— 8 — ——-——— Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Oltmann in Gießen, 8 Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. 3 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens Leiß- und eſ ebedingungen. 3 7 Uhr bis Abends Keller offen.— 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen.—— 3 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme 5 1 eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe d hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. b 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: 8 für ughchentlich 2 Bücher: 4 Büchen: 6 Bücher: 3„————— auf 1 Mbnat: 1 Mt.— Pf. 1 Mt. 50 Pf. 2 Wet. aif. 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt 4 der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 4 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. 4⁴ 8 23 5.—— Ahnengeiſt in der Aulenburg. Ritterſchlag, Ehrenwache und Fahrten Arnulfs von Baar 4 b der der 8 Eine Ritter⸗ und Geiſtergeſchichte aus den Zeiten der Kreuzzuge vom Verfaſſer Adolphs von Bomſen, Ufos von Freyſingen it. Zweiter Theil. Mannheim. Bey Tobias Lbffler. 1 8 25. be, oder du biſt des Todes!“ alsbald auch einen Geharniſchten der eben mit ſeinem gezogenen Schwerdte Jetzt erſt dachte Arnulf über ſein ſchnelles Entfernen von der prachtvollen Veſte nach, riß, da es ihm völlig einer Flucht ähnlich ſah, unwirſch ſeinen ſchäumenden Araber herum und wollte eben ſeinen nachtraben⸗ 3 den Knappen fragen, wer ihm befohlen habe, die Roſſe ſo frühe zu zäumen und zum Abzuge bereit zu halten, als er vom nahen Dickichte her eine barſche Stimnie die Worte ausrufen hörte:„Gib her Bu. Betroffen lenkte er wieder um und ritt dem Saume des Horſtes zu, wo er denn — ,— einem vor ihm ſtehenden Hirten den Kopf ſpalten wollte. Entruſtet über ein ſo erbarmliches Vor⸗ haben ſchrie Arnulf dem Ritter zu:„Halt ein, elender Lauer, wie magſt du dich an ein em wehrloſen Hirten vergreifen wollen!“ Doch ohne ihn einer Antwort zu würdi⸗ gen, drang der Freiharde auf Arnulf ein und bewies auch eine ſeltene Gewandtheit im Schwerdtkampfe. Des hü ihnenmäßigen Baaren maͤchtige Hiebe aber flogen ſo dicht auf ſeines Gegners Schild und Rüſtung, daß bald der rothe Kampfſchweiß aus de⸗ ren Fugen drang und der Ritter unter ei⸗ kräftigen Fluche auf den Maſen nie⸗ der ſank. Ohne ſich indeß weiter um büpn zu 14 kümmern, fragte Arnulf den Hirten, nach⸗ dem er mit ihm auf die Heerſtraße zurück⸗ 4 gekehrt war, wodurch er des Ritters Zorn gegen ſich gereizt habe? Hirte.(Indem er einen güldenen Ring aus ſeiner Hirtentaſche hervorzieht).„Seht geſtrenger Herr Ritter, der Goldreif iſt Schuld daran. Ich erhielt ihn von unſerem ——— des Kloſters St. Velten hat — 5— engelguten Fräulein gerade die Stund noch zuvor, als das Unglüͤck über ſie hereinbrach. Er iſt mir theurer als mein Leben,„und dieſer Ritter dort wollte mir ihn abzwingen.“ Arnulf.„Wer iſt denn dein Burg⸗ fräulein, und welches Unglück widerfuhr ihr? 27 Hirte.„Ach geſtrenger, edler Herr, die Welt iſt jetzt gar arg und der Pfaffen Habſucht wächſt mit jedem Tage. Ich will euch gerne die Geſchichte erzählen, wenn ihr die nämliche Straße mit mir zieht, denn ich muß noch einmal unſer gutes Fräulein ſehen, ſoll es auch koſten was es wolle, und ſie wird heute Abend noch in Worms, ach gewiß unſchuldig! auf einem Scheiterhaufen verbrannt werden.“ 3 Arnulf.„Verbrannt? Ein Burgfräu lein auf einem Scheiterhaufen verbrannt? Biſt du wahnwitzig?““ „Hirte.„Wollt' traun gerne mein Leben lang meiner Sinne beraubt ſeyn, wenn dem nicht ſo wäre! Habs auch lange nicht glauben welen, aber der Schirmvogt — 6— ſchon inne und hats mit teuſliſchem Lacheln mir ſelbſt geſagt.— O, wär' ich ein hoch⸗ adlicher Ritter, wollt mein Seel nicht eher ruhen, bis ich mit meinem Schwerdte ihre Unſchuld auf des Pfaffenknechtes Stir⸗ ne geſchrieben und ihr das Leben geretret hätte.— Doch ach, ich muß eilen. Ge⸗ habt euch wohl, geſtrenger Herr! Gott lohn' euch tauſendmal die edle That, daß ihr mein armes Leben mir gefriſtet habt, und nehmt mir nichts für ungut.“ Arnulf.„Nein, ich ziehe mit dir, da⸗ mit du mir die Unglücksgeſchichte des Fräͤu⸗ teins im Zuſammenhange erzählen kannſt, denn du haſt baß meine Neugierde erregt.“ Hirre.„Wollte Gott, ich könnte euch au noch mehr vermögen, denn ihr, verzei⸗ het gnädiger Herr, ſeht mer traun gerade ſ drein, als häͤttet ihr das Herz auf dem rechten Flecke ſitzen. Der Schirmvogt müßte traun vor dem Schwunge eures rabenſchwar⸗ zen Helmbuſches ſchon erzittern, und— hu!— auch noch einen Todtenkopf mit ei⸗ nem ſchwarzen Kreuz darunter! Würde 2 mein Seel glauben, ihr hättet allen Men⸗ 7 ſchen den Tod geſchworen, ſo ich mich von eurem hohen Edelſinne nicht ſelbſt über⸗ zeuget.““ Arnulf.„Nun laß doch das Salba⸗ dern und komm zur Sache.“ Hirte.„Verzeihet gnädiger Hem, es iſt die Liebe und Anhänglichkeit an unſer unglückliches Burgfräulein, wenn ich ſo rede, und das Herz im Leibe ſpringt mir vor Freude, wenn ich euch mir, Wie vor⸗ hin, ſo im Kamßfe mit dem vogte denke;— aber ihr gebieter und ich muß euch als dem edlen Retter meines Lebens um ſo williger gehorchen. Ach hättet ihr aber doch ſtatt meinem, des jungen Frän⸗ 3 leins Leben gerettet! Nun ich will beginnen.“ „Sechs Stunden mögen es von hier jetzt ſchon ſeyn, da liegt die Veſte Ehrenberg und ihr Beſitzer unſer gnädigſter Lehnsherr nannte ſich Graf Friedrich von Hahn⸗ 1 ſtein. Er hatte auch eine gar gütige Ge⸗ mahlin, erzeugte mit ihr eine Tochter, Ku⸗ tte lebte gar zufrieden und einig. N nigunde, eben unſer jetzt ſo unglückliches Fraͤulein, und die kleine hochadelige Fami aallerlei in die Ohren. — 8— ander verbrechen und war doch von meinen Knabenjahren an faſt täglich auf der Veſte⸗ Nur der Wunſch, einen Sohn als Erben und Stammhalter zu haben, trübte manch⸗ mal unſeres gnädigen Grafen frohe Laune.“ „Da kam vor ohngefähr neun Jahren ein Ritter aus Paläſtina zurück und ſprach auf dem Ehrenberge ein. Seiner ſchwar⸗ zen Rüſtung und düſteren Ausſehens we⸗ gen nannte man ihn nur den ſchwarzen Ritter, und hörte auch, außer, daß er ein weitläufiger Anverwandter der gnä⸗ digen Gräfin ſey, nie etwas Genaueres von ihm. Ein volles Jahr blieb er auf der Veſte; kurz vor ſeinem Abzuge aber — kam unſre gnädige Frau in die Wochen uund gebar einen gar ſchönen Knaben, der Heinrich getauft wurde. Wie ſehr wir Vaſallen nun auch unſere Freude über die Geburt des gräflichen Junkherrn zeigten, ſo war doch der Graf von der Zeit an im⸗ mer düſter und man murmelte ſich obꝛdem ſchnellen Verſchwinden des ſchwarzen Ritters hörte ich ſie auch nur ein Wort mit ein⸗ —— — — 9— Indeß unſere gnädige Frau ſtand nicht mehr von ihrem Wochenbette auf und wurde mit großer Feierlichkeit beerdigt. Kunigunde, das gute Fräulein, aber beſorgte die Pflege ihres Brüderchens aufs zärtlichſte und brachte es auch gar oft in unſere Hütten. Noch ſehe ich ſie auf meines ſeeligen Vaters Lehnſtuhl ſitzen, und wie ſie den freundlichen Knaben ans Herz drückte und küßte! Nein, nein, es iſt himmelſchreiend, dem guten Fraͤulein ſo etwas anzudichten. „Doch ich will weiter erzählen.— Drei Jahre waren nach dem Tode der edlen Gräfin wieder ruhig verſtrichen. Da legte ſich auch der Graf und ſein Ende nahte ſo ſchnell, daß wir es alle kaum faſſen konnten. Des Weinens und Wehklagens um ihn, den edlen Herrn, wollte gar kein Ende werden, und wir hattens auch Ur⸗ ſache, denn ſeit ſeinem Tode iſt unſere Ruhe, unſer Glück und alle Freuden da⸗ hin, und werden auch nie mehr, ſo wie früher, in unſern Gau wiederkehren!. „Benno, der alte Kaſtellan, beſorgte je⸗ doch treu und redlich die Burg, ließ uns — 10— alle unſere Rechte ungekränkt und meinte es gewiß auch immer recht gut mit dem Fräulein Kunigunde und ihrem Brüderchen, dem kleinen Junkherrn; nur gab er ſich zu viel mit den Mönchen des St. Veits⸗ ſtiftes und deren Schirmvogte, Ritter Hans von Eichſtett, ab. „Jeden Tag ſah man entweder dieſen oder einen Plättling den Burgweg hinauf⸗ ziehen und ich warnte auch einmal das nädige Fräulein im Vertrauen, als ſie 4 4 7 wieder mit dem lieben Junkherrn in unſe⸗ rer Hütte war, ja den Mönchen nicht zu viel Recht einzuraumen, denn ich kannte ihre hinterliſtige Verſchlagenheit. „Da ſprach vor zween Jahren, gerade als mein Vater das Zeitliche ſegnete, wie⸗ der ein fremder hühnenmäßiger Ritter auf der Burg ein und aus ſeinem öfteren Wie⸗ derkehren ſchloß man bald, daß er wohl Abſicht auf das gnädige Fräulein habe, doch konnten wir alle nie ſeinen Wohnort und Namen erfahren. Selbſt das Fräu⸗ lein Kunigunde wußte ihn nicht und trug auch keine Neigung zu ihm in ihrem Her⸗ X. 4 4 7 3* — 1 1— zen wie ſie mich ſelbſt verſicherte, nur das ſagte ſie mir, daß der fremde Ritter die Pfaffen nicht leiden könne und Bennon, dem Kaſtellan ſchon mehreremale ſeine Frei⸗ gebigkeit gegen ſie verwieſen habe. Ich lebte dieſes an dem Hühnen, denn ſo nann⸗ ten wir ihn nur, die Schorköpfe und der Schirmvogt aber wußten es bei Bennen dahin zu bringen, daß er dem fremden Ritter keinen Einlaß mehr in die Burg ge⸗ ſtattete und dem Fräulein gebot, ſeltener mit ihrem Brüderchen in den Gau zu luſt⸗ wandeln. Uns Vaſallen ſchmerzte dieſes ſehr, denn wir hätten alle unſer Leben für das Frau⸗ lein gelaſſen; indeß tröſteten wir uns da⸗ mit, daß der ehrliche Kaſtellan ſeine gure Urſache für ein ſolches Verfahren haben müſſe, und erfuhren auch bald, daß die Mönche den fremden Ritter als einen Fe harden bei ihm angeſchwärzt hätten, de ſicher nur Kunigunde ihrer Peſte Pe für ſich gewinnen wolle und den kleinen Heinrich aus dem Wege zu ſchaffen ſucht. Ich will und kann nun die Wahehen — 12— dieſer Ausſage nicht unterſuchen, ſo viel iſt aber gewiß, daß ich ſie nicht glaube und der fremde Ritter auch nie wieder⸗ kehrte. Auf St. Georg, den erſten ſchönen Früh⸗ lingstag dieſes Jahres luſtwandelte nun das gute ſchöne Fräulein wieder einmal mit ih⸗ rem Brüderchen und kam zu mir an die Perge. Meine Freude war übergroß, ſie nach drei vollen Monden endlich wieder zu ſehen und ich erzählte ihr weit und breit was all ſeitdem vorgegangen, und daß ich mich mit Anna, meines Nachbars Tochter verheirathen wolle; da zog ſie dieſen Gold⸗ reif von ihrem zarten Zeigefinger und gab mir ihn mit den Worten: Hier Hans haſt du mein Brautgeſchenk. Der Ring iſt von meiner ſeeligen Mutter und daran, daß ich dir ihn gebe, kannſt du ſehen wie gut ich dir bin, ſey nur recht glücklich mit Anne, und wenn ich wieder einmal aus⸗ gehe, will ich euch beſuchen!“ „Ach wie ſanft ſagte ſie dieſes, meine Seele hat es ordentlich gerührt und ich ſprang hoch auf vor Freude! Auch der kleine 1 — Junkherr reichte mir ſeine Händchen mit den Worten: Ja Hans ſey glücklich mit Anne! und ſo ſchritten ſie wieder fort dem Walde zu.“ 1 „Und ich weiß ſelbſt nicht, wie mirs vor war, denn ich hatte einmal den Ge⸗ danken, ſie auf die Veſte zu begleiten und dann erſt heim zu laufen um meiner Anne das ſchöne Geſchenk zu zeigen und ihr die Worte des lieben Fräuleins zu ſagen.— Ach hätte ich mir doch gefolgt, ſicher wäre das Unglück nicht geſchehen, denn geſtren⸗ ger Herr Ritter wie meint ihr, daß mir und uns Vaſallen allen des andern Tages zu Muthe wurde, da ſich die ſchreckliche Kunde verbreitete, daß das gnädige Fräu⸗ lein ihr Brüderchen im Walde ermordet habe? Arnulf.„Hölliſche Tücke det Pfaffen!“ Hirte.(Freudig).„Ja, ga geſtren⸗ ger Herr Ritter, das ſagte ich gleich auch zu meiner Anne, doch hört nur wie eigent⸗ lich noch die Kunde lautete.— Der Schirm⸗ vogt ſey gerade im Forſte geritten und habe ſelbſt geſehen, wie unter einem fürchterli⸗ —— chen Fluche das Fräulein unmenſchlich ih⸗ rem Brüderchen einen Dolchſtoß gegeben und es hierauf in den Waldbach geworfen habe, ſo daß der herbeigeeilte Schirmvogt dem ermordeten Kinde keine Hülfe mehr habé leiſten können und deßhalb wuthent⸗ brannt der ihrer Veſte zulaufenden Dirne nachgejagt, aber durch die ſchon wieder aufgezogene Zugbrücke verhindert worden ſey, die Unthat gleich an der unmenſchli⸗ chen Schweſter zu rächen.“ „ Das Fräulein habe mit dem fremden Ritter zugehalten, ſchrieen nun die Mönche aus und auf deſſen Anſchlag ihren Bruder umgebracht, damit ſie nun die alleinige Erbin der Veſte und aller der Güter ſey und ihm ungehindert ihre Hand reichen könne. Auf jede mögliche Art verunglimpf⸗ ten ſie die Ehre des gewiß unſchuldigen Fräuleins und behaupteten, daß nur durch ihre Einkleidung als Nonne und die Schen⸗ kung der Burg und aller Güter an ihren Kloſterheiligen die Seele des Fräuleins vor deer ewigen Verdammniß bewahrt bleiben küönne.. — 15— „Da ihnen aber der Kaſtellan die Aus⸗ lieferung des Burgfräuleins und Oeffnung der Veſte auf die Ausſage der ununterbro⸗ chen um ihren Bruder weinenden Kunigun⸗ de:— daß der Schirmvogt ſelbſt ihr den⸗ ſelben entriſſen, gemordet, in den Wald⸗ bach geſchleudert und ſich auch ihrer, habs bemächtigen wollen— verweigerte, mach⸗ ten die Pfaffen ihre Sache bei dem Kai⸗ ſer anhängig und nun wurde die Verab⸗ folgung des Fräuleins durch kaiſerliche Machtboten dem treuen Kaſtellan befohlen. „Dieſen konnte er den Einlaß nicht ver⸗ wehren und ein lautes Jammern und Schluch⸗ zen verbreitete ſich durch das ganze Thal als bald darauf das gute Fräulein gen Worms abgeführt wurde. „Ach wie ſie ſo wehmüthig⸗freundlich noch mir und meiner Anne zuwinkte, trotz dem, daß ſie heftig ſchluchzte. Hätte ich 1 die Kraft gehabt, ſie ſollten ſie nicht ven der Stelle gebracht haben; ſo aber mußte ich in meiner ohnmächtigen Wuth die Zäh⸗ ne zuſammen knirſchen und konnte nur den — 16— von ihr erhaltenen Goldreif an meinen Mund preſſen. „Der hohe Kaiſer mußte⸗ indeß wohl 3 ſelbſt dem unſchuldigen Geſichte des Fräu⸗ leins und dem Umſtande„ daß man den Leichnam des kleinen Junkherrns nicht fin⸗ den konnte, mehr trauen, als den liſtigen Mönchen, trotz ihrer Beſiebnung, denn er befahl, wie ſehr ſich auch die Schorköpfe dagegen geſträubt haben ſollen, daß das gute Fräulein erſt dann die ſchreckliche To⸗ despein, verbrannt zu werden, aushalten ſolle, wenn innerhalb dreier Monden kein Ritter das Kampfgericht als Gottesurtheil gegen die Ausſage des Schirmvogts, mit dieſem zu beſtehen, ſich erbiete. „Und nun iſt heute ſchon der letzte Tag, ohne daß einer für die Unſchuld des Fräu⸗ leins ſein Leben gewagt hätte.“ Arnulf.„Wie noch keiner wäre das Kampfgericht gegen den Schirmvogt einge⸗ gangen, da doch die hölliſche Tücke der Pfaffen ſo klar am Tage liegt? Und du weißt es gewiß, daß ſie unter dieſer Be⸗ ö———“ — 17— dingung zum Tode verurtheilt und heute der letzte Tag der Friſt iſt?“ 5 F Hirte.„Ja leider nur zu gewiß, denn die Pfaffen verkündeten es und der Schirm⸗ 1 vogt, welcher ſchon ſeit einem Monden die Burg beſitzt und uns Vaſallen hart bedrängt und mit Abgaben drückt, ſchrie es mir ſelbſt, als er geſtern ſchon gen Worms ab⸗ zog, um bei ihrer Verbrennung heute Abend gegenwärtig zu ſeyn, noch mit hölliſch tri⸗ umphirender Miene zu meinem offenen Fenſter herein, daß es mir gleich dem ſpi⸗ tigſten Dolchſtiche durch das Herz fuhr.“ „Arnulf.„Ha teufliſche Bosheit, du ſollſt, ſo lange ich noch einen Blutstropfen in meinen Adern habe, nicht über die Un⸗ ſchuld triumphiren! weeeeeeeeeee „Zeige mir jetzt nur noch einmal den Goldreif, ſeine Form fiel mir vorhin ſehr auf.“ Hirte.„O wenn ihr, geſtrenger Her, für unſer Fräulein kämpfen wollt, dann ja dann— hier behaltet den Ring; ſagt dem guten Burgfräulein auch gleich, daß ich euch zu dem Entſchluſſe, ſie zu r — — 18— ten, bewogen habe.(Indem er Arnulf den Ning reicht). Ja, ja, ich ſehe es eurem funkelnden Auge an, ihr⸗ werdet ſie retten. (Seinen Hut ſchwenkend und hoch aufwer⸗ fend). Freue dich Anne, freut euch ahr Bruder, unſer Fräulein iſt gerettet! Ha Schirmvogt, nun lache teufliſcher Bube, deine Macht wie dein Druck hat jetzt ein Ende und unſere frohen Tage kehren wie⸗ der! Aber auch kein Stein ſoll von dem Kloſter auf dem andern bleiben, ſobald durch das Gottesurtheil der Mönche hölli⸗ ſcher Lug und Trug heraus iſt!— O ſpu⸗ tet euch, edler Ritter, damit bald, bald das gute Fräulein von der Sebesangſt be⸗ freit wird.⸗ Arnulf.(Indem er den Iiing⸗ Web chen er zeither aufmerkſam betrachtete, ein E und K von einem G umſchlungen auf deſſen innerer Seite bemerkt hatte, und ei⸗ nen dieſem ganz. gleichen an der Halsketto der Gräfin Greifenklau geſehen zu haben meinte, zu ſich ſteckte und dem Hirten eine volle Böͤrſe dafür hinwixft). Der Ring iſt mir wichtig, nimm dafür die Börſe; doch komme, wieder zugeſtellt werden.“ Hirte.„„Das verhüte Gott, der wiß die Sache der Unſchuld ſchtitzen wird. Nehmt aber auch die Börſe wieder, hoche edler Herr, denn ihr habt mir ja das Le⸗ ben gerettet und wollt nun auch unſer Fräulein von der Todesſtrafe befreien.— Ha ich müßte traun ſo habſüchtig ſeyn wie ein Schoorkopf, wenn ich nun noch eine volle Börſe für den Goldreifen von kuch annehmen wollte.“— Arnulf.„Nimm's nur und verzehte es auf mein, des Grafen Arnulfs von Baar, ſtetes Wohl! Spute dich aber jetzt, wenn du mit mir in Worms ſehn wiuſt, denn noch ehe der Tag ſich neigt, hoffe ich die Schranken des Kaͤnpf fgerheos zu erreichen.“ Hirte.„Und Gethi eine Lunge zum Dudelſack wird, will ich nicht eher aufh he ren zu laufen, bis ich noch zuͤr e Zeit an Orr und Stelle bin, denn ich mein Fraulein ſehen, und wie ſchändlichen Schirmoge züſete 2 — 20— — 4 Arnulf.„Wie weit iſt von hier aus woohl noch bis in die alte Kaiſerſtadt?“ Hirte. In ſechs Stunden denk ich ſie er erreicht zu haben, doch ihr könnt wohl mit 3 der vierten ſchon dort ſeyn. 3 Arnulf.„Nun ſo gehab dich wohl und komm bald nach!“”“ Hirte.„Gottes reichſter Lohn folge euch geſtrenger Herr Graf für eure edle That!— Vergeßt meiner aber ja nicht bei 3 dem Fräulein!—* 18 5½ Und ſomit lief jubelnd und ſeinen Hut in der reinen Morgenluft hoch emporſchwin⸗ gend der Hirte dem mit ſeinem Knappen dahin jagenden heldenmüthigen Grafen Ar⸗ lf von Baar nach; doch bald hatte er ihn aus ſeinem Geſichtskreiſe verloren. 4 1 — Noch hatte nicht die Hitze des Hochta⸗ ges die angenehme Kühle des Morgens ſo ſtig verdrängt und die lieblich⸗fächelnden Fittige des Zephits zunn brennenden, drücken⸗ den Süde geſteigert, als ſich ſchon die Stra⸗ ßen der alten Kaiſerſtadt von erwartungs⸗ voll gaffendem Pöbel engten, welcher den Rittern und Edlen die dem Richtplatze zu⸗ gezogen, auf welchem ein aufgeſetzter Holz⸗ ſtoß ſich hoch emporhob, ehrerbietig auswich. Immer näher und näher aber rückte jetzt die dritte Stunde des Mittages, auf welche die Vollſtreckung des Todesurtheils an dem allgemein bedauerten Hahnſteiner Fräulei⸗ feſtgeſetzt war und immer angſtlicher wur die Stünmung des Volkes.“ „Will ſich denn noch keiner der Ritter zum Zweikampfe mit dem Schirmvogt ver⸗ ſtehen“ fragte man ſich mit um r preßteter Stimme und das Gewuhle in den Straßen wurde dichter und dumpfer⸗ doch der Schirmvogt hielt mit höhniſch⸗li chelnder Miene vor den Schranken des zu dem Kampfgerichte geebneten Turnierrau⸗ mes in blanker Rüſtung und eingelegter Lanze, anzudeuten, daß er bereit ſey, die Wahrheit ſeiner Ausſage gegen b 1 nen Widerſacher zu behau Da ertönte endlich vom hohen — 22— ab die gefürchtete Stunde und mit ihrem letzten Schlage erfüllte ein ſich aus jegli⸗ cher Bruſt botverdenſſendes halch die per ternbe Luft. 3 Jetzt rollte der Wagen vor den Verwahr⸗ ſam in welchem vergeblich das ſchöne Frau⸗ kein nach Erbarmen und Rettung geflehet und gejammert hatte, um deren bleiche vankende Geſtalt in Begleitung eines Mön⸗ gen Vannerherrns: Hermann 1 rdenſtein nach dem Dome zu An5 48 dhechs Linmat ihe⸗ ſhneres ſeines eiches den Iiiheslage Iugezo⸗ rigen Srene das nöthige Anſehen zu ver⸗ chaffen, und de lebnende Wheng. gab chen, des Kerferaur ſters und einer betrs cht⸗ gen um mit ſeiner hohon Perſon der trau⸗ „Baar, deutſcher Ritter und wohl der muthige Held auch ſey. Und ſtat nach dem Richtplatze, lenkte der Kaiſer ſei⸗ — 29— Ein Kämpfer naht ſich den Schranken! und mit verhängtem Zügel ſprengte auf ſeinem dampfenden Araher der hühnenmä⸗ ßige, rüſtige Baarenheld durch die mmit neuer Hoffnung belebte, ausweichende Maſ⸗ ſe, welcher grauſend die drei rabenſchwar⸗ zen Federn in mächtigem Schwunge auf das ſchwarze Kreuz mit dem Todtenkopfe herab, die Beſtimmung ſeiner. Küls 3 ver⸗ künden ſchien. Alsbald befriedigte jetzt der Herold 1 ſeinem lauten Rufe:„Graf Arnulf vo „der Aulenburg will gegen den 1 „von Eichſtett, Schirmvogt des Kloſte „Welten die Unſchuld des Fräuleins uni gunde pon Hahnſtein in Gottes freiem „Kampfgerichte auf Leben und Tod bewei⸗ „ſen!“ die Neugierde des Volkes, wer nen Zug gegen das Blachfeld, auf welchem der Turnierraum geebnet war. Ihm folgte die Maſſe der Edlen, Ritter und des Belkes. — 24— Unter einem Thronhimmel ließ ſich die erlauchte Majeſtät nieder, neben ſie auf 3 die Seſſel ſetzten ſich die Kampfrichter des Reichs, des Kampfgerichtes Beiſitzer aber nahmen auf den niederen Bänken umher Platz und die übrigen Ritter und Edlen ſetzten ſich auf den um das Kampfgitter er⸗ höhten Balkon; das zuſtrömende Volk aber ddrrängte ſich in einem dichten Kreiſe um b ieſe. Vor den Seſſeln der Kampfrichter war ne Lanze aufgerichtet, an der Schid und chwerdt hingen und bei denen ein Wei⸗ 7 enzweig lag. Zwei Grieswärtel bewachten en Eingang des Kampfgitters mit kreuz⸗ eiſe gehaltenen Spießen und nicht ferne von ihnen ſtand eine Todtenbahre, anzu⸗ deuten, es gelte den Kampf auf Leben und— CTod. Der Ehrenhold ſtand unter dem Ehronhimmel des Kaiſers in dem Kampf⸗ glatze und ihm zu beiden Seiten ſtanden die Prügelknechte. Jetzt unterſuchte vor dem Eingange der Schranken, auf den Wink des Kaiſers, der Lußner die Ritterſchilder und Rüſtungen dem Volke, dem Sieger gelob ich ſich Sch üdgenoſſ enſchaft?“ dieſem freien, offenen Kampfgerichte, An⸗ Kämpfer offenkundig, nach rechter Ritters⸗ art und zu dieſen Heeresſchildern geboren .. — 25— der Kämpfer, ob ſie auch ebenb bürtig ſeyen und keine Zauberkräuter bei ſich trü⸗ gen und ein Kampfrichter begann zu den Beiſitzern: Ihr alten verſuchten Kampfhel⸗ den macht mich weis, wie ich ein wahres, Kampfgericht ſagen und handhaben ſoll nach Väterſitte und altem Herkommen.“ Der alteſte Beiſitzer.„Nach Väaa terſitte und altem Herkommen ſollſt du das freie Kampfgericht öffnen mit Bann⸗, Ge: leit⸗ und Friedenströſtung.“ Kampfrichter.„Frieden geb Geleit zu ſeiner Heimath zu kehren Erſchlagenen ein ehrbares Begräbniß. T Kampfgericht iſt nun eröffnet. Lüßner an, ſind beide Kämpfer freie Rittersmän⸗ ner, einander ebenbürtig und von gleicher 8 Lüßner.„Ich Lüßner ſag' an vor geſichts Gottes, und des Kaiſers, daß beide — 26— ſind. Weiß jemand deß anders, der rede jetzt und ſchweige nachher!““ Kampfrichter.. vCerietäͤrte üiknet die Schranken!“, ez an antt Die Grieswärtel Fneten jeht das Keaenpf⸗ gitter und herein ſprengten auf ihren ſchäu⸗ menden Hengſten Graf Arnulf von Baar und Ritter Hans von Eichſtett und hielten u beiden Seiten der Todtenbahre; werauf dder Kampfrichter von neuem begann;„Eh⸗ renhold thue dein Amt!"„ Ehrenhold.