. Leihbiiok deutscher, englischer und französischer Literatur Gduaxd thmanii tu Wie-Ken, Schloßgasse Lit. Ah Nr. 256. «-«L STIM- und cIeseliedinguagen.. « i.0tke-«11« m det- Bibliotliek. Die Bibliothek steht zur Em- pfangnahme nnd Nückgabe der Bücher Jeden Tag voii Morgens 7 Ethik-bis Abend-J« 8«Uk«ii’« offen.« 2. Legal-reis. Bei Rückgabe eines« geliebenen Buches wird von .'sedein Tiig 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages ist zii 24 Stun- -. en angenommen. ·»' s. Caatioti. UnbekanntePersonen» miifsen, bei(«Fntgegenn»ahme Buches, eine deiii Werthe desselben entsprechende Summe v-««terlegen, welche bei denen",8uruckgabe voii mir zurückerstattet werd.» b 4. Abomiement. Dasselbe iniiß vokaiis bezahlt werden nnd endigt-.,.. Ifür wöchentlich 2 Baader:(» 4 Baader-:. 6 Bächen-: cuifl Moiiaftk · i Mit— Pf.«1 Mk. so Pf. 2 wie— Pf. ««5. Inswätstjga Mannen-ten haben für«Hiii- und Zurückfendung der Bücher anf ihre eigenen Kosteii und Gefahr selbst zii sorgen. s 6.-saliaiieneiisstz. 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Arantis und Athoö umarmten sich als Greife. Diese Uinarmung sogar war eine Frage für Aramis, und alsbald sagte dieser- «Freund, wir verweileii nicht lange bei Euch-« »Ahl« machte der Graf. »Nur so lange, als wir brauche-I, um Euch mein Glück zu erzählen,« fügte Porthos bei. «Ahl« wiederholte Raoul. Athos schaute Aramis an, dessen düstere Miene ihm scholl sehr wenig im Einklatig mit der guten Kunde geschienen hatte, vorc der Porthos sprach. R»Welches Glück begegnet Euch?«« fragte lächelnd aoul. »Der König macht mich zum Herzog,«« erwiederte der gute Porthos, sich an das Ohr des jungen Mannes neigend;»zum Herzog mit Diplom.« Aber die Beifeit des guten Porthos waren immer kräftig genug, urn von aller Welt gehört zu werden; sein Geniurmel hatte deti Klang voii einem gewöhn- licheri Gebrülle. Die drei Musketiere« Bragelomke x. 1 2 Athos hörte und gab einen Ausruf voii sich, der Aramis beben machte.; sp Dieser nahm Athos beim Arm, bat Porihos um Erlaubniß, einige Minuten unter vier Augen sprecheit zii dürfen- nnd sagte dann zum Grafen- »Mein lieber Athos, Ihr seht mich voni Schmerz f verzehrt.««- «Vom Schiner-zi« rief der Graf, ,,ahl lieber Freundl«( ,,Vernehmet mit zwei Worte11: Jch habe gegen den König eine Verschniörnng gemacht; diese Verschwö- rung ist gescheitei«t, und zur Stunde sucht man mich ohne Zweifel.« ,,Mai1 sucht Euchl... eine Verschlvörnng... Eil mein Fre1111d, was- sagt Jhr mir dal-« ,,Eine traurige Wahrheit, ich biii ganz einfach ver- loren.« »Aber Porthvs... dieser Herzogstitel, was be- deutet dies Alles?««. »Das ist der Ge enstand meines tiefsteii Leidens; das ist meine schmerzli ,sie Wunde. Jch habe, im Glast- ben an einen nnsehibaren, giinstikxen Ausgang, Porthos in meine Verschwörung inithineingezogen. Er ist in die Sack)e, wie er dies bekanntlich thut, mit allen seincii Kräf- ten eingegangen, ohne etwas zu wiss·en, nnd heute ist er so gut mit mir gefährdet, als er wie ich verloren ist.·« »Mein Gogtzsp rief Aihos. . Und er wandte sich gegen Porthoe um, der ihnen freundlich zulachelte. »Ich muß Euch Alles verständlich machen. HöIret mich an,« fuhr Aramis fort. s« Und er erzählte die uns bekannte GSfchichte Athoe fühlte wiederholt, währeiid der Erzählung- seine— Stirne sich mit Schweiß befeuchten.«s-· »Das ist eine große Idee-« sagte er,»aber es war-«« auch ein großer FehleM »Für den ich bestraft bin, Athos.'« --»-.«- ’—· III Co X( s. »Ich werde auch nicht meinen ganzen Gedankeii sagen.« »Sagt ihn.« »Das ist ein Verbreche11.««- ,,El11 Hanptverbrechem ich weiß es, einBerbrechen der Majestätsbeleidignng.« ,,Porthosl armer Porthog l« »Was soll ich machen? das Gelingeii war, wie ich Euch gesagt habe, gewiß.« »Herr Fonqnet ist ein redlicher Mann.« »Und ich bin ein Dmnmkopf, daß iclj ihn so schlecht benriheilt habe ,« sagte Arami6.»Oh! Weisheit der Menschen, nngeheurer Mühlstein, der eine Welt zermalmt, und eines Tags durch das Sandkorn aufge- halten wird, das, man weiß nicht wie, iil seist Räder- werk fällti«" »Sagt dnrch einen Diamant, Aran1i5. Docl) das vUebel ist geschehen. Was gedenkt Jhr zu thun?« »Ich nehme Porthos mit mir. Nie wird der König glauben wollen, der würdige Matiii habe nn- schnldig gehandelt; nie wird ·:r glaubeti wollen, Por-. tle sei handelnd, wie er dies gethan, der Meinung gewesen, er diene dem Kötiig. Sein Kopf würde für meinen Fehler bezahlen, nnd das will ich nicht.« · »Wohin nehmt Jhr ihn init?« »Bei-erst nach Belle-Jsle. Das ist ein nneinnehmt barer Zufluchtsori. Dann habe ich das Meer nnd ein Schiff znr Ueberfahrt, entweder nach England, wo ich viele Verbindungen habe...« »Ihr in England?« »Ja;’k er nach Spanien, wo ich noch mehr habe.«« ,,Wen« Jhr Porthos in die Berbanming führt, richtet Jhr ihn zn Grunde, denn der König wird seine Güter consisciren.«" .,,Eg ist für Alles vorhergefeheii. Einmal in Spa- nien, vermag ich mich mit Ludwig X1v. ansznsöhnen Und Porthoe wieder in Gnade zu bringen.«« »Jl)r habt Credit, wie ich sehe, Aramie,«· sagte Aihos mit einer disereten Miene. »Viel, und er steht meinen Freunden zu Dienst, Freund Athos.«« Diese Worte wurden von einem aufrichtigen Hände- druck begleitet. »Ich danke Ench,«« sprach der Graf. »Weil wir einmal hiebei sind.» Jhr seid auch ein Unzufriedener,"« sagte Aramis,»Ihr auch, Raoul auch, Ihr habt Beschwerden gegen den König. Ahmt unser Beispiel nach. Kommt nach Belie-Jsle, dann werden wir sehen. Jch garantire Euch bei meiner Ehre, daß in einem Monat der Krieg zwischen Frankreich und Spanien in Beziehung auf diesen Sohn von Ludwig Xlll. ausgebrochen ist, der, auch ein Jnfant, unmensch- lich von Frankreich gefangen gehalten wird. Und da Ludwig le. nicht einen Krieg aus diesem Grunde wollen wird, so verbürge ich Euch einen Vergleich- dessen Resultat Porihos und mir die Grandenwürde und Euch, der Jhr schon Grand von Spanien seid, ein Her- zogihutn in Frankreich geben soll. Wollt Jhr?-i »Nein; ich wisll lieber dem König etwas vorzu- wersen haben; es ist ein meinem Geschlechte natürlicher Stolz, daß es nach einem Vorzug vor den königlichen Geschlechtern trachtet. Thäie ich, was Jhr mir vor- schlkgt, so würde ich dem König zn Dank verpflichtet; ich würde dabei sicherlich auf dieser Welt gewinnen, aber ich verlöre»in meinem Gewissen. Und so danke— ich Euch.«·» »So gebt« mir zwei Dinge Athos: Abso- luiion.«·«- ,,Oh! ich gebe sie Euch- wenn Jhr— irklich den Schwachen und den Unter-drückten an dem Unterdrücker rächen wolltet« Id-— »»Das genügt mir,« erwiederte Aramis mit einer Röthe, die sich-in der Nacht verlor.»Und nun gebt mir Eure zwei besten Pferde, daß ich die zweite Post i -«-.-s«-·.e- sog-n YHUAU o p- im—, w- .- vs sei-s ais-Um- erreichen kann, da man mir solche unter dem Vorwand einer Reise verweigerte, welche Herr von Beaufort in dieser Gegend machen soll-«- «»Ihr sollt meine besten Pferde bekommen, Aramis, und ich empfehle Euch Porthos.«- »Oh! seid unbesorgt. Noch ein Wort: Findet Ihr, daß ich für ihn zu Werke gehe, wie es sich ge- ziemt?«« »Da das Uebel einmal gescheheii ist, ja, denn der König würde ihm nicht vergebens, und dann habt Jhr immer, was er auch sagen mag, eine Stütze in Herrn Fouquet- welcher Eiich nicht verlassen wird, da er trotz seines heldenmüthigen Zuges sehr compromittrt ist.« »Ihr habt Rechxt Daruni bleibe ich, statt sogleich auf die See zugehen, wodurch ich meine Furcht erklä- ren und mich älgs Wsig bekennen würde, auf dem französischen Boden. Doch Belle-Jsle wird, für mich de Boden sein, wie ich ihn gerade haben will, der eng- lische, der spanische oder der römische; das Ganze be- steht für mich in der Flagge, die ich aufstecken werde.« »Wie so?« »Ich habe Velle-Jsle befestigt, und Niemand wird Belie-Jsle nehmen, wenn ich es vertheidige. Und danii ist, wie Jhr so eben gesagt habt, Herr Fouquet da. Man wird Belle-Jsle nicht ohne die Unterschrift von Herr Fouquet augreisen.«« »Das ist richtig, nichtsdestoweniger seid vorsichtig. Der König ist schlau und er ist stark. Aramis lächelte.. »Ich exkpsehle Euch Porthos ,« wiederholte der Gras mit ein««Art von kalten Dringlichkeit. ,,Graf,"’..rwiederte Aramis mit demselben Tone, »was aus mir werden wird, das wird auch aus unse- rem Bruder Porthos werden« Athos verbeugte sich, drückte Aramis die Hand, und umarmte dann Portbos voll Jnnigkeii. »Nicht wahr,- ich bitt glücklich geborett?«l sagie Ell dieser entzückt, während er sich in seinen Mantel hüllte. b »Kommt, meiii Liebster,««srief Aramis. ·. se . Raoul war vorangegangen, um Befehle zu geben fis d; nnd die Pferde satteln zu lassen.« Schon hatte sich die Gruppe getheilt. Aihos sah-» a seine zwei Freunde auf dem Punkte, wegzureiten; etwas" di wie eiii Nebel zog vor seinen Augen vorüber und lastete ,,«.U aufseinem Herzen., 3 »Es ist seltsam,« dachte er. ,,Woher kommt es,"—,Z n daß ich so große erst habe, Porthos noch einmal zu. I f« umarmen?-«".»j-—. Porthos hatte sich gerade umgedreht, nnd er kam ,·.«·-. H mit offenen Armen aus seinen alt Freund zu. H DE Dieses letzte Umfangen, wie in der g Zugestle wik ginåen Zeiten«« erz warm" as e en g ü.»",-. f e Porthos stieg zu Ærde. Aramis kam auch th, s. um seiner-Arme noch-einmal um den Hals von Athos« zu schlingen."« I- i Dieser Letztere sah sie auf der Landskraße sich-tn1Schat- ten mit ihren weißen Mänteln verlängern. Zwei Ge-« h spenstern ähnlich wuchsen sie sich»von der Ekde entfer- k;(- nend, und sie verloreit sich nicht im Nebel, nicht auf"« I; dein Abhange desBodiitisL Am Ende der Perspeetive F schienen sie sich Beide mit demsFuße einen Schwung gegeben zu habe:1, der sie verdunsiet in den Wolkeir« verschwinden machte. · »Da kehrte Athos mit gepreßteiit Herzen nach sei- s nem Hause zurück, und sprach zu Bragelunnn x ,,-Raoul, irgend Etwas sagt MUÆ habe diese i zwei Männer zum letzten Male gesehems »Es wundert mich nicht, daß Jhr das denkt, mein.«; Herr ,« eriviederte der junge Mann-»denn ich habe in diesem Augenblick auch den Gedanken, daß ich die Herren; du Balloii und d’Herblay nie mehr sehen werdeJl »Oh! Ihn-« versetzte der Graf-»Ihr sprecht wie ein aus einer andern Ursache betrübier Mensch;»Ihr seht« Alles schwarz-; doch Jhr seid jung, nnd wenn es Euch begegnet, daf; Jhr diese zwei alten Freunde nicht mehr seht, so werden sie nicht mehr auf der Welt sein, ans der Jhr noch viele Jahre zuzubringen habt. Aber ich..«« Raortl schüttelte sanft den Kopf und lehnte sich « nuf«die Schulter des Grafen, ohne daß der etne oder der andere vo11 ihnen mehr ein Wort in ihrem, Zum MUeberströinsen vollen Herzen fand. Plö lich erregte ein Lärm voit Pferden und Stim- men-, 1 Ende der Straße nach Blois, ihre Aufmerk- famke«« attf dieser Seite.» -««« Fackelträaer zu Pferde stießen heiter’ ihre Fl'a111- sein den Bäumen der Straße ab und wandten sich GoleZXZeit zu Zeit um, um ch nicht zu weit vou den Reitern, die ihnen folgten- n entfernen· Diese Fackelti, dieses Gersicsch, dieser Stank vmi einem Dutzend reichgesrhirrter Pferde bildeten«», nenselt- samen Contrast mitten in de«r Nacht mit dem« tcmpfen, · unheimlichen Bei-schwinden der zwei Schatteit voii Por- thos und Avaniio". Aiho«s kehrte nach seinem Haiise zurück, doch er hatte seine Schwelle noch nicht erreicht, als sich das Eingangogitter zu entflammen schiert; alle diese-Fackeln hielten an und überströmtnten die Straße mit ihrem Feiierx Ein Ruf erscholl:. »Der Herr Herzog von Beaufortl«« Und- Athoz stürzte nach der Thüre.. Schon war der Herzog vom Pferde gestiegen und suchte mit seinen Augen urn tichÆer. »Hier bin ich, Monseignenr,« sprach Athos. »Ei! guten Abend, lieber Graf,«« erwiederte der Priiiz mit jener offenen Jnnigkeit, die ihm alle Herzen gewann.»Ist es zu spät für einen Freund?«« »Ach! mein Pri11z, tretet ein-« sagte der Graf. Herr von Beaufortstützte sich aus den Arm von c 8« Aihos, und sie traten in das Haus, gefolgt von Raoul, der ehrerbietig und bescheiden unter den Offieieren des Prinzen ging, unter denen er mehrere Freuiide zählte. li. Herr von Deuufort. Der Prinz wandte sich in dein Augenblick uni, wo Raoux, utn ihn mit Athoo allein zu lassen, die Thüre fchloß«· und sich anschickte, mit den Ofsicieren in ein afnstoße«n8f"e«s. Ziminer zu gehen. «.,,Dag ist der junge Mann, den ich Voni Herrn Prinzen habe so sehr rühmen hören?«;fragie Herr von Beaufort.« ·-:. »Er ist es, j"a«, Monseigneur.««- »Er ist Soldat und nicht zu viel, behaltet ihn. hier, Graf.«««, «Bieibt,Raoul- da Monseigneur es erlaubt-' sagte Athos.— »Er ist nun groß und fchöit, bei meiner Treue!« fuhr der Herzog fort.»Werdet Jhr ihn mir geben, wenn ich ihn von Euch verlange?««» »Wie versteht Jhr das, Monseigneur?-« fragte: Athog-— »Ja, ich komme hierher, um von Euch Abschied zu nehmen.««" —,,Abschied, Monseigneur?« ·»Ja, wahrhaftig. Habt Ihr keine Idee, was aus, mir werden foll.«« · ges-e Mr,..«..- «-..-e..- ul,»Was Jhr immer gewesen«seid, Monseigneur, ein ses tapferer Prinz, ein Vortrefflic)er Edelmann.« te.»Ich werde ein asricanischer Fürst, ein beduinischer Edelmann werden. Der Köiiig schickt mich ab, um Er- oberungen unter den Arabern zik machen.« »Was sagt Jhr da, Monseigneur?« »Nicht wahr, das ist seltsam? Jch, der wesentliche Pariser, ich, der ich über die Vorstädte regiert habe, und deii man den Kotiig der Hallen nannte, gehe von der Place Maubert zu den Minarets von Gigelliz ich — werde vom Frondeur Abentenrer.« N t t»Oh! Monseigneur, wenn Jhr mir nicht das sag- «" e. -» ·»So wäre es nicht glaublich, nicht wahr? Glaubt s- · mir jedoch und sageti wir einander Lebewohl. Das heißt )o wieder in Gunst kotnn1e11.'« re»Jn Gunst?« in.»»Ja.««Jhr lächelt? Oh! mein theurer Graf, wißt « Ihr, warum ich angenommen habe. Wißt Jhr es n wohl?««" n»Weil Eure Hoheit deii Rubin Vor Alleiit liebt« v»Oh! seht Ihr-, es ist nichts Rühmliches, mit der Muskete auf die Wilden zu feuern. Den Ruhni hole n ich mir nicht dort, es ist wahrscheinlichen daß ich etwas Anderes daselbst finden werde... Aber versteht Jhr te wohl, es war und ist meiit Wille, daß mein Leben -- diese letzte Facette nach den tausend Spiegelungen be-« « J· kommen sollte, die ich mir habe seit fünfzig Jahren macheii t, sehen. Denn Jhr werdet zugestehen, es ist ziemlich selt- , sam, als Königssohn geboren zu sein, mit Königen "e Krieg geführt, unter die Mächte des Jahrhunderts- ge- »- zählt, seinen Rang gut behauptet zu haben, die Merk- .male seiner Abstammung voti Heinrich lv an sich zu tragen, Großadmiral von Frankreich zu sein und sich . in Gigelli, unter allen diesen Türken, Saracenen und z’« Mauren tödten zu lassen.«« — ,,Monseigneur, Jhr verharrt selisani bei diesem 10 Gegenstand,«« erwiederte Athos beunruhigt.»Wie kommt Jhr auf die Vermuihung, ein so glänzendes Geschick werde sich unter diesem elenden sLöschhorn ver- lieren?«« »GlaubtJhr als eiu gerechter und schlichter Mann, wenn ich aus diesem lächerlichetk Grunde nach Africa gehe, werde ich nicht, ohne mich lächerlich zu machen- daraus hervorzutreten suchen? Jch werde nicht von mir sprechen machen? Habe ich, um von mir heute spreche11 zu machen, heute, da es den Herrn Print- zen, Herrn von Tureune und mehrere Andere von meinen Zeitgenossen gibt, habe" ich, der Admiral voii Frankreich, etwas Anderes zu thun- als mich tödten zu lassen? Bei Gott! man wird davoii sprechen, sage ich Euch- ich werde gegeii und wider Alles getödtet wer- den. Geschieht es nicht dort, so wird es andersivo sein-« »Ah! Monseigneur,«« erwiederte Athos,»das ist Uebertreibung, und diese habt Jhr nur in der Tapfer- keit an den Tag gelegt.«« »Teufell lieber Freund, es ist Tapferkeit, zum Scharbock, zurrothen Ruhr, zu den Heuschrecken, zu den vergifteten Pfeilen zu gehen, wie mein Ahnherr- der heilige Ludwig. Wißt Jhr, daß diese Bursche noch vergiftete Pfeile haben? Und dann, Jhr kennt mich, ich denke seit geraume-r Zeit darau, und Jhr wißt, wenn ich eine Sache will, so will ich sie ganz und gars- »Ihr habt aus Vineeunes heraus wollen, Mon- seigneur.«« »Oh! hierbei seid Ihr mir beigestanden, Meisterz doch bei dieser Gelegenheit, ich wende mich um und um- ohne meinen alteit Freund, Herrtt Baugrimaud, zu er- blicken. Wie geht es ihm?« »Herr Baugrimaud ist immer noch der unterthänige Diener Eurer Hoheit,«« erwiederte Athos lächel11d. «»Jch habe hier hundert Pistolen für ihn, die ich Egs fLegat mitbringe. Mein Testament ist gemacht- ra.« « fid- EIN iie IV- In kn k- b It --»«--.«s:-..«s-««-— 11 »Ah! theitl Hoheit!'«« »Und Ihr begreift, wenn man Grimaud in meinem Testament fände...«’ Der Herzog lachte; dann wandte er sic) an Raoul, der seit demAnfange des Gespräches in eine tiefe Tran- inerei versunken war, nnd sagte: »Junger Manti, ich kenne hier einen gewissen Weist voti Bonvray, glaube ich...« Naonl ging hastig hinaus, um deti Herzog bedie- nen zu lassen; während dieser Zeit nahm Herr voi! Beaufort Aihos bei der Haiid und fragte: »Was wollt Jhr aus ihm machen?«« »Nichts für den Augenblick, Monseignenr.« »Ah! ja ich weiß; fett der Leidenschaft des Köriigs für... la Valliöre.«’ .»Ja, Monfeigneur.« »Es ist also dies Alles wahr?..« Jch glaube, id) habe sie gekannt, diese kleine la Vailiåre. Sie ist nicht schön, wie mir fcheiiit...« ,,Nei11, Monseigneur.« »Wißt Ihr, an wen sie mich erinnert?« »Sie erinnert Eure Hoheit an Jemand W »Sie erinnert mich aii ein ziemlich angenehmes Mädche11, desseii Mutter in den Hallen ivohnte." »Ah! ah!-« machte Athos lächelnd. »Die gute Zeiti«« fügte Herr von Beaufort bei. »Ja, la Valliåre erinnert mich an dieses Mädcheii.«« »Das einen Sohn hatte, nicht wahr?« »Ich glaube, ja,« erwiederte der Herzog- mit einer forglofeii Naivetät, mit einem freundlichen Bergesseii, bessert Ton und vocaien Werth nichts zu übersetzen ver- Möchte. ,,Nu11, der arme Raotil da, er ist wohl Euer Sohn, wie?« »Er ist mein Sohn, ja, Hoheit.«i »Der arme Juiige wird vom Kökiig ansgestocheii, und inan fchmollt ihni?« »Noch etwas. Besseres als das, Mon«seigneur, man enthält sich.«« »Ihr werdet diesen Jungen ver-sauern lassen, das ist ein Unrecht. Hör-et, gebt ihn mir.« »Ich will ihn behalten, Monseigneur. Jch habe nnlrl noch ihn auf der Welt, und so lange er bleiben wi...«- »Gut! gut!- rief der Herzog.»Ich hätte ihn Euch jedoch bald iviederhergestellt und zurecht gerichtet. Jch Versichere Euch, er ist ans einem Teige gemacht- aus dem man die Marschälle von Frankreich macht, und ich habe mehr als einen aus einem ähnlichen Stoffe hervorgehen sehen.« »Das ift möglich, Monseigneur, doch der König machtsdie Marschälle von Frankreich, und nie wird Raoul etwas vom König annehmen.«««« Raoul unterbrach dieses Gespräch durch seine Rück- kehr. Er ging Grimaud voran, dessen noch sichere Hände eine Platte mit einem Becher und einer Flasche vom Lieblingsweine des Herrn Herzogs trugen. Als er seinen alten Günstling sah, gab der Herzog « einen Ausruf der-Freude von sich und sagte: es? Nicht minder glücklich, als sein edler— Gönner- machte der Diener eine tiefe Verbeugung- »Zwei Freundelli sagte der Herzog, kräftig den ehr- lichen Grimaud bei der Schulter schüttelnd. Eine zweite noch tiefere und· noch freudigere Ber- beugnng von Grimaud. »Was sehe ich da, Graf, ein einziger Becher!«« »Ich trinke nur mit Eurer Hoheit- wenn Monseig- neur mich einladet,-« erwiederte Athos mit einer edlen Bescheidenheit. »Bei Gott! Jhr habt Recht, daß Jhr nur einen Becher bringen ließet, wir werden Beide daraus trin- ken, wie zwei Waffenbrüder. Jhr zuerst, Graf.«« e ,,Grimand! Guten Abend, Grimaud, wie geht» wes- miä 18 Um»Habt die Gnade,- erwiederteAthos, indem er den Becher sanft zurückschob.. mz»Ihr seid ein reizender Freund,« sprach der Herzog. Und er trank und reichte dann den goldenen Becher jbe seinem Gefährten-«Doch das ist nicht Alles,«« fuhr zen er fort,»ich habe noch Durst, nnd will dem hübscheii Jungen, der dort steht, Ehre erweisen. Jch bringe »k» Glück, Bicomte,« sagte er zu Raoul, ,,wünscht Euch zei« etwas, während Ihr aus meinem Glase trinkt, und die W Pest soll mich ersticken, wenn das, was Jhr wünscht, znd nicht in Erfüllutig geht« .ffc Er reichte den Becher Raoul, hastig befeuchtete dieser seine Lippeii und sagte dann mit derselben Hast: 1ig»Ich habe mir etwas gewünscht, Monseigneur-« iij Seine Augen glänzten von einem düstern Feuer. - Das Blut war ihm zu den Wangen gestiegen; er er- .- schreckte Athos nur durch sein Lächeln. we»Und was habt Jbr Eukl) gewünscht?« fragte der m Herzog, während er sich sachte in einen Lehnstuhl setzte, mit einer Hand Grimaud die Flasche und eine Börse og darbot- ,,il)ionseignenr, wollt Jhr mir versprechen, daß Ihr zht mir das bewilligt, was ich mir gewünscht habe?'« ,.»Bei Gottl ich habe es gesagt.« »E,»Herr Herzog, ich habe mir gewüiischt, mit Euch nach Gigelli ziehen zu dürse11.«' sp- Athos erbleichte, nnd es gelang ihtn nicht, seine Bangigkeit zu verbergen.. kr, Der Herzog schaute seinen Freund an, als wollte er ihm diesen unvorbergesehenen Schlag pariren helfen. »Das ist schwierig, mein lieber Vicomte... sehr g- schwierig-« fügte er ein wenig leise bei. en»Verzeiht, Monseigiieur, ich bin unbescheiden ge- s lvesen,«« sagte Raoul mit fester Stimme,»doch da Ihr M» Mich selbst auffordertet, zu wünschen...« n, J»Zu wünschen, mich zu verlassen...« sielAthos ein« I-»Ah! mein Herr..- köniit Ihr das glaubenl«« »Ei! beim Gewitter!« rief der Herzog, ,,er hat Recht, der kleine Vicomtel was soll er hier machen? Er wird vor Ktimmer versanlen1«« Raoul erröihztez der Prinz snhr voll Leidenschaft », spri:. »Der Krieg ist eine Zerstöriingz man gewinnt da- bei Alles, man verliert dabei nur Eines: das Leben, das ist dann schlimm-« »Das heißt das Gedächtniß,«« entgegneie lebhaft Raoul,»das ist dann gut.«" Er bereute,," so rasch gesprochen zu haben, als er Athos ausstehen nnd das Fenster öffnete sah. Diese Geberde verbarg ohne Zweifel eine Gemiiths- erschütterung. Raoul stiirzhefssauf den Grafen zu. Doch Aihos hatte sein Leid s«chd«n verschlnn en, denn er er- schien wieder bei den Lichtern mit einem heitern und nnempfindlichen Gesicht. ,,Nuni-« sprach der Herzog,»laßt hören, geht er, oder geht er nicht? Geist er, Gras, so soll er mein Adjudant, mein Sohn sein.« ,,«Monseigneur!« rief Raoul das Knie beugend. ,,Ho"heit,-- rief der Gras, indem-er die Hand des Herzogs ergriff,»Raoul wird thun, was er will.« »Oh! nein, mein Herr, was Jhr wollt-« unter- brach ihn der junge Mann. ,,Beim blaueti Gewitterl« rief der Prinz,»weder der Gras, noch der Bicomte wird nach seinem Willen thun; ich werde nach dem meinigen handelnnnd nehiiie. ihn mit; Die Marine ist eine herrliche Zukunft, mein Freund.«« Raoul lächelte abermal so traurig, daß diesmal das Herz von Athos blutete, und daß ihn dieser mit einem strengen Blick anschaute. «Raoul begriff Alles; er geioanii wieder seine Ruhe und war-so vorsichtig, daß ihnx kein Wort mehr ent- schlüpfte. i-« it ? l- l- ft ch k- V- in er en ne ist al iit he it- t) j- Der Herzog, als er sah, daß die Stunde Vorge- rückt war, stand auf nnd sagte rasch: »Ich habe Eile, doch wollte man mir vor-werfen, daß ich die Zeit durch Plaudern mit einem Freunde verloren, so würde ich antworten, ich habe einen gnten Rekruten gemacht.« »Verzeiht, Herr Herzog,« entgegnete Naonl, ,,sagt das nicht dem Köiiig, denn dem König werde ich nicht dienen.«— »Ei! mein Freund, wem wirst Du demt dienen? Es ist nicht mehr die Zeit, wo Dir hättest sageki kön- nen: Jeh gehöre Herrn Von Benufort. Nei11, heute gehören wir Alle, Klein und Groß, deni König; darum, wenn Du auf meinem Schiffe dienst, keine Zweideutig- keit, mein lieber Vieomte, Du wirst wohl dein König dienen."« Athos erwartete mit einer Art von Ungeduld die Antwort, welche anf diese peinliche Frage— Raoul, der nnlenkfame Feind, der Nebenbuhler des Königs, geben würde. Der Vatei- hoffte, das Hinderniß würde den Wuiifch zu Nichte machen. Er dankte beinahe Herrn von Beanfort,; dessen Leichtsinn oder dessen edelmüthiges Ueberlegen die'" Abreise seines Sohnes, seiner einzigen Freude, in Zweifel gestellt hatte. Doch immer fest nnd ruhig, erwiederte Raonl: »Herr Herzog, die Einwendung, die Jhr mir ge- macht, habe ich schon in meinem Geiste gelöst. Jch werde anf Euren Schiffeii dienen, da Jhr mich gnädigst mittiehmen wollt, doch ich werde einem Herrn, der mäch- tiger ist, als der König, ich werde Gott dienen-« »Gott! wie so?« fragten gleichzeitig Athos und der Prinz. »Es ist meine Absicht- das Gelübde abzulegen nnd Maltefer Ritter zu werden-«« antwortete Bragelonne, der eines uni das andere dieser Worte falle-I ließ, welche eisiger, als die Tropfen, die von den schwarzen Bäumen nach den Winterstüriiien herabträufen. 16» Unter diesem letzten Schlage wankte Athos, und, g der Prinz selbst war davon erschüttert. kl Grimaud stieß einen dumper Seufzer aus und« ließ die Flasche fallen, doch diese zerbrach auf dem Tep- pich, ohne daß Jemand darauf merkte. l d- Herr von Beaufort schaute dem jungen Mann ins S Gesicht und las in seinen Zügen, obschon er die Augen. z- niedergeschlagen hatte, das Feuer eines Entschlusses, d· vor dem Alles weichen mußte., I. Z Athos kannte diese zarte und zugleich unbeugsame;. h« Seele; es war nicht seine Absicht, sie von dem verhäng- H nißvollen Wege abzulenken, den sie sich gewählt hatte. · Er drückte die Hand, die ihm der Herzog reichte. ,,Graf, ich reife in zwei Tagen nach Toulons ab,« sagte Herr von Beaufort.»Werdet Jhr mich in Paris- anffuchen, damit ich Euren Entschluß ersahre?« »Ich werde die Ehre haben, Euch dort für alle ( s. Eure Güte zu danken, mein Prinz,«« erwiederte der ve Grase z; »Und bringt mir immerhin den Bicomte mit, mag hz er mir folgen oder nicht folgen,« fügte der Herzog bei,« D ,,er hat mein Wort, und ich verlange von ihm nur das« fu Eurige.««« da Nachdeni er so ein wenig Balsam auf die Wunde dieses väterlichen Herzens geworfen, zupste der Herzog Grimaud, der mehr, als es natürlic) ist, mit den Augen m- blinzelte, beim Ohr, und kehrte dann zu seinem Gefolge- stc zurück, das ihn vor dem Hause beim Blumenbeet er- F- S wartete., z w Ausgeruht und erfrischt durch diese schöne Nacht, f ve legten die Pferde bald den Raurii zwischen dem Schlosse« ist und ihrem Herrn zurück. Athos und Bragelonne be- f se« fanden sich wieder allein beisammen. Es schlug eilf Uhr. Der Vater und der Sohn sbehaupteten einander gegenüber ein Stillschweigen, in welchem jeder verstän- · sa· dige Beobachter Schreie und Schluchzen errathen hättei. ·» -.-—k --. D- 17 Aber diese zwei Mäiiner waren Voii einem so fest geschmiedeten Charakter, daß jede Gemüthsbewegung in ihnen auf immer verloreii versank, wenn sie dieselbe in ihrem Herzen niederzndrücken beschlossen hatten. Sie brachten· also schweigsam und beinahe keuchend die Stunde zu-, welche Mitternacht vorhergeht. Der Schlag der Uhr bezeichnete ihnen erst, wie viele Minu- ten diese schmerzliche Reife gedauert, die ihre Seelen in der Unermeßlichkeit der Erinnerungen an vergangene Feitten und der Befürchtuiigen für die Zukunft gemacht sat en· Athos staiid zuerst auf und sagte: »Es ist spät, Raoul.« Morgen.«- Raoul stand ebenfalls aufund umarmte seinen Vater. Dieser hielt ihn an seiner Brust zurück und« sprach mit bebender Stimme- ,,Jn zwei Tagen werdet Jhr mich also für immer verlassen haben, Raonl!«. »Mein Herr,«« erwiederte der junge Mann-»ich hatte einen Plaii gefaßt, den, mir das Herz mit meinem » Degen zn durchbohren- doch Jhr würdet mich feige ge- l k. l funden haben; ich habe auf diese-n Plan verzichtet, und dann mußten wir uns verlassen.«« »Ihr verlaßt mich, indem Jhr geht- Raoul!« »Höret mich an, Herr, ich bitte Euch. Wenn ich nicht reise, so werde ich hier Vor Schmerz und Liebe sterben. Jch weiß, wie viel Zeitich noch so zu leben habe. SchicktFniich rasch von hinne11, mein Herr, oder Jhr werdet«mich feige unter Euren Augen, in Eurem Hause verscheideii sehen; das ist stärker, als mein Wille, das ist stärker, als meine Kräfte; Jhr seht wohl, daß ich seit einem Monat dreißig Jahre gelebt habe, und daß ich am Ende meines Lebens bin.« »So geht Jhr,- sprach Athos"kalt,»so geht Jhr mit der Absicht, Euch in Afrika tödten zu lassen. Oh! sagt es... lügt uicht.« Die drei Mustetlere. Btagelonne. x- 2 Raoul erbleichte und schwieg zwei Secunden, welche für seinen Vater zwei Stunden des Todeskampfes wa- ren; dann sprach er plötzlich: -»Mein Herr, ich habe gelobt, mich Gott zu weihen- Jm Austausch für das Opfer, das ich ihm mit meiner Jugend und mit meiner Freiheit bringe, verlange ich nur Eines von ihm: er möge mich für Euch erhalten, da Jhr das einzige Band seid, welches mich noch an die Welt fesselt. Gott allein kann mir die Kraft geben, daß ich nick)t vergesse, tch set Euch Alles schuldig,’und Nichts dürfe mir Eixch vorgehen.«« Athos umarmte zärtlich seinen Sohii und sprach dann:- »Eure Erwiederung ist das Wort eines redlichen Mannes; in zwei Tagen sind wir bei Herrin von Beau- fort tn Paris, und Jhr werdet dann thun, was Euch zu thun zusagen mag. Jhr seid frei, Raoitlt Gott be- fohlen1«« Raoul ging allein in den Garten hinab, wo er die . Nacht in der Lindenallee zubrachte. tu.«. Zakx tetzte Abschied C- Aihos verlor die Zeit nicht mehr mit Bekämpfnng. dieses unerfchütterlichen Entschlusses, er Verwandte seine ganze Svkge daka11f, daß er während der zwei Tage,- die ihn: der Herzog bewilligt hatte, die Equipage von Raoul»zurusten ließ. Diese Arbeit war Sache des gu- ten Grimaud, der sogleich mit seinem ganzen uns wohl- s ) sei-s l VII-so 77 .- : he a- cl« n- )ie en U- Ich Ie- US ne Je- on u- ic- 19 bekannten Herzen und Verstande daran ging. Aibos ertheilte diesein würdigen Diener den Befehl, sich auf den Weg nach Paris zu begeben, sobald die Equipagen bereit wären, und um sich nicht der Unannehnilichkeit auckznsetzen, den Herzog warten zu lassen oder wenig- stens Raotil in Verzug zri bringen, sollte der Herzog seine Abwesenheit bemerken, brach er schon ani andern Tage nach dem Besuche von Herrn von Beausort selbst mit seinem Sohne nach Paris auf. Es war, wie sich leicht begreifen läßt, für den jungen Mann eine heftige Gemüthgerschiitteruiig, diese Rückkehr nach Paris, mitten unter alle die Leute, die ihn gekannt und geliebt hatten. Jedes Gesicht erinnerte denjenigen, welcher so viel gelitten, an ein Leiden, den, welcher so sehr geliebt, an einen Umstand seiner Liebe. Raoul, indem er sich Paris näherte, fühlte sich sterben. Sobald er in Paris war, eristirie er wirklich nicht mehr. Als er zu Guiche kam, erklärte man ihtn, Herr von Guiche sei bei Monsieur. Raoul schlug den Weg nach dem Luxeinbourg ein, und nachderii er hier angelangt, ohne daß er vermuthet hatte, er begebe sich an einen Ort, wo la Valliere ge- lebt- hörte er so viele Musiken, athniete er so viele Wohlgerüche ein, vernahni er so vielheitereo Gelächter- sah er so viele tanzende Schatten, daß er ohne eine. mildherzigeFrau, die ihn düster und bleich unter einem Thürvorhange gewahrte, einige Augenblicke hier geblie- ben und dann weggegangen wäre, ohne je wiederzu- kommen.« Doch wie gesagt, in den ersten Vorzimmern war er stehen geblieben, einzig und allein, um sich nicht unter alle diese glücklichen Existenzen zu mischen, die er in den anstoßenden Zimmern sich bewegen fühlte. Und als ihn ein Kannnerdiener von Monsieur er- kannte und fragte, ob er Monsietrr und Madanie zu sehen wünsche, da antwortete ihin Raoril kaum, sank Im 20 aus eine Bank bei dem sammetenen Thürvorhang, nnd schaute nach einer Uhr- welche seit einer Stunde stehen geblieben war. Der Kammerdiener war weggegangen, nnd es kam ein Anderer, der, besser unterrichtet, Raoul fragte, ob er wünsche, daß man Herrn von Guiche benachrichtige. Dieser Name erregte die Aufmerksamkeit des armen Raoul, und der Diener, der bei ihni verweilte, erzählte- Herr von Guiche habe ein neues Lotteriespiel erfunden und lehre dasselbe die Damen.- Raoul riß die Augen weit auf, wie der Zerstreute voii Theophrast, nnd antwortete eben so wenig, doch seine Traurigkeit· vermehrte sich noch durch neue Nuancen. Den Kopf zurückgeworfen, die Beine schlaff, den Mund ein wenig geöffnet, um die Seufzer durchznlas- sen, blieb Raoul in diesem Vorzimmer vergessen, als plötzlich ein Kleid an den Thüren eines Seitengemaches, das auf diese Gallerie führte, hinrauschte. Eine heitere, hübsche junge Frau, die einen Hos- beamten vom Dienste augschalt, kam von dieser Seite-I und drückte sich mit großer Lebhastigkeit aus«. Der Hofbeamte antwortete mit ruhigen, aber festen-I Phrasen: es war mehr ein Streit von Liebenden,-al"s«, ein Hader von Hofleuten, der mit einem Kuß auf die Finger der Dame endigte.". Plötzlich, ais sieRaoul erblickte, schwieg dieDaniie,-« dann schob sie den Hofbeamten zurück und sagte zn ihmk· »Entflieht- Malicorne, ich dachte nicht, es wäre Jemand hier. Jch verflnche Euch, wenn man uns· ge- hört oder gesehen hatl«- Maltcorne entfloh in der That; die junge Dame trat nahe hinter Raoul, verzog den Mund mit einem heitereii Wesen und sagte: · f»Der Herr ist ein galanter Mann, und ohne Zweifel...« Doch erröthend unterbrach sie sich mit dem Ausruf:" Axt-d vgsnses Q-( s- n »O H« (-6v I·-so III O w sk- ts- Ic n usw« 21 »Raouli« »Fräulein von Montalais,« sagte Raoul, bleicher als der Tod. Er siand auf und wollte über das schlüpf- rige Mosaik hinlaufen, aber sie hatte diesen wilden, grausamen Schmerz begriffen, sie fühlte, daß in der Flucht von Raoul eine Anklage oder wenigstens ein Verdacht gege11 sie lag. Eirte immer wachsame FraIc, glaubte sie die Gelegenheit zu einer Rechtfertigung nicht vorübergehen lassen zu diirfe11; doch mitten in der Gallerie durch sie zurückgehalten, schien sich Raoul nicht ohiie Kampf ergeben zu wollen. Er begegnete ihr mit einem so kalten und verle- genen Ton, daß wenn die Eine oder der Andere so er- tappt worden wäre, der ganze Hof keinen Zweifel mehr über den Schritt Von Fräulein Montalaig gehabt hätte- »Al)l mein Herr,-« sagte sie mitVerachtnng,»was Ihr thut, ist eines Edelmanns nicht würdig. Mein Herz zieht mich hin, mit Euch zu spreche-t, Jhr verletzt mich durch einen beinahe unhöfliehen Empfang. Ihr habt Unrecht, und Ihr vermengt Erire Feinde mit Euern Freunden. Gott befohlen t«- Raoul hatte sich geschworen- nie von Louise zu sprechen, nie diejenigen anzuschauen, welche Lonise hät- ten sehen können; er ging in eine andere Welt, um dort nichts zu treffen, was Louise gesehen, nichts, was sie berührt. Aber nach dem ersten Aufall seines Stol- zes, nachdem er Montalaig, diese Gefährtin voii Louise, erblickt, die ihn an das Thürmchen von Bloie und die Freuden seiner Jugend erinnerte, da verschwand seine ganze Vernunft und er erwiederte: »Verzeiht, mein Fräulein, es kann mir nicht ein- sallen, unhöflich zu sein.« »Ihr wollt mit mir sprechen?,« versetzte sie mit dem Lächeln von einst.»Wohl! so kommt andere-wohin- hier könnten ivir überrascht werden.« »Wohin?« fragte er. Sie schaute unentschlossen ans die Uhr nnd ani- wortete nach einiger Ueberlegungx »Ja mir; wir haben eine Stunde für unSJi Und sie lief leichter als ein Fee weg und stieg die kaeppe zu ihrem Zimmer hinauf, wohiii ihr Naoitl o gie.» Hier schloß sie ihre Thüre, übergab ihrer Kammer- frau die Maiite, welche sie bis jetzt unter dem Arm ge- halteii hatte, und sagte zu Raoul: »Ihr sucht Herrn von Guiche?« »Ja, mein Fräulein.'« ,,Sobald ich mit Euch gesprochen habe, werde ich ihn bitten, herauf zn kommen.«« «Thut das, mein Fräulein.-« »Grollt Jhr mir?« Raoul schaute sie einen Momeitt an, schlug dann die Augen nieder und antwortete:- »Ja, mein Fräulein.« »Ihr glaubt, ich habe bei dem Komviott Eures Brnches Theil gehabt.««, »Bruch!« entgegnete er voll Bitterkeit.»Oh! mein Fräulein, es gibt keinen Bruch da, wo nie eine Liebe bestanden hat«- ,,Jrrthun1,«« erwiederte Montalais, ,,Lonise liebte Euch·-- Raonl bebte. »Nicht mitLiebe, ich weiß es, doch sie liebte Euch- und Jhr hättet sie heirathen sollen, ehe Jhr nach Lon- don gereist seid.« Raoul schlug ein unheimliches Gelächtersa11f, das Montalais schauern machte- »Jhr sagt mir das sehr nach Eurein Gefallen,.f« mein Fräuleinl Heirathet man die, welche man will? Ihr vergeßt, daß der König schon für sich seine Ge-« liebte behielt, von der wir spre-chen.«« ,,Höret,«« erwiederie die junge Frau, die kalten Hände von Raoul in den ihrigen drückend,-,,Jh«r habt w. te tl k- e- ch as kn,. se- en bt 23 alles Unrecht gehabt: eiti Mann von Eureni Alter muß eine Frau von dem ihrigen nicht allein lassen.«« »Dann ist keine Treue mel)r auf der Welt« »Nein, Vicoiute,« erwiederte Montalais ruhig. »Doch ich muß Euch sagen, daß, wenn Ihr, statt Louife kalt und philosophisch zu lieben, sie zur Liebe erweckt hättet...« »Genug, ich bitte Euch, mein Fräulein; ich fühle daß Jhr Alle aus einein andern Jahrhundert seid, als ich. Jhr wißt zu lachetc und spottet und fcherzt auge- nehni. Jch- ich liebte, Fräulein.. ·« Raoul konnte ihren Namen nicht aussprechen.»Ich liebte sie... ich glaubte an sie, heute ist es mit meiner Liebe vor- bei.«« »Oh! Vicomtel«« tief Montalais auf einen Spie- gel deutend. »Ich weiß, was Jhr sagen wollt; ich habe mich sehr verändert, nicht wahr? wohl denn, wißt Ihr, aus welcheni Grunde? Mein Gesicht ist der Spiegel mei- nes Herzens: das Jnnere hat sich verändert, wie das Aeußere. »Ihr seid getrostet?« versetzte Montalais mit schar- fem Tone. »Nein, ich werde mich nie trösten« »Man wird Euch nicht begreifen, Herr von Bra- geloiine.«« ,,Darum kümmere ich mich wenig; ich begreife mich nur zu wohl.« »Ihr habt es nicht einmal versucht, mit Louise zu sprechen?«« »Jch!« rief der junge Maiin mit funkelnden Augen,- »«,,tvarum rathet Ihr mir nicht gar, sie zu heirathen? Der König würde heute vielleicht seine Eiuwilligung dazu geben.«« Und er erhob sich Voll Zorn. »Ich sehe-« sagte Montalais,»Ihr feid nicht ge- heilt, und Lonise hat einen Feind uiehr.« 24 ,,Einen Feind mehr?« »Ja, die Günstlinginneii sind beitn französischeii Hofe nicht beliebt.« »Oh! so lange ihr ihr Liebhaber bleibt... ist das nicht genug? Sie hat ihn von einem Range ge- wählt, daß die Feinde ihm nicht überlegen sein werden. Und dann ,« fügte er plöslich mit einer Jroiiie bei, welche nicht am Panzer abglitt,»und dann hat sie Euch zur Freundin, mein Fräulein.« »Mich? oh! nein, ich gehöre nicht mehr zu den- jenigen, welche Fräulein de la Valliöre anzuschauen die Gewogenheit hat; aber...« Dieses aber so voll voii Drohungeti und Stür- men; dieses aber, welches das Herz von Raoiil schla- gen machte, so viele Schmerzen weissagie es derjenigen- welche er kurz zuvor noch geliebt; dieses furchtbare, bei einer Frau wie Montalais so bezeichnende aber wurde durch ein Geräusch unterbrochen, das die Sprechenden im Alcoven hinter dem Täfelwerk hörten. Montalais horchte aufmerksam, als eine Frau ganz Jgökzig durch die Geheimthüre eintrat,.die sie hinter sich lIß- ,,Madamel« rief Raoiil, die Schwägerin des Kö- nigs erkennend. »Oh! ich Unglücklichel« murmelie Montalais- in- dem sie sich- jedoch zn spät, der Prinzessiic entgegen- warf.»Ich habe mich um eine Stunde geirrM« Sie hatte jedoch noch Zeit, Madan1e, welche ans Raoul zuging, in Kenntniß zu setzen. »Herr voii Bragelonne, Madan1e.«« Bei diesen Worten stieß die Prinzessin einen Schrei aus und wich zurück »Eure Königliche Hoheit,- sagte Montalais Ungebe schnell, ,,hat also die Güte, an die Lotterie zu denken, und.. Die Prinzessiii sing an die Haltung zu verlieren. cll ist ie- Ili- ei, sie die ir- ka- kn- bei en ins I ich Id- »n- rei »tief-! en- z en,? Z «wa k— 25 Raoul beschleunigtc seinen Abgang, ohne noch Alles zu erratbeii, doch er fühlte, daß er lästig war. Madame bereitete ein Wort des Uebergangs, um sich zu erbolen, als sin) ein Schrank dem Alcoven ge- genüber öffnete und Guiche ganz strahlend aus diesem Schranke her-austrat. Der Bleichste von allen Vieren war- es ist nicht zu leugnen, abermals Raoul. Die Prinzessin wäre jedoch beinahe in Ohnmacht gefallen und stützte sich auf deii Fuß des Bettes. Niemand wagte es, sie zu halten- Diese Sceiie nahin ein paar Minuten in eineni erschrecklichen Still- schweigen ein« Raoul unterbrach es; er ging auf den Grafenr, desseii Knie die unbeschreibliche Gemüthsbewegiiiig zittern wachte, zu, ergriff seine Haiid und sprach: «Lieber Gras, sagt Madame, ich sei zu unglücklich, um nicht meine Begnadigung zu verdienen; sagt ihr auch, ich habe in meinem Leben geliebt, nnd der Greuel des Verraths, den man gegeii mich begangen, mache mich unerbittlich sin jeden andern Verrath, der um mich her begangen werde. «Daruin, meist Fräuleiii,-« sagte er lächeliid zu Montalais,»dai«um werde ich nie das Geheimuistder Besuche meines Freundes bei Euck) unter die Leute bringen. Erlangt voii Madaine, von Madame, die so mild und so edelmüthig ist, daß sie Euch dieselben auch verzeiht, sie, die Euch so eben überrascht hat« Jl)r seid Beide frei, liebt Euch, seid glücklich.«« ,Die Priuzessin hatte einen Augenblick der Ver- zweiflung, der sich nicht schildern läßt; trotz der außer- ordentlichen Zartheit, voii der Raoiil eine Probe ab- ,.gelegt, widerstrebte es ihr- sich der Willkühr einer Judiscretion anheimgegeben zu fühlen. Es widerstrebte ihr eben so«sehr, den ihr durch diesen zarten Betrug gebotenen Ausweg anzunehmen. Lebhaft, nervig, sträubte sie sich gegen die doppelte Last dieses doppelten Berdruffes. 26 n Naoiil begriff sie und kam ihr noch einmal zu« Hilfe. Er beugte ein Knie vor ihr nnd sprach ganz leise: ,,Madame, in zwei Tagen bin ich fern von Paris, in vierzehn Tagen bin ich fern von Frankreich, und nie wird man mich wiedersehen.«« »Ihr reist?«« fragte sie freudig. »Mit Herr voii Beaufsort.« «Nach Africat«« rief Guiche.»Ihr, Raoul, oh-! mein Freund, nach Afrika, wo man stirbtl"- Und Alles vergessend, vergessend, daß sein Ver- gessen selbst Madame noch beredter bloßstellte, als feine Gegentvart, sagte er: ,,Undankbarer, Jhr habt mich nicht einmal um Rath gefragtlll Und er umarmte ihn. Während dieser Zeit hatte Montalais Madarne verschwinden lassen, und war selbst verschwunden. Raoul fuhr mit einer Hand über feine Stirne nnd rief lächelnd: »Ich habe geträumtle Dann sprach-er lebhaft zu Guiche: -«Freund, ich Verberge mich nicht vor Euch, der Jhis der Auserwählte meines Herzens seid: ich werde dort sterben, und Euer Geheimniß wird das Jahr nicht überlebe11.«« »Oht Raoul seid ein Mann.«« ,,WißtJhr meinen Gedanken; Guiche? Höret ihn: ich werde mehr leben, wenn ich unter der Erde liege- als ich seit einem Monate lebe. Man ist Christ, mein Freund, und wenn ein solches Leiden fortdauerte, würde ich nicht mehr für meine Seele stehen.««- Guiche wollte Einwendung machen. das, was ich Euch sagen werde, ist viel" wichtigen-« »Wie so?«« -»Kein Wort mehr über mich,«« sprach Raitale »laßt mich Euch einen Rath geben, theurer Freund; v «. d· ht Ek- ne Im M c Ind der rde m: CLE- em rde - s t nl z. Es nd; «»M-.«-;s—« 27 ·,,Allerdingä, Jhr lauft viel mehr Gefahr ais ich, da man Euch liebt.« »Oh!...« »Es ist eine süße Freude für mich, so zu Euch sprechen zu können! Wol)l denn, Gnichc, mißtraut Montalais.-« »Es ist eine Freundin...«» »Sie war Freundin... Von der Bewußtem Sie hat sie durch die Hoffart ins Verderben gebracht-«- »Ihr täuscht EuclM« »Und heute, nachdem sie sie ins Berderbeii ge- bracht, will sie ihr das Einzige rauben, was diese Frait in meinen Augeii entschuldbar macht.« «Was?« »Jhre Liebe-«- »Was wollt Jhr damit sagen?« »Ich will damit sagen, daß sich ein Complott im Hause von Madame selbst gebildet hat.« »Könnt Jhr das glauben?«- »Ich l«-in meiner Sache sicher-« ,,Durch Montalais?«« »Haltet diese sur die am Mindesteit Gefährliche unter den Feindinnen, die ich für... die Andere fürchtet- »Erkiärt Ench- mein Freund, und weiin ich Euch begreifen kann...« »Mit zwei Wortei1, Madame ist eifersiichtig über den König geweseu.« -»Ich weiß das.« »Oh! seid unbesorgt, man liebt Ench, Guichez fühlt Ihr den ganzen Werth dieser paar Worte? sie bezeichnen, daß Jhr die Stirne erbebeii, daß Jhr ruhig schlafen, daß Jhr Gott jede Minute für Euer Leben danken könnt; man liebt Eule das bedeutet, daß Ihr Alles hören könnt, selbst den Rath eines Freundes, der Euch Euer Glück wahren will. Man liebt Euch, Guiche, man liebt Euch! Jhr werdet nicht diese grausamen- 28 Nächte binbringen, diese endlosen Nächte, welche-, das Auge trocken und das Herz Verzehrt, andere Leute die zum Sterben bestimmt, durchmachen. Jhr werdet lange leben, wenn Jhr es macht wie der Geizige, der Kör11- chen um Körnchen, Krümchen um Kriimchen, Dia- manten und Gold zusammenscharrt und aufhäuft, Man liebt Euch! erlaubt mir, Euch zu sagen, was Jhr zu thun habt, damit man Eiich immer liebt.« Guiche schaute einige Zeit den miglücklichen, Vor Verzweiflung halb wahnsinnigen jungen Maiiii an, nnd es trat in seine Seele etwas wie ein Gewissensbiß sei- nes Glückes. Raoul erholte sich von seiner siebethasten Exalim tion, um die Stimme und das Gesicht eines unem- pfindlichen Menschen anzunehmen. »Man wird derjenigen, deren Namen ich so gern noch möchte sagen können, Leiden bereiten. Schwöret mir, daß Jhr nicht nur nicht dazu helfen werdet, son- dern daß Jhr sie, wenn es fein kann, vertheidigen wollt, wie ich es selbst gethan hätte.« »Ich schwöre es Euch,«« erwiederte Gniche »Und eines Tages, wenn Jhr derselben einen großen Menst geleistet habt, eines Tages- wenn sie Euch dan- ken wird, versprecht mir, ihr die Worte zu sagen: »--Madame, ich habe Eitch dieses Gute ans die Em-« pfehlung von Herrn von Bragelonne gethan, dem Jhr so viel Boses zugesügilw" » Jch schwöre es Euchl«« erwiederte Guiche gerührt »Das ist Alles. Gott befohlen. Jch reise morgen gach Toulotk ab. Habt Jhr einige Stunden, so schenkt-I e mir.'« ,,Alles! Alles l« rief der junge Mann. »Ich danke« »Was werdet Jhr jetzt thun?««««'«« »Ich will den Herrn Grafen bei Planchet aus- suchen, wo wir Herrn dArtagnan zu sindeii hoffe11.«« »Herrn d’ Artagnan?'« ma sich er es lich unt den net- kein but jeni das e die "ange körn- Dia- Man ir zu . Vor nnd isU- kultu- niem- gerii dörct fon- sollt, «oßen dan- gen: Env Jhr v ühkt. ·- srg en; jenkkxcg 29 »Ich will ihn vor meiner Abreise umarmen. Er ist ein braver Mann, der mich liebte. Geht, lieber Freund, man erwartet Euch ohne Zweifel. Jhr werdet mich, wann es Euch beliebt, in der Wohnung des Gra- fen finden. Gehabt Euch wohll« Die zwei jungen Leute umarmten sich; diejenigen, welche den Einen und den Andern gesehen hätten, wür- den unfehlbar, auf Raoul deutend, gesagt haben: ,,Diefer hier ist der glückliche Mann.« lV-. Das Inventar von planchet. Währeiid Raoul seinen Besuch im Luremboiirg machte, war Athos wirklich zu Planchet gegangen, um sich nach d’Artagnan zu erkundigen. Als der Graf in die Rue des Lombards kam, fand er den Laden des Specereihändlers sehr angefüllt. Doch es war dies nicht eine Anfüllung in Folge eines glück- licheir Verkaufs oder des Eintreffens von Waaren. Planchet thronie nicht wie gewöhnlich auf Säcken und Tonnen. Nelnz ein Ladendiener die Feder hinter dem Ohr, ein anderer, das Register in der Hand, zeich- vatx viele Ziffern auf, während ein dritter zählte und » Es handelte sich um ein Inventar. Athos, der kein Handelsmanii war, fühlte sich ein wenig gehemmt- durch die materiellen Hindernisse und die Majestsit der- 1etngen, welche so instrumentirten. Ä. H Er fah mehre-re Kunden wegfchicken nnd fragte sich, ob er, der nichts kaufte, nicht noch viel lästiger wäre. Er fragte auch sehr höflich die Ladendiener, wie man Herrn Planchet sprechen könnte. Man erwiederte ihm ziemlich nachlässig, Herr Planchet bringe sein Gepäcke volleiids in Ordnung. " Diese Worte machteii Athos das Ohrspitzem »Wie! fein Gepäcke?«« sagte er, ,,verreist Herr Planel)et?m »Ja, mein Herr, zu dieser Stunde.« »Dann, meine Herren, wollt die Güte haben, ihn zu benachrichtigen, der Herr Graf de la Fdre wünsche ihn einen Augenblick zu sprechen.«' Bei dem Namen Graf de la Fåre eilte einer von den Ladendienern, der ohne Zweifel gewohnt war, diesen Namen nur mit Ehrfurcht aussprechen zu hören, so- gleich weg, um Herrn Planchet zu benachrichtigen. Dies war der Augenblick, wo Raoul, endlich frei nach seiner grausamen Scene mit Montalais, beinr Spe- cereihändler eintraf. Auf die Meldung feines Laden- dieners, verließ Planchet sein Geschäft und lief herbei. »Ah! Herr Graf-« rief er,»welche Freudel welcher gute Stern führt Euch hierher?«« ·- ,,Mein lieber Planchet,- sprach Athos, während er · feineni Sohn, dessen tief betrübte Miene er verstohleii betrachtete, die Hände drückte,»wir kommen, um von- Euch zu erfahren... aber sagt, wie seht Jhr denn aus? Ihr seid weiß wie ein Müller, wo habt Jhr denn gesteckt?« »Ah! Teufel! nehmt Euch in Acht, Herr, und kommt nicht in meine Nähe, bis ich mich gehörig ge- schüttelt habe.«« »Warum denn? Mehl oder Puiver machen nur iveiß.«« ·»Nein! neinl was Ihr da an meinen Armen seht, ist Arsenik.«««. ,,Arfenik l« zw- plii mei ter! gift i ich- ire. wie )ckk Ickc 31 »Ja, ich bereite mir meine Vorräihe für die Ratten.«« »Oh! in einem Etablissement, wie dieses- spielen die Ratten eine große Rolle.«« »Nicht um dieses Etablissenkent kümmere ich mich, Heri« Graf, die Ratte11 haben mir hier mehr gefressen, als sie mir noch fressen werden.« »Was wollt Jl)r hiemit sagen?««" »Ihr konntet sehen, Herr Graf, daß man mein Inventar macht.« »Ihr gebt den Handel ans?«« »Ei! mein Gott, ja; ich trete meinen Handel einem voii meinen Ladendienern ab.«· ,,Baht Jhr seid also reich genug?«’ »Herr, ich habe einen Widerwillen gegeii die Stad gefaßt; ich weiß nicht, ob dies der Fall ist, weil ich alt werde, und weil man, wenn man alt wird, hausiger an die Dinge der Jugend denkt, aber seit einiger-Zeit fühle ich mich zum Landleben und zur Gärtnerei hingezogen; ich war einst Bauen« Planchet punktirte dieses Geständniß mit einem Gelächter, das ein wenig anmaßend für einen Menschen gewesen wäre, der aus der Demuth eiii Gewerbe ge- macht hätte. Athos billigete mit der Geberde. »Ihr kaust Güter?«« fragte er sodann. »Ich habe gekauft, mein Herr.« ,-Ahl desto bessern« »Ein kleines Haus in Fontainebleau nnd etliche zwanzig Morgen in der Umgebung.« »Seht gut, Planchet, ich mache Euch mein Com- plimenM »Aber, Herr Graf, wir sind sehr schlecht hier-; mein verdammter Staub macht Euch husten. Alle Wet- ter! der würdigste Edelmann des Reiches soll nicht ver- giftet werden.« kAthos lächelte nicht bei diesem Scherz, den Planchet 32 auf ihn abschoß, um sich in den weltlichen Possen zu üb en. »Ja,« sagte er, ,,sprechen wir allein; in Eureni Zimmer, zuiii Beispiel. Jhr habt doch ein eigenes Zim- mer, nicht wahr?« »Gewiß, Herr Graf« «»Da oben vielleicht?«« Und Aihos, als er Planchet gehemmt sah, wollte ihn dadurch frei machen, daß er voran ging »Ich habe..« sagte Planchet zöger11d. Athos täuschte sich im Sinne dieses Zögerns und schrieb es dem zu, daß der Specereihändler eine mittel- mäßige Gastfreundschaft zu bieten bange habe- »Gleichviel, gleichviel,« sagte er, weiter gehend,f »die Wohnung eines Kaufmatins in diesem Quartier ist berechtigt, kein Palast zu sein. Jmmer vorwärts I« Raoul schritt behend voran und trat ein. Zwei Ausrufungen, man konnte sagen drei, wurden gleichzeitig hörbar Eine Von diesen Ausrufungen, welche die andern beherrschte, rührte von einer Frau her. Die andere kam aus dem Munde von Raoul, diese war eine Ausrufung des Erstaunens. Er hatte sie nicht sobald von sich gegeben, als er rasch wieder die Thüre zumachte. Die dritte war ein Schreckensschrei. Planchet hatte ihn ausgestoßen. »Verzeiht« sagte er,»Madame kleidet sich an.« IT Raoul hatte ohne Zweifel gesehen, daß Planchet die Wahrheit sprach, denn er machte einen Schritt, um, wieder hinabzugehen. »Madame.« sagte Athos.»Ah! verzeiht, mein F- Liebei, ich wußte nicht, daß Jhr da oben...« «»Es ist Triichen,«' fügte Plunchetein wenig roth bei.« »Es ist, was Euch beliebt, mein lieber Planchetz H verzeiht unsere Judiscretion.«« ’,»- enl im- llie lud tel- nd, den ern ese sie die tte het v Um ein« ,- bei. Et; ist( IT x Ei 33 »Nein, nein, steizzt nun hina11f, meine Herren.«« »Wir werden das nicht thun,«« erwiederte Athos. »Oh! nun- da Madaiiie benachrichtigt ist, wird sie wohl Zeit gehabt haben...« ,,Neiit, Planchet. Lebt wohl.« »Ei! meine Herre11, Jhr werdet es mir nicht zu Leide thun, daß Jhr hier auf der Treppe bleibt, oder aus meinem Hauseweggeht, ohne Eiich gesetzt zu haben.« »Wäre es uns bekannt gewesen, daß Jhr eine Dame da oben habt, so hätten wir um Erlaub- niß gebeten, sie begrüßen zii dürfen,«« sprach Athos mit seiner gewöhnlichen Kaltblütigfeit. Planchet war dergestalt durch diese ausgesuchte Er- wiederung aus der Fassiciig gebracht, daß er sich Bahn brach und selbst die Thüre für den Grafen und seinen Sohn öffnete. Trücheti war gaiiz angekleidet: Tracht einer reichen und gefallsüchtigeii Handelsfrau; Auge einer Deutschen im Kampfe mit französischen Angen. Nlich zwei Kniren räunite sie den Platz und ging i11 den Ladeii hinab. Doch nicht-ohne an der Thüre gehorcht zu haben, um zu vernehmen, was die zwei Edelleute, die Besuche ihres Hauses, zte Planchet voii ihr sage-i würden. Athos vermuthete es wohl und brachte das Ge- spräc) nicht auf dieses Kapitel. Planchet brannte vor Begierde, Erklärungen zu geben, vor denen Ajhos floh. Da gewisse Zähigkeiten stärker sind, als alle an- dern, so war Athos auch genöthigt, Planchet seine Glückseligkeitsidylleii, übersetzt in eine kenschere Sprache, als die voll Longus, erzählen zu hören. So erzählte Planchet, Trüche11 habe sein reiferes Alter bezaubert und feinere Geschäften Glück gebracht, wie Rath Boas. »Es fehlen Euch nur noch Erben für Euern Wohlstand,«« sagte Athos. Die drei Musietlere. Btagelonne. x. 3 34 .,Wen11 ich einen hätte, so bekäme dieser dreimal shundert tausend Livres,« erwiederte Planchet. ,',Jbr müßt haben, und wäre es nur, um Euer kleines Vermögett nicht verloren gehen zu lassen,- sprach Athos phlegmatisch. Die Wort-. kleines Vermögen, versetzteii Planchei in seinen Rang, wie einst die Stimme des Sergenteit, als Planchet nur Piqueur im Regimeut Piemont war- zu dem ihn Rochefort gebracht hatte. Athos begriff, der Specereihändler würde-, wohl oder übel, Trücheei heirathen und Stammvater werden. Dies dünkte ihin um so sicherer, als er hörte, der Ladendiener, an den Plauchet sei-I Geschäft verkaufte, sei ein Vetter von Trüchen.» Athos erinnerte sich, daß dieser Bursche eine Ges« sichtshaut so roth wie eine Mauernelke, krause Haare« und viereckige Schultern hatte- Er wußte Alles, was man über das Schicksal eines · Speeereihsindlers wissen kann und soll. Die schöneii Röcke von Trüchen bezahlten nicht alleiII die Langeweile, die sie bei der Beschäftigung mit der ländlichen Natur« und der Gärtnerei in Gesellschaft eines ergrauenden· Mannes fühlen würde. Athos begriff also und fragte ohne Uebergang: »Was macht Herr d’Artagnan, man hat ihn nicht im Louvre gefunden?-« »Ah! Herr Graf, Herr d’Artagnan ist verschwunden.« ,,Verschwunden?« rief Athos erstaunt. · i »Oh! Herr, wir wissen, was das besagen will.« »Aber ich weiß es nicht.«'« »Wenn Herr d’Artagnan verschwindet, so geschieht« es immer in einer Sendung, oder in einer wichtig« Angelegenheit-«- »Sollte er mit Euch davon gesprochen habcn?« gewußt?« I.« ; » te.«»s-; «»Ihr habt doch einst seine Abreise nach England?« - ,- « 35 eimax ,,Wegen der Speculaiion,«« ertviederte Planchet un- besonnener Weise. Euer»Die Speculationl«« · brach»Ich will sagen...« stammelte Planchct Verwirrt. »Gut! gut! Eure Angelegenheiteii sind eben so nches wenig, als die unseres Freundes, int Spiele; nur das nun-, Interesse, das er uns einftößt, hat mich angetrieben- war, Euch zu befrage11. Da der Kapitäii der Musketiere nicht hier ist, da man von Euch keine Auskunft über wohl den Ort erlangen will, ivo man Herrn dUUrtagnan kden« treffeii dürfte, so nehmen wir Abschied voii Euch. Anf . der Wiedersehen, Planchet, auf Wiedersehen. Gehen wir- »ste, Raoul.«««.» »Herr Graf, ich möchte Entl) gerii sageii konnen..« Ge-»Nein! nein; ich bin es nicht, der einem Diener U» Verschwiegenheit zum Vorwurf macht.« Das Wort: Diener! traf hart den halben Mil- inez lionär Planchetz doch die Ehrfurcht und die natürliche wen Gutmüthigkeit gewannen die Oberhand über den Stolz. eile,»Es ist nichts Jndiecrete6, Heri: Graf, wenn ich Juki« Euch sage, daß Herr d’Artagnan kürzlich hier gewe- d sen ist- en»Ah.- ehrs- ,,Und daß er mehrere Stunden hier zugebracht, mn icht sich mit einer Landkarte zu berathen.«" »Ihr habt Recht, mein Freund, sagt nicht mehr.« n·«.»Und diese Karte hier, sie dient zum Beiveise,«« J- fügte Pranchet bei. · -- Und er nahni von der nahen Wand, an der er hing, den Plan, den der Kapitäii bei seinem Besuche bei zht Planchet um Rath gefragt hatte. en Er brachte tn der That dem Grafen de la Fåre .» eine Karte von Frankreich, auf der das geübte Auge « des Grafen eine durch kleine Nadeln punktirte Marsch- «k« route sehen konnte; da, wo die Nadel fehlte, zeugte das nd« sLoch von dem Abfteckzeichen. Athos, indem er mit dem Blicke den Radeln und- -«-.p«.-··is» Löcherit folgte, sah, daß d’Ariagnan die Richtitiig nach Süden hatte nehmen und bis an das Mittelländische i Meer, in der Gegend von Toulon, hatte gehen müssen-»--.—.1 Bei Cannes hörten dir Zeichen und punktirteki Orte auf. Der Greif de la Före zermarterte sich einen Augen-: blick das Gehirn, um zu errathe11, was der Musketier in Cannes zu thun beabsichtigte, und welchen Beweg- e grund, die Ufer des Var zu beobachten, er haben könnte-. d- Die Betrachtungen von Athos gaben diesekn nichts« ein, sein gewöhnlicher Scharfsinii blieb erfolglos. Raotil L errieth eben so wenig, als sein Vater.- A »Gleichviel,« sagte der junge Mamt zum Grafeii, der ihni stillschweigend mit dem Finger den Marsch von d d’Artagna11 begreiflich gemakttt hatte,»man muß geste-« hen, daß eine Vorsehung immer damit beschäftigt ist, m unser Geschick dem von Herrn d’Artagnan nahe zu brin- gen. Er ist nur in der Gegend von Canne6, und Jbr, et Herr Graf, Ihr werdet mich wenigstens bis Toulon be- re gleiten. Seid überzeugt, daß wir ihn bequemer auf b« unserem Wege, als auf dieser Karte sinden.« S Hienctch nahmen die zwei Edelleute von Planchet,« E der seine Ladendiener, selbst den Vetter Von Trücheti, m seinen Nachfolger, ausschalt, Abschied nnd gingen weg,- s B um deni Herrn Herzog von Beaufort einen Besuch zu machet-. ge Als sie aus dem Laden des Specereihändlers her-" fu· anstraten, erblickten sie eine Landkntsche, die künftige s. H; Verwahrerin der Reize von Mademoiselle Trüchen undis» der Geldsäcke Von Herrn Planchet. L M »Jeder wandert zum Glück auf der Straße, die er kee: sich wählt,'« sprach traurig Raoul.» St »Straße nach Fontainebleau,«« rief Planchet seinem Bc Kutscher zu. ·»k-. Von d’Artagnan mit Planchet gesprochen, Planchet Paris, um sic) in der Zurückgezogenheit zu begrabe«ii, I- verlassen gesehen zn haben, das, war für Athos und-II J. H- nach ische ffen.... auf. ken- tier keg- nte. hts oul «"en, oon ste- ist- sin- ;hr, be- aus jet-« en, eg, zu ek- ie.- ttgidH 37 seinen Sohn wie ein letzter Abschied von all dem Ge- ·»räusch der Hauptstadt, von ihrent Leben von Einst. Was ließen sie in der That hinter sich, diese»Leute, von denen der Eine das ganze letzte Jahrhundert nnt dein Rubin, der Andere das neue Zeitalter mit deni Ungluck erschöpft halte? Offenbar hatte weder der Eine, noch der Andere von diesen zwei Männern etwas von seinen Zeitgenossen zu fordern.« Sie hatten nur noch Herrn von Beausort einen , Besuch zu machen und mit ihm die Bedingungetr der breise zu ordnen. Der Herzog wohnte prachtvoll in Paris. Er hatte das herrliche, prunlvolle Hauswesen der großen Ver- mögen, welches gewisse Greise zur Zeit der Freigebig- keiten voir Heinrich lv. blühen gesehen zu habeti sich erinnerten. Damals waren wirklich gewisse vornehme Herreii reicher, als der König. Sie wußten es, machten Ge- brauch davon und beraubteii sich nicht des Vergnügens, Seine Königliche Majestät ein wenig zu deuiüihigen. Es war dies die selbstsüchtigeArisiolratie, welche Niches lieu gezwungen hatte, von ihretn Blute, voii ihrer Börse und von ihreii Verbeugungeti zu dem beizutra- gen, was man voik da an den Dienst des Königs nannte. Wie viele Familieii hatten seit Ludwia XI., dem furchtbaren Mäher der Großen, bis aus Richelieu das Haupt erhoben? wie viele hatten es seit Richelieu bis auf Ludwig XIV. gebeugt, um es nicht mehr zu erhe- ben? Doch Herr von Beaufort war als Prinz gebo- ren,-und zwar von einem Blute, das man nick)t aus den Fehxssoten vergießt, wenn nicht durch den Spruch des v es. Dieser Prinz hatte also die Gewohnheit einer groß- artigen-Lebensweise beibehalten. Wie bezahlte er seine Leute ,«. seine Pferde und seine Tafel? Niemand wußte es; er wen.’ er als die Andern. Nur bestand damals das Vorrecht-»F ür die Söhne von Frankreich, daß Niemand 38 sich weigerte, ihr Gläubiger zu werden, sei es aus Ehr- furcht, sei es aus Ergebenheit, sei es in der Ueberzeu- gung, man würde eines Tages bezahlt werden. Athos und Raoul fanden also das Haus des Prin- zen auf die Art von dem von Planchet angefüllt. Der Herzog machte auch sein Jnventar, das heißt, er vertheitte unter seine Freunde, welche lauter Gläu- biger von ihni waren, jeden einiger Maßen beträcht- » lichen Werth seines Hauses. Mit einer Schuld von ungefähr zwei Millionen« belastet, was damals ungeheuer, hatte Herr vo11 Beau- fort berechnet, er könnte nach Afeica nicht ohne eine schöne Summe abreisen, und um diese Summe zu sin- den, vertheilte er unter seine vergangenen Gläubiger I Silbergeschirre, Waffen, Juwelen und Meubles, was herrlicher war, als zu verkaufen, und ihm das Doppelte eintrug. Jn der That, wie sollte sich ein Mann, dem man zehn tausend Livres schuldig ist, weigern, ein Geschenk von sechs tausend, erhöht durch das Verdienst, einem Abkömmlinge von Heinrich W. gehört zu haben, mit- zunehmen, und wie sollte er, nachdem er dieses Geer schenk mitgenommen- sich weigern, einem so freigebigenc Herrn weitere zehn tausend zu leihen?» Dies war also gescheheit. Der Prinz hatte keinsf Haus mehr, was einem Admiral, dessen Wohnung ein;;,. Schiff ist, unnütz wird. Er hatte keine überflüssig-se Waffen mehr, seitdem er sich mitten unter seine Kanone stellte, keine Juwelen mehr, die das Meer hätte vers-Hi schlingen können; doch er hatte drei bis viermal-hun-« dert tausend frische Thaler in seinen Kisten.»-.- Und überall im Hause fand eine freudige Blewes gung von Leuten statt, welche Seine Hoheit zu plüjiji dern glaubten.«"»«-« Der Prinz besaß im höchsten Grade die Kunst-« beklagenswerthesten Gläubiger glücklic) zu machen. ht- eu- sin- ißt- äu- chi- )nen kau- eine sin- iger was relte man henk nem Init- Ge- igen kein äu igen onen ver- hun- ewes )lun- , die Je- 89 der geschäftige Mensch, jede leere Börse gelvinne bei ihm Geduld und Einsicht von seiner Lage. Zu den Einen sagte er:« »Ich möchte wohl habe11, was Jhr habt; ich würde es Euch geben« Uud zu den Andern: »Ich habe nichts, als diese silberne Wasserkanne; sie ist wol)l fünf hundert Livres werth, nehmt sie.«« Und eine freundliche Mietie ist dergestalt beim-e Bezahlung- daß der Prinz unabläßig seine Gläubiger zu erneuerii fand. Diesrnal ging Alles ohne Cerenronie ab, und man hätte glauben sollen, es fände eine Plünderung statt, Das orientalische Mährchen von dem armen Ara- ber- der von der Plünderung einen Fleischtorrf mitnimmt, in dessen Grunde er einen Sack mit Geld verborgett hat, und den alle Welt frei pafsiren läßt, ohne ihn zu beneiden, dieses Mährcheii wurde beim Prinzeii eine Wahrheit... Viele Gläubiger machten sich an den Speise- und Tischgeräthekaniuiern des Herzogs bezahlt. Während die Küchenofsiciauten die Kleiderkammern und die Sattetkammern plünderien, bemüchtigten sich die Sattler und die Schneider der Küchengerclthschasten. Eiferfüchtig darauf bedacht- Zuckerwerk nach Haiife zu bringen, das Monseigneur geschenkt hatte, sah man sie freudig unter der Last voii Terrineir und Flaschen springen, welche stolz mit demWappeu des Prinzen ge- stempelt waren. Herr vorI Beaufort verschenkte am Ende feine Pferde und den Hafer von feinen Speichern. Er machte mehr als dreißig Glückliche mit feinen Kiirhenbatterien, und drei hundert mit seinem Keller. Dabei gingen alle diese Leute mit der Ueberzeu- gung weg, Herr von Beaufort handle nur so in der Boraussicht eines neuen unter den arabischen Zelten verborgenen Bermögeris. Während man feiik Hotel verheerte, wiederholte 40 man sich, er werde vom König nach Gigelli geschickt- um seinen verlorenen Reichthum wiederherzustellen; die Schätze Africas würden zur Hälfte zwischen dein Ad- miral und dein König von Frankreich getheilt; diese Schätze bestünden irr Bergwerken von Diamanten und X: andere11 fabelhaften Steinen. Den Silber- oder Gold- « bergwerken des Atlas wurde nicht einmal die Ehre einer s.« Erwähnung zu Theil. Außer den Bergwerken, welche i: auszubeute11, was nach dem Feldznge geschehen würde, wäre noch Beute, welche die Armee gematt)t hätte. Herr von Beausort würde die Hand auf Alles le- gen, was die reiche11 Seeräuber der Christenheit seit der Schlacht von Lepante gestohlen hatten. Die Zahl der Millionen berechnete matt nicht mehr. Warum sollte er nun die armseligen Geräthschaf- ten feines vergangenen Lebens geschoiit haben, er, der? die seltensten Schätze aufznsuck)en im Begriffe war? i Und wechselseitig, warum hätte man das Gut von Fcehmjenigen schonen solle11, welcher sich selbst so wenig ont es So war die Lage der Dinge. Aihos mit seinem forschenden Blick loar auf der Stelle darüber«« Klaren-- Er fand den Admiral von Frankreich ein wenig be«. täubt, denn er stand eben von der Tafel anf, voii einer Tafel« von fünfzig Gedecken, wo man lange auf, die Wohlfahrt» der Expediiion getrunken, wo man bein Nachtisch die z« Ueberreste den Bedienten und die leeren Plaiteii den« Neugierigen überlassen hatte.— « Der Priiiz halte sich zugleich in seinem Ruiii und, in seiner Popularität berauscht. Er hatte seinen alten.. Wein auf die Gesundheit feines zukünftigen Weins« getrunken. i Als er Athos mit Raotcl sah, rief er:» »Da bringt man mir meinen Adjutanten. KonM» hierher, Graf, kommt hierher, BilomteXi«- ID syst-m- GUT- -O- kt- )ie ese nd ier he Ie- ert thl If- )c«c on ng cM lfel hrt die ren ind ten ins ANY thj s.»ka—— Jtmsäkwk 41 Athos suchte einen Weg durch die Streu von Tafelgesrbirr und Tischzeug. »Ah! ja, steigt darüber weg-« sagte der Herzog. Und er bot Athos ein volles Glas. · Dieser nahxn es an; Raoul befeuchtete kaum seine Lippen. »Hier ist Euer Anftrag,« sagte der Prinzzu Raoul. »Auf Euch zählend, habe ich ihn zuni Voraus ausge- fertigt. Jhr reist mir bis Anttbes voran.«« »Gut, Monseigneur.«« «»Hier ist der Befehl« Herr dort Beaufort gab Bragelonne den Befehl. »Kennt Jhr das Meer?«« fragte er. »Ja, ich bin mit dem Herrn Prinzen gereist« »Gut. Alle die Barken und Lichter werden mich erwarten, um mir ein Geleite zu bilden und meine Vorräthe zu führen. Die Armee muß sich spätestens in vierzehn Tagen einschiffen können.« »Das soll geschehen, Monfeigneur.« »Gegenwärtiger Befehl gibt Euch das Recht der Durchsuchung und Fahndung auf allen Jnseln die Kiste entlang; Jhr werdet dort nach Eurerrt Belieben die Werbungen und Aughebungeri für mich vornehmen.«' »Ja, Herr Herzog.«« »Und da Jhr ein thätiger Mann seid, da Jhr viel arbeiten werdet, so werdet Jhr auch viel Gold ausgebeIM »Ich hoffe nein, Monseigneur.« ,,Doch1 dochl Mein Jntendant hat Anweisungett von tausend Livres- zahlbar auf die Städte im Sü- den, ausgefertigt. Matt wird Euch hundert davon ge- ben. Geht, lieber Bicomte.«« Athos unterbrach den Prinzen: «»Vehaltet Euer Geld, Monseigneur, der Krieg wird bei den Arabern ebenso mit Gold, wie mit Blei geführt.«« —»Ich will das Gegentheil versuchen,«« erwiederte der Prinz;»und dann kennt Jhr meinen Gedanken über · a 42 die Expeditiom viel Lärm, viel Feuer, und im Nothfall werde ich im Rauche verschwinden-« Nachdem er so gesprochen, wollte Herr von Beau- fort wieder zum Lachen zurückkehren; aber er fand bei Athos und Raoul keinen Anklang, das bemerkte er bald. »Ah!« sagte er mit dem höflichenEgoismus seines Alters und seines Rangs,»Ihr seid Leute, die man nicht nach dem Mittagsniahl sehen muß, kalt, steif nnd trocken, während ich ganz Feuer- ganz Geschmeidigkeit und ganz Wein bin. Nein, der Teufel soll mich holen- ich werde Euch immer nüchtern sehen, Bicomte5»und Ihr, Graf, wenn Ihr mir ein solches Gesicht macht, werdet Jhr mich gar nicht mehr sehen.««’ Hiebei drückte er Athos die Hand, und dieser ant- wortete lächelnd- ,,Monseigneur, macht nicht diesen Lärm, weil Jhr so viel Geld habt. Ich prophezeihe Euch, daß Ihr, ehe der Monat vergeht, trocken, steif und kalt vor Eurer Kasse sein werdet, und dann, wenn Ihr an Eurer Seite Raoul habt, werdet Ihr erstaunt sein, ihci heiter, feurig und freigebig zu sehen, weil er Euch neue Thaler-zu bieten im Stande sein wird.« »Gott höre Euch l« rief der Herzog entzückt.»Ich behalte Euch bei mir, Graf.«« »Nein, ich reise mit Naoul, die Sendung, mit der« Jbr ihn beauftragt habt, ist mühselig, schwierig. Allein hätte er zu große Mühe, sie Fu erfüllen. Ihr merkt-: nicht darauf, daß Ihr ihm ein Commando ersteii Rangö übertragen habt.« »Bah!« »Und zwar bei der Marine.«« »Es ist wahr. Doch thut man nicht Alles, was Y; man will, wenn man ihm gleicht?«' ·»Monseigneur, · Ihr sindet nirgends so viel Eifer-H« und Verstand, so viel wahren Muth- als bei Rcionlh·«·T-j doch wenn Ihr Eure Ausschiffung verfehltet,»so hättet Ihr das, was Ihr verdient-« -—«·-0 au- bei ald. nes ian ind keit sen- ind chit- .nt- Ihr ehe asse oul md ten Ichv der ein erkt th.- )a6 43 »Nun schilt er mich!« ·, ,,Monseigneur, unt eine Flotte zu verproviantiren- um eine Flotille zusammen zu bringen, um Euren Ma- rinedienst anzuwerben, würde ein Admiral ein Jahr brauchen. Raoul ist Reiter-Kapitän, und Jhr gebt ihm vierzehn Tage-«, ·, »Ich sage Euch, daß er die Schwierigkeiten aber- winden wird.«»» »Ich glaube es wohl! Doch ich werde ihn dabei unterstützen.«« »Ich habe aufEuch gerechnet, und ich rechne auch darauf- daß Ihr, einmal in Toulon, ihii nicht allein abreisen lassen lverdet.««— »Oh!« machte Athos, den Kopf schüttelnd.« «Geduldi Geduld1«« »Monfeigneur, laßt mich Abschied nehmen.«« »Gebt also, und mein Glück stehe Euch bei.« »Gott befohlen, Monseigneur, und Euer Glück stehe Euch auch bei.«« »Das ist eine gut begonnene Expedition,«« sagte Athos zu seinem Sohn.»Keine Lebensmittel! keine Refervenl keine Ladungsflottillel Was wird man so macheni«· «»Gutl« versetzte Raoul,»wenn Alle thun werden, was ich thue, so wird es nicht an Lebensmitteln fehlen.«« »Mein Herr,«- sprach Athos mit strengem Tone, »seid nicht ungerecht und wahnsinnig in Eurer Selbst- sucht oder in Eurein Schmerz, wie es Euch beliebt. Wenn Jhrsin diesen Krieg zieht mit der Absicht, dabei zu sterben, so braucht Jhr Niemand und es lohnte sich nicht der Mühe, Euch Herrn von Beaufort empfehle11 zu las- sen. Sobald Jhr Euch dem commandirenden Prinzen nähert, sobald Jhr die Verantwortlichkeit einer Stelle beim Heere übernehn1t, handelt es sich nicht mehr um »Eüch, sondern um alle die armen Soldaten, die, wie Ihn-ein Herz und einen Leib haben, die das Vater- 44 land beweinen und alle Noth der menschlichen Lage er- dulden werden.. ,,Erfahret, Naoul, daß ein Qfsicier ein eben so nützlickter Diener Gottes ist, als ein Priester, und daß er mehr Menschenfreundlichkeit haben muß, als ein Priester.««— »Mein Herr, ich weiß das, und ich habe es aus- geübt; ich hätte es abermals gethan, do...« · »Ihr vergeßt auch, daß Jhr' eineni auf seinetk militcirischen Ruhitt stolzen Lande angehört; sterbt, wenn Jhr wollt, aber sterbt nicht ohne Ehre nnd ohne Nu- tzen für Frankreich. Ohl Raoul, betrübt Euch nicht über meine Worte, ich liebe Euch und möchte gern, daß Jhr vollkommen würdet-« ,,Jch liebe Eure Vortviirfel«« erwiederte sanft der junge Mann- ,,sie heilen mich, sie beweisen mir, daß mich noch Jemand liebt.« »Und nun laßt uns ausbrechen- Raoul; das Wet- ter ist so schön, der Himmel ist so reitil dieser Himmel, den wir immer über unsern Häuptern sinden werden, den Jhr noch reiner in Gigelli findet werdet, und der Euch dsrt von mir sprechen wird, wie er mir hier von Gott spricht.'« Nachdem die zwei Edelleute sich hierüber in Einklang gesetzt hatten, unterhielten sie sich von den tollen Ma- nieren des Herzogs, sie waren gemeinschaftlich der An- sicht, Frankreich würde unvollständig im Geiste und in der Ausführung der Erpedition bedient werden, und nachdem sie diese Politik durch das Wort Eitelkeit zu- sammengefaßt, begaben sie sich auf den Marsch, mehr um ihren Willen, als um deni Geschick zu gehorchen. Das Opfer war vollbracht. ein eil Un V. Wie Silberplatte. Die Reise war angenehm. Atboo und fein Sohn durchzogen ganz Frankreich; sie legten fünfzehn Meilen im Tage ztn«1’jck, zuweilen auch mehr, je nachdeiii der Kummer vo11 Raoul eine doppelte Tiefe erreichte. D Sie brauchten vierzehn Tage, um nach Toulon zu kommen, und verloren ganz und gar die Spuren von d’Artagnan in Antibes., « Es ist anzunehmen, daß der Kapitäii der Muske- tiere das Jncognito in diesen Gegenden hatte behaup- ten wollen, denn Athos erlangte aus seinen Erknndi- gungen die Sicherheit, daß man den Cavalier, den er schilderte, seine Pferde gegen einen wohlverschloffenen Wagen, Von Avignon an, hatte vertauschen sehen." Raotil verzweifelte, daß er d’Artagnan nicht traf. Es fehlte diesem zärtlichen Herzen der Abschied und der Trost dieses stählernen Herzens. Albos wußte ans Erfalmmg, daß d’Artagiian un- etfvtfchlich wurde, sobald er sich mit einer ernsten Angele- genheit für seine eigene Nechnting oder ini Dienste des Königs beschäftigte. Cr befüxchtete sogar, sein-m Freund zu beleidigen, oder»1hm zu schade11, wenn er zu viel Erkundigungen einzuge.«Als aber Raoul seine Abtheilungoarbeit für die Flottille begann und die Barke-i und Lichter ver- sammeltef um sie nach Toulon zu schicken, sagte dem Grasen einer"von den Fischern, seiti Schiff sei in Aus-. besserung bngriffelih seit einer Reife, die er für Rech- nng eines avaiere einacht wel er ck einu chi en große Eile gehabt habge.," ch si) z s ff o· ?