich; und— frei und unabhaͤngig. Geben Sie mir, edler Mann, ihre ſchoͤne Tochter Abelheid zum Weibe. Dieſer war verlegen.— Von Begeiſte⸗ rung ergriffen, rief er auf einmal aus: Freund! wenn ſie Ihnen ſo liebt, wie ſie geliebt wird, ſo a61 Dhnan meine Eieniund nawiß Graf Luͤdeck, unterbrach ihn Graf Chne 1oh, Sie machen mich nur halb gluͤcklich, denn Ihre Tochter weiß nichts von meiner Liebe. Wollen Sie fuͤr mich reden, ſich bei der jun⸗ gen Graͤfin verwenden? Das thue ich gern, ſprach der Graf. Si werden gewiß von ihr geliebt, und dann auf der Hochzeit—— Noch heute erfaͤhrt meine Tochter alles und Sie erhalten ſogleich Ant: wort. „Nun was werde ich denn erfahren?“ fragte Adelheid, die in die Stube gekommen war, ohne daß man es bemerkt hatte. Tochter, ſprach Luͤdeck, kannſt Du mit dem Graf v. Charloy glüͤcklich ſeyn, er han bei mir um Di ausehalten;. 1 .8 ſtehe hier auf Dornen und Neſein, Cuden e ihre Hand ergriff, die in der männlichen ebte) 8 ſprach bittend Eduardo. Vater! Graf! Kainefer Adelheid. 88 —,— Nun, ſo rede doch, ſprach der Graf. Ach ja, antwortete die Gefragte und ſank an die Bruſt des Gluͤcklichen. Charloy! Adel⸗ heid! waren die einzigen Worte der Liebenden. Der Graf ſprach geruͤhrt: Werdet gut und brav meine Kinder, der Segen des Himmels moͤge Euch auf allen Euren Wegen begleiten. Das Verhoͤr. Der alte Delſino da Raſto ſchmachtete nun bereits zwei volle Jahre in ſeinem er⸗ aͤrmlichen Kerker, und dennoch hoffte er noch immer, daß Gott ihn, als einen Unſchuldigen, aus dieſem Gefangniſſe befreien wuͤrde. Eines Tages wurde das Loch, wodurch ihm Speiſe gereicht wurde, vergroͤßert, und man that ihm zu wiſſen, daß er hier durch kriechen ſolle, weil man ihn verhoͤren wolle. 89 Der Greis, ganz mit Lumpen, Ungezie fer und Koth bedeckt, konnte, ohne die Hulſe der zwei Diener der Inquiſttion, nicht durch⸗ kriechen, denn er war ganz ſteif. Mit vieler Muͤhe wurde er herausgebracht. Der Weg nach dem Verſammlungsſaale des Gerichts glich einer Moͤrdergrube, uͤberall lagen Hirn⸗ ſchaͤdel, Knochen von Armen und Beinen und dergl. mehr. Delſino war durch die lange Einkerkerung abgeſtumpft, er konnte nicht weinen, er glaubte ſich in jene Welt verſetzt, haͤtten ihn nicht zwei Maͤnner mit Larven vor dem Ge⸗ ſichte gefuͤhrt.. Gleich einem Stuͤck Fleiſche ſo warf ma den Greis, der nie ein Kind beleidigt hatte. in einen Keſſel voll warmen Waſſers. Dar⸗ auf machte man die Lumpen von ihm ab und wuſch ihn mit einem Strohwiſche, daß der Greis vor Schmerzen einer Ohnmacht nahe war. Als er nun genug geſcheuert War⸗ —— 6 2— hoben ihn die Henkersknechte heraus und be⸗ kleideten ihn mit einem gelben Hemde, wor⸗ auf allerlei Figuren gemalt waren, als: die Hoͤlle, wie die Suͤnder in ihr verbrennen, auf einer andern Seite der Seligmacher der Menſchen mit den Frommen, die uͤber das Geſchrei der Boͤſen frohlocken, Schlangen und Sideren. Geduldig ließ der Greis Alles mit ſich machen. Der Weg fuͤhrte durch viele dunkle Kerker, die alle beſſer als die des Delfino waren. Ganz ermattet kam er mit ſeinen Fuͤhrern in den erſanmlungeſai der Vaͤter der Kirche. Der Großs Tnchiſteeea Aedets ihn uſe an: Delfuns da Raſto, Du haſt Dich ſchwer e Dotr und ſeinen Heiligen veiſandiger. Delfino. Ich habe mich weder an Gott* noch an ſeinen Heiligen verſuͤndiget, Hauaf will ich das Mahl des Herrn nehmen. Groß⸗Inquiſttor. Frevle nicht! Du biſt ein Greis und befleckeſt Deine Suͤnden noch mit Luͤgen? Delfino. Ich bin mir keiner Luͤge be⸗ wußt. Groß⸗Inguiſttor. Haſt Du nicht geſge. daß Du es zwar glaubteſt, daß unſer Heiland den Lazarus erwecket habe, allein wir tänutea es nicht begreifen? 4“ Delfino. Das habe 15 nnche Seſast. fon⸗ dern mein Gohte 4812 Groß⸗Inquiſitor. Aber Du haſt Beifall zugelaͤchelt. 5 22., Delfino. Schaͤndliche Luͤgen. Bei allem was Euch heilig iſt, edler Mann, ſagt mir nur wo mein Sohn iſt. O! dann will ich ja gern ſterben. L Groß⸗Inquiſttor. Ich will Dir reinen 4 Wein einſchenken. Wir wiſſen nicht wo Dein DSDohn iſt, in unſerer Gewalt iſt er nicht. Rach Muthmaßungen iſt er in Amerika. Delſino. Ha! Dank Euch, edler Mann. Groß⸗Inquiſitor. Ferner haſt Du geſagt, daß Jeſus Chriſtus nicht in einer Krippe, ſondern in einer Scheuer gelegen habe. Delſino. Ich will mich nicht mehr ver⸗ antworten, denn man glaubt mir doch nicht. 3 Groß⸗Inquiſitor. Rede nur! ja oder . Delfino. Nein! Warum mußte ich ſo lange Zeit in einem Loche, das fuͤr de 4 ſchlechteſten Menſchen zu ſchlecht iſt, eingeker⸗ kert ſeyn? Seyd Ihr Maͤnner des Herrn? Groß⸗Inqutſitor. Schweig! und frevle nicht, erbaͤrmliche Creatur, oder Du biſt des Todes. Delfino. Nichts anderes erwarte ich von euch Barbaren,(mit Wuͤrde) ein Raſto weiß zu ſterben. Durchbohrt dieſes Herz, es iſt Wohlthat; Ihr fuͤllet das Maas der Suͤnd ſo voll, bis es uͤberlaͤuft; uͤber Euch iſt auch noch ein Richter. 4 Groß⸗Inquiſitor. Knechte, thut eure Schuldigkeit und ſchmeißt den alten Sünder auf die Folterbank. Seine Begleiter fuͤhrten ihn durch meh⸗ rere dunkle Gaͤnge, loͤſchten ihre Fakeln aus und Alles war von undurchdringlicher Finſter⸗ niß umgeben. In derſelben Minute erſchallte ein lautes Getoͤſe. Der Greis ſtand unbeweglich, griff um ſich; rufte ſeine Waͤchter, aber nur das Echo des geraͤumigen Gewoͤlbes wiederholte die Worte. Doch— nicht lange mußte er hier 3 harren, als er ſich von ſtarken Armen ergriffen fühtte und man ihn abermals in einen ſchwar⸗ zen Saal brachte, wo man ihn noch einmal die ſchon an ihn gethanen Fragen that, die er eben ſo wie vorher beantwortete. es Hier hatte er wieder andere Richter vor ſch; der Groß⸗Inquiſitor war ein freundlicher Mann, ein Inſpector und Secretair ſaßen zu ſeiner Seite, hinter ihm die Inguiſitoren. Sechs Mann, von Giganten⸗Groͤße, ſtanden am Ende des Saales, ihre Gewaͤnder waren ſchwarz und bedeckten ſie bis zur Fußzehe, ſ 95 * waren auch ihre Koͤpfe in dichte Capuzen einge⸗ huͤllt, woraus nur die Augen hervorlugten. Die Geſtalten, den Geiſtern der Hoͤlle aͤhnlich, waren nicht vermöoͤgend den edlen Greis aus ſeiner ruhigen Faſſung zu beingen. Auf den Fußboden lagen alle Arten von Folterinſtrumenten zerſtreut umher und Stricke von verſchiedener Laͤnge und Dicke; eiſerne Haken und Reibeiſen waren in der Mauer be⸗ feſtigt und an dieſen war Blut. Folterknechte thut Eure Pficchen rief der Groß⸗Inquiſttor, aber man ſah es ihm an, daß es ſein Ernſt nicht war. Dieſe ergriffen den edlen da Raſto und ſetzten die Folterinſtru⸗ mente in Bereitſchaft. 3 Geht mir den dod, ſprach der Grets 8 4 5 blickte laͤchelnd gen Himmel, leiſe Winde true gen dieſe Worte zu des Schoͤpfers dhehn n neensV 96 — — er ſollte zwar teben, aber doch zufriedener und bequemer⸗ Die Folterknechte befreiten ihn von den Stricken, mit denen ſie ſchon die ſchwachen Arme des Alten gefeſſelt hatten. 4 Marquis Delfino da Raſto, vermoͤge mei⸗ nes Amtes, redete der Groß⸗Inquiſitor, mildere ich Dein Urtheil. Du ſollſt hier nicht Dein Leben enden. Die Inſel Ferejados ſey dein Berbannungsort, Du wirſt dort noch eilf Un⸗ gluͤcksgefaͤhrten antreffen. Ein Schiff wird Dich bald mit günſtigem Winde dort hin füh⸗ ren. Gluͤck auf den Weg! 3 — Da traten ſeine Waͤchter zu ihn und rachten ihn in ein reinliches Zimmer. Dem 8s Schoͤpfer dankend ſiel hier der Greis mit ſei⸗ nem ſilbernen Haupte zur Erde und betete nnbraͤnſtig. . fuͤhrte uͤber Berge, Thaͤler und Tiefen; denn den Weg, den andere ehrliche Leute gingen, ſcheute die heilige Inquiſition. nach zwei Tagen landete man an der Inſel wurden an's Land geſetzt. Der Greis baute ſich eine Huͤtte unter einem hervorragenden Felſen und lebte nebſt ſeinen zwoͤlf Ungluͤcksgefaͤhrten zufrieden und eintraͤchtlich. Die Inſel war zwar klein, aber ſie brachte doch ſo viel Lebensmittel herver, daß einige Hundert noch Ueberfluß gehabt haͤtten. Feigen, Melonen, Tatteln, Apfelſinen 3 neunzehn Fuß uͤber dem Meere und wa e⸗ ſonders reich an geſunden W Saſſer und 5 iſter Theil. Schon nach wenigen Tagen wurde er von hier abgeholt. Er weinte vor Freude wie ein Kind, als er die ſchoͤne Natur ſeit ſo langer Zeit zum erſtenmal wieder ſah. Der Weg ————— Guͤnſtige Winde ſchwellten die Segel und Delfino nebſt noch einen ihm Unbekannten und Zitronen wuchſen hier wild. Sie lag 98 Einer unter ihnen war ein leidenſchaftz licher Jaͤger, ein Gewehr hatte man ihn nicht gelaſſen, deshalb hatte er ſich Bogen und Pfeile verfertigt, mit denen er beſtaͤndig die Voͤgel verfolgte. In ſeiner Wohnung waren dieſe mit hoͤlzernen Naͤgeln angeheftet. Die eine Seite des Zimmers war mit dergleichen gleichſam austapezirt; ſein einziger Wunſch ſey, ſagte er eines Tages, daß ihn nur der Schoͤpfer ſo lange das Leben laſſen moͤge, bis die Stube voll ſey. Hier lebte nun der gute Delfino recht zu⸗ frieden, gleich einem Einſiedler, den ehemali⸗ gen Stand und Reichthum vergeſſend. Die Flucht. Auf den Fittigen des Windes ruͤckte der Tag der Vermaͤhlung heran. Eduardo kaufte ein kleines Landgut nebſt den Wohngebaͤuden, kaum eine à Er ließ die geſchickteſten Maͤnner aus der Stunde von der Stadt gelegen. Stadt kommen, um hier alles auf das Schenſte 8 einzurichten. Der Tag der Verbindung kam und der Spanier lebte im hoͤchſten Wonnetaumel. Ein Bedienter meldete, daß ihn ein fremder Herr zu ſprechen wuͤnſche. Eduardo ahndete und einer von ſeinen Lieutenants trat herein und meldete, daß das Schiff wieder da ſey um ihn* abzuholen, die Leute des vor Anker liegenden 3 Schiffs wollten auch einmal auf's naſſe Ele⸗ ment und haͤtten gemurrt, daß weder ihr Ad⸗ miral, noch eins von den anderen beiden Schiffen zuruͤckgekehrt ſey. Hier iſt meine Hand, heute üͤber acht Tagen gehts von hier fort. Heute habe ich Hochzeit, wo ich Euch und euren Compagnon zu mir bitte; den Schiffsleuten gebr doppelte Portionen. Auf ſein Bitten wurde ſte voollzogen, nur die beiden Lientenant 190 — Freundin Adelheids mehrten die Zahl der Gluͤcklichen. Graf Charloy war ſehr heiter; ſeine Braut ſaß zu ſeiner Rechten. Im Kreiſe der Freunde herrſchte frohe Laune und der koͤſt⸗ lichſte Wein belebte die Gemuͤther. Graf Charloy. bezog auf Bitten ſeiner Gemahlin das Landgut und die Lieutenannts ſtatteten taͤglich Beſuche ab. An einem Morgen, als man im Garten . fruͤhſtuͤckte, betrachtete der alte Graf Luͤdeck ſeinen Schwiegerſohn ſehr aufmerkſam. Die⸗ ſer merkte es und war hieruͤber verwundert. Herr Sohn, ſprach Luͤdeck⸗ Sie ſind nicht es ſcheint zwar ſo, aber der „ In eben dem Augenblicke geſchah eimn Schuß, die Kugel ſauſte an Luͤdecks Oht vor⸗ 4 bei. Schnell forſchte man nach dem Thaͤter, aber keine Spur war zu finden. . 3 Charloy und ſeine Adelheid lebten gluͤck lich im genaueſten Sinne des Worts, er liebte ſie wie ſein Leben und ſie betete ihn an. Der achte Tag ruͤckte mit Rieſenſchritten heran. Luͤdeck machte zu eben dieſer Zeit eine kleine Reiſe nach der Hauptſtadt, ach! er ahn⸗ dete nicht, daß er ſeine Tochter zum letztenmal 4 geſehen habe. Am achten Tage druͤckte der Lieutenant den Graf Charloy einen Zertel in die Hand, dieſer entfernte ſich und las: Admiral! „Wenn Euch Euer Leben lieb „fernt Euch noch heute und kon „ Schiff, ſonſt ſind wir und „man weiß, daß Ihr einen falſchen Paß „vorgezeigt habt, deshalb eilet an Bord; „Zaudern bringt die Gefahr näher und der „Sturm iſt noch im Entſtehen. Nehmt es „Euch zu Herzen, dies raͤth Euch Euer Freund Ambulo, Lieutenant der Iſabelle.“ 8 Der Admiral war mit, ſich ſelbſt uneinig, was er thun wolle, ſollte er entfliehen und das, was ihn das Liebſte auf der Welt war, der Verzweiflung preis geben und ſich ſelbſt unzech machen! 139 Spanier gab ſich alle Muͤhe, die Unruhe ſeines Herzens zu verbergen; allein es war ihm nicht moͤglich, welches auch der Graͤ⸗ fin nicht entging. Auch Adelheid empfand eine Unruhe, die ſie ſich nicht zu erklaͤren wußte. f. ahten üher die Erde warf, weilte der Graf 1 56 — Charloy ganz in Gram verſunken auf ſeinem Zimmer.. Bis nach Mitternacht ſcrieb er Vriefe Da erinnerte ihn ſein Lieutenant Ambulo an die Abreiſe. Geh und laß drei Pferde ſatteln, ſprach der Graf Charloy betruͤbt, ich muß fort, das Schickſal will es ſo! Admiral Eduardo da Raſto! ſprach Am⸗ bulo, Du traͤumſt?— Sey doch ein Manm⸗ 8 was truͤbt Deſnen Sinn? Ambulo! rief der Spani er, 19 ſoll ſo gleichguͤltig ein mich liebendeg Weis verlaſſen und du fragſt?“ 3 Nimm doch Dein Pes Gprecher. I 4., Adelheid kennt mich als einen franzoͤſiſchen Graf Carl v. Charloy und Toi, nicht— als das Oberhaupt der Seeraͤuber. 1 Du biſt beruͤhmter als der Graf v. Luͤ⸗ deck, Deinen Namen kennen ſchon alle Ge⸗ wäſſer. Liebt ſie Dich ſo ſehr, ſo ſolgt ſie Dir auch.— Bis an das Ende der Welt! ſchrie eine kreiſchende Stimme und Adelheid lag in den Armen des erſtaunten Spaniers. Adelheid, ſprach der Admiral, willſt du mir ſolgen, den Admiral der Kaper? Ich will, war die Antwort der Befragten, nur der Tod kann mich von Dich trennen, ſey Du Graf Charloy oder Seeraͤuber. raͤuberfuͤrſt fuͤrchtend. Kannſt Du mir vergeben? ſprach der Seec⸗ Zimmer und ſchrieb an den Grafen Luͤdeck, wo⸗ — Von Herzen gern, denn ich kiebe Dich. Aber mein Vater? Doch— die Pflichten einer 3 Gattin ſind wichtiger, als die eines Kindes ge⸗ gen den Vater, ſagte ſich die Trauernde zum Troſte. Gern will ich mein zweites Vaterland verlaſſen, denn nur bei Dir bluͤhet mein Gluͤck. Koſtbarkeiten habe ich bei mir, und wenn es ſeyn muß, nun fort! fort auf des weiten Mee⸗ 8 res Raum, um das Zuruͤckgebliebene vergeſſen zu lernen! Der Admiral eilte noch einmal auf ſein rin er ihn Alles meldete. Im Geſpraͤche begriffen fand er ſeine Adel, heid mit Ambulo und einen Diener; in moͤglich ſter Eile gieng es zu Pferde nach dem Haven. Mit der Annaͤherung ſchwand Adelheids Stand⸗ haftigkeit, Thraͤnen entfielen den ſchoͤnen Augen. 2 106 — Bald war der Haven erreicht und man ſahr diele Schiffe vor Anker liegen. Noch ein⸗ mal blickte ſie nach der geliebten Stadt. . Der Lieutenant Ambulo zog ein Tuch her⸗ vor und ließ es vom Winde ſpielend, wehen. 2 Auf dem Maſte wehete die hochrothe, ſchwarzgeflammte Flagge. Der Spanier ſprang vom Pferde, ſeine Gattin, Ambulo und der Diener folgten dem Beiſpiele; der Diener wurde mit den vier Pferden und ein Trinkgeld von zehn Piaſter zuruͤckgeſchickt. Eduardo nahm ſie auf ſeine Arme und tong ſie in das gegen ſie anrudernde Boot. Als er auf dem Schiffe angekommen war, empfteng ihm ein freudiges: Es lebe der Admi ral Eduardo da Raſto; die Kanonen donnerten zu werden, nur zuweiben trnbr man lichtete die Anker und ſteckte bte Suae 3 niſche Flagge auf. Eduardo dankte und eilte in die Cajuͤte Mit Schnelligkeit wurden die Gewaͤſſet Firchſchnitten. Je mehr man ſich von Sardi⸗ nien entfernte, deſto mehr ſchwand auch der Truͤbſinn der Gattin des Admirals. Eduardo gieng oͤfters auf's Verdeck um ſich ſeinen Leuten zu zeigen, unter denen er viele bekannte, aber auch fremde Geſichter fand. Dem Seeretaͤr aͤußerte er ſeine groͤßte Zufrie⸗ denheit uͤber die Fuͤhrung der Schiffsbuͤcher. 8 Am andern Morgen ſah man die Infet Formentera, die man aus guten Gruͤnden ſorg: filtig mied. Adelheid fing an das Seeleken Sean 108 4* —,— 3 4 Admiral hatte bald die Geſtade Sardiniens ver⸗ geſſen, da ihn ſein einziges Gluͤck begleitete, und mit Ungeduld erwartete er eine Gelegen⸗ 6 heit ſeinen Muth zu zeigen, und ſein Wunſch wurde bald erfuͤllt. Eines Tages, da der Wind heftig blies und das Schiff hin und her geſchleudert wurde, ſah man ein ſchnellſegelndes Fahrzeug. Der Wind trieb es, trotz aller Anſtrengung der Geg⸗ ner, gerade auf das dem Admiral gehoͤrige zu. 1 Eduardo erkannte es fuͤr ein engliſches Kauffar⸗ theiſchiff und man machte Jagd darauf. 32u dieſem Endzwecke wechſelte Eduardo 3 die Kaperflagge mit der engliſchen. Das fried⸗ liche Schiff war ſtark beladen und von ſchwer⸗ faͤlligem Baue. . 