V V ——— Leihbibliothek 4 deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Ednard OQftmann in Gießen, Schloßga’ſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Jeſebedingungen. 1. Oifensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von den angenommen. 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe binterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet 3 wird. d 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mt. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. „ 3„„„ 3„=„ 4„=„ 5. Answän vonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der e onen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. jcha t ir beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und 1 4 de ns getet ₰ jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ 3 defecte Büch Ladenp lorene d bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der — Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ Theil eines größeren Werkes, ſo iſt nzen verpflichtet. iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird gemacht, daß das Weiterverleihen f, indem Diejenigen, welche die⸗ gfür zu ſtehen haben. 4. Fuͤrſt der Holle, 7 oder b bie Teufelsbeſchwöͤrung . in der Geiſterburg. Eine Ritter⸗ und Geiſter⸗ 6.he aus dem XII. Jahrhundert, von C. F. Friederich, Verfaſſer des Ortellino der große Naͤuberhaupt mann, Eduardo der ungluͤckliche ürſeniot u. underer Stuttgard bei 81172 514 F. 1 4 6 24 1 Mit Heinrich V. war der fraͤnkiſche Regentenſtamm ausgeſtorben, und Un⸗ ruhen mancherlei Art brachen in Deutſch; land aus.“ Conrad und Friedrich von Hohen⸗ v ſtaufen trachteten nach der deutſchen Kro⸗ ne, aber Erzbiſchoff Adelbert von Mainz 3 war beiden abhold und verſuchte alles, ihnen entgegen zu handeln. Es gelang ihm, die deutſchen Fuͤrſten zu ſtimmen, daß ſie auf dem Wahltage zu Mainz Herzog Lothar von Sachſen zum deut⸗ ſchen Koͤnig erwaͤhlten, welcher auch im nemlichen Jahr zu Aachen durch den Erzbiſchoff von Coͤlln feyerlich gekrönt wurde. Die Hohenſtaufen, veiche maͤchtigſten der deutſchen Fuͤrſte zen, proteſtirten dagegen, kan — 2— thar'n nicht an und ruͤſteten ſich gegen denſelben.“ Sie ließen einen allgemeinen Hee⸗ resruf an ihre Vaſallen und Lehnsleute ergehen, und zogen endlich an der Spi⸗ tze einer nicht unbedeutenden Macht Lo⸗ thar entgegen... Zehen Jahre dauerte mit abwech⸗ ſelndem Gluͤcke dieſer verderbliche Krieg, der Deutſchland verwuͤſtete. Die Macht eer Hohenſtaufen war groß und Lothar Hatte genug zu thun, ſich ihrer zu er⸗ wehren. Da ſprach er endlich mit Einwilli⸗ aung der deutſchen Fuͤrſten die Acht Üüber ſie aus, und ordnete einen Reichs⸗ zug gegen ſie an. uUm nachdruͤcklicher auftreten zu koͤn⸗ nen, vermäͤhlte König Lothar ſeine ein⸗ Tochter mit Heinrich dem Stolzen, von Baiern, und dadurch wuchs e Macht dergeſtalt, daß die Hohen⸗ f eſchlagen und genoͤthigt wur⸗ endlich zu unterwerfen. — — dienſte unter Conrad, H — 3— Zum Lohn der geleiſteten Huͤlfe er⸗ hielt Herzog Heinrich der Stolze das Herzogthum Sachſen zum Lehen. Noch vor Beendigung dieſes Krie⸗ ges war Koͤnig Lothar nach Italien ge⸗ zogen und hatte von Papſt J Innozenz II. die Kaiſerkrone empfangen, mit welcher geſchmuͤckt er nach Beendigung der Feind ſeligkeiten nach Deutſchland zuruͤckkehr⸗ te.— Unter den Wafallen der Hohenſtau⸗ fiſchen Herzoge befand ſich ein junger Ritter, Ridogar von Steineberg, der ſich in jedem Gefechte durch Muth und Tapferkeit ausgezeichnet hatte. Er war arm, ohne alle Verwand der letzte ſeines Stammes; nur ein halbverfallene Burg ſein ganzer Reich⸗ thum. Da ihm dieſe nicht hinlaͤngliche Nahrung gewäaͤhrte, ſo verabſchiedet⸗ er alle ſeine Knechte, verka fte ſei nigen Habſeligkeiten und lah n K — 4— ken, ſeinem Lehnsherrn, gegen Lothar von Sachſen. Mit eiſerner Treue hing er an ſei⸗ nem Herrn und als Lothar ſiegte, Frie⸗ drich und Conrad, ungeachtet ihrer ge⸗ rechten Anſpruͤche an die deutſche Krone, ſich auf Antrieb Bernhards, Abts von Clairvaux, mit ihm verſoͤhnten und ſich ihm unterwarfen, da verließ er mißmu⸗ thig Conrads Hoflager und beſchloß an⸗ denn Krieg war ſein Element und Ru⸗ he ihm verhaßt. Uebrigens war er edel und gut, verabſcheute das Laſter und ſuchte ſtets Stoff zu guten Hand⸗ lungen; er war ein Schuͤtzer der Un⸗ ſchuld und ein eifriger Verfolger eines fuͤr ſich zu gewinnen, und ihn zu n, m it ihm zu ziehen gen Italien, Roger, Koͤnig von Apulien, den ifrigſten Beſchuͤtzer des Gegenpabſtes , zuͤchtigen wollte. derwaͤrts Stoff zu Thaten zu ſuchen; jeden, der Recht und Gerechtigkeit mit ſehen, die er ſchon zur Haͤlfte verfalln — 5— Trotzig ſchlug Ridogar jeden Antrag aus. Er ſagte dem Kaiſer ins Geſicht, daß er niemals um ſchnoͤdes Gold ſeine h in Dienſte verkaufen, nur dem dienen wer⸗ ihm de, dem er durch Vaſallenpflicht ver⸗ var⸗ bunden ſeye. terer Unwillig wandte der Kaiſer ſich von ihm; aber Ridogar kuͤmmerte ſich deſ⸗ ſen nicht. Er nahm Abſchied von Her⸗ zog Conrad, nachdem er noch einige Zeit unthaͤtig an deſſen Hoflager ver⸗ weilt hatte, ſchwang ſich auf ſein Roß und trabte gen Franken, wo er ſeine Veſte wieder einmal beſuchen wollte, die er in fuͤnf Jahren nicht wieder ge⸗ verlaſſen hatte. 3 Zwar hatte er dort nichts me ſuchen, ſchon ehe er mit Herzt C rad auszog, alle ſeine sdhes als eine gute Rählerue Ruͤ ſein treues Roß, aber ſehe ner Vorfabren, ehe er ganz ſich von. ihr trennte.. Nach einer Reiſe von mehreren Ta⸗ gen erreichte er ſie; maͤchtig hatte der ſcharfe Zahn der alles zerſtoͤrenden Zeit daran genagt; die Mauern und Eck⸗ thuͤrme waren eingeſtuͤrzt und durch die Gemaͤcher ſelbſt fand der Sturmwind freien Durchzug. Sie war nicht mehr wohl bewohnbar. Nidogar nahm Abſchied von ihr, die 25 Jahre lang ſein Aufenthalt, Jahr⸗ underte ſeiner Vorfahren Sitz geweſen wwmar. Er hoffte in irgend einer gerech⸗ ten Fehde ſo viel zu erbeuten, ſie einſt wieder aufbauen zu koͤnnen, und be⸗ ſchloß, ſich vorerſt nach Schwaben zu wenden/ wo es ſtets Gelegenheit dazu Rar 100 Goldgulden waren ſein Alles; er ſah wohl ein, daß er ſpar⸗ ſam damit umgehen, nur wenig verzeh⸗ ren und ſtets die Gaſtfreundſchaft der ſich befinden, ſtanden nur große uner⸗ — 7— auf ſeinem Wege liegenden Klöſter und Burgen in Anſpruch nehmen muͤſſe. So war er ſchon einige Tage auf dem Weg, hatte bereits die Grenze uͤberſchritten und den Fuß in Schwa⸗ ben geſetzt, als er in einem großen Forſte ſich verirrte, die in dieſem Lan⸗ de ſo haͤufig angetroffen wurden. Denn damals war Schwaben noch ein wenig bebautes Land; wo jetzt Staͤdte, Doͤrfer und bluͤhende Fluren meßliche Waldungen, hie und da ein⸗ zelne Staͤdte, aber viele Veſten, von ſparſamen Huͤtten der Leibeigenen um⸗ geben. In einen dieſer ungeheuren Forſt 3 war Ridogar gerathen; unkundig des Weges kam er immer tiefer in das Di⸗ ckicht. Wildes Geſtrippe hemmte ſeines Roſſes Tritte. Er mußte abſteigen un mit dem Schwerdte erſt die vindernden Aeſte und Zweige aus dem Wehe rau men.— — 863— begann des Tages Licht zu ſchwinden und die Nacht ihren Schatten uͤber die und breit eine Herberge, oder auch nur einen gebahnten Pfad entdecken konnte. Immer wilder wurde der Weg, im⸗ mer verworrener das Geſtrippe. Fel⸗ ſen thuͤrmten ſich vor ihm auf und jaͤhe Abgründe zwangen ihn oft, ſeinen ge⸗ raden Weg zu verlaſſen. Schon war die Nacht hereingebro⸗ chen; der Mond ſtieg an dem wolken⸗ leeren Horizonte herauf und warf ſei⸗ naen bleichen Schimmer durch die Wi⸗ pfel der Baͤume, die oft in wunderli⸗ chen Geſtalten ihre Schatten ihm ent⸗ gegen warfen. Jetzt war es ganz unmöglich, den Weg aus dem Forſte zu finden. Er Beſchloß alſo, im Walde die Nacht zu⸗ zubringen. Er ſuchte eine etwas be⸗ aueme Ruheſtatt und fand ſolche bald Muͤhſam arbeitete er ſich fort; ſchon Erde aus zu breiten, ohne daß er weit unter einem dickbelaubten Baume, auf 4 dem weichen Mooſe, das ihn umgab. Sein Roß band er etwas entfernter auf einem grasreichen Plätzchen an den Stamm einer jungen Eiche, und ſtreckte ſich gemaͤchlich auf ſeinem Lager aus. Bald ſchloß der Schlaf die Augenlie⸗ der des Ermuͤdeten. Er mußte lange geruht, lange geſchlafen haben, denn hoch ſtand die Sonne am Himmel, als er erwachte und aufſprang. Er ſetzte jetzt mit weniger Muͤhe den Weg fort, da die Helle des Tages ihm die lichteren Stellen des Waldes zeigte. Endlich ſtieß er auf einen n gebahn,. ten Weg, der zwar lange nicht ge: braucht ſchien, mit Gebuͤſch ſchon wie⸗ der halb verwachſen, aber doch noch zu wandeln war. Der Schlaf hatte Ridohars 85 geſtaͤrkt; allein ein anderer Gaſt ſich nun bei ihm ein, der Hu — 10— Eben that er den ſehnlichen Wunſch, eine Herberge oder ſonſt einen bewohn⸗ ten Ort zu treffen, als er durch das Gebuͤſch die Zinnen einer Veſte er⸗ blickte. Sein Weg ſchien darauf zu zufuͤhren und freudig verfolgte er ihn; aber maͤchtig fand er ſich getaͤuſcht, fand ſich in ſeinen Hoffnungen betro⸗ gen, als er ſie endlich erreichte, und de und leer dem Anſchein nach fand. Neugierde trieb ihn, ſie genauer zu unterſuchen. Er ritt nicht ohne Gefahr den faſt verſchuͤtteten engen Felspfad hinauf und uͤber die herabgelaſſene Zug⸗ bruͤcke in den aͤußern Hofraum. Mit hohem Gras war dieſer uͤber⸗ wachſen. Ridogar ſtieg ab, und ließ ſein Pferd frei herumlaufen, nachdem her vorher mit großer Anſtrengung die eiſernen Thuͤrfluͤgel zugelehnt hatte. Er beſann ſich einen Augenblick. unten nicht Raͤuber und Moͤrder hier— —411— licher Bewohner fand, ſo verlor ſich dieſe Beſorgniß. Auch wuͤrde ſie ihn ſchwerlich ganz abgehalten haben, denn Ridogar war tapfer und kuͤhn, Furcht ſeinem Herzen fremd und oft graͤnzte ſein Muth an Verwegenheit. Mit dem Schwerdte in der Hand ſtieg er die Marmortreppen hinauf in den obern Theil der faſt ganz verfalle⸗ nen Burg. Mehrere Gemaͤcher hatte er ſchon durchwandert, ohne daß ihm etwas auf⸗ geſtoßen ware; uͤberall fand er blos die nackten kahlen Waͤnde; doch aus dem altvaͤterlichen Baue der Veſte ſchloß er auf das graue Alatiun d alhe— wandelte einige dreuginge. In einem derſclhene kkterey und ſſnen Stufen fuͤhrten abwaͤrts. Dunkel⸗ heit herrſchte unten. Er unterſuchte die Treppen, fand ſie noch ziemlich wohl erhalten und beſchloß, ſo weit hinabzu⸗ ſteigen, als ſich thun ließe⸗ Nach ungefaͤhr 60 Stufen gelangte er in ein Gewoͤlbe; forſchend entdeckte er einen zweiten Ausgang durch eine Fallthuͤre, die er ohne Muͤhe emporhob. Abermals bot ſich eine Treppe ſeinen Blicken dar. Ridogar ſah ein, daß ohne Licht es ihn wenig helfen moͤchte, weiter hin⸗ abzuſteigen, indem es unten immer fin⸗ ſterer wurde und diß an jeder weitern Entdeckung ihn hindern mußte. Er ſtieg alſo wieder hinauf, ſuchte ſich im Forſte paſſendes Holz, wel⸗ ſches er endlich durch langes Reiben 8 entzuͤndete. Zezt band er ſich eine Fackel zuſam⸗ zuͤ dete ſie an und ſtieg, von der ſeine Muͤhe belohnt Pleiben? Er hatte es erreicht. Sein Blick ſuchte die Fallthuͤre; er fand ſie und verfolgte nun mit ſeiner Fackel, die er vorher hell angeblaſen hatte, die ſten nernen Stufen. Lange war er ſo fortgewandelt, und noch immer nahmen die Stufen kein Ende. 1 Endlich hoͤrten ſie auf; doch anf ebener Erde zog ſich der Gang noch weiter hinaus.. Jezt eilte Ridogar raſcher vorwaͤrts. Endlich war der Gang zu Ende, und eine coloſſale eiſerne Thuͤre ſezte ſeine Schritten ein Ziel. Sie war verſchloſſen Vergebens ſuchte Ridogar auf i gend eine Art ſie zu oͤffnen; ſie ſpot der unmaͤchtigen Kraͤfte. Ridogar knirrſchte. So ſchl — 14— Ridogar beſann ſich, was anzufan⸗ gen ſey. Schon war ſeine Fackel zur Haͤlfte abgebrannt, doch auch ohne Licht hoffte er den Ruͤckweg nicht zu verfeh⸗ len.. Noch ſtand er ſinnend da, als ein entferntes dumpfes Getöſe ihn aufmerk⸗ ſam machte. Er horchte. Es duͤnkte ihm wie ferner Donner. Er legte das Ohr an die eiſerne Thuͤre und fand, daß der Schall von innen heraus komme.. Nicht lange, ſo verſtaͤrkte ſich das Getoͤſe. Naͤher und ſtaͤrker ſchien der Donner zu rollen, ein heulender Sturm⸗ wind dazwiſchen zu brauſen, ohne daß Ridogar den geringſten Luftzug fuͤhlte. Eiin unwillkuͤhrlicher Schauder er⸗ griff ihn. Auf einmal brach das ſchein⸗ bare Ungewitter in ſeiner ganzen furcht⸗ baren Starke aus. Schreckliche Donnerſchlaͤge trafen wölbe in ihren Grundveſten er⸗ ihr und ein raſender Sturm ſchien — 15 arkend ſchuͤttern zu wollen. Die Erde zitterte. n auf Da erblickte Ridogar urploͤzlich eine Flammenſchrift uͤber der geheimnißvollen ich eiſernen Thuͤre, mit den Worten: „Gewiſſer Tod iſt dein Loos, Sterbli⸗ cher! wenn du den Muth nicht haſt, alles zu wagen!“ 1 Ridogar ſtaunte. Uibernatuͤrliche MNaͤchte ſchienen hier zu herrſchen. Er beſann ſich einen Augenblick, doch bald behielt die alte Verwegenheit die Oberhand. Was zaudr' ich noch? rief er, un⸗ willig uͤber ſich ſelbſt; fehlt es mir denn an Muth, alles zu wagen, und rrage ich nicht ein reines Gewiſſen im Buſen, das jeder höͤlliſchen Macht Trotz bietet?“ „Oeffne dich! rief er gebieteriſch der eifernen Thuͤre zu,„Ritter Ridogar von Steineberg hat den Muth, alles zu wagen, und die Geheimniſſe zu er. gruͤnden, die hinter dir verbor en eegen ſcheinen! er Noch hatte er nicht das letzte Wort ganz ausgeſprochen, ſo fieng das Un⸗ gewitter von neuem zu toben an. Don⸗ nerſchlaͤge, wie noch kein menſchliches Ohr ſte vernahm; Blize, wie noch kein menſchliches Auge ſie ſah, durchkreuz⸗ ten die gewoͤlbten Gaͤnge, krachend ſprang die eiſerne Thuͤre auf und ent⸗ ſetzt prallte der Ritter zuruͤck. In den Crater eines Vulkans glaubte er zu licken, und unwillkuͤhrlich ſtraͤubte ſein Haar ſich empor. Flammen ſpruͤhten aus dem Boden der ungeheuren Halle, die ſeinen Bli⸗ 8 cken ſich darbot, mit einem donnernden Geroſe, aus ihnen grinzten entſetzliche Fratzengeſichter, wie keine menſchliche Einbildungskraft ſie zu mahlen vermag, den Ritter an; Todtengerippe, bald groß bald klein, jagten mit Knochen verweßter Menſchen ſich herum und mie Grauen durchdrang auch den herzhaf⸗ eſſten das Klappern der duͤrren Ge⸗ tes in Geſtalt eines Kreuzes — „ Verwegener Sterblicher! trete ein in dieſe Halle des Todes oder nicht lebend verlaͤſſeſt du dieſes Gewöͤlbe!e hohnlachte aus dem Innern der Halle eine furchtbare donneraͤhnliche Stimme. Schrecklicher ſchlugen von allen Seiten die Flammen zuſammen, drohend ſtell⸗ 8 ten ſich die Todtengerippe im Zirkel vor den Eingang und ſtierten aus den hohlen Schaͤdeln mit truͤben, glanzle ſen Augen ihn an, daß ſein Haar eft⸗ ſetzt ſich empor ſträubte.— So ſtand er einige Sekunden da kehrte ſein Muth zurüik i in das igen⸗ de Herz. Er ſtreckte den Griff des 6 e „Weichet, ihr Geſpenſter ir 9 lle, im Namen des ewigen amaͤchtigen Gottes“, rief er mit lauc Stimme, und urploͤzlich verſchwanf mit einem dneat aennd nas ſenhe ga e Gau — 1383— AUuerſchrocken uͤberſprang er, von neuem Muthe geſtaͤrkt, die furchtbare Schwelle und ſchritt dem Mittelpunkt der Halle zu, wo eine Art ſteinerner Tafel ſeine Aufmerkſamkeit erregt hatte. 8 Noch war ſie nicht erreicht, da bot in neuer ſchreckenvollerer Anblick dem 8 r ſich dar. or ihm oͤffnete ſich der Boden und mi Feuerflammen umgeben, zeigte ſich — ebub in all der graͤßlichen Geſtalt der ölle dem erſtarrten Ritter;„Erſt der Hoͤlle mit hohnlachendem doch kein ſolcher Anblick war neſhliche Augen, fuͤr menſchli⸗ Muh ge eſchaffen; bewußtlos ſank Rid Dar — 21— Gedaͤchtniſſe auf und eine ſtaͤrkende Ohnmacht ſchloß ſeine Augen aufs neue. 5 Als er erwachte, befand er ſich in einem Gemache der Burg, neben ihm lag eine Pergamentrolle und ein ſchwar⸗ zer Stab mit wunderlichen Charakterer bezeichnet. Ridogar ſtaunte, doch nach und nach entſann er ſich der verfloſſnen Begebenheiten; er ergriff die Herga⸗ mentrolle, von der er den goößten Aufſchluß zu erhalten hoffte. Eben wollte er ſie aber wieder weglgen, in⸗ dem er ſich beſann, des Leſeus unkun⸗ dig zu ſeyn; doch ließ ihn Reugierde einen Blick auf die Rolle werfen und abermals erſtaunte er, dem vor ſeinen Ange fuͤgten die Charcktere ſich zu Worten, deren Sinn er zu entrathſenn vermochte. Er las nun folgeldes: „Die abgefallenn Geiſter des Him, „mels hatten in frevelhaftem Ueber⸗ „muthe ſich empört und die Feſſeln zu „ſprengen geſucht, die die Allmacht des „Ewigen ihnen angelegt hatte; empoͤrt „hatten ſie, die Verworfenen, ſich ge, „gen den, den ſie im Staube ſich windend p„p tief verehren ſollten; doch an der All⸗ „macht des Ewigen ſcheiterte der ver⸗ „worfene Vorſatz der Tollkuͤhnen. In 4„de Pfuhl der Verdammniß ſchleuderte „ſie die Hand des Allmächtigen, und 1„ſie, einſt Bewohner des Himmels und „ſter, veit erhaben uͤber der Menſchen „ſchwaoe Kraͤfte, wurden verurtheilt: „Sclaver eines unvollkommenen We⸗ „ſens, enes Menſchen, zu werden, „„ihm gehochen zu muͤſſen; ſie denen „Gehorſam gegen den vollkommenſten „ſelbſt, noch ur Laſt war, waren ge⸗ „zwungen, eins einem Menſchen zu „dienen, den der Zufall i ihnen zufuͤh⸗ „ren ſollte. „nun der Höolle, doch immer noch Gei⸗ „aller Geiſtet, gegen den Allmaͤchtigen vSief in furchliätem Forſte lag tra, „durch deren Kraft der Fuͤrſt der Höll: „gezwungen wird, dir zu erſcheinen, „und in deine Haͤnde den Scepter ſei⸗ „ner Macht und ſeine Wuͤrde niederzu⸗ „legen.“ Grenzenloſes Staunen bemaͤchtigte ſich Ridogars, als er geleſen hatte. Er, noch vor kurzem der aͤrmſte aller Ritter, nun bald der Maͤchtigſte der Erde! Ihm ſchwindelte vor der Hoͤhe, wel⸗ che zu erklimmen ihn ſo wenig Muͤhe koſtete, aber er ſchauderte auch zuruͤck ob der Verantwortung, die einſt ſeiner harre. Er durchlas noch einmal die Rolle, und nach langem Nachſinnen rief er endlich aus:„Nein, ich fliehe die Ver⸗ „ſuchung; groß und maͤchtig kann ich „auf Erden werden, im Himmel un⸗ 8 „nennbare Seligkeit mir erwerben, bleibe „ich ſtandhaft; aber ich bin ein Menſch, „in welch tauſenderlei Geſtalten wird „das Laſter verfuͤhrend ſich mir nahen 2. — 3 von der Macht machen, die der Schlu — 26— „und wer buͤrgt mir, daß ich einſt „nicht falle? Nein, ich mag zu keiner „ſolchen Höhe mich erheben, von der „ich vielleicht nur deſto tiefer ſtuͤrzen „koͤnnte. Frei bleibt mir die Wahl, „ſo ſteht es hier geſchrieben! Rein, ich „nehme ſie nicht an!“ So dachte der Ritter; aber bald betrachtete er die Sache auch auf der andern Seite. Welches Gute, Edle konnte er nicht ſtiften, welche Leiden ſeiner Mitmenſchen, welches Elend der Erde nicht lindern? Ridogar dachte groß und edel. Der Gedanke ergriff ihn bald maͤchtig; und — fiel ihm noch ein— ſtand es nicht in, ſeinem Willen, ſeiner Macht zu entſa⸗ gen, ſobald er wollte?— konnte er diß nicht thun, ſo bald er fuͤhlte, daß 3 ſie zu druͤckend fuͤr ihn wuͤrde? D iß gab ſeinem Entſchluß eine an⸗ ichtung. Jetzt wollte er Gebrauch des E ligen ihm verlieh. — 1 — 1 ſtalt; aber das Bewußtſeyn ſeiner Macht hielt ihn aufrecht. „Fort, Verworfener,“ rief er,„zeige dich in minder ſchrecklicher Geſtalt!““ „Kuͤhner Sterblicher, der du die Hoͤlle ſelbſt zu beherrſchen wagſt, biſt du nicht einmal vermoͤgend, meinen Anblick zu ertragen?“ hohnlachte Satan, und ſeine Augen ſchoſſen Feuerflammen. „Gehorche Sclave!“ rief Ridogar und ſtreckte gebietend den Stab gegen ihn aus. Grimmig wild ballte Satan die Krallenfaͤuſte,„ha, daß ich dich zu Mil⸗ lionen Fezen zerreißen duͤrfte“, bruͤllte er und wandelte ſich in die Geſtalt eines alten Mannes um. Ein feuerfarbener Mantel umſchloß ihn und auf ſeinem Haupte trug er eine Feuerkrone. Ridogar ſprach:„der Schluß des Allmaͤchtigen erhebt mich zum Herrſchen uͤber die verworfenen Geiſter der Hoͤlle; lege deine Krone ab und ſie und den . Scepter deiner Macht zu meinen Fuͤßen aZ nieder.“ 4 Knirrſchend nahm Satan die Krone von ſeinem Haupte und legte ſie ſammt N dem Hollenſcepter zu Ridogars Fuͤßen. Satan. Du biſt nun Fuͤrſt der Hölle und wir, moͤchtige Geiſter, deine Sclaven; aber haſt du auch die Gefah⸗ ren üͤberlegt, die dir drohen? Zwar haſt du keine Fallſtricke von uns zu fuͤrchten, keinem deiner Schritte, keiner deiner Handlungen vermögen wir etwas in den Weg zu legen, ſo lange du ſelbſt nicht vom Pfade des Guten abweichſt; abet ten deine groͤßten Feinde ſind, daß ſie ddeennoch zum Boͤſen dich verleiten koͤn⸗ een und du ſodann der Hölle unwider⸗ rufliches Eigenthum wirſt. 8 Ni ogax. Ich habe bedacht und gewählt; erſt will ich die Gefahren ken⸗ nen lernen; noch immer kann ich meiner Macht ſodann entſagen. 4 8. bedenke, daß deine eigenen Leidenſchafe 5 — then, nie mit dir ſprechen, dich zu nichts — 35— Satan. Ich habe dich gewarnt, jeit vermag ich nur noch, dir zu dienen; ich darf ohne deinen Willen dir nie ra⸗ 1 verleiten, nur deine Befehle muß ich vollbringen, aber dafuͤr haſt auch du allein die Verantwortuns deiner Thaten. Ridogar. Wie mache ich meinen Willen dir kund, wie rufe ich dich, ihn zu vollfuͤhren? Satan Thor! der du die Macht nicht einmal begreifſt, die du erhaͤltſt. 3 Dein Wille reicht zu allem hin. Was du verlangſt, das wird geſchehen, o— kange du nicht tollkuͤhn dem Allmaͤchti« gen ſelbſt vorgreifen willſt. Ridogar. Ferne bleibe von mir ſolcher Frevel.— Doch jezt habe i-h) einen Wunſch. Satan. Gebiete. Ridogar. Ich fuͤhle Hu Durſt. Eine vollbeſezte 1 mir willkommen. — 34— Satan. Im andern Gemache wirſt du ſie finden. Ridogar. Noch eins. Muß ich den Scepter ſtets bei mir tragen? Satan. Den goldenen Ring am Ende deſſelben loͤſe ab und befeſtige ihn an dem Beſchwoͤrungsſtab, den du ſtets bei dir fuͤhren kannſt⸗. Ridogar. Wie verwahre ich die Krone und den Scepter. Satan. Durch deinen Willen. Nidogar. Ich weiß genug. Ent⸗ ferne dich! Bedarf ich deiner, ſo werde ich dich rufen. Satan verſchwand und Ridogar er⸗ blickte mun Krone und Scepter zu ſei⸗ nen Fuͤßen in der Mitte des Kreiſes. Er lößte den Ring ab und befeſtigte ihn an dem ſchwarzen Stabe, an dem er ſogleich wie angegoſſen ſga. Jezt verſezte ihn ſein Wunſch in je⸗ nes Gewölbe und er legte Krone und Scepter auf die ſteinerne Tafel.„Ich ſchließe Kraft meines Willens dieſes — 35— Gewoͤlbe fuͤr jedes menſchliche Weſen und eben ſo fuͤr die Geiſter der Unter⸗ 4 welt; keine Macht der Erde ſei vermö⸗ gend, ſie zu oͤffnen oder zu durchbre⸗ chen, und keiner der mir nun dienſtlei⸗ ſtenden Geiſter wage es, hier zu er⸗ ſcheinen.“. 7 Jezt trug ſein Wille ihn zur vollbe⸗ ſezten Tafel und bald dampfte der Wohl⸗ geruch herrlicher Speiſen ihm entgegen. Er ſtillte ſeinen Hunger und da es hoch „ am Tage war, beſchloß er, ſeine Reiſe weiter fortzuſetzen. Den ſchwarzen Stab befeſ aee er an einem Wehrgehaͤnge. Im Vorhof fand er ſein Ro 1 und voll Gedanken uͤber die Vergangenbeir beſtieg er es. Oft war er geneigt, als er endlich, 4 auf einen gebahnten Wege forttrabend, 3 die Burg aus den Augen verlor Geſchehene fuͤr ein Spiel erhi bildungskraft zu halten, aber 8— — — 36 — 36— 5 auf den ſchwarzen Stab uͤberzeugte ihn jedesmal eines andern. Roch konnte er in ſeine neue Lage ſich nicht finden und in Gedanken ver⸗ loren, ſezte er ſeinen Weg fort. Jezt hatte er des Waldes Ende er⸗ reicht, und trabte in einer lachenden Ebene weiter⸗ 1 Nicht weit von ihm ragten die Zin⸗ nen einer Veſte hinter Baͤumen hervor und Ridogar lenkte ſein Roß darauf zu. Der Thurmwaͤchter gab das Zeichen der Ankunft eines Fremden und frag⸗ ten dieſen nach ſeinem Begehren.„Ich wuͤnſchte den Beſizer der Veſte zu ſpre⸗ chen,“ ſagte Nidogar und der Thurm⸗ waͤchter forderte ſeinen Namen⸗ „Ritter Ridogar von Steineberge war die Antwort des Befragten und Pald raſſelte die Zugbruͤcke herab und Ridogar ſprengte in den Hofraum, wo ihm ein Knecht ſein Roß abnahm, und kein anderer ihn zum Herrn der Veſte füͤhrte. Beſcheid ſolltet geben koͤnnen. Verfall. Boͤſe Geiſter, ſo erzaͤhl „Willkommen Ritter“ rief dieſer ihm entgegen, und ſchuͤttelte ihm die Hhand mit einem biedern Drucke.„Welches Ungefaͤhr fuͤhrt Euch, edler Ritter, auf die Burg des alten Ulrichs von Ning⸗ 1* feld?“ Ridogar. Verzeiht meine Zudring⸗— ligkeit, edler Herr, Neugierde iſt die einzige Urſache, die mich hieher treibt. Unweit eurer Veſte in einem wilden un⸗ wegbaren Forſte verirrte ich geſtern und kam endlich auf eine Burg, wo wun⸗ derbare Abentheuer mir begegneten, und gerne wuͤnſchte ich von Euch etwas Naͤheres zu erfahren, falls Ihr mir Ulrich. Ich kenne dieſe Burg. Viel aber kann ich Euch nicht ſagen. Vor uralten Zeiten hielten in einem un⸗ terirdiſchen Gewölbe dort unſere heid, niſchen Vorfahren ihre Opfer; ſeit aber das Chriſtenthum immer mehr ſich us⸗ breitete unter ihnen, kam die Burg 3 — — 35— Sage, treiben ſeit grauer Zeit ihr We⸗ ſen darin und in der ganzen Gegend nennt man ſie die Geiſterburg. Mehr, edler Ritter vermag ich Euch nicht zu ſagen. Habe mich auch niemals viel um ſolche Maͤhren bekuͤmmert. Ridogar. Daß dort Geiſter hau⸗ ſen muͤßten, iſt mir klar, denn ich ſelbſt kann Beweiſe davon geben. Ulrich. Kommt edler Ritter, bei einem freundlichen Imbis und einem Becher Wein moͤget Ihr mir euer Aben⸗ theuer erzaͤhlen. Es redet ſich doch weit traulicher beim vollen Pokal. Erfuͤhrte nun Ridogar in das Zech⸗ gemach und ein Sdelknecht kredenzte ihnen. Hier erzaͤhlte Ridogar ſein ge⸗ habtes Abentheuer, doch nur bis zu dem Momente, wo Satan ihn in die Luft geſchleudert hatte, und er betaͤubt zur Erde geſtuͤrzt war. Als ich er⸗ wachte, fuhr er hier fort, befand ich mich in einem Gemache der Burg, abet Aleuds ſchmang ich mich auf mein Roß. — — ſie. Nennt meine Frage nicht Neugter. und floh dieſen Aufenthalt des S6 ckens. Gluͤcklich prieß ihn der alte Ritter, daß er noch ſo gut davon gekommen ſey, und ſie leerten die Becher einer auf des andern Wohl. Ridogar. Verzeiht, edler Ritter, eine Frage. Ich gewahre nur Knechte und maͤnnliche Diener in eurer Veſte; ſolltet Ihr noch unbeweibt ſeyn? 8 Ulrich. Einſt war ich es nicht; doch ſchon vor 10 Jahren ſtarb mein Weib, und hinterließ mir nur ein einzi⸗ ges Kind, ein Maͤdchen. Ridogar. Und ſie ſtarb ebenfalls? Ulrich. Nein, ſo wohl ward es der Aermſten nicht. Ritter, Ihr beruͤhrt eine tiefe Wunde in meiner Bruſt. Den Verluſt meines Kindes kann ich nie verſchmerzen lernen. Ridogar. Aber wie verloret Ihr Ich ſchwoͤre Euch bei — z0— Ehre, alles anzuwenden, was zu Lin⸗ derung eures Kummers dienen kann. Ulrich. Habt dank, edler Ritter, euer Herz iſt edel und gut, ſonſt wuͤrdet Ihr die Geiſterburg nicht unverſehrt. verlaſſen haben; glaubt Ihr, daß der Pater etwas unterlaſſen habe, den Aufenthalt ſeines geraubten Kindes zu erforſchen? b Ridogar. Alſo geraubt wurde 6 Euch eure Tochter? 4 Alrich. Sechszehn Jahre war mei⸗ ne Klara alt, als im vorigen Sommer woon einem Spaziergange vor der Burg 1 ſie nimmer zuruͤckkehrte. Was kann ihhf anders begegnet ſeyn, als eine Entfuͤe rung; obwohl ſie gar keinen Umgang mit Maͤnnern vorher gehabt hatte, ſ ſ o)o) nannte man ſie doch in der ganzen Ge⸗ gend die ſchöne Klara, denn auf ein Haar glich ſte ihrer Mutter, welche ich als das ſchoͤnſte Maͤdchen im Gaue heimfuͤhrte. —— konnte auch nie auf eine kommen. Ridogar. Und Ihr habt gar kei⸗ ne Spur von ihrem Entfuͤhrerr Ulrich. Nicht die geringſte, und Ridogar. Hier, Ritter, ſchwöre ich bei Ritterehre, eure verlohrne Toch⸗ ter Euch wiederzubringen, wenn ſie noch auf der Erde wandelt. Ehe die kom⸗ mende Sonne ſich ihrem Untergange naht, ruht Klara ſchon an eurem Her⸗ zen.. Ulrich. Dann muͤßt ihr ein hs⸗ heres Weſen, muͤßt ein Geiſt ſeyn, oder ihr macht fuͤr euren Schwur mir bange. Ridogar. Noch nie ſchwur ich das Unmoͤgliche. Ich bin ein Menſch wie ihr, edler Ritter, doch vertraut mir und baut auf mein Wort. Ulrich. Obſchon ich nicht begreife, wie Ihr euern Schwur loͤſen wollt, will ich Euch dennoch glauben. Schafft — 42— geben, denn ich bin arm und dieſe ge⸗ ringe Burg mein ganzes Eigenthum. Ridogar. Ich habe keinen Lohn verlangt, mir genuͤgt die Freude, eure Tochter retten zu koͤnnen. Ulrich. Edler, großmuͤthiger Mann, der Himmel ſegne euer Unternehmen, und mein Gebet ſoll ſtets Euch folgen. Ridogar. Laßt mein Roß ſatteln, und mich eilen, mein Wort zu loͤſen. Der alte Ritter rief einen der Knech⸗ te, und befahl des fremden Ritters Roß herbeizufuͤhren. Ridogar ſchwang ſich auf und unter den Segenswuͤnſchen des Alten ſprengte er uͤber die Zugbrüͤcke. Bald befand er ſich auf freiem Felde. Er uͤberlegte, wie er den Aufenthalt Klaras entdecken wollte, erinnerte ſich zwar ſeiner Macht; aber auch der ſchweren Verantwortung, die jede Handlung, wozu er ſie gebrauch⸗ ee, ihm zuziehe und diß machte ihn aghaft. 4 8 * gen. errathen! der Abt Bruno jenes K Kloſters 8 — 45— Am Geſtade eines kleinen Fluffes 3 trabte er eben, als er unweit der Veſte Ulrichs ein Kloſter erblickte. Ridogar kannte die Verderbheit der Möoͤnche und der Gedanke ſtieg in ihm auf, ob nicht Klara gar in demſelben gefangen ſeye. Er wollte ſich uͤberzen⸗ gen und beſchloß, Satan ſelbſt zu fra⸗ „Erſcheine!