Leihbiblivthe deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von S f Ednard Ottmann in Gießten, Schloßgaſſe Lit. A. Rr. 256. cleih und Feſebedingungen. 1 offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für nochentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 MW. 5 Pf Pf. 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurü der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt 6. Schadenersatz. 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Dann verbrachte ich die Nacht mit der Or⸗ ganiſirung unſerer Vertheidigungsmittel. Es handelte ſich nicht mehr um die Rettung Roms; ſobald eine Armee von 40000 Mann, im Beſiz von 36 Belagerungsgeſchüzen, ihre Schanzarbeiten machen kann, ſo iſt die Einnahme der Stadt nur noch eine Frage der Zeit. Sie muß früher vder ſpäter fallen; die ein⸗ zige Hoffnung die ihr bleibt, iſt daß ſie ruhm⸗ reich falle. Ich verlegte noch am ſelben Abend mein Hauptquartier ins Caſinv Savvorelli, das über den Wällen ſteht, die Porta San Pancrazio be⸗ herrſcht und bei ſeiner Nähe einen Ueberblick über 4 Alles geſtattet was in Vascello, in der Villa Corſini und in der Villa Valentini vorgeht. Ich war allerdings nur einen halben Büch⸗ ſenſchuß von den franzöſiſchen Plänklern entfernt; aber wer Nichts wagt gewinnt Nichts. Ich beauftragte einen braven Kärrner mir Arbeiter zu holen und für all die kleinen An⸗ nehmlichkeiten zu ſorgen deren meine Leute wäh⸗ rend ihrer Anſtrengungen bedürfen konnten: ein Glas Wein, Branntwein und dergleichen; es war ein wackerer Patriot der ſeine Vaterlands⸗ liebe ſpäter ſchwer büßen mußte; er führte den Spiznamen Ciceruaechio, aber ſein eigentlicher Name war Angelo Brunetti. Er wollte nie einen Sou annehmen, weder für ſeine Arbeiten noch für ſeine Lieferungen. Es gibt Menſchen in der Welt denen Gott eine größere Gabe von Perfectibilität in die Seele haucht. In ruhigen Tagen arbeiten ſie für die Erleichterung oder Belehrung der Menſchheit, und ſie bemühen ſich den Gang des Fortſchrittes leicht zu machen. Dann nennen ſie ſich Gut⸗ tenberg, Vincenz von Paula, Galilei, Vico, Rouſ⸗ ſeau, Volta, Filangieri, Franklin. In Zeiten des Unglücks ſieht man ſie plötz⸗ lich ſich erheben, die Maſſen leiten und ſich mit Feſtigkeit dem Stoß der widrigen Schickſale aus⸗ ſezen. Dann bezeichnet die Dankbarkeit der Welt ſie mit den Namen Arnold von Brescia, Sa⸗ vonarola, Cvla di Rienzo, Maſaniello, Joſeph von Riſi und Ciceruaechiv. ——„ c— —— S n—— S— — c2 — ir n⸗ ein s⸗ en her der ott ele die eit, tes ut⸗ mit us⸗ elt Sa⸗ eph 5 5 Dieſe Männer werden immer arm geboren, aus dem Volke, aus der Claſſe die in den Un⸗ glücksepochen ſtets zum Leiden bevorrechtet iſt; aber im Seufzen finnt ſie nach, im Träumen hofft ſie, im Leiden arbeitet ſie. Angelo Brunetti war, wie ſchon geſagt, einer dieſer Auserwählten; Nichts hat ihm zur Weihe der empfangenen Sendung gefehlt, nicht einmal das Märtirerthum. Während der Belagerung Roms war er die lebendige Fahne des Volkes; beklatſcht, aufge⸗ ſucht, wie eine Autorität empfangen unter ſeinen Genoſſen, war er der wahre Primus inter pares. Aber troz ſeiner Triumphe blieb er immer gleich beſcheiden, lebte wie er ſtets gelebt hatte; offen, bieder, ehrlich, verdankte er ſeinen Wohlſtand ſeiner Arbeit, die Liebe ſeiner Mitbürger ſeiner freundlichen Rechtſchaffenheit und die Achtung des Papſtes ſelbſt, dem er an den Tagen der Aufſtände große Dienſte leiſtete, ſeinem Mitleid gegen die Mächtigen, einer der ſeltenſten Tugen⸗ den bei den Schwachen, wenn ſie berufen ſind die Stelle der Starken einzunehmen. Er war 1802 zu Rom im Ripaltaviertel ge⸗ boren. Da er groß, dick und rothbackig war, ſo nannte ſeine Mutter in ſeiner Kindheit ihn Ciceruaechio, was im Patvis des römiſchen Vol⸗ tes blühend, von Geſundheit ſtrozend heißt. Als er heranwuchs, entwickelte ſich die vom Kinde verſprochene Kraft bei dem Manne. Dieß war der Titel welchen Brunetti am häufigſten 6 im Munde führte. Er hatte, als ich ihn 1849 kennen lernte, einen ganzen blonden Bart der grau zu werden anfing, lange Lockenhaare, einen dicken kurzen Hals, eine breite Bruſt, einen hohen Wuchs und eine feſte Haltung. Nie ging ein Unglücklicher der zu ihm kam und die Hand hin⸗ hielt unbeſchenkt von dannen. Dagegen ſah man ſeinen Namen niemals auf jenen Subſcriptions⸗ liſten die weit mehr zur Verherrlichung der Sub⸗ ſeribenten als zur Erleichterung der Hilfsbedürfti⸗ gen beſtimmt ſind. Bei den in Rom ſo häufigen Ueberſchwem⸗ mungen der Tiber war er immer der Erſte der einen Kahn nahm um ſeinen von den Fluthen in Gefangenſchaft gehaltenen Landsleuten Lebens⸗ mittel und Worte des Troſtes zu bringen. Der brave Mann liebte mich ungemein; wenn ich Arbeiter für die Genieoffiziere haben mußte, ſo brauchte ich ihm bloß ein Zeichen zu geben, dann kam er mit zwei⸗, drei⸗, vierhundert Mann; ich gab ihm Bons auf das Miniſterium, aber er zog nie einen einzigen davon ein. Als ich Rom ver⸗ ließ, folgte er mir mit ſeinen zwei Kindern, lan⸗ dete mit mir nebſt Ugo Baſſi in Meſola, dann aber nahm er mit ſeinen beiden Söhnen eine Richtung die der meinigen entgegengeſezt war. Wenn die Zeit kommt, werde ich ſein doppel⸗ tes Märtirerthum als Vater und als Bürger er⸗ zählen. Ich habe zwei⸗ oder dreimal unſern Caplan Ugo Baſſi genannt; widmen wir auch ihm ei⸗ — er en en in n⸗ in S⸗ 7 nige Seiten. Sie ſind an ihrem Plaz am Abend nach einer nächtlichen Schlacht die ſeiner ſanften Menſchenliebe ſo ſchwere Arbeit gegeben Für unſere Verwundeten war Ugo Baſſi, jung, ſchön, beredt, in Wahrheit der Engel des Todes. Er beſaß zu gleicher Zeit die Naivetät eines Kindes, den Glauben eines Märtirers, die Wiſ⸗ ſenſchaft eines Gelehrten, den ruhigen Muth ei⸗ nes Helden. Er war in Cento geboren; ſein Vater war ein Bologneſe, zur Mutter aber hatte er, wie Andreas Chenier, eine Griechin. Sein Taufname war Joſeph, aber als er Barnabit wurde, hatte er den Namen Ugo angenommen, ohne Zweifel zur Erinnerung an unſern patriotiſchen Dichter Ugo Foscolv. Er war alſo aus lateiniſchem und helleniſchem Geſchlecht, gehörte ſomit den zwei ſchönſten und intelligenteſten Stämmen der Welt zugleich an. Er hatte braune, natürlich gelockte Haare, Augen ſo leuchtend wie die Sonne, bald ruhig bald blizend, einen lächelnden Mund, einen weißen langen Hals, flinke, kräftige Glieder, ein Herz das für Ruhm und Gefahr flammte, ſanfte, ehr⸗ ſame Inſtinete, einen hohen Geiſt, warm und raſch, zugleich zu den frommen Betrachtungen des Ein⸗ ſiedlers und dem unwiderſtehlichen Feuereifer des Apoſtolats geſchaffen. Seine Studien waren keine Arbeit, ſondern eine Eroberung; er errang im Sturmſchritt die 8 Literatur, die Wiſſenſchaft, die Künſte, und als den Spiegel aller Wiſſenſchaft kannte er Dantes ganze Dichtung auswendig. Sechs Monate ge⸗ nügten ihm um griechiſch zu lernen. Lateiniſch ſprach er wie ſeine Mutterſprache und er machte Verſe in der Art der horaziſchen. Engliſch und franzöſiſch ſchrieb er mit größter Leichtigkeit, und wenn die Ereigniſſe ihn mitten ins Feuer und ins Schlachtengetümmel führten, trug er beſtän⸗ dig Shakespeare und Byron bei ſich; der eng⸗ liſche Tragiker und der Dichter der bei Miſſo⸗ lunghi ſtarb, hörten die patriotiſchen Pulsſchläge ſeines Herzens. Ueberdieß war er Maler und Mufiker. Wie ich an den Papſt Pius IX. geglaubt hatte, ſo glaubte auch Ugo Baſſi an ihn. Pius IX. folgte auf Gregor XVI.; Pius IX. gab die Amneſtie; Pius X. verſprach Reformen, Pius IX. wurde von den Italienern zum Him⸗ mel erhoben, von den Ausländern bewundert, von den andern Fürſten Italiens nachgeahmt. Am 25. März 1848 ging der Kreuzzug von Rom aus, die Vorzeichen ſchienen alle die Einig⸗ werdung Italiens zu verkündigen. Sein Marſch war ein beſtändiger Triumph; aus den fernſten Gefilden ſtrömte der harte latei⸗ niſche Stamm herbei; er holte und überbrachte die glückliche Nachricht daß Italien am Tag der Wiederauferſtehung angelangt ſei, und daß ſein Volk mit der zugleich von Schweiß und Blut triefenden Stirne endlich frei werden ſolle. 4₰ —— ——— = ————— —„— c+—— — c— ——„—„ 8 S — 8 4 9 Ugo Baſſi hielt Faſtenpredigten in Ancona; die erſte Legion der Freiwilligen kam dort an, Ugo haranguirte ſie auf dem Marktplaz und nahm den ſchlechten Zuſtand ihrer Waffen und Kleider zum Text um mit ſeinem mächtigen Wort ihr Elend zu idealiſiren, das unſere Feinde zur Ziel⸗ ſcheibe ihres Spottes machten. Zwei Tage nachher ſchloß er ſich dem Kreuz⸗ zuge an und marſchirte als zweiter Caplan der römiſchen Freiwilligen mit. Baſſi und Gavazzi, ſein Freund, waren die Vorſehung der Armee. Nicht bloß trieb ſeine Beredſamkeit die Italiener zur Liebe für Italien und zur Hingebung für dasſelbe, ſondern ſie ent⸗ lockte auch den widerſpenſtigſten Claſſen zahlreiche und bedeutende Opferſpenden. In Bologna that er Wunder; die Reichen verſchenkten Tauſende, die Frauen gaben ihr Geſchmeide, ihre Ohrge⸗ hänge, ihre Ringe hin. Ein junges Mädchen das Nichts zu ſchenken hatte ſchnitt ihr prächtiges Haar ab und bot es ihm. Er hatte allen unſern Kämpfen angewohnt, war überall dabei geweſen wo es galt Hingebung zu zeigen, in Curcida, in Treviſo, in Venedig. Als barmherzige Schweſter, als Apoſtel, als unerſchrockener Soldat, zeigte er beſonders im Ge⸗ fecht von Treviſo, wo ſein Freund und Lands⸗ mann, der General Giudotti ſtarb, alle Tugenden ſeines Herzens. Eine Kugel verſtümmelte ihm den Arm und machte ihm eine große Wunde in die 10 Bruſt. Noch blaß und leidend von der ſchmerz⸗ lichen Bleſſur, ſah man ihn beim Gefecht von Meſtre mit einer Fahne in der Hand zuerſt und ohne Waffen zum Sturm auf den Palaſt Bian⸗ chini heranſchreiten. Baſſi begleitete die italieniſche Legion auf allen ihren Zügen; ſein mächtiges Wort bezau⸗ berte die Bevölkerungen, und hätte Gott damals für die Leiden Italiens das Ziel feſtgeſezt, ſo würde die Stimme Baſſi's gleich der des heiligen Bernhard die Völker auf die Schlachtfelder fortge⸗ riſſen haben. Wenn Italien jemals zur Einheit gelangt, ſo möge Gott ihm das Wort eines Ugo Baſſi wieder geben. Als Rom gefallen war, als Nichts mehr übrig blieb als Verbannung, Hun⸗ ger und Elend, da beſann ſich Ugo keinen Au⸗ genblick mich zu begleiten, ich empfing ihn in meiner Barke zu Ceſenatico, und er theilte mit mir das lezte Lächeln des Schickſals, ſein Ab⸗ ſchiedslächeln. In dieſer Barke, die ich ſelbſt ruderte, befan⸗ den ſich Anita, Ugo Baſſi, Ciceruaechiv und ſeine beiden Söhne. Alle ſind todt, und auf welche Art geſtorben! Ihr heiligen Todten! Ich werde euer Märtirerthum erzählen. Der Name Ugo Baſſi wird am Tag der Rache das Loſungswort der Italiener ſein. Aber ich habe mich weit von meinem Ziele hinweg fortreißen laſſen. Kehren wir zur Belagerung Roms zurück. — 11 I. Die Belagerung. (Fortſezung.) In der Nacht vom 4. Juni, während unſere Gegner einen Scheinangriff auf die Porta San Pancrazio machten, wurde der Laufgraben drei⸗ hundert Meter von dem Plaz eröffnet und zwei Belagerungsbatterien errichtet, die eine hundert Meter rückwärts um die Parallele der Baſtei Nro. 6 zu beſtreichen, die andere rechts von der Parallele um der römiſchen Batterie von Te⸗ ſtaccio und Alexis die Front zu bieten. Die Pa⸗ rallele lehnte ſich rechts an unangreifbare Höhen, links an die Villa Panfili. Schon mit Tagesanbruch hatte ich Manara rufen laſſen und ihn gebeten ſeinem Titel als Oberſt der Berſaglieri zu entſagen und als Ge⸗ neralſtabschef bei mir einzutreten. Ich wußte daß ich da ein großes Opfer von ihm verlangte, aber Manara eignete ſich beſſer als jeder An⸗ dere zu dieſer Stelle. Er war von exemplari⸗ ſcher Tapferkeit und von ſeltener Seelenruhe mitten in der Gefahr, er beſaß einen ſichern Blick im Kampfe und hatte ſeine Berſaglieri zu den beſtdisciplinirten Truppen der Armee gemacht; er ſprach vier Sprachen; endlich hatte auch ſeine äußere Erſcheinung die Würde die ſich für hohe Grade geziemt. Er nahm an. 12 Der Reſt meines Generalſtabs beſtand aus den Majoren Cenni und Bueno, aus den Capi⸗ tänen Carvni und David, aus zwei vortrefflichen franzöſiſchen Offizieren, Namens Pilhes und La⸗ viron, dem Capitän Cecvaddi, der ſich während ſeiner Dienſte in Spanien und Africa das ſpa⸗ niſche Kreuz und den Orden der Ehrenlegivn erworben hatte, aus Siſeo und Stagnetti, wel⸗ cher leztere bei Paleſtrina die Emigranten ange⸗ führt, dem Cavallerielieutenant Gili, dem Curier Gianiruzzi und endlich einem Kammermitglied, dem Capitän Ceſſi. Manara organiſirte zuerſt den Generalſtab im Innern; Alles wollte bei mir auf der Villa Savorelli bleiben; wir hatten die Ausſicht auf das offene Feld und Nichts konnte unſern Blicken entgehen. Allerdings war die Zerſtreuung nicht ohne ihre Gefahren. Da man wußte daß die Villa Savorelli mein Hauptquartier war, ſo wurde ſie unaufhörlich aus Kanonen, Haubizen und Flinten beſchoſſen; beſonders wenn ich, um beſſer zu ſehen, ein kleines Belvedere beſtieg welches das ganze Haus beherrſchte, da wurde die Sache intereſ⸗ ſant; es war ein wahrer Kugelregen und ich habe nie einen Sturm mit ſolchem Ziſchen und Pfeifen gehört; das von den Kanonenkugeln er⸗ ſchütterte Haus zitterte wie bei einem Erdbeben; um den franzöſiſchen Artilleriſten und Schüzen dieſe Arbeit zu geben, ließ ich mir oft das Früh⸗ ſtück auf das Belvedere bringen, das keinen an⸗ 13 dern Schuz hatte als eine kleine hölzerne Bruſt⸗ wehr; dann bekam ich, das verſichere ich, eine Muſik bei welcher ich die vom Regiment nicht vermißte. Noch ſchlimmer war es als irgend ein Spaß⸗ macher vom Generalſtab ſich den Wiz erlaubte auf den Blizableiter über der kleinen Terraſſe eine Fahne zu ſtecken worauf mit großen Lettern die Worte ſtanden: — Guten Morgen, Cardinal Oudinot! Am vierten oder fünften Tag wo ich den franzöſiſchen Schüzen und Artilleriſten dieſe Zer⸗ ſtreuung bereitete, beſuchte mich der General Avan⸗ zana, und da er die Salonfenſter nicht hoch genug fand, fragte er mich ob ich nicht einen höhern Ort hätte von wo er in die Ebene hinabſehen könnte. Ich führte ihn auf mein Belvedere. Ohne Zweifel wollten die Franzoſen ihm eine Ehre erweiſen; denn kaum waren wir da, ſo begann die Muſik von Neuem. Der General betrachtete in aller Ruhe die feindlichen Vorpoſten und ging wieder hinab ohne ein Wort zu ſagen. Am folgenden Tag fand ich mein Belvedere mit Erdſäcken geblendet. Ich fragte wer dieß befohlen habe. — Der Kriegsminiſter, lautete die Antwort. Einem Befehl des Kriegsminiſters konnte man nicht zuwiderhandeln. Dieſe Wuth der franzöſiſchen Artilleriſten 14 mein armes Hauptquartier mit Kugeln aller Art zu beſtreichen führte manchmal ergözliche Scenen herbei. Eines Tages, es war, glaube ich, am 6. oder 7. Juni, kommt mein Freund Vecchi, der zugleich mithandelnde Perſon und Geſchichtſchreiber bei dem Drama war das wir aufführten, zur Zeit des Mittageſſens zu mir; da ich Leute hatte, ſo hatte ich mir ein Eſſen in einem blechernen Ein⸗ ſaz aus Rom ſchicken laſſen. Ich ſah daß der Anblick unſerer Herrlichkeiten für Vecchi etwas Verlockendes hatte, und lud ihn daher zum Mahle ein; der General Avanzana und Conſtantin Rita waren dabei. Wir ſezten uns auf den Boden im Garten; die Kanonenkugeln erſchütterten das Haus dermaßen daß man, um an einem Tiſch zu eſſen, einen jener Apparate gebraucht hätte wie man ſie auf den Schiffen bei heftigen Stür⸗ men anwendet. Mitten im Mahle fiel eine Bombe einen Meter von uns; Alles ſprang auf und lief davon; Vecchi wollte es eben ſo machen, aber ich hielt ihn beim Fauſtgelenke zurück. Er * war Mitglied der Verſammlung. —— Verſammelter Vater, ſagte ich, bleib auf deinem euruliſchen Stuhle. Die Bombe plazte ſo wie ich mir's wohl ge⸗ dacht hatte, d. h. auf der entgegengeſezten Seite von uns. Wir kamen mit einigem Staub da⸗ von womit wir und unſer Mahl bedeckt wurden. Veechi hatte wohl daran gethan meine Ein⸗ ladung anzunehmen; wir dinirten nicht alle Tage; 15 manchmal blieb der Küchenjunge vom Reſtau⸗ rant, voll Angſt über das Getöſe aus den fran⸗ zöſiſchen Mörſern, über das Schießen der Jäger von Vincennes und beſonders über die Leichname an die er ſtieß, unterwegs ſtehen und wagte ſich nicht weiter vor; dann bemächtigte ſich der Nächſte Beſte unſeres Mahles und ließ es ſich munden. Eines Tags bereitete mir einer unſerer Soldaten Namens Caſa Nova Morgens drei Uhr eine Schüſſel voll Maccaroni; ſeit acht und vierzig Stunden hatte ich von einer Taſſe Cafe und von zwei oder drei Flaſchen Bier gelebt. Im Uebrigen ſtießen die Abenteuer der er⸗ wähnten Art immer nur Vecchi zu. Ein andermal, als er mir ſeit zwei Tagen ſeinen Bericht zu erſtatten hatte,— er war bei der vorgerückten Wache am Weinberg Caſtabili, ſo nannte man eines der Luſthäuschen die wir in der Nähe der Villa Corſini hatten— traf er mich bei Tiſche; dießmal hatten die Herrn Artilleriſten die Güte gehabt mir ein wenig Ruhe zu gönnen; vor mir dampfte ein äußerſt appetit⸗ licher Riſotto; ich machte Vecchi Plaz neben mir und lud ihn ein mitzuhalten. Aber als er ſich eben ſezen wollte, hielt Ma⸗ nara ihn auf. — Laß es bleiben, Veechi, ſagte er zu ihm; ſchon drei Tage hintereinander ſind die vom Ge⸗ neral zu Tiſch geladenen Offiziere getbdtet wor⸗ 16 den ohne daß man ihnen Zeit zur Verdauung gönnte. Und in der That waren David, Roſas und Panuggi unter den von Manara angegebenen Umſtänden gefallen; aber der liebliche Geruch des Riſotto war mächtiger als die Drohung Manara's. — Ei nun, ſagte Vecchi, das ſtimmt vor⸗ trefflich mit einer Prophezeiung über mich zu⸗ ſammen — Wie lautet ſie? fragte Manara. — In meiner Kindheit hat mir eine Zigeu⸗ nerin mein Horoſcop geſtellt; ſie brachte heraus daß ich ſechs und dreißig Jahre alt und ſehr reich in Rom ſterben würde. Im Jahr 1838, auf einer Fußreiſe die ich von Neapel nach Sa⸗ lerno machte, ganz in der Nähe von Sarnv, lief ich auf einem Baumwollenfeld einer achtzehnjäh⸗ rigen Zigeunerin nach, die ich durchaus auf ihre ſchönen Augen küſſen wollte. Sie wehrte ſich mit ihrem Meſſer, ich ſezte der Offenſivwaffe eine de⸗ fenſive entgegen, nämlich einen blanken neuen Thaler; ſie nahm den Thaler, faßte mich bei der Hand, und erklärte mir daß ich ſechs und dreißig Jahre akt und ſehr reich in Rom ſterben würde. Ich ſtehe in meinem ſechs und dreißigſten Jahr. Ohne ſehr reich zu ſein, bin ich doch viel zu reich für einen Mann der bald ſterben muß, aber ich bin Fataliſt wie ein Muhamedaner. Geben Sie mir Riſotto, General. Wir lachten über Veechis Geſchichte, aber Manara blieb ernſthaft und ſagte: lich nicht er un nig e ſagte den ben! G fiziere gegen nach zend wohi ich w geſchl ihn z ſchreck Bein, vier: Mana 6 ung und nen des wr⸗ 17 — Es iſt gleich, Verchi, ich werde nicht ru⸗ hig ſein bis der heutige Tag vorüber iſt. Dann wandte er ſich zu mir und ſagte: — Um Gottes willen, General, ſchicken Sie ihn heute nirgends hin. Dieß war ihm eben recht, denn er war ſchreck⸗ lich müde, weil er in den zwei lezten Nächten nicht geſchlafen hatte, und nach dem Mahle bat er um Erlaubniß ſich zurückzuziehen um ein we⸗ nig auszuruhen. — Leg dich auf mein Bett, wenn du wilſſt, ſagte Manara, ob er nun im Ernſt ſprach oder den Scherz fortſezte; ich will bei Gott nicht ha⸗ ben daß du ausgehſt. Eine Stunde nachher, als ich franzöſiſche Of⸗ fiziere Schanzkörbe in dem offenen Laufgraben gegenüber unſerer Baſtei aufſtellen ſah, ſuchte ich nach einem Offizier um das Feuer von einem Du⸗ zend Schüzen gegen ſie zu dirigiren; ich weiß nicht wohin ich all meine Leute verſchickt hatte, aber ich war allein. Ich dachte an den armen Vecchi, der mit geſchloſſenen Fäuſten ſchlief; es that mir Leid ihn zu wecken, aber die Kugeln richteten eine ſchreckliche Verwüſtung an; ich zupfte ihn beim Bein, er ſchlug die Augen auf. — Heda, ſagte ich zu ihm, du ſchläfſt jezt ſchon vier und zwanzig Stunden; die Prophezeiung Manara's iſt nicht mehr zu fürchten; nimm ein Garibalbi. II. 2 18 Duzend von den beſten Schüzen und kizele mir dieſe Burſche da ein wenig. Veechi, der ſehr tapfer iſt, ließ ſich nicht am Ohr zupfen; er nahm zwölf Berſaglieri, die als Liebhaber bei dieſer Waffe ſtanden, und legte ſich nebſt ihnen hinter einer mit Schanzkörben ver⸗ ſehenen Barricade, die ein Fen Namens Parzio mit Hilfe von Sapeuren errich⸗ tete, in den Hinterhalt. Von da begann er ein ſo mörderiſches Feuer auf die Franzoſen daß ſie auf ſeine oder viel⸗ mehr ſeiner Berſaglieri Kugeln mit Kanonen ant⸗ worteten. Eine halbe Stunde nachher ſagte man zu mir: — Wiſſen Sie's ſchon, General? der arme Veechi iſt todt. Dieß gab mir einen Stich ins Herz; ich war die Urſache ſeines Todes und machte mir Vor⸗ würfe darüber; aber nach einer Stunde ſah ich ihn zu meiner großen Freude zurückkommen. — Ha bei Gott, rief ich ihm entgegen, laß dich umarmen, ich glaubte dich todt. — Ich war bloß begraben, antwortete er. — Wie ſo? Nun erzählte er mir, eine Kanonenkugel habe einen Erdſack aufgeriſſen, der ſich über ihn aus⸗ gegoſſen und durch ſeine Entleerung die andern um ihr Gleichgewicht gebracht habe, ſo daß ſie zu zehn oder zwölf über ſeinen Kopf gefallen ſeien und ihn buchſtäblich begraben haben. Aber es hatte ſich Etwas zugetragen was dra weſ gra zerſ ihn ſein auft hau als ihn dat nach Seit ich r tenant errich⸗ Feuer viel⸗ nant⸗ umir: arme h war Vor⸗ ah ich . n, laß er lhabe 1aus⸗ andern aß ſie efallen was 19 dramatiſcher war als ſelbſt der Tod Vecchi's ge⸗ weſen wäre. Dieſelbe Kanonenkugel die ihn be⸗ graben, hatte an der Mauer angeſchlagen und im Rückprall einem jungen Soldaten die Lenden zerſchmettert. Der junge Soldat hatte, als man ihn auf eine Tragbahre gelegt, die Arme über ſeiner Bruſt gekreuzt, die Augen zum Himmel aufgeſchlagen und ſeinen lezten Seußzer ausge⸗ haucht. Man wollte ihn eben ins Lazareth tragen, als ein Offizier ſich auf den Leichnam ſtürzte und ihn mit Küſſen bedeckte. Dieſer Offizier war Parzio, der junge Sol⸗ dat war Colomba Antvnietti, ſeine Frau, die ihn nach Velletri begleitet und am 3. Juni an ſeiner Seite gefochten hatte. Dieß erinneit mich an meine arme Anita, die ebenfalls mitten im Feuer ſo ruhig war, und die ich nothgedrungen in Rieti zurückgelaſſen hatte. Sie war ſchwanger, und nur im Hinblick auf das Kind das ſie unter ihrem Herzen trug, hatte ich ſie beſtimmen können in eine Trennung von mir zu willigen. Am 7. ruhten die Waffen auf beiden Seiten: es war Frohnleichnamstag. Am 9. commandirte ich einen großen Aus⸗ fall um die Franzoſen in ihren vorgerückten Ar⸗ beiten zu unterbrechen, die bereits bis zur zwei⸗ ten Baſtei links gingen; zu dieſem Geſchäft wur⸗ den die Zollſoldaten und ein Bataillon vom 5. Regiment berufen. 20 Die Berſaglieri verſahen in dieſem Augenblick den Dienſt in den Vorwerken links von der Viva Vitellia und lagen als Bewachung in der Baſtei. Der Capitän Rozat, derſelbe den ich aus der Villa Corſini wegtragen geſehen, und der, als er bei mir vorbeikam, gerufen hatte:„General, mich hat's!“ der Capitän Rozat, ſage ich, hatte nur eine matte Kugel bekommen die von einer Rippe abprallte. Obſchon, ehrlich geſtanden, die Quet⸗ ſchung ſtark genug war um ihn im Bette zurück⸗ zuhalten, ſo war er doch ſchon nach zwei Tagen wieder aufgeſtanden und wollte jetzt durchaus das Commando der 4. Compagnie übernehmen, die für die zweite Baſtei beſtimmt war. Als Rozat ſah daß die Bewachung des Lauf⸗ grabens den Angreifern übel mitſpielte, ergriff er einen Carabiner, und da er ein vortrefflicher Schüze war, that er ungefähr fünfzehn Schüſſe, wovon mehr als die Hälfte traf. Die Soldaten luden; er ſchoß. Seine Geſchicklichkeit reizte die Eiferſucht eini⸗ ger Chaſſeurs d'Afrique; ſie begannen ihm Schuß um Schuß heimzugeben. Die erſte Kugel riß ihm den Hut vom Kopfe, aber er ergriff ihn wieder, ſchwang ihn in der Luft und rief: — Es lebe Italien! Aber in demſelben Augenblick flog ihm eine Kugel in den Mund, fuhr durch das Genick hin⸗ aus und erſtickte dieſen Ruf. Am Tag des 10. Juni erhielt ich vom Gene⸗ ral mit ( finde fili 2 zana ich z ſaglie Regi Legio vorül 5 ſagte wie i D gehen beſtim die S über 1— häufig man den S zuziehe keit, i ſich be das ic blick Viva aſtei. der s er mich nur tippe Auet⸗ wück⸗ agen das dis tauf⸗ iff er licher hüſſe, eini⸗ chuß opfe, der eine hin⸗ ene⸗ 21 ral Roſelli die Weiſung einen großen Ausfall mit der halben römiſchen Armee zu unternehmen. Er ſollte von der Porta Cavallegeri aus ſtatt⸗ finden und hatte die Wegnahme der Villa Pam⸗ fili oder Valentini zum Zweck. Demgemäß löste mich der Kriegsminiſter Avan⸗ zana im Commando der Pancraziolinie ab, und ich zog mit der italieniſchen Legion und dem Ber⸗ ſaglieriregiment nach dem Vaticansplaz, wo die Regimenter Bari und Mari ſo wie die polniſche Legion zu dem Operationscorps ſtoßen ſollten. Ich ritt an der Front jedes einzelnen Corps vorüber. Ich rief die Commandanten zum Rapport, ſagte ihnen den Zweck des Unternehmens und wie ich den Angriff verſtehe. Darauf ließ ich die Parole in die Runde gehen, die Munition vertheilen und Alles auf die beſtimmte Stunde in Bereitſchaft ſezen, während die Soldaten zum Mond hinauf ſchauten und über ſeinen langſamen Gang Wize rißen. Da bei ſolchen nächtlichen Expeditivnen ſo häufig Verwechslungen vorkommen bei denen man auf die eigenen Leute ſchießt, ſo befahl ich den Soldaten ihre Hemden über die Uniform an⸗ zuziehen. Dieß Manöver erregte große Heiter⸗ keit, in Folge des erbaulichen Zuſtandes worin ſich bei einigen das innere Kleidungsſtück befand das ich in ein äußeres umſchuf. Abends 10 Uhr öffnete man das Thor, und die polniſche Legion unter Hoffſtetter, der ein vor⸗ 22 treffliches Tagebuch über die Belagerung Roms geſchrieben hat, bildete den Vortrab; nach ihr kam die italieniſche Legion unter dem Oberſten Manara, zuletzt die Berſaglieri ſo wie die Regimenter Bari und Mari. Mari commandirte den Nachtrab. Kaum war ich im Feld, ſo erkannte ich die Zweckwidrigkeit meines Befehls in Betreff der Hemden, denn meine Leute waren ſo ſichtbar wie am hellen Tag; ſie hätten keine hundert Schritte thun können, ſo würden die Franzoſen geglaubt haben daß eine ganze Armee von Geſpenſtern auf ſie zukomme. Ich beſchloß die Hemden wegzunehmen; es verſteht ſich von ſelbſt daß nicht ein einziger Sol⸗ dat ſich die Mühe nahm das ſeinige wieder an⸗ zuziehen. Ich ritt auf der Flanke der italieniſchen Le⸗ gion, als einige Soldaten die eine Leiter trugen im Vorbeigehen bei einer Villa ſich vergewiſſern wollten, ob ſie auch wirklich ſo verlaſſen ſei wie ſie ausſehe; ſie ſtellten ihre Leiter an die Fenſter des erſten Stocks, und das Regiment machte Halt um das Ergebniß der Hausſuchung abzuwarten, während der Vortrab weiter marſchirte. Fünf oder ſechs Mann ſtiegen die Leiter hinan. Auf einmal brach eine Sproſſe unter dem Höchſtſtehenden; er fiel auf den zweiten, dieſer auf den dritten, und ſo ſtürzten alle zuſammen unter furchtbarem Getöſe hinab. doms kam nard, Bari die der wie hritte laubt auf e Sol⸗ an⸗ n Le⸗ rugen iſſern i wie enſter Halt arten, Fünf dem dieſer mmen 23 Bei dieſer Gelegenheit gehen zwei Flinten os. Der Vortrab unter Hoffſtetter und Sacchi, die zu unſern tapferſten Offizieren gehbörten, glaubt ſich von den Franzoſen überrumpelt die er ſelbſt überrumpeln will; er wird von paniſchem Schreck ergriffen, reißt aus, ſo daß Hoffſtetter und Sacchi mit etwa zwanzig Mann allein bleiben, kommt in verzweifeltem Eillauf auf uns zurück und wirft mit ſeinem Anprall Alles zu Boden was ihm in den Weg tritt. Vergebens bemüht ſich Manara ſie aufzuhalten; ich ſelbſt werfe mich mitten unter ſie und ſchlage fluchend mit meiner Gauchopeitſche um mich; Nichts hilft, und ich glaube, all meine Burſche wären nach Rom zurückgerannt, wenn nicht die Berſaglieri, an deren Spize zwei Ba⸗ taillonschefs und der Capitän Ferrari ſtanden, ihre Bajonette gegen die Fliehenden gefällt hätten. Nach dem Lärm den dieſe tolle Geſchichte ge⸗ macht hatte, konnte man nicht mehr annehmen daß die Franzoſen nicht auf ihrer Hut ſein wür⸗ den; man mußte alſo das Unternehmen aufgeben. Ich ſelbſt war es müde auf all dieſe Canaille einzuhauen und ſagte im Heimreiten zu Manara: — Lieber Freund, es war ein großer Fehler daß wir nicht die wackern Berſaglieri an die Spize ſtellten. In Wahrheit waren die Berſaglieri prächtige Leute und Manara konnte mit Recht ſtolz auf ſie 24 ſein; wenn ich eine Abtheilung ſeiner Soldaten von ihm verlangen ließ, ſagte er gewöhnlich: — Wohlan, vierzig Freiwillige zu einer Ex⸗ pedition bei welcher der vierte Theil zu Grunde geht und ein anderes Viertel verwundet wird. Und troz dieſes Programmes trat das ganze Regiment vor, ſo daß man, um keine Eiferſucht zu erregen, lvoſen mußte. Mittags um zwölf arbeitete ein Bataillon vom Regiment Union an einer Contreapproche, an dem Weinberg links von der Via Vitellia, als die Franzoſen ſie zu ſtören ſuchten. Die Majore Lanzi und Panizzi ließen ſogleich die Arbeiter und die Bewachungsmannſchaft zu den Waffen grei⸗ fen und warfen ſich mit unglaublicher Verwegen⸗ heit auf das Parapet der franzöſiſchen Parallele. Sie wurden mit einem furchtbaren Feuer empfan⸗ gen; Panizzi fiel tödtlich verwundet; Peter Landi ſtellte ſich an die Spize ſeiner Bologneſen, theilte aber augenblicklich das Schickſal ſeines Camera⸗ den und fiel mit Wunden am Arm und auf der Bruſt; indeß behaupteten die andern unter dem Offizier Meloni das Terrain noch immer, ſie konnten zwar den Angriff nicht fortſezen, riefen aber aus Leibeskräften: Es lebe Italien! und ermuthigten dadurch ihre Cameraden. Das Regiment Union kämpfte an dieſem Tag mit unglaublicher Tapferkeit; um ihre Zeit nicht mit dem Laden zu verlieren, brauchten ſie bald das Bajonet, bald ſchlugen ſie mit dem Flinten⸗ kolben drein; andere ergriffen, gleich den homeri⸗ ſch ſchl niſ tio die leg der un Aff vor zug rüb ſten unk ten des culi ebe der hat neh geh daten r Ex⸗ runde ird. ganze rſucht aillon roche, a, als Najore er und grei⸗ vegen⸗ allele. npfan⸗ Landi theilte mera⸗ uf der rdem ſit riefen und n Tag nicht bald inten⸗ omeri⸗ 25 ſchen Helden Ajax und Diomed, Pflaſterſteine und ſchleuderten ſie auf ihre Gegner. Die Erbitterung war ſo groß, daß der pol⸗ niſche Capitän Vern, der unter andern Decora⸗ tionen das in Africa erworbene Kreuz der Ehren⸗ legion trug, auf der Barricade vortrat, ſich auf die Bruſt ſchlug und rief: — Hierher, ſchießt hierher auf die Ehren⸗ legion! Eine Kugel flog ihm an den Kopf. — Tiefer, rief er, ſchießet tiefer, ihr Tölpel! Eine zweite Kugel traf ihn; er wurde aus dem Gewühl davongetragen, erholte ſich indeß und ſtarb ſeitdem in Griechenland. Ich ſah von meinem Belvedere aus dieſe Affaire mit an; obſchon kein allzugroßer Freund von Rapporten, wie alle meine Bekannten mir zugeben werden, glaubte ich der Regierung da⸗ rüber berichten zu müſſen. Am 14. Mai Margens, ſo glaube ich wenig⸗ ſtens— ich ſchreibe nämlich ohne alle Notizen und kann mich im Datum täuſchen— frühſtück⸗ ten wir in der Villa Spada, in einem Zimmer des dritten Stocks, mit Sacchi, Bueno und Cv⸗ euli; wir befanden uns alle in Hemdärmeln, und ich war ein wenig bekümmert, denn ich hatte ſo eben einen unſerer Offiziere, einen Neapolitaner, der Nachts in der Angſt ſeinen Poſten verlaſſen hatte, zum Tode verurtheilt. Auf einmal ver⸗ nehmen wir haſtige Tritte im Gang, die Thüre geht auf, ich ſtoße einen Schrei aus; es war 26 Anita, die, begleitet von Origoni, zu mir zurück⸗ kehrte. Als dieſe Herren meine Frau erkannten, zogen ſ. ſchnell ihre Uniformen an und ließen uns allein. Wiſſen Sie auch, General, mit was ſie ſich auf dem Herweg von Carrozze amüſirte? fragte mich Origoni. — Nein. — Sie blieb an der St. Peterskirche in Mon⸗ torio ſtehen und betrachtete die franzöſiſche Bat⸗ terie. Sehen Sie, wir ſind beide mit Staub be⸗ deckt, er ſtammt von den Kugeln die an die Mauer flogen, und als ich zu ihr ſagte:„Kommen Sie doch, es iſt unnöthig ſich tödten zu laſſen“, da antwortete ſie:„Mein Lieber, wie finden Sie daß die Franzoſen für Catholiken die Kirchen zu⸗ richten?“ Meine theure Anita! Ich drückte ſie an mein Herz; es war mir als müſſe jezt Alles nach un⸗ ſeren Wünſchen gehen. Mein guter Engel befand ſich wieder an mei⸗ ner Seite. Ich bedauerte Anita ihre erſte Bitte, nämlich die Begnadigung des neapolitaniſchen Offiziers, nicht gewähren zu können. Aber es war ein Beiſpiel nöthig; ich konnte Medici für ſein herr⸗ liches Verhalten in Vascello nicht belohnen, aber ich mußte dieſen Feigling wegen ſeiner Schänd⸗ lichkeit beſtrafen. Er wurde erſchoſſen. bar rien auf auf Ba mit wel zu nen qua war für Une zuri Vor ſage gen bel, ten es ten. don⸗ Bat⸗ be⸗ auer Sie „da Sie zu⸗ nein un⸗ mei⸗ lich ers, ein err⸗ aber ind⸗ 27 II. Die Ueberrumpelung. Am 13. Juni hatten die Franzoſen ein furcht⸗ bares Bombardement begonnen. Sieben Batte⸗ rien die unaufhörlich Feuer ſpieen, ſchoßen Breſche auf die rechte Face der dritten Baſtei zur Linken, auf die Cvurtine und die linke Face der zweiten Baſtei; die andern beſchäftigten ſich hauptſächlich mit der Villa Spada und der Villa Savorelli, welch leztere uns jeden Augenblick auf die Köpfe zu fallen drohte, ſo daß ich mich am 20 zu mei⸗ nem großen Bedauern genöthigt ſah mein Haupt⸗ quartier in den Palaſt Corfini zu verlegen. Ich konnte jedoch unmöglich dort bleiben: ich war gar zu ſehr von den Mauern entfernt. Ich glaubte indeß ruhig ſein zu können; Tag für Tag angegriffen, warf Medici, den wir den Unermüdlichen nannten, Tag für Tag die Angriffe zurück und behauptete ſein Vascello und ſeine Vorwerke. Ich kann es nicht oft genug zu ſeinem Lobe ſagen daß ich nicht weiß wie ihm das gelun⸗ gen iſt. Am 20. Juni waren drei Breſchen practica⸗ bel, obſchon Manara und ich Alles gethan hat⸗ ten um die Wirkung der Geſchoße zu verhindern. Im Uebrigen freute ich mich auf den Sturm; es waren würdige Gegner die wir vor uns hat⸗ ten. Wir hatten ihnen bereits gezeigt daß die 28 Italiener fechten können, der General Lamoriciere mochte behaupten was er wollte. Ich hoffte ihnen hier zu zeigen was ein Kampf auf Meſſer und Dolch iſt. Am Abend des 21. war das zweite Batail⸗ lon der Union als Wache auf der Baſtei links und mit Vertheidigung der Breſche beauftragt, wie auch zwei Compagnien vom 3. Regiment, die abgelöst werden ſollten. Sie verlängerten indeß ihren Dienſt bis an den Tag um die Ver⸗ theidigung der dritten Baſtei links beſſer zu ſichern. Die 1. und 5. Compagnie Berſaglieri hatte in Vascello Dienſt, die 6. und 7. hatten die Wache in den Laufgräben zur Linken vor dem San Pancraziothor, von wo unſere Schildwachen ſich rechts bis an die Mauern des Caſino und auf einige Schritte von der franzöſiſchen Paral⸗ lele ausdehnten. Dieſer Dienſt war furchtbar gefährlich; er wurde nur bei Nacht verrichtet; kurz vor Tag zog man alle Poſten ein, und die nächtliche Be⸗ wachung kehrte in die Stadt zurück. Der Major Calvandro von den Berſaglieri, ein lombardiſcher Baron, hatte die äußere Be⸗ aufſichtigung dieſer Linie; der Oberſt Roſſi hatte den Dienſt als Rundemajor im Innern. Nach Vertheilung ſämmtlicher Vorpoſten war der Major Baroni eben beſchäftigt den Capitä⸗ nen Stambio und Morandoli ſeine Inſtructionen zu ertheilen, als, gegen 11 Uhr Nachts, ein ge⸗ wiſſ Baf räu ches vor Stu Wa hatt ren gen, kom: derſt bind Frar C quar Corſ treter vom C eben 6 Plaz und iciére hoffte Neſſer tail⸗ links ragt, nent, erten Ver⸗ hern. hatte die dem chen und ral⸗ Tag Be⸗ lieri, Be⸗ atte war itä⸗ nen ge⸗ 29 wiſſes Geräuſch, wie wenn etwas bricht, bei den Baſteien Nr. 2 und 3 ſich hören ließ. Einige Flintenſchüſſe folgten auf das Ge⸗ räuſch und nun verſank alles wieder in nächtli⸗ ches Schweigen. Was war geſchehen? Die Franzoſen waren ganz einfach plözlich vor die Breſche gezogen, nicht wie ein Feind der Sturm läuft, ſondern wie Soldaten die eine Wache ablöſen. Woher waren ſie gekommen? Welchen Weg hatten ſie eingeſchlagen? Man hat es nie erfah⸗ ren können. Viele vermuthen einen Verrath. Die Schildwachen antworteten auf meine Fra⸗ gen, die Franzoſen ſeien aus der Erde hervorge⸗ kommen und hätten ihnen befohlen zu fliehen. In derſelben Nacht fielen, troz kräftigen Wi⸗ derſtandes, die Baſtei Numero 7 und die Ver⸗ bindungscourtine mit der Baſtei Numero 6 den Franzoſen in die Hände. Juſt einen Tag vorher hatte ich mein Haupt⸗ quartier aus der Villa Savorelli in den Palaſt Corſini verlegt. Kaum war das Ereigniß einge⸗ treten, ſo machte mir der Adjutantmajor Delac vom Regiment Union Meldung hievon. Ich geſtehe daß ich ſehr überraſcht war und ebenfalls an Verrath glaubte. Ich ritt mit Manara und Hoffſtetter auf den Plaz, als die Berſaglieri, die ſich ſtets munter und bereitwillig zeigten, bereits auf der Straße verſammelt waren die nach San Paneraziv führt. Die italieniſche Legion, die in Kenntniß ge⸗ ſezt war, folgte mir im Eilmarſch; dann kamen zwei Cohorten des Oberſten Sacchi. Sacchi ſchickte ſogleich eine Compagnie zum Recognosciren fort, aber als ſie an die 2. Ba⸗ ſtei kam, mußte ſie ſich bei der Ueberzahl der Franzoſen in die Caſa Gabrielli zurückziehen. Die Schreckenskunde hatte ſich bereits in der Stadt verbreitet; das Triumvirat, das in Kennt⸗ niß geſezt war, ließ Sturm läuten; bei dieſem Getöſe ſchien jedes Haus ſeine Einwohner aus⸗ zuwerfen, die Straßen füllten ſich im Nu. Der Obergeneral Roſelli, der Kriegsminiſter, der ganze Generalſtab und Mazzini ſelbſt eilten auf den Janieculus. Das Volk umgab uns in Waffen und ver⸗ langte die Franzoſen von den Mauern zu ver⸗ jagen. Roſelli und der Kriegsminiſter waren dafür, aber ich erkärte mich dagegen. Ich fürchtete die Verwirrung die dieſer ganze Menſchenhaufe in unſern Reihen hervorbringen würde, die Unregelmäßigkeit der Bewegungen, die nächtlichen paniſchen Schrecken, die ſo häufig bei Leuten vorkommen welche nicht ans Feuer ge⸗ wöhnt ſind, und, wie wir in der Nacht vom 10. geſehen haben, ſogar bei Leuten die daran ge⸗ wöhnt ſind. raziv ge⸗ men zum Ba⸗ der der nnt⸗ eſem aus⸗ iſter, ilten ver⸗ ver⸗ afür, anze ngen die bei ge⸗ 10. ge⸗ 3¹ Ich beſtand alſo darauf daß man bis zum Morgen warten ſollte. Am Morgen würde man ſehen mit welchem Feind man zu thun habe, und wäre dieſer Feind auch der Verrath. Mit Tagesanbruch war meine ganze Divi⸗ ſion bereit; General Roſelli hatte mir noch einige weitere Regimenter zur Verfügung geſtellt. Die Compagnie der lombardiſchen Studenten, die zur Legion Medici gehörte, bildete den Vortrab. Die Legion Medici ſelbſt hatte Befehl erhal⸗ ten zu uns zu ſtoßen. Die Kanonen der Batterien wurden auf die beſezten Baſteien gerichtet und beſtrichen zu glei⸗ cher Zeit St. Peter in Montorio, die Baſtei Numerv 8 und St. Alexis. Die lombardiſchen Studenten marſchirten zu⸗ erſt zum Sturm; obſchon niedergeſchmettert vom Feuer der Franzoſen, warfen ſie ſich mit dem Bajonet auf die Hauptwache, ſowie auf die Ar⸗ beiter, und zwangen ſie ſich im Caſino Barberini zu concentriren. Die wackern jungen Leute waren bereits auf dem Wallgang des Caſino, aber ich hatte ſo eben erfahren mit welcher Macht wir's zu thun hatten; ich ſah daß ein zweiter 3. Juni mir die Hälfte dieſer Jünglinge rauben würde, die ich wie meine Kinder liebte; ich hatte keine Hoffnung die Franzoſen aus ihrer Stellung zu vertreiben, ich konnte nur eine nuzloſe Schlächterei cvm⸗ mandiren. 32 Rom war verloren, aber erſt nach einer be⸗ wundernswürdigen glänzenden Vertheidigung; der Fall Roms nach einer ſolchen Belagerung war der Sieg der Democratie in ganz Europa. Nun blieb noch die Idee für welche ich vier oder fünf tauſend Vertheidiger die mich kannten, die ich kannte, und die ſich gewiß bei meinem lezten Aufruf einſtellten, aufbewahrte.*) Ich gab Befehl zum Rückzug, indem ich auf 5 Uhr Abends einen neuen Sturm in Ausſicht ſtellte, den ich eben ſo wenig auszuführen ge⸗ dachte als den erſten. Die Studenten hatten ſich herrlich gehalten, ich will nur ein einziges Beiſpiel anführen. Ein Maler, der Mailänder Juduſiv, wurde mit ſie⸗ ben und zwanzig Bajonetſtichen vom Plaze ge⸗ tragen. Bertani rettete ihn und er iſt vollkommen wieder hergeſtellt. Im Uebrigen war für mich, wenigſtens vor⸗ läufig, Alles verloren, nicht von dem Augenblick wo die Franzoſen ſich unſerer Breſchen bemeiſtert hatten, ſondern von dem Augenblick an wo die Partei für die ich focht, die römiſche Republik in der franzöſiſchen Conſtituirenden, überwun⸗ den war. Angenommen ich hätte noch etwa tauſend Tapfern geopfert und die Franzoſen aus ihren *) Der Feldzug von 1859 und die Expedition nach Sizilien beweiſen daß Garibaldi Recht hatte. de ſo pei me wa den kon Ro lan Ror nur gege zwe Rep inſer ſchlo und, leger be⸗ ing; rung opa. vier nten, inem auf ſicht ge⸗ ten, Ein ſie⸗ ge⸗ men vor⸗ blick iſtert o die ublik wun⸗ iſend ihren nach 33 Stellungen verjagt, wie ich ſie am 3. Juni aus der Villa Corſini und Valentini verjagt hatte, ſo wären ſie, wie am3. Juni, mit friſchen Trup⸗ pen zurückgekehrt und hätten ſie wieder genommen. Und dann hatte ich nicht dieſelben Gründe mehr. So lange die Villa Corſini in unſerer Ge⸗ walt war, verhinderte ſie die Annäherungsarbeiten. Aber nachdem leztere einmal ausgeführt, nach⸗ dem die Breſchen einmal geſchoſſen waren, was konnte da die Einnahme Roms noch verhindern? Nichts. Vor der Nachricht von der Flucht Ledru Rollin's und der demoeratiſchen Partei nach Eng⸗ land, war jeder Tag um welchen ich das Daſein Roms friſtete ein Tag der Hoffnung. Nach dieſer Nachricht war jeder Widerſtand nur noch ein Act nuzloſer Verzweiflung. Nun glaubte ich daß die Römer der Welt gegenüber genug gethan hatten um keines Ver⸗ zweiflungskampfes zu bedürfen. Die verbündeten Mächte hatten die römiſche Republik, d. h. die ganze Democratie der Halb⸗ inſel, in die alten Mauern Aurelians einge⸗ ſchloſſen. Wir konnten nur noch den Kreis durchbrechen und, wie Scipio, den Krieg nach Carthago ver⸗ legen. Unſer Carthago war Neapel. Hier, hoffe ich, werden wir, der Despotis⸗ Garibaldi. 1II. 3 34 mus und ich, einander eines Tags wieder ins Auge ſchauen. Gott gebe daß dieſer Tag bald komme! IV. Das Ende. Im Uebrigen waren wir überrumpelt, aber noch nicht beſiegt. Zweihundert Schritte hinter den Mauern er⸗ hebt ſich die alte aurelianiſche Ringmauer; ich befahl ſie ſo gut wie möglich zu befeſtigen; den Gedanken an einen Sturm hatte ich aufgegeben, aber ich wollte nichtsdeſtoweniger das Terrain Schritt für Schritt vertheidigen. Eine Batterie von ſieben Geſchüzen wurde unter die Baſtei Numero 8 geſtellt und durch un⸗ ſere Arbeiten vor dem Feuer der Franzoſen ge⸗ ſchüzt. Sie begann am 23. Morgens zu ſpielen und beſchoß, im Verein mit den Batterien St. Ale⸗ ris und St. Peter in Montorio, die Breſche ſo kräftig, daß die Franzoſen ſich genöthigt ſahen ihre Arbeiten aufzugeben. Die franzöſiſchen Genieoffiziere hatten ſich kaum der Breſche bemächtigt, ſo verſuchten ſie auf den Courtinen 6 und 7 neue Batterien von Kanonen aufzuführen; unſere Aufgabe war dieß zu verhindern. Darum die unglaublichen Anſtrengungen der Franzoſen, darum unſer hartnäckiger Widerſtand. ſe m je Un er zu ber ſon tev auf in klei nov ſtan beſc Gu trün prä eine tirt Vol fluch Tag ins aber ner⸗ ich den eben, rrain vurde un⸗ nge⸗ und Ale⸗ he ſo ſahen ſich n ſie on dieß n der ſtand. 35 In der Nacht vom 23. führten die Franzo⸗ ſen ihre Batterien auf; am Morgen des 24. mußten ſie, niedergeſchmettert von unſern Kano⸗ nen, die Schießſcharten ſchließen. Sie dachten jezt daran neue Batterien auf den Baſteien 6 und 7 zu errichten, von wo ſie die Batterie von St. Peter in Montorio, die von meiner Legion ertheidigt wurde, erreichen konnten. Inzwiſchen ließ General Oudinot, um, wie er in ſeinen Bulletins geſagt hatte, den Cultus zu zeigen den er ſeit dem AM. der monumentalen Stadt gewidmet, auf alle Theile derſelben Bom⸗ ben werfen; er wandte dieſes Schreckmittel be⸗ ſonders bei Nacht an. Viele fielen in das tras⸗ teveriniſche Viertel, viele auf das Capitol, einige auf den Quirinal, auf die Piazza di Spagna, in den Corſo. Eine dieſer Bomben fiel auf den kleinen Tempel worin ſich der Hereules von Ca⸗ nova befindet, aber die Kuppel leiſtete Wider⸗ ſtand; eine andere plazte im Palaſt Spada und beſchädigte die berühmte Freske der Aurora von Guido Reni; eine dritte, noch ruchloſere, zer⸗ trümmerte das Capitäl einer Säule von dem prächtigen kleinen Tempel der männlichen Fortuna, einem Meiſterwerk das die Jahrhunderte reſpec⸗ tirt hatten. Das Triumvirat bot den Familien aus dem Volk deren Häuſer zerſtört wurden eine Zu⸗ fluchtsſtätte in dem Palaſt Corfini an. Die Haltung des römiſchen Volkes in dieſen Tagen der Prüfung war bewundernswürdig. 