BLBduar d. Von der Verfaſſerin der. Ourika. ————— Aus dem Franzoͤſiſchen uͤberſetzt von M. Tenelli. 3 5. Zweites und letztes Baͤndchen. G ot ha. Hennings'ſche Buchhandlung. * AM Dee Geſchäfte des Marſchalls von Olonne hielten mich 8 Tage in Paris zurück; endlich durfte ich nach Faverange abreiſen, und mein Herz ſchlug freudig bei dem Gedanken, daß ich dort beinahe allein der Geliebten gegenüber ſeyn würde. Vermeſſene Freude! elender Egoismus! Hart bin ich dafür geſtraft wor⸗ den, und doch ſind es nur die Exinnerungen an jene bewegte Zeit, welche ich mit ihr dort verlebte, die mich aufrecht zu halten und zu tröſten vermögen. In den erſten Tagen des Mai's kam ich in Fa⸗ verange an. Der Marſchall verkannte gänzlich bei unſerm Wiederſehen den Grund meines Entzückens; er äußerte ſich darüber ſehr freundlich gegen mich, und ich mußte die Augen niederſchlagen. Hätte er in meinem Herzen leſen können, wie ſtrafbar würde der Belobte ihm erſchienen ſeyn.— Wenn ich jetzt darüber nachdenke, ſo begreife ich nicht, wie der Herr von Olonne nicht ſchon längſt mein ſchlecht bewahrtes Geheimniß entdeckt hatte.— Doch weder das Alter noch die Jugend ſehen richtig und klar, dieſe ſieht nur ihre Hoffnungen, jenes nur ſeine Erinnerungen. Faverange iſt das alte Schloß, in welchem die Her⸗ zogin von Nevers erzogen wurde und von dem ſie 1* 4 mir gar oft geſprochen hatte. Es iſt ſehr reizend einige Lieues von Uzerche am Ufer der Correze bele⸗ gen.— Ein großer Park umgiebt das, auf einem Felſen erbaute Schloß; der Fluß der am Fuße der Terraſſe hinläuft, umſchließt den Park auf drei Sei⸗ ten. Ein prächtiger Kaſtanienwald erſtreckt ſich vom Gipfel des Berges bis hinab zum Flußufer. Dies Gehölz hieß die Chataignerie, und die alten dichtbe⸗ laubten Bäume deſſelben hatten mehrerern Geſchlech⸗ tern ſchon ihren erquickenden Schatten verliehen. Der Fluß, die grünen Auen, die blauen Hügel, wel⸗ che den Horizont beſchränkten, bildeten eine liebliche Landſchaft, die ich mit Entzücken betrachtete. In meiner damaligen Seelenſtimmung hätte aber auch eine weit weniger reizende Gegend mir ein Paradies ge⸗ ſchienen. Die Einſamkeit, die friedliche, ſtille Lebens⸗ weiſe, die Nähe der Geliebten, verſetzten mich in jene köſtliche Stimmung, in welcher die Gegenwart uns genügt, und wir keine Anforderung weder an die Vergangenheit noch an die Zukunft machen, wo wir den Flug der Zeit hemmen, und die Stunden zu Ewigkeiten dehnen möchten. Als der Marſchall in Faverange angekommen war, hatte er ſogleich eine zweckmäßige Regelmäßigkeit der Lebensweiſe eingeführt, welche Zeit zu Allem ließ. Er hatte laut ausgeſprochen, daß er nur wenig Men⸗ ſchen bei ſich zu ſehen gedächte, und hatte mit der ihm eigenthümlichen Umſicht, ſich Beſchäftigungen er⸗ ſehen, die ihm lieb wurden, weil ſie nutzliche und edle Zwecke förderten. Er ließ Ländereien urbar machen, ließ Fabrikengebäude aufführen und ein Krankenhaus hauen. Die dazu nöthigen Anordnungen beſchäftigten ¹ ihn einen Theil des Vormittags, andere Stunden wurden mit Schreiben ausgefüllt; er verfaßte Me⸗ moiren über die Jahre ſeines Lebens, welche er dem Dienſte des Staates beſonders gewidmet hatte. Abends vereinigte man ſich im Salon, und hier belebte der Marſchall das Geſpräch durch Mittheilungen aus der Vergangenheit, oder durch die ſeiner Pläne für die Zukunft. Zeitungen und Lektüre lieferten gleichfalls Stoff zur Unterhaltung, und nie verrieth die min⸗ deſte Anwandlung übler Laune den Verdruß oder den gekränkten Ehrgeiz eines, als Opfer der Ungerech⸗ tigkeit von ſeiner Höhe gefallenen Mannes. Dieſe, ſich nie verläugnende Seelenruhe war keine erborgte, keine erkünſtelte, dieſer Mann war wirklich dem Glücke wie dem Mißgeſchicke überlegen, es wurde ihm nicht ſchwer, Beides zu verachten; hätte menſch⸗ liche Schwäche ſich heimlich in ſein Herz eingeſchlichen⸗ hätte er darin Gefühle verletzter Eitelkeit wahrge⸗ nommen, ſo würde er ſie freimüthig eingeſtanden, und ſich ſelbſt beſpoͤttelt haben. Es iſt wohl ein herr⸗ liches Schauſpiel, einen ſolchen Charakter zu betrach⸗ ten; auch wenn man in ſich die Kraft fühlt, ſich zu gleicher Höhe aufzuſchwingen, fühlt man ſich doch geehrt und getröſtet, Menſch zu ſeyn. Ich ſprach eines Tages mit der Herzogin üͤber den Charakter ihres Vaters, und äußerte gegen ſie meine Bewunderung. Sie beſitzen, ſagte ſie mir, Alles was erforderlich iſt, um den ſeltenen Mann zu verſtehen. Die Menſchen bewundern oft das Gute, ohne oft recht zu wiſſen warum. Das Erfreuliche aber dabei iſt, in fremder Seele die Beſtandtheile der eigenen zu finden. Alſo gleich⸗ ArrATA geſtimmte Seelen ziehen unwiderſtehlich einander an, vergebens würde man ſie trennen wollen.— O be⸗ haupten Sie das nicht, unterbrach ich ſie, ich könnte Ihnen ſehr leicht den Beweis des Gegentheils füh⸗ ren.— Und vielleicht, enkgegnete die Herzogin, würde das, was Sie ſagen wollen, gerade für mich ſprechen, doch ich will es nicht wiſſen.— Sie nä⸗ herte ſich darauf dem Abbé Tercier, den ſie gern in der Nähe hatte, um nicht mit mir allein zu ſeyn. Die Herzogin mußte wiſſen, es war ja nicht an⸗ ders möglich, daß ich ſie anbetete, und zuweilen ver⸗ gaß ich, daß unüberſteigliche Schranken uns ſchieden. In dieſer Einſamkeit machte das Glück mich ſchwach⸗ Ich ſah ſie, ich höorte ſie, erging mich oft an ihrer Seite, ſie ſtützte ſich dann wohl auf meinen Arm, wie konnte ich der Seligkeiten ſo viele ertragen? Man muß geliebt haben, um zu wiſſen, wie weit die Sorg⸗ loſigkeit der Liebe geht. Es drängt ſich da Alles auf einen Punkt zuſammen, alles Uebrige verſchwindet⸗ Nur mühſam, nur mit Gewalt kann man an Etwas denken, was nicht ſie iſt, und ſobald dieſe gewalt⸗ fame Anſtrengung nachläßt, ſo würkt die Leidenſchaft wieder fort, und alles was nicht die Geliebte iſt, ver⸗ ſinket in ſein Nichts. Zuweilen glaußte ich, daß die Herzogin nicht unt⸗ empfindlich ſey gegen das Gefühl, welches ſie in mei⸗. ner Bruſt erweckt hatte, ein Gefühl, das ſo ſehr verſchieden war von allen dem, was ſie bisher erregt hatte, aber ſonderbar genug erfüllte der Gedanke, geliebt zu ſeyn, ſtatt mit Entzücken, mit Angſt. Im⸗ mer ſah ich die ungeheure Kluft, die uns ſchied, und Arx 17 ich zählte mir alle die Unmöglichkeiten, glücklich zu werden, einzeln her. Der Gedanke an Gegenliebe ſchreckte auch mein Gewiſſen auf. Bis jetzt hatte ich die Herzogin ſtill⸗ plaulos, ohne Abſicht angebetet; ich wußte zwar, daß dieſe Leidenſchaft mich in's Verderben ſtuͤrtzen könnte⸗ doch nur mir war ich deshalb verantwortlich. Aber wenn ſie, wenn die Herzogin mich liebte, dann würde meine Liebe Verbrechen. Ich hatte dann des güti⸗ gen Wohlthäters Vertrauen ſchändlich mißbraucht, ich undankbarer hatte die Flamme des Verderbens in der Bruſt ſeiner Tochter angefacht, ſie Preis gege⸗ ben der Oual einer hoffnungsloſen Leidenſchaft. So ſchmählicher Verrath war meiner unwürdig, und wenn auch der Gedanke von ihr, der Angebeteten⸗ geliebt zu feyn, alle meine Sinne umnebelte, mich in ſüßen Wonnerauſch verſetzte, ſo vermochte er doch nicht, mich ſo weit zu verblenden, daß ich mein ſträf⸗ liches Beginnen zu ontſchuldigen, für möglich hielt. Aber auch hier ſiegte die Allgewalt der Liebe; ſie konnte das Gewiſſen nicht zum Schweigen bringen, aber ſie ließ mir nicht die Zeit, dieſe Stimme zu hören. Uebrigens war ich weit entfernt von dem Glauben, daß Natalie von Nevers mich liebte, und ſo entſchwand die Zeit, wie ſie einem liebenden Her⸗ zen und im drei und zwanzigſten Jahre dahin eilt.— Der Tag war drückend heiß geweſen, die Sonne war untergegangen, durch die geöffneten Fenſter ſtrömte labende Kühlung herein. Der Marſchall, der Ab bé und zwei fremde Herren aus der benachbarten Stadt, hatten ſich in die Staatswirthſchaft vertreft. Man GGWVNAr ſprach vom Getreidehandel; das Geſpräch war eines jener ſchwerfälligen, in welchem ſich die Theilnehmer des Breiteren vernehmen laſſen, Behauptungen auf⸗ ſtellen, Beweiſe und Gegenbeweiſe führen, und ſo die ungetheilte Aufmerkſamkeit der Zuhörer in An⸗ ſpruch nehmen, während die nicht zuhoͤrenden ſorglos den eignen Betrachtungen nachhängen dürfen, weil ſie keine unterbrechung zu fürchten haben, indem jene zu beſchäftigt ſind, um an ſie zu denken. Die Her⸗ zogin ſaß an dem offenen Fenſter, das zum Altan hinausführt, und athmete die Kühlung ein. Ein ho⸗ her Jasminſtrauch ragte bis zum Altan herauf, und verflocht ſeine Zweige in das Gitterwerk deſſelben. Ich ſtand ein Paar Schritte hinter der Herzogin, und ſah ihr wunderliebliches Profil auf der ſtrahlen⸗ den Himmelsbläue, wie ein ſchönes Bild auf Gold⸗ grund gemalt. Die Luft flimmerte, wie es nach recht heißen Tagen pflegt; über Hügel, Fluß und Wald legte ſich ein violetfarbener Duft, der nicht Tag und auch nicht Finſterniß war. Mein Herz war wunderſam bewegt. Der laue Weſt führte mir den Wohlgeruch der Jasminblüthen zu; mir war es, als athmete die Geliebte den Balſamduft aus, und ſog ihn gierig in mich ein. Die ländliche Stille, die Bilder der Ruhe rings umher, der Ausdruck ihres ſchönen Geſichts, welches mit dieſen ſo recht in Ein⸗ klang ſtand.— Alles dies erfüllte meine Bruſt mit namenloſem Liebesſehnen. Zugleich drängten ſich mir aber auch mancherlei ſchmerzliche Betrachtungen auf. Ich bete ſie an, dachte ich, und doch darf ich mich ihr nimmer nahen. Ich verlebe mein Leben bei ihr, ſie lieſ't in meinem Herzen, offen liegt meine Seele vor ihr da, ſie kennt meine Gefühle, theilt ſie vielleicht, und dennoch darf ſie nie die Meine ſeyn. Auf ewig trennt uns eitler Wahn. Nur von weiter Ferne her darf ich ſie anbe⸗ ten, Spott und Hohn würde ſie verfolgen, wenn ſie an meine Bruſt ſänke. Und doch ſind unſre Herzen für einander geſchaffen— deutete ſie ſelbſt nicht neu⸗ lich darauf hin?— Mit unwiderſtehlicher Gewalt drängte die Liebe mich zu dem Altanfenſter hin, an welchem ſie ſaß, ich trat hinaus und drückte meine glühende Stirn auf das Geländer. Ich vermochte kein Wort zu ſprechen. Eduard, ſagte ſie, was iſt Ihnen?— Viſſen Sie es nicht? fragte ich.— Nach einer Weile antwortete ſie: Ja ich weiß es, aber wollen Sie mich nicht betrüben, ſo ſeyn Sie weni⸗ ger traurig. Wenn ich Sie ſo betrübt ſehe, muß auch ich es ſeyn. Wiſſen Sie das nicht auch?— Nata⸗ lie, rief ich aus, dieſe Güte müßte mich zum glücklich⸗ ſten Sterblichen machen, und doch bin ich es nicht.— Wie? ſagte ſie, wenn wir das ganze Leben, ſo wie die letzten zwei Monate verbrächten, würden Sie ſich dann auch unglücklich ſchelten? Ich wagte nicht„ja““ zu ſagen; ich pflückte einige Jasminblüthen, ich gab ſie ihr, nahm ſie ihr wieder, und küßte die Blumen, auf welche meine Sehnſuchtsthränen fielen.— Es war unterdeſſen ganz dunkel geworden; ich hörte, daß Natalie weinte, und es erfaßte mich unendlicher Schmerz.— Wenn Sie unglücklich ſind, Natalie rief ich aus, ſo bin ich der ſtrafbarſte Menſch.— Was ſoll ich thun? ſoll ich Sie fliehen?— Ach, ſagte ſie, jetzt iſt es zu ſpät.— Man brachte Licht, und ich enteilte dem Salon. Ich war der glücklichſte und zugleich der beklagenswertheſte Menſch⸗ Die entge⸗ gengeſetzteſten Gefühle beſtürmten mein Herz. 1*᷑* 10 Ich lief hinaus, ohne mich jedoch weit vom Schloſſe zu entfernen; ich vermochte es nicht, ich ſchweifte auf den Teraſſen umher, ich drückte mich an die Mauern, welche die Geliebte umſchloſſen, und gab mich dem ſüßen Seelenrauſche hin.— Ich bin ge⸗ liebt, von ihr geliebt! dann zweifelte ich wieder: Mit⸗ leid fühlte ſie, weiter nichts.— Ich ſah zum gen⸗ ſter hinauf, ſie war nicht mehr da, aber ich erblickte Licht in einem Thürmchen des Schloſſes.— Das Licht ſchimmerte aus einem Cabinet, das an der Her⸗ zogin Wohnzimmer ſtieß. Eine Wendeltreppe in dem Thürmchen führte zu dieſem Cabinette von der Ter⸗ raſſe hinauf. Die Thür war offen, und unwillkühr⸗ lich ſtand ich vor derſelben; ich erſtieg einige Stufen, dann blieb ich ſtehen. Was beginnſt du? ſagte ich mir, willſt du ihr mißfallen, ſie wohl gar erzür⸗ nen?— Ich ſetzte mich auf die Treppe nieder, doch bald ſtegte die Schwäche— ich ſtand oben. Ich will nicht hinein gehen, nur hier vor der Thüre will ich ſtehen bleiben, vielleicht höre ich ihre Stimme, ich bin wenigſtens in ihrer beſeligenden Nähe. Mit die⸗ ſen Gedanken ſetzte ich mich auf die obere Stufe hin. Ich hörte deutlich, wie die Herzogin in dem Cabinette umherging, dann ſtille ſtand, dann wieder ging; mein Herz ſchlug fieberhaft. Ich ſtand auf, ſetzte mich wieder hin, ohne eigentlich mich meines Beginnens bewußt zu ſeyn. Da wurde plötzlich die Thür geöff⸗ net. Es war Natalie. Biſt du da Agathe? fragte ſie.— Ich bin es, antwortete ich. Werden Sie mir verzeihen, ich ſah Licht in Ihrem Cabinet, ich dachte, Sie wären darin und da bin ich, weiß ich doch kaum wie, hinaufgeſtiegen. Eduard, ſagte ſie, treten Sie ein. Ich war ſo eben im Begriff, an Sir. —— —— zu ſchreiben, beſſer iſt es, wenn ich mit Ihnen ſpreche, ich hätte es ſchon früher thun ſollen.— Ich ſah, daß. ſie geweint hatte.— Ich bin wohl ſehr unglücklich, ſagte ich. Meine Liebe kränkt Sie— iſt es meine Schuld? Ich hoffe nichts, ich fordere nichts, o ich weiß nur zu gut, daß ich unglücklich ſeyn muß. Aber geſtehen Sie mir es, wenn das Geſchick mich Ihnen gleich geſtellt hätte, würden Sie alsdann mir geſtat⸗ tet haben, Sie zu lieben?