- i- U- Jm Glaubens, dieser Mensch lüge, mn frei zu blei- ben und mehr Geld mit dem Fischfang zu verdienen, weim alle seine Gefährten weggegangen wären, forderte Athos denselben auf, ihm nähere Auskunft zu geben. Der Fischer sagte ihni, vor ungefähr sechs Tagen sei ein Mann gekommen und habe fein Schiff in der Nacht geniiethet,u111 einenBesuch auf der Insel Saint- Honorat zu machen. Man sei über den Preis einig ge- worden, aber der Cavalier sei mit einem großen Reife-« wagen erschienen, die er trotz allerlei Schwierigkeiten- welche diese Operation bot, durchaus habe einschiffen wiFllem Der Fischer habe sein Wort zurücknehnien wol- len. Er habe gedroht, und seine Drohung habe ihnt nur eine große Anzahl von Stockpriigeln eingetragen, die ihm der Fremde mit aller Heftigkeit aufgemessen. Fluchend habe der Fischeri sich an den Syndicus seit-: Collegen in Antibes gewendet, welche unter sich Ge-« rechtigkeit üben nnd sich beschützen; der Cavalier aber habe ein Papier vorgewiefen, bei dessen Anblick der Syndiens, sich bis auf den Boden ver-beugend, dem Fischer Gehorsam eingeschärft und ihn wegen seiner v Widerspänstigkeit ansgescholtenz dann sei man mit der Ladung abgefahren. »Aber dies Alles sagt uns nicht, wie Jhr geschei- tert seid«« »So höret. Ich steuerte gegen Saint-Honorat-, wie es mich der Unbekannte geheißen hatte, doch er änderte seine Ansicht und behauptete-ich könne nicht im":" Südeir der Abtei passiren.« v »Warum nicht. W’-» »Herr, es ist dem viereckigien Thurm der Benedikt- ner geg enüber, bei derSüdspitze, die Bank der M o n ch e. ,,Eine Klippe W «Wasserpaß und unter dem Wasser, eine gefährl Passage, die ich aber tausendmal durchschifft habe; Cavalier verlangte von mir, ich sollte ihn in Sainte·- Marguerite absetzen.«« fcho abe- rietl ssond war fern siei- ren- erte c. gen der int- ge- ise-. ten- ffen )ol- ihm ken, sen. iner Ge- cber der dem "ner der hei- kab er kti- e.« iche der ite- 47 »Nun?«« »Mein Herr-' rief der Fischer mit seinem pro- venrsaiischen Aecent-»man ist See-nann, oder ist es nicht, nian kennt sein Fahrwasser, oder man ist nur ein Süßwasserfiseh. Ich wollte hartnäckikj durchfahren. Der Cavaiier packte mich beim Hals und kündigte mir ganz ruhig an, er werde mich erwürgen. Meile Gehiilfe bewaffnete sich mit einer Art, und ich that dasselbe, wir hatten die Schande der Nacht zu rächen. Aber der Un- bekannte nahm den Degen in die Hand und machte so tebhaste Bewegungen, daß keiner von uns Beiden sich ihm näher-it konnte-. Jch wollte ihm meine Axt an sei- nen Kopf schleudern, und ich war in meinem Rechte, nicht wahr-, mein Herr? denn ein Seemann ist an sei- nem Bord Herr-, wie ein Bürger in seiner Stube. Jes) woiite also, um mich zu verkheidigen, den Cavaiier ent- zwei hauen, ais plötzlich, Jhr mogetmir glauben, mein Herr, wenn Jhr wollt, der Reisewageii sich- ich weiß nicht wie, öffiiete und eine Ai«t von Gespenst- einein schwarzen Heim auf dein Kopf, eine schwarze Larve anf dem Gesicht, daraiis hervorkaiic... ich sage Euch, ein ing, das gräßlich anzuschauen war und uns mit der Faust bedrohteJi »Und das war?«« »Es war der Teufel, Herr, denn ganz freudig rief der Cadalier, als er ihn saht»»Ah! ich danke Ench, Hoheit.«« »Das ist seltsamt« sagte der Graf, Raoiil anschauend. »Was thatet Jhr W fragte dieser den Fischer. »Ihr begreift,Herr, daß zwei arme Leute, wie wir, ehon zu wenig gegen zwei Edelleute gewesen wären, aber vollends gegen den Teufel, ach! ja wohl! wir be- rietheit uns nicht miteinander, mein Kamerad und ich, sondern wir machten nur einen Sprung ins Meer, wir ifvarxn sieben- bis achihundert Fuß von der Küste ent- ern.« »Und dann Zi- 48 »Dann, Herr, da ein kleiner Südwesiwind wehte, ging die Barke immer weiter und lief aus die Dimen von Sainte Marguerite.«« »Ohl... aber die zwei Neisenden?·" »Seid unbesorgti Das dient gerade zuni Beweise, daß der Eine der Teufel war und den Andern beschützte, denn als wir schwimmend das Schiff wieder erreichten, fanden wir, statt diese zwei Geschöpfe zerschellt zu« sin- den, gar nichts mehr, nicht einmal mehr den Wagen.«« ,,Seltsam! seltsami«' wiederholte der Graf.»Doch was habt Jhr seitdem gethan?"-. »Ich habe mich bei dem Gouverneur von Samtkr- Marguerite beklagt, doch dieser legte den Finger-unter- die Nase und kündigte mir a-n, wenn ich ihm solch.e alberne Possett zu erzählen suchte, so würde er sie mit- der Peitsche bezahlen. It »Der Gouverneur?«« »Ja-— Herr, und mein Schiff hat doch Schaden,s sehr großen Schaden erlitten, denn das-Vordertheil ist aus der Spitze von Sainte-Marguerite geblieben, und« der Zimmermann verlangt von mir hundert nnd zwaits zig Livres für die Wiederherstellung.«« »Es ist gut, Jhr sollt voni Dienste frei sein,« sagte Raoul.»Geht.«—" »Wir werden uns nach Sainte-Marguerite begeben- s wollt Jhr?«« sprach Athos zu Bragelonne.« s« »Ja, Herr Graf, denn es ist dort etwas aufzuklä-» ren, und dieser Meiisch kommt mir vor, als hatte er, nicht die Wahrheit gesprochen.-« »Mir auch, Raoul. Die Geschichte mit dem ve» larvten Cavalier und dem verschwundenen Wagen sie j; gerade so aus, als sollte dadurch die Getvaltihat ve-« borgetr werden, die vielleicht dieser grobe Bursche a ossener See an seinem Passagier begangen hat, u·-- ihn fxlr die Heftigkeit zu bestrafen, mit der er sich ei zuschtffen verlangt·««« chie, inen eise- tzte, ten, « M. )och ate- iter lche iuit en- ind In- 49 »Ich habe auch diefeii Verdacht gefchöisft, und der Wagen dürfte eher Werthe, als einen Menschen ent- halten baben.«. »Wir werden das fehcii, RaouL Der Cavalier gleickJt gaiiz und gar d’A1-tagnan, ich erkenne ihik aic seinen Maniereii. Achi wir sit1d nicht nielir die jungen Unbesiegbaren isoii Einst. Wer weiß, ob nicht der Axt dieses schlechtenKiisienfahrers das zii thun gelungen ist, was die feinsten Degeii Einopas, die Kanonenkugelii und die Musketeningeln seit vierzig Jahren nicht zn thun ini Stande gewesen sind.« An demselbeii Tazxe gingen sie an Bord einer Gasse- mar6e, die auf Befehl voii Tonlon eingetroffen war-, nach Sainte-Marg1ierite ab. » Der Eindruck, deii sie beim Landen empfanden, war Un seht seltsamen Die Jnfel war voll voii Blumen Und Frück)ieii, sie diente in ihrem angebauten Theile dem Gouverneur als Garteii. Die Orangenbäunie, die Granatbanme, die Feigenbännie bogeii fich unter der Last ihrer Frück)te von Gold nnd Azor. Rings nin dieseii Garten, iii seinem unangebauten Theils-, liefert in Banden die Noihhnbner in den Wachholdersiräitchen umher, und bei jedem Schritt, den Raoul und Der Graf Ilmchten, verließ erschrockeii ein Kaninchen deii Majo- ran nnd das Heidekraitt, um iii seinen Bmi zurückin- kehreii. Diese herrliche Jnsel war iii der That unbewohnt. Blatt-, nur eine Bucht fiir die Ankunft der Fahrzenge bietend, nnd unter den Schutz des Gouverneur gesiclli, der nnt ihnen lheilie, bedienten sich die Schmuggler dersellieti als einer einstweiligen Niederlage, unter der edingung, daß sie das Wildpret nicht» tödteten nnd den Garten nicht verwüsteten Bei dieser Uebereiukunft begnugte sich der Gouvernenr, niit einer Garnison v011 achtMaiiii- unt seine Festung zu bewachen, in der zwölf Kanonen verfchiininelien. Dieser Gouverneiir war alfo Die drei Musketiere. Bragelotiiie. Ic. 4 50 ein glücklicher Meier, der Weine, Feigen, Oel und Orangen erntete, und seine Ciiroiien und seine Ce- drate in der Sonne feiner Cafematten einmachen ließ. Mit einem tiefen Graben, ihrer einzigen Schutz- wehr, umgeben, erhob die Festung, wie drei Köpfe, seine drei durch moosbedeckte Terrasscii mit einander verbundenen Thurme.« Athos und Raoul gingen eine Zeit lang.anf der Umfriedung des Gartens hin, ohne daß sie Jemand», fanden, der sie beim Gouverneur eingeführt hätte. End-· lich traten sie in den Garten selbst ein. Es war der heißeste Augenblick des Tages- Dann verbirgt sich Alles unter dem Grase nnd unter dem Stein· Der Himmel breitet seinen Fenerschleier aus- als wollte er alles Geräusch erstickeii, alle Existenzen umhüllen. Die Feldhühner unter dem Ginster, die Mücke unter dem Blatt entschlummern, wie die Welle unter dem Himmel. Athos erblickte nur auf der Terrasse, zwischen dem zweiten und dritten Thurm, einen Soldaten, der etwas wie einen Speifekorb auf dem Kopfe trug. Dieser Mensch kehrte beinalse augenblicklich wieder ohne Korb zurück und verschwand im Schatteri des Sel)ilderhauses. Athos begriff, daß dieser Mann Jemand zu essen, brachte, nnd daß er, nachdem er seinen Dienst verrich- tet, zurückkam, um selbst zu speisen. C Plötzlsch hörte er sifli rufen, und als er aufscliauie,«- erblickte er im Rahmen des Gitters von einein Fenster-« etwas Weißes wie eine Hand, die fiel) bewegte, etiv Blendendes, wie eine Waffe, anf welche die Sonne strahleii fielen.« Und ehe er sich klar gemacht halte, was er ge -ben, lenkte ein leuchtender Strich, begleitet von eine« Zischeii in der Luft, seine Aufmerksamkeit von. des-:- Thufnie nach der Erde. s Man vernahm ein zweites mailes Geräusch, n· AND-»—- FOR und Ce- ließ. bus- SNE- Inder der naiid End- der inter aus- nzen iücke inter dent tvas ieser Korb Ists. essen. rich-«»« gerade mit seiner Muskete zu set- ».a·«ntwortete ans diese Schreie durch einen Ausruf des «’spantit· anlegte, so hobv der, 51 Raoiil lief tveg und hob eine silberneVlatt-e auf, welche bis ans den auggetroeknetei1 Sand gerollt war. Die Ha11d, die diese Platte geschleudert hatte- machte deni Grasen und seineni Sohne ein Zeichen nnd verschwand dann. Akhos nnd Raoul näherten sich nun einander, be- trachteten aufmerksam die votti Staube befleckte Platte, und sie entdeckten auf deiii Gruiidc mit einer Messer- spitze geschriebeiie Charaktere. »Jet) bin-« sagte die Jnsthrifi-»der Bruder des Königs von Frankreich, heute Gefange- ner, morgen wahnsinnig. Französische Edelleute und Chrisieii, betet zit Gott für die Seele und die Vernunft des Sohiies Ett- rer Gebieter!" " Die Platte entsiel deii Händen von Athos, wäh- rend Raoitl den geheimnißvolleu Sinn dieser sinsteren Worte zu ergründeti suchte. Jii demselben Augenblick ertönte ein Schrei oben voni Thurme herab. Rasch wie der Blitz, bückte Raoiil den Kopf und nöthigte seineii Vater, sich auch zu bücken. Ein Musketetilauf hatte auf dem Kamme der auer geglänzh Ein weißer Rauch dratig wie ein Fedevbiisch bei der Mündung der Muskete hervor, und eine Kugel plattete sich auf einem Steine, seebS Zoll voll den beiden Edelleute11, ab. v Eine andere Muskeie er- schien und senkte sich. »Alle Teltfel!«« rief Atbos,»ermordet man die Leute hier-? Kommt herab, Ihr feigeii Bursche.« »Ja- kommt her-abl«« rief Raonl tvüthend, indem er die Faust gegeii diig Schlriß ausstrerkte. Einer von den Angreifenden, derjenige, welcher ießeii im Begriff war- Eistaiineiis, nnd als sei11 Ges ährte seinen Angriff fort- setzen zoollte und die Mnsfete wieder geladeti und ge- welehcr gerufen hatte, 52 das Gewehr in die Höhe, und der Schuß ging in die Luft. Athos nnd Raoul, als sie sahen, daß man ver- schwand, dachten, man würde zu ihnen kommen, und warteten festen Fußes. Es waren noch nicht fünf Minuten vergangen, als das Rasseln des Schlagels auf der Trommel die acht Soldaten der Garnisott zusammenrief und diese am andern Rande des Grabens mit ihren Musketen er- schienen.- Art der Spitze dieser Leute stand ein Offieier, welchen der Vicomte voti Bragelonne als denjenigeti erkannte, der zuerst geschossen hatte. Dieser Mann be- fahl den Soldaten, sich fertig zu machen. »Wir werden erschossen werden,« rief Raoul. »Den Degen wenigstens in die Hand, und springen wir über den Grabenl Wir werden wohl jeder einen von diesen Schriften tödten, wenn ihre Musketen leer«-. sind.« Und schon stürzte Raoul, die Bewegung mit dem Rathe verbindend, gefolgt voir Athos, vorwärts, als eine wohlbekannte Stimme hinter ihnen erscholl. ,,Athos! Raonll« rief diese Stimme. ,,D’Artagnan!« erwiederten die zwei Edelleute. i »Schultert das Gewehr, Mordiour!« rief der Ka-« piiäit den Soldaten zu.»Ich war dessen, was ich sagte, sicher l« Die Soldaten schultertekt ihre Musketen..- »Was geschieht uns denn W fragte Athos.»Wie matt erschießt uns nur so gerade zu, ohne nnsz warnen l«« »Ich war im Begriff, Euch nieder-zuschießen,'« er2" wiedekte d’Artagnan,»und wenn Euch der Gouverne« gefehlt hat, ich hätte Euch nicht gefehlt, meine lie- Freunde. Welch ein Glück, daß ich die Gewohnhe habe, lange zit zielen, statt instinktartig zu schieß’ 53 Jch glaubte Euch zu erkennen. Ahi meine thenren Freunde, welch ein Glück i« wiederholte d’Artagnan. Und er wischte sich die Stirne ab, denn» er war Wsch gelaufen, und die Aufregung war bei ihm nicht geheuebelt. »Wiei« sagte der Graf,»der Herr, der auf uns geschossen bat, ist der Gouverneur der Festung?« ,,Jn Person.«» »Und warum schoß er auf uns? was haben wir ihm gethan?« »Bei Gotti Jhr habt das aufgenommen, was Euch der Gefangene zugeivorfen.«« »Das ist wahrl« »Die Platte... nicht wahr, der Gefangene hatte etwas darauf geschrieben W »Ja-« »Ich vermuthete es. Ah! mein Gott« Mit allen Zeichen einer tödtlicheii Bangigkeit er- griff P’Artag11a11 die Platte,« unt zri lesen, was darauf gefchriebenwar. Als er gelesen hatte, überzog die Blässe fein ganzes Gesicht. ·»Oh! mein Gotti« wiederholte er. »Es ist also wahr W fragte Aihos halblaut,»es ist also wahr?« »Ft;llei der Gouverneur ko1nm«;-« » n was wird er uns tuii das un ere Schuld?«« h Jst s »Siillel sage ich Euch! Glaiibt matt, Jhr kön- Uek Iefem denkt man, Jhr habet begriffeii... ich liebe Euch sehr, theure Freunde, ich würde mich für Euch todten lassen... aber...« »Aber...« sagten Athos und Raoul. »Aber ich würde Euch nicht von einem einigen Gefanglllß retten, wemi ich Euch vom Tode rettete. Saite quol« Der Gouverneur kam, er war auf einem Brückcheu von Brettern über den Graben gegangen. f?,,Llinn!« rief er d’Artagnan zu,»was hält uns au« »Ihr seid Spanier, Jhr versteht nicht ein Wort Französisch,« sagte rasch der Kapitän zu seinen Freunde11. ,,Nnn!« erwiedcrte er, sich an den Gouverneur wendend,»diese Herreii sind zwei spanische Kapital-en welche ich im vorigeii Jahre in Ypres habe kennen lernen.v Sie verstehen keiti Wort Französisch-« »Ah l« machte aufmerksam der Gouverneur, nnd er suchte, die Jnschrift der Platte zu lesen. D’Artagiian nahm sie ihsii aus den Händen nnd Vertilgte die Charaktere mit der Spitze seines Degene. »Wie!« rief der Gouverneur,»was«macht Ihr? Jch soll also nicht lesen?« »Das ist das Staatsgeheininiß,'« erwiederie d’Ar- tagnan gerade heraus,»und da Jhr wißt, daß nach dem Befehle des Königs Todesstrafe gegeii Jedeti darauf gesetzt ist, der es ergründen wird, so will ich gestatten- daß Jhr leset,v und Euch sogleich hernach erschießen lassen.«- Während dieser halb ernsten, halb ironischen Rede beobachteten Athos und Raoul ein Stillschweigen voll Kaltblütigkeit.. »Aber es ist nicht möglich, daß diese Herren nicht wenigstens ein paar Worte verstehen.« ,,Laßt das doch! selbst wenn sie verstanden, was Ik man spricht, würden sie nicht lesen« was man schreibt; sie würdeti es nicht einmal in spanischer Sprache lesen. Ein edler Spanier, erinnert Euch dessen wohl, darf nie lesen können.«« Der Gouverneur mußte sich mit diesen Erklärungeii, begnügen; aber er war zäh.,. ,,Ladet diese Herren ein, iii das Fort zu kommen,-« sagte er- »Das will ich gern, denn ich war im Begriff, es Euch vorzuschlagen,« erwiederte d’Art,agnan. Der Kapitan hatte tn Wahrheit einen ganz ande «-.-.-.—-. uns dort den. teur äue, ten- und end US. pr? Ar- ach auf en- sen ede oll cht as )t; ZU- Iie« 55 Gedanken, und er würde. gern seine Freunde hundert Meilen entfernt gesehe11 habet1. Aber er war genöthigt, festzuhalte11, nnd richlsete in spanischer Sprache an die beideti Edelleute eine Einladung, welche diese annahmen. Man wandte sich nach deni Eingang des Fort, und da der Vorfall abgethaki war, so kehrten die acht Sol- daten zu ihrer, einen Augenblick durch dieses unerhörte Abenteuer gestörten, süßen Muße zurück- vi. Gesange-net nnd Hierin-meisten » Sobald sie in das Fort eingetreten ware11, und wahrend der Gouverneur einige Anstalten traf- usn seine Gaste zu empfangen, sagte Athoss »Ein Wort der Erklärung, so lange wir allein sind.« ·»Die Sache ist ganz cinfach,«« antwortete der Mus- ketier,»Ich habe auf die Jnsel einen Gefangenen geführt, welchen zn sehe11 der König verbietetz Jhr seid ange- kommen, er hat Euck) etwas aus seine-n Fenster zuge- worfm dch aß bei-n Gouverneiir zu Mittag, sah die- sen Gegenstand heranswerfen und Raoul denselben aufhebenztch brauche nicht viel Zeit, unt zu begreifen- Ich begktfs und glaubte- Jbr wäret im Einverständniß mit meinem Gefangenen. Dann...«« »Dann befahlet Jhr, uns niederzuschießen.«« »Meiner Treue... ich gestehe eg; doch wenn ich der Erste war, der nack) einer Muskeie sprang, so war kxhtauch glücklicher Weise der Letzte, der auf Euch an- g e.« 56' »Hättet Jhr mich getödtet, d’Arta·qnan, so wider- fuhr mir das Glück, für das königliche Hatis Frankreich zu sterben, nnd die unsihatzbare Ehre, durch die Hand von Ench, seinem edelsten und wackersten Vertheidiger, zu sierben.«« ,,Gutl Athos, was erzählt Jhr mir da von deni Hause Frankreich!« stammelte d’Artagnaii.»Wie, Jhr, Gras, ein weiser nnd wohlunterrichteter Ma11n, glaubt an diese voit einem Hirnlosen geschriebenen Tollheiten!«« l »Ich glaube daran.«·« »Mit unt so mehr Grund, mein lieber Chevalieh als Jhr Befehl habt, diejenigen, welche daran glauben würden, zii tödten,«« fügte Raoiil bei. »Weil,« entgegnete der Kapitciii der Musketiere, »weil jede Verleumdung, wenn sie aneh sehr albern ist- die beinahe sichere Chance hat, volksthiinilich zu werden.« »Nein, d’Artagnan,« erwiederte Athos leise,"»weil der König nick)t will, daß das Geheimniß seiner Familie iin Volke ruchbar werden und init Schande die Henker des Sohnes von Ludwig Xlll. bedecken soll.« »Gehtl gehtl sprecht keine solche Kindereien, Athool oder ich verleugne Euch als einen vernünftigen Manti. Erklärt mir überdies ,« wie Ludwig Xlll· einen Sohtt auf der Jnsel Sainte-Marguerite haben sollte?«« »Einen Sohn, den Ihr verlarvt in dem Boote eine-z Fische-re hieher geführt hättet,«« sagte Athos, ,,lvarum nicht?««» D’Artagnaii blieb stehen.. »Ah! ahl«« sprach er, ,,woher wißt Ihr-, daß ein»; Fischerboot...«- ,,Ench nach Sainte-Marguerite mit dem Wage-i gebracht hat, der den Gefangeiien enthielt, welchen Jhr Hoheit nennt. Oh! ich weiß es,« erwiederte der Graf. D’Artagnan biß sich auf seinen Schnurrbart. . ,,W»äre es auch wahr,« sagte er,»daß ich hieher in einem Boote und mit einem Wagen einen verlarvte"s Gefangenen gebracht hätte, so beweist doch nichts,v d; «einen sinsierii Gedankeii, 57 dieser Gesangene ein Prinz ist... ein Prinz voin Hause Fraukreieh.« »Oh! sragt das Manns-« sagte Athos kalt. »Araniizi« rief der Musketier verblüfft.»Ihr habt Araniis geseheii?-« »Naeh seinem Unsall in Baum ja- ich habe Aramis flüchtig, verfolgt geseheii, imd Aramis hat mir genug davoii gesaiit, daß ich an die Klagen glauben kanns, die dieser Unglücklichc auf die silberne Platte gegrabeii hat.« D’Artagniiii senkte iiiedergesihlageii seineii Kopf. »Seht-« sprach er, ,,tuie Gott mit dem spielt, was die Mensche-i ihre Weisheit nenneni Ein schönes Ge- heimniß, voii dem zwölf bis fünfzehn Personen in die- seni Augenblick die Fetzen haben. Athoo, Verflucht sei der Zufall, der Euch bei dieser Sache mir gegenüber gestellt hat, denn nun...« »SAAk doch-" sprach Athos mit seiner strengen Satlfkmukh-»ist Euer Geheimniß verloren, weil ich es Weiß? Habe ich nicht schoii eben so schwere in meinem Leben getragen? Ruft doch Euer Gedächtnis zu Hülfe, mein Lieber.« »Ihr habt nie ein so gefährliches getragen,-«—entgek;- nete d’Artagnan voll Traurigkeit.»Ich habe etwas wie » daß alle diejenigen, welche dlefes Geheimniß berührt haben, sterben, und zwar schliiiim sterben werden.« »Der Wille Gottes geschehe, d’Artagnau, doch hier kommt der Gouverneur.«" . DCertagnan und seine Freunde nahmen sogleich wieder ihre Rollen auf. ieser harte und argwöhnisihe Gouverneur war gegen d’Artagiiaii von einer Höflichkeit, welche bis zur Unterwürfigkeit ging. Er begniigte sich scheinbar, dte Rei- senden ein gutes Mahl zu geben und sie wohl anzuschauen. Dithos und Naoul bemerkten, daß er sie oft durch plötz- liche»Angrifse in Verlegenheit zu setzen oder unversehens bei einer Aufmerksamkeit zu erwischen suchte; doch weder der Eine noch der Andere ließ still ans der Fassung bringen« Was d’Ar-iagnan gesagt hatte, konnte das Aussehen der Wahrscheinlichkeit haben, wenn es der Gouverneur nicht siir wahr hielt. Maii erhob sich von der Tafel, nni auszuruhen. »Wie heißt dieser Mensch? er hat ein schlimmes Gesicht,«« sagte Athos spanisch zu d’-Jlrtagnaii. »Saint-Mats,« erlviederte der Kupitäit.- »Das wird also der Kerkermeister des jungenPrin- zen sein?«« l·»Ei! weiß ich es? ich bin vielleicht lebenslänglich net-«- ,,Geht dochl Jhr?«« »Mein Freund, ich bin in der Lage eines Menscher-, der einen Schatz mitten in einer Wüste findet. Er möchte ihn gern haben, er kann nicht; er möchte ihn liegen lassen, er wagt es nicht. Der König wird mich nicht zuriickkomiiien lassen, weil er besiiraitet, ein Anderer könnte nicht so gut bewachen; er bedauert es, mich nicht mehr zu haben, denn er fühlt wohl, daß Niemand ihn ·" in seiner Nähe bedienen wird wie ich. Uebrigens wird? geschehen, was Gottes Wille ist« »Aber gerade, weil Jhr nichts Gewisses habt, istspsstk Eiter Zustand hier provisorisch, und Jhr werdet nach« Paris zurückkehren-« sagte Raonl. i »Es-ragt doch diese Herren, was sie auf Sainte-Mar-. gneritc habeii thun wollen?« unterbrach sie Saint-Mars. »Sie wußten, daß in Sainte-Honorat ein sehens- werthes Kloster nnd aus Sainte-Margiierite eine schöne- Jagd ist.«« gen,« sprach Samt-Mars. D’Artag11an dankte. ,,chin reisen sie wieder ab?«« fragte der Gouverneu »·Morgen,« antwortete d’Actagnan.— Herr von Samt-Mars machte seine Runde im ließ d’Artagna1i allein mit den vvrgeblichen Spaiii »Sie steht zii ihrer Verfügu11g, wie zu der Euri qusHs O Iig las Der en, hte sen rer icht ihn iid ach, ar- Ers. us- öne tri- -ein·e— zweite Umhüllnng, die den er e blutet, die zweite widersteht-« 59 »Oh!« rief der Musketier,»das ist ein Leben und s- o eine Gesellschaft, die mir wenig zusagenz Ja) befeble diese111 Menschen, und er ist mir lästig, Mordiouxl Sprecht- wollen wir einen Sel)uß auf die Kaninchen thun? der Spaziergang wird schön nnd durchaus 11ichterniudendsem. Die Insel ist nur anderthalb Stunden lang und eine halbe Stunde breit; ein wahrer Var-k. Belusitgen wir uns.« »Gehen wir, wohin es Euch beliebt, d’Artagnon, nicht um uns zu belustigen, sondern, um frei»zti reden.«« ’ rtaqnan machte einem Soldaten eM Zelchetly dkefer begriff, brachte den Herren Jagdgewehre und kehrte ins Fort zurür.« »Und nnnxf sagte der Musketier,»antw»ortet ein Weng auf die Frage, die dieser schwarze Samt-Mars machte: Was wolltet Jhr auf dieser Insel?««- »Von Euch Abschied nehnien.«»« »(» on« mir Abschied nehmen? wie so? Naoul reist? »Ja- »Jch wette, mit Herr-I voii Beaufori?« » ,,scit Herrn von Beaufort. Oh! Ihr eiramet Immer, lieber Freund-« ,,D»te Gewohnheit...« i tt Wahr-end die zwei Freunde ihr Gespnich begammsp . m e, sich Raottl, deii Kon schwer, das Herz beladen- auf moosbewachsene Felsen gesetzt, Und- fehle Muskete auf dem Schooß- schaute er auf das Meer bWaugi schaute er zum Himmel empor, horck)ke auf die StmTme seiner Seele und ließ die Jäger allmälig sich Von Ihm entfernen. D’Artagiia11 bemerkte seine Abwesenheit und sagte zu Athoen »Nicht wahr, er »Auf den Tod«- ,»Oh! ich denke, Jhk überm-be Raoul ist von einem festen Schlage. Alls allen so edlen Herzen Ist Panzer bildet. Die ist immer noch verwundet?« 60 »Nein ,« erwiederie Aihos,»Raoul wird daran sterben.«« ,,Mordiouri«« rief düster der Musketier. Und er fügte kein Wort mehr diesem Aue-rufe bei- Dann, nach einem Augenblick, fragte er: »Warum laßt Jhr ihn ziehen?«« »Weil er es will.« »Und warum geht Ihr nicht mit ihm?«« »Weil ich ihn nicht will sterben sehen.«' D’Artagnan schaute seineni Freunde ins Gesicht- »Jhr wißt-« fuhr der Graf, sich auf den Arm des Kapiiäns stützend, fort,»Ihr wißt, ich habe in meinem Leben nicht vor vielen Dingen Angst gehabt. Nun denn! ich habe eine unablässige, nagende, unüberwindt liche Angst; ich habe Angst, zu dein Tage zu gelangen- wo.ich die Leiche dieses Kindes in meinen Armen sehen würde.« »Ohl« rief diAkiagUalh»Shi« »Er wird sterben, ich weiß es, ich habe die Ueber- zeugung; ich will ihn nicht sterbe-i sehen.« —»Wie, Aihos, Jhr stellt Euch vor den muthigsten Mann- den Ihr, wie Jhr sagt, gekannt habt, Vor Euern d’Artagnan, vor diesen Mann ohne Gleichen, wie Jhr ihn einst nanntet, und Jhr sagt ihm, die Arme kreuzend, Jhr Alles gesehen, was man aus dieser Welt sehen kanni Sprecht, warum habt Jhr Angst hievor, Athos? Der Mensch muß auf dieser Erde aus Alles gefaßt sein, Allem irotzen.« »Höret mich, mein Freund, nachdem ichnnich aus nur noch zwei Religionen bewahrt: die des Lebens, nun in mir die Offenbarung, daß, wenn es Gott dul- dete, daß in meiner Gegenwart mein Freund oder nie dieser Erde, von der Jhr sprecht, abgenutzt, habsich. meine Freundschaften, meine Vaterpflicht; die der Ewig- s keit, die Liebe und die Ehrfurcht für Gott. Jch habe- J Jhr habet Angst, Euern Sohn todt zu sehen, Jhr, der l pas-« Um.. M-H.)H-» -.— bei- des em nd- en- sen ten ern ihr 61 Sohtt den letztett Seufzer aushauchke.« i ob! Min- ich will es Euch nicht einmal sagen, d’Artagnan.«« ,,Sprecht1 sprechti«« »Ich bin sian gegen Altes, außer gegen den Tod derjenigen, welche ic) liebe. Nur hiebei gibt es»kem Mittei. Wer stirbt, gewinnt, wer sterbetl sieht- verltert. Nem. Wissen, daß ich nie, nie mehr auf der Erde den- jenigert trafe, den ich mit Freuden sah; wissen, daß nirgends mehr d’At-tagnan, nirgends mehr Raoul sein wird, oh! ·.. Jch bin att, seht Jhr, ich habe keinen Mllkh Mehr; ich bitte Gott, mich in meiner Schwäche zu schonen; doch wenn er mich ins Gesicht, und auf diese Art schlüge, ich würde ihn verfluchen. Ein christ- licher Edelmann soll seinen Gott nicht verfluchen; es ist genug, wenn er seinen König verflucht hat.'« «Hm!« machte d’Artagnan, erschüttert durch diesen heftigen Sturnt votk Schmerzen. ,,D’Artagnan, mein Freund, Ihr, der Jhr Naoul liebt, seht ihki an,« fügte er, auf seinenSohne deutend, bei; ,,seht diese Traurigkeit, die ihn nie verläßt. Kennt Jhr etwas Grässlicheres, als Minute für Minute dem unablässigen Todesfampfe dieses armen Herzens beizu- wohnen W »Laßt mich mit ihnr spreche11. Wer weiß?«i «Versucht es; doc) ic) habe die Ueberzengung, es wird Euch nicht gelingen.« «»Ich werde ihm keine Tröstutigen geben, ich werde ihm dienen.« »Jhr?« ,4Alterdi11gs. Jst es das ersie Mal, daß eine Frau non ihrer ltntreue zurückgekehrt wäre. Jch gehe zu Ihm, sage ich Euch.« · Athos schüttelte den Kopf und setzte seinen Spa- ziergang allem fort. D’Artagnan ging gerade durch das esträuche zu Raoul zurück und reichte ibm die Hand. ,,Nun?« sagte d’Artagnan zu Raoul,»Jhr habt also nnt mir zu sprechen?«« 62 »Ich habe Euch um einen Dienst zu bitten ,« er- wiederte Bragelonne..-» »Sprecht·«« »»Ihr werdet eines Tags nach Frankreich zurück- kehren." »Ich hoffe es.« »Soll ich Fräulein de la Valliere schreiben?«« »Nein, das sollt Jhr nicht.« »Ich habe ihr so viele Dinge zu sagen.«' »So sagt sie Jhr mündlirk.« Nie« iiWelche Kraft schreibt Jhr einem Briese zu, die Euer Wort nicht hätte?«« »Ihr habt Okecht.-« »Sie liebt den König ,« sagte d’Artagnan derb heraus, ,,es ist ein ehrliches Mädchen-« Raoiil bebte. »Und Euch, Euch, den sie verläßt, liebt sie viel-- leicht mehr als den Königi, doch auf eine andere Art.« «»D’Artagnan, glaubt Jhr, daß sie den König liebt?«« »Sie liebt ihn bis zur Bergötterung. Es ist ein« für jedes andere Gefühl nnzugängliches Herz. Würdet Ihr in ihrer Nähe zu leben fortfahren, so wäret Jhr ihr bester Freund.« · »Ah!« riesRaoiil mit einem leidenschaftlichen Aus- schwung gegen diese schmerzlichc Hoffu1111g. »Wol(t Jhr TM »Das wäre seig.«' »Das ist ein albernes Wort, welches mich zur« Verachtiing Eures Geistes bringen könnte. Raoiil es ist nie feig, versteht Ihr mich-· zu thun, was uns durch höhere Gewalt auferlegt wird. Sagt Euch Euer Herz:«. ,,,;Gehe dahin oder stirb,«« so geht doch, Raoril. Jst sie feig oder muthig gewesen, indeai sie Euch de11·.Kö-» nig vorzog, den ihr Herz Euli rorzuzieheii ihr gebiete-« s« risch befahl? Nein, sie ist die Muthigste von rile kr- cks sie rb el- -« in set hr 63 Frauen gewesen« Macht es also wie sie, gehorcht Euch selbst. Wißt Jhr Eines, dessen ich sicher bin TM ,,Neniit es.-« »Wenn Jhr sie von Naheiii seht, mit deti Augen eineo Eiferfüchtigen...« ,,Ntin?«« »So werdet Jhr aufhöreii, sie zu liebean »Ihr bestimmt mich, mein lieber dULlrtagnan..« ,,E.)lbznreisen, um fie wiederzusehen?« »Nein, abzureisen, um sie nie wiederzusehen Jch will sie immer iieben.« «Offenherzig gestanden, das ist eiii Schliiß, dcn ich entfernt nicht erwartete.« ,,Hörct, mein Freund, Ihr seht sie wieder und gebt ihr, wenn Jhr es für geeignet erachtet, dieseii Brief, der ihr, wie Ench, erklären wird, was iii mei- nem Herzeii vorgeht. Leset ih11, sti) habe diese Zeilen iii der vergangenen Nacht geschrieben Es sakzte mir etwas, ich wiirde Euch heute sehen.« Er reichte den Brief d’Artngnati und dieser last »Mein Fräulein, Jhr halit in meinen Augen nickit Uiikkchi- daß Jhr mich nicht liebt« Ihr. seid nur eines Unrechts schuldig: daß Ihr mich glauben ließet- Ihr liebtet mich. Dieser Jrrthnm wird mich das Leben so- ftcm»Ich verzeihe Euch denselben, abeis id) verzeihe 1bn mir nicht. Man»sagt, die glücklich Liebenden seien ICZIV gegen die Klagen der verachtet Liebenden. Eis Wird Nicht so bei Etsch sein, die Jhr mich nicht liebtet, wenn nicht mit Angst. Jch bin überzeugt, wenn ich im Euch dringlich gewesen wäre-, um diese Freundschaft in Liebe 311 verwandeln, Jhr hattet nachgegeben, ans Furcht, mich sterbeii zii machen oder die Achtung, die ich für Euch hegte, zu vermindern. Es isi sehr« süß fül« sinnig, mit dem Bewußtsein zu sterben, daß Jhr frei nnd zufrieden seid. »Wie.werdetJhr mich auch lieben, wenn Jhr mei- nen Blick oder meinen Vorwurf nicht mehr fürchtet! 64 Jhr werdet mich liebeii, weil so reizend Euch auch eine neue Liebe scheineii mag, Gott mich in keiner Hinsicht niedriger, als den geschaffen hat, welchen Jhr gewählt, und weil meine Hingebung, meiiie Aufopferung, mein schmerzliches Ende mir in Euren Augen einen gewissen Vorzug vor ihm sicheiii Jn der reinen Leichtgiäubig- keit meines Herzens habe ich den Schatz, den ich in meinen Händen hielt, mir entschliipfen lassen. Viele- sLeute sagen: Jhr habet mich genug geliebt, um dazii zu kommen, mich sehr zu lieben. Dieser Gedanke benimmt mir jede Bitterkeit und führt mich dazu, daß ich nur- mich allein als Feind betrachte.- »Ihr werdet dieses letzte Lebewohl annehmen und iAnich dafür segnen, daß ich micli in das unverletzliche Asyl geflüchtet habe, wo jeder Haß erlischt, wo jede Liebe sortdauert »Gott befohlen, mein Fräulein. Müßte ich mit all meinem Blute Euer Glück erkaufån, ich würde all mein Blut hingeben- Jch bringe es wol)l meinem Elend zum sterl ,,Raoul, Bicomte von Bragelonne.«« »Der Brief ist gut,«« sagte der Kapitän,»ich habe. nur Eines dagegen einzuwenden.« »Sprechti« rief Raoui. »Daß er Alles sagt, nur das nicht, was, wie ein tödtliciies Gi st, Euren Augen, Eureiii Herzen entströmt, nur die ivahnsinuige Liebe nicht, die Euch noch verzehrt und versengt« Raoiil erbleichte und schwieg. X« »Warum habtJhr nicht nur die Worte geschrieben: »Mein Fraulein, »»Statt Euch zu vetsiuchen, liebe ich Euch und-» sterbe«« »Es ist wahr,« sprach Raonl mit einer sinstcren Freude.— i We ein zeii eine Ficlit hit, iein sseii rig- ielev zu mit nur ein ni, hrt 65 Und erzerriß den Brief, den er wieder zurückgenin- men hatte, und schrieb folgende Worte auf ein Blatt iii seiner Tabletie: ,,Uiiidas Glückzu haben, Euch noch zn sagen, daß ich Euch liebe, begehe ich die Feigheit, Euch zu schrei- ben, und nni inich für diese Feigheit zu bestrafen, sterbe ich.lc Und er nnterzeichnete. »Ihr werdet ihr diese Tabletie zustellen, nicht wahr-, Kapitän?«« sagte er zu d’Artagnaii. »Wann?-« fragte dieser- »An dem Tag,«« sprach Brageloiine, auf die letzten Worte deuieiid,«an dem Tag, wo Ihr das Datum un- ter diese Worte schreiben iverdet.«« Und er enteilte nnd lief Aihos entgegen, der iiiit langsamen Schritten zurückkam. Als sie nack) deiii Fort ziirückkehrten, ging die See both, und niit dein raschen Ungestüm der Windstöße des Mittelländischeii Meeres wurde die iible Laune des Ele- mente zu einein Sturme- » Etwas Ungestaltes- Wirbelndeo erschien vor ihren Blicken unfern voni Gestade.» »Was ist das?«« fragte Aihos. ,,Eine zertuü« Barke?-« »Das ist keine Barke-« eriviederie d’Artagnan.,— »Verzeiht-« entgegnete Raonl,»er; ist eine· Barke, welche rasch nach deni Hafen«zulänfi.«· »»Es ist iii der That eine Barke auf den Wellen, eine Barke, die wohl daran thut, sich hier iii Sicher- heit zu bringen; doch was Aihos auf dein Sande be- zelchvet- ist gestrandeM »Ja,.ja, ich sehe cs.« »»Es ist der Wagen, den ich ins Meer warf, alö" ich mit dein Gefangenen landete.«. »Wohl!" sprach"Athos,»wenn Jhr mir glauben wollt, werdet Jhr diesen Wageii verbrennen, damit 5 Die drei Musketiere. Bragelonne. x. 66 keine Spur davon übrig bleibt,- sonst werden die Fischer von Antibes, welche glauben, sie haben es mit dem Teufel zu thust gehabt, zu beweisen suchen, Euer Ge- sangener sei nur ein Mensch gewesen.« »Ich lobe Euren Rath, Athos, nnd will thi heute Nacht befolgen lassen, oder vielmehr selbst befolgen; doch kehren wir zurück, denn es fängt an zu regnen- und die Blitze sind furchtbar.«— J Als sie über deii Wall hin nach einer Gallerie gin- gen, von der d’Artag-1an die Schlüssel hatte, sahen sie Herrn vott Samt-Mars sich nach der von dem Ge-. fangeneti bewohnten-Stube wenden. Auf ein Zeichett von d’Artagnan verbargen sie sich in einem Winkel der Treppe. »Was gibt es?-« fragte Hlthos. »Ihr werdet sehen· Schaut Der Gesangette kommt von der Kapelle zurück." « Und man sah, beim Scheine der rothen Blitze, in dem violetten Dunste, mit dem der Wind den Gruiid des« Himmels überzog, ernst sechs Schritte hinter dem Gou- verneur einen schwarz gekleideten Mann vorübergehen,«,- der vor dem Gesichte ein Visir von geglättetem Stahl;.T gelöthet an einem Helm Von derselben Art, trug, so k- daß sein ganzer Kopf umhüllt war. Das Feuer des ZZ Himmels warf fable Resiexe auf die gegläitete Ober-« flache, und launenbaft springend schienen diese Restexe die zornigen Blicke zu sein, welche dieser Unglückliche, in:v Ermangelung von Berwünschungen, schleuderte. Mitteii in der Gallerie blieb der Gefangene einen i » Augenblick stehen, um den endlosen Horizont zu betrach- ten, um den Schweselgeruch des Sturmes einzuathmen und gierig den warmen Regen zu trinken, dann stieß: er einen eufzer gleich einem Gebrülle aus. ,,Kommt, mein Herr ,« sagte Samt-Mars unge-«" stütti zu dem Gefangenen, denn es beunruhigteihn- daß er den Armen lange über die Mauern schauen fu« »Kommt doch, mein Herd-«« cher Iem Ge- eute en; ten- zin- sie Ge-- kene , in ·.- des »ou- hen,— abl;.. des bet- flexe -,ml ineti" ach- men stieß nge- daß sahz 67 »Sagt Monselgnenr!« rief Athos ans seinem Winkel mit einer so feierliche11 und furchtbareti Sttnnne Samt-Mars zu- daß der Gouverneur vom Scheitel bis zu den Zehen schauerte.»» Athos wollte immerhin die Ehrftttcht fur dke ge- fallene Majestät haben. Der Gefangene wandte sich um.. »Wer hat gesprochen?«« fragte Samt-Mare. »Ich-« erwiederte d’Artagnan, der sogleich vortrat. »Jhr.wißt wohl, daß dies der Befehl ist.«.- ,,Nennt mich weder mein Herr, noch Monfetgneurz«« sagte der Gefangene mit einem Tone. der Naoul Ins in die Tiefe seiner Eingetveide erschütterte, ,,ncnnt mich -Verfluchter!««-I«) Und er ging weiter- Die eichene Thüre ächzte hinter ih:n. »Das ist ein unglücklicher Man11.!«« innrmelte dumpf der Musketier, indein er Naoul die vorn Prinzen be- wohnte-Stube bezeichnete. Die Merkptechungen. » Kantn war d’Arta Ztmmer zurückgekehrt, Fort kam und thtn mel N gnan mit feinen Freunden in sein als einer von den Soldaten des dete, der Gouverneur suche ihn. I) Wir müssen dem Leser die Woiste des Originals gebett, die sich dem Ktange nach nicht uberfetzeti lassen: No mssppeles vi mon- sieuk m moaseigaent, tappen-Juni Mllcdkcs«« Die von Naoul auf dem Meer erschaute Barke, welche so eilig nach dein Hufen zu steuern schien, kam nach Sainte-Marguerite mit einer wichtigen Depeche für den Kapitän der Musketiere.- Als d’Artagnan den Umschlag öffnete, erkannte er die Handschrift des Könige-. »Ich denke,« sagte Ludwig le.,»Ihr habtmeine» Befehle vollzogen, Herr d’Artagnan; kommt auf der J Stelle nach Paris«zur1"1ck und sucht mich, in meinem«! Louvre aus«« ,,Somit ist meine Verbannung zu Endei« rief- T freudig der Musketier-»Gott sei gelobt, ikls höre anf, f C» Kerkermeister zu sein.« it nndv er zeigte den Brief Arno-.« s h »Ihr-· verlaßt uns also?- sprach dieser voll Trau- d rigkeit.- U »Um uns wiederzusehe1!, theurer Freund, insofern V Raoul ein großer Junge ist, der wohl allein mit Herrn, von Beaufort reisen und seinen Vater lieber itI Gesell- ·» 1k- schaft von Herrn d’Artagnan zurückkehren lassen, als ihn« f« nöthigen wird, zwei hundert Meilen allein zu reisen, se um wieder nach la Färe zu kommen, nicht wahr, Raoul?« ·-- de »Gewiß,« stammelte dieser mit dem Ausdruck eines Z»»e] zärtlichen Bedauern6. 23 ,,Neiit, mein Freund-« entgegnete Athoe,»ich ver- Ls Jl lasse Raoul nicht eher, als an deni Tage, wo seitt Schiff am Horizont verschwunden sein wird. So lange»- er in Frankreich, ist er nicht getrennt von mir.« Js- Z ,,Nach Eurem Beliebeik, lieber Freund, doch wir i sp; werden wenigstens Sainte-Marguerite mit einander ver- j, Z lassen; benützt die Barke, die mich nach Atitibes zu- a rückführt.« H ·;- ,,Von Herzen gern; wir werden nie früh genug von- s« diese-n Fort und von dem Gespenste entfernt sein, das- uno vorhin fo sehr betrübt hat.«. mit Die drei Freunde verließen die kleine Jnsel, nach nur dem sie vom» Gouverneur Abschied,geno1n1nen hat s. Ikes alll für ne iek km« 69 ten, nnd beim letzten Schimmer des sich entfernenden Sturmes sahen sie zum letzten Mal die Mauer des Fort weiß werden. D’Artagnaik sagte seinen Freunden noch in dersel- ben Nacht Lebewohl, nachdem er auf denn Ufer von Sainte-Marguerite das Feuer des Wagens geseheir hatte, den Herr von Saint-Mars, demAuftrage des Ka- pitäns gemäß- hatte anzüuden lasseit. Ehe er zu Pferde stieg, und als er aus dem Arme von Athos hervorging, fagte er: «Freunde, Jhr gleicht zu sehr zwei Soldaten, die threir Posten verlassen. Es offenbart mir etwas- Raorcl hätte nöthig, von Euch in seiner Reihe gehalten zu wer- den. Soll ich mir die Erlaubniß erbitten, hundertgute Musketen nach Africa führetr zu dürfen? Der König wird es nicht abschlagen, und ich nehme Euch mit mir." »»Herr d’Artagnan,« erwiederte Raoul, indem er ihm voll Jnnigkeit die Hand drückte,»ich danke Euch für dieses Anerbieten, das uns mehr gebeii würde, als der Herr Graf und ich wollen. Jch, der ich jung bin, bedarf einer Arbeit des Geistes und einer Anstrengun des Körpers; der Herr Graf bedarf der tiefsten Ruhe. thr seid seit: bester Freuiidx ich empfehle ihn Euch. laindem the über ihiit wacht, werdet Jhr unsere beide Seelen m Eurer Hand halten« »Ich muß aufbrechen; mein Pferd wird ungedul- dtgf,«« sprach d’Artagnan, bei dem das untrüglichste Zeichen» einer lebhaften Aufregung der Wechsel der Jdeen In einem Gespräche war.»Sagt, Graf, wie viel Tage hat Raottl noch hier zu verweilen?« ,,H’,» stens drei Tage-«- «Un" wie viel Zeit werdet Ihr brauchen, um nach Hause zurückzukehreii W »»'h! viel Zeit,«« antwortete Athos.»Ich will Mich Mcht zu schnell von Raoul trennen, und werde nur halbe Tagemcirsche tnachen.« · »Warum dies, mein Freund? Man wird traurig- ; s-« .———»..-..—-«.k-.-.-».«-.. ,«» ro"« wenn man langsam marschirt, und das Wirthshaus- leben sieht einem Mann- wie Jhr- nichtmehr gut aus« »Mein Freund- ich bin mit Pferden von der Post — hierhergesommem aber ich will ein Paar seine Pferde kaufen. U111 diese nun frisch zurückzubrirIgen, wäre es unklug, mehr als sieben bis acht Meilen im Tage zu machen.««- »Wo ist Grimaud M · »Er ist gestern Morgen mit den Equipagen von Raoul angekommen, und ich habe ihn schlafen lassen.« »Das ist, um nicht wieder darauf zu kommen,«" entschlüpste d’.Artagnan.»Auf Wiedersehen also, lieber Athos, und je mehr Jhr Euch beeilt, desto früher werde ich Euch sehen.« Nach diesen Worten setzte er seinen Fttß auf den Steigbügel, den thn Raoul hielt.« »Gott befohlen,«« sprach der junge Mann, indeni er ihn umarmte. »Gehabt Euch wohl,« erwiederte d’Artagna11, wäh- rend ersieh in Sattel schwang.- Sein Pferd machte eine Bewegung, welche den Reiter von feinen Freunden entfernte. Diese Scene fand vor dem von Athos vor den Thoren von Antibes gewählten Hause statt, wohin d’Artagnan nach dem Abendbrode seine Pferde zu brine’ gen befohleii hatte. Die Straße fing hier an und dehnte sich weiß und« wellenförmig iti den Dünsten der Nacht aus, das Pferd athmete kräftig den scharfen Salzgeruch ein, der den v Mooren entströmt. D’Artagnan ließ sein Pferd traben, und Athos schlug traurig mit Raoul den Nnckiveg ein. Plötzlich hörten sie das Geräusch von Pferde tritten, und Anfangs glaubten sie, es sei jenes selt-:säf same Zuritckprallem welches das Ohr bei jeder Biegung der Wege täuscht. Aber es war wirklich die Rückkehxs des Chevalier- D’Artagnan sprengte im Galopp zuji J Oe Z k- - s-—-’,,.. —----..-—- en en »in ne nd cll 71 seinen Freunden bekan. Diese gabeii einen Schrei freu- digen Erstauneng von sich, der Kapitän spraitg wie ein junger Makin von seinem Pferde und nabtit in seine beiden Arme die zwei geliebten Köivfe von Athvg und Raoitl. Er hielt sie lange umschlungen, ohne ein Wort zu sagen, ohne den Seufzer entschlüper zu lassen, der seine Brust zerriß. Darm schwang er sich wieder auf sein Roß, drückte dem ivüthenden Thiere beide Sporen in die Flankeii und ritt so schnell weg-, als er gekom- men war. ,,Ach!"« sagte der Graf ganz- leise,»achl« »Ein schlimmeo Vorzeichen,« sprach zu sich selbst d’Artngnan, während er die verlorne Zeit wieder ein- holte.»Ich konnte ihnen nicht zulächeln. Ein schlim- mes Vorzeicheni--. Atn andern Morgeii war Grimand wiederherge- stellt. Der von Herrkt votr Beaufort vesohlene Dienst ging glücklich von Statte11. Diedurch die Sorge voll Naoul gegeII Toulon gelenkte Flottille war, in kleinen, beinahe unsichtbaren Nacheti, die Frauen und Freunde der für den Dienst der Flotte requirirten Schiffer und Schmuggler uachschleppend, abgegangen Die so kurze Zeit, welche dem Vater und dein Sohle noch zuni Zusammensein blieb, schien ihre Ge-" schwindigkeit verdoppelt zu haben, wie die Geschwindig- keit von Allem wächst, was sich zuni Falleii in den Schlund der Einigkeit neigt. Athos nnd Raoexl kamen nach Toulon zurüek, das sich niit dem Geräusch der Wagen, mit dem Geräusch der Rustungen, mit dem Geräusch der wiehernden Pferde stillte. Die-Trompeter stimmten ihre stolzeik Märsche an, die Tromniler bewiesen ihre Stärke, die Stra- ßen waren vollgepfropft von Soldaten, Knechten und Händler1(. . Der Herzog von Benufort war überall, er betrieb die Emschtffnng mit dem Eifer und dem Jntereffe eines 72 guten Kapitäns. Er schmeichelte seinen Gefährten, selbst den Niedrigsten, er schalt seine Lieutenants, selbst die Bedeutendsicn. H Geschütz, Proviant, Gepäcke, Alles wollte er selbst sehen; er untersuchte die Equipirung jedes Soldaten und versicherte sich der Gesundheit jedes Pferdes. Man fühlte, daß, in seinem Hotel leichtsinnig, prahlerisch, selbstsüchtig, der von ihni übernommenen Verantwort-— lichkeit gegenüber der Edelmann wieder Soldat, der vornehme Herr wieder Kapitäti wurde- Doch ist es nicht zu leugnen, wie groß auch der- ·Eifer war, der bei· den Anstalten zuni Aufbruch vor- waltete, man erkannte dariii die sorglose Hast nnd den Mangel an jeder Borsick)t, die aus dein Franzosen den fersten Soldaten der Welt machen, weil er der an1 mei- sten seinen eigenen physischen und moralischen Mitteln anheimgegebene ist. Als alle Dinge den Admiral wirklich oder scheint- bar befriedigt hatten, machte er Raoul seine Compli- mente und gab die letzten Befehle für die Abfahrt, welche aus den andern Morgen mit Tagesanbruch be- stimmt war. Er lud den Grafen und seinen Sohn zum Mittag- essen bei sich ein« Diese schützten einige Nothwendig- keiten des Dienstes vor und entfernten sieh. Als sie ihr Gasthaits erreicht hatten, das unter den Bäumen des großen Platzes lag, nahmen sie in Eile ihr Mahl ein,-. und Athos führte Raotil auf die Felsen, welche die Stadt beherrschen, weite gratte Berge, von-wo die Aus- sicht unbegrenzt ist und einen flüssigen Horizorrt um- faßt, der, so sern ist er, von einein Niveau mit den Felsen selbst zu sein scheint. Die Nacht war schöti wie immer in diesen Kliiiia- ten. Der hinter den Felsen aufgehende Mond entrolltc gleichsam ein.silbernes Tuch auf dem blaueit Teppich des Meeres. Jn der Rhede manoeuvrirten schweigsam Ebst die bst en an ch- ri-- Mr ler Ir- en en zi- ln 73 die Fahrzeuge, welche ihre Reihe eingenommen hatten- um die Einschiffnng zu erleichter11. MikPhosphor beladen, öffnete sich das Meer unter- den Kieleki der Barken, welche das Gepäcke und die Munition übel-schifften; jeder Stoß des Vordertheils durchwühlte diesen Schlund weißer Flammen, und voll jedem Ruder träufelten flüssige Diamanten. Matt hörte die Seeleute, freudig über die Freige- bigkeit des Admirale-, ihre langsamen, naiven Gesänge murmeln. Zuweileii vermengte sich das Rasseln der Ketteik mit dem dumpfen Geräusch der in die Räuer fallenden Kugelit. Dieses Schauspiel und diese Har- monien schnürte-n das Her-z zusammen wie die Furcht, und erweiterten es wie die Hoffnung. Dieses ganze Le- ben roch nach dem Tod. Athos setzte sich mit seinem Sohn auf das Moos und das Heidekrarit des Borgebirgs. Um ihre Häupter flatterten die großen Fledermäuse, fortgerissen im furcht- baren Wirbel ihrer blinden Jagd. Die Füße von Raoul ragteii über den Raiid des senkrechten Abhangs hinaus und badeteil ich in dein leeren Raume, den der Schwin- del bevblkert und der zur Vernichtung herausfordert. zen Ausdehnung beleuchtet war und die kleineik rothen Feuer-ihre Oeffnung in den schwarzen Massen jedes Schtfles gemacht hatten, da sammelte Athos alle seine Gedanken, seinen ganzen Milih, und sprach: »Gott hat Alles gemacht, was wir hier sehen, aoul; er hat auch uns gemacht, arme mit diesem großen Weltall ver-mengte Atome; wir glänzen wie diese «ellen, wir leiden wie diese großen Schiffe, die sich- dle Woge durchfurchend, dein Wiicde gehorchend, der sie Nach einem Hafen treibt, abnutzen. Alles liebt, z11 leben, Raolil, und Alles ist schön in den lebenden Dingen.« 74 »Wir haben da in der That ein schöiies Schau- spiel-« erwiederte der junge Manti. »Wie gut d’Artagnan ist,« unterbrach plötzlich Alhos,»und welch ein seltenes Glück ist es, sich ein ganzes Leben hindurch auf eineIIFreu11d, wie dieser ist, gestützt zu haben! Das hat Euch gefehlt, Raoul.«« »Ein Freund l« rief der junge Mann;»es hat mir an eineni Freunde gefehltl«- »Herr von Guiche ist ein reizender Kamerad,«« ent- gegnete kalt der Graf,»aber ich glaube, its der Zeit, in der Jhr lebt, bekümmern sich die Menschen mehr um ihre Angelegenheiten, und um ihre Vergnügungen, als es zu unserer Zeit der Fall war. Jhr habt das einsame Leben gesucht; das ist ein Gliick, doch Ihr habt dabei die Stärke verloren. Ein wenig der abstracten Fein- heiten entwöhnt, die Eure Freude bilden, fanden wir viel mehr Widerstand, als das Unglück erschien.«- »Ich unterbrach Euch nicht, mein Herr, um Euch zu sagen, ich habe einen Freund gehabt, nnd dieser Freund sei Herr von Guiche gewesen. Er ist jedoch gut und edelmüthig, und er liebt mich ·.. Jch habe» unter Bevormundung einer andern Freundschaft gelebt,-. einer Freiindschaft, welche fo stark, so kostbar- als»»die, von der Jhr sprecht, denn es ist die Ewiger .»Ich war kein Freund für Euch, Raoul,«« entgeg- nete Athos. »Ei! mein Herr, warum nicht?«- »Weil ich Euch Anlaß gegeben, zu glauben, das Leben habe nur eine Seite, weil ich,s leider traurig und streng, stets für Euch die freudigen Knospeii abgeschnit- ten habe, welche unablässig aus dem Baunxe der Jugend. hervorspringenz mit einem Wort, weil ich-es in diesem’f» Augenblick bereue, daß ich nicht aus Euch einen sehr J« für das heitere Leben geöffnete11, munteren, getäuschvol-- len Mann gemacht habe.«'- »Ich weiß, warum Ihr mir das sagt. Nein, Ihr habt Unrecht- nicht Jhr habt aus« mir gemacht, was sp; 75 ich jetzt bin; es ist diese Liebe, welche mich in dem Au- genblick erfaßte, wo die Kinder nur Neigungen habert; es ist die meinem Charakter natürliche Besiändigkett, welche bei den andern Geschöpfen nur Gewohnheit. Ich glaubte, ich wäre immer, wie ich war, ich glaubte, Gott habe mich auf eine ganz frisch angelegte, ganz gerade, ganz mit Früchten nnd Blumen eingefaßte Straße geworfen. Jch hatte über mir Eure Wachsan1- keit, Eure Stärke, und hielt mich für wachsam und stark. Nichts hatte mich vorbereitet, ich bin einmal gefalle11, und dieses eine Mal hat mir den Muth für mein ganzes Leben geraubt. Allerdings bin ich dabei gebrochen. Oh! mein Herr, Jhr habt an meiner·Ve»r- gangeuheit nur für mein Glück AntheilJ Jhr seid in meiner Zukunft nur wie eine Hoffnung. Nein, ich habe deiii Leben nichts vorzurverfen, so wie Jhr es mir gemacht. Jch segne Euch, und ich liebe Euch Voll anrunst.«« »Mein theurer Raoul, Eure Worte thun mir wohl. Sie beweisen mir, daß Jhr ein wenig für mich in der kommenden Zeit handeln werdeM »Ich werde nur für Euch handeln.« »Raoul, was ich nie in Beziehung auf Euch ge- than habe, werde ich fortan ihu11. Jch werde Euer Freund sein, und nicht mehr Euer Vater. Wir wer- den leben, indem wir uns ausbreiten, statt zu leben, indem wir uns gefangen halten, wenn Ihr zurückkehrt. Das wird bald geschehen, nicht wahr?« »Gewiß, mein Herr, denn eine solche Erpedition kann nicht lange dauern.« »Wald also, Raoul, bald werde ich Euch, statt mä- ßig von meinen Einkünfien zu leben, das Capital mei- ner Güter gebett· Es wird Euch genügen, um Euch in der Welt bis zu meinem Tode zu bewegen, und Jhr werdet mir- wie ich hoffe, vor dieser Zeit den Trost schenken, mein Geschlecht nicht erloschen zu lassen.« F’»Ich werde Alles thun, was Jhr mir befehlt,«' er- iederte Raoul sehr bewegt. 76’ »Raonl, Euer Adjudantendienst sollte Euch nicht zu allzu gewagten Unternehmungen veranlassen. Ihr habt Eure Proben abgelegt,« man weiß, daß Jhr gut im Feiter seid. Erinnert Euch, daß der Krieg mit den Arabern ein Krieg der Hinterhalte und Ermordungen ist« »Man sagt es, ja, mein Herr.«« »Man erntet immer wenig Ruhm dabei, wenn man in einen Hinterhalt fällt. Das ist ein Tod, der ein wenig der Verwegenheit oder Unvorsichtigkeit be- schuldigt. Häufig beklagt man nicht einmal denjenigen; welcher unterlegen ist. Diejenigen, welche man nicht beklagt, Raoul, siitd unnütz gestorben. Mehr noch, der Sieger spottet, und wir dürfen es nicht dulden, daß diese albernen Ungläubigen über unfere Fehler triumvhiren. Jhr begreift wohl, was ich hiemit sagen will, Rao11l, Gott behüte mich, daß ich Euch ermahne, fern von den Treffen zu bleibeni-! »Ich bin von Natttr vorsichtig, und ich habe viel Gliick,«« erwiederte Raoul mit einem Lächeln, welches das Herz des armen Vaters zu Eis erstarren machte; ,,denn,« fügte rafch der junge Mann bei,»in zwanzig Schlachten, die ich mitgemacht, habe ich noch nicht eine Schramme bekoinmen.«« »Auch ist das Klima zu fürchten, der Fiebertod ist ein häßliches Ende. Der heilige König Ludwig bat Gott, er möchte ihm einen Pfeil oder die Pest vor dem Fieber fchicken.« ,,Ohl mein Herr, mit Mäßigkeit, mit einer ver- nünftigen Leibesübnng...« »Ich habe es bei Herrn von Beaufort dahin ge- bracht,- unterbrach Athos,»daß feine Depechen alle- vierzehn Tage nach Frankreich abgehen, Jhr, fein Ad-’« jutant, werdet beauftragt fein, sie zu erpediren; ohne Zweifel werdet Jhr mich nicht vergessen.«« Ä »»Nein, Herr,«« erwiederte Raoul mit einer erstickten..»- ttmme. THE-In USE-TO nit det sch- hie Ma unt und der zu pabt im den gen iati ein be- eiij cht der ese en- iil, sen iel e; .ig ne ist at ej le )- ie 77 ,,Raoul, dii Jhr ein guter Christ seid nnd ich auch, so müssen wir auf einen besondern Schirm Gottes oder seiner Schutzengel zählen. Verspreck)t mir- daß Ihr, weiin Euch bei irgend einer Beranlasstcng Unglück be- gegnete. vor Allem an mich denken werdet.« »Oh! ja, vor Allein.« »Und daß Ihr mich anrusen werdet.« »Oh! aus der Stelle.«- »Ihr träuint zuweilen von mir,—Raoul?« »Alle Nächte, mein Herr. Während meiner ersteii Jugend sah ich Euch ini Traume ruhig und sanft, eine Hand über meinem Haupte ausgestreckt-. und darum schlief ich... einst immer so gut.«« »Wir liebeii uns zu sehr, als daß nicht von dein Augenblick au, wo wir uns trennen, ein Theil von mit dein Einen und dem Andern voii uns reisen und da wohnen sollte, wo wir wohnen werden. Raoul ich fühle, daß, wenn Jhr traurig seid, mein Herz sich in Traurigkeit versenken wird, und wenn Jhr in Gedanken an mich lächeln wollt, so bedenkt, FxßcktJhr mir von dort einen Strahl Eurer Freude )I.« »Ich verspreche Eiich nicht, freudig zu sein-« ant- wortete der junge Mann, ,,doch seid überzeugt, daß ich nicht eine Stunde hinbringen werde, ohne an Euch zii denken; nicht eine Stunde, das schwöre ich Euch, wenn ich nicht todt bin.«« Akhvs konnte sich nicht länger beivciltigen, er uni- schlang mit dem Arm den Hals seines Sohnes nnd hielt ihn niit allen Kräften seines Herzens umfangen. Der Mond hatte der Morgendöinimerung Platz ge- macht; ein goldener Streif stieg am Horizont empor nnd verkündigte das Heraniiaheii des Tages. Athos warf seinen Mantel auf die Schultern voic Raoul und führte ihii in die Stadt, wo schon Lasttriiger und Harren, wie ein großer Ameisenhaufen, untereinan- der wuumeltem its Am Ende des Platea1i, das Athos und Bragelonne verließen, sahen sie einen schwatzen Schatten unent- schlossen und als schämte er sich- gesehen zu werden- sich wiegen. Es war Grima11d- der unruhig seinem Herrn anf der Ferse gefolgt war und auf den Grafen und seinen Sohn wartete. »Oh! guter Grimaud,« rief Raonl,»was willst Du? Du kommst, um nns zu melden, wir müssen auf-« brechen?'«— ,,Allein M sagte Grimand, indem er Athos Raoul mit einem Tone des Vorwurfs bezeichnete, der zum Beweise diente, in welchem Grad der Greis erschüttert war« «Ohl Du hast Rechtlit rief der Graf,»nein, Raoul wird nicht allein reisen; nein, er wird nicht auf einer fremden Erde bleiben, ohne ein befreundetes We- sen, das ihn tröstet und an Alles erinnert, was er iebte.« »Schl« versetzte Grimaud. »Du? Ja, ja!«- rief Raoul, bis in die Tiefe sei- nes Herzens gerührt. «Ahl Du bist sehr alt, mein guter Grimaud,« sprach Athos. »Desto besser,« erwiederte dieser, mit eine««r unaus-« sprechlichenf Tiefe des Gefühls und des Verstands. »Aber die Einschiffung sindet schon statt, nnd Du bist nicht vorbereitet,«« entgegnete Raoul. »Doch1« sagte Grimaud, auf die Schlüssel seiner» Koffer deutend, die mit denen seines jungen Herrn ver-« mischt waren.»- ,,Aber,«« entgegnete Raoul,»Du kannst nicht so den Herrn Grasen allein lassen, den Herrn Grafen- den«-T Du nie verlassen hast.«« Hi Grimaud wandte seinen verdüsterten Blick gegettiv Athos, als wollte er die Stärke des Einen oder Andern; messen.·-?- Der Graf antwortete- nicht. »Um-q—- EVEN-Deo terk Ein- auf Be- er sei- d,« ne- Du net )ck-« t is- den cgetlfi )erU-« 79 »Dein Herrn Grafeik wird das lieber sein,«« sagte Grimaud. »Ja-« machte Athos mit feinetn Kopf. Jn diesem Augenblick rasselteit alle Tromnieln gleichzeitig und die Klarinen füllten die Luft mit ihren heiteren Melodien. · Matt fah die Regimenter, welche an der Erd-edl- tion Theil nehmeit sollten, aus der Stadt hervor- kommen. Sie rückten fimf an der Zahl, jedes bestehend aus vierzig Compagtiien, aus. Royal marschirte voran, er- kennbar an feiner weißen Uniform mit blauen Anf- schlage11. Die Ordonnauzfahnem kreuzförmig in vlek Felder getheilt, veilchenblalt nnd braungelb Zuit gol- denen Lilieii besäei, ließen die weiße Obristenfahne mit dein ebenfalls mit Lilien verzierten Kreuze herrschen.« « W neketiere auf den Flügeln mit ihren gabelförnil- gen Stäben in der Faust und die Muskete auf der Schulter, Pikenirer ixn Centrum mit ihren vierzehn uß langen Spießen- marschirten munter nach den Transporiparketh die sie im Einzelnen nach den Schiffen brachten.» Die Regimenter Picardie, Navarra, Normandie und Rohal-Baisseau kamen sodann. Herr von Beanfort hatte zu wählen verstanden. Man sah ihn selbst von fern den Zug mit seinem Generalstabe schließend. Ehe er das Meer erreichen konnte, mußte eine gute Stunde vergehen.» Raoiil wandte sich langfam mit Athos nach dem« Ufer, um feinen Platz in vorüberziehen würde,« rausend vor jugendlichem Eifer, ließ Grimaud Bad Gepiicke von Raoul nach dem Admiraleschiffe ringen. Athos hatte seinen Artn um den Hals seines Soh- nes geschlungen, den er verlieren sollte, er zehrte sich im schmerzlichsten Nachsinnen auf und betäubte sich durch das Geräusc) und die Bewegung. Plötzlich kam ein Osficier von Herrn von Beau- sort zu ihnen, um ihnen zu melden, der Herzog gebe den Wtcnsch kund, Naoul an seiner Seite zu sehen. »Mein Herr,«« rief der junge Mann,»wollt dem Prinzen sagen, ich bitte ihn noch um diese Stunde, um die Gegenwart des Herrn Grafen zu genießen-« »Nein, nein,« unterbrach ihn Athos,»ein Ade-b tant kann nicht so seinen General verlassen. Wollt dem Prinzen sagen, mein Herr, der Bicomte werde sich sogleich zu ihm begeben.« Der Ossicier sprengte im Galopp weg. «Ob wir uns hier verlassen, ob wir uns dortver- lasseii, es ist immer eine Trennung-«« sprach Athos. Er stäubte sorgfältig den Rock seines Sohnes ab und strich ihm, während sie gingen, über die Haare. »Höret,« sprach er, ,,Raoul, Jhr braucht Geld; Herr von Beausort lebt auf einem großen Fuß, und ich bin überzeugt ," daß Jhr Euch dort dariir gefallen werdet, Pferde und Waffen zu kaufen, was in jenetn Lande kostbare Dinge sind. Da Jhr nun weder dem König, noch Herrn von Beaufort dient und nur von Eurem freien Willen abhängt, so dürft Jbr weder auf Sold- noch auf Schenkungen rechnen. Es soll Euch in Gigelli an nichts fehlen. Hier sind zwei hundert Pi- stolenz gebt sie aus, Raoul, wenn Jhr mir Vergnügen machen wollt.« Raonl drückte seinem Vater die Hand, und bei der Biegung einer Straße sahen sie Herrn von Beausort,( »auf etnemsherrlichen weißen Rosse reitend, das durch; anmuthtgeCourbetten den Beifallsjubel der Frauen der j. Stadt erwiederte.- Der Herzog rief Raoul und reichte dem Grafen« die Hand. Er sprach lange zu ihm mit so sanften; Ausdrücken, daß sich das Herz des armen Vaters ein wenig dadurch gestärkt fand. km IM iu-, )llt cde er- ab ld; ind len enr km Don ruf uch Bi- zen der Okt- rch der fen ten ein H fix "·;k 81 Es kam jedoch Beiden, dem Vater und dem Sohne- vor. als laufe ihr Marsch auf den Richtplatz aus« Ein furchtbarer Augenblick trat ein, der, wo, um das Ge- stade zu verlassen, die Soldaten und die Seeleute mit ihren Familien und ihren Freunden die letzten Küsse wechseltent ein erhabener Augenblick-, in deut, trotz der Reinheit des Himmels, trotz der Wärme der Sonne, trotz der Wohlgetitche der Lust, trotz des milden Lebens, das durch die Adern kreist, Alles schwarz, Alles bitter erscheint, Alles an Gott, durch den Mund Gottes selbst sprechend, ziveifeltt macht. Es war gebräuchlich, daß sich der Admiral zuletzt mit seinem Gefolge einschiffte; die Kanonen warteten- uni ihre furchtbare Stimme ertöneit zu Iaffeic, bis der nführer einen Fuß auf das Brett seines Schiffes ge- setzt hatte. Den Admiral, die Flotte, die eigene Eitelkeit des starken Mannes vergesse11d, öffnete Athos seinem Sohne die Arme und preßte ihn krampfhastagi seine Brust- ,,Begleitet uns ait Bord,«« sagte"·der Herzog ge- rührt,»Ihr werdet dabei eine gute halbe Stucide ge- winnen.« « ,,Nein,«« erwiederte Athos, ,,nein, inesn Lebetvohl ist gesagt. Jch will nicht ein zweites sagen.'« »Dann schifft Euch rascli ein, Bicomte1« fügte der rinz bei, der die Thränen diesen beiden Männern, deren Herz anschtvoll, eispareti wollte. Und väterlich, zärtlich, stark, wie es Porihos" ge- ivesen wäre, nahm er Raoixl in seine Arme und setzte ihn auf die Schaluppe, deren Ruder sogleich auf ein Zeicheii zu arbeiten ansingeii. Das Ceremoniell vergessend,— sprang er selbst auf das Dahlbo » rd des Bootes und stieß es mit kräftigem Fuße ins Meer- »Gott befohlenl«« rief RaonL Athos antwortete nur durch ein Zeichen- aber er Die dkel»·Mustetlei-e- Bragetonne. x. c fühlte etwas Brennendes auf seiner Hatrd: das war der ehrfurchtsvolle Krtß vott Grimaud. der letzte Ab- schied des treuen Hundes. Nach diesem Kasse sprang Grimand von der Stufe des Hafendamms auf das Vordertheil einer Yole mit zwei Rudern, die sich von einem Chaland, bedient von acht Galeerenrudern, hatte bugsiren lassen. Athos setzte sich verwirrt, trübe, verlassen aüf den Hafendamm." Jede Secunde entführte ihn! einen von den Zügen- eine von denNuaticen des bleichen Gesichtes vonRaonL Die Arme hängend, das Auge starr, den M11nd offen, blieb er mit seinem Sohne in einem und demselben Blick, in einem und demselben Gedanken, in einer und derselben Betäubung vermengt.« Das Meer trug nach und nach die Schaluppen sund die Gestalten bis zu einer Entfernung fort, wo die Menschen nur noch Punkte sind, wo die gegenseitige Liebe nur noch in Erinnerungen besteht. Athos sah feinen Sohn die Leiter des Admiral- fchiffes hinaufsteigen, er sah ihn sich mit den Ellenbo- gen auf die Verschanzung stützen und eine solche Stel-« Jung nehmen, daß er immer ein Gesichtspunkt für das Auge seines Vaters blieb. Vergebens donnerte die Ka- none, vergebens drang aus den Fahrzeugen ein lange vanhaltenden Lärm hervor, am Lande verbreitet durch ein ungeheures Zujauchzett, vergebens wollte das Geräusch das Ohr des Vaters betäuben. Naoul erschien ihm bis zum letzten Augenblick, und das unmerkliche Atom- das vom Schwarzen zum Blafsen, vorn Blaffen zum- Weißen und voiir Weißen zum Nichts überging, ver-« jschwand für Athos lange, nachderii für die Augen aller Anwesenden mächtige Schiffe und angeschwollene Segel: verschwunden waren. GegenMittag- als schon dieSonne den Raum ver-H zehrte un—d.kaum das oberste Ende der Masten die weißglüsst hende Linie des Meeres überragte, sah Athos eine» war Lib- tufe mit von den gen- onl. ffen, lbeii und pen die tige kal- tho- Ftel-" das Ka- nge ein ufch ihm Dlni »am- per-« ller zgel Ec- klü-« v um Alles .-.«.-..-—-«-·-s 83 tveiche11, lustigen Schattett sich erheben, der eben so bald verschwunden, als gesehen: das war der Rauch von einem Kanonenschuß, den Herr von Beausort hatte feuern lassen, um zum letzten Male die Küste Frank- reichs zu grüßen. er Punkt versank am Horizont, und Athos kehrte schmerzerfüllt nach seine-n Gasthofe zurück. viii. Zwischen stauen. D’Artagnan hatte sich vor seinen Freunden nicht so gut verbergen können, als er es gewünscht. Der stoischeSoldat, der uneinpsindliche Kriegsmatkit hatte sich- von»der Angst und den Ahnungen besiegt, einige Minuteti der menschlichen Schwäche hingegeben. s er sein Herz zum Schweigeti gebracht und das Beben seiner Muskeln besänftigt hatte, wandte er sich gegen seinen Lackei um, einen schweigsamen Diener-, der bestFBndig lauschte, um schneller ztt gehorchen, und sagte zu I m:— ,,Rabaud, Du wir « st wi en da i dreii Meilen un Tage machen muß.«« ss, ß ch ßg »Gut, mein Kapitän,«« erwiederte Rabaud. · Und dem Gange des Pserdes angeschlossen, wie ein wahrer Centaure, kümmerte sich d’Artagnan voti diese-n Augenblick um nichts mehr- das heißt, er küminerte sich Er fragte sich, warum ihpi der König zurückruse- warum die eiserne Marke eine silberne Platte zu den Füßen von Raoul geworfen habe.» Was den ersten Gegenstand betrifft, so war die Antwort verneinend; er wußte zu gut, daß, wenn ihn der König zurückrief, dies aus Nothwendigkeit geschah; er wußte auch, daß Ludwig XIV. das gebieterische Be- dürfniß einer geheimen Unterredung mit demjenigen fühlen mußte, welchen ein so großes Geheimniß aqu das Niveau der höchsten Mächte des Reiches stellte. Aber d’Artagnaii fand sich nicht fähig, das Verlangen des Königs genau zu bestimmen. Der Musketier hatte keine Zweifel mehr über den« Grund, der den ungliicklichen Philipp angetrieben, sei- nen Charakter und seine Geburt zu enthülleii. Für immer unter seiner eisernen Maske begrabeii, verbannt in ein Land, wo die Menschen den Elementen zu dienen schienen, selbst der Gesellschaft von d’Artagnan beraubt, von dem er mit Ehrenbezeigungen und Zartheiten. überhäuft worden war, hatte Philipp nur noch Gespen- ster und Schmerzen in der Welt zu sehen, und da ihn j die Verzweiflung zu ergreifen anfing, so ergoß er sich in Klagen, im Glauben, die Offenbarungen würden O-« ihnr einen Rächer erwecken. Die Art, wie der Muskelier beinahe seine besten Freunde getödtet hätte, das Geschick, das Athos so selt- sam in das Staatsgeheimniß eingeweiht, der Abschied von Raoul, die Dunkelheit dieser Zukunft, die mit einem— iraurigen Tod endigen sollte, dies Alles führte d’Ar- ragnan unablaßig zu kläglichen Vorhersehungen zurück- welche die Geschwindigkeit des Marsches nicht, wie einst,»::,. zerstreute- D’Artagnan ging von diesenBetrachtungen zu den Erinnerungen an seine geächteten Freunde Porthos und Arantis über. Er sah sie als Flüchtlinge, umstellt- Beide zu Grunde gerichtet und arbeitsam im Wieder- K ausbau eines Glückes begriffen, und da der König sei- nen Mann der Ausführung in einem Augenblick der-. 85 Rache und des Grolls zu sich rief- so zitterte Mittag- nan, er würde einen Auftrag erhaltcii, bei dem sein Herz geblutet hätte. f Zuiveilen, iveiiii er die Bergabhänge hinabritt, wenn das athemlose Pferd seine Nüstern aufblies und seine Flanfen blähte- erinnerte sich der Kapitän, der nnn freier denken konnte, an das wunderbare Genie von Aramis, an dieses Genie der Schlauheit und der Jntrigue, wie die Fronde und der Bürgerkrieg zwei hervorgebracht hatten. Soldat, Priester und Divloniat, galant, gierig und verschmitzt, hatte Aramis die guteii Dinge des Lebens immer nur als Fnßttitt genoinmeii, um sich über die schlechten zu erheben. Ein edler Geist- ivenn nicht ein auserwähltes Herz, hatte er das Böse immer nur gethan, um ein wenig zu glänzen. Gegen das Ende seiner Laufbahn, in dem Augenblick, wo er das Ziel anfassen sollte, hatte er, wie der Patricier Wes- einen falschen Tritt aufeinem Brette gethaiiund , war ins Meer gefallen. Aber Pvtkhvs, dieser gute und naive Portbosi Vvtkhvs ausgehunger, Mousqueton ohne goldene Tres- en, eingekerkert vielleicht schon; Pierrefonds, Bracieur der Erde gleich gemacht, was die Steine betrifft, ge- schindet-f was die Hochmälder betrifft, sehen, das waren b n für d’Artagnaii, und so» oft.il)n einer dieser Schmerzen traf, sprang er auf, Wie seM Pferd beim Stiche der Brenise, unter den Ge- ist« nie hat ein körperlich esunder Mann ver e It, das Lesen reicht- g fh genommen. Immer rennend, immer träumend, kam dArtagnan nach Paris hinab, frisch und init geschwei- digen Muskeln, wie der Athlet, der sich für das Gom- nasiuin vorbereitet hat. er König erwartete ihn nicht so bald und war ki«, -, zu einer Jagd in die Gegend von Meudon weggefahren. Statt dem König nachzneilen, wie er es in früheren Zeiten gethan hatte, zog sich d’Artagnan die Stiefel aus, setzte sich in eiii Bad und wartete, bis Seine Ma- Er beniitzte die fünf Stunden Zwischenraum, um, wie man zu sagen pflegt, die Witterung des Haiises zu nehmen und sich gegen alte schlimmen Wechselfälle zu- panzern. Er erfuhr, daß der Köiiig fett vierzehn Tagen dü- ster, daß die Königin Mutter krank und sehr niederge-- schlageii war, daß Monsieur, des Königs Bruder, sich- der Frömmigkeit zuwandte, daß Madame Vapeurs hatte, und daß Guiche nach einem feiner Güter abgereist. Er erfuhr ferner-, daß Herr Colbert strahlte, daß Herr Fonquet alle Tage einen neuen Arzt zu Rathe zog, daß er nicht genas, und daß seine Hauptkrankheit nicht zu denjenigen gehörte, welche die Aerzte heilen- wenn nicht etwa die politischen Aerzte. DerKönig, sagte man d’Artaguan, mache HerrnFou- quet das srenndlichste Gesicht und verlasse ihn nicht« einen Augenblick, aber, im Herzen getroffen, wie jene« fchöneii Bäume, die ein Wurm angenagt hat, nehme; Fouqnet immer mehr ab, trotz des königlichen Lächelns, F dieser Sonne des Hofes.» D’Artagna11 erfuhr, Fräulein de la Balliåre sek- dem Köiiig unentbehrlich geworden; der Fürst, wenn i sie bei seinen Jagden nicht mitnehme, schreibe ihr me«» rere Male, nicht mehr Verse, sondern, was schlimm» ist, Prosa, und zwar ganze Seiten.«·; Auch sehe man den ersten König der Weib-;L wie das poetifche Siebengestirn von damals sagte, den«-: König mit einem Eifer ohne Gleichen vomPferde«; steigen und auf seinem Hute schwülstigePhrasen kritzeln-ZY;T welche Herr von Saint-Aignan, der beständige Adjutant, F la Baliiåre aqu die Gefahr, sein Pferd zu Tode zu« F« reiten, überbrachte. Während dieser Zeit ergötzten sich.Z .»M- s. jestcit sehr bestanbt und sehr müde zurückgekehrt war.» - 87 die Hirsch-: nnd die Fasanen, denn die Jagd wurde bei ihnen so kraftlos beirieben, daß man sagte, die Kunst der Jägerei eniarie am französischen Hofe. D’Artagnan dachte nun aii die Euinsehlnngen des armen Raoul, an dcii verzweiflungsvollen Brief, be- stimnit für eine Fra11, die ihr Leben im Hoffen hin- brachte, und da d’Artagnan zu philosophiren liebte, so beschloß er, die Abwesenheit des Königs zu benützeit, um einen Augenblick Fräulein de la Vallidre zu spreche11. as war eiwas Leichies; Louise ging während der königlichen Jagd mit einigen Damen in einer Galierie des Palais-Noi)al spazieren, wo gerade der Kaditcin der Musketiere einige Wachen ztt inspiciren haiie. D’Ariagnan zweifelte nicht daran, wenn er das Gespräch auf Raoul bringen könnte, so würde ihnx Louise Anlaß zu einem guten Briefe an den arnien Ver- bannien geben; die Hoffnung aber, oder wenigstens der Trost für Raoiil, in einer Verfaffting des Herzens, wie de, in welcher wir ihn gesehen, das war die Sonne- das war das Leben zweier Meiischeii, welche unserem Kapiteln unendlich theilen. Er giiig also nach dein Orie, wo er Fraiileiii de la Valliåre zu finden wußte.« D’A»rtagnan fand la Balliiire sehr umgeben. Jn önigs»wie eine Königin- mehr vielleicht als die Kö- nigin, eine Huldigung, auf welche Madanie so stolz ge- wesen war, zur Zeit, da alle Blicke des Königs ihr ge- hörten und alle Blicke der Höfliitge gebieterisch ihr« zuwandien. D’Ariagnan, der kein Frauenknechi war, empfing doch nur Ariigkeiien nnd Liebkosungen Von den Danien; er war höflich wie ein Bruder, und sein furchtbarer« Ruf haiie ihni eben so viel Freundschaft bei den Män- nern, als Bewunderung bei den Fraueii verschafft »»le! sie ihn eintreten sahen, redeten ihn die Ehren- fraulein auch sogleich an. Sie begannen mit Fragen. "-« 88 »Wo war er gewesen? was war ans ihm gewor- den? Wart-In hatte man ihn nicht mit seinen herrli- chen Pferdenalle die schöiien Volten machen sehe-I, welche auf dem Baleon des Königs die Neugierigen in Erstaunen setzten? Er antwortete ihnen- er komme aus dem Lande der Orangen. Die Ehrenfräulein lachten. Matt lebte in der Zeit,v wo Jedermann reiste, und wo dennoch eine Reise Von hundert Meilen ein Problem war, dao durch den Tod seine Lösung fand. »Aus dein Lande der Orangen?«« rief Fräulein von Tonnay-Cl)arente.»Aus Spanien?« »Hei bei-« machte der Musketier. ,,Voii Malta?-« sagte Montalais. ,,Meiner Treue, Jbr seid nahe daran, mein Fraulein.'« »Von einer JnselWi spracks la Valliöm ,,Meiii Fräulein,«« sagte- d’Artagnan,»ich will Euch. C nisst suchen lassen: ich komme aus der Gegend, wo sich’ s· Herr von Beanfort zn dieser Stunde einschifft, um nach« Algier zu seaeln.«« f U »Habt Jhr die Armee gesehen?«« riefeti mehrere g 11 kriegetiiche Damen. F »Wie ich Euch sehe,- erwiederte d’Artagnan." es »und vie Flotte?«« f F »Ich habe Alles gesehen.««: V- ,,Habeti wir Freunde dort?«« sagte Fräulein von- TonnaysChareiite kalt, aber auf eine Weise, unt die li« Aufmerksamkeit auf dieses Wort von einer berechneten J Tragweite zu lenken. J »Gewiß-« antwortete d’Ariagnati,»wir haben dort— sa: Herrn de la Guillotiere, Herrn vouMouchy, Herrn von HÄ- BragelonnM aU La Vallere erbleichte. Z -«« sse c. ,,Herrn von Bragelottne?«« rief die falsche Athenaie. »Wie! er ist in den Krieg gezogen?... erl« Montalaie trat ihr auf den Fußz aber vergebens.3 wor- kli- en, in Ide cit,« on "od on H 89 »Wis3t Ihr, was ich denke?« fuhr sie mitleidslos, gegen d’Artugnan gewendet, fort. »Nein, mein Fräulein, doch ich möchte es ivobl wisse-M« »Ich denke, alle Männer-, die dieseki Krieg mit- machen, sind Verzweifelte, welche die Liebe mißhandelt hat, und die nun Schlvarze suchen, welche minder grausani, als es die Weißen geweseic waren.«, Einige Damen lachten: la Valliöre verlor ihre Haltung; Montalais husiete, um einen Todten zu er- weckm »Mein Fräulein,« enigegnete d’Artagnan, ,,Jl)r irrt Euch, lvemt Jhr voii schwarzen Frauen iti Gigelli . sprecht; die Frauen sind dort nicht schwarz; sie sind al- lerdings nicht weiß, aber gelb.«« »Gclbi«( »Eii urtheili nicht schlimm hierüber; ich habe« me eine schöner-e Farbe sich mit schwarzen Auge-i und einem Korallenmund vermählen sehen.« »Desto besser für Herrn Bragelonnc,« sagte hart- näckig Fräulei11 Tonnay-Charente.»Der arme Junge wird sich entschridigenlii Nmb diesen Worten irat ein tiefes Stillschweigen ein. D’Artagnan balteZeii, zu überlegen, daß sich die Fraue11, diese sanften Tauben, unter sich viel grausamer behandeln, als die Tiger und die Bären. Es war nicht genug für Aibenais, daß sie la Val- liöre erbleichen gemacht hatte-, sie wollte sie auch er- töthen macheii.« s tPlötzlich nahm sie das Gespräch wieder auf und ag e: »Wißt Jlm Louise, dtißJhr da eine schwere Sünde auf dem Gewissen habtl«« »Welche Sünde, mein Fräulein?