(Zu dem Schirmvogte). in Namen Gottes und des Kaiſers und Kampfgerichts Sitte und Herkommen ſage an, wer du biſt, warum du hier in dieſem ritterlichen Waffenſchmucke erſcheinſt, gegen wen du kommit und worin dein Zwiſt beſtehe? Antworte die Wahrheit auf Rit⸗ der Himmel und deine Dsſerkete. rede, rede!“ von Eichſtett, bin freier deutſcher Ritter ten und erſcheine in dieſem Waffenſchmucke tereid und Ehre und dann beſchübe dich Schirmvogt.„Ich nenne mich Hans und Schirmvogt des Kloſters zu St. Vel⸗ — Kampfrichter.„Du Graf Arauf von ren Eid, daß ühr euch keiner Zanberkräu⸗ rer, Sprüche, — 27— gegen jeden, der meine Ausſage ob der Brudermörderin Kunigunde von Hahnſtein lügen heißen will, um ihm in Gottes ge⸗ rechtem Kampfgerichte die Wahrheit der⸗ ſelben zu bewähren und zu beweiſen!. Der Ehrenhold richtete nun auch dieſel⸗ ben Fragen an unſeren Helden, worauf dieſer ihm erwiederte:: „Arnulf von Baar heiße ch, bin freier— deutſcher Gaugraf, Jedem ebenburtiger Rit⸗ ter, Bannerherr und Lehnsfreier der Au lenburg und erſcheine in dieſen Schranken um dem Kaſtenvogte der Schoorköpfe zu St. Velten in dem Kampfe auf Leben und Tod zu beweiſen, daß ſeine Ausſage d dem edlen Fräulein Kunigunde von Hahnt ſtein ſchändlich erlogen und er ſelbſt de teufliſche Bube und Mörder ihres Bruders, des kleinen Bunkhei ins Heinrichs von Hahn. 3 ſtein iſt. Baar und du Ritter Hans von Eichſtett könnt ihr geloben einen geſtabten, ſchwe Segensformeln und hand, — 28— ſel, noch Zeichen zum Bannen, Blenden oder Stärken bedienet habt noch förder be⸗ dienen wollt, ohne Argliſt und Gefahrde, wie dieſes Menſchenſinn erdenken möge, ſo leget euere Finger auf dieſes Schwerdtkreuz und ſchwöret, ſchwöret, ſchwöret!“ Arnulf von Baar und Hans von Eichſtett.(Indem ſie des Kampfrichters Geheiß befolgen, zugleich).„Wir ſchwö⸗ ren o Kampfrichter.(Zu den Grieswär⸗ teln).„Stellet die Bahre in des Kampf⸗ platzes Mitte und gebet den Kämpfern gleiche Sonne, Licht und Wind.“ Nachdem nun auch dieſes geſchehen war, begann der Kampfrichter von nettem;„Ihr mofer legt eure Lanzen ein und ſetzt euch Ihr alten verſuchten Kampfhelden aber macht mich weis,„ob dieß ein rechtes Kampfgericht ſey, geſagt und gehandhabt nach Väterſitte und altem Herkommen; deß zur Urkunde werfe der Aelteſte ſeinen Hand⸗ ſaub in den Gries. 71 Zwiſchen die Kaͤmpfer warf nun der Ael⸗ teſie ſeinen Haͤndſchuh hmab, worauf der —o —* 2 — 29— Ehrenhold winkte und die Herolde dreimal in ihre Trommeten ſtießen. Ehrenhold.„Stille! Ho!— Im Namen Gottes und des Kaiſers gebiete ich Frieden in Worten und Werken. Keiner irre die Kämpfer!“. Kampfrichter.„Grieswärtel nimm das Wedenſtäͤbchen und ſchlage dreimal da⸗ mit an dieſe Lanze, beim dritten Schlage aber rennen die Gegner gegen einander, Gott gebe dem den Sieg, der Recht hat!“ Der Grieswärtel befolgte das Geheiß des Kampfrichters und mit dem dritten Schlage ließen die Gegner ihren ſich bäu⸗ menden Streithengſten die Zügel und lenk⸗ ten ihre Rippenbrecher einander ſo feſt i die Bruſtharniſche daß die dicken Schafte gleich dünnen Speeren zerbrachen, ſie ſb aber blieben wie eingewurzelt ſattelfeſt auf ihren Roſſe. Da gab der Kaiſer mit ſet⸗ nem Scepter das Zeichen zum Schwerdt kampfe und im Nu ſaßen beide von ihren treuen Thieren, zogen ihre maͤchtigen Klin⸗— gen und drangen unter ſo kräftigen Hi ben gegeneinander an, daß feiſend ihis 4 — 30— Damaszener die Luft durchſchnitten und feuerſprühend auf Schild und itiſtung auf⸗ fuhren. Wild ſtampfend, iber die Gewandtheit ſeines Gegners ſchlug jetzt in dichteren Streichen der Schirmvogt auf den mit dem ausdauerndſten Muthe kämpfenden Arnulf ſeiner güldnen Rüſtung mit ſeinem Mord⸗ ſtahle durchdringen. Lange blieb daher zwei⸗ felhaft, auf weſſen Seite ſich bei dem hef⸗ tigen Zweikampfe der erſte Vortheil und Sieg wenden werde, und außer dem durch⸗ einander geſchwungenen Schwerdter ſtörte kein Laut die ängſtlich zitternde Luft. In Anblicke des jetzt unter Arnulfs linken Arm⸗ ſich mit einem bebenden:„Ach!“ ihr ban⸗ ges Gefühl bis zur peinlichſten Unruhe. ein, doch immer noch konnte er keine Fuge dringenden Schwirren der mäachtig gegen jeder Bruſt drängte ſich krampfhaft der Athem zurücke, bei jedem neuen Hiebe der hühnenmäßigen Gegner preßte die Ahnung eeiner unglücklichen Entſcheidung noch enger die Herzen der Zuſchauer, aber bei dem hienen hervorquellenden Blutes ſteigerte ——— —— — 91— „Ergieb dich, tollkühner Lauer!“ ſchrie jetzt donnernd der Schirmvogt und wollte eben gegen Arnulfs Rechte noch einen eut⸗ ſcheidenden Streich führen, da aber ergriff urplötzlich der zornentbrannte Baarenbeld ſeinen ächten Damaszener mit beiden Hän⸗ den, ſchwang ihn raſch pfeifend in die Höhe und hieb ſo mächtig auf des Schirm⸗ vogts Helm, daß dieſer ſich theilte und der Pfaffenritter betäubt in den Gries ſank. Mit einem Sprunge ſtand der rüſtige Baare nun vor dem Gefallenen, ſchlug ſein Viſir auf und ſetzte ihm die Spitze ſeines Schwerdtes zwiſchen die Schienen ſeines Bruſtharniſches. Lauter Jubel erfüllte die Luft und ver⸗ kündete Arnulß, daß ſech ſein Zweikampf nach dem. Wunſche der Mehrheit beendet habe, doch auf des Kaiſers Wink wurde es alsbald wieder ſtille und der ſtattliche Baaro donnerte freiſam den Schirmvogt„ an:„Wer iſt jetzt der tollkühne Lauer, teufliſcher Lauer?— Geſtehe die Unſchund des Fräuleins!7 8 Schirmvogt.(Mit den Zahnen knis — 52— ſchend).„He Bube kein Wort ſollſt du erfahren!“ Arnulf.(Ihm ins Geſicht ſchlagend). „Elender Wicht, bedenke daß dein Leben eben ſo ſicher verloren, als das des Fräͤu⸗ leins nun gerettet iſt. Häufe nicht noch mehr Sünde auf deine ſchwarze Seele, die in wenigen Minuten vor dem Richterſtuhl Gottes erſcheinen muß und bedenke verſtock⸗ ter Sünder, daß dein Weigern, die Un⸗ ſchuld des Fräuleins offenkundig vor deinem jetzigen Ende zu geſtehen, nur deſto ſiche⸗ rer deine Seele den Klauen des Teufels überliefern wird.“ Aehemerenee. Schreckliche Worte! (Halblaut).„S Schoorköpfe das hab' ich euch zu derdanken. 47. Arnulf.„Ha erwacht dein Gewiſſen! Sprich, wer iſt der Mörder des Knaben, Schirmvogt.(Kleinlaut).„Ich!— ich bins auf Zureden des Abtes zu St. Velten. Stoße zu, mein Leben iſt mir verhaßt!“ Arnujf.(Gegen den Balkon gewandt)⸗ „Hört ihrs, Kaiſer und Edle des Reichs * — 33— er ſelbſt, dieſer Teufel, hat den unſchuldi⸗ gen Knaben gemordet auf Anſtiften des Ab⸗ tes zu St. Velten.(Zum Schirmvogt). „Noch einmal geſtehe laut deine ſchreckliche Unthat!“ Schirmvogt.„Stoße zu ich habe ge⸗ ſtanden— ja ich habe den Knaben mit meinem Dolche durchbohrt und in den Wald⸗ bach geworfen, daß ſein Blut die Wellen färbte.“ Arnulf.(Ihn niederſtoßend).„So fahre denn hin zu deinen Genoſſen, du Teufel, der du noch mit dem Gelingen dei⸗ ner hölliſchen Mordthat prahlen kannſt, und ſie mit dem Blute der Unſchuld von dirr abwaſchen wollteſt!(Indem er ſein blut⸗ triefendes Schwerdt in die Scheide ſtößzt). „Gott wie kannſt du ſolche Ungeheuer auf deiner Erde und ſelbſt unter den Dienern deiner Kirche dulden?“ „Hoch lebe Graf Arnulf der edle Baare, der Rächer und Retter der Unſchuld!“ ſcholl des jetzt einhellig von dem Balkone herab, ſelbſt der Kaiſer winkte ihm freundlich zu 5 9 — 54— und das Volk wiederholte den Ruf in tau⸗ ſendfachem Wiederhalle. rerbietig neigte der ſtattliche Baare ſein Haupt, daß in mächtigem Schwunge. ſein rabenſchwarzer Helmbuſch das ſchwarze Kreuz mit dem Todtenkopfe begrüßte, be⸗ ſtieg dann ſeinen munter wiehernden Ara⸗ ber und trabte, während die herbeigeeil⸗ ten Knechte den Leichnam des Schirmvog⸗ tes in die Todtenbahre legten, langſam dem Ausgange des Kampfgitters zu. „Der iſt es, der iſt der Retter des en⸗ gelſchönen Fräuleins!“ piſperte und mur⸗ melte es unter der Maſſe des ehrerbietig ausweichenden Volkes, als Arnulf durch die dichten Reihen deſſelben ritt und wie im Triumphzuge begleitete es den Helden des Tages in die düſteren Straßen der Stadt, ſich um den Kaiſer, der mit ſei⸗ nem glaͤnzenden Gefolge unter klingendem Spiele ſeiner Pfalz zuzog, nicht mehr be⸗ kümmernd. Der kaiſerliche Befehl, das Hahnſteiner Fraulein durch zwei Hofdamen, vier Reichs⸗ fürſten, mehrere Grafen und Edle ehren⸗ 1 —— — — 35— 4 voll aus ihrem Verwahrſam nach Hof ab⸗ zuholen, änderte jedoch bald den Zug des Volkes, denn jeder wollte das unſchuldig duldende, viel bedauerte Fräulein ſehen um ihm durch lauten Jubel zu beze gen, welchen großen Antheil er an ſeinen un⸗ verſchuldeten Geſchicke und ſeiner jetzigen X glücklichen Rettung nehme. Alles ſtrömte daher dem Gefängniſſe zu, aus welchem, ihre plötzliche Rettung und Aenderung ih⸗ res Schickſals kaum faſſend, Kunigunde in der Mitte der Hofdamen eben heraus⸗ wankte, und begleitete ſie unter freudigem 3 Zujauchzen bis an die Pfalz. Hierauf endlich zerſtreute ſich die u wieder; von dem kaiſerlichen Palaſte an bis hinter die alten Tiſche der armlichſten Schenke war aber Arnulf von Baar und deſſen edle That für heute einzig und allein der Ge⸗ genſtand und Inhalt alles und jedes Ge⸗ ſpräches. Er ſelbſt jedoch, der heldenmü⸗ thige Baare, hatte zu viel an dem heuti⸗ gen Tage erfahren, als daß er ſich nicht von dem Gewühle des Gaſthofes, in wel chem er eingeſtellt hatte, nach der Einſam⸗ ſeine unbedeutende Wunde von ſeinem Knap⸗ pen verbunden war und ſein treuer Hengſt einigermaßen ausgeruhet hatte, beſtieg er ihn wieder und trabte vor die Thore der Stadt. 5* Scchon hatte die in den Abend ſinkende Sonne den hohen Zinnen der alten Kaiſer⸗ ſtadt mit ihren letzten Strahlen den gül⸗ denen Abſchiedskuß gereicht und der lau⸗ tere Purpur, womit ſie vom weſtlichen Ho⸗ rizonte her den Himmel übergoß, be⸗ mmahlte im blutrothen Wiederſcheine die ru⸗ hiigge Fläche des deutſchen Rheines, allein immer noch ritt der ſtattliche Baare in ſich keit hätte ſehnen ſollen. Sobald daher tigt auf den Wällen umher; da liſpelten die kühlen Fittige eines lieblich vorüberzie⸗ henden Zephirs erquickende Ruhe den Pflan⸗ zen und Bäumen zu und ſenkten einen un⸗ nulfs Bruſt. Noch nie hatte er ſo lebhaft die ſtille Freude genoſſen, welche dem Her⸗ zen des Menſchen bei der innern Ueberzeu⸗ gung, Gutes gewirket zu haben, als köſt⸗ gekehrt und mit dem Vorgefallenen beſchäf⸗ ausſprechlich wohlthuenden Frieden in Ar⸗ 5 — — 5357— lichſter Lohn ſeiner Pflichterfüllung zu Theil 4 wird, als eben jetzt in der angenehmen Kühle des heurigen Abends. 4 Die freundlichſten Träume der Zukunft 3 durchzogen gleich den bunteſten Seifenbla⸗ ſen ſeine Phantaſie; er erinnerte ſich an jenen letzten Morgen, den er auf ſeiner väterlichen Veſte, der Aulenburg, verlebte, 2 und wünſchte nichts ſehnlicher, als daß Ida, ſeine gute Schweſter, jetzt bei ihm wäre, um in ſchweſterlicher Liebe ſein hohes Freu⸗ dengefühl mit ihm theilen zu können; und dieſer Wunſch ließ ihn unwillkührlich das Liedchen vor ſich hintrillern, welches er mit ihr von ſeiner früͤhen Jugend an beinahe mit jedem Abende in melodiſcher Weiſe zum Danke des allmächtigen gütigen Schöp⸗ 3 fers geſungen hatte. Sie thaten ihm wohl die Ausdrücke kindlich dankbaren Gefühles, die er jetzt erſt recht zu verſtehen glaubte und deshalb öfter wiederholte. 2 Kaum hatte er nun aber geendigt, da . überzeugten ihn die Worte eines Ritters: „Grüß euch Gott edler Kunpan!“ daß er — 38— zeither einen unbemerkten Zuhörer gehabt habe. Arnulf.„Habt Dank!“ Ritter.„Ihr ſanget hier ein gar an⸗ muthiges Liedchen, habt's wohl von einem Minneſänger erlernt?“ Arnulf.„Das eben nicht, aber es gefällt mir ſelbſt.“ 85 Ritter. Ich hörte es ſchon einmal, aber von einer himmliſch ſüßen Mädchen⸗ ſtimme ſingen, als ich, von Paläͤſtina rück⸗ kehrend, durch Schwaben zog.“ Arnulf.(Raſch).„Wie lange iſt das her?“ Ritter.„Etwa zween Monden, aber warum fragt ihr ſo haſtig, ſeyd ihr viel⸗ leicht in Schwaben kundig’““ Arnulf. Ja, ich gehöre zum ſchwäbi⸗ ſchen Heerſchilde; doch ſagt, wißt ihr nicht die Gegend in welcher ihr das Liedchen hörtet 4. 4 Nitter.„Es war auf der Aulenburg, in der ich einſprach und Ida, das edle Fräulein von Baar, die ſchöne Sangerin.“ 8 . 8 Arnulf.„O ſo ſeyd mir tauſendmal— 4 — —— * willkommen, Geſponn! Sagt, was macht meine Schweſter, mein Vater und meine Mutter?““ Nitter.„Wie, ihr der edle Arnulf von Baar, Idas, meiner theuern Ida Bruder?(Von ſeinem Roß ſpringend). O Arnulf, komm an meine Bruſt und ge⸗ währe Tankret von der Adlershöh den Bru⸗ derkuß!“ Arnulf.(Abſitzend und ihn umarmend). „Meiner Schweſter, Idas Herz haſt du gewonnen, dann belebt dich ſicher hoher Edelſinn. Nimm daher mit der Schweſter Liebe auch die des Bruders hin und ſchenke ihm die deinige!“ Tankret.(Ihn heftig umarmend). „Dieſe, biederer Arnulf, beſaßeſt du ſchon längſt noch ehe ich dich kannte, und wie ganz finde ich dich ſo, wie meine Ida dich mir mahlte! O laß uns unzertrennlich brü⸗ derliche Freundſchaft knüpfen und eile mit mir heim nach deiner Veſte, denn auchh dir ſchlägt ja eines edlen Mädchens Herz entgegen und harret deiner ſehnſuchtsvol! Hinlanglich haſt du traun deinen hehen— 1„» — 40—— Edelſinn ſchon bewähret, um Minneſangern Stoff zu einem Heldenliede zu geben.“ Arnulf.„Unbegreiflicher, wie kennſt du meine Minne und meine Thaten?“ Tankret.„Will dir ſchon alles getreu⸗ lich kunden, doch zuförderſt ſage mir, ge⸗ wiß es iſt doch wahr, daß du des edlen Hahnſteiner Fräuleins Unſchuld in dem Kampfgerichte gen den Pfaffenknecht Hans von Eichſtett haſt bewieſen?“ Arnulf.„Ja, ich that nach meinem. Pflichtgefühl, aber wie kommt's, daß du mich nach dieſer offenkundigen That noch fragen kannſt?“ Tankret.„Es wird dir leicht begreif⸗ lich ſeyn, wenn du hörſt, daß ich eben erſt hier ankomme und von dem Fehrmann, der mich den Rhein herüber ſetzte, erfahren mußte, daß du, der edle Graf Arnulf von Baar, das ſchöne Fräulein ſchon gerettet hätteſt; denn wiffe, lieber Bruder, ich ver⸗ nahm erſt heute Morgen, als ich den Eh⸗ renberger Gau durchzog, die Kunde von der Pfaffenſchurkerei gegen die edle Dirne und kam, trotz meiner Eile für die Erfül⸗ — 4— lung meines Vorſatzes, ſie zu retten, doch 5 zu ſpät. Allein, da du den Lorbeer mir entriſſeſt, verſchmerz ich gerne den gehofften Ruhm.— Indeß wir wollen jetzt wieder ufſitzen, denn mein Klepper iſt müde und bedarf der Ruhe wie des Futters und wäh⸗ 6 1 rend unſerm Ritte nach der Stadt habe ich wohl hinlänglich Zeit dir alles kurz zu be⸗ 3 richten, was du von mir zu wiſſen wün⸗ ſcheſt.— Morgen und die übrigen Tage unſeres hieſigen Aufenthaltes wird mir deine Gegenmart und die Erzählung unſerer ge⸗ genſeitigen Begebniſſe der angenehmſte Stun⸗ denkürzer ſeyn.“ Jetzt ſaßen ſie wieder auf und langſam an Arnulfs Seite forttrabend begann Tan⸗ kret von neuem:„Es wird dir. vielleicht bekannt ſeyn, daß meine väterliche Veſte ſchon ſeit zwölf Jahren in einen Schutt⸗ haufen verwandelt iſt: ich hatte in jener Zeit gerade die Waffenſchule mit dem Em⸗ pfange des Ritterſchlages. verlaſſen und mußte daher, ſtatt heimziehen und das Regiment der Burg übernehmen zu können, mein Le⸗ ben als ſahrender Ritter durchſchleppen. — — ʒʒ——ꝛꝛ — —**— 8* Dieſes planloſen Umherziehens müude, ent⸗ ſchloß ich mich, mir durch einen Zug gen f die Ungläubigen auf eine Zeitlang wenig⸗ ſtens ein beſtimmtes Ziel zu ſetzen. Ich ſchiffte mich ein und kämpfte während ſechs Jahren ununterbrochen für die Sache der Kirche, dann aber fühlte ich einen unwi⸗ derſtehlichen Drang nach meinem Vaterlande. Mit dem vorigen Spätſommer kehrte ich deshalb wieder zurück und ſtieg mit der An⸗ näherung des vorigen Winters in Venedig an Bord. Den Winter brachte ich unter allerlei Begebniſſen in Italien zu, dann 8 aber zog ich mit dem Frühjahre Schwaben, — Vaterlande, in Mit dem Abende vor St. Urban kam ich 8 3 nun in das Thal, welches von deiner vä⸗ terlichen Veſte, der prachtvollen Aulenburg, ſo ſtattlich geziart iſt. Am kleinen Bache, unten an dem Fuße des Berges lagerte ich mich um mein Roß zu tränken, auszuru⸗ hen und dann bergauf zu ziehen. Nicht lange noch hatte ich aber hier dem Gemur⸗ 1 mel des Waldbaches zugehört, da drangen 1 die reinſten, melodiſchen Laute einer ſanf⸗ M 8. —öIöſͤͤſſſ — — 45— ten Dirnenſtimme an mein Ohr. Ich lauſchte und vernahm dieſelben Worte, welche du vorhin, dich gewiß auch an deine gute Schwe⸗ ſter erinnernd, zu wiederholten Malen ſangſt. Bald hatte ſie jedoch geendet und ich rich⸗ tete mich eben in der Abſicht empor mein weidendes Roß wieder zu bezäumen, da rauſchte es durch das Gebuüſche. Noch ei⸗ nige grünende Aeſte bogen ſich zurück und — Bruder, vergeblich würde ich mich mü⸗ hen, dir das Gefühl mit Worten auszu⸗ drücken, welches mich bei dem erſten An⸗ blicke deiner Schweſter ſo unendlich wonne⸗ voll durchdrang. Einen Engel träumte ich in der weiß umfloſſenen Geſtalt vor mir zu ſehen, und wie wahr habe ich geträumt, denn kann irgend eine Dirne mit jenen himmliſchen Weſen verglichen werden, ſo iſt es deine Schweſter, meine, meine theure Idal— „Ich grüßte ſie mit ſchuldigſter Ehrer⸗ bietung und der freundlichſte Gegengruß be⸗ glückte mich von ihr, doch ihr ſchnelles Zu⸗ rückhaſchen ließ mich beſorgen, ſie habe un⸗ nöthige Furcht vor mir. Raſch ſchwang ich — 44— mich deshalb auf meinen Hengſt und ſprengte der Burg zu um Ida in dem Gelaggaden ihres Vaters wieder freundlich zu empfan⸗ gen und ſie dadurch deſto feſter von ihrer vergeblichen Angſt zu überzeugen. Trefflich gelang mir dieſer, ſchon meine Minne zu ihr verrathende Plan, denn ſchon hatte ich mit deinem edlen Vater, Heino, den Will⸗ kommsbecher geleert, da trat ſie erſt in den Gaden und eine Anſpielung von mir auf ihre ſchnelle Flucht, lockte ihr das Geſtänd⸗ niß ab, daß ſie gerade in dem Augenblicke in dem ſie mich geſehen an einen früheren fall gedacht habe, aus welchem du, tap⸗ r Bruder, ſie an dem Tage, an wel⸗ dei du den Ritterſchlag erhalten, noch 8 zur rechten Zeit errettet häͤtteſt. Ihr Zartgefühl, mich etwa durch ihre Flucht beleidiget zu haben, ſtimmte ſie ſo freundlich für mich, daß ich mich in ihrer Nähe in einem Paradieſe wähnte, und dei⸗ nes Vaters Gaſtfreundſchaft gönnte mir mehr Zeit, als ich nöthig hatte, Ida'n meiner heißen Minne zu verſichern und — — den wieder von der Burg, welche das höch: dich bald, recht bald wiederſehen, umhal⸗ durch das Geſtändniß ihrer Gegenliebe die ſeeligſte Stunde meines Lebens zu genießen. „Du, biederer Arnulf, warſt von da an 2 beinahe der einzige Gegenſtand unſeres lie⸗ bevollen Geſprächſels und mein Verſprechen, dich aufſuchen und mit dir die Gefahren deines Zuges theilen zu wollen, machten Ida'n meinen Abzug von der Aulenburg nicht nur erträglich, ſondern ſogar auch er⸗ wünſcht. 3 „Ich zog daher ſchon nach einem Mon⸗ ſte, ſchätzbarſte Kleinod meines Lebens mir verwahret, aus, und der Zufall führte mich glücklich auch nach Steinbach, wo ich wie⸗ der einſprach und zu meiner größten Freude erfuhr, daß die biedere Familie dich nicht nur kenne, ſondern in dir auch ſchon den künftigen Gatten Emmas liebe und als ih⸗ ren Retter hoch verehre... „Deine holde Emma gab mir unzählige Grüße an dich nebſt dem Wunſche mit, ſen, und dir unter tauſend dankbaren Küſ⸗ ſen die Kette des Gelübdes wieder abneh⸗ 46— men zu können. Der alte Steinbacher aber kränkelte, die Anſtrengungen und häͤufigen Stürme haben ſeinen ohnehin ſchon alten der kindlichſten Liebe klagte mir deine Em⸗ ma ihre ängſtliche Ahnung, daß der gute Greis bald das Zeitliche ſegnen werde, und um deßwillen ſchon bat ſie mich aufs drin⸗ gendſte, dich, ſobald ich dich auffände, zur Rückkehr zu bewegen. Auch haben ſie auf Steinbach deine edle That, die Rettung ddeer Pflegetochter des Meyers aus den Häͤn⸗ deern des teufliſch⸗wollüſtigen Mönchs erfah⸗ ren und Heinrich, der junge Steinbacher, Piſt ſelbſt ausgezogen die Dirne wieder auf⸗ bberichteten, auf dem von dir vorgeſchlage⸗ nen Zuge nach ſeiner Veſte von der Seite deines Knappen geraubt wurde. Acht Tage brachte ich auf der Steinbach ebenfalls im Geſprächſel von dir und dei nen heldenmüthigen Thaten zu, dann aber zog ich nach dem Meyerhofe um vielleicht von deinem Knappen oder dem Meyer die Richtung deines Zuges zu erfahren. Daß Körper mürbe gemacht und unter Thränen zufinden, welche, wie ihm ſeine Knechte ——— du die Heerſtraße herab gen Franken zu⸗ geſprengt ſeyſt war aber alles, was ich von dem immer noch uum ſeine Elsbeth weinen⸗ den Alten erfahren konnte und ich mußte mich deshalb völlig dem Zufalle überlaſſen, der mich denn auch glücklich zu dir brachte. Aber traun, ſobald ich die Kunde von dem Hahnſteiner Fräulein gehört hatte, fuhr mir der Gedanke durch den Kopf: Gib Acht, in Worms weht ſein Helmbuſch und verkündet ſchon den Pfaffen ſammt ihrem Schirmvogte mit der Rettung der Unſchuld ihren Untergang! Und wie herrlich hat ſich jetzt meine Ahnung auch bewãhret!“ Unter dieſer kurzen Skizze ſeines zeithe: rigen Lebens, welche er jedoch während ih⸗ rem Aufenthalte in Worms bis in„das kleinlichſte ausführen zu wollen verſprach, war Tankret mit Arnulf an dem Thore der Stadt, über welche jetzt ſchon die Nacht ihre ſchwarzen Fittige ausgebreitet hatte, angelangt und an dem Gaſthofe abgeſtiegen. Kaum hatten ſie ſich aber zu einigen vol⸗ len Scheuren in einem beſonderen Gemache niedergelaſſen, um ſich mit den ihnen zeit⸗ 8 2— 48— her zugeſtoßenen Begebniſſen zu unterhal⸗ ten, da trat ein ſtattlicher Ritter zu ihnen in den Gaden und lud Arnulf im Na⸗ men des Kaiſers zu dem Banquette nach Hof, welches dem Fräulein Kunigunde von Hahnſtein und ihrem edlen Retter zu Eh⸗ ren ſchon begonnen hatte. Dem gnädigen Willen des Kaiſers zu gehorchen, mußte jetzt der beſchiedene Knap⸗ pe, Arnulfs und Tankrets Rüſtung, ſo viel in der Eile möglich war, von Staub und Schmutz reinigen, ſie von neuem damit wappnen und die beiden verbrüderten Freun⸗ de nach der kaiſerlichen Pfalz begleiten um im nöthigen Falle in der Vorhalle ihrss Winkes gewärtig zu ſeyn. „Hoch lebe der edle Graf Arnulf von Beaar!“ ſcholl es unter lärmendem Pauken und Trommetenſchall dem ſtattlichen Helden des heutigen Tages entgegen, als er mit Tankret in den hohen kaiſerlichen Prunk⸗ ſaal eintrat. Ehrerbietig neigte, er ſein Haupt vor der hohen Verſammlung und näherte ſich, nachdem er ſeinen Helm ab⸗ gelegt hatte, der, an dem oberſten Ende — 49— des Saales in Geſellſchaft ihrer Rei⸗ hsfur⸗ ſten befindlichen Majeſtät mit den Worten: „Ich komme, Eurem gnädigſten Befehl, mein erlauchteſter Kaiſer und Herr, ſchul⸗ digſte Folge zu leiſten.“ Kaiſer.(Ihm die Rechte reichend). „Seyd mir herzlich willkommen, tapferer, edler Graf. Es war mein und der ganzen* Verſammlung ſehnlichſter Wunſch euch ſchon längſt bei uns zu ſehen, denn dem Helden des Tages gebühret der erſte Rang und deshalb wurde mit der Eröffnung des Rei⸗. hen bis zu euerer Ankunft gewartet,“ Arnulf.(Indem er des Kaiſers Hand an ſeine Lippen führet).„Ich handelte nach meiner Uleberzeugung und Pflicht, mein gnädigſter Kaiſer! Gewäͤhret meinen erge⸗ benſten Dank für eure Huld, nur iſt es mir leid, daß die hohe Verſammlung ſich das Vergnügen des Reihens meinethalben ſo lange entzog.