. 1 7 7 Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von.. Eduard Otftmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Seih- und Leſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 4 5 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ———————— auf 1 Monat: 1 Mt.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. 3 82 1— 2— 1— 7 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer umn Erſatz des Ganzen verp flichtet. 7 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. 8——— 3 —--—-’--— — — b b 1 ——. — +— — ᷣn— —² Dramatische Novellen von Georg Doöoͤring. Vierter Theil. Die Räuberbraut.— Das Königsſchwerdt.— Der Pirat. Frankfurt am Main. Gedruckt und verlegt von Johann David Sauerländer. 1 8 3 3. ——— II. yrisches. Wenn im Lenz aus Blüthenzweigen Uns ein reicher Jubel tönt, Warum ſoll der Dichter ſchweigen Und der Klang, der ihn verſchönt? 1* Die Räuberbraut. Oper in drei Aufzügen. ——ʒ:—— In Muſik geſetzt von Ferdinand Ries. Perſonen: Der Graf von Viterbo. Laura, ſeine Tochter. Fernando Carlo Anſelmo, Kaſtellan. Gianettina, ſeine Tochter. Pietro, ehemaliger Diener des Grafen. Roberto, Räuberhauptmann. Soldaten, Diener, Räuber, Landleute. Offiziere. Die Handlung begiebt ſich in Unteritalien, in der Mitte des ſiebenzehnten Jahrhunderts, während und nach der Uſurpation Neapels durch die Franzoſen. Erſter Act. Erſte Scene. Freier Platz vor dem Schloſſe des Grafen. Im Hinter⸗ grunde ein großes Thor, das von beiden Seiten mit einer hohen Mauer in Verbindung ſteht und verſchloſſen werden kann. Das Schloß links, rechts der Schloßgarten, mit der Wohnung des Caſtellans. Gianettina. Landleute. Chor der zuſammentreffenden Landleute. Willkommen zum Feſte Des Grafen und Herrn! Wir bringen das Beſte, Die Herzen, ihm gern. Die Madchen. Wir flechten ihm Kränze r In's ehrwürd'ge Haar. Die Jünglinge. Wir bringen die Herzen Zum Opfer ihm dar. All e. Wir winden die Blumen Zum feſtlichen Kranz; Es lebe die Freude Bei Sang und bei Tanz! Zweite Scene. Die Vorigen. Anſelmo aus dem Schloſſe. Anſelmo. Schon eilt der Graf Euch dankend her, Doch läßt das Feſt ihn freudeleer. Gianettina. Guter Vater, gieb uns Kunde, Was ihn trübt zu dieſer Stunde, Welch ein Gram ſein Herz beſchleicht? Anſelmo. Seinen Gram hält er verborgen, Doch die Stirn umwölken Sorgen, Ob ſie gleich ſein Mund verſchweigt. — Dritte Scene. Die Vorigen. Der Graf und Laura, von Dienern gefolgt, aus dem Schloſſe. Der Graf. Recitati v. Dank für Eure treue Liebe! Dank für dieſen ſchönen Gruß! Fürwahr! Ihr habt im Angedenken Ihn wohl bewahrt den Tag, Der mir das Leben gab. Doch drohen ſchwere Stürme mir Und Kummer miſcht ſich in der Freude Kelch. Chor. Den Himmel laßt ſorgen, Sein Schutz iſt nie fern, Heil kündet der Morgen, Dem Grafen und Herrn. Gianettina und die Landleute ab mit den Dienern. Vierte Scene. Der Graf, Laura, Anſelmo. Der Graf(zu Anſelmo, der den übrigen folgen will.) Bleib, Anſelmo! Du biſt ein treuer Diener dieſes Hauſes und vor dir will ich kein Geheimniß — 10— haben. Du haſt als Knabe mit mir geſpielt, biſt als Jüngling mir in ferne Länder gefolgt, biſt zum Manne mit mir gereift, zum Greiſe mit mir ge⸗ worden! Du magſt vernehmen, was ich meiner Laura zu entdecken habe. O, mein Kind! Es la⸗ ſtet ſchwerer Kummer auf meiner Seele. Ein Un⸗ wetter bedroht dieſes graue Haupt. Nur durch die Flucht werde ich ihm entgehn können— wir wer⸗ den uns trennen müſſen— Laura(ſehr bewegt.) Trennen mein Vater? — Nimmermehr! Was kann dich von meiner Seite reißen? Biſt du nicht Herr dieſer Grafſchaft, ſind dir die deinigen nicht alle mit Liebe und Treue er⸗ geben— Anſelmo(eifrig.) Ja, Herr! Dafür bürge ich mit Hand und Wort. Ein Wink von Euch und alle ſind erbötig, jede Gefahr mit Euch zu theilen. Der Graf(finſter.) Und dennoch hat mich einer aus ihrer Mitte verrathen, dennoch gab es einen undankbaren Buben unter ihnen, eine Schlange, die ich an meiner Bruſt genährt— Anſelmo. Wer konnte das ſeyn, Herr? Laura. Entdecke mir Alles, mein Vater! Dieſe Zweifel ſind quälender, als die Gewißheit eines Unglücks. Der Graf. Pietro war der Verräther. Anſelmo. Der heimtückiſche Schurke. Laura. Pietro? Nicht Roberto, den du ver⸗ bannteſt— Der Graf. Pietro war es, der ſchleichende, lauernde Heuchler! Hört mich weiter, und ihr werdet die ganze Größe ſeiner Schandthat erkennen. Unſer Land iſt von den Kriegern des Uſurpators überſchwemmt, unſer Fürſt ein Spielzeug ſeines Willens geworden. Wer bisher für einen rechtli⸗ chen Mann galt, hieß nun ein Vaterlandsverräther, wer dem Fürſten am treueſten gedient hatte, den traf jetzt am erſten die Aechtung, die ihn von der Heimath und den Seinigen trennte. Meine beſten Freunde zählte ich unter dieſen Verurtheilten. Ich hoffte auf eine baldige Aendrung, auf eine beſ⸗ ſere nahe Zukunft. Ich ließ die verbannten Freunde einladen, ſich heimlich zu mir hierher zu begeben und, in dieſem abgelege nen Schloſſe verborgen, ihre Rechtfertigung, die Erkenntniß ihrer Unſchuld zu erwarten. Pietro war mein Bote— und er ging hin und verrieth mich. Anſelmo. Abſcheulich! Laura. Fürchte nichts, mein Vater! Der Fürſt kennt deine Treue, er weiß die Verdienſte zu würdigen, die du ihm geleiſtet haſt. — 12— Der Graf. Ich fürchte nichts mehr, denn Alles iſt bereits geſchehn, was ich hätte fürchten kön⸗ nen. Die Vögte des Uſurpators haben mich geäch⸗ tet, ein hoher Preiß iſt auf mein Haupt geſetzt, Pietro will ihn verdienen und führt die Häſcher hierher, die mich auf's Hochgericht ſchleppen ſollen. Laura(derbirgt ihr Antlitz in ihre Hände.) Gerechter Himmel! Anſelmo(feurig.) Gebt uns Waffen, Herr! Unſer letzter Blutstropfen gehört Euch. Der Graf. Schäme dich, Anſelmo! Dann wäre ich ein Rebell. Mir bleibt nichts übrig, als eine ſchleunige Flucht. Ich fürchte den Tod nicht, aber der Name meines alten Geſchlechtes ſoll rein bleiben von der Schmach, mit dem ihn die Unge⸗ rechten beflecken wollen. Deshalb fliehe ich.(Seuf⸗ zend.) Deine Mutter iſt todt, Laura, und ich habe nur einen Freund, unter deſſen Schutz ich dich zu⸗ rücklaſſen kann. Du, Anſelmo, biſt dieſer Freund! Bewahre mir ſie wohl für eine glücklichere Zeit! Mein höchſter Schatz bleibt in deinen Händen. Anſelmo(gerührt.) O Herr, dieſes Ver⸗ trauen— Laura(beſtimmt.) Nein, nein, mein Vater! Ich kann mich nicht von dir trennen. Nimm mich — 13— mit dir, ich will deiner pflegen im fremden Lande, ich will dir die Sorgen verſcheuchen— Der Graf(traurig.) Es geht nicht, mein Kind! Du würdeſt meine Flucht erſchweren, die Schergen würden uns ereilen und beide vielleicht— (heftig.) Das darf nimmermehr geſchehn! Du bleibſt hier und giltſt fur Anſelmo's Tochter, für die Schweſter Gianettina's. Du ſollſt bald erfahren, wohin mein flüchtiger Fuß mich getragen, dann folgſt du mir nach. Geh, Anſelmo! Bereite Alles vor zu dieſer Verkleidung. Nimm den Dienern des Hauſes einen Eid ab, daß ſie ihres alten Herrn Tochter nicht verrathen. Geh, mein treuer Anſelmo! Du wirſt meinem Kinde ein guter Va⸗ ter ſeyn.(Er reicht ihm die Hand, die Anſelmo küſſen will. Der Graf aber verhindert dies und ſchüttelt ſie ihm herzlich.) Anſelmo(abgehend.) O, daß ich dieſen Tag des Unglücks erleben mußte!(Ab in's Schloß.) Fünfte Scene. Der Graf. Laura. Duet t. Laura. O, Vater, nein! Du darfſt nicht ſcheiden, Laß hülflos nicht dein Kind zurück! — 14— O, laß mich theilen deine Leiden, Wie ich getheilt des Vaters Glück. Der Graf. Mein theures Kind! Laß dieſes Zagen, Daß nicht mein Herz im Kummer bricht. Den Kampf, der mir noch bleibt zu wagen, Beſteht die zarte Jungfrau nicht. . B e. i d e. Wie glüh'n im Aug' die heißen Thränen, Die herb' des Scheidens Qual erpreßt, Wie brennt im Herzen banges Sehnen, Wenn jene Qual die Wange näßt. L aur a. Verfolgt von denen, die dich haſſen— Wer ſteht dir bei in der Gefahr? Und fern von dir, ſo ganz verlaſſen, Wer reicht die Hand mir ſchützend dar? Der Graf. Der Himmel hört der Unſchuld Flehen, Bald führt er hier mich wieder ein. Bis wir uns froh dann wiederſehen, Wird dir Anſelmo Vater ſeyn. — 15— Beide. Erhöre, o Himmel, unſre Bitten! Gewähre, was wir heiß erflehn! Und laß uns, wenn wir ausgelitten, Bald froh und glücklich wiederſehn. O neige dich in deiner Macht, Daß uns ein heitres Seyn erwacht. Laura. Ja, mein Vater, eine freundliche Ahnungsſtimme in meinem Innern ſagt mir, daß unſre Trennung nur von kurzer Dauer ſeyn wird. Sie beruhigt mich, ſie ſtärkt mich. Der Gerechte kann nicht lange verkannt bleiben. Der Graf(liebevoll.) Möge dieſe Stimme dir nicht treulos werden! Doch wer naht? Anſelmo, Gianettina— ihre Mienen weisſagen ein Unheil. Sechſte Scene. Die Vorigen. Anſelmo. Gianettina(haſtig.) Quartett. Gianettina, zu Laura. Es iſt geſehn, was wir befürchtet Euch trifft des Fürſten Machtgebot. Anſelmo, zum Grafen. Schon nahn die Feinde ſich den Thoren— Entflieht der Schmach, die Euch bedroht. — 16— Der Graf. Die Trennungsſtunde hat geſchlagen— Auf Wiederſehn, mein Kind, leb wohl! L aur a. Wer hilft das Schreckliche mir tragen, Daß fern von dir ich leben ſoll? Der Graf. Anſelmo, denk der Vaterpflichten! Liebt, Mädchen, Euch, den Schweſtern gleich. Dem Fürſten muß ich noch berichten, Ich geh— lebt friedlich unter Euch. Anſelmo, Laura, Gianettina. Wir werden ſtill und friedlich leben, Bis uns der Vater Herr iſt Der Graf. Des Himmels Wille ſoll geſchehn, Lebt wohl, lebt wohl, auf Wiederſehn! Alle vier. Mag Mißgeſchick die Zukunft trüben, Wir werden ſtark im Kampfe ſtehn; Iſt uns die Hoffnung doch geblieben Auf ein beglücktes Wiederſehn. (Anſelmo und die beiden Mädchen in die Caſtellanswohnung. Der Gr af in's Schloß.) rückgegeben. — 17— Siebente Scene. Pietro ſchleicht durch das Thor im Hintergrunde her⸗ ein und ſieht ſich nach allen Seiten ſcheu um. Alles ſtill!— Sie ahnen nichts. Der Herr Graf wähnt ſich im Schooße des Friedens, während ich die Mine unter ihm angelegt habe, die ihn in wenigen Augenblicken in die Luft ſchleudern wird. Ein leichter Verdienſt, das! Verdammt, daß ich ihn mit den Soldaten theilen muß. Hätte ich nur den Roberto auffinden können! Er hat einen al⸗ ten Groll auf den Grafen und würde mir gern bei⸗ ſtehn mit ſeinen kühnen Burſchen. Dann raſch in das Schloß, den Alten gepackt und fort mit ihm auf verborgenen Felſenpfaden zum Gericht, ſo daß die Herrn Soldaten das leere Neſt fänden!(Hä⸗ miſch.) An dem Roberto und den Seinigen könnte ich dann auch noch ein ſchönes Stück Geld verdie⸗ nen. Sie ſind ja auch geächtet als Räuber und wenn ſie dann meinten mit mir zu theilen, ſo be⸗ hielten ſie nur Eins für ſich— den Galgen. IV. 2 — 18— Achte Scene. Der Vorige. Roberto, den Hut tief in die Stirn gedrückt, mit Dolch und Piſtolen bewaffnet, iſt aus dem Garten vor⸗ und dicht hinter jenen getreten. Roberto(ſchlägt den Pietro auf die Schul⸗ ter.) Du ſprachſt vom Galgen, Freund?— Haſt du Betrachtungen über deine Zukunft angeſtellt? Pietro(ſeinen Schreck bezwingend.) Spaß⸗ vogel! Wenn ich ſo ein Wort nenne, ſo kann ich nur dich im Sinn haben. Doch Scherz bei Seite! Ich ſuchte dich, ich habe Wichtiges mit dir zu reden. Roberto(eerächtlich.) Du mit mir! Was kann die Kröte mit dem Löwen gemein haben? Pietro(ortfahrend.) Der Graf iſt geächtet. Roberto(kalt.) Ich weiß es. Pietro. Du biſt ſein Feind! Roberto(im Ton der Verwundrung.) So? Pietro Gämiſch.) Nun, er hat dich doch mit Schimpf und Schande aus dem Schloſſe ge⸗ jagt in das heimathloſe Räuberleben, als du es wagteſt, den kühnen Blick nach der Gräfin Tochter zu erheben. Roberto(wild.) Hölle und Teufel! Woran erinnerſt du mich? — 19— Pietro(den Roberto bei Seite nehmend.) Höre, Roberto, die Gelegenheit iſt da, wo du dich rächen kannſt, an dem übermüthigen Alten! Roberto,(wieder kalt.) Meinſt du? Pietro. Wer ihn einbringt lebendig oder todt, erhält eine große Summe Geld zur Beloh⸗ nung. Halb Part, Freund Roberto! Gieb dei⸗ nen Leuten ein Zeichen— wir kennen ja alle Schliche— wir brechen ein in's Schloß und fan⸗ gen den Grafen weg, ehe noch die Soldaten aus dem Thale heraufziehn. Roberto(aufmerkſam.) Wie— Soldaten ſind im Anzuge? Wer hat ſie hergeführt? Pietro(treuherzig.) Ich ſelbſt, Freund, der, unter uns geſagt, dem Grafen die ganze Suppe eingebrockt hat. Aber ich theile doch lieber mit dir, mit einem alten Cameraden, als mit den bunten Röcken, die mich ohnehin rauh genug behandelt haben und wenig Geſchmack an der Sache zu finden ſchienen. Roberto(bei Seite.) Jetzt gilt es, Ro⸗ berto! Ein kühnes Wort und du ſtehſt am längſt erſehnten Ziele.(Laut.) Und du, Pietro, findeſt wohl großen Geſchmack daran, deinen Herrn und Wohlthäter zu verrathen? Pietro. Ich glaube gar, du willſt den Sittenpredi⸗ 2* — 20— ger machen, Näuberhauptmanne Laß die alber⸗ nen Späße, Roberto. Wir Beide ſuchen ein und daſſelbe im Leben, nur auf verſchiedenen Wegen: Geld iſt die Macht, der wir unterthan ſind. Roberto(mit Nachdruck.) Aber der Graf hat dich aufgenommen als eine arme Waiſe, er hat dich erziehen laſſen, er hat dich gehalten wie ſein eigenes Kind— Pietro. Pah! Was liegt daran. Hab ich's ihn geheißen! Roberto(bei Seite.) Schurke! Indem er mit der von Pietro abgewendeten Hand langſam nach dem Dolche in ſeinem Gürtel greift.) Und, was meinſt du, womit würden die Freunde des Grafen deine That vergelten, wenn ſie dich in ihrer Gewalt hätten? Pietro ühn ſcharf beobachtend und langſam zurückweichend.) Nun— mit einem Dolchſtoße etwa. Roberto(mit gezücktem Dolche auf ihn los⸗ ſtürzend.) Nimm ihn hin, Schandbube! Pietro Ourch das Thor entfliehend.) Das ſoll dir nicht unvergolten bleiben, Buſchklepper! — 21— Neunte Scene. Roberto. Dann Räuber. Roberto. Reeitagti v. Er iſt entflohn! Doch er entgeht der Rache nicht. Jetzt gilt's, Roberto, Zu retten, Zu ringen nach dem höchſten Preiß! (Nach dem Garten hin.) Herbei des Waldes Söhne! (Die Räuber kommen einzeln und vorſichtig von der Seite des Gartens geſchlichen.) Hört, Freunde! Ein Verräther Wagt, dieſes Schloſſes Schwelle zu betreten, Dem edeln Grafen zum Verderben. Er ſterbe! Die Räuber. Ha! Er komme! Wir ſtehn zum Streit Auf Leben und Sterben bereit. Roberteo. Merkt Euch vor Allen Den an der Spitze! Die Rauber. Pietro? R o bher t. o. Ja! Dieſer muß fallen: Drum— naht er— ſo blitze Das ſichre Geſchoß Den Tod auf ihn los. Die Räuber. Verräthern Verderben! Rober t o. Ja! Drum ſoll er ſterben, Vernehmt dies Gebot! Die Räuber. Ihn treffe der Tod. Die Räuber nach dem Garten ab. Roberto will ih⸗ nen folgen. Als er aber Laura erſcheinen ſieht, bleibt er zur Seite und beobachtet ſie. Zehnte Scene. Roberto. Laura, in der Tracht eines Landmädchens aus der Wohnung Anſelmo's. Laura ſſich ſcheu umblickend.) Es iſt Nie⸗ mand da.— Noch iſt Alles ruhig, ich darf hoffen noch einmal den theuern Vater zu umarmen, noch einmal ſein ehrwürdiges Antlitz zu ſchauen, die liebe Stimme zu hören, ehe er ſcheidet— wer weiß auf wie lange— vielleicht auf immer! (Sie nähert ſich langſam dem Eingange des Schloſſes.) Roberto(vortretend.) Laura! Laura Guſammenſchreckend.) Ha! Wer ruft? Roberto. Kennt Ihr mich nicht mehr? Laura(entſetzt.) Robertol— Näuber⸗ hauptmann! Roberto(bitter.) Ja, Mädchen! es iſt der Unglückliche, den deines Vaters Machtgebot in die Wildniſſe verſtieß, daß er dort, wie das Thier des Waldes vom Naube leben mußte;(ihre Hand er⸗ greifend) es iſt derſelbe, der dich liebte und auf Gefahren gebettet, von Tod und Schande bedroht, nicht aufgehört hat, dich zu lieben. Laura Eidem ſie ſich bemüht, von ihm los⸗ zukommen.) Laßt mich! Hinweg die blutbefleckte Hand! Roberto. Wenn ich dich laſſe, ſo verläßt dich dein Schutzgeiſt. Meine Hand iſt rein von Blut; ſie hat nie gemordet. Nur einen wird ſie treffen zum Tode: den Buben, der deinen Vater verrieth. Laura. Wie— Ihr wolltet— Roberto. Hört mich ruhig und gelaſſen an. Vergeßt, daß Ihr eine hochgeborene Gräfin, denkt — 2322— nur daran, daß Ihr Tochter ſeyd. Die Stunden Eures Vaters ſind gezählt, über ſeinem Haupte hängt an einem Haare das Schwerdt, das ihn ver⸗ nichten kann. Nur Ihr— bei meiner Räuberehre! — Nur Ihr allein vermögt es, ihn zu retten! Laura(erſtaunt.) Ich?— Was kann ich thun? Die Stimme eines ſchwachen Mädchens dringt nicht zum Throne; mein Geiſt wäre ſtark genug, um für ihn zu kämpfen— mein Arm iſt zu ſchwach, um ein Schwerdt zu führen. Roberto. Ein Wort aus Eurem Munde richtet eine eherne Mauer um Euern Vater auf, eine Mauer von Männern, die den Tod nicht ſcheuen und einem Flintenlaufe gegenüber ein luſtiges Lied anſtimmen. Hört mich, Laura! Ihr ſeyd nicht mehr die Tochter eines ſtolzen Grafen, Ihr ſeyd das Kind eines Geächteten, eines Mannes, wie ich, der am Morgen nicht weiß, wo er Abends ſein Haupt hinlegen wird. Laura(ſtreng.) Schweig, Roberto! Läſtre nicht meinen edeln Vater. Roberto(beſtimmt.) Es iſt aber ſo und Eure Rede ändert nichts in der Sache.(Weniger hart.) Er iſt geächtet, ſein Leben iſt jedem preiß gegeben, der mit einem Schurkenſtreiche eine hohe Summe verdienen mag. Wir ſind nun gleich, Laura! Alle Vorurtheile von Stand und Geburt liegen hinter uns.— Jetzt trete ich vor Euch hin, als ein paſſender Freiersmann. Sagt mir ein gü⸗ tiges Wort, gebt mir nur einen Schimmer von Hoffnung, daß Ihr die meinige werden wollt, und kein Haar ſoll auf dem Haupte Eures Vaters ge⸗ krümmt werden, ich führe ihn frei und ledig an ei⸗ nen ſichern Ort. Laura(auſſer ſich ihr Antlitz verbergend.) Entſetzlich! Roberto(hohnlachend.) Was iſt denn hier ſo Entſetzliches?— Ihr wart eine Gräfin im off⸗ nen Lande und ſollt eine Königin der Wälder wer⸗ den. Laura Guſammenſchaudernd.) das Weib eines NRäubers. Roberto(kalt.) Die Tochter eines Geächte⸗ ten ſoll die Frau eines Geächteten werden. Weiter iſt es nichts. Blickt hinab in das Thal, Laura! Dort wimmelt es von Häſchern, die geſandt worden ſind, Euern Vater zu verhaften. Das Schloß iſt umſtellt. Er kann nicht mehr entfliehn. Laura. Ewiger Gott! Roberto. Sie ſchleppen ihn fort zum Hoch⸗ gerichte, Ihr folgt ihm in Jammer und Verzweif⸗ lung, ſein ehrwürdiges Haupt ſieht vorwurfsvoll auf Euch herab vom Nade— Ihr konntet ihn ret⸗ ten— Ihr thatet es nicht. Laura. Menſch, du bringſt mich zur Ver⸗ zweiflung! Du verſtehſt die Kunſt, dein Opfer zu quälen, du drängſt mich zum Entſetzlichſten. Roberto. Ich will Euch nur dienen und gelingt mir das nicht, bei meinem Dolche! ſo ver⸗ lange ich auch keinen Lohn. Laura(für ſich.) Was ſoll ich thun in die⸗ ſer ſchrecklichen Bedrängniß? Wohin ich blicke, grau⸗ envolle Nacht! Kein Freund, kein Rathgeber in mei⸗ ner Nähe— Roberto. Berathet Euch mit Euch ſelber! Es iſt wenig Zeit übrig, aber benutzt dieſe, um einen Entſchluß zu faſſen. Denkt an Eures Vaters graue Haare, an ſeine rühmliche Vergangenheit, an ſeine ſchmachvolle Zukunft. (Er tritt zur Seite und wird, während der folgenden Arie Laura's, zum Oftern zwiſchen den Bäu⸗ men des Gartens ſichtbar, ſchleicht auch wohl nach dem offenen Thore, um von dort aus in's Thal hinbzuſehen.) Laura. Recitati v. Welche Qualen! Sturm der Zweifel, — 27— Der im Innern Schrecklich wüthet, Finde Frieden! Ich ſoll wählen! Schande hier! Schande dort! Vater, Vater! Ha! Dein Blut— Wenn es hinſtrömt— Klagt's mich an. (Niederknieend.) Du im Himmel, Herr der Welten, Durch ein Zeichen zu mir ſprich! Nur dein Wille ſoll mir gelten, Und dein Wink beſtimmen mich. Laß vergebens nicht im Staube Deine Magd hier niederknien; Gibt ſie ſich der Schmach zum Naube? Gibt ſie ihren Vater hin? Marſch aus der Ferne. Aufſpringend. Ha! Nah und immer näher— Die Wogen brechen ein; Die Fluthen ſteigen höher, Ich muß verloren ſeyn. Sie drängen ſich zum Herzen, Sie martern es mit Qual. — 28— Wer hilft in dieſen Schmerzen? Mir bleibet keine Wahl. Gott ſelbſt hat ſie getroffen, Ich ſoll das Opfer ſeyn! (Nach dem Hintergrunde, aus dem eben Roberto vortritt.) Roberto, du darfſt hoffen! (Zuſammenſchauernd für ſich.) Ich geh zum Tode ein. (Laura ab in die Caſtellanswohnung, Roberto mit einer Gebehrde des Triumphs in das Schloß.) d Eilfte Secene. Marſeſch. Fernando. Carlo. Pietro. Soldaten, durch das Thor im Hintergrunde. Fernando(u einigen Soldaten.) Beſetzt das Thor! Niemand wird herausgelaſſen, bei Le⸗ bensſtrafe. Carlo(ſich umſehend.) Alles wie ausgeſtor⸗ ben! Am Ende iſt das Neſt leer, die Vögel ſind ausgeflogen, wir haben das Nachſehn und finden vielleicht nicht einmal eine Flaſche Wein mehr im Keller, um die Beſchwerden des Marſches durch ei⸗ nen guten Trunk zu verſüßen. Pietro(der an das Schloßthor geſchlichen war, zurückkehrend.) Nein, nein! Noch iſt niemand — 20— entflohn. Man erwartet uns nicht, oder eine Kriegs⸗ liſt hält ſich hinter dieſer anſcheinenden Sorgloſig⸗ keit verborgen. Carlo(lachend.) Eine Kriegsliſt? Was weißt du davon, du Tropf? Sacktücher ſtehlen und mit falſchen Würfeln ſpielen, das mögen Kunſtſtücke ſeyn, die du verſtehſt. Aber Kriegsliſten?— Bleib bei deinem Leiſten, Schuſter! (Die Soldaten lachen.) Pietro(bei Seite.) Verdammt, daß ich mir das gefallen laſſen muß!(Laut.) So nennt's mei⸗ netwegen, wie Ihr wollt, aber hört mich an! In den Wäldern, die das Schloß umgeben, haußt eine furchtbare Näuberbande, ein tüchtiger Burſch ſteht an ihrer Spitze, verwegen und liſtig— er nennt ſich Roberto. Carlo(aufmerkſam.) Roberto? Der gefürch⸗ tete Räuberhauptmann? Pietro. Er ſelbſt. Verräther und Räuber — der Graf und Roberto— leuchtet Euch das nicht ein? Könnte nicht Roberto mit den Seinigen im Schloſſe verſteckt ſeyn, um den Grafen zu ver⸗ theidigen? Carlo. Schweig, Memme! Das wäre ein Spaß, der den müheſeligen Marſch verlohnte.