«« siammelte die Ungliickliche, indeiii sie um sich her einenBeiftand suchte- ohiie ihn zu sinden.« »Gewiß-« fuhr Ashenais fort-»der junge Mann 90 war mit Euch Verlobt. Er liebte Erich, nnd Jhr habt ihn zuriickgestoßen.'« .»Das isi ein Recht, welches man hat, wenn man eine redliche Frau ist,«« entgegnete Montalais mit einer gezierten Miene. ,,Weiß man, daß man nicht das Glück eines Mannes machen kann, so ist es besser, ihn zurück- zuweisen.« Louise begriff nicht, ob sie derjenigen, welche sie fo vertheidigte, einen Tadel oder einen Dank schuldig war. »Zurückweisen! zurückweisent das ist sehr gut-«- sagte Athenais, ,,doch hierin liegt nicht die Sünde, die sich Fräulein de la Balliåre vorzumerer hat.- Die wahre Sünde ist, daß sie den armen Brageloniie in den Krieg schickt, wo man den Tod sindet.« Louife streifte mit einer Hand über ihre kalte Stirne- »Und wenn er stirbt-« fuhr die Unbarmherzige fort, ,,habt Jhr ihn getödtet; das ist die Sünde.« Selhst halbtodt, nahtii Louise den Arm des Kapi- täns der Musketiere, dessen Gesicht eine ungewöhnliche Aufregung verrieth. »Ihr hattet mit mir zu reden, Herrd’91rta,gnan?«« sprach sie mit einer vor Zorn und Schmerz bebenden Stimme.»Was hattet Jhr mir z1i sagen?«« D’Artagnan machte, Louife an feinem Arm führeiid, mehrere Schritte in der Galieriez dann, als sie fern genug von den Andern waren, erwiederte er: »Was ich Euch zu sagen hatte, mein Fräulein, hat Euck) Fräulein von Tonnay-Charente ungeschlacht- aber ganz und gar ausgedrückt·" Sie gab einen kleinen Schrei von sich und lief weg, wie jene armen Vögel, die auf den Tod getrof- fen den Schatten des Gebüsches suchen, unt zu sierben.s Louise verschwand durch eine Thüre in dem Angesi- blick, wo der König durch eine andere eintrat. Der erste Blick des Fürsten war auf den leeren. Sitz seiner Geliebten gerichtet; als er la Vallidre nicht Ze- Cd ev-"u««· Fi- 91 gewahrte, saltete er die Stirne; bald aber sah er d’Ar- tagnan, der sich vor ihin verbeugte.»k· »Aht mein Herin« ries er-»Ihr habt Euch gewal-- tig beeilt, ich bin sehr mit Euch zufrieden« Dies war der superlative Ausdruck der Zufrieden- heit des Königs. Viele Menscheii mußten sich tödten lassen- utn dieses Wort Von dem König zu erlangen. Die Ehrenfräulein und die Höflinge hatten einen ehrerbietigen Kreis um den Kbiiig bei seinem Eintritte gebildet; als sie jedochsahe11, daß er insgehetiit mit dem Oskapitän der Musketiere zu sprechen trachtete- wollten sie auf die Seite treten. er König kam ihnen zuvor und führte d’Artagnan aus dein Saale, nachdem er noch einmal mit den Augen la Valltere gesucht, deren Abwesenheit er nicht begrei- fen konnte. Sobald sie aus dem Bereiche neugieriger Ohren warett- sagte der König:» »Nun! der Gefangene?«« »Jn seinem Gefängniß, Sire.«« »Was hat er unter Weges gesagt?«« »Nichts.« »Was hat er gethan IS'« s »»ES kam ein Augenblick, wo der Fischer-, in dessen Schlss ich nach Sainte-Marguerite fuhr, sich empörte und mich umbringen wollte. Der.".-. der Gefangene hat mich vertheidtgt, statt eine Flucht zIt versuche-W- Der König erbleichte. ,,Genug,- sagte er. « D’Artagnan verbeugte sich. Ludwig ging in seinem Cabinet aus und ab. »Ihr waret in Antibes, als Herr von Beaufort dorthin kam?« fragte er. »Nein Sire, ich reiste ab, als der Herr Herzog ankam.« »Ah!«, Ein neues Stillschweigen. 92 »Was habt Ihr dort gesehen TM »Viele Leute,'« antwortete d’Artagnan mit kaltem Tone. Der König bemerkte, daß d’Artagnaii nicht sprechen wollte- »Ich habe Entl) kommen lassen, Herr Kavitän, um Euch zu beanftragen, meine Wohnungen in Nantes in Bereitfchaft zu setzen.« »Ja Nantesl« rief d’Artagnan. ,,Jn der Bretagne.«« »Ja, Sire, in der Bretagiie. Eure Majestät macht, v die lange Reise nach Nantes?«« »Die Stände versammeln sich dort-« erwiederte der König.»Ich habe zwei Forderungen an sie zti stellen, und will dabei fein-« »Wann soll ich abreisen?«« fragte der Kapitän. »Heute Abend... morgen... morgen Abend... denn Jhr werdet der Ruhe bedürfen?« »Ich bin ausgeruht, Sire« ,,Vortrefflich, also zwischen heute Abend und mor- gen, nach Eurem BeliebeIM D’Artagnati verbeugte sich, als wollte er sich wie- der entfernen; dann, da er den König sehr verlegen sah, machte er wieder zwei Schritte vorwärts und fragte: »Gedenkt Eure Majestat den Hof mitzunehmen W »Ja.« ,,Somit wird der König ohne Zweifel der Muske- tiere bedürfen?«« Und das durchdringende Auge des Kapitäns machte« den Blick des Königs sich senken." »Nehmt eine Brigade davon mit,«« erlviedette Ludwig. »Ist das Alles? Hat mir der König keine andere Befehle mehr zu geben.«« »Nein-... Ahl... docht«« »Ich höre.«« »Imf Schlosse von Nantes, das sehr schlecht einge- theilt seiki soll, werdet Ihr regelmäßig Musketiere vor - v)en Uln chi. lcr r- e- ZU l« !- 93 die Thüre von jedem der bedeutendsten Würdenträger stellen, die ich Initnehme.«« »Der bedeutendsten?«· »Ist« »Wie znsn Beispiel vor die Thüre des Herrn von Lyonne?'« »Im-« »Von Herrn Letellier?«' »JC«« »Von Herrn von Brienne?«« » as »Und vom Herrn Oberintendanien si« ,,Allerdings.-« »Seht wohl, Sire. Jch werde morgen abreisen·«« »Ohl noch ein Wort, Herr d’Artagnan. Jhr trefft in Nanteo den Herrn Herzog von Geer-res, den Kapi- tän der Garben. Seid dafür besorgt, daß Eure Mus- ketiere ihre Posten einnehmen, ehe ·seine Garden an- kommen. Der Vortritt gebührt denjenigen, welche zuerst kommen.« »Ja- Site.,, »Und wenn Euch Herr von Gesvres befragte?«« »Ah! Sire! wird Herr von Geevreg mich befra- gen?«« rief der Musketier. Und er drehte sicl) stolz auf seinen Absätzen um und . verschwand ,,Nach Naiiteel-!ssprach er zu sich selbst, während er die Stufen hinabstieg,»warum hat er es nicht ge- wagt, sogleich nach Velle-Jsle zu fagen.« Als er nahe beim großen Thore war, lief ihm ein Schreiber von Herrti voir Brienne nach und rief: »Herr d’Artagnanl verzeihM »Was« gibt es, Herr Ariste?«« »Es ist hier eine Anweisung, die mir der Köiiig Euch zu übergeben beauftragt hat.«« »Auf Eure Casse?-« fragte der Musketier. 94 »Nein, mein Herr, auf die Casse von Herrn Fouduet.«« D’Artagnan las erstaunt die Anweisung, welche von der Hand des Königs und für zweihundert Pisto- - len ausgestellt war. »Wiei« dachte er, nachdesn er freundlich dem Schrei- ber von Herrn von Brienne gedankt hatte,»von Herrn Fouquet läßt man diese Reise bezahleni Mordiouri v das ist reiner Ludwig Xl. Waruisr ist die Anweisung nicht auf die Casse von Herrn Colbert ausgestellt wor- den! Er hätte mit so viel Freude bezahlt« Und seinem Grundsatze getreu, eine Anweisung nach« Sieht nie kalt werden zu lassen, begab sich d’Artagnan zu Herrn Fouquet, um seine zweihundert Pistoleii ein- zncassiren· 1X. Das Abendmahl. Der Oberintendant hatte ohne Zweifel Kenntniß von der nahe bevorstehenden Abreise nach Nantes er- alten. h Von unten im Hauses bis obeic zeugten der Eifer der Bedienten, welche Platten trugen, und die Thätig- .keit der Commis, welche Register schlossen; von einer «nahen Umwälzung in der Casse und in der Küche. Seine Anweisung in der Hand, erschien d’Artngnan in dem Bureau, wo ihm die Antwort zu Theil wurde-;" es sei zu spät, um Geld zu erheben- die Casse sei ge- s schlossen.«, Er erwiederte nur das Wort: ,- ) D-O«D-·j-O--——- CI kn he o- ci- rn rl, ng ir- ich an n- Itß« kr- fer ig- ker 95 »Dienst des Königo.« Der Commis, ein wenig beunruhigt, so ernst war die Miene des Kapital-eh entgegnete, das sei ein sehr achtenswerther Grund, aber die Gewohnheiten des Hau- ses seieii auch achtenswerth, und dem zu Folge bitte er den Jnhaber der Anweisung am anderit Tage wie- der zu kommen. D’Artagnan verlangte zu Herrn Fouquet geführt zu werden. Der Conimts etwiederte, der Herr Oberintendant befass·e sich nicht mit dergleichen Einzelheiten, und schloß ungestünl seine letzte Thüre vor der Nase von d’Ar- tagnan. Dieser hatte den Schlag vorher-gesehen und setzte seinen Stiefel zwischeti die Thüre und die Einfaffung, so daß das Schloß nicht spielte und der Commis sich Abekmaks Nase an Nase mit dem Musketier zusammen- fand. Er wechselte auch das Thema und sagte mit ängstlicher Höflichkeit- ,,Wenn der Herr mit dem Herrn Oberintendanten fiktechell will- so gehe er icI die VorzimmerF hier sind die Bureaux, wohin Monseigiieitr nie kommt.« »Ah gutt wo sind die Vorzimnter?« »Auf der andern Seite des Hofes,«« erwiederte der ommls, entzückt, frei zit sein- D’?lrtagnan durchschritt den Hof und fiel mitten unter die Bedienten. »Monseigneuvr empfängt zu dieser Stunde nicht,«' antwortete ihm ein Bursche, der auf einer Platte von Bermeil drei· Fasaiien und zwölf Wachteln trug. »»Sagt ihm,«« sprack) der Kapitän, indem er den« Bedienten am Ende seiner Platte festhielt, ,,sagt ihm- tch sei Herr d’Artagnan,.Kapitan-Lieiitenant der Mus- ketiere Seiner«Majestiit.«' Der Bedtente stieß einen S rei des Er aunens ans und verschwand. ch st MMMU folgte ihm mit langsamen Schritten 96 und kam gerade zu rechter Zeit, um im Voizimmer Herrn Pelisson zu finden- der ein wenig bleich aus dem Speisefaal herbeilief, um Erkundigmigen einzuziehen. D’Artagnan lächelte. »Es ist nichts Aergerliches, Herr Pelifsoic, nur eine kleine Anweisung, deren Betrag ich zu erheben habe.« ,,Ah!-« machte der Freund von Fouquet, tief ath- mend, und er nahm den Kapitäii bei der Hand, zog ihn« nach sich und ließ ihn in den Saal eintreten, wo viele vertraute Freunde den Oberinteudanten umgaben, welcher im Mittelpunkte in einem Lehnstuhl mit Polstern faß. Es fanden sich hier alle Epicuräer versammelt,« welche kurz zuvor in Bau-c die Houneurs des Hauses, gest Geistes und des Geldes von Herrn Fouquet gemacht a ten. Heitere, der Mehrzahl nach zärtliche Freunde, hat- ten sie ihren Gönner beim Herannahen des Sturmes nicht geflohen, und trotz der Drohungen des Himmels- trotz des Zitterits der Erde, befanden sie sich hier-, Lächelnd-’" zuvotkommend, ergeben im Unglück, wie sie es im Wohl- stand gewesen waren. Zur Linken des Oberintendanten Frau von Bellidre, zu seiner Rechten Madaine Fouquet, alsob, dem Gesetze · der Welt trotzend und jeden Grund gewöhnlichen Wohl- anstandes zum Schweigen dringend, die zwei us- engel dieses Mannes sich vereinigten, um ihm i Au- genblick der Krife den Beistand ihrer verschlungeiieir Arme zu leisten. Frau von Belliere war bleich, zitternd und voll ehrerbietiger Aufmerksamkeiten gegen die Frau Ober- intendantin, welche, eine Hand auf der Hand ihres Gat- ten, ängstlich nach der Thüre fchaute. Der Kapitan trat voll Höflichkeit zuerst und vollk; Bewunderung sodann ein, als sein untrüglicher BIILZ die Bedeutuiig aller diefer Gesichter zugleich errathen Z und umfaßt hatte.« Fouquet erhob sich in feinem Lehnstuhl und spr. ht- We- etze bl- lu- ieu er- at- sell ne sen 97 »Verzeiht- Herr d’Artaguan, wenn ich Euch nicht als im Namen des Königs erschienen empfangen habe.«« Und er betonte diese letzten Worte mit einer Art von trauriger Festigkeit, welche das Herz seiner Freunde mit Schrecken erfüllte. »Monseigneur,« erwiederte d’Artagnan,»ich komme nicht zu Euch im Namen des Königs, wenn nicht etwa um die Bezahlung einer Anweisung von zwei hundert Pistolen zu verlangen-« Alle Stirnen entrnnzelten sich; die von Fouquet allein blieb düster. »Ab! mein Herr,«« sagte er-»Ihr reist vielleicht auch nach Nantes?«« »Ich weiß nicht, wohin ich reise, Monseignettr.«« ,,·Abcr,« sagte Madame Fouquet wieder erheitert, »Ihr reist nicht so schnell, Herr Kapitän, daß Jbr uns nicht die Ehre erweisen solltet, bei iius Platz zunehmen?«« »Madame, es wäre eine sehr große Ehre für mich; dochsskch habe solche Eile, wie Jhr seht, daß ich mir die Freiheit nehmen mußte, Euer Mahl zuunterbrechen, um eine Anweisung bezahlen zu lassen.« »Welche Euch in Gold ausbezahlt werden soll,« sprach Fouquet. Und er machte seinem Hauohofsneister ein Zeichen- und dieser entfernte sich sogleich mit der Anweisung, die ihni,-,d’Artagnan reichte. »Oh! ich hatte nicht bangewegen der Bezahlung,«« sagte der Musketier,»das Hatte ist gut.« Eiti schmerzliches Lächeln trat in dem bleichen Ge- sichte von Fouquet hervor. »Ihr leidet?«« fragte Fraii von Bellidre. ,,Euer Anfall?« sprach Madanie Fouquet.- .e-3ichtS-Ai? like;iike,f«« erivieiålerte der Oberintendant. ,,.,·«uzer na.« a te d rta nan. ,Seid J r krank-kÆ1-csseigneur?« g g« h » ch habe ein dreitägigee Fieber, das mich nach dem Feste in Vaur gepackt hat-« Hsz Die drei Mustetlere. Bragelonne. x. 7 98 ,,Eine Erkäitisng in den Grotten bei Nacht'-ts- ,,Neinl neinl nur eine Aufregung.-« »Die zu große Herzlichkeit, mit der Jhr den-Kö- nig empfangen habt--« bemerkte La Fontaine ruhig, .ohne zu vermuthen, daß er eine Ruchlosigkeit aussprach. »Man vermag einen König nicht zu herzlich zn empfangen,-- entgegnete Fouquet dem Dichter. »Der Herr wollte sagen, der zu große Eifer-« unterbrach d’Artagnan treuherzig und liebreich.»Es ist wahr-, Monseigneur, nie ist die Gastfreundschast ge- übt worden, wie in Baur.« Madatiie Fouquet ließ ihr Gesicht klar ausdrücken, wenii sickp Fouqnet gut gegen den König benommen, so würde der König dem Minister nicht Gleiches mit Gleicheni Vergelten.»' Doch d’Artagiiaik wußte das furchtbare Geheim- niß, er wußte es allen mit Fouquet; diese zweiMäns ner hatten der Eine nicht den Muth, den Andertr zu beilagen., der Andere nicht dass Recht, anzuschnldigen. Der Kavitän, dem man die zwei hundert Pistolen brachte, wollte Abschied nehmen, doch Fouqnet stand auf, nahm ein Glas, ließ ein anderes d’Artagnan geben und sprach: »Mein Herr, auf die Gesundheit des Königs, was auch geschehen mag.««« »Und ans die Eurige, Monseigneur, was auch geschehen mag,«« eriviederte d’ArtagnaiI trinkend. Nach dieseik Worten von schlimmer Vorbedeutnng grüßte er die ganze Gesellschaft; diese stand auf,s"sobald er gegrüßt hatte, und man hörte seine Sporen und seine Stiefel bis in die Tiefe der Treppe,.« »Ich glaubte einen Augenblick,»F auf mich nnd nicht auf ineiii Geld abgesehen ,« sagte Feugg»et, der zu lachen suchte- warum?««- «Ahl« erwiederte der Qberisntendant, ,,täusch«,e »Auf Euch?«« rieer seine Freunde- s---Htåifi G«ot«t; Z «- in- len ind den ich ing ald ind sich Ist-; Si )tt,; 99 wir uns nicht»- meine lieben Freunde in Epicur, ich will keine Vergleichung zwischeii dem niedrigsteii Sün- der der Erde und dem Gott machen, den wir anbeten, aber seht Jhr- er gab eines Tages seineii Freunden ein Mahl, welches man das Abendmahl nennt, und das nichts Anderes war, als ein Abschiedsessen, wie das- welches wir in diesem Augenblick machen.« Ein Schrei schmerzlichen Leugnens erhob sich von allen Ecken des Tischeg. »Schließt die Thüren-« sagte Fouqiiei. Die Bedienten verschwanden. »Meine Freunde,«« fuhr Fouquet, die Stimme däm- pfend, fort,»wer war ich einst? was diti ich heute? Vefkagt Euch und antwortet. Eiii Mann, wie ich, sinkt " gerade dadurch, daß er sich nicht erhebt; was wird man sagen, wenn er wirklich sinkt? Ich habe kein Geld thi ich habe keinen Credit mehr; ich habe nur Uvch Mächtige Feinde und ohnmåchtige Freunde.« »Geschwitlde,« rief Peliffon, indem er sich erhob, -»Im Jhr Euch so offenherzig erklärt, so ist es an uns, auch offenherzig zu sein. Ja, Jhr seid verloren, ja- Jhr lauft Eureni Ruin entgegen, haltet ein. Sagt vvt Allem, wie viel bleibt Euch an Geld?'·.- »Siebenmal hundert tausend Livres,«« antwortete der Jntendant. ,,Brod,«« mutmelie Madame Fouquet. »35)stl:).fe;d,e!« rief Pelissoii,»Postpferde, und flieht.«« « o M« An die Schweiz, nach Savoyeit, aber fliehM »Wenn Monseigneur flieht,« entgegnete Frau voti Bellidre, inrd man sagen, er sei schuldig gewesen, und er ha« ngst gehabt.««, »Man wird mehr sagen, inait wird sagen, ich habe zwanzig Millionen mitgenommeu·« ,,«Wir machen Denkschriften, um Euch zu rechtfer- - tigen rief La Fontaine; ,,siieht.«« 100 »Ich werde bleiben--« sprach Fouquet-»und ist mir - nicht überdies Alles dienlich?«« »Ihr habt Belle-Jsle!« rief der Abbå Fouquet. »Dahin gehe ich natürlich, wenn ich nach Nantes She,l«lerwiederte. der Oberintendantz»Geduld also, - edud« ,,Welch ein langer Weg vor Nanies!«« sagte Ma- dame Fouquet. · »Ja, ich weiß es wohl,«- sprach Fouqttet; ,,doch- was ist hiebei zu thun? der König beruft mich z11 den Stauden. Jch weiß, daß dies geschieht, um mich zu Grunde zu richten, weigerte ich mich zu gehen, so hieße dies Angst zeigen.«« .,,Jch habe das Mittel gefunden Alles auszuglei- chen,'· rief Peliffon;»Ihr begebt Geh nach Nantes.« Fouquet schaute ihn mit erstaunte-: Miene an. «Doch mit Freunden, doch in Eureni Wagen bis Orleaus, in Eurer Cabane bis Nantes,« stets bereit- Euch zu vertheidigen, wenn man Euch angreift, zu ent- weichen, wenn ucan Euch bedroht; mit einem Wort, Ihr nehmt für jeden Fall Euer Geld mit, und wäh- rend Jhr flieht, habt Jhr nur dem Willen des Königs gehorck)t;.Jhr seid am Meer, wami Jhr wollt, Jhr schifft Ectch nach Belle-Jsle ein und von Welle-Jene begebt Jhr Ench, wohin Ihr wollt, dem Adler ähnlich- der, wenn man ihn aus seinem Horst vertrieben hat, die Flügel schwingt und den Raum durchmißt.«' Eine allgemeine Beipflichtung wurde den Worten von Pelissoii zu Theil.«« »Ja, thut da6,«« sprach Madame Fonquet zu ihrem Gatten., ,,Thut das," fagte Frau von Belliåre.« »Es-hat das,« riccen alle Freunde. j; »Ich werde es.hnn,- erwiederte Herr Fonquest2·" »Schon heute Abend W» · »Jn einer Stunde.«« F »Auf der Stelle.« mir lies kro- lia- wch · den zu eße lei- s.« bis eit- ni- pri- ih- igs Ehr sle ich- at- ien 101 »Mit siebenmal hundert tausend Livres fangt Ihr an, Euch ein neues Vermögen zu münden-« sagte der Abbö Fouquet.»Was hindert uns, in Belle-Jsle Frei- beuter zu bemannen?« »Und wenn es sein muß, entdecken wir eine neue Welt,-« fügte La Fontaine ganz trunken von Projecten und Begeisterung bei- in Klopfen an der Thüre unterbrach diesen Zu- sammenklang von Freude und Hoffnung. »st»Ein Courrier des Königsl«« rief der Ceremonien- met er. Da trat ein tiefes Stillschweigen ein, als ob die Botschaft, die de Courrier brachte, nur eine Antwort au diese einen A genblick zuvor ersonnenen Platte ge- wesen wäre. Jeder wartete, was der Gebieter des Hauses thun würde, dessen Stirne von Schweiß troff, und der nun wirklich an seinem Fieberliti« Fouquet ging in sein Cabinet, um die Botschaft Seiner Majestat zu empfangen. Es herrschte- wie gesagt, ein solches Stillschwei- gen, aß man vom Speisesaal aus die Stimme von Fouquet antwortet- börte:— » s ist gut, mein Herr.«« Diese Stimme war jedoch durch die Anstrenguitg gebrochen, durch die Aufregung gelähmt. «1nen Augenblick nachher rief Fouquet Gourville, der mitten unter deni allgemeinen Ermatten die Galle- rie durchschritt. Endlich erschien er selbst wieder unter seinen Gä- en, doch es war nicht mehr dasselbe bleiche und abge- zehrte Gesicht, das man bei feinem Abgang gesehen hatte,»von bleich war es leichenfardig und von abgezehrt war» es entstellt geworden. Ein lebendiges Gespenst, r1 er erein, die Arme vorgestreckt, der Mund ver- . trocknet, wie-der Schatten, der herbeikommt, um seine Freunde von einst zu begrüßen.- . 102 Bei diesem Anblick erhob sich Jeder, lief Jeder auf Fouquet zu. Dieser schaute Peliffon an, stürzte sich aus die- Oberintendantin und drückte die eiskaite Hand der Mar- quise von Belliere. »Nun?« fragte er mit einer Stimme, die nichts Menschlichen mehr hatte. »Mein Gott- was geht denn vors-ist rief man ihm zu.« Fonquet öffnete seine rechte Hand, welche feucht und kramvfhast zusammengepreßt war- und man sah darin ein Papier, auf das sich Pelifson erschrocken warf.. Er las folgende Zeilen von der Hand des-Könige: »Thenrer und geliebter Herr Fouquet, gebt uns von dem, was Jhr noch von uns übrig habt, eine Summe von siebenmal hundert tausend Linn-, der wir heute für unsere Abreise bedürfen. »Und da wir wissen, daß Eure Gesundheit nicht gut ist, so bitten wir Gott, er möge Euch wiederher- stellen und Euch in seine heilige Obhut nehmen. «Gegenwärtiger Brief gilt als Empfangeschein. «»Llldwig.« S lEin Gemurmel des Schreckens durchkreiste den aa.- »Nun?«« rief Pelissoii,»Ihr habt diesen Brief M »Ich habe ihn empfangen, ja.««; »Was werdet Jhr thun?««' ,,äi;chts, da«ich ihn empfangen habe.«, » er... »Wenn ich ihn empfangen habe, Pelisson, so habe k» ich auch bezahlt,« sprach der Oberintendant mit einer Einfachheit, die allen Anwesenden das Herziausriß. s» «»Ihr habt bezahltlti rief Madame Fouquet in Ber--«» zweifcung;»dann sind wir verloren.«««.;- z »Aus! ausl keine unnützen Worte mehr-« unterbrach H Pelisson, ,,nach dem Gelde das Leben. Monfeigneur, Fu H Pferde! zu Pferde t« Ibe ier Ec- -«--—,Lms 103 »Und verlasseiil«« riefen gleichzeitig die zwei Frauen trunken Vor Schmerz. »Ei! Monseigneur, indem Jhr Euch reitet, reitet Ihr uns Alle. Zu Pserdel«« »Aber seht, er kann sich nicht halten...« »Ohl wenn man bedenktl«- sagte der unerschro- ckene Peliffon. »Er hat Rechi,- murmelie Fouquet. ,,Monseigneur, Monseigneur,« rief Gourville, zu vier undvier die Stufeii heraufspringend;»Monseigneurl« »Nun! was?« »Ich geleitete, wie Ihr wißt, den Courrier des Königs mit dem Geld-« »Ja9« »Als ich ins Palais-Royal kam, sah ich...« »Athme, mein armer Freund, athme, Du erstickst.«« »Was habt Ihr gesehen?«« riefen die ungeduldigen Freunde. »Ich sah die Musketiere aufsitzen,«« antwortete Gourville. »Ah! ahl«« rief man,»lst da ein Augenblick zu verlieren?«« Madame Fouquei stürzte nach der Stiege, um ihre Pferde zu verlangen. Frau von Belliöre eilte ihr nach, nahm sie in ihre Arme und sagte: »Madame, im Namen feiner Rettung, äußert nichts, offenbart keine Unruhe-«. Pelisson lief weg, um die Wagen anspanneti zu en. Und während dieser Zeii sammelte Gourville in seinein Hute, was die weinenden, erschrockenen Freunde an Gold und Silber hineinwerfen konnten, eine letzte. Opfergabe,- ein frommes Almosen dem Unglück von der. Armuth dargebracht. Von den Eineii fortgezogen, von den Andern ge- tragen, wurde der Oberintendani in seineni Wagen ein- 104 geschlossen. Gonrville stieg aus den Bock nnd ergriff die Zügel. Pelisson hielt die ohnmächtige Gattin von Fouquet. Frau von Belliikre hatte mehr Stärke, sie war dafür belohnt,-denn sie empfing dett letzten Kuß von « Fouquet. Pelisson erklärte Ieicht diese heftige Abreise durch einen Befehl des Königs, der die Minister nach Nantes, T berief. X. Im Wagen von Herrin Toll-ert. Die Musketiere stiege11, wie es Gourvillelgesehem zu Pferde und folgten ihrem Kapiteln. · Dieser, welcher iii seinen Schritten nicht beengt fein wollte, überließ seine Brigade den Befehlen eines Lieutenants und reiste selbst auf Vostpferden ab, nach- dem er seiner Mannschaft die größteFEile anempfohlen hatte. So rasch sie aber marschirte, so konnte sie doch nicht vor thn ankommen. Er halte Zeit, als er an der Rue Croix-des-Petits- Champs vorüberkam, etwas zu sehen, was ihsin viel zu denken gab. Er sah Herrn Colbert aus sei em Hause herausfomn1e11, um in eine-i Wagen zu steigå der vor der Thüre hielt. Jit diesem Wagen erblickte d’Artagnan« Weiber- hauben, nnd da er neugierig war, so wolltesYr wissen- was unter diesen Hauben verborgen sein dürfte. Daknttses ihm gelänge, sie zu sehen, denn sie sit-F iriff Voll var Von rch tes v 105 gen sehr behutsam zu Werke, sprengte er sein Pferd so nahe an den Wagen, daß seiii Trichterstiesel die Man- tille streifte und Alles samint und sonders erschütterte. Erschrocken stieß die eine von den Damen einen kleinen chrei aus, an dein d’Artagnan eine junge Frau er- kannte, ließ die andere eine Verwünschung hören, an der er die Stärke und Festigkeit erkannte, welche ein halbes Jahrhundert gibt. ie Hauben verschobeii sich: die eine von den Frauen ivar Madaiiie Vanel, die andere dte Herzogiii von Chevreiise. D’Artagnan hatte schneller geseheii, als die Damen- Er erkannte sie, sie erkannten ihn nicht, nnd als sie iiber ihren Schrecken lachten und sich ganz zärtlich die ' Hände drückten, sagte d’Artagnan zu sich selbst »»Gut! die alte Herzogin ist in ihren Freundschasten nicht mehr so häkelig, wie einst; sie macht der Geliebten von Herrn Colbert den Hof. Armer Herr Fouquet- das weissagt ihm nichts GuteeM Er ritt weiter- Herr Colbert nahm Platz im agen, nnd dieses edle Trio begann eine ziemlich lang- same Pilgersahrt nach dem Walde von Bincenner3. Unter-Weges setzte Frau von Chevreuse Madame Banel bei ihrem Herrn Gemahl ab und,niinmehr allein mit Herrn Colbert’," verfolgte sie ihre Pronienade von Angelegenheiten aller Art plandernd. Sie hatte einen nnerschopslichen Gesprächsvorrath, diese gute Herzogin, nnd da sie immer sür ihr Bestee sprach, so belustigte ihre Conversation ihren Zuhörer, der unablässig mit ihr in gutem Einverständniß blieb.— »Sie theilte«Colbert, der dies nicht wußte,»niit, ivie er ein guter Minister sei, und wie Fouquet sehr gering zu werden im Begriffe stehe- Sie versprach ihm, wenn er Oberintendant wäre- den ganzen alten Adel des Königreichs iiiit ihm in Ber- bin ung zu setzen und ihmgeneigtzu machen, und ragte HÄ ...W.-..W..-..«..---..-..»..-«« 108 ihn um Rath über dao Uebergewicht, das man. la Val- lidre gewinnen lassen müßte. Sie lobte ihn, sie tadelte ihn, sie betäubte ihn, sie zeigte ihm das Geheimniß, voti so vielen Geheimnissen, daß Colbert einen Augenblick befürchtete, er habe es mit dem Teufel zu thun. Sie bewieg ihm, daß sie in ihrer Harid den Col- bert von heute halte, wie sie den Fouquet von gestern« gehalten habe. Und als er sie naiv nach dem Grunde des Hasses fragte, den sie gegen den Obetintetidanten hegte, da er-« wiederte sie: »Warum haßt Jhr ihn?««, . ,,Madame,«« sagte er,»in der Politik können die Verschiedenheiten hinsichtlich des Systems Uneinigkeiten unter den Menschen herbeiführen. Herr Fouquet schien mir ein den Interessen des Königs entgegengesetztes— System zu perfolgen.«« »Ich spreche nicht mehr von Herrn Fonqnet· Die I Reise des Königs nach Nantes wird uns Rechenschaft hierüber geben. Herr Fouquet ist für mich ein ver-- gangener Mann. Für Euch auch.«« Colbert erwiederte nichts. »Bei der, Rückkehr von Nantes,«- fuhr die Herzogin fort, ,,wird der König, der nur einen Vorwand sucht- siaden, die Stände haben sich schlecht benommen, sie haben zu wenig Opfer gebracht. DieStände werden sagen, die Steuern seien zu drückend, und der Ohrrin- tendant habe sie zu Grunde gerichtet. Der König wird Herrn Fouquei die Schuld beimessen, und dann...«f »Und dann?M »Oh! man wird ihn in.Ungnade fallen lassen. Jst- das nicht Eure Ansicht?·« Colbert wars auf die Herzogin einen Blick, welcher, besagen wollte: Wenn man Herrn Fouquet nur in Un-—«. gerade fallen läßt, so ist das nicht Eure Schuld. ««»Herr Colbert,«« fügte Frau von Chevreuse hastM 107 bei,»Euer Platz muß völlig bezeichnet sein« Seht Ihr Jemand zwischen dem König und Euch nach dem Sturze von Herrn Fouquet?«« »Ich verstehe Euch nicht.'« »Ihr werdet mich verstehen. Wonach trachtet Euer Ehrgeiz?«· »Ich habe keinem- »Dann ist es unnütz, den Oberintendanten zu stür- zen, Herr Colbert.«« d»Ich habe die Ehre gehabt, Euch zu bemerken, Ma- ame...« »Oh! ja, das Interesse des Königs, ich weiß es; doch sprechen wir von dem Eurigen.«« »Das meinige ist, die Angelegenheiten Seine-r Ma- jestät zu betreiben.«« »Katz, richtet Jhr Herrn Fouquet zu Grunde, oder thut Ihr es nicht? Antwortet ohne Umschweife.«« »Madame, ich richte Niemand zu Grunde.« »Dann begreife ich»n.icht, warum Ihr mir die Briefe von Herrn von Mazarin in Beziehung auf Herrn Fouqtiet so theuer abgekauft habt. Ich begreife eben- go lBezüg, warum Ihr diese Briefe dem König vorgelegt a." Colbert schaute die Herzogin erstaunt an und sagte mit einer gezwungenen Miene:- di ,,Madame, ich begreife noch viel weniger, wie Ihr- e Ihr das Geld eingestrichen, mir oas vorwerfen konnt?«« »Weil man,«« erwiedette die alte Herzogin,»weil man wirklichwollen muß, was man will, wenn man nicht etwa nicht kann, was man wilM »Ahl« rief Colbert, durch diese brutale Logik aus dem Sattel gehoben. »Ihr könnt nicht, wie? sprecht.« »Ich muß gestehen ich kann beim Köni gewisse Einsiüsse nicht zerstören-H g s T 108 »Welche für Herrn Fouquet kämpfen? Nenjxt sie. ·, Wartet, laßt mich Euch helfen.« ssxi; »Thut das, Madame.««( ,,La Vallidre Y- »Ohl wenig Einfluß, keine Kenntniß in den 1 öffentlichen Angelegenheiten und keine Wirksamkeit. Herr . Fouqnet hat ihr den Hof gemacht.«« »Würde sie ihn vertheidigen, so klagte sie sich da-, k durch selbst an- nicht wahr?««« »Ich glaube, ja.« s Jh HES waltet noch ein anderer Einfluß ob, was sagt. r. C »Ein bedeutenderiii- h »Die Königin Mutter vielleicht?«' C ,»Die Königin Mutter hat für Herrn Fouquet eine ihreni Sohn sehr nachtheilige Schwäche.«« »Glaubt das nicht,« entgegnete lächelnd die Alte. v ,,Oh!«« erwiederte ungläubig Herr Colbert,»ich e« habe es so oft erprobt-«« »Früher?" »Kürzlich erst in Bauen Sie hat den König ab- gehalten, Herrn Fouquet verhaften zu lassen.-« dc »Man ist nicht alle Tage derselben Ansicht, mein lieber Herr. Was die Königin kürzlich wollen konnte,. würde sie vielleicht heute nicht mehr wollen.« s »Warum?«« fragte Colbert erstaunt. »Es ist an der Ursache nicht viel gelegen-«- »Es ist im Gegentheil sehr viel daran gelegen- dekm wenn ich sicher wüßte« daß ich JhkekMajestat ver! Königin Mutter nicht niißsiele, so wären alle meine z- Bedenklichkeiten gehoben-« s »Nun, Jhr habt ohne Zweifel von einem« gewissen; spt Geheimniß sprechen hören?«« »Ein Geheimniß?·«» H» »Nehmt das, wie Jhr wollt, Kurz- die Königin; dle Mutter hat einen Haß gegen Alle diejenigen gesaßtyzz welche, auf die eine oder die andere Weise, bei der;- ge eine atte. »ich nein .nte, gen- « der ·’ eine issen; igin. Faßt- I- Der sy 109 Entdeckung dieses Geheimnisses betheiligt gewesen sind, und Herr Fouquet ist, so viel ich weiß, eine von diesen Personenli» »Dann könnte man also der Beistimmung gewiß sein?«« »Ich komme so eben von Ihrer Majestcit, die mich dessen versichert hat.« »Gut- Madame.«« »Mehr noch: Ihr kennt vielleicht einen Manti, der der vertraute Freund von Herrii Fouquet war, ich meine Herrn d’Herblah, er ist, glaube ich, Bischof von Vannes.'« ,,Bischof von Vannes W »Nun wohl! diesen Herrn d’Herblar), der das Ge- heimniß auch kannte, läßt die Königin Mutter mit Erbitterting verfolgen.««. »Wahrhastig i« ,,Dergestalt verfolgen, daß Inan, wenn er todt wäre, feinen Kopf haben möchte, um versichert zu sein, er werde nicht sprechen.«« «»Das ist der Wunsch der Königin Mutter?-« »Ein BefehM ,jMan wird diesen Herrn d’Herblar) suchen, Ma- e« »Oh! wir wissen wohl, wo er isti« Colbert schaute die Herzogin an. »Sprecht Madame.'« »Er ist in Belle-Jsle-en-Pier. »Bei Herrn Fouquet?«· »Bei Herrn FouqueM »Man wird ihn bekonnneni« Nun war die Reihe zu lächeln an der Herzogiii. »Halte-J das nicht für so leicht,« sagte sie,»ver- sprecht das nicht so leichtsinnig.'« »Warum denn, Madame?-« .»Weil Herr d’Herblay nicht zu den Leuten gehöri,( die man packt, wann man will.«« »Ein Redelle also!« dam 110 »Oh! Herr Colbert, wir Leute haben unser Leben damit hingebracht, sdaß wir die Rebellen spielten, und dennoch, seht Jhr wohl, weit entfernt, festgenommen zu werden, find wir es, welche die Andern sestnehmen.«· — Herr Colbert heftete aus die Herzogin einen von den wildstrengen Blicken, deren Ausdruck nichts zu über- setzen vermöchte, und sprach mit einer Heftigkeit, wel- cher es durchaus nicht an Größe gebrach- ,,Die Zeit ist nicht mehr, wo die Unterthanen Her- zogthünier dadurch gewinnen, daß sie Krieg gegen den König von Frankreich führen. Conspirirt Herr d’Her- blay, so stirbt er auf einein Schaffot. Das wird seinen Feinden Vergnügen bereiten, oder nicht bereiten, uns ist wenig daran gelegen.«- Dieses im Munde von Colbert seltsame uns machte die Herzogin einen Augenblick träumen. Sie ertavpte sich dabei, daß sie innerlich mit diesem Mann rechnete. Colbert hatte in diesem Gespräch das Uebergewicht wiedererlangt, er wollte es behalten.«, ,,Madame,«« sagte er,»Ihr verlangt von mir, daß ich Herrn d’Herbla1) verhaften lasse.«« »Ich! ich verlange nichts von Euch.·« »Ich glaubte es, Madame, doch da ich· mich ge- täuscht habe, lassen wir das. Der König hat noch nichts hierüber gesagt.« Die Herzog n biß sich auf die Nägel. ,,Ueberdies, welch ein armseliger Fang, der dieses Bischofs!.Königsivild, ein Bischosl ohl nein, nein, ich werde mich nicht hiemit beschäftigen.«·" Der Haß der Herzogin offenbarte sich. »Frauenwild, und die Königin sist eine Frau,«« sagte- ’hat sie ihre Gründe. Und ist nicht überdies Herr d’Her-s blay der Freund von demjenigen, welcher in Ungnade" fallen soll?"«« »Oh·l das ist gleichgültig,«« ries Colbert.»Mit-if sie.-»Will sie, daß Herr d’Herblay verhaftet werde, soå- s: g J cn nd en L« im tr- el- er- en dr- ien ns hie pte Ste- cht ge- ioch eses 1 te .gso zer-- iade stan · -, Jus-—- 111 wird diesen Mann schorien, ist er nicht der Feind des Königs. Das mißfällt Euch?«« »Ich sage nichts.«' »Ja, Jhr wollt ihn im Gefängniß, in der Bastille, zum Beispiel, sehen.« »Ich glaube, daß ein Geheimniß besser hinter den Mauern der Bastille, als hinter denen von Belle-Jsle verborgen ist.« »Ich werde mit dem König darüber sprechen, er soll diesen Punkt in’s Klare setzen.'« »Jn Erwartung der Aufklärung wird der Herr Bischof entflohen sein. Jch würde dasselbe thun.«« »Entftohent erl« wohin sollte er entfliehean Europa gehört uns, dem Willen, wenn nicht der That nach- ,,Er wird immerhin ein Asyl finden, mein Herr« Man sieht wohl, daß Jhr nicht wißt, mit wem Jhr es · zu thun habt. Jhr kennt Herr-i d’Herblat) nicht, Jhr habt Aramis nicht gekannt. Er war einer von den vier Musketier«eii, welche unter dem seligen König den Cardinal von Richelieri zittern machten nnd unter der Regentschnft Monfeigneur von Mazarin so viel Sorge bereiteten-« v »Aber-, Madaiiie, wie wird er es denn anfangen, wenn er nicht etwa ein eigenes Königreich hat« »Er hat esl« »Ein eigenes Königreich! Herr d’Herblay?-' ,»Ich wiederhole, mein Herr, wenn er ein König- reich braucht- so hat er es, oder wird er es haben.«' ,,Madain(s, sobald Ihr ein so großes Gewicht dar- auf legt, daß dieser Rebell nicht entschlüpse, wird er nicht cntschlüvfen, das versichere ich Euch.-« z,Belle-Jsle ist befestigt, Herr Colbert, und zwar von ihm Feiestigt.-« ·-,»Bel"e"-Jsle, und würde es auch von ihm verthei- digt, ist nicht nneinnehmbar, nnd ist der Herr Bi- schof von Bann-es in Belie-Jsle eingeschlossen, so wird mais den Platz belagerii und nehmeiM- 112 »Ihr könnt überzeugt seiit, mein Herr, daß der e, Eifer, den Jhr für die Interessen der Königin Mutter si entwickelt- Jhre Majestät tief rühren wird, und daß, as Jhr eine herrliche Belohnung dafür erhalten werdet:« se aber was soll ich ihr über Euer Vorhaben in Betreff dieses Mannes sagen?«« A ,,Sobald man seiner habhaft geworden, werde man ihn in einer Festung begraben, aus dem sein Geheimniß ge nie herauskommen soll.«- re ,,Sehr gut- und wir können sagen, daß Von diesein Augenblick an wir Beide ein sestes Bündniß geschlossen haben, und daß ich ganz«und gar zu Euren Diensten bin.. fä »Ich stelle mich zu Eurer Verfügung, Madam. Dieser Chevalier d’Herblai) ist ein Spion-von Spanien, m« nicht wahr?« ,,Mchr.«·, sac »Ein geheimer Gesandter.« vo; »Steigt höher hinauf.«« uns .»Wartet... König Philipp Ill. ist fromm... sie "»C6 ist... der Beichtvater Von Philipp Ill.« »Noch höher.«' «Gottes Tod« rief Colbert, der sich dergestalt km vergaß, daß er in Gegenwart dieser vornehmen Dame, nick dieser alten Freundin der Königin Mutter, der Herzo-« gin von Chevreuse fluchte,»eg ist also der Jesuiten- He, GeneralM »Ich glaube, Jhr habt es errathen.«« fe« ,,Ahl Madame, dann wird dieser Mann uns Alle zu Grunde richten, wenn wir ihn nicht zu Grunde richten, und wir müssen uns beeilen.«' Ant »Das war meine Ansicht, Herr Colbert, aber ich- 15211 wagte nicht mehr, es Euch zu sagen.« i ger »Und. wir haben Glück gehabt, daß er den Thron ji Mid angegriffen, statt uns anzugreifen.««? liese »Aber bemerkt wohl, Herr Colbertx Herr d’Herblal·J- verliert den Muth nie, und wenn er einmal seinet- Streich verfehlt hat, so wird er wiederanfangen. Quis’z Di. l .s1 113 del-« er die Gelegenheit entschlüpfen lassen, einen Königsko- IMV sich zu machen, so wird er sich früher oder später einen Mß; andern machen, desseii erster Minister Ihr sicherlich nicht dek? sein werdet.« Mss Colbett faltete die Stirne mit einem drohenden Ausdruck und sprach:« Man»Ich zahle darauf, daß das Gefängniß diese An- smiß gelegenheit aus eine für uns Beide befriedigende Weise s regeln wird, Madame·« Ist-In Die Herzogin lächelte. IsseU»Wenn Jhr wüßtet, wie oft Aramis aus dem Ge- billi— fängniß entkommen istt«« sagte sie. Une- ,,Oh! wir werden daranf bedacht seiii, daß er dies- iiens mal nicht entkomint.«« »Ihr habt also nicht gehör«t, was ich so eben sagte«t Jhr erinnert Eiich also nicht, daß Aramis einer von den vier Unbesiegbarcn war, welche Richelieu fürchtete? und zii jener Zeit hattest die Vier Musketiere nicht, was .» sie jetzt haben: das Geld und die Erfahrung-· Colbert biß sich auf die Lippen. »Wir werden auf das Gefängniß verzichten und sialk einen Zusiuchtsort finden, aus dem der Unbesiegbare :me, nicht entkommen kann.«« · klo-»So ist es gut, mein Bundesgenoffe1« sprach die tells Herzogin.»Doch es ist spät; kehreit wir nicht zurück?'« »Um so lieber-, Madame, als ich Anstalten zu tref- fen habe, um mit deni König abzlireisen.«' Alle ,,Nach Parisi'« rief die Herzogtn deni Kutscher zin- inde Und der Wagen kehrte nach der· Faubonrg Samt- » Antoine zurück, nach deniAbschluß dieses Vertrags, der ich— deii letzten Freund Von Fouquet, den letzten Vertheidi- ger voii Belle-Jsle, den alten Freund voii Marie print i Michon, den neuen Feiiid der Herzogin dem Tode über- ’ lieferte.. zlays’ irren- Hjti Die drei Musketiere. Bragelonne. x. 8 tx zx. 114 Xl. Die zwei Eubanen. D’Artagnan war abgereist, Fouquet war auch ab-« gereist, und dieser mit einer Geschwindigkeit, welche die zarte Theilnahine seiner Freunde verdoppelte. Die ersten Augenblicke dieser Reise, oder vielmehr« dieser Flucht wurden durch die-unabläsi,ge Furcht vor allen den Pferden, vor allen den Wagen, die man hin- ter den Flüchtlingen erblickte, beunruhigt. Es war in der That nicht natürlich, daß Lud-. wig le., wenn er diese Leute fassen wollte, sie ent- schlüpsen lassen sollte; der junge Löive verstand sich schon auf die Jagd, und er hatte Jagdhunde, welche eifrig genug, daß er auf sie bauen konnte. Aber allmälig verschwanden alle Befürchtungen; durch die Eile des Führers legte der Oberintendant eine solche Entfernung zwischen sich und die Verfolger, daß keiner ihn erreichen konnte. Was die Haltung betrifft- so hatten sie ihm seine Freunde vortrefflich gemacht. Reiste er nicht, um in Nantes mit dem König zusam- nsen zu treffen und, zeugte nicht gerade die Eile selbst von seinem Eifer? Er kam ermüdet, aber beruhigt in Orlean6· an- wo er durch die Bemühung eines Courriers, den er vor-, ausgeschickt hatte, eine schöne achiruderige Cabane fand-« Diese ein wenig schwerscilligen, ein wenig breiten-« Cabanen hatten ungefähr die Forkri voii Gondeln; stgst enthielten ein kleines, in Form eines Oberlaufs bedeckåsl- tes Zimmer und ein durch ein Zelt gebildeteg Zl-Inm-er--.s im Hintertheil, verrichteten den Dienst von OrleM? nach Nantes auf der Loire, und diese, in unsern Tag-III I ab-· e die mehr» vor hin- Lud- ent- sich elche gen; eine daß Tissb acht. sam- selbst all, Vot- and. eitens sie s decke-;- imerkå keins.«- lgen( 115 lange, Fahrt schien damals sanfte-r und bequemer, als» die Landstraße mit ihren Postkleprrern oder ihren schlech- ten, kaum- hängenden Wagen. Fonqnet stieg in diese Cabane, welche sogleich abfuhr. Die Ruderer, da sie wußten, daß sie die Ehre hatten, den Oberintendanten der-Finarrzen zu fiihre11, arbeiteten mit ihren besteii Kräften, denn das niagifche Wort Finanzen verhieß ihnen einen guten Lohrt, dessen sie sich würdig machen wollten. Die Cabane flog auf den Welleri der Loire. Eirt herrliche-s Wetter, eine von den aufgehenden Sonnen, welche die Landschafteri mit Purpur über-gießen, ließ dem Fluß hier seine ganze durchsichtige Heiterkeit. Der Strom und die Ruderer trugen Fouquet, wie die Flü- gel den Vogel tragen; er kam nach Beaugency, ohne daß ein Unfall die Reife bezeichriet hatte. Fouqnet hoffte vor allen Andern nach Nantes zu kornmen; dort würde er die Notabelri febetk und sich eine Unterstützung unter den bedeutendsten Mitgliedern der Stände verschaffen; er würde sich nothwendig ina- chen, was ein Leichtes für einen Marm von feinem Verdietist, und die Katastrophe verzögern, wenn es ihm nicht gelänge, sie ganz zri vermeiden. »Ueberdies!« sagte Gourville zu ihnt,-.-überdies werdet Ihr oder werden wir in Nantes die Absichten Eurer Feinde errathenz wir werden Pferde bereit hal- ten, uin das nnentwirrbare Poitou, eine Barke, um das Meer zu erreichen, Und sind wir einmal aufdem Meere, so ist Beile-Nie ein unverletzlicher Hafeit. Auch seht thyt daß Euch Niemand bespäht, und daß uns Niemand o g.« » Kaunr hatte er gesprochen, als man in der Ferne- htnter einer Biegung, die der Fluß bildete, den Mast- baum einer bedeutenden herabfahrenden Gabare erblickte. Die Ruderer des Schiffes von Fonquet gabeii einen sShkhrei des- Erstaunens von steh, als sie diese Gabarc a en. 116 »Was gibt es W fragte Fouquet. »Gnädigster Herr,«·- erwiederte der Patroii der Barke- ,,es ist in der That außerordentlich-, diese Ga- bare läuft wie eilt Orkan.«. Gourville bebte und stieg auf den Oberlauf, um - besser zu sehen. s Fonquet stieg nicht hinauf, aber er sagtezu Gouv- ville mit einem bewältigten Mißtranen: »Seht doch nach, was es ist, mein Licber.«« Die Gabare war durch die Biegung gefahren. Sie« schwamm so rasch, daß man hinter ihr den weißen Streifen ihres Soges, beleuchtet voii deii Feuertc des Tages, zittern sah. »Wie sie lanfenl« wiederholte der Patroik-»wie sie laufenl es scheint, die Bezahlungist gut. Jch glaubte nicht, hölzerne Ruder könnten besser arbeiten, als dge lunseren. Aber dort beweist man mir das Gegen- t ei.« »Ich glaube wohll« rief einer Von deii Nudererii: »sie sind zu zwölf und wir nur zu acht.« »Zwölf!« sagte Gourville,«zwölf Nudererl un- möglichlift Die Zahl von acht Ruderern war nie überschritten worden, nicht einmal für den Köiiig.« Man hatte diese Ehre dem Oberintendanten mehr aus Eile, als aus Achtung erwiesen- »Was bedeutet das?-« fragte Gourville, der nnter dem Zette, das man schon erblickte, die Reisenden zu unterscheiden suchte, welche das schärfste Auge noch nicht zu erkennen vermocht hätte. »Sie müssen große Eile haben,«« sagte der Pa- tron,»denn es ist nicht der König-« Fouquet bebte. »Woran seht Ihr, daß es. nicht der König ist?!« fragte Gourville.. ,,Eittmal, weil die weiße Flagge mit den Lilien, .--""·’« — PG Iris-e der Ha- UUI Zie Sen des vie bte ils M- its er zit ht a- 117 welche die königliche Gabare immer führt, nicht vorhan- den 1st.« »Und dann,«« sagte Fonquet,»weil eo der König unmöglich sein kann, insoferik er gestern noch in Paris wan« Gonrville entgegnete dem Oberintendanteu mit einem Blick: Jhr waret ja selbst dort. »Und woran sieht man, daß sie Eile haben?« fügte er, um Zeit zu gewinnen, bei. ,,Mei11 Herr,«« antwortete der Patron,»diese Leute müssen lange nach uns abgefahren sein und haben uns .beinahe eiitgehoit.«' ,,Bah!«« rief Gonrville,»wer sagt Erich, daß sie sticht von Beangency oder gar von Niort abgefahren ind?««- »Wir haben keine Gabare vo11 dieser Stärke gese- hen, wenn nicht in Orleans. Sie kommt voii Orleans, mein Herr, nnd sputet sich.«- Fonqnet und Gourville wechselten einen Blick- Dcr Patron bemerkte diese Unruhe. Gourville sagte sogleich, um ilm von der Fährte abznbringem »Es wird ein Freund sein; der gewettet hat, er werde uns einholen; wir wollen die Wette gewinnen und uns nicht erreichen lassen-« Der Patron öffnete den Muttd, nm zi: entgegnen, Ftäan wäre unmöglich; da sprach Fouquet mit stolzem one: »Wenn Jemand uns einholen will, so laßt ihn kommen.« »Man kann es versuchen,«« sagte schüchtern der Patron.«»Auf, Ihr Leute, kräftig! rudert»' ,,Nein!«· rief Fonqnet,»haltet ini Gegentheil ans- »Monseignenr, welche Tollheit!« unterbrach ihn Gourvil1e, der sich an sein Ohr neigte. ,,Sogleich angehalten1'« wiederholte Fonqnet. Die acht Ruder-er hielten an und gaben, dem Wasser 118 widerstehend, der Gabare eine rückgängige Bewegung. Sie stand stille. Die zwölf Ruderer des andern Schiffes unterschie- den Anfangs dieses Manoeuvre nicht, denn sie trieben fortwährend das Fahrzeug so kräftig an, daß es bald nur noch auf einen Musketenschuß entfernt war. Fouquet hatte ein schlechtes Gesicht; Gonrville war durch die Sonne gehindert, die gerade auf seine- Augen fiel; der Patron erblickte allein, mit der Gewohn- heit und der Schärfe, die der Kampf mit den Elemen- ten verleiht, deutlich die Reisender-. der benachbarten- Gabare. »Ich sehe sie-« rief er, ,,sie sind zu zlvei.«« »Ich sehe nichts-« erwiederte Gourvilie. »Ihr werdet sie alsbald unterscheiden; mit zwanzig« Ruder-schlagen sind sie nur noch zwanzig Schritte von uns entfernM Aber was der Patron ankündigte, verwirklichte sich nicht; die Gabare ahmte die von Fonquet befohlenes Bewegung nach, und statt ihre vorgeblichen Freunde- einzuholen, hielt sie mitten iin Flusse an. »Das ist mir unbegreiflich,'« sagte der Patron. »Mir anch,« fügte Gourville bei. »Ihr-, der Jhr so gut die Leute seht, welche die Gabare führt,« sagte Fouquet, ,,sucht sie uns zu schil- dern, Patron, ehe wir zu fern von ihnen sind. »Ich glaubte zwei zu sehen,-« antwortete der Pa- tron,»ich sehe nur noch einen unter dem Zelt.«« »Wie sieht er aus?«« »Es ist ein Mann von braunein Gesichte, mit drei-.- ten Schultern und kurzem HaleM Eine kleine Wolke zog in diesem Äugetrblick über.:« den blauen Himmel hin und maskirte die Sonne. Gourville, der beständtg, eine Hand über den Aus s geti, schaute, konnte sehen, was er suchte; zersprang vom Oderlauf in« das Zimmer, wo ihn Fonquet erwartete-» und sagte mit einer von der Aufregung bebenden Stimme7·- II Z»He-I Enge thie- eben bald oille seine- ohn- nen- .rten- mzig« von e sich jlene nnde e die schil- Pa- brei- über An-; Vom Tiefe-- Time-f 119 »Colbertl« ,,Colberti«« wiederholte Fonquet,«oh! das ist selt- sam; nein, es ist unmöglich!« »Ich erkenne ihn, sage ich Euch, und er selbst hat mich so gut erkannt, daß er so eben in das Zimmer im Hintektheil gegangen ist. Vielleicht schickt ihn der Kö- nig, um uns zurückkonimen zu lassen.«« »Ich liebe die Ungewißheiten nicht,« rief Fouquet, ,,fahren wir gerade auf ihn zu.« »Oh! Monseignerir- thut das nicht, die Gabare ist voll von bewaffneten Leute11.«« »Er würde mich also verhaften? warum kommt er dann nicht?- ,,Monseignenr, es ist nicht Eurer Würde angemes- sen, daß Jl)r Eurem Berderbeii selbst entgegengeht.«' «Soll ich es aber dulden, daß man mich bewacht wie einen Missethäter?«l »Nichts sagt, man bewache Euch, Monseigneur, habt Geduld.«« »Was ist zit thun?-« »Haltet nicht an; Jhr fahrt nur so schnell, um den Anschein zu haben, als gehorchtet Jhr voll Eifer den Befehlen des Königs. Verdoppelt Eure Schnellig- .?-eit, man wird dann sehen.«- »Das ist richtig! Vorwärtsl« rief Fouquet,»da man dort stille halt, so wollen wir weiter fahren.'« Der Patroii»gab das Zeichen, und die Ruderer von Fouqnet arbeiteten wieder mit allem Erfolg, den man voii ausgeruhten Leuten erwarten konnte. s dKanmd hatt; die Gabarc hundert Klafter gemacht, a te an ere ie mit den wöl Ruderern i t auch wieder fo,rtsetzte. z f, hre Fahr , ies ging so den ganzen Tag fort ohne daß sich die Entfernung zwischeii den zwei Fahrzeitgen vermehrte oder verminderte. Gegenslbend wollte Fouqnet die Absichten seines Verfolgers ergrnnden. Er befahl den Ruderern, sich 120 gegen das Land zn ziehen, als beabsichtigte man, auszu- eigen. Die Gabare von Colbert ahmte dieses Manoeuvre nach und segelte in einer schrägen Linie nach dem Lande. - Durch einen großen Zufall folgte an der Stelle, wo Fouquet zu landen Mietie machte, ein Stallknecht vom Schlosse Langenais, mit drei Pferdeii an der Leine, deni blnntichten Ufer· Ohne Zweifel glaubten die Leute den Pferden, welche zu feiner Fluc)t bereit gehalten geii und auf dein Ufer fortschreiten, als wollten sie den Pferden ünd dem Reiter zuvotkommen.' Zufrieden, den Feind zu einer Demonstration ge- nöthigt zu haben, glaubte Fouquet im Klareii zu sein und ließ sein Schiff weiter fahren. Die Leute von Colbert stiegen sogleich wieder in mit derselben Beharrlichkeit fortgesetzt. fehr leise: »Nun! Gourville, was sagte ich bei unsereiii letzten zu meinem Ruin?«« »Oh! Monseigne11r!««— »Diese zwei Fahrzeuge, die sich mit einem Wett- eiser folgen, als ob wir, Herr Colbert und icl), uns um einen Preis der Geschwindigkeit streiteki würden- stellen sie nicht das Glück. von jedem von-uns Beiden vor, Gourville, und glcmbst Du nicht, daß der Eine von Beiden in Nantes Schiffbruch leiden wird?« Ständen»etscheinen, Jhr werde’t zeigen, was für ein- Mann Jhr seid. Eure Beredsamkeit und Euer Genie-·» der zwölfruderigeii Gabate, Fouquet wende sich nach- werden, denn man fah vier bis fünf mit Musketeit be- · wafftiete Männer aus dieser Gabare ans Land sprin-- das ihrige, und der Lauf der zwei Fahrzeuge wurde«. Als Fouqiket dies sah, fühlte er sich von Nahem- bedroht, und er sprach mit einer prophctifchen Stimme- Mahle in meinem Haufe? Gehe ich oder gehe ich nicht s »Es ist wenigstens noch Ungewißheit in dieser:" Sache-" entgegnete Gourville;»Ihr werdet in denf Vte ide. lie- echt ine- tute lakh Iten be-» rin-- den ge- sein : in irde sem Inle iten icht ett- uns den- iden von. ieset, den. ein enie; 121 in den öffentlichen Angelegenheiten sind der Schild und das Schwert- die Euch zu Eurer Vertbetdigung, wenn nicht zuin Stege-, dienen werden. Die Bretannier kennen Euch nicht, nnd wenn sie Euch kenneii werden-- ist Eure Sache gewonnen. Ohi Herr Colbert mag sich gut halten, denn seine Gabare ist der Gefahr des Schei- terns eben so sehr ausgesetzt, als die Einige- Beide gehen schnell, die seinige schneller. als die Enrige, das ist wahr; man wird sehen, welche zuerst zum Schiff- bruch gelangt«-" Fouqicet nahin die Haiid voii Gourville und sprach: »Freund, das ist Alles abgemacht, erinnere Dich des Spi«iichivorts: die Ersten gehen voran. Col- bert ist durchaiie nicht Willens, mir voran zu fahrenl Colbert ist ein Vorsichtiger.« Er hatte Recht; die zwei Gabaren fuhren, einan- der überwachend, bis Nantestz als der Oberlntendant landete, hoffte Gourville, er könnte sogleich seinei1 Zu- fluchtsort suchen nnd die Relais in Beteitschaft halten. Doch beim Ausschiffen holte die zweite Gabare die erste ein, nnd Colbert näherte sich Fonquet aus deiii fKaZkind grüßte ihii mit den Zeicheii der tiefsten Ehr- ur. « Mit so sichtbaren, so geräuschvolleii Zeicheii, daß in Folge derselben eine ganze Bevölkerung nach der Fosse lief. Fonquet war völlig Herr seiner Persoit; eie fühlte, daß er in dem letzten Augenblicke seiner Größe Ver- bindlichkeiten gegen sich selbst hatte. » Er wollte von so hoch fallen, daß sein Sturz einen seiner Feinde zerschmettern würde. Colbert war da, schlimm für Colbert. Der Oberintendant näherte sich ihin auch- erwie- derte· seinen Gruß mit dem ihin eigenthümlichen, hoch- mnthigen Blinzeln der Augen.und sagte: »Wie! Jhr seid es, Herr Colbert?·· 122 »Um Euch meine Huldigung darzubringen, Mon- feigneur,«« erwiederte dieser- "»Ihr waret auf dieser Gabare?«« Er bezeichnete die oft erwähnte Barke mit den zwölf Rudererii. »Ja, Monseigneur.«« »Mit zwölf Ruderernl«« rief Fouquet,«welch ein Luxus, Herr Coiberti Ich glaubte einen Augenblick, es wäre die Königiii Mutter oder der König.-- »Monseigueur...« stammelte Colbert erröthend.) »Das ist eine Reise, welche diejenigen, die sie be- zahlen, viel kosten wird, Herr Jntendant,«« sprach Fou- quet.«Doch Jhr seid angekommen. Jl)r seht wohl,« fügte er einen Augenblick nachher bei,»ich, der ich nicht mehr als acht Ruderer hatte, bin vor Euch angekommen.« Und er wandte sich um und verließ Colbert, ohne daß dieser entschieden wußte, ob alle die Ränke oder Manoeuvrecz der zweiten Gabare der ersten entgangen war zu zeigen, daß er Furcht gehabt hatte. Obgleich auf eine so ärgerliche Weise geschiittelt, z ließ sich Coibert doch nicht zurückschreckenz er erwiedertet-« »Ich bin nick)t rasch gewesen, Monseigueur, weil ich nicht weiter fuhr, so oft Jhr anhielteM »Und warum dies, Herr Colbert?«- rief Fouquet aufgebracht über diese niedrige Frechheit;»waruin, da Jhr eine der meinigen iiberlegene Gabare hattet, holtet Ihr mich nicht ein oder fuhret Ihr nicht an mir vorbei?«« »Aus Respect-« sagte der Jntendant, indem er sich bis anf die Erde verbeugte. en. Er gewährte ihm wenigstens nicht die Befriedigung,« ·Fouquet stieg in einen Wagen, den ihm die Stadt,« man weiß weder warum, noch wie schickte, und fuhr nach dem Hause von Nantes, geleitet von einer großen Menge, weiche seit mehreren Tagen in Erwartung- einer Zusammenberufung der Stände in Bewegung war. 123 Kaum hatte er sich einquartiert, als Goiirbille weg- lief, um die Pferde auf der Straße nach Poitters und m lVgnnes und ein Boot in Paiinboeuf bereit halten zu a en. « Er ging bei allen diesen oerschiedenen Operationen in auf eine so geheimnißvolle- so thätige und edelniüthige ck Weise zu Werk, daß Fouqiiet, der gerade von seinem «« Fieberaiifall bearbeitet wurde, der Rettung, abgesehen w voii der Mitwirkung des ungeheuren Agitator-S der »e; menschlichen Entivürfe, des Zufalls, nie näher stand. »u- Es verbreitete sich in der Stadt iii dieser Nacht l« das Gerücht, der König komme in großer Eile auf Post- cht pferden, und er wer-de in zehii bis zwölf Stunden ein- 1« treffen. He Jn Erwartung des Königs ergötzte sich das Volk ier sehr am Anblick der Musketiere, welche frisch mit Herrii o d’Artagnan, ihrent Kapitäii, erschienen und schon im Im Schloß eineasernirt waren, wo sie alle Posteii, in der , Eigenschaft von Ehrenwachen, besetzten. US, D’Artagnan, der sehr artig war, fand sich gegen » zehn Uhr beini Oberintendanten ein, uin ihm seine ehr- sei» furchtsvolle Hiildtgung darzubringeii, und obgleich der s ii s Minister das Fieber hatte, obgleich er leidend und in Ve Schweiß gebadet war, wollte er doch Hei«rii d’Artagnan et empfangen, den, diese Ehre entzückte, wie man aus der lIIM Uiiterredung, die sie mit einander hatten, ersehen wird. yltct :i?«« sich—·—· adt- nach- ißen g-. :uiig; war. z« ·124 XII- Irrundestathsetjläge. Fouquet batie sich niedergelegt wie cin.Menfch, der dem Leben Werth beimißt und so sparsani als mög- lich mit dem dünnen Gewebe des Daseins umgeht. dessen unersetzliche Zartheit die Stöße und Ecken dieser Welt so rasch abnntzen.. D’Art,.gnan erschien anf der Schwelle des Zim- mers nnd wurde von deni Oberintendanten mit einem äußerst freundlichen guten Morgen begrüßt. »Guten Morgen, Monseigneur,« erwiederte der Musketier, ,,wie befindet Jhr Euch nach dieser Reise?«« »Ich danke, ziemlich gut.« »Und wie sieht es mit dem Fieber?«« »Ja-nich schlecht Jch trinke,«wie Jhr«seht. Kaum I angelangt, habe ich Nantes mit einer Tisanesteuer. bele t.« g,,Jhr müßt vor Allem schlafen, Monseignenr.« »Ei! alle Teuer lieber Herr d’Artagnan, ich würde sehr gern schlgfen...« »Wer hindert Euch daran Zi- ,,Jhr, vor Allem.« »Ich! ahl Monseigneurl«« ,,Allerdiugs. Kommt Jhr nicht in Nantes, wie« in Paris, im Auftrage des Königs?«i »Um Gotteswillen, Monseigiieur,«« erwiederte der«" Kapitcin,«laßt doch den König in Rahel an demTag, an dem ich im Auftrage des Körnigs in Betxeff desse11, was': Jhr sagen wollt, kommen werde, lasse—«Iich Euch nicht« schniakl)ten,"sdas verspreche ich. Jhr werdet mich, dem;- Befehle gemäß, die Hand an depi Degeir ,1egen sehen nnd-F we vie der ag- ji pas;, Echt I« .- »F cM inv- 125 auf der Stelle mit meiner Ceremonienstimme sagen hö- ren: ,,»E))conseigneur, ich verhaste Euch ini Namen des Königsl"« Fouquet liebte unwillkührlich, so natürlich und kräftig war der Ausdruck des geistreicheki Gasconiers gewesen. Die Vorstelliing der Sache war beinahe so furchtbar, als die Sache selbst. »Ihr versprecht mir diese Offenherszigkeit?« sagte der Oberinteudant. »Bei meiner Ehrel doch glaubt mir, wir sind nicht so weit.« »Was läßt Euch das denken, Herr d’Artagnan? Jch glaube gerade das Gegentheil.«« »Ich habe durchaus nichts sagen hören.«« »He! he!'« »Nein, Ihr seid ein angenehmer Mann, trotz Eures Fiel-ers Der Köiiig kann nicht umhin, Euch im Grunde seines Herzens zu lieben.« Fouquet machte eine Grimasse. »Aber Herr Colbert?«« sprac) er.»Sollte mich Herr Colbert auch fo sehr lieben, als Ihr sagt?«« »Ich spreche nicht von Herrn Colbert,- eriviederte d’Artagnan.»Dieser ist eilt ausnahmsweiser Maiinl Es ist möglich, er liebt Euch nicht, aber Mordiourl das Eichhörnchen kann sich vor der Natter hüten, wenn es nur immer will.«« »WißtIhr, daß Ihr als Freund mit mir sprecht, und daß ich, bei meinem Leben, nie einen Man-c von Eurem Geist nnd von Eurem Herzeii getroffen habe?-« »Es beliebt Euch, das zu sagen-« erwiederte d’Ar- agnan,»Ihr habt bis heute gewartet, um mir ein solches Compliment zu machen.« »Oh! wie blind sind wir-« mursnelte Fouquet. »Eure Stimme wird heiser,«« sagte d’Artagnan. »Trtnkt, Monseigneur, trinkt.« Und er bot ihm mit der herzlichsten Freundschaft 126 eine TasseTisanez Fouquet nahm sie und dankte durch ein gutes Lächeln.’ »Solche Dinge begegnen nnr mir-« sprach der Musketier.»Ich habe zehn Jahre unter Eurem Barte zugebracht, als Jhr noch in Tonneii Goldes wühltet5 Jhr setztet vier Millionen Pension jährlich aus; mich habt Jhr nie bemerkt, nnd nun gewahrt Jhr, daß ich ans der Welt bin, gerade in dem Augenblick...« »Wo ich fallen foll,«« unterbrach ihn Fouquei. »Das ist wahr, lieber Herr d’Artagnan.'« »Ich sage das nicht«« »Ihr denkt es, und das ist dasselbe. Wohl dennl wenn ich falle, haltet mein Wort für wahr, werde ich nicht einen Tag hinbringen, ohne mir, indem ich mir vor den Kopf schlage, zu sagen: ,«,Narri Narr! thö- richter Sterblicherl du hattest Herrn d’Artagnan unter der Hand, und du hast dich seiner nicht bedientt du hast ihn nicht bereicherti«« ,- ,,Jhr überhäuft mich mit Güte,«« sprach ver Ka- pitån.»Ich schwärme für Euch.« »Noch ein Mann, der nicht denkt, wie Herr Col-,. bat-« sagte der Oberintendant.« »Wie dieser Colbert Euch an den Hüften hält! das ist schlimmer, als Euer FieberM »Oh! ich habe meine Gründe; benrtheiltsie,«« sagt-« Fouqnet.»z» Und er ersählte ihm die einzelnen Umstände von- der Fahrt der Gabaren und die heuchlerische Verfol- gung von Colbert. ·» »Nicht wahr, das ist das beste Merkmal meines Ruins?-«. D’Artagnan wurde ernst.-» »Es ist richtig ,« sprach er.»Ja, das riecht schlecht- wie Herr von Treville sagte.«'... , Und er heftete aus Fouquet feinen festen und bef- dentungsnollen Blick.«« J- »Richt wahr, Kapitäii, ich bin sehr bezeichnet-E- »D- .rch der trte set; nich net. nn l mir thö- nter du Col-. sälk! sagte- von" erfol- ein-es cicchtx o Hek- .. WEBER-— meths 127» Nicht wahr, der Köiiig führt mich nach»Nantes,» um mich von Paris zu trennen, wo ich viele Anhanger habe, um sich des befestigten Belle-Jsle zu bewach- ti en?«« g»Wo Herr d’Herblar) ist,«« fügte d’Artagnan bei. Fouquet schartte empor. »Monfeigneur,« fuhr d’Artagnan fort,»ich, was mich betrifft, kamt Euch versichern, daß mir der König nichts gegett Euch gesagt hat.«« »Wahrhastig?«« »Der König hat mir nach Nantes abzureisen be- fohlen, das ist wahr; er hat mir befohlen, nichts davon Herrn von Gesvres zu sagen.« »Meinem Freund!«· »Herrn von Gesvres, Eurem Freunde, ja, Mon- seignettr,«' fuhr der Musketier fort, dessen Augen nicht aufhörten, eine der Sprache seiner Lippen entgegenge- setztesSprache zu sprechen.»Der König hat mir auch be- fohlen, eine Brigade Musketiere mitzunehmen, was überflüssig zu sein scheint, da das Land ruhig ist«- ,, ine Brigade?'« fragte Fouquet, indem er sich auf seinen Ellenbogen erhob. ,,Sechs nnd neunzig Retter, ja, Monseigiieur, bie- selbe Zahl, die man genommen halte, um die Herren von Chalais, von Cum-Mars und Montmorenen zu verhaften.'« Fouquet horchte bei diesen oWe ein scheinbares Gewicht ausgesprochenen Worte11. »Und dann?« sagte er. ,, nd dann noch einige andere unbedeutende Be- fehle, als da sind: das Schloß mit meinen Musketieren besetzeu, jede einzelne Wohnung besetzen, keinen von den arden von Herrn von Gesvres Schildwache stehen zu lassen«. von Herrn von Gesvres, Eurem Freund.«' »Und in Beziehurt aufmi ,« rief Fou net- Welche Befehlew g ch q« 128 »Jn Beziehung auf Euch nicht das kleinste Wörtchen.·« .»Herr d’Ariagnan, es handelt sich darum, mir die Ehre und vielleicht das Leben zu retten. Jhr würdet mich nicht täuschen?«« »Ich!... in welcher Absicht? Seid Ihr bedroht? Nttr ist in Beziehung aufdie Wagen und Schiffe ein Befehl gegeben...« »Ein Befehl?i« »Ja, doch er dürfte nicht Euch betreffen, Eine ein- fache Polizeimaßregel...« »Nennt sie, Kavitän, nennt siel« »Es sollen alle Pferde oder Schiffe verhindert werden, Nantes ohne einen voni Köiiig nuterzeichneten Geleitsbries zu verlasse11.«· ,,Großer Gott!... aber...« D’Artagnan lachte. »Es wird dies erst nach der Ankunft des Königs in Nantes ausgeführt werden; Jhr seht auch wohl, Mon- seigueur, daß der Befehl Euch in keiner Hinsirljt trifft.« Fouquet wurde träumerisch, und d’Artagnan stellte« sich, als bemerkte er nicht, welche Gedanken den Ober- intendanien in Anspruch nahmen. »Daß ich Euch so den Jnhalt der Befehle, die mit: gegeben worden sind, anvertraue, muß ich Euch lieben- und es muß mir daran gelegen sein, Euch zu beweisen, daß keiner gegen Euch gerichtet ist.« ,,Allerdings,'« erwiederte Fouquet zerstreut. ,,Recapituliren wir-« sprach der Kapitän mit seinem ganz dringlichen Blicke:»Specielle und strenge Be- wachurig des Schlosses, in welchem Jhr EureWohnung haben werdet, nicht wahr?... Kennt Jhr dieses Schloß?...A.h! Monseigneur, ein wahres Gefängnißl Gänzliches Fernhalten von Herrn von Gesvres, der die- Ehre har, einer Eurer Freunde zu sein. Schließung der Thore der Stadt und des Flusses, doch erst wenn des-»F König angekommen sein wird. Wißt Jhr wohl, Herr-I l ste die det it? ein in- ert ten on- sp« llte ler- mir Den- sen- nem Be- ung eses riß i die der 129 Fouquet, daß ich, wenn ich, statt mit einem Manne zu sprechen wie Jhr, der Jhr zu den erstendes Reiches gehört, mit einem beunruhigten, beängstigten Gewissen spräche, mich für immer gefährdeii würde? Welch eine schöiie Gelegenheit, wenn Jemand das Weite suchen wolltet Keiiie Polizei, keine Wachen, keine Befehle; das Wasser frei- die Landstraße offen, Herr d’Artagnan genöthigt, seine Pferde zu leihen, wenn man sie von ihtn fordertei Dies Alles muß Euch beruhige11, Herr For-quet, denn der König würde mich nicht so unabhängig geiassetc haben, hätte er schlimme Absichten gehabt. Jn der That, Herr Fouqnet, verlangt voii mir Alles, was Eiich angenehm sein dürfte: ich bin zu Eurer Verfü- gung; nnr wemI Jhr die Güte haben wollt, leistet mir einen Dienst: den, Aramis und Porthos einen guterr Tag von mir zu wünschen, falls Jhr Euch nach Belle- Jsle einschiffe-n solltet, wie Ihr dies zu thun berechtigt seid, und zwar gerade wie Jhr geht und steht, im Schlafrock.« Nach dieseii Worten und nachdem er sich tief ver- beugt, ging der Musketier, dessen Blicke nichts«voti ih- rem verständigen Wohlwollen verloren hatten, aus dem Zimmer nnd verschwand. Er war noch nicht auf den Stufen des Vorhauses, ais sich Fouquet an die Glocke hing und, außer sich, rief: »Meine Pserdel meine Gabarel'« Niemand antwortete. Der Oberintendant kleidete sich selbst mit Allem an, was er unter seiner Hand sand. ,,Gourvillel... Gourvillet...« rief er, wäh- rend er seine Uhr in seine Tasche steckte- Und die Klingel spielte abermals, indeß Fouquet wiederholte. «Gourviliel... Gourvillet...« Gourvilie erschien keuchend, bleich. «Laßt uns aufbrechen,« riefder Oberintendant, sobald er ihn sah.( Die drei Musketiere. Braaeloime. x. 9 130 »Es ist zu spätlll erwiederte der Freund des ar- men Fouquet. »Zu spät? umran »Horcht-« Man hörte Trompeten und ein Geräusch Von Trommeln vor dem Schloß. -,,Was gibt es denn, Gourville?« »Der König kommt so eben an, Monseigneur.« »Der König!« »Der König, der Station für Station mit der größten Eile zurückgelegt, der König, der Pferde zu Tode geritten hat- nnd der Eurer Verechiiuiig acht Stunden zuvorkommt.« »Wir siiid verloren!«· murmelte Fonquet.»Ist-alter. d’Artagnan, Du hast zu spät zii uiir gesprochen» Der König traf in der That iit der Stadt ein- man hörte schon die Kanoiien vom Wallc und die eines Schiffes, welche unten vom Flusse antworteten. Fouquet faltete die Stirne, rief seine Kammerdie- ner und ließ sich in Gala ankleiden-. Von feincni Fenster aus, hinter deti VorhänkIen, sah er das eifrige Gedräiige des Volkes nnd die Be- wegung einer großetc Truppe, die dmi Fürsten gefolgt war, ohne daß man errathen konnte, wie. Der König wurde mit großeinGepränge nach dent Schlosse geführt, und Fouquet sah ihn beiin Fallgatter absteigen und leise d’Artagnan, der ihnt den Steigbügel hielt, ins Ohr sprecheik. Als der König unter das Gewölbe gegangen war- wandte sich d«Artagnan nach deni Haiife voiI Fouquet, doch so langsam, so langsam«und indem er fo oft stehen blieb, um mit seinen als Spalier aufgestellten Muske- tieren zu fprecheii, daß mcm hätte glaubest sollen, et zahle die Sekunden oder die Schritte, ehe er feinen« Auftrag vollzog. Fouquet öffnete das Fenster, um mit ihm in den Hof hinab zu sprechen. s) cit- Von der zu acht wer ein, llks die- ken- Be- )lgt veni tter gel »Ak- iet, hen Pfe- et Icn« )cU. 131 «Ah!« rief d’Artagnan, als er thI erblickte-,»Ihr seid noc) zu Hause, Monseigncur?«» Und dieses noch bewies Fonquet vollends, wie viele Unteriveifungen nnd nützlicheRathschläge der erste Besucli des Musketierg enthielt. Der Oberintendant seufzte nur« ,,Mei11 Gott, ja, mein Herr,«« antwortete er,»die Ankunft des Königs hat mich in meinem Vorhaben unterbrochen-« »Ah! Jhr wißt, daß der König angekommen ist?-« »Ja- mein Herr, ich habe ihn gesehen, und diesmal kommt Jhr itt seinem Auftrag...« »Ich soll mich nach Euch erkundigeii nnd Euch- wenn Eure Gesundheit nicht zu schlecht ist, bitten, Jhr möget Euch nach dem Schloss·e begeben-«- »Auf der Stelle, Herr d’Artaguan, auf der Ste·lle.«« »Ah! verdammt-« sagte der Kapiteln,.,nun da der König da ist, gibt es für Niemand mehr Pwmenaden, für Niemand mehr einen freien Willen, der Befehl be- herrscht nun Euch wie mich, mich wie Euch.« Fouqnet seufzte zum letzteii Mal, siiekI in einen Wageii, so groß war seine Schwäche, und begab sich, geleitet von d’ä)lrtagnan, desseit Höflichkeit diesmal nicht minder schrecklich war, als sie kurz zuvor heiter und tröstlich gewesen- nach dein Schlosse. Xlll. Miste König Lindin XIV. sein Riillchen spielte- Als Fouquet aus dem Wagen stieg, nm in das Schloß von Nantes einzutreten ,- näherte sich ihm ein Mann mit allen Zeichen der tiefsten Ehrfurcht und überreichte ihm einen Brief. D’Artagnan wollte diesen Mann verhindern, mit Fonquet zu sprechen, aber die Botschaftwar dem Ober- intendanten übergebetc worden. Fouquet entsiegelte den 7« Brief und las ihn; in dieseni Augenblick trat ein un- bestimmter Schrecken, den d’Artagnan leicht durchdrang, auf dein Gesichte des ersten Ministers hervor- Fouqitet steckte das Papier indas Portefeuille, das er unter feinctii Arm hatte, und ging weiter gegett die Gemächer des Königs.«,, Durch die kleinen, in jedem Stockwerk des Thur- mes angebrachtett, Fenster fah d’Artagnan, während er die Stufen hinter Fouquet hinaufstieg, den Mann mit dem Briefe auf dem Platze umherschauen und mehreren Personen Zeichen machen, welche bald in den anliegen- deti Straßen verschwanden, nachdem sie selbstkdiese Zei- chen, die ihnen der erwähnte Mami gemacht, wieder- holt hatten. Mart ließ Fouqnet einen Augenblick auf der Terrasse warten, welche nach der kleinen Flur auslief, hinter der l, man das Cabinet des Königs eingerichtet hatte. D’Artagnan ging nun am Obertntendantcn, den»st« er bis dahin ehrerbietig begleitet hatte, vorbei und trat" in das königliche Cabinet. "N""?« fragte ihtl Ludwtg xlv., welcher, als er k. Ua seit vie Eu: voti ein Goi glüt gefä das er ü eite. das ein und mit ber- den« Un- ing- MS die ur- er mit ren en- tei- er- der. 133 ihn erblickte, auf einen mit Papieren bedeckieit Tisch eirt großes grünes Tuch warf- »Der Befehl ist vollzogen, Sire.«i »Und Fonquet?« »Der Herr Oberintendant folgt mir-« erwiederte d’Artagnan· ,,Jn zehn Minuten wird man ihn bei mir einfüh- ren-« sprach der König, d’Artagnan mit einer Geberde entlassend. Dieser ging hinaus, doch kaum in die Flnrgelangd an deren Ende ihtt Fon uet erwartete, wurde er durch das Glöckchen des Königs zuviel-gerufen» »Er hat nicht erstaunt geschieiien?«« fragte der Konig. »Wer- Sire?«« » oitquet-«· wiederholte der König, ohne Herr zu sagen, eine Eigenthümlichkeit, welche den Kapitän der Musketiere in seinein Verdacht bestrickte- »Nein, Sire,«' erwiederte er. »Gut-« Und zum zweiten Male schickte Ludwig d’Artag- nan weg.« Fouquet« hatte die Terrasse nicht verlassen, wo sein Flthrer von Ihm weggegangen war. Er las noch einmal sein also abgesaßtet Billet: »»Es spinnt sich etwas gegen Euch an. Mein wird vielleicht»nichts im Schlosse wagen, wohl aber bei . Die Wohnung ist schon voti den Musketieren cernirt. Kehrt nicht dahiri zurück- ein weißes P erd erwartet Ettch hinter der Esplanade.« Fouquet hatte die Handschrift nnd den Eifer von Gourville erkannt. Da er nicht wollte, daß Jhm Un- glück widerführe, da dieses apier einen treuen Freund gefährden konnte, so war der Oberintendant bemüht, das» Billet in Tausende von Stücken zu zerreißen, die er uber das Geländer der Terrasse iii den Wind streute. ’ rtagnan überreichte ihn, als er zuschante, wie die letzten Fetzchen im Raum flatterten 134 »Der König erwartet Euch,«« sprach er.- , Fouquet ging mit ungezwungenem Schritte in den l kleinen Corridor, wo die Herren von Brienne und Rose arbeiteten, während der Herzog von Saint-Aignan, eben-» falls im Corridor aus einem kleinen Stuhle sitzend, auf ,-« Befehle zu warten schien und, seinen Degen zwischen; seinen Beinen, vor fieberhafter Ungeduld gähnte. T Es kam Fvuquet seltsam vor, daß die Herren von Brienne, Rose und Saint-Aignan, welche sonst so auf- merksam« so unterwürsig, sich wenig stören ließen, als er, der Oberintendant, vorüberging. Aber wie hätte er etwas Anderes bei Höflingen finden sollen, er., den der König nur noch Fouquet nannte?. ·» Er erhob das Haupt und trat, fest entschlossen-H Allem ins Gesicht zu trotzen, beim König ein, nachdem; ihn ein Glöckchen, das man kennt, bei Seiner Maiestät» gemeldet hatte.»— Der König machte ihm, ohne aufzusteheit, ein Zei- chen mit dein Kopf und fragte mit Theilnahme: »Ei! wie geht es Euch, Herr Fonquet?« »Ich habe meinetl Fieberanfali, bin aber ganz Eurer, Majkståk zu Diensten,« erwiederte der Oberintendant·;- »Gut. Die Stände versammeln sich morgen: habi; Ihr eine Rede bereit?'«? Fouqnet schaute den König mit Erstaiinen an. »Ich habe keine, Sirex« antwortete er, ,,doch ich- tverde eine improvisiren. Jch kenne die Angelegenheit-en gründlich gering, um nicht in Verlegenheit zn bleiben-z und habe nur eine Frage zu thun: wird mir sie Eure Majestät erlauben?«« «Sprechts«? ·»Warum hat Eure Majestät ihrem ersten Ministekij nicht die Ehre erwiesen, ihn in Paris zu benachrichtigen IF »Ihr waret krank; ich will Euch nicht ermüdetIH »Nie ermüdet mich eine Arbeit, nie ermüdet ml T,—- eine Erklärung- und dann ist für mich der Augenbli;«-"! «- s 1.· L .1 ten ose en- iuf sen IVU als jtte den sen K dem stät» zei- Urer 135 gekommen, eine Erklärung von meinem König zu for- dems- »Ohoi Herr Fouquet, und worüber eine Erklärung?" »Ueber die Absichten Seiner Majestät in Bezie- hutig»auf mich.« er König erröthete. »Ich biti verleuindet worden,« fuhr Fouquet leb- haft fort,»und ich muß die Gerechtigkeit des Königs zu Untersuchungen heransfordern.« »Ihr sagt mir das sehr unnöthig, Herr Fouqiiet: ich weiß, was ich weiß.«« »Seine Majestät kann die Dinge nur wissen, wenn man sie ihr gesagt hat, und ich habe ihr nichts ge- sagt, während Andere so oft gesprochen...« »Was meint Jhr damit?« fragte der König unge- duldig, dieses peinliche Gespreich zu endigen· »Ich gehe gerade auf die Sache los, Sire, und klage einen Mann an, daß er mir beim König schadet." »Es schadet Ench, Niemand, Herr Fonquet.« »Diese.Antwort beweist mir, daß ich Recht hatte, SireJl »Mein Herr, ich liebe es nicht- daß man anklagt.« »Wenn man angeklagt ist?...«« »»Wir haben schoir zu viel von dieser Sache ge- sprochen.« t»»Eure Majestsit will nicht, daß ich mich recht- er ige.«« »Ich wiederhole Ench, daß ich Euch nicht anklage." Fouquet machte unter einer Halboerbeugnng einen Schritt rückwärts· »Es ist gewiß,« dachte er-»er hat einen Ent- fchluß gefaßt. Dersenige, welcher nicht zurückweichen sann,v hat allein eine solche Hartnäckigkeit. Die Gefahr in diesem Augenblick nicht sehen hieße blind sein; sie nicht vermeiden hieße albern sein.« Dann sprach er laut: 136 »Eure Majestiit hat mich wegen einer Arbeit be- rufen?« »Nein, Herr Fouquet, wegen eines Nathes, den. ich Euch geben will« »Ich warte ehrerbietigst, Sire.« »Rubt aus, Herr Fouquet, verschwendet nicht mehr Eure Kräfte; die Sitzung der Stände wird kurz sein- und wenn meine Geheimschreiberi sie geschlosseti haben, soll man in Frankreich vierzehn Tage lang nicht mehr« von den Angelegenheiten sprechen.'«; »Der König hat niir nichts im Betreff dieser Ber-" sammlung der Stände zu sagen?«« »Nein, Herr Fouquet.« »Mir, dem Oberintendanten der Finanzen?-« »Ich bitte, ruht aus; das ist Alles, was ich Euch zu sagen habe«» Fouquet biß sich auf die Lippeti und neigte das- Haupt. Er brütete offenbar über einein bangen Gedanken. Diese Bangigkeit steckte den König an und er fragte:..: »Seid Jhr ärgerlich, daß Jhr ausruhen sollt, Herr Fouquet?«« I« »Ja- Sire, ich bin nicht an die Ruhe gewöhnt.«»s..z« »Aber Jlsr seid krank, Jhr müßt Euch vflegen.««« »Eure Majestät sprach vorhin von einer Rede, die« ich morgen halteir sollte?" Der König antwortete nicht; diese ungestüme Frage? setzte ihn in Verlegenheit. s Fouquet fuhlte das Gewicht dieses Zögerns, er» glaubte in den Augen des jungeti Fürsten eine Gefahr OF zn lesen, welche sein Mißtrauen beschleunigen würde. H »Wenn ich mit Furcht erscheine, so bin ich verlo- ren," dachte er i Der König seinerseits war nun über dieses Miß-;— trauen von Fouquet unruhig.., »Hat er etwas gewittert?