36 Während bei Nacht die Mütter, vor dem Hagel von Geſchoßen welche die Dächer ihrer Häuſer zertrümmerten, mit den Kindern an der Bruſt entflohen, während die Straßen von Ge⸗ ſchrei und Wehklagen ertönten, ſprach nicht eine einzige Stimme von Uebergabe. Ritten unter all dieſem Geſchrei hörte man von Zeit zu Zeit, wenn eine Kanonen⸗ oder Haubizenkugel ein Stück von einem Haus nie⸗ derwarf, ſpöttiſch rufen: — Segen des Pabſtes! Die vortreffliche Bedienung unſerer Kanonen während der Tage des 25., 26. und 27. Juni brachte die Batterien der Franzoſen auf der Cour⸗ tine und den beſezten Baſteien zum Schweigen; nun aber eröffneten zwei franzöſiſche Batterien, die eine auf der Baſtei Numero 6 und die an⸗ dere außerhalb der Mauern, ihr Feuer gegen unſere Batterien von Santa Sabina und St. Ale⸗ ris. Ueberdieß begannen auch noch zwei andere Batterien, von der Courtine und von der Baſtei Nu⸗ mero 7 her, gegen unſere Batterie von St. Peter in Montorio zu ſpielen. Eine fünfte Breſchenbatterie, die am Fuße der Baſtei Numero 4 ſtand und folglich vor un⸗ ſerm Feuer geſchüzt war, eröffnete das ihre gegen die Flanke der Baſtei Numero 8; eine ſechste Batterie, vor der Pancraziokirche, beſtrich die Baſtei Numero 8 und mein ehemaliges Haupt⸗ quartier, die Villa Savorelli; eine ſiebente Bat⸗ terie endlich, die vor der Villa Corſini aufge⸗ dem hrer der Ge⸗ eine nan oder nie⸗ nen uni ur⸗ en; ien, an⸗ gen Ale⸗ dere Nu⸗ eter uße un⸗ egen hste die upt⸗ Bat⸗ fge⸗ 37 pflanzt war, donnerte zu gleicher Zeit gegen das Pancraziothor, gegen die Villa Savvrelli und gegen die aurelianiſche Mauer. Ich habe nie einen ſolchen Flammenwirbel, einen ſolchen Kartätſchenhagel geſehen. Unſere wenigen Kanonen wurden dadurch ge⸗ wiſſermaßen erſtickt. Und gleichwohl hielten, mehr kann ich zum Lob Medici's nicht ſagen, das Vascello und die Vorwerke noch immer Stand. Die Belagerung des Vascello würde allein einen Geſchichtsſchreiber verdienen. Während des Abends vom 26. ſchienen die franzöſiſchen Batterien einen Augenblick auszu⸗ ruhen und Athem zu ſchöpfen; aber am Tag des 27. begannen ſie mit erneuter Wuth wieder. Rom war der Schauplaz namenloſer Verwü⸗ ſtung. Der Tag vom 27. war furchtbar gewe⸗ ſen; unſere Verluſte waren beinahe denen vom 3. Juni gleichgekommen, die Straßen waren mit Verſtümmelten überſät; die Arbeiter hatten kaum die Schaufel oder Haue in die Hand genommen, ſo wurden ſie bereits von Kanonenkugeln aus⸗ einander geriſſen oder von Kartätſchen niederge⸗ ſchmettert. Alle unſere Artilleriſten, MB. alle ohne Un⸗ terſchied, waren auf ihren Kanonen getödtet wor⸗ den. Der Artilleriedienſt wurde von der Linie verſehen; die ganze Nationalgarde ſtand unter den Waffen; was unerhört iſt, eine Reſerve von Verwundeten verrichtete blutbedeckt den Dienſt. Einen bewundernswürdigen Contraſt bildete die Nationalverſammlung; ſie hatte ſich auf dem Capitol permanent erklärt und berathſchlagte wäh⸗ rend dieſer Zeit ruhig und unerſchüttert unter den Kanonen⸗ und Flintenkugeln. So lange eines unſerer Geſchüze auf ſeiner Achſe blieb, antwortete es; aber am 29. Abends wurde das letzte demontirt. Unſer Feuer erloſch. Die Breſche in der Baſtei Nr. 8 war prac⸗ ticabel. Die Mauer des Paneraziothors und die Ba⸗ ſtei Nr. 9 ſtürzten zuſammen. Die Nacht vom 29. ſank alſo wie ein Leichen⸗ tuch auf Rom herab. Um die Ausbeſſerung un⸗ ſerer Breſchen zu verhindern, donnerte die fran⸗ zöſiſche Artillerie die ganze Nacht. Es war eine furchtbare Nacht. Zum Sturm auf der Erde kam ein Sturm vom Himmel; der Donner krachte, der Bliz kreuzte ſich mit den Bomben, er zündete an zwei oder drei Orten zu⸗ gleich, als ſollte die Stadt Gott geweiht werden. Troz des Apoſteltags hatten beide Armeen ihr Duell auf Tod und Leben fortgeſezt. Da man auch in der Finſterniß noch einen Angriff erwartete, ſo wurde nach Einbruch der Nacht die ganze Stadt illuminirt, alles bis zur großen Kuppel des Vatican. Dieß iſt übrigens eine Gewohnheit in Rom am Abend des St. Peterstags. Wer an dieſem Abend die ewige Stadt be⸗ det ßer ter der zwi Vo Fre Ch der tief dete dem den iner nds rae⸗ Ba⸗ en⸗ un⸗ an⸗ um der den zu⸗ een nen 39 trachtet hätte, der hätte eines jener Schauſpiele geſehen wie ſie dem Blicke des Menſchen nur einmal im Laufe der Jahrhunderte vorkommen. Zu ſeinen Füßen hätte er ein großes Thal voll von Kirchen und Paläſten geſehen, entzwei ge⸗ ſchnitten durch die Krümmungen der Tiber, die ein Phlegethon zu ſein ſchien; zur Linken einen Berg, das Capitol, auf deſſen Thurm die Fahne der Republik im Winde flatterte; zur Rechten die düſtere Silhouette des Monte Mario, wo die Fahnen der Franzoſen und des Papſtes vereint einander entgegenwehten; im Hintergrund die Kuppel Michel Angelo's, die in ſtrahlendem Licht⸗ glanz aus dem nächtlichen Dunkel empor⸗ ragte; ſodann als Rahmen zu dem Gemälde den Janiculus und endlich die ganze Pancraziolinie, leztere ebenfalls beleuchtet, aber durch die Blize der Kanonen und Musketen. Und neben allem dem war noch etwas Grö⸗ ßeres zu ſchauen als der Zuſammenſtoß der Ma⸗ terie, nämlich der Kampf zwiſchen dem guten und dem böſen Princip, zwiſchen dem Herrn und Satan, zwiſchen Ahriman und Ormuz, der Kampf der Volksherrſchaft gegen das göttliche Recht, der Freiheit gegen den Despotismus, der Religion Chriſti gegen die Religion der Päpſte. Um Mitternacht kKärte ſich der Himmel auf, der Donner und die Kanonen verſtummten, und tiefe Stille folgte auf das hölliſche Getöſe. Während vieſer Stille näherten ſich die Fran⸗ zoſen ſchweigſam den Mauern und bemächtigten ſich der lezten Breſche in der Baſtei Nr. 8. Morgens zwei Uhr hörte man drei Kanonen⸗ ſchüſſe die in gleichen Diſtanzen abgefeuert wurden. Die Schildwachen riefen zu den Waffen, die Trompeter blieſen, die Berſaglieri, ſtets bereit, ſtets unermüdlich, zogen zur Villa Spada hinaus und liefen nach dem Paneraziothor, ließen aber zur Bewachung der Villa Spada zwei Reſerve⸗ compagnien zurück; man watete bis an die Kniee im Koth. Ich ſtellte mich mit gezücktem Degen an ihre Spize und ſtimmte die italieniſche Volkshymne an. In dieſem Augenblick hatte ich, ich geſtehe es, in Betreff der Zukunft allen Muth verloren und hegte nur noch einen einzigen Wunſch, näm⸗ lich mich tödten zu laſſen. Ich warf mich mit meinen Leuten auf die Franzoſen. Was weiter geſchah, weiß ich ſelbſt nicht*). *) Man höre wie der Geſchichtſchreiber Veechi, einer der muthigſten Vertheidiger Roms, dieſen Kampf ſchildert: „Wir waren in der Villa Spada eingeſchloſſen, wo wir ein entſetzliches Musketen⸗ und Carabinerfeuer aushalten mußten; wir begannen Mangel an Muni⸗ tion zu leiden, als der General Garibaldi mit einer Colonne von Legionären und etlichen von Pari comman⸗ dirten Soldaten des 6. Linienregiments erſchien, ent⸗ ſchleſſen einen lezten Schlag zu thun, nicht zur Rettung, ſondern zur Ehre Roms. Wir ſchloßen uns unſern Cameraden an und ſtürmten mit Lanzen, Degen und gten nen⸗ den. die reit, aus aber re⸗ niee ihre ean. ſtehe oren läm⸗ f die ſelbſt einer ampf , wo feuer Nuni⸗ einer man⸗ ent⸗ ttung, nſern und 4¹ Zwei Stunden ſchlug ich ohne Unterlaß drein; als der Tag anbrach, war ich mit Blut bedeckt. Ich hatte nicht eine einzige Bleſſur, dies war ein Wunder. Bei dieſer Affaire wurde der Lieutenant Mo⸗ roſini, ein armer Junge non nicht ganz zwanzig Jahren, der ſich wie ein Held ſchlug, getödtet, weil er ſich nicht ergeben wollte. Mitten im blutigen Gewühl erhielt ich eine Botſchaft von der Verſammlung die mich aufs Capitol beſchied. Dieſem Befehl verdanke ich mein Leben, denn ich hätte mich thdten laſſen. Als ich mit Veechi, der ein Mitglied der Con⸗ ſtituirenden war, die Longara hinabging, erfuhr Bajonetten, denn Pulver und Blei hatten wir nicht, auf die Breſche; die Franzoſen waren über dieſen An⸗ prall ſo verblüfft, daß ſie Anfangs zurückwichen; aber bald kamen neue Truppen dazu, und zu gleicher Zeit begann die Artillerie auf uns zu ſpielen und ganze Reihen niederzuſchmettern. Die aurelianiſche Ring⸗ mauer wurde genommen und wieder genommen; man konnte nirgends mehr den Fuß auſſtellen außer auf einem Todten oder Verwundeten. Garibaldi war in dieſer Nacht größer als ich ihn je geſehen hatte, grö⸗ ßer als je ein Menſch ihn geſehen hat. Sein Degen war wie der Bliz; jeder den er traf war ein Kind des Todes; das Blut eines neuen Gegners wuſch das Blut eines ſo eben Gefallenen ab. Er war ein Leonidas an den Thermopylen, ein Ferruccio im Schloſſe von Gavinova. Ich zitterte jeden Augenblick für ſein Leben. Aber er blieb aufrecht wie ein Standbild der Fortuna.“ 42 ich daß mein armer Neger Ayagar ſo eben gefal⸗ len war. Er hielt ein friſches Pferd für mich bereit; eine Kugel war ihm durch den Kopf geflogen. Dieß war ein furchtbarer Schmerz für mich; ich verlor an ihm etwas ganz anderes als einen Diener, ich verlor einen Freund. Mazzini hatte bereits der Verſammlung aus⸗ einandergeſetzt wie wir dran waren. Es bleibe, hatte er geſagt, nur dreierlei übrig. Entweder müſſe man mit den Franzoſen un⸗ terhandeln oder die Stadt von Barricade zu Bar⸗ ricade vertheidigen, oder müſſe alles zuſammen, Verſammlung, Triumvirat und Vertheidiger, von der Stadt ausziehen und das Palladium der rö⸗ miſchen Freiheit mitnehmen. Als ich an der Saalthüre erſchien, erhoben ſich ſämmtliche Deputirten und applaudirten. Ich blickte um mich her und an mir herum, was wohl ihre Begeiſterung ſo geſteigert haben mochte. Ich war mit Blut bedeckt, meine Kleider von Kugeln und Bajonetſtichen durchlöchert: mein Säbel war ſo ſchartig daß er nur noch halb in die Scheide ging. Man rief mir zu: Auf die Tribüne! Auf die Tribüne! Ich ſtieg hinan. Von allen Seiten wurde ich befragt. — Jede Vertheidigung iſt fortan unmöglich, antwor tete ich, wenn wir anders nicht entſchloſſen fal⸗ eit 1. ich; inen aus⸗ rig. un⸗ Bar⸗ men, von rb⸗ oben rum, aben von mein b in f die glich, loſſen ſind ein zweites Saragoſſa aus Rom zu machen. Am 9. Februar habe ich eine Militärdictatur vor⸗ geſchlagen, ſie allein konnte hunderttauſend Be⸗ waffnete auf die Beine ſtellen; die lebendigen Ele⸗ mente waren noch vorhanden; man mußte ſie ſuchen und man würde ſie in einem muthigen Manne gefunden haben. Damals wurde die Kühnheit verworfen, die Kleinmüthigen ſiegten ob; ich konnte den Beweis nicht weiter treiben; ich gab nach, die Beſcheidenheit hielt mich zurück, denn ich fühle es, ich wäre dieſer Mann geweſen. Ich verfündigte mich dadurch gegen das heilige Princip welches der Abgott meines Herzens iſt. Hätte man auf mich gehört, ſo hätte der römiſche Adler von Neuem ſeinen Horſt auf den Thürmen des Capitols gebaut, und mit meinen Tapfern — meine Tapfern verſtehen zu ſterben, das weiß man— hätte ich Italien eine andere Geſtalt ge⸗ geben. Aber das Geſchehene läßt ſich nicht un⸗ geſchehen machen. Betrachten wir unverzagt den Brand den wir nicht mehr bemeiſtern können; verlaſſen wir Rom mit allen bewaffneten Frei⸗ willigen die uns folgen wollen; wo wir ſind, da wird Rom ſein; ich verſpreche nichts, aber Alles was ein Menſch thun kann werde ich thun, und in uns geflüchtet, wird. das Vaterland nicht ſterben“. Aber dieſer Vorſchlag, den ſchon Mazzini ge⸗ macht hatte, wurde verworfen. Selbſt Heinrich Cernuschi, der wackere Cer⸗ nuschi, einer der Helden der fünf Mailänder ——— 44 Tage, der Präſident der römiſchen Barricaden⸗ commiſſion, war dagegen. Er beſtieg die Tribüne nach mir und ſprach mit thränenden Augen und halberſtickter Stimme: — Ihr alle wißt ob ich ein eifriger Verthei⸗ diger des Vaterlandes und des Volkes bin. Nun wohl, ich ſage euch jezt, wir haben den Fran⸗ zoſen kein einziges Hinderniß mehr entgegen zu ſtellen, und Rom und ſein braves Volk— er konnte vor Thränen kaum weiter reden— müſ⸗ ſen ſich in die Beſezung ergeben. Nach kurzer Berathung erließ die Verſamm⸗ lung folgendes Deecret: Die römiſche Republik „Im Namen Gvoites und des Volkes. „Die conſtituirende römiſche Verſammlung gibt eine unmöglich gewordene Vertheidigung auf. Sie bleibt auf ihrem Poſten. „Das Triumvirat iſt mit der Vollziehung des gegenwärtigen Decrets beauftragt“. V Wer mich liebt, der folge mir. Am 2. Juli verſammelte ich die Truppen auf dem Vaticansplaz, trat in ihre Mitte und er⸗ klärte ihnen daß ich Rom verlaſſe um den Auf⸗ ſtand gegen die Oeſterreicher, den König von Neapel und Pius IX. in die Provinzen zu ver⸗ pflanzen. Ich ſchloß mit den Worten: — Wer mir folgen will, wird unter die Mei⸗ nigen aufgenommen. Ich verlange von dieſen nic Si und hier ſo ter von Ron Nier woll Mär zu n ( Tivo trübt meld fig ſeines ſten e faſſen den⸗ rach me: thei⸗ Nun Fran⸗ nzu — er müſ⸗ imm⸗ lung auf. g des . n auf d er⸗ Auf von ver Mei⸗ dieſen 45 nichts als ein Herz voll Liebe zum Vaterland. Sie bekommen keinen Sold, keine Ruhe; Brod und Waſſer wenn ſich zufällig welches vorfindet. Wer mit dieſem Lvos nicht zufrieden iſt, bleibe hier. Iſt das Thor Roms einmal hinter uns, ſo führt jeder Schritt rückwärts zum Tode. Viertaufend Fußgänger und fünfhundert Rei⸗ ter reihten ſich um mich. Es waren zwei Drittel von der ganzen Vertheidigungsmannſchaft die in Rom übrig geblieben war⸗ Anita in Männerkleidern, Ciceruacchiv, der die Niederlage ſeines Vaterlandes nicht mit anſehen wollte, und Ugo Baſſi, der Heilige der nach dem Märtyrerthum ſtrebte, waren die Erſten die ſich zu mir ſtellten. Gegen Abend zogen wir auf dem Wege von Tivoli aus; mein Herz war bis zum Tode be⸗ trübt. Die lezte Nachricht die ich vernommen habe meldete mir den Tod Manara's. 6 Hier hören die Memoiren Garibaldi's vorläu⸗ ig auf. Ich werde ſicher einmal den zweiten Theil ſeines Lebens von ihm erlangen, wie ich den er⸗ ſten erlangt habe. Er wird ſich kurz zuſammen⸗ faſſen laſſen in die Worte: Verbannung und Triumph. A. Dumas. Folgen hier in Betreff der Todien einige De⸗ tails welche der Doctor Bertani für mich abzu⸗ faſſen die Güte hatte. VI. Die Todten.— Lueian Manara. Am 30. Juni 1849, Morgens zwei Uhr, be⸗ gann, wie wir aus den Memoiren des Generals geſehen haben, der Angriff auf die aurelianiſche Ringmauer, unſere zweite Vertheidigungslinie. Manara, der ſeine Plänkler ausgeſtellt hatte, kam gegen drei Uhr Morgens in die Villa Spada zurück. Am Abend vorher war eine Kugel von der Wand abgeprallt und auf ſein Bett gefallen. Er hatte ſeine Lage verändert um ihr Plaz zu machen und dabei lachend geſagt: — Ihr ſeht, ich werde nicht ſo glücklich ſein eine Rize davonzutragen. Als er heim kam, fand er Emil Dandolo ſehr beſorgt um Morvſoni, von dem es hieß er ſei gefangen worden. Sie wußten Beide nichts Beſtimmtes von ihm. In dieſem Augenblick traf eine Ricochetkugel Dandolo in den Arm. — Wahrhaftig, mein armer Junge, ſagte Manara, es ſcheint daß die Kugeln nur für Dich ſind. Dann band er ſeinen Gürtel ab, warf ſeinen Degen hin, nahm ein Gewehr und trat an das pada der . Plaz ſein dolo ß er von kugel ſagte Dich einen das — 47 Fenſter um den franzöſiſchen Soldaten zuzuſehen die eine Kanvne richteten. Im ſelben Augenblick wurde ein Carabiner losgebrannt, die Kugel flog zwiſchen zwei Erd⸗ ſäcken durch und traf ihn in den Bauch, juſt in die Stelle wo ihn ſein Gürtel beſchüzt haben würde, wenn er ihn behalten hätte. Dandolo ſah ihn wanken und eilte, obſchon ſelbſt verwundet, herbei um ihn aufrecht zu halten. — Mit mir iſt es aus, ſagte er fallend zu Dandolo, ich empfehle Dir meine Kinder. Ein Arzt eilte herbei, aber als der Verwun⸗ dete ihn erblaſſen ſah, begriff er daß keine Hoff⸗ nung mehr vorhanden war. Man legte Manara auf eine Tragbahre, und mitten im Feuer trugen ihn ſeine Cameraden nach Santa Maria della Seala. Man ließ mich dem Pilgerlazareth rufen, wo ich mich be⸗ and. Ich eilte hin. Er ſelbſt hatte zu mir gebracht zu werden verlangt; ach wir liebten uns zärtlich. Der Plaz war mit franzöſiſchen Geſchoßen bedeckt; ein junges Frauenzimmer das die Un⸗ vorſichtigkeit begangen hatte durch ein Fenſter zu ſchauen war ſo eben in die Bruſt geſchoſſen wor⸗ den und todt niedergefallen. Einem lombardiſchen Offizier, Namens Va⸗ eenna, wurden beide Beine von einer Kartätſche aber er ſah wohl daß ich keine Hoffnung hatte. 48 zerſchmettert, während er neben mir die Stufen der Kirche hinanſchritt. Er wollte, wie ich, Manara beſuchen. Ein Arzt ritt ſeinerſeits nach der Kirche; eine Granate warf ihn von ſeinem Pferd; einen Au⸗ genblick nachher fiel ſein Pferd, von demſelben Schuß getroffen, auf ihn. 0 ſelbſt kam unverlezt an, Gott führte mich. Im Fond der Kirche, rechts neben der Balu⸗ ſtrade, ſtand ein Bett, umgeben von den Offizie⸗ ren der Legion Manara. Sobald der Verwundete mich erblickte, ſtreckte er die Hand nach mir aus und fragte mit ſchwa⸗ cher Stimme: — Iſt ſie tödtlich? Seine Jugend wies troz des augenſcheinli⸗ chen Beweiſes die Idee des Todes weit von ſich; der Lärm und die Reize des Militärlebens hat⸗ ten ihn die Freuden des Familienlebens noch nicht vergeſſen laſſen. Als er ſah daß ich nicht antwortete, begann er wieder: — Ich frage dich ob meine Wunde tödtlich iſt. Antworte mir. Und ohne meine Antwort abzuwarten, brach er in wehmüthige Klagen aus. Ich ſprach ihm Muth zu, ſo weit dieß ein Menſch thun kann der ſelbſt keinen mehr beſizt; fen eine Au⸗ ben hrte lu⸗ zie⸗ ckte wa⸗ nli⸗ hat⸗ och ann lich rach ein izt; tte. 49 Mehrere Aerzte kamen, aber er nickte ihnen abwehrend zu und ſagte: — Laßt mich in Ruhe ſterben. Sein Puls war beinahe nicht mehr fühlbar; ſeine Extremitäten waren kalt, ſeine Züge ſehr entſtellt; das Blut floß ſtromweiſe aus ſeiner Wunde; er litt ſchrecklich. eine Kameraden fragten mich was ich von ſeinem Zuſtand hielt. — Er hat noch ungefähr eine Stunde zu leben, ſagte ich zu Dandolv. Da neigte ſich der junge Mann ans Ohr ſeines Freundes. — Denke an den Herrn, ſagte er zu ihm. — O ich denke ſehr daran, antwortete Ma⸗ nara. Hierauf winkte er einen Capuziner zu ſich. Der Mönch trat ans Bett, nahm dem Sterben⸗ den die Beichte ab und ertheilte ihm die Abſo⸗ lutivn. Dann verlangte er das Viaticum. Dandolo ſuchte ihn ſo gut wie möglich zu tröſten, indem er mit ihm von Gott ſprach. anara unterbrach ihn um von ſeinen Söh⸗ nen zu reden. — Erziehe ſie, ſagte er, in der Liebe zu Gott und zum Vaterland. Dann fügte er hinzu: — Bring meinen Leichnam mit dem deines Bruders nach Mailand zurück. Garibaldi. II. 4 Und als er Dandolo in Thränen zerſchmelzen ſah, ſagte er: — Es thut Dir weh daß ich ſterbe, mein armer Freund. Ich ſterbe wahrlich nicht gerne. Hierauf rief er ſeinen Ordonnanzſoldaten, den er häufig geneckt hatte, und ſagte lächelnd zu m: — Du verzeihſt mir, nicht wahr? Dann fragte er Dandolo ob man Nachrichten von Moroſini habe. Es hieß er ſei in Gefangenſchaft gerathen. — Furz vor ſeinem Tode zog er einen Ring von ſeinem Finger, ſteckte ihn Dandolo an und agte: — Ich will Deinen Bruder von Dir grüßen. Dann wandte er ſich gegen mich und bat: — Ach Bertani, laß mich nur recht ſchnell ſterben, ich leide gar zu ſehr. Dieß war die lezte Klage die aus ſeinem Munde kam. Der Todeskampf begann; er klammerte ſich krampfhaft an ſeine Umgebung feſt, dann fiel er mit einem Seufzer unbeweglich und kalt auf ſein Bett zurück. Ich legte die Hand an ſein Herz, es ſchlug noch, aber langſam. Nach und nach erloſchen die Schläge. Die Seele war bereits im Himmel. Ich ſagte jezt zu den Mönchen die uns um⸗ gaben, ſie ſollen mir eine Arſenikauflöſung be⸗ Zir fra ein auf ihn ihn ſein ſond zen mein rne. den dze chten en. Ring und üßen. chnell inem ſich iel er auf ſchlug um⸗ g be⸗ reiten um den Leichnam auszuſprizen; aber es war kein Arſenik vorhanden. Ich begnügte mich alſo die Ausſprizung mit äzendem Sublimat vorzunehmen. Der Leichnam wurde in eine Kammer rechts vom Hauptaltar neben der Sacriſtei gebracht und dort in ſeiner Uniform, mit dem Kopf auf einem Kiſſen, ſanft niedergelegt. Sein junger Freund Eleuterio Pagliano, der während der ganzen Belagerung tapfer gefochten hatte und jezt einer der erſten Maler der Lom⸗ bardei ißt, machte ſein Porträt. Neben ihm lag auf einem Bett Garibaldis Neger Ayagar. Ich betrachtete dieſe beiden Lei⸗ chen, die beide ſo ſchön und doch ſo verſchieden waren, als ich hinter mir ſchluchzen hörte. Es war Ugo Baſſi der weinte. Die ganze Zeit über, ſo lang wir in dieſem Zimmer blieben, ſchien es die Zielſcheibe der franzöſiſchen Geſchoße zu ſein. Tags darauf ſchaffte man den Leichnam in ein Haus und von da in die Lorenzokirche. Hier⸗ auf brachte man ihn in die Kirche der hundert Prieſter, wo der todte Heinrich Dandolo auf ihn wartete, und wo auch Moroſini's Leichnam ihn wieder finden ſollte. Am Todestag Manaras kam ein Brief von ſeiner Frau der bloß die Worte enthielt: — Denke nicht an mich und meine Kinder, ſondern nur an das Vaterland. Arme Frau! Die Antwort überbrachte ihr der Engel des Todes. Emil Moroſini. Wir umſtanden Manaras Todesbett und frag⸗ ten uns was aus unſern theuerſten Freunden und unter andern aus Emil Moroſini geworden ſei. Aber an dieſem Tag war es uns unmöglich etwas Beſtimmtes über ihn zu erfahren. Am Morgen des 1. Juli hörte Dandolo von einem Soldaten der zu gleicher Zeit mit Moroſini auf der Breſche geſtanden hatte, letzterer ſei ſchwer verwundet in die Hände der Franzvſen gefallen. Obſchon ſehr an ſeiner Bleſſur leidend, eilte Dandolo aufs Triumvirat, ſodann aufs Miniſte⸗ rium, um Erlaubniß zum Hinausgehen aus der Stadt zu erhalten. Nach dreiſtündigem Flehen wurde ſie ihm ertheilt, und nun begab er ſich ohne irgend einen Sicherheitsſchein ins franzö⸗ ſiſche Lager. Bei den Vorpoſten angehalten, ſagte er in welcher Abſicht er komme; ein Offizier erbarmte ſich ſeiner Seelenangſt und erlaubte ihm den Eintritt ins Lager, wo man ihn ins Lazareth führte; dort erfuhr er daß Moroſini todt war. Er bat man möchte ihm den Leichnam heraus⸗ geben, damit er ihn ſeiner Familie bringen könne; aber der Arzt antwortete, er ſei ſchon vor zwei Stunden auf einen ziemlich entlegenen Kirchhof gebracht worden. un Lei ihn dat geh daf eine auf fras mat verl ihr rag⸗ und ei. lich von oſini ſei oſen eilte iſte⸗ der ehen nzö⸗ r in mte den areth ar. aus⸗ nne; zwei chhof 53 Er bat um einen Ausgrabungsbefehl. Während er auf Antwort wartete, kam ein Adjutantmajor herein, der ſehr erſtaunt war einen italieniſchen Offizier ohne Sicherheitsſchein im Lager zu erblicken. Er ſchickte den Offizier der ihn hatte paſſiren laſſen in Arreſt und wies Dan⸗ dolo an die Vorpoſtenlinie zurück, ohne etwas hören zu wollen. Dieſer kam mit der traurigen Nachricht zu ſeinen Freunden nach Rom und ſchrieb an den franzöſiſchen Generalſtabschef daß man die Aus⸗ grabung vornehmen möge. Am Morgen des 2. wurde ihm ſeine Bitte gewährt. Als die traurige Ceremonie der Wegſchaffung Manaras vorüber war, trat Dandolo zu mir und ſagte: — Bertani, in einigen Stunden wird der Leichnam Moroſini's in der Kirche der hundert Prieſter am Ponte lieto ſein; dort kannſt du nach ihm ſehen. Ich ging kurz vor Abend nach der Kirche; das Haus voder vielmehr das Kloſter wozu ſie gehört war von franzöſiſchen Truppen beſetzt, ſo daß die Kirche geſchloſſen war. Ich wandte mich um Eintrittserlaubniß an einen Capitän, der, als er die tiefe Traurigkeit auf meinem Geſicht bemerkte, mich freundlich fragte ob ich Soldat ſei, was für ein Lands⸗ mann, und ob ich einen Verwandten vder Freund verloren habe. 54 Ich antwortete ihm daß ich viele Freunde verloren habe und unter andern Manara. Er kannte ihn dem Namen nach, fragte mich um die nähern Umſtände ſeines Todes und ertheilte mir dann ebenfalls Aufſchlüſſe darüber. Ein Jäger von Vincennes, der beim Angriff auf die Villa Spada in der Nähe des Capi⸗ täns ſtand, und den er mir mitten unter einer Gruppe von Soldaten unweit der Thüre wo wir waren zeigte, hatte im Augenblick wo Ma⸗ nara mit ſeinem Fernrohr ans Fenſter getreten war zu ihm geſagt: — Betrachte einmal dieſen Offizier, er iſt ein Kind des Todes. Zugleich hatte der Soldat geſchoſſen, die Kugel war bei ihrer Adreſſe angelangt, er hatte Manara fallen geſehen.. Der Capitän erzählte noch weiter, aber ich war ſo traurig daß ich ihm nicht antworten, ſondern ihn nur bitten konnte mich in die Kirche zu laſſen. — Was wollen Sie darin thun? fragte er. — Ich will den Leichnam eines andern Freundes ſuchen der heute früh von den Ihrigen ausgegraben und für ſeine trauernde Mutter zurückgegeben worden iſt. Er ſieß den Oberſten um Erlaubniß bitten, und als er ſie erhalten hatte, übergab er mich dem Wächter der Kirche mit dem Auftrag mich hineinzulaſſen. Die Kirche war ſehr dunkel; der Wächter nde Er eilte griff pi⸗ iner wy Na⸗ eten riſt die atte ich rten, rche er dern igen utter tten, mich mich chter 55 öffnete eine kleine Thüre die aus dem Kloſter nach dem Thor der Kirche führte, gab mir eine Lampe und ſagte, nach einem Winkel deutend: — Suchen Sie da. Nur wollte er mich nicht weiter hinein be⸗ gleiten. Ich näherte mich traurig und fromm, mit einem Schauer in allen Adern. Dieſe Stille, dieſe Finſterniß, der zweifelhafte Schein dieſer Lampe, der koſtbare Gegenſtand meiner Nachſuchung, die Todesqual dieſen herr⸗ lichen Jungen den ich lebend gekannt hatte ſo wieder zu finden, alles das verurſachte mir ein Herzklopfen das mir die Bruſt beinahe ſprengte. Ich ging ſachte, da ich die Lvealitäten nicht kannte und den Plaz nicht wußte wo der Leich⸗ nam lag; ich hielt die Lampe in die Höhe und zitterte vor Angſt mit dem Fuß auf ihn zu ſtoßen. Endlich bemerkte ich neben den Stufen eine ſchwarze lange Geſtalt; ich trat weiter vor, in⸗ dem ich fortwährend meine Lampe hoch hielt. Ich erkannte einen menſchlichen Körper. Beinahe wahnſinnig vor Schmerz und einem Entſezen das ich nicht bewältigen konnte, neigte ich mich zu ihm. O traurig! traurig! traurig! Mit meiner freien Hand machte ich den Strick los der das Leichentuch um ſeinen Hals, den Bauch und die Füße feſthielt; ich hob ſeinen Kopf in die Höhe; obſchon bereits entſtellt, er⸗ kannte ich daß es wirklich der arme Junge war den ich ſuchte. Ich ließ den Kopf los. Er fiel auf die Platte zurück, mit einem Ton den ich nie vergeſſen werde. Ich hatte nicht ein Haar das nicht von Schweiß getrieft hätte. An allen Gliedern zittternd blieb ich ſtehen. O Gott wie groß biſt Du, und wie ſchreck⸗ lich iſt der Tod! Ich that mir Gewalt an um meinen Schrecken zu bemeiſtern; als ein mit dem Tode vertrauter un wollte ich mich nicht von ihm überwinden aſſen. Ich ſtellte die Lampe auf eine der Stufen des Altars und betrachtete das Geſicht des Tod⸗ ten von Neuem; es war bläſſer als das Tuch das ihn umhüllte. Ich ſuchte und fand ſeine Wunden; gerne hätte ich die letzten Tropfen ſeines Herzblutes geſammelt um ſie ſeiner Mutter zu bringen und damit der ganzen italieniſchen Jugend, die ſich dereinſt für die Befreiung des Vaterlandes er⸗ heben wird, das Kreuzeszeichen auf die Stirne zu machen. Dann ſchnitt ich ihm eine Locke ab; vielleicht hatte er eine Freundin, gewiß hatte er eine Mutter. Endlich drückte ich ſeine Hand, entblößte dann zum letzten Mal mein Haupt vor ihm und mur⸗ melte; Auf Wiederſehen! beſi bor! der als Die meh habe unſet Anfe gebr ar en ter en en d⸗ ch tes nd ich er⸗ ne cht ne nn 1⸗ 57 Schaudernd verließ ich die Kirche und nahm dieſen Anblick des Todes ſo lebhaft mit mir fort, daß ich noch heute, nach elf Jahren, beim Niederſchreiben dieſer Zeilen, den Leichnam, das blaſſe Geſicht, das ganz mit Erde und Blut be⸗ ſchmutzte Grabtuch vor mir ſehe. Beim Hinausgehen traf ich den Wächter wieder, dann auch den Offizier, dem ich die Hand drückte ohne ein Wort ſprechen zu können. Tags darauf wurde Moroſinis Leichnam in einen bleiernen Sarg gelegt, bis er nebſt denen ſeue Freunde nach ſeinem Heimatlande abgehen ollte. Wir alle wünſchten gleich ſehr die nähern Umſtände ſeines Todes zu erfahren. Aber die Andern waren genöthigt aufzu⸗ brechen; nur die Todten und die Verpfleger der tödtlich Verwundeten blieben zurück. Ich gehörte zu dieſen Lezteren. Ich erfuhr alſo folgende Details, und zwar beſize ich ſie von Herrn von Santi, einem ge⸗ bornen Corſen und franzöſiſchen Sanitätsbeamten, der in der Nacht vom 29. auf den 30. Juni als Chirurg im Lazareth des Laufgrabens fungirte. Dieſer ehrenwerthe, brave College, dem ich für mehrere Dienſte verpflichtet bin, erzählte mir, man habe am 30. Juni, bei Tagesanbruch, einen unſerer Offiziere, ſo jung und ſchön daß er ihn Anfangs für ein Mädchen gehalten, ins Lazareth gebracht. Er hatte leichte Bleſſuren am Kopf, an der linken Hand und an der Bruſt, aber eine tödt⸗ liche im Unterleib. Santi hatte ihn liebreich verpflegt. Moroſini, der noch ſprach, fragte ihn: — Was halten Sie von meinen Wunden? Santi antwortete: — Vertrauen Sie auf Gott und auf Ihre Jugend. — Schon gut, ſagte Moroſini, ich begreife, ich bin verloren. Dann fügte er mit einem Seufzer hinzu: — Arme Mutter! Er übergab dem Doctor ſeine Brieftaſche, wandte ſein Haupt und verweigerte von nun an jedes Wort. Wenige Minuten nachdem Moroſini verbun⸗ den war, trat ein alter Sergent vom 32. ins Lazareth, und nachdem er ängſtlich das Bett des jungen Offiziers geſucht, ſagte er zu dem Arzt: — Er iſt es wirklich. — Was wollen Sie damit ſagen? fragte Herr von Santi. — Daß ich den armen Jungen um jeden Preis hätte retten mögen; ich habe mein Mög⸗ lichſtes gethan, aber es iſt ihm übel bekommen. Nun erzählte er daß Moroſini, blos von vier Mann begleitet, umzingelt worden ſei. Man forderte ihn zur Uebergabe auf, aber er ant⸗ wortete: Nie! und ſchlug fortwährend mit ſeinem Säbel um ſich. ihn abg ich fund ödt⸗ ſche, an un⸗ ins Bett dem agte den kög⸗ en. vier Nan ant⸗ nem 59 Zugleich rief er den Seinigen zu: — Ergebt euch nicht! ich verbiete es euch im Namen Italiens. Nun fällte der alte Sergent das Bajonet gegen ſeine Bruſt, in der Hoffnung ihn einzu⸗ ſchüchtern; aber Moroſini ergriff das Bajonet mit der linken Hand und verſezte dem Sergen⸗ ten einen Säbelhieb übers Geſicht. Gleichwohl verbot dieſer ſeinen Soldaten Feuer zu geben, weil er den jungen Offizier lebendig zu bekommen und folglich zu retten hoffte; aber nun ſchoß ein Soldat der hinter ihm ſtand, als er ſah daß Morofini ſich noch immer wehrte, aus nächſter Nähe ſeine Flinte auf ihn ab. Die Kugel fuhr ihm durch die Eingeweide: dieß war die tödtliche Wunde. Moroſini fiel, aber auf ein Knie und auf die linke Hand; in dieſer Lage ſuchte er noch immer auf ſeine Gegner einzuhauen und rief ſeinen Cameraden beſtändig zu: — Laßt euch tödten, aber ergebt euch nicht! Der Sergent wandte ſich wüthend gegen den Soldaten um und ſagte zu ihm: — Unglücklicher! was haſt du gethan? Siehſt du nicht daß es ein Kind war? Moroſini ſtarb einige Stunden nachdem man ihn ins Lazareth gebracht, und wurde an einem abgeſonderten Ort in dem Tuche begraben worin ich ihn in der Kirche der hundert Prieſter ge⸗ funden hatte. Er hatte im Gürtel zwei Piſtolen, in deren Kolben der Name Kosciusko eingravirt war. Der Polenheld war ein Freund ſeiner Familie geweſen und hatte ſie ſeinem Großvater geſchenkt. Ich ſtellte alle möglichen Nachſuchungen an um Moroſinis Säbel und Piſtolen wieder zu fin⸗ den aber vergebens. Es ſcheint daß der alte Sergent in ihren Beſiz gekommen war, aber er erklärte daß er ſie um keinen Preis hergebe. Am 4. September 1849 wurden die drei Särge welche die ſterbliche Hülle von Heinrich Dandolo, Lucian Manara und Emil Moroſini umſchloßen, beim neuen Molo von Genua ans Land geſezt. Gottfried Mameli. Garibaldi erzählt in ſeinen Memoiren daß dieſer junge Dichter am Abend des 3. Juni ihn um Erlaubniß gebeten einen neuen Sturm auf die Villa Corſini zu verſuchen, und daß er ihm ſeinen Wunſch gewährt habe. Mameli wurde am linken Bein bleſſirt. Die Wunde an ſich hatte Nichts zu bedeuten; aber in Folge einer ſchlechten Blutanlage wurde ſie brandig, und am 18. Juni wurde die Amputa⸗ tion unvermeidlich. Durch das Fenſter ſeiner Kammer im Pilger⸗ lazareth ſtogen beſtändig Geſchoſſe aller Art her⸗ ein, aber Mameli zeigte immer die höchſte Gleich⸗ giltigkeit gegen dieſe nachzeitige Gefahr, wenn eren war. nilie enkt. an fin⸗ alte rer drei nrich oſini ans 61 man ſo fagen darf; nur wurde er, im Augen⸗ blic wo er von der Eiterung am meiſten ge⸗ ſchwächt war, ein paar Tage lang über die Ku⸗ geln ärgerlich, wie ein Kind über die Mücken. — Unterm freien Himmel und im Gefecht zu ſterben, ſagte er, das laſſe ich mir gern ge⸗ fallen; aber in meinem Bett getödtet zu werden, wie ein Gichtbrüchiger, nein! Am 8. Juni verfiel er in Fieberwahnſinn, ein allerliebſtes Delirium worin er leiſe ſang und ſich ſein leider ſo kurzes, von ſo viel Geiſt ver⸗ ſchöntes Leben beinahe Tag für Tag vergegen⸗ wärtigte. In den Pauſen zwiſchen ſeinem Singen pro⸗ phezeite er oder ſprach Wünſche für ſein Vaterland. Er ſtarb mit einundzwanzig Jahren. Ich ſprizte ſeinen Leichnam aus, der in Rom beſtattet wurde. Er hatte ein Kriegslied verfaßt das Gari⸗ baldi ſehr häufig vor ſich hin trällerte: Fratelli d'ftalia. Es iſt ſehr populär geworden. Mellara. Der Oberſt Mellara, der im Gefecht vvm 3 Juni bleſſirt wurde, ſtarb am 4. Juli, als die Franzoſen bereits in der Stadt eingezogen wa⸗ ren. Da es den Römern nicht mehr geſtattet war mit den Waffen zu proteſtiren, ſo verſam⸗ melten ſie ſich in der Kirche um den Catafalk des todten Kriegers; aber während das verſam⸗ ———— 62 melte Volk in frommem Schweigen über dieſen Leichnam, ein Simbol für das gefallene Sta⸗ lien, weinte, drang ein franzöſiſcher General— wir wollen ihn nicht nennen— mit einer Hand⸗ voll Soldaten in die Kirche herein und riß von des Todten Hut, der wie gewöhnlich auf den Sarg gelegt war, die italieniſche Cocarde herab; ſodann unterbrach er die fromme Ceremonie durch den Befehl die Kerzen zu löſchen und die Kirche zu räumen. Dieß geſchah. Der arme Mellara hatte alſo nicht einmal den letzten Troſt der Todten, die Thränen die geliebten Augen entſtrömen. Im Uebrigen gaben ſich die politiſchen Leiden⸗ ſchaften ſowohl bei den römiſchen als bei den franzöſiſchen Reactionären kund. Beſonders die Prieſter und Mönche benahmen ſich infam gegen die armen Verwundeten die ihrer Pflege über⸗ laſſen waren. Einem Giovannini aus Cremona, der an einer Schenkelwunde darniederlag, ver⸗ weigerten ſie ein Glas Waſſer bis er gebeichtet hätte; um die ganze Abſcheulichkeit dieſer Folter⸗ qual zu begreifen, muß man Arzt ſein und wiſ⸗ ſen welch ein gräßlicher Durſt ſich in Folge von Schußwunden einſtellt. Alle Aerzte von Rom welche verwundete Patrioten verpflegten verloren ihre Diplome. Man geſtatte mir eine philvſophiſche oder vielmehr moraliſche Bemerkung. Es iſt ein großer Unterſchied zwiſchen dem Tod des Soldaten der durch die Conſeription Bet her dere ſcha beſc nach ieſen Ita⸗ 1— and⸗ von den rab; durch dirche nmal ndie iden⸗ den die een über⸗ na, ver⸗ ichtet lter⸗ wiſ⸗ von ndete oder dem ption 63 zum Dienſte gezwungen iſt und desjenigen der freiwillig ſeinem Lande dient. Der Freiwillige iſt voll von Begeiſterung, ſtolz auf ſeine Wunden und rechnet ſich ſeinen Tod zum Ruhme an; über die ſchrecklichſten Schmerzen hilft er ſich durch ſeine freudige Vaterlandsliebe, durch ſeine frommen Wünſche und ſeine brünſtigen Gebete für den Sieg ſeiner Sache hinweg. Der andere iſt ſtumm und ſpricht nur Worte der Rache an demjenigen der ihn verwundet hat. Ein zehnjähriger Junge aus Bologna ge⸗ hörte zu Garibaldis Legivn. An der linken Hand verwundet, ließ er ſich das Fauſtgelenk abſchneiden ohne ein einzige Klage auszuſtoßen, und bleich, geſchwächt, wollte er durchaus der lezten Schlacht anwohnen. Um Spitäler zu improviſiren, durchlief man die Straßen Roms mit dem lauten Ruf: — Für die verwundeten Patrioten! Da öffneten ſich alle Fenſter, und es flog aller Art, Tücher, Matrazen und Kiſſen eraus. Die Spitäler wurden durch die ganz beſon⸗ dere Menſchenliebe der Municipalbeamten ge⸗ ſchaffen. Die Alpenjäger.— Garibaldi hat ſeinen Feldzug von 1859 nicht beſchrieben. Dieſe Lücke zu ergänzen, geben wir, nach den glaubwürdigſten Urkunden, einen raſchen —— Ueberblick über die Großthaten der Alpen⸗ jäger. Nach der Schlacht von Novara und der Ein⸗ nahme Roms durch die Franzoſen ſchien Italien auf eine lange Reihe von Jahren geknechtet zu ſein. Oeſtreich, das Venedig und Mailand in ſeiner Gewalt hatte, in Florenz, Parma, Mo⸗ dena allmächtig war, nöthigte Piemont harte Bedingungen auf. Pius IX. war nach Rom zu⸗ rückgekehrt, die Cardinäle und Monſignori re⸗ gierten noch abſoluter als vor 1847, und die von den fremden Bajonnetten geſchüzte Ordnung herrſchte in den päbſtlichen Staaten. Die Reae⸗ tion hatte überall in Europa geſiegt: ſie glaubte alſo die Revolution überwunden und die italie⸗ niſche Frage für immer entſchieden. Sie täuſchte ſich. Ein lezter Verſuch hatte den Revolutionären fehlgeſchlagen, ſie waren zerſtreut, verfolgt und von Neuem in die Verbannung getrieben worden; aber das Verlangen nach Unabhängigkeit lebte ſo glühend wie nur je in Italien fort, und die piemonteſiſche Regierung, um welche ſich bald die Mehrzahl der Liberalen auf der Halbinſel ſchaarte, übernahm die Leitung der nationalen Bewegung. Das zur Zeit des Krimkriegs mit Frankreich und England abgeſchloſſene Bündniß, ſowie das glän⸗ zende Verhalten der ſardiniſchen Truppen bei der Brücke von Traktir und an der Tſchernaja, ver⸗ liehen Victor Emmanuel das Recht den pariſer Congreß zu beſchicken und endlich einmal die Be⸗ 65 ſchwerden Italiens vor aller Welt auszuſprechen. Oeſtreich antwortete nur mit Gegenklagen über Piemont und erklärte daß es ſeine Politik in Italien durchaus nicht ändern würde. Seit dieſer Zeit trat das Cabinet der Tui⸗ lerien als Vermittler auf. Es leitete Unter⸗ handlungen mit dem wiener Hofe ein; es ſuchte die Nothwendigkeit gewiſſer Zugeſtändniſſe, wohl⸗ verſtanden nicht gegen die Ideen der Freiheit, ſondern gegen das Nationalgefühl, darzuthun; es verſicherte endlich daß der Friede nur um dieſen Preis erhalten werden könne. Seine An⸗ ſtrengungen blieben vergeblich, und ebenſo nuz⸗ los erwies ſich ein langer Notenwechſel. Der wiener Hof war unbeugſam. Er ſprach von unredlichem Treiben, von Berufung an die abſcheulichſten Leidenſchaften, von Aufhezung in der Lombardei, in Venetien, Toscana, in den Herzogthümern Parma und Modena; er zeigte ſich don Tag zu Tag ergrimmter über Piemont, mistrauiſcher gegen Frankreich. Am 1. Januar 1859 ſagte Napolevn III., im Beiſein des diplomatiſchen Corps, zum bſt⸗ reichiſchen Botſchafter in Paris, Baron von Hüb⸗ ner:„Ich bedaure daß meine Beziehungen zu Ihrer Regierung nicht mehr ſo freundlich ſind wie früher; aber ich erſuche Sie dem Kaiſer zu ſagen daß meine Geſinnungen gegen ihn ſich nicht verändert haben.“ Dieſe Worte waren ziemlich zweideutig; aber der Ton worin ſie ge⸗ Garibaldi. II. 5 ſprochen wurden, überzeugte Jedermann daß der Krieg beſchloſſen war. Und in der That wur⸗ den die ſeit mehreren Monaten begonnenen Rü⸗ ſtungen, troz der Ableugnungen des Moniteur, mit verdoppelter Thätigkeit fortbetrieben. England, das einen Conflict zu verhindern wünſchde, deſſen unſelige Folgen es ſelbſt am meiſten fürchtete, ſchickte Lord Cowley nach Wien. Es wollte alle Mittel der Verſöhnung aufbieten und eine Annäherung zwiſchen Piemont, Frank⸗ reich und Oeſtreich herbeizuführen ſuchen. Im Verein mit Rußland beantragte es einen Con⸗ greß und bezeichnete die Grundlagen der even⸗ tuellen Berathungen deſſelben folgendermaßen: Die Mittel zu beſtimmen wodurch der Friede zwiſchen Oeſtreich und Sardinien erhalten wer⸗ den könne; Feſtzuſtellen wie die Räumung der römiſchen Staaten durch die franzbſiſchen und öſtreichiſchen Truppen am beſten auszuführen ſei; Zu prüfen ob es zweckdienlich ſei in der in⸗ nern Verwaltung dieſer und der andern italieni⸗ ſchen Staaten Reformen einzuführen, wenn dieſe Verwaltung ſo mangelhaft ſei daß dadurch au⸗ genſcheinlich ein bleibender und gefährlicher Zu⸗ ſtand der Unruhe und Unzufriedenheit geſchaffen werde, und worin dieſe Reformen beſtehen ſollen; Statt der Verträge zwiſchen Oeſtreich und den Herzogthümern, einen Bund der italieniſchen Staalen zu ihrem gegenſeitigen Schuze ſowohl nach innen als gegen außen zu begründen. aus Frei Victt trioti verdi zwiſc ware Flore noch abſtra um der our⸗ ur, dern am ien. eten ank⸗ Im on⸗ en⸗ iede wer⸗ 67 Die franzöſiſche Regierung erklärte ſich mit dieſen Grundlagen der Unterhandlung vollkom⸗ men einverſtanden. Auch die öſtreichiſche Regie⸗ rung gab ihre Zuſtimmung; ſie begleitete die⸗ ſelbe zwar mit einigen Bemerkungen, ſtellte jedoch keine förmlichen und abſoluten Bedingungen. ſichern, dann machte ſie dieſelbe zu einer aus⸗ drücklichen Bedingung ihrer Theilnahme am Con⸗ greß. Dieſe Forderung rief allgemeinen Wider⸗ ſtand hervor; das wiener Cabinet ließ ſie daher ine allgemeine und augenblickliche Entwaffnung. Während dieſer diplomatiſchen Unterhand⸗ gen nach Turin um unter das Banner Victor Emmanuels zu treten. Es war ein pa⸗ triotiſcher Aufſchwung der wahrlich Bewunderung verdiente. Aller Parteihaß, alle Eiferſüchteleien zwiſchen den einzelnen Städten und Provinzen waren vergeſſen. Es gab keine Mailänder, keine lorentiner, keine Bologneſen mehr, ſondern nur noch Italiener. Es handelte ſich nicht mehr um abſtracte Ideen, um politiſche Spizfindigkeiten, um Regierungsformen, ſondern um eine heilige ache, um das Vaterland. Nichts blieb unbe⸗ achtet. Das geringſte Detail bekam eine unge⸗ heure Wichtigkeit, ſobald es von nahe oder fern, nach innen oder außen, die große, nationale Sache berührte. Jede Nachricht, jedes Ereigniß, jeder Umſtand befeuerte die Geiſter, machte die Herzen erbeben, ſteigerte den Muth. Die Jvur⸗ nale predigten Unabhängigkeit und Einheit unter dem König von Sardinien; ſie wiederholten un⸗ aufhörlich daß in Mailand das Elend und der Jammer die höchſte Spize erreicht habe; daß man, da die Henker für die zahlreichen barbari⸗ ſchen Hinrichtungen nicht mehr ausreichen, die Croaten gebrauche um die Männer prügeln und die Frauen ſtäupen zu laſſen. Solche Mitthei⸗ lungen ſteigerten die Erbitterung gegen Oeſtreich bis zum Wahnwiz, und überall hieß es, die Be⸗ völkerung müſſe ſich augenblicklich empören unter dem Ruf: Es lebe Italien und Victor Emma⸗ nuel! Hinaus mit den Oeſtreichern! Bei der Er⸗ öffnung der Kammer in Turin hatte der König auf die Feindſeligkeit zwiſchen Piemont und Oeſt⸗ reich angeſpielt und folgendermaßen geſprochen: „Der Horizont in deſſen Mitte das neue Jahr beginnt iſt nicht ganz heiter. Gleichwohl werdet ihr euch mit dem gewohnten Eifer euern parla⸗ mentariſchen Arbeiten widmen. Geſtüzt auf die Erfahrungen in der Vergangenheit, wollen wir entſchloſſen den Möglichkeiten der Zukunft ent⸗ gegengehen; dieſe Zukunft wird glücklich ſein⸗ denn unſere Politik beruht auf der Gerechtig⸗ feit ſowie auf der Liebe zur Freiheit und zun nge⸗ ern, nale niß, die vur⸗ nter un⸗ der daß bari⸗ die und thei⸗ treich Be⸗ unter nma⸗ Er⸗ dönig Oeſt⸗ chen: Jahr erdet arla⸗ f die wir ent⸗ ſein, chtig⸗ zun 59 Vaterland. Unſer Land hat troz ſeines kleinen Umfangs bei den Cabinetten Europas großes An⸗ ſehen gewonnen, weil es groß iſt durch die Ideen die es vertritt, durch die Sympathien die es ein⸗ flößt. Eine ſolche Lage iſt nicht frei von Ge⸗ fahren; denn wenn wir die Verträge reſpec⸗ tiren, ſo ſind wir andererſeits nicht unempfäng⸗ lich gegen den Schmerzensſchrei der ſich aus ſo vielen Theilen Italiens zu uns erhebt. Stark durch die Eintracht, voll Vertrauen auf unſer gutes Recht, laßt uns mit Umſicht und Feſtigkeit die Beſchlüſſe der göttlichen Vorſehung abwarten.“ Dieſe großherzigen Worte hatten die Begeiſte⸗ rung der Freiwilligen auf's Höchſte geſteigert, denn ſie ſtellten ihnen in Ausſicht daß auf die officibſen oder officiellen Schritte, auf die Me⸗ moranda und Protocolle bald Thaten folgen würden, und daß ſie endlich ihre unterdrückten Brüder befreien könnten. Niemand zweifelte am Erfolg. Beſaß man nicht eine Bürgſchaft in Namen wie Fanti, Durandv, Cucchiari, Cialdini, und ſo manchen anderen die ſchon in den Jah⸗ ren 1848 und 1849 in Rom und auf den lom⸗ bardiſchen Ebenen zahlreiche Beweiſe von Un⸗ erſchrockenheit und patriotiſcher Hingebung abge⸗ legt hatten? Sollte man nicht unter den Befehlen Garibaldis fechten, des heldenmüthigen Kriegers der Unabhängigkeit? Der hochberühmte Vertheidiger der römiſchen Republik hatte ſich, als er gegen Ende 1849 ge⸗ nöthigt wurde Italien zu verlaſſen, nach den 70 vereinigten Staaten eingeſchifft. Er war einige Zeit Lichterfabrikant in Newyork, dann ging er nach Südamerica, fand jedoch keinen entſprechen⸗ den Wirkungskreis; hierauf kehrte er nach Eu⸗ ropa zurück, wurde Capitän eines Kauffartei⸗ ſchiffes und machte als jolcher Handelsgeſchäfte, die ihn in den Stand ſezten die kleine Inſel Caprera in der Nähe von Sardinien zu kaufen. Dort ließ er ſich mit ſeinen Söhnen und einigen ergebenen Freunden nieder, führte ein ſehr ein⸗ faches, ſehr zurückgezogenes Leben und beſchäftigte ſich beinahe nur mit ländlichen Arbeiten, bis der Augenblick gekommen war wo er aufs Neue ſei⸗ nen Degen für Italien ziehen durfte. Die ein⸗ zige politiſche Kundgebung bei welcher er ſich während ſeines Aufenthalts auf Caprera bethei⸗ ligte, war die Subſcription in Betreff der hun⸗ dert Kanonen für Aleſſandria. Er war einer der Erſten die dieſe Subſcription unterzeichneten, welche an Manin, dem ehemaligen Präſidenten von Venedig, einen beſonders eifrigen Beförderer hatte. So geringfügig dieſes Factum ſcheinen mag, ſo hat es doch eine ernſte Bedeutung, denn es bewies daß Garibaldi ſich von Mazzini trennte und der Partei anſchloß deren eingeſtandener und anerkannter Chef Victor Emmanuel war. Dieß war es vielleicht was den Khnig und den Grafen Cavvur veranlaßte die Dienſte Gari⸗ baldi's in Anſpruch zu nehmen, ſobald die Rü⸗ ſtungen Oeſtreichs den Krieg wahrſcheinlich ge⸗ macht hatten. Nach Turin berufen, ſtellte er ſich — en⸗ Fu⸗ tei⸗ fte, nſel en. gen in⸗ gte der ſei⸗ in⸗ ic ei⸗ in⸗ ner en, en rer nn te nd nd i⸗ ü⸗ E⸗ 71 augenblicklich ein. Er hatte mehrere Beſprechun⸗ gen mit Victor Emmanuel, und bald begründete ſich zwiſchen dieſem und dem Parteigängerchef eine Freundſchaft von weit innigerer und aufrich⸗ tigerer Art als gewöhnlich zwiſchen Souverän und Unterthan ſtattfindet. Er wurde zum Gene⸗ ralmajor ernannt und mit dem Commandv eines Freiwilligencorps beauftragt. Dieſe Beſchlüſſe er⸗ ſchienen nicht im officiellen Jvurnal, aber die Kunde davon verbreitete ſich bald vom Gipfel der Alpen bis zur äußerſten Spize Siciliens und wirkte electriſch auf die italieniſche Jugend, die ihren Garibaldicultus bis zum Fanatismus trieb. Niemals war Garibaldi ſo glücklich geweſen. Für dieſe aufrichtige und hochherzige Seele war der Entwurf zu einem glorreichen Unternehmen ſo viel wie die Gewißheit es zu gutem Ende zu führen. Seine theuerſten Wünſche ſollten jezt er⸗ hört werden; die Hoffnungen ſeines ganzen Le⸗ bens ſollten ſich verwirklichen. Er hatte keine Frinnerung mehr für frühere Täuſchungen. Er hegte ein grenzenloſes Vertrauen in die Zukunft. Schon ſah er Bataillone von freien Bürgern mit unwiderſtehlicher Begeiſterung die Feſtungen des Despotismus angreifen und zerſtören; er hatte die feſte Ueberzeugung daß die Prüfungs⸗ zeit vorüber ſei, und daß Italien nach errunge⸗ ner Selbſtherrſchaft mit den ſtolzeſten Nationen der Welt gleichen Schritt halten würde. Der Doctor Bertani hat ſpäter erzählt, an einem ſchönen Januarmorgen 1859 ſei Garibaldi in ſein Zimmer getreten, habe ihm die Hand gereicht und mit ſtrahlendem Geſicht und bewegter Stimme zu ihm geſagt: — Dießmal ſind wir ernſtlich am Werk. Ich habe heute hohen Orts einen Beſuch gemacht der mich vollſtändig befriedigt. Ich habe Erlaubniß erhalten alle meine Freunde zur Bereithaltung aufzufordern. Wir bedürfen der Einigkeit wenn wir Italien herſtellen wollen. Ich rechne alſo auf Sie und Ihre thätige Mitwirkung. — Aber die Franzoſen? fragte der Doctor Bertani, indem er ſeinerſeits dem General die Hand drückte. — Je zahlreicher wir ſind, erwiderte Garibaldi, um ſo weniger bedürfen wir fremden Beiſtandes. Einigkeit und Waffen, dann können wir auf eigene Fauſt handeln. Wenn wir einmal alle Soldaten ſind, fügte er hinzu, ſo werden wir uns früher oder ſpäter für unſere Freiheiten ſchlagen; vorher müſſen wir uns aber zu Solda⸗ ten heranbilden. Garibaldi's erſte Handlung war daß er ſeine ehemaligen Waffengefährten zu ſich rief. Es waren ſämmtlich Männer von bewährter Tapfer⸗ keit und glühender Vaterlandsliebe. Heinrich Coſenz, in der Kriegsſchule von Neapel gebildet, hatte ſich 1848 ruhmvoll bei der Vertheidigung Venedigs betheiligt. Cajetan Sacchi hatte in Montevidev und Rom unter Garibaldi gedient; zahlreiche Wunden zeugten von ſeiner Unerſchrocken⸗ heit. Jacob Medici hatte ſich während der Be⸗ n eicht mnme der bniß ung enmn alſo ctor die idi, des. auf alle wir iten da⸗ eine Es fer⸗ rich det, ung in nt; 73 lagerung Roms 1849 durch ſeine ſchöne Verthei⸗ digung des Vascellv berühmt gemacht. Nicolaus Ardoino von Genua, ein Veteran der ſpaniſchen Bürgerkriege, hatte die beiden italieniſchen Feld⸗ züge von 1848 und 49 als piemonteſiſcher Oberſt mitgemacht. Nino Bixio war derjenige der 1847, auf dem Platz des großherzoglichen Palaſtes in Genua, die Kühnheit gehabt hatte Carl Albert in die Zügel zu fallen und zu ihm zu ſagen: „Sire, ziehen Sie über den Teſſin, dann ſtehen wir alle zu Ihnen.