(Zu Fernando, der düſter und in ſich gekehrt dage⸗ — 30— ſtanden hat.) Aber was fehlt dir, Freund? Ich habe dich in Stunden der Gefahr geſehn, wo der Tod Alt und Jung zum Tanze aufforderte und wir in jedem Augenblicke ſeine gütige Einladung erwar⸗ ten durften, aber ſo trübe und mißgeſtimmt, wie heute, ſah ich dich noch nie. Fernando. Kannſt du fragen, Carlo? Hat man uns nicht tief herabgewürdigt? Unſer Vater⸗ land blutet unter den Geiſelhieben eines Uſurpators, unſer angeborener Fürſt iſt ein Sklav des Tyran⸗ nen geworden, die Edeln des Landes, unter denen man auch dieſen Grafen nannte, ſind geächtet, zum Tode verurtheilt, und uns hat man aus ehrlichen Soldaten zu Schergen gemacht, die den Unſchuldi⸗ gen zum Schaffot ſchleppen müſſen. Carlo. Du ſiehſt Alles ſchwarz, Fernando! Wir tragen keine Schuld an dieſen Dingen. Fernando. Und noch ein andres unerklär⸗ liches Gefühl peinigt mich, ſeitdem wir das Ge⸗ biet dieſes Schloſſes betreten haben, eine Empfin⸗ dung, die mir durchaus neu und fremd iſt. Du elt. Fernand o. O Freund, ich kann's nicht ſagen, Was mir das Herz bewegt, — 31— Welch ſeltſam banges Zagen Mir in der Bruſt ſich regt. Als Feind hier einzuziehen, Das läßt nicht froh mich ſeyn: Mir iſt, als ſollt' ich fliehen, Und doch zieht's mich hinein. Car l o. Wozu ſolch thörigt' Sinnen? Laß uns die That beginnen! Was auch des Innern Stimme ſpricht: Gehorſam iſt des Kriegers Pflicht. Chor der Soldaten. Es lebe der König Im Kampfe, im Sieg! Fern ando. Wohlan denn, ihr muthigen Krieger! Bald ruft wohl des Vaterlands Noth! Erringt Euch dann Lorbeern als Krieger, Im Kampfe auf Leben und Tod! E y o r. Auf Leben und Tod! (Sie dringen in das Schloß ein.) a—— Zwölfte Seene. Zimmer im Schloſſe. An der hintern Wand lauft oben eine praktikable Galerie hin. Der Grf P qallein.) Recitativ. Wag' ich es, zu denken? Ich geächtet? Treu dem Thron mit Gut und Leben Und geächtet! Schon umringt von Feinden, Preisgegeben ihrem Hohn, Verzweifelnd an der Rettung! (Betrachtet ein Miniaturgemälde, das er in der Hand hält.) Theure Gattin, deine Züge Sind gegraben in mein Herz! Wie mein Schickſal ſich auch fuͤge, Mildern ſie der Erde Schmerz. Tochter, die ich muß verlaſſen, Bleibſt auch der Erinnrung treu, Bis die Stürme ſind verflogen Und ich wieder bei dir ſey. Leb wohl! Leb wohl! mein Vaterland, Dein Boden bleibt zurück, Doch das Gefühl dir zugewandt Im thränenfeuchten Blick. — 33— Schon drängt an's Ufer ſich die Fluth, Die mich zur Ferne trägt. O Welle, die vom ſchönſten Gut Mich grauſam fortbewegt! Einſt bringe mich zum Vaterland, Zurück ins Ahnenhaus, Geſegnet ſey dann mir, o Strand; Geſegnet, Ahnenhaus! Dreizehnte Scene. (Der Vorige. Roberto von Außen.) Roberto(Xrufend.) Auf! Die Thüre geöff⸗ net! Zögert nicht, es iſt kein Augenblick zu ver⸗ lieren. Der Graf. Wer ruft? Roberto(dringend.) O fragt nicht und öff⸗ net! Es gilt Euer Leben, es gilt Eure Ehre. Der Graf ſcchließt auf. Zurückfahrend und nach ſeinem Degen greifend.) Räuberhauptmann— du! Willſt du den Preis verdienen„ der auf mei⸗ nem Haupte ſteht? Roberto(hereinſtürzend.) Fürchtet nichts von mir! Aber andre fürchtet, die mir auf dem Fuße folgen. Ich bin durch ein feſtes Band an Euern Dienſt gekettet. Ich will, ich muß Euch retten. IV. 3 — 34— Der Graf. Ewige Allmacht! Unter Dieben und Mördern muß meine gerechte Sache ihren Be⸗ ſchützer finden. Roberto(ſinſter.) Nicht dieſe Sprache, Graf! Ihr werdet mich anders kennen lernen. Aber zau⸗ dert nicht länger! Folgt mir ſogleich! Nicht weit vom Ufer des Meers harrt Euerer eine wohlbe⸗ mannte Barke. Im Dunkel der Nacht geleite ich mit den meinigen Euch ſicher dorthin. Bis dahin müßt Ihr Euch im Schloſſe verbergen. Der Graf. Unmöglich! Pietro kennt alle verborgene Winkel. Roberto(heftig.) Bei'm erſten Verräther⸗ worte, das er ausſpricht, ſchließt meine Kugel ihm den Mund auf ewig. Der Graf. Entſetzlich! du wirſt dich ſelbſt in's Verderben ſtürzen. Roberto. Laßt das, Herr Graf! Ich weiß was ich thue, ich weiß warum ich ſo handle. Final e. Fernando(von Außen.) Auf die Thüre! Nicht gezaudert. Der Graf. Horch! Es iſt um mich geſchehn. — 35— Noberto. Fort! Ihr muͤſſet ſchnell entgehn. Der Graf. Ha! Nichts ſchützt dies greiſe Haar. Nober o. Fort! Es dränget die Gefahr. Fernandeo. Aufgemacht! RNohert o. Fort, nur fort! Der Graf. Darf ich trauen Deinem Wort? Nober o. Auf mich bauen Könnt Ihr. Fort! Fernan d o. Auf die Thüre! Der Graf. So iſt's dann des Himmels Schluß, Daß ich Alles laſſen muß, Was mir Lebensglück gewährt? Robert o. Fort, iſt Euch die Ehre werth! 3* — 36— Fernand o. Ohne Zögern! Schließet auf! Der Graf öffnet eine, durch ein großes Ge⸗ mälde verborgene, Thüre.) Dieſer Ausgang ſteht uns offen! Ro bert. Fort! Ihr dürft das Beſte hoffen. Bei d e. Ehre Freiheit wird bedroht. Wo die das mächtigſte Sprüiht ein mächtiges Gebot. Drum fort! (Beide ab, indem ſie die verborgene Thüre hin⸗ ter ſich ſchließen.) Fernand o. Nun wohlan! So brechet ein! E ho r. Auf! Auf! im Sturm hinein! — 37— Vierzehnte Scene. Die Thüre wird erbrochen. Fernando, Carlo, Pietro, Soldaten ſtürzen herein. Fernando. Umſonſt! CE aro. Entflohn? P i el r o. Nicht möglich! Fernand eo. Keine Seele. Carlo(zu Pietro.) Weh dir, Schurke, Haſt du uns betrogen! Pp i e r o. Nicht aus dem Schloß noch kann er ſehn; Drum folget mir! Bald holen wir ihn ein. Carl o. Faſt wunderbar erſcheint es mir! Wohlan, wohlan, ich folge dir! (Ab mit Pietro und einigen Soldaten.) Fünfzehnte Scene. Fernando. Soldaten. Fernando(indem er auf einem Tiſche das von dem Grafen vergeſſene Bild findet.) Recitativ. Ha! Waos ſeh ich? Welche Züge! Aus des Herzens innern Tiefen Steigt Erinn'rung mahnend auf. Dieſes Antlitz— ernſter zwar und älter— Führt das Bild des holden Mädchens Vor die Seele mir zurück, Die ich in Palermo, als die Pferde Hin mit ihr zum nahen Abgrund ſtürzten Vom Verderben retten durfte. Cantabile. Mit eines Engels zarter Stimme Sprichſt du, Erinn'rung, holde Macht! Du Friedensklang im Sturmesgrimme, Du Sonnenſtrahl in ſchwarzer Nacht! (Geräuſch von Außen. Er verbirgt das Bild.) — 39— Sechszehnte Scene. Die Vorigen. Carlo. Laura(in ländlicher Tracht.) Gianettina. Anſelmo. Diener und Die⸗ nerinnen, von Wache umgeben. Später Roberto. Fernando(LCaura erblickend.) Himmel, was ſeh ich? Iſt es Wahrheit? Iſt es Traum? Dies Entzücken faß ich kaum. Laura(in großer Beſtürzung.) Ha, welche Züge? Ew'ge Allmacht, ſteh' mir bei! Carlo(bei Seite.) Ha, warlich! Das iſt ſtark. Lieben ſchon und ſehen kaum! Gianettina. Tapfern ziemt Milde! Wir ſind ſchuldlos: laßt uns frei! Fernando. Dieſe Züge, dieſer Blick, Was ſich zeigt in jenem Bilde, Alles ruft ſie mir zurück. Laura(zu Anſelmo.) Nicht den Kampf kann ich beſtehen. Jetzt nicht kann ich vor ihn treten. — 40— Anſelmo. Es iſt um uns geſchehen, Verlieret Ihr den Muth. C y o r. Ha! Gott! was wird geſchehen? Fernando(ſich gewaltſam bezwingend, zu den Jungfrauen.) Gute Kinder, laßt das Bangen! Tretet näher, zaget nicht. Lraur a. Habet Mitleid! Anſelmo(heimlich zu ihr.) 3 Recht! Faßt Muth. L a u r a. Habt Erbarmen! Carlo(zu Gianettina.) Welche Lippen, welche Wangen! Und ein Blick, Aus dem das Glück Der Liebe ſpricht! Mädchen, nein! dir darf nicht bangen, Tritt nur näher her zu mir! — 41— Gianettina. Spottet frevelnd nicht den Armen, Denn Euer Scherz Vermehrt den Schmerz, Des Unglücks hier. Laura. Gianettina. Anſelmo. Laßt Euch unſer Flehn begrüßen, Sprecht dem Unglück keinen Hohn! Laßt es nicht die Diener büßen, Daß ihr guter Herr entflohn. Chor(der Diener und Dienerinnen.) Laßt es nicht die Diener büßen, Erhöret uns! Fernando(für ſich.) Entflohn? Ha, frohe Kunde! Und ich that meine Pflicht. Sar o. Entflohen— Böſe Stunde! Adieu, mein ſchönes Geld! Laura(auf Fernando blickend.) Ja, er iſt's! Ich ſeh ihn wieder, Der zum Retter mir geſandt. Schickſal! Beugſt du ganz mich nieder, Daß ich jetzt ihn wiederfand. — 42— E Fernando(auf Laura ſehend.) Jene Züge ſeh ich wieder, Doch ſie weilt im fernen Land. Liebesſtern! Du ſtrahlſt nicht nieder, Und ſie bleibt mir abgewandt. 1 Carlo(auf Fernando.) Toller Menſch, verliebt ſich gleich. Gianettina(auf Laura.) G Sonderbar! Sie ſcheint ſo weich. Anſelmo(für ſich.) Muth, Anſelm! es glückt der Streich. Fernando(zu Anſelmo.) Gutes dürft Ihr immer hoffen, Aber redet wahr und offen! Laßt mich Alles treu erfahren: Sprecht, wer ſehd Ihr, alter Mann? (Man ſieht den Roberto oben auf der Galerie her⸗ umſchleichen. Er iſt mit einer kurzen Büchſe bewaffnet.) Anſ el mo. Mein edler Herr, ſeit dreißig Jahren Bin ich des Schloſſes Caſtellan. Fernando. Und dieſe Mädchen, ſanft, beſcheiden. Anſelmo(nicht ohne Verlegenheit.) Meine Töchter— dieſe Beiden. — 43— Siebenzehnte Scene. Die Vorigen. Pietro(hereineilend, auf Paura deutend.) Ha! Siehe da: Da ſteht ſie ja Voll Trug und Liſt— Fernando. Carlo. Wen meineſt du? P i e t r o. O hört mir zu! Wißt dieſe iſt— (Roberto, der auf der Galerie verborgen war, hat ſeine Büchſe angelegt und ſchießt den Pietro von oben herab nieder, verſchwindet dann raſch durch eine Tapetenthüre.) Alle. Ha! Entſetzlich! Mord— Getödtet!— Mord! Fernando, Carlo, die Soldaten. Welcher Frevel An dieſem Ort! Fluch dem Mörder! Zur Rache! Fort — 44— Laura, Gianettina, Anſelmo, Diener und Die⸗ nerinnen. Die letzten um Pietro. Den Verräther Ereilte Mord. Höllenſtrafe, Harrt ſeiner dort. (Während die Soldaten ſich nach dem Hintergrunde drängen, fällt der Vorhang.) Zweiter Act. Erſte Scene. (Garten mit einem Pavillon.) Laur a(allein.) Romanze. Ach! dieſes Hoffen, Fürchten und Sehnen— Bilder der Liebe, Dämmernd und trübe, Selig zugleich: Offen Steht Euch mein Herz. Fließet, ihr Thränen, — 45— Nage, du Harm, Brenne, o Schmerz! Wie bin ich ſo arm, Wie war ich ſo reich! Reichthum entſchwunden, Selige Wonnen, Frieden im Herzen, Glück ohne Schmerzen— Alles zugleich! Wunden, Tief in der Bruſt, Qualen der Liebe, Sehnen und Harm, Bannt alle Luſt. Wie bin ich ſo arm, Wie war ich ſo reich! (Sie läßt ſich, in trübes Sinnen verloren, auf eine Ra⸗ ſenbank nieder.). Zweite Scene. Die Vorige. Gianettina. Laura. Du biſt es, Gianettina?— Warum überläſſeſt du mich ſo lange der Einſamkeit. Ach! die ängſtlichen Gefühle, die mein Herz bewegen, ſtürmen nur heftiger, wenn ich allein bin. — 46— Gianettina. Beruhigt Euch, edle Gräfin Ich hoffe, Alles ſoll noch gut gehn. Ihr müßt Euch nur ſelbſt nicht verrathen. Laura. Und mein Vater— was weißt du von ihm? Gianettina. Er weilt noch unentdeckt im Schloßgewölbe. Roberto hat geſchworen ihn zu retten. Laura(düſter.) Ja, er hat es geſchworen! Ich kenne ſeinen Eid— er wird den Vater be⸗ freien— ach, um welchen Preis! Gianettina. Nun ich denke, er wird ſchon aus Eures Vaters Schätzen reichlich belohnt werden, und Ihr könnt ihm wohl für ſolche That das Beſte gönnen! Laura. Du haſt recht, Gianettina! Er ver⸗ dient den höchſten Lohn—(für ſich) ich opfere ihm ja Alles, Lebensglück und Lebensfreude, ſelbſt was dem Elendeſten bleibt: die tröſtende Hoffnung. Gianettina. Stellt Euch nur recht unbe⸗ fangen und thut ganz, wie unſer eins. Wir müſſen in's Schloß zurück und uns nach den Gewölben ſchleichen. Euer Vater erwartet Euch. Laura(bewegt.) Mein Vater!— Ich ſoll ihn noch einmal ſehn. Komm, Gianettina? Laß uns keinen Augenblick verlieren. — 4,— Gianettina. Nicht ſo eilig! Ihr müßt Euch erſt vorbereiten. Der Graf hat ſeinen Entſchluß verändert. Ihr ſollt ihn begleiten auf der Flucht. Laura(aufgeregt.) Ihn begleiten?— Mit ihm fliehn in ein fernes Land, Alles hinter mir laſſen, was hier mein Herz mit furchtbarer Qual zerreißt—(für ſich ſeufzend.) Ach! daß es unmög⸗ lich iſt. Gianettina. Dann iſt auch ein groß Ge⸗ frag nach Euch im Schloſſe. Der fremde Offizier, der dort das Gartenhaus bewohnt— Laura(heftig.) Schweig von ihm! Kein Wort weiter, wenn du mich liebſt! ʒach einer kurzen Pauſe ruhiger.) Doch, nein. Sprich! Was wollte der Fremde? Gianettina. Er iſt im Schloſſe. Er forſcht nach Euch, er fragt, ob Ihr nicht im vori⸗ gen Jahre in Palermo geweſen wäret, ob Euch kein Wort über einen Mann entfallen wäre, der— Laura. Der mich aus ſchrecklicher Gefahr errettete, der ſich großmüthig meinem Danke ent⸗ zog— Ach! Ich habe ihn nicht vergeſſen ſeitdem. Gianettina(bedeutend.) Hütet Euch wohl, ihn das merken zu laſſen. Vergeßt nicht, daß Ihr meine Schweſter ſeyd. Eueres Vaters Leben ſteht auf dem Spiele. Der Fremde naht, um Euch ſelbſt — 48— zu befragen. Stellt Euch heiter und guter Dinge! Denkt an Euern Vater! Laura. Ewiger Gott! Gib mir Stärke zu dieſem Zwange. Dritte Scene. Die Vorigen. Fernando. Fernando(Laura betrachtend, tritt leiden⸗ ſchaftlich bewegt vor, für ſich.) Ja! Sie iſt es. So täuſchend kann die Natur nicht ſpielen, das kann nicht bloße Ahnlichkeit, das muß Wirklichkeit ſeyn.(Laut zu Laura.) Sprecht, Jungfrau, ver⸗ bergt mir die Wahrheit nicht! Wart Ihr nie in Palermo? Laura(gepreßt.) Ich war nie dort. Fernando. Nie?— Ach! in meinem Her⸗ zen wird eine Stimme laut, die das Gegentheil ſagt. Sie verſichert, ich hätte Euch dort geſehn, um Euch nie zu vergeſſen. Sie ruft mir Euere Erſcheinung von damals zurück, wie Ihr von Pracht und Glanz umgeben, ein Gegenſtand der Bewunde⸗ rung waret, wie, im erſten Augenblick, als ich Euch ſah, mein Herz Euch zuflog.— Laura(einfallend, aber verlegen.) Noch ein⸗ mal, Herr! Ich habe nie meine väterliche Wohnung verlaſſen. — à9— Gianettina(bei Seite.) Sie wird ſich ver⸗ rathen. Ich zittre an allen Gliedern. Fernando(zu Laura.) Warum erröthet Ihr bei dieſer Verſichrung? Ihr ſcheint verlegen, Eure Blicke ſuchen den Boden— ſollte irgend ein Ge⸗ heimniß hier verborgen ſeyn? Laura(für ſich.) O, mein Herz! mein armes Herz, ſey ſtark in dieſer Prüfung! Fernando. Ihr antwortet mir nicht? O ſchenkt mir Euer Vertrauen. Entdeckt Euch mir, nennt mir den Kummer, der auf Eurer Seele zu laſten ſcheint. Laura(gefaßter.) Ihr kennt ihn, Herr! Das Mißgeſchick unſeres Gebieters— der Mord, der geſchehn— iſt das nicht genug, ein ſchwaches Mäd⸗ chen niederzubeugen? Fernando(lebhaft.) Ha, dieſer Mord!— Noch iſt der Thäter nicht entdeckt, aber alle Anſtal⸗ ten ſind getroffen, daß er nicht entrinnen kann. Doch, irre ich mich nicht, ſo iſt es das nicht allein, was Euch quält, Euer Schmerz iſt andrer Art— Laura(bei Seite, ſchwermüthig.) Weh mir, daß es ſo iſt! Er iſt unheilbar. IWV. 4 50— Terzetlt. Fernand o. Dem Mann von Ehr und Pflicht, Darf ſtets die Unſchuld trauen. Drum mögt Ihr auf mich bauen, Drum täuſcht mich länger nicht! L a ur a. Ach, Ihr kennet meinen Schmerz, Andres nicht bedrängt dies Herz. Fernando. Dies Zagen, dieſes Bangen, Die Röthe deiner Wangen.— Laura und Gianettina(einfallend.) O Ihr ſeyd gut, wir glauben's gern: Sprecht für den Grafen, unſern Herrn! Fernando. Vertrauet mir! Es ſoll geſchehn, Was Pflicht und Ehre läßt beſtehn. Die beiden Madchen. Wir möchten unſer Leben Gern für das ſeine geben. Wenn Euch das Unglück rührt, In das der Edle ſank, So nehmt den Dank, Der Euch gebührt. — 51— Alle drei. Ja, ſüßer Frieden, zarte Luſt, Erweckt die Hoffnung in der Bruſt! Sie tröſtet mild, Der Schmerz entflieht, Ein holdes Bild Auf's Neu erblüht. Fernando. Sehyd verſichert, daß auch ich das Geſchick des edeln Manns betraure. Ich halte ihn für ſchuldlos. Eine trübe Pflicht iſt es für mich, als ſein Verfolger auftreten zu müſſen. Die Geiſel der Zeit, von der Hand eines Urſurpators geſchwungen, trifft auch ihn, mit ſo manchem an⸗ dern unſchuldigen Opfer. Laura(bei Seite.) Dieſer Edelmuth— mein armes Herz— des Vaters Unglück! O Gott! ich halte es nicht aus— es treibt mich fort in die Einſamkeit. (Sie eilt in den Hintergrund.) Fernando. Wohin?— Ich folge Euch, Ihr müßt mir nähern Aufſchluß geben. (Er eilt ihr nach, beide verſchwinden in den Gartengängen.) 4* — 52— Vierte Scene. Gianettina(allein.) Da laufen ſie hin— ein ſchönes Paar, ganz für einander geſchaffen. Schweſterchen, Schweſterchen, ich fürchte ſehr, der ſchmucke Offizier hat es dir angethan. Warum frägt ſie mich nicht um Rath. Da würde ich ihr ſagen: Eagavatinſe. Mein Schweſterlein, ich will dir rathen, Das Herzchen, nimm es wohl in Acht! Es mag ſich gar zu gern verrathen, Es hat ſchon manchem Leid gebracht. Zwar will die alte Lehre ſagen:. Das Herz ſoll auf der Zunge ſeyn; Allein das iſt nicht wohl zu wagen, Wie leicht ſäh' man in's Herz hinein! Nein, ſtill verborgen, tief verſchloſſen, Bewahre, was du liebend fühlſt, Oft wird das Herzchen nur erſchloſſen, Daß du dein Glück auch raſch verſpielſt. (Gianettina will abgehn, Carlo tritt ihr entgegen.) Fünfte Scene. Gianettina. Carlo, ſpäter Laura und Fer⸗ nando zurück. Enſ emble. Car lo. Wenn Wonne und Luſt Durchbeben die Bruſt, Iſt Göttergenuß Ein einziger Kuß; Drum, liebliches Kind, Ein Küßchen geſchwind! Ein Küßchen von zärtlichem Mund Beſiegle der Liebenden Bund! Sianettina Gzurückweichend.) Ei, ei! mein werther Herr! Ein wenig doch beſcheidener. Die Sitte läßt den Scherz nicht zu, Drum bitt' ich ſehr: laßt mich in Ruh. Carl o. Sieh, Mädchen, mich an Und thu' nicht ſo ſpröd! Ich bin dir ein Mann, Der's Küſſen verſteht. — 51— Soldaten, auf Ehr! Die ſäumen nicht ſehr, Daß Liebe von freundlichem Mund Durch Küſſe beſiegle den Bund. Gianettina. Nein, laßt mich! Ehrt die Sitte! Hört auf der Schwachen Bitte. Carlo(ihre Hand haltend.) Nur Eins! Fürwahr, nicht mehr! Gianettina(trrebt ſich loszumachen.) Schweſter Laura, komm herbei! Carl o. Deine Schweſter— eben recht! (Fernando und Laura kommen zurück.) Fernando. Carlo! ſprich, biſt du von Sinnen. Laura(zu Gianettina.) Hal mich rief dein Hülfgeſchrei! Fernando. Welches raſende Beginnen! Gianettina. Ja, um Hülfe rief ich laut. — 55— Carlo(ernſt auf Laura zutretend.) Sey gegrüßt mir— Räuberbraut! L a ur a. Weh mir! (Sie entflieht. Gianettina ihr nach.) Sechſte Scene. Fernando. Carlo. Fernando(ſehr bewegt.) Was war das, Carlo?— Was ſollte dieſes Wort? Carlo. Es iſt die Aufloͤſung des Räthſels, das uns der ermordete Pietro im Sterben aufgab. Fernando. Erkläre dich deutlicher! Du haſt ein furchtbares Wort geſprochen, ein Wort, das in meiner Seele nachbebt. Carlo. Hat es getroffen, Freund? Ja, es ſollte dich aus der Sorgloſigkeit emporreißen, mit der du hier Alles betrachteſt. Es ſollte dich zur Vorſicht mahnen hier, wo unter Taubeneinfalt ſich Schlangenliſt verbirgt. Fernando(ungeduldig.) Weiter, weiter! du marterſt mich. Carlo. Dieſe Mädchen ſind im Einverſtänd⸗ niſſe mit der Räuberbande, die im nahen Walde ihr Weſen treibt— 56— Fernando. Unmöäglich! Carlo(beſtimmt.) Es iſt ſo. Noch hält der Graf ſich in den unterirdiſchen Gewölben des Schloſ⸗ ſes verborgen. Vergebens habe ich den Zugang zu dieſen geſucht. Dieſen Abend noch will er auf ge⸗ heimen Wegen entfliehn. Eine Barke erwartet ihn am Strande. Roberto, der Räuberhauptmann, leitet das ganze Unternehmen. Der Preiß des Gelingens iſt Laura, die er ſchon ſeit lange liebt. Fernando. Wie? dieſe Laura! Sie, über die ich in Zweifel ſchwebte, ob ſie die Geliebte ſelbſt ſeh oder ein täuſchendes Nachbild von ihr. Jetzt iſt es klar. Sie kann es nicht ſeyn. Carlo. Von einem eingefangenen Räuber wußte ich dieſe Geſtändniſſe zu erpreſſen. Jetzt gilt es Eil' und Klugheit. Ich fliege an's Ufer, ich laſſe den Wald durchſtreifen. Der Alte ſoll mir nicht entgehn. Fernando(in ſich gekehrt.) Erfülle deine Pflicht!(Carlo ab.) Siebente Sceene. Fernando(allein.) Recitativ. Iſt's möglich? Heucheln konnte dieſes Mädchen Und Alles war nur eine holde Täuſchung. — 57— Wo find ich dieſes Irrgewindes Ausgang? Bald neigt des Abends Dämm'rung ſich hernieder, Die Stunde drängt, die harte Pflicht gebeut. Vergeſſen muß ich meine Liebe, muß vergeſſen Die Hoffnung, die mir Glück und Freude bot. Wohl herbe ſind der Liebe Schmerzen, Doch ſüß iſt auch der Liebe Glück. Wich auch die Ruh mir aus dem Herzen, Kehrt oft die Hoffnung doch zurück. Hold wird ſie den umſchweben, Der ſich der Liebe Macht ergab, Drum mag es ſtürmen wild im Leben, Mein Glück trotz ich dem Schickſal ab. (Ab in den Pavillon.) Achte Scene. (Roberto, der ſich während des Vorigen verſchiedene Male zwiſchen den Bäumen hat ſehen laſſen. Einige Räuber. Abenddämmerung.) Enſemble. Roberto(hinter Fernando herdeutend.) Dein Stündlein hat geſchlagen, Der Näuber kennt kein Zagen, Ringt er nach ſeinem Preis. Drum mit den andern allen — 58— Mußt du als Opfer fallen, Dich tödtet mein Geheiß. Räuber(gegen den Pavillon.) Stirb auf ſein Geheiß! Roberto. Kein Weſen ohne Waffen Hat die Natur geſchaffen. Es kämpft, wird es bedroht. Ja, rückwärts harrt Verderben, Drum worwärts! Du mußt ſterben! Nur Rettung bringt dein Tod. Raäuber. Rettung bringt dein Tod. Neunte Scene. (Indem ſie dem Pavillon zuſchleichen, ſtürzt Laura ih⸗ nen in den Weg.) Laura. Halt ein! Was willſt du thun? Roberto(auf halbem Wege unwillig ſtehn bleibend.) Ihr wißt es! Euch verdienen— tödten — retten. Laura(entſetzt, nach dem Pavillon zeigend.) Tödten— ihn? —-— 59— Roberto. Er muß ſterben. Dann ſteht un⸗ ſerem Vorhaben nichts mehr im Wege. Laura(auf das Heftigſte bewegt.) Nimmer⸗ mehr. Es ſoll kein Blut mehr vergoſſen werden.— Keinen Schritt weiter, Noberto. Ich befehle es dir im Namen meines Vaters. Roberto(ſieht ſie forſchend an.) Im Na⸗ men Eures Vaters? Sein Tod ſoll Euren Vater retten und Ihr widerſetzt Euch dieſem Beginnen. Was ſoll ich von Euch denken, Laura? Ha! wenn es wahr wäre, was mir ſchadenfroh die Hölle zuflü⸗ ſtert, wenn Euer Herz dieſem Fernando— Laura(haſtig.) Ich bin ihm hoch verpflich⸗ tet, er rettete mir das Leben. Roberto. Pahl! Bloßer Zufall. Laura(ſehr beängſtigt.) Roberto, du weißt, welche Hoffnung ich dir gegeben. Alles iſt nichtig, wenn dieſem Manne das geringſte Leid geſchieht. Roberto E(finſter.) Sein Leben ſteht höher im Preiſe. Eine bloſe leere Hoffnung kann es nicht bezahlen. Gebt mir Gewißheit. Schwört die Meinige zu werden, wenn ich Euch den Vater rette, und jener mag leben. Laura(zum Himmel.) Gott deine Hand liegt ſchwer auf mir. Roberto. Ihr zaudert?— Auf, Cameraden! 74 — 60— Laura(in höchſter Angſt.) Zurück! Ihr dürft nicht weiter.— Ewige Allmacht, was ſoll ich thun? Mein Leben iſt ein Spiel hölliſcher Mächte geworden, die es unaufhaltſam hinunterreißen in den Abgrund. Keine Rückkehr iſt möglich, immer tiefer ſink' ich hinab. Schone ſeiner, Roberto, rette den Vater, dann— dann— o Himmel! vermag ich's auszuſprechen?— Dann will ich die deinige werden, ſo wahr mir Gott gnädig ſey! Roberto. Gedenkt dieſes Schwures in der entſcheidenden Stunde.(Nach dem Pavillon deutend.) Sein Leben verbürg' ich Euch. Laura(in Verzweiflung forteilend.) Verloren! Auf ewig verloren! Zehunte Scecene. Die Vorigen, ohne Laura. Arie mit CEho r. Robeyt v. Recitatſi v. Habt Ihr's vernommen Was ich gelobt? Er lebe! R ä u b er. Er lebe! — 6— Roberto. Nun denn wohlan! Hört weiter meinen Befehl. N a u ber. Wir hören. Ro ber ko. Ergreift ihn lebend Und führt ihn gefangen mir zu! Zeugen von dem Sollt Ihr mir ſeyn, Was ich ihr, Was ſie mir Verſprochen zum Preis, Drum, wackre Genoſſen, Jetzt zähl' ich auf Euch. Im Gewölbe des Schloſſes Harrt Eurer der Lohn; Doch für ſein Leben Bürgt mir das Eure, Bei meinem Zorn! (Er geht nach dem Garten ab.) Näuher. Wir bringen gefangen Ihn dir nach Verlangen; — 62— Doch ſachte! Stille! Daß ſich erfülle, Sein Wille. EIndem ſie ſich dem Pavillon nähern, tritt Fernando aus der Thüre.) Fernando(den die Räuber ergreifen.) Verrätherei! Ihr Freunde, ſchnell herbei! (Räuber, indem ſie ſich ſeiner bemächtigen und ihre Dolche auf ihn zücken. Kein Wort! Du biſt verloren Beim erſten Hülfgeſchrei. (Sie ſchleppen ihn gefangen mit ſich fort, dem Roberto nach.) Eilfte Scene. (Unterirdiſches Gewölbe mit Seitengängen, von einer herabhängenden Lampe beleuchtet.) Laura und der Graf. Final e. Laura(in Reiſekleidern und Schleier, tritt ſchwermüthig — aus dem Hintergrunde.) Fernando gefangen— Man führt ihn hierher! Graf. Dieſes Zittern, dieſes Bangen Iſt ein Geſtändniß mehr, — 63— Daß du dem Lebensretter, Mit deinem Dank, Auch deine Liebe weihſt. Zwölfte Scene. Die Vorigen. Roberto. Roberto(finſter zum Grafen.) Herr Graf, nur kurze Zeit iſt uns vergönnt Laura(verbirgt ihr Geſicht an des Vaters Bruſt.) O, mein Vater! Gr af. Armes Kind! o weine nicht. Sa u r a. Welche Qual ergreift mein Herz! (Sie läßt den Schleier ſinken.) Dreizehnte Seene. (Die Vorigen. Fernando wird durch einige Räuber hereingeführt.) Noberl. Seht hier den Gefangnen! (Auf ein Zeichen des Grafen treten die Räuber zurück.) — 64— Graf(zu Fernando.) Seyd gegrüßt in meinem Hauſe, Seyd willkommen meinem Herzen! Fernando(iinſter.) Wollt Ihr grauſam mit mir ſcherzen? Graf(Laura vorführend und entſchleiernd.) Nein, es iſt nicht Scherz geweſen— Dieſe mag das Räthſel löſen. Laura(weich.) Fernando! Fernando. Ja, ſie iſt es! Jene Dame— (Für ſich.) Doch Carlo— tolle Lügen Und Trennung jetzt— in dieſer Stunde Wo ich ſie endlich fand, Die ich erſehnt ſo ſehr, Ha! Nimmermehr! Der Graf(bei Seite.) Wie verſteh ich ihn? Huldigt er dem Herzensbunde, Der in jener Rettungsſtunde Einſt ſich ſchloß? (Laut zu Fernando.) Theilt mit uns die Flucht. Fernando. 