Der frohe Verkünder de Frah Schneeglö ckchen, ſchmit 1 bebauten Burgzwin die enrorfeigende Saaten erquiek vollen Späh rs 4n ar verödet Außenſeite von verſchwendriſcher Pracht zei⸗ gende Burg erhob, ſein Nachtlager zu hal⸗ ten gedachte. S Alsbald waren, während der gutmüthige — Heinrich ſich mit ſeinen Edlen und Rittern in freundlichem Geſprächſel unterhielt, die Selte aufgeſchlagen, in welche ſie, nachdem die Wachen um das Lager gehhörig vertheilt waren, unter Trommeten und Paukenſchall, der ſich im verſtärkten Echo von der Fel⸗ ſenwand her wieder gab, und ſo das ganze Thal mit einer wild wirbelnden Kriegsmu⸗ ſit furchtbar erfüllte, einzogen und von 3 dem ermüdenden Ritte des heutigen Tages Er rholung und Ruhe ſuchten. Schon hatte die ganze Heldenſchaar ſich t Imbiß und Trunk geſtärkt, ſchon be⸗ iteten die noch thätigen Knappen der Sonne ſcheidendes Strahlenhaupt mit ei⸗ nem munteren, kriegeriſchen Abendliede und ſuchten ſich dann unter Gottes freiem Him⸗ mel auch eine Ruheſtätte, bei der ihr ru⸗ das weiche Lorterbett er⸗ immer noch erhielt der Kaiſer e ine Frage:„ob ſein Edelknabe Heiner von Baar noch nicht zurückgekehrt ſey eine verneinende Antwort. Jetzt konnte er 1 nicht mehr länger des von ihm ſo lieb ge⸗ wonnenen Pagen wegen in Unruhe ſeyn, und ſandte deßhalb zwei ſeiner Diener nach ihm ab. Unter dem ſehnſuchtsvollen Har⸗ ren auf deren Zurückkunft verfloſſen ſchlaf⸗ los dem edlen Heinrich die trägen Stun⸗ den bis zur herannahenden Mitternacht; da aber erhob ſich plötzlich ein ſtarker Wind, der in wenig Minuten zum tobendſten Or⸗ kane wurde und, mit einem heftigen Kie⸗ ſelregen gepaart, fürchterlich über das La⸗ ger hin dem engern Felsthale entgegen derdrücken zu wollen ſchien. N d ter Unruhe erhob ſich Heinrich v Ruheſtatte und trat vor ſein Zelt. Das ganze Lane war reg 3 ten werden konnten und alſo das Unter⸗ ſcheiden der Gegenſtände unthunlich war, wollte der Kaiſer eben wieder mit ſeinen wenigen Begleitern in das erleuchtete Zelt zurückkehren, als die Wachen ihr ſchallen⸗ des:„Wer da?“ in die ſtürmiſche Nacht hiinein riefen und bald darauf nähernde Tritte und Stimmen vernehmbar wurden, unter denen Heinrich ſogleich die ſeines aufgeſuchten Heinos erkannte.„ Auf dem Fuße folgte der erſehnte Page ſeinem gnädigen Herrn in das Zelt, ver⸗ beugte ſich mit ſchuldigſter Ehrerbietung, und begann:„Mein erlauchteſter Herr und „Kaiſer, Ihr haht mich ſuchen laſſen!“ Heinrich.„Ja, wo biſt du ſo lange lieben?“, Heino.„Der Knappe durfte ſich ja „doch nicht nahen, da Ritter an Eurer „Seite, mein gnädigſter Kaiſer! redeten; „wie dieß der Fall war, ehe ſich noch ieſe Zelte hier erhoben.“ Heinrich.„Da alſo entfernteſt du „dich ſchon von mir, und wo haſt du dich „die lange Zeit über herum getrieben?““ „tern weichen müſſe, obgleich ich längſt „Heldentharen, die mir, als einem kleinen — 7 Heino.„So Ihr es wollt, mein er⸗ „lauchteſter Kaiſer, litaneie ich Euch gerne „mein beſtandenes Abentheuer.“ „Unmuthsvoll ſchied ich von der Euch „umgebenden Ritterſchaar, ging thalein⸗ „wärts und lagerte mich unter einer alten „Eiche, mit dem trüben Gedanken geplagt, „daß ich als Knappe immer noch den Rit⸗ „ſchon Kraft genug in meinen Armen füh „le, gleich ihnen meinen Flammberg mit „einem Schwerdte vertauſchen zu können. „Ich erinnerte mich an meines Vaters „Jungen, die Knechte in ſeiner jetzt ve „heerten Burg oft erzählen mußten; und „in meinem Innern erglühete der feſte „Vorſatz, ihm wo möglich an Heldenmuth „und Tapferkeit gleich zu werden, und „dieſer Vorſatz loderte „tig durch den Gedan „daß ich la nach nicht ———— zu beziehen habe, gedämpft und abge⸗ „kühlt wurde.“ „Thränen entquollen unwillkührlich jetz „meinem Auge, da traf mein Blick die „Ruinen auf jener Felſenklippe und ihre wäußere Pracht bemerkend, zog es mich „hinauf. Ich umſpähte den ganzen Berg, „b ich nicht irgend einen Weg eder Pfad „an dem ſteilen Felſen entdecken könne, Nallein erſt, als ich mich nach der entge⸗ „gengeſetzten Seite durch Geſtrüppe und „über einen rauſchenden Waldbach gewun⸗ „den hatte, nahm ich einen ziemlich brei⸗ „ten Hohlweg wahr, der gleich einer Kluft „zwiſchen hohen, ſteilen Felſenwänden mir „führte. Ich ſtieg empor, aber immer dich⸗ „ter wurde es um mich her und als es end⸗ „lich dunkel geworden, ſah ich, daß über „mir die Felsſtücke ſich wieder vereinten. „Schaudern ergriff mich bei dem Gedan⸗ „ken, daß dieſe herabſtürzen und mich zu her zweifelhaft, ob ich weiter ſchrei⸗ umbehren ſollte; allein ein in. 5 „entgegen gähnte, und allmählig aufwärts „Staub zermalmen könnten; lange ſtand — — — 9— „nerer Drang hieß mich den einmal ange⸗ „tretenen Weg fortſetzen. Bald war ich „aus dem mit unſäglicher Mühe geſpreng⸗ „ten Gange, der immer niederer wurde, „hervorgetreten, und vor mir erhoben ſich „die zwar öden, aber von ehemaliger Pracht Zeugenden Ueberreſte der Burg. „Nach wenig Minuten ſtand ich an der 8„ihren Angeln entfallenen Zugbrücke, die 3„mich zum Eintritte freundlich einzuladen „ſchien; aber ehe ich darüber ſchritt, genoß 3 * ich noch, bei der heiter wehenden Abend⸗ luft, in vollen Zügen der reizenden Aus⸗ „ſicht in die herrlichſte, romantiſchſte Ge⸗ „gend, welche je mein Auge ſah, und die „eben in dem Glanze der untertauchenden ———. 8„Sonne ſchwamm. Eine ſteinerne Bank „bot mir einen Ruheſitz, und nachdem ich „mich kurze Zeit deſſelben bedient hatte, „ſchritt ich durch die Thorbogen in den „Ziemlich geräumigen Burghof ein, den „das Unkraut wie mit einem grünen Tep⸗ „piche überdeckt. „Nicht ſo verwüſtet, wie es von auß „ſcheint, ſind die innern Gemächer, ——— ich alle, ſo wie den Marſtall und den „dicken Felsthurm durchſchaute. Mit zier⸗ lichem Schnitzwerk reich verziertes Getä⸗ „fel ſchmücket noch den Prunkſaal und je⸗ „des andere Gemach zeugt von ehemaliger „reichſter Pracht, der nur der Zahn der „Zeit nicht aber die wilde Verwüſtung durch „Menſchenhände geſchadet hat, denn ein „in der Mitte der Pfalz ſtehender, mit ſchwarzem Sammt, der mittelſt goldner „Nägel haftet, überzogener Seſſel ſcheint mir der ſicherſte Beweis, daß ſeit ihrer „Verödung keine rohe Menſchenſeele in dieſe „Veſte kam. Ich ließ mir den weichen .„Polſter recht wohl behagen und verweilte, „mich als den Eigenthümer einer ſolchen — „vrachtvollen Veſte träumend, bis der Mond Imit ſeinem lauteren Glanze die Gegen⸗ „ſtände um mich her aus dem düſteren „Schatten hob. * „Jetzt aber wandelte mich ein leiſes „Schaudern an und ich wollte deshalb ei⸗ „len, von der todten Oede mich wieder un⸗ „ter Menſchen zu geſellen; allein kaum „hatte ich den letzten Thorbogen erreicht,* 8 ————— —.,— „Trauergeläute an mein Ohr, daß ein eis⸗ — „muthe von mir ausgeſtoßenen Fluch wie⸗ 11—. 8 „da drang ein ſo dumpf melancholiſches „kaltes Rieſeln all' mein Gebein durchbebte „und das plötzliche Aufgarrenz und gleich⸗ „ſam donnernde Zufahren der Zugbrücke „mich meiner Sinne beraubte. „Wieder ermannt, hatte ich ſchon lange „vergeblich nach der Kette geſucht, an wel⸗ „ſcher ich die Zugbrücke wieder herablaſſen „wollte, als dieſe jetzt auf einen im Un. „der von ſelbſt niederraſſelte. Mit wenig 1 „Schritten hatte ich ſie hinter mir und haſtete dem Eingange der dunkeln Höhle „zu; allein auch dieſe war durch davor ge⸗ „wälzte, große Steine unzugänglich ge⸗ „macht.* „Jetzt glaubte ich, daß eine unſichtbare, „höhere Macht mich zum Dableiben bewe⸗ „gen wolle, und war auch ſchon dazu ent⸗ „ſchloſſen; da, verzeihet tgnäͤdigſter Kaiſer „kamt Ihr mir in den Sinn, und der Ge „danke, daß Ihr much etwa vermiſſen k6 „tet, ließ mich nicht ohne inneres Scha „dern die Worte ausrufen:„Wenn —=——8— — 12— „höheres Weſen mich hier zurückhalt, ſo „bitte ich es im Namen Gottes und um meines erlauchten Herrn, des Kaiſers wil⸗ „len, mich ungeſtört fürder eilen zu laſ⸗ „ſen, doch will ich einſt wiederkehren, wenn „dieſes Weſen mich nöthig hat.“. „Hiermit hob ich die Steine, welche „„trotz ihrer Größe mir ſo leicht wie Federn „ſchienen, hinweg, und trat in die ſtock⸗ „finſtere Höhle ein. Kaum hatte ich aber „einige Schritte in ihr zurückgelegt da— „ſtellt Euch mein Entſetzen vor— beleuch⸗ „teten kreuzende Blitze allenthalben die „ſchwarzen Felſenwände, und eine Stimme „rief, wie im hundertfachen Echo unauf⸗ Mhörlich:„Wehe! Wehe! Wehe dir, „wenn du nicht wiederkehreſt!“ Und vobgleich ich meine Schritte nun verdop⸗ „pelte, ſo ſchien es doch, als käm' ich nicht „von meiner Stelle. Fürchterlich rollte jetzt „auch der Donner über mir und eine hef⸗ „tige Windsbraut heulte mir von dem un⸗ „teren Eingange der Höhle her ſo mächtig Hentgegen, als wolle ſie mich auf ihren „Schwingen nach der Burg zurucktragen, — ———* „denn nur mit der angeſtrengteſten Kraft „gelang es mir, meine Füße auf feſtem 25o⸗ „den zu erhalten und vorwärts zu dringen. „Schweißtriefend und erſchöpft langte ich nendlich an dem Ausgange der Höhle an, „wo ein heftiger Kieſelregen mich empfing. „Lange vermochten meine Sinne nicht zu „unterſcheiden, ob das heftig ſtürmende „Gewitter eitler Trug, oder des erzürnten „Himmels mächtiges Werk ſey, bis end: „lich mein Auge die. leuchtenden Zickzacke „aus den Wolken hervorblitzen ſah. „Hatte vorher ſchauerliches Blendwerk meine Schritte gehemmt, ſo mußte ich „jetzt gegen das heulende Unwetter käm⸗ „pfen, und ſo erreichte ich nun äußerſt lang⸗ „ſam den Fuß des Berges, von wo ich „mich raſch durch das Geſtrüppe der Heer⸗ „ſtraße zuwandte. Erſt aber als ich de „Eiche erblickte, unter der ich gelegen ha „„te, fing ich an ruhig mein gluͤ ücklich be⸗ aenen Lenhenes zu 3ee denter, wor⸗ „ihren Bericht ſo ſchnell als möglich hier⸗ „her in das freundliche Zelt meines erlauch⸗ „teſten Gebieters haſtete.““ 4 Heinrich(der ſich indeſſen wieder auf ſein Lager niedergelegt hatte).„Fürwahr „ein ſonderbares Abentheuer! und haſt du „wirklich Luſt Heind, an dieſen Schauer „und Grauen erregenden Ort wieder zu Mehren?“ 1 3 Heino.„Wenn mich Gott in dem „Kampfe gegen Euere Feinde erhält und „ich komme geſund wieder in unſer Vater⸗ Aland zurück, ſo werdet Ihr, mein gnä⸗ „digſter Kaiſer; wohl erlauben, mein ein⸗ „mal gegebenes Wort auch zu erfüllen.“ Heinrich.„Und wirſt du auch ohne „Zagen dieß thun? Heino.„Furcht iſt den Baaren von jeher fremd geweſen und ich will wahrlich „nicht den ehrenfeſten Namen meiner Ah⸗ „nen durch knecht ſche Zaghaftigkeit ſchän⸗ den! Heinrich.„Höre Heino, mir fährt „plötzlich ein ſonderbarer Gedanke durch den „Sinn; ſag’, gefällt dir dieſe Veſte und „ihre Laͤge?““ Heino.„Wollt' mir in meinem Leben „keine ſchönere wünſchen, gnädigſter Herr „und Kaiſer! Heinrich.„Sieh alles, was dir be „gegnete, ſcheint darauf hinzudeuten, daß „du der Wiedererbauer und künftige Be⸗ „wohner dieſer Burg ſeyn ſollſt. Sie liegt „in meinem Reiche und ſobald der Kriegs⸗ „zug vollendet iſt, will ich dir ſie zum erbe „lichen Eigenthum geben, und ſoviel ſchen⸗ 4 „ken, daß du ſie neu erbauen, auch nach „deinem Wohlgefallen einrichten und eine „Anzahl Knechte in deinen Sold aufneh „men kannſt. Auch das Gebiet auf zwei „Stunden in dem Umkreiſe ſey dein Ee 4 „genthum.“ 1 Heino.„Uebergroß iſt Eure Gnade .„für mich, mein erlauchteſter Kaiſer, dech 8„— hört— das Trauergeläute von der „Veſte!“ In klagenden Akkorden tönte noch einige Minuten ein dumpfes Gelaute in der wier der ſtill und heiter gewerdenen Nacht zu dem Lager herüber, d doch auf einmal wur⸗ zu einem munteren Klange als ob ſie eine Freude über Etwas recht lebhaft ausdrücken wwollten. 4 Dieß befeſtigte bei Heinrich noch mehr die Idee, daß der hier leidende Geiſt Hei⸗ non zum Beſitzer der Veſte wünſche, und er begann deshalb zu dem in tiefes Nach⸗ ddenken verſunkenen Knappen:„Du kannſt „itz der Veſte gewiß ſeyn, Heino. Auch „gabſt du mir zeither ſchon oft Beweiſe „deines entſchloſſenen Muthes und deiner „Tapferkeit, halte dich deshalb auf dieſem „ Zuge noch recht wacker und ich ſelbſt werde nich bald zum Ritter ſchlagen.“ den hocherfreuten Pagen und ſuchte auf ſeinem Lager durch einen erquickenden Schlaf Kraͤfte zu den noch bevorſtehenden Anſtren⸗ gungen zu ſammeln. Mit dem kommenden Morgen aber fragte man ſich allgemein im Lager, was das Geläute von der Veſte her⸗ 36 wehl zu bedeuten habe, und Geſpenſter „meines kaiſerlichen Wortes für den Be⸗ den die Töne ſo ſanft und erhoben ſich dann 6 Mit dieſen Worten entließ der Kiſe — 13— witternd, waren alle zaghaften Knechte froh, dieſen nicht geheuern Ort bald wie: der verlaſſen zu können. Mit ausdauerndem wahren Heldenmuthe focht Heino von Baar unter ſeines Kaiſers Bannern in Italien. Wo es nur immer galt, da blitzte ſein Flammberg über der Feinde Häuptern, ſo daß ſelbſt mancher Rit. 5 ter, trotz ſeines langen Schwerdtes, be⸗ ſchämt ihm nachſtehen mußte. Aber auch ſeinem Kaiſer bewies er ſo viel Treue und Anhänglichkeit, daß dieſer ihn immer lie⸗ ber gewann, und gleich nach dem erſten entſcheidenden Treffen, bei welchem ſich Heino zu weit vorgewagt hatte, und ſeine allzugroße Hitze mit einer derben Wunde am ſeiner linken Schulter entgelten mußte,. zum Ritter ſchlug. 3— Da aber Heinrich bald darauf, innerer Unruhen wegen, in ſein Reich zurückkeh⸗ ren mußte, bewährte er trefflich ſein kai⸗ ſerliches Wort, indem er Heino ſogleich die Handfeſte über das verödete Bergſchloß, welches nach eingezogener Kunde die Au⸗ lenburg genannt wurde, ausfertige ließ, 8 X“ ihn zum Grafen erho und 1 ſchenkte, daß Heino von Baar ſchon nach wenigen M onden, während welcher die halb. verfallene Veſte auf das prachtvollſte wie⸗ der aufgebauet, die unfreundliche Kluft ge⸗ a und ein ſchöner breiter Weg von der Burg herab bis an die Heerſtraße ge bnet war, von allen benachbarten Rittern und Edeln für den reichſten Gaugrafen in der ganzen Mark gehalten wurde. Unter Begleitung des benachbarten Adels 1 und gefolgt von ſeinen angeworbenen Knap⸗ pen, Knechten, Vaſallen und Roßbuben hielt er ſeinen Einzug in der Veſte, deren 4 rachtvoll, majeſtätiſches Aeußere, noch 4 durch den, an ihren Zinnen und Fenſtern galdglitzernden Wiederſchein der auftauchen⸗ den Sonne erhöhet, ſchon die innere üp⸗ pige Einrichtung verrieth. Seine Vaſallen jubelten ihm den Eid der Treue und des unbedingten Gehorſams zu, und die ver⸗ ſammelte Ritterſchaft verſprach ihm mit räftigem Handſchlage biedere, offene⸗ Ge⸗ ſvonnſchaft, und bat ihn um ſeine nachbar⸗ Aliche Frenndſcnft Das darauf fo lgende — 9 4 Feſt wurde durch einen, dem Kaiſer dank⸗ par gebrachten. Toaſt und ein fröhliches Mahl verherrlichet. Das Banquet aber, mit welchem die Feier von Heinos Einzuge ſchloß, raubte auch ſchon des jugendlich ſtatt⸗ lichen Grafen Herz. Ida, die einzige Tochter Ritter uc. richs von Eberſtein hatte es ihm ent⸗ riſſen. Sie war mit ihren Eltern auch nach der Aulenburg geritten, und ſchon bei ihrem Anblicke fühlte ſich Heino zu ihr hingezogen, denn der Liebreiz, der ſich über ihr ganzes Weſen verbreitete und die Güte ihres Herzens, die ſich ſo deutlich in ih⸗ ren ſanft⸗melancholiſchen Geſichtszügen mahl⸗ te, erhoben ſie, trotz ihres einfachen wei⸗ ßen Anzuges, über die bunt und reich ver⸗ zierten Dirnen der übrigen Ritter und Ed⸗ len. Als Heino ſie nun aber den fröhlichen Reihen durchfliegen ſah, und ſich alles an ihr zu einem ſo reizenden harmoniſchen Ganzen entfaltete, da ſchwoll es mächtig unter ſeinem Bruſtharniſche, und als er endlich ſelbſt ſie zum Tanze aufforderte, und dieſe Summe von himmliſcher Wonne 8 — 26 ſich ſo ſankt an ipn anſchles und feinem Arme willig umfangen lie wußte er nicht mehr wie ihm geſchah, und nur mit Mühe konnte er ſich den Ruhm des gewandeſten ißzers⸗ der ihm ſchon— von ſo mancher Dirne heute ſchmeichelhaſt zerkannt wurde, erhalten. 3 Der Reihen hatte geendigt und mit zit⸗ ternder Stimme verſuchte er dem hold an ihm hinanblickenden Fräulein zu danken. Ein einziger Händedruck war alles, was er ſich gegen ſie erlaubte, und dieſen ſanf erwiedert fühlend, uberließ er ſich den won⸗ nevollſten Traͤumen in die Zukunft Des kommenden Morgens zogen die Rit⸗ ter mit ihren Angehörigen wieder heim. Heino nahm von jedem freundlichen Ab⸗ ſchied, doch zu Ida von Eberſtein ſagte er nmit liebetrunkenem Blicke:„So ihr erlaubt und gerne ſehet, theueres Fraͤulein, werde „ich bald auf der Veſte eures Vaters ein⸗ „ſprechen!“ „Meine Eltern, wie ich, werden ſich » durch euren baldigen Beſuch geehret fuh⸗ „len, edler Graf!“ entgegnete ihm mt * ſſſ 8 ihrer melodiſchen Stumme die ſchöne * — 21 1— ſteinerin, und ritt unter einem freundli en Valet mit ihren Eltern burgaus. Trotz der vielen Geiſtermährchen, welche Heino während dem Wiederaufbauen der Aulenburg von den Arbeitern nnd benach⸗— barten Bewohnern von dieſer Veſte erfuhr, und trotz dem von ihm ſelbſt ſchon hier be⸗ ſtandenem Abentheuer konnte er doch nicht mehr das Geringſte ſpüren, auch das von ihm ſelbſt gehörte Trauer⸗ und Fraudenge läute ließ ſich nicht mehr vernehmen und man lebte deshalb froh und wohlgemuth auf der wieder lebendig gewordenen Burg. Mehrere Verbeſſerungen und Einrichtungen 4 machten Heinos Gegenwart, ſo ſehr er auch zur Arbeit antrieb, auf einige Wochen, während welchen die Sehnſucht nach der ſchönen Ida immer mehr in ſeinem Buſen wuchs, unausgeſetzt nöthig. Endlich aber war alles in der erwünſchten Ordnung und auf den kommenden T Tag ein Ritt gen Eber⸗ ſtein beſtimmt. Von heißer Liebe getrieben, harte er 839 die Fingmauern der Burg erteicht, welche as ihm ſchätzbarſte Kleinod einſchloſſen. Mit ungeheuchelter Freundſchaft wurde er empfangen, und noch ehe das ſchnacke Ge⸗ ſeeder ſein Abendlied ſang, war Heino der Gegenliebe und Hand ſeiner Ida gewiß. Innig umſchlungen hielten ſich jetzt die Treuliebenden und ſegnend ruhten der El⸗ eer Hände auf ihren Häuptern; da er⸗ tönte plötzlich eine ſo ſanfte Muſik in dem Gemache, als wolle ſie die Herzen der lie⸗ benden Gruppe in eines verſchmelzen. Idas klarem Auge entquollen Thränen der Liebe und Wehmuth, und enger ſchloß ſie ſich an Heino an, ihr roſigtes Antlitz an ſeiner Bruſt verbergend; Heino und Ullrich abes ſahen ſich verwundernd einander an, bis nach einigen Minuten das harmoniſche Ge⸗ töne in den zarteſten Lauten allmählig er⸗ ſtarb.. 3 „Was das auch wohl war?“ hob jetzt der alte Eberſteiner, allenthalben an den Wänden und im Zimmer umherblickend, an. Heino.(Mit begeiſtertem Tone).„Ein „guter Geiſt, der Friede und Freude mir „und meiner Ids durch ſeine Engelsharmo⸗ 7 ſehnlichſte Wunſch des liebenden Paares er⸗ füllt und ihre Trauung mit der feyerlich⸗ „nie verheißt!— O Ida!— Theuerſte „Ida, wie glücklich werden wir ſeyn!"/ Inniger noch umarmten von neuem die beiden Liebenden ſich und dann ihre Eltern, ſchwuren einander gegenſeitige, ewige, un⸗ erſchütterliche Treue und Freundſchaft und ſetzten ſich dann in einen Zirkel, um unter traulichem Geſprächſel den Abend zu ver kürzen. Des Vorgefallenen aber erwähnte man mit keinem Worte mehr. 8 Nach wenig Wochen wurde ſchon der ſten Pracht begangen, worauf vergnügt, und unter unausſprechlich viel ſagenden Blicken die jungen Ehegatten neben einan⸗ der der Aulenburg zu trabten, wo ſie mit lautem Jubel empfangen wurden. Wirklich ſchien Heino die bei ſeiner Ver⸗ lobung gehörté Geiſterharmonie richtig deutet zu haben, denn die Tage ſeiner Ehe mit der holden Ida glichen einer Ro he fee lenvoller Freudenfeſte und wenn eer nach 4 einigen Jahren ſeine zwey Kinder— von denen das eine ein munterer Knabe war, — 24— —8 der nach ſeinem väterlichen Großvater Ar⸗ nulf hieß, und das andere ein Töchter⸗ chen, welches als das verjüngte Ebenbild ihrer Mutter, auch deren Namen hatte— aͤuf den Knieen hägte, dann umſing der Vater in dem Ueberfluſſe ſeines Gefühles ddie treue Gattin, preßte ſie an ſeine voll Liebe ihr entgegen ſchlagende Bruſt und* drückte zum Dank für die aus ihrem Schooße ihm entſproſſenen ſo theueren Geſchenke ei⸗ nen heißen Kuß auf ihre liebebebenden Ro⸗ 3 ſenlippen.— —— Schon tummelte ſich der kleine Arnulf mit Flammberg und Lanze auf ſeinem Roſſe mit Knechten und Knappen ordentlich her⸗ um, ſuchte den Adler auf den höchſten Fel⸗ ſen auf, fiſchte mit der Angel in dem Fluß⸗ chen, das den nächſten Gau belebte, und haſchte im Waldbache, der an dem Fuße des Aulenberges vorüber rieſelte, den Kreb⸗ ſen nach; ſchon auch überflog ein lauterer 8 Purpur die roſigten Wangen der ſchlank⸗ und dennoch in üppiger Fülle herangewach⸗ ſenen Ide bei jedem auf ihr aufmerkſam ruhenden Blicke eines fremden Ritters; und immer noch herrſchte dieſelbe liebevolle Innigkeit zwiſchen dem Grafen Heino und ſeiner Gattin fort. Außer einigen kleinen Fehden mit benachbarten Freihardten und elendem Raubgeſindel, wodurch ſich Heino jedoch in allen Gauen umher den Ruhm der ausgezeichnetſten Tapferkeit und eines hohen Edelmuthes erwarb, trübte keine Un⸗ ruhe ihre frohen Tage, und ſelbſt der Gei⸗ E ſterſpuk auf der Burg war allen aus dem Andenken verwiſcht. Da kam mit dem Morgen eines ſchönen Maitages ein Knecht burgein geſprengt und Hinterbrachte dem Grafen die nie derſchla⸗ gende Kunde daß der alte Ritter Ullrich von Eberſtein vor ſeinem nahen Ende noch einmal ſeine Kinder zu ſehen wunſche. Als⸗ bald ließ der Graf ſatteln, hinterbrachee ſeiner Gemahlin allmählig die traurige Bor⸗ ſchaft und beeilte ſich mit ihr, nachd 2* — 26— ſie unter ſeinen Troſtworten ihren Schmerz einigermaßen beſiegt hatte, den Willen des ſterbenden, biederen Vaters zu erfüllen. Aeußerſt ſchwach und entkraftet lag der hoch betagte Greis auf ſeinem Lager, reichte den jetzt in ſein Gemach eintretenden Kin⸗ dern die Hände und tröſtete die ſchluchzende Tochter mit den Worten:„Sey ruhig, „meine Ida, einmal muß der wichtige „Schritt durchkämpft ſeyn, und lang ge⸗ „nug hat mir der Herr die Gnade geſchenkt, „die Freuden dieſes irdiſchen Lebens zu ge⸗ „nießen, möge er jetzt nur bald eben ſo „gnädig meine Seele zu ſeinen himmliſchen „Freuden eingehen laſſen. Entferne dich „jetzt mit deiner Mutter auf ihr Schlaf⸗ „gemach, ſuche dich zu faſſen und komme „dann wieder, damit dich meine ſchwachen 8 „Arme noch einmal an mein bald brechen⸗ „des Herz drücken können. Dein Gatte „wird indeſſen hier bleiben. 24 Nachdem ſich nun die Frauen hinweg begeben hatten, begann der ſchwache Greis zu Heino:„Edler Graf, eure Liebe zu „Ida, von deren Beſtündigkeit und feſte — 27— „ſten Fortdauer ich überzeugt bin, haͤtte „mich ſchon lange zu einem Geſtändniſſe, „auch ohne den geringſten Nachtheil für „Ida befürchten zu müſſen, beſtinmen ſol⸗ „len; allein da es nichts Weſentliches für „Euch und euren edlen Stamm betrifft, „ſo hätte ich es auch mit mir in die kühle „Gruft verſchließen können, wenn nicht der „innere Drang und Gedanke, daß durch „ſeine Mittheilung an Euch mir meine „letzte Stunde erleichtert werde und daß „Euch, als dem Manne, alles von eurem „Weibe zu wiſſen gebühre, mich dazu be⸗ „ſtimmte.