“ 8 Kaiſer. Dem Retter und Rächer der Unſchuld zu Ehren wartet man gerne, und es war auch mehr eure Perſon, edler Graf, als das Vergnügen des Reihens, wornach * 3 4 4 — 50— man fich ſehnte. Doch jetzt befriediget bei⸗ des zugleich, kommt, ich will euch ſelbſt eure Taͤnzerin ſuchen.“ Mit dieſen Worten nahm der Kaiſer Ar⸗ nulf bei der Hand und ſchritt mit ihm nach dem von mehreren Hofdamen umgebenen 1 Fräulein Kunigunde von Hahnſtein, indem er zu ihr begann:„Mein holdes Fräulein, hiier führe ich euch in dem edlen Grafen Arnulf von Baar den tapferen Rächer und Netter eurer Unſchuld und gekraͤnkten Ehre u, damit ihr, als die Königin des Feſtes mmit ihm den erſten Reihen eröffnen und durchfliegen möget!“— Kunigundens Gefühl aber ſtürmte zu mächtig; ſie konnte nichts antworten, ver⸗ neigte ſich nur ehrerbietig vor dem Kaiſer nulf, ließ ſich willig von ihm umſchlingen 8 und flog halb bewußtlos mit ihm den hell „ erleuchteten Prunkſaal dahin. „O teufliſche Bosheit der Pfaffen, ſolch einen Engel eurer Habſucht opfern zu wol⸗ len! dachte Arnulf bei ſich, während er mit Kunigunde den Reihen durchſchwebte, reichte ihren Lilienarm dem ſtattlichen Ar⸗ — A —— — — — 51— und ſchwur dem Kloſter St. Velten ſeinen Haß. Jetzt verhallten die Accorde der zum fröhlichen Reihen ertönenden Muſik in den weiten Raume des Saales und unter den artigſten Worten des Dankes begleitete Ar⸗ nulf das noch immer tief ergriffene Fraͤu⸗ lein nach ihrem Platz. Der letzten Worte des Hirten aber ein⸗ gedenk, zog er eben den Ring unter ſeinem Bruſtharniſch hervor, als jetzt endlich Ku⸗ nigunde mit einer aus ihrem großen blau⸗ en Auge hervorperlenden Thräne begann: „Gott, edler Graf, mag und wird euh lohnen, was ihr für die Unſchuld und tie— gekränkte Ehre einer Waiſe thatet; ich fühle mich zu ſchwach dazu. Doch ſeyd feſt über⸗ zeugt, daß meinem Buſen fuüͤr die Erhal⸗ tung eures ſteten Wohles täglich, ja ſtünd⸗ lich das inbrünſtigſte Gebet zu dem Ewi⸗ gen entfliehen und euer Name ſtets im ehrenden Andenken meinem Herzen tief ein⸗ gegraben bleiben wird.“ 8 Arnulf.„Redet nichts, gutes Fri 8 lein, eure Sprachloſigkeit iſt mir theurer, 3 als jedes eurer Worte, denn ſie überzeugt mich ja ſo feſt, wie ſehr eure zarte, edle Beele von dem Gefühle der Dankbarkeit urchdrungen iſt.— Ich erfüllte nur meine Pflicht, da ihr mich ſelbſt durch eure Güte, die dieſen Goldreifen einem Hirten zum Brautgeſchenke gab, zu eurem Retter aus⸗ erſahet. Er wird, wenn ihr es gewähret, mir ſtets ein theures Kleinod bleiben, deſ ſen Anblick mich mit dem reinſten Freund⸗ ſchaftsgefühle an euch erinnern ſoll. Seyd ferner noch ſo gütig gegen eure Vaſallen und ihr werdet euch in ihnen die treuſten Freunde bewahren. Sollte euch aber je in eurem Leben Arnulf von Baar noch et⸗ die Beſchützung eurer Unſchuld und Rechte ſtets bereit bin.“ Mit dieſen Worten überließ der ſtattliche Held das heftig ſchluchzende Fräulein den Armen der Hofdamen und miſſchte ſich un⸗ ter die Edlen und Ritter, die ſich dann auch alle um ſeine nähere Bekanntſchaft bewarben. Beſonders Hermann von Bardenſtein, der . was dienen können, ſo wißt, daß ich für 3 3 junge Bannerherr, weſcher Kunigunde mit ſeiner Harſte nach dem Richtplatze begleiten ſollte, bewies ſich ihm ſehr verbindlich und geizte gleichſam um ſeine Unterhaltung; auch die älteren Edlen und Ritter, welche als Kampfrichter dem Gottesurtheile beige⸗ wohnt hatten, hießen Arnulf im anſtoßen⸗ den Zechgaden aufs freundlichſte willkom⸗ men. Von allen aber war ein Ritter in ſchwarzer Rüſtung, der mit geſch ſſenem Viſire ſich beſtändig am unterſten Ende Saales zurück hielt, Arnulf aufgefahz Er dachte an den ſchwarzen Ritter, wel als weitläufiger Verwandter von Kunigu dens Mutter nach dem Berichte des Hir⸗ ten ein volles Jahr auf Burg Ehrenberg gelebt habe, und konnte ſeinem Drange nicht widerſtehen das Hahnſteiner Fräulein darob zu befragen. Um ihn ihr bei dem Gewihle des Pi ten Gelages näher zu bezeichnen und licher zu machen, führte der ſtattlich Kunigunden einigemal den Saal nieder und erfuhr denn auch, in ſeiner Meinung nicht getäus den Schwarzgeharniſchte auch derſelbe ſey, welcher den jetzt in Arnulfs Händen ſich befindenden Goldreifen Kunigundens ſeeli⸗ ger Mutter geſchenkt habe. Sein Name war jedoch auch dem Fräulein ein Geheim⸗ niß; indeß hatte ſie durch die Kunde, daß er der urſprüngliche Beſitzer des Ringes ſey, Arnulfs Neugierde noch mehr erregt und er war eben, nachdem ihm Hermann von — Bardenſtein das Fräulein abgenommen hat⸗ en willens mit dem Unbekannten anzu⸗ knupfen, als ihn der an ihm vorüberſchrei⸗ tende Kaiſer zurief und mit ſich in einen Erker des Saales zog, wo er im vertrau⸗ ten Tone zu ihm begann:„Sagt lieber ſchon früher gekannt?“ Arnulf.„Nein, mein gnädigſter Kai⸗ ſer, ich ſah ſie heute zum Erſtenmale. Kaiſer.„Von wem erfuhret ihr aber ſo überzeugend ihre Unſchuld?“ 2r nulf.„Ein Hirte aus ihrem Gau, dem ich heute in der Frühe das Leben rer⸗ tete, erzählte mir ihr verhängnißvolles Schickſal, be. welchem der Pfaffen Hab⸗ Graf, habt ihr das Fräulein von Hahnſtein — 55— ſucht und Tücke mir denn auch gleich ſo deutlich am Tage lag, daß ich keinen Au⸗ genblick mehr an des Fräuleins Unſchuld zweifeln konnte.“ Kaiſer.„Nun ſie hat ſich ja auch trefflich im Kampfgerichte bewieſen; doch höret jetzt meinen unabänderlichen Willen.— So lange die Mönchsbrut fürder noch in dem Ehrenberger Gaue bleibt, wird das ſchöne Fräulein, da es ſo allein ſteht, nie vor ihrer Hinterliſt geſichert ſeyn; jene muß deshalb vertilgt und ausgerottet werden, wie ſie dieſes nach dem Geſtändniſſe ihres eigenen Schirmvogtes, denn auch nicht beſ⸗ ſer verdient. Meinen desfallſigen Willen zu vollziehen, habe ich die Ausſcheidung der Mönchsheerde dem Biſchoffe befohlen. Die, welche noch als unſchuldig von ihm befunden werden, ſollen in andere Klöſter vertheilt, die aber, welche er nebſt dem Abte und Wardian als Mitſchuldige ent⸗ deckt, ſollen ihrer Weihe beraubt und der weltlichen Macht zur gehörigen Strafe über⸗ liefert werden. Meinem Befehle indeß den nöthigen Nachornk zu geben, Guill 3 aunt — 56— angemeſſene Gleve zur Bewachung, und, ſobald der Biſchoff ſein Amt verrichtet hat, zur Vertilgung und Schleifung des Klo⸗ ſters dahin abſchicken. Jetzt ſagt mir noch vor allem, lieber Graf, was hat die Kette des Gelübdes an eurer Rüſtung zu bedeu⸗ ten 2 Arnulf.„Sie iſt mir eine theure Er⸗ innerung an mein feſtes Gelöbniß durch edle Waffenthaten den Ruhm meines Stam⸗ mes zu erhöhen.“ 4 Kaiſer.(Ihm die Rechte kraͤftig ſchüt⸗ telnd).„Nun traun edler Baare, ihr habt den wahren Ritterſinn, wie er jedem jun⸗ gen Kämpen gebühret; und kommt herrlich meinem Wunſche mit eurem Gelöbniſſe ent⸗ gegen, denn wißt, ich habe euch, als den Retter des Fräuleins dazu auserſehen, den Zug gegen das Kloſter anzufuhren, das Fräulein ſelbſt aber mit Hermann von Bar⸗ denſtein, der, ſeinem Benehmen nachzu⸗ ſchließen, nicht gleichgültig gegen ſie iſt, nach ihrer Burg zu begleiten, und in alle ihre frühere Rechte in meinem Namen wie⸗ des feierlich einzuſetzen.“"“ 4 3 —8oöoſͤſͤſͤſͤſͤſͤ— 27— Arnulf.„Durch Euern Auftrag, mein gnädigſter Kaiſer, fühle ich mich hoch ge⸗ ehrt und glücklich darf ſich unſes Volk ſchät tzen in Euch, ſeinem Herrn, einen Vater der Waiſen zu beſitzen.“* Kaiſer.„Graf, wenn ihr euch me ferneren Liebe und Achtung, die ihr euch durch eure edle That und euer offnes Benehmen erworben habt, verſichert halten wollt, ſo ſchweigt von eitlen Schmeicheleien, die keinem Manne geziemen der ſeine Pflicht kennt.— Beſorgt die Sache wegen der Ab⸗ tei mit Vorſicht und der geeigneten Strenge und kommt dann, wenn ihr wollt, wieder an meinen Hof um ſo lange es euch ge⸗ fällt, in meiner Gaſtfreundſchaft zu leben, denn es thut dem Herzen eines Kaiſers wohl, ſolche tapfere Biedermänner als ſeine Thron⸗ ſtützen um ſich verſammelt zu ſehen.““ Hiermit ſchritt der Kaiſer mit Arnulf wieder in den Saal und beide miſchten ſich trennend, unter die übrigen Edlen und Ritter; den ſchwarzen Ritter aber konnt Arnulf, wie ſehr er ſich auch überall nach ihm umſah, nicht mehr erblicken. — 58 In der Freude, von dem Kaiſer ſelbſt eines Auftrages gewürdigt worden zu ſeyn, vergaß ihn Arnulf auch bald, durchflog mit mancher züchtigen Dirne den Saal und leerte mit Tankret noch manchen Humpen köſtlichen Rheinweines. Da ſich aber bei dem herannahenden Wech⸗ ſel der Nacht mit dem Tage ein unwiderſtehli⸗ cher Drang nach Ruhe und Schlaf ſeiner be⸗ mächtigte, empfahl er ſich der hohen Verſamm⸗ lung und eilte, nachdem er noch verſprochen hatte, morgen an der kaiſerlichen Tafel den Mittagsimbiß einzunehmen, mit Tankret und ſeinem Knappen dem Gaſthofe zu, wo er ſich denn auch alsbald auf den angewieſenen Schragen niederwa Nicht lange jedoch waren ſeine Glieder noch im ſanften Schlafe aufgelöst, da weckte ihn eine zu dreien Malen ſeinen Namen rufende Stimme. Er ſchlug ſeine Augen auf und vor ihm ſtand, von einem lichten Scheine umfloſſen, ſeines Ahnen Geiſt. „Ich blieb lange, mein lieber Arnulf— hob er an— doch that dir ja auch meine Gegenwart und Erſcheinen noch nicht ſo Noth, 14 6 — 59— wie andern Unglücklichen, deren Schickſal ich mich auch angenommen habe. Jetzt aber komme ich, um dir zuförderſt für die zeitherige getreuliche Erfüllung deines Ver⸗ ſprechens zu danken, denn faͤhrſt du ſo fort, ſo wirſt du bald das Ziel errungen haben.— Ich weiß wohl, daß manche Frage an mich auf deiner Zunge ſchwebt, doch mäßige deine Neugierde, die Zeit wird ſie dir ſchon bald befriedigen und höre jetzt nur meine Warnung vor dem ſchwarzgehar⸗ niſchten Ritter, den du bei dem Banquette 5 ſahſt. Deine Ahnung, er ſey Erwin von Greifenklau, täuſcht dich nicht; er hat ſei⸗ nen Ring an deiner Hand geſehen und ſtrebet wieder nach dem Beſitze deſſelben.“ „Wie edelſinnig früher auch der Graf ſtets war, ſo hat ihn doch der Fehltritt ſeiner Gattin ſo verwildert, daß er ſich gleich ihr zu demſelben Fehler hinreißen ließ, denn 4 wiſſe, er iſt wirklich der Vater von Kunit⸗ gundens Bruder, den meine Arme noch zur rechten Zeit von dem meuchelmörderiſchen Tode erretteten und der nun an dem frug9— heren Aufenthaltsorte Elsbeths, bei den — 60— Meyer iſt; denn was der Schirmvogt dir von dem Morde des Knaben ſagte, war er⸗ logen, um dich zur ſchnelleren Endung ſei⸗ nes ihm mit Recht verhaßten Lebens zu veranlaſſen.— Mit der herannahenden Morgendämmerung des heutigen Tages reite nun ganz allein um die Stadt und Erwin wird dir begegnen. Er ahnet nicht, daß du ihn oder ſeine Gattin kennſt; geſelle dich zu ihm; leite das Geſpräch auf die Pflicht des Gatten für ſein Weib, entdecke ihm dann Klothildens Sehnſucht zu ihrem Gemahl und ihre aufrichtige Reue. Gibt er ſich dir hierauf nicht ſelhſt zu erkennen, ſo rede ihn mit ſeinem Namen an, zeige ihm den Ring und mit ihm ſeine Schuld, und laſſe nicht eher von ihm ab, bis er dir verſpricht, als Reuiger zu ſeiner Gat⸗ uin wiederzukehren und den ſo lange unter⸗ brochenen Ehebund aufs neue eng mit ihr zu knüpfen. Die Kunde, daß Liebmuth auf ſeinem abermaligen Zuge gen Paläſti⸗ na, wo er Erwin zu finden und mit ſich und ſeiner Gattin zu verſöhnen hoffte, um⸗ 8 zekommen ſey, wird ihn auch noch eher zu — 61— ſeiner Rückkehr bewegen. Du erwirbſt dir dadurch nicht nur das Verdienſt zwei gleich ſchuldige Gatten wieder vereiniget zu ha⸗ ben, ſondern vereitelſt auch Erwins hinter⸗ liſtigen Plan gegen dich, der auf ihn nur noch mehr Sünde gehäuft, dir aber viel⸗ leicht das Leben gekoſtet haben würde. „Haſt du dieſes nun erfüllt, ſo beur⸗ laube dich nach eingenommenem Mittags⸗ mahle bei dem Kaiſer, verſprich ihm, in einigen Tagen wiederkehren und ſeinem Auftrage, ob dem Heimzuge Klothildens und der Verheerung des Kloſters St. Vel⸗ ten ein Genüge leiſten zu wollen und ziehe mit Tankret gen den Klingenſteiner Gau. „Udos, Klothildens fruͤheren Knappens und jetzigen ſchändlichen Freihardtens Maas iſt über voll. Wiſſe, er war der Bube, welcher deine Schweſter Ida dir damals entreißen wollte und der den treuen Hir⸗ ten heute ob dem Ringe, den der Lauet wohl noch kannte, tödten wollte. „Du willſt jetzt noch gerne erfahren, was deine Eltern, deine Schweſter, deine treue Emma und die biedern Steinbacher 5— 62— machen, wiſſe ſie reden täglich von dir und ſind alle wohl bis auf den alten Ulrich. Er wird das Zeitliche bald ſegnen, wahrſchein⸗ lich eher noch als du auf Burg Steinbach wiederkehreſt.— Nach Elsbeth frage nicht, ſondern laſſe es dir genug damit geſagt ſeyn, daß ſie, als eine höchſt unglückliche Waiſe in meinem beſonderen Schutze ſtehet und du bald das ſchändliche Gewebe der Bosheit, welches ſich gegen ihr frommes, unſchuldiges Leben aus habſüchtigen Pfaf⸗ fenherzen entſponn, entdecken und entlar⸗ ven wirſt.“ „Jetzt weißt du wieder das Nöthige, edler Jüngling; in kurzer Friſt ſiehſt du mich wieder. Lebe wohl, ziehe, ſchweige und handle vorſichtig!“ Sprachs und verſchwunden war der Geiſt. Arnulf aber entſchlief bald wieder in der Freude, das der Gräfin geleiſtete Verſpre⸗ chen erfüllen zu können, feſt, um jedoch mit dem frühen Morgen zur Befolgung des Geheißes ſeines Ahnengeiſtes von neuem zu erwachen. Noch war der größte Theil der Stadt in — 63— tiefen Schlaf gewiegt und von Auroras Roſen⸗ finger kaum der öſtliche Horizont berührt, als ſchon Arnulf ſeinen getreuen Hengſt beſtieg und zu dem eben erſt geöffneten Thore hinaustrabte. Die reine Morgenluft ſtimmte ihn ſo freundlich und heiter, daß er die Welt in dieſem Augenblicke an ſeine liebevolle Bruſt hätte drücken mögen, um ihr ihm gleich edle Geſinnungen einzuflößen. Auch ſein Araber bezeichnete mit munterem Wiehern, wie wohl ihm die erfriſchende Kühle des Morgens thue und mit ſtolzem Getrappel trug er ſeinen ſtattlichen Reuter dahin. Schon hatte er jetzt die entgegengeſetzte Seite der Stadt erreicht und mit immer geſteigerter Sehnſucht die Erfüllung der Ver⸗ heißung ſeines Ahnengeiſtes ob dem Zuſam⸗ mentreffen mit Erwin zeither vergeblich er⸗ wartet, da ſah er, um die Ecke des We⸗ ges beugend, endlich in geringer Entfernung vor ſich den ſchwarzgeharniſchten Ritter lang⸗ ſam dahin traben. Er ſpornte ſein Roß und nach wenig Augenblicken weckte er den in ſich gekehrten Erwin mit den Worte⸗ Seyd auch ſchon ſo frühe zu Roß, biederer Kumpan?“ aus ſeinem düſteren Hinbrüten. Erwin.„Der Morgen iſt ſo heiter und einladend, daß ich nicht mehr länger unter dem Kolter liegen bleiben konnte.“ Arnulf.„Euer düſteres Weſen ſtimmt aber traun nicht mit der zum Frohſinn auf⸗ munternden, lauteren Frühe überein; ſehnt Euch vielleicht nach eurer Heimath, euerm treuen Weibe und Kinde?.“ Erwin.„Nir iſt das Glück ein theu⸗ res Weib zu beſitzen noch nicht zu Theil geworden, hab auch kein Verlangen nach meiner Burg, die ganze Welt iſt mein heimathlicher Heerd, und mein Schwerdt der treueſte Gefährte.“ Arnulf.„Euer Sinn iſt baß kalt gegen das häusliche Glück, doch ſo ihr noch nicht bereitet ſeyd, iſt es immer noch verzeihli⸗ cher als jener des Gatten der Gräfin Klo⸗ thilde von Kreifenklau, die ich in ihrem bedaurungswürdigen Leiden neulich kennen lernte. 44 Srwin.(Augenblicklich betroffen, doch — 65— bald wieder gefaßt:)„So!— Pah ſie wird es wohl verdient haben.“ 2 Arnulf.„Ihr habt recht, nicht ohne Schuld iſt ſie, und hat gegen ihren edel⸗ ſinnigen Gatten gröblich gefehlt, doch als Mann hätte er wohl nachſichtiger mit dem Fehltritte ſeines Weibes, ſie wenig⸗ ſtens mit ihrem Kinde nicht verlaſſen, ſondern ihre aufrichtige Reue und heiße Sehnſucht nach der Verſöhnung mit ihm anhören und durch ſeine Einwilligung und Vergebung beweiſen ſollen, daß er wirk⸗ lich männlich genug ſey, die Schwachheit eines ſonſt ſo edlen, ſchönen Weibes zu ertragen. Statt deſſen aber ſtieß er den Freund, an deſſen Buſen er ſein Weib fand, nieder, kränkte ihren unſchuldigen Vater mit den unverdienteſten Vorwürfen in das Grab und verließ in wildem Stur⸗ me ſeine Gattin ſammt dem Pfande ihrer Liebe im wahnſinnigſten Zuſtande. Auch das wäre ihm wohl alles noch zu ver⸗ zeihen, wäre er nur ſeit den achtzehn Jahren, waͤhrend welcher er ſie verließ, auch nur einmal heimgezogen, um zu cheß — 86— welche tiefe aufrichtige Reue ſeiner Gattin Herz zernage; gewiß, und hätte er ſelbſt das roheſte Herz, er wurde ihr nicht nur verzeihen, ſondern ſie auch von neuem wieder liebevoll an ſeine Bruſt preſſen, beſonders wenn er noch hören würde, daß ſein früherer Freund, dem er ſein Schwerdt durch den Leib rannte, ſich von ſeiner Wunde erholt und gen Paläſtina gezogen ſey, um ihn dort aufzuſuchen und mit ſich und ſeiner Gottin zu verſöhnen, auf ſeiner reuevollen Fahrt aber den Tod ge⸗ funden habe. So aber ſtreicht der Gr in einem planloſen Leben umher und härtet ſein ohnedies ſchon ſehr kaltes Herz noch mehr gegen alles Gefühl für ſeine be⸗ daurungswürdige Gattin ab.“ Erwin.„Ritter, ihr habt traun eine Verſöhnung gut ausgeſonnen, und ich wünſche um der duldenden Gräfin willen, daß ihr deren Gemahl einmal ſprechen könntet, denn wenn es irgend einem ge⸗ lingen nöchte, den harten Gatten wieder mit ſeinem Weide zu vereinigen, ſo wür⸗ det ihr es ſeyn.“ 3 8 3 4 3 — 67 Arnulf.(Mit geſteigertem Tone:) 8„O Graf Erwin von Greifenklau, wie könnt ihr gegen euer holdes Weib ſo unverſöhn⸗ lich ſeyn? Wenn nur ein Funken von Gefühl noch in Euch iſt, ſo ziehet heim und lohnt die Reue eurer Klothilde, ſeyd wieder Garte ihr und ihves Kindes Vater.“ Erwin.„Seyd ihr beſeſſen, Ritter, daß ihr mich mit dem Grafen Greifenklau 4 voerwechſelt?“ 1 Arnulf.(Indem er den Ring ihm vorhält:)„Graf, kennt ihr dieſen Gold⸗ reif? wißt ihr, weſſen Hand er einſtens ierte? Wißt und kennt ihr noch ſeine inhaltsſchwere Bedeutung? Wißt ihr auch naoch, wem ihr ihn treulos gabt, und wel⸗ ſcher Knabe euch Vater zu nennen berech⸗ tiget iſt? Bedenkt, daß ihr die Schuld getilger habt und vergebet eurer Gattin.“ dieſes wiſſen““(Will ſein Schwerdr ziehen.) — Arnulf.„Nicht Graf, laßt ſtecken euern Stahl und denkt, daß ich eine edle Handlung von euch fordre Erwin.„Ha Teufel, wie kannſt du 8 — 68— 4 Erwin.„Unbegreiflicher, wer biſt du, der ſelbſt das tiefſte Geheimniß meiner Bruſt entriß?“ Arnulf.(Sein Viſir aufſchlagend:) Graf Arnulf von Baar, hartherziger Er⸗ win! Erwin.„O Unwiderſtehlicher, laß mich dein Bruder ſeyn, ich will erfüllen, was du foderſt!“ Mit dieſen Worten war Erwin von ſei⸗ nem Roſſe abgeſprungen und dem eben⸗ — falls abgeſeſſenen Arnulf in die Arme ge⸗ 5 ſunken. Arnulf.(Ihn heftig umarmend und uſſend).„Ja dein treuer Bruder, wieder⸗ gefundener Erwin, will ich ſtets ſeyn und bleiben.“ Erwin.„O Arnulf, wie tief war ich geſunken, und welche hohe Freude gewährſt du mir, daß du an deiner edlen Bruſt meinem Daſeyn wieder Werth gibſt. Ach dir den Galdreif wieder zu ent⸗ wie ſchändlich ſann ich noch vorhin auf —;— — 69— ſondern danke dem Zufall der mich zu dei⸗ nem Freunde machte!“ 1 Erwin.„Aber Arnulf, wie war es dir möglich meine Schuld zu erfahren, die doch außer mir und Bertha, Hahnſteins Gattin, der ganzen Welt ein unentdeckba⸗ res Geheimniß ſeyn und bleiben mußte 2 Arnulf.„Zum Guten wirker ſtets die Vorſehung, und habe ihr Dank, daß ſie es mir entdeckte; doch Erwin frage nicht nach dem Wege, welchen ſie dazu wählte, ſondern laß es dir genug damit geſagt ſeyn, daß ich deine Schuld in meinem bruͤderli⸗ chen Buſen feſt verſchließe und gönne jetzt nur den hohen Gefühlen der Vater⸗ und Gattenfreuden in deinem Herzen freien Spielraum und laſſe ſie mich an deiner Seite mit brüderlicher Liebe theilen. Noch einmal umarmten ſich die ſtattlichen Helden und die Himmelskönigin ſelbſt ſchien innige Freude an ihrem edlen Freundſchafts⸗ bunde zu haben, denn ſie umfing und küßte 48 mit ihrem erſten wärmenden Morgenſtrahle die brüderlich Umarmten Jetzt aber ſaßen ſie Ai ind Armt 5 *— 70— mahlte, während ſie langſam forttrabten, das Leiden Klothildens mit ſo lebhaft⸗rüh⸗ renden Farben, daß Erwin, noch ehe ſie die Thore der Stadt erreichten, ihm die Rechte zum Abſchiede bot und unter den Worten:„Lebe wohl, theuerſter Freund; ich eile das unglückliche Weib an meine Bruſt zu preſſen, ihr zu verzeihen und um ihre Verzeihung bittend, wieder Gatte und vielleicht auch noch Vater zu ſeyn. Komme bald und erndte unſern vereinten Dank!“ der Fuhrt des Rheines zueilte. Wir laſſen ihn, den wiedergefundenen Gatten ziehen, verſichern nur noch unſere geneigten Leſer, daß mit jedem Schritte ſeines Hengſtes auch die Sehnſucht nach Klothilden, ſeinem holden Weibe in ſeinem Buſen wuchs, und folgen unſerm edlen Helden, welcher in die jetzt lebendig gewor⸗ dene Stadt einſprengte um bald an Tan⸗ krets Seite die durch das Banquett geſtörte Unterhaltung wieder mit ihm anzuknüpfen und während dem Morgen fortzuſetzen. „Du warſt ſchon frühe aus?“ hob Tan⸗ —— — —— — 71¹— kret an, als Arnulf zu ihm in den Gaden 3 trat. 3 8 Arnulf.„Ich mußte der Gattin den Gatten wieder gewinnen, und du ſollſt al⸗ les erfahren, ſobald du mir meine Bitte gewährt und deine geſtrige kurze Erzaͤhlung weiter ausgeführt haſt.“— Und Tankret erfüllte gerne ſeines Freun⸗ des und Bruders Begehr; doch da wir das Geſagte nicht noch einmal ſagen wollen, um ſo mehr da unſere geneigten Leſer durch die gegebene Skizze von Tankrets zeitherigem Leben, das zu dem Verfolge unſerer Ge⸗ ſchichte Nöthige ſchon wiſſen und alſo durch die Wiederholung nur ermüdet würden, ſo übergehen wir ſeine Worte. 8 Als er nun aber geendigt, erzählte ihm Arnulf die Geſchichte der Gräfin und wie hoch ſtaunte Tankret, als er erfuhr, daß Elsbeth, die geraubte Pflegetochter des Meyers, ein grafliches Fräulein ſey? Doch als er die Wiedervereinigung Erwins mit ſeiner Gattin durch Arnulfs Vermittlung und nur mit Verſchweigung des Fehltrit. tes des Grafen erfuhr, da warf er ſich an Arnulfs Bruſt und rief:„O welch ein ho⸗ hes Herz ſchlägt in deinem Buſen! Und wie glücklich fühle ich mich, dich Freund und Bruder nennen zu können!“— Auch die Mitwirkung ſeines Ahnengeiſtes in ſeinen Handlungen verſchwieg dem Ge⸗ liebten ſeiner Schweſter der ſtattliche Baare nicht und mit Freude willigte dieſer dage⸗ gen in ſeine Forderung, heute noch mit ihm gen den Klingenſteiner Gau aufzubrechen. unter dieſen traulichen Geſprächen der beiden Freunde nahete die Zeit zum Mit⸗ tagsimbiſſe heran. Sie eilten deshalb in die kaiſerliche Pfalz, wo ſie freundlich be⸗ willkommt wurden und Arnulf von dem Kaiſer vieler Auszeichnungen gewürdigt wurde. 3 Hermann von Bardenſteim ſuchte beſon⸗ ders wieder Arnulfs Nahe und gefiel mit ſeiner Unterhaltung und den darin gezeich neten edlen Geſinnungen dem ſtattlichen Baaren denn auch ſo wohl, daß er Waf⸗ fenbrüderſchaft mit ihm ſchloß. Als Erwiederung des dem Kaiſer zu Eh⸗ ren ausgebrachten Toaſtes ſtimmte dieſer denn das Fräulein ſcheint ſich wirklich ſehr ein„Lebe hoch!“ für Arnulf an, welcher es mit der ihm eignen Gewandtheit auf die ganze ehrbare Ritterſchaft übertrug und ſo wurde unter vielfach erhobenem Freuden⸗ rufen und fröhlichen, artigen Scherzen d die Tafel belebet und gewürzet. Als ſie nun aber aufgehoben war, be⸗ gann der Kaiſer zu Arnulf, nachdem er ihn zu ſich an ein hohes Bogenfenſter ge⸗ rufen hatte:„Nun Graf, ich denke in vier Tagen ſollt ihr mit dem Hahnſteiner Fräu⸗ lein heim und dann gegen das Kloſter ziehen.