“ Ein unermüdlicher Ver⸗ ſchwörer, ſeinem Vaterland mit einer leidenſchaft⸗ lichen Liebe zugethan die an Wahnwiz gränzte, war er in der Lombardei Freiwilliger und in der Legion von Mantua Lieutenant geweſen; ſodann war er mit Zambeccari nach Venetien gegangen. Auf dem Schlachtfeld von Paleſtrina war er zum Capitän, in Rom zum Major er⸗ nannt und daſelbſt ſchwer bleſſirt worden. Hier⸗ auf war er in ſeine ſeemänniſche Laufbahn zu⸗ rückgetreten, hatte den Gottfried Mameli commandirt und war einer der erſten genueſiſchen Seeleute geweſen die nach Auſtralien kamen. Marochetti, ein Greis noch voll Thatkraft, ehe⸗ maliger General der römiſchen Republik; Lipari, ein ausgezeichneter Ingenieur und ehemaliger Artillerievffizier der römiſchen Armee; Ferrari, einſt Adjutant des Generals Durando und Bu⸗ ſenfreund Manara's; Bronzetti, Gorini, Indrinv, Tadolini, Sartoriv und noch viele Andere die gleichfalls dem Aufruf Garibaldi's Folge leiſte⸗ 2 ————————— „ ten, hatten ſammt und ſonders ſchon bei vielen Gelegenheiten ihr Leben für die Ehre und die Unabhängigkeit Italiens eingeſezt. Im Anfang gab es viele Hemmniſſe und Widerwärtigkeiten. Der Kriegsminiſter General Lamarmora war, obſchon ein aufrichtiger Patriot und tapferer Offizier, zu ſehr an den militäri⸗ ſchen Schlendrian gewöhnt, um zu glauben daß revolutionäre und itreguläre Corps zu irgend Etwas taugen können. Er war ein zu ſtarrer Anhänger der Disciplin, um die glänzenden aber excentiſchen Eigenſchaften des Guerillachefs nach Gebühr zu würdigen. Er legte Hinderniſſe aller Art in den Weg und machte es dadurch unmöglich der zukünftigen Brigade die ſtarke und mächtige Organiſation zu geben welche ſie ſchon vor dem Beginn des Feldzugs haben konnte und mußte. Man hatte keine feſte Idee über das Commando das Garibaldi anvertraut wer⸗ den ſollte. Im Anfang ſprach man von der mobilen Nationalgarde, dann von Specialcorps die dieſer Garde entnommen, und in welche Flüchtlinge aus alter und neuer Zeit eingetheilt werden ſollten; hierauf von Regimentern von Freiwilligen, dann von Bataillonen, dann von Compagnien, und nun wiederholte Garibaldi lächelnd: Compagnien! Compagnien! Die Freiwilligen waren zahllos, und die meiſten verlangten unter den Befehlen Garibal⸗ di's zu dienen; aber man machte ſie auf alle mögliche Arten abwendig. Viele wurden in die ielen die und eral triot täri⸗ daß end rrer den hefs niſſe urch arke ſie nnte iber ver⸗ der ps lche eilt von von aldi die al⸗ alle die 75 reguläre Armee einverleibt, theils für die ganze vorſchriftmäßige Dauer des Dienſtes, theils auf drei Jahre, auf ein Jahr, oder auch nur auf die Kriegszeit und noch ſechs Monate nach dem Aufhören der Feindſeligkeiten. Diejenigen die ſich geweigert hatten in die Linienregimenter zu treten, wurden zuletzt muthlos. Die beun⸗ ruhigendſten Gerüchte gingen unter ihnen um. Man ſagte, die Miniſter ſeien unter ſich un⸗ einig; die franzöſiſche Regierung habe ausdrück⸗ lich die Entlaſſung aller irregulären Corps ver⸗ langt. Man verſicherte, die Freiwilligen die Garibaldi treu geblieben, ſeien beim Kriegsmini⸗ ſterium ſchlecht angeſehen; ſie würden bis zur Eröffnung des Feldzugs unter dem Departement des Innern ſtehen; man habe ſich zu ihrer Ein⸗ theilung in Regimenter bloß entſchloſſen um ſie im Zaum halten und vernichten zu können. Der Oberſt Medici hatte wegen dieſer Gerüchte mehrere Beſprechungen mit dem Grafen Cavour, und lezterer, der die Garibaldianer zu beruhigen wünſchte, erklärte daß er ihre Geſinnungen re⸗ ſpectire, daß er keinerlei politiſche Conceſſion von ihnen fordere, daß er die Offenheit ihres Bei⸗ tritts ſehr ſchäze, und daß Piemont mit Oeſter⸗ reich einen Krieg auf Tod und Leben führen werde, ſo lang noch ein einziger öſterreichiſcher Soldat in Italien ſtehe. Die Antwort des Miniſters erfreute die revolutionären Patrioten ſehr, denn es lag ihnen ſo viel daran ihr Ver⸗ halten und ihre Abſichten gegen die ſardiniſche Regierung genau feſtzuſtellen, daß Nino Birio eines Tages zum Grafen Cavvur ſagte:„Wir haben bisher beſtändig conſpirirt, jezt ſtehen wir zu Ihnen; wir werden an Ihrer Seite fechten und uns freuen wenn der Sieg unſere gemein⸗ ſamen Bemühungen krönt; aber wenn Italien nicht durch dieſen Krieg geſchaffen wird, wenn man uns zu entwaffnen ſucht, damit wir nicht allein handeln können, ſo werden wir von Neuem conſpiriren und ohne Unterlaß jeden bekämpfen der uns in Schranken halten oder täuſchen will.“ Mit Geduld, Entſchloſſenheit und Thätigkeit gelang es über den böſen Willen des Kriegs⸗ miniſteriums obzuſiegen. wurde vom italieniſchen Nationalverein unter⸗ ſtüzt, deſſen Mitglied Garibaldi ſeit dem Juli 1856 war, um welche Zeit er an Georg Palla⸗ vicino geſchrieben hatte:„Mein lieber Pallavi⸗ eino, Sie ſind der Freund und Unglücksgefährte Foreſti's, des Märtyrers unſerer heiligen Sache, geweſen, Sie haben alſo unbeſtreitbare Rechte auf mein Vertrauen und meine Zuneigung. Ich ſtehe zu Ihnen, zu Manin und zu den andern IFtalienern die Sie mir nennen. Erweiſen Sie mir die Ehre mich in Ihre Reihen aufzunehmen und mir zu ſagen wann wir etwas zu thun haben werden. Unter allen Umſtänden werde ich mich glücklich ſchäzen Ihre Befehle zu en⸗ pfangen. Ihr ergebener Garibaldi.“ Dieſe Ge⸗ ſellſchaft, die bald nach ihrer Gründung untet Medici, den man nach Genua ſchickte um die Anwerbungen zu leiten, iri Wir wir hten tein⸗ Ulien venn nicht uem pfen ill.“ gkeit iegs⸗ nach iten, nter⸗ Juli alla⸗ lavi⸗ ährte ache, echte Ich ndern Sie hmen thun werde em⸗ Ge⸗ unter 77 das Patronat des Grafen Cavour, Präſidenten des Miniſterraths, geſtellt wurde, hatte treffliche Dienſte geleiſtet, indem ſie allenthalben auf der Halbinſel Mittelpuncte der Thätigkeit ſchuf, Ver⸗ bindungen zwiſchen allen dieſen Mittelpuncten herſtellte, die Bewegung regelte und ihr Ein⸗ heit gab. Die genueſiſchen Patrioten bildeten ein anſehnliches Contingent. Die einen traten in die Armee, die andern verfügten ſich ins Depot von Cunev, welches den Soldaten angewieſen wurde die unter Garibaldi dienen ſollten. Die geſchickteten Schüzen bewaffneten ſich auf eigene Koſten, wurden der Kern einer Compagnie von Carabinieren und bekamen von ihren Cameraden den Namen Genuajäger, den ſie zur Erinnerung an ihre großherzige Initiative auch dann noch behielten, als ſie ſich mit jungen Leuten die nicht Genueſen waren verſchmolzen hatlen. Aus allen Provinzen kamen Freiwillige, und ſie waren bald zahlreich genug daß man zwei Bataillone von je vier Compagnien bilden konnte, deren Com⸗ mando Heinrich Coſenz erhielt. Am 17. März erſchienen zwei aus Pallanza datirte Decrete. Das erſte verfügte daß die in Cunev verſammelten Freiwilligen den Namen Alpenjäger annehmen ſollen; daß ihr Enga⸗ gement ein Jahr dauern; daß die Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten denſelben Sold em⸗ pfangen ſollen wie bei der Linieninfanterie; daß ſie denſelben Strafgeſetzen, denſelben Regeln der —= 78 Disciplin und der Inſtruction unterworfen ſeien; 3 daß die Offiziere ein von dem Präſidenten des Miniſterrathes unterzeichnetes Patent erhalten ic ſollen. Das zweite ernannte Garibaldi zum Generalmajor und Commandanten der Alpen⸗ 3 1 jäger, unter der Bedingung daß er den vor⸗ 6 ſchriftmäßigen Eid leiſte. Der Miniſter meldete ihm ſeine Ernennung in einem Schreiben worin P er unter Anderem ſagte:„Die Gewandtheit und iht Erfahrung des Chefs welchen die Regierung den 6 Alpenjägern gibt, ſo wie die ſtrenge Disciplin die ſtei dieſer Chef ſtets bei ſeinen Truppen aufrecht zu erhalten verſtanden hat, werden die Unzuläng⸗ wr 1 lichkeit militäriſcher Bildung ſo wie den Mangel Er an Zuſammenhang, zwei Fehler die bei neufor⸗ 6 mirten Corps unvermeidlich ſind, gut machen.“ def Garibaldi antwortete, er werde für den Beweis von Vertrauen den man ihm gebe ewig dankbar Her ſein, und wenige Tage darauf leiſtete er zum erſtenmal in ſeinem Leben einem Fürſten den Anj Eid der Treue. ſchi Da die Zahl der Freiwilligen immer größer wurde, errichtete man ein zweites Depot in Sa⸗ ———— ——— vigliano, unter der Leitung Medici's, ſodann ein drittes unter Ardvinv, der proviſoriſch den Oberſt⸗ wol lieutenantsrang erhielt, wie auch Medici und daß Coſenz. Um dieſe Zeit ſetzte ſich Garibaldi in unmittelbaren Verkehr mit den Freiwilligen, an lich welche er folgende kurze und martialiſche An⸗ Velt ſprache hielt:„Ich kann euch nichts bieten als Durſt und Hize bei Tag, Kälte und Hunger bei n des ten um en⸗ or⸗ ete rin nd en die g⸗ gel r⸗ . is ar m en er ⸗ in t⸗ id in n 1. 8 ei 79 Nacht, Gefahren immer; aber nach all dieſen Leiden folgt die Unabhängigkeit Ftaliens. Ich laſſe die Diebe ohne Barmherzigkeit erſchießen, ich beſtrafe Inſubordination ſtreng. Jezt han⸗ delt ſo gut ihr könnt und laßt euch nicht fangen, denn man würde euch keinen Pardon geben. Es ſteht bei euch ſelbſt ob ihr euch von einem Peleton Croaten niederſchießen laſſen oder ob ihr mit dem Säbel in der Hand auf den Leich⸗ namen eurer Freunde ſterben wollt, mit dem Ruf: Es lebe Italien!“ Dieſe kräftige einfache Sprache ſteigerte den Enthuſiasmus der Garibaldianer auf's Höchſte, und ſie hegten von nun an für ihren Führer eine unbegränzte Zuneigung und Ergebenheit. Man beſchäftigte ſich unverzüglich mit der definitiven Organiſativn der Bataillone. Die Herrn vom Sanitätsdienſt, die Doctoren Bertani, als Oberarzt, Maeſtri von Mailand, Marozzi von Pavia, Ripari von Cremona, weigerten ſich Anfangs Leute aufzunehmen die ihnen unfähig ſchienen die Strapazen des Kriegs zu ertragen; aber zulezt wurden ſie weit nachſichtiger, denn es war ſchwer den rührenden Bitten gewiſſer armer Teufel zu widerſtehen die man zurückweiſen wollte.„Sie werden ſehen, Sie werden ſehen daß wir Wunder thun,“ riefen ſie. Und ſo war es auch. Man ſah ſpäter einige der Schwäch⸗ lichſten und Uebelſichtigſten die ſteilen Abhänge der Veltlinerberge hinanklettern und mitten unter den Gletſchern tapfer fechten. Ein neues Decret veränderte die Stellung der Freiwilligen, die in Zukunft einen Theil der Armee bilden und unter dem Kriegsminiſter ſtehen ſollten; aber die Alpenjäger wurden von der Kriegsverwaltung nicht beſſer behandelt als zuvvr. Die Soldatenwohnungen in Cunev waren ſchlecht eingerichtet, die in Savigliano überfüllt, die für ſechs Bataillone von je ſechshundert Mann her⸗ gerichteten Räumlichkeiten waren in wenigen Tagen beſezt; man bekümmerte ſich ganz und gar nicht darum, und die nachfolgenden Frei⸗ willigen mußten ſich einrichten wie ſie konnten. Die Waffen wurden ſo ſpät ausgetheilt, daß im Augenblick wo der Feldzug begann die zuletzt Aufgenommenen noch nicht zweimal auf die Scheibe geſchoſſen hatten. Ohne den Eifer und Einfluß des Generals Cialdini, der geſchickte In⸗ ſtructoren aus der Armee ſandte, wären die Frei⸗ willigen wahrſcheinlich ſogar genöthigt geweſen die Handgriffe und die Führung der Flinte allein zu lernen. Die Caputröcke ließen lange auf ſich warten; einige Mann beſaßen keine Patron⸗ taſchen und Tſchakos; Lagerdecken oder Zelten be⸗ kam man gar nicht. Vergebens reclamirte Gari⸗ paldi einmal ums andere und that Schritte aller Art. Als die Alpenjäger unter den Kriegs⸗ miniſter geſtellt wurden, waren die vom Präſi⸗ denten des Conſeils unterzeichneten Patente den Offizieren wieder abgenommen worden. Gari⸗ baldi verlangte daß man ihnen ein ähnliches atent zuſtellen ſolle wie ihm ſelbſt, nämlich mit der en der or. cht für er⸗ gen nd rei⸗ ten. im letzt die und In⸗ rei⸗ eſen lein ſich on⸗ be⸗ —„ ari⸗ iller egs⸗ äſi⸗ den ari⸗ ches mit 81¹ der Unterſchrift des Königs; er konnte dieß nie⸗ mals erlangen, und eben ſo unglücklich war er in allem was auf das Wohlbefinden, die Or⸗ Laniſation und die Ausrüſtung ſeiner Soldaten Bezug hatte. Gleichwohl durfte man keine Zeit verlieren. Der Krieg ſtand vor der Thüre. Die bſter⸗ reichiſche Regierung, die von der Diplomatie ge⸗ guält wurde, keinen Ausweg mehr erblickte und ſich in ihre letzten Verſchanzungen zurückgedrängt ſah, mußte ſich demnächſt beſtimmt und catego⸗ riſch ausſprechen, und es war ſo ziemlich voraus⸗ zuſehen daß dieß nicht im Sinne des Friedens geſchehen würde. In der That vernahm man bald daß der wiener Hof ſich förmlich geweigert habe den Vorſchlägen beizutreten welche England im Verein mit Rußland, Preußen und Frankreich gemacht hatte. Am 23. April kam der Baron von Kellers⸗ berg, Vicepräſident der Statthalterſchaft in Mai⸗ land, nach Turin und brachte das Ultimatum Oeſterreichs. Die piemonteſiſche Regierung wurde aufgefordert mit Ja oder Nein zu erklären ob ſie unverzüglich ihre Armee auf den Friedensfuß flellen und die italieniſchen Freiwilligencorps entlaſſen wolle. Herr von Kellersberg ſollte drei Tage auf die Antwort warten, und wenn er, ſo ſchloß Herr von Buol, nach Verlauf dieſer Friſt keine Antwort erhielte, oder wenn dieſelbe nicht vollſtändig genügte, ſo würde die Verant⸗ wortlichkeit für die ſchweren Folgen welche die Garibaldi. II. 6 Weigerung nach ſich ziehen müßte vollſtändig u die Regierung Seiner Sardiniſchen Majeſtät allen. Die Antwort auf eine ſolche Depeſche konnte nicht zweifelhaft ſein. Tags darauf vereinigte ein einſtimmiger Beſchluß der Deputirtenkammer die vollziehende und geſetzgebende Gewalt für die ganze Kriegsdauer in den Händen des Königs Victur Emanuel. Garibaldi erhielt Befehl mit ſeiner Brigade auf Muſasco zu marſchiren, und La Farina, Seeretär des italieniſchen Natio⸗ nalvereins, ſchloß ſeinen Bericht über die letzte im Palaſt ſeines Präſidenten, Marquis Palla⸗ vicinv, in Turin gehaltene Sizung folgender⸗ maßen: „Wir haben die lebendigen Streitkräfte Ita⸗ liens vereinigen wollen, indem wir den italieni⸗ ſchen Aufſtand mit der Armee Piemonts ver⸗ mählten. Die Vermählung iſt vollzogen und die von uns vorgeſchlagene Dictatur iſt von den Vertretern der Nation beſchloſſen wor⸗ den. Unſer Werk iſt alſo zu Ende. Im Namen des Centralcvmités erkläre ich den italieniſchen Nativnalverein in dieſer Provinz als aufgelöst und im Namen deſſelben Comités vertraue ich die Geſchicke Italiens der Regierung des Königs⸗ Ehrenmannes an. Der Augenblick iſt entſcheidend;. Stille und Thätigkeit, aber eine umſichtige kräftige, beharrliche Thätigkeit. Vereinigen wir uns alle, König und Volk; vereint werden wir ſtark ſein, ſtart werden wir frei und endlich Jtr⸗ ndig eſtät nnte igte mer r die nigs mit und atio⸗ letzte alla⸗ nder⸗ Ita⸗ lieni⸗ ver⸗ d die r iſt wor⸗ ameh iſchen elbst, le ich nigs⸗ dend; chtige n wir wir Ita⸗ liener werden. lebe Italien!“ Vor dem Abmarſch ſagte Garibaldi zu ſeinen Soldaten:„Wir ſind dem Ziel unſerer Wünſche nahe. Eure Hoffnung iſt nicht getäuſcht worden. Ihr werdet jezt die Unterdrücker des Vaterlands bekämpfen. Morgen vielleicht werdet ihr mit den Waffen in der Hand von den Oeſterreichern Rechenſchaft für ihre Plünderungen und Be⸗ ſchimpfungen fordern. Der Muth allein genügt nicht. Eine ſtrenge Disciplin iſt nicht weniger unentbehrlich. Die jungen Leute dürfen das nicht vergeſſen; ſie müſſen ihren Offizieren, Ve⸗ teranen der früheren Kriege, blind gehorchen. Die erhabene Begeiſterung womit ihr dem Auſ⸗ ruf des ruhmreichen Souveräns entſprochen habt der die Geſchicke Italiens leitet, iſt mir eine ſichere Bürgſchaft für euer künftiges Verhalten. Bald, hoffe ich, werden eure Mitbürger mit Stolz von euch reden und euch würdig erklären unſrer tapfern Armee anzugehören.“ Die Alpenjäger machten ſich munter auf den Marſch. Es war etwas Herrliches dieſe Leute, von denen ungefähr der vierte Theil den höchſten Claſſen der Geſellſchaft angehörte oder eine vor⸗ treffliche liberale Erziehung genoſfen hatte, ſo raſch und flink dahinmarſchiren zu ſehen. Die Belgivjoſo von Mailand, die Sanſeverino, die Cvervli und andere Familien vom älteſten Adel zählten drei bis vier Vertreter unter den Reihen der Freiwilligen. An ihrer Seite befanden ſich Es lebe Victor Emanuel! Es —— 84⁴ Ingenieure, Künſtler, Studenten, Advvcaten, Kaufleute, ſämmtlich mehr oder weniger wohl⸗ 6 habend. Die Lombarden und Toscaner bildeten die Mehrheit; aber jede Provinz Italiens hatte einige ihrer Kinder geſchickt, und ſelbſt Calabreſen waren, zahlreich genug um eine ganze Compagnie i zu bilden, über den langen Kamm der Apenninen 6 gekommen. Die meiſten dieſer Soldaten waren i 20 bis 30 Jahre alt. Ihre Uniform war ſo a einfach und unſcheinbar als möglich: ſie beſtand aus einem grauen Caputrock, dunkelblauen Ho⸗ i ſen, einem Barett von derſelben Farbe und einer n Patrontaſche die an einem ſchwarzledernen Gür⸗ E tel hing. Die Offiziere trugen einen blauen n Rock mit grünen Krägen und blaue Hoſen mit grünen Streifen; ihre Grade wurden durch ſil⸗ V berne Borten oder Treſſen angezeigt die an den p Rockärmel genäht waren, wie bei den franzöſiſchen ſo Zuavenoffizieren. Die fünfzig Reiter, die ſich A beinahe ſämmtlich auf eigene Koſten beritten ge⸗ S 13 macht hatten und am 27. unter den Befehlen 1 des tapfern Simonetta zu den Alpenjägern Le ſtießen, trugen graue Camiſole, graue Hoſen mit de ſchwarzen Streifen und graue Barette. pf Garibaldi hatte, ehe er Turin verließ, ver⸗ V 16 gebens die Bildung einer Geniecompagnie ver⸗ de 1 langt. Eben ſo wenig hatte er es bei dem de . Kriegsminiſter durchſezen können daß man ihm be eine Bergbatterie gab, welche der Marquis Ala eig Puzoni angeboten hatte: man antwortete ihm, D es ſeien keine verfügbaren Artilleriſten vorhanden, fei ten, ohl⸗ eten ate eſen gnie nen ren ſo and Ho⸗ iner zür⸗ uen mit ſil⸗ den hen ſich ge⸗ en ern mit er⸗ er⸗ em hm Ala hm, en, 85 auch könne man ihm die zum Fuhrwerk nöthigen Maulthiere nicht liefern, und er müſſe ſich bis auf neue Befehle gedulden. Garibaldi und die Alpenjäger kamen am 26. April nach Bruſasco. Sie ſollten die Po⸗ übergänge bei Crescentino, Gubbiano und Ponte⸗ Stura überwachen. Im Fall der Feind mit überlegenen Streitkräften über den Fluß käme, auf der Militärſtraße von Caſal nach Turin Poſto faßte und die Linie der Dora Baltea überſchritte, ſollten ſie ſich entweder über Cavag⸗ nolo oder Brozolo zurückziehen, um ſich an die Spizen der franzöſiſchen Armee anzulehnen, deren nahe Ankunft gemeldet wurde. Ein Tagsbefehl regelte den Felddienſt. Jeden Morgen um drei Uhr blies ein Ordonnanztrom⸗ peter bei dem General die Tagwache, welche ſodann bei allen Bataillonen wiederholt wurde. Alsbald griff man zu den Waffen, wechſelte die Schildwachen, zog die Vorpoſten ein, ließ die Patrouillen abgehen. Größte Schonung des Lebens und Eigenthums der Einwohner wurde den Offizieren und Soldaten beſonders anem⸗ pfohlen. Sehr umſtändliche Berichte über alle Vorgänge ſowohl in als außer dem Lager gingen dem General täglich von den Commandanten der Bataillone und Vorpoſten zu. Garibaldi beſichtigte übrigens mehrere Male des Tages in eigener Perſon die verſchiedenen militäriſchen Dienſte. Er entwickelte eine wunderbare Thätig⸗ keit und ſchien niemals Ruhe zu bedürfen. Am 1. Mai ſchrieb Cialdini an Garibaldi, er ſolle ſeine vier Bataillone zuſammenziehen und raſch auf Ponte⸗Stura marſchiren. Die Oeſterreicher waren über den Teſſin gegangen, ins ſardiniſche Gebiet eingefallen und hielten Novara und Mortara beſetzt; ſie marſchirten gegen die Seſia, und der Oberbefehlshaber der italieniſchen Armee hatte Befehl ertheilt alle Truppen in ſtarken Stellungen zwiſchen Caſal und Aleſſandria zu concentriren. In Ponte⸗Stura erhielt Garibaldi folgendes Billet von Cialdini;„Die Oeſterreicher haben bei Careſana den Po paſſirt. Sie ziehen auf dem linken Ufer heran und können jeden Augenblick vor meinem Brückenkopf in Caſal erſcheinen. Ich habe Ihnen keine Befehle zu ertheilen; aber es würde mich unendlich freuen Sie mit Ihren Jägern herankommen zu ſehen. Ich rathe Ihnen ſich zu beeilen. Der Feind will durchaus bei Fraſſineto eine Brücke ſchlagen, und wenn ihm das gelingt, ſo wird es Ihnen beinahe unmög⸗ lich Caſal zu erreichen.“ Garibaldi hegte für Cialdini eine ganz be⸗ ſondere Hochachtung und eine ſehr lebhafte Sym⸗ pathie. Er ließ augenblicklich zum Aufbruch blaſen und marſchirte mit ſeiner Brigade nach Caſal. Er hatte an dieſem Tag die Civilklei⸗ dung die man bisher an ihm geſehen abgelegt und trug die piemonteſiſche Generalsuniform. Die mit Silberſtickereien geſchmückte Müze drückte ihn unangenehm auf die Schläfe. Während des — 8 8 en—)— — — S— 8 S— ldi, hen Die en, ten ten der alle ſal des ben dem lick len. ber ren nen bei hm ög⸗ be⸗ m⸗ uch ach legt rm. ckte des 87 Marſches rückte er mehrere Male an der läſtigen Kopfbedeckung, endlich aber verlor er die Ge⸗ duld, nahm ſie ab, ſteckte ſie in eine ſeiner Pi⸗ tolenholfter, nahm den breitrandigen ſchwarzen Filz wieder hervor der in Italien unter dem Lamen Garibaldihut bekannt iſt, und ſezte ſicht⸗ lich erleichtert ſeinen Marſch fort. Eine Miglie von Caſal machte er Halt. Der heftige Regen der ſeit dem Morgen gefallen war hatte aufgehört; der Horizont hatte ſich auf⸗ geklärt. Man bemerkte Niemand, weder Freunde noch Feinde; Patrouillen unterſuchten das Ter⸗ rain nach allen Seiten. Alles war vollkommen ruhig. Garibaldi ſtellte ſich wieder an die Spize ſeiner Jäger und zog in Caſal ein. Am folgenden Tag zogen neun Jäger zu Pferd unter dem Lieutenant Minghetti und eine Abtheilung unter dem Capitän Inciſa von den Aleſſandriajägern die Seſia entlang bis nach Villanova auf Recognoscirung. Der Feind rückte fortwährend jenſeits der Seſia vor und bedrohte Caſal, wo es ſtark an Stroh und Haber fehlte, mit einem baldigen Angriff. Am folgenden Morgen um vier Uhr zogen die vierte Diviſivn und die Alpenjäger von Ca⸗ ſal aus, um die Bewegungen der Oeſterreicher zu beobachten und zugleich möglichſt viel Stroh und Haber zuſammenzubringen. Dieſe Truppen marſchirten in drei Colonnen: die rechte über Terranvva, die mitklere über Villanova, die linke über Balzyla. Garibaldi commandirte dieſe lez⸗ tere; ſie beſtand aus eilf Compagnien Alpen⸗ jäger, einem Bataillon vom 17. Linienregiment einer Abtheilung der erſten Feldbatterie und aus 15 oder 16 Jägern zu Pferd. In Ca⸗Angiolino ſtellte ſich das Bataillor vom 17. ſowie die Abtheilung Artillerie auf den äußerſten Flügel und marſchirten auf Maranv. Garibaldi erreichte Balzola mit ſeinen eilf Jäger⸗ compagnien. Auf der Brücke vor der Stadt machte er Halt, beſtieg den Kirchthurm, beſichtigte die Gegend und ertheilte dann ſeine Befehle. Eine Compagnie beſetzte Due⸗Stura, vier Com⸗ pagnien begaben ſich nach Rive jenſeits Balzola, und die ſechs andern blieben nebſt einigen genue⸗ ſiſchen Carabinieren in Balzola. Am Abend hatte man die Gewißheit erlangt daß der Feind mit Macht in Vercelli ſtand, und man kehrte mit dreißig Wagen voll Stroh und Haber nach Caſal zurück. Kurz bevor die Spize der Colonne nach Pa⸗ polo kam, ſprengte Menotti Garibaldi, einer der berittenen Guiden die im Hintertreffen ritten, zu ſeinem Vater und meldete ihm daß eine Patrouille feindlicher Reiter von Coſtanzana her ihnen auf dem Fuß folge. „Wir wollen ſie womöglich gefangen nehmen,“ rief der General. Er befahl der Brigade Halt zu machen wenn ſie durch das Dorf gekommen wäre, ſchickte in der Richtung des Feindes etwa zwanzig genueſiſche Carabiniere hinter Gebüſche die an der Straße mal Alle entſ lang gent tigke Bra ſie e der der pen⸗ nent aus illor den and. ger⸗ tadt tigte hle. om⸗ ola, me⸗ end ind hrte ach ßa⸗ der zu ille auf n,“ nn in 3 ße 89 ſtanden, befahl ihnen nur auf zwanzig Schritte zu ſchießen, oder noch beſſer zu warten bis die feindlichen Reiter ſich im Hinterhalt gänzlich ver⸗ fangen hätten, und dann verſteckte er ſich ſelbſt in einem nahen Häuschen. Bald zeigten ſich zwei bſterreichiſche Huſaren auf der Straße. Sie rückten langſam und äußerſt vorſichtig heran. Sie waren nur noch etwa zwanzig Schritte vom Hinterhalte entfernt; Garibaldi, der an einem Fenſter den Beobachter machte, glaubte ſie bereits zu haben, als ein Carabinier ſchoß. Daſſelbe thaten alle ſeine Cameraden; die Huſaren mach⸗ ten ſchnell Rechtsumkehrt und verſchwanden wie der Bliz. Als Garibaldi ſeine Beute entrinnen ſah, zuckte er die Achſel und ſagte ärgerlich ein⸗ mal ums andere:„Verdammte Furcht! Verdammte Furcht!“ Dieſer Vorfall veranlaßte folgenden Tages⸗ befehl: „Geſtern ſollten die Alpenjäger zum erſten⸗ mal dem Feinde gegenüber zu ſtehen kommen. Alles ließ ſie einen Kampf vorherſehen. Ihre entſchloſſene Haltung beweist ihr lebhaftes Ver⸗ langen ſich mit den Oeſterreichern zu meſſen; das genügt aber nicht. Es fehlte ihnen an Kaltblü⸗ tigkeit bei unbedeutenden Allarmzeichen die den Tag über vorkamen. Die Italiener beſitzen eine Bravvur die ihnen Niemand abſtreiten kann, aber ſie ermangeln jenes mannhaften ruhigen Muthes der ihre Voreltern kennzeichnete. Die Offiziere der Alpenjäger werden Alles aufbieten, damit dieſe Wahrheit recht begriffen werde. Durch die Gewohnheit des Kampfes wird, ich bin es über⸗ zeugt, dieſer Mangel verſchwinden; gleichwohl können einige Ueberlegung und die Rathſchläge erprobter Veteranen die Erfahrung ergänzen. Bei der nächſten Gelegenheit werden ſich die Alpen⸗ jäger, hoffe ich, der Sache würdig zeigen die ſie vertheidigen.“ Dieſer väterliche Verweis wirkte vortrefflich. Am Morgen des 8. kam der Feind bis an die Brückenköpfe von Caſal. Die Alpenjäger, die ſich dießmal auf den Vorpoſten befanden, ſchoßen erſt als ſie ihnen nahe genug waren um es mit Erfolg thun zu können, griffen ein Peloton Tirv⸗ lerjäger mit dem Bajonet an, warfen ſich auf eine Kanone, erbeuteten einen Theil der Muni⸗ tion des Vortrabs und verdienten daß der Capi⸗ tän Chriſtoforis in ſeinem Bericht ſagte:„Unſere Jäger haben ſich wie wackere, ja ſogar wie alte Soldaten benommen; ſie wurden daher auch warm begrüßt von den Berſaglieri, als deren würdige Cameraden ſie ſich erwieſen haben.“ Nach dieſem Gefecht wurden die Alpenjäger nach Ranzon und Toreello geſchickt. Der Vor⸗ trab, deſſen Aufgabe darin beſtand den Marſch des Hauptcorps zu ſchüzen, beſezte das rechte Po⸗ ufer militäriſch. Garibaldi kehrte zu ſeiner Brigade nach Ponte⸗Stura zurück. Er kam aus dem Haupt⸗ quartier und brachte Inſtructionen folgenden In⸗ halts von dem Könige ſelbſt: blie geg rea gio und bef hör in Tru iſt in 6 ſein h die über⸗ wohl hläge Bei llpen⸗ ie ſi fflich. n die „ die hoßen s mit Tiro⸗ auf Nuni⸗ Capi⸗ Inſere alte auch deren jäger Vor⸗ darſch Po⸗ nach aupt⸗ In⸗ 9 „San Salvatore 8. Mai 1859. „Der General Garibaldi, der für den Augen⸗ blick beauftragt iſt das Vorrücken des Feindes gegen Turin zu verwehren, wird ſpäter über Jv⸗ rea nach Biella ziehen; er wird am Lago Mag⸗ giore auf der Rechten der Oeſterreicher agiren, und zwar wie er es am wirkſamſten glaubt. Ich befehle demgemäß allen Civil⸗ und Militärbe⸗ hörden ſowie allen Municipalverwaltungen, ihm in Bezug auf Unterhalt und Quartier für ſeine Truppen jeden Vorſchub zu leiſten. Der General iſt ermächtigt alle Freiwilligen die gegenwärtig in Saviglianv, Acqui und ſonſt wo ſtehen, unter ſeinen Befehlen zu vereinigen, wie auch überall wohin er kommt, und ſo vft er es mit Nuzen thun zu können glaubt, Freiwillige anzuwerben. „Victor Emmanuel.“ Die Alpenjäger brachen nach Brazolo auf. Dieſe Bewegung, wodurch Turin gedeckt werden ſollte, konnte bei dem ſchlechten Zuſtand der Wege nur äußerſt langſam ausgeführt werden. Die Bagagewagen blieben häufig ſtecken, und der General, der ſich nie ſchonte, mußte mehr⸗ mal ſelbſt am Rade ſchieben. Man brauchte einen ganzen Tag um nach Brazolo zu kommen. Tags darauf befahl Garibaldi, der vom Mi⸗ niſter nach Turin berufen wurde, dem Oberſtlieu⸗ tenant Coſenz ſeine Brigade von Brazolo nach Chivaſſo zu führen. Man bemerkte ihm, die Soldaten ſeien zu müde um an einem einzigen Tage eine ſo lange Etappe machen zu können. 92 „Die Offiziere ſollen mit gutem Beiſpiel vor⸗ angehen. Die Soldaten werden folgen,“ ant⸗ wortete der General unerſchütterlich. Die Soldaten, die ſeit ihrem Abmarſch aus Caſal, das heißt ſeit fünf Tagen kaum einen Augenblick ausgeruht hatten, waren allerdings äußerſt erſchöpft, aber die Worte ihres vielgelieb⸗ ten Generals gaben ihnen neue Kraft. Durch die Zuſprüche und energiſchen Befehle des Oberſt⸗ lieutenants Coſenz und ihrer Offiziere in der nöthigen Stimmung erhalten, erreichten ſie Chi⸗ vaſſo noch früher als man gehofft hatte. Als Garibaldi von Turin zurückkam, richtete er ſich in Chivaſſo in einem kleinen Gaſthofzimmer ein. Hier bezog er zum erſtenmal den Sold eines Generalmajors im Feld. Er war ſein gan⸗ zes Leben lang von muſterhafter Beſcheidenheit, Einfachheit und Frugalität geweſen und fand da⸗ her die Summe ungeheuer. Er hatte ſie eines Morgens auf einem Tiſch ausgebreitet und be⸗ trachtete ſie nachdenklich, als einer ſeiner Offiziere eintrat. Als dieſer den General in ſeine Betrach⸗ tungen verſunken ſah, blieb er ſtill und unbeweg⸗ lich ſtehen. Garibaldi ſchlug die Augen auf und ſagte lächelnd zu ihm: — Wollen Sie? Dieß iſt mein Sold. Welch ein Haufen Gold! Ich weiß nicht was ich da⸗ mit anfangen ſoll, es iſt zu ſchwer. Der Graf von Cavvur, der damals als Kriegsminiſter fungirte, ſchrieb Garibaldi am 11. „General, ich erſuche Sie mit Ihrer Brigade nad ſich ſtell halt jage den die 1 Eiſer 2 geget Arm Linie und der mand ren zu be Oeſte G gen einer einfa⸗ jäger Feind Germ trab ein S illen: l vor⸗ ant⸗ h aus einen dings elieb⸗ Durch berſt⸗ der Chi⸗ chtete mmer Sold gan⸗ heit, d da⸗ eines be⸗ ziere rach⸗ weg⸗ auf elch da⸗ als 1 ½ ae 93 nach San Germano aufzubrechen. Sie werden ſich zur Verfügung des Generals von Sonnaz ſtellen, der in San Germanv iſt und Befehl er⸗ halten hat die Oeſterreicher aus Vercelli zu ver⸗ jagen. Iſt dieſe Stadt befreit, ſo können Sie den Inſtructionen gemäß handeln die Seine Majeſtät Ihnen ertheilt hat.“ Tags darauf fuhren die vollſtändige Brigade, die berittenen Guiden und das Lazareth mit der Eiſenbahn nach San Germano. Der General von Sonnaz, der ihnen ent⸗ gegenkam, befehligte in San Germano ein kleines Armeecorps, beſtehend aus vier Regimentern Liniencavallerie, zwei Batterien leichter Artillerie und einer Abtheilung Infanterie. Dieſer Veteran der piemonteſiſchen Generale hatte beſagtes Com⸗ mando, das geringer war als alle die ihm ſeit Jah⸗ ren anvertraut worden, angenommen um Turin zu beruhigen, das einen Angriff von Seiten der Oeſterreicher ſehr fürchtete. Eine offenſive Bewegung die er am 13. ge⸗ gen Vercelli ausführen ſollte, wurde in Foige einer Mittheilung des Generals Cialdini in eine einfache Recognoscirung verwandelt. Die Alpen⸗ jäger wechſelten einige Flintenſchüſſe mit dem Feind, dann ſchlug man den Weg nach San Germanv wieder ein. Garibaldi, der den Nach⸗ trab commandirte, machte in der Hoffnung auf ein Scharmüzel mit den öſterreichiſchen Patrou⸗ illen mehrmals Halt, erhielt aber zu ſeinem großen 1 1 94 Bedauern während des Rückzugs keine Gelegen⸗ heit auch nur einen Schuß zu thun. Da zahlreiche franzbſiſche Colonnen zu Waſſer und zu Land angekommen waren und die auf dem rechten Poufer concentrirte italieniſche Arme verſtärkt hatten, ſo war jede Gefahr eines An⸗ griffs auf Turin verſchwunden. Garibaldi konnte ſich daher endlich ausſchließlich mit dem zweiten und wichtigſten Theil ſeiner Aufgabe beſchäf⸗ tigen, nämlich den techten Flügel der Oeſterreicher zu beunruhigen, ſo daß ſie von ihrer Haupt⸗ armee Truppen detachiren mußten, und die Ein⸗ wohnerſchaft im Rücken des Feindes aufzuwie⸗ geln. Ein ſolcher Anführer und ſolche Soldaten hatten wahrlich etwas Beſſeres zu thun als den langſamen und regelmäßigen Marſch einer Armee zu folgen. Victor Emmanuel hatte dieß ſehr wohl begriffen und er ließ Garibaldi in Bezug auf die Wahl ſeiner Mittel alle Freiheit. In Biella wurde Garibaldi von den Ein⸗ wohnern aufs Beſte empfangen. Der Biſchof, ein ehemaliger Miſſionär im Orient, beſtand da⸗ rauf ihn bewirthen zu dürfen, und es fehlte wenig, ſo hätte der General am Ende des Mah⸗ les den Prälaten, ſeinen Vicar und ſeinen Secre⸗ tär dazu beſtimmt die Flinte zu ergreifen und für die Unabhängigkeit Italiens zu fechten. Tags darauf ritt Garibaldi mit zwei oder drei Offizieren ſeines Generalſtabs zu Biella hinaus und ſchlug den Weg nach Andorno⸗Cacciorn ein. Ungefähr eine Miglie von dieſem Ott ſah legen⸗ Vaſſer e auf Armee An⸗ onnte veiten ſchäß eichet aupt⸗ Ein⸗ uwie⸗ daten dem lrmee wohl auf Ein⸗ ſchof dda⸗ fehlte Mah⸗ ecre⸗ und drei naus 95 er die Einwohner mit ihrem Syndicus an der Spize auf ſich zukommen, und alle riefen voll Be⸗ geiſterung: Es lebe Garibaldi! Es lebe Italien! Der Jubel dieſer braven Leute hörte erſt auf dem Marktplatze auf, als der Syndieus Stille gebot und ſeinen Mitbürgern verkündete, General Garibaldi komme ausdrücklich um dem Geburts⸗ ort des Peter Micca, der am 29. Auguſt 1706 Turin gerettet, einen Beſuch zu machen. Alles Volk begleitete den General bis an das ehemalige Haus Micca's, das in Savig⸗ liano, einem in der Nähe gelegenen Dörfchen, ſteht. Aus den Fenſtern und von den Terraſſen herab regnete es mit Blumen. Beim Eintritt in eine Sackgaſſe ſtieg Garibaldi ab und näherte ſich einer kleinen Marmorplatte, in welcher der Name Peter Micca's, des unerſchrockenen piemon⸗ teſiſchen Artilleriſten, des tapfern italieniſchen Soldaten, eingravirt iſt. Er blieb einige Augen⸗ blicke in tiefe Betrachtung verſunken, dann ver⸗ langte er von einem Arbeiter, den man ihm als Abkömmling Micca's bezeichnete, einen Schemel und hing neben der beſcheidenen Erinnerungsplatte einen Blumenkranz auf. — Seht da, ein Held der einem andern Helden ſeine Huldigung darbringt! rief der Syn⸗ dicus im Tone ſolch inniger Ueberzeugung, daß die Anweſenden und Garibaldi ſelbſt tief bewegt wurden. Auf dem Rückzug derſelbe Zudrang, derſelbe Blumenregen. Garibaldi grüßte nach allen Seiten, 96 dankte mit vieler Wärme, theilte Händedrücke aus, lächelte Jedermann zu, ſprach voll Freundlichkeit mit Männern, Weibern und Greiſen. Außen vor dem Ort ſetzte er ſein Pferd in Galopp, aber ein Haufe Kinder ſprang ihm beharrlich nach und rief: Es lebe Italien! Es lebe Garibaldi! — Gehet zu euren Eltern zurück, ſagte Ga⸗ ribaldi voll Güte zu ihnen. Bald werde ich euch Flinten zur Vertheidigung Italiens anver⸗ trauen.— Ich habe, fügte er gegen ſeine Offi⸗ ziere hinzu, niemals Soldaten mit ſolcher Kühn⸗ heit und Entſchloſſenheit kämpfen geſehen, wie eine Cohorte von Jungen die ich 1849 in Rom hatte. Obgleich die meiſten nur Kieſelſteine zu Waffen hatten, ſo trugen ſie doch kein Bedenken bis auf Wurfweite auf die Franzoſen loszu⸗ gehen. Am 19. Abends erſchien in Biella Sebaſtian Tecchio von Vicenza, Mitglied des italieniſchen Parlaments und außerordentlicher königlicher Commiſſär in den Provinzen Jvrea, Vercelli und Novara. Er war Garibaldi und ſeinen Jägern treu ergeben, und er hoffte ſehr ſie ein⸗ mal jenſeits der Etſch zu treffen. Auch er glaubte damals, wie viele andere, feſt daß man erſt in Venedig Halt machen würde. Er war ſo glück⸗ lich geweſen die Stadt Jvrea zu retten, welche der Feind, eingeſchtchtert durch die Haltung der Nationalgarde, der Bevölkerung und der Kriegsſchule nicht anzugreifen gewagt hatte, und in ſeinem Drang ſich nützlich zu machen, brachte er jetzt die Nach⸗ rich na ger gez hat ſein gen kam in Ste bere ten Off Gep das und Bed und mit Stü man nette an. Cige Offi aus, chkeit vor aber nach aldi! Ga⸗ wer⸗ Offi⸗ ühn⸗ wie Rom zu nken zu⸗ ian hen che elli en in⸗ bte in ck⸗ che er le g h⸗ richt, daß die Oeſterreicher an dieſem Morgen, nach Sprengung zweier Brückenbogen, Vereelli geräumt, ſich auf das linke Ufer der Seſia zurück⸗ gezogen und daſelbſt mit Artillerie ſtark verſchanzt hatten. Am folgenden Abend war Garibaldi mit ſeiner Brigade in Gattinara. Tags darauf gien⸗ gen ſie auf einer Schiffbrücke uͤber die Seſia, kamen nach Romagnano und zogen bald darauf in Borgo Manero ein. In den wenigen Stunden die ſie in dieſer Stadt blieben, trafen die Alpenjäger alle Vor⸗ bereitungen zu einem neuen Kampfe. Sie putz⸗ ten ihre Waffen und verſahen ſich mit Patronen. Offiziere und Soldaten erhielten Befehl ihr Gepäck in Borgo Manero zu laſſen und nur das Allernothwendigſte mitzunehmen, ein Hemd und ein Paar Socken. Garibaldi, der niemals Bedürfniſſe hatte, der wenig ißt, Waſſer trinkt und auf der kahlen Erde vortrefflich ſchläft, ging mit gutem Beiſpiel voran, indem er in eig altes Stück Leinwand ein wenig Wäſche wickelks. Er hatte ſeinen Feldzugsplan combinirt, als man Nachmittags drei Uhr nach Santa Criſti⸗ netta aufbrach; aber er vertraute ihn Niemand an. Er ritt an der Spitze der Colonne, wickelte Cigaretten, rauchte ruhig und plauderte mit ſeinen Offizieren, wie wenn er einen einfachen militäri⸗ ſchen Spazierritt machte. Gleichwohl ſchickte er jeden Augenblick Reiterpatrouillen ab um das Garibaldi, III 98 Land zu recognosciren. So erreichte man Oleg⸗ gio Caſtello. Von dieſem Ort aus, der vier Miglien von Borgo Manero liegt, führt der Weg abwärts bis nach Arona. Gleich beim Anfang des Marſches zeigte ein Offizier der neben ihm ritt, dem General zwiſchen den Bäumen durch den Rauch eines auf dem See fahrenden Dampfers. Von dieſem Schiff aus konnte man mit einem Fernrohr die Colonne ent⸗ decken die nach Arona hinabzog. Garibaldi ſchickte ſogleich an Coſenz, den Commandanten des Vortrabs, den Befehl ab Halt zu machen oder ſogar zurückzumarſchiren, damit er vom See aus nicht bemerkt würde. Das Schiff entfernte ſich bald, und die Brigade ſetzte ihren Marſch bis auf die Straße von No⸗ vara fort. Garibaldi begab ſich mit den berittenen Gui⸗ den auf die Eiſenbahnſtation; Simonetta ließ, um die feindlichen Spione zu täuſchen, in Arona Quartier und Lebensmittel für 3500 Mann und 150 Pferde in Bereitſchaft ſezen, und gegen Mitternacht brach der General mit ſeinen Jägern nach Caſteletto auf, wo er am folgenden Abend ankam. Als die Nacht anbrach, ging Garibaldi mit Medici und Sacchi an den Teſſin, um die Mittel zur Bewerkſtelligung des Uebergangs zu erforſchen. Zwei Bataillone beſezten das Haus Visconti militäriſch, wie wenn es ſich blos darum gehan⸗ delt hätte eine feſte Stellung auf dem rechten leg⸗ vier Weg ein ſchen See aus ent⸗ den ab iren, irde. gade No⸗ Hui⸗ ließ, rona und egen gern en mit ittel hen. onti an⸗ ten 99 Ufer einzunehmen. Die Soldaten drangen hier⸗ auf in den Park, deſſen Gitterthore verſchloſſen wurden; dann näherten ſie ſich leiſe und in klei⸗ nen Gruppen dem Fluſſe. Zwei Reihen von zuſammengebundenen Schiffen wurden in kurzer Entfernung von einander im Fluſſe aufgeſtellt. Soldaten beſtiegen dieſe Art von fliegender Brücke, bildeten ſomit zwei Angriffscolonnen und kamen mit Hilfe der Ruder und der Strömung ans lombardiſche Ufer. Der Reſt der Brigade wurde auf dem rechten Ufer in Reſerve gelaſſen. Die Jäger ſtießen am linken Ufer auf keinen Widerſtand. Da der Feind feſt ſchlief, ſo bilde⸗ ten ſie raſch ihre Reihen wieder und marſchirten auf drei verſchiedenen Wegen nach Seſto Calende. Elwa eine Stunde von dieſer Stadt überrumpel⸗ ten ſie einige Zollwächter, nahmen ſie gefangen, und bald hatten ſie rings herum ihre Poſten ausgeſtellt. Simonetta ſtieß mit etwa zwanzig Soldaten das Thor der Caſerne ein, wo vier⸗ zig Gendarmen oder Linienſoldaten ſchliefen, die ſämmtlich ohne Schwertſtreich gefangen genom⸗ men wurden. Man verhaftete bei ihnen auch den Zollcommiſſär und einige andere kaiſerliche Beamte; dann ſezte man die fliegende Brücke von Neuem in Bewegung, und am 20. in der Frühe hatte die ganze Brigade der Alpenjäger den Teſſin überſchritten. Da die Bevölkerung von Seſto Calende wie alle Welt wußte daß Garibaldi gänzlich vom Haupteorps getrennt war, ſo ſchien ſie über dieſen 100 kühnen Zug nicht blos im höchſten Grad ver⸗ wundert, ſondern auch ein wenig unruhig zu ſein. Die öſterreichiſchen Gefangenen, die man in einer kleinen Kirche einſperrte, waren ihrer⸗ ſeits gänzlich verblüfft. Die Linienſoldaten ſahen ſtumpf darein; die Gendarmen affectirten eine gleichgiltig feindſelige Haltung; der Zollcvmmiſſär und die Polizeibeamten machten nicht einmal einen Verſuch ihre Angſt zu verbergen. Garibaldi quartirte ſich in einem Wirths⸗ haus unweit des Fluſſes ein. Er proelamirte die Herrſchaft Victor Emmanuels II. und den italieniſchen Unabhängigkeitskrieg, bemächtigte ſich der Briefe auf der Poſt, ſequeſtrirte die Papiere der öffentlichen Verwaltungen, ließ alle Waffen ſammeln die man entdecken konnte, beſchied die angeſehenſten Einwohner zu ſich um ſie zur Organiſirung einer Nationalgarde aufzufordern, ſchickte dem Grafen Cavour einen gedrängten Bericht über alles Vorgefallene, verhörte die öſterreichiſchen Gefangenen und ließ ſie nach Piemont abführen. Sodann wollte er ſich einige Ruhe gönnen; aber jeden Augenblick kamen von Laveno, Vareſe, Gallaratv und andern Orten der Umgegend her Patrivten, die ſämmtlich vor Begierde drannten die Sachlage genau zu erfahren und die Fahne des Aufruhrs gegen die Fremdherrſchaft aufzu⸗ pflanzen. Garibaldi, der in Hemdärmeln in ſeinem Stübchen auf dem Bette ſaß, empfing ſie alle wie alte Freunde. Er fand für Jeden der ver⸗ man rer⸗ ahen eine iſſär mal ths⸗ nirte den ſich iere ffen die zur ern, gten die nach en; reſe, her ten hne fzu⸗ in ſie der 401 den Wunſch äußerte ſich für Italien hinzugeben ein Wort herzlichen Zuſpruches. Er beauftragte dieſe braven Leute nachſtehende Proclamation überall anzuſchlagen und zu verbreiten. „Lombarden! „Ihr ſeid zu einem neuen Leben berufen, und ihr müßt dieſem Rufe entſprechen, wie eure Väter bei Pantida und Legnano thaten. Der Feind iſt der gleiche: grau⸗ ſam, blutdürſtig, raubgierig. Eure Brüder aus allen Provinzen haben geſchworen zu ſiegen oder mit euch zu ſterben. Wir ha⸗ ben Beſchimpfungen aller Art, die Knecht⸗ ſchaft von zwanzig Generationen zu rächen. Wir müſſen unſern Kindern ein Erbtheil hinterlaſſen das durch die Gegenwart Kriegsknechte nicht beſudelt ſein darf. „Victor Emmanuel, welchen der Wille der Nativn zu unſerem Oberhaupt erwählt hat, ſchickt mich um euch in dieſem patrio⸗ tiſchen Kampfe zu leiten. Ich ſchäze mich glücklich über die heilige Sendung die mir anvertraut iſt. Ich bin ſtolz euch zu be⸗ fehligen. „Zu den Waffen alſo! Die Knechtſchaft muß aufhören. „Wer eine Waffe ergreifen kann und ſie nicht ergreift iſt ein Verräther. „Italien wird mit ſeinen vereinten und von der Fremdherrſchaft befreiten Kindern 102 den Rang wieder zu erobern wiſſen wel⸗ chen die Vorſehung ihm unter den Natio⸗ nen angewieſen hat. Garibaldi.“ In Vareſe, einem Städtchen mitten in den Bergen zwiſchen dem Comerſee und dem Lago Maggiore, von beiden ungefähr gleich entfernt verbreitete ſich noch am ſelben Tag das Gerücht, Garibaldi ſei in Seſto Calende. Die Bevölke⸗ rung gerieth in die höchſte Aufregung, und groß war ihre Freude, als ſie folgenden Anſchlag las welchen der Maire Carcanv bekannt machte: „Heute um Mitternacht wird eine Colonne der italieniſchen Armee unter den Befehlen Jo⸗ ſeph Garibaldi's, Generals des großherzigen Viec⸗ tor Emmanuel, bei Euch eintreffen. Der Ge⸗ meinderath ſchäzt ſich glücklich ſeinen Mitbürgern dieſe Nachricht geben zu können; er nimmt mit ihnen Theil an der Freude und Rührung des dankbaren Vaterlandes. Die Sinnbilder der fremden Unterdrückung ſind herabgeriſſen. Wir ſehen das heilige dreifarbige Banner, das Sym⸗ bol der Freiheit, der Ordnung, der Einigkeit und der Zukunft wieder zurückkehren. Heil und Segen den Tapfern die es uns zurückgeben! Empfangen wir ſie mit Begeiſterung, liebe Mit⸗ bürger. Laßt uns den Eingebungen unſers Her⸗ zens folgen, und unſer Bewillkommnungsgruß laute: Es lebe Ftalien!