— Was ſoll der Zwei⸗ fel? Eduard, wiſſen Sie es denn nicht, daß ich Sie liebe? Ja, wir haben zu gleicher Stunde unſre Her⸗ zen ausgetauſcht; ich habe wohl die Thorheit dieſer Liebe erkannt, ich weiß, daß ſie uns nuͤr zum Verder⸗ ben führen kann.— Aber wer vermag ſeinem Schickſale zu entrinnen? Abweſenheit wäre das Hei⸗ lungsmittel gegen eine gewöhnliche Neigung geweſen; ich habe vergebens die ferne Freundin aufgeſucht, bei ihr wollte ich Schutz und Rath finden gegen eine Leidenſchaft, die Sie, Eduard, und mich in's Unglück ſtürzen wird. Eugenie hat Alles aufgeboten, mir den Wahnſinn meiner Liebe zu beweiſen, ſie hat alle Ver⸗ nunftgründe erſchöpft, mir die Nothwendigkeit des kräftigſten Widerſtandes darzuthun, ſie hatte mich überzeugt, ich kehrte nach Paris zurück, nicht durch meine, nur durch der Freundin Vernunft erſtarkt. Ich wollte Sie meiden, Eduard, ich ſuchte Zerſtreuung in Kreiſen, wo ich ſicher war, Sie nicht anzutreffen. Wie gleichgültig waren mir alle dieſe Orte, wo ich Sie nicht ſah.— Der Herzog C. beſpöttelte nicht ſel⸗ ten meine Zerſtreuung, meine Geiſtes⸗Abweſenheit. In der That auch war ich abweſend bei allen den glanzvol⸗ len Feſten, die ich nur beſuchte, um Eugeniens Rath zu folgen. Die beſſere Hälfte meines Ich’s blieb bei Ihnen, lieber Eduard, zurück— fühlten Sie es da⸗ mals nicht, daß meine Seele Sie umſchwebte?— Ich ſank zu den Füßen der Herzogin. Ach! warum durfte ich ſie nicht in meine Arme ſchließen? Wie konnte ich in kalten Worten ihr das unausſprech⸗ liche Entzücken meines Herzens ſchildern? Ich wie⸗ derholte ihr tauſend Mal, daß ich glücklich wäͤre, daß ich nunmehr mich ſtark genug fühlte, dem Schick⸗ ſale zu trotzen, daß mein Leben nur Liebe, mein Wille nur der Ihrige ſeyn würde, daß auch das Schwerſte mir leicht erſcheinen würde. Der Kummer, die Reue, ihr Rang, meine Stellung, der Abſtand der uns trennte, Alles war verſchwunden, Alles, glaubte ich, ertragen, Allem Trotz bieten zu können. Ich war unempfänglich für alles was nicht ſie, was nicht das unüberſchwängliche Glück war von ihr, von Natalie geliebt zu ſeyn.— Nur Ein Geſetz lege ich Ihnen auf, ſagte ſie mir, es heißt Vorſicht. Mein Vater darf nichts von unſern Gefühlen argwohnen, er würde ſich, Sie wiſſen es, tief gekränkt fühlen;— ſein Glück, ſeine Ruhe, der Friede des Hauſes wä⸗ ren auf immer dahin. Das war es eigentlich, fuhr ſie erröthend fort, was ich Ihnen hatte ſagen wol⸗ len, demnach frage ich Sie, lieber Eduard, darf ich wohl noch länger mit Ihnen ſo allein bleiben? Sehen Sie, ich habe Ihnen alles geſagt, was ich Ihnen nicht ſagen wollte; ach wir wiſſen jetzt nur zu gut, was wir in der Herzenstiefe empfinden— wir dürfen nicht mehr allein bei einander ſeyn.— Ich gehe gleich, antwortete ich, o mißgönnen Sie mir nicht dieſen Augenblick der Seligkeit; ſchon iſt er entronnen.— —ö—yꝛłꝛéyʒy — AS 3 Dem Liebeszauber wich mehrere Tage hindurch jede Betrachtung; ich konnte nichts denken. Jedes Wort der Herzogin hat ſich tief in mein Gedächtniß geprägt, ihre Worte vertraten die Stelle mei⸗ ner Gedanken, in Wonnegefühl war meine ganze Seele aufgelöſ't. Ich vergaß Alles, Alles ging unter in dem entzückenden Gedanken, daß ſie mich liebte, daß wir unſere Herzen zu gleicher Stunde ausgetauſcht hatten, daß ſie vergebens ſich bemüht hatte, ſich von mir loszureißen, daß ſie mich liebte, daß ſie mir ge⸗ ſtattete ſie anzubeten, daß mein Leben in ihrer Nähe dahin fließen würde, daß ich, ihrer Zärtlichkeit gewiß, der glücklichſte aller Menſchen war.— Ja, dieſe Ueberzeugung lebte in mir, und ich glaubte nicht, daß es größere Erdenſeligkeit geben könnte, als die, wel⸗ che ich empfand, als Natalie mir ſagte, daß ihre Seele noch den abweſenden Freund umſchwebt hatte. Wer weiß, wie lange dieſer Wonnerauſch gedauert hätte, wenn der Marſchall von Olonne, dem es Vergnügen machte, das zu preiſen was er liebte, nicht auf den Einfall gekommen wäre, mir eine Lob⸗ rede zu halten. Er ſprach mit einigen Nachbarn, welche in Faverange zu Mittag geweſen waren; ich wollte bei den erſten Worten das Zimmer verlaſſen, er nöthigte mich zu bleiben. Welche Strafe! welche Pein! Ich mußte mit anhören, wie er meinen Zart⸗ ſinn, meine Dankbarkeit, meine Ergebenheit lobte, und dies war hinreichend, um mein Herz wieder mit Reue und Gewiſſensangſt zu erfüllen. Die Vorwürfe, welche ich mir machte, waren um ſo bitterer, als ich ſo lange ſchon in ſträflichem Leichtſinn fortgelebt hatte, und doch empfand ich eine Art Freude bei der Wahr⸗ 14 rwwewe nehmung, daß nicht jedes beſſere Gefühl von mir gewichen, daß die Leidenſchaft mich wohl hinreißen, aber nicht varblenden könne, daß ich der Geliebten die Tugend opferte, aber doch das wehmuͤthige Ge⸗ fühl dieſes Verluſtes noch beſaß.— Eines Tages ſuchte ich den Entſchluß zu faſſen, mich von der Her⸗ zogin zu trennen, ich wollte fliehen.— Ich ver⸗ mochte den Gedanken aber nicht zu ertragen; zu mei⸗ ner Beruhigung ſagte ich mir, daß ich in der Folge eher dieſes Opfers fähig ſeyn würde.— Ich war deſſen aber nicht fähig, denn ſpäter habe ich es ge⸗ fühlt, daß mich von ihr trennen, mich vom Leben trennen hieß. 4 Ein, wie das meinige, zerriſſenes Herz, kann we⸗ der glücklich ſeyn, noch beglücken. Natalie warf mir die Ungleichheit meiner Laune vor; ſie bedurfte nur ihrer Liebe, um glücklich zu ſeyn, ihr wurde Alles leicht. Mich aber verzehrte die Liebe, die Sehnſucht. Mich peinigte Gewiſſensangſt und Furcht. Was würde der Marſchall ſagen, wenn der Zufall ihm die Wahr⸗ heit entdeckte? Er würde mich hinaustreiben in die Welt. Er hatte Recht, was hielt mich denn zurück? Nichts als eine unmännliche Schwäche, die meines Va⸗ ters, die meiner ſelbſt unwürdig war. Aber ach! dieſe Schwaͤche war auf's innigſte mit meinem Leben ver⸗ webt.— Ich liebte Natalie und ein Blick ihres Au⸗ ges wog alle Schmerzen auf; ein Blick ihres Auges— darf ich o Gott! es ſagen— beruhigte mein Ge⸗ wiſſen. Man pflegte ſich Vormittags in dem Bibliothek⸗ zimmer zu vereinigen, welches der Marſchall einge⸗ e. 1 5 richtet hatte, ſeitdem er in Faverange war. Es war eben eine Kiſte mit Büchern, Kupferſtichen, Landcharten, wie auch ein großer, nach den neueren Entdeckungen des Cook und Bongainville entworfener Globus, aus Paris angekommen. Die ausgepackten Sachen lagen auf dem Tiſche umher, und der Marſchall verließ, nach⸗ dem er Alles in Augenſchein genommen, mit dem Abbé Tercier den Saal. Ich blieb mit der Herzogin allein. Lange ſtanden wir vor dem Globus und dreheten ihn nachdenklich, wie denn das Bild des Planeten den wir bewohnen, ſelbſt in ſo verjüngtem Maaßſtabe, wohl zu mancherlei Betrachtungen zu führen pflegt. Die Her⸗ zogin blickte eben auf das ſtille Meer und auf die Gruppe der Geſellſchaftsinſeln; ich bemerkte es und erzählte ihr Einiges aus Cook's Reiſe, die ich kürz⸗ lich geleſen hatte; ich ſprach von den Gefahren, denen der kühne Weltumſegler in dieſen unbekannten Ländern ausgeſetzt geweſen wäre, und wie ſeine Schiffe beinahe geſcheitert an den Korallenbänken, welche dieſe Inſeln als ein Bollwerk gegen die Stürme des Oceans um⸗ geben. Ich beſchrieb ihr einige dieſer reizenden In⸗ ſeln. Während deſſen deutete ſie mit dem Finger auf eine der kleinſten, welche etwas nördlich vom Wende⸗ kreiſe einzeln daliegt. Dieſe, ſagte ich, iſt unbewohnt, aber ſie ſollte es nicht ſeyn. Hohe Palmen, Brod⸗ und Piſangbäume beſchatten dies glückliche Eiland, welches der brennenden Sonne Strahlen nie verſen⸗ gen; die Ananas erzeugt hier nutzlos ihre balſami⸗ ſchen Früchte; ſie reifen in der Einode, ſie fallen ab, keine Menſchenhand ſammelt ſie ein. In dieſem fried⸗ lichen Aſil hört man nur das Rieſeln der Quellen, den Geſang der Vögel, man athmet blüthendurch⸗ wurzte Luft; hier wohnt die Ruhe, hier wohnt das Glück. O welch' ein paradieſiſcher Zufluchtsort für Liebende! Im Genuß der einzig wahren Erdengüter, fallen die läſtigen Schranken; hier giebt es keinen Rang, keinen Stand, hier weder hohe noch niedere Abkunft, hier bedarf es keines Namens, hier gilt nur der, welchen uns die Liebe giebt. Hier iſt es keine Schmach, den Namen des Geliebten zu führen.— Bei dieſen Worten ſank ich in einen Seſſel hin, bedeckte mein Geſicht mit beiden Händen, und bittere Thränen enfloſſen meinen Augen. Ich wagte nicht, die Herzogin anzuſehen. Soll das ein Vorwurf ſeyn⸗ Eduard? ſagte ſie mir. Glauben Sie, könnten Sie glauben, daß es mir ein Opfer ſeyn würde, Ihnen meine Hand zu geben, glauben Sie, daß ich ohne die Rückſicht, die ich meinem Vater ſchuldig bin, gezan⸗ dert hätte?— Ich warf mich ihr zu Füßen, ich bat um Verzei⸗ hung. O! könnten Sie in meinem Herzen leſen, ſagte ich; könnten Sie zum Theil nur begreifen, wie⸗ viel ich leide, wieviel ich Ihnen verberge? Beklagen Sie mich, ihr Mitleid iſt mir Troſt. Jenes Fabelland, deſſen ich vorhin erwähnte, wurde nun der Gegenſtand aller meiner Traͤume⸗ reien. Getäuſcht durch die eigene Dichtung, dachte ich unaufhörlich an daſſelbe, ich verſetzte die Geliebte dahin. Dort gehörte ſie mir, dort war ſie mein, ganz mein. Ich ſchwelgte in dieſem eingebildeten Glücke. Ich vermied die Geliebte ſelbſt, um ſie in der Schöpfung meiner Einbildungskraft, fern von den harten, grauſamen, herzloſen Verhältniſſen der V V ereeae 17 geſellſchaftlichen Ordnung, aufzuſuchen; ich überließ mich ganz den eitlen Trugbildern meiner Phantaſie, die mich auf wenige Augenblicke beruhigten, um mich deſto herberen Schmerzen Preis zu geben. Es war unmöglich, daß meine Geſundheit ſo hef⸗ tigen Gemüthsbewegungen widerſtand. Meine Kräfte ſchwanden, ich zehrte ab, gewaltiges Herzklopfen drohte mir zuweilen die Bruſt zu zerſprengen, ich glaubte, meines Lebens Ende wär da, und freute mich deſſen. Ich ſuchte die Herzogin nicht auf, ich vermied ſie vielmehr, ich wollte nicht mit ihr allein ſeyn, denn ich beſorgte, ſie zu kränken, wenn ich ihr das Leid verriethe, dem ich unterlag. Einſt ſagte ſie mir, daß ich ſchlecht Wort hielt in Abſicht des Verſprechens, daß ihre Liebe mich beglük⸗ ken würde. Sie ſind, antwortete ich, nicht wohl im Stande, über das Maas meiner Liebespein zu urthei⸗ len, und ich mag Ihnen nicht von dieſer Marter ſprechen: ſie wird mich tödten. Natalie, ſagen Sie mir nur ein einziges Mal, daß Sie den zur Ruhe eingegangenen Freund bemitleiden werden, ſagen Sie, daß Sie zuweilen ſein Grab aufſuchen werden, ſpre⸗ chen Sie es aus, daß Sie wohl gewünſcht hätten, es wäre kein Abſtand zwiſchen Ihnen und mir.— Ich entfernte mich, ohne ihre Antwort abzuwarten; ich war meiner nicht mehr mächtig und leicht hätte ich ihr manches ſagen können, was ich bereut hätte; denn die Furcht ſie zu betrüben, herrſchte wie die Liebe, wie der Schmerz in meiner Bruſt. Ich ſchweifte in den Feldern umher, ich lief ganze Tage hindurch, in der Hoffnung zweien herzzerreißen⸗ 1 8 AMTS den Gedanken, die mich überall verfolgten, zu ent⸗ rinnen. Der Eine war: Nie wird die Geliebte dein; der Andere: Du ſündigſt gegen Pflicht und Ehre, wenn du länger im Hauſe des Marſchalls bleibſt. Ich ſah den Schatten meines würdigen Vaters, der mir Rechenſchaft abfoderte, mich fragte: ob dies der Lohn, die Frucht ſeiner Lehre, ſeines Beiſpiels ſey? Dieſe furchtbare Erſcheinung verdrängte dann aber wieder das liebe Bild der Herzogin, und auf Augen⸗ blicke kehrte friſches Leben in meine wunde Bruſt zurück. Ich ſchloß die Augen, um nichts als der Geliebten holdes Bild zu ſehen; ich ſah es, meine ganze Seele durchdrang es, es lächelte mir zu, es tröſtete mich, und linderte nach und nach meine Schmerzen. Zuweilen ſchlummerte ich in den Armen dieſer holdfeligen Truggeſtalt ein; ich erwachte und — war allein.— O mein Gott! warum durfte ich nicht, nur auf einige Tage, glücklich ſeyn? Niemals, niemals! Das Schickſal trennte auf ewig zwei für einander geſchaffne, aus demſelben Stoff gebildete, von gleicher Liebe durchglühte Herzen. Eines Abend ſetzte ich mich am Ende der Chataig⸗ nerie auf einem Raſenfitz; ich war eben von einer weiten Streiferei zurückgekehrt, und wollte, ehe ich in den Salon ging, mich erſt wieder ſammeln, um mich nicht in Gegenwart des Marſchalls durch mein verſtörtes Weſen zu verrathen. Ich mochte ein Weilchen geſeſſen haben, als ich die Herzogin ge⸗ wahrte, welche auf meinen Platz zukam. Sie wan⸗ delte in Gedanken verloren unter den himmelhohen Bäumen; ſie dachte vielleicht an mich. Sie hatte den Hut abgenommen; ihr ſchönes Haar fiel zwang⸗ F F eeeeeee 19 los in langen Locken auf ihre Schultern, ihr leichtes Gewand wallte um ſie her, ein Spiel der Abendlufte; kaum krümmte ſich das Gras unter ihren niedlichen Füßchen— ſie ſchien die Nymphe dieſes Haines. Ich betrachtete das reizende Weib mit unausſprechlicher Wonne, und es zog mich gewaltſam zu ihr hin. Feuer durchglühte meine Adern, die Verzweiflung, welche ich den Tag über gefühlt hatte, ſchien es an⸗ gefacht zu haben, Natalie ging mir entgegen, und der bloße Ton ihrer Stimme beſänftigte etwas den Sturm der Lei⸗ denſchaft. Wo haben Sie heute wieder umherge⸗ ſchwärmt? fragte ſie, fürchten Sie denn nicht, daß meinem Vater Ihr langes Außenbleiben auffalle?