94 Als es ziemlich nahe war, zeigte der Ad, miral die Kaperfahne und forderte den Befehls haber auf ſich zu ergeben; da dieſer aber hier⸗ ts wiſſen wollte, ſo wurden die Schießt on nich luken im Nu geoͤffnet. Ja, ſeine Dreiſtigkrit ging ſo weit, daß er dem Kaperadmiral ſagen ließ, er werde ſich und ſein Eigenthum bis auf den letzten Blutstropfen vertheidigen. Der A⸗ miral der Corſaren war nicht wenig hieruͤber er⸗ ſtaunt, er ließ ihnen daher zum andern Mal ſagen, der Admiral Eduardo da Raſto riethe f ihm ſich nicht zu widerſetzen, ſonſt haͤtte er das Schlimmſte zu gewarten. Hierauf kam die Antwort: man wolle ſich 3 von der Tapferkeit des Admirals uͤberzeugen. Die Kanonen der Iſabelle bohrten beinahe das engliſche Schiff im Boden, und Alles ſchrie um Gnade und warf die Waffen in das Mer. Eduardo ruderte in einem Boote nach dem „Schiffe; ſeine Getreueſten begleiteten ihn. Der Capitain des Schiffs kam ihm entgegen, und bat in den ruͤhrendſten Ausdruͤcken un Gnabe. Du biſt ein feiger Bube““ ſprach Ed ihm. Matroſen bindet ihm Haͤnde 11⁰ — und ſchmeißt ihn in die Cajuͤte. Dies ge⸗ ſchah. Nun ging es an ein Ausraͤumen. Den Werth der Waaren ſchaͤtzte Eduardo auf eine halbe Million. Jedoch ließ er nicht ganz aus⸗ raͤumen. Als es Abend geworden war, wurde der Capitain ſeiner Banden entledigt. Der Admiral hielt ihn noch eine Strafpredigt, daß er ſein Haabe und das anderer Leute beſſer ver⸗ theidigen ſolle, damit er nicht fuͤr einen feigen Buben gehalten wuͤrde, das Schiff wolle er ihnen laſſen, nur ſollten ſie machen, daß ſie fortkaͤmen. Eduardo ſetzte ſich wieder in das Boot nebſt ſeinen Leuten. Kaum waren ſie aber hundert Fuß gefahren, da ſauſte eine Kanonenkugel nahe an dem Boote vorbei. Un⸗ fehlbar waͤre das Boot zerſchmettert, waͤre et erroffen worden. Der Capitain naͤmlich war in der groͤßten 4 Wnnh, die, wenn man ſo ſagen will, an Toll⸗ Ahnheit graͤnzte. Denn er war es der die K 113 denfeuer an und feuerte die Kanonen zfters ab. Am Mittage des andern Tages lief unter Jubel und dem Donner der Feldſtuͤcke die Virginia, in die Bucht ein. Der Capitain Sarpi war der erſte, der an das Land ſtieg, um ſeinen Admiral Bericht abzuſtatten⸗ Eduardo war hoch erfreut, als er den wackern Englaͤnder Sarpi in ſeine Arme ſchloß und ließ ein koſtbares Mahl bereiten. Sarpi erzaͤhlte, daß er nur drei Priſen gemacht habe; ein ſchwediſches Kauffahrtet⸗ ſchäff, ein tuͤrkiſches Kriegsſchiff und einn Von der Fregatte hale e er nur inen Sofamier. * Ocean verſenkt. Den Spanier aber habe er uͤber dreihundert Pfund Gold abgenommen und dann habe er es fliehen laſſen. Die Kerls, ſprach er weiter, wehrten ſich und ich verlor bei dieſer Gelegenheit den linken Fuß, wofuͤr ich mir einen hoͤlzernen habe machen laſſen. Das Herz aber iſt geſund. Still verſtrichen ſſieben gluͤckliche Monate als Adelheid einen holden Knabe g bar, der dem Vater mit Freude erfuͤllte. Der Jubel auf der ſonſt ſo wuͤſten Inſel war allgemein. Die Frauen einiger Matroſen vertraten die Stelle einer Warterin und der Knabe bekam den ſchoͤnen Namen Herrmor Eduardo da Raſto und wurde von einem deutſchen Geiſtli⸗ chen unter dem Freudengeſchrei der Einwohnes von Stromboli, getauft. Der Admiral ließ auf Bitten das Schiff Vernambuko auf Beute ausgehen; Eduapdo gab aber nicht laͤnger Erlaubniß wegzubleibien. als dr⸗ Monat. Er ſelbſt wollte bald wieſder weil ohne Beſchaͤftigung eine Meuteret entſtehen Eines Nachts, da Eduardo ſich unruhig auf ſeinen Lager herum warf, trat ſein getreuer Jonas zu ihm in ſein Gezelt vor das Lager und ſagte, daß ihn ein junger Schwede etwas Wichtiges zu entdecken habe. Laß ihn rein kommen, ſprach der Admiral und ſtand vom Lager auf. Der Schwede erſchien und Admiral allein zu ſpre genwart des Jonas groͤßten Wichtigkeit, zu entdecken habe. verlangte den a chen und nicht in Ge⸗ „ da er Dinge von der die keinen Aufſchus litten. „ Admiral! ſing der Schwede an z1 chen, als beide allein waren, es ¹ ine d. em Ausbruche nahe⸗ lich damit um, Euch um das Eure Gemahlin zu ent⸗ ſchwoͤrung gegen Euch ihr Man geht naͤm Leben zu bringen und fuͤhren. Wer ſind dieſe? fragte der Admiral ge: ſpannt. 1 Euer Lieutenant Ambulo auf der Iſabelle hat eine ſtraͤfliche Neigung gegen die Sennora da Raſto gefaßt, um alſo vielleicht mit Eurem TodeAldmiral zu werden, will man Euch toͤdten⸗ Schon bei Eurer Abreiſe von Sardinien, faßte dieſer Ambulo die ſtraͤfliche Neigung. Da er Eurer Gemahlin Treue, ihre Liebe zu Euch kannte, wagte er nichts zu unternehmen und lauerte auf eine guͤnſtige Gelegenheit, ſein Vorhaben auszufuͤhren. Sein Vorhaben iſt ſehr gut erdacht. Durch ſeine Beredtſamkeit und goldenen Ver Euren Leuten auf mich wollte er in ſein Complott ziehen. J Heuchelte Folge, ſteilte mich zu allem bere 8 ſprechungen hat er acht von ſeine Seite gebracht; auch 11 2 und erfuhr ſo das ganze Bubenſtuͤckk, und daß. Ihr auf den vierten Tag auf der Jagd ermor⸗ det werden ſollt und die Sennora wollte er dann in ſeinen Gewahrſam nehmen. Hier mein Admiral auf dieſen Zettel ſte⸗ hen die acht Verſchwornen. Mit Staunen hatte der Admiral der Rede des gehöͤrt, haͤtte es dieſer nicht ſo * erzaͤhlt, ſo haͤtte er es gar n denn Ambuſo war einer ſeiner b Schweden zu⸗ wahrſcheinlich— icht geglaubt; eſten Freunde. Du ſollſt belohnt werden, ſprach Eduardo. 2 Nun ſetzte er ſich und ſchrieb au den Eng⸗ laͤnder Sarpi, ſich ſogleich mit einigen ſeiner 4 Leute auf die Iſabelle zu begeben und ſich der acht Matroſen nehſt des Lieutenants Ambulo u bemaͤchtigen. Der Admiral kleidete ſich an und ſelbſt gut bewaffnet nach der Hohle, Adelheis ihr Lager aufgeſchlagen hatte 6 Admirals ch den Befehl ſeine ſogleich in Verſchwornen bewachen. erfuͤllte ſoglei und ließ die acht Verhaft nehmen und gut eutenant Ambulo war aber nirgends g auf der Inſel in Man durchſuchte Der Li zu finden. Die Verwirrun der Nacht war allgemein. das Fort, die Schiffe, die Hoͤhlen und Zelte, loͤſ'te die Kanonen, zuͤndete auf dem hoͤchſten Berge ein Feuer an und mehrere Bewaffnete durchſtrichen das felſige Stromboli. Alle Boͤte wurden in eine Bucht zuſammengebracht und bewacht, jeder Winkel mit Fackeln durchſucht; allein vergebens. die Zahl der Boͤte Am Morgen fand man icht begreifen, wo vollzaͤhlig und man konnte n hin der Verbrecher ge Denkb nen Sturz vom „ are war, daß er ſeine Felſen in das fluͤchtet war; das einzig 1 m Leben durch ei Meer e in 678 1 11 E. Als nun auch der ganze Tag ute dh c. 4 ſuchungen entſchwunden und die ganze Inſel 1 durchſucht worden war, ſo war man der Mei⸗ nung, daß er ſein Leben ſelbſt geendet habe) und man ſchritt zur Beſtrafung der uͤbrigen acht. Auf des Admtrals Ordre verſammelten ſich die Capitaine, Sarpi, Rizza und die fuͤnf Lieutenants der drei Schiffe. Der Capitain Strelow war mit ſeinem Schiffe Vernambuko wie dor Leſer weiß, in di See gegangen. 342 In Aller Gegenwart ernannte Eduardo der Guͤtige, auf der Stelle den treuen Schwe⸗ den, der das gefaͤhrliche Complott verrathen hatte und deſſen Name Ulie war, ſum etſten Lieutenant auf der Iſabelle und enih lte ihn Aonee eiledige Süoſte Die Capitains faͤllten das linde Urtheil, daß vier der vornehmſten Rebellen erſchoſſen, die uͤbrigen vier ſollten begnadigt werden. Eduar⸗ do unterſchrieb das Urtheil. Den andern Tag wurde es in Beiſeyn der ſaͤmmtlichen Inſelbewohner vollzogen und die Leichname nach Seefahrer Sitte in’'s Meer geworfen.. 3 ſo oͤden Inſel herrſchte und daß der Admiral ſelten von der Seite ſeines Sohnes Herrmor kam. So waren einige Wochen verſtrichen, da ertheilte Eduardo den Befehl, daß ſich der EFapitain Rizza mit dem Schiſſe Ruduo nach muͤſſe er in einem Monat zuruͤckkommen. — den tuͤrkiſchen Inſeln begeben ſolle, um wo moͤglich den Tuͤrken zu ſchaden, aber ſpaͤteſtens ——-—— Deeuutſchland und Sardinien. gar nicht mehr edacht. ais ein Man baute jetzt auch Haͤuſer nach der Anleitung des Englaͤnder Sarpi. Das ſchoͤn⸗ ſte davon bewohnte der Admiral; die Ebene wimmelte von Zelten, die mit Baͤumen be⸗ pflanzt wurde. Auf des Admirals Wohnung ſtand ein hoher Thurm, den immer eine Wache zierte, die ſowohl die ganze Inſel, als auch einen Theil des Meeres, ſoweit nur ein menſchliches Auge reichte, uͤberſehen konnte. Auch befahl der Admiral, daß der vierta Theil der Mannſchaft die beiden Schiffe, Iſat belle und Virginia ausbeſſern ſollten.— Adelheid freute ſich oft uͤber die herrli⸗ lichen Anlagen und vergaß ganz ihren Vater, 5* ⸗ Des Verraͤthers Ambulo's unde bez fall ir n wieder in's Sedächtniß der Geskaber zuruͤck rief. 3 5 Eines Tages, ba Eduardo die Haͤupter der Kaper auf ihren gewoͤhnlichen Verſamm⸗ lungsplatz befehligt hatte, fehlte noch der Lieu⸗ tenant der Iſabelle Ulie. Er hatte fruͤh des Morgens das Schiff verlaſſen, um ſich mit den treuen Jonas, des Admirals Diener auf der ad zu vergnuͤgen. Man wartete kange, ſchon wollte der Ad⸗ fral unwillig werden, da kam Ulie raſch da⸗ her und erzaͤhlte dem horchenden Eduardo Fol⸗ gendes:„Geſchoſſen Herr Admiral habe ich „nichts als ein Reh. Aber wie es ſchien, ſo „wurde Jagd auf uns gemacht, denn nahe an „meinem Kopfe ſauſte eine Kugel vorbei und Lenechlächarte die Iegdaſche des aas Wie! riefen die Anfuͤhre Lieutenant Ulie mit fragend Blicken an. h nur fort, ſrach. Eduardo.„Ohne ——— Zeine zweite Kugel zu erwarten, ſtuͤrmten wir „dem Orte zu, durchſuchten die Felſen, das „Tannenwaͤldchen, ohne nur etwas anderes 33 „finden, als dieſe Buͤchſe.“ Jonas brachte ſie ſo eben; Sarpi beſah ſie und man erkannte ſie allgemein fuͤr des Verraͤthers Ambulo's Schießgewehr. 134 Was iſt nun hiervon zu glauben? fragte 4 Sarpi. Daß ſich der ſchaͤndliche Ambulo noch auß dieſer Inſel aufhaͤlt und unſer Verdacht, doß er ſich in's Meer geſtuͤrzt habe, iſt falſch was die Antwort der Verſammelten. 1e Augenblicklich gingen die Haͤupter aus⸗ einander und machten das Vorgefallene ihren Leuten bekannt. A Bald durehſtrichen zahlreiche Detaſche⸗ ments die Kluͤfte und Berge Stromboli's und dieſer Verſuch lief beſſer als der erſte ab. Sogleich wurden alle Kaper verſammelt und drei beſondere Abtheilungen gemacht, die eine fuͤhrte der Capitain Sarpi, die andere der Lieutenant Ulie und die dritte, der Ad⸗ miral ſelbſt an. Zuruͤck blieben wenige um die Schiffe zu bewachen. Am Abende kehrte der Admiral muͤde nach ſeiner Wohnung und uͤbergab den Ober⸗ befehl Sarpi. Dieſer entdeckte einen Mann der in einen Felſenriff ſich zu verbergen ſuchte, Jonas war der ſchnellſte und lief von einem Felſen zum andern, die andern folgten ihm langſam, weil ſie nicht ſo gut klettern konnten. onas hatte eine Fackel in der Hand und zurchſpaͤhte eben den Riff, da krachte es fuͤrch⸗ kerlich, der ganze Felſen erbebte und zerborſt, wie der treue Jonas, alle ſeine Glieder urden zerſchmettert in die duft geſchleudert. ——— 12 2. Von den ihm Nacheilenden ſtuͤrzten drei zu 8 Boden, wurden jedoch gerettet. Der Verraͤ⸗ 23 ther Ambuld hatte ſich nämlich hier verborgen und da er kein Rettungsmittel wehr ſoh, Feuer in ein Pulverfaß, daß er entlbendet hatte, hineingeworfen, um nicht in die Haͤnde ſeiner Verfolger zu gerathen. Aligemein betrauerte man das Schickſal des treuen Jonas und verfluchte den Verraͤther Ambulo. Den andern Tag ſuchte man die uUeber⸗ bleibſel von den Jonas, fand aber weiter nichts als ſeinen Kopf, der in einen eiſernen Topf gethan, auf den Verſammlungsplatz begraben wurde. 4 Der Admiral ließ ihn einen Leichenſtein ſetzen mit der anſpruchsloſen Inſchrift? Caspar Jonas, beweint von allen Braven. Gott ſey ſeiner Seele gnaͤdig! Sehr froh war Eduardo über den Tod des abfcheulichen Ambulo. ein Fahrzeug, daß ſich der Inſel zu naͤhern ſchien und bei gutem Winde lief, der Ver⸗ nambuko von den Capitain Strelow befehligt, in die Bucht ein. Der Jubel war auf Strom⸗ Boli groß, von ihm ertoͤnten die Thaͤler und die Felſen hallten davon wieder. Aber noch war die Freude nicht am hoͤch⸗ ſten, denn nach zwoͤlf Stunden lief die Ruduo unter Befehlen des Capitain Rizza auch ein, 4 Strelow hatte gute Beute gemacht, viele Kanonen, Korn, Reis, Kattun und hauptſaͤch⸗ 8 Endlich, nach einem Monat erblickte man iich uber funßzigtauſend Thaler an baarem 4 b Gelde. Stattete den Admiral ſeinen Beech ab und aͤrntete deſſen Weſall. Nizza hatte ſich mit der erbeuteten Baum, wolle nach der Inſel Zypern begeben, dart 8 dieſe zu hohen Preiſen verkauft und daffr— fuͤnfmalhundert und ſiebzigtauſend Thaler er⸗ halten. Unterwegs hatte er mit einer tuͤrki⸗ ſchen Schaluppe kapitulirt, dieſe mußte ihn naͤmlich zehn Faͤſſer Schiffszwieback, drei Fäͤſt ſer Roſinen und eben ſo viel Mandeln, ſo wie auch einige koſtbare Shwals, die er der Sen⸗ nora da Naſto verehrte und einige Stuͤck von dem feinſten Tuche, welches der Admiral er⸗ hielt. Auch dieſer aͤrntete Lobſpruͤche in Menge. ulies Tod. Da nun die drei Capitaine und ſetbſt der Admtral vor Begierde brannten, neue Thaten 128 —,— ſahe ſich Eduardo genoͤthigt das Loos entſchei⸗ den zu laſſen. Dieſes traf dann den Capitain Strelow und Sarpi, die entzuᷣckt hieruͤber noch in der⸗ ſelben Woche mit ihren Schiffen Vernambuko und Virginia die Inſel verließen, unter dem Donner der Kanonen, ſowohl von den zuruͤck⸗ gebliebenen Schiffen, als von dem kleinen 4 Zor 1 4 8 Ihre Ordre ſagte ihnen, daß ſie nicht laͤnger als vier Monat abweſend ſeyn duͤrften. Jetzt wurde es ziemlich ruhig und ſtill auf der Inſel; nur ohngefaͤhr zweihundert und funfzig Mann blieben zuras. Die einwohner der Imſel, die ſich von . Fiſchen, Voͤgeln und wilden Thieren ernaͤhren, waren jetzt hoͤchſtens vierzig an der Zahl. Sie bekuͤmmerten ſich wenig um die Korſaren, nur — in der groͤßten Noth baten ſi ſi dieſe um Rehn 5 rungsmittel. Es waren bereits fuͤnf Monat verfloſſen und noch war kein Schiff zuruͤckgekehrt. Eduardo fing an unruhig zu werden und er beſchloß das dritte Schiff auf's Kundſchaften auszuſchicken. Schon wurden Vorkehrungen getroffen; als die hoͤchſte Wache ein Fahrzeug erblickte. Wegen der allzugroßen Entfernung konnte man es nicht erkennen. Capitain Rizza behauptete zwar, es ſey der Vernambuko; allein es war nur Muthmaßung; die Nacht brach herein und entzog es ihren Blicken, am Morgen war es gar nicht mehr zu ſehen. Die Ausruͤſtung des Ruduo wurde ſtark betrieben, um es ſo bald wie msguig in die See ſtechen zu laſſen. v“ aſter Theil. 8 Am andern Tage kam ein Fiſcher der In⸗ ſel, der dem Admiral keuchend folgende Nach⸗ richt brachte: daß am entgegengeſetzten Felſen der Inſel die Wimpel eines Schiffes hervorrag⸗ ten. Er haͤtte es nicht begreifen koͤnnen, wa⸗ rum hier ein Schiff vor Anker liege. Aber die Flagge haͤtte ihn ſehr erſchreckt; er erkannte ſie fuͤr die ſpaniſche, und als er ſich naͤher umgeſe⸗ hen haͤtte, haͤtten die Felſen an Spaniern ge⸗ wimmelt, die grobes Geſchuͤtz an's Ufer ge⸗ pracht haͤtten. 2 Eiligſt wurden Mehrere, die alle Wege wußten, zum Kundſchaften ausgeſchickt und Al⸗ les wurde ohne Geraͤuſch in den beſten Verthei⸗ digungsſtand geſetzt. Die Ruduo wurde be⸗ mannt und der Admiral gab Rizza die Befehle. Die ausgeſchickten Boten kehrten zuruͤck und berichteten, daß die Ausſage des Fiſchers woahr ſey. Wie es ſcheine ſo machten ſie Anſtalten das kleine Fort in der Nacht wegzue Auch wollte der Lieutenant Ulie Zukapern. dann wurde Pulver und Blei a 3 den Spanier Markoz, der, als Eduardo gerettet war, verſchwunden ſey und Nie⸗ mand gewußt haͤtte, wo er hingekommen, mit unter ihnen bemerkt haben, Der Admiral naͤmlich dachte ſich alles ſo: dieſer Spanier habe gewußt, daß er von der heiligen Inquiſition ſolle ergriffen werden, und entflohen ſey. Bei ſeiner Ankunft auf Strombolt— habe er ihn erkannt, ſey entflohen um der In⸗ quiſition ſeinen Aufenthalt anzuzeigen. Dieſes ſey geſchehen, man habe ein Schiff ausgeruͤſtet um den Ketzer nebſt ſeinem Raubgeſindel gefan⸗ gen zu nehmen. So dachte Eduardo und— er hatte Recht. 8 Der Admiral hatte nun Gewißheit, daß man Feindſeligkeiten zu unternehmen willens waͤre und daß hier das Schwert entſcheiden muͤſſe. Schnell wurden dreißig Feldſtuͤcke uſge fuͤhrt und die auf dem Fort ſcharf geladen, 8 dem Rizza angezeigt, ſich bereit zu halten, die Bucht verlaſſen zu koͤnnen. Die Lebensmittel in der Hoͤhle wurden herausgebracht und Wachen weit ausgeſtellt. Dem Capitain Rizza wurde das Fort, die Schiffe Nuduo⸗ und Iſabelle, ſo wie auch Adelheid und dem jungen Herrmor Eduardo da Raſto anvertraut. Kaum war der Abend hereingebrochen, da brannte die Leuchte auf der Iſabelle, das 4 Zeichen beantwortete die Wache auf dem Ad⸗ miralsthurme. Das Schiff lichtete die Anker und ſteuerte weſtlich. Eduardo ſtellte ſich an die Spitze von hundert und funfzig Seeraͤnbern und durchzog mit dieſen Kluͤfte, Gebuͤſche und Felſen. Um den Capitain Rizza, der das Fort be⸗ ſchuͤtzte, zu verſtaͤrken, wurden alle ausgeſtelite 8 h nene geſchickt. voruͤber war und ſie bei'm Mondenſcheine, der Man ruͤckte immer behutſam naͤher und ſah bald die niedern Wachtfeuer der Spaniet,„ als die Wache ſie entdeckte und Laͤrm machte. Nun wurde auf die Feinde eingebrochen. Die Seeraͤuber ſtuͤrzten gleich dem Winde, der die jungen Wipfel der Tannen niederbeugt, auf die Spanier ein, die ſchlaftrunken nach dem Ufer eilten. Doch— da der erſte Schreck bisher verborgen geweſen war, die kleine An⸗ zahl ihrer Gegner ſahen, ſo erhob ſich ein fuͤrchterliches Geßbht. Die Korſaren mußten weichen, da der Feinde uͤber dreihundert waren. 