“ Auf die Nachricht von den Vorgängen in Seſto Calende und Vareſe erließ der General wel⸗ tio⸗ den ago ernt icht, ke⸗ roß las nne Jv⸗ ic⸗ He⸗ ern mit des der Pir m⸗ keit ind n! it⸗ er⸗ ruß in ral 103 Giulay gleichfalls eine Proclamation an die Lom⸗ barden. „Der Feind ſcheint die Abſicht zu haben die Bevölkerungen im Rücken der von mir befehlig⸗ ten Armee aufzuwiegeln, um mich zur Aufgebung einer Stellung zu zwingen die er in der Front nicht anzugreifen wagt. Dieſe Tactik wird nicht gelingen. Die impoſante Truppenmacht die demnächſt aus den Erbſtaaten unſeres erhabenen Gebieters eintrifft, wird jede aufſtändiſche Bewe⸗ gung kräftig niederdrücken. Ich verſichere auf Ehre daß die Ortſchaften wo die Einwohner ge⸗ meinſchaftliche Sache mit der Revolution gemacht, Verſtärkungen an der Vereinigung mit mir ver⸗ hindert, den Verkehr abgeſchnitten und Brücken zerſtört haben, mit Feuer und Schwert beſtraft werden ſollen. In dieſem Sinn lauten die In⸗ ſtructionen die ich meinen Offizieren ertheile. Man wird mich hoffentlich nicht nöthigen zu dieſen äußer⸗ ſten Mitteln zu ſchreiten, man wird zu den bereits ſo unſeligen Folgen des Fremdenkriegs nicht auch noch die Greuel des Bürgerkriegs fügen wollen.“ Wenn der würdige Oeſterreicher ſich in ſeinem Grimm gewaltig täuſchte, indem er einen Kampf der Lombarden gegen die Ctvaten mit dem Na⸗ men Bürgerkrieg ſchmückte, ſo hatte er nicht ganz Unrecht wenn er ſich von der Revolution bedroht glaubte. Vor dem Beginn der Feindſeligkeiten hatte ſich die piemonteſiſche Regierung allervings jeder aufrühreriſchen Bewegung in den lombardi⸗ ſchen Provinzen widerſezt, weil ſie unnüze Ver⸗ 104 gießung von Bürgerblut fürchtete; aber kaum hatte Cavvur den Einzug der Alpenjäger in Vareſe vernommen, ſo ſchickte er Garibaldi als einzige Inſtructivn die Worte zu:„Allgemeiner und unverzüglicher Aufſtand.“ Damit beſchäftigte ſich auch Garibaldi ſogleich. Er war, wie man weiß, gänzlich iſolirt. Er durfte auf keine Unterſtüzung von der franzöſt⸗ ſchen Armee rechnen, die für ihn und ſeine Jäger niemals Intereſſe oder Sympathie bewieſen hatte. Er befand ſich einem anſehnlichen Corps gegen⸗ über, beſtehend aus Infanterie, Cavallerie, Artillerie und commandirt von dem Feldmarſchall⸗Lieutenant Urban, dem ehemaligen Anführer der rumäniſchen Diviſion, die 1848 gegen die Ungarn focht; dem⸗ jenigen von allen öſterreichiſchen Generalen den man für den fähigſten gehalten hatte in einem unregelmäßigen Krieg mit Garibaldi zu kämpfen. Er hatte in Seſto Calende 250 Mann unter dem Capitän Criſtoforis gelaſſen; eine Vorſichtsmaß⸗ regel die nicht unnöthig geweſen, da dieſe Ab⸗ theilung noch am Tage ſeines Abmarſches von 800 Oeſterreichern angegriffen wurde, die ſich des Uebergangs zu bemeiſtern ſuchten, aber kräf⸗ tig und mit Verluſt von etwa zwanzig Gefange⸗ nen zurückgeſchlagen wurden. Er hatte überdieß einige kleine Poſten an verſchiedenen andern Orten zurücklaſſen zu müſſen geglaubt, und jetzt zählte ſeine Brigade kaum 3500 Mann. Er mußte alſo den Mangel an numeriſcher Stärke durch die Raſchheit und Kühnheit ſeiner Bewegungen kaum i als einer leich. Er zöſt⸗ äger atte. gen⸗ lerie nant chen em⸗ den nem fen. dem aß⸗ Ab⸗ von ſih räf⸗ e⸗ ieß ten lte ßte rch gen 105⁵ erſezen, und überdieß war es nöthig daß die Ein⸗ wohner ihm zu Hilfe kamen, indem ſie dem Marſch des Feindes Hinderniſſe in den Weg legten. Am 26. ließ Garibaldi, auf die Nachricht daß Urban mit 6000 Mann Infanterie, einer Schwadron Cavallerie und vier Kanonen gegen Vareſe heranrücke, in allen Straßen Barricaden errichten, bewaffnete die Bürger, ließ ihnen einen Theil ſeiner Jäger als Hilfsmacht da, dann zog er mit dem Reſt ſeiner Brigade um Mitternacht aus der Stadt. Vareſe vertheidigte ſich wacker, und während des Kampfes, der zwei Stunden andauerte, faßte Garibaldi die feindliche Colonne in der Flanke und ſchlug ſie gänzlich. Der Graf Belgivjoſo und Rollero, ein ausgezeichneter Stu⸗ dent, erſt zwanzig Jahre alt, waren getödtet worden; Durando, ein junger Kaufmann, hatte eine Kopfwunde erhalten. Camill Stallo, der Stifter der Geſellſchaft der Genueſerjäger und ihr beſter Schüze, hatte, als er ſah daß einige ſeiner Cameraden ohne Erfolg auf die Artilleri⸗ ſten einer feindlichen Batterie ſchoßen, fünf von ihnen zu ſich gerufen und ſie erſucht raſch für ihn zu laden, da er die Batterie allein auf ſich nehmen wolle. Auf die fünf erſten Schüſſe wa⸗ ren fünf Artilleriſten gefallen; die andern hatten dann voll Angſt ihre Kanonen vernagelt und ſich ſpornſtreichs geflüchtet, und nun hatten ſich die Oeſterreicher, von den Alpenjägern kräftig mit dem Bajonet angegriffen, in Unordnung zurück⸗ gezogen. Camill Stallo war auf dem Schlacht⸗ 106 feld zum Offizier ernannt worden. Die Genueſer Schüzen hatten übrigens ſammt und ſonders Wunder der Tapferkeit verrichtet; der General ließ ſie auf den Marktplaz antreten und machte ihnen öffentlich ſein Compliment. Tags darauf verfolgte Garibaldi den Feind auf der Straße von Como, verjagte ihn aus Binagvo, ſchlug hierauf einen Querweg ein und fiel von Neuem unverſehens über ihn her. Die Oeſterreicher hatten Verſtärkungen erhalten, und von San Fermo bis Camerata, einer der Eiſen⸗ bahnſtativnen zwiſchen Monza und Mailand, hielten ſie mit zwanzig Kanonen die Höhen von Como beſetzt. Die Alpenjäger die zuerſt nach San Fermo kamen, ſtürmten ſogleich den von zwei öſterreichi⸗ ſchen Bataillonen, vertheidigten Hügel hinan. „Wir bildeten, erzählt Carl Moſto, ein junger Genueſer Student, den Vortrab, und ich war mit achtzehn Schüzen unſerer Colonne ziemlich weit voraus. Das Getbſe des Kampfes und der Pulvergeruch hatten uns berauſcht. Allerdings waren rechts und links von uns noch andere Schüzen von derſelben Compagnie wie wir, aber da der Hügel ſehr bewaldet war, ſo wußten wir nichts von ihnen und bekümmerten uns auch nichts um ſie. Wir fühlten in uns die Kraft ganz allein die Oeſterreicher zu ſchlagen; wir verfolgten ſie von Buſch zu Buſch und zeigten ſie einander gerade wie auf einer Haſenjagd: „Sieh, hinter dieſer Hecke ſind drei! neh rück Oeſt hino Ebe die ger und die bald verſe Cor land zwa als Pur Rüe lich ter! wiet ſi mut non Con eſer ders eral chte ind aus und Die und ſen⸗ nd, von rmo chi⸗ er war lich der ngs ere ber wir aft wir ten 107 „Faß dieſe beide links ins Auge! „Achtung! ziele du auf den größeren, ich nehme den andern. „Auf dieſe Art erreichten wir, allmählig vor⸗ rückend, den Gipfel des Hügels und warfen die Oeſterreicher in die Ebene gegen die Stadt zu hinab.“ Ein feindliches Bataillon das ſich in der Ebene von Pra⸗Pasque entwickelt hatte, ſperrte die Straße die nach der Stadt führt. Die Jä⸗ ger warfen ſich, ohne auch nur einen einzigen Schuß zu thun, mit dem Bajonet auf daſſelbe und trieben es ſo bis nach Vicv. Hier ſuchten die Oeſterreicher ſich zu ſammeln, wurden aber bald verjagt und zogen nach Camerlata, wo die verſchiedenen aus ihren Stellungen vertriebenen Corps ſich vereinigt hatten, um ſich nach Mai⸗ land zurückzuziehen. Furchtbare Bajonetangriffe zwangen ſie von Neuem zurückzuweichen, und als der General Urban ſah daß er auf keinem Punct widerſtehen konnte, gab er Befehl den Rückzug in der Richtung von Maranv anzutreten. Die Alpenjäger, die ſeit dem 17. unaufhör⸗ lich marſchirt waren, und zwar ſeit dem 26. un⸗ ter beſtändigen Gefechten, konnten endlich in Como wieder ein wenig ausruhen. Como, eine Stadt von 20,000 Seelen, die ſich 1848 empört, die damals drei Tage lang muthvoll gefochten, drei Vorwerke im Sturm ge⸗ nommen und 1500 Gefangene gemacht hatte, Como hatte ſich nicht gerührt ſo lange man vor 108 ſeinen Thoren focht. Vergebens ſchlugen die Al⸗ penjäger Lärm, Como gab kein Lebenszeichen von ſich, bis der lezte Soldat verſchwunden war, Erſt jezt begannen die Illuminationen, die Ev⸗ vivas, die Blumenregen. Garibaldi, der im Namen Victor Emmanuels auftrat, verordnete die Organiſation einer Na⸗ tivnalgarde, ſezte andere Stadtbehörden ein, ſchickte Dampſfſchiffe auf den See um Recruten zu ſam⸗ meln, und erließ folgende Proelamation an die Bevölkerung: „Bürger!. „Alle jungen Leute die eine Flinte tragen können, ſind hiemit aufgefordert ſich um die drei⸗ farbige Fahne zu ſchaaren. Keiner von euch wird unthätig und waffenlos dem heiligen Krieg zuſchauen wollen; keiner von euch wird ſich der Schmach ausſezen wollen eines Tages mit Errb⸗ then geſtehen zu müſſen daß er keinen Theil daran genommen habe. Der Augenblick iſt gekommen zu zeigen daß ihr nicht loget, als ihr von eurem Haß gegen Oeſterreich ſprachet. „Zu den Waffen alſo! „Kein Opfer darf euch zu groß ſcheinen, denn wir ſind die Generation die das Werk der italieniſchen Unabhängigkeit vollbringen wird. „Garibaldi.“ Das Fort von Laveno, gegenüber von Pal⸗ lanza und den borromäiſchen Inſeln, war von 500 Oeſterreichern beſezt. Es beſchüzte ein ziem⸗ lich geräumiges Baſſin, wo zwei Dampfſchiffe von Be des Tra und Fort Mit eine tung pag For Erft Pur der eine herr als Die der und Näl meh pag Gat und die mit ſich e Al⸗ n von war. e Ev⸗ nuels Na⸗ chickte ſam⸗ n die ragen drei⸗ euch Krieg h der Errö⸗ aran en zu Haß inen, k der Pal⸗ von ziem⸗ chife 109 von je vier Kanonen, der Radezky und der Benedek, lagen; dieſelben überwachten die Ufer des Lago Maggiore und dienten überdieß zum Transport der feindlichen Truppen. Garibaldi, der ſeine Verbindungen ſichern und den See frei machen wollte, beſchloß das Fort von Lavenv zu nehmen und erſchien gegen Mitternacht unverſehens vor demſelben. Er hatte eine Compagnie bei ſich, die ohne alle Vorberei⸗ tungen zu ſtürmen anfing. Eine zweite Com⸗ pagnie ſollte in einem gegebenen Augenblick das Fort von einer andern Seite angreifen und den Erfolg entſcheiden. Die Alpenjäger, die ſich an alle unebenen Puncte anklammerten, waren bald auf der Höhe der Schießſcharten. Der junge Moſto, der den Lauf einer feindlichen Flinte aus einer Schießſcharte hervorkommen ſah, ergriff ihn und benüzte ihn als Stüze um ſich auf die Mauer zu ſchwingen. Die Artillerie ſchwieg. Es begann ein wüthen⸗ der Kampf Mann gegen Mann. Oeſterreicher und Italiener erſchoßen einander aus nächſter Nähe durch die Schießſcharten. Letztere drangen mehreremale in die Feſtung, aber die zweite Com⸗ pagnie hatte ſich verirrt, machte alſo die von Garibaldi ungeduldig erwartete Diverſion nicht, und als der Tag kam, warfen die Oeſterreicher, die numeriſch ſehr überlegen waren, die Jäger mit großem Verluſte zurück. Während dieſer Expedition gelang es Urban ſich der Stadt Vareſe zu bemächtigen. Er be⸗ 1¹⁰ legte ſie mit einer Kriegsſteuer, beſtehend aus ſämmtlichem Tabak⸗ und Cigarrenvorrath der ſich in den Magazinen vorfand, fünfhundert Ochſen und drei Millionen öſterreichiſcher Lire(2,750,000 Francs). Alles ſollte in drei Friſten von zwei, ſechs und vier und zwanzig Stunden abgeliefert werden. Der Gemeinderath ſezte es mit großer Mühe durch daß er erſt in der lezten Friſt be⸗ zahlen mußte; aber ehe ſie abgelaufen war, kam Garibaldi von Laveno her, und Urban ergrif die Flucht, mit Hinterlaſſung der Geiſeln deren er ſich bemächtigt hatte. Vom 29. Mai bis zum 2. Juni fand eine Reihenfolge von Märſchen und Gegenmärſchen ſtatt, mit täglichen Gefechten bei denen die Bri⸗ gade der Alpenjäger viele ihrer beſten und tapfer⸗ ſten Offiziere verlor. Die Lieutenants Bataglia, Cairvli, Pedotti, Ferrini, wurden getödtet. Der Capitän Criſtoforis erhielt einen tödtlichen Sä⸗ belhieb in den Kopf. Dagegen erwarb ſich die Brigade eine ſolche moraliſche Ueberlegenheit, daß die Oeſterreicher, troz ihrer Anzahl, beinahe immer mit der Ueber⸗ zeugung geſchlagen zu werden ins Feuer gingen. Gleichwohl geriethen Garibaldi und ſeine Jäger zuweilen in große Gefahr, und die reac⸗ tionäre Preſſe in Europa etmangelte nicht das Gerücht zu verbreiten, ſie ſeien in die Berge zu⸗ rückgeworfen worden, ſie würden von den Trup⸗ pen Urbans verfolgt, ſie befänden ſich zwiſchen dieſen und den von Mailand oder Brescia an⸗ aus r ſich ochſen ,000 zwei, iefert roßet ſt be⸗ kam rgrif deren eine ſchen Bri⸗ pfer⸗ glia, Det Sä⸗ olche icher, eber⸗ igen. ſeine rear⸗ das zu⸗ rup⸗ ſchen an⸗ 111 rückenden Truppen des Grafen Clam Gallas, und das Stilfer Joch ſei die einzige Paſſage die ihnen noch offen ſtehe. Man übertrieb allerdings viel, aber unläug⸗ bar iſt daß Garibaldi ſich zu verſchiedenen Malen in den Bergen umzingelt ſah und ſeinen Jägern befehlen mußte ſich zu zerſtreuen, wobei er ihnen einen Sammelplaz in der Entfernung von etli⸗ chen Miglien bezeichnete. Zur beſtimmten Stunde befand ſich jeder einzelne auf ſeinem Poſten, und das ganze Corps, nicht minder vereint als wenn die Bande der Disciplin keinen Augenblick Noth gelitten hätten, fiel plötzlich über die Oeſterreicher her, die ſich bereits geſchmeichelt hatten dieſen unbequemen Gegner auf immer los zu ſein. Nichts war den Alpenjägern zu ſchwer, ſo⸗ vald es ſich darum handelte die Feinde des Va⸗ terlandes zu bekämpfen. Sie ſezten in ihren Führer ein blindes Vertrauen, und bei ſeiner Stimme vergaßen ſie Erſchöpfung und Leiden. — Warum gehſt du nicht ins Spital? fragte man Burlando, der mit verbundenem Kopf und kaum im Stande ſich auf den Beinen zu halten nach Como kam, als die Jäger eben im Begriff waren nach Lecco aufzubrechen. — Ich fühle mich unter meinen Cameraden ſicherer als überall ſonſt, antwortete er. Mein Ungehorſam gegen den Arzt, der mich im Spital von Vareſe behalten wollte, iſt mir gut zu ſtatten gekommen. Hätte ich auf ihn gehört, ſo hätten 112 mich die Oeſterreicher bei ihrer Rückkehr in mei⸗ nem Bette abgefaßt.“ Im Uebrigen würde das ſummariſche Ver⸗ fahren des Feindes gegen die Gefangenen auch weniger patriotiſchen, weniger entſchloſſenen und muthigen Leuten als Burlando und ſeine Came⸗ raden waren, Kräfte verliehen haben. Die Oeſter⸗ reicher betrachteten die Italiener als empörte Unterthanen die keine Gnade verdienen. Jeder bewaffnete Mann war in ihren Augen kein Sol⸗ dat, ſondern ein Bandit, und demgemäß wollten ſie ihn auch behandeln.. Unmittelbar nach dem Gefecht von Como ließ Urban den einzigen Alpenjäger welchen die Oeſterreicher je gefangen genommen erſchießen. Bei dieſer Nachricht ließ Garibaldi zwei von einundzwanzig bſterreichiſchen Gefangenen die er in ſeiner Gewalt hatte über die Klinge ſpringen; dann, als die Ordre vollzogen war, rief er den älteſten der Gefangenen und ſagte zu ihm: — Du biſt frei. Kehre zum General Urban zurück. Er hat einen meiner Soldaten erſchießen laſſen; als Repreſſalie habe ich zwei von den ſeinen erſchießen laſſen. Melde ihm das. Wenn*ch je wieder erfahre daß ein einziger Gefangener getödtet worden iſt, ſo laſſe ich, das ſchwöre ich, jeden um⸗ bringen der in meine Hände fällt, und wäre es ein Narſchall oder ein Kaiſer von Oeſterreich. Man zwinge mich nicht zu zeigen, wie weit die Wuth eines Vaters gehen kann dem öſterreichiſche Soldaten ein Kind von kaum dreizehn Jahren gemordet haben. des Fr fol die beſ ſie Rel ver kom bel⸗ unt die auf verl bed: laſſe zu1 Gre Spi ſäm: entſt Dep theil ſcher ſie b und tutio ans richti mei⸗ Ver⸗ auch und ame⸗ ſter⸗ oörte eder Sol⸗ UUten omo die ßen. von 6 e en; den ban ßen nen h je dtet um⸗ ein dan nes ein en. 113 Gewiſſe deuiſche Blätter, die nie ein Wort des Tadels wußten wenn die Oeſterreicher die Frauen peitſchten, die Männer prügelten oder folterten und das Vermögen confiscirten, beuteten dieſen Act ſtrenger Gerechtigkeit ſchlau aus. Sie beſchuldigten Garibaldi und ſeine Soldaten daß ſie täglich auf die frechſte Weiſe die elementarſten Regeln eines civiliſirten Krieges verlezen; ſie verſicherten, es ſei unmöglich nach Como zu kommen, ohne daß die Fremden aufs Gröblichſte beläſtigt und den widerwärtigſten Förmlichkeiten unterworfen würden; ſie erklärten endlich daß die friedlichen Bewohner der Grenzländer, um auf die Neutralität ihres unaufhörlich von un⸗ verbeſſerlichen und blutdürſtigen Revolutionären bedrohten Gebietes keinen Verdacht kommen zu laſſen, genöthigt ſeien ihre Arbeiten im Stich zu laſſen und mit den Waffen in der Hand ihre Grenzen zu vertheidigen. Sie hatten leichtes Spiel, denn die Regierungen des Feſtlandes, die ſämmtlich mehr oder weniger despotiſch waren, entſtellten gerne oder unterſchlugen ſogar ſolche Depeſchen die genaue und etwas detaillirte Mit⸗ theilungen über die tapfern Kämpen der italieni⸗ ſchen Unabhängigkeit machten, und man konnte ſie bloß vom freien England aus Lügen ſtrafen. Dieſes ermangelte allerdings nicht die Art und Weiſe wie man in den abſoluten oder conſti⸗ tutivnellen Monarchien die Oeffentlichkeit begriff ans verdiente Licht zu ſtellen, und überdieß be⸗ richtigte es die Facta. Garibaldi. II. 8 114 Ein Augenzeuge, der Correſpondent eines großen Londoner Journals, beſprach die kriege⸗ riſchen Vorſichtsmaßregeln der Schweizer und widerlegte ſiegreich die Verläumdungen die gegen Garibaldi und ſeine Soldaten ausgeſtreut wurden. „Einer meiner Freunde, ein auſtraliſcher Cv⸗ loniſt, zwei Damen und ich wollten die Schweiz nicht verlaſſen ohne Garibaldi und ſeine Alpen⸗ jäger zu ſehen. Wir blieben drei Tage in dem Land das ſich in ihrer Gewalt befindet. Die Notizen die ich geſammelt habe, werden Ihre Leſer wahrſcheinlich intereſſiren; ich ſchicke ſi Ihnen alſo zu. „Es war Nacht als wir unter ſtrömendem Regen in Lugano ankamen. Wir hofften im Hotel du Parc, wo wir abſtiegen, ein gutes Nachteſſen und bequeme Betten zu finden. Das Haus war voll; zweihundert Perſonen⸗ beinahe ſämmtlich der lombardiſchen Ariſtocratie angehörig, hatten ſich hieher geflüchtet; ſogar die Kammern der Dienſtboten waren mit Beſchlag belegt; es ſtand nicht ein einziges Bett zur Ver⸗ fügung. Im Hotel du Lac und im Hotel de la Couronne erging es uns nicht beſſer. Unſere Lage war überaus traurig. Ein kleiner Men⸗ ſchenhaufe der unſern Wagen umſtand ſchien uns zu bedeuten daß wir uns vergebens um ein Nachtquartier bemühen würden. Es regnete beſtändig, und da wir keine Luſt hatten die Nacht auf der Straße zu verbringen, ſo beſchloßen wit ins Hotel du Pare zurückzukehren. Wir appel⸗ ines ee⸗ und egen den. Co⸗ weiz pen⸗ dem Die Ihre ſi dem im utes den. men, ratie ſogat chlag Ver⸗ de la nſere Men⸗ chien um gnete Nacht wit ppel⸗ 11⁵ lirten an die chriſtliche Liebe des Wirths; dieſer ließ ſich auch endlich erweichen und verſtand ſich dazu zwei Gemächer, die für den Generalſtab des Obercommandanten der ſchweizeriſchen Truppen beſtimmt waren, in Schlafzimmer zu verwandeln. Man ſagte uns daß wir ganz gewiß nicht bis nach Como kommen würden und überdieß in einem ſolchen Räuberneſt keineswegs ſicher wären; ein Herr und zwei Damen, ſämmtlich Engländer und im Hotel du Pare wohnhaft, ſeien zwei Tage und zwei Nächte lang aufgehalten worden, man habe ihnen Schildwachen vor die Thüre ge⸗ ſtellt; überdieß ſtehen die Oeſterreicher mit bedeu⸗ tender Truppenmacht zwanzig Miglien von Como, und man habe den Tag über Kanonendonner gehört. Joſeph Fetier, unſer Führer, der einen ihm befreundeten Schweizerſoldaten befragte, er⸗ hielt eine ähnliche Antwort. Eine einzige Perſon machte uns Muth unſern Weg fortzuſezen; es war ein alter franzöſiſcher Herr, der mit der Bemerkung ſchloß, die Engländer und Narren können überall hingehen. Wir folgerten aus all dem daß man in Lugano von den Kriegsereig⸗ niſſen noch weniger wiſſe als hier, und wir be⸗ ſtanden feſter als je auf dem Vorſaz uns durch eigenen Augenſchein zu überzengen. „Schweizeriſche Truppen die ſich unter den Waffen befanden, gleich als ob ſie dem Feind gegenüber ſtänden, beſezten das Land zwiſchen Lugano und der Stadt Chiaſſo. Ueberall waren Schildwachen ausgeſtellt; in Melide hatte man 116 eine Kirche in eine Hauptwache verwandelt, wir ſtießen auf zahlreiche Patrouillen. Die Bevölke⸗ rung ging jedoch ihren gewöhnlichen Beſchäfti⸗ gungen nach, und wir bemerkten daß ein Reiter welcher ſtark von der Grenze hertrabte, an einigen jungen Mädchen die am Rand der Straße Maul⸗ beerblätter pflückten vorbeikam, ohne daß dieſe auch nur nach ihm umſchauten. Zehn Miglien von der Grenze ſei, erzählte man uns, Garibaldi mit Verluſt zurückgeworfen worden, und man warnte unſern Kutſcher gutmüthig daß ihm ge⸗ wiß der eine oder andere Theil ſeine Pferde wegnehmen würde. Wir fühlten uns indeß voll⸗ kommen ſicher. Waren die Oeſterreicher Herren im Lande, ſo mußten wir im ſchlimmſten Falle umkehren; ſtand dagegen Garibaldi noch in Como, ſo war es nicht wahrſcheinlich daß ſeine Leute, wenn ſie auch, wie man behauptete, die größten Hallunken von der Welt waren, auf dem nur zwei Miglien großen Plaz zwiſchen Chiaſſo und dem Hauptquartier ihres Generals dem Räuberhandwerk oblagen. Fetier und der Kutſcher ſchienen unſere Anſicht zu theilen; wenig⸗ ſtens gehorchten ſie bereitwillig unſerem Befehl ſo weit als möglich ins Land hinein zu fahren. „Wir fuhren raſch auf einer ſchönen Straße die Englands würdig wäre; wir kamen durch Chiaſſo, aber als wir zu dieſer Stadt wieder hinaus wollten, mußten wir Halt machen. Der Regen hatte aufgehört; das Wetter war prächtig, und eine Menge Damen und Herren, die nach hat — Sch und lan Ein brei ergt ſpie pate zeig hert nac wir ölke⸗ äfti⸗ eiter igen aul⸗ dieſe lien adi man ge⸗ erde oll⸗ rren alle in eine die auf chen rals der nig⸗ fehl ren. raße urch eder Der htig, nach 117 unſerer Vermuthung größtentheils vom Kriegs⸗ ſchauplaz entflohen waren, gingen plaudernd ſpazieren. Zu unſerer Rechten hatten wir drei öſterreichiſche Zollwächter die an der Straße ſtanden und uns ruhig und würdevoll anſchauten; zur Linken eine Wachtſtube vor welcher mehrere Pyramiden blanker und gutgehaltener Gewehre und eine Gruppe einfach gekleideter Leute ſtan⸗ den. Zwei von ihnen näherten ſich und fragten nach unſern Päſſen. Wir waren bei den Vor⸗ poſten Garibaldi's. „Einer der Garibaldianer mochte dreißig Jahre zählen; er war ein hochgewachſener Mann, freundlich und heiter. Er trug ein braunes Jagdeamiſol, dunkelgraue Hoſen und eine ditto Weſte; ſeine Kopfbedeckung beſtand aus einem breitrandigen weichen Filzhut. Alles das hatte ſchon viel mitgemacht, war aber noch ſauber. Der andere mochte fünfzig Jahre zählen und hatte große Aehnlichkeit mit einem ehrlichen Schuhmacher, der, im Beſitz einer kleinen Bude und einer zahlreichen Familie, ſich zwanzig Jahre lang bei ſeinen Nachbarn mit Reden über die Einheit Italiens, über die Tyrannei Oeſterreichs breit gemacht und eines ſchönen Tags eine Flinte ergriffen hatte, um ſeine Lehren durch ſein Bei⸗ ſpiel zu bekräftigen. Fetier wies ſein Führer⸗ patent vor und erklärte wer wir ſeien; wir ſelbſt zeigten einen Brief von unſerm Wirth, woraus hervorging daß wir noch am gleichen Abend nach Lugano zurückzukehren beabſichtigten. Die 118 Garibaldianer ſagten, ſie wollen uns einen Em⸗ pfangſchein für unſere Päſſe geben, und dieſe ſollen uns bei der Rückkehr wieder eingehändigt werden. Nach Uebergabe des Scheins ſalutirten ſie uns höflich, und nun konnten wir vhne wei⸗ tere Förmlichkeiten unſere Reiſe fortſezen. „Die Einwohner lagen ſo friedlich ihren Ar⸗ beiten ob wie die Schweizer, und mehrere aus Como zurückkommende Perſonen denen wir be⸗ gegneten erzählten uns, Garibaldi habe gleich nach ſeinem Einzug in die Stadt die Verwal⸗ tung des Bezirks organiſirt. „Die Straßen von Como wimmelten von Bewaffneten, aber man konnte ganz ungehindert umhergehen. Der Gaſthof zum Engel, wo wir abſtiegen, war noch gerade ſo wie wir ihn im vorigen Jahre getroffen hatten, nur daß vor dem Hauptthor ein Poſten ſtand, und wir durch ein Zimmer gehen mußten wo mehrere Offiziere mit Schreiben beſchäftigt waren. Hier hatte Gari⸗ baldi ſein Hauptquartier eingerichtet. Wir dach⸗ ten daß wir, wenn wir dem Vertheidiger Roms, dem Manne der, inmitten der Fehler und un⸗ glücklichen Ereigniſſe von 1848, bewieſen hat daß es den Italienern bisher nur an Zeit und Gelegenheit gefehlt um mit antikem Heldenmuth zu fechten, unſere Huldigung bezeigten, die Neu⸗ tralität unſrer Nation nicht ernſtlich compromit⸗ tiren würden, und ſchickten daher nach dem Früh⸗ ſtück unſere Carten ab. Der General ſchlafe, ließ ſein Adjutant antworten; aber ſobald er Em⸗ dieſe ndigt tirten wei⸗ Ar⸗ aus r be⸗ leich wal⸗ von ndert wir n im dem ein mit Hari⸗ dach⸗ oms, un⸗ hat und muth Neu⸗ omit⸗ Früh⸗ lafe, er 1¹9 erwache, werde man ihm unſere Carten zuſtellen. Nach Verfluß einer Stunde meldete man uns daß er dem Wunſch unſerer Gefährtinnen willfahre, und bald ſahen wir den berühmten Guerillachef in unſer Zimmer treten. „Garibaldi iſt von mittlerer Größe. Er hat nicht mehr als fünf Fuß und ſieben oder acht Zoll engliſch. Die Schultern ſind kräftig, die Bruſt breit, der Kopf gut geformt, die Geſichts⸗ farbe die eines geſunden Engländers, Bart und Haare caſtanienbraun und in Rothblond ſpielend, beides ſehr kurz geſchnitten und leicht mit Grau melirt. Sein Benehmen iſt ſehr einfach, ſeine Haltung die eines echten Gentleman. Seine Phyſiognomie, deren Hauptausdruck Gutmüthig⸗ keit iſt, hat für einen oberflächlichen Beobachter nichts Merkwürdiges; ſie verräth keineswegs einen Mann der im Stande iſt militäriſche Operativ⸗ nen wie die Vertheidigung Roms oder die Ein⸗ nahme Como's auszuſinnen und auszuführen; aber wenn er von der Knechtſchaft oder den Lei⸗ den ſeines Vaterlandes ſpricht, da drücken ſeine Augen und ſeine Lippen langverheimlichte Ge⸗ fühle aus und verkünden einen Character von ſeltener Kühnheit, einen unerſchütterlichen Willen. Ein Kind würde ihn auf der Straße fragen wie viel Uhr es ſei; aber ein zum Tode Verurtheil⸗ ter würde, wenn er einmal auf dieſes unempfind⸗ ſame und energiſche Geſicht einen Blick geworfen, es nicht verſuchen ihn um Gnade zu bitten. Er ſprach lange von den gegenwärtigen politiſchen 120 Ereigniſſen, und gleichwohl ſagte er nicht ein einziges Wort das ihn perſönlich betraf. Er hat nicht viel ſüdliche Geſticulation, und nur wenn er auf die Sympathien des engliſchen Volkes fü Italien zu reden kam, verließ ihn ſeine echt brit⸗ tiſche Ruhe. „Ich hatte bisher immer geglaubt daß er ſich bei ſeinen militäriſchen Operationen mehr durch ſein ungeſtümes Temperament als durch gewandte ſtrategiſche Berechnungen beſtimmen laſſe. Ich überzeugte mich jezt vom Gegentheil. Garibaldi iſt unſtreitig kühn, unternehmend und ſogar ver⸗ wegen; aber er iſt auch ein ſehr kalter und ſehr überlegener Rechner. Ich beobachtete ihn wäh⸗ rend er den Damen ſeine Ausflüge nach China und zu den Gegenfüßlern mit ſo viel Gefällig⸗ keit und Liebenswürdigkeit erzählte, als ſäße er in einem Salon zu London; er konnte jeden Augenblick das Gewehrfeuer der öſterreichiſchen Truppen vernehmen, die in überlegener Anzahl auf der Eiſenbahn zu ſeinen Vorpoſten gebracht wurden, und ich zweifelte nicht daran daß er, was auch geſchehen mochte, zum Voraus mit ſich im Klaren war was er zu thun hatte, und daß er es auch thun würde. Beſonders ſtaunte ich über die Tragweite ſeines Geiſtes. Ich hatte mich ihm mit der Meinung genähert daß er nicht viel weiter als der Chef eines empörten Pöbels ſei; nachdem ich ihn aber geſehen und gehört, gewann ich die Ueberzeugung daß ſeine militä⸗ riſche Laufbahn nur eine Epiſode ſeines Lebens t ein hat wenn s für brit⸗ rſich durch andte baldi ver⸗ ſehr wäh⸗ hina illig⸗ ße er jeden ſchen zahl racht er, daß e ich atte nicht bels hört, litä⸗ ens 121 iſt, und daß er in der öffentlichen Meinung ge⸗ waltig ſteigen wird, wenn er ſich einmal mit der politiſchen Wiedergeburt und der Regierung ſei⸗ nes Landes beſchäftigt. „So bald er uns verlaſſen hatte, ſtieg er zu Pferde und ritt mit zwei Adjutanten und zwei Cavalleriſten weg. Als er durch ſeine Jäger durchkam, erhoben dieſe, die ihm offenbar mit der größten Liebe und Verehrung anhingen, ein ſchallendes Lebehoch. „Wir gingen ſodann durch die Stadt ſpa⸗ zieren, und die Haltung der Alpenjäger beſtärkte uns in der Anſicht daß Alles was man uns von ihrer Disciplinloſigkeit und ihren Räubereien er⸗ zählt hatte auf den albernſten Lügen beruht. Vielleicht waren unter ihnen junge Schlingel die mehr als einmal ſcharfe Verweiſe von ihren Eltern verdient und ihre perſönliche Unabhän⸗ gigkeit zu erwerben verſucht hatten, bevor ſie für die Unabhängigkeit ihres Vaterlandes ſtreiten konnten; aber daß dieſes Corps oder auch nur ein irgend namhafter Theil davon wirkliche Ver⸗ brecher in ſeinen Reihen zählte, das läugne ich unbedingt. Viele von denen die uns in den Weg kamen waren augenſcheinlich Gentlemen, kleine Beſizer vder die Sohne von ſolchen, Land⸗ wirthe, Kaufleute. Ferner waren da viele Ar⸗ beiter aus Stadt und Land, der untern Claſſen der Geſellſchaft angehörig, kräftige, geſunde Burſche, anſtändig und comfortabel gekleidet, mit einer überraſchenden Reinlichkeit für Leute die ſeit 122 geraumer Zeit in ihren Kleidern ſchliefen. Keiner von ihnen war zerlumpt oder betrunken. Alle ſchienen bereit auf das erſte Zeichen die Waffen zu ergreifen; alle benahmen ſich aufs Anſtän⸗ digſte und Angemeſſenſte. Als wir die Cathe⸗ drale beſuchten, wohnten zwei oder drei von ihnen dem Gottesdienſt an. Die in den Cafés Sizen⸗ den waren meiſtens nur hineingegangen um Briefe zu ſchreiben und ſchienen gänzlich von ihrer Correſpondenz in Anſpruch genommen zu ſein. „An Kaufluſt fehlte es ihnen nicht, aber die udenbeſizer trieben ihren Patriotismus nicht ſo weit daß ſie ihnen billigere Preiſe machten. Ich ſah einen jungen Mann um ein ledernes Säck⸗ chen markten, wie die Reiſenden es am Bande⸗ lier tragen; er konnte keine Herabſetzung erlan⸗ gen, und ſeine Börſe war ſo ſchlecht geſpickt daß er dem Gegenſtand ſeines Gelüſtes entſagen mußte. Zwei junge Herren, vermuthlich Brüder, die von Bude zu Bude gingen um ſich einiges zur Ausrüſtung des ältern, der neunzehn bis zwanzig Jahre haben mochte, Nothwendige zu kaufen, intereſſirten mich ungemein. Der jüngere hatte jenes kräftige Ausſehen das einige Wochen Feldzug einem Soldaten verleihen, wenn die auf der feuchten Erde, ohne andern Schuz als das Himmelsgewölbe, verbrachten Nächte ihn nicht tödten oder ins Spital liefern. Der ältere hatie jene Jugendblüthe die der harten Berührung der Welt ſelten wiverſteht, ſeine Augen ſtrahlten von Hoffnung und Begeiſterung; der Krieg hatte für Keinet Alle Vaffen Fathe⸗ ihnen Sizen⸗ um ihrer in. r die cht ſo Ich nde⸗ rlan⸗ daß agen üder, tiges bis gere chen auf das icht atte der von für 123 ihn noch ſeine ganze Poeſie, während ſein Ge⸗ noſſe, obſchon voll Feuer, zugleich ſo umſichtig und ernſt war wie ein Veteran; er wußte daß der Krieg eine furchtbare Wirklichkeit iſt, und un⸗ terſuchte den großen Caputrock, welchen der an⸗ dere wie ein Triumphgewand anlegte, auf das Sorgfältigſte. „Nach ihrem Aeußern und ihrem Benehmen zu urtheilen, haben die Alpenjäger nicht die mindeſte Aehnlichkeit mit den ſpaniſchen Gueril⸗ lasbanden, halb Räubern und halb Soldaten, ſondern ſind ganz einfach ehrenwerthe Bürger die für die Unabhängigkeit ihres Landes fechten, trozdem aber jezt Leben vder Eigenthum harmloſer Leute eben ſo wenig bedrohen als ſie es in Frie⸗ denszeiten thaten. Seit ihrem Aufenthalt in Como haben ſie, ſo verſichern die Einwohner, nicht den mindeſten Grund zu einer Klage gegeben. Sie ſind lebhaft, voll von patriotiſchem Eifer, aber ſie erlauben ſich keinerlei Exeentricität, machen keinen Scandal, ſuchen nie Jemand einzuſchüch⸗ tern oder zu beleidigen, und werden nur dann lärmend wenn ſie ihren General erblicken.“ Alles wohl überlegt, konnte man lieber mit ſolchen Revolutionären zu thun haben, als mit Vertheidigern der Ordnung und Autorität wie die Generale Giulay und Urban. Die von den Verbündeten erfochtenen Vor⸗ theile, die Schlachten von Paleſtro und Magenta geſtatteten Garibaldi und ſeinen Jägern bald ſich bſtlich zu wenden. Am 5. Juni fuhren ſie auf 124 zwei Dämpfern die ſie in Como abgefangen hat⸗ ten über den See und landeten in Leccv. Sie marſchirten gegen Bergamv und hinterließen das Land für immer befreit von öſterreichiſchen Trup⸗ pen. Es gehorchte bereitwillig Herrn Visconti Vucoſta, dem ſardiniſchen Commiſſär, welchem die Muniecipalitäten ſchnell als dem Vertreter ihres rechtmäßigen Königs gehuldigt hatten. Sie zogen über die Berge um einem feindlichen Corps aus⸗ zuweichen, das, wie ſie wußten, die Hauptſtraße beſezt hielt, und ſie befanden ſich nur noch einige Miglien von der alten und feſten Stadt Ber⸗ gamo, als eine Deputation ihnen meldete daß die Oeſterreicher, bei der Kunde von ihrem An⸗ zug, voll Angſt ihre Kanonen vernagelt hatten und mit Hinterlaffung ihrer Magazine in der Nacht abmarſchirt waren. Garibaldi's Einzug in Bergano war ein Triumph auf welchen ein Souverän hätte ſtolz ſein dürfen. Das Volk bejubelte ſeinen Befreier wie einen vom Himmel herabgeſtiegenen Gott; aber keine Huldigung, keine Ovation konnte Garibaldi ſeine Aufgabe vergeſſen machen. Ehe er abſtieg, vernahm er daß eine von Brescia her kommende Colonne ſchon in der Nähe ſei, und nun zog er ihr ſogleich entgegen. „Wir hatten, ſchrieb bald darauf ein Offizier der Alpenjäger an einen Freund, mit dem Ge⸗ wehr über der Schulter Bergamo verlaſſen und hinter einem kleinen Berg ziemlich weit von der Stadt Poſto gefaßt., Unſer Vortrab war bereits Sie das Trup⸗ conti n die ihres oen aus⸗ traße inige Ber⸗ daß An⸗ tten der ein ſtolz eier ott; inte Ehe her ind zier He⸗ nd der its 125⁵ mit den Oeſterreichern handgemein. Das Ge⸗ wehrfeuer wurde lebhafter, der Feind ſchien ſich zu nähern, und wir brannten vor Verlangen an dem Feſte Theil zu nehmen. Endlich erhielt unſer Capitän ein Zettelchen worauf einige Worte mit Bleiſtift geſchrieben ſtanden; er gab uns Befehl uns als Plänkler auf einem Felde zu zerſtreuen, wo das Korn ſo hoch ſtand daß wir uns kaum zu bücken brauchten. Wir eröff⸗ neten das Feuer ſogleich. Der Feind glaubte eine ganze Diviſion vor ſich zu haben; er pflanzte eine Batterie auf, deren Geſchüze auf das Korn⸗ feld gerichtet waren und uns anfangs nicht viel ſchadeten; bald jedoch ſchoß er mit Kartätſchen und mehrere von uns wurden verwundet. Wir befanden uns ungefähr vierhundert Meter von der Batterie. Wir formirten unſere Pelotons wieder und ſuchten den Feind raſch zu umgehen, in der Hoffnung die Artilleriſten zu überrumpeln. Halbwegs wurden wir bemerkt und mußten noch eine Kartätſchenſalve aushalten; dann aber ſtürm⸗ ten wir ungeſtüm zu den Kanonen hinauf und die Artilleriſten galopirten voll Angſt davon. Eine der Kanonen wurde umgeworfen und blieb, die Lafette in der Höhe, auf dem Boden liegen; eine andere ſtieß daran und zerbrach ihre Lafette. Wir eilten heran um uns ihrer zu bemächtigen. Eine halbe Schwadron ſchwarzer Huſaren kam mit dem Säbel in der Fauſt herangeſprengt; es war höchſte Zeit; wir warfen uns verzweifelt auf etwa fünfzehn Artilleriſten die mit ihren 126 Carabinern auf uns zielten, und machten ſie ſämmtlich kampfunfähig, mit Ausnahme eines einzigen den wir gefangen nahmen. Nichts⸗ deſtoweniger umzingelten uns die Huſaren; und wir waren verloren wenn nicht ein Corporal von rieſiger Geſtalt und hereuliſcher Stärke einen Kanonenſetzer ergriffen und nach rechts und links ſo wüthend auf Roß und Mann einge⸗ ſchlagen hätte, daß er dadurch die größte Ver⸗ wirrung verurſachte. In dieſem Augenblick kam unſer Capitän mit dreißig Mann; wir begannen mit dem Bajonet zu ſpielen, und die Huſaren entflohen mit Hinterlaſſung von drei und dreißig Mann nebſt den beiden Kanonen. Mein Sergent und zwei von meinen Corporälen waren an mei⸗ ner Seite gefallen. Mir hatte die Kugel eines Huſaren die linke Epaulette weggeriſſen, aber ich wurde nicht verwundet. Ein feindliches Corps das in geſchloſſenen Colonnen vormarſchirte zwang uns jezt den Rückzug anzutreten. „Ich befand mich, ich weiß nicht wie, bei dem zweiten Bataillon und hatte meine Schlacht⸗ linie verloren; ich erhielt Befehl ſie nicht wieder aufzuſuchen. Eine auf unſerer Rechten aufge⸗ pflanzte Batterie von zwölf Kanonen eröffnete ein furchtbares Feuer, das glücklicher Weiſe nicht lange währte. Gleichwohl war, auch als man die Kanonen eine um die andere zum Schweigen gebracht hatte, unſere Stellung nicht ſonderlich angenehm, denn wir mußten an Ort und Stelle bleiben, und jeden Augenblick erregte Kartätſchen⸗ n ſie eines ichts⸗ un poral einen und inge⸗ Ver⸗ m innen ſaren reißig rgent mei⸗ eines er ich orps wang „ bei lacht⸗ ieder ufge⸗ ffnete nicht man eigen erlich telle chen⸗ 127 hagel, der ich weiß ſelbſt nicht woher kam, Staubwolken die uns blendeten und uns Steine in die Geſichter warfen. Mit wahrem Vergnü⸗ gen vernahmen wir das Commandowort: Vor⸗ wärts! „Wir marſchirten im Sturmſchritt ab, und als der Rauch welchen der Wind gegen uns trieb einen Augenblick verflogen war, ſahen wir eine lange weiße Linie unbeweglich unter dem Feuer unferer Batterien ſtehen. Dieſer Maſſe, die von Zeit zu Zeit ihre Reihen ſchloß um die von unſern Kanonen hervorgebrachten Lücken auszu⸗ füllen, gingen wir jetzt mit dem Bajonet zu Leibe. Wir wurden mit drei furchtbaren Salven Artillerie empfangen, aber wir ſprangen über die Todten und Verwundeten womit der Boden überſät war hinweg und rückten unaufhaltſam vorwärts. Die feindliche Linie machte eine Be⸗ wegung. Sie glich einer Menſchenwoge; ſie wich zurück, kam wieder vor, wich von Neuem zurück. Endlich erreichten wir ſie. Die öſterreichiſchen Reihen die einen Augenblick in Unordnung ge⸗ fommen waren formirten ſich von Neuem und gingen wieder zum Angriff über. Wir wichen ungefähr zehn Schritte zürück. Eine Stimme rief: He dai Flieht auch das Regiment? Dieſe Worte brachten uns zum Bewußtſein und elektri⸗ ſirten uns; mit zwei Sprüngen waren wir wie⸗ der im Vortheil; die Oeſterreicher wandten ſich wieder um und ſchoßen von Neuem auf uns; aber Alles vergebens; wir antworteten nicht ein⸗ — 128 mal auf ihr Feuer, ſondern bedienten uns ein⸗ zig und allein des Bajonets, und dieſe furcht⸗ bare Waffe demoraliſirte unſere Feinde, die doch brave Soldaten ſind, beinahe immer. „Vor uns, hinter uns und auf unſern Flanken donnerte die Artillerie. Der Feind und wir litten gleich ſtark; es entſtand ein ſchreckliches Gewühl. Wie hätte man Gefangene machen können? Niemand verlangte, Niemand gewährte Pardon. Wie lange der Kampf ſich hinauszog, zehn Minuten oder zwei Stunden, vermag ich nicht zu ſagen. Ich weiß bloß daß wir in einem gewiſſen Augenblick Herren des Schlachtfeldes waren und daß wir geſiegt hatten.“ Nach dieſer glänzenden Waffenthat kehrten die Alpenjäger nach Bergamo zurück und ruhten ein paar Tage aus, während ihr General zu dem Könige ging, der ihn herzlich beglückwünſchte und ihm erklärte, er würde gerne ſeine Krone und ſeine Herrſchaft hingeben, um gleich ihm als Chef eines Freicorps den Vortrab der ita⸗ lieniſchen Armee commandiren zu können. Victor Emmanuel, ein aufrichtiger Freund und inniger Bewunderer Garibaldi's, hatte übri⸗ gens bereits an ihn und ſeine Brigade gedacht; er hatte öffentlich zeigen wollen wie ſehr er die weſentlichen bedeutenden Dienſte zu ſchäzen wußte welche ſie der Sache der italieniſchen Un⸗ abhängigkeit geleiſtet hatten, und gleich am Tag ſeines Einzugs in Mailand hatte er folgende Urkunde unterzeichnet, welche der General bei s ein⸗ urcht⸗ doch anken wir liches achen ährte szog, inem eldes rten hten dem ſchte rone ihm ita⸗ und bri⸗ ht; die zen In⸗ ag ide bei 129 ſeiner Rückkehr nach Bergamo ſeinen Soldaten mittheilte: Generalcommandv der ſardiniſchen Armee. Tagesbefehl Nro. 16. Während die verbündete Armee noch in der Defenſive war, brach der General Garibaldi an der Spize der Alpenjäger kühn von den Ufern der Dora auf und marſchirte mit außerordenkli⸗ cher Schnelligkeit in die rechte Flanke der Oeſter⸗ reicher. In wenigen Tagen kam er nach Seſto Calende, drang ſodann, nachdem er den Feind verjagt hatte, ins lombardiſche Gebiet ein und ſezte ſich in Vareſe feſt. In dieſer Stadt von dem Feldmarſchalllieutenant Urban mit 3000 Mann Infanterie, 200 Reitern und vier Kano⸗ nen angegriffen, beſtand er, obſchon er keine Artillerie beſaß ein hartnäckiges Gefecht aus welchem er als Sieger hervorging. Mittelſt mehrerer anderer Gefechte bahnte er ſich den Weg nach Como, warf da die Oeſterreicher aber⸗ mals zurück und bemächtigte ſich ihrer Magazine und Bagage. Dieſe glänzenden Waffenthaten gereichen dieſen jungen Freiwilligen, die wie alte Soldaten gefochten haben, zum höchſten Lob. Sie haben ſich um das Vaterland verdient gemacht. Seine Majeſtät geruht ihnen Ihre höchſte Zu⸗ friedenheit auszudrücken, und hat befohlen der ganzen Armee die Namen der tapfern Jäger die ſich am meiſten ausgezeichnet haben, ſowie die Garibaldi, II. 9 130 S die Sie ihnen gewährt, kund zu thun: Goldene Tapferkeits Medaille, Joſeph Ga⸗ ribaldi, Commandant der Alpenjäger; das Of⸗ fizierskreuz des ſavoyiſchen Militärordens, Oberſt⸗ lieutenant Mediei; das Ritterkreuz deſſelben Ordens, Major Sacchi; die ſilberne Tapfer⸗ keitsmedaille, die Hauptleute Cenni, Puggi, Criſtoforis; Oberlieutenant Prebuſtini; die Unterlieutenants Pedotti, Guerzoni; der Jäger Vigevano; Ehrenbelobung, Oberſt⸗ lieutenant Coſenz und 22 Haupkleute, Ober⸗ und Unterlieutenants, Sergenten und Soldaten. Im Generalhauptquartier, Mailand, den 8. Juni 1859. Auf Befehl Seiner Majeſtät Der Generalſtabschef der Armee, Generallieutenant Della Rocca. Kurz nach der Räumung Bergamo's durch die Oeſterreicher hatten die Alpenjäger auf der Straße einen Bauern abgefaßt, der in's feind⸗ liche Hauptquartier den Befehl bringen ſollte Ber⸗ gamo um jeden Preis zu halten, im Fall man es nicht bereits aufgegeben hätte. Es war ein großes Glück daß dieſe Botſchaft nicht an ihre rechte Adreſſe kam, denn Garibaldi würde es kaum gewagt haben eine zahlreiche Garniſon in einer feſten, von hohen Wällen umringten Stadt an⸗ zugreifen, während jezt, nachdem die Bevölkerung ein gar geg me zug gan lien mee Oe die hab niſc ſtad unt die! una eine gam bald Hau Oeſ Bre riba zwa zig d zu Ga⸗ Of⸗ berſt⸗ elben pfer⸗ 99 ini; oni; berſt⸗ Ober⸗ aten. n8. nant durch der ind⸗ Ber⸗ man ein ihre aum iner an⸗ ung 131 einmal Herr von Bergamo war, die National⸗ garde Barricaden erbaute, ſo daß ſie den Plaz gegen die Oeſterreicher, im Fall ſie zurückzukom⸗ men verſuchten, zu vertheidigen vermochte, und Garibaldi den General Urban auf ſeinem Rück⸗ zug nach Brescia verfolgen konnte. Von Ber⸗ gamv nach Brescia ſind es fünfundvierzig Mig⸗ lien auf directem Wege. Die verbündeten Ar⸗ meen waren noch nicht an der Adda, und die Oeſterreicher ſchnitten in ihren feſten Stellungen die Straße ab; aber Schwierigkeiten dieſer Art haben Garibaldi niemals aufgehalten. Der Name Brescia iſt in jedes wahrhaft italie⸗ niſche Herz eingeſchrieben, neben der andern Helden⸗ ſtadt Vicenza, die gleichfalls ſo viele ihrer Kinder unter den Märtyrern der nationalen Sache zählt. Er übte ſo zu ſagen einen magiſchen Einfluß auf die Brigade der Alpenjäger, und dieſe, obſchon durch unaufhörliche Scharmüzel und, noch mehr, durch Märſche von achtzehn bis zwanzig Stunden unter einer glühenden Sonne geſchwächt, verließen Ber⸗ gamo mit freudigem Geſchrei: — Nach Brescia! Nach Brescia! Um den Feind zu täuſchen, marſchirte Gari⸗ baldi zuerſt nach Romano, einer Stadt an der Hauptſtraße von Mailand nach Brescia. Die Oeſterreicher folgten um ihm den Weg nach Brescia zu verſperren: aber nun wandte ſich Ga⸗ ribaldi nördlich, legte in weniger als vierund⸗ zwanzig Stunden eine Strecke von fünfundvier⸗ zig Miglien zurück und erſchien vor Brescig, wel⸗ 132 che Stadt die Oeſterreicher, die keine Ahnung da⸗ von beſaßen daß man ſie auf ſolche Art im Rücken faſſen könnte, gänzlich ohne Vertheidigung gelaſ⸗ ſen hatten. Bres cia, das ſeinen Widerſtand gegen Haynau im Jahr 1849 und die damals erlittenen Be⸗ ſchimpfungen nicht vergeſſen hatte, bereitete ſeinen Befreiern einen ſolchen Empfang, daß der Gene⸗ ral und ſeine Soldaten darin den ſchönſten Lohn für ihre erſtandenen Strapazen fanden. Gari⸗ baldi erließ folgende Proclamation: „Bürger von Brescia ſ“ „Die Art wie ihr die Alpenjäger empfangen habt iſt ein neuer Beweis für eure patriotiſche Begeiſterung. „Das erhabene Schauſpiel das eure Stadt beim erſten Ton der Sturmglocke darbot, zeigt daß ihr eures alten Rufes würdig ſeid. „Wachſame Hüter der wiedereroberten Unab⸗ hängigkeit, entſchloſſen ſie zu vertheidigen, euer Blut für ſie zu vergießen, habt ihr euch beim erſten Kriegsſchrei den Alpenjägern angeſchloſſen. „Ehre den Bewohnern Brescia's! „Der Feind der dieſe Gegenden noch beunuu⸗ higt bildet keine für eure Stadt bedrohliche Ar⸗ mee mehr; es ſind nur noch Banden von Flüch⸗ tigen, die auf ihrem Weg Spuren ihrer Grau⸗ ſamkeit und ihrer auf ewig geſtürzten, fluchwür⸗ digen Herrſchaft hinterlaſſen. „Bürger von Brescia und Bewohner des Landes! zu Ge gek ben ſehe ſeze die Op keit Ses euch ital find jor Die ten Se des rufe ſtet alle auf gle da⸗ ücken gelaſ⸗ ynal Be⸗ ſeinen Hene⸗ Lohn Hari⸗ angen tiſche Stadt zeigt Inab⸗ euet beim oſſen. unru⸗ Ar⸗ lüch⸗ Hrau⸗ wür⸗ des 133 „Der Augenblick zu kämpfen und eure Brüder zu rächen die auf den Schlachtfeldern oder in den Gefängniſſen Mantua's geſtorben ſind, iſt endlich gekommen. Erinnert euch an eure glorreichen, bewundernswürdigen Traditionen. „Der Wuth womit eure Feinde ſich gezwungen ſehen für immer euer ſchönes Land zu verlaſſen, ſezet einen unerſchütterlichen Muth entgegen. Eilet die Reihen der Freiwilligen zu verſtärken. Kein Opfer ſei euch zu ſchwer um eure Unabhängig⸗ keit wieder zu erobern. „Die dreifarbige Fahne, der Abgott unſerer Seelen, wogt über unſern Häuptern und gebietet euch hingebungsvolle Liebe zum Vaterland. „Benehmt euch ſo daß die glorreiche franzöſiſch⸗ italieniſche Armee euch eurer Befreier würdig findet. „Brescia, 13. Juni 