“ rief er, indem er den Griff des Stabes faßte und brauſend oöͤffnete ſich der Boden; Satan ſtand vor ihm. Ridogar. Rede, wo iſt Klara, die Tochter Ulrichs von Ringfeld? 4 Geiſt. Du haſt ſchon vorhin es hält ſie eingeſperck Ridgar. Dacht ichs doch! aber wie kam ſie in ſeine Haͤnde? Geiſt. Der alte Wolluͤſtling fah 23348 ſie einſt luſtwandeln und verliebte ſichimn ſie.— Seine Begierde nach dem ſchöͤne⸗ Maͤdchen wuchs immer mehr, un — 44— lich ließ er ſie durch vier Kloſterknechte auf einem Spaziergange greifen und nach dem Kloſter bringen. Ridogar. Der Schurke ſoll es buͤßen. Doch was geſchah ferner? Geiſt. Er machte der ſittſamen warf, vergebens waren alle ſeine Bit⸗ ten und ſein Flehen. Schon ein Jahr lang ſchmachtet ſie im Gefaͤngniß; ich ſelbſt fachte die Begierde im Herzen des Abtes immer ſtaͤrker an, und indem ich hier mit dir rede, ſchleppten zwei Knechte die Unſchuldige zu dem Abte, der muͤde ſeiner fruchtloſen Bitten mit Gewalt erringen will, was ſein Flehen nicht erhalten konnte. 8. ginnen zu zernichten, ſei mein Beſtre⸗ ben. Entferne dich! 8 Klara Antraͤge, die ſie mit Abſcheu ver⸗ Ridogar. Verworfener, dein Be⸗ Satan verſchwand und Ridogar er⸗ griff den Stab.„Klara erſcheine“! rief er und vor ihm ſezte Satan zaͤhne⸗ — — knirrſchend, nur ihm ſichtbar, die ſone 4 Beute nieder, und verſchwand. 4 Maͤchtig erſtaunte Klara, als ſie von der Bekaͤubung erwachte, und weit vom Kloſter entfernt, einen unbekannten Ritter vor ſich erblickte. Noch vor wenig Augenblicken, erin⸗ nerte ſie ſich, von zwei Kloſterknechten zu ihrem Raͤuber geſchleppt worden zu ſeyn, der muͤde des langen Wartens mit Gewalt fordern wollte, was ihm in Guͤte nicht gewaͤhrt wurde. Ver⸗ zweifelnd hatte ſie in ihrem Innern ge⸗ ſchworen, den Verluſt ihrer Unſchuld nicht zu uͤberleben, hatte eben den Abt mit ruͤhrenden Thraͤnen um Schonung angefleht, da oͤffnete ſich des Gema⸗ ches Decke, und eine unſichtbare Fauſt ergriff Klara und entfuͤhrte ſie vor de Abtes Blicken, der betaͤubt dem be zuſah; entſezt flohen die Ku aber Satan trug ſeine Beute zu Gebieters Fuͤßen. — 546— Ridogar hob die Erſtaunte auf: „Fuͤrchte dich nicht, holdes Maͤdchen“ ſprach er„zu deiner Rettung bin ich hier, zu deines Vaters Veſte dich zu⸗ ruͤckzufuͤhren, iſt mein feſter Wille.“ Klara erholte ſich von ihrem Stau⸗ nen. Sie ſank vor Ridogar auf die Knie und hob die gefalteten Haͤnde zu ihm auf. Klara. Habe Dank, maͤchtiger Geiſt, fuͤr den Schuz, den du der ſchwachen Unſchuld erzeigteſt. Ridogar. Holde Klara, Ihr irrt, ich bin kein Geiſt, bin ein Menſch, wie jeder andere; ich gelobte eurem Vater, ſeine verlohrne Tochter ihm wiederzu⸗ ſchaffen und ich loͤste mein Wort nach Rittterbrauch. Klara. Nein, du biſt kein menſſch⸗ liches Weſen, wie waͤre ich ſonſt ſo wounderbar dem Abt entriſſen und hieher gebracht worden? Nidogar. Ich ſchwoͤre Euch bei ch bin ein Menſch, wie Ihr⸗ — 47—* „Drum, edle Klara, erwaͤhnt nichts mehr von dem, was geſchehen; ich bitte Euch darum. Dankt mir nicht, denn † ich verdiene keinen Dank.. Klara. Eure Bitte iſt mir der heiligſte Befehl; zwar thut es wehe, ſeinem Retter nicht danken zu duͤrfen, doch— ihr wollt es ſo. Ridogar. Erzaͤhlt mir lieber, hol⸗ de Klara, wie Euch der Abt behandelte, 4 das Uebrige iſt mir bekannt. 8 4 Klara. Außer dem Verluſte me nner Freiheit mangelte mir es an nichts. In meinem verborgenen, aber ſchoͤn verzierten Gemache hielt er mich einge⸗ ſperrt, und uͤbrigens fehlte es mir an keiner Bequemlichkeit.— Aber quslend waren fuͤr mich des Abtes ſchaamloſe Anträge ſeiner Liebe, und in der lez⸗ ten Zeit vergaß er aller Schonung, die er vorher gegen mich gehabt hatte, und beſtuͤrmte mich mit Antraͤgen, denen ich nie Gehor gab. Diß erbitterte ih und ſchon glaubie ich der Gewalt unt ““ — 46— liegen zu muͤſſen, als eure Huͤlfe, edler Ritter, mich dem Tode und der Schande entriß. Ridogar. Dank ſey der Vorſe⸗ hung, die noch zu rechter Zeit zu eurer Rettung, edles Fraͤulein, mich erſchei⸗ nen ließ. Erlaubt nun, daß ich zu eu⸗ rem Vater Euch geleite, der mit Sehn⸗ ſucht Eurer harren wird. 1 Klara. Mit Freuden folge ich Euch. Der Ritter hob nun die reizende Kla⸗ ra auf ſein Roß und ging langſam ne⸗ ben ihr her. Er wollte keinen neuen Gebrauch von ſeiner Macht machen, um ſie nicht zu verſchuͤchtern, und ſtumm ſezten nun beide ihren Weg zur Veſte fort. 4 KRidogar hatte volle Muſe, ſeine gerettete Schoͤne zu betrachten. Klara war eines der ſchönſten Maͤdchen der Gegend; aus jeder Bewegung leuchtete das herrliche Ebenmaß ihres ſchlanken Körpers. Nabenſchwarzes Haar um⸗ inen blendend weißen de aa 1 — 4 1 — die Suͤßigkeiten eines weiblichen Kuſ⸗ chen Buſens gefuͤhlt, und jezt war er Geſchlechts, hatte Gelegenheit, jeden ih⸗ 4 pfindlich gegen den Ritter.— Ridogar war in der vollen Bluͤthe — 49— 3 und ringelte ſich in reichen Locken um den vollen Buſen. Der Blick ihres gro⸗ ßen ſchoͤnen Auges war feurig, aber auch Sanflmuth und Herzensguͤte ſtrahl⸗ te aus ihm. Das ſanfte Incarnat der Wangen erhoͤhte das Intereſſante des engelſchoͤnen Geſichtes, und Ridogar fuͤhlte eine ſonderbare Bewegung in ſei⸗ nem Innern. 1 Es war nicht Liebe. Aber Ridogar hatte von Kindheit auf im Gewuͤhl der Waffen ſein Leben zugebracht, er war noch nie in Beruͤhrung mit ſchoͤnen Jungfrauen gekommen, hatte noch nie ſes, den elaſtiſchen Druck eines weibli⸗* ſo nahe einer der vollkommenſten ihres rer Reize verſtohlen zu belauſchen ein neues Gefuͤhl erwachte in ihm. 5 Doch auch Klara war nicht unem⸗ des maͤnnli⸗ — 50— chen Alters, groß und ſtark von Koͤr⸗ per, gewandt, und leicht in ſeinen Be⸗ wegungen; ſein Geſicht war ſtark ge⸗ braͤunt, aber verwegener Muth leuchte⸗ tete aus ſeinem blizenden Auge, und reiche Locken wogten um ſeinen Nacken, wenn er den Helm abnahm, und mil⸗ derten die maͤnnliche Wildheit ſeines wirklich ſchoͤnen Geſichtes. Dazu ge⸗ fellte ſich bei Klara Dankbarkeir gegen den Retter ihrer Ehre und ihres Le⸗ vens, und die Wirkung ihres wenigen maͤnnlichen Umgangs. Sie liebte Ri⸗ dogar, ohne es ſelbſt zu wiſſen. DOhne mehr als kurze Fragen und Antworten geſprochen zu haben, erreich⸗ ten endlich beide die Veſte Ulrichs von Ringfeld. Eben ſaß der Alte in ſeinem Gema⸗ che zwiſchen Furcht und Hoffnung, mit keinem Gedanken dachte er an die Moͤg⸗ ligkeit einer ſo baldigen Nuͤckkehr, da tonte vom Thurm herab das Zeichen 8 der Ankunft eines Fremden. — 51— Der Alte fuhr auf und trat ans hohe Bogenfenſter. Freudiger Schrek haͤtte beinahe ſeine Glieder gelaͤhmt, als er Klara und den fremden Ritter gewahrte. Iubelnd ſprang er die ſteinernen Trepper hinab und lag bald in den Armen ſeiner Klara, die der Troß ſei⸗ ner Knechte ſchon freudig umringt hielt. „Klara!“ rief er mit vor Thraͤnen erſtikter Stimme und hieng an dem Halſe des geliebten einzigen Kindes. Groß war die Freude beider, ruͤh⸗ rend der Dank, den ſie ihrem Retter, ihrem Wohlthaͤter zollten; er mußte ernſtlich erinnern, mußte ſtrenge dro⸗ hen, daß er ſie ſchnell verlaſſen muͤſſe, wenn ſie nicht inne halten wuͤrden, ehe ſie den dankbaren Ergießungen ihres Herzens Schranken ſezten. „Ihr wollt es,“ ſagte der alte Ulrich, „und es ſey; aber der Segen und das Gebet eines alten durch Euch begluͤck, ten Vaters verlaſſe Euch nie.“ 4 4 — 52— „Auch mein Dank, auch mein Segen ſey Euer ſteter Gefaͤhrdet ſagte Klara, indem ſie hocherroͤthend ihm die Lilienhand reichte, die der Ritter ehr⸗ erbietig kuͤßte.. Alrich gab ſeinen Dienſtleuten ein Feſt, und auch Ridogar leerte den Be⸗ ſcher, den ihm die ſchoͤne Klara kre⸗ denzte. Bald fuͤhlte Ridogar, wie Klara ihm immer theurer zu werden anfing, aber er uͤberlegte auch, daß er ſie nicht 4 egluͤcken könne. Die kleine Begeben: eit hatte ſeinen Durſt nach Thaten gewekt. Seine Laufbahn fing erſt an, und geſtattete ihm nicht, in ſuͤßem Minneſpiel ſeine Zeit zu vertaͤndeln. Er beſchloß alſo, die Veſte zu verlaſſen, ehe beider Wunde unheilbar wuͤrde, denn —— er ſahe wohl, daß auch er Klara nich gleichguͤltig ſey. Schweren Kampf ko⸗— ſtete dieſer Entſchluß ſeinem Herzen, 4 allein ſeine Leidenſchaft war noch nicht 8 ſehr gewachſen und ſo ſiegte er endlich. Am Abend noch eroͤffnete er Ulrich, daß er geſonnen ſey, ſeine Reiſe fort⸗ zuſezen, daß er morgen ſchon Abſchied zu nehmen gedenke. Ungern ließ ihn Ulrich ziehen, und in Klaras großen Augen ſammelten ſich ein paar Thraͤnen, doch Ridogar ſagte, daß ein eigenes Verhaͤngniß ihn forttreibe, und ſie wagten nicht, ihrem Wohlthaͤter zu widerſprechen. Zu dieſem geſellte ſich bei Klara noch ein geheimer Schauder, indem ſie Ridogar noch immer fuͤr ein uͤbernatuͤrliches We⸗ ſen zu halten geneigt war; ſie hatte ihrem Vater die wunderbare Geſchich ihrer Befreiung erzaͤhlt und dieſer ga ihrer Vermuthung nicht Unrecht; aber beide kamen darin uͤberein, daß ſie ih⸗ rem Retter große Dankbarkeit ſchuldig ſeyen. 8 Der Gedanke an Ridogars berna⸗ tuͤrliche Macht minderte das W cht thum ihrer Liebe; doch beſchloß die goch durch eine auſto tende Tha — 54— Glauben zu naͤhren, um dadurch Kla⸗ ras Liebe ganz zu unterdruͤcken. Am andern Morgen nahm er den lezten Abſchied. Beide dankten noch einmal innig und heiß ihreu Retter und flehten des Himmels reichſten See⸗ gen fuͤr ihn, da winkte Ridogar das ſezte Lebewohl, gab ſeinem Pferde die Sporen und verſchwand ploͤzlich aus ihren Augen. Kein Thorwaͤchter ſah ihn forttraben, noch war die Zugbruͤ⸗ cke nicht heruntergelaſſen und doch war der Ritter verſchwunden. Diß vermehrte den Glauben an ſeine hoͤhere Macht, aber dankbare Thraͤnen der Geretteten, der durch ihn Begluͤckten folgten ihm. Uiberraſcht blieb Klara ſtehen, als ſie in ihr Kaͤmmerlein trat und ein Kaͤſtchen, mit Goldgulden gefuͤllt, ſah, weiches die Aufſchrift trug: Klaras Brautſchaz. Froh beſtuͤrzt zeigte ſie ihrem Vater den reichen Fund, der von Niemand — 1 anders, als ihrem großmuͤthigen Rit. ter ſeyn konnte, und beide zollten ihm aufs neue dankbare Thraͤnen. Ulrich wurde dadurch ein reicher Mann, und nicht gar lange darauf fuͤhrte ein angeſehener Ritter, von ed⸗ lem Geſchlechte und untadelhaften Sit⸗ ten, die ſchoͤne Klara als ſeine Haus⸗ frau auf die Burg ſeiner Vaͤter. Ridogar befand ſich indeſſen auf dem Wege zum Kloſter, wo der Ehe fuͤhrer Klaras ſich befand. Unterwegs hielt er ſtill und ſein maͤchtiger Stab rief Satan herbei. Ridogar. Vermag ich es, mei⸗ nem Koͤrper jede mir gefaͤlige Geſtalt zu geben? Geiſt. Verſuche es. Ridogar. Fürwahr, ich thun koͤnnen, ohne dich Aber ich will meine Frage von antwortet wiſſen! Geiſt. Du kannſt es. 3 Ridogar. Vermag ich die ſicht⸗ bare wahre Geſtalt Geiſter deiner Art anzunehmen? Geiſt. Nein! Du biſt zwar der Hoͤlle unumſchraͤnkter Gebieter, doch ein Menſch! Unſere wahre Geſtalt iſt kein feſter Koͤrper, iſt nur ein Luftge⸗ bilde, und deine Seele vermag nicht ohne feſte Huͤlle zu wirken.. Ridogar. Ich weiß genug. Satan verſchwand und Ridogar eilte unſichtbar in das Kloſter. Die Moͤnche hatten ſich eben in der 5 Kirche zur Veſper verſammelt, den Abt 5— Bruno an der Spitze.. Gerade lagen ſie auf den Knien vn beteten ein ex profundis; da droͤhnte von unten herauf ein unterirrdiſches Getdſe, uͤber ihnen klang es wie rol⸗ lender Donner. Sie horchten beſtuͤrzt; ein flammender Bliſtrahl, begleitet von nem entſezlichen Donnerſchlage, ziſchte v n oben herab und verwandelte das uziſir in des Abtes Haͤnden in ein “ auf den Knien, das Angeſicht Erde geneigt. Haͤufchen Aſche. Erſchrocken prallte der Abt zuruͤck; da ſchien das Gewölbe der Kirche einſtuͤrzen zu wollen, die Pfeiler wankten, die Kloſterfenſter zit⸗ terten, mit Geraͤuſch ſprangen die Thuͤ⸗ ren von ver Erſchütterung auf und eine Stimme, funchtbar wie das Rollen des Donners, erſchul uͤber ihnen:„ver⸗ „ſtockte Suͤnder, unnuͤrdige Diener mei⸗ „nes goͤttlichen Wortes, die ihr unter „geheuchelter Froͤmmigkeit den Tempel „des Herrn entweiht und eure Verbre⸗ „chen durch geweihte Mauren den Au⸗ „gen der Welt entzieht, kehrt zuruͤck „zum Wege der Tugend, ſo lange es „noch Zeit iſt, ehe des Weltgerichts „Donner euch hinabſchleudert in der „Verdammniß gluͤhenden Pfuhr; thut „Buße, denn nur aufrichtige Reue „ſoͤhnt Verbrechen aus.. Stimme und Donner ſchwieg und zitternd lagen die Moͤnche halb leblos * — 56— Ridogar hatte den Donner erregt, Ridogar hatte unſichtbar dieſe Worte geſprochen; er war uͤberzeugt, daß der Eindruck dieſer Scene groß ſeyn muͤſf⸗ das die Moͤnche aus Furcht voe des Allmaͤchtigen Strafe ihren gottloſen Wandel verlaſſen und zu einem gottſe⸗ ligen Leben zurückkebeen wuͤrden. Er hatte ſich nicht b⸗trogen; unauslöſch⸗ lich blieben der Abt und den Moͤnchen die Donnerworte und ſie veraͤnderten von Stunde an ihr vorheriges Leben, und vrachten ihre Zeit in aufrichtiger Arbm⸗ migkeit zu. Ridogar befand ſich ſchon wieder auf ſeinem Noß und folgte dem Weg, der ihn om Geſtade des Fluſſes hinab⸗ Handlungen wuchs in ihm; aber wo ollte er ſie aufſuchen? Er war unbe⸗ fuͤhrte⸗ Er fieng an, ſeine Macht ein⸗ und der Durſt nach guten nicht unterwegs Sroff zu guten Thsta ſich anbieten? wenden und durch das Rheingau zu zi hen. Es herrſchten gerade viele U r. zern Aeſtorben. Auf der Burg eines gaſtfreien Rite ters hoͤrte er, daß Conrad zu Wuͤrz⸗ burg ſein Hoflager halte und viele Fuͤr⸗ ſten und Ritter dort anweſend ſeyen. Feſtlichkeiten mancher Art wurden da⸗ bei gefeiert und von fern und nahe ſtrömten Gaͤſte dahin. Auch Ridogar beſchloß, dahin zu zie⸗ hen. Ein Wink ſeines maͤchtigen Sta⸗ bes, und er waͤre im naͤmlichen Mo⸗ mente dort geweſen; aber das wollte 4 er nicht; er wollte die Reiſe zu Pferde fortſezen, wollte die Staͤdte und Ge⸗— gend und die Burgen der Ritter ge⸗ nauer beſehen, denn wie leicht konnte Er beſchloß, ſich nach Speier 1 hen in Deutſchland. Kaiſer Lothar war zuruͤckgekehrt von ſeinem Zuge nach Italien und in B Die Wahl eines e — 60— Herzog Heinrich der Stolze ſuchte zwar die Kaiſerwuͤrde zu erlangen, aber die deutſchen Fuͤrſten fuͤrchteten ſeine Macht und ſeinen Uibermuth und dem Erzbiſchoff Albero von Trier gelang es, die Stimmenmehrheit fuͤr Herzog Con⸗ rad von Franken zu gewinnen. So ſtanden die Sachen, als Ridogar zu Speier ankam. Er fuͤhlte, daß er in ſeinem halb⸗ verroſteten Harniſche, ohne Knechte, nicht viel Aufſehen machen werde, und beſchloß, ſich auf einen beſſern Fuß zu Kellen. Er rief durch die Kraft ſeines Sta⸗ bes Satan herbei und gebot ihm, ihn mit allem, was einen Ritter ziere, zu verſehen. 3 Satan verſchwand, und in kurzer Zeit kehrte er mit einer koſtbaren ſtaͤh⸗ 5 lernen, mit Silber eingelegten Ruͤſtung— ktes Wehrgehänge und ein blankes ruͤck, ein berrliches mit Gold durch — 61— befand ſich dabei. Ridogar nahm eint⸗ ge Diener und Knechte an und auch dieſe empfingen Kleidung und Waffen. Sein Roß vertauſchte er gegen ei⸗ nen jungen raſchen Streithengſt. Es war ein herrliches Thier, Flammen ſpruͤhten ſeine Augen, ſtolz und mu⸗ thig ſchuͤttelte es die goldgelockten Maͤh⸗ nen und ſtampfte ungeduldig mit dem Vorderhufe den Boden. Graf Robert von Bruel hatte zu Ehren des Geburtstages ſeiner Tochter 3 ein Turnier ausſchreiben laſſen, alle Ritter der Gegend waren dazu einge⸗ laden, und auch nach Speier drang die Kunde, denn Graf Bruel war ein maͤchtiger Herr, ſeine Beſizungen er⸗ ſtrekten ſich weit den Rhein hinauf, doch mehr noch war die Schoͤnheit ſeiner 38 Tochter Klotilde bekannt. Ridogar erfuhr es, und zu ritterlichen Uibungen erreg den Entſchluß, hinzuziehen. 1 „= 62— Da ihn in Speier nichts zuruͤckhielt, machte er ſich gleich auf den Weg; er ließ ſeine Knechte aufſizen, und zog langſam die Heerſtraße gen Mainz hin⸗ ab. Eine Tagereiſe von Speier ritten ſie durch einen dichten Forſt. Kurt, einer der Knappen Ridogars, erzaͤhlte ſeinem errn ſchauerliche Ge⸗ ſchichten, die die Sage von dieſem Walde melde. Hoölliſche Geiſter ſollten darin haufen und mancher Reiſende, der ſich hin⸗ neingewagt, nicht wieder zum Vorſchein gekommen ſeyn. 3 Ridogar hoͤrte, daß die Veſte, die Ausgangs des Waldes liege, von ei⸗ nem Ritter, Udo von Tiefen, bewohnt ſey, der mit dem Teufel im Bunde ſte⸗ 1 hen ſollte. 8 Er war ehedem ein rauher wilder Mann geweſen und ſchweres Unrecht 8 haftete auf ſeiner Seele; aber ſchon feit einem Jahre lebte er einſam und — ruhig auf ſeiner Veſte, oft ſah man warnte treuherzig ſeinen Herrn. ſagte er, daß boͤſe Geiſter in der Burg 5 ihr Weſen treiben und Udo von Tiefen mit ihnen einverſtanden iſt. Man ſahe — 63— tön nach dem Kloſter St. Egidius wall⸗. fahrten, und erblikte ihn da jedesmal vor dem Gnadenbild der heiligen Jung⸗ frau Maria auf den Knien, wo er eif⸗ rig zu beten ſchien. Tiefer Kummer lag in ſeinen ſonſt wilden Geſichtszuͤ⸗ gen und ſchon Einige wollten geſehen haben, daß ſeinen Augen Thraͤnen ent⸗ fallen waren. Ridogar wurde neugierig, den Ritter kennen zu lernen, und beſchloß, auf deſ⸗ 3 ſen Veſte einzuſprechen. Er ſchikte ſei⸗ ne Knechte voraus und befahl ihnen in der naͤchſten, an der Straße liegen: den Herberge ſeiner zu harren. Kurt: „Glaubt mir, geſtrenger Ritter, ſchon manchmal in der Mitternachts⸗ ſtunde feurige S Schlangen auf den Daͤ⸗ chern herumfahren, und mit den Teu 3 iſt nicht zu ſpaſſen. b 26 fuͤr mein KEsnheil verſpuͤrte keine Luſt zu einem ſol⸗ chen Beſuche.“ „ Das glaube ich dir, doch du biſt nicht Ridogar“ ſagte dieſer, hieß ſie thres Weges ziehen und lenkte ſein Roß gegen die Burg. Um das Vertrauen des Ritters zu gewinnen, machte er ſchnell einen an⸗“ dern Plan, er ſprengte ſeinen Knechten nach, gab ihnen ſein Roß in Verwah⸗ rung und ging zu Fuß nach der nicht ſehr entfernten Veſte. Er nahm die Geſtalt eines alten ehrwuͤrdigen Moͤn⸗ ches an, und ſchwand vor das Thor der Veſte. Der Thurmwaͤchter fragte nach ſei⸗ nem Begehren. „Ich habe Auftraͤge an den Ritter Ado von Tiefen, ſagte er, der hoch⸗ wuͤrdige Abt Brunaldo vom Kloſter. St. Egidius ſendet mich, drum melder mich ſtraks eurem Herrn.“ Bald flogen die weiten Thuͤrfluͤgel auf. Ein K Knecht geleitete Ridogar zu — — gemache herne„Bas beingt 8 mir, ehrrwuͤrdiger Vatert, fragte Udo ihn mit ſanfter Stimme; herber Kum mer hatte tiefe Furchen in ſeine Stirne gegraben, und ſtille Ergebung ſchien in ſeinen Zuͤgen zu liegen. Er war ein Mann noch in ſeinen beſten Jahren, hatte ein liebendes und geliebtes Weib und zwei Toͤchter.— Ridogar fuͤhlte Mitleid mit dem Ritter. Er beſchloß, ihn zu retten wenn es in ſeiner Macht ſtuͤnde. Ridogar. Was ich Euch bringe, edler Ritter, iſt ein wichtiger Auftrag. Verzeiht, wenn es Euch vielleicht un⸗ angenehme Empfindungen erregen ollte, aber die Pflichten meines Standes for⸗ dern mich auf, ohne Schonung 3 den. diger Vareb⸗ .R. idogar. — 66—. kamen auch vor die Ohren unſers hoch⸗ gpauͤrdigen Abtes. Eingedenk der Pflich⸗ ten unſers Standes, ein verirrtes Schaaf wieder zuruͤckzufuͤhren zu ſeiner Heerde, ſendet er mich zu Euch, mich des Naͤhern zu erkundigen. Uvo.(berwirrt.] Sprecht deutlicher, welche Geruͤchte, ich wuͤßte nicht—— NRidogar. Edler Ritter, verhehlt mir nichts, offenes Geſtändniß ſeiner Schuld iſt der Beſſerung erſter Schritt. Tag lebe ich einſam auf meiner Veſte, zwar war ich einſt wild und unbaͤndig, aber der Allmaͤchtige hoffe ich, werde armherzig mit mir zu Gerichte gehen. Lidogar. Das wird er, denn er dem Boſen einsegangen. — Udo. Limmer unruhiger.] Ich wuͤßte doch wirklich nicht, ich habe Umgang mit Niemand, ſchon ſeit Jahr und 4 iſt langmuͤthig ohne Ende; doch ver⸗ 8 eiht, edler Ritter, die Sage etjihit von Euch, ihr haͤttet einen Bund mit —,— N — 67— Udo. lberhuͤllt das Geſicht. O Gottt Ridogar. Ihr braucht, mir jezt nichts mehr zu ſagen, aber bedenkt, nichts beleidigt den Allmaͤchtigen mehr, als ein Buͤndniß mit dem verworfen⸗ 3 ſten ſeiner Geiſter; bedenkt das ewig ge Heil eurer Seele, vertraut Euch mir, vielleicht iſt Rettung noch moͤglich. Udo. lerſchuͤttert.] Zu ſpaͤt, zu ſpaͤt. O mein armes Weib, meine Kinder, meine Töoͤchter. Heute ſchon iſt der lezte Tag meines Lebens, heute in der Mit ternachtsſtunde der Termin abgefloſ⸗ ſen, den der Boͤſe mir ſchenkte. Ridogar. Ungluͤcklicher, was habt Ihr Lethan, Udo. O ich wollte gerne ſterben, nur mein Weib, meine Kinder verlaſf 4 ich nicht gerne; fruͤher habe ich wohl mich nicht viel um ſie bekuͤmmert, aber in dem lezten Jahre wurden ſie meinem 8 Herzen theuer. Ri dn Naſ — 62— in des Ungluͤcks ſchrecklichſte Tiefe ge⸗ ſtuͤrzt, und nur die Langmuth, die All⸗ barmherzigkeit des Ewigen vermag Euch zu retten. Vertraut auf ſie und Ihr ſeyd noch nicht ganz verlohren. Udo. O fuͤr mich gibt es keine Rettung mehr.— Neun Jahre habe ich geſchwelgt, in Saus und Braus gelebt, ach erſt im Anfang des zehnten ergriff Reue mein Gewiſſen, und ich verließ mein ſchwelgeriſches Leben und that Gutes, ſo viel ich vermochte. Einſt ſprach Satan hohnlachend zu mir: bor gtaubſt du, ein paar Monden Beten und Faſten und einige Allmoſen werden unſern Contrakt zernichten. Die Wagſchale deiner Verbrechen ſchnellt ſey kein Thor, genieße, ſo lange du ung aus, lebte nach wie vor und machte gut, was ich vermochte. noch kannſt, noch Macht dazu beſtzeſt.“ Aber ſtandhaft ſchlug ich die Verfuͤh⸗ federleicht die andre in die Hoͤhe. Drum * —,. Ridogar. Nach ſeiner Allbarm — 69— herzigkeit wird der Ewige deine boͤſen, nach ſeiner Großmuth und Strenge deine guten Thaten waͤgen. Udo. O ihr gießt Troſt in mein zagendes Herz. Ridogar. Wandelt ferner ſo fort auf dem Wege der Tugend, und ich gelobe euch Huͤlfe und Rettung. Udo, Sollte es moͤglich ſeyn! Ihr oͤffnet mein Herz zu neuen Hoffnungen; nimmer werde ich abweichen vom Wege der Tugend, all meine Habe dem Kl ſter und den Armen vermachen, un büſend in das gelobte Land ziehen. Ridogar. Und ſchuz⸗ und huͤlf⸗ los euer Weib und Kind daheim laſſen, ohne Nahrung, ohne Obdach, ſie der Verfuͤhrung der Welt und Menſchen Preis geben? Udo. Nein, o nein; aber ſag rathet Ihr mir, ehrwuͤr gger Vater, was ſoll ich thun? 70— Ridogar. Wahlfahrt in das ge⸗ lobte Land, zum Grabe unſers Erloͤ⸗ ſers iſt eine loͤbliche That, dort unſere Suͤnden bereuen, Gnade ſuchen vor dem Allmaͤchtigen, ein ihm wohlgefaͤlliges Werk; aber es iſt nicht gerade noth⸗ wendig. Buͤßen und Bereuen koͤnnt Ihr auch hier, an Stoff zu guten Hand⸗ lungen mangelt es Euch auch hier nicht. Seyd ein Vater der Armen, ein Troͤſter der Waiſen und Schuͤzer der Unſchuld, ſo wird euer Thun Gnade und Wohl⸗ gen. Udo. Das will, das gelobe ich. * Ridogar. Wo iſt euer Weib, eu⸗ re Kinder? Udo. In ihrem Gemache jammern troſtlos die Armen uber das Ungluͤck ihres Vaters. Ich habe ihnen ent⸗ und Erbarmen. gefallen finden vor dem Auge des Ewi⸗ — deckt, was mich bedroht, und ſie fle⸗ hen den Allmaͤchtigen an um Gnuade — — — und ſie wußten nicht, wie ſie ihren Ridogar. Fuͤhre mich zu ihnene daß ich ſie troͤſte. Der Ritter fuͤhrte ihn von neuen 8 Hoffnungen belebt in das Gemach zu ſeinem Weib und Kinder.„Hier, rief er ihnen zu, bringe ich einen Tröſter und Retter! und alle drei ſtuͤrzten zu des vermeinten Moͤnchs Fuͤßen. O, rie⸗ fen ſie, wenn dem ſo iſt, ſo ſey eure Ankunft uns dreimal geſegnet, ehrwuͤr⸗ diger Vater. Ridogar hob ſie auf. „Hoffet und glaubete ſagte er zu ihnen, Dank mit Worten ausdruͤcken ſollten. Ridogar gebot ihnen zu ſchweigen. Sie ſchwiegen nun zwar; aber beſſer als Worte ſprach ihr beredter Blick. Ku⸗ nigunde, die aͤltere der Toͤchter, beſon⸗ ders, heftete den großen ſanften Blick 3 dö 88 Auges voll ruͤhrender Dahth Sie war erſt umſehn Jahre al r Wuchs blon —-— 72— Auge ſtrahlte Sanftmuth und Liebe. Adelheid, die juͤngere, zaͤhlte erſt 12 Jahre, doch in ihr lagen alle Eigen⸗ ſchaften ihrer aͤlteren Schweſter. 3 Ottilia, die Hausfrau des Ritters, war ein ſanftes duldendes Weib, noch konnte man ſie ſchoͤn nennen. Sie lieb⸗ te ihren Gatten, hatte viel in den fruͤ⸗ heren Jahren gelitten, doch die lezte Zeit ſie wieder ganz ausgeſoͤhnt mit ihm; auch ſeine Liebe, die er nur zu oft feilen Dirnen zugewandt hatte, war wieder erwacht gegen ſein Weib. Schon war der Abend hereingebro⸗ chen, Mitternacht nahte ſich, und im⸗ mer aͤngſtlicher wurde der Ritter, ſein Wweib, ſeine Toͤchter. ihnen manche guten, weiſen Lehren fuͤr die Zukunft, und als noch eine Stunde ihm folgen in den großen Ritterſaal. Zagend folgten ihm die Geängſteten, und er hieß ſie in des Saales Mitte Ridogar aber blieb ruhig. Er gab bis Mitternacht war, da hieß er alle 4 . 5. 5 trgten. Jezt zog er mit ſeinem mäch. Gemach, klirrend zerſprangen die Fen⸗ 8 ſtab in der Hand, vor ihnen ſtand. — 75— tigen Stabe einen Kreis um ſie, ſprach 3 den Zitternden Muth ein, und gebat ihnen, bei Lebensgefahr nicht aus dem Kreiſe zu treten; angſtvoll ſchmiehen ſich alle an ihn, aber Staunen bemäͤch⸗ tigte ſich ihrer, als die Geſtalt des Moͤnches verſchwand und in ſeiner Stahl⸗ ruͤſtung Ritter Ridogar vor ihnen ſtand. Furcht hielt ihre Lippen gefeſſelt. „Fuͤrchtet euch nicht“ ſprach er zu ihnen„ich gelobe euch Schuz und Huͤlfe.“ Mitternacht verkuͤndete jezt der dum⸗ pfe Ton der Thurmglocke, da erhob ſich ein maͤchtiger Sturmwind um die Veſte, furchtbar tobte der Sturm, maͤch⸗ tige Eichen wurden entwurzelt, zerſplit⸗ tert, flammende Blize durchkreuzten das ſterſcheiben, der Boden wanfte unter 8 ihnen. Zitternd ſchloſſen alle ſich feſt an Ridogar, der erwartend, den Herrſcher⸗ Da verhallte der Glocke lezter Ton; heftiger wuͤthete der Sturm, ſtaͤrker rollte der Donner, graͤßlicher ziſchten die Blize, und mit ſchrecklichem Gekra⸗ che öͤffnete ſich der Boden und Satan in Feuerſtoff gekleidet, den Contrakt i in der Hand, ſtand vor ihnen. Alle ſchraken zuſammen, nur Rido⸗ gar ſtand aufrecht und kuͤhn vor ihnen. Als Satan die Opfer ſeiner Tuͤcke ror dem maͤchtigen Fuͤrſten der Hoͤlle, von Ridogar, ſeinem Gebieter ſelbſt, ſchuͤzend umfaßt ſahe, da trat er demuͤ: thig zuruͤck. Noch immer rollte der Don⸗ ner, flammten die Blize, aber Ridogar ſtrekte den Stab aus.„Verſtum⸗ me!“ rief er, und der Donner ſchwieg, die Blize hoͤrten auf.„Liefere den Kon⸗ trakt mir aus“ ſagte er, und knirrſchend, die Faͤuſte geballt, legte Satan ihn an den Rand des Kreifes. Sprache war ihm verſagt, ſo lange Ridogar nicht das Band der Zunge ihm loͤßte, aber ſeine n — Blicke, ſeine Bewegungen waren und Muͤhe zernichtet, und ſtuͤrzte ſich laͤngliche Beweiſe ſeiner Wuth. 1 Ridogar, der Fuͤrſt der Hoͤlle, be⸗ ruͤhrte den Kontrakt mit dem Stabe. „So vernichte ich die Frucht deiner Liſt und Tuͤcke, verworfener Geiſt.⸗ rief er und ein graͤßlicher Donnerſchlag erſchuͤtterte das Gemach, ein blaͤulich⸗ ter Bliz ſchlaͤngelte ſich durch daſſelbe und verzehrte den Kontrakt. Mit furchtbarem Geheule ſah Sa⸗ tan den gehofften Lohn ſeiner Arbeit in unmächtiger graͤßlicher Wuth in ſei⸗ nen Schwefelpfuhl. Jezt ließ Ridogar alle aus dem Kreis treten.„Ihr ſeyd gerettet“ ſagte er 1 zu ihnen und ſprachlos ſanken ſie zu ſeinen Fußen nieder.„Bleibt der Tu⸗ gend treu“, fuhr er fort, ſo wird der Segen des Himmels Euch nicht entgte hen. Ritter Udo, ich habe eure Reue aufrichtig gefunden und Euch deßhalb aus den Klauen des Satans doch ich will noch mehr fuͤr eus thun; tretet her zu mir. Sie thaten es, da erhob er den Stab, und neigte ihn gegen Morgen und Abend, gegen Mittag und Mitter⸗ nacht, indem er ſprach:„Kraft der Macht und Gewalt, die der Wille des Allmächtigen mir verlieh, ver⸗ banne ich die Erinnerung an die boͤſen Thaten Ritter Udos von Tiefen aus dem Gedachtniſſe ſeiner Verwandten, ſeiner Freunde, ſeiner Nachbarn und Unterthanen, und aller die ſonſt darum wiſſen moͤgen; vergeſſen ſeyen von ih⸗ nen der Vergangenheit boͤſe Thaten, und gern und willig er aufgenommen.“ 3 „Wir vermögen nicht, 8rch würdig zu danken, ſprachen geruͤhrt die Fro⸗ hen“ aber in jedem unſerer Gebete wol⸗ len wir den Lohn des Himmels fuͤr Euch erflehen.“ „Bleibt tugendhaft, und ich habe ſchönſten Lohn“ ſagte Ridogar, und verſchwand ploözlich; ſtaunend ſtarr⸗ ten ſte ihm nach. Es muß ein hoͤh eres Weſen, ein Geiſt geweſen ſeyn, ſpra⸗ chen ſie unter einander, vielleicht vom Allbarmherzigen zu unſerer Rettung ge⸗ fandt. Dieſer Glaube erhob ihr Ge⸗ muͤth und ſtaͤrkte ſie im Vertrauen zu dem Ewigen. Ritter Udo fuͤhrte bis an fein Ende ein muſterhaftes Leben; er war wieder aufgenommen in den Kreis ſeiner ehma⸗ ligen Freunde und Waffenbruͤder. Kei⸗ nes erwaͤhnte der Vergangenheit, denn keines dachte mehr daran. r war hingeſchwunden zu der ſeine Diener ſeiner aͤngſt⸗ — Sie jubelten laut, als ſie ihn imen ſahen, und Ridogar warf ſich auf ſein Lager, denn er war muͤde, und obgleich er hoͤhere Macht beſaß, mußte ſein Koͤrper doch den Forderungen der Natur gehorchen. Am fruͤhen Morgen machte er r ſich 4 wieder auf den Weg, um noe dem er in einer Her — 380ñ— Abend das Schloß des Grafen von Bruel zu erreichen, das ungefaͤhr in der Mitte zwiſchen Speier und Worms ſich befand.