— „So wißt denn, Ida, eure Gattin iſt „nicht im ehelichen Bette gezeugt, und „hört nun mein einziges, größtes Verge⸗ „hen, deſſen ſich mein Gewiſſen bewußt iſt. „Es mögen nun wohl über dreißig Jahre 33 „ſeyn, daß mich mein Waffenbruder Udo „von Scharfeneck zu einem Zechgelage „lud. Viele Ritter und Dirnen traf ich „dort verſammelt, denen bald der übermä⸗ „zige Genuß des köſtlichſten, alten Rhein⸗ „weines und die frohe Laune die Köpf⸗ — 28— „verrückte. Man ſcherzte und zechte bis „kief in die Nacht hinein, dann aber ſuchte „jjeder taumelnd nach einem Lager; auch „ich wankte zum Gelaggaden hinaus und „ehe ich mirs verſah, ſtand ich in einem 8 „Gemache, in welchem ich bei matkem Ker⸗ Menſcheine ein Mädchen ſanft ſchlafend auf Neinem Ruhebett hingeſtreckt ſah. Der „häufige Genuß des Weines ſo wie der „Anblick der Dirne weckte mächtig teuf⸗ liſche ſinnliche Lüſte in meinem aufwal⸗ „lenden Blute. Sinnenberauſcht löſchte ich „die Kerze aus und lagerte mich dem Maͤd⸗ „chen zur Seite um *„“ „reichte mir ihre Lilienhand und wir ſchwu⸗ 85 „ren uns unter unzähligen Küſſen und „zur beruhigenden Beſchönigung unſeres „Fehlers, ewige Liebe und Treue, Beru⸗ „higter eilte ich jetzt aus ihrem Gaden, „ging in den Prunkſaal zurück und fand dort zu meinem großen Vergnügen den „Grafen Staufen mit meinem Freunde „Scharfeneck nickend noch beim Humpen. „Ich weckte meinen Freund und theilte ihm „in einem anſtoßenden Gaden, unter dem „Siegel der Verſchwiegenheit, den nächt⸗ „lichen Vorfall mit. Er wünſchte mir „Glück, ich aber gedachte den Augenblick „von Staufens Trunkenheit zu benutzen, „um ſeine Einwilligung zu meiner Verlo⸗ „bung mit ſeiner Tochter zu erhalten, wo⸗ „bei mich Scharfeneck denn auch baß treu⸗ „lich unterſtützte. 1 „Ich war arm und mußte n mir deshald „ſchon manchen Korb von den Dirnen und „Vätern der benachbarten Edlen gefallen „laſſen; der Graf Staufen aber war ſehr „reich und eben ſo ehrgeizig, und ich hatte „bei ſeiner nuchternen, reifern Ueberlegung 8 „daher auch von ihm wenig zu hoffen. In „ſeinem jetzigen Zuſtande aber gelang es „mir, ihn zu bereden, und noch ehe die „übrigen Ritter von ihrem Rauſche auf⸗ „wachten und Staufen ſelbſt recht zu ſich „gekommen war, hatte ich ſchon ſein Ja⸗ „wort und das Verſprechen einer Mitgift won tauſend Goldgülden. Ein Handſchlag „lung und ich eilte entzuͤckt zu Luidbertha, „ſchloß die immer noch Weinende in meine 3„Arme und kündete ihr die beruhigende „Nachricht von ihres Vaters bereits erhal⸗ „tener Einwilligung in unſere Verbindung. „FFreudig ſtieg ich jetzt mit meiner Braut „Morgenluft ihren gebleichten Wangen das frühere Roth wieder zu verſchaffen. Lange nwaren wir unter dem freundlichſten Ge⸗ „danken an unſer künftiges glückliches Le⸗ „ben hier herumgewandelt und hielten uns „eben wieder recht innig umſchlungen, da „donnerte es plötzlich gegen mich: Schaͤnd⸗ licher Bube! du haſt in meinem Rauſche „und ein Humpen bekräftigte die Verhand⸗ „in den Burgzwinger, um in der friſchen imir meine Tochter abgedrungen! und in — „ſey, der ihm in ſeinem Rauſche ſeine Toch⸗ „ſogar mit dem Verſprechen einer Mitgift „ſagt habe; allein es riß ſich von mir los, „dir, ehe ich es nch verhindern konnte, 31 „dieſem Augenblicke ſchon fiel ich, rücklings „verwundet, ohnmächtig zu Boden. „Als ich erwachte, ſtand Scharfeneck ne⸗ „ben meinem Siechſchragen und berichtete „mir auf meine dringenden Fragen nach „Luidbertha, daß ihr Vater, nachdem er „noch kurze Zeit in dem Gelaggaden ge⸗ „ſchlafen, plötzlich gegen ihn aufgefahren, „ihn wüthend angedonnert: wo der Ritter „ter abgenöthigt habe? und auf ſeine „wort, daß er dieß nicht wiſſe fo „gehaſtet ſey. Ich eilte ihm nach, fuhr „Scharfeneck zu mir fort, und holte ihn „in dem Schlafgemach ſeiner Tochter ein. „Ich beſchwor ihm, daß du nie ſeine Toch⸗ „ter ihm abgedrungen, ſondern er ſie dir „von tanſend Goldgülden freiwillig zuge⸗ „ſchrie raſend: Das iſt alles ſchändlicher, heimtückiſcher Betrug!“ und ſtürzte die „DTreppen hinunter in den Burgzwinger. „Hier fand er dich mit ſeiner Tochter, ſtieß 3 — „ſein Schwerdt in den Nacken, nahm die „ohnmaͤchtige Dirne auf und ſprengte dann „alsbald mit ſeinen Ang „Du aber— ſo ſchloß ehörigen burgaus. mein Geſponn— „mußt dich ruhig halten, denn deine Wunde „önnte ſonſt ſehr gefährlich werden. „Nach zwei Monden genas ich endlich, „und gerade an dem Tage, an welchem ſich das Erſtemal von meinem Lager auf⸗ 2 ind, hinterbrachte mir Scharfeneck ein „Geſchreibſel von Luidbertha, worin ſie mir „kundete, daß ſeit dem unglücklichen Mor⸗ „gen ihr Vater ſehr hart gegen ſte handle „und ſie alles befürchten müſſe, wenn er nihren veränderten Zuſtand gewahre. Sie beſchwor mich, ihr treu zu bleiben, und wolle dann ſelbſt, um des Pfandes unſe⸗ ker Liebe, das ſie unter ihrem Herzen rage, und um meinet willen, alles wil⸗ 1 „lig erdulden, was das herbe Schickſal fuͤr⸗ „der uber ſie verhaͤnge. „ Ich fühlte, wie wenig das edle Mäd⸗ „chen an ihrem Unglücke und ihrem Falle „Schuld ſey, uind ſchwur, alles anzuwen⸗ den, ſie ihrer peinlichen Lage zu entrei⸗ „en. Ich ſandte mehrere Boten mit Bit. „ten und Drohungen an den Grafen, ih „ren Vater, doch, da er unbeweglich blieb, „entſchloß ich mich, mit Scharfeneck an das „kaiſerliche Hoflager zu ziehen, um den „alten Staufen des Bruches ſeines gege⸗ „benen ritterlichen Wortes und Handſchla⸗ „ges zu bezüchtigen. Er wurde vor die „Reichsſtände geladen und brachte auch da „ſeine Entſchuldigung an, allein ſie wurde micht angenommen, da er keine Zeugen „chatte, mir aber Scharfeneck zur Seite „ſtand. Der kaiſerliche Befehl, daß er „bei Vermeidung der Acht und Aberacht, „mir das gegebene Wort halten und ſeine „WTochter willig zur Ehehälfte geben ſolle, 8 „brachte ihn noch mehr gegen mich auf und als er vollends bei ſeiner Rückke „Luidberthens veränderten Leibeszuſtand 9. „wahrte, ſtieß er ſie noch in derſelben „Nacht von ſich. „Meine Luidbertha eilte in eine Fiſchers⸗ „hütte und ſandte mir von da aus einen „Boten zu. Ich haſtete, in heftige Wuth „gegen ihren Vater entbrannt, zu ihr in * 3— 4 „die elende niedere Hütte, wo ſie mir ein „Töchterchen— eure jetzige Gattin, die „ſie in der Nacht zuvor geboren hatte, von 4 3 „ihrem harten Lager entgegen hielt. Die waͤrmſten Vaterfreuden erwachten in mei⸗ nem Buſen, ich drückte Mutter und Kind „an mein Herz, und ſputete mich, ſoballd „edathunlich war, mit ihnen hierher auf „meine Veſte, wo ich, bei der Nacht an⸗ „gelangt, mich ſogleich von meinem Burg. pfaffen mit Luitbertha trauen ließ. „Sechs Wochen etwa waren uns ſchon Rin unſerem häuslichen Glücke gleich einem „Tage entronnen und ich hatte auf die „„Bitten meiner Gattin, die Rache, welche h an ihrem Vater zu nehmen beſchloſ⸗ aufgegeben; da kam unverhofft ein Knappe deſſelben mit der Kunde zu mir, „daß Graf Kunz von Staufen mich und „meine Gattin freundlich zu ſich laden laſſe. Wir ſtaunten ob dieſer Einladung, „doch um wieviel mehr wurde unſer Stau⸗ ynen noch erhöhet, als wir bei dem Ein⸗ „tritte in des Grafen Gemach ihn mit den „Tode ringend auf ſeinem Lotterbette lie⸗ „wollen.“ „gen ſahen. Er reichte uns ſeine ſchwa⸗ ſchen Hände zur Verſöhnung und Verge⸗ „bung hin, ſchenkte mir die auf einem „Tiſche liegenden Koſtbarkeiten ſammt tau⸗ „ſend Goldgülden, und gah mit den Wor⸗ „ten: Gottes Wege ſind wunderbar!— „Lebt wohl Kinder und hinterbringt eurem „Bruͤder, wenn er von ſeinem erſten Aus⸗ „zuge wiederkehrt, meinen väterlichen See⸗ „gen!— ſeinen Geiſt auf. Wir begleiteten ſeine irdiſche Hülle in die Gruft und zo⸗ „gen dann mit unſerem Erbtheile hein, „welches ich zur Erweiterung meines Ge⸗ „bietes und zur Verſchönerung meiner Beſte „anwandte, während ſich Luidbertha der „Erziehung unſerer Ida, deren Gluͤck ich 8 ietzt bald in jener Welt ihrem mütterlichen „Großvater kunden werde, widmete. „ZJetzt wißt ihr alles, edler Graf— „ſchloß der alte Eberſteiner— doch ver⸗ „ſprecht mir, nie etwas von dem, was ich euch eben geſtand, eurer Gattin kun⸗ den, vielweniger die an ihren unehlichen „Daſeyn Unſchuldige entgelten laſſen zu Heins erfüllte gerührt des Grafen Wil⸗— len und preßte ſeine eben wieder eintre⸗ tende Gattin innig an ſein Herz, ließ ſich mit ihr und ſeinen mitgebrachten Kindern noch einmal von dem greiſen Vater ſeg⸗ ne 3 und ſuchte ihn dann durch freundli⸗ ches Geſprächſel aufzuheitern, und das ſo theure Leben ihm zu friſten. Doch ſchon nach wenig Stunden, während welcher der ſchwache Greis die in ſeinem Leben geſam⸗ nelten Erfahrungen ſeinen Kindern mit⸗ theilte, viel von Gott, Religion und jenem verkläͤrten himmliſchen Fortleben und ein: ſtigen Wiederfinden redete, entliaß er ſie und blieb mit ſeiner Gattin allein. Er fühlte ſein Ende nahe und wollte ſeinen letzten Athemzug ungeſtört an Luid⸗ berthas, ſeiner treuen Lebensgefährtin Bruſt aushauchen. Feſt hielten ſich die liebenden Gatten in dem beruhigenden Gedanken an ein haldiges jenſeitiges Wiederſehen um: 3 ſchlungen, bis endlich der unerbittliche Ta⸗ desengel ſeine erſtarrenden Arme ausbrei⸗ eeete um die edle Seele des mit einemn freundlichen: Lebewohl! entſchlafenen Rit —— ters Ulrich von Eberſtein in eine beſſere Welt empor zu tragen. 4 Mit inniger Theilnahme und wahrer Trauer wurde die irdiſche Hülle des theu⸗ ren Vaters von ſeinen Kindern, Enkeln und allen Burgbewohnern in die Familien⸗ gruft begleitet und ſeinem Andenken wäͤh⸗ rend eines feierlichen Todtenamts von jedem eine dankbare Thräne gezollt. Dann aber zog Graf Heino mit den Seinigen und der trauernden Wittwe heim und vertraute die Eberſteiner Burg dem als treu und redlich bewährten Kaſtellane. Der Tod ihres Gatten hatte Luidberthas Geſundheit untergraben und ſo heftig er⸗ ſchüttert, daß der Trauer oh des verbliche⸗ nen Vaters ſich noch die Beſorgniß bei⸗ miſchte, bald auch die gute Mutter verlie ren zu müſſen, und ſo verſtrichen dem Fa⸗ milienzirkel die Tage langſam, einſylbeg uind freudenlos, bis endlich auch der Tod Luid⸗ 1 berthas erfolgte und ihre Hülle an der Seite ihres Gatten in der Eberſteiner Gruft beigeſetzt war. Idas Schmerz über den Tod 8 tern ſchien ſich nicht mildern zu wollen, und da Heino nun auch für ihre Geſund⸗ 3 heit fürchtete, hob er eines Abends zu ihr an:„Höre auf zu weinen, meine Ida, lindre deinen Schmerz und erheitere dein „ getrübtes Auge an dem Anblicke deines 3 „dich ſo innig liebenden Gatten und dei⸗ n ner Kinder! Verſprich es mir, dieß thun „zu wollen, theures Weib!“ Ida verſprach es und bald kehrten ihre frühern freundlich⸗friedlichen Stunden wie⸗ der. Heino nahm Beſitz von Burg Eber⸗ ein und den dazu gehörigen Grundſtücken und ließ zum Andenken für ſeine Nachkom⸗ men einen Eber in ſein gräfliches Baaren⸗ wappen hauen. Auf den jungen Arnulf hatte der Tod ſeiner Großeltern einen mäͤchtigen Eindruck gemacht. Er hing weniger ſeinen früheren Lieblingsgeſchäften nach, nur Waffenübun⸗ Flammberg bald mit einem Ritterſſh 18 — 39 gen und Roſſetummeln fuüllten ſeine Zeit, doch die angenehmſten Stunden waren im die, in welchen ſich ſein Vater, den er darum gebeten hatte, mit ihm über den Zweck des Lebens und die Beſtimmung des Menſchen unterhielt. Der Gedanke, daß er ſein Leben nur durch ritterliche Tapfer⸗ keit und Heldenmuth auszeichnen, ja nur dadurch die Beſtimmung deſſelben erreichen könne, erfüllte ſeine ganze Seele und gab ſeinem Weſen eine Männlichkeit und Fe⸗ ſtigkeit, die ſelbſt ſein Vater mit allen an⸗ dern, die den gräflichen Jungherrn kann⸗ ten, bewundern mußte. Mit dem kühlen Morgen eines ſchönen Frühlingtages ging der ſtattliche Adelſchalke burgaus, um mit dem Retz und Angel wieder einmal in dem benachbarten Fllß⸗ chen den Fiſchen nachzuſtellen. Munter ſtimmte er in die mannichfach flötende Chöre des ſchnacken Geſteders ein, traͤum nachdem er ſeine Fiſcherwerkzen attsge⸗ worfen hatte, von künftigen Zmeik npſen und Fehden und ſehnte ſich mächt — 40— um ſich dann mit unauslöſchbares, die Nachwelt zu anken waren ihm enden Zwielichte die Stun⸗ n flogen, und eben er von ihm vergef⸗ Angel ſehen, da endlich⸗grune Ge⸗ be Schweſter, flog „Aber lieber Bru⸗ ſo lange geblieben?“ wollte er nach dem zeith henen Netze und ſeiner ihm mit den Worten: „der wo biſt du heute in die Arme. Arnulf.„In Traͤumen über „künftiges ritterliches Thun und Handeln rſtrichen mir unbemerkt aber angenehn Stunden des heutigen ſo ſchönen Ta⸗ s; nur häͤtte ich dich fruͤher an meine Seite geſehnt, damit du meine frohen „E ſchweſterlicher Liebe mit hitteſt.— Ihr ſeyd aber auf der Burg ob meiner nicht in ngſt und Beſorgniß geweſen* 1 mein da.„Das nicht, nur mir machteſt +— 7 „den träge.“ deſſen unterem Ende ein darauf geformter — 11— „du durch dein langes Ausbleiben die Stun⸗ Arnulf.„Können ja ſchon wieder mit⸗ eitauder einbringen, liebe Ida, was wir „beute durch meine ſchönen Träume von „unſerer Unterhaltung verloren.“ Ida ſuchte jetzt an dem Flüßchen nach ſchönen Vergißmeinnicht, während Arnulf Netz und Angel, an welcher ein ſchöner, großer Goldfiſch hing, aus den lispelnden Wellen zog. Freudig uber die, obgleich karge, aber ſeltne Beute gedachte er den 8 goldſchimmernden Fiſch ſeiner Schweſter zu bringen, da bemerkte er auf dem Bauche deſſelben ein kleines ſchwarzes Kreuz, an Todtenkopf ihn widerlich angrinzte. Raſch griff er darnach, allein in demſelben Au genblicke ſchnellte mächtig der große Fiſch mit ſeinem Schwanze in die Höhe und war verſchwunden. Zu Arnulfs Fuͤßen ab lag ein mächtig großes Ritterſchwerdt deſſen goldenem Griffe das nämliche Ki mit dem Todtenkopfe eingezeichnet war 3 Mit freudigem Erſtaunen hatte er ſchen eeine Zeitlang das ſchöne Schwerdt betrach⸗ tet und eben die herrliche, echte Damas⸗ zenerklinge aus der Scheide gezogen um einige pfeifende Hiebe damit durch die küͤhle Abendluft zu führen, da drang plötzlich eein heftiger Schrei an ſein Ohr. Er gr⸗ kannte Idas Stimme und jach eilte er nach der Seite hin, nach welcher ſie gewandelt war, und kaum hundert Schritte zurück⸗ gelegt, erblickte er durch das Gebüſch eine Ritter, der ſich gewaltſam ſeiner Schweſter bemächtigen wollte. Wüthend ſchrie er des halb jenem entgegen:„Laß ab elender Dirrr nenräuber!“ und in dieſem Augenblicke ſchon hatte er ihm die halbohnmächtige Ida entriſſen. „Geh' unbärtiger Bube, wenn dir dein „Leben lieb iſt; dieſe ⸗Dirne iſt mein!,⸗, hob jetzt unter ſeinem Viſire hervorbrum⸗ mend der Ritter, indem er ſein Schwerdt zog, an; aber Arnulf donnerte ihm zorn⸗ funkelnden Auges zu: Der Bube iſt fuͤr 8 „dich, elender Lauer! Wer berechtigt dich, n„ſchändlicher Freiharde, hier in meinem „Gebiete eine wehrloſe Dirne, meine eigne — „Schweſter anzufallen und miy rauben 5 8G „wollen* Ritter.„Unzeitiger Knabe, kennſt das 4 „Fauſtrecht noch baß ſchlecht und könnte „dir jetzt wohl einen derben Beweis davon „geben; müßte mich aber ſchämen mit dir nüber etwas rechten zu wollen.— Hole „dir erſt den Ritterſchlag und thue deine „Wache, dann komm und frage wieder „bei mir nach ob dieſe Dirne, deiner „Schweſter!“— Mit dieſen Worten wollte er Ida wie⸗ der dem Arme ihres Bruders entwinden, aber Arnulf ſchwang ſeine Damaszenerklinge und ſchlug ſo mächtig auf des Ritters rechte Schulter, daß ihm das Blut alsbald durch die Achſelſch enen drang und er kaum noch ſein gezogenes Schwerdt in der Hand zu halten vermochte.„Ergeb⸗ dich, prahleri⸗ „ſcher Bube!“ rief, dies bemerkend, Ar⸗ nulf nun, und drang, Ida aus ſeinem Arme auf den Raſen ſinken laſſend, auf den zurückweichenden Ritter ein; doch die⸗. ſer ſchrie erzürnt:„Verwegener Junge „nimm deinen Lohn! und komnit führte — 4 4— er mit angeſtrengter Kraft einen Streich nach Arnulfs unbehelmtem Haupte. Dieſer jedoch parirte ſo behende den Hieb, daß ſtreifte, und in hageldichten Streichen flog jetzt des wuthentbrannten jungen Baaren Klinge auf die geſtählte Rüſtung ſeines Gegners.„Halt Adelſchalke!“ rief jetzt der Ritter.—„Du ſiehſt meine Klinge „daß du dem Wehrloſen nichts thun darfſt!“ Arnulf.„Elende Memme, haſt du „dich doch an meiner wehrloſen Schweſtor „auch vergriffen, und ſomit deine ritter⸗ „liche Pflicht verletzt. Brauchte wahrlich „p deiner nicht zu ſchonen, aber ˙s mag drum „ſeyn! Heb' dich von hinnen, und wiſſe, „Baar, ſolch prahleriſche Buben wie du „biſt, und wenn ſie gleichwohl auch die „beſchworenen Pflicht verachtet. Danke es em Edelſinn der Baaren, daß du des chen Lebens furder noch genie er nur leicht an ſeiner linken Schulter „iſt entzwey, vergiß deine Pflicht nicht, 1 —„daß der Adelſchalke, Graf Arnulf von 8 lſtung tragen, nicht fürchtet ſon als ſchändliche Entehrer ihrer heilig „kannſt, und beſſere es durch die von mir „erhaltene Lehre.“ Beſchämt eilte der Ritter durch das Ge⸗ büſche, Arnulf aber kehrte, nachdem er durch unzählig brüderliche Küſſe Idas Sinne wieder ihrer Bewuſtloſigkeit entzogen hat⸗ te, mit ihr Arm in Arm nach ſeines Va⸗ ters Veſte, der majeſtätiſchen Aulenbung zurück.* „Ida, liebe Ida!— rief auf dem Heinn wege oft der entzückte Arnulf—„ ieh „doch, welch ein herrlich Ritterſchwerdt! „Sieh, welche breite, h hart geſtählte Klinge! „O wie ſchön war es, da mit jedem Hiebe, „den ich gegen den Harniſch des ſchändli⸗ lichen Buben führte, die Funken weit „umherſprühten! Dünkt es mich doch ge⸗ „rade noch einmal ſo leicht als mein kun „zer Flammberg; und wie trefflich wird „es ſich erſt zu der u übergüldeten Rüſtung 3 „paſſen, die ich in jenem unterirdiſchen „noch halb verfallenen Gemache fand, und die für mich, bisher in unſerer Rüſtkam⸗ Imer prangend, aufgehoben iſt; Aber auch „wie theuer wird es mir ſets ſe 8 8 — 6— „bleiben, da du meine liebe Schweſter „durch die erſten Streiche, welche mein „Arm damit führte aus den Händen eines „ſchändlichen Freyharden befreit ünd geret⸗ „tet wurdeſt.“ Unter ſolchen Lobeserhebungen ſeines Rit⸗ terſchwerdtes und der Erzählung ſeines Fiſch⸗ zuges hatte Arnulf mit der über die Freude ihres Bruders auch wieder munter und heiter gewordenen Schweſter den Burgweg nach der ſchon hell erleuchteten Veſte er⸗ reicht. Sie ſtiegen hinan, doch kaum hat⸗ ten ſie noch die Halbſcheid des Weges zu⸗ rückgelegt, da ſchritt ein hühnenmäßiger itter in güldner, reichverzierter Rüſtung ohne Schwerdt und mit verſchloſſenem r auf ſie zu. Arnulf wollte ihm mit ſeiner Schweſter ausweichen, doch er vertrat ihnen den Weg und begann zu dem männlich beherzt jetzt vor ihm ſtehenden gräflichen Junkherrn „Arnulf erinnere deinen Vater, ſobald du heim kommſt, an das heute vor fünf und 4 1 mit der Rede des vermeinten Mitters ver „zwanzig Jahren hier gehaltene Nachtlager „des kaiſerlichen Heeres!“ 3 Gleich nach dieſen Worten verſchwand mit großen Schritten der hühnenmäßige Ritter aus den Augen des ihm nachſtau⸗ nenden jungen Baaren, den nur die Bit⸗. ten ſeiner Schweſter abhalten konnten, im nachzueilen und ob der Urſache der Mah⸗ nung zur Rede zu ſtellen. Haſtig zog jetzt Ida ihren Bruder mit ſich fort und bald traten ſie in den Gaden der ihnen aͤngſtlich entgegen harrenden Eltern ein. Auf Heinos ernſthafte Frage, was ſie bis ſo ſpät in den Abend außerhalb der Burg zu thun gehabt hätten, mahlte ihm Arnulf die Urſache ſeines langen Ausblei⸗ bens und das ihm und ſeiner Schweſter Begegnete mit ſo einfachen Farben, daß Heino durchaus nichts Uebernatürliches dar⸗ in finden konnte, bis er die mahnenden Worte des hühnenmäßigen Ritters vernahm. Sie machten ihn aufmerkſam, er überdachte noch einmal die ganze Erzählung ſeines Sohnes, und deſſen aufgefundenes Schwerd gleichend, hielt er dieſe Begebniß für zu⸗ ſammenhängend mit dem von ihm ſelbſt er⸗ lebten Abentheuer. Er erinnerte ſich ge⸗ nau, daß dieſes ſich gerade heute jähre, und da er in jener Nacht, in welcher ihm der Kaiſer Heinrich das Eigenthum der Beſte verhieß, hochgelobet hatte:„zum An⸗ denken ſeines beſtandenen Abentheuers,— welches ihm eigentlich den Beſit dieſer Burg verſchaffte, und alſo für den ganzen Stamm der Baaren ſo bedeutſam war— einſt, wenn ihn Gott mit einer Gattin be⸗ glücke und mit einem Sohne ſegne, dieſen erſt dann zum Ritter ſchlagen zu wollen, wenn ſich mit deſſen erreichtem zwanzigſten 4 — ſſſ Jahre jene Nacht wieder jähre;“ ſo glaubte er in dem Vorgefallenen einen Wink zur Erfüllung ſeines Gelübdes zu finden. Die Ueberzeugung, von Arnulfs männ lich unerſchrockenem Muthe ließ ihn auh nicht lange damit zaudern. Während dem Abendimbiſſe entdeckte er ihm ſeine Ver⸗ eißung und dieſer erglühte vor Freude, nun bald ſeine herrlichſten Träume in E üllung gehen zu ſehen. Nach aufgehobe⸗ ner Abendtafel leerten Vater und Sohit 4 ihre aus großen Goldmünzen geſchmelzten Scheuren und Heino begann:„Nun Ar⸗ nulf geh' in die Rüſtkammer ünd laß durch drei Knappen den übergüldeten Harniſch herbei bringen, und du Ida nimm drei ſchwarze Schwungfedern um damit deines Bruders Helm zu zieren; auch laſſe für jeden der drei Knappen drei Humpen füllen“" Freudig eilten die Geſchwiſter des Va⸗ ters Willen zu erfüllen, und bald trat Ar⸗ nulf mit den Knappen, welche ſeine Rü⸗ ſtung trugen, wieder in das Gemach. Ida zierte den Helm und Heino hieß, nachdem er ſein Schwerdt von der Wand genom⸗ mnen und umgürtet hatte, ſeinen Sohn vor ſich niederknieen, zog ſeine Klinge und ſchlug damit auf deſſen linke Schulter un⸗ ter den Worten:„Im Namen Gettes, des „Kaiſers und der ganzen ehrſamen Ritter⸗ „„ſchaft, ſchlag' ich, Graf Heino von Baar, freier deutſcher Ritter und Bannerherr, „dich Adelſchalken, Grafen Arnulf von „Baar, kraft. meines Bannerrechtes und deines Schwures, alle und jede Pflichten eines ehrenfeſten Ritters, die da ſind, kein „Unrecht zu dulden und Unſchuld und Tu⸗ „gend zu beſchützen, treulich erfüͤllen zu „wollen, zum freien, einem Jeglichen eben⸗ „bürtigen Ritter! Dieß duldeſt du voen „mir, aber von keinem andern wieder!“ Die Knappen mußten den jungen Rit⸗ ter mit der güldenen Ruͦ uſtung wappnen, ihm ein Schwerdt umgürten und auf ſein ſte⸗ tes Wohl und Glück in ſeinen Fahrten die drei Humpen bis auf die Nagelprobe lee⸗ ren. Herrlich paßten dem ſtattlichen Ar⸗ nulf die blanken Schienen der Rüſtung, und gleich dem güldenen Flammenmeere der untertauchenden Sonne, ſpiegelte bei dem hellen Fackelſcheine Bruſtharniſch und Helm von welchem dei jeder Bewegung die drei enſchwarzen Federn, das ſchwarze Kreuz 1 n Todtenkopfe, das auch auf d He imſtirne furchtbar prangte, in bhrem Schwunge begrüßten. Er reichte ſeinem Vater die Rechte— we her ſie ihm freu detrunken kräftig üttelte, und in ſeinen ſte ſchon dur hes Sohnes Helden⸗ aten den alten Nuhm der Baaren .— 51— allein erhalten, ſondern auch doch erbbhet ſah— umarmte dann Mutter und Schwe⸗ . ſter, die ihm den erſten Minnekuß der ſchweſterlichen Liebe zwiſchen dem geöffne⸗ ten Helmſturze auf die Lippen drückte und den erſten Humpen zierlich kredenzte, den er auf das Wohl der ehrenfeſten Ritter⸗ ſchaft und der edlen Dirnen leerte— und 4 folgte jetzt ſeinem Vater in die Kapelle, um ſeine Ehrenwache hier zu thun. Dumpf ſchallten ihre Tritte durch den Saulengang bis an den Hochaltar, an wel chem Arnulf ſeinem Vater ein kurzes Ge⸗ bet nachſprach, worauf derſelbe mit den Worten ihn verließ:„Sey wacker und bete „mein Sohn, denn als Ritter mußt du von jetzt an dein ganzes Leben hindüürs „für die Erhaltung der Unſchuld und Tu⸗ „gend wachen; deine beſondere Pflis Ps aber⸗ für die Arecchaluung des hah 3 * dei Poſten hier unter d „ſchilde deiner Ahnen, bey der „der komnienden Fruͤhe nicht ſchlafend zu finden hoffe.