— Möge es immerhin, antwortete ich, gehe ich doch bald dahin, woher man niemals wiederkehrt.— Eduard, ſagte ſie, Eduard, halten Sie ſo Ihr Wort?— Ich weiß nicht mehr, entgegnete ich, was ich verſpro⸗ chen habe, aber wohl weiß ich, daß mir das Lebent zur Laſt iſt; für mich gibt es keine Zukunft, Ruhe finde ich nur im Grabe. Warum ſollte ich den Tod fürchten, er iſt freundlich geſinnter gegen mich als das Leben; im Tode gibt es keine Rangordnung, dort werde ich nicht mehr der Namenloſe, Niedrigge⸗ borne ſeyn, der Ihnen hienieden nicht gehören darf; dort ſind wir uns Alle gleich. Die Seele lebt ja fort, die Liebe dauert über das Grab hinaus. Dort, jenſeits wird nichts uns trennen, jenſeits werden wir vereint ſeyn.— Wir werden es ſchon dieſſeits: Sduard, ich bin entſchloſſen, ich bin die Ihrige, ich werde Ihre Gattin. Ich will Ihr Glück, ich will das Meinige! Aber nun laſſen Sie mich nicht mehr ein ſo blaſſes, verſtörtes Geſicht ſehen, wie ſeither, ſa⸗ gen Sie mir, daß Sie hoffen und leben wollen, ſagen Sie mir, daß Sie glücklich ſind.— Niemals, nein, niemals, rief ich verzweiflungsvoll aus; o mein Him⸗ mel! Sie öffnen mir die Pforten der Seligkeit., und ich muß der Unglücklichſte aller Menſchen bleiben.— Sie, meine Gattin? Ich ſoll Sie hinabziehn zu mir? Sie dem Tadel, der Verachtung blos ſtellen? Sie wollen Ihren hohen Rang gegen die Dunkelheit des Meinigen austauſchen, der Herzogin von Nevers ſollte ich meinen unbekannten Namen aufdringen!— Er iſt mir lieber, ſagte ſie, als alle geſchichtliche Na⸗ men; ich werde ſtolz ſeyn, ihn zu führen, es iſt der Name des Geliebten. Eduard, opfern Sie nicht un⸗ ſer Glück einer falſchen Delikateſſe auf.— Glück? Glück? o ſprechen Sie das Wort nicht aus, kann Glück bei Schande wohnen? Wie? ich ſollte jedes Ehrgefühl verläugnen? ich ſoll meinen Wohlthäter, Ihren Vater ſchändlich verrathen? Konnte ich ſei⸗ nen Blick ertragen? Nein, nein Natalie: Ehrlo⸗ ſigkeit iſt unmöglichkeit. Nichts will ich um dieſen Preis.— Wohlan denn, Eduard, ſagte ſie, ſo müſſen wir uns trennen.— Ich war vernich⸗ tet.— Sie wollen meinen Tod, ſagte ich, Sie haben Recht, nur der Freund kann Alles ausgleichen. Ich werde gehen, ich will Soldat werden, dazu bedarf es keines Adelsbriefes, ich will in den Tod gehen, er ſoll mir willkommen ſeyn; o ſegnen wollte ich die Hand, die mir jetzt das Herz durchbohrte.— Ich hatte bei dieſen gräßlichen Worten die Herzogin nicht angeſehen; jetzt traf ſie mein Blick, und ich ſah ſie todtenbleich, erſtarrt, ich glaubte, daß das Leben von ihr gewichen, und ich fühlte, daß es noch größere ¹— ¹— —,— Schmerzen gäbe, als die, welche auf mich drückten. Ich warf mich ihr zu Füßen, erflehete ihre Verzei⸗ hung, ich nahm alles, was ich geſagt hatte, zurück, ich ſchwur zu leben, zu leben, um ſie anzubeten, als ihr Sclave, ihr Freund, ihr Bruder.— Wir gaben uns alle die ſüßen Namen, die wir uns geben durf⸗ ten. Komm, ſagte ſie, und kniete nieder, komm Eduard, laß uns zu Gott beten, daß er unſre Liebe rein und fleckenlos erhalte bis zum Tode. Ich ſank neben ihr nieder, ich betete zu dieſem Engel, wie zu Gott, war dieſes reine Himmelskind nicht ſein ſchön⸗ ſtes Ebenbild? Keine ſträfliche Begierde durfte in ihrer Nähe, in mir erwachen, ſie war das unent⸗ weihte Heiligthum der reinſten Tugend— aber ach! fern von ihr war ich Menſch, da faßte mich der Wahnſinn der Liebe, ich begehrte ihren Beſitz oder den Tod.— Jetzt entſtand ein wunderſamer, aber ſchmerzvol⸗ ler Kampf zwiſchen mir und der Herzogin; ſie wollte mich beſtimmen, ihr meine Hand zu reichen, ich aber beſtand darauf, ihr zu beweiſen, daß die Ehre mir verbot, ein Glück anzunehmen, welches ich doch gern mit Blut und Leben erkauft hätte. Sie betheuerte mir, und gern glaubte ich es, daß ſte mit Fr ihrem Stand, ihrem Namen ent⸗ ſage. Sie mir mit lebendigen Farben das Glück, deßen wir genießen würden. Abgeſchieden von der Welr, ſagt„nur uns und unſrer Liebe le⸗ bend, was kümmert uns der Tadel der Menſchen? In unſerm ſtillen Aſyl, in unſern einſamen Vergen wird uns die Läſterung der Welt nicht treffen. Es 22 rrr iſt möglich, daß meine Liebe gegen die hergebrachte geſellſchaftliche Sitte verſtoße, aber kein göttliches Geſetz verbietet dieſe Liebe, ich bin frei, Du biſt es auch, oder beſſer geſagt, wir ſind es Beide nicht mehr. Es giebt kein heiligeres Band als unſere Liebe! Was ſoll uns das Leben, wenn wir nicht vereint leben? Wir vermögen weder Andere zu be⸗ glücken, noch ſelbſt glücklich zu ſeyn. Ich kann Ihnen nicht beſchreiben, theurer Freund, welche Eindrücke dieſe Reden auf mich machten; ſie verführten mich nicht, ſie machten mich nicht wankend in meiner Mei⸗ nung, aber ich lieh ihnen gern mein Ohr, wie man füßen Tönen lauſcht, welche Schmerzen lindern und vergeden machen, Zuweilen ſtellte ſich auch die Herzogin, als ob ſie an meiner Liebe zweifelte. Du liebſt mich nicht, ſagte ſie, wenn Du nur fort und fort an die Mißbilligung der Menſchen denkſt.— O! rief ich aus, die Welt kann ich zu Deinen Füßen vergeſſen, aber nicht die Schande, nicht die Schmach, die ich über Dich, Ge⸗ liebte, bringen würde. Ich weiß wohl, daß in mei⸗ nem Armen des Unglücks Pfeile dich nicht ſo leicht treffen würden, aber tiefer als jede andere, ſind die Wunden, welche der Tadel ſchlägt. Es würde ſeine ſcharfe Waffe, um Dein Herz zu treffen, freilich erſt das Meinige durchbohren müſſen, aber der gif⸗ tige Pfeil würde Dich dennoch erreichen, und mein wäre die Schuld. Mit welchem Namen würde man das Gefühl, das uns vereinigt, brandmarken? Ich bieße ein elender, undankbarer Verführer, Du eine entartete Tochter. Durch Schmach erkanft man das Glück nicht. Laß uns ſo fortleben, wie wir le⸗ —e —e errer e. 2 3 ben, oder laß mich fliehen, laß mich ſterben. Ich ſterbe gern, mich feſſelt nichts an's Leben, ich wün⸗ ſche den Tod, denn ein geheimes Ahnen ſagt mir, daß wir dort vereinigt ſeyn werden.— Dergleichen Unterredungen endeten gewöhnlich mit Thränen, doch waren ſie nicht ohne Reiz. Es iſt unmöglich, ganz unglücklich zu feyn, wenn man liebt, wenn man es ſich ſagt, wenn man bei einander iſt. Dies unaus⸗ ſprechliche Liebesglück verfällt nur, wenn die Lieben⸗ den verfallen; denn die Liebe iſt ſtärker als jedes Mißgeſchick, das nicht aus ihr ſelbſt entſpringt. Wir fühlten jedoch, daß wir uns nicht immer den troſtloſen Gedanken an unſere Lage hingeben durften, um Kraft zu behalten, dieſelbe zu ertragen. Wir verſuchten mit einander zu leſen, wir wollten aus uns herausgehen, unſere Aufmerkſamkeit und unſere Betrachtungen auf andere Gegenſtände rich⸗ ten; aber die in Liebe befangene Eiubildungs⸗ kraft gleicht Taſſo's Zauberwald, in welchem alle Wege zu demſelben Ziele führen. Auf jede Frage antwortet die Liebe, und Alles führt zu ihr zurück.— Jedes, in irgend einem Buche, mit Wahrheit ausge⸗ ſprochene Gefühl, erinnerte uns an die unſrigen. In Miltons Eva erkannte ich Nataliens Schönheit; in Shakspeare's Julia, ihre Zärtlichkeit; in Emma, ihre Aufopferung. 4 Die Leidenſchaft, Mutter aller Schwächen, er⸗ zeugt aber auch das Große, Edle und Erhabene. So dünkten wir uns alles des Großen fähig, was wir in Buchern laſen, nichts erregte unſer Staunen, und das Ideal des Lebens ſchien uns ein natürlicher 2 4 1 orru wirklicher Zuſtand; ſo leicht bewegten wir uns in der höheren Sphaͤre edler Geſinnung. Zuweilen er⸗ innerte uns aber auch ein Wort zu lebhaft an unſre Lage, oder die rührenden Bilder ehelicher Zärtlich⸗ keit und häuslichen Glückes, welche die engliſchen Dichter beſonders mit zu reizenden Farben malen, ſtürzten mich von der Höhe meiner erträumten Se⸗ ligkeit in die tiefſte Troſtloſigkeit herab. Dann trö⸗ ſtete mich Natalie, und ſuchte in mir den Glauben zu erwecken: daß auch uns noch ein ſolches Glück vorbehalten ſey; auf's neue begann der edle Streit, und erzeugte neues Leid und neue Luſt. Sechs Monate waren verfloſſen, ſeitdem der Mar⸗ ſchall v. Olonne in Faverange war, und wir waren in den letzten Herbſttagen, als eines Abends, kurz vor dem Schlafengehen, ungewöhnliches Lärmen in der Nähe des Schloſſes entſtand. Die Hunde bellten, die Zugbrücke fiel, die Thore knarrten. Peitſchen⸗ knall und Pferdewiehern verkündeten mehrere Extra⸗ poſten. Ich ſah die Herzogin an, eine gleiche Ah⸗ nung trieb das Blut aus unſern Wangen, aber wir hatten noch nicht die Zeit gehabt, uns gegenſeitig unſre Gedanken mitzutheilen, als ſchon die Thür aufſprang, und der Herzog von L. mit dem Prinzen Enrichemont eintrat.— Ihre Gegenwart ſagte Al⸗ les. Der Marſchall war zuruͤckberufen. Der Herzog verkündete es ihm mit der Herzlichkeit und der Freundlichkeit, die in ſeinem ganzen Weſen lag. Der Prinz ſprach abermals in unausſtehlich wohlgeſetzten Phraſen, die er für frohe und für traurige Gelegen⸗ heiten ſtets in Bereitſchaft hatte.— Er wendete ſich vorzüglich an die Herzogin, ſie aumarkat iin ſcher⸗ ſcherzend. Das Geſpräch zwiſchen ihnen wurde leb⸗ hafter, und ich empfand wieder das frühere Mißbe⸗ hagen, welches ich in den letzten ſechs Monaten nicht gekannt hatte, und das nunmehr um ſo unangeneh⸗ mer würkte. Ich war, ſchmerzlich wurde ich daran erinnert, ſo lange im alleinigen Beſitz ihrer bezau⸗ bernden Liebenswürdigkeit im geſelligen Umgange, ge⸗ weſen, jetzt ſollte ich dies Gut mit Andern theilen; mit Verdruß ſah ich auch auf die Gewandheit jener beiden Nebenbuhler, die, wenn gleich ſie ſich ſehr ver⸗ ſchieden ausſprach, mich doch immer an das erin⸗ nerte, was ſie waren, und was ich war. Die Unterhaltung drehete ſich um Paris und Ver⸗ ſailles. Es war ſehr natürlich, daß der Marſchall begierig war zu hören, was ſich am Hofe zugetra⸗ gen hatte, ſeitdem er ihn verlaſſen; mir aber war es peinlich, mich fremd zu fühlen in einer Welt, in welcher die Geliebte nun wieder leben ſollte. Der Prinz Enrichemont erzählte, daß die Königin geſagt habe, ſie hoffe die Herzogin von Nevers auf dem erſten Ball in Trianon zu ſehen; der Herzog ſprach von der letzten Reiſe nach Fontaineblau. Die Her⸗ zogin erkundigte ſich nach verſchiedenen Perſonen ih⸗ rer Bekanntſchaft; ich konnte ihr das nicht verdenken; aber dieſe Geſpräche wichen ſo ganz ab von denen, welche ich mit ihr geführt hatte, daß mir ihre Spra⸗ che wie eine mir ganz fremde erſchien. Ach! ich hatte vergeſſen, daß dieſe Sprache, die ihr eigenthümliche war; das ſüße Koſen der Liebe hatte dieſe Erinne⸗ rung, wie ſo viele andere verwiſcht. Der Herzog v. C., der nicht gern lange bei ei⸗ nem Gegenſtande blieb, ſprach bald nachher über Fa⸗ 2 9. verange, und äußerte ſich entzückt über alles was er hier ſah. Der Anblick des Schloſſes in Mondbeleuch⸗ tung, die alte gothiſche Treppe, beſonders der Saal, in dem wir uns befanden, erregte ſeine laute Be⸗ wunderung. Er pries das eichene Täfelwerk, ſo ſchwarz und glatt wie Cbenholz; er muſterte die in jeder Vertiefung angebrachten geharniſchten Ritter von erhabener Schnitzarbeit; er las die unter den Bildern ſtehenden Namen und Wahlſprüche der Rit⸗ ter, und wünſchte ſcherzend. der Herzogin Glück zu ihrer Erlöſung aus dem alten gothiſchen Schloſſe, wo ſie gefangen gehalten worden war, wie eine Prin⸗ zeſſin aus der Ritterzeit. Sie haben ſich gewiß recht gelangweilt? fügte er hinzu. O ganz und gar nicht, antwortete ſie, und ich bin gewiß, daß auch mein Vater oft ſehnſüchtig an Faverange zurückdenken wird. Ja, ſagte der Marſchall, die Erinnerung an die hier verlebte Zeit wird gewiß zu den angenehmſten meines Lebens ge⸗ hören. Es giebt zweierlei Arten glücklich zu ſeyn, fügte er hinzu, ich möchte die eine paſſiv, die andre activ nennen. Gewiß gewährt es unendliche Freude, einen ungetrübten und dauerhaften Genuß, ſich mit dem phyſiſchen und moraliſchen Wohl vieler Men⸗ ſchen zu beſchäftigen, das Vergnügen des Wohlthuns bleibt immer neu, beſonders wenn wir edle Zwecke fördern, die uns ſelbſt noch überleben werden. Dieſe Worte trafen mich auf eine wunderſame Weiſe, und erzeugten in mir eine ſonderbare Gedankenreihe. Wie, ſagte ich mir, ihm bliebe alſo, wenn ich ihm ſeine Tochter entführte, noch eine Art des Glücklich⸗ eyns, mir aber blieb nichts, gur nichts, wenn ich rr 27 die Geliebte verlör, für mich wär Alles ohne ſie da⸗ hin, Ruhe, Zukunft, Tugend, Alles wär mir gleich⸗ gültig, ſelbſt das Phantom der Ehre, welchem ich bisher ſo Vieles geopfert, verſchwänd mit ihr in ſein Nichts. Nur der Tod könnte mir Ziel und Troſt ſeyn. Die Welt wär mir nichts, nichts als eine Wuſte— mein Grab.