* Ohne fernere Abentheuer erreichte er daſſelbe, und ſandte einen ſeiner Diener voran, ihre Ankunft zu melden. Der Graf eilte ſelbſt ihm entgegen und hieß ihn willkommen. Ridogar nannke ſeinen Namen, ſagte, daß die Kunde von dem Turnier auch zn ſei⸗ nem Ohre gelangt ſey, und ihn hieher gefuͤhrt habe. Der Graf entgegnete, daß ſolches erſt uͤbermorgen ſeinem An⸗ fang„ihme, bat ihn jedoch azes ſi indeſſen bei ihm gefallen zu alle Bequemlichkeiten fin Ridogar nahm das gaſtfkeie Aner⸗ bieten an, ſeinen Dienern wurden nun ihre Liegerſtatt angewieſen, ihn ſelbſt aber fuͤhrte der Graf in den Ritterſaal, wo er noch einige Gäͤſte beim vollem — Humpen traf und auch Klolilde, des — 31— Grafen Tochter. Ridogar begruͤßte das Fraͤulein. Er geſtand ſich ſelbſt, nie ein ſchoͤneres Maͤdchen geſehen zu ha⸗ ben, aber auffallend mißfiel ihm der allzufreie Blick ihrer feurigen Augen. Der Graf noͤthigte ihn zum Sizen, nachdem der Willkommen vorbei war, und Klotilde kredenzte ihm einen Be⸗ cher Wein, indem ſie den feurigen Blick ihrer Augen mit wenig verhehltem Wohl⸗ gefallen auf dern ſchöͤnen Ritter ruhen ließ. Aber Ridogar achtete deſſen nicht viel; er war in eifrigem Geſpraͤch mit den an en Rittern begriffen. Er erfuhr von ihn von Franken die Stimmenmehrheit als Kaiſer beſize, und die Wahlhandlung zu Koblenz in kurzer Zeit vor ſich ge⸗ hen werde. Ridogar wunderte ſich, daß ſolches nicht zu Mainz, der eigentli⸗ chen Wahlſtadt, und noch vor dem ge⸗ woͤhnlichen Termine geſchehen ſolle; nen, daß Herzog Konrad — 82— aber keiner der Anweſenden wußte ihm den Grund zu ſagen⸗ G Es waren tbeils fraͤnkiſche Ritter, wie Ridogar Vaſallen oder Lehne⸗ leute Konrads, theils auch Schwaben, Vaſallen Herzog Friedrichs, Konrads Bruder. Unter traulichen Geſpraͤchen nahte ſich der Abend, und der Graf wies ſeinen Gaͤſten ihr Lager an. Ridogar erhielt ein praͤchtiges Ge⸗ mach in einem Fluͤgel des großen Schloſſes, einladend fuͤr den Muͤden ſtand ein Bette mit ſeidenen Decken darinnen. KRidogar oͤffnete das B fenſter und blikte hinaus. Der Mond war eben heraufgeſtiegen und warf ſei⸗ nen magiſchen Schein auf die Unter⸗ welt. Zahlloſe Sterne blinkten am Horizont, kein Luͤftchen wehte und Todtenſtille herrſchte in der Natur⸗ Layge genoß Ridogar die Schönheit 1 des Abends, dann warf er ſich auf —— und mit jenem ſchwand auch er i — 85— 4 ſein Lager, wo er von wunderlichen, doch nicht ſchreckhaften Traͤumen um⸗ gaukelt, bald entſchlief. In der Nacht erwachte er, er glaubte ein leiſes Geraͤuſch zu vernehmen und oͤffnete behutſam ſein Fenſter.“ Er hatte nicht falſch gehoͤrt. Unter ihm ſchlich am Gemaͤuer im Schatten ein Mann, der ſpaͤhend umherſah. Endlich klatſchte er dreimal in die Hand, und ein Fenſter in dem Stocke unter Ridogars Gemach oͤffnete ſich⸗ „Biſt du da?“ lispelte eine weibliche Stimme, und auf die Antwort des Be⸗;⸗; fragten rollte eine Strikleiter auf den Boden hinunter. Der Juͤngling, im Scheine des Mondes erkannte Rido⸗ gar ſein Geſicht, beſtieg die Leiter. Ridogar folgte ſchnell unſichtbar Gemach. Es war Klotildens S gemach. Zeuge war er der ve ſchen Liebe beider, ihrer ſtraflt 6 — 84— armungen, und ſein Entſchluß war ge⸗ faßt. Als beide berauſcht von ſinnli⸗ cher Begierde in gluͤhender Umarmung auf die Ottomanne im Zimmer ſanken, und in wilden Kuͤſſen den Vorſchmack ſchnoͤder Wolluſt gierig einſogen, da ſtand ploͤzlich Ridogar, von hellem Licht⸗ ſcheine umfloſſen, in der Geſtalt Otto⸗ kars, des Ahnherrn des Bruel'ſchen Hauſes, vor ihnen. Ernſt war ſein Geiſcht, drohend ſeine Geberden:„Un⸗ wuͤrdige Urenkelin meines Stammes, die du dich nicht ſcheueſt, Schande uͤber das edle Geſchlecht deiner Vorfahren und dei⸗ nes Hauſes zu bringen, ſiehe in mir den Ahnherrn deines Geſchlechts, den deine Auffuͤhrung aus den Wohnungen des Fliedens getrieben hat, dich zu warnen vor gaͤnzlichem Untergange.“ Beſtuͤrzt und erſchrocken waren die Schuldigen zu den Fuͤßen des Furcht⸗ baren niedergeſunken.„Geiſt meines Ahtherrn, erbarme dich meiner,“ rief — 65— Klotilde und ſtrekte flehend die Haͤnde gegen ihn aus,„noch bin ich deiner nicht ganz unwerth, noch iſt Ehre und Unſchuld mein Eigenthum, und ich ſchwoͤre dir bei dem Heile meiner Seele, diß iſt die erſte Zuſammenkunft, die ich meinem Geliebten geſtattete. O Gott, jezt erſt ſchaudre ich zuruͤck vor dem Ungluͤck, in das Leidenſchaft und Liebe ohne dein Erſcheinen mich haͤtte ſtuͤrzen koͤnnen.„Stehet auf,“ gebot Ridogar, und beide erhoben ſich. Auf ſein Ver⸗ langen erzaͤhlte Klotilde die Geſchichte ihrer Liebe, und er fand ſie jezt weni⸗ ger ſchuldig. Heißes Blut, ein warmes Herz voll gluͤhenden Verlangens nach Liebe war Urſache ihres Strauchelns. Sie liebte den Pagen ihres Vaters, Kuno von Albeck, und er ſie.— Die Flatterhaftigkeit ſeiner Geliebten ver⸗ urſachten ihm manche truͤbe Stunde, denn ihr heißes Blut ließ ſie mit Wohlgefallen jeden ſchoͤnen Mann be⸗ 3 6 — 26— trachten, doch hatte ſie noch nie die Schranken der Sittſamkeit uͤberſprun⸗ gen.— Ihres Flatterſinns ungeachtet hieng ſie mit leidenſchaftlicher Heftig⸗ keit an Kuno, und die Sorgfalt, mit der ſie ihre Liebe vor den Angen ihres Vaters verbergen mußte, ſteigerte jene noch hoͤher. Da erſchien Ridogar im Schloſſe des Grafen; er war ein ſchoͤ⸗ ner Mann, und mit erwachter Eifer⸗ ſucht gewahrte der Page den Eindruck, hatte.— Im erſten Taumel derſelben benuzte er einen guͤnſtigen Augenblick, Klotilden trozig zu ſagen, daß er ohne Abſchied ſich morgen von dem Schloſſe entfernen und anderwaͤrts Dienſte neh⸗ men werde, denn ihre Untreue koͤnne er nicht laͤnger ertragen.— Klotilde erſchrak, ſie hatte keine Zeit zu verwei⸗ len, ſich ihm zu erklären; kaum konnte ſie ihm noch die Worte zufluͤſtern:„um Mitternacht harre vor meinem Fenſter und klarſche dreimal in die Hand, zum den jener auf ſeine Geliebte gemacht . —,—— — berauſcht von Liebe, noch mehr aber — 87— Zeichen deiner Anweſenheit“, als ſie ſchon ſich entfernen mußte, da Menſchen ſich nahten. Sie uͤberlegte nun, wie ſie ihren Geliebten ſprechen wolle und erinnerte ſich einer Strikleiter, die ſie ſchon oͤf⸗ ter in der Ruͤſtkammer geſehen hatte. Es gelang ihr, ſolche unbemerkt unter ihrem Bette zu verbergen, ohne daß von den Gaͤſten oder ihrem Vater ihre Abweſenheit bemerkt worden waͤre. Mit aͤngſtlichem Herzklopfen erwar⸗ tete ſie nun in ihrem Kabinette Mit⸗ ternacht; ſie fuͤhlte wohl das gefaͤhrli⸗ che ihres Beginnens, aber ſie wußte ſich nicht anders zu helfen.* Endlich erſchien Mitternacht. Kuno hatte ſich eingefunden, die Strikleiter benuzt und war in Klotildens Kabi⸗ nette dadurch gelangt. Sie flogen einander in die Arme; vom ungewoͤhnlichen Genuſſe des W nes aus Veranlaſſung der Gaͤſte i — 38— Vaters, druͤckte Klotilde den Geliebten an ihre hochfliegende Bruſt und auch ſein Blut rollte heißer als gewoͤhnlich durch ſeine Adern. Er preßte Klotilde ſtuͤrmiſch an ſein Herz, unter gluͤhen⸗ den Kuͤſſen erwachte die Sinnlichkeit und ohne mehr an die Urſache dieſer Zuſammenkunft zu denken, waͤre Klo⸗ tilde, ohne Ridogars Erſcheinen, ihrem Falle nicht entgangen. Sie fuͤhlte diß tief und innig und heiße Thraͤnen der Reue entfloſſen ih⸗ ren Augen. Stumm und niedergeſchla⸗ gen ſtand Kuno zur Seite. Strenge verwieß ihnen Ridogar ihre That, ernſt und drohend warnte er ſie vor der Zu⸗ kunft.„Hoffet nicht, meinem Auge zu entgehen, ſchloß er, noch einmal wuͤrde ich den Aufenthalt der Geiſter. verlaſſen, wenn ihr abermals ſinken wouͤrdet, aber nicht zu eurer Warnung, ſondern zu eurer Strafe. Ich will eure Liebe nicht verdammen, denn ich kenne die Macht dieſer Leidenſchaft, die 3 — — 369— nicht nach Rang und Reichthum forſcht aber Klotilde, du biſt Gehorſam und Aufrichtigkeit deinem Vater ſchuldig, drum entdecke ihm dieſe Liebe, zwar wird er ſie nicht billigen, wird eure Vereinigung nicht zugeben, doch er iſt, guͤtig und liebevoll, er wird dir wenig⸗ ſtens keinen andern Mann aufdringen, und darum hoffe von der Zukunft, was 3 die Gegenwart dir verweigert. Aber ihr muͤßt euch trennen, die Verſuchung fliehen. Kuno, ich rathe dir, Dien⸗ ſte zu nehmen im Heere Konrads gegen den uͤbermuͤthigen Herzog von Sachſen, Heinrich den Stolzen, dort ſteht der Weg zu Ehre und RNuhm dir offen und wenn du geſchmuͤkt mit dieſem einſt zu⸗ ruͤckkehrſt, wird der Graf ſeine Tochter dir nimmer weigern. Seyd ſtandhaft, ſeyd tugendhaft und euer Lohn bleibt nicht aus.“ Mit dieſen Worten er anand und ſtumm blikten beide ihm Sie ſahen ein, daß ſie dem Geige 3 ßen, innigen Dank ſchuldig ſeyen, doch der Gedanke an Trennung war ihnen ſchmerzhaft, aber beide beſchloſſen, den Worten des Geiſtes zu folgen. Traurig ſtieg Kuno die Strikleiter wieder hinab und eilte in ſein Gemach, und Klotilde hbegab ſich in ſchwerer Beetruͤbung zur Ruhe. Ihr bangte vor dem kommenden Morgen, wo ſie ihrem Vater ſich entdecken ſollte, aber ſie war feſt entſchloſſen es zu thun; tiefen Eindruck hatten des Geiſtes Worte auf ſie gemacht und mit heißen Thraͤnen dankte ſie es ihm, daß ſie noch rein und ſchuldlos vor ihren Vater treten konnte. Ridogar hatte noch mehr gethan; keer war in der nemlichen Geſtalt hin⸗ u bergeſchwunden an das Lager des Gra⸗ ffen. Sein Ruf wekte den Schlafen⸗ den. Er erwachte und richtete ſich auf, da erkannte er die Geſtalt ſeines Ahn⸗ herrn Ottokars, wie ſein Bild im Rit⸗ terſaale hieng, und ſtaunte ſorachlos ihn an. Ridogar. Wuͤrdiger Nachkomme meines Geſchlechts, ich komme, dich zu warnen, dir zu rathen. Graf. Seliger Geiſt meines Ahn⸗ herrn Ottokars, laß erſt mich faſſen, mich erholen von dem Schrecken dei⸗ ner Erſcheinung.— Sage, was fuͤhrt dich zu mir, was befiehlſt du deinem Diiener? Ridogar. Du haſt eine Tochter Klotilde, und einen Edelknaben Kuno von Albeck? 8 Graf. Es iſt ſo, wie du ſagſt⸗ aber was iſt es mit dieſen? Ridogar. Beide lieben einane der; dem alten Geſchlechte der Grafen von Bruel droht Schmach und Ernie⸗ drigung. Graf. Iſt es moͤglich? Nimmer⸗— ¹ mmehr werde ich dieſe Verbindung zuge: ben. Aber was ratheſt du mir, ſält⸗ ger Geiſt? — 91— . 4 — 9 2— Ridogar. Nimmer kann aus dieſer Verbindung was werden, ſage auch ich. Der Frevler, der vermeſſen zu ſei⸗ nes Herrn Tochter die Augen aufſchlug, buͤße die Strafe ſeines Frevels im Burg⸗ verlies, im Kloſter bereue Klara die ſträfliche Neigung, die Entehrung ih⸗ res Geſchlechtes. Graf. Verzeihe maͤchtiger Geiſt, wenn ich einen Einwurf mache. Ridogar. Rede! Graf. Liebe iſt eine maͤchtige Lei⸗ denſchaft, deren Keim ſelbſt der All⸗ maͤchtige in der Menſchen Bruſt legte, keines vermag ihr zu widerſtreben. Ich kann nicht mit den beiden zuͤrnen, daß ſie ſich lieben, ſie folgten dem Drange ihrer Herzen; auch ich liebte ein Maͤdchen, weit unter meinem Stan⸗ de, es war ein armes Ritterfraͤulein, ich heurathete ſie und ſchlug die Hand von fuͤrſtlichen Jungfrauen aus, die ich haͤtte erhalten koͤnnen. 8 Nidogar. Du denkſt edel und brav, wuͤrdiger Sohn, nur pruͤfen wollte ich deine Denkart. Du willſt alſo die Verbindung billigen, willſt die Haͤnde der zwei Liebenden zuſammen⸗ legen? Graf. Das kann, das vermag ich dennoch nicht. Ich finde es nicht ſtrafbar, daß beide ſich lieben, weil die Macht dieſer Leidenſchaft ſich nichts gebieten laͤßt; aber ich kann meinem Geſchlechte nichts vergeben, ihre Verei⸗ nigung nicht geſtatten. Sie ſollen ſich trennen; ihrer Liebe entſagen lernen: Ridogar. Du widerſprichſt dir ſelbſt. Eben ſagteſt du, daß dieſe Lei⸗ denſchaft ſich nichts gebieten laſſe, und jezt verlangſt du, daß beide ihr entſa⸗ gen ſollen. Graf. Ich weis nicht, was ich thun ſoll. Strafbar ſind ſie nicht, Klotilde iſt mein eineiges Kind, ich. liebe ſie mit vaͤterlicher Zaͤrtlichkeit und erfuͤlle gern jeden ihrer Wuͤnſches .“ . Kuno von Albeck iſt ein edler Juͤng⸗ ling, tapfer und kuͤhn, aber von nie⸗ derem Adel; ich bin ihm Dankbarkeit 8 ſchuldig, denn einſt rettete er auf der — Jagd mein Leben, indem er einen Baͤ⸗ 3 ren erlegte, der eben mich zerfleiſchen wollte. Ridogar. Wie? er rettete dein Leben, und du willſt das ſeinige ihm rauben, denn ohne Klotildens Beſiz iſt dieſes ihm zur Laſt. Graf. Ich weis nicht wo ein, noch aus. Helfe, rathe du mir, erha⸗ bener Geiſt meines Ahnherrn, du wirſt nichts wollen, das meiner Ehre nach⸗ theilig iſt. RNidogar. Wohlan ſo hoͤre! Mor⸗ gen wird Klotilde dir dieſe Liebe ent⸗ decken, erlaube ihr ſodann Kuno zu lieben, aber ſage ihr auch, daß erſt 1. in zwei Jahren ihre Verbindung ſeyn d koͤnne. Kuno wird ſeinen Abſchied von dir fordern, um in Konrads Heere Dienſte zu nehmen, laſſe ihn ziehen, und beide haben einander nicht ve ſen, ſo lege getroſt ihre Haͤnde men, denn ihre Liebe iſt dann neh als Flatterſinn der Jugend. Willſt du es thun? 9 Graf. Ich ehre deinen Rath und 8 folge deinem Willen, maͤchtiger Geiſt. Er nehme es hin, mein Liebſtes, wenn er nach zwei Jahren treu zuruͤckkehrt. Ridogar. Heil dir, edler Sohn! der Segen des Himmels belohne dich. Er verſchwand und der Graf ſank auf ſein Kiſſen zuruͤck, indem er der wunderbaren Begebenheit nachdachte. Er liebte zaͤrtlich ſein einziges Kind,— und ſein Entſchluß war ihm deshalb auch nicht ſchwer geworden. Was Ri⸗ dogar geſagt hatte, geſchab. Am Mor⸗ 5 gen geſtand Klotilde thränend ihm ihre Liebe und der Graf handelte, wie er verſprochen hatte. Kuno eabielt feinen — 96— Freudetrunken fielen diez Gluͤcklichen dem Grafen zu Fuͤßen und ergoſſen ſich in dankbaren Aeußerungen; doch auch der wohlthaͤtige Geiſt Ottokars wurde von ihnen nicht vergeſſen. Der Tag des Turniers erſchien und mit ihm noch eine Menge Ritter, die demſelben anwohnen wollten. Der Graf lies auſſerhalb des Schloſ⸗ ſes auf einem freien Platze Schranken aufrichten, beſtimmte die Kampfrichter und Kreiswaͤrtel, und legte die Preiſe fuͤr die beſten Kaͤmpfer zurecht, die ſeine Tochter Klotilde austheilen ſollte. Eine erhohte Tribune war fuͤr den Grafen, ſeine Tochter und einige an⸗ dere Frauen und Jungfrauen errichtet, die gekommen waren, dem Turnier bei⸗ zuwohnen. 4 Schon in der Fruͤhe hatte man dem Fraͤulein die Gluͤckwuͤnſche darge⸗ bracht, bis endlich das erſte Zeichen den Anfang des Turniers kund machte. Jezt ließen ſich die Ritter waffnen und 33 „ — 927— die Zuſchauer beſtiegen ihre Size. Ne⸗ ben Klotilden lagen die Preiſe. Der erſte Sieger in Lanze und Schwerdt erhielt einen ſilbernen Helm, der zweite ein köͤſtliches Wehrgehaͤnge mit Gold durchwirkt, und der dritte ein Schwerdt mit einem koſtbaren Griffe. Jezt klangen die Trompeten zum Zeichen des Angriffs. Zwei ruͤſtige Kaͤmpfer, Sieger in manchem Turniere, ſprengten in die Schranken, Arnulph von Windeck der eine, Werno von Steinen der andere. Ungeduldig ſtampften ihre wiehernden Streithengſte den Boden, jezt legten beide die Lanzen ein und rannten ge⸗ gen einander, aber kraftlos zerſplitter⸗ ten die Speere, die beide mit der Bruſt auffiengen. Ihre Diener reichten ihnen neue Lanzen. Jezt faßte der ſtarke Arnulph ſeinen Gegner mit aller Macht, und hob ihn gluͤklich ans dem Sattel, während die Lanze jenes durch eine kleine Wendung an ihm vorbeiglitt. — 98— Trompeten und Pauken und lautes Inbelgeſchrei begruͤßte den Sieger. Win⸗ fried von Tanneberg ſtellte ſich jezt zum Kampf, aber im erſten Rennen ſchon flog er weit in den Sand; nicht beſſer ergieng es Otto von Nabeneck, Werner von Stade, Alarich von Schre⸗ ckenſtein; alle wurden von Arnulphs ſtarker Fauſt in den Sand gerannt; da ſprengte Ridogar vor. Er ſtritt nicht mit uͤbernatuͤrlichen Kraͤften, hatte es auch nicht nothig, denn ſchon unter Konrads Heere galt er fuͤr den tapfer⸗ ſten und ſtaͤrkſten Kaͤmpfer, keiner hatte ihn noch in Schimpf oder Ernſt aus dem Sattel gehoben. Stolz auf ſeinen Sieg ſtellte Arnulph ſich ihm entgegen, doch ſchon im erſten Gange ſchleuderte Ridogars gewaltiger Lanzenſtoß ihn weit in den Sand. Ein tobendes Beifallsgeſchrei belohn⸗ e den Sieger; mehrere ſtellten ſich ihm nun entgegen, aber keiner konnte ihm 4 Stand halten. Endlich ſprengte Ott⸗ 8 4 mar von Rieſenſtein, ein ſchwaͤbiſcher Ritter, in die Schranken, ein tapferer 4. und gefuͤrchteter Kaͤmpe unter der. deutſchen Ritterſchaft, doch auch mußte Ridogars gewaltigem Arme wei⸗ chen. Vorbei war jezt das Lanzenrennen, denn keiner ritt mehr in die Schran⸗ ken; und die Ritter griffen zu ihren Turnierſchwerdtern, doch auch hier wider⸗ ſtand keiner Ridogars maͤchtigen Strei⸗ chen; nur zwiſchen ihm ünd Dedo von Schreckenbach, einem ſaͤchſiſchen Ritter, ſchwankte der Sieg kurze Zeit. Wa⸗ cker zerhakten ſich beide die Schienen ihrer Nuͤſtungen, doch Ridogar blieb Sieger. Die Kreiswaͤrtel verkuͤndeten jezt des Turniers Ende, und die Kampf⸗ richter beſtimmten die Preiſe. Nach ihrem Spruche erhielt Ritter Ridogar von Steineberg den erſten Preis in Schwerdt und Lanze, Ritter Arnulph von Windect den Pweiten Preis de — 100— ckenbach den dritten Preis des Schwerd⸗ tes. Das Volk zerſtreute ſich, die Da⸗ men und Ritter kehrten ins Schloß zuruͤck, und leztere vertauſchten jezt die ſchweren Ruͤſtungen gegen das leich⸗ tere Wamms. Ein froͤhliches Banket beſchloß des Tages Feyer und Ridogar, der erſte Sieger, tanzte den erſten Reihen mit Fraͤulein Klotilde. Am andern Morgen beurlaubte ſich der groͤßte Theil der Ritter, und auch Ridogar zog von dannen. Ehe wir Ridogars fernere Thaten beſchreiben, geben wir unſern Leſern ſal der beiden Liebenden, Kuno und Klotilde. 3 Der Graf hatte Kuno die Exlaub⸗ woir wiſſen, nach zweijaͤhriger Abwe⸗ ſenheit und erprobter Treue ihm Klo⸗ noch kurze Nachricht von dem Schick⸗ niß zu ſeiner Abreiſe ertheilt, und wie tildens Hand zugeſagt. Tapfer hatte manchen Lorbeer ſich errungen, da ließ Kuno unter Konrads Heere geſtritten, ihn einſt der Zufall Konraden ſelbſt das Leben retten. Der dankbare Fuͤrſt, bereits zum deutſchen Kaiſer erwaͤhlt, belohnte Kuno nach Verdienſt. Er er⸗ hob ſeinen Retter in den Grafenſtand und gab ihm die erledigte Grafſchaft Dreifelden zum Lehen. Jezt kehrte Kuno voll freudiger Hoff⸗ nung nach Bruel zuruͤck, und ſegnend legte der alte Graf ihre Haͤnde in einn: ander, denn nicht Zeit, nicht Tren nung hatte ihre Liebe erkaltet. Ridogar hatte mit ſeinen Knech die Heerſtraße nach Koblenz eingeſe gen. Er fuͤhlte bald das Laͤſtige ſein Begleitung, die ihn hinderte, manch mal ſo ſchnell zu zirhen, Macht ihm erlaubte. — 102— muthungen geben. Er beſchloß, len Diener zu verabſchieden, denn ihm fie ein daß erja aus der Zahl der ihm efit baren Geiſter ſeine Begleitung waͤhlen, ſolche nach Gefallen entlaſſen oder for⸗ dern köoͤnne. Reichlich beſchenkt ließ er daher in Koblenz ſeine Knechte ziehen. Traurig ſchieden ſie von ihm, denn ſie liebten ihn, bei dem ſie es ſtets gut gehabt hatten. Ridogar wollte es in Koblenz nicht ſonderlich behagen; kein Stoff zu Tha⸗ ten bot ſich ihm hier dar, und mißmuthig trabte er nach ein paar Tagen zum Thor hinaus. Zwoͤlf der ihm dienſtba⸗ ren Geiſter erkor er zu ſeiner Beglei⸗ ug und alsbald trabten die Geru⸗ fenen ausgeruͤſtet auf munteren Noſſen hinter ihm her. zueſt Willens war, ſondern nach Koͤln, Ridogar hatte ſeinen Entſchluß ge⸗ andert; nicht nach Wuͤrzburg, wie er diefer uralten Kaiſerſtadt, burans zu ziehen. 5 Am Geſtade des maͤchtigen Nhene ſezte er langſam ſeinen Weg fort, da zog eine Burg auf einem ſteilen Felſen, 4 die faſt bis in die Wolken das graue Haupt erhob, ſeine Aufmerkſamkeit auf ſich. Ridogar befragte einen der Knechte nach dem Namen der Burg, und er⸗ fuhr, daß ſie die Sternenburg genannt und von einem maͤchtigen Raubgrafen bewohnt werde, der weit umher das Schrecken der Ritter und die Furcht der Kaufleute ſey, von denen keiner unberaubt vorbeiziehen konnte. E ſey ein wilder roher Mann, dabei ein ta⸗ pferer ſtarker Kaͤmpe, der es mit Je⸗ dem in Schimpf und Ernſt aufnehme 3 „— ¹0— war noch unbeweibt. 1 Trozig auf ſäine Mach 104— hauenen Pfad gelangen konnte, ver⸗ uͤbte er die ſchaͤndlichſten Thaten. Er raubte die Töchter der Ritter umher, die er zu Opfern ſeiner Luͤſte machte und nicht ſelten mit empoͤrendem Hohne entehrt ihren Vaͤtern wieder zuſchikte. Oft ließ er diejenigen, die ſich ihm wi⸗ derſezten, ſich ihm nicht gutwillig uͤber⸗ ließen, im Burgverließ ſchmachten, und 8 raubte am Ende den Armen doch mit Gewalt, was er freiwillig nicht erhielt. Manche, welche die Mittel dazu hatten, entriß durch einen freiwilligen Tod ihr Leben der bedrohten Schande und ſchon mehrere dieſer Selbſtmorde laſteten auf dem Gewiſſen des Ruchloſen. Viele Ritter hatten ſich untereinan⸗ ausgezogen; aber da verſchloß er ſich in ſeine Burg und ſpottete auf ihren unerſteiglichen Mauern der fruchtloſen Belagerung. So war ſchon mehrmals das Heer der verbunden, und waren gegen ihn der Ritter unverrichteter Sache abge, ſeit langer Zeit einen Weg auf — 105— zogen und der Raubgraf trieb ut ge ſtoͤrt ſein Weſen fort, aber in Rido gar nahte ſein Richter, der Rächer der Tugend, die der Ruchloſe verhoͤhnte. Ridogar entbrannte in Zorn geg8en den Schaͤndlichen, ihn zu ſtrafen fuͤr ſeine Frevelthaten war ſein feſter Vor⸗ ſaz. Noch war er uͤber die Art und Weiſe nicht einig, da gewahrte er ei⸗ nen einzelnen Ritter, der ſpaͤhend die Sternenburg betrachtete. Ridogar ſprengte auf ihn zu, und 4 befragte ihn um die Urſache ſeines For. ſchens. Ritter. Vergebens ſuche ich ſcon Burg, aber fruchtlos blieb mein 8 muͤhen, unerſteiglich dieſer Felſen und troſtlos muß ich meine Kuniaunde den uͤberlaſſen. Ridogar. Eure Kuni ihr? Ihr ſeyd noch jung, eure Geliebte?— — 106— Nitter. Meine Braut! ſie waͤre bald mein Weib geworden, da ent⸗ fuͤhrte der Raubgraf ſie aus der Burg ihres Vaters, den er mit gewaffneter Hand aber fiel. Ridogar. Schaͤndlich! und wie lange ſchon haͤlt er die Arme gefan⸗ gen? Ritter. Schon ſind es beinahe zwei Monden. Ihr wißt nicht, Ritter, was mein Herz leidet. O wir liebten uns ſo innig, freuten uns ſo ſehr, durch Prieſterhand bald auf ewig ver⸗ bunden zu werden, und wurden ſo ſchreck⸗ lich herabgeſtuͤrzt von dem Gipfel: un⸗ ſers Gluͤckes. Ridogar. Fuͤrwahr, ihr dauert mich. Habt ihr denn nichts verſucht, die Arme dem Schaͤndlichen zu entrei⸗ 1 ßen 2 3 Nitter. Alles ſchon, aber verge⸗ 5 bens. Viele der umliegenden Ritter, geruͤhrt von meinem Jammer, vom Kum⸗ mer des alten Kuno, Kunigundens Va⸗ — e⸗— —— — 107— 8 ters, und zum Theil von eigner Rach gierde getrieben, verbanden ſich geg3en den Raubgrafen, aber unmoͤglich iſt es, ſeine Burg zu erſtuͤrmen, Hunderte ſchon buͤßten ihre Tapferkeit mit dem Leben und der Wuͤtherich ſpottete hohn⸗ lachend unſerer Anſtrengungen. Ridogar. Wie nennt Ihr euch? Ritter. Werner von Bonſtett.. Ridogar. Ritter Werner von Bonſtett ſchwoͤrt mir bei Ritterwort und Ehre, zu ſchweigen gegen Jeder⸗ mann uͤber das, was Ihr von mir ſe⸗ het, ſo verſpreche ich, Eure Kunigunde euch wieder zu ſchaffen. Mein Herz iſt empoͤrt gegen den Ruchloſen; er foll erfahren, daß in mir ſein Richter naht. Ritter. Wie! ihr koͤnntet!— un⸗ moͤglich! was Hunderten nicht ausfuͤhr⸗ bar war, ſolltet Ihr allein— 22 Ridogar. Zweifelt nicht; die Liſt des Einzelnen vermag oft mehr, ſte führt oft groͤßere Dinge aus, als ſelbſt vereinigte Kraft von Hunderten. — 4106— Schwoͤrt mir, was ich verlangte, und— Euch ſoll Huͤlfe werden. Ritter. Ich ſchwoͤre es, bei Rit⸗ 3 terwort und Ehre.„. † Ridogar. Und ich gelobe euch die Rettung Eurer Kunigunde. Ritter. Wenn ihr das vermöch⸗ tet, Gott, wie koͤnnte ich die Freude ertragen! Aber, ha, wenn ſie— ich mag es nicht denken, nicht nennen— wenn ſie von dem Ruchloſen entehrt, mit gewaltſamer Hand geſchaͤndet, hei⸗ liger Gott, meine Kunigunde entehrt, naein ich ertruͤge es nicht!— Ha dann ſoll die gluͤhendſte Rache den Raͤuber ihrer Ehre treffen, dann ſchwoͤre ich— Ridogar. Schwoͤrt nicht! zu retten und zu raͤchen ſey mein Geſchaͤft. Ritter. Ich weiche Euch, dem Retter meiner Kunigunde. Wiſſet, reif zur Rache iſt jener Boͤſewicht, denn hoͤrt, was erſt vor wenigen Tagen graßliches durch ihn geſchahe. Der Naubgraf uͤberfiel mit ſeinen Knechten . -9——— — 4709— 8 einen alten Rilter, der eine ſehr ſchö⸗ ne, tugendſame Tochter hatte; e ſchleppte beide, Vater und dosnie aas 7 ſeine Burg und hier ſezte er die Ehre der Tochter als Preis fuͤr des alten Vaters Freiheit und Leben. Nichts half ihr Jammern und Wehklagen, nichts die Bitten des alten gebeugten Vaters. Mit teufliſcher Kaͤlte ließ er den Alten zur Schlachtbank fuͤhren und ſchleppte die Tochter zum graͤßli⸗ chen Schauſpiel; ſchon beugte der alte Vater den Nacken, der Henker hob das Beil; da ertrug die kindliche Liebe es nicht laͤnger. Haltet ein, rief ſie, ic willige in Alles. Troz ſeines Schwurs, um dieſen Preis nicht leben zu wollen wurde der Alte ins Gefaͤngniß zuruͤck gefuͤhrt und der Raubgraf ſchwelgte † eine Nacht in Mathildens lebloſen Ar⸗ men; denn ſie war nicht: viel mehr a eine Leiche. — 410— auf ihn zu. Aber der Vater wandte ſein Haupt,„fort Entehrte“, rief er bitter,„ich habe keine Tochter mehr; fort Schaͤndliche, mit deiner Ehre will ich mein Leben nicht erkauft haben 59 und damit entriß er einem Reiſigen den Dolch und ſtieß ihn ſich in die B uſt.— Mathilde ſah es, ſchrie laut auf und ihr Verſtand verwirrte ſich. „Vater ich folge dir“ rief ſie mit irren ¹ cooelenden Augen und aufgeloͤßtem flat⸗ eernden Haare und ſchneller als man ihr folgen konnte, rannte ſie zur Mau⸗ und ſtuͤrzte ſich in die fuͤrchterliche Tiefe hinab.. Nidogar. Schrecklich, entſezlich! Ihr habt Recht, das Maas ſeiner Suͤn⸗ den iſt voll. Harrt hier bei meinen Knechten; ich eile auf die Burg, viel⸗ leicht gelingt es mir, Auskunft uͤber Kunigundens Schikſal zu erhalten. Ritter. Huͤtet euch, daß Ihr uch nicht verrathet, ihr wuͤrdet nim⸗ 5 gen! ich gebiete es. — 111— mermehr das Licht des Tages dann er⸗ blicken. Ridogar. Sorgt nicht! doch halt— mir faͤllt bei— ich kann noch auf eine weit leichtere Weiſe Erkundie gung einziehen. Ridogars maͤchtiger Stab rief nun Satan, in ehrbarer Geſtalt, herbei und er befragte den Gerufenen um Ku⸗ nigundens Schickſal. In ſtummem Staunen betrachtete Werner den Fremden, der in alter rit⸗ terlicher Tracht ſo ploͤzlich vor ihnen ſtand und von dem er Kunigundens Geſchik erfahren ſollte; doch ungeſtuͤme Neugier nach Beantwortung von Rido-—— dars Frage verdraͤngte vors Erſte jede weitere Uiberlegung und haſtig wand er ſich gegen den Geiſt der Unterwelt. Geiſt. Sie lebt. Ritter. Gott ſey Dank.— Aber wie geht es ihr: Ridogar. Beantworte fane — 112— Geiſt. Im unterſten Burgverließ ſchmachtet ſie ſeit einem Monde bei kaͤrglicher Koſt. Im Umgang mit an⸗ dern Dirnen hatte der Raubgraf ſie beinahe ſchon vergeſſen, da leitete ich ſeine Gedanken wieder auf die Gefan⸗ gene hin. Er ließ ſie vor ſich fuͤhren. Kummer hatte ihre Wangen gebleicht und der feurige Blick ihres Auges war verſchwunden, aber immer noch lag pohe Schoͤnheit in ihren Zuͤgen und feine Begierde bis zur hoͤchſten Leiden⸗ ſchaftlichkeit an und er rief ein paar fiegie und— ha, ha, ha! itter Werner hatte in furchtbarer Spanuung zugehört, jezt üͤbermannte voll und reizend war der Bau ihres ſtarken Koͤrpers. Mit Abſcheu verwarf ſie des Grafen Antraͤge, doch ich fachte Knechte, welche die Jammernde ergrif⸗ fon und auf das Lotterbettlein ſchlepp⸗ ſie ſchrie, ſie biß, ſie krazte in der hoͤchſten Angſt, aber die Gewalt bn die Wuth; er dachte nicht daran, — 41135— wen er vor ſith haben koͤnne;„fahr zur Hoͤlle, Verruchter, rief er wuͤthend und fuͤhrte einen ſchreklichen Hieb nach dem Haupte des Fremden; aber ſein Schwerdt fuhr durch denſelben, wie einen Schatten hindurch, und grub ſich tief in den Boden hinein. Starres Entſezen bemaͤchtigte ſich des Ritters, ſein Haar ſtraͤubte ſich empor, Satan ſtieß ein hoͤlliſches Gelaͤchter hervor, aber Ridogars Stab ſchloß ſeinen Mund. Ridogar. Hinterliſtiger, verwor⸗ fener Geiſt, ich ahnde deine Tuͤcke, ſprich aus, wurde Kunigunde entehrt? Geiſt. O daß ich dir Wahrheit zu geſtehen, gezwungen bin.— Nein! im nemlichen Momente ertoͤnte das Horn des Thurmwaͤchters. Die Veſte war von Feinden, Werners Verbuͤnde⸗ ten, umringt. Kunigunde wurde in ihr Gefaͤngniß zuruͤckgefuͤhrt und ſchmach⸗ tet noch dort, denn der Naubgraf, als die Burg von den Feinden wieder verlaſſen war, ſah bei einem Streif⸗ — 114— zug die ſchoͤne Mathilde. Ich leitete ſeine Handlungen, er raubte ſie und den Vater, der Selbſtmord beider iſt Folge meines Werkes, aber ſie la⸗ ſten auf des Raubgrafen Seele, der der Hoͤlle immer wuͤrdiger wird. Ridogar. Ha! Verworfener! Mathildens Selbſtmord iſt dein Werk?— Wohlan, ſo buͤße fuͤr deine That im unterſten Pfuhl der Hölle und mit Marterqualen brenne dieſer Frevel in dir. Ridogar beruͤhrte ihn mit dem Sta⸗ be. Satan ſtieß ein fuͤrchterliches Ge⸗ heule aus, Wuth flammte in ſeinen Augen, die Faͤuſte ballten ſich und Flammen ſpruͤhten aus ſeinem Mun⸗ de.