“ Schauerlich garrte die Thüre in ihren benen Riegel und des umgedrehten Schlof⸗ ter das Beginnen ſeiner Ehrenwache. Diſſter brannte das ewige Lämpchen und nur dann und wann in ein helleres Flämm⸗ chen auflodernd, beleuchtete es die mit Grab⸗ ſteinen, Inſchriften, ſchwarzen aufgeſtell⸗ teen Ritterruſtungen und ſeltſamen Waffen⸗ fucken verzterten und behängten hehren Hallen der gothiſchen Kapelle und machte ſo die Schatten aller dieſer Gegenſtände be⸗ Arnulf betrachtete erſt kange mit begei⸗ ſtertem Gefühle die aus dem ſeltenen Gra⸗ nite geformte Säule, an welcher das Fa⸗ milienwappen hing, und der Gedanke, daß alle ſeine Ahnen das nämliche geführt und du ihren Heldenmuth hoch berühmt ge⸗ nacht hätten, ließ ihn aus jedem Felde ee ihn an Tapferkeit und Edelſinn mah⸗ nde Suimme eines ſeiner Vorweſer hö⸗ 5 Angeln zu und das Knarren der zugeſcho⸗ fes verkündeten von außen dem jungen Rit. weglich. .— 4 auf ſich, und bei längerem Hinſehen ſchien eine Zeitlang mit ſich, ob er den ihm über⸗ gebenen Poſten an der Wappenſaule ſeiner willig werdenden Winke folgen ſolle, oder ven. Dann aber warf er, an die S unter das Wappen gelehnt, ſeine Blicke in den düſtern Hallen umher. Ein fernes in Lebensgröße Fohaltends Bild, das nur an der Seite des Profils 4 trüb aus dem dunkeln Schatten gehoben wurde, heftete bald ſeine Aufmerkſamkeit es ihm freundlich zu winken. Er ſtritt Ahnen verlaſſen, und dem jetzt ſogar un⸗ nicht. Seine erregte Neugierde ließ ihn eendlich alle Gegengründe beſchwichtigen; er ſchritt darauf zu und je näher und näher er kam, deſto angſtlicher ſchien ihm das Winken zu werden, um ihn gleichſam daa mit zur Eile anzutreiben. Noch drei Schritte und er häͤtte davor geſtanden, da aber fuhr plötzlich das Portrait in mäͤchtiger Schwin⸗ 3 gung auf und vor Arnulfs Füße nieder.. Ein ſtöhnender Ton drang zu ſeinen Oh⸗ ren, und emporblickend ſah er eie große ammen fiel, und mit dem auf dem geplat⸗ durch das Bild verdeckt war. Da es ihm indeß jetzt nicht die Zeit zur genaueren 4 Durchſuchung ſchien, gedachte er damit bis zum kommenden Tage zu harren und wollte deshalb zur Wappenſaule zurückkehren, da bewegte ſich plötzlich auch eine der aufge ſtellten Rüſtungen und ſchien mit dem iu ihrer Rechten blinkenden Schwerdte auf ihn zugehen zu wollen, und der Gedanke, das ihn ob ſeiner eitlen Neugierde einer ſeiner Ahnen beſtrafen wolle, ließ Arnulf glau⸗ ben, daß ihm nun der Weg zur Wappen⸗ ſaͤule vertreten ſey; jedoch ſein Muth hieß ihn beherzt fuͤrder ſchreiten. Wie ſehr er⸗ gluühte aber Zorn und Beſchämung in ihm da er jetzt erſt gewahrte, daß ein heftiger Zugwind in der Kapelle die Bewegung der NRüſtung und wahrſcheinlich auch des gefal⸗ lenen Bildes hervorbringe. In ſeinem Un: muthe zog er ſein Schwerdt und fuͤhrte da⸗ ir einen ſo derben Streich gegen das noch wankende Panzerhemd, daß es ſoglen zu⸗ teten Boden eine Zeitlang fortdröhnenden Klirren ſeine kindiſche Rache zu verlachen ehernen Hammer die Mitternachtsſtunde an, dieſe warf jetzt gleich einem Feuer ſprüs 55— ſchien. Kaum hatte aber der klirrende Ton geendet, da zeigte die Schloßuhr mit ihrem und mit dem letzten verklingenden Schlage hatte der Wind das Flämmchen der ewigen Lampe mit einem heftigen Brummen ver⸗ löſcht. In demſelben Augenblicke hörte er das Garren einer Thüre und alsbald wurde durch die Oeffnung hinter dem herabgefal⸗ lenen Bilde ein düſterer Fackelſchein ſichtbar. In ſtummer Erwartung ſtand Arnulf mit gezogener Klinge an ſeine Wappen⸗ ſäule gelehnt, und tiefe Stille herrſchte 1 ringsum. Immer heller und heller verbrei⸗ tete ſich das Licht in der Oeffnur ag und henden Rachen weithin in die ſehwarzen Hallen einen blutrothen Schein Eiskalter Schauer durchrieſelte ſedoch de⸗ beherzten Arnulfs Gebeine, da er nun ſechs Rütter mit einem Sarge, auf welchem zwölf Dolche ſteckten, und dem noch ſochs. Geharniſchte mit Fackeln in der Rechte folgten, aus der Oeffnung in den K. Jang herabſchweben ſah. Langſam und 36ö lich bewegte ſich der Zug bis an die von Arnulf zuſammen geſchlagene Rüſtung. Vor ihr wurde der Sarg nieder geſtellt und die ihm folgenden ſechs Ritter ſchlugen mit ih⸗ . ren Schwerdtern ſo kräftig auf den Deckel ddie Kapelle erfüllte. Niachdem dieſer Schlag aber zum dritten Male von ihnen wiederholt war, rollte die bedolchte Bedeckung mit furchtbar hohlem Geräuſch herab, und ein blondgelocktes Mädchenhaupt erhob ſich aus dem Sarge. Ihre gebleichten Wangen und die ſanft mnelodiſche Stimme, womit ſie fragte;„Wer ruft und ſtört mich hier in mei⸗ ſich gleich darauf durch der Ritter Antwort: „Deine Brüder, deine Mörder!“ der Kapelle ſchreckbar verbreitete, erbebte von neuem Arnulfs Glieder. Uinerhört ſchien ihm eine ſolche Miſſethar und ſein Damaszener zitterte ſchon in ſei⸗ br Schwerdter ſich nach dem blonden deſſelben, daß ein donnernder Wiederhall er Ruhe?“ bewegte Arnulf tief in ſeinem Innern, doch der rauhe Schall, der ner Rechten, da ſah er der Geharniſchten 4 3 Nuſtk drangen an ſein Qhr. Tief athme⸗ Haupte der Dirne ſchwingen, welche ihre ſchlanken Glieder jetzt aus dem Sarge er⸗ hoben hatte und von einem düſteren Glanze umfloſſen, mit ängſtlichem Mitleid erregen dem Tone rief:„O Arnulf, Arnu frette mich!“ und wuthentbrannt ſtürzte. der junge Baare mit dem donnernden Aus⸗ rufe:„We ichet zurück ihr heilloſen „Buben!“ auf die Ungeheuer ls.— Sprachs und ſtockſinſter war es um ihn her. Nur harmoniſche Töne einer ſanften te er auf und hörte dem Getöne zu, wel⸗ ches ſo friedliche, wonnevolle Gefühle in ihm erweckte, daß ſeinem Auge eine Thräs ne entquoll. Da drang eine zarte Stimme durch die Engelsharmonie und ſang in ſee⸗ lenvollem Ausdrucke:„Friede ſey „dir, du edler Jungling! Sie hatte geendet und wie im& Chote wiederholten rauhere Organe, von tie feren Akkoͤrden unterſtützt, dieſelben Worte, wor⸗ af die Muſik in d hhere Sphaben wieder eeehe wieder einzuräumen, morgen magſt — 88— das Ohr d des in innigem Gebete auf ſeine Knie niedergeſunkenen Anulſs endlich er⸗ ſtarb. Wie ſtaunte aber der junge Baare von nenem⸗ da, nachdem er ſich erhoben hatte und bey der wieder hell brennenden ewigen Lampe zu ſeiner Wappenſäule ru ückkehrte, hinter dieſer ein Ritter mit den Worten: „Ja Heil und Frieden dir, edler „Jüngling, unerſchrockener, tapfe⸗* Arer Arnulf von Baar!“ hervortrat. Arnulf erkannte alsbald in ihm den Rit⸗ 3 ter, welcher ihm an dem verfloſſenen Aben⸗ de auf dem Burgwege begegnet und die Mahnung an ſeinen Vater aufgetr Hen hatte. Er begann daher zu ihm:„Dein „Gruß läßt mich Gutes von dir hoffen, und nſollteſt du mir wirklich deshalb die Erin mnerung iſer Heinrichs Nachtlager „an meinen Vater aufgetragen haben, da⸗ „mit er mich zum Ritter ſchlage, und ich „bei meiner heutigen G brenwache nutze „konnte, ſo nimm dafür meinen herzlichen „ Dank, jedoch erſuche ich dich, mir dieſe — 59— „du dann mir und meinem Vater, dem „du ſicher ein alter Geſdonne biſt, ein „willkommener Gaſt ſeyn.“ Ritter.„Nicht doch, edley Baare, du „ſiehſt in mir kein Weſen dieſer Welt, ſon⸗ „dern einen halb abgeſchiedenen, unglück⸗ „lichen Geiſt. Blicke her, vergleiche deine „Rüſtung mit der meinigen, und du wirſt „finden, daß ſie bis auf den geringſten „, Nagel ſo gleich und ähnlich ſind, wie eir „ Tropfen Waſſer dem andern, denn greife; „was mich umgibt iſt nur der luftige Schat⸗ „tenriß von deiner Nüſtung, die ich in „meinem Leben trug. Indeß, meine Zeit hiſt mir gemeſſen, und ich will in möglich⸗* „ſter Kürze dir daher berichten, was du zu wiſſen jetzt nöthig haſt. „Ich bin im ſechsten Glied dein Ahne, „und ward vor reihundert Jahren als Rirter Arnulf von den Rachͤmn un „Vafallen der Baarenburg „und geliebt. Mein aälterer Bruder H. „ribert, der mit einem Fraulein von. „An glau ſich beweibet und mit ihr einen „Knaben Edmu deinen Ahnen 1 nd, „fünften Gliede,e erzeuget hat, genoß nur kurze Zeit dies Glück, denn ſchon in ſei⸗ „nem erſten K Kriegszuge mit Kaiſer Otto⸗ 3 „ſtarb er des Heldentodes. Ich war mit nihm ausgezogen und erhielt gleich nach ſeinem Falle vom Kaiſer ſelbſt den Rit⸗ nterſchlag, worauf ich bald als Trauerbote „zu meiner Schwägerin auf die Baaren „burg zurückkehrte und, da mein Neffe 3 Edmund noch zu unbärtig war, und ſeine „Mutter kränkelte, das Regiment und die „Veſchützung meiner Ahnenveſte übernahm. 8 „Auf einem Fehdezuge gen Udo v on „Eberſtein, einen Ahnen deiner Mutter, ernte ich den alten Aulenburger kennen. „Meine Tapferkeit und Handlungsweiſe „gegen den bezwungenen Eberſteiner zog „den Grafen Kuno von Aulen zu min „hin. 4 Er lud mich ein auf ſeine Burg 3„auf der ich ſeine zwölf Söhne kennen „lernte, denen der alte Graf jedoch dadurch, 4 daß er mich ihnen als Muſter edlen Hel⸗ ndenmuthes vorſtellte, ſchon den Groll ge⸗ gen mich im Buſen weckte.— Aber ich „pverrieth mir nur zu deutlich, wie unan⸗ „genehm ihnen meine Nähe ſey, beſonders „da ſie ſich bei ihren Jahren wohl auch „vor mir ſchämen mußten, ſo enus „unter dem weichen Kolter liegen zu blei⸗ ben. Von ihnen konnte ich daher nichts — 61— „ſah auch ſeine Tochter Adeline und „liebte ſie.— „Zwar kehrte ich auf die Vaarenbutg „Zurück, doch mein Herz blieb hier, und „meine dort verlebten Tage glichen jetzt „nur einem Liebestraume. Bald führte mich „die mächtige Sehnſucht nach dem Gegen⸗ „ſtande meiner heißen Minne wieder hier⸗ „her und ich wurde bey dieſem zweiten „Beſuche ſchon Adelinens Gegenliebe gewiß. „Ich hatte keine Urſache an ihres Vaters „Einwilligung zu zweifeln; doch das Be⸗ „tragen aller ihrer Brüder gegen mich Mur Beförderung meiner Liebe hoffen und „entſchloß mich jetzt gleich bei dem betag „ten Vater um Adelinens Hand zu wer⸗ „ben. „Er gab uns ſeinen däterlichen Sess „und ich eilte heim, um mit meinem Neu „‚fen, der jetzt ſchon Ritter war, ob mei⸗ „ner ehelichen Verbindung das Nöthige zu „beſprechen. Er willigte mit Freude in „meinen Vorſchlag, daß, da mir meine „Braut zwar eine anſehnliche Mitgift, aber keine Burg mitbringe, wir fürder auf der „Baarenburg zuſammen hauſen wollten, und ich beſorgte ſo ſchnell wie möglich „ die Einrichtungen und Anſtalten zu dem „Empfange meiner Braut. „Alles war in der gewünſchten Ordnung, ich ſputete mich hierher um Adelinen „heimzuft uhren— aber nur du als ein „Baa kannſt die Wuth dir denken, welche „in meinem Innern entbrannte und zur 8„heißeſten Flamme aufloderte, da bei mei⸗ nem Begehren nach Einlaß von dem Lug⸗ „inslande herab mir die feindſeelige Ant⸗ 8 wort wurde, daß hier keine Ruhe und „Freiſtäͤtte für mich ſey, und auf meine „Frage nach dem alten Grafen ich erfuhr, 8 aß deſſen Gebeine ſchon ſeit einen hal⸗ „ben Monden in der Gruft moderten. 4 „NMu donnerndem li geſtume forderte 4 3 eadh Abeline„ meine Brauk due aber er: . 1 „daß ihre Schweſter einen ſo prahleriſchen „ſten von ihnen, zur Mauer hinauf und „ſchienen ihre zwölf Brüder auf den Mau⸗ „ern und bodeuteten mir mit trockenen „Worten, daͤß ſie es nie zulaſſen würden „Lauer, wie ſich, zum Gatten nehme und „ſie ſich auch ſchon längſt eines anderen „beſonnen habe. Ich ſchalt zwar dieſe „Ausſage ſchaͤndlich von ihnen erlogen, doch „ſie drohten mir, falls ich nicht ſogleich die „Nähe ihrer Veſte verließe, einige Stein⸗ „körbe von ihren Buben auf mich auslee⸗ „ren zu laſſen. „Dieß war zu viel für einen Baaren! „Ich warf meine Lanze nach dem Aelte⸗ „jagte gleich einer tobenden Windsbraut „von dannen. 85 „Mein Nefſe wüthete wie ich, wir 88.— Aien alle unſere Mannan auf, Adel kneg a zu. „Die Belagerung begann, denn an „Stuürmen war bei der damals noch „ſtandenen dunkeln Kluft nicht zu denken, „da einige große Steine hinlänglich waren „die Burg gleich den Sternen unerreichbar „zu machen. „ Nach einem Monden endlich, während „welchen ich tagtäglich rings um die Burg „nach dem blondgelockten Haupte Adelinens „vergeblich ſpähte, ward uns die Botſchaft, „daß die Aulenburger Brüder mir ihre „Schweſter überliefern wollten, falls ich „auf Ritterwort und Ehre ihnen zuſichere, „mie mehr etwas Feindſeliges gegen ſie un⸗ „ternehmen zu wollen. „der ein alter Knappe war, behandelte, „hatte dieſen ſo unwiderſtehlich für mich eingenommen, daß er gleich nach geendig⸗ Kunde mit einer Thräne im umbräun⸗ Auge vor mir auf die Knie ſiel und rief: Nein, ihr verdient bei Gott icht, daß ich euch auch noch mit jenen „Buben hintergehe.— O hört und zit⸗ „getödtet, von ihren eignen Brüdern er⸗ —„Die Art aber, wie ich den Botſchafter) 8 „tert nicht.— Eure Braut, Adeline iſt mordet!— Sie drangen nach ihres Va — 65— „ters Hinſcheiden in das edle treue Fräu⸗ „lein, euch das gegebene Wort zu brechen; „allein da ſie ſtandhaft blieb und ſelbſt Ge⸗ „fängniß und die Drohung mit der Todes⸗— „ſtrafe ihre Treue gegen euch nicht erſchüt⸗ „tern konnte, erfüllten die unmenſchlichen „Brüder ihre ſchändliche Verheißung und „gewährten der Schweſter ſelbſt die einzige letzte Bitte nicht, euch nur noch einmal „ſehen zu dürfen. Unter einem fürchter⸗ „lichen Fluche über ihre Mö rder endete ſie. „Zwölf Dolche, gleich der Anzahl ihrer „Brüder, durchbohrten ihr treues Herz und „roſten mit ihrem Blute auf dem Deckel „ihres Sarges.— Euch wollten ſie nun „den Sarg mit ihrer Leiche überliefern, 88 „und Ihr, ſo ſchrecklich hintergangen, hät⸗ „tet ob eurem gegebenen Worte das n „ſchuldige Blut nicht rächen können! Arnulf.„Halt ein! Mirz rollts wie „ſiedend Oel durch all mein Gebeine! 5 8 Geiſt.„So geſchah mirs auch; doch „höre weiter. In meinem heißen Durſte „nach Rache, ſchwur ich der ganzen Veſte nden Untergang und wollte ſelbſt den al⸗ 8 — 66— „bpfern, jedoch mein Neffe hielt mich noch , zur rechten Zeit davon zurücke, um den „ Vortheil von ihm zu ziehen, der zur „Stürmung der Veſte uns nöthig war. „reichlichen Lebensunterhalt, wenn er ſo⸗ „gleich zur Veſte rückkehren und den Rit⸗ „tern melden wolle: Ritter Arnulf von „Baar willige in ihre Friedensbedingniſſe, ffalls ſie ihm mit der kommenden Frühe „üAdelinen ſammt der von ihrem ſeeligen „ Vater verſprochenen Mitgift überlieferten! „ In der Nacht aber ſolle er uns und un⸗ „ ſern Mannen den Ausgang der Kluft öff⸗ „floſſene Blut rächen könnten.. Aegen Mitternacht zogen wir mit dem rößten Theile unſerer Harſte bergauf, „nachdem ich die in ihrer Treue gegen mich „erprobken Knechte an dem Eingange der „Höhle zuruckgelaſſen und ihnen befohlen „hatte, das etwa fliehende Aulenburger „Geſindel aufzufangen und niederzuſtoßen. „ten Knappen meiner blinden Wuth auf⸗ „Er verſprach dem Knappen Freiheit und damit wir das edle unſchuldig ge. — See —„Der Ausgang war offen, ſelbſt bei der „Ueberſteigung der Mauern hinderke uns .— 67— „Niemand und trefflich rächte ich meine „Adeline; denn mein Schwerdt fand das „Herz ihrer Bruder, noch ehe ſie ſich ordent⸗ „lich zur Wehre ſtellen konnten.— „Nur der Aelteſte von ihnen bekam Luft, „und gewann ſoviel Zeit ſich wappnen zu „können, doch auch ſeine Streiche waren „meinem Arme und meiner Wuth nicht ge⸗ „wachſen. Er fiel, gleich ſeinen Brüdern, „von dem Schwerdte, welches du in deiner „Rechten hälſt, durchbohrt, und ſeine Rü⸗ „ſtung dort wurde durch deinen Hieb zer⸗ „ſchellt. „Ich ließ aber mein Rachegefüht zu ſehr „über mich herrſchen, denn nachdem ich die „zwölf Brüder in ihrem Blute ſchwbimmen „ſah, ſtürzte ich wieder hinab in die Pfalz, „wo ſich eine Rotte der Aulenburger ge⸗ „ſammelt hatte, und was hier meinen „Arme entgegen ſtand, hauchte unter mei⸗ „nen Füußen ſein Leben aus. Auch dar „war meine blutdürſtige Seele „befpiediget. Gleich einem Würgengel ſtürz. „te ich allenthalben in der Burg umher 5*. — 68— „und mordete und ſchlug alles nieder, was „nur athmete; ſelbſt die Zofe, welche mei⸗ 8„ner Adeline bis an ihr Ende, treu zur 3„Seite ſtand, und die mir mit mitleids⸗ „ vollem, thraͤnendem Auge entgegen kam, pouͤrgte mein Schwerdt. „Endlich. führte mich meine Wuth ſelbſt un die Kapelle; ich ſtürzte durch jene Deffnung in die Gruft— und hier war as, wo ich meinem Seelenheile am mei⸗ ſ ſchadete, denn ich ſchwur, durch Ade Mlinens ſchrecklich entſtellte Geſtalt, die ich, nachdem mein Arm den bedolchten Deckel „von dem Sarge geworfen hatte„ nackt und leblos daliegen ſah, zur höchſten Wuth zund Raſerei entbrannt, mit auf ihre Bunden gelegter Rechte der ganzen Menſch⸗ heit Tod und Verderben. 1 „Bewußtlos ſank ich hierauf neben ih⸗ rem Sarge nieder und lange mußte ich „hier gelegen haben, denn als ich erwachte nund in den Burghof eilte, ſtaunte ich baß, „da alles ſo öde und leer und ein Theil er Burg ſogar niedergebrannt war. Ich haſtete aus dieſem für mich ſo ſchauerli⸗ — „chen Raume, in welchem mich allenthat⸗ „ben Todtengeſichter und Geiſter angrinz⸗ „ten, und der von jetzt an nur der „enthalt von Eulen und Uhus wurde. „Meines Schwures eingedenk, jagte ild „nach der Baarenburg, ließ an meinen „Schwerdtgriff und Helm ein Kreuz mit* „einem Todtenkopfe, zum Zeichen meiner 1 „künftigen Beſtimmung einprägen, nahm „Abſchied von meinem ſchon um mich wau⸗ „ernden Neffen, indem ich ihn zur Tape⸗ „ferkeit und Aufrechthaltung des Nuhmes „unſeres alten Stammes mahnte, und ſturze „te ohne irgend eine Begleitung burgaus „in die um mich her wogende Welt h „ein. „Dir alle meine Thaten und eten 4 nanlaſſung zu kunden, wäre überfiut „und es ſey dir genug damit Safnt. „ich trotz meines Menſchenhaſſes, de „manche Miſſethat begehen und vorzu „an der Eberſteiner Sippſchaft, welche „als die erſte Urſache meines trüben „ſales anſah, harte Unbilden verube „dennoch meine Ritterpflicht nicht valt — 70— „gaß und oft auch Unſchuld und Tugend „ſchützte. Da aber nach mehreren Jahren „mein Schmerz allmählig verſiegte, wollte ich ihn durch Adolinens Anblick von neuem „recht lebhaft wecken und dann als Ein⸗ „ſiedler in einer wüſten Gegend meine noch „übrigen Tage durchleben. Ich vergrub „deshalb mein Schwerdt an jener Stelle, „an welcher du durch meine Mitwirkung wes fandeſt und ſchritt dann durch die dunkle Kluft hierher zur öden Burg, in „p welcher mir die mit Todtengerippen über⸗ „ ſaete Pfalz und die weiten leeren Gaden ſchreckbar entgegen gähnten. Dem Ewi⸗ „gen geſiel es aber, mich hier an dem 4 „Orte, an welchem ich meine größten Miſ⸗ ſethaten vollbrachte, von meiner Lebens⸗ hahn abzurufen, denn in der Nacht, nach⸗ zdem ich Adelinen noch einmal in ihrem Sarge geſehen und mich in dem Gemache, „in welchem du meine Rüſtung fandeſt, „zur Ruhe niedergeſtreckt hatte, überfiel „mich eine furchtbare Fieberhitze, welche „mir die ganze Greuelſcene des von den zwölf Brüdern verübten Schweſtermordes — 71— 3 „vorſpiegelte. Ich hörte meine Adeline um „Hülfe rufen und wollte eben von meinem „Lager aufſpringen, um ſie den Mördern „zu entreißen, da ſtürzte mit donnerndem „Krachen die Decke des Gadens ein, und „trennte ſo meinen Geiſt von ſeiner irdi⸗ „ſchen Hülle. „Dieſe vermoderte zu Staub und Aſche „aus der ſie hervorgegangen war, jener „aber flog empor zu Gottes Richterſtuhl, „um die Thaten ſeiner irdiſchen Pilgerſchaft „zu verantworten. An der Pforte der ewi⸗ „gen Vergeltung aber donnerte mir eine „mächtige Stimme entgegen: 4„Zurück verſchworner Mörder— „deiner Mitmenſchen. Weiche von „dieſem Gnadenorte, an dem „noch keinen Theil haſt, undm Ae, wandle, wandle, bis das B 1„renſchild mit dem Eber a „Nulenburg einſt prangt und „Sproſſe mit deinem Schw „und deiner Rüſtung durch „ten edler Meuſchen „flecken deiner Seele al „dich mit Adelinen ſammt ihren „Brüdern dann vereinigett... „Jetzt muß ich enden, edler, tapferer „Jüngling! Denn meine Zeit iſt abgelau⸗ „fen. Wiſſe nur noch, daß du durch dei⸗ „ ner Schweſter Rettung und deinen uner⸗ y ſchrockenen Muth in dieſer Nacht Adeli⸗ „ne, deren Geiſt nur durch ihre allzugroße unwiderſtehliche Sehnſucht mich noch ein⸗ „mal ſehen zu wollen, an dieſe Erde ge⸗ „ifeſſelt wurde, zur Ruhe befördert, ihre 1 „Brüder, meine Widerſacher, wie mich— „ von der peinlich drückenden Laſt unſerer „Leiden dadurch befreyet und uns ſo ſchon mächtig einander genähert haſt. „trefflich begonnenes Werk der Erlöſung deines Ahnen. An Gelegenheit wird es icht fehlen und herrlich wird dann 3 „dies⸗ und jenſeits dein Lohn ſeyn. Zie⸗ „he aus, ſchweige und handle, dann „wirſt du mich wiederſehen.“ Sprachs und verſchwunden war der Geiſt. Der hochherzige Baare aber rief mit begei⸗ 4 — * S 8 B₰ — ☛ — &☛ 5 — — „ ——— hehren gochiſchen Hallen der Kapelle warf ſterter Stimme:„Ja ungluͤcklicher Geiſt „meines Ahnen, heilig ſchwöre ich dirs, „ſchweigen und handeln will ich für dich, 1 „und heute noch zieh' ich burgaus!“ 6 In dem Gedanken an ſeine nun begin⸗ nende ritterliche Laufbahn und dem öfte⸗ ren Wiederholen und Ueberdenken der Worte des umherirrenden Geiſtes verſtrichen dem muthvollen Arnulf die Stunden bis zur herannahenden roſenfingrigen Aurora, wel⸗ che jetzt den erſten Morgenſtrahl in die um mit ihrem lauteren Lichte den düſteren Schein des ewigen Lämpchens zu verdrän⸗ gen, als die Riegele der Thüre zuruckkli ten und Vater Heino hereintrat um ſeinen Sohn von der beſtandenen Ehtrmvache zuholen. Gedankenvoll ſchritten beyde in den Bu zwinger, wo ihnen Ida freudig entge kam, ihren Bruder mit einem Kuſſe uin⸗ halste und ihm über ſeine güldene Ruſtung⸗ eine ſchwarze Schärpe, mit dem aufgeſtick⸗ ten Familienwappen umhing. Das Mor⸗ gengewand kleidete die ſchlanke Junaf an —*— ſo ſchön, daß Arnulf ſich nicht enthalten konnte mit dem Ausrufe:„O Ida, welch' eine liebe, gute Schweſter biſt du!“ ſie zu umarmen und ihr ins freudefunkelnde Auge zu verſichern, daß ſie noch nie ſo ſchön und freundlich geweſen ſey, als heu⸗ te. Ida meinte, daß dieß wohl daher kom⸗ me, daß ſie ihm zum erſten Male in ſei⸗ ner güldenen Ritterrüſtung den Morgen⸗ gruß bringe; und der Vater legte mit den Worten:„Liebt euch ewig ſo, meine Kin⸗ „der und ihr werdet glücklich ſeyn!“ ſeg⸗ naend ſeine Hande auf die umſchlungenen Geſchwiſter. Arm in Arm ſchritten ſie noch eine Zeit lang im Burggarten umher, dann aber e Ida ven Morgenimbiß zu beſorgen d mit ihrer Entfernung herrſchte die vo⸗ ige Stille zwiſchen Vater und Sohn, wel⸗ che Letzterer endlich folgendes beginnend, brach:„Vater ich will heute noch das „Weite ſuchen, denn mich beſtehet hier „ijetzt baß die Laune und es geziemt ja ket⸗ nem jungen Ritter im weichen Lotterbette w„liegen zu bleiben, während andere muthig „aushin nach edlen Waſſenthaten umher⸗ „ziehen. Lange genug lebte ich auf der väs „terlichen Burg und tummelte im Schimpf⸗ „ſpiele Flammberg und Schaft; nun aber „iſts Zeit, daß ich meine Lanze im Ernſte „zur Vertheidigung der Unſchuld, Tugend „und des Rechtes führe, damit Arnulfs— „des Baaren Tapferkeit und Heldenmuth „gleich dem ſeiner Ahnen in dem Munde „der Minneſänger von Burg zu Burg ge⸗ kundet werde.“ 5 Heino(ihn umarmend).„Ja ziehe „mein Sohn und erhöhe durch edle tapfere „Thaten den Ruhm der Baaren. Dein „Muth und Edelſinn iſt mir Bürge für „dein Handeln. Aber beantworte mir zuz „vor noch frey und offen wies dir gezietmtmu „die Frage: wie kams, daß in jener Nacht „jene Rüſtung in der Kapelle zerſchellte „und was hatte das ſonderhare Getöne, „welches die Luft erfüllte und mich und „die Knappen aufſchreckte, zu bedeuten Arnulf.„Ein Luftzug, Vater, wars, 4 „der die Rüſtung bewegte und mir dadurch — 76— „Veranlaſſung gab, ſie mit einem Schwerdt⸗ ſtreiche aus ihren Fugen zu bringen.