“ Arnulf.„Verzeihet mein gnadigſter Kaiſer, ich habe noch vorher ein Verſpre⸗ chen zu erfüllen, doch denke ich es in we⸗ nig Tagen beendigt zu haben und dann ſoll es meine nächſte Sorge ſeyn, mich ſo viel als möglich zu beeilen, Eurem ehrenden Auf⸗ trage nach Kräften zu genügen.“ Kaiſer. Nun das Fräulein bedarf ja ohnehin noch der Erholung und Ruhe, haltet daher immerhin zuerſt euer Wort und kommt dann bald möglichſt wieder, nach ihrer früheren Einſamkeit und den 3 ihr bekannten Umgebungen zu ſehnen. Auch glaube ich, wünſcht Hermann von Bardenſtein ſie lieber allein, als hier an meinem geräuſchvollen Hoflager ſprechen zu können. Es ſoll mir wirklich Freude ma⸗ chen, wenn dies ein Pärchen wird, denn der junge Bardenſteiner hat ſeinen Muth und Edelſinn ſchon männiglich bewährt und wird das Fräulein als Gatte traun ſchon zu ſchätzen wiſſen. Zudem hat er keine Burg und ſo wäre ſein ſehnlichſter 5 Wunſch eine Veſte zu beſitzen, den ich ihm ſeither noch nicht befriedigen konnte, auch mit Einemmale erfüllt.““ Arnulf. „Ja vorerſt wenigſtens, doch es wird ſich alles ſchon ſinden. Ich will indeß ſogleich aufſitzen, damit ich de⸗ ſto früher wieder zu eurem Befehle hier ſeyn kann. Kaiſer.„Thut das Graf, doch was ſoll eure Rede ob dem Vorerſt bedeuten?“ Arnulf.„Ich bin euch Wahrheit ſchul⸗ dig, mein erlauchteſter Kaiſer, doch bitt ich euch zur Zeit noch um eure Verſchwie⸗ — 78— genheit darüber, daß ihr von mir jetzt er⸗ fahret, daß Kunigundens Brüderchen noch lebe.“ Kaiſer.(Erſtaunt)„Wie, iſts mög⸗ lich? Arnulf.„Ja, ſein Schußgeiſt hat es wunderbar erhalten, doch iſt dafür auch ſchon geſorgt und Herrmann wird vielleicht für immer in dem Beſitze der Veſte blei. ben können. Die Zeit hat indeß noch nicht alles gereift, und mir iſt ſelbſt noch manches zu dunkel, als daß ich Euch mei⸗ nem gnädigſten Kaiſer, von dem Zuſammen⸗ hange der Umſtände Licht geben könnte, jedoch hoffe ich dieſes bald ohne Jemandes Nachtheil thun zu können.“ Kaifer.„Ihr ſprecht nur räthſelhafte Worte und ſpannt baß meine Neugierde; ich will mich übrigens gedulden und eure Kunde ob des Knaben Leben nach eurer Bitte noch zur Zeit verſchweigen.— Jetzt noch eins.— Bei den Mönchen zu St. Velten ſoll ſich ein hühnenmäßiger Ritter aufhal⸗ ten, und hört meine Ahnung wegen ihm. — Vor zwölf Jahren etwa wurde des † — 76— Grafen Friedrich von Hahnſtein jüngerer Bruder wegen Hochverrath in die Acht er⸗ klärt und ſoll hierauf gen Paläſtina ge⸗ vilgent ſeyn. Ich glaube nun, daß dieſer in dem Kloſter iſt, und gegen der Pfaffen Verſprechen, ihm bis zu ſeinem Ende Her⸗ berge und volle Atzung geben zu wollen, ſich zu ihrem hinterliſtigen Plan gegen Kunigunde, ſeines eigenen Bruders Toch⸗ ter gebrauchen ließ. Sollte es wirklich der Neidhard ſeyn, den ihr an einer der⸗ ben Narbe auf ſeiner Stirne erkennen könnt, die er meinem Schwerdte zu ver⸗ danken hat, da er auf hinterliſtigem Wege mich uüberſiel— ſo ſchonet ſeiner, wenn es die Umſtände erlauben, und liefert ihn in meine Hände, wo er dann ſeine elende Nichtigkeit noch mehr einſehen und meine Verachtung gegen ſolche Freiharde wie er, kennen lernen ſoll.“ Arnulf.„Wie Kunigundens Vaters Bruder, euer Todfeind, und ihr dennoch des Frauleins Beſchirmer? O welche Grofß⸗ muth, welch höchſter Edelſinn belebet euch, minen, unſern gnädigſten Kaiſer!(des *8 — Kaiſers Hand ergreifend und mit Lebhaf⸗ tigkeit an ſeine Lippen preßend) O welch ein Glück einen ſolchen Landesvater zu be⸗ ſiten und welche unausſprechlich hohe Wonne, Eurer beſondern Huld gewürdigt zu ſeyn.“ Kaiſer.„Graf, ſeyd jetzt bedacht auf Euern Zug und nehmt die Verſicherung meiner vollkommenen Liebe und Achtung mit euch, denn der Edelſinn zu ſchätzen weis, muß ſelbſt edel ſeyn, lebt wohl, ich wünſch euch Gluück auf eure Fahrt und kehrt bald wieder. Mit, dieſen Worten entließ der Kaiſer den hocherfreuten Arnulf, welcher ſich jetzt mit Tankret den übrigen Rittern und Ed⸗ len empfahl, und dann, nachdem er am Gaſthofe aufgeſeſſen war, mit dem biedern Adelshöher und ſeinem Knappen der Fuhrt des Rheines zutrabte, um ſich überſetzen zu laſſen und dann dem Klingenſteiner Gau zuzueilen. Arnulf erzählte Tankret während ihrem Ritte die Ahnung des Kaiſers ob dem in St. Velten ſich befindlichen, hühnenmäßi⸗ gen Ritter und rief, nachdem er geendet zornfunkelnden Auges aus:„Welch ein elender Wicht muß der ſeyn, welcher dem edlen, hochherzigen Kaiſer nach dem Leben trachtet, und find ich des Kaiſers Ahnung gegründet, dann darf der Bube vor mei⸗ ner Rache zittern!?— Tankret.„Mäßige und verſcheuche, lieber Bruder, deinen Zorn, wie gerecht er auch immerhin ſeyn mag. Sieh ich bin ſo freundlich geſtimmt, laſſe uns die Worte zuſammen ſingen, welche du geſtern Abend vor dich hintrillerteſt. Ich fand ſo viel Ausdruck und Gefühl in den Strophen, daß ich ſie dir gerne ablernen möchte, um dann auch meine Ida mit dem Liedchen zu überraſchen. Wir haben ja eben ſo unge⸗ ſtört Zeit dazu, ſie recht oft zu wiederho⸗ len.“ Arnulf erfüllte willig Tankrets Bitte, und bei ihrer melodiſchen Unterhaltung über⸗ raſchte ſie auch wirklich der Abend, den ſie in ihrem Liedchen ſo oft begrüßet und be⸗ willkommt hatten; und die ſich immer mehr ſchwärzenden Fittige der hereinbrechenden —*—— ——— —— Nacht hießen ſie jetzt auf ein Nachtlager bedacht ſeyn. Schon aber flimmerte recht lauter der freundliche Hesperus an dem azurnen Him⸗ mel und ſchon wurden die Gegenſtände um ſie her unkenntlich, allein immer noch hat⸗ ten ſie keine Herberge gefunden, da ſah endlich Arnulf durch das Geſträuche ein Licht ihm zublinken. Er machte Tankret darauf aufmerkſam und ſie trabten dem matten Scheine zu. Bald hielten ſie an einer Bauernhütte und der ſtattliche Baare gebot Kunz abzu⸗ ſitzen, zu pochen und für ſie Herberge zu begehren. Der Knappe thats und alsbald rief in⸗ nen eine barſche Stimme:„Nun was gibts außen?. Kunz.„Zween Ritter mit ihren Knap⸗ pen begehren Herberge, macht auf! Kaum waren aber dieſe Worte über des Wappners Lippen, da wurde es in der Hütte noch lebendiger, und eine zweite Stimme rief:„alle Hagel, mein gnadiger — 80— Herr! Nun geſchwind Alter, mach auf! Gleich, gleich Kunz!“ Kunz.„Nun wer Teufel iſt denn da drinn, der mich ſchon an meiner Stimme kennt.“ „Ein alter, uralter Bekannter!“ rief es ihm zu, und ein Reiſiger ſprang zu der nun geöffneten Thüre auf den abge⸗ ſeſſenen Arnulf mit den Worten zu:„Nun Gott Lob und Dank, daß ich euch wieder⸗ ſehe, edler Herr! Ach, was wurde mir die Zeit ſo lange, bis ich jetzt endlich wieder bei euch bin!“(zu Tankret)„Sieh, und ihr Herr Ritter auch da! Juheiſa! welch ein glückliches Zuſammentreffen!“ Arnulf.„Grüß dich Gott! Kaſper, hätt' dich traun beinahe nicht mehr ge⸗ kannt.“ Kunz. Poz Wetter, Kaſper! Nun was der alte Knochen tobt, als wär er beſeſſen!“(für ſich)„hat ſich aber auch die ganze Zeit über gemäſtet und iſt unter dem Kolter liegen blieben, während einer ddoppelte Dienſte thun mußte.“ Kaſper.(Zu Arnulf)„Glaubs gerne, —— ——— —— —— edler Herr, es hat mich baß mitgenom⸗ men, aber nun bin ich wieder friſch und geſund, wenns nur bald neue Arbeit gibt.“ Arnulf.„Kommſt gerade recht dazu, doch ſag, was bringſt du Neues?“ Kaſper.„Viel und wenig, edler Herr, wie ihr wollt.“ Arnulf. Nun laß hören, wenn du mit Kunz die Roſſe unter den Schoppen gezogen haſt.“ Mit dieſen Worten war Arnulf und Tankret in die Hausthüre getreten, wo ſie jetzt ein ältlicher Bauer mit abgezogener Mitze ehrerbietig willkommen hieß. Sie entgegneten ſeinen Willkommsgruß freund⸗ lich, verbaten ſich alles Herbeiſchaffen von Eſſen und Trinken, befahlen nur Kunz den vorräthig mitgenommenen Wein aus ihrem Wetſcher zu ziehen, und hießen dann Kaſpern, ſobald er wieder in die Stube gekommen war, ihnen Beſcheid zu thun und zu kunden, was er Neues wiſſe. 4 4 0 Kaſper.„Ja, gnädigſter Herr,'siſt. eigentlich blutwenig, was ich weiß, denn 6 — 8382— denkt, ich bin gar nicht aus dem Meyerhof kommen, bis etwa vor einem Monden, wo ich denn auszog euch wieder aufzuſu⸗ chen; indeſſen denk ich, ſoll die Kun⸗ de, daß Fräulein Emma von Stein⸗ bach, ihr edler Bruder und Vater, wie auch der Meyer, euch auf's freundſchaft⸗ lichſte und ehrerbietigſte grüßen laſſen, euch erfreuen. Beſonders das ſchöne Fräu⸗ lein bat mich recht dringend, euch zu ſagen, ihr möchtet bald wieder auf Stein⸗ bach einſprechen. Mein Seel, edler Herr, das ſchöne Fräulein iſt ganz in euch ver⸗ liebt, denn wenn ihr es geſehen hättet, wie ihr die Augen vor Freuden glühten, als ich ihr, da ſie mich einmal auf dem Meyerhofe beſuchte, von euch und euren Jugendjahren litaneite, ihr würdet es ſelbſt ſagen.“ Arnulf.(Lachend)„So!— Nun ſag mir nur Kaſper, iſt bei dem Meyer kein fremder, kleiner Knabe?“ Kaſper.„Ja, jaz, edler Herr! wißt ihr um den„Jungen?— Er iſt traun von keiner Feringen Herkunft.— Nun — 35— wenn ihr den ſchönen Knaben nur kennt 1 dann hat es gute Wege, und ihr werdet ihm bald wieder zu ſeiner Schweſter hel⸗ fen, denn ihr glaubts nicht, edler Herr, wie der kleine Junge um ſeine Kunigunde, ſo nennt er ſeine Schweſter, weint, von einem alten Benno, einem Hirten Hans und einer großen ſchönen Burg ſo viel zu er⸗ zählen weiß, und immer dabei ſchluchzet. Er iſt gerade zu dem Meyer gekommen, da ich ſchon ſehr auf der Beſſerung war. Iſt doch ſonderbar, daß ihr um den Jun⸗ gen wißt, denn er ſagte, er könne ſich von der Art und Weiſe wie er von ſeiner Schwe⸗ ſter und ſeiner Burg gekommen ſey, nichts weiter mehr erinnern, als daß er mit ſei⸗ ner Schweſter ſpazieren gegangen ſey, noch einem Hirten Hans Glück zu ſeiner Anne gewünſcht habe, und daum von einem Rit⸗ ter ſeiner Schweſter, die, Huͤlfe ſchreiend, fortgelaufen, entriſſen worden ſey. Von da an aber könne er ſich nur entſinnen, daß er oft Schmerzen am Kopfe gehabrt und ein unbekannter Knappe ihm oft Wein erinken gegeben habe. Lange, 6* “ habe er geſchlafen und endlich erwacht, ſey er in dem nahen Forſte neben dem Knap⸗ pen an einem Kreuze gelegen, welcher ihn denn auf den Meyerhof gewieſen habe.— Des Jungen Ausſehen iſt zu offen und gut⸗ müthig, als daß man an der Wahrheit ſeiner Ausſage zweifeln ſollte, und deßhalb behielt ihn auch der Meyer bei ſich. Iſt mir aber unbegreiflich daß ihr ihn kennt, gnädiger Herr, und wißt daß er bei dem Meyer iſt.“ Tankret.„Was Hölle und Tod! Ar⸗ nulf, wäre dieß der kleine Heinrich?“ Kaſper.„Ja, ja Heinrich heißt er.“ Arnulf.(Zu Tankret).„Will dir's ſchon einmal kunden, wie es ſich mit dem Knaben verhält; doch vorerſt gedulde dich, und du Kaſper ſag' mir jetzt noch, haſt du keine beſondere Begebniß auf deinem Zuge hierher gehabt?“ Kaſpar.„Weis nichts, gerade ge⸗ ſtern habe ich von einem Bauern im Klin⸗ genſteiner Gau eine ſchändliche Ungerech⸗ tigkeit von einem Ritter Udo gehört und dachte gleich, ich müßte ſie euch kunden, — 85— ſobald ich euch antreffe, edler Herr.— Denkt der Bauer hat eine Tochter,“ Käthe nannte er ſie, dieſe hat der Lehnsrit⸗ ter Udo, troz dem, daß ſie mit einem Burſchen verſprochen iſt, ihm entriſſen, und, da ſie ſeinem ſchändlichen Willen nicht gleich gehorchte, in's unterſte Verließ ſeiner Burg geworfen, denn der Ritter ſoll gerade recht zornig und unwirſch ge⸗ weſen ſeyn. Der Bauer mit ſeinem Weibe hat mich gar ſehr gedauert, denn ſie ha⸗ ben ſich beinahe die Augen aus dem Kop⸗ fe geweint um ihr einziges Kind, und 3 ihr Buhle, ihres Nachbars Sohn, zer⸗ rauft ſich wie wahnſinnig die Haare.“ Arnulf.„Und wie lange iſt dieſes her?“ Kaſpar.„Es geſchah gerade geſtern Frühe, und ich ſprach geſtern Abend bei den Alten ein. War mir aber traun ein ſchlechtes Nachtlager, denn ich konnte vor dem Weinen und Schluchzen der Alten kein Auge zu thun.“ 15 Arnulf.„Nun ſo lege dich jetzt mit Kunz nieder, aber morgen, mit dem Fru⸗ — 36— heſten haltet die Roſſe bereit; wir ziehen gen den Klingenſteiner.“ Kaſpar.„Ha, dachts doch gleich, mein Herr läßt ſolch eine Schandthat nicht ungeahndet!— Was werden die Alten für eine Freude haben! Und das Beſte i*ſt, der Klingenſteiner Freiharde hat bei⸗ nahe gar keine Knappen und Knechte in ſeinem Dienſte und ſeine eignen Vaſallen verwünſchen ihn in den Tod.“ Arnulf.„Nun ſchon recht, ſtreck⸗ dich jetzt nur nieder.“ Kaſper.„Hab mein Seel vor Freude, baß ich euch wiederſehe, gar keinen Schlaf, möchte die ganze Nacht mit euch ſalbadern, edler Herr! Doch auf Arnulfs wiederholtes Geheiß ſuchten die Knappen ihr Lager, und die. beiden verbrüderten Freunde entſchliefen auf dem in der Kammer für ſie bereiteten Schragen. Noch hatte der junge Tag ſeine Kind⸗ heit nicht völlig zum Jünglingsalter gereift und ſchon war die kleine rüſtige Gleve zu Roß und trabte munter dem Orte ihrer — 89— Beſtimmung zu; und während die beiden ritterlichen Freunde die Stunden mit al⸗ lerlei Geſprächſel ſich kürzten und Arnulf auf Tankrets zudringliche Bitte ihm be⸗ richtete, daß Kunigundens Brüderchen durch den Ahnengeiſt gerettet worden ſey, ſtimmten die Knappem fröhliche Liedchen an und erzählte Kunz dem ſtaunenden Kaſper die zeitherigen Begebniſſe und Fahrten ihres Herrn, in ſo weit ſis ihm bekannt waren, mit den grelleſten Far⸗ ben. Jetzt neigte ſich das glühende Strahlen⸗ haupt der Sonne mächtig dem Weſten und zierte mit ſeinem erhabenen Flam⸗ menſchilde den Horizont, als endlich die beiden Freunde mit ihren Knappen in das wilde, waldige Thal des Klingengaues ein⸗ ritten und nun in einer nicht mehr ſehr großen Entfernung die Zinnen der klei⸗ nen, aber feſten Klingenburg erblickten. Wir wollen noch ein wenig ruhen und an dem Borne hier uns und unſere Roſſe von der Hitze des Tages erquicken, ehe wir vollends Udos Neſte zuziehen! hob jetzt Arnulf an, und ſie ſtiegen ab und lagerten ſich in das hohe Waldgras. „Gerade mit dem Einbruche der Nacht werden wir die Burg erreichen, und das iſt denn auch nach meinem Willen, denn dann wird mich Udo nicht ſo leicht erken⸗ nen und wir eher Einlaß in ſeine Veſte erlangen;“ fuhr er fort, nachdem er einen friſchen Trunk aus der Quelle genommen hatte. Tankret.„Wie?— Kennt dich denn der Freiharde? „Arnulf.„Will's meinen! Er it ja derſelbe, der mir meine Schweſter rau⸗ ben und dem wehrloſen Hirten das Leben nehmen wollte.“ Tankret.„Wie, er iſt's, der damals Ida, meine Ida, deinen Armen entrei⸗ Fßen wollte? Hölle und Tod, elender Bube, warte du ſollſt baß dieſe That zu meinen Füßen bereuen! Arnulf.„Haſt recht, ein ſolcher Freiharbe verdient nicht länger zu leben, denn wer weiß, wie oft er ſchon die Un⸗ ſchuld kränkte.“ N — 389— Kaſper.(Der indeſſen weiter in dem Thalwege vorgegangen war und jetzt ha⸗ ſtig zurückkehrte)„Schnell edler Herr, ſitzet auf, ich vernahm Pferdegetrappel und glaube der Zufall iſt uns günſtig und liefert uns den Lauer jetzt ſchon in die Hände.“ Raſch ſprangen nach dieſer Kunde Ar⸗ nulf und Tankret mit ihren beiden Knap⸗ pen wieder auf ihre zeither weidenden Roſſe, ſetzten ſich kampffertig und trabten den ſich immer mehr nahenden Hufſchla⸗ gen entgegen, Jetzt beugten ſie um die Ecke des Thal⸗ weges, und Kaſpers Muthmaßung beſtä⸗ tigte ſich, denn nur noch einige Schritte vor ihnen ritt Udo mit ſechs Knappen. Sobald aber der Freiharde den raben⸗ ſchwarzen Helmbuſch Arnulfs erblickte, legte er gteichfalls ſeine Lanze ein und rannte unter dem donnernden Ausrufe „Ha tollkühner Bube, kominſt du mir noch einmal in mein Gehege, jetzt fühle meine Rache!“ ſo wüthend auf den ſtatt lichen Baaren ein, daß an deſſen ſtaͤhle— — 9⁰— nem Bruſtharniſche der ſtarke dicke Speer gleich einem dünnen Stäbchen zerbrach. Nun aber erfuhr der ſich auf die Ue⸗ berzahl ſeiner Reiſigen verlaſſende Lauer zum dritten und letztenmale, welchen Geg⸗ ner er in dem tapfern Arnulf habe, denn deſſen geübter Arm lenkte ihm den wohl⸗ erprobten Rippenbrecher ſo feſt auf die Bruſt, daß er ſattellos von ſeinem Thiere ſank und unter deſſen Vieren vergeblich ſich wieder emporzurichten ſtrebte. Ihrem Herrn zu helfen zogen jetzt Udos Knappen ihre Flammberge und wollten verhindern, daß der abgeſprungene Arnulf dem vor Wuth ſchäumenden und brum⸗ menden Klingenſteiner Freihard, den Gna⸗ denſtoß gebe; doch Tankrets Damaszener glitzte ſo freyſam über ihren Blechhauben und Kunz mit Kaſper wußten ſo gewandt ihre kurzen Klingen zu ſchwingen, daß drei von ihnen bald ihre Treue für den Dirnenräuber mit ihrem Leben bezahlen mußten und die Uebrigen, da der zorn⸗ entbrannte Baare eben ſein Schwerdt mit 94— dem Ausrufe:„Fahre hin elender Wicht!“ durch Udos Bruſt bohrte, entflohen. „Hätteſt damals meinen Rath annehmen und dich beſſern ſollen, ſtatt verworfner zu werden, du heilloſer Bube!» donnerte noch Arnulf dem röchelnden Klingenſteiner zu, ſtieß dann ſein noch von Blut dampfen⸗ des Schwerdt in die Scheide und ſaß wie⸗ der auf, um ſo ſchnell wie möglich die ſchmachtende Bauerndirne aus dem modern⸗ den Verließe zu befreien. Im raſchen Fluge ging es daher dem Burgwege zu und noch ehe das Zwielicht von der men⸗ ſchenfeindlichen Nacht verdrängt war, hiel⸗ ten ſie vor dem Burgthore. „Laſſe die Zugbrücke nieder, zwei Rit⸗ ter und ihre beiden Knappen begehren Einlaß“ rief Arnulf dem nach ihrem Be⸗ gehre fragenden Wärtel zu. Wärtel.„Unſer Herr iſt nicht zu Hauſe und wir dürfen deshalb nicht offnen. Zieht im Namen Gottes weiter!* Arnulf.„Wiſſens wohl, daß euer Herr nicht hier iſt, wartet auch vergeblich auf ſeine Rückkehr, denn er fiel den 92— Rächern der Unſchuld in die Hände und nun öffne ſchnell oder deine Seele fährt ſchnell der ſeinigen nach.“ Wartel.„Ha, wartet, will gleich eure Drohung err dern. e Und eben wollten die durch des Wärtels Lärmruf auf die Mauern geſprungenen Knechte einen Pfeil⸗ und Steinregen auf die Einlaß Fodernden herabſchicken, da raſſelte plötzlich von ſelbſt die Zugbrücke nieder und die Thorflügel fuhren mit don⸗ nerndem Gepraſſel von einander, als hätte ſie der heftigſte Sturmwind aufgeriſſen. „Habe Dank Geiſt meines Ahnen!“ ſprach Arnulf vor ſich hin und in wenig Augenblicken war er mit Tankret und ſeinen Knappen in dem inneren Burg⸗ Wnene und hatte eben ſo ſchnell die vor Erſtaunen ſtier und unbeweglich daſtehenden Knechte zur Ergebung gezwungen. „Wo ſind die Schlüſſel zu dem Ver⸗ ließ?“ fragte jetzt der ſtattliche Baare den ehrerbietig ihn anſtaunenden Burg⸗ poigt, ſchritt, nachdem ihm ſolche einge⸗ handigt waren, eilig dem dicken Eckthurme — — — 33— zu und ſtieg, von Kaſper mit einer Fackel gefolgt, die Wendeltreppe hinab. Nachdem er aber zwei dicke eiſerne Thüren aufge⸗ ſchloſſen hatte, kam ihm ſchon ein ſo fau⸗ ler ſtinkender Geruch entgegen, daß ihm beinahe der Athem entgieng. Jetzt ſtieß er, auf eine Fallthüre, hob ſie auf und ſah in ein ſtockfinſteres Gewölbe hinab, aus welchem ihm eine chzende Stimme entge⸗ gen tönte.— 2 „Donner und Teufel, der Satan hat glaub ich die arme Dirne den Schlangen und Kröten lebendig zum Fraße vorgewor⸗ fen!“ brummte Kaſper und leuchtete auf das Geheiß ſeines Herrn in die Kluft hinab. Schrecklich entſtellt lag hier auf dem kal⸗ ten Boden eine noch blühende Dirne und ſtrich beſtändig an ihrem Körper herunter, als wolle ſie das hungrige Ungeziefer von ſich abhalten, und neben ihr ſtand ein Waſ ſerkrug und lag ſchimmelndes Brod. 4 Entſetzt über die Unmenſchlichkeit Udos, womit er die unſchuldige Dirne zur Gewäh⸗ rung ſeiner teufliſchen dedi fn ki wollte, ſtaunte der edelſinnige gare eine — 94— Zeitlang ſtumm vor ſich hin, dann aber rief er der Dirne zu, ſich zu erheben und empor zu ſteigen. Dirne.„Nein, laß mich nur ſterben, denn ich gehorche deinem Willen nie.“. Arnulf.„Es ruft dir nicht Udo, ſon⸗ dern Graf Arnulf von Baar, dein Retter! Eile, denn deine Eltern und dein Buhle harren deiner ſehnlich!“ Dirne.„Gott, Gott! wär' 6s mög⸗ lich, du hätteſt mein Gebet erhört! O wie komme ich hinauf?“ Jetzt erſt bemerkte Arnulf, daß keine Treppen hinabfü ihrten und die unglückliche Dirne wahrſcheinlich an einem Seile hin⸗ untergelaſſen worden ſey. Er befahl deß⸗ halb ſeinen Knappen eilig zurückzukehren und von dem Burgvogte eine Strickleiter zu begehren. Kaum war Kaſper aber ei⸗ nige Stufen aufwärts getreten, da erblickte er ein dickes Seil mit eiſernen Ringen an der feuchten Wand hängen; er kehrte da⸗ her. mit dieſem zuruͤck, warf es der Dirne im ſich daran feſt zu halten und zog 8, von ſeinem Herrn unterſtützt, aus 3 — 95— dem ſtinkenden Verließe herauf. Raſch ha⸗ ſtete nun der ſtattliche Baare der reineren Luft wieder zu, welcher die Dirne aber ſchon ſo entwöhnt war, daß ſie betäuh an ſeiner Seite niederſank. Kaſper mußt ſie aufheben und nach dem Gelaggaden tragen, wo Tankret ſchon einige Humpen geleert hatte. Nach wenig Bemühungen gelang es ih⸗ nen, die Dirne zu ihrem Bewußtſeyn zu⸗ rück zu bringen, worauf ſie ſich beeilten, die freudige Scene des unverhofften Wie⸗ derſehens zwiſchen Eltern und Kind, dem treuen Buhlen und der Geliebten, als Lohn ihrer menſchenfreundlichen, edlen Handlung zu genießen. Dem Kaſtelane wurde von Arnulf noch befohlen— dem Lehnsherrn der Burg den Fall ſeines ritterlichen Lehnsvaſallen, ſo wie die Urſache deſſelben mit dem Bemer⸗ ken kunden zu laſſen, daß er, Graf Ar⸗ nulf von Baar nicht nur ſeine Mißbilligung ob ſeiner vollzogenen Rache nicht erivarte, ſondern auch ſo viel Zutrauen zu ihm hege, daß er den zu der Burg gehörigen Leibei⸗ N genen einen edleren Ritter zu ihrem Heern gebe— und dann zog die kleine rüſtige Gleve, die jetzt in dem Uebermaaße ihres Freuden⸗ und Dankgefühls heftig weinen⸗ de Dirne in ihre Mitte nehmend, trotz der eingebrochenen Nacht burgaus, dem Thal⸗ grund und der Bauernhütte zu. Das Klingenſteiner Burggeſinde ſtaunte den Ziehenden nach, doch zu ſich ſelbſt ge⸗ kommen, ſahen ſie bald die gerechte Rache an ihrem ſchändlichen Herrn ein und ſchwu⸗ ren unter ſich, nie mehr einem ſolchen Frei⸗ harden, wie Udo geweſen, zu dienen; da durch die plötzliche Oeffnung des Thores und das Herabfallen der Zugbrücke ſie ſich feſt uberzeugt hielten, daß Gottes wunder⸗ bare Hülfe nur dem Gerechten und Beſchü⸗ tzer der Unſchuld gegen das Laſter zu Theil werde. Arnulf war indeſſen mit den Seinigen und der Dirne glücklich an deren väterli⸗ chen Hausthüre angelangt and befahl, da ſie ſchon feſt verriegelt war, ſeinen Knap⸗ pen zu pochen. Alsbald erſchien der Alte mit einem brennenden Spane an dem ge⸗ — 9 öffneten Eingange und ſtaunte haß 85 den Einlaßbegehrenden hohen Gäſten; doch als er jetzt ſeine Tochter in ihrer Mitte er⸗ blickte, warf er die Fackel weg und ſprang mit den Worten:„Gott, Gott meine Kä⸗ the!“ auf dieſe zu, umhalste ſie mit vä⸗ terlicher Innigkeit und rief unaufhörlich: „Trude, Trude, unſere Käthe!