4 Aber eine Aufmunterung des Admirals brachte ſie zum Stehen und mit peuer Erbit: terung begann der Kampf. Da richteten die Spanier ihr grobes Geſchuͤtz, doch— in die⸗ ſem Augenblicke donnerten die Schluͤnde des Lieutenant Ulie und ſein Geſchuͤtz zerfetzte die 1 . Waͤnde und die Taue des ſpaniſchen Schiffs.— Dieſes kam eben noch zur rechten Zeit. In der groͤßten Unordnung zogen ſich die Spanier nach dem Ufer zuruͤck und entflohen ſchnell auf ihr Schiff, kappten die Anker und ſuchten zu entkommen. Allein Ulie's Geſchuͤtz richtete ein ſchreckliches Blutbad unter ihnen an; leider konnten ſie nicht antworten, da ihre Kanonen am ufer aufgepflanzt waren. Die⸗ jenigen, welche nicht mehr auf ihr Schiff kom⸗ men konnten, flohen nach dem Innern der Inſel, wo ſie entweder von Rizza's Leuten gefangen oder getoͤdtet wurden. Zum Uugluͤcke erhob ſich ein Sturm, das ſaniſche Schiff ſpannte noch alle Segel auf and erreichte die hohe See, das Schiff Iſabelle, das Ulie befehligte, war nicht verproviantirt, auch wußte er den Willen des Admirals nicht. Wie leicht konnte er vom Winde verſchlagen werden und mußte dann mit der ganzen Mann⸗ 5 4 * 4 ſchaft verhungern. Schnell eilte er nach der Bucht zuruͤck. 18 Mit Lorbeeren geſchmuͤckt zog der Admi⸗ ral mit ſeinen Leuten noch in der Nacht ein. Sechs von ſeinen Leuten waren toͤdtlich ver⸗ wundet, fuͤnf getoͤdtet und zwei bei dem Ge⸗ fechte am Strande ertrunken. Den andern Mittag beſah man die La⸗ dung. Man fand viele Lebensmittel, einige Faͤſſer mit Munition und zehn gute Kanonen, weſches den Korſaren ſaͤmmtlich ſehr gelegen kain. Auch fand man einige Beutel mit Geld⸗ welches unter die Mannſchaft vertheilt wurde. Waffen von aller Art lagen zerſtreut umher.— Aus dieſem wurde der Schluß gemacht, daß ſich das Schiff nicht lange auf der See halten koͤnne, da es an allem Noth litte. Dieſes Schiff iſt wahrſcheinlich unit Mand und Maus untergegangen, da 279 die Iagu 136 —,— ſition nie wieder erkuͤhnt hat aͤhnliche Ver⸗ ſuche zu wagen. unt⸗r den Erſchlagenen fand man auch den Spanter Markoz, der ehemals Knecht bei den edlen Raſto geweſen war. Wahrſcheinlich war er nach der Gefangennehmung des alten Delfins da Raſto verabſchiedet worden, hatte Schiffbruch gelitten, da er ſich dem ungetreuen naſſen Elemente anvertraut hatte und wurde von den Seeraͤubern aufgenommen und nach Eduardo's Erſcheinung hatte er einen Fiſcher⸗ kahn geſtohlen und kam gluͤcklich in Spanien wieder an; zeigte den heiligen Vaͤtern den Aufenthaltsort des Geflohenen an; ſtellte die⸗ ſen die Schaͤtze der Seeraͤuber vor und man ſchickte ein Schiff nach ihm aus— das uͤbrige iſt bekannt. Der Schaͤndliche aͤrntete aber auch ſchlechten Lohn fuͤr ſeine That. Hocherfreut war der Admiral uͤber die anſehnliche Beute, beſonders da die Lebens⸗ mittel emlich aufgezehrt waren und man mit Sehnſucht eines von den beiden asfieu Schiffen erwartete. Der Lieutenannt Ulie ſtattete Bericht ab und entſchuldigte ſich, daß er das Schiff nicht weiter verfolgt habe und gab ſeine Gruͤnde an. Der Admiral war ſehr damit zufrieden. Gefangen genommen wurden nur ſieben. Vier davon nahmen mit Freuden Dienſte, die uͤbrigen wurden, da ſie ſagten ſie wollten keine Seeraͤuber werden, enthauptet. Der Fiſcher, der dieſe Nachricht gebracht hatte, wurde mit zweihundert Friedrichsd'or beſchenkt. Dieſer, der in ſeinem Leben noch nie mehr als einen Thaler gehabt hatte, wat hieruͤber ſo ſehr entzuͤckt, daß er den gunzen Huͤttenbewohnern ein Feſt gab. Sie hatten naͤmlich an dieſem Tage Eſ⸗ ſen, Trinken und Muſik frei, auch erhielt ein jeder einen Scheffel Waſzen gratis. G— 13 Das Mittagseſſen beſtand aus Mehlſuppe, Wildpret und Fiſche, am Abend wieder Wild⸗ pret, Waizenbrod, Reis, Bier und Moſt. Die ganze Nacht hindurch wurde gejubelt, gezecht und getanzt; die Huͤttenbewohner waren ſonſt beſtaͤndig muͤrriſch, aber heute war auch nicht ein Einziger der nicht froͤhlich geweſen waͤre. Den andern Tag zaͤhlte der Fiſcher alles zuſammen und fand, daß ihm der Spaß nicht mehr als 4 Friedrichsd'or gekoſtet hatte und hiiermit hatten vierzig bis funfzig Menſchen einen ganzen Tag frele Zehrung. Da muß alles wohlfein ſeyn!!! Uum ahnlichen Ueberfaͤllen vorzubeugen, wurde auf dieſer Seite der Inſel noch ein Fort angelegt. Auf Stromboli war nun kein Ankerplatz mehr, wo ein fremdes Schiff haͤtte Anker werfen koͤnnen. 1 den Namen des Lieutenants, wurde mit den ſchoͤnen Kanonen der Spanier bepflanzt. Den dritten Tag warf das Meer Tonnen, Balken, Segel und Breter an den Strand, woraus man nun mit Gewißheit den Schluß machte, daß das Schiff geſunken ſey, da es von Ulie's Kugeln jaͤmmerlich zerfetzt worden war. Die Iſabelle war nebſt Ruduo ausgeruͤſtet, um alle Tage in die See gehen zu koͤnnen. Eduardo wollte ſelbſt die ausgeſchickten Schiffe aufſuchen und ſtand im Begriffe dem andern Tag abzuſegeln. Am Mittage hoͤrte man Kanonenſchüͤſſe und zwar vier ſchnell aufeinander folgende⸗ als das Zeichen der Noth und man muth⸗ maßte mit Recht, daß eins von eit den Schiffen in Gefahr ſey. Der dmtra Das neue Fort, genannt Ulie'sfort, nach 140 ließ das Zeichen beantworten und ſchnell war die Iſabelle beſetzt. Noch immer waͤhrte das heftige Schießen. Die Ausruͤſtung war beendet; in weiter Ferne ſahe man zwei Schiffe heftig aufeinan⸗ der kanoniren. Der Admiral uͤberließ ſeinen Kommandanten Rizza den Oberbefehl und ſtach mit 80 ſeiner Kaper in die See, ohne Abſchied von ſeinem Sohne und ſeiner Gattin genom⸗ men zu haben. Das Schießen wurde immer heftiger. Dß Virginia, von dem Englaͤnder Sarpi be⸗ fehligt, wurde ſehr ſtark zugeſetzt von einem turkiſch⸗afrikaniſchen Linienſchiffe. Ohne Komplimente, gab Eduardo den Un⸗ glaͤubigen eine Ladung von achtzehn Kanonen, die aber eben ſo ſtark beantwortet wurde, ohne jedoch der Iſabelle zu ſchaden. Noch cinige Salven erhielten die Sarazenen, wodurch ihr *.. Schiff jaͤmmerlich zugerichtet wurde! Sie ſpannten ihre Beiſegel auf und ſuchten zu ent⸗ ſliehen; doch dieſes gelang ihnen nicht. Capi⸗ tain Sarpi enterte und nun entſtand ein furchtbares Gefecht. Viele von den Tuͤrken ſtießen ſich das Schwert ſelbſt in die Bruſt, andere riefen den Mahomed um Huͤlfe an und ſtuͤrzten ſich in's Meer. Was ſich nicht ergeben wollte, mußte ſterben. Alle wurden in der Wuth niedergehauen. Nur ein einzi⸗ ger, ein Schwarzer, warf ſeine Waffen von ſich und dieſer war der einzige von zweihun⸗ dert Menſchen, der am Leben blieb. Das Verdeck war mit Leichen und Blut ſchrecklich hedeckt, daß ſelbſt die rauhen Matroſen zuruͤck ſchauderten; doch die Begierde nach Gold uͤber⸗ wog die Menſchlichkeit. Die Kleidungen der Erſchlagenen wurden unterſucht und die Leich⸗ name dem Meere uͤbergeben. Sarpi ſelbſt durchſuchte das Innere des Schiffs. Es war zwar ziemlich durchlochert. aber es konnte ausgebeſſert werden —— dazu fuͤhrte es ſiebzig Kanonen. War der Admiral ſeiner Meinung, ſo wurde es mitge⸗ nommen. Im unterſten Schiffsraume fand man eilf Chriſten angeſchmiedet, die beinahe vor Hunger geſtorben waren, da man ihrer während des Gefechts vergeſſen hatte. Sie waren alle entſchloſſen ihren Befreiern zeitle⸗ bens zu dienen. Ohne mit auf das eroberte Schiff zu gehen, gab der Admiral Befehl auf Stromboli zu ſteuern und ließ den erſtaunten Sarpi nebſt den beiden Schiffen hinter ſich. Der Sonne letzte Strahlen deckten Stromboli's Gefilde, als die Iſabelle von den beiden Forts begruͤßt in die Bucht einlief und der Admiral nach der Wohnung ſeiner Adelheid eilte. Bald darauf folgte die Virginia nebſt dem erbeuteten Schiffe. In dem Jugenblick, als er ſeine Adelheid Verzeihe Admiral, daß ich Dich ſtöre. SCo umarmte, trat ein Soldat herein und ſprach; 143 eben iſt der brave Lieutenant Ulie an tauer— Wunde geſtorben. aar Tod? wiederholte der Admiral, nicht moͤg⸗ lich! Man ſagte es Euch nicht, daß er toͤdtlich verwundet war. Wehmuͤthig blickte Eduardo zur Erde und Adelheid weihte ſeinem Andenken Zaͤhren, die er auch verdiente, da er ihr einen Gatten er⸗ halten hatte. Eduardo war zu wehmuͤthig, er wollte den Edlen heute nicht ſehen und ſetzte ſich um et⸗ was zu genießen. So eben trat auch Rizza nebſt ſeinen beiden Lieutenants und der zweite Lieutenant der Iſabelle herein. Bald folgte auch der Capitain Sarpi mit ſeinen Offizieren; ein freudiges Willkommen eoͤnte ihnen entgegen, er gab einem jeden die Rechte; der Admiral 144 verweigerte ihm die Seintge. Sarpi ſah ihn fragend an. Warum biſt Du nicht in vier Monden zuruͤckgekehrt und erſt nach einem halben Jahre, rief mit Unwillen das Haupt der Kaper. Wie kannſt Du es wagen dieſe Inſel wieder zu be⸗ treten! 6 Ich kann es! rief Sarpi, nur Du mein Admiral darfſt mir ſo etwas ſagen, einen jeden andern wuͤrde ich mit dem Degen antworten. Das Warum will ich Dir ſagen: Meinenbei⸗ den Lieutenants und neun Matroſen waren von einem engliſchen großen Linienſchiffe nebſt mei⸗ ner Virginia ſchrecklich zugeſetzt, wir entflohen und brachten drei Monat in einer Han⸗ delsſtadt zu, wo die Verwundeten gepflegt und das Schiff ausgebeſſert wurden. Und Du kannſt mir einen ſolchen Willkommen geben? Verzeihe, ſprach der Admiral ihn umar⸗ mend, ich ſehe mein Unrecht ein. 145 Das iſt bereits geſchehen, gab der Eng: kaͤnder zur Antwort.— Dieſer Kreuzzug iſt ſchlecht abgelaufen.é Als wir bei den Inſeln der Unglaͤubigen angekommen waren, erhob ſich ein fuͤrchterlicher Sturm, alle Augenblicke gkaub⸗ ten wir es ſey die letzte Minute; zum Ungluͤck ſtieß das Schiff auf eine verborgene Klippe und die Haͤlfte unſers Ballaſtes wurde uͤber Bort geworfen. Der Sturm ließ nun nach und wir arbeiteten uns heraus. Kaum konn⸗ ten wir eine chriſtliche Inſel erreichen, denn der Leck war uͤber vier Fuß im Umkreiſe und gar nicht zu entdecken.— Als die Virginia wieder ausgebeſſert, die fehlenden Produkte er⸗ ſetzt waren, ſo wurden die Anker gelichtet. Kaum waren wir einen Tag auf dem naſſen Elemente, ſo gewahrten wir ein großes Kriegs⸗ ſchiff der Englaͤnder; es fuͤhrte uͤber achtzig Kanonen und hatte uͤber vierhundert Mann am Bort. Ich ſah meine Schwäͤche ein und 1 ſuͤchte zu entfliehen; allein der Brite hatte meine Schwaͤche bemerkt und forderte mich auf Die Segel zu ſtreichen. Ich hatte die Kapert f Thal. 146 —ÿ— fahne aufſtecken laſſen und gab ihn zur Ant⸗ wort: Der Englaͤnder Sarpi wiſſe zu fechten und zu ſterben. Nun entſtand ein Schießen, das dreizehn Stunden dauerte. Viele von meinen Leuten waren toͤdtlich verwundet; an⸗ dere nur leicht. Da erhielt der Brite eine volle Ladung Granaden und Traubenkugeln. Zum Gluͤck hatten unſere Kugeln ihnen ein Loch geſchlagen, ſo daß der Englaͤnder viele Muͤhe hatte, den Leck zu ſtopfen und wir ent⸗ wiſchten. Wir kamen nach der Stadt Murzos, wo wir uns wegen der vielen Verwundeten ſo lange aufhalten mußten. Einer von meinen Lieutenants mußte wie Ullie in's Gras beißen, der andere wurde wieder geſund. Kaum waren die Uebrigen wieder herge⸗ 4 ftelt, ſo ging es in die See; haͤtten aber noch zu⸗ letzt gut zugeſetzt werden koͤnnen, denn der Tuͤrke war viel maͤchtiger als wir. Aber zum Gluͤck wurden meine vier Nothſchuͤſſe gehoͤrt, On kamſt mir zur Huͤlfe mein Admiral und haſt ein ſchoͤnes und feſtes Schiff mehr; es fuͤhrt auf ſiebzig Kanonen. Ein Schwarzer iſt der einzige, der von den Unglaͤubigen nur am Le⸗ ben blieb. Da bin ich nun wieder auf dem ſtillen Stromboli, ohne unſere Schatzkammer bereichern zu koͤnnen; mit Ausnahme des tuͤr⸗ kiſchen Schiffs, wovon Du aber Sieger biſt. Nach einigen Tagen wurde der Lieutenant Ulie ſtandesmaͤßig neben das Grab des Admi⸗ rals Colledo begraben, von allen Redlichen L⸗ weint. die Rohſten vergoſſen ſelbſt T Thraͤnen. Bald wurde zur neuen Wahl geſchritten. Die Stimmen fielen auf Jonez und Chiloy. Der erſtere ein Spanier, wurde Lieutenant auf der Virginia; der zweite ein Franzoſe, auf dem Admiralſchiffe an die Stelle des Be elichenen Ulie's. 3 Eduardo's Abfahrt. Enßitain Strelow lief nach fuͤnf Tagen em Hafen ein. Wegen des laͤngen Wegblei⸗ bens rechrfertigte er ſich vollkommen. Seine Fahrt war aber gluͤcklicher geweſen, als die des Sarpi. Er hatte eine ganze Ladung Zu⸗ cker und Kaffee den Schweden abgenommen und den Tuͤrken hundert und ſieben Faͤſſer der feinſten Weine, ſo wie auch einiges Gold und Silber. 2 — Nun war es wieder lebhaft auf der Inſel⸗ und taͤglich ſielen kleine Streitigkeiten vor; denn die Soldaten auf der Iſabelle wollten mehr ſeyn, als die auf den anderen Schiffen⸗ um alſo viele in Thaͤtigkeit zu ſetzen, ließ der Admiral eine Allee mit Tannen bepflanzt, an⸗ legen, woran taͤglich zweihundert Menſchen ar— beiteten. Eduardo verbot bei Todesſtrafe wer ſich mit einander zankte da zwei doch dieſen Befehl nicht Folge leiſteten, ſo wurden ſie um r ein Beiſpiel den uͤbrigen zu geben, ahbehie gen. Dieſes Mittel wirkte. Der Admiral hatte nun der Nahe genug gepflegt, er ließ alſo ſein Schiff Iſabelle in Stand ſetzen, ertheilte ſeine Befehle auf ſieben Jahre, wenn er etwa ſollte gefangen werden, ſey er dann nicht zuruͤck, ſo moͤge man ſeiner Gemahlin und Sohne zehnrauſend Piaſter aus⸗ zahlen und ſie hinbringen, woh hin ſie es ver⸗ langt. Ferner: einen Monat um den andern duͤrfte eins von den vier zuruͤckgebliebenen Schiffen auf Beute ausgehen. Das türkiſche, das gaͤnzlich wieder ausgebeſſert war, erhielt den Namen: der heilige Antonius. Nur war es nicht genug bemannt; von den uͤbrigen vier Schiffen gingen von einem jeden funßzehn Mann ab, nebſt den eilf geretteten Chuiſten ind dem Mohr; es war aiſo nur mit wei ind ſiebenzig Mann verſehen, füͤglich hatren hundert und achtzig dis zweihundert darauf 1 hehärt. Der Capitain war ein Felandet h außerſt tapferer und kluger Mann, mit Namen van der Cluſen. Als nun alles zur Abfahrt bereit war, ſprach der Reiſefertige zu ſeinen Capitains und Lieutenants alſo: „Dieſen Ort des Friedens, meine Bruͤder, „verlaſſe ich vielleicht auf eine lange oder kurze „Zeit; meine Fahrt geht nach Afrika's Geſta⸗ den. Beſchuͤtzet meine Gemahlin und achtet „ſie ſo gut, als wenn ich zugegen waͤre. Seyd „muthig und tapfer im haͤrteſten Kampfe. „Lange genug bin ich muͤßig geweſen; Furcht „und Schrecken will ich unter den Tuͤrken er⸗ „regen. Lebet wohl meine Freunde! vergeſſet „nie euren Admiral und dieſes koͤnnt Ihr 1 „nicht beſſer, als wenn Ihr Euch vertragett., „dies iſt mein ſehnlichſter Wunſch und noch mals lebet wohl!“ Bis in den Tod Gehorſam und Treue riefen die Haͤupter der Kaper. 1 151 „Ich hoffe es und Du Sarpi troͤſte meine „Gattin. Der Abſchied wuͤrde nur die Trer⸗ „nung uns erſchweren und meinen Vorſatz „wankend machen. Seyd wachſam und hin⸗ „dert jede Landung an dieſer Inſel. Capi⸗ „tains! beſchaͤftigt Eure Leute ſtets, ſie ſind „roh und barſch und nur ſtrenge Gerechtigkeit „kann ſie im Zaume halten. Verdammen un⸗ „ſere Geſetze einen Verbrecher zum Tode, ſe „ſterbe er ohne Barmherzigkeit.— Dem „Aufruͤhrer gebuͤhrt der Strang ohne Unter⸗ „ſchied der Perſon.— Ueberſeht keine Klei⸗ „nigkeiten, auch ſie wachſen und find unver⸗ „tilgbar und verderbend. Schenkt keinen „Euer Vertrauen; zieht keinen den andern „vor, denn dies erweckt Neid und Rachſucht „und beiden folgt nichts Gutes.“ Morgen verlaſſe ich Strombott, um es Pelleicht bald, oder iſt es des Sthhelals 1 Wile 152 Eduardo ſchwieg. Seine Freunde druͤckten. ihm die Hand und ſchwuren nochmals die Er⸗ fuͤllung ſeiner Befehle bis an ihr Ende. Fruͤh des Morgens ſtieg der Admiral auf, druͤckte der ſchlummernden Adelheid einen Ab⸗ ſchiedskuß auf ihre ſammtenen Lippen, kuͤßte ſeinen Sohn Herrmor und eilte in die Bucht, wo ſeiner die Hauptleute, ihre Untergebenen und beinahe alle Einwohner der Inſel harrten. Von ſeltſamen Gefuͤhlen ergriffen, kuͤßte er viele alte Krieger, druͤckte ihnen die Haͤnde und ermahnte ſie zum Gehorſam, rief ihnen ein baldiges Wiederſehn zu und beſtieg die ſchon bemannte Iſabelle. Seine Kanonen don⸗ nerten ein Lebewohl, welches von allen Schiffen und den Kanonen auf dem kleinen Fort beant⸗ wortet wurde und lange ſahe man die Flagge der Kaper wehen und auf Boten begleiteten die Vorgeſetzten die Fregatte bis auf die hohe See. 153 —,— Naſch durchſchnitt die Iſabelle die G waͤſſer des mittellaͤndiſchen Meeres, um nach den Kuͤſten Afrika's zu gelangen.. 