“ Heine.„MNicht doch, du hatteſt heute „Nacht auch mit jemand eine Unterredung, „denn da ein Knecht mir kundete, daß es „in der Kapelle außerſt unruhig ſey, ging hich ſelbſt hin und vernahm auch bald eine „dumpfe Stimme. Sprich alſo war dies netwas Natürliches?“ Arnulf.„Nun ſo wißt's Vater, es „pwar der Geiſt eines unſerer Ahnen, aber 3 ſeine letzten Worte hießen: Ziehe aus, 1„ſchweige und handle! darum dringt nicht „weiter in mich!“ BHeino.„Wie, ein Baare wars, der „dir gebot, mir, deinem Vater, der doch „baß den Ruhm ſeiner Ahnen aufrecht „ hielt, etwas zu verheimlichen?— Doch „ſollte etwa die Verbindung mit meiner „im unehlichen Bette erzeugten Gattin Ur⸗ „ſache ſeyn, 1— Arnulf.„Ihr ſprecht ſonderbar!— „Habt doch den Eber ins Baarenwappen hauen laſſen, wie könnte meine Mutter⸗— Heino.„Sio iſt auch eine natürliche 9S „Tochter des alten Eberſteiners, nur vor „ſeiner ehelichen Verbindung mit deiner „Großmutter Luidbertha, von ihm mit die⸗ „ſer gezeugt worden. Ich ſelbſt erfuhr dieß „aber erſt bei dem Tode ihres Vaters.“ Arnulf.„Nun bei Gott es iſt das „erſte Wort, das ich hiervon höre, denn „der Geiſt unſeres Ahnen erwäahnte des⸗ „halb nichts. Sobald ich ihn aber wieder⸗ „ſehe, will ich fragen, ob auch euch ich „das verſchweigen ſoll, was er mir kun⸗ „dete; bis dahin aber 71 Vater, bitt ich, „geduldet euch; ich habe. ihm geſchworen!“ Heino.„Gut, ſo nehe, ſchweige und „handle mein Sohn!“ Hiermit ſchritten ſie in die Burg, wo 1 jetzt zu Arnulfs Auszuge, die Knappen und Knechte in Thätigkeit geſetzt wurden. Und bald nach eingenommenem Mittags⸗ imbiſſe leerten Vater und Sohn auf bal⸗ dig⸗frohes Wiederſehen den Abſchiedsbecher und reichten Mutter und Schweſter dem theuren jungen Helden mit thränendem Auge Lippen und Hand zum Lebewohl. Noch einmal ſcholl es„Valet! durch 8 Hufe ſeines dampfenden Arabers, die mit die hohe Pfalz, und der muthige Baare war zu Roß, ſein Rippenbrecher in der nervigten Fauſt und mit ſeinen zween zur Begleitung beſtimmten Knappen aushin ger jagt. Wonnethränen der Eltern und geliebten Schweſter folgten ihm und mächtig ſchwangen ſich die drei rabenſchwarzen Schwungfedern von ſeinem im Strahle der Mittagsſonne erglüheten güldenen Helme auf das ſchware Kreuz mit dem Lodtenkopfe herab. — Ruͤckblickend ſah der ſtattliche Baar jetzt ur noch in blauer Ferne die Zinnen der Aulenburg und langſamer ſchlugen nun die dem jungen Grüne des Frühlings übertern vichte Erde. Das Zwielicht überraſchte den muthvollen Baaren noch in dem Gedanken an ſeine ſo lange erſehnte und nun end⸗ lich begonnene ritterliche Fahrt und de Kaſper.„Mir ſchon recht, hättens drückte ſeinem Hengſte die Sporn in den dem Ausgange des Thales zu — 79— vom heiteren Himmelsbläue in das milde Thal, welches das rüſtige Kleeblatt eben beritt, herablugende Mond hieß den jun⸗ gen Helden zum erſten Male auf ein ru⸗ higes Nachtlager ſinnen.„Werden wohl „im Freien die Wiederkehr der ſcheidenden „Sonne erwarten!“ begann er deßhalb zu ſeinem Knappen Kaſper. „aber nicht nöthig!“? 4 Arnulf.„Biſt du etwa kundig und „weißt einen Nachtſedel in der Nähe?“ Kaſpar.„Wenn ihr am Ausgange die⸗ „ſes Thales links von der Heerſtraße ab⸗ Mlenken wollt, ſo haben wir nech ehe eine „Stunde abläuft eine kleine Veſte erreicht. „Ulrich von Steinbach nennt ſich der „Ritter und ſoll trotz ſeiner Armuth ein „gaſtfreier, ſehr tapferer Kämpe ſeyn.. „Alſo auf gen Steinbach!“ rief gernulf, Leib und flog in der Freude, heute ſchon als Ritter das Gaſtrecht von einem andern in Anſpruch zu nehmen berechtiget zu ſeyn, Jetzt heugte er unts und ſchon ſah er die Zinnen der hohen Beſte in Lunas lau⸗ terem Scheine trub erglänzen, da drang plötzlich Waffengeklirr an ſein Ohr. Er hielt an und vernahm bald, wie der Wind den klirrenden Schall von der Veſte her⸗ abtrage. 4 4 Arn ulf.„Deaner und Häu hier oben „gibts Fehde!“ Kaſper.„Mag keicht!—— aber Jeſus „Maria! das Steinbacher Fraulein ⸗ Arnulf.„Was gibts?— Was ſtehſt m 2„du? 3 Fanes denn nicht⸗ r die Heerſtraße vier Kaſpe r.„Gett, „wie eben dort üb „wand des Fraäuleins und ich glaube ſie n hat wie in V zweiung die Snſde g ge⸗ „rungen! Arnulf.„Se befreien „Dirne und dann dem ,n zu „Huͤlfe. Zieht eure Flammberge und hal⸗ „tet euch wacker, denn mir ſchwanet ein—, „jtuchtiger Steaußt 7⸗ „Geharniſche mit der Dirne dem Horſte* „Zzueilten?— Leicht flatterte das weiße Ge⸗ — 81— Und der muthige Baarethatte Recht, denn bald nachdem ſie im ſtärkſten Jagen den Räubern in den Forſt nachgeſetzt waren, ſahen ſie, daß nicht vier, ſondern acht Ge⸗ harniſchte, unter denen überdieß zwei i Ritt. ter waren, die jetzt ängſtlich um Schonung und Hülfe flehende Dirne umgaben. Die Ueberzahl der Gegſlet' aber, nicht achtend, 8 ſchrie der ſtattliche Baare den Forteilenden etit donnerndes„Halt!“ zu und wie im Blitze war ſein Helmſturz niedergeſchlagen, fein Damaszener blank und er auf ſeinen Aaber gewurzelt, hatte, noch ehe die ob ſeiner Werfolgung Beſtürzten zur Wehre griffen, ſchon einen ihrer Knechte zu Bo⸗: den gerannt.„Laßt die Dirne los, ihr ehr⸗ „loſen Räuber!“ brüllte er gleich einem gereizten Löwen von neuem und ſeine Klings flog in hageldichten pfeifenden Streichen auf die Gegner ein, die ihn ſammt ſeinen Knappen nun umringten und baß bedraͤng ten.„Ergeb dich, elender Lauer!“ rief jetzt einer der Ritter und führte ein derblichen Hieb nach Arnulfs Helm; d aber parirte und erwiederte ihn ſo be — 84— Harniſchſchienen zerſchellten ünd er in ſei⸗ nem Bluté⸗ ſchwimmend) Risderfank. 11„Ss rächt! Arnulf von Baͤar den elen⸗ * den altee ien donnerte der hühnenmäͤßige Held, warf ſein Schild⸗ Aber die Schulter, igriff ſein Schwerdt iilt beiden Händen ünd ſchluß ſo wäͤthend um ſich, daß kei⸗ ner ſeiner Geyiter aohne eine Wunde zu empfangen„ nſich ihm mahrn koiinte; doch aüch ſeine Kräfte Ueßen 95 und ſ cher wäre dr dem Fetzt n gegen ihn andringenden zweiten Ritter unterlegen, hätten nicht ſei⸗ ne Knappen die Hiebe deſſelben von ihm abgehalten, und init ihren Flammbergen den Weg durch ſeinen Bruſtharniſch gefun⸗ den. Röchelnd ſank daher auch dieſer zu Boden, und mit ſeinem Falle ſuchten die 3 nsch äbrigen Knechte ihr Heil in der Flucht. Tief athmete jetzt Arnulf auf, ſtiog von ſeinem Roſſe und nähete ſich der umach⸗ 35 Ha garſchmuͤck und die nachl und aftig, daß des feindlichen Ritters 82 uf den kühlen Raſen hingeſunkenen Dirne. Ihr bewußtloſek Zuſtand mußte 4 edem hinlä gliche Euntſchuldigung für den — 33— aige, verſchobene Ordnung ihrer Kleitung ſeyn, bei Arnulf aber erweckte den ein g ſeelenvolles Gefühl, daß er ſich nicht ent⸗ halten konnte, vor ihr auf die Knie zu ſinken und ihre zarte Lilienhand an ſein hochſchlagendes Herz zu preſſen. Heilig ſchien ihm ihr todtenähnlicher Schlaf, und entzückt in ihrem Anblicke, dachte er erſt, nachdem ihn ſeine Knaypen, welche indeſ⸗ ſen Wundbalſam und Wein gus eihrem Wetſcher genommen hatten, daran mahn⸗ ten, ihre entſchwundenen Lehensgeiſter wiß⸗ der zurück zu rufen und ſeine Wunden Ref⸗ binden zu laſſen. X 834 Hauunttt. a Mit Hülfe ſeiner Knappen genoß er bald die Freude, die ſchöne Diene wieder ath⸗ men zu hören und in ihr wiedergeöffnetes holdes, blaueseluge zu ſchauen. Mit freund⸗ lichen Worten ſprach er ihr Troſt zu und bewilligte gerne ihre flehentliche Bitte, ſie auſ ähee väterliche Veſte Steinbach zurück zu bringen. So raſch es des ſchwachen Fräuleins wegen, das ere zu ſich auf ſein Roß genommen hatte und mit ſeinem Man⸗ tel gegen die Kühle der Nacht zu ſchütz n die Veſte;, allein wie groß war ſein Schre⸗ cken und wie beftig floſſen des Fräuleins Zähren, da ihnen der vorausgeſandte Kaſ⸗ per die Kunde zurlckbrachte, daß die Burg Kreinhachen in lichten Flanmen ſtehe. 1„Gott mein Pater, n mein Bruder!“ jam⸗ merte das vor Froſt erzitternde Fräulein, Arnulf aber ſprang eilig mit ihr vom Roſ⸗ ſe, hullte ſie dicht in ſeinen Mantel, be⸗ fahl Kaſpern mit ihr bis zu ſeiner Wieder⸗ kehr zu harren und rief, indem er der Dirne Rechte noch einmal ergriff:„Nicht „Arnulf von Baar müßte ich heißen, falls nich ſolch heilloſe Schandthaten ungeraͤcht mit „anſehen könnte! Seyd ruhig, theures „Fräulein, bald ſehet ihr mich als Sieger fanr Racher, zoder nie wieder! 5 Ma dieſen Worten ſchwang e er ſich auf ſein muthig wieherndes Thier, riß Kaſpern die Lanze aus der Fauſt, legte ein und im Fluge war er, von ſeinem zweiten Kun pen gefolgt, dem ihm nachweinenden Fo ſuchte, gehen konnte, ſputete er ſich gen * —— 35— lein, mit welchem Kaſper jetzt dem dichte⸗ ren Geſtruͤppe zuſchritt, verſchwounden⸗ — Im hertigſten Kampfe, von Daͤmpf und Hihe getrieben, drängte ſich jetzt eine Schaar über die Zugbrucke der Beſte Stein⸗ bach heraus und gleich einem Naſenden. ſchrie ein hochbehelmter Ritter feinen Man nen zu:„Werft ſie zurück dieſe Brut, da „mit ſie unter dem Schutte ihres eigenen „Neſtes begraben werde!“ Da drange von der Burg her, ein anderer Ritter auf den Schreienden ein und donnerte ihm entge⸗ gen:„Warte ſchändlicher Räuber, heillo⸗ 1„ſer Mordbrenner, dein Leib ſoll hier zum „faulenden Aaſe werden/“ Hiermit waren beide aneinander gerathen, doch wäahrend der Hochbehelmte, ſchon ſei⸗ nes Sieges gewiß, Wben dem Aäbten. —— hatte Amnutfs Lanze ihn ſo keuftig getrof⸗ — fen, daß er von ſeinem Gaule ſiel und un⸗ ter deſſen ſtampfenden Vieren ſich walzte. „Ergebt euch ihr elenden Buben, oder „ihr ſeyd gleich dieſem alle des Todes!“ ſchrie jetzt der junge Baarenheld und feuer⸗ ſprühend blitzte ſein Damaszener uͤber den Blechhauben der ihren Herrn zu retten und zu rächen auf ihn andringenden Reiſt igen. „Ergebt euch!“ donnette er von neuem, gab ſeinem kampfluſtigen Araber die Sporn nnd gleich einem gereizten Ungehener hauch⸗ te ſeine mäͤchtige Klinge Tod und Verder ben unter die H ufen der Feinde. 5 4 Herrlich ſpiegelten ſich bei der ſinſter ge⸗ wardenen Nacht die Flammen der Beſte in züͤldenen Harniſche und Helme des . jungen Helden und ſchienen ihn gleichſam wie mit einem Ftammenmeere zu umgeben, n das die drei rabenſchwarzen Federn im machtigen Schwunge grauſend herabſchlu⸗ gen und welches die raſchgeſchwungene Klinge pfeifend durchſchnitt. Höher bäumte ſich 5 jetzt ſein Araber, höher ſchlugen die Flam⸗ men in i ſeiner Ruͤſtung 89 und mit eine klirrenden SHied; war der Helm des von* neuem gegen. hshihewen Nitters ſo kräftig zerſche n Gehir zichin gegen die a ergriff ein paniiſcher Shhee die Feinde und in einem wilden Schwoͤrme ſturzten ſie den Burgweg hinab, der Heerſtraͤße und dem Dickichte zu. Arnulf ihnen taeh und noch mancher hauchte ſein Lehen auf der ſchimpflichen Ftucht unter ſeiſtem Arme jaus; doch als der junge Held nun ſelbſt wieder in den Forſt eingeſpreng war, da Ponk guich er ermattet von ſei Thiere in den kühlen Raſen und eit tenähnlicher Schlaf drückte ihm di di ren Augenlieder zu. Schon weit war die Sonn chen Horizonte entwichen und begin ihren warmen, lockenden Fruͤhlingsſtrahl ſchon kraftig den grüͤnenden Hochwald, al jetzt endlich der junge Baare ſich wieder! regen begun und altmählig ſein Auge güfe ſchlug. nt⸗ nommen, er fahi ſeine Wußden ale ſor — 38— 4 1 8 Sein Hengſt wieherte von einem Baume her, an den er angebunden war, munter ihm zu und ſchien den vor ihm ſtehenden Helm ſeines Herrn bewachen zu wollen. Arnulf richtete ſich auf und rief ſeinen Knappen; doch ſtatt ihrer trat ein ſtattli⸗ cher Ritter mit offnem Viſiere und von ei⸗ ner ſchlanken Dirne umſchmiegt, aus dem Gebüſche auf ihn zu, reichte ihm freund⸗ lich die Rechte und begann: 3 „Dank dem Ewigen, daß er euch, den 5„Retter meiner Tochter und den edeln, herr⸗ lichen Sieger und Racher meiner Feinde „wieder erwachen ließ!— Als heldenmü⸗ 4 thig war von jeher der deurſchen Ritter⸗ ſchaft der Name der Baaren bekannt und ſelbſt freute mich einſt mit einem bie. ren Sproße dieſes Stammes unter des „Kaiſer Heinrichs Bannern in Italien zu kämpfen, doch jetzt fühle ich mich hochge: hehrt, in euch, den obgleich noch jungen aber dennoch edelſten und tapferſten A „kömmling des Baarenſtammes kennen zu lernen. Ewig blelbe ich euer Shldne heldenmuchigſter⸗ Dünglng⸗ doch ſeyd au 4 5 5 4 2 2 — 39— „gewiß, daß ihr euch kein dankbar⸗freund⸗ „ſchaftlicheres Herz erwerben könnt, als ihr „in dem meinigen euch erworben habt.“ 3 Arnulf.„Wenn die Erfüͤllung mei⸗ — ner Ritterpflicht in euch mir einen biede⸗ „ren Freund erwarb, ſo dank ich dem Zu⸗ „fall, der mich geſtern hierher führte und „mich eure edle ſchöne Tochter retten und „eure Feinde beſiegen ließ; indeſſen wünſch⸗ „te ich früher bei euch geweſen zu ſeyn, „wielleicht haͤtte ich dann auch das Glück „heſchützen. n 3 Ulrich von Steinbach.„Nicht doch, 5„ihr kamt feuh und ſpät genug um mir „ein größeres Gut zu retten: Meine Veſte it nicht ſo ſehr beſchädigt, als daß ich „nicht mit Unterſtützung guter Freunde wi „der in den vorigen Zuſtand ſetzen könnte, „aber meine Tochter, meine Emma hier, „hjetzt ſchon den ſchandlichſten Qualen Preiß nnnnir gerertet und meinen argſten Feitd „gehabt eure Veſte vor dem Brande zu „wäre) kamtt ihr früher oder ſpäter, auf „immer meinem Vaterherzen entriſſen und „gegeben geweſen. So aber habt ihr ſie — 90— 8„erſchlagen, das traun iſt mir mehr denn „zehn Burgen.““. bilEmma.„Ja zur rechten Zeit noch „ſandte Gott mir in euch den edlen Retter— „meiner Tugend und meines Lebens!(Sich „Kindlich an ihren Vater ſchmiegend).„Ach „Vater, wie Kännen⸗ wie ſollen wir ihm „lohnen?“ Min) mm S Ulrich von Steinbach. i„Schweig „meine Tochter von Belohnung, ein Baare „iſt zu edelſinnig, als daß er ſich für ſeine erfüllte Pflicht belohnen ließe, nur dan⸗ „fken kannſt du ihur⸗ tin deinem ehranden „Andenken! 1 An— Emma.(Auf Arnulf miipratend und ihm die Rechte darbietend).„O ſo neh⸗ met, tapferer Retter meines Lebens, die „Verſicherung, daß Emma's von Stein⸗ „bach's Herz ewig nur von dem Gedanken an euch und eure edle Thus erfüllt ſeyn v„wird.“ Arnulf, telcher Selther eigem wewoep⸗ lichen innern Kampfe gegen ein noch nie emnefundenes Ge ihe ſtumm daſtand Wniif — 91— hand, preßte ſie mit Heftigkeit an ſeinen Mund und rief mit innigem Seelentone: 4 „O Emma, theure Emma, wie glücklich „macht ihr mich!— Iſt das Gefühl, „was mich⸗ durchbebet Minne, o dann mag „der Himmel untergehen, in meinem In⸗ „nern hebt ſich ein zehnfacher mir empor 4 Emma.(Unſchuldig beſorgt).„Guter „Arnulf iſt euch etwas, ſchmerzt euch etwa „peine Wundeſtteo e ieee ⸗ Arnulf.„Nimmer, ſie thuen mir wohl „dieſe Wunden, die ich um euch erhielt, „meine theure Emma!“ 4 Emma.„So ſeyd auch heiter, lieber „Arnulf! Kommt Vater, helft mir ihn bit⸗ „ten, daß er mit uns zur Burg gehet, „Heinrich mein Bruder, wird uns wohl „ſchon lange erwarten.““ Utrich von Sreinbach.„Ja kommt „tapferer Ritter, ihr werdet es mir, eurem „offnen, wahren Freunde, und meiner „Emma nicht abſchlagen, uns auf unſere „Burg zu degleiten, wo ihr euch leichter „erholen könnt!“ Arnulf.„Glaubts biederer Vater, es 23— — 92 „war mir nie in meinem „wohl und heiter, als gerad „ſem Augenblicke; doch da⸗ „Emma es wünſthen, fd auf eure Burg⸗“⸗ Er rief jetzt und dieſe kamen bald von dem tiefern Walde her mit zween Rüſtungen. 8Sr 3 8 Arnulf.⸗„Was wollt „Harniſchen hier den. Kaſperze,Gott ſey Dank, daß ich euch wieder ſo friſch und munter ſehe, Mlieber Herr! aber denkt euch, was uns begegnete!! 14 11*74 z47 Arnulf.„Wills j tt nicht wiſſen, ſag' Leben noch ſo e hier in die⸗ lg' ich auch gerne ihr mit den Aund wie kamt ihr dazu? Kaſper.„Eben das will i Mitaneien; es ſind die Harniſche der Rau⸗ „ber dieſes edlen. Fräuleins und hört⸗— Arnulf.„Nun ſchon recht, das Uebrige „kannſt du mir ein andresmal kunden; jetzt aber bringet die Rüſtüüngen auf des „biederen Steinbachers Butg, ich komme „ gleich nach. 1ee ihr und eure kederholt ſeinen Knappen e, was hat es mit den Ruſtungen hie ch euch ja 93 Indeſſen hatte ſich Emma in den Sattel ihres ſchneeweißen Zelters geſetzt, den man auf Befehl ihres Vaters hierher gebracht hatte und ritt jetzt zwiſchen Arnulf und ihrem Vater der noch dampfenden Veſte zu. Emmas Auge entauellen Thränen, da ſie anlangten, doch nicht wie der ſie bewillkomm⸗ nende Bruder meinte, uber den zerrütte⸗ ten Zuſtand der Veſte, ſondern vielmehr über Arnulfs zeitheriges tiefes Schweigen und häufiges Aufſeufzen.„Was mag ihm „wohl ſo ſchwer auf dem Herzen lirgen?⸗, ſchluchzte ſie ſtille bei ſich und dieſer Ge⸗ danke preßte ihr mit der Ueberzeugung, daß ſie nur ihn lieben könne, einen Thränen⸗ ſtrom aus, welchen ſie, während ſich ihr Bruder Heinrich und Arnulf bewillkomm⸗ ten und ſich ewige unzertrennliche Freund⸗ ſchaft ſchwuren, an der Bruſt dhres. Vaters zu verbergen ſuchte.— Nur der linke Flügel der Burg hatte 8 bedeutenden Schaden gelitten, das Vorder⸗ gebaude aber war beynahe ganz unverſehrt geblieben und man ſchritt daher, nachdem die Brandſtütte beſchauet und das zut bal⸗ —„— . 8. digen Wiederaufbauung Nöthige beredet war, hinauf in den Gelaggaden, wo Hein⸗ rich ſchon alles 3 Emmas Retters ertenihn auf ihr ſtetes Wohl bis auf die Nagelprobe, dann aober nahm er noch einen Becher und khrrte mit Ulrich und Heinrich von Steinbach auf ihre thätige, unzertrennliche Freund⸗ ſchaft auu 0. 10 2:: izeme scrats 25 Der feuchte Uebelgeruch, welcher ſich vo der Brandſtäͤtte her in der ganzen Burg erbreitet hatte, bewog indeß die feunde bald zu dem Entſchluſſe, in Burgzwinger hmabzuſteigen um dort in ei. ner entfernteren Laube den Mittagsimbiß 3 einzunehmen und ſich von den liberſtande⸗ nen Gefahren und Anſtrengungen im trau⸗ lichen Geſprächſel zu erholen. Heinrich noch einmal nach ſeinen Arbeitern und lagerte man, ſich im Gruͤnen. alles auf, ihren geliobten Gaſt ten Aufmerkſamkeit zunbewirthen upy iuſt wandelte dann/ den Gedanken ihrer Liebe zu Arnulf nachhängendn un Garten, ſobald ihr Bater auf Arwullfs Bitte die Er ihlung von der Veranlaſſung zur geſtern beſtan⸗ denen Fehde und zu Emas Raube fol⸗ gendermaßien begann eindaan ait— 1 „Ich kehrte von einem dweijährigen Zuge, den ich von Italien aus gegen die uu°.⸗ gläubigen unternommen hatte, nach mei⸗ ner vaͤterlichen Veſte glücklich hierher zz. prusen und die Trauer über das waährenn „meiner Abweſenheit erfolgte Hinüberſcheia. nden meiner Eltern, hatte mich ſchon eine Dgeraume Zeit unthätig in dieſe Mauern 3 „eingeſchloſſen; da erſchieneines Tages Rit⸗ „ter Konrad von Düren auf meiner „Burg und wir erfreuten uns in einer „herzlichen Umarmung des endlich glüchii. 4 nchen Wiederſehens. 4 „Gleicher Stand und Geſik immungen batte nuns beide ſchon von Jugend auf an ein⸗ nſtets auch hatten wir in „Fehden uns gegenſeitig als treue Freunde „und Waffenbrüͤder deigeſtanden, t und da 4 — 96— „Konrad mir jetzt die gröbliche Unbilde li⸗ 3 „taneite, welche ihm Graf Veit von „Hornberg dadurch zugefügt hatté, daß er ihm in ſeine Beſitzungen einſiel, raubte „und plünderte und trotz Konrads Drohun⸗ —„ gen immer in ſeinem Hochwalde jagte, ja „endlich ſelbſt ſeine Schweſter Elsbeth „raubte, da ſchlug ich zum Erſtenmale wie⸗ „der an mein Schwerdt und ſchwur mit „ihm zur Rache und Befreiung Elsbeths „auszuziehen. Do als Konrad mir weir „ter berichtete, daß er ſchon längſt Fehde „mit dem Grafen begonnen und ihm ſchon en begonnen 9 „manchmal ordentlich zugeſetzt habe, n aber von ihm in ſeine Veſte Duͤren „ſitzen. „Wir verabredeten, „Konrad, welcher wieder durch den unter irdiſchen Gang in ſeine Veſte zurückeilt — 97— „auf dem nördlichen Eckthurme derſelben „ein kleines Feuer anzünden laſſe. Dieß „ſolle das Zeichen zum Angriffe ſeyn, bei „welchem ich dem Feinde in den Rücken „falle, während Konrad von der Burg her⸗ „ab einen ſtarken Ausfall mache. „ungeduldig harrte ich mit meinen zwan⸗ „zig Reiſigen in meinem Hinterhalte, denn „mrfür meinen ſich wieder nach Schwerdtſtrei⸗. „chen ſehnenden Arm ließ ſich zu lange 4 „das Kampfzeichen nicht erſpähen. Endlich— „flammte es auf und gleich Unthieren 4 „ſtürzten ſich mit einem wilden Geſchreie „meine und Konrads Mannen unter die „Reihen der Feinde. Die Natht war ziemm „lich finſter und begünſtigte unſer Unter⸗ „nehmen, welches denn auch ſo glücklich „gelang, daß ich ſelbſt den Grafen Veit „von Hornberg als Gefangenen nach S 4 „ren brachte. „Er ging einen ſchimpflichen Frisden wein, denn außer dem, daß er Konrads „Schweſter ſogleich zurckgeben, das den „Vaſallen geraubte Gut und in dem Duü hrerforſto erlegte Wild wieder erſetzen und 7 werguͤten mußte, waͤrd ihm vorgeſchrieben — Veines Hundfeſts, in welcher er auf Ritter⸗ „wort und Ehre verſprach, nie mehr eine „Unbilde gen Konrad von Düren und mich, als deſſen treuen Freund und Helfer be⸗ „gehen, viel weniger noch eine Fehde ge⸗ „gen uns beginnen zu wollen, mit ſeinem „Grafenſtegel und Unterſchrift zu bekraͤf, Migen ünd nugleich mit Elsbeths Ausli ferung drei Faß ächten Mierſteiners ve. habfolgen zu laſſen nsd „Der Graf blieb auf Düuren, bis ich, der ich alsbald gen Hoenberg zog, mit Elsbeth und dem Weine kam. „Wie baß der Kaſtellan und noch mehr „Weits Sohn, der Adelſchalke Kurt, der S erſt mit der beſten Kunde et Burg anlangee, mich anſtaun⸗ ſten ob der Nachricht von ihres Herrn und Vaters Gefangenſchaft und erlittenen Nie⸗ „derlage, ſo wie ob deſſen Befehl für Els⸗ „beths und des Weines Auslieferung, könnt „ihr euch leicht denken. Veits Siegel 2 Unterſchrift war indoß zu unleugbar „dem urkundlichen Geſchreibſel, welch . „bürfen. „Schon früher hatte ich Neigung zu „Elsbeth und da ich ſie jetzt nach langer „Zeit ſo ſchlank und voll herangewachſen „und mit von Kummer gebleichtem Antlitze, „das gerade für mich ihre Reize noch er⸗ „höhte, auf mich zuſchweben ſah und ſie „beim Heimrttte vor mir auf dem Roſſe „umſchlungen hielt, da entbrannte ich in „heiße Minne gegen ſie. 4— „Gluͤcklich kamen wir auf Düren an; Elsbeth erfuhr von ihrem Bruder, daß er „meiner thätigen Hülfe den erwünſchten „Ausgang der Fehde und ihre Befreiung „zu danken habe, und ſie ſank mir dankbar „in die Arme. Ihre Liebe wie die mei⸗ „nige war entſchieden und nachdem Graf „Weit von Hornberg in vollem Grimme „fortgehaſtet und alles von der Fehde zu 8 „dem freudigen Hochzeitsfeſte umgewandelt „war, verband der Hauspfaffe Konraden „mit der ſchon längſt von ihm erkies „bei mir hatte, als daß ſie lange mit der „Vollſtreckung deſſen Inhalts hätten zögern. — 100— „ſeiner Schweſter in einer und derſelben „Stunde. „Ich zog heim und war ſo glücklich an „Elsbeths Seire zwölf Jahre, waͤhrend „welchen ſie meinen Heinrich und meine „Emma mir gebar, gleich einem heiteren 4 „Frühlingstage ungetrübt zu verträumen, 8 „dann aber entriß der unerbittliche Tod „mir die treue Gattin und nur der An⸗ „blick meiner mit ihr erzeugten Kinder konn⸗ 3 „ten den Schmerz lindern, welcher ob „der Unvergeßlichen in meinem Buſen wühl „te. Ich lebte von jetzt an nur ihrer Er⸗ Miehung und ſuchte nach Kräften Emmas „Herz und Verſtand dem ihrer Mutter „gleich, meinen Heinrich aber durch Waf⸗ „fenübungen zum tapferen Ritter zu bilden. „Heinrich hatte jetzt das achtzehnte Jahr zuruückgelegt und ich ſandte ihn, da Kag⸗ „ ad auch das Zeitliche geſegnet und ich 5„auf ſeiner traurenden Gattin Bitte die „Erziehung ſeines hinterlaſſenen Sohnes, „Bennos, übernommen hatte: mit die: /ſem zum kaiſerlichen Hoflager. 