“ bis denn ſein Weib ebenfalls mit einem Kiene er⸗ ſchien, dieſen aber auch, ſobald ſie ihre Tochter erblickte, aus ihrer Hand warf und in ihre Arme flog. Die Alten wie die Tochter hatten nun nach den erſten Ausrufungen der Ueberra⸗ 8 ſchung keine Worte mehr, allein ihre Thrä⸗ nen und Gebärden ewieſen den gerührt Umherſtehenden deſto deutlicher, wie rein ſich in ihren Herzen das Gefühl für Freude und Dankbarkeit erhalten habe. Noch rührender aber wurde die Scene, als der durch die erſten Freudenrufe auf merkſam gewordene Sohn des Nachbars, Käthens Buhle, herbei ſprang, ſich die b den Liebenden in ſo natürlicher Unſchul Unander herzten, und die Dirne daͤnn iht mit ihrem Vater und ihr Nutter unter den Worten:„Sieh Val eht liebe El⸗ tern, dieſer iſt mein 9 etter, dieſem haben wir das Glück, uns aander wiederſehen zu können, zu danken, ohne ihn haͤtten mich die Schlangen lebendig im unterſten Burgverließe verzehrt!“ auf Arnulf hinzog um mit ihnen auf den Knieen ihre Dank⸗ barkeit zu bezeigen. Arnulf aber verwehrte ihnen dieſes und trat unter der Ermahnung, einander nur immer ſo zu lieben und unſchuldig zu blei⸗ ben, wo ſie denn Gott ſicher ſtets beſchü⸗ ten werde, in ihre niedere Hütte ein. Als ſollten ſie wieder getrennt werden, ſo feſt hielten ſich die Geliebten umſchlun⸗ gen und nur Küſſe und Thränen ſagten ihnen, was ſie zeither für einander gelit⸗ ten haͤtten; die Eltern aber drängten ſich ſelbſt in ihrer Stube noch zu beiden Sei⸗ ten des jungen Paares und gewährten ſo noch lange den beiden ritterlichen Freunden den Genuß der gefühlvollſten Scene. „oO welche Freude kann des Menſchen 8 Herz empfinden, ſo lange es noch unſchul⸗ 4* — — 99— dig iſt!“ rief Tankret, und reichte Arnulf mit funkelndem Auge die Rechte zum brü⸗ derlichen Händedruck. „Hier iſt's doch ſchöner noch, als in dem kaiſerlichen Prunkſale! O, möchte es doch bald eben ſo ſchön auf Steinbach und der Aulenburg ſeyn!“ meinte und wünſchte Arnulf, und in inniger Umarmung ſagten ſich die beiden Brüder, daß ſie ſich ver⸗ ſtanden hätten. Nachdem nun der erſte Freudenrauſch vorüber war, und der herbeigeſchlichene Kaſper dem Bauer bedeutet hatte, daß er ſeinen Herrn zu Käthens Rettung ver⸗ möget, und dieſer auch den Ritter Udo er⸗ ſchlagen habe, befahl der Alte ſeinem Weibe alles herbei zu ſchaffen, was nur das Haus Genießbares faſſe. Seibſt der Wein, welchen der Alte für ſeiner Käthe Hochzeit, mit ſo vielem Schweiße ſeines Angeſichtes herbeigearbeitet hatte, wurde heute ſchon ihrem Retter zu Ehren hergegeben. Herzlichen Antheil nahm Arnulf mit Tankret und ſeinen Knappen an dem Freudenmahle, und obſchon auch die Nacht 85 — 100— hald bis zu ihrer Mitte gelangt war, kam doch auch Vältens Vater und Mutter mit ihren Kindern herzu, um Käthens Retter und Rächer anzuſtaunen, bald aber auch recht lieb zu gewinnen. Endlich gönnte man ſeinem abgeſpannten Körper die nöthige Ruhe, und obgleich der beengte Raum das Liegen für jede Perſon unthunlich machte, ſo entſchlief doch jeder unter dieſem Obdache der rei⸗ nen Freude und himmliſchen Unſchuld ſanft. Die roſenfingrige Aurora aber begrüßte unſern Helden mit dem Geliebten ſeiner Schweſter und ſeinen zweien Knappen, von den ſegen⸗ und glückwünſchenden Thrä⸗ nen des alten und ſchönen jungen Paares begleitet, ſchon wieder zu Roß, auf dem Rückwege gen Worias. Mit dem Abende des zweiten Tages trabten ſie, ohne daß auch nur etwas Er⸗ hebliches ihnen auf ihrem Zuge begegnet wäre, durch den dreifachen Thorbogen in die duͤſtern Straßen der alten Kaiſerſtadt wie⸗ der ein, und Arnulf beeilte ſich mit Tankret ——— — — * 8 — 101 ſogleich nach der kaiſerlichen Pfalz, um ſeine Ankunft und jetzige Dienſtbereitwilligkeit zu dem Zuge gen das Kloſter anzuzeigen. Freudig wurde er von dem hohen deut⸗ ſchen Herrſcher empfangen und mit Tan⸗ kret zu der Abendtafel gezogen, bei wel⸗ cher ſich auch ſein Waffenbruder Hermann von Bardenſtein einfand, und durch ſeine Bitte Arnulf zu dem Verſprechen bewog, mit dem kommenden Morgen ſchon gen Burg Ehrenberg und das Kloſter aufbre⸗ chen zu wollen. Der gutmüthige Kaiſer aber willigte um ſo lieber in das Vorha⸗ ben der beiden Freunde, als er zeither immer deutlicher einſah, daß ſowohl dem Hahnſteiner Fräulein, als auch dem biedern Bardenſteiner, in dem baldigen Abzuge von ſeinem geräuſchvollen Hofe die Erfüllung ihres geheimſten Wunſches ge⸗ gründet, und die Bewachung des Kloſters ſchon während der Unterſuchung des Vie ſchoffes, wegen einer möglichen Flucht Schuldigen rathſam ſey. Bald war deshalb das Nöthigſte zu Zuge, zu welchen ſich noch mehrere 3 6— 122— Ritter anboten, befohlen, und ſchon oörd⸗ neten die dazu beſtimmten zweihundert kaiſerlichen Flammberge ihr reiſiges Zeug, während Arnulf noch die Abendtafel mit der Erzählung der Urſache und Begebniſſe ſeines Zuges gegen den Klingenſteiner Freiharden würzte, wofür ihm dann ein allgemeiner Toaſt lohnte, und ihn wie Tankret die ausgezeichnetſte Achtung und Huld des Kaiſers vielfach ehrte. „Kommt, wenn es euch mißglich iſt, ed⸗ ler Graf, nach dem Zuge wieder zu mir an meinen Hof;— hob der Kaiſer an, 5 lals ſich der ſtattliche Baare jetzt bei ihm eempfahl.—„Grüßet mir aber— fuhr er fort—„wenn ihr heim auf eure Au⸗ lenburg zieht, euren Vater Heino recht bieder von mir. Sagt ihm, daß es mir hohe Freude gewährt habe, einen ſo tap⸗ fern, edelſinnigen Sohn von meinem al⸗ ten Kampfgenoſſen in Italien kennen ge⸗ lernt zu haben, und eurer edlen Mutter gebt dieſes güldne Kreutzchen mit der Bitte, daß ſie es als ein dankbares Geſchenk von mtr, dafür annehmen möge, daß ihr „ ⸗ 2* nung ob dem Hühnen nicht, und dieſer — 100— Schooß die Krone der deutſchen eſhen in euch geboren habe. Dem Mädchen aber, das euer edles Baarenherz mit rei⸗ ner Minne einſt erfüllet und beſiegt, oder ſchon erfüllet und beſieget hat, gebt die: ſen Kuß auf ihre Stirne und ſagt, er ſey von mir für ſie, die glücklichſte der deut⸗ ſchen Dirnen.— Jetzt ſchweigt mir nur von Dank, denn euer Edelſinn verdient biel mehr als ich euch hier gebe, doch wünſche ich, daß ihr in dieſe Beweiſe meiner Liebe mehr Gewicht legt, als hätt⸗ ich mit Stern und Orden eure Bruſt geziert. Auch ſag' ichs euch frei heraus, daß ich dies nie thun werde, denn kein Edelſtein iſt würdig das Herz zu bedecken, welches ſo warm in Euerm Buſen für Tugend, Recht und Unſchuld ſchlägt.— Nun zie⸗ het gen das Kloſter, vergeßt meiner Ah⸗ X Handſchlag ſey euch Bürge für meine of⸗ fene Freundſchaft zu euch und allen d„ welchen ihr eure Liebe und Achtiig ſchenkt. Laßt mich bald etwas von Euch hör⸗ und kundet mir das ſonderbas Schickſ — 104— von Kunigundens Bruder, wenn ihr könnt.“ Mit dieſen Worten entließ der Kaiſer unſern hocherfreuten Helden, welcher jetzt mit Tankret und Herrmann von Barden⸗ ſtein dem Gaſthofe zueilte, wo das biedere Kleeblatt noch eine Zeitlang traulich ſchwatzte und ſich dann zur Ruhe legte, um Kräfte zu dem bevorſtehenden Zuge zu ſammeln. Herrlich ſpiegelten ſich die Strahlen der heitern Morgenſonne in den blanken Waf⸗ fen und Rüſtungen der ſtattlichen Kriegs⸗ horſte, als ſie vor dem Gaſthofe ſich ver⸗ ſammelte, in welchem eben Arnulf gerüſtet in den Hofraum herabtrat, um ſeinen treuen Araber zu beſteigen, dann mit Tankret und Herrmann den Zug zu ord⸗ nen, und das Hahnſteiner Fräulein mit ihrer Zofe, auf ihren ſchneeweißen Zeltern in ihre Mitte nehmend, als von dem Kaiſer dazu ernannter Bannerherr anzu⸗ führen. Langſam und in geſchloſſenen Gliedern folgte die rüſtige Schaar dem ſich artig mit Kunigunden unterhaltenden und die — 105— gaffende Menge oft grüßenden Baarenhel den durch die Straßen der alten Kaiſer⸗ ſtadt nach dem Rheine, wo ſie die ſchon beſtellten Fahrzeuge überſetzten, und ſie dann in aufgelöster Ordnung dem Ehren⸗ berger Gau und dem Kloſter St. Velten als dem Orte ihrer Beſtimmung entgegen zogen. Muntere Kriegslieder waren im Ein⸗ klange mit der zwitſchernden Geſchwätzigkeit der ſchnackengeſiederten Sänger, die Stun⸗ denkürzer der Reiſigen, während ſich Herr⸗ mann von Bardenſtein an Kunigunden jetzt zunächſt anſchloß, und Arnulf ſich theils mit Tankret, von der Aulenburg und Steinbach unterhielt, theils einen vielſeitigen Gegenſtand zum allgemeinen Geſpräch aller in ſeinem Gefolge befind⸗ lichen jungen Ritter wählte. 1 Ohne ihre drückende Laſt zu fühlen, verſtrich dem ſtattlichen Zuge ſo die heiſe ſeſte Tageszeit, mit der lieblichen Kühle ſie den Gränzſtein des Hahmſteiner Ge⸗ bietes.— Höher ſchlug jetzt Kunigundens N 8 des herannahenden Abendes aber erreichten — 106— Herz und eine Zähre der Wehmuth, des Dankes und der Freude entperlte ihrem Auge. Aber wie freudig wurden alle überraſcht, und wie ſehr Kunigundens ge⸗ fühlvolle Stimmung geſteigert, da ſie, weiter vorgetrabt, bei der erſten Hütte, von allen Vaſallen in feſtlichen Kleidern mit einem, von dem Hirten Hans, für das edle Fräulein und den kapfern Grafen Arnulf von Baar angeſtimmtem Lebehoch empfangen, und ihr Zug gehemmt wurde. Jung und Alt, Groß und Klein, Greiſe an Stäben und blühende Weiber mit ihren Säuglingen auf den Armen drängten ſich, das geliebte, gerettete Fräulein wie ihren heldenmüthigen Retter und Rächer zu ſehen und eben wollte der ſtattliche Baare um weiter fortziehen zu können der Maſſe ſich zu theilen gebieten, da rennte ſich dieſe plötzlich von ſelbſt und der Hirte trat mit zween weiß gekleideten, kleinen, roſenwangigten Dirnchen hervor, von welchen das eine einen Lorbeerzweig das andere aber einen Myrrhenkranz trug. Ihre Abſicht errathend hielt Arnulf ſei⸗ „ . — 197— nen ſchon vortrabenden Araber wieder an und nachdem ſich der Hirte ehrerbietig mit den Kleinen gebeugt hatte, hob er das mit dem Lorbeerzweig zu Arnulf hinan. „Da, nimm Edelgraf, haſt Fräulein gerettet, ſollſt unſer Herr werden!“ ſagte mit naivem Tone die Kleine indem ſie Arnulfen den Lorbeerzweig darbot und die⸗ ſer nahm das liebe, treuherzige Kind ſammt ihrer Gabe zu ſich, küßte und be⸗ hielt es auf ſeinem Roſſe. Das andere aber hob der Hirte zu Kunigunden hinan und es ſetzte mit den Worten:„Mögtet unſer ſchönes gütiges Fräulein bleiben!“ den Kranz auf ihr blond gelocktes Haupt. Sie warf ihren Schleier zurücke, küßte die Kleine ebenfalls und benetzte ſie mit ihren Thränen. Eine tiefe Stille herrſchte während dieſer Scene unter den Amveſen⸗ den; ſobald aber der Hirte zu den Mit⸗ vaſallen zurückgetreten war, erſcholl ein neues Hoch!“ worauf Arnulf, da das in 8 Zähren ſehwimande Sunn — 108— danke euch, gute Leute, im Namen des Fräuleins fuͤr eure bewieſene Anhänglichkeit und Treue, fahret fort eure edle Gebie⸗ terin ſo zu lieben und ihr werdet ſtets glücklich ſeyn. Beſchützet mit Gut und Blut ihre Rechte, wie es euch als treuen Vaſallen zuſteht und ſuchet vereint ihr die Stütze ſeyn zu können, welche ihr in einem edlen Gatten noch mangelt, bis ſie ſich einen erkieſet. Auch mir gebet ihr den ſchönſten Lohn für die Erfüllung mei⸗ ner Pflicht und gerne würde ich euren, durch dieſes Kind mir ausgeſprochenen Wünſch erfüllen und euer Herr ſeyn, allein die Umſtaͤnde erlauben es nicht; doch hoffe ich, ſoll euer edles Fräulein ſich bald unter den tapfern biedern Rittern einen Gatten und ſomit euch einen gnä⸗ digen Herrn wählen, bis dahin indeß wird ſie und euch mein Arm ſchützen und ſchirmen.— Jetzt kehret mit uns auf die Veſte und lebet alle heute Abend der Freude über das glückliche Heimziehen und die Ruckkehr eures edlen Burgfraͤuleins.“ Hiermit drückte er der Kleinen ein Gold⸗ ——— — — — 109— ſtuͤck in ihꝛ Händchen und gab ſie dem auf ſei⸗ nen Wink heran getretenen Hirten zurück. Die Vereitlung ihrer ſchon ſo feſten Hoffnung, daß Arnulf der Retter des Fräuleins gewiß auch ihr Gatte werde, ſchmerzte und ſchlug die treuen Lehnsleute aber augenblicklich ſo ſehr nieder, daß ſie aller Freude vergaßen, bis ſie Hans wieder dazu aufmunterte. Die gedrängte Maſſe theilte ſich nun und ſprang bis an den Burgweg unter lautem Jauchzen und Jubel ihre Mützen und Hüte in die Höhe werfend und wie⸗ der auffangend neben der langſam fort⸗ ziehenden ſtattlichen Gleve her. Hier aber ließ Arnulf Halt machen, befahl den Rei⸗ ſigen ſich die Nacht über an dem Fuße des Berges zu lagern und zog dann mit Kunigunden, Hermann, Tankret und den übrigen jungen Rittern den Blumen be⸗ ſtreuten Schloßweg hinan.. Unaufhörliches Freuderufen ſcholl ihnen auch von der Veſte ſchon entgegen und alles Burggeſinde empfing ſie an der Zug⸗ brücke mit einem abermaligen Hoch!?4 — 110— Arnulf dankte auch ihnen, befahl ſo⸗ gleich mit Kunigundens Willen, Wein unter die nachziehenden Lehnsleute aus⸗ zutheilen auch den Reiſigen in's Thal hinab zu tragen und ſtieg dann mit der immer noch weinenden Kunigunde und den Rittern in den Gelaggaden hinauf,. wo Imbiß und volle Humpen ihrer ſchon harrten und ihnen köſtlich entgegenmun⸗ deten.— „Laßt nun den Thränenquell verſiegen, ſchönes Fräulein— hob eintretend der ſtattliche Baare zu der immer noch heftig weinenden Kunigunde an—„denn ſeht ihr ſeyd ja nun wieder unumſchränkte Herrin eures väterlichen Erbes und kein Neidhard ſoll fürder eure Unſchuld, Tu⸗ gend und Rechte kränken. Theiler den Frohſinn und Jubel eurer Vaſallen und laſſet die ſchmerzliche Erinnerung an das Vergangene von der freundlichen Gegen⸗ wart verſcheucht werden. Damit ich mich aber meines ehrenden Auftrages des Kai⸗ ſers, ob euch, edles Fräulein völlig ent⸗ ledigen kann, ſo kommt mit mir auf den — füllte das Thal, mit der herannahenden — 111 Altan, um den erneuten Eid der Treue eurer Vaſallen zu hören, um ſo mehr, da ich mit der morgigen Frühe weiter, gen das Kloſter ziehe. „O erlaßt mir dieſes, edler Retter mei⸗ nes Lebens. Ich bin der Liebe und Treue meiner Vaſallen gewiß, doch wenn ihr von dem Kloſter wiederkehret, mögen ſie mir nach des Kaiſers Willen von neuem ſchwören; erlaubt mir aber, daß ich jetzt die lang entbehrte Ruhe und Ein⸗ ſamkeit genieße!“ ſchluchzte Kunigunde und da Hermann von Bardenſtein ihr 3 beipflichtete, gab Arnulf willig nach u d verſprach ſobald er ſeinen Auftrag ob dem Kloſter beendet habe, zu dem Vaſalleneide wieder zu kehren, worauf denn das Fräu⸗ lein mit der Zofe nach ihrem Schlafgaden eilte um auch ihn mit ihren Thränen zu bewillkommnen. Bis tief in die Nacht wurde indeß von den Rittern, Knappen, Knechten und Lehns⸗ leuten gezecht und der froheſte Jubel er⸗ — 1u2— Mitternacht aber empfahl Arnulf die Ruhe. und ſtreckte ſich ſelbſt auf ſein Lager. Nicht lange genoß er aber moch die er⸗ guickende Wohlthat des Schlafes, da weckte ihn wieder eine zu dreienmalen ſeinen Namen rufende Stimme. Ernſchlug ſeine Augenlieder auf und vor ihm ſtand der Geiſt ſeines Ahnen von einem noch lich⸗ teren Glanze umfloſſen, denn das vorige⸗ mal.“ Laß es dich nicht verdrießeen, mein edler Arnulf— hob er an— daß ich dich wieder aus dem Schlafe wecke, denn es iſt zu deinem Heile und der Rettung der tief gekränkten Unſchuld.— Wenn du mit dem Anbruche des Tages gen das Kloſter zieheſt, dann beuge mit Tankret an dem erſten Kreuzwege rechts in den Hochhorſt ein und laſſe die kaiſerlichen Reiſige nur weiter ziehen. Du wirſt bald an ein nie⸗ driges Kreuz gelangen, an dieſem ſitze ab, gehe in das dichte Gebuſche und richte dein Augenmerk auf die dicke Mahleiche, welche in einem weiten Keiſe umhernihre ſchat⸗ tigen Aeſte ausbreitet. Sie lehnt an ei⸗ nen unbedeutenden Hügel an, der mit — 113— Moss bedeckt iſt. Hinter dem hundertjäh⸗ rigen Stamme verbirg dich, bis du einen Kloſterknecht von der entgegengeſetzten Seite herkommen ſiehſt und halte dich ruhig bis dieſer das Moos und die darunter geord⸗ neten Steine weggewälzt hat; ſobald er aber hierauf den Riegel einer eiſernen Thüre zurückſchiebt um ſie zu öffnen und abwärts zu ſteigen, eile hervor und zwinge ihn, dit die Schlüſſel, welche er in ſeinem Wamſe hat, zu geben. Haſt du ſie, ſo binde den Knecht an die Eiche feſt und ſteige in das unterirdiſche Gewölbe hinab. Um ſchneller zu deinem Ziele zu gelangen, rufe die Wor⸗ te:„Gelobet ſey der Herr!⸗— und handle dann gegen die, welche du findeſt, wie es dir deine innere Stimme heißt; doch ſey nicht zu raſch, mäßige deine Wuth und ſpare den gerechten Ausbruch derſélben bis du das Geſtändniß ihrer Schandthaten haſt Den alten Kloſterknecht wirſt du am erſten dazu bewegen, daß er dir das Gewebe der Bosheit entdeckt, denn ihm magſt du Le. ben und Freiheit zuſichern. Haſt du hier geendet, ſo ziehe mit den Buben gen das — 114— Kloſter, wo du noch vorzüglich darauf be⸗ dacht ſeyn mußt, daß keiner von euch allen ſo wie auch keines eurer Roſſe Wein oder Waſſer trinkt, denn wiſſe, in jedes Faß ſo wie in den Kloſterbrunnen hat der ſchaͤnd⸗ liche Abt Gift werfen laſſen. Ohnweit links von der Abtei werdet ihr aber eine reine Quelle finden, die ihr zur Trankung eurer Gäule benutzen könnt, und damit auch ihr keinen Mangel an Wein habt, ſo ſteige in den Kloſterkeller hinab, in welchem du rechts eine noch ganz friſch zugemauerte Thüre finden wirſt. Laſſe ſie aufbrechen und theile den in dieſem Nebenkeller ſich befindenden Wein unter deine Leute; das hinterſte Faß aber laſſe hierher auf Ehren⸗ berg bringen. Es iſt das Vorzuglichſte von allen und wird euch zum baldigen Hochzeit⸗ ſchmauſe Kunigundens mit Hermann von Bardenſtein trefflich munden. Jetzt gehab dich wieder wohl, ziehe, ſchweige und handle vorſichtig.““ 3 3 1 her als du glaubſt, ſiehſt du mich wie⸗ dann— o, unendlicher Dank ſey ** —— m— — 115— dem Ewigen und dir edler Arnulf!— zum Letztenmale!“ 8 Sprachs und verſchwunden war der Geiſt. Arnulf aber quälte ſich noch eine Zeitlang bevor er wieder einſchlief, mit dem Gedan⸗ ken, wen er wohl in dem unterirdiſchen Verwahrſam finden werde, und reizte ſei⸗ nen Zorn gegen die Schorköpfe, indem er den Nachtheil, welcher ohne ſeines Ahnen⸗ geiſtes Warnung durch die Vergiftung des Waſſers und Weines für Menſchen und Vieh hätte entſtehen können, berechnete. Der erſte Strahl der Morgenſonne be⸗ grüßte den ſtattlichen Helden ſchon mit den übrigen Rittern in dem Burghofe und bald darauf, nachdem er noch Hermann von Bar⸗ denſtein die Beſchirmung der Veſte Ehren⸗ berg bis zu ſeiner baldigen Rückkehr über⸗ tragen hatte, auf ſeinem munter wiehern⸗ den Araber in dem Thale, von wo ar mit ſeiner ſchon zugfertig harrenden Kriegsharſte dann gegen das Kloſter aufbrach 8 Nicht ſo freundlich und heiter wie ge. ſtern, war heute der Morgen. Ein uüͤbel: riechender Nebel verdickte die Luft und — 116— verkündete den herannahenden Spatſommer. Auch ein rauh wehender Oſt ſteigerte die nooch geſtern ſo angenehme Kühle zur un⸗ freundlich⸗naſſen Kälte; doch bald bewies die Sonne ihre noch männliche Kraft, und drückte ſo mächtig auf die wäſſrigen Theile in der Atmosphäre, daß dieſe die Flucht — ergreifen und befeuchtend auf die Erde herabfallen mußten, um bald, von den ſie verfolgenden Strahlen der ſi jegenden 1 S waftränegan verzehrt zu werden. Und eben hatte ſich denn ſo die Luft wieder gereiniget und das unermeßliche Firmament geblaut, als die ſtattliche Gleve an dem erſten Kreuzwege anlangte. Arnulf über⸗ die Leitung der Reiſigen bio an das Klo⸗ ſter, verſprach bald wieder bei ihnen ſeyn zu wollen, verbot aber vor ſeiner Ankunft in die Abtey ſelbſt einzuziehen, und trabte mit Tankret dann rechts von der Heerſtraß e ab in den Forſt ein.„Wir haben hier ein Abentheuer zu beſtehen, Tankret!“— hob, da ſie allein waren, der ſtattliche Hamre zu dem Geliebten ſeiner Schweſter gab daher jetzt den übrigen jungen Rittern 1 —ł— ſeyn. nicht einmal einen Fußtapfen oder Huf⸗ tritt in den Sand gezeichnet.— Weiß Ziele ſeyn, denn ich kann nicht be welch ein ſonderbares Gefuhl mein res durchdringt; ſchlottern doch mein an—„Du weißt— fuhr er fort— der unglückliche Geiſt meines Ahnen iſt in meine Handlungen verwebt, und leitet ſie gewiſſermaßen ſogar ſelbſt; darum ſchon wirſt du mich gerne begleiten.“ Tankret. O nicht nur um deßwillen, ſondern ſchon weil du mein edler Bruder biſt, iſt es mir eine theure Schuldigkeit dir zu folgen; doch aufrichtig geſtanden, ich bin ſehr geſpannt, was es in dieſem dichten Hochforſte denn eigentlich werden ſoll, denn dieſer Weg ſcheint ja kaum in Jahr und Tag beritten„ oder auch nur von einem Menſchen betreten worden zu Arnulf.„„Haſt recht, man ſieht auch aber ſelbſt noch nichts, als daß ich hier Bosheit entlarden und Unſchuld retten ſoll/ Tankret.„Lohnt ſich demmach is ichen der Mühe! Möchte aber nur ſchon an — 118— der ordentlich, und meine Rechte will im⸗ mer unwillkührlich nach meinem Schwerdte fahren.“ Arnulf.„Hm, iſt wunderlich!— doch ſiehe, da ſind wir ja ſchon vorerſt an der rechten Stelle. Laſſe uns abſitzen, unſere Roſſe hier an das ſteinerne Kreuz binden unnd in das Geſtrüpp eintreren.“ Tankret.(Nachdem er mit Arnulf abe geſeſſen).„Ich kanns nicht länger aus⸗ halten, muß nur mein Schwerdt ziehen. Iſt mir doch, als ſollte ich hier gegen ein Unthier kämpfen.“ Arnulf.(Auf die dicke Eiche zutre⸗ tend).„Mäßige nur deine Hitze und halte dich ſo ruhig du kannſt, denn hier haben wir einen Kloſterknecht zu erwarten.“ Tankret.„Hölle und Tod, ſiehſt du denn nicht, dort wälzt ja ein Bube Moos und Steine von der Erde weg? Was ſoll das 24— Und eben klirrte ein Riegel; da ſchrie Arnulf ein donnerndes„Halt!“ und in dem Augenblicke ſchon, hatte er einen alten Knappen zu Boden geriſſen.„Was willſt 2 3 82 2 1 4 * 7 5 und die Worte ſchallten an den Feuchien — 119— du hier machen? Gib die Schluſſel her!“ fuhr zornfunkelnden Auges Arnulf zu dem zitternden und um Erbarmen flehenden Knecht fort. Knecht.„Ach, geſtrengey Herr, laßt mich los, ich will euch ja gerne die Schluſ⸗ ſel geben. Laßt mich nur gehen! Arnulf.„Nimmer, die Schlüſſel gibſt du her und dann warteſt du, an jene Eiche gebunden, auf meine Zurückkunft aus dieſem unterirdiſchen Verwahrſam.“ Hiermit nahm Arnulf ein Bund Schlüſ⸗ ſel ſammt einem dabey befindlichen Stricke aus dem Wamſe, band ihn an Händen und Füßen damit an den hundertjähri⸗ gen Eichſtamm, riß dann die eiſerne Fall⸗ thüre auf und ſtieg mit Tankret die feuch⸗ ten Stufen abwärts in den unterirdiſchen Gang. Noch hatie er aber die letzte Treppe nicht erreicht, da drang ſchon ein matter Lampenſchein ihm entgegen, welcher ſchwach den ſchwarzen Hintergrund erleuchtete.„Ge⸗ lobet ſey der Herr!“ rief jetzt Arnulf, — 120— Felſenwänden wieder; doch nach wie vor blieb es todt in dem langen Gange. Ra⸗ ſcher traten ſie deshalb weiter, der Lampe zu.„Sie hatten ſie erreicht, aber jetzt verhinderte ihnen eine eiſerne Thüre das Fortſchreiten. Arnulf ſchob ihre Riegel zurück zund probirte den größten Schlüſſel in das Schloß. Er paßte, und nach drei⸗ maligem Umdrehen garrte die Thüre in ühren Angeln auf. Stockfinſtere Nacht herrſchte aber in dem nun geöffneten Gewölbe, und hieß ihn, um mit Sicherheit vorſchreiten zu können; die Lampe als Wegweiſer zu nehmen und eben wollte er ſie von der Kette, an wel⸗ cher ſie hing, aushenken, da gewahrte der nachſchreitende Tankret einige Kiene an dem Boden liegen, und zündete einen davon an der Lampe an. Jetzt traten ſie weiter in den geplatte⸗ ten Gang ein, in welchem ihre Tritte wiederhallten.„Gelobet ſey der Herr!