9 Eines Tages wurde der heitere Horizont mit ſchwarzen Wolken bedeckt, ein ſtarker Weſt⸗ wind erhob ſich und Eduardo ſo wie die er⸗ fahrenſten Seeleute prophezeihten einen Sturm. Der Admiral ließ die noͤthigen Anſtalten ma⸗ chen.— Am zweiten Tage traf. die Vorher⸗ 3 ſagung mit ſolcher Gewalt ein, daß dem Haupte der Korſaren nicht ganz wohl war. Mit ſchrecklicher Gewalt trieben die ſtuͤrmenden Wellen das Schiff gegen Weſten und ob man gleich mehrmal ſondirte, ſo fand doch das laͤngſte Tau keinen Ankergrund. Der wuͤthende Sturm dauerte vier Tage. Mehrere von des Admirals Leuten wurden von den bis auf das Verdeck ſchlagenden Wellen ergriffen und uͤber Bord geworfen, ohne daß man ihnen helfen konnte. Das Steuerrader u. lich legte ſich der Sturm und die Seefahrer lebten wieder auf; aber das Schiff war ſo verſchlagen, daß man muthmaßte man ſey ſchon an den tuneſiſchen Kuͤſten vorbei. Eduardo befahl die Iſabelle auf's Geradewohl zu wen⸗ den und wieder oͤſtlich zu ſteuern, als auf ein⸗ mal die Fregatte auf eine verborgene Klippe ſtieß und feſt war. Durch das Stoßen waren die aͤußerſten Breter zertruͤmmert und das Waſſer ſchoß ſo ſtark herein, daß es alles Pum⸗ pens unerachtet nicht weniger werden wollte. Eduardo da Raſto ganz gleichguͤlrig, befahl, das uͤberfluͤſſige Geſchuͤtz und mehrere Waffen und Tonnen mit Blei angefuͤllt uͤber Bord zu werfen, um die Iſabelle zu erleichtern. Die⸗ ſes half etwas; jedoch war es noch nicht hin⸗ reeichend, die Fregatte von der Klippe zu brin⸗ gen. Jeden Augenblick erwartete man⸗ daß ſie berſten wuͤrde.— Jetzt galt keine Ordnung mehr, ſelbſt die Beherzeſten liefen wie unſinnig herum. Ei⸗ nige boteten, andere berauſchten ſich in Ge⸗ 4 — 135 1 traͤnken und wieder andere fluchten.— Die noch arbeitenden Seeleute hatte das anhaltende Pumpen ſo ſehr erſchoͤpft, daß ſie wie todt niederſtuͤrzten und weder Drohungen noch Bit⸗ ten konnten die Uebrigen vermoͤgen ihre Pflicht zu erfuͤllen. Eduardo verſuchte alles, er ließ mehrere Kanonenſchuͤſſe thun, um daß ihn und den Seinigen vielleicht ein Fahrzeug zur Huͤlfe kaͤme; allein vergebens. Endlich fand man den betraͤchtlichen Leck. Das Waſſer im unterſten Raume fing an ſich zu verlaufen. Nun wurden die muthlofen Krieger wieder neu belebt und ein jeder ging an den ihn angewieſenen Poſten. Die ſcharfe Spitze des Felſens wurde mit Beilen zerſchlagen und man hatte nun Zeit den Leck zu verſtopfen. 156 — Mit dieſer Arbeit war man fertig, als das Meer wieder ſtieg und die Fregatte wie⸗ der flott wurde. Die Freude der Geretteten war groß, ſo wie thre Entkraͤftung. Mit Sehnſucht harrten Eduardo und ſeine Untergebenen den Anblick des Landes, weil es die Iſabelle unmoͤglich lange in der See aus⸗ halten konnte. Der Leck war zwar gut ver⸗ ſtopft, aber der große Druck des Waſſers wonnte ihn leicht wieder aufreißen und die Reiſenden in groͤßere Gefahr bringen. Eduar⸗ do ließ daher noͤrdlich ſteuern, in der Hoff⸗ nung eine Inſel den Chriſten gehöͤrend, z 4 entdecken. Nach drei Tagen ſing der Mangel an Waſſer, da man mehrere Tonnen mit demſel⸗ 5 ben uͤber Bord geworfen hatte, fuͤhlbar zu werden und obgleich die Portionen taͤglich auf das genaueſte eingetheilt waren, ſo ſahe man doch einer Waſſersnoth mit. Schrecken ent⸗ gegen. 55 Der Wind war entgegengeſetzt und zwar ſuͤdwaͤrts. Man befuͤrchtete noch zur Waſſers⸗ 3 noth und dem Leck einem tuͤrkiſchen Schiffe zu begegnen. Die Gefangennehmung. Auf einmal entſtand ein Getuͤmmel und Rufen auf dem Verdeck. Eduardo ſprang an den Bord, und gewahrte vier Pinken mitzeinem 3 Maſt nebſt einem tuͤrkiſchen Kaperſchiff. Edu⸗ ardo erblaßte und ließ ſchnell alle Segel aufzie: hen, um ihnen zu entfliehen. Doch ſie waren fluͤchtiger, nach zwei Stunden hatten ſie die Iſabelle in die Mitte. Jede Pinke hatte unges faͤhr achtzehn Mann, ohne das Hauptſchiff mit funfzig bis ſechzig Kanonen. Ein Jeder erhielt ſeinen Poſten, der Admiral theilte reichlich Rum aus und ſah ſeinen Untergang vor Augen. Zum Gluͤck wurde es wbend und fotalich. auch dunkel, deshalb wurde ichss gegen die 3 Iſabelle unternommen. Eduardo ſprach mit ſeinen Getreuen wie man den Unglaͤubigen entfliehen koͤnne, Keiner wußte Nath, da die Fregatte in der Mitte der Pinken war, ſo hielt man es auch fuͤr unmoͤg⸗ lich, daß ein Boot durch kaͤme, doch— dieſes ſchien dem Admiral noch das einzige Rettungs⸗ mittel und— es wurde in's Werk geſetzt. Ein Boot wurde ausgeſetzt und ſollte mit zehn bs zwoͤlf Mann entfliehen, wer auf dem Schiffe bleiben wollte, das ſah man wohl, muß⸗ te entweder ſterben oder Sclave in Tunis oder Algier werden. Eduardo ſtellte es ſeinen Leu⸗ ten frei, wer eine ungewiſſe Rettung der Sela⸗ verei oder dem Tode vorziehen wollte. Keiner wollte ſeinen Admiral verlaſſen. 4 Siegen oder ſterben, ſprachen ſie, wir verlaſ⸗ ſeun unſern Admiral nicht. Endlich wurde gewuͤrfelt und unter andern traf das Loos auch den Admiral das Boot zu beſteigen. Er wollte durchaus nicht ſeine Iſa⸗ —-—-— — belle verlaſſen, aber durch Bitten bewogen, an ſeinen Sohn und ſeine Gattin zu denken, be⸗ ſtieg er es nebſt eilf von den Seinigen in aller Stille. Ein leiſer Nordwind trieb das Boot uͤber die Wellen des Meeres, da gewahrte einer von den Tuͤrken die Schiffenden, ſchnell wurde Al⸗ les wach und eilte dem ſchnell rubernden Boote nach; dieſe Zeit wußte der Lieutenant Chiloy auf der Iſabelle vortrefflich zu nuͤtzen, in aller Eile wurden alle Segel aufgeſpannt und— ſie entfloh, wurde langſam von den traͤgen Maho⸗ medanern verfolgt, die es wegen der Dunkel⸗ heit der Nacht aus den Augen verloren. Die Pinken kamen ganz nahe an das Boot und man ſahe Tod oder Gefangenſchaft vor Augen. Dieſe ſollten gerettet werden und wurden gefangen; Jene glaubten ſich ſchon in Feſſeln zu ſehen, und entflohen gluüͤcklich⸗ 160 — trafen. Es wurde immer mehr gefeuert, aber die Kugeln floͤßten den Sehtzützen wenig Re⸗ ſpeet ein. 3 Da ſtuͤrzten die Neger mit lautem Ge⸗ ſchrei auf das Verdeck und ſchoſſen mit Bogen und Flinten. Zwei Pinken kamen ſo nahe heran, daß ſie mit ihren Enterſtangen das Boot feſt⸗ hielten und hineinſprangen. 3 Hier erhob ſich ein furchtbares Gefecht. Die Corſaren ſtritten auf Leben und Tod, nicht minder die Schwarzen, nach Beute begierig, auch lag es in ihrem Plane die Chriſten nicht zu toͤdten, ſondern lebendig zu ſanden und dann 9 u veßkaufen. Keiner von Ebuardo's Leuten war nach einem zweiſtündigen Gefecht getoͤdtet; aber von den Negern waren uͤber zwanzig niedergehauen, 3 da rief ihnen ihr Anfuͤhrer zu Alle in's Boot zu 4 piingen, um ſich der Ehriſten zu bemahtigen. * acht der Korſaren gebunden, zwei waren ge⸗ toͤdtet und nun fochten noch gleich Loͤwen der Admiral nebſt den Neger Grimaldoz, letzterer ſchwur eher zu ſterben, als ſeinen neuen Herrn zu verlaſſen. Der Admiral wurde endlich zu Boden geworfen, waͤhrend Grimaldoz noch ei⸗ nen der Neger, die ſeinen Herrn niedergeriſſen hatten, den Kopf vom Rumpfe trennte, einen andern die Hand abhieb und einen dritten das Oh. In dieſem Augenblicke wurde er von hinten ergriffen und hatte das Schickſal ſeines Admirals und der Uebrigen. Durch Bitten bewogen, hatte der Admiral den Grimaldoz vom Schiffe der heilige Antonius weg und mit auf die Jſabelle genommen. Man durchſuchte nun die Kleider der Europaͤer und entkleidete ſie alsdann. Die Afrikaner ſchienen ſie fuͤr einen betftüſſgen 3 Luxus zu halten. Theil. 162 —,— Der Admiral war leicht am Arme ver⸗ wundet, wurde jedoch von den Afrikanern auf's Sorgfaͤltigſte verbunden. Ganz nackt ließen die Ueberwinder die Gefangenen doch nicht, ſie erhielten alle kleine Schurze, um die Schaamtheile bedecken zu eönnen. Man brachte die Korſaren in die Pinken; Neger ruderten das erbeutete Boot; alsdann ging es eilend dem Geſtade von Afrika zu. Schon nach drei Tagen war es erreicht. Keiner von den Korſaren klagte uͤber ſein Geſchick. Nur Eduardo biß vor Wuth mit den Zaͤhnen an ſeinen Stricken herum. Die Haͤnde und Fuͤße wurden nun von den Feſſeln befreit. Sie mußten ſich baden; ein Gebaͤude mit ho⸗ hen Mauern umgeben und mit Waͤchtern am Eingange beſetzt, ward der neue Gewahrſam. Ueber Pflege konnte nicht ein Einziger klagen. Mehrere Tage hintereinander, empfingen die Ungluͤcklichen Pilau, gebraten Fleiſch, Fruͤchte 3 und Branntwein; konnten unter Begleitung 163 — ſpazieren gehen und fuͤr drei Verwundete truüg 3 man erſtaunliche Sorge. Eduardo urtheilte, 5 daß man ihnen nur ein gutes Anſehn zu geben ſtrebte, um am Selavenmarkt recht viel fuͤr ſie zu loͤſen. Bald darauf wurden ſie nach der Reſidenz des Kaiſers gefuͤhrt, die nur einige Tagereiſen davon lag, wo die Ungluͤcklichen gleich dem Viehe zum Verkauf ausgebosten wurden und erwarten mußten, welcher Barbar ſie kaufen wuͤrde. Der Markt war voller Kaͤufer, die ſie beſichtigten. Bald kam ein brauner Kerl von einer Weißen erzeugt, die aber einen Schwar⸗ zen zum Manne hatte und fragte auf engliſch⸗ ob nicht ein Arzt unter den Gefangenen waͤre, alle ſchwiegen und ſahen den Admiral an, weil ſie wußten, daß er ein halber Arht war Ich bin in der Kraͤuterkunde labagdert ſagte der Exadmiral. 8 16 4. Der Fragende betrachtete den Spanier, zahlte das Geld, was der Verkaͤufer verlangte fuͤr dieſen und dem Mohr, der, weil er gegen ſeine Bruͤder gefochten hatte, auf dem Schei⸗ terhaufen ſein Leben enden ſollte. Wer war wohl froher als der Mohr, da er ſeinen Herrn folgen konnte? Den Uebrigen reichte der Tapfere ſeine Rechte und ſchied wehmuͤthig von ihnen. Hoch klopfte die Bruſt des Admirals. Es ging dem Palaſte zu, der geraͤumig, zwar nur von Holz aber mit Geſchmack gebaut war. Die Malerei der Waͤnde nahm ſich lachend aus. An den geſchweiften Daͤchern toͤnten Gloͤcklein melodiſch nach dem Winde. Das Haremgebaͤude zeigte die meiſte Niedlichkeit. Viele Hoͤfe im Quartier des Palaſtes waren durch Mauern abgetheilt und mit den ſchoͤnſten Baͤumen bepflanzt. Hier waren die Staͤlle der Kameele, Pferde und Elephanten in ihrer Art elegant. Auch eine weitlaͤufige Menage Cebra, wurden in den Hoͤfen gefuͤttert; viele der wilden Thiere, die aber alle gezaͤhmt was 8 ren, als: Tiger, Loͤwe, Leopard, Rhinoceros, Gattungen von Affen ſprangen frei umher und neckten die Voruͤbergehenden. Ausgemauerte Gruben bewahrten fuͤrchterliche Schlangen auf⸗ die nach den oben befindlichen Gallerien, von wo man auf ſie blickte, wuͤthend hinauf ziſch⸗ ten. Herrliche Gezelte und Villa's von ſchoͤ⸗ nen Farben gewaͤhrten dem Auge einen ent⸗ zuͤckenden Anblick. Dieſe Herrlichkeiten ſtaunte der Exadmiral mit neugierigen Augen an. Grimaldoz folgte laͤchelnd, da er ſeinen Herrn ſo zufrieden ſah. Eduardo, als Arzt. Eduardo wurde in das Gemach des Sul⸗ tans gefuͤhrt. Grimaldoz wurde einſtweilen zur Verwahrung in eine Stube gebracht. 4 Die Leibwache war nackt, mit einer 1e Turban auf dem Haupte, mit zierlichen Bs⸗ 166 —— gen, ſchwharzen mit Silber durchwebten Koͤchern und Lanzen gewaffnet. Endlich, nachdem man viele Gemaͤcher durchſchritten hatte, langte der Spanier in dem Krankengemache an. Der Kranke lag in graͤß⸗ lichen Verzuckungen. 1 Der Glanz der Waffen, Teppiche und Ge⸗ ſchirre blendete die Augen des Zagenden. Es war der erſte Koͤnig dem er ſich nahete und noch dazu ein Schwarzer. Doch ſammelte er ſich und frug nach der Krankheit, den Arzneien u. ſ. w. und erklaͤrte die angewandten Mittel geradezu, daß ſie nachtheilig waͤren. Der Kranke hatte erſtlich ein Loch in einem der beiden Fuͤß, daß keiner ſeiner Mediziner zu⸗ heilen konnte, zweitens einen Steinſchmerz mit zuruͤckhaltendem Urin. Der Kaper ließ ſich ſogleich in den Schloß⸗ garten fuͤhren und fand ein Kraut, daß fuͤr 9 ihn tauglich ſchien. Er pfluͤckte es, preßte den 167 —,— Saft davon aus und verfuͤgte ſich an das La⸗ ger des Patienten. Der Sultan war etwas zu ſich gekommen und war vermoͤgend den Saft einzuſchluͤrfen. Der Kranke fuͤhlte ſich bald etwas beſſer, und der Schweiß ſchoß nur von ihm. Eduardo wiederholte das Mittel und legte Hoͤllenſtein mit Taubenblut vermengt auf die Fußwunde, woruͤber der Geaͤngſtigte fuͤrchterliche Toͤne aus⸗ ſtieß. Der zweite Trank beſtand aus anderm Kraͤuterſafte nebſt etwas Belladonna, ein Mit⸗ tel auf Leben und Tod. Der Sultan ſiel bald in eine fuͤrchterliche Raſerei. Doch— nach acht aͤngſtlichen Stun⸗ den fuͤr den neuen Mediziner kam der Kranke neuerdings wieder zu Sinnen, er ſchrie ent⸗ ſetzlich uͤber Schmerz am Fuße und Unterleibe. Er forderte das Nachtgeſchirr; ein Miniſter hielt es vor und eine Verhaͤrtung von der Groͤße eines Waizenkorns fiel hinein und gleich darauf kam die natuͤrliche Floſgte 1 Von den Schmerzen im Unterleibe war der Sultan befreit, nur der Hoͤllenſtein that ſeine Wirkung noch an den Fuße. Nun er⸗ olgte eine Schlaffheit und alsdann ein mehr⸗ ſtuͤndiger Schlummer. Als die ſchwarze Ma⸗ jeſtaͤt erwachte verlangten dieſelben Pilau zu ſpeiſen und Sorbeth zu trinken; beides wurde ihm gereicht. Er aß und trank wie ein Ge⸗ ſunder. Der ganze Palaſt jubelte. Die Ka⸗ nonen wurden gefeuert unter dem Jubel der Einwohner. 12„. Der Sultan gluͤhte von Dankbarkeit, er gebot ſeinen Leuten den Spanier auf einen Polankin durch die Straßen der Stadt zu tragen. Es geſchah. Wo der Zug hinkam fiel alles auf die Knie. Als er durch den Schloßhof getragen wurde, ſah Grimaldoz aus einen Fenſter, indem er wehmuͤthig jach ihn die Haͤnde ausſtreckte. Der Arzt forgte fuͤr ihn.“ 169 Bei dem Geneſenden wieder angekommen, klagte dieſer ſehr uͤber die Schmerzen am Fuße. Der Spanier erhoͤrte ihn und legte lindernde Kraͤuter darauf. Da rief Sr. Ma⸗ jeſtaͤt:„Du biſt von heute an mein er⸗ ſter Vezier!!!“ 1 Von einen gebundenen Sclaven zum Ve⸗ zier erhoben, daß wollte dem Korſaren nicht in den Kopf, er ſchwindelte und fiel zur Erde. Man brachte ihn auf koſtbare Baldachine, wo er vor Mattigkeit in einen Schlummer, der vierzehn Stunden waͤhrte, fiel. Er verlangte Nahrung und erhielt die usgelüchreſten Wpe ſen und Weine. Dem Korſaren geſiel es in Marokko, da ihm Fortuna ſo ſehr beguͤnſtigt hatte.— Der Korſar ſank vor dem Sultan auf die genheit. Allein er bat ſich noch ei 1 4 aus. Näͤmlich, daß die mit⸗ 9¹ —————— ———ũ³ñ kängte nicht einmal die Annahme des Islanis⸗ 4 170 Chriſten ſeine Diener ausmachten, nebſt einen Schwarzen mit Namen Grimaldoz, welches der Geſunde gern einging. Augenblicklich wurden Boten ausgeſandt um die Chriſten nach dem Palaſte des Sul⸗ tans zu bringen. Den andern Tag lag der neue Vezier in den Umarmungen ſeiner Getreuen, wovon kei⸗ ner froͤhlicher war, als Grimaldoz. Der Korſar erhielt ferner zu ſeiner Be⸗ dienung zwoͤlf Schwarze; zur Geſellſchafterin ſieben Sclavin, drei Hollaͤnderinnen und vier Englaͤnderinnen. Einen Palaſt, der etwas groͤßer war, als das Schloß des Fuͤrſten von M...... und einen Gehalt, der ſehr bedeutend war. 2 Demäͤthig dankte er dafuͤr. Man vet⸗ e Tracht war die eines Mahom d ners, ſo auch die ſeiner Leute. Oefters mußte er mit ſeinen Leuten in die Moſchee kommen; jedoch weiter nichts. Das Volk jauchzte, wenn er ausritt und warf ſich tief gebeugt in den Staub; denn er hatte ihnen einen Vater gerettet, der Sultan war nicht Herrſcher— nein! ein Vater ſeiner Unterthanen, o wie ſehr waͤre es zu wuͤnſchen, daß eine jede Nation einen Vater ſeiner Un⸗ terthanen erhielte! Der Sultan und Eduardo beſaßen die Gunſt des Volkes im hoͤchſten Grade. Eduar do war mit ſeinem Schickſale zufrieden. Die Wunde des Sultans am Fuße war geheilt und er ritt taͤglich mit ſeinem Vezier ſpazieren, der ihn ſowohl an Schoͤn heit, als duch an koſtzaden Anzuge weit uͤbertrak⸗ 172 ſeines Sohnes Herrmor. Bis jetzt hatte er fein Harem noch nicht beſehen, aber er nahm es ſich vor ſolches erſter Tage zu thun. Frei⸗ lich dachte der Held wieder ziemt es einen guten Chriſten nicht die Vielweiberei zu trei⸗ ben, aber— dachte er ich bin ja in einem frem⸗ den Lande, wo man ſo freundlich von den Schoͤnen aufgenommen wird. So uͤberredete der Kopf ſein Herz, oder wenn ich ſo ſagen darf, ſein Herz den Kopf. Eines Tages begab er ſich in Begleitung des Mohren Grimaldoz, den er zu verſtehen gab, daß er Niemanden etwas hiervon ſagen ſollte, in das Harem. In der erſten Stube befanden ſich zwei Schwarze(die der Sultan erſt geſtern den Vezier zum Geſchenk gemacht hatte); ihre wei⸗ ßen Zaͤhne, ihr lockiges Haar, ihr fleiſchiger MWuchs, ſo ſchoͤn— mit luͤſternen Blicken be tlachtete ſie der Exadmiral. Ein herrlicher Turban zierte den kleinen lockigen Wollkoßk. Sonnenſtrahlen ſchienen die Augen zu werfen. Beide gefielen ihm ſehr. 1 Einer der Beſchnittenen fuͤhrte ihn nun in das zweite Zimmer, wo die drei Hollaͤnde⸗ rinnen bei ſeinem Eintritt von ihren Sitzen auf⸗ ſtanden. Die Maͤdchen waren ſehr ſchoͤn, faſt ſchoͤner als— Adelheid. O wie blendend weiß laͤchelten ihm dieſe uͤppigen, ſo ſchoͤn geformten Buſen, dieſe entzuͤckenden Wellenlinien der Schenkel, die bezaubernde Rundung der Wa⸗ den! Es war ein Augenſchmauß wie er ihn noch nie gehabt hatte. Von Entzuͤcken begeie ſtert, ſtuͤrzte er auf eine von ihnen zu, um⸗ ſchlang ſie mit Inbrunſt indem er einen gluͤhen⸗ den Kuß auf die friſchen Purpurlippen druͤckte. Die holde Schoͤne erroͤthete, die uͤbrigen be⸗ trachteten ſie mit neidiſchen Blicken. Die Schuͤrzen der Hollaͤnderinnen waren von Seide, die eine ſchwarz, die andere hochroth und die dritte gelb. Ihr Putz war ſo wie es jeder a paſſendſten ſchten. Im dritten Zimmer * d die dier Englaͤnderinnen, von denen aber dem Vezier keine gefallen konnte, denn ſie waren alle duͤrre, und Eduardo liebte dieſe nicht, auch waren ihre Augen roth, wahrſcheinlich von vie⸗ lem Weinen; weshalb er ſich ſchnell entfernte. Am Abend wurde unter einem Baldachine Tafel gehalten, wo der Vezier mit den Vezie⸗ rinnen gar freundlich redete. Ein Laternenfeſt nach chineſiſcher Art beſchloß den Abend. Zwei Jahre bekleidete bereits Eduardo die Vezierſtelle, aber die Sehnſucht nach dem ge⸗ liebten Stromboli ließ ihn nirgend Ruhe fin⸗ den. Gar ſehr wunderte er ſich, daß kein Schiff von den ſeinigen angekommen war, um ihn von den Mohren mit einer Summe Geldes loszukaufen. 