1859. „Garibaldi“. Tags darauf begaben ſich Oberſt Türt, Ma⸗ jor Camuzzi und achtzehn Alpenjäger nach Idro. Die Offiziere fuhren in einer Kutſche, die Solda⸗ ten in einem Omnibus. Sie waren mit einer ſo zu ſagen mehr prolitiſchen als militäriſchen Sendung beauftragt: ſie ſollten die Einwohner des Bezirks aufwiegeln und zu den Waffen rufen, was weder viel Zeit noch viel Mühe ko⸗ ſtete. Sobald ſie nach Idro kamen, wurde mit allen Glocken geläutet und die dreifarbige Fahne aufgepflanzt; der Gemeinderath proclamirte ſo⸗ gleich die Souveränetät Victor Emmanuels, und 134 ein öſterreichiſcher Dampfer der auf dem See von Idro fuhr wurde weggenommen. Nach wenigen Stunden kehrten die beiden Offiziere, die zu ihrer Brigade zurückverlangten, wieder um; ſie ließen ihre Leute als Garniſon zurück und brachten da⸗ gegen zweihundertundfünfzig neue Reeruten ins Hauptquartier mit. Garibaldi, der dem Feind keinen Augenblick Ruhe gönnen wollte, verließ Brescia bald. Sei⸗ nem urſprünglichen Plane gemäß, welchen er bis⸗ her beinahe buchſtäblich hatte ausführen können, manövrirte er ſo daß er den Oeſterreichern den Rückzug über Tirol abſchnitt. Die Bewegungen die er zu dieſem Zwecke ausführen mußte, hatten mehrere Scharmüzel zur Folge. Eines der be⸗ deutenoſten, wenn auch nicht vermöge der Anzahl der Streiter, ſo doch wegen der Lebhaſftigkeit des Kampfes, war das von Rezzato, einem Dorfe das etliche Miglien von Brescia auf der Straße nach Lanato und Peschiera liegt. Zwei zur Recognoscirung ausgeſchickte Com⸗ pagnien ſtießen auf ein vollſtändiges feindlichts Bataillon. Ohne ſich um die numeriſche Ueber⸗ legenheit des Feindes viel zu bekümmern, begaben ſich die Alpenjäger theils in ein naheliegendes Häuschen, theils in ein nahes Wäldchen. Die Oeſterreicher wurden, als ſie vorrückten, ſo kräftig in der Front und Flanke angegriffen, daß ſie bei⸗ nahe ſogleich den Rückzug antraten. Kühn ge⸗ macht durch dieſen Erfolg, wagten ſich die Jäger weiter vor und drangen ins Dorf. Auf der Bri gun macd die und Tro; Auf ihre ſtan! eintt Tru Jäg ſchw ten wur higt dini Die wur Gef drei eine wel geg dete er den ver pag ihre von igen hrer eßen da⸗ ins blick Sei⸗ bis⸗ nen, den igen tten be⸗ zahl des das nach om⸗ ches ber⸗ ben des Die iftig bei⸗ ge⸗ iger der 135 Brücke über einen kleinen Canal, dem Vereini⸗ gungspunkt verſchiedener Straßen, mußten ſie Halt machen. Von allen Seiten regnete es Kugeln; die Oeſterreicher hatten Verſtärkungen erhalten, und ihre tiefen Maſſen verſperrten alle Ausgänge. Trozdem wichen die Alpenjäger keinen Zoll breit. Aufgemuntert durch die Befehle und das Beiſpiel ihrer Offiziere, leiſteten ſie feſten Fußes Wider⸗ ſtand, bis Garibaldi ſelbſt mit zwei Regimentern eintraf. Die Oeſterreicher ließen ſogleich friſche Truppen nebſt zwei Batterien vorrücken. Die Jäger, die ihnen nur einige Gebirgscanonen von ſchwachem Caliber entgegenzuſtellen hatten, konn⸗ ten ſie nicht aus ihren Stellungen vertreiben, wurden aber ſelbſt in den ihrigen nicht beunru⸗ higt, und als die Diviſion des Generals Cial⸗ dini ihnen zu Hilfe kam, war die Sache beendigt. Die Jäger hatten etwa hundert Todte oder Ver⸗ wundete. Der Offizier der die beiden zuerſt ins Gefecht gekommenen Compagnien befehligte hatte drei Kugeln bekommen; der Oberſt Türr hatte einen Schuß im Arm. General Urban, der ſich zwiſchen Garibaldi, welcher die ganze Umgegend aufwiegelte, und die gegen Chieſa heranrückende Armee der Verbün⸗ deten eingepreßt ſah, konnte von Glück ſagen daß er mit Eilmärſchen entkam. Die Alpenjäger, denen ihre beinahe fabelhaften Erfolge die Köpfe verrückten, hätten damals das Schickſal der Cam⸗ pagne beinahe bloßgeſtellt. Gewöhnt die Zahl ihrer Gegner nicht zu berechnen, griffen ſie bei 136 Caſtenedolo ein ſehr überlegenes feindliches Corps an. Sie hatten von Garibaldi keine Hilfe zu er⸗ warten, da der General mit einem großen Theil ſeiner Brigade in einer geradezu entgegengeſetzten Richtung marſchirte. Die Oeſterreicher ſtanden nahe bei ihrer Reſerve; ſie wurden zwar anfangs geſchlagen, konnten aber bald wieder Vortheile erringen. Die Garibaldianer griffen jedoch, ob⸗ ſchon ſie viel gelitten hatten, ſo ungeſtüm aufs Neue mit dem Bajonet an, daß der Feind Halt machte und ſeinen Sieg nicht auszubeuten wagte. In Banino waren die Alpenjäger glücklicher. Unterſtüzt von einer Colonne der Diviſion Cial⸗ dini, warfen ſie ein Corps von dreitauſend oder dreitauſendfünfhundert Mann, welches das Veltlin bedrohte, mit anſehnlichen Verluſten zurück und verfolgten es bis an die äußerſte Grenze des Stilf⸗ ſer Joches. Einige Tage ſpäter campirte Garibaldi in Salo am Gardaſee. Noch war kein Monat ver⸗ ſtrichen ſeit er Piemont verlaſſen hatte. Man hatte für gut befunden ſeine Brigade zu verſtär⸗ ken, und man ſchickte ihm zwei Bataillone der Diviſion Fanti, nebſt einer Batterie. Kaum waren dieſe Truppen angekommen, als ein öſterreichiſcher Dampfer, der Franz Joſeph, vom bſtlichen Ufer des Gardaſees abfuhr um Garibaldi's Stellung zu recognosciren. Als er an den Eingang des Hafens von Salo kam, er⸗ öffnete die piemonteſiſche Batterie ſogleich ihr Feuer. Zwei Kugeln zerſtörten das Hintertheil des Rüc wan die Ex der nal aus orps u er⸗ Theil tzten nden angs heile ob⸗ aufs Halt agte. cher. Fial⸗ oder ltlin und tilf⸗ iin ver⸗ Man ſtär⸗ der als ph⸗ um 3 er er⸗ ihr heil 137 des Schiffes, das natürlich auf möglichſt ſchnellen Rückzug bedacht war. Im Augenblick wo es wandte, fiel eine Granate aufs Verdeck, drang in die Pulverkammer und verurſachte eine furchtbare Exploſion. In weniger als fünf Minuten ſtand der Franz Foſeph in Flammen. Ein Nothſig⸗ nal wurde aufgehißt, aber ehe man von Peschiera aus den Benedek zu Hilfe ſchicken konnte, ver⸗ ſank der Franz Joſeph. Von den zwei⸗ hundert Mann die er am Bord hatte kam nicht ein einziger davon. Alle verbrannten oder er⸗ tranken. Dieſer unglückliche Verſuch ſchreckte ohne Zwei⸗ fel die Oeſterreicher, denn Garibaldi bekam nie wieder etwas mit ihrer Marine zu thun. Als die Verbündeten über die Chieſe zogen, wurde Garibaldi ins Veltlin detachirt. Er ſollte das Stilfſerjoch vertheidigen, damit die Oeſter⸗ reicher nicht, wie man fürchtete, nach dem Ueber⸗ gang der franzbſiſchſardiniſchen Armee über den Minciv von dort aus gegen Mailand herabkom⸗ men könnten. Der General Eialdini wurde mit ſeiner Diviſiun an den Paß von Tonale, einen weitern Ausgang aus dem trentiniſchen Gebiet ins italieniſche Tirol, geſchickt. Das trentiniſche Gebiet iſt eine Provinz de⸗ ren Einwohner Italiener ſind; der Wiener Con⸗ greß aber, der die ewige Knechtung Italiens be⸗ abſichtigte, hat ſie, der Natur und Geographie zum Troz, in den deutſchen Bund eingeſchloſſen. Sie liegt zwiſchen der großen Alpenkette und 138 einer Kette niedrigerer Berge, und hat fünf Päſſe, die nach der Lombardei und Venetien führen. Sie iſt alſo eine ungeheuere natürliche Feſtung und den Oeſterreichern ſehr nüzlich, weil ſie un⸗ geſtraft herauskommen und ſich zurückziehen kön⸗ nen, während eine in Italien operirende Armee ſie nicht verfolgen kann ohne das Gebiet des deutſchen Bundes zu verlezen. Hätte der Krieg länger gewährt, ſo würde die bſterreichiſche Armee wahrſcheinlich die offenen Ebenen Venetiens ver⸗ laſſen, ſich ins Trentiniſche geflüchtet und von da einen Einbruch verſucht haben, um die Verbün⸗ deten von ihrer Operationsbaſis abzuſchneiden. Garibaldi ſtand am Fuße des Stilfſerjoches und hatte bereits in mehreren ſehr lebhaften Ge⸗ fechten anſehnliche Vortheile errungen, als er die Nachricht von dem Waffenſtillſtand und hernach von dem Frieden von Villafranca erhielt. Seine Truppen waren alſo die lezten die Flintenſchüſſe mit dem Feind wechſelten, wie ſie die erſten ge⸗ weſen waren die ſich von den ſchüzenden Mauern von Caſal entfernt hatten. Die kurze, brutale und gleichwohl unbe⸗ ſtimmte Depeſche welche der electriſche Draht übermachte, zog durch die ganze Halbinſel und machte allenthalben einen ungeheuern Eindruck. Die Städte veränderten ihr Ausſehen wie durch einen Zauberſchlag. Die fröhliche Begeiſterung die noch vor einigen Stunden geherrſcht hatte machte plözlich der bitterſten Traurigkeit Plaz. Ein Trauerſchleier ſchien auf einmal über Mai⸗ äſſe, ren. ung un⸗ kön⸗ mee des rieg mee er⸗ da ün⸗ ches Ge⸗ die nach eine üſſe ge⸗ nern nbe⸗ raht und ruck. urch ung atte laz. Nai⸗ 139 land, Turin, Florenz ausgebreitet zu ſein und hatte alle Claſſen der Geſellſchaft mit ſeinen dü⸗ ſtern Falten umhüllt. Was ſoll ich von Venetien ſagen? Von Sanct Marcus herab hatten die Italiener jede Bewegung der franzöſiſchen Flotte heimlich beobachtet; von den Höhen von Verona herab hatten die Bürger ihre Augen ſtarr auf den Horizont gerichtet und jede Mi⸗ nute der dreifarbigen Fahne ihrer Befreier entge⸗ gengeſchaut, und nun meldeten ihnen einige ganz trockene Worte daß alle Hoffnung verloren ſei. Einige gaben ſich den Tod; andere erlagen der moraliſchen Tortur und verfielen in Wahnſinn. Von einem Ende Italiens zum andern wieder⸗ hallten die Worte: Venetien bleibt unter der Herrſchaft Oeſterreichs! in allen Herzen wie das Grabgeläute der Freiheit, der Ordnung und des Vaterlandes. Von den widerſtreitendſten Leidenſchaften auf⸗ geregt, wüthend, verzweifelt, künftiges Unglück, noch furchtbarer als das gegenwärtige, fürchtend, hegten die Italiener hauptſächlich ein Gefühl äußerſten Mißtrauens. Sie waren ſchändlich ge⸗ täuſcht worden. Das famöſe Programm: Italien frei von den Alpen bis zu dem adriatiſchen Meer! war nur eine Lockſpeiſe geweſen. Ihr mächtiger Verbündeter hatte wahrſcheinlich nie die Abſicht gehabt es zu verwirklichen. Kurz und gut, die Italiener waren nach dem Frieden von Villafranca überzeugt daß die An⸗ klagen welche die wahren Liberalen Europas ge⸗ 140 gen den Kaiſer von Frankreich erhoben nicht übertrieben ſeien, und ſie bereuten bitterlich daß ſie nicht auf diejenigen gehört die ſchon vor Beginn der Feindſeligkeiten zu ihnen geſagt hatten: „Die Veröffentlichung der lezten Gedanken Orſini's iſt eine Art von moraliſcher Verpflich⸗ tung welche der Kaiſer übernommen hat Etwas für die Unabhängigkeit Italiens zu thun; dieſe Verpflichtung muß er halten, wenn er nicht aufs Neue die Zündbomben krachen hören will deren Erinnerung ſeit dem 14. Februar 1858 den Schlaf der Tuilerienbewohner ſtört; ſi haben es ſelbſt ausgeſprochen, man muß wählen zwiſchen dem Krieg und dem Morde. Uederdieß ſteht man nicht lange an der Spize einer krieg⸗ gewohnten und thatenluſtigen Armee von 500,000 Mann, ohne daß man Luſt bekommt ſich ihrer zu bedienen. Dieß iſt eine Macht die man mit vieler Rückſicht behandeln muß; ſie iſt von Na⸗ tur eine Feindin der Ruhe; wenn ſie mit einer gewiſſen Einſtimmigkeit Thatenluſt äußert, ſo iſt es gefährlich ihr die Zerſtreuungen und Vortheile des Schlachtfeldes allzu lange zu verweigern. Das Land ſeinerſeits kann nicht gleichgiltig zuſehen daß der Zuſtand des bewaffneten Friedens ſich ungebühriich verlängert; dieſer Zuſtand, der weder Friede noch Krieg iſt, hat in Bezug auf Geſchäftsverkehr und Sicherheit alle Unannehm⸗ lichkeiten des Krieges, ohne die, ob nun wirk⸗ lichen oder eingebildeten, Vortheile eines zu hof⸗ fenden Sieges zu bieten. Wenn die öffentliche icht daß inn nken lich⸗ was ieſe icht will 858 ſi hlen dieß ieg⸗ 000 hrer mit Na⸗ iner o iſt heile Das ehen ſich der auf ehm⸗ wirk⸗ hof⸗ liche 141 Meinung dieſer ſchwankenden Lage, welche die Inſtinete lähmt ohne die nationale Fiber zu kizeln, überdrüſſig wird, ſo bleibt einer Regierung keine andere Wahl mehr als zu entwaffnen oder voran⸗ zuſchreiten. Nun aber liegt das Entwaffnen nicht in den napoleoniſchen Traditivnen welche von dem neuen Kaiſerreich ſo treu feſtgehalten werden. Was dagegen weſentlich in den Traditionen iſt, das iſt ein italieniſcher Feldzug unter der per⸗ ſönlichen Leitung des Kaiſers. Wenn der Krieg in Frankreich nicht ſo populär zu ſein ſcheint wie er es zu andern Zeiten geweſen wäre, ſo wird er es noch werden. Nach dem erſten Kanonenſchuß wird die Nation in einem einzigen Wunſch ver⸗ ſchmelzen, nämlich ihre Armee ſiegen zu ſehen. Iſt der Franzoſe einmal auf dem Plaz, ſo liebt er den Kampf um ſeiner ſelbſt willen. Um die Keime der Oppoſition zu erſticken— und daran fehlt es unter keiner Regierung, auch unter den deſpotiſchſten nicht— gibt es nichts Beſſeres als den Krieg; dieß iſt ein Abführungsmittel auf das man immer wieder zurückkommen muß. Geht es ſchlecht, ſo marktet die in ihrer Exiſtenz be⸗ drohte Nation nicht um die Opfer; geht es gut, ſo vergißt ſie Alles um ſich im Ruhm zu berau⸗ ſchen; in beiden Fällen hat die Regierung ihre Ellenbogen frei und iſt in ihren Bewegungen nicht gehemmt. Der Krieg iſt für Napolevn II. eine Nothwendigkeit, er will ihn und er wird ihn auch führen; aber an der Unabhängigkeit Italiens iſt ihm im Grunde nichts gelegen.“ 142 Die Ereigniſſe haben in der That die Rich⸗ tigkeit dieſer Anſichten dargethan. Die Italiener wußten jetzt an was ſie ſich zu halten hatten. Man hatte ſie übertölpelt, ihre Befreiung war nur ein Vorwand geweſen. Der großherzige Kämpe der unterdrückten Nationalitäten hatte, getreu ſeiner gewöhnlichen Schwankungspolitik, die ihm bis auf den heutigen Tag gelungen iſt, die europäiſchen Großmächte dadurch erſchreckt daß er ihnen das Geſpenſt der Revolution vor Augen hielt. Dann hatte er, im Gefühl ſeiner Unfähigkeit die von ihm ſelbſt geſchaffene Lage zu beherrſchen, plötzlich ſeine Front verändert, ſich als natürlichen und nothwendigen Beſchüzer der Ordnung und Autorität erklärt, und ohne den König von Piemont, ſeinen Verbündeten, auch nur zu fragen, mit dem Kaiſer von Oeſterreich unterhandelt. Hunderte von Millionen waren verſchleudert worden, Tauſende von Menſchen waren umgekommen, und gleichwohl ſtanden die Oeſterreicher noch immer in Italien, und zwar auf ſo feſten Füßen wie zuvor, in dem furchtba⸗ ren Viereck das man nicht anzugreifen gewagt hatte. Keine Frage war entſchieden oder der Entſcheidung nahe, weder die römiſche noch die neapolitaniſche, ja nicht einmal die der Herzog⸗ thümer; aber was lag Napolevn II. daran? Er hatte einen Angenblick Curopa ſeinen Wil⸗ len auferlegt; er hatte die Einfaltspinſel und Maulaffen glauben gemacht daß er über die Schickſale der Welt gebiete und ſteis gebieten werd than litik gnü Arm man trau Spie in ſ nen reich verb und nach proz bekä hau aus Wa Vert Frie ſehr der fen Viet niſſe ruhi flößt alle ich⸗ ener ten. war zige atte, itik, iſt, reckt vor iner age dert, üzer den auch reich aren chen die war tba⸗ wagt der die zog⸗ tan? Wil⸗ und die ieten 143 werde; er hatte die Aufmerkſamkeit ſeiner Unter⸗ thanen auf einige Monate von der innern Po⸗ litit abgelenkt; er hatte ſich das kindiſche Ver⸗ gnügen bereitet als Oberfeldherr eine wahre Armee auf einem wahren Schlachtfeld zu com⸗ mandiren, gerade wie ſein Oheim berühmten und traurigen Angedenkens; er wollte jetzt an der Spize ſeiner ſiegreichen Banden als Triumphator in ſeine Haupiſtadt einziehen; er hatte alſo ſei⸗ nen Zweck, den einzigen den er je gehabt, er⸗ reicht. Die italieniſchen Patrioten waren um ſo verblüffter, als dieſes Beiſpiel von Egvismus und Gleichgiltigkeit gegen die italieniſche Sache nachgeahmt werden konnte, und weil ſie auch die prophetiſche Unfehlbarkeit der Ultrarevolutionäre bekämpfen zu müſſen fürchteten. Dieſe haten be⸗ hauptet, der König von Sardinien habe nur aus Gründen perſönlichen Ehrgeizes zu den Waffen gegriffen; er werde ſich jetzt mit der Verdopplung ſeiner Staaten zufrieden geben, den Frieden von Villafranca folgſam annehmen und ſehr gerne auf jeden weitern Verſuch zu Gunſten der Unabhängigkeit Italiens verzichten. Die Nachricht von der Entlaſſung des Gra⸗ fen Cavour und der ungeheuchelten Verzweiflung Victor Emmanuels, die im Anfang die Beſorg⸗ niſſe und Aufregung zu vergrößern ſchien, be⸗ ruhigte im Gegentheil die Gemüther wieder und flößte neuen Muth ein. Die Italiener begriffen alle daß der König noch zu ſeinem Volke ſtand, 144 daß der Miniſter eher ſeiner Gewalt entſagte als in einen gehäſſigen Frieden willigte. Zu ihrer ewigen Ehre überſtanden ſie dieſe ſchwere Prüfung vhne daß ein einziger Act der Gewalt vorkam. Die vollſtändige Befreiung ihres Va⸗ terlandes, in deren Namen man paſſiven Gehor⸗ ſam von ihnen verlangt hatte, war auf unbe⸗ ſtimmte Zeit verſchoben, weil ſie mit der treulo⸗ ſen und abenteuerlichen napolevniſchen Politik unverträglich geworden, und dennoch erlaubten ſie ſich keine Beſchimpfungen gegen diejenigen die ihnen dieſe ſchmerzliche Enttäuſchung bereiteten. Sie hatten Mitgefühl für den Verdruß der franzöſi⸗ ſchen Armee, welche die plötzliche Beendigung ihres glänzenden Felpzuges nicht ohne Grund bedauerte, und wenn ſie den Kaiſer der Franzo⸗ ſen kalt empſiengen, ſo behandelten ſie ihn doch mit dem gebührenden Reſpect; denn hatte er auch nicht alle ſeine Verſprechungen erfüllt, ſo hatte er doch für die Unabhängigkeit Italiens ſein Leben aufs Spiel geſetzt und ſeine Soldaten ihr Blut verſprizen laſſen. Garibaldi hatte, obſchon er ſtets an der Auf⸗ richtigkeit und Uneigennützigkeit Napoleons III. gezweifelt, alle Gefühle ſeiner Landsleute ge⸗ theilt. Auch er hatte bei der Kunde von den Friedenspräliminarien geknirſcht vor Entrüſtung und Schmerz. Er wollte anfangs nicht daran glauben; dann aber, als er die officielle Nach⸗ richt erhielt, ging er ins Hauptquartier und über⸗ reichte dem König ſeine und aller ſeiner Offiziere Entl erklä troz über piem aufz men Vict Lieb Entſ tritt ſchat nüzt Min hatt ohne Hätt ders auf Ita Reg tion zuri dem Tre Vel Fri wer Beſ agte Zu were walt Va⸗ hor⸗ nbe⸗ ulo⸗ olitik n ſie die Sie tzöſi⸗ gung rund anzo⸗ doch te er t, ſo liens daten Auf⸗ III. e ge⸗ nden iſtung daran Nach⸗ über⸗ fiziere 145 Entlaſſung. Der König war tief ergriffen und erklärte dem General, ſein Vaterland bedürfe troz des Friedens ſeiner Dienſte noch immer; überdieß ſtehe es ihm in ſeiner Eigenſchaft als piemonteſiſcher Offizier nicht frei ſein Commando aufzugeben, und nun ließ Garibaldi ſich beſtim⸗ men ſeine Entlaſſung zurückzunehmen. Es war unſtreitig ein Glück für Italien daß Victor Emmanuel einen ſolchen Einfluß auf den Liebling des Volkes beſaß und ihn von ſeinem Entſchluß abbringen konnte. Garibaldi's Rück⸗ tritt hätte in dieſem Augenblick eben ſo ſehr ge⸗ ſchadet, als der Rücktritt des Grafen Cavour nüzte. Dieſer weſentlich kühne und angreifende Miniſter, der Oeſterreich ewigen Haß geſchworen hatte, konnte keine Friedensurkunde unterzeichnen ohne ſeine ganze Vergangenheit zu verläugnen. Hätte dagegen Garibaldi, ein Kriegsmann der mit der Politik vder Diplomatie nichts zu ſchaffen hatte, auf ſeiner Entlaſſung beſtanden, ſo hätte ganz Italien ſogleich vermuthet, der König und die Regierung von Piemont üben Verrath an der na⸗ tionalen Sache.. Als Garibaldi nach Lovere im Valcanonica zurückkam, ließ er ſeine Offiziere und Soldaten dem König von Piemont einen neuen Eid der Treue leiſten. Er verließ ſeine Stellung im Veltlin nicht, und da er unaufhörlich gegen den Frieden proteſtirte, ſo betrieb er auch die An⸗ werbungen nach wie vor. Acht Tage nach der Beſprechung von Villafranca veröffentlichte er Garibaldi. III. 10 146 folgende Eiklärung:„Was auch der Gang der politiſchen Ereigniſſe ſein mag, ſo dürfen die Italiener weder ihre Waffen niederlegen noch ihren Muth verlieren; ſie müſſen im Gegentheil ihre Reihen verſtärken und Europa zeigen daß ſie unter Anführung des tapfern Victor Emma⸗ nuel bereit ſind den Wechſelfällen des Krieges aufs Neue Troz zu bieten! Die Garibaldianer ſtanden ſtaffelweiſe auf dem ganzen Raum zwiſchen dem Stilfſerjoch und dem Paß von Tonale, im Veltlin, in Valcanv⸗ nica, in Valſalia. Die Apenninenjäger, damals mit den Alpenjägern vereinigt, ſtanden in San⸗ drio und dem untern Thale. Auf der Straße an dem Apricapaß entlang, von dem Addathal bis ins Ogliothal, ſah man über die Wege hin und in den Schluchten Spuren friſcher Kämpfe und Barricaden die in der Eile improviſirt wor⸗ den, um den Ungeſtüm der Angreifer zu brechen und nicht allzuſehr gegen die mörderiſchen Büch⸗ ſen der Tiroler im Nachtheil zu bleiben, indem u Garibaldianer ſelbſt nur ſchlechte Flinten be⸗ ſaßen. Ueberall war nur von dem Sieger von Como und Vareſe die Rede; überall ſtieß man auf Leute von dieſem eigenthümlichen Corps, wo der Gemeine oft gebildeter und unterrichteter war als ſein Oſſizier, wo man neben den Genueſen, Lombarden, Toscanern, Romagnolen, Calabreſen, Leute aus allen Weltgegenden erblickte, Franzo⸗ ſen, Deutſche, Spanier, Schweizer, Americaner aus Engl lände Z daß Hirſc jagt, daß politi und übert 2 einer kelnd rückg Stir bei bis zig brei grür Pat umh lich lich Hang n die noch theil daß nma⸗ ieges auf n cano⸗ mals San⸗ traße athal e hin ämpfe wor⸗ rechen Büch⸗ indem en be⸗ Como n auf der war ueſen, breſen, ranzo⸗ icaner 147 aus Nord und Süd, einige Chineſen und einen Engländer, den man ſchlechtweg Garibaldis Eng⸗ länder nannte und noch jetzt nennt. Dieſer Engländer hatte das Eigenthümliche daß er auf die Oeſterreicher jagte wie man auf Hirſche., Eber, Wölfe oder irgend andere Thiere jagt, das heißt einzig und allein aus Jagdluſt; daß er ziemlich ſchlecht italieniſch ſprach, von den politiſchen Angelegenheiten ſehr wenig verſtand und ſich für die Sache welcher er diente nicht übermäßig intereſſirte. Beim Antritt des Feldzugs ſah Garibaldi einen großen hagern Mann, mit prächtigen fun⸗ kelnden Augen unter einer offenen durch ſeine zu⸗ rückgekämmten Haare noch größer erſcheinenden Stirne, auf ſich zukommen. Sein grauer Bart, bei welchem das Weiß vorzuherrſchen anfing, fiel bis auf die Bruſt herab. Er mochte achtundfünf⸗ zig bis ſechzig Jahre zählen. Er trug einen breitrandigen und um ſeiner Augen willen vornen grün ausgeſchlagenen Hut; er hatte eine volle Patrontaſche und ein gewaltiges Theaterbinvele umhängen. Seine Feldausrüſtung vollendete ein vortreff⸗ licher Doppelcarabiner. — Der General Garibaldi? fragte er. — Der bin ich, antwortete Garibaldi ziem⸗ lich kurz; was wollen Sie von mir? — Ich bin Sir John Williams Peard. — Was weiter? 148 — Und ich möchte Sie um die Gunſt bitten unter Ihren Befehlen dienen zu dürfen. Garibaldi betrachtete ſeinen Recruten. — Hem, ſagte er, unter meinen Befehlen die⸗ nen; wiſſen Sie wozu man ſich verpflichtet wen man unter meinen Befehlen dient? — Pein; aber wenn Sie mirs gefälligſt ſa. gen wollen, ſo werde ich's wiſſen. — Kein Sold! — Das iſt mir einerlei ich bin reich. — Zehn Stunden Marſch einen Tag um den andern. — Ich bin gut zu Fuße. — Flintenſchüſſe alle Tage. — Eben das ſuche ich. — Unbedingten Gehorſam gegen meine Be⸗ fehle. — Hem! — Da ſehen Sie, das ſagt Ihnen nicht zu⸗ — Ich würde lieber nach meiner eigenen Manier fechten. — Was iſt Ihre Manier? — Ich bin ein guter Jäger. — Ah! — Ich ſchieße ſehr gut. — Was weiter? — Ich mböchte bei Ihren Plänklern fechten. — Nun wohl, es ſei; Sie können bei meinen Plänklern fechten. — Ich möchte auch mein Coſtüm behalten, das mir ſehr bequem iſt. bitten n die⸗ wenn ſt ſa⸗ n den e Be⸗ ht zu. igenen chten. neinen halten, 149 — Das können Sie. — Ich möchte ferner — Ei wahrhaftig, Sie verlangen gar zu viel, ſagte Garibaldi ungeduldig; wäre ich bei Herrn von Lamarmora ſo anſpruchsvoll geweſen, ſo wäre ich nie ins Feld gekommen. — Nun gut, ſagte Sir John, ich werde mich auf eigene Rechnung ſchlagen. — Schlagen Sie Sich auf Ihre eigene Rech⸗ Sie haben Recht, das wird das Beſte ein. Sir John hatte Garibaldi ſalutirt, und Ga⸗ ribaldi hatte Sir John ſalutirt.. Tags darauf fand das Gefecht von Vareſe ſtatt. Garibaldi ſchickte ſeine Plänkler voran; aber ſo ſehr ſie ſich auch beeilen mochten den Feind anzugreifen, ſo fanden Sie Sir John bereits mit ihm handgemein. Sir John erklärte, wie er geſagt hatte, Oeſter⸗ reich den Krieg und ſchlug ſich auf eigene Rechnung. Er ſchlug ſich nicht bloß auf eigene Rechnung, ſondern auch auf ſeine eigene Manier. Er ſtand aufrecht da, ohne ſeine große Ge⸗ ſtalt um einen Zoll kleiner zu machen, ohne ſich im mindeſten zu ſchüzen. Er bekümmerte ſich um die Flinten⸗ und Kanonenkugeln ſo wenig als wären es Muskitos oder Bienen geweſen. Er zielte ſo ruhig als ob er ſich auf dem Anſtand befände; er drückte ſeinen Schuß los, ſtellte ſeinen Carabiner bei Fuß, nahm ſein bereits 15⁰ gerichtetes Binoele, ſchaute nach der Wirkung ſei⸗ nes Schuſſes, machte eine verneinende oder be⸗ jahende Kopfbewegung, je nachdem er zufrieden war oder nicht, lud wiederum, zielte von Neuem, gab Feuer, nahm ſein Binvcle wieder und be⸗ zeugte abermals Mißvergnügen oder Zufrieden⸗ heit. Als der Feind in Flucht geſchlagen und Ga⸗ ribaldi wie immer Herr des Schlachtfeldes war, beſchäftigte ſich Sir John noch damit ſeine Tod⸗ ten und Verwundeten aufzuſuchen, die er ganz genau kannte, wie der Jäger bei einer Treibjagd die Haſen erkennt die er wirklich getöd⸗ tet oder bloß verwundet hat. Nachdem er die einen wie die andern erkannt und in ſein Notizbüchlein eingetragen, begann det Engländer die Oeſterreicher zu verfolgen und holte mit ſeinen langen Beinen die ſchnellſten ein. Garibaldi ließ ihn zwei⸗ vder dreimal nach ſeiner Weiſe plänkeln, ohne ihm ſcheinbar die mindeſte Beachtung zu ſchenken; da er aber tap⸗ fere Leute über Alles liebt, ſo ritt er einmal auf den Engländer zu und ſagte mitten im Feuer zu ihm: — Sir John, ich mache Ihnen mein Com⸗ pliment, Sie ſind ein Tapferer. — Ich weiß es wohl, antwortete der Eng⸗ länder. — Und überdieß ſind Sie mein Freund. — Ah, was das betrifft, verſezte Sir John, ſo wußte ich es nicht und ich bin Ihnen ſehr dank ein ſticht ( Oeſt Lad vorr nen denh reich doch Pea behi Cor ſchic ſein von erhi will pier per nich unt bal Co: Eit g ſir rbe⸗ ieden euem, d be⸗ eden⸗ Ga⸗ war, Tod⸗ ganz einer etöd⸗ kannt n der holte nach r die tap⸗ lauf Feuer Com⸗ Eng⸗ ohn, ſehr 151 dankbar.. aber entſchuldigen Sie, es iſt da in verdammter Oeſterreicher der mir ins Auge ſticht. Sir John legte ſeinen Carabiner an, der Oeſterreicher der ihm ins Auge ſtach bekam die Ladung in die volle Bruſt, machte drei Schritte vorwärts und fiel auf die Naſe. Sir John nahm ſein Binvele, betrachtete ſei⸗ nen Oeſterreicher, machte ein Zeichen der Zufrie⸗ denheit; vann wandte er ſich gegen den General, reichte ihm die Hand und ſagte: — Guten Tag, General, Sie befinden ſich doch wohl? Von dieſem Tage an nannte man Sir John Peard nur noch Garibaldi's Engländer. Das unter Garibaldi's Befehle geſtellte Corps behielt ſeine Organiſation bis zu den Züricher Conferenzen. Der definitive Friedensabſchluß ſchien unvermeidlich. Garibaldi reichte abermals ſeine Entlaſſung ein; der König verweigerte ſie von Neuem; aber während man ihn ſelbſt activ erhielt, beurlaubte man nach und nach die Frei⸗ willigen; ſie waren jezt eine Verlegenheit für die piemonteſiſche Regierung geworden, die troz ihrer perſönlichen Abneigung gegen den Frieden ſich nicht weigern konnte den Züricher Vertrag zu unterzeichnen. Vietor Emmanuel, der ſich der Dienſte Gari⸗ baldi's nicht berauben wollte, verſuchte mehrere Combinationen, die aber ſämmtlich theils an den Einwendungen des Generals, theils an wichtigen 152 politiſchen Erwägungen ſcheiterten, und am 11. Auguſt verabſchiedete ſich Garibaldi, der zum Rück⸗ tritt entſchloſſen war, folgendermaßen von ſeiner Brigade, dem allein noch beſtehenden Kern jeiner kleinen Armee: „Waffenbrüder!“ „Ich bin genöthigt für den Augenblick den Dienſt zu verlaſſen. Seine Majeſtät hat den Ge⸗ neral Pomaretto mit dem Commando der Bri⸗ gade beauftragt. Ihr werdet, hoffe ich, jezt eben ſo viel Disciplin zeigen als ihr in den Gefechten Unerſchrockenheit bewieſen habt, und ihr werdet die militäriſche Gewandtheit zu erwerben ſuchen die euch in die erſten Reihen ſtellen wird, wenn ihr wieder einmal den Feinden unſeres Vaterlan⸗ des entgegen zu treten habt“. Garibaldi, der von der Stadt Stradella zum Deputirten erwählt worden, durchreiste einen Theil von Mittelitalien. Er ging nach Genua, Livorno, Florenz, Parma, Modena und endlich Bologna, wo er das Grab des Paters Ugo Baſſi beſuchte, welchen die Oeſterreicher im Jahr 1849 in der Provinz Ravenna feſtgenommen und erſchoſſen hatten. Ueberall auf ſeiner Reiſe wurde er von der ganzen Bevölkerung mit enthuſtaſtiſchem Jubel begrüßt. Im Monat September zum Generallieutenant und Chef der eilften Diviſion der italieniſchen Armee an die Stelle des Generals Ullva ernannt, wollte er, ehe er von ſeinem Commando Beſiz ergriff, ſeiner Frau Anita, die 1849 vor Hunger, Erſc Fji bert: dort drio der Win Söl Alle Tod Söh über Sch war ſch auf den ſpru man mee die Ide lion fünf hatt ließ, 14, tück⸗ iner iner den Ge⸗ Bri⸗ eben hten rdet chen enn lan⸗ zum heil rno, na, hte, der ſſen von bel ant hen nt, eſiz e 153 Erſchöpfung und Elend geſtorben war, die lezte Pflicht der Pietät abſtatten. Er kam mit ſeinen Söhnen nach San Al⸗ berto, einem Dorfe zehn Miglien von Ravenna; dort ließ er ſich von dem Pfarrer in die Man⸗ drivlakirche führen und ſuchte Anita's Grab. Kin⸗ der überreichten ihm Blumenkränze. Auf einen Wink des Pfarrers traten Garibaldi und ſeine Söhne in ein Gemach neben der Sacriſtei. Ein ſchwarz überzogener Schemel ſtand vor dem Grabe. Alle knieten nieder, und während der Pfarrer die Todtengebete ſprach, weinten Garibaldi und ſeine Söhne heftig. Als dieſe traurige Ceremonie vor⸗ über war, lag auf ihren Geſichtern ein ſo tiefer Schmerz, daß die Bevölkerung, die herbeigeſtrömt war um den General voll Jubel zu begrüßen, ſich ſchweigend verlief. Bald zeigte es ſich daß Garibaldi in Bezug auf verſchiedene wichtige militäriſche Fragen mit den piemonteſiſchen Staatsmännern in Wider⸗ ſpruch war. Dieß verhinderte ihn das Com⸗ mando der eilften Diviſton der italieniſchen Ar⸗ mee lange zu behalten. Sobald er ſeine Entlaſſung eingereicht hatte, die dießmal angenommen wurde, brachte er die Idee der Subſeriptiun zum Ankauf einer Mil⸗ lion Flinten auf und unterzeichnete für ſich ſelbſt fünftauſend Franken. Dann ging er nach Turin, hatte eine Beſprechung mit dem König und er⸗ ließ, ehe er auf ſeine Inſel Caprera zurückkehrte, folgende Proclamation, aus welcher er die Bit⸗ terkeit ſeiner Täuſchungen hervorſchimmern läßt. „An die Italiener! „Lichtſcheue Umtriebe lähmen fortwährend die Freiheit der Bewegung die mit meinem Grad in der Armee Mittelitaliens verbunden iſt, und die ich nur gebraucht um den Zweck zu ertei⸗ chen den jeder gute Italiener ſich vorſezt. Ich entferne mich alſo aus dem Kreigsdienſte. „Sobald Victor Emmanuel, im Verlangen das Vaterland zu befreien, ſeine Soldaten von Neuem zu den Waffen ruft, werde ich irgend eine Waffe und einen Plaz neben meinen tapfern Kampfgenoſſen wieder finden. Die jämmerlich winkelzügige Politik welche in dieſem Augenblick den großartigen Gang unſerer Angelegenheiten ſtört, beweist daß wir uns feſt an den tapfern und biedern Soldaten der Unabhängigkeit, an den hochherzigen Souverän anſchließen müſſen der ſeiner edlen Aufgabe nicht untreu werden wird. Heute mehr als je müſſen wir Gold und Eiſen haben, um denjenigen zu widerſtehen die uns aufs Neue in die Erbärmlichkeiten der Ver⸗ gangenheit ſtürzen möchten. „Nizza den 18. November 1859. Joſeph Garibaldi.“ Garibaldi ſollte nicht lange unthätig bleiben. Er hatte auf das Commando der mittelita⸗ lieniſchen Armee verzichtet, theils weil man ſei⸗ nen Vorſchlag in Betreff eines Angriffs auf die neapolitaniſchen Staaten verworfen hatte, theils — wei niſt keir ner vor En bri in tet fer the euc liel ab euc ſo düt ₰ keit wo die eue gel nit ſei die nic Bit⸗ ßi. rend hrad und rrei⸗ Ich ngen von gend ofern rlich blick eiten ofern an üſſen den und die Ver⸗ 4 iben. elita⸗ ſei⸗ f die heils 155 weil er die Tendenzen und Handlungen des Mi⸗ niſteriums Ratazzi mißbilligte; aber er war keincswegs entmuthigt, wie ſeine politiſchen Geg⸗ ner behaupteten, und er beſchäftigte ſich nach wie vor mit den öffentlichen Angelegenheiten. Gegen Ende November 1859 erließ er an ſeine Waffen⸗ brüder von Mittelitalien eine Proclamation die in mehreren Tauſenden von Exemplaren verbrei⸗ tet wurde. „Möge, ſagt er, meine augenblickliche Ent⸗ fernung euern Eifer für die Sache die wir ver⸗ theidigen nicht abkühlen. Mein Abſchied von euch, die ich als die Vertreter einer erhabenen Idee, der Idee der italieniſchen Unabhängigkeit liebe, erfüllt mich mit Trauer und Wehmuth; aber die Gewißheit mich bald wieder mitten unter euch zu befinden und euch zur Vollendung des ſo glänzend begonnenen Werkes beiſtehen zu dürfen, tröſtet mich. „In euern wie in meinen Augen könnte es kein größeres Unglück geben als da zu fehlen wo man ſich für Italien ſchlägt. Junge Leute die ihr dem Vaterland und dem Feldherrn der euch zum Siege führen ſoll den Eid der Treue geleiſtet, leget die Waffen nicht ab; bleibet feſt auf eurem Poſten. Werdet geübte und discipli⸗ nirte Soldaten. „Der Waffenſtillſtand wird von kurzer Dauer ſein. Die alte Diplomatie ſcheint nicht geneigt die Dinge ſo anzuſehen wie ſie ſind. Sie weiß nicht daß in euch die Elemente einer großen Na⸗ 156 tion liegen, daß in euern freien und unabhän⸗ gigen Herzen der Same der Weltrevolutivn keimt, und daß dieſe ausbrechen wird wenn man unſere Rechte nicht beſtätigen will und uns nicht Herr in unſerm eigenen Lande ſein läßt. Wir greifen kein fremdes Gebiet an; man laſſe uns in Frieden auf dem unſern! Wer nicht einwil⸗ ligt, der wird ſehen daß man ein Volk das ent⸗ ſchloſſen iſt für ſeine Freiheit zu ſterben vernich⸗ ten muß, ehe man es der Sclaverei unterwer⸗ fen kann. „Und wenn wir auch alle zu Grunde gin⸗ gen, ſo würden wir den künftigen Geſchlechter die Gefühle des Haſſes und der Rache verma⸗ chen welche die Fremdherrſchaft uns eingeflößt hat; wir würden unſern Kindern eine Flinte und das Bewußtſein ihrer Rechte vermachen, und ſo wahr Gott lebt, der Schlaf des Unterdrückers würde niemals ein ruhiger ſein. Ich wiederhole es, Italiener, leget die Waffen nicht ab. Schaa⸗ ret euch feſter als je um eure Führer und haltet die ſtrengſte Disciplin ein. „Mitbürger! Jeder Mann in Italien muß ſein Scherflein zur Nationalſubſeription beitra⸗ gen, jeder Mann muß ſeine Flinte liefern und im Stande ſein vielleicht ſchon morgen mit Ge⸗ walt zu erringen was man uns heute gegen alles Recht verweigert.“ Unfähig in Betreff der Frage der nationalen Unabhängigkeit zu markten, trennte er ſich vom Nationalverein, wo die Gemäßigten und die 157 Anhänger des Miniſteriums damals die Mehr⸗ heit hatten, und wurde zum Präſidenten der be⸗ waffneten Nation ernannt, welche die Be⸗ ſtimmung hatte die freien Comitien zu erſezen. Als dieſe neue Geſellſchaft ſchon nach wenigen Tagen wieder aufhörte, verkündete er es den Ita⸗ lienern mit folgenden Worten: „Einige unſerer Freunde haben mich aufge⸗ fordert die Verſöhnersrolle zwiſchen allen Schat⸗ tirungen der liberalen Partei zu verſuchen und das Präſidium einer Geſellſchaft zu übernehmen welche ſich die bewaffnete Nation nennen würde. „Da jedoch die bewaffnete italieniſche Nation eine Thatſache iſt die alles Unehrliche, in Cor⸗ ruption Verſunkene und Tyranniſche ſowohl in als außer Italien mit Schrecken erfüllt, ſo hat die Maſſe der modernen Jeſuiten voll Entſezen ihr Anathema gerufen. „Die Regierung des Königs Ehrenmanns iſt von den Heulern beläſtigt worden, und um ſie nicht bloßzuſtellen, habe ich mich entſchloſſen vie Stelle aufzugeben womit man mich beehrt atte. „Im Einverſtändniß mit allen Geſellſchafts⸗ mitgliedern erkläre ich alſo die Geſellſchaft der bewaffneten Nation für aufgelöst, und bitte jeden Italiener der ſein Vaterland liebt zur Anſchaffung einer Millivn Flinten mitzuwirken. „Wenn Italien mit einer Million Flinten nicht im Stande wäre eine Millivn Soldaten ge⸗ 158 gen das Ausland aufzuſtellen, ſo müßte man an der Menſchheit verzweifeln. Italien bewaffne ſich, und es wird frei werden!“ Als Garibaldi aufs Unzweifelhafteſte erfuhr daß ſeine Vaterſtadt Nizza, wie auch Savoyen, von dem Kaiſer der Franzoſen als Preis für die der italieniſchen Sache geleiſteten Dienſte gefor⸗ dert wurde, da machte er nicht einmal einen Verſuch ſeine lebhafte und tiefe Entrüſtung ge⸗ heim zu halten. Er interpellirte den Grafen Cavour, der aufs Neue Miniſterpräſident ge⸗ worden war, behauptete die Abtretung Nizza's ſei dem Völkerrechte zuwider, gab zu daß Pie⸗ mont zwei größere Provinzen dagegen em⸗ pfangen habe, verſicherte aber nicht ohne Grund daß dieſer Völkerhandel dem allgemeinen Be⸗ wußtſein widerſtrebe. Herr von Cavvur ant⸗ wortete bloß, der Abtretungsvertrag ſei eine Con⸗ ſequenz der allgemeinen Politik der Regierung, werde ſomit der Genehmigung der Kammer un⸗ terbreitet werden, und ſo wurde die Tagesord⸗ nung ausgeſprochen. Dieß war eine Art von Abweiſung welche Garibaldi nicht ruhig hinnehmen konnte. Er be⸗ ſtand auf ſeiner Meinung und ſprach ſich einige Tage ſpäter noch deutlicher aus, indem er an die Einwohner von Chiavari ſchrieb: „Ich habe mit Dank das Bürgerrecht von Chiavari empfangen, das Ihr Gemeinderath mir ſo freundlich im Namen der Stadt angeboten welche die Wiege meiner Väter war und mir aus vielen Griü höre Nie tion äuß Niz! Mit mat Völ Vie guli war lan Die auf und Em war die beh imn Arr mol Inſ ffne uhr en, die Dr⸗ nen ge⸗ fen ge⸗ a's ie⸗ em⸗ und Be⸗ int⸗ on⸗ ng, un⸗ ord⸗ lche be⸗ nige die von mir lche elen 159 Gründen theuer iſt. Ich will gleichwohl nicht auf⸗ hören Bürger von Nizza zu bleiben. Ich erkenne Niemand auf der Welt die Macht zu die Na⸗ tionalität eines unabhängigen Volkes zu ver⸗ äußern, und ich proteſtire gegen das Unrecht wel⸗ ches durch Corruption und brutale Gewalt an Nizza verübt worden, indem ich mir und meinen Mitbürgern das Recht vorbehalte unſere Hei⸗ mathſtadt wieder an uns zu ziehen, ſobald das Völkerrecht einmal keine bloße Phraſe mehr iſt.“ Am 4. Mai ſchickte Garibaldi dem König Victor Emmanuel ſeine Entlaſſung aus der re⸗ gulären Armee. Die politiſche Lage Süditaliens war im höchſten Grade bedenklich, und er ver⸗ langte eine vollſtändige Freiheit der Bewegung. Sicilien war ſeit einem Monat im Aufſtand. Die Städte Carini, Miſilmeri, Palermo hatten, aufs Aeußerſte getrieben durch die Plackereien und Grauſamkeiten der Polizei, das Signal zur Empörung gegeben. Die königlichen Truppen waren mit der größten Strenge verfahren, und die ganze Inſel war aufgeſtanden. Gleichwohl behaupteten die neapolitaniſchen Behörden noch immer die feſten Pläze; ſie verfügten über eine Armee von 50,000 Mann, ſie hatten zahlreiche mobile Colonnen organiſiren können, und die Inſurgenten, die in die Berge verfolgt wurden, an Waffen und Munition Mangel litten und keine fähigen Anführer beſaßen, ſtanden im Be⸗ griff zu unterliegen. Entſchloſſene, echte Patrioten, Franz Crispi, 160 ſicilianiſcher Emigrant und im Jahr 1848 Generalſecretär des Kriegsminiſteriums, Doctor Bertani, Deputirter beim ſardiniſchen Parlament, Ninv Bixio, der während des Feldzugs von 1859 ein Bataillon der Alpenjäger commandirte, Ra⸗ ſolinv Pilo, Orlando waren nach Caprera ge⸗ gangen und hatten Garibaldi aufgefordert ſich an die Spize der Revolution zu ſtellen und Si⸗ eilien zu retten. Der General hatte ſogleich die zahlloſen Schwierigkeiten des Unternehmens ge⸗ ſehen, aber es handelte ſich um die Befreiung eines Volkes das der großen italieniſchen Fa⸗ milie angehörte, und er hatte ſchnell den Vor⸗ ſtellungen der fünf Patrioten nachgegeben. Die Alpenjäger, Offiziere und Soldaten, waren augenblicklich in Kenntniß geſetzt worden, und alle hatten dem Aufruf ihres alten Führers entſprochen. Werbebureaux waren in den ver⸗ ſchiedenen Städten eröffnet worden, und die ge⸗ nueſiſchen, lombardiſchen, toscaniſchen, romagno⸗ liſchen und venetianiſchen Freiwilligen waren in Maſſe herbeigeſtrömt. Garibaldi, der, wenn auch nicht auf directe Mitwirkung, doch wenigſtens auf Duldung von Seiten der piemonteſiſchen Regierung gerechnet, hatte bald bemerkt daß man ihm Schwierigkeiten aller Art in den Weg zu legen ſuchte; aber durch den Eifer, die Thätigkeit und die Opfer der zahlreichen und mächtigen Freunde Siciliens wen den pedi wel ten. Spi der von Ma unte ſche Dar ten, lage balt rial Tas von cher finr wel erhielt er bald Waffen, Munition, Feldmaterial, kurz alle für einen mehrmonatlichen Kampf noth⸗ mä fols um 1848 octor ment, 1859 Ra⸗ ge⸗ ſich Si⸗ h die ge⸗ eiung Fa⸗ Vor⸗ aten, rden, hrers ver⸗ e ge⸗ agno⸗ en in irecte n chnet, keiten aber Opfer iliens terial, noth⸗ 161 wendigen Mittel zu ſeiner Verfügung, und in den erſten Tagen des Mai's 1860 war die Ex⸗ pedition im Stande aufzubrechen. Die kleine Armee zählte 1085 Mann, unter welchen die Lombarden die große Mehrzahl bilde⸗ ten. Garibaldi war in Quarto, in der Villa Spinola, ungefähr fünf Miglien von Genua, an der Küſte; ſeine Soldaten waren nicht weit da⸗ von, in Foce, cantonnirt. Mitten in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai bemächtigte ſich eine Abtheilung Freiwilliger unter dem Oberſten Bixio und einem ſiciliani⸗ ſchen Marineoffizier, Namens Caſtiglio, zweier Dampfſchiffe die der Compagnie Rabattino gehör⸗ ten, des Lombardv und des Piemontez ſie lagen im Hafen von Genua und wurden als⸗ bald nach dem Sammelplaz dirigirt. Die Einſchiffung des Perſonals und Mate⸗ rials ging ſo raſch von Statten, daß es kaum Tag war als man abfuhr. Garibaldi war auf dem Piemonte, der von dem Capitän Caſtiglio befehligt wurde, wel⸗ cher als zweiten Capitän den Genueſen Schiaf⸗ fino hatte; Oberſt Bixio auf dem Lombardo, welchen Capitän Elia cvmmandirte. Doctor Bertani blieb in Genua als Bevoll⸗ mächtigter und Vertreter Garibaldis, der ihm folgende Inſtructionen hinterlaſſen hatte: „Alle möglichen pecuniären Mittel ſammeln um uns bei unſerm Unternehmen zu unterſtüzen; Garibaldi. III. 11 162 den Italienern begreiflich zu machen ſuchen daß, wenn man uns offen unterſtüzt, Italien mit we⸗ nig Koſten und in kurzer Zeit conſtituirt ſein wird, und daß die Patrioten, wenn ſie ſich auf eine armſelige Subſeription beſchränken, ihrer Pflicht untreu werden.“ Die Eigenthümer der beiden Schiffe erhielten Tags darauf foigende Mittheilung vom General: „Ich habe eine Gewaltthat begangen, aber wie es auch ergehen mag, ſo hoffe ich daß die Heiligkeit des Beweggrundes der mich geleitet als Entſchuldigung für mein Benehmen gelten, und daß das ganze Land es als ſeine Pflicht erkennen wird die dadurch erfolgten Benachthei⸗ ligungen wieder gut zu machen. Sollten meine Erwartungen ſich nicht erfüllen, ſollte die Nation nicht einſchreiten um Sie zu entſchädigen, ſo ver⸗ pfände ich alles vorhandene Geld und Material was der Subſeription für die Million Flinten gehört. Auf dieſe Art werden Sie für alle Ihnen verurſachten Verluſte entſchädigt werden.“ Vor ſeinem Aufbruche hatte Garibaldi an König Victor Emmanuel geſchrieben: „Sire, der Nothſchrei der aus Sicilien zu uns gedrungen iſt, hat mich und einige hundert meiner alten Waffenbrüder im innerſten Hetzen bewegt. Ich habe den Aufſtand meiner Brüder durfte Spize ich m aber die H „ lebe Viect tapf Italie daß word⸗ aus ich ſt dieſen doch nicht an de Vater in Sicilien nicht angerathen, aber nachdem ſie ſich einmal im Namen der italieniſchen Einheit, deren Perſonification Ew. Majeſtät iſt, gegen die ſchändlichſte Thrannei der Jeztzeit erhoben haben, mitge meine jeſtät C gefaß viele wollt /7 und daß, we ſein auf ihrer elten eral: aber die leitet lten, flicht thei⸗ neine ation ver⸗ terial inten alle en. i an n zu ndert erzen rüder m ſie heit, ndie aben, — 163 durfte ich kein Bedenken tragen mich an die Spize der Expedition zu ſtellen. Ich weiß daß ich mich in ein gefährliches Unternehmen einlaſſe, aber ich ſeze mein Vertrauen auf den Muth und die Hingebung meiner Genvoſſen. „Unſer Kriegsruf wird immer heißen: Es lebe die Einheit Ftaliens! Es lebe Victor Emmanuel, ſein erſter und tapferſter Soldat! Scheitern wir, ſo werden Italien und Europa hoffentlich nicht vergeſſen daß dieſes Unternehmen durch Gründe beſtimmt worden die von allem Egvismus rein und durch⸗ aus patrivtiſch ſind. Gelingt es uns, ſo werde ich ſtolz darauf ſein die Krone Ew. Majeſtät mit dieſem neuen glänzenden Juwel zu ſchmücken, je⸗ doch unter der Bedingung daß Ew. Majeſtät nicht zugibt daß Ihre Rathgeber dieſe Provinz an das Ausland abtreten, wie ſie es mit meiner Vaterſtadt gethan haben. „Ich habe Ew. Majeſtät meinen Plan nicht mitgetheilt, weil ich fürchtete daß es in Folge meiner Hingebung gegen Ihre Perſon Ew. Ma⸗ jeſtät gelingen könnte mich davon abzubringen. „Ew. Majeſtät ergebenſter Unterthan, „J. Garibaldi.“ Er hatte überdieß zwei Proclamationen ab⸗ gefaßt. Die eine an die italieniſche Armee, welche viele Soldaten, meiſt Apenninenjäger, verlaſſen wollten um zu ihm zu ſtoßen. „Seit einigen Jahrhundert haben Zwietracht und Mangel an Disciplin großes Unglück über 164 unſer Land gebracht. Heute belebt eine bewun⸗ dernswürdige Eintracht alle Bevölkerungen von Sicilien bis zu den Alpen. Aber die Nation be⸗ darf noch der Disciplin, und auf euch, die ihr ein ſo bewundernswürdiges Beiſpiel der Tapfer⸗ keit gegeben, rechnet ſie, um ſich neu zu organi⸗ ſiren und als feſtgeſchloſſene Maſſe denjenigen gegenüber zu treten welche ſie beherrſchen wollen. „Bleibet alſo auf eurem Poſten, junge Leute, die ihr die Schlachten des Vaterlands überlebt! Bedenket daß wir im Norden Feinde und ge⸗ tnechtete Brüder haben, und daß im Fall neuer Zuſammenſtöße eure militäriſche Haltung eine Lehre für die Bevölkerungen des Südens werden muß, wenn ſie ſich der Söldlinge des Payſtes und des Bourbon entledigt haben. „Im Namen des wiederauferſtehenden Vater⸗ landes empfehle ich der Jugend welche die Rei⸗ hen unſerer braven Armee bildet, dieſelben nicht zu verlaſſen, ſondern ſich immer feſter an ihre tapfern Offiziere und unſern Victor anzuſchließen, deſſen Bravour auf einen Augenblick durch klein⸗ müthige Rathgeber in Schranken gehalten wer⸗ den kann, der aber nicht ermangeln wird euch zu einem definitiven Siege zu führen.