“ rief Arnulf abermals, und kaum war die letzte Silbe über ſeine Lippen, da ver⸗ nahm er ſeitwärts von ſich die Worte: — 121— „Nun kommſt du endlich⸗Till“ und um⸗ blickend ſah er, daß ein ſchmälerer Gang hier von dem Hauptgange rechts abführe. Sie bogen dieſen ein) und bald wurde es vor ihnen lebendig. Mehrere Riegel ſcho⸗ ben ſie zurück, ein Licht warf ſeinen Schein durch die Spalten der Wand, nach wenig Augenblicken ſprang eine Thüre auf und vor ihnen ſtand ein feiſter Mönch, welcher jedoch alsbald mit einem lauten Schrei des Entſetzens wieder entfliehen wollte. Raſch faßte ihn Arnulf aber noch zur rechten Zeit an der Kapuze, riß ihn zurück und ſchrie ihn eben donnernd an:„Schöorkopf, was machſt du hier?“ als ein geharniſch⸗ ter Ritter mit blanker Klinge aus dem Hin⸗ tergrunde auf ſie tueilt und auf Arnulf eindrang. n6 m Kurz war jedoch das Gefecht, denn die in Tankret ſchon lange vorher aufwallende Wuth fand jetzt einen Gegeuſtand an dem ſie ſich einigermaßen auslaſſen konnte, und ſo erlag denn der Ritter, trotz ſeiner ver⸗ zweiflungsvollen Gegenwehr bald den ver⸗ — 122— einten Hieben der beiden verbrüderten Freunde. „Was haſt du hier zu thun, elender Bube? ſchrie hierauf von neuem der ſtatt 3 liche Baare dem betäubt auf den Boden geſunkenen Schorkopfe zu; doch da in dem⸗ ſelben Momente ein heftiger Schrei einer weiblichen Stimme das Gewölbe erfüllte, übergab er die Bezwungenen Tankrets Ob⸗ hut und eilte der Richtung des Schreies nach. Eine Thüre trat ihm von neuem verhin⸗ dernd entgegen, doch ſein wutherhitztes Blut gab ihm Rieſenſtärke, er ſprengte ſie ein und— wer mahlt ſein Staunen und zugleich ſeinen gerechten Zorn— da er bei dem hellen Kerzenlichte auf einem Schra⸗ gen ſich mit einem noch feiſteren Plättlinge um ihre Unſchuld windend, Elsbeth, des Meyers Pflegetochter, erkannte? Mit einem Hiebe nach des Plättlings Nacken hatte der edle Baare das Laſter ab⸗ gekühlt; ihn aber an ſeinen drei raben⸗ N — 123— Kreuze mit dem Todtenkopfe erkennend, 1 ſank Elsbeth mit dem Ausrufe:„O mein * Arnulf!“ ermattet und bewußtlos auf ihre Kiſſen zurück. „Dank, Dank dir, theuerer Ahnengeiſt, daß du mich die unglückliche Waiſe auffin⸗ den und retten ließeſt, damit ich ſie nun ihren Eltern ſchenken, und ſomit mein Ver⸗ ſprechen erfüllen kann!“ rief hocherfreut der edle Baarenheld; doch ein Blick auf die Gegenſtände umher reizte ſeinen Ab⸗ ſcheu und Wuth von neuem aufs heftigſte, denn an den Wänden umher hingen alle mögliche Verſinnlichungen der Wolluſt. Elsbeth wieder in's Leben zurückzubrin⸗ 5 gen, und mit ihr und den ſchändlichen Bu⸗ ben in's Freie zu eilen um mit äuſſerſter Strenge ein Verhör beginnen zu können, ſpudete ſich nun Arnulf. Bald auch er⸗ 3 freute ihn Elsbeth wieder mit dem Auf ſchlagen ihres holden blauen Auges, welt chem nun eine Thränenftuth des Pnnigſen Dankes entquoll. „Seid ruhig mein edles Fraut n, Erfreuliches habe ich euch 3 — 124— tröſtete ſie der edelſinnige Baare, rief dann Tankret den blutenden Mönchswanſt zu den übrigen zwei Buben zu ſchleifen, eilte mit Elsbeth in's Freie und kehrte, nach dem er ſie noch gebeten hatte, ſich mit Traäumen der freundlichſten Zukunft zu un⸗ terhalten bis er ſein Rächeramt an ihren drei ſchändlichen Peinigern vollzogen habe, wieder in den unterirdiſchen Gang zurück um mit Tankret kräftigen Armes porerſt die beiden Mönche und dann allein noch den Ritter an das Tageslicht hervorzu⸗ ſchleppen. 2 3 Schon brannte kraͤftig die Sonne auf die kahle Tonſur der Plättlinge herab als jetzt endlich der ſchweißtriefende Arnulf zu dem angebundenen Knechte begann:„Sprich Bube, wer und aus welchem Kloſter ſind dieſe Mönche? 8 18 Knecht.(Truzig).„Ihr könnt ſie ja ſelbſt fragen./⁴/... Arnulf.(Ihm in's Geſicht ſchlagend).“ „Antworte elender Bube auf meine Frage oder fühle meinen Zorn! Noch einmal, wer ſind dieſe Schorköpfe hier?“ —— — 25— Knecht.„Laßt mich los, verſprecht mir Leben und Freiheit und ihr ſollt die Wahrheit haarklein erfahren.— Arnulf.&Ihn losbindend).„Deine Bitte ſei dir gewährt, doch glaube ja nicht, daß du mir entkommſt oder mich mit Un⸗ wahrheit käuſchen kannſt./) Knecht.„Werd⸗ mich wohl hüͤten euern Zorn von neuem gegen mich zut reizen Wißt jetzt edler Ritter, dieſer. blutende Mönch iſt der hochwürdige Abt aus dem Kloſter St. Velten und jener ſein Wardian; wer aber der Ritter hier iſt, weiß ich bei meiner armen Seele nicht./ 6 d Arnulf.(Zornig den Abt mit dem Fuͤße anſtoßeend).„He, ehrloſer Schand⸗ bube, teufliſcher Giftmiſcher und Dirnen⸗ räuber, ſprich wie bekamſt du das edde Fräulein hier in deine hölliſche Gewalt? Abt.(Aufwachend).„Laß mich gehen du Teufel, deine Seele brennt ſchon in der Hölle: du haſt dich an den Dienern und Geſalbten des Herrn vergriffen A knuuf(Ihn mit dem Sriics, mit — 126— welchem der Knappe gebunden war in das Geſicht ſchlagend).„An einem ſolchen Satan, wie du, kann man ſich nicht ver⸗ greifen. Rede fleiſchigtes Unthier, wie bekamſt du das Fräulein in deine Gewalt? —„Oder deine verruchte Seele fährt ſchon in der nächſten Minute den Klauen des Satans zu, der ſich baß ihrer jetzt ſchon freut.“ Abt.„Schweige du verworfenes Schaf, von mir erfährſt du nichts; deine Zunge Till, wird aber lahm werden, bei dem nächſten Worte, das du ſprichſt. Arnulf.(Ihm abermals in's Geſicht ſchlagend).„Satan, ſpare deine Ver⸗ heißungen!— Willſt du auch das er⸗ wachte Gewiſſen des Knappen wieder ver⸗ ſtocken.— Warte es ſoll dir übel bekom⸗ men!“(Zum Wardiane)„Nun Pfaffe, willſt auch du nicht reden?“— Wardian.„Keine Silbe wirſt du verruchter Sünder von mir erfahren, der du dich an mir und dem hochwürdigen Herrn Abte, den Dienern des Herrn, den — 127— heilig Geſalbten ſeiner Kirche vergriffen haſt.// Arnulf.„Nenne den Namen Gottes nicht, Schurke, denn in deinem Munde wird er zur ſchändlichen Läſterung und ſei nur zum Voraus gewiß, daß du mit deinem nichtswürdigen Abte unter doppel⸗ ten Martern dein verſtocktes, ruchloſes Leben endigſt!(Nachdem er dem betäubt daliegenden Ritter das Helmgitter aufge⸗ ſchlagen hat).„Ha, geächteter Bube, biſt du'’s wirklich ſchändlicher Hochverräther? .— Wiſſe du kamſt in des Grafen Ar⸗ 3 ſchändlichen Anſchlag gegen den edlen Kai⸗ 8 ſer rächen werden.“ Ritter.(Seine Augen aufſchlagend). „Ich verlache deine Rache und ſterbe gerne, da ſich meine Augen noch einmal an dem durch mich heimatlofen Buben. Tankret von der Adlerhöhe weideten.“ Tankret.(In der höchſten Wuth „ über ihn herſtürzend).„Was, wie, du liche Veſte in einen Schutthaufen verwan⸗ nulfs von Baar Hände, die baß deinen der heilloſe Mordbrenner, der meine älter⸗ delte, mir Vater, Mutter und Schweſter mnordete? Ha dies meine Ahnuug!— Noch ehe ich dich, Schandfleck der Menſchheit ſah, zitterte ſchon mein Arm vor Wuth und der Teufel weide ſich an deiner Seele.“ 3 Mit dieſen Worten wollte, auſſer ſich vor Wuth, der edle Tankret den Hahn⸗ ſteiner, Kunigundens Vatersbruder, er⸗ droſſeln; doch dieſer hatte einen Dolch unter ſeinem Bruſtharniſche hervorgezogen und würde ihn auch eben ſicher in Tan⸗ krets Buſen geſtoßen haben, hätte Sar. nulf nicht noch glücklich bemerkt und das Leben des Verruchten mit einem Schwerdt⸗ ſtreiche geendigt. Kaum hatte es dieſer vollbracht, da drang ein heftiger Schrei von Elsbeth an ſein Ohr. Er ſaß um und riß, da er den Wardian ebenfalls mit einem gegen ihn gezuckten Dolch vor ſich ſtehen ſah, den Schorkopf unter dem donnernden Ausrufe:„Ha Bube glaubteſt du dich noch meiner Rache entziehen zu können?“ wuthentbrannt nieder; ſchlug ihm den Dolch aus der Hand und befahl dem 27 — 195— eine Freundin, wie meine Elsbeth hier, an meine Bruſt preſſen könnte!“ fuhr er nach einer Pauſe wieder zu unſerm Hel⸗ den fort und würde ſeinen erwachenden Empfindungen noch lange und wiederholt Worte gegeben haben; hätte nicht Arnulf ihn zur Ruhe gemahnt, damit ſie auf morgen noch einmal Kräfte zu dein bevor⸗ ſtehenden letzten Tagritte ſammeln könnten. Wie wohl that es Elsbeth heute zum Erſtenmale mit kindlicher Liebe ihrem Vater eine freundlich füße Ruhe wünſchen zu können und von ihm in einer innigen Umarmung väterlichen Dank dafür erſtat. tet zu bekommen. Schöner als einmal auf ihrem bis. herigen Zuge tauchte heute die erhabene Sonnenſcheibe vom Oſten herauf und die oögleich kalte aber dennoch ſo heitere Mor⸗ genluft ſenkte die freundlichſte Stimmung in aller Herzen. Fröhlich und munter ließen ſie deshalb ihren Roſſen die Zügel, um wo möglich noch vor dem Einbruche des Zwielichtes in dem Meyerhofe das endliche Ziel ihres Zuges zu erreichen. 13 A4 5 7 — 494— Aber wie ſehr auch die Frauen ihre Zel⸗ ter zur Eile antrieben, ſo konnten ſie doch erſt mit dem Abende das durch ſeine Bewohner, ihnen ſo theure Gebäude er⸗ blicken. Als wollte ſie den Frühling noch ein⸗ mal wiederbringen, ſauſelte hier die laue Nachtluft in den blätterarmen Aeſten der Baͤume, an welchen ſie noch vorüberziehen mußten um dann endlich in des Meyers Hofraum eintraben zu können, und hob unter gedoppelten Schlägen die Herzen der Ziehenden empor. Doch wie ſtaunten Alle, beſonders aber Elsbeth und Arnulf, als ſie 8 nun das Vorderhaus hell erleuchtet ſahen dn ihnen bald darauf Töne einer zum fröhlichſten Reihen einladenden Muſit ent⸗* gegen hallten? „„Was gibt es denn wohl hier, meine Aiebe⸗ Tochter? fragte Erwin die mit hoch⸗ wogendem Vuſen neben ihun mabende Elsbeth⸗ Elsbeth.„Sch kann es durchaus nicht begreifen, theurer Vater, was in des gu-⸗ ten Erichs Haus zu einer ſolchen Feſtlich⸗ —:—‿ keit veranlaßt, hat doch nie, ſd lange ich hier war, auch nur ein Harfner ſich bei ihm eingefunden.“ 3 „Will's bald wiſſen, was es gibt! rief nun Arnulf, ſpornte ſeinen Araber und wie im Fluge ſprengte er voran, und ob⸗ gleich von ſeinem Beiſpiele ermuntert, alle ihre Roſſe zu gleicher Eile antrieben, ſchallte ihnen doch ſchon der laute Jubel über des Grafen Arnulfs von Baar Ankunft entge⸗ gen, als ſie nun auch den Hofraum erreicht hatten. „Ach meine Elsbeth, meine Elsbeth! rief jetzt der alte, feſtlich gekleidete Meyer und Elsbeth lag an ſeiner Bruſt⸗ Arnulf aber, um auch Kunigunde nnd Hermann zu be⸗ ſchäftigen, hatte ſchon den herbeigeeilten, kleinen Heinrich erſehen und führte ihnen dieſen zu. Dann aber nahete er ſich der erwartungsvoll harrenden Gräfin, küßte ihre Hand, führte ſie unter den Worten: „Edle Frau ich komme um euch mein Ver⸗ ſprechen zu erfüllen, möget ihr nun ſehen,. daß ihr keinem Unwürdigen etter d 133.* — 196— ſchenktet; ſeht hier erwarten euch verzeihend eures Gatten offne Arme!“ auf Erwin zu. Ueberraſcht, ſank mit dem Ausrufe:„O mein Erwin kannſt du deiner Klothilde ver⸗ zeihen!“ das ſchöne Weib an die in freu⸗ detrunkenen Gefühlen wogende Bruſt ihres Gemahls. Arnulf aber zog ſich in den Hintergrund zurück, um in dem Anblicke der liebenden Gruppen die reinſten, himm⸗ liſchſten Freuden zu genießen und den ſchön⸗ ſten Lohn ſeiner Thaten zu erndten. Jetzt preßte Erwin ſeine Gattin noch einmal recht feſt an die Bruſt, küßte ihre ſich ſehnenden liebebebenden Roſenlippen, und ſagte mit innigem Tone:„Meine gute, wiedergefundene Klothilde, alles ſey vergeſſen, und von Herzen dir vergeben, doch du vergibſt auch mir mein thenes, edles Weib? 3 Klothilde.(Seinen guß erwie⸗ dernd).„Alles, edler Erwin, denn nun erwache ich erſt aus einem jahrelangen peinlichen trüben Traume wieder zum Le⸗ ben, aber auch nun nimmer, nimmer mehr zu enunnen. An deiner Seite, mein Mutter 14 in ihren Armen. — 197— edler Gatte, werde ich nun arſt des Le⸗ bens wahre Würze finden und das edelſte Band der Liebe und innigſten Freund⸗ ſchaft umſchlinge enger denn je unſere, ach, ſo lange getrennten Herzen.“ „Ja, holdes Weib, ewig, unzertrenn⸗ lich will ich nun dein Erwin ſeyn, doch ſey auch du nur meine, meine theure Klothilde!“ rief Erwin entzückt und grub noch einmal ſeine Lippen ſo feſt in die ihrigen, als ſollten jetzt erſt ihre Seelen ſich vereinigen; dann aber führte er ſeine Gattin nach der eben aus den Armen ih⸗ res Pflegevaters ſich loswindenden Elsbeth mit den Worten: Sirb theures Weib, unſer Kind!“— „O, meine Tochter komm, hier ſchlägt dein ſo lange um dich blutendes Mutter⸗ herz!“ rief Klothilde, und Elsbeth lag ſchluchzend mit dem Ausrufe:. dan jetzt die heißeſten inni⸗ nen, und immer enger preßte, ſ theure Pfand ibrer Liebe an the — 198— „Daß ich dein freundliches Lallen nicht hören durfte, dich erſt als blühende Jung⸗ frau meine Tochter nennen kann!“ klagte die ergriffene Mutter, und ihre Lippen hingen feſt an Elsbeths Reſenmund. „Meine theure Eltern!“ ſchluchzte von Neuem die blühende Tochter, und umfing mit ihren Armen Erwin und Klothilden zugleich. „Ja, ſey du namenlos geliebtes Weſen unſer treuer Schutzgeiſt!“ meinte die Gat⸗ tin.„O, nun höre auf zu klagen, wun⸗ des Herz mid lebe für die, um welche du ſo lange bluͤteteſt!“ fuhr ſie fort, und nun miſchte ſich auch das hohe Gefühl der Dankbarkeit dem ihrer Liebe bei, uud ſie rief freundlich fragend:„Aber wo bleibt der edle hochherzige Freund, der mich mit Einemmale ſo unendlich beglückte, damit ich ihm mit meinen Thränen wenigſtens danken kann, da ihm nach Verdienſt zu — lohnen„ich, ja wir alle viel zu ſchwach ind.. „Ihr gabt mir eben ſhon den ſchönſten Lohn, meine edle Grafn erwiederte der — 199— herbeigeeilte Arnulf.„Und wollt ihr mehr noch mir gewähren— fuhr er fort— ſo ſchenkt mir ein freundliches Andenken in eurem edlen Herzen.“ „O welch eine unausſprechlich gefühlle e Seele müßte die ſeyn, welche einem ſol⸗ chen edlen Freunde nicht tiglich eine Stunde im ehrendſten, liebevollſten A Unden⸗ ken, weihen würde?“ entgegnete ihm Klothilde, und reichte ihm die Hand zum Kuſſe. „Beut ihm deine Lippen, theures Wetb, denn ohne ihn, den edlen Baaren, haͤtten wir uns nimmer hier gefunden. 4%. Bat Erwin, und die Gräfin lag an Tenulſs Bruſt. Auch Kunigunde hatte ſich jetzt ſatt ge. küßt an ihrem lieben Vruderchen, und Hermann ihn oft liebevoll in ſeine Arme geſchloſſen und nun erſt ſiel man über den alten in Thräͤnen der Rührung zerflieſſen⸗ den Meyer her, um ihn erſt dankbar zu umarmen, und ihn dann zu bitten, ihnen 8 doch zu kunden, was die Veranlaſſung einer ſolchen Feſtlichkeit in ſeinem Hauſe — 200— ſey, und erfuhr zur allgemeinen höchſten Freude, daß man zu dem Hochzeitsfeſte ſeines Sohnes mit Bertha, der Graͤfin Zofe, noch glücklich angelanget ſey. Arm in Arm und Hand in Hand tra⸗ ten alle daher jetzt in das feſtlich ge⸗ ſchmückte Haus, um dem ſchönen Braut⸗ paare Glück zu wünſchen, und Elsbeth umhalste mit ſchweſterlicher Liebe ſowohl den Bräutigam wie ſeine Braut, denn mit erſterem hatte ſie ja unter kindiſchen Spielen ihre früheſten Jugendjahre ver⸗ träumt, und mit Letzterer an einer und derſelben Bruſt die erſte Nahrung ge⸗ ſogen. Obſchon durch die Ankunft der geliebten unerwarteten Gaſte, das Feſt auch unter⸗ brochen war, ſo wurde es nun deſto freund⸗ licher begonnen. Lauterer, fröhlicherer Ju⸗ bel ertönte, und nur der Geiſt der Innig⸗ keit, Liebe und ſeelenvollſten Wonne thronte in jedem Herzen, wie in dem ganzen Zirkel der froheſten Geſponnſchaft, „Meine Klothilde!“ rief oft im innig⸗ ſten Gefühle der Gattenfreuden Erwin 2 . „ im ſeelenvollen Tone die Gräſin, warf ſich an ihres Gemahls und Elsbeths Bruſt, ſchönen Auge.„Mein guter Heinrich, wieder an Arnulf an und er ſtand ent⸗ 6 —— —— — 201— aus.„O mein theurer, edler Gatte und mein geliebtes Kind!“ erwiederte dann und eine Thränenperle glänzte in ihrem wie lange ſehnte ich mich nach dir, und was mußte ich unſchuldig um dich, lieber Bruder leiden!“ rief entzückt, daß ſie es um das gute Brüderchen erduldet und ge⸗ litten hatte, die edle Schweſter, und der Kleine auf Hermanns Arme ſtreckte ſeine Händchen nach ihr aus. Doch alle dieſe Liebkoſungen ſchloſſen ſich zuletzt immer zückt und edel wie ein Gott in der Mitte; um ihn drehten ſich in frohen Reihen die durch ihn beglückten und vereinten Paare, auf ihn heftete ſich zuletzt jeder liehevolle Blick. Endlich behauptete die Natur ihre Rech⸗ te, und nachdem das ſchöne Brautpaar in ſein zugerichtetes Kämmerlein geſchlichen war, lagerten ſich alle auf die fur ſie bereiteten Sührazens und Klethiide ſchmiegt — 202— ſich nach achtzehn peinlich durchlebten Jah⸗ ren wieder zum Erſtenmale, Rebe um die liline, ſo um ihren edlen wiedergefundenen Gatten, um in einer himmliſchen Umarmung ihre gegenſeitige Schuld zu vergeſſen. Arnulf aber entſchlief in heißer Sehnſucht nach ſeiner Emma und dem beglückenden Gedanken durch edle Tha⸗ ten die Kette des Gelubdes gelöſet zu ha⸗ ben, und gewiß nun bald von derſelben geliebten Hand, der abgenommen zu bekommen; ſo ſanft, wie Kunigunde in den Armen ihres Her⸗ manns und der gutherzige alte Meyer an des von ihm ſchon ſo liéb gewonnenen klei⸗ nen Heinrichs Seite, in dem nämlichen Gemache, in welchem der Schlaf auch Els⸗ beths freude: und wonnetrunkene Glieder in ſanfte Ruhe auflöste. Ein heiterer Herbſtmorgen weckte ſie alle wieder zum Leben und Arnulf trat an das Fenſter um ſeine liebewogende Bruſſt in der kalten aber reinſten Morgen⸗ luft zu baden. „O Emma, ſo nahe bin gleich der die ſie ihm an ſeine güldne Harniſchſchienen befeſtigte, auch wie⸗ — 203.— ich bei dir und eile nicht in deine Armel!“ rief er vor ſich hin und der Entſchluß heute noch gen Steinbach aufzubrechen war feſt. Er wollte elen ſeine Freunde und Freundinnen aufzuſuchen um ihnen ſein Vorhaben mitzutheilen und ſie zur Begleitung zu bitten, da fiel ſein Blick abwärts und er ſah Erwin mit ſeiner Gattin in dem, nur noch mit den letzten ſterbenden Spuren ſeiner früheren Blüthe prangenden Hausgarten luſtwandeln. Jach haſtete er deshalb zu ihnen hinab, wurde als der Begründer ihres aufblühen⸗ den Lebensglückes mit offnen Armen von ihnen empfangen und Erwin begann gleich nach dem erſten herzlichen Morgengruße: „Nun theurer Freund, es iſt gerade ſchön, daß du zu uns kommſt, denn es handelt ſich eben zwiſchen mir und meinem holden Weibe, dem ich meine Schuld vertraute und auch ihre edle Verzeihung erhielt; ob ich mich Kunigunden und Hermann, als den Vater ihres Brüderchens, des kleinen Heinrichs entdecken ſolle oder nicht? Meine gute Klothilde hat während ihrem — 204— Hierſeyn den kleinen Unglücksgefahrten und ſeine Klagen um ſeine Schweſter ſo lieb gewonnen, daß ſie durchaus auf dem Entſchluſſe beharret ihn mit auf unſere Burg zu nehmen und ihn lehren zu wol⸗ len, ſie fürder ſeine Mutter und mich ſeinen Vater zu nenneen. Wie ſehr ich nun auch den kleinen Jun⸗ gen liebe und ſein Anblick mich ſtets durch das Bewußtſeyn meiner Schuld mit deſto innigerer Liebe an meine Klothilde ketten wird; ſo trage ich doch Bedenken, Kuni⸗ gunde, Hermanns Gattin von allem zu unterrichten, nicht allein des dunkeln Lich⸗ tes wegen, welches das Geſtändniß meines Vergehens auf mich werfen und mich ihr verhaßt machen könnte; ſondern um der Kränkung der Ehre des herannahenden Jungen willen. Was edler Baare räth mir nun deine offne Freundſchaft?⸗-, Arnulf.„Der edle Willen deiner Gattin, biederer Freund, wuͤrde zwar vollkoinmen in meinen Augen die ſchönſte Sühnung deiner Schuld ſeyn; doch du haſt Recht. Die Ehre des kleinen Hein⸗ „ † — 205— richs muß für die Zukunft und die Welt bewahret bleiben, und wir dürfen hierin durchaus nicht nach unſerer Anſicht handeln, ſondern nach der Beurtheilung des Allge⸗ meinen. Höret deshalb meinen Rath: du Erwin bewahreſt das Geſtändniß deiner Schuld ſo wie deine edle Gattin und ich noch zur Zeit als tiefes Geheimniß ſelbſt vor dem Kleinen und ſeiner Schweſter, bis dieſer zum mannbaren Adelſchalken heran⸗ gewachſen iſt und Hermanns Gattin in der Liebe zu ihren eigenen Kindern, die ihr Gott beſcheeren mag, ſelbſt wünſchet ihre Burg als Eigenthum behalten zu können: dann erſt entdecke du dich Hermann von Bardenſtein, ſeiner Gattin und deinem mannbar gewordenen Sohne als Vater; erfreue erſtere durch die mit deinem Ge⸗ ſtandniſſe verbundene Uebernahme der ſchul⸗ digen Vaterſorge und beglücke deinen Sohn mit der Schenkung deiner prachtvollen Veſte. Damit er aber als ehrenfeſter Ritter un⸗ ter den deutſchen Edlen gelte und dein Stamm vor den Augen der Welt ſlecken⸗ los bleibt, ſo entdecke dich im Vertrauen — 206— unſerm edlen Kaiſer und bitte ihn, dem Knaben dereinſt ſelbſt den Ritterſchlag zu ertheilen und dir zu erlauben, daß du den zu haben, offenkundig machen darfſt.— Oder weißt du einen beſſern und hier doſe ſenderen Ausweg?“ ſuche nicht willfahre, oder— du weißt wir ſind alle u übern chtig⸗— wollen wir nicht hoffen; doch gebe ich dir mein Wort dann ſtatt deiner für den Kna⸗ ben zu ſorgen. Was aber deinen erſten Einwurf in meinen Rath betriſſt, ſo war ddieſer um ſo unnöthiger, als ich nicht nur von unſeres Kaiſers hohem Edelſinn feſt überzeugt bin, ſondern auch von ihm fenſt weiß, daß ihm der kleine Heinrich . wie ſein Schickſal, welches ich ihm ſchon dunkel andeudete, nicht gleichgultig iſt.“ Gräfin.„Aber edler Graf, wo bleibt denn meine gehoffte Freude, den Knaben, als an Sohnesſtatt angenommen Erwin.„Nein; doch theurer Arnuf wie dann, wenn der Kaiſer meinem Ge⸗ Arnulf.„Deine letzte Andeutung — 20 7— lieben Jungen ferner um mich haben zu können. 3— — Arnulf.„Dieſe würde freilich in . Luft und Meer zerrinnen, doch holde Gräfin, gerade um eurer Liebe zu dem Knaben willen, werdet ihr gerne dem er⸗ ſehnten Vergnügen ſelbſt entſagen; indeß gewähret mir eine Bitte, und ihr könnt lange noch den guten Jungen um euch ſehen.”“ 3 Gräfin.„Willig, mein lieber Graf, 3 denn wer könnte einem ſo theuern Freun⸗ de wohl eine Bitte abſchlagen, beſonders da, wie ihr ſagt, die Gewährung derſelben * wir ein gewünſchtes Vergnügen ver⸗ ſpricht 2 4 8 Arnulf.„Nun ſo bleibt ihr den Winter über bei mir auf meiner väterli-— Hen Aulenburg, theure Graͤfin, de. wißt, Kunigunde bleibt mit ihrem derchen auch, und erſt das kommende 4 Frühjahr ſoll uns wieder trennen. On 8 ein freundlicher Winter ſoll dies werd 8 . und heute ſchon wollen wir von hier auf⸗ brechen.“ — 268— „Heute ſchon? fragte betrübt jetzt eine Stimme neben ihm und Elsbeth hing an 1 Klothildens„und dann an Erwins Lippen um in ihnen, ihren Eltern den erſten Morgenkuß und Gruß zu bringen. „Ja heute ſchon, edle Elsbeth!“ fuhr Arnulf, nachdem zwiſchen Eltern und Toch⸗ ter, die erſten innigſten Umarmungen vorüber waren, fort.—„Iſt es doch euer Wunſch ſchon längſt geweſen, Emman kennen zu lernen.“ Elsbeth.(Mit einem ſtillen Seuf. zer)„Ach ja, ja edler Graf laßt uns ziehen.“ 3 Gräfin.„Wer iſt dens dete Emma, edler Freund? Arnulf.„Die DTahten des feeligen Ritter Ulrichs von Steinbach meine längſt erkieſte Braut.““ Gräſtn.„O das überglückliche Mäd⸗ chen, wie edel und ſchön muß es ſeyn, da des Grafen Arnulf von Baar Herz ihm huldigte. Ja, auch ich brenne vor Degier die Glückliche kennen zu lernen, — 209— und ſchließe mich der Bitte meiner Tochter an, bald nach ihrer Veſte aufzubrechen.“ Und da denn Hermann von Bardenſtein, welcher mit Kunigunde, ſeiner Gattin, und dem kleinen Heinrich auch herzuge⸗ kommen waren, dem Entſchluſſe Arnulfs beiſtimmten, wurde den Knappen zu ſat⸗ teln befohlen. Als aber der alte Meyer die Kunde von dem ſo nahen Aufbruche ſeiner hohen Gaͤſte dernahm, da traten ihm dicke Thräͤnen in die Augen und er ſchmollte recht bitter auf Arnulf, indem er Elsbeth und den kleinen Heinrich an ſich ſchloß:„O, ſo wott ihr mir dieſe beiden Lieben ſchon wieder ent⸗ reißen, harter Herr Graf; hab' ich doch auch ein Recht auf ſie.