— Der Gedanke, daß der Marſchall noch glücklich ſeyn könne, ohne den Beſitz ſeiner Tochter, war die gefährlichſte Schlinge, wel⸗ che die Leidenſchaft mir legen konnte. Zwei Tage nach der Ankunft der beiden Freunde verließ der Herr von Olonne das ſchöne Faverange. Wie ſchmerzhaft war mir das Scheiden von dem Orte, wo Natalie mir ihre Liebe geſtanden hatte. Ich reiſ'te einige Stunden ſpäter ab als ſie, und be⸗ nutzte die Zwiſchenzeit, um Abſchied zu neymen von allen den Plätzen, die ſie geheiligt hatte. Ich ging in ihr Cabinet, kniete nieder vor dem Seſſel, auf welchem ſie zu ſitzen pflegte, ich küßte, gleich Reli⸗ quien, die Geräthe, welche ſie gebraucht hatte. Sie hatte einige Kleinigkeiten liegen laſſen; ich ſteckte ſie zu mir, drückte ſie an mein Herz, als ob ich die Geliebte ſelbſt umſchlöß. Ach! und ich konnte mich kaum losreißen von dieſen Umgebungen, Zeugen ih⸗ rer Gegenwart; von dieſen Mauern, die ſie umſchloſ⸗ ſen, von der Luft, die ſie eingeathmet hatte. Ich wußte wohl, daß ich an dem Orte, wo ich ſie wieder „ finden würde, weniger mit und bei ihr ſeyn würde, als in dieſem verwaiſ'ten Zimmer, wo ihr Bild mich überall umſchwebte. Ein richtiges Vorgefühl ſagte mir, daß ich in Faverange die glücklichſte Zeit mei⸗ nes Lebens verlebt hatte. 2* — Gleich nach meiner Ankunft im Hotel d'Olonne empfing ich ſchmerzliche Eindrücke. Die Herzogin war ausgegangen; ich durchlief traurig die großen, öden Prachtſäle des Hauſes, und die Erinnerung an den Tod meines Vaters wurde wieder recht lebendig in meinem Herzen. Es überſiel mich bange Weh⸗ muth, und ein geheimes Ahnen weiſſagte mir, daß dieſes Haus unheilbringend für mich ſeyn würde. Ich ging auf mein Zimmer, wo ein Bild der Her⸗ zogin, als Kind gemalt, hing; ich betrachtete es bis zum Abendeſſen, und fand mich beruhigter. Ich ging darauf hinunter in den Salon, den ich voll Menſchen fand. Die Herzogin machte, mit der ihr angebornen Anmuth, die Wirthin. Doch ſchwebte, ſo ſchien mir's, um ihre Stirn ein leichtes Kummerwölkchen, das, ſo bald ſie mich erblickte, verſchwand. O Himmels⸗ zauber der Liebe! jeder Kummer war vergeſſen. Ich war ſtolz auf der Geliebten Siege, ſtolz auf die Be⸗ wunderung, die ſie bei Allen erregte; und hätte es in meiner Macht geſtanden, ſie auf eine niedrigere Sproſſe der Rangleiter zu ſtellen, um ſie mir näher zu bringen, um auszugleichen den Abſtand, welcher mich auf immer von ihr ſchied, ich hätte es nicht ge⸗ than. In dieſem Augenblicke fand ich mehr Genuß darin, die Herrliche ſo hoch erhaben über Alle da⸗ ſtehen zu ſehen, als in dem Gedanken ihres Beſitzes; ich empfand für ſie einen Stolz, den ich für mich nicht hatte. Hätte ich auf ſolche Weiſe das eigne Ich ſtets hin⸗ ten angeſetzt, ſo wäre ich wahrſcheinlich minder un⸗ glücklich geworden, ſo aber ſand ſich mein Selbſtge⸗ fühl gar oft gekräukt. Ich beneidete den höheren rAA* 29 Stand, beſonders um der Ruhe und der Sicherheit willen, die man in dieſer Stellung, meiner Meinung nach, finden mußte; man ſteht da, dachte ich, ohne alle ängſtliche Berechnung, überall wo man ſich hin⸗ ſtellt, am rechten Platze. Das Gefühl gekränkter Eigenliebe würde unerträglich geweſen ſeyn, wenn ein ſtärkeres mich nicht davon abgezogen hätte; aber ich dachte zuviel an die Herzogin, um mich lange mit mir und meiner verletzten Eitelkeit beſchäftigen zu können; nur dann, wenn ich daran dachte, daß dieſer Leiden Quelle auch gerade das war, was eine Verbindung unter uns unmöglich machte, dann ſteigerte ſich der Schmerz bis zur Unerträglichkeit. Alles was mich demüthigte, entfernte mich von der Geliebten; dieſe Betrachtung goß herben Wermuth in den an ſich ſchon bittern Leidenskelch. Nach meiner Rückkehr von Faverange erhielt ich die Stelle im Departement der auswärtigen Angele⸗ genheiten, welche die Güte des Marſchalls für mich ausgewirkt hatte. Aus Rückſicht für ihn, war ſie bis jetzt unbeſetzt geblieben. Die damit verbundene Ar⸗ beit war nicht angreifend, ich betrieb ſie aber doch nachläſſig. Leidenſchaft und anhaltender Fleiß ſind unverträgliche Dinge; man vermag ſich nur gewalt⸗ ſam loszureißen von dem Gedanken, der einzig un⸗ ſerm Glücke genügt, und alles, was uns von der Angebeteten abzieht, erſcheint als ein gegen die Liebe verübter Raub.— Meine Geſchäfte waren indeſſen ſo leicht, daß die Vorgeſetzten dennoch mit mir zu⸗ frieden waren, und ich genoß alle die Vortheile und Annehmlichkeiten, welche mit meiner Stelle verbun⸗ den waren. Ich kam in mehrfache Berührung mit 30 rwrA den angeſehenſten Männern des Auslandes, welche ſich in Paris aufhielten, und gewann mehr Haltung in meiner Stellung zu der Welt, in welcher ich lebte, weil ich Gelegenheit hatte, hier und da kleine Gefäl⸗ ligkeiten zu erzeigen. Ich blieb im Hotel d'Olonne wohnen; Alles blieb unverändert wie früher, nur wa⸗ ren mir durch meine Dienſtanſtellung einige neue Verhältniſſe zugewachſen, und die Fremden, welche in das Haus kamen, waren, weil ſie mich mehr kann⸗ ten, gütiger und freundlicher als zuvor. Ich hatte wohl vorausgeſehen, daß ich die Herzo⸗ gin in Paris ſeltener ſehen würde, als in Faverange; doch brachte es mich faſt zur Verzweiflung, daß ich ſparſam, faſt nie Gelegenheit fand, ſie allein zu ſpre⸗ chen. Ich wagte mich nur ſelten auf ihr Zimmer, um nicht Argwohn zu erwecken, unten im Salon aber war leider immer Geſellſchaft. Sie mußte auch öfters nach Verſailles hinüber, und blieb dort wohl den ganzen Tag. Solche Tage ſchienen mir endlos, jede Sekunde drückte wie ein Bleigewicht auf mein ſehnend Herz, und ein ewiger Raum dehnte ſich zwiſchen Mi⸗ nnte und Minute. Bei dem Gedanken, daß ich alſo einen ganzen Tag hinbringen ſollte, erfaßte mich Ver⸗ zweiflung; ich konnte nicht ruhig bleiben, es trieb mich hinaus, ich mußte mich ihr wenigſtens nähern. Ich fuhr nach Verſailles, in die Stadt wagte ich mich nicht hinein, aus Beſorgniß, von den Leuten des Marſchalls bemerkt zu werden; ich ſtieg deßhalb in irgend einem kleinen abgelegenen Gaſthof ab und ſtreifte dann auf den Hügeln, welche die prachtvolle Reſidenz umgeben, umber. Ich durchſtrich das Ge⸗ hölz von Satory, erſtieg die Höhen von St. Cyr: A 4 31 die entlaubten Bäume ſtanden da, ſo ſtumm ſo trau⸗ rig wie mein Herz. Von der Höhe aus blickte ich wehmüthig auf jene prächtigen Paläſte, aus denen ich auf immer verbannt war; hätte ich ſie doch alle hingegeben für einen Blick der Geliebten! Wäre ich der mächtigſte König der Welt geweſen, mit welcher Luſt hätte ich alle meine Kronen ihr zu Füßen legen wollen! O wie glücklich preiſe ich den, welcher die Ge⸗ liebte zu ſich hinaufziehen kann, ſie ſchmücken darf mit ſeinem Ruhm, mit ſeinem Namen und ſeinem Glanz. Wohl dem Manne der, wenn er die theuere Gat⸗ tin umfaßt, fühlt, daß ſie Alles durch ihn war, daß er die Stütze ihrer Schwäche, der Schirm ihrer Tu⸗ gend iſt. Ach! was hatte ich Unglücklicher der Ge⸗ liebten anzubieten? Nichts, nichts als mein liebeſie⸗ ches Herz⸗ In ſolchen Betrachtungen ſchwand der Tag; wenn aber der Abend einbrach, näherte ich mich dem Schloſſe und durchirrte die Lerlaſſenen Boszuets des Parks. Ich ſetzte mich auch wohl am Fuße einer Bildſäule nieder und betrachtete mit Bewunderung die herrlichen Zaubergärten, deren Schöpferin die Liebe war; die jetzt hier herrſchende Stille, die düſtere Winterpracht der Natur ſagten meiner Seelenſtim⸗ mung ſo recht zu. Wenn dagegen mein Blick auf den königlichen Pa⸗ laſt fiel, der meines Lebens einziges Gut unmtſchloß, dann ergriff mich namenloſe Wehmuth. Wie ein von rieſigen Ungeheuern bewachtes Zauberſchloß erſchien . mir das Prachtgebäude; vergebens bemühte ich mich in daſſelbe einzudringen, alle Zugänge waren feſt ver⸗ ſchloſſen, durch unüberſteigliche Schranken verwahrt, und trügeriſche Irrgänge führten überall nur zur Wuth und zur Verzweiflung. Ich dachte an des eng⸗ liſchen Geſandten Worte zurück. Ja, wäre meinem Ehrgeize nur eine Schranke geöffnet worden, Alles, das Kühnſte hätte ich errungen, jede Schwierigkeit hätte ich beſiegt.— Die Liebe iſt wie der Glaube, allmächtig, aber an dem Unmöglichen ſcheitert des Lebens beßte Kraft, und nackt und kalt trat die Wahr⸗ heit vor mich hin, deutete mit drohendem Finger auf die unerbittliche Macht der Verhältniſſe, welche mir jede Hoffnung raubte, und rief mir mit lauter Stimme die furchtbaren Worte zu: Niemals wird ſie, wird die Herzogin von Nevers die Deine!— Troſtlos kehrte ich nach Paris zurück.— Wäre der Tod nicht minder herbe geweſen, als dieſe Qualen? und doch war dieſe Selbſtpeinigung mir minder ſchmerzlich, als das lange unthätige Harren auf die Geliebte, wobei ich mich aufrieb, ohne doch mich des Lebens bewußt zu fühlen. Bald verſiel ich in einen Zuſtand, der zwiſchen Wahnſinn und Verzweiflung die Mitte hält. Einer firen Idee hingegeben, ſah ich überall, ſelbſt im Traume, die Herzogin. Mein Arm wollte die Theuere umfangen, aber der Boden ſtürzte zwiſchen uns ein, ein furchtbarer Abgrund gähnte mich an; ich wollte ihn überſpringen, aber eine unüberwind⸗ liche Macht hielt mich zurück, ich rang fruchtlos mit ihr und marterte vergebens mich in unnützen An⸗ ſtrengungen ab. Erſchöpft, überwunden, erlag ich 3 — einem Kampfe, an dem nichts Wirkliches war, als der Schmerz, den er erzeugte, und die Leidenſchaft, die ihn herbeiführte. O wunderbares, geheimnißvol⸗ les Band zwiſchen Seele und Körper! Was iſt denn eigentlich dieſe gebrechliche Hülle, die dem Ge⸗ danken als treue Dienerin gehorcht, die das Mißge⸗ ſchick zerbricht, die ein Gedanke tödtet? Ich fühlte, daß ich nicht lange mehr würde mei⸗ nen Leiden widerſtehen können. Auch die Herzogin ſah es, und verhehlte mir nicht ihren Schmery und ihre Beſorgniß. Sie bemühte ſich vergebens, meinen Kummer zu lindern, es gelang ihr nicht; aber ihre erfinderiſche Zärtlichkeit bewies mir, daß ich ihr über Alles theuer war. Sie, die Wunderherrliche, von Anbetern Umlagerte, verſchmähte alle dieſe Huldigun⸗ gen, und fand immer Mittel, mir zu zeigen, daß meine Liebe für ſie werthvoller war, als die Anbe⸗ tung der ganzen Welt. Zu meinen Gefühlen geſellte ſich daher noch eine leidenſchaftliche Dankbarkeit. O hätte ich doch mein Leben für ſie hingeben durfen! wie gern wäre ich geſtorben, um ſie zu beglücken! wie gern hätte ich meine Tage ihren Tagen, mein Leben dem Ihrigen angereiht! Ach! ich ärmſter konnte nichts für ſie thun, während ſie mir jedes Opfer brachte, und das unſchätzbare Gut ihrer Liebe, ihrer Zärtlichkeit an mich verſchwendete. Der Zwang, den ich mir anthun mußte, und die unabläſſige Verſtellung, wurden mir mit jedem Tage unertraͤglicher. Dem Glücke hatte ich längſt entſagt, auch auf den letzten Troſt des Unglücklichen mußte ich verzichten; ich durfte mich nicht zwanglos dem 2** Gefühle des Schmerzes hingeben. Ich mußte die Züge meines Geſichts beherrſchen, die Falten des Grames ausglätten, Heiterkeit erheucheln, die Her⸗ zensqual verbergen, um keinen Argwohn zu erwecken. Nur die Furcht, irgend einen Schatten auf die Her⸗ zogin zu werfen, gab mir Kraft die ſchwere Rolle durchzuführen. Seit einiger Zeit bemerkte ich, daß der Herzog v. C. und der Prinz Enrichemont mich durchaus nicht mehr mit dem geneigten Wohlwollen behandelten, welches Beide mir früher bezeigt hatten. Der Prinz betrug ſich kalt, beinahe ſchnöde; der Herzog äußerte gegen mich eine Art Jronie, die eigentlich weder in ſeinem Weſen noch in ſeinem Charakter lag. Wäre ich unbefangener geweſen, würde ich vielleicht früher ſchon dieſe Veränderung beachtet haben; aber da der Marſchall mich ſtets mit gleicher Freundlichkeit be⸗ handelte, mir immer daſſelbe Vertrauen bewies, und ich nur ihn fürchten zu müſſen glaubte, ſo hielt ich mich völlig ſicher, ſo lange er nichts von meinen Gefühlen für die Herzogin argwöhnte. Das Be⸗ nehmen des Prinzen und des Herzogs verletzte mich demnach, ohne aber mir die Augen zu öffnen; er⸗ ſteren hatte ich nie beſonders geliebt, und es war einigermaaßen angenehm, ihn nach Bequemlichkeit haſſen zu können. Ich war nicht eben eiferſüchtig auf ihn; ich wußte zu gut, daß die Herzogin ihn nie zum Gemahl erwählen würde, aber es kränkte mich, daß er berechtigt war, auf dieſes Glück Anſpruch zu machen. Ich vergalt ihm mit reichlichen Zinſen die Kälte und die Bitterkeit, die er gegen mich äußerte, und ließ keine Gelegenheit unbenutzt, Fehler und Ae 35 Schwächen zu beſpötteln, die ihm eigenthümlich wa⸗ ren, oder Vortheile und Tugenden, die ihm abgingen, mächtig zu preiſen. Eines Tages war der Marſchall zur Abendtafei in Verfailles, und mußte dort übernachten. Die Herzogin, die ihn begleiten ſollte, ward unpäßlich und blieb daheim; ſie ließ jeden Beſuch abweiſen, nur der Abbé und ich verbrachten den Abend auf ihrem Zimmer. Ich hatte ſie nie reizender geſehen als jetzt, wo ſie ſchmucklos, ein wenig blaß, im einfachen Mor⸗ genkleide nachläſſig auf dem Ruhebette lag. Ich las ihr einen neuen Roman vor, in welchem verſchiedene Situationen der unſrigen ſehr ähnlich waren, wir waren beide ergriffen, der Abbé aber eingeſchlafen; um zehn Uhr erwachte er, und mein Herz wallte freudig auf, als er ſchlaftrunken aufſtand, und ſich empfahl, um ſein Bett zu ſuchen. Wir blieben allein, unvorbereitet gegen drohende Gefahr. Schelten pill ich Sie, Eduard, begann Natalie, was ſollen die Reibungen zwiſchen Ihnen und dem Prinzen? Ge⸗ ſtern noch haben Sie ihm die bitterſten Sachen ge⸗ ſagt.— Wollen Sie, fragte ich, auf ſeine Seite treten? Er iſt mir verhaßt, er macht Anſprüche, die ich ihm nicht verzeihen kann.— Sonderbar! ant⸗ wortete ſie, wahrlich Sie haben Urſache eiferſüchtig zu ſeyn, Sie, dem ich antrage, was ich jenem ab⸗ ſchlug.— O, rief ich aus, beſäße ich den Thron der Welt, ſo würde ich zu Ihren Füßen mir Ihre Hand erflehen.