«« murmelte er. »Ist sein erstes Wort hart« dachte Fouquet-»ge«: -...«w.«:.- lehr ein, )en, lehr ter-« das ten. er vierr" « die age s er ahr T Eklo-. Biß-; .gee, 137 räth er in Zorn oder stellt er sich, als geriethe er iii Zorn, um einen Borwand zu ergreifen, wie werde ich mich dann herausziehen? Mildern wir deii Abhang. Gourville hatte Necht.«« ,,Sire,« sagte er plötzlich,»da die Güte Eurer Majestcit in einem solchen Grade über meiner Gesund- heit wacht, daß sie mich voii aller Arbeit freisvricht, werde ich dann nicht auch für morgen vom Rathe frei sein? Jch würde diesen Tag dazu anwenden, um das Bett zn hüten, ich würde den König bitten, mir seinen Arzt abzutreten, damit ich ein Mittel gegen diese ver- dammten Fieber anwenden könnte-i« »Es geschehe, wie Jhr wünscht, Herr Fouqnet, Jhr sollt den Urlaub für morgen, Jhr sollt den Arzt, Jhr sollt Eure Gesundheit haben.« »Ich danke ,« erwiederte Fouquet sich verbeugend. Dann faßte er seinen Entschluß und fügte bei: ,,Werde ich nicht das Glück haben, den König nach Belle-Jsle zu mir zu führen?« Und er schaute Ludwig ins Gesicht, um die Wir- kung eines solchen Vorschlags zn beurtheileii. »Ihr wißt-« erwiederte er, indem er zu lächeln suchte,»Ihr habt gesagt: NachBelle-Jsle zu mir.« »Das ist wahr.« »Nun! erinnert Jhr Euch nicht mehr, daß Jhr mir Welle-Fette geschenkt habt«.M fuhr der König mit dein- felben heitern Ton fort. «»Das ist abermals wahr. Nur, da Jhr es damals nicht genommeii, werdet Jl)r nun davon Besitz ergreifen.«« »Ich will das wohl thun.-« . ,»,Uebr«ig«ens war dies die Absicht Eurer Maiestcit, wie die in»einige, und ich vermöchte Eurer Majesiät nicht zu sagen, wie stolz und glücklich es niich gemacht hat- als ich alle Hanstriippen des Königs zu dieser Besitznahme von Paris kommen sahs- » Der König staninielte, er habe seine Musketiere nicht zu diesem Behufe allein mitgebracht. 138 »Oht das kann ich mir denken ,« erwiederte leb- haft Fonqnet.»Eure Majestiit weiß zu wohl, daß es für sie genügt, allein, mit einemStöckchen in der Hand- zu kommen, um alle Festungswerke von Belle-Jsle fal- len zu machen.« ,,Tenfel!« rief der König,»sie sollen nicht fallen, diese schönen Festungswerke, dereii Bau so viel gekostet hats Neinl sie sollen bleiben gegen die Hollander und die Englander. Was ich in Belle-Jsle sehen will, wür- det Ihr nicht errathen, Herr Fonquetx es sind die schö- nen Bauer-innen, Mädchen und Frauen von den Feldern und den Dimen, die so gut tanzen und mit ihreii scharlachrothen Rücken so verführerisch werden! Man hat mir Eure Vasalleii gerühmt, Herr Oberintendant, - laßt sie mich sehen.« »Wann Eure Majesiät will.« ll»Habt Ihr ein Transportmittel? Morgen, wenii Jhr wo tet.« Der Oberintendant fühlte den Schlag, der nicht in gerader Linie gethan war, und erwiedertex »Nein, Sire, ich wußte nichts von dem Wunsche Eurer Majestiit, ich wußte besonders nicht, daß es sie mich in keiner Hinsicht vorgesehen.«· »Ihr habt aber doch ein eigenes Schiss?«« »Ich habe fü11f, aber sie sind alle entweder im Port oder in Paiinboens, nnd uni sie zn erreichen oder kommen zirlassen, braucht man wenigstens vier nnd zwanzig Stunden. Jst es nöthig, daß ich einen Eil- boten abschicke? Soll ich es thun?«« »Wartet noch, laßt das Fieber endigen, wartet bis inorgen.«. »Das ist wahr Wer weiß, ob wir morgen nicht tausend andere Gedanken haben werden?«« erwiederte Fouquet sehr bleich, denn es blieb ihm fortan kein Zweifel mehr.·f so sehr drängte, Belle-Jsle—zu beschauen, und habe .«»»k..« -.N·,...:k- e- ..»,»M» 189 Der König bebte nnd streckte die Hand nach feinem Glöckchen aus, aber Fouqnet kam ihm zuvor-. »Sire,« sagte er-»ich habe das Fieber, ich zittere vor Kälte. Bleibe ich einen Augetiblick länger, so bin ich im Stande, ohnmächtig zu werden.- Jch bitte Eure Majeftät nm Erlaubniß, mich unter Decketi verbergen zu dürfen.'« »Ihr zittert in der That; das ist betrüblich anzu- schauen. Geht, Herr Fouqnet, geht. Jch werde mich nach Euch erkundigen lasseth »Eure Majestät ist allzu gut. Jn einer Stunde werde ich mich viel besser befinden.« »Es solt Euch Jemand zurückführen.« »Wie es Euch beliebt, Sire, gern werde ich den Arm von irgend Jemand annehmen.« »Herr d’Artagnant-« rief der König, während er zugleich klingelte. ·»Oh·! Sire,« sagte Fouquet, lachend mit einer Miene, die den König fchanern machte,»Ihr gebt mir einen Kapitän der Musketiere, mn mich nach meiner Wohnung führen zu lassen? Eine sehr zweideutige Ehre! Ich bitte Euch um einen einfachen Bedienten.« »»Und warum, Herr Fouquet? Herr d’Artagnan fuhrt wohl mich zurück..-« ·»Ja, doch wenn er Euch zurückführt, Sire, so ge- schiehtgelæ uzn Euch zu gehorchen, während man, wenn...« un'« Musk,tilsahrend»thrn, wenn ich mit EureniKapitän der e iere ur11 e ren mu; überall a e wird lasset mich vzerhafteii.« s, s g n, Ihr -zVerhafte11!-· wiederholte der König, der noch mehr erbleichte- als Fouquet selbst,»Verhaften1 oh!."..« »»E·1! wag sagt man nicht Allest« fuhr Fouquet bestandig lachend fort,»und ich wette, es würden sich Leute sipden- die boshaft genug wären, darüber zu spotten.«« Dieser witzsge Einfall brachte den König aus der Fassung. Fouquet war gewandt oder glücklich genug- « 140 daß Ludwig le. vor dem Anscheine der Handlung- auf die er sann, zurückwich. Herr d’Artagnan, als er eintrat, erhielt den Be- fehl, einen Mustetier zur Begleitung des Oberinten- danten zu bezeichnen. .»Das ist unnöthig,«« erwiederte dieser;»ein Degen sür einen andern, Gourvilie, der unten aus mich war- tet, ist mir ebenso lieb. Das soll mich jedoch nicht ab- halten, die Gesellschaft von Herrn d’Artagnan zu ge- nießen. Es wird mich sehr freuen, wenn er ·Belle-Jsle änschaut, er, der sich so gut auf den Festungsbau ver- ehtrr D’Artagnan verbeugte sich; er begriff die Scene durchaus nicht mehr.- Fonqnet verbeugte sich ebenfalls nnd verließ das - Cabinet, die ganze Langsamkeit eines Menschen heuchelnd, der spazieren geht. Sobald er außerhalb des Schlosses war, sagte er: »Ich bin gerettet. Oh! ja, Du sollst Belie-Jsle sehen, unredlicher König, aber wenn ich nicht mehr dort « sein.werde.«- Und er verfchwaiid. D’Artagnan war beim König geblieben. ,,Kapitä11,«' sagte Ludwig xlv. zu ihm,»Ihr wer- det Herrn Fouquet auf hundert Schritte folgen.« » n, Sire.« d h·»Er kehrt in seine Wohnung zurück, Jhr geht auch» a in.« »Ja, Sikc.,,, C «»Ihr verhaftet ihn in meineni Namen und schließt" sc ihn in einen Wagen ein.«« »Jn einen Wagen. Gut.« Er »So daß er unter Weges weder mit Jemand sprechen, noch den Leuten, die er trifft, Villets zuwer-« hk fen kann.«" »Oh! das ist schwierig, Sire.« ,,Nem.«««.. ie- JU- en it- b- e- sle r- 141 »Verzeiht, Sire, ich kann Herrn Fouquet nicht er- icken, und wenn er zu athmen verlangt, so kann ich ihn nicht dadurch verhindern, daß ich die Glasfenster und Schirmleder schließe. Er wird zu den Kutschenschlcigen alle mögliche Schreie und Billeto hinauswerfen.« »Es ist für dieseri Fall vorhergesehen, Herr d’Ar- tagnanz ein Wagen mit einem Gitter würde zwei von Euch bezeichnete-i Widerwärtigkeiten begegnen.«« »Ein Wagen mit eisernem Gittersp rief d’Ar- tagnan;»aber man macht Gitter für einen Wagen nicht in einer halben Stunde, und Eure Majestät de- siehlt mir, sogleich zu Herrn Fouquet zu gehe-M »Der fragliche Wagen ist auch schon gemacht.'« »Ab! das ist etwas Anderes. Wenn der Wagen gemacht ist, so braucht man nur zu gehen.«« »Er ist auch angespannt. »san« I »Und der Kutscher mit den Piqueitrg wartet ini Hofe des Schlosseo.«« D’Artagnan ver-beugte sich und sprach: weichen Ort man Herrn Fouquet führeii wird.« ,,Nach dem Schlosse von Angers zuerst.« »Wir werden nachher sehen.«· »Ja, Sire.«« »Herr d’Artagnan, ein letztes Wort: Jhr habt be- merkt, daß ich, um Fouquet festzunehmem nicht meine Gardcn verwende, worüber Herr von Geovreo wüthend sein wird.« »Eure Majestät verwendet ihre Garben nicht,'« erwiederte der Kapitän ein wenig gedemüthigt,»weil sie Herrn von Gesvres niißtraut, das ist die Sache-'- h b»Damit sage ich Euch, daß ich Vertrauen zu Euch å EV« »»Ich wiii eoI wohl glauben, Sire, und es ist un- nothtg, es bei mir geltend zu machen-«« 142 »Ich bemerke das nur, um dazu zu gelangen, mein Herr, daß von diesem Augenblick an, wenn es aus Zu- fall, aus irgend einem Zufall geschähe, daß Herr Fouquet entweichen würde... man hat dergleichen Zufälle gesehen, mein Herr...« ·»Ob! Sire, sehr oft; doch bei den Andern, bei mir nichM »Warum bei Euch nicht?«« »Weil ich einen Augenblick Herrii Fouquet retten wollte.««’ Der Kötiig bebte. »Wozu ich berechtigt war- da ich den Plari Eurer Majestcit errathen hatte, ohne daß sie mir etwas da- von gesagt, und weil Ich Herrn Fouqrtet der Theilnahme würdig sand. Es stand mir frei, diesem Manne meine Theilnahme zu bezeigenJi »Wahrhaftig, mein Herr- Jhr beruhigt mich sehr wenig über Eure Dienste.« ,,Hätte ich ihn damals gerettet, so wäre ich voll- kommen unschuldig gewesen, ich sage mehr, ich hätte recht daran gethan, denn Herr Fouquet ist kein böser Mensch.· Doch er wollte nicht; sein Geschick hat ihti fortgerissen; er hat die Stunde der Freiheit entfliehen - lassen. Desto schlimmer! Nun habe ich Befehle, ich werde diesen Befehlen gehorchen, und Ihr« könnt Herrn Fouauet als einen verhafteten Maiin betrachten. Er ist im Schlosse von Angers.«« »Oh! Jhr habt ihn noch nicht, Kapitän.-«« »Das ist meine Sack)e. Jedetii sein Handwerk, Sire; nur wiederhole ich, überlegt. Gebt Jhr im Ernste den Befehl, Herrn Fouquet zu verhaften, Sire?« »Ja, tausendmal ja.« »So schreibt l« »Hier ist der Brieth D’Artagnan lag ihn, verbeugte sich und ging weg-J Von der Terrasse herab sah er Gourville, der mit.- »se- S)-»-—-«-..-·.« [- 534 ei en er a- Ue klc br s- tte ·er III en ich rn ist seu». Häk- Hi ,.nen nach dent purpurrothen Horizort 143 einer freudigen Miene vorüber-ging und sich nach dem Hattse von Fonquet wandte. XVl. Was weiße Roß und da- fchwarze Roß. »Das ist sonderbar,«' sagte der Kapitåm»Gour- ville läuft ganz better irr den Straßen umher, loahr«etid er überzeugtsein muß, daß Herr Fouquet itt Gefahr schwebt, während es beinahe gewiß ist, daß Gourville Herrn Fouqtcet durch das Billet vorhiti getoariit hat, dieses Bilet, das vom Herrn Oberlutendauteu auf der Terrasse in tausend Stücke zerrisseri und den Winden preisgegeben worden ist. »Gourville reibt sich die Hände, er hat folglich etwas Gescheites gethan. Woher kommt Gourville? »Gourville kommt aus der che aux Herbes. Wo- hin führt die Rtte aur Her·bes?«« Und d’Artagnan folgte-am Firste der vom Schlosse vüberragten Häuser vorI Nantesder Linie der Straßen, toie er es auf einem topogrckphischen Plane gethatr hätte, nur statt des todten und flachen, leeren und odert Papiers erhob sich die lebendige Karte inr Reliefinit den Bewegungen, den Schreien und detc Schatteri der « Menschen nnd der Dinge. Jenseits der Ringmauer der Stadt dehntert sich die großen grünen Ebeneti an der Loire hin aus und schie- t zu laufen, den das Azur der Wasser und das Schjvarzgrün der Mooi·e I 144 Unmittelbar vor den Thoren der Stadt singen zwei weiße Wege an, welche auseinander liefen wies die ge- trennten Finger einer riesigen Hand. I« D’Artagnan dor, über die Terrasse schreitend, das sganze Panorama mit einem Blicke umfaßt hatte, wurde der Linie der Rne nur Herbes folgend zur-Mündung von einem dieser Wege geführt, der seine-n Anfang unter dem Thore von Nantes nahm. Noch eineii Schritt und er sollte die Treppe der Terrasse hinabsteigen, utn aus dem Thurme seinen ver- gitterten Wageii zu nehmen und nati) dem Hause voii Fouqnet zu fahren- Aber der Zufall wollte- daß er in dem Augenblick- wo er den Fuß auf die oberste Stufe setzte, durch einen beweglichen Punkt angezogen wurde, der auf die- sem Wege forteilte.’ »Was ist das?l« fragte sich der Musketier;»ein Pferd, das läuft, ohne Zweifel ein entsprungenen Pferd; wie es auszieht!««. z« Der beweglicbe Punkt ging von der iraße ab und sprang auf die anernenäcker über;« · »Ein Schimniel,« fuhr der Kapiteln fort, der die, Farbe leuchtend noli dem dunkleren Grunde hatte sich sadbeben sehen,»und er wird geritten; das ist sein Kind- desssen Pferd Durst hat und es in schräger Linie nach der Tränke entführt.««- Diese Betrachtung, rasch wie.ein Blitz, gleichzeitig mit der gesichtlichen Wahrnehinung, hatte d’Artagnan schoit angestellt, als er die ersten Stufen der Treppe hinabstieg. Einige Papiertheilchen lagen zerstreut- auf den Stufen und glänzten aus dem geschwärzten Stein der« Stiege. sind einige Bruchstücke von dem von Herrn Fouqn zerrissenen Billet. Armer Mannl er hatte feinste- heimniß den Winden übergebenz der Wind- will nich.» ,,Eic eit« sagte der Kapiteln zu sich selbst, ,,hi«e-« »k«-«-- wei ge- das rde tng iter der WIT- ookc ««Ls.s.-; 145 davon nnd trägt sie dem König zurück. Du spielst entschieden unglücklich! Die Partie ist nicht gleich: das Glück ist gegen Dich. Der Stern von Ludwig X1v."— verdunkelt den Deinigen: die Natter ist stärker oder gewandter als das Eichhörnchen·«» D’Artagnan hob- während er hinabstieg, eines von- den Papierstiickcheti anf.- »Die kleine Handschrift Voti Gonrville,« sagte er, nachdem er das Bruchstück vom Billet prüfend betrach- tet hatte,»ich täuschte mich nicht.«« Und er las das Wort Pferd. »Haltl« sagte er, nnd er betrachtete ein anderes, auf dem er keinetr Buchstaben gefchriebeti fand. Auf dem dritten las er dan Wort weißes. »Weißeg Pferd,«« wiederholte er, wie dasKind, das buchstabirt.»Ah! mein Gott ,« tief der miß- trauische Geist,»weißes Pferdl« Und dein Pulverkorn ähnlich, das siels brennend in einen hundertfachen Uni- fang erweitert,' stieg d’Artagnan, von argwöhnischen Ge- danken angeschwollen, wieder rafch zur Terrasse hinauf. Der Schimmel lief, lief immer in der Richtung der Loire, an deren Ende, in den Dünsten des Wassers zerschmolzen, ein kleines Segel wie ein Atom geschaukelt erschieii. »Ho! ho!'« rief der Musketier,»nur ein Mensch, der. flieht, rennt so auf dein angebauten Boden auf einem weißen Roß. »Nur der Gebieter voic Belie-Jsle flüchtet sich so nach der Seite des Meeres, während es anf dem Lande so dichte Wälder gibt. »Und es sindet sich nur ein d’Artagiian auf der Welt, der Herrn Fouquet einholt, welcher einen Vorsprntig von einer halben Stunde hat und sein Schiff vor einer halben Stunde erreick)t habe-i wird.« Nachdem er so gesprochen, gab er Befehl, den Wagen mit dem eisernen Gitter in aller Eile in ein I Lustwäldchen zu führen, das außerhalb der Stadt lag. Die drei Musketiere. Bragelon11e. It. 10 146 Er wählte sein bestes Pferd, sprang ihiti auf den Rücken und sagte durch die Rue aur Herbes, wobei er nicht den Weg wählte, den Fouquet selbst genommen hatte, s sondern das Ufer selbst, fest überzeiigt, er würde zehn Minuten an der Gesammtfumme des zii durchlaufenden Ranmes gewinnen und beim Durchfchnittsvunkt der beiden Linien den Flüchtling einholen, der nicht ahnete, er werde von dieser Seite verfolgt werden- Jn der Geschwindigkeit des Laufes und mit der Ungeduld des Verfolgers, wie bei der Jagd, wie im Kriege, sich belebend, ertapvte sich d’Artagnan, der fo sanft, so gut gegen Fouqtiet, daß er wild nnd beinahe blutgierig wurde. Lange Zeit rannte er, ohne daß er das. weiße Roß erblickte; fein Grimm nahni die Farbe der Wuth an; er zweifelte an sich, er vermuthete, Fouquet habe sich in einen unterirdischen Weg gestürzt, oder er habe den Schimmel mit einem von den vortrefflicheii Rappen ver- tauscht, deren kraftvolle Leichtigkeit er, d’Artagnan, in Samt-Mande- so oft bewundert, beneidet hatte- , Jn diesem Augenblick, wenii ihm der Wind in die Aug-en schnitt und die Thränen daraus- hervorfpringen artig-te, wenn der Sattel brannte, wenns das in seine-m rohen. Fleisch verletzte Pferd wieherte und mit seinen Hinterfiißen einen Regen von feinem Sand-und Kiefel- steinen iii die Luft fliegeii machte, fuchte d’Artagnan, da er, sich-«an seinem Steigbügel erhebend, nichts auf dem Wasser- nichts unter den Bäumen erblickte, wie ein Wahnsinniger in der Luft. Jm Parorismus seiner Wuth träumte er von Luftwegen, einer Entdeckutig des folgenden Jahrhunderts, erinnerte er sich des Dädalos und feiner breiten Flügel, die ihn aus den Gefängnisseltk-· sz von Kreta errettet hatten. Ein heiserer Seufzer strömte aus seinen Lippe hervor. Verzehrt von der Angst vor der Lächerlichteit- wiederholte er: »Jchl ich! bethört durch einen Gourville, ichlisc «- 147 Man wird sagen, ich altere, man ivird sagen, ich habe eine Milliort erhalten, uni Fouqnet fliehen zu lasse11.«« Und er drückte beide Sporen seinem Rosse in den Bauch; er mußte eine Meile in zelm Minuten machen. Plötzlich saly er- ain Ende einer Viehlvaide hinter Hecken eine weiße For-n, die sich zeigte, verschwand und end- lich auf einem höheren Terrain sichtbar blieb. D’Artagnan bebte vor Freude; sein Geist erheiterte sich alsbald. Er wischte sicl) den Schweiß ab, der von seiner Stirne troff, machte seine Kniee los, vort denen befreit fein Pferd weiter athmcte, zog den Zügel an und mäßigte den Gang des kräftigen Thieres, seines Genossen bei dieser Menschenjagd. Er konnte nun die Forin des Weges und seine Stellung inBeziehnng auf Fouquet studirei.( Der Oberintendant hatte sein Pferd, über den wei- cheit Boden hinreitend, außer Atheiii gebracl2t. Er fühlte das Bedürfniß, einen härter-en Boden zu erreichen und strebte nach der Straße auf der kürzesten Linie. D’Artagnan hatte nur gerade aus auf dem Absatz des« steilen Ufers zu reiten, das ihii den Augeii seines Feindes entzog, so daß er ihn bei seiner Ankunft auf der Straße abschneiden würde. Dort würde der wirk- liche Lauf beginnen, dort würde der Kampf sich ent- spinnen. D’Artagna11 ließ sein Pferd mit voller Lunge ath- men.-Er bemerkte, daß der Oberintendant in einen Trab überging, das heißt, daß er sein Roß auch schnau- fen ließ· Aber man hatte auf beiden Seiten zu große Eile, um lange bei diesem Gang zu bleiben. Das weiße Roß schoß wie ein Pfeil fort, als es einen Boden be- ruhrte, der mehr Widerstaiid leistete. D’Artagna11 ließ die Zügel schießen, und sein Rappe « setzte sich in Galopp. Beide folgteri derselben Richtung- die vierfacherr Echos des Laufes vermengten sichz Fou- quet hatte d’Artagnan noch nicht bemerkt. 148 ..«'Aber beim Ausxzang des Absatzes durchdrang ein einziges Echo die Lust: es war das der Tritte von d’Artagnaii, welche wie ein Donner rollten. . Fouquet wandte sich um, er sah aus hundert " Schritte hinter sich seinen Feind, der sich auf den Hals seines Nenners neigte· Kein Zweifel mehr, das glän- zende Wehr-gehäng, die rothe Kasake, es war der Mus- ketierz Fouquet ließ auch die Zügel schießen und sein Schimmel legte zwanzig Schritte mehr zwischen seinen Gegner und ihn. »Ahl« dacht·e d’Artagnan beunruhigt, ,,es ist kein gewöhnliches Pferd, was Fonquet da reitet, aufgepaßtt·« Und er drüfte aufmerksam mit seinem unfehlbaren Auge den Gang und die Mittel dieses Renners. Kreuz rund, Schweismager und ausgestreckt, Beine mager nnd dünkt wie Stahlsäden, Huf härter als Marmor.— Er gab seinem Pferde die Sporen, aber die Ent- fernung zwischen Beiden blieb dieselbe. D’Artagnan horchte angestrengt, nicht ein Athem- zng des Pserdes drang zu ihm, und es durchschnitt doch« t die Lnf. Der Rappe fing im Gegentheil an zu röcheln, wie bei eineni Hustenansall.«— »Ich muß mein Pferd zu Tode reiten, aber an Ort und Stelle kommen,«« dachte der Musketier. Und er fing an das Maul des armen Thieres zu sägen, während er mit den Spore11 in seiner blutigetl Haiit wühlte.- Das Pferd legte in Verzweiflung zwanzig Klafter zurück und kam bis aus Pistolenschußweite zu Fouqnet, w- »Muth,« sagte sich der Musketier,»Mut-hl Der« Schimmel wird vielleicht schwach werden, und wenn das Pferd nicht fällt, wird der Herr am Ende fulleiM« Aber Pferd und Reiter blieben aufreclxt, vereinigt-» und gewannen allmälig wieder einen Vorsprung. D’Artagnan stieß einen wilden Schrei aus, bei- We« ka dur dem sich Fouquet umwandte, während sein Pferd sich uoch mehr belebte. »Herrliches Roß! wüthender Reiterlii brummte der Kapitän.»Hollai Mordtotixl Herr Fouquetl holt-il auf Befehl des Königs!'« Fouquet antwortete nicht. »Höret Jhe mich?«« brüllte d’Artagnan, dessen Pferd einen falschen Tritt gemacht hatte. »Bei Gottlii erwiederte Fouquet lakonifch. Und er rannte weiter. D’Artagnan wäre bald wahnsinnig geworden; das Blut floß brausend nach seinen Schlafen, nach seinen Au en. g»Auf Befehl des Königs!«' rief er abermals: »haltet au, oder ich schmettere Euch mit einem Pistolen- schuß niederl«« »Tl)ut es,«- antwortete Fouquet D’Artagnan ergriff eine von sei spannte, in der Hofknmig, das Geräusch des Schlosses würde seineii Feind aufhalten. E ck,-,Jl)r habt auch Pistolen,«« rief er, ,-vertl)eidigt u). Fouquet wandte sich wirklich bei dernGeräufch um, schaute d’Artagnan iu’s Gesicht, öffnete den Rock, der ihm den Leib umschloß, rührte aber seine Holfter« nicht an. Sie waren zwanzig Schritte Von einander entfernt. »»Mordiouxl« rief d’Artagnan,»ich werde Euch nichtermorden; wenn Jhr nicht auf mich schießen wollt, ergebt Euch! was ist das Gefängniß.M »Ich kvill lieber sterben,«« erwiederte Fouquet;»ich werde weniger leiden.««. runken vor Ver weiflung warf d’Arta nan eine Pistole auf die Straßä. g s »Ich werde Euch lebendig fassen, ,« sagte er, und durch ern Wunder, dessen nur diese r unvergleichliche 150 « Reiter fähig war, brachte er sein Pferd aufzehn Schritte" zu dem weißen Rosse. t»Auf, tödtet micht das ist menschlicher-« rief Fou- qne. »Nein! lebendigt lebendig!·« murmelte der Kapitali. Sein Pferd machte zum zweite1 Mal einen falschen Tritt, das von Fouquet gewann Vorsprung. Es war ein unerhörtes Schauspiel, dieses Rennen zwischeii zwei Pferden, die nur noch durch den Willen« ihrerM Reiter lebten. Man hätte glauben sollen, d’Ariagnan renne sein— Pferd zwischen feineri Knieeii tragend. Auf den wüihenden Galopp war der scharfe Trab gefolgt, dann kam der einfache Trab. Und der Lauf schien dcxi zwei erinatteten Athleten ebenso rasch. D’Artagimn ergriff, aufs Aeußerste gebracht, die zweite Pistole und zielte auf den Schiiniiiel »Auf Euer Pserdi nicht auf Euch!«" rief er Fou- quet zu. Und er schoß Das Thier war ins Kreuz getrof- fen,« eDs machte einen wiithendeti Sprung nnd baumte sich Das Pferd von d’ Artagnan siel todt nieder. »Ich bin entehrt,« dachte der Musketier,»ich bitt ein Elender. Herr Fouquet1« rief er,»habt Mitleid und werft mir eine Pistole zu, daß ich mir die Hirnschale zerschmettern« Fonquet setzte seinen Laiif fort »Seid barmherzigt« rief d’Artagnan,»was Ihr in diesem Augenblicke ruscht wollt, thue ich in einer Stunde tock), hier, auf der Straße sterbe ich muthig, sterbe ich geschätzt«.Erweist mir den Gefallen, Herr Fouquet.lk«« Fouquct erwiederte nichts und tiabte weiter-. D’Artagnan fing an feinem Feinde nachzulaufm Nach und nach warf er seinen Hirt, feinen Its-M der ihm hinderlich war, und feineDegenscheide, die ils zwischen die Beine kam, auf- den Boden. i i e l Os- wes-·- Dritte, Fou- Iitätt. schen UUEU Fillen f sein. Trab leten- ierste nnel. Fou- trof-» sichs bitt und shale r in« unde ich let-«« n. Z iockij Tut-A- U IX i 151 Der Schimmel röcheltez d’Artagnan kam ihm nahe.- Voin Trab ging das Thier iti kurzen Schritt über, tnit Schwindeln, die seinen Kotif schüttelten; das Blut kam mit dem Schaiini in seiti Maul. D’Artaqnan machte eine verzweifelte Anstrengung, sprang ans Fouquet los, packte ihn bei einem Bei-( und sagte mit einer keuchenden, siockenden Stimme- »Jch verhafte Euch im Namen des Königs; schlagt mir den Schädel ein, wir werden Beide unsere Pflicht gethan haben-- Fouquet schleuderte weit von sich in den Fluß die beidenVistolen, dereii d’Artagnan sich hätte bemächtigen können, stieg ab und sprach: »Ich biii Euer Gefangener, mein Herr, wollt mei- nen Mut-»nehmen, denn Ihr seid einer Ohnmacht nahe.« »Ich danke,«« murmelte d’Artagnan, der wirklich die Erde unter sich schwinden nnd den Himmel über seinem Haupte zerschmelzen fühlte. Er rollte auf den Sand- sein Atheni, seine Kräfte waren erschöpft- Fouqnet stieg die Bbschung des Flusses hinab, schöpfte Wasser iii seinmi Hirte, ersrischte die Schläfe des Musketiers und stößte ihm ein paar kühle Tropfen zwischen die Lippen., D’Artagnan erhob sich und suchte mit irrem Auge umher. » Er sah Fouquet niedergetniet, seinen nassen Hut in der Haiid, und lächelte mit einer unaussprechlichen Milde. »Ihr seid nicht entfloheni« rief er.»Oh! mein Herr, der wahre König durch die Redlichkeit, durch das Herz, durch die Seele, ist nicht Ludwtg vom Louvre, UHZI Philipp voii SaintesMarguerite, Ihr seid es, der Gesichtete, der Verurtheiltet« »Ich, der ich heute nur durch einen einzigen Feh- ler verloren bin, Herr d’Artagnan.« —»Mein Gottl durclj ivelck)en?«« »Ich hätte Euch zum Freunde haben müssen. Doch 152 wie machen wir es, um nach Nantes zurückzukehre11? Wir sind sehr weit davon entfernt.«« »Das ist wahr,« erwiederte d’Artagnannachdentend und düster. »Der Schimmel wird sich vielleicht erholen5 es ist . ein so gutes Pferd. Besteigt es, Herr d’Artagnan; ich werde zu Fuß gehen, bis Jhr ausgeruht-habt.«« »Armes Thier! verwundeti« sagte der Mustetiet«. »Es wird noch gehen, sage ich Euch; ich kenne es; thun wir etwas Besseres, besteigen wir es Beide.« «Versuchen wir es.« Doch sie hatten nicht sobald dem Thier die dop- pelte Last aufgeladen, als es wankte, danii sieh wieder zusammenraffte und einige Minuten ging,- dann aber- mals wankte und neben dem Rappen, den es« erreicht, niederstürzte. »Wir weiden zu Fiiß geben, das Schicksal will es, der Spaziergang wird herrlich sein-« sagte Fouquet, während er seinen Arin unter dem von d’Artagimn durchschlang. »Mordiouxl« rief dieser, das Auge stier, die Stirne gefaltet, das Herz angeschwollen,»ein abscheulicher ag««— Sie machten langsaiii die vier Meilen, welche sie von dem Gehölze trennten, hinter dem sie der Wagen mit einein Geleite erwartete.» Als Fouquet diese unheimliche Maschine erblickte, sagte er zu d’Artagnan, der die Augen niederschlug- als schämte er sich für Ludwig XIV.: »Das ist eiii Gedanke, der nicht von einem braven Mann herrührt, Kapitaii d’Artagnan, er ist nicht von Euch. Wariim diese Gitter?·« »Um Euch zu verhindern- Billets hinanszuwersen.« ,,Sinnreich l« f »Doch Ihr könnt sprecheii, wenn Jhr nicht schrei- i ben könnt.«» »Mit Eiich sprechen?«'"» 153 " Wenn Jhr wollt...«-- eFouquet träumte einen Augenblick, fchattie dann dem Kavitän ins Gesicht und fragte:» »Ein einziges Wort... werdet Ihr es behalten? »Ich werde es behalten.«« ,,Werdet Jhr es sagen, wem ich will?« »Ich-werde es fagenJl · ,,Saint-Mandål" articulirie Fouqnet leise. »Gut!«-Für wen W« »Für Frau vcm Belliäre oder für Peltffon.'« »Hu-gemacht l« Der Wagen fuhr durch Nantes und schlug den Weg nach Angets ein. XV. Worin das Eichhörnchen fällt, worin die Mutter flieht. Es war Zwei Uhr Nachmittags. Der König ging voll Ungeduld voit feinein Cabitiet auf die Terraffe und öffnete zuweilen die Thüre der Flur, um zu fehe11, was feine Geheimfchreiber machten. Herr Colbert faß an denifelben Platz, wo Herr von Saint.-L)1lgnan am Morgen fo lange geblieben war, und sprach leise mit Herrn von Brfenne. Der Körlig öffnete ungestünt die Thüre und fragte, Beide: »Was sagt Jhr?««. »Wir reden von der ersten Sitzung der Stände.««« d »Sehr gut,« sprach der König und kehrte in sein Cabinet zurück.» « Fünf Minuten nachher rief der Ton des Glöckchetig - Rose, desseii Stunde es war.- «»Habt Jhr Eure Abschrifteii beendigt?« frnste der Köici.., INoch nicht, Sire.«« »Seht, ob Herr d’Artagna11 zurückgekehrt ist.« »Noch nicht, Sire.«««« »Sehtdoch, ob Herr Wirtagnan zurückgekehrt ist«- ,,Neiii, Sire.«" »Das ist seltsam-« murmelte der König, ,,ruftHer:-n Colbert.«« Colbert trat ein; er wartete auf diesen Augen- blicks vom Morgen an.« »Herr Colbert,«« sagte der Köiiig lebhaft-»man müßte doch wissen, was aus Herrn Wirtagnau gewor- den ist.«: «« Coibert erwiederte mit feinem ruhigen Toiit ,,Wo soll ich ibtt suchen lassen?« »Ei! mein Herr, wißt Jhr nicht, wohin ich ihn geschickt hatte?«« erwiederte Ludwig Verdrießlich. »Eure Majestät hat es mit nicht gesagt.« »Mein Herr, es gibt Dinge die man erräth, und Jhr besonders errakhet sie.««. »Ich konnte vermuthen, doch ich beiHe mir nicht er- laubt, gänzlich zu machen-«-- Colbert hatte kaum diese Worte gesprochen, ai ’ eine Stimme, weiche vieirauher als die des Königs, die» zivifcheii deni Monarchen und dem Beamten begonnene Unterredung unterbrach- »D’Artagnanl« rief der König ganz freudig. D’Artagnan trat bleich und in einer wüthenden Laune ein und sagte zum König- »Sire, bat Eure Majestät meinen Musketieren Be- fehl gegebenss«« »Welchcn Befehl?«' III r- hn nd r- )ie». Ue ZU -—«M»z-« 155 ,,Jn Betreff des Hauses von Herrn Fouqu·et?«i »Nein-« erwiederte der König.; »Ah! ah« rief d’Artagna11- indem er sich auf sei- nen Schnurrbart biß.»Ich täuschte mich nicht, dieser Herr hat es gethan.« Und er bezeichnete Colbert. K»,,Von welchem Befehl sprecht Jhr?«« fragte der onig. »Von dem Befehl, eiir ganzes Haus umzukehren, die Bedienten und Officianten voll Herrn Fouquet zu prügeln, die Schubladen zu sprengen, eine friedliche Wohnung zrr plündern; Mordiouxl Befelpl eines Wildcn.'« »Mein Herrl-« tief Colbert sehr bleich. »Mein Herr,«« unterbrach ihn d’Artagnan-»der König allein, Versteht Jhr wohl, der Kötiig allein hat das Recht, meinen Musketieren Befehle zu ertheilenz Euch aber verbiete ich es, und das sage ich vor Seiner Majestät, Edelleute, welche das Schwert führen, sind keine Lumvenkerle, die die Feder hinter dem Ohre haben.«« »D’Artagnan, d’Artagnan l« murmelte der König. »Das ist erniedrigend,«« fuhr der Musketicr fort; »meine Soldaten sind entehrtz ich befehlige nicht Rei- tetsknechte oder Jntendanzschreiber, Mordiour!«« »Aber was gibt es denn? laßt hörenlii sprach der König mit Hoheit. »Sire,.«diefer Herr, der die Befehle Eurer Maje- stät nicht errathen konnte und folglich nicht wußte, daß ich Herrn Fouqiiet verhaften würde, dieser Herr- der den eisernen Käfig für seinett Patroii voll gesterti machen ließ, hatHerrn Roncherat in« die Wohnung von Herrn Fouqnet geschickt, und unt die Papiere des Ober- intendanten in Beschlag zu nehmen, hat man alle Meub- les weggenommen. Meitie Musketiere waren vom Mor- gen an Um das Haus ausgestellt. So lauteten meine Befehle. Warum hat man sic) erlaubt, sie in das Jn- nere eintreten zu lassen, warum hat man sie dadurch- daß man sie dieser Plünderung beizuwohnen genöthigt, 156 . zu Mitschuldigen gemacht? Mordionri wir dienen dem König, aber nicht Herrn Colbert.- »Herr d’Artagnan,«« snrmä der König streng, ,,nehmt Euch in Acht; solche Erklärungen, in einem solchen Tone gemacht, dürfen nicht in meiner Gegenwart stattfinden-« »Ich habe für das Wohl des Königs gehandelt,«« sagte Colbert mit»bebender Stimme;»es ist hart für mich-'v so von einem Ofsieier Seiner Majestät behandelt zu werden, und dies ohne Rache, wegen der Achtung- die-ich dem König schuldig bin.-« »Die Achtung, die Jhr dem Könige schuldig seidi« rief d’Artagnan, dessen Augen stammten; ,,sie besteht vor Allem darin, daß Jbr sein Ansehen achten, seine Person lieben macht. Jeder Agent einer Macht, ohne Oberaufsicht, vertritt diese Mathi; und wenn die Völ- ker die Hand verfluchen, welche sie schlägt, so ißt-es die königliche Hand, der Gott den Vorwurf macht, versteht Ihr? Muß Euch ein seit vierzig Jahren im Regetr und im Blute verhärteter Soldat diese Leetion geben? Muß die Barmherzigkeit auf meiner Seite- die Rohheit auf der Eurigen sein? Jhr habtUnschuldige Verhaften, binden, einkerkern lassenl«« »Die Mitschuldigen Vielleicht von Herrn Fonquet,«« entgegnete Colbert. »Wer sagt Euch, daß Herr Fouquet Mitschuldige « hat, und sogar daß er schuldig ist? Dek. König allein » weiß es, seine Gerechtigkeit ist nicht blind. Spricht er: Verhaftet, kerkert diese oder jene Leute ein, so wird man gehorchen. Redet also nicht mehr von der Ach- tung, die Ihr für den König hegt, und gebt wohl Acht « auf Eure Worte, wenn sie zufällig einige Drohungen « zu enthalten scheinen, denn der König läßt diejenigen- welche ihm gut dienen, nicht durch die Leute bedrohen- die ihm schlechte Dienste erweisen, und falls ich, was» Gott verhüte, einen so undankbaren Herrn hätte, so würde ich mir«selbst Achtung verschasseu.«' Nach diesen Worten richtete sich d’Artagnan, das 157 l- »" Auge entflammt, die Hand am Degen, die Lippe be- m- bend und mehr Zorn heuchelnd, als er wirklich hatte- iin Cnbinet des Königs hoch auf.« nt Gedemüthigt, vor Wuth verzehrt, verbeugte uch ne» Colbert vor dem König, als wollte er ihn um Erlaub- « I« niß bitten, sich zurückziehen zu dürfen.. ·« Jki seinem Stolz verletzt und in seiner Neugierde En, behindert, wußte der Köiiig nicht, wozu er iich entschließen « sollte. D’:)lrtagna11 sah ihti zögern. Länger bleiben- » wäre ein Fehler gewefch man mußte einen Sieg über g,— Herrn Colbert erringen, und das einzige Mittel war, z« den König fo lebhaft und so gut zu reizen, daß Seiner ht Majestiit kein anderer Ausweg mehr blieb, als zwischen » deni einen und dein anderii Gegner zu wählen. » D’Ariagtian ver-beugte sich also wie Colbcrt; doch sp der König, deni vor allem dariin lag, sehr genaue, sehr ie umständliche Nachrichten von der Verhaftung des Ober- ht intendanten der Finanzen, des Mannes, der ihn einen. m Augenblick zittern gemacht hatte, zu erhalten, der Kö- ? nig, welcher begriff, das«Schmollen von d’Ariagnau it würde ihn nöthigeii, dieinnzelheiten, die er kennen zu » lernen brannte, um eine Viertelstutide zu verschieben, «. Ludwig, sagen wir, vergaß Colbert, der nichts sehr «« Neues mitzutlieilen hatte, und rief seinen Kapitiin der Musietiere zurück. He»Sprecht, mein.Herr,«« sagte er,«vollzieht zuerst n Euren Auftrag, Jhr werdet nachher ausruhen.« «’Artagttan, der eben über die Schwelle schreiteti d, wollte, blieb, als er die Stimme dee Königs hörte- sp ehen, kehrte,zuriick, uud Colbert war genöthigt, weg- w zugehen. Sem Gesicht nah-n eine Purpurfärbung an’ n seine boshaften schwarzen Augen glanzten von einem du ern Feuer unter ihren dichten Braunen, er verlan- « gerte«de11 Schritt, verbeugte sich vor dein König, rich- ;; tete uch halb auf, als er an d’Artaguan vorüberka1n, o-" und·ging, den Tod isn Herzen, weg. D’Artagnan, ale er mit dem König allein war- v- 158 besänftigte sich sogleich, componirte sich sein Gesicht und, sprach- »Sire, Jhr seid ein junger König. An der Mor- genröthe erräth der Mensch, ob der Tag schön oder traurig sein wird. Wie! Sire, was werden die Völ- ker, welche die Hand Gottes unter Euer Gesetz gestellt hat, voii Eurer Regierung iveiesageii, neun Jhr zwi- scheii Euch und ihneii Minister aus Zorn und aus Ge- walithätigkeit handeln laßt? Doch"sprecl)en wir von mir, Sire; laffeii wir einen Streit, der Euch müßig, ungezieuiend vielleicht erscheint. Sprechen wir von mir. »Ich habe Herrn Fouquet verhaften-« »Ihr habt Euck) Zeit dazu gelassen ,« sprach der König ärgerlich.. D’Artagnan schaute denxKönig mi. »Ich sehe, daß ich niich.k:schlecl)t ausgedrückt habe,« sagte er.»Ich habe Eiirer Majestät gemeldet, daß ich Herrn Fouquet verhafteM" »Ja; nun?" »Nun, ich hätte Eure Majeftät sagen müssen, Herr Fouquet habe mich festgenomnien, das wäre richtiger gewesen. Jch stelle also die Wahrheit wieder her und sage, icl) bin von Herrn Fouquet verhaftet ivorden.«« Die Reihe des Erstaunens war nun an Ludwig le. Seine Majestät erstaunte ebenfalls D’Artagnan « ergründete mit seinem so raschen Blick, was im Herzen des Königs vorging. Er ließ ihni nichtZeit, zu frageit. Er erzählte ihm mit jener Poesie, mit jener Malerkunst, l,-: ) welche er vielleicht allein in dieser Epoche besaß, die Entweichung von Fouquet- die Verfolgung, das wü-« thende Nennen, die unnachahmliche Großmuth des Ober- intendanten endlich, der zehnmal fliehen, zwanzigmal den an seiner Verfolgung gefesselten Gegner tödten konnte, und der das Gefängniß und vielleicht etwas noch Schlimmeres der Demüthigung desjenigen, welcher ihm sei-te Freiheit rauben wollte, vorgezogen hatte. Je länger der Kapitäu der Musketiere sprach, desto li( ter fai Ksi sk- let il- llt )i- ie- on ig, »tr. )et ,« s, Irr zer nd )ig an ken ist- sü- er- Ial ten as Her die' -«7-— 159 mehr war der Köiiig bewegt; er ver seine Worte, und ließ das Etkde feine der krachen. ,,Sire, daraus geht, in meinen Augen wenigstens, hervor, daß ein Mann, der sic) so benimmt, ein wackerer Manti ist und nicht ein Feiiid des Königs sein kann. Das ist meine Meinung, und ich wi« Majesteit. Jch weiß, was der Köni« · und verbeuge mich davor: Staatsraison. Guti in meinen Augm sehr achtenswerth. Doch ich bin Soldat, ich habe meinen Befehl erhalten; der Befehl ist vollzogen worden, sehr wider meinen Wille11, ich» muß eel sagen, aber er ist vollzogen worden. Jch schlveige.«« ,,Wo ist Fouquet?« fragte der König, nachdeiti er eine-i Augenblick geschwiegen hatte. »Herr Fouquet, Sire,« antwortete dIArt ,,ist in dem eisernen Kcisig, den Herr Colbert für ihn hat bereiten lasse11, und fährt im Galopp von vier kräftigen Pferden an der Straße nach Angers.« »Warum habt Jhr ihn unter Weges verlassen?" »Weil Seine Majestät mich nicht nach An« hen hieß. Der Beweis,« ich behaupte, liegt darin uchte... und dann hatte ,,Welche11?«« ,,War ich da, so hätte der arme Herr Fonquet nie zu entweichen versucht.«« »Nun?« rief der König voll Erstaunen. »Eure Majestat muß begreifen, und begreift sicher- t, daß es·mein lebhaftes Verlangen ist, Herrn Fou- quet m« Freiheit zu wissen. Jch habe ihn einem meiner rigadiers übergeben, dem Ungeschickiesien, ter meinen Musketieren si angene entflieht-« ».»,, eid Jhr verrückt, Herr d’Artagnanl« rief-der-« Koncg,. seine Arme über feiner Brust kreuzend. ,,Sagt fchlaiig gleichsam- r Nägel aneinan- agna-i, , daß mich der König vorhin ich noch einen andern Grund.«« den ich un- nden konnte, damit der Ge- 160 man solche Ungeheuerlichkeiten, selbst wenn man das Unglück hat, sie zu denken?««. »Ah! Sire, Jhr erwartet ohne Zweifel nicht voit mir, daß ich der Feind von Herrn Fouqnet sein soll, nach dem, was er sür mich gethan hat. Nein, gebt ihn mir nie zu bewachen, wenn Euch daran gelegen ist, daß er unter Schloß und Riegel bleibt. So gut der Kästg vergiltert sein mag, der Vogel würde am Ende entfliehen.« »Ich wundere mich ,« sprach der König mit- düste- rem Tone,»ich wundere mich, daß Ihr nicht sogleich dem Glücksstern von demjenigen gefolgt seid, welchen Herr Fonquet auf meinen Thron setzen wollte. Jhr hattet da Alles, was Jhr braucht: Zuneigung und Dankbarkeit. Jn meinem Dienst, Herr d’Artagnan, sin- det man nur einen Gebieten-« «»Sire,« erwiederte d’Artagnan mit scharferStimme- -»wenn Euch Herr Fouquet nicht aus der Bastille ge- holt hätle, so wäre ein einziger Mensch dahin gegan-- gen, und dieser Mensch bin ich, das wißt Jhr wohl-« Der König hielt inne; vor diesem so sreimüthigen, so wahren Wort seines Kapitäns der Musketiere hatte er nichts zu erwiedern. Der König, indem er d’Artag- nan hörte, erinnerte sich des d’Artagnan von einst, des- jenigeii, welcher sich im Palais-Noyal hinter seinen Bettvorhangen verborgen hielt, als das Volk voii Pa- ris, vom Cardinal von Netz angeführt, sich der Gegen- wart des Königs versichern wollte; des d’Artagnan, den er mit der Hand von seinem Wagenschlage aus grüßte, als er bei seiner Rückkehr nach Paris sich irr Rotte- Dame begab; des Soldaten, der ihn in Blois verlassen hatte; des Lientenants, den er zu sich zurückberufen, als der Tod von Mazarin die Gewalt in seine Hände gab; des Mannes, den er stets redlich, muthig und ergeben,. gefunden.« Ludwig ging aus die Thüre zu und rief Colbetikg T— ich ,»Ja, Sinn« f»Was war der Schreiber arbeiteten- ,,Colbert, Jhr habt Fonqnet vornehmen lnffen »Herr von Roncherat Eurer Majestät abgefdiickt gestellt,«« erwiederte Colber »Ich werde sie sehen. »Meine Hand, Sire?«« ,, a, daß ich sie in lege,- fügte er bei, indem wandte, der beint Anblick feine hochmüthige Stellung kennt den Manic da nicht, » ils ist neten Stellungen, »Sii«e,« stammelte Co und Anast. »Ich habe begriffen, dem Köiiig in’6 Ohr: 161 Jl- t. z macht Bekanntschaft-« « Und er dentete auf Colbert. s·« ein mittelmäßiger Diener in untergeord- doch er wird ein wenii ich ihn zum ersten Rang erheben-· Colbert hatte die Fltir nicht verlassen, in der die « Colbert erschien. eine Haussuehnng bei Herrn Erfolg davon?«« , der mit den Musictieren wurde, hat mir Papiere zu- .- Gebt mir Eure Hand« die Von Herrii d’Artagnan er sichfgegen den Soldaten des Finanzbeamten wieder angenommen hatte, qroßer Mann sein- lbert verwirrt vor Freude warum-« flüsterte d’Artagnan ,,er war eifersüchtig.« »Ganz- riehtig, nnd seine Eifersucht band ihm die Flügel." »Das wird fortan eine brummte der Musketier, ei ihm zu sehe geflügelte Schlange sein-« mit einem Reste vopt Haß ge- Doch Colbert näherte i eine Physiognoiriie, welche unendlich ver die er b«" 162 »Was Eiich der König gesagt hat, mein Herr, be- weist, wie sehr Seine Majestät die Menschen kennt. Die hartnäckige Opposition, die ich bis auf diesen Tag ge- gen Mißbränche, nicht gegen Menschen entwickelt habe, beweist, das; ich darauf bedacht war, meinem König eine große Regierung, meinem Lande eine große Wol)l- fahrt Vorznliereitem Ich habe viele Ideen, Herr d’Ar- tagnan, Jhr werdet sie in der Sonne des öffentlichen Friedens sich erschließcn sehen, nnd habe ich nicht die Gewißheit und das Glück, mir die Freundschaft der redlichen Leute zu erwerben, so bin ich doch sicher, daß ich ihre Achtung erlangen werde. Für ihre Bewun- derung, mein Herr, gäbe ich inein Lebew- Diese Veränderung, diese plötzliche Erheb«uiig, die stumme Billigung des Königs gaben dem Musketier- viel zu denken. Er verbengte sich sehr höflich vor Col- bert, der ihn nicht ans dem Gesichte verlor-. Als sie der König ausgesöhiit sah, entließ er sie; sie gingen miteinander weg. Sobald sie vor dem Cabinet waren, hielt der neue Minister deii Kavitan zurück nnd sprach: »Ist es möglich, Herr d’Artagnan, daß Jhr mit einem Auge, wie das Einige-, nicht mit dem ersten Blick, mit der ersten Beschauung erkannt habt, wer ich bin?'«—- »Herr Colbert,'« etwiederte der Musketier,»der Sonnenstrahl, den man im Ange hat, hindert, die glü- hendsten Brande zu sehen. Der Maiiii mit der Gewalt strahlt, wie Jhr wißt- und da Jhr so weit seid, warka solltet Jhr fortfahren, denjenigen zu verfolgen, der in Ungnade gefallen und zwar von so hoch herab gefal- len ist?«« »Oh! mein Herr, ich werde ihn nie verfolgen. Jch wollte allein verwalten, weil ich ehrgeizig bin, und be- sonders, weil ich das vollste Vertrauen zu meinem Ver- dienste habe; weil ich weiß. daß alles Gold dieses Lem- des unter meinen Blick fallen wird, nnd weil sich das z- .». s« B ; J vJe- Die ge- be, ug bl- Ur- heii die der daß Un- die tier Lol- sie; elte mit sten wer ,der Flü- oalt cum i in fal- Jch be- set-- Zan-« das z-»»Es-«-:.« v-. - nisten 163 Gold des Köiiigg gern sehe; weil, wenn ich dreißiez Jahre lebe, in dreißig Jahren nicht ein Pfennig in meinen Händen bleiben wird; weil ich mit diesem Gold Speicher, Gebäude, Städte errichteii, Hafen graben werde; weil ich eine Marine schaffen nnd Schiffe be- mannen werde, die den Namen Frankreich zu deii ent- ferntesten Völker-II tragen sollen; weil tel) Bibliotheken und Afademien guindeu werde-. weil ich aus Frankreich das erste und reichste Volk machen werde. Das ist der Grund meines Unwiltenö gegeii Herr-n Fouquet, der mich zii handeln verhinderte-. Und wenn ic) groß und « stark sein werde, wenn Frankreich gros; und stark sein wird, dann werde ich ebenfalls rufen: Gnadeltt »Gnadel habt Jhr gesagt; so Veilangeii wir vom König seine Freiheit. Der Köiiig verfolgt ihn heute nur Euretwegen.« Colbert erhob noch einmal das Haupt. »Mein Herr,«« sprac) er,»Ihr wißt wohl, daß denn nicht so ist, nnd daß der König eine persönliche Feind- schaft gegen Hemi Fonqnet hat; es kommt nicht mir zu, Euch das ntitzntheilen." »Der König wird mitdc werden, er wird vergessen.« »Der Köiiig vergiszt nie, Herr d’Ai-tagnan... Höi«et, der König ruft und ist imBegriff, einen Befehl zu geben; ich habe keinen Einfluß auf ihn geübt, nick)t wahr-? Horchtl«« Der König rief in du« That seine Geheimschreiber. »Herr d’Artagnan?« sagte er- »Hier bin ich, Sire.«« »Gebt Herrn voii Sainti Aignan zwanzig von Euren Musketieren zur Bewachnng von Herrn Fouquet.« D’Artagnan und Colbert tvechfelten eineri Blick. »Und von Angers,« fuhr der König fort,»wirt- man den Gefangenen nach der Bastille in Paris bringen.'« »Ihr hattet Recht,«« sagte der Kapitän zum Mi- —«—««-"««Saiut-Aignan,« sprach. der König,»Ihr laßt 164 Jeden, der unter Weges leise mit Herrn Fouquet spricht- über die Klinge springen.« »Aber ich, Sire?«« fragte der Herzog. »Ihr, mein Herr, sprecht nur in Gegenwart der Musketiere mit ihm.« Der Herzog verbeugte sich und ging weg, um den Befehl zu vollziehen. D’Artagnan war im Begriff, ebenfalls wegzugehenz der König hielt ihn zurück. »Mein Herr,« sagte er,»Ihr werdet auf der Stelle von der Jnsel und dem Lehn Belle-Jslc Besitz er- greifen-« »Ja-, Sire. Jeh allein?" »Ihr nehmt so viel Teuppen, als Jhr braucht, um nicht im Nachtheil zu bleiben, sollte sich der Plaz halten«, Ein Gemurmel schmelchlerischer Ungläuhigkeit ließ sich in der Gruppe der Höflinge hör«en. »Das hat man wohl geseh’en," sprach d’ArtagiiaIi. »Ich habe es iii meiner Jugend gesehen, und will es nicht mehr sehen,« sagte der König.»Ihr habt mich Verstande11·? Geht, mein Herr, und kommt nur mit deii Schlüsseln des Platzes hierher zurück.« Colbeet näherte sich d’Artagnan und sagte leise zu ihm: »Ein Auftrag, der Ench, wenn Ihr ihn gut voll- zieht, den Marschallstab erwirbt-«. .,,Warum«sagt Jhr: Weim Jhr ihn gut voll- zieht?«« »Weil es schwierig ist.«« »Ah! in welcher Hinsicht?« »Ihr habt Freunde in Belle-Jsle, Herr d’Arta"gnan, und es ist kein Leichtes für Leute wie Jhr, auf dem Leibe eines Freundes zu matschiren, um zum Ziele zu« gelangen.«« Eine Viertelstitnde nachher erhielt d’Artagnai-cz,.·,d»e"-«nz geschriebeneit Befehl, Belle-Jsle tm Falle des Widetss«· s--.-- ZkäQs-Es.« 165 standes in die Luft zik sprengeii, und die hohe und nic- dere Gerichtsbarkeit über alle Bewohner oder-Flücht- linge, mit der Einschärfung, nicht eineuEinzigen ent- weichen zu lassen. ,,Colbert hatte Recht,«« dack)te d’-Artagnan,»mein Marschailsiab würde meinen zwei Freunden das Leben kosteii. Niir vergißt man, daß meine zwei Freunde nicht dummer sind, als die Vögel, und daß sie nicht auf die Hand des Vogelsängers warten, um ihre Flü- gel zu entfalten. Diese Hand werde ich ihnen so gut zeigen- daß sie Zeit habeii sollen, sie zu sehen. Anuer Porthosi armer Aramisi Nein, mein Glück soll Eiich nicht eine Feder Eurer Flügel kosten!«« Nachdem er so geschlossen, versammelte d’Artagnan das königliche Heer, ließ es in Paimboeiif einschiffen und ging- ohne einen Angenblickzn verlieteii, unter Segel. XVI. Beile nge- en- Met. Ani Ende des Hafendamms, auf der Pronieiiade, weiche das wüihende Meer mit der Fluth am Abend peitscht, spracheii zwei Männer mit beiebiem Tone mit einander, ohtie daß ein menschliches Wesen ihre Worte hätte hören können, denn sie wurden eines nach dem anderii voii den Windstößen mit dem weißen, den Keim- «men« der Welle-i entrisseneii Schaume entführt. » Die Sonne war so eben in dem, wie ein riesiger Tiegel getötheteii Oceaii untergegangen. Zuweilen wandte sich einer von diesen beiden Män- O 166 nern nach Osten und befragte das Meer mit einer dü- steren Unruhe. Der Andere befragte die Züge seines Gefährten nnd schien bemüht, aus seinen Blickeii zu errathm Dann setzten Beide stumm, Beide in sinstere GedankeII versenkt, ihren Spaziergang wieder fort. Diese zwei Männer, Jedermann hat sie schon er- kannt, waren unsere Geächteten, Porthos nnd Aramis, die sich seit dem Untergang ihrer Hofftiuiigeii fett dem Scheitern des großartigen Planes von Herrn d’Herblat) nach Belle-Jsle geflüchtet hatte11. »Ihr mögt sagen, was Jhr wollt, mein lieber Aramis,« wiederholte Porthos, kräftig die salzige Luft einathinend, mit der er seinemächtige Brust anschibellte; »Ihr mögt sagen, was Jhrivollt, Aramisx es ist nichts Gewöhnliches, daß seit zwei Tagen alle die Flfcherboote- welche abgegangen waren, verschwunden sind. Es hat sich kein Sturtn auf dem Meere erhoben, das Wetter ist beständig ruhig geblieben, nicht das geringste Brau- sen, und hätten wir auch einen Sturiir gehabt, so wä- ren doch nicht alle unsere Schiffe untergesnnken. Jch wiederhole Ench, das ist seltsam, und dieses Verschioiti- den setzt mich im höchsten Grad in Erstaunen, sage ich Gurts-" »Es ist tvabr,«« murmelte Aramis.»Ihr habt Recht, Freund Porthos. Es ist wahr-, es steckt etwas Seltfames dahinter.« »Und dann,« sagte Porthos, dessen Jdeen die Beistinmiung des Bischofs von Vannes zu erweitern schien, ,,habt Jhr bemerkt, daß, wenn die Barken unter- gegangen sind, doch kein Wrack an’s Ufer gekommen ist?«« »Ich habe es bemerkt wie Jhr.'« »Bemerkt überdies, daß die zwei einzigen Backen- die auf der ganzert Jnsel blieben, und die ich zur Auf- . fnchung der andern abgeschickt habe...« Aramis unterbrach hier feinen Gefährten durch sp ak- u s- use- dri-« l- f- 167 einen Schrei und durch eine so nngestüme Bewegung, daß Porthos verwundert inne hielt. »Was sagt Jhr da, Porthosl wie! Jhr habt die zwei Barken weggefchickt...« ,,Zur Anfsnchnng der andern ,« antwortete ganz einfach Porihos. »Unglücklichcr1 was habt Jhr gethan? dann sind wir verloren l« rief der Bischof. »Verlorenl... Wie beliebt?«« fragte Portbos er- schrocken,»warum verloren, Aramis? Warum sind wir verloren?«« Aramis biß sich anf die Lippen. »Nichts! nichts! verzeiht, ich meinte nur...« »Was?« »Daß, wenn wir wollten, wenn uns eine Laune aniäine, eine Spazierfahrt auf dem Meiste zn machen- wir nicht könnten.« »Gut! das plagt Euch! ein schönes Vergnügen meiner Treu’; ich, was mich betrifft, ich beklage das nicht. Weis ich beklage, ist das Mehr oder Wenigcr von: Annehmlichkeiten, die man sich in Belie-Jsle verschaffen kann. Was ich beklage, Aramis, ist Pierrefonds, ist Bracieur, ist du Vailon, ist mein fchöiies Frankreich! Hier ist man nicht in Frankreich, mein lieber Freund; man ist, ich weiß nicht wo. Oh! ich darf es Euch wohl in der ganzen Aufrichtigkeit meiner Seele sagen, und Eure Znneigung wird meine Offenherzigkeit ent- schuldigen: doch ich erkläre Ench- daß ich iii Beile-Jsle nicht glücklich bin. Nein, wahrhaftig, ich bin hier nicht glücklichl«« · Aramis seufzte ganz leise. ,,Theurcr Freund,«« erwiederte er, ,,darnm ist es so traurig, daß Jhr die zwei einzigen Barken, die uns bliebeii, zu Aufsnchnng der seit zwei Tagen verschwun- deaeii Schiffe weggeschickt habt. Hättet Jhr sie nicht auf Entdeckung abgesandt, so wären wir abgefahren.«« »Abgefahren! und der Befehl, Aramis?«« v O 168 ,,Welcher Befehl?«'" »Bei Gottl der Befehl, den Jlsr immer und bei jedem Anlaß wiederholtet, daß wir Belle-Jsle gegen den Ursnpator zu behaupten haben; Jhr wißt wohll« »Es ist wahr,« murmelte Aramis abermals. »Ihr seht also, daß wir uns nicht von hier ent- fernen können, und daß die Absendung der Backen, um die Schiffe aufzusuchen, uns in keiner Hinsicht Ein- trag thut.« v Aramis schwieg, und sein unbestimmter, wie der einer Seemöve leuchtender Blick schwebte lange über dem Meer, befragte den Rauiii und suchte bis jenseits des Horizonts zu dringen. »Bei Allem dem, Arainis,« fuhr Porihos fort, der an seiner Jdee hielt, und zwar um so fester daran hielt, als sie der Bischof richtig gesunden hatte, ,,bei Allem dem gebt Ihr mir keine Antwort darüber, was den un- glücklichen Schiffem begegnet seiii könnte. Jch werde überall, wo ich gehe, mit Schreieti und Klagen ange- fallen; die Kinder weinen, indem sie die Mütter ver- zweifeln sehen, als ob ich ihnen ihre abwesende-I Gatten und Väter zurückgeben könnte. Weis vermuthet Ihr-, mein Freund, und was soll ich ihnen antworten?«« ,,Vermuthen wir, mein guter Porthoe, und sagen wir nichte.«« Diese Antwort befriedigte Porthos nicht. Er drehte sich, ein paar Worte über Laune brummend, um. Aramas hielt den tapferen Soldaten zurück und sprach sehweriniithig, indesn er mit liebevolter Herzlich- keit die Hände des Riesen tn den seinigen drückte: «Erinncrt Jhr Ench, Freund, daß in den schönen Tagen» unserer Jugend, erinnert Ihr Euch, Porthos- als wir stark und mnihig waren, die zwei Andereti und-—« wir, wenn wir Lust gehabt hätte11, nach Frankreich zurückzukehren, diese Salzwasserftäche uns nicht aufg halten habeki würde?«- A «n-.-«-ko» DHQW Ede- non-·-» --u 169 «Ohl sechs Meilenl-« »Wäret Ihr, wenn Ihr mich hättet auf ein Brett steigen sehen, am Lande gebliebe11, Porthos?«« »Nein, bei Gott nicht! Doch welches Brett brauchten wir heute- theurer Freundl ich besonders!« Und der Grundherr von Bracieux wars lachend vor Stolz einen Blick ans seine colossale Rundung. ,,Langlveilt Jhr Euch nicht anch ein wenig in Belie-Jsle, nnd würdet Jhr nicht die Süßigkeiteki Eu- res Aufenthalts, Eures bischöflichen Palastesin Vannes vor-ziehen? Ah! gesteht es!« »Nein,« antwortete Aramis, ohne daß er Porthos anzuschauen wagte. »So bleiben wir,« sprach sein Freund mit einem Seufzer, der, so sehr er sich auch ihn zu unterdrücken anstrengte, geräusebvoll seiner Brust entströmte.»Bleiben wir! bleiben wir! Und dennoch,« fügte er bei, ,,unddennoch, wenn man wollte, wenn man sehr bestimmt wollte- wenn man den ganz entschiedenen Gedanken hätte, nach Frankreich zurückzukehren, und man hätte keine Schiffe...« »Habt Jhr etwas Anderes bemerkt? Hat seit den zwei Tagen, daß unsere Schiffer nicht zurückgekommen sind, auch nur ein einziger Nachen aii den Ufern dieser Insel gelandet?« »Ja, gewißl Jhr habt Recht. Jch habe es auch bemerkt, und die Beobachtusig war leicht zu machen, denn vor diesen zwei unseligen Tagen sahen wir hier Barken und Schalnppen zu Dutzenden ankommen.« »Man muß sich erkundigen,« rief plötzlich Aramis sehr aufgeregt.»Wenn ich eine Rhede erbauen müßte...« »Aber es sind Nachen da; soll ich einen besteige11, lieber Freund?«« ,,Einen Nachen... einen Nacheiil... Was denkt Ihr, Portbos? Einen Nachen, um umzuschlagenl Nein, nein,« erwiederte der Bischof voii Vannes.»Es 1st-.nicht unser Handwerk, aus den Wellen zu fahren. Warten wirl warten wirt« 170 Aramis ging weiter mit allen Zeichen einer immer mehr zunehmenden Aufregiing. Porthos, den es ermüdete, jeder von den fieber- haften Bewegungen seines Freundes zu folgen, Por- thos, der in seiner Ruhe und in feinem Glauben diese Heftigkeit nicht begriff, die sic) durch fortwährende, un- gestüme Sprimge verrieth, Porthos hielt ihn zurück und sprach: « ,,Setzen wir uns auf diefeit Felfeic, nehmt hier ’-"—-«neben mir Platz, Aramis, und erklärt mir« ich befchwöre Euch zum letzten Mal, so daß ich es begreife, erklärt « mir, was wir hier machen-« « ,,Portl)oe...« sagte Aramis verlegen. »Ich weiß, daß der falsche König den achten Kö- nig enthronen wollte, das ist abgemacht, das ist be- griffen. Nun?« ,,Ja,« machte Dir-antis. »Ich weiß, daß der falsche König Beile-Nie an die Engländcr verkaufen wollte. Das ist abermals be- griffen.« J« » a- »Jch weiß, daß wir Jngenieurs und Kapitäne uns auf Belle-Jsle geworfen haben, um die Leitung der Arbeiten und das Commando der zehn von Herrn Fou- quet angeworbenen, befoldeten und diesem gehorchenden Comvagnien zu übernehmen; Das ist abermals begriffen.'« Aramis stand ungeduldig auf. Maii hätte glauben sollen, es würde ein Löioe ooii einer Schnake belästigt« Porthos hielt ihn am Arin zurück und fuhr fort- »Abek was ich nicht begreife, was ich trotz aller Anstrengung meines Geistes, trotz allen Nachsinnens nicht begreifen kann, und was ich nie begreifen werde-» L ist, daß man uns, statt uns Truppen zu schicken, statt uns Verstärkung an Mannfchaft, Munitiou und Pro- viant zu schicken, ohiie Schiffe läßt, Belle-Jsle ohne s » « ·- Zufuhr, ohneEntsatz läßt; statt unt uns eineCorrefpontTemZ-« fei es durch Signale, fei es durch geschriebene, oder mündlich -i-«- gez-« GU« FREE- Idee Ze- hi all Ic- no per m- den n.tt ben igt« »st: ller enS the-« tatt iro- W Eiss- lichte- - i, T( 171 Mittheilung zu gründen, alle Verbindungen mit uns abschneidet. Sprecht, Araniig, antwortet mir- oder viel- mehr, ehe Jhr mir antwortet, soll ich Euck) sagen, was ich gedacht habe-? wollt Jht wissen, was meine An- sick)t gewesen ist, welche Einbildung mir gekommen ist?«« Der Bischof schaute empor. »Nun wohl-« fuhr Porthos fort,»ich habe gedacht, ich habe mir eingebildet, es sei in Frankreich ein Ereig- · niß vorgefalleii... Jch habe die ganze Nacht von Herrn Fouqnet geträumt, id) habe von todten Fischen- von zerbrochenen Eiern. voii schlecht eingerichteten, arm- selig ausgestatteten Stuben geträumt. SchlimmeTrciume, mein lieber d’Herblal), sie bedeuteri Unglück!« »Porthos, was ist dort?«« unterbrach ihn Arami6, indem er nngestüm ausstaud und seinem Freund einen schnstarzen Punkt auf der purvurnen Linie des Wassers zeig e. ,,Eine Barke,«' sagte Portho6,»ja, es ist eine Barke. Aht wir werden endlich Nachricht erhalten!«« »Zwei!« rief der Bischof, einen andern Mast ent- deckend,»zwei! dreil viert« »Füan« sagte Porthos, ,,seche!! siebeui ah! mein Gott, es ist eine gaiize Flottei Meint Gotti mein Gott1« ,,«Unsere Schiffe kehren wahrscheinlich zurück,« sprach Aranns unruhig, trotz der Sicherheit, die er heut-belie- »S1e sind sehr groß für Schifferboote,«« entgegnete Porthos,»und dann bemerkt Jhr nicht, daß sie von der Loire kommen?« »Sie kommen von der Loire... ja...« »Und alle Welt hat sie gesehen, wie wir; die Frauen und die Kinder fangeii aii auf die Dämme zu etge11.'«, Ein» alter« Fischer kam vorüber. ,,Smd das unsere Barken?«« fragte ihri Mantis- » s Der Greis schaute nach den Tiefen des Horizonts hinaus und erwiederte dann: 172 »Nein, gnädiger Herr, das sind Chalands Vom kö- niglichen Dienste.«« »Schiffe vom königlichen Dienst!« versetzte Arainiö bebend. ,,Worait erkennt Jhr sie?«« »An der Flagge.«« »Aber das Schiss ist kaum sichtbar,«, entgegnete Bimbo-,»wie Teufels, mein Lieber, könnt Ilsr die Flagge unterscheiden?«« »Ich sehe, daß eine da ist,« sprach der Greis;« ,,unsere Fahrzeuge nnd die Handelsbnrken habett keine. Dergleicheii Kriegeboote, wie sie dort tommen, dienett gewöhnlich zum Transvort der Truppen.«' »Ahl« machte Aramig. ,,Vivat!«« rief Portl)os,»man schickt uns Verstär- kung, nicht wahr, Aramis.«' »Das ist wahrscheinlich.« »Wenn nicht etwa die Engländer kommen-« «»Auf der Loire? das hieße Unglück haben, Por- thog, sie wären also dutch Paris gezogen W »Ihr habt Recht- es ist entschieden Verstärkung « oder Proviant.«« Aramikz stützte seinen Kopf auf seine Hände und antwortete nicht.« Plötzlich rief er: ,,Porthos, laßt Alarm blasen.«« »Alarm?». was denkt Jhk?«« »Ja, und die Kanonieke sollen ihre Batterien auf die Lassetten bringen, die Knechte solleii bei ihren Stücken sein; man wache besonders bei den Küstenbatterien.« Potthos riß die Augen weit auf. Er schaute sei- nen Freund aufmerksam an, als wollte er sich über-;» zeugen, daß er bekgesundem Verstand sei. »Ich werde selbst gehen, mein guter Porthos-[««l«.sz?s fuhr Aramis mit seinem sanftesten Tone fort,»ich wt diese Befehle selbst vollziehen, wenn Jhr nich-tsgeht- i - mein iliebex Freund-« »Ich gehe auf. der Stelle-« rief Po-rthos. JU- DER-need- PMB , 173 Und er entfernte sich, um die Befehle zu vollzie- ’--. ben, warf aber Blicke zurück, um zu sehen, ob sich·-der Bischof von Vannes nicht täuschte, und ob er Ihn nicht, is auf gefundere Gedanken kommend, wieder rufen würde. Es wurde Alarm geblasen, die Clarine, die Trom- « meln ertönten, die große Sturmglocke erscholl. te Sogleich füllten sich die Dämme mit Neugierigen ie und Soldaten; die Lunten glänzten in den Händen der « hinter den großen Kanonen, welche auf ihren steinernen Iz· Laffetten lagen, aufgestellten Artilleristen. Als Jeder- le. · sich an feinem Postetc befand, als alle Anstalten zur en Vertheidiguiig getroffeti waren, fliisterte Porthos deni Bischof schüchtern ins Ohr: »Erlaubt, Aramis, daß ich zu begreifen suche.« kr-»Ah! mein Freund, Ihr werdet nur zu bald be- « greifen-« murmelte d’Herblay auf die Frage feines Lieu- tenants. »Die Flotte, die dort kommt, die Flotte, die, mit ok- beigesetzten Segeln, den Schnabel nach dem Hafen von Belle-Jsle gerichtet hat, ist eine tönigliche Flotte, nicht mg wahk?«« »Aber da es zwei Könige in Frankreich gibt, Por- md thos, welchem von den zwei Königen gehört diese Flotte?«« «Ohl Jhr öfftiet mir die Augen-« erwiederte der Riese, niedergefchuiettert durch dieses Argument. Und Porthos, deiit diese Antwort feines Freundes die Augen geöffnet, oder vielmehr sie die Binde, die ihni auf das Gesicht bedeckte, verdichtet hatte, begab sich aufs km, Schnellste in die Batierie11, Inn seine Leute zu über- « wacheit und Jeden zu pünktlicher Pflichterfüllting zusc· sei- erniabneti.- Jer-. Das Auge immer starr auf den Horizoiit gerichtet, « sah Aramis indesseii die Schiffe lprbeikommen. Die »He Menge und die Soldaten, welche auf alle Spitzen und Mk» Borsvrünge der Felseii gestiegen waren, konnten das sphk,; Mastwerk, dann die untere11 Segel, endlich den Körper .- has-« 174 der Chalands unterscheiden, welche die königliche Flagge von Frankreicli fiibitem Es war sinstere Nacht, als eines von den Kriegs- booien, deren Gegenwart die ganze Bevölkeruiig von Belle-Jsle so sehr in Beweguiig gesetzt hatte, aus Ka- nonenschnßweite voni Platz anlangte. Man sah bald. trotz der Dunkelheit, eine Art von Aufregung an Bord dieses Schiffes herrschen, von dessen Seite man einen Nachen losmachte, mit welchem drei Schiffer, auf ihre Ruder gebückt, die Richtung nach dem Haseii nahmen und in einigen Augenblicken am Fuße des Fort landeten. Der Patroii dieser Yole sprang aus den Hasendamm. Er hielt einen Brief iu der Hand, schüttelte ihn in der Lust und schien eine Unierrednng mit Jemand zu ver- langen. Dieser Mann wurde bald von mehreren Soldaten als ein Lotse der Jnsel erkannt. Es war der Patron von einer der zwei Barken, welche Aramis zurückbehal- ten, Porthos aber in seiner Unruhe über das Schicksal der seit zwei Tagen verschwundenen Fischer aus Ent- deckung der verlorenen Fahrzenge ausgeschickt hatte. Er verlangte zu Herrn d’Herblay geführt zu werden. Zwei Soldateii nahmen ihn aus ein Zeichen eines Sergenteii zwischen sich nnd geleiteten ihn. Aramis war ans dem Kai. Der Abgesandte er- schien vor dein Bischof( von Vannes. Es herrschte beinahe völlige Finsterniß trotz der Fackelii, die in einer gewis- sen Entfernung die Soldaten trugen, welche Aramiöv bei seiner Runde folgten. »Wie! Jonathas, in wessen Austrag kommst Du?«!z »Monseigneny im Anftrage derjenigen, welche mitksp genommen haben.". »Wer hat Dich genomnien?« s »Ihr mißt, Monseignenr, daß wir znr Aufsnchungl unserer Kameraden abgegangen waren.««? «’. CI s- Vn a- on en rei em tße M- der ek- ten Toll fal- jsal int- 175 »Ja, weiter-il »Wohl! in einer Entfernung von ungefähr einer Meile wurden wir von einem Fahrzeug des Königs" gekaperM »Ah!« versetzte Aramis. »Von welchem König?« fragte Porthos. Jonathas riß die Augen weit auf. ,,Svrich l« sagte der Bischof. »Wir wurden alfo gekapert, Monseigneur, nnd init denjenigen vereinigt, welche man ain Morgen genom- men hatte." »Was soll diefe Manie, Euch alle zu nehmen?«« unterbrach ihn Vor-thos- ,,Herr, um uno zit Verhindern, es Euch zu sagen,«« erwiederte Jonathas. Porthos begriff nicht. »Und heute läßt man Euch frei?«« fragte er. h f«,,Damit ich Euch sage, daß man uns genommen a. »Jnimer mehr Verwirrung ,« dachte der ehrliche Poe-thos. Arainis überlegte während dieser Zeit. ,,Laßt hören i« sagte er,«eine königliche Flotte blokirt also die Küste?- »Ja, Monfeigneur.« »Wer befehligt sie?-«- »Der Kapiiän der Musketiere des König-JU- »D’Artagnan?«' ,,D’Artagna11 t- rief Porthos. »Ich glaube, es ist dieser Name.« »Und er hat Dir den Brief übergeben?«i »Ja, Monseignenr.« »Bringt die Fackelri herbeM- »Es ist feine Handschrifin sagte Portho6. Aramis las rasch folgende Zeile11: »Befehl des Königs, Beile-seh zu nehmen; 176 ,,Vefehl, die Garnison über die Klinge springen zu lassen, wenn sie Widerstand leisteiz « ,,Befehl, alle Leute dex Garnison zu Gefangenen zu machen. .,,Unierzeicbnei, d’Artagnan, der vor-gestern Herrn Fonquet verhaftet hat, um ihn iii die Bastille zu schicken.--« Aramis erbleichte und zerkniiterte das Papier in seinen Händen. »Was denn«i« fragi«e Porthos.- »Nichts! mein Freund, nichts! Sage mir, Jo- naihas?«« »Monseignenr?« »Hast Du Herrn d’Ariagnan gesprochen?«, »Ja, Monseigneuri« »Was hat er Dir gesagt?«« ,,Weiiere Eröffnungen werde er Monseignenr selbst machen.«« »Wi) dies?,, »An feinem Bord.« »An seinem Verdi« Porthos wiederholte:»An seinem Bordl« »Der Herr Musketier,« fuhr Jonaihas fort-»hieß mich Eitch Beide, Euch und den Herrn Ingenieur, in meinen Nachetr nehmen und zu ihtil zu bringen." »Gehen wir ,« sprach Porihos.»Der liebe d’Ar- iagnanM Aramis hielt ihn zurück und rief ihm zu: »Seid Jhr verrücktl wer sagt Euch, daß dies keine »Von1 andern König?«« erwiederie Porthos gehei111- nißvoli. »Katz, eine Falle! damit ist Alles gesagM »Es ist möglich; was läßt sich da thun? Wenn v uns aber d’Artagnan ruft...« »Wer sagt Euch, daß es d’Artagnan ist?«· »Ah!—- seine Handschrift...« Inn 177 f»Man macht eine Handschrift nach. Diese ist ge- äischt.- »Ihr habt immer recht; doch mittlerweile wissen wir nicht«- Aramis schwieg. »Es ist wahr,« sagte der gute Porthos,»wir ha- ben nicht nöthig", etwas zu wissen-« »Was soll ich thun?«« fragte Jonathas. »Du wirst an Bord dieses Kapitäns zurückkehren.«« »Ja, Monseigneur.«« »Und Du wirst ihm sagen, wir bitten ihn, selbst auf die Insel zu kommen.« »Ich begreifM rief Porthos.. »Wohl, Monseigneur,« sprach Jonathas,»doch wenn der Kapitän sich weigert, nach Beile-Zelle zu kommen?" »Wenn er sich weigert, so werden wir, da wir Ka- nonen haben, von diesen Gebrauch machen.« »Gegen d’Artagnan?« »Wenn es d’Artagnan ist, Porthos, so wird er kommen. Gehe, Jonathas, gebe.« ,,Meiner Treue, ich begreife gar nichts mehr," murmelte Porthos »Ich werde Euch Alles begreiflich machen, theurer Freund, der Augenblick hiezu ist gekommen, setzt Euch auf diese Lassete, öffnet Eure Ohren und böret mich wohl an.« »Oh! ich höre, bei Gotti bezweifelt es nicht.«« »Kann ich abgehen» rief Jonaihas. »Gehe und komm’ mit einer Antwort zurück. Laßt den Nachen vorbei, Jhr Leute« Der Nachen ging ab, um zu dem Schiff zurück- zukehrem · Aramis nahn1 Porthos bei der Hand und begann seine Erklärungen. Die drei Musketiete. Bragelonne. x. 1.2 178 lel. Die Erklärungen von stimmte-. »Was ich Euch zu sagen imBegriffe bin, Porthos, wird Euch ohne Zweifel in Erstaunen setzen, aber auch belehren.« »Ich liebe es, in Erstaunen gesetzt zu werden,« er- wiederte Porthos wohlwollend;»ich bitte Euch, schonet mich nicht. Jch bin hart für die-Gemüthsbewe,gungenz seid also unbesorgt und sprecht.« »Es ist schwierig, Porthos, es ist... schwierig, denn, in der That, ich mache Euch zum zweiten Mal daraus aufmerksam, ich habe Euch sehr seltsame, sehr außerordentliche Dinge zu sagen.'« »Oh! Jhr sprecht so gut, lieber Freund, daß ich Euch ganze Tage zuhöreii würde. Sprecht also, ich bitte Euch, und... ahl es kommt mir ein Gedanke: ich will Euch befragen, um Euch in der Mittheiiung dieser seltsamen Dinge zu unterstützen."« »Das ist mir lieb.« »Warum werden wir demnächst streiten, mein lie- ber Aramis?«« »Wenn Jhr mir viele Fragen macht, wie diese, wenn Ihr mir so mein Geschäft, mein Bedürfniß der Mittheilung erleichtern wollt, Porthos, so werdet th mich in keiner Hinsicht unterstützen. Ganz im Gegen- theil, denn»hier ist gerade der gordische Knoten. Hörehs Freund, bei einem guten, edelmüthigen, ergebenen Mann,Of! wie Jhr es seid, muß matt fiir ihn und für sich selbst die Beichte mit Herzhastigkeitbeginnen. Jch habe Euch getäuscht, mein würdiger Freund.«« »Ihr habt mich getäuscht?«« O s- »r- let n 3 ig, ial thr »Mein Gotil ja.« »Geschah es zu meinem Besten, Aramis?««» »Ich glaubte es, Porthos; ich glaubte es aufrichtig.«' »Dann,« erlviederte der redliche Herr von Bra- cienr,»dann habt Jhr mir einen Dienst geleistet, und ich danke Euch dafür, denn würdet Jhr mich nicht ge- täuscht haben- so hätte ich mich selbst täuschen können. Worin habt Jhr mich getäuscht? sagt es rnir.« »Ich diente dem Usurpator, gegen den in diesem « Augenblick Ludwig le. alle seine Anstrengungen richtet.« «Dem Usurpator...« sagte Porthos, indem er sich an der Stirne kratzte.»Das ist... Jch begreife- nicht recht...« »Das ist einer von den zwei Königen, die sich um die Krone Frankreichs streiten-«- »Seht gutl Ihr dientet also dem, der nicht Lud- wig XIV. ist?·« · »Ihr habt mit dem ersten Schlag das wahre Wort gesagt.'«« ,,Daraus geht hervor...« »Daraus geht hervor, daß wir Rebellen sind, mein Freund.-« »Teuseli.. Teufel l« rief Porthos verblüfft. v»Oh! mein lieber Porthos, seid ruhig, glaubt mir, wir werden noch Mittel finden. uns zu retten.« »Das ist es nicht, was mich beunrnhigt,« entgegnete Porthosz»ich fühle mich nur widrig von dem abscheulichen Wort Rebellen berührt.««, »Ah:iks.-.«- »Auf diese Art wird das Herzogthmm das man mir versprochetc hat...« »Der Usurpator gab es...« »Das ist nicht dasselbe-«« sprach Porthos majestätisch. ,,Freund, hätte es nur von mir abgehängt, so wäret Jhrstrinz geworden.«« Porthos biß sich schwermüthig auf seine Nägel. 180 »Daß Ihr mich hierin getäuscht, habt Jhr Unrechts gehabt,«« sagte er;»denn auf dieses versprochene Her-;» zogthum rechnete ich. Ohl ich rechnete im Ernsteki darauf, da ich Euch als einen Mann von Wort kannte.«« ,,Armer Porthosl verzeiht mir, ich flehe Euch an.«· —»Jch bin also mit Ludwig xlv. entzweit?« fuhr Porthos fort- ohne auf die Bitte des Bischofs von Bannes zu hören.- »Ich werde das in Ordnung bringen, mein Freund. Ich nehme Alles auf mich.«· ,,Aramisl..« »Nein, nein, Porthos, ich beschwore Ench, laßt mich machen. Keine falsche Großmuthl.. Keine un- zeitige Aufopferung. Ihr wißt nichts von meinen Plä- nen. Ihr habt nichts für Euch selbst gethan. Bei mir, da ist es etwas Anderes. Jch bin allein der Urheber des Komploits. Ich bedurfte eines unzertrennlichen Gefährten, rief Euch, und Ihr kamet zu mir, in Er- innerung an unsern alten Wahlspruch:»Alle für Einen, Einer für Alle.««« Mein Verbrechen, lieber Porthos, besteht darin, daß ich selbstsüchtig gewesen bin-« »Das ist ein Wort, das ich liebe, und sobald Jhr einzig und allein für Euch gehandelt habt, wäre es mir unmöglich, Euch zu grollen. Das ist so natürlich!«« Nach diesen erhabenen Worten drückte Porthos seinem Freunde herzlich die Haiid. Dieser naiven Seelengröße gegenüber fühlte sich Aramis klein. Es war das zweite Mal, daß er sich gezwungen sah, die Stirne vor der wahren Erhabenheit des Herzens zu beugen, welche viel mächtiger, als der. Glanz des Geistes. Er erwiederte durch einen stummen kräftigen Druck die edle Liebkosungf seines Freundes.« »Nun,«« sagte Porthos, ,,nun, da wir uns völlig-«HT erklärt haben, nun, da ich vollkommen von unserer Lage-kij König Philipp gegenüber Rechenschaft gegeben-. glanbe—,.-; ich, daß es Zeit ist, mir die politischeJntrigue begreift 181 chtj M lich zu machen, deren Opfer wir sind, denn ich sehe Ei wohl, daß eine politische Jntrigue darunter steckt.«« H»D’Artagnan, mein guter Porthos, d’Artagnair , wird kommeii und sie Euch mit allen ihren Umständen hr auseinandersetzen; doch entschuldigtmich, ich bin aus das on Peinlichste ergriffen, ich werde vom Schmerz verzehrt und bedarf meiner ganzen Geistesgegemvart, meiner W« ganzen Ueberlegung, um Euch aus der schlimmen Lage herauszubringen, in die ich Euch so unklnger Weise versetzthabe; doch nichts kann fortan klarer, nichts ent- Ißt schiedener sein, als die Stellung. König Ludwig le. W hat jetzt nur noch einen einzigen Feind; dieser Feind ist« bin ich, ich allein. Ich habe Euch zum Gefangenen km s gemacht, Jhr seid mir gefolgt, ich gebe Euch heute frei, Der Ihr eilt zu Eurem Fürsten zurück. Jhr seht- Porthos- W. es ist in dem Allem nur eine Schwierigkeit.«« Its»Glaubt Ihr r« en«»Ich bin dessen sicher.««" M»Warum-« entgegnete Porthos mit seinem bewun- dernswürdigen gefunden Verstand,»warum, wenn wir ihr" uns in seiner so leichten Stellung befinden, halten wir Irik Kanonen, Musketen und Kriegsmaschinen aller Art bereit? mir scheint, es wäre einfacher, zum Kapitän W.d’Artagnan zu sagen: ,«,Theurer Freund, wir haben · uns getäuscht, das ist wieder gut zu machen; öffnet das Ich Thor, laßt uns durch, und guten Morgen l« kqh ,,Ah1 ja wahrt-! sagte Aramis, peii Kopfschiinelnn eit» tz»Wie! ja wohl? Billiget Jhr diesen Plan nicht, Der—" mein Freund?« »Ich sehe hier eine Schwierigkeit.« uck, ,,Wecche.-« »»»Nehmt an, d’Artagnan käme mit solchen Befehlen, ils is, daß wir genöthigt wären, uns zu vertheidigen.« »Gehtdochi uns veriheidigen gegen d’Artagnan? Tollheit! Der gute d’Artagnan...« » Aramis schüttelte- abermals den Kopf und er-, - wiedertee 182 ,,Porthos, wetkn ich habe die Lunten anzünden, die Kanonen richten, die Lärmsignale ertönen lassen, wenn ich alle Leute an ihren Posten auf den Wällen gerufen habe, anf diesen guten Wällen, die Ihr fo trefflich be- festigt, fo hat dies feine Ursache. Wartet, um zu ur-« i theilen, oder Vielmehr nein, wartet nicht...« »Was ist zu thun?«« »Wenn ich es wüßte, Freund, hätte ich es gesagt« »Doch es gibt Eines, was einfacher ist, als sich zu vertheidigen: ein Schiff, und vorwärts nach Frank- reich, wo...« »Thenrer Freund,«« erwiederte Aramis mit einer gewissen Traurigkeit lächelnd, ,,urtheilen wir nicht wie Kinder, seien wir Männer für den Rath und für die ,Ausführung... Ahl höret, man ruft vom« Hafen ir- gendßkkn Schiff an. Aufgepaßt, Porthos, scharf auf- gepa« »Es ist ohne Zweifel d’Artagnan,-« sprach Porthos mit einer Donnerstimme, indem er an die Brüstung vortrat. »Ja- ich bin es ,« erwiederte der Kapitän der Mustetiere, leicht auf die Stufen des Hafendammes fpringend.