— Entſezt prallte Ritter Werner zuruͤck.— Da oͤffnete ſich donnernd der Boden und Satan ſtuͤrzte ſich hinab in den Pfuhl der Hoͤlle, in welchen das Urtheil Ridogars, des Beherr⸗ ſchers der Unterwelt, ihn ſtieß. — 115— Ritter Werner erholte ſich von ſei⸗ nem Staunen, aber eine gewiſſe Scheu hielt ihn von Ridogars Naͤhe zuruͤck. „Wer ſeyd Ihr, Maͤchtiger, dem der Oberſte der Teufel, dem Satan ſelbſt unterworfen zu ſeyn ſcheint? Seyd ihr ein guter Geiſt, ſo lege ich ver⸗ trauungsvoll Kunigundens Schikſal in eure maͤchtigen Haͤnde“ ſagte er zu Ridogar der laͤchelnd ſeiner Beſtuͤr⸗ zung zuſah.„Ich bin weder ein guter, noch ein boͤſer Geiſt, ſondern ein We⸗ ſen wie ihr, ein Menſch wie ihr, deſſen Zweck iſt, Gutes auf Erden zu ſtiften und die Wirkungen der Liſt des Boͤſen zu hemmen. Was zu meiner Macht mich erhob, bleibt euch verbor⸗ gen; auch erinnre ich euch an euer Wort— zu ſchweigen, was ihr auch mich handeln ſeht. Ritter. Ich vertraue Such unbe⸗* dingt. Was vermoͤchte ich Aermſter gegen eure Macht, wenn Ihr auch Bod⸗ ſes gegen mich in Schilde fuͤhren ſolltet Ridogar. Befuͤrchtet nichts.— Folgt mir nun getroſt auf das Raub⸗ neſt, zu Kunigunden, die troſtlos ih⸗ rer Befreiung entgegenſchmachtet. Freudig folgte ihm nun der gluͤck— liche Werner. Sie gelangten vor das Thor und vor Ridogars gewaltigem Griffe ſprang Schloß und Riegel. Staunend ſah Werner, daß keiner der Knechte Miene machte, ſie aufzu⸗ halten, dieſe ſie gar nicht zu bemerken ſchienen. Er hatte ſchon vorher die Knappen Ridogars ploͤzlich verſchwin⸗ ddeen ſehen, und er urtheilte nun ganz richtig, daß ſein Retter uͤbernatuͤrliche Macht beſizen muͤſſe. Ridogar fuͤhrte Werner nach Kuni⸗ gundes Gefaͤngniß. Auf moderndem Strohlager fanden ſie die Aermſte, mit ſparſamen Lumpen bedeckt. Da lag ſie, bleich, abgezehrt, ſonſt die Zierde ihres Geſchlechts, in die linke hohle Hand atte ſie das Haupt geſtuͤzt und nach⸗ † — — 8 1 —— — 117— laͤſſig ruhte die rechte in ihrem Schooſe. Sie ſchlief. Bebend vor Rachgefuͤhll gegen den Peiniger ſeiner Kunigunde ſtand Werner vor ihr, ſeine Bruſt hob ſich gewaltſam.„Arme Kunigunde, ſo finde ich dich wieder“ ſprach er leiſe, ſie nicht zu ſtoͤren in einem vielleicht langerſehnten Schlummer, und knirr⸗ ſchend wandte er ſich zu Ridogar:„Kaum kenne ich ſie noch, ſo ſehr hat Kummer ſie entſtellt. O moͤge den Ruchloſen eure ganze Rache treffen!““ Ridogar beruhigte ihn. Er weckte Kunigunde; ſie erſchrack, zwei Fremde vor ſich zu ſehen, doch ſie erkannte ih⸗ ren Werner und warf ſich freudetrun⸗ ken in ſeine Arme. Werner entdeckte der Frohen nun alles, und vom Gefuͤhl der Rettung tief ergriffen, ſtuͤrzte ſie auf die Knie und dankte dem Allmaͤch⸗ tigen und ihrem Retter. „Kommt’ ſprach Ridogar ſichtbar will ich euch aus dieſen Mauern fuͤh⸗ ren, fuͤrchtet nichts, was ihr auch ſe⸗ — 118— hen werdet, denn ihr ſollt Zeuge ſeyn, wie ich den Ruchloſen ſtrafe.“ Er ergriff Kunigunden mit der einen, Wer⸗ ner mit der andern Hand und fuͤhrte ſie aus dem Gef angniſſe. Als im Hofraum ſie die Knechte ge⸗ wahrten, ſtanden ſie betroffen ſtill, aber„Verraͤtherei!“ riefen ſie laut, ſich faſſend und bald fuͤllte ſich der Plaz mit Bewaffneten, den Fluͤchtigen den Ausgang zu verſperren. Kunigun⸗ de bebte, Werner zog ſein Schwerdt, und Ridogar zum Scheine auch feinige. Da ſtuͤrzte der Raubgraf her⸗ bei.„Haut ſie nieder“ bruͤllte er, und hundert Schwerdter blizten. Aber Ri⸗ dogar ſchwang den Herrſcherſtab und machtlos fielen die Streiche, ohne ſie zu kreffen, die abgeſchoſſenen Pfeile ſanken ohne Kraft zu ibren Fuͤßen nie⸗ der. Keiner der Knechte, ſelbſt der Nanb⸗ nicht, bemerkten dieſes. Waker graf 1. eben alle zu, und wunderten ſich „»— 119— höchlichſt, daß zwei einzelne Ritter ſich gegen uͤberlegene Macht ſo zu verthei— digen in Stande ſeyn koͤnnten. Doch dem Raubgrafen dauerte das Spiel zu lange.„Höoͤlle und Teufel ihr Memmen, koͤnnt ihr nicht Meiſter werden?“ rief er donnernd und fuͤhrte einen fuͤrchterlichen Hieb auf Ridogar. Schneller als dieſer treffen konnte, umfaßte Ridogar ſeine zwei Schuͤzlinge und ſchwang ſich mit ihnen in die Luft, wo kein Schwerdtſtreich und kein Pfeil ſie mehr erreichte. Entſezt prallte der Graf zuruͤck und die Knechte erſtarrten; da ertoͤnte Ri⸗ dogars Donnerſtimme aus der Hoͤhe: „Dein Maas iſt voll, ruchloſer Raͤu⸗ ber und Moͤrder, der Raͤcher der Un⸗ ſchuld naht und ſiehe ſo ſtraft er das Laſter.“ Ridogar ſchwang den furchtbaren Stab.„Stuͤrzet zuſammen ihr Man⸗ ern, oͤffnet euch ihr Felſen und ver⸗ ſchlingt dieſen Wohnßz des Laſters, — 120— doch unverſehrt bleiben deſſen Bewoh⸗ ner.“ Da erhob ſich ein donnerndes Ge⸗ krache, die Mauern wankten; entſezt draͤngten ſich die Knechte in einem Knaͤuel zuſammen und der Ranbgraf bebte. Jezt ſtuͤrzten die Mauern, der Boden fpaltete ſich und mit fuͤrchterlichem Ge⸗ toͤſe verſanken die Reſte der Burg. Der Felſen ſchloß ſich und ſtaunend ſahen ſich der Naubgraf und die Knech⸗ te auf dem kahlen Gipfel des uner⸗ eilichen Berges unverſehrt ſtehen. NRitddogar ſenkte nun ſich und ſeine Gefährten auf die Erde herab. Er ſlegte die zagende Kunigunde ſanft in Werners Arme und trat dann in ma⸗ jeſtaͤtiſchem Schritte gegen den Raub⸗ grafen vor, der erblaßt ihm gegenuͤber ſtand:„Ruchloſer“ redete er ihn an hinauf bis zum Throne des Allmaͤch⸗ tigen ſchreien deine Unthaten, ſchwe⸗ rer Fluch laſtet auf deinem Haupte und dennoch ſchließt hartnaͤckig dein — 121— Herz der Reue ſich. Ich gab dir Pro⸗ ben meiner Macht, zerſtoͤrt iſt dein Wohnſiz, der Aufenthalt und Schau⸗ plaz greller Laſter und leicht waͤre es mir geweſen, auch dich und deine Brut zu zernichten; aber ich will euch nicht verderben, euch nicht durch ſchnellen Tod zum gewiſſen Eigenthum der Hoͤlle machen; nein! noch bleibe euch ein Weg zur Beſſerung und Buße offen.“ „Taͤuſchung der Hoͤlle!“ rief der Raubgraf; ich troze deiner Macht, prahleriſcher Schurke, laß ſehen, was dein Gaukelſpiel gegen mein Schwerdt vermag.“ ſ Mit dieſen Worten fuͤhrte er raſch einen entſezlichen Hieb gegen Ridogar, doch beruͤhrt von deſſen maͤchtigem Sta⸗ be ſank der aufgehobene Arm erſchlafft herab, und der Raubgraf ſtuͤrzte tau⸗ melnd zu Boden. 3 Entſezt wichen die Knechte zuruͤck und keiner wagte es, gegen den furcht⸗ baren Furſten der Hölle ſich zu ſtellen. 4 — 122— Ridogar ergriff den Herrſcherſtab. „Hoͤrt mein Urtheil“ rief er den Knech⸗ ten zu, dieſen Felſen beſtimme ich zu eurem Aufenthalte, keinem unter euch ſei vergoͤnnt ihn baͤlder zu verlaſſen, als bis er ſeine vorige Verbrechen aufrichtig bereut hat, und wahrer Ernſt zur Beſſerung ſich in ihm regt. Dann erſt ſey es ihm erlaubt diefen Felſen zu verlaſſen, hin zu ziehen, wo er will. Unſichtbare Haͤnde werden jeden Tag euch Speiſe reichen, doch keiner hoffe, durch Verſchmaͤhung derſelben ſein Leben ſelbſt zu enden; unſichtbare Macht wird ſein Leben erhalten. Und ſo verwahre ich dieſen Felſen gegen jeden Angriff,„fuhr er fort, indem er mit dem Stabe den Boden beruͤhrte„kein menſchliches We⸗ ſen ſey ihn zu erſteigen im Stande, und keine menſchliche Kraft bahne ſich einen Weg zu ſeinen Bewohnern, ſo⸗ ſpricht Ridogar, der Fuͤrſt der Hölle!“ Er trat nun wieder zu Werner und Kunigunde„umfaßte beide und mit Bli⸗ — 125— zesſchnelle ſchwand er mit ihnen hinun⸗ ter ins Thal. Sanft ließ er ſie auf den Boden nieder, ergriff ihre Hande und legte ſie in einander;„liebt euch und ſeyd gluͤck⸗ lich“ ſagte er und verſchwand plözlich, ehe die Geretteten ihm ihren Dank zu⸗ rufen konnten. Traurig blickten ſie auf die Stelle, wo er verſchwunden war, es that den Guten wehe, ihrem Gefuͤhle nicht mit Dankergieſungen Luft machen zu koͤnnen; doch endlich beruhigten ſie ſich.—„Er wird gewiß in unſern Her⸗ zen leſen koͤnnen, wenn er auch entfernt von uns, jezt andern vielleicht Gutes er⸗ zeigt“ ſprachen ſie; und Werner geleiteke ſeine Kunigunde wieder zu ihrem Vater, der ſie mit froher Uiberraſchung empfing und geruͤhrt dem Retter ſeines Kindes eine dankbare Thraͤne zollte.— Bald vereinigte ein feſtes Band die beiden Liebenden, ſie lebten zufrieden und gluͤk⸗ lich mit einander, und nimmer verge⸗ ßen ſie ihren maͤchtigen Retter. — 124— Wir kehren jezt einen Augenblick zu dem Raubgrafen zuruͤck. Er hatte Ri⸗ dogars Richterworte vernommen, aber der entnervende Schlag von Ridogars Stab ihn unfaͤhig zu jeder Aeußerung gemacht. Als Nidogar verſchwunden war, wich die Lahmung, er ſprang auf und ſtieß graͤßliche Fluͤche und Verwuͤn⸗ ſchungen gegen ſeine Knechte aus, daß ſie nicht alle uͤber den Gaukler herge⸗ fallen waͤren, und hieß ſie feige Mem⸗ men.* Das ſind wir nicht„entgegnete ein alter Knecht, ſendet uns gegen Men⸗ ſchen und ihr ſollt ſehen was unſer em vermag, doch gegen uͤbernatuͤrli⸗ che Macht, gegen Geiſter vermögen wir icht zu kaͤmpfen. Graf.„Ha, großer Prahler“⸗ „warſt du es nicht, der in der lezten Fehde zuerſt Reiß aus nahm, und den Flamberg ſenkte“?— Knecht. Ja ich war es, doch bei Gott, nicht aus Mangel an Muth, ſon⸗ — 125— dern weil ich muͤde war, in ungerechter Fehde zu kaͤmpfen, weil ich es ſatt hatte, eure Freveithaten fernerhin meinen Arm zu leihen. Graf. l(wuͤthend. Holle, Tod und nur das? fahr zur Hoͤlle, Teufel, zu ſa⸗ Schurke, der du mir ſo etwas gen wagſt. Der Graf fuͤhrte einen graͤßlichen Hieb nach dem Knechte, doch ſieh— welches Wunder!— ohne deſſen Haupt zu beruͤhren, zerſplitterte die Klinge des Grafen uͤber dem Kopfe des Be⸗ drohten. „Gott ſieht meine Reue und iſt mit mir, ihm will ich mein ferneres Leben weihen“ rief der Knecht und faltete an⸗ daͤchtig die Haͤnde. Der Graf knirrſchte vor Wuth, aber er fuͤhlte ſeine Onmacht, und er⸗ kannte hoͤhere Schuͤtzer. „Lebt wohl Kameraden, rief der alte Knecht, ich ziehe meines Weges. — 126— Mit dieſen Worten wandte er ſich ei— lends gegen den engen Pfad. Nichts hielt ihn auf und wohlbehalten langte er in die Ebene. Hier fand er eben Ritter Werner und Kunigunde im Be⸗ griff ihren Ruͤckweg anzutreten. Er er⸗ zihlte ſein Abentheuer und Ritter Wer⸗ ner trug kein Bedenken, ihn in ſeinen Dienſt zu nehmen. Als der Graf den Knecht ungehin⸗ dert fortziehen ſah, rief er laut„Auf, was zoͤgern wir, dieſem zu folgen; ſeht, keine Mauer, kein Graben hemmt unſre Schritte, auf, laßt uns eilig dieſen Ort verlaſſen.“ Er eilte dem Ausgang zu und die Knechte folgten ihm; aber kaum hatten ſie den Fuß gehoben, den Weg hinab zu betreten, ſo erhob ſich ein fuͤrchter⸗ licher Sturmwind, der mit uͤberna⸗ kuͤrlicher Kraft ſie wieder zurückſchleu⸗ derte. Vergebens tobte und wuͤthete der Graf, jeder weitere Verſuch miß⸗ lang, und alle fingen endlich an einzu⸗ — 127— ſehen, daß ſie entweder bereuen und Buſe thun, oder ihr Leben auf dieſem Felſen beſchließen muͤſſen. Die Ein⸗ ſamkeit wekte bei manchem das ſchla⸗ fende Gewiſſen, ſie bereuten ihr vor⸗ heriges Leben und gelobten ein beſſe⸗ res, und ſiehe— kein Sturmwind ver⸗ wehrte ihnen bei neuen Verſuchen den Ausgang— Nach wenigen Jahren wa⸗ ren nur 6 Knechte und der Graf oben. Es waren die verſtokteſten von jeher geweſen und keine wahre Reue ſchien mehr bei ihnen moͤglich. Sie blieben oben bis an ihren Tod, der in weni⸗ gen Jahren ſie erloͤßte. Ridogar war, wie wir wiſſen, den Augen Werners und Kunigundens ploͤz⸗ lich entſchwunden. Er wollte ihren Dank nicht abwarten, und ehe jene von dem erſten Erſtaunen ſich erholten, ſtand er ſchon in der Tracht eines al⸗ ten Minneſaͤngers vor Köllus ſtattli⸗ chen Thoren. Ohne Anſtand wurde er azziaſen; — 126— uͤberall war damals der Saͤnger will⸗ kommen und freier Zutritt ward ihm gern geſtattet, wo er ſich hinwandte. Nachdenkend, die Harfe in der Hand, durchzog er eines Tages die Straßen, als ein ſtarker Volksauflauf ihn auf⸗ merkſam machte. Er draͤngte ſich hin⸗ zu und fragte einen ehrbaren Buͤrger, was es gebe, Mein lieber Meiſter erwiederte die⸗ ſer, jene Dirne in der Mitte der bi⸗ ſchöfflichen Reiſigen iſt die Tochter Ritter Konrads von Ilmen; man fand vor einiger Zeit ihren Vater, als er eben vom Imbis kam, todt in ſeinem Gemache und es iſt kein Zweifcl, daß er vergiftet worden iſt; der Bru⸗ der des Gemordeten klagte nun die Tochter dieſer Frevelthat an, obgleich zedermann uͤberzeugt ſeyn mag, daß das Fraͤulein unſchuldig und der Bru⸗ der ſel bſt, der den Gemordeten immer Haßie der häͤter iſt. — 129— Sie ſoll nunmehr, da ſie keinen Beweis ihrer Unſchuld beibringen konn⸗ te, nach dem Urtheile des Erzbiſchoffs Ernſt die Feuerprobe beſtehen. Aber, lieber Himmel, wie moͤgen ſolch zarte Haͤnde das gluͤhende Eiſen faſſen koͤn⸗ nen; und beſteht ſie dieſe Probe nicht ſo ſoll ſie fuͤr ſchuldig gehalten und durch das Schwerdt des Henkers hin⸗ gerichtet werden. Ihr Oheim eben der Klaͤger gegen ſie, iſt dann der Erbe der Gemordeten, und ſeht, mein lie⸗ ber Meiſter Saͤnger, diß ſagt man, ſey gerade ſein Plan geweſen, auf ſol⸗ che Weiſe ſeines Bruders Vermögens habhaft zu werden.— Auch mag wohl der Erzbiſchoff ſelbſt ſeine Rache et⸗ was an dem armen Fraͤulein abkuͤhlen wollen. „Wie ſo? fragte Ridogar.“ Je nun entgegnete der Buͤrger, man ſpricht ſich ins Ohr, er habe ein Au⸗ ge auf das Fraͤulein gehabt und ihr gewiſſe Antraͤge gemacht, die ſie nicht nur verworfen, ſondern ſelbſt nicht einmal verſchwiegen und dadurch den Erzbiſchoff zum Geſpraͤch der Menſchen gemacht habe. Ridogar dankte ihm fuͤr feine Nach⸗ richt und folgte dem Zug vor die Thore Köllns, wo auf einem freien Platze ein Geruͤſt erbaut war, das zu der Hand⸗ lung beſtimmt ſchien. Der Erzbiſchoff ſelbſt und mehrere Haͤupter der Kirche, ſo wie einige Ritter aus des erſteren Gefolge beſtiegen es und die Angeklagte wurde herbeigeführt. Langſam, mit geſenktem Haupte, und noch durch den Schleier verhüllr⸗ trat ſie vor. Man trug das Kolbecken herbei wo das Eiſen gluͤhend gemacht werden ſollte. Ein Moͤnch ſchlug das Kreuz uͤber daſſelbe, und murmelte leiſe Gebete. Jezt erhob ſich der Erzbiſchoff; er ſchilderte in kurzen Worten das ange⸗ ſchuldigte Verbrechen der armen Mech⸗ klds⸗ ſo hieß das Fraͤnlein, und daß — 151— kein anderes Mittel zum Beweis ihrer Unſchuld vorhanden ſey als die Feuer⸗ probe.„Iſt ſie rein und unſchuldig,“ 5 ſchloß er,„ſo wird ſie durch die Gna⸗ de des Allmaͤchtigen ohne Verlegug der Hand das gluͤhende Eiſen faſſen koͤnnen. Feyerlich werde Ihre Unſchuld dann von uns erklaͤrt und auf den falſchen Anklaͤger falle ſodann die Strafe, die ſie haͤtte treffen ſollen.— — Vermag ſie aber nicht, das Eiſen zu . halten, ſo ſey dieß uns ein Zeichen. ihrer Schuld, ſie leide dann durch Hen⸗ kershand die Strafe ihres Verbrechens, und ihre Guͤter fallen ihrem Oheime zu. Gott, der Allmaͤchtige moͤge ge⸗ 8 recht richten..— 8 Tiefe Stille herrſchte unter dem an⸗ . weeſenden Volke. Mechtilde wurde jezt 8 herbeigefuͤhrt, zwei Moͤnche gingen ihr „ zur Seite. Sie ſchlug den Schleier zuruͤck. Stille Ergebung in ihr Schik: ſal lag auf dem bleichen ſanften Ge⸗ ſicht. Sie warf einen bittenden Blick auf 9 — 132— ihre Nichter und ſtuͤrzte auf die Knie, indem ſie flehend die Haͤnde rang,„O erbarmet euch meiner, ich bin ja un— ſchuldig; bei Gott dem Allmaͤchtigen, bei dem Heile meiner Seele ſchwoͤre ich, rein zu ſeyn von dem graͤßlichen Verbrechen, das man mir zur Laſt legt. Erlaßt mir die entſezliche Probe, wie werde ich ſie beſtehen koͤnnen! Gott wird eines armen unſchuldigen Maͤdchens wegen kein Wunder wirken. „Stehe auf“ geboͤt der Erzbiſchoff, ich kann dir dieſe Probe nicht erlaſſen. Zoͤgerſt du, dieſen Beweis, der dir allein noch uͤbrig iſt, zu fuͤhren, oder graut dir vor dem Ende? Wenn du unſchuldig biſt, wie du vorgibſt, ſo wirſt du dich nicht weigern, dieſe Pro, be zu beſtehen. Bringt das Eiſen. Mechtilde wankte auf und hob thraͤ⸗ nend die Haͤnde zum Himmel empor: „Gott, rief ſie erſchuͤttert.“ Du der Unſchuld Schuͤzer ſtehe mir bei, du weißt es ja, daß mein Herz rein iſt von jeder Schuld, o verlaß mich nicht in dieſer Stunde des Leidens.:“ Ridogar war indeſſen kein muͤſſiger Zuſchauer geblieben. Er hatte Satan⸗ herbeigerufen und Mechtildens Unſchuld, ihres Oheims Verbrechens von ihm be⸗ ſtaͤtigt erhalten, wie jener Buͤrger ihm erzaͤhlt hatte. Eben hatte Mechtilde ihr Gebe vollendet, da ſtand Ridogar, nur ihr ſichtbar, vor ihr.„Vertraue dem Allt maͤchtigen, er leiht dir Kraft die Pro⸗ be zu beſtehen“ ſprach er zu der Stau⸗ nenden, und verſchwand eben ſo ſchnell, als er erſchien en war. Im frommen Glauben hob ſich Mechtildens zagender Buſen; mit dem Glanz der reinen Tugend im ſtrahlen⸗ den Auge, vor welchem ſelbſt ihre Richter ſcheu den Blick zur Erde hef⸗ teten, trat ſie vor. Wohlan„ſprach ſie“ ich will ſie wagen dieſe Probe, zu welcher eure Grauſamkeit mich tige, der All, * treibt, Gott, der Allmaͤch 9 der mit dem Klaͤger, nieder mit dem — 134— barmherzige verleihe mir Staͤrke, ſie zu beſtehen, er laſſe die Unſchuld uͤber das Laſter triumphiren.“ Sie ſtreckte muthig die zarte Lilien⸗ hand aus, und griff ohne Zagen nach dem dargebotenen Eiſen. Ein hoöhniſches Laͤcheln blizte aus dem Auge des Erzbiſchoffs und Scha⸗ denfreunde ſprach aus den Zuͤgen ihres Ankläͤgers; da warf die Jungfrau ei⸗ nen Blick voll Hoheit auf ihre Peini⸗ ger und verwirrt ſenkten ſi ſi das Auge au Boden. Naſch ergriff ſie nun den gluͤhenden Stab; kein Zucken des Schmerzens ſah man auf dem frommen Geſichte der Jungfrau; aber erſtarrt, entſezt ſahen alle das Wunder. „Seht, ich halte das gluͤhende Ei⸗ ſen unbeſchaͤdigt in der Hand, rief ſie laut; erkennt ihr jezt meine Unſchuld?“ „Sie iſt unſchuldig“ rief tumultua⸗ ſch das Volk durcheinander.„Nie⸗ — 135— Schurken“ erhoben ſich tauſend wilde Stimmen. Der Erzbiſchoff gebot Ruhe. Er erhob ſich von ſeinem Size, die Ritter und Moͤnche reihten ſich hinter ihn. „Du haſt die Probe beſtanden“ ſagte er zu Mechtilden„und ich ſpreche dich frey von jedem Verdachte im Namen der heiligen Kirche, Fluch treffe den, der von nun an wagt, daran zu zei⸗ feln.“ Mechtilde kniete nieder und der Erz⸗ biſchoff gab ihr ſeinen Segen.— Nur muͤhſam vermochte er feinen Verdruß und ſeine Verwirrung zu verbergen. Es lebe Mechtilde von Ilmen! rief das Volk, und mit einem himmliſchen Laͤcheln dankte ſie fuͤr den Antheil, den das Volk ihr bewies. der Erzbiſchoff gebot abermals Ru⸗ he.—„Durch Mechtildens Unſchuld, ſagte er, faͤllt der Verdacht der Vergif⸗ tung Konrads von Ilmen, Mechtildens Vaters, auf Wunibald von Ilmen, deſ⸗ — 1356— ſen Bruder, Mechtildens Oheim. Er 1 trete vor und nenne die Beweiſe ſeiner Unſchuld.“ Wunibald trat bebend vor, bleich und verſtoͤrt war ſein Geſicht und ſein* Blick rollte. „Wie kann dieſer ſchaͤndliche Per⸗ dacht mich treffen;“ ſtammelte er mit muͤhſam erzwungenem Trotze. Erzbiſchoff. Am Tage der Ver⸗ giftung war't ihr und Mechtilde allein auf Konrads Veſte. Eins von euch beiden hat die That veruͤbt, doch Mech⸗ tilde ihre Unſchuld ſchon erwieſen. Auf euch faͤllt nunmehr der Verdacht; dem falſchen K ger. 1cn fpeict das Srſes — weiterer dbe ndns. dieſem. Habt ihr ſcchuldd? 4 Wunibald. Ich hab' ein gut GSerwiſſen, was bedarf's fernerer Be⸗ weiſe? — — 157— Erzbiſchoff. Ich zweifle nicht, daß ihr ein ſolches beſizen moͤgt, doch dies kann als Beweis fuͤr uns nicht gelten. Wißt ihr ſonſt nichts zu eurer Vertheidigung, ſo bleibt kein anderes Mittel, als die Feuerprobe. Beſteht ihr ſie, ſo zweifeln wir nicht mehr an eurer Unſchuld und uͤberlaſſen es dem Ewigen, den Schuldigen einſt zu fin⸗ den und zu ſtrafen. Wunibald. Die Feuerprobe! Nimmermehr, ich bin ein freier Ritter, mich kann des Kaiſers Majeſtaͤt nur richten. Mit Lanz nnd Schwerdt will ich gen jeden Zweifler meine Unſchuld vere theidigen. Mir geziemt es nicht, die Feuerprobe zu beſtehen, er trete vor, der es wagt mich anzuklagen, und be⸗ ſtehe mit mir den Kampf auf Lebne und Tod, wie es bei einen freiem Got⸗ tesgericht Brauch und Sitte iſt. Erzbiſchoff. Hier findet ſich kein Grund zu einem Gottesgerichts⸗ kampf, denn kein Klaͤger feht duch g — 136— genuͤber; in den Unſtaͤnden liegt der Verdacht gegen euch. Nur durch die Feuerprobe kann eure Unſchuld, gleich Mechtildens, ſich erweiſen. Wunibald. Ich werde mich ihr nie unterwerfen. Stellt mich vor das Reichskammergericht, dort will ich mich verantworten; im Gottesgerichtskampf will ich meine Unſchuld beweiſen. Hier liegt mein Handſchuh, jedem ebenbuͤr⸗ digen Ritter ſtehe ich im Kampf auf Tod und Leben, der es wagt, meinen guten Leumund anzutaſten. „Ich hebe ihn auf!“ ſcholl jezt eeeine Stimme aus den Zuſchauern; es war Ridogar, der ſich ſchnell in ſeine alte Geſtalt umgewandelt hatte, die 3 Stufen des Geruͤſtes ſich hinaufdraͤngte 3 und ſchiet den Handſchuh aufhob. Erzbiſchoff. Wer ſeyd Ihr? R idog ar. Ridogar von Steine⸗ rg, ein freier fraͤnkiſcher Ritter. rzbiſchoff. Was verlangt Ihr ittee Wunibald von Iimen. — — 139— Ridogar. Ich klage ihn an des Bruder⸗Mordes und Jungfrauenrau⸗ bes. Wunibald. Ha, ſchaͤndlicher Lig⸗ ner! Ridogar.(an das Schwerdt ſchlagend.) Noch einmal ſo! und bei Gott—— Erzbiſchoff. Ruhe! Auf was gruͤndet Ihr dieſe Anklage? Ridogar. Mit Lanze und Schwerdt will ich in ehrlichem Kampfe beweiſen, daß Ritter Wunibald von Ilmen, ſei⸗ nen Bruder vergiftete und deſſen Toch⸗ ter Mechtilde dieſer Unthat anklagte, um in den Beſtz ihres Wermöͤgens Pn kommen. Die Ritter. Schaͤndlich, wenn dem ſo iſt. Ridogar. Ich will beweiſen mit Schwerdt und Lanze im ehrlichen Kam⸗ pfe, daß Ritter Wunibald von Ilmen die Tochter des Grafen Alphons von Dablen geraubt hat. Noch ſizt die Unſchuldige im Burgverließ, weil ——.— 5 Tages. Man reiße dieſes Geruͤſt ab — 140— ſeine ſchaͤndlichen Antraͤge mit Verach⸗ tung von ſich wies, aber nicht mehr lange ſoll ſie ihrer Erloͤſung entgegen⸗ ſchmachten. Wunibald. Hoͤll und Teufel, welcher Daͤmon ſpricht aus dir. Auf, auf zum Kampfe, laß ſehen, ſchaͤnd⸗ licher Verlaͤumder, ob dein Schwerdt ſo ſcharf, als deine falſche Zunge trifft. Ridogar. Ich verachte ſolche Reden, die des Gewiſſens Angſt euch wohl erpreſſen mag. Erzbiſchoff. Ritter Ridogar von Steineberg, beharrt ihr auf eurer Klage gegen Wunibald von Ilmen? Ridogar. Ja, und will ihre Wahrheit beweiſen gegen jeden mit Schwerdt und Lanze. Erzbiſchoff. Wohlan, ſo ſey euch erlaubt, zu kaͤmpfen auf Tod und Leben, mit Anbruch des morgenden und errichte die Schranken fuͤr die Kaͤm pfenden. Doch vorher leiſtet ihr, Rit⸗ Anbruch des morgenden Tages dem fanden ſich die geſtrigen Anweſenden — 3 ſſͤſ1n — 141—.— ter Ridogar, die Beweiſe eurer ritter⸗ lichen Abkunft. Ridogar bewies ſolche zur Zufrieden⸗ heit der Richter, der Erzbiſchoff und ſein Gefolge zogen in die Stadt. Mech⸗ tilde auf ihre vaͤterliche Burg zurück, wo ſie mit lautem Jubel empfangen wurde. Ridogar und Wunibald aber zogen ebenfalls in Koͤlln ein. Das Volk zerſtreute ſich, um mit Kampfe anzuwohnen. Der Morgen erſchien und mit iom wieder ein. 5* Der Erzbiſchoff beſtieg ſeinen Siz und die Ritter ſchloſſen ſich an ihn an. Ridogar von Steineberg, in glaͤn⸗ zender Stahlruͤſtung, auf einem ſtolzen wiehernden Streithengſte, und i bald von Ilmen in einer ſchwarzen Slanzloſen Ruͤſtung auf einem nge ren Streitroſſe, wie es nt 2 gab, ſprengten vor die Schranken, und nachdem Beide den Eid geleiſtet hatten, ehrlich und nicht mit bezauberten Waf⸗ fen zu kaͤmpfen, wurden ſie eingelaſ⸗ ſen. Sie trabten vor den Siz des Erzbiſchoffs und ſenkten die Lanzen. Jezt erhob ſich der Erzbiſchoff und mit ihm die andern.„Kund und zu wiſſen ſey hiermit jedem, daß wir Ernſt, ter Biſchoff des Erzſtiftes Koͤln, und wir Graf Hugo von Eisfels, des hei⸗ ligen Stiftes Schuz⸗ und Schirmvogt, Kaiſerlichen Majeſtaͤt, Macht haben, zu hegen ein freies Gottesgericht, zwi⸗ ſchen Ritter Ridogar von Steineberg und Ritter Wunibald von Ilmen. Gott der Allmaͤchtige moͤge gerecht richten!— DOeffnet den Kreis und theilt Sonne und Wind zwiſchen den heiden Kämp⸗ fern. Die Kreiswäͤrtel befolgten das Ge⸗ bot, und die Ritter ſtellten ſich zum des heiligen Stuhles zu Rom erwaͤhl⸗ im Namen der heiligen Kirche und Angriff; jezt ertoͤnte das Zeichen und mit eingelegten Lanzen ſprengten beide gegen einander. Ritter Wunibald war ein ruͤſtiger Kaͤmpfer und verließ ſich auf ſeine Staͤrke. Im erſten Rennen wollte er ſeinen Gegner aus dem Sat⸗ tel heben, aber er betrog ſich. Niidogar fieng ſeinen Stoß mit vol⸗ ler Bruſt auf, die Lanze zerſplitterte, ohne daß er ſelbſt im Sattel ſich ruͤhr⸗ te, waͤhrend Wunibald von Ridogars maͤchtigem Stoße getroffen, betaͤubt, nur mit Muͤhe ſich aufrecht erhalten konnte.„Noch eine Lanze, rief er ſchaͤumend.“ Man reichte ſie ihm und ſie ſprengten nun abermals gegenein⸗ ander; doch durch eine leichte Wen⸗ dung entgieng Ridogar dem Stoße des Wuͤthenden, waͤhrend er, denſelben mit aller Macht faſſend, ihn weit in den Sand ſchleuderte. Ein lautes Beililsgeſchrei erhob ſich. Ridogar ſprang vom Pferde und zog das Schwerdt; Bunibald — 144— ſich bebend vor Wuth aufgerafft und auch das ſeinige gezogen. Hageldicht fielen ſeine Hiebe auf Ridogars Panzer, doch die Wuth mach⸗ te ihn unvorſichtig; Ridogar benuzte eine Blöße, und ſein Schwerdt fuhr Wunibald unter dem Helmkragen tief in den Hals hinein, ein Strom war⸗ men Blutes quoll ploͤzlich aus der Wunde. Wunibald wankte und ſtuͤrzte. „Heil dem Sieger!“ rief das Volk, und Ridogar nahm dem Ueberwunde⸗ nen den Helm ab, ein neuer Blutſtrom quoll hervor.— „Ich bin ſchuldig, Gott ſey mei⸗ ner Seele gnaͤdig!“ ſtammelte der Ster⸗ bende und verſchied. Wunibald hatte das Bekenntniß ſei⸗ ner Schuld mit dem Tode beſiegelt; der Erzbiſchoff hob das Gericht auf. In ungeweihter Erde, wo er gefallen war, wurde der Todte verſcharrt, und Mechtilde von Ilmen in den Beſiz der terlichen Güͤter ftyerlich eingeſezt. * 85 p, —————— — 145— „Ridogar ſprengte vor.„Mein Zweck iſt erfuͤllt, der Verbrecher beſtraft, Mechtildens Unſchuld erkannt und dem Graf Alphons von Dahlen ſeine ge⸗ raubte Tochter zuruͤckgegeben; erlaubt, hochwuͤrdiger Herr, daß ich mich nun entferne,“ ſagte er.—„Ich vermag euch nicht zu halten, Ihr habt euer Wort geloͤßt, ziehet hin in Frieden“ erwiederte der Erzbiſchoff.—— Es waͤre zu weitlaͤnftig, Ridogars Thaten alle beſchreiben zu wollen. Er vergröſſerte ſeinen Wirkungskreis im⸗ mer mehr, durchzog ganz Schwaben, Baiern und Franken und bezeichnete ſtets ſeinen Weg mit guten Handlun⸗ gen. Bald wurde er beſſer bekannt und ſeine Ankunft erregte uͤberall Freude und Frohloken. Nur wenige, ſehr we⸗ + nige kannten die wahre Quelle ſeiner Macht, und wußten ſeinen Nahmen;— er wurde daher faſt allgemein, wen man von ihm ſprach, nur der Stahl⸗ —— — 146— ritter genannt, da er ſtets eine helle glaͤnzende ſtaͤhlerne Ruͤſtung trug. So verfloſſen mehrere Jahre, in deren Lauf Ridogar viele gute Thateu 5 verrichtete. Seine groͤßte Aufmerkſam⸗ keit reizten die Betruͤgereien der Pfaf⸗ fen und die heimlichen Gerichte, die unter dem Namen der heiligen Vehme, ihr Weſen trieben, und manche ſchwar⸗ ze That unter dem Schleier der Ver⸗ borgenheit uͤbten.— Oft belauſchte Ridogar unſichtbar ihre geheimen Ver⸗ ſammlungen, verhinderte manches Ver⸗ brechen, rettete manche Unſchuld und ſtrafte oft ſtrenge den Laſterhaften. Er wurde das Schreken der heiligen Veh⸗ me und manches Boͤſe unterblieb, was ohne Furcht vor ſeiner Macht, ſonſt ausgefuͤhrt worden waͤre. Alles frei⸗ lich konnte er nicht verhindern, uͤberall konnte er nicht ſeyn, denn er blieb. troz ſeiner Macht ein Menſch. Er hatte ſeine Stammburg in Fran⸗ ——— — 147— Burgvogt, Knechte und Reiſige in Dienſt genommen. Es that ihm wohl, wieder ſich zuruͤckzuverſezen in die fruͤ⸗ heren Jahre, auf dem alten Stze ſei⸗ ner Vaͤter zu weilen und auszuruhen von ſeinen Thaten. Er trat nun ſchon in das Alter des Mannes, eine Leere fuͤhlte er immer mehr in ſeinem Her⸗ zen, die er zwar durch Thaten manch⸗ mal verdraͤngt hatte, die aber immer wieder zuruͤkkehrte, immer groͤßer wur⸗ de. Geraume Zeit ſchon hatte Ridogar unthätig auf der Burg ſeiner Vaͤter verweilt, da regte ſich in ihm immer heftiger wieder der Trieb zum Handeln. Eben erſcholl durch Deutſchland der Ruf des heiligen Kreuzes; Koͤnige und Fuͤrſten, Ritter und Knappen, Moͤnche, Greiſe und Kinder riefen begeiſtert: Gott will es, Gott will es! und kampfluſtige Schaaren vereinten ſich, hinzuziehen gen Jeruſalem, das Grab des Erloͤſers den Haͤnden der Unglaͤ 10.. — 146— gen zu entreißen und die Fahne des hei⸗ ligen Kreuzes auf Jeruſalems Mauern aufzupſlanzen. 