“ Die andere Proclamation war an die italie⸗ niſche Nation gerichtet: „Die Sicilianer kämpfen gegen die Feinde Italiens und für Italien. Ihnen Gold, Waffen und beſonders die Unterſtüzung ſeines Armes zu⸗ kommen zu laſſen iſt die Pflicht jedes Italieners. Zwie ſchied Ungli beger Land zu H ſelbſt des 2 herrſ 77 ihre den dahi land, Land zu tl 77 genü ſchlo Nan linge ſ kämß Sch mir wun⸗ on n be⸗ ie ihr apfer⸗ rgani⸗ nigen ollen. Leute, erlebt! d ge⸗ neuer eine verden apſtes Vater⸗ e Rei⸗ nicht n ihre ließen, klein⸗ wer⸗ d euch italie⸗ Feinde Waſſen les zu⸗ ieners. 165 Zwietracht und Gleichgiltigkeit zwiſchen den ver⸗ ſchiedenen Provinzen unter einander haben das Unglück Italiens verſchuldet. „Die Rettung Italiens hat an dem Tage begonnen wo die Söhne eines und deſſelben Landes ihren in Gefahr befindlichen Brüdern zu Hilfe eilten. „Wenn wir die braven Kinder Siciliens ſich ſelbſt überlaſſen, ſo werden ſie mit den Söldnern des Bourbon, des Oeſterreichers und der in Rom herrſchenden Pfaffen zu kämpfen haben. „Mögen die Völker der freien Provinzen laut ihre Stimmen ergeben zu Gunſten ihrer kämpfen⸗ den Brüder! Mögen ſie ihre großherzige Jugend dahin ſchicken wo man für das Vaterland ſicht! „Mögen die Marken, Umbrien, das Sabiner⸗ land, die römiſche Campagna, das neapolitaniſche Land ſich erheben um die Kräfte unſerer Feinde zu theilen! „Wenn die Städte dem Aufſtand nicht eine genügende Baſis darbieten, ſo mögen die Ent⸗ ſchloſſenſten ſich bandenweiſe auf das Land werfen. „Ein Tapferer findet immer Waffen. Im Namen eures Gottes hört nicht auf die Feig⸗ linge die ſich vor wohlbeſetzten Tafeln brüſten. „Bewaffnen wir uns, kämpfen wir für un⸗ ſere Brüder:; morgen werden wir für uns ſelbſt kämpfen. „Eine Handvoll Tapferer die mir auf die Schlachtfelder des Vaterlandes folgte zieht mit mir zur Hilfeleiſtung aus. Italien kennt ſie: 166 ſie kommen zum Vorſchein wenn die Stunde der Gefahr ſchlägt. Brave, edelherzige Genoſſen! Sie weihen ihr Daſein dem Vaterlande; ſi werden ihm den letzten Tropfen ihres Blutes weihen, ohne eine andere Belohnung zu ſuchen als das Bewußtſein untadelhafter Pflichterfüllung. „Italien und Victor Emmanuel! Dieſer Ruf, der unſer Kriegsruf war als wir über den Teſſin zogen, wird bis an die glühenden Felſen des Aetna widerhallen. „Bei dieſem prophetiſchen Kampfruf, der von den großen Bergen Italiens bis zum tarpejiſchen Berg ertönen ſoll, wird der erſchütterte Thron der Tyrannei zuſammenbrechen, und alle werden ſich erheben wie Ein Mann. „Zu den Waffen! Endigen wir mit einem einzigen Schlag unſer hundertjähriges Elend, be⸗ weiſen wir der Welt daß das tapfere Geſchlecht der Römer wirklich auf dieſem Boden gelebt hat.“ Die Fahrt der Garibaldianer war anfangs ſehr mühſelig. Das Meer war unruhig; die Mannſchaft war in einen ungenügenden Raum zuſammengedrängt und litt an der Seekrankheit; ſie hatten nur ſtagnirendes Waſſer, Zwieback und Käſe; aber ſie waren voll Vertrauen auf ihren Führer, und troz Entbehrungen aller Art be⸗ wahrten ſie den freudigſten Muth. Am 7. landete man in Talamone, unweit der römiſchen Grenze. Noch am ſelben Morgen war an Bord des Pie Tag des bei Sell ren ßer täriſ ohne digu Belt fahr Prir Gefe in d len, gieß der „It uns verb e der oſſen! ſi lutes uchen lung. Ruf, Teſſin tdes r von iſchen Thron erden einem d, be⸗ chlecht hat.“ fangs ; die Raum kheit; k und ihren t be⸗ nweit d des 167 Piemonte und des Lombardo folgender Tagesbefehl angeſchlagen worden: „Corps der Alpenjäger! „Dieſes auf die Wiedergeburt des Vaterlan⸗ des ausgehende Corps wird, wie ſchon früher, bei Erfuͤllung ſeiner Aufgabe die vollſtändigſte Selbſtverläugnung an den Tag legen. Die wacke⸗ ren Jäger werden, wie bisher, mit eben ſo gro⸗ ßer Hingebung und Disciplin wie die beſten mili⸗ täriſchen Corps ihrem Lande dienen, und zwar ohne etwas anderes zu verlangen als die Befrie⸗ digung ihres Gewiſſens. „Kein Grad, keine Ehrenauszeichnung, keine Belohnung lockt dieſe Tapfern an. Als die Ge⸗ fahr verſchwunden war, kehrten ſie beſcheiden in's Privatleben zurück; aber nachdem die Stunde der Gefahr geſchlagen hat, ſieht Italien ſie wieder in der erſten Reihe, munter, voll von gutem Wil⸗ len, bereit ihr Blut für das Vaterland zu ver⸗ gießen. „Der Kriegsruf der Alpenjäger iſt derſelbe der im vorigen Jahr am Teſſin widerhallte: „Italien und Victor Emmanuel!“ Von uns erhoben, wird dieſer Ruf allenthalben Schrecken verbreiten unter den Feinden Italiens. „Organiſation des Corps. „Oberbefehlshaber: Garibaldi. „Chef des Generalſtabs: Oberſt Sirtori. „Generalſtabsoffiziere: Calvino, G. Manin, Majvechi, Barchetta, Griziotti, Bruzziſi. „Generaladjutanten: Oberſt Türr, Oberſt 168 Tuckery, Major Cermi, Menotti Garibaldi, Mon⸗ tanari, Bandi, Stagnetti. „Privatſecretär des Generals: G. Baſſo. „Der Expevition beigegebener Civilcommiſſär: F. Erispi. „Commandanten der ſieben den Effectivſtand bildenden Compagnien: Nino Bixio, La Maſa, Stvecv, Carini, Anfvoſſi, Cairoli, Baſſini. „Commandant der Artillerie: Orſini. „Commandant des Geniecorps: Mirentilli. „Intendanten: Major Acerbi, Rechiedri, Nervo, Bazzetti. „Geſundheitsdienſt: Ripari, Maeſtri, Bald⸗ rini, Giulini. „Bemerkungen. „Dieſe Organiſation iſt dieſelbe wie die der italieniſchen Armee welcher wir angehören, und die mehr nach Verdienſt als nach Gunſt vertheil⸗ ten Grade ſind ſchon auf andern Schlachtfeldern erworben worden.“ Da der in Talamone erwartete Convoi ſich nicht vorfand, ſo begab ſich Oberſt Türr nach dem Fort Orbitello und brachte von da vier Kanonen, eine Feldſchlange, Munition und Lebensmittel mit. Von Talamone aus verſah man ſich in Santo Stefanv mit Kohlen und dann zog man weiter. Da Garibaldi die neapolitaniſchen Kreuzer fürchtete und Meſſina, welches die Meerenge des Faro beherrſcht, nicht zu nahe zu kommen wünſchte, ſo zog er nach der africaniſchen Küſte, landete Non⸗ . ſſär: ſtand Naſa, lli. ervo, Bald⸗ e der und cheil⸗ ldern i ſich dem onen, mittel ch in man teuzer e des ſchte, ndete 169 an der Regentſchaftsſpize beim Cap Bon, verſah ſich mit Lebensmitteln deren er noch bedurfte und zog von da in gerader Linie nach Marſala. Am 11. um Mittag begann man die ſieilia⸗ niſchen Küſten zu unterſcheiden. Ein Fiſcher der mit ſeiner Barke am Pie⸗ montevorbeifuhr, erzählte Garibaldi, eine Segel⸗ fregatte, Amalia, und zwei Dampfcorvetten, Stromboli und Capri, die ſeit mehreren Tagen vor Marſala gelegen, hätten erſt dieſen Morgen ihren Ankerplaz verlaſſen und ſich nach Trapani begeben, ſo daß in dieſem Augenblick der Zugang zum Hafen vollkommen frei ſei. Der General gab ſogleich Befehl mit ganzer Dampfkraft zu heizen, und in weniger als zwei Stunden zogen der Piemonte und Lombardo, die an Schnelligkeit wetteiferten, im Hafen von Mar⸗ ſala ein. Die Telegraphenbeamten hatten, als ſie ver⸗ dächtige Schiffe auf Marſala zukommen ſahen, das neapolitaniſche Kreuzgeſchwader in Kenntniß geſezt. Es kam zu ſpät um die Landung zu ver⸗ hindern. Mannſchaft, Artillerie, Munition, Ba⸗ gage, Alles war ſchon am Lande, als es am äußerſten Ende der Rhede erſchien. Die Neapo⸗ litaner warfen Granaten und Kartätſchen auf die Freiwilligen, von denen aber nicht ein einziger getroffen wurde, und die mit einem lebhaften Ge⸗ wehrfeuer antworteten. Sie bohrten hierauf den Lombardo in den Grund und verſahen den Pie⸗ 170 monte, der verlaſſen worden war, mit neuer Mann⸗ ſchaft, wagten je doch keinen Landungsverſuch. Garibaldi wurde von den Einwohnern Mar⸗ ſala's mit größter Begeiſterung empfangen und machte ſich unverzüglich ans Werk. Sein erſter Gedanke war daß er die ſicilianiſchen Bevölkerun⸗ gen zu ſich rief und folgende Proclamation an ſie richtete: „Sicilianer!“ „Ich habe euch eine Handvoll Tapferer zuge⸗ führt die auf den herviſchen Ruf Siciliens her⸗ beigeeilt ſind. Wir Ueberlebenden aus den lom⸗ bardiſchen Schlachten ſind jezt bei euch. Wir verlangen nichts als die Befreiung des Vater⸗ landes. „Seien wir alle einig, ſo wird die Aufgabe leicht und kurz ſein. Zu den Waffen! Wer nicht eine Waffe ergreift, iſt ein Feigling oder ein Verräther. „Der Mangel an Waffen iſt keine Entſchul⸗ digung. Wir werden Flinten bekommen; aber für den Augenblick iſt jede Waffe gut in der Hand eines Tapfern. „Die Gemeindebehörden werden für die ver⸗ laſſenen Kinder, Frauen und Greiſe ſorgen. „Zu den Waffen alleſammt! Sicilien wird der Welt noch einmal zeigen wie ein Land ſich durch den ſtarken Willen eines vereinigten Vol⸗ kes von ſeinen Unterdrückern befreit“. Zu gleicher Zeit unterzeichnete er folgende 17¹ Zeilen welche durch Sendlinge unter der neapo⸗ litaniſchen Armee verbreitet werden ſollten. „Fremder Uebermuth beherrſcht die italieniſche Erde durch die italieniſchen Zwiſtigkeiten; aber wenn einmal die Söhne der Samniter, mit ihren Brüdern auf Sicilien vereint, den Italienern des Nordens die Hand reichen werden, dann wird unſer Volk, deſſen ſchönſter Theil ihr ſeid, ſeinen ehemaligen Rang unter den erſten Nationen Eu⸗ ropa's wieder einnehmen. Ein italieniſcher Sol⸗ dat, habe ich nur einen einzigen Ehrgeiz, euch neben den Soldaten von Vareſe und San Mar⸗ tino ſtehen und gemeinſchaftlich die Feinde Italiens bekämpfen zu ſehen“. Da Garibaldi die Abſicht hatte unverzüglich auf Palermo zu marſchiren, verſchaffte er ſich eilig die zum Transport des Artillerieparkes, der Bagage, des Lazareths und der Lebensmittel nothwendigen Pferde, Maulthiere und Fuhrwerke, und am 12., einen Tag nach der Landung, brach die kleine Schaar, verſtärkt von ungefähr 150 Sicilianern an welche man Waffen und Muni⸗ tion vertheilt hatte, Morgens vier Uhr von Mar⸗ ſala auf. Da Marſala bis auf neue Ordre die Opera⸗ tionsbaſis des Inſurrectionscorps bleiben ſollte, ſo hatte der General ſeine Verbindung mit dieſer Stadt ſicher geſtellt und einige Befeſtigungswerke ausrüſten laſſen, um ſie vor einem Handſtreich zu ſchüzen. Der Inſurrectionsausſchuß von Marſala hatte ſeinerſeits Anordnungen getroffen, um ſich 172 mit den bedeutenden Pläzen der Provinzen Gir⸗ genti, Syracus, Catanea, Caltaniſetta in Verbin⸗ dung zu ſezen und die Vertheidigung auf dem äußerſten nordweſtlichen Theil der Inſel zu con⸗ centriren. Die Garibaldianer vermieden auf ihrem Marſch nach Palermo abſichtlich die Straße über Trapani an dem Berge Giulianv hin und durch die Eng⸗ päſſe; ſie wählten die kürzere und directere die ſich am Fuß der Berge hinzieht. Sie bivoua⸗ kirten in Ramengado, wo zwei Squadre(Corps bewaffneter Bauern), befehligt von Cappola del Monte und dem Barvn Santa Anna, zu ihnen ſtießen. Bei Sonnenaufgang brachen ſie wieder auf, machten mitten am Tag einige Stunden Halt um zwei von Alcamo her kommende Inſur⸗ gentenhaufen zu erwarten, und erreichten am Abend Salemi. Auf dringende Bitten der Häupter der Muni⸗ cipalitäten und der Notabeln des Landes veröf⸗ fentlichte der General jezt folgende Urkunde: „Joſeph Garibaldi, Oberbefehlshaber der na⸗ tionalen Armee Siciliens, „Auf die Einladung der angeſehenſten Bür⸗ ger und auf die Erklärung der freien Gemeinden der Inſel: „In Erwägung daß es in Kriegszeiten noth⸗ wendig iſt daß die bürgerlichen und militäriſchen Gewalten in denſelben Händen vereinigt werden, „Beſchließt daß er die Dictatur in Sicilien erg vor cor in fün vor dri die ſta unt der ſez Ro au ten gal 70 ger pa der zir⸗ in⸗ em on⸗ iſch ani ng⸗ tere Uud⸗ rps del nen eder den ſur⸗ am uni⸗ röf⸗ na⸗ ür⸗ iden chen den, ilien 173 ergreift, im Namen Victor Emmanuels, Königs von Italien. „Salemi, 14. Mai 1860. 2 Garibaldi“. Von Salemi aus begab ſich das Expeditions⸗ corps nach dem Dörflein Vitu, halbwegs von Calatafimi, einer theils auf einem Berg, theils in einer Schlucht gelegenen Stadt von vier⸗ bis fünftauſend Seelen. Die Engpäſſe von Calata⸗ fimi ſind der einzige Punkt auf welchem man von Marſala her in die Provinz Palermo ein⸗ dringen kann. Als die Garibaldianer am 15. um 9 Uhr Morgens von Vitu auszogen, bemerkten ſie daß die Neapolitaner ſtark verſchanzt vor Calatafimi ſtanden. Es war ein Corps von 3500 Mann unter dem Brigadier Landi. Die Hauptmacht der königlichen Truppen hielt eine ſteile Höhe be⸗ ſezt, die unter dem Namen Monte del Pianto di Romani bekannt iſt, und die Artillerie war ſo aufgeſtellt daß ſie ein furchtbares Feuer nach un⸗ ten auf die Angreifenden machen konnte. Nachdem Garibaldi mit ſeinem Stabschef Sirtori die Stellung des Feindes ſtudirt hatte, gab er Befehl zum Angriff. Er hatte kaum 700 Mann in die Linie zu ſtellen. Der Vortrab beſtand aus dem Pelvton der genueſiſchen Carabinieri, aus der ſiebenten Com⸗ pagnie, die von jungen Leuten aus Pavia unter dem Capitän Cairoli gebildet wurde, und aus der achten Compagnie, welche die Bergamasken 174 unter Capitän Baſſini in ſich ſchloß. Unterſtüzt von der Compagnie Nino Bixio und einer Schaar ſicilianiſcher Inſurgenten unter Major Acerbi, dem Intendanten der italieniſchen Armee, nahm er die erſte Stellung mit dem Bajonet weg. Die Neapolitaner, welche das Terrain Schritt für Schritt vertheidigt hatten, formirten ſich wie⸗ der auf der zweiten Höhe, wo ſie ſich an die Häuſer von Calatafimi anlehnten und durch einige zum Voraus aufgeführte Befeſtigungswerke be⸗ ſchüzt wurden. Die Garibaldianer griffen ſie von Neuem an. Sie wurden das erſtemal mit bedeutenden Ver⸗ luſten zurückgewieſen, kehrten aber voll Wuth zu⸗ rück. Alles ohne Ausnahme betheiligte ſich, der Vortrab, das Centrum, die Reſervecompagnien. Der Generalſtab ſelbſt, und der Obergeneral zu⸗ erſt, hatte den Säbel in die Hand genommen. Nach dem zweiten Sturm, als die Neapoli⸗ taner die Offenſive ergriffen hatten, ſtand Gari⸗ baldi ihnen einen Augenblick allein gegenüber mit etwa fünfzig Soldaten und ſeinen unerſchrocken⸗ ſten Offizieren, Sirtori, Türr, Ninv Birio, Tuckerh, Baldi, Elia, Schiaffino, Menotti Garibaldi, Majvechi, Griziotti, Montanari, Bruzzetti, Re⸗ chiedri, Nievo, Bazzetti, welche Wunder der Tapferkeit verrichteten. Nachdem die ſiebente und achte Compagnie ihm Luft gemacht, ſtellte der General das Treffen im Centrum wieder her; als er dann ſah daß die Neapolitaner ſeinen rechten Flügel zu umgehen ſucht etwa bei nun, wo End pagr Spi geln einer der deckt. Wut furch ( eine gleic aller ten viele ermi finſ phyſi daß muß einig das tüzt aar rbi, hm ritt vie⸗ die ige be⸗ an. Ler⸗ zu⸗ der ien. zu⸗ oli⸗ ari⸗ mit ken⸗ kery, aldi, Re⸗ der gnie ffen 175 ſuchten, warf er die genueſiſchen Carabinieri und etwa vierzig Mann von jeder Compagnie die er bei ſich hatte auf ſie, und zwang ſie in Unord⸗ nung bis zu dem letzten Hügel zurückzuweichen, wo ihre Kanonen und ihre Reſerve ſtanden. Es war drei Uhr; man mußte der Sache ein Ende machen. Der General vereinigte alle Com⸗ pagnien, ſtellte ſich mit ſeinem Stab an ihre Spize und marſchirte unter einem Hagel von Ku⸗ geln und Kartätſchen auf den Feind. Der heldenmüthige Schiaffino warf ſich mit einer Fahne in der Hand mitten in die Reihen der königlichen Armee. Er fiel mit Wunden be⸗ deckt. Seine Genoſſen ſtürzten ſich jetzt mit neuer Wuth auf die Neapolitaner, und nun begann ein furchtbarer Kampf Mann gegen Mann. Es war, erzählt ein Augenzeuge, lange Zeit eine wahre Mörderei. Auf beiden Seiten herrſchte gleiche Erbitterung. Die Inſurgenten gewannen allerdings Terrain; ſie hatten die beſtvertheidig⸗ ten Poſten weggenommen, aber ſie hatten auch viele Leute verloren und waren im höchſten Grade ermüdet. Die Garibaldianer waren auf etwa fünfhundert herabgeſchmolzen, und da ſie ihre phyſiſchen Kräfte gänzlich erſchöpft fühlten, ſo daß ſie bald ganz unfähig zu werden fürchten mußten, baten ſie ihre Führer mehreremale um einige Stunden Ruhe. — Heute Abend, riefen ſie, dann wollen wir das Uebrige nehmen. — —— 176 Nino Birio glaubte mit Garibaldi darüber ſprechen zu müſſen. — Nein, es iſt nicht Zeit zum Ausruhen, antwortete der General, indem er mit ſeinem be⸗ kannten freundlichen Lächeln und jener Kaltblü⸗ tigkeit die ſich nie verläugnet hinzufügte:„Wir könnten nicht ausruhen, ohne daß die neapolita⸗ niſchen Truppen auf den Glauben kämen, wir ſeien niedergeſchlagen. Sie ſind noch nicht demo⸗ raliſirt; die Soldaten ſchlagen ſich gut. Wenn wir die Parthie aufſchöben, wenn wir ausruhten, ſo würden wir ſie heute Abend nicht ſchlagen, weil ſie geſehen hätten daß wir in dieſem Augen⸗ Schrecken einjagen. Die Schiczſale Italiens liegen hier auf dieſem Schlachtfeld, in unſerm erſten Gefecht mit den Königlichen. Hier müſſen wir ſiegen oder alle zuſammen ſterben. Der Kampf muß entſcheidend ſein; er muß uns den Tod oder den Sieg bringen. — Ah, ſo verſtehen Sie's! verſetzte Birio, der Tapferſte der Tapfern. Nun wohlan denn! Vorwärts! Vorwärts! Dieſes Vorwärts wurde ſo betont, daß die Rothhemden ſich neu gekräftigt fühlten und wackerer als zuvor mit ihren Bajoneten wieder angriffen. Vorn von den Garibaldianern, in der Flanke von Cappola und Santa Anna gefaßt, wichen die Neapolitaner endlich zurück; ſie warfen ihre Waffen weg, ließen einen Theil ihrer Artillerie im 6 und dem S die Todt Mon hatte Ober Gar Pert San ſch plick über ſie ſiegen konnten. Man muß ihnen 6 liche Erſte wack wag der ſchw Baj täuſe niſch kenn ſind Wid wen über hen, be⸗ blü⸗ Wir lita⸗ wir emo⸗ ßenn hten, gen, gen⸗ hnen liens iſerm üſſen ampf oder Zixio, 177 im Stich, flohen in Unordnung nach Calatafimi und räumten die Stadt noch am Abend, nach⸗ enn Bajonete, und ihr ſeht daß ich mich nicht ge⸗ ß die und vieder Flanke vichen ihre dem ſie dieſelbe ſchauerlich verwüſtet hatten. Dieſer Kampf hatte die italieniſche Armee, die jetzt auf dem Schlachtfeld bivouakirte, 18 Todte und 120 Verwundete gekoſtet. Schiaffinv, Montanari, Amieis waren gefallen; Garibaldi hatte eine Quetſchung an der linken Schulter; Oberſt Sirtori, Majvechi, G. Manin, Menbtti Garibaldi, Bandi, Elia, Miſſori, Montignani, Perduca, Palezzolv, Nullo, Stvecv, Sprovieri, Santa Anna, waren alle mehr oder weniger ſchwer verwundet. Tags darauf zog Garibaldi unter unbeſchreib⸗ lichem Enthuſiasmus in Calatafimi ein. Sein Erſtes war daß er ſeinen Soldaten zu ihrem wackern Benehmen Glück wünſchte: „Mit Genoſſen wie ihr ſeid kann ich alles wagen. Ich habe es auch geſtern bewieſen, als ich euch zu einem Unternehmen führte das bei der Anzahl und ſtarken Stellung der Feinde ſehr ſchwierig war. Ich zählte auf eure furchtbaren täuſcht hatte. „Beklagen wir die harte Nothwendigkeit italie⸗ niſche Soldaten bekämpfen zu müſſen; aber be⸗ kennen wir daß wir auf einen Widerſtand geſtoßen ſind der einer beſſern Sache würdig war; dieſer Widerſtand zeigt wozu wir fähig ſein werden, * ie italieni ilie ſich einmal voll⸗ die italieniſche Familie ſich Garibaldi. III. 12 178 ſtändig um das Banner der Erlöſung geſammelt haben wird. „Morgen wird das italieniſche Feſtland den Sieg ſeiner freien Brüder und unſerer braven Sicitianer feſtlich begehen. Eure Mütter, euere Geliebten werden ſich ſtolz und mit ſtrahlenden Geſichtern auf den Straßen zeigen. „Dieſer Kampf koſtet uns das Leben geliebter Brüder die in den erſten Reihen geſtorben ſind; vieſe Märtyrer der heiligen Sache Ftaliens wer⸗ den in den Jahrbüchern des italieniſchen Ruhmes fortleben. „Ich werde euerm Lande die Namen der Tapfern bezeichnen die ihre jungen und noch un⸗ erfahrenen Soldaten ſo wacker zum Kampfe ge⸗ führt haben, und die morgen auf einem beſſern Schlachtfeld die Soldaten zum Sieg führen wer⸗ den, welche beſtimmt ſind die lezten Ringe der Ketten zu zerreißen mit denen unſer heißgeliebtes Italien geknebelt war. „Italien und Victor Emmanuel!“ Um 17. ernannte Garibaldi, der ſo eben mit ſeiner Colonne in Alcamo, einer Stadt auf einem nicht ſehr hohen Plateau, etwa zehn Stunden vvn Palermo, am Golf von Caſtellamare gelegen, angekommen war, Franz Crispi zum Staatsſe⸗ cretär und vetordnete die maſſenhafte Aushebung aller dienſttauglichen Leute von ſiebenzehn bis zu fünfzig Jahren; von ſiebenzehn bis dreißig zum aetiven Dienſt in den Linienbataillonen, von drei⸗ ßig bis vierzig zum activen Dienſt im Bezirke, von Gem regin „ milit am vour niger offizi müſſ 7 Reg ſtitut geſpr ſtänd ribal E alle und den 7 neral Mitt boter 5 local die( liani Regit melt den aven uere nden ebter ſind; wer⸗ hmes der un⸗ e ge⸗ eſſern wer⸗ e der iebtes n mit einem n von legen, atsſe⸗ ebung bis zu zum drei⸗ ezirke, von vierzig bis fünfzig zum activen Dienſt in der Gemeinde; ferner die Errichtung von acht Linien⸗ regimentern mit den Nummern 53— 60*) Kraft dieſes Decretes annexirte Garibaldi militäriſch Sicilien mit Piemont, und noch am ſelben Tage glaubte der Graf von Ca⸗ vour, der ſich ſpäter in Annexionsſachen weit we⸗ niger pedantiſch und ſerupulös gezeigt hat, in der offiziellen Zeitung von Turin ihn verläugnen zu müſſen: „Einige auswärtige Blätter, welchen die der Regierung des Königs und den nationalen In⸗ ſtitutionen feindlichen einheimiſchen Blätter nach⸗ geſprochen, haben das Miniſterium des Einver⸗ ſtändniſſes mit der Expedition des Generals Ga⸗ ribaldi angeklagt. „Die Würde der Regierung erlaubt ihr nicht alle dieſe Beſchuldigungen einzeln vorzunehmen und zu widerlegen. Einige Aufklärungen wer⸗ den genügen. „Die Regierung hat die Expedition des Ge⸗ nerals Garibaldi mißbilligt und ſie durch alle Mittel welche die Klugheit und das Geſez ihr boten zu verhindern geſucht. „Die Expeditivn hat troz der Wachſamkeit der localen Behörden ſtattgefunden; ſie wurde durch die Sympathie der Bevölkerungen für die ſici⸗ lianiſche Sache unterſtützt. *) Die piemonteſiſche Armee zählte damals 52 Regimenter Infanterie. 180 „Kaum erfuhr man den Abgang der Freiwil⸗ ligen, ſo erhielt die königliche Flotte Befehl den beiden Dämpfern zu folgen und ihre Landung zu hindern. Allein dieß gelang der königlichen Marine eben ſo wenig als der neapolitaniſchen Flotte, welche doch ſeit mehreren Tagen in den Gewäſſern Sieciliens kreuzte. „Europa weiß übrigens daß die Regierung des Königs, wenn ſie auch ihre Sorge um das gemeinſame Vaterland nicht geheim hält, doch das Princip des Völkerrechtes kennt und reſpectirt, da ſie die Nothwendigkeit einſieht daſſelbe in dem Staat für deſſen Sicherheit ſie verbindlich iſt in Geltung zu erhalten.“ Die Garibaldianer verließen Alcamo am 18. Sie zogen durch das Städtchen Partenico, wel⸗ ches die Soldaten des Generats Landi geplündert und eingeäſchert hatten; ſie bivouakirten am Paß von Renna, wo ein furchtbarer Regen ſie die ganze Nacht und einen Theil des folgenden Morgens aufhielt, und am 20. Abends kamen ſie nach Pioppo, einem Dorf in der Nähe von Monreale. Roſolinio Pilo und Corrado ſtanden mit ziem⸗ lich zahlreichen ſicilianiſchen Abtheilungen in San Martino, ein wenig oberhalb Monreale. Der Stabscapitän Calvino brachte ihnen Befehl die in Monreale und der Umgegend eantonnirten kö⸗ niglichen Truppen unverzüglich anzugreifen. Das Gefecht war äußerſt lebhaft. Die Sicilianer er⸗ litten ſehr bedeutende Verluſte. Ihr Anführet Roſolino Pilo, einer von Garibaldi's beſten und —— wil⸗ den ung chen ſchen den rung das doch ctirt, dem iſt in n18 wel⸗ indert Poß ganze ens nach reale. ziem⸗ San Der hl die en kö⸗ Das ner er⸗ führet n und 181 tapferſten Offiziere, wurde getödtet, aber ſi blieben Herren der Höhen von San Martino, und dem General lag ſehr viel an dem Beſiz dieſes ſtrategiſchen Punctes. Gegen den Abend deſſelben Tags brachen die Garibaldianer vvn Pioppo auf. Sie marſchirten eine Zeitlang auf dem Wege von St. Joſeph, dann wandten ſie ſich auf einmal links und ſchlu⸗ gen einen Fußpfad ein, der in die Berge führte. Die Nacht war angebrochen; man ſah kaum auf einige Schritte vor ſich hin; der Regen hatte mit erneuter Macht wieder angefangen; der Weg hatte ſich ſchnell in einen Strom verwandelt und die Pferde konnten nicht weiter marſchiren. Man mußte jetzt Munitivn und Artillerie auf den Ar⸗ men weiter tragen, und der General, der ſtets mit gutem Beiſpiel voranging, ſchonte ſich ſelbſt ſo wenig wie der gemeine Soldat. Dieſer mühſame Nachtmarſch auf ſo zu ſagen ungangbaren Wegen führte die Garibaldianer nach Parco, das auf der andern Seite von Mon⸗ reale auf der alten Straße von Corleone liegt. Sie ruhten einige Stunden; und am 23 ſtiegen ſie, indem ſie fingirten als wollten ſie ſich gegen einen Angriff der Neapolitaner befeſtigen, die Höhen hinan welche Parco beherrſchen. Wie ihr General vorhergeſehen hatte, zog Major Boscv an der Spize einer Diviſion von 6000 Mann Schweizer und Baiern am folgen⸗ den Tage von Monreale aus, um die Garibal⸗ dianer zu verjagen. 182 Die italieniſche Armee beantwortete das Feuer der Königlichen ziemlich ſchwach, trat gegen zehn Uhr den Rückzug über die Piana dei Greci an und theilte ſich Abends ſechs Uhr, dem Plane des Generals gemäß, in zwei Corps. Der Oberſt Orſini mit der Artillerie, der Bagage, einer ſtarken Compagnie Garibaldianer, und mehreren ſicilani⸗ ſchen Abtheilungen ſchlug die Hauptſtraße nach Corleone ein, während Garibaldi mit dem Stab und dem Reſt der Colonne einen Fußpfad zur Linken einſchlug und gegen Miſilmeri zog, das auf der Hauptſtraße von Catanea liegt. Als der Major Bosco auf die Piana dei Greci kam, erfuhr er daß das Haupteorps und die Artillerie ſich gegen Corleone zurückzogen. Ueber⸗ zeugt daß Garibaldi ſich nicht vom Hauptcorps getrennt haben könne, brach er entſchloſſen zur Verfolgung Orſini's auf, der beſtändig zurückwich um ihn ſo weit als möglich hinwegzulocken. Als Garibaldi am 25. nach Miſilmeri kam, einem Dörfchen mitten in den Bergen welche die Ebene von Palermo beherrſchen, traf er dort den Oberſten La Maſa mit dem größern Theil der neuen ſicilianiſchen Squadre. Er nahm ſein Lager auf einem ziemlich großen Plateau, das auf der einen Seite nach der Ebene, auf der an⸗ dern nach Capo Zaffrana, den Pics von Gebel Roſſo und dem Engpaß von Mezzagua ſah. Das Wort Zelt ſtand nicht in Garibaldi's Wörterbuch, aber der General konnte es nicht verhindern daß ſeine Soldaten eine Lanze in die Erde ſteckt Sat dieſe Sch Offi mit dere war um ihne er g dem cilie nur dure oder dort Har der kurz Küh Neo ſchü die Ein wut euer zehn i an edes berſt rken lani⸗ nach Stab zur das dei und eber⸗ corps zur twich kam, velche dort Theil ſein das r an⸗ Gebel aldi's nicht Erde 183 ſteckten, eine Decke darüber warfen und einen Sattel und ein Hammelfell als Kopfkiſſen unter dieſen Schutz ſtellten. Die Armee ruhte auf der kahlen Erde im Schatten einiger Olivenbäume. Tags darauf rief Garibaldi ſeine angeſehenſten Offiziere, mehrere Einwohner von Palermo, die mit Mönchen und Prieſtern, entſchloſſenen Beför⸗ deren der Bewegung, in ſein Lager gekommen waren, und die verſchiedenen Guerillachefs zu ſich, um ihnen ſeine Abſichten kund zu thun. Er ſagte ihnen, er ſei nicht gewöhnt Kriegsrath zu halten, er glaube ſie aber jezt fragen zu müſſen, weil von dem zu faſſenden Entſchluß das Schickſal Si⸗ eiliens und vielleicht Ftaliens abhänge. Es ſei nur zweierlei möglich: entweder müſſe man ſich durch einen Handſtreich Palermo's bemächtigen oder ſich ins Innere der Inſel zurückziehen und dort eine Armee organiſiren. Er ſelbſt ſei für den Handſtreich, der unverzüglich über das Schickſal der Expedition entſcheiden werde. Man müſſe ſich kurz faſſen und dürfe nicht lange berothen. Die meiſten Anweſenden ſtaunten über die Kühnheit dieſes Planes und bemerkten daß es an Munition fehle. Der General antwortete, den Neapolitanern imponire man nicht mit Flinten⸗ ſchüſſen; man müſſe ihnen zu Leibe gehen und die Munition ſparen. Nach Beſeitigung dieſes Einwurfs ſtimmte alles bei, und die Anführer wurden zu ihren Truppen zurückgeſchickt, um ihnen ————— 184 die Nachricht zu melden und ihren patriotiſchen Feuereifer warm zu halten. Es war Anfangs beſchloſſen worden, ver Ge⸗ neral ſolle mit ſeinen Alpenjägern voranmarſchiren und die ſicilianiſchen Banden ihm folgen; aber einige Anführer erbaten es ſich als beſondere Gunſt an die Spize geſtellt zu werden, und man willfahrte ihren Wünſchen. Die Guiden und einige Jäger bildeten den Vortrab unter Oberſt Tuckery; dann kamen die Sicilianer unter Oberſt La Maſa, hierauf die genueſiſchen Carabinieri, und endlich zwei Jägerbataillone. Sicilianiſche Banden befanden ſich im Nachtrab. Der Mond beſchien das Feld, und die Kanv⸗ nen des Forts vom Stadtthor hatten ſchon lange gedonnert als man ſich auf den Marſch begab. Die Feuer die ſeit der Landung Garibaldi's jeden Abend auf den Hügeln glänzten, waren wie gewöhnlich angezündet worden, um die Nea⸗ politaner glauben zu machen daß die Inſurgen⸗ ten noch immer dieſelben Stellungen beſezt hielten. Die Picciotti(Gleinen), wie man die Recruten der Inſurrection nannte, waren in Ordnung ge⸗ ſtellt worden, und dieß war nicht ſo leicht gewe⸗ ſen, denn bei der Dunkelheit hatten die Führer nur mit großer Mühe ihre Leute wieder finden . können. Sie gingen einer um den andern in einer endloſen Reihe auf einem ſteilen, mit großen Steinen belegten Fußpfad hinab; ſie blieben jeden Augenblick ſtehen, und da durch einen Irrthum der Führer, die ſich im Wege täuſchten und die Colv wo verlr als ein Amt tane und über ten ſchü auf ſogl mäc rent ſch füh lieb len. ſie dei Nä leb Ka ton jor niſche danv⸗ lange ab. aldi's varen Nea⸗ rgen⸗ elten. ruten ge⸗ gewe⸗ Führer finden n in rßen jeden rthum nd die 185 Colonne beinahe an einen Ort gebracht hätten wo die Königlichen in Macht ſtanden, viek Zeit verloren ging, ſo begann der Tag anzubrechen als man zu den erſten Häuſern kam. Die Leute von den Banden erhoben ſogleich ein lautes Geſchrei wodurch der Poſten an der Ammigliatobrücke geweckt wurde. Die Neapoli⸗ taner konnten ſich zum Widerſtand vorbereiten, und der Vortrab der italieniſchen Armee, der ſie überrumpeln ſollte, wurde mit einem wohlgenähr⸗ ten Feuer empfangen. Die Picciotti ſprangen bei den erſten Flinten⸗ ſchüſſen über die Mauern rechts und links und ließen die dreißig oder vierzig Mann des Vortrabs auf der Straße. Das erſte Jägerbataillon, das ſogleich dieſen lezlen zu Hilfe geſchickt wurde, be⸗ mächtigte ſich ziemlich ſchnell der Stellung. Wäh⸗ rend es die Neapolitaner zurückwarf, bemühte man ſich die Pieciotti wieder zuſammenzubringen. Man führte ſie vor die Brücke; aber hier ſchienen ſie lieber unter als über derſelben weggehen zu wol⸗ len. Der General und ſein Stab veranlaßten ſie doch endlich vorwärts zu marſchiren. Der Vortrab befand ſich jezt gegenüber einer Allee die ans Meer führt, nicht weit vom Thore dei Termini. Das neapolitaniſche Fort in der Nähe des Eingangsthores eröffnete ein ziemlich lebhaftes Feuer, welches ſich mit dem von zwei Kanonen kreuzte die unweit der Porta Sant An⸗ toniv ſtanden. Die Jäger drangen mit dem Ba⸗ jonet über dieſe gefährliche Paſſage; aber ihrem —— — —— 186 Anführer, dem Oberſten Tuckery wurde ein Knie zerſchmettert. Es war von Wichtigkeit in die Stadt einzu⸗ dringen, um von den Neapolitanern nicht in der Flanke gefaßt zu werden; die Picciotti erhielten alſo Befehl theils die Mauern der links an der Straße liegenden Gärten zu beſezen, theils den Fägern zu folgen. Zu gleicher Zeit wurde eine Barricade in ihrem Rücken errichtet. Dieſes Ver⸗ theidigungsmittel erſchien den Picciotti ſo ſinn⸗ reich daß ſie ebenfalls eine Barricade vorn errich⸗ teten, ohne daß man ſie davon abhalten konnte, und dadurch den Marſch der Colonne hinderten. Diejenigen die am Angriff Theil nehmen ſollten, zeigten ſehr wenig Luſt ſich dem Eingang der Allee zu nähern, die von einem Kreuzfeuer ge⸗ ſchüzt wurde. Ein genueſiſcher Carabinier der dieß bemerkte, wollte ſie beruhigen. Er ſtellte vier oder fünf Stühle mitten in die Straße, pflanzte auf einem derſelben eine dreifarbige Fahne auf und ſezte ſich daneben. Dieſer Zug von Un⸗ erſchrockenheit beſtimmte die Piecciotti ſich in die Allee hineinzubegeben. Die Palermitaner hatten verſprochen ſich zu erheben ſobald Garibaldi vor den Thoren der Stadt erſcheinen würde. Sie hielten Wort. Um ſechs Uhr wurden alle Glocken der Cathedrale in Bewegung geſezt und die Bevölkerung ergoß ſich in die Straßen unter dem Ruf: Es lebe die Frei⸗ heit! Es lebe Sicilien! Es lebe Victor Emma⸗ nuel! Nie hatte eine ſo einſtimmige und furcht⸗ bare ſchoß bega ( Pfer abhé dicht tung neap unte ſamt nen Näh von ſtraf meh drei liche Por der pla: Dor Pre in i nen Cer com lon Knie inzu⸗ der elten der den eine Ver⸗ ſinn⸗ rich⸗ nnte, rten. llten, der r ge⸗ der ſtellte raße, ahne Un⸗ n die ch zu der Um le in ß ſich Frei⸗ mma⸗ 187 bare Bewegung ſtattgefunden. Die Truppen ſchoßen auf das Volk und ein heftiger Kampf begann. Garibaldi, der mitten unter ſeinen Jägern zu Pferde war und die Fahne der italieniſchen Un⸗ abhängigkeit vor ſich hertragen ließ, erſchien im dichteſten Gewühl und übernahm ſogleich die Lei⸗ tung des Auſfſtandes. Der General Lanza, Oberbefehlshaber der neapolitaniſchen Truppen, hatte 25— 28,000 Mann unter ſich; 18,000 im großen Noviciatsviertel zu⸗ ſammengedrängt, waren geſchüzt von zwei Caſer⸗ nen, vom königlichen Palaſt und einer in der Nähe des Thores aufgeſtellten Batterie, ferner von Verſchanzungen und Redouten auf der Haupt⸗ ſtraße von Monreale, die von beiden Seiten durch mehrere Geſchüze vertheidigt wurde. Zwei⸗ oder dreitauſend Mann ſtanden zwiſchen dem könig⸗ lichen Palaſt und der Cathedrale innerhalb der Porta nuova; fünfhundert im Jeſuitenkloſter in der Toledoſtraße; zweitauſend auf dem Marine⸗ plaz gegen den Caſſaro zu; wieder andere an der Douane, in Caſtellamare, im Finanzgebäude, im Pretoriopalaſt, im Palaſt des Plazcommandanten, in den vier Cantonen. Garibaldi hatte ſeine Truppen in drei Colon⸗ nen getheilt. Er commandirte perſönlich die vom Centrum, welche die Hauptſtraße hielt; La Maſa commandirte die rechte, Nino Bixio die linke Co⸗ lonne. Von einem furchtbaren Feuer der ganzen 188 königlichen Artillerie empfangen, drangen die Ga⸗ ribaldianer im Sturmſchritt vor, vhne einen ein⸗ zigen Flintenſchuß zu thun. Der General Colonna zog mit der Cavallerie aus der Caſerne der vier Winde; aber nun öff⸗ nete ſich die Colonne des Centrums ein wenig und demaskirte die Garibaldiſche Artillerie, die mit Kartätſchen auf die Königlichen ſchoß. Dieſe wichen in Unordnung zurück; die Garibaldianer verfolgten ſie mit gefälltem Bajonet, und bald entſpann ſich ein furchtbares Handgemenge das bis 10 Uhr währte. Aus ihren Stellungen verjagt, nach der Porta nuova zurückgedrängt, wurden die Königlichen in der Toledoſtraße mit Geſchoßen aller Art ange⸗ griffen; man ſchoß mit Flinten und Piſtolen aus den Fenſtern, man ſchüttete ſiedendes Waſſer herab, warf Blumentöpfe, Möbel, Fenſterſimſe, ja ſogar Claviere von den Dächern und Balconen auf ſi herunter. Die einen flüchteten ſich ins Fort vonz Caſtellamare, die andern ſchloßen ſich mit demf General Lanza in dem königlichen Palaſt an der Porta nuova ein. Als die Garibaldianer welche ſie verfolgten daſelbſt erſchienen, beſtrichen die Kriegsſchiffe der königlichen Marine, die quer vor der Porta feliee, gegenüber der Porta nuova lagen, die Toledo⸗ ſtraße mit Kartätſchen, während das Fort von Caſtellamare und die in der Rhede liegenden Schiffe die Stadt zu bombardiren anfingen. Zwei Colonnen unter Nino Bixio und La Maſe vor! weit ſchüz Port Kart bis Hau dant ten ſchu des von Ter erbe Tru Ger und Tru nur Cor den teſt den bed der pie die Ga⸗ ein⸗ llerie öff⸗ wenig dit Dieſe ianer bald e das Porta enin ange⸗ naus herab, ſogar uf ſie tn demf n der olgten fe der felice, oled⸗ tn genden 1 nd La 189 Maſa wandten ſich gegen Norden und erſchienen vor der Favorita beim Macguedathore, das un⸗ weit vom Fort Caſtellamare liegt und die Marine ſchüzt; eine dritte marſchirte rechts nach der Porta dei Termini, und Garibaldi, der troz des Kartätſchenhagels aus den Schiffen und den Forts bis zu den vier Cantonen vorrückte, pflanzte ſein Hauptquartier im Palaſt des Stadtcvmman⸗ danten auf. Der Obeiſt Türr und der Generalſtab beſez⸗ ten den Pretorivpalaſt, wo der Revolutionsaus⸗ ſchuß von Palermo ſaß. Am Ende des Tages war Garibaldi Herr des ganzen Theiles der Stadt der ſich im Norden von der Porta Marqueda bis an die Porka dei Termini erſtreckt; die allenthalben in der Stadt erbauten Barricaden machten die Rückkehr der Truppen in die befreiten Theile unmöglich; der General Lanza, der im königlichen Palaſte lag und durch die Hauptmacht der aufſtändiſchen Truppen von der Citadelle abgeſperrt war, leiſtete nur noch ſchwachen Widerſtand, und nachdem das Conſularcvrps ſo wie die Commandanten der frem⸗ den Truppen kräftig gegen die Beſchießung pro⸗ teſtirt, hatte das Feuer aus den Schiffen und dem Schloſſe, wo nicht gänzlich aufgehört, doch bedeutend nachgelaſſen. Am 28. Morgens war das Hauptquartier der Inſurrection in Piera Vecchia, neben dem piemonteſiſchen Conſulat; die Neapolitaner hatten die Thore verlaſſen; Inſurgentenbanden von Ca⸗ 190 rini, Favoritta und andern Orten her waren in der Stadt eingezogen. Am Tag räumten die Königlichen die Gefäng⸗ niſſe, das Bagno, die Caſernen der vier Winde und flüchteten ſich ans Ende des Molo, wo ſie mit lautem Geſchrei nach den Nachen der nea⸗ politaniſchen Kriegsſchiffe liefen welche ſie auf⸗ nahmen. Abends richteten die Inſurgenten ein lebhaftes Gewehrfeuer gegen den Palaſt des Kö⸗ nigs. Sie drangen in den erzbiſchöflichen Palaſt und gaben von da Feuer auf die Soldaten, die ſich genbthigt ſahen den Finanz⸗ und Oſpitella⸗ Palaſt zu verlaſſen. Zahlreiche Banden von Bauern und Berg⸗ bewohnern beunruhigten die ganze Nacht hindurch die königlichen Truppen, welche die Höhen von Monreale verließen, ſich zwiſchen dem Capuziner⸗ kloſter und dem Dorf Olivezza lagerten und dem General Lanza, der fortwährend im königlichen Palaſte war, nicht zu Hilfe kommen konnten. Am 29. erbeuteten die Inſurgenten vier Ka⸗ nonen und einen Zweipfünder, die von den Nea⸗ politanern verlaſſen in der Gefängnißcaſerne ſtan⸗ den; die Neapolitaner aber behaupteten ſich troz unaufhörlicher Angriffe im Palaſte des Königs, und als am Abend die Citadelle ihr Feuer von Neuem begann, brach in der Pähe des San Do⸗ mingo⸗Plazes eine ungeheuere Feuersbrunſt aus. Ungefähr dreitauſend Bomben waren ſeit dem 2. in die Stadt geſchoſſen worden und mehr als ſämn S bens im Hun ſie h in 3 lame bewi ein rune trag frem erth über nera Criſ täne Krie ral frar fehl balt Ob 191 als hundert waren auf die Hallen gefallen, deren ſämmtliche Buden zerſthrt waren. Indeß fehlte es dem General Lanza an Le⸗ bensmitteln. Die zehntauſend Soldaten die er im königlichen Palaſte um ſich hatte, litten Hunger und vertheidigten ſich nur noch ſchwach: ſie hatten bereits von Waffenſtillſtand, von mili⸗ täriſcher Uebereinkunft geſprochen und begannen in zahlreichen Banden zu deſertiren. Der General Lanza entſchloß ſich einen Par⸗ lamentär abzuſenden. Eine Waffenruhe von ſechs Stunden wurde bewilligt. Am folgenden Morgen in aller Frühe erſchien ein neuer Parlamentär und ſuchte um Verlänge⸗ rung des Waffenſtillſtandes nach; zugleich bean⸗ tragte er eine Beſprechung am Bord eines der fremden Kriegsſchiffe die in der Rhede lagen. Es wurde Befehl zur Einſtellung des Feuers ertheilt, und um zwei Uhr führte ein Wagen über welchem eine weiße Fahne flatterte die Ge⸗ nerale Lanza und Letizia ſo wie den Brigadier Criſtiano nach dem Landungsplaz der Quaran⸗ täne; ſie begaben ſich an Bord des engliſchen Kriegsſchiffes Hannibal, wo der Contreadmi⸗ ral Sir John Mundy, der Commandant der franzöſiſchen Fregatte Vauban und der Be⸗ fehlshaber der amerikaniſchen Fregatte Ir okeſe ſich befanden. Zu gleicher Zeit erſchien Gari⸗ baldi in Begleitung ſeines Sohnes Menotti, des Oberſten Türr und des Staaisſecretärs Crispi. 192 Troz der eifrigen Verwendung der fremden Offiziere war es unmöglich ſich zu verſtändigen. Der General Lanza nahm ſich heraus Bedingun⸗ gen dictiren zu wollen, ſtatt ſich denen von Ga⸗ ribaldi zu unterwerfen, zu welchem er mit einem gewiſſen Hochmuth ſagte, man dürfe dergleichen einem Manne nicht vorſchlagen der ſeit ſo vielen Jahren Krieg führe. — Ich läugne es nicht; ich habe niemals Krieg geführt, verſezte Garibaldi in einem ironi⸗ ſchen Ton, der den engliſchen und franzöſiſchen Offizieren ein Lächeln abnöthigte; ich meine den großen Krieg, ſo wie der General unſer Gegner ihn geführt hat. Endlich kam man überein daß der Waffen⸗ ſtillſtand bis zum 31. Mittags währen ſollte, da⸗ mit man Zeit habe Weiber und Kinder aus der Stadt ziehen zu laſſen, die Todten zu begraben und die Verwundeten nach den umliegenden Vil⸗ len zu bringen, die man für den Augenblick in Spitäler umgeſchaffen hatte. Als Garibaldi in den Pretoriopalaſt zurück⸗ kam, haranguirte er das Volk, das unter den Waffen geblieben war und voll Ungeduld das Reſultat der Conferenz erwartete. Er erklärte, die vorgeſchlagenen Bedingungen ſeien demüthi⸗ gend für die Bevölkerung von Palermo geweſen, er habe ſie alſo mit Verachtung verworfen, und die Feindſeligkeiten würden am folgenden Tage neu beginnen. Die Menge antwortete mit dem einſt Gar ( Fort Er 1 die Bedi einer glied beſtel unte die Plür geſte ein folge die einet tore ren zu 1 liche bele Mo Zeit Das zirke in ſäm 193 mden einſtimmigen Ruf: Krieg! Krieg! Es lebe igen. Garibaldi! gun⸗ Garibaldi ſuchte jetzt die Stadt zur kräftigen Ga⸗ Fortführung des Kampfes in den Stand zu ſezen. inem Er verordnete die Bildung einer Nationalgarde; ichen die Eröffnung einer Subſcription um für die ieten Bedürfniſſe des Krieges zu ſorgen; die Ernennung einer Vertheidigungscommiſſion, aus vierzehn Mit⸗ mals gliedern und einem proviſoriſchen Kriegsausſchuß roni⸗ beſtehend, um die Anwerbungen zu betreiben. Er iſchen unterzeichnete überdieß ein Decret, kraft deſſen alle eden die ſich eines Diebſtahls, eines Mordes und einer egner Plünderung ſchuldig machten vor ein Kriegsgericht geſtellt und zum Tod verurtheilt werden ſollten; affen⸗ ein anderes, welches verbot die Sbirren zu ver⸗ „da⸗ folgen und mit den Waffen in der Hand durch s der die Straßen zu ziehen, außer unter der Leitung raben eines Anführers, ein drittes, wodurch er Salva⸗ Vil⸗ tore Capello und Onofrio Benedetto zu Quäſto⸗ ick in ren ernannte, um den Municipaldienſt in Palermo zu organiſiren; endlich ein viertes, das ſämmt⸗ urüc⸗ liches Vermögen der Regierung mit Sequeſter rden belegte. d das Das vofficielle Journal von Palermo, der klärte, 1. Moniteur der Dictatur, veröffentlichte zu gleicher nüthi⸗ Zeit zwei ſchon von Alcamo aus datirte Decrete. veſen, Das erſte ſetzte in jedem der vierundzwanzig Be⸗ und zirke Siciliens einen Gouverneur ein und ſtellte Tage in allen Gemeinden den Bürgerrath, wie auch tdem ſämmtliche vor der königlichen Beſezung dagewe⸗ Garibaldi. II. 13 194 ſene Beamte wieder her, wobei alle diejenigen welche die Wiederherſtellung der Bourbonen direct oder indirect begünſtigen, im Namen der könig⸗ lichen Gewalt ein bffentliches Amt bekleiden und ſich notoriſch der Befreiung des Vaterlandes wi⸗ derſezen ſollten, als unfähig zur Verwaltung einer Stelle im Bürgerrath, eines Municipal⸗ oder Richteramtes oder irgend einer öffentlichen Function erklärt wurden. Das zweite verordnete; daß in jeder Gemeinde der Gemeinderath den Stand der öffentlichen Caſſen conſtatiren, daß der Vorſteher derſelben, der Schazmeiſter und der Gemeindekanzler ein Protvcoll darüber aufſezen; daß die Steuer auf die Lebensmittel ſowie die Steuern aller Arten die ſeit dem 15. Mai 1849 von der königlichen Behörde eingeſezt worden, abgeſchafft werden ſollten; daß in allen von den königlichen Truppen beſezten Gemeinden jeder Bürger der neapolitaniſchen Regierung die Be⸗ zahlung der Steuern verweigern ſolle, die fortan der Nation gehören. Am 31. acceptirte noch vor Ablauf des Waffen⸗ ſtillſtandes, der General Lanza, der den Abfall auf beunruhigende Weiſe um ſich greifen ſah, die Bedingungen welche der Dietator bei der Beſprechung an Bord des Hannibal feſtgeſezt hatte. Er verlangte einen Waffenſtillſtand von prei Tagen, damit der General Letizia nach Neapel gehen und den König Franz II. um Er⸗ mächtigung zu definitiver Unterhandlung und zur Räumung Palermo's erſuchen könnte. G G Waffe rück. Trup worde Befeh ribald A König aufna neral als j ſich auger L ſollte fälle ſeine F Auge ich Anfü A deſſen folger mung die ſi Gerä Pferd gabe — nigen irect önig⸗ und wi⸗ ltung eipal⸗ lichen dnete den ß der der ſezen; ie die 1849 rden, n den jeder e Be⸗ fortan affen⸗ Abfall ſah, i der tgeſezt n nach m Er⸗ un 195 Garibaldi bewilligte dieſe neue Friſt. General Letizia kam am 3. Juni, als der Waffenſtillſtand zu Ende ging, von Neapel zu⸗ rück. Franz II. wollte nicht glauben daß ſeine worden ſeien; er ſchickte dem General Lanza den Befehl eher die Stadt zu zerſtören als mit Ga⸗ tibaldi zu unterhandeln. Als der Dietator die Antwort des jungen Königs vernahm, bereitete er ſich zur Wieder⸗ aufnahme der Feindſeligkeiten vor; aber der Ge⸗ neral Lanza, der überzeugt war daß er weniger als je auf ſeine Soldaten rechnen könne, erbat ſich eine abermalige dreitägige Friſt die ihm augenblicklich bewilligt wurde. Letizia fuhr aufs Neue nach Neapel. Er ſollte dem König auseinanderſezen daß die Ab⸗ fälle mit jedem Tag zahlreicher wurden und ſeine Truppen jeden weitern Kampf verweigerten. Franz II. begriff endlich daß Palermo im Augenblick für ihn verloren war, und daß er ſich ſchlechterdings entſchließen mußte mit dem Anführer der Revolution zu unterhandeln. Am 6. wurde ein Vertrag unterzeichnet, kraft deſſen der Waffenſtillſtand bis zur Ausführung folgender Operativnen verlängert wurde: Räu⸗ mung Palermo's durch die neapolitaniſche Armee, die ſich möglichſt ſchnell mit ihren Kranken, ihrem Geräthe, ihrem Material, ihrer Artillerie, ihren Pferden und ihrer Bagage einſchiffen ſollte, Ueber⸗ gabe der Forts, Caſernen und andern Militär⸗ Truppen geſchlagen und zur Capitulation genöthigt. — F 196 anſtalten an den Dietator, Auswechslung der Gefangenen. Während der Unterhandlungen in Betreff des Waffenſtillſtandes war eine regelmäßige Regierung eingeführt und ein Miniſterium folgendermaßen zuſammengeſetzt worden. Krieg und Marine: Oberſt Orſini; Inneres: Franz Crispi; Finanzen: Domini Picrani; Juſtiz: Andreas Guarnieri; öffentlicher Unterricht und Cultus: Monſignor Gregor Ugdulena; Auswärtiges und Handel: Baron Caſimir Piſani; bffentliche Arbeiten: Johann Raffaele. Dieſe Miniſter, energiſche und aufgeklärte Patrioten, voll Eifer und Hingebung für die nationale Sache, beſchäftigten ſich ſogleich damit die Provinzial⸗ und Municipalverwaltung zu organiſiren, die Loosziehung in allen Gemein⸗ den zu veranſtalten, die einen Recruten auf fünf⸗ zig Einwohner zu ſtellen hatten, die den Gemein⸗ den auferlegten Steuern nach der Zahl der Be⸗ völkerung feſtzuſezen; mit einem Wort, alle Maß⸗ regeln zu ergreifen die zur Vollendung des an⸗ gefangenen Werkes, der vollſtändigen Befreiung Siciliens, nothwendig waren. Mobile Colonnen wurden in die Bezirke ge⸗ ſchickt die ſich noch nicht empört hatten; überal wurden ſie mit Begeiſterung empfangen; überall in den Provinzen des Uferlandes und des Innern folgten Städte und Landgemeinden dem Beiſpiele Palermo's, und bald blieben den königlichen Truppen, die von der Bevölkerung geſchlagen und verjagt wurden, nur noch einige feſte Pläze . wie S ten, r V willig der R nahm In G der p zu Te heirat Leute ſchiffe gen 2 ſtärke dante eine könne und Parke Verze er zu die 1 ſchaln ten. „Ich und pathi thut daß Verb der ff des ern maßen arine: inzen: nieri; ſignor indel: eiten: e ebung ogleich altung emein⸗ f fünf⸗ emein⸗ er Be⸗ es an⸗ freiung rke ge⸗ überall überall Innern zeiſpiele iglichen chlagen Pläze 197 wie Syracus und Agoſta, wo ſie ſich concentrir⸗ ten, wie auch in Milazzv und Meſſina. Von allen Gegenden der Inſel kamen Frei⸗ willige herbeigeſtrömt um ſich unter das Banner der Revolution zu ſtellen, und auf dem Feſtlande nahm der patriotiſche Eifer mit jedem Tage zu. In Genua, im Herzen Italiens, unter den Augen der piemonteſiſchen Regieryng ſammelte man ſich zu Tauſenden; junge Leuke, reife Männer, Ver⸗ heirathete, alle wollten zu Garibaldi ziehen. Es fehlte an Transportmitteln und nicht an Leuten. In Marſeille waren einige Handels⸗ ſchiffe gemiethet worden; man hatte ſie in weni⸗ gen Tagen denativnalifiren, mit Querſtücken ver⸗ ſärken, die Mannſchaft wechſeln, neue Comman⸗ danten ernennen, Kanonen, Waffen und alles für eine Armee im Feld Nöthige an Bord ſchaffen fönnen, aber dieß alles war noch ſehr ungenügend, und der Dictator wandte ſich an den Rheder Parker in Liverpool. Er erhielt von ihm ein Verzeichniß verkäuflicher Schiffe, antwortete daß er zwei davon kaufe und mehrere andere wünſche, die nach dem Muſter der engliſchen Kanonir⸗ ſchaluppen gebaut ſeien oder gebaut werden ſoll⸗ ten. Am Schluſſe ſeines Schreibens ſagte er: „Ich danke Ihnen für Ihre freundlichen Wünſche, und ich kann Sie verſichern daß ich die Sym⸗ pathie welche England für unſere Sache kund thut lebhaft empfinde. England muß bedenken daß es nur unter den freien Völkern aufrichtige Verbündete hat, und daß es ſehr wenig Freunde 198 auf dem Feſtlande zählt. Ein freies und eini⸗ ges Italien würde dieſe Lücke ausfüllen und eines der größten Hinderniſſe für die Pläne der franzöſiſchen Regierung werden. Schicken Sie uns ſchnell Waffen, Schiffe, Material aller Art, und ich bürge Ihnen vafür daß dieſes Reſultat bald erreicht werden ſoll.