- Und er stieg rasch bis· zur kleinen Efplanade hinauf, sp« wo ihn feine beiden Freunde erwarteten· Unter Weges bemerkten Aramis und Porthos einen s Officier, der d’Artagnan folgte und feine Schritte ganz genau nach denen des Kapitäns richtete. z Der Kapitän blieb auf den Stufen des Hafendamt mes, auf halbem Wege, stehen. Sein Gefährte ahmte» ihn nach. s? »Laßt Eure Leute sich zurückziehen,« rief"d’Artag-»? naii Porthos und Araniis zu,»laßt sie aus dem Bereichtgk der Stimme sich entfernen.«« Der von Porthos gegebene Befehl wurde auf-Mk » Stelle vollzogen. ·« die )enn nfen be- ut-’ ;t.« Ink- inei: wie die ir- aus- hos ung der nes luf,- nen anz i m- nte 183 Dann wandte sich d’Artagnan gegen denjenigeti um, welcher ihm folgte, und sagte: »Mein Herr, wir sind nicht mehr auf der Flotte des Königs, wo Jhr vorhin, kraft Eurer Befehle, so anmaßend mit mir sprachet.'« »Mein Herr,«' erwiederte der Officier,»ich sprach nicht anmaßendz ich gehorchte einfach, aber streng dem, was mir befohlen worden war. Man hat mich Euch folgen heißen, ich folge Euch. Matt hat mich beauf- tragt, Euch mit Niemand verkehren zu lassen, ohne Kenntniß von dem zu nehmen, was Jhr thun würdet, ich mische mich in Euren Verkehr.-« D’Artagnan bebte vor Zor11, und Porthos und Aramis, welche dieses Gespräch abwarteten, bebten auch, doch von Furcht und Bangigkeit- D’Artagnan kaute seinen Schnurrbart mit jener Lebhaftigkeit, welche bei ihm den Zustand der Erbit- terung verrieth, welcher ein furchtbarer Ausbruch sehr nahe stand. »Mein Herr,-« sagte er mit einer leiseren, aber um so nachdrücklicheren Stimme, als sie eine tiefe Ruhe heu- chelte nnd sich vom Sturme anschwellte-»mein Herr- als ich einen Nachen hierher schickte, wolltet Jhr wissen- was ich den Vertheidigerii von Belle-Jsle schrieb. Ihr habt mir einen Befehl gezeigt; auf der Stelle zeigte ich Euch das Billet, das ich schrieb. Als der Patron der von mir abgeschickten Barke zurückkam, als ich die Antwort von diesen zwei Herren erhielt,(und er be- zeichnete mit der Hand dem Ofsicier Porthos und Ara- mis), habt Jhr die Rede des Boten bis an’s Ende gehört. Dies Alles lag in Eureii Befehlen, dies Alles wurde wohl vollzogen, wohl befolgt, dies Alles geschah ganz pünktlich, nicht wahr Jl- ,,Ja, mein Herr ,« stammelte der Officier;»ja allerdings, mein Herr... aber...« »Mein Herr,«« fuhr d’Artagna11 sich erhitzend fort,»als ich mit lauter Stimme meine Absicht, mein Schiff z·' 184 nicht und nahm Euch mit. Jhr seid nun wohl in Belle- Jsle, nicht wahr?« »Ja, mein Herr, aber...« »Aber... Es handelt sich nicht mehr um Herrn Eolbert, der Euch diesen Befehl hat zukommen lasseir oder Inn irgend Jemand in der Welt, dessen Jnstructio- nen Jhr befolgt: Es handelt sich hier um einen Mann, der Herrn d’Artagnan beengt, der sich mit Herrn Wir- tagnan allein auf den Stufen einer Treppe befindet- welche dreißig Fuß Meerwasser bespülen; eine schlimme Stellung für diesen Mann,xeine schlimme Stellung, mein Herr! darauf mache ich Euch aufnierkfam.'« »Aber, mein Herr, wenn ich Euch beenge-,« entgeg- nete zaghaft und bleich der Officier, ,,es ist mein Dienst...« »Ihr habt das« Unglück gehabt, Jhr oder diejeni- gen, welche Euch schicken, mir eine Beleidigung anzu- thunz sie ist mir widerfahren. Ich kann mich nicht an diejenigen halten, welche für Euch bürgen, sie sind mir unbekannt oder zu fern von mir- Aber Ihr findet Euch unter meiner Hand, und ich schwöre bei Gott- macht Jhr einen Schritt hinter mir, wenn ich den Fuß aufhebe, um zu diesen Herrn hinaufzusteigen, ich schwöre Euch bei meinem Namen, daß ich Euch den Schädel mit einem Schwertstreich spalte und Euch in’s Meer werfe. Ohl es wird geschehen, was geschehen wird. Ich bin nur sechomal in meinein Leben in Zorn gera- then, und die fünf Male, die diesem vorangegangen- habe ich meinen Mann getödtet.««« Der Officier rührte sich nicht; er erbleichte unter dieser furchtbaren Drohung und erwiederte einfach: »Mein Herk- Ihr habt Unrecht, meinem Befehl» entgegenzutreten.«. Bis jetzt stumm und schauernd oben bei der Brü- g- — spiiung, riefen»Porthos und Aramie dem Musketierszysk verlassen, um mich nach Belle-Jele zu begeben, verkün- digte, verlangtet Jhr, mich zu begleiten; ich zögerte— »Lieber d’Artagnan, nehtnt Euch in Acht i« D’Artagnan hieß sie durch eine Geberde schweigen, hob mit einer erschrecklichen Ruhe den Fuß auf, um eine Stufe binanfzusteigen, und drehte sich, den Degen m der Hand, um zu sehen, ob ihm der Ofsieier folgte. Der Ofsicier bekreuzte sich und schritt weiter. Porthos und Aramis, die ihren d’Artagnan kann- ten, stießen einen Schrei aus und stürzten vor, um den Streich aufzuhalten, den sie schon zu hören glaubten. Doch d’Artagnan nahnr den Degen in die andere Hand und sagte mit bewegter Stimme zu dem Officin-: »Mein Herr, Jhr seid ein wackerer Mann. Ihr müßt das, was ich Euch nun sagen werde, besser ver- stehen, als das, was ich so eben gesagt habe.« ,,Sprecht, Herr d’Artagnan, sprecht,-· erwtedette der brave Ofsieier. »Diese Herren, die wir besuchen wollen und gegen die Jhr Befehle hab, sind meine Freunde.«« »Ich Weiß es-« »Ihr begreift, ob ich gegen sie handeln kann, wie Eure Jnstructionen es vorschreiben.«« »Ich begreife Euer ausnahmsweises Benehmen.«« »Nun wohl, so erlaubt mir, ohne Zeugen mit ihnen zu reden.«« »Herr d’Ariagnan, wenn i nachgeben würde, wenn ich ihäte, was Ihr von mir er- bittet, so würde ich mein Wort brechen: wenn ich es aber nicht thue, so handle ich unfreundlich gegen Euch- das Eine ist mir lieber, als das Andere; redet mit Euren Freunden und verachtet mich nicht, mein Herr, daß ich aus Liebe für Euch, für Euch allein, den ich schätze und ehre, eine schändliche Handlung begehe.«« Tief bewegt, schlang d’Artagnan rasch seinen Arm um den Hals des jungeti Mannes und ging dann zu seinen Freunden hinaus. Jn seinen Mantel gehüllt, tsetzte sich der Osfieier auf die mit feuchteni Seegras bedeckten Stufen; ch Eurem Verlangen 186 »Nun l« sagte d’Artagnan zu seinen Freunden- i»das ist die Lage der Dinge; urtheilt.'« Sie umarmten sich alle drei. Alle drei hielten sich umschlungen wie in den schönen Tagen der Jugend. »Was bedeuten alle diese strengen Maßregeln Y« i fragte Porthos. »Ihr müßt etwas-muthmaßen, theurer Freund ,« erwiederte d’Artagnan. »Nicht genau, das versichere ich Euch, mein lieber Kavitän, denn ich habe nichts gethan, und Aramis auch nicht,«« fügte der vortreffliche Mann rasch bei. D’Artagnan schleuderte dem Prälaten einen Blick des Borwurfs zu, der dieses verhärtete Herz durch- drang. i ,,Theurer Porthosi«« rief der Bischof von Vannes. »Ihr seht, was man gethan hat-« sagte d’Artag- nan. ,,Auffangung von Allein, was von Belie-Jsle kommt, von Allem, was sich dahin begibt. Alle Eure Schiffe sind mit Beschlag belegt worden. Hättet Ihr es i k- «verfncht, zu entfliehen, so waret Jhr in die Hände der Kreuzersgefallen, die das Meer durchfurchen und auf Euch lauern; der König ist über Euch aufgebracht und wird Etsch festnehmen,'« fügte der Kapitän der Mus- ketiere bei. Und er riß sich wüthend einige Haare aus seinem grauen Schnurrbart.- Aramis wurde düster und Porthos zornig.— .»Vernehmt nun, was mein Gedanke war,«« fuhr) d’Artagnan fort.»Ich wollte Euch Beide an Bord meines Schiffes kommen lassen, bei mir behalten und dann frei geben· Aber wer sagt mir jetzt, ob ich, wenn ich auf mein Schiff zurückkehre, nicht einen Höheren treffe, ob ich nicht geheime Befehle finde, die mir mein Commando entziehen, um es einem Andern zu geben- und über mich und Wer Euch ohne irgend eine Hoff-- L nuug auf Hülfe ver« en?-«, ,,Wir—mü»ssen in elle-Jsle bleiben,«« sprach Ara- K 187 mis entschlossen,»und ich stehe Euch dafür, daß ich mich nur mit gutem Vorbedacht ergeber Porthos sagte nichts, d’Artagnan bemerkte das Stillschweigen seines Freundes.- »Ich muß es noch einmal mit diesem Officier, mit diesem Braven versuchen, dessen redlicher und muthiger Widerstand mich sehr glücklich macht, denn er offenbart einen wackern Mann, der, wiewohl unser Feind, tau- sendmal mehr werth ist, als ein feiger Gefälliger. Ver- suchen wir es mit ihm und erfahren wir, was er zu. thun befugt ist, was sein Befehl ihm erlaubt oder Verbietet.« ,,Versuchen wir es,« sagte Aramis. D’Artagnan trat an die Brüsiuicg, neigte sich über die Stufen des Hafendanims nnd rief dem Ofsicier, der sogleich herausstieg. »Mein Herr,«« sagte d’Artagnan zu ihm, nach dem Austausch der herzlichsten Höflichkeiten, wie sie natür- lich sind unter Edelleuten, die- sich kennen und würdig schätzen, ,,uiein Herr, wenn ich diese Herren von hier mitnehmen wollte, was würdet Jhr thun?" .»Ich würde mich nicht widersetzen: doch da ich einen unmittelbaren, förmlichen Befehl habe, sie unter meine Bewachung zu nehmen, so würde ich sie be- wachen.« »Ah!« machte d’Artagnan." T»Es ist vorbei,« sprach Aramis mit dumpfem one. Porthos rührte sich nicht. ,,Nehmt immerhin Porthos mitl-« sagte der Bischof pon Bannesx»er wird im Stande sein« und ich·werde ihn dabei unterstützen, und Jhr auch, Herr Mittag- MM- dem König zu beweisen, daß er bei dieser Ange- legenheit schuldlos ist.« »Hm!« versetzte d’Artagnan, ,,wollt Jhr mitkom- men? wollt Ihr mir folgen, Porthos? Der König«.- ist gnädig-« h«,,Jch wünsche zu überlegen,«« sprach Porthos hoch- er i. zEJbr bleibt also hier?" »Bio aus neuen Befehll«« rief Aramis lebhaft. »Viel wir einen Gedanken gehabt haben,«« sagte d’Artagnan,»und ich glaube, das wird nicht lange dauern, denn ich habe schon einen.« »So wollen wir uns Lebewohl sagen i« sprach Aramis.»Doch wahrhaftig, lieber Porthos, Jhr müß- tet weggehen.«« »Nein-« erwiederte dieser laconifch. »Wie es Euch beliebt,« sagte Arami6, ein wenig verletzt in seiner nervösen Empsindlichkeit durch den "grämlichen Ton seines Gefährten.»Ich fühle mich durch das Versprechen einer Idee von d’Artagnan be- ruhigt, die ich, glaube ich, errathen habe.«« »Laßt hören,«« sagte der Musketier, indem er sein Ohr an den Mund von Aramio hielt. Dieser sagte dem Kapitän rasch mehrere Worte- anf welche d’Artagnan erwiederte: »Ganz richtig.« »Unfehlbar also!« rief Aramis. »Während der ersten Aufregung, die dieser Ent- schluß verursachen wird, trefft Eure Anordnungen, Aramis.«« »Oh! seid unbesorgt.« »Mein Herr,«« sprach d’Artagnan zu dem Ofsieier, ,,tausendn1al Dank. Jhr habt Euch drei Freunde auf Leben und Tod gemacht.««, »Ja-« fügte Aramig bei. Porthos allein sagte nichts und billigte nur mit dem Kopf.’" D’Artagnan, nachdem er seine zwei alten Freunde zärtlich umarmt hatte, verließ Belle-Jole mit dem un- zerbtrennlichen Gefährten, den ihm Herr Colbert ge- ge en. Abgesehen von einer Art von Erklärung- mit der i —- «- O LIO Eva-»Ok- xe ·- ch- zte ge Ich .ß- ig en ich Ie- te- it- n- uf iit de U- e-: 189 der würdi e Porthos sich zu begnügen so gut· gewesen war, hattg sich scheinbar nichts an dem Schicksal der Einen oder der Andern geändert. ,,Nur ist die Jdee von d’Artagnan da,« sagte Arami6.-«--.» D’Artagnan kehrte nicht snach seinem Schiffe zu- rück, ohne die Jdee, die er entdeckt, tief auszugrabm Man weiß aber, wenn d’Artagnan grub, so brach er bis zum Lichte durch. Der Ofsteier war wieder stumm geworden und ließ ihm ehrerbietig Muße, nachzudenken. Als d’Artagnan den Fuß auf sein einen Kanonen- schnß weit von Vellestle liegendes Schiff setzte, hatte er auch schon alle seine Angriffs- und Vertheidigungst mittel vereinigt. Er versammelte sogleich seinen Rath. Dieser Rath bestand aus den Officieren, die unter seinen Befehlen dienten. Es waren ihrer acht: Ein Chef der Seemacht, Ein Major, der die Artillerie leitete- Ein Ingenieur, Der luns bekannte Ofsieier, Und vier Lieutenants. Als sie d’Artagnan im Zimmer des Hintertheili versammelt hatte, stand er auf, nahm seinen Hut ab und begann mit folgenden Worten: »Meine Herren, ich habe Belle-Jsle-en-Mer re- cognoscirt und dort eine gute und solide Garnison, so wie auch Anstalten zu einer Bertheidiguug gesunden, welche beschwerlich werden kann. Es ist daher meine cht, zwei von den bedeutendsten Ofsieieren de- Platzeg kommen zu lassen, daß wir mit ihnen sprechen. Haben wir sie von ihren Kanonen und ihren Truppen getrennt, so werden wir leichter mit ihnen überein- kommen, besonders wenn wir ihnen gute Beweisgründe gebet-. Jst das Eure Ansicht?«« 190 Der Masor der Artillerie erhob sich und sprach ehrerbietig, aber mit Festigkeitz »Herr Kapitån, ich habe Euch sagen hören, der Platz schicke sich zu einer beschwerlichen Beriheidigung an; Der Platz ist also, so viel Ihr wißt, zur Rebellion entschlossen?- "D’Artagnan war sichtbar ärgerlich über diese Ant- wort, aber er war nicht der Mann, der sich durch so wenig niederschlagen ließ, und fuhr fort:- »Mein Herr, Eure Antwort ist richtig. Doch es ist Euch nicklt unbekannt, daß Belle-Jsle-en-Wler ein Lehn von Herrn Fouqitet ist, und die früheren Könige haben den Herren von Beile-Zelle das Recht gegeben, sich auf ihrem Boden zu rüsten und die Waffen zu er- greifen-«. Der Major machte eine Bewegung. »Oh! unterbrecht mich nicht,«« sprach d’Artagnan. »Ihr wollt mir sagen, das Recht, sich gegen die Eng- länder zu waffnen, sei nicht das Recht, sich gegen den König zu wasfnen. Doch ich denke, es ist in diesem Augenblick nicht Herr Fouquet, der Belle-Jsle inne hat, da ich Herrn Fouqnet vorgestern verhastä habe. Die Bewohner nnd Vertheidiger von Belle-Jsle wissen nur nichts von dieser Verhaftung. Jhr würdet ihnen dieselbe vergebens verkündigen. Es ist eine so uner- hörte, so außerordentliche, so unerwartete Sache, daß sie Euch nicht glauben würden. Ein Bretannier dient seinem Herrn, und nicht seinen Herren, bis er ihn todt gesehen hat. Die Bretannier haben aber, so viel ich weiß, den Leichnam von Herrn Fouquet nicht gesehen.s.’ v Man darf sich also nicht darüber wundern, daß sie sich Allem entgegenstemmen, was nicht Herr Fouquet oder seine Unterschrift ist.«« · Der Major verbeugte sich zunr Zeichen der Bei- z stimmung. ,,Darum,« fuhr d’Artagnan fort, ,,darum ist es"x J: » mein Vorsatz,« zwei von den obersten Officieren der- »O 191 Garnison auf mein Schiff kommen zu lassen. Sie wer- den Euch sehen, meine Herren, sie werden die Streit- lräfie sehen, über die wir verfügen, sie werden folglich erfahren, woran sie sich in Beziehung auf das Schick- sal, das ihrer im Falle der Rebellioir harrt, zu halten haben. Wir werden ihnen bei unserer Ehre die Ver- sicherung geben, daß Herr Fouquet Gefangener ist, und daß jeder Widerstand ihm nur nachtheilig sein würde. Wir werden ihnen sagen, daß sie, wenn sie auch nur eine Kanone abgefeuert, keine Gnade dont König mehr zu erwarten haben. Dann, ich hoffe es wenigstens, werden sie keinen Widerstaiid leisten. Sie werden sich ohne Kampf ergeben, und wir werden auf gütlichem Wege einen Platz bekommen, dessen Eroberung uns viel kosten könnt« Der Ofsicier, der d’Ariagnan nach Belle-Jsle be- gleitet haite, schickte sich an, zu sprechen, aber d’Ar- iagnan unterbrach ihn: »Ja- ich weiß- was Ihr mir sagen wollt, mein Herr; ja, ich weiß, daß ein Befehl vom König vor-· handen ist, der jedekr geheimen Verkehr mit den Ver- iheidigern von Belle-Jsle verbietet, und darum mache ich mich anheischig, mit ihnen nur in Gegenwart meines ganzen Generalstabo zu verkehren-« sprach d’Ariagnan. Und er machte seinen Ofsicieren ein Zeichen mit dem Kopf- mit dem er dieser Herablaffung Ansehen zu geben bezweckte. Die Offieiere schauten sich gegenseitig an, als wollten sie einander ihre Meinung in den Augen lesen- mit der Absicht offenbar, wenn sie sich in Einklang ge- setzt hätten, dem Wunsche von d’Artagnan gemäß zu ·handeln.» Und schon sah dieser zu seiner Freude, der Erfolg ihrer Beistimmung würde die Absendung einer arke an Porthoo und Aramis sein, als der Officin-« des Königs«aus seiner Brust ein versiegeliee Schreiben zog, das er d’Artagnan übergab. · Dieses Schreiben hatte als Aufschriftdie Nummer 2. »Was ist das wieder W murmelte der. Kapitiln erstaunt. ,,Lefet, mein Herr l« sprach der Officier, indem er sich mit einer Höflichkeit verbeugte, welche nicht ganz frei von Traurigkeit war. »D’Artagnan entfaltete das Papier mit Mißtrauen und las folgende Worte: »Vetbot für Herrn d’Artagnan, irgend einen Rath zu versammeln oder auf irgend eine Art zu deliberiren, ehe Belie-Jsle übergeben ist und die Gefangenen über die Klinge gesprungen sind. »Unterz. L n d w i g.«« D’Artagnan unterdrückte die Bewegung der Unge- duld, die seinen ganzen Körper durchlief, und sagte mit einem freundlichen Lächeln: »Es ist gut, mein Herr, man wird sich nach den Befehlen des Königs richten.«« lell. Fortsetzung der Ideen des Königs und der Ideen non d’-Artagnan., Der Schlag war unmittelbar-, er war hatt, tödt-« lich. Wüthend, daß ihm eine Idee des Königs zuvor- gekommen, verzweifelte d’Artagnan jedoch nicht, und an die Idee denkend, die er auch von Belle-Jsle Muse-»Es «bracht, prophezeite er ein neues Mittel der Rettunsfsx für feine Freunde. wie-YOUng» BLI- es ON gis-its—:e—iee SZOUOMI:- 9. i- THIS? f;- TM 193 »Meine Herren,«- sprach er plötzlich, ,,da der Kö- nig einen Andern, als mich- mit seincii geheimen Be- fehlen beauftragt hat, so besitze ich sein Vertrauen nicht mehr, und ich wäre in der That unwürdig, wenn ich den Muth hätte, ein Coinmando zu behalten, das so vieleni beleidigenden Verdack)t unterworfen ist. Jch werde also sogleich dem Köiiig meine Entlassung ein- reichen. Jch nehme sie vor Euch Allen und fordere Euch auf, mit mir nach der Küste von Frankreic) zu- « rückzukehren, um in keiner Hinsicht die Streitkräfte zu gefährden, die mir der König anvertraut hat. Begebt Euch daher Alle wieder auf Euren Posten und befehlt - die Umkehr; in einer Stunde haben wir Fluth. An, Eure Posten, meine Herren! Jes) denke,«« fügte er bei, da er sah- daß Alle gehorchten, den überwachenden Officier ausgenommen,»ich denke- Jbr werdet diesmal keinen Befehl entgegenzubalten haben-" Als er diese Worte sprach, triumphirte d’Artagnan beinahe. Dieser Plan war die Rettung seiner Freunde. War die Blockirung aufgehoben, so konnten sie sich fo- gletch einschiffen und ohne Furcht, beunruhigt zu wer- den, nach England oder nach Spanien unter Segel gehen. Während sie flehen, kam d’Artagnan zum Kö- nig- rechtfertigte seine Rückkehr durch die Enttüstuvg- welche das Mißtrauen von Colbert bei ihm erregt hatte, und er nahm Belle-nge, das heißt, den Käfig- ohne die entsiogenen Vögel zu nehmen. Doch diesem Plaic setzte der Officier einen andern Befehl des Königs entgegen; er war also abgefaßt: ·»Sobald Herr d’Artagnan den Wunsch kundgibky seine Entlassung zu nehmen, wird er nicht mehr als Anfuhrer der Expeditioii zählen, und jeder unter seine Befehle gestellte Officier ist gehalten, ihm nicht Mehr zu» gehorchen. Mehr noch, hat Herr d’Artagnan feine Ekgenichaft als Chef des gegen Belle-Jsle abgesandten Heetes Verloren- sv muß er unmittelbar nach Frank- Dit drei Musketiere. Magen-nah x. 13 194 reich abreifen, in Begleitung des Offieiers, der ihm diese Botschaft übergeben haben und ihn als einen Ge- fangeneri, für den er haftet, betrachten wird.«« D’Artagnan erbleichte, er, der so muthig und so, sorglos. Alles war mit einer Tiefe berechnet worden,’ die ihn zuni ersten Mal seit dreißig Jahren an die so-» lide Vorsicht und an die unbeugsame Logik des großen Cardinals erinnerte. Er stützte seinen Kopf träumerisch, kaum athmend auf feine Hände. »Wenn ich diesen Befehl tn meine Tasche steckte,«« s dachte er,»wer wüßte es oder wer würde mich daran verhindern? Ehe der König unterrichtet wäre, hätte ich die armen Leute dort gerettet. Keckheit alsot Mein Kopf ist keiner von denjenigen, welche ein Henker we- gen Ungehorsams fallen machtt Wir wollen daher un- gehorfani sein.« e Doch in dem Augenblick, wo er diesen Entschliiß faßte, sah er die Officiere um ihn her ahnliche Befehle lesen, welche der hollische Agent des Geistes von Col- bert unter ihnen ausgetheilt hatte. v Es war der Fall des Ungehorsains vorhergesehen, wie die andern Fälle- »Mein Herr,«« sagte der Officier zu ihm,»ich er- warte Euer Beliebeii, uin abzugeben." ,,Jcl) bin bereit, meiii Herr,« erwiederte der Ka- pttan, mit den Zähnen knirschend. Der Officier ließ sogleich ein Boot herbeischaffe«n- das d’Artagnan aufnehmen sollte.« Er wäre vor Wuth beinahe wahnsinnig geworden bei diesem Anblick. »Wie wird man es machen, um die verschiedenen; Corps zu leiten W stammelte er »Nach Eurem Abgang, mein Herr, bin ich es, de der König seine Floktte anvertraut,«« antwortete d Commandant der Schiffe· »Mein Herr-" sagte der Mann von Colbert,»dann T ihm Ge- dso den,’ so-» ißen iend Etexs. tran Icitte Rein we- UN- hlnß Fehle Col- heny v er- Ka- ffcw rdenI enen« dein-H des-Ei dann: 195 ist für Euch dieser letzte Befehl, der mir übergeben worden ist. Laßt Eure Vollmachten sehctM »Hier sind sie,«« erwiederte der Seemann, eine kö- nigliche Unterschrift oorweisend. »Hier habt Ihr Eure Jnstrnctionen,!« sagte der Officin-, indem er ibm das Schreiben übergab. Dann wandte er sich an d’Artagnan und sprach mit bewegter Stimme, so vielVerzweiflung sah er bei diesem Eisen- mann- ,,Brechen wir aus, mein Herr, habt die Güte, mit mir abzugehe11.·« »Sogleich,« artikulirte schwach der Kapitäii, be- lsiegkt,tniedergcscihmettett durch die unbeugsaine Unmög- ich ei. Und er ließ sich in das kleine Fahrzeug hinab- gleiien, das mit einem günstigen Wind und geführt von der steigenden Fluth nach Frankreich segelte. Die Garden des Königs hatten sich mit ihm eingeschifft. Der Musketier hegte indessen immer noch die Hoff- nung, rasch genug nach Nantes zu kommen und bereit genug die Sache seiner Freunde zu vertheidigen, um den König zu erweichen, Die Barke flog wie eine Schwalbe. D’Artagnan sah deutlich den Boden Frankreichs schwarz sich von den weißen Wolken der Nacht abheben. »Ah! mein Herr,- sagte er Ieise zu dem Officier, mit dem er seit einer Stunde nichts sprach, ,,wie viel gäbe ich, wenn ich die Jnstructionen des neuen Com- mandanten kennete. Nicht wahr, sie sind ganz fried- lich? und...« Er Vollendete nicht; ein ferner Kanonenschuß don- nerte auf der Obersiläche der Wellen, dann ein anderer, und zwei bis drei stärkere. D’Artagnan schauerte. »Das Feuer gegen Belle-Jsle ist eröffnet-" ant- wortete der Ossieier. Die Barke berührte die Erde Frankreichs. XlX. Die Ahnen mm party-sen Als d’Artagnan Aramis und Porthos verlassen hatte, kehrten diese in das Hauptfort zurück, um sich mit mehr Freiheit zu besprechen. Jmmer besorgt, beengte Porthos den Bischof von« Vannes, dessen Geist nie freier gewesen war. »Liebe-: Porthos,«« sagte dieser plötzlich,»ich will Euch die Jdee von d’Artagnan erklären.««« »Welche Jdee?«' »Eine Idee, der wir, ehe zwölf Stunden vergehen, unsere Freiheit zu verdanken haben werden.«« »Ah! wahrhaftig!« rief Porthos erstaunt.«Laßt hören.-« »Ihr habt aus der Scene, die unser Freund mit dem Osficier gehabt, entnommen, daß ihn gewisse Be- fehle in Beziehung auf uns behindern.« »Ich habe es bemerkt.««- »Nun wohl, d’Ariagnan wird seine Entlassung beim König nehmen, und während der Verwirru11g, die aus seiner Abwesenheit entspringen muß, ergreifen wir die Flucht, oder vielmehr ergreift Ihr die Flucht, Jhr, Porthos, wenn die Möglichkeit hiezu nur Einem gegeben ist.«« Porthoo schüttelte hier den Kopf und erwiederte·: »Wir fliehen mit einander oder wir bleiben mit einander.-««’ »Ihr seid ·ein edles Herz,«« sprach Aramis«,s»nur-III betrübt mich Eure düstere Unruhe.-« »Ich bin nicht unruhig.««— »Dann seid Ihr mir böse Z« Is. esse- ck.s-(.-. 0 A- U- it e- s- . Eines Tags- 197 »Ich bin Euch nicht böse.« »Warum dann diese sinstere Miene, mein Freund?«« »Ich will es Euch sagen: ich mache mein Testa- ment«. So sprechend schaute der gute Porthos Arainis traurig an- »Euer Testament!« rief der Bischof;»gehtdochl Jhr haltet Euch für verloren?·« »Ich fühle mich ermüdet· Das ist das erste Mal... und dann gibt es in meiner Familie eine Gewohnheit.'· »Welche- mein Freund?-« »Mein Großvater war ein Mann, der zweimal so stark als ich.«« »Ho! hol Euer Großvater war also ein Simson?« »Nein, er hieß Antoine. Nun dennl er war in meinem Alter, als er eines Tages, da er auf die Jagd. abgehen wollte, seine Beine schwach fühlte, er, der die- ses Uebel nie gekannt hatte.«« »Was bedeutete diese Schwäche, mein Freund?-« »Nints Gutes, wie Jhr sehen werdet; denn als er, bestandig über seine matteii Beine klagend, ab- gegangen war, traf er einen Keiler, der ihm Stand hielt, er schoß mit seiner Büchse, fehlte das Thier,« wurde ausgeschlitzt und starb aus der Stelle.« P töägas ist kein Grund der Beunruhigung für Euch, or o.«" »»Oh! Ihr werdet sehen. Mein Vater war noch einmal so«stark, als ich. Er war ein rauher Soldat von Heinrich lll. und Heinrich lv., er hieß nicht Atl- ioine, sondern Gaspard, wie Herr von Coligny- Immer zu Pferde, hatte er nie gewußt, was Müdigkeit ist. «. als er vom Tische aufstand, versagten ihm seine Beine den Dienst.«« »Er hatte vielleicht gut zu Nacht gespeist, und darum wankte er.« -,,Vahl ein Freund von Herrn Bassompierre, geht« dochl Nein, sage ich Euch; er wunderte sich über diese Ident-kxss:kicc-s— I— 198 Müdigkeit und sagte zu meiner Mutter, die ihn ver- spottet-:»,,Sollte man nicht glauben, ich werde einen Keiler sehen, wie der selige Herr du Ballon, mein Vater?«'«« »Nun W ·,,Nun! dieser Schwäche trotzend, wollte mein Va- ter in den Garten hinabgehen, statt zu Bette zu gehen; sein Fuß bog sich schon auf der ersten Stufe; die Treppe war steil, mein Vater fiel an eine steinerne Ecke, in der eine Angel befestigt war. Die Angel öff- nete ihm den Schlaf, und er blieb todt auf dem Platz.«« Aramis schlug die Augen zu seinem Freunde auf und sprach:— »Das sind zwei außerordentliche Vorkommenheitenz schließen wir daraus nicht, es könnte sich ein dritter Fall dieser Art ereignen. Für einen Mann von sEurer Stärke, mein braver Porihos, geziemt es sich nicht, abergläubisch zu sein;... überdies, wo sieht man Eure Beine sich biegen? Nie seid Ihr so stark und herrlich gewesen; Jhr würdet. ein Haus auf Euern Schultern tragen.«— ,,Jn diesem Augenblick fühle ich mich sehr wohl; doch vorhiik erst wankte ich, sank ich zusammen, und diese Erscheinung, wie Jhr es nennt, hat sich ieit Kur- zem viermal gezeigt. Jch sage Euch nicht, daß mir das bange machte, aber es ärgerte mich; das Lebeti ist eine angenehine Sache. Ich habe Geldziich habe schöne Güter; ich habe Pferde; ich habe auch Freunde, die ich liebe: d’Artagnan, Athos, Raoul und Euch.«« Der bewunderungswürdige Porthos nahm sich nicht einmal die Mühe, Aramig den Rang zu verbergen, den er ihm in seinen Freundschaften gab." Aramio drückte ihm die Hand nnd erwiedexte: »Wir werden noch viele Jahre leben, um der Weit;·;jjz.zjs. Muster von seltenen Menschen zu bewahren. Traut’" mir, theurer Freu:kd, wir haben keine Antwort von- d’Artagnan, das-ist ein gutes Zeichen; er muß Befebc«" www-pe- skxspssmm- G —- F«FVI·I Essi- ZZ - II OF 199 gegeben haben, die Flotte zusammenznziehen und das Meer zu entblößen-. Jch habe befohlen, eine Barke auf Walzen bis zu dem Ausgang des großen unterirdischen.i Gewölbes am Locmaria zu rollen, Jhr wißt, wo wir so oft auf Füchse auf dem Anstand gewesen sinde »Ja, das Gewölbe, das nach einer kleinen Bucht durck) einen schmale11 Gang ausmündet, den wir an dein Tage entdeckten, wo der herrliche Fuchs dort her- auskam.«««« »Ganz richtig. Für den Fall eines Unglücks wird man uns eine Barke in diesem Gewölbe verbergen; sie muß schon dort sein. Wir warten den günstigen Augen- blick ab, und bei Nacht in Seel« »Das ist ein guter Gedanke! Was gewinnen wir dabei?«« »Wir gewinnen dabei, daß Niemand diese Grotte, oder vielmehr ihren Ausgang kennt, außer uns Beiden und ein paar Jägern der Jnsel; wir gewinnen dabei, daß, wenn die Jnsel besetzt ist, die Streifer, da sie keine Barke am Ufer sehen- nicht vermuthen werden, man könnte entkommen, und dann werden sie zu be- wachen aufhören.« »Ich begreife.'· »Nun! die Beine?" »Oh! vortrefflich in diesem Augenblick." »Ihr seht wohl, Alles wirkt zufammen, um uns Ruhe und Hoffnung zu geben. D’Artagna11 räuiiit das Meer und macht uns frei. Weder eine königliche Flotte, noch eine Landung mehr zu befürchten. Gott sei ge- lobt! Porthos, wir habeii noch ein halbes Jahrhundert an guten Abenteuer-i, und wenn ich den Boden Spa- niens berühre, so schwöre ich Euch,«' fügte der Bischof mit einer furchtbaren Energie bei,»ich schwöre Ench- daß Euer Herzogsdiplom nicht so sehr gefährdet ist, als man behaupten wollte.« »Hei-sen lvir,- sprach Potthog, wieder ein wenig erheitert durch diese neue Wärme sein es Gefährten. 200 Plötzlich vernahm man den Ruf: »ZU den Waffenltl Von hundert Stimmen wiederholt, drang dieser Ruf in die Stube, in der sich die beiden Freunde auf-" hielten, und erregte Staunen bei dem Einen, Unruhe bei dem Andern. — Arainis öffnete das"Fenster; er fah eine Menge von Leuten mit Fackeln laufen. Die Frauen siüchteten sich; die Bewaffneten nahmen ihre Posten ein. »Die Flottel die Flotte!«« rief ein Soldat, der Aramis erkannte. »Die Flotte!«· wiederholte dieser. »Auf einen halben Kanonenfchuß,- fügte der Sol- dat bei. »Zu den Waffenl- rief Aramis. »Zn den Waffen1-« wiederholte Porthos mit furcht- barer Stimme. Und Beide eilten nach dem Hafendamm, um sich hinter den Batterien in Schutz zu stellen. Man fah mit Soldaten beladene Schaluvpen her-. beikommen; sie nahmen drei Richtungen, um an drei Punkten zu gleicher Zeit zu landen. »Was ist zu thun?«« fragte ein Ofsicier von der Wache. ,,Haltet sie auf, und wenn sie vordringen, Feuer!« antwortete Aramis. Fünf Minuten nachher begann das Kanonenfeuer. Das waren die Schüsse, welche d’Artagnan- Als er in Frankreich landete, gehört hatte. Doch die Schaluppen waren zu nahe beim Hafen-—. damm, als daß die Kanonen hätten richtig schießen kön- nen; sie landeten; der Kampf begann beinahe Leib an Leib. »Was habt Ihr- Porthos?-« sagte Aramis zu fei- nem Freund. »Nichts.... die Beine.... es ist wahrhaftig un-«- begreisicch.... sie erholen sich beim Angriss.-« · I. ( L l l I ser uft« he ge en Er sk- s cei !« Ic« ils »n- n- cib ri- wiss 201 Porthos und Aramis griffen in der That so kräf- tig an, sie belebten ihre Leute so gut, daß die König-« lichen sich hastig wieder einschifften, ohne etwas Anderes gehabt zu haben, als Berwundete, die sie mit sich fortschleppten. »Ei! Porthos,«« rief Aramis,»wir müssen einen Gefangenen haben; geschwinde, geschwinde-« Porthos beugte sich ans der Treppe des Hasendamms hinab und packte beim Genick einen von den Offieieren des königlichen Heere-, welcher, um sich einzuschiffen, wartete, bis alle seine Leute in der Schaluppe wären. Der Arm des Riesen hob diese Beute aus, die ihm als Schild diente, um wieder hinaufzusteigen, ohne daß auf ihn geseuett wurde. »Da ist ein Gefangener,«« sagte Porthos zu Arami62 »Ah! gutM rief dieser lachend,»verleumdet doch Eure Beine« »Ich habe ihn nicht mit meinen Beinen festgenom- men, ·sondern mit meinem Ame,« erwiederte traurig der Riese. XX. Der Sohn von Dis-array » Die»Vretannie·r der Jnsel waren sehr stolz auf diesen Sieg; Aramis ermuthigte sie nicht. Als Jedermann urück eke rt war, a te er u Portho«: z g h sg z »Der Zorn des Könige wird sicherlich bei der Er- , zählung von dem Widerstand aus’s Neue erwachen- usnd man wird die braven Leute decimiren oder verban- 202 nen, wenn die Insel eingenommen ist, was unfehlbar geschehen muß.«« N ,,Daraus geht hervor, daß wir nichts Nützliches gethan haben,«« sagte Porthos.- »Für den Augenblick doch,« erwiederte der Bischof, »denn wir haben einen Gefangenen,« von dent wir er- fahren werden, was unsere Feinde im, Schilde führen.«· »Ja, befragen wir den Gefangenen, und das Mittel, ihn zum Sprechen zu bringen, ist eknfach. Wir speisen zu Nacht; wir laden ihn ein; beim Trin- ken wird er sprechen.«« Dies geschahe Anfangs ein wenig ängstlich, beruhigte sich der Officier, als er sah, mit welchen Leuten er es zu thun hatte." Er gab, da er nicht zu befürchten hatte, er könnte sich gefährden, alle erdenkliche Umstände-über die Entlassung und die Abfahrt von d’Artagnan an. Er erklärte, wie, nach dieser Abfahrt, der neue Anführer der Expedition einen Ueberfall auf Belle- Jsle befohlen. Hier hörten seine Erklärungen aus. Aramis und Porthos wechselien einen Blick, der Von ihrer Verzweiflung zeugte. Man konnte sich nicht mehr auf die muthige Ein- bildungskraft von d’Artagnan verlassen; es gab plötzlich kein Rettungsmittel mehr im Falle einer Niederlage. Sein Beichin fortsetzend, fragte Aramis den Ge- fangenen, was die Königlichen mit den Chefs von Belle-Jsle zu machen gedachten· ,,Vefehl, während des Kampfes zu tödten und« ·« nach demselben zu henken,«« erwiederte der Officier. Aramis nnd Porthos schauten sich abermals an. Die Röthe stieg Beiden zu Gesicht. »Ich bin sehr leicht für den Galgen,«« sagte Arn-« mis;.,,Leute wie ich henken sich nicht.«« »Und ich bin sehr fchwer,«« sagte Porthosz»Leuts,«; wie ich reißen den Strick ab-«« »Ich bin«fest«überzeugt,«« erwiederte artig der Ge? Gage-H- It ei If- r- is h. kl- te es te ie Ue e- n- ich ie- OU nd ., 203 fangene,»wir hätten Euch die Gnade eines Todes nach Eurer Wahl verschasst.- ,,Tausend Dankt-« svrach Aramie ernst. Porthos verbeugte sich. »Noch diesen Schluck-Wein auf Eure Gesundheit,« sagte er, indem er selbst trank. Ein Wort gab das andere, und so verlängerte sich das AbendbrodJ der Officier, ein verständiger junger Mann, überließ sich allmälig den Freuden des Geistes von Aramis und der gutmüthigen Herzlichkeit von Porthos. »Verzeiht mir, tvemt ich eine Frage an Euch thue-« sagte er,»aber Leute, die bei ihrer sechsten Flasche sind- haben wohl das Recht, sich ein wenig zu vergessen.«' ,,Fragt immerhin,«« sagte Bot-thos- »Sprecht,« fügte Aramis bet. »Meine Herren, waret Jhr Beide nicht bei den Musketieren des seligen Königs?«· »Ja, mein Herr, und wir gehörten zu den besten- wenn’s beliebt.« »Das ist wahr; ich möchte sogar sagen, die besten von allen Soldaten, befürchtete ich nicht, das Anden- ken meines Vaters zu verletzen.« »Gutes Vaters?«« rief Aramis. »Wißt Ihr, wie ich heiße?«« -»Meiner Treue, nein; aber Jhr werdet es mir sagen, und...« »Ich heiße George von Biecarrat.«« »Ah l« rief Porthos, ,,Bisearrat! Ihr erinnert Euch dieses Namens, Aramis? sch»,"t,Bis«carrat.»« träumte der Bischos...»Mir ein ,,Su·chet wohl, mein Herr-« sagte der Ofsieier. »Bei Gotti das wird nicht lange währen««, erwie- - derte Porthos-»Biscarrat, kgenannt Cardinal.» einer Von den Vieren, die uns an dem Tag unterbrachen, wo wir, den Degen in der Hand, mit d’Artagnan Freundschaft machten...« 204 »Ganz richtig, meine Hemms- »Der Einzige, den wir nicht verwundeten,« fügte Aramis lebhaft bei. »Fvlglich eine tüchtige Klinge,«i sagte der Gefangene.-«, »Es ist wahr, ohl sehr wahrt-« sprachen gleich-.; zeitig die beiden Freunde.»Herr von Bisearrat, wir sind in der That entzückt, die Bekanntschaft eines so wackeren Mannes zu machen.«« , Biscarrat drückte die beiden Hände, die ihin die zwei alten Musketiere reichten. Aramis schaute Portljos an, als wollte er zu ihm sagen:»Das ist ein Mann, der uns helfen wird.« Und sogleich sprach er: ,,Gesteht, mein Herr, daß es wohl thut, ein rechtschaffener Mann gewesen zu seith »Mein Vater hat es mir immer gesagt-« »Gestebt auch, daß es traurig für Euch ist, mit Leuten zusammenzutreffen, welche erschossen oder gehenkt. werden sollen, und zu bemerken, daß diese Leute alte Bekannte, ererbte alte Bekannte sind.'« »Oh! es ist Euch dieses gräßliche Schicksal nicht vorbehalten, meine Herren und Freunde,«« sprach leb- haft der- junge Mann· ,,Doch! Ihr habt es gesagt.«« »Ich habe es vorhin gesagt, als ich Euch nicht kannte; doch nun, da ich Euch kenne, sage ich Euch-Ihr werdet dieses unselige Loos vermeiden, wenn Ihr wollt.« »Wie! wenn wir wollenlii rief Araniis, dessen Augen von Verständigkeit glänzten, während er abwech- selnd seinen Gefangenen und Porthos anschaute. ,,Vorausgesetzt, daß man keine Feigheiten von uns. fordert-" sprach Porthos, der seinerseits mit einer edlen«- Unerschrockenheit Herrn von Bisearrat und den Bischof«; anschaute. »Man wird gar nichts Von Euch fordern, meine-z Herren,«« erwiederte der Ofsicier des königlichen Heerksz J »Was soll man von Euch fordern? Wenn man Euch» ·. ——-.————- s- .I— i » VAL- 205 findet, tödtet man Ench, das ist fest beschlossen; trachtet also darnach, daß man Euch nicht sindei, meine Herren.««- »Ich glaube mich nicht zu täuschen,«« versetzte Por- tbos mit Würde,»doch mir scheint, um uns zu sinden, muß man uns wohl hier holetM. »Hier-in habt Ihr vollkomnien Recht, mein würdi- ger Freund,« sprach Aramis, beständig mit dem Blick die Physiognoniie des schweigsamen und zurückhaltenden Biseartat befragend.»Ihr wollt uns etwas sagen, Herr von Biscarrat, Ihr wollt uns eine Erössnung machen, und Jhr wagt es nicht« nicht math« »Oh! meine Herren und Freunde, wettn ich spreche- verraihe ich den Befehl; doch ich höre eine Stimme, welche die meinige, sie beherrschend, löst.« ,,Kanonen l« sagte Porthos. »Kanonendonner und Musketenfeuer.«' Man hörte in der Ferne den unheilschwangeren Lärmen eines Kampfes, der nicht lange dauerte. »Was ist das?-l fragte Portbos. »Ei! bei Gott! es ist das, was ich vermuthete.«« »Was denn?«« »Der von Euch gemachte Angriffwar nur eine Finte, nicht wahr, mein Herr? und währeiid Eure Compag- nien sich zurückschlagen ließen, hattet Jhr die Gewiß- heit; eine Landnng auf einer andern Seite der Insel zu bewerkstelligen.« »Oh! mehrere.«' »So sind wir verloren,«« sprach gelassen der Bischof von Vannes.« »Vetloten, das ist möglich,«« entgegnete der Edel- herr von Pierrefonds--,doch wir sind weder festgenom- men, noch gebenkM So sprechend stand er vom Tische auf, trat an die Wand und nahni kalt seinen Degen und seine PiiMen hexab·, welche er mit der Sorgfalt des alten Sol- daten nntersuchte- der sich zum Kampfe anschickt und 206 fühlt, sein Leben berube zum großen Theil auf der Vor- trefflichkeit seiner Waffen. Beim Lärm der Kanonen, bei der Kunde von dem ,Ueberfall, der die Insel in die Gewalt der königlichen Truppen bringen konnte, stürzte die Menge ganz ver- wirrt in das Fort. Sie verlangt Beistand und Rath von ibren Führern.— Bleich und besiegt, zeigte sich Aramis zwischen zwei Kerzen an dem Fenster, das nach dem Hof ging; dieser Hof war voll von Soldaten» welche auf Befehle war- teten, und von bestürzten Bürgern, die um Hülfe flehten. »Meine Freunde,«' sprach Aramie mit ernster-, klang- voller Stimme,»Herr Fouquet, Euer Beschützer, Euer Freund, Euer Vater, ist verhaftet und in die Bastille geworfen worden.« Ein langer Schrei der Wuth und»der Drohung stieg bis zu dem Fenster hinauf, an dem Araniis stand, und umhüllte ihn mit einem vibrirenden Strom. ,,Ncichen wir Herrn Fouquet, schrieen die Eraltite testen. ,,Tod den Königlichen!«« -»Nein, meine Freunde,«« entgegnete Aramis feier- lich,»nein, meine Freunde, keinen Widerstandl Der Kö- nig ist Herr seines Reiche-. Der König ist der Bevoll- mächtigte Gottes· Der König und Gott haben Herrn Fouquet geschlagen. Demüthigt Euch vor der Hand Gottes. Liebet Gott und den König, welche Herrn Fouquet geschlagen haben. Aber rächet nicht Euern Herrn, sucht ihn nicht zu rächen. Jhr würdet Euch vergebens aufopferu, Euch, Eure Frauen und Eure-» Kinder, Eure Habe nnd Eure Freiheit. Legt die Waf- T fen nieder, meine Freunde, legt die Waffen nieder, wie.— ed Euch der König befiehlt, und zieht Euch friedlich M Eure Wohnungen zurück. Jch verlange es von Ell- ich bitte Euch mum, ich werde es Euch im Nothfall·««z im Namen von Herrn Fouquet befehlen.««.-; Die unter dem Fenster zusammengeschaarte MGUAF «·.s spließ ein Geschrei des Zornes und des Schreckenolrsöxklxo« sit-D- sli 207, tr-»Die Soldaten von König Ludwig le. sind auf der Jnsel eingedrungen,« fuhr Aramis fort.»Es wäre eni nunmehr zwischen ihnen und Euch kein Kampf mehr, )en sondern eine Metzelei. Geht, geht und vergeßt, dies- er- mal befehle ich es Euch im Namen des Herrn.«« ath- Die Widerspänstigen zogen sich nach diesen Worten langsam, aber unterwürsig und stumm zurück. · svei»Oh! was habt Jhr da gesagt, mein Freund« zser rief Porthvs. ak-.»Mein Herr,- sprach·Biscarrat,»Ihr rettet alle ken. diese Einwohner, doch Jhr rettet weder Euren Freund, ag- noch Euch««« uer»Herr von Biscarrat,l« erwiederte mit einem selt- illc sam edlen und zugleich höflichen Ausdruck der Bischof von Vannes,»Herr von Biscarrat, habet die Güte, smg Eure Freiheit wieder zu nehmen.« nd,»Das will ich wohl, mein Herr, aber...« »Aber das wird uns dienlich sein, denn indem Jhr tit- dem Lieutenant des Königs die Unterwerfung der Insel- »bewohner ankündigt, erlangt Jhr vielleicht eine Gnade jet- fur une, wem! Jhr ihn unterrichtet, auf welche Art diese Kö- Unterwerfung stattgefunden hat.«« »Ic-«Gnade!« entgegnete Porthoo mit stammenden zrkn Augen,»Gnade! wae für ein Wort ist das?«« and. Aramie stieß seinen Freund mit dem Ellenbogen, am wie er es in den schönen Tagen ihrer Jugend that- iern wenn er Porthos darauf aufmerksam machen wollte, er Euch habe einen Fehler begangen, oder sei im Begriff, einen kuke; zu begehen.» gaf-« Porthos oerstandsfund schwieg sogleich. wie.«»Ich»werde gehen, meine Herren ,« erwiederte hin. BRAUN- auch ein wenig erstaunt über dae Wort such, Gnade, z ausgesprochen von dem stolzen Musketier, dessen Fall4 Held«enthaten, Von denen ihm sein Vater mitgetheilt- «, er einige Augenblicke zuvor erzählt und mit so großer" eng-s Begeisterung gerühmt hatte. Tit-IF«»Gebt also, Herr von Biecarrat,·' sprach Aramie 208 den Ofsicier grüßend,»und indein Ihr geht, emvfangt den Ausdruck unserer vollen Dankbarkeit.«« »Doch Ihr, meine Herren, Ihr, die ich meine Freunde zu nennen mir die Ehre gebe, die Jhr diesen Titel anzunehmen die Güte gehabt habt, was wird aus Euch mittletweile werdenW sagte der Ossicier ganz bewegt, ais er von den zwei ehemaligen Gegnern seines Vaters Abschied nahm. »Wir, wir werden hier warten.«« »Mein Gotti der Befehl ist förmlich nnd bestimmt.« »Ich bin Bischof von Vannes, Herr von Biscarrat, und man läßt eben so wenig einen Bischof über die Klinge springen, als man einen Edelmann henkt.'« »Oh! ja, Monseignenr,«« sagte Biscarratz»ja, es ist wahr, diese Chance ift notb für Euch vorhanden. Jch gehe also und begebe mich zu dem Commandanten der Exvedition, dem Lieutenaiit des Köniz;s. Gehabt Euch wohl, meine Herren, oder vielmehr auf Wiedersehen.-« Der würdige Ofsicier schwang sich in der That auf ein Pferd, das ihm Aramis geben ließ und sprengte weg in der Richtung der Schüsse- die man gehört- und welche, die Menge in das Fort führend, das Ge- spräch der zwei Freunde mit ihrem Gefangenen unter- brochen hatten. Aramis sah ihn wegeilen und sagte, als et mit Porthos allein war: »Nun! begreift Jhr?«« ,,Meiner Treue! nein.« ,,War uns Biscarrat nicht hier lästig W »Nein, es ist ein wackerer Junge.««» »Ja, doch die Grotte von Locmaria, ist es nöthig, F daß sie Jedermann kennt?- ,» »Oh! es ist wahr, es ist wahr, ich begreife. Wir-z entfliehen durch den unterirdischen Gang.««» Z »Wenn es Euck) beliebt-« erwiederte freudig Aramtssjsp »Vorwärts, Freund Porthos, unser Schiff erwartet unsjA « und der König hat uns noch nicht in seiner Gewaitz««» —- - 209 ngt in, XX1. sen III cDie Grutte mm Luxukaria. neg Die Grotte voii Locmaria war weit gentig vom Hafendaiktrn entfernt, daß die zwei Freunde ihre Kräfte Mo« · schonen mußten, um dahiii zu gelangen.« rat, yeberdies rückte die Nacht vor; es hatte zwölf die Uhr im Fort geschlagen; Porthos und Aramis waren « mit Waffen beladen. »ja, Sie wanderten auf der Heide, welche den Hafen- Zeü» dgmm von der Grotte trennt, horchten auf jedes Ge- aten rausch und suchten alle Hinterhalte zII vermeiden. iuch You Zeit zu Zeit erschienen auf der Straße, die sie L« sorgfalttg zu Ihrer Linken gelasseit hatten, Flüchtlinge, auf welche durch die Nachrtckjt vom Landen der königlichen We Truppfn aus Ihren Häusern vertrieben worden waren. ört,« Hinter-· Felovorspriingeii verborgen, fingen Porthos Ge, und Aramis die Worte dieser armen Leute auf, die m- ganz zitternd nnd ihre kostbarsten Habseligkeiteti mit sich schleppend flohen, und suchteii, indeni sie ihre Klagetk » anhörten,»etwas für ihr Jnteresse daraus zu schließen. rotte,« in welche der vorsichtige Bischof von Vannes auf Cylindern eine gute Barke, fähig, in dieser schönen Jahreszeit die See zu halten, rollen zu lassen bemüht bis 4 gewesen war. «Tf»»Mem Freund,«« sprach Porthos, nachdeiii er ge- Wsirsz rauschvoll geathniet hatte,»wir sind, wie mir scheint, F anfOrts und Stelle; doch ich glaube, Jhr habt von aus«-» drei Manner11, von drei Dienern gesproche:1, die uns wir begleiten sollten. Jch sehe sie nicht; wo sind sie denn?-« k» Die drei Musketiere. Bkagelon11e. x. 14 210 »Warum solltet Jhr sie sehen, lieber Porthos?«« erwiederte Aramis.»Sie erwarten uns sicherlich in der Höhle, und ruhen ohne allen Zweifel einen Augen- blick aus, nachdem sie diese harte und schwierige Arbeit vollbracht habe!1.«« Aramis hielt Porthos zurück, der in die Grotte einzutreten sich anschickte. »Wollt Jhr mir erlauben, vorauszugehen, mein Freund?«' sagte er zum Riesen·»Ich kenne das Sig- nal, das ich unseren Leuten gegeben habe, und diese wären, wenn sie es nicht hörten, im Stande, auf uns zu feuern oder uns ihr Messer in der Finsterniß zuzu- schleudern.«« ,,Geht, lieber Aramis- geht voran, Jhr seid die Weisheit und Klugheit, geht. Die Müdigkeit, von der ich Euch gesagt habe, bemächtigt sich meiner auch aber-s« mals.« Aramis ließ Porthos am Eingang der Grotte nie- detsitzen, bückte sich und trat den Schrei des Käuzchens nachahmend in das Innere der Höhle. Ein kurzes klagendes Ruchsen, ein kaum vernehm- barer Ruf antwortete in der Tiefe des Gewölbes.. Aramis schritt Vorsichtig weiter, und bald wurde er durch denselben Ruf, den er zuerst hatte vernehmen I lassen, aufgehalieki, und dieser Ruf ertönte zehn Schritte« von ihm. »Seid Ihr da, YVes?- fragte der Bischof. »Ja, Monseigneur, und Goennec ist auch da. Sein Sohn begleitet uns.« »Gut. Sind alle Sachen bereit?«« »Ja, Monfeigneur.«« »Gebt ein wenig an den Eingang der Grotte, mein guter Yves, Jhr werdet dort den Edelherrn von Pierrefonds sinden, der, müde vom Marsche, ausruht.« Und kann er zufällig nicht gehen, so hebt ihil auf nnd. tragt ihn hterheM eit ein ig- ese ins BU- die der er- · ie- ins cde ten s tte» ein 211 Die drei Bretannier gehorchten.« Doch der Auf- trag von Aramis an seinen Diener war unnöthig. Wiedergestärkt, hatte Porthos schon hinabzusteigen be- gonnen, und sein gewichtiger Tritt erscholl unter den von Flintenstein- und Granitsäulen gebildeten und ge- tragenen Höhlen· Sobald der Gebieter von Bracieur den Bischof erreicht hatte, zündeten die Bretannier eine Laterne an, mit der sie sich verseheii hatten, und Porthoa versicherte seinen Freund, er fühle sich nunmehr stark wie gewöhnlich. «Besichtigen wir die Barke und untersuchen wir vor Allem ihren Juhalt,«« sagte Aramis. ,-Kommt nicht mit dem Licht zu nahe daran« sagte der Patron Yve6,»denn Eurem Austrage gemäß, Mon- seigneur, habe ich unter die Bank des Hintertheilg, Ihr wißt, in den Koffer das Fäßchen Pulver und die Puckketenpatronen gelegt, die Ihr mir vom Fort ge- chi t.-«. »Gut-« erwiederte Aramia. Und er nahm selbst die Laterne und untersuchte ängstlich alle Theile der Barke mit der ganzen Vorsicht eines Mannes, der im Flugefistcht einer Gefahr weder furchtsam, noch unwis- en i. Die Barke war lang, leicht, hatte einen geringen Tiefgang, einen schmalen Kiel- kurz sie gehörte zu denjeni- gen, welche man immer so gut in Belle-Jsle gebaut hat, ein wenig hoch von Bord, solid auf dem Wasser, leicht zu handhaben, mit Brettern versehen, die in unsi- cheren Zeiten eine Art von Verdeck bilden, über dem iPtZeZlkellen hingleiten- währeiid es zugleich die Ruderer utz. Jn. den zwei wohl verschlossenen Koffern, welche. unter dem Vordertheil und unter dem Hintertheil stan- den, fand Aramis Brod- Zwieback, getrocknete Früchte- ein Viertel Speck, einen guten Vorrath an Wasser in Schlauchen, Alles hinreichende Nationen für Leute bildend- die sich, wenns es das Bedürfniß heische, sollten selbst verproviantiren können. Die Waffen, achst Musketen und eben so viele Reiterpistolen, waren in gutem Zustand und sämmtlich ge- laden. Es fanden sich Ruder im Vorrath, sollte ein Un- sall sich ereignen, und ijenes kleine Segel genannt Trin- quette, das den Gang des Fahrzeugs unterstützt, während die Ruder arbeiten, das so nützlich ist, wenn der Wind sich fühlbar macht, und das Schiff nie belastet. Als Aramis alle diese Dinge in Augenschein ge- nommen und sich mit dem Erfolg seiner Jnspeetion zu- frieden gezeigt hatte, sagte er zu Porthos: ,,Berathen wir uns, ob wir es«versuche11 müssen, die Barke durch das unbekannte Ende der Grotte, demAbhaisge und dem Schatten der Höhle folgend, hinauszubringen, oder ob es besser ist, unter freiem Himmel sie auf Rollen durch das Heidekraut gleiten zu lassen, den Weg des kleinen steilen Ufers ebnend, das nur eine Höhe von zwanzig Fuß hat und an seinem Fuße drei bis vier Klafter gutes Wasser aus einem guten Grunde gibt.« ,,Monseigneur,'« erwiederte der Patron Yves ehr- erbietig,»unmaßgeblich glaube ich nicht, daß aus dem Abhang der Höhle und in der Dunkelheit, in der wir unsere Barke zu manoeuvriren genöthigt sein werden- der Weg so bequem ist, als in freier Luft. Jeh kenne das Gestade und kann Euch bersichern, daß es glatt ist, wie der Rasen in einem Garten; das Jnnere der Grotte ist im Gegentheil holperig, abgesehen davon, Monseig- neur, daß wir am Ende den nach dem Meere führenden I schmalen Gang finden werden, wo vielleicht das Fahr- zeug nicht durchpassiren kann.««« »Ich habe meine Berechnungen gemacht, und ich, habe die Gewißheit, daß es durchkäme,«· entgegnete- Aramis. · »Gut, ich will es wohl glauben, Monseigneur-,«« versetzte der Patron;»doch Eure Herrlichkeit wetß,woh"l’«» daß man,um die Barke bis zum Ende des Ganges zu bringelx» Ts Q-« BE ,S.T z Enge-es- 213 einen ungeheuren Stein aufheben muß, unter welchem— der Fuchs tinmer durchschlüpft, und der den Gang wie eine Thüre schließt.«« »Man wird ihn aufheben,« sagte Porthos,»das ist nicht6.-« »Oh! ich weiß, daß der gnädige Herr die Stärke von zehn Männern hat,« erwiederte der Patron;»nur ist das sehr unangenelun für den gnädigen Herrn.«« »Ich glaube, der Patron könnte Recht haben· Ver- suchen wir den offenen Hinimel,«« sagte Armut-. »Um so mehr, Monseigneur,«' fuhr der Ftscher fort, »als wir uns nicht vor Tag einzuschiffen vermöchten, so viel Arbeit gibt es, und als, sobald der Tag anbricht, eine gute Schildwache auf den oberen Theil der Grotte gestellt für uns nothwendig, unerläßlich sogar fein with-um die Manoeuvres der Chalandg und der Kreu- zer zu beobachten, die auf uns lauern dürften. »Ja, Ave-, ja, Euer Grund ist gut, man wird den Weg über das Gestade einschlagen.«« Die drei kräftigen Bretannier legten die Walzen unter die Barke und waren im Begriff, sie in Bewe- gung zu setzen, als man fernes Bellen von Hunden auf dem Felde vernahm. Aramiz eilte aus der Grotte; Porthos folgte ihm. ie Morgendäusmerung färbte mtt Purpur uud Petlnrutter die Wellen und die Ebene. In dem » Noch eine Viertelstunde, und es wäre voller Tag, die erwachten Vögel verkündigten ihn freudig durch ihre Gesänge der ganzen Natur.««- · Das erwähnte Gebelle, das die drei Fischer in der Fortschaffung der Barke aufgehalten und Aramts und Portyos hinauszueilen veranaßt hatte, verlängerte sich 214 ·in einer tiefen Schlucht ungefähr eine Meile von der Grotte. »Das ist eine Meute,«« sagte PorthosF»die Hunde haben eine Spur zu«verfolgen.-« »Was bedeutet das? Wer jagt in einem solchen Augenblick?«« fragte Aramis. »Und hier besonders-« fuhr Porthos fort-»hier, wo man die Ankunft der Königlichen befürchtet«· »Der Lärmen kommt näher. Ja, Jhr habt Recht- Porthas, die Hunde sind aus einer Spur. Hei-! rief plötzlich Aramis-»Poes, Poes, komint doch." Yves ließ den Cylinder, den er in der Hand hielt, um ihn unter die Barke zu legen, als der Ruf des Bischofs sein Geschäft unterbrach, fallen und lief herbei. »Was für eine Jagd ist das, Patron M fragte Porthos. »Ei! nädiger Herr,«« erwiederte der Bretannier, »ich begreie es nicht. Jn einem solchen Augenblick Joürde der Edelherr von Locmaria nicht jagen. Nein, aber die Hunde...«. »Sind sie nicht etwa aus dem Hundestall ent- schlüpft...« ,Nein,- sagte Goennec,»das sind nicht die Hunde des Herrn von Locmarla.«« »Zur Vorsicht kehren wir in die Grotte zurück,«« sprach Aramisz»die Stimmen kommen offenbar näher, und sogleich werden wir erfahren, woran wir uns zu halten haben.·« Sie kehrten zurück. Doch sie hatten nicht hundert Schritte in der Dunkelheit gemacht, als ein Geräusch ähnlich dem heiserm Seufzen eines erschrockenen Ge- schöpfes in der Höhle ertönte nnd, keuchend, behende, ein Fuchs wie ein Blitz an den Flüchtlingen vorüber--« schoß, über die Barke sprang und verschwand, seinen scharfen Geruch hinterlassend, der sich einige Sekunden» unter dein niedrigen Gewölbe der Höhle erhielt. der nde hen iet- chi- rief eit, des )ei. gte er, lick in, kit- sk- srt e- Ic, r--« M :n»« 215 »Der Fuchsi«« riefen die Bretannier mit dem freu- digen Erstaunen des Jägers. »Verdammti« rief der Bischof, ,,unser Zufluchisort ist entdeckt-« »Wie soW fragte Porthosz»fürchten wir uns vor einem Fuchs?«· Hunden die Menschen kominen?« Porihos neigte das Haupt. Man hörte, wie zur Bestätigung der Worte Von Aramis, die knurrende Meute mit einer furchtbaren Ge- schwindigkeit auf der Fährte des Fuchses herbeikommeti. Sechs Windhunde brachen gleichzeitig aus die kleine Haide herein, mit einem Geschrei, das der Fansare eines Triumphes glich. »Hier sind die Hunde,«« sagte Aramis, der hinter einer zwischen zwei Felsen angebrachten Luke lauerte; »wer sind nun die Jäger Zi- »Jst es der Herr von Locmatia,«« erwiederte der atron,»so wird er die Hunde die Grotte durchsuchen lassen, denn er kennt sie, und er wird nicht selbst ein- dringen; sicher, daß der Fuchs auf der andern Seite herauskommt, wird er ihn dort erwarten-« »Es ist nichtder Herr von Locmaria, der— hier jagt-« sagte der Bischof unwillkübrlich erbleichend. »Wer ist es denn?,« fragte Vorthos. «Scha11t.« Porthos hielt sein Auge an die Luke und sah auf dem Gipfel des Hügels ein Dutzend Reiter, welche mit dem Rufe: Taiouti aus der Spur der Hunde galop- pirten. «»Die Garde,n1«· sprach er. ·»Ja, mein Freund- dik Garben des Königs.j«3«».»«· 216 »Die Garde11 des Königs, Monseigneur, sagt Ihr?« riefen die Bretannier erbleichend. »Und Biscarrat an ihrer Spitze anf einem Grati- schimmel,« fügte Arainis bei. Jn diesem Augenblick stürzten die Hunde wie eine Lauwine in die Grotte, und die Tiefen der Höhle füll- ten sich mit einem betäubenden Geschrei. »Ah! Teufell« sagte Aramis, der beim Anblick dieser sichern, unvermeidlichen Gefahr seine ganze Kalt- blütigkeit wieder erlangte-;»ich weiß wohl, daß wir verloren sind, doc) es bleibt uns wenigstens eine Chance: bemerken die Garden, die den Hunden folgen, daß die Grotte einen Ausweg hat« so ist keine Hoffnung mehr, denn wenn sie hier hereinkonimen, so entdecken sie die Barke und uns selbst. Die Hunde dürfen’ nicht aus der «Höhle hinaus. Die Herren dürfen nicht hereiws »Das ist richtig,«« sprach Porthos- »Ihr begreift-'« fügte der Bischof mit der raschelt Pünktlichkeit eines Commandanten bei:»es sind da sechs Hunde, welche genöthigt fein werden, vor dem großen Stein anzuhalten, unter dem der Fuchs durch- geschliipft ist, an desseii zu enger Oeffnung sie aber umgebracht werden« Die Bretannier eilten mit dem Messer in der Faust weg. Nach einigen Minuteii ein klägliches Coneert von Gestöhiie, von Todesschreien, dann nichts mehr. »Gut-« sagte Aramis kalt.»Nun zu den Herren.«« »Was ist zu thun W fragte Porthos. ,,Jhre Ankunft abwarten, sich verbergen Und tödtewi »Tödten!« wiederholte Porthos. »Sie sind zu sechzehn, wenigstens für den Augenblick-« »Und wohlbewaffnet,« fügte Portl)os mit einem Lächeln des Trostes«bei.. »Das wird zehn Minuten dauern,« sagte Aramis. »Vorw ärts l« -—-«.- In 4um obs-bist »s-» f-"«q 217 Und mit einer entschlossenen Miene ergriff er eine Muskete nnd schob sein Jagdmesser zwischen seine Zähne. »Poes, Goennee, und sein Sohn werden uns die Waffen reichen,«« fuhr Aramis fort.»Ihr-, Porthos, gebt Feuer, sobald Einer in Eure Nähe kommt. Wir werden acht niedergestreckt haben, ehe es die Anderen. vermuthen, das ist sicher; dann befördern wir alle mit- einander-, wir sind zu fünf, die acht Letzten mit dem Messer iii der Hand.«« »Und der arme BiscarratisM fragte Porthos. · Aramis überlegte einen Augenblick. ,,Biscarrat zuersM erwiederte er kalt.»Er kennt uns-« Xth. Die Grotte. Trotz einer gewissen Wahrsagergabe, welche die, merkwürdige Seite Voni Charakter bon Aramis war, ging das Ereigniß, die Chancen der dem Zufall unter- worfenen Dinge erduldend, nicht ganz in Erfüllung, wie es der Bischof von Vannes vorhergesehen hatte. Besser berikten ale seine Gefährten, kam Bisearrat zuerst an die Oeffnung der Grotte und begriff, daß Alles, Fuchs nnd Hunde, sich hier hinein gestürzt hatte. Doch erfaßt von dem abergläubischen Schrecken, den natürlich dem« Geiste des Menschen jeder unterirdische flnstere Weg einflößt, hielt er außerhalb der Grotte an und wartete, bis seine· Gefährten um ihn her ver- sammelt waren.-— 218 »Nun-« fragten ihn ganz athemios die jungen Leute, die seine Unthåtigkeit nicht begreifen konnten. »Man hört keine Hunde mehr; Fuchs und Meute müssen in dieser Grotte verschwunden sein.« »Sie führten zu gut, als daß sie die Spur ganz Verloren haben sollten,« bemerkte einer von den Garden. »Ueberdies würde man sie auf der einen oder der an- dern Sei-te suchen hören. Sie müssen, wie Biscarrat sagt, in dieser Grotte seinXi »Aber warum geben fie denn keinen Laut inehr?«« fragte einer von den jüngern Leuten. »Das ist seltsam-« sprach ein Anderer· »Nun, so treten wir in diese Grotte ein,« rief ein Vierter.»Ist der Eintritt zufällig verboten?M »Nein-« erwiederte Biscartat,»nur kann man sich, da es darin schwarz ist wie in einem Ofen, den Hals brechen.«« ,,Davon zeugen unsere Hunde, die ihn ohne Zwei- fel gebrochen haben,«· sagte ein Garde. »Was Teufel ist aus ihnen geworden?«« fragten sich im Chor die jungen Leute.« Und jeder Herr rief seinen Hund bei seinem Na- men, pfiff ihm mit seiner Lieblingsfansare, ohne daß . ein einziger auf den Ruf oder auf den Psiffantwortete. »Das ist vielleicht eine Zaubergrotte,«« sagte Bis- carrat. ,,Wir·wollen fehen.« Und er stieg ab und machte einen Schritt in die Grotte. »Warte, warte, ich begleite Dich,«- rief einer von den Garden, als Biscarrat nahe daran war, im Halb- schatten zu verschwinden. ,,Nein,«· entgegnete Biscarrat, ,,da muß etwas Außerordentliches sein. Setzen wir uns nicht Alle zu- gleich der Gefahr aus. Habt Jhr in zehn Minuten keine Kunde von mir, so tretet Jhr ein, aber dann Alle miteinanderJi (»Gut,« sprachen die jungen Leute, welche übrigens ; zs t L l i l is i. - it 219 für Biscarrat keine große Gefahr bei diesem Unterneh- men sahen;»wir werden Dich erwarten.« Und sie bildeten, ohne abzusteigen, einen Kreis um die Grotte. Biscarrat trat also allein ein und rückte in der Finsterniß bis unter die Muskete von Porthos Vor. Der Widerstand, der seine Brust traf, setzte ihn in Erstaunen; er streckte die Hand aus und faßte den eiskalten Lauf. Jn demselben Augenblick erhob Yvee gegen den jungen Mann ein Messer, das mit der ganzen Kraft eines bretannischen Armes auf ihn niederzufallen im Begriff war, als ihn die eiserne Faust von Porthos auf halbem Wege zurücthielt. Dann ließ sich, wie ein dumpfes Knarren, seine Stimme in der Finsterniß vernehmen: »Ich will nicht- daß man ihn tödtet.« Biscarrnt fand sich zwischen eine Beschützung und eine Drohung gestellt, von denen die eine beinahe so furchtbar war, als die andere. So muthig auch der junge Mann, es entschlüpfte ihm doch ein Schrei, den Aramis sogleich dadurch un- terdrückte, daß er ihm ein Schnupftuch vor den Mund hie. »Herr von Biscarrat,« sagte er mit leiser Stimme,« »wir führen nichts Böses gegen Euch im Schilde, und Jhr müßt das wissen, wenn ihr uns erkannt habt; doch beim ersten Wort, beim ersten Seufzer, beim ersten Hauch sind wir genöthigt, Euch zu tödten, wie wir Eure Hunde getödtet haben.'« »Ja, ich erkenne Euch, meine H—erren,«« erwiederte leise der junge Mann. ,,Doeh watunt seid Jhr hier? was macht ihr hier? Unglückliehei Jch glaubte, Jhr wäret im Fort.«« »Und Ihr, mein Herr, mich dünkt, Ihr solltetBe- dinguugen für uns erlangen W« »Ich habe gethan, waes ich konnte, aber...« 220 »Aber?" »Aber es sind förmliche Befehle da.« »Uns zu tödten?'« Biscarrat antwortete nicht. Es kostete ihn zu große Ueberwinduug, vom Strange mit Edelleuten zu sprechen· Aramis begriff das Schweigen seines Gefangenen. »Herr BiscarraM sagte er-»Ihr wäret schon todt, wenn wir nicht Rücksicht auf Etire Jugend und unsere ehemalige Verbindung mit Eurem Vater ge- nommen hätten; doch Jhr könnt von hier entkommen, wenn Jhr uns schwört, daß Jhr nicht von dem, wag Jhr gesehen, mit Euren Kameraden sprechen werdet.« »Ich schwöre nicht nur, daß ich nicht davon, sprechen, sondern ich schwöre auch, daß ich Alles in der Welt thun werde, um meine Kameraden abzuhalten, den Fuß in diese Grotte zu setzen.«« »Biscarratl Biscarratl«« riefen von Außen mehrere Stimmen, welche wie ein Wirbel in die Höhle ein- drangen. ,,Anttvortet,« sagte—Aramiz. »Hier bin ich,«« rief Biscarrat. »Gebt, wir verlassen uns auf Eure Redlichkeit.'· Und er ließ den jungen Mann los. Bisearrat stieg zum Lichte auf. «Bieearratl Biscarrat!«« riefen näher die Stimmen. Und man sah in das Innere der Grotte die Schatten von mehreren menschlichen Gestalten fallen. Biscarrat eilte seinen Freunden entgegen, um sie zurückzuhalten, und traf mit ihnen zusammen, als sie eben sachte in die Höhle ein-traten. Aramis und Porthos horchten mit der Aufmerk- samkeit von Leuten, welche um ihr Leben auf einen Hauch der Luft spielen. Biscarrat hatte den Eingang der Höhle, gefolgt von seinen Freunden, wieder erreicht. f .- wvas—« Inn -.,-W-—Ps-( s——. . 221 « ,,Hohl ho!«« sagte Einer von ihnen, als er an dae Licht trat-.»wie bleich bist Dul-« »Bleichl« rief ein Anderer,»Du willst sagen lei- chenfarbig.·· »Jchl« erwiederte der junge Mann, der seine ganze Selbstbeherrfchung zurückzurufen suchte. »Jn des Himmels Namen, was ist Dir denn be- gegnet?"« fragten alle Stimmen. »Du hast nicht einen Blutstropfen in den Adern, mein armer Freund,« rief Einer lachend- »Meine Herren,«« sprach ein Anderer,»die Sache ist ernst; es wird ihm übel; habt Jhr Salze?«« Und Alle brachen in ein Gelächter aus. Alle diese Anrufungen- alle diese Spöttereien kreuz- ten sich um Biscarrat, wie sich mitten im Feuer die Kugeln bei einem Gefechte kreuzen. Er sammelte wieder Kräfte unter dieser Sündsiuth Von Fragen. »Was soll ich denn gesehen haben?-« sagte et;»Es war mir sehr heiß, als ich in diese Grotte eintrat, die Kälte erfaßte mich, das ist das Ganze.« »Aber die Hunde, die Hunde, hast Du sie wieder- gesehen? Hast Du etwas von ihnen gehört? bringst Du Kunde über sie?««" »»Jch Muß glauben- daß sie einen andern Weg ein- geschlazsien haben,«· etwiederte Biscarrat. ,, eine Herren,«« sprach Einer von den jungen Leuten,»es liegt in dem, was vorgeht, in der Vlåsse und in dem Stillschweigen unseres Freundes ein Ge- heimniß, das Biscarrat nicht enthüllen will oder nicht enthüllen kann. Nttr hat Biscatrat, und das ist sicher- etwas in der Grotte gesehen. Wohls ich bin neugierig- zu sehen, was er gesehen, und wäre es der Teufels »Ja die Grotte, meine Herrn! in die.Grott"e!«« »Jn die Grottel«« wiederholten alle Stimmen. Und das Echo der Höhle trug wie eine Drohung k i i «-.-·« esq- ko-. »O 222 zu Porthos und Aramis die Worte:»Jn die Grottel m die Grottelii · f Bisearrat wars sich seinen Freunden entgegen und rIe: »Meine Herren! meine Herren! im Namen des Himmels, geht nicht hinein!«« »Aber was ist denn so Schreckliches in dieser Höhle?i« fragten mehrere Stimmen. »Es ist entschieden der Teufel, was er gesehen-« wiederholte derjenige, welcher diese Hypothese schon auf- gestellt hatte. »Wohl,·-« rief ein Anderer,»wenn er den Teufel gesehen hat, so sei er nicht selbstsüchtig und lasse ihn uns ebenfalls.sehen.« »Meine Herrenl meine Herrenl ich bitte Euch in- ständig!« sprach Bisearrat.« »Laß’ uns vorbeM h·»Meine Herren, ich siehe Euch an, geht nicht inein.« »Du bist wohl hineingegangen!·« Da trat einer von den Officieren vor, der, von einem reiferen Alter, als die Andern, bis dahin zurück- geblieben war und nichts gesagt hatte, Hund sprach mit einer Ruhe, welche einen seltsamenContrast mit der Hestigkeit der jungen Leute bildete- ,,Meine Herren, es ist hierin Jemand oder Etwas, was nicht der Teufel, aber wer und was es auch sein mag, es hat Gewalt genug gehabt, um unsere Hunde zum Schweigen zu bringen. Wir müssen erfahren, wer dieser Jemand oder was dieses Etwas ist.« Biseatrat machte einen letzten Versuch, um seine Freunde zurückzuhalten, doch dieser Versuch war unnütz- --Vergebens warf er sich den Berwegensten entgegen- vergebens klammerte er sich an den Felsen an, um den Weg zu versperren, die Menge der jungen Leute brach , in die Höhle hinter dem Officier ein, der zuletzt ge- P,..- it swvds HEFT- ---.-w P».- 223 sprochen, aber zuerst den Degen in der Faust, um der unbekannten Gefahr zu trotzen, eingedrungen war.. Von seinen Freunden zurückgestoßen, lehnte sich Biscarrat, welcher sie nicht begleiten konnte, wenn er nicht in den Augen von Porthos und Aramis für— einen Ver- räther und einen Meineidigen gelten wollte, Bisearrat, sagen wir, lehnte sich, das Ohr gespannt und die Hände ausgestreckt, an die rauhen WändeMes Felsen an, von dem er glaubte, er müßte dem Feuer der Muske- tiere ausgesetzt sein« Die Garden drangen immer mehr vor, mitSchreien, welche schwächer wurden, je mehr sie sich in dem unter- irdischen Gewölbe vertieften. Plötzlich erscholl, wie der Donner rollend, ein furchtbares Musketenfeuer. Zwei bis drei Kugeln platteten sich an dem Felsen ab, an den sich Biscarrat anlehnte.» Jn demselben Augenblicke vernahm man Seufzen, Stöhnen, Gebrülle, Verwünschungen in der Höhle, und die kleine Truppe der Edelleute erschieii wieder, Einige bleich- Andere blutig, Alle in eine Rauchwolke gehüllt- " welche die äußere Luft aus der Tiefe der Grotte an sich zu ziehen schien. ,,Bigcarratl Biscarrat l« riefen die Flüchtlinge, »Du wußtest, daß ein Hinterhalt in dieser Höhle war- und hast uns nicht davor gewarnM »Biscarrat, Du bist die Ursache, daß vier von uns getödtet worden sind, wehe Dir, Biscarrat!«' »Du bist die Ursache, daß ich auf den Tod«ver- wundet bin,« sprach einer von den jungen Leuten, in- dem er sein Bliit in seiner Hand auffaßte und Bisen- vrat ins Gesicht schleuderte, ,,mein Blut falle auf Dich!" Und er rollte, mit dem Tode ringend, zu den Fü- ßen des jungen Mannes.. »»Aber sage uns wenigstens, wer da innen ist« riefen mehrere wüthende Stimmen. Biscarrat schwieg;« »Sage es oder stirb!«« rief der Verwundete, der sich wieder auf ein Knie aufrichtete und gegen seinen Kameraden einen mit einem unnützen Eier bewaffne- —ten Arm erhob. Biscarrat stürzte ihm entgegen und öffnete dem Streich seine Brust, doch der Verwundete stieß einen Seufzer aus, den letzten, und siel nieder, um sich nicht mehr zu erheben. Die Haare emporgesträubt, die Augen stier, schritt Bisearrat nach dem Innern der Höhle und sprach: »Ihr habt Recht, den Tod mir, der ich Euch habe ermorden lassen, ich bin ein Feigerl«« Und er warf weit von sich seinen Degen, denn er wollte sterben, ohne sich zu vertheidigen, und stürzte mit gesenktem Kopf in die Grotte. Die Andern ahmten ihn nach. Elf, welche von sechzehn übrig waren, tauchteti in den Schlund. Doch sie kamen nicht weiter, als die Andern; eine zweite Ladung streckte fünf von ihnen auf den kalten Sand nieder, und da man unmöglich sehen konnte, woher dieser tödtliche Donnerschlag kam, so wichen die Uebrigen mit einem Schrecken zurück, der sich besser .malen, als ausdrücken läßt. — Doch weit entfernt, wie die Anderen zu fliehen- blieb Bisearrat unversehrt, setzte sich auf einen Fels- -block und wartete. Es waren nur noch fecho Edelleute übrig. »Ist es im Ernste der Teufel?- fragte einer von den Ueberlebenden." »Meiner Treue, es ist etwas Schlimmeres,«« sprach ein Anderer.- »Fragen wir Biscarrat, er weiß esJi »Wo ist Biscarrat?«« Die jungen Leute schauten umher und sahen, daß Biseatrat beim Aufruf fehlte.«-" «»Er ist todt!« sagten ein paar Stimmen. « VII--..-«-—..v—...-».—..-.. der nen ne- Dem ten icht ritt er szte ine ten ite, die sser en, Is- 225 »Nein,« entgegnete ein Anderer,»ich habe ihn niitten im Pulverdaiiirsf sich ruhig auf einen Felsen setzen sehen; er ist in der Höhle und erwartet nnet.« »Er muß diejenigen, welche innen sind, kennen.« »Wie sollte er sie kennen?« »Er ist Gefangener der Rebelleit gewesen.« »Das ist wahr. Rufeti wir ihn nnd erfahren wir voii ihm, mit weilt wir es zu thun haben-« Und alle Stimmen riefen:»Biscarratl Bisear- rat!« Aber Biscarrat antwortete nicht. »Gut!« sagte der Ossicier, der so viel Kaltblü- tigkeit bei dieser Sache gezeigt hatte.»Wir bedürfen seiner nicht mehr, hier kommt Verstarkung.«« Es kam in der That eine aus fünf und siebenzig bis achtzig Maiin bestehende Conipagnie Garben, die von ihren durch die Hitze der Jagd fortgerissenen Of- sieiereit zurückgelassen worden war- iii schöner Ordnung, geführt vom Kavitän und Vorn Oberlientenant. Die fünf Offieiere liefen ihreii Soldaten entgegen, erklärten in einer Sprack)e, deren Beredtsainkeit sich leicht begreifen läßt, das Abenteuer nnd verlangten Hülfe. Der Kapitän unterbrach sie. »Wo sind Eure Gefährten?-« fragte er. ,,Todti«« »Aber Jhr waret zu sechzehn?«« «Zehn sind todt, Biscarrat ist in der Höl)le, nnd wir sind hier zu fünf.« «»Viscarrat ist alfo Gefangener?«« ,,Wahrscheinlich.·« »Nein, denn seht, er kommt hier.« Biscarrat erschien wirklich am Eingang der Höhle. ’«»Er heißt uns durch ein Zeichen kommen-« sagten dte Officiere.«Gehen wirt« »Gehen wir l« wiederholte die ganze Truppe. , Die drei Musketiete. Bragelonne. x. 15 Und man schritt auf Viscarrat zu. »Mein Herr,« sprach der Kapitän, sich an Biscar- rat wendend,»man Ver ert mich, Jhr wisset, wer die Männer sind, die si in dieser Höhle so verzweifelt zur Wehr setzen. Jm Namen des Königs sordere ich auf, zu erklären, was Jhr wißt.«. »Mein Kapitän,« erwiederte Biscarrat,»Ihr habt nicht nöthig, mich aufzufordern; es ist mir so eben mein Wort zurückgegeben worden, und ich komme im Namen dieser Männer.« »Um mir zu sagen, daß sie sich ergeben?'« »Um Etrch zu sagen, sie seien entschlossen, sich«bis aus den Tod zu vertheidige11, wenn man ihnen nicht einen guten Vergleich bewillige.« »Wie viel sind es?-« »Es find zwei.« »Sie sind zu zwei und wollen uns Bedingungeii auferlegen W »Sie sind zu zwei und haben schon zehn von uns getödtet.«« »Was für Leute sind denn das, Riesen?«« »Etwas Besseres. Erinnert Jhr Euch der Geschichte der Bastei Saint-Gervais, mein Kapitän?«« »Ja, wobei vier Musketiere des Königs gegen ein ganzes Heer Stand gehalten habeuJ« »Wohl denn, die zwei Männer in der Höhle waren von diesen Musketiereu« »Sie heißen?" «Damals nannie man sie Porthos und Aramis, Peute nennt man sie Herr d’Herblay und Herr du Val- on.« »Und welches Interesse haben sie bei dem Allem?« »Es sind diejenigen, welche Belle-Jsle für Herrn Fouquei behaupteten.««« Ein Gemnrmel lies unter den Soldaten bei den Worteiiz Porthos nnd Aramis, umher. »Die Musketierei die Musketiere l« wiederholten sie. ils T- 227 Und bei allen diesen mulhigen jungen Leuten er- k- regte der Gedanke, daß sie gegen zwei der ältesten Ver- eV herrlichnngen des Heereø känmfen sollten, einen Scharier Ilt halb der Begeisterting, halb des Schreckens. ch Die vier Namen d’Artagnan, Athos, Potthog und. Aramis waren in der That bei Allem Verehrt, was ein bl Schwert trug, wie man im Alterthum die Namen M Her-rules, Theseus, Castor und Pollux Verehrte« M»Zwei Männer!« rief der Kapitäth»und sie haben uns zehn Offieiere in zwei Ladungen getödtet. Das ist · unmöglich, Herr BisearraM W»Ei! mein Kapitän,« entgegnete dieser,»ich sage ht Euch nicht, sie haben nicht ein paar Leute bei sich- wie die Musketiere der Basiei Saint-Gervais drei bis vier Diener bei sich hatten; doch glaubt mir, Kapitän, ich habe diese Männer gesehen, ich bin von ihnen gefangen en genommen worden, ich kenne sie; ganz allein würden sie genügen, um ein Armeecorpo zu vernichten.« ng»Das wollen wir sehen, und zwar im Augenblick,«« sagte der Kapitän.»Achtung, meine HerretI.-« Bei dieser Erwiederung rührte sich Niemand mehr, ste nnd Jeder schickte sich an- zu gehorchen." Biecarrat allein wagte einen letzten Versuch. in»Mein Kapitän,«« sagte er leise,»glaubt mir und laßt uns unseres Weges ziehen. Diese zwei Männer, en diese zwei Löwen, die man angreisen will, werden sich bis auf den Tod vertheidigen. Sie haben uns schon zehn Mann getödtet; sie werden noch die doppelte Zahl nie- ig,. derstrecken; nnd am Ende eher sich selbst tödten, als sich al-« ergeben. Was gewinnen wir dabei, daß wir sie bekäm- pfen?-«. ?««»Wir. gewinnen dabei das Bewußtsein, daß wir Irn nicht achtzig Garden des Königs vor zwei Rebellen ha- ben zurückweichen lassen. Hörete ich auf Euch, so wäre pen- ich ein entehrter Mann, und indem ich mich entehrte, würde ich das Heer entehren. fie.-»Vorwärts, Jhr Leute l« ZZ l 228 Und er marschirte voran bis an die Oeffnung der Höhle. Hier ließ er Halt machen. Dieser Halt hatte zuni Zweck, Biecarrat und sei- nen Gefährten Zeit zu geben, ihm das Jnnere der Grotte zu schildern. Dann, als er eine genügende Kenntniß von der Oertlichkeit zu haben glaubte, theilte er die Compagnie in drei Corps ab, welche nach und nach, ein in allen Richtungen wohl genährtes Feuer gebend, eindringen sollten. Ohne Zweifel würde man bei diesem Angriff fünf Mann, vielleicht zehrt verlieren- sicherlich würde man aber am Ende die Rebelleii fest- nehmen, da kein Ausgang da wäre nnd im Ganzen zwei Männer nicht achtzig tödten könnten. »Mein Kapitän,,« sagte Biscarrat,»ich bitte, an der Spitze der ersten Abtheilung maschiren zu dürfen.