“““ „Nicht doch, guter Alter; ich will nie gegen dich hart ſeyn und gedenke deinem gerechten Schmerze bald abzuhelfen;“—— entgegnete ihm Arnulf.—„Siehe, du haſt ja jetzt deinen wackern Sohn verheira⸗ thet; lege nun das Regiment uber Haꝛ und Hof in ſeine Hand und ziehe mit au Es ſoll dich gewiß nicht gereuen und du 3434 piſt und bleihſt ſo lange in unſerer Mitte, alg es dir gefallt:’,.. „Da wird, es mir gewiß bis an mein ſeeliges Ende gefallen, meinte der Alte und nahm freudig des edlen Baaren An⸗ erbieten an. „Noch hatte daher die Sonne die Hälfte ihres Laufes nicht zurückgelegt, da trabte ſchon die hohe befreundete Gleve, die herz⸗ lichſten Glückwünſche dem jungen Ehepaare zurücklaſſend, dem Steinbacher Hochhorſte zu. Heiter und munter war ihre Stim⸗ mung und alles athmete Freude und Luſt; in Arnulfs Bruſt aber wuchs, je weiter er kam, die Sehnſucht nach ſeiner geliebten, 5 jetzt gewiß um ihren Vater trauernden Emma. Jetzt hatten ſie die Mitte des Forſtes erreicht, und einen nach der Ausſage des Meyers naheren Weg eingeſchlagen, da vernahmen ſie vielfache, ihnen entgegenkom⸗ mende Huftritte, und ſetzten ſich, beſon⸗ ders weil Elsbeth in dem Andenken an das ihr gerade hier ſchon einmal begegnete Un⸗ glück angſtvoll zitterte, die Frauen und den Meyer in die Mitte zwiſchen ſich und dHᷣ die Knappen nehmend, kampffertig. Aker wie angenehm wurden alle, beſonders Ar⸗ nulf überraſcht, da, weiter vorgeritten, er ſeine Emma in der Mitte zwiſchen Vater Heino und ihrem Bruder Heinrich und hin⸗ ter dieſen ſeine Schweſter Ida mit Tankret von der Adlershöhe erkannte, die eben ab⸗ ſaßen und auf ein ſteinernes Kreuz zu⸗ traten. „Gott meine Emma, mein Vater und meine Schweſter!“ rief außer ſich vor Freu⸗ de unſer Held, und in dem nächſten Au⸗ genblicke ſchon lag Emma an ſeiner Bruſt. „O mein Arnulf, wie lange ließeſt du mich nach dir ſehnen!“ rief das überglück⸗ liche Mädchen.„Und ach mein guter Va⸗ ter!“— fuhr ſie ſchluchzend fort. „Laſſ' ihn ruhen, den Edlen, meine theure, meine einzige Geliebte! Seine Freude über das Glück ſeiner Kinder iſt jenſeits deſto reiner!“— tröſtete unſer Held und ſeine Lippen hingen mit ſehn⸗ ſuchtsvoller Wonne an Emmas Roſenmund Dann ubergab er ſie zum Schweſterbund an Elsbeth, die Gräfin und Kunigund 146 — 212 und warf ſich unter dem Ausrufe:„Will⸗ kommen theurer Vater, wirſt du auch jetzt ſchon mit den Thaten und dem Handeln ddeeines Sohnes zufrieden ſeyn? an des ge⸗ rührten Heinos Bruſt. 4 Mit väterlicher Herzlichkeit umſchlang ihn dieſer und bewies mit einem innigen Va⸗ terkuſſe, wie ſehr ſich ſein Sohn durch ſei⸗ ne ihm von Tankret ſchon litaneiten, edlen Thaten, ſeine väterliche Liebe und Achtung erworben habe. „Ruhe nun, mein edler Arnulf!““ hob er an.—„Du haſt den Ruhm deines Stammes trefflich erneuet und bewieſen, daß du der Ahnen der Baaren würdig biſt! Doch ſiehe, hier harren deiner noch zwei offne Arme.“ Und„meine gute, liehe Schweſter!“ rief Arnulf und Ida lag an ſeiner Bruſt, Thränen der Freude und ſchweſterlichen Liebe weinend. 8 „Dieſe alle mir ſo theueren Geliebten jetzt ſchon zu ſehen, habe ich aber gewiß dir zu danken, edler Bruder! denn dieß war ſicher die Veranlaſſung zu deinem fru⸗ 8 — a3— heren Abzuge von dem Ehrenberge!“— fuhr er zu Tankret fort, zog ihn zu ſich in die Umarmung ſeiner Schweſter und ſagte dann ſtiller:„Gewiß hat euch und eure Minne unſer Vater ſchon geſegnet?“ „Ja er hat es, edler Freund und Bru⸗ der!“ rief Tankret außer ſich vor Freude, und während der alte Heino von allen Ue⸗ brigen aufs ehrerbietigſte, als der Vater ihres Retters und Beglückers bewillkommt wurde, genoſſen die drei edlen Geſchwiſter in der Hoffnung der nahen Vollendung ih⸗ res Gluͤckes ſchon den reinſten Vorgeſchmack deſſelben. 4 Dann aber wurde die holde Ida von allen Frauen umarmt, als die Schweſter Arnulfs innig geliebt und ebenfalls um ihre ſchweſterliche Liebe gebeten, die das gute Maͤdchen um ſo herzlicher zuſicherte, als ſie überzeugt war, daß in den Freun⸗ dinnen ihres Bruders ſie nur Sdle ihres Geſchlechtes darum baten. Auch Heinrich, der junge ſattlche Steinbacher empfing Arnulfs herzlichen Bruderkuß und Dank, daß er ihm Emma — 214— ſo getreulich bewahrt habe und Hermann von Bardenſtein wie Erwin von Greifen⸗ klau baten ihn um ſeine brüderliche Freund⸗ ſchaft. Selbſt der alte Meyer wurde nicht vergeſſen, ſondern dem Vater Heino als ein würdiges Mitglied ihrer Geſponn⸗ ſchaft von unſerm Arnulf vorgeſtellt und empfing von jenem die Verſicherung der theilnehmendſten Freundſchaft und Achtung. „O Gott, wie lieb mußt du mich haben, da du mir in meinen alten Tagen noch ſolche Freude ſchenkſt!“ rief entzückt und bis zu Thränen gerührt der gute Alte und fand ſich für die an Elsbeth und dem kleinen Heinrich geübten Wohl⸗ thaten und menſchenfreundliche Liebe aufs herrlichſte belohnt. „Jetzt laßt uns ſehen Kinder, was dieſes ſteinerne Kreuz hier bedeutet!““ hob Vater Heino an und bat, da auf das Piedeſtal Worte eingegraben waren, ſie zu leſen, falls Jemand unter ihnen ſei, der ſie entziffern könne, beſonders, da, wie ihn der junge Steinbacher vorhin — 215— ſchon verſicherte„ das Kreuz früher nicht in dieſem Forſte geſtanden habe. „O meine Elsbeth kann es leſen rief der alte Meyer.„Ja durch deine Güte, theurer Pflegevater!“ war die Ant⸗ wort des Greifenklauer Fräuleins mit der ſie beſcheiden hervortrat und zum Erſtau. nen Aller Folgendes las: „Hier fielen durch den edlen Daar Die Dirnenräuber Duren Und der Aar Gott den Suͦ ndern noch baümnhemig war. 5 1 2 1 2. „Wer hat dieſes Kreuz Jhier ſeten laſſen? fragte Heino gerührt und er⸗ ſtaunt, und alle ſahen ſich verwundernd einander an; doch Arnulf dachte, da ſelbſt Heinrich von Steinbach feſt⸗ verſicherte, daß er das Kreuz heute zum erſtenmale ſehe, dankbar an ſeinen Ahnengeiſt Boh⸗ ſchoön er nicht begreifen konnte wie dieſem auch ſolch ein Werk möglich war und rief begeiſtert:„Wie ſchön wußte es die Vorſehung zu fügen, daß hier gerade an der Stelle, an welcher meine ritter⸗ — 216— (iche Fahrt begann, ſie auch wieder ſo herrlich und beglückend enden ſollte!! Sein Vater, wie alle warfen ſich dem edlen Helden noch einmal in die Arme und Emma liſpelte ihm zu:„Hier haſt du mich gerettet theurer Arnulf!“ „Ja dich ewig beſitzen zu können.“ erwiederte er entzückt und ſeine Lippen gruben ſich in die ihrigen, da legte der gerührte Vater ſegnend ſeine Hände auf ihre geneigten Häupter und rief:„Gott fegne eute Liebe meine Kinder, denn er hat ja Euch auch fuͤr einander beſtimmt!“ Dankbar warfen ſich beide an Heinos Freudewogende Vaterbruſt und gerührt Auge entquoll eine Thrane der Freude, von Herzen Emman ihre Liebe geopfert. Nun aber beſtieg man auf Heinos er⸗ mahnende Pitte wieder die Roſſe, um noch vor dem Einbruche der Racht die ſchloß ſich an das von ihm zunächſt ge⸗ ſtanden alle umher, ſelbſt Elsbeths blauem denn ihr edles Gefühl hatte geſiegt und Peſte Steinbach zu erreichen. Jeder — 217— liebte Weſen an. Vater Heino nahm mit ſeinem heldenmüthigen Sohne Em⸗ man wieder in die Mitte um dieſer ſeine väterliche Liebe noch oft zu beweiſen und ſeinem Sohne auf deſſen Fragen nach ſeiner guten Mutter Rede und Antwort zu geben. Tankret mit ſeiner Ida folg⸗ ten dieſen zunächſt, an ſie ſchloß ſich Elsbeth mit Heinrich von Steinbach, der ſo lange vergeblich nach dem edlen Mäd⸗ chen umhergeſpäht hatte und die von dem erſten Augenblicke an, in welchem er ſie ſah, ſeinem Herzen nicht gleichgültig war: dann kam Hermann mit ſeiner Kunigunde und der gutherzige Meyer mit dem klei⸗ nen Heinrich ſchloß den befreundeten Zug, welcher von den munter nachtrabenden Knappen und Knechten zu einer ſtattlichen Gleve erhoben wurde. „Mit dem einbrechenden Abende tang⸗ ten ſie unter freundlichem Geſprächſel auf der Steinbach, in welcher das durch den Brand beſchädigte Gebäude wieder ſchöner als zuvor hergeſtellt war, an und ſtiegen ſogleich die Pfalz hinan, um jetzt in dem ——ͤ——— — 218— Gelaggaden den Willkommsbecher zu leeren und Ahren ſchon geſchloſſenen allgemeinen Freundſchaftsbund bei vollen Humpen zu bekräffigen. Zwei Tage durchlebten ſie hier in der reinſten Freude, doch wurde auch dem theuern, entſchlafenen Vater Ullrich in der Kapelle eine Thräne des kindlichen 5 Andenkens von allen geweiht, da auch. die, welche den edlen Greis nicht kannten, ihn in ſeinen Kindern liebten und ehrten. Mit dem Morgen des dritten Tages aber bat Vater Heino alle, ihm nun nach der Aulenburg zu folgen, wo die gute Mutter Ida ihrem Sohne ſehnlich entgegenharre, um ihr wie ihm die hohe Freude zu gewähren, dort den ganzen Winter zuzubringen. Und um ſo freu⸗ diger willigten alle in des guten Vaters Bitte, als ſie ſchen zum Voraus in der Aulenburg den Geburtsort ihres edlen Retters und Beglückers liebten. Ssutht Glücklich langten ſie an, der laukerſte Jubel empfing ſie und Heinos Gattin genoß die Freude nicht allein von ihrem . 8 — 219— Heldenſohne, ſondern von allen in kind⸗ lichen Umarmungen die gute, geliebte Mutter Ida genannt zu werden. Auch ihr wurde die wiederholte Er⸗ zählung aller und jeder edlen That ihres Arnulfs und ſie liebte in den durch ihn. Geretteten und Beglückten mit wärmſter— Mutterliebe ihre Kinder. Beſonders Emma, als die künftige Gattin ihres Sohnes war ihr theuer und ſie hatte viel zu thun, Jedem mit mütter⸗ . licher Sorgfalt einen freundlich bequemen Gaden als ſein eigen für dieſen Winter 8 herzurichten. Bald waren alle angewohnt und unter den lauterſten Freudengenüſſen waren den ritterlichen Freunden und Freundinnen 8 hier auch wieder zwei glückliche Tage ver⸗ ſtrichen und eben ſaßen an dem Mittage des dritten Heino, Erwin, Hermann, Tankret, der alte Meyer und Arnulf im traulichen Geſprächſel beim Humpen und hatten ihre Seſſel ſchon recht nahe an das * eingeheizte Kamin gerückt, denn draußen blies ſchon ein kalter Nord, ſchüttelte d — 220— letzten gelben Blätter von den Eichen des Hochhorſtes und drückte das ſchon tief geſunkene Haupt der einſchlafenden Natur vollends nieder; da öffnete ſich plötzlich die Thüre des Gelaggadens und herein trat feſtlich gekleidet und geſchmückt die Gräfln, gefolgt von den vier Schweſtern Kunigunde, Elsbeth, Emma und Ida. Freundlich neigten ſich alle vor den Zechenden und ſchritten dann auf Arnulf zu. „Edelſter Freund— hob die Graͤfin zu ihm an, nachdem ſie den jetzt erſt ſicht⸗ bar gewordenen kleinen in die Farbe der Unſchuld gekleideten Heinrich an dem Ueberraſchten heraufgehoben hatte— „nehmt als einen Beweis unſerer Dank⸗ barkeit, Freundſchaft und Liebe zu euch, unſerm heldenmüthigen Retter und Be⸗ glücker dieſes kleine Andenken, welches dieſer unſchuldige Engel für uns euch reicht, willig von ihm an und bleibt uns ewig ſo gut, wie zeither.“ uUund wahrend dieſen Worten der Gräfin ſetzte der Kleine unſerem Arnulf, eine — 221— güldne, ſchöngeformte Krone, durch deren weitgebrochene Arbeit himmelblauer Sammt hervorſah, auf welchem mit edlen Steinen ebenfalls die drei Worte:„Dankbarkeit, Freundſchaft, Liebe aufgeſtickt waren und in wunderſchönen Farbenblitzen ſpielten, auf ſein unbedecktes, blondgelocktes Haut, um⸗ fing ihn mit ſeinen Aermchen und küßte ihn auf ſeine hohe Stirme. Entzückt von dem ſchönen Beweiſe ihrer Liebe, wollte eben Arnulf, nachdem er den Kleinen recht innig geherzt hatte, der Gräfin Hand küſſen, da warf ſich Emma in ſeine Arme und lößte ihm unter den Worten:„Habe Dank, edler, theurer Arnulf! denn nun bedeckt der ſchönſte Ehrenkranz dein Haupt, und mit ihm iſt dein Gelübde gelößt!“ die güldene Kette von ſeinem Bruſtharniſche. „O, unendlicher Dank dir, du gute, theure Seele!“ rief Arnulf, umfing ſie, grub ſeine Lippen in ihren Roſenmund und die llebrigen ſchloſſen einen Kreis um das ſchöne, edle Paar, da ertonte plöt — 222— lich wieder die freundlichſte Muſik in dem Gemache und ſteigerte ihre Töne zu ſo liebreich zarten Lauten, als wolle auch ſie die innigſte Rührung und wärmſte Dank⸗ barkeit ausdrücken, ja mit ihrer Engels⸗ harmonie die ſeelenvollſte Wonne in jedem Herzen erwecken, und alle in Eines ver⸗ ſihmelzen. Thränen glänzten in jedem Auge, und alle hingen mit fragendem Blicke an Ar⸗ nulf, welcher jetzt, da das Getöne geen⸗ digt hatte, begeiſtert ausrief:„Ja theu⸗ rer Geiſt ,ich verſtehe dich! auch du woll⸗ teſt mir danken und ich bin dir doch ſo unendlichen Dank ſchuldig!“—„Freun⸗ de,— fuhr er aber nach einer Pauſe zu den verwundert ihn Anſtaunenden fort— „ſtört euch nicht an dem Gehörten, dringt aober auch nie in mich, denn ich habe zu ſchweigen geſchworen, und laßt es euch genug damit geſagt ſeyn, das es ein gu⸗ tes höchſt unglückliches Weſen iſt, welches ſeine Harmonie aber, nur ausdrückte, nich es nicht hinter eurem e len Dank⸗ — — 229 gefühle für die durch mich ihm nun bald vollendete Erlöſung zurückbleiben wolle.“ „O kann ein Menſch ſo edel ſeyn, wie du?“ riefen alle und warfen ſich an ſeine Heldenbruſt, um ſie mit Thränen der Rührung und der Liebe zu benetzen. „Welche hohe Freude gewähret es dem Vaterherzen, einen ſolchen Sohn zu be⸗ ſitzen!“ rief Vater Heino jetzt und drückte mit väterlicher Innigkeit den gekrönten Ar⸗ nulf au ſeine Bruſt; auch die gute Mut⸗ ter Ida war herbeigeeilt, und fiel ihrem Sohne in die Arme. „Nun da wir eben jetzt ſo freundlich beiſammen ſind und ihr mich auf meine Thaten, die im Grunde doch nichts ande⸗ res, als die Erfüllung meiner ritterlichen Pflicht ſind, ſo ſtolz macht, will ich much auch noch eines Auftrags von unſerm edel⸗ ſten Kaiſer, an euch, meine theuren El⸗ tern, dich meine Emma und euch alle, meine lieben biedern Freunde entledigen!“ begann Arnulf, und fuhr dann fort:„dir mein edler Vater ſoll ich in ſeinem hohen Namen kunden, das es ihn gefreut habe, 4*½ wieder etwas von ſeinem tapferen Kampf⸗ genoſſen in Italien durch mich, deinen Sohn, gehört zu haben; dir gute Mut. ter ſoll ich dieſes Goldkreuz, ſtatt ſeiner, um den Hals hängen, mit der Bitte es als Beweis ſeines kaiſerlichen Dankes dafür, daß du mich gebahrſt anzunehmen; an dich mei⸗ ½ ne theure Emma aber gab er mir dieſen Kuß* 3 auf deine Stirne, als Beweis ſeiner war⸗ men Theilnahme an unſerer Liebe mit und endlich an euch meine Freunde und 4 Freundinnen alle, läßt er durch mich ſei⸗ 3 ner beſondern kaiſerlichen Liebe und Huld 4 verſichern.— Jetzt laßt uns dieſen Abend zum Hohne des ſchon ſo froſtig außen to⸗ benden Sturmes recht mit der wärmſten Freude zubringen.“ „ SO nicht nur dieſen, ſondern alle Winter⸗ abende, müſſen ſo von uns verbracht wer⸗ den!“ rief der glüͤckliche Vater und die holde Gräfin Klothilde wußte alsbald der gan⸗ zen Geſponnſchaft mit der ihr eignen Ge⸗ wandtheit die froheſte Laune abzugewinen. So wurde denn auch dieſer Abend recht 4 fröhlich verbracht und nach Vater Heines — 225— Wunſche reihten ſich an ihn mit gleichem Frohſinn und Luſt alle übrigen Winter⸗ abende an. 8 Am Tage arbeiteten die Frauen, beſon⸗ ders die Gräfin an ſchönen, ſinnig und paſſend gewählten Geſchenken für Arnulf, Vater Heino, Mutter Ida und den gut⸗ herzigen, alten Meyer, und griffen die jungen Dirnen Mutter Ida in ihrem Haushalte unter die Arme. Die ritterli⸗ chen Freunde aber beſchäftigten ſich mit Jagen in dem Wildpretreichen Wald, oder ſaßen unter traulichem Geſprächſel bei dem vollen Humpen, oder ſchloßen ihre gelieb⸗ ten Dirnen in reiner Minne in ihre Ar⸗ me und neckten und ſcherzten gutmüthig mit ihnen auf den fuͤr ſie abgetheilten und eingerichteten Zimmern. Kam aber der Abend, ſo verſammelten ſich alle in dem Gelaggaden, und die fröhlichſten Stunden wurden verlebt und ſchienen dieſe auch je einſchläfern zu wollen, ſo wußte Arnulf mit der Gräfin Klothulbe ihnen gleich wie⸗ der neues Leben zu geben, und alle und 15 jede Unterhaltung mit ſinnigem Geiſte zu würzen. Die Gräfin wußte ſch eine Harfe zu verſchaffen und überraſchte die Freunde und Freundinnen mit ihrem vollendeten Spiele, wie ſie dieſes in Italien erlernt hatte. Idas ſchönes Abendlied wurde nun nicht ſelten geſungen; Arnulf und Tankret, wie Hermann, Heinrich und Erwin ließen ſich gerne zum Mitſingen anhalten und die Stimmen wurden melodiſch unter ſie und die Freundinnen von der muſikaliſchen Grä⸗ fin vertheilt; ſie ſelbſt aber griff dann ſo rührend zu dem Geſange in die Saiten, daß Vater Heino und Mutter Ida wie der geliebte, gutherzige Meyer oft Thränen vergoſſen. Auch der kleine Heinrich erhielt ſeine Stimme und mußte noch oft der Grä⸗ fin bei der Ueberreichung ihrer fertigen Ge⸗ ſchenke zum lieben Engel dienen. Wer meiner lieben Leſer ſollte nicht glau⸗ ben, daß dieſem edel befreundeten, ritter⸗ lichen Zirkel der Winter gleich einem ſchö⸗ nen Traume verfloß; ja, daß er, als die erwärmende Schneedecke ſchon wieder von ſtein zu Erwin von Greifenklau und — 227— den hohen Bergen ſchmolz, ſich nicht ein⸗ mal den eiſigen Nord heulen gehört und das gefrorne Schneegeſtöber an die kälte⸗ glitzernden Burgſcheiben gepeitſcht geſehen zu haben, erinnern konnte, und er ſich dieſe winterlichen Scenen wieder zurück⸗ wünſchte um ſie noch einmal ſo ſchön und lieblich verträͤumen zu können. Jetzt iſt es doch Zeit, daß wir wieder einmal nach unſern Burgen ſehen!“ hob, nachdem er eben zum Fenſter hinaus ge⸗ ſchaut und ſchon hie und da ein grünes Gräschen in der allmählig erwachenden a⸗ rich von Steinbach an, un denn der Frühling ſchon?⸗ nigunde betrübt.“ Hermann.„Ha holdes Weibchen, ſiehe die kahle Erde fangt ſchon an, ſih 15* 83* hie und da mit den Vorboten ihres bald grünenden Teppichs zu ſchmücken.““ Heino.„Nun hiederer Geſponn, laßt ſiie auch grünen die Erde, laßt ſie auch mit dem bunteſten Bluntanſchmelze ſchon bedeckt ſeyn, was hat dieſes fuͤr unſer fröh⸗ liches Zuſammenſeyn für einen andern Ein⸗ macht und uns gönnet, unſere Abendzirkel im Freien deſto munterer halten zu kön⸗ . nen? Hermann.„O edler Vater, ich und mit mir gewiß jedes Mitzlied unſeres Zir⸗ kels würde gerne ſein Lebenlang bei euch bleiben, aber ſehet, weshalb hätten denn auch wir Burgen und unſere Vaſallen in uns ihre ſie ſchützende und rechtende Herrn?“ peino.„Ja, ganz recht; ich will euch auch nicht abhalten, jetzt einmal heimzu⸗ v ber das hat auf meine fernere Gaſtfreund⸗ aft keinen Einfluß. Ihr kehret bald eder und könnt dann nach geraumer Zeit ede einmal nachſehen.“ fluß, als daß ſie es nur noch freundlicher iehen und nach eurem Eigen zu ſehen; mann.„O ſo würdet ihr uns zu — — 229— beſtändig fahrenden Rittern machen. Seht 3 jeder Zugvogel ſehnt ſich wieder nach ſei⸗ nem alten Neſte, ſo ergeht es auch uns. Der Winter iſt nun bald vorbei und wir ziehen heim. Waren ja lange genug eure frohe Gäſte und nun iſt es auch unſere Pflicht, an euch das Gaſtrecht zu üben, ziehet ihr deshalb lieber mit uns.“ 3 Heino.„O habt keine Sorge; ich I komme auch noch zu jedem von euch— ſo 8 mir Gott das Leben erhält— doch für 3. jetzt ſeyd und bleibt ihr meine Gäſte und 4 zwar ſo lange als es euch gefallen wird. 1 Auf jeden Fall aber muß es euch ſo lange gefallen, bis der Trauungstag meines Ar⸗ nulfs und meiner Ida vorüber iſt, denn ruher geb ich euch euere holden W ibchen — nicht los.“ 3 Hermann und Erwin.(Zugleich) „Nun topp, dabei ſoll es bleiben.“ Heino.„Iſt nur ſchade, daß nicht noch ein Päaͤrchen iſt, dann waͤre doch die 8 heilige Zahl voll und ſo einen dreifachen Ho zeitstag möchte ich eigentlich wünſchen. Habe immer geglaubt ihr Heinrin Denhdet am die ———— — 230— ſchöne, gute Elsbeth minnen, aber es ſcheint der Sonnenſtrahl der Liebe will euch nicht treffen.“. Heinrich.„Hm, guter Vater, wißt ja doch nicht, was zeither zwiſchen unſern Herzen vorgegangen ſeyn könnte.“ Heino.„Wie ihr hättet mich, trotz meines aufmerkſamen Beobachtens dennoch hintergangen und mir und uns allen ſo lange die Freude entzogen, zu wiſſen, daß ſich drei liebende, ſehnende Pärchen in unſerem Zirkel befinden? Wartet das ſollt ihr mir gleich büßen! Wo iſt doch das Blitzdirnchen?“ Erwin.(Zu der eben eintrenden Els⸗ beth).„Da kommſt du ja wie gerufen, meine Tochter!“ Heino.„Aber liebe, ſchöne Elsbeth, was mußte ich eben erfahren; ihr wollt den Schleier nehmen?“ Elsbeth. GBetroffen).„Ich?“ Heino.„Ja, ja eben ihr, die ſchöne Elsbeth, oder irre ich mich und haben es eure Eltern ſo für euch beſtimmt?“ Elsbeth.(Weinend an Erwins Bruſt). „O mein Vater iſt dieſes wahr?“ Heino.„Nun mein Spaß hat ſchon ein Ende, denn da fließen ja ſchon die verliebten Thränen; muß es nur wieder gut machen, damit ihr mir nicht böſe wer⸗ det.(Indem er Heinrich auf Elsbeth zu⸗ führt).„Hier ſchönes Fräulein bringe ich euch den Schleier ſelbſt!— Ich habe doch nach eurem Herzen gewählt?““ Elsbeth.(An Heinrichs Bruſt ſich ver⸗ bergend.) Ach guter, böſer Graf!“ Heino.„Nun will gleich wieder alles ganz gut machen! Kommt Erwin gebt den Kindern euern Segen, den meinigen ha⸗ ben ſie ſchon lange.“ Erwin.(Die Feſtumſchlungenen um⸗ ſchlingend).„Werdet glücklich meine Kin⸗ der und liebt euch ewig treu!“ 3 Heino. Nun ſchöne Elsbeth ein 18 jetzt nicht wieder ganz gut.“ Elsbeth.(Zu Beimrchh.„Darf guter Heinrich?“ Heinrich.„Gewiß, er iſt ja edler Vater.“ 3 — 232— Elsbeth.(Sich Heinon in die Arme werfend und ihn kuüſſend).„Ja ein recht guter, lieber Graf und Vater ſeyd ihr.““ Heino.(Sie wieder küſſend).„Und gutes Töchterchen.— Doch kommt jetzt, ich will euch zu eurer edlen Mutter Klo⸗ thilde führen, damit auch ſie ihren mütter⸗ lichen Segen euch ſpende.“ de ihnen entgegen, auch zum Gelaggaden herein. Heino.„So eben wollten wir euch aufſuchen, holde Gräfin?“ KI othilde.„Weshalb mein edler Heino.„Um euch um euern mütter⸗ lichen Seegen fuͤr eure ſchöne Tochter und ihre Minne zu dieſem ſtattlichen Ritter, Heinrich pon Steinbach, zu bitten. Klothilde.„Wie meine Elsbeth, du wollteſt dich jetzt ſchon, da ich dich kaum erſt mein eigen nennen kann, wie⸗ der von mir trennen?“ ihr ein allerliebſtes Nönnchen, mein gutes, Und eben wollten ſie dem voranſchreiten⸗ den Vater Heino folgen, da trat Klothil⸗ — — 283— Elsbeth.(Sich an Klothilden ſchmie⸗ gend).„O meine theure Mutter, dies war der einzige Grund weshalb ich dir meine Liebe zu Heinrich noch geheim hielt; ich wollte dich nicht betrüben.“ Heino.„Nein, nein, edle Gräſin, dadurch ſollt ihr auch nicht von eurer Els⸗ beth getrennt, ſondern gerade noch enger und näher an ſie und uns alle gekettet werden; denn Greifenklau liegt weit von hier entfernt, eurer edlen Tochter zukünf⸗ tige Burg, die Steinbach aber liegt kaum einen halben Tagritt von meiner Aulen⸗ burg und wenn ihr mir eine Bitte ge⸗ währen wollt, ſo ſpendet euern Mutter⸗ ſegen über dieſes edle, ſchöne Paarz denn dann bekommen wir einen dreifachen Hoch⸗ zeitstag./4 Klothilde.„Nun es ſei, um eurer Bitte willen, edler Freund und Vater. — Lebt glücklich meine Kinder und liebt euch ewig ſo treu, wie jetzt.