7* — 101— „Zwei Jahre lebte ich mit! Emma hier⸗ „auf allein und ſehnte mich eben eines Ta „ges wieder nach meinem Heinrich, da „ſtürzte mein Wappner zu mir in den Ga⸗ „den mir der traurigen Kunde, daß mein „Roßbube meine Emma hülfeſchreiend mit ¹ „einem Ritter und zween Knappen dem „Forſte habe zujagen ſehen und ſie auch „in der ganzen Burg nicht zu finden ſey. „Wild tobte ich, ließ ſatteln und eilte „dem bezeichneten Wege zu, doch verge⸗ 3„bens war mein zweitägiges Umherſpaͤhen 4 und Sichen. Trauvig kehrte ich daher auf 2,hanae er meine Emma dem Walde habe „zueilen ſehen, und ward aus ſeinem Be Michte beinahe ſchon gewiß, daß Kurt von „Hornberg, des verſtorbenen Gra 3 „Sohn ihr Rauber ſeyn müßte, „mein öfteres Zuſammentreffen nii „auf dem Wege gen Düren, hatte „Geſtalt und die Begebniß „„Bater nur wieder rechr 1 1 — 102— 3 „Augen gefuͤhrt. Ich ſandte daher ob mei- „ner Muthmaßung Knechte auf Kundſchaft 6 „gen den Hornberger Gau und die naee „Gegend umher; allein auch ſie konnten 8 „mir nichts näheres berichten, als daß Graf 4 „Kurt beinahe täglich auf die Jagd aus⸗ 2 „ ziehe und oft erſt ſpät in der Nacht wie⸗ „der heim kehre. Meine Vaſallen klagten „in dieſer Zeit ſehr über Unbilden, welche —„ihnen von einem fremden Ritter an Haus „Hof und Heerden zugefügt wüͤrden, mein „Roßhirte ſelbſt kam und weinte bitterlichh, „daß der ſchönſte dreijährige Hengſt, well. „ chen ihm mein Sohn noch vor ſeiner Ab⸗ 1 „reiſe beſonders anempfohlen und den er 5 „ſich zum künftigen Streithengſte auserle⸗— „ſen haͤtte/ von der Heerde geſtohlen wor: „den ſey. Da aber endlich ſogar einer meiner Vaſallen auf die Burg kam, zuu „mir begehrte und jämmerlich klagte und weinte um die ihm entführte junge Gat⸗ „tin, riß meine Geduld und ich lagerte „ mich allenthalben in meinem Gane um⸗ „her, den Schnapphähnen aufzulauer „Pal war der Zafal günſtig und lieferte „Kurt von Hornberg ihr Her „euch denken; ich warf die Buben ins Ver⸗ „ließ, ſandte zween Knechte ab, den einen, „meinen Sohn zu mir zu brſcheiden, und fden andern mit einem Fehdebriefe gen veeeiheig Ich ſelbſt aber wollte den kom⸗ 84 „Mannen zu meiner gerechten Fehde zu 8 „mir entgegen. Ich ſetzte — 105— „mir zween Knechte in die Hände, w w „ich das Geſtändniß abpreßte, daß Graf „ſie geſandt habe, einem in meinem Gaue den rothen Enana aafs „Dach zu ſtecken und dann während dem 8 „Brande zu plündern und zu rauben, was 8 „ihre Klepper kragen könnten. 4s „Wie mir dieſe Mähr gefiel, könnt ihr „menden Tag gen Düren reiten, um Kon⸗ „rads Wittwe um die Zuſendung ihret „bereden; da ſprengte auf dem Wege „hin ein Ritter in vollem Jagen mit ein „gelegter Lanze und geſchloſſene eſlere Itig⸗ d09) als er heran w „gerade recht dein ritterliches Schwerdt zu 3„proben, doch wo haſt du Bennon gelaſ. Men? begann ich nach dem erſten Will⸗ „kommen. Werdet alles ſchon erfahren, doch „jjetzt iſt keine Zeit dazu, kehrt nur ſchnell „um und ſteßt an der Maleiche in unſe⸗ „rem Forſte mit ſechs Reiſigen wieder zu „mir; es gilt Emmas Befreiung! erwie⸗ hns er raſch und war hiermit ſchon auf lem Roſſe und meinem Geſichtskreiſe „, ntichwun een. Obgleich unwillig über den „allzuraſchen Jungen, eilte ich doch ſo ſchnell* „wie möglich ſeine Worte zu erfüllen— „ und wirklich, es that auch Noth, denn 5 nals ich mit den Reiſigen an dem bezeie „neten Orte ankam, ſah ich meinen Hein⸗ rich ſchon blutend und im verz zweiftungs⸗ 8 „vollen Kampfe gegen zwei Ritter und vier „achen. Ich ſtürzte mich daher gleich die Harſte, Eeezits anch Aufn mei⸗ ‚kam ich keinen der Nitrer in meine Ge. „walt, da ſie, die Uebermacht einſehend, ſchnell d die Flucht ergriffen und dem dicken 8 Geſtrüͤppe zueilten.— altet dieſen Knar⸗ — — 163— „ven feſt! rief noch mein Heinrich und ſank „dann bewußtlos zu Boden. „Ich ſprang ihm zu Hülfe und ſandte „meine Reiſige den Füüchänen nach, von „welchen denn auch noch glücklich der rechte „Knappe erhaſcht wurde. Lange konnte ich „mir den Zuſammenhang des Ganzen nicht „erklären, beſonders da ich bei ihrer Ver⸗ ſkappung die feindlichen Ritter nicht er⸗ „kannte; bis mein Sohn, endlich wieder wun ſich gekommen; den gefangenen Knecht Nandonnerte, ihm auf der Stelle den Ge⸗ .„fangnißort Emmas zu kunden oder des „p peinlichſten Todes zu ſterben. „ Der Bube wollte nicht reden, aber ich m einige Hiebe mit meinen dte über den Nacken, und die 8, dieß bis zu ſeinem Tode fort: wollen, löste ſeine Zunge. Ih e Ausſage⸗ mir den We⸗ „mit ihm, dem wie konnte cch mir meine „Tochter in dieſem, meinem eignen W lde „oerdokgen und gefangen hun den — — 106— „nen, da, nachdem wir einige hundert „Schritte zurückgelegt und einen kleinen „Hügel erreicht hatten, der Knappe Moos „und Steine wegwälzte und eine eiſerne 2 „Fallthüre ſich ſehen ließ? 1 „ Auf einen Druck des Knappen erhob ſich dieſelbe in die Höhe und wir ſtiegen neinige Treppen abwärts, noch eine Thüre 8„wurde von ihm geöffnet und er ſtürzte ei⸗ 8 „nen ziemlich langen Gang vor mir her „und war verſchwunden. Ich fluchte mei⸗ „ner Unvorſichtigkeit, tappte nun im Dun⸗ „keln herum und rief beſtändig meiner „Tochter Namen. Lange wurde mein Ruf „nicht beantwortet und ſchon mußte ich das „Ende des Ganges erreicht haben, denn ich ſtieß an einen Felſen; da erſchallte „plötzlich eine um Erbarmung flehende Stim⸗ me und ich erkannte in ihr ſogleich die „meiner Emma. „ Ich lanrſchte nach der Nichtang, ſchriitt „darauf zu und blieb vor einer abermals „ eiſernen Thure ſtehen. Ein modernder „Geruch kam mir entgegen, ich horchte, 3 Shes rief vont neuem und uüberzeugte mich — — —— — 19) „vollkommen, daß ich recht ſey. Mit an⸗ „geſtrengteſter Kraft gelang es mir, die „Thüre zu ſprengen, und vor mir lag auf „einem Schragen, vor dem der Knappe „ſtand, meine Tochter. 88 „Schrecklich erleuchtete eine ſpärliche Lam⸗ „pe dieſe für mich entſetzende Scene. Mit „einem Hiebe hatte der Knappe ſein! feuf „liſches Leben geendet, und ich konnte nicht „eher wieder aufathmen, bis ich mit mei⸗ „ner Emma im Freien war. „Fort!— rief mein Heinrich, als er „mich mit ihr ecblickre.— Eilt der Veſte „zu, denn ſicher kömmt Kurt mit einer „Anzahl Knechte uns nach! Und ohne meine „Fragen erſt zu hören und zu beantwor⸗ „ten, nahm Heinrich, der indeſſen ſeine „Wunde ordentlich verbunden und ſich mit „einem Trunke erquickt hatte, ſeine ohn⸗ „mächtige Schweſter zu ſich aufs Roß und ſprengte, ſie ſchwebend in den Arme hal⸗ „tend, davon. S 3 3 „Sch mußte mich drin fuͤgen, jagte ihm „mach und ſah auch bald“ daß er ob ſei⸗ „ner Eile nicht Unrecht habe, denn kaum — 108— „hatten wir den Burgweg erreicht; da „wölbte ſich eine mächtige Staubwolke hin⸗ „ter uns empor und ich erkannte auf dem „im Glanze der Sonne ſtrahlenden Schilde „des vorderſten Ritters das Horn. Auf „dem Fuße jagten ſie uns bis vor die Zug⸗ „brücke nach; doch kaum war dieſe hinter uns „aufgezogen, da ließ ich ihnen einen der⸗ „ben Stein⸗ und Pfeilregen zum Abſchiede „von meinen Leuten nachſchicken. „Jetzt erſt, nachdem wir uns nochmals „recht herzlich bewillkommt hatten, gab „Heinrich meinen Fragen Gehör und er⸗ „zählte mir, was er euch nun auich ſelbſt „erzählen mag.““ Heinrich. Gerne.— Güeklic lang. nten wir, Benno und ich am kaiſerlichen „Hoflager an, wurden auch von allen Ed⸗ „len und Rirtern fren indlich aufgenommen „und lebren anfangs recht brüͤderlich mit einander, ſo wie es uns als Vettern zu⸗ ſtand. Bald aber erſchien der Graf Kurt Heinern. duch am dedöſe⸗ hed ſich -— oo— dem Sohne des Näubers „verwies, mit meiner ſeeligen „ſeiner Vatersſchweſter, flegen, kleine Zwi⸗ „Mutter, Umgang zu pf en uns, welche nach und „ſtigkeiten zwiſche „nach immer ernſtlicher wurden; doch wollte „ich meinen Vater mit dieſer Kunde nicht „unnöthig betrüben. „Endlich entzweite uns eine Turnierves⸗ „per, bei welcher ich die Danke erhielt, „auf Bennos Begehr auch mit ihm focht „und ihn in den Sand warf, völlig; und „nur der Ritterſchlag, den wir bald dar⸗ „atif von dem Kaiſer erhielten, trat ver⸗ 8 „hindernd zwiſchen den von uns ſchon be⸗ 4 „ſtimmten thätlichen Strauß. Ich bewies „mich dabei auch wieder als Vetter gegen 8 „ihn und bot ihm Ausſöhnung an, welche „er denn auch annahm, aber dennoch ſich „immer mehr zu Graf Kurt von Hornberg 8 „und deſſen Waffenbruder Hermann 3 „von Aarſtein hielt, als zu mir. „Eines Abends, als ich allein um die 1 „Thore ritt begegnete mir auf dem Heim⸗ „wege einer von Bennos Knechten; ich „fragte ihn, wohin er noch ſo ſpät zu rei⸗ „ „ten gedenke, drang, da ſich dieſer verle⸗ „gen ſtellte, mit Heftigkeit in ihn und er⸗ fuhr, daß er gen Hornberg beordert ſey „ und einige Aufträge an den ſchon vor „ ſechs Wochen heimgezogenen Grafen Kurt „habe. Aus dem Inhalte dieſer Kunden, „welche ich ihm ebenfalls abzwang entdeckte hich, daß Benno mit dem Hornberger in „einen Anſchlag gegen mein Leben verwebt „ſey, ja, daß ſie auf dem Sittige häͤtten, „Emma, meine Schweſter zu rauben und „ſo die Veſte Sterbach für Benno, als „den naͤchſten Erben zu beſtimmen. Ich „„bthigte nun den Knappen mit mir zu⸗ „Lücke, haſtete zu Benno, bezüchtigte ihn „ſeiner feindſeligen, ſchaͤndlichen Geſinnun⸗ „gen und Anſchläge, warf ihm den Hand⸗ „ſchuh ins Geſicht und wollte von dannen, „ſo viel Verſtellungskunſt mir zu ſagen, aufrichtig bereue, das Ganze nur eine „jugendliche Ulebereilung geweſen ſey, die „er gewiß nie mehr begehen werde. Aber⸗ nallein er hielt mich zurücke, beſchwor mich, „ihm als Vetter zu verzeihen, und hatte daß er ſelbſt ſeinen Vorſatz ernſtlich und — „mals verzieh ich ihm und maß ſeinen gl „unbilden, welche ſeither Graf Kurt an „Verwahrſam zu erſpähen, durchzog ich „ten Worten Glauben bei. Mit einem „Male aber war Benno vom Hoflager ver⸗ „ſchwunden und ich, Unheil ſchwanend, „haſtete nun auch heimwärts. 1 „In der erſten Hütte unſeres Gaues 8* „erfuhr ich ſchon Emmas Raub und die „unſeren Vaſallen ausübte. Ich that ei⸗ „nen heiligen Schwur, nicht eher auf mei⸗ „ne väterliche Veſte heimkehren zu wollen, „bis ich Emma wieder befreit und mich „an Benno gerächt habe.... „Meiner Schweſter Aufenthaltsort oder „erſt alle nahen und fernen Gaue und „fragte in allen Klöſtern vergeblich nach „ihr; dann aber durchſchlich ich jeden Win⸗ „kel unſerer, Dürens und Hornbergs Be⸗ „ſitzungen in mancherlei Verkappung, wo⸗ zu mir unſer Waffenſchmiede Urich, dem „ich mich und mein Anliegen enideckte, „verhalf.—“ „So geſchah es denn, daß, nachdem ich „auch einen halben Monden ver⸗ 8 gähet hatte, Bennos Saapre, — bei Worms ab⸗ 3 mnt ſeinen Eltern und deßhalb. von Bennd hart be⸗ Laemnen gezuchtiget und feiner Knapyen⸗ ienſte entlaſſen worden war, wiyder zu nuir kam und gegen das Perſbrechen, ihn 2 in Dienſt nehinen, und für ſeine Angehe⸗ „rigen das Sene— an Venne r gut kenne, hape„ wie der ſeinem Vater noch an . faren 5 „deſſ en Todlashette habe chwören müſſen, vollen, meinen n BVater 5 „lllrich von Steinbach nebſt uns„ ſeinen nalles aufbieten zu wo „Kindern, völlig zu verderben aund in ewi⸗ „ger Feindſchaft mit uns zu leben, und „wie deshalb der junge Graf— da er „während Konrads von Duren Lebzeiten „ob deſſen Freundſchaft mit meinem Vater „nichts zu unternehmen Gedagt und üihn „auch die Geſponnſchaft— „zu ketten, unſere Macht dadurch zu ſchwä⸗ iinnnigkeit bedauerte, könnt ihr glauben — 119 „von neuem an der Erfüllun ſeines S „res verhindert hatte— ſich ernſtlich be „mühe, Benno von mir abzuziehen, ihn „durch ein volles, wollüſtiges Leben an ſich „chen und nachdem er uns ſo leicht, wie 4 „es ihm dünkte, zu Grunde gerichtet habe, „auch Benno zu verderben und dadurch die „Rache für die ſeinem Vater abgedrunge „nen ſchimpflichen Friedensbedingniſſe voll⸗ „kommen zu machen. „ In dieſer Abſicht alſo war der ſchaäͤnd⸗ „liche Graf gen Worms gezogen. Es waur „ihm gelungen, mich von Benno zu tren⸗ „nen und dieſem ſowohl einen tödtlichen „Haß gegen mich einzuflößen, als in ihm „auch nach und nach, ſo teufliſch wollu⸗ „ſtige Begierden, ſelbſt gegen meine Schwe⸗ „ſter Emma zu erwecken, daß er in ihre „Entführung willigte. „Daß mich bei dieſer Nachricht de „ſchändliche Undankbarkeit meines Vetters „ſchmerzte und ich ſeine gränzenloſe Leicht⸗ edler Geſponn; allein mein Schmerz und „Bedauern verwandelte ſich bald in die „heftigſte Wuth gegen ihn, da ich durch „den Knappen weiter erfuhr, daß Benno 3„ ſelbſt, nachdem Emma glücklich durch den Hornberger geraubt und nach deſſen Veſte ggebracht war, bei Kurt darauf drang ſie Nin den unterirdiſchen Verwahrſam, wel⸗ chen einer von des Grafen Knechten auf wſeinen Wegelagerungen in unſerem Forſte wentdeckte und von dem— wie Benno „dies leicht wiſſen konnte— wir keine „Kunde hatten, zu bringen, damiit er, „wenn ich ſamt meinem Vater nun auch „bald gus dem Wege geſchafft und er un⸗ nſere Busg beſitze, ſie für ſich und ine mteufliſchen Degierden in der Nähe hätte. „Kurt habe des elenden Buben Begehr, „um ihn deſto heimlicher zu machen, be⸗ „willigt berichtete der Knappe weiter— 8„und ſchon ſeyen alle nöthigen Vorkehrun⸗ „„gen getroffen, ſte vom Hornberge dahin „abführen zu können, denn der Vern 9 „ſam ſey gereiniget, noch mehr befeſtigt „und unentdeckbar gemacht worden. Mei⸗ „pdem ich ſchon erfuhr, daß mein Va⸗ „nes Vaters Aufmerkſamkeit indeß auf „die entgegengeſetzte Seite unſeres Gaues „u lenken und ſo ungeſtört Emma an „Ort und Stelle bringen zu können, ſeyen „ſchon zween Knechte von Hornberg abge⸗ „ſandt, um den kleinen Meyerhof in Brand „zu ſtecken und zu berauben. 4 „Auf meine Frage, wo denn eigentlich „der Verwahrſam in unſerem Horſte ſey „konnte mir jedoch der Knappe keine be⸗ „ſtimmtere Antwort geben, als daß er ihn in der Naͤhe der alten Maleiche vermu⸗ „the, da ihm dort ſchon mehrere Homm. „berger begegnet ſeyen. „Durch ihn ließ ich nun den Meyer des „kleinen Hofes aufmerkſam machen und „eilte dann zu dem Waffenſchmidte, „ter die beiden Hornberger Knechte auf. „gefangen und dem Grafen. 1 ahe Mundet habr. Mi * 116 22l „eiche lagern ſolle, hiecher zur Veſte, ei⸗ Inen andern aber chickte ich, im Walde 44„umherzuſbäßen, und da detzterer „auch eilig wieder Pa, d daß er denn mit der Kunde zurück⸗ drei vermumints Reiſige Malziche geſehen habe, machte ſogleich dahin auf. dieſem NRitte begegnete nir mein 556 3 gebe 19„uvon eine en bznr aug de „daher bhiee 8 Burg „ gungszi le Vſet „Klagen meiner Vaſallen wieder anfin⸗ .„kamen allenthalben ſchlecht davon. Des — 177— n. äolit,, uußre ſie 8 Hentic „oder ich begleiten. Indeß verſtrich doch neine geraume Zeit, ohne daß Kurt oder „Benno, den ich jetzt mehr haſſe als den „Grafen, etwas gegen mich unternahmen, „und ſchon glaubte ich, daß ſie ihren Vor⸗ „ſatz aufgegeben und den Fehdebrief ver⸗ „geſſen hätten, als mit einem Male die „gen, und nun lagen wir uns täͤglich in „den Haaren. Sie fühlten baß die Schätß „meines und Heinrichs Schwerdtes und „Balgens und ewigen Verluſtes müde, ſuchte aber Kurt auch noch den Ritter 5 „Hermann von Aarſtein in ſeine Händel „mit mir zu ziehen, und nun erſchiene „ſie mit einer ſtarken Gleve in meinem „Gaue. Ich ließ bei dieſer Nachricht hn Iteln und ſaß mit allen meinen Man if 4 3 ſ Alüilſch — 118— „und ich ruͤſtete mich mit dem ernſtlichen „Vorſatze, nun einen entſcheidenden Schlag „zu wagen, der mir entweder fernere „Ruhe und Sicherheit oder den Unter⸗ „gang bereiten ſolle. Ich behielt auch al⸗ „lenthalben abermals den Plan, doch zo⸗ „gen ſie ihre Streitkräfte nie zuſammen „und ſchienen abſichtlich einen entſcheiden⸗ „den Kampf zu meiden. 2 „Schlug ich ſie daher auch auf der ei⸗ „nen Seite, ſo drangen ſie auf der an⸗ „deren wieder in meine Habe ein und „perheerten und verwüſteten alles. Ich „ließ deßhalb meinen Heinrich mit unſe⸗ ren Mannen auch in ihre Gaue eknbre⸗ „Plündern gegenſeitig fort, daß man es „gleichſam gewohnt wurde, bis ſie denn „endlich geſtern ihren Vortheil erſehen zu „haben glaubten, meine Veſte überſielen, „den hintern Theil erſtiegen und ſogleich „Feuer legten. Benno und der ddn. „ner drangen zuerſt ein, eilten in Em⸗ „mas Schlafgaden und entriſſen mir, wah⸗ „rend ich mit meinem Sohne gegen den „chen, und ſo dauerte das Rauben und — 119— „Grafen Kurt an der Vorderſeite meiner „Burg focht, meine Tochter abermals. „Erſt aber, als der Kampf zu meinem „Vortheile geendet und gegen Morgen das „Feuer in meiner Veſte gelöſcht war, er⸗ „fuhr ich ihren Raub. Zornentbrannt „ſtürzte ich daher auf meinem Roſſe den „Burgweg hinab; doch als ich kaum in „den Forſt eingelenkt hatte, fand ich ſchoen „meine Tochter vor euch, ihrem edlen Ret⸗ 43 „ter, dem tapferen Beſieger meiner ſchänd⸗ „lichen Feinde, kniend und weinend. Ich „wollte mit ihr hierher, ſie aber beſtand „darauf, bei euch zu bleiben, bis ihr wie⸗ „der die Augen aufſchluget, um euch gleich „danken zu können, und ich willigte um 8„ſo mehr ein, da ich von meiner Emma „ſowohl eure edlen Thaten im Zuſammen⸗ „hange, als auch euren Namen erfuhr. „Endlich erſchien der erſehnte Augen „blick eures Erwachens, und Nitter glaubts,. welchem „ihr das Auge zu mir aut ſchluget, durch „glüuhte meim Innerſtes as 3 „Freundſchafe und Achtung, . 8 „wie ſoll 7.— 120— „noch nie durchdrang; und glaubts, ſtets „wird es euch, dem Muſter deutſchen Hel⸗ „denmuthes, hier unter meinem Harniſche „dankbar achtend, entgegenſchlagen. Gett „mag aber lohnen, da ich nicht lohnen „kannl““ 3 11: „Das wird er Sauh 1, ſprach jetzt eine ſanfte Stimme, und zur Laube herein. trat die ſchöne Emma. Sie hatte einen Kranz von Myrrhen und Lorbeeren, mit Vergißmeinnicht und Jelaͤngerjelieber be⸗ lebet, gewunden und drückte ihn nun ſanft auf Arnulfs⸗ unbehelmtes, Iülondgeluckine Haupt, indem ſienihm die arte zum Kuſſe bot⸗ und begann: Be eun. „theuerſter⸗ Retter meines Lebens, dieſes hewinde docht die Gefühle enthüllen, welche ſtill und heilig in meinem Buſen „füͤr euch uhens. mein Mhund vermag 8s 3 eni 1 1 743— Htin Kin 151196 Itin Ar nu f.„Geott, wie ſoll ich dis Freude.. mein Herz das Glück alles faſſen, „das ihr mir zum Genuſſe bietet?— Ihr „wollt nur danken und lohnet mit ſeelen⸗ „voller Wonne in ſo überfließend reichſtem „Liebe! ſegnet eure Kinde — 121— „Maaße! 0 Indem er Emmas Hand mit Heftigkeit an ſeinen Mund und Bruſt preßt):„Und, o Emma, itheuerſte Ent⸗ „ma, darf ich der Sprache dieſes Krauzes „glauben, dann bin ich der Glucklichſte „hienieden!— Euer edles Herz verkündet „mir in eurem holden Blicke„Jale— „O Vater! Freund, Pater!uſegnet unſere r¹ℳ 3 Mit dieſen Worten umſchlang er die ſich willig ſeinem: Arme hingebende Emma, und beugte ſich mit ihr vor ihrem Vater nie⸗ der, der ſegnend ſeiner Hände auf ihre Häupter legte, ſie dann innig umarinte, und mit einer Thräne im gerührten Vater⸗ auge ausrief:„Habe Dank, Ewiger, für „die Erfüllung meines“ ſehnlichſten Wun⸗ „ſches, daß dir den Edeiſten und Tapfer⸗ „ſten der deutſchen Jüntgliuge meiner Toch⸗ „ter zum Gatten ſchenkteſt!— Wem ſollte „und wem könnte ich freubiger und ruhi⸗ „ger meine Emma zur Gattin anvertrauen, „als euch, ihrem edlen Retter ee S vrachs und mit heißſehnendem Bli ſuchten unter dem bebenden Ausrufe .* — 122— „Ewig dein Arnulf!“„Ewig deine Em⸗ ma!“ ſich die Roſenlippen der beiden Lie⸗ kenden und hingen ſo feſt und innig an⸗ einander, als wollten ſie ihr getrenntes Daſeyn vereinen und ihre Seelen ineinan⸗ der überhauchen; da ertönten wie von der 4 Ferne her melodiſche Accorde der melan⸗ choliſchen Muſik, welche immer klagener wurden, bis endlich Arnulf, aus dem ſee⸗ lenvollen Gefühle, welches bei dem erſten Minnekuß ſein Innerſtes durchdrang, auf⸗ geregt mit männlichem Tone rief:„Du klageſt ohne Noth, ein Baare hält ſein Wort!“ Und kaum war die letzte Sylbe in der Luft verhallt, da wurde das Ge⸗ töne ſo lieblich und freundlich, als wolle es ſeine Freude über Arnulfs Ausruf recht deutlich ausdrücken, und erſtarb hierauf bald in den zarteſten Lauten. 4 Emmas Autge entquollen eee Liebe und Wehmuth; ihr Vater und Bru⸗ der aber ſahen betreffen auf Arnulf und ſchienen deſſen Erklarung ob dem Gehör⸗ 6 ten ſehnlichſt zu erwarten. Dem ſtat chen Baaren entgingen ihre Blicke niel 4 5 neu! Und hat doch meine ritterliche Lauf⸗ — 125— er umarmte deßhalb noch einmal recht in. nig ſeine Emma und begann dann zu Ul⸗ rich und Heinrich, indem er ſeine Ge⸗ liebte neben ſich auf den Raſenſitz ſanft niederzog: „Dem Ewigen gefiel es, biedere Freunde, mich zum erlöſenden Werkzeuge eines dul⸗ denden Geiſtes zu beſtimmen; doch mich bindet das Gelübde zu ſchweigen und nur zu handeln; dringt daher nicht in mich und laßt es euch an der offnen Verſiche⸗ rung genügen, daß ich unter dem Schutze eines guten Weſens ſtehe, welches mir ſicher eben ſo glücklich zur Erfüllung meines Schwures verhelfen wird, als es mich hie⸗ her in euren Gau leitete, um meine Emma retten und euch gegen eure Feinde Bei 4 Aᷣ 4 ſtand leiſten zu koönnen.— Noch zu jung bin ich, als daß ich jetzt ſchon müßig und ruhig auf meiner Burg an deiner Seite, traute Emma, die Tage vertraumen ſollte; würde ich ja doch den Genuß der Ruhe nicht würdigen können, ohne zuvor nach einem thätigen Leben mich darnach zu ſeh⸗ Aehn erſt vor 8 em Tage mit deiner Er. rettiung, meine. theuße Emma, ſich eröffnet; 3 wie könzzte, 3 vie ſollte und dürfte ich jetzt ſchoͤn, d vamt“ zuf teden, wiede r heimkehren? 4 Würde nich danm⸗ nicht mein Vater ver⸗ 3 ſchmäͤhen und. jeder Ritter und Knappe mich, deinen kunftigen Gatten, meine holde Emma; ob einer einzigen Ritterthat nur vertachen, da ich wenigſtens deren dife bei meiner einſtigen Rücktkehr mei⸗ . ifzäͤhlen zu können hoffe? nauched der 3.ulhe der Ban⸗ ren ſinken? 41 ei dee anbename ſon⸗ e noch erhöhet wel der Emma, trante Emma, daae du deinen Arnulf einen Lauern neunen hören ennken du es erdulden, daß man voß deinem Arnutf. ſage;„Ey 8 4 36 863 41 iſt eahn thimbetzährlen Sta amme er krnn ſi Neheng 299, Mit 1 ,, ingend: 5„Nimmer 142 t 5 MMrabihen nicht, das eines Baaren Herz gewonnen hat! Mit Herz und Mund muß und wird dieſes mich zum ritterlichſten thatenvollſten Leben mahnen; mir Schwerdt und Helm darreichen und mit liebevollem Blicke ſagen:„Ziehe und handle! denn nur dann, wenn feſt und vnhigbent du bewähret und Minneſaͤnger laut ve rründen, biſt du der ſeine Bruſt perdend)) ar ne e ziehe und uhaude fen em 1Gah te nd e ſte 66 8 i 9 8% erz, dich 1 ann au jede Sti 8 vreßend)i⸗ is, dan. eure E bin ich ein um mich mimng nerme-r von „du zu treſinen! 8 Emmg, meine, meine 3 Emma, wie humm ſliſch wird die Rüt .— 129— — Doch auf! auf! damit ich ſie verdiene! Ein Geiſt mahnet und ein Schwur bindet milch dazu. Lebe wohl meine theure, meine einzige Emma! Lebt wohl Vater und Brüder!“ 3 Hiermit reichte er dem gerührten Alten ſeine Rechte, welcher ſie ihm bieder ſchüt⸗ telte, ihn nochmals in ſeine Arme zog und ſagte:„Ja, ziehet edler Baare, theurer Freund und Sohn! Mit eurem Helden⸗ muthe beglücker ihr mich und werdet ſicher noch oft Tugend und Unſchuld ſchützen. Gott und mein Segen, wie mein Gebet, geleite und folge euch auf euren Fahrten, damit ihr gluͤcklich an dieſe Bruſt einſt wiederkehret, bis zu welchem freudigen Tage mir Gott mein Leben noch friſten möge!