— Und doch wollen Sie von mir nicht annehmen, was Sie mir geben möchten, ſagte ſe; rechnet die Liebe ſo ängſtlich? macht Alles gleich?— Jg wohl, antwor a ddepreiſ dann, wenn man ſich einander ganz zugehört, wenn man gleichſam nur ein Herz und eine Seele hat.— Wenn Sie mich liebten, Eduard, wie ich Sie liebe, wie leicht würden Sie überſehen, was uns trennt. Ich warf mich ihr zu Füßen. Mein Leben, ſagte ich, gehört Ihnen, Sie wiſſen es, aber die Ehre darf ich nicht Preis geben, Sie ſelbſt, Natalie, würden den Ehrloſen verachten.— Ehrlos? entgegnete ſie, wür⸗ den Sie deshalb ehrlos ſeyn? Die Welt würde Sie verläſtern, mag ſie doch, was kümmert uns die Welt und ihr Tadel? Wenn man im Schooß der Liebe lebt, giebt es dann noch ein größeres Glück?— O ſeyn Sie barmherzig, bat ich, zeigen Sie mir nicht das Bild einer Seligkeit, die für mich unerreichbar iſt; zu ſtark iſt die Verſuchung.— Wäre ſie doch unwiderſtehlich! ſagte ſie. Eduard, widerſtrebe län⸗ ger nicht Deinem Glücke. Du ſollſt, Du wirſt alles vergeſſen, fügte ſie mit liebeglühendem Blick hinzu.— Du tödteſt mich, Geliebte, entgegnete ich. Ich ſoll die Ehre der Liebe opfern, Du willſt es, aber wür⸗ deſt Du ſelbſt das Opfer, welches Du begehrſt, wür⸗ deſt Du ſelbſt es meiner Ruhe— meinem Leben bringen?— Die Herzogin hatte mich verſtanden. Eduard, ſagte ſie, Eduard, waren Sie es, der dieſe Frage that?— Ich warf mich am andern Ende des Cabinets auf einen Seſſel. Es traf der ernſte Ton ihrer Stimme wie ein Dolchſtich mein Herz. Als die Herzogin mich ſo troſtlos ſah, näherte ſie ſich mir, und faßte meine Hand.— Laſſen Sie mich, bat ich, laſſen Sie mir den Funken Vernunft, der mir noch blieb. Ich wollte das Zimmer verlaſſen, ſte hielt mich zurück. Nein, ſagte ſie, und ein Thrä⸗ nenſtrom floß über ihre Wangen, nein Eduard, ich glaube es nicht, will es nimmer glauben, daß Du mich fliehen mußt, um mich zu achten.— Abgott meiner Seele! rief ich aus, immer, immer wirſt Du mir heilig ſeyn, aber Du ſiehſt es, ich kann nicht leben ohne Dich; da Du aber nie die Mei⸗ nige ſeyn darfſt, ſo laß mich ſterben. O ſchaudere nicht zurück vor dem Gedanken, wir werden uns wie⸗ derſehen, Geliebte meines Herzens, wir werden uns wiederfinden in einer andern beſſern Welt. Sage mir, wirſt Du auch dort ſo lieb und hold ſeyn wie jetzt? wirſt Du auch dort Deinen armen Freund aufſuchen? dort der Liebe ſchöne Verheißung in Er⸗ füllung bringen? dort, über den Sternen, mein, ewig mein ſeyn?— Eduard, antwortete ſie, Du weißt es, ich ſterbe, wenn Du ſtirbſt; Dein Herz iſt der Sitz meines Lebens, Du kannſt nicht ſterben ohne mich. Ich ſchlang meine Arme um die Geliebte, ſie legte ihr Köpfchen auf meine Schulter.— O wie füß wäre jetzt der Tod, ſagte ſie.— Süßer noch antwortete ich, wäre das Leben. Wir ſind ja frei, Natalie, uns bindet kein Eid; was ſoll uns hindern einander zu gehören? Gott wird ſich unſrer erbar⸗ men. Ich drückte ſie liebeglühend an mein Herz.— Eduard, rief ſie, erbarme Du Dich meiner, o rette „mich, entweihe nicht die Geliebte, Du ſiehſt es, ich habe keine Waffen gegen Dich, ſchütze mich. Be⸗ dürfte es nur meines Lebens, Dich zu beglücken, das Opfer wäre längſt gebracht; aber Du ſelbſt würdeſt in Schmerz und Reue vergehen, wenn Schmach über mich käme. Wie? Du weigerſt Dich, mein Gatte zu ſeyn, und wollteſt mich entwürdigen?— Nichts will ich, rief ich verzweiflungsvoll aus, nichts als den Tod! O duürfte ich mindeſtens ſo in Deinen Armen Brief, und ich erkannte die Schriftzüge der Herzo⸗ ſterben, den letzten Seufzer auf Deinen Lippen aus⸗ hauchen.— Natalie weinte, ich aber vermochte nicht länger mich zu zügeln, und raubte einen Kuß von den Lippen der Widerſtrebenden. Sie entwand ſich meinen Armen, und ihre Thränen, ihre Vor⸗ würfe, verkümmerten mir Den Moment der Selig⸗ keit. Ich mußte ſie verlaſſen, und ich betrat ſehr traurig, zugleich aber in der leidenſchaftlichſten Stim⸗ mung, mein Zimmer. Ich hatte lebhaft gefühlt, daß ich geliebt wurde; noch immer hielt ich die Ge⸗ liebte in meinen Armen, drückte ſie gegen mein Herz, und hätte des Todes kalte Hand mich in dieſem Au⸗ genblicke ſchauervoll ergriffen, dennoch wäre ich glück⸗ lich in dieſer Erinnerung geweſen. Ich verbrachte die Nacht in der leidenſchaftlichſten Unruhe. Meine Seele war wie umgewendet, und ſelbſt der richtige Sinn für Pflicht und Ehre, der unter allen Stür⸗ men mir treu geblieben, war abgeſtumpft und ver⸗ kehyt. Ich fragte mich, warum ſollte ich denn nicht die Hand der Herzogin annehmen? Ich ſuchte durch Beiſpiele meine Schwachheit zu beſchönigen, ich über⸗ redete mich, daß in der ſtillen Einſamkeit, wo wir zu leben gedachten, ich weder an die Welt, noch an deren Meinung denken würde, ich ſagte mir, daß ich nöthigenfalls mit der Herzogin nach Amerika, oder ſelbſt nach jener unbewohnten Inſel, welche lange der Gegenſtand meiner Träumereien war, flüchten könne. Jeder Ort der Erde wurde ja mit ihr und durch ſie ein Paradies. Natalie! Natalie! ſeufzte ich halblaut, und der Zauber dieſes füßen Namens entzückte mein Ohr und beruhigte mein Herz. Fruüh, am folgenden Morgen, erhielt ich einen —— —* —— — 7*— gin. Sie mögen, mein theilnehmender Freund, ur⸗ theilen, was ich empfand, als ich Nachſtehendes las: „Fürchten Sie keinen Vorwurf, Eduard, ich werde Ihnen keinen machen; ich weiß ſehr wohl, daß auch ich ſchuldig, ja ſchuldiger bin als Sie; aber der geſtrige Auftritt ſey uns Warnung, er zeige uns, daß wir am Rande des Verderbens ſte⸗ hen. Noch iſt es Zeit zurückzutreten von dem Ab⸗ grunde, der das Grab unſres Glückes, unſrer Tu⸗ gend zu werden droht. Laſſen Sie uns nicht Ver⸗ rath üben an den Gefühlen, welche unſre Herzen verbanden; unſere Seelen verſtanden ſich, weil wir das Gute, das Rechte, das Wahre und Höhere des Lebens liebten, und wir liebten uns, weil die Sprache Ihres Herzens auch die des Meinigen war. Laſſen Sie uns jetzt nicht den Seelenadel verläugnen, der unſre Liebe erzeugte, wir wollen glücklich ſeyn, aber auch ſchuldlos, rein vor Got⸗ tes Angeſicht. Ja Eduard, wir müſſen uns verbinden oder uns⸗ trennen. Uns trennen? Glaubſt Du, Geliebter, daß ich im Stande wäre, dies Wort hinzuſchreiben, wenn ich die Sache für möglich hielt? Woher ſollte Dir die Kraft kommen, mich zu fliehen, wo⸗ her mir der Muth, ohne Dich zu leben? O Du, meines Ich's beſſere Hälfte, Du, ohne welchen ich auch nicht Einen Tag zu leben vermöchte, fühlſt Du es nicht auch, daß wir unzertrennlich ſind? Welche Einwürfe kannſt Du mir machen? darf das eitle Phantom der Chre Dich ſchrecken? Die Welt wird ſagen, daß Du mich verführteſt! Wel⸗— che Verführungskünſte können bei zwei liebenden Herzen wirkſam angewendet werden? doch wohl nur die Verführung durch Liebe. War ich üb⸗ rigens nicht die Verſucherin? Du hätteſt mir ge⸗ wiß nie Deine Liebe geſtanden, wenn nicht ich Dir meine Zärtlichkeit verrathen hätte. Ach Du hätteſt geſchwiegen, hätteſt Dein Geheimiß mit in's Grab genommen. Du ſagſt, Du wolleſt mich nicht von den Höhen des Lebens herabziehen. O mein Freund, giebt es für das Weib Höheres, als geliebt zu ſeyn? größeren Ruhm, als geliebt zu ſeyn? ſchönere Titel, als geliebt zu ſeyn? Oder mißtraueſt Deinem Herzen? glaubſt Du, daß es mir nicht Erſatz bieten würde, für das, was Du Opfer zu nennen beliebeſt? O denke Dir, wenn Du es kannſt, das Glück das unſrer wartet, und dann wage jene verlornen, ſogenannten Vortheile zurückzuwünſchen. Mein Vater, Eduard, iſt das einzige gegründete Hinderniß, das ſich unſerm Glücke in den Weg ſtellt, jedes andere verachte ich, ich finde es unſrer unwürdig. Aber mein Freund, ich will es Dir geſtehen, ich nähre die Hoffnung, einſt meines Vaters Verzeihung zu er⸗ halten. Ja er liebt mich, er liebt auch Dich, wer könnte Dich nicht lieben? Ich bin uberzeugt, daß er ſchon oft bedauert hat, daß Du nicht ſein Sohn biſt, Du gefällſt ibm, Du verſtehſt ihn, Du biſt der Sohn ſeines Herzens. Und biſt Du nicht der Sohn ſeines alten Freundes, der ihm Ehre und Vermögen rettete? Wohlan, wir wollen den Va⸗ ter zwingen, glücklich zu ſeyn, durch unſere Zärt⸗ lichkeit, durch unſere Liebe. Erlaubt er nicht, daß wir uns ihm in der Hauptſtadt nähern, ſo wird er uns in Faverange nicht von ſich ſtoßen, dort wird er uns als ſeine Kinder anerkennen, dort im Schooße der Natur wird er unſer Vater ſeyn, dort wird die Macht der Verhältniſſe der Macht der Natur weichen, und der Anblick unſers Glückes wird ihn Alles vergeſſen laſſen. Fürchte nichts. Fühlſt Du nicht, wie uns, den Vereinten, Alles möglich ſeyn wird? Glaube mir, nur Eines iſt unmöglich: daß wir aufhören uns zu lieben, daß wir leben, ohne es uns zu ſagen. Wähle denn, Eduard! Wage, das Glück zu wählen! O wirf es nicht von Dir! Biſt Du denn nur Dir allein ver⸗ antwortlich für deine Wahl? Ach! ſiehſt Du nicht, daß noch Ein Leben mit dem Faden des Deinigen verwebt iſt? Du wählſt den Tod, wenn Du Flucht wählſt, und Dein Tod iſt auch der Mei⸗ nige.“ Als ich dieſen Brief geleſen hatte, ſank ich auf meine Knie, und ſchwor mein Leben der Geliebten zu weihen, ſie anzubeten, ſie glücklich zu machen. Mich erfaßte ſüßer Wonnerauſch, ich machte mir kei⸗ nen Vorwurf mehr, nur Götterſeligkeit erfüllte meine Bruſt.— Die Herzogin, ſagte ich mir, muß ja beſ⸗ ſer die Welt kennen, in der ſie lebt, als ich, ſie muß wiſſen, was wir zu fürchten haben, und wenn ſie unſre Verbindung für möglich hält, ſo muß ſie es auch ſeyn. O ich Thor, der ſo lange dem Glücke widerſtrebte! Der Marſchall v. Olonne wird ſeinen glücklichen Kindern verzeihen, ja er wird ſie einſt ſegnen, und Natalie, Natalie wird mein geliebtes Weib, wird die theure Gefährtin meines Lebens ſeyn. Auf ewig vereint, werde ich alle Tage meines Le⸗ bens mit ihr und bei ihr verleben. Mein Herz er⸗ lag beinahe dem Uebermaaß dieſer Wonnegedanken, und nur Thränen konnten die Laſt der Freude er⸗ leichtern, welche mich faſt erdrückte, und welche zu ſchnell auf die bitterſten und ſchmerzlichſten Gefühle gefolgt war. Ich erwartete mit Ungeduld die Mittagsſtunde, wo ich ohne Aufſehn einen Augenblick zu der Herzo⸗ gin gehen, und ſie ohne Zeugen ſprechen konnte. Die Zwiſchenzeit füllte ich mit den ſchönſten Träu⸗ mereien aus. Kein Zweifel, keine ernſte Betrachtung ſtörte meinen Wonnerauſch. Das Loos war gewor⸗ fen, der Gedanke, ſie wird die Meinige, war der einzige, den ich zu denken vermochte. Hätte ich dies Glück mit dem Leben bezahlen müſſen, ich hätte es. um zu geringen Preis erkauft.— Natalie mein, ewig mein, ſie lieben war nicht blos mehr Reiz und Wonne meines Lebens, es wurde nun Pflicht meines Daſeyns— göttliches Gefühl! nein, die Phantaſte hat keine Worte, es auszuſprechen, keine Farben, es zu malen. Wer ſo empfunden hat, der begreife es, wer nicht, der beweine ſein unglück, denn ohne dies Gefühl iſt das Leben matt und ſchaal. Die zwei Tage nach der Entſcheidung unſers Schickſals verfloſſen in ungetrübter Glückſeligkeit. Die Herzogin bemühte ſich, mir zu beweiſen, daß ich es war, der ihr Opfer brachte, daß ſie mir Dank ſchuldig war, indem ich in ihr Glück gewilligt, ein Glück, dem ſie nur mit dem Leben hätte entſagen können. Wir verabredeten, daß ſie im Monat Maj ewrrore 43 nach Holland reiſen ſolle; von dieſer Reiſe war ſchon ſeit längerer Zeit die Rede geweſen, und der früher der Frau v. C. verſprochene Beſuch, bot einen ſehr natürlichen Vorwand zu dieſer Reiſe dar. Ich, mei⸗ ner Seits ſollte zur ſelben Zeit Geſchäfte in Forez vorgeben, zu dieſem Zwecke einen vierzehntägigen Ur⸗ laub nehmen, und der Herzogin heimlich nachreiſen. Im Haagg ſollte der Geſandtſchafts⸗Capellan, ein alter, der Herzogin ganz ergebener Prieſter, den ſie lange kannte, unſren Bund einſegnen. Waren wir erſt wie⸗ der in Paris, ſo würden, unſrer Meinung nach, ſich tauſend Gelegenheiten finden, uns zu ſehen, ohne Argwohn zu erregen. Wenn ich jetzt überdenke, auf welchem unſichern Boden wir dieſen Glückstempel erbaut hatten, ſo muß ich mich wundern, daß ich nur einen Augenblick an die Möglichkeit der Ausführung dieſer Pläne mit ſo völliger Sicherheit glauben konnte; aber die Liebe ſchafft ſich eine Ideenwelt, ſie beurtheilt Alles nach andern Grundſätzen, legt überall einen größeren Maaßſtab an, das Gemeine, das Erkünſtelte ſchwin⸗ det. Die Liebe trägt ihren Enthuſiasmus auf alle Menſchen über, ſie wähnt jeden der Opfer fähig, die ſie ſelbſt gern bringt; wenn dann aber die Wirklich⸗ keit mit ihrer kalten Vernunft dazwiſchen tritt, ſo ſchreckt ſie, wie von eiſiger Todtenhand berührt, ſchau⸗ dernd zurück. Eines Morgens, eben wollte ich zur Herzogin hin⸗ untergehen, trat mein Oheim Herbelot zu mir ins Zim⸗ mer. Ich beſuchte ihn nur ſelten, ſeit des Marſchalls Verbannung, weil ſein damaliges Venehmen mich em⸗ rr rn 7 pört hatte; ſchon früher hatte ich mich nie in ſeinem Hauſe wohlgefühlt, und nur weil ich es für Pflicht hielt mit dem Bruder meiner Mutter in leidlichem Vernehmen zu ſtehen, war ich dann und wann hin⸗ gegangen. Mein Onkel trat mit jener jovialen und fkurrilen Miene ein, die ich an ihm ſchon kannte; er hatte irgend eine ſkandalöſe Geſchichte zu verkünden; er gefiel ſich beſonders in derlei Unterhaltungen und trug dabei das Aergerlichſte mit einer gutmüthigen Unbefangenheit vor, die mir widriger war als die offenbarſte Bosheit; denn dies Uebertragen der Na⸗ türlichkeit und der Herzlichkeit in das Gemeine, in das Schlechte, deutet auf den höchſten. Grad der Sit⸗ tenloſigkeit. Nun Eduard, begann er, Herr Herbelot, du haſt recht brav begonnen, ſehr ſchön! ich ziehe meinen Hut vor dir, auf Ehrel du haſt die Meiſterſchaft errungen, wir bewundern dich, und Luceval und Ver⸗ thenay prophezeihen, daß du es weit bringen wirſt.