“ Am 13. Juni veiließen der General Lanza und ſein Stab den Polaſt des Königs, und am 19. zogen die neapolitaniſchen Truppen, ungefähr 8000 Mann ſtark, für immer von Palermo ab, nachdem ſie die Stadt mit unerhörter Grauſam⸗ keit verwüſtet, geplündert, angezündet und zum Theil in einen Schutthaufen verwandelt hatten. Roch am Tage ihres Abzuges verordnete ein Decret die augenblickliche Zerſtörung des Forts von Caſtellamare, und Tags darauf erhob ſich die ganze Bevölkerung, mit Prieſtern und Mönchen an der Spize, maſſenhaft um mit ihren eigenen Händen dieſe Bollwerke niederzureißen welche die Fremdherrſchaft gegen die Hauptſtadt Siciliens errichtet hatte. Jeden Tag kamen neue Verſtärkungen aus Genua; Jacob Medici landete mit dreitauſend Mann; ihm folgte bald eine Abtheilung unter Coſenz, und in den letzten Tagen des Juli prä⸗ ſidirte Garibaldi, nachdem er Muſterung über die Erpeditionsarmee gehalten, einen Kriegsrath welchem ſeine angeſehenſten Offiziere, Türr, Me⸗ dici, Ninv Bixiv, Coſenz, Sirtori u. ſ. w. an⸗ t⸗ wohn der! marſe L friedi Oper tionq die ihre. ehem von niſch order nach Part gem ( diete von ich will halt nire: den mit des die auf die wen eini⸗ und die ung affen, hnen erden anza d am efähr o ab, uſam⸗ zum atten. ein Forts b ſich nchen genen welche ciliens aus auſend unter i prä⸗ er die gsrath , Me⸗ v. an⸗ 199 wohnten, die ſämmtlich der Anſicht waren daß der Augenblick gekommen ſei auf Meſſina zu marſchiren. In Sicilien beſtand eine Partei die mit Be⸗ friedigung ſah daß Garibaldi die militäriſchen Operationen thätig betrieb, die aber die revolu⸗ tionären Tendenzen des Dictators mißbilligte und die Leitung der politiſchen Angelegenheiten in ihre Hand zu bekommen ſuchte. Herr La Farina, ehemaliger Miniſter der ſicilianiſchen Revolution von 1848, ein einflußreiches Mitglied des italie⸗ niſchen Nationalvereins, von Cavvur als außer⸗ ordentlicher Commiſſär der ſardiniſchen Regierung nach Palermo geſchickt, war das Haupt dieſer Partei, welche die Mehrzahl des Adels und die gemäßigten Liberalen Siciliens in ſich ſchloß. Garibaldi ſagte zu ſich: Wenn ich Sicilien dictatoriſch mit Piemont annerire, wenn ich es von einer Verſammlung annexiren laſſe, ſo werde ich von Turin in Schranken gehalten, und das will ich nicht; ich will vielmehr das Feld frei halten um Neapel und das Uebrige zu revolutio⸗ niren.“ Und Garibaldi dachte gar nicht daran den Augenblick der definitiven Annexion Siciliens mit Piemont zu beſchleunigen. Herr La Farina ſuchte, den Inſtructionen des Turiner Cabinets gemäß, das wohlverſtauden die Annexion durch eine Verſammlung wünſchte, auf den Dictator einzuwirken. Er bemühte ſich die Entfernung der Mazziniſten auszuwirken, die, wenn ſie ſich auch Victor Emmanuels bedienten 200 und dieſen Fürſten ſogar acceptirten, dennoch um jeden Preis weiter zu gehen verlangten; aber ſo aufrichtig auch Garibaldi eine Verſtändigung mit La Farina wünſchte, ſo wollte er ſich doch nicht von den Gegnern des Grafen Cavour trennen. La Farina ſezte Himmel und Erde in Be⸗ wegung. Er gründete ein Journal; die Anne⸗ rion; ſeine Freunde ſchrieben in die Unita Italiana, das Organ der Revolutionäre; er ſezte es durch daß der Fürſt Torrearſa, ein er⸗ klärter Annexivniſt, zum Vieedictator ernannt wurde; aber die ſchlechtweg italieniſche vder maz⸗ ziniſtiſch-garibaldiſche Partei behielt fortwährend in gewiſſen Fragen die Oberhand und beſeitigte die augenblickliche Annexion ſyſtematiſch als ge⸗ fährlich für Süditalien. Herr La Farnia ſchritt endlich zu einer öffentlichen Kundgebung. Er hatte zahlreiche Verbindungen im Municipalrath von Palermo und beſtimmte dieſen einen Wunſch zu Gunſten der Annexion vorzutragen, als man Garibaldi das palermitaniſche Bürgerrecht anbot. Der Dictator konnte nicht umhin zu antwor⸗ ten. Er that es in einer ſehr bedeutſamen, ſehr überlegten, ſehr einläßlichen Rede worin er die Lage genau auseinander ſezte, beſonders in fol⸗ gender Stelle: „Bereits haben ſich alle Gemeinden Siciliens, mit Ausnahme einiger unbedeutenden Flecken, für Annexion mit dem italieniſchen Königreich un⸗ ter dem ſiegreichen Vietor Emmanuel ausgeſprv⸗ chen. Meine Herrn, ich war es der den Feld⸗ zug Ital ausg Fürſ am Uebe ause Zwe zu auf durc elan in d und nich das ſiche verk ein Zie in! jede ſein es gun von wü mü ziel Fü 201 zug von 1859 mit dem Programm erbffnete: Italien und Victor Emmanuel! Ich kenne die ausgezeichneten Eigenſchaften dieſes großherzigen Fürſten und weiß ſie perſönlich zu ſchäzen. Schon am erſten Tage als ich ihn ſah, gewann ich die Ueberzeugung daß er der von der Vorſehung auserſehene Mann ſei um die verſchiedenen Zweige der italieniſchen Familie mit einander zu vereinigen und zu verſchmelzen. Geſtüzt auf die Kundgebung der Gemeinden, könnte ich durch einen dictatoriſchen Act die Einheit pro⸗ elamiren. Aber verſtehen wir uns wohl, ich bin in der Abſicht gekommen für Italien zu kämpfen und nicht für Sicilien allein, und wenn Ralien nicht ganz vereinigt und frei iſt, ſo wird auch das Geſchick keines ſeiner einzelnen Theile ge⸗ ſichert ſein. Alle dieſe getrennten Theile zu verknüpfen, ſie in den Stand zu ſezen daß ſie ein einiges und freies Italien bilden, iſt das Ziel meines Unternehmens.. Wenn wir dazu in den Stand geſezt ſein werden, wenn wir zu jedermänniglich ſagen können: Italien muß einig ſein, und mag es euch gefallen oder nicht, ſo iſt es ſo, dann wird der Fall eintreten zur Vereini⸗ gung zu ſchreiten. Wenn wir heute die Annexion von Sicilien allein ausführen würden, dann würden die Befehle anderswoher kommen, dann müßte ich mein Werk aufgeben und mich zurück⸗ ziehen.“ Dieſe Worte bedurften keiner Erläuterung. Der Fürſt Torrearſa gab ſeine Entlaffung als Vicedictator, 202 der Baron Caſimir Piſani, als Miniſter des Auswärtigen und des Handels, folgte dieſem Bei⸗ ſpiel, und die Annexivniſten ſahen ſich bald zur Unmacht, wenn auch nicht zum Schweigen ver⸗ urtheilt. Der Dictator, der ihrer Umtriebe und Proteſtationen überdrüſſig war und überdieß auf die Maſſe der palermitaniſchen Bevölkerung rechnen konnte, gebrauchte ein ſummariſches Ver⸗ fahren gegen La Farina: er ließ ihn bei Nacht in ſeiner Wohnung aufheben und an Bord eines Schiffes bringen das nach dem Feſtlande fuhr. Dieſes kräftige Auftreten ſchüchterte die Gemäßig⸗ ten ein, und als ſie ihren Chef verloren hatten, ſuchten ſie zwar Garibaldi noch Schwierigkeiten zu bereiten, konnten aber die Ausführung ſeiner politiſchen und militäriſchen Pläne nicht ver⸗ hindern. Palermo war eine vortreffliche Operations⸗ baſis; eine Kanonengießerei war daſelbſt errichtet; der Plaz bot unermeßliche Mittel zur Organi⸗ ſation und Unterhaltung der Armee, der Artillerie und Marine; die Barricaden waren ſorgfältig unterhalten und befeſtigt, und die Palermitaner, an die man einige tauſend Piken ausgetheilt hatte, bewieſen daß ſie dieſelben vertheidigen könnten, im Fall die Königlichen Luſt zu einer offenſiven Rückkehr bekämen, während die Gari⸗ baldianer auf Meſſina marſchirten. Die italieniſche Armee war jezt, in Folge der Conſeription und der aus Genua gekomme⸗ nen Verſtärkungen, ſtark genug geworden, daß ein ſo eine Lan gen mer Cor Nir dri wil des pa tru co1 des ei⸗ zur er⸗ und auf ung ber⸗ acht ines uhr. ßig⸗ ten, iten iner ver⸗ ons⸗ tet; ani⸗ lerie ältig mer, heilt igen einer zari⸗ olge nme⸗ 203 ſo kühner General wie Garibaldi nicht bloß einen Angriff auf Meſſina, ſondern auch eine Landung auf den Staaten des Continents wa⸗ gen konnte. Sie war folgendermaßen zuſam⸗ mengeſezt: Bewaffnete, disciplinirte und kriegsbereite Corps; Drei Brigaden Linieninfanterie, jede vier Bataillone ſtark und commandirt, die erſte von Ninv Bixio, die zweite von Jacob Medici, die dritte von Heinrich Coſenz; Vier Bataillone Aetnajäger, ſicilianiſche Frei⸗ willige die ſich verpflichtet hatten über die Dauer des Feldzugs zu dienen; Zwei Bataillone Alpenjäger und eine Com⸗ pagnie genueſiſche Carabiniere, wahre Kern⸗ truppen; Ein Bataillon Söhne der Freiheit, eine Art Fremdenlegion, ungefähr 900 Mann ſtark, commandirt von dem engliſchen Oberſt Drum; Eine Schwadron Gviden; Zwei Batterien Artillerie; Ein Geniebataillon. Einige Corps deren Organiſation in wenigen Tagen vollendet ſein ſollte; Zwei Brigaden Linieninfanterie, ſechs Ba⸗ taillone Aetnajäger, ein Regiment Cavallerie und zwei neue Batterien. Der General hatte überdieß 200 Polizei⸗ gardiſten, eine Schwadron Gendarmen, ferner die Milizbataillone der erſten Categorie, eine Art ———— 204 von mobiler Nativnalgarde, zu ſeiner Verfügung; auch war man im Zug die Cadres eines zweiten Cavallerieregiments und einer fünften Batterie zu bilden. Die Uniformen dieſer verſchiedenen Corps hatten eine gewiſſe revolutionäre Wunderlichkeit, der es nicht an pittoresken Elementen fehlte. Die Ainienſoldaten trugen den rothen Rock und die rothe Miüze; die Alpenjäger den rothen Rock und den Calabreſerhut, mit ſchwarzen Federn geſchmückt; die Aetnajäger die cafebraune Blouſe und das rothe Käppi; die von Medici herbeigeführten Soldaten die graue und ſchwarze Blouſe in Form eines Matroſenkittels, mit rothen Schnüren und weißen Knöpfen, und die blaue Müze mit rothen Paſſepoils; die Söhne der Freiheit die weiße Jacke, die rothe Suliotenmüze weiß garnirt; die Reiterei den rothen Rock mit blauen Umſchlägen, das rothe und grüne Käppi mit Silber bordirt; alle trugen Hoſen von roher oder weißer Lein⸗ wand. Die piemonteſiſche Uniform war nur den Artilleriſten und den Sapeuren vom Genie ge⸗ geben worden. Auch die Marine war auf dem Weg der Organiſation, und Garibaldi hoffte ſeinen Plan einer Landung im Königreich Neapel demnächſt ausführen zu können. Er hatte ſich an die Han⸗ dels⸗ und Induſtriecaſſe von Turin wegen An⸗ kaufs von drei Dämpfern der transatlantiſchen Geſellſchaft gewendet, die mit den zwei in Eng⸗ land gekauften Schiffen den Kern der ſiciliani⸗ 205 ſchen Flotte bilden ſollten. Wegen fünf weiterer Dämpfer hatte er americaniſche Rheder ange⸗ gangen, und Salvadore Caſtiglia, der Excapitän des Piemonte, war nach Malta gefahren, um von da alle Schiffe mitzubringen die er für die militäriſche Operation geeignet glauben und die man ihm gerne ablaſſen wurde. Endlich bildete man in den der revolutionären Regierung gehö⸗ rigen Häfen der Inſel Compagnien von See⸗ leuten, unter Offizieren die das ſpecielle Geſchäft hatten das Ein⸗ und Ausſchiffen zu leiten. Am 28. verließ der General Medici Palermo mit ſeiner Brigade, und am 3. Juli lagerte er bei Barcellona in der Provinz Meſſina, als er erfuhr daß der Oberſt Bosco mit 5000 Mann und acht Geſchüzen heranzog. Er ſchickte ſogleich einen Expreſſen an Garibaldi, und dieſer ließ unverzüglich den General Coſenz und 4500 Mann aufbrechen, die in Eilmärſchen zu dem Expeditionscorps Medici's ſtießen. Der Oberſt Bosco kam am 14. auf dem Plaz an, und am 15. ſezte ſich Medieci, der Bar⸗ cellona verließ, in Meri feſt, einem kleinen Dorfe wo er durch einen Fluß beſchüzt wurde, an deſſen Ufern er einige Kanonen aufpflanzen ließ. In der Nacht vom 16. auf den 17. wech⸗ ſelten zwei Compagnien Garibaldianer die gegen Milazzo zu recognoscirten, einige Flintenſchüſſe mit den neapolitaniſchen Schildwachen, und am 17. Morgens hatten vier Compagnien unter dem Oberſten Malenchini ein ziemlich lebhaftes Ge⸗ 206 fecht mit zweitauſend Königlichen, die ſich nach dreiſtündigem Kampf nach Milazzo zurückzogen. Abends von 5 bis 8 Uhr fand ein neuer Zu⸗ ſammenſtoß ſtatt: dreitauſend Königliche gegen fünfhundert Garibaldianer. Der Kampf war im höchſten Grad erbittert; aber endlich entſchieden zwei wüthende Bajonetangriffe den Sieg und die Königlichen mußten ſich zum zweitenmal nach Milazzo zurückziehen. Da Medici wußte daß Oberſt Bosco Ver⸗ ſtärkungen erwattete, ſo benachrichtigte er Gari⸗ baldi, der es für nöthig hielt in Perſon nach Meri zu kommen. Garibaldi übertrug ſeine dietatoriſche Voll⸗ macht dem General Sirtori, der ſtatt des Ge⸗ nerals Orſini, Oberbefehlshabers der Artillerie, zum Kriegsminiſter ernannt wurde, und am 18. ſchiffte er ſich mit etwa tauſend Mann auf dem engliſchen Dämpfer Stadt Aberdeen ein. Folgende kurze Proclamation meldete den Paler⸗ mitanern ſeinen Weggang. „Das italieniſche Feſtland ſchickt mir zum großen Theil ſeine Söhne die von den Unter⸗ drückten gerufen werden; ich ziehe mit ihnen nach Meſſina. Dort erwarte ich die wackere ſicilianiſche Jugend, dort werden wir zum dritten⸗ male den iyrannenmörderiſchen Vertrag beſiegeln, der die lezten Ringe unſerer Ketten zerbrechen und den lezten Stein des nationalen Gebäudes einſezen ſoll.. „In Calatafimi und Palermo ließen ſich die Söh Joſe ( abge vora willi 1400 ſicili hatt Mil von Bar und hatt der bald liche den aufſt lebh eini Cen vor hall von taill ri⸗ oll⸗ He⸗ rie, 18. em in. ler⸗ um ter⸗ nen kere en⸗ Un, hen des die 207 Söhne dieſes Landes nicht vergebens rufen von Joſeph Garibaldi.“ Schiffe mit Truppen und mehrere zu Land abgeſchickte Abtheilungen waren dem Dictator vorangezogen. Da Genua unaufhörlich Frei⸗ willige ſchickte, ſo befanden ſich in Sicilien jezt 14000 Soldaten aus Norditalien, ferner 5— 6000 ſicilianiſche Reeruten, und ſeit dem 150 Juli hatte man mehr als 7 oder 8000 Mann gegen Milazzo und Meſſina ſchicken können. Garibaldi landete in Poti, fünfzehn Miglien von Milazzo. Er blieb einige Augenblicke in Barcellona, dann ging er ins Lager von Meri und von da zu den Vorpoſten von Carriolo. Außer der Stadt und dem Fort von Milazzo hatte Oberſt Bosco das ganze Land zwiſchen der Conſularſtraße und dem Meere inne. Am 28., mit Tagesanbruch, griffen die Gari⸗ baldianer die vor Milazzo verſchanzten König⸗ lichen an. Der Oberſt Malenchini eommandirte den äußerſten linken Flügel, wo Garibaldi ſich aufſtellte, weil er dachte daß der Kampf hier am lebhafteſten ſein werde; der rechte Flügel, aus einigen Compagnien beſtehend, ſollte einfach das Centrum ſowie den linken Flügel decken und ſie vor aller Ueberrumpelung ſchüzen. Das Feuer begann auf dem linken Flügel halbwegs zwiſchen Meri und Milazzo. Ein von einem engliſchen Offizier eommandirtes Ba⸗ taillon kam zuerſt ernſtlich ins Gefecht. Die Garibaldianer mußten gegen einen Feind 208 fechten der gedeckt ſchoß und in einer Weinge⸗ gend überall Schutzorte fand; ſie waren daher gleich Anfangs im entſchiedenen Nachtheil und konnten nur durch Wunder der Tapferkeit die Chancen ausgleichen. Sie machten Anfangs eine ſehr entſchiedene Bewegung vorwärts, muß⸗ ten aber bald, in Folge mehrerer Artillerieſalven welche Unordnung in ihre Reihen brachten, Halt machen. Dennoch formirten ſie ſich raſch wieder. Garibaldi, der auf dieſen Punkt geeilt war, ſtellte das Gefecht vollſtändig wieder her, und ein kräftiger Bajonetangriff warf die Königlichen bis an den Eingang der Landenge zurück. Die Neapolitaner hatten drei Kanonen ver⸗ loren deren die Garibaldianer ſich bemächtigten; eine vierte mußten ſie wegen Mangels an Zug⸗ pferden preis geben; der Boden war mit ihren Todten und Verwundeten bedeckt, auch nahm man ihnen eine große Anzahl von Gefangenen ab, die nach Barcellona geſchickt wurden. Man athmete wieder ein wenig; ſodann führte eine zweite Bewegung⸗ vorwärts eben ſo ungeſtüm wie die erſte, die Garibaldianer bis zu dem Damme welcher die Landenge mit der Stadt in Verbindung ſezt, und endlich bis zu dem Caſtell das den Zugang zu der Halbinſel vertheidigt. Hier war das Gewühl furchtbar. Man ſchlug ſich Mann an Mann, und die Königlichen wurden bald an das Stadtthor zurückgedrängt. Eine auf dem Quai aufgepflanzte Batterie ſchüzte ſie u aber vora Stra geber ſelbe Waff Gari ſchlug K in d hatte Thor men gung geger und in C U es n fühlt Z gefäh hatte denn ten 1 nen, mußt heral G nge⸗ aher und die ngs nuß⸗ lven Halt eder. war, und ichen ver⸗ ten; Zug⸗ ihren nahm enen dann n ſo r bis der is zu binſel Man lichen rängt. chüzte 209 ſie und geſtattete ihnen einige Augenblicke Friſt; aber die Garibaldianer ſtürmten von Neuem voran. Die Artilleriſten eniflohen auf der Straße die zum Caſtell führt; ſie ſuchten ver⸗ gebens zwei ihrer Geſchüze zu vertheidigen; die⸗ ſelben wurden umzingelt und mit der blanken Waffe genommen. Die Königlichen und die Garibaldianer zogen untereinander ein; man ſchlug ſich auf jeder Straße und in jedem Haus. Kurz nach zwei Uhr befand ſich die Stadt in der Gewalt Garibaldi's. Die Königlichen hatten ſich ins Caſtell zurückgezogen, von deſſen Thoren eines alsbald angegriffen und weggenom⸗ men wurde. Ein Theil der äußern Vertheidi⸗ gungswerke des Caſtells und der Halbmond, gegen welchen daſſelbe ein heftiges Artillerie⸗ und Gewehrfeuer eröffnete, fielen ebenfalls bald in Garibaldi's Hände. Um halb fünf hörte das Feuer überall auf, es war kein Waffenſtillſtand, aber beide Theile fühlten das Bedürfniß ſich zu ſammeln. Die Garibaldianer waren, obſchon ſie un⸗ gefähr 1200 Todte oder Verwundete verloren hatten, zahlreicher als im Anfang des Kampfes, denn ſie hatten anſehnliche Verſtärkungen erhal⸗ ten und beſaßen überdieß einige gezogene Kanv⸗ nen, die ihnen eine große Ueberlegenheit ſichern mußten. Die Königlichen, die, mehr als um die Hälfte herabgeſchmolzen, in einem ausgangsloſen Fort Garibaldi. 1II. 14 210 blokirt waren und weder Lebensmittel noch Muni⸗ tion beſaßen, mußten ſich bald ergeben, und man bemerkte auf den Anhöhen mehrere neapo⸗ litaniſche Abtheilungen, die in aller Eile gegen Meſſina zu zogen. 3 Garibaldi, der einen Ausfall der Neapoli⸗ taner vorherſah, ließ Barricaden errichten und ſorgfältig diejenigen Punkte der Stadt bewachen auf denen man vom Caſtell her kommen konnte; aber die Nacht und der folgende Tag verſtrichen ohne die mindeſten Verſuche von Seiten der Königlichen. Am 23. bot der Capitän eines von der nea⸗ politaniſchen Regierung gemietheten franzöſiſchen Dampfſchiffes, des Protis, das Lebensmittel brachte und Tags zuvor in der Rhede von Mi⸗ lazzo geankert war, ſeine Vermittlung an, um wo möglich Unterhandlungen zwiſchen Garibaldi und dem Oberſten Bosco einzuleiten. Da ſein Vorſchlag angenommen wurde, begab er ſich, mit einem Trompeter der eine weiße Fahne trug, nach der Citadelle und wurde mit verbundenen Augen bei Bosco eingeführt. Bosco ſpielte anfangs den Zurückhaltenden; ſo⸗ dannwurde er mittheilſamer geſtand daß dieStellung der Citadelle critiſch, ovbwohl nicht verzweifelt ſei, und verhehlte nicht daß er bereit wäre auf ei⸗ nen Vergleich einzugehen, wenn die Bedingungen anſtändig ſeien und von der neapolitaniſchen Regierung gutgeheißen würden. Sta Sch nen den delle lita mit in cher pitu eine war daß Geß die blei der ſtell unv ſeite ſcho den feld Abt niſ uni⸗ und apv⸗ egen poli⸗ und chen inte; ichen der nea⸗ ſchen nittel Mi⸗ um baldi ſein mit trug, denen n; ſo⸗ ung lt ſei, f ei⸗ ungen iſchen 211 Der Capitän des Protis kehrte in die Stadt zurück um Garibaldi das Ergebniß ſeines Schrittes zu melden, und man traf Anſtalten ei⸗ nen Brief nach Neapel zu ſchicken, worin Bosco den König um Ermächtigung erſuchte die Cita⸗ delle von Milazzo zu räumen, als vier neapo⸗ litaniſche Fregatten, worunter die Fulminante mit der Parlamentärsflagge auf ihrem Fockmaſt, in der Rhede erſchien. Der Generalſtabsoberſt Franz Auzani, wel⸗ cher vom König beauftragt war wegen der Ca⸗ pitulation zu unterhandeln, ſtieg ans Land, hatte eine Beſprechung mit Garibaldi, und um 7 Uhr war alles zu Ende: es war beſchloſſen worden daß die königlichen Truppen mit Waffen und Gepäck aus der Citadelle abziehen, die Kanonen, die Munition und Vorräthe aller Art aber da bleiben ſollten, und daß Garibaldi die Pferde der Reiterſchwadronen ſo wie die Hälfte der Maulthiere behalten könne. Die Uebergabe der Citadelle von Milazzo ſtellte Meſſina bloß, und Garibaldi marſchirte unverzüglich gegen dieſe Stadt. Gezzo, ein erhabener befeſtigter Punkt jen⸗ ſeits Milazzo, auf dem Weg nach Meſſina, war ſchon am 21. von den Königlichen verlaſſen wor⸗ den, und Fabrizzi von Catanea, einer der Unter⸗ feldherren Garibaldis, hatte ſich mit einer ſtarken Abtheilung dort aufgepflanzt. Der General Clary, welchem die neapolita⸗ niſche Regierung ſeit der Einnahme Milazzo's be⸗ — 2¹2 deutende Verſtärkungen zugeſchickt, hatte ungefähr 20,000 Mann unter ſeinen Befehlen, aber da er ſich nicht unbedingt auf die Treue ſeiner Truppen verließ, ſo hielt er es für gerathen, jedes Gefecht in der Bannmeile zu vermeiden und behielt nur die zur Vertheidigung der Citadelle nöthige An⸗ zahl Soldaten, die übrigen aber ſchickte er über die Meerenge zurück nach Reggio. Garibaldi, der am 25. unter den Mauern von Meſſina ankam, bemächtigte ſich dieſer Stadt beinahe vhne Schwertſtreich. Am Abend fand ein ziemlich unbedeutendes Gefecht zwiſchen den neapolitaniſchen Vorpoſten und einem Partei⸗ gängerführer, Namens Interdonato, ſtatt; dieß ließ vermuthen daß es am folgenden Tag zu einem ernſteren Kampfe kommen würde. Mit Sonnenaufgang ſtiegen die Pieciotti in die Schluch⸗ ten hinab und warteten auf Befehle; aber die Königlichen blieben in der Citadelle beiſammen und rührten ſich nicht. Gegen Mittag handelte es ſich um einen Waffenſtillſtand, und am 28. wurde eine Militärconvention abgeſchloſſen, de⸗ ren Grundlagen folgendermaßen lauteten: Ein⸗ ſtellung der Feindſeligkeiten auf unbeſtimmte Zeit; Beſezung Meſſina's ſowie der Forts Gonzaga und Caſtellaccio durch die Garibaldianer, der Citadelle ſo wie der Forts San Blasev, Santerna und San Salvatore durch die Neapolitaner; kein Angriff von der Citadelle, keine Beſchießung von der Stadt; freier Verkehr der Truppen in Meſ⸗ ſina, Syracus und Agoſta; Gleichheit der beiden fähr er pen fecht nur An⸗ über uern tadt fand den rtei⸗ dieß Mit luch⸗ die men delte 28. de⸗ Ein⸗ Zeit; und delle und kein von Meſ⸗ eiden 21¹3 Flaggen, der neapolitaniſchen und italieniſchen; freie Schiffahrt auf der Meerenge. Am 29. zog Garibaldi, umgeben von ſeinem tapfern Generalſtab, an der Spize der Brigaden Coſenz, Bixio und Molenchini in Meſſina ein. Er wurde mit Enthuſiasmus von der Bevölke⸗ rung empfangen, die auf die Kunde vom Ab⸗ marſch der Neapolitaner maſſenhaft in die Stadt zurückgekehrt war. Er ſezte ſich einen Augenblick zu einem Feſtmahl welches die angeſehenſten Ein⸗ wohner ihm boten, dann begab er ſich an den Leuchtthurm und ließ da mehrere Batterien er⸗ richten, welche die Meerenge beherrſchen und je⸗ den Verkehr zwiſchen Neapel und den von den Neapolitanern in Sicilien beſezten Punkten ab⸗ ſchneiden ſollten. Er wollte ſo ſchnell als möglich im Stande ſein, mit einem gut ausgerüſteten und wohlor⸗ ganiſirten Corps von 15— 20,000 Mann über den Canal zu fahren und in Calabrien oder ſonſt wo zu landen. Er hatte demgemäß Befehle er⸗ theilt, und am 31. Juli ankerten vier mit Trup⸗ pen der Südarmee, wie man die italieniſche Re⸗ volutionsarmee künftig nennen ſollte, beladene Dämpfer im Hafen des Faro. Es waren der Aberdeen, der Oregon, die Medea und der Franklin, die 1600 Mann der Brigade Sarchi, eine Feldbatterie, gebildet aus den erſten in Palermo gegoſſenen Kanonen, das Material der Artillerie und den General Orſini, Oberbe⸗ fehlshaber dieſer Waffe, an Bord hatten. Von 214 dieſem Tag an trafen die Abtheilungen von Freiwilligen die aus Genua, Palermo oder dem Innern der Inſel kamen, ſo regelmäßig und ſo zahlreich ein, daß Garibaldi gegen Mitte Auguſt einen Brief an einen Freund mit den Worten ſchloß:„Man ſuche uns Geld zu ſchicken, Leute haben wir im Ueberfluß.“ Mit dem Verlauf der politiſchen Angelegen⸗ heiten konnte der Dietator nicht eben ſo zufrie⸗ den ſein. Seine Regierung hatte mit ernſten Schwierigkeiten zu kämpfen, man hatte Mißtrauen gegen ſie verbreitet und ihre Popularität unter⸗ graben. Die Sieilianer ſchickten Adreſſen über Adreſſen, und in allen verlangten ſie unverzüg⸗ liche Annexion. Die Bewegungsmänner waren der Anſicht, die Stunde der Annexion würde noch immer zu früh ſchlagen, und man müſſe vorher das Werk der italieniſchen Freiheit durchführen. Garibaldi neigte ſich zu dieſen leztern. Ob⸗ ſchon gänzlich Victor Emmanuel ergeben und ein Anhänger der Annexion, wollte er ſich doch, wie er den Mitgliedern des Gemeinderaths von Pa⸗ lermo erklärte, nicht der Gnade des Cabinets von Turin preisgeben; gleichwohl war es ihm unmög⸗ lich die Wünſche der Gemäßigten und der Mehr⸗ zahl der Sicilianer ganz unberückſichtigt zu laſſen. Zwiſchen zwei Parteien von diametral entgegen⸗ geſezten Ideen und Plänen geſtellt, ernſtlich dar⸗ auf bedacht weder die eine noch die andere un⸗ zufrieden zu machen, nicht recht wiſſend auf welche er hören ſollte, bemüht die Sicilianer, die ſo 21⁵ ſchnell als möglich aus ihrer Anarchie hinauszu⸗ kommen verlangten, noch länger bei Geduld zu erhalten, tappte er unſchlüſſig im Finſtern herum und ſah ſich zu unaufhörlichen Veränderungen ſeines Miniſteriums genöthigt. Der Advocat Auguſtin Depretis, ehemaliger Gouverneur von Brescia und Mitglied des Na⸗ tionalvereins, wurde gegen Ende Juli zum Pro⸗ dictator ernannt, ſtatt des Generals Sirtori, wel⸗ chen Dienſtverhältniſſe ins Hauptquartier zurück⸗ riefen. Er arbeitete eifrig an der Organiſation der ſicilianiſchen Verwaltung, und als es durch Nitwirkung des Staatsſecretärs Crispi gelun⸗ gen war überall ein wenig Ordnung herzuſtellen, erließ er ein Decret, deſſen erſte Artikel alſo lauteten: „Das conſtitutionelle Statut vom 4. März 1848, das im Königreich Italien zu Kraft be⸗ ſteht, iſt das Grundgeſez Sieiliens. „Es wird in ſeinen verſchiedenen Theilen in der durch dictatoriſchen Erlaß weiter zu beſtim⸗ menden Zeit in Kraft treten.“ Die dieſem Decret vorangeſchickten Erwägungs⸗ gründe waren geeignet Jedermann zu beruhigen, die Gemäßigten wie die Männer der Bewegung. Sie bewieſen den einen daß die Annexion, wenn man ſie auch noch vertagte, dennoch definitiv be⸗ ſchloſſen war; ſie zeigten den andern daß der Dietator auf ſeine außerordentliche Vollmachten nicht verzichten würde, ſo lange die Revolution nicht am gewünſchten Ziel angekommen wäre. 216 Die Agitation nahm ab, die Kundgebungen und Proteſtativnen wurden weniger häufig; Garibaldi konnte jezt ruhig dem Prodictator die politiſchen und adminiſtrativen Geſchäfte überlaſſen und ſich ausdrücklich damit beſchäftigen, Alles zu einer baldigen Landung im Königreich Neapel vorzubereiten. Er erließ folgende Proclamation an das neapo⸗ litaniſche Volk: „Der Widerſtand des Auslandes, das bei un⸗ ſerer Herabwürdigung und bei unſern innern Zwi⸗ ſtigkeiten intereſſirt iſt, hat Italien verhindert ſich zu conſtituiren. „Jetzt ſcheint die Vorſehung unſerem ganzen Unglück ein Ziel geſezt zu haben. Die Einſtim⸗ migkeit der Provinzen und der Sieg der die Waffen der Söhne der Freiheit allenthalben be⸗ günſtigt, ſind eine Bürgſchaft daß die Leiden die⸗ ſes ſo reich mit Geiſt geſegneten Landes ihr Ende erreichen. „Ein Schritt bleibt noch zu thun... ich fürchte ihn nicht. Wenn man die ſchwachen Mit⸗ tel die eine Handvoll Tapferer zu dieſer Meerenge führten mit den ungeheuren Hilfsquellen ver⸗ gleicht worüber wir heute verfügen, ſo wird Je⸗ dermann einſehen daß das Unternehmen nicht unmöglich iſt. „Ich möchte jedoch Blutvergießen unter den Italienern vermeiden; darum wende ich mich an euch, Kinder des neapolitäniſchen Feſtlandes. „Ich habe euern Muth kennen gelernt, ich und aldi hen und zu apel p⸗ un⸗ wi⸗ ſich zen tim⸗ die be⸗ die⸗ ihr ich Rit⸗ enge ver⸗ Je⸗ icht den ich 217 möchte ihn nicht gerne zum zweitenmal erproben. Unſer Blut, das wollen wir über den Leichnamen der Feinde Italiens vergießen. Unter uns ſei Friede! „Empfanget, ihr Tapfern, die Hand die nie⸗ mals einem Tyrannen gedient hat, aber im Dienſt des Volkes ſchwielig geworden iſt; ich fordere euch auf daß ihr Italien conſtituiret ohne ſeine Kinder zu opfern; mit euch will ich ihm dienen und dafür ſterben.“ Er hoffte, in Neapel würde eine Revolution losbrechen, aber er wartete vergebens. Die Parteiintriguen ſowohl von Seite der Liberalen als der Sanfediſten, der Unitarier wie der Föderaliſten, lähmten Alles. Die Lazzaroni hatten ihre Meinung verändert; ſie ließen Gari⸗ baldi hoch leben, ſtatt wie früher den König; ſie erhoben ein enthuſiaſtiſches Jubelgeſchrei ſo oft man ihnen ein Manifeſt des revolutionären Cen⸗ tralausſchuſſes vorlas; ſie bildeten tumultuariſche Zuſammenrottungen auf Straßen und Pläzen; ſie beſchimpften und mißhandelten von Zeit zu Zeit einige Sbirren und Soldaten; aber ſie em⸗ pörten ſich nicht und ſchienen ſich zu jedem ern⸗ ſten Verſuch gegen eine demoraliſirte Armee und eine zerrüttete Regierung unfähig zu glauben. Garibaldi entſchloß ſich daher die Initiative zu ergreifen. Er ſchrieb dem General Sirtori, er müſſe ſich auf einige Tage entfernen und über⸗ laſſe vaher ihm das Commando der geſammten Land⸗ und Seemacht. Sodann ſchiffte er ſich auf dem Washington ein und machte eine 28 Recvgnoscirung nach Neapel, wo er ſich vergebens einer neapolitaniſchen Fregatte zu bemächtigen ſuchte. Hierauf begab er ſich nach Cagliari, hatte eine lange Beſprechung mit Doctor Bertani und befahl mehreren mit Freiwilligen beladenen Dämpfern nach der Spize des Faro aufzubrechen. Der Major Miſſori war bereits in Calabrien. Am Abend des 8. Auguſt hatte er mit fünfzig genueſiſchen Carabinieren, zwanzig Guiden, zwan⸗ zig Sapeuren vom Genie, 150— 200 franzöſiſchen oder engliſchen Freiwilligen die ſich auf Fiſcher⸗ booten eingeſchifft, Sicilien verlaſſen. Er ſollte ſich des Forts del Cavallo bemächtigen, das der Spize des Faro gegenüber liegt. Die Boote waren über den Canal gekommen, ohne daß ei⸗ nes der zahlreichen neapolitaniſchen Kriegsſchiffe die in dieſem engen Meere kreuzten ſie bemerkte. Der größte Theil der Mannſchaft hatte landen können, aber ein Zufall hatte die Expeditivn von ihrem urſprünglichen Ziel abgelenkt. Eines der Boote war durch die Strömung gegen die Villa San Giovanni zu fortgeriſſen worden; die dar⸗ auf befindlichen engliſchen und franzöſiſchen Frei⸗ willigen hatten, da ſie die Inſtructionen des Ma⸗ jors Miſſori nicht kannten, in der Nähe einer neapolitaniſchen Batterie gelandet. Sie waren von den Königlichen geſehen worden; dieſe hatten eine Salve gegeben und eine Kanone abgeſchoſſen. Die Freiwilligen hatten zwei Verwundete gehabt und ſodann wieder in die See geſtochen. Bei dieſem Schießen hatte der Major Miſſori, der geg Ueb und nea lan und ten den gro tiel bens tigen hatte und enen chen. rien. nfzig wan⸗ iſchen ſcher⸗ ſollte s der Boote ß ei⸗ ſchiffe erkte. anden mvon s der Villa dar⸗ Frei⸗ Ma⸗ einer n von n eine oſſen. ehabt Bei der 21¹9 gegen das Fort del Cavallo marſchirte, eine Ueberrumpelung nicht mehr für möglich gehalten und ſich in die Berge geworfen. Dort hatte er neapolitaniſche Truppen getroffen, ſie nach einem langen und hartnäckigen Kampfe zurückgeworfen und war nach Aſpromonte, einem Dörfchen mit⸗ ten im Gebirge, vorgedrungen. Unterſtüzt von den Einwohnern von Villa San Giovanni und San Stefano, hatte er den Aufſtand auf ziemlich großem Fuß organiſirt, und indem er auf ſolche Art die Generale des Königs zur Zerſplitterung ihrer Kräfte zwang, hatte er einige andere par⸗ tielle Landungen begünſtigen können. Garibaldi kam, von Cagliari zurück, am 19. an der Spize des Faro an. Um ein Uhr beſtieg er mit ſeinem Stab und dem General Türr die Stadt Aberdeen. Um fünf Uhr begab er ſich nach Giardino; er ließ die Brigade Bixio Revue paſſiren und ſagte ihr daß der Augenblick zur Landung in Calabrien gekommen ſei. Um neun Uhr wurde die ganze Brigade Bixio an Bord des Franklin und Torino gebracht, die um zehn in der Richtung von Catanea auf⸗ brachen. Nach einer halben Stunde hatte man die Gewißheit daß die Paſſage nicht überwacht wurde, und der Franklin, der die americaniſche Flagge trug, fuhr mit voller Dampfkraft nach Capo dell' Armi, rechts von Reggiv. Der Torino blieb in beobachtender Haltung. Als Garibaldi das Ufer verlaſſen ſah, ſtieg er zuerſt ans Land, und eine halbe Stunde genügte ——— 220 um die Landung der geſammten Mannſchaft des Franklin zu bewerkſtelligen. Der Franklin bemerkte in der Ferne ei⸗ nen Rauch welcher die Ankunft zweier Dämpfer verkündete. Er hißte ein Signal auf. Der Torinv fuhr gegen das Ufer; da aber der Capitän dieſes Gewäſſer ſchlecht kannte, ſo ſchei⸗ terte das Schiff. Die zwei Dämpfer der königlichen Marine erbffneten das Feuer, ſobald ſie in Schußweite kamen. Die Garibaldianer landeten mitten in einem Kugelregen. Ein drittes Schiff erſchien am Horizont. Die Neapolitaner, die es für ein garibaldiſches hielten, fuhren ihm entgegen. Es war ein Paketbvot der kaiſerlich franzöſiſchen Meſſagerien. Während dieſer Recognoscirung vollendeten die Garibaldianer ihre Landung. Als die neapolitaniſchen Dämpfer zurückkamen, pflanzte der Franklin, der ſeit zwei Stunden an der Losmachung des Torino arbeitete, die engliſche Flagge auf und fuhr nach Meſſina zu⸗ rück. Die Königlichen rächten ſich dadurch daß ſie den fortwährend unbeweglichen Torino zu⸗ ſammenſchoßen. In der folgenden Nacht landeten Truppen, von hundertdreißig Barken, zwei Dämpfern, fünf Brigantinen und ſechzehn großen Fahrzeugen herbeigeführt, zwiſchen Bagnara und Schlla. Sobald die Garibaldianer am Lande waren, marſchirten ſie nach Reggio. In einiger Ent⸗ fern zu i verw die und käme Bixi ein und offer gen Aug iſch er ſi die eini delle Aus Die Prä Art daß jagt ten Sto Put des e ei⸗ pfer Der der chei⸗ rine. weite nin Die lten, der eten men, nden Dit zu⸗ daß zu⸗ en, fern, ugen aren, Ent⸗ 221 fernung von dieſem Plaz ſtieß der Major Miſſori zu ihnen. Es wurde beſchloſſen daß Bixio, der verwegenſte unter den Generalen der Südarmee, die Stadt in der Front angreifen, Garibaldi und Miſſori aber das Caſtell umgehen ſollten, ſo daß die Neapolitaner zwiſchen zwei Feuer kämen. Morgens um drei Uhr ſtieß der Vortrab Bixio's auf die feindlichen Vedetten. Es begann ein lebhaftes Gewehrfeuer auf der ganzen Linie, und bald wurde der Kampf allgemein. Das Feuer der Feinde, die maſſenhaft am offenen Ende von Reggio ſtanden, war ſo wohl genährt, daß der rechte Flügel Birios einen Augenblick wankte; aber als der tapfere genue⸗ ſiſche General ſeinen rechten bedroht ſah, begab er ſich ſelbſt mit zwei Bataillonen dahin, ergriff die Offenſive wieder und zwang den Feind durch einige wüthende Bajonetangriffe nach der Cita⸗ delle zurückzuweichen. Garibaldi und Miſſori kamen im gleichen Augenblick auf Flintenſchußweite vom Fort an. Die genueſiſchen Carabinieri, die vortreffliche Präeiſionswaffen beſaßen, tödteten eine Menge Artilleriſten vom Fort auf ihren Kanonen, ſo daß das Feuer theilweiſe aufhörte; ſodann ver⸗ jagten ſie die feindlichen Plänkler aus den Gär⸗ ten und Rebländern. Die Königlichen wurden gegen die Mitte der Stadt zurückgedrängt und unverzüglich auf drei Puncten zugleich angegriffen. —˙—— —.— 222 Die Garibaldianer nahmen hinter einander eine Haubizenbatterie die nicht weit vom Meere ſtand, eine Batterie von Feldgeſchüzen in der Nähe der Cathedrale, mehrere Barricaden welche die Zugänge zum Schloß vertheidigten, und nach einem hartnäckigen Kampf von länger als zwei Stunden zogen die Königlichen ſich zurück, die einen ins Caſtell, die andern auf die Höhen von Piale, eine furchtbare Stellung wo ſie ſich verſchanzten. Tags darauf warf die Garniſon vvm Caſtell einige Bomben auf die Stadt; als aber Gari⸗ baldi ihr durch einen Parlamentär ſagen ließ, er werde, wofern ſie die Beſchießung fortſeze, alle zuſammen über die Klinge ſpringen laſſen, ſobald das Caſtell in ſeiner Gewalt ſei, da ver⸗ ſtuminte die Artillerie, und bald darauf verlangte die Beſazung zu eapituliren. Die Beſiegten erhielten freien Abzug mit ihren Flinten und ihrem perſönlichen Gepäcke. Die Sieger fanden im Plaz fünfhundert Flinten, acht Feldgeſchüze, zwei Pairhans von achtzig und ſechs von ſechsunddreißig, zwölf Haubizen⸗ mörſer, acht Poſitionsgeſchüze, ferner Pferde, Maulthiere, nebſt einer Menge Lebensmittel und Kohlen.. Kaum war Garibaldi Herr des Caſtells, ſo brach er mit ſeinen Truppen nach San Giovanni auf und beſezte es nach einem unbedeutenden Gefecht. Noch am ſelben Tag ergaben ſich die neapolitaniſchen Brigaden Melendez und Briganti, die auf dem ihr Piz Ma gela Tag rine den im mit ans Tat ſuch pol er1 ratl klei ſtet in es Lei ver imr den die nder deere der elche und als rück, öhen ſich aſtell Hari⸗ ließ, tſeze, aſſen, ver⸗ angte mit päcke. inten, chtzig izen⸗ ferde, n ſo vanni enden h die ganti, 223 die auf den Höhen von Piale verſchanzt waren, auf Gnade und Ungnade dem General Coſenz, dem ſie ihre Artillerie, ihre Waffen, ihre Pferde, ihr Material und das Fort auf der Höhe von Pizzo überlieferten. Der General Coſenz und ſeine 3 oder 4000 Mann waren am 21 beinahe ohne Schwertſtreich gelandet; aber ein trauriges Ereigniß hatte den Tag des 22. bezeichnet. Paul de Flotte, ehemaliger franzöſiſcher Ma⸗ rineoffizier und Abgeordneter in der geſezgeben⸗ den Verſammlung, vom Helden des 2. December im Jahr 1852 aus Frankreich vertrieben, war mit etwa fünfzig Engländern und Franzoſen ans Land geſtiegen. Während er eines der Tags zuvor angekommenen Corps zu erreichen ſuchte, hatte er mehrere Gefechte mit nea⸗ politaniſchen Poſten gehabt. In Solano war er mitten in ein Bataillon von Königlichen ge⸗ rathen, das ein ſehr lebhaftes Feuer gegen ſeine kleine Abtheilung erbffnet hatte. De Flotte, der ſtets an der Spize einherſchritt, hatte eine Kugel in den Kopf bekommen. Seinen Soldaten war es indeß gelungen Coſenz zu erreichen und den Leichnam ihres Führers mitzubringen. Am 2. verlas Garibaldi, der troz zahlloſer Geſchäfte immer noch Zeit fand an ſeine Waffenbrüder zu denken, auf franzöſiſch folgenden Tagesbefehl an die Armee: „Wir haben de Flotte verloren. „Worte wie brav, ehrlich, echter Demverat, 224 ſind nicht im Stande den ganzen Hervismus die⸗ ſer unvergleichlichen Seele zu bezeichnen. „De Flotte, ein edles Kind Frankreichs, ge⸗ hört zu jenen bevorrechteten Weſen die ein ein⸗ ziges Land ſich nicht aneignen darf; nein de Flotte gehört der ganzen Menſchheit; denn für ihn war das Vaterland da wo ein leidendes Volk ſich für die Freiheit erhob. De Flotte iſt für Italien geſtorben; er hat für Italien ge⸗ kämpft, wie er für Frankreich gekämpft haben würde. Dieſer hervorragende Mann iſt ein koſt⸗ bares Band für die Verbrüderung der Völker, in welcher die Zukunft der Menſchheit ihr Ziel erblickt.— Geſtorben in den Reihen der Alpen⸗ jäger, war er nebſt vielen ſeiner wackern Mit⸗ bürger der Vertreter der großherzigen Nation die man einen Augenblick aufhalten kann, die aber von der Vorſehung beſtimmt iſt im Vor⸗ trab der Völkeremancipativn und Weltciviliſa⸗ tion einherzuſchreiten.“ Garibaldi verordnete überdieß die Bildung einer Compagnie de Flotte, deren erſter Offizier ein Franzoſe, der zweite ein Ungar ſein ſollte. Etwas ſpäter verfügte ein weiteres Deeret. die Errichtung eines Denkmals für de Flotte. Garibaldi und ſeine Armee kamen am 27. nach Monteleyne, wo, wie es hieß, die Reapolitaner ihre früheren Niederlagen rächen würden. Dieß geſchah indeß nicht. Wie bei San Giovanni, liefen die Königlichen nach einem Scheinwider⸗ ſtand auseinander. Die Mehrzahl floh nach al⸗ len dia mar Kra Leu mel Pu zige zen Re die⸗ ge⸗ ein⸗ de für ides e iſt ge⸗ ben koſt⸗ lker, Ziel pen⸗ Rit⸗ tion die Vor⸗ liſa⸗ ung izier lUte. die nach aner ieß nni, der⸗ al⸗ 225 len Richtungen, der Reſt ging zu den Garibal⸗ dianern über. Der General Vial, der ſie com⸗ mandirte, hatte ſich unter Vorſchüzung einer Krankheit in ſein Zimmer eingeſchloſſen und ſeine Leute ſich ſelbſt überlaſſen. Die königliche Armee desorganiſirte ſich immer mehr. Das Lager von Salerno ſtand auf dem Punkt ſich aufzulöſen, und zwiſchen dem Cap Spartivento und Eboli ſah man nicht einen ein⸗ zigen Soldaten des Königs Franz II. mehr. Die drei calabriſchen Provinzen, die Provin⸗ zen Salerno, Bari, Avellino, Baſilicata, Capi⸗ tanata, der ganze Süden des neapolitaniſchen Reichs, waren im vollen Aufruhr. Dreißigtau⸗ ſend Garibaldianer, überall mit Begeiſterung empfangen, überall von zahlreichen bewaffneten Banden verſtärkt, marſchirten nach Neapel, und ihr General, des Erfolgs vollkommen, ſicher, konnte ohne Prahlerei in den Journalen ver⸗ kündigen und an die Mauern anſchlagen laſſen daß er am S. in Neapel einziehen würde. Franz II. war ein junger unerfahrener Fürſt; ſeine Umgebung beſtand aus Militärperſonen und Höflingen die ihn jeden Augenblick verrathen oder wenigſtens verlaſſen konnten; er wußte nicht was er thun ſollte. Einmal wollte er ſeine Staaten verlaſſen und nach Spanien fliehen; am andern Tag beſchloß er zu bleiben und gegen die Re⸗ volutivn zu kämpfen. Er hörte bald auf den Fürſten von Iſchitella und den General Cutrofiano, Garibaldi. II. 15 ——— —,————————— S 26 die ihn zu kräftiger Vertheidigung ermahnten, bald auf ſeinen Miniſter Liboriv Romano, der ihm Zugeſtändniſſe anrieth, und inzwiſchen wur⸗ den die Umſtände immer bedenklicher. Als er am 3. September erfuhr daß Garibaldi auf Salerno marſchire, verſammelte er die meiſten in Neapel anweſenden Generale zu einem Kriegsrath. Drei Pläne wurden vorgeſchlagen: der erſte beſtand darin Salvis zwiſchen Nocera und Sa⸗ lerno zu beſezen und die Garibaldianer dort zu erwarten; der zweite in Neapel ſelbſt eine Schlacht zu liefern; der dritte, Neapel zu räumen und die königliche Armee zwiſchen Capua und Gaeta zu concentriren, ſo daß ſie ſich auf zwei bedeu⸗ tende ſehr feſte Pläze ſtüzen könnte. Dieſer lezte Plan wurde angenommen. Franz II. verließ ſeinen Palaſt am 6., nach⸗ dem er dem diplomatiſchen Corps folgende Er⸗ klärung zugeſchickt: Nachdem eine befreundete Macht in ſeine Staaten einen Condottiere gewor⸗ fen, der die Provinzen aufgewiegelt habe und auf die Hauptſtadt marſchire, ſo wolle er ſelbſt, Franz II., nicht von Neuem italieniſches Blut vergießen laſſen, ſondern entferne ſich jezt unter Proteſt. Begleitet wurde er von⸗dem ſpaniſchen und dem bſterreichiſchen Geſandten. Die Höf⸗ linge, die verbrämten und gebänderten Lakaien hatten ſammt und ſonders feige den Hof ver⸗ laſſen. Er ſtieg durch eine geheime Treppe in die Darſena hinab und ſchiffte ſich auf einer ſpan die Aug mar nach konr etw tuill für fern ſtell Ga mitt Vie auf der in der fen unt ſten pel ein bal ein ein ſeir ten, our⸗ nem 227 ſpaniſchen Kriegsfregatte ein. Alle ſeine Verſuche die Marine mitzunehmen waren geſcheitert. Im Augenblick wo er zur See nach Gaeta ging, marſchirten achttauſend ſeiner Soldaten zu Land nach Gaeta und Capua.. Troz neuer Abfälle konnte er zwiſchen dieſen beiden Feſtungen noch etwa fünfzigtauſend Mann zuſammenbringen. Der König ließ in Neapel vier Jägerba⸗ taillone, um im Verein mit der Nationalgarde für Aufrechthaltung der Ordnung zu ſorgen, ferner zwei Regimenter, welche die zwei Ca⸗ ſtelle S. Elmo und Uovo beſezt hielten. Am ſelben Tag, Morgens fünf Uhr, kam Garibaldi beinahe allein nach Salerno. Nach⸗ mittags drei Uhr zogen die Königlichen zum Vietrithor hinaus, während die Garibaldianer auf Eſeln und in Fuhrwerken aller Art die ſie in der Eile zuſammengerafft durch das Ebolithor in die Stadt eindrangen. Es waren Diviſionen der Generale Türr und Coſenz, die in den Gol⸗ fen von Policaſtro und Salerno gelandet waren, und Inſurgenten aus Baſilicata und den Für⸗ ſtenthümern, commandirt von Fabrizzi. Tags darauf erſchienen der Maire von Nea⸗ pel, der Commandant der Nativnalgarde und einige andere Perſonen in Salerno, um Gari⸗ baldi in die Hauptſtadt einzuladen, und gegen ein Uhr Mittags zog der General in Neapel ein. Er war zu Wagen mit einigen Offizieren ſeines Generalſtabs und ohne einen einzigen Soldaten. Er war mit Staub bedeckt und trng S——— —————— 228 ſein gewöhnliches Coſtüm, ſein rothes Hemd und den weichen breitrandigen Filz. In ſeinem Wa⸗ gen ſaß der Maler Sallazaro mit einer Fahne in der Hand, auf welcher das Roß von Neapel dem Löwen von Sanct Marcus gegenüber ſtand. Garibalvi, der mit feuchten Augen die Fahne und den Mann umarmt hatte, begab ſich zuerſt in die Paläſte der Foreſteria auf dem Schloß⸗ platz, und dort hielt er vom Balcon herab bei⸗ nahe wörtlich folgende Anrede an das Volk: „Mit Hochgefühl habe ich dieſe Stadt betre⸗ ten, welche die ſchönſte Italiens iſt. Es iſt ein feierlicher Tag für ein Volk wie dieſes, das, be⸗ freit vom Joche der Tyrannen, zum Leben der freien Nationen geboren wird und ſich ein Va⸗ terland erwirbt. Lange Leiden gaben Euch ein Recht auf dieſe Erlöſung; ihr macht euch derſel⸗ ben würdig, indem ihr jezt eurerſeits andern Leidenden die Hand reichet. Fortan gehört ihr Italien zu; eure Freiheit erfüllt die Italiener mit Freude und tröſtet die Menſchheit. Ich komme allein mitten unter euch; ich komme nicht um euch zu erobern, ſondern um euch die Hand zu reichen. Jezt vereint, können wir Allem Troz bieten und unſer Schickſal erfüllen. Wir ver⸗ langen nichts von Andern; wir wollen nur un⸗ ſer Italien, und Italien wird ſein.