“ 28e Setzt umarmte und küßte der ſtattliche Held noch Heinrich, der mit funkelneem Auge auf ſein Lebewohl erwiederte:„baß er ſich glueklich ſchätzen würde, ihn aauals ctreuer Genoſſe auf ſeinem ritterlichen Zuge begleiten zu können, wenn ihn nicht das fernannahende Greiſenalter ſeines Vaters wollte er Emma zu ihrem Bruder mit in bitten, ſie ihm bis zu ſeiner Rückkehr ich ſie dir bald, recht bald wieder abneh⸗ werde! enthalt auf Burg Steinbach, denna ſo die lautere Himmelstönigin den weſti lichen zum Hierbleiben nöthige;“— und eben die Umarmung ziehen, um dieſen dann zu treulich beſchützen und ſchirmen zu wollen, als dieſe zur Laube hinaus der Burg zu⸗ eilte. 4 1. Bald kehrte ſie wieder und befeſtigte an Arnulfs Bruſtharniſch ein güldenes Kett⸗ chen mit den Worten:„Gott gebe, daß men könne, theuerſter Arnulf!““ Arnulf.„Dank, unendlicher Dank dir edle, gute Seele, die mir dan mein⸗ Tage hienieden verherrlich leite mich, damit ich bald ſchöpfes, meiner Nur kurz war jetzt noch Arnulfs nig und feſt auch ſeim Herz att Gmtuan n geketiet war, zog ihn dennoch eine um derſtehliche Macht be irgaus, und noch ehe dizs it K begrüßte, wehten die drei ben⸗ — 128— ſchwarzen Schwungfedern den blutgetränk⸗ ten Burgweg hinab der Heerſtraße gen Franken zu. Emma preßte die liebeglühende Wanae an die kalte Scheibe und verfolgte mit ih⸗ rem thränenſchwangeren Blicke den ſtatt⸗ lichen Helden und edlen theuren Buhlen, ſo weit ihn ihr Auge erſpähen konnte. Auch Ulrich ihr Vater, und ihr Bruder Hein⸗ rich, ſahen mit wahrem Freundſchaftgefühl und Achtung in ihrer Bruſt für den edlen tapferen Baaren erfüllt, ihm von der Warte herah nach, bis ihn endlich der auf ſeine Vürde ſtolze Araber in den Hochhorſt eintrug und ſo ihren lugenden Blicken entzog. Dar b. ſtiegen ſie herab, brachten den grigen Theil des Ta⸗ ges mit Ane zur Reinigkeit und Wiederherſtellung ihrer Burg zu, und ſetzten ſich hierauf mit Emma zuſammen, um die Begebenheiten und Thaten des ed len Helden des verfloſſenen Tages im trau- lichen Geſpräch u wiederholen. und je öfter ſte dieſes in der Folge auf— 8 Emmas Veranlaſſung noch thaten, deſts heiteren kühlen Nachtluft einen heiß — 429 mehr ſchmückte ſich die ennteibihter Er⸗ innerung mit dem Zaubey und dem wun⸗ derbaren Farbenglanze, womit nurs lelten die ahentnane dnſtrahler iſe Sr LN 6 3 34 5 Wirs verlaſſen neß den Nedeen Stein. bahs Faͤmilienzirkel und folgen u nſermihele G den uvelchen jegt bei⸗ dent maͤtten Scheine des hetteron, azueſen Funſels aus dent Saunme des chuds. auf die Heerſtraße hervors trabte) ſich noch deinmel Nach der Richtung gen Burg Steinbath umſah, de nehauch vor das Löttetbettlein ſeiner Emita 4 zu tragen anempfahl und dann zu ſeinem in tiefem Nachdenken neben ihen trabenden Knappen begann:„Nun ſag an Kaſ Anas ealgedenaenieahenehecgen. ob der — den möchte; doch da ihrs Vüt, ſo hört.— — 130— Ich ſchritt auf euer Goheiß mit dem Fräu⸗ lein zwar dem Dickichte zu, doch wünſchte ich lieber an eurer Seite kaͤmpfen zu kön⸗ nen, als die ſchluchzende Dirne bewachen zu müſſen; als es mit einem Male durch das Gebüſche brüllte und tobte, als zoge das wilde Heer heran. Es wurde Nacht um mich her und lange dauerte das Ge⸗ brülle gerade über mir fort, als wolle es mich abſichtlich ängſtigen. Wie abgeſchnit⸗ ten hörte es aber plötzlich wieder auf, und kurze Zeit darnach hörte ich Fußtritte her⸗ anrauſchen und ſchrie ein kräftiges:„Wer⸗ da“ hinaus; doch ohne eine Antwort zu. geben, huſchten drei Geſtalten an mir vor⸗ 4 ber, dem tiefern Walde zu. Bald kamen 3 wieder zwei, von denen der eine aber blu⸗ tend und entkräftet bei dem Baume, au den ich mich gelehnt hatte, niederſank. Ich ſtieß ihn mit dem Fuße an und fragte, was es gebe und er da wolle 6 „Ach laß mich ſterben, entgegnete er mir, der Teufel iſt mit der Steinbacher Sippf ſchaft n Bunde! Der Wurgengel mit dem golde 31 nen Harniſche und den drei rabenſchwarzen Federn, hu wie grinzte der Todtenkopf mit dem ſchwarzen Kreuze auf ſeinem Helme beim Flammenſcheine uns an! Der hat mich verwundet. Keiner konnte ſeinem bäu⸗ menden, ſchwarzen Hengſten nahen, und 5„ wie ſauste ſeine Klinge durdh die Luft! Ja der hat allein alles erſchl agen, hab ihm aber doch meinen Speer noch. ins Fleiſch 4 gerannt! 3 Ha Buhe z rief ich zornig, und über⸗ zeugt, daß ih den Memmen die Köpfe ge⸗ waſchen und ſie vor eurem Arme geflohen— ſeyen— das haſt du meinem Herrn ge than; nimm deinen Lohn! und ſomit wollte ich ihm mit meinem Flammberge den Reſt geben, aber wie gelähmt entſank die breite Klinge meinem Arme und eine dumpfe Stimme rief mir zu:„Laſſe ab von dieſem „und eile mit Kunz der Stelle zu, welcher euer Herr Ennnas Rauber e „und nehmet die beiden dort liegenden „ſtungen auf eure Roſſe! 6 Kau ich dies vernommen, da fragte es d ter mir:„Was war das 700— ich — — 152— und Kunz ſtand vor mir. Von ihm erfuhr ich nun, wie ihr die Feinde der Steinba⸗ cher ſchluget und, obgleich ſelbſt verwundet, die Freiharde ſo ſchnell auf ihrer Flucht ver⸗ fo gtet, daß er euch aus den Augen verlor. Ich wollte nun noch nach dem Fräulein ſe⸗ hen, welches ſchon vorher auf dem Raſen eingeſchlummert war, allein es war ver⸗ ſchwunden, und da mein Roß ſo ungedul⸗ dig ſtampfte, wieherte und ſchäumte, als wolle es mich zum Aufſitzen mahnen, ſo gehorchte ich und ritt mit Kunz ohne eines Gedankens mächtig werden zu können in den tieferen Forſt ein. Jedoch, wie oft wir auch auf dem rechten Wege waren, ka⸗ men wir immer wieder davon ab, und muſt⸗ ten ſo bis an den hellen Morgen umher⸗ pähen, ehe wir endlich die K Kampfſtätte wie⸗ der fanden. Wie groß war aber hier von neuem unſer Staunen und Entſetzen, da ddie Leichname wie aus den Rüſtungen ge⸗ blaſen und dieſe leer da lagen. Eilig nah⸗ men wir ſie deshalb auf und ſputeten uns dem Ausgange des Waldes und dann auf euer Diheiß der Steinhacher Veſis nir. Roſſe ſchienen beinahe unter der Laſt erlie⸗ gen zu wollen, und grauſend ſah es aus, mit ſeiner Erzählung überzeugt, daß der gen verwebt ſey und dieſe ſogar wahrſchein⸗ lich ſelbſt leite, denn wer —-— 133— „Ordentlich froh war ich, als wir end⸗ lich auf der Burg anlangten, denn unſere als wir auf des jungen Steinbachers Be⸗ fehl die Harniſche in der Burgkapelle zu beiden Seiten der noch blutigen Rüſtung aufrichteten, deren Träger ihr auch erſchla⸗ gen haben ſollt, und die ſchon in dem Seitengange aufgeſtellt war.“ Kaſper hatte jetzt geendet, und Arnulf Geiſt ſeines Ahnen mit in ſeine Handlun⸗ ſollte ihm anders ſeine Wunden verbunden, wer Emma zu ihm gebracht haben? Was ſein Ahne aber mit dem feindlichen Knappen und den Har⸗ niſchen wolle und weshalb er die todten Leichname weggebracht habe, dieß alles blieb ihm ein Räthſel, deſſen Auflöſung er mit dem nächſten Erſcheinen ſeines Ahnengeiſtes zu effahren hoffte. Mit dankbarem Gefühle gegen ſei ſichtbaren Lenker und Beſchützer war er in⸗ 5 8 4 — 134— deſſen auf der Heerſtraße fortgeritten ohne einen Nachtſedel anzutreffen, und ſchon wollte er ſeine ihn mächtig zum Schlafe mahnende Natur unter dem freien Himmel befriedigen, da erblickte er ohnweit ſeitwärts ein kleines Licht und eilte in dem Gedan⸗ ken, ein gemächlicheres Lager ſinden zu können, darauf zu.— Niaäher gekommen ſah er, daß aus einem Gaden eines ziemlich geräumigen Meyer⸗ hofes das matte Flämmchen ihm freundlich zugewinkt habe. Er hieß daher Kaſper ab⸗ fodern. Es geſchah und alsbald ritten ſie in den Hof ein. Arnulf ſchlug alles Eſſen und Trinken aus, begehrte nur ein Lager und ſtreckte ſich auch ſchon, waͤhrend ſeine Knappen noch die Roſſe in den Schoppen zogen, auf den ihm angewieſenagß chragen. Bald lagerte ſich die todtenähſtliche Stille dder Nacht mit ihren ſchwarzen Fittigen wie⸗ der über die ganze Gegend um den Hof her doch Arnulfs Schlafluſt war entflohen. und er waͤlzte ſich daher bei dem truben Lamßpenſcheine ungeduldig auf ſeinem Bette ſitzen und bei dem Meyer ein Nachtlager — me, welche allmählig lauter geworden, von ſchonung, waͤhrend erſtere zum Gehorſam des Geſpräches zu. Sie war nördlich ge⸗ lich dah fand ſi ſich in einer dunkeln Kammer n wel zur Stille und Gewährun — 135— umher; da ertönte von der Ferne her eine Kloſteruhr, an welcher eben der Wardian mit ſeinem Hammer die eilfte Stunde an⸗ zeigte. Kaum waren aber dieſe entfernten glockenähnlichen Laute für Arnulfs lauſchen⸗ des Ohr verhallt; da vernahm er in der Nähe ſeines Gemaches eine pispernde Stim⸗ weiblichen drohenden Tönen unterbrochen 8— 4 wurde. Bald wurde letztere bittend und— flehte mit weinerlichen Lauten um Ver⸗ mahnte,. Dieß war genug um Arnulfs Lebensgei- ſter wieder mäͤchtig zu wecken. Er ſprang 8 von ſeinem Lager und ſchritt der Richtung gen den Hintertheil des Hauſes; er pro⸗ birte ac da Thuͤre, welche aitgenſchein⸗ führte; ſie ging auf und er be⸗ * cher er das Weinen Und Flehen, mit der Srimme vermiſcht, deunihe holte ſein Schwerdt — 136— fand auch glücklich eine zweite Thüre, die ihn ſicher nur allein noch von der Beſtür⸗ mung der Unſchuld trennen konnle. Indeß ſtritt er mit ſich, ob er auch ſie bffnen oder da es allmaͤhlig wieder ſtille geworden und nur ein von langen Zwiſchenräumen unterbrochenes Stöhnen ſich hören ließ, rüͤck⸗ kehren ſollte. Ein heftiger Schrei bewegte ihn jetzt zu erſterem; in ein ſpärlich erleuch⸗ tetes Zimmer getreten, erblickte er zu ſei⸗ nem nicht geringen Erſtaunen, wie eben ein Mönch ſeiner teufliſchen Wolluſt die Unſchuld einer ſchönen, blühenden Dirne zum Opfer zwingen wollte. Mit wuthzit⸗ ternder Rechte ergriff er raſch den Schor⸗ kopf und ſchleuderte ihn mit den Worten: „Heb' dich von hinnen, du teufliſcher Mör⸗ „der der Tugend, und danke es deiner „Kutte, daß du ungeſtraft davon kommſt!“ gegen die Thüre.. Doch des Plättlings erhitztes Blut wollte ſo leicht ſeine Beute nicht fahren laſſen; er raffte ſich auf, ergriff das in der Haſt Arnulfen enrfallene Schwerdt und wollte damit unter dem Ausrufe:„Nimm mit ſein Schwerdt in die Scheide und ſchritt — 3,— deiner eignen Waffe deinen Lohn, unbe. rufener, elender Bube, der du den geſalb⸗ ten Diener des Herrn anzutaſten dich er⸗ frechteſt!“ auf ihn eindringen, doch der zornentbrannte junge Baare unterlief ihm behende den Hieb, packte ihn bei dem Hal⸗ ſe, riß ihm das Schwerdt aus der Hand, öffnete eben ſo ſchnell das Fenſter und ſtürzte den Schorkopf mit den donnernden Worten:„So rächt Graf Arnulf von Baar den elenden Buben an einem Pfaffen!“ hinaus über die hohe Mauer, welche den Hof umgab und hier an das Haus anſtieß, hinab in den ſumpfigen Moorgrund. „Schlaft nun ruhig!“ begann er hier⸗ auf zu der ihm dankenden Dirne, ſtieß mit ſeiner Lampe zurück in ſein Gemach, 14 wo er ſich von neuem auf ſein Lager nie⸗ der warf und mit der für ihn noch neuen⸗ Erfahrung, daß auch das ſchaͤndliche Laſter der Wolluſt unter den geheihigten Kutten der Mönche niſte, einſchlief. Erſt ſpät gegen Mittag erwachke er, rief ſeinen Knappen, ließ ſt ſich nen und befahl ſogleich zum Abzuge zu ſat⸗ teln; doch kaum war ſein Kaſper wieder aus dem Gaden geeilt, da trat der Meyer an der Hand einer ſchönen ſchlanken Dir⸗ ne, deren edle Haltung keine geringe Ge⸗ burt verrieth, zu ihm ein. Beide grüßten den ſtattlichen Baaren ehr⸗ erbietig, und der Meyer begann: Tauſend⸗ facher Dank euch, edler, geſtrenger Herr Graf, für die Errettung dieſer Maid aus den Händen des ſchändlichen Plättlings! Gott lohn' euch eure edle That und bewahre euch vor der Rache der Pfaffen!“ Arnulf.„Iſt mir nicht bange davor, guter Alter; doch ſagt⸗ iſt dieſe eure Toch⸗ ter?“² Meyer. Nolm geſtrenger Herr Graf, doch lieb ich ſie wie mein eignes Kind.“ Arnulf.„In welchem Verhältniſſe ſteht ihr dann zu ihr 4 Meyer.„Eigentlich in gar keinem, als in dem, welches die Natur in jedes füh⸗ lende Menſchenherz legte, nämlich in dem des Mitleids und Erbarmens. Vor ohn⸗ gefähr ſiebzehn Johren wurde ſie mir als — 139 * ein ganz kleines Kindlein, das kaum del * Monden zählen konnte, während einer kal⸗ ten Herbſtnacht in einem Korbe vor das Hofthor geſtellt. Ihr Gewimmer machte mich damals aufmerkſam, ich ſtand auf und fand ſie, vor Kälte blau, in einem reich überzogenen Wannenbettchen. Wer hätte ſich des kleinen Wurmchens nicht er⸗ barmen ſollen? Ich nahm ſie in meine Stube und fand, während ſie meine Frau auszog, um ihre kleinen ſteifen Gliederchen zu erwärmen, eine ſchwere guldene Kette, an der ein ebenfalls in Gold gefaßtes Hei⸗ ligenbild, wie ich glaube, hängt, um ihren Hals gewunden. Die Kette ließ mich auf ein vornehmes Herkommen ſchließen, und ich hob ſie in dem Gedanken, daß ſie viel⸗ leicht dereinſt zu der Entdeckung ihrer ei⸗ gentlichen Ellern beitragen könne, vorſich⸗ tig auf. Mit meinem Knaben erzog ich ſie und lehrte beide, ſich als Geſchwiſter lieben. Ihr feinerer Bau und ihr ſich frühe entwickelnder Verſtand aber bewog mich, ſie in das Liebfrauenmünſter zu laſſen! Els⸗ beth war auch ſehr gelehrſam, hatte aber — 140— — bald Anfechtungen von den Mönchen, wel⸗ che das Kloſter beſuchten, and da ſie mir dieß klagte, nahm ich ſie wieder zu mir in mein Haus. Allein auch hier ſchlichen ſich bald die Mönche ein und wußten mich ſo zu bethören, daß ich keine Abſicht auf dieſe meine Pflegetochter an ihnen merken konnte, und beſonders hielt ich den Schor⸗ kopf, aus deſſen ruchloſen Händen ihr, ge⸗ ſtrenger Herr Graf, ſie befreit habt, fur ſo fromm und tugendhaft, daß ich ihn, da er geſtern Abend etwas ſpät hierher kam, ſelbſt zum Uebernachten nöthigte und ihn neben Elsbeths Schlafgaden betten ließ. Nun aber ſoll auch kein Mönch mehr über meine Thürſchwelle.“ Arnulf, welcher waͤhrend der Erzählung das weinende und nun heftig ſchluchzende Mädchen mit innigem Gefühle der Theil⸗ nahme anſah, trat jetzt auf es zu, bot ihm mit den Worten:„Nehmt ſchöne Dirne „die offene Verſicherung meiner ganzen Ach⸗ „tung und Freundſchaft!“ die Rechte. Elsbeth.(Sich mit Anſtand vor ihm — 141¹— 3 neigend).„Habt Dank, edler Herr Graf, fur eure gnäͤdige Huld!“ Arnulf.„Euer Zutrauen, gutes Mäd⸗ chen, würde mir willkommner ſeyn als euer Dank!“ Elsbeth.(Ihr blaues Auge freund. lich zu ihm aufſchlagend).„Das habt ihr euch im vollſten Maaße ſelbſt verdient, ed⸗ ler Retter meiner Unſchuld“"“²“ Arnulf.„Ich erfüllte damit nur meine Pflicht, doch ſagt Alter, mir ſcheint nun euer Haus für Elsbeth kein ſicherer Auf⸗ enthaltsort mehr zu ſeyn, denn gewiß wer⸗ den euch die Mönche des Kloſters, aus welchem der ſchändliche Schorkopf war, den ich zum Fenſter hinaus warf, um emer Pilggetochter und des Schimpfes willen, den kkiner ihrer Mitbrüder in eurem Haus er⸗ 1 duldete, anfeinden, da ſte mir, dem eigent⸗ lichen Thäter ſo leicht nichts hhaben kön⸗ nen, denn euch.. 3 Meyer.„Ja, dacht auch ſchon daran, weiß aber nicht, wie's zu ändern wäre. 71 Arnulf.„So will ich Rath ſchaffen. 3 — In der Tochter des Ritters Steinbach 142— werdet ihr, ſchöne Elsbeth, eine theilneh mende Freundin finden. Sie iſt euch an Tugend gleich und— ich habe ja euer Zu⸗ trauen, ihr müßt alſo auch das meinige beſitzen—— Emma iſt meine Geliebte. Zu ihr— doch was iſt euch, ihr entfärbt euch ja, pöllig? 4.. Elsbeth.(Bebend).„Eure Geliebte!“ Arnulf.„Nun ja, warum die Frage?“ Elsbeth.(Gefaßter).„Verzeihet ed⸗ ler Herr Graf, ich fühlte in dieſem Augen⸗ blicke, wie glücklich jenes Fräulein ſeyn muß, und wie unglücklich—(ſie bricht in ein heftiges Schluchzen aus). Arnulf.„Seid doch zufrieden, gutes Maͤdchen! Zu ihr, meiner Emma, will ich heuch ja ſenden, und ihr ſollt in ihren ſchwe⸗ ſterlichen Armen ihr Gluͤck theilen, um zu vergeſſen, was euch unmenſchlich und wi⸗ dernatürlich zeither entzogen wurde. Elsbeth.„Nimmer, edler Graf, mir wurde nichts entzogen, denn ich beſitze ja die Ligbe meiner Pflegeeltern und eines Bruders, von denen ich auch nicht eher ſcheiden will, bis ſie mich es heißen.““ 7 — 143— du ewig bei uns bleiben.“ Arnulf.„Nein in dieſem Sinne dürft und ſollt ihr euch auch nie von einander trennen, und ihr verkanntet meine Abſicht, falls ihr glaubtet, daß ich eure Herzen ge⸗ gen das himmliſche Gefühl der Dankbarkeit unempfindlich machen wollte. Lauter und rein iſt mein Zweck und ſoll nur eure ge⸗ genſeitige Nuhe begründen. Ihr Alter, ziehet daͤdurch, daß Elsbeth ſich auf einige Zeit von enrem Hauſe entfernt, die Rache ihr in jeder Kuckſicht nützlich ſeyn wi Stehet euch ja das gegenſeitige Heimſuchen ſammen und bringt mir bald euren Ent⸗ ſchluß.“ Meyer.„Ihr werdet aber doch, edler verlieben?““ nen, doch nun mags ſo ſeyn.” Meyer.„O liebe Elsbeth, dann wirſt 5 der Plättlinge ſicher von euch ab, und Els⸗ beth lernt eine Freundin kennen, welche ſtets täglich frei. Indeß überlegt es zue Herr Graf, beim Mittagsimbiſſe bei uns . Arnulf.„War's vorhin nicht geſn. 5 Mu dieſen Worten entließ ee ſie und ———— ſchritt hinab um den Knappen ſeinen ver⸗ änderten Entſchluß zu kunden und dann in dem geräumigen Hausgarten ungeſtört ſei⸗ nen Gedanken an Emma nachzuhängen. Bald rief ihn Elsbeth zum fertigen Mit⸗ tagsimbiſſe, bei welchem er auf ihr Beneh⸗ men aufmerkſam achtend, haͤusliche Geſchäͤf⸗ tigkeit mit der edelſten Haltung trefflich in ihr verwebt fand. Ihr gedrücktes, melan⸗ choliſches Aeußere hatte einen beſonders theilnehmenden Eindruck auf ihn gemacht, und er freute ſich innig bei dem Gedanken, daß Emmas Umgang dieß von dem ſonſt ſo freundlichen Weſen Elsbeths trennen werde. 3 ach ch au ſgehobenen Mahle forſchte nun Arnulf nach des Alten und ſeiner Pflege⸗ tochter Entſchluſſe, ob ſeinem gegebenen Rathe und erfuhr, daß beide ihn zufrieden und dankbar annehmen wollten. Er bet deshalb letztere, ſich ſogleich zum Abzuge fertig zu machen, damit ſie ſein Knappe Kaſper noch vor Sonnenuntergang gen Steinbach bringen könne. Und nach wenig Minuten ſchon trat ſie in einem blendend . . 145— 2 weißen Reiſeanzuge mit thranendem Auge auf den Alten zu und warf ſich ſchluchzend an deſſen beklommene Bruſt.„Geh liebe Elsbeth, es iſt zu unſerer Sicherheit und bald, recht bald ſiehſt du mich wieder!“ hob er jetzt nach einer langen ſin men Umarmung mit erzwungener Fafſung ſtot⸗ ternd an und führte ſie auf Arnulf zu, welcher das ſchöne Mädchen ebenfalls an ſich zog, ihr ſeine Lippen auf die Stirne preßte und dann begann:„Bringt, ſchöne gute Elsbeth, dieſen Kuß meiner Emma und ſagt ihr dazu, daß ihr Arnulf von Baar in euch eine ſchweſterliche Freundin ſende, und ſchenket meiner Emma eben o euer feſtes ſtetes Zutrauen, wie ihr mit es gewährtet!/““ Hiermit wollte er ſie auf den ſchen be⸗ reitſtehenden, geduldigen Zelter heben; als das goldgefaßte Bildniß an der güldnen Kette aus ihrem wogenden Buſen fiel. Ar⸗ 8 3 nulf fing es auf und betrachtete, erſtauut über die ihm ſo kenntlichen Geſichtszuge, lange und anhaltend das Konterfei, bis ndlich ſein Blick Huf Els beth fiet und er. — 146— da üͤberzeugte, daß ſie das Original ſa ſelbſt ſeyn müſſe, und rief auf die Verſiche. Bild ſey, welches Elsbeth als kleines Kind an der Kette um den Hals gehabt habe und er es ihr erſt heute vor wenig Stun⸗ den bei ihrem Entſchluſſe, gen Steinbach ziehen zu wollen, gegeben habe, hech er⸗ ſtaunt aus:„So iſt dieß auch kein Heili⸗ „p genbild, ſondern ſo wahr ich lebe, das „Konterfei von Elsbeths Mutter ſelbſt! und „ ihr dieſes ſeyd, bezeuget dieſe Kette und dieſes euch, wie ein Tropfen Waſſer dem „andern, ſo ähnliche Bild— um eurer ſelbſt „willen bewahret beides ſorgfaltiger; denn „kann irgend etwas zur Entdeckung eurer Thraͤnenſtrom befolgte Elsbeth Arnulfs Rath indem ſie die lange Kette mehrere Male Bildniß dann vorſichtig unter ihrem Buſen⸗ den Sattel half und dann⸗ nachdem er Kaß⸗ 3 rung des Meyers, daß dieß das nämliche „ich birt' euch edles Fräulein— denn daß „rechten Eltern verhelfen, ſo iſt es dieſes „Kleinod.“ Unter einem neuen heftigen um ihren lilienweißen Hals wand und das tuche verbarg; worauf ihr jetzt Arnulf I — 1. 72 4 pern noch Eile und Vorſicht anempfohlen, und Elsbeths zäͤhrenbenetztes Naſentuch noch eine Zeitlang von der Ferne her wehen ge⸗ ſehen hatte, mit dem traurigen Alten in den Hausgarten ging, um ſich mit jenem über Etsbeths zeitheriges Leben bis zum Abende zu unterhalten. Endlich nahete dieſer heran und mit ihm wurden ſie zu Tiſche gerufen, bei welchem jedoch in jedem Auge der Hausgenoſſen ſich eine ſchwere Thräne über Elsbeths unbe⸗ ſetzten Platz ſammelte; denn Elsbeth war's, die ſonſt mit ihrer melodiſchen Stimme das Tiſchgebet ſo andächtig ſprach, mit der nur ihr eignen angenehmen und lehrreichen Un- terhaltung das Mahl würzte, und jedem dabei ſo freundlich ins Auge ſah. Und die ſchmerzlich gefühlte Entbehrung alles dieſes preßte tiefe Seufzer aus den beklommenen Buſen und machte das Mahl ſo unſchmack⸗ haft, daß es bald aufgehoben und die ſonſt ſo leere Schüſſel noch über die Hälfte an⸗ gefüllt wieder abgetragen wurde. Selbſt Arnulf wollte nichts munden, denm die trau⸗ 10 7 — 14— rige Stimmung der Tiſchgenoſſen hatte ſich auch über ſein Inneres verbreitet. 4 Man ſuchte daher früh die Ruhe um mit dem Schlafe ſeinen Kummer zu verſcheuchen; auch Arnulf entſchlief in dem wonnigen Ge⸗ danken, wie ſich jetzt Emma und Elsbeth umarmen und ihn zum Gegenſtande ihres Geſpräches haben würden. Gegen Mitternacht aber weckte ihn ein heftiges Getümmel im Hofe. Er eilte ans Fenſter und ſah zu ſeinem größten Entſe⸗ tzen, wie eben vier Reiſige einen Knappen, in welchem er ſogleich ſeinen Kaſper erkann⸗ te, in den Hof herein trugen und der Meyer wie in Verzweiflung die Hände vang. „Was gibts!