— Wie iſt das zu verſtehen, Herr Onkel? fragte ich ziem⸗ lich ernſt.— Ei eil ſagte er, der junge Mann ſpielt den Geheimnißvollen; Freundchen, Schwachköpfe mö⸗ gen dergleichen Dinge verheimlichen, Oeffentlichkeit iſt gerade die Hauptſache, wenn man den Höheren nach⸗ ſtrebt. Eigentlich beſitzt man auch dann erſt ein Gut, wenn Andere wiſſen, daß ſolches uns zugehört; Eins aber führt zu dem Andern, und bald wird deine Liſte ſich vermehren.— Ich verſtehe kein Wort von allen dem, entgegnete ich; er aber, ohne ſich ſtören zu laſſen, fuhr fort: Du haſt deine Sachen recht brav gemacht, haſt deine Zeit wacker benutzt. Was wer⸗ den die Andächtler, was die Betſchweſtern ſagen? Auf Ehre! alle Weiber werden ſich um dich reißen.— Sich um mich reißen? fragte ich, was heißt das?— Ei du biſt ein hübſcher Kerl, mich wunderts nicht, daß du ihnen gefällſt. Zum Henker! ſie nehmen wohl mit ſchlechterer Waare vorlieb.— Wer? von wem ſprechen Sie?— Ci Freundchen, von wem anders, als von dir und von der Herzogin von Nevers. Biſt du nicht ihr glücklicher Anbeter? Ganz Paris wenig⸗ ſtens behauptet es. Auf Ehre! ein himmliſches Weib, ich wüßte keins, das dir mehr Ehre machen würde, bringe du dein Schäfchen in's Trockene, mein Sohn, wir wollen dir helfen, die Sache muß nur erſt recht unter die Leute gebracht werden, das heißt den Weg der Mode und des Glücks einſchlagen.— Das Blut erſtarrte mir in meinen Adern. O ſchändlich! ſchänd⸗ lich! abſcheulich! rief ich aus, wer wagt ſolche Nie⸗ derträchtigkeit auszuſprechen? nennen Sie mir den ſchamloſen Verläumder, daß ich ihn augenblicklich zur Rechenſchaft ziehe.— Herr Herbelot lachte laut auf. Wie? ſagte er, biſt du noch nicht ſo weit in der Sache, als ich glaubte? oder biſt du etwa verliebte Nun von der Dummheit wirſt du bald zurück⸗ kommen, mein Kind. Heute dieſe, morgen jene, das iſt das Wahre; auch wollen es die Weiber nicht an⸗ ders, denn es iſt ihnen ein Hauptſpas, ſich gegenſei⸗ tig die Anbeter abwendig zu machen. Erobern, ge⸗ nießen, das iſt die Philoſophie des Weltmannes.— Ich weiß nicht, ſagte ich empört, in welcher Welt Sie dieſe Lehren ſchöpften und dieſe Sitten ſahen; mir blie⸗ ben ſolche, dem Himmel ſei Dank, fremd, noch fremder aber blieben ſie dem Engel, welchen Sie ſo ſchmahlich verläſtern. Nennen Sie mir augenblicklich, ich beſtehe darauf, den elenden Urheber ſo ſiPlhe Verläum⸗ * 46. errrre dung!— Mein Onkel brach abermals in lautes Lachen aus und wiederholte, daß ganz Paris von meiner bonne fortune ſpräche, mich als einen klugen und gewandten jungen Mann belobte, da es mir gelungen eine Frau zu umgarnen, die zweifelsohne ſcharf bewacht würde.— Ihre Tugend bewacht ſie, rief ich, meines Zornes kaum mehr mächtig, aus, Wunderlich! ſagte mein Oheim, ſehr wunderlich! Menſch, wo haſt du denn gelebt? in einem Nonnenkloſter vielleicht?— Das nicht, antwortete ich entruſtet, wohl aber in dem Hauſe eines rechtlichen Mannes, unter deſſen Dache Sie nicht werth ſind zu ſtehen.— Ich vergaß jetzt, was ich dem Bruder meiner Mutter ſchuldig war, drängte ihn zur Thür hinaus und verſchloß ſie hinter ihm. Faſt ſinnloß machte mich die Verzweiflung. Ge⸗ rechter Gott! ich hatte der Geliebten Ehre befleckt. Die Verläumdung wagte die Engelreine zu entweihen, und mein, mein war die Schuld. Meines Namens bediente man ſich, die Heilige die ich anbetete, die ich vergötterte, zu läſtern. Wohlverdiente Höllenpein wüthete in meinem Herzen. Durch meine wahnſin⸗ nige Liebe ſteht ſie entehrt da, dachte ich; ich, ich allein gab ſie dem Tadel, der Verachtung, der Schande preis, der Schande, die wie der Blutfleck auf Lady Macbeth's Hand unauslöſchlich iſt.— Die Verläumdung ſtirbt nicht, aber Verläumder können ſterben; ich will den Engel rächen, will das Natter⸗ gezücht zertreten, welches die Schuldloſe mit ſeinem tödtenden Gifte beſudelt. O wie konnte ich, Pflicht und Ehre hintenanſetzend, mich der Gefahr blosſtel⸗ len, ſo ſchmähliges Lob zu verdienen?— Auf ſolche Weiſe alſo wird mein Beginnen in die Sprache des Laſters überſetzt. Ach, die gefährlichſte Schlinge, welche die Leidenſchaft uns legt, iſt eben das Ge⸗ wand der Tugend, in welches ſie ſich hüllt! Jetzt ſtand die Wahrheit nackt vor mir, und ich erkannte mich für den elendeſten, niedrigſten aller Men⸗ ſchen.. Was nun beginnen? was ſollte nun geſchehen? Sollte ich vor die Herzogin hintreten, ihr ſagen, daß ſie entehrt, durch mich entehrt war? Das Herz ſtockte bei dieſem Gedanken mir in der Bruſt. Ach was war aus unſerm Glücke geworden? O ſchöner Traum, du hatteſt nur die Dauer eines Traumes. Die Fol⸗ gen meines Verbrechens waren nicht abzuwenden, der Schaden nnerſetzlich. Wenn ich mich jetzt mit der Herzogin vermählte, welche neue Schändlichkei⸗ ten würde man nicht erſinnen, um ihre Ehre zu brand⸗ marken! Ich mußte fort, mußte die Geliebte ver⸗ laſſen, ich fühlte, daß dies unerläßliche Pflicht war; aber ich wendete mein Ange von dieſer Nothwendig⸗ keit, als von einem grauſigen Geſpenſte ab. Ich ſchauderte vor dieſem letzten Unglücke zurück, ich konnte dieſe Trennung nicht als etwas Mögliches denken. Fern von ihr, bot mir ja die ganze weite Erde keinen Zufluchtsort; alles war öde, unwirthli⸗ che Steppe, ſie nur machte mir das Vaterland zum Vaterlande, ohne ſie war die Welt ein weites Exil. Der grauſame Schmerz raubte mir ſelbſt die Kraft, im Zuſammenhange zu denken; ich fühlte wohl, daß ich flieben mußte, ich wußte wohl, daß ich Rache üben wollte an dem Herzog v. C., den mein Oheim mir als einen der Urheber jener boshaften Verlaum⸗ dung genannt hatte, aber Schmerz und Verzweiflung 48 überbot Alles, ich war gleichſam verſunken in ein Meer von Troſtloſigkeit. Nirgends zeigte ſich Be⸗ ruhigung; ich konnte mir nicht einmal als Troſt ſa⸗ gen, daß meine Flucht, dies ſchwerſte Opfer ein nütz⸗ liches wäre: ich brachte es zu ſpät; es war jetzt kein edler tugendhafter Entſchluß mehr, ich floh wie ein Verbrecher, und das Geſchehene war durch nichts wieder gut zu machen. Nichts in der Welt konnte dies Uebel heilen, und wenn ich auch meinen letzten Blutstropfen für ſie vergoß, ihren, durch Frevlermund entweihten Ruf konnte ich damit nicht erkaufen. O Gott, ſie, die Engelreine ſah ihren Namen denen der Entwürdigten ihres Geſchlechts, die ihr ein Greuel waren, beigeſellt und ich, ich allein hatte dieſe Schmach über ihr Haupt gebracht!— Nur der Gedanke an blutige Rache konnte mich in dieſem Augenblicke vom Selbſtmorde abhalten. Ich war noch nicht mit mir einig, ob ich gleich zum Herzog von C. gehen ſollte, ehe ich noch mit der Herzogin von Nevers geſprochen hatte, als ich die Klingeln ihrer Gemächer heftig angezogen hörte; un⸗ willkührlich eilte ich nach jener Seite hin; ein Be⸗ dienter begegnete mir, und durch ihn erfuhr ich, daß ie Herzogin eben ohnmächtig geworden und ohne Mr den läge. Ich ſtürzte nach ihrem Zimmer hin, durcheilte zwei oder drei große Gemächer, ohne recht zu wiſſen, was ich that, und ſtand in demſelben Ca⸗ binet, wo wir noch am Tage zuvor an Lebensglück zu glauben wagten. Die Herzogin lag auf einem Ruhebette; eine junge Dame, welche ich nicht kannte, hielt die Ohnmäͤchtige in ihren Armen; nur einen Blick konnte ich auf ſie werfen, denn der Marſchas vo rre. 49 3 von Olonne trat mir entgegen. Was wollen Sie hier? ſagte er mit finſterem Geſicht; gehen Sie hin⸗ aus. Nein, antwortete ich, nein, wenn ſie ſtirbt, ſterbe ich mit ihr. Ich ſtürzte nach dem Ruhebette. Der Marſchall hob mich auf. Sie können nicht hier bleiben, ſagte er, gehen Sie auf Ihr Zimmer, ich werde nachher mit Ihnen ſprechen. Dieſe Kälte, dieſe Trockenheit, würde mich ſehr gekränkt haben, wenn ich in dieſem Augenblicke hätte an irgend et⸗ was Anderes denken können, als an die ſterbende Geliebte. Ich hörte kaum die Worte des Marſchalls, war es doch faſt, als ob auch mein Leben ſtockte, als ob es nur an den ſchwachen gäden des ihrigen hing.— Die junge Dame wandte ſich nach mir um, ich ſah Thrä⸗ nen in ihren Augen. Natalie wird Sie ſehen, ſagte ſie wenn ſie ſich wird erholt haben, jetzt aber könnte Ihr Anblick die Kranke angreifen.— Glauben Sie? ent⸗ gegnete ich, nun ſo will ich hinausgehen. Ich ging in das angränzende Zimmer, weiter konnte ich nicht; ich ſank auf meine Knie. O gütiger Gott! rief ich aus, rette ſie, rette ſie; ich konnte kein anderes Wort über meine Lippen bringen, als dieſe. Bald darauf hörte ich, daß ſie wieder zu ſich kam; es wurde drinnen laut, man ſprach, man war um ſie beſchäftigt. Ein alter Kam⸗ merdiener der Herzogin erſchien und kam, als mich erblickte, mit den Worten auf mich zu: Gie müſſen wieder auf Ihr Zimmer, gütiger Gott! Sie ſind todtenbleich, ſie bringen ſich um, kommen Sie, ſtützen Sie ſich anf mich, kommen Sie auf Ihr Zim⸗ mer. Ich wollte eben dieſen Rath befolgen, als der Marſchall aus dem Cabinet ſeiner Tochter trat, und mit einer Stimme, die ſeine Beſtürzung zu erkennen gab, ſagte: Noch hier? Folgen Sie mir, mein 3 1 50 ewu 4 Herr, ich habe mit Ihnen zu ſprechen. Er kann ſich nicht aufrecht halten, ſagte der alte Diener— Doch, doch! unterbrach ich dieſen, und folgte, alle meine Kräfte zuſammenraffend, dem Marſchall auf ſein Zimmer. Erklärungen, ſagte der Herr von Olonne, ſind unter uns überflüſſig, meine Tochter hat Alles geſtanden. Die Frau von C., der die Verläumdun⸗ gen, welche in Bezug auf meine Tochter ausgeſprengt worden, früher bekannt wurden, als mir, iſt von Holland hergeeilt, um die umglückliche Freundin von dem Abgrunde wegzureißen, an dem ſie ſchon ſtrau⸗ chelte. Es wird Ihnen nicht fremd ſeyn, wie ſehr Sie dem Ruf meiner Tochter geſchadet haben, und Ihr Beginnen iſt um ſo ſtrafbarer, da es nicht in Ihrer Macht ſteht, das von Ihnen verſchuldete Uebel wieder gut zu machen. Ich wünſche, daß Sie ſogleich abreiſen, ich werde den Sohn meines alten Freundes nicht verlaſſen, wenn er ſich auch meines Schutzes nicht eben würdig betragen. Sie können darauf rechnen, daß Sie durch meine Verwendung als Ge⸗ ſandtſchafs⸗Sekretair bei einem der nordiſchen Höfe angeſtellt werden. Reiſen Sie heute noch nach Lyon ab und erwarten Sie dort Ihre Ernennung.— Für Ihr Erbieten, antwortete ich, muß ich unterthänigſt danken, ich bedarf nichts, morgen aber werde ich nicht mehr hier ſeyn.— Wo wollen Sie hin?— Ich weiß es nicht.— Was haben Sie für Pläne?— Gar keine.— Aber was ſoll aus Ihnen werden?— Das iſt gleichgültig— Eduard, glauben Sie nicht, daß das Leben nur die Liebe ſey.— Ich mag kein anderes.— Denken Sie an Ihre Zukunft.— Für 4 4 mich giebt es keine mehr.— Unglücklicher, was bann ich für Dich thun?— Nichts.— Eduard, Sie zer⸗ reißen mein Herz, ich hatte mich mit Strenge ge⸗ wappnet, aber Ihnen gegenüber, kann ich ſie nicht lange behaupten; im friſchen Andenken iſt mir noch, was ich Ihrem ſterbenden Vater verſprochen habe; ich werde Alles für Ihr Glück thun, aber Sie ſehen ſelbſt ein, Sie können nicht meiner Tochter Gemahl werden.— Ich weiß es, Herr Marſchall, ich weiß es recht gut und werde morgen abreiſen. Erlauben Sie, daß ich mich jetzt entferne?— Nein, ſo nicht, nein, ſo ſollſt Du nicht gehen, mein Kind!— Eduard, bin ich nicht dein zweiter Vater?— Ach! Sie ſind der Vater der Frau von Nevers, ſorgen Sie für dieſe, lieben Sie dieſe, tröſten Sie die Arme, wenn ich nicht mehr hier ſeyn werde. Sie wird des Troſtes bedürfen.— Ich verließ den Marſchall und gieng in mein Zimmer, das ich nun auf ewig zu verlaſſen im Be⸗ griff ſtand, in jenes Zimmer, in dem ich ſo oft an ſie gedacht hatte, welches mit dem ihrigen von einem Dache bedeckt wurde. Du mußt dich von hier los⸗ reißen, rief ich mir zu, aber wäre ſterben nicht beſ⸗ er? Ich dachte daran, meinem Leben und mit ihm meinen Leiden ein Ziel zu ſetzen; der Gedanke aber, wie viel Schmerz ich der Frau von Nevers dadurch verurſachen würde, und das Bedürfniß der Rache hielten mich zurück, 1 Meine Erbitterung gegen den Herzog von C. war gränzenlos. Er gerade hatte uns genugſam beobach⸗ ten koͤnnen, um zu ſehen, daß meine Ehrfurcht für 3* die Herzogin meiner Leidenſchaft für ſie die Waage hielt. Nur aus recht überlegter Bosheit konnte er ſich demnach ſtellen, als hielt er mich für den be⸗ günſtigten Liebhaber; dies aber verdiente die ſtrengſte Züchtigung und ich brannte vor Begier, mich an ihm zu rächen, wie er es verdiente. Gegen ihn allein rich⸗ tete ich alle die Wuth und Bitterkeit, welche ſich durch das Zuſammentreffen ſo vieler Umſtände in meiner Bruſt gehäuft hatte. In der Nacht ordnete ich meine Angelegenheiten; ich ſchrieb an die Herzogin und an den Marſchall von Olonne. Die Briefe ſollten ihnen aber erſt zugeſtellt werden, wenn ich unterläge. Ich machte eine Art von Teſtament, um einigen alten Dienern meines Vaters, die ich in Forez zurückge⸗ laſſen hatte, eine ſorgenfreie Zukunft zu ſichern. Der Gedanke, daß ich die Herzogin rächen, den Tod finden, und von ihr beweint werden würde, beruhigte mich einigermaßen. Ich wehrte die Rührung, die mich übermannen wollte, von mir ab, ich drängte die re⸗ ligiöſen Gefühle, die mit mir aufgewachſen waren, zurück. Ich verſchloß mein Ohr den Grundſätzen, die wider meinen Willen aus der Tiefe meiner Seele ihre ernſte Stimme erhoben. Um 8 Uhr begab ich mich zu dem Herzog von C.