1 luch Laura(für ſich.) Könnt ich fliehn Und glücklich ſeyn! FZernand o. Nicht dieſes Wort! Das Rieſenbild Von Pflicht und Ehre Rüttlet wach Mich aus der Liebe Schönſtem Traum. Laura. Fernando! Eitles Sehnen! Könnt ich fliehn und glücklich ſeyn! Vierzehnte Scene. (Die Vorigen. Gianettina, Anſelmo, treten ha⸗ ſtig ein, Diener und Dienerinnen.) Anſelmo. Auf, rüſtet Euch zur Flucht, Erhört der Diener Flehn, Euch einmal noch zu ſehn. (Diener und Dienerinnen treten ſchüchtern vor.) IV. 5 — 66— Roberto(heftig.) Auf, auf, Herr Graf zur Flucht! Auf, auf! Laura. O, könnt ich fliehn und glücklich ſeyn! Der Graf(zu Fernando.) Wir trennen uns! Es führen Pflicht und Ehre Euch fort auf eine andre Bahn. Einſt, Freund, vielleicht, daß ich gewähre, Sprecht Ihr mich um mein Liebſtes an! Fernando. Ha, welches Wort! ich dürfte hoffen? O, Laura, wendet Euch nicht ab von mir? Zeigt Euer ſchönes Herz mir offen, O ſagt, ich ſey kein Fremdling hier. Roberto(bei Seite zu Laura.) Gedenkt des Eid's, den Ihr geſchworen! Er lebt durch ihn, er war verloren. Laura(ſtolz zu Roberto.) Welch verwegnes Beginnen? Erſt mußt du mich gewinnen, Daß ich dir dienſtbar ſey! Bis dahin bin ich frei. (Roberto zieht ſich mit allen Zeichen des unwillens zu den Räubern zurück.) — 62— Fernando(zu Laura.) Sprecht nur ein Wort der Liebe! Sonſt bleibt mein Himmel trübe. Graf(zu Laura.) Was zauderſt du, mein theures Kind! Ich bill'ge deine Wahl. Roberto(für ſich.) Verdammt, daß ich muß Zeuge ſeyn! Was ſchonte ihn mein Stahl? Laura(zu Fernando und dem Grafen.) So hört mich denn! Mein Vater, höre! (Zu Fernando beſonders.) Ihr tratet rettend in mein Leben ein, Und Lieb' entkeimt der Dankeszähre, Doch kann ich nicht die Eure ſeyn. R b e r o. Recht! Es mahnt ſie ihr Eid. Der Graf und Fernando. Unbegreiflich! Welche Räthſel— Neue Räthſel, neues Leid! Welche Löſung wird uns werden— Ha, kein Licht— nur Dunkelheit! (Man hört Waffengeräuſch von Außen.) 5 — 68— Anſelmo, Gianettina, Diener und Dienerinnen. Es naht Gefahr, Ihr dürft nicht weilen! Hinweg von hier, Ihr müſſet eilen. R o b. er t v. Fort! Alles iſt bereit. Laura, der Graf, Fernando. O welcher Schmerz! von allem ſcheiden, Was mir im Leben theuer war. Heimathsſtätte Heißgeliebte meiden. Und kein Erſatz beut ſich mir dar. RNober t o. Laßt zögernd nicht Gefahr ſich mehren. Ich muß die Fernando. Nicht Ehr und Pflicht hab ich verletzt, Drum ſchäm' ich mich der Rührung nicht. Cholr. Der Krieger werde hochgeſchätzt, Dem heilig bleiben Ehr und Pflicht. Gr a f. So lebet wohl, mein theurer Freund, Leb wohl, du treue Dienerſchaar! — 69— Fernando, Roberto, Anſelmo, Gianettina, Diener. Wir ſehn uns wieder froh vereint: Die Hoffnung bietet Troſt uns dar. 4 Laura. Ach, Alle laß ich jetzt zuruͤck, Nur mich, mich trifft das Mißgeſchick. Gianettina. Ach! mich hält ja der Vater nur— Euch bleibet meiner Liebe Schwur. Fernando. Roberto. Was ich geſchworen, ſey gehalten. Chor. Die Ferne bricht Die Treue nicht. Der Graf, Fernando, Anſelmo, Laura, Gianettina. Der Troſt iſt uns geblieben, Daß Trennung nicht Die Treue bricht. Lebt wohl, lebt wohl, ihr Lieben! Roberto lbei Seite auf Laura.) Ich muß die That erſt üben, Denn eher nicht Hält ſie die Pflicht: Dann Glück, Glück auf zum Lieben! — 20— Fernando. Lebt wohl! La ur a. Lebt wohl! Cho r. Lebt wohl! Und auf den fernſten Wegen! Folg' Euch des Himmels Segen! Lebt wohl! (Auf einen Wink Roberto's wird Fernando von ſeinen Wächtern tiefer in das Gewölbe geführt, während die Üübrigen nach einer andern Seite abeilen.) Dritter Ackt. Erſte Scene. (Waldgegend mit Felſenpartieen. Räuber ſind bei Fackel⸗ ſchein im Hintergrunde gelagert. Sie ſtehen auf und treten vor.) Rä ubhee r. Fröhlich, ohne Furcht und Beben Wandern ſorglos wir durch's Leben, Fort bei Spiel und Becherklang. — 21— Mag der Sturm uns wild umbrauſen, Wenn im Wald wir nächtlich hauſen, Iſt der Donner Schlafgeſang. Hallo! Hallo! Stets frei und froh Bei Becherklang Und Spiel und Sang. Frohes Muths und reich an Beute, Mit dem Schwerte an der Seite, Ziehn wir ſingend unſre Bahn. Nur wo frei die Adler horſten— In der Eichen dichten Forſten, Weht der Freiheit Geiſt uns an. Hallo! Hallo! u. ſ. w. Drum hinaus, hinaus in's Freie, Daß der Luſt das Herz ſich weihe, Treibt uns unſer Wahlſpruch fort. Spiel und Sang und volle Becher Preiſen wir als frohe Zecher: Freiheit iſt das Loſungswort! Hallo! Hallo! u. ſ. w. — 72— Zweite Scene. (Die Vorigen. Der Graf. Laura. Roberto. Zwei Räuber. Die Räuber treten in einzelne Gruppen zuſammen.) Roberto(dringend.) Nur weiter— immer vorwärts! Wir werden verfolgt— die Feinde ſind uns auf den Ferſen. Auch Fernando iſt mit ihnen. Ich hoͤrte ſeine Stimme im Walde— man hat ihn zu früh befreit. Laura. Ich bin erſchöpft! Die raſche Flucht auf den ermüdenden Bergpfaden— die Angſt vor den umringenden Feinden— meine Glieder verſa⸗ gen mir den Dienſt— ich kann nicht weiter. Roberto(bei Seite.) Erwünſcht!— Dieſe Erſchöpfung giebt einen guten Anlaß, von dem Alten loszukommen. Der Graf. Ein Wunder hat uns glücklich hierher gebracht. Ringsum wurden die Stimmen unſerer Verfolger laut, ich hörte meinen Namen rufen, meine arme Tochter mußte unwegſame Fel⸗ ſenklippen überſteigen— Roberto. Pah! Wir haben ſie in der Irre herumgeführt— hierher finden ſie den Weg nicht ſo ſchnell. Doch nun laßt uns nicht länger zau⸗ — 23— dern, edler Herr!(Zu den Räubern.) Zündet das Feuer an, dort auf der Klippe, die weithin über's Meer ragt! Es verkünde Eure Rettung, edler Herr, den treuen Männern, die mit der Barke am Strande Eurer harren! Der Graf. Aber meine Tochter? Ihre Kräfte ſind erſchöpft— der ſteile Klippenpfad— Roberto(bei Seite zu Laura.) Ich habe mein Wort geloͤſ't, jetzt verlange ich meinen Lohn.(Laut zu dem Grafen.) Sie folgt Euch in wenigen Au⸗ genblicken. Ich ſelbſt führe ſie Euch nach, ſobald ſie ſich erholt hat. Aber Ihr müßt Euch durchaus den wackern Schiffern zeigen. Ihre Ungeduld könnte Alles verderben. Der Graf. So kommt denn, meine Freunde! (Indem er nach dem Hintergrunde ſich wendet, eilt Laura ihm nach und drückt leidenſchaftlich bewegt ſeine Hand an ihren Mund.) Laura(ſchluchzend.) Leb wohl, mein Vater! Leb wohl! Erhalte mir deine Liebe! Der Graf(befremdet.) Was ſicht dich an, ſeltſames Kind! In kurzer Zeit ſeh'n wir uns wieder. Roberto(bei Seite zu Laura.) Verrathet Euch nicht! Ihr habt geſchworen! Ihr ſeyd die Meine. — 74— (Der Graf will ſich losmachen von ſeiner Tochter; dieſe ſinkt ihm zu Füßen und umklammert ihn.) Laura. O geh noch nicht! Bleib noch einen Augenblick! Laß mich noch einmal dieſe Hand an meine Lippen drücken. O, mein Vater wenn du wüßteſt— doch nein! nein! Ich will allein mein Elend tragen. Leb wohl! Leb wohl—(abgewandt) auf Ewig!(Sie eilt zu dem Felſenſitze zurück und ſinkt kraftlos darauf nieder.) Der Graf. Beruhige dich, meine Tochter! Ertrage dieſe kurze Trennung gefaßt. Ich erwarte dich unten am Fuße des Felſen.(Laura macht eine ſtumme Bewegung des Abſchiedes, der Graf mit den Näubern nach dem Hintergrunde.) Roberto(ihm nach.) Fort, nur fort! (Alle ab außer Laura.) Driltte Scenſe. Laura. Fernandeo. D u et 1. Fernando eeinen Felſen im Vorgrunde herabklimmend.) Hier iſt's, hier flammt die Gluth empor (nach Innen.) Zurück! Harrt meines Ruf's! Laura(uuffahrend.) Ha! Welche Stimme trifft mein Ohr? Fernando! Ew'ger Gott! Fernando(zu Laura.) Dich einmal noch zu finden, Welch unverhofftes Glück! Ach! an mein Leben binden, Möcht ich den Augenblick! Laura(ſteht auf und blickt ſcheu nach dem Hintergrunde.) Fort! Ich darf Euch nicht hören, Nicht Euer Liebeswort! Wollt eins Ihr mir gewähren, So eilet von hier fort! Fernando. Wie, Laura! Keinen Schimmer Von Hoffnung laßt Ihr mir. Laur a. Wir ſind getrennt auf immer. Doch fort! Gefahr droht hier. Fernan d. Bei dir trotz ich dem Mißgeſchick! Laura. Der Schreckliche— er kehrt zurück. — 76— Fernando. Ha! wer— ſprich, Laura, wer? L aun r a. Ich bin ſein— ich bin verloren! Fernando. Dein Feind? Sag, wer iſt er? au r a. Habe mich ihm zugeſchworen! Fernando(beſtürzt.) Ahnung! wie triffſt du ſo ſchwer! Fernando(bei Seite.) Wird ſie reden, wird ſie ſchweigen? Hal es drohet Unheils Macht. Ein Geheimniß wird ſich zeigen, Sich erhellen dieſe Nacht. Laura(bei Seite.) Soll ich reden, ſoll ich ſchweigen, Ha! es drängt des Kummers Macht, Um der Liebe ſich zu zeigen, Auf ſich aus des Innern Nacht. — 72— Fernando. Noch einmal, Mädchen! ich beſchwöre dich: Wer iſt der Schreckliche? Sey furchtlos, ſprich! Laur a. Du ſelber willſt— du willſt, ich ſag es laut? Fernando. Ja, nenn ihn, der dein Herz erfüllt mit Gram! Laura(feierlich.) Nun denn, ſo wiſſ', es iſt mein Bräutigam, Und ich— ich bin die Räuberbraut! (Sie ſinkt auf die Bank zurück und ver⸗ birgt ihr Antlitz.) Fernando(uunſeer ſich.) Du Blitz aus Himmelshöhn, Du trafſt in dieſe Bruſt! So muß denn untergehn Des Daſehns letzte Luſt. L aur a. Retten meines Vaters Leben Kannte dieſes Opfer nur. Mich dem Elend hinzugeben, Trieb die Stimme der Natur. Fernando. Es darf nicht ſeyn! dich ſchützt mein Schwerdt. — 28— Laur a. Mich hält ein Eid; ich bin verloren. Fernando. Hal jetzt erkenn ich deinen Werth! Kg ur a. Fort! Fort! O wär' ich nie geboren. Ich muß den Schwur erfüllen, Ins Elend gehen bald. Entſetzlich! Meinen Willen Bekämpft des Schwur's Gewalt. Fernando. Selbſt wider deinen Willen Schütz ich dich vor Gewalt. Das ſchwör' ich! und erfüllen Soll dieſer Schwur ſich bald. 4. Vierte Sceene. Die Vorigen. Roberto. (Das Feuer auf dem Felſen brennt fort und erhellt die Scene.) Roberto(zu Laura.) Dein Vater iſt am Strande. Über Felſen und Schlünde habe ich ihn glücklich hinabgeleitee. In wenigen Augenblicken tragen ihn die Wellen von dem Ufer hinweg, wo — 29— Tod und Schande ihn erwartet. Mein Tagewerk iſt gethan. Ich verlange meinen Lohn. Fernando(aus dem Schatten vortretend, in dem er unbemerkt vor Roberto geſtanden.) Ver⸗ wegener Bube! dein Lohn ſoll dir werden.(Zieht ſeinen Degen.) Nimm ihn hin von der Spitze die⸗ ſes Schwerdtes. Laura(Gwiſſhen beiden.) Haltet ein, ich be⸗ ſchwöre Euch! Was wollt Ihr thun, Fernando? Wollt Ihr mich zu einer Wittwe machen? Er hat meinen Vater vom Tode durch Henkershand geret⸗ tet, auf dieſe Bedingung habe ich mich ihm erge⸗ ben, ich bin ſeyn, ob Braut oder Wittwe, das iſt gleich! Meine Schmach iſt einmal gewiß. Und du, Roberto, wozu dieſe Blutſchuld auf dein Haupt la⸗ den? deine Blicke verkünden Tod, du brüteſt Mord — Entſetzlicher! Verbanne die blutigen Gelüſte aus deiner Seele! Roberto(ingrimmig.) Einmal haben deine ſüßen Worte mich gekirrt. Dieſer Zauber hat ſeine Kraft verloren, ſeit ich ein Recht auf deinen Beſitz habe.(Zu Fernando.) Du biſt mein Feind, du willſt mir ein wohlerworbenes Gut entreißen— Stirb, Verhaßter! Roberto duldet keinen Neben⸗ buhler. (Er reißt ein Piſtol aus ſeinem Gürtel und feuert es auf Fernando ab.) — 80— Finale. Laura(die durch eine raſche Bewegung der Hand das Piſtol aus ſeiner Richtung bringt, ſo daß der Schuß in die Luft geht.) Entſetzliches Beginnen! Fernando, flieht von hinnen! Roberto(Laura bei Seite ſchleudernd.) So mag das Schwerdt entſcheiden, Wem Braut ſie von uns Beiden! Fernando. Der Wunſch ſey dir gewährt. Zum Kampfe, der dich ehrt! (Sie fechten.) Laur a. Ewige Gottheit! Was ſoll ich beten? Meine Gedanken— wie ſind ſie verwirrt! Ach! mich erlöſe aus dieſen Nöthen, Mich aus der Nacht, in die ich verirrt! Chor(der herannahenden Soldaten und Räuber.) Dort iſt's! Schießen, Schwerdterklirren! Auf! Wir können hier nicht irren. Fünfte Scecene. Die Vorigen. Von der einen Seite Soldaten, von der andern Räuber, in geringerer Anzahl. Soldaten und Räuber. Hal der Hauptmann iſt bedroht. Auf, zum Kampf! Verderben! Tod! (Die Soldaten verſammeln ſich um Fernando, die Räu⸗ ber um Roberto. Allgemeiner Kampf.) Laura(zur Seite.) Gottheit: Hülfe, Rettung ſende; Dieſes Blutvergießen ende. (Die Kämpfenden haben ſich, indem die Räuber wichen, von der Bühne gedrängt.) Stürme, die mich umtoben, Schweiget nicht bald eure Wuth? Neige dich, Frieden, von oben! Bleibe, beglückendes Gut! Warum aus häuslicher Stille, Riß mich das Schickſal hinaus? War es, o Gottheit, dein Wille, Sandteſt du Schrecken und Graus? (Die Kämpfenden kehren zurück. Roberto mit zwei Krie⸗ gern im Kampfe wird ſchwer verwundet, die übri⸗ gen Räuber werden überwältigt.) Roberto(zuſammenſinkend.) Hal! das traf— zum Tode traf's. IV. 6 — 82— Die Soldaten. Victoria! Sie ſind bezwungen, Ein leichter Sieg iſt uns gelungen. Die Räuber. O Schande, Schmach! Wir ſind bezwungen, Der Ubermacht iſt es gelungen. Roberto(ſich aufrichtend zu Fernando,) Du triumphirſt, doch dir zur Pein Muß ſie noch Brallt des Räubers ſehn— Die Räuberwittwe werde dein! Zu Laura. Tritt zu mir— ich gebiet es dir. Fernando. Schweig!— Geliebte, du biſt frei Deine Feſſel iſt vernichtet. La u r a. Ach! dir bleibt mein Herz getreu, Ihm hält mich mein Schwur verpflichtet. Roberto. Bringe, wie die Pflicht gebeut, Deinem Bräut'gam Pflege dar! Räuber(für ſich auf Roberto.)* Selbſt im Tode Bleibt er furchtbar. — 83— Sechſte Scene. Der Graf, gefangen, mit Soldaten aus dem Hin⸗ tergrunde. Soldaten. Gute Beute! Frohe Kunde! Uns ward eine Glückesſtunde. Den Herrn Grafen fanden wir Und er ſteht gefangen hier. Der Graf(zu Fernando.) Mein Unſtern hat geſiegt Führt mich zum Richtplatz hin. Vor Pöbelwuth und Schmach Schützt Euer edle Sinn. Laura(an ſeiner Bruſt.) Vater, ſeh' ich ſo dich wieder— Ach! mich beugt Verzweiflung nieder. Fernando. Hal So muß ich wider Willen Eine harte Pflicht erfüllen. Roher k o. Vergebens jene That! Vergebens jener Mord! Pietro ſteht vor mir — 8.— Er ruft mich laut, Er ruft mich fort. (Mit der letzten Anſtrengung zu Fernando.) Nimm hin— die Räuberbraut! (ſtirbt.) Soldaten. Räuber. Noberto todt— Der kühne Mann! Laura. Ha, er iſt todt— Und ich bin frei! Der Graf(auf Roberto blickend.) Mein Retter— ich muß ihn beklagen; Doch er fand Ruh' und ich muß ihr entſagen. Doch, Laura, ſprich! Du ſeine Braut— So nennt er dich. Fernan d. Ich löſ' es Euch— Laura. Fernando, ſchweigt! Fernand o. Nimmer kann ich ſchweigen:— Edler Herr, hört an! Wie die fromme Tochter, Schritt die Heldenbahn! Der Graf. Hal weiter ſprecht! Chor der Soldaten. Horcht auf! Hört an! Fernand o. Roberto ſchwur Euch zu befreien, Sie war der Preis, als Räuberbraut. Der Graf e(erſtaunt zu ſeiner Tochter.) Ha! du das Opfer— Laura. Wollt verzeihen! Der Graf. Nicht verzeihen— Danken laut! Soldaten und Räuber(auf Laura.) Recht— ſie war die Räuberbraut. Siebente Scene. Die Vorigen. Gianettina. Anſelmo; eilig dann Carlo, Diener und Dienerinnen. Gianettina. Freude, Freude! große Freude! Anſel mo. Alles Unglück iſt vorbet. Gianettina(des Grafen Hand kuſſend.) Wieder ſeyd Ihr nns gegeben! — 86— Anſelmo(von der andern Seite ebenſo.) Edler Herr, Ihr ſeyd jetzt frei. Laura. Fernando. Graf. Soldaten und Räuber. Der Graf. Welche Räthſel? Redet deutlich! Gianettina und Anſelmo. Mehr nicht weiß ich, was es ſey; Eins iſt ſicher: Ihr ſeyd frei. Carlo(raſch vortretend.) Frohe Siegeskunde! Von mächt'ger Hand getroffen Entfliehen mußten jene Fremden, Die unſern edlen Fürſten Zu Thaten zwangen, die ſein Herz ver⸗ abſcheut. Frei ſehd Ihr, würd'ger Graf! So will's der Fürſt; Er liebt, er ehret Euch. E ho r. Freiheit, Ehre, Glück, Sie kehren neu zurück. Carlo(zu den Räubern.) 1 Um dieſe hohe Zeit zu feiern, Ward Gnade Euch gewährt; — 87— Doch uͤber's Meer Hinweg von dieſem Strande Führ Euch ein ſchnelles Schiff. Die Räauber. Auf zum neuen Heimathsort Uber'm blauen Meere dort! (Die Fackeln und der Holzſtoß ſind niedergebrannt. Im Hintergrunde Morgenröthe und Sonnenaufgang. Die Räuber werden von den Soldaten freigelaſſen und ziehen ſich langſam auf die Felſen im Hintergrunde zurück, wo ſie Gruppen bilden.) Der Graf(zu Fernando.) Seht, wie des jungen Tages Sonne Das freie Vaterland begrüßt. Auch Euch ſey dies ein Tag der Wonne, Dem Eurer Herzen Bund entſprießt. (Fügt ihre Hände zuſammen.) Laura. Fernando. Nach Zagen, nach Bangen, beglückendes Loos! O Segen des Himmels, du neigſt dich hernieder, Du ſicherſt uns Freuden im Vaterlandsſchooß, Du gabeſt gerettet den Vater uns wieder. Chor der Soldaten, Diener und Die⸗ nerinnen. Heil! Dem ſchönen Tage Heil! Großes Glück ward uns zu Theil. — 88— Freiheit, Freude! Jubelt fort Hier im ſchönen Heimathsort. Die Rauber(von den Felſen.) Heil bringt uns die Zukunft, Heil Wird uns in der Fern' zu Theil. Fort zum neuen Heimathsort Üüberm blauen Meere dort! (Die Sonne iſt ganz aufgeſtiegen.) (Der Vorhang fallt.) Das Königsschwerdt. Romantiſche Oper in drei Aufzügen. In Muſik geſetzt von Georg in Rom.(¼) Perſonen. Gandalin, ein brittaniſcher Großer. Kolma, ſeine Tochter. Oriana, ſeine Nichte. Gunthro, König der Dänen und Eroberer von Brit⸗ tanien. Harald, ſein Hauptmann. Alfred, als Fiſcher Edmund. Darinel, ſein Freund. Landleute beiderlei Geſchlechts. Vaſallen und Diener des Gandalin's. Krieger. Die Handlung begiebt ſich auf der Inſel Brittanien. Er ſter Ackl. (Freie Gegend. Zu beiden Seiten Bäume, im Hinter⸗ grunde eine Fiſcherhütte und ferne Ausſicht auf einen Fluß mit bebauten Ufern.) — Erſte Scene. (Gunthro. Harald. Gandalin. Diener Gan⸗ dalins. Landleute. Krieger in Gun⸗ thro's Gefolge.) Chor Gandalinss(ſeiner Diener und der Landleute.) Willkommen ſeyd auf Freundes Grund, Willkommen ſehd zum heitern Bund! Der Sieg, der Ruhm, der Myrthenkranz Vereinen ſich zum ſchöͤnſten Glanz. Gandalin(zu Gunthro.) Wackrer Held! Mir Eure Hand, Trauten Grußes Unterpfand! — 92— Gunthpo(feicht ihm die Rechte.) Nehmt ſie hin! Im Drucke ſpricht Sohneslieb' und Sohnespflicht. Chor der Krieger mit Harald. Blutiger Kampf und kriegeriſche Luſt, Zieren das Leben und ſchwellen die Bruſt. Aber nach Siegen zu minnigem Glück Eilt ſelbſt der größte der Helden zurück. (Gunthro, Gandalin und Harald treten vor.) Gandalin. Siegreicher König, du ehrſt das Schloß meiner Väter durch deine Ankunft. Der Ruhm iſt dir im Preiſe deiner Thaten vorangeeilt. Ein neuer Stern des Glücks gehſt du meinem Va⸗ terlande auf, das, von innern Unruhen zerrüttet, eines heldenmüthigen Herrſchers bedarf, der ihm das Glück ſeiner Zukunft ſichert. Gunthro. Meine Waffen haben dieſes Reich erobert, ſie werden es ſchirmen. Harald. Kein Sprößling des alten Herrſcher⸗ ſtamms lebt mehr, der einen Anſpruch hätte. Gandalin. So iſt Alfreds Tod gewiß? Gunthro. Er fiel unter meinen Streichen. Gandalin. Armer Jüngling! So ſchöne Hoffnungen mußten ſo frühe untergehn. — 93— Gunthro. Warum weigerte der Thor eine Unterwerfung, warum verſagte er den gerechten Tribut? Harald. Seine Anhänger ſind vernichtet oder entflohn. Alles huldigt meinem Herrn. Gunthro. Die Verbindung mit deiner Toch⸗ ter, edler Gandalin, wird meinen Thron befeſtigen. Wer würde noch zaudern, ſich mir zu unterwerfen, wenn Brittaniens mächtigſter Ritter mich ſeinen Sohn nennt? Dann bin auch ich ein Britte. Nie⸗ mand wird den Fremdling in mir haſſen. Gandalin. Noch eine Bedingung iſt zu erfüllen, ehe ich Kolmas Hand in die deine lege. Eine Bedingung ſeltſamer, zaubriſcher Art.— Gunthro. Du ſprichſt in Räthſeln? Gandalin. Bald werden ſie dir gelöſ't ſeyn, großer König! Nur in geheimnißvoller Berathung darf ich dir dieſen wichtigen Gegenſtand enthüllen. Jetzt nimm an, was dir Gaſtfreundſchaft und Liebe bieten. Tritt ein in die Hallen meines Schloſſes! Gunthro. Gern geleite ich dich dahin. Der Ruhm von Kolma's Schönheit hallt wieder in Brit⸗ taniens weitem Reiche. Laß mich die holde Braut kennen lernen. — 94— E h o r. Gandalin, Diener und Landleute. Willkommen ſeyd auf Freundesgrund, Willkommen ſeyd zum heitern Bund! Der Sieg, der Ruhm, der Myrthenkranz Vereinen ſich zum ſchönſten Glanz. Gunthro, Harald und Krieger. Vlutiger Kampf und kriegriſche Luſt, Zieren das Leben und ſchwellen die Bruſt. Aber, nach Siegen, zu minnigem Glück Eilt ſelbſt der größte der Helden zuruͤck. (Alle ab nach der rechten Seite.) Zweite Scene. Alfred und Darinel aus der Hütte. Beide in Fiſcherkleidung. Alfred. Haſt du's gehört? Darinel. Ruhig, Freund! Alfred. Ruhig? Wie kann ich ruhig ſeyn! Der Preis meines Lebens, die einzig Geliebte, wird mir entriſſen von dem Todfeinde und ich ſoll mich dem kalten Spruche der Vernunft unterwerfen! Darinel(bedeutend.) Kann der Fiſcher Edmund den König Gunthro in die Schran⸗ ken rufen? Alfred. Grauſames Mißgeſchick! Ich gehöre zu den Todten. Das Leben hat mich ausgeſtoßen, ſeine Freuden ſind mir verſagt. Darinel. Noch iſt Kolma nicht die ſeinige. Ehe der verhaßte Bund geſchloſſen wird, kann ſich vieles ändern. Alfred. Du haſt recht, Darinel. Wir wol⸗ len unſre Freunde verſammeln; mit Gewalt müſſen wir die Geliebte befrein! Darinel. Unſre Freunde? Wo ſind ſie? Das Unglück unſrer Waffen hat ſie nach allen Weltgegenden zerſtreut. Alfred. Ha! Da reißeſt du die alte Wunde wieder auf. Ich bin ein Vertriebener— ein armer Flüchtling— der rechtmäßige Erbe dieſes alten Reichs ein Flüchtling! Ach! und dennoch wollte ich den Verluſt einer Krone verſchmerzen, wollte gern unter dieſer armſeligen Hütte einem geringen Tage⸗ werke nachgehn, wenn ich ſo mir das Glück meines Herzens ſichern könnte. A r i e. Liebe, ſüße Himmelsmacht, Ach, mit holden Zauberbanden Haſt du mich ſo ſtark umſchlungen, Liebe, ſüße Himmelsmacht! —— — 96— Muß ich von der Theuern ſcheiden, Soll ich dich, o Kolma, meiden, Dich, die voller Liebespracht Mir erſchien in Unglücksnacht? Herz, du mußt verzagen, Mußt dem Glück entſagen, Liebe, ſüßer Himmelsmacht, Holdem Stern um Mitternacht. Hinweg, du Schreckgedanken! Ich fodre in die Schranken Zum Kampf bis auf den Tod, Wer meine Lieb' bedroht. Ha, Gunthro, mich vom Throne Hat dein Verrath verjagt, Allein der Liebeskrone Hab ich drum nicht entſagt. Freundlos ſteh ich entgegen Zum Kampfe dir allein, Mich ſtärkt der Liebe Segen, Der höchſte Preis wird mein. Darinel. Haſt du vergeſſen, daß Gunthro ſchon einmal uns durch Ubermacht beſiegt? Glaubſt du, er würde edel genug ſeyn, ſich dir im Zwei⸗ kampfe Mann gegen Mann gegenüberzuſtellen? Du — 92— irrſt. Im ſchmachvollen Kerker müßteſt du deine Tollkühnheit büßen. Alfred. So iſt keine Hülfe, keine Rettung? Darinel. Höre mich! Ganz Brittanien be⸗ trauert deinen Tod, der Feind frohlockt darüber. Dank ſey der wunderbaren Ahnlichkeit, welche dein Schildträger mit dir hatte! Er ſank im treuen Kampfe ſterbend an deiner Seite; ſeine Leiche wurde für die deinige genommen. Dieſer Wahn verſchaffte uns Zeit zur Flucht; unter dieſer Fiſcherkleidung erkennt uns kein Späher. Alfred. Weiter! Wozu dieſe Dinge, welche mir längſt bekannt ſind? Darinel. Iſt dir nicht auch darum dieſes beſcheidene Gewand theuer geworden, weil du un⸗ ter ihm die Liebe der holden Kolma gewonnen? Alfred(mit einem Seufzer.) Meine Kolma! Darinel. Dir ward Kolma's Neigung, mir die der anmuthigen Oriana. Wo iſt der Fiſcher, der auſſer uns noch ſolchen herrlichen Fang ge⸗ than? Und, bei dem ewigen Himmel! wir laſſen uns dieſes Gut nicht entreiſſen. Alfred. Wie aber— Darinel. Die Jungfrauen lieben uns um unſrer ſelbſt willen, herab neigen ſich ihre Herzen aus dem ſtolzen Schloſſe zu der einfachen Fiſcher⸗ IV. 7 ———— — 98— hütte. Oriana hat mir verſprochen, mich zu dieſer Stunde an dieſem Orte zu finden. Kolma wird ſte begleiten. Zu was überredet wahre Liebe nicht? Noch heute müſſen die Geliebten mit uns fliehn. Auf leichtem Nachen fahren wir ſie zu einer abge⸗ legenen Inſel, wo wir gewiß ſind, noch einige Freunde zu beſitzen. Dort mag ein ſtilles Glück ſich bilden, bis wir, zu neuem Kampfe gerüſtet, deine gerechten Anſprüche auf Brittaniens Thron wieder geltend machen können. Alfred. Du haſt recht, Darinel. Dieſer Plan iſt trefflich ausgedacht. Ein neues Hoffnungs⸗ gefühl ſtrömt belebend in meine Seele! Kolma wird dem verhaßten Bunde entgehn, ich werde ſie beſitzen— O, mein Freund! Welchen Dank bin ich dir ſchuldig. Aber— wie— wenn ſie ſich