3 Da er Alles zu berechnen hatte, ſo hatte er ſich einen ungeheuren Reichthum erworben. Sein Wohlthaͤter, der Sultan Ibrahim war geſtorben und ſein Thronfolger Mahomed eſten Vezier ſeines Vorgaͤngers nicht traten Klaͤger gegen den Korſa⸗ hne lange Unterſuchung wurde er mit Ketkell belaſtet, in ein iß geworfen. Der treue Grimaldoz begl in freiwillig. O welche Tage in dieſem en Gewahrſam! Er blieb aber ſtandhaft, indem er ſich keiner Verbrechen bewußt war. Nur durch Kabale war er geſtuͤrzt. Der Sultan handelte großmuͤthig an ihm. Nach einigen Wochen wurde er entfeſſelt zu ihm gebracht. Der Sultan ſprach: Vezier! Du retteteſt meinem Vater einmal das Leben, das zweitemal konnteſt Du ihn nicht retten, denn der Schlag hatte ſein Herz getroffen, dafuͤr will ich noch dankbar ſeyn. Du biſt von dieſem Augenblicke an frei. Als Vezier und Richter taugſt Du nicht, Deine Stelle erhaͤlt ein Ande: rer. Du ſollſt reiſender Vezier werden und Dich nach den Klagen der Unterthanen⸗ der Verbeſſerung der Moſcheen und anderes meh erkundigen. Dein Haab' und Gut bleibt Dir. Deine Reiſeroute iſt geſchrieben, fu nn kannſt Du als Begleitung mitneh wirſt Du ihrer beduͤrfen. Abrei Du wann Du wi Eduardo Warf ſich ihm zu Fuͤßen und konnte lange keine Worte des Erſtaunens und Dankes hervorbringen. Der Sultan war uͤberdies noch ſo gnaͤdig ihm einen koſtbaren Ring zum Geſchenk zu ma⸗ chen, den der Reiſe⸗Vezier kuͤßte. Der Entſchluß. An demſelben Tage, als der begnadigte Vezier von der Hauptſtadt Marocko abreiſen wollte, kam die Iſabelle unter dem Donner der Kanonen der vor Anker liegenden Schiffe und die des Forts in dem Haven von Stromboli an. Dumof und langſam antwortete das Geſchuͤtz — der Iſabelle. Officiere und Matroſen, Alles jauchzte dem ſo ſehnlich Erwarteten entgegen⸗ Man fragte nach dem Admiral und von Allen erfolgte ein Achſelzucken. Adelheid, mit ihrem jungen Hermor bet ſchaͤftigt, hoͤrt den Donner der Kanonen, das Freudengeſchrei der jauchzenden Menge, eilt mit dem einzigen Troſt ihres Herzens nach der Bucht, ſie erkennt das Schiff, worauf ihr Gatte ſich auf den weiten Ocean begeben hatte, ſte ſieht die Neuangekommenen an's Land ſteis gen, ihre großen Augen durchſuchen die Menge, alles Bekannte, nur ihr Eduardo nicht; ſie wollte Gewißheit haben, wo der ſo⸗ ſehnlich Er⸗ wartete ſey; durch die Menge, die ihr ehrer⸗ bietig weicht, dringt ſie durch, das Jauchzen der Menge verſtummt und verwandelt fich gar bald in Trauertöne. Athemlos kommt das herrliche Weib bis zu den Kaper⸗Officieren⸗ die dem neuangekommenen Lieutenant Khioh 5 die Haͤnde zum Willkommen reichen. mein Gatte? uuft ſie erſchoͤpft. ;ſter Theil. * Chiloy war ein rauher Krieger, als er aber dieſe Worte hoͤrte, entfielen ſeinen Augen große Thraͤnen. Erſchrocken ſahen die Korfaren ihn und Adelheid an. Wo iſt mein Gatte? wiederholte ſte noch einmal. Lieutenant Chiloy, ich beſchwoͤre Euch bei allen Heiligen antwortet mir, oder ich ſter⸗ be. Iſt er todr? chitoh ſchwieg. Alſo iſt es wahr. Sinn⸗ los wollte ſie in die Arme der Korſaren ſtuͤrzen; da erſchallte der Zuruf, der ihren Ohren wie hoͤherer Haemon enktang ertoͤnte, er lebt! (Er lebt! er lebt, rief das treue Weib zu wiederholten Malen, aber wo iſt er! 1 In den beſten Haͤnden nicht! erwiederte Chiloy und erzaͤhlte nun der horchenden Adel⸗ heid, was der Leſer bereits weiß; das was er fur gut hielt nicht zu ſagen, verſchwieg er weis⸗ 8 n. Man. ſuchte die Frau des Admirals zu be⸗ 179 — ruhigen, indem man keine Koſten ſcheuen werde, ihn von den Unglaͤubigen loszukaufen. Am Nachmittage waren die Befehlshaber auf dem Verſammlungsplatze verſammelt, um ſich Alles noch einmal erzaͤhlen zu laſſen und uͤber den Lieutenant Chiloy, daß er entflohen und ſeinen Herrn nicht zur Huͤlfe geeilt war, Gericht zu halten. Chiloy erzaͤhlte alles der Wahrheit gemaͤß und ſchloß ſeine Erzaͤhlung mit den Worten: Ihr wißt nun alles, urtheilt und richtet: Ge⸗ wannen wir mehr, wenn ich dem Admiral zur Huͤlfe eilte und unſere Iſabelle mit allen Koſt⸗ barkeiten nebſt der Mannſchaft den Siegern in die Haͤnde fiel? Daß ich Euch nicht eher Nachricht brachte, war nicht meine Schuld, deß ſind meine Leute Zeugen. Kaum, daß wit den Mohren entronnen waren, ſo ſahen wir auf der andern Seite wieder unſern Tod r Augen, denn die Lebensmittel waren bis „ fund Schiffszwieback aufgezehre 3 180 daß wir befuͤrchteten, daß das Schiff alle Augen⸗ blicke untergehen wuͤrde; da gewahrten wir eine Inſel, ſie war keinen von uns bekannt, wir ſteuerten darauf zu und fanden, daß ſie — unbewohnt war, das erſte was geſchah war, daß wir uns nach Lebensmitteln umſahen und fan⸗ den auch zu unſerer Freude ein kleines Waͤld⸗ chen mit allerlei reifem Obſte. Auch fanden wir bei genauer Durchſuchung auf einer Wieſe eine ganze Heerde wilder Ziegen und Rehe. Alſo den Hungertod zu ſterben brauchten wir nicht, aber es fehlte an geſchickten Leuten die Ifabelle, die ganz ruinirt war, wieder fiott zu machen. Eines Tages ging ich nach der Wieſe, die eine ſchoͤne Quelle bewaͤſſerte und fand zu meinen Erſtannen einige Treppen in Erde ge⸗ hauen und muthmaßte, daß Menſchen hier ge⸗ weſen waͤren. Ich unterſuchte meine Vogels flinte und Hirſchfaͤnger, fand beides in gutem Stande und ſetzte meine Entdeckungen fort, bald gewahrte ich ein Kreuz, woran die Worte auf Deutſch geſchrieben ſtanden:„Ungluͤcklicher, weihe hier meinen Andenken eine Thraͤne!⁰⸗“ 181 —,— 2 Darneben war ein offenes Grab, nicht weit davon eine Huͤtte und nun machte ich mich auf das Schrecklichſte gefaßt, denn ich glaubte ein Todtengerippe in der Huͤtte zu finden. Langſam oͤffnete ich die Thuͤr, fand aber nicht, daß was ich gemuthmaßt hatte. Eine Bank, einen ſelbſt gemachten Tiſch, waren die einzi⸗ gen Meublen, ein erbaͤrmliches Lager von Co⸗ cusblaͤttern war in der Ecke. Die Blaͤtter waren noch ziemlich friſch. Ich wollte nun wieder umkehren und meine Entdeckungen morgen fortſetzen. Ich ſah nach der Sonne; allein dieſe brannte ſo heiß, daß ich, da ich keinen Sonnenhut mit hatte, mich entſchließen mußte, bis gagen Abend hier zu bleiben. Die Hitze war hier taͤglich ſo groß, daß meine Leute an der Ausbeſſerung der Iſabelle nicht länger als taͤglich 7 Stunden arbeiten konn⸗ ten, naͤmlich von Morgens ſechs bis neun und von Abend ſechs bis zehn Uhr Ich hatte alſo nun Muße genug meinen uf 3 nauer zu durchſuchen. Auf dem Siſe 6 ich dieſes Papier, hier iſt es:„ 182 —— lich, ſtand darauf, und hielt mich fuͤt ungluͤck⸗ lich und war es nicht, jetzt aber bin ich es!“⸗ Mahomedaner landen an dieſer Inſel, vielleicht werde ich noch Sclav; Gott! Mutter Maria, nimm meine Adelheid in deinen Schutz!!! mit der Unterſchrift: Graf v. Luͤdeck. „Iſt dies nicht der Vater von der Frau unſers Admirals!“ riefen die Korſaren. Ei⸗ nige hielten es fuͤr moͤglich, andere wieder nicht. Wie, meinten die Letzteren, ſoll Graf Luͤdeck auf jene wuͤſte Inſel kommen? Da bat ſich Capitain van der Cluſen Ruhe aus und Chiloy fuhr fort: 68 Am Abend kehrte ich zu meinen Leuten zuruͤck, die alle erfreut waren mich wieder zu ſehen. Ich beſuchte den Ort nun taͤglich, fand aber weiter nichts, als die Worte mit ſchwar⸗ zer Farbe an die Thuͤr gekritzelt:„Dem Graf v. Charloy und Toi vergebe ich die Entfuͤhrung meiner Tochter, ſo wie ihm Gott einſt verge⸗ ben moͤge“ & Nun war es gewiß; denn Eduardo har ja unter dieſem Namen in Sardinien gelebt. Nach zwoͤlf Wochen war das Schiff wie⸗ der flott. Die Ziegen waren alle weggeſchoſſen und eingepoͤkelt; die Fruͤchte eingeſammelt und 3 auf's Schiff gebracht. Da trat der Winter oder die Regenzeit ein und wir mußten noch ſechs Wochen hier unthaͤtig auf Wetter und Wind warten. In der ſiebenten Woche, nach dem wir noch alles Eßbare aufgeſucht hatten, ging es in die See. Wir mußten auf gut Gluͤck ſteuern, denn wir wußten nicht, wo wir waren, ich ließ alſo oöͤſtlich ſteuern. Nach vier Tagen erhob ſich ein furchtbarer Sturm und wir ſahen unſern Untergang vor Augen. Die Matroſen waren von den vielen Arbeiten er⸗ ſchoͤpft; Berge von Wellen kamen gegen das Schiff und riſſen drei auf dem Verdeck Be⸗ ſchaͤftigte in den Ocean. Doch Gott war uns gnaͤdig. Der Sturm legte ſich und das Schiff 4 war wenig beſchaͤdigt; jedoch waren ige Ausbeſſerungen ſehr nothwendig. erreich 184 ten den andern Tag eine tuͤrkiſche Inſel. Da die Pforte mit den Spaniern nicht in Kriege war, ſo wurden wir von den Commandanten wohl aufgenommen und uns ein 3 jaͤhriger Aufenthalt bewilligt, woruͤber wir alle erfreut waren. Die ganze Mannſchaft, mit Ansnahme des Chirurgus, Schreibers und eines alten Matroſen, waren alle krank. Ich mußte ſie⸗ ben Wochen das Bett huͤten. Einer laͤnger, der Andere kuͤrzer. Mit frohem Muthe ver⸗ ließen wir die Inſel. Ich wußte nun wo wir waren und von guͤnſtigem Winde getrieben, glaubte ich in vier Wochen Strombholi zu er⸗ reichen. Aber erſt hatten wir noch eine Ge⸗ fahr auszuſtehen. Ploͤtzlich aͤnderte ſich der Wind und wir ſtießen auf ein engliſches Kriegs⸗ ſchiff. Der Capitain ließ uns ſogleich auffor⸗ dern die Segel zu ſtreichen. Ich ließ ihn mit einer tuͤchtigen Antwort mit Kugeln meine Gedanken ſagen. Das Schiff wankte und al⸗ les ſchrie: Feuer! Feuer! Ich erhielt keine Autwort, ſah aber wohl vielen Rauch aus dem Schiffe kemmen. Man rief um Rettung und 4. Huͤlfe. Das Befehlen hatte aufgehoͤrt. Dile Vornehmſten oder vielmehr die Feigſten war⸗ fen ſich in Boͤte. Das Schiff war ſich ſelbſt uͤberlaſſen; der Wind trieb es gegen das unſ⸗ rige. Rauch ſtieg aus allen Seiten, da ging es ploͤtzlich krach! und zertruͤmmert war das Schiff; weder die auf den Boͤten noch auf dem Schiffe konnten ſich retten. Hoch in die Luft flogen die Leute und die Truͤmmer des Schiffs. Es war ohne Leitung ganz nahe an das unſrige gekommen, als es in die Luft flog, erhielten wir noch eine Salve von den gela⸗ denen Kanonen. Von dem Krache riſſen die Breter unſerer Iſabelle aus den Fugen. Das Schiff, hieß es nun hat einen Leck uͤberall bekommen. Die Mannſchaft war ſowohl mit Pumpen, als auch mit dem Verſtopfen der Lecke beſchaͤftigt. Es war naͤmlich auf dem feindlichen Schiffe, wodurch? weiß ich nicht, Feuer ausgekommen, hatte die Pulverkammer ergriffen und borſt alſo. Ein Theit des Haupt maſtes war von dem Pulser in die 4 ge⸗ ſchleudert und ſtuͤrzte mit einer n Gewalt — ——-—— ——— find nach einer Fahrt von neun Wochen gf 186 — auf unſer Schiff, daß wir glaubten es ginge in tauſend Truͤmmer. Wir warfen vieles uͤber Bord und ich ließ wieder nach der Inſel, wo wir ſo gut aufgenommen worden waren, zu ſteuern. Bald war ſie erreicht. Der Com⸗ mandant wunderte ſich ſehr uns ſchon wieder zu ſehen und maß uns mit mißtrauiſchen Au⸗ gen, weil er glaubte, wir kaͤmen um ſeine In⸗ ſel in die Haͤnde der Spanier zu liefern. Nachdem er ſich aber uͤberzeugt hatte, daß unſer Schiff wirklich der Ausbeſſerung ſehr beduͤrfe, da wurde er freundlicher und wohl⸗ wollender. Run wurde raſch an die Ausbeſ⸗ ſerung des Schiffs gegangen. Der Comman⸗ geben. Nach einem dant war ſo guͤtig, ung noch Leute von den DSeinigen zur Arbeit 4 halben Jahre und Pei Monat ſtand das Schiff wie neu da. Ich bezahlte alles, kaufte noch Lebensmittel und Segeltuͤcher und das Geld war alle. Mit autem Winde ſegelten wir ab und . Stromboli's Boden. Dies iſt die ganze Get ſchichte und nun richtet uͤber mich. Bedenklich ſah einer den andern an, da ſprach der Capitain Strelow ernſt und feier⸗ lich: Wir richten nach den Geſetzen.„Chiley Ihr verließet Euren Admiral in der Noth, dieſes verdient den Tod. Ich will aber nicht ſo ſtreng richten, der Admiral moͤge Euer Ur⸗ theil ſprechen. Ich glaube Eurer Rede, waͤret Ihr den Admiral zur Huͤlfe geeilt, ſo waͤret Ihr alle Selaven und die Iſabelle in Feindes Haͤnden. Ohne dem Ausſpruche des Admirals koͤnnt Ihr nie wieder eine Stelle vertretenz von dieſem Augenblicke an ſeyd Ihr Eures Amtes als Lieutenant entſetzt. Legt Eure ein anderer erhaͤlt ſie. Beliebt es Euch, ſo koͤnnt Ihr hier als gemſeiner Ma⸗ troſe bleiben, wo nicht, ſo erhaltet Ihr Euer Geld, von den Intereſſen koͤnnt Ihr in Zukunft gemaͤchlich leben. Habe ich nicht recht ge 5 tet?“ Montirung ab, 18 ¾, Chiloy legte ſeine Montirung und Saͤbel ab, indem er feierlich ſchwur, den Admiral aufzuſuchen und ihn zu retten; aber ohne die⸗ ſen wuͤrde er nie wiederkehren. Die Papiere des Grafen von Luͤbeck wut⸗ den zu den Schiffsbuͤchern gelegt. Auch beſchloß man der Sennora da Raſto nichts davon zu ſagen. Man entſchloß ſich ſogleich ein Schiff nach Marokko zu ſchicken, um den Admiral frei zu kaufen; ſollte er hier nicht ſeyn, ſo war er doch gewiß in Algier oder Tunis, wenn er noch lebte. Der Capitain Rizza hatte auf ſeiner letz⸗ ten Fahrt einer Fregatte einen Geleitsbrief von Kaiſer von Marokko gekapert. Dieſer anm ihnen nun gut zu ſtatten, denn ohne die⸗ ſeu haͤtten ſie ſich nicht nach Marokko wagen daͤrfen— 9. Die Stelle des Lieutenants Chiloy erhielt der Franzoſe, Baron de la Crouce. Nach acht Tagen war die Virginia ver: proviantirt und konnte in die See gehen. Chiloy machte die Reiſe als gemeiner Matroſe mit. Capitain Sarpi Befehlshaber des Schiffs, freute ſich eine ſo weite Seereiſe machen zu koͤnnen. Bei guͤnſtigem Winde ging das Schiff unter Segel, den andern Tag folgte der hei⸗ lige Antonius befehligt von van der Cluſen, um die Schatzkammer mit geraubten Gute zu bereichern⸗ Eduardo„ als Zahnarzt. Alle Anſtalten wurden zur Abreiſe auf Morgen getroffen, Eduardo dankte Gott in ſeiner Wohnung fuͤr die guͤnſtige Wendung ſeines Schickſals auf den Knien. Sein treuer Grimaldoz betete, lachte, weinte, aß und t ank 8 190 — mitt ihnt. entſchlief der Vezier, Von ſuͤßen Trumen eingewiegt wurde aber fruͤh des andern Morgens aus dem Schlafe geſtoͤrt. Ein Aga und ein Paſcha ließen ſich anmelden und verlangten ihn augenblicklich zu ſprechen. Eduardo ahndete nicht viel Gutes. 86 Sie traten ein. Unſer aller gnaͤdigſter Kaiſer von Marokko laſſen Euch zu wiſſen thun, daß er fuͤrchterliche Zahnſchmerzen habe und er ließe Euch bitten, ihn von dieſen zu Hktsſan . Man ſtelle ſich das Erſtaunen des Veziers vor. Eduardo hielt ſich dieſer Ehre fuͤr un⸗ werth; allein der Haſcha ſagte im gebieteri⸗ ſch ane: der aiſe Leelann i Dehate⸗ ic aut meiner SBrernns „ 191 1 41 ſo verliere ich ohne weiters meinen Säßte ſagte er zu ſich ſelbſt. Endlich ſagte er ja und die Boten ent⸗ fernten ſich. 4 Die Nachricht machte den Kaiſer waͤhrend den raſenſten Schmerzen wieder frohtich. 