— er ſchlief noch. Ich mußte warten.— Unruhig ging ich in dem Vorſaal auf und ab. Mein Blut kochte. Endlich wurde ich vorgelaſſen. Der Herzog von C. ſchien erſtaunt, mich zu ſehen. Ich komme, mein Herr, ſagte ich, um Sie wegen der Beleidigung, die Sie mir zugefügt, und wegen der Verläumdung, die Sie über die Frau Herzogin von Nevers ausgeſprochen haven, zur Rede zu ſtellen. Sie können unmöglich glauben, daß ich eine ſo grobe Beleidigung ertragen werde, und Sie ——— find es ſich ſelbſt ſchuldig, mir Genugthuung zu ge⸗ ben.— Mit Vergnügen würde ich es thun, ſagge der Herzog. Sie wiſſen, daß ich dergleichen Einla⸗ dungen nicht gerne abſchlage, aber unglücklicher Weiſe iſt mir es in dem vorliegenden Falle unmöglich.— Unmöglich? rief ich aus, das möchte ich ſehen! Nicht ungeſtraft ſollen Sie die Tugend verläumden, nicht ungeſtraft eines Engels Reinheit und Unſchuld verlä⸗ ſtern.— Was das Verläumden anbetrifft, antwor⸗ tete der Herzog lachend, ſo werden Sie mir er⸗ lauben, daß ich die Sache nicht ſo ernſt nehme; ich habe geglaubt, Sie wären der Anbeter der Frau v. Nevers, ich glaube es noch, ich habe es geſagt, aber ich ſehe in dem Allen eben keine Beleidigung für Sie. Man giebt Ihnen die liebenswürdigſte Frau von Paris zur Geliebten, und Sie werden darüber böſe. Tauſend Andere, und ich vor Allen, wünſch⸗ ten an Ihrer Stelle zu ſeyn.— Ich, mein Herr, aber würde erröthen, wenn ich an der Ihrigen wäre. Die Frau von Nevers iſt rein, tugendhaft und flek⸗ kenlos; ein Betragen, wie Sie mir es angedichtet haben, wäre das eines Niederträchtigen, und ich ver⸗ lange Genugthuung wegen Ihrer unziemlichen Re⸗ den.— Ich rede, wie mir es gefällt, ſagte der Her⸗ zog, und werde über Sie, und ſelbſt über Frau von Nevers denken, was mir beliebt. Sie aber mögen Ihr Liebesglück abläugnen, und das iſt ſogar recht ſchön von Ihnen, obgleich es mit der heutigen Sitte nicht eben übereinſtimmt. Was dagegen unſern Zweikampf anlangt, ſo gebe ich Ihnen mein Ehren⸗ wort, daß ich dazu eben ſo große Luſt fühle, wie Sie, aber Sie wiſſen ſelbſt, es geht nicht, Sie ſind nicht von Adel, Sie haben in der Welt keinen Rang; ich wuͤrde mich lächerlich machen, wenn ich Ihrem Verlangen nachgeben wollte. So mächtig iſt das Vorurtheil; es thut mir unendlich leid. Sie können überzeugt ſeyn, daß ich Sie hochachte, und daß es mir ein Vergnügen geweſen ſeyn würde, mich mit Ihnen zu ſchlagen. Sie erbleichen, ich beklage Sie aufrichtig, Sie ſind ein Mann von Ehre. Seyn Sie überzeugt, daß ich dieſes grauſame Herkommen ver⸗ abſcheue; ich finde es ungerecht, ich finde es abge⸗ ſchmackt, ja, ich würde mein Blut darum geben, wenn es mir exlaubt wäre, mich mit Ihnen zu ſchlagen.— Großer Gott! rief ich, ich glaubte ſchon alle Wi⸗ derwärtigkeiten des Lebens erduldet zu haben.— Eduard, ſagte der Herzog, der immer mehr von meiner Lage gerührt zu ſeyn ſchien: Sehen Sie nicht in mir, Ihrem Freund, Ihren Feind. Laſſen ſich denn nicht einige unüberlegte Aeußerungen wie⸗ der ausgleichen? Niemals, erwiederte ich. Verwei⸗ gern Sie mir die von Ihnen verlangte Genug⸗ thuung?— Ich muß, antwortete er. Wohlan, ent⸗ gegnete ich, Sie ſind eine Memme, denn gemeine Feigheit iſt es, einen Mann von Ehre zu beleidigen, und ihm die Gelegenheit zur Rache zu verweigern.— Wie ein Wüthender, ſtürzte ich aus dem Haufe des Herzogs von C. Ich durchrannte gleich einem Wahnſinnigen die Straßen. Meine eigenen Gedan⸗ ken waren mir ein Gräuel, die Furien der Hölle ſchienen ſich an meine Ferſe zu hängen. Das von mir verſchuldete Uebel war durch nichts wieder gut zu machen, und Rache wurde mir verſagt. Auch GN A 5 hier verfolgte mich wieder das grauſame Verhäugniß der geſellſchaftlichen Formen, welches mich überall im Leben verfolgt hatte. In jedem belebten und unbelebten Gegenſtande, der ſich meinen Augen dar⸗ bot, glaubte ich Feinde zu erblicken. Ich wurde inne, daß es nur der Tod war, den ich bei dem Herzog von C. geſucht hatte, denn ich hatte noch an nichts gedacht, mich mit nichts beſchäftigt, was über dieſen Beſuch hinauslag. Das Leben ſtellte ſich mir jetzt dar, wie ein unermeßliches, unwirthliches Feld, auf dem ich nicht einen Schritt thun konnte, ohne von Widerwiſ⸗ len und Verzweiflung ergriffen zu werden. Die Laſt meines Daſeyns drückte wie ein bleiernes Gewicht auf meine Schultern. Ein einziger Augenblick, dachte ich, kann dich von dieſer Pein erlöſen, und eine gräßliche, aber unwiderſtehliche Verſuchung riß mich hin nach dem Ufer des Fluſſes. Der Herzog von C. wohnte am aͤußerſten Ende der Vorſtadt St. Germain, in der Gegend des neuen Boulevards. Den fürchterlichen Gedanken Raum ge⸗ bend, rannte ich durch die Straße du Bao, und wurde bei jedem Schritte geſtoßen, und von der Menſchenmaſſe, welche ſich in dieſer volkreichen Ge⸗ gend zuſammendrängt, aufgehalten. Recht widrig war mir der Anblick aller dieſer, ruhig ihren Ge⸗ ſchäften nachgehenden Menſchen. Die menſchliche Natur empört ſich gegen das Alleinſtehen. Mitge⸗ fühl iſt ihr Bedürfniß. Der Anblick eines andern Menſchen, eines, uns ähnlichen Weſens, welches an⸗ theillos bei unſern Schmerzen bleibt, verletzt unſer Gefühl für fremdes Leid, jenes heilige Gefühl, wel⸗ ches die gütige Vorſehung in die Seele des Menſchen gepflanzt hat, welches von dieſem aber erſtickt, und durch Selbſtſucht erſetzt wird. Dieſes bittere Gefühl vermehrte noch meine Reizbarkeit; man könnte be⸗ haupten, daß die Verzweiflung ſich durch ſich ſelbſt vermehrt; die meinige hatte den Gipfel erreicht, als ich plätzlich den Wagen der Herzogin auf mich zu⸗ kommend, zu erblicken glaubte. Ich erkannte ſchon aus der Ferne ihre Pferde und ihre Leute, und noch einmal wurde mein Herz durch eine andere Empfin⸗ dung, als die des Schmerzes, bewegt, denn ich hoffte, daß die Geliebte an mir vorüberfahren würde. Der Wagen hielt jedoch zehn Schritte von mir an, und fuhr dann in den Hof des kleinen Nonnenkloſters Mariä Heimſuchung. Ich glaubte, daß die Herzogin dort die Meſſe hören wollte, und es ſtieg ſogleich der Gedanke in mir auf, ihr zu folgen, mit ihr zu beten, für ſie zu beten, Gott um Kraft für uns Beide zu bit⸗ ten, Barmherzigkeit und Hülfe von der Quelle alles Heils zu erflehen, aus welcher uns noch dann Troſt ent⸗ gegen quillt, wenn nichts mehr auf der Welt uns Troſt gewähren kann. Die Gegenwart dieſes Engels ſchlug alſo meine Verzweiflung in Feſſeln, bewahrte mich vor dem Verbrechen, welches ich auf dem Wege war zu vollbringen, und rettete mich von ſchmähligem Verderben.. In einem dunkeln Winkel dieſer kleinen Kirche warf ich mich auf die Knie, und flehte mit Inbrunſt zu Gott, die Theure zu ſchützen, zu tröſten, zu ſeg⸗ nen, welche ich ſo heiß, ſo innig liebte. Sie war in einer vergitterten Tribune, und ſo meinen Blicken verborgen; ich dachte aber, vielleicht betet ſie jetzt für ihren unglücklichen Freund, vielleich beſeelt uns .* noch einmal ein gleiches Gefühl. Himmliſcher Va⸗ ter! rief ich aus, mögen unſere Gebete ſich bei Dir verbinden, wie unſere Seelen ſich einſt bei dir ver⸗ einen werden. Nur ſo und nicht anders werden wir vereint ſeyn, denn Du haſt nicht gewollt, daß wir es hinieden waren, doch in Deinem Himmel wirſt Du uns nicht trennen. O laß, gütiger Gott, ſie nicht das Opfer meiner Thorheit werden, dann will ich ja gern Alles dulden und tragen. Laß ihre Verläum⸗ der zu Schanden werden. Ich bin, ſo ſagt man, nicht würdig ſie zu rächen. Immerhin, was liegt an meinem Leben, was an allen Uebrigem, wenn ſie glücklich und gerechtfertigt daſteht! 8 Ich bin allein ſchuldig; hätte ich auf die warnende Stimme meiner Pflicht gehört, ſo wär ihr ſchönes Leben nie getrübt worden. Jetzt gilt es, den Muth zu haben, ihr die Ehre zurück zu geben, um welche ich ſie brachte. Ich muß fort, ohne Zaudern, fort von hier.— In dieſer Kirche fand ich, ſo ſchien es, eine neue, mir unbekannte Kraft; und die Reue, ſtatt mich in Troſtloſigkeit zu ſtürzen, erzeugte in mir ein recht lebendiges Verlangen, meine Fehler abzubü⸗ ßen, und durch Selbſtaufopferung den Frieden der Seele, dies erſte Bedürfniß des menſchlichen Herzens, wieder zu gewinnen. Ich gelobte mir ſogar, noch ſel⸗ bigen Tages abzureiſen, konnte aber doch gleich dar⸗ auf nicht die Hoffnung zurückdrängen, daß ich die Herzogin beim Einſteigen in den Wagen noch ein⸗ mal ſehen würde. Ich ging hinaus. Zu ſpät! der Wagen war fort. Indem ich das Kloſter verließ, begegnete mir ein junger Mann, den ich fruͤher ei⸗ nige Mal geſehen hatte. Er war kürzlich aus Ame⸗ „. rica zurückgekehrt, und ſprach mit mir über dieſen Welttheil. America! dieſes einzige Wort, hatte mich beſtimmt; es war ja mir Alles ſo gleichgültig! Ich entſchloß mich, noch denſelben Abend abzureiſen. Es iſt Krieg in America, dachte ich, ich werde Soldat; ich werde die Feinde meines Vaterlandes bekämpfen. Meines Vaterlandes! Ach dies Gefühl war für mich ſo bitter, wie alle die anderen. Mein Vaterland ſtößt mich aus, wie ein enterbtes Kind, und achtet mich nicht würdig, es zu vertheidigen. Mag es! Mein Blut ſoll für daſſelbe fließen; und wenn einſt meine Aſche in fremder Erde ruht, wird meine Seele die umſchweben, welche ich ewig lieben werde. Engel meines Lebens! für dich nur ſchlug mein Herz, für dich auch werde ich den letzten Athemzug verhauchen. Ich kehrte zuruͤck in das Hotel d'Olonne, wie ein zum Tode Verdammter, deſſen Urtheil aber erſt nach einiger Zeit vollzogen werden ſoll. Ich hatte mich in mein Schickſal ergeben; der Gedanke, daß ich durch meine Entfernung den Ruf und die Ruhe der Herzogin wieder herſtellte, hatte mich einigermaaßen beruhigt. Ich opferte mich doch wenigſtens Einmal ganz für ſie auf. Der alte Kammerdiener der Frau von Nevers kam auf mein Zimmer, und eröffnete mir, daß ſeine Gebieterin mit ihrer greundin, der Frau von C., im Kloſter Mariä Heimſuchung geblieben wäre, und daß Beide erſt am andern Morgen zurückkehren würden. Auf dieſe Weiſe verlor ich auch meine letzte Hoff⸗ nung, ſie noch einmal zu ſehen. Ich beſchloß, ihr zu * A NN 59 3 ·* ſchreiben, und bevor ich ſie auf immer verließ, ihr zu erklären, welche Gründe mein Betragen beſtimmt hätten, beſonders ihr die Gefühle zu ſchildern, die mein Herz zerriſſen. Es glückte mir nur zu gut; der Brief war in meinen Thränen gebadet. Warum aber, dachte ich, ſollſt du ihren Schmerz noch ver⸗ mehren, haſt du ihr nicht ſchon Leid genug zugefügt? Und dennoch muß ich mir es verſagen, ihr noch ein⸗ mal, zum letztenmale zu verſichern, daß ich ſie an⸗ bete! Ich hoffte es, ihr jeden Tag meines Lebens ſagen zu können: ſie wollte es, ſie hielt es für mög⸗ lich! Ich verſuchte weiter zu ſchreiben, und einen Theil meiner Empfindungen zu verbergen, es gelang mir aber nicht. So verſchloſſen das Herz iſt, wenn man nicht liebt, ſo unmöglich iſt's, der Angebeteten et⸗ was zu verbergen; die Leidenſchaft zerreißt alle Hül⸗ len. Ich übergab meinen Brief dem alten Kammer⸗ diener der Frau von Nevers. Er nahm ihn und Thränen entſtroͤmten ſeinen Augen. Dieſe ſtille Theil⸗ nahme that mir wohl; eine andere hätte ich nicht ertragen können. Ich beſtellte mir mit einbrechender Nacht Poſtpferde, und ſchloß mich in mein Zimmer ein. Wie ſchmerzlich war mir nicht der Abſchied von dem Bilde der Frau von Nevers, welches ich zurück⸗ Jaſſen mußte! Ich küßte die kalte Leinwand, ich lehnte meinen Kopf an das liebe Bild; alles Ver⸗ gangene, alle meine Erinnerungen, alle meine Hoff⸗ nungen, Alles ſchien da vereinigt, und ich fühlte nicht die Kraft in mir, die Banden zu zerreißen, welche mich an daſſelbe feſſelten; ich griff an mein eignes Le⸗ ben, indem ich unſere Verbindungen zerriß; ſterben war gleichbedeutend mit Verzichten auf das, wodurch ich allein nur lebte. Man klopfte an meine Thür— . 60 1 WrwrMen* * Alles war beendet. Ich warf mich in eine poſt⸗ Chaiſe, und fuhr ohne Aufenthalt nach Lorient, wo ich am andern Morgen das Fahrzeug beſties, pe ſhes uns Beide hierher gebracht hat. Beſchlufß. Es wurde mir ſchwer, Eduard's Abſicht zu ehren, und mein Wort, mit dem ich ihm verſprochen hatte, ihn nicht im Laufe dieſes Tages aufzuſuchen, zu hal⸗ ten. Selten erkennt die Freundſchaft ihre Unzuläng⸗ lichkeit, ſie wähnt tröſten zu können, und weiß nicht, daß der Unglückliche, den ſie liebend umfaßt und deſ⸗ ſen Leid ſie mitfühlt, nur ein des Gefühls und des Lebens beraubtes Schattenbild iſt.