weigerte, uns zu begleiten— wenn Anhänglichkeit an das Vaterhaus, alte Gewohnheit ſie abhielte— D n e l. Darinel. Glaube mir, wo ſich die Liebe Mächtig angeſiedelt hat, Schweigen alle andern Triebe, Sie beherrſcht den Lebenspfad. — — 99— Alfred. Gerne trau' ich dieſem Worte. Liebe führt mich himmelan; Freundſchaft öffnet mir die Pforte Zu der holden Glückesbahn. B. e i d e. Laß uns knüpfen Hand in Hand Zarter Lieb und Freundſchaft Band. Alfred. Wenn Stürme ſich erheben— Darinel. Dem Sturme ſtehn wir kühn. Alfred. Wenn Feinde uns umgeben— Darinel. Die Liebe macht ſie fliehn. Al fred. Ja! in Kampf und Ungewittern Darf nicht wahre Lieb' erzittern. Darinel. Will uns Übermacht berauben, Dürfen wir uns Liſt erlauben. Alfred. Du biſt mir treu? 7* — 100— Darinel. In jeder Sache. Alfred. Du ſtehſt mir bei? Darinel. In Kampf und Rache. . Bre i d e. Wer kann dem ſtarken Bunde Der Freundſchaft widerſtehn? Auf, auf! Nach flücht'ger Stunde Iſt Herrliches geſchehn. Wenn auch auf dunkelm Grunde Die neue Sonne glänzt: Die Liebe gibt uns Kunde, Daß ſie uns bald bekränzt. Alfred(in die Scene blickend.) Sieh, Dari⸗ nel! Wer ſind die beiden weißen Geſtalten, welche dort den Felſenpfad herabſchweben? Darinel. Ich irre nicht! Es iſt Oriana mit Kolma. Alfred. Komm, ihnen entgegen! Darinel. Bleib, mein Freund! Laß uns ihr Geſpräch belauſchen. Wir wollen hören, ob ihre Stimmung unſerm Antrage günſtig iſt. (Sie treten etwas in den Hintergrund.) — 101— Dritte Scene. Kolma. Oriana. Die Vorigen. Oriana. König Gunthro zieht ein, wir ziehn aus. Kolma. Aber mein Vater wird zürnen— Oriana. Laß ihn! Der unerbetene Bräuti⸗ gam mag ihn beruhigen! Kolma. Du biſt ſo leichtſinnig! Oriana. Leichter Sinn iſt froher Sinn. Mein Darinel verſprach, hieher zu kommen. Kein König der Welt kann mir ein trauliches Stündchen mit meinem lieben Fiſcher erſetzen. Kolma. Ach! Oriana. Ein Seufzer? Was gilt die Wette, der war einem Jünglinge geweiht, dem Kolma etwas mehr als ihre Freundſchaft geſchenkt hat. Kolma. Du kennſt das unglückliche Ge⸗ ſchick, das mich bedroht und— kannſt noch ſcherzen. Oriana. Scherz macht den Stachel des Mißgeſchicks ſtumpf. Selten dringt er zu den Thro⸗ nen der Könige. Du biſt bald eine Konigin; nütze noch den freien Augenblick. Kolma. Bin ich noch frei? Hat nicht des Vaters Wort mich in Ketten geſchmiedet, die mein Herz wund drücken. — 102— Oriana. Solche Ketten wirft ein ſtarker Willen ab; Herzenswunden heilt die glückliche Liebe. Kolma. So wird meine Wunde ewig bluten. Theurer Edmund! Verhaßter Gunthro! Oriana. Wie kann nur dein Vater den Un⸗ terdrücker Brittaniens begünſtigen? Wie dem düſtern Fremdlinge die einzige Tochter vertrauen? Kolma. Die Ehrſucht treibt ihn und— ein unglücklicher Wahn. Er glaubt den König der Dänen zu dem freigewordnen Throne unſres Lan⸗ des vom Schickſale berufen; durch den mächtigen Eidam gedenkt er ſelbſt ſein Anſehn zu vermehren. Ach! und wäre auch Gunthro nicht: dürfte ich je⸗ mals hoſſen, den Geliebten meines Herzens— einen niedern Fiſcher— als meinen Gatten zu beſitzen? Necitati v. Tückiſches Geſchick! Warum mußt du grauſam Treten zwiſchen mich und meine Liebe? Du rufſt mich hinauf zu dem ſtrahlenden Sitze Der Könige! Ach! und mein Herz drängt mich hernieder Zu ſtillem Glück, in ſchlichter Hütte, An der Seite meines Auserwählten. — 103— Keine Hoffnung ſpricht Von Erfüllung dieſer Wünſche. Aus dunkler Nacht ſchwarzer Zukunft Blitzen wilde Schauer auf! Mich trifft der Blitz, Ich falle— ſein Opfer. Ar i e. Einſt rannen meine Tage Mild in den Strom der Zeit, Nicht trübte Schmerz und Klage Der Seele Heiterkeit. Entflohn iſt dieſer Tage Glück, Ach, nimmer kehrt es mir zurück! Die Liebe naht, das Herz erbebt, Es zieht ein ſüßer Zauber ein, Der, wie er fühlt und wie er ſtrebt, Auch mit der Luſt bringt Pein. Jetzt ſchlägt die Pein in Flammen auf, Hinweg, die wilde Gluth! Die Flamme ſteigt zur Bruſt hinauf, Verzehrt des Herzens Gut. Lebe wohl! Liebesglück! Fahre hin! Sonnenblick! Schwarze Nacht ſinkt herab, Hal ich ſchau in mein Grab. — 104— Und ich mochte doch ſo gerne Folgen holdem Liebesſterne! Möchte höchſte Lebensluſt Finden an des Theuren Bruſt. Süßer Gedanken, verfolge nicht Mich mit deinem Zauberlicht; Ach! ich muß voll Nacht und Grauen Eine ſchwarze Zukunft ſchauen. Lebe wohl! Liebesglück! Fahre hin! Sonnenblick! Vierte Scene. Die Vorigen. Alfred und Darinel treten vor. Alfred(innig zu Kolma.) Kolma! So ſeh ich noch einmal dich wieder! Vielleicht zum letzten⸗ male? Kolma. Zum letztenmale! Ja, ich muß es ausſprechen dieſes Schreckenswort, den Willen des Vaters— ein ſtrenges, unerbittliches Geſchick, tren⸗ nen uns auf ewig. Alfred(nicht ohne Bitterkeit.) Erbleicht etwa in dem Herzen Kolma's die Himmelsſonne der Liebe vor dem Glanze einer Krone? Kolma. Edmund, du thuſt mir wehel Eine unerträgliche Laſt wird dieſe Krone auf meinem Haupte drücken, ſie wird mich zur Erde beugen, — 105— bis ſie mich niederwirft in die letzte Ruheſtatt. Ich weiß das voraus. Dein Bild wird mich verfolgen, wo auch das Schickſal mich hinführt. Umgeben von königlicher Pracht, werde ich nur dich erſchauen; im einſamen Gemache dich vor mir ſehn und dei⸗ nem Angedenken meine Thränen weihen. Alfred. Und dieſes Herz muß ich verlieren! Oriana(welche bisher mit Darinel leiſe bei Seite geſprochen.) Ich wüßte wohl, wie dieſes Un⸗ glück vermieden werden könnte! Kolma. Wie, Oriana— du— Oriana. Es gibt ein altes Lied, das hierin guten Nath ertheilt. Hört mir zu. K i e d. Ein Ritter wollt ein Fräulein frein, Die aber liebt den Knecht, Möcht' lieber Frau vom Knappen ſeyn, Drum ſchien der Herr ihr ſchlecht. Liebe macht die Herzen gleich, Lieb' iſt mehr, als Kron' und Reich. „Du, Knapp, komm her um Mitternacht, Will mit dir ziehn vom Schloß!“ So hat's das Fräulein ausgedacht, Sie fliehn auf ſchnellem Noß. Liebe macht die Herzen gleich, Lieb' iſt mehr, als Kron' und Reich. — 106— Darinel. Bei'm Himmel! Dieſes Beiſpiel ſollte befolgt werden. So würde König Gunthro für ſeine übermüthige Anmaßung beſtraft. Wir ſuchten und fänden das Glück auf einer abgelegenen friedlichen Inſel, Kolma mit Edmund, Oriana mit mir! Welches beneidenswerthe Loos. Alfred(zu Kolma.) Du ſchweigſt, Geliebte? O wäre dieſes Schweigen ein Zeichen deiner Ein⸗ willigung! Sieh: wenn ich auch nur ein glanzloſes Glück in niedrer Hütte dir bieten kann, ſo will ich dieſe Hütte mit den unvergänglichen Roſen der Liebe ausſchmücken. Folge mir, du Theure! O er⸗ hebe mich plötzlich aus dem Abgrunde des Mißge⸗ ſchicks zu dem Himmel der Liebesſeligkeit! Oriana(zu der immer noch ſchweigenden Kolma.) Kann dein Herz unempfindlich bleiben bei dieſer Sprache einer wahren und treuen Liebe? Kannſt du den armen Edmund allen Qualen der Entſagung hingeben? Kolma. Oriana, meine Freundin! Welche ſtrafbare Gedanken haſt du in mir erweckt? Alfred. Nicht Lockung zu ſündiger That iſt es, die zu dir ſpricht. Die Stimme des Himmels gebietet durch der Liebe Macht. Kolma. Nein, nein! Alfred. Ich kann, ich darf dir nicht folgen. — 107— Alfred. Ich Unglücklicher! Kolma. Auch ich werde trauern und— ſter⸗ ben vor Sehnſucht. Aber des Vaters edle Abſicht erheiſcht mein Glück zum Opfer. Ihm muß ich mich unterwerfen, ob auch mein Herz darüber breche. Mein Vaterland iſt von innerm Zwiſte zer⸗ rüttet, der Stamm der alten Herrſcher iſt erloſchen, kein geſetzliches Band beſteht mehr. Gunthro ſoll den Frieden, das Glück Brittaniens zurückführen; meine Hand wird ihm die Anhänglichkeit der Groſ⸗ ſen des Landes ſichern. Tauſende können beglückt werden durch das Opfer, welches ich bringe; für ſie will ich leiden und— entſagen. Alfred. Du ſchwebſt in einem furchtbaren Irrthume. Du kennſt dieſen Gunthro nicht. Nim⸗ mer kann ſein rauher Sinn, ſein tückiſches Gemüth das Glück Brittaniens begründen. Und— wie— wenn du in dem Wahn, eine große und edle That zu begehn, deine Hand zu einem Verbrechen böteſt— Kolma(erſchrocken.) Zu einem Verbrechen? Darinel(bei Seite.) Ha, ich ahne ſeine Abſicht! Alfred. Wenn Alfred, der rechtmäßige Erbe der Krone noch lebte? Kolma. Gott, wenn das wäre? An welchem Abgrunde ſtände ich, ohne es zu ahnen! — 108— Alfred. Es iſt. Alfred lebt. Oriana(bei Seite zu Darinel.) Das ſcheint mir eine ſinnreiche Erfindung von deinem Freunde. Darinel(bedeutend.) Es iſt Wahrheit. Kolma. Woher weißt du— welch ein Wunder— Alfred. Dringe nicht weiter in mich, Ge⸗ liebte. Bei meiner Liebe, bei meinem ewigen Heile ſchwöre ich dir: Alfred lebt. Er wird erſcheinen zur gerechten Stunde und die geraubte Krone von dem Haupte Gunthro's reißen, er wird auftreten in dem Purpur ſeiner Väter und den Thron beſteigen, der ihm gebührt. Willſt du mir nun folgen? Kolma(nach kurzem Bedenken.) Dein Mund kann ſich nicht entweihen durch Unwahrheit. Ich folge dir. Jetzt iſt die Stimme der Liebe mit dem Gebote der Pflicht im Einklange. Den Wahn des Vaters dürfen tauſende nicht büßen. Darinel. Triumph! Alfred. Die Stunden ſind gezählt! Jeder Augenblick iſt wichtig. Wann verlaſſen wir dieſe Küſte? Huar t et. Darinel. Wenn Dämm'rung ſich auf düſtern Schwingen Herab auf Thal und Berge ſenkt, Dann ſoll ein Nachen uns vom Ufer bringen, Der meine Hand zum ſichern Orte lenkt. — 109— Alle. Ja, heute noch im Schutz der Nacht Sey unſer Plan zum Ziel gebracht. Alfred(zu Kolma.) Du wirſt die meine! Ha, welches Glück! Kolmaa. Dein nun auf ewig! O Sonnenblick! Darinel Gu Oriana.) Wir eilen freudig in's ferne Land. HOrian a. Dort macht uns ſelig ein holdes Band. Kolmaa. Doch rinnen Thränen nieder Beym Abſchied aus dem Vaterhaus. Al fr e d. Sie trocknet Liebe wieder Und löſcht die Trauerſpuren aus. Darinel. Schaut in die Zukunft! Ja, dort winkt Der neuen Heimath Luſt. Hriana. Nur Liebe denkt und tröſtend ſinkt Ihr Frieden in die Bruſt. Kol m a. Mein Vater! — 110— Orian a. Liebe ruft! Kol maa. Verlaſſen dich! Hriang. Folg ihrem Machtgebot! Al fred. Dich nur lieben, dich beglücken, Welche Wonne, welch Entzücken! Banne Trauer, banne Schmerz, Jedem Gram entſag' dein Herz! Kolmaa. Liebe, du wirſt mich beglücken! Welche Wonne, welch Entzücken! Fliehe Trauer, fliehe Schmerz! Jedem Gram entſagt dies Herz. Oriana und Darinel. Liebe, du wirſt uns beglücken! Welche Wonne, welch Entzücken! Da flieht Trauer, da flieht Schmerz, Jedem Gram entſagt das Herz. Al f r ed. Wir werden fliehn? Kolma. Ich folge dir. — 111— Al fred. Uns winkt das Glück. Kolmaa. Der Gram bleibt hier. Darinel. Der Freunde denkt! Oriana. Sie ziehen mit. Darinel. O ſchöner Bund! Oriana. Der Liebe Werk. All e. Wenn Dämwrung ſich auf düſtern Schwingen Herab auf Thal und Berge ſenkt, Dann ſoll ein Nachen uns vom Ufer bringen, Den Freundeshand zum ſichern Orte lenkt. Ja, heute noch im Schutz der Nacht Sey unſer Plan zum Ziel gebracht. (Kolma und Oriana, Alfred und Darinel zu ver⸗ ſchiedenen Seiten ab.) Fünfte Scene. (Zimmer in Gandalin's Burg.) Gunthro. Harald. Gandalin. Gandalin. Noch einmal, o großer König, nenne ich dich willkommen innerhalb der Ring⸗ 112— mauern meines Schloſſes! Sieh dich als den Be⸗ ſitzer an, mich als deinen willigen Diener. Gunthro. Noch habe ich nicht den Gegen⸗ ſtand meiner Sehnſucht erſchaut, die holde Kolma. Wo mag ſie weilen? Gandalin. Ohne Zweifel ſchmückt ſie ſich in dem Innern ihrer Gemächer, um würdig vor deinen Augen zu erſcheinen. Gunthro. So will ich meine Sehnſucht in Feſſeln legen. Es iſt ja das Vorrecht des ſchwä⸗ chern Geſchlechts, uns ſeine Launen empfinden laſſen zu dürfen. Gandalin. Glaube nicht, Herr, daß Kolma— Gunthro. Laſſ' das!— Von welcher ſelt⸗ ſamen und wunderbaren Bedingung, welche mir noch zu erfüllen bliebe, ſprachſt du doch? Deine Ausdrücke waren dunkel, im Geheim wollteſt du mir offenbaren— Gandalin(mit einem Blicke auf Harald.) Ja, großer König! Im Geheim. Gunthro. Vor dieſem Zeugen bedarf es kei⸗ ner Zurückhaltung. Er iſt eben ſo treu, wie ver⸗ ſchwiegen. Keine Falte meines Herzens iſt ihm verborgen. Gandalin. Du gebeuſt; ich gehorche. Wohl mag dir die Sage zu Ohren gekommen ſeyn, wie ſchon ſeit undenklichen Zeiten der alte Zaubrer — 113— Merlin die Herrſcher auf dem Throne Brittaniens durch ſeine wunderbare Macht beſchützt und er⸗ halten. Gunthro. Ich hörte davon; allein ich glaube nicht an Märchen. Gandalin. Nicht fabelhafte Träumerei, Wirk⸗ lichkeit entdecke ich dir. Merlin wandelt nicht mehr in ſichtbarer Geſtalt auf der Erde. Sein eigner Zauber, in den er ſich unbeſonnener Weiſe verfing, bannt ihn auf ewig in undurchdringliches Felſen⸗ geklüft. Aber ſeine Stimme tönt noch fort zu den Auserwählten und ſeine Macht ſchützt noch immer die, der Gottheit wohlgefälligen, Könige dieſes Landes. Gunthro. Weiter! Noch iſt mir deine Rede dunkel. Gandalin. Nicht weit von dieſem Schloſſe befindet ſich an einſamer Stätte ein düſtrer Felſen⸗ grund. Dort, ſo wähnt das Landvolk, hüten böſe Geiſter verborgne Schätze. Kein Schritt wagt ſich in die Nähe dieſes Grundes; kein heitres Grün be⸗ lebt die himmelanſtarrenden Felſenwände, die ernſt und finſter herniederblicken. Jener Grund wird von den Bewohnern der Umgegend bezeichnend das Thal der unterirdiſchen Gewalten benannt. Dort weilt der Zauber, unter deſſen Schutz Britta⸗ IV. 8 — 114— niens Könige herrſchen. Durch Merlins Kunſt und Macht iſt das uralte Königsſchwerdt in einen einſam emporragenden Felsblock gebannt. Nur der goldne Griff, mit der Krone geziert, ſteht ſichtbar zu Tage. Wer nun vermag, dieſes Schwerdt aus ſeinem zauberhaften Gefängniß zu befrein, der iſt von der Gottheit beſtimmt, mein Vaterland zu be⸗ glücken. So lautet die alte oft bewährte Weiſſa⸗ gung. Niemand kennt ſie, als ich. Alfreds Vater offenbarte ſie mir im Sterben. Biſt du nun ge⸗ neigt, mächtiger Gunthro, dieſe Bedingung zu er⸗ füllen? Gunthro. Ich ſcheue nicht die Macht des verſchwundnen Zaubrers, von dem nichts als die Stimme übrig geblieben iſt, die mich wohl auch nicht ſchrecken dürfte. Aber ich meine, ein ſiegreiches Schwerdt wie das meinige, ſey das wahre Königs⸗ ſchwerdt. Gandalin. Spotte nicht des weiſen Mer⸗ lin! Ich zweifle nicht, daß dich in deiner Macht und Größe die Gottheit zum Herrſcher dieſes Lan⸗ des auserſehn hat. Bringſt du mir das Königs⸗ ſchwerdt aus dem Thale der unterirdiſchen Gewal⸗ ten, dann habe ich dafür gültige Bürgſchaft und dann erſt kann ich mit Ruhe und in der Uberzeu⸗ — 115— gung, dem Willen des Himmels zu genügen, die Hand meiner Tochter in die deinige legen. Harald(bei Seite zu Gunthro.) Wider⸗ ſtrebe nicht! Seine Freundſchaft iſt uns wichtig. Gunthro(zu Gandalin.) Deine Foderung ſoll erfüllt werden. Es gilt den Verſuch. Habe ich den Königsthron Brittaniens erobert, ſo wird ja auch wohl das Königsſchwerdt zu erlan⸗ gen ſeyn! T er zet. Alle drei. Der Wille lebt. Die That geſchieht, Der Kraft weicht jeder Bann. Der Starke naht, der Zauber flieht, Des Zweifels Wahn zerrann. Hinauf! Am Sitz des Thrones glänzt Des Ruhms Unſterblichkeit; Die Moyrthe winkt, der Lorbeer kränzt, Hinauf! Lohn iſt bereit. Tief unten weilen Sorg und Schmerz, Hoch oben Luſt und Muth, Wer ſetzte nun nicht ſelbſt ſein Herz An ſolches hohe Gut. 8* — 116— Sechſte Scene. (Die Vorigen. Kolma. Oriana.) Gandalin. Meine Tochter. Gunthro Gzu Harald, halblaut.) Bei mei⸗ nem Schwerdte, ſie iſt ſchön, ſie iſt würdig den Thron Brittaniens zu zieren. Kolma. Du haſt geboten, mein Vater— Gandalin. Noch harrt unſer königlicher Gaſt deines Grußes. Ich hoffe, daß es nur jungfräu⸗ liche Schüchternheit war, welche dich ſo lange von uns entfernt hielt! Gunthro. Wer dich ſieht, reizende Kolma! kann den Wunſch nicht unterdrücken, dich ewig in ſeiner Nähe zu wiſſen. Kolma(verwirrt.) Großer König, dieſe Huld— Gunthro. Iſt nur der gerechte Zoll der Verwundrung. Oriana(bei Seite zu Kolma.) Blick in ſein finſtres Antlitz! Grauſamkeit und Tücke verbergen ſich hinter dieſer falſchen Freundlichkeit. Kolma(ebenſo zu Oriana.) Ich fühle mich beängſtigt in ſeiner Nähe. Kaum finde ich Worte, ihn zu begrüßen. — 117— Gunthro(zu Harald.) Sahſt du je eine ſolche Schönheit? Zum erſtenmale drängt ſich die Schwachheit der Liebe in mein Herz. Gandalin(zu Kolma.) Kolma, wie deut' ich dein ſeltſames Benehmen? Quintet Kolma(zu Gunthro.) Hoher Herrſcher, ſeh willkommen— (Zu Oriana, bei Seite.) Erbeben macht ſein Blick. (Zu Gunthro.) Freudig biſt du aufgenommen— (Zu Oriana, bei Seite.) Ich ſchaudere zurück. Gunmnthee o. Welche Reize! Oriana(zu Kolma.) Bleibe ſtark! Gandalin. Kolma! Faſſe dich! — 118— Kolmaa. Ein Grauen Schleicht durch meines Lebens Mark. Gunthro und Harald. Nie empfundne, zarte Luſt Drängt ſich ein in nanue Bruſt. Gandalin(zu Gunthro.) Entſchuldige— ſie iſt ſchüchtern, Nicht gewohnt ſo hoher Nähe. Gunlthr o. Ha! mein Freund, mir bringt Entzücken, Was ich fühle, was ich ſehe. Kolma und Oriana(bei Seite.) Schauder, Haß, Erſchrecken, Will ſein Anblick wecken. Harald(für ſich.) Die Jungfrau bebt, erbleicht, Nicht Lieb iſt, was ſie zeigt. Gunthro(zu Kolma.) Deine Liebe zu erringen, Holde Kolma, welches Glück! — 119— Gottheit, laß mir das gelingen, Gieb mir Lieb' um Lieb' zurück. Kolma(bei Seite zu Oriana.) Ach wie entrinn' ich dieſem Begehren. Srian g. Sey ohne Furcht! Wir fliehen von hier. Gandalin ä(zu Gunthro.) Dein Antrag muß ſie ehren. Du weißt, was ich begehrt, Die Tochter geb' ich dir, Bringſt du das Königsſchwerdt. Gunthr o. Freudige Hoffnung! Harald G(ftr ſich.) Er iſt bethört! Kolma(zu Oriana.) 1 Hal die Seele will erbangen, Nimmer ſoll er mich erlangen. In die Ferne, in die Ferne! Zu dem Strahl vom Liebesſterne. — 120— A ll e. Hoffnung, du erhebſt die Herzen Ueber alle Erdenſchmerzen. Laßt uns wünſchen, laßt uns hoffen, Dann ſehn wir den Himmel offen. (Kolma von Gunthro geführt, Oriana, Gan⸗ dalin und Harald ab.) Siebente Scene. (Dämmerung, welche bald zur Finſterniß wird. Seege⸗ geſtade. Gandalin's Burg auf einem hoch aus dem Meere emporragenden Felſen. Tiefer im Hinter⸗ tergrunde mitten im Meere ein Leuchtthurm, der mit nur mattem Lichte die Scene erhellt.) Finale. (Die Muſik mag das Heranſchwimmen eines Na⸗ chens andeuten. Alfred und Darinel in Fiſcher⸗ kleidung, aber bewaffnet, landen in einem Nachen, welcher am Ufer liegen bleibt. Die Jünglinge kommen vor.) Al fr ed. Komm Freund, der Augenblick iſt nah; Kein Lüftchen weht. Das Meer iſt ſtill und mild, ————— —— — 121— DHarine l. Doch, ſieh! Die Jungfraun ſind nicht da; Weh, wenn uns Hoffnung hintergeht! Al fr e d. Wie? Jetzt biſt du von Furcht erfüllt! Sey ſtark! Dein Sehnen wird geſtillt. Darine l. Wo weilen ſie? Al fred. Sey ohne Zagen! Bald wird ihr Schritt herab ſie tragen. Der Muth der Liebe iſt's, der mich beſeelt, Der mich zum feſteſten Vertrauen ſtählt. Darine l. Mir ahnet Böſes! Nie empfundnes Bangen Will mich mit Eiſesarm umfangen. Al fred. Still jetzt! Ein Zeichen geb ich kühn, Daß wir bereit ſind, zu entfliehn. (Er ſingt nach der Burg hin gewendet und nach der Weiſe des in der vierten Scene von Oriana geſungenen Lieds, folgendes.) — 122— Der Knapp' iſt da, das Fräulein fehlt. Komm, Fräulein, komm herab! Thu weg, was noch dein Herzchen quält, Ergreif den Pilgerſtab. Liebe macht die Herzen gleich, Lieb' iſt mehr als Kron' und Reich. Die Lüfte ruhn, die Wogen ziehn, Der Himmel iſt geneigt, Laß nicht den Augenblick entfliehn, Der ſich ſo günſtig zeigt. Liebe macht die Herzen gleich, Lieb' iſt mehr als Kron und Reich. (Oriana's Stimme aus der Ferne.) Liebe macht die Herzen gleich, Lieb' iſt mehr, als Kron und Reich. Alfred Gu Darinel.) Haſt du gehört? Sie nahn. Da r i n e. Komm, Freund! Laß uns entgegen. Beid e. Das Schickſal zeigt die Liebesbahn; Glück! ſey uns treu auf allen Wegen. (Beide ab zur Seite nach dem Schloſſe.) — 123— Achte Scene. (Gunthro und Harald treten aus dem Hintergrunde, in dem ſie ſchon früher erſchienen und Alfred und Darinel belauſchten.) Gunthro. Ha was war das? Har al d. Das weckt Verdacht. Gunthro. Ein Zeichen tönte durch die Nacht. Haral d. Von Frauenmund. Gunthro. Ha, wenn Verrätherei— Hara! d. Wir warten hier; ſehn, was es ſey. Gunthr o. Könnte Kolma— nimmer mag ich's denken— Ihre Gunſt dem Niedern ſchenken. — 124— Hara ld. Seltſam wählt oft Mädchenſinn; Gib dich nicht dem Zorne hin. Gunthro. Wie? Ich ſollte das ertragen, Mich von ihr verſchmäht zu ſehn; Rache, Wuth, Verderben treffe Die, ſo mir entgegen ſtehn. Haral d. Mäß'ge dich! Gunther o. Ha! Tod und Hölle! Harald(nach der Gegend lauſchend, wohin Alfred und Darinel abgingen.) Still! Man kommt zu dieſer Stelle. Gunthr o. Blut nur tilgt der Ehre Flecken, Treues Schwerdt, du ſprichſt für mich. Haral d. Lauſchend müſſen wir entdecken Was geheim entſponnen ſich. (Sie treten zur Seite.) — 125— Neunte Scene. Die Vorigen, von den andern ungeſehn zur Seite, Al⸗ fred, Darinel, Kolma, Oriana. Kolm a. Wie ſchlägt mein Herz! Ich bebe! Leb wohl, o Vaterhaus! Gunthro bei Seite zu Harald. Kolma iſt's. Harald Gu Gunthro.) Halt ruhig aus! Alfred. Dir ſchmückt mein Herz mit Liebe Die neue Heimath aus. Gunthro(wie oben.) Fluch treff' ihn! Harald(ebenſo.) Harre noch! Oriana(zu Kolma.) Ermuth'ge dich! Bann' dieſe Schwäche, Durch Liebe wecke deine Kraft! — 126— Darinel(zu Alfred.) Laß, Freund, uns nicht mehr ſäumen! Noch drohn Verfolgung, Kerkerhaft. Al f r e d. Geliebte, komm mit mir! Kolmaa. Gleich, Theurer, folg ich dir.. Holde Heimath, nimm die Abſchiedsgrüße, Nimm den Dank für manche Wonne hin! Mich verlockt der Liebe Macht, die ſüße, Selbſt die Pflicht gebeut dem blöden Sinn. Orian a. Gerne geb' ich meine Abſchiedsgrüße, Heimath, dir für zarte Liebe hin. Sie beherrſche mich in aller Süße, Ihr zu folgen ſey mir Hochgewinn. Alfred und Darinel. Laß' ſie geben zarte Abſchiedsgrüße, Bei der Trennung, an die Heimath hin! Liebesmacht herrſcht über uns, die ſüße, Ihr zu folgen iſt uns Hochgewinn. — 127— Gunthro(bei Seite.) Wuth! Verderben! Meines Schwerdtes Grüße Bänd'gen dieſer Buben frechen Sinn. Bald genieß ich, Rache, deine Süße! Bald ſtürz ich auf die Verräther hin. Harald(cbenſo.) Blitze ſprüht ſein düſtrer Blick. Das ſüße Nachgelüſt reißt ſchnell zur That ihn hin. Ja, bei'm Himmel! Bald ſind Schwerdtesgrüße Dieſes ſchmählichen Verraths Gewinn. Kolma, Oriana, Alfred, Darinel. Fort, fort! Auf ſanften Wogen Fliehn wir dem Glücke zu. Ein fremder Himmelsbogen Beut Segen uns und Ruh. (Sie wollen nach dem Seegeſtade. Gunthro und Harald treten vor.) Gunthro, mit gezogenem Schwerdte. Zurück! Mit Arm und Schwerdt Sey euch die That verwehrt. Alfred(ieht gleichfalls ſein Schwerdt.) Hal wer wagt es? — 128— Kalma und Oriana(voreilend.) Ew'ger Himmel! Darinel(ſich waffnend.) Schwerdt gen Schwerdt! Harald(cbenſo.) Auf denn zum Kampfe. Alfred(zu Gunthro.) Hinweg! ſonſt fließt dein Blut. Gun t hr o. Du ſelbſt fällſt meiner Wuth. Darine l. Gebt Naum! Haral d. Zum Tode dir! Kolma und Oriagna. Verrathen! Wehe mir! Alfred(zu Gunthro.) Wer biſt du, ſprich! Gun th r o. Du willſt es wiſſen? — 129— Alf red. Zögre nicht. Guln t hr o. Zu rühmlich ſtirbſt du hier Von König Gunthro's Hand. 4 Kolma, Oriana. König Gunthro! Ha, Verderben Droht uns hier von ſeiner Hand! Al freed. König Gunthro! Du mußt ſterben, Wehe dir! daß ich dich fand. Darinee. König Gunthro! Bald zum Sterben Iſt der wilde Kampf entbrannt. Gunthro und Harald. Rache treff Euch, Fluch, Verderben! Tod wird Euch von unſrer Hand. Alfred(den Gunthro angreifend.) Laß ſprechen die Schwerdter, laß ſchweigen die Worte! Gunthro ſſich vertheidigend.) Ha! Schon ſteht dir offen der Unterwelt Pforte. Darinel(im Kampfe mit Harald.) Laß ſprechen die Schwerdter! IV. 9 Haral d. Laß ſchweigen die Worte! Kolma und Oriana(im Vorgrunde.) Hülfe! Rettung! Ihr Himmelsgewalten! Wendet das Unheil, wendet die Schmach! Laßt aus Verderben ſich Freude entfalten, Gebet den Bitten der Flehenden nach. Hülfe! Rettung! Ihr Himmelsgewalten! Zehnte Scecene. (Die Vorigen. Gandalin, mit vielen bewaffneten Knechten von der Burg herabeilend.) Gandalin und die Knechte. Welch Getöſe! Welch Geſchrei! Kolmaa. Mein Vater! Gott, ſteh mir bei! Orian g. Gandalin! welch Mißgeſchick! Gandalin. Wer konnte ſich erfrechen, Den Friedensbann zu brechen? — 131— Chor der Knechte. Wer waget das?