“ ſchrie er den Kommenden zu und ſtürzte, nachdem er erfahren, daß die Reiſige Steinbacher ſeyen, welche Kaſ⸗ pern im Walde blutend gefunden und nun auf ſeine Ausſage, daß ihm eine ſeinem Schutze anvertraute Dirne, nach heftiger Gegenwehre entriſſen worden und ſein Herr auf dieſem Meyerhofe ſey, hierher bräch⸗ ten,— die Treppe hinab; empfahl dem jammernden Meyer die Pflege ſeines Knap⸗ — 149— pen und ſprengte, ſobald die Roſſe geſat⸗ telt und er gewappnet war, von Kunz ge⸗ folgt, mit dem Schwure: nicht eher ruhen zu wollen, bis er die Dirne aufgefunden und ſeinen Knappen gerächt habe,“ wuth eutbrannt in die Nacht hinein, und jagte, ſeiner Unvorſichtigkeit— die Dirne dem Schutze eines einzigen Knappens anvertraut zu haben— fluchend, unaufhörlich fort ohne zu wiſſen, oder ſich auch nur darum zu bekümmern, wohin. Eiin heißer Suüd hatte bereits ſchon eini ge Wochen die zeitherigen Südweſt⸗ und Südoſtwinde vertrieben und die Tage ſo ſchwül gemacht, daß ſich jeder ſchon am Morgen wieder nach der Kühle des bends ſehnte und der Landmann ſchon ſeine Scheu ne aurua. um nun endlich bald ein mal wieder in der geſegneten Erndte den Wte Lohn ſeiner jahr⸗ und tagelangen Arb inter den vorletztent Schweißtropfen ſeine ——ÿ= ——— — — gemäͤß, nach ritterlichen Waſſenthaten wie— .. Angeſichts einthun zu können; auch die flö⸗ tende Nachtigall war ſchon längſt wieder vergeſſen, denn die ſchwarzgebrannte Erde erinnerte nur noch hie und da an die lu⸗ ſtig überſprungenen Johannisfeuer; allein immer noch hatte der ſtattliche Graf Ar⸗ nulf von Baar vergeblich nach des alten gutherzigen Meyers Pflegetochter, der ſchö nen Elsbeth, geforſcht, und umſonſt auf das ihm doch verſprochene Wiedererſcheinen ſeines Ahnengeiſtes geharret. Mit den trübſten Gedanken deßhalb bee: ſchäftigt, die nur durch Emmas Andenken, 3 gleich dem augenblicklichen Sonnenſcheine bei regniſchem Herbſtwetter, freundlich un⸗ 8 terbrochen wurden, trabte er täglich den antfernteren Gauen zu⸗ ohne daß etwas Erhebliches auf ſeinem Zuge ihm zugeſto⸗ ßen war; da gedachte er endlich ſowohl Els⸗ beths Auffinden, als auch das Wiederer⸗ ſcheinen ſeines Ahnengeiſtes der Zeit und dem Zufalle zu überlaſſen, und beſchloß dem Inhalte ſeiner freundlichen Jugendträume eer ernſtlich umherzuſpahen.. — 151— Dieſer Vorſatz brachte gleichſam wieder neues Leben in ihn. Mächtiger ſchwangen ſich wieder ſeine drei rabenſchwarzen Fe⸗ dern von ſeinem Helme auf das ſchwarze Kreuz mit dem Todtenkopfe herab und lu⸗ ſtiger ſtimmte mit freundlichem Wiehern der treue Hengſt in das Trillern ſeines Herrn, welcher mit dem herannahenden Abende des heutigen, eben wieder recht brennend heißen Sommertages an dem Fuße eines ziemlich hohen Berges, auf deſſen Scheitel ſich eine prachtvolle, ſehr geräu⸗ mige Burg erhob, vorüber ritt. 1 Mit Wohlbehagen betrachtete er die ſtatt⸗ liche Veſte, deren hohe Zinnen und Fen⸗ ſter von der allmählig untertauchenden Sonne gülden überflimmert und dann wie mit dem reinſten Purpur übergeſſen wur⸗ den. Jetzt hatte er die Vorderſeite der Burg 88 erreicht und ſah mit großem Bewund wie dieſes an der langen Reihe von Fen ſtern belebt war, denn immer paarweiſe 3 lagen Ritter und Damen an den Geſim⸗ 8 ſein, um, wie es ſchien, der reizenden A 8 (ſicht und des herrlich majeſtätiſchen Scche 8“ — den zu dem luſtigen Reihen einladen, wel⸗ cher jetzt bei der munter ins Thal herab⸗ ſchallenden Muſik begann, und Arnulf beſchloß deshalb hinanzureiten, um, wenn auch kein Nachtlager zu fordern, doch ſeinen und ſeines Knappen lechzenden Gaumen mit ei⸗ nem vollen Humpen zu laben und ſich auf einige Zeit in das frohe Gewuhl zu miſchen. Freundlich kamen ihm an der herabge⸗ laſſenen Zugbrücke Knechte und Pagen ent⸗ gegen, nahmen ihm ſein Roß ab, um es in den Marſtall zu ziehen, und fuhrten ihn durch die Pfalz hinan in den Saal. Mit halberhobener Arbeit zierlich geſchnitz⸗ tes und vergüldetes Getäfel umgab den Fuß der mit rothem Sammt tapezierten Waͤnde und von dem reichbekleideten Pla⸗ fond herab hingen an guldenen Armen ſechs 8 4 große Lüſter durch den langen Saal, und ließen, von den in großer Zahl befeſtigten Wandleuchtern unterſtützt, erwarten, daß ſpiels des Unterganges der erhabenen Him⸗ melskönigin zu genießen. Die Taſchentu⸗ cher der Damen flatterten in dem lau we⸗ henden Zephyr, als wollten ſie unſern Hel⸗ — 153— ſie bei Einbruche der Nacht, zum Tro der Tageshelle, den in der Form von gro⸗ ßem Laubwerk grün und weiß eingelegten Fußboden überlichten würden. Reiche, mit dem geſchmackvollſten Sammet überpolſterte Ruhen ſtanden in der bunteſten Farbenmi⸗ ſchung an den Wänden umher und ſchienen neidiſch um die vom Reihen ermüdeten ſchlanken Glieder der Damen und jungfräu⸗ lichen Dirnen zu wetteifern. Vier hohe Flügelthüren ſtanden an den beiden Enden des Prunkſaales offen und der über ihnen mit den lebhafteſten Farben gemahlte Ga⸗ nymed verkündete die labende Beſtim⸗ * mung dieſer anſtoßenden Gaden, aus wel⸗ chen der würzige Geruch des in güldenen Scheuren perlenden Weines ſich unter den Duft der Roſen⸗ und Jasminengewinde miſchte, die ſich in Halbkränzen zwiſchen; den güldenen Armen der Lüſter hinſchlän⸗ gelten und ſo den Prunkſaal mit einem üppigen Athem erfüllten. Arnulf ſtaunte ob dieſer finneberauſchen⸗ den Pracht, doch vermehrte ſich ſein Be⸗ wundern noch ſehr, da, nachdem er ſchen 85 — 154— .. A. eine Zeitlang vergebens auf einen Will⸗ kommgruß des Burgherrn gewartet und das ſonderbare Verhältniß der bunten Ge⸗ ſellſchaft, von der jedes Mitglied that, was ihm beliebte, ohne ſich um Jemanden an⸗ ders als ſich ſelbſt zu bekümmern, beobach⸗ tet hatte, jetzt ein Page auf ihn zutrat, um ihn zu einem gleichen Handeln und Thun zu bewegen. „Melde mich, den Grafen Arnulf von Baar, dem Burgherrn!“ entgegnete aber dieſem entrüſtet der ſtatrliche Held. Page.„Verzeihet gnädiger Graf, der Herr dieſer Burg iſt ſchon längſt nicht mehr hier und ſeine Gattin feiert heute ihren neun und dreißigſten Geburtstag; doch iſt ſie noch in ihren Zimmern und wird auch erſt mit dem einbrechenden Abende ſich unter die Gäſte miſchen. Laßt es euch indeſſen nur gefallen, zu thun und zu laſ⸗ ſen, was ihr für gut haltet. Legt euren Helm ab, miſcht euch unter die bunten Reihen, und in den anſtoßenden Gemnächern findet ihr Inbißß und Trunk, was eug 5 beliebt!, ν— Hiermit haſtete der Page wieder vet hinnen, doch Arnulf gefiel dieſe Gaſtfreuud⸗. ſchaft, gerade weil ſie alles unaufgefordert 3 3 zu thun erlaubte, nicht. Indeß ſchritt er 4 dem nächſten Gemache zu, ſetzte ſeinen Helm ab, hing ihn an einen der zu dieſem Behufe an den Wänden ſich befindenden übergüldeten Haken und rückte einen Pol⸗ ſter zu der nächſten unbeſetzten Tafel, um ſich mit dem Weine, der in dem mitten auf dem Tiſche einzig und allein 1eheden Humpen perlte, und köſtlich ihm entgegen⸗ mundete, ſeinen Durſt zu ſtillen, und eben wollte er die Henke deſſelben ergreifen da ſiel ihm ein daran befeſtigtes Pergament blatt in die Augen, auf welchem er die Worte las:„Wer dieſen Humpen leert verbindet ſich, bei Schmahung ſeines Ah. nenſchildes, zur Erfüllung dreier ritter licher Thaten, die ihm die Burggrüfin ſecßn be⸗* ſtimmen wird.“ 2 Nachdenkend leßte er hhe den Hune von welchem eben die ganze Ritterſchaar, ein ſchon altlicher Ritter mit den Worten auf ihn zu:„Nun Kumpan, wollt auch des köſtlichen Weines nicht genießen?“ Arnulf.„Bin nicht bekannt mit den „Verhaltniſſen der Burggrafin und Neu⸗ „gierde und Voreiligkeit leitet meine Hand⸗ „lungen nie.“ Ritter.„Habt auch recht Geſponn, wer „wird um einige Tropfen guten Weines „ſein Leben wohl aufs Spiel ſetzen?“ Arnulf.„Hm, brauchte des Weines „nicht, wenn ich nur wüßte, daß die For⸗ „derungen wirklich edle, ritterliche Thaten. „beabſichtigten.“* Ritter.„Ha, deß könnt ihr gewiß „ſeyn, denn”— Arnulf.„So? dann wär' es ewige 4 „Schande, wenn Graf Arnulf von Baar dieſen Humpen nicht leerte!“ Mit dieſen Worten ſtüͤrzte er den käſt lichen Rebenſaft bis auf die Nagelprobe hinab, und der altliche Ritter haſtete, die Kunde davon in den Prunkſaal zu bringen, den muthigen Fremdling zu ſchauen, in den Gaden kehren wollte, als ſich die bei⸗ den Flügel der in der M itte der Seiten⸗ wmand befindlichen Thüre öffneten und die ſehnlichſt erwartete Burggräſin von zween 1 dienenden Zofen gefolgt, heraustraeat. Ein einfaches weißes Kleid mit güldner Spange unter dem Buſen zuſammen ge⸗ halten, umfloß der Gräfin ſchlanke Glieder; eine güldne Kette wand ſich in dreimaliger 64 Umſchlingung leicht, um ihren Lilienhals und wurde dann von einem ſchweren Gold⸗ reife in zween gleichen Armen unter den Flor gezogen, der neidiſch den vollwogen⸗ den Bußen bedeckte, um durch ſein lufti⸗ ges Gewebe nur noch feſter das Auge des 3 wonnetrunkenen Spähers an ſich zu feſſeln. Ein mit edlen Steinen reich beſetztes Dia⸗ dem ſpielte in tauſend Farbenblitzen in dem blonden Haupthaare, deſſen ſeidne, leicht. gewundene Locken die hohe, glatte Stirne . und das blaßroſigte Antlitz küßten, welches jetzt mit einem ſanft melancholiſchen Lächern die Geſellſchaft freundlich bewillkommte. Die bei ihrem Eintritte lärmende Muſik hatte die Worte, welche grüßend von ih: 8 —— eröffnen, von allen Damen gebeten wurde. 5 Spähend warf ſie jetzt ihren Blickim dem Kreiſe der Ritter umher, ließ ihn ine Zeitlang auf dem wieder in den Saal ge tretenen Arnulf ruhen, und winkte ihn 5 — 158— ren Roſenlippen floſſen, übertönt, doch jetzt verſtummte auf ihren Wink die Muſik, um in einer geméßigt fröhlichen Melodie wie⸗ der beginnend, zu dem Reihen einzuladen. Die Geſellſchaft drängte ſich indeß mit Glückwünſchungen und Freudebezeuzungen über ihr endliches Erſcheinen um die Burg⸗ gräſin, welche durch ihren freundlichen, leicht hinſcherzenden Dank bewies, wie ſehr. ſie an Artigkeit und feiner Bildung jede andere ihres Geſchlechtes in dieſem Zirkel 4* übertreffe und mit Recht als die Königin des Feſtes den neuen fröhlichen Reihen zu dann zu ſich. Arnulf gehorchte unter ei⸗ ner zierlichen Verbeugung, und ſie begaun mit ihrer melodiſchen Stimme.„Edler Ritter, wie kommts, daß euer Auge allein von allen ſo feſt und offen dem Meingen entgegenſtrahlt? ſicher ſchlägt in euch da * — 159— 8 — tapfere, edle Herz, das meine ritterlichen Forderungen zu erfüllen wagen will?““ Arnulf.„Stets edle Dame war es. des Grafen Arnulfs von Baar ſehnlichſter Wunſch, ſeinen Muth durch edle, ritter⸗ liche Thaten zu bewähren, und ihr kommt umm ſo freundlicher ihm entgegen, als ich durch dieſe Gelegenheit hoffen darf, mich euch zu verpflichten. Glaubts daher holde Gräfin, ich glühe vor Erwartung aus eu⸗ rem ſchönen Munde beſtimmter das Be⸗ didingte zu erfahren.“ Gräfin.„Sieh doch wie der tapfere Graf mit edlem Heldenmuthe auch ſe feine Artigkeit verbindet, aber eure geſpannte Erwartung indeß einſtweilen zu befriedigen 4 ſo wißt die erſte meiner Forderungen iſt, 6 den erſten Reihen mit mir zu durchfliegen; doch glaubt ja nicht, lieber Graf, daß d 3 ſo leicht iſt, dann bedenkt, ich habe mich in meinem Leben noch nie mach dem Takte bewegt. 4 Arnulf.„Ihr kurzweilt ghün ne Gea fin, d un ein ſ zard ter, ſhianke Vane — 160— iig, und ſollten eure beiden andern For⸗ derungen nur eben ſo hart den ritterlichen Muth erproben wollen, dann werd' ich wohl der Neider viele unter dieſen edlen Rittern haben.” 4 Gräfin.(Indem ſie Arnulf ihre Hand zum Kuſſe bietet).„Nun topp mein lie⸗ ber Graf, verſucht wie wenig meine Ge⸗ ſchicklichkeit eurer ſchmeichelhaften Erwar tung genügt.“ Jetzt wurde die Muſik lebhafter, die Gräfin ſchmiegte ihren Arm um Arnulfs güldne Nackenſchienen, ließ willig auch von dem ſeinigen ſich umfangen und eröffnete mit dem ſtattlichen jungen Grafen lang⸗ ſam die Reihenbahn. Immer fröhlicher aber wurde die Muſik und immer ſchneller bewegte ſich das ſchöne, edle Paar, bis es endlich, wie in dem leichteſten, anmuthig⸗ ſten Fluge den Weunneſsat darch die endet und der allgemeine Freudenruf, wel⸗ edlen Gräfin, wie ſehr ſie mit ihrer meiſter⸗ zu dem jungen Baarenhelden, welcher ihren iich ſelbſt hat die taktmäßige Schnelligkeit entzückt, mit der ich, von eurem Arme umichlungen, den Saal durchmeſſen konnte.“— — 16=“ * chen ſpiegelten ſich in dem ſchönſten Farben⸗ glanze in Arnulfs blanker güldner Rüſtung und erhöhten die Farbenblitze des Diadems der Gräfin ſo ſehr, daß bei dem ſchnellen Fluge des Reihen ihr roſenwangigtes Haupt wie mit der feurigſten Strahlenkrone ge⸗ ziert erſchien.. 3 Doch jetzt hatte der fröhliche Reihen ge⸗ cher den Prunkſaal erfüllte, bewies der 2 haft entwickelten Gewandtheit im Tanze, die frohe Geſponnſchaft ergötzt hatte. Freund⸗ lich lächelnd dankte ſie und begann dann vollgeründeten Lilienarm mit dem ſeinigen eingeladen hatte, um ſie nach dem ſchön⸗ ſten Polſter hinzuführen:— „Aber mein lieber Graf ich glaube fü wahr ihr beſitzet Zauberkräfte, denn trau Arnulf.„Eure roſenfarbne Laune, edle äfin, mißt allzuviel mir bei, und ich 8. 3 1 3 1 1 4 mich ob meiner doch eigentlich nur ſchuldi⸗ gen Entſchloſſenheit ſo viel Wonne genie⸗ ßen laͤßt, da ich überdieß als fremder, nur um Gaſtrecht bittender Ritter, gewiß noch manchem der hier Annweſenden Edlen nach⸗ ſtehen ſollte. 74 Gräfin.(Ihm die SHand auf den Mund legend, mit einem ſtillen Seufzer). „Stille edler Graf, dankt nicht zu fruͤhe, denn ach hier liegen noch zwei inhaltsſchwere Forderungen für euch verborgen, deren 8 glückliche Erfüllung ſelbſt die ſeeligſte Won⸗ ne euch nicht genug lohnen kann, und ſchon durch euren edlen, feſt entſchloſſenen Wil⸗ len ſie tapfern Muthes für mich zu unter⸗ nehmen, ſeyd ihr mir näher, denn alle e den Gäſte. Bald mehr mein lieber bereit.“ 4 ſtaune vor Entzücken über eure Güte, die allen, ich bin ſtets zum etene nur tfüf Mit jeder Veindſe ahee wnce — 165— glaubts, die angenehmte Unterhaltung wird 4 mir die, in eurer Nähe ſeyn.“ Mit dieſen Worten und unter einer ax⸗ igen Werben aung verließ der junge Held ſeine holde Tänzerin, welche ſich jetzt un⸗ ter die übrigen Damen miſchte, und trat in den nächſten Gaden ein, wo ihn die darin gelagerten Ritter i 83 ihre Mitte nah⸗ enen und wacker mit ihm zechten. 1 Der Miß gunſt und des Neides ſcheeles Auge ließ ſich indeß auch bald hie und da, beſonders bei den jüngern Ritter blicken, doch Arnulfs feſtes, männliches Benehmen war ein zu abſchreckendes Bollwerk, als daß es ſeinen hö öhniſchen Blick triumphirend aufzuſchlagen hätte wagen durfen. Sich den Verdruß hierüber zu verſe heuchen, ſchl chen ſich die jungen Lecker lle aus dem ſten Kumpanen unter heundithem Geft dich⸗ ſel beim Humpen ſaß, und miſchte cheils unter den frohen danhene Mai gen Gemäcßern zechten. * danke, was wohl der Inhalt der beide andern Forderungen der ſchoͤnen G rfn ſeyn werde, bei Arnulf lebhafter und ſtei⸗ gerte ſeing Erwartung bis zur quälenden Unruhe. Er mußte, um ſeine Zerſtreuung nicht zu deutlich zu verrathen, die Unter⸗ haltung mit den alten Rittern abbrechen und ſchritt deshalb wieder in den Saal, wo ihm alsbald der holden Burggräfin gro⸗ ßes, blaues Auge wieder begegnete und er an ihre letzten Worte ſich erinnernd, ſie um einen neuen Reihen bat. „Schon glaubte ich, mein lieber Graf, ihr wäret trotz eurer bewieſenen, ſeltenen Gewandtheit dennoch kein Freund vom fröh⸗ lichen Reihen, allein meine Täuſchung löst ſich jetzt um ſo freundlicher, als ihr mich zu eurer abermaligen Tänzerin erkieſet““ Hiermit warf ſie behende den dünnen Shwal, mit welchem ſie ſich nach dem erſten Tanze Nacken und Schultern dichter hatte umhüllen laſſen, den wartenden Zofen in⸗ die Ann, und durchflog mit Arnulf den 4 2 I — 145 ſie leiſe dem ſtattlichen Baaren zu;„Graf, folgt dem Pagen, welchen ich euch ſchicken, werde!“ wandte ſich dann aus ſeinem Arme, 4 grüßte die zunächſt ſtehenden Damen, in⸗ dem ſie ihnen noch vieles Vergnuͤgen wünſch⸗ te, ihr Wiederkehren aber in Zweifel zog und verſchwand hierauf mit ihren Zofen in ihre Gemächer. Schon geraume Zeit hatten ſich die Flü⸗ gel der mittleren Saalthure, durch welche die Gräfin weggegangen war, wieder gee ſchloſſen, allein immer noch 3 der ſtatt. liche Baare unverwandten Blickes auf ſie, da trat endlich der erſehnte Page zu ihm und ohne ſeine Worte⸗ erſt abzuwarten, holte Arnulf ſeinen Helm aus dem anſto⸗ ßenden Gaden, empfahl ſich, da er nicht mehr in den Prunkſaal rückzukehren ge⸗ dachte, den immer noch fortzechenden alte 3 Kumpanen und eilte dem Edelknaben nach der eine brennende Kerze in ſeiner In 3 tragend, raſch voranſchritt. Ueber eine lanss Galleris, welche von einer Portraitreihen bei dem Ketzenlichte grauſend gleichſam belebt 8 auf der andern Seite durch hohe Bogen⸗ fenſter die Ausſicht in den voll Knappen, Reiſigen, Knechten und Roßbuben wim⸗ melnden Burghof darbot, war jetzt Arnulf mit ſeinem Führer an eine verſchloſſene Thüre gelangt. Der Page pochte an und alsbald wurde ſie von einer ſchmucken Dirne geöffnet, welche den Knaben verabſchiedete und indem ſie Arnulf zur Folge höflich bat, das Führeramt ſelbſt übernahm. Durch einfache aber dennoch mit den kleinlichſten Bequemlichkeiten verſehene Ge⸗ mächer war er jetzt mit ſeiner ſchlanken—. Fuührerin bis an eine hohe Flügelthüre ge⸗ kommen. Behende öffnete das Mädchen und Arnulf ſah erſtaunt durch eine lange Reihe hell erleuchteter, Roſen⸗ und Myrr⸗ henduft ihm entgegen hauchender Gaden, deren innere Einrichtung mit der reichſten Pracht den feinſten Geſchmack verband. „ Ich bin euch nun nicht mehr nöthig, edler Graf“— hob, nachdem ſie mit Ar⸗ nulf in den erſten Gaden eingetreten war, die Dirne an:—„ſchreitet nur durch dieſe Gemächer fort und ihr werdet bald unſere gnädigſte Gebieterin finden!“ Hiermit war ſie ſchon zur Thüre hin. aus und hatte dieſe wieder hinter ſich ein⸗ gepaßt, Arnulf aber ſchritt langſam weiter denn er wollte von all der hier herrſchen⸗ den Pracht, die ſich von Gaden zu Gaden erhöhte, nichts unbeachtet laſſen. Jetzt aber hatte er nur noch zwei Ge⸗ mächer vor ſich, durch welche ihm eine an⸗ genehme kühle Nachtluft entgegen wehte. Er ſah auf und bemerkte, daß ein gerau⸗ miger Altan der langen Reihe von Prunk⸗ gaden das Ziel ſetzte. Noch wenige Schritte und er hätte, das letzte Gemach durchmeſ⸗ ſend, unter freiem Himmel geſtanden, da 8 aber rief eine ſanfte Stimme ſeinen Na⸗ men. Er ſah ſeitwärts und erkannte, auf eine reiche Ottomanne hingegoſſen, die Grä⸗ fin, welche jetzt mit den Worten:„Will⸗ kommen Edelſter und Tapferſter aller mei⸗ ner Gäſte!“ ſich erhob und auf ihn zu⸗ ſchritt.„O nehmt— fuhr ſie fort— die⸗ ſen Hanbedrees 4 von eurer auftichligſten 4 „— 168— Arnulf wollte die ihm gebotene Rechte an ſeine Lippen preſſen, allein das ſchöne Weib warf ſich an ſeine Bruſt, indem 3 ſanft ſagte:„Nicht doch, edler Graf, e handelt ſich um ein tief leidendes et, das nur durch die offenſte und theilneh⸗ mendſte Freundſchaft ſeinen brennenden Schmerz.⸗ gelindert fühlen kann, nicht aber durch ſolche leeren Höflichkeiten. Laßt als Schweſter mich an eurer tapferen, edlen Bruſt ruhen und küßt als Bruder dieſs Lippen. Arnulf.„Gott, wer könnte ſolch ei⸗ ner ſchönen Seele widerſtehen, die mit ſo hoher Herzensgüte den reinſten Liebreiz eng verbindet!(Sie küſſend.)„Dieß ſey der heiligſte Bruderkuß— doch ich bitt' euch holde Gräfin kommt zur Sache. Ich er⸗ glühe vor Begier, der edlen Schweſter Schmerz geendet und ſie bald Vii kanh zu ſehen.“ Gräfin.(Sich fanff an ihn ſchmie⸗ gend).„O welchen Frieden gebt ihr ſchon durch den matten Hoffnungsſtrahl, eure — 169 3 1 Worte könnten ſich erfüllen, meinem Her⸗ zen!⸗ Arnulf.„Dem feſten Willen iſt al⸗ les möglich und daß ich dieſen habe, deß könnt ihr euch, theure Gräfin traun ver⸗ ſichert halten!“ 3 3 Gräfin.(Seine Rechte erfaſſend). „Kommt, muthvoll edler Freund, auf dieſen Altan; ihr wolltet ihn vorhin ſchon betre⸗ keen und die kühle Nachtluft wird von eu⸗ rer Nähe unterſtützt mir die ſchmerzlichen Erinnerungen leichter machen.“ Mit dieſen Worten war ſie mit dem ſtattlichen Baaren auf den Altan getreten und zog ihn neben ſich auf eine weich ge⸗ polſterte Ruhe nieder, indem ſie fortfuhr: „O wären die inhaltsſchweren Worte doch alle ſchon meinen Lippen entflohen. Sollt' ich aber in dem llebermaaße des Schmer⸗ 3es ſtocken, ſo will ich an eurer bruderli⸗ chen Bruſt mich wieder ſammeln, denn(Ar⸗ nulfs Rechte an ihr Herz drückend) fühlt's edler Graf, wie es hier ſchon pocht und entziehet ja euer Mitleid nicht der Dul⸗ derin.“ — 8— 8 179 Arnulf.„O edle Gräfin koment zur Sache, ich vergehe ſonſt vor peinliiher Er⸗ wartung.“ Gräfin.„Verzeiht dem ſchwach en Frauenherzen! Nur noch einmal theurer Graf, ihr wollt auch wirklich feſten Mu⸗ thes den Schmerz in meinem Buſen löſen? Arnulf.„Wißt holde Gräfin, Arnulf des Baaren Wille wanket gleich dem här⸗ teſten Felſenberge nie.“ Gräfin.(Freudig ſeine Hand ergrei⸗ fend).„Ja, warum ſollt ich länger meine frohe Ahnung mir verherben, liſpelt doch eine innere Stimme ſeit dem erſten Augen⸗ blicke, in dem ich euch ſah, mir ſo freund⸗ lich zu: Vertrau feſt dem Muthe und ed⸗ len Heldenſinne des Grafen! und winkt mir euer ſchwarzer Helmbuſch überdieß auch die Beſtätigung meines Glaubens zu! Noch einmal, umſchmieget eure Bruſt mit brü⸗ derlichem Mitleid, edler Graf, und höret Unerhörtes.“ „Mit dem Ablaufe dieſer Stunde iſt ſchon das achtzehnte Jahr verfloſſen, ſeit. dem mein iammervolles Leiden nach dem 3 Genuſſe der wonnevoliſten Freuden trub begann. 8 Des azurnen Himmtels lauterer Sternen⸗ flimmer entzog wie jetzt die Gegend weit— umher den ſchwärzeſten Fittigen der Nacht.’ Die kühlen Schwingen eines liſpelnden Ze⸗ phirs wehten mit dem Dufte der Blumen beladen, eben ſo würzig von dem Burg⸗ zwinger herauf und faͤchelten angenehm in meinen aufgelbsten Locken, ich aber ſaß in den lieblichſten Traͤumen der Zukunft verſunken auf eben dieſer Stelle und ſah hinüber nach den waldigen Bergrücken, welche ſich mit ihrer Rabenſchwärze in dem fernen Hintergrunde auszeichneten und al⸗ ler Schattirung der näheren lich ren Ge⸗ genſtände ein Ziel ſetzten. Kein Laut ſtörte die Ruhe der ſternhellen Nacht, denn al⸗ les beugte ſein von der Hitze des Tages ermattetes Haupt in ſanftem Schlafe nie⸗ der und ich wähnte mich nur allein, die erquickenbe Kühle in vollen Zügen wachend zu genießen, welche ſo unendlich himmliſchen Frieden in mein Inneres goß und mir die Freude über meinen erlebten einundwan. —— — 172— zigſten Geburtstag noch erhöhte, da nannte es freundlich meinen Namen und mit den Worten:„Laß mich den Genuß der hei⸗ tern Nacht mit dir theilen, meine Klothil⸗ de!“ ſetzte ſich mein Vater auf den Platz, den ihr edler Graf jetzt neben mir einnehmet. Nach einigen kindlichen Liebkoſungen und einer recht innigen väterlichen UImarmung hob er aber an:„Schon oft meine liebe Tochter kam ich mit dir auf die Sprache, daß es meinem väterlichen Herzen die höch⸗ ſte Freude gewahren würde, wenn du un⸗ ter den vielen edien Jünglingen, welche ſich beinahe mit jedem Tage auf meiner BVeſte um dich einfinden, einmal waͤhlteſt, denn nur der Gedanke, in meinen alten Tagen Enkel, aus deinem Schooße ent⸗ ſproſſen, auf meinen Knieen wiegen zu können, konnte mir den Schmerz lindern, der über den Tod deiner ſeeligen Mutter, weiner guten Kunigunde, in meiner Bruſt wuhlte.““ Der Thränenſtrom, den mir die Erin⸗ nerung an den Verluſt der Edlen auspreßte, hemite die Worte meines Paters. 3 teöſtete mich wie immer mit den liebevollſten Ausdrücken und ſagte mir dann, daß Graf Erwin von Greiſenklau, welcher kurz zu⸗ vor aus Paläſtina zurückgekehrt war, um meine Hand bei ihm geworben habe. Er hatte meinen Vater bei dem Gelage, wel⸗ ches er, ſeine glückliche Ankunft zu feiern, den benachbarten Rittern und Edlen gege⸗ ben, mit beſonderer Achtung und Freund⸗ ſchaft ausgezeichnet und ihm dann bald ſeine Herzensangelegenheit entdeckt. Mein Vater wies ihn zwar damit auch, gleich allen andern, an mich, doch prieß er mir des Grafen Edelſinn und Tapferkeit ſehr, ſagte mir, daß Erwins Herzensgüte und Artigkeit bei weitem die meiner zeitherigen Werber übertreffe und äußerte mir ub⸗ haupt den Wunſch recht ſehnlich, daß ich des Grafen Tugenden wie ſeine Minne zu mir würdigen und durch die Angelobung meiner Hand an ihn meinem Vater die Ag größte Freude ſeines Alters gewähren möchte. Ich kannte den jungen Grafen ſchon faühe⸗ ja wir wuchſen leichſam miiteinan. * — 17⁴— mer freundlich begegnete und die Wildheit der andern Geſpielen nicht hatte, welche ſich von Zeit zu Zeit auch bei meinem Vater einfan⸗ den, ſtets eine gewiſſe Hochſchäͤtzung für ihn, weshalb ich der Forderung meines Vaters mit offnem Gewiſſen keinen gewichtigen Grund weigernd entgegenſetzen konnte, und ihn daher nach kurzem Bedenken mit mei⸗ nem Jawort ſo ſehr erfreute, daß ſich ſeine väterliche Zartlichkeit bis zu einem wahren Freundſchaftsgefühle für mich ſteigerte. Er theilte mir ſeine Pläne mit, die er nach unſerer Verlobung ihrer Ausführung reifen wolle und von denen der wichtigſte und an⸗ genehmſte für mich war, daß ich ſtatt mit meinem Gemahl heimzuziehen, auf meinem väͤterlichen Erbe hier fürder leben ſolle, denn aufrichtig zu geſtehen, war es mir von jeher der feindſeeligſte Gedanke, mit der Wahl eines Gatten die es Gebaude, in welchem ich zuerſt die verhängnißvolle Welt erblickte, in dem ich meine kindlich frohen Jugendjahre von der Hand einer Zartlich⸗liebenden Mutter geleitet, hinträum⸗ 3 te und in welchem deren geliebte Aſche — 175— 8„ ſanft ruhte, ja in welchem ich durch die Güte meines Vaters damals ſchon nach Willkühr herrſchen konnte und deſſen einen Flügel hier ich mir nach meinem Geſchmack, den ich nach meiner guten Mutter Tod am kaiſerlichen Hoflager und in Italien zu bil⸗ den Gele egenheit fand, eingerichtet hatte, verlaſſen zu müſſen. Aber Gott wie namenlos ungluͤ cklich ollte ich noch in eben dieſen geliebren Mauern werden und wie bald mußte ich das mir ſelbſt bereitete verhängnißvolle Leiden dun⸗ kel herannahen ſehen! Denn kaum war ich nach dieſer Unterredung mit meinem hoe ch⸗ erfreuten Vater in die inneren Gemächer der Burg zarückgekehrt und lag auf mei⸗ nem weichen? Lotterbette, um ungeſtört mein Herz zu prüfen, da wurde es mir ſchon allzudeutlich, daß meine Reigung zu dem Grafen noch weit von dem innigen Gefü ühle der Minne entfernt ſeyn müſſe, denn im⸗— mer konnte ich ſeinen Namen nur mit Ach⸗ tung nicht aber mit der heißen Sehnſucht nennen, mit welcher ich nach meinen Be⸗ griffen von inniger Liebe ihn mi h — 176— nennen ſollen. Und je länger ich die Prü⸗ fung meines Herzens fortſetzte, deſto pein⸗ licher wurde mir die kleberzeugung, daß ich mich mit meinem Jaworte übereilet habe.. Der Schlaf löste indeß bald meine mü⸗ den Glieder in ſanfte Ruhe auf und ich hatte nie mehr den Muth, die einmal durch ihn unterbrochene Erprobung meines Herzens, ſo lange es noch Zeit dazu ge⸗ weſen wäre, wieder zu beginnen. Mit mächtigen Schritten eilte ich für⸗ wahr ganz ſinnlos meinem Unglücke in die Arme, denn nur um meinem Vater eine trübe Stunde zu erſparen, reichte ich trotz deſſen häufiger gütigen Zuſicherung, daß er mich nie zur Wahl eines Gatten zwin⸗ gen wolle und trotz der innern Ahnung, 1 daß ich den Greifenklauer nie innig werde 3 lieben können, dennoch dem Grafen meine Hand. Dem Reichthum meines Vaters angemeſſen war unſere Verlobung, der Bi⸗ ſchof ſelbſt ertheilte unſerem Ehebund des Hummels Seegen, doch ich folgte nur me⸗ chauiſch meinem mir ſelbſt anfgehalsten 5, — 179— zweiflung und namenloſes Unglück in mußten!“ „Auf St. Blaſiustag entlud das Schick⸗ ſal ſeine Tücke, denn mit ihm kehrte Er⸗ wins Freund und Gefährte in Paläſtina, Ritter Liebmuth von Wildungen von dort zurück und ſprach auf unſerer Veſte ein.“ „Mit ſeinem Anblicke war jedes andere Bild aus meiner Seele mir verdrängt, ich ſah nur ihn und liebte ihn mit all der unwiderſtehlichen Macht und Innigkeit, wel⸗ che für dieſes hohe Gefühl in meinem Bu⸗ ſen lag. Erwin aber ahnte nichts und ich hatte längſt ſchon an Liebmuths Bruſt die unaus⸗ ſprechliche Wonne genoſſen, welche zween Seelen, wenn ſie ſich ſo wie die unſrigen einander unmittelbar anſchauen, mittheilen und berühren, als Vorgefühl der Seelig⸗ keit zu Theil wird, ehe er auch nur ſeine Aufmerkſamkeit dem Verhältniſſe, das zwi⸗ ſchen mir und ſeinem Freunde obwaltete, zu widmen für nöthig hielt.“ 6„Gott wie glücklich waren jene cu miſch kalten Vuintesaßende, di muths Bruſt verträumte; aber auch wie Aaus rüttelte mich der erſte ſchöne Früh⸗ lingstag aus meinem wonnevollen Traume, da an ihm, von des Gatten Hand durch⸗ bohrt, der Heißgeliebte blutend in meine Arme ſank!“ Ein Thränenſtrom hemmte hier der Grä⸗ fin Worte und ſie ließ auch ihren Zähren, unter dem Ausrufe:„O um wie viel ſanf⸗ ter iſt jetzt das Gefühl meines Unglücks, da meinem Auge der damals verſiechte Thrä⸗ nenquell wieder entbornt!“ an Arnulfs Seite freien Lauf. „Aber o edler Graf! hob ſie nach einer kleinen Pauſe wieder an— werdet nicht mmit Abſcheu gegen mich erfüllt, ſondern höret jetzt die ſchwere Buße einer ergebe⸗ nen Dulderin mit brüderlichem Mitleid.“ „Lange war nach dieſer Schreckensſcene, welche dadurch, daß mein Gatte bei ſeiner unverhofften Rückkunft von einer Jagd, mich in Liebmuths Armen überraſchte, her⸗ beigeführt wurde, mein Verſtand in furcht⸗ bar zerrüttetem Zuſtande. Nach vielen und langwierigen Mitteln ward es erſt den — 181— Aerzten, welche zur Erhaltung einernir höchſt gleichgültigen, ja verhaßten Lebs herbei gerufen waren, möglich, mich ſo weit herzuſtellen, daß ich einigermaaßen wieder fühlen und denken konnte und nun war es meine erſte peinlichſte Sorge mir das zeither Geſchehene, welches in den fürchterlichſten Schreckensbildern vor mei⸗ ner Phantaſie ſchwebte, im Zuſammenhange erzählen zulaſſen, um zu erfahren in wie fern dieſe Wahrheit oder Täuſchung ſeyen.“ „Meinen Vater wollt' ich hierzu bitten laſſen, aber Gott, er war nicht mehr! „Der gute Greis mußte alle die harten Vorwürfe von dem zornentbrannten Erwin dulden, welche mein Herz hätten treffen ſollen, und der Schmerz, alle die gehoff⸗ ten Freuden ſeines Alters nicht nur geſchei⸗ stert, ſondern auch ſo ſchrecklich vergallt; ſehen, hatte ihn alsbald auf den jamme vollſten Siechſchragen geworfen, von welä. chem ihn der Tod den dritten Tag ſchon mitleidsvoll befreite.“ 1““ „Dieſe Kunde, ſo heftig ſie auch unter andern Umſtänden mein Herz ergriffen ha⸗ —— —— ben würde, war indeß bei weitem nicht di ſchmerzlichſte für mich, denn weiter be⸗ richtete mir mit rothgeweinten Augen der alte Kaſtellan, daß mein Gatte noch an demſelben Tage, an welchem er ſich an dem Wildunger gerächt hatte, verzweiflungsvoll burgaus geſprengt und ſeit den nun ver⸗ floſſenen ſechs Monden nicht mehr heimge⸗ kehret ſey.““* „Ueber die Länge der Zeit aufs heftigſte entſetzt, rief ich nach dem Unterpfand der Liebe, das indeſſen, wie ich jetzt erſt fühlte, das Licht dieſes Jammerthales erblickt ha⸗ ben müſſe, aber— o Graf, denkt euch ddeen verzweiflungsvollen Schmerz, der mein Mutterherz zerriß, da ihm die Kunde wur⸗ de, daß eine Tochter, mein verjüngtes Eben⸗ oild zwar glücklich meinem Schooße entbun⸗ den worden, aber ſchon am Morgen des achten Tages ſeiner Geburt, als man es eben zur Taufe habe. bringen wollen, un⸗ begreiflich aus dem Innern der Gentächor geraubt geweſen ſey. Ich verfiel auf dieſe Kunde in einen us viel heftigeren Wahmnn⸗ der mich volle zwei Jahre zum Denken und Handeln gäanzlich unfähig machte. Nach dieſer deit jedoch löste er ſich allmählig in einen ſtum⸗ men Schmerz auf, der nach und nach in ſtille Wehmuth überging. Indeſſen blieb mir immer die Welt ein leerer Raum und alle Gegenſtände um mich her waren nur Schatten und Träume; ich ſah und dachte nur an mein Kind, ſah es unter fremden gefühlloſ ſen Menſchen, und wie es ſeine Händchen nach mir ausſtreck⸗ te, hörte dann ſein Wimmern, Lallen, und ſeinen erſten Mutterruf, ohne es an meine Bruſt preſſen und ihm mein Mut⸗ terherz zeigen zu können!— Gott wie oft glaubte ich ſeine kindlich ſanften Laute gleich diner Engelsſtimme neben mir zu hören, aber ach, nur ein öder Raum war und blieb um mich her und mein ſpähendes Auge konnte nie das ſo unenblich geliebte Weſen erblicken!“ Eine noch heftigere Thränenfluth erftikte von neuem ſder⸗ Graͤfin Stimme und Ar⸗ — le; worauf dieſe wieder gefaßter fortfuhr: „Za, edler Graf, höchſt unglücklich war ich, doch ſeitdem mein Auge wieder Thrä⸗ nen hat, iſt mein Schmerz viel ſanfter, und ich werde nie aufhören, dem Ewigen für die in meinem Unglücke glückliche Stunde zu danken, in welcher er mir mitleidsvoll die erleichternden Perlen wieder ſchenkte. Indeſſen höret ferner.“ „Gleich der Rebe, welche vergebens nach einer Ulme ſucht um an ihr emporranken zu können, ſtand auch ich allein und ſuch⸗ te vergebens nach einem Hoffnungsſtrahl, arn dem ich meinen getrübten Blick nicht aufheitern, ſondern nur zum fernern jam⸗ mervollen Leben ſtärken könnte. „Liebmuth kam mir in den Sinn und mit der Nennung ſeines Namens kehrte zwar die ſehnſuchtsvolle Liebe zu ihm in meinem Buſen wieder, allein der Gedanke, durch ihn meinen Vater, Gatten, und, was noch mehr, ein ſchuldloſes Weſen, mein Kind verloren zu haben, dämpfte mir die früher ſo heiße Glut ſo ſehr, daß ich ſelbſt * wünſchen konnte, ihn nie in meinem Leben geſehen zu haben.“ „Ich fragte nach ſeiner Begräbnißſtätte, aber ſtellt euch mein Staunen vor, edler Graf, da ich erfuhr, daß er noch lebe, in⸗ dem die Wunde, welche Erwin ihm geſchla⸗ gen, zwar ſehr gefährlich, allein doch nicht tödtlich geweſen, und er nach einem vier⸗ monatlichen Lager wieder friſch und geſund burgaus gejaget ſey.“ „Meinen Gatten aufzuſuchen und mit mir zu verſöhnen, ſey die Abſicht ſeines Auszuges, gab er vor, und ſeitdem ich dieſes wußte, war neues Leben in mein Inneres gegoſſen.“ „Bei jedem Lußnerruf eilte ich hochſchla⸗ genden Herzens ans Fenſter und jahrelang lebte ich in einer immer wieder neu tau⸗ ſchenden Hoffnung fort.“ „Meine Begriffe von Liebe, Welt und irdiſchem Glück läuterten ſich indeß ſeh und ich ſehnte mich oft an Erwins Seite um ihm meine neuen reinere 1enu mit⸗ zutheilen, ihn um Verz⸗ ung und dann, meine jetzt heran — 186.— ter in ihrer Mitte, ſowohl ihm als muth an die Bruſt zu ſinken, beider de mit der meinigen zu vereinigen und un⸗ ter dem Ausrufe: O laßt mein Herz mit dem eurigen ein veredeltes Kleeblatt bilden, welches dieſes unſchuldige Weſen hier, gleich⸗ ſam als aufgrünender Stengel eng verei⸗ niget, und fühlet mit mir den höheren Zweck der Freundſchaft, Liebe und des Le⸗ bens! ihre Lippen mit den meinigen über unſeres ſchuldloſen Kindes zartem Jugend⸗ haupte zugleich zu berühren, um beiden mit Einem K Kuſſe mir gleiche Empfindungen einzuflößen, die als ein harmoniſches Ganze nie mehr geſtört werden könnten.“ „Gott, wie glücklich mußte dann unſere veereinte Pilgerſchaft durch dieſes irdiſche Le⸗ ben ſeyn und jener himmliſchen Vollkom⸗ menheit entgegenſtrebend, mußte es ſchon den Vorgeſchmack davon gewähren. Aber ach verhängnißvolles Schickſal, war⸗ um leiheſt du meiner Phantaſie das Bild nur, ohne Verwirklichung möglich zu ma⸗ chen? rief und jammerte ich ſtets, ſobald ich nach einem ſolchen wonnevollen Traume — 187— wieder zur Gegenwart erwachte und ſeine Unausführbarkeit ſo ſchmerzlich einſehen mußte. „Indeß je öfter er mir wiederkehrte, deſto heißer wurde die Sehnſucht in mei⸗ nem Buſen, die mir immer theurer wer⸗ denden Freunde unter ſich und mit mir wieder vereiniget zu ſehen. Am heftigſten brannte es aber hier, wenn ich mein Kind von meinen Armen umfangen und an mein Mutterherz gepreßt mir dachte.“ „Da konnte ich es endlich ohne Hoffnung nicht mehr länger aushalten; ich ließ deße halb den betagten Kaſtellan zu mir beſchei⸗ den und befahl ihm, allen Knappen und Vaſallen meinen feſten Entſchluß kund zu thun; daß der, welcher mir meine Tochter ſelbſt oder auch nur ſichere Kunde von ih⸗ rem Leben und Aufenthaltsorte bringe, zum Lohne, nebſt ſeiner Freiheit, die Halft meines Erbes haben ſolle. „WViele erfreuten mich mit ihrem Aus⸗ zuge und während Jahren umſtrahlte und erleichterte die freundlichſte Hoffnung als der Anfans der Gucſeelgen die ſie ver⸗ — 188— ſprach, meine Bruſt, allein nach und nach kehrten die Ausgezogenen wieder und kün⸗ deten mit ihrem düſteren, trägen Aeußeren ſchon von Ferne her ihren Verdruß über den ſich nicht lohnenden Zug. Alle waren jetzt wieder an ihrem hei⸗ mathlichen Herde und tröſteten ſich mit gleichem Geſchicke, nur Udo, ein mir ſtets ergebener Knappe, der durch manche Liſt ſeine Verſchlagenheit ſchon bewies, fehlte noch und an ihm allein hing daher der letzte Schein meines matten Hoffnungsſtrah⸗ les. Er werde wohl nie mehr wiederkeh⸗ ren, denn ſicher ſey ihm ein Ungluck zu⸗ geſtoßen, ſagte mir eben mein Kaſtellan, ohne zu wiſſen, welch einen brennenden Dolchſtich er mit ſeiner offen geſtandenen Muthmaßung meinem Mutterherzen gäbe, da überwies ihn aber des Lüßners Ruf dder Falſchheit ſeiner Meinung, denn Udo jagte gerade burgein und kam nach mei⸗ nem Willen alsbald zu mir in mein Ge⸗ mach.“. „Nicht ohne alle Kunde von eurer Toch⸗ ter, unſerm edlen Burgfräulein kehre ich — 189— heim!— hob er an und erfreute mich mit 1 dieſen Worten ſchon ſo ſehr, daß ich ihm 1 zu ſeiner Freiheit tauſend. Goldgülden zu⸗ ſicherte, und ihm ſicher noch mehr geſchenkt haben würde, falls er nicht ſogleich fort⸗ gefahren hätte mir zu ſagen, daß ſeine Kunde mir doch nicht zu dem Beſitze mei⸗ ner Tochter verhelfen könne.“ daß er auf ſeinem Zuge eines Abends in einer ärmlichen Fiſcherhütte eingeſprochen und das Fiſcherweib gleich nach ſeinem Be⸗ richte von der Abſicht ſeines Umherziehens laut aufgeſchrieen und bei ihrer Seele be⸗ theuert habe, daß das Kind, welches er ſuche, ſicher kein anderes ſey, als das, wel⸗ ches ihr auf den St. Bonifaziustag vor bettchen vor die Stube geſtellt worden ſey. Als Beweis der Richtigkeit ihrer Ausſage beſchrieb ſie nun Udon das Bettchen aufs genaueſte und bezeichnete ihm eine ſchwere güldne Kette mit einem in Gold gefaſtten Anhängſel, welche das Kind um ſeinen „Alles, was er mir kunden konnte, war damals ſechs Jahren, da ſie gerade Wöch⸗ nerin geweſen, in einem reichen Wannen⸗ — 190— Hals gehabt habe. Das gute Weib er⸗ zählte nun Udon wie das Kind ſo ſchön geweſen, ſo ruhig und ſtille gelegen und ſie es wie ihr eignes Kind geliebt und an ihrer Bruſt zugleich mit jenem genährt habe, dann aber brach ſie in ein Bedau⸗ ern darübern aus, daß, als ſie es gerade drei Monate darauf dem Pater Anſelm, eeinem Mönche aus dem St. Veitsſtift, auf deſſen Begehr habe zeigen wollen, es auch unbegreiflich aus ihrer Kammer mit einem Male ſammt ſeinem Korbe, Bett⸗ chen und der güldnen Kette, die ſie ihm eſtändig umgelaſſen, geraubt geweſen ſey. Niichts als eine kleine Kolterzüge hatte ſie noch und gab dieſe Udon für mich mit.“ auf dem blauſeidenen Gewebe meinen Na menszug erkannte, und der Gedanke, doch nun etwas zu beſitzen, das meines Kindes Haupt berühret hatte, gewährte mir die höchſte Wonne.“ „Ich eilte an meinen Geſchmuck und fand auch wirklich die Kette nicht, an der „Ach überglücklich war ich ſchon, als ich mein eignes Konterfei, wie ich es mir in — 19¹— Italien hatte mahlen laſſen, hing; auch ließ ich mir die Zofe kommen, welche mein Kind bei ſeiner Geburt zu pflegen hatte, und erſah aus ihrer Beſchreibung von dem Bettchen und dem Korbe, daß ſie genau mit der des Fiſcherweibes übereinſtimme. Nun konnte mich keine Gewalt mehr von dem Entſchluſſe zurück halten, ſelbſt hin zu der Frau zu eilen, an deren Bruſt mein Kind geſogen und die es ſo liebevoll behandelt habe, um ſie reichlich für ihre Muttergabe zu beſchenken und an mein Herz zu drücken. Udo begleitete mich, und in einem Pa⸗ radieſe träumte ich mich in der ärmlichen Fiſchershütte. Die Geſchwätzigkeit des gu⸗ ten Weibes that meinem Herzen ſo wohl, daß ich ihre rauhe Hand oft ſtundenlang mit den meinigen preßte und ſie mit Thraͤ⸗ nen benetzte.— „Indeß, wie ſehr ich auch in ſie drang, mit mir hierher auf meine Burg zu zie hen, ſo ließ ſie doch nicht von dem Erbe ihrer Väter und nur mit Muͤhe konnte ich ſie dazu bewegen ⸗ mir wenigſtens das — 19²2— Kind, welches mit dem meinigen zugleich an ihrer Bruſt genähret wurde, mitzuge⸗ ben.“ „Ihm ſchenkte ich meine ganze Liebe und ihr ſahet es, edler Graf, vorhin in dem ſchlanken Mädchen, welches euch in dieſe Gemächer geleitete.“ „Bald ſah ich aber nach meiner Ruͤck⸗ kunft ein, um wie viel heftiger durch dieſe erhaltene Kunde von meinem Kinde, die Sehnſucht nach ihm in meinem Herzen ſich geſteigert habe. Ich bot daher noch einmal alles auf, Udon zu bewegen, von neuem auf Kundſchaft auszuziehen, doch ihn hatte das von mir erhaltene Geld für mein leidendes Mutterherz gehärtet. Er verließ meine Burg, zog zum kaiſerlichen Hoflager, wußte ſich den Ritterſchlag zu verſchaffen und erkaufte ſich als Ritter Udo von Klingenſtein, ohnweit von hier, eine Veſte. Jedoch ſoll er jetzt ſchon alles zu⸗ geſetzt haben und als fahrender Ritter um⸗ herziehen. Mein pergebliches Hoffen, ſowohl auf Liebmuths Rückkehr, als auch auf eine weitere Kunde von dem Aufenthalte mei⸗ ner jetzt ſiebenzehnjährigen Tochter, ſenkte bald mein voriges kummervolles Leiden mit erneuter Macht in meinen Buſen und meine trüben Stunden kehrten wieder, bis endlich mein Kaſtellan den Rath mir gab: ich ſolle durch Feſte und Banquette einen Ritter ſo für mich zu gewinnen ſuchen, daß er ſeines eignen Lebens Glück nur nach dem Auffinden meiner Tochter und Erwins, meines Gatten, weiter verfolgen könne. „Ich wählte dazu das euch, edler Graf, bekannte Mittel mit dem Humpen; doch ſchon eilf Feſte und Banguette wurden auf das prunkvollſte in dieſen Mauern hier ge⸗ feiert, ohne daß einer der ſich einfinden⸗ den ritterlichen Guſte durch das Leeren des Humpens ſich mir verpflichten wollte, bis endlich heute mit dem zwölften Feſte mer Gott in euch, edler Graf, den muthvoll⸗ hochherzigen Freund ſandte, der Arnulf.(Einfallend).„D ſigte, edle Tochter kennt, ihr ſeinen Lippen ſchon berühret hat Unſchuld gegen die teufliſchen Anfechtungen eines Mönchs ſchützte, der aber auch“— Gräfin.(Im höchſten Freudengefüh⸗ le).„O Graf, edler, theurer Graf re⸗ det Wahrheit euer Mund? Ja euer Edel⸗ ſinn kann ein Mutterherz nicht ſo ſchreck⸗ lich täuſchen wollen! O ſprecht ſie nur noch einmal dieſe Worte, von denen jede Sylbe meinem blutenden Herzen heilſamſter Bal⸗ ſam iſt!(Sich an Arnulfs Bruſt werfend). mit euren Lippen ſeine Stirne berührt! Ach eilet, eilt, daß auch mir dieß lang entbehrte Glück zu Theil wird. Ich will euch folgen, doch nein, zieht ihr allein; zer Mutter Herz, ſchlage ihm ſehnſuchts⸗ vooll entgegen und meine Arme werden ſo lange ausgeſtreckt bleiben, bis ich es da⸗ mit umſchlingen und an meine Bruſt preſ⸗ ſen kann, um von ſeinen Lippen den holden Mutterruf zu hören, und ihm in unzäh⸗ O Graf, ihr kennt mein Kind, ihr habt ihr werdet ſchneller mich zum Ziele meines Glückes bringen. Sagt meinem Kinde, ſei⸗ ligen Küſſen zu erſetzen, was es zeither 34 inmenſchlich hat entbehren müſſen.— Wie 8 Graf ihr weilet noch, könnt jede Minute mir zur peinlichſten Stunde werden ſehen: Wenn euch die Leiden eines Mutterherzens und ihre Bitten rühren kännen, ſo eilet, bringt der elternloſen Weiſe einen zärtli⸗ chen Mutterkuß und vollendet dann eulre Verpflichtung für mich, indem ihr den Gat⸗ ten mir auch noch erſpähet.“* Arnulf.„Glaubts, edle, unglückliche Grafin, mir iſt's der höchſte Schmerz, euch aus dieſem lieblichen Traume, eure holde Tochter bald ſchon ſehen zu können, ſo grau⸗ ſam aufrütteln zu müſſen: doch das Schick ſal hat euch ſchon geſtählt. Höret erſt, edle Dame, was ich von eurer jungfräulich ſchö⸗ nen Tochter weiß und in wie fern meine Kunde euch erfreulich ſeyn kann.“ 4 Und Arnulf begann in möglichſter Kürze die Begebniſſe ſeines Zuges zu erzählen, doch als er endlich mit Elsbeths, des Meyers Pflegetochter Raub— denn daß dieſe Klo⸗ , wird wohl thildens entwendetes Kind ſey, w jeder meiner aufmerkſamen Le es ihm jetzt ſage, ſcho — 196— ſchloß; da brach die Gräfin unter dem Aus⸗ rufe:„O ſchwarzes Verhängniß, ziehſt du denn immer deinen Vorhang nur deßhalb für mich auf, um ihn noch ſchwärzer vor meiner Seele wieder fallen zu laſſen?“ in eine heftige Zährenfluth aus, von welcher ſie Arnulf nach und nach durch ſeine freund⸗ lichen Troſtworte und das feſte Gelöbniß, nicht eher ruhen zu wollen, bis er Elsbeths Aufenthalt erſpaͤhet und ihre Räuber ge⸗ züchtiget habe, wieder beſänftigte. Zu dem Meyer hinzuziehen, ſich von ihm alle, ſelbſt die kleinlichſten Begebniſſe ihrer Tochter erzählen zu laſſen, ihm den Koſtenaufwand für deren Bildung aufs reichlichſte zu erſetzen und für ſeine vater⸗ liche Sorgfalt innig zu danken, beſchloß jetzt die Grafin, und der Gedanke, bald doch die Orte beſuchen zu können, welche auch ihr ſo unendlich geliebtes Kind betre⸗ ten habe, und an denen es zur blühenden Jungfrau herangereift ſey, ergeiff ſie aufs freundlichſte. — Arnulf mu ßte ihr die Nichuung des We⸗ ges genau beſtimenen, noch manches wie⸗ — 97— dachte wieder an Elsbeth, und ob wohl gelingen werde, ihrem ver len Schickſale ein Ziel zu ſe ren Vater, Erwin von Grei — 198— 1 unglücklichen Gatten aufzufinden, und blieb endlich bei dem Geiſte ſeines Ahnen ſtehen, wiederholte ſich alle ſeit ſeinem Auszuge von der Aulenburg ihm zugeſtoßenen Begebniſſe noch einmal in Beziehung auf ihn, und je länger er dieſes that, deſto ſicherer glaubte er ſich überzeugt halten zu dürfen, daß er jeden ſeiner Tritte leite und ſogar auf den Einfall gekommen, daß der Geiſt ſeines Ahnen wohl ſelbſt der frühere Entwender und Beſchützer Elsbeths ſey, entſchlief er endlich in der freudigen Zuverſicht, daß er ihn nun wohl dieſe wie ihren Vater finden laſſen werde, ruhig. Niicht lange jedoch genoß er die Wohl⸗ that des Schlafes, denn kaum hatte die wieder auftauchende Himmelskönigin die Zinnen der Burg mit ihrem erſten Mor⸗ genſtrahle begrüßt, da wurde er ſchon durch den lautſchallenden Ruf:„Arnulf ſpu⸗ te dich eilends burgaus!“ aufgeweckt. Raſch ſprang er von ſeinem Lager, drückte ſeinen Helm ins Geſicht, gürtete ſeinen Damaszener um und eilte in den Burghof — 99— hinab, wo zu ſeinem größten Erſtaunen Kunz ſchon ſeinen Streithengſt bereit hielt. Er ſaß mit ſeinem Knappen auf und jagte über die ſich von ſelbſt herablaſſende Zugbrücke der Heerſtraße zu, die er denn auch, noch ehe der Thau die Pflanzen be⸗ 6 perlte, erreicht hatte.. 4— Ende des eyſten Theils. 4- 4—— 6 ———öBB— —— Druckerei von F. Kaufmaun's Witwe, d4 8 6 6. Bei Tobias Löffler in Mannheim ſind folgende beſonders empfehlungswerthe Romane erſchienen und in allen Buchhand⸗ lungen zu Haben: Adolph von Bomſen und ſeine treue Idda, oder Ritterkraft und Moͤnchsliſt. 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Ufo dön Freyſingen, od. die durch Zauberkraft blank gewordene Rüſtung. Eine Ritter⸗ u. 4 Geiſtergeſch. a. d. Zeiten d. Kreuzzuͤge. Vom 4 fl. 30 kr.— 1 Tblr. godt. 3. Zeiten d. Kreuzzuͤge. s. 4 fl. 30 kr.— 1 Thlr. La Roche, Sophie v., moraliſche Erzaͤhlungen,. 2 Bde. mit Kupf. 3te verb. Aufl. 8. 2 fl. Verf. Adolph v. Bomſen u. Veit v. Helmen⸗ Teih- und Jeſehedingungen. ensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 4 3 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme ſ eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. bonnement. Daſſelbe zmuß voraus bezahlt werden und 2 gträgt:— .— wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mr.— Pf. 32 2 4 nswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der B auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schauenersatz. Fur beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defeete Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe 85 auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders daraguf aufm erkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auchedafür zu ſtehen haben. 1 1 fffffff Mndcffrffrff