3 Eduardo erinnerte ſich der Inſtrumente und ließ ſolche ſogleich verfertigen. Mit die⸗ ſen ausgeruͤſtet begab er ſich in den Pulaſt 4 des Kaiſers. Die Figur des Kaiſers haͤtte den muthig⸗ ſten Zahnarzt aus aller Faſſung bringen koͤn⸗ nen. Sein Odem war ſtinkend; die Zaͤhne befanden ſich ſaͤmmtlich in dem erbaͤrmlichſten Zuſtande. Nachdem der Neiſe⸗ Vezier den un, tern Kinnbacken auf der⸗ linken Seite, a 1 welchen der Kaiſer ſo viel Schmerzen litt, une 88 der groͤßten Aufmerkſamkeit unterſuch hatte, entdeckte er einen verdorbenen dieken Zahr Der Held zitterte, und bat ſich einen Tag Zeit aus, um ſeine Kunſt erſt an Thieren zu probiren. Der Kaiſer bewilligte dieſen Auf⸗ ſchub. Sehr ſchnell verflogen die vier und zwan⸗ zig Stunden. Die ſchreckliche Stunde ſchlug, in der die Operation vor ſich ging. Der Kai⸗ ſer litt immer noch an den heftigſten Schmer⸗ zen. Vier Sclaven mußten Sr. Marokkiſchen Majeſtaͤt feſt halten. Der Kaiſer war damit zufrieden, denn er wuͤnſchte ſehnlichſt von ſeinen Schmerzen befreit zu werden. Eduardo ermannte ſich, indem er den Zahn mit ſeinem Inſtrumente ſuchte, als er gewiß war, daß er ihn hatte, riß er dabei aus allen Kraͤften und ergab ſich in den Wil⸗ len Gottes. Jetzt zieht er— obgleich der Zahn ſehr tief ſaß, obſchon der Kaiſer zappelte, hatte er doch Muth ihn vom Seſſel in die Hoͤhe zu ziehen, der Zahn gab nach und Eduarha 193 der Erſreute rief froͤhlich: hier iſt er ſammt ſeinen Wurzeln. 3 Der Kaiſer war vor Wuth noch ganz außer ſich, denn die Schmerzen hatten ſich verdoppelt. Er konnte nicht ſprechen. Zagend ſtand der Exadmiral den Erfolg ſeiner Operation erwar⸗ tend. Doch bald ließen die Schmerzen wieder nach, und der Spanier athmete freier; ja nach einer Stunde war er voͤllig davon befreit: vor Freuden war er ganz außer ſich. Es gereute nun den Kaiſer, daß er den geſchickten Arzt zum Reiſe⸗Vezier gemacht hatte, er haͤtte es lieber geſehen er waͤre ſein Hofarzt geworden. Sein Wort jedoch war ihn heilig. Noch an demſelben Tage erhielt ber Deenne Eduardo da Raſto zwei praͤchtige Pferde, vie Kameele, einen Turban vom reichſte aſter Theil. 1 2 geſchmuͤckt mit den koſtbarſten Edelſteinen, eis nen Saͤbel mit goldenen Quaſten und Griffe. Der Kaiſer, um ſich recht gnädig zu zei⸗ gen, begehrte, daß ſich der geſchickte Arzt eine Gnade von ihm ausbitten moͤge, welche fuͤr ihn den hoͤchſten Werth haͤtte. Der kuͤhne Admiral beſann ſich nicht kange, er bat um ſeine Freiheit, wenn er von der Reiſe zuruͤckgekehrt ſey, und— erhielt ſie, nebſt den ſechs Matroſen von ſeinen Leuten und den Mohren Grimaldoz. Man kann ſich leicht die Freude des Veziers und die ſeiner Matroſen denken. Die Reiſe. Den andern Tag ging die Abreiſe vor ſich. Noch nie hatte man eine glaͤnzendere Geſellſchaft geſehen; die Scherifen, Paſcha's und Aga's, die den Vezier begleiteten, waren die Vornehmſten im Lande. Das Gefolge be 194 ſtand aus ſiebzig Menſchen, zwanzig Kamerten. hundert Pferden und zwoͤlf Säͤnſten. Die Vornehmſten der Schwarzen bezeigten unſern Eduardo die groͤßte Ehrerbietung, obgleich er ſeinem Glauben getreu geblieben und nur nach der Sitte des Landes gekleidet war⸗ Ein jeder bewunderte die Schoͤnheit der Ebene auf welche die Stadt gebaut iſt, ſo wie den reizenden Anblick des Berges Atlas, welchet ahren Geſichtskreis gegen Oſten zu begraͤnzt. Oltven⸗ und Palmbaͤume in Menge ſtehen auf dieſer Ebene und mehr als tauſend Quellen, die aus dem Berge Atlas fließen, bewaͤſſern ſie. Nach einer viertaͤgigen Reiſe kam der glaͤnzende Zug in einem Dorfe an. Eduardo beſchloß hier Gericht zu halten und ſich einen Tag auszuruhen. Wer Klagen gegen Jemand fuͤhrte, wurde in der ganzen Gegend bekanns gemacht, der ſolle in das Dorf tammen. um drei Uhr Nachmittags am ene Tage hielt der Vezier unter herdlichen Bau⸗ 196 25 men⸗ auf einem erhabenen Seſſel Gericht. Ueber tauſend Menſchen waren verſammelt. Er hoͤrte die Klagen eines Jeden und ſuchte zzu helfen wo er nur konnte, und richtete ganz unpartheyiſch, obgleich ſchoͤne Weiber und Maͤdchen die Fuͤrſprecherinnen waren. Wider Vermuthen mußte er ſich ſechs Tage hier auf⸗ halten. Bald war man vor den Bergen von Trara, die von den Breben bewohnt wurden, welche die Reiſenden rein auspluͤndern; man war in Verlegenheit, wie man uͤber die Berge kommen koͤnne, da hatte einer von den ehe⸗ maligen Matroſen, jetzt Sclave des Veziers, den klugen Einfall durch Liſt uͤber die Berge zu kommen. Er war naͤmlich Feuerwerker bei den beruͤhmten Roſini in Italien geweſen. Sogleich wurde alles Schießpulver, was man in der Gegend auftreiben konnte, aufges⸗ kauft. Zwoͤlf Mauren mußten Kohlen ſtoßenz aa 3 Andere Roͤhren aus Pappe verfertigen, 5 1 92 in welche die leuchtende Materie geſchüttek werden ſollte. Der Sclave dachte uͤber ſeine vorige Kunſt nach, um alles wieder in ſein Gedaͤchtniß zuruͤck zu rufen, was er bei dem 5 Roſini gelernt hatte. Nach drei Tagen war alles fertig und mit Einbruch der Nacht wurde die Reiſe ange ereten.. Grimaldoz, auf einem Kameele, mit einer brennenden Fackel in der Hand eroͤffnete den Zug und diente als Wegweiſer. Hinter ihm ritt Eduardo auf einem koſtbaren Pferde in eine Ritterruͤſtung gehuͤllt. Sein Haupt war mit einer Granadiermuͤtze von Pappe bedeckt und in der rechten Hand eine Lanze. Ihm folgte ein bedeckter Wagen von dem Erfinder gefuͤhrt. Nach dieſem Wagen kam der ganze Zug alle beritten, jedoch in einiger E erhielt, Ein jeder hatte eine Fa l Hand. Bald waren die Reiſendenten 198 Paͤſſen von Trara. kteberall herrſchte das groͤßte Stillſchweigen. Gegen Mitternacht hoͤrte man pfeifen und ein bedeutender Trupp Breben naͤherte ſich. Als man nun ſah, daß der Angriff vor ſich gehen wuͤrde, hielt Eduardo ſeine Lanze an die brennende Fackel des Gri⸗ maldoz. Im Augenblick erfolgte ein ſchreckli⸗ cher Knall. Das F Feuer faͤhrt rechts und linke, und verpuffet am Ende der Lanze, dann faßt es die Ruͤſtung des Eduardo, welche ploͤtzlich ganz mit Feuer umgeben war; ſchimmernde Sterne ſprangen uͤberall hervor, flatterten in der Luft herum und gaben ein ſchreckliches Getoͤſe von ſich, wie die Salven mit Muske⸗ ten. Die Granadiermuͤtze fing an zu brennen und aus ihrer Oeffnung fuhren ſchreckliche Ge⸗ ſtalten, welche ſich auf alle Seiten vertheilten und in einer kleinen Entfernung wie Regen herabſtelen. Der Erfinder zuͤndete nun auch den Wagen an; ſogleich flogen die Petarden in die Luft und hinterließen bei ihrem Zer⸗ ſpringen einen Knall; Flammen von allen Far⸗ den ſtiegen bis gen Himmel und ließen die 1199 N fuͤrchterlichſten Geſtalten daran erblicken. Knall folgte auf Knall und ein Stern folgte den an⸗ dern; gleich dem Donner bruͤllten ſie bei'm Zerplatzen. Die Breben zogen hierauf langs ſam in das Innere der Waldungen zuruͤck und als es anfing zu tagen, war der Wald zu Ende und man genoß eine reizende Ausſicht in die Provinz Algier. Denſelben Tag ſchon war die Stadt Als gier erreicht, welche wegen ihrer Seeraͤubereien beruͤhmt iſt. Die freie offene Ausſicht, welche man von den Terraſſen der Haͤuſer auf das Meer hinaus hat, bietet dem Auge einen recht angenehmen Anblick dar. 8 Eduardo ließ dem Dey ſogleich ſeine An⸗ kunft melden und uͤberſendete zugleich ein Ver⸗ zeichniß der Namen und Charaktere, nebſt einen Brief vom Kaiſer von Marokko. So⸗ gleich ſchickte der Dey eine Ehrenwache von Spahis und ertheilte dem Eduardo an ſeine Bitte Audienz. S 2060 Bei Eduardo's Eintritt in den Saat durchdrang ihm ein geheimer Schauer. Er empfing den Reiſe⸗Vezier ſehr artig. Die Geſpraͤche waren vom Anfange einſilbig, bald wurden ſie aber lebhafter. Eduardo erzaͤhlte ihm ſodann den Zweck ſeiner Reiſe. Der Dey bat ihn und ſein ganzes Gefolge zum Mittags⸗ mahl. Eduardo machte Entſchuldigungen; al⸗ lein es half nicht, die ſaͤmmtlichen Aga's, Paſcha's und Edelleute mußten an ſeiner Tafel ſpeiſen; wobei Eduardo die Ehre hatte zur Rechten des Herrſchers zu ſitzen. Der Dey vertraute ihn unter andern, daß er morgen mit achttauſend Mann ausziehen, um die Breben zu bekriegen, welche ihre Raͤube⸗ reien jetzt uͤbertrieben. Eduardo widerrieth ihm ſolches zu thun, indem die Breben im⸗ mer eine ſtarke Huͤlfe gegen die auswaͤrtigen Feinde waͤren. Allein, dieſer ſagte es ſey be⸗ ſchloſſen und wenn das der Dey ſagte, ſo war es unwiderruflich, wenn er auch daruͤber zu Grunde gehen ſollte. Man wurde immer fröhlicher und der Dey zeigte Eduardo ſein 2⁸1 Harem. Auch waren herrliche Maͤdchen eein 85 Es war eine Auswahl von orientaliſchen Schoͤnheiten; nur drei Englaͤnderinnen waren darunter. 3 Der Exadmiral fragte, nachdem beide wie; der zur Geſellſchaft zuruͤck gekehrt waren, oo die Truppen des Morgens oder Abends aus der Stadt ruͤckten. Des Abends antwortete der Dey, indem er ihn ſtark fixirte. Ich ziehe mit, hier iſt meine Hand, ſprach laͤchelnd der Spanier zu dem erſtaunten Muſelmann. Das iſt mir lieb, erwiederte der freudig Mahome daner. 8 Spaͤt trennte ſich die ntgana Geſel. ſchaft. 5.:2 Den andern Tag beſah De ere are —— Als der Abend heranruͤckte, war er mit ſeinem ganzen Gefolge vor den Thoren der Stadt. Der Dey umarmte ihn und ernannte ihn auf der Stelle zum Anfuͤhrer der Kavalle⸗ rie. Seinen jaͤhrlichen Gehalt wolle er ihn alle Jahre nach Marokko ſenden. Eduardo dankte mit den verbindlichſten Worten fuͤr dieſe Ehre und ſchloß ſeine Rede mit den Worten: daß er ſich dieſer Auszeichnung wuͤrz dig zeigen wuͤrde. Sogleich ſtellte er ſich an die Spitze der Kavallerie und drang mit dem groͤßten Theile derſelben in den Mittelpunkt der Waldungen die uͤbrigen waren in kleine Abtheilungen ge⸗ theilt, um alles Verdaͤchtige von dem Jeinde ſogleich zu melden. Geringere Truppen⸗Abtheilungen zu Fuß beſetzten den ganzen Wald. Der Dey, ein muthooller Krieger, ordnete alles. Nur Eduar⸗ do, dieſen ließ er machen was er fuͤr gut hiet⸗ 283 — denn er ſah es ein, daß dieſer ein efehrinen und liſtiger Krieger war. Die Sonne ging feurig unter und ver⸗ goldete die oͤſtlichen Gebirge mit ihren erguis ckenden Strahlen. Eduardo ließ Halt machen, ſtellte Poſten aus, indem er ſich ſein Zelt auf einen Huͤgel aufſchlagen ließ. Schwermuͤthig lehnte er ſich an einen Baum; das erhabene Schauſpiel der untergehenden Sonne, die herr⸗ liche Ausſicht; ein Gedanke an Adelheid, an ſeinen Sohn Herrmor machte ihn traurig⸗ Gedankenvoll ſtarrte ſein Auge wild in die Ferne, als ob es die Zukunft erforſchen wollte⸗ Große Thraͤnen entquollen ſeinen ſchoͤnen Aus gen; Thraͤnen der Wehmuth rollten der ge⸗ braͤunten Wange herab. Ihm war ſo wunder⸗ lich zu Muthe, ter wußte ſelbſt Par, in ſeinem ganzen Lebe nie ſo geweſen; war es ei nahen Todes? nein— es u 204 .* heid, nach ſeinem Herrmor und allen Freunn den auf Stromboli. 4 Sein getreuer Grimaldoz findet ihn ſo. Eduardo ſprach eben zu ſich ſelbſt: Ich ein Fangball des Schickſals ziehe jetzt gegen Leute zu Felde, die mich nie beleidigten, worunter es auch ſich treu Liebende giebt, und ich Er⸗ haͤrmlicher habe das Verſprechen gegeben nichts zu verſchonen, ſelbſt das Kind an dem Mut⸗ ter Buſen nicht! Nimmermehr. Doch— ich habe mein Wort gegeben; es ſey. Aber nur gegen Maͤnner fuͤhre ich Krieg, nicht ges gen Weiber und Kinder! —— Edler Herr! um Verzeihung, daß ich ſtoͤre, ſo eben war ich am Walde und erblickte wohl hundert von den Breben, die aber, als ſie mich erblickten fort eilten. Eiinnige von ſeinen Aga's und Offizieren meldeten daſſelbe und baten um Befehle der Nacht. kein Zelt. Die Wache machte die Honne 205 „Laßt die Vorpoſten verſtaͤrken und kegt „Euch zur Ruh'. Morgen in aller Frühe „geht es an die Arbeit. Angegriffen werden „wir nicht und ſollte dies bei einer Abtheilung „der Fall ſeyn, ſo wehrt Ihr Euch. Dies „fuͤr heute genug.“ Die Schlacht. Der Mond beſchien die zum Kampf ge⸗ rüͤſteten und ſchien den Helden wehmuͤthig an⸗ 3 zulaͤcherln. Die Mitternachtsſtunde ruͤckte her⸗ an; alles lag im tiefſten Schlafe; nur Eduar⸗ do lehnte am Baume. Große, erhabene Ge⸗ A danken keimten in ſeiner Seele. Alles war ſtill, nur das Rufen der ausgeſtellten Wachen 1 und das Geraͤuſche eines murmelnden Baches, waren die Unterbrecher der Ruhe und Stille Mit dem Schickſal murrend und nach dem Mond noch einmal ſeufzend begab er ſich in Der Gedankenvolle griff in die Taſche und 83 hr einige Geldſtuͤcke. Kaum hatte ſich der Reiſe⸗Vezier nache laͤſſig den blanken Damascener an der Seite auf eine Ottomane geworfen; als das Geſchrei erſcholl: die Feinde! die Feinde! Er traute ſeinen Ohren kaum, als einer ſeiner Aga's zu ihm in das Zelt ſtuͤrste mit dem Ausrufe: Rettet Euch, es iſt alles verloren; die Breben ſind mitten in unſerm Lager! Naſch ergriff der Held Piſtolen und ſchwang ſich auf ſein Roß und ſtuͤrzte mit hochgeſchwungenen Schwerte in die Haufen der ſtegenden Feinde. Nur wenige von ſeinen Leuten thaten den Breben geringen Wider⸗ ſtand. Seine Leute ſahen den neuen Feldherrn und jauchzten. Eduardo ſammelte ſie um ſich, die Haͤlfte ſeiner Kavallerie war niedergemetzelt. Man focht von beiden Seiten mit der groͤßten Erbitterung. Keiner von beiden Theilen wich um einen Schritt. Die Tapferſten und Er 209 Jauchzend umringten ihn die Srehen, diſtn ihn mit Gewalt vom Pferde und Alles 1 n der Anfuͤhrer iſt gefangen. Der treue Neger Grimaldoz hatte im⸗ mer an der Seite ſeines Herrn tapfer gefoch⸗ ten, manchen Hieb, der ſeinem Herrn gegol⸗ ten hatte, mit ſeinem Schilde, das er in der Linken trug, aufgefangen; dieſer ſah die Ge⸗ fangenſchaft deſſelben, eilte vom Kampfplatz, ſammelte eiligſt eine kleine Schaar, ſtuͤrzte mit dieſer mit Gewalt durch die undurchdring⸗ lichen Glieder der Waldbewohner, bis zum Eduardo. Hier entſtand nun aber ein ſchreck licher Kampf. Die Breben hatten einen Kreis um Eduardo. formirt, enrſchloſſen eher zu ſterben, als den Anfuͤhrer wieder frei zu fehen. Leichen thuͤrmten ſich ath Leie Kaum dreißig Mann hatten ſich bis hierher 8 gewagt. Dunkle Wolken verbargen das Licht des Mondes, Alles hieb auf einander los, ob Freund oder Feind, das konnte Niemand eut⸗ ſcheiden. Dieſen Tumult benutz ꝛſter Theil. 210 — nier, er riß mit der Wuth einer Loͤwin, die ihre Jungen zu verheidigen ſucht, das Schwert aus der Hand, bahnte ſich mit dieſem einen Weg bis zu den Seinigen, wovon nur noch dreizehn gleich Verzweifelte fochten. Lichte Wolken ließen den Mond durchblicken, und man erkannte den befreiten Reiſe⸗Vezier. dNit neuem Muth beſeelt, bahnten ſich die Tapfern einen Durchgang, der aber nur zwei Muſelmaͤnnern und Eduardo gelang, die uͤbri⸗ gen fraß das Schwert. Sogleich eilte der be⸗ befreite Feldherr von einer Seite zur andern, ſeine Adjutanten berichteten ihm wenig Er⸗ freuliches. Die Breben ſchoſſen theils mit Bogen, theils mit Flinten unaufhoͤrlich. Mit der gröͤßten Erbitterung wurde geſtritten. Haͤtte der Admiral Eduardo da Raſto nur fuͤnfhundert Mann zu Fuß gehabt, ſo waren die Breben laͤngſt auf's Haupt geſchlagen, ſo aber war es unmoglich. Ermattet vom Kampf wichen die Hufaz 42 — ₰ ſich aber nicht abhalten üͤberall, wo ſeine Gl genwart nothwendig war, hinzuſprengen. Er luchte einen guten Ruͤckzug zu machen, wel⸗ ches ihm auch gelang. Da gab ihm ſein guter Genins den Ger⸗ danken ein, eine verſtellte Flucht zu machen. Alles lief, was Beine hatte, in der groͤßten Oronung. Die Breben frohlockten und eilten. nach Beute luͤſtern, in der groͤßten Unord⸗ 4 nung dem Feinde nach, auf einmal ließ der* „ errfahrne Feldherr Halt machen, befahl einzu⸗ hauen und im Nu waren mehrere Hundert von den Feinden gefangen oder niedergehauen, . die Uebrigen, hierauf nicht vorbereitet, er⸗ griffen die Flucht; an Halt zu machen und ſich in Reih' und Glied zu ſtellen, war nicht zu denken, denn die Reuteret war ihnen ime mer auf den Nacken. Die Arriergarde der Breben war von dieſer Flucht noch nicht an⸗ geſteckt, und aus derſelben ward die Avant⸗ garde. Dieſe bot den naſch vordringen Huſaren Trotz. Eduardo befahl ſie zu werfen 8 14 „ 212 — Mit aller Macht ſtuͤrzte er mit den Muthigſten in die Mitte um ſie zu ſprengen, welches ihm auch nach vielem Blutvergießen gelang. Auf einmal erſcholl der Ruf: Feinde! Feinde im Ruͤcken. Sogleich wendete Eduar⸗ do ſein Roß und eilte dem neuen ungebetenen Feind entgegen; es waren Weiber—— an der Zaͤhl wohl dreihundert, alle mit Meſſern bewaffnet.