3 Auf dem Reichstage zu Speyer fand ſich ein frommer Mann, Bern⸗ hard, Abt von Clairveaux ein; er ſprach mit heiliger Begeiſterung von einem Kreuzzug zum Grabe des Erloͤ⸗ ſers und verhieß Ehre und Reichthum und jenſeitigen ewigen Lohn den tapfern Verfechtern des Chriſtenthums. Selbſt Kaiſer Konrad vermochte der ſchlauen Beredſamkeit des Moͤnchs nicht zu wi⸗ derſtehen. Er gab ſein Wort zu einem Kreuzzug nach Jeruſalem, und ob er gleich es noch lange zu halten zoͤgerte, es jahrelang verſchob, mußte er endlich doch den dringenden Mahnungen der iſſchoͤffe nachgeben, die ihm die Er⸗ fuͤllung des gegebenen Wortes zur Ge⸗ wiſſensſache machten. Ein Aufruf von ihm ergieng nun durch das ganze Land. Viele tauſend 3 — —.,————— — — 149— Ritter und Knappen ſchloſſen ſich ſei⸗ nem Zuge an. Auch zu Ridogars Ohre gelang die Kunde dieſer Begebenheit. Er faßte ſchnell den Entſchluß, mitzuziehen gen Jeruſalem. Nicht um das heilige Grab mit erobern zu helfen, ſondern um Stoff zu neuen Thaten in dem fernen Lande zu ſuchen. Er uͤbergab ſeine Burg dem Vogte, nahm Abſchied von ſeinen Leuten und zog nach Frankfurt, wo gerade Kaiſer Konrad ſein Hoflager aufgeſchlagen hatte. Er ließ ſich bei dem Kaiſer melden und wohl erinnerte ſich dieſer noch des tapfern Ridogars, ob er gleich mehr denn ein Jahrzehend ihn nicht wieder geſehen hatte. Er empfieng ihn mit herablaſſender Guͤte, und reihte ihn unter die Fuͤrſten und Ritter ein, die ſtets um ihn wa⸗ ren.„Ihr habt mir oft und viel eure Anhanglichkeit und Treue b 10 eurem tapfern Arme verdanke ich Man⸗ ches“ ſagte der guͤtige Kaiſer„darum goͤnnt mir immer eure Naͤhe.“ Ridogar ſenkte ſich auf ein Knie vor dem huldvollen Fuͤrſten,„nehmt meinen Dank fuͤr euer Zutrauen, gnaͤ⸗ Ihr ſolches an keinen Undankbaren ver⸗ Boden auf. Ridogar ſchloß nicht unrichtig, daß wohl Manche in Konrads Heere ſich Chaten bekannt ſeyn köoͤnne. Er wollte etwas veraͤndert, ſeine helle Stahlruͤ⸗ ſtung mit einer ganz gewoͤhnlichen ver⸗ auſcht. 8* Er konnte dieſe Verwandlung um ſo leichter wagen, da der Kaiſer ihn ſeit mehr denn 10 Jahren nicht geſe⸗ hen hatte, und dieſe Veraͤnderung der digſter Herr, und ſeyd verſichert, daß ſchwendet habt“, ſagte er mit Feuer und der Kaiſer hob ihn freundlich vom befinden moͤchten, denen er durch ſeine 1 aber unerkannt den Zug mitmachen, und hatte deßhalb ſeine ganze Geſtalt — 8 — 151— alten Zuͤge nicht auffallend finden konn⸗ te, Ridogars Namen, Wappen und die vielerlei Begebenheiten aus ſei⸗ ner Geſchichte, an welche ihn Ridogar erinnerte, benahmen ihm jeden Zweifel gegen ſeine Perſon, ja ſie ließen viel⸗ mehr gar keinen dagegen aufkommen. Seinen Namen bedurfte er nicht zu veraͤndern, unter tauſenden wußte dieſen nicht Einer, da er ſtets ihn ver⸗ ſchwiegen hatte, und nur unter dem allgemeinen Namen des Stahlritters bekannt war. Manche die vieles von den Thaten des Stahlritters ver⸗ nommen hatten, wußten nicht, daß dieſer und der ihnen bekannte Ritter Ridogar Eine Perſon war. Unter Ungemach mancherlei Art ge⸗ langte das Heer der Kreuzritter end⸗ lich in Konſtantinopel an, wo der griechi⸗ ſche Kaiſer ſie 3mit ſcheinbaret Freund⸗ ſchaft empfieng. In dieſer weitläufen gtiechiſchen Kalſerſtadt irrte einſt Ridogar umher — 152— und immer laͤnger geſtalteten ſich die dunklen Schatten. In ſeinen Mantel gehuͤllt, durchſtrich er gedankenvoll die den Straßen.. Auf einmal ſchlug der Ton einer Guitarre an ſeine Ohren. Die ſanf⸗ ten Töͤne drangen leiſe klagend durch die Todtenſtille. Eine weibliche Stim⸗ me erhob ſich und ſang: Nein, mein Herz kann, Karlo, dich nicht miſſen⸗ Meine Arme breit ich ſehnend aus, Kehre doch, von deiner Laura Kuͤſſen Nun verſoͤhnt, zuruͤck ins Vaterhaus. Karlo ſiehe, deine Laura weinet, Trübe blikt ihr Auge in die Nacht AQuͤſtrer Schatten, die das Grab vereinet, Was haſt, Karlo, du aus mir gemacht— onſt ſo lebensfroh und munter floſſen Meiner Jugend Roſentage hiln, Ach mein Herz haſt grauſam du verſivßen, Doch, Geliebter! moͤcht ich mit dir ziehn. Daͤmmerung war ſchon hereingebrochen 4 immer oͤder und menſchenleerer werden⸗ —— — 153— Gott! er floh mich mit den Donnerworten: „Feile Buhlerin, ich haſſe dich, Fluche dir, und weder hier noch dorten, Finden jemals deine Augen mich!“ Karlo, ach von meinem treuen Herzen Riß der Wahn der Eiferſucht dich los; O warum gabſt du mich nur den Schmerzen, Nur den Qualen heißer Liebe blos? Findet ſich bei dir, Geliebter, nimmer Von der alten Liebe eine Spur? Laura iſt dir treu, ſie war es immer! Karlo, nimm von Laura dieſen Schwur. Treulos konnte Laura dir nicht werden; Karlo nicht, er gab für ſie ſein Blut! Immer, immer war er ja auf Erden Seiner Laura hoͤchſtes, beſtes Gut. Karlo gib, o gib mir wieder Frieden, Senke Frieden in mein wundes Herz; Karlo, Karlo, ach du bleibſt hienieden Deiner armen Laura Luſt und Schmerz. Die Stimme ſchwieg und Ridogar ſtand noch horchend da; der weiche — 154— Wohllaut der leiſen Toͤne hatten ſein theilnehmendes Herz gewaltig ergriffen. Troſt der Saͤngerinn zuzurufen, Huͤlfe ihr zu leiſten, war ſein augenblickli⸗ cher Entſchluß. Schnell wandelte er ſich in einen Harfner um, ergriff ſein Inſtrument und ſang als Antwort auf Lauras Klage: „Weine nicht, dein Retter kommt geflogen, Weine nicht, dein Karlos liebt dich doch, Weine nicht, ihn hat der Schein betrogen Weine niche, die Hoffnung laͤchelt noch!“ ihrem Size empor.„Wer ruft mir dieſe Worte des Troſtes zu?“ rief ſie dung ergriffen, leiſe aus. Erſchroken fuhr die Saͤngerinn von beſtuͤrzt, und, halb von froher Ahn⸗ „Ein Freund in der Noth“ war 5 Ridogars Antwort. Der jezt ploͤzlich n ſeiner ehrwuͤrdigen Geſtalt vor ie — 155— Laura wich erſchrocken zuruͤckk.„Wer biſt du“. Unbegreiflicher? ſtammelte ſie bebend, und trat ſcheu einige Schritte zuruͤck. „Fuͤrchte dich nicht, ſprach Ridogar, zu deiner Huͤlfe ſiehſt du mich hier.“ Zweifelnd ſah Laura ihn an, und maß ihn mit mißtrauiſchen Blicken. „Wer iſt Karlo, um den du trau⸗ erſt?“ fragte Ridogar. Laura ſchuͤt⸗ telte ſanft das Haupt.„Dein Aeuße⸗ res floͤßt Achtung und Ehrfurcht ein, guter Alter“ ſagte ſie,„dennoch weiß ich nicht, ob ich dir trauen darf.— O wenn du helfen koͤnnteſt, fuhr ſie ſeufzend fort und legte die rechte Hand auf den unruhig zagenden Buſen.— „Vertraue mir, bei dem Gott, der uͤber uns richtet, ich meine es red⸗ lich und gut“ ſprach Ridogar mit fei⸗ erlichem Ernſte. Laura ſenkte den Kopf auf die Bruſt und bedachte ſich.„Es ſeyt ſagte ſie endlich„es liegt etwas in deinen We⸗ — 456— ſen, das mich unwiderſtehlich anzieht; ſo wiſſe denn, ja ich liebe Karlo, den Sohn des griechiſchen Fuͤrſten Andro⸗ gems— Ridogar. Verzeih, daß ich dich unterbreche,— aber ich wollte dich bit⸗ ten, mir die Geſchichte deiner Liebe von Anfang an mitzutheilen. Laura. Sie iſt kurz; wenn du willſt, ſo bin ich bereit daJau. Ridogar.„Ich bitte dich da⸗ 6 rum.“ Laura. Wohlan, ſo nehme hier Plaz auf der Ottomanne neben mir, ich habe noch eine Stunde Zeit, wo uns niemand ſtoͤren wird. Ich will dir nichts verhehlen, du haſt auf eine un⸗ begreifliche Weiſe mein Vertrauen g⸗ wonnen, dein ſo wunderbares Erſchei⸗ nen, kurz Alles uͤberzeugt mich, daß du kein gewoͤhnlicher Menſch biſt, daß— dir mehr als natuͤrliche Kraf⸗ in Ge⸗ bot k ſteben muͤſſen. 1 Ridogar.„Du haſt nicht falſch geurtheilt, doch dieſe Kräfte zu deinem Beſten anzuwenden, ſiehſt du mich feſt entſchloſſen. Laura. Wenn du vermoͤchteſt, mir Karlo wiederzuſchenken, o dann ſoll der heiße gluͤhende Dank meines Herzens dein Lohn ſeyn. Exr haͤlt mich fuͤr falſch, fuͤr treulos, und—— doch hoͤre meine Geſchichte und du wirſt ſelbſt urtheilen koͤnnen.— Ich heiße Laura und bin die Tochter des griechiſchen Fuͤrſten Anaxandron. Ein enges Freundſchaftsband beſteht zwi⸗ ſchen meinem und Karlos Vater, und in Folge deſſen war es nicht unge⸗ woͤhnlich, daß auch wir Kinder ſchon in der Jugend zarteſtem Alter ein aͤhn⸗ liches Band anknuͤpften. Wir waren ſtets bei einander und aus der kindli⸗ chen Freundſchaft erwuchs immer maͤch⸗ tiger die Liebe. Noch wußten wir ſelbſt keine Rechenſchaft von dieſem Gefuͤht zu geben, bis der Zufall uns die Au “ gen öffnete. Ich wohnte einer r Jagd vbei, die mein Vater veranſtaltet hatte. Das wilde Geraͤuſch war mir nicht an⸗ genehm, und ich lenkte daher meinen Zelter enwas abſeits; nur wenige Schritte war ich in Gedanken vertieft fortgetrabt, als ploͤzlich aus dem Ge⸗ büſch ein Baͤr auf mich losſtuͤrzte; mein Roß ſcheute, baͤumte ſich, mein Janmmergeſchrei drang durch den Wald. verwundet, machte einen Saz, ich ſtuͤrze herab, das Unthier auf mich los—— da ſchwirrte ein Pfeil an mir vorbei unnd dem Baͤren in die Seite.— Es war Karlo's Geſchoß! wars die ewige Vorſehung, oder die Ahndung der Liebe, die ihn zu meiner Rettung herbeigefuͤhrt hatte?— Nur wenige Sekunden, und ich waͤre die unfehlbare Beute des wuͤ⸗ thenden Thieres geworden; doch ihm Kaum fuͤhlte der Baͤr die Wunde, ſo wandte er ſich um und ſtuͤrzte auf Mein Roß, von dem wuͤthenden Thiere —— meinem Retter, drohte jezt die Gefahr. † — 2 Karlo los, der ihn mit gezogenen Schwerdte empfieng. Ich ſchrie laut auf, der Sinne Macht war mir ver⸗ gangen und erſt in Karlos Armen, an ſeiner Bruſt erwachte ich zu neuem Le⸗ ben. Er hatte geſiegk, doch auch ſein Blut war fuͤr mich gefloſſen; ein Biß des wuͤthenden Thieres hatte ihn ver⸗ wundet. Die Gerettete ſank von neuem in ihres Rekter offene Arme, und in einer heißen Umarmung empfieng Kar⸗ lo meinen Dank und das Geſtaͤndniß ſeiner Liebe von mir erwiedert. Wir ſchwuren uns ewige Treue, und kehr⸗ ten dann zur Geſellſchaft zuruͤck. Mein Vater umarmte dankbar Kar⸗ lo. Er billigte unſere Liebe, die ohne⸗ hin unſerer Vaͤter Wunſch geweſen war, und uns verfloß ein ſuͤßes Jahr im ungetruͤbten Genuß treuer zaͤrtlicher Minne, obgleich Karlos reizbares Ge⸗ muͤth allzuleicht dem Wahn der Eifer⸗ ſucht ſich hingab und mir zuweilen truͤbe Beſorgniſſe erregte. — 160— Leider traten dieſe Beſorgniſſe nur gar zu bald ins Leben. Ein griechi⸗ ſcher junger Fuͤrſt, Alexander Poley⸗ ron, bewarb ſich bei meinem Vater um meine Hand. Er war reich und maͤch⸗ tig, beſaß ein angenel ues Aeußere, und, was meinen Vater beſonders be⸗ thörte, er war ein Neffe des Kaiſers. Sichtlich draͤngte er ſich, von mei⸗ nem Vater beguͤnſtigt, an mich, und jener wurde immer kaͤlter gegen Karlo. Dieſem blieb diß nicht verborgen. Er klagte, er jammerte. Wir fleh⸗ ten vereint zu meines Vaters Fuͤßen um ſeinen Segen zu unſerer Verbin⸗ dung. Er ſchlug kalt und ruhig es ab. Alexanders hohere Macht, ſein groͤßerer Reichthum machten ihn taub gegen unſere Bitten. Karlo tobte; er berief ſich auf fruͤ⸗ here Verguͤnſtigung, er drohte, und mein Vater— lachte. Diß erbitterte ihn immer mehr. Er machte mir Vor⸗ wife⸗ daß ich mich nicht genug dieſer 3 — —— —Pñ— ku —. 161— Verbindung entgegengeſtemmt haͤtte, daß wohl gar mir ſelbſt ſie nicht ſo ganz verhaßt Alexanders Perſon, Macht und Reichthum auch mich verblendet habe. Es war der Erguß eines erbitter⸗ ten Gemuͤthes, die Floge, der Beweis ſeiner Liebe; ich ertrug gelaſſen ſeine Vorwuͤrfe und ſuchte durch verdoppelte Zaͤrtlichkeit ſeinen Wahn zu zerſtoren. „Es gelang zum Theil, doch immer ſchlug die alte Flamme muͤhſam ge⸗ daͤmpfter Eiferſucht bei ihm empor. Was ſoll ich dein Ohr mit Erzaͤh⸗ lung aller Einzelnheiten derſelben er⸗ muͤden? Genug ich uͤberſpringe ſie und eile zu der lezten Begebenheit, die Kar⸗ lo von mir riß. Fuͤrſt Alexander, der mehr und mehr ſich an mich draͤngte, meine Ge⸗ genliebe immer eifriger zu erhalten ſtrebte, und ungeachtet meines Kalt⸗ ſinns nicht alle Hoffnungen aufgab, 4 X△ — 162— uͤberaſchte mich einſt in einer Laube des Gartens, wo ich eben Karlo er⸗ wartete. Er warf ſich zu meinen Fuͤßen. Er bat, er beſchwor mich um Gegenliebe. Ich war entruͤſtet, gab ihm harte Worte und wollte mich entfernen. Er hielt mich zuruͤck. Er war oder ſchien untroͤſtlich, mein Mißfallen erregt zu haben, er ſchwur, nicht eher aufzuſte⸗ hen, bis ein verſoöhnender Kuß ihm meine Vergebung ſichern werde. Ich ſtand auf gluͤhenden Kohlen. Jeden Augenblick konnte Karlo erſchei⸗ nen. Durfte der Eiferſuͤchtige mich ſo finden? Es lag mir Alles daran, den Fuͤrſten zu entfernen. In der Angſt bog ich mich herab und druͤckte einen fluͤchtigen Kuß auf ſeine Lippen. Da umſchoß er mich mit beiden Ar⸗ men und raubte verwegen mir mehrere Kuͤſſe— und im nemlichen Momente erſchien Karlo. — 465— Er ſtand erſtarrt, ſein Auge gluͤhte. Ihm war dieſe Zuſammenkunft zuge⸗ dacht, und er fand mich nun in eines andern Armen. Seine ganze gluͤhende Eiferſucht er⸗ wachte. Ha! Fluch dir, heilloſe Buh⸗ lerinn,„ich haſſe dich, ich fluche dir, und nimmer ſollen deine Augen mich erblicken, rief er knirrſchend und ſtuͤrzte wuͤthend davon. Vergebens blieb mein Jammerge⸗ ſchrei, vergebens eilte ich ihm nach. Nimmer holte ich ihn ein. Er war fort. Niemand wußte, wo⸗ hin: vergebens ließ ſein Vater ihn uͤberall aufſuchen, vergebens wandte ich alle Muͤhe an, ſeinen Aufenthalt zu entdecken, er blieb verſchwunden und ſeit drei Monden weiß Niemand eine Silbe von ihm. Laura ſchwieg, und ein ſanfter Thraͤnenſtrom erleichterte ihre beklom⸗ mene Bruſt. Vergebens klage ich um 11— — 264— ihn; alle Freude, aller Frohſinn wich mit ſeiner Flucht aus meiner Bruſt“ fuhr ſie klagend fort, und nirgends ſehe ich Troſt und Rettung. O Karlo, konnteſt du deine Laura fuͤr treulos halten? Ridogar ſprach ihr Muth ein. Seine ehrwuͤrdige Geſtalt, ſein offenes, Ver⸗ trauen erweckendes Geſicht, ſeine un⸗ verkennbare Gutherzigkeit richtete die Gebeugte in etwas auf; ſie ſchoͤpfte Troſt und Hoffnung. Da ſtoͤrte ſie ein Geraͤuſch im Vor⸗ zimmer. Laura fuhr auf. Entferne dich ſchnell guter Alter, ſprach ſie, deine Gegenwart hier koͤnnte meines Vaters Verdacht erwecken, der immer noch nicht die Hoffnung aufgibt, mich mit Fuͤrſt Alexander zu vermaͤhlen. JIezt nahten ſich weibliche Fußtritte. „Es iſt meine Schweſter Iſidora“ ſag⸗ te Laura, und indem ſie eben eine Ta petenthuͤre öffnen wollte, Ridogar zu. — 165— entlaſſen, gewahrte ſie mit Erſtaunen den Harfner verſchwunden. Unſichtbar weilte dieſer im Zimmer. Iſidora trat ein und Ridogar ſtaunte. Wie ein zuͤndender Blizſtr rahl traf ihr Anblick ſein Herz. Es war eine hohe königliche Geſtalt von faſt uͤberirrdi⸗ ſcher Schonheit. Neiche goldene Lo⸗ lcken zierten das ſtolze Haupt, majeſtä⸗ tiſch, ernſt und gebietend war der feuervolle Blick ihres ſchwarzen Auges, der oft traͤumend ſich zur Erde ſenkte, oft ſich glänzend erhob, wie von dem Feuer einer unbekannten Seligkeit ver⸗ klart. 4— Sie ſchien Aehnlichkeit mit Laura zu haben, und war doch unendlich von ihr verſchieden. Laura war ein ſcho⸗ nes Bild, eine heitere freundliche Er⸗ ſcheinung dieſer Welt; Iſidora ſchien 4 der Abglanz einer heiligeren, reineren Schoͤpfung, eine Erſcheinung aus einer andern Welt zu ſeyn. — 166— Ridogar hatte, ſeit er von Klara ſich losgeriſſen, ſein Herz ganz der Lie⸗ be verſchloſſen; jezt traf ihn Iſidorens Anblick mit ſchneller Gewalt und ent⸗ zuͤndete in ſeiner Bruſt alle die Empfin⸗ dungen in hoͤherem, unendlich ſtaͤrke⸗ rem Grade, die er einſt bei Klara ge⸗ fuͤhlt und maͤnnlich unterdruͤckt hatte. Er war nicht mehr Juͤngling; aber ein Mann in der ſchöoͤnſten Bluͤthe ſei⸗ ner Jahre, ſtark und kraͤftig, unent⸗ nervt durch die Laſter ſeiner Zeit, und mit einem fuͤhlenden Herzen begabt. Iſidore ſchien ihm das hoͤchſte Ziel, das er erreichen koͤnne, in ihren Ar⸗ men einſt als geliebter und liebender Gatte zu ruhen, eine Seligkeit, die er ddie aber durch einen unerſaͤttlichen Ehr⸗ kaum zu erringen hoffte. Und doch war Iſidore nicht ganz das, was ihr herrliches goͤttliches Aeu⸗ Bere verſprach. Dieſen vollendet ſchoͤ⸗ nen Koͤrper bewohnte eine Seele, die zwar viele gute Eigenſchaften beſaß, — 167— geiz, durch eine unbezwingliche ſtolze Herrſchſucht nur allzuſehr verdunkelt wurden. 2 Sie war mitleidig, nicht unem⸗ pfindlich fuͤr fremde Leiden, ſie gab gerne und viel; Aber druͤckend ſchien jedem Armen eine Gabe von ihr, wenn er das ſtolze ernſte Geſicht ſah, das von keinem freundlichen Laͤcheln ge⸗ mildert wurde. Iſidore liebte uͤbrigens ihre Schwe⸗ ſter Laura, ſie beklagte ſie, und hatte ſchon mehrmals verſucht, das Herz ih⸗ res Vaters zu erweichen. Wo ihr Ehr⸗ geiz, ihre Herrſchſucht nicht ins Spiel kam, konnte man ſie eben ſo liebens⸗ wuͤrdig als ſchoͤn nennen. 8 Sie war etwas juͤnger als Laura; hatte noch nie geliebt, obgleich ſtets ein Haufen Anbeter ſie umringt hielt, Soͤhne der angeſehenſten Eltern, meiſt aus fuͤrſtlichem Stamme; ſie hatte noch keinen gefunden, der ihr naͤherer Aufmerkſamkeit werth ſchien; es waren — 166— meiſt Weichlinge, gewohnt nur auf ſei⸗ denen Polſtern zu ruhen, und thaten⸗ los ihrer Jugendzeit zu verſchleudern. Iſidore trug ein anderes Ideal im — Buſen, nach dem ihr volles Herz ſich oft ſehnte, wenn ſie bei Karlo und Laura die ſuͤßen Taͤndeleien der Liebe ſah. Wir wollen ſehen, ob ſie dieſes Ideal fand, und kehren nun zum Gang der Geſchichte zuruͤck. Iſidore nahm Laura in ihre Arme; „du dauerſt mich, gute Schweſter, ſprach ſie bewegt, aber ich kann dir nicht verhehlen, was dir bevorſteht, wenn es dir auch Schmerz machen ſollte. In acht Tagen iſt deine Ver⸗ maͤhlung mit dem Fuͤrſten Alexander. Nicht laͤnger mehr will unſer Vater ſolches hinausſchieben, und du kennſt in dieſen Punkt ſeinen unabaͤnderlichen Willen.“.2 Laura. O Gott, dann bin ich verlohren. Nein, nein, nie werde ich — 169— einen Andern lieben koͤnnen, nie ſollen dieſe Arme einen andern als Karlo umfangen⸗ Iſidore. Arme Laura, du wirſt einen harten Kampf haben; ich hörte, wie unſer Vater dem Fuͤrſten das fei⸗ erliche Verſprechen gab, in acht Tagen muͤſſeſt du ſeine Gem ahlin oder in ei⸗ nem Kloſter ſeyn. Laura. In einem Kloſter? O wuͤßte ich, daß Karlo nimmer auf die⸗ ſer Erde wandelt, wie erwuͤnſcht waͤre mir ein ſolcher Aufenthalt. Iſidore. Du haſt noch immer keine Nachricht von ihm? Laura. Keine.— Ich bin mir keiner Schuld bewußt, doch meine Un⸗ vorſichtigkeit fuͤhrte einen Augenblick herbei aus deſſen Folgen ich fuͤr Kar⸗ los Leben alles fuͤrchte. Iſidore. Beruhige dich. Haͤtte er das Leben ſich ſelbſt entriſſen, ſo waͤre diß im erſten Anfalle des Zornes, 1 der Wuth und des Schmerzens geweſen; ——— Nachricht davon waͤre doch bis jezt ſicher zu uns oder ſeinem Vater ge⸗ langt. 4 Laura. Dieſer Glaube haͤlt auch mich noch aufrecht. Aber wie finde ich Rettung aus dem Ungluͤck das mir droht? In acht Tagen meine Vermaͤh⸗ lung oder im Kloſter; Eines ſo ſchreck⸗ lich als das Andere, ſo lange Karlo lebt. O Gott, iſt dann nirgends Troſt, nirgends Rettung fuͤr mich Arme? Iſidore. Wenn du gegen den Fuͤrſten dich nachgiebiger erzeigteſt, du wuͤrdeſt dadurch vielleicht mehr gewinnen. Laura. Nimmermehr! Aus einer kleinen Nachgiebigkeit gegen ihn ent⸗ ſprang die Quelle meines Ungluͤcks, ich werde es nie, niemals mehr gegen iihn ſeyn. Ich will ihm nicht Stoff zu neuen Hoffnungen geben, die nie er⸗ füllt wuͤrden. Er ſoll wiſſen, daß ich ihn nie lieben, daß ich nur in der hoͤch⸗ ſten Noth gezwungen meine Hand ihm reichen, und ſtets einen andern Weg — — 171— waͤhlen wuͤrde, ſo lange noch ein ſol⸗ cher mir offen ſteht. Iſidore. Ich tadle dieſen Ent⸗ ſchluß nicht, denn ich ſelbſt wuͤrde nie anders handeln. Ich kenne die Liebe nicht aber ich glaube, daß ich auch dann nicht anders denken wuͤrde. Laura. Aber ſprich, was ſoll ich thun? Iſidore, Ich ſehe keinen Aus⸗ weg. Erwarte in Geduld, was ge⸗ ſchehen wird, Zeit bringt vielleicht Rettung, wo du am wenigſten es ver⸗ mutheſt. Laura. Wollte Gott. Ich ſehe keinen Ausweg. N Iſidore. Meine Nachricht habe ich dir gebracht. Es iſt ſchon ſpaͤt, drum muß ich mich jezt entfernen. Indore entfernte ſich, und Laura wollte ſich eben in Muthmaſungen uͤber den wunderbaren Harfner verlieren, als ſie dieſen ploͤzlich neben ſich er⸗ blickte.„Ich habe deiner Schweſter — 12— Iſidora Nachricht vernommen,, ſprach er„aber verzage nicht; du ſtehſt nun einmal unter meinem Schuze, und kei⸗ ne menſchliche Macht ſoll vermögend ſeyn, dir ohne meinen Willen auch nur ein Haar zu kruͤmmen. Iſidorens Schweſter kann und darf alles von mir hoffen. Laura.(etwas befremdet.] Iſido⸗ ras Schweſter? Ridogar. Du ſtaunſt? Auch oh⸗ ne ihr Erſcheinen waͤr meine Huͤlfe dir gewiß, denn nie verſchloß ich mein Ohr der Stimme der leidenden Un⸗ ſchuld; aber ſeit Iſidorens Goͤtterge⸗ ſtalt wie ein hoͤheres Weſen mir er⸗ ſchien, da handle ich noch einmal. gerne fuͤr dich, um vielleicht dadure einen dankenden freundlichen Büick von ihr zu erhaſchen. Laura. llaͤchelnd. Meine Schwe⸗ ſter muß ſehr ſchoͤn ſeyn, da ſie ſo⸗ gar das Alter in Begeiſterung verſezt. ————-—.— — 173— Ridogar. Ja, bei Gott, noch nie ſah mein Auge unter Tauſenden ein ſchoͤneres Maͤdchen.— Doch— du haͤltſt mich fuͤr das, was ich nur ſcheine. Dieſe truͤgeriſche Huͤlle iſt nur eine Wirkung meiner Macht. Sie⸗ he hier mich in meiner wahren Ge⸗ ſtalt. Schnell verwandelte er ſich in ſeine natuͤrliche Geſtalt; doch nicht glanzlos wollte er vor Iſidorens Schweſter er⸗ ſcheinen. Eine ſilberne, reich mit Gold ein⸗ gelegte Ruͤſtung ſchmuͤckte ihn. Von dem hohen koſtbaren Helme neigte eiſt ſchwarzer Reigerbuſch ſich. herab; eine von Gold ſtrozende Feldbinde hieng aͤber ſeine Schulter, und an einem rei⸗ chen Wehrgehaͤnge glaͤnzte ein Schwerdt mit goldenem Griffe. Ueber den Bruſt⸗ harniſch hieng die große goldene Kette, die einſt Kaiſer Konrad ihm zum Lohn der Tapferkeit umgehaͤngt hatte. 8 — 4— Laura bebte erſchrocken zuruͤck.„Biſt du ein Weſen der andern Welt, fragte ſie bebend, dem jede menſchliche Geſtalt zu Gebot ſteht? 1 „Du irrſt, entgegnete Ridogar, ich bin ein ſterblicher Menſch, wie du, doch durch geheimnißvolle Fuͤgung der Allmacht mit Geiſteskraͤften und Gei⸗ ſtesmacht verſehen. Laura zweifelte noch lange, doch endlich gelang es Ridogar ſie zu uͤber⸗ zeugen; aber eine gewiſſe Scheu hielt ſie nun von ihm entfernt, die ſich nicht baͤlder verlor, als bis Rid ogar in der Geſtalt des alten ehrwuͤrdigen Harfners wieder vor ihr ſtand. Jezt gab ſie ganz der frohen Hoffnung Raum in ihrem Herzen, ſie ſank zu Ridogars Fuͤßen und ſah ihn flehend an: „O wenn du wollteſt, wenn es in dei⸗ ner Macht ſtuͤnde,“ fieng ſie zögernd an und hielt wieder inne, gleichſam als fuͤrchtete ſie, Ridogar durch ihre Bitte zu erzuͤrnen. 6. * — — 175— Ridogar. Rede frey und unge⸗ ſcheut. Steht es in meiner Macht, ſo werde ich den Wunſch deines Her⸗ zens gerne erfuͤllen. Laura. Dir, dem hoͤhere Kraͤfte zu Gebot ſtehen, iſt es vielleicht nicht unbekannt, ob Karlo lebt, wo er lebt. Zukunft und Vergangenheit iſt dir viel⸗ leicht enthuͤllt. Ridogar. Du irrſt. Meine per⸗ ſoͤnlichen Kraͤfte erheben ſich nicht uͤber die, anderer Menſchen. Ich vermag weder die Vergangenheit zu durchbli⸗ cken, noch den Schleier zu luͤften, der der Zukunft verhaͤngnißvolles Wirken uns birgt, ich vermag in der Gegen⸗ wart nicht mehr mit meinem Blick zu umfaſſen, als das, was mich zunaͤchſt umgibt. 1 Laura. ltraurig.] Ich freute mich ſo ſehr, Nachricht von ihm zu erhal⸗ ten, wollte dich noch weiter fragen, ob Karlo mich noch liebt, ob ich ſeinem Herzen noch theuer bin. 176— Ridogar. Auch das vermoͤchte ich dir nicht zu ſagen. Groß iſt meine Macht, keiner der Erde ſteht uͤber zair, aber gröͤßer, unendlicher größer und machtiger iſt der Ewige, nur er ver⸗ mag in der Menſchen Herzen zu leſen, nur vor ihm liegt Vergangenheit, Ge⸗ genwart und Zukunft offen da, nur ihm gehorchen die unabaͤnderlichen Ge⸗ ſeze der Natur, denen ſelbſt ich nicht Widerſtand zu leiſten vermag. Laura. Wenn du, Maͤchtiger, mir dieſe Fragen nicht beantworten kannſt, wer ſollte es dann koͤnnen.. Ridogar. Verzige nicht. Far⸗ los Erſcheinen wird dich von ſeinem Leben uͤberzeugen z ber ſelbſt deine zweite Frage dir beantworten? Laura. Karlo ſelbſt ſagſt du? 8 ware er hier, was beduͤrfe ich ſonſt. 8 Uodoca Gebiete, und wandelt er noch im Neiche der e bendigen, t ſtehe er vor dir⸗ 6 —n ͤ— — 17— Laura.(beſtuͤrzt.] Wie? waͤre es moöͤglich? Mein Gott, das waͤre ja mehr, als ich je hoffen, je wuͤnſchen koͤnnte, das waͤre ja meine hoͤchſte Er⸗ wartung noch uͤbertroffen. Ridogar. Du willſt alſo, du biſt auf ſein Erſcheinen vorbereitet? Laura. Ob ich will fragſt du 2 Nicht unvorbereitet erſcheint mir der, nach dem ich jede Minute ſeufzend mich ſehnte. Ich bin mir keiner Schuld bewußt, er komme und es gelingt mir gewiß, den Wahn zu zerſtöreu, der ihn von mir riß. Ridogar. Nun woßlan. ſo ſey es. ler ergreift ſeinen Stab.]„Kraft mei⸗ ner Macht gebiete ich Euch, Geiſter der Unterwelt, den Fuͤrſten Karlo An⸗ drogenes hieher zu bringeh, im wel⸗ chem Winkel der Erde er ſich auch auf⸗ halten mag.“ In bebender Erwartung ſtarrte Lau⸗ ra nach der Thuͤre, und ehe noch ihre Gedanken ſich ordnen konnten, da 8 — 41786— öͤffnete ſich brauſend des Gemaches Decke und von unſichtbaren Handen wurde Karlo vor ihr niedergeſezt. Laura that einen Schrei und Karlo fuhr empor. „Wo bin ich, rief er ſtaunend, welche unnſichtbare Macht hat mich bieher ver⸗ ſezt?. „Karlo!“ rief Laura thraͤnend und ſtrekte die Arme ihm entgegen. Karlo. Ha, Treuloſe, du hier! Stehſt du mit Geiſtern im Bunde, die wider Willen mich hieher fuͤhrten? ha nimmermehr haͤtten deine Augen mich ſonſt erblickt! Laura. Karlo, hoͤre mich, hoͤre deine Laura—. Karlo. Meine Laura? fort Ver⸗ worfene! Sah ich nicht, wie den Ver⸗ haßten du umſchlangſt, wie er mit gluͤ⸗ henden Kuͤſſen deinen verraͤtheriſchen Mund bedeckte. Ha, fort, fort, dein Ahnblick ruft alle Bilder meines zerſtoͤr⸗ ten Gluͤcks vor meine Seele. 1. 9. La ura. Ich bin unſchuldig—— Karlo. Unſchuldig? Willſt du die Wahrheit ſelbſt zur ſchamloſen Luͤg⸗ nerin machen, willſt du das beſtrei⸗ ten, was meine Augen ſahen? Laura. Der Schein truͤgt. Karlo. Ja, ja, du haſt recht, der Schein truͤgt, graͤßlich hat er in dir mich betrogen. Laura. Kannſt du denn ſo ganz deiner Laura dein Ohr verſchließen, willſt du denn gar nicht ſie hoͤren? Karlo. Ha Schlange, ſieh, wie ich dich durchſchaue, meine Laura ſagſt du? Koͤnnte je Fuͤrſt Alexanders Ge⸗ mahlin meine Laura ſeyn? Laura. Alexanders Gemahlin? Noch bin ich es nicht? Karlo.(betroffen.] Du waͤrſt es nicht? Laura. In acht Tagen erſt ſol meine Vermaͤhlung ſeyn; Karlo. So hat man mics taͤuſcht, mich hintergangen. lſchmerzlich. O Laura, Laura, ich hatte viek um 12 — 180— dich gelitten,— ich hatte es nicht ver⸗ dient. La ura. Ha, Karlo, das war eine Stimme aus alten Zeiten, wohlthaͤtig verhallte ihr Klang in meinem Herzen. Jezt mußt du mich hoͤren, Die ſinkt zu ſeinen Fuͤßen.] Ich bitte, ich beſchwoͤre dich darum. Karl o. Üſee aufhebend.] So ſey es denn; ich bin bereit zu hoͤren; o möͤch⸗ te es dir gelingen, die Wahrheit ſelbſt. zur Luͤgnerin zu machen. Laura. Hoͤre und urtheile. Laura erzaͤhlte ihm nun Alles, was wir ſchon wiſſen, bis zu ſeinem eige⸗ nen Erſcheinen durch Ridogars Macht. Halb von froher Gewißheit erfuͤllt, und immer noch halb zweifelnd fragte Karlo,„aber wer verbuͤrgt mir die Wahrheit deiner Worte?“„Iche ſprach Ridogar, indem er plöoͤzlich ſichtbar vor ihnen ſtand. Um den Eindruck ſeiner Erſcheinung zu vergrößern, hatte er ſeine natuͤrliche, Geſtalt angenom⸗ 2 — — 181— men, aber ein feuerfarbener Mantel floß uͤber ſeine Schultern herab, auf ſeinem Haupre ruhte, ſtatt des Hele mes, die Feuerkrone und in ſeiner Rechten hielt er den Scepter ſeiner Macht, deſſen blizender Schimmer das ſchon dunkel werdende Gemach ſchwach erleuchtete. Karlo und Laura bebten zuruͤck und ſanken ehrfurchtsvoll auf die Knie. „Biſt du von Lauras Unſchuld uber⸗ zeugt?“ fragte Ridogar. „Ich bin es, Maͤchtiger“, ſtam⸗ melte Karlo. „So liebt Euch aufs neue“, ich gehe weiter fuͤr Euch zu handeln“, fuhr er fort und verſchwand. Karlo und Laura waren ganz ver⸗ ſoͤhnt. Auf der Ottomanne ſaßen ſie eng verſchlungen und dankten aus des Herzens Fuͤlle dem wohlthaͤtigen We⸗ ſen, deſſen maͤchtiger Schuz ſie wieder vereinigt hatte. 2* 12 — 162— aͤnge waͤren ſie wahrſcheinlich noch ſo ſizen geblieben, haͤtten nicht bemerkt, daß Daͤmmerung laͤngſt verſchwunden und die Nacht bereits hereingebrochen ſey, F wenn nicht eben die unſichtbare Fauſt, die Karlo hiehergebracht hatte, ihn er⸗ griffen und an den Ort ſeines fruͤhern Aufenthalts gefuͤhrt haben wuͤrde. Es war diß eine finſtere alte Burg in einem ungeheuren Forſte. Dort hatte Karlo ſeine einſame Wohnung aufgeſchlagen, um ungeſcheut uͤber Lau⸗ ra's Verluſte ſeinem Schmerze nachhaͤn⸗ gen zu koͤnnen. Ein einziger treuer 1 Diener war bei ihm, der fuͤr ſeine Le⸗ bensbeduͤrfniſſe Sorge trug⸗ Kaum war er von der unſichtbaren Hand in ſeinem Gemache niedergeſezt worden, ſo ſtand Ridogar ſichtbar ne⸗ ven ihm.„Kehre zuruͤck zu deinem Va⸗ ter, ſprach er, der ſchon lange um dich trauert, jezt iſt die Zeit, wo du Lau⸗ ra dir von ihrem Vater ſelbſt erwerben kannſt. Hoͤre mich aufmerkſam an: — 163— Uibermorgen veranſtaltet Fuͤrſt Anaxan⸗ dron, zu Ehren ſeines kuͤnftigen ver⸗ meintlichen Schwiegerſohnes eine große Jagd. Durch meine Macht geleitet, wird er ſich von der Jagdgeſellſchaft mit dem Fuͤrſten Alexander trennen; ich werde einen ungeheuern Baͤren auf Anaxandron rennen laſſen; doch ſey un⸗ beſorgt, auch ohne deine Huͤlfe wuͤrde er ihn nicht verſehren.