— Jedoch berei⸗ tete ich dem Freunde Einen Troſt: ich konnte mit ihm von der Herzogin von Nevers ſprechen, ich kannte ſie und wußte, wie ſehr d die Liebe verdiente, welche ſie in ſeinem Herzen entzündet hatte. Die Nacht verbrachte ich im Nachdenken über Eduard's Schickſal, über das Verhängniß, deſſen Opfer er ge⸗ worden, uͤber das wunderliche Weſen der geſellſchaft⸗ lichen Rangordnung, uͤber dieſes nicht in der menſch⸗ lichen Natur begründete und doch von Menſchen er⸗ ſchaffene Unglück. Ich ſann auf Mittel, der Lage meines unglcklichen Freundes abzuhelfen, und muß geſiehen⸗ daß ſich mir kein wirkjames darbot. Am andern Morgen ging ich, es war noch friih. auf Eduard's Zimmer, fand es aber verlaſſen. Auf aUDUTr 6 1 dem Tiſche bemerkte ich einige, ſo eben aus Frank⸗ reich angekommene Zeitungen. Niemand hatte Eduard ausgehen ſehen. Da ich wußte, daß dieſen Morgen noch das engliſche Lager angegriffen werden ſollte, ſo befiel mich eine quälende Unruhe. Ich ließ mir ein Pferd vorführen und ritt, wenn gleich ich noch ſchwach war, eiligſt der Armee nach. Als ich ſie erreichte, kam ich zu einer heftigen Canonnade, welche man un⸗ terhielt, um den Feind aus einer, für ihn ſehr vor⸗ theilhaften und ungemein feſten Stellung zu vertrei⸗ ben. Ich ſah Eduard in den vorderſten Reihen, ich eilte hinzu und ſah ihn, mit Wunden bedeckt, fallen. Ich fing ihn in meinen Armen auf, ſein Blut floß in Strömen; ich wollte es zu ſtillen verſuchen, er aber widerſetzte ſich. Laſſen Sie mich ſterben, ſagte er, und beweinen Sie mich nicht. Das Maaß iſt voll, das Leben iſt mir verhaßt, ich habe Alles ver⸗ loren, der Tod kommt zu ſpät.— Er verſchjed.— Sein Haupt ſank auf meine Schulter, ich fing ſeinen letzten Athemzug auf. In einer Troſtloſigkeit, deren ich mich nicht mehr fähig geglaubt hatte, kehrte ich zurück. Die Zeitungen enthielten nachſtehenden Artikel: „Geſtern, den 26. Auguſt, um 11 Uhr Morgens, fand in der Kirche und dem Sprengel Saint Sul⸗ pice das Leichenbegängniß der Erlauchten Frau Louiſe Abelaide Henriette Natalie von Olonne, Wittwe des Erlauchten Herzogs von Nevers, Prin⸗ zen von Chatillon, Marquis von Souvigny ꝛc. ꝛc. ſtatt. Sie ſtarb in Ihrem Hotel, Straße Bour⸗ bon, in Folge einer abzehrenden Krankheit. Nach Beendigung der Feierlichkeiten ſetzte ſich der Zug AWTNN auf dem Wege nach der Provinz Limouſin hin, in Bewegung, allwo die Frau Herzogin von Nevers beigeſetzt zu werden gewünſcht hat. Man führt die hohe Leiche nach der Herrſchaft Faverange, Amt*** Militär⸗Diſtrikt**r, wo dieſelbe in dem Familiengewölbe, welches ſich daſelbſt in der Kirche und Abtei befindet, ruhen wird.“ Gegen das Ende deſſelben Jahres geſtattete mir der Frieden nach Frankreich zurückzukehren; ich nahm den entſeelten Körper meines unglücklichen Freun⸗ des mit mir. Auf mein Nachſuchen erhielt ich von dem Herrn Marſchall von Olonne die Erlaubniß, die theueren Ueberreſte in dem Gewölbe beiſetzen zu dür⸗ fen, welches ſeines Ich's andere Hälfte umſchließt. Als die beiden Särge zuſammen ſtanden, fühlte ich Erleichterung meines Schmerzes. Der Marſchall hatte ſich von Hof und Welt zu⸗ rückgezogen, und lebte bis an das Ende ſeiner Tage, die er der einſichtsvollſten Wohlthätigkeit widmete, im Schloſſe Faverange. Obwohl ſein Leben lang und ſcheinbar ruhig geweſen, ſo blieb doch tiefe Trauer in ſeiner Seele zurück, und oft ſagte er: ich habe mich getäuſcht, als ich glaubte, es gäbe im Leben zwei Wege, glücklich zu ſeyn. En de. — Empfehlungswerthe Schriſten fuͤr Privat⸗ und Leihbibliotheken. Adelma, die Fuͤrſtenbuhlerin. 2 Bde. 1 thlr. 16 gr. Albine, Saint, der Schauſpieler. 2 Thle.. 18 gr. Almanzo, der wahre Menſchenfreund. Mit 1 Kupfer von D. Chodowiecki. 1 thlr. Andre, Ch. K., Merkwürdigkeiten der Natur, Kunſt und des Menſchenlebens, für alle Leſer. 2 Thle. 8. 1 1 thlr. 12 gr. Anekdoten, Charakterzüge und Aktenſtücke aus Bona⸗ parte's Leben. 2 Bdchn. 8. 1 thlr. 12 gr. Arnold, J. F. K. Amalie Balbi. Wiederſehen der Geliebten nach dem Tode. Eine pſychologiſche Er⸗ ſcheinung aus dem Gebiete der Geiſterſeherei, ge⸗ nau und wahr. 8. 1 thlr. Auguſti, C., Conradin und Inna, oder das Leben der erſten Liebe. 18 gr. Begebenheiten, kleine, und Charakterzüge aus dem franz. preußiſchen Kriege. 1r Bd. 18— 38 Heft, 2r Bd. 1s8 u. 28 Heft, broch. 8. 2 thlr. 12 gr. Blaſtus Luſtig und der verliebte Magiſter, von Mars und Raban. Aus dem Franz. von Krug. 2 Bdchn. 8.. 1 thlr. 16 gr. Bonaparte, Luzian, geheime Denkwürdigkeiten. 2 Bde. gr. 8... 1 thlr. 8 gr. Bubling, die Heldin Griechenlands unſerer Zeit. 2. Bde. Mit Kpfrn. Vom Verfaſſer des Rinal⸗ dini.. 2 thlr. 8 gr. Chargenverkauf, der, ein Luſtſpiel. 4 gr. Denkwürdigkeiten aus dem öffentlichen Leben von Fouché, Herzog von Otranto ꝛc. nach der 2ten Ausgabe.— 16 gr. Deſſalines, Tyrann der Schwarzen und Mörder der Weißen auf St. Domingo. Ein Gemälde politi⸗ ſcher Ungeheuer.„ 3 16 gr. Die drei Flämmchen, oder die Gründung des Klo⸗ ſters Rheinhardsbrunn, von E. Schorch. broch. 6 gr. Edmund Olivier. 2 Bde. Mit 1 Kpf. 1 thlr 20 gr. Familie Gronau oder die Reiſe noch dem Jahrmarkte. 8.. 3. 1 thlr. 16 gr. Ferdinand und Caroline, oder Wiedererſcheinung meiner betrogenen Mädchen. 8. 4 1 Feyerabend, C. B. Allgemeine Weltgeſchichte Kinder. 3 Thle. Mit 3 Kupfern. Neue wohl⸗ 8 gr. für feile Ausgabe, in Pappe geb. 2 thlr. Fluch der Geburt, oder Ueberreſte der geſetzlichen Roheit. 3 Bde. Mit 1 Kpfr. 1 thlr. 12 gr. Fouqus, Friedr. de la Motte. Der Refugié oder Heimath und Fremde. Ein Roman aus der neue⸗ ren Zeit. 3 Bde. 8. broch. 5 thlr. Friedericke, die dreifache Schauſpielerin und unglück⸗ lich durch Glaube, Hoffnung und Liebe. Eine wahre Geiſtergeſchichte aus dem Nachlaſſe des unglückli⸗ chen Konigsſohns von⸗* in— 1 thlr. Galetti, J. G. H. Geſchichte von Spanien und Portugall, nebſt einer Schilderung des gegenwär⸗ tigen Zuſtandes dieſer Reiche und ihrer Bewohner. 3 Bde. Neue wohlfeile Ausgabe. gr. 8. 1 thlr. 16 gr. Garnerin's, B., Reiſen über die Erde, gezeichnet und geſchrieben fürs große Publikum. 16 gr. Gerhard, Wilhelm, Spaziergang über die Alpen, Reiſegeſchenk für Freunde und Freundinnen ſchöner Natur. Mit 6 Schweizerlandſchaften. 8. Mit lithographirtem Umſchlag. 1 thlr. 8 gr. Gourgoud, Feldzug von 1815..18 gr. Harlekins Wiedergeburt. Ein Spiel luſtiger Intri⸗ gue von H. Schorch. 1. 16 gr. Hennings, Carl, Kindespflicht und Liebe. Trauer⸗ ſpiel in 5 Aufzügen nach Corneilles le Cid bear⸗ beitet. 3 8 gr. — die Hofleute in 5 Aufzügen. 12 gr. Jakobi, D. J. A., Leben der Mutter Gottes. Mit deren Portrait. gr. 8. A 1 thlr. Jasmin und Granatblüthen, gepflückt in Caſtiliens Geſilden, und meiner Charis in Deutſchland ge⸗ widmet. 2 Bdchn.. 3 thlr. Sapanne, Raegate die neue Prophetin in England. Ein Gemälde des Myſtizismus aus unſern Tagen. den Memoiren des Herzogs von*ringham — 1 2 7 und den Ritualen des neu erſtandenen Ordens Jeſu Chriſti. Roman aus jetzigen Zeiten. 2 Theile. Neue Auflage. 2 thlr. 16 gr. Jonas, Bruder, der Mennonit, herausgegeben vom Verfaſſer der privatiſtrenden Fürſten. 2 Bände. n 4 thlr. 16 gr. Jungfrau, die, von London. 2 Thle. 1 thlr 16 ge. Kamjaſchott's, J. B., Wanderungen durch Syrien, Aegypten und einen Theil Arabiens. Nach ſeinem Tagebuch und den Bemerkungen anderer claſſiſchen Reiſebeſchreiber, bearbeitet. 3 Bde. 2 thlr. 12 gr. Kantoſchkin, der ſchreckliche Muttermörder von St. Petersburg. Eine Criminalgeſchichte, aus ſeinen Unterſuchungsakten biographiſch bearbeitet. St. Petersburg und Moskau. 18 gr. Karl, und Henriette von Thalheim, eine Familienge⸗ ſchichte. 8. 9 gr. Karoline Millifiora, oder die Schrecken des gelben Fiebers auf Mallaga. Eine wahre Geſchichte, aus dem Originale frei überſetzt. 1 thlr. Kathinka, die unglückliche Fürſtentochter von*— I—. Nebſt der Biographie meiner fürſtlichen Mutter. 2 Bde. 1 1 thlr. 16 gr. Kind, das, der Liebe und des Glücks. Mit 1 Ku⸗ pfer und 1 Vignette von Roßmäßler und Böttcher. 2 Thle... a thlr. Kind, das, meiner Frau. Roman in Caſanvva's Geſchmack. Nach dem Franz. von Krug. 2 Bde. 8. broch.. 2 thlr. Kotzebue's jüngſte Schickſale, ſeine vermeintliche Ver⸗ haftung und Transportation, von einem Augen⸗ zeugen in einer Reihe vertrauter Briefe erzählt. Aus dem Ital. 16 gr. — der Flüchtling nach Paris. Aus dem Franz. 2 Thle. 1 thlr. 16 gr. Kriegs⸗ und Siegs⸗Romane. 2 Thle.(r Theil enthält das ſeltene Nachtquartier im Nonnenklo⸗ ſter; 2r Theil enthält den verliebten Offizier). e 2 thlr. Kuh, die ſilberne, vom Verfaſſer des ſilbernen Kal⸗ bes ꝛc. 3 Bde. 3 thlr. 8 gr. Lebensdiſſonanzen. 20 gr. Leben der Grafin Valeria von ½**. Eine merkwür⸗ dige Avanturiere aus Ungarn. Aus ihrem Nach⸗ laſſe bei ihrer Entweichung aus dem Urſulinerklo⸗ ſter zu Erfurt. 3 Thle. 2 thlr. 20 gr. Leben, Leiden und Schickſale des unbekannten Philo⸗ „ſophen Saint Martin. Stifter des Ordens der wohlthätigen Ritter vom neuen Jeruſalem. Aus dem franz. Manuſcripte ſeines Tagebuches ausge⸗ zogen. 3 Thle. 2 thlr. 12 gr. Leben und Schickſale des General Miranda, Be⸗ freier des mittägigen Amerika vom ſpaniſchen Joche⸗ . 3 20 gr. Leiden des jungen Motz. Vom Verfaſſer des ſilber⸗ nen Kalbes. 3 Bde. 1 thlr. 22 gr. Liebſchaften, ſpaniſche und franzöſiſche. 8. 18 gr. Löwenthal, Franz von, oder Familien⸗Narrheiten. 8. 6 gr. Marſilui, das heilige Mädchen aus Theben, oder Arasmeno der weiſe Seher. Ein Blatt aus den Zeiten der Myſterien. 1 tblr. 4 gr. Memoiren des General Rapp. 2 Bdchn. 1 thlr. 8 gr. Memoiren des Grafen von U. St— bg. 2 Bde.. — 2 thlr. 8 gr. Moreau's Reiſe durch Frankreich und Amerika. Aus dem Franz. 16 gr. Nonne, die, am Anfange des 19ten Jahrhunderts, „oder das Paradies in der Wüſte. Ein Seitenſtück zu Schad's Mönchen am Ende des 28ſten Jahr⸗ hunderts. 3 1 thlr. 4 gr. Oſimandias. 2 Bde. Mit 1 Kupfer. 1 thlr. 12 gr. Pallaſt, der, des Scaurus, oder Beſchreibung eines römiſchen Stadthauſes.— Bruchſtücke einer Reiſe nach Rom, gegen das Ende der Republick, von Merovir, einem Sueviſchen Königsſohne. Aus dem Franz. überſetzt und mit Anmerkungen begleitet, von Karl und Ernſt Wüſtemann. 1 thlr. 12 gr. Paradies, das, der Liebe. Ein Kloſterroman, her⸗ ausgegeben von J. B. Schad, Doctor der Philoſo⸗ phie in Jena, ehemaliger Mönch zu Kloſter Banz. 2 Bochn. 2 thlr. 16 gr. Pater Damian und die ſchöne Chriſtel. Ein Kloſter⸗ roman. t thlr. 10 gr. Paul, Jean, Clavis Fichtianz seu Leibgeberiana- Anhang zum erſten komiſchen Anhang des Titans. 3 18 gr. —— das Kampaner Thal, oder die Unſterblichkeit der Seele; nebſt einer Erklärung der Holzſchnitte unter den zehn Geboten des Katechismus. 1 Jöle. gr. Pierre, Jean die Geburtsſtunden der Hölle. Mit 1 Kupfer von Schule. 18 gr. Reichard's maleriſche Reiſe durch einen großen Theil der Schweiz, vor und nach der Revolution. gr. 8. mit 56 Kupfern. 9 thlr. Reiſen unter Sonne, Mond und Sternen. Ein bio⸗ graphiſches Gemälde von Jury. 2 Bde. 2 thlr. Reiſen und Abentheuer durch einen Theil Deutſch⸗ lands, die Schweiz, IJtalien nach Griechenland. Meine Dienſte als Militair unter den Neu⸗Grie⸗ chen, meine Gefangenſchaft und Schickſale unter den Türken ꝛc. In den Jahren 1821 und 1822 von Albano. 2 Bde. Mit 1 Kpfr. 8. 2 thlr. 16 gr. Romantiſche Erinnerung aus dem Leben. 3 Bde. 1 thlr 12 gr. Sagen, thüringiſche, und Volksmährchen. Vom Ver⸗ faſſer der Saalnixe. 2 Bde. 8. 1 thlr. 14 gr. Sammlung vorzüglich edler und ſchöner Handlungen, zur Bildung des Herzens in der Jugend. 6 Bde. Neue Auflage. 8. 2 thlr. 19 gr. Schier, die Fiſcher. 18 gr. — Johannes Huß. 1 thlr. 8 gr. — Eichenblätter. 20 gr. Schickſale der vermeinten Gräfin Julie von Or⸗ tenburg. Ihre Verfolgung, Einkerkerung, Au⸗ fenthaft und Qualen uuter den Nonnen, und Tage des Schreckens unter den franzöſiſchen Soldaten. 3 Bdchn. 3 3 thlr. Schickſale in Syrien. 1 thlr. Schule, die, der Liebe. Mit 1 Kupfer und 1 Vig⸗ nette von Jury. 1 thlr. Schwan, der ſilberne. Ein humoriſtiſcher Roman. Antipode des Titans. 2 Bde. 1 thlr. 16 gr. Schweſtern, die, des Thalbundes, oder der Sieg der Entſagung. Eine Urkunde des Herzens von Bru⸗ der Robert. 1 thlr. Spielparthien, kleine, der Dame Phantaſie. Arran⸗ girt vom Verfaſſer der romantiſchen Erinnerun⸗ gen. 8. 1 thlr. 4 gr. Stacheln zum Kranze der neuen Menſchheit. 3 Bdchn., 3 thlr. 8 gr. Tauſend und eine Tollheit. Mit 1 Kpfr. 1 thlr. 4 gr Ton, der, der großen Welt. Ein Luſtſpiel von Col⸗ mann. Aus dem Engliſchen. 5 gr. Vater, der treuherzige. Eine Poſſe. 8. 4 gr. Verworfenheiten, die, eines Menſchenlebens. Dar⸗ geſtellt in dem Leben und Schickſalen des zum Tode verurtheilt geweſenen Unteroffiziers Mohr, aus deſſen Akten und Selbſtbekenntniſſen gezogen. Ein Spiegel der Lehre und Warnung für ſeine Zeitge⸗ noſſen. Mit deſſen Bild. 8 gr. Weib, das unglückliche. Ein Roman vom Verfaſſer des ſilbernen Kalbes. 2 Bde. 1 thlr. 20 gr. Wetterſtrand, Bernhard Gottlieb, Graf Eugenius, ein Schauſpiel in 5 Aufzügen. 12 gr. Wetterſtrand, der Töchter Hochzeit. Luſtſpiel in 5 Akten. 8. 12 gr. Wettſtreit der Großmuth. 2 Bde. 10 gr. Wer vorſtehende 142 Bände, welche im Laden⸗ preis 127 thlr. 12 gr. koſten, zuſammen nimmt, er⸗ hält dieſelben von jeder guten Buchhandlung für 50 thlr. ſächſ. —— — GWwrrwr e Erfurt, gedruckt in der Knick'ſchen Buchdruckerei. Vrrrr A RNMW NMM gMRBU ANWMWWWWVWWDWMNAWWTN