„Gegen Weiber fechte ich nicht,“ ſprach der ſtolze Spanier. Die Arriergarde der Breben war ge⸗ ſchlagen, die Hauptarmee ſtand noch. Allah iſt mit uns, jauchzten die Muſelmaͤnner. Man berichtete dem Vezier Eduardo, daß die Weiber das Fechten noch beſſer koͤnnten, als die Maͤnner. Gleich dem Sturmwinde ſtuͤrzte Sduardo mit ſeinen braven Hnuſaren in die Weiber, die er ſo verachtet hatte, ihm aber nun Achtung einſloßten, denn ſie ſtanden wie 4 en ⸗ Manner und nur nachdem viele unter ihnen. gefallen waren, flohen die uͤbrigen. Wuͤthond ſpornte der General ſein edles Roß indem er 5 die Weiber verfolgte; ſeine Adjutanten berich⸗ teten ihm, daß ſeine Gegentart auf der an⸗ dern Seite ſo noͤthig ſey, allein or hoͤrte nicht. Vergebens baten ſte ihn umzukehren, indem ſonſt Alles verloren ſey, allein er blieb taub gegen ihr Geſprach. Die Weiber flohen in den Wald, er ihnen nach, es werden der⸗ ſelben immer weniger, die eine entflieht, die andere fallt unter ſeinem Schwert. Endlich erliegt er ſeiner Strabaze; die vier letzten Weiber entfliehen, Alles iſt dunkel um ihn, ſeine Sinne ſchwinden und leblos ſi ntt er zu Boden. Schon roͤthete ſich der Himmel im Oſten, ſchwaͤcher wurde das Licht der Sterne, da ent⸗ ſchied ſich die Schlacht; die Muſelmanner wa⸗ ren auſs Haupt geſchlagen, die Breben Sie, 8 — —— —— 1— En 2r 214 wre gewiß der Reiſe⸗Vezier noch Sieger ge⸗ worden. Der Dey, als er endlich von der Nieder⸗ lage Gewißheit erhielt, ſprach zu ſeinen Aga's und Scherifen:„Dieſer Mann, ob er gleich nicht Sieger iſt, hat doch mehr Verſtand als ihr alle zuſammen.“ Die neue Bekanntſchaft. Als der Held erwachte ſtand die Sonne ſchon ſehr hoch; alles ſchien ihm wie ein Traum; allein ſeine Wunden und ſein von Blut rothge⸗ 65 faͤrbtes Schwert uͤberzeugten ihn von der Wahr⸗ heit. Mit vieler Anſtrengung richtete er ſich 3 in die Hoͤhe, beſah ſeine Wunden, die ſehr leicht waren, verband ſie ſo gut es gehen Kolne Nun wurde uͤberlegt was er thun wolle, hier bleiben konnte er nicht, ſich weiter begeben— war e Sefahelig⸗ da die Breben Herr dieſer Wal⸗ ——— mor geweſen war; er trante ſeinen Augen dungen waren; allein er hatte kein andetes Mittel, denn hier zu verhungern dazu hatte er wenig Luſt, auch konnte er hier gefunden wer⸗ den, beinahe ſo gut als an einem jeden andern Orte, deshalb ergriff er ſein Schwert und ging langſam den Weg, den er glaubte gekommen zu ſeyn. Der Hunger ſtellte ſich auch bei ihm ein, dieſen wurde jedoch bald durch einen Fei⸗ genbaum abgeholfen, geſtaͤrkt ging er weiter; die Sonne war im Scheiden und noch hatte er das Ende des Waldes nicht erreicht, da vernahm er eine leiſe menſchliche Stimme, er traute ſei⸗ nen Ohren nicht und wollte vorwaͤrts ſchreiten, indem aber erſpaͤhte ſein Ange einen freien Platze in der Mitte war eine Huͤtte, vor der Thuͤr eine Naſenbank, Porauf ein Liebespaͤrchen ſaß. Vorſichtig naͤherte ſich Eduardo, gedeckt du 5 mehrere Buͤſche. Endlich war er thnen Sän nahe und gewahrte zu ſdinem nicht geringen Erſtaunen die Frau eines ſeiner Mattoſen auf Strombolt, die Kindeswaͤrterin bei ſeihem Herr⸗ nicht ——— 216 — .* Schrecken laut aufſchreien moͤgen, denn fuͤrchter⸗ liche Gedanken durchkreuzten ſein Gehirn, war⸗ um und wodurch dieſe Frau hier ſey. Lauſchend lehnte ſich der Horchende an ei⸗ nen Baumſtamm; von den Geſpraͤchen verſtand er Folgendes: Brebe. Mir iſt nie wohler, als wenn ich bei dir ſitze, meine traute Saphris, wenn Du Deinen kleinen fleiſchigen Arm um meinen Hals ſchlingſt, wenn Deine Hand in der meinigen ruht, o dann iſt mir ſo wohl, wohler als einen Koͤnig. Saphris. Rur in 2ℳ Liebe bin ich gluͤcklich, ich habe alles vorlaſſen, Vater, Mut⸗ ter und Vaterland und fand nur bei Dir Ruhe. Als ich Dich von unſern Schiffe aus ſahe, da konnte ich mich nicht laͤnger halten, Du weißt's, es war Nacht; allein ich ſprang in die See; Du nahmſt mich auf und ich bin zufrieden, wenn ich Dich habe. 1 — G Lande. 8 Brebe. Nimmer werb' ich die giückliche Nacht vergeſſen in der Du in unſere Pihke ſprangſt. Es war freilich eine ungluͤckliche Nacht fuͤr Deine Landsleute, denn neun wur⸗ den gefangen, das Schiff aber entfloh. Saphris. Unſer Admiral war mit unter den Gefangenen; ach wenn wir drei gute Schiffe haͤtten, wir wollten nach Stromboli ſe⸗ geln, da iſt das Gold und Silber wie ein Verg aufgeſchuͤttet. Brehe. Das iſt unmoͤglich. een Saphris. 8 g' das nicht, Lieber, in der Welt iſt alles 3. Admiral Eduardo da Raſto jemals geahndet, daß ich zur mahomedaniſchen Religion aͤbergehen und er Selav werden wuͤrde? Ach haͤtten wir das Gold, wir waren die keicſten keune m haͤtte denn wohl der 218 Brebe. Ja, wenn wir mit dem Dey in Frieden lebten, da waͤre es etwas anders, dieſer hat Schiffe in Menge die beſtaͤndig die der Chriſten wegkapern. Saphris. Thu es mir zur Liebe, daß Du Deinen Bruͤdern zum Frieden räthteſt, dann ſagſt Du dem Dey die Sache haarklein und— gewiß Du wirſt Admiral von der Flotte und wir werden die Angeſehenſten und Reichſten im Lande(ſie kuͤßt ihn). 3 hn Brebe. Was einem ein ſolcher Kuß ſo wohl thut. Sanbris. Wie pocht znein Herz; vſeeß Du nicht bei mir mein Lieber, ich wuͤrde mich furchrens ach mein Herz pocht. 15 Drete.(fuͤhlt Su den ſchonen tunden DBufen der Frau). Ich fuͤhle nichts. 25 wie 5 aphl it mir! . 8 Saphris. Du wirſt es wohl nhten wie es pocht und haͤmmert. Brebe. C(fuͤhlt noch einmal dahin). Ach jat Saphris. Da fuͤhlſt Du wohl gern hin? Brebe. Die groͤßte Wonne auf Erden! Saphris. Nun erhaͤlſt Du nicht eher wieder einen Kuß, bis Du Admiral der Slorte Zegen Stromboli biſt. Brebe. Das iſt eine harte Bedingung. Der Liebe iſt aber nichts unmoͤglich; ich will meinen Bruͤdern zum Frieden rathen, da die Huſaren gaͤnzlich aufgerieben ſi ſind, ſo wird der Dey gewiß die Saiten nicht zu hoch fundtnen ſondern uns noch mehr Warkeche Seuahesn— Gapheis. Danmn uia ich die Deine ewig werden. cpf 3 det feindliche Sfnennt ein in Chrit ſeyn, weiſ 2206 —— Brebe. Allah! wie ie vfuckiic werde ich dann ſeyn? Daphris. Erzaͤhle mir aber doch mein Trauter, wie es bei der Schlacht herging, Du ſochteſt doch aber auch tapfer? Brebe. Des Zeugen ſind meine Bruͤder. 35 war es der den feindlichen General ge⸗ fangen nahm, daß er un s wieder entwiſchte, daran war ich nicht ſchuld. Ich war uͤberall der erſte. 4 Saphris. Dafür danke ich Dir. Brebe, Vom Anfange ſchienen die Huſas ren des Dey verloren; allein ſie hatten einen klugen General, der, wie man ſagt, der Reiſe⸗ Vezier des Kaiſers von Marokko iſt, dieſer fuͤhrte uͤberall ſeine Leute ſelbſt an, er ſcheute keiñe Gefahren, wo ſie am groͤßten waren, da ſchien er am liebſten zu ſeyn. Auch foll — er den verſtorbenen Kaiſer vom Tode gerektet hat, ſoll ihn dieſer zur Wuͤrde eines Veziers erhoben haben. Saphris. Wie war ſeine Geſtalt? O Al⸗ lah, warum pocht mein Herz ſo ungeſtuͤm!k. Brebe. Die Geſtalt, goͤttliches Maͤdchen, war groß; ſeine Naſe, ſo viel ich ſehen konnte, lang und gebogen, der Mund klein, die Augen blau; weiter weiß ich nichts. Saphris. Ich weiß gar nicht, ich kann meinen ehemaligen Admiral gar nicht vergeſ⸗ ſen, wenn dieſer der Anfuͤhrer nur nicht war. Iſt denn der General nicht mit gefangen? Brebe. Nein! Als wir beinahe alle verloren waren, da kamen ihn die Weiber un⸗ ſerer Bruͤder in den Nuͤcken, er wendete ſich. indem er ſie verfolgte. Niemand weiß wo er geblieben iſt, gleich nach ſeinem Verſ⸗ in war die Schlacht entſchieden und— w * 222 — ger. Hier iſt ein Portraͤt, das von ſeiner Bruſt herabſiel, als ich ihm von Pferde riße Saphris.(als ſie es erblickt). Htnmelt das Bildniß von der Gattin des Adn der ehemaligen Grahs v. Luͤdeck. Brebe. Wer was wozu das gut iſt. Saphris. Der Geſtalt nach war der Ans fuͤhrer der Dey'ſchen Huſaren kein anderer, aſs Eduardo. Nun muß er i unſere Gewalt, kodt oder lebendig; ſeine Leuf egahlen deui gut fuͤr ihn. 4 Brebe. Es lebe der mtealhurss da 84 nen zu unſerm Baßent erues. an ſeimen Untergang! Trnnt ich hob es auf und ſteckte es zu mir. 223 3 1 1 3 Der wahrſagende Derwiſch. Eduardo hatte genug gehoͤrt, er war einen Ohnmacht nahe, als die Liebenden aufſtanden und auf ſein Verſteck zukamen; in dem Augens blicke erſcholl eine huͤlferufende Stimme, raſch gingen ſie nun nach dem Orte und Eduardo dankte Gott mit gen Himmel ausgeſtreckten Armen. Er eilte nun raſch vorwaͤrts, jedoch bald uͤberwaͤltigten ihn Mattigkeit und Schlaf 8 und bald entſchlief er in einem dichten Ge⸗ uſche. 3 44 Als er erihachte, ſtand zu ſeinem groͤßten . Schrecken ein Derwiſch(Einſiedler) vor thn, haſtig ſprang er auf und ergriff ſein Schwert. 4 Laß alles in Ruh, ich bin dein Freund, kedete ihn der Derwiſch freundlich auu. 6 Eduardo. Mann Gottes verzeih. 224, Derwiſch. Hier lieber Sohn, haſt Du etwas zu eſſen; ich weiß Du biſt hungrig, Eduardo da Raſto, Du kuͤhner Seeraͤuber oder Rieiſe⸗Vezier. Eduardo. Ehrwuͤrdiger Vater, woher weißt Du wer ich bin? Deerwiſch. Aus den Sternen. Doch eile — und iß, Du biſt hier nicht licher und dann folge mir in meine Klauſe. Nachdem er gegeſſen hatte, nahm der Gottesmann den erſtaunten Hularen Anfahten mit Jſich.. der Klauſe angekommen, ſprach der Derwiſch: Hier haſt Du ein Einſt jedler⸗Ge⸗ wand, ziehe das Deinige aus und bekleide Dich damit; beſorge keine Hinterliſt von mir⸗ denn dieſe entehrt unſern Stand. Ich habe eimn kleines Geſchaͤft zu beforgen; waͤhrend meiner Abweſenheit werden Breben kommen 225, und Dich fragen: ob du den Anfuͤhrer des Dey nicht geſehen haſt; antworte nur kuͤhn: Nein! und ſie werden weiter reiten. War dem Kaper⸗Admiral der Alte vorher ein Raͤthſel geweſen, ſo war er es nun noch mehr; woher wußte er ſeinen Namen, ſeinen Charakter oder Stand, daß er Hunger hatte, daß, waͤhrend er abweſend waͤre, Breben kom⸗ men wuͤrden, die ihn nach dem Anfuͤhrer des Dey fragen wuͤrden. Er war zweifelhaft was er thun ſolle, ſollte er entfliehen oder bleiben. Der Derwiſch hatte aber ein zu ehrliches Ge⸗ ſicht; dieſer konnte ihn nicht betruͤgen. Er beſchloß zu bleiben. Schnell vertauſchte er ſeine ſchoͤne Uniform mit der eines Derwiſch, faͤrbte ſein Geſicht und wartete nun der Dinge die da kommen wuͤrden. 4 Er hatte nun Zeit und Muße uͤber ſeine jetzige Lage nach zu denken und ſeine Wohnung 8 zu unterſuchen. aſter Theil Er that es. Die Klauſe war klein; ein Tiſch, zwei Stuͤhle und einen Schrank waren die ganzen Meublen. Im Hintergrunde war ein aͤrmliches Lager, in dem Schranke waren mehrere aſtronomiſche Buͤcher, ſo wie auch der Koran und einige Gebethuͤcher. Kaum war eine Stunde verfloſſen, als er Pferdegetrappel vernahm, es kam immer naͤher und wohl dreißig Breben hielten vor der Klauſe, ſie als Ungeweihte durften nicht hinein. Der Anfuͤhrer klopfte an und Eduardo trat furchtſam heraus; ehrwuͤrdiger Vater, hob der Anfuͤhrer an, habt ihr keinen Fluͤchtling ge⸗ ſehen von den Dey'ſchen Huſaren? Ich lebe nur der Andacht und bekuͤmmene mitch nicht um die Weltbegebenheiten. Allah's Seegen mit Euch. Bei dieſen Worten ging der neue Klaus⸗ ner wieder hinein. eeietuu u 44 22 . Daß er ſeine Rolle ſo meiſterhaft wieien wuͤrde, das haͤtte er ſich nicht vorgeſtellt. Die Breben entfernten ſich und der neue Derwiſch ließ es ſich gut ſchmecken, was ſich an Eßbaren vorfand. *† “ Die Klauſe war ſehr gut angelegt; ſie lag auf einem kleinen Huͤgel, mit dichtem Ge⸗ buͤſche umwachſen; hohe Cedern waren an den Eingang bepflanzt; Thraͤnenweiden beſchatteten den noͤrdlichen Theil der Klauſe. Spaͤt des Abends erſchien der Derwiſch wieder, bot ſeinen neuen Amtsbruder einett guten Abend und begab ſich wieder hinaus um das Schickſal deſſelben in den Sternen zu leſen. Nach einer Stunde erſchien dieſe mieder. Seine Miene war ernſt doch freundlich min neugierigen Augen betrachtete ihn ſein Amts bruder. Der Friede des Herrn ſey mit Dir! re⸗ dete ihn der Derwiſch an. Hier iſt Dein La⸗ ger; Eduardo legte ſich auf den ihn angewie⸗ ſenen Platz und entſchlief. Als die Sternlein am großen Firmamente immer blaͤſſer und blaͤſſer ſchimmerten, da weckte der alte Derwiſch unſern Eduardo, der noch ſanft ſchlief. Auf! kuͤhner Admiral, Du biſt nun ſicher, folge mir, nimm aber Deine Hus faren⸗Uniform unter Dein Gewand, Du haſt keine Zeit zu verlieren, wenn es Dir gut ges hen ſoll. Eduardo hatte ſchon zu viel Vertrauen zu dem Alten gefaßt, um in ſe ne Reden Verdacht zu ſetzen. Er folgte alſo ſeinem Fuͤhrer ohne Zaudern; ſo ſchnell, als des Alten Fuͤße ihn tragen wollten, voran. Die Sonne ſtieg ma⸗ jeſtaͤtiſch herauf und goß in Eduardo's Herz Vertrauen zu jenem unbekaninten Weſen, ohne deſſen Willen kein Sperling vom Dache fäͤllt. Pald hatten Beide das Ende des Waldes er⸗ Algier. Eduardo erbebte, denn er dachte ſich die Wuth des Dey uͤber die verlorne Schlacht. Fuͤrchte Dich nicht mein Sohn, ſprach der Derwiſch, der Eduardo's Schrecken bemerkte; Du geheſt Deinem Gluͤcke entgegen, wenn ich nicht beſtimmt wuͤßte, daß es zu Deinem Bes ſten waͤre, ſo wuͤrde ich es Dir nicht rathen: fuͤrchte keine Hinterliſt von mir, denn von meinem Wohlwollen haſt Du ja Beweiſe. Des Geſagten nahm der Spanier zu Herzen. Geruͤhrt dankte er dem Derwiſch und kleidete ſich in ſeine Uniform.„Dein erſter Weg iſt aber zum Dey mein Sohn; nochmals, Du geheſt Deinem Gluͤcke entgegen und nun lebe wohl.“ 4. Mit klopfenden Herzen ging Eduardo der Stadt zu, er beſaß zwar die Gnade des Sul⸗ tans von Marokko; allein, daß ihn der Dey von Algier es verzeihen ſollte, dieſes mollte 8 ihm doch nicht einleuchten. Kaum hatte er das näͤchſte Thor der Stadt erreicht, als auch ſchon der treue Grimaldoz, der beſtaͤndige Begleiter Eduardo's, dem der Admiral todt glaubte, zu ſeinen Fuͤßen lag und ihm Haͤnde und Schuhe kuͤßte. Vor Freude ſprang er alsdann wie unſinnig umher. Eduardo druͤckte dem Guten an ſein Herz. „Mir iſt es unterdeſſen als Ihr nicht hier waret gut gegangen, rief der entzuͤckte Neger, ich bin geſund und munter aus der Schlacht gekommen!“ Kommt nur zum Dey, der wird naͤrriſch vor Freude, wenn er Euch ſieht! Kaum daß der Reiſe⸗Vezier ſeinen Augen und Ohren traute, mit Gewalt zog ihn der brave Neger nach dem Palaſte des Dey. Da er⸗ ſchien der Dey mit einigen Spahis um auf öffentlichem Markte vor dem ganzen Volke Gericht zu halten; ſein Weg fuͤhrte an dieſem vorbei, ihn erblickend und ſich freudig in des Erſtaunten Arme werfend, war das Werk eines Augenblickes. Nun ging es an ein Erzaͤhlen und Fragen; endlich entfernte ſich der Herr⸗ 'er ſich nach ſeiner Begleitung, den Vornehm⸗ 231 ſcher und Eduardo begab ſich in Begleitung 8 der Spahis, die ihm der Dey aufgedrungen hatte, nach deſſen Palaſte. Nun erkundigte ſten aus dem Kaiſerthume Marokko, allein weder von dieſen noch von Eduardo's ehema⸗ ligen Korſaren war keiner zuruͤckgekehrt, er machte ſich Vorwuͤrfe, daß er der Moͤrder dier ſer Leute war, denn haͤtte er ſich nicht ent⸗ ſchloſſen der Schlacht beizuwohnen, ſo waͤre es ſeiner Begleitung nicht eingefallen gegen Leute 1 die ihnen in ihrem Leben nichts zu fechten, zu Leide gethan hatten. Bald erſchien der Dey, in ſeiner Miene lag der Ausdruck der Freude.„Nun, redete 1 er den Exadmiral an, heute geht es wieder gegen die Breben, Ihr zieht doch mit? Ver⸗ legen ſtotterte Eduardo Entſchuldigungen, daß ſeine Reiſe nicht den Zweck habe Leute zu bes kriegen, die er kaum dem Namen nach ken Nate 89 2. 1 des Beherrſchers von Algier in Falten, indem er ſprach:„Ich glaubte wirklich dem Ge⸗ ſchwaͤtze der Fliehenden, daß Ihr wie ein Loͤwe gefochten haͤttet; allein nun ſehe ich es wohl ein, daß Ihr ein Feiger ſeyd, der ſein Heil gleich im Anfange der Schlacht in der Flucht ſuchte, denn von Eurer Begleitung von Marok⸗ ko ſind bis jetzt nur zwei zuruͤckgekehrt, Ihr ſeyd der dritte, wenn Ihr als ein Held gekaͤmpft habet, wo ſind denn Eure Wunden? Einem Feigen uͤbergab ich das Commando meiner braven Huſaren.”— Bei Eurem und meinem Gotte, Ihr thut mir Unrecht großer Monarch! hier meine Hand ich ziehe wieder mit gegen die Bre⸗ ben, daß ich kein Feiger war, beweiſen dieſe Wunden(indem er ihn mehr als acht unbedeu⸗ „ tende Wunden zeigt). Vergebt! rief der Dey ich that Euch Unrecht. Wegen Eduardo's Wunden wurde der Feld⸗ zug um acht Tage aufgeſchoben, da fuͤhlte ſich aber der kuͤhne Admiral wieder neu geſtaͤrkt 233 und mahnte den Herrſcher der Unstäubigen 2an Aufbruche. Von Eduardo's Matroſen hatten ſich bis jetzt wieder drei eingefunden, ohne den Neger Grimaldoz. s Eduardo rauchte eben ſeine Pfeife und war mit dem Dey im Geſpraͤche begriffen, als ſich zwei Lieutenants vom Schiffe Virginia, indem ſie vorgaben ſie haͤtten einen Geleitsbrief vom Kaiſer von Marokko, anmelden ließen. Ungern ließ ſich der Dey ſtoͤren; Eduardo wurde vor Freude bald blaß, bald roth; denn warum er⸗ ſchienen dieſe wohl, aus keiner andern Urſache, um ihn aufzuſuchen und zu befreien. Die unſern Helden wohlbekannten Freunde traten ein, ſie fielen ſogleich auf die Knie und uͤberreichten dem Dey das Schreiben vom Sul,. tan, als dieſer das Siegel deſſelben ſah, ſtie⸗ er von ſeinem Sitze auf und kuͤßte es, alsdann —-—— — 234 haͤtte laut aufjauchzen moͤgen, wenn er damit alles haͤtte verderben wollen. Ziemlich lange lagen dieſe auf ihren Knien, bis er endlich ſprach: Stehet auf, es ſey Euch vergoͤnnet hier zu weilen, ſo lange Ihr wollt, wenn Ihr mir den Zweck Eurer Reiſe angeben koͤnnt.