« »Es sei!« erwiederie der Kapitä11.»Ihr habt alle Ehre davon. Es ist ein Geschenk, das ich Euch mache.«« »Ich danke!«- sprach der junge Mann mit der gan- zen Festigkeit seines Geschlechte6. »So nehmt Euren Degen.« »Ich werde so gehen, wie ich bin-« antwortete Biscarrat,»denn ich gehe nicht, um zu tödten, sondern um getödtet zu werden.«« Und er stellte sich, die Stirne entblößt nnd die Arme gekreuzi, an die Spitze der ersten Abtheilung nnd rief: »Vorwärts, meine Herreii l« DIE-»- Ist-II III-m O Er Eis-EIN Its-d Z Ic· H 229 ds-» Xxlll. Ein Gesang von Homer-. Es ist Zelt, in das andere Lager überzugeheit und zugleich die Streiter und das Schlachtfeld zu schildern. Aramiz und Porthos hatten sich- in die Grotte von Locmaria begeben, um dort die ganz ausgerüstete Barke, sowie die drei Bretannier- ihre Gehülfen, zu sinden, und sie hofften vor Allem das Fahrzeug durch den klei- nen Ausgang der Höhle hinauszuschaffen und auf diese Art ihre Arbeiten und ihre Flucht zu verbergen- Die Ankunft des Fuchsez und der Hunde nöthig"te, sie innen zu bleiben- Die Grotte erstreckte sich auf einen Raum von un- gefähr hundert Klaftern, bis an eine kleine"Böschung, welche eine Kreek beherrschte. Einst ein Tempel colli- scher Gottheiten, als Belle-nge noch Calonese hieß, hatte diese Grotte mehr als ein Menschenopfer in seinen geheimnißvollett Tiefen vollbringen sehen. Man drang in den ersten Trichter dieser Höhle auf einem ziemlich sanften Abhang ein, über dem aufgehäufte Felsen eine niedrige Areade bildeten; schlecht geebnet in Beziehung auf den Boden, gefährlich durch die fel- sigen Ungleichheiten des Gewölbes, hatte das Innere mehrere Unterabtheilu ,en, die über einander lagen und sich durch ein paar Merige, zerbrochene Stufen be- herrfchten, welche rechts und links an ungeheure natür- liche Pfeiler angefügt waren. » Jn der dritten Abtheilung war das Gewölbe so niedrig, daß die Barke- die beiden Mauern berührend, kaum, hätte durchkommen könneti; doch in einem Augen- blicke der Verzweiflung geschmeidet sich das Holz, wird «-i b 230 H. der Stein unter dem Hauche des menschlichan Willens gefällig. Das war der Gedanke von Aramis, als er sich- nachvem er den Kampf eingegangen, zur Flucht ent- schloß, zu einer gewiß gefährlichen Flucht, da noch nicht alle Angreifende todt waren, und da man, die Möglichkeit, das Fahrzeug ins Meer zu setzen, ange- nommen, beim lichten Tag vor den Besiegten geflohen wäre, welche, ihre kleine Zahl erkennend« so sehr dabei interessirt gewesen sein müßten, ihre Sieger verfolgen zu lassen. Als die zwei Ladungen zehn Mann getödtet hat-" ten, untersuchte Aramis, der an die Krümntungen der Höhle gewöhnt war, einen um den andern, zählte sie und befahl, auf der Stelle die Barke bis zu dem großen Stetm dem Schlusse des befreienden Ausgangs, zu wälzen. Porthos sammelte seine Kräfte, nahm die Barke in seine beiden Arme und hob sie auf, während die Bre- tannier rasch die Walzen laufen ließen. Man war in die dritte Abtheilung hinabgestiegen, man war bis zu dem Stein gelangt, der den Ausgang vermauerte. Porthos faßte diesen riesigen Stein an seiner Base an, drückte mit seiner mächtigen Schulter darauf und gab ihm einen Stoß, der diese Mauer krachen machte. Eine Staubwolke siel vom Gewölbe herab mit der Asche von tausend Generationen von Seevögeln, deren Nester sich wie ein Cement am Felsgestein anhingen« Beim dritten Stoß gab der Stein nach und wankte eine Minute. Porthos lehnte sich an den nächsten Felsen an und machte aus seinem Fuß einen Strebe- pfeiler, der den Block aus den kalkartigen Anhäufun- gen hinaueschob, die ihm als Angeln und Verkittungen dienten. Als der Stein gefallen war, erblickte man daet Tageslicht; glänzend, strahlend stürzte es sich durch den - tte le- U- en as clc 231 Rahmen des Ausgangs in die Höhle, und das blaue Meer erschien vor den bezauberteti Vretannier1i. Man sing nun an, die Barke anf diese Barricade hinanfznheben. Noch zwanzig Klafter, und sie konnte in den Ocean gleiten., Während dieser Zeit kam die Compngnie an, wurde vorn Kapiteln aufgestellt nnd zur Ersteigung oder zum Sturme geordnet. Aramis überwachte Alles, um die Arbeiten seiner« Freunde zu fördern. Er fah diese Verstärku11g, er zählte die Mannschast und überzeugte sich mit einem Blick von der unüberwindlichen Gefahr, der sie sich in neuem Kampfe vreisgeben würden. Auf der See in dem Augenblick entfliehen, wo die Höhle überfallen würde, wäre unmöglich. Das Tageslicht, das. nun die zwei letzten Abthei- lungen erhellte, hätte in der That den Soldaten die Barke gezeigt, wie sie die zwei Rebellen auf Flintensi schußweite nach dem Meere rollten, und eine voii ihren Ladungeri durchlöcherte das Fahrzetig, wenn sie nicht die fünf Schiffer tödteten. Entkan1, den letzteii Fall angenommen, die Barke mit den fünf Männern, die darauf fuhren, wie sollte nicht Lärm geschlageii werden? Wie sollte nick)t den königlichen Chalands eine Nachricht zugeschxekt werden? Wie sollte nicht der arme Nache11, zur See umstellt und am Lande bewacht, vor dein Ende des Tags unterliegen? Aramis wühlte wüthend in seinen ergrauenden Haaren und rief den Beistatid Gottes und den Beistand des Teufels an. Er winkte Porthos zu sich, der allein mehr arbei- tete, als Walzeii und Wålzer, und sagte leise zu ihm: »Freund, unsere Gegner habeii Verstärkutig« er- halten« »Ah!« machte Portlsos ruhig,»was ist zu thun?«« »Den Kampf wiederbeginnen ist eine gewagte, in Betress des Ausgangs unsichere Sache.«« k-« .«-. ,,Ja,-« sagte Portlyos,»denn es ist schwerlich der Fall, daß man nicht deii Eineii voii uns tödtet, und wäre der Eine voii uns getödtet, fo würde sich der Andere auch tödten lassen.'« Porthos sprach diese Worte mit jener heldemnüthi- gen Natur, welche bei ihm mit allen Kräfteii der Ma- terie wuchs. Arailtis fühlte es in seinem Herzen wie einen Spornstich. »Wir werden weder der Eine, noch der Andere getödtet werden- wenn Jhr thut, was ich Euch sage, Freund Porthos.«« «Sprcchf.« ,,Fie,i;e Leute werden in die Grotte herabsteigen-«« » a. »Wir können fünfzehn tödten, aber nicht mehr-« »Wie viel sind es im Ganzen W fragte Porthos. »Sie haben eine Verstärkung von fünf und sieben- zig Mann erhalten.« ,,Fünf und siebenzig und fünf macht achtzig. Ahl abli« ,,Geben sie mit einander Feuer, so werden sie unss mit Kugelii durchlöchern.« «Sicherlich.« »Abgåfehen davon,«« sagte Aramis,»daß das Kra- Eben der chüsse Einsiürze iii der Grotte veranlassen ann.'« »Ja, so eben hat mir ein Felssplitter die Schitlter ein wenig zerrissen.««« »Seht Ihr I« »Doch, das ist nichts.«« ,,Fassen wir rastl) einen Entschluß. Die Bretan- vier werden fortfahren, die Barke nach der See zu(« wälzen« »Seht anf." s .»Wir Beide bewachen hier das Pulver, die Kugeln« und die Musketen.«- ser nd ier JU(" in 238 »Aber zu zwei, mein lieber Araniis, werden wir nie drei Schüsse mit einander abfeuern,!- entgegnete Vor-« thoe naiv;»das Mittel des Musketenfeuero ist schlecht.«« ,,Findet ein andereeM »Ich habe es gefunden,« rief plötzlich der Riese. »Ich will mich hinter den Pfeiler mit dieser eisernen Stange in Hinterhalt legen, und unsichtbar. unangreif- bar, wenn sie in Wogen hereingekommen sind, lasse ich meine Stange dreißigmal in der Minute auf die Schä- del fallen; hehi was sagt Jhr zu diesem Plan? er lächelt Ciich an?" ,,Vortresfiich, iheurer Freund, vortrefflich; ich billige ihn sehr; nur werdet Jhr sie erschrecken, und die Hälfte wird außen bleiben, um uns durch den Hun- ger zu überwältigen. Was wir bedürfen, mein Freund- ist die gänzliche Vernichtung der Truppe; ein einziger Mann, der aufrecht bleibt, bewirkt unser Verderben.«« »Ihr habt Recht, mein Freund; doch ich bitte, wie sie herbeiziehen TM »Jndem wir uns nicht rühren, mein guter Porthoe.«« »Rühren wir nno nicht; doch wenn sie Alle bei- sammen sind...« »Dann laßt mich machen; ich habe einen Gedanken.«« »Wenn es sich so verhält, und Euer Gedanke gut ist, nnd er muß gutfein, Euer Gedanke, bin ich ruhigJi «Jn den Hinterhalt, Porthos, und zählt alle die- jenigen, welche hereinkommen.« »Aber was werdet Jhr thun?«« »Kümmert Euch nicht um mich, ich habe mein Geschäft.«« »Mir scheint, ich höre Stimmen.« »Sie sind es... An Euetn Posten... Haltet Euch im Bereich meiner Stimme und meiner Hand-« Porthog flüchtete sich in die zweite Abtheilung- welche durchaus schwarz war.. · Aramis schlüpfte in die dritte;· der Riese hielt m der Hand eine fünfzig Pfund schwere eiserne Stange. ,·-Jsk-«-«. Porthos handhabte mit einer wunderbaren Leichtigkeit diesen Hebebaum, der zum Wälzen der Barke gedient— hatte. Während dieser Zeit fchoben die Bretannier das Fahrzeug bis zuin abschüssigen Gestade. Jn der erleuchteten Abtheilung beschäftigte sich Ara- mis, gebückt, mit einem geheimnißvollen Manoeuvre. Man hörte mit lauter Stimme connnandiren. Das war der letzte Befehl des Kapitäns. Fünf und zwan- zig Mann sprangen von den oberen Felsen in die erste Abthetlung der Grotte nnd gaben Feuer, als sie Fuß gefaßt hatten. Die Echos donnerten, zischende Kugeln durchfurch- ten die Gewölbe, ein undurchsichtiger Rauch füllte den Raum. »Linksi linksi« rief Biscarrat, der bei seinem ersten Angriff den Gang nach der zweiten Abtheilung gesehen hatte nnd, belebt durch den Pulvergeruch, seine Soldaten nach dieser Seite führen wollte. Die Truppe eilte in der That nach links. Der Gang Verengte sich allmälig; die Hände ausgestreckt- Beim Tode geweiht, marschirte Bisearrat vor den Mus- e en. »Kommtl kommt« rief er-»ich sehe Licht.«« »Schlaget, Porthos,«« rief die Grabesstimme von Aramis. Porthos gab einen Seufzer von sich, aber er ge- horchte. Die eiserne Stange fiel bleirecht auf den Kopf von Biscarrat, und dieser war todt, ehe er einen Schrei vollendet hatte. Dann erhob und senkte sich die furcht- · bate Stange zehnmal in zehn Secunden und machtesz zehrt Leichen.( Die Soldaten sahen nichts; vsie hörten die Schreie, das Stöhnen; sie traten auf Körper, begriffen aber noch « nicht und stiegen stolpernd über einander weg. IRS-N Orts-IS HONI- keit ent— das las m- .uß ch- sen ten sen ten )er ckt, ts- 235 Beständig fallend, vernichtete die unversöhnliche Stange das erste Peloton, ohne daß ein einziges Ge- räusch das zweite, welches immer mehr verrückte, benach- richtigte. Nur hatte dieses zweite Peloton, das der Kavitän befehligte, eine magere Tanne, die auf dem Gestade wuchs, abgebrochen, und aus ihren harzigen, zufammen- gewundenen Zweigen hatte sich der Kapiteln eine Fackel gemacht. Als es an die Abtheiliing kam, wo Porthos, dem Würgekigel ähnlich, Alles, was er berührt, vernichtet hatte, wich das erste Glied vor Schrecken zurück. Kein Gewehrfeuer hatte das Feuern der Garden erwiedert, und dennoch stieß man auf einen Hausen von Leichnamen, watete man buchstäblich im Blute· Porthos stand immer noch hinter seinem Pfeiler. Als der Kapiteln mit dem zitternden Lichte der ent- flammten Fichte diese gräßliche Schlachterei beleuchtete, deren Ursache er vergebens suchte, wich er bisizu dem Pfeiler zurück, hinter dem Porthos verborgen war. Da kam eine riestge Haiid aus dem Schatten her- vor und klammerte sich an der Gurgel des Kapitäns an; er gab ein dumpfes Röchelri von sich; seine Arme streckten sich.die Lust peitschend aus, die Fackel stel und erlosch im Blute. Eine Secunde nachher fiel der Körper des Kapitäns bei der ausgelöschten Fackel nieder und fügte einen.. Leichnani mehr dem Haufen der Leichnaine bei, der den Weg versperrte. Dies Alles war wie etwas Zauberhaftes vor sich gegangen. Bei dem Röcheln des Kapitäns hatten sich die Leute, die ihn begleiteten, umgedreht; sie hatten seine Arme sich öffnen, seine Augen aus ihrer Höhle heraustreten sehen; dann, als die Fackel gefallen, waren ste in der Finsterniß geblieben. " Durch eine unüberlegte, instinctartige, maschinen- mäßige Bewegung rief der'Lieutenant:." 236 ,,Feueri«« m Sogleich prasselte, donnerte- brüllte eine Salve F Musketenschüsse in der Höhle und riß ungeheure Stücke er von den Gewölben ab. Die Höhle erleuchtete sich einen Augenblick bei F diesem Feuer, versatik aber alsbald wieder in eine durch es den Rauch sich noch mehr verdichtende Finsterniß. kl Es trat ein tiefes Stillschweigen ein, nur gestört e durch die Schritte der dritten Brigade, welche nun auch in der Grotte erschien. gen R nit . he un Kile- Wer Tod ein-X Titanen. J Jn dem Augenblick, wo Porthos, mehr an die, mi Dunkelheit gewöhnt, als alle diese aus der Helle kom-« menden Leute, umherschaute, um zu sehen, ob ihm nicht l in dieser Nacht Aramis irgend ein Zeichen machen Im würde, fühlte er sich sanft beim Arm berührt, und eine Ar Stimme so schwach wie ein Hauch stüsterte ihni in’s- H- Ohr: I L »Kommtl«. fch »Ob« machte Porthos. »Stille!«« sagte Aramis noch leiser.- ein Und mitten unter dem Geräusch der immer mehr. wi» vorrückenden dritten Brigade, mitten unter den Vers.’ Lu wünschungen der aufrecht gebliebenen Garden, der ihren letöten Seufzer röchelnden Stett-enden schlüpften Ara- sk; Fl« mis nnd Porthvs an den Granittvätiden der Höhle hin. ’» Aramie führte Porthos in die verletzte Abtheilung. iloe ücke bei irch tört uch die 237 und zeigte ihm in einer Vertiefung der Mauer ein Fäßchen Pulver von sechzig bis achtzig Pfund, woraus er eine Lunte befestigt hatte. »Freund,« sprach er zu Porthos,»Ihr nehmt dieses Fäßchen, dessen Lunte ich anzünden werde, und lverft es mitteti unter unsere Feinde; könnt Jhr es?'« »Bei Gotti«« erwiederie Porthos- und er hob die kleine Tonne mit einer Hand auf.»Zündet an.«' »Wartet, bis sie Alle in einer Masse beisammen sind, und dann mein Jupiter, schleudert Euren Blitz in ihre Mitte.«« »3ündet an,« wiederholte Porthos. ,,Jch.«« fuhr Aramis fort,»ich will unsern Bretan- niern folgen und ihnen die Barke ins Meer schaffen helfen. Jch erwarte Euch am Ufer. Schleudert fest und lauft dann zu uns.« ,,Zündet an,« sprach Porthos zum letzten Mal. »Ihr habt begriffen?«« fragte Aranris. »Bei Gottl«« erwiederte Porthos in ein Gelächter ansbrechend, das er nicht einmal zu ersticken suchte, »wenn man mir erklärt, begreife ich; geht, nnd gebt mir das Feuer.·« Aramis gab den brennenden Zunder Porthos, und dieser reichte ihm, in Ermangelung der Hand, den Arm zum Drücken. Aramis drückte mit feinen beiden Händen den Arm von Porthos, und kehrte bis zum Ausgang der Höhle zurück, wo ihn die drei Ruderer erwarteten. Als Porthos allein war, hielt er muthig den sünd- schwamm an die Lunte. Der Schwamm, ein schwacher Funke, der Uranfang eines ungeheuren Brandes, glänzte in der Dunkelheit wie ein fliegender Glühkäfer, hing sich dann an die Lunte an und entzündete diese, wobei Porthos die Flamme mit seinem Hauche belebte.' Der Rauch hatte sich ein wenig zerstreut, und beim 238 Schimmer der knisternden Lunte konnte man ein paar Secunden die Gegenstände unterscheiden. Er bot ein kurzes, aber glänzendes Schauspiel, dieser bleiche, blutige Riese, dessen Gesicht das Feuer der in der Finsterniß brennenden Lunte erleuchtete. Die Soldaten sahen ihn. Sie sahen die Tonne- die er in seiner Hand hielt. Sie begriffen, was vor- gehen sollte. Schon voll Schrecken beim Anblick dessen, was vor- gesallen war, voll Schrecken in Gedanken an das, was sich ereignen sollte, stießen nun diese Leute alle gleich- zeitig ein Gebrülle der Todesangst aug. Die Einen versuchten es, zu entfliehen- aber sie trafen auf die dritte Brigade, die ihnen den Weg ver- sperrte; die Andern schlugen maschinenmäßig an und schoßen mit ihren entladenen Musketen, wieder Andere fielen auf ihre Kniee. Eiit paar Ofsiciere riefen Porthos zu, umibin die Frei- heitzu versprechen, wenn er ihnen das Leben schenken würde. Der Lieutenant der dritten Brigade befahl, zu feu- ern, aber die Garden hatten ihre erschrockencn Kamera- den vor sich, welche Porthos als lebendiger Wall dienten. Das durch das Blasen von Porthos auf den Sünd- schwamm und auf die Lunte hervorgebrachte Licht dauerte- wie gesagt, nur zwei Secunden. Doch während dieser zwei Secundeii erhellte es: einmal den in der Finster- niß sich vergrößernden Riesen, dann zwei Schritte von ihm einen Haufen blutiger, zer-schmetterter, zermalmter s Körper-, unter denen noch ein letztes Schauern des Todes- kampfes lebte, das die Masse aufhob, wie ein letztes Athmen die Seiten eines in der Nacht verscheidenden ungestalten Ungeheuer-; aufhebt. Die’Lunte wiederbelebend, sandte jeder» Hauch von-« Porthos auf diesen Haufen von Leichnamen einen sch« seligen Ton, durchschnitten von purpurnen Streifen. Außer dieser Hauptgruppe schienen, in der Gutes-» s— Aar viel, euer inc- Dok- lot- Vas ins- sie per- und )ere rei- rde. seu- Eta- Zall ind- fre- efer ter- von ater s )es- stes · den. 239 zerstreut, je nachdem sie der Zufall· des Todes oder die Ueberraschmig des Schlages niedergestreckt hatte, einige vereinzelte Leichname mit ihren gähnenden Wunden zu drohen. Ueber dieseni aus einem Blutfchlamm getneteten Boden erhoben sich unheimlich und schimmernd die un- tersetzteii Pfeiler der Höhle, deren kräftig bezeichnete Nuancen die leuchtenden Theile hervorhoben. Und dies Alles wurde gesehen bei dem zitternden Feuer einer Lunte, welche mit einer Pulvertonne in Verbindung stand, das heißt bei einer Fackel, die- den vergangetten Tod beleuchtend, den zukünftigen Tod zeigte- Dieses Schauspiel dauerte, wie gesagt, nur ein paar Secunden. Während dieses kurzen Zeitraums ver- sammelte ein Officier der dritten Brigade acht Solda- ten und befahl ihnen, durch eine Oeffnung auf Porthos zu fenern. Doch diejenigen, welche Befehl erhielten, zu schießen, zitterten dergestalt, daß auf ihr Feuern drei Garden fielen und die fünfanderen Kugeln zischend das Gewölbe streiften, die Erde durchfurchten oder die Wände der Grotte aushöhlten. Ein schallendes Gelächter antwortete auf diesen Donner, dann wiegte sich der Arm des Riesen, dann sah man, einem glänzenden Stern ähnlich, den Feuer- streifen durch die Lust hinzucken. Auf— dreißig Schritte geschleudert, flog das Fäßchen über die Barricade der Leichname und fiel in eine heu- lende Gruppe von Soldaten, die sich auf den platten Bauc) warfen. Der Offieier war in der Luft dem glänzenden Streifen gefolgt; er wollte sich aus das Fäßchen wert- fev,’ utn die Lunte abznreißen, ehe sie das Pulver er- reichte, welches darin enthalten war.— Eine vergebliche Aufopferung: die Luft hatte die am Leiter befestigte Flamme angefachtz die Lunte, welch.e 240 in Ruhe zehrt Minuten gebrannt hätte, war in dreißig Sekunden verzehrt, und das höllische Werk kam zum Ausbrnch. Wüthende Wirbel, Zischen und Prasseln des Schwe- sels und des Salpeters, gräßliche Verwüstuugen des Alles verschlingenden Feuers, erschrecklicher Donner der Explosion, das war es, was die Sekunde, welche auf die zwei von uns beschriebenen Sekunden folgte, in dieser Höhle, die cm Gräneln einer Höhle von Teufelii ähnlich, sich erzeugen fah. Die Felsen spalteten sich wie tannene Bretter un- ter der Art. Ein Strahl von Feuer, Rauch und Trüm- mern warf sich mitten in der Grotte empor und brei- tete sich immer mehr aus, je mehr er ausstieg. Die großen Feuersteinwände neigten sich, um sich auf dem Sande niederzulegen, und der Sand selbst, ein Werk- zeug des Schmerzes, durchsiebte, aus seinen verhärteten Lagern geschleudert, das Gesicht mit seinen Myriaden verwundender Atome. Das Geschrei, das Geheul, die Flüche, die Ber- wünschungen, die Existenzen, Alles erlosch in einem un- geheuren Gekrache. Die drei ersten Abtheilungen wur- den ein Schlund, in den einer nach dem andern, je nach ihrer Schwere, alle vegetabilische, animalische und menschliche Trümmer versanken- Dann fielen, leichter, der Sand und die Asche auch und breiteten sich wie ein gräuliches, ranchendes Bahr- tuch über diesem schauderhaften Leichenschlunde aus. Und nun suchet in dieser brennenden Grube, in diesem unterirdischen Vulkan die«Garden des Königs mit ihren blauen, silberbetreßten Röcken. Suchet die von Gold glänzenden Officiere, suchet · die Waffen, auf die sie zu ihrer Vertheidigung gezahlt hatten, suchet die Steine, die sie getödtet, suchet den»· Boden, der sie trug.- Ein einziger Mensch hat aus dem Allem ein Chaos gemacht, das verworrener, ungestalter, gräßlicher, aIHJY i Et- ßig Uln lve- des der auf in Telic I nn- km- ret- Die dem Eck- ten den ter- un- ur- je und uch ihr- in s igs chet ihlt · den· llos«. als 241 das Chaos, welches eine Stunde, ehe Gott den Gedan- ken hatte, die Welt zu schaffen, bestand.» Es blieb nichts von den dret ersten Abtheilungen übrig- nichts, was Gott selbst als sein Werk zu erken- nen im Stande gewesen wäre- Porthos aber, nachdem er das Pulverscißchen mit- ten unter die Feinde geschleudert, war, nach dem Rathe von Aramis, gefloheii und hatte die letzte Abtheilung der Grotte erreicht, in welche die Luft, das Licht und die Sonne eindrange11., Kaum hatte er sich unt die Ecke gewandt, welche die dritte Abtheilung von der vierten trennte, als er hundert Schritte vor sich die auf den Wellen schau- kelnde Barke erblickte; dort waren seine Freunde; dort war die Freiheit; dort war das Leben nach dem Sieg. Noch sechs von seinen ungeheuren Schritten, und er war außerhalb des Gewölbes; zwei bis drei kräftige Sprünge, und er berührte die Barke... Plötzlich fühlte er seine Kniee, als wären sie hI, unter seinem Leibe erschlaffen; seine Beine erweichten»». »Ho! ho« murmelte er erstaunt,»meine Müdigkeit erfaßt mich wieder, ich kann nicht mehr gehen. Was soll das bedeuten?«« Aramis erblickte ihn durch die Oeffnung und rief ihm zu, da er nicht begriff, tvaruiii er so stehen blieb: ,,Kommt, Porthosl Kommt, kommt geschwinde-«- »Ohl« erwiederte der Riese, während er eine An- strengung machte, welche vergebens alle Muskeln seines Körpers spannte,»ich kann nicht.«« Nach diesen Worten siel er aus seine Kniee; doch mit seinen mächtigen Händen klammerte er sich an den Felsen an und erhob sich wieder. »Geschwinde! geschwindelll wiederholte Aramis, sich’gegen das User bückend, als wollte er mit seinen Armen Porthos an sich ziehen. »Hier bin ich,« siammelte Porthos, alle seine Kräfte zusammenrassend, um einen Schritt mehr zu machen. Die drei Musketiere. Braqelonne. x.» 16«- I 242 »Jn des Himmels Namen, Porthos, kommtl kommtl die Tonne wird springen l« »Kommt, gnädiger Herr-« riefen die Bretannier Porthos zu, der sich zerarbeitete wie in einem Tranni. Doch es war nicht mehr Zeit; die Explosion fand statt, die Erde barst, der Rauch qualmte durch die brei- ten Spalten heraus und verdunkelte deii Himmel, das Meer floß zurück wie fortgetriebeii durch den Hauch des Feuers, das aus der Grotte hervorzuckte wie der Rachen einer riesigeii Chimäre; die Ebbe riß die Barke auf zwanzig Klafter vom Ufer weg; alle Felsen krach- ten auf ihrer Grundfeste und trennten sich wie Holz- klötze unter der Gewalt der Keile; man sah einen Theil des Gewölbes zum Himmel emporspringen; das rosen- farbene und grüne Feuer des Schwefels, die schwarze Lava der thonigen Schmelzungen bekämpften sich einen Augenblick unter einem majestätischen Dom von Rauch; dann sah man sie zuerst schwanken, dann sich neigen, s«n allmälig fallen, die Felskämnle, welche die Gewalt J Erplosion nicht hatte voli ihren Jahrhunderte alten Sockeln entwurzeln können; sie grüßten einander wie ernste, langsame Greise, und endlich stürzten sie nieder, uin auf ewig in ihrem staubigen Grabe zu liegen. Dieser furchtbare Schlag schien Porthos die Kräfte wiederzugeben, die er verloren hatte; er erhob sich- selbst ein Riese unter dieseii Riesen. Doch in dem Augenblick, wo er zwischen der doppelten Reihe von Granitgespenstern durch floh, begannen die letzteren, welche nicht mehr durch die mit einander verbundenen Ketten gehalten wurden, krachend um diesen Titanen zu rollen, der vom Himmel herab mitten unter die Felsen, die er gegen ihn geschleudert, gestürzt schien. · Porlhos fühlte den durell das lange Zerreißen er- schütterten Boden unter seinen Füßeti zittern. Er streckte rechts und links seine gewaltigen Hände aus, um die einstürzenden Felsen zurückzustoßen. Ein riesiger Block lehnte sieh anjede von seineki ausgestreckten flachen-. O VØVMAUGUT G» CONHMMCAÅD- I YOU D , 243 Its Händeit an; er neigte das Haupt, und eine dritte Gra- Zitmlasse senkte sich zwischen seine beiden Schultern k» era., m. Einen Augenblick hatten die Arme von Porthos md, nachgegeben, doch der Hercules raffte alle seine Kräfte«- -ej· zusammen, und man sah die zwei Wände dieses Ge-" W fängniffes, in welchent er begraben war, sich langsam i Llch entfernen nnd ihm Platz machen. Einm Augenblick- st« der- erschien er in dem Granitrahmen wie der antike Engel« T- rke des Chaos, aber indem er die Seitenfelseii zurückschob, je- ch- benahm er feinen Stützpunkt dem Block, der aufseinen, ,Iz- s starken Schultern lastete, und mit seinein ganzen Ge-" I »i[ wichte auf ihn drücke11d, stürzte der Steinblock den.k en- Riesen auf seine Kniee nieder. L- rze Die einen Moment entfernten Seitenfelfen näher- i · nen ten sich und fügten ihr Gewicht dem Urgewichte bei, ,z· ch;» das genügt hätte, um zehn Menschen zu zermalmen. Z. »k, Der Riese siel, ohne um Hülfe zu rufen, er fiel,- H Falk indem er Aramis mit Worten der Ermuthigung und»E« ten der Hoffnung antwortete, denn er konnte einen Augen- zl g wie blick glauben, er würde wie der Riese Enkelados durch III- spy den mächtigen Strebepseiler seiner Hände das dreifache III- Gewicht abschütteln. Doch allmälig sah Aramis den sIl jfke Block niedersinken; die kurze Zeit krampshaft gespann- I;· ich, ten Hände- die durch eine letzte Anstrengung starr aus- sji ,em gestreckten Arme erschlafften, und der Fels senkte sich II von. stufenweife.. iI« ken,»Porthos! Porthosi«« rief Aramis, sich die Haare gis nen—- ausraufend-»Porthos, wo bist Du? Sprich1«« XII neu»Hier! hieri« murmelte Porthos mit erlöschender, I die Stimme,»Geduld1 GeduldM Hi « Er vollendete kaum das letzte Wort; der Impuls« ek-- des Falles vermehrte das Gewicht, der ungeheure Fels Er stürzte nieder gepreßt durch die zwei anderen, die auf ius, ihn stürzten, und verschlang Porthos in einem Grabe jgek« zerbrochener Steine. chen.« Als Aramis die verfcheidende Stimme seines Freiat- des hörte, sprang er ans Land. Zwei Voii den Bre- tanniern folgten ihm, einen Hebebauiit in der Hand, da ein einziger genügte, um die Barke zu bewachen. Das letzte Nöcheln des muthigen Streiters leitete sie im Schutt. e Funkelnd, herrlich, jung wie mit zwanzig Jahren, stürzte Araniis nach der dreifack)en Masse, und mit seinen Händeri, die so zart wie Frauenbände, hob er durch ein Wunder der Kraft eine Ecke von dem unge- heuren Granitgrabe auf. Da erblickte er in der Fin- s sterniß dieses Grabes das noch glänzende Auge seines Freundes, dem die einen Monient aufgehobene Masse den Athem wieder gegeben hatte. Sogleich klammer- ten sich die zwei Männer an die eiserne Hebestange an und Vereinigten ihre angesirengten Kräfte mit denen von Aramis, nicht um sie auszudrücken, sondern um sie zu halten. Alles war vergeblich; die drei Mäimer t. gaben langsam unter Schmerzensschreien nach, und die rauhe Stimme von Porthos, als er sah, wie sie sich in einem unnützen Kampfe erschöpften, murmelte mit spöttischem Tone die letzten Worte- welche mit seinem letzten Athein bis auf die Lippen kamen:" »Ja schwer l« Woiiach das Auge sich verdunkelte und schloß, das Gesicht erbleichte, die Hand weiß wurde und der Titane einen letzten Seufzer ausstoßend siel) niederlegte. Mit ihm-Dank der Fels nieder, den er selbst noch in seinem Tod kampfe gehalteii hattel Die drei Mäiiner ließen die Hebesiange los, und f diese rollte auf den Grabstein. Keuchend, bleich- den Schweiß auf der Stirne- die Brust zusammengepreßt, das Herz dem Zerspringen nahe, horchte Aramis.- Nichts mehrl Der Riese schlief den ewigen Schlaff gntdem Grabe, das ihm Gott für seine Gestalt gemacht a e. «- -·h-—. Lake-. Aus-s- o Ins-A-D XIV-Stu- DSEJ re- da )as im en, init er ge- in- nes iss e ter- nge nett sie ner die sich mit iem das ane und kne-« gen hlaf« acht XXV. Die Gralsschrist von parthmn Schtveigsam, in Eis verwandelt, zitternd wie ein surchtsames Kind erhob, sich Aramis über diesem Stein« Ein Christ geht nicht aus Gräbern. Jm Stande, sich aufrecht zu erhalten, war er un- fähig, zu gehen. Man hätte glauben sollen, etwas vorn todten Porthos wäre in ihm gestorben. Seine Bretannier umgaben ihn. Aramis überließ sich ihren Händen; die drei Seeleute hoben ihn auf und trugen ilm in die Barke. Nachdetn sie ihn auf die Bank beim Steuerruder gelegt hatten, ruderten sie aus allen Kräften, denn sie wollten lieber rudernd sich ent- fernen, als das Segel hissen, das sie verrathen konnte. Auf der ganzen geebneten Oberfläche der ehemali- gen Grotte Von Locmaria, aus dieseiit abgeflachten Strand, zog ein einziger Hügel den Blick an. Araniis konnte seine Augeti nicht davoti losmachen nnd Von fern, auf der See, schien der drohende, stolze Fels emporzuragen, wie einst Porthos emporragte, um zum Himmel ein lächelndes, unbesiegbares Haupt zu erhe- ben, wie das des redliche11, muthigen-3Freu11des, des Stärksteti von den Vieren, der jedoch zuerst gestorben. Ein seltsames Geschick, das Geschick dieser chernen Männcrl Der Einfachste dem Gemüthe nach mit dem Schlausten verbunden; die Kraft des Körpers geleitet durch die Feinheit des’Geistes; und im entscheidenden Augenblick, da die Stärke allein Geist und Körper retten konnte, triumphirte ein Stein, ein Fels, ein ge- meines, materielles Gewicht ·über die Stärke, stürzte aus den Körper ein und vertrieb den Geist.. II zw.. « ·.--,s.,q-.".s. III- i? i i i Würdiger Porthosl geboren- um den anderen Menschen zu helfen, immer bereit, sich der Rettung, dem Heile der Schwachen zu opsern, als hätte ihm Gott die Kraft nur zu diesem Gebrauche gegeben, hatte er bloß die Bedingungen seines Vertrags mit Aramis zu erfüllen geglaubt, eines Vertrags, den jedoch Aramis allein abgefaßt, und den Porthos nur kennen gelernt, um die furchtbare gemeinschaftliche Verbindlichkeit davon zu fordern! Eoler Portbosl Wozit nützen die von herrlichem Gerätl)e strotzenden Schlösser, die von Wildbret strotzeiis den Wälder, die von Fischen strotzenden Teiche, die von Reichthiiinern strotzenden Kellerl Wozu nützen die Lackeien mit den glänzenden Livreen, und mitten unter ihnen Monsquetom stolz auf die ihni von Dir über- tragene Gewalt! O edler Portbos! sorgsamer An- häufer von Schätzen, mußtest Du so viel arbeiten, Dein Leben zu vergolden und zu versüßen, um Dich-- am Ende auf einem öden Gestade, bei dein Geschrei der Vögel des Oceans, mit zerschellten Knocheii unter einem — kalten Stein auszustrecken! Mußtest Du edler, Portbos, so viel Gold ansammeln, um nicht einmal das Disti- chon eines armen Poeten auf Deinem Grabmale zu shabenl. Muthiger Porthos! Er schläft ohne Zweifel noch, vergessen, verloren unter dem Felsen, welchen die Hirten der Heide für das riesige Dach eines Dolmen halten. Und so viel kräftiges Heidekraut, so viele vom bittern Wind des Oceans bestrichene Moose, so viele ausdauernde Fleck-ten haben das Grab mit der Erde . verlöthet, daß nie ein Vorübergehender sich einzubilden vermöchte, ein solcher Granitblock habe von der Schul- Iter eines Sterblichen aufgehobeii werden können. « · Immer kalt, immer zu Eis erstarrt, das Herz-an)« ·.- Tdesn Lippen, schaute Aramis bis zuni letzten Strahl des Tages nach dem am Horizont verschwindenden Geståde." z cen ig, hm ttc nis nis nt, son em en- lon die ter er- sin- en, )ich-- der em os, sti- Ich, ten om iele cde den al- des de." 247 Nicht ein Wort hauchte sich seinem Munde aus, nicht ein Seufzer hob seine tiefe Brust. Die aberglänbischen Breiannier schauten ihti zitternd an. Dieses Stillschweigen war nicht das eines Men- schen, sondern das einer Bildsütile. Bei den ersteii grauen Linien, welche vom Himmel herabsiiegen, hatte indessen die Barke ihr kleines Segel gehißt- das sich beim Kusse des Windes rundetez rasch entfernte sich das Fahrzeug von der Küste, und den Schnabel gegen Spanien gerichtet. schwamm es muthig durc) den schrecklichen, an Stürmen so fruchtbaren Golf von Gascogne. Doch kaum eine halbe Stunde, nachdem das Segel gebißt war, beugten sich die Ruderer, unthätig gewor- den, über ihre Bänke, machten sich einen Lichtschirm aus ihrer Hand und zeigten sich einander einen weißen Punkt, der am Horizont erschien, ebenso unbeweglich, als es scheinbar eine durch das unerklärliche Athemholen der Wellen gewiegte Möwe ist« Was aber gewöhnlichen Augen unbeweglich ge- schienen, ging mit raschem Schritte für das geübte Auge des Seemanns; was auf der See festzustehen schien, streifte behende über die Wellen hin. Eine Zeit lang, da sie die tiefe Erstarrung sahen, in welche der Gebieier versunken war, wagteti sie es nicht, ihn zu erwecken, und sie begnügten sich damit, daß sie ihre Muthmaßungen mit leiser-, ängstlicher Stimme austaufchteu. Aramis, der sonst so Gütig- so wachsam, Aramis, dessen Auge wie das des Luchses unabläßig lauerte und bei Nacht besser sah, als bei Tag, ·« grailnis entschlummerte in der Verzweiflung seiner ee e. So verging eine Stunde, während welcher der Tag allmälig abnahm, während welcher aber auchdas Schiff, das man sah, es so sehr der Barke anrafcher Fahrt zuvorthai, daß Goennel, einer von den drei Seeleuten,» endlich laut zu sagen wagte·: J ,,Monseigneur, man macht Jagd auf uns i« Aramis antwortete nichts. Das Schiffkam immer mehr heran. , Auf den Befehl des Patrons Yves zogen nun die zwei Matrosen das Segel ein, damit dieser einzige Punkt, der aus der Oberfläche der Wellen erschien, dastfeindliche Auge, das sie verfolgte, zu leiten auf- hör e. Von Seiten des Schiffes beschleunigte sich im Ge- gentheil die Verfolgung durch zwei neue Segel, die man am Ende der Masten aussteigen sah. Zum Unglück war man in den schönsten und läng- steii Tagen des Jahres, und der Mond folgte in seiner ganzen Klarheit aus den unseligen Abend. Den Wind hinter sich, hatte das Schiff, das die kleine Barke ver- folgte, also noch eine halbe Stunde Dämmerung und eine ganze Nacht Halbhelle. »Monseigneuri wir sind verloren l« sagte der Va- tronz»schaut! Sie sehen uns, obgleich wir unser Se- gel eingezogen haben.« ,,Darüber braucht man sich nicht zu wunder.n,« murmelte einer von dein Matrosenz»man sagt, mit Hülfe des Teufels haben die Leute von den Städten Instrumente erfunden, mit denen sie so gut von fern- als von nahe- so gut bei Nacht, als bei Tag sehens- Aramis nahm aus der Barke ein Fernrohr, richtete es stillschweigend, gab es dem Matrosen und sagte- ,,Nehmt und schaut.", Der Matrose zögerte. »Seid unbesorgt,« sprach der Bischof, ,,es ist keine Sünde, und wenn es eine Sünde ist, so nehme ich sie aus mich.«« Der Matrose hielt das Fernrohr an sein Auge und stieß einen Schrei aus.- Es war ihm vorgekommen, als hätte das Schiff, das ihm kaum einen Kanonenschuß weit entfernt erschien, den Raum plötzlich und mit einem Sprung zurückgelegt. 249 Als er aber das Instrument von seinem Auge zu- rückzog, bemerkte er, daß das Schiff, abgesehen von dem Weg, den es während dieses kurzen Moments hatte machest können, noch in der gleichen Entfernung war. »Sie sehen uns also, wie wir sie fehen,'« murmelte der Matrose. »Sie sehen uns,« wiederholte Aramis, und ex ver- sank abermals in seine Unempfindlichkeit. »Wie! sie sehen uns!«· sagte der Patron Poes; »unmöglich!« »Schaut- Patronl«« rief der Mairose. Und er reichte ihm das Fernrohr- ,,Monseigneur versichert mich, der Teufel habe nichts mit dem Allem zu schassen?«« fragte der Patron. Aramis zuckte die Achseln. Der Patron hielt das Fernrohr an sein Auge. »Oh! Monseigneur, das ist ein Wunder,'« rief er, »sie sind da; mir scheint, ich kann sie berühren. We- nigstens fünf und zwanzig Mann! Ah! ich sehe den Kapitcin auf dem Vordertheill Er hält ein Fernglas wie dieses und schaut nach uns. Ah! er wendet sich um; er gibt einen Befehl; sie rollen eine Kanoiie auf das Vordertheil; sie laden sie;«sie richten sie... Barm- herzigkeit! sie schießen auf unsi« Und mit einer maschinenmäßigen Bewegung legte der Patron sein Fernrohr rasch nieder, und, an den Horizont zurückgeschoben, erschienen ihm die Gegen- stände wieder Mr ihreiii wahren Anblick.« Das Schi: ar ungefähr noch eine Lieue entfernt- aber das vom Patron Verkündigte Manoeuore wurde darum nichtsdestoweniger wirklich ausgeführt. Eine leichte Rauchwolke erschien Unter den Segeln, weißer als sie, und dehnte sich aus wie eine Blume- die«sich erschließt; dann sah man ungefähr auf eine Meile voit der kleinen Barke die Kugel ein paar Wel- len enttrönen, eine weiße Furche im Meere graben und am Ende dieser Furche-so harmios verschwinden, als der Stein, mit dem ein spieleuder Schüler Pral- lungen macht. Das war zugleich eine Drohung und eine Ankün- digung. »Was ist zu thun. W fragte der Pairoii. »Sie werden uns in den Grund bohren-« sagte Goennec; ,,gebt uns die Absolution, Monseigneuri« Und die Seeleute knieten vor deni Bischof nieder- »Ihr vergeßt, daß sie uns sehen ,« sprach dieser. »Es ist wahr,« sagten die Matrose11, ihrer Schwäche sich schämend.»Befehlt, Monseigneur, wir sind bereit- fiir Euch zu sterben.«« »Warten wir-« sprach Aramis· »Wie! warten?«« »Ja, seht Jhr nicht, daß sie uns, wenn wir zu fliehen versuchen, wie Jhr so eben sagiet, iii den Grund bohren werden?«- »Aber vielleicht,« wagte der Patron zu bemerken- »aber vielleicht können wir ihnen, begünstigt durch die Nacht, entwischen.«« «Ohi« entgegnete Aramis-»sie haben wohl ein wenig griechisches Feuer, um ihren Weg und den un- seren zu erleuchten.« Und zu gleicher Zeit, als hätte das Schiff auf die Bemerkung von Aramis antworten wollen, stieg eine zweite Rauchwoike langsam zum Himmel auf, nnd aus dem Schooße dieser Wolke sprang ein entzündeter Pfeil hervor, der, einem Regenbogen ahn ,feine Parabel beschrieb und in das Meer siel, wo- n- brennen fort- fuhr nnd den Raum auf eine Viertelmeile im Durch- messer erleuchtete. Die Bretannier schauten sich erschrocken um. »Ihr seht wohl,« sagte Aramis, ,,es ist besser, sie zu erwarten.«« Die Ruder entschlüpsten den Händen der Matrosen, und die Barke wiegte sich unmerklich auf dem Ende der"Wogen. k« oe il- 251 Es wurde Nacht, aber das Schiff segelte immer weiter. Es war, als Verdoppelte es seine Geschwindigkeit mit der Finsterniß. Dann und wann, wie ein Geier mit dem blutigen Hals seinen Kopf aus seinem Neste heraus- streckt, sprang das griechische Feuer ans seinen Flanken hervor und warf mitten in den Ocean seine Flamme wie einen weiß glühenden Schnee. Endlich kam es auf Fliuienschußweite. Die ganze Mannschast war, das Gewehr int Arm, auf dem Verdeck. Man hätte glauben sollen, es handle sich darum, eine Fregatte zu entern und eine der Zahl nach über- legene Equipage zu bekämpfen, und nicht, eine von vier Personen besetzte Barke zu nehmen. »Ergebt Euchl«« rief der Conimandant des Schif- fes mit Hülfe seines Sprachrohrs. Die Matrosen schauten Aramis an. Aramis machte ein Zeichen mit dem Kopf. Der Patron Yves ließ einen weißen Fetzen am Ende eines Bootshaken flattern. Das war eine Manier, die Flagge zu streichen. Das Schiff rückte weiter wie ein Rennen Es schleuderte eine neue griechische Rakete, sie siel zwanzig Schritte von der Barke nieder und setzte sie besser in’s Licht, als es ein Strahl von der glänzendsten Sonne gethan hätte. ,,Beim ersten Zeichen des Widerstandes Feuerl«« rief der Commandant des Schiffes. Die Soldaten senkten ihre Musketen. »Man sagt Euch doch, man ergehe sich,«« rief der Patron Poes. »Lebendig! lebendigl«« schrieen einige eraltirte Soldaten;»wir müssen sie lebendig nebmeiM »Nun wohll ja, lebendig,-« erwiederte der Kapitän. Dann wandte er sich gegen die Bretannier und rief: »Es soll Euch Allen nichts am Leben geschehen, meine Freunde, Herrn d’Herblay ausgenommen-« Aramis bebte unmerklich. Einen Moment heftetc sich sein Auge auf die Tie- fen des Oceans, der an feiner Oberfläche durch den letzten Schein des griechischetk Feuers beleuchtet war, durch einen Scheiii, welcher an den Fianken der Wellen hinlief, an deren Gipfel wie ein Federschmuck spielte- und noch düsterer, noch geheimnißvoller die Abgrunde machte, die sie bedeckten. »Ihr höret, Monseigneur?«« sagten die Matrose11. »Ja-« s »Was befehlt Jhr?" iiWilligt ein««« ,,Doch Ihr, Monseigneur?«' Aramis neigte sich weiter vor und spielte mit der Spitze feiner weißen, zarten Finger mit dem grünlichen Wasser der See, der er wie einer Freundikr zulächelte. »Willigt ein ,« wiederholte er. »Wir willigen ein,« riefen die Matrosen,»doch welches Unterpfand werden wir haben W »Das Wort eines EdelmannM erwiederte der Officier.»Bei meinem Grade und bei meinem Namen schwöre ich Euch, daß Allein, was nicht-Herr d’Herblay ist, das Leben unversehrt bleiben soll. Jch bin Lieu- tenant der Fregatte des Königs Pomane und heiße Louis Constant von Prefsigny.-- Schon halb über die Barke hinaus nach dem Meere hinab geneigt, erhob Aramis mit einer raschen Geberde das Haupt, richtete sich hoch auf und rief- das Auge entflanrmt, ein Lächelii auf den Lippen, als ob ihm das Cominando zugekommen wäre- ,,Werft die Leiter, meine Herren.««« Man gehorchte. Aramis ergriff das Seil und stieg zuerst hinauf- aber statt der« Angst- die man auf seinem Gesichte hervortreten zu sehen erwartete, sahen ihn die Maiw- sen des Schiffes zu ihrer großen Verwunderung mit sicherem Schritte auf den Commandariten zugehen, die- 253 sen fest anschauen und ihm mit der Hand ein geheim- nißvolles, unbekanntes Zeick)en machen, bei dessen An- blick der Ofsicier erbleichte, zitterte, und die Stirne senkte. Ohne ein Wort zu sagen, hob Aramis nun die Hand bis unter die Augen des Commandanten empor und zeigte ihm einen Ring, den er am Goidsinger der linken Hand trug. Und indem er dieses Zeichen machte, hatte Aramis, in eine kalte- schweigsame, stolze Majestät gehüllt, das Aussehen eines Kaisers, der seine Hand zum Kusse reicht. Der Commandant, der einen Augenblick das Haupt erhoben hatte, neigte es zum zweiten Mal mit dem Zeichen der tiefsten Ehrfurcl1t. Dann streckte er die Hand gegeii das Hintertheil, das heißt gegen sein Zimmer aus und trat auf die Seite, um Aramis vorangehen zu lassen. Die drei Bretannier, welche hinter ihrem Bischof hinaufgestiegen waren, schauteii sich erstaunt an. Die ganze Mannschaft schwieg. Füitf Minuten nachher rief der Commandani den Secondlientenant; sogleich kam dieser wieder herauf und befahl, nach der Corogiie zu steuern. Während man den gegebenen Befehl vollzog, er- schien Aramis wieder auf dem Berdeck und setzte sich an die Berschanzung. Es war völlig Nacht geworden, der Mond zeigte sich noch nicht, und dennoch schaute Aramis hartnäckig gegen Belle-Jsle. Yves näherte sich dem Comman- danten, der wieder seinen Platz auf dem Hintertheil eingenommen hatte, nnd fragte ihn sehr leise, sehr de- müthig:-"-- »Welchen Weg verfolgen"wir, Kapitän?«« »Wir verfolgen den Weg, der Monseigneut beliebt,««« antwortete der Ofsicier. Aramis brachte die Nacht an«die Berschanzung. " angelehiit zu. 254 Pves bemerkte am andern Morgen, als er in seine Nähe kam, diese Nacht müsse sehr feucht gewesen sein, denn das Holz, auf das der Bischof seinen Kopf ge- stützt hatte, war benetzt wie von einem Thau- Wer weiß, dieser Thau waren vielleicht die ersten 9 Thränen, die den Augen von Aramis entfallenl Welche Grabschrift wäre so viel werih gewesen, als diese! Guter Porthoei XXVI. Die Runde von Herrn nun Gerte-. D’Artagnan war nicht an Widerstände, wie der, welchen er erfahren hatte, gewöhnt. Er kam tief ge- reizt nach Nanteo zurück.; Die Gereiztbeit überfetzie sich bei diesem kräftigen s Mann durch einen stürmischen Angriff, gegen den bis’ dahin wenige Menschen, und waren sie auch Könige, waren sie Riesen, Stand zu halten vermocht hatten. Ganz bebend, ging d’Artagnan gerade nach dezn Schlosse und verlangte mit dem König zu sprechen. Es mochte ungefähr sieben Uhr Morgens sein, und seit feiner Ankunft in Nanies war der König früh aus dem Bette.—" s Als aber d’Artagnan in die uns bekannten Haus-,- flur kam, fand er Herrn von deres, der ihnsehrf artig aushielt und ihn ermahnte, nicht laut zu sprechen: und den Köitig ruhen zu lassen.,«" s», »Der König schläft?«« sagte d’Ariagnanz»ich werde Fus- Ost-ON (-se» ihn also schlafen lassen. Um welche Stunde denkt Ihr- daß er aufstehen werde?« »Oh! ungefähr in zwei Stunden, der König hat" die ganze Nacht durch gewacht.«« D’Artagnan nahm wieder feinen Hut, grüßte Herrn von deres und kehrte in feine Wohnung zurück. Er kam um halb zehn Uhr abermals. Man sagte ihm, der König srühstücke. »Das ist gut,« erwiederte d’Artagnan,»ich werde den König sprechen, während er fpeift.« Herr von Brienne bemerkte d’Artagnan, der König wolle während seines Mahles Niemand empfangen. D’Artagnan schaute Herrn von Brienne von der Seite an und entgegnete: »Ihr wißt vielleicht nicht, Herr Secretaire- daß ich meinen Eintritt überall und zu jeder Stunde habe.«« Brienne nahm den Kapitän sachte bei der Hand und sagte zu ihm: »Nicht in Nantes, lieber Herr d’Artagnan; der Köiiig hat auf dieser Reife seine ganze Hausordnung verändert.««— Vesänftigt, fragte d’Artagnan. um welche Stunde der König sein Frühstück beendigt hätte. »Man weiß es nicht,«« antwortete Vrienne. »Wie! man weiß es nicht? Was soll das bedeu- ten? Man weiß nicht, wie viel Zeit der König zum Essen braucht? Gewöhnlich eine Stiinde, und nehme ichs an, daß die Luft der Loike den Appetit schärft, so setzen wir anderthalb Stunden; das ist, denke ich, ge- nug; ich werde also hier warten.«« «Ohl mein lieber Herr d’Artagnan, es ist der Befehl gegeben worden, Niemand mehr in diese Flur einzulassen; ich habe zu diesem Ende hier die Wache.'· · D’Artagnan fühlte den Zorn eine Secunde lang m sein Gehirn emporsteigen. Er ging sehr rasch weg- .au6 Furcht, die Sache durch einen Streich übler Laune zu Verwickeln. 256 Als er außen war, dachte er nach. »Der Köiiig will mich nicht empfangen,« sagte er, »das ist augenscheinlich; er ist ärgerlich, der junge Mann; er fürchtet die Worte, die ich ihm sagen kann. Ja, doch mittlerweile belagert man Beile-Nie und man nimint gefangeti oder tödtet vielleicht meine zwei Freunde. Armer Porthosl Was Meister Aramis be- trifft, das ist ein Mann voll von Mittelst, und ich bin ruhig in Beziehung auf ihn. Aber nein, nein, Por- thos ist noch nicht invalid und Aramis ist kein einfäl- tiger Greis. Der Eine mit seinen Armen, der Andere mit seiner Einbildungskraft werden den Soldaten Sei- ner Majestät Arbeit geben. Wer weißi wenn diese zwei Braven zur Erbauung Seiner Alierchristlichsten Majestät eine kleine Bastei Saint-Gervais wiederholen würden l, Jch verzweisie nicht. Sie haben Kanonen und eine Garnison... Jndessen,«« fuhr d’Artagnan den Kopf fchütteliid fort,»ich glaube, es wäre besser- den Kampf zu hemmen. Für mich allein würde ich weder hoffärtigen Trotz, noch Treulosigkeit von Seiten des Königs ertrageIc, aber, für meine Freunde muß ich das Anfchnauzen, muß ich Beleidigungen, muß ich Alles dulden. Wenn ich zu Herrn Colbert ginge? Das ist Einer, dem ich Angst zu machen die Gewohnheit werde annehmen müssen. Gehen wir zu Herrn Colbett.«« « I D’Artagna1i begab sich muthig auf den Weg. Er erfuhr hier, daß Herr Colbert mit dem König im Schloß von Nantes arbeitete. ,,Gut!«« rief er,»nun bin ich zu der Zeit zurück- gekehrt, wo ich beständig auf dem Wege von Treville in die Wohnung des Cardinals, von der Wohnung des Cardinals zur Königin, von der Königin zu König Ludwig XIlI war. Man hat Recht, wenn man sagt, mit dem Alter werden die Menschen wieder Kinder. Jn’6 Schloßt«, dEr kehrte dahin zurück. Herr von Lyonne kam heraus. Er reichte seine beiden Hände d’Artagnan.und presst-s sk- Ukos w--«s-·»q-»,k 257 theilte ihm mit- der König werde den ganzen Abend- die ganze Nacht sogar arbeiten, und es sei der Befehl gegeben« Niemand einzulasse11. »Nicht einmal den Kavitän, der den Befehl ein- holt?'« rief d’Artagna11.»Das ist zu stark-« »Nicht einmal-« erwiederte Herr non Lyonne. »Wenn dem so istxi sprach d’Artagnan, bis ins Herz verwundet,»wenn der Kapitän der Musketiere, der immer in das Schlaszimnier des Königs eingetre- ten ist- nicht mehr in das Cabinet oder iii den Speise- saal eintreten darf, so ist der König todt, oder er hat seine Ungnade auf seinen Kapitän geworfen. Jn dem einen wie in dem andern Fall bedarf er desselben nicht mehr. Habt die Güte zurückzukehreit,Herr voti Wonne- Jhr, der Jhr in Gnade seid, und sagt ganz unumwun- den dem König, ich bitte ihn um meine Entlassung.« »D’Artagnan, nehmt Euck) in Acht,«« rief Lyonne. »Geh; aus Freundschaft für mich.« Und ers schob ihn sachte nach dem Cabinet. »Ich gehe,«« sagte Herr von Lyonne. D’Artagnan wartete in der Flur aus- und ab- schreitend. Lyonne kam zurück, »Nun! was hat der König gesagt?«« fragte d’Ar- tagnan. »Der König hat gesagt, es sei gut-! erwiederte Lyonne. »Was sei gut?« rief der Kapitäii ausbrechend; »das heißt, er nehme an? Wohl! nun bin ich frei! Jch bin Bürger, Herr voit Lyonne. Auf das Ver- gnügen, Euch bald wieder zn sehen. Gott befohlen Schloß, Corridor, Vorziinmer, ein Bürger, der end- lich frei athmen wird, grüßt euch.« Und ohne länger zu warten, sprang der Kaviiän aics der Terrasse auf die Treppe, wo er die Stücke vom Brief von Gourvillc gefunden. Fünf Minuteix Die drei Musketiere. Bragetonne« x. 17 258 nachher trat er in den Gasthof ein, in welchem er nach dem Gebrauch aller hohen Ofsiciere, denen eine Wohnung im Schlosse angewiesen war, das genommen hatte, was man sein Stadtzimmer nannte. Doch statt seinen Mantel und seinen Degen abw- legen, nahm er hier Pistoleti, steckte sein Geld in einen großen ledernen Beutel, ließ seine Pferde aus dem Schloßstall holen, und gab Befehle, um Vannes noch in der Nack)t zu erreichen. Alles erfolgte nach seinen Wünscheii. Um achtUhr Abends setzte er feinen Fiiß in den Steigbügel, als Herr von Göores cm der Spitze von zwölf Gardeti vor dem Gasthause erschien- D’Artagnan sah Älles ans dem Augenwinkelz er sah nothwendig diese dreizehn Mann und diefe dreizehn Pferde. Aber er stellte sich, als bemerkte er nichts, und schwang sich vollends auf sein Pferd. deres trat zu ihm heraii und sagte laut: »Herr d Artagnan!« »Ah! Herr voti Gevres, guteik Abend!«« »Man sollte glauben, Jhr steiget zu Pferde?-« »Mehr, ich bin aufgestiegen, wie Jhr seht.«' »Es findet sich gut, daß ich Euch treffe.«« »Ihr fuchtet mich?«« »Mein Gott! ja« »Ich wette, im Auftrage des Königs« «Jll.« »Wie ich vor ein paar Tagen Herrn Fouqttet »Oh1« »Wollt Jhr mir etwa Niedlichkeiten machen, mir! Verlorene Mühe, gehtl Sagt mir geschwiiide, daß Jhr kommt- um mich zu verhaften.« ,,Euch verhafteii, guter Goitl neiti« »Nun! warum geht Jhr mich denn mit zwölf Mann zu Pferde an 2« »Ich mache eine Runde.« Dem mg tte, zu- nen )em toch Uhr perr )em er ehn nnd suet iir i Jhr cttm f 259 »Nicht übell Und Jhr hebt mich bei dieser Ruilde au?« »Ich hebe Euch nicht auf, ich finde Euch und bitte Euch, mit mir zit konnnen.« »Wohin?« »Zum König.«« »Guti« sagte d’Artagnan mit spöttischeni Tone, »der König hat also nichts mehr zu thun?«« »Ich bitte, Kapitän,-i sprach Herr Von Gierres leise zum Musketier,»gefährdet Euck) nicht, diese Leute höreii Euch.« D’Artagnan lachte und crwiederte dann: »Vorwärts« Die Leute, die man verhaftet, haben ihren Platz zwischeit deii sechs etsteiI und den sechs Letz- ten Garden.·«" If »Da ich Euch aber nicht verhafte,«« entgegnete Herr voii Gänres-»so werdet Ihr, wemI es Euch beliebt- mit mir hinten reiten.« »Ah t« sagte d’Artagnan,»das ist ein gutes Ber- fahre11, Herzog, und Jl)r habt Recht, denii wenn ich je RundetI bei Eurem Stadtzimmer zil machen gehabt hätte, wäre ich höflich gegest Euch gewesen, das Ver- sichere ich Euch bei meinem Ehrenwort. Nitii noch eine Gefåliiakett«.. Was will der Köttig voii miM »Oh! der König ist wüthend.« »Nun wohl! der König, der sich die Mühe genon1- men, sich wüthend zu machen, wird sicki auch IDie Mül)e nehmen, sich zu beruhigcn, das ist einfach. Jch werde .nicht darüber sterben, das schwöre icl) Euch.«« »Nein, aber..-« »Aber man wird mich dem armen Herrti Fouquet Gesellschaft leisteii lassen, Mordiourt Das ist ein arti- ger Mann... wir werden ganz angenehm mit einander leben, das schwör-e ich Cuch.« »Wir sind an Ort und Stelle,« sagte der Herzog. «K.apitän, icl) bitte Euch- seid ruhig gegen den König.«« «Ohi wie wacker seid Ihr gegeti mich, Herzog!«« sprach d’Artagnan, Herrn von Gövres anschauend.»Man sagte mir. Jhr strebtet darnach, Eure Garben mit mei- nen Musketieren zu verbinden; icl) glaube, das ist eine herrliche Gelegenheitilt «»Jch werde sie nicht ergreifen, Gott behüte mich, Kapitänl- »Warum nicht?«« »Aus vielen Gründen einmal, und dann aus dem, daß, wenn ich Euch bei den Musketiereu nachfolgte, nachdenr ich Euch verbaftet hätte..««- ,,Ahl Jhr gesteht, daß Jhr mich verhaftet?«' »Nein, nein!«« »So sagt getroffen. Wenn Jhr mir nachfolgtet, nachdent Jhr mich getroffeii hättet?««! »Eure Musketiere würden beim ersten Erercirenf im Feuer ans Unachtsamkeit nach meiner Seite fchießen.«« »Ah! was das betrifft, ich leugne es nicht. Diese Bursche lieben mich sehr-J- Gåvres ließ d’Artagnan voran gehen, führte ihn unmittelbar nach dein Cabinet, wo der König seinen Kapitäti der Musketiere erwartete, und stellte sich hinter seinen Collegen im Vorzimmer. Man hörte sehr deutlich den Köiiig laut mit Col- bert sprechett, in demselben Cabinet, wo einige Tage vorher Colbert den König hatte laut mit« Herrn-d’Ar- tagnaii sprechen hören können.. Die Garben blieben in Piquet zu Pferde vor dem Hauptthore, und es verbreitete sich allmälig in der Stadt dae Gerücht, der Herr Kapitän der Musketiere sei auf Befehl des Königs verhaftet worden. Da sah man alle diese Leute in Bewegung gera- then, wie in der guten Zeit von Ludwig Xlll und Herrn von Trevllle; es bildeten sich Gruppen, die Trep- pen füllten sich, ein unbestimmtes Gemutmel drang un- ten von den Höfen rollend bis iti die oberen Stockwerke empor, den heiseren Lamentationen der Welleti bei der Fluth ähnlich. DUJO usw-e- s( ian Iei- ine Ech- Ein, ite- ·et, L« ese hn en ker ol- ge ir- L M )er Zke Ip- 261 Herr von Gåvres war unruhig. Er schaute seine Garben an, welche, Anfangs von den Musketieren, die sich in ihre Reihen mischten, befragt, sich von diesen auch einige Unruhe offenbarend zu entfernen anfingen· D’Artagnan war sicherlich minder unruhig, als Herr von Gewerk- der Kapitcin der Garben. Unmittelbar nach seinem Eintritt hatte er sich auf den Rand eines Fensters gesetzt; er sah alle Dinge mit seinem Adlers- blick und verzog keine Miene. Keiner von den Fortschritten der Gährung, die sich bei dem Gerüchte von seiner Verhaftung kundgegeben- war ihn1 entgangen. Er sah den Augenblick vorher, wo der Ausbruch stattfindert würde, und man weiß, daß seine Borhersehungen sicher waren. »Es wäre seltsam,« dachte er,»wenn mich meine Prätorianer heute Abend zum König von Frankreich machten. Wie würde ich darüber lacheni««— Doch im schönsten Augenblick stockte Alles. Gar- den, Musketiere, Officiere, Soldaten, Gemurmel, Un- ruhe, Alles zerstreute sich- verschwand; kein Sturm mehr, keine Drohungen mehr, kein Aufruhr mehr. Ein Wort hatte die Wellen beruhigt. Der König hatte durch Brienne ausrufen lassen: ,,Stille, meine Herren, Jhr seid dem König be- schwerlich l« .D’Artagnan seufzte. »Es ist vorbei ,« sagte er,»die Musketiere von heute sind nicht mehr die von Seiner Majestät Lud- wig X11l. Es ist vorbei.« »Herr d’Artagnan, zum Königi«' tief ein Huissier. XXVil. Kånig Ludwig le. Der König saß in feinem Cabinet, den Nückeii der Eingangsihüre zugewendet. Jhui gegenüber war ein Spiegel, in welchen er, während er in seinen Papieren störte, nur einen Blick zu werfen brauchte, um diejeni- gen, welche zu ihm kamen, zu sehen- Er wandte sich bei dem Eintritt von d’Artagna-1 nicht um und breitete nur über feinen Briefen und Plä- nen das große Stück grüner Seide aus, das ihm dazu diente, feine Geheimnistie vor Lästigen zu verbergen. D’Artagnait begriff das Spiel und blieb hinten, fo daß nach einer Minute der König, der nichts hörte und nur aus dem Augenwinkel sah, zu rufen genöthigtwar: »Ist Herr d’Artagnan nicht da?" t»Hier bin ich ,« erwiederte der Musketier vortre- end. »Nun, mein Herr," sprach der König, fein klares Auge auf d’Artagnan heftend,»was habt Ihr mir zu sagen?««’ »Ich?«' eriviederte dieser, der auf den ersten Stoß des Feindes wartete, um einen guten Gegenstoß zu thun- ,,ich, ich habe Eurer Majestät nichts zu sagen, wenn Ficht, daß sie mich hat verhaften lassen und daß ich hier m.« Der König war im Begriff, zu antworten, er habe d’Ar-tagnan nicht verhaften lassen, doch das kam ihm wie eine Entschuldigung vor nnd er schwieg. D’Artagnan beobachtete ein hartnäckiges Still- schweigen.- »Mein Herr,««« sprach der König,»was hatte ich» —’-T:s-» der ein ni- zaiI lä- Izu sy —’«H:«-. 263 Euch in Belle-Jsle zu thun beauftragt? ich bitte, sagt es mir.« Bei diesen Worten schaute der König seinen Kapi- tän fest an. Hier war d’Artagnan zu glücklich; der König machte ihm die Partie so schön. »Ich glaube,« erwiederte er,»Eure Majestät hat die Gnade gehabt, mich zu fragen, was ich in Belle-. Jsle habe thun sollen?« · »Ja, mein Herr.« »Jch weiß es durchaus nicht, Sire; mich muß man das nicht fragen, sondern die zahllosen Officiere aller Art, denen man zahllose Befehle aller Art gegeben- während man mir, dem Anführer der Expedition, nichts Bestimmtes befohlen hatte.« Der Köiiig war verletzt; er zeigte es durch seine Antwort. »Mein Herr,«" erwiederte er,»man hat nur Leuten Befehle gegeben- die man für treu erachtet.« »Ich wundere mich auch, Sire,« fuhr der Muske- tier fort,»daß ein Kapiteln, wie ich bin, der ich die Geltung eines Marschallssvon Frankreich habe, sich unter die Befehle von fünf bis sechs Lieutenants und Majors gestellt sehen mußte, welcher Spionen taugen mögen, aber keines Wegs zur Anführung von Kriegs- expeditionen. Hierüber wollte ich Eure Majestät um Aufklärung bitten, als mir der Eintritt verweigert wurde, was als die letzte eineni braven Mann angethane Be- fchimpfutig mich veranlaßt hat, den Dienst Eurer Ma- jestät zu verlassen.«« ,,Mei11 Herr- Jhr glaubt immer in einem Jahr- hundert zu leben, wo die Könige, wie Jhr es gewesen zu sein Euch beklagt, unter den Befehlen und unter der Willkür ihrer Untergeordneten standen. Jhr scheint mir zu sehr zu vergessen, daß ein König nur Gott über seine Handlungen Rechenschaft schuldig ist«- »Jch vergesse gar nichts, Sire,« erwiederte der 264 Musketier, bei dieser Lection ebenfalls verletzt.»Uebri.- geng sehe ich nicht ein, wodurch ein ehrlicher Mann den König beleidigt, wenn er ihn fragt, in welcher Hinsicht .,,er ihm fchleck)t gedient habe.« »Ihr habt mir dadurch schlecht gedient, daß Jhr die " Partei meiner Feinde gegen mich ergriffet.« »Wer sind Etcre Feinde, Sire?-« j?s ,,Diejenigen, zu deren Bekämpfung ich Euch ab- andte.«i ,,Zwei Mäiinerl Feinde des Heeres Eurer Maje- stätl das ist nicht glaublich, Sire.« »Ihr habt meinen Willeit nicht zu beurtheileii.«« i»Ich hatte meine Freundschaften zu beurtheilen, S re.« »Wer seinen Freunden dient, dient seinem Herrn nicht.-« —»Das habe ich so gut begriffen, Sire, daß ich Eurer Majestät ehrfurchtsvoll meine Entlassung anbot.«« »Und ich habe sie angenommen, mein Herr. Ehe ich inich Von Euch trennte, wollte ich Euch beweisen, daß ich mein Wort zu halten wisse.«« »Eure Majestät hat mehr als ihr Wort gehalten- denn Eure Majestät hat mich verhaften lassen ,« sprach d’Artagnan mit seiner kalt spöttischen Miene,»das hatte sie mir nicht verfprochen.-i Der Köiiig ging über diefeii Scherz mit Gering- schätzung weg und sprach ernsthaft: »Seht, mein Herr, wozu mich Euer Ungehorsam gezwungen hats- Z»Mein Ungehorsam!«« rief d’Artagnan roth vor orn- »Das ist der mildeste Name, den ich gefunden habe,«« fuhr der König fort.»Meine Idee war, die;;s Rebellen festzunehmen und zu bestrafen; hatte ich mich darum zu bekümmern, daß die Rebeilen Eure Freunde waren Zi«- »Aber ich hatte mich darum zu bekümmern,« ent- s-—-:-«- s-—.--«- 265 gegnete d’Artagnan.»Es war eine Grausamkeit von Eurer Majesiät, mich zu beauftragen, meine Freunde gefangen zu nehmen, um sie zum Galgen zu führen.-« »Das ist eine Probe, die ich bei vorgeblichen Die- nern zu machen hatte, welche mein Brod essen und meine Persoii vertheidigen sollen. Die Probe ist schlecht aus«- gesallen, Herr d’Artagnan.«» »Für einen schlechten Diener, den Eure Majestät verliert,«« erwiederte der Musketier mit Bitterkeit) ,,sind zehn da, die an demselben Tag ihre Proben abgelegt haben. Höret mich an, Sire; ich bin an diesen Dienst nicht gewöhnt. Jch bin ein tviderspänstiges Schwert, wenn es sich darum handelt, das Schlimme zu thun. Es war schlimnt von mir- bis zum Tode zwei Menschen zu verfolgen, um deren Leben Herr Fouquet, der Retter Eurer Mnjestät, Euch gebeten hatte. Dabei waren diese zwei Menschen meine Freunde. Sie griffen Eure Majestät nicht an; sie unterlagen unter dem Gewichte eines blinden Zorns. Warum sollte man sie übrigens nicht flieheit lassen? Welches Verbrechen hatten sie be- gangen? Jch will es gelten lassen, daß Jhr mir das Recht streitig macht, ihr Verbrechen zu beurtheilen. Doch warum beargwohnt Ihr mich vor der That? Wariim umgebt Jhr mich mit Spinnen? Warum ent- ehrt Jhr mich vor der Armee? Warum nöthigt Jhr mich...mich, zu dem Jhr bisjetzt das vollste Vertrauen gezeigt habt, mich, der ich seit dreißig Jahren Eurer Person zur Seite gestanden bin und Euch tausend Be- weise treuer Ergebenheit geliefert habe, denn heute, da man mich anschuldigt, muß ich es wohl sagen, warum nöthigt Jhr mich, drei tausend Soldaten des Königs Hub Schlachtordnung gegen zwei Menschen marschiren zu e en?M »Man sollte glauben, Jhr vergäßet, was dieseMen- schen mir gethan, nnd daß es nicht von ihnen abgehiingt, wenn ich nicht verloreii gewesen bin,« sprach der König mit dumpfem Ton. ««. us«.:-. — wszs-i-«s-«»»wes-—--»mä sssss sstmw 266 »Sire, man sollte glauben, Jhr vergäßet, daß ich da waM ,,Genug, Herr d’Artagnan, genug der beherrschen- den Interessen, die meinen Jnteressetc die Sonne be- nommen haben. Jch gründe einen Staat, in dem es nur einen Herrn gebeti wird; ich habe Euch das einst versprochen; der Augenblick, mein Wort zu halten, ist gekommen. Jhr wollt, daß es Euch nach Euretii Ge- schmack und nach Euren Freundschaften freistehe, meine Pläne zu hemmen und meine Feinde zu retten? Ich breche mit Euch ab oder ich lasse Euch ziehen. Jch weiß wohl, daß ein anderer Köiiig sich nicht benehinen würde, wie ich es thue, und daß er sich von Euch be- herrschen ließe, auf die Gefahr, Euch eines Tags in die Gesellschaft voti Herrn Fouqnet und Anderen zu schicken; aber ich habe ein gutes Gedächtniß, und für mich sind die Dienste heilige Ansprüche auf die Dankbarkeit, Auf die Straslosigkeit. Jhr sollt nur diese Lection zu Be- strafung Eurer Uubotmäßigieit haben, Herr d’Artagnan, und ich werde meine Vorgänger in ihrem Zorn nicht nachahmen, da ich sie in ihrer Gunst nicht nachgeahmt. habe. Und dann lassen mich andere Gründe mild gegen Euch verfahren: einmal seid Jhr ein Mann von Ver- stand, von großem Verstand, ein Mann von Herz, und Jhr werdet ein guter Diener für Jeden sein, der Eukl) gebändigt haben wird; sodann werdet Jhr aufhören-, Motive der Jnsubordination zu haben. Eure Freunde sind durch mich vernichtet oder zu Grunde gerichtet. Diese Stützpiinkte, auf denen instinctartig Euer launen- haster Geist ruhte, habe ich verschwinden gemacht. Zu dieser Stunde haben meine Soldaten die Rebellen von Belie-Jsle festgenommen oder getödteM D’Artagnan erbleichte. »Festgenominen oder getödtetl« rief er.»Oh! Sire, wenn Ihr dächtet, was Jhr mir da sagt, und wenn Jhr sicher wäret, mir die Wahrheit zu sagenl- sp« vergäße ich Alles, was Gerechtes,, Alles, was Groß- —--a. III-» sovi- müthiges in Euren Worten ist, um Euch einen barba- rischen König und einen entarteten Menschen zu nennen. Aber ich verzeihe sie Euch, diese Worte,«« sprach er stolz lächelnd,»ich verzeihe sie dem jungen Fürsten, der nicht weiß, der nicht begreifen kann- was Männer sind, wie Herr d’Herblat), wie Herr du Vallon, wie-ich. Festge- nommen oder getödtet! Ahl ah! Sire, sagt mir, wenn die Kunde wahr ist, wie viel sie Euch Menschen und Geld gekostet hat? Wir werden nachher berechnen, ob der Gewinn den Einsatz werth gewesen ist.« Während er noch sprach, näherte sich ihm der Kö- nig voll Zorn und sagte zu ihm: »Herr d’Artagnan, das sind Antworten eines Re- bellen. Wollt mir doch, wenn es Euch beliebt, sagen, wer der König von Frankreich ist? wißt Jhr einen AU- deren?«i «Sire,« erwiederte kalt der Kapitän der Musketiere, »Sire, ich erinnere mich, daß Jhr eines Morgens in Vaur diese Frage an viele Personen richtetet, welche nicht darauf zu antworten wußten, während ich darauf geantwortet habe. Habe ich den König an jenem Tag, da die Sache nicht leicht war, erkannt, so glaube ich, daß es unnütz wäre, mich dies heute zu srage11, da Eure Majestät allein bei mir ist.« Bei diesen Worten schlug Ludwig xlv. die Augen nieder. Es kam ihm vor, als wäre der Schatten des unglücklichen Philipp zwischen ihm und d’Artagnan durchgezogen, utn die Erinnerung an dieses furchtbare Abenteuer her-aufzubeschwören. Beinahe in demselben Augenblick trat ein Ossicier ein und übergab dem König eine Depeche; erf las sie « und wechselte die Farbe. D’Artagnan bemerkte es. Der König blieb unbe- weglich und schweigsam, nachdem er zum zweiten Male gelesen hatte. Dann faßte er plötzlich einen Entschluß und sprach: »Mein Herr, was man mir mittheilt, würdet Jhr PS - «.—.-«-,..-,.»»«», « ss.(..4.. i jEfs« ),z- später erfahren; es ist besser, daß ich es Euch sage, und daß Jhr es durch meinen Mund erfahret. Es hat ein Kampf auf Belle-Jsle stattgefunden.« ,,Ohl obl- machte d’Artagnan mit ruhiger Miene, während sein Herz klopfte, um seine Brust zu zerspren- gen.«Nunl Sire?«« ,,Nun! mein Herr, ich habe hundert und sechs Mann verloren.« Ein Blitz der Freude und des Stolzes glänzte in den Augen von d’Artagnan. »Und die Rebellen?«« sagte er. »Die Nebellen haben sich geflüchtet,«« antwortete der König. D’Artagnan stieß ein Triumphgeschrei aus. »Nat: habe ich eine Flotte, welche Beile-Nie eng blockirt, und ich habe die Gewißheit, daß keine Barke entkommen wird.« »So daß,·- sprach der Musketier, zu seinen düstern Gedanken zurückkehrend,»so daß, wentc man diese Her- ren bekommt... i« »Man sie henken wird ,« antwortete der König ruhig.« »Und sie wissen es?«« fragte d’Artagnan, einen Schauer unterdrückend.« »Sie wissen es, da Jhr es ihnen sagen mußtet, und da es das ganze Land weiß.««- »Dann, Sire, wird man sie nicht lebendig bekom- men, dafür stehe ich Euch.«. ·,, »Ah l« sagte der König mit nachläßigem Tone, in- dem er seinen Brief wieder aufnahm.»Nun! so wird man sie todt bekommen, und das läuft auf Eines aus, da ich sie nur festnahm, um sie henken zu lassen.«« D«Artag11an wischte ten Schweiß ab, der von sei- ner Stirne floß. .»Jch habe Euch gesagt-« fuhr Ludwig X1V. fort, »ich würde einst ein wohlgewogener, freigebiger und beständiger Herr für Euch sein. Jhr seid he te der s) 269 einzige Mann von Einst, der meines Zornes oder meiner Freundschaft würdig ist. Jch werde Euch, je nach Eurem Benehmen, weder mit dem einen verschonen, noch die andere vorenthalten. Würdet Jhr es begrei- fen, wenn Jhr einem König dientet, der hundert andere Könige seines Gleichen im Reiche hätte? Sagt mir, könnte ich bei dieser Schwäche die großeii Dinge thun, auf die ich sinne? Habt Jhr je einen Künstler solide Werke mit einem rebellischen Instrument ausführen sehen? Fern von uns seien die alten Sauerteige feudaler Mißbrauchel Die Fronde, welche die Monarchie zu Grunde richten sollte, hat sie emancipirt. Jch bin hier in meinem Hause, Kapiteln d’Artagnan, und ich werde Diener haben, die, wemi es ihnetc auch vielleicht an Eureni Genie gebricht, die Ergebenheitund den Gehorsam bis zum Heldenmuth treiben werden. Jch frage Euch, was ist daraii ge- legen, daß Gottden Armen und den Beinen nichtGenie gegeben hat? er gibt es dem Kopf, und dem Kopf, wie Jhr wißt, gehorcht das Uebrige. Ich bin der Kopf!« D’Llrtagnan bebte.. Ludwig fuhr fort, als ob er nichts gesehen hätte, obgleich ihm dieses Beben nicht entgangen war: s ,,Schließen wir nun unter uns Beiden den Handel ab, den ich Euch-eines Tages, als Ihr mich noch sehr« klein in Bois fandet, zu machen versprochen habe. Wißt mir Dank, mein Herr, daß ich Niemand die Thränen der Schaiii, die ich damals vergosseii, bezahlen lasse. Schaitt umher, die großen Häupter sind gebeugt. Beugt Euch, wie. sie, oder wählt die Verbannung, die Euch zusagen wird. Weiin Jhr darüber nachdeukt, werdet Jhr vielleicht finden- dieser König sei ein großmüthi- ges Herz, das genug auf Eure Redlichkeit rechne, daß er Euch entlasse, während er Euch unzufrieden wisse, während Jhr das Staatsgeheinmiß besitzet· Jch weiß, Jhr seid ein wackerer Mann. Warunt habt Ihr mich vor« der Zeit beurtheilt? Beurtheilt mich von heute— an, d’Artagnan, und seid streng, so lange es Euch beliebM 270 - D’Artagnan blieb betäubt, stumm, zum ersten Male in feinem Leben unentschieden, schwankend. Er hatte einen seiner würdigen Gegner gefunden. Das war nicht mehr Schlauheit, das war Berechnung; das war nicht mehr Gewaltthätigkeit, es war Stärke; das war nicht mehr Zorn, es war Willen; das war nicht mehr Prahlerei, es war Rathfchluß. Dieser junge Maiiii, der Fouquet niedergefchinettert hatte und d’Artagnau’s entbehre11 konnte, brachte alle ein wenig halsstarrige Berechnungen des Musketiers in Verwirrung. »Nun, was hält Euch auf?« fragte der König sanftmüihig.»Ihr habt Eure Entlassung verlangt, soll ich sie Euch verweigern? Jch gestehe zu, daß es für einen alten Kapitän hart fein wird, voii feiner schlim- men Laune abzugeben.«« »Ohl« erwiederte d’Artagnan fchwermüthig,»das ist nicht meine erusteste Sorge. Jch zögere, mein Ent- lassungsgesnch zurückzunehineii, weil ich Euch gegenüber alt bin und weil ich Gewohnheiten habe, die sich schwer verlieren. Jbr braucht fortan Höflinge, die Euch zii belustigen verstehen, Narren, die sich-für das tödteii lasseii müssen, was Jhr Eure großen Werke nennt. Gewiß, sie werden es sein, ich fühle es; wenn ich sie aber zufällig nicht so fändel Jch habe den Krieg ge- sehen, Sire, ich habe den Friedeii gesehen; ich habe Richelieu und Mazariii gedient; ich bin mit Eurem Vater am Feuer von la Rochelle geröthei, von Schüs- sen durchlöchert worden wie ei11 Sieb, und habe mich mel)r als zehnmal gehäntet wie eine Schlange. Nach den Befchimpfungen und Ungerechtigkeiten habe«ich ein Commando bekommen, das einst etwas war, weil es das Recht gab, wie maii wollte, zum König zu sprechen. Aber Euer Kapitaii der Musketiere wird fortan ein Officier fein, der die Hofthore bewacht. Wahrhaftig- Sire, werm das fortati sein Geschäft seiii foll, fo be- nützt den Umstand, daß wir gut mit einander sind-, um.-· es mir zu nehmen. Glaubt nicht, ich hege einen Groll; le il- 271 nein, Jhr habt mich gebändigt, wie Jhr sagt; dochich muß gestehen, indem Jhr mich beherrschtet, habt Jhr mich verringert; indeni Jhr mich bengtet, habt Ihr mich der Schwäche überwiesen. Wen11 Jl)r wüßiet, wie gut es mir steht, den Kopf hoch zu tragen, und wie kläglich ich ausseheii würde, wenn ich den Staub Eurer Teppiche berischei Ohi Sire, ich bedaure es aufrichtig, nnd Jhr werdet es mit mir bedauern, daß die Zeit nicht mehr ist, wo der Kötiig von Frankreich in seinen Vor- gemächern alle die unverschämten, mageren, beständig fluchenden, närrische1i, knurrenden Edelleute sah, die in den Schlachten bis aus den Tod bissen. Diese Leute sind die beste-i Höstitige für die Haud, die sie nährt; sie lecken sie; aber sür die Hand, die sie schlägt, ohi der schöne Vißl Ein wenig Gold an den Galonen dieser Mäntel, ein wenig Bauch in die Beinkleider, ein wenig Graii iit diese vertrocknete Haare, und Ihr werdet die schönen Herzoge und Pairs, die stolzen Marschälle Von Frankreich sehen! »Doch wozu dies Alles sagen? Der König ist mein Herr, er will, daß ich Verse mache, er will, daß ich mit Atlasschuhen die Mosaike seiner Vorzimnier polirez Mordioiixt das ist schwierig, doch ich habe Schwereres, als dieses gethan. Jch werde es thun. Waruni werde ich es thun? Weil ich das Geld liebes Jch habe. Weil ich ehrgeizig bin? Meine Laufbahn ist begrenzt. Weil ich- den Hof liebe? Nein. Jch werde bleiben,i weil ich seit dreißig Jahren gewohnt bin, die Parole beim König zii holen und zu mir sagen zu hören: Guten Abend, d’Artagnan, mit eineni Lächeln, um das ich nicht bet- telte. Um dieses Lächeln werde-ich betteln, Sire. Seid Jhr zufrieden?«i Nach diesen Worten beugte d’Artagnan langsam seinen silbergrauen Kopsxsder König legte mit Stolz- seine weiße Haiid darauf und sprach: »Ich danke, mein alter Diener, mein treuer Die- ner-. Da ich von heute an keine Feinde mehr irr-Frank- 272 reich habe, so muß ich Dich auf ein fremdes Feld schicken, um Deinen Marschallsstab zu holen. Zähle aus mich, daß ich Dir die Gelegenheit finden werde. Mittlerweile iß mein bestes Brod und schlafe ruhig.« »So lasse ich es mir gefallen!«« sagte d’Artagnan bewegt... ,,doch die armen Leute von Belle-Jsle? Der Eine besonders, der so gut und so brav?«« ,,Bittet Jhr mich um ihre Begnadigung?«« »Auf den Knieen, Sire.« »Wohl! so bringt sie ihnen, wenn es noch Zeit ist. Doch Jbr verbürgt Ettch für sie?«« »Ich verbürge mich mit meinem Leben.«« »Gebt. Morgen reise ich nach Paris ab- Kehrt bis dahin zurück, denn Jhr sollt mich nicht verlassen.«« »Seid unbesorgt, Sire!