— Alexander iſt feig, ſtatt dem Fuͤrſten zu Huͤlfe zu eilen, wird er die Flucht ergreifen, und im nemlichen Augenblicke eilſt du hinzu und erlegſt den Baͤren. Aus Dankbarkeit gegen dich, ſchon fruͤher ſeiner Tochter, nun auch ſeinem Ret⸗ ter, aus Jorn uͤber Alexanders feiges Benehmen wird er Lauras Hand dir nimmer weigern.“ Ridogar verſchwand und Karlo folg te ſeinem Rath. Er kehrte zu ſeinem Vater zuruͤck, wo alles ihn mit Jubel empfieng.. — 164—* Wie Ridogar geſagt hatte, ſo ge⸗ ſchah es auch. Die Jagd wurde rich⸗ tig veranſtaltet. Im Geſpraͤche ver⸗ tieft, entfernten ſich die beiden Fuͤrſten von den Uibrigen. Da ſtuͤrzte aus ei⸗ nem Gebuͤſche ein ungeheurer Baͤr her⸗ vor, auf Anaxandron los. Kaum hatte er Zeit, das Schwerdt zu ziehen. Ver⸗ gebens rief er Alexander zu Huͤlfe. „Ich kann mich mit ſo leichter Waffe nicht vertheidigen, rief dieſer, ich eile Huͤlfe zu holen“ und verſchwand bliz⸗ ſchnell im Gebuͤſche. Anaxandrons Verwuͤnſchungen folgten ihm. Schon hatte das wuͤthende Thier ihn zu Bo⸗ den geriſſen, ſchien eben ihn zerflei⸗ ſchen zu wollen, da ſprang Karlo her⸗ und bohrte den Jagdſpies dem Unthier in die Seite, zog ſchnell ſein Schwerdt und ſtieß es ihm bis an das Heft in den Rachen, als es eben grim⸗ mig nach ihm hauen wollte. Anaxandron erkannte ſeinen Retter. Er war ihm nun doppelten Dank ſchul⸗ * — 185— dig; Erbitterung uͤber Alexanders Hand⸗ lung geſellte ſich dazu, und was Ri⸗ dogar vorausgeſagt hatte, geſchah. Er wieß alle ferneren Antraͤge Alexan⸗ ders ab. Veyſoͤhnte ſich mit Karlos Vater wieder, legte die Haͤnde der Lie⸗ benden ineinander und kurze Zeit dar⸗ auf folgte Laura ihrem Karlo als Ge⸗ mahlin in ſeinen Pallaſt. Ridogar hatte nun ſchon ſo manche Liebende begluͤckt; jezt war die Zeit, wo auch er dieſer maͤchtigen Leiden⸗ ſchaft unterlag. Wir haben erfahren, wie ſehr Iſi⸗ dorens Anblick ihn ergriffen hatte. Er liebte ſie, und ihre Gegenliebe zu er⸗ ringen, war ſein hoͤchſtes Streben. Er ſah alle die Schwierigkeiten ein, die ſich ihm entgegen ſtellten; nicht ohne Grund muthmaßte er, daß wenn auch Iſidorens Gegenliebe ihm zu Theil werden ſollte, der ſtolze Fuͤrſt ihre Hand dennoch nie einem fraͤnkiſchen Ritter geben wuͤrde. Zwar war Ni⸗ — 186— dogar maͤchtiger, als je ein Fuͤrſt der Erde es ſeyn konnte, aber konnte er ſeine Macht öͤffentlich zeigen? ſtellten ſich ihm dann nicht eben ſo viel Vor⸗ urtheile entgegen? Er war Beherrſcher, Fuͤrſt der Hoͤlle, und entſprachen gleich ſeine Handlungen dieſem Charakter nicht, ſo war es doch immer die Hoͤlle, die verworfenen Geiſter des Himmels, die ihm dienten. Urſache genug fuͤr Manchen, ſich von ihm ent⸗ fernt zu halten. Um dieſe Zeit war ganz Konſtanti⸗ nopel voll von dem Lobe eines Fremd⸗ lings, der am Hofe des geiechiſchen Kaiſers ſich eingefunden und guͤnſtige Enäahue gefunden hatte. Es war ein Mann in ſeinen ſchoͤn⸗ ſten Jahren, eine hohe koͤnigliche Fi⸗ gur, ſtolz und majeſtaͤtiſch war ſein Gang, ernſt und gebietend ſeine Mine, deren ſchoͤne regelmaͤſige Bildung jeden aanzogen, reiche Locken umwallten ſei⸗ nen Nacken, den Surchdringenden Blick V V — — 137.— des blizenden Auges vermochte keines auszuhalten. In ſeinem ganzen Be⸗ nehmen lag Anmuth und Wuͤrde, und ſein Anblick riß unwiderſtehlich dahin. Jede ſeiner Bewegungen athmete das ſtolze Selbſtbewußtſeyn innerer Kraft. Dazu kam noch die P racht, mit der er erſchien. Bald trug er eine ganz ſil⸗ berne Nuͤſtung, bald eine hellglaͤnzende ſtaͤhlerne, reich mit Golde eingelegt, ſeine Feldbinden ſtrozten von Gold, golden war das Griff ſeines Schwerd⸗ tes und mit blizenden Diamanten reich beſezt. Ein weißer, mit Gold durch⸗ wirkter und mit Edelſteinen beſezter Mantel floß uͤber ſeine Schultern her⸗ ab, und das rothe Kreuz darauf be⸗ zeichnete den Zweck ſeiner Reiſe. Zum Heere der Kreuzfahrer zu ſto⸗ ßen ſey er Willens, ſagte er; Einen fraͤnkiſchen Ritter nannte er ſich blos; aber dem widerſprach ſein Benehmen, ſein Reichthum; man glaubte, wenig⸗ ſtens einen Kaiſer⸗ oder Königsſohn in 8 weilen. — 188— ihm ahnen zu duͤrfen, den hohe Zwecke zu dieſer Verbergung ſeines Namens bewogen. 3 Ehrenvolle Aufnahme fand er am Hofe des griechiſchen Kaiſers, wo Pracht und Reichthum alles galten. Ihm zu Ehren wurden einige Feſte ge⸗ „halten, mehrere Turniere veranſtaltet, in denen ſeine ſtarke unbezwingliche Fauſt uͤberall den erſten Preis errang. Wie einen leichten Stab ſchwang er die ſchwerſte Lanze und kein Harniſch war den Hieben ſeines kraͤftigen Ar⸗ mes ſtark genug. Ganz Konſtantinopel ſprach von der Schoͤnheit, der Anmuth und der Ta⸗ pferkeit des fremden Ritters und ta⸗ delte nur den hohen Ernſt, der ſtets auf ſeinem Geſichte lag, dem noch kei⸗ ne Dirne ein freundliches Laͤcheln hatte abgewinnen koͤnnen. Der Nitter hatte in den Antrag des Kaiſers gewilligt, einige Zeit an ſeinem Hofe zu ver⸗ —— — 189— Man warf ihm ſeine anſcheinende Gleichguͤltigkeit gegen die Weiber vor. „Ich habe nichts mit ihnen zu ſchaf⸗ fen“ entgegnete er ſtolz.— Laßt nur erſt die Fuͤrſtin Iſidora, die Krone der Jungfrauen Konſtanti⸗ nopels, erſcheinen, dann wird er ſchon anders ſprechen,“ ſagten alle, und ge⸗ rade dieſes wollte der fremde Ritter, denn es war niemand anders als— Ridogar, der dieſen Plan entworfen hatte, Iſidoren naͤher zu kommen, die er ſchon einige Zeit beobachtet, und deren ſchwache Seite er bereits ausge⸗ ſpaht hatte. So und nicht anders glaubte er handeln zu muͤſſen, und vorerſt Iſido⸗ ras Aufmerkſamkeit und bei anſcheinen⸗ der Gleichguͤltigkeit ihren Stolz zu rei⸗ zen, den allgemein bewunderten Fremd⸗ ling in ihren Feſſeln ſchmachten zu ſe⸗ hen. Es konnte nicht fehlen, daß nicht auch zu Iſidoras Ohren die Nachricht — 190— von dem Fremden und mit dieſer von 8 ſeiner Unempfindlichkeit gegen das weib⸗ 4 liche Geſchlecht gelangte. 1 Sie war neugierig, dieſes Wunder damaliger Zeit zu ſehen, wo ſich ſonſt Alles dem ſuͤßen Dienſt der Minne uͤber⸗ ließ, und ſchon keimte der Gedanke in ihr, den Starrſinn des Ritters zu be⸗ ſiegen, als ſie zugleich hörte, daß man diß allein von ihr erwarten zu duͤrfen glaubte.* Es ſchmeichelte ihrem Ehrgeize, al⸗ 1 lein unter ſo vielen ſchönen Jungfrau⸗ ien fuͤr die gehalten zu werden, die im Stande ſeyn koͤnnte, den Sinn des Ritters zu aͤndern, und ſte machte im. Stillen ihren Plan. 5 Sie brachte ihren Vater dahin, ein glaͤnzendes Gaſtmahl zu veranſtalten und auch den Fremden Ritter, oder vie wir ihn nun nennen wollen, Rido⸗ gar dazu einzuladen. 4 3 5 Mit geheimer Freude empfieng Ri⸗ dogar die Einladung; da es nach grie⸗ — — 191— chiſcher Sitte nicht uͤblich war, im ſchweren Harniſche bei Gaſtmaͤhlern zu erſcheinen, ſo legte er eine leichtere Kleidung von himmelblauer Seide mit Gold durchwirkt an, ein Baret mit koſtbaren Federn, und einem großen Diamante vornen, ſchmuͤckte ſein Haupt; an der reichen Feldbinde hieng ein zier⸗ liches Schwerdt mit goldenem Gfiffe. So geſchmuͤckt, zwei reichgekleidete Edelknappen hinter ſich, begab er ſich in den Pallaſt des Fuͤrſten Anaxandron, der ihn mit hoͤfiſchem Anſtande bewill⸗ kommte und in den Verſammlungsſaal fuͤhrte. Beinahe waͤre er aus ſeiner Rolle gefallen, denn mit orientaliſcher Pracht geſchmuͤckt, ſtrahlend aber noch mehr im Glanze ihrer faſt uͤberirdiſchen Schoͤnheit trat ihm Iſidora entgegen. Aber auch Iſidora erſchrak und ver⸗ ſtummte, denn hier ſah ſte das Ideal, das ſie ſchon laͤngſt im Buſen trug. ) Dieſe hohe edle Geſtalt, dieſer gebie⸗ —— 4 — 4192— tende und dennoch anziehende Ernſt in dem maͤnnlich ſchoͤnen Geſicht, dieſe Fuͤlle an Kraft und Hoheit, die aus Allem ſo reich hervorleuchtete, dies al⸗ les waren Eigenſchaften, die ſie verge⸗ bens an Maͤnnern ihrer Umgebung ge⸗ ſucht hatte. So wie Iſidora im Kreiſe der Jung⸗ frauen wie ein leuchtender Stern alle verdunkelte, ſo ſtand Ridogar unter den Maͤnnern, die neben ihm nur wie zierliche Puppen ſich bewegten. DBeide ſchienen fuͤr einander geſchaf⸗ fen; der erſte Blick auf ſie leitete zu dieſem Gedanken, und keines war im Saale, das nicht wenigſtens heimlich diß gedacht haͤtte. Man ſezte ſich zur Tafel, und Ri⸗ dogar unterhielt mit Ernſt und Laune die Geſellſchaft; man hatte ihm den Ehrenplaz neben Iſidora angewieſen, und er richtete oft mit anſcheinender uunbefangenheit ſein Geſpraͤch an ſie, — 1493— die verwirrt und einſilbig neben ihm ſaß. Ridogar bemerkte den Eindruck, den — er auf Iſidora gemacht hatte, und ſein Herz ſchwamm in reiner Freude. Wir wollen die Tafelunterhaltung nicht ſtoͤren und eine andere Unterhal⸗ tung hier einſchalten, die gar maͤchtig Ridogars Freude getruͤbt haben wuͤrde, wenn er ſolche gewußt haͤtte. Es war gerade zu dieſer Zeit große Verſammlung in der Hoͤlle. 3 Satan, der Oberſte der Teufel nahm ſeinen gluͤhenden Thron ein, ne⸗ ben ihn reihten ſich die hoͤheren Teu⸗ fel, Mephiſtopheles, Leviathan, Mo⸗ 3 gol und andere; jezt nahm Satan das Wort:„Freunde ihr wißt, daß das 4 allmaͤchtige Urtheil deſſen, den unfer — Mund nicht ausſprechen kann, um uns 3 zu demuͤthigen, uns einen Beherrſcher aus der Zahl der Sterblichen gab. Seine Herrſchaft uͤber uns dauert ſo lange, bis er nach den unabaͤnderlichen 8 Geſezen der Natur die Welt verlaſſen muß, doch kann er fruͤher ſeiner Macht dadurch verluſtig werden, wenn durch ihn dreimal unſchuldiges Blut vergoſ⸗ ſen wird, und zwar nicht einmal durch ihn ſelbſt, ſondern nur auf ſeine Ver⸗ anlaſſung. Ihr wißt, ſchon laͤnger denn ein Jahrzehend beherrſcht uns Ridogar; noch wandelt er auf dem Wege der Tu⸗ gend, aber noch fand er auch wenig, das ihn haͤtte in herbere Verſuchung fuͤhren koͤnnen. Jezt naht die Zeit, wo wir uns der Hoffnung uͤberlaſſen duͤrfen, bald das verhaßte Joch eines Sterblichen abſchuͤtteln zu koͤnnen, denn wißt— Ridogar liebt. Wenig haͤtte diß zu ſagen, wenn nicht ſeiner Liebe Hinderniſſe ſich entgegenſtemmten, die er ſelbſt bei aller ſeiner Macht nicht beſeitigen kann. Die Leidenſchaft, die mit raſender Gewalt ſich ſeines ganzen Weſens bemaͤchtigt hat, laͤßt nicht lan⸗ ge Zeit zum Uiberlegen, eine raſche . ☛ 4 — ☛ „.= 72. —(6( — 8 die mit raſchen Schritten wuchs. Aber — 195— Handlung fuͤhrt oft ab vom Wege der Tugend und hat er nur erſt den erſten Schritt gethan, dann iſt mir Macht gegeben, auf ſeine Handlungen zu wir⸗ ken, und wahrlich dann ſoll er der Stimme der Verfuͤhrung nicht wider⸗ ſtreben koͤnnen. Die Teufel erhoben ein Jautes Bei⸗ fallsgeſchrei und nachdem Satan noch einige andere Gegenſtaͤnde in Bera⸗ thung gezogen hatte, zerſtreuten ſie ſich— wieder, um auf der Erde den Samen des Unkrauts immer ſtaͤrker auszuſaͤen und fortzupflan zen⸗ Die Tafel bei Fuͤrſt Ana xandron war indeſſen aufgehoben worden. Iſi⸗ dora hatte bei Ridogars erſtem Erſchei⸗ nen nimmer an ihren Plan gedacht, denn noch nie fuͤhlte ſie bei dem An⸗ blick eines Mannes dieſe aͤngſtlich fuͤße Beklommenheit, die ſo maͤchtig und ploͤzlich ſie ergriffen hatte. Es war Wirkung der erſten aufkeimenden Liebe, 13 — 196— auch Ridogar vergaß ſeine Rolle. Un⸗ verhohlen naͤherte er ſich immer mehr der reizenden Iſidora und zeigte ihr ungeſcheut den Eindruck, den ſie auf ſein Herz gemacht hatte. Mit freudig pochendem Buſen em⸗ pfieng Iſidora dieſe Huldigungen. Es war nicht mehr der Stolz, den Ritter beſiegt zu haben, es war die reinere, beſſere Empfindung der Freude, nicht hoffnungslos zu lieben, wieder geliebt zu werden, was jezt ihre Bruſt bewegte und erhob. Traͤumend kam Ridogar in ſeine Herberge zuruck, Iſidora erfuͤllte ſein Inneres und kein anderer Gedanke fand neben ihr Raum. Er war wieder ge⸗: liebt, er wußte diß und es erhoͤhte ſei⸗. nen Triumph. Faäͤrſt Anarandron bot ihm beim . Abſchied ſein Haus zu ferneren Beſuchen an und begierig ergriff Nidogar aee— Gelegenheie, Iſddora öfter zu ſehen.. 83 197— Das Heer der Kreuzfahrer hatte ſereſſ langſt Konſtantinopel verlaſſen, aber Iſidora war der Magnet, der Ri⸗ dogar vurickhielr Anfangs bezwang er ſich, und gieng nur hie und da in Anaxandrons Palla⸗ ſte, aber bald wurden ſeine Beſuche häufiger, ja faſt täglich und nicht lan⸗ ge mehr blieb es in Konſtantinopel ein Geheimniß, daß der fremde Ritter und Iſidora ſich liebten. 3 Die Liebe dieſer beiden naßm einen 3 gluͤcklichen Fortgang. Auf einem ein ſa⸗ men Morgenſpaziergange warf ſich Ri⸗ dogar zu Iſidorens Fuͤßen und geſtand ihr ſeine Liebe; ſchilderte ihr nach der Sitte damaliger Zeit die fuͤrchter. liche Wunde, die ihr Anblick ſeinem Herzen geſchlagen habe, und bat ſie, nun auch mit heilender Hand lindern⸗ den Balſam darauf zu traͤufeln. Iſidora hatte ſchon länger einem ſolchen Geſtaͤndniß entgegengeſehen. Sie ſträͤubke ſich zwar nach jungfräulichet Sitte, doch bald ſank ſie an die Bruſt des Geliebten und er emp fieng das Geſtaͤndniß ihrer Gegenliebe. Jezt druͤkte er den erſten Kuß auf Iſidorens reizenden Mund, den ſie feurig ihm zuruͤckgab. Erd und Himmel ſchwan⸗ den den Liebenden, ſie ſchienen allein zu ſtehen in der unermeßlichen Schö⸗ pfung, nur ſich, ihrer Liebe zu leben. Sie ſchwuren ſich unter dem blauen Gezelte des Himmels ewige Liebe ewi⸗ ge Treue, und kehrten mit neuen, fro⸗ heren Empfindungen in den Pallaſt zuruͤck. Einige Wochen ſchwanden den Lie⸗ benden in ungetruͤbtem Genuſſe ihrer Seligkeit. Iſidora war ganz verwan⸗ delt. Die Liebe ſchien ſie gelaͤutert, ihren Stolz, ihre Herrſchſucht in des Herzens tiefſten Grund zurückgedraͤngt iu haben. Oft ſaßen ſie in dem Gatten hinter dem Pallaſte unter gruͤnen Akazienbaͤu⸗ men auf dem weichen Mooſe. An Ni — 4199— dogars Seite, von ſeinen ſtarken Ar⸗ men umſchloſſen, das goldgelokte Haupt an ſeine Bruſt gelehnt, ganz Liebe, ganz Hingebung ruhte diereizende Iſi⸗ dora neben ihm, und gab ihm gluͤhend die Kuͤſſe zuruͤck, die ſie gluͤhend em— pfieng. Oft fuhr ſich Ridogar uͤber die heiße Stirne, oft drobte ſeine Bruſt unter den gewaltigen Schlaͤgen des Herzens zu ſpringen, febriliſcher zukten ſeine Muskeln und in ſeinen Adern ſchienen ihm Feuerflammen zu toben, wenn er die goͤttliche Iſidora, die ſchoͤnſte ihres Geſchlechts, die Kro⸗ ne der Jungfrauen, ſo ganz Liebe in ſeinen Armen, an ſeine Bruſt gepreßt hielt. Aber eben ſo oft ſchwur er ſich ſelbſt dieſes vertrauungsvolle Hingeben nie zu mißbrauchen, nie freventlich die Unſchuld der Geliebten zu verlezen. Indeſſen zog ſich uͤber ihrem Haupte ein drohendes Gewitter zuſammen. Anaxandron blieb dieſe Liebe nicht un⸗ bekannt, und ſeine Stirne legte ſich — 200— in zornige Falten. Er hatte mit Iſi⸗ dora hohe Abſichten, es ſchien ihm nicht zu viel, einſt noch auf dem grie⸗ chiſchen Kaiſerthrone ſie zu erblicken. Anaxandron war einer der erſten grie⸗ chiſchen Fuͤrſten und in ſeinen Adern roll⸗ te königliches Blut, eine Verbindung Iſidoras mit dem Sohne des Kaiſers lag ſchon lange heimlich in ſeinem Plane, und wirklich ſchien der junge Fuͤrſt nicht unempfindlich gegen Iſidora zu ſeyn, die von ihm bei mehreren Gelegenheiten ſchon auffallend ausor⸗ ichnet worden war. Wer konnte aber auch gegen dieſe Schoͤnheit gleichgültig bleiben. Rido⸗ Sa bedrohten noch viele maͤchtige Ne⸗ benbuhler. Manche hatten ſchon um ihre Hand angehalten, aber der Vater aͤußerte unverhohlen, daß keiner dieſer Freier ihm genuͤge. Ridogars öftere Beſuche fiengen an, ihm zu mißfallen, und er ließ ſolches deutlich merken; Iſidora aber unterfagte er mit kurzen, 1 * doch mit nachdruksvollen Worten all Gemeinſchaft mit dem Ritter. 8 Ridogar war nicht der Mann⸗ fo etwas zu ertragen, er zog ſich zu rüͤck und von dieſer Zeit an ſah ihn Nie⸗ mand mehr in Anaxandrons Pallaſte, als— Iſidora; unſicht bar ſchwebte er zu ihr, und ſie konnte oft nicht be⸗ greifen, wo er herkomme, da er nie etwas von ſeiner Macht erwaͤhnte. Ri⸗ dogar laͤchelte und ſchwieg. Einſt uͤberraſchte er ſie Abends im Garten, wo ſie einſam auf und nieder gieng. Er erſchrak. Ihre Wangen waren bleich, in ihrem Auge noch Spuren haͤufig vergoſſener Thraͤnen ſichtbar. Mit leidenſchaftlicher Heftig⸗ keit warf ſie ſich in Ridogars Arme. „Man wilt uns trennen, fagte ſie mit ſchmerzerſtikter Stimme“ o mein Ridogar, die ſchoͤnen Stunden unſerer Liebe werden wohl entflohen ſeyn. Ridogar. Zage nicht, theure Iſidora, noch ſind wir ja richt getrennt, — — 202— noch halte ich dich in meinen Armen; wer mill mir da deinen Beſtz ſtreitig machen? Iſidora. Mein Vater. O du kennſt ihn nicht, was er will, das will er feſt, unabaͤnderlich. Ridogar. Und dennoch gab er Laura Karlo zur Gemahlin? Iſidora. Fuͤrſt Alexander war ſelbſt die Urſache. Statt fruͤherer Be⸗ guͤnſtigung zog er ſich durch ſeine Hand⸗ lung meines Vaters Verachtung zu. Ridogar. Aber welches Ungluͤck droht denn unſerer Liebe? ſers, der Erbe ſeines Thrones, hat um meine Hand angehalten. Rigogar. Lbetroffen.] Wirklich? fürwahr das uͤberraſcht mich. Haͤtte nicht deines Vaters unfreundliches Be⸗ kommen. Zſidora. Du weißt es noch nicht? Alexis, der Sohn unſers Kai⸗ nehmen in der lezten Zeit mich zuruͤck⸗ geſchreckt, ſo waͤre ich ihm zuvorge⸗ — — — 203— Iſidora. Und haͤtteſt eine ab⸗; ſchlaͤgliche Antwort erhalten, denn ich habe erfahren, daß dieſe Verbindung ſchon laͤngſt meines Vaters geheimer Plan war, deſſen unerwartete baldige Erfuͤllung ihn nur ſeinem Ziele naͤher fuͤhrt. Ridogar. Alexis Reichthuͤmer noch aufzuwaͤgen fiele mir nicht ſchwer, aber den Vorzug der Geburt kann ich mir nicht geben. Ich bin nur ein fraͤn⸗ kiſcher Ritter, er ein Kaiſersſohn. Iſidora. Es waͤre wirklich ſo 2. Immer hielt man dich fuͤr einen ver⸗ kappten Fuͤrſten, und dein Reichthum, deine Pracht gaben dieſer Meinung Wahrſcheinlichkeit. Ridogar. Ich widerſprach ſtets 3 dieſem Gexuͤchte. Ridogar von Stei⸗ neberg iſt mein Name, Jahrhunderte bluͤhte mein Geſchlecht; ich bin der lezte meines Stammes. 8 Iſidora. llichtbar unräbisJ Das beunruhigt mich.“ — Ridogar.(pruͤfend.] Daß ich nicht bin, was man von mir glaubte? Iſi⸗ dora! lernſt und majeſtätiſch.] Koͤnnte ich diß ahnen! lmit Wuͤrde.] Blutend riß ich dein Bild aus meinem Herzen und— l[mit Nachdruck.] Du waͤrſt frey! Iſidora. Lan ſeine Bruſt ſinkend.] Weelcher haͤßliche Zweifel. lzaͤrtlich.) Ich liebe ja dich, nich deinen Stand. Aber wegen meinem Vater macht es mich unruhig, denn nun ſehe ich gar keine Hoffnung je ſeint Einwilligung zu erhalten. MRlidogar. Sey ruhig theure Iſi⸗ 8 dora. Bin ich gleich kein Kaiſersſohn, ſo iſt doch meine Macht groͤßer, als je bei einem Fuͤrſt der Erde ſeyn kann. IJIſidora. Koͤnnte ſie nur von Alens mich befreien. 3 Steinbaufe werden. Nidogar. Iſidora, ſieh, hier ſchwoöre ich dir, bei Ritterwort und Ehre, nie wirſt du Alexis Gemahlin. „Ehe ſolt ganz Konſtantinopel zu einem 3 — 205— Ifidora. Haͤtte ich deinen Schwur nicht gehöͤrt, ſo glaubte ich, du ſcherz⸗ teſt. Du, ein einzelner Ritter, wo 1 willſt du die Macht hernehmen⸗ Alexis, dem Kaiſer ſelbſt zu trozen? Ridogar. Ich habe bisher ge⸗ ſchwiegen, die Zeit zum Reden, zum Handeln naht. O Iſidora, um deinen Beſiz koͤnnte ich blind in der Schoͤ⸗ pfung wuͤthen. Siehſt du dort jenen Felſen, wie er einzeln und trozig aus der Ebene ſich erhebt? Jahrhunderte ſchon ſteht er vielleicht hier. ler ergeeift ſeinen Stab.] Blicke hin! ler ſchwingt ſei⸗ nen Stab.] Verſinke in den Schoos der Erde! Lein donneraͤhnliches Krachen iſt hoͤrbar und der Felſen verſinkt.] Zweifelſt du noch an meiner Macht? Erſchrocken ſah Iſidora dem wun⸗ derbaren Schauſpiel zu; mit ſccheba. rer Scheu entfernte ſie ſich einige Schritte von Ridogar.„Wer biſt du 2 Fragte ſtie leiſe und bebend,„biſt du mehr als ein Menſch, ein Geſſ 6 — 206— „Befuͤrchte nichts“, entgegnete Ri⸗ dogar lachelnd und zog ſie an ſeine Bruſt.„Ich bin ein Menſch, doch Kraften.“ Iſidora. Und du kannſt es mir ſo lange verbergen? Ridogar. Verzeih, theure Iſi⸗ dora, ich war eiferſuͤchtig auf mich ſelbſt, ich wollte nicht durch den Glanz meiner Macht deine Augen blenden, nur meinem eigenen Ich deine Liebe voerdanken. Hat dir deine Schweſter Laura nie erzaͤhlt, auf welche Art ſie Karlos Gemahlin wurde? ja— jezt ahn ich alles. Du warſt das maͤchtige Weſen, deſſen Schuze ſie ihr ganzes Gluͤck verdanken? Ridogar. Ich bin es. Fſidora. freudig.] O dann ſchwin⸗ det jeder Zweifel, dann hege ich gerechte einen gluͤcklichen Ausgang nehmen werde⸗ 6 5 8 „ ausgeruͤſtet mit mehr als menſchlichen Fſidora. Wohl hat ſie das, und freudige Hoffnung, daß unſere Liebe noch 4 5 . —— — 207— Ridogar. Ich hoffe es ſelbſt, doch freue dich nicht zu ſehr. Meine Macht iſt groß, ſie iſt im Stande dich vor jedem Anfalle, vor jeder unange⸗ nehmen Begebenheit zu ſchuͤzen, ſie kann mir in jedem Augenblicke deinen ungeſtoͤrten Beſiz erwerben; aber— all⸗ maͤchtig iſt nur der Ewige, nur Er vermag die Herzen der Menſchen zu regieren, nur Er vermag ihre Handlun⸗ gen zu leiten. Iſidora. traurig.] O wenn du ſelbſt, der Maͤchtigſte der Sterblichen, noch Zweifel haſt, dann bin ich zu be⸗ klagen, dann weiß ich nirgends Rath, nirge ds Huͤlfe. Ridogar. Verſtehe mich recht, Geliebte. Ich will nur damit ſagen, daß ich deines Vaters Herz nicht regie⸗ ren, ſeine Geſinnungen nicht aͤndern kann. Wird er je in unſere Verbin⸗ dung willigen? Iſidora. Er wird, er wird. Er ſtrebt nach Ruhm und Groͤße, wo — 206— koͤnnke er ſeinen Zweck beſſer erreichen, als bei dir. Ridogar. Du irrſt, Iſidera. Meine Macht, ſey ſie auch noch ſo groß, vermag doch den Mangel hoͤhe⸗ rer Geburt nicht zu erſezen, vermag aus dem Ritter keinen Kaiſerſohn zu ſchaf⸗ fen. Und dann, wird er zugeben, daß du mit mir zieheſt in meine Heimath nach Franken, wird er ſo weit aus ſeinen Augen dich laſſen? Iſidora. das wuͤrde freilich Muͤ⸗ he, wuͤrde viele Ueberredurg koſten. Aber koͤnnteſt du denn nicht bei uns bleiben, ſiehe dann ware dieſer Anſtand ſchon gehoben. Ridogar. Ich könnte es, aber auf der Burg meiner Vaͤter wuͤnſchte ich dich lieber zu ſehen, hier bin ich nicht zu Hauſe. Mein Schikſal treiht mich von Oſt nach Weſt, in alle Ge⸗ genden der Erde; dein Aufenthalt hier wuͤrde mich unruhig machen; auf mei⸗ — — 209— ner Burg wuͤßte ich dich ſiche rer, dort wuͤrdeſt du nur allein mir zugehoͤren Iſidora. Ich folge dir uͤberall hin; wenn es ſeyn muß, ans Ende der Welt; aber mein Vater wird nicht einwilligen. Ridogar. Leicht könnte ich deſ⸗ ſen entbehren. Ein Gedanke nur und ſo wie wir hier ſtehen, waͤren wir ſchneller als du es zu denken vermagſt, auf meiner Burg, waͤren durch Laͤnder und Meer von deinem Vater getrennt und auch ohne fernern Gebrauch mei⸗ ner Macht, ſicher vor jeder Verfolgung, vor jeder Entdeckung. Doch du wirſt mir ſo nicht folgen wollen? Iſidora. Nein, nein! ich liebe dich mehr als mein Leben, aber ohne Einwilligung meines Vaters kann, ich nie die Deinige werden.. Ridogar. Ich will deinen Ent⸗ ſchluß nicht tadeln, er iſt gut und ge⸗ eeecht, Gehorſam iſt allerdings der Toch⸗ ter erſte Pflicht gegen einen Vater, 4 — 2¹10— dech mich entfernt es vom heißen Ziele meiner Wuͤnſche, mich macht es un⸗ gluͤcklich, denn ohne Flucht wird mir dein Beſiz nie zu Theil werden. „ Iſt es denn Unmöglichkeit fuͤr dich, auf eine glaͤnzende Stufe dich zu ſchwingen; ware es fuͤr deine Macht zu viel, ſelbſt uf den griechiſchen Kaiſerthron dich zu ſezen? Ha, dann wuͤrde mein Vater gewiß mit Freuden uns vereinigen. Ridogar. Er wuͤrde es, und ich könnte es thun. Wenn ich wollte, ſo waͤre morgen ſchon der griechiſche Kai⸗ 8 kertaren mein. Zut, dann ſind wir uͤber alle Bedenk⸗ lichkeiten hinweg. Ridogar. Frohlocke nicht zu bald. Ich koͤnnte es— aber ich werde es nie thun. Ich war nicht beſtimmt, auf Iſidora. Ich ſehe das nicht ein. Iſidora. O dann iſt ja alles dem griechiſchen Kaiſerthrone zu ſizen; vermeſſen wuͤrde ich in das Rad des Schickſals eingreifen, das nur die Hand 1 —— 5 5 82. — 211— des Allmächtigen zu leiten vermag. Es waͤre großer ungeheurer Mißbrauch mei⸗ ner Macht, es wuͤrde mir eben ſo gro⸗ ße, eben ſo ungeheure Verantwortung zuziehen. Iſidora. Daun ſehe ich keinen Ausweg mehr. Ridogar. Verzage nicht, hoffe von der Zukunft, was die Gegenwart uns verweigert, und beruhige dich in⸗ deſſen mit dem Gedanken, daß keine menſchliche Macht dich ſoll zwingen koͤnnen, einem ungeltebten Manne dei⸗ ne Hand zu reichen. Iſidora. Es iſt viel, es iſt mehr als ich je erwarten konnte und dennoch 3 weniger als ich wuͤnſchen moͤchte. Ridogar. Sey ſtandhaft und hoffe getroſt das Beſte. Er ſchloß ſie in ſeine Arme, druͤkte einen gluͤhenden Kuß auf ihre Korallen⸗ Lippen und verſchwand. Iſidora kehrte— beruhigter in den vaͤterlichen Pallaſt zuruͤck..— 44 — 212— Nicht ſo ganz ruhig war Ridogar; in ſeinem Herzen tobte es troz ſeiner anſcheinenden Ruhe gewaltig. Iſido⸗ rens Beſtiz ſchien ihm ein immer hoͤhe⸗ res Gluͤck, jede neue Schwierigkeit, die ſich ihm entgegenſtemmte, entflamm⸗ te ſeine Leidenſchaft nur noch mehr. Schneller als Gedankenflug verſezte ihn ſein Wunſch nach Franken in die Burg ſeiner Vaͤter: unſichtbar irrte er in den Gemaäͤchern umher; leer und de, einſam und traurig ſchienen ihm alle, denn er war ja allein, Iſidora nicht an ſeiner Seite⸗ Seufzend warf er ſich auf ſein Ruhebett, Wenenne. holde Geſtalk ſchwebte vor ihm. dachte ſie ſich als Hausfrau an fauer Seite, er uͤber⸗ legte, daß es ſich wohl ruhen muͤſſe im Arme eines liebenden Weibes, daß hoher Genuß ſeyn muͤſſe, am Bu⸗ fen einer treuen Gattin die Stuͤrme des Lebens zu vergeſſen, in ihren Ar⸗ men neue Kraft, neus Staͤrke zu fer 4 — 215— neren Handlungen zu ſammeln.„Was nuͤzt mir jezt meine Macht?“ fuhr er in Gedanken verſunken und in Worte ausbrechend fort,„Vermag ich mehr als der ſchwaͤchſte der Sterblichen? Bin ich im Stande das Herz von Iſt⸗ dorens Vater umzuſchmelzen? Kann meine ganze Macht mir Iſidorens Be⸗ ſiz verſchaffen? O ich bin elender als der elendeſte der Sterblichen! Felſen ſtuͤrzen zuſammen, wenn ich winke, Berge verſinken, wenn ich gebiete, und neue Schoͤpfungen vermag die Macht meines Stabes hervorzuzaubern, nur mir ſelbſt kann ich nicht helfen; viele Lebende habe ich ſchon begluͤckt, man⸗ ches traurende Paar vereinigt, doch wer leiſtet mir ſelbſt Huͤlfe? Wenn Iſi⸗ dora nicht mit mir entflieht, ſo ſehe ich kein Mittel ſie zu erwerben. Aber ich koͤnnte ſie auch ohne ihre Einwilligung hieher bringen, koͤnnte ſie entfuhren. Entfuͤhren? nein, nein, Dirnenraub iſt eine ſchaͤndliche Handlung, unwerth 145 — 214— eines freien Ritters. Zwar ſehe ich hier kein Verbrechen, wir lieben uns, ſie ſoll meine eheliche Hausfrau wer⸗ den, nichts Boͤſes hegen wir im Sinne, der ſtolze Vater will ſie mir verweigern, er hat Unrecht, aber er beharrt darauf, warum ſoll ich nicht mit Gewalt mir Recht verſchaffen? doch halt, er iſt Vater, ſie ſein Kind, nein, ich will mich nicht taͤuſchen durch Trugſchluͤſſe, Gehorſam kann er von ſeinem Kinde fordern. Duͤſter und mißmuthig ſtand er auf und gieng mit ſtarken Schritten im Gemache auf und ab.„Was beginne ich aber? Fuhr er wieder fort. Auf welche Art gelange ich zum Ziel? Soll ich durch erborgte Geſtalt und Namen, durch einen Rang der mir nicht ge⸗ ahrt, ihn taͤuſchen, Iſidorens Hand nehr! Es waͤre falſch, waͤre unredlich gehandelt; jede fremde Geſtalt erſcheint dieſe Art erſchleichen?— Nimmer⸗ mir unheimlich bei Iſidora. Oder ſoll — 215— ich meine Macht gebrauchen, ſoll ich Anaxandron zum Werkzeug feines Wil⸗ lens dienen? Ha, dann wird er Iſido⸗ rens Hand mir nicht verſagen; aber wie wird er meine Macht gebrauchen, wird nicht ſein Ehrgeiz, ſeine Herrſch⸗ ſucht ſchrekliche Mittel ergreifen zum Ziel zu gelangen; nach der Kaiſerkrone geluͤſtet es ihn ſchon laͤngſt, wird er nicht mit Huͤlfe meiner Macht ſie endlich ſich ſelbſt aufſezen, muͤßte ich nicht die Folgen dieſer Handlungen ver⸗ antworten 2 So ſprach Ridogar in dieſem Tone noch einige Zeit mit ſich ſelbſt, aber Rer fuͤhlte nur allzuwohl, daß ſeine Ver⸗ nunft dieſe Worte ihm zwar eingege⸗ ben habe, ſein Herz jedoch nicht ſo ganz zufrieden damit ſey.. Er erſchrak im Ernſte fuͤr ſich ſelbſt, wenn er, ſein Inneres ſtrenge pruͤfend, gewahren mußte, daß das kuͤnſtliche 5* Gebaͤude dieſer Grundſaäͤze, vor der Gewalt der Leidenſchaft nur allzuleſcht — 216— 4 einzuſtürzen ſchiene, daß es ihm minder ſchwer fallen wuͤrde, um Iſidore zu erringen, auch Mittel zu ergreifen, die der Verſtand mißbilligen muͤßte, daß ſein Herz nicht den fruͤher gewohnten Abſcheu vor einer unrechten Handlung fuͤhle, wenn er den Gedanken an Iſi⸗ dorens Beſiz damit verwebte. „Was wird noch aus mir werden, ſeufzte er tief, ſoll dieſe Leidenſchaft mich noch abbringen vom Wege der Tugend? Ich bin nur ein ſchwacher Sterblicher, ein Menſch, ich will mu⸗ khig kaͤmpfen, doch rechne es mir nicht allein zu Allmaͤchtiger wenn ich falle! Mitt eherner Kraft haͤlt dieſe Leiden⸗ ſchaft mich gefeſſelt und nimmer ver⸗ mag ich, mich derſelben zu entreißen.