„Das koͤnnen wir, erwiederte einer von den beiden Lieutenants: Wir ſuchen einen gewiſſen Eduar⸗ do da Raſto, wir ſind erboͤtig ein hohes Loͤſegeld⸗ wenn er hier iſt, fuͤr ſeine Freiheit zu geben.“ Wenn dem ſo iſt, ſprach der Dey, ſo fragt in drei Wochen wieder nach, dann ſoll in den Buͤ⸗ chern nachgeſchlagen werden, ob ſich unter den Gefangenen ein Menſch mit dieſem Namen be⸗ findet. Mit vielen Baanngan empfahlen ſich die Kaper. b Die Schlacht und das Wiederſehen. Der Tag war erſchienen, an welchem die Deyſchen Truppen aus der Stadt ruͤckten, 2 die Cavalerie war gaͤnzlich in der Schlacht ruinirt. Den Oberbefehl fuͤhrte der Dey ſelbſt, aber erſt mußte ihm Eduardo fein. Meinung ſagen. — —— Die Breben ließen ſich nicht ſehen und 3 zogen ſich immer tiefer in die Waldungen zu⸗ ruͤck. Die algieriſchen Truppen folgten. Eduardo verzweifelte ſaſt je wieder zu den Seinigen zu kommen, denn beſtändig war er von den Vornehmſten umgeben. Er nahm ſich alſo vor bei der erſten Gelegenheit zu 4 entfliehen, nach den Haven zu eilen, die An⸗ ker zu lichten und ſo nach dem geliebten Stromboli zu kommen. Allein dieſes Vorhas ben war aus ſchon geſagtem Grunde unmoͤgt 44 lich auszafähren⸗ Schon zwei Tage hatte man die Wat⸗ dungen durchſtreift und noch ke nen Bre zu Geſicht bekommen. Am dritt als die Sonne ihren hoͤchſten Sondbun reicht hatte und Roß und Mann ſich unter die von der Sonne gluͤhenden Strahlen ſchuͤtzen⸗ den dichten Baͤume gelagert hatten, da er⸗ ſchallte ein Pfeifen von allen Seiten, man griff zu den Waffen, vernahm von allen Sei⸗ ten Kriegsgeſchrei und Getoͤſe und machte ſich ſchlagfertig, da erſchien der Dey ſelbſt und rief: Auf! wir ſind umringt, folgt mir. Jetzt geſchah der erſte Schuß und ein Jude, der den Feldzug aus Speculation mitgemacht hatte um nach der Schlacht die Todten und Ver⸗ wundeten auszupluͤndern, rief mit klaͤglicher Stimme: O mei, o mei, ich bin verwundet, man hat mich geſchoſſen in die Bein! Jetzt geſchahen noch mehrere Schuͤſſe und da Edu⸗ ar do noch keinen Feind ſah, ſo eilte er auf den ſo jaͤmmerlich ſchreienden Inden zu, ſchwang ſich vom Pferde herab, erkannte den ihm wohlbekannten Juden, von welchell der Leſer ſchon im Anfange der Geſchichte gehoͤrt hat. Man denke ſich das Erſtaunen Eduar⸗ do's, der Jude erkannte ihn aber nicht und immer fort. Schnell oͤffnete er ihn die ————; war Augenzeuge hiervon und rief Hoſen und ſand— daß das Maufelthen nicht verwundet, ſondern vor Angſt in die Hoſen gepißt hatte. Alles lachte uͤber dieſen komiſchen Auftritt. Das Gefecht kam naͤher heran und Eduardo ordnete ſeine umgebun⸗ gen; da kam abermals der Dey geſprengt in⸗ dem er rief: noch ſo muͤſſig⸗ Herr Vezier! Eduardo fuͤhlte ſich getroffen, ſtieg vom Pfer⸗ de herab und eilte dem dichteſten Gedränge zu, weil man hier zu Pferde nicht gut etwas ordentliches ausrichten konnte und hieb mit ſeinem Damaſcener furchtbar unter die Bre⸗ ben. Ermattet vom Kampfe gieng er etwas zuruͤck, da fuͤhrte der Dey wohl dreihundert friſche Truppen herbei und uͤbergab ſie dem Commando Eduard'os. Dieſer uͤberſah mir einem Blick die Schlachtordnung der Feinde, angreifen und mit ſeinen wenigen Leuten die ſechsmal ſtaͤrkeren Breben theils zu ſchlagen, theils gefangen zu nehmen, war das Werk von fuͤnf Minuten, nur aͤußerſt wenige ente kamen in dem Gedraͤnge. Der Dey gus: Wahrlich! dieſer Chriſt iſt ein großer Mann. Alles war hierdurch aber noch nicht gewonnen, denn die Breben wuͤtheten auf ei⸗ ner andern Seite beinahe eben ſo furchtbar. Naſch eilte Eduardo dahin und ſchlug die Feinde hier eben ſo ſchnell, als auf der ans dern Seite; der Dey, ein guter Krieger, kam gar nicht zum einhauen. DJetzt ſchmetterten von allen Seiten die die Trompeten der Sieger. Der Vezier ging mit ernſten Schritten uͤber das mit Leichen hedeckte Schlachtfeld und fand unter dieſen zu ſeiner Freude die Frau jenes Breben mit Namen Saphris, die es dem Dey ver⸗ rathen wollte, daß auf Stromboli Schiffe waͤs zukapern waͤren, nicht weit davon lag ihr zus kuͤnftiger Gemahl, den ſie im Geiſte ſchon als Admiral der Flotte ſah, die nach Stromboly aufbrechen ſollte; ſo iſt es aber; der Wenig denki⸗ Gott lenkt. In dieſem Augenblicke erſcheint ein Couz rier und uͤbergiebt dem Dey ein Schreiben vom Kaiſer von Marokko, worin er meldet, daß wenn ſich der Reiſe⸗Vezier Eduardo da Raſto noch in ſeinem Lande befaͤnde, er dem⸗ ſelben kund thun ſolle, daß er ſich ohne Vers⸗ zug nach Marokko zu begeben habe, indem ſeine Marokkoiſche Majeſtaͤt wieder Sfschrus zahnichuwetden haͤtten. m an2 Eduardo hoͤrte dieſen gruuftnnen Befeht mit Entſetzen. Der Kaiſer hatte ihm zwar verſprochen, wenn er wieder zuruͤckkaͤme, ſo ſollte er ſeine Freiheit erhalten, allein konnte ſeine Zahnoperation auch wieder ſo gluͤcken, als das erſtemal? gluͤckte ſie ihm diesmal nicht, ſo koſtete es ihm den Kopf. Der Vezier dankte dem Dey fuͤr ſeine gute Aufnahme und wollte ſogleich allein nach 5 der Stadt eilen um ſeine Sachen in Ordnung zu bringen. Der Dey aber ſprach: einem ſo⸗ großen Mann wie Ihr ſeyd kann man nis genug Ehre erweiſen, nehmek alſo meine Ge⸗ neraͤle, Schach's und Aga's zu Eurer Beglei tung mit. Ich werde Euch bald folgen und 3 Euch meine Erkenntlichkeit fuͤr Eure Deoßen Dhsſ Lalen Shu aber dankte fuͤr alle Begleitung erotz den Bitten des Dey eilt er, von ſeinem treuen Gefaͤhrten Grimaldoz begleitet, fort⸗ Als ſie die Ebene erreicht hatten, da gieng es im eaſchen Trabe nach der Stadt. Ehunrdo eilte durch und nach dem has ven, er erkannte ſogleich ſein Schiff, ließ ſich und Grimaldoz als Abgeſandte vom Dey melden und wurden mit vielen Complimenten empfangen. Grimaldoz ließ die Pferde laus fen, und dieſe eilten nach dem Palaſte. Als nun der kuͤhne Spanier die Bor⸗ nehmſten vom Schiffe vor ſich ſah, da legte 38 den Türban und die vietiſahs Kleiduns von 6 3988 8 — —— —ce fes, indem er ſprach Lichet die nket, Kiss Admiral befiehlt es! Man denke ſich das Erſtaunen und die Freude der Seekaper; ſchnell wurden die Anker gelichtet und mit vollen Segeln gieng es fort, zum groͤßten Gluͤck hatten ſie guͤnſtigen Wind. Der ehemalige Lieutenant Chiloy, als ge⸗ meiner Matroſe gekleidet, ſiel a3 dem Haupte der Korſaren auf die Knie, indem er feierlich ſprach: Großer Admiral, ich erwarte von Dir mein Urtheil! Ganz erſtaunt war das Haupt der Korſaren uͤber die Rede des Chiloy und ſeis ner Kleidung als Matroſe. Er erzaͤhlte ihm nun den ganzen Vorgang, ſein Entkommen mit der Iſabelle und ſein Urtheil der Hauptleute von den Schiffen, daß er ihn nicht zu Haͤlfs geeilt war und weshalb er degradirt ſey. Dieſes 8 Urtheil, ſprach der Spanier ſtolz, iſt ungerecht unſer Geſetz ſagt zwar; wer einem aunde nicht zur Huͤlfe eilet und ſteße 6 3 —— Ausnahme, Du konnteſt mich nicht retten, waͤreſt Du mir zur Huͤlfe geeilet, ſo wareſt Du, das Schiff und alles verloren: ſo aber brachteteſt Du doch Nachricht nach Stromboli und die Leute und die Iſabelle waren gerettet. ſſt dieſes der Fall; Du biſt von heute an 3 wieder Lieutenant auf der Iſabelle, wenn einer Deine Stelle ſchon erhalten hat, ſo muß er zuruͤcktreten, bis eine Stelle fuͤr ihn aufgeht. Geruͤhrt dankte der wieder gewordene Lieu⸗ ꝛenant. . Alle Segel waren aufgeſpannt um nur recht bald nach Stromboli zu kommen, auch aus Furcht von den Algierer Kapern, die in der Naͤhe waren und den Reiſe⸗Vezier ein⸗ ſteigen geſehen hatten, verfolgt zu werden. Aer jetzt drehte ſich der Wind und blies muit einer furchtbaren Heftigkeit nach Weſten, kade entgegengeſetzten Wind hatten ſie nun Es iſt keine Regel ohne Ausnahme, bei Dir —yy 2 — Da rief man nun noch zum allgemeinen Schrecken: drei tuͤrkiſche Schiffe! Entſliehen konnte man nicht, alſo wurden die meiſten Segel beigezogen; alles in Vertheidigungsſtand Geſetzt und die Kaperfahne aufgeſteckt. Langſam, als waͤren ſie ihres Sieges ge⸗ wiß, kamen ſie heran. Eduardo verlor den Muth nicht, zog ſogleich ſeine tuͤrkiſche Mon⸗ tirung an, dies that auch Grimaldoz und ſteuerten langſam nach einer Inſel. Die Tuͤrken ſtutzten ob dieſer Kleidung und ſprachen: Wer ſeyd Ihr, habt Ihr auch einen Kaperbrief? Der große und maͤchtige Mahum laͤßt Euch darum fragen! Eduardo antwortete: ich habe einen Geleitsbrief vom Kaiſer von Marokko. Der große Ma⸗ hum verlangte ihn zu ſehen; allein Eduardo ließ ihm ſagen: wenn er dieſen ſehen wollte ſo ſollte er auf ſein Schiff kommen. Der große Mahum wußte fuͤr Wuth nich 1ſ thun ſollte, als er dieſe Antwort ver 1 16* 2ℳ4 Der Wind ſchlug jetzt abermals um und blies heftig nach Oſten, waͤre der Wind gleich ſo geblieben, ſo haͤtten ſie die Tuͤrken gewiß nicht eingeholt. Nur mit der groͤßten An⸗ Einige Boͤte wurden ausgeſetzt und ungeſehen von den Tuͤrken Kanonen auf's Land gebracht, die Schiffe vom Lande aus beſſer beſchießen köngre. erdlic teeß ſich der große Mahum an⸗ melden: er beſtieg nebſt drei ſeiner Gefaͤhrten ein Boot und ſchiffte ſich uͤber. Er war im groͤßten Staate, er hatte eine mit Gold und Edelſteinen reich beſetzte Kaperuniform an. ſah ſich alſo ſchon verloren. Schnell legte er die taͤrkiſche Kleidung ab und zog ſeine Ad⸗ n zuf dem Schiffe hütre— ſtrengung konnten ſie an der Inſel landen, um wenn es zum Gefechte kommen ſollte, man Dieſes hatte Eduardo nicht erwartet, er miralsaniform an, die man zufälliger Weſe 4 vor Wuth, als ihn der ſtolze Eduardo aus pfing; niemand ließ ſich ſehen als Grimaldoz, zu bringen. hum einige Schritte zuruͤck, indem er zu ſei ner Begleitung ſprach; Wir ſind verrathen? 8 Mroktaſtzen Maſeſiat; Mahum. Ihr hattet ja Dar tuͤrkiſche Kleidung an, wo darf Der ſtolze Mahum, der ſich im Gehte 6 88 groß, als ſein Prophet ſelbſt waͤhnte, ſchaͤumte guten Gruͤnden nicht auf dem Verdecke em⸗ der den Befehl hatte den Kaper in die Cajuͤte Erſchrocken, doch wieder gefaßt wich Mas gt „Wo iſt der Geleitsbrief, pprach mit 585, niſcher Miene der tuͤrkiſche Kaper ⸗ von St. ——õ—yõꝛ Eduardo. Ich fuͤrchte mich vor Euten Peoyhelen nicht! Mahum. Unſinniger!(zu ſeiner Beglei⸗ ung) Gehet vor die Thuͤr und wartet bis ich Euch rufe. 1 Eduardo. Wozu dieſes? Mahum. Schweigt, wenn ich rede. Wenn Ihr Euch nicht als einen Feigen zeigen wollt, ſo laßt Eure Beglettung auch hinans hen. Sduardo.(zu Sarpi, Chiloy und den an⸗ dern beiden Lieutenants) Tretet ab, daß dieſer Stolze nicht glaubt ich ſey feig. 1 Mahum.(den Geleitsbrief leſend) Er iſt falſch, Ihr habt denſelben einen von unſern Schiffen abgenommen, Czerreißt den Brief) Betruͤger! — „ — — Du biſt des Todes!— — Eduardo. Elender, erbaͤrmlicher Moslem,. nichtswuͤrdiger Bube, Du biſt kein Seekaper., 3 ein Tyger in Menſchengeſtalt, ein Raͤnber und Moͤrder, auf dem Meere und dem Lande hoͤrt man Euren Namen, Du biſt ein 4 Boͤſewicht und Schurke! gie dieſes Mahum. Großer Propher⸗ von einem— denn keine Blitze um ſein ver Naul zu zerſchmets tern, ſchweigen Dern Vonner!(ſich umſehend) Es iſt laan Nacht cuu ſich entfernen). 44 Cpuards. Nicht von der Stele oder Mahum.⸗ Rettet! 3 Verraͤtherei! thereil * do's Leute herein und band machtigen Mahum, der wi ſchaͤumte, die Haͤnde auf den a Auch ſeine Begleiter wurden ergriffen, nur einer entkam gluͤcklich, ſprang in's Meer⸗ theilte mit nervigter Fauſt die hohen Fluten 4 und erreichte trotz den vielen Kugeln die man ihn nach ſandte, eins von den drei Schiffen und erzaͤhlte den erſtaunten Moslems die un⸗ gläsxtiche Geſchichte. Die Nacht wak undeſſen voͤlig hereingebros chen; als die Tuͤrken anfragen n ließen, ob man ihren Herrn herausgehen wolle oder nicht. Kuͤhn antwortete Eduardo, ſo lange nur eeiner von ihnen noch ein Schwert fuͤhren koͤnn rhielten ſ ſi e die Freilaſſung ihres Herrn nicht. Mun wußten die Tuͤrken nicht was ſie hun ſollten, griffen ſie an, ſo mußten ſie bern Gten man todtete den großen Mahum. Aber die de melſen riethen man ſolle das mit drei vollen Ladungen begruͤßen, dann 1 gewiß den gefangenen Mahum los⸗ worfen. laſſen und waͤre dieſer erſt wieder bei ihnen, ſſ ſolle von den Chriſten auch nicht einer leben bleiben, mit gluͤhenden Zangen wollte man ſie zu Tode zwacken. Die Kanonen waren gela⸗ den, die Schiffe gewendet, Kanoniere traten mit brennenden Lunten davor, des Zeichens gewaͤrtig, da ſtieg eine Rakete hoch in die 6 Luft und im Nu waren auf ſiebenzig Kano⸗ nenſchuͤſſe geſchehen, die Schiffe wurden aber⸗ mals gewendet und die Virginia empfing bei⸗ nahe eine eben ſo ſtarke Ladung als das erſtes mal wieder. Ohne ſich nur zu bewegen hielt dieſe ganz ſtill, da donnerten auf einmal aus zwoͤlf Schluͤnden die Kugeln vom Lande, die man vom Schiffe hierher gebracht hatte, um die Schiffe deſto beſſer zu beſchießen. Dieſes war ſchlecht gebaut und es hieng ſogleich auf der andern Seite, und da man glaubte, daß es ſinken wuͤrde, wurde alles Schwere, uͤber die Haͤlfte der Kanonen Wüer Bo Jetzt donnerte auch das Geſchuͤtz von ber Virginia und die Tuͤrken meinten die Chriſten muͤßten mit dem Teufel im Bunde ſtehen. Es war eine rabenſchwarze Nacht. Die Tuͤr⸗ ken antworteten abermals, allein die Virginia 3 war nicht zu bewegen, das andere Schiff der Aarken war bald in den Zuſtand geſetzt, daß s zum fernern Kampfe untauglich war. . Dieſes hatte man dem klugen Anordnen des Eduardo da Raſto zu verdanken, der die Kanonen auf dem Lande ſelbſt richtete, und Sarpi's Schnelligkeit, mit welcher dieſer das Schiff wendete. 3 5 — Das dritte Schiff der Küͤrken war aber wie von Eiſen, Alles frohlockte und jubelte auf dieſem noch, ja es war ſo kuͤhn und woll⸗ te entern, allein dieſes war wegen der Dun⸗ ketheit der Nacht nicht moͤglich. Sie wurden 1 Verwundeten zuruͤckgetrieben. deshalb mit vielem Verluſte an Todten and Mahum war waͤhrend des ganzen Ge⸗ 3 fechts wie ein Raſender, er bat den großen. . Propheten bald um Schutz, bald verfluchte er ihn, und weder Vorſtellungen noch Drohungen waren vermoͤgend ihn zum Seilſſchteiden 3 bringen. „ Die Kanonade der beiden Schiffe dauers te indeſſen ununterbrochen fort und das Pul⸗ ver der Virginia war beinahe verſchoſſen, als die Tuͤrken aufhoͤrten zu ſchießen. 4 Das eine von den drei Schiffen war in⸗ deſſen von einer andern Seite der Inſel ge⸗ landet, der Anfuͤhrer ließ ſogleich ſeine Leute in Boͤte an das Land bringen und eilte mſt ihnen dem Donner des Geſchuͤtzes vom Lande zu, das ein ſo moͤrderiſches Feuer auf ſie ges macht hatte. Still und behutſam nahßerte man ſich und ehe fuͤnf Mingten veigtigen, waren die Kanonen erobert. Eduardo mit noch neun Lenten ſuchte zu entfliehen. Schon hatte er einen großen Vor⸗ ſprung vor ſeine Verfolger⸗ als er ausglitt. Mit Geſchrei ſtuͤrzten die Unglaͤubigen auf ihn zu und ehe er ſich wieder aufgerichtet hatte, war er in ihrer Gewalt. Da ſtuͤrzte Grimaldoz, der treue Neger, herbei, indem er ſich mit dem Saͤbel einen Durchgang bahn⸗ te.„Rette Dich!“ ſprach Eduardo, der Gu⸗ te, und wie ein Pfeil durchbrach er die Glie⸗ der der Tuͤrken und brachte die ſchreckliche Kunde auf die Virginia. . Es wurden Truppen an das Land gen ſchickt um den Admiral, wenn es moͤglich ſey⸗ wieder zu befreien, allein vergebens. Endlich brach der Morgen duſter heran. Der Capitain Sarpi ließ bei den tuͤrkiſchen Schiffen ſagen, wenn ſie einen ihrer Gefange⸗ nen mit Namen Eduardo da Raſto herausge⸗ wollten, ſo ſollten ſie den gefangenen wieder erhalten. — — — —— 8 24. Allein die Tuͤrken lachten daruͤber und meinten, man ſolle ihn nur behalten, ſie woll 6 ten auch behalten was ſie haͤtten. Eduardo wurde gebunden auf ein Schiff 4 gebracht; ſein Loos war traurig, denn bei der geringſten truͤben Miene, die er machte, er⸗ hielt er Pruͤgel. 4 Die drei Schiffe zogen jubelnd von dan⸗ nen und ihrem Varerlande zu. Auf der Virginia herrſchte Trauer, weil es unmoͤglich war Eduardo zu befreien. Alſo ſtill ſtach das Schiff wieder in die See, denn nicht allein Eduardo fehlte, auch der brave Lieutenant Chiloy und die uͤbrigen acht wat— gen niedergehauen. Schrecklich war das Loos die die ſich zuweilen wie Unſinnige weil ſie keine Hoffnang hatten, daß ihr har⸗ tes Schickſal bald erleichtert wuͤrde. * Ende des erſten Theils. 7