« rief d’Artagnan, dem König die Hand küssend. Und er stürzte, das Herz von Freude angeschwol- len, aus dem Schlosse nach der Straße von Belle-Jsle. XXV111. Die Freunde vntt Herrn Iouquet. fDer König war nach Paris zurückgekehrt und mit sx ihm d’Artagnan; dieser hatte in vier und zwanzig«; Stunden aus Belle-Jsle alle Erkundigungen eingezo- s gen, ohne das Geheiuiniß zu ergründe11, das so gut der- Felsen von Loemaria, das Heldengrab von Porthos, be- »u;ahrte. Der Kapitän der Musketiere wußte nur das, was diese muthigen Männer-, diese zwei Freunde, deren Ber- ,. -.)»Es-Z Irt « .. tm ol- le. mit»F kzo- der be- Das Zer-. tzig.; 273 theidignng er so edel übernommen, denen er das Leben zu retten versucht, unterstützt von drei getreuen Bre- tanniern gegekx eine ganze Armee vollfülsrt hatten. Er hatte, auf die benachbarte Einöde hinausgeschleudert, die menschlichen Ueberreste seheri können, welche mit Blut die im Heidekraut zerstreuten Kiesel befleckt. Er wußte auch, daß man fern im Meere eine Barke erblickt, und daß einem Ranbvogel ähnlich ein königliches Schiff dieses arme Vögelcheii, das mit der größten Eile flog, verfolgt- eingeholt und verschlungeii hatte. Hier aber hörten die Getvißheiteti für d’Artagnan auf. Das Feld der Muthniaßungen öffnete sich bei die- ser Grenze. Was sollte man nun denken? Das Schiff war nicht zurückgekehrt. Allerdings herrschte seit drei Tagen ein heftiger Wind, doch die Corvette ivar zu- gleich eine gute Seglerin und solid in ihrem Bau; sie hatte nicht bange vor den Windstößen, und diejenige, welche Aramis trug, hätte, nach der Schätzung von d’Artagnan, nach Brest zurückgekehrt oder in die Mün- dung der Loire eingelaufeii fein müssen. Dies waren die schwankenden, aber für ihn per- sönlich etwas beruhigenden Nachrichten, welche d’Arta- gnan Ludwig XIV. brachte, als der König, gefolgt von seinem ganzen Hofe, nach Paris zurückkehrte. Zufrieden mit dem Erfolg feines Verfal)rens,"—·haite Ludwig. sanfter nnd leutseliger, seitdem er sich mächti- ger fühlte, nicht aufgehört, am Knifchenfchlage von Fräulein de la Balliäre zu reiten.«« Jedermann hatte sich beeifert, die zwei Königinnen zu zerstreuen, um sie diese Vernachlässigung des Soh- nes nnd des Geniahls vergeffeii zu lassest. Alles lebte in der Zukunft; die Vergangenheit war für Niemand mehr etwas. Nur traf diese Vergangenheit wie eine schmerzliche, blntende Wunde die Herzen einiger zärt- lichen, ergebenen.Seelen. Der Köiiig war nicht sobald wieder bei sich eingezogen, als er einen richtenden Be- weis hievon erhielt. - Die drei Wustettere. Brageionne. x- 18’ Lndwig war so eben aufgestandeii nnd hatte fein erstes Mahl eingenommen, als fein Kapitän der Mus- ketiere vor ihm erschien. D’Artagnan war ein wenig bleich»Und schien angegriffen. kDer König gewahrte mit dem erften Blick die Ver- änderung dieses gewöhnlich so gleichinäßigen Gesichtes. -«,,Was habt Jhr. d’Artagnan?« fragte er. -»Sire, es ist inir ein großes Unglückwiderfahren.« ,,Meiii Gott, was denn?«« ,,Sire, ich habe einen meiner Freunde, Herrn dir Vallon, bei dem Kampfe auf Belle-Jsle verloren.-« So sprechend heftete d’Artagnan sein Falkenatige auf Ludlvig le., um in ihni das erste Gefühl zii er- rathen, das durchbrechen würde. »Ich wußte es,« erwiederteder König. »Ihr wußtet es und habt'·«mir nichts davon ge- sagt!«« rief der Musketier..-", »Wozu«-I Euer Schmerz, mein Freund. ist so ehr- würdig! Jch mußte ihn schonen. Ja- ich wußte, daß Herr du Vallonsich unter den Felsen von Locniaria begraben hatte; ich wußte, daß mir Herr d’Herblay ein Schiff mit feiner Mannfchaft genommen hat, um sich nach Bayonne führen zu lassen. Aber ich wollte, daß Ihr diese Ereignisse auf unmittelbarem Wege erführet- damit Jl)r überzeugt würdet, meine Freunde seien aä)- tenswerth und heilig für mich, der Mensch in mir werde sich immer den Menschen opfern, da der König so oft genöthigt ist, die Menschen seiner Majesiät, feiner Macht zu opfert-.- »Aber, Sire, woher wißt Jhr...?i« »Woher wißt Jhr selbst, d’Artagnan?«« »Durch diesen Brief- Sire, den mir Von Bayonne Aramis schreibt, welcher frei und außer Gefahr--ist.«« »Seht,« sagte der König, indem er’ ans feiner Cas- seite, welche auf einem Meuble in der Nähe des Stuh-, les stand, auf den sich d’Artagnan stiitzte, einen-Brief g zog, welcher genau nach dem von d’Artagnan. exotiin IAJOHQ As- --.-»)-s ige er- ge- br- daß cria ein sich daß ret- ach- erde oft acht tnne i Zus- ruh-. zrief spin 275 war.»Hier ist derselbe Brief, den mir Colbert acht Stunden, bevor-Ihr den Eurigen erhalten, zugeschickt hat. Jch bin, wie ich hoffe, gut bedient.« »Ja, Sire,« sprach der Musketier,»Ihr seid der einzige Mensch, dessen Glück im Stande war, das Glück’ und die Stärke meiner zwei Freunde zu iibertvältigen.«« Jhr habt Eure Macht gebraucht, Sire, aber nicht wahr, Jhr werdet sie nicht niißbranchen?« s ,,D’Artagnan,«« erwiedcrie der König mit einem Läc)eln voll Wohlwollen,»ich könnte Herrii d«’Herdlah » auf dem Gebiete des Könige voii Spanieir aufheben und ihn lebendig hierher bringeii lassen, um Gerechtig- keit an ihm-zu übelr. D’Artagncm, glaubt mir, ich werde dieser ersten, sehr natürlichen Bewegung nicht nachgeben« Er ist frei, er fahre fort, frei zu sein-« »Oh! Sire, Jhr werdet nicht immer so mild, so edel, so großmüihig bleiben, als Ihr in Beziehung auf mich und Herrn d’Herblay gewesen seid; Jl)r sindet in Eurer Nähe Rathe, die Encls von dieser Schwäche heilen werden«-« »Nein, d’Artagnan, Jhr täuscht Euch, wenn Jhr « meinen Rath beschuldigt, er wolle mich zur Strenge antreiben. Der Rath, Herrn d’Herblar) zu schonen, kommt von Colbert selbst." »Ah! Sire,« rief d’Artagna11 erstaunt. »Was Euch beitisft,« fuhr der König mit einer un- gewöhnlichen Güte fort,»ich habe Euch mehrere ange- nehme Nachrichten niitzutheilenz Jhr sollt sie erfahren, sobald ich meine Rechnungen beendigt. Ich sagte Euch, ich wolle und werde Euer Glück machen. Dieses Wort soll ztc einer Wirklichkeit werden.« »Ich danke tausendmal, Sire; ich kann warten. Jch bitte Eure Masestät, während ich gehe und mich in Geduld fasse, sich mit den armeii Leuten zu beschäfti- gen, die- seit langer Zeit Euer Vorzimnier belagern und« in Demnth eine Sudplik zu den Füßen des Königs-«- niederlegen wollen.«« ’ fri- ’ 276 »Wer diesW »Feinde Eurer Majestät.«« Der König erhob das Haupt. «b»»Freunde Von Herri: Fouqnet,« fügte d’Artagnan et. »Jhre Namen?« »Herr Gourville, Herr Pellisson nnd ein Dichter- Herr Jean La Fontaine.« Der König hielt einen Augenblick inne, um nach- zudenken.-« »Was wollen sie?«« »Ich weiß es nicht.« »Wie sind sie?«« »Ja Traner.'« »Was sagen sie?- «Nichts.« »Was thun sie W »Sie weinen-« »Sie mögen eintrete1t,«« sprach der König, die Stirne faltend. D’Artagnan drehte sich rasch um, hob den Thür- vorhang auf, der den Eingang des königlichen Zimmers schloß, und rief in den anstoßenden Saal:» »Führet sie einf- Bald erschienen an der Thüre des Cabinets, in dem sich der König und sein Kapitäit befanden, die drei von d’Artagnan genannten Männer. An ihrem Wege herrschte ein tiefes Stillschweigen. Bei Annähernng der Freunde des nnglücklichen Ober- intendanten der Finanzen wicheti die Höflinge zurück, als befürchteten sie, durch die Ansteckung der Ungnade nnd des Unglxicks verdorben zu werden. · D’Artagnan ging ihnen mit raschem Schritte ent- gegen nnd nahm diese Unglücklichen bei der Hand, welche im der Thüre des königliche11 Cabinets zögextesi und zitterten; er führte sie vor den Lehnstuhl dks Königs- der sich in eine Fenstervertiefung gestüchtet hatte-nnd,« !. des-:- O wer-»D- icin ter, chk Mc lik- ers in ret ken. der-) ück, ade ut- lche md AS- · ndk 277 auf den Augenblick der Vorstellung wartend- lich an- schickte, den Flehenden einen streikg diplomatischen Ent- pfang zu bereiten." Der ersie voii deii Freunden vo:1 Fonqicei, welcher vor- irat, war Pellissoti. Er weinte nicht mehr, doch seine Thrcinen waren nur vertrocknet, daß der».Kön,ig seine Stimme nnd sein Flehen besser hören konnte. Gourville bisz fiel) auf die Lippen, unt seine Thra- nen aus Achtung Vor dem König zurückzuhalten LeI Fontaine begrub sein Gesicht in seine Hände, nnd ohne die krampfhaste Bewegung seiner Schultern, welche durch das Schluchzen emporgehoben wurden, hatte man glau- ben sollen, er lebe nicht- Der Köiiig behauptete seine ganze Würde. Sein Gesicht war unempfindlich. Es behielt sogar das Run- zeln der Stirne, das erschienen war, als ihm d’Artagnau seine Feinde augekilndigt hatte. Er machte eine Ge- berde, welche bedeutete: Sprecht, und blieb mit einem Hefeti Blick die-se drei verzweifelteu Menschen beobachtend ehen.- Pelisson verbeugte sich bis ziir Erde, und La Fon-- iaiue kniete nieder, wie man es in den Kirchen thut. Dieses hartnäckige Stillschweigen, nur unterbrochen durch schmerzliche Seufzer, fing an., nicht das Mitleid, sondern die Ungeduld des Königs zu erregeii. »Herr Pellisson,« sagte er mit kurzem, trockeneitr Toki,»Herr Gourville nnd Sie, mein Herr...«« Und er nannte La Fontaiue nicht. »Ich würde es mit fühlbaremMißvergnügen sehen, wenn Jhr kämei, um eine Bitte für einen der größten Verbrerher einzulegcn, den meine Justiz bestrafen muß. Eitr Köriig läßt si(l) nur durch die Thränen und die Reue rühren: durch die Thräiien der Unschuld, durch« die Rette der Strafbareii. Jch werde weder an die« Reue bonI-Herrn Fouquet, noch an die Thräuen seiner Freunde glauben, weil der Eine bis in das Herz ver- dorberi ist, und weil die Anderen mich in meinem-Hause Ak»-—» zz.».--.--«-...—-.-«.»-.-. 278 zu beleidigen befürchten müssen. Deshalb, Herr Beflis- son, Herr Gourville nnd Ihr, mei11 Herr..., deshalb bitte ich Euch, nichts zu sagenr, was nicht laut von der Achtuiig zeugt, die Jhr für meinest Willeli habt-« ,,Sire,«« erwiederte Peliisson, zitternd bei diesen schrecklicheii Worten,»wir sind nicht gekommen, nm Eurer Majestät irgend Etwas zu sagen, was nicht derAusdruck der tiefsten Ehrfurcht und der aufrichtigsten Liebe ist, die dem König alle seine Unterthanen schuldig sind. Die Justiz Eiirer Majesttit ist furchtbar; Jeder muß sich unter den Sprüchen beugen, die sie fällt. Wir vernei- ge11 uns ehrerbietigst vor ihr.- Fern von uns sei- der Gedanke, denjenigen zu vertheidigen, der das Unglück gehabt hat, EureMajestät zu beleidigen. Derienige, welcher sich Eure Ungnade zugezogen, kann ein Freund für uns sein, aber er ist ein Feind des Staates. Wir überlassen ihn weinend der Strenge des Königs...« »Uebrigens,« unterbrach ihn der König, beruhigt durch diesen stehenden Ton nnd diese überzeugendeti Worte, ,,iibrige11s wird ihn mein Parlaiiient richten. Jch schlage nicht, ohne erwogen zu haben. Meitie Ge- rechtigkeit hat nicht das Schwert, ohne die Wagschale gehabt zu haben.« »Wir hegen auch alles Vertrauen zu dieser Un- parteilichkeit des Königs, und wir können hoffe11, nn- sere schwachen Stimmen mit der Beipftichtnng Eurer Majcstlit ertönen zu lassen, wenn die Stunde, einen angeklagten Freund zu vertheidige11, für uns geschlagen hat««" »Was Verlangt Jhr also, meine Herren TM zsagte der König mit seiner eindrucksvollen Miene. »Sire,« eriviederte Pellissoii,»der Angeklagte ver- läßt eine Frau und eine Familie. Das geringe Ver- mögen, das er hatte, genügt kaum, um seine Schulden zti bezahlen, und Madam Fouquet wird seit derj Ge- fangenschaft ihres Mannes von aller Welt gemiedean Die Hand Eurer Majestät schlägt zugleich mit- der Hand i VIII-Ok- TO Ost-D- ON »-iq-«·«»s-.sxl9ev S we- »--.«««-«.» 279 lif- Gottes. Schickt der Herr die Wunde des Aussatzee oder · alb der Pest einer Familie, so flieht Jeder und entfenit sich der von der Wohiiung des Pestkrattken oder des Aussatz-Mem Zuweilen, aber selten, wagt es ein edelmüthiger Arzt- sen- sich der verfluchteli Schwelle zu näher11, überschreitet sie rer beherzt und setzt sein Leben aus, um den Tod zu be- uck kämpfen. Er ist die letzte Hülfsquelle des Sterbenden, ist, er ist das Werkzettg der himmlischen Barmherzigkeit. Die Sire, mit gefalieteii Händen, auf beiden Kuieen flehen ich wir Euch an, wie mcm die Gottheit ansicht; Madame ei- Fouquet hat keine Freunde, keine Stützen mehr-; sie )er weint in ihreiir armen, verödeteii Hause, das von denen iick verlassen ist, die im Augenblicke der Gunst die Thüre ge, belagetten; sie hat keinen Credtt, sie hat keine Hoffnung nd mehr-. Der Unglückliche, auf dem Euer Zorn lastet, Zir empfängt wenigstens, so strafbar er ist, von Euch das Brod, das jedeii Tag seine Thränen befeuchten. Ebenso igt betrübt, mehr entblößt als ihr Gatte, hat Madame en Fouquet, diejenige, welcher die Ehre zu Theil geworden en. ist- Eure Majestät an ihrem Tische zu empfangen, hat Ie- Madame Fouquet, die Frau des ehemaligen Oberinten- Ile danten der Finanze11, kein Brod mehr.« Hier wurde die Todeestille, die den Hauc) der zwei in- Freunde von Pellisson fesselte, durch den Ausbruch des in-- Schluchzeng unterbrochen, und d’Artagnari, dem die rer Brttst beim Anhören dieser demiithigen Bitte zersprang, ten drehte sich gegen die Ecke des Cabinets, u1n in Freiheit zen; auf seinen Schnurrbart zu beißen und seine Seufzer zu unterdrücken- gte I Der König hatte sein trockenes Auge, sein strenges Gesicht beibehalten; doch die Röthe war zu seinen er-« Wangen emporgestiegen, und die Dretstigkeit seinerBlicke ek- nahm sichtbar ab.—«-« )en T»Was wünscht Jhr?«« fragte er mit bewegt-er Ye-; Stimme.«« eng»Sire,« erwiederte Pellisson, den die Rührung all--,’ md ,- mälig übermannte,»wir wollten Eure Majestät in De- 280 muth bitten, sie möge nue, ohne daß wir uns ihre Ungnade zuzieheu, erlauben, Madasite Fouquet unter allen ehemaligen Freunden ihres Mannes gesammelte zwei tauseiid Pistoleti zu leihen, damit es der Witive nicht an den für das Lebe-i nothwendigsten Dingen mangle.« Bei dem Wort Witw e, von Pellisson ausgespro- chen, während Fouquet noch lebte, erbleichte der König im höchsten Grade; sein Stolz faul; das Mitleid kam aus seinein Herzeti auf feine Lippen. Er ließ einen ge- rührten Blick auf nlle diese Leute fallen, welche zu sei- nen Füßen schluchzteu. »Gott verhüte,«« sprac) er,»daß ich den Unschul- digen mit dein Schuldigen vermenge. Diejenigen ken- nen mieb schlecht, welche an meiner Barmherzigkeit ge- gen die Schwachen zweifeln. Jch werde immer uur die Frechesi schlagen. That Alles, meine Herren, was Etich Euer Herz zur Erleichterung des Schmerzes voii Ma- dame Fvuqitet zu thun räth. Geht, meine Herreii, geht«-« Die drei Männer erhoben sich stillschweigend nnd mit trockeuem Auge. Die Thrcinen waren bei der bren- nenden Berührung ihres Augenlides uud ihrer Wange vertrocknet. Sie hatten nicht die Kraft, einen Dank an denQKöuig zti richteii; dieser schnitt übrigens ihre feierlicheii Verbeugungen dadurch kurz ab, daß er sich hinter seinem Lehnstuhl verschauzte. D’Artagnan blieb allein beim König. »Gut!« sagte er, indem er sich dem jungenFürsten näherte,»gut, mein Gebieterl hättet Ihr nicht den Wahlsprnch, der Eure Sonne schmückt, so würde ich Euch einen rathen, welchen in das Lateinische zu über- setzeti ich Herrn Courart überließe: Sanft gegeti den Kleinen, hart gegen den Starken.«' Der König lächelte sund ging iu— das anstoßende Zimmer, nachdeni er zu d’Artagnan gesagt:. IN- X 281««». see»Ich gebe Ettch den Urlaub, den Jhr nöthig haben ice müßt, nin die Angelegenheiten des seligeit Herrrc du lte Ballen, Etires Freundes, in Ordnung zu bringen.« tvc sen;- s v- Z-»—.. Iig Im« Tex- XXlX. ei-»- 111- Das Testament vosi Barth-IN ZU-. ze- Jn Piertefonds war Alles in Trauer-. Die Hofe die waren verödet, die Stalle geschlossen, die Blumenbeete Ich vernachlässigt. ka- Jn dein Bassisi hörten die Wasserstrahle, die kaum en, zuvor noch so gerauschvoll und glänzend, oon selbst zu springen ans.. nd Auf den Wegen um das Schloß her kamen einige en- ernste Personen ans Mauleselii oder aitf Pachthofklep- :ge pcrn herbei. Das waren die Nachbarn voni Lande, die snk · Beamten und die Pfarrer der angrenzenden Güter. zre Alle diese Leute zogen schweigsatn in das Schloß ich ein, übergaben ihre Thiere einem verdrießlicheit Stall- knecht und wandten sich, geführt voit einein schwarz gekleideten Jäger, nach einein großen Saal, wo sie aus ten( der Schwelle Monsqneton empfing. )en Monsqneton war seit zwei Tagen dergestalt abge- ich magert, daß seine Kleider sich auf ihm bewegten, wie er- jene zu weiten Scheiben, in denen die Degenklingen )en v tanzen..—. Weiß und roth gefleckt, wie das der Madonna von ide Van Dyck, war sein Gesicht voll zwei silbernen Bächen« »«- dnrchsurcht, die ihrBett iii seinen Wangen gruben, welche««««« J einst so voll, als sie seit seiner Tratcer schlaff waren. Bei jedem neuen Besnclp fand Mousqneion neue Thränen, und man bekam Mitleid, wenn man sah, wie er seine Kehle mit seiner schweren Hand zusainmenpreszte, unt das Schluck-Fett nicht ausbrechen zu lassen. Alle diese Besuche hatten die für diesen Tag ange- kündigte Lesung des Testaments zum Zweck, dein alle Lüsternheiten und alle Freundschaften des Todten, der keinen Verwandten hinterließ, beiwohnen wollten. Die Besuche nahmen Platz, wie sie ankamen, und der Saal wurde geschlossen, als die Mittagsstiinde, ans welche die Lesung anberaumt war, geschlagen hatte. Der Anwalt von Pol-thos, dies war natürlich der Nachfolger Von Meister Coquenard. sing damit an, daß er langsamdas umfangreiche Pergament entwickelte, auf das die mächtige Hand von Porthos seinen letzten Willen geschrieben hatte., Als das Siegel erbrocheii, als die Brille ausge- steckt war, als das vorläusige Husten ertönt hatte, spitzte Jeder das Ohr: Monsqneton hatte sich in eine Ecke gekauert, um besser zu weinen, uin weniger zu hören. Plötzlich öffneten sich die zwei Flügel der Thüre, die man geschlossen hatte, wie durch ein Wunder, und eine männliche Gestalt erschien ini lebhaftesten Lichte der Sonne auf der Schwelle. Es war d’Artagnanz allein bis an die Thüre ge- kommen, hatte er, da er Niemand gefunden, uni ihm den Steigbügel zu halten-» sein« Pferd an dem Klopser angebunden und kündigte sich selbst an. Die Helle des Tages überströmte den Saal, das Gemurmel der Anwesenden und, mehr als dies Alles, der Jnstinct des treuen Hundes entrissen Mousqueton seinen Träumereien. Er schaute empor, erkannte den alten Freund seines Herrn und umfing, heulend vor Schmerz und die Platten mit seinen Thrän"en benetzend, die Kniee des Musketiers..- D’Artagnan hob den armen Jntendanten and-Inm- armte ihn wie einen Freund, und nachdem er die Ver- —- -O Tspq JA- le lc c- Z- le er id nf er Iß te, en ie- zte cke re, nd tcc ze- fer )aö der ten ten erz iiee im- Er- 283 sammlung, die sich seinen Namen siüsternd Verbeugte, mit edlem Anstand gegrüßt hatte, setzte er sich an das Ende des große11 Saales von gefchnitzteui Etchenholz, wobei er Moueqnetoih der vor Schluchzen beinahe er- stickte nnd sich auf den Fußtritt setzte, beständig bei der Hand hielt. Bewegt wie die Anderen, begann nun der Anwalt die Lesung. Nach einem äußerst christlichen Glaubensbekenntniß, bat Porthos seine Feinde um Verzeihiing wegen des Unrechts, das er ihneit möglicher Weise zugefügt. Bei diesem Paragraph entzündete sich ein Strahl unaussprechlichen Stolzes in den-Augen von d’Artagnan. Er erinnerte sich des alten Soldaten. Er berechnete die Zahl aller Feinde von Porthos, die er mit seiner mächtigen Hand niedergeschmettert, und sagte sich, Por- thos habe weise daran gethan, daß er diese Feinde und das Unrecht, das er ihnen zugefügt, nicht einzeln auf- geführt, die Arbeit wäre sonst für den Leser zu beschwer- lich gewesen. " Dann kam folgende Aufzählung: »Ich besitze zu dieser Stunde durch die Gnade Gottes: »1. Das Gut Pierrefoudz, Felder-, Gehölze, Wie- sen, Wasser, Forste, umgeben von guten Mauern. ,,2. Das Gut Bracieur, Schloß, Waldungen, Acker- land, drei Pachthöfe bildend; »Z. Das Gütchen du Vallon, so genannt, weil es im Vallon lieths Braver Porthos! ,,4. Fünf Meiereieii in der Touraine, fünf hundert orgen umfassend; «,,5. Drei Mühlen am Char, mit einem Ertrag von sechshundert Livreg jede;. ««»6. Drei Teiche im Berry, mit eineni Ertrag von zweihundert Livres jeder; »Was die bewegliche Habe betrifft, sogenannt— »He-!W-.,5,W.Ngkwwx7-ke«w.-MIMJ.-(.««—.---««-« s«’-’« akk-.— 284 weil man sie bewegen kann, wie es so gnt mein gelehr- ter Freu11d, der Bischof voii Banner-, erklärt...« D’Artagna11 schmierte bei der traurigen Erinnerung an diesen Namen. Der Anwalt fuhr unsiörbar fort: »Sie besteht: ,,1. Jn Menbles, die ich ans Mangel an Raum hier nicht einzeln aufführen kann: sie sinden sich in allen meinen Schlösserii nnd Häusem, und der Jntendant hat ein Verzeichnis davon abgefaßt.«« Jeder wandte die Augen gegen Mousqueton, der sich in seinen Schmerz Versenkte. ,,2. Jn zwanzig Reit- und Wagenpserden, die ich besonders in meinem Schlosse Pierresonds habe; sie hei- ßen: Bavard, Roland, Charlemagne, Pipin, Dunois, La Hire, Ogier, Simson, Milon, Nimrod, Urgande, Armide- Falstrade, Dalila, Rebecca, Yolande, Finette, Grisette, Lisette und Musette; »3. Jn sechzig Hunden sechs Equipsageii bildend, welche abgetheilt sind, wte folgt: Die erste für den Hirsch- die zweite für den Wolf, die dritte für das Wildschwein, die vierte für den Hasen, nnd die zwei- anderen für das Stehm oder für den Schutz« »4. Jn«Waffe11 und Gewehren fiir den Krieg und die Jagd, in der Waffengallerie enthaltetiz ,,5. Meine Anjou-Weine, für Athos gewählt, der sie einst liebte, meine Weine von Burgusnd, Champagne, Bordeaurs und Spanien in acht Speisegewölben nnd zwölf Kellern, in meinen verschiedenen Häiisern liegend; »6. Meiiie Gemälde nnd Statuen, welche, wie man « behauptet, einen großen Wertli haben und zahlreich ge- nug sind, um das Auge zu ermüden; f ,,7. Meiste Bibliothek, bestehend ans sechs tanse ganz nenen Banden, die man nie geöffnet;.. »8. Meist Silbergeschirr, das vielleichtzein)« abgenutzi ist, aber tausend bis zwölf hundert goageti muß, denti ich konnte nur mit großer M» Is« nd: ««--«,.--. Dre.—,-« Kno- das .Seite, und inan sah, daß eine große Thräiie von den schweigen wiederherstelltysuhr der Anwalt fort: 285 Kiste, die dasselbe enthielt, aufheben, und machte, in- dem ich sie trug, nur sechsnial die Runde in meinem Zimmer; »9. Alle diese Gegenstände sind nebst Tafelzeug und Service in den Hausern, die ich am meisten liebte, ver- theilw- Hier hielt der Leser inne, nin Athem zu schöpfen. Jeder seufzte, hnstete nnd verdoppelie seineAnfnierksam- keit· Der Anwalt fuhr fort: .»Ich habe ohne Kinder gelebt und werde wahr- scheinlich keine bekommen, was ein brennender Schmerz für mich ist« Doch ich täusche mich, denii ich habe einen Sohn in Gemeinschaft mit meinem andern Freunde; das ist Herr Raoul Auguste Jules von Bragelonne, der wahre Sohii des Herrn Grafen de la Feste. »Dieser junge Herr hat mir würdig geschienen- den drei tapferen Edelleuteti nachzufolgen, deren Freuiid und ergebenster Diener ich bin.«« Hier vernahm man ein scharfes Geräusch. Es rührte vom Degen von d’Artagnan her, der aus dem Gehenk schlüpfend aus den fchallenden Boden gefallen« war. Alle Anwesendeit wandten die Blicke nach dieser dicken Augenwimpern von d’Artagnan auf seine Adler- nase gerollt war, deren leuchtende Anhöhe wie ein in der Sonne entflaminter Halbniond glänzte. ,,Deshaib habe ich-«- fuhr der Anwalt fort,»meine ganze bewegliehe nnd unbeweglichej in obiger-Aufzäh- lung begriffene Habe dem Herrn Bicointe Raoul An- gnste Jnles Von Bragelonne, dem Sohne des Herrn Grafeii de la Fore, vermack)t, uni ihn in dem Kummer zu trösteti, den er zii haben scheint, nnd um ihn in den Stand zu setzen, glorreich seinen Namen zii führen.«« Ein langes Geinurmel durchlief die Versammlung. «5Unterstiitzt durch das flammende Auge-.von d’Ar- tagelan, welches die Versammlung durchlaufend das Still- 286 »Unier der Bedingung für den Herrn Vicomte von Bragelonne, daß er deni Herrn Chevalier d’Artagnan, dem Kapilän der Musketiere, gibt, was genannter Herr Chevalier d’Artagnan von meiner Habe verlangen wird. «Unter der Bedingung für den Herrri Bicointe von Bragelonne, daß er eine gute Pension deiii Herrn Che- valier d’Herblay, meinem Freunde, zufließen läßt, sollte dieser in der Verbannung zu leben genöthigt sein. »Unter der Bedingung sitr den Herrn Vicomte von Bragelonne, daß er diejenigen von meinen Dienern un- terhält, welche zehn Jahre bei mir im Dienste gewesen sind, und den Anderen jedem fünf hundert Livres gibt. »Ich vermache meinem Jntendanten Monsqueton alle meine Stadt-, Kriegs- und Jagdanzuge, sieben und vierzig an der Zahl, in der sichern Voraussetzung, er werde sie aus Liebe für mich und zum Andenken an mich tragen, bis sie abgenutzt sind·« »Ferner vermache ich dem Herrn Vicomte von Bra- gelonne meinen alten Diener und treuen Freund, den erwähnten Mousqueton, mit dem Austragc für den ge- ssvnannten Vicomte von Bragelonne, so zu handeln, daß Mousqneton sterbend erkläre, er habe nie aufgehört, glücklich zu sein.« Als Mousqueton diese Worte hörte, verbeugte er sich bleich und zitternd; seine breiten Schultern bebten krampfhastz sein Gesicht, welches das Gepräge eines furchtbaren Schmerz-es an sich trug- kam aus seinen ei- sigeti Händen hervor, und die Anwesenden sahen ihn straucheln, zögern, als ob er in der Absicht, das Ziminer zu verlassen, eine Richtung suchte.«« »Mousqueton, mein Freund,« sprach d’Artagnan, »trefft Eure Anstalten, ich nehme Euch mit zu Athos,» zu dem ich mich voli Pierrefonds aus begebe.·« Mousqueton eriviederte nichts. Er athmete kaum, als müßte ihm fortan Alles in diesem Saale fremd sein. Er öffnete die Thüre und verschivand langsam.« Der Anwalt vollendete die Lesung, worauf getänfchtz e ———-——.—-zk.—.».- .-.-Y Hm IOO MHPH« ev»—-« —- SEND-V- DQ Psde ed IQQ In km rr Id. on ie- on n- en t. VII en IS- an »a- en le- rt, fen les ei- hn ier ————-———.—-3;.—-».-« ..«Y 287 aber voll Achtung, die Mehrzahl von den Leuten weg-· ging, welche um den letzten Willen von Porthos anzu- hören gekommen waren. Als d’Artagnau, nachdein er die ceremoniöse.Ver- beugung des Anivalts empfangen hatte, allein war, be- wunderte er die tiefe Weislyeit des Testirers, welcher so richtig fein Gut dem Würdigsten, den Dürftigsten mit Zartheiten zugetheilt hatte, welche Niemand unter den feinsten Höfliiigen, unter den edelsten Herzen so voll- kommen hätte sinden können. Portltos beauftragte in der That Naoul von Bra- gelonne, d’Artagnan Alles zu geben, was dieser ver- langen würde. Er wußte es wohl, der würdige Por- thos, d’Artagnan würde nichts verlangen, und ini Falle er etwas verlangt hätte, machte ihm Niemand, außer ihm selbst- feinen Theil. Porthos hinterließ eine Pension Aramis, der, wenn er Lust gehabt hätte, zu viel zu verlangen, durch das Beispiel von d’21rtagnanzurückgehalten worden wäre; und das Wort Verbaniiu ag, vom Testirer ohne eine scheinbare Absicht hingeworfen, war es nicht die mil- deste, die ausgesuchteste Kritik des Benehmens von Ara- mis, der den Tod von Portl)os verurfack)t hatte?« Endlich war Athos ini Testament des Todten nicht erwähnt. Konnte dieser in der That vermuthen, der Sohn würde nicht den besten Theil dem Vater anbie- ten? Der plumpe Berstatid vo«n Porthos hatte alle diese Ursachen beurtheilt, alle diese Nuaneen erfaßt, besser als das Gesetz, besser als der Gebrauch, besser als der Geschmack.;. ,,Porthos war ein Herz-« sagte d’Artagnan mit einem Seufzer zu sich selbst. Und es kam ihm vor-, als hörte er ein Stöhnen am Plafond. Er dachte sogleich an den armen Mons- queton, den man von seinen Schmerzen zerstreuen mußte.", Zu diesem Ende verließ d’Artagnan hastig den 288 Saal, um den würdigen Jntendanien aufzusuchen, da dieser nicht zurückkam. Er ging die Treppe hinaus, welche in den erstert Stock führte, und erblickte im Zimmer voii Porthos einen Haufen Kleider voii allen Farben und allen Stof- fen. Man sah die Hand von Mousqueton sich über diesen Reliquien ausstrecken, die er mit allen seinen Lippen, mit seinein ganzen Gesichte küßte-, mit seinem ganzen Leibe bedeckte. D’Artagnan näherte sich dein armen Burschen, uin ihn zu trösten »Mein Gottl«« sagte er, ,,er rührt sich nicht; er ist ohnmächtig t« D’Artagnan täuschte sich; Mousqueton war todt. Todt, wie der getreue Hund, der, nachdeni er seinen Herrn verloren, zurückkehrt, um auf seinem Rock zu »sterben. XXX. Das Alter non Athcm Während alle diese Ereignisse die einst aus eine unlösbar scheinende Weise verbundenen vier Musketiere auf immer trennten, sing thhos, der nach dem Abgang . Von Raoul alleiil geblieben, an, seinen Tribut dem vor- zeitigen Tod zu bezahle11, den man die Abwesenheit ge- liebter Leute nennt Als er in sein Haus bei Bloiø zurückgekehrt war- wo er nicht einmal mehr Grinmud hatte, nni ein arm- selig es Lück)eln zu ernten, weint er unter den Blumens- beeten itmherging, fühlte Athog von Tag zu Tag die ten los der ien em Un ine ere US or- Ze- ac, M- SU- die ;.kssssp- «289 Stärke einer Natur abnehmen, welche so lang untrüg- lich schien.- · Von ihm durch die Anwesenheit des geliebteti Ge-, genstandes zurückgeschoben, kam das Alter mit demgem- zen Gefolge von Schmerzen und Beschwerden, das in demselben Maße zunimmt, in welchem es auf sich war- ten läßt. Athos hatte seinen Sohti nicht mehr, um beständig darauf bedacht zu sein, aufrecht zu gehen, den Kopf zu erhebe-i, eilt gutes Beispiel zu geben; er hatte nicht mehr die glänzenden Augen des jungen Mannes, einen immer brennenden Herd, an dem sich die Flamme seiner Blicke wiederentziindete. Und dann, müssen wir es sagen, dann überließ sich die durch ihre Zartheit und durch ihre Zurückhaltung ausgezeichnete Natur-, da sie nichts mehr fand, was sie in ihren Ergießttngen dämmte, dein Kummer mit dem ganzen Ungestüm gewöhnlicher Naturen, wenn diese sich der Freude hingeben. Der Graf de la Fere, der bis zu seinein zwei und sechzigsteii Jahre jung geblieben, war ein Kriegsmann- welcher seine Stärke trotz der vielen Strapazen, seine Geistesfrische trotz aller Unglücksfälle, seine sanfte Heiter- keit der Seele und des Leibes trotz Mylady, trotz Ma- zarin, trotz la Valliöre erhalten hatte, Athos war in acht Tagen ein Greis geworden, sobald er die Stütze seiner Nachjngend verloren. Jmmer schön, aber gebückt, edel; aber traurig, sanft, aber wankend unter seinen weiß gewordenen Haaren- suchte er vorzugsweise die Lichtungen, wo die Sonne durch das Blätterlverk der Alleeti drang. Die harte Leibesübung seines ganzen Lebens Ver- lernte er, als Raoul nicht mehr da war. Gewohnt- Ihii zu jederJahreszeit mit der Morgeiidämmerung aus- gestanden zu sehen, wunderten sich die Bedienten, wenn jie im Sommer sieben Uhr schlagen hörte11,«ohne daß Ihr Herr das Bett verlassen hatte. Die drei Musketiere. Bragclonue. Ic. 19 290 Athos blieb, ein Brich unter seinem Kovfkissem liegen, und er schlief nicht, und er las nicht. Er blieb liegen, daß er seinen Leib nicht zu tragen hatte, und ließ die Seele und deii Geist aus der Hülle entstiegen- um zu seinem Sohn oder zit Gott zurückzukehren- Maii war sehr erschrocken, wenn man ihn zuweilen zwei Stunden lang in eine stumme, unempfindliche Träumerei versunken sah; er hörte nicht mehr den Tritt des voii Furcht erfüllten Dieners, der aus die Schwelle des Zimmers kam, um den Schlaf oder das Erwachen des Herrti zu belauem Er vergaß manchmal, daß der Tag halb abgelaufen, daß die Stunde der zwei ersten Mahle vorüber war. Dann weckte man ihn. Er stand auf, ging unter seine düsicre Allee hinab und kam ein wenig in die Sonne zurück, als wollte er eine Minute die Wärme des abwesenden Kindes theilen. Und dann begann wieder der traurige, eintönigeSvaziergang, bis er erschöpft zu Zimmer nnd Bett, seinem bevorzugten Domicii, zurückkehrte Mehrere Tage hindurch sprach dcr Graf kein Wort. Er weigerte sich, die Besuche anzunehmen, die zu ihni kamen, und iti der Nacht sah man ihn seine Lampe an-· zünden und lange Stunden mit Schreiben oder mit Dnrrhblättern von Pergamenten hinbringen. Athos schrieb einen voii seinen Briefen nach Van- nes, einen anderen nach Fontainebleanz sie blieben ohne Antwort. Matt weiß, warum Aramis Frankreich ver- lasseii hatte; d’Artagnau reiste von Nantes nach Paris- von Paris nach Pierrefonds. Sein Kammerdiener be- merkte, daß er seinen Spaziergang jeden Tag um eine Strecke verkürzte. Die große Lindenallee wurde bald zu lang für die Füße, die sie einst tausendmal an ei- nent Tag durchliefeii. Man sah den Grafeii mühsam zu den Bäumen in der Mitte gehen, sic) auf eine Moos- bauk setzen, welche eine Seiteuallee bogenförmig aus- fshnikd Und hier die Rückkehr der Kräfte oder vielmehr die Rückkehr der Nacht abzuwarten,« sen- lieb und zen, ilen iche Tritt elle heii 291 Bald entkräfteten ihn hundert Schritte. Endlich wollte Athos nick)t mehr ausstehen, er wies jede Nah- rung zurück, und erschrocken, obgleich er sich nicht be- klagte, obgleich er stets das Lächeln auf den Lippen hatte, obgleich er fortwährend mit seinem sanften Ton sprach, holten seine Leute von Blois den alten Arzt des seligen Monsieur und führteii ihii zu dem Grafen so, daß er diesen sehen konnte, ohne gesehen zu werden. Sie stellten ihii zit diesem Ende in ein an das Zimmer des Kranken stoßendes Cabinet und baten ihn inständig, sich nicht zu zeigen, aus Furcht, dein Gebie- ter zu mißsallen, der keinen Arzt verlangt hatte. Der Doctor gehorchte; Athos war eine Art von--’- Muster für die Edelleute des Landes; Blois brsistcte sich damit. diese heilige Reliquie des alten französischen Nuhnies zu besitzen; Athos war ein sehr vornehmer Mann im Vergleich mit den Adeligen, wie sic der König improvisirte, indem er mit seinem jungen und frucht- baren Scepter die vertrockneten Stammbäume der Pro- vinz berührte. Man schätzte, man ehrte Athos, sagen wir, und man liebte ihn. Der Arzt konnte es nicht ertragen, seine Leute weinen und die Armen des Cantons, denen Athos das Leben nnd den Trost durch seine guten Worte und durch die Almosen gab, sich zusammen- schaaren zu sehen. Er prüfte von seinem Verstecke aus den Gang des geheimnisvollen Uebels, das von Tag zu Tag tödtlicher einen Maiin angriff, der kurz zuvor noch so voll Leben und Lebenslust. Er bemerkte aus den Wangeii von Athos den Purpiir des Fiebers, das sich entzündet und nährt, ein langsa- mes, unbarmherziges Fieber- geboren in einer Falte des Herzens, sich schützend hinter diesem Wall, zunehniend mit den Leiden, die es erzeugt, zugleich Ursache und Wirkung einer gefährlichen Lage. Der Gras sprach mit Niemand, sageii wir, er sprach nicht einmal allein- Sein Geist fürchtete das s—ew,x«-.;«- .,,. — Use sxwewwwiwst i. s.s.;« 292 Getäusch. Er berührte jenen Grad der Ueberreizung, die zunächst an die Ertase grenzt. So absorbirt, gehört der Mensch, wenn er noch nicht Gott gehört, schon nicht mehr der Erde. «- Der Doctor verweilte mehrere Stunden beim Stu- dium dieses schmerzlichen Kampfes des Willens gegen eine höhere Macht; er erschrak, als er diese beständig starren, beständig auf das unbestimnite Ziel gehefteten — Augen sah; er erschrak- als er mit derselben Bewe- gung dieses Herz klopfen sah, dessen Gewohnheit nie ein Seufzer veränderte; die Schärfe des Schmerzes bildet zuweilen die Hoffiiung des Arztes. So vergiiig ein halber Tag. Der Doctor faßte seinen Entschlrkß als ein beherzter Mann nnd ein star- ker Geist; er verließ ungestüm seinen Winkel und ging gerade aus Athos zu; dieser sah ihn, ohne mehr Ver- wunderung zu bezeigen, als wenn er diese Erscheinung gar nicht begriffen hätte. »Verzeiht, Herr Graf,-- sagte der Doctor, indem er mit offenen Armen auf ihn zuging,»ich habe Euch einen Vorwurf zu machen. Jhr werdet mich verstehen.« Und er setzte sich an das Bett von Athos- der nur mit großer Mühe aus seiner Versunkenheit her- austrat. »Was gibt es-v Doctor?«« fragte der Graf nach einem Stillschweigen« »Ihr seid krank, mein Herr, und Jhr laßt Ench nicht behandeln-« · »Ich, krank?«' Versetzte Athos läche,lnd. »Fieber, Abzehrung, Entkräftnng, Herr Gras.·« »Entkräftung?« erwiederte Athosz ,,ist das mög- lich? ich stehe nicht auf.«« »Ah! ahl Herr Graf; keine Ausfliichie, ich bin ein guter Christ.«« »Ich glanlie es.«- »Wiirdet Ihr Euch den Tod geben?«« »Nein, Docto-r.««. E ng, )ört hon Pfu- gen dig sten we- nie szes ßte ar- ing ser- Ing lem ach n« der ler- 293 .»Wohl, mein Herr. Jhr seid sterbend; so bleiben ist ein Selbstmordz geneset, Herr Graf, genesetl« »Von was? findet zuerst das Uebel. Jcb habe mich nie besser befunden; nie hat mir der Himmel schöner geschienen, nie habe ich meine Blumen mehr geliebt.« »Ihr habt einen verborgenen Kummer.« »Verborgen!... nein, ich leide an der Abwe- senheit meines Sohnes- Doctor, das ist mein ganzes Uebel, nnd ich verberge es nicht.« »Herr Graf, Euer Sohn lebt, er ist stark, er hat die ganze Zukunft der Leute seines Verdienstes und seines Geschlechts; lebet fiir ihn.« »Ich lebe ja, Doctorz ohl seid unbesorgt-" fügte er schwermüthig lächelnd bei,»so lange Raoul lebt, wird man es wissen, denn so lange er lebt, werde ich leben.« »Was sagt Jhr?l« ,,Etwas gatiz Einfaches. Jn diesem Augenblick lasse ich das Lebeii in mir schweben. Es wäre eine Aufgabe, die meine Kräfte übersteigen würde, das vergeßliche, das zerstreiite, das gleichgiiltige Lebe11, wenn ich Raotil nicht da habe. Jhr verlangt voii der Lampe nicht, daß sie brenne, wenn der Funke nicht die Flamme daran gehängt hat; verlangt nicht von mir, daß ich im Geräusch und in der Helle lebe. Jch vegetire, ich setze mich in Bereitschaft., ich warte. Doctor, erinnert Euch der Soldaten, die wir io oft mit einander in den Hasen sahen, wo sie auf die Einschiffuug warteten; liegend, gleichgültig, halb auf einem Element, halb auf dem andern, waren sie weder an dem Ort, ’ wohin das Meer sie bringen sollte, noch an dein, wo das Land sie verlieren sollte; das Gepcicke in Bereit- schaft, den Geist gespannt, die Augen starr, warteten sie. Jch wiederhole es, dieses Wort ist dasjenige, welches mein gegenwärtiges Leben schildert. Liegend wie diese Soldaten, das Ohr gespannt gegen die Geräusche,s 294 die zu dir kommen, will ich zum Aufbruch bereit sein beim ersten Nits. Wer wird ihn an mich ergehen lassen? Gott oder Raonl? Mein Gessäcke ist gerüstet, meine Seele ist in Bereitschaft, ich erwarte das Signal«. Jch warte, Docior, ich wartel'« Der Doctor kannte die Gediegenheit dieses Geistes- er würdigte die Festigkeit dieses Körpers; er dachte einen Augenblick nach, sagte sich, Worte wären unnütz, Mittel-albern, und ging weg, nachdem er die Diener von Athos-ern1ahnt, ihren Herrn nicht einen Augenblick zu verlassen. Als der Doctor weggegangen war- bezeigte Athos weder Zor11, no(l) Aerger darüber, daß man ihii ge- stört; er befahl nicht einmal, ihm die Briefe, welck)e eintreffen würden, schleuiiig zu übergeben; er wußte wohl- daß jede Zerstreuung, die ihm zukam, eine Freude, eine Hoff-1ung war, welche, um sie ihm zu verschaffen, seine Diener mit ihrem Blute bezahlt hätten. Der Schlaf war selten geworden. Jn Folge an- haltenden Denkens vergaß sich Athos höchstens ein paar Stunden in einer tieferen, dunkleren Träumerei, welche Andere einen Traum genannthatten. Diese augenblick- liche Ruhe, die das Vergesseii dein Körper gab, ermü- dete die Seele, dennAthos lebte doppelt während dieser Wandernngen seines Geistes. Jn einer Nacht träumte er, Raunl kleide sich in einem Zelte an. um zu einer von Herrn von Beaufort in Persoii befehligteii Expe- dition zu geben. Der junge Mann war traurig- lang- sam schnallte er seinen Panzer an, langsam gürtete er sein Schwert um. »Was habt Jhr denn?« fragte ihn zärtlich sein Vater. »Was mich betrübt, ist der Tod von Porth.os, von unserem so guten Freund,«« erwiedcrte Raoul:»ich leide hier unter dem Schmerz, den Jhr dort empfinden H s werdet-«— Es- Und die Vision verschwand mit dem Schlafe von Athos.. Bei Tagesanbruch trat einer von den Dienern bei seinem Herrn ein und übergab ihm einen von Spanien kommenden Brief. »Die Handschrift von Aramis,« dachte der Graf. Und er las. · »Portho6 ist todWi rief er nach den ersten Zeilen. »O Raoul, Raoul, ich danke Dirl Du hältst Dein- Versprechen, Du benachrichtigst mich.«" Und von einein tödtliel)en Schweiß ergriffen, wurde Athos in feinem Bette ohnnuichtig, ohne eine andere Ursache, als feine Schwäche. XXXl. Msian vors Schar-. Als diese Ohnmacht von Athos aufgehört hatte- kleidete sich der Graf, der sich beinahe schämte, vor die- sem übernatürlichen Ereigniß schwach geworden zu sein, an und Verlangte ein Pferd, entschlossetc, sich nach Biois zu begeben, um sicherere Correfpondenzem entweder mit Afrika, oder mit d’Artagiian oder mit Aramis anzu- knüpfen. Der Brief von Aramis belehrte den Grafen de la Fere vom schlechten Ausgang der Expedition von Belle- Jsle Er gab ihm über den Tod von Porthog genug Einzelheiten, daß das so zarte und so ergebene Herz von Athos bis in seinen letzten Fibern dadurch be- wegt war.." 296 Athos wollte also zu feinem Freunde Porthos. Um seinem alten Waffengefeihrten diese Ehre zu erweisen, gedachte er d’Artagnan zu benachrichtigen nnd diesen zu bewegen, die befchwerlikhe Reise nack)Belle-Jsle noch einmal zu machen und in feiner Gesellschaft die traurige Pilgerfal)1-t zum Grabe des Riesen, den er so sehr geliebt- «in vollbringen; dann wollte er iii seit( Haus zurück- kehren, um deni verborgenen Einflitß zu gehorcheii, der ihn auf geheimnißdollen Wegen zur Ewigkeit führte. Doch kaum, hatten di,g-kf.reud»igen Diener ihren Herrii angekleidet, den sie mit Vergnügen sich zu einer Reise anschicken sahen, welche feine Schwermnth zerstreuen mußte, kaum war das sanfteste Pferd vorn Stalle des Grafen gefattelt und vor die Freitrepve geführt, als der Vater voii Raotil seinen Kopf in Verwirrung ge- rathe11, feine Beine brechen fühlte und begriff, daß es ihm unmöglich war, einen Schritt mehr zu machen. Er verlangte, iii die Sonne getrageic zu werden; man legte ihn auf seine Moosbcmk, wo er eine starke Stunde zubrachte, ehe er feine Lebensgeisier wieder gesammelt hatte., Nichts war natürlicher, als diese Erfchlaffuiig nach der träkxen Ruhe der letzteii Tage. Athos nahm Fleisch- brühe, nm sicl) Kräfte zi: geben, nnd beuetzte seine trockenen Lippen mit- einem Glase voll dem Weitr, den er am meisten liebte, wir meinen den Anjou-Wein, desseii der gute Poribos in seinem bewunderungswür- digen Testament erwähnt. Wiedergestärkt, freien Geiste-Z, ließ er sich nun. seiii Pferd vorführen; doch er bedurfte des Beistaiides der Diener, um mühsam auf den Sattel zu gelangen. . Er machte keine hundert Schritte: der Schauer bemächtigte sieh seiner an der Biegung des Weges. »Das ist seltsam-« sagte er zu seinein Kammer- diener, der ihn begleitete. ·,,Halten wir an, Herr Graf, ich beschwöre Euch,«« rief der getreue Diener-»Ihr erbleichtl««, 297 »Das wird mich nicht abhalten, meine Straße zu verfolgen, da ich einmal auf dem Wege bin-« erwiederie der Graf- Und er ließ dem Pferde wieder die Zügel- Doch statt deni Gedanken seines Herrii zu gehor- chen, blieb das Thier plötzlich stehen. Eine Bewegung, von der sich Athos keine Rechenschaft geben konnte, hatte das Gebiß angezogeik. »Es will Etwas, daß ich nicht weiter gehe,« sagte Athos. ,,Unterstijtzt mich,« fügte-er, die Arme ans- streckend, bei;»geschwinde, kommt herbeil ich fühle alle Ftkcine Muskelii sich abspannen und werde vom Pferde a en." Der Diener hatte die Bewegung, die sein Herr gemacht, zu gleicher Zeit gesehm, da er den Befehl er- halten. Er näherte sich rasch, empfing den Grafen in seinen Armen, und da man noch nicht fern genug vom Hause war, daß nicht die Knechte, welche aufder Schwelle stehen geblieben waren, um Herrii de la Fåre wegrei- ten zti schen, die Unordnung in dem sonst so regelmäßigen Marsche ihres Gebieters wahrgenommen hätten, so rief der- Kammerdiener seine Kameraden mit der Stimme nnd Geberde, und Alle liefen voll Eifer herbei. Kantn hatte Athos ein paar Schritte gemacht, um nach dem Hause zurückzukehren, als er sich wohler fühlte. Seine Stärke schien sich wieder zu beleben, und es kam ihm abermals der Wille, nach Blois zu reiten. Er ließ sein Pferd eine Volte machen. Doch beidem ersten Schritte von dieseni verfiel er wieder in den Zustand« der Erschlafsung und der Bangigkeit. »Ahl" murmelie er,»in an will entschieden, daß ich zu Haiise bleibe.«« Seine Leute näherten sich ihm; matt hob ihn vom Pferde, und sie trugen ihn eiligst nach seinem Hatise. Bald-. war Alles in seineiri Zimmer bereitet; sie legten ihn in sein Bett. »Ihr werdet wohl darauf Acht geben, daß ich noch 298 heute Briefe von Afriea erwartexi sagte er, während er sich zum Schlaer anschickte. »Der gnädige Herr wird ohne Zweifel mitVergnü- gen erfahren, daß der Sohn von Blaisois zu Pferde gestiegen ist, uni« dem Contrier von Blois eine Stunde voranzureiten,«« erwiederte der Kaminerdiener. »Ich danke,« sprach Athos mit einem freundlichen Lächeln- Der Graf entschlummertez seici peinlicher Schlaf glich einem-Leiden. Derjenige- welcher ihn aufwecke- fah in seinen Ziigen zti wiederholten Malen den Aus- druck einer inneren Qual hervortreten. Vielleicht träunite Athos. Der Tag verging. Der Sohn von Blaifois kam zurück. Der Courrier hatte keine Neuigkeiten gebracht. Der Graf berechnete voll Verzweiflung die Minuten- er schmierte, wenn diese Minuten eine Stunde gebildet hatten. Es kani ihm einmal der Gedanke, man habe ihii dort vergessen, und das war eiii grausamer Schmerz für das Herz des Vaters. Niemand im Haufe hoffte mehr, der Coicrrier würde eintreffen, seine Stunde war schon lange vor- über. Viermal hatte der nach Biois abgeschickte eigene Bote seinen Ritt wiederholt, und nichts war an die Adresse des Grafen gekommen. Athos wußte,»daß dieser Courrier nur einmal in den Woche kam. Es war also ein Verzug von acht tödtlichen Tagen zu erdulden. Es begann die Nacht mit dieser schmerzlichen Ueber- zeugung. Alles-, was ein kranker und durch das Leiden ge- reizter Mann an düsteren Muthmaßungen schon trau- rigen Wahrscheinlichkeiten beifügen kann, häufte Athos während der ersten Stunden dieser tödtlichen Nacht auf. Das Fieber stieg; es ergriff die Brust, wo das Feuer bald sing, nach dent Ausdruck des Arztes, den -4-.»·. t- )c )c lf e- te In it. et be kz er r- ne »ie -4-.»·. 299«—- man bei dem letzten Ritte des Sohnes von Vlaisots« von Blois zuriickgebracht hatte. Bald erreichte es auch den Kopf. Der Arzt nahm nach und nach zwei Aderlasse Vor, die den Kopf.fret machten, aber den Kranken schmachten und nur seinem Gehirii Thätigkeitskrast ließen. Dieses furchtbare Fieber hatte indessen nachgelasseii. Es belagerte mit seinen letzten Schlägen die erstarrten Ertreniitäten und hörte am Ende gänzlich ans, als es Mitternacht schlug. Diese unbestreitbare Besserung gewahrend, kehrte der Arzt nach Blois zurück, nachdem er Einiges ver- schrieben und erklärt hatte, der Graf sei gerettet. Dii begann für Athos eine seltsame, unerklärliche Lage. Frei, zik denken, richtete sich sein Geist aus Raoul, ans seinen vielgeliebten Sohii. Seine Einbil- dungskraft zeigte ihm die Felder Africas inder Gegend von Gigellt, wo Herr von Beansort mit seinem Heere hatte landen müssen. Es waren graue Felsen, an gewissen Stellen grün überzogen durch das Wasser des Meeres, wenn dieses die Küste während der Stürme peitscht., Jenseits des Ufers, auf dem die Felsen wie Grab- hügel zerstreut waren, erhob sich im Amphitheater, unter den Cactus und Mastirbäumeii, eine Art von Flecken voll Rauch, voll dunklem Geräusche und ängstlichen Be- wegungen.-, Plötzlich löste sich aus dem Schooße dieses Rau- ches eine Flamme, welche, obgleich kriechend- stufen- weise die ganze Oberfläche dieses Fleckens bedeckte, all- mälig wuchs und in ihren rothen Wirbelti Alles, Ge- heule, Geschrei, zum Himmel emporgestreckte Arme, mit einander vermengie. Es war eine Zeit lang ein gräßlicher Durcheinander von einstürzenden Balken, zu- saitiniengedrehten Platten, verkalkten Steinen, geröste- ten und verschwindenden Steinen. Jn- diesem Chaos, in dem Athos aufgehobene Atme« s" »- 300 erblickte, Schreie, Schluchzen, Stöhiien hörte, sah er seltsamer Weise nie eine menschliche Gestalt. Die Kanoneii donnekteii in der Ferne, das Mus- ketenfeuer prasselte, das Meer brüllte, die Herden ent- sprangen über die grünen Abhange hinab. Doch kein Soldat, unt die Lunte an die Batterieii der Kanonen zu halten, kein Matrose, um dieser Flotte beim Ma- noeuvrireii zu helfen, kein Hirte für diese Herden. Nach der Einäscherung des Dorfes und der Zer- störung der Forts, die es beherrschten, Einäschernng und Zerstöruiig aus eine magische Weise ohne die Mitwir- kmig eines menschlichen Weseiis vollbracht, erlosch die Flamme; der Raiich begann wieder aufzusteigen, verlor dann seit-e Dichiheit, erbleichte und verdnnstete sich völlig. Nun wurde es Nacht in dieser Landschaft; eine nndurchsichtige Nacht auf der Erde, eine glänzende am Firinanient; die großen stammenden Sterne, welche am asrikanischen Himmel funkelten, glänzten-, Ohne etwas Anderes zu erhellen, als sich selbst um sic) her- Es trat eine lange Stille ein; sie diente dazu, einen Augenblick die erhitzte Einbildnngskrast von Athos ausruhen zu lassen, und da er fühlte, daß das, was er zu sehen hatte, nichtbeendigt war, so richtete er auf- merksamer die Blicke seines Verstandes aus das seltsame Schauspiel, das ihm seine Einbildnngskrast vorbehielt. Bald nahm dieses Schauspiel für ihn seinen Fort- gang.. Ein sanfter, bleicher Mond erhob sich hinter den Bergabhängen der Küste, und Anfangs die lvogenden Falten des Meeres beschimmernd, das nach demBrüllen, welches es während der Visioii von Athos hatte ver- nehmen lassen, sich beruhigt zu haben schien-« hefteie dieser Mond seine Diamanten und seine Opale an die Gesträuche und Baumgruvpen des Berges; Wie eben so viele stillschweigende und ausmerkfame Gespenster, schieneii die grauen Felsen ihre grünlichen is- it- ein ten ill- er- nd ir- die tor Ich ine 301 Häupter zu erheben, um auch das Schlachtfeld beim Mondschein zu betrachten, und Athvs bemerkte, daß dieses während des Kampfes völlig leere Feld nun mit erschlageuen Leibern bestreut war. Ein unaussprechlicher Schauer der Angst und des Schreckens ergriff seine Seele, als er die weiß und blaue Uniform der Soldaten von Picardie, ihre langen Piken mit dein blauen Schaft und ihre am Kolben mit der Lilie bezeichneten Musketen erkannte; Als er alle diefe klaffenden, kalten Wunden zum azurnen Himmel hinanffrhauen fah, als wollten sie von ihm die Seelen verlangen, denen sie Durchgang gewährt hatten: Als er die Pferde mit aufgefchlitztem Bauch- die Zunge über die Lippen heraushängend, in dem um sie ber verbreiteten, zu Eis erstarrten Blitt liegen fah, das ihre Schabraken und ihre Mähnen beschmutzte; Als er den Schimmel von Herrn von Beaufort mit zerschmetterteui Kopf in der ersten Reihe auf dem Felde der Todten ausgestreckt sah- Athos fuhr mit einer kalteii Hand über seine Stirne und wunderte sich, daß er sie nicht glühend fand. Er überzeugte sich durch diefe Berührung, daß er als ein sieberlofer Zufchaiter dem Tage nach einer Schlacht bei- tvohute, welche auf der Küste von Gigelli das Expe- ditionsheer geliefert, das er Frankreichs Gestade ver- lassen und am Horizont hatte verschwinden sehen, von dem er mit dem Geiste und mit der Geberde bei dem letzteic Schimmer des Kanonenschusses Abschied ge- nommen, welchen der Herzog als Lebewohl dem Vater- lande zugefandn Wer vermöchte zu schildern, mit welcher tödtlicheii Zerrisseuheit feine Seele, loie ein ioachfames Auge der Spur dieser Leichnanie folgend, sie alle einen nach dem andern betrachtete, um zu ergründen, ob unter ihnen nicht Raoul fchliefez Wer vermöchte die berauschende, gött- liche Freude auiszudrückeii, mit der sich Athos vor Gott 302 verbeugte und ihm dankte, daß er denjenigen nicht er- schaut, welchen er mit so großer Angst unter den Todten gesucht. Jn ihrer Reihe niedergefallen, starr, eiskalt, schienen in der That alle diese wohl erkennbaren Todten gefällig nnd ehrerbietig sich gegen den Grafen de la Fåre zu wen- den, utn besser voll ihm während seiner Leicheninfpection gesehen zu werden« Aber er wunderte sich, indem er alle diese Leich- - name sah, daß er die Ueberlebenden nicht erblickte- Er war zu dem Grade der Jllusioti gelangt, daß diese Vision für ihn eine wirkliche Reise war, eine Reise gemacht vom Vater in Afriea- um genauere Auskunft über den Sohn zu erhalten. Müde, so viele Meere und Contineiite durchlaufen zu haben, suchte et unter einem von den, hinter dem Obdach eines Felfeir verborgene11, Zelten auszuruhen, auf deren Gipfel die weiße Rittersahne mit den Lilien flatterte. Er suchte einen Soldaten, um zanelte von Herrii von Beaufort geführt zu werden. Während nun fein Blick in der Ebene umher- fchweifte und sich nach allen Seiten wandte, sah er eine weiße Gestalt hinter den harzigen Myrrhe-n er- scheinen. Die Gestalt hatte die Traslxt eines Offieiers und hielt in ihrer Hand einen zerbrochenen Degen; sie schritt langsam auf Athos zu; dieser blieb plötzlich stehen, hef- tete seinen Blick auf die Gestalt, sprac) nicht, rührte sich nicht und wollte nur seine Arme öffnen, weil er in dem schweigsamen, bleichen Officier Raoul erkannt hatte. Der Graf versuchte einen Schrei, doch er blieb erstickt in feiner Kehle. Raoul bedeutete durch eine Ge- berde, indem er einen Finger auf feinen Mund legte, er möge schweigen, und wich allmälig zurück, ohnedaß Athos seine Beine sich bewegen fah. Er- len nft cm en, ien crn er- er- md ritt Ef- rte mt ieb Ze- te, aß 303 Bleicher, zitternder, als Raoul, folgte der Graf seinem Sohn mühfaiii durch Heidekrarit und Gebüsche, über Steine und durch Gräben schreitend. Der zärt- liche Vater. dessen Kräfte die Liebe ver-doppelte, ver- suchte eine letzte Bewegung und erstieg den Berg hinter dein Sohn, der ihti durch seine Geberde und durch sein Lächeln nachzog. Endlich erreichte er den Kamm des Berges und sal) schwarz voti dem durch den Mond geweißten Horizont die lustigen, poetischen Formen von Raoul sich abheben. Athos streckte seine Hand aus, uin auf dem Plateau zu feinem geliebten Sohne zu gelangen, und dieser streckte auc; die Hand aus; doch plötzlich, als würde der junge Mann unwillkürlich fortgezoge11, verließ er, beständig zurückweichend, die Erde, und Athos sah den klaren Himmel zwisle MI Füßen feines Kindes und dem Bo- den des Hügels glänzets. Raoul erhob sich unmerklich, immer-lächelnd, immer mit der Geberde rufend, in den leeren Rauniz er ent- fernte sich zum Himmel. Athos stieß einen Schrei erfchrockener Zärtlichkeit aus; er fcharite nach unten. Man sah ein zerstörtes Lager und, wie unbewegliche Atoine, alle die weißen Leichnaiiie vorn königlichen Heere. Und dankt sah er, das Haupt erhebend, immer, im- mer seinen Sohn, der ihn einlud, mit ihm aufzusteigen. xxan Der Engel des Todes. Athos war so weit in seiner wunderbaren Vision, als plötzlich der Zauber durch ein gewaltiges Geräusch, das von den äußeren Thüren des Hauses herkam, un- terbrochen wurde. Man hörte ein Pferd auf dem verhärteten Sande der großen Allee galoppiren Und der Lärmen von sehr belebten Gesprächen stieg bis zu dem Zimmer auf, in dem der Graf träumte. Ein schwerer Tritt wurde auf der Freitrersise hör- bar; das Pferd, das kurz zuvor noch so rasch galop- pirte, ging langsam in der Richtung des Stalles ab. Der Tritt näherte sich allmälig dem Zimmer von Athoø. Eine Thüre wurde geöffnet, Athos wandte sich ein wenig nack) der Seite, woher das Geräusch kam, nnd rief mit schivacher Stimme: »Nicht wahr, es ist ein Courrier von Afriea?«« »Nein, Herr Graf,«« antwortete eine Stimme, welche Athos ans seinem Bette beben machte. ,,Grimaudi« murmelte er. Und der Schweiß fing an, an seinen mageren Wangen herabzugleiteti. Grisnartd erschien aus der Schwelle. Es war nicht mehr Griniaud, den wir noch jung durch den Muth und die Ergebenheit gesehen haben, als er der Erste in die« Barke sprang, welche bestimmt war, Raoul Fu den. Schiffeii der königlichen Flotte zu führen Es war ein ernster und bleicher Greis- mit staub- bedeckte11 Kleidern, mit spärlichen, durkls die Jahre IM, Ich- Ul- nde ehr ör- Ip- ab. on Ich nn, ehe cht lnd die- Ell sb- Fee 305 gewordenen Haare. Er zitterte, indem er sich an die Einfassnng der Thüre anlehnte, und wäre beinahe nie- dergesallen, als er von fern beim Scheine der Lampen das Gesicht seines Herrii sah. Diese zwei Männer-, welche so lange mit einander in Gemeinschaft des Einverständnisses gelebt hatten, und deren Augen, gewohnt, mit den Ausdrücken sparsam um- zugehen, sich stillschweigend so viele Dinge zusagen wußten, diese zwei alten Freunde, der eine so edel durch das Herz als der andere, wenn sie auch durch die Ge- burt und das Vermögen ungleich waren, blieben be- stürzt, als sie sich ansahen. Sie hattest mit einem Blick gegenseitig in der- tiefsten Tiefe des Herzens gelesen. Grimaud trug in seinem Gesicht das Gepräge eines schon durch die traurige Gewohnheit gealterten Schiner- zes. Er schien zn seinem Gebrauche nur noch eine einzige Uebersetzung seiner Gedanken zu haben- Wie er sich einst daran gewöhnt, nicht mehrzu sprechen, gewohnte er sich daran, nicht mehr zu lächeln. Alhos las mit einem Blick allen diesen Klimmer seines treuen Dieners, nnd sagte mit demselben Tone, dessen er sicl) bedient hatte, um mit Raoul in seinem Traume zu sprechen: · ,,Grimaud, nicht wahr, Raoul ist todt?«« Hinter Grimand horchten die andern Diener be- bend, die Augen auf das Bett des Gebieters geheftet. Sie hörten die furchtbare Frage, und ein erschreck- liches Stillschweigen erfolgte darauf. »Ja,« antwortete der Greis, der diese Einsilbe mit eineni heiseren Seufzer aus seiner Brust riß. «Da erhoben sich jammernde Stimmen, seufzten und stöhnten maßlos und erfüllten mit Wehklagen und« Gebeten das Zimmer, worin der mit dem Tode rin-« gende Vater mit den Augen das Portrait seines Soh- nes suchte. Die drei Musketiere· Bragelonne. x. 20 306 Das war für Athoz wie ein Ueber-gang, der ihn zu seinem Traum zurückführte. Ohne einen Schrei auszustoßem ohne eine Thräne zu vergießen, geduldig, sauft und ergeben, wie die Märwrer, schlug er seine Augen zum Himmel auf, um hier, sich über dem Gebirg von Gigelli erhebend, den them-en Schatten wiederzusehen, der sich von ihm in dem Augenblick entfernte, wo Grimaud angekommen war. Jndem er zum Himmel eniporschaiite und seinen wunderbaren Traum wieder aufnahm, kehrte er ohne Zweifel auf denselben Wegen zurück, auf denen ihn kurz zuvor die zugleich so sanfte und so schreckliche Vision geführt hatte; denn nachdem er die Augen halb ge- schlossen, öffnete er sie wieder und lächelte: er hatte Raonl gesehen, der ihm ebenfalls zulächelte. Die Hände auf seiner Brust gefaltet, das’Gesicht dem Fenster zugewendet, gebadet von der frischen Nacht- - luft, welche an sein Lager die Atome der Blumen und’ der Bäume brachte, trat Athoe, um nicht mehr daraus «. hervorzugehen, in die Beschauung des Paradieses ein-»- das die Lebenden nie sehen. Ohne Zweifel wollte Gott diesem Auserwählteii— die Schätze der ewigen Glückseligkeit öffnen, zur Stunde,, wo die andern Menschen zittern, streng vom Herrn-F empfangen zu werden, und sich an dieses Leben- das sie kennen, anklammern, in der Angst vor dem andern Leben, das sie nur bei den düsteren, ernsten Fackeln des Todes erschauen. Athos wurde geführt durch die reine, klare Seele seines Sohnes, der die väterliche Seele an sich, zog. Alles wurde für diesen Gerechten Melodie und Wohl- geruch auf dem rauhen Weg, den die Seelen einschla-» gen, um in das himmlische Vaterland zurückzukehren., Nach einer Stunde dieser Entzückung erhob-;»Dl.lhoø sachte seine Hände, die so weiß wie Wachs, das-«7.Lå- cheln verließ sfeine Lippen nicht mehr, und er flixislserte- sssiste ihn eine die auf, end, ihm men nen lbne kurz sion ge- atte sicht lcht- und;. taus ein,, tlten nde,, errtx«- das dern ckeln Seele sog- kohl- chla·-. )k«en., Lthos» Eil- sikerte- 307 so leise, daß man es kaum hörte, die an Gott oder an Raou"l gerichteten drei Worte: »Hier bin ich.«« Und seine Hände fielen langsam, als legte er sie selbst nieder, auf das Bett. Der Tod tvar bequem und liebkosend für dieses edle Geschöpf gewesen. Er hatte ihni die schmerzlichen Zuckungen des Todeskampfes, die Convulsionen der letzten Abreise erspart; er hatte mit einem gnädigen Finger dieser großen, seiner ganzen Achtiing würdigen Seele die Thore der Ewigkeit geöffnet. Gott hatte es ohne Zweifel so befohlen, daß die fromme Erinnerung an diesen so sanften Tod im Her- zen der Anwesenden und im Gedächtniß der andern Menschen bleibe, die Erinnerung an ein Hinscheiden, das den Uebergang aus diesem Leben in das andere diejenigen lieben läßt, deren Dasein auf dieser Erde das letzte Gericht nicht furchtbar machen kann. Athos behielt im letzten Schlaf das freundliche, aufrichtige Lächeln- eine Zierde, die ihn in’s Grab begleiten sollte; die Ruhe seiner Züge ließ lange feine Diener bezweifeln, daß er bao Lebeii verlassen. Die Leute des Grafen wollten Grimaud wegfich- ren, der Von fern diefes erbleichende Gesicht verzehrte und sich nicht näherte, in der Furcht, ihm den Hauch des Todes zu bringen« Aber Grimaud, so ermüdet er auch war, weigerte sich, wegzugehen. Er setzte sich auf die Schwelle und hütete seinen Herrn mit der Aufmerksamkeit einer Schildwache, eisersüchtig, seinen ersten Blick beim Erwachen, seinen letzten Seufzer beim Tod zu empfangen. s Die Geräusche erloschen im ganzen Hause, und Jeder ehrte den Schlaf des Herrn. Aber horchend bemerkte Grimaud, daß der Graf nicht mehr athmete. Er erhob sich, seine Hände aus den Boden gestützt, ««.-«-.-.M«,i.., Eis-n MMME ice-.- i 308 und schaute von seinemPlatze aus, ob nicht ein- Beben im Leibe seines Herrn ertvacheir würde. Nichtsl die Angst erfaßte ihn, er stand ganz auf- und in demselben Augenblick hörte er auf der Treptie gehen; ein Geräusch von Sporen, an die ein Degen stieß, ein kriegerischer, seinen Ohren vertrauter Ton, hielt ihti zurück, als er auf das Bett von Athos zu- gehen wollte. Eine Stimme, welche noch stärker vibrirte, als das Kupfer und der Stahl, ertönte drei Schritte Von ihm. »Athosl Athosl mein Freund!«« rief diese bis zu Thränen bewegte Stimme. »Der Herr Chevalier d’Artagnanl« stammelte Grimaud. »Wo ist er?- fragte der Musketier. Grimaud faßte ihn mit seinen knochigen Fingern beim Arm und deutete auf das Bett, auf dessen Tüchern die Bleifarbe des Leichnams sich hervorheb. Ein keichender Athem, das Gegentheil eines fchril- len Schreis, schwellte die Kehle von d’Artagnan an. Er nähertesich auf den Fußsvitzen, bebend, er- schrocken über das Geräusch- das seine Tritte auf dem Boden machten, und das Herz zerrissen durch eine namenlose Bangigkeit. Er hielt sein Ohr an die Brust des Grafen, sein Gesicht an den Mund von Athos. Kein Hauch mehr. D’Artagnan wich zurück. Für Grimaud, der ihni mit den Augen gefolgt, war jede seiner Bewegungen eine Offenbarung gewe- sen; schüchtem setzte er sin) unten an das Bett und drückte seine Lippen auf das Tuck), das die erstarrten Füße seines Herrn aufhoben. Da sah man schwere Thrätien seinen Augen entstürzen. Dieser Greis in Verzweiflung, der niedergebeugt so bitterlich weinte, ohne ein Wort vorbringen zu kön- nen, war das ergreifendste Schauspiel, das d’Ølrtggz,tIan in seinem an Gemüthsbewegnngen fo.reichen Leben getroffen.««- ben Auf- Ppe gen Ton, zu- als hm. zU elte Nil ern ril- ek- lem lne ein St- ve- ind ten ell. Igt M- an IcU 309 Der Musketier blieb in Betrachtung Vor dem lächelnden Todten stehen, der seinen letzten Gedanken behalten zu haben schien, um seinem besten Freund, dem Mann, den er nach Raoul am meisten geliebt, einen freundlichen Empfang selbst jenseits des Lebens zu Theil werdeii zu lassen, und als wollte er diese erhabene Schmeichelei der Gastsreuudschast erwiedern, küßte der Musketier Athos auf die Stirne und schloß ihin mit seineii zitternden Fingern die Augen.’ Dann setzte er sich oben an das Bett, ohne Furcht vor diesem Todten, der fünf und dreißig Jahre so sanft und so wohlwollend gegen ihn gewesen war; er nährte sich gierig mit den Erinnerungen, die das edle Gesicht des Grasen in Menge in seinem Geiste wiederbelebte, die einen blühend und reizend wie dieses Lächeln, die andern düster und eisig wie dieses Gesicht mit den von der Ewigkeit geschlossenen Augen. Die bittere Woge, welche von Minute zu Mimtte stieg, überströmte plötzlich sein Herz und zerbrach seine Brust. Unfähig, die Bewegung in seinem Jnnern zu bewältigen, stand er auf, entriß sich ungestüm diesem Zimmer, wo er todt denjenigen gefunden, welchem er— die Kunde vom Tode von Portbos überbringeii sollte, und brach in so herzzerreißendes Schluchzen aus, daß die Diener, welchenur auf einen solchen Ausbruch des Schmerzes zu warten schieiien, darauf durch ihr Jam- mergeschrei und die Hunde des Herrn durch ihr kläg- liches Geheul antworteten.« Grimaud war der Einzige, der die Stimme nicht erhob. Selbst im Parorismus des Schmerzes hätte er es nicht gewagt, den Tod zu eutiveihen oder zum ersten Male seinen Herrn im Schlafe zu stören. Athos hatte ihn überdies daran gewöhnt, nie zu sprechen. D’Artagnan, der itn untern Saale, sich aus die Fäuste beißend, Hm seine Seufzer zu unterdrückeii, Umhergeirrt war, stieg bei Tagesanbruch abermals. die Treppe hinauf, lauerte auf den Augenblick, wo Gri- 310 mand den Kopf gegen ihm umdrehen würde und winkte ihn zu sich; der treue Diener gehorchte ohne mehr Geräusch zu machen, als ein Schatten. h D’Artagnan ging, von Grimaud gefolgt, wieder inab. Als sie im Vorhaufe waren, ergriff er die Hände « des Greises und sprach zu ihm: »Ich habe geschen, wie der Vater gestorben ist-. erzähle mir nun den Tod des Sohne« Grimaud zog ans seinem Busen einen großen Brief, auf dessen Umschlag die Adresse von Athos stand. D’Artagnan erkannte die Handschrift von Herrn von Beaufort, erbrach das Siegel und las bei den ersten Strahlen des Tages, in der düsteren Allee alter Krista- nienbäume auf- und abschreitend, aufderen Boden noch die Spuren von den Tritteit des in der Nacht gestor- benen Grafen sichtbar waren. XXXIll. eFalletin Der Herzog von Beaufort schrieb an Athos. Der für denMann bestimmte Brief gelangte nur an den Todten. Gott veränderte- die Adresse: »Mein lieber Graf,«« schrieb der Prinz mit seiner großen Handschrift eines ungeschickten Schülers,»ein schweres Unglück trifft uns mitten in einem großen Triumph. Der König verliert-» ei,« seiner bravsten Soldaten. Ich verliere einen Fre Jd.««-«Jhr verliert Herrn von Bragelomie. s nkte nehr.« eder inde ist- )ßen and. von ista- noch stor- Der den iner »ein dßen psten liett .-.-———--»-——»——»,-—- t-)« ..-»-.r«:rts 311 »Er ist glorkeich gestorben, so glorreich, daß ich nicht die Kraft habe, zn weinen, wie ich gern möchte. ,,Eittpfangt meine traurigen Complimente, lieber Graf. Der Himmel vertheilt unter uns die Prüfungen je nach der Größe des Herzens. Diese ist ungeheuer, nicht über Eurem Muth. ,,Euer Freund, »Der H erzog von Beaufort·«« Der Brief enthielt einen Von einem der Secre- täre des Herzogs geschriebenen Bericht. Es war die rührendste nnd wahrste Erzählung von dieser traurigen Episode, welche zwei Existenzen auslöste. · Art die Bewegungen der Schlacht gewöhiit, das Herz gepanzert gegen die Riihrungen, konnte sich d’Ar- tagnan des Bebens nicht erwehren, als er den Namen von Raoul, den Namen dieses thenren Kindes las, das- wie sein Vater, ein Schatteii geworden.- »Am Morgen ,« sagte der Secretär des Prinzen, »gab Monseigneur der Herzog Befehl zum Angriff. Normandie und Picardie hatteit ihre Stellung in den grauen Felsen genommen, welche von dem Berge be- herrscht werden, auf dessen Abhang sich die Vasieien von Gigelli erheben.’ »Die Kanonen singen an zu donnern; das Treffen entspaan sich; die Regimenter marschirten voll Ent- schlossenheitz die Pikeniere hatten die ije hoch: die Musketiere hatten das Gewehr im Ann. Der Prinz folgte ausmerksiim dein Marsche und der Bewegung der Truppen, die.er mit einer starkeii Reserve ztt unter- stützen bereit war.." Jti der Umgebung von Monseigneur waren seine altesieit Knvitäne und seine Adjntanten. Der Herr Bi- comte von Bragelonne hatteden Befehl erhalten, Seine Hoheit nicht zu verlassen. »Das Gefäss-Hiv des Feindes, das Anfangs gleich- gültig gegen die Massen gedonnert, hatte indessen sein fass-.- - »F 312 Feuer geregelt und besser gelenkt, tödteten die Kugeln einige Leute unt den Prinzen. Die Regimenter, welche in Colonnen gegen die Wälle vorrückteii, wurden ein wenig mißhandelt. Es trat ein Zaudern auf Seiten unsererTruppen ein, die sich von unserer Artillerie schlecht unterstützt sahest. Die Batterien, welche man am Tage vorher errichtet hatte, schoßen in der That nur schwach und unsicher, in Folge ihrer Stellung. Die Richtung von unten nach oben schadete der Richtigkeit der Schüsse und der Tragweite. »Die schlechte Wirkung dieser Stellung des Bela- gerungsgeschützes begreifend, befahl Monseigneur den in der kleinen Rhede Vor Anker liegenden Fregatten, ein regelmäßiges Feuer gegen den Platz zu eröffnen- »Um diese-i Befehl zu überbringe11, bot sich zuerst Herr von Bragelonne an. Monseigneur weigerte sich aber, die Bitte des Biconite zu bewilligen. »Monseigneur hatte Recht, weil er diesen jungen Mantr liebte und schonen wollte; er hatte Recht, und das Ereigniß übernahin es, seineBorhersehung und seine Weigerung zu rechtfertigen, denn kaum war der Ser- gent, welchen der Herzog mit der von Herrn.von Brage- lonne erbetenen Botschaft beauftragt hatte, an den-Rand des Meeres gekommen, als ihn zwei Stutzbüchsenschüsse aus den Reihen der Feinde niederschmetterten. »Der Sergent siel auf den nassen Sand, der sein Blut trank. »Als Herr von Bragelonne dies fah, lächelte er gegen Monseigneur, und dieser sagte zu ihm:». .»,Jhr seht, Bicomte, ich rette Euch das Leben. Theilt das später dem Herrn Grafen de la Fdre mit- daß er, wenn er es von Euch erfährt, mir Dank wisse.««·.. »Der junge Herr lächelte traurig und erwiederte: »»Es istswahr, Monseigneur, ohne Euer Wohl- wollen wäre ich dort getödtet wordM,« wo der arme Sergent gefallen ist und nun in großer Ruhe liegt.«« en. tit, ank te: bl- me »J-« 313 »Herr von Bragelonne gab diese Antwort mit einer solchen Miene, daß Monseigneur rasch ausrief: »,,Wahrhaftiger Gottl junger Mann, man sollte glauben, das Wasser lanfe Euch im Munde zusammen; aber bei der Seele Heinrich lV., ich habe Eurem Vate- versprochen, Euch lebendig zurückzubringen, und werde? wenn es Gott gefällt, mein Wort halten!-s««’ »Herr von Bragelonne erröthete und sagte mit lei- ser Stimme: «»Monseignenr, ,ich bitte, verzeiht mir; ich habe immer den Wunsch gehabt, Gelegenheit und Vorfälle aufzusuchen, und es ist süß, sich vor seinem General auszuzeichnen, besonders wenn dieser General der Her- zog von Beaufort ist.«« ,,Monseigneur besänftigte sich ein wenig und gab- indem er sich an seine Officiere wandte, die sich um ihn her drängten, verschiedene Befehle. »Die Grenadiere der zwei Regimenter kamen nahe genug an die Gräben und Verschanznngem unt hier ihre Granaten zu sehlendern, doch diese brachten eine geringe Wirkung hervor-. »Herr d’Estr6es, der die Flotte commandirte, hatte indessett den Versuch des Sergenten, in die Nähe der Schiffe zu kommen, gesehen und begriff,— daß er ohne Befehl schießen und das Feuer eröffnen mußte. »Als sich die Araber nun durch die Kugeln der Flotte und durch die Trümmer ihrer schlechten Mauern getroffen und niedergeschmettert sahen, stießen sie furcht- bare Schreie aus. »Jhre Reiter sprengten, ans ihre Sattel gebückt, im Galopp den Berg herab und warfen sich mit aller Gewalt auf die Jnfanterieeolonnen, doch diese kteuzten ihre Piken und hielten den ungestümen Anlauf anf. Zu- rückgetrieben durch die feste Haltung des Bataillon, warfen sich die Araber mit der größten Wuth auf den Generalstab, der in diesem Augenblick nicht bewacht war. »Die Gefahr war groß: Monseigneur zog den i 314 Degen, seine Secretäre nnd seine Leute ahmien ihn nach; die Officiere von seiner Saite ließen sich in einen Kampf mit diesen Wüthenden ein. »Nun konnte Herr von Bragelonne dieLust, die er seit dem Anfang des Treffens kundgab, befriedigen. Er kämpfte in der Nähe des Prinzen mit der Tapferkeit eines Römers und tödtete drei Araber mit seinem klei- nen Degen. »Doch seine Tapferkeit rührte sichtbar nicht von einem allen Kämpseitden natürlichen Gefühle des Stol- zes her. Sie war stürsnisch, absichtlich, sogar ermun- gen: er suchte sich mit dem Lärmen und der Metzelei zu berauschen. »Er erhitzte sich dergestalt, daß ihm Monseignenr zurief, er sollte inne halten. »Er mußte die Stiinme Seiner Hoheit hören, da wir sie hörten, wir, die wir an seiner Seite waren- Erhielt aber nicht inne und sprengte immer weiter ge- gen die Verschayzungen. »Da Herr’von Bragelonne ein sehr boimaßiger Offieier war, so setzte dieser Ungehorsani gegen die Be- fehle von Monseigneur alle Welt in Erstaunen, und Herr von Beanfort rief ihm dringlich zu: ,,»Haltet, Bragelonnel Wohin geht Ihr? Haltet ,. ein, ich befehle es Euch!"«« ;;Die Geberde des Herrn Herzogs nachahmend, hatten wir Alle die Hand aufgehoben. Wir erwarteten, daß der Reiter sein Pferd umwenden würde, doch Herr von Bragelonne rannte unaufhaltsakn gegen die Palis- saden fort. »,,Haltet einl«« wiederholte der Priiiz mit sehr starker Stimme, ,,-,haltet ein, Bragelonne- im Namen Eures Vaters!«--- »Bei diesen Worte-I wandte sich Herr von Brage- lonne um; sein Gesicht drückte einen lebhafteii Schmerz aus, aber er hielt nicht an; wir dachten.nun, fein Pferd reiße ihn fort.«· 315 hn»Als dem Herzog auch der Gedanke gekommen m war, der Vicomte sei nicht mehr Herr seines Rossi-, « und er ihn an den ersten Grenadieren hatte vorbeijagen Er sehen, rief Seine Hoheit: :»»Musketiere, tödtet sein Pferd! Hundert Pistolen ;Z« dem, der sein Pferd niedersireckt!«« ’l'»Aber auf das Pferd zu schießen, ohne den Reiter zu treffen, wer hätte das hoffen können? Keiner wagte Vln es. Endlich trat Einer auf: es war eln vortrefflicher « Schütze vom Regiment Picardie, genannt die Luzernez F-. er legte auf das Thier an, schoß und traf es in das er Kreuz, denn man fah das Blut die weißen Haare des Pferdeo röthen. Nur, statt zu fallen, jagte das ver- Ur damiute Roß noch wüthender fort.