“ Ridogars Herz war gut. Er woll⸗ te Iſidorens Beſiz keiner uͤbernatuͤr⸗ Macht verdanken und ſah ohne — 7 ₰ 214— — Wacker und ruhig kaͤmpfte er den Eingebungen der Leidenſchaft entgegen, 3 aber er war nur ein Menſch, zu groß die Macht der Liebe und— er unter⸗ lag. Ridogar war wieder nach Kon ſtan⸗ tinopel geſchwunden. Das erſte Wort⸗ das er vernahm, war die herannahen⸗ de Verlobung der Fuͤrſtin Iſidora mit Alexis, dem Sohne des Kaiſers. Das Geruͤcht ſchilderte den vergeb⸗ lichen Widerſtand der Braut, ihre Thraͤnen, ihre Verzweiflung und Rido⸗ gar knirſchte. „Nein, beim Himmel, ſo weit ſoll es nicht kommen“, rief er wild,„wer will mir Iſidora entreißen? Unnatuͤr⸗ licher Vater, deine Grauſamkeit zwingt mich, anders zu handeln, als ich mir. vorgenommen hatte.“ 1— Sein Stab rief Satan, den Ober ſten der Teufel, herbei. „Ich gebiete dir, Kraft der mir uͤbergebenen Grwalt daß du⸗ den Fuͤr⸗ — 216— ſten Alexis, Sohn des Kaiſers zwingt, abzuſtehen von einer Verbindung mit Iſidora, und ſein gegebenes Wort wie⸗ der zuruͤckzunehmen“ ſo ſprach Rido⸗ gar im Gefuͤhle der heftig aufgereizten Leidenſchaft und Satan verſchwand, ſein Gebot zu erfuͤllen. Der alte Fuͤrſt, Iſidorens Vater, hatte von ihr ſelbſt das Geſtaͤndniß ihrer Liebe zu Ridogar erhalten; die Unvorſichtige hatte ihm von deſſen ſey, der Laura und Karlo vereinigt habe. Sie ho ffte des Vaters Herz da⸗ durch zu erweichen und umzuſtimmen, aber ſie hatte ſich betrogen. Der Fuͤrſt tobte bei dieſem Ge⸗ ſtändniß, er glaubte ſeine Hoffnung, es Kaiſers Sohn als Eidam umar⸗ men zu koͤnnen, ſchon ſo nah, und erblikte jezt auf einmal neue Hinder⸗ niſſe.„Aus meinen Augen unwuͤrdi⸗ ge Dirne, die einem elenden Gaukler ihre Liebe zuwenden konnte, der mich Macht erzaͤhlt, und daß er es geweſen betrog. Ha, haͤtte ich diß ahnen koͤn⸗ nen, nimmermehr haͤtte Karlo meiner Laura Hand erhalten“ rief er erbittert, und ſtieß die Jammernde von ſich,„aber ich biete ihm Trotz, und ſtuͤnde er ſelbſt im Bund mit den hoͤlliſchen Maͤchten der Unterwelt; nimmermehr ſoll der Kuͤhne der mich ſo hinterging, mein Eidam werden, diß ſchwoͤr ich bei mei⸗ nem grauen Haupte, bei dem unſterb⸗ lichen Gott, der uͤber uns kioietn Iſidora ſank haͤnderingend zu ſei⸗ nen Fuͤßen nieder, doch vergehens war ihr Jammern, vergebens ibr Flehen z er blieb unerbittlich. „Du wirſt Alexis Gemahlin, rief der erbitterte Vater, und machſt dich bereit in der naͤchſten Woche deine Ver⸗ lobung zu feiern, oder gehſt in ein Kloſter.“ Mit dieſen Donnerworten eilte er erboßt aus dem Gemache und Iſidora 3 blieb ihrem Jammer überlaſſen.„Ich habe das Uebel noch aͤrger gemach! v — 220— rief ſie troſtlos, jezt iſt nichts mehr von ihm zu hoffen, jezt ſteht mein ein⸗ ziger Troſt noch auf dem Geliebten ſelbſt, mag er nun ſeine Macht gebrau⸗ chen, ich habe alles verſucht, ich habe ge⸗ jammert, auf den Knien vor ihm gele⸗ gen, es war umſonſt. Jezt kann es kein Verbrechen mehr ſein, wenn ich fliehe mit ihm. Iſt Lieben denn Sün⸗ de, iſt Ridogar nicht bieder und gut, hat nicht der Allmaͤchtige ſelbſt dieſe Leidenſchaft in unſere Herzen gelegt, und thun wir Unrecht, ihr zu folgen?— In acht Tagen Alexis Gemahlin oder im Kloſter, o wie koͤnnte ich diß ertra⸗ gen, Verzweiflung waͤre mein Loos, und diß kann der Wille des Ewigen 4 nicht ſeyn.“ Eben faßte Iſidora den Vorſaz, mit dem Geliebten in ſein Vaterland zu flie⸗ hen; es ſchien ihr das einzige Mittel 8 t wüthend in ihr Gemach. ch zu ihrer Rettung, da ſtuͤrzte der 3 Geſtaͤndniß aus dir berauspreſſen.— 3c — 221— „Ha Verworfene, rief er ſchaͤumend, jezt erkenn ich die hölliſche Macht dei⸗ nes Buhlen; Alexis nimmt ſein Wort zuruͤck, bricht ſeine Verbindung mit dir ab. Ha Fluch und Tod uͤber den nichts⸗ wuͤrdigen Buben, der durch Satanskuͤnſte ihn ſchreckte, aber es ſoll ihm dennoch 4 nicht gelingen, Hohn ſprech ich ſeiner Macht, der Elende ſoll fuͤhlen, daß Va⸗ terzorn nicht zu baͤndigen iſt, nimmermehr werde dein Beſiz ihm zu Theil. Und du, nichtswuͤrdige Dirne fuhr er fort, indem er die Zitternde von der Otto⸗ mane, auf die ſie geſunken war, em⸗ porriß, du feile Buhlerin, nicht wahr, du ſpielteſt unter einer Decke mit ihm, du wußteſt um Alles, geſtehe oder ich begehe eine That, die mich keuen koͤnnte. 3 „Barmherzigkeit, ich weiß von nichts, ſtammelte leiſe Iſidora“ Vater. Du weißt von nichts? Ha, ha, ha, warte, ich will ſchon ein will dir einen Ort anweiſen, wo we⸗ der ein Strahl der Sonne noch des Mondes hindringen ſoll, dort wirſt du wohl eines beſſern dich beſinnen koͤn⸗ nen. 3 Iſidora.„Ich bin unſchuldig, Guade, Erbarmen, mein Vater.⸗⸗ Vuater. Halt, jezt faͤllt mir ein Ge⸗ danke bei, auf ewig deinem ſchaͤndlichen Buhlen dich zu entreißen; mag auch ſeine Macht ſo groß ſeyn als immer moͤglich, geweihten Mauern kann er dich nimmer entreißen, dort verſchwin⸗ det jede Macht. Du gehſt in ein Klo⸗ ſter, jezt auf der Stelle, keine Minute langer will ich ſaͤumen; mit Alexis iſts nun einmal aus, er hat ſich beſtimmt aͤrt, wohlan ſo ſollſt wenigſtens du dein Buhle nicht triumphiren. ſidora.„Erbarmen mein Vater, mich in kein Kloſter, was habe n ſtraͤfliches gethan, daß ich Ri⸗ uns deine Einwilligung.“ dogar liebe; o ſey barmherzig, gib „ — 223— Vater. Meine Einwilligung? Tho⸗ rin! ihm, der mich ſo ſchaͤndlich hin⸗ tergieng, der um meine ſchoͤnſte Hoff⸗ nung mich betrog. Ha, ich haſſe ihn, gluͤhend, unausloͤſchlich! Waͤre er hier, der Bube, mit eigenen Haͤnden koͤnnte ich ihn erdroſſeln. „Verſuche es!“ ſprach ploͤzlich Ri⸗ dogar, indem er ſichtbar vor ihm ſtand. Er war ganz unbewaffnet, nicht einmal geruͤſtet. Schon laͤnger hatte er das Geſpraͤch behorcht, jezt duͤnkte es ihm Zeit, hervorzutreten.— Der Fuͤrſt taumelte uͤberraſcht zu⸗ 6 ruͤck, aber ploͤzlich faßte er ſich wit⸗ der. 1— „Fahre zur Hoͤlle le indem er ſchnell einen Del⸗ und ihn in Ridogars Ben wollte. aus; Ridogar laͤchelte; der Sirs ds entſezt zuruͤck. 224— Wie leichtes Glas war der ſtarke Dolch auf Ridogars unbedeckter Bruſt zerſplittert. „Zittre vor meiner Macht!“ rief drohend Ridogar, ein Wink von mir und du entgiengſt der Zernichtung nicht, aber ich will dein Verderben nicht, du biſt Iſidorens Vater, und ich bitte dich hier ſelbſt um die Hand deiner Tochter, bitte, wo ich nehmen könnte⸗ „Nimmermehr werde Iſidora dein, teuffiſcher Gaukler, rief wuͤthend der alte Fuͤrſt, eher ſterbe ſie von meinen Haͤnden.“ Mit dieſen Worten ſtuͤrzte er auf Iſidore los, ſie zu d durchbohren, b. ein graßlicher D Donnerſchlag ſchrek⸗ te ihr plözlich zuruͤck. „Unſinyiger, tyranniſcher Vater, 2 wiedern dieſen Worten ergriff er die rief Nidogar mit einer Donnerſtimme, meine Pflicht iſt, Iſidora deiner blin⸗ n Wuth zu entreiſen. Nimmer hehſt 3 ge Iſidora und mit Blizes⸗ — 225— ſchnelle entſchwand er den Blicken des rachedurſtigen wuͤthenden Fuͤrſten. Sprachlos ſtarrte dieſer den Entflo⸗ henen nach. Er tobt, er wuͤthetete, aber vergebens. Zu ſpaͤt bereute er, den unglei⸗ chen Kampf begonnen zu haben, aber Leidenſchaft hatte ih»verblendet gehabt. Zu ſpaͤt ſah er jezt ein, welchen Vortheil er von Ridogars Macht hatte haben koͤn⸗ nen. Vorher hatte er noch immer dar⸗ an gezweifelt, Iſidorens Verluſt uͤber⸗ zeugte ihn auf eine traurige Art davon, und zu ſpaͤt bereute er ſeine Hitze. Ridogar hatte indeſſen im Fluge die unmaͤchtige Iſidora auf ſeine Burg gebracht; er legte ſie ſanft auf das Ruhebette und verſuchte ſie wieder zu ſich ſelbſt zu bringen; doch ſeine Be⸗ muͤhungen waren vergebens. In peinlicher Unruhe ſtand er vor der erbleichten Geliebten, er ſah das blaſſe Geſicht, die geſchloſſenen Augen, das aͤngſtliche Steigen und Sinken de — 226— Er wußte ſich nicht zu helfen, kein weibliches Weſen befand ſich in der 3 Burg, die der Unmaͤchtigen durch Entkleiden Luft verſchafft hatte. Verzweifelnd kniete er neben Iſido⸗ ren; ſchneller und kuͤrzer wurden die Athemzuͤge der Oh maͤchtigen. Ridogar ſprang auf in der entſezlichſten Angſt, er war in einer dumpfen Bewußtloſig⸗ keit; unfaͤhig irgend etwas zu ihrer Nettung zu unternehmen, ſtarrte er die Sterbliche mit irren Augen an; da durchfuhr ploözlich ein Gedanke ſeine ddeen dunkeln Horizont. Er ſchwang ſeinen Stab, und Sa⸗ lan ſtand vor ihm. Helſe, rathe, rette, ſie ſtirbt, rief er in wilder Verzweif⸗ lung der Erſchienenen entgegen. Statan. Du haſt das Band meiner dienen, nur gehorchen, ſo lange Seele, wie ein blendender Blizſtrahl e noch nicht gelöſt. Ich kann dir freier Wille mir nicht mehr ein⸗ * — 227— Ridogar. Ha, ſo zernichte ich kraft meiner Macht dieſes Band, und gebe dir das Recht deinen Rath, deine Meinung mir ungeſcheut zu ertheilen. Satan. So, jezt bin ich nicht mehr gebunden, jezt haſt du die Kette ſelbſt zerſprengt, die mich gefeſſelt hielt. Haͤtteſt du fruͤher diß gethan, du waͤ⸗ reſt ſchon laͤngſt in Iſidorens Beſiz. Ridogar. O des langweiligen Geplauders, keine Vorwuͤrfe verlange ich zu hoͤren; Huͤlfe, Rettung heiſche ich von dir; ſchnelle Eile, da an jedem Athemzug laͤngerer Zoͤgerung Iſidorens Leben zu haͤngen ſcheint. Satan. Sey unbeſorgt; noch ſtirbt ſie nicht. Ridogar. Ha, Gott ſey Dan ſie ſtirbt noch nicht! o du haſt köͤſtliche Worte des Troſtes in mein geangſtetes* Herz gegoſſen. Aber ſprich, w taͤnbung. — 226— Satan. Erwecke ſie nicht daraus, ſie bringt ihr keine Gefahr. Aber die eingeengte Kleidung verurſacht Stockung in dem Kreislauf ihres Blutes. Schnelle Entkleidung iſt noͤthig. Ridogar. Heiliger Gott, kein weibliches Geſchoͤpf iſt in der Burg. Satan. Thue es ſelbſt, Noth kennt kein Geſez. Ridogar.(mit einem Feuerflammen⸗ den Blick auf Iſidora.] Ich ſelbſt. Satan. Was zauderſt du? Jede Secunde Zoͤgerung bringt ihrem Leben neue Gefahr. Oder willſt du lieber meinen Haͤnden ſie vertrauen? Ridogar. lſchnell entſchloſſen.] Nein, nein! Satan verſchwand, und Ridogar emerkte nicht das ſchadenfrohe Laͤcheln Hoͤlle, das ſein Geſicht verzerrte. — hatte mit ſchneller Haſt, aber r aichtig zitternder Hand Iſidorens Ge⸗ wand geloͤßt, mit ſtarken Armen um⸗ faßte er die Beriubte, die leichter zu — 229— athmen begann, und trug ſie in das anſtoßende Gemach, wo er in das Prunkbette ſie legte. Alle ſeine Sinne waren im heftig⸗ ſten Aufruhr; er hatte die holde reizen⸗ de Geſtalt, die ſchoͤn geformten gerun⸗ deten Lenden umfaßt, in ſeinen Armen hatte ſie geruht, halb entkleidet, in einem Anzuge, der keine der reizenden, vollendet ſchoͤnen Formen ſeinem bren⸗ nenden Blicke entzog, der glaͤnzend wei⸗ ße Nacken, der feſſelfreie, noch in kurzen Athemzuͤgen wogende, volle Bu⸗ ſen, deſſen Weiße mit friſchgefallenem Schnee ſtritt, und deſſen elaſtiſchen Druck er an ſeinen Wangen gefuͤhlt hatte, entzuͤndete ein Feuer in ſeineemn Innern, das all ſein Blut gluͤhend heiß zum Herzen trieb. Er kniete vor ihr, er kedefte ma brennenden unzaͤhligen Kuͤſſen Mund und Wangen der Geliebten, er wagte es zitternd, einzelne ſchuͤchterne glühens 15* — 230— de Kuͤſſe auf den offenen jungfraͤulichen Buſen zu druͤcken. Da ſchlug Iſidora die Augen auf. „Wo bin ich?“ ſtammelte ſie.—„In meinen Armen, in den Armen deines Nidogars, du Auserwaͤhlte meines Herzens; o Dank dir Allmaͤchtiger, daß deine Allmacht ſie mir erhielt!“ Iſido⸗ ra erholte ſich jezt ſchneller; die Kriſis war verſchwunden, und der betaͤubende Schlummer gewichen. „ Traͤume ich denn?“ rief ſie, noch immer nicht wiſſend, welche Veraͤnde⸗ rung mit ihr vorgegangen war.“ Wo iſt mein Vater? Bin ich denn nicht in meinem vaͤterlichen Pallaſte“, fragte ſie weiter, indem ſie mit Staunen die ſo ganz fremden Gegenſtaͤnde erblickte, die ſie 1 umgaben. Ridogar. Nein, meine angebe⸗ tete Iſidora. Ich entriß dich der mör⸗ deriſchen Wuth deines Vaters und fuhrte dich in meine Heimath, in die Burg meiner Vater, den Wohnort mei⸗ ner frühern Ingend. 9 — 231— Iſidora. limmer noch nicht alles be⸗ zreifend.] Nichts, gar nichts kann ich mich entſinnen, als daß ich ohnmaͤchtig niederſank in dem Augenblick, wo mein Vater mit dem Dolch auf mich zuſtuͤrz⸗ te, ich hoͤrte einen graͤßlichen Donner⸗ ſchlag und ſank betaͤubt zuſammen. Ridogar. Ich ergriff dich, und brachte dich hieher. Verzweifelt waͤre ich beinahe, denn kein Leben ſchien mehr in dir zu wohnen. Iſidora.(ſich nun ganz zurechtfin⸗ dend, und ihren gegenwaͤrtigen Zuſtand auf einmal erkennend.] Heiliger Himmel, wie komme ich hieher! Ridogar. Vergieb, Geliebte, als du ohnmaͤchtig da lagſt, deine Athem⸗ zuͤge immer ſchneller, aͤngſtlicher wur⸗ den, da wußte ich keinen andern Rath, als von der beengenden Kleidung dich zu befreien; Noth gebot es und kein weibliches Weſen befnder ſ ſich hier. gluͤ — 232— Blicken eines Mannes preiß gegeben geweſen zu ſeyn, verbarg ſich Iſidora unter der ſeidenen Decke, Ridogar verſchwand und kehrte eben ſo ſchnell mit einem Becher alten Wei⸗ nes zuruͤck. Er kniete vor Iſidorens Lager.„Zuͤrne mir nicht, Geliebte, ſagte er mit ſanftem weichen Tone, ich ſah kein ander Rettungsmittel und an jeder Sekunde Zoͤgerung ſchien dein theures Leben zu hangen.“ Iſidora kehrte ſich um. Sie reichte ihm unter der Decke hervor die ſamtene Hand, die Ridogar bruͤnſtig kuͤßte.„Ich zuͤrne nicht mit dir,“ ſprach ſie und eine große Thraͤne ſtand in ihren Augen, „aber ich weine uͤber mein Schickſal; wehe mir, meine jungfraͤuliche Ehre iſt ewig verloren, da man mit dir ſo lan⸗ ge mich allein wußee. M „Sey ohne Sorge daruͤber, du nniggeliebte, entgegnete Ridogar, kei⸗ eer i Burg hat uns geſehen, kei⸗ K — 255— unſere Anweſenheit; verhuͤllt bleiben den Blicken aller Sterblichen, was in meinen Gemaͤchern geſchiehet; diß hat meine Macht ſchon laͤngſt bewirkt.“ Ein Strahl der Freude verbreitete ſich uͤber Iſidorens Geſicht, da ſie ih⸗ ren Ruf, ihren guten Namen noch unverlezt wußte; ein Blick voll feuri⸗ gen Danks und inniger Liebe belohnte Ridogar. Er reichte ihr den Becher Wein und bat ſie flehend zu ihrer Staͤr⸗ kung davon zu genießen. Iſidora ver⸗ ſicherte dem Beſorgten, daß ſie ſich gaͤnzlich wohl fuͤhle, doch gab ſie end⸗ lich ſeinen Bitten nach, und leerte auf ſein ſtetes Dringen faſt den ganzen Becher. gn Ridogar ſezte ſich neben die Gelieb⸗ te. Er erzäͤhlte ihr nun ausfuͤhrlicher die lezte Begebenheit, und dankend reichte Iſidora ihrem Retter die Hand. Er zog ſie an ſeinen brennenden Mund und bedeckte den ſchwanenweißen gerundeten Arm mit feurigen Kuͤſſen. — 234— Der Abend war ſchon hereingebro⸗ chen und die eintretende Daͤmmerung beguͤnſtigte das ſuͤße Spiel der Liebe. Ridogar wagte es, ſich uͤber die gluͤhende Iſidora beugend, ihren Mund mit Kuͤſſen zu bedecken. Vergebens ſtraͤubte ſich die Jungfrau; Liebe, Dankgefuͤhl und die Wirkung des ge⸗ noſſenen Weines waren ihre Verraͤther. Sie wollte zuͤrnen, und vermochte es nicht, ſie wollte den Kuͤhnen von ſich ſtoßen, und ſtatt deſſen druͤckten ver⸗ raͤtheriſch ihre Arme den Geliebten an den pochenden, fliegenden Buſen. Der arme Ridogar wurde kuͤhner und kuͤhner, ſchwach nur widerſtand Iſidora; die empoͤrten Sinne hatten ſchon die Schranken durchbrochen; Iſi⸗ doras kleinſte Nerve war geſpannt, Feuer ſchien in ihren Adern zu toben, und die dunkle Glut nimmer zu baͤndi⸗ der Begierde brach aus dem bren⸗ Auge der Jungfrau. — 255— Die Stunde ſchlug. Weinend ver⸗ huͤllte der Engel der Unſchuld ſein Haupt und entfloh. Die Berauſchten erwachten aus ih⸗ rem Taumel; Ridogar ſank vor der entweihten Jungfrau nieder, und flehte Vergebung.„Der morgende Tag ſoll in aller fruͤhe uns durch Prieſterhand vereinigen“, ſchwur er laut und theuer der bleicherſtarrten Iſidora, die ſtumm und ſprachlos, die Haͤnde krampfhaft zuſammengerungen, mit einem Blick namenloſen Jammers in dem brechenden Auge ihn anſtarrte, und endlich mit ſtummem Winken der Hand dem Zer⸗ knirrſchten Entfernung gebot. Zagend erfuͤllte er das Gebot der beleidigten Jungfrau und wankte hin⸗ aus. Iſidora ſaß noch lange, ohne Bewegung, alle Gedanken nur auf den entflohenen ſchrecklichen Augenblick ge⸗ richtet, faſt ohne Empfindung da. Leichenblaß, die hohlen, gebro⸗ nen Augen voll eines unendlichen Schm — 456— zens gen Himmel gerichtet, fand Rido⸗ gar am andern Morgen die Geliebte. Jammernd ſterzte er vor ihr nieder. Er verfluchte ſeine That, ſich ſelbſt und flehte in mitleiderregenden Tone um Verzeihung der tief Beleidigten. Matt reichte Iſidora ihm die Hand. „Ich vergebe dir gern und willig, lis⸗ pelte ſie, auch ich trage einen Theil der ungeheuren Schuld. Beruhige dich, das Schickſal wollte es nicht anders, fruͤh raͤcht es mein Vergehen, der ver⸗ ſoͤhnende Tod entreißt mich einem Le⸗ ben voll Qual. Lebe wohl, Geliebter, ich fuͤhle mein Ende herannahen. Nein, nein, du darfſt nicht ſterben, du ewig theure Iſidora, rief erſchuͤttert Ridogar, o ich entſezlicher, namenlo⸗ ſer Boͤſewicht, dieſe Blume mußte ich zerſtoͤren, o ihr raͤcheende Donner des dimmels ihr zerſchmettert nicht den Schuldigen, Iſidor as Geſicht verklaͤrte eiliges Laͤcheln.„Jammer nicht, ch ſie leiſe, was geſchehen iſt, iſt — 2³7— geſchehen, kein Jammer, keine Klagen vermag die Vergangenheit zu aͤndern; aufrichtige Reue nur ſoͤhnt Verbrechen aus, ſie loͤſcht auch das Unſrige.“ 3 Sie ſank zuruͤck. Ihre Augen ſchlof ſen ſich zu einem kurzen Schlummer⸗ Ridogar ſtuͤrzte hinaus. Sein Herr⸗ ſcherſtab fuͤhrte das maͤchtige Werkzeug ſeines Willens, fuͤhrte Satan, den Oberſten der Teufel, herbei. „Ich weiß ſchon, was du willſt“ ſprach er und der betaͤubte Ridogar be⸗ merkte nicht die veraͤnderten Geſichts⸗ züge des durch ihn entthronten Fuͤrſten der Hoͤlle. Das triumphirende hoͤlli ſche Laͤcheln, ganz ſo wie bei der Ver⸗ fuͤhrung einer unſchuldigen Seele, es ſonſt auf ſeinem Geſichte lag, das bos⸗ haft tuͤckiſche Auge, der unverkennbare Zug von Haß und Neid in ſeiner Mie⸗ ne haͤtte ihn ſonſt zuruͤckgeſchreckt. Ridogar. Ha, dann gib mirx Troſt, gib mir Rath und Huͤlfe.. ——— Satan. Den allgewaltigen Lauf des Schickſals vermag ich eben ſo we⸗ nig zu hemmen als du ſelbſt. Iſidora wird ſterben, ich vermag ſie nicht zu retten. Ridogar.(wuͤthend.]) Verfluchter, daß du im unterſten Pfuhl der Hoͤlle büßen muͤßteſt fuͤr dieſe Nachricht!— Sie wird ſterben, hoͤrt ihrs, ihr raͤ⸗ chenden Goͤtter da oben, ſie wird ſter⸗ ben, Iſidora wird ſterben und ich— habe ſie gemordet. O Fluch und Tod über mich Suͤnder! Statan. Der Abend diefes Ta⸗ ges wird ſie als Leiche finden. Ridogar. Daß der Hoͤlle grü⸗ hendſte Martern deine verdammte Zun⸗ ge baͤndigten. Willſt du mich raſend machen mit deiner verfluchten Nachricht. d Thor ich dhor, daß ich dich Satan. Du haſt meine Huͤlfe verlangt, ich trug ſie dir nicht an. Willſt du von einem Teufel erflehen, was der Himmel dir verweigert? Ridogar. Ha wenn ſie ſtirbt, wenn ſie mir entriſſen wird, an keine ewige Vergeltung, an keine Barmher⸗ zigkeit des Schoͤpfers glaubte ich mehr. Satan.(wild auflachend.] Ha, das iſt Muſik fuͤr meine Ohren, ſo iſts recht, fahre ſo fort, laͤſtere den, deſ⸗ ſen Name meine Zunge nicht ausſpre⸗ chen darf, dann erſt biſt du der Hölle wuͤrdiger Beherrſcher. Ridogar. Wenn Iſtdora ſtirbt, was ſoll die Welt dann noch ſtehen, ihrer herrlichſten Zierde beraubt; nein, 4 ſie ſoll dann nimmer ſtehen, in der Schoͤpfung will ich wuͤthen, wie ein feſſelloſer Lyger; der Erde innerſtes Eingeweide will ich he erausreiſen, die Welt unter ihren dofnen 8 Lrümmern zu begraben⸗ — 240— Satan. Maͤßige dich. für ſich. hezt iſt es Zeit! Liaut.] Sinne lieber auf Mittel zu Rettung. Ridogar. Wie, was ſagſt du, auf Mittel zur Rettung? So waͤre doch noch Rettung möglich. Du hiel⸗ — keſt Sie ja fuͤr verlohren. Satan. Ich ſagte es, und es iſt 34 auch beinahe eben ſo wahrſcheinlich. Ridogar. Du willſt mich quqͤ⸗ len, mich martern. Heraus, wenn noch ein Mittel zu Rettung moͤglich iſt. Satan. Es gibt allerdings noch eines. Nidogar.(mit wilder Haſt.] Und welches. Satan. Doch zweifle ich, daß du es gebrauchen wirſt, ſonſt haͤtte ich es ſchon laͤngſt dir geſagt. Nidogar. Verflucht waͤre deine Zögerung. Nenne es und wuͤrde es mein Leben koſten. an. bhohnlaͤchennd.] Wohlan. Es iſt gewiß, daß das Herzblur eines — 241— neugebornen Kindes, noch warm von einem Kranken getrunken, unfehlbar ihn dem Tode entreißt. Ridogar.(uſammenfahrend.] Ha! ldumpf] Du haſt recht, dieß Mittel kann ich nicht gebrauchen. Satan. Iſidora, wenn ſie es traͤnke, haͤtte dann noch ſo viele Jahre zu erreichen, als dem Kinde beſtimmt geweſen waͤren. Ridogar.(ſchaudernd.] Nein, nein Mord; Mord eines unſchuldigen Kin⸗ des! Nimmermehr! Satan. So ſtirbt alſo Iſidora. Ridogar. Aauffahrend.] Iſidora, gerechter Gott, nein, ſie darf auch nicht ſterben! Satan. Soll ich das Blut dir bringen? Am Fuß deiner Feſte wohnt ein Leibeigener, er hat ein Weib und neun Kinder, die er nicht ernaͤhren kann. Eben gebaͤhrt ihm ſein Weib das zehente; ſoll ich es toͤdten, er wird den Verluſt nicht fuͤhlen. 8 Ridogat. Hiaweg n von mir, Ver⸗ ſucher! Mord iſt Mord, ſoll ich da⸗ mit Iſidorens Leben erkaufen. Satan. Nicht doch, meine es nicht ſo, Du nimmſt ein Leben, ein größeres damit zu erhalten? Iſt das Unrecht? Was iſt beſſer, ob Iſidora ſtirbt, oder ein neugebohrenes Kind, das du vielleicht einem Leben voll Suͤn⸗ „de entreißeſt? 3 Iſidoras Tod liegt auf ſdSdeiner Seele. Im Schuldbuch des Le⸗ bens ſteht er dir als Mord angerech⸗ net, wenn du nicht die Mittel gebrauchſt, ſie zu erhalten. Ridoga r. Ich ſoll ein zweites Verbrechen begehen, das erſte damit 1 ertilgen 2 2 an. Bedenke ſelbſt, liegt an ens Leben nicht mehr als an em eines nengebornen Kindes. Be⸗ ke, wie viele gluͤckliche Jahre koͤnn⸗ u noch an Iſidoras reizender Sei⸗ — 245— Rido gar. O ich fuͤhle die Macht der Hoͤlle. Du weißt mein Herz zu treffen. O Gott was ſoll ich thun? Satan. Eile, beſinne dich nicht lang. Iſidoras Aufloͤſung kommt ſchnel⸗ ler als ich ſelbſt dachte, der Tod naht ſich ihr mit raſchen Schritten. Ridogar ſtuͤrzte bebend in das Ge⸗ mach. Er traf Iſidora mit dem Tode ringend. Der Anblick wirkte ſchrecklich auf ſein Herz. Er ſah ſich als die Ur⸗ ſache ihres Todes. In wilder Ver⸗ zweiflung ſtuͤrzte er wieder hinaus, wo Satan mit triumphirendem Laͤcheln ſei⸗ ner harrte.„Geh, gebh, eile, rief ihm Ridogar bebend zu, eette, ehe ſie ſti rbt. Satan. Soll ich des Kindes Herzblut dir bringen? Ridogar. Verflucht ſeyen deine Fragen; retten ſollſt du, helfen, ehe ſie ſtirbt. Satan. Ich brauche deine aus⸗ drückliche Erlaubniß; nur des Kindes Herzblut rettet ſie, ſoll ich es eens = 24— Ridogar.(verzweifelnd.] Thue was du willſt, ich gebe dir Vollmacht zum Handeln. Mit dieſen Worten ſtuͤrzte er in wilder Bewegung zu Iſidora zuruͤck, die eben ihr Leben auszuhauchen ſchien. Hohnlachend verſchwand Satan; aber bald kehrte er wieder und brachte in einem ſilbernen Becher, das rau⸗ chende Herzblut des gemordeten Kindes. Mit der graͤßlichen Angſt der Ver⸗ zweiflung griff Ridogar haſtig nach dem Becher, aber die maͤchtig zitternde Hand faßte ihn zu leicht, er entſank ihr und das rettende Blut faͤrbte den Boden.* der kalte Tod Iſidorens Koͤrper wie ieberfroſt, ſie baͤumte ſich hoch, ſank n wat entſtohen. Im nemlichen Augenblick ſchuͤttelte eder, ein leiſer Hauch— und ihr Le⸗ 1 — 245— ner zerſchmettert, bewußtlos bei der Leiche nieder. Nach einiger Zeit fuͤhlte er ſich zum Leben empor geruͤttelt. Satan ſtand vor ihm.„Ich komme dir Rechen⸗ ſchaft von meiner Handlung zu geben⸗ ſagte er zu Ridogar, der entſezt empor⸗ taumelte, und ſchwankend an der Wand ſich hielt. 4 „Ich habe auf deinen Befehl das Kind getoͤdtet. Vor den Augen der winſelnden Mutter zerriß ich es und ſieng ſein Herzblut in jenem Becher auf. Es war noch nicht getauft und iſt nun mein Eigenthum. Der jaͤhe Schrecken töodtete die ſchwache Mutter und der Vater irrt wahnſinnig im For⸗ ſte herum. 8 Ridogar. lbverzweifelnd.] Die Mut⸗ ter todt, der Vater wahnſinnig durch mich, durch mich, o unerhoͤrt! Ha heimtuͤckiſcher Geiſt, konnteſt du nicht auf andere Art das Kind ihr 2 morden?— Nein mich kann dieſer Mord nicht treffen, auf dich Verworfe⸗ ner falle die Strafe des Himmels. Satan. mit graͤßlichem Gelaͤchter.] Thor, wirſt du erkennen lernen, daß die Liſt der Hoͤlle dich betrog. Du gabſt mir keinen beſondern Auftrag, unge⸗ maeſſene Vollmacht ertheilteſt du mir, und was ich that, geſchah in deinem Namen. GSatan. Merke dirs, vermeſſe⸗ ner Sterblicher, der kuͤhn genug zum Beherrſcher der Hoͤlle ſich aufwarf, un⸗ ter allen Suͤnden beleidigt den— den icch nicht nennen darf, keine mehr als unſchuldig vergoſſenes Blut, als Mord! 4 dreifacher Mord ſteht nun im Schuld⸗ Ridogar. Schrecklich, entſezlich. Endlich wußte er ſich nimmen in ſen. — 24— Satan verſchwand und Ridogar ſtarrte lange ſprachlos ihm nach. Jezt waren ihm die von Leidenſchaft geblen⸗ det geweſene Augen geoͤffnet und er ſchaudert entſezt zuruͤck vor ſich ſelbſt. Wuͤthende Verzweiflung ergriff ihn mit allen ihren Schrecken. 8 Das Gefuͤhl dreifachen Mordes brachte ihn außer ſich. In wilder Ra⸗ ſerei gegen ſich ſelbſt riß er ſein Schwerdt aus der Scheide, ſtemmte es gegen den Boden und ſtuͤrzte ſich hin⸗ ein, aber vergebens war ſein Bemuͤ⸗ hen, das Schwerdt brach, ohne ihn zu verſehren, unter ihm zuſammen. „Ha verflucht, rief er wild, ſo bin ich nicht einmal im Stand, mein jaͤm⸗ merliches Leben ſelbſt zu enden.!,)“ Er rannte in wuͤthender Verzweif⸗ lung das Gemach auf und nieder, Iſt⸗ doras Leiche fuͤllte ſein Herz mit immer neuen Schrecken; er bebte jedesmal; ruͤck und wagte es nicht, ihr zu nahen. — 246— Er riß das hohe Bogenfenſter auf und ſtuͤrzte ſich hinunter in die graͤßliche Tiefe.. Ein Knecht auf der Mauer ſah fluͤchtig den Sturz eines Mannes zwi⸗ ſchen den Felſen, er machte Lermen. Deer Vogt eilte mit den Knechten hinab und unten fanden ſie unverſehrt ihren Herren. Eine unſichtbare Macht hatte ihn rettend hinabgetragen. Die Freude der Knechte war unbe⸗ ſchreiblich, den Ritter unverſehrt zu finden. Blos eine betaͤubende Unmacht hatte ſich ſeiner bemaͤchtigt. Ohne uͤber das Wunder ſeiner Erſcheinung und Rettung lang nachzugruͤbeln ſcho⸗ ben ſie es auf eine Fuͤgung des Him⸗ mels, und brachten den Ritter in das Vorgemach, wo ſie ihn auf einen Arm⸗ ſtuhl ſezten. Ridogar war gleich anfangs zu ſich gekommen, allein mit einer ſtumpfen Gleichguͤltigkeit ließ er ſich von den Knechten leiten. Mit Gewalt ermun⸗ — ——y den Leichnam ein, und als er terte er ſich endlich etwas. Er winkte den Knechten ſich zu entfernen, der Vogt aber mußte bleiben. Stillſchweigend bedeutete ihm Ri⸗ dogar, ihm zu folgen. Zum erſtenmal betrat der Vogt, nicht ohne Schaudern, die geheimen Gemaͤcher ſeines Herrn, die fuͤr alle Bewohner der Burg von jeher etwas unheimliches gehabt hatte. Zu Iſido rens Leichnam fuͤhrte ihn Ridogar.„Sorge ſchnell fuͤr ihr Be⸗ graͤbniße ſprach er bebend zum Vogte, und ſtuͤrzte aus dem Gemache in das angrenzende, wo er ſich auf ein Ruhe⸗ bette warf und in ſtumpfes Hinbrüͤten verſank. 0 Der Vogt, nie gewohnt, die G9 heimniſſe ſeines Herrn erforſchen zu wollen, traf die ſchleunigſte Anſts ſein Gebot zu erfuͤllen. Ridogar folgte mit ſchwankendem Schritte dem Leichenzug kaplan ſprach ein kurzes G 2 — 250— worden war, gieng langſam und trau⸗ rend der Zug zuruͤck. ſehen. Er war verſchwunden. Das nungen von ihm ſchon gewohnt, be⸗ fremdete diß nicht, aber der Leichnam hes wunderſchönen Frauenbildes be⸗ ſchaͤftigte lange ihre Phantaſie und wwar oft der Stoff ihrer Unterhaltung, wobei ſie ſich in vergeblichen Muthma⸗ ſungen erſchoͤpften. Ridogars Herz hatten die lezten ſchrecklichen Begebenheiten furchtbar erſchuͤttert und ganz verwandelt. Er der ſonſt jedem ein Schuͤzer, ein Retter in der Noth geweſen war, deſſen men⸗ ſchenfreundliches Herz fremde Leiden nie ohne Nuͤhrung ſehen konnte, er war jezt ſtumm, verſchloſſen, menſchen⸗ ſcheu geworden. Das Gefuͤhl ſeines auf ihm. Doch Ridogar ward nicht mehr ge⸗ Burggeſinde, ſolcher ſchnellen Erſchei⸗ tiefen Falles lag wie eine ſchwere Laſt 46 — rauhen Schwaben, war einem Lande Beruhigung darin, ſich ſelbſt quaͤlen, — 251— Er war hingeſchwunden nach dem entflohen, das ihn nur an Iſidorens Verluſt erinnert haͤtte. In jener ver⸗ fallenen Burg, wo er ſeine Macht als Fuͤrſt der Hoͤlle empfangen hatte, ſe ſchlug er ſeinen Wohnſiz auf. Die Einſam⸗ keit that ſeinem Herzen wohl, er fuͤhlte mit Erinnerung an die Vergangeahelt martern zu koͤnnen. Mondenlang hauste er ſchon in 8. 6 ſem verborgenen Winkel, doch jemehr die Vergangenheit in dichteren Schleier ſich huͤllte, jeoͤfter kamen auch einzelne Momente, wo er ſich wider hinaus⸗ ſehnte in die Welt, unter die Men⸗ ſchen.