— Wer iſt's? (In dieſem Augenblicke ſchlägt die auf dem Leucht⸗ thurme befindliche Glut zur hellen Flamme auf, welche mit rothglühendem Licht die ganze Scene erhellt. Gunthro iſt, von Alfred bedrängt, zu Boden gefallen, Alfred ſteht über ihm und iſt im Begriff, ihn zu durchbohren.) Alfred. Stirb, Näuber! Statt Englands Krone Werd dir der Tod zum Lohne! Gandalin(zwiſchen ihn und Gunthro ſtürzend.) Zuruͤck! (Indem er ſeinen Knechten winkt und auf Alfred deutet.) Entwaffnet ihn! Alfred, welchen die Knechte von hinten ergreifen und entwaffnen. Ha! Schändlich!— Schickſalsgunſt, Mußt du ſo ſchnell entfliehn? Gandalin(auf den noch mit Harald kämpfenden Darinel zeigend.) Auch dieſen nehmt gefangen! — 132— Darinel(indem er dem Harald einen Streich verſetzt, daß dieſer beſinnungslos zurücktaumelt.) Vergebliches Verlangen! (Ehe die Knechte ihn ergreifen können, eilt er in den Hintergrund, ſpringt in den anlie⸗ genden Nachen und ſtößt vom Lande ab.) Die Knechte. Er iſt entflohn! Auf Meereswogen Hat er ſich deiner Macht entzogen. Gandalin(ſeine Tochter erblickend.) Hal! Was ſeh ich? Kolma, dich Muß⸗an dieſem Ort ich finden. Kolma(bedrängt.) Vater!(Bei Seite.) Himmel! Wodurch rett' ich Den Geliebten, rette mich? Gunthro, welcher ſich erhoben und den Alfred ſcheu von der Seite anblickt. Dieſes Antlitz— Furcht und Grauen— Iſt wie Alfreds anzuſchauen! Kolma und Oriana. Jede Hoffnung iſt verſchwunden, Gram, Verzweiflung ſtürmt herein. — 133— Al fr ed. Uebermacht hält mich gebundenz Kommt kein Gott, mich zu befrei'n? Gandalin. Daß ich Kolma hier gefunden— Schwarzer Argwohn! Böſer Schein! Gunthro(immer auf Alfred ſtarrend.) Grabgeſpenſt! Biſt du entbunden Deiner Kette? Schauer! Pein! Harald(in Beziehung auf Gunthro.) Er hat Schreckliches gefunden; Schauer ziehn durch ſein Gebein. Gandalin. Wie dies Ereigniß ſich begeben, Werd ich erkunden im Gericht. (Zu den Knechten, auf Alfred deutend.) Ihr aber ſteht mit euerm Leben Mir ein für dieſen Böſewicht! C h o r. Kolma, Oriana, Alfred. O Gott! Für Liebe wird Leiden, Statt Hoffnung wird Fürchten erfüllt! er, 3 Zum Kerker muß ich jetzt ſcheiden, Und ſchwarz bleibt die Zukunft umhüllt. Gandalin, Gunthro, Harald und die Knechte. Zur Burg! Dort wird ſich entſcheiden, Was noch iſt in Dunkel gehüllt. Zum Kerker! daß Strafe und Leiden, Der Lohn böſer That, ſey erfüllt. (Alle nach der Burg hin.) (Der Vorhang fällt.) Zweiter Act. (Schloßgarten.) — Erſte Scene. (Kolma und Gunthro aufeinem Raſenſitze. Oriana ſteht an Kolma's Seite, Gandalin an der Gunthro's. Harald hinter Gunthro. Land⸗ mädchen mit Blumen und Früchten in Körben.) Chor der Landmädchen, indem ſie Kolman ihre Körb⸗ chen darreichen. Gold der Früchte, Schmuck der Auen, Sey'n als Gabe dir geweiht! — 135— Mogſt du drinn die Liebe ſchauen, Die das Herz dir freundlich beut. (Sie bilden einen Reigen und tanzen einigemal herum.) Kolma(während des Tanzes verſtohlen zu Oriana.) Nichts von Edmund? Oriana(achſelzuckend.) Keine Kunde! Kolmag. Schwarze Mächte ſind im Bunde. Chor der Landmädchen. Tanzesreigen, frohes Schweben Sind ein Bild von Glück und Luſt. Was wir hier im Bilde geben, Dringe wahr in deine Bruſt. (Tan z.) Kolma(uufſtehend.) Recitativ. Ich danke euch für dieſe holden Gaben. Schmückt mein Gemach mit ihnen aus! Glück und Luſt— wie ſelten kehren (Seufzend.) Sie in eines Menſchen Bruſt! p — 136— Chor der Landmadchen, welche ihre Koörbe wieder zu ſich nehmen. Gold der Früchte, Schmuck der Auen, Sey'n als Gabe dir geweiht! Mögſt du drinn die Liebe ſchauen, Die das Herz dir freundlich beut. (Die Landmädchen ab.) Zweite Scene. (Die Vorigen, ohne die Landmaͤdchen.) Gandalin(zu Kolma.) Noch immer ſo dü⸗ ſter! meine Tochter?— Kann nicht die gutgemeinte Gabe dieſer Landmädchen, kann nicht der Sinn der Liebe, der ſich darin zeigt, die Wolken deines An⸗ tlitzes zerſtreuen? Kolma(aufſtehend.) Eine ſeltſame Bangig⸗ keit beengt meine Bruſt. Ich moſß dieſes Gefühl nicht zu deuten. Gunthro Gu Gandalin.) Vielleicht, daß die ſchöne Kolma noch durch das Ereigniß des ge⸗ ſtrigen Abends— Gandalin. Du haſt recht, großer König! Die Gewaltthätigkeit jener Buben muß ſie auf das höchſte überraſcht und erſchreckt haben. — 137— Gunthro(beziehungsvoll und mit Hohn.) Die Ueberraſchung mag freilich ihre Unannehmlich⸗ keit gehabt haben. Kolma(bei Seite zu Oriana.) Grauſamer Hohn! Oriana. Verrathe dich nicht! Wüßte Gan⸗ dalin deine Liebe zu Edmund, ſo würde der arme Gefangene ſie ſchwer büßen müſſen! Gunthro Gzu Gandalin.)(Wie oben.) Ich laſſe dich allein mit deiner Tochter! Manches laſtet vielleicht ſchwer auf ihrem kindlichen Herzen, das ſie dem Vater zu offenbaren wünſcht. Folge mir, Harald! Gandalin(ihn nach dem Hintergrunde be⸗ gleitend.) Du willſt es Herr— (Gunthro, indem er dem Gandalin einen Wink zurückzubleiben gibt, mit Harald ab.) Oriana(zu Kolma.) Sey behutſam! Edmunds Schickſal, wohl gar ſein Lehen ſteht in deiner Hand. (Ab.) Dritte Scene. Kolma. Gandalin. Du et t. Gandalin. Meine Tochter! In des Vaters Seele Schütte deinen Gram und Kummer aus. Kolmaa. Ach! mein Vater! Wie mich immer quäle Innre Pein, geſtehen kann ich's nie. Gandalſi n. Wie? Du könnteſt deines Vaters Bitten, Seiner milden Fordrung widerſtehn? Kolm g. Was ich leide— was ich ſchon gelitten, Friedlich ſoll's an dir vorübergehn! Gandali n. Wehe mir, daß ſie dem Vaterworte Mag verſchließen das gequälte Herz! Tochter!— Nein, ſie will nicht klagen, Will enthüllen nicht der Seele Schmerz. — 139— Kolmaa. Wehe mir! Daß ich dem Vaterworte, Muß verſchließen das gequälte Herz. Vater!— Nein, ich darf's nicht wagen— Darf enthüllen nicht der Seele Schmerz. Gandalin. Du trauerſt und dir winkt Der Krone goldner Glanz. Kolma(bei Seite.) Das Licht der Krone ſinkt Beim Strahl vom Liebeskranz. Gandali n. Welch Heil? Dein wird der Held, Der dieſes Land beglückt. K olma. O Schmerz! dein Opfer fällt, Dem Erdenheil entrückt. Gandalin. Entdecke dich! Kol mag. Mein Vater— Gandal in. Sprich! — 140— Kolma. Nein! Nimmer kann ich offenbaren, Was meine Seele niederdrückt. Gandal i n. Steig auf zum Thron! Dort wird der Gram Und jede ſchwarze Sorge fliehn. Kein Erdenleiden ſteigt hinan Und holdes Glück wird dir entblühn. Kolmaa. Du rufſt zum Thron! Dort wird bald Gram Und jede ſchwarze Sorge fliehn. Es ſteigt der Tod zu mir hinan, Dem Erdenleid mich zu entziehn. (Kolma ab, von Gandalin gefolgt.) Vierte Scene. Gunthro. Harald. Später Oriana. Harald. Laß nicht, o Herr, ſo trübe Ah⸗ nungen ſich deiner Seele bemeiſtern. Vedenl„ es iſt unmöglich— Gunthro. Es iſt unmöglich und dennoch — dennoch! Ha! Wenn die Welt ihr tauſendjähri⸗ ges Geſetz umgeſtoßen hätte, wenn Todte erwachen, Erſchlagene wieder in das Leben treten koͤnnten? — 141— Harald. Verbanne dieſen Gedanken! Viel⸗ leicht eine entfernte Aehnlichkeit— Gunthro. Nein, nein, Harald! Solche Schrecken führt nur die Wahrheit mit ſich. Als ich überwunden am Boden lag, trotzig den Todesſtreich erwartete und nun plötzlich die Gluth des Leucht⸗ thurms zur Flamme emporſchlug, mit einem grau⸗ ſen Lichte Alles übergießend, da blickte das Antlitz meines Gegners zu mir nieder, wie das des Nache⸗ engels aus feuerflammendem Himmel. Die Erinn⸗ rung fand dieſe Züge wieder auf im Innerſten der Seele.— Es war Alfred! Alfred, der kam zur Rache geſendet, aus ſeinen Blicken Vernichtung auf mich niederſprühend. Harald. Faſſe dich, König!. Gunthro. Wähnſt du, eine trockne Er⸗ mahnung könne die Schauer bekämpfen, welche ſich in dem Augenblicke, wo das toͤdliche Eiſen über mir ſchwebte, aus der Tiefe der Bruſt losgerungen? Harald. Und dennoch, o Herr, hat eben die Macht dieſes Augenblicks dich mit Irrthum um⸗ fangen! Alfred blieb im Kampfe mit dir, als wir ihn übermächtig an einſamer Stätte überfielen. Alle Gefangene haben ſeine Leiche erkannt, ganz Britta⸗ nien iſt von ſeinem Tode überzeugt. Gunthro. Mag es ſeyn, daß Ueberraſchung, daß eine ſeltſame Ahnlichkeit mich hingeriſſen! Aber wenn ich auch dieſem Buben verzeihen könnte, daß er es wagte, den Blick zu der mir beſtimmten Braut zu erheben, daß er mir ſiegreich im Kampfe gegen⸗ über geſtanden, nimmer kann ich ihm dieſe Ahnlich⸗ keit mit Alfred verzeihen, die mit Schauer mein Gebein durchbebt.(Oriana erſcheint ungeſehen von Gunthro und Harald im Hintergrunde.) Harald, der gefangene Fiſcher muß ſterben. Oriana(für ſich.) Was hör' ich? Harald. Herr, dein Zorn iſt gerecht! Der Bube verdient deiner Rache zum Opfer zu fallen. Aber wird auch Gandalin— Gunthro. Durch Liſt oder Gewalt müſſen wir zum Ziele kommen. Die Zahl unſrer Krieger überſteigt bei Weitem die Zahl von Gandalins Knech⸗ ten; für jeden Fall ſind wir gerüſtet. Aber ich hoffe, nicht zu feindſeligem Handeln genöthigt zu ſeyn. Das bezauberte Schwerdt, welches Gandalin zum Preiße für ſeiner Tochter Hand verlangt, werde ich in kurzer Zeit beſitzen. Sogleich ſuche ich das Thal auf, wo es die Kunſt Merlins hingebannt hat. Dann wird es mir ein Leichtes ſeyn, den Vater Kolma's in Allem zu meinem Willen zu be⸗ wegen. Wehe dann dem frevelhaften Buben, der mich zu ſchwerem Zorn gereizt! — 143— Recitativ. Der Nache ſüßgefüllten Becher Will ich in vollen Zügen trinken! Liebe, Ehre, Ruhm! Alles ruft zur blut'gen That. Des Grabes Schauer, Die Wuth der Leidenſchaft, Des Unterliegens Schmach, So jener Frevler mir bereitet, Erheiſchen Rache! . Ari e. Bei den unterird'ſchen Mächten Sey ihm Nache zugeſchworen! Blutig will ich mit ihm rechten, Pein und Tod ſind ihm erkohren. Höͤre mich, der Hölle Macht! Rache ſteig' aus deiner Nacht; Denn der Himmel lehrt verzeihen, Du— ſich ſüßer Rache weihen. Höre mich, des Abgrunds Schlund! Deine Geiſter ſend' heran; Schließe mit mir feſten Buud, Schütze mich auf ſchwarzer Bahn! Geiſter der Hölle! Ihr mögt mich umſchweben, Möcht Euren Beiſtand zur Rache mir geben! Flammen der Hölle! Flammen der Rache! Einen ſich ſo zu gemeinſamer Sache! Treibt ihn heran, den ich haſſe mit Wuth, Schleudert ihn hin in die flammende Gluth. Nieder in's Nichts! der zu trotzen mir wagt, Hin, wo die Sonne des Lebens nicht tagt! Jubel! Triumph! Ob auch ſchwarze Geſtalten Mich auf dem Pfade des Siegs mögen halten. Liebesglück! Kronenglanz winken am Ziel: Dann ward gewonnen das lockende Spiel. (Gunthro und Harald ab.) Fünfte Scene. (Sriana allein. Sie kommt vor.) Oriana. Macht des Himmels, welche Ver⸗ rätherei! Mein Oheim iſt von den Schlingen dieſes Wüthrichs umgarnt, ohne es zu wiſſen. Soll ich ihm entdecken?— Ach, er würde mir nicht glauben, er würde meine Entdeckung als einen Wahn, oder gar als eine Lüge zurückweiſen! Und Edmund? Armer Jüngling, arme Kolma!— Er muß geret⸗ tet werden. Noch iſt Kolma die Tochter des Gebie⸗ ters dieſer Burg. Ihrem Befehle müſſen die Die⸗ ner gehorchen. Ja, es kann gelingen! Iſt Ed⸗ mund frei, o! dann blüht auch für Kolma wieder — 145— die Hoffnung zur Rettung von dem verhaßten Bräu⸗ tigame, dann vereint auch mich wohl wieder ein günſtiges Schickſal mit dem geliebten Darinel. CEavatinſe. Liſt muß ſich der Liebe einen, Wo die Bosheit uns entgegen ſteht. Was nützt Bangen, was nützt Weinen? That iſt's, die zum Ziele muthig geht. Himmel! Du wirſt gnädig blicken, Wirſt mir deine Huld und Gnade weihn. Ja! das Rettungswerk muß glücken, Und das Schickſal uns den Sieg verleihn, Lächle wieder, Himmelsfreude! Fliehe fern der Bosheit ſchwarze Macht! Freude ſteigt aus ſchwerem Leide, Wie der Sonne Glanz aus finſtrer Nacht. Sonnenglanz, Liebespracht! Biſt du wieder bald erwacht? Wird das Sehnen bald erfüllt? Sind die Thränen bald geſtillt? 4 — 146— Sechſte Scene. (Oriana. Darinel in Piggertracht, tritt im Hinter⸗ grunde vorſichtig auf.) Oriana(den Pilger gewahrend.) Welche ſeltſame Geſtalt?— Ein Pilger an dieſem entlege⸗ nen Orte.— Sollte— Darinel halblaut.) Oriana! Oriana. Dieſe Stimme— er iſt's!(Ihm entgegen.) Darinel! Du biſt gerettet? Darinel. Still! Sind wir hier ſicher? Lauſchen keine Verrätherohren? Oriana. Alle ſind fern. Ich darf mich frei der Wonne überlaſſen, dich wieder zu ſehn. So hatten die Wellen des Meeres mit dir Erbar⸗ men? So haben ſie dich zur befreundeten Küſte ge⸗ tragen? Darinel. Glücklich erreichte ich ein einſa⸗ mes Eiland. Dort fand ich einen Haufen bewaff⸗ neter Freunde, alle empört über Gunthro's Bedrük⸗ kungen. Als ſie Alf— Edmunds Gefangenſchaft erfuhren, verbanden ſie ſich durch einen furchtbaren Eid, ihn zu befreien. Sie ſind mit mir gelandet. Im entlegenen Felſenthale halten ſie ſich verborgen, bis ſie durch mich Kunde von dem unglücklichen — 147— Edmund erhalten. Sprich, Geliebte, wie geht es meinem Freunde? Schmachtet Kolma's Auserwähl⸗ ter noch immer gefeſſelt in den Kerkern ihres Vaters? Oriana. O daß ich dieſe ſchreckliche Frage bejahen muß! Aber noch furchtbarere Dinge haben ſich begeben. Gunthro iſt zu blutdürſtiger Rache gegen Edmund entflammt, er will in ſein Gefäng⸗ niß dringen, ihn ermorden— Darinel. Hal ich ahne die Triebfeder, welche dich beherrſcht, räubriſcher Tyrann. Keine Zeit iſt zu verlieren. Ich eile, meine Freunde her⸗ bei zu führen— wir ſtürmen die Burg— Oriana. Halt ein, Darinel! Die Freund⸗ ſchaft reißt dich hin zu unbeſonnener That. Wie, du wollteſt Kolma— mich— allen Schrecken, al⸗ len Angſten eines ſolchen Kampfs ausſetzen? Auch iſt der Dänenkönig von vielen Kriegern begleitet, welche nicht ſo leicht zu überwinden ſeyn möchten— Darinel. O du weißt nicht, wie wichtig Edmunds Rettung nicht allein für uns, nein! für ganz Brittanien iſt! Oriana. Iſt Edmund nicht der Geliebte meiner Freundin? Könnte er ein höheres Recht auf meinen Beiſtand haben? Darinel. Und dennoch willſt du nicht— 10* — 148— Oriana. Nicht auf deine Weiſe! Würde Gunthro ſiegen im ungleichen Kampfe, ſo wäre Ed⸗ mund ganz ſeiner Gewalt hingegeben; würde er be⸗ ſiegt, wer weiß, ob nicht dann das Rachegelüſt ihn anreizen dürfte, den gefangnen Feind mit in ſein Verderben zu reißen. Sein wilder Sinn, ſeine Nachſucht laſſen nur zu ſehr ein ſolches Beginnen fürchten. Darinel. Wie aber— Oriana. Uberlaſſe es mir und meiner Freun⸗ din, den theuern Gefangnen der Freiheit wieder zu geben. Sollte der Kerkermeiſter dem Befehle des Burgfräuleins nicht gehorchen wollen, ſo öffnet uns der allmächtige Schlüſſel des Goldes die Pforten des Kerkers. Aus dem Felſengewölbe, in welchem Edmund verſchloſſen iſt, führt ein unterirdiſcher Gang, den eine ſtarke Eiſenthüre verbirgt. Auch dieſe wird zu öffnen ſeyn. Der unterirdiſche Gang leitet in jene Felſengegend, wo deine Freunde ver⸗ ſammelt ſind. Dort wird dich der gerettete Edmund begrüßen, dort könnt ihr neue Plane erdenken, Kolma aus den Händen Gunthro's zu befrein. Ich theile in Allem das Schickſal meiner Freundin. Darinel. Du haſt ſüße Hoffnung in meine Bruſt gegoſſen! Ja, wir werden ihn retten, das Glück der Liebe wird uns auch vereinigen und dann — 149— wird unſer Leben, von Freundſchaft und Liebe be⸗ ſeligt, in ungetrübter Wonne dahinfließen. Duett. Darine l. Lebe wohl! Wir ſehn uns wieder, Wenn dieſer Sturm vorüberzog. Freude ſenkt ſich dann hernieder, Die unſerm Sehyn ſo ſchnell entflog. Srian a. Lebe wohl! Mich drängt die Stunde, Zur Rettung mahnt die Freundespflicht. Gottheit! ſey mit mir im Bunde, Daß meine That dem Wunſch entſpricht. Darinel. Ich harre dort! Orian a. Im Felſenthale. Darinel. Der Freund kehrt an mein Herz zurück. Oriana. Die Feſſel ſpringt. Darinel. Er wird gerettet. — 150— Hrian a. Nach Leiden ſtrahlt ein neues Glück. B ei d e. Süße Pflicht! Du wirſt erfüllt! Freund! du mußt gerettet ſeyn. Die Nacht entflieht, der Tag enthüllt Das Recht im hellen Glückesſchein. Orian a. Ich eile hin! Ich ſprenge ſeine Ketten, O hohe Luſt, den theuern Freund zu retten! Darinel. Geliebte, du! Zieh hin zum hohen Werke! Der Himmel rüſte dich mit Muth und Stärke. B ei d e. Auf! Auf! den Freund zu befreien, Zu retten aus Todesgefahr! Der Haß und die Rache, ſie dräuen, Die Lieb ſtellt zum Kampfe ſich dar. Leb wohl! Wir bleiben getreu, Was auch die Zukunft uns bringe. Ihr freundlichen Geiſter, herbei! Daß uns die Befreiung gelinge! (Beide zu verſchiednen Seiten ab.) — 151— Siebente Scene. (Felſengewölbe. Eine eiſerne Thüre rechts im Vor⸗ grunde; eine dergleichen tief im Hintergrunde links. Eine düſter brennende Lampe erhellt mit ſparſamem Lichte die Scene.) Alfred(allein.)(Er ſitzt in ſich gekehrt auf einem Steinblocke und tritt dann vor.) So ſind denn alle meine Wünſche, meine Hoffnungen, meine hochfliegenden Träume— in einem Kerker begra⸗ ben! Über meiner Wiege ſchwebte eine Krone; mein Grab— ich kann nicht zweifeln— wird dieſe Fel⸗ ſengruft decken. Und— o Ubermaaß des Schmer⸗ zes, ärger als Todespein! meine Geliebte iſt in der Macht meines Todfeindes. Der ſtrenge Vater wird ſie zwingen, ihm das Gelübde ewiger Treue zu leiſten! Ich— kann nicht helfen! Dieſe Felſen⸗ wände ſpotten meiner ohnmächtigen Wuth, dieſe Eiſenpforten trotzen den Anſtrengungen der erbärm⸗ lichen Menſchenkraft. A r 1 e. Tief betrübt in Kerkergrüften, Schwer bedrängt von Unheils Macht, Sehn' ich mich nach heitern Lüften, Nach der Freiheit holder Pracht. — 152— Heißes Sehnen, biſt vergebens, Ach, es ſank der Stern des Lebens; Mit der Freiheit hohem Gut Floh die Hoffnung, floh der Muth. Theure Kolmal dich verlieren, Kann ich tragen dieſen Schmerz? Wird kein Tag dich wieder führen An dies ſchwer erkrankte Herz? Recitati y. Keine Hoffnung! Kein Strahl des ſüßen Lichtes, Das Sterbliche erfreut, Dringt in meine Nacht. Verlaſſen, gefangen, Von Allen vergeſſen Starrt mich Verzweiflung gräßlich an! So nimm mich hin, du wilde Glut, Die durch das Leben ſtürmt! Rinn hin, du heißes Herzensblut, Wenn ſich das Unheil thürmt. Verloren iſt der Liebe Glück— Was gibt's auf Erden noch? Verzweiflung keimt aus Mißgeſchick— Du kämpfſt— ſie zwingt dich doch! — 1533— Flamme heran! Dring in die Bruſt! Ha, wie ein Mann, Kämpf ich mit Luſt! Wirſt mich beſiegen; Weiß es voraus! Im Unterliegen Höhn' ich dich aus. Komme Glut und Pein! Will eigen dir ſeyn. Du führſt mich durch Tod, Aus irdiſcher Noth. (Ruhiger.) Ach! Nur einmal mocht' ich dich noch ſchauen, Theure Kolma! Sagen Lebewohl; Ginge dann mit ſiegendem Vertrauen Leichtern Herzens in des Todes Grauen. Kann's nicht ſehn? O Macht der Liebe, Weigerſt du die heißerſehnte Huld? Neige gütig dich zu dieſem Triebe, Tilge ſo des Schickſals Schuld! Achte Scene. Der Vorige. Die Thüre im Vorgrunde wird aufge⸗ ſchloſſen. Kolma und Oriana treten ein. Alfred. Kommen die Schergen, um mich zum Tode zu führen?— Nein! Nein! Der Himmel öffnet ſich und ſendet ſeine Engel, mich zu tröſten. Mein Gebet ward erhört! Kolma. Hier muß ich dich finden! mein Edmund. Hier— und unſre Hoffnungen ſchweb⸗ ten in die Ferne, zum Hafen des Glücks und der Liebe— ſchauderhafter Tauſch! Alfred. Jetzt denk ich nur dich, du Ge⸗ liebte! Den ſüßen Augenblick, den mir deine Ge⸗ genwart bereitet, will ich genießen in ſeiner ganzen Fülle! Ich will vergeſſen, daß es noch außer uns Menſchen gibt, daß mich die Schlingen meiner Feinde halten— Alles will ich vergeſſen, um dieſe Stunde in ungetrübter Luſt an deiner Seite zu ge⸗ nießen und dann— ſterben! Kolma. Nein, o nein! du ſollſt nicht ſter⸗ ben— die Freiheit winkt— Alfred. Wie es wäre möglich?— dein Vater— Gunthro— Oriana. Erwarte von dieſem keine milde Geſinnung; er hat deinen Tod beſchloſſen. Alfred. Ich errathe— die Geiſter der Ver⸗ gangenheit haben ihn aus ſüßem Wahne empor⸗ geſchreckt. Kolma. Wir kommen, dich zu retten, dich zu befreien. Oriana(auf die Thüre im Hintergrunde zeigend.) Dieſe Pforte öffnet einen unterirdiſchen — 155— Gang, der dich weit von der Burg ins Freie führt. (Ein Schlüſſelbund zeigend.) Hoffentlich wird hier der Talisman ſich finden, vor dem die eiſerne Scheidewand ſinkt— Darinel harrt dein— Alfred. Darinel— mein Freund! Er iſt gerettet? Oriana. Ihm war das Schickſal günſtig. Aber wir dürfen keine Zeit verlieren— Alfred. Kolma— du— ihr werdet mich auf der Flucht begleiten? Kolma. Nein, mein Geliebter! Mit arg⸗ wöhniſchem Auge wacht mein Vater über jedem meiner Schritte; bald würde unſre Abweſenheit ent⸗ deckt ſehn; ehe wir noch die ſichre Zufluchtsſtätte erreicht hätten, würden die Verfolger uns einholen — dann wäre die Frucht unſrer Bemühungen ver⸗ loren, du aufs Neue jeder Gefahr Preis gegeben! Alfred. Ohne dich ſoll ich ſcheiden! Kolma. Es muß ſo ſeyn! Die Freiheit wird dir Mittel geben, für unſre Liebe zu wirken. Mich ſoll keine Erdenmacht zwingen König Gunthro's Gattin zu werden! Terzett. Oriana(welche indeſſen an der Thüre im Hinter⸗ grunde mehrere Schlüſſel verſuchte.) Noch immer nicht! Laß bald dich finden, Du Schlüſſel, der die Freiheit gibt. — 156— A fred. Wie ſchwer iſt's, Trennung überwinden Von der, die heiß die Seele liebt. Kol mäa. O ſäume nicht!(zu Oriana) Trotzt noch die Pforte? Gott! Wann der Feind uns noch ereilt! V Oriana. Verwünſchtes Schloß!(Einen andern Schlüſſel nehmend) Laß dich verſuchen! Kolmaa. Es droht der Tod, wenn er verweilt. Oriana. Auch dieſer nicht!