« »Ganz Pieardle, das den unglücklichen Mann dem m Tod entgegenlaufen sah, rief aus vollem Halse:»Werft n’ Euch hinab, Vicomte, hinab, hinab, werft Euch hinab l«« «»Herr von Bragelonne war ein beim ganzen Heere sehr bellebter Mann. «»Schon war der Vicomte auf einen Pistolenschuß e« zum Wall gekommen; eine Salve-ging los und um- w hüllte ihn mit Rauch und Feuer. Wir verloren ihn t aus dem Blick; als sich der Rauch zerstreut hatte, fah e man ihn zu Fuß, aufrecht stehend; sein Pferd-war(ge- tödtet worden. C T d-»Der Vicomte wurde von den Arabern aufgefor- "- dert, sich zu ergeben; aber er machte ihnen mit dem rk H Kopfe ein verneinendes Zeichen und schritt auf die Pa- s«! lissaden zu. . J:»Das war eine tödtliche Unklugheit. Doch die It J ganze Armee wußte ihm Dank, daß er nicht zurückwich, n’ da ihn das Unglück so nahe hinzic geführt hatte. Er « z ging noch einige Schritte, und die zwei Regimenter e« J klatschten in die Hände. kg c ,,Jn diesem Augenblick erschütterte die zweite Sava ’; abermals die Mauern, nnd der Vicomte verschwand zur 316 zweiten Male im Wirbel; aber diesmal"mochte sich der Rauch immerhin zerstreuen, wir sahen ihn nicht mehr stehen: er lag, den Kopf niedriger als die Beine, auf dein Heidekraut, und die Araber waren im Begriff, aus ihre-i Verschanzuiigen herausgeben zu wollen, um ihm den Kopf abzuschneiden oder seinen Leib zu nehmen- wie es der Gebrauch bei den Unglaubigen ist« z ,,Doch Seine Hoheit Monseigneurder Herzog von, Beaufort hatte dies Alles mit dem Blicke verfolgt, und dieses große Schauspiel hatte ihm schwere, schmerzliche ( Seufzer entrissen. Er rief daher, als ersdie Araber wie s Psße Gespenster unter den Mastixbäumen umherlaufen 1 a:( »«Grenadiere, Pikeniere, wollt Jhr sie diesen edlen f Leib fortschleppen lassen?«« »Bei diesen Worten schwang er sein Schwert und( sprengte selbst auf den Feind zu. Die Regimenter eilten I feiner Spur nach und stießen dabei Schreie aus, welche s so furchtbar, als die derAraber wild waren. »Der Kampf begann gleichsam auf dem Körper k des Vieomte und war so erbittert, daß hundert und sechzig Araber neben welkigstens fünfzig von unseren Leuten todt auf dem Platze blieben. s »Ein Lieutenant von Normandie focht, den Körper d des Bieomte auf seinen Schultern, und brachte ihn in k unsere Reihen zurück. t »Man verfolgte-indessen den Bortheil; die Regi- k menter nahmen die Reserve mit sich, und die feindlichen i k Palissaden wurden niedergeriffen.-« J »Um drei Uhr verstummte das Feuer der Araberz» r der Kampf mit blanken Waffen dauerte zwei Stunden; das war eine Schlächterei.- i s »Um fünf Uhr waren wir Sieger auf allen Punk- ten; der Feind hatte seine Stellungen verlassen, und- n der Herr Herzog hatte die weiße Fahne auf dem höch- äen Punkte des Berges aufpflanzen lassen.«- i te»Nun konnte man an Herrn von Bragelonne den- III:- v"s-t w-«». 317 ken, der acht schwere Wunden aus dem Leib und bei- nahe alles Blut verloren hatte. »Er athmete indessen noch- was eine unaussprech- ltche Freude Monseigneur gewährte, welcher dem ersten Verbande des Vicoiiite und der Berathung der Wund- ärzte beiwohnen wollte. »Zwei von ihnen erklärten, Herr von Bragelonne würde leben. Monseigneur siel ihnen uni den Hals und versprach Jedem tausend Louisd’or, wenn sie ihn retteten. »Der Vicotnte hörte diesen Ausbiuch freudigen Entzückens, und, verzweifelte er nun, oder schmerzten ihn seine Wunden, seine Physiognoniie drückte einen lebhaf- ten Verdruß aus, was viel zu denken gab, besonders einem von den Secretären, als er gehört hatte, was folgen wird. »Der dritte Wundarzt, der kam, war der Bruder Sylvain von Saint-Cosme, der Gelehrteste von dcic Unserem Er untersuchte die Wunden ebenfalls und sagte nichts. »Herr von Bragelonne öffnete seine starren Augen und schien jede Bewegung, jeden Gedanken des gelehr- ten Arztes zu erforschen. »Von Monseigneur befragt, antwortete dieser, er sehe wohl drei tödtliche Wundeii unter den acht, aber die Constitutiou des Verwundeten sei so kräftig, die Ju- gend so fruchtbar, die Barmherzigkeit des gütigen Got- tes so groß, daß Herr von Vragelonne vielleicht davon kommen würde, unter der Bedingung indessen, daß er keine Bewegung machte. «Bruder Sylvain wandte sich an seine Gehülfen Und fügte bei: »,Rührt ihn besonders nicht mit dem Finger an- sonst werdet Jhr ihn tödten.«« »Und wir verließen das Zelt tnsgesammt mit ein wenig Hoffnung.« ,,Dieser Secretär, als er wegging, glaubte ein blei- chee, trauriges Lächeln über die Lippen des Btcomte Its gleiten zu sehen, ale der Herzog mit liebkosendem Ton zu ihm sagte: s ,.»Obl Vicomte, wir werden Dich rettenl«« »Am Abend, da man gl-«·ubte, der Kranke müßte auggerulzt haben, trat einer der Gehülfen in das Zelt des Vicomte-uiid kam sogleich unter heftigen Schreien wieder heraus. »Wir liefen Alle in Verwirrung herbei, der Herr Herzog mit uns, und der Gehülfe zeigte uns den Leib des Herrn von Bragelonne, der unten vor dem Bette auf dem Boden, im Reste seines Blutes gebadet, aus- gestreckt lag.. Hinz- »Es scheint,«e«r hatte Convuliionen, sieberhafte Be- wegungen gehabt, undwar berausgefallenz der Sturz, den er gethan, hatte, nach der Vorhersagung des Bru- der Sylvain, sein Ende beschleunigt. »Man hob den Vicomte auf; er war kalt und todt. Er hielt eine blonde Haarlvcke in der rechten Hand- nnd diese Hand war krampfhaft an fein Herz gepreßt-« Hier folgten die einzelnen Umstände der Erpedition und des über die Araber davon getragenen Sieges. D’Artagnan hielt bei der Erzählung vom Tode des armen Raoiil inne. ,,Ohl«« murmelie er, ,,unglückliches Kindl ein Selbstmordl-« Und er wandte die Augen nach dem Zimmer des Schlosses, wo der Graf den ewigen Schlaf schlief, und sprach leise: »Sie haben sich Wort gehalten. Nun finde ich sie glücklich: sie müssen wiedervereinigt fein.« Und mit langsamen Schritten ging er nach dem Blumengarten., Die ganze Straße, die ganze Gegend füllten sich schon mit Nachbarn; in Thtänen zerfließend, erzählten sie einander die dovpelte Katastrophe und trafen dann Anstalten zum Leichenbegängniß.» ein des und isie dem lten ann 319 EXWY.« Der letzte Gesang. I Schott am andern Tage sab man den ganzen Adel der Umgegend, der Provinz, voii überall herbeikommen, wohiii die Boten die Kunde-.«zu Kringen Zeit gehabt atten."-, h D’Artagnan war eingeschlossen» geblieben, obne mit Jemand sprechen zu wollen. · Zweiksv schwere Todes- fälle, welche nach deni Tode von Vorihos über den Ka- pitän hereinbrachen, battetk außastsange Zeit diesen bis dahin unermüdlichen Geist niedergebeugt. Außer Grimaud, der einmal in sein Zimmer kam, erblickte der Musketier weder Bedienten, noch Hausge- no en. ff Er glaubte ans dem Geräusche des Hauses, aus »dem Hin- und Hergehen zu erratben, daß man Vorbe- reitungeii zum Leichenbegängniß des Grafen traf. Er schrieb an den König, um sic) einen weiteren Urlaub zu erbitten. Grimaud war, wie gesagt, bei d’Artagnan einge- treten, und hatte stel) bei der Thüre auf einen Schemel gesetzt, wie ein Mensch- der tief nachsinnt; dann war er wieder ausgestanden und hatte d’Artagnan durch ein Zeichen bedeutet, er möge ihm folgen. Dieser gehorchte stillschweigend Grimaud ging bis in das Schlafzimmer des Grafen hinab, deutete mit dem Finger aus den Platz des leeren Bettes und schlug die Augen beredt zum Himmel auf. »Ja-« etwiederte d’Artagnaii,»ja, guter Grimaud,, beint Sohne, den er so sehr liebte-« Grimaud verließ das Zimmer und begab sich in Jsxpwsadwsssässs ists-BE Js- MI- T sit-M 320 den Saal, wo wan nach dem Gebrauche der Provinz den Leichnam, ehe man ihii für immer bestattete, in Parade hatte aufstellen müssen. D’Artagiian war betroffen, als er zwei offene Särge in dieseni Saale sah; auf die stumme Einladung von Grtmaud trat er hinzu und sah in einem dersel- ben- Athos, schön bis in den Tod, und im andern Raoul, die Augen geschlossen, die Wangett geperlnmt- tert wie die der Pallas von Virgil- und das Lächeln auf feinen violetten Lippen. Er schauerte, als er den Vater und den Sohn sah. Diese zwei entfloheuen Seelen, auf der Erde ver- treten durch zwei diistere Leichname, welche unfähig- sich einander zu nähern,.so-klei11 der Raunr war, der sie trennte.- »Raoul hier« murmelte er.»Oh! Grimaud, das sagtest Du mir nicht!«« Grimaud schüttelte den Kopf und antwortete nichts, aber er nahm d’Artagnan bei der Hand, führte ihn zu dem Sarg und zeigte ihm unter dem zarten Schweiß- tuch die schwarzen Wunden, durch ·welche das Leben entstehen sein mußte. Der Kapitän wandte den Blick ab, und indem er es für unnittz hielt, Grimaud zu befragen, der nicht antworten würde, erinnerte er sich, daß der Secretär dort Herrn von Beanfort mehr geschrieben, als er, d’Artagnan, zu lesen den Muth gehabt hatte. Er nahm den Bericht über das Treffen, welches Naoul das Leben gekostet hatte- wieder auf und fand folgende Worte, die den letzten Paragraph des Brie- fes bildeten: »Der Herr Herzog hat befohlen, den Leichnam des Herrn Vicomte einzubalsamiren, wie dies bei den Arabern gebräuchlich ist, wenn sie wollen, daß ihre Leiber in ihr Gedurtsland gebracht werde11, und der Herr Herzog hat Relais bestimmt, daß ein vertrauter tät er, hes and rie- am den hre der lter 321 Diener, der den jungen Mann aufgezogen, feinen Sarg zum Herrn Grafen de la Före zurückführen könnte.«' »Ich werde also Deinem Leichenbegängniß folgen- mein armes Kind-« dachte d’Artagnan,»ich, der ich schon alt, der ich· nichts mehr auf der Erde werth bin, und ich werde den Staub auf die Stirne streuen, die ich vor zwei Monaten küßte. Gott hat es gewollt, Du hast es selbst gewollt. Jch habe nicht einmal mehr das Recht, zu weinen: Du hast den Tod gewollt; er schiert Dir den Vorzug vor dein Leben zu verdienen.« Endlich kam der Augenblick, wo die kalten Hüllen Idieser zwei Edelleute der Erde zurückgegeben werden ollten. Es strömten Kriegsleute und Volk in solcher Menge herbei, daß bis zur Grabstatte, einer Kapelle auf der Ebene, der Weg von der Stadt voll voll Reiterri und Fußgängern in Trauerkleiderii war. Atboe hatte zu seinein letzten Wohnort die kleine Umfriedung dieser Kapelle gewählt, die er an der Grenze feiner Güter erbaut. Er hatte hiezu die im Jahre 1"550 vom Bildner bearbeiteten Steine von einem alten gothischen, im Berrt) liegende11, Herrnhause, das feine erste Jugend geschützt, kommen lassen. · So wiederaufgebaut, ruhte die Kapelle unter einer Gruppe von Pappelbauinen und Sycomoren. Jeden Sonntag verrichtete darin den Gottesdienst der Pfarrer vonr benachbarten Flecken, dein Athos hiefür ein Einkommen von zweihundert Livres ausgesetzt hatte, und alle Lehiisleute seiner Herrschaft, ungefähr vier- zig an der Zahl, die Feldarbeiter und die Pächter mit ihren Familien kamen hierher, um die Messe zu hören, lohneb daß sie nöthig hatten, sich nach der Stadt zu ege en. Hinter der Kapelle dehnte sich, in zwei dicke Hecken von Haselstauden, Weißdorii und Flieder eisWeschlossen und umgeben von einem tiefen Graben, die kleine Be- Die drei Mustetiere. Bragelonnr. x. 21 .."».—.«. Jssxsz...««- psy- .s»( www-W.- « E- 322 friedung aus, welche zwar unangebaut, aber heiter-en Aussehen-S in ihrer Unfrnchtbarkeit- weil die Moose hoch waren, weil die wilden Heliotrope und die Violen ihre Wohlgerüche vermengten, weil unter den Kastanieru bäumen eine kräftige Quelle in einer marmornen Clsterne gefangen sprudelte, und weil ans dem Thymian rings umher Tausende voii Bienen summten. welche Von den benachbarten Ebenen kamen, während die Finken und die Rothkehlchen munter aus den Blüthen der Hecke sangen. Dahin brachte man die zwei Särge inmitten einer stillen, gesammelten Menge. Als das Todtenamt gefeiert war, als man den letzten Abschied voii den edlen Hingeschiedenen genom- men hatte, zerstreute sich die ganze Versammlung, auf den Wegen von den Tugenden und dem sanften Tode des Vaters, von den Hoffnungen, welche der Sohn gegeben, nnd von seinem traurigen Ende anf der Küste von Africa sprechend. Allmälig erloschen die Gespräche, wie die in dein bescheidenen Schiff der Kapelle angezündeten Lampen- Der Geistliche verbeugte sich zum letzten Mal vor dem Altar uiid den noch frischen Gräber11, und kehrte dann gefolgt von seinem Meßner, der ein heiser-es Glöckchen läutete, langsam nach seinem Psarrhause zurück. D’Artagnan, welcher allein geblieben, bemerkte, daß es Nacht wurde. An die Todten denkend, hatte er die Stunde ver- gessen. Er stand von der eichenen Bank auf, auf die er sich in der Kapelle gesetzt hatte, und wollte- wie der Priester, einen letzleii Abschied von dem doppelteii Grabe nehmen, das seine verlorenen Freunde enthielt. Eine Frau betete auf dieser feuchten Erde knieend. D’Arisgnan blieb auf der Schwelle der Kapelle stehen, um diese Frau nicht zu stören, und auch- UNI s 828» m zufehe11, tver die fromme Freundin fei, welche die sse J heilige Psiick)t mit fo viel Eifer und Beharrlichkeit übte. en j Die Unbekannte verbarg ihr Gesicht unter ihren n- alabastetweißen Händen. An der edlen Einfachheit ne ihres Anzugs ertieth man die Frau von Stand. Außen IS warteten mehrere berittene Diener und ein Reisewagen en auf diese Dame. D’Artagnan suchte Vergebens zu er- tld rathen, was sie aufhielt. ke Sie betete immer und wischte oft mit ihrem Sack- tuch über ihr Gesicht. D’Artagnan begriff, daß sie et» weinte. Er sah sie mit der unbarmherzigen Zerknirfcktung en christlicher Frauen an ihre Brust schlagen. Er hörte sie U- zu wiederholten Malen deki aus einem geschworenen Uf: Herzen hervorkornmenden Schrei: ,,Verzeihungl Ber- Pe z zeihungl« voti sich geben. M» Und als sie sich ganz ihrem Schmerz hinzugeben ste fchie11, als sie sich mitten unter ihren Klagen und Gebeten halb ohnmächtig zurückwarf, machte d’Artag- M nait gerührt aus Liebe für seine fo sehr bejammerten U- Freunde einigeSchritte gegen das Grab, um das M. sinstere Gespräch der Büßerin mit den Todten zu in s unterbrechen. ZU Doch sein Fuß hatte nicht sobald auf dem Sande gekracht, als die Unbekannte das Haupt erhob und IS- d’Artagnan ein von Thräiien überfluthetes, ein be- L freundetes Gesicht sehen ließ. tm Ek-« Es war Fräulein de la Valliiare. »Herr d’Artagnan!«« siüsterte sie. er»Jhr?«erwtederte der Kapitän mit düsterem Tone, Er»Ihr hier? Ohl Madame, ich hätte Euch lieber mit M Blumen geschmückt im Herrenhause des Grafen de la Its Fåre gesehen. Jl)r hättet weniger geweint, sie auch-» lds ich auchl«'»- · lle,»Mein Herrl- stammelte sie schluchzend. ,,Denn Ihr-« fügte der unbargnherzige Freund·. 324 ·" dek Todten bei,»Ihr habt diese zwei Mäniier in’s Grab ge egt.« »Oh! schonet mich.« »Mein Fräulein, Gott verhüte, daß ich eine Frau beleidige oder sie umsonst weinen mache; aber ich muß Eukl) sagen, daß der Platz des Mörders nicht aus dem Grabe der Opfer ist.'« Sie wollte antworten. »Was ich Euch da sage, sagte ich dem König,«« setzte er kalt hinzu. Sie faltete die Hände. »Ich weiß, daß ich den Tod des Vieomte von Bragelonne verursacht habe-« sprach sie. ,,Ahl Jhr wißt es?« »Die Nachriclyt ist gestern bei Hof eingetroffen. Jch habe seit heute Nacht um zwei Uhr vierzig Mei- len gemacht, um den Grafen, den ich noch lebend glaubte, um Verzeihung zu bitten und hier auf der-: Grabe von Raoul Gott anzuflehen, er möge mir alles Unglück schicken, das ich verdiene, ein einziges ausge- nommen. Jch weiß nun, mein Herr, daß der Tod des Sohnes«den Vater getödtet, und habe zwei Strafen zu erwarte-n« »Ich wiederhole Euch, mein Fräulein, was mir von Euch in Antibes Herr von Bragelonne gesagt hat- als er schon auf seinen Tod sann: ,,,,Haben sie die Hossart und die Gefallfucht fortgerissen, so verzeihe ich ihr, indem ich-sie verachte. Jst sie der Liebe unter- «1egen, so verzeihe ich ihr und schwöre ihr zugleich, daß sie Niemand so geliebt hat, wie ich.«« »Ihr wißt,« erwiederte Louise,»daß ich für meine Liebe mich selbst zu opfern im Begriff war;»Ihr wißt, ob ich gelitten, als Jhr mich verloren, sterbend, verlassen trafetl Nun denn! nie habe ich so viel ge- litten, wie heute, weil ich damals hoffte., wünschte, während ich heute nichts mehr zu wünschen habe; weil dieser Todte alle meine Freude in sein Grab hinabziehtz —-«—-j-s-«--«—- lll Iß en. ei- nd es se- Es zu nir at, vie ich er- ch- für Ihr nd, Se- ite- )eil -v- weil ich nicht mehr ohne Gewissensbisse zu lieben wage- und ich fühle es, derjenige, welchen ich liebe... oh! das ist das Gesetz... wird mir alle Qualen zurück- geben. die ich Andere habe ausstehen lassen.«i D’Artaqiian antwortete nichts; er fühlte zu sehr, daß sie sich nicht täuschte. »Mein lieber Herr d’Ar-tagnan,«« fügte sie bei, ,,beugt mich heute nicht zu tief nieder, ich beschwöre Euch abermals. Ich bin wie der vom Stamm gelöste Zweig, ich halte an nichts mehr in dieser Welt, und ein Strom reißt mich fort, ich weiß nicht wohin. Jch liebe wahnsinnig, ich liebe in einem Grade, daß ich es, gottlos- wie ich bin, auf der Asche dieses Todten sage, und ich erröthe nicht darüber, und es macht mir keine Gewissensbisse. Diese Liebe ist eine Religion.- Nur, da Jhr mich später allein, vergessen, verachtet sehen werdet; nur, da Jhr mich verachtet für das sehen werdet, was Ihr zu bestrafen bestimmt seid, schonet" mich in meinem ephemeren Glück, laßt es mir ein paar Tage, laßt es mir einige Minuten. Zur Stunde, wo ich mit Euch spreche, besteht es vielleicht nicht mehr. Meiir Gottl dieser doppelte Mord ist vielleicht schon gesuhnt!- Sie sprach noch; ein Geräusch von Stimmen und von Pserdetritteii machte den Kapiteln aushorchen. Ein Ofsicier des Königs, Herr von Saint-Ai«qnan- kam, um la Valliere im Austrag«von Ludwig le. auszulachen, den Eifersucht und Unruhe z'ernagten.« Saint-Aignan sah d’Artagnan nicht, da dieser halb durch einen dicken Kastanienbaum verborgen war, der seinen Schatten auf die zwei Gräber fallen ließ. Louise dankte Saint-Aignan und entließ ihn mit einer Geberde· Er entfernte sich aus dem Gehäge. »Ihr seht-« sprach bitter der»Kapitän zu der jungen Frau,»Ihr seht, Madame, daß Euer Glück noch fortwährt.«« - i MFWHWEA sey-we 328 Die junge Frau erhob sich und erwiederte mit einer feiertichen Stimme: »Ihr werdet eines Tags bereuen, daß Jbr mich so schlecht beurtbeilt. An dieseni Tage, mein Herr, will ich Gott bitten, er möge vergessen, daß Jhr ungerecht gegen mich geweieii. Ueberdies werde ich so sehr leiden, daß Jhr zuerst mein Leiden beklagen wer- det. Dieses Glück, Herr d’Artagnan, werft es mir nicht vor: es kommt mich theuer zu stehe11, und ich habe nicht meine ganze Schuld bezahlt.«« Nach diesen Worten kniete sie abermals sanft nnd liebevoll nieder und sprach: ,,,Zuin letzten Mal bitte ich Dich um Verzeihung- mein Bräutigam Raoul. Jch habe unsere Kette ge- brochen; wir sind Beide bestimmt, aus Schmerz zu sterben. Du gehst zuerst Voiihinne11; sei unbesorgt, ich werde Dir folgen. Sieh nur, daß ich nicht feig gewesen und daß ich gekommen bin, um Dir dieses letzte Gebab’dichwohl zu sagen. Der Herr ist mein Zeuge, Raoul, hatte es mzin Leben gekostet, das Dei- nige zu erkaufen, ich würde mein Leben ohne Zögern hingegeben haben. Jch konnte meine Liebe nicht geben. Noch einmal, verzeih’i« Sie pflückte einen Zweig und steckte ihn in die Erde; dann trocknete sie ihre von Thränen befenchteten Augen, grüßte d’Artagnan und verschwand. « Der Kapiteln sah Pferde, Reiter und Wagen ab- gehen; dann kreuzte er die Arme über seiner ange- schwollenen Brust und sprach: «Wann wird die Reihe, abzugeben, an mir sein? Was bleibt dein Menscheir nach der Jugend, nach der Liebe, nach denr Ruhm, nach der Freundschaft, nach der Stärke, nach dein Neichtbum?... Der"Fels, unter dem Portbos ruht, der Alles gehabt hat, was ich ge- nannt; dieses Moos, unter dem Athos und Raoul ruhen, welche noch viel mehr besaßenl««-.-" g- e- t- Eg es in i- ie en b- Z- Er et e- al· ..-o.—»- 327 Er zögerte eine Minute, das Auge ohne Blick; «dann erhob er sich und fügte bei: »Vorwärts! Wenn es Zeit ist, wird es mir Gott sagen, wie er es den Andern gesagt hat.«« Hienach berührte er mit dem Finger die Vom Abendthau befeuchtete Erde, bekreuzte sich, als wäre er beim Weihtessel einer Kirche gewesen, und schlug allein, für immer allein, den Weg nach Paris ein. XX-Xv. E p i l o g. Bier Jahre nach der so eben Von uns gefchildetten Scene ritten zwei Cavaliere auf stattlichen Rossen bei Tagesanbruch durch Blois und ordneten Alles zu einer Vogeljagd an, die der Köiiig auf der schönen Ebene . machen wollte, welche die Loire entzwei schneidet- anf« der Ebene, die auf einer Seite an Meung, auf der andern an Amboise grenzt. Es war der Kavitän der Windhündinnen des Königs und der Gouverneur der Falken, zur Zeit Lud- wigs Xlll. sehr geachtete, aber von seinem Nachfolger ein wenig vernachläßigte Personen. Nachdem diese beiden Reiter das Terrain recognos- cirt und ihre Beobachtimgen gemacht hatten, kehrten sie zurück; da erblickten sie kleine Gruppen zerstreuter« Soldaten, welche Sergenten in gewissen Entfernungen von einander an den sMündnngen der Ritigmauer anf- « · stellten. Das waren die Musketiere des Königs. Hinter ihnen kam auf einem guten Pferde- 328 erkennbar an seinen goldenen Stickereien, der Kavitän. Er hatte graue Haare, einen mit Grau vermischten Bart. Er schien ein wenig gebückt, obgleich er sein Pferd mit Leichtigkeit führte und Alles umher beschaute und iiberwachte. »Herr d’Artagnan wird nicht alt,« sagte der Ka- pitcin der Windhündinnen zu feinem Collegeii, dem Falkner,«obgleich zehii Jahre älter, als wir, scheint er ein Junker zu Pferde-" »Es ist wahr-« erwiederte der Kapitän der Falken- ,,seit zwanzig Jahre-i bleibt er immer derselbe.« Dieser Ofsicier täuschte sich; seit vier Jahreii war b’Artagnan nni zwölf Jahre älter geworden. Das Alter drückte seine unbarmherzigen Klauen an jedem Winkel seiner Augen ein, seine Stirne hatte sich entblößt, seine einst braunen und nervigeii Häiide wurden weiß, als ob das Blut darin zu erkalten anfinge.’ D’Artagnan redete die zwei Ofsiciere« mit jener Nuaiice von Leutseligkeit an, welche erhabene Menschen auszeichnet. Er empfing im Austausch gegen seine Artigkeit zwei Grüße Voll Ehrfurcht. »Ab! welch ein Glück ist es, daß wir Euch hier sehen, Herr d’Artagnan,-« rief der Falkner-. »Es ist vielmehr an mir, Euch das zu sagen, meine Herren,«« erwiederte d’Ariagnan,»denn in unse- ren Tagen bedient sich der König viel öfter seiner Musketiere, als seiner VögeU »Das ist nicht wie in der guten Zeit,«« seufzte der Falkner.»Erinnert Jhr Euch, Herr d’Artagnan, als der selige König in den Weinbergen jenseits Beau- gence bei te? Abt Jbr waret damals nicht Kapiteln der Mus etiere, Herr d’Artagnan.« »Und Jhr waret nur Gefreiter der kleinen Raub- vögel,« sagte d’Artagnan heiter.»Gleichviel, das war die gute Zeit, insofern es immer die gute Zeit ist- .-j-— Ue- ««-t(-n DIE-ishr Jedes-X Fee wenti man jung ist. Gott befohlen, Herr Kapiteln der Windhündinnen.« »Ich danke, Herr Gras,«- erwiederte dieser-. D’Artagnan entgegiiete nichts. Der Titel Gras stel ihm nicht aus. D’Artagnan war vier Jahre vor- her Graf gewordeii. »Seid Jhr nicht sehr müde Von der langen Reise, die Jhr gemacht- Herr Kapitän?« fuhr der Falkner fort.»Es sind, glaube ich, zwei hundert Meilen von hier nach Pignerol?'« ,,Zloei hundert und sechzig bihPignerol und— eben so viel zurück-« sprach d’Artagnan ruhig. »Und,« fragte der Vogelsteller ganz leise,»und er ist lvohl?« »Wer?« versetzt d’Artagnan. »Der arme Herr Fouquet?« fuhr leise der Falkner fort. Der Kapitäii der Windhündinnen war aus Klug- heit auf die Seite geritten. »Nein,« antwortete d’Artagnan;»der arme Mann härmt sicki im Emste ab: er begreift nicht, daß das Gefängniß eine Gnade ist; er sagt, das Parlament habe ihn, indem es ihn verbannt, freigesprochen, und die Verbannung sei die Freiheit. Er stellt sich nicht vor- daß man seinen Tod aeschworen, und daß sein Leben aus den Klauen des Parlaments retten zu viel Ver- bindlichkeit gegen Gott haben heißM »Ah! ja, der arme Mann ist am Schaffot vorbei- gestreift,«« sagte der Falkner:»Herr Colbert soll Befehle dem Gouverneur der Bastille gegeben haben und die Hinrichtung schon angeordnet gewesen sein-«. »Nun i« machte d’Artagnan mit einer nachdenken- den Miene, und als wollte er das Gespräch kurz ab- schneiden. »Nun!« wiederholte der Kapitän der Windhunde, der sich wieder näherte,»Herr Fouquet ist in Pignerol, und er hat es wohl verdient. Es ist ihm das Glück zu 330 Theil geworden, von Euch dahin geführt zu werden... er hatte den Köiiig genug besiohleth D’Artagnan schleuderte dem Hundemeifter einen von seinen schlimmen Blickets zu und entgegnete: »Mein Herr, wenn man mir sagte, Jhr habet das Brod von Euren Windhunden gegessen, so würde ich es nicht nur nicht glauben, sondern ich würde auch, wenn man Euch deshalb zum Staupbesen oder zum Kerker verurtheilte, Euch beklagen und nicht dulden, daß mais schlecht von Euch spräche. Ein so redlicher Mann Jbr auch seid, mein Herr, versichere ich Euch doch, daß Ihr es nicht mehr seid, als es der arme Herr Fouquet ge- wesen ist-« Nachdem er diesen scharfen Verweis, mit dem ihn der Musketier begossen, wieder abgewischt hatte, senkte der Kapiteln der Hunde Seiner Majestät die Nasenspitze und ließ den Falkner ein paar Schritte voraus neben d’Artagnan reiten- »Er kann zufrieden sein-« sagte leise der Falkner zum Musketier, ,,man sieht wohl, daß die Windhunde gegenwärtig in der Mode sind; wäre er Falkner, so würde er nicht ebenso sprechen- D’Artagnan lächelte schwermüthig, als er diese große politische Frage durch die Unzufriedenheit von einem so geringfügigen Jnteresse gelöst sah; er dachte abermals an jene schöne Existenz des Oberintendanten, an den Verfall seines Vermögens, an den Einsturz sei-· nes Glückes, an den traurigen Tod, der seiner harrte, und um zu schließen, fragte er: ,,Liebte Herr Fouquet die VogelbauserLti »Ob! leidenschaftlich, Herr KapitcinXt antwortete der Falkner mit einem Ausdruck bittern Bedauerns und mit einem Seufzer, der die Leichenrede von Herrn Fou- quet war- D’Artagnan ließ die üble Laune des Einen und die Traurigkeit des Andern vorübergehen und ritt auf der Ebene weiter. i. l t i spsf-——« on l as es s in« er In hr O- tn te ze in« er De so se In te( EI-) i-·» e, te td I- ie» Man sah schon in der Ferne die Züge aus- den Ausgangen des Waldes hervorbrechen, die Federbüsche der Reiterinnen wie Sternfchiiitppeii durch die Lichtein- gen fliegen und die weißen Rosse durch ihre leuchtenden Erscheinungen das buschreiche, düstere Gehölze durch- schneiden. ,,Werdet Jhr uns eine lange Jagd machen?« fragte d’Artagnan.»Ich bitte, gebt uns rasch den Vogel; ich bin sehr milde. Jst es ein Reiher, ist es ein Schwan?« ,,Beideo, Herr d’Artagnan,-! erwieberte der Falkner; »aber seid unbesorgt, der König ist kein Kenner; erjagt nicht um seinetwillen, er will nur den Damen eine Be- lustigung geben.« Das Wort den Damen wurde so betont, daß .d’ArtagnaIi die Ohren spitzte. «Ahl« machte er, den Falken mit erstaunter Miene anschaikend. Der Kapitän der Windhitnde lächelte, ohne Zwei- fel, um sich mit dem Musketier zic Versöhnen. »Oh! lacht immerhin,« sagte d’Artagnan;»ich weiß nichts von den Neuigkeiten, denn ich bin gestern erst wieder nati) einer Abwesenheit von einem Monat angekommen. Als ich den Hof verließ, betrauerte man noch den Tod der Königin-Mutter. Der König wollte sich nicht mehr belustigen, seitdem er den letzten Seuf- zer von Marie Antoinette empfangen hatte; aber Alles nimmt ein Ende in dieser Welt. Nun! er ist also nicht mehr traurig? desto besser!«' »Und Alles hat auch einen Anfang ,« sprach der Kapitän der Windhunde mit einem schallenden Ge- lachten »Ahl« machte Juni zweiten Mal d’Artagnan, der vor Begierde, das Neue zu erfahren, brannte, während ihmseine Würde verbot, Leute, welche unter ibm stan- den, zu befragen; ,,es nimmt etwas seinen Anfang- wie es scheint?'« 332 Der Kapitan blinzelte auf eine bezeichnende Weise mit den Angen. Aber d’Artagnan wollte nichts von diesem Menschen erfahren. «Wird man den König frühzeitig sehen?« fragte er den Falkner. »Um sieben Uhr, mein Herr, werde ich die Vögel laneiren.« »Wer kommt mit dein König? Wie geht es Ma- dame? Wie geht es der Königin?« »Vesser, Herr Kapitän.'« »Sie ist also krank gewesen?« »Mein Herrs, seit dem letzten Kummer, den sie ge- habt, ist Jhre Majesiat leidend geblieben.« »Welchen Kummer? Unterrichtet mich ohne Furcht, mein lieber Herr; ich komme so eben an.« »Ein wenig oernachläßigt seit dem Tode ihrer Schwiegermutter, scheint sich die Königin beim König Peklagt zu haben, und dieser antwortete ihr-, wie man agt: »»Schlafe ich nicht jede Nacht bei Euch? Was braucht Jhr mehr?«« »Ahi« rief d’Artagnan,»die arme Frattl Sie muß Fräulein de la Baliiöre sehr hasseIIi- »Oh! nein, nicht Fräulein de la Vallidre,«i ent- gegnete der Falkner. «Wen denn?« Der Klang der Hörner unterbrac) das Gespräch. Er rief die Hunde und die Vögel· Der Falkner und sein Gefährte gaben den Pferden die Sporen, ohne daß die Anspielungen einen Sinn erhalten hatten. Der König erschien in der Ferne, umgeben von Damen und Cavalieren. Diese ganze Trttppe kam im Schritt, in schöner Ordnung, herbei; die Hörner nnd die Trompeten belebten die Hunde und die Pferde. Das war eine Bewegung, ein Geräusch, eine Spie- gelung von Licht, wovon jetzt nichts mehr einen Begriff cise lon gte gel Da- ht- ccr llg an 333 zu geben vermöchte, wenn nicht der lügenbafte Reich- thum und die falsche Maiestät der Theatersp iele. Mit einem etwas geschwächten Auge erschaute d’Ar- tagnan hinter der Gruppe drei Wagen; der erste war der für die Königin bestimmte. Er war leer. D’Artagnan, der Fräulein de la Ballisre nicht an der Seite des Königs erblickte, suchte sie und sah sie int zweiten Wagen. Sie war allein mit zwei Frauen, die sich wie ihre Gebieterin zu langweilen schienen. Zur Linken des Königs, aus einem ungestümen Rosse, das vors ihrer geschickten Hand gebändigt wurde, strahlte eine Frau in der glänzendsten Schönheit. Der Kötiig lächelte ihr zu, sie lächelte dem König zu. h fAlle Welt lachte geräuschvoll, wenn sie gesprochen at e. »Ich kenne diese Frau,«« dachte der Musketier;»wer ist es denn?««- Und er neigte sich gegen seinen Freund, den Falk- ner, an den er diese Frage richtete. Der Falkner wollte eben antworten, als der König d’Artagnan erblickte und ihm zurief:— »Ah! Gras, Ihr seid also zurückgekehrt. Warum habe ich Euch noch nicht gesehen?«« ,,Sire,« antwortete der Kapitän,»weil Eure Ma- jesiät schlief, als ich ankam, und weil sie nicht erwacht war, als ich diesen Morgen meinen Dienst übernahnt.«« »Im-ver derselbe,«« sprach mit lauter Stimme der König, zufrieden.»Ruht aus, Graf, ich befehle es Euch. Ihr werdet heute mit mir zu Mittag speisen.·« Ein Gemurmel des Bewunderus umhüllte d’Ar- tagnan wie eine ungeheure Liebkosung»Jeder beeiferte sich unt ihn. Mit dem König zu Mittag speisen, das. war eine Ehre, welche Seine Majestät zischt verschwen- dete wie Heinrich lV. Der König machte einige Schritte vorwärts, und 334 d’Artagnan sab sich durch eine neue Gruppe aufgehal- ten, unter der Colbett glänzte- »Guten Morgen, Herr d’Artagnan,-« sagte der Minister zu ihm mit einer leutseligen Höflichkeit,»habt Ihr eine gute Reise gehabt?« »Ja, mein Herr,-- erwiederte d’Artagnan, sich auf den Hals seines Pserdeg verbeugend. .»Ich habe den König Euch zu seiner Mittagstasel einladen hören-il suhr der Minister fort,»Ihr werdet dort einen alten Freund von Euch sinden.«· ,,Einen alten Freund von mir?«« fragte d’Artagnan, mit Schmerz in die düsteren Wellen der Vergangenheit niedertauchend, welche für ihn so viele Freundschaften und so viele Feindseligkeiten verschlungen hatten. »Den Herrn Herzog von Alameda, der diesen Mor- gen von Spanien angekommen ist,«« erwiederte der Mi- nistet. »Den Herzog von Alamedal-- riefd’91rtagiiansuchend. »Mich!« rief ein Greis weiß wie Schnee und ge- bückt in seinem Wageii, den er öffneii ließ, um dem Musketier entgegenzugehen. »Aramisl« rief d’Artagnan, von Staunen er- griffen. · Und er ließ träg-e, wie er war,« den abgemagerten Arm des alten Herrn zitternd sich an seinen Hals hängeii.» Colbert, nachdem er einen Augenblick beobachtet hatte, ritt weiter und ließ die zwei alten Freunde allein. ·« »Ihr seid also hier·?« sagte der Musketier, mäh- rend er Aramig beiin Arm nahm,»Ihr, der Verdamm- der Rebell in Frankreich?«« »Und ich speise mit Euch beim König,«« erwiederte lächelnd der Bischof von Vannee.»Ja, nicht wahr- Jhr fragt Euch, wozu die Treue auf der Welt diene? Laßt den Wagen der armen la Valliåre vorübersahren. .-«e—;.. spr inn tra die -J)«.. hr durch die Thra- Seht, wie unruhig sie istl seht, lviei der dort reitet!« nen ermattetes Auge dem König folgt, »Mit wem?«« »Mit Fräulein von Tonnay-Charente, welche Frau Von Montespan geworden ist.«" »Sie ist eifersüchtlg, sie ist also betrogen?«« »Noch nicht, d’Artagnan, doch das wird nicht lange ausbleiben.- « Sie plauderten mit einander, während sie der Jagd folgten, und der Kutscher von Aramig führte sie so ge- schickt, daß sie in dem Augenblick ankamen, wo der Falte feine Beute zwang. sich niederzusenken, und über sie herstel. Der König stieg ab, Frau von Montespan ahmte ihn nach. Man war vor eine einsame, durch Bäume- tvelche schon die ersten Herbstwinde entblältert hatten, verbotgene Kapelle gelangt. Hinter dieser Kapelle war ein durch ein Gitterllyor geschlossenes Gehäge·» Der Falke hatte die Beute genöthigt, in das an die Kapelle anstoßende Gehäge zu fallen, und der Köiiig wollte hier eindringen, uin nach demGebrauche die erste Feder zu nehmen. Man bildete einen Kreis um das Gebäude und die" Heckeii, welche zu klein waren, unt die ganze Gesellschaft zu empfangen. Araniig wollte ans dem Wagen steigen wie die Anderen. Doch d’Artagnan hielt ihn zurück und sagte mit kurzem Tone:« »Wißt Jhr, Arami6, wohin uns der Zufall ge--v führt hat?«« »Nein,« erwiederte der Herzog. »Hier ruhen die Leute, die ich gekannt habe,«« sprach d’Artagnan, tief bewegt durcl2 eine traurige Er- inneruug. « Ohne etwas zu errathen und mit zitterndem Schritte ltat Aramis in die Kapelle durch eine kleine Thüre ein, die ihm dULlrtagnan öffnete. 336 »Wo sind sie begraben?« fragte er. s»Dort in dem Gebirge Jhr seht, es ist ein Kreuz unter jener kleinen Cyvresse. Geht nicht dorthin, der König begibt sich dahin, der Reiher ist dort gefallen.« Aramis blieb stehen und verbarg sich im Schat- ten. Sie sahen nun, ohne gesehen zu werden, das Gesicht von la Valiiäre; in ihrem Wagen vergessen, hatte diese Anfangs schwermiithig über ihren Schlag hinausgeschautz dann war sie- von der Eifersucht fort- gerissen, in die Kapelle gegangen, wo sie, an einen Pfeiler angelehnt, den lächelnden König betrachtete, der Frau von Montespan durch ein Zeichen bedeutete, sie möge näher kommen und nicht bange haben. Frau von Montesvaii näherte sich; sie nahm die Hand, die ihr der König bot; dieser riß die erste Feder dem Reiher aus, den der Falke erwürgt hatte, und be- festigte sie am Hut seiner schönen Gefahr-tm Ebenfalls lächelnd, küßte sie nun zärtlich die Hand, die ihr dieses Gescheiik machte. Der König erröthete vor Vergnügen; er schaute Frau von Montespan mit dem Feuer des Verlangens und der Liebe an. »Was werdet Jhr mir dagegen geben?«« fragte er. Sie riß einen Zweig von der Cyptesse ab und reichte ihn dem von Hoffnung berauschten König- »Das ist ein trauriges Geschenk,«« sagte Aramis leise zu d’Artagnan.»Die Cypresse beschattet ein Grab.«« »Ja, und dieses Grab ist das von Raoul vonBra- geionne,«« erwiederte d’Artagnan ganz laut-»von Raoul, Fig-l funter jeneni Kreuze neben Athos, seineni Vater, ä t.« Ein Seufzer wurde hinter ihnen hörbar. Sie sahen eine Frau ohnmächtig niederfallen. La Vallidre hatte Alles gesehen und Alles gehört.» « ,;.Arme Fraul-- inurmelte d’Artagnan, der ihren «- ke-·sI-Dh -s-2-e ..-.--.-4-«- reuz der L« hat- das sen- ylag ort- inen der sie .die i eder I I be- and, aute; gens eer. und amis ern Bra- ioul, ater, ahen hatte« ihren Dienerinnen sie in ihren Wagen bringen half, ,,nun ist es an ihr, zu leiden.« Am Abend setzte sich d’Artagnan wirklich an die Tafel des Königs, neben Herrin Colbert und den Herrn Herzog von Alameda. Der König war heiter. Er sagte tausend Artig- keiten der Königin, tausend Zärtlichkeiten Madame, welche an seiner Linken saß und sehr traurig aussah. Man hätte glauben sollen, man befinde sich in der Zeit der Ruhe, da der Köiiig in den Augen seiner Mutter auf die Billiguiig oder die Mißbilllgung dessen, was er gesagt, lauerte. Voit Geliebtinnen war bei diesem Mahle nicht die Rede. Der König richtete wiederholt das Wort an Aramis, den er Herr Botschaster nannte, was das Er- staunen Vermehrte, das d’Artagnan schoii darüber fühlte, daß er seinen Freund, den Rebelleti, so Vortrefflich am Hofe aufgenommen, so wohl gelitteti sah. Als der König aufstand, machte er Colbert, dessen Auge das des Herrn bespähte, ein Zeichen. Colbert nahm d’Artagnan und Araniis beiseit. Der König plauderte mit seiner Schwägerin, während sich Monsieur unruhig und mit einer ängstlichen Miene, ohne seine Frau und seinen Bruder mit dem Augeuwinkel zu verlasse11, mit der Königin unterhielt- Das Gespräch zwischen Aramis, d’Artagnan undColbert drehte sich um verschiedene Gegenstände Es war von den vorhergehenden Ministern die Rede. Colbert erzählte von Mazarln und ließ sich von Richelieu erzählen. D’Artagnan mußte unablässig staunend diesen Mann mit den dicketr Augenbrauen und der niedrigen Stirne anschauen, der so großes Wissen und eine so heitere Laune entwickelte. Aramis wunderte sich über diese Leichtigkeit des Geistes, die es einem ernsten Mann ge- stattete, den Augenblick einer tieferen Unterredung zu ver-zögern, auf die Niemand anfpielte, obgleich die drei Redenden fül)lte11, daß sie nahe bevorstand Die drei Musketierw Braselonne. Il. 22 338 Man sah an der verlegetien Miene von Monsieur, wie peinlich ihnsdas Gespräch des Königs mit seiner Gemahlin war. Die Augen von Madame waren bei- nahe roth; wollte sie sich beklagen, wollte sie einen kleinen Scandal bei vollem Hofe machen? Der König nahm sie auf die Seite und sagte mit einem so sanften Tone, daß er die Prinzessin an die Tage erinnern mußte, wo man sie unt ihrer selbst wil- len geliebt hattet "»Meine Schwester, warum haben diese schönen Augen geweint?« »Sire...« siammelte sie. »Monsieur ist eifersüchtig, nicht wahr?-« Sie schaute nach der Seite von Monsie11r, ein un- trügliches Zeichen, das den Prinzen benachrichtigte, man beschäftigte sich mit ihm. ,,Ja,« antwortete sie. »Höret mich an ,« fuhr der König fort,»wenn Eure Freunde Euch bloßstellen, so ist es nicht der Feh- ler von Monsieur.« Er sprach diese Worte mit einer solchen Milde, daß Madame, welche seit langer Zeit so viel Kummer hatte, beinahe in Thränen ausgebrochen wäre. »Ruhig, liebes Schwesterchen,«« sagte der König- »erzählt mir diese Schmerzen; bei meinem Bruderwort- sie erregen mein Mitleid; bei meinem Königswort, ich werde ihnen ein Ziel setzen.·« Sie schlug ihre schönen Augen auf und erwiederte schwermüthig: »Nicht meine Freunde sind es, die mich compro- mittirenz sie sind abwesend oder verborgen; man hat sie,»die so ergeben, so gut, so rechtschaffen, bei Eurer Majestät in Ungnade gebracht-«, »Ihr sagt das wegen Gusche, den ich aus die Bitte von Monsieur verbannt habe?««. »Und der sich seit dieser ungerechten Verbannung. einmal des Tags tödten zu lassen sucht l« jej Vc —- k- er Ei- Ell tit )ie il- ill- all nn eh- mß it e, ig- ort- ich rte ro- hat rer itte mg. »Ungere(ht! sagt Ihr, meine Schwester?« »So ungerecht, daß, wenn ich nicht für Eure Ma- jestät die mit Freundschaft gemischte Achtung gehabt hätte, die ich immer habe...« »Nun?«« »Daß ich meinen Bruder Karl, über den ich Alles vermag, gebeten hätte...« Der König bebte. »Was denn?« »Ich hätte ihn gebeten, Euch vorstellen zu lassen, daß Monsiettr und sein Günstling, der Herr Chevalier von Lorraine, sich nicht ungestraft zu Henkern meines Glückes und meiner Ehre machen dürfen.« fch 2»Der Chevalier von Lorraine, dieses sinstere Ge- l t«« »Ist mein Todfeind. So lange dieser Mensch in. meinem Hause Iebt, wo ihn Monsieur zurückhält und ihm jede Gewalt gibt, werde ich die letzte Frau dieses Reiches sein.« »Somit,« sprach der König langsam,»fomit nennt Jhr Euren Bruder von England einen besseren Freund, als mich?« »Die Handlungen sind da, Sire.«. »Und Jhr wollt lieber Hülfe verlangen von...«« »Von 1neinemBaterland,« erwiederte sie mit Stolz; »ja, Sire.«« · »Meine Freundin-' sagte der König,»Ihr seid die Enkelin von Heinrich 1V. wie ich. Vetter undSchwa- ger, hat das am Ende nicht den Werth des Titels leib- licher Bruder?«" »So handelM ,,Schließen wir ein Bündniß?«« ,,Fangt an.«’ »Ich habe, sagt Jhr, Guiche ungerecht verbannt?« »Oh! ja,« antwortete sie errüthend- T «Guiche wird zurückkommen.«« »Gut.« 340 »Und dann sagt Ihr, ich habe Unrecht, den Che- valier von Lorraine, der Monsieur schleck)te Rathschläge gegen Euch gebe, in Eureni Hause zu lassen?« »Behaltet wohl, was ich Eukl) sage, Sire·.. der Chevalier von Lorraine, wenn ich eines Tages schlecht endige, erinnert Euch, daß ich zum Voraus den Che- valier von Lorraine anklage; das ist eine zu allen Ver- brechen fähige Seelel« »Der Chevalier von Lorraine wird Euch nicht mehr belästigen,» das verspreche ich Euch.«« »Dies wird ein wahres Präliminar des Bündnisses sein, Sire, ich unterzeichne es... Doch da Jhr Euren Theil gemacht habt, sagt mir, was der meinige sein « ,,Statt mich mit Eurem Bruder Karl zu entzweien, müßt Jhr mich zu einem innigern Freund von ihm ma- chen, als ich je war.« »Das ist leichM »Ah! nicht so sehr, als Jhr glaubt; denn bei einer gewöhnlichen Freundschaft umarmt man sich- ist man .zuvorkommend, gibt man sich Feste." Das kostet einen Kuß, einen Empfang; leichte Kosten, aber bei der po- litischen Freundschaft...«- »Ah! es ist eine politische Freundschaft?!« »Ja, meine Schwester-, und-statt der Umhalsungen und der Feste sind es Soldaten, mit denen man seinen Freund ganz lebend und ganz equipiri bedienen, sind es Schiffe, die man thn ganz bemannt, mit Waffen und Munition ausgerüstet bieten muß. Daraus geht her- vor, daß man nicht immer Rassen und Kisten hat, welche geneigt und beschaffen sind, solche Freundschasten zu machen.« »Ihr habt-Recht, Sire... die Kassen nnd Kisten des Königs von England sind seit einiger Zeit ein we- nig sonor.« · ,,Doch Ihr, meine Schwester, Ihr-, die Jhr so viel Mc he- er- Ihr fes cen em en, na- net Jan Ucn po- gen nen und lec- rhe sten we- viel Einfluß aus Euren Bruder habi, werdet Vielleicht erlan- gen, was ein Gesandter nie erlangen würde.«( »Ich müßte zu diesem Behufe nach England gehen, mein lieber Bruder.«- »Ich dachte wohl hieran,«" erwiederie lebhaft der König,»und ich sagte mir, eine solche Reise würde Euch ein wenig Zerstreuung geben...« ,,Nur ist es möglich- daß ich scheitere,«« unterbrach ibii Madaine:»der König von England hat gefährliche Rathe.-« »Räthinuen, wollt Jbr sagen!« »Ganz richtig. Wenn zufällig Eure Majesiät die Absicht hätte, ich nehme nur an, von Karl Il. ein Bündniß für einen Krieg zu verlangen.«": »Für einen Krieg?««- s »Ja. Nun! so werden die Räthinnen des Königs, welche der Zahl nach siebeii sind, Fräulein Steivart, Fräulein Wellö- Fräulein Gwyn, Miß Orchqy, Fräu- lein Zunga, Miß Daws und die Gräsinböu Castel- maine, dem König vorstellen, der Krieg koste viel Geld, es sei besser, Gesetze und Abendbrode in Hampion-Court zu geben, als Linienschiffe in Portsmouth und in Green-«. wich zu equipiren.«- »Und dann wird Eure Unierhandlung scheitern?-« »Oh! diese Damen bewirken, daß alle Unterhand- lungen scheitern, die sie nicht selbst machen.« »Wißt Jhr, welchen Gedanken ich gehabt habe, meine Schwester?«« »Nein, sprecht.-« »Wohl um Euch her suchend, würdet Jhr vielleicht, um sie zum König mitzunehmen, eine Näthin gesunden haben, deren Beredsanrkeit den bösen Willen der Ande- ren gelähmt hätte.«« »Das ist in der That ein Gedanke, Sire, und ich suche« »Ihr werdet sindetM »Ich hoffe e6.« 3«42 »Es müßte eine hübschePerson sein; ein angeneh- mes Gesicht ist besser, alo ein häßliche-s, nicht wahr? ,,Sicherlich.««"- ,,Ei11 lebhafier, heiterer, berivegener Geisti«« »Gewiß. Adel... so viel, als man braucht, utn sich dem König ohne ein linkiskhes Wesen zu nähern; wenig genug, um nicht durch die Geschlechtsivürde ver- legen und beengt zu sein.« ",,Ganz richtig.« »-»Und-die ein wenig Englisch könnte...« "»Mein Gott l« rief Madaine lebhaft,«wie Fräu- "" n Kåroualle, zuni Beispiel. »Ja wohl, Jhr habt gefunden, Jhr habt gefunden- Schwester.« . Jch nehme sie mit. Jch denke, sie wird sich nicht über mich zu beklagen haben.-«« »Nein... ich ernenne sie zur bevollmächtigten "«n,.»und füge dann den Gehalt dem Titel » ch schon auf der Reise, liebes Schwe- -."«-·.-«Hk«sterchen, imdxissiostet über ali’ Euren Kummer.« »Ich werde unter zwei Bedingungen gehen. Ein- mal muß Mibisse11- worüber ich zu unterhandelu habe.« v T»Hörct. Die Holländer beleidigen mich jeden Tag in ihren Zeitungen durch ihre rebublikanische Haltung. —«',Jch liebe die Nepubliken nicht.« »Das begreift sich, Sire.«« »Ich sehe zu meiner Betrübniß, daß diese Könige des Meeres, so nennen sie sich, den Handel Frankreichs in Jndien hemmen, und daß ihre Schiffe bald alle Hasen Europas besetzt halten werden. Eine solche Macht ist mir zu nahe, meinte Schlvester.«« »Sie sind jedoch Eure Nachbarn.«« ,,Darum haben sie Unrecht gehabt, die Euch be- kannte Münze schlagen zu lassen, weiche Holland dar- stellt, das wie Josua die Sonne stille stehen macht, mit II O Oc- H-« Eh- um n; er- ie- sk- Jit dem Spruch: Die SLFue ist Vor mir aufge- gangen. Nicht ivabkjfskdas ist wenig brüderlich?«« »Ich glaubte, Ihr Mitlei diese Erbärmlichkeit ver- gessen.«« »Ich vergesse nie etwas, meine Schwester. Und wenn meine wahren Freunde, wie Euer Bruder Karl, mir beistehen wollen...« Die Prinzessin wurde nachdenkend. »Höret, die Herrschaft der Meere ist zu iheilen,«« fuhr Ludwig XlV. fort.»Werde ich bei dieser Thei- lung, welche England erlitt, nicht den zweiten Theil eben so gut vertreten, als die Hollander?-- »Wir haben Fräulein von Köroualle, Frage zu verhandeln,-« erwiederte Madame. »Ich bitte, was ist Eure zweite Bedingung, unter der Ihr die Reise machen wollt, meine Schwester?« »Die Einwiliigung von Monsieur, meinem Ge- mahl.« »Ihr sollt sie bekommen.««,»· »Dann bin ich abgereist, mein Bruder-is« Nachdein er diese Worte gehört, wandte sich Lud- wig XlV. nach der Ecke des Saales um, wo sich Col-» bert und Aramio mit d’Artagiian befanden, und machte seinem Minister ein bejabendes Zeichen. ·· Colbert brach das Gespräch bei dem Punkte ab, den es gerade erreicht hatte, und sagte zu Arami6: »Herr Botschaster, wollen wir nun von den Ange- legenheiten reden?«« D’Artagnan entfernte sich sogleich aus Diseretim Er wandte sich nach dem Kamin und nahm eine Stellung, daß erhören konnte, was der König zu Mon- sieur sagen würde, der ihm voll Unruhe entgegen kam. Das Gesicht des Königs war belebt. Auf seiner Stirne las man einen Willen, dessen furchtbarer Aus- druck schon keinen Widerspruch mehr in Frankreich traf und bald keinen mehr in Europa sinden sollte. »Mein Herr,«i sprach der König zu seinem Bruder, um diese 344 »ichbin mit dem Herrn Chevalier von Lorraine unzufrie- den. Jhr, der Jhr thn die- Ehresernseist, ihn zu be- günstigen, rathet ihm, einige Monate zu reisen.« Diese Worte fielen mit dem Donner einer Lnnwine auf Monsieur, denn er betete den Giinstlii1g an und drängte in ihm alle seine Zärtlichkeiten zusammen. »Æ;«Er rief anchx «"J-Jn welcher Hinsicht hat der Chevalier Eurer Majestät nstßfalien können W Er schleuderte Madanie einen wüthenden Blick zu. »Ich werde Euch das sagen, wenn er abgereist ist,« erwiederte der Kötitg unempfindlich.»Und auch wenn Madaiiie in England angekommen sein wird.« ,,Madamei in Englandi«- mnrmelte Monsieur ver- wundernngsvoll. »Jn acht Tagen, mein Bruder,«' erwiederte Ludwig le., ,,während wir Beide dahin gehen, wohin ich Euch sagexi werde."-« Und der König wandte seinem Bruder den Rückeit zu, nachdem er ihn angelächelt, um die Bitterkeit dieser zwei Nachrichten zu versüßen- Während dieser Zeit sprach Colbert beständig mit dem Herzog von Alameda.( »Mein-» Herr,«« sagte Colbert zu Aramis,»der Augenblick, uns zII verständigen, ist gekommen. Jsch habe Euch mit dem König ausgesöhnt, und ich war das wohl einein Manii von Euren Verdiensten schuldig; aber es bietet sich- da Jhr mir zuweilen Freundschaft be- zeigt habt, die Gelegenheit, mir einen Beweis davon zu geben. Jhr seid überdies mehr Franzose, als Spanier. Antwortet mir offenherzig, werden wir die Neutralität Spaniens haben, wenn wir etwas gegen die Ver- einigten Provinzen unternehmen?«« »Mein Herr-" erwiederte Araniis,»das Interesse Spanieiis ist sehr klar. Mit Europa die Vereinigten Provinzen entzweien, gegen weiche der alte Groll we- gen ihrer errnngenen Freiheit obwaltet, das ist unsere Js- ne nd ZU Politik; doch der König von Frankreich ist der Ver- bündete der Vereinigten Provinzen. Es ist Euch so- damt nicht unbekannt, daß dies ein Seekrieg wäre, nnd daß Frankreich, wie ich glaube, nicht im Stande ist, einen solchen mit Vortheil zu sühren.«' Colbert wandte sich in diesem Augenblick um und sah d’Artagnan, der Jemand suchte, mit dem er ssich während des abgesonderten Gesprächs Von Ludwig XIV. mit Monsieur unterhalten könnte. Er ries ihn und sagte dann leise zu Aramis: »Wir können mit d’A1·tagnan sprechen.'« »Oh! gewiß!-« erwiederte der Botschafter. »Wir sagten so eben, Herr von Alameda und ich,«« sprach Colbert,»der Krieg mit den Vereinigten Pro- vinzen sei ein Seekrieg.« »Das ist unleugbar,«" erwiederte der Musketier- »Und was haltet Jhr davoii, Herr d’Artagnan?- »Ich denke, um diesen Seekrieg zu führen, müßten wir eine sehr starke Landarinee haben-« »Wie beliebt?- fragte Colbert, der schlecht gehört zu haben glaubte. »Warum eine Landarmee?« sagte Aramis. »Weil der König aus der See geschlagen werdett wird, wenn er nicht die Engländer bei sich hat, und weil er, ist er ans dem Meere geschlagen, schnell ent- weder von den Hollandern in den Hafen, oder von den Spaniern aus dem Lande überfallen werden wird-« »Wenn der Spanier nentral ist«-Z- sagte Aramis. »Neutral, so lange der König der Stärkere sein wird-« entgegnete d’»Artagnan. Colbert bewunderte diesen Scharfsinn, der nie eine Frage berührte, ohne sie gründlich aufzuklären Aramis lächelte. Er wußte wohl, daß d’Artagnan in Betresf der Diplomatie keinen Meister anerkannte. Colbert, der wie alle Mäiiner von Stolz seiner Phantasie mit einer Gewißheit des Erfolgs schmeichelte, nahm wieder das Wort Und sprach: 346 »Herr d’Artagnan, wer sagt Ench, der König habe keine Marine?«« »Oh! ich habe mich nicht mit diesen Einzelheiten befchäftigt,«« erwiederte der Kavitän.»Ich bin ein mittelmäßiger Sees-kann Wie alle nervigen Leute, hasse ich das Meer; doch ich denke, daß man mit Schiffen, da Frankreich ein zweihundertköpsiger Hafen ist, See- leute hätte.«« Colbert zog aus seiner Tasche eine kleine längliche Schreibtafel in zwei Colonnen. Auf der ersten waren die Namen der Schiffe, auf der zweiten die Ziffern, welche die Zahl der Kanonen und der Mannschaft zu- sammenfaßteit, die diese Schiffe equipirten. »Ich habe denselben Gedanken gehabt wie Jhr,« sagte er zu d’Artagnan-»und ich ließ mir ein Verzeich- niß der Kriegsschiffe machen, die wir addirthaben. Fünf und dreißig Schiffe.«« »Fünf und dreißig Schiffel Das ist unmöglich1-« rief d’Artagnan. ,,Ungefähr zwei tausend Kanonen ,« fuhr Colbett fort.»Das ist es, was der König in diesem Angen- blick besitzt. Mit fünf und dreißig Schiffen macht man drei Geschwader3 aber ich will fimf haben.«« ,,Fünf1«« rief Aramis. »Sie werden vor dem Eitde des Jahres floit sein, meine Herren; der König wird fünfzig Linienfchiffe ha- ben. Damit streitet man. nicht wahr?- »Kriegsschisfe machen ist schwierig, doch es ist möglich,«« sagte d’Artagnan.»Aber wie sie ausrüsten? Jn Frankreich gibt es weder Gießereien, noch militäri- fche Werften.-« ,,Bah1« erwiedekte Colbert mit freudiger Miene, ,,feit anderthalb Jahren habe ich dies Alles eingerich- tet. Jhr wißt das also nicht?... Kennt Jhr Herrn d’Jnfreville?-« ,,D’Jnfreville?'« antwortete d’Artagnan;.,nein.« »Das ist ein Mann, den ich entdeckt habe. Erbe- cbe sen ein csse en, ee- che rn, iu- k,« ünf s« ert en- lau tin, ha- n? in- ne, Ech- kkn sitzt ein specielles Talent; er versteht es, die Hand- werksieute arbeiten zu machen. Er hat iii Toulon Kanonen gießen und Burgunder Stämme zimmeru las- sen. Und dann werdetJhr vielleicht nicht glauben, was ich Euch zu sagen im Begriffe bin, Herr Botschafter: ich habe noch eine Jdee.«« »Oh! mei11, Herr,«« erlviederte Aramiö höflich,»ich glaube Euch immer.« ,,Stellt Euch vor, daß ich, aus den Charakter der Holländer rechnend, mir gesagt habe: Sie sind Kaus- leute, sie sind besteundet mit deni König, sie werden glücklich sein, wenn sie an den König verkaufen, was sie für sich selbst fabriciren. Je mehr man also kauft Ahi ich muß beifügen: Jch habe Forant... Kennt Jhr Forant, d’Artagnan?-- Colbert vergaß- sich. Er nannte den Kapitän d’Artagnan kurzweg wie der König. Doch der Ka- pitän lächelte. »Nein-« erwiederte er,»ich kenne ihn nicht«- »Das ist abermals ein Manti, den ich entdeckthabe, ein specielies Talent für den Ankauf. Dieser Forant hat mir für 250,000 Livres Eisen in Kugeln, für 200,000 Livres Pulver, zwölf Ladungen Holz vomNor- den, Lunten, Granatm Schiffsiheer, was weiß ich, ge- kauft, mit einer Ersparniß von sieben Procent aus dem, was mich diese Dinge in Frankreich fabrieirt kosten würden.«« »Es ist eine Idee, holländische Kugeln gießen zu lassen, welche zu den Holländern zurückkehren werden-« sagte d’Artagnan. »Nicht wahr, mit Verlust Il« Hier brach Colbert in ein schallendeg Gelächter aus- Er war entzückt über seinen Scherz. s »Mehr noch,«« fügte er bei,»dieselben Holländer machen dem König in diesem Augenblick sechs Kriege- schifse nach dem Muster der besten ihrer Marine. Des- 348 touehes... Ahl Jhr kennt Destouches"« vielleicht nicht?«« »Nein, mein Herr.«« »Es ist ein Mann, dessen Auge seltsam sicher ge- E nug ist, daß er, wenn ein Schiff ausläust, sagen kann, was seine Mängel und seine guten Eigenschaften sind. Das ist kostbar, wißt Jhri Die Natur ist wahrhaft bizarrl Nuii wohl! dieser Destouches schien mir ein nützlicher Mann in einem Hafen sein zu müssen, und er überwacht die Construction von sechs Schiffen von 78, welche die Provinzen für Seine Majestät bauen las- sen. Aus dem Allem geht hervor, meiii lieber d’Ar- tagnan, daß der König, wenn er sich mit den Proviiizen entzweien wollte, eine sehr hübsche Flotte hätte. Ihr wißt igeber besser als irgend Jemand, ob die Landarniee ut i.« g D’Artagna11 und Aramis schauten sich an: sie be- wunderten die geheimnißvolle Arbeit, welche dieser Mann in wenigen Jahren durchgeführt hatte. Colbert begriff sie und war gerührt vvii dieser Schmeichelei, der besten voii allen. »Wenn wir in Frankreich es nicht wußten-« sprach d’Artagnan,»außerhalb Frankreich weiß man es noch viel weniger.« »Darum sagte ich zu dem Herrii Botschafter,«« fuhr Colbm fort-»wenn Spanien seine Neutralität ver- spreche, wenn England uns unterstütze...« »Wenn England Etich unterstützt,« erwiederte Aramis,»so verbürge ich mich für die Neutralität Spaniens.«' »Eure Hand daraus-« rief Colbert mit seiner un- geschlachten Treuherzigkeit.»Und was Spanieit betrifft, Ihr habt das goldene Bließ nicht, Herr von Alameda. Jch habe den König kürzlich sagen hören, er würde Euch gern das große Band vom. heiligen Michael tra- gen sehenXt" Aramis Verbeugte sich. cht Ze-» ill, aft ein ind von las- Ar- zen Ihr mee be- Inn eser ioch uhr per- erte ität Un- iss1, eda. irde tra- i 349 »Ob« dachte d’Artagnan,»und Porthos ist nicht mehr da! Wie viel Ellen Baiid würden ihm bei dieser Freigebigkeit zufallen! Guter Porthosl-« »Herr d’Artagnan-« sagte Colbert,»nun ist die RäheannnsBriwm Jch wän,JhrqutGächmack daran sindeii, Eure Musketiere nach Holland zu führen. Köiint Jhr schwimmen?« Und er lachte wie ein Mensch, der von der besten Laune ergriffen ist. »Wie ein Aal-« erwiederte d’Artagnan. »Oh! man hat dort eine harte Arbeit mit Kanälen nnd Sümpfen, Herr d’Artagnan, und die besten Schwiui- rner ertrinken.« »Es ist mein Handwerk, für den König zu ster- ben,«« antwortete der Musketier.»Nur, da es selten M,dwiwnunKMgvMLMMroWerinme Feuer findet, erkläre ich Euch, daß ich mein Möglichstes thun werde, um das Feuer zu wählen. Ich werde alt, das Wasser macht mich erstarren, das Feuer erwärmt ivieder, Ljerr(solbert.« Und d’Artagnan, indem er diese Worte sprach, war so schön von Starke und jngendlichem Stolz, daß Col- bert seinerseits nicht umhin konnte, ihn zu bewundern. D’Artagnan gewahrte die Wirkung, die er hervor- gebracht hatte. Er erinnerte sich, daß derjenige ein guter Handelsmann ist, welcher seine Waare ganz laut schätzen läßt, wenn sie Werth hat. Er machte daher sei- nen Preis zum Voraus. »Wir gehen also nach Holland-« sagte Colbert. »Ja-« erwtederte d’Ariagnan;»nur-..« »Nur?« »Nur,« wiederholte d’Artagnan,»nur ist bei Allem die Frage des Interesse nnd die Frage der Eitelkeit. Der-Gehalt eines Kapiiäns der Musketiere ist aller- dings schön, aber bemerkt wohl, wir haben jetztdte Gdarden des Jiönigs inid die shanstruppen des·4?onigs. Ein Kapitan der Musketiere muß entweder dies Alles II« 350» eommandiren, und dann würde er wenigstens hundert tausend Livres für Repräsentation und Tafel verbrau- chen...« .»Denkt Ihr etwa, der König handle mit Euch?« entgegnete Colbert. »Ei! mein Herr, Jhr habt mich nicht Verstanden,«« erwiederte d’Artagnan, der nun sicher, daß er die Frage des Interesse durchgesetzt;»ich sagte, ich, ein alter Ka- pitän, einst Chef der Garde des Königs, ich, der ich den Vortritt vor den Marschällesi von Frankreich habe, könnte mich eines Tages gleich gestellt zu dreLt mit deni Kapitän der Garben und dem Obersten Commandanten der Schweizer sehen. Das würde ich aber uin keinen Preis dulden. Jch habe meine alten Gewohnheiten und halte darauf.«- Colbert fühlte den Streich. Er war vorbereitet. »Ich habe an das, was Jhr mir so eben gesagt- gedacht,«« erwiederte er- »An wa6?«« »Wir sprachen vorhin von Kanälen nnd Sümpsen, in denen man ertrinke.«« »Nun?« »Nun! wenn man ertrinkt, so geschieht es in Er- mangelung eines Stabes, eines Brettes, eines Stockes.«« »Eines Stabes, so kurz er sein mag,«« sagte d’Ar- tagnan. »Ganz richtig,«' sprach Colbert,»ich kenne auch kein Beispiel, daß ein Marschall von Frankreich er- trunken ist.« D’Artagnan erbleichte vor Freude; mit unsicherer Stimme sagte er: »Man wäre sehr stolz auf mich in meiner Heimath, wenn ich Marschall von Frankreich würde; aber umsden Stab zu erlangen, muß man das Obercommando bei einer Expedition gehabt haben.« »Mein Herr,«« sprach Colbert,»in diesem Schreib- buch, das Ihr studiren werdet, ist ein Feldzugsplanz s rt X- l« Je cl- en Ie, M ell- en nd it- etl, ir- t-« ir- ich er- rer th- sen bei ib- . später waren sie getrennt.( Jhr habt ihn das Truppencorvs beobachten zu lassen- dad der König für den Feldzug im nächsten Frühjahr unter Eure Befehle stellt.« Dertagnan nahm zitternd das Buch, und seine Finger begegneten denen von Colbert. Der Minister drückte herzlich die Hand des Musketiers. »Mein Herr,'« sprach er,»wir hatten Beide eine Genugihuung von einander zu nehmen. Jch habe an- gefangen, die Reihe ist an Euch.«« »Ich gebe Euch eine Erklärung, mein Hern« ant- wortete d’Artagnan,»und ich bitte Euch dringend, dem König zu sagen, die erste Gelegenheit, die sich mir biete, werde für einen Sieg zählen oder meinen Tod sehen.«« »Ich lasse sogleich die goldenen Lilien Eures Mar- schallstabes sticken," fügte Colbert bei- Am andern Tag kam Arami6, der nach Madrid abreiste, um die Neutralität Spaniens zu unterhan- deln, zum Abschied in das Hoiel von d’Artagnan. Die wei Freunde hielten sich lange Herz an Herz um- ichlungen. ,,Lieben wir uns für Bier,« sagte d’Artagnan,»wir sind nur noch zu Zwei.«« »Und Du wirst mich vielleicht nicht mehr sehen, mein theurer d’Artagnan,-« sprach Aramisz»wenn Die wüßtest, wie ich Dich geliebt habe! Jch bin alt, ich bin erloschen, ich bin todt.« »Mein Freund, Du wirst länger leben, als ich, die Diplomatie befiehlt Dir, zu leben; mich aber verurtheilt die Ehre zum Tod.« »Bahl die Menschen wie wir, Herr Marschall, sterben nur von Freude und Ruhm gesättigt,«« rief Aramio.- »Ohl« erwiederte d’Artagnan mit einem trauri- gHen Lächeln,»ich fühle jetzt keinen Appetit mehr, Herr erzog.« Sie umarmteii sich noch einmal, und zwei Stunden XXXVI. Der Tod von Herrn d’,5(ttagnan. Jcn Widerspruch mit dem, was immer geschieht, sei es in der Politik, sei es in der Moral, hielt Jeder«’ seine Versprechnngen, erfüllte Jeder seine Verbindlich-. keiten. Der König rief Herrn von Guiche zurück und jagte den Chevalier von Lorraine weg, so daß Monsieur dar- über krank wurde. Madame reiste nach Londoii ab, wo durch ihre Be- mühungen Karlll., ihr Bruder, einen solchen Geschniack an den Nathschlägen von Fräulein von Keroualle fand- daß das Bündniß zwischen Frankreich und England unierzeichnet wurde, und daß die englischen Schiffe, mit einigen Millionen französischen Goldeg befruchtet, einen furchtbaren Krieg gegen die Vereinigten Provinzen er- öffneten. Karl U. hatie Fräulein von Kåroualle ein wenig Dankbarkeit für ihre guten Rathschläge versprochen: er machte sie zur Herzogin von Porisinouth. Colbert hatte dem König Schiffe, Muniiionen, Siege versprochen. Colberi hielt bekanntlich" Wort. Aramis endlich, von Allen derjenige, auf dessen Versprechen man am wenigsten zählen konnte, schrieb an Colberi folgendeir Brief in Betress der Unterhandk langen, die er in Madrid übernommen hatte- «»Herr Colbert, »Ich habe die Ehre, Euch deu Ehr-würdigen Vater d’Oliva, deti Interimsgeneral der Gesellschaft Jesu, nieinetc provisorischen Nachfolger-, zuzu»ende11.« »Der Ehrw. Vater wird Euch er ätem Herr Col- Thi- der« ich- l igte sac- Ve- i uack and- Land mit s inen er- enig : er men- Lss e en brieb P andk Zater Jesu- i Col- s- 353 bert, daß ich die Leitung aller Angelegenheiten des Ordens behalte, welche Frankreich und Spanien betref- fen, daß ich aber nicht den Titel eines Generals bei- behalten will, da er zu viel Licht auf den Gang der Unterhandlungen werfen würde, mit denen Seine Katha- lische Masestät mich zu beauftragen die Gnade hat. Ich werde diesen Titel auf Befehl Seiner Majestät wieder führen, wenn die Arbeiten, die ich im Einklang mit Euch unternommen habe, zur Verherrlichung Gottes und seiner Kirche zu einem guten Ziele gelangt sind. »Der E. B. d’Oliva wird Euch von der Einwilli- gung unterrichten, dies-S. K. M. zur Unterzeichnnng eines Vertrages gibt, der die Neutralität Spaniensim Falle eines Krieges zwischen Frankreich und den Ver- eintgten Provinzen sichert. »Diese Einwilligung wäre gültig, selbst wenn Eng- land, statt sich thätig zu benebmen, sich nur darauf be- schränkte, daß es neutral bliebe.. »Was Portugal betrifft, von dem wir mit einan- der gefprocheii haben, so kann ich Euch versicheru, daß es mit allen feinen Mitteln dazu beitragen wird, den Allerchristlichsten König in seinem Krieg zu unterstützen. »Ich bitte Erich, Herr Colbert, mir Eure Freund- schaft bewahren zu wollen, fo wie auch an meine tiefe Zuneigung zu glauben und meinen Respect Seiner Aller- christlichsten Majestät zu Füßen zu legen. »Unterz.: Der Herzog von Alameda.«« Aramis hatte also mehr gehalten, als er verspro- chen; man hatte nur noch zit erfahren, wie der König- Herr Colbert und Herr d’Artagnan einander getreu wären. Jm Frühling, wie es Herr Colbert vorhergesagt, zog die Landarmee ins Feld. Sie marschirte in herrlicher Ordnung dem Hofe von Ludwig xlvkvorau; dieser brach zu Pferde aus und Die drei Musketiere. Bragelonne. x. 23 Eifer die Arbeiten in dem sumpsigen Erdboden Hollands 354 führte, umgeben von Wagen voll von Damen und Höf- linåen, zu diesem blutigen Feste die Elite seines König- ret s. ·- Die Officiere des Heer-es hatten allerdings keine andere Musik,-als das Geschütz der holländischen Forts; doch dies war genug für eine große Anzahl, welche in- diesem Kriege Ehrenstellen, Anvaneement, das Glück oder den Tod fand. Herr d’Artagiian ging ab, ein Corps von zwölf tausend Mann Reiterei und Fußvolk commandirend, mit denen er die verschiedenen Plätze nehmen sollte, welche die Knoten des strategischen Netzes bilden, das man Friesland nennt. Nie wurde ein Heer glänzender zu einer Expedition geführt, die Officiere wußten, daß der Gebieter, eben so klug, eben so schlau, als er muthig war, nichteinen Menschen, nicht einen Zoll breit Erde ohne Noth opfern würde. Er hatte die alten Kriegsgewohnheiten: vom Lande leben, den Soldaten singend, den Feind weinend halten. Der Kapitän der Musketiere setzte seine Eitelkeit dareiii, zu zeigen, daß er sein Handwerk verstehe. Man sah nie die Gelegenheiteti besser gewählt, die Hand- streiche besser unterstützt, die Fehler des Belagerten besser benützt. Die Armee Von d’Artagnan nahm zwölf kleine Plätze in einem Monat." « Er war beim dreizehnten, und dieser hielt sich seit fünf Tagen. D’Artagnan ließ den Lausgraben eröffnen, ohne daß er zu vermuthen schien, diese Leute müßten sich je ergeben. Die Pionniere und die Arbeiter waren im Heere dieses Mannes ein Corps voll Wetteifer und Jdeen, weil er sie als Soldaten behandelte,.weil er ihr Ge- « schäft glorreich zu machen wußte, und sie nur tödten ·ließ, wenn er es nicht anders thun konnte. « Man mußte auch sehen, mit welchem gewaltigen u u sei-wes »—«- va wes-u- - u( e- Os»- F .—f, k- Voii Statien gingen. Die Torfmoore und die Leitm- klumven schmolzen, wie die Soldaten sagten, gleich der Butter in den großen- Oefen der friesischen Haus- frauen.. Herr d’Artagnan schickte einen Courrier an den Kö- ,nig ab, um ihm feine letzten Siege melden zu lassen, was seine treffliche Laune nnd seine Geneigtheit, den Damen gehörig zu huldigen, verdoppelte.« Diese Siege von Herrn d’Artagnan gabeii dem Für- sten so viel Majestät, daß ikni Frau voii Moniespan nur noch Ludwig den Unbesiegbaren nannte. Fräulein de la Valliere, welche den König nur Lndwig den Siegreiclien nannte, verlor auch viel in der Guiist Seiner Maiestät. Uebrigens hatte sie oft rothe Augen, und für einen Unbesiegbaren ist nichts so wider- 1värtig, als eine Geliebte- welche weint, während Alles um thi her lächelt. Das Gestirn von Fräulein de la Vallidre neigte fich am Horizont iii den Wolken und in den Thräne11. Doch die Heiterkeit von Frau von Montespan ver- doppelte sich mit dein Glück des Köiiigs nnd tröstete ihn über jede andere Ungunst. Seine Majestät wollte diese Verdienste anerkennen; er schrieb an Herrn Colbertx »Herr Colbert, wir haben ein Versprechen gegen Herrii d’Artagnan’-:zu erfüllen, der die seinigen hält. Jch thue Euch zu wissen, daß es Zeit ist, sich der Zus- sage zu entledigen. Die Vestallungsbriefe sollen Euch zugeschickt werden.—»L-udwig.« Herr Colbert, der den Abgesandten von d’Artagnaii bei sich behalten hatte, gab diesem Officier dem zuFolge einen Brief Von sich für d’Artagnan und ein mit Gold incrnstirtes Kästcl2eii von Ebenholz, das.—schei-nbar nur- einen geringen Umfang hatte«, aber ohnesZweifel sehr schwer war, da man dem Boten eine Wache von. fünf Mann beigesellte, um es ihm tragen Fu helfen.«« ·"s Diese Leute kamett gegen Tagesanbruch vor den Platz, welchen d’Artagnan belagerte, und erschienen in der Wohnung des Generals. Mast antwortete ihnen- ärgerlich über einen Ausfall, den am Tage vorher der Gouverneur, ein hinterbälti· scher Mensch- gemacht, wobei man die Werke ausgefüllt, sieben und siebenzig Mann getödtet und eine Vresehe wiederherzustellen angefangen, sei Herr d’Artagnan mit zehn Compagnien Grenadiere ausgezogen, um die Ar- beiten wieder- ausnehmen zu lassen.— Der Abgesandte Von Herrn Colbert hatte Befehl- Herrn d’Artagnan überall, wo er wäre nnd zu welcher Stunde des Tags oder der Nacht es sein möchte, auf- zusuchen. Er begab sich also nach den Lausgräben, ge- folgt von seiner Escorte, Alle zu Pferde. Man sah aus der kahleti Ebene Herrn d’Artagnan mit seinem goidbetreßten Hut, seinem langen Rock und seinen goldenen Aufschlägen. Er kaute an seinem wei- ßen Schnurrbart nnd war nur damit beschäftigt, daß er mit seiner linken Haiid den Staub abschüttelte, wel- chen auf ihn die den Boden aufreißendeii Stückkugeln warfen. Jn diesem furchtbaren Feuer, das die Lust mit Pfeifen erfüllte, sah man die Offieiere die Schaufel handhaben, Soldaten Schiebkarren sühren und die gro- Faschine11, welche sich getragen oder geschleppt Von zehn bis zwanzig Mann erhoben, die Vorderseite der bis ins Herz durch die wüthende Anstrengung des seine Solda- ten anfeuernden Generals wiedereröffneten Tranchån bedecken. Jn drei Stunden war Alles wiederhergestellt. D’Ar- tagnan sing an— sanfter zu sprechen· Er war ganz be- ruhigt, sobald ihm der Kapitän der Pionniere meldete- der Lausgraben sei wieder wohnbar. Dieser Mann hatte kaum zu sprechen aufgehört- als ihm eine KanonenkuO ein Bein wegriß und er in die Arme von d’Artagnan sank. Aus-»s- —«s-—--·- se» 357 Dieser hob seinen Soldaten auf und trug ihn ruhig, mit alleti Arten von Schmeicheleteii, unter dein begeisterten Beifallsgeschrei der Regimenter, in den Lauf- graben hinab.- Von da an war es kein Eifer mehr, sondern ein Wahnwitz. Zwei Compagnien liefen bis zu den Vor- vosten, die sie in einer Secunde umgesiürzt hatten. Als ihre Karneraken, welche d’Artagnan nur mit großer Mühe zurückhielt, jene auf den Basteien aufgevftanzt sahen, brachen sie auch vor, und bald begann ein wü- thender Sturm bei der Contreocarve, von der das Heil des Platzes abhing. D’Artagnan sah, daß es nur ein Mittel gab, seine Armee aufzuhalten, das, sie im Platze einznquartierenz er trieb alle Welt gegen die zwei Preschen, welche die Belagerten auszubessern trachtetenz der Anstoß war furchtbar. Achtzehn Conipagnien nahmen daran Theil, und d’Artagna11 begab sich mit dein Reste auf einen halben Kanonenschuß vom Platz, um den Sturm durch eine staffelförmigc Aufstellung zu unterstützen. Man hörte deutlich die Schreie der Holländer, welche auf ihren Stücken von den Grenadieren von d’Artagnan nieder-gestochen wurden; der Kampf nahm zu mit der Verzweiflung des Gouverneur, der feine Stellung Fuß für Fuß oertheidigte- Um ein Ende Lzu machen und das Feuer zumSchweii gen zu bringen, das nicht nachließ, sandte d’Artagnan eine neue Colonne ab; wie ein Bohrer durchlöcherte diese die noch soliden Posten, und man erblickte bald auf den Wällen, im Feuer, in erschrockenem Lauf die von den Belagerern verfolgten Belagerten.« « Jn diesem Augenblick hörte der General, athmend und voll Jubel, an seiner Seite eine Stimme sagen: ,,Mei11 Herr, wenn es Euch gefällig wäre, von Herrn Colbert.« Er erbrach das Siegel esseo Briefes, welcher fol- gende Worte enthielt: 358 »Herr d’Artagnaii, der König beauftragt mich, Euch kundzuthun, daß er Euch zum Marschall von Frank- reich ernannt hat- zur Belohnung Eurer guteii Dienste und der Ehre, die Jhr den Waffen Seiner Maje- siätwnmchi. «»Der König ist entzückt über Eure Eroberungen; er befiehlt Euch besonders, die Belagerimg, die Jbr be- gonnen habt, mit Glück für Euch und mit günstigem Erfolg für ilm zum Ende zii führen-« D’Artagnati stand aufrecht, das Gesicht erhitzt, deii, Iick funkelnd. Er schlug die Augen auf, um die Fort- schritte seiner Truppen auf den ganz in rothe und schwarze Wolken gehüllten Mauern zu sehen. «»Ich habe beendigt,«« ertviederte er dem Boten- »die Stadt wird in einer Viertelsttiiide übergeben sein.« Dann lag er weiter: »Das Kistchen, Herr d’Artagnan, ist mein Ge- schenk. Jhr werdet nicht ärgerlicli sein, wenn Jhr seht, daß, während Ihr Krieger das Schwert zieht, um den Köiiig zu vertheidigen, ich die Künste des Friedeiis be- lebe, um Euch mit Belohnungen zu schmücken, die Eu- rer würdig. ,»Ich empfehle mich Eurer Freundschaft, Herr Mar- schali, und bitte Euch, an meine volle Ergebenheit zu glauben- »Colbert.«’ ; Trunken vor Freude, machte Wirtagnan dem Bo- ten ein Zeichen, und dieser näherte sich mit dem Käst- chen in der Hand. Doch in dem Augenblick, wo eg der Marschall genauer anschauen wollte, erscholl eine mächtige Explosimi auf den Wällen ·ui1d«zog seine Aufmerksamkeit nach dieser Seite der Stadi.- v»T- ,,Es ist sonderbar,«« sagte d’Artagnan,»ich sehe die Fahiie des Königs noch nick)t auf den Mauern, und man- hört noch nicht Chamidetöschlagen.« .- .,4»-:.z;, «.-—.-«sx2 .i ies ..-..-«.)-..-—.-d- .«,·"«.,.- s-.« .i Er schickte frische drei hundert Mann unter der Anführung eines Officiers voll Eifer ab und besahi, eine andere Bresche zu schießett. Dann wandte er sich ruhiger gegen das Kästchen um, das ihm der Abgesandte von Colbert darreichte. Das war sein Gut; er hatte es gewonnen. D’Artagnan streckte den Arm aus, um das Käst- chen zu öffnen, als eine Kanonenkugel, welche von der Stadt kan1, die Lade zwischen den Händert des Os- sieiers zermalmte, d’Artagnasi ausdie volle Brust traf und ihrt anf eine Böschuiig niederwarf, währerid der mit · Lilieit geschmückte Stab aus den zertrümmerten Seiten des KästckJens fiel und unter die ohmnächtige Hand des Marschalls rollte.. D’Artagnan versuchte es, sich zu erheben. Man hatte geglaubt, er sei ohne Wunde niedergeworsenwor- den. Ein furchtbarer Schrei brach ans der Gruppe seiner ersehrockenen Officiere hervor-. Der Marschall war mit Blut bedeckt; die Blässe des Todes stieg lang- sam zu seinem edlen Antlitz empor-. Auf die Arme gestützt, die sich von allen Seiten ausstreckten, urn ihn aufzunehmen, konnte er noch ein- mal seine Blicke nach dem Platze wenden und die weiße Fahrie aus dem Kamni der Hauptbastei unterscheiden; schon taub für dies Geräusche des Lebens, vernahin er schwach das Rasseln der Tromn1e111, die den Sieg ver- kündigte11.— Nun faßte er krampfbaft mit seiner Hand den Stab, auf dessen Sammet goldene Lilien gestlickt waren, senkte -ans ihn seine Augen, welche nicht"fnehr die Kraft hat- ten, zum Himmel emporzuschauen, und siel nieder, die seltsamen Worte murmelnd, Worte, die den erstaunten Soldaten kabbalistische zu sein schienen, Worte, welche einst so Viele Dinge auf Erden vorstellten, undf die äiiemand, den Sterbenden ausgenommen, mehr ver- and:-« 360 »Athos, Porthos, auf-Widersehenl Aramis, auf iinmer Lebewohll«« Volk den vier tapferen Männern, deren Geschichte wir erzählt, war nur noch ein einziger Leib übrig. Gottv hatte die Seelen zu sich genommett. Ende der dritten und lebten Abtheilitng · der dreiMusketiere. T C.