— „Ich will durch gute Thaun gon 1 zu verſöhnen ſuchen,“ rief er einſt aus, indem er mit ungewohnter Haſtigkeit von dem halbvermoderten Armſtuhl m porſprang. Der Gedanke ergr mit raſchem Feuer. * In dumpfen Hinbruͤten hatte er bis⸗ her ſeine Zeit hier verlebt, bedient von den unſichtbaren Dienern ſeiner Macht jezt entſchloß er ſich, die Burg zu ver⸗ laſſen. Konſtantinopel draͤngte ſich zuerſt ſeinen Gedanken auf. Iſidoras Vater⸗ land wollte er ſehen; wollte forſchen, was Iſidoras Verſchwinden fuͤr eine Wirkung gemacht habe. Er ſchwand hin nach Konſtanti⸗ nopel; faſt ein Jahr war es, daß er Iſidora aus dem Vaterhaus entfuͤhrt hatte. Unſichtbar trat er in Anaxandrons Pallaſt; er ſah den Fuͤrſten, fand daß Kummer indeſſen ſeine Wangen maͤch⸗ tig gebleicht habe, und er fuͤhlte im Herzen dieſen ſtillen Vorwurf. Er ſchwand in den Geſellſchaftsſaal, wo ſich. die Familie eben verſammelte. Auch in Lauras Zuͤgen fand er Spu⸗ „ r. in vergangenen Kummers, wahrſchein⸗ tc um die verlorne Schweſter. — — nen Zuͤge, Gang, Groͤße, a — 2535— Eben durchlief ſein Blick die ganze Verſammlung.„Heiliger Gott, Iſido⸗ ra! rief er ploͤzlich laut und fuͤrchterlich auf. Die Geſellſchaft ſchrack zuſammen. In ſtummem Entſezen vernahmen ſie die Worte und ſahen doch Niemand, von dem ſie kamen. Aber Lanra rief laut und haſtig:„das iſt die Stimme Ridogars, meines Retters, o mein Vater, er iſt in unſerer Naͤhe, und wo er iſt, wird Iſidora nicht ſern ſeyn. Deer alte Fuͤrſt ſprang auf.„Wenn er hier iſt, rief er freudig, ſo komme er in meine Arme, laͤngſt habe ich meine Haͤrte bereut und ihm verziehen.* Ridogar hoͤrte kaum, was er ſprach. Noch immer unſichtbar, ſtarrte er un⸗ beweglich nach einem Maͤdchen 8 Geſellſchafft, das ſeiner Iſidor ſchendes Ebenbild war. E königliche Geſtalt, eben dieſe Ridogar konnte ſich nicht in ſeinen Sinnen zurechtfinden; er glaubte Iſi⸗ dorens Geiſt zu erblicken, und warf ſich zu ihren Fuͤßen.„Geiſt meiner Iſtdora, rief er ſchmerzlich, o vergieb deinem Moͤrder!“ Die vermeinte Iſidora ſchrie laut auf. Sie hoͤrte die Stimme vor ihr und ſah Niemand. Zitternd wich ſie einige Schritte zuruͤck, indem ſie halb⸗ laut ſtammelte:„Hilf Himmel, wer ſpricht denn hier?“ Ridogar kam zur Beſinnung. Er zerſtreute den Nebel, der ſeine Geſtalt den Anweſenden verbarg und erſchro⸗ cken ſah die ganze Verſammlung einen geharniſchten Ritter vor Iphigenia, Laurens und Iſidorens lüngerer Schwe⸗ ſter, knien. „»Ridogar! er iſt es!“ rief Laura an eilte auf ihn zu, der ſich mecha⸗ iſch vom Boden erhob. Er ſtarrte — 255— Der Fuͤrſt kam herbei. Zitternd fragte er nach der Bedeutung von Ri⸗ dogars ſchreckenden Worten.„Was macht meine Iſidora, wo iſt ſte?* fragte er bebend, halb ahnend, was er hoͤren werde. „Iſtdora iſt— dort!“ ſagte lang⸗ ſam Ridogar, indem er gen Himmel zeigte. Der alte Fuͤrſt verhuͤllte ſein Haupt, Laura ſchluchtzte laut, Rido⸗ gar ſelbſt ſtand in Schmerz verſunken, den irrenden Blick auf Iphigenia feſt⸗ geheftet.„Ich glaubte Iſidorens Geiſt zu ſehen“, ſprach er endlich leiſe. „Es iſt ihre und meine Schweſter,“ ſagte Laura,„Iphigenia ihr Name.“ „Fuͤr mich heißt ſie Iſtdora, ſeufzte Ridogar, ihr Anblick wirkt mit wohl⸗ thuender Kraft auf mein wundes Herz.—“ „Vergebung Iſidorens Moͤrder,“ rief er jezt laut und ſank vor dem r Anaxandron nieder. „Nicht du, mein Sohn 3 der laͤngſt verwandelte Alte — 256— ich bin die Urſache ihres Todes; o re⸗ de, ſprich, wie ſtarb ſie, wo 2 Ridogar. Auf die Burg meiner Vaͤter in Franken brachte ich ſchon halbleblos die Arme, als ich ſie ſchuͤ⸗ zend dir entriß. Erlaß mir das Uebri⸗ ge. Sie ſtarb! zehen Monden drohte raſender Schmerz den Grundfaͤden meines Lebens zu zerſtören, o ich liebte ſie heiß und innig; doch endlich ſiegte die ſtaͤr⸗ kere Natur, iich lebte wieder auf, die Zeit hatte die ſcharfe Wunde geheilt und ich eilte hieher, Nachricht von Iſido⸗ rens Heimath einzuziehen. Anaxandron. Ich war die erſte Urſache ihres Todes. Hätte ich euch voeereinigt, es waͤre nicht ſo gekommen. Wuth und zerſtoͤrte Hoffnung verleitete mich, deiner Macht zu trozen. Wir beide mußten ſchrecklich buͤßen und Iſi⸗ doorra blieb das Opfer. Vergeſſen laßt uns jezt der Vergangenheit Schrecken, bleibt bei uns, edler Ritter, ſo lange — ᷣ—— — 257— es euch gefaͤllt und beklagt vereint mit uns den ſchmerzlichen Verluſt. Nidogar nahm diß Anerbieten an. Er wohnte in Anaxandrons Pallaſt. Die mannigfachen Zerſtreuungen der großen Kaiſerſtadt wirkten wohlthaͤtig auf ihn, er vergaß den alten Schmerz und ſuchte die Gegenwart wieder zu genießen. Was aher mehr auf ihn einwirke mochte, war Iphigenias Naͤhe. Er taͤuſchte ſich oft, ſeine Iſidora zu ſehen, er ſuchte ſtets ihre Geſellſchaft; wo ſie war, fand man auch ihn. Allmaͤhlig ſchien ſich die alte Liebe immer maͤch⸗ tiger zu regen, es war nicht Iphige⸗ nia, die er liebte, er liebte nur Iſido⸗ dora in ihr; aber beides ſchmolz in Eins endlich zuſammen nnd ſeine Lei⸗ denſchaft gieng auf Iphigenia uͤber, welcher diß nicht entgehen konnte. Sie zog ſich ſichtlich zuruͤck, denn ihr Herz war nicht mehr frei. Sie liebte mit Einwilligung ihres Vater — 256— einen edlen Juͤngling, Demetrius Theo⸗ klas, er war aus fuͤrſtlichem Stamme, elternlos, reich und unabhaͤngig. In Geſchaͤften des Kaiſers verreißt, wur⸗ de ſeine Ruͤckkehr taͤglich erwartet. Ridogar erfuhr dieſes von dem Fuͤr⸗ ſten ſelbſt. Er erſchrack, ſeine keiden⸗ ſchaft hatte ſchon maͤchtige Voriſchrite gemacht. Vergebens kaͤmpfte er gegen ſein in⸗ neres Gefuͤhl, er ſuchte es zu unter⸗ druͤcken, und immer erhob es ſich mit neuer Staͤrke; er ſuchte Iphigenien, zu entfliehen und allgewaltig zog es doch ſtets ihn wieder zu ihr hin. Er ſtuͤrzte ſich in den Wirbel der Zerſtreuungen, aber uͤberall ſtand Iphi⸗ geniens Bild vor ſeinen Augen. In der Jagd ſuchte er die meiſte, Beſchaͤftigung; auch an den zierlichen Lanzenrennen am Hofe des griechiſchen Kaiſers, die ſehr oft zur Beluſtigung angzſteilt wurden, nahm er khaͤtigen heil, und die damals ſchon ſehr ge⸗ 5 1 3 . . 9————. — 259— bildeten und feinen, aber auch ſchom ſehr verweichlichten und entnervten Grie⸗ chen fanden oft Gelegenheit, in Rido⸗ gar die Starke eines deutſchen Ritters zu bewundern. Keinen Gebrauch ſah man ihn mehr von ſeiner Macht machen; ja er wich mit beharrlicher Standhaftigkeit jeder Aufforderung dazu aus; der alte Fuͤrſt und alle, die ſonſt darum wußten im Pallaſte, hatten ihm das Verſprechen leiſten muͤſſen, nimmer deßhalb in ihn zu dringen. Die Erinnerungen, die ſich bei ihrer Ausuͤbung ihm aufdrangen und die ſchkeckenvollen Bilder der Vergangen⸗ heit vor ſeine Augen fuͤhrten, waren Urſache, daß er jeden Anlaß zu ihrem Gebrauch noch ſo lang vermeiden woll⸗ te, bis eine laͤngere Zeit jene mehr ver⸗ dunkelt haben wuͤrde. 3 Ridogar war begierig, Iphigeniens Geliebten zu kennen, an dem ſie mit ſo inniger Zaͤrtlichkeit zu hangen ſchien. — 260— Er erfuhr auf ſein Befragen, daß ein Auftrag des Kaiſers ihn in Handelsge⸗ ſchaͤften nach Alexandria verſandt habe. Er beſchloß ihn zu ſehen. Er nahm zu einer vorgeblichen Reiſe Abſchied auf einige Tage und verließ Anaxandrons Pallaſt. Er ſchwand nach Alexandria. Er ſah Theoklas und ſtaunte. Apollos Ebenbild, eine Göoͤttergeſtalt glaubte er zu ſehen. Er pruͤfte unſichtbar ſeine Handlungen und fand ihn edel und gut. Seufzend geſtand er ſich ſelbſt, daß er Iphigeniens Beſiz nicht unwerth ſey; aber ſein eigenes Herz fuͤllten jezt alle Qualen hoffnungsloſer Liebe. In wenig Tagen befand er ſich wieder in Konſtantinopel. Er konnte den An⸗ blick des gluͤcklichen Nebenbuhlers nicht ertragen.— In Alexandria hatte er erfahren, daß Theoklas Geſchaͤft ſich in die Laͤn⸗ e ziehe, daß noch mehrere Monden ——— — 261— verfließen koͤnnten, ehe derſelbe in ſeine Heimath zuruͤckkehre. So ſchmerzhaft dieß auch den Liebenden war, ſo hatte er den ehrenvollen Auftrag des Kaiſers nicht ablehnen wollen, den er ſchon zur Halfte vollbracht hatte. Wirklich langte auch in kurzer Zeit ein Schreiben von Theoklas ein, worin er dem Fuͤrſten Anaxandron und ſeiner geliebten Johigenia diß meldete. Maͤchtig wurde dadurch die Freude der leztern uͤber die gehoffte baldige Ruͤckkehr Theoklas gedaͤmpft. Traurig und niedergeſchlagen ſchlich ſie in den Gemaͤchern des vaͤterlichen Pallaſtes umher; nur wenigen oder gar keinen Antheil nahm ſie an den Freuden und Luſtbarkeiten der Hauptſtadt. Am lieb⸗ ſten luſtwandelte ſie in einem dunklen Gehoͤlze des Gartens. Dort konnte ſie ſo ganz ungeſtoͤrt ihrem Schmerze uͤber des Geliebten ſo lange Abweſenheit nachhaͤngen, dort machte ihr ſehnſuͤch tiges Herz oft in lauten Klagen ſich Euff 1515.4 — 262— Ridogar verzehrte ſich ſelbſt in in⸗ nerer unbefriedigter Gluth. Je weni⸗ ger Hoffnung ſich ihm zeigte, je hefti⸗ ger, wilder flammte ſeine Leidenſchaft empor. Oft war er entſchloſſen, ſich loszu⸗ reißen. Ein einziger Wunſch haͤtte ei⸗ nen Erdtheil zwiſchen beide gelegt, aber er vermochte es nicht. Was waͤre fuͤr ihn auch eine ſolche Entfernung gewe⸗ ſen, ſo lang ſeinem Herzen die noͤthige Ruhe fehlte; ein zweiter Gedanke haͤtte eben ſo ſchnell zu Iphigenien ihn zu⸗ ruͤckgetragen. Von ihr, von Iphigenien ſich zu trennen ſchien ihm Unmoͤglichkeit. Mit. Zittern dachte er an den Augenblick, wo ſie auf ewig fuͤr ihn verlohren ſeyn ſollte. Auf ewig!— Der Gedanke Baraihte ihn zur Verzweiflung. So ſchwanden ihm in ſteter Qual wei WSase Monden dahin; aucheh deren Es iſt unmoͤglich, ich trage die ſe Qual — 263— Einſt ſah er Iphigenien morgens im Garten luſtwandeln. Er ſah ſie in dem weiten faltenreichen Gewande, ſah den leichten ſchwebenden Gang, die hohe koͤnigliche Geſtalt.„O rief er mit wilder Leidenſchaft, waͤre ſie mein, die Goͤttliche, ſie allein koͤnnte Iſido⸗ ra mir erſezen, in ihren Armen koͤnnte ich das Gluͤck finden, das ich bei Iſi⸗ doren mir traͤumte. Warum liebt ſie nicht mich, warum einen andern; wer liebte ſie heißer inniger als ich; Theo⸗ klas nicht, nein, dieſer nicht, wie konnte er mit ſo kalter Ruhe ſein Ge⸗ ſchaͤft betreiben, waͤhrend gluͤhende Lei⸗ denſchaft verzehrend in mir wuͤthet. X hoffnungsloſer Liebe nicht laͤnger mehr.— O warum bin ich nicht Theoklas? „Es ſteht in deiner Macht es zu werden!“ Hoͤrte er ploͤzlich eine Stim⸗ me neben ſich ihm ins Ohr raͤumen. Er erſchrak zuſammen vom Himmel oder aus der Hölle — 264— was mahnſt du mich? rief er in hefti⸗ ger Bewegung. Da rauſchte es neben ihm. Er ſah ſich um und Satan ſtand an ſeiner Seite. Er bebte zuruͤk. Satan. Was erſchrikſt du? Du haſt mich lange nicht verlangt, doch ſiehe auch ungerufen komme ich, dir zu dienen. Ridogar. Mir zu dienen? O ich kenne deine Dienſte ſchon. Satan. Will du mir aufrechnen, was die Macht des Zufalls herbeifuͤhrte? Ridogar. Schweige ſtill von der Vergangenheit. Muͤhſam habe ich ihr Andenken aus meinem Herzen ver⸗ ſal zu verſoͤhnen, war mein Entſchluß, doch Liebe, heiße gluͤhende Liebe zu Iphi⸗ geenien macht mich unthaͤtig zu allem. Satan. Warum zauderſt du, dir ihren Beſiz zu verſchaffen? Ridog ar. mit Feuer.] Zaudern? 4 0 wenn ich es vermöchte, kein Augen⸗ tilgt. Durch gute Thaten das Schik⸗ — 265— blick waͤre mir ſchnell genug, der ſie mir erwerben koͤnnte. Satan. Ward dir nicht Macht gegeben, das Unmoͤgliche ſelbſt moͤglich zu machen? Ridogar. Ha, ich verſtehe dich? Satan. In Theoklas Geſtalt wirſt du das ganze Gluͤck, die ganze Wonne von Iphigenien zaͤrtlicher Liebe genießen. Ridogar. Nein auch dann nicht; liebt ſie alsdann mein Ich? Iſt es nicht vielmehr nur Theoklas Geſtalt, die ſie in mir liebt? Satan. Thor! willſt du durch Sopbiſtereien dich quaͤlen? Was be⸗ kuͤmmert dich die Urſache, wenn die Wirkung ſich an dir bewaͤhrt. Ridogar. Nein, nein! ſollte ich Iphigenien ſo graͤßlich taͤuſche?n Satan. Thorichter Sterblicher, der du nie das Wahre und Falſche zu unterſcheiden weißt. Wird Iphigenia denn zetäͤuſcht? Ahne ſie denn dieſe — 266— Theoklas in dir erblicken? Wo iſt hier Taͤuſchung? Iſt es dir nicht einerley, in welcher Geſtalt du wandelſt; au⸗ ßerhalb Iphigeniens Naͤhe ſteht dir ja immer jede andere frey. Was verliert Iphigenia durch dieſe Verwandlung?— Nichts. Ridogar. Ha, Verfuͤhrer, in Honigſeim getaucht, gießeſt du das höͤlliſche Gift in meine Seele. Nein ich bin es nicht. Wird Iphigenia auch nichts verlieren, werde ich ſelbſt Alles gewinnen; Fuͤrſt Theoklas iſt der Fels, an dem dein Plan ſcheitert. Fuͤrſt Theoklas liebt Iphigenia nimmer ſo heiß; eine zweite Leidenſchaft feſſelt ihn zu gleicher Zeit. Er kaͤmpft zwi⸗ ſchen doppelter Liebe, und Pflichtgefuͤhl entſcheidet bei ihm nur noch fuͤr Iphi⸗ genien. Ihr Verluſt wird ihn nicht ſchmerzen, wird ihn vielmehr einem ge⸗ faͤhrlichen Kampfe eneeriſſen, einer ſuͤßen Hoffnung naͤher bringen. Verwandlung, wird ſie nicht ſtets Satan. Ich ſehe weiter als du. menſchen zu erhalten? zu miderſprechen, doch in meinen Her⸗ — 267— Ridogar. kreudig raſch.] Ha, wenn du wahr ſpraͤcheſt! Satan. Zweifle nicht. Die jun⸗ ge griechiſche Fuͤrſtin Deſideria Kolo⸗ troni haͤlt in Alexandria ihn gefeſſelt. Mit Freude wird er die Nachricht ho⸗ ren, daß Iphigenia fuͤr ihn verloren iſt, waͤhrend du in vergeblicher Liebe dich verzehrſt. Schon hat der Gram angefangen, an deinem Lebensfaden zu nagen, er wird immer weiter um ſich greifen und du ſeine unentreißbare Beute werden. Ridogar. ſeufzend.] Ich fuͤhle, du ſprichſt nur allzuwahr. Satan. Und du kennſt nicht die Pflicht der Selbſterhaltung? Tauſende. könnteſt du noch durch deine Macht be⸗ gluͤcken, iſt es nicht deine Schuldig⸗ keit, dich dir ſelbſt und deinem Neben⸗ Ridogar. Ich vermag dir nicht 8 en regt ſich noch immer etwas gegen deine Worte. Satan. Blindes Vorurtheil, nichts weiter. Du bringſt Theoklas geheimen Wuͤnſchen naͤher! du erhaͤltſt dein eige⸗ nes Leben zu deinem und Tauſender Nuzen, du entreißt Iphigenia der Ver⸗ zweiflung uͤber Theoklas erkaltete Liebe, die ihr nicht verborgen bleiben koͤnnte, iind du zoͤgerſt noch? Nidogar. Wahr, alles wahr, o nur allzugerne gibt das leichtglaͤubi⸗ ge ſchwache Herz deinen Worten Beifall, waͤhrend die kaͤltere reifere Ueberlegung ſie dennoch verwerfen muß. Deine ver⸗ fuͤhreriſchen Lokungen haben mein gan⸗ zes Weſen ergriffen, neue Hoffnung be⸗ lebt meine Bruſt. Aber wird Fuͤrſt Theoklas nicht endlich zuruͤckkehren, wird der Betrug nicht offenbar⸗ wer⸗ den? Satan. Auch dieſen Zweifel glau⸗ be ich, dir loͤſen zu koͤnnen. Ich be⸗ 8 ſchleunnge die Vermaͤhlung des Fuͤrſten — 269— Theoklas mit der Fuͤrſtin Deſideria Kolotroni. Ich weiß, daß die lezte Alexandrien nicht verlaſſen wird, und Theoklas nichts an Konſtantinopel mehr bindet, ſo kannſt du ungeſtoͤrt hier ſeine Rolle ſpielen.. Ridogar. Ukopfſchuͤttelnd.] Unver⸗ meidlich waͤre die endliche Entdeckung zweier Theoklas, und die Taͤuſchung muͤßte dennoch endlich an den Tag kommen. Satan. Laß mich ausreden. Wenn deine Vermaͤhlung mit Iphigenien vor⸗ bei iſt und allenfalls eine kurze Zeit daruͤber, dann kannſt du dich immer⸗ hin ihr entdecken; Abneigung hat ſie nie gegen dich gefuͤhlt, im Gegentheil ſchaͤtzte und achtete ſie dich, liebte in dir ihrer Schweſter Laura Retter, waͤ⸗ 6 re Theoklas nicht, ihre Liebe waͤre dir 8 nicht entgangen. Erfaͤhrt ſie nun The⸗ oklas Untreue, ſo bindet ſie nichts mehr an dieſen. Dein ſey alsdann die Sorge, ſie zu beruhigen. Enthuͤlle ihr — 270— ungeſcheut die Gruͤnde, die zu dieſer Geſtalts Taͤuſchung dich bewogen hat⸗ ten. Sie wird jammern, ſie wird kla⸗ gen, aber endlich doch einſehen, daß du recht, du gut handelteſt, daß ſie dir ſogar noch Dank ſchuldig ſey, und glaube mir, ihre Liebe wird dir dann nicht entgehen, ſo bald der erſte Schmerz ſich legt. Ridogar. Wenn ich das hoffen, wenn ich das glauben duͤrfte! Satan. Du darfſt es; wie ſoll es anders kommen konnen? Siehe dort wandelt Iphigenia, leicht wie eine Göttin ſchwebt ſie daher, wie der Glanz der Morgenſonne das reizende Geſicht verklaͤrt, das in ſchwermuͤthige Trauer verſunken iſt. Willſt du grau⸗ ſam ſie dahin ſterben, an langſamem Grame dahin welken, an Schmerz uͤber Theoklas Untreue dem Grabe entgegen ilen ſehen? O es muß ein koͤſtliches Gefuͤhl ſeyn, in ſolchen Armen zu elgen, an dem Bulen eines ſolchen — 271— Weibes zu ruhen, an ihrer Seite Er⸗ holung zu finden von den Muͤhſeligkei⸗ ten des Tages. Ridogar. Halt ein, du marterſt mich. Ich kann dir nimmer widerſte⸗ hen. O guter Gott, was ſoll ſich thun. Satan. Eben verſchwindet Iphi⸗ genia hinter jenem Gebuͤſch. Beſinne dich noch und dann ſaͤume nicht, zu thun, was dein Herz dir gebietet. Satan verſchwand und Ridogar blieb in einer maͤchtigen Unruhe allein. „Wenn ich einen Verſuch machte, ob auch Theoklas Geſtalt ſo taͤuſchend in allem ich mir aneignen koͤnnte; ob ſein ganzes Wirken und Handeln auf mich uͤbergienge? Halb unwillkuͤhrlich zaßerte er den 4 Wunſch und er fuͤhlte die ſchnelle Ver⸗ wandlung. Geſtalt, Kleidung, Gang, alles war an ihm veraͤndert, ſeine 4 eigene Denkungsart ihm zwar g ben, aber ſelbſt die gerit üägig — 272— Kleinigkeiten in Theoklas Leben lagen offen vor ſeinen Augen, kurz er war Theoklas zweites Ich. Neugierde trieb ihn zu einem Baſſin des Gartens, wo im Spiegel des kla⸗ ren Waſſers ſein Bild beſſer zu uͤber⸗ ſchauen, aber kaum bog er um die Wendung eines Laubenganges, als Iphigenia vor ihm ſtand. Sie erkannte ihn ploͤzlich.„Theo⸗ klas“, ſchrie ſie laut und freudig auf, und ſtuͤrzte an ſeine Bruſt. Ridogar war vom jaͤhen Schrecken verſteinert. Jezt ſah er keinen andern Ausweg, als ſeine Rolle fortzuſpielen, denn Leidenſchaft und Ueberraſchung lie⸗ ßen ihm nicht Zeit zum Nachdenken⸗ Wer iſt auchnin der Stunde der Leiden⸗ ſchaft ruhiger Ueberlegung faͤhig. Die Freudetrunkene Iphigenia be⸗ merkte den erſten Schrecken Ridogars nicht.„Komm, Geliebter, zu meinem Vater, wo du ſchon ſo lange ſehnlichſt — 273— erwartet wirſt', rief ſie jauchzend und zog ihn mit ſich fort.. Ridogar nahm alle Faſſung zuſam⸗ men. Seine heiße Liebe erleichterte ihm die Rolle, die er uͤbernommen hatte, und bald war zwiſchen ſeinem und Theoklas Betragen kein Unterſchied zu finden. Er beantwortete Iphigeniens Fra⸗ gen mit aller Umſtaͤndlichkeit, er uͤber⸗ ließ ſich nun ungeſcheut allen Ausbruͤ⸗ chen ſeiner lang verhaltenen Liebe und die zaͤrtliche Iphigenia hatte nicht Ur⸗ ſache, mit dem Tauſche unzufrieden zu ſeyn. Willig gab ſie ſich ſeinen Liebko⸗ ſungen hin, denn auch ihr Herz hatte ja den Geliebten entbehren muͤſſen. Bei dem alten Fuͤrſten gab Ridogar vor, daß die Art ſeines Geſchaͤftes ſei⸗ ne Gegenwart auf eine unverhofft bal⸗ dige Weiſe in Alexandrien nimmer noͤ⸗ thig mache, und er hier das Ganze be⸗ endigen koͤnne. ar. — 274— Er begab ſich an den Hof des Kai⸗ ſers und erſtattete ihm Bericht von ſeinem Verfahren. Der Kaiſer bezeugte ihm ſeine Zufriedenheit und entließ ihn ſehr gnäͤdig, indem er es billigte, daß er ſeinen Auftrag in der Kaiſerſtadt ſelbſt vollends vollzoͤge. Ridogar war nun ganz in den Fuͤr⸗ ſten Theoklas umgewandelt und nahm auch von allem Beſiz, was dieſem in Konſtantinopel gehöoͤrte, wofuͤr er jenen hinreichend entſchaͤdigen wollte. Suͤße Stunden der Minne verlebte er an Iphigenias Seite, und als der alte Fuͤrſt ſchon nach einigen Wochen ihre Vermaͤhlung feſtſezte, da zitterte ſein Herz vor Freude und Iphigenia ſank mit ſuͤßem Verlangen in ſeine Arme. Bald auch wurde die Vermaͤhlung mit aller Pracht in Anaxandrons Pal⸗ laſte vollzogen und da Theoklas zur Aufnahme ſeiner Braut in ſeinem Pal⸗ laße noch Einrichtungen machen ließ. — A — 275— ihnen eine Wohnung in Iphigeniens Vaterhauſe eingeraͤumt. Indeſſen hatte der wahre Theoklas ſein Geſchaͤft in Alexandrien gluͤcklich beendigt. Er eilte mit ſchneller Unru⸗ he, alle Anſtalten zur Ruͤckkehr zu tref⸗ fen, denn auf mehrfache Schreiben war ihm keine Antwort geworden. Ridogar hatte Satan den Auftrag ertheilt, keine Nachricht von Theoklas nach Konſtantinopel dringen zu laſſen, aber er hatte nicht bedacht, daß Satan jedes Mittel ergreifen wuͤrde, ſein Opfer zu ſtuͤrzen, daß er nichts fuͤr ſein Wohl aus freien Stuͤcken unternehmen wuͤrde, wo es nicht ausdruͤcklich ihm geboten ward, daß er nur da ſich fuͤr Ridogar thaͤtig zeigte, wo er hoffen konnte, ihn immer tiefer zu ſtuͤrzen. Ridogar hatte ihm nicht geboten, Theoklas ſelbſt zuruͤckzuhalten, und mit ſatanniſcher Freude ſah der entthronte 4 4 Fuͤrſt der Hoͤlle den Zeitpunkt von Ri, dogars gaͤnzlichem Sturze herannahen. 1³ — 276— den er ihm durch ſeine erdichtete Er⸗ zaͤhlung von Theoklas doppelter Liebe und ſeine verfuͤhreriſchen Trugſchluͤſſe bereitet hatte. Eben ſaß Ridogar an Iphigeniens Seite im Gemache des alten Fuͤrſten, der ſie mit Wohlgefallen betrachtete; da toͤnte ein lautes Geſchrei in ihre Ohren, die Thuͤre öffnete ſich und The⸗ oklas ſtuͤrzte herein. Sein Geſicht war bleich, aber Wuth blizte aus ſeinen Augen; in ſei⸗ ner Rechten hielt er einen gezuͤkten blan⸗ ken Dolch. „Trugbild der Hoͤlle“ rief er don⸗ nernd, indem er auf Ridogar zuſtuͤrzte und wuͤthend mit dem Dolch nach dem Erſtarrten ſtieß, an deſſen Bruſt aber deerſelbe machtlos abprallte. JIpbhigenia war bei Theoklas doppel⸗ tem Erſcheinen mit einem entſezlichen Schrei unmaͤchtig niedergeſunken, der te Fuͤrſt taumelte entſezt empor und Ridogar ſchien in ein todtenaͤhnliches Erſtarren verſunken zu ſeyn. — 277— Mit haſtigen Worten loͤßte Theo⸗ klas dem alten Fuͤrſten das Raͤthſel, wie er bei ſeiner Ankunft auf ſonder⸗ bare Weiſe begruͤßt worden, als waͤre er ſchon laͤngſt wieder in Konſtantinopel geweſen, wie er ſeine Vermaͤhlung er⸗ fahren habe, von der er doch kein Wort wußte, wie man am Ende ihn wohl fuͤr wahnſinnig gehalten haben muͤſſe, wie er erſt in dieſem Pallaſte nach den verwirrteſten Fragen und Antworten von den Dienern die Anwe⸗ ſenheit eines zweiten, ihm gleichen Theoklas erfahren und ſogleich eine Taͤuſchung hoͤlliſcher Liſt vermuthet habe. Der alte Fuͤrſt ſchauderte zuſam⸗ men. Ihm gieng ein entſezliches Licht auf. Er ſtuͤrzte auf Ridogar zu;„biſt du ein Geiſt der Hoͤlle oder biſt du Ridogar?“ rief er ihm zu mit innerm Beben. „Ich bin Ridogar!es ſagte dieſer langſam, ſich ſelbſt unbewußt, noch 418 ¾ — 276— immer aus ſeiner Erſtarrnng ſich nicht erholend. „O du heilloſer nichtswuͤrdiger Bus be, ſchaͤndlicher Boͤſewicht, rief er⸗ grimmt der Fuͤrſt, hinweg du Scheu⸗ ſal, daß dein Athem die Luft nicht ver⸗ peſtet, fort, raͤume mein Haus, und der Fluch eines betrogenen Vaters eile dir nach, und verfolge dich uͤberall.“ Ohne Bewegung hoͤrte Ridogar dieſe Worte an, er war dem Wahnſinn na⸗ he. Als aber Ipbigenia ſich erholte, in Theoklas Arme ſank und bebend rief; Was war das Theoklas, ich ſah dich doppelt? Dieſer ſie von Ridogar abwandte und ſie hinwegfuͤhrend, ohne weitere Aufklaͤrung der Sache, nur ſprach:„Beruhige dich, theure Iphi⸗ genia, es war ein Traum? Da loͤßte ſich das Gefuͤhl Ridogars in entſezliche Wuth auf. Vom Gipfel des hoͤchſten Gluͤckes ſah er ſich ſo ſchrecklich in des Ab⸗ grunds graͤßlichſte Tiefe geſchleudert. 8 * — 279— „Halt, rief er mit einer Donner⸗ ſtimme, wer wagt es, Iphigenia men Weib, mir zu entreißen! 5 Iphigenia ſank von neuem zuſam⸗ men, aber Theoklas fieng ſie auf. „Ich wage es, ſchaͤndlicher Bube“ rief er mit edler Eutruͤſtung und war im Begriff die ſchwankende Iphigenia hin⸗ wegzufuͤhren. Da ſchlug die unbaͤndige Flamme des Zornes in Ridogar auf; ſich ſelbſt nicht mehr kennend ergriff er in raſen⸗ der Wuth ſeinen maͤchtigen Stab, und rief donnernd:„Ha, ſo oͤffne dich Erde und begrabe den Frevler, den Raͤuber meines Weibes, in deinem innerſin Eingeweide!“ Die furchtbaren Worte waren ge⸗ ſprochen, ein entſezlicher Donnerſchlag erſchuͤtterte in ſeinen Grundveſten den Pallaſt. Erſchrocken bebten alle zuruͤ Mit grauſendem Getoſe d 4 Boden, Theoklas zu verſ ,f— — 230— Ridogar.„Dein Schickſal ruft!“ hoͤrte er eine Donnerſtimme uͤber ſich rufen, und pfeilſchnell fuͤhlte er lich der Erde entruͤckt. Theoklas lag betaͤubt am Boden, Iphigenia unmaͤchtig neben ihm. Der alte Fuͤrſt faltete bebend die Haͤnde und kniete vor beiden. Als ſte ſich endlich erholten, prieſen Alle den guͤtigen Gott, dem ſie ihre Rettung zu danken hatten. Theoklas und Iphigenia, als ſie die ganze Begebenheit aufgeklaͤrt ſa⸗ hen, ſanken ſich in die Arme, keines war ſich einer Schuld bewußt. Ein Prieſter loͤßte das Geluͤbde, das Iphi⸗ genia an Ridogar band und ein neues vereinigte ſie mit Theoklas. Die unſichtbare Fauſt ſezte Rido⸗ gar im Gewoͤlbe der Geiſterburg nie⸗ der, wo er ſeine Macht zuerſt empfan⸗ gen hatte. Schaudernd erkannte er den Ort, wozer war, und entſezt bebte er melc gis⸗ er Satan, den Fuͤrſten der — ſelbſt gedacht, du wuͤrdeſt ſo iſt der Menſch, vermeſſe — 261— Hoͤlle erblickte, der mit den Zeichen ſei⸗ ner Macht, Krone und Scepter, wie⸗ der geſchmuͤckt, in Levarſfof gekten 1 vor ihm ſtand. „Kuͤhner Sterblicher der du ver⸗ meſſen, dich anmaßteſt, die Hoͤlle ſelbſt zu regieren, zertruͤmmert iſt jezt durch dich ſelbſt deine Macht, und in mir, dei⸗ nem Sclaven fruͤher, erkenne jezt deinen Richter.“ Taumelnd hielt ſich Ridogar an der ſteinernen Tafel und Satan ſchlug ein graͤßliches Hohngelaͤchter auf.„Ha, rief er, welche Wolluſt war es fuͤr mich, als du den erſten Schritt ab⸗ waͤrts machteſt, als ich dadurch Macht erhielt, mehr auf dich einzuwirken, als du mit Rieſenſchritten von Verbrechen zu Verbrechen taumelteſt. Wahrlich es aͤrgerte mich, daß es ſo gar kleiner Liſt bedurfte, dich zu verfuͤhren; ich haͤtte kaͤmpfen, maͤnnlicher wider — 282— ſich eine Laſt auf der er nicht gewach⸗ ſen iſt!— Merke jezt auf, was ich zu dir ſpreche:— „Als du in dieſem Gewoͤlbe die Zei⸗ „chen deiner Macht erhielteſt, da wur⸗ „de dir in einer Pergamentrolle enthuͤllt, „daß uͤberſchwenglicher Lohn deiner harre, „wenn du fortwandelſt auf der Bahn „der Tugend, aber eben ſo große Strafe „deiner harre, wenn du abweichſt da⸗ „von. Mehr dir zu enthuͤllen war nicht „noͤthig und lag nicht im Plane des „allgewaltigen Schickſals. „Merke wohl auf, gaͤnzlich frei „mußteſt du ſeyn, keine namentliche „Drohung durfte deinen freien Willen „beſchraͤnken.“ „Doch hoͤre weiter. Dir unbekannt „ſtand noch im geheimen Buche des „Schickſal geſchrieben: „„Wenn der, auf den Thron der „Hoͤlle durch der Allmacht Schluß g⸗ e„ſezte Sterbliche, abweicht vom We⸗ — —— — 285— „„ge der Tugend, ſo fuͤlle dreifa⸗ „„cher Mord das Maas ſeiner Suͤn⸗ „„den und mache ihn reif zur Ver⸗ „„damniß, aber der vierte Mord, „„durch die Allmacht des Ewigen ver⸗ „„hindert, zerſchneide den Faden ſei⸗ „„nes Wirkens und Handelns und „„fuͤhre der ewigen Gerechtigkeit ihn „ zentgegen.“* Drei Morde, fuhr Satan fort, ge⸗ ſchahen durch dich, den vierten haͤtteſt an Theoklas du veruͤbt, haͤtte nicht hoͤhere Macht ihn erhalten. Reif zur Verdammniß biſt du, bruͤllte mit graͤß⸗ lichem Hohngelaͤchter Satan, mein biſt du, der Hoͤlle ewiges Eigenthum!“ Bei dieſen Worten loͤßte ſich Satan in die ganze graͤßliche Geſtalt der Hoͤlle auf.„Gnade, Erbarmen, o Allbarm⸗ herziger“ ſtoͤhnte Ridogar und ſan he⸗ wußtlos zu Boden.. Eben wollte Satan mit bödiſcher 1 Luſt ſein Opfer ergreifen, da durchzuͤkte ein blendender Blizſtrahl das Gewoöͤlbe und eine uͤberirrdiſche Helle erleuchtete es. Bebend ſank Satan zu Boden und kruͤmmte ſich tief im Staube. Eiine Stimme, furchtbar wie der rollende Donner des Himmels und doch ſanft und mild, ſprach aus der Höhe: „Ich habe die Thaten Ridogars auf „der Wage der Gerechtigkeit, aber auch „meiner Barmherzigkeit gewogen. Auf „der Schaale des Guten liegt manches „durch ihn vollbrachte, doch ſchnellt die „»Aber der Schuldige hat meine Gnade, mein Erbarmen angerufen und nicht „vergebens nennt man mich den All⸗ „barmherzigen. Er hat Strafe verdient, „Strafe ſoll ihm werden. Darum ſey⸗ „en ihm die Pforten des Himmels ver⸗ „ſchloſſen, doch auch der Hoͤlle Eigen⸗ „thum werde er nicht. Er ſterbe! Ein öſung und erhalte ſie nicht; dann „Schaale des Boͤſens ſie hoch empor. „Jahrhundert ringe ſein Geiſt nach Auf⸗ — — — 285— „aber nach deſſen Verfluß erwache er „zur nemlichen Stunde, in der er jezt „das Leben verlaͤßt, und wandere mit „Geiſteskraͤften begabt wieder von neu⸗ „em auf Erden, um durch gute Tha⸗ „ten ſeine Suͤnden zu verſoͤhnen und „den Eingang in das Reich der Seli⸗ „gen ſich zu erringen.“ Die Stimme ſchwieg. Ein Donner⸗ ſchlag erſchuͤtterte das Gewoͤlbe. Sa⸗ tan kruͤmmee ſich und ſtuͤrzte ſich hinah in den Pfuhl der Hoͤlle. Ridogar ſprang auf einmal von ſeis ner Betaͤubung befreit auf. Mitten in ihr hatte er die furchtbaren Worte vernommen, und wollte eben dankend ſeine Haͤnde zum Allmaͤchtigen empor⸗ ſtrecken, da rief eine Donnerſtimme von der Hoͤhe herab das furchtbare Wort:„Stirb, um nach einem Jahre hunderte deiner Erloͤſung migegen zu arbeiten. — 286— — Es ſark vor der ſteinernen Lafel zu⸗ Verehehe ſein Gaf en tfloh. Un⸗ 3 Je dieſen zerſtoͤrte, und in Stuuß verbandelte.