“ 3 Mit der zärtlichſten Innigkeit umarm⸗ ten die beiden Liebenden jetzt ſich und dann ihre Eltern, Vater Heino, Mutter welche alle auf den erhobenen Freudelärm Heinos herzugeeilt waren. Auch der gute Meyer ſegnete ſeine geliebte Pflegetochter und Arnulf freute ſich im Stillen recht herzlich über die ſo glückliche Wendung von Elsbeths Leidenſchaft. „Jetzt friſche Humpen, liebe Ida! denn Elsbeths Verlobungsfeſt muß recht fröhlich heute gefeiert werden, hob von neuem Vater Heino an— und dann möget ihr morgen nach euern Burgen ausziehen—“ fuhr er zu Hermann, Heinrich und Erwin fort—„um zu ſehen ob alles noch im guten Stande iſt, Auch du Tankret magſt gen Eberſtein ziehen und dort alles nach deinem Wun⸗ 4 ſche herrichten kaſſen, denn dieſe Veſte gebe ich dir mit meiner Ida als dein Eigen. Eure holden Weibchen und Bräute laßt ihr aber alle zum Unterpfande hier, daß ihr euch zur Rückkehr ſpuden wollt; denn DSt. Georg, als der Tag, an welchen ich dieſe Veſte, meine Aulenburg, von Ida und ihre Geſchwiſter und Freunde, unſerm ſeligen Kaiſer Heinrich zum Eigen — — 255— bekam, und an welchem vorigen Jahres mein Arnulf ſeinen Ritterſchlag erhielt, ſei auch als euer Trauungstag feſtgeſetzt.“ Alle freuten ſich hoch über des gütigen Vaters Worte, verſprachen ſeinen Willen zu befolgen und die Bräutigame wie die Bräute herzten und küßten ihn dankbar für die Feſtſetzung des Tages, der ſie an das Ziel ihres längſt erſehnten Glückes bringen ſollte. Bis tief in die Nacht erfüllte lauter Jubel die Burg und Kunz ſagte zu Kaſper:„Nun traun, wenn dies ſo fort⸗ gehet, bekommen wir alle noch Bräute und die Verlobungen und Hochzeitsfeſte nehmen kein Ende. Die Fäſſer aber wer⸗ den bald alle ſchon leer— griff jedoch dennoch wacker zum Humpen. Erſt mit dem Mittage des andern Tages aber zogen Erwin, Hermann, Hein⸗ rich und Tankret, nachdem ſie herzlichen Abſchied von ihren Weibern und Brauten genommen hatten, mit ihren Knappen und Knechten burgaus und nun wurde es ſtiller auf der Aulenburg und die Stun⸗ — 2356— den durch die Sehnſucht nach der baldigen Rückkehr der Ausgezogenen mächtig ge⸗ dehnt. Indeß beſchäftigte die Herrichtung des Brautſchmuckes die weiblichen Hände und da ſchon nach wenig Wochen mit der Zu⸗ rückkunft Heinrichs und Tankrets die ſeh⸗ nende Brautpaare wieder beiſammen waren, wurde es auch wieder fröhlicher. Jetzt war ſchon der letzte Schnee in dem Waldbache fortgeronnen und hatte den nahen Fluß verſtärkt; ſchon ſchim⸗ merte des Abends am weſtlichen Horizonte ein mildes Roth und eine laue feuchte Südluft umwehte die Wangen der im Zurggarten wandelnden, liebenden Pär⸗ chen; ſchon auch war Au und Hain er⸗ grünt und bis zu dem heiligen Georg nur noch ein halber Monden; allein im⸗ mer noch war Hermann und Erwin nicht zurück. Unruhiger Harrten jetzt afle, beſonders aber Klothilde und Kunigunde auf die Wiederkehr ihrer Gatten. Noch eine Wooche verſtrich und es ſammelten ſich –– ———— 4 — 237— ſchon Thränen in den früher ſo heiteren Augen der Gattinnen und angſtvoll ſeufz⸗ ten die Bräute; ja Vater Heino hob endlich ſelbſt eben an:„Wo auch die Beiden ſo lange bleiben; iſt doch heute über acht Tage das feſtgeſetzte Ziel und ſie ſind noch nicht zurück?“ da blies ur⸗ plötzlich der Thurmwärtel in ſeine Hippe und Erwin ſprengte über die Zugbrücke burgein.. „Aber warum ſo allein, mein biederer Freund?“ fragte Arnulf, Kunigundens Schrecken bemerkend, noch ehe der jetzt Eintretende zum Worte kommen konnte. „Hermann wird bald nachkommen! Wir waren in Worms beim Kaiſer und wurden durch deſſen Güte ſo lange auf⸗ gehalten. Ich jagte deshalb voraus um euch von etwaiger unnöthiger Sorge we⸗ gen uns zu befreien!“ erwiederte Erwin, ſchloß ſeine Klothilde und Elsbeth in die Arme, leerte dann mit Vater Heino, Heinrich, Tankret und Arnulf den Will⸗ kommsbecher und litaneite, wie er ſowohl als auch Hermann alles in der ſchönſten 2 1 — 238— Drdnung angetroffen und ſie von dem Kaiſer ſo freundlich empfangen worden ſeyen; ſagte auch Arnulf im Vertrauen, daß der edle Monarch ſchon in ſeine Bitte wegen des kleinen Heinrichs gewilligt habe und Hermann mehrere Aufträge von dem Kaiſer hierher mitbringe, deren Inhalt er jedoch nicht wiſſe⸗ Ruhiger und ſanfter, denn ſeit mehre⸗ ren Wochen lößte heute der Schlaf wie⸗ der die Glieder der Bewohner der Aulen⸗ burg in erquickende Ruhe auf. Nur Ar⸗ nulf wälzte ſich eine Zeitlang in dem Gedanken, was Hermann wohl vom Kaiſer bringe, unruhig auf ſeinem Schra⸗ gen umher, ehe er endlich einſchlummerte um mit der Geburt des jungen Tages von einer ſeinen Namen zu dreien Ma⸗ len freundlich rufenden Stimme wieder ge⸗ weckt zu werden. Er ſah auf und der Geiſt fanss Ahnen ſtand, von dem lichteſten lauterſten Glanze umfloſſen, vor ſeinem Schragen. „Zum letztenmale, mein edler Arnulf —— ſiehſt du mich jetzt— hob er an—„, 5 laſſe es dich daher nicht gereuen in deinem Schlafe geſtört zu werden, ſondern nimm freundlich meinen innigſten, heißen Dank für deine edlen Thaten von mir an. Mächtig nahet meine Erlöſung, nur noch wenige Tage und ich gehe zur ewigen 3 lang erſehnten Ruhe ein um mit meiner Adeline und ihren Brüdern vereiniget zu ſeyn. Schon jetzt herrſcht keine Spur mehr von Haß zwiſchen uns, denn dein Edelſinn 4 hat uns verſöhnt. 2 Dein Lohn für deine edle Thaten wird dieſſeits noch wie jenſeits deine Erwartung überſteigen; doch um dir die Freude der Ueberraſchung nicht zu rauben, will ich, was dir zunächſt Erfreuliches begegnen wird, übergehen, und dir nur die Zukunft ent⸗ hüllen.— 1„Du wirſt mit deiner Emma drei Söh⸗ 4 ne und eine Tochter erzeugen. Dem Ael⸗ 8 teſten, den du nach mir und dir auch wie⸗ der Arnulf nennen magſt, gib dieſe deine Aulenburg zum Erbe; er wird dir gleich — 240— werden an Edelſinn und Muth und den Nuhm unſeres Stammes herrlich erhalten unnd erhöhen; er ſey dafür auch der Letzte der meine unſeelige Wanderung von dir erfährt. Deine beiden, anderen Söhne, werden dir ebenfalls viele Freuden gewäh⸗ ren und ihnen gebe die Burgen, die du bald als eigen bekommſt; auch ſie werden treulich zur Verbreitung unſeres Helden⸗ ſtammes beitragen. Deine DTochter aber wird in reine Liebe zu dem jetzt noch kleinen Heinrich von Grei⸗ fenklau erglühen und gib ſie ihm auch wil⸗ lig zur Gattin, denn in dem Jungen ſchlägt ein mildes und höchſt edles Herz. Auch deine Schweſter Ida wird in Tankrers Ar⸗ men glücklich leben, aber nur einen Sohn und drei Töchter gebähren, welche letztere deinen Söhnen zu blühenden treuen Gat⸗ tinnen heranwachſen werden und von denen die Aelteſte nach meinem Willen Adeline genannt werden ſoll; ſie wird auch deines älteſten Sohnes treues Weib werden. Hein⸗ rich von Steinbach aber wird mit Elsbeth nur einen Sohn und eine Tochter erzeugen, — 244— die ſich mit den beiden Kindern Hermanns von Bardenſtein verſchwiſtern werden. „Du wirſt ein hohes Alter mit deiner Emma erreichen, und eben ſo wie dein Vater und Mutter deine Kinder noch auf ihren Knieen wiegen, auch noch deine En⸗ kel ſegnen. Das Band der Freundſchaft und Liebe wird immer um euch geſchlungen bleiben und kein Unglück wird eure Tage trüben. Selbſt die durch dich wieder ver⸗ einigten Gatten, Erwin und Klothilde, werden noch lange eure Zirkel vermehren und mit euch in Freude und Luſt ihre Tage verträumen. Bis auf deine Enkel wird euer eng geflochtener Freundſchaftskranz blühen, dann aber wird er ſich allmählig auflöſen. „Du willſt nun noch wiſſen, ob du dei⸗ nen Vater wie deinen Freunden meine Lei⸗ densgeſchichte mittheilen darfſt.— Ja bie⸗ derer Arnulf mit dem Segen des Prieſters über deinen Ehebund mit Emma von Stein⸗ bach biſt du deines Schwures, zu ſchwei⸗ gen, entbunden; doch brauche ich dir nicht zu ſagen, daß außer den dir zunächſt Ver⸗ 16 242— wandten keiner mit dem Schickſale eines Ahnen deines Stammes bekannt zu ſeyn nöthig hat; deine jetzt hier verſammelten Freunde aber dürfen deſto eher meine un⸗ ſeelige Wanderungen wiſſen, als ſie alle Abkömmlinge von denjenigen Familien ſind, welchen ich während meinen letzten Lebens⸗ jahren unrechtmäßig Schaden zufügte, wes⸗ halb ihnen denn auch mein Augenmerk und mein Schutz, ſo wie der deinige auf dei⸗ nen Fahrten werden mußte. „Jetzt noch eins, wiſſe es lebt auch noch ein Nachkömmling von dem Knappen, der ehemals mein Wappner war. Er iſt der alte Knecht, durch welchen es Heinrich von Steinbach möglich wurde, die Kunde von dem Gefängnißorte ſeiner Schweſter, deiner Emma, zu erhalten, und den dein Knappe Kaſper in dem Walde tödten wollte. Er weiß um mich, iſt auch von mir gebeſſert worden und dient mir zeither vielfach zum Werkzeuge meiner Thaten, denn er iſts, der den kleinen Heinrich, Kunigundens Brüderchen, pflegte und nach dem Meyer⸗ hofe wieß, ja, der in dem Walde auf 2 — 243— mein Geheiß das Kreuz errichten ließ und für die Erhaltung und Fortdauer deines Ruhmes vieles that, wie du bald ſelbſt einſehen wirſt. Er wird an deinem Hoch⸗ zeitstage ſich hier einſinden und du wirſt mir willig verſprechen ihn von nun an als deinen Knappen behalten zu wollen. „O gerne, gerne, mein theurer Ahne! rief Arnulf i in dem Uebermaaße ſeines Freu⸗ dengefühles über das, was er über die Zu⸗ kunft von ſeinem Ahnen erfahren hatte, und wollte von ſeinem Lager emporſtreben, ſich dankbar vor dem Geiſte niederzulaſſen; doch dieſer hielt ihn mit den Worten da⸗ von zurück:„Bleibe ruhig mein Arnulf und verſpare deinen Dankausbruch bis wir uns jenſeits umarmen!“ „Nun lebe wohl, Edelſter unſeres Baa⸗ renſtammes, vergiß das Schickſal deines Ahnen nicht, und laſſe es dir durch dein ganzes Leben noch ein zum wahten Edel⸗ ſinne aufmunterndes Beiſpiel ſeyn. Mich ſiehſt du dieſſeits nicht mehr, jenſeits aber harre ich dir mit offenen Armen entgege 1 8 Noch einmal, theurer Arnulf, lebe wohl, bleibe edel, vergiß mein nicht! Sprachs und verſchwunden war der Geiſt; Arnulf aber rief mit innigem Seelentone: „Ja, lebe wohl, nie, nie werde ich dich vergeſſen, theurer Ahne!“ und entſchlief bald unter den wonnigſten Träumen der Zukunft.— Heiterer als je entſprang er mit dem kommenden Morgen ſeinem Lager und der freundlichſte Friede, der ſich in ſeine Bruſt geſenkt hatte, theilte ſich jedem ſeiner Freunde und Freundinnen mit. Unter Zubereitungen und Ausſchmückun⸗ gen der gangen Burg für das mächtig ahende Trauungsfeſt verſtrichen gleich ei⸗ in Augenblicke die noch übrigen Tage vor dem heiligen Georg und unverwirkt überraſchte ſie der Vorabend deſſelben. ihr den wichtigen Schritt zu eurem vollen⸗ deten Lebensglücke und obſchon auch Her⸗ mann von Bardenſtein, unſer biederer Freund noch nicht da iſt, tretet ihr doch mit der neunten Stunde an den Traual⸗ „Morgen meine theuren Kinder thut — — / — 24 tar. Legt euch jetzt wieder und ſammelt euch Kräfte zu den bevorſtehenden Freu⸗ den!“ ſagte mit einer Thräne im ge⸗ rührten Vaterauge, der edle Heino, um⸗ ſchlang ſeine liebe Gattin Ida und ſchritt nachdem ſich die Liebenden mit einem ſee⸗ lenvollen Kuſſe und hochſchlagenden Buſen von einander getrennt hatten und nach ih⸗ ren Gemächern geeilt waren, auch mit ihr nach ſeinem Schlafgemache, um der guten Mutter in einer liebevollen Umar⸗ mung fur die hohen Freuden zu danken, die ihm aus ihrem Scheoße entſproſſen. Schöner als je an dieſem Tage entſtieg heute die erhabene Himmelskönigin dem Oſten, kein Wölkchen trübte das lautere Firmament, und eben flimmerten gulden die hohen Bogenfenſter der geraumigen Burgkapelle in den erwärmenden Strahlen der Frühlingsſonne, als die drei edel ſchö⸗ nen Paare, gefolgt von ihren Eltern, Freunden und allem Burggeſinde in die hehren gothiſchen Hallen eintraten. Zuforderſt ſchritt Arnulf in ſeiner gul denen Rüſtung und Helm, die ſchöng als je glänzte, und von dem in ſo mͤch⸗ tigen, unaufhö rlichen Schwingungen die drei rabenſchwarzen Federn, das ſchwarze Kreuz mit dem Todtenkopfe begrüßten, als wollten ſie Abſchied von ihnen nehmen. Er führte ſeine einfach, in die Farbe der Unſchuld und Liebe gekleidete Braut, an der zitternden Hand. Ihm zunächſt folgte Tankret mit Ida, die mit dem von ihrem Buhlen erhaltenen Brautſchmucke aufs ſchönſte und Geſchmackvollſte geziert war. An dieſe ſchloß ſich Heinrich mit Elsbeth, deren ſchlanke Glieder ebenfalls von der einfachſten Kleidung umfloſſen waren, doch ſtrahlte von ihrem zarten ſchönen Locken⸗ haupte in wunderſchönen Farbenblitzen das reiche Diadem, welches ſie von ihrer Mut⸗ ter, der Gräfin Klothilde, erhalten hatte. Ihnen folgte zunächſt Vater Heino und Mutter Ida, dann Erwin mit Klothilde und Kunigunde mit dem kleinen Heinrich und dem Meyer, an welchen ſich das Burggeſinde reihte, Arnulf richtete ſeine Schritte durch die Seitenhalle nach dem Kreuzgange um an. ee * 8 nach der Oeffnung, welche damals durch vor Erſtauuen blieb er ſtehen, denn die dem kleinen Heinrich anoeſaat bekommen — 247— der Wappenſaule vorbei nach dem Trau⸗ altare zu gelangen. Seine Ehrenwache ſiel ihm ein; er blickte das Herabfallen des Bildes ſichtbar ge⸗ worden war und aus welcher die Brüder mit dem Sarge ihrer durch ſie gemordeten Schweſter Adeline herabſchwebten nnd ſtarr Oeffnung war verſchwunden und an der Stelle, an welcher ſie ſich befand, hing über den mit großen, guldenen Zügen, auf die weiß getünchte Wand geſchriebenen Reimen: „Heldenmuth und Edelſinn Schloß die Gruft von Adelin⸗ Die vor Graf Arnulf von Baar Bis 1212 offen war!“ die güldene Krone der Dankbarkeit, Freundſchaft und Liebe, welche er von hatte. Unter den Reimen aber waren ſechs Ritterrüſtungen aufgeſtellt, in denen er ſegleich die Harniſche der Ritter, Benno von Düren, Hermann von Aarſtein, Kurt von Hornberg, Hans von Eichſtatt, Udo von Klingenſtein, und des Hühnen von Hahnſtein erkannte, und zwiſchen dieſen hingen an der Wand zuerſt Elsbeths gül⸗ dene Kette mit dem Bindniſſe ihrer Mutter, dann die Mönchskutte des Pa⸗ ter Felir, der Humpen, den er auf 4* der Burg der Gräfin Greifenklau geleert 3 hatte, die Hirtentaſche des treuen Hirten 5 5 Hans, welche der güldene Trauring Er⸗ wins zierte, das Seil womit er die⸗ Bauerndirne Käthe aus dem Verließe der Burg Klingenſtein heraufzog und der Glok⸗ kenſtrang, den er ſelbſt kräftigen Armes in dem Kloſter St. Velten heroßgeriſſen hatte. „Ha dies ſind die ſinnigen Andeutun⸗ gen meiner zwölf vollbrachten Thaten!“— rief entzückt unſer Held indem er an die letzten Worte des Ahnengeiſtes und den Abkömmling von deſſen Wappner dachte, der ſicher dieſe Kleinode auf des Geiſtes Geheiß hier aufgeſtellt hatte.„Ja ihr — 249 ſollt zum ewigen Andenken und zur Auf⸗ munterung und Ermahnung an gleichen, wahren Ritterſinn für alle meine Nach⸗ kommen hier ſtehen bleiben!“ fuhr er freudefunkelnden Auges fort; doch ein inniger Händedruck von ſeiner Emma er⸗ innerte ihn an die Abſicht ſeines Hier⸗ ſeyns. Er ſchritt weiter, warf noch einen freund⸗ lichen Blick an die Waffenſaͤule hinauf und kniete dann mit ſeiner holden Braut an den ſchön geſchmückten Traualtar. Ihm zu beiden Seiten lieſſen ſich Tan⸗ kret und Ida mit Heinrich und Elsbeth auf ihre Knie nieder. Wie angenehm wurde aber unſer Held und mit ihm alle hier von Neuem über⸗ raſcht, da ſtatt des Hauspfaffen, wie ſie vermutheten, der Biſchof von Worms im feſtlichen Prieſterornate zur Sakriſtei heraustrat und nach den Worten:„Ein dreifaches Brautpaar muß des Biſchofs Segen verbinden!“ die Trauung vor⸗ nahm. 8 Jetzt legten die ſchönen Paare, ſich die wärmſte und innigſte Liebe und Treue einander verſprechend, ihre Hände in einan⸗ der und wechſelten eben die Trauringe, da ertönte noch einmal, aber harmoniſcher und freundlich⸗friedlicher denn je, die oft gehörte Muſik, erweckte in allen Anwe⸗ ſenden ſo wonnevolle Gefühle, daß jedem Auge eine Thräne entquoll, und ſich die drei liebenden Paare in dem Uebermaße ihrer Wonne eng umſchlungen um ihre Seelen in einander überzuhauchen; als jetzt durch die Engelsharmonie eine zarte Mädchenſtimme drang, und von rauheren Organen wie im Chore unterſtützt, mit dirſer zugleich die Worte ſang:„Dank und Friede ſey nun dir, du edler Baare, dein Heldenmuth und Edelſinn hat auch uns zur Ewigkeit vereinigt!“ Der Geſang hatte geendigt, und die Muſik ging in höhere Sphären über und ſchwebte mit den reinſten, ſanfteſten Lau⸗ ten himmelan. Als ſie aber endlich für das Ohr der, zu einem innigen Gebete Niedergeſunkenen erſtorhen war, rief freu⸗ —ꝛ4 3 „ — * 4— 251— debegeiſtert der junge Baarenheld:„Un⸗ endlicher Dank ſey auch euch ihr theuern lange duldenden Weſen, Arnulf von Baar wird nie eurer vergeſſen.“ Kaum jedoch waren dieſe Worte über ſeine Lippen, da erfüllte ſchmetternder Trompetenſchall die hehren gothiſchen Hallen und umblickend ſahen ſie ſechs kaiſerliche Herolde mit einer Anzahl junger Ritter und Edlen, in denen Arnulf ſogleich die erkannte, welche ihn gen das Kloſter St. Velten begleitet hatten, und aus de⸗ ren Mitte jetzt Hermann von Bardenſtein hervortrat, auf unſern Held zueilte, ihm unter den Worten:„Im Namen unſe⸗ res Kaiſers und Herrn ernenne ich den Grafen Arnulf von Baar zum deutſchen Reichsfurſten, zum Lehnsfreien Beſitzer und Herrn der Burgen Düren, Aarſtein und Hornberg, ſammt allen dazu gehöri⸗ gen Gütern und Vaſallen, ſo wie zum künftigen Herzoge unſeres ſchwäbiſchen Heerſchildes!“ eine güldene Kette umhing, ihm den Marſchallſtab mit einem huldigen⸗ den Kuſſe reichte, und der in Freudenzäh⸗ ren zerfließenden Emma, ein, mit einem großen Edelſteine geziertes Diadem unter den Worten:„Nehmt als die holde Ge⸗ mahlin unſeres hohen Ritterfürſten und Herzogs dieſes Ge chenk von der erlauchte⸗ ſten Majeſtät, unſerm Kaiſer, mit ſei⸗ Gluckwunſche!“ in das noch unge⸗ kte blondlockigte Haupthaar ſteckte. „Hoch und lange lebe unſer gnädiger hoher Fürſt und Herzog, der edle Graf Arnulf von Baar und ſeine edle Gemah⸗ lin“ tönte es jetzt unter abermaligem Trompetenſchall und Arnulf neigte zum Dank ſein Haupt, daß die Rabenſchwar⸗ zen Federn auf ſeinem Helme ſich mäch⸗ tig ſchwungen, doch das ſchwarze Kreuz mit dem Todtenkopfe war zum Erſtaunen aller darauf, und, wie er ſelbſt bald ſah, auch an ſeinem Schwerdtgriffe verſchwunden. „O dies habe ich gewiß alles dir zu danken, mein theurer Herrmann!“ rief jetzt unſer Held, und zog dieſen an ſeine Bruſt. „Nimmer edler Freund; es iſt der wohlverdiente Lohn deines Heldenmuthes G 5 ◻☛ — 25 und Edelſinnes!“ war die Antwort des biedern Bardenſteiners, unter der er Ar⸗ nulf umarmte. „Welche unausſprechliche Freude iſt es dem Vaterherzen einen ſolchen Sohn zu beſitzen!“ rief Vater Heino und ſchloß dankbar Mutter Ida in ſeine Arme und: „Wie ſchön und herrlich erfuͤllten ſich meine Jugendträume!“ war der Ausruf unſeres Helden, ünter dem er jetzt alle umfing, die ſich in ſeine Arme und an ſeine hohe Fürſtenbruſt drängten. Dann aber ſtröm⸗ ten alle in den prachtvoll gezierten Prunk⸗ ſaal um das lauterſte, froheſte Feſt, das je in jenen Zeiten gehalten wurde, zu be⸗ ginnen; und des verklaärten Ahnengeiſtes Worte und Verheißungen erfüllten ſich in der Folge getreulich. Ende des zweiten und letzten Theiles⸗ Bei Tobias Löffler in Mannheim ſo wie durch alle Buchhandlungen ſind folgende Bücher zu haben: Blumen, Bluͤthen und Blaͤtter zu Inſchriften in Gaͤrten, ſo wie zum Andenken an ver⸗ blichene Freunde. gr. 12. goh. 30 kr.— 8gr. Bothe, Fr., Schauſpiele. 8. 3 fl.— 1 Thlr. 16 gr. Bruͤder, die, des großen Bundes. 8. Perſe⸗ polis 1 fl. 20 fr.— 20 gr. Dalberg, K. v., Betrachtungen uͤber das Uni⸗ verſum, 6te Aufl. 8. 48 kr.— 12 gr. Euripides Werke, verdeutſcht von F. H. Bo⸗ the, Ausgabe letzter Hand, 3 Bde. gr. 6. 9 fl.— 6 Thlr. auf Schreibpapier 12 fl.— 8 Thlr. auf Poſt⸗Velinpap. 13 fl. 30 ke.* . 9 Thlr. Cunninghams, Eſg. Alex., Geſchichte von Großbrittannien, von der Revolution im Jahre 1688 bis zur Thronbeſteigung Georgs des Erſten. Aus d. Engl. uͤberſetzt. 8 Bde. 3. 4 3 fl. 12 kr.— 2 Thl. 3 gr. Fruhlingsveilchen, meine, von C. Roſenbuſch, mit 1 Titelvign. 8. 1806. 2 kr.— 6 gr. Gebauer, A., Bluͤthen religiöſen Sinnes. Fur das höoͤhere Leben. 8. 2 fl.— 1 Thlr. 3 gr. Geſchichte der Graͤfin von Aveyro, nunmeh⸗ erigen Herzogin von Cadaval, von C. E. Hil⸗ lebrandt. 8. 13114. 36 kr.— 2 gr. Geſchichte, wahre und ſchreckliche, eines Stu⸗ Goldſmith's Dr., Geſchichte der Römer, von Erbauung der Stadt Rom bis auf den Un⸗ teergang des abendlaͤndiſchen Kaiſerthums. Aus d. Engl. nach der 6ten Ausgabe uen 1 rſeßt undh mit einer Geſchichte des oſt⸗ Kaiſerth. ergaͤnzt von L. T. Koſegar⸗ 8 Bde. 8. 5 fl.— 3 Thlr. 6 gr. denten zu Heidelberg. 8. 28 kr.— 6 gr. — Heller, W., Geſchichte der Kreuzzüge Hua den Kugen Lande, 3 Bde. 8. 1816. 8. 48 kr.— 1 Thlr. à gr. —— Thaten und Schickfale des Grafen Al⸗ brecht von Waldſtein, Herzog von Friedland und Sagan. Ein Beitrag zu Schillers Ge⸗ ſchichte des 30jaͤhrigen Kriegs. 8. 18 kr.— 4 gr. Lafontaine, Aug. Roſen, geſammelte Erzar⸗ lungen. 8. 1 fl. 30 kr.— 21 gr. —— Liebe und Dankbarkeit, eine franz. Fa⸗ miliengeſch. neue verb. Aufl. 8. 39 kr.—s gr. —— Liebe um Liebe, eine Erzählung. 8. 36 kr. 9 gr. Leben und Thaten des Joſ. Balſamo, ſoge⸗ nannten Grafen Caglioſtro. Nebſt einigen Nachrichten uͤber die Beſchaffenheit und den Zuſtand der Freimaurerſekten. A. d. Ita-. 4 lien. uͤberſetzt. 8. 0 kr.— 8 g — Meinungen Wanderungen dond Schickſale 5 eines Flohes. von Hoffmann, mit Kupf. 8. 2 fl. 15 kr.— 1 Thlr. 6 gr. Lektüͤre für gunſäme Stunden, m. 1 Titelvig. 8. 1796. Druckp. 30 kr.— 3 gr. Schreibp. 36 kr.— 9 gr. Mannerſchule, die, Luſtſpiel in 3 Abth. nach Molliere bearb. v. F. H. Bothe. 8. 15 8 4 Mai, Fr. A., die Kunſt, die bluͤhende 0Ge. ſundheit zu erhalten und die verlorne durch zweckmaͤßige Kraunkenoflege. wieder herzuſtel⸗ len, 1r Thl. Die Kunſt, die verlorne Ge⸗ ſundheit durch zweckmaͤßige Krankenpflege wieder herſtellen zu helfen. ar Thl. 3e ver⸗* mehrte u. verb. Aufl. des Geſundheits⸗Ka⸗ techismus und Krankenwaͤrter⸗ Unterrichts. Beide Tylt gr. 8. as kr. 12 gr. Maimburg, B., Geſchichte vom Verfall des römiſch. Reichs nach Karl dem Großen und pon den Streitigkeiten der Kaiſer mit den Paͤpſten wegen der Inveſtituren und Unab⸗ haͤngigkeiten, 2 Thle. u. 3 fl. 30 kr.— 2 Thlr. — 3 gr. Otto, Graf v. Nordheim, Herzog v. Baiern, eine Geſchichte a. dem eilften Jahrhundert dramat. bearbeitet. 8. 1 fl.— 16 gr. Rebau, H., der rheinlaͤndiſche Kinderfreund. „Ein Feſtgeſchenk fuͤr fleißige Kinder. Zum Haus⸗ und Schulgebrauch. 8. 30 kr.— 8gr. Rieger, J. G., hiſtoriſch⸗topographiſch⸗ſtatiſti⸗ ſche Beſchreibung von Mannheim und ſei⸗ nen Umgebungen. Nebſt Gemaͤlden voͤn Hei⸗ delberg, der Bergſtraße, von Weinheim, Ladenburg, Schwetzingen und dem dortigen Luſtgarten, von Frankenthal, Worms, den Hardtgekirgen, von Duͤrkheim, Neuſtadt, Landau, Speier ꝛc. und einem Anhange fuͤr Reiſende. Mit u Anſichten und dem Plane der Stadt Mannheim. 8. a fl.— 2 Thlr. 16 gr. Auf Schreib. 8 fl. 30 kr.— 3 Thlr. 16 gr. Auf Velinpapier 6 fl. 30 kr.— 4 Thlr. 3 gr. Saalheim, Louiſe, oder Liebe u. Leidenſchaft, eine Geſchichte in Briefen von Dir. Hoff⸗ mann. 8. 3 1 fl.— 16 gr. Wilibald und Hugo von Stadek, genannt die Stürmer, eine Ritter⸗ u. Geiſtergeſchichte aus dem 13ten Jahrh., 2te verb. Aufl. mit Kupf. g8.* ft. 15 kr.— 1 y 6 gr. 8 4— — Ott V 8 5 4 Tnmnemmfffffffſffſſſiſſſſſiſſnſſnſſſiſ 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 * 5 4 4 * 4