“ Dieſe Rede, welche Garibaldi mit kräftiger und tiefbewegter Stimme, baarhäuptig, die gelb⸗ lichen Haare im Winde flatternd und mit glühen⸗ den Augen, im Angeſicht des Veſuvs und der und Wa⸗ hne apel and. ihne nerſt loß⸗ bei⸗ etre⸗ ein be⸗ der Va⸗ ein rſel⸗ dern tihr ener mme um d zu Troz ver⸗ un⸗ tiger gelb⸗ then⸗ der 229 fremden Geſchwader hielt, fand donnernden Bei⸗ fall und wurde mit wahnwizigem Jubel begrüßt. Als Garibaldi den Balcon verlaſſen hatte, trat Herr Ricciardi vor, um ihm die proviſoriſche Regierung vorzuſtellen, das heißt, fünf voder ſechs Leute denen es an dieſem Morgen einge⸗ fallen war ſich in eine Regierung zu verwandeln und Garibaldi zum Dictator zu ernennen. Als von proviſoriſcher Regierung die Rede war, rief Herr Petrucelli;„General, es gibt hier nur eine ſixe Regierung, und dieſe ſind Sie.“ Der Doctor Bertani, der ſeit kurzem zum Generalſecretär der Dietatur ernannt worden, begann zu lachen; Garibaldi lächelte und ſagte zu den Mitgliedern der proviſoriſchen Regierung, ſie mögen warten. Er bedurfte Ruhe und wünſchte ein Eſſen. Aber er rechnete ohne die Aufdringlinge aller Art und aller Meinungen, die ihn im Palaſte der Foreſtiera, in der Cathedrale, überall wo er ſich zeigte, lange aufhielten. Er ließ ſich Reden und Umhalſungen gutwillig ge⸗ fallen, empfahl die Aufrechthaltung der Ordnung dem General Cataldv, der ihm meldete daß die Garniſon zu ſeiner Verfügung ſtehe, und konnte erſt ſpät im Palaſte d'Angri zur Ruhe kommen. Um die Umtriebe des Hofes bei der Marine kurz abzuſchneiden, ließ Garibaldi an den Stadt⸗ mauern eine Ordonnanz anſchlagen, kraft welcher die Flotte von Neapel mit der piemonteſiſchen vereinigt und unter die Befehle des Admirals Perſano geſtellt wurde. 230 Ueberdieß wurden zwei Proclamationen ver⸗ öffentlicht. Die erſte galt der neapolitaniſchen Armee und lautete wie folgt: „Wenn ihr Garibaldi nicht als Waffenbruder verſchmäht, ſo will er gerne an eurer Seite gegen die Feinde des Vaterlandes kämpfen. „Unſern Zwiſtigkeiten, dieſer hundertjährigen Krankheit unſeres Landes, ſei für immer ein Ende gemacht. „Ich verſpreche euch nur eines, doß ich euch fechten laſſen werde.“ Die zweite Proclamation war an das Volk von Palermo gerichtet: „Nahe odet fern, bin ich bei dir, Volk von Palermo, bei dir für mein ganzes Leben. „Bande der Liebe, Gemeinſamkeit der Ar⸗ beiten, der Gefahren, des Ruhms knüpfen mich unauflöslich an dich. In tiefſter Seele bewegt, mit meinem Bewußtſein als Italiener ſprechend, weiß ich daß du nicht an meinen Worten zweifelſt. „Durch das Intereſſe der gemeinſchaftlichen Sache von dir getrennt, habe ich dir Depretis als mein zweites Ich zurückgelaſſen. Depretis iſt mein Beglaubigter bei dem guten Volke von Sicilien. Er vertritt mehr als mich, er vertritt die nativnale Idee, die heilige Idee, Italien und Victor Emmanuel! Depretis wird dem lieben Volke von Sicilien den Tag der Annexion der Inſel mit dem übrigen freien Italien ver⸗ kündigen, aber Depretis muß, getreu meinem Au liche vort ſie, hät lich dir Hat zuſc vög den des deu alle alle ſeg höe vor ſter ſche hai äm unt vor daſ ver⸗ chen der eite gen ein euch Volk von Ar⸗ mich et, end, felſt. chen retis retis von tritt Uien dem rion ver⸗ nem 231 Auftrag und im Intereſſe Italiens, dieſen glück⸗ lichen Tag beſtimmen. „Die Elenden die dir heute von Annexion vorreden, Volk von Sicilien, ſind dieſelben die ſchon vor einem Monat davon redeten. Frage ſie, Volk, wie ich meinen Kampf für Italien hätte fortführen können, wenn ich ihre erbärm⸗ lichen Privatintereſſen beachtet hätte. Hätte ich dir heute einen Gruß der Liebe aus der ſchönen Hauptſtadt des ſüdlichen Feſtlandes von Italien zuſchicken können? „Alſo, Volk von Italien, dieſen Sumpf⸗ vögeln, die ſich verkrochen hatten als du auf den Barricaden fochteſt, ſage jezt von deinem Garibaldi: daß wir die Annexion zum Reiche des Königs Ehrenmannes bald proclamiren wer⸗ deu, aber vom OQuirinal herab, wenn Italien alle ſeine Kinder vereinigt ſehen, wenn es ſie alle frei an ſeinen glorreichen Buſen drücken und ſegnen kann.“ Dieſe feſte und beſtimmte Sprache wirkte höchſt entmuthigend auf die Gemäßigten, die vom Dictator, nach der Art wie er ſein Mini⸗ ſterium zuſammengeſezt hatte, eine der Cavour⸗ ſchen eniſprechende Politik erwarteten. Garibaldi hatte entſchieden nichts in ſeinem Programm ge⸗ ändert. Er mißtraute mehr als je den Politikern und Diplomaten; er wollte immer Italien frei von den Alpen bis zur Adria, und er glaubte daß er ſelbſt und ſeine Umgebung am beſten be⸗ 232 urtheilen könnte was für die Befreiung und Wohlfahrt des Vaterlandes fromme. inen Tag nach Garibaldis Einzug in Nea⸗ pel öffneten die Caſtelle Nuovv, Uovo und St. Elmo ihre Thore. Sie wurden von den pie⸗ monteſiſchen Berſaglieri und Artilleriſten beſezt. Die Garibaldianer waren noch nicht angekommen, und die Nativnalgarde genügte nicht für alle Dienſte. Die Garibaldianer trafen drei oder vier Tage nach ihrem General in Neapel ein. Gari⸗ baldi, der ſchon mehrere Mal in die Umgegend von Capua gegangen war, um dieſen Plaz zu beobachten, den ein Theil der königlichen Armee beſezt hielt, ſchickte einige Bataillone nach dieſer Richtung. Die Brigade Eber und die Diviſion Birio marſchirten nach Caſerta und Santa Maria, und bald war die Südarmee, unweit Capua concentrirt, im Begriff die Operationen gegen dieſe Stadt zu beginnen. Der Volturno, ein ſchmaler, aber tiefer Fluß, umgibt Capua von drei Seiten und füllt auf der vierten einen tiefen Graben aus. In der Ferne erheben ſich die Berge Camigliano, Vitulaccio, Villone, San Angelo und San Angelo in For⸗ mis, der mit einer kleinen Schanze gekrönt iſt. Selbſt von dieſen Höhen herab und mit gezoge⸗ ner Artillerie kann Capua nicht beſchoſſen werden. Um ſich der Stadt zu bemächtigen, muß man über den Fluß ziehen, ſich dem Plaz nähern, ihn berennen und ftürmen. und ea⸗ St. pie⸗ ſezt. en, alle vier ari⸗ en mee ieſer ſion inta weit nen luß, der erne ccio, For⸗ iſit oge⸗ den. man ihn 233 Garibaldi verſuchte am 19. oberhalb Cajazzo, zehn Miglien öſtlich von Capua, über den Vol⸗ turno zu ſezen. Die Königlichen ſtanden ſtaffel⸗ weiſe von den Verſchanzungen des Plazes bis an die Ufer des Fluſſes; ſie hielten nicht bloß Capua, ſondern auch die Hügel San Angelo, Villone und San Angelv in Formis beſezt.. Die Vorpoſten der Garibaldianer ſtanden auf Piſtolen⸗ ſchußweite gegenüber. Um den Uebergang über den Volturno zu erzwingen, mußte Garibaldi die Aufmerkſamkeit des Feindes möglichſt theilen. Er befahl daher die neapolitaniſchen Vorpoſten auf drei verſchie⸗ denen Puncten anzugreifen. Der Oberſt Spangarv, ein glänzender Mai⸗ länder Offizier, hielt ſich mit fünfhundert Mann links; er ſollte den Feind aus Carditello ver⸗ treiben, den Wald beſezen, rechts von Capua marſchiren, auf der Straße von San Prisco und Santa Maria eine Diverſion machen, und durch ſeinen Angriff den Feind auf die Meinung brin⸗ gen daß Garibaldi von Santa Maria her ſtür⸗ men wolle. An dieſem Ort, d. h., im Centrum rückte der Oberſt Rüſtow, Stabschef des Gene⸗ nerals Türr, mit 1300 Mann und zwei Kano⸗ nen vor. Oberſt Rüſtow brach Morgens vier Uhr von Santa Maria auf, während Oberſt Spangaro den Weg nach Tammaro und Caſino reale ein⸗ ſchlug, und drei Compagnien über Maddaloni 234 und den Berg San Angelv in Formis nach Scofa Formicola marſchirten. Der General Türr brach ſelbſt Morgens drei Uhr von Caſerta auf. Er ſchickte das Bataillon Catabene voraus, welches das Dorf San Angelv zwiſchen Caſerta und Scofa Formiecola beſezen ſollte, während General Eber ſich mit einem Theil ſeiner Brigade quer auf den Weg legen ſollte welchen die Königlichen kommen mußten, wenn ſie den Volturno paſſirt und die Garibaldianer in der Flanke angegriffen hatten. Alle dieſe Bewegungen waren ſo concentrirt daß der Feind gezwungen werden ſollte ſeine Truppen zu theilen, ſo daß ein Corps Garibal⸗ dianer oberhalb Cajazzo über den Fluß ſezen, Capua rechts umgehen und ſich zwiſchen dieſer Feſtung und Gaeta aufſtellen könnte. Die Hauptarbeit lag den 1300 Mann des Oberſten Rüſtow ob, welcher das Commando des rechten Flügels dem Brigadier Giorgio, das Com⸗ mando des linken, der das Corps Spangaro's an ſich ziehen ſollte, nachdem es den Feind aus dem Wald verjagt hätte, dem Oberſten Poppi übergab und ſeinerſeits ſelbſt mit der Reſerve der Sicilianer La Maſa's im Centrum blieb. Die Königlichen hatten ſich 6000 Mann ſtark dem Oberſt Rüſtow gegenüber in einem Lager verſchanzt. Sie beſaßen viel Artillerie und Rei⸗ terei und waren überdieß durch die Kanonen der Feſtung geſchüzt. Sie glaubten den Angriff ernſt⸗ lich gemeint. Sobald ſie die Garibaldianer be⸗ ————— ofa rei lon el zen heil lUte enn ner rirt ine al⸗ en, eſer des des m⸗ o's us ppi der ark ger ei⸗ der nſt⸗ be⸗ —— 235 merkten, machten ſie Signale um die Colonnen herbeizurufen welche die Poſitivn des obern Vol⸗ turno beſezt hielten. Das war es was Garibaldi und Türr wünſchten. Der Oberſt Spangaro begann das Feuer um ſieben Uhr Morgens. Um zwölf hatte er die Königlichen beinahe gänzlich aus dem Walde ver⸗ trieben; aber es gelang ihm nicht das Corps Rüſtow's zu erreichen, und er blieb auf der Straße von Tammaro, ſo daß er den von Oberſt Poppi befehligten linken Flügel, der gerade in der Front des verſchanzten Lagers ſtand, ungedeckt ließ. Die Colonne Rüſtow, die auf der Straße von Capua marſchirte, kam um fünf Uhr an einen Ort wo dieſelbe rechts abliegt. Sie war dem verſchanzten Lager gegenüber. Sobald ſie ſicht⸗ bar wurde, begannen die Königlichen ein furcht⸗ bares Kartätſchenfeuer. Die Mailänder Bataillone, welche überdieß von den Plänklern angegriffen wurden und eine doppelte Reitercharge auszuhalten hatten, wichen nicht, ſondern marſchirten weiter bis an die Grä⸗ ben der Feſtung. Die königlichen Lanciers wurden ſchrecklich mitgenommen; aber die Huſaren brachten dem Bataillon der Sicilianer ungeheure Verluſte bei. Die Lezteren, deren älteſte Leute kaum zwanzig Jahre hatten, zogen im Sturnſchritt hinter den Mailändern her und geriethen in einen furchtba⸗ ren Feuerkreis, ſo daß ſie von der Artillerie der 236 Feſtung und des verſchanzten Lagers zugleich nie⸗ dergeſchmettert wurden. Nach ſechs Stunden hartnäckigen Kampfes und Widerſtandes zogen ſich die Garibaldianer in Unordnung zurück, verfolgt von den Huſaren, welche die Nachzügler unbarmherzig niederhieben. Die zum Transport der Verwundeten beſtimmten Fuhrwerke ergriffen, da ſie unter einen Kugel⸗ regen geriethen, die Flucht und machten die Ver⸗ wirrung noch ärger. Inzwiſchen waren die Garibaldianer Herren der Station von Capua, welche am Morgen von den Königlichen beſezt worden war, und hatten ihre beiden Geſchüze gerettet. Ein gewiſſer Zuppo aus Genua, ein Mann aus dem Volke, der eine halbe Stunde lang eines von ihnen bedient, hatte, als er die Pferde und Artilleriſten alle um ſich her todt ſah, mit Hilfe von zehn Mailänder Sapeuren dieß Geſchüz auf den Rücken genom⸗ men und fortgetragen, um es nicht dem Feinde zu laſſen. Dem Oberſten Rüſtow war ein Pferd unter dem Leib getödtet worden. Der Oberſt Poppi ſowie mehrere Majore und viele Offiziere waren gefallen, und die Compagnie ſicilianiſcher Mönche, die mit dem Crucifix im Bandelier die Verwun⸗ deten verpflegten, war kaum ſtark genug um den Lazarethdienſt zu verſehen. Während Oberſt Rüſtow der königlichen Armee die Spize bot, hatte General Türr den Uebergang über den Volturno erleichtert. Uhr hat den ans Kör chen nea Vol die dirt and ihn die kehr übe Hü Str ſod wa ten am lon den ie⸗ fes ner ren, en. ten gel⸗ er⸗ ren von tten po eine tte, ſich ider om⸗ nde nter ppi ren che, un⸗ den mee ang 237 Der Commandant Cattabene war um ſieben Uhr vor Cajazzo angekommen. Die Königlichen hatten ſich in den Straßen verbarricadirt und in den Häuſern verſchanzt. Die Garibaldianer hatten ſich ohne Bedenken ans Werk gemacht. Sie hatten die Stadt, Straße um Straße, Haus um Haus genommen und die Königlichen in den Volturno geworfen, über wel⸗ chen ſie ſelbſt unter dem furchtbaren Feuer der neapolitaniſchen Batterien geſchwommen waren. Der General Türr, der um acht Uhr am Volturno angekommen war, hatte die Königlichen die noch das linke Ufer beſezten ſogleich bombar⸗ dirt und ſie nach vierſtündigem Feuer auf die andere Seite geworfen. Fünfzehnhundert von ihnen waren auf Cajazzo marſchirt, während die andern in Unordnung nach Capua zurück⸗ kehrten; aber Cattabene hatte ſie kräftig zurück⸗ geworfen und die Stellung gerettet. Garibaldi hatte ſich, ſeinem Brauche gemäß, überall gezeigt; er war zuerſt auf der Spize des Hügels von San Angelv erſchienen; er hatte eine Stunde lang bei Gradillo commandirt und ſich ſodann nach Santa Maria begeben. Ueberall war ſeine Erſcheinung das Signal zu verdoppel⸗ ten Anſtrengungen und zum Erfolge geweſen. Die Beſazung von Capua rührte ſich weder am 20. noch am 214.; aber am 22. zog eine Co⸗ lonne von 8000 Mann aus Capua und ſchlug den Weg von Cajazzv ein, am Volturno entlang. Der Oberſt Vacchieri ſtand mit etwa 1000 238 Garibaldianern in Cajazzo. Er verließ die Stadt und zog dem Feinde entgegen. Die Garibaldianer hielten troz eines Hagels von Granaten und Büchſenkugeln eine Stunde lang feſt ohne einen Fuß breit zu weichen; dann, als ſie keine Patronen mehr hatten, machten ſie einen Bajonetangriff. Die Königlichen wank⸗ ten nicht. Es entſtand eine wahre Schlächterei. Als der Oberſt Vacchieri die Unmöglichkeit ein⸗ ſah überlegenen Streitkräften zu widerſtehen, gab er Befehl zum Rückzug in die Stadt. In der Hoffnung, General Medici würde von Ca⸗ ſerta aus Hilfe ſchicken, begannen die Garibal⸗ dianer Barricaden zu errichten; aber kaum an⸗ gefangen, wurden ſie auch ſchon zerſtört von den Königlichen welche bald die Stadt überſchwemmten. Es war kein Gefecht mehr, ſondern ein ſchauer⸗ liches Blutbad. Auf beiden Seiten gebrauchte man Dolche. Etwa vierzig Garibaldianer ſpran⸗ gen in den Volturno um ſich durch Schwimmen zu retten, wurden aber mit Granaten niedergeſchmet⸗ tert. Die Garibaldianer zerſtreuten ſich, jeder ſuchte ſein Heil wie er konnte, ſei es daß er in die Berge floh, oder daß er die gefährliche Furth des Fluſſes durchwatete. Bei dieſer blutigen Wiedereinnahme von Cajazzo verloren die König⸗ lichen viele Leute, aber noch immer weniger als die Garibaldianer; von denen gegen vierhundert Mann kampfunfähig wurden. Garibaldi, der einen Augenblick den Plan gehabt hatte Capug zu bombgrdiren, verzichtete jezt und eing Kan ribe von eine aus In mit Zac Hau gel, Den Sal ein Gar wele ſtan wac der Cap das Bat bere und Brie ſtan adt els nde nn, ten mnk⸗ rei. in⸗ en, In Ca⸗ al⸗ an⸗ den ten. ner⸗ chte an⸗ zu net⸗ eder in rth gen rig⸗ als dert lan tete 239 jezt darauf. Er wollte ſich lieber angreifen laſſen und auf der Defenſive bleiben. Er verſtärkte die eingenommenen Poſitionen, ließ Leute, Munition, Kanonen kommen, und dann wartete er. Maddaloni war die Operationsbaſis der Ga⸗ ribaldianer. Der linke Flügel verlängerte ſich von Santa Maria bis nach Averſa, das durch einen Canal geſchüzt iſt, und wo die Freiwilligen aus Baſilicata unter dem Major Corti ſtanden. In Santa Maria waren der General Milbitz mit der ſicilianiſchen Brigade, La Maſa, die ſchönen toscaniſchen Regimenter Malenchini und Zacchieri und die genueſiſchen Bolbiſchüzen. Das Hauptquartier war in Caſerta. Der rechte Flü⸗ gel, welchen die Berge deckten, dehnte ſich von Dentice aus, das Bixio beſezte, bis nach San Salvatore. Eine halbe Miglie von dieſem Dorf, ein wenig über der Punta del Parco, hatten die Garibaldianer ſich auf einem Hügel aufgeſtellt, welcher Cajazzo beherrſcht, wo die Khniglichen ſtanden. Vorwärts von Punta del Parco be⸗ wachten die Garibaldianer einen wichtigen Punct der zu den Verbindungen zwiſchen Cajazzo und Capua dienen konnte. In Monte⸗San⸗Angelo, das den Volturno beherrſcht, ſtanden dreifache Batterien zum Angriff und zur Vertheidigung bereit. Hier waren die genneſiſchen Artilleriſten und das Corps des Oberſten Spangarv von der Brigade Eber. Dieſe Poſition war der Gegen⸗ ſtand ganz beſonderer Bemühungen von Seiten 240 Garibaldi's geweſen, der zwanzig Kanonen da hatte aufſtellen laſſen. Am 1. October, Morgens ſechs Uhr, zogen zehntauſend Mann Fußvolk, fünftauſend Reiter und fünf Batterien aus Capua. Zu gleicher Zeit marſchirten fünftauſend Mann aus Mad⸗ daloni, um die Garibaldianer im Rücken zu faſ⸗ ſen und ihnen den Rückzug abzuſchneiden. Die einen ſollten von der Eiſenbahn her die Stellung der Garibaldianer bei den Archi di Santa Maria angreifen und ſie auf dieſen Punct locken, wäh⸗ rend die andern an der parallelen Conſularſtraße her nach rechts über die Felder marſchiren und den Garibaldianern bei Santa Maria in den Rücken fallen ſollten. Endlich ſollten weitere tau⸗ ſend Mann unter Cajazzo über den Volturno gehen und über San Lucio vorbrechen. Das Gewehrfeuer begann ſchon um halb ſie⸗ ben Uhr; bald ließen ſich auch die Kanonen ver⸗ nehmen und um acht Uhr zogen die Königlichen über die Bogen der Eiſenbahn, indem ſie die Garibaldianer vor ſich hertrieben. Garibaldi ließ jezt eine ähnliche Bewegung ausführen wie die Königlichen. Das Regiment Malenchini brach von San Tammaro, auf dem linken Flügel, auf, zog über Santa Maria hinaus und warf ſich in die Felder über welche die Kö⸗ niglichen kommen wollten. Dieſe kamen ſomit zwiſchen zwei Colonnen Garibaldianer, wurden zwiſchen die Eiſenbahn und die Straße einge⸗ zwängt und von gllen Seiten umzingelt. Drei⸗ da gen eiter cher tad⸗ faſ⸗ Die ung aria väh⸗ raße und den tau⸗ urno ſie⸗ ver⸗ ichen die ung ment dem naus Kö⸗ omit uden inge⸗ Drei⸗ 241 mal wurden die Poſitionen der Garibaldianer genommen und mit dem Bajonet wieder erv⸗ bert. Die Kartätſchen richteten furchtbare Ver⸗ heerungen an unter dieſen Leuten, die beinahe lautlos fochten, ſelten Pardon gaben, manchmal die Verwundeten vollends umbrachten und häufig mit dem Piſtol oder Dolch einen Kampf endeten der mit Flintenſchüſſen begonnen hatte. Die Sol⸗ daten auf beiden Seiten rivaliſirten in Ausdauer und Muth, aber endlich behielten die Garibal⸗ dianer die Oberhand. Die Batterien von Monte San Angelo waren ſchon am Morgen ſehr beſchädigt worden. Der Feind hatte ſie beharrlich beſchoſſen, denn dieſe Batterien faßten ihn quer auf ſeiner ganzen linken Flanke und richteten große Verwüſtungen in ſei⸗ nen Reihen an. Die dreifache Batterie hatte wacker Wider⸗ ſtand geleiſtet ohne ihr Feuer zu ſchwächen; aber auf einmal, gegen halb ein Uhr Mittags, war die am Fuße des Berges verſtummt. Zweitauſend fünfhundert Königliche hatten den Berg umgan⸗ gen, ſich auf die Kanonen geſtürzt, fünf davon vernagelt und mehrere Artilleriſten auf den Lafet⸗ ten getödtet. Garibaldi war in dieſem Augenblick bei San Tammaro; ein Adjutant des Generals Milbitz meldete ihm daß die Königlichen bei San An⸗ gelo im Vortheil waren. Um zwei Uhr zog er mit General Medici und ſeinem Stab durch Santa Maria, indem er alle Leute zuſammenraffte die Garibaldi. II. 16 . ihm in den Weg kamen und mit durchdringender furchtbarer Stimme rief:„Laßt uns ſterben! Die Italiener müſſen durchaus den Sieg erringen; wir ſind überall ſonſt Sieger!“ Er ſaß in einem kleinen Wagen, begleitet von etwa hundert Mann im Sturmſchritt. Bei dem Vorwerk von San Angelo erhoben ſich neapoli⸗ taniſche Jäger die auf der Erde lagen, und ſtürz⸗ ten auf ihn los. Der Kutſcher trieb ſeine Pferde in einen Graben und machte ſeinen Wagen zu einer Art von Barricade. Garibaldi zog vom Leder und ging auf die Jäger los mit dem Ruf: Es lebe Italien! Einige ſeiner Leute kamen dazu, und nach etlichen Minuten ergriff der demoraliſirte Feind die Flucht. Obſchon leicht verwundet, ſezte Garibaldi ſei⸗ nen Weg fort und ſchritt auf ein ungariſches Bataillon zu, das hundertfünfzig Mann ſtark unter dem Oberſten Magyorady ſtand. Er zeigte ihnen die Neapolitaner welche die Batterie be⸗ ſezt hielten und ſagte:„Vorwärts, Kinder, jaget mir dieſe Canaille fort!“ Dieſe Canaille beſtand aus einem Linienregi⸗ ment, aus einer Reiterſchwadron, aus einer Com⸗ pagnie Jäger und Artillerie. Die Ungarn griffen, ohne die Königlichen zu zählen, mit dem Bajonet an. Zwanzig Minuten ſpäter war die Batterie wieder genommen und ſchoß die Neapolitaner, die ſich in der Ebene zerſtreuten, mit Kartätſchen zuſammen. Von dieſem Augenblick an war der„ Sieg ſicher; man verdankte ihn zum großen Theil „—————,——————— 6— c— nder Die en; von dem oli⸗ ürz⸗ erde zu vom tuf: azu, ſirte ſei⸗ ſches ſtark eigte be⸗ aget regi⸗ om⸗ ffen, onet terie iner, chen der heil 243 der Compagnie de Flotte, die unter dem Befehl des Capitäns Iſidor Pangam ſtand. Dieſe Com⸗ pagnie zählte hundertfünfzig Mann, unter denen nur fünfzehn Franzoſen waren. Der General hatte ihr die gefährlichſte Stellung der Ebene anvertraut, neben einem Kreuzweg über welchen die Königlichen ziehen wollten, um die Garibal⸗ dianer zu umgehen und im Rücken zu faſſen. Es war ein großer Bauernhof, wo ſeitwärts auf Piſtolenſchußweite zwei Häuſer ſtanden, deren Be⸗ ſetzung der Capitän Pangam verlangt hatte. Der General Milbitz hatte eines davon mit Sicilianern beſezen laſſen, die davon liefen ohne eine Lunte verbrannt zu haben, und das andere hatte er aus Mangel an Truppen leer gelaſſen. Kaum im Beſiz dieſes Poſtens hatten die Franzoſen ihn verbarricadirt, Schießſcharten in die Gartenmauern gebrochen, einen Graben ge⸗ zogen, ihn mit Barricaden gekrönt und mit ſpa⸗ niſchen Reitern ausgerüſtet. Der Feind erſchien um halb fünf Uhr Mor⸗ gens vor dem Meierhof. Mit lebhaftem Ge⸗ wehrfeuer empfangen, gebrauchte er Artillerie, denn dieſe dichte Maſſe von ungefähr 3500 Mann öffnete ſich halb und demaskirte zwei Kanonen die getragen wurden. Nach zweiſtündigem Feuer zogen die Königlichen ſich zurück. Ein zweites beinahe eben ſo zahlreiches Corps zeigte ſich auf der Straße von Capua in der Nähe des Hauſes welches die Sicilianer verlaſſen hatten, und pflanzte drei Geſchüze da auf. Die Franzoſen, die auf 244 das Dach des Hauſes geſtiegen waren, begannen das Gewehrfeuer von Neuem. Auch dießmal wurden die Kanonen zum Schweigen gebracht; die Artilleriſten wurden auf ihren Geſchüzen ge⸗ tödtet, und die Königlichen zerſtreuten ſich. Um Zwölf erneuerte ein drittes Corps, ſtärker als die andern, den Angriff. Als es auf fünfhundert Meter angekommen war, ſuchten Genieſoldaten zwei Kanonen gegen das Haus zu richten. Neun Schüzen von erſter Stärke ſtellten ſich in den Garten an die Schießſcharte und begannen auf die Königlichen zu ſchießen, während hinter ihnen einige Cameraden ſtanden und für ſie luden. Der Reſt der Compagnie verbreitete ſich im Hof innerhalb der Umſchanzungsmauer. Ein furcht⸗ barer Kampf begann. Endlich wichen die König⸗ lichen. Die Garibaldianer ſprangen jezt auf die Barricaden, klatſchten in die Hände und riefen: Es lebe Italien! Es lebe Garibaldi! Die Kö⸗ niglichen verloren den Kopf und entflohen. Sie ließen fünfundſiebzig Mann auf dem Plaze. Um drei Uhr erſchien ein viertes Corps, aber nur auf kurze Zeit. Eben ſo empfangen wie die drei erſten, ſchlug es bald denſelben Weg ein. Die Compagnie de Flotte hatte für ſich allein ſechstauſend Patronen verſchoſſen. Die Offiziere und Soldaten hatten ſich ſammt und ſonders mit wahrhaft heldenmüthiger Feſtigkeit und Bra⸗ vour benommen. Bei den Brücken der Valle, hinter den Ber⸗ gen von Maddaloni, waren die Königlichen, nen mal ge⸗ Um die dert ten eun den auf nen i Hof cht⸗ lig⸗ die en: Sie Um nur drei lein iere ers ra⸗ er⸗ en, 245 welche dieſe Stellung genommen und wieder ge⸗ nommen hatten, definitiv zurückgeworfen worden. In der Nähe von San Luciv hatte die Co⸗ lonne Affanti die Königlichen verhindert über den Fluß zu ſezen. Der Oberſt Corti mit den Luca⸗ nern und Calabreſen hatte die Kämpfer von Santa Marja wacker unterſtüzt und den Feind in Schranken gehalten, der ſich über San Tam⸗ maro, welches durch die Bewegung des uner⸗ ſchrockenen Generals Malenchini nach rechts ent⸗ blößt worden war, Bahn hatte brechen können. Im Verlaufe des Tages waren von Neapel und Caſerta aus Artillerie und friſche Bataillone gekommen, ſo daß die Garibaldianer, die beim Anfang des Kampfes nicht 10,000 Mann ſtark geweſen, am Abend 15,000 Streiter in Linie hatten, und obſchon die beiden Armeen in ihren Stellungen von geſtern blieben, gehörte der Sieg doch augenſcheinlich den Garibaldianern. Die Annäherungsarbeiten gegen Capua wur⸗ den begonnen. Die Einnahme dieſer Stadt war gewiß. Die Armee Victor Emmanuels war auf den Hilferuf der Kirchenſtaaten in den Marken und in Umbrien eingedrungen, die jezt zum Kö⸗ nigreich Italien gehörten; das Corps des Ge⸗ nerals Cialdini war ſo eben über die neapolita⸗ niſche Grenze gezogen; Victor Emmanuel folgte ihm mit zahlreichen Truppen, und es war un⸗ möglich daß Capua den vereinigten garibaldiſchen und piemonteſiſchen Truppen lange Zeit Wider⸗ ſtand leiſtete. 246 Zur großen Freude der Gemäßigten ſollte Piemont fortan einen entſcheidenden Einfluß ſo⸗ wohl auf die politiſchen als die militäriſchen Operationen gewinnen. In Neapel wie in Pa⸗ lermo hatte Garibaldi gegen die Cavourianer oder Anhänger der unverzüglichen Annexion und gegen die Mazziniſten zu kämpfen gehabt, welche verlangten daß die Befreiung Roms und Vene⸗ digs der Annexion vorangehe, oder daß dieſe wenigſtens von einer aus dem allgemeinen Stimm⸗ recht hervorgegangenen Verſammlung erörtert und beſchloſſen werden ſolle. Troz ſeiner perſönlichen weſentlich revolutio⸗ nären Neigungen hatte er die Einen und die Andern geſchont; er hatte die äußerſten Maßregeln vermieden: er hatte je nach den Umſtänden ſein Miniſterium bald im einen, bald im andern Sinn abgeändert, aber er hatte die beiden Parteien nicht beſtimmen können einander Zugeſtändniſſe zu machen. Ueberzeugt von der Nuzloſigkeit ſeiner Be⸗ mühungen, müde, überdrüſſig, am Ende mit ſei⸗ nen gouvernementalen Hilfsmitteln, übertrug Ga⸗ ribaldi die Civilgewalt dem Marquis Pallavicino mit dem Titel eines Prodiectators. Herr Pallavicino veröffentlichte ein Programm, worin er verſprach für die unparteiiſche Verwal⸗ tung der Juſtiz zu ſorgen, die Armee und die Flotte neu zu organiſiren, die Nationalgarde zu verſtärken, die Volksſchulen und Eiſenbahnen zu vermehren und beſonders für die Einigung als ſt 9 — 0—„——— —— ———„— ———„— —, te ſo⸗ hen Pa⸗ ner und lche ne⸗ ieſe nm⸗ und tio⸗ die eln ſein inn ien tiſſe Be⸗ ſei⸗ Ha⸗ eino nm, val⸗ die zu zu als 247 das höchſte Bedürfniß Italiens zu arbeiten. Er machte ſich ſogleich ans Werk, hielt ſein Ver⸗ ſprechen, und alle ſeine Handlungen erlangten all⸗ gemeinen Beifall. Die Belagerungsarbeiten von Capua nahmen ihren regelmäßigen Gang. Die Parallele wurde ungefähr achtzehnhundert Meter von einem ſehr wichtigen Pvoſten, die Capuziner genannt, erbffnet, deſſen die Garibaldianer ſich bemächtigten. Die Königlichen ſcheiterten in mehreren kleinern Scharmüzeln; ſie verloren zwei Kanonen und wurden gezwungen einige ihrer Stellungen auf⸗ zugeben. Sie wagten es nicht mehr die Offen⸗ ſive zu ergreifen. Gegen Ende der zweiten Woche Octobers be⸗ ſezten die Piemonteſen, die mehrere tauſend Mann ſtark gelandet waren, die Linien im Angeſicht des Feindes, vom Wald von Carditello an bis San Angelo, und verſperrten den Weg von Neapel nach Averſa und Caſerta Vecchia, in der Vyraus⸗ ſicht daß die Truppen Franz II. von dieſer Seite her einen Verſuch machen würden. Am 13. zogen achttauſend Mann Königliche, Infanterie, Reiterei und Artillerie, unter dem General del Re, durch das neapolitaniſche Thor zu Capua hinaus und marſchirten vorwärts, wie wenn ſie Santa Maria angreifen wollten; dann wandten ſie ſich links und warfen ſich auf San Angelv. Der piemonteſiſche Brigadier Perrau, der auf dieſem Punct commandirte, ſtellte fünf Bataillone M8 der regelmäßigen Armee, einige Compagnien Ga⸗ ribaldianer und das Bataillon von Baſilicata, im Ganzen ungefähr 6000 Mann ohne Reiterei und fliegende Artillerie, in Schlachtordnung. Nach dritthalbſtündigem Kampf ließ der Ge⸗ neral del Re zum Rückzug blaſen. Dieſe Be⸗ wegung, die mit weniger Ordnung ausgeführt wurde als der Ausfall, verwandelte ſich in eine Niederlage. Im Rücken niedergeſchmettert von den piemonteſiſchen Batterien, auf den Ferſen verfolgt von den Garibaldianern und den pie⸗ monteſiſchen Berſaglieri, kamen die Königlichen in wildem Gewirr nach Capua zurück, gaben ihren Poſten auf dem linken Volturnoufer auf und zo⸗ gen ſich ſämmtlich in die Feſtung. Die piemonteſiſche Armee zog heran, und bald wäre die Beſazung von Capua, welche jezt die Piemonteſen vor ſich und die Garibaldianer in ihrem Rücken hatte, gezwungen worden die Feſtung zu verlaſſen und eine Schlacht zu liefern. Die Abſtimmung über das Plebiſcit fand am 22. mit vollſtändiger Einhelligkeit und vollkom⸗ mener Ordnung ſtatt. Alle Claſſen der Geſell⸗ ſchaft ſtürzten ſich auf die Urnen um ihr Ja hinein⸗ zulegen. Man ſah die Leute vom Hof, Biſchöfe, Domherrn, Mönche zu Tauſenden herankommen. Die Leute vom Volk ſtrömten in Maſſe mit Fah⸗ nen und Muſik herbei, um dieſes große Feſt zu feiern welches ſie aus Lazzaroni und Fae⸗ chini in Bürger verwandelte. d⸗ a, rei e⸗ 249 Drei Tage ſpäter ließ Garibaldi folgende Tagesordnung anſchlagen. „Der tapfere Cialdini hat geſiegt. Bei Iſer⸗ nia ſind die Bourbonen gänzlich geſchlagen wor⸗ den: ſie haben achthundert Gefangene, fünfzig Offiziere, Kanonen und Fahnen zurückgelaſſen. „Bald werden die wackern Soldaten der Nordarmee den unerſchrockenen Kriegern von Calatafimi und vom Volturno die Bruderhand reichen.“ Die Generale Franz H. begriffen daß ihnen nur ein einziges Rettungsmittel blieb; ſie mußten das Corps Cialdini's, das etwas iſolirt war, mit überlegener Macht angreifen und erdrücken, oder es wenigſtens aufhalten, indem ſie die Volturnobrücke bei Venafro zerſtörten. Sie räumten Cajazzo, ließen in Capua nur die zur Vertheidigung des Plazes nothwendige Mann⸗ ſchaft, gaben die Volturnolinie auf und ſtellten ihre Hauptmacht ſtaffelweiſe auf die Linie des Gariglianv. Die piemonteſiſche Armee ſtand maſſenhaft um Venafro. König Victor Emmanuel befand ſich nicht weit davon, in Iſernia. Garibaldi vernichtete den Plan der Neapo⸗ litaner durch einen jener Züge von Kühnheit die ſeinen Genius kennzeichnen. Während die Pie⸗ monteſen am 24. von Maddaloni und San Angelv aus Cajazzo beſezten, ließ er eine Brücke über den Volturno ſchlagen. Die neuerdings angekommene engliſche Legivn 250 und die Diviſion Bixio wurden mit dieſer Ar⸗ beit beauftragt. Die Engländer und Genueſen traten, da ſie von den neapolitaniſchen Batterien beunruhigt wurden, ins Waſſer, ſtellten die Ge⸗ rüſte hinein und bedeckten ſie, ſo gut es ging, mit Brettern, denn man hatte nichts zu dieſer Operation in Bereitſchaft. Abends halb zehn war die Brücke fertig. Das Feuer der König⸗ lichen hatte aufgehört. Der Oberſt Miſſori ent⸗ wickelte ſein Regiment auf dem rechten Ufer; die Diviſion Bixio folgte der engliſchen Legion unverzüglich mit einem Artilleriepark; die Divi⸗ ſionen Medici und La Maſa gingen am folgen⸗ den Tag hinüber. Garibaldi ſelbſt ging Morgens zwei Uhr über die Brücke und ſezte ſich alsbald in Marſch mit ſeinen Truppen. Gegen Mittag beſezte er Teanv. Die Königlichen hatten, als ſie ſich in ihrem Rücken bedroht ſahen, Rechtsumkehrt ge⸗ macht, ohne Cialdini zu erwarten, und waren an den Garigliano zurückgewichen. Garibaldi, der in der Nacht in einem Gaſthof zwiſchen Teano und Speranzano ankam, ſchickte den Grafen Treecchi zu dem König Victor Em⸗ manuel, welcher nicht mehr ſehr ferne war. Am Morgen erfuhr er daß Cialdini eine Marſchſtunde und der König eine halbe von ihm ſtand. Er brach ſogleich mit ſeinem Generalſtab auf und nach dreiviertel Stunden bemerkte er die Spize der piemonteſiſchen Colonne. Er ſezte ſein Pferd in Galvp. Die Colonne öffnete ſich und präſen⸗ — W W S—— W N 25¹ tirte das Gewehr. Cialdini eilte Garibaldi ent⸗ gegen. Sie umarmten ſich; dann brach Gari⸗ baldi wieder auf und ritt dem König entgegen. Victor Emmanuel war in der Nähe, an der Spize ſeiner Diviſion. Sobald er die Rothhem⸗ den ſah, gab er ſeinem Pferd die Sporen. Ga⸗ ribaldi that das Gleiche. Als ſie zehn Schritte von einander waren, riefen die Offiziere des Königs und die Garibaldi's: Es lebe Victor Emmanuel! Garibaldi trat jezt einen Schritt vor, nahm ſeinen Hut ab und fügte mit ſehr be⸗ wegter Stimme hinzu: König von Italien! Victor Emmanuel griff mit einer Hand an ſein Käppi, reichte die andere Garibaldi, ſagte mit nicht minder bewegter Stimme;: Dank! und nun gingen beide eine Viertelſtunde Hand in Hand neben einander her. Ehe ſie nach Teano kamen, machte Victor Emmanuel Halt und ließ einen Theil ſeiner Armee vor ſich und vor Garibaldi defiliren; dann ritt er ſpornſtreichs weiter, um vie Diviſion Birio zu muſtern, die jenſeits Calvi ſtand. Er wurde mit dem einſtimmigen enthuſiaſtiſchen Rufe empfangen: Es lebe der König von Italien! Man erwartete am 27. eine große Schlacht, aber gegen Mittag meldeten Garibaldi's ungariſche Plänkler daß die Königlichen Seſſa verlaſſen hatten und über den Garigliano zurückgingen. Auf dieſe Nachricht befahl der König Garibaldi mit ſeinen Truppen und der Diviſion della Rocca an den Volturno zurückzukehren und Capua zu 252 beſchießen. Abends zogen die Piemonteſen über den Gariglianv, Cialdini beſezte Seſſa und Ga⸗ ribaldi brach nach San Angelo auf. Am folgenden Tag ging ein Parlamentär nach Capua, um die Beſchießung anzukündigen. Der General Salzano weigerte ſich ihn zu em⸗ pfangen. Die Belagerer begannen die Operationen ſogleich. Der Befehlshaber der Volturnoarmee war jezt mehr General della Roeca als Garibaldi. Garibaldi mißbilligte die Beſchießung, er hätte gerne gewartet bis der Plaz ſich in Folge der Gewalt der Umſtände ergeben hätte. Wäh⸗ rend man die Mörſer zurichtete und in Bereit⸗ ſchaft ſezte, ſchrieb er an den König Victor Em⸗ manuel einen Brief folgenden Inhalts: „Caſerta den 29. Ockober. „Sire, „Als ich bei Betretung des ſicilianiſchen Bo⸗ dens die Dictatur übernahm, that ich es in Ihrem Namen und für Sie, erlauchter Fürſt in welchem alle Hoffnungen Italiens ſich vereinigen. Ich erfülle alſo den Wunſch meines Herzens und vollziehe ein in verſchiedenen bffentlichen Acten ausgedrücktes Verſprechen, indem ich in Ihre Hände die Gewalten niederlege die Ihnen mit ſo vielem Rechte gehören, nachdem die Vblker dieſer Provinzen ſich jezt feierlich für Las einige Italien und für Ihre Regierung, mit der Nach⸗ Ihrer legitimen Abkömmlinge, ausgeſprochen aben. „Ich übergebe Ihnen die Gewalt über zehn 253 Millionen Italiener, die noch vor etlichen Mona⸗ ten durch einen dummen und wilden Despotis⸗ mus unterdrückt waren, und denen jezt eine Re⸗ gierung Noth thut die ſo viel Unheil wieder gut machen ſoll. Dieſe Regierung werden Sie ihnen geben, den Gott gewählt hat um die italieniſche Nation zu regeneriren, um ihr im Innern Frei⸗ heit und Wohlſtand, gegen außen Macht und Reſpect zu verſchaffen. „Sie werden in dieſen Ländern ein ebenſo williges als intelligentes, eben ſo ordnungslieben⸗ des, als nach Freiheit verlangendes Volk finden, zu den größten Opfern bereit, wenn ſie im In⸗ tereſſe des Vaterlandes und einer nativnalen Re⸗ gierung von ihm verlangt werden. Während der ſechs Monate die ich an ſeiner Spize ſtand, hatte ich alle Veranlaſſung den Character und den guten Willen dieſes Volkes zu rühmen, das ich mit Hilfe meiner Waffenbrüder dem italieniſchen Vaterlande, von welchem unſere Unterdrücker es getrennt, zurückzugeben das Glück hatte. „Ich ſpreche nicht von meiner Regierung. Die Inſel Sicilien erhielt, troz der Schwierig⸗ keiten welche von außen hergekommene Leute er⸗ regten, ähnliche politiſche und bürgerliche Inſti⸗ tutionen wie Oberitalien; ſie erfreut ſich jezt einer beiſpielloſen Ruhe. Hier auf dem Feſtland, wo die Anweſenheit des Feindes uns noch Hinderniſſe in den Weg ſtellt, iſt das Land bereits durch alle öffentlichen Aete zur nationalen Vereinigung vor⸗ bereitet; dieß alles in Folge der gewandten In⸗ 254 telligenz zweier ausgezeichneten Patrioten denen ich die Zügel der Regierung anvertraut habe. „Eure Majeſtät wollen mir gnädigſt eine Bitte geſtatten im Augenblick wo ich Ihnen die höchſte Gewalt übergebe. Ich erſuche Sie dringend meine Mitarbeiter bei dieſem großen Werke der Befreiung Süditaliens unter Ihren hohen Schuz zu ſtellen, meine Cameraden die ſich um Sie und das Vaterland verdient gemacht haben in Ihre Armee aufzunehmen. „Ew. Maj. ergebenſter „J. Garibaldi.“ Capua capitulirte nach einer Beſchießung von etlichen Stunden. Die Königlichen ergaben ſich auf Gnade und Ungnade; aber der General della Rocca gewährte ihnen die Vergünſtigung mit ihren Waffen vor den Belagerern zu defiliren und dieſelben erſt etwas weiter vor der Stadt niederzulegen. Die Piemonteſen gingen über den Garigliano; die neapolitaniſchen Truppen zogen ſich in gänz⸗ licher Unordnung nach Gaeta zurück, und am 7. November hielt Victor Emmanuel ſeinen Ein⸗ zug in Neapel. Er war zu Wagen; an ſeiner Seite, ſaß Garibaldi und gegenüber die Herren Pallavicino und Mordini, Prodictatoren von Neapel und Sicilien. Die piemonteſiſche Armee und die Nationalgarde bildeten Spaliere. Die Garibaldianer waren verſchwunden; man be⸗ merkte nicht ein einziges rothes Hemd. Garibaldi wollte einem Feſte nicht anwoh⸗ . N 255 nen von welchem die Seinigen ausgeſchloſſen waren; aber man ſagte ihm, der König würde dieß ſehr übel nehmen. Er blieb alſo. Ueberall erheiterten ſich die Geſichter bei ſeinem Anblick, und der Lebehochruf auf Garibaldi ſchien den auf Victor Emmanuel noch zu übertönen. Der König, Garibaldi und die beiden Pro⸗ dictatoren gingen in die Cathedrale, wo ein Te⸗ deum geſungen wurde. Victor Emmanuel begab ſich hierauf in den königlichen Palaſt. Garibaldi kehrte in den Palaſt d'Angri, ſeine offieielle Wohnung, nicht zurück, ſondern quartirte ſich in einem Hotel ein. Niemand von der Um⸗ gebung des Königs oder der neapolitaniſchen Municipalität fand es der Mühe werth darauf zu achten. Am folgenden Tag überreichte er Victor Em⸗ manuel das Protocoll des Volksbeſchluſſes. Zwei oder drei Reden wurden gehalten; ſodann ver⸗ ließ der König den Thronſaal, wo die Prodicta⸗ toren, die Miniſter, die Generale, die hohen Staatsbeamten ſich befanden, und ging mit Ga⸗ ribaldi in ein nahes Cabinet. Er bot ihm für ſich den Grad eines Armeegenerals, das Hals⸗ band des Annunciataordens und den lebensläng⸗ lichen Genuß eines der königlichen Schlöſſer; für ſeinen älteſten Sohn einen Grad in der Armee und eine bedeutende Ausſtattung; für ſeinen zwei⸗ ten Sohn den Poſten eines Adjutanten des Kö⸗ nigs; für ſeine Tochter eine reiche Ausſteuer an. 256 Garibaldi lehnte Alles ab und kehrte nach einer halbſtündigen Beſprechung in ſein Hotel zurück. Da die Fortſezung des Krieges, die augen⸗ blickliche Befreiung Roms und Venedigs unmög⸗ lich waren, ſo hatte er beſchloſſen nach Caprera zurückzukehren. Am 9., Morgens ſechs Uhr, ſchiffte er ſich auf dem Waſhington ein und verließ die Rhede. Zur ſelben Stunde laſen ſeine Soldaten fol⸗ genden Tagesbefehl, worin er ihnen ſein Lebe⸗ wohl ſagte oder vielmehr ein neues Stelldich⸗ ein gab. „An meine Waffengenoſſen! „An der vorlezten Etappe unſer Wiederaufer⸗ ſtehung angelangt, müſſen wir die zu Ende gehende Periode wohl ins Auge faſſen und uns vorbereiten das herrliche Werk der auserwählten Männer von zwanzig Generationen glänzend zu vollenden, denn die Vorſehung hat das Ende dieſes Werkes für unſere glückliche Generation vorbehalten. „Ja, junge Leute, Italien verdankt euch ein Unternehmen das ſich den Beifall der Welt er⸗ worben hat. „Ihr habt geſiegt und ihr werdet auch ferner ſiegen, weil ihr jezt an die Taktik gewöhnt ſeid welche die Schlachten entſcheidet. „Ihr habt nicht aus der Art der Männer geſchlagen die ſich mitten in die dichteſten Maſſen der maecedoniſchen Phalanxen ſtürzten und die ler en⸗ g⸗ ra 257 hochmüthigen Ueberwinder Aſiens über den Hau⸗ fen warfen. „Zu dieſer wundervollen Seite unſerer Ge⸗ ſchichte wird ſich eine noch glorreichere fügen, und der Selave wird endlich ſeinem freien Bru⸗ der ein geſchärftes Eiſen zeigen das von den Ringen ſeiner Kette kommt. „Zu den Waffen, Alle!— Alle! und die Unterdrücker, die allmächtigen, werden verfliegen wie Staub. „Ihr Frauen, ſtoßet die Feiglinge weit von euch!— Sie werden euch nur Feiglinge geben; — und ihr Mädchen, wünſchet keine andere Nach⸗ kommenſchaft als ein tapferes und hochſinniges Geſchlecht. „Die ängſtlichen Doctrinäre mögen ihren Knechtsſinn und ihre Jämmerlichkeit anderswohin ſchleppen. „Dieſes Volk iſt Herr ſeiner ſelbſt. Es will der Bruder der andern Völker ſein, aber es will die Stolzen von oben herab betrachten und ſeine Freiheit nicht erbetteln; es will ſich von Stink⸗ böcken nicht ins Schlepptau nehmen laſſen. Nein! Nein! Nein! „Die Vorſehung hat Italien einen Victor Emmanuel geſchenkt. Jeder Italiener muß ſich ihm feſt anſchließen. Neben dem König Ehren⸗ mann muß jede Eiferſucht verſchwinden, jeder Groll aufhören. Noch einmal wiederhole ich euch mei⸗ nen Ruf: Zu den Waffen! Alle! Wenn der 17 Garibaldi. III. 258 Monat März 1861 nicht eine Million Italiener unter den Waffen findet, dann iſt es ſchlecht be⸗ ſtellt um die Freiheit und Exiſtenz Italiens. O nein, fern ſei von mir ein Gedanke der mir zu⸗ wider iſt wie Gift. Der März 1861, und nö⸗ thigen Falls der Februar, wird uns Alle an unſern Poſten finden. „Italiener von Calatafimi, von Palermo, vom Volturno, von Ancona, von Caſtelfidardo, von Iſernia, und mit uns jeder Mann aus dieſem Lande der nicht feig und nicht knechtiſch iſt, alle, alle wollen wir uns um den glorreichen Soldaten von Paleſtro ſchaaren um der zuſammenbrechenden Tyrannei den lezten Schlag zu verſezen. „Empfanget, junge Freiwillige, ehrenvolle Ueberbleibſel von zehn Schlachten, mein Lebe⸗ wohl. Ich rufe es euch aus der Tiefe meiner Seele zu. Ich muß mich heute zurückziehen, aber nur für wenige Tage. Die Stunde des Kampfes wird mich wiederum bei euch finden, an der Seite der Soldaten der italieniſchen Freiheit. „Nur diejenigen mögen nach Hauſe zurück⸗ kehren die durch gebieteriſche Familienpflichten zurückgerufen werden, oder auch diejenigen die durch ehrenvolle Verſtümmelung ſich den Dank des Vaterlands erworben haben. Sie werden ihm auch am heimiſchen Heerde dienen durch ihren Rath und durch den Anblick der edeln Narben die ihre zwanzigjährige Männerſtirne 259 ſchmücken. Mit Ausnahme von ihnen mögen alle Andern bleiben um die glorreichen Fahnen zu hüten. „Wir werden uns in Kurzem wiederfinden um zuſammen zur Befreiung unſerer noch im fremden Sklavenjoch ſchmachtenden Brüder aus⸗ zuziehen; wir werden uns in Kurzem wieder finden um zuſammen zu neuen Siegen zu mar⸗ ſchiren. Neapel, 8. November 1860. Ende. ſſſſſſſiſſſſſn 9 14 15 16