(Sie ſetzt ihre Bemühun⸗ gen fort.) Al freed. O laß allein Mich nicht hinaus zur Freiheit ſchreiten, Nur dann erſt fliehen Gram und Pein, Will die Geliebte mich begleiten. Kolmaa. Ach, ſchone mein! der Liebe Sehnen Muß ſchweigen bei'm Befehl der Noth. Es bebt das Herz, es ſendet Thränen, Und klagend folgt es dem Gebot. Oriana(wie oben.) Will keine Macht ſich hülfreich neigen Mir, was ich ſuche, gnädig zeigen. Kolma(nach Oriana.) O Gott! Noch immer nicht gefunden; Das Mißgeſchick hält uns gebunden. Mich dünkt, ich höre ſchon Der Feinde wildes Toben. Es dringt herab von Oben Des Rachgeſchreies Ton. Hal Rettung, Himmel, ſende! Den Blitz des Unheils wende! Al f r ed Beruh'ge dich! An deiner Seite ſterben Iſt ſchlimmer nicht, als fern von dir verderben. Es iſt der Trennung Schmerz Ein Blitz, der trifft das Herz. Mag mich der Feinde Schaar umtoben, Dringt an die Bruſt der Schlange Biß: Vertrauungsvoll blick ich nach Oben, Denn deiner Treu bin ich gewiß. Oriana(welche die Thüre geöffnet hat.) Sieg! O Freude! Es iſt gelungen. Kolmaa. Himmel, dir Dank! Oriana(zu Alfred.) Nun, fort von hier. K ol ma. Zögre nicht länger! Afreed. Du fliehſt mit mir? Kolmaa. Nein! Oriana. Hinweg! Al fr ed. O grauſam Geſchick! Kolma und Oriana. Feinde drohen! Eile auf Flügeln Hin zum ſichern Zufluchtsort, Laß uns Sehnſucht und Liebe zügeln, Fliehe! Hier lauern Verrath und Mord. Alfred. Feinde drohen! Wie auf Flügeln Eil ich von der Liebe fort. Schwer iſt's, wahre Sehnſucht zügeln, Drohen ſelbſt Verrath und Mord. — 159— . All! e. Wir müſſen ſcheiden! Unglückſel'ges Wort, Ein grauſam Loos treibt Herz von Herzen fort. (Alfred drückt Kolma noch einmal an ſeine Bruſt, dann reißt er ſich los und eilt durch den unterirdiſchen Gang ab. Kolma auf Oriana geſtützt durch die Seitenthüre ab.) Neunte Scene. (Weites Felſenthal.) Nackte Klippen drängen ſich zu allen Seiten gegen Him⸗ mel und ſchließen den Hintergrund. In der Mitte der Bühne ſteht ein altarförmiger Felsblock. In dieſem ſteckt mit dem goldnen Griffe nach oben, den eine gleiche Krone ziert, das Königsſchwerdt. Gunthro(kommt den Felſenpfad im Hin⸗ tergrunde herab.) Hier muß es ſeyn! Dieſe nackte Felſen, welche von allen Seiten gen Himmel ſtar⸗ ren und ſeinem Lichte den Eingang ſtreitig machen, bezeichnen mir hinlänglich die wunderbare Stätte. Hier alſo ſollen unterirdiſche Gewalten unter dem Einfluſſe des verſchwundnen Zaubrers Merlin herr⸗ ſchen, hier ſoll das Zauberſchwerdt ſich befinden, dem ſich Brittanien unterwirft? Tolle Träume! wahnſinnige Hirngeſpinſte eines ſchwachen Greiſes! Nun! Ein ſonderbar geſtaltetes Schwerdt dürfte ſich — 160— ja wohl finden, das dem Alten als Gegenſtand ſeines Wahns gelten könnte, für das er die lieb⸗ reizende Tochter hergäbe, die mir den Thron ſichern, mein Herz beglücken ſoll. (Er gewahrt das Königsſchwerdt.) Fin al e. RNeti ialti v. Ha! was ſeh ich? Dort, tief eingeſenkt in den Felſen, Strahlt königlich geſchmückt Das wunderbare Schwerdt! So iſt's kein Wahn, ſo iſt es Wahrheit, Was der Mund des Alten ſprach! Mich durchſchauert die Gegenwart Ubermächtiger Gewalten! Fernes unterirdiſches Chor. Hüte! Wahre kühnen Willen; Herrſchbegierde, übermuth! Mußt nicht jeden Wunſch erfüllen, Mußt nicht heiſchen fremdes Gut. Gunthro. Hört ich nicht Ein fern Getön von Stimmen? Unverſtändlich Rauſchen Ohne Sinn, ohne Deutung! Doch ſeltſam! — 161— Aus eigner Seele tönt herauf Der Warnung, ernſter Mahnung ſtrenge Rede. Schweig, Stimme, in der Bruſt, Schweig, düſtre Geiſterſchaar! Gunthro geht ſeinem Ziel Furchtlos entgegen! (Ein Gewitter hat ſich über dem Thale zuſammengezo⸗ gen. Ferne Donner und einzelne Blitze verkünden deſſen Nähe.) Will der Himmel mir im Grimme Mächtig auch entgegenſtehn? Soll mich ſeines Donners Stimme Zwingen, feig zurückzugehn? Brülle Donner, ziſchet Blitze Durch der Felſen ſchwarze Ritze, In der Elemente Wüthen Will ich meine Kraft behüten. (Näheres Gewitter.) Unterirdiſches Chor.(Näher.) Freole nicht! Der Himmel ſpricht. Trotze nicht! Ehr' ſein Gericht! In dem Herzen ſuch nach Recht, Findeſt du's dort ſelber ächt, IV. 11 — 162— Klingt dir auch des Himmels Stimme, Doch nicht droht ſie mehr im Grimme. Gunthro. Schweigt, ihr da unten! Donner oben, ſchweig'! Nimmer könnt ihr beugen meinen Sinn. Es winkt das Ziel, Das mächt'ge Schwerdt, Dem Liebesglück und Kronenglanz verbündet! Hal du biſt mein. Ich trotze jeder Gewalt! (Er geht auf das Schwerdt zu. Heftiger Donner und Blitz.) Unterirdiſches Chor(ſtrk und ganz nahe.) Zurück! dich trifft die Glut. Der Blitz ſchießt auf dich nieder. Der Abgrund gähnt. Zurück! Nicht wage dieſes wieder. Gunthro. Ich wag es doch, ob ihr auch dräut! Zum Kampfe fodr' ich Höll und Himmel. (Er ſtreckt raſch die Hand nach dem Griffe des Schwerdts aus. Sehr ſtarker Donner, der Blitz ſchlägt dicht neben Gunthro ein.) Gunthro(betäubt zurücktaumelnd.) Furchtbare Macht! die mir entgegen wirkt, Iſt Menſchenkraft zu ſchwach, Mit dir zu kämpfen? — 163— Unterirdiſches Chor. Noch iſt es Zeit. Laß ab vom Frevelwerke! Zehnte Scene. Der Vorige. Alfred erſcheint auf dem Gipfel der Felſen im Hintergrunde. Das Gewitter läßt nach. Alfred(noch hinten auf der Höhe.) Gandalin! Unterirdiſches Chor. Er naht! der Sieger naht! Gunthro. Ein Ruf erſchallt! Es kommt den Pfad Ein ird'ſcher Fuß herab. Alfred(auf der andern Seite vortretend.) Seltſame Stätte! Fern vom Menſchentreiben Beuſt du dem Müden Nuh und Stille hier. Des Himmels Stürme können hier nur wüthen, Der Menſchen Leidenſchaft kommt nicht zu dir. Gunthro(den Alfred betrachtend, für ſich.) Bei'm Abgrund! Dieſes iſt der kühne Bube, Den ich in feſter Kerkerhaft gewähnt. Dich führt dein böſer Dämon. Du mußt ſterben! Mir wird die Nache, die ich heiß erſehnt. (Das Wetter immer ſchwächer.) 11* — 164— Unterirdiſches Chor. Wag es nicht! du biſt verloren. Er, den du zu tödten denkſt, Iſt zum Sieger dir erkoren. Alfred. Welche ſüße Melodieen! Ruh' und zarte Sehnſucht ziehen In die mild bewegte Bruſt. Gunthro. Wieder wirſt du nicht entfliehen, Todesnetz wird dich umziehen Und geſtillt der Rache Luſt. (Vortretend, zu Alfred.) Erbebe! Deiner harrt Verderben. Bereite dich, von Gunthro's Hand zu ſterben. (Er zieht ſein Schwerdt.) Alkred. Ha! Verräther! Und kein Schwerdt! Gunthro. Mir biſt du jetzt hingegeben! Alfred. Feiger Moͤrder! Gunthro. Du mußt beben! — 165— Alfred. Vor dir zittern?— Nimmermehr! Gottheit! Biſt du mir gewogen, Künde durch ein Wunder dich. Ja! Bewaffne meine Hände, Gegen Mord zu ſchützen mich. Gunthro. Wollteſt fliehn! Haſt dich betrogen! Rache trifft zum Tode dich. Ehre, daß durch Königshände Auf dein Haupt ſie ſenket ſich. (Indem er mit erhobenem Schwerdt auf Alfred zutritt.) Nimm hin den Todesſtreich! Unterirdiſches Chor(uufſchreiend.) Halt ein! Gunthro(einen Augenblick zögernd.) Nein! Nein! Sogleich Soll er vernichtet ſeyn. (Das Wetter iſt vorüber; es hat ſich ziem⸗ lich aufgehellt.) Alfred(erblickt das Königsſchwerdt.) Ha, was glänzt dort? Ich ward erhört: Die Gottheit ſendet mir ein Schwerdt. (Er eilt auf den Felsblock los, in welchem das Königs⸗ ſchwerdt, faßt dieſes beim Griffe und reißt es mit einem Zuge aus dem Stein. Donner, der Fels⸗ block verſinkt; zugleich ſteigt über die Felſen des Hintergrunds die Sonne im vollen Glanze empor.) — 166— Unterirdiſches Jubelchor. Triumph! Er hat gefunden. Der Zauber ward entbunden Vom ächten Königsſohn. Die Krone wird ſein Lohn. Alfred. Ha, gutes Schwerdt! Mit einer Welt Zu kämpfen fühl ich Muth, Du fehlteſt mir. Ich bin ein Held Mit dir, du hohes Gut. Gunthro(uuf ſein Schwerdt geſtützt, mit allen Zeichen des Schreckens.) Entſetzen! Graun! Ha, meine Ahnung iſt erfüllt. Die Todten ſtehen auf. Die Nacht hat ſich enthüllt Und— Alfred muß ich ſchaun! Al fred. Ich bin's. Nun kämpf' mit mir; Die Krone ſteht zum Preiſe. Gunthro(nach kurzem Beſinnen.) Ich räche mich an dir Auf eine andre Weiſe. (Er eilt ſchnell zur Seite ab.) — 167— Alfred. Flieh, Feiger! Doch er wagt zu drohn Mit Rache— Hal! Wenn ſeine Tücke Sich gegen Kolma— Auf! Ihm nach! Zu ſtrafen ihn ruft das Geſchicke. Eilfte Scene. (Indem Alfred dem Gunthro nach will, eilt Darinel in Kriegerkleidung mit vielen Bewaffneten den Fel⸗ ſenpfad herab. Chor der Bewaffneten. Heil uns! daß wir den Königsſohn Vor unſren Blicken ſehn. Dich ruft das Herz, dich ruft der Thron, Wir werden dir beiſtehn. Darinel. Mein Alfred! A l fr e d. Theurer Freund! Darinſel. Welch Glück! du biſt gerettet, Du liegſt an meiner Bruſt. Al freed. Durch Liebe losgekettet, Fühl ich der Freiheit Luſt; — 4 — 168— Doch iſt dies Glück nicht klar, Denn Kolma'n droht Gefahr. Kommt, Freunde! Laßt uns eilen, Das Wetter zu zertheilen, Das der Geliebten droht. Darinel. So wollen wir nicht weilen. Treu dir bis in den Tod! Chor. Treu dir bis in den Tod! So ſpricht das Pflichtgebot. Dahin, wo die Gefahr erſcheint, Führ uns, du Königsheld! Wir ſtürmen an und Alles fällt, Iſt Treu' dem Necht vereint. (Alle nach der Seite ab, wohin Gunthro entfloh.) (Der Vorhang fällt.) —— Oritter Act. (Saal in Gandalin's Burg.) — Erſte Scene. (Alfred, noch in Fiſcherkleidung, mit dem Königs⸗ ſchwerdt bewaffnet; Darinel, Krieger durch die Eingänge des Hintergrundes.) Enſemble Stück. Alfred(unruhig herein.) Auch hier nicht!— Kolma! wo find' ich dich nur? Darinel(ebenſo.) Oriana! Nirgends eine Spur! Die Krieger(iindringend.) Kein Feind! Das Schloß ſteht öde, Uns hemmt kein Widerſtand; Das iſt wohl leichte Fehde, Wenn ſich kein Gegner fand. Alfred(öffnet die Thüre eines Seitengemachs.) Kolma!— Antwort gibt der Wiederhall. Darinel(ebenſo auf der andern Seite.) Oriana!— Nichts! Vergeb'ner Schall! — 170— Alfred(zu den übrigen.) Freunde! eilt durch alle Gänge, Forſcht der Spur der Jungfrau nach! Hoher Lohn, dem es gelänge, Sie zu finden! Freunde, auf! Chor der Krieger. Auf! Laßt uns forſchen Alle, Jed' Plätzchen ſey durchſchaut! Es tön' in Saal und Halle Der Ruf nach ihnen laut. (Die Krieger theilen ſich und eilen durch die Seiten⸗ thüren und den Mitteleingang ab.) Zweite Scene. Alired. Darine. Alfred. Es iſt nur zu gewiß, mein Freund. Der tückiſche Gunthro hat mich an der empfindlich⸗ ſten Stelle meines Herzens, in meiner Liebe zu Kolma, verwunden wollen und— Fluch treffe den Böſewicht!— es iſt ihm gelungen. Darinel. Und weshalb ahnſt du, daß Gun⸗ thro's Hand die Fäden dieſes unbegreiflichen Er⸗ eigniſſes geſc=hlungen habe? Kann nicht eine andre Urſache— Alfred. Als ihm der ſchwarze Mordanſchlag auf mein Leben nicht gelang, als er vor dem — 171— Schwerdte floh, das auf eine ſo wunderbare Weiſe im Augenblicke der höchſten Noth in meine Hand kam, da entfielen ihm Worte, aus denen ich ſeine verrätheriſche Abſicht deuten könnte! Daher meine Angſt, mein Drang, ihm nachzueilen. Weh mir! Ich bin zu ſpät gekommen. Kolma iſt auf ewig mir verloren. Darinel, Ergib dich nicht muthlos der Ver⸗ zweiflung, mein König! Tauſende erheiſchen jetzt Schutz und Hülfe von dir. Du darſſt, ob des eig⸗ nen Schmerzes, ihr Vertrauen nicht täuſchen. Alfred. O Darinel, was hilft mir nun Frei⸗ heit und Krone? Darinel. Die Freiheit macht es dir mög⸗ lich, zu der dir gebührenden Macht zu gelangen; die Macht kann dir die verlorene Geliebte wieder erkämpfen. Arie. Bann aus deiner Seele dieſe Schwäche, Laß dem Grame nicht die Ubermacht, Zieh hinaus und kämpfe, ſchlage, räche Dich an dem, der dir ſolch Leid gebracht! Ach! Auch meinem Herzen hat die Liebe Ihres Schmerzes Dornen eingedrückt! Scheint uns jetzt des Himmels Sonne trübe, Bald ſind wir durch ihren Strahl entzückt. — 172— Laß die Sorgen, laß des Lebens Leiden, Flüchtig nur an dir vorüberziehn! Jeder Nacht des Grams entſteigen Freuden Und der Wolken ſchwarze Schaaren fliehn. Sey ein Mann! Ein Held! dein iſt die Krone, Würdig ſey der Gabe des Geſchicks. Nur dem muthigen, ſtarken, reicht zum Lohne Seinen Preis der Genius des Glücks. Dritte Scenfe. Die Vorigen. Oriana mit herabhängenden zerſtreu⸗ ten Haaren tritt aus einer Seitenthüre.) Oriana(ohne die Beiden zu ſehn.) Hier iſt es ſtill!— Hier toben keine wilde Stimmen— hier rauſchen keine Waffen!— Vielleicht, daß es mir glückt, zu entrinnen.(Indem ſie vortritt, er⸗ blickt ſie Alfred und Darinel.) Ein Krieger und— bei Gott! Edmund! Darinel. Ich irre nicht, Oriana? Oriana. Du, mein Darinel! O, nun iſt Alles gut, nun bin ich gerettet, ich bin bei dir! Aber, ach! die arme Kolma, Gandalin— Alfred. Sprich! Oriana, entdecke ſchnell: was iſt geſchehn, daß dieſes Schloß plötzlich von ſeinen Bewohnern verlaſſen worden, daß allenthal⸗ — 173— ben die öde Leere uns anſtarrt, daß du allein übrig biſt— Oriana. Der Verrath hat ſein Meiſterſtück vollendet, die Tücke ihren höchſten Triumph gefeiert. Alfred. Zögre nicht! Nenn das Ereigniß— Oriana. Kolma und ich waren aus dem un⸗ terirdiſchen Kerker, deſſen Pforten wir dir geöffnet hatten, wieder zurückgekehrt in die Gemächer der Burg. Niemand ahnte deine Entweichung. Da plötzlich tritt Gunthro mit wilden Blicken in den Hof des Schloſſes— Alfred. Er floh vor dem ſtrafenden Engel der Vergeltung. Darinel(zu Oriana.) Weiter!— Schnelle Entdeckung macht vielleicht noch Hülfe möglich. Oriana. Nur wenige Worte wechſelt der Dänenkönig mit ſeinen Kriegern. Da fallen dieſe mit einemmale über Gandalin's Knechte her, ent⸗ wafſnen die unvorbereiteten, und an Zahl ſchwächre Schaar, und führen ſie gefangen fort, während Gunthro ſelbſt meinen Oheim und Kolma'n gewalt⸗ ſam nachſchleppt. Alfred. Welche ſchändliche That! Hal das iſt deiner würdig, bübiſcher Gunthro! Gaſtfreiheit— Edelmuth— was gelten ſolche Tugenden gegen das Übergewicht deines Undanks? Doch meine — 174— rächenden Waffen ſollen dich erreichen und ſollte ich ſie dir nachtragen über das Weltmeer. Darinel(zu Oriana.) Doch wie iſt es dir gelungen— Oriana. Man ſchien meiner nicht zu achten. Bei dem allgemeinen Aufruhre glückte es mir, mich zu verbergen. Alfred. Wir müſſen forſchen, wohin die Räuber ihren Weg gerichtet haben— Oriana. So viel ich aus meinem Verſtecke bemerken konnte, eilten ſie dem nächſten Hafen zu. Terzett mit Chor. Alfred. Ihnen nach! Es ruft die Liebe, Nache ruft zum Strafgericht. Orian a. Ja! der mächtigſte der Triebe Heiſchet das, der Liebe Pflicht. Darinel. Uns begeiſtern Rach' und Liebe, Gunthro, du entfliehſt uns nicht. Alfred(zu Oriana.) Seine Schritte eilten zu dem Strande? — 175— Oriana. Ja, ſo iſt's! Es ſtrebt die Räuberbande Mit der Beute zum Geſtade hin. Darin e l. Schwarzen Undanks und Verraths Gewinn! AIWe. Es rüſtet ſich der Freunde Arm, Zu rächen ſolche Schmach. Laßt retten uns aus Gram und Harm Die Theuren! Ihnen nach! Al fr ed. Ich ſetze Blut und Leben ein: Gewonnen muß mir Kolma ſeyn! Orian a. Ha! Welche Freude, welche Luſt, Liegt wieder ſie an meiner Bruſt. Darinel(zu Oriana.) Dann nenn ich endlich dich auch mein, Dann wird geſtillt der Sehnſucht Pein. A l l c. Gunthro, zittre! dir folget die Rache. Wie du auch eilſt, ſie vernichtet dich doch. Die Gottheit beſchützet der Schuldloſen Sache: Wir kommen! Erbebe! Zur Strafe, zur Rache. — 176— Vierte Scene. (Die Vorigen. Die Krieger kommen durch den Mittel⸗ eingang und die Seitenthüren zurück.) Kriege r. Vergebens! Alles todt und leer, Umſonſt war jede Müh'; Wir zogen hin, wir zogen her, Im Schloß weilt kein Bewohner mehr. Al kr ed. Freunde, hört! Der Dänenkönig Hat den edeln Gandalin Fortgeſchleppt mit ſeiner Tochter Zu des Meeres Küſte hin. Kriege r. Wie? Gunthro mocht es wagen? Welch ſchändliches Betragen! Darinel und Oriana(zu Alfred.) Die Augenblicke fliehn; 1 Laß uns von hinnen ziehn. Al f r e d. Ja! Retten, rächen ihn, Sey unſer heiß Bemühn! — 177— Allgemeines Chor. Rettung! Rache! Gunthro nieder! Freiheit glänzt auf Kampfesbahn, Und des Ruhmes Morgen wieder Bricht dem Vaterlande an. (Alle durch die Thüre des Hintergrundes ab.) Fünfte Scene. (Gunthro's Lager. Im Hintergrunde das brauſende Meer mit anliegenden Schiffen. Daran rechts ei⸗ nige Bauernhäuſer. Links, im Vorgrunde vor meh⸗ ren niedern Zelten, ein großes offenes Zelt. In dieſem Gandalin auf einem Sitze ſchlafend. Kolma ſteht über ihn gebeugt. Beide gefeſſelt. Eine Wache geht hinter dem Zelte auf und nieder.) Kolma(tritt vor. Mit einem Blick auf Gan⸗ dalin.) Armer Vater!— Wie ſehr beklag ich dich! Du dachteſt den Frieden dieſes Landes, das Glück deiner Tochter zu gründen, und ſiehſt plötzlich deine ſüße Täuſchung auf eine ſo grauſame Weiſe ver⸗ nichtet. Dein ehrwürdiges Haupt muß ſich beugen unter der Schmach der Gefangenſchaft, dein Körper unter der Laſt der Feſſeln— o Himmel! Und ich — welches unglückliche Loos droht mir— welche Wonne iſt auf ewig mir entſchwunden!— Ed⸗ IV. 12 — 178— mund!— Alle Herrlichkeit des Lebens tönt wieder in dem Klange dieſes Namens, des Herzens zarteſte Saite erbebt,— Sehnſucht, Liebe und Klage ſtei⸗ gen empor aus der Tiefe der Seele! Ar i e. Ach! Er wandert in der Ferne Durch beglückte Fluren hin. Edmund! Von dem Liebesſterne Nimmer wende deinen Sinn. Dich zu denken, ſchafft mir Wonne, Dich entbehren, heißen Schmerz; Keiner heitern Glückesſonne Strahlen dringen in das Herz. Du biſt weit! Ich bin gefangen. Ha! Du kennſt nicht Kolma's Schmach; Gunthro müßte ſonſt erbangen, Nächend eilteſt du ihm nach. Himmel! Iſt kein Heil erkoren, Wendeſt du von mir dich ab? Iſt die Hoffnung ſelbſt verloren, Sinkt ſie hin in Nacht und Grab? Nein! Nein! Ich will noch hoffen, nicht verzagen; Nach dieſer Nacht— Bald wird es glänzend tagen: Drum, Herz, bewahre dir den Muth, Der Retter kommt, der Freiheit Gut, — 179— Des Herzens Ruh', der Liebe Gluͤck, Er bringt ſie im Triumph zurück. Flieh Gram, flieh Schmerz! Der Freude offen ſteh mein Herz! Du bebſt! Die Zähre fließt, wenn er erſcheint— Vor Wonne wird ſie nur geweint. Wohin verirr ich mich?— Ein ſüßer Traum Entrückte mich der ſtrengen Wirklichkeit. Verrathen, gefangen, verlaſſen im Leid, Entreiß ich dieſem holden Wahn mich kaum. Ehr Blick fällt auf Gandalin.) Mein Vater! Schlummer des Gerechten Hat ſich auf ſeinen reinen Geiſt gelegt. Ob Feſſeln ſeine Glieder auch umfſlechten, Ihn hat der Sturm des Lebens nicht bewegt. Du mußt helfen, hohe Himmelsmacht! Du mußt retten die dich kindlich lieben! Künde dich in deiner ganzen Pracht, Strafe und Gerechtigkeit zu üben. Zu dir dringe der Verzweiflung Stimme, Die hinauf aus tiefem Leide ſchreit: Gottheit! höre! Straf im Grimme, Ja! Zu retten ſey bereit! (Gandalin iſt wahrend der letzten Worte er⸗ wacht, hat ſich erhoben und tritt vor.) Gandalin. Fordre nicht den Himmel zur 12* — 180— Rache auf, meine Tochter! Überlaß es ihm, ſeine Macht zu verkünden, wenn der Böſewicht reif iſt geworden zu gerechter Strafe. Kolma. O, mein Vater! Mein Herz iſt zerriſſen, meine Sinne ſind verwirrt. Deine ehr⸗ würdige Hand muß ich in Feſſeln erblicken, dein Haupt mit Schmach beladen— Gandalin. Die Schmach fällt zurück auf den bübiſchen Räuber, der meine Argloſigkeit hin⸗ terging, der mich mit dem Netze des Verraths um⸗ ſpann, während ich ihn durch Bande der Liebe mir näher zu bringen ſuchte und ihm mit gaſtlichem Vertrauen die Hallen meines Schloſſes öffnete. Wie hatte ich mich getäuſcht, als ich wähnte, dieſer Bö⸗ ſewicht ſey von der Himmelsmacht erkoren, mein Vaterland zu beherrſchen! Die Gottheit hat ihn verworfen— nun giebt er ſich den Mächten des Abgrunds hin. Sechſte Scene. Final e. (Die Vorigen. Gunthro, von vier bewaffneten Krie⸗ gern begleitet.) Gunt her v. Folget mir! Von günſt'gen Winden Sind die Segel angeſchwellt. — 181— Gandal in. Ich dir folgen? Glaub' es nimmer! Nur Gewalt mich bei dir hält. Gunthreo. Grauer Thor! Kolmaa. Ehr' ſeine Jahre! Frevle nicht am Silberhaare. Gunthr o. Kommt denn mit zum nahen Strande, Eilig fliegen wir vom Lande Hin zu meines Reiches Port, Wo euch Heil winkt fort und fort. Gandalin. Schweig, Verräther! Gunt b r. o. Ha, du ſchmähſt! Zittre, wenn du widerſtehſt. Gandalinn. Magſt du mich zu toͤdten trachten, Immer muß ich dich verachten. Gunthro(zu Kolma.) Bebſt du nicht für deinen Vater? Rath' ihm, mich nicht zu erbittern! — 182— Kol maa. Frevler! Du magſt ſelbſt erzittern Vor der Gottheit Strafgericht. Dich zu haſſen, zu verachten, Sey mein Trachten, Sey mir Pflicht. Gunthreo. Ha, auch du! Doch hat nur Liebe, Die dein Anblick mir erregt, Mich zur raſchen That bewegt. Kolmaa. Liebe? Du entweihſt das Wort! Liebe macht die Herzen mild, Reißt zu edeln Thaten fort, Dient der Tücke nicht zum Schild. Gunthr eo. So werdet ihr nicht willig mich begleiten? Bedenkt es wohl! Es reut euch ſchwer. Kolma und Gandalin. Und magſt du Qual und Schmerzen uns bereiten, Wir folgen willig nimmermehr! Die Hoffnung ſinkt; Verderben naht; Gefahrvoll iſt der Zukunft Pfad. Mach, Gottheit, ſtandhaft uns in Leid, Wir flehn zu dir mit Innigkeit. — 183— Gunt hr o. Verachtung, Haß,— für Liebesdrang! Hinweg mit dir, du eitler Zwang. Ich folge ganz dem Rachgelüſt, Das Gleiches nur um Gleiches mißt. Die Krie ger. Seht, wie ſein Blick in wilder Gluth, In Zorn auf jenen Beiden ruht! In Falten legt die Stirne ſich, Bald kündet Wuth ſich fürchterlich. Gunthro(zu den Kriegern.) Habt ſie ſogleich ergriffen! Auf, ſchleppt ſie zu den Schiffen! Kolmaa. Mein Vater! Gott beſchütze dich. Sandalin. Sey ſtandhaft, Kind! Gunt hreo. Ich bänd'ge euern Tro (Die Krieger ſind im Begriff, Gandalin und Kolma nach dem Hintergrunde zu führen.) — 184— Siebente Scene. (Die Vorigen. Harald, in Eil.) Hagral d. Herr, wir ſind überfallen Von mächt'ger Feindesſchaar! Gunt h. r o. Was ſagſt du? Welche Kunde! Kolma und Gandalin,(welche von den erſtaunten Kriegern losgelaſſen werden.) Mit uns iſt Gott im Bunde! Die Krieger. Ha, Feinde? Welche Kunde! Gunthro(zu Harald.) Sprich du! Wer führt ſie an? Haral d. Ein hoher Rittersmann. Vor ſeines Schwerdtes Streichen Muß Allles ſinken, weichen. Er führt ſie raſch herbei Und laut tönt ihr Geſchrei: Hoch, König Alfred, hoch! Gunth r o. Ha, König Alfred! Fort! Mein Schwerdt Soll ihm den Weg zur Flucht bald zeigen. — 185— (Zu Gandalin und Kolma.) Ihr hoffet nichts! Dem Feinde wird gewehrt, Dann müſſet Ihr euch meinem Willen beugen. Sandalin. Der Macht des Himmels biſt du unterthan; Von ihr wirſt du der Thaten Lohn empfahn. Kol maa. Zieh hin, dein harrt der Tod Und das Gericht hebt an. Gunthro, Harxrald und die Krieger. Die Feinde zu vernichten, Eilt raſch des Kriegers Schritt, Und in des Schwerdts Gewichten Bringt er Verderben mit. (Gunthro, Harald, die Krieger ab.) Achte Scene. (Kolma, Gandalin, eine Wache im Hintergrunde. Waffengeräuſch in der Scene.) Kolmaa. Mein Vater! der Retter, der Rächer— Er naht! Bald ſind wir befreit. Es ſinket die Feſſel hernieder, Das Herz bebt voll Freudigkeit. — 186— Gandalſinn. Noch ſchwankt des Kampfes Loos, Noch theilt ſich Furcht und Hoffen. Des Himmels Macht iſt groß, Ihr ſey die Seele offen. Kol m a. Stets näher dringt das Gefecht. Gandalin. Das iſt ein günſtig Zeichen. Kolma(hinaushorchend.) Hoch Alfred! Hör' ich recht? Gandalin. Ha! Wär er noch am Leben? Kolma und Gandalin(niederknieend.) Blick, o Gottheit, gnädig nieder, Schenk dem Rechte Sieg und Heil! Deine Macht verkünd' ſich wieder, Strafend in gerechter Eil. Du biſt milde dem Gebeugten, Stark gen Trotz und Uebermuth: Laß uns deine Gnade leuchten, Zügle Gunthro's Frevelwuth. Kriegerchor(innerhalb, fern.) Tod! Blut! Sieg! Lohn von Kampf und Krieg! Feinde nieder! Schwerdt hoch auf! So wird leichter Sieg zu Kauf. — 187— Neunte Scene. (Die Vorigen. Gunthro ſtürzt ohne Schwerdt in großer Verwirrung auf die Bühne. Gandalin und Kolma ſtehn auf.) Sunth r o. Verloren iſt die Schlacht! Die Feigen fliehn, Ein jeder Kampf blieb eiteles Bemühn. Alfreds Geſpenſt— ein ſchwarzer Wahn— Stuͤrmt ſiegreich auf die flücht'ge Schaar heran. So muß ich untergehn! Mir naht Verderben, Von Feindeshand bin ich beſtimmt zu ſterben. Kol maa. Erbebe! Deine Stunde iſt gekommen, Es naht die Strafe ſchwarzer Frevelthat. Gandalin. Der Hölle Gunſt wird dir jetzt wenig frommen; Hier rettet weder Liſt dich noch Verrath. Kriegerchor(außerhalb näher.) Feinde nieder! Schwerdt hoch auf! So wird leichter Sieg zu Kauf. Gunthr o. Immer näher!(Zu Gandalin und Kolma.) Ihr wollt mich verhöhnen? Meiner ſpottend auf mich niederſehn? — 188— Ha! Noch kann euch meine Wuth erreichen, Ungerächt will ich nicht untergehn. (Er zieht einen Dolch und zückt ihn auf Kolma.) Falle du, mein Opfer! Dich beſitzen Kann ich nicht! So ſollſt du auch nicht leben! Endem er Kolma niederſtoßen will.) Zehnte Scene. (Alfred gerüſtet, mit dem Königsſchwerdte, Dari⸗ nel, Krieger, Oriana. Im FHintergrunde Landleute beiderlei Geſchlechts.) Alfred(den Gunthro entwaffnend.) Halt Böſewicht! (Zu ſeinen Kriegern, welche ſich Gunthros bemächtigen.) Bewacht ihn wohl! Gunthro ſſich vergebens ſträubend.) Verderben! Fluch! Al fred. O,/meine Kolma! Schöner Siegespreis, Gerettet halt ich dich an meiner Bruſt. Kolma(in Verwirrung.) Wie— Edmund— du, und Alfred— Alfred. Ich bin Alfred! — 189— Gandalin(Enieend.) Mein König! Alfred. An mein Herz, ehrwürd'ger Greis! (Er umarmt ihn.) Hinweg die Feſſeln! (Kolma und Gandalin werden entfeſſelt.) Nimm mich auf als Sohn! Ja! Kolma, theil' mit mir Brittaniens Thron. Sandal in. Sie werde dein! Du biſt der Krone werth, Dein Antlitz ſagt's— und dieſes Schwerdt. Kolma und Alfred. Sey geſegnet, mächtiges Geſchick! Endlich gibſt du uns der Liebe Luſt, Und des Daſeyns langerſehntes Glück Wird nun endlich heimiſch in der Bruſt. Gandalin. Hohe Freude giebt mir das Geſchick: Ich begründe meines Kindes Glück. Gunthreo. Falſches Hoffen! Schwarzes Mißgeſchick! Ha! Mein Fluch drängt ſich in Euer Glück. — 190— Oriana(drängt ſich durch zu Kolma.) Kolma! Kolma(ſte umarmend.) Treue Freundin! HOrian a. Süße Stunde! Oriana und Darinel. Wir auch weihen uns zum zarten Bunde, 3 Holder Liebesluſt und Gattenglück! Alfred(zu ſeinen Kriegern.) Führt Gunthro mit den Seinen Zu ihren Schiffen hin, Und von Brittaniens Strand Hin in ihr Vaterland! (Gunthro wird abgeführt.) Schluſchor. Heil dem Herrſcher, der mit Stärke Des Verzeihens Milde paart! Liebe, nach dem Heldenwerke, Hat ihm zartes Glück gewahrt. (Der Vorhang fällt.) — p DNer Pirat. er in drei Aufzügen. In Muſik geſetzt von M. Hauptmann. Perſonen: † Oliver Mac Angus, Gutsbeſitzer auf Staffa. Malwina Brenda Edgar. Roger Draco, unter dem Namen des Capitän Morris. Oscar, ein Greis. Scoch, ein junger Fiſcher Fanny, in Olivers Dienſten Sullivan, Bootsmann eines Raubſchiffes. Fiſcher. Mädchen. Seeräuber. ſeine Töchter. Brautleute. Die Scene auf Staffa; die Zeit am Schluſſe des ſieben⸗ zehnten Jahrhunderts. Das Coſtüm für die Inſelbewohner iſt das der ſchottiſchen Hochländer. Erſter Act. (Platz vor Olivers Hauſe. Im Hintergrunde das Meer. Rechts eine hochvorragende Baſaltklippe, in welcher Stufen eingehauen ſind. An den Seiten ſtehen ei⸗ nige Baſaltbogen vor.) Erſte Scene. (Scoch, Fanny, Fiſcher und Mädchen. Die erſten zwei im bräutlichen, die Übrigen im feſtlichen Putze. Die Fiſcher tragen ihre Netze an Stäben auf der Schulter.) Chor. O liebliche Feier, o ſelige Stunde! Es naht ſich der Herzen erhebendes Glück. Zu heiterer Hoffnung, zum ewigen Bunde Gewährend jetzt neigt ſich ein mildes Geſchick. Laß, gütiger Himmel, ſtets Liebe und Luſt Erhellen das innere Leben der Bruſt. S eo ch. Verbunden mit Fanny, da lächelt mir Wonne. Fann y. Dein Glück ſchafft das meine, als ſegnende Sonne. IV. 13 t I — 194— B eid e. Wir ſchmücken das Leben mit blühendem Kranz. Gehören einander ſo innig, ſo ganz. C h o r. Wo Liebe und Wahrheit vereinigt wir ſehn, Feſt wird da der Altar der Treue auch ſtehn. Zweite Seene. (Die Vorigen. Oliver, Malwina und Brenda aus dem Hauſe.) Oliver. Seyd mir gegrüßt, ihr Leute! Wel⸗ ches frohe Ereigniß verſammelt Euch zu ſolch ſtatt⸗ lichem Aufzuge? Habt ihr der See irgend einen günſtigen Fang abgewonnen? Scoch(ſchüchtern.) Das nicht, Herr Oliver, aber—(er ſtockt.) Fanng(ebenſo.) Die See hat nichts dabei zu thun, allein—(ſie ſtockt.) Oliver(ungeduldig.) Nun! Findet ihr keine Worte, eure Angelegenheit vorzubringen? Bei'm Heile Schottlands! Ihr gebehrdet euch, wie die Matroſen der Fregatte Magdalena, auf welcher ich die Ehre(er nimmt bei dieſem Worte die Mütze ab, ſetzt ſie aber gleich wieder auf) hatte als Lieutenant — 195— zu dienen, wenn ſie irgend einen zweideutigen Streich im Schilde führten. Malvina(welche zu Fanny getreten, mit Freundlichkeit.) Sey ohne Verlegenheit, liebe Fanny; ſprich dein Begehren ohne Scheu aus. Fanny. Ach!l in eurer Gegenwart könnt' ich Alles ſagen, liebes Fräulein! Ihr ſeyd ſo gut, aber Euer Vater iſt ſo ſtreng—(zu Scoch.) Sprich du— du biſt der Mann— du mußt Courage haben. Scoch(noch immer verlegen.) Ja, Herr Oliver, weil ihr denn ſo gütig wart, mich der Fanny zum Manne— oder vielmehr die Fanny mir zur Frau zu verſprechen, ſo— ler ſtockt wieder.) Oliver. Wird denn endlich deine Zunge flott werden! Scoch(fortfahrend.) So, mein' ich, wär's auch nöthig, uns zu verheirathen. Oliver. Ein bündiger Schluß. Scoch(in fortwährender Verlegenheit.) Die Hochzeit ſoll in einigen Tagen gefeiert werden und da wollten wir Euch denn um die Erlaubniß bit⸗ ten, uns bis dahin nach alter Sitte und Weiſe, hier auf dem Platze vor Eurem Hauſe, dem einzi⸗ gen auf der ganzen Inſel, der ſich dazu ſchickt, mit Tanz und andrer Luſtharkeit vergnügen zu dürfen. 13* — 196— Oliver. Iſt das Alles? Fanny. Und wenn Ihr mit den Fräulein und Euern Freunden zugegen ſeyn wolltet, ſo wür⸗ den wir uns ganz glücklich fühlen. Oliver(ſtolz.) Noch nie hat das Geſchlecht der Mac Angus das Begehr der Gaſtfreiheit irgend einem verſagt. Ihr werdet mir willkommen ſeyn. Scoch(freudig.) O, edler Herr— Fanny. Unſer Dank hat keine Grenzen— Malwina(zu Fanny.) Nimm meinen herz⸗ lichen Glückwunſch zu dem Tage, der endlich deine lang genährten Wunſche krönt. C hor. O liebliche Feier! O ſelige Stunde! Es naht ſich der Herzen erhebendes Glück. Zu heiterer Hoffnung, zu ewigem Bunde, Gewährend jetzt neigt ſich ein mildes Geſchick. Laß, gütiger Himmel, ſtets Liebe und Luſt Erhellen das innere Leben der Bruſt! (Scoch und Fanny ziehen inmitten der Fiſcher und Maͤdchen ab.) — 197— Dritte Scene. (Oliver, Malwina, Brenda. Dieſe letztere war während des vorigen Auftritts durchaus in ſich ge⸗ kehrt und ohne Theilnahme an dem Vorgefallenen.) Oliver. Noch immer zeigt ſich der Capitän nicht! Schon längſt iſt die Zeit vorüber, um welche er zu kommen verſprach. Beim Heile Schottlands! Ich habe mich ſo ſehr an die Geſellſchaft dieſes Morris gewöhnt, daß es mir ſchwer fällt, ſeine Ab⸗ weſenheit zu ertragen. Brenda(welche bei dem Namen Morris plötzlich aus ihrer Gedankenloſigkeit emporfährt.) Du erwarteſt ihn, Vater? Oliver. Mit jedem Augenblicke. Er iſt ein tüchtiger Mann, ein wackrer Seefahrer und ein muthiger Krieger. Seine lebendige Unterhaltung, ſeine freie Schilderung der beſtandenen Gefechte und Gefahren, führt mich in die Zeit meiner Ju⸗ gend zurück, wo ich die Ehre hatte(er lüftet die Mütze) auf der königlichen Fregatte Magdalena als Lieutenant zu dienen. Brenda. Und gewiß birgt auch die rauhe Hülle des weitgereiſ'ten Seemanns ein edles Herz. Malwina(mit Bedeutung.) Oft auch iſt der Kern einer lockenden Frucht vom Wurme zernagt. 6 — 198— Brenda(lebhaft.) Du ſprichſt lieblos von ihm. Malwina(beziehungsvoll.) Ich ſpreche lie⸗ bevoll für dich. Brenda. Was tadelſt du an Morris? Muß nicht ſchon der Ruhm ſeiner Thaten ihn empfehlen? Malwina. Wer verkündet dieſen Ruhm, als er ſelbſt! Brenda. Sein hoher Anſtand, der Helden⸗ blick ſeines Auges— Malwina. O ſprich nicht von dem Blicke ſeines Auges, Schweſter! Warum weicht dieſer Blick ſo oft ſcheu dem abſichtloſen Zuſammentreffen aus? Warum ſtarrt er dann wieder düſter und wild hinaus auf einen Punct, als wolle er dieſen mit der hinterliſtigen Macht eines Dämons bannen und feſſeln? Brenda(ſpöttiſch.) Du ſiehſt Geſpenſter, Malbina. Malwina ſſeufzend.) Ich fürchte ſehr, liebe Schweſter, du befindeſt dich ſchon in der Gewalt dieſes Dämons. Oliver(welcher in den Hintergrund gegan⸗ war, um ſich nach dem Capitän umzuſehen und jetzt zurückkehrt.) Schweigt! Ich mag es nicht dul⸗ den, wenn man von einem Gaſtfreunde übel ſpricht. — 199— Das Unglück hat ihn an dieſe Küſte geſchleudert, als ſein Schiff mit allen übrigen Leuten und ſeiner ganzen Ladung von den Wellen verſchlungen wurde. Sein Glücksſtern hat ihn in mein Haus geführt, wo er ſich unter Freunden über ſeinen Verluſt trö⸗ ſten mag. Malwina. Sein guter Engel aber war Ed⸗ gar, der mit Gefahr des eigenen Lebens den Sin⸗ kenden aus dem tobenden Strudel an das Land ret⸗ tete. Dafür lohnt ihm in der That der Capitän ſchlecht, denn er haßt ihn und behandelt ihn mit Geringſchätzung. Brenda biitter.) Deine lebendige Phantaſte zeigt dir nur Engel oder— Dämone. Oliver. Beim Heile Schottlands! Dieſer Edgar mißfällt auch mir ſeit einiger Zeit auf das Höchſte. Man ſagt, er erhebe ſeine Blicke zu euch, zu den Töchtern des Oliver Mac Angus, und rühme ſich, eine von euch als ſeine Hausfrau heimzu⸗ führen— Malwina bbetreten.) Wie, mein Vater— Oliver(fortfahrend.) Welcher Schwindel ergreift den Knaben? Glaubt er deshalb ein Recht auf euch zu haben, weil ich ihm die Wohlthat ei⸗ ner gemeinſchaftlichen Erziehung mit euch angedei⸗ hen ließ? Das Geſchlecht, von dem er ſtammt, iſt — 200— dunkel und unbekannt, ſein Vater war ein Land⸗ mann. Meine Vorfahren ſind berühmt in der Ge⸗ ſchichte dieſes Landes; ich ſelbſt lebte mit Ehre— was hat er dem entgegenzuſtellen? Malwina. Du urtheilſt zu hart, Vater. Brenda(u Malwina.) Er verfährt gegen Edgar, wie du gegen den Kapitän. Malwina(bei Seite.) Armer Edgar!(Sie legt die Hand auf's Herz.) Arme Malwina! Terze t. Slive r. Der Väter Ruhm, die eigne Ehre, Sie ſind des Menſchen höchſtes Gut. Dem Weibe bleibt die ſtille Zähre, Der Mann vergießt im Kampf ſein Blut. Brend a. Herrlich ſtrahlt er im Heldenglanze Mit dem erbeuteten Lorbeerkranze. Malwina(für ſich.) Süßer ſtrahlet ein mildes Glück Aus des Geliebten treuem Blick. Brenda und Oliver. Wohl dem, der ſeinem Schwerdt vertraut, Der froh und rühmlich einſt zurück Auf frühre Heldenthaten ſchaut. * 1 — 201— Malwin a. Wohl dem, der ſeinem Herzen traut, Der froh und ſelig einſt zurück Auf ſeine frühe Liebe ſchaut. Oliver Gu ſeinen Töͤchtern.) Dieſen Edgar ſollt ihr meiden! Malwina(bei Seite.) Armes Herz, dir drohet Leiden. Ol i p er. Morris doch ſey gern geſehn. Brenda(bei Seite.) Meiner Liebe blühen Freuden. O li ver. Wer ſich ſelbſt durch Thaten ehrt, Der nur ſey der Freundſchaft werth. Brend a. Dem nur ſey das Herz gewährt, Der ſich ſelbſt durch Thaten ehrt. Malwin a. Liebe hat ſonſt nichts begehrt, Als die Liebe, ihrer werth. 1 — 202— Malwina(zu Oliver.) Doch, Vater, allzu hart Willſt du von uns verweiſen Den Freund der Kinderzeit. Brend a. Ich kann ihn zwar nicht preiſen, Doch ihn zurückzuweiſen, Das ſcheint mir allzu hart. Oli ver. Wie? Meiner Töchter Wort Iſt ſelber mir entgegen! Nalwina. O laß es dich bewegen Und weiſe ihn nicht fort. Brend a. Ja! Milde ſey geweiht Dem Freund der Kinderzeit. Oli ver. Nun, ſo mag er immerhin Sich wie früher zu uns finden; Ich bewache ſeinen Sinn, Werde ſeinen Plan ergründen. — 2⁰3— Brend a. Es ſoll ſich der Freund aus den kindlichen Jahren Nicht fühlen durch unſere Kälte betrübt; Doch zartere Luſt will ich jenem bewahren, Den innig, den ewig die Seele nur liebt. Was Holdes der Himmel, was Schönes die Erde⸗ Was Liebe, was Treue unendlich umſchließt, Das habe den Theuern mit Glanzesgebehrde, Mit Freude, mit Jubel, mit Wonne begrüßt. Malwin a. Nie werde der Freund aus den kindlichen Jahren Durch kaltes Entſagen Malwina's betrübt; Nein, nimmer ſoll jener ſo Herbes erfahren, Den innig, den ewig die Seele nur liebt. Mit Freude im Herzen, verſchwiegner Gebehrde, Vielſagendem Blicke, ſey ſtill er begrüßt; Doch ihm ſey gewährt, was Himmel, was Erde, Was Liebe, was Treue nur Holdes umſchließt. O li ver. Ich will ſeinen Blick, ſein Benehmen bewahren, Er iſt in Verſtellung wohl nimmer geübt; Doch ſollt' ich dann, was ich befürchte, erfahren, Dann wehe dem Knaben, er flieh' Staffa's Erde, Die Rache, die Strafe, ſo Angus beſchließt! Ha! Nimmer gedenk' er, daß Gattin ihm werde, Die kühn er und frevelnd mit Liebe begrüßt — 204— Vierte Scene. (Die Vorigen. Morris. In einem etwas phantaſtiſchen, aber an die engliſche Seeoffiziersuniform jener Zeit gränzenden Anzuge.) Oliver(ihm entgegen.) Willkommen, Capi⸗ tän! Ihr habt Euch lange erwarten laſſen! Brenda G(uvorkommend.) In der That, wir waren unruhig— Morris(zu Brenda.) Glücklich iſt dem deſſen Anweſenheit Euch beruhigt. Malwina(bei Seite.) Ihr Herz verräth ſich. Morris(zu Oliver.) Ihr müßt es mir zu gut halten, Mac Angus. Eine höchſt wichtige Nach⸗ richt rief mich an das andre Ende der Inſel. Oliver. Beim Heile Schottlands! Ihr ſeyd Euer eigner Herr und könnt thun, was Ihr für gut findet. Nimmer ſoll mein Gaſtfreund irgend einen Zwang erfahren. Brenda(neugierig und beſorgt.) Eine wich⸗ tige Nachricht, ſagt Ihr? Morris. Mehrere Boten hinterbrachten mir, daß man in der Nähe der Inſel ein Schiff erblicke, welches einen günſtigen Platz zum Einlaufen ſuche. — 205— Aller Beſchreibungen zu Folge iſt es mein zweites Fahrzeug, deſſen Ankunft ich täglich entgegen ſehe. Um mich hiervon zu überzeugen, unternahm ich die Wandrung nach der ſüdlichen Landſpitze, allein mein Forſchen war umſonſt und ich kehre ohne weitere Aufklärung zurück. Malwina. Und Ihr werdet unſere Küſte verlaſſen, wenn Ihr wieder mit Euern Gefährten vereinigt ſeyd? Morris(bei Seite mit verbiſſenem Grimme.) O hätte der Schlund des Meeres die Buben in ſich aufgenommen! Oliver. Alberne Frage! Natürlich wird der Capitän froh ſeyn, die felſigten Ufer von Staffa zu verlaſſen, wo ihm weder Beute noch Ruhm winkt. Nur auf den Wellen iſt es dem Seemanne wohl. Das Schiff ins Meer, die Flagge in die Luft, Anker gelichtet und dann auf und davon wie eine wilde Ente! Ich weiß das, noch von meiner Jugend her, aus der glücklichen Zeit, wo ich die Ehre hatte(er hebt ſeine Mütze) auf der Fregatte Magdalena als Lieutenant zu dienen. Brenda(bei Seite.) Mein Herz will zer⸗ ſpringen bei dem Gedanken an die Trennung. Morris(welcher Brenda beobachtet, halblaut zu dieſer.) O wie erfreut mich Eure Beſorgniß! —- 206— Doch beruhigt Euch. Ich hoffe, Euch nie verlaſſen zu müſſen.. Malwina(für ſich.) Immer feſter ſchlingt der Dämon ſein Netz um die Unbeſonnene. Oliver(der indeſſen in Gedanken ſtand.) Beim Heile Schottlands! Das wäre die beſte Art und Weiſe— ſo würde ich den übermüthigen Knaben los und es könnte am Ende noch zu ſeinem Glücke 4 ausſchlagen.(Zu Morris.) Hört, Capitän, Ihr könntet mir eine Gefälligkeit erzeigen. Morris. Sprecht, Mae Angus. Oliver. Nehmt meinen Nachbar, den jun⸗ gen Edgar, mit auf Euerm neuen Zuge gegen die Feinde unſeres Vaterlandes. Da kann ſich der Burſche Ruhm und Ehre gewinnen. Ich nehme es über mich, ihm zuzureden. Malwina bbetroffen.) Wie, mein Vater— es kann Euer Ernſt nicht ſeyn! Oliver. Mein völliger Ernſt. Morris. Dann verzeiht mir, Mac Angus, wenn ich Euer Begehren abſchlagen muß. Edgar und ich können nie friedlich unter einem Dache zu⸗ ſammen weilen; nie kann der Geiſt der Einigkeit 8 1 zwiſchen uns herrſchen. Brenda. Womit hat der Jüngling Euch belel⸗ digt? Er beſitzt doch wirklich viele gute Eigenſchaften. äͤäͤäͤääöqEööqöqö — 207— Morris(mit Wildheit für ſich.) Sein Lob aus ihrem Munde! Lächelnd könnte ich ihm den Dolch in die Bruſt ſtoßen!(Laut.) Es iſt möglich, mein Fräulein, daß Euch dieſe guten Eigenſchaf⸗ ten einleuchtender geworden ſind als mir. Ich kann mir nicht helfen: mir iſt dieſer Edgar verhaßt. Malwina(mit dem Tone des Vorwurfs.) Ihr haßt ihn und er rettete Euer Leben! Morris(heftig.) Das iſt eben die Bürde, welche mich drückt, und ihm ein Ubergewicht giebt, deſſen ich mich nimmer erfreuen kann.(Gefaßter.) Wenn Ihr bedenkt, mein holdes Fräulein, wie oft der Krieger ſein Leben um eine Kleinigkeit, um ein Nichts auf das Spiel ſetzt, ſo werdet Ihr fühlen, daß ihm die Erhaltung dieſes Daſeyns durch einen Fremden von keinem großen Werth ſeyn kann. Wir fordern den Tod muthwillig heraus, unbekümmert, ob ein ſchwarzer oder ein weißer Würfel fällt. Brenda. Welche heldenmüthige Geſinnung! Malwina(für ſich.) Rohe Tollkühnheit. Oliver. Laßt den Capitän in Ruhe! Er mag den Edgar nicht und das iſt mir genug, von meinem Verlangen abzuſtehn. Malwina(für ſich.) Glücklich iſt der dro⸗ hende Sturm vorübergegangen! — 208— Morris(mit eiferſüchtiger Unruhe zu Brenda.) Dieſer Jüngling ſcheint Euch ſehr werth zu ſeyn. Brenda. Er war der Spielgefährte meiner Kindheit. Ich läugne es nicht, daß mir ſein Wohl am Herzen liegt. Quar fett. Morri s. Wenn ſie ihn liebte? Schrecklicher Gedanke! Brend a. Trifft ihn ein Blitz? Ich ſeh' ihn beben, wanken! Malwina. Ich hoffe nun, die Wolken ſind verſchwunden. Ol i vekr. Sein Auge glüht! Konnt ihn mein Wort verwunden? Malwina(zu Brenda.) Schweſter, ſieh', welch wildes Feuer Drohend ſeinem Aug entflammt. Brenſd a. Schweig! Ihn macht dem Herzen theuer Gluth, die ſelbſt vom Himmel ſtammt. Malwina. Das ſind nicht der Liebe Flammen, Nicht der Sehnſucht ſanfter Strahl. — 209— Brend a. Höoher ſchlägt die Gluth zuſammen, Die zum Heldenherz ſich ſtahl. Mo rr. Ha! Find' ich meine Ahnung wahr, Trifft Tod ihn und Verderben. Von meinem Dolch, von meiner Hand, Soll dann der Knabe ſterben. Ol i ver. Ha! Seinen Zorn, es iſt mir klar, Erregte mein Bewerben. Ich biete freundlich ihm die Hand, Dann wird der Groll auch ſterben. (3 u Morris.) Hier— die Hand! Mein Freund, ſchlagt ein! Aller Unmuth ſey verjagt! Schnell nun ſoll vergeſſen ſeyn, Was ich läßig Euch geſagt. Morris(eerlegen.) Wie? Ihr meint— Sliver. Verletzt hat Euch mein Wort. 14 1 — 210— Morris. Nein, ihr irrt— Oliger. Das war des Unmuths Grund. NMorri s. Glaubet nicht— Oliwoer. Laßt die Verſtellung fort. Mor r i s. Wahrlich nein— Oliver. Eu'r Blick that mir es kund! Brend a. Milde ſpricht des Vaters Wort Zu dem Freund der Seele, Scheuchet ſeinen Unmuth fort, Forſchet, was ihn quäle. Malwinma. Tiefer liegt des Unmuths Grund, Als in jener Bitte. Schwarz und wild ſteigt er empor Aus des Herzens Mitte. — 211— Morris(fir ſich.) Ich muß ihn bezähmen, den Grimm in der Bruſt, Drinn wohne der Sturm, auf dem Antlitz die Luſt! Oliver(für ſich.) Noch immer bewahrt er den Groll in der Bruſt, Bot ich doch die Rechte mit Wahrheit und Luſt. Brenda(den Norris beobachtend.) Sein Zorn läſſet nach. Malwina. Er ſollte nicht zürnen. Brend a. Schon nimmt er die Hand. Malwina. Groll lebt in der Bruſt. Morris(ſeine Rechte in Oliver's legend.) Seyd überzeugt, mein theurer Freund, Stets blieb mein Herz mit Euch vereint. A lII e. Nur wo Lieb' und Eintracht wohnen, Herrſcht ein wahres Glück. Frieden muß nach Kämpfen lohnen, Bringt die Luſt zurück. Eintracht, neige dich ſo ganz, Schling um uns den Blüthenkranz. (Morris, Brenda und Oliver in deſſen Haus. Malwina bleibt zurück.) — 14*K — 212— Fünfte Scene. Malwina(allein.) Unbeſonnene Schweſter! — Jede Warnung iſt vergebens. Sie kann dem übermächtigen Drange ihres Herzens nicht mehr widerſtehn. Sie muß ihm folgen oder erliegen. Und dieſer Morris!— Irgend ein verderbendrohen⸗ des Ungeheuer lauſcht hinter ſeinem tückiſchen Blicke. Wie oft durchbricht nicht ſeine natürliche Rohheit und Wildheit die Schranken des Zwanges, in denen er nur mühſam ſich bewegt. Nachdenkend.) Er haßt den, der ihm das Leben rettete! Das kann kein guter Menſch. Er haßt meinen Edgar. Kann ich ihm wohlwollen?(Nach einer kurzen Pauſe.) Mei⸗ nen Edgar?— Arme Malwina! Wie biſt du kühn genug ihn den deinen zu nennen! Hat er dir doch nie eine ausgezeichnetere Theilnahme erwieſen, als Brenda'n und andern Mädchen. Ar i e. Schlafe ſtille noch im Herzen, Neigung, die ſo ſtill entſtand! Leicht erwacheſt du zu Schmerzen, Findeſt nie der Heimath Land. Träume dort von ſanfter Freude, Von der Gegenliebe Glück, Träume ſüß von Luſt und Leide, — 213— Schau' ins Leben nicht zurück. Jede Luſt iſt nur ein Traum, Eines Wölkchens Purpurſaum. Weile, weile, ſanfter Schlaf, Der das Herz beglückend traf. Ach! Nimmer kann ſich auf ſtürmiſchen Wogen Ruhig erhalten der ſchwankende Kahn! Vom Strudel, von Wellen herniedergezogen, Langt er bei'm Ziele der Sehnſucht nie an. Drohende Klippen, ihr feindlichen Wellen, Wältigt euch nimmer die liebende Macht, Muß an dem Felſen der Nachen zerſchellen, Zieht ihn die Woge in tödtliche Nacht? Es ſtrahlt aus Himmelshöhen, So mild ein Stern herab, Der kann die Bahn uns zeigen, Aus ſchwarzem Wellengrab. O Hoffnung, Glanz vom Himmel, Du ſtrahlſt in's arme Herz, Kannſt ſanften Troſt ihm ſpenden, Entfernen jeden Schmerz. Dir mag ich gern vertrauen, Du zartes Gotteskind, Will liebend zu dir ſchauen, Du ſprichſt ſo ſanft und lind. ———— 5—— — 214— So treu wie ich der Liebe, So bleibe mir getreu; Furcht macht das Leben trübe, Du zeigſt den Himmel frei! Sechſte Scene. Die Vorige. Edgar. Edgar. Ha! Da führt mich ja mein Glücks⸗ ſtern zu Malwinen. Malwina(berraſcht und betreten.) Wie— Edgar— dul! Edgar. Malwine erſchrickt bei meinem Anblicke? Malwina(in einiger Verlegenheit.) Ich wäre erſchrocken?— O, nein! deine Beſuche aber ſind ſeit einiger Zeit ſo ſelten geworden, daß es kein Wunder iſt, wenn ich bei deiner plötzlichen Ge⸗ genwart überraſcht ſchien. Edgar. O, wie ſo ſehr hat es doch meinem Herzen wehe gethan, die alte trauliche und rück⸗ ſichtsloſe Annäherung ſcheuen zu müſſen; wie habe ich nur mit der größten Selbſtbekämpfung der Macht widerſtehn können, welche mich übergewaltig immer hieher gezogen, zu dem ſchönen Schauplatze einer glücklichen Kinderzeit! Aber deines Vaters Unwille, den er mir, weiß der Himmel aus welchem Grunde zugewendet, hielt mich ſtets fern. Sonſt war das — 215— anders. Wenn ich da oft Abends zu euch kam, und deinem Vater die Eier des Adlers brachte, welche ich mit kühnem Trotze der Gefahr aus ſeinem Fel⸗ ſenneſte geraubt— dann ſchüttelte er mir freund⸗ lich die Rechte, lobte mich auch wohl und ſeine Töchter waren nicht genöthigt, die Blicke ſcheu von mir abzuwenden, wenn er uns beobachtete. Jetzt aber—(er bricht mit einem Seufzer ab.) Malwina(ihm näher tretend mit Theilnahme.) Und ſollte denn dieſer Unterſchied zwiſchen Sonſt und Jetzt in der That dein Herz ſo tief verwunden? Edgar(mit einem zärtlichen Blicke.) Das kann Malwina fragen? Malwina(berwirrt.) Edgar! Edgar. O, Malwina! Ich muß es geſtehn. Nur die Entfernung von dir iſt es, welche mir dieſe Behandlung deines Vaters unerträglich macht. Wenn ich dein treues Auge nicht ſehe, ſo ſcheint mir der Himmel verſchloſſen; wenn ich nicht in deiner Nähe athme, ſo weht mich Grabesluft an. Malwina. Dieſes plötzliche Geſtändniß— Edgar. Ich lebte in einem ſeltſamen Wahne. Mein Herz ſchien mir getheilt zwiſchen dir und Brenda'n. Wenn mich oft deine Sanftmuth, deine ſtille Beharrlichkeit entzückte, ſo riß mich auch viel⸗ leicht eben ſo oft Brenda's hoher Sinn, ihre große, — 216— faſt heldenmuthige Anſicht des Lebens und der Welt zur Bewunderung hin. Aber ſeitdem jener Fremde von den Wellen an unſere friedliche Küſte ausge⸗ ſpien wurde und ſeine beſondere Aufmerkſamkeit dei⸗ ner Schweſter widmete, ſeit der Zeit fühle ich es klar an der Ruhe mit der ich ſeine Neigung er⸗ kannte, daß nur du der Gegenſtand meiner Sehn⸗ ſucht, meiner innigſten Liebe biſt. O, wie würde mich die Eiferſucht mit all ihren Qualen ergriffen haben, hätte ſeine Wahl dich getroffen. Malwina, ſtoße mich nicht zurück von deinem Herzen! Malwina(fergriffen.) Ich dich zurückſtoßen, Edgar? Den Gefährten der glücklichen Kinderjahre, den treuen Freund der Gegenwart! Wie könnte ich das? Nein! Auch ich will dir geſtehn, daß ſchon längſt mein Herz dir gehört, daß es ſchon ſeit lange in ſtiller Sehnſucht für dich ſchlägt! Edgar(entzückt.) O, Malwina, dieſes iſt der glücklichſte Augenblick meines Lebens. Malwina. Noch trägt die Bahn, welche wir zu wandeln haben, nur Dornen, aber keine Roſen. Der Unwille meines Vaters liegt ſchwer auf dir; mich beugt die Sorge um der Schweſter unbedacht⸗ ſames Hingeben an jenen Abentheurer darnieder, deſſen Weſen und Treiben mir noch ebenſo räthſel⸗ haft als unheilvoll erſcheint. — 217— Edgar. Er haßt mich; ich weiß es. Mein Verdienſt um ihn war freilich nur ein Werk des Zufalls, aber er müßte mich doch eben darum nicht haſſen. Bei'm Himmell ich vergelte ihm dieſen Haß nicht und nur ſeinem eignen Benehmeu hat Morris es zuzuſchreiben, wenn auch ich ihn ver⸗ dächtig finde. Malwina. Sprich, Edgar, was iſt deine Meinung von ihm? Verhehle mir nichts. Edgar. Nur mit einem flüchtigen Blicke konnte ich noch ſein Schiff erkennen, als es von dem Abgrunde der Wellen verſchlungen wurde, allein es ſchien mir keinesweges von unſerer, überhaupt nicht von europäiſcher Bauart zu ſeyn. Auf allen Meeren ſtreifen die Schiffe jenes weſtindiſchen See⸗ räubervolks umher, das unter dem Namen der Fli⸗ buſtier die kühnſten Thaten und zugleich die him⸗ melſchreiendſten Grauſamkeiten verübt. Roger Draco heißt ihr oberſter Befehlshaber. Tauſendfache Blut⸗ ſchuld und Verbrechen aller Art beflecken den Ruhm ſeiner Tapferkeit. Wie, wenn Morris ein unterer Anführer dieſer Piraten wäre? Malwina(aufſchreiend.) Ein unterer An⸗ führer?— Er iſt Roger Draco ſelbſt. Edgar. Laß deine Furcht dich nicht täu⸗ ſchen.— Dieſer ausgezeichnete und wohlbekannte — 218— Verbrecher möͤchte ſich nicht leicht in unſere Gegen⸗ den wagen. Aber ich ahne es lebendig: Morris iſt ihm nicht fremd. Malwina. Edgar, wir müſſen meine Schwe⸗ ſter retten! Edgar. Gern, meine Geliebte, aber auf welche Weiſe— Malwina. Morris iſt ſtolz— Edgar. Mehr hochmüthig, als ſtolz. Malwina. Er wird keine Zurückſetzung er⸗ tragen mögen. Edgar. Was iſt hier zu thun? Malwina. Ich weiß nur ein Mittel: Un⸗ ſere Liebe muß vor der Hand noch jedermann ver⸗ borgen bleiben. Dränge dich an Brenda'n, zeige dich in des Capitäns Gegenwart ihr mit Auszeich⸗ nung ergeben. Sie hegt eine ſchweſterliche Neigung zu dir; ich weiß es. Sie wird dich mit einer Güte aufnehmen, welche Morris leicht für Liebe anſehn dürfte. Sein Dünkel wird erwachen und vielleicht entfernt er ſich in dieſer zornigen Aufwallung mit dem Schiffe, das er ſtündlich erwartet. Edgar. Malwina, was verlangſt du von mir? 6 Malwina. Es iſt die erſte Prüfung deiner Liebe. Edgar. Du willſt— es ſey! — 219— Malwina. O, wenn dieſe Liſt gelänge— Morris hat großen Einfluß auf meines Vaters Ge⸗ ſinnungen und ich fürchte ſehr, daß er einer der Haupturheber von Oliver's Unwillen gegen dich iſt. Trägt ihn erſt wieder ein fernes Meer auf ſeinen Wellen, dann wird auch mein Vater dir das alte Wohlwollen wieder zuwenden und ſein Segen krönt die Wünſche unſerer Herzen. Edgar. Welcher reizende Blick in die Zu⸗ kunft! Duett. Malwina. Laß uns lieben, laß uns hoffen, Treue Liebe ſiegt gewiß. Edgar. Ja! Sie ſchaut den Himmel offen, Durch des Unheils Finſterniß. Malwin a. Was die Hölle ausgebrütet, Schwindet vor der Liebe Macht. Edgar. Was die Unterwelt gehütet Ward durch Treu' heraufgebracht. Beid e. Seyd willkommen, zarte Gaben, Von dem Himmel ſelbſt geſandt; — 220— Seyd willkommen! Uns zu laben, Schlinget ihr ein feſtes Band. Liebe, deine ſanften Freuden Siedeln ſich im Herzen anz Treue, wahrhaft und beſcheiden, Führt zum Himmel uns hinan. Edgar(beſorgt zu Malwinen.) Dein Vater— wird er ſeinen Groll bezwingen? Malwina. Nach meinem Plane— hoff ich— ſolls gelingen. Edgar. Hal ſchrecklich wär' es, ohne dich zu leben. Malwina. O, ſchweig! du machſt mein Herz erbeben. Edgar. Nie könnt ich es ertragen, Von dir getrennt zu ſeyn. Malwina. Ich ſollte dir entſagen, Das wäre Todespein. Ed g a r. Von ſchwarzen Wolkenſchaaren Iſt unſer Heil bedräut. Malwina. O Gott! laß nie erfahren Mich ſolches herbe Leid! 8 — 221— Sdgar. Schon fühl ich wilde Qualen Bei dem Gedanken nur. Malwina. Will keine Sonne ſtrahlen Auf unſrer Rettung Spur? Edgar. Es wird von düſtern Mächten Die Lebensbahn umwebt. Malwina. Sie wollen uns umflechten, Das Heil iſt uns entſchwebt. Beidee. In deine Arme, ſüße Liebe, An deinen Buſen fliehen wir. Dein Hauch beherrſcht das Weltgetriebe, Und deiner Macht vertrauen wir. Malwina. Die Liebe wird uns leiten. Edgar. Die Treue ſchließt ſich an. Malwina. Und glücklich führen uns die Beiden Auf unſres Heils erſehnte Bahn. — 222— Edgar. Wir wollen feſt vertrauen— . Malwina. Dem Sterne, der uns winkt. Ed ga r. Bald werden wir das Heil erſchauen, Wenn dieſe Nacht der Zweifel ſinkt. Beide. 6 Auf! Laß uns dem Geſchicke Mit Muth entgegengehn; Laß uns mit kühnem Blicke Dem Feind in'’s Auge ſehn. Der Liebe Macht, die Treue, Sie ſtählen dieſe Bruſt; Wir fühlen bald auf's Neue Des Daſeyns Pracht und Luſt. Siebente Scene. Die Vorigen. Scoch und Fanny(aufgeregt aus dem Hintergrunde.) Fanny. Aber ſo höre denn doch— Scoch. Ich will nichts hören— Fanny. Laß dir ſagen— Scoch. Du ſollſt nichts ſagen— 4 Fanny. Je zahlreicher die Hochzeitsgäſte, deſto mehr Glück in der Ehe: ſo berichtet ein altes Sprichwort. —=“ — 223— Scoch. Wir werden auch glücklich ſeyn ohne dieſe Haifiſche und— kurz und gut— es bleibt bei meiner Einrichtung. Malwina(zu Fanny.) Ihr ſeyd im Zwiſte — welcher Grund— Fanny. Ihr ſollt entſcheiden, liebes Fräu⸗ lein— Scoch. Ein fremdes Schiff läßt ſich in der Nähe der Inſel ſehn und ſucht einen günſtigen Platz um anzulegen. Edgar(aufmerkſam.) Ein fremdes Schiff? Fanny. Gewiß ſind viele muntere und ſchmucke Burſchen auf dem Fahrzeuge. Die könn⸗ ten unſer Hochzeitsfeſt verherrlichen. Scoch. Nichts da! Unſere Freunde kommen gleich hieher zu dem Platze, den uns Herr Oliver für unſer Vergnügen eingeräumt hat. Dann wird getanzt und geſungen; gleich drauf geht's nach den andern Inſeln. Fanny. Aber die Mädchen würden ſich freuen, mit den Fremden zu tanzen. Scoch. Die Mädchen können mit unſern Burſchen tanzen; die ſind auch nicht zu verachten. Das Seevolk iſt meiſt ein unruhiges und ſtreitſüch⸗ tiges Geſindel. — 224— Edgar(zu Malwinen.) Wenn dieſes Schiff das von Morris erwartete Fahrzeug wäre? Malwina. Wer weiß, vielleicht bringt ſchon der heutige Tag unſerer Furcht und unſeren Zwei⸗ feln ein Ende. Achte Scene. Die Vorigen. Fiſcher und Mädchen kommen unter dem Vortritte von Muſikanten. Zwei der erſtern tra⸗ gen in einem großen Korbe einen aufrecht ſtehenden mit bunten Bändern geſchmückten jungen Baum. Finale. Chor der Fiſcher und Mädchen. (Sie ziehen ſämmlich vor dem Brautpaare voruber. Je⸗ der der Fiſcher überreicht der Braut, jedes der Mädchen dem Bräutigame einen Blumenſtrauß.) Blumenpracht und Hochzeitsfreude Sind ſich nah verwandt. Blume iſt ein rein Geſchmeide, Rein der Herzen Band. Eine Jungfrau(welche dem Scoch eine Roſe übergibt, die er anſteckt.) Es wahrt die Roſe einen tiefen Sinn, Stets dornenlos, ſo ſey ſie dein Gewinn. Ch o r. Roſenglanz und Lebenswonne Schmücken eure Bahn! Strahle ſtets des Glückes Sonne, Dorn ſoll nie ſich nahn! Ein Fiſcher(welcher der Fanny einen Myrthen kranz überreicht, den ſie aufſetzt.) Die Moyrthe ſchlingt den immergrünen Kranz, Ihm ähnlich ſey das Glück der Herzen ganz. CEh o r. Myrthenkranz und Herzensſegen Blühen immer neu. Myrthe wird die Liebe pflegen Und den Kranz die Treu. (Dliver, Brenda und Morris ſind wahrend des Vorge⸗ gangnen aus dem Hauſe und in den Vorgrund getreten.) Fanny und Seoch. Wir danken für die Gaben, Wir danken für den Spruch. Die treulich lieb ſich haben, Die haben ſtets genug. Malwina und Brenda(Fanny'n auf die Stirn küſſend.) Nimm für der Zukunft Bahn Auch unſre Wünſche an. IV. 15 — —— — 226— Fanny und Scoch(indem ſie die empfangenen Blu⸗ men den Schweſtern zu Füßen legen.) O wollet hier mit Milde Den Blumenſchatz empfahn. Und was man uns gewünſchet, Das gehe euch bald an. (Die Fiſcher und Mädchen haben indeſſen den Baum aus dem Korbe gehoben und pflanzen ihn in die Mitte des Platzes auf.) CE hor⸗ Grüne und wachſe, du freundlicher Baum! Blühe dem Feſt zum Gedenken! Strebe empor in den himmliſchen Raum Schatten und Luſt einſt zu ſchenken! 6 Grün' und erfreue, Wachſ' und gedeihe, Zeige dem glücklichen Paare ein Bild, Das für die Zukunft als Beiſpiel ihm gilt. Oliver(vortretend.) Willkommen ſeyd, ihr werthen Gäſte! Erfreut euch an dem Hochzeitsfeſte. Tanz und Geſang erheitern dieſen Tag Und fröhlich ſey, wer noch die Freude mag! (Der Tanz beginnt. Einige Diener bringen aus Oliver's 6 Hauſe ein Fäßchen mit Getränk, welches auf einem Geſtelle neben dem Hauſe niedergelegt und aus wel⸗ chem den öfters herbeitretenden Gaſten kredenzt wird. Das Ganze bildet eine höchſt lebendige Gruppe.) — 227— Edgar(welcher indeſſen zu Brenda getreten iſt und mit dieſer eine von Morris, mit allen Zeichen der Eifer⸗ ſucht bemerkte, lebhafte Unterhaltung geführt hat.) Trau' meinem Worte, trau' der Warnungsſtimme, Dem Freunde trau' der Kinderzeit. Brenſda. Du haſſeſt ihn! Ich will nichts weiter hören, Hinweg mit der Bedenklichkeit! Edgaſr. Vernimm mein Wort! Laß, Freundin, dich beſchwören, Flieh dieſen Mann, bewahr' dein Herz! Brenda. 3 Du wirſt zu kühn! Du denk'ſt mich zu bethören, Noch hielt ich, was du ſprachſt, für Scherz. Edgar. Sein wilder Blick— Bren d a. Er iſt ein Held. Ed gar. Sein roher Stolz— Brend a. Iſt Seemannsart. Edgar. Sein dreiſtes Wort— 15* — 228— Brenſdaa. Der Ton der Welt! Edg ar. Sein Antlitz trägt— Brend a. Was mir gefällt. Sdgar. Vernimm mein Wort! Laß, Freundin, dich beſchwören, Dem Freunde trau der Kinderzeit. Brenda. Du haſeeſt ihn! ich will nichts weiter hören, Hinweg mit der Bedenklichkeit! Malwina(für ſich, indem ſie dieſe Beiden beobachtet.) Er naht ihr, ſie zu warnen, Er ſpricht mit Freundesmuth. O mög er ſie entgarnen Aus Schlingen wilder Gluth. Laß, Himmelsmacht, es glücken, Was Schyweſterlieb' erſann! Vernichte alle Tücken, Entferm des Unglücks Bann! Morris(ebenſo.) Tod und Hölle! Jener Bube Drängt ſich frech zu ihr heran, — 229— Rache, Nache ſey geſchworen! Luſt der Rache ziemt dem Mann. Seines Herzens freche Gluth Kühl' ich bald in ſeinem Blut! Oliver ecebenſo.) Frecher Knabe! Ha! Er wagt es, Drängt ſich überläſtig an. Kaum gebiet ich meinem Zorne; Knabe! Zittre vor dem Mann. Nicht beherrſch' ich mehr die Gluth, Knabe, zittre meiner Wuth. (Er tritt plötzlich zwiſchen Brenda und Edgar und reißt dieſen heftig von der Jungfrau.) Hinweg! Gedenke deines Standes. Dies Mädchen iſt für dich zu gut. Morris. Hal der Alte. Malwin a. Weh, der Vater! Brenda(zu Sdgar.) Uberläſt'ger! E d g a r. Welche Störung! (Der Tanz wird mit einemmale unterbrochen. Die jungen Leute verſammeln ſich um den eintretenden Oscar.) 9 — 230— Neunte Scene. (Die Vorigen. Oscar, ein Greis in der Tracht der alten Barden. Er trägt eine Harfe.) Chor der Fiſcher und Nädchen. Oscar! Willkommen der Sänger beim Feſte, Er bringet die Lieder, er bringet das Beſte. Scoch(zu Oscar.) Du ſingſt uns ein Lied? Fan n Ty. Recht graulich und ſchön! (Dscar macht eine bejahende Bewegung.) Chor. Er ſingt uns ein Lied, recht graulich und ſchön. (Nachdem Oscar die im Vorgrunde Befindlichen gegrüßt hat, nimmt er vorn in der Mitte einen Sitz ein, welcher gebracht wurde. Alle verſammeln ſich voll Neugierde um ihn im Halbkreiſe.) Oscar(mit Begleitung der Harfe.) RNoman z e. Es ziehen die Wolken, es rauſchen die Wogen, Was fliegt dort, ein luftiger Punct auf der See? — 231— Das Schiff des Piraten Zu blutigen Thaten, Zu Frevel und Weh. Vom Schiffe ruft er zum Strande hernieder: „Leb' wohl, holde Maid, kehr' nimmermehr wieder, Über die Wogen Fort hat mich's gezogen, Leb wohl!“ Weh, arme Maid! Weh, Thörin! weh! Dein Heil ergabſt du dem Räuber der See. Es ziehen die Wolken, es rauſchen die Wogen, Wer ſitzt dort am Strande ein Leichengebild? Die Braut des Piraten, Verlaſſen, verrathen, Vom Wahnſinne wild. Sie ſtürzt in die ſchäumenden Wellen ſich nieder: „Leb wohl, falſcher Mann, kehr' nimmermehr wieder, Unter die Wogen Fort hat mich's gezogen, Leb wohl!“ Weh, arme Maid! Weh, Thörin, weh! Dein Heil ergabſt du dem Räuber der See. (Morris hat während dieſes Geſanges alle Zeichen der Betroffenheit und des verbiſſe⸗ nen Grimms gegeben.) — 232— Morris(ftir ſich.) Hal welcher Geſang! Verräth mich die Hölle? Brendeg. Welch düſtrer Geſang! Mein Innres erbebt. Malwina(auf Morris blickend.) Sein Auge erglüht! Er wüthet, er bebt. Edgar(ebenſo.) Ihn trifft dieſes Lied! Er flucht dieſer Stelle. Chor. Ha! Grauſenhaft und bang Ergreift uns der Geſang. Morris(ornig zu Oscar.) Sprich, Thor! Was ſollen deine Märchen? Was deutet uns dein albern Lied? O zear. Was ich geſagt, es war kein Märchen, Die Wahrheit war's, die täglich noch geſchieht. All e. Ha, Wahrheit! O scaſr. Und der Pirat, er nannte ſich— — 233— Morris(heftig.) So ſprich! Oscar(indem er mit feſtem Schritte auf den Morris zugeht, und ihm ſtarren Blicks in's Antlitz ſieht.) Roger Draco! Alle(mit dem Ausdrucke des Abſcheu's.) Roger Draco! Morri s. Dämon der Hölle! (Morris macht eine drohende Gebehrde gegen Oscar; in dieſem Augenblicke erſchallen von der Seeſeite her drei ſchnell auf einander folgende Kanonenſchüſſe. Alles wird auf⸗ merkſam. Oscar entfernt ſich während des Folgenden unbemerkt.) Alle(in Verwirrung untereinander.) Habt ihr's gehört? Was hat das zu bedeuten! (Die Fiſcher und Madchen eilen in den Hin⸗ tergrund. Einige von ihnen beſteigen die Felſenſpitze.) Morris(für ſich.) Erſtaunen, Zorn, Entſetzen, Wuth, Durchtoben mich in wilder Gluth. —— — 234— Malwin a. 1 Ha! Stärker wird jetzt mein Verdacht, Mein Auge hatte ihn bewacht.„ Brend a. Ha! Jenes Lied, es drang mit Macht Hinab in meines Herzens Schacht. Edga r. Erſtaunen, Zorn, Entſetzen, Wuth, Durchtoben ihn in wilder Gluth. O l i o e r. Was hat den Freund ſo aufgebracht, Durchtobt ihn jetzt mit wilder Macht? Die Fiſcher und Maͤdchen ändem ſie nach und nach herbeieilen.) Ein Schiff! Es iſt gelandet Dicht an hier in der Bucht. Seoch. Es liegen die Anker, es fallen die Segel! Fann y. Gar wilde Geſichter trägts Schiff in der Bucht. Mor r i 3. Hal meine Gefährten! A — 235— Edgar(zu Malwina.) Das iſt Morris Schiff. Oliver(zu Scoch.) Es lieget ſchon ruhig? Seco ch. Am felſigten Riff. (Morris wendet ſich nach dem Hintergrunde; ihm entgegen tritt Sullivan.) Zehnte Scene. (Die Vorigen. Sullivan, eine furchtbare und wilde Geſtalt. In der breiten rothſeidenen Schärpe trägt er Dolch und Piſtolen.) (Ein Gewitter zieht ſich am Horizont zuſam⸗ men; die Scene verdüſtert ſich nach und nach.) Sullivan(mit traulichem Handſchlag zu Morris.) Seyd gegrüßt, mein Capitän! Morris(nimmt ihn bei Seite.) Wahre dich, hier lauſcht Verdacht. Sulliyvan. Alle brennen, Euch zu ſehn! Mrorr s. Gleich auch werd' ich mit dir gehn, Aber habe auf dich Acht. — 236— Sulli van. Ohne Sorge! Wir verſtehn! Die Fiſcher und Maͤdchen. 4 Welch ſchreckliche Geſtalt! Er ſchaut mit duͤſtrem Blicke Aus einem Hinterhalt Voll Grauſamkeit und Tücke. Malwina und Edgar. Stets mehrt ſich der Verdacht! Seht nur in ſeine Blicke, Da wohnet eine Macht Von Grauſamkeit und Tücke. Brenda und Oliver. Welch rauhes Seemannsbild Mit kräftig kühnem Blicke! So eiſern und ſo wild, Trotzt er des Schickſals Tücke. Sullivan(zu den Fiſchern und Mäͤdchen tretend, welche ſcheu vor ihm zurückweichen.) Muntre Burſchen, ſchmucke Dirnen, ¹. Fahret fort im luſt'gen Tanz. 3 Unſer einer ſtellt auch gerne Sich in ſolchen frohen Kranz. — 237— Die Maäadchen. Wir danken! Wir danken! (Das Gewitter nimmt zu. Näherer Blitz und Donner.) Morris(zu Oliver und Brenda.) Gönnt, daß ich mich entferne; Glücklich lief mein Fahrzeug ein. Die Gefährten zu begrüßen, Muß nun erſte Pflicht mir ſeyn. (Im Abgehn mit einem wüthenden Blicke auf Edgar.) Frecher Knabe! Fürchte mich, Bald trifft Draco's Rache dich. (Morris und Sullivan ab.) (Stärkeres Gewitter.) A ll e. Hört ihr des Donners Stimme! Der Himmel zürnt im Grimme. Aus ſchwarzer Wolken Grab Stürzt ſich ſein Blitz herab. Oliyver. Fort, meine Töchter, fort! Die Blitze fallen nieder, Sie drohen dieſem Ort. — 238— . (Oliver und Brenda ins Haus. In der Thüre wendet ſich Malwina noch einmal zu Ed⸗ garn, der ihr gefolgt iſt, und reicht ihm zum Abſchiede die Hand.) E d g a r. Geliebte, lebe wohl! Malwinſa. Leb wohl! Wir ſehn uns wieder! (Malwina ihrem Vater nach. Edgar zur an⸗ dern Seite ab. Die Diener haben das Faß ins Haus getragen. Die Mädchen rüſten 1 ſich zum ſchleunigen Aufbruche.) E h o r. Fort! Fort! Die alten Felſen zittern, Als wollten ſie zerſplittern. Die Wogen ſteigen himmelan, Das Wetter rückt zur Erde an. Da laufe ſchnell, wer laufen kann! Fort, fort! (Alle eilig zu verſchiedenen Seiten ab. Großer Sturm und heftiges Gewitter. Plötzlich wird es ganz ſtille. Oscar mit ſeiner Harfe geht noch einmal langſam über die Bühne.) e eeeseres eeeesese h e8n se 2 Ke Kiehee — 239— Oscar(bleibt gegen Olivers Haus gerichtet im Vor⸗ grunde ſtehn und ſingt, nachdem er einige Accorde leicht auf der Harfe angeſchlagen.) Weh, arme Maid! Weh, Thörin, weh! Dein Heil ergabſt du dem Räuber der See. (Er geht langſam ab. Gewaltiger Blitz und Donnerſchlag.) (Der Vorhang fällt.) Zweiter Ack. — Kurzer Vorplatz in Olivers Hauſe. Er ſte Scenſe. Morris(allein. Er geht gedankenvoll auf und nieder.) Ich bin ein Thor!— Ich fühl' es, aber ich kann dieſer Thorheit nicht entſagen.— Roger Draco, der König des Meers und der Schrek⸗ ken der Seefahrer, wirbt hier gleich einem ſchmach⸗ tenden Schäfer um die Liebe einer argloſen Jung⸗ frau! Der Tiger um das Lamm!— Wenn meine Gefährten mich in dieſer Erniedrigung ſähen? Hal Es giebt Augenblicke, wo ich ſie verwünſche, wo — 240— ich mich verwünſche und der unglücklichen Stunde fluche, welche mich ihnen und einer endloſen Kette von Blutſchuld anverband!— Ruhig Draco! Sey ein Mann! Vergrabe dieſe Gefühle in deiner Bruſt. — Ich muß dieſe Brenda beſitzen. Das ſteht feſt geſchrieben in den ehernen Tafeln meines Geſchickes. Beſitzen muß ich ſie, und wehe dem, der es wagt, mir in den Weg zu treten! Wehe dir, übermüthiger Knabe, der, auf meine Dankbarkeit rechnend, meine Rache erweckt!— Aber, jener Greis— welcher Dämon der Hölle hatte ihm mein Geheimniß ver⸗ rathen, welches feindſelige Geſtirn ihm die verwund⸗ bare Seite meines Gewiſſens preisgegeben? Ar i e. Flammen des Abgrunds, euch ſendet die Hölle Strafend herauf in das Innre der Bruſt. Fort, ihr Gluthen, fort von der Stelle, Die ihr durchzuckt mit qualvoller Luſt. Still! Ohne Schmerzen Trage die Pein, Die du zum Herzen Selbſt riefeſt ein! Mußt mit den Qualen Frevel bezahlen; Und dieſe Gluthen Rächen die Fluthen. — — 241— Halte ſtille, du bebendes Herz! Ziſche, du Flamme, mit hölliſchem Hohn! Draco lacht deiner, er trotzet dem Schmerz, Draco lacht deiner, er trotzet dem Hohn! Ach! In dieſes Herzens Nacht Schlich ſich eine ſanfte Macht! Folgen muß ich ihrem Zug, Ob er Segen trägt, ob Fluch. Alter Kinderzeiten Pracht, Unſchuldsfreude, reines Glück, Bringt ermahnend jene Macht In das arme Herz zurück. Süße Tage! längſt entſchwebt, Zarte Kindheit! raſch durchlebt, Findet wieder nun bei mir Eure alte Heimath ihr! Flammen der Hölle, Schlingen der Hölle, Haben die Pfade des Daſeyns umlegt. Ich bin verflucht, verflucht jede Stelle, Wo ſich mein frevelnder Schritt hinbewegt. Himmel, du fliehſt mich, Hölle, du willſt mich. Nun denn, ſo will ich, im Hohn deiner Pein, Hölle, auf ewig zu eigen dir ſeyn! IV. 16 — 242— Zweite Scene. (Der Vorige. Sullivan.) Sullivan. Endlich, Capitän, finde ich Euch. Ihr wart ſo ſchnell und plötzlich vom Schiffe verſchwunden, daß ich glaubte, der Sturm hätte Euch hinab geſchleudert in den Abgrund. Morris(berbiſſen.) Mir ſchadet der Sturm 6 nicht!(Für ſich.) Der Feind wohnt in meiner Bruſt. Sullivan(bedeutend.) Auch ſcheint Euch die Landluft jetzt mehr zu behagen als die Seeluft. Sonſt war das anders! Euer Schiff und das ſchäu⸗ mende Meer galten Euch die Welt! Morris(gepreßt.) Freilich, ſonſt war das anders! Sullivan. Und warum ſollte es jetzt nicht mehr ſeyn wie ſonſt? Ihr habt ein Schiff verlo⸗ ren! Kann euch das beugen? Wohl beſſere Leute hat ſchon der Schlund des Meers verſchluckt, als diejenigen, welche ſich auf Euerm Fahrzeuge be⸗ fanden. Die untergegangene Ladung— nun! was iſt die in Betracht der Schätze, welche in Port Royal aufgeſchichtet liegen? Uberdem ſind wir jetzt in dieſen Gewäſſern, Eure Freunde, mit Eurem beſten Schnellſegler, der ſchmucken Brigg, die Rache! — 243— Morris(erregt.) Die Rache? Ha! Sullivan, woran mahnſt du mich? Sullivan. Nun? Ihr werdet doch gegen unſre Nache nichts Ubles im Schilde führen! Es iſt eine ſo liebe, niedliche, kleine Rache— Morris. Hier habe ich ein Geſchäft der Nache abzumachen. Ein Bube, den leider der Zu⸗ fall auserwählt, mir in jenem Schiffbruche das Le⸗ ben zu retten, hat meinen ganzen Zorn auf ſich geladen. Sullivan(mit liſtiger Miene.) Capitän! Ich denke! wir werden bei dieſem Zuſammentreffen den Namen unſerer Rache wohl in Eiferſucht verwandeln! Morris. Ha! Was willſt du damit ſagen? Sullivan. Es iſt augenſcheinlich, daß Ihr hier im Hafen der Liebe vor Anker liegt, und wo die Liebe das Regiment führt, da iſt auch die Ei⸗ ferſucht zu Hauſe. Morris(nach einer kurzen Pauſe.) Sulli⸗ van! Du haſt recht. Ich liebe! Und mit einer Gewalt, einer Gluth, die mir zuvor unbekannt war. Ja! beim TeufelD! dieſe heilloſe Leidenſchaft hat mich ſchon oft zu dem Wunſche hingeriſſen, ich möchte nie die blutige Bahn des Seeräuberhandwerks betreten haben! 16* — 244— Sullivan(eerſtaunt.) Capitän! Ich glaube, Ihr ſchwatzt im Fieber. Morris. O, noch mehr! Ich fühle oft eine recht tiefe Sehnſucht nach dem ſtillen und anſpruchs⸗ loſen Glücke der ſogenannten rechtlichen Leute. Dann träume ich mir eine heitre Zukunft. Brenda wirkt als liebevolle Hausfrau an meiner Seite. Ich baue das Land, diene dem Staate als ein guter Bürger— Sullivan(höhniſch auflachend.) Ha! ha, ha, ha! Und bei dieſen thörigten Träumereien vergeßt Ihr, daß der Staat, in den der weltbekannte Räu⸗ ber und Mörder, Roger Draco, ſich als guter Bür⸗ ger eindrängen möchte, ihn ohne Rückſicht auf die gute Abſicht allſogleich mit einem eiſernen Geſchmeide bekleiden und ſeinen Hals in die genaueſte Bekannt⸗ ſchaft mit einer hänfenen Binde bringen würde.(Er macht die Pantomime des Hängens.) Morris. Sullivan! Sullivan(indem er näher tritt und Morris Hand ergreift.) Noch Eins, Roger Draco! Glaubt Ihr denn, immer vor gewiſſen Bildern der Ver⸗ gangenheit ſicher zu ſeyn?(Morris wendet ſein Antlitz ab.) Hört mich an! Oft wenn ich mitten auf dem großen Weltmeere ſchwebte und eine Wind⸗ ſtille trat ein mit dem Drucke ihrer düſtern Nebel, mit ihrer langweiligen Unthätigkeit, dann hatte ich — 245— ſeltſame und ſchreckliche Erſcheinungen! Furchtbare Geſtalten ſtiegen rieſig und drohend empor aus dem Nebelgewölk, das mich umgab, und Alle trugen ſie die Züge von Feinden, die ich erſchlagen oder im grauſamen Gelüſt in's Meer geſtürzt hatte. Die Beänſtigungen jener Stunden kann ich nicht beſchrei⸗ ben! Ihr ſeyd jünger als ich, Roger Draco. Des⸗ halb haben ſich ſolche Beſuche wohl noch nicht an Euch herangewagt. Wenn Ihr aber daheim ſitzt in der unwandelbaren Windſtille des häuslichen Le⸗ bens, dann fürchtet die Bilder Eurer Vergangen⸗ heit, die wohl noch blutiger und ſchrecklicher ſeyn dürfte, als die meinige. Morris. Teufel! Daß hier die Wahrheit aus deinem Munde geht, daß jenes Glück meiner Träume unwiederbringlich für mich verloren iſt! Sullivan. Capitän! Wir beide ſind wohl dem, was die Menſchen Tugend nennen, gänzlich fremd ge⸗ worden. Laßt uns nun zum Mindeſten Männer ſeyn und kühn und feſt auf der einmal betretenen Bahn fortſchreiten. Morris. Bei der Hölle! Ja! das will ich. Es bleibt mir nichts Andres übrig. Aber Brenda— Sullivan. Welches Hinderniß kann uns ein Weib ſeyn? Sie folgt uns mit Güte oder mit Gewalt. — — 246— Morris. Gewalt gegen ſie!— Ich kann den Gedanken nicht ertragen. Nein, nein! Ich hoffe, ſie durch Überredung, durch die zärtlichſten Betheuerungen zu bewegen. Vieles habe ich noch mit dir zu beſprechen, Sullivan. Hier ſind wir nicht ſicher. Gegen die Stunde der Dämmrung laß dich in jener Grotte finden, welche von den Bewohnern dieſer Inſeln die Fingalshöle genannt wird. Dort haben wir keines unberufenen Lauſchers Ohr zu ſcheuen. Sullivan. Verlaßt Euch drauf. Sullivan wird nicht fehlen. NMo r r 3.. Du triffſt mich dort, wo wilde Wogen Mit Macht ſich drängen an den Strand, Dort wo ein weiter Felſenbogen Zum Thor der Unterwelt ſich fand. Sulli van. Ha! Wo der Hölle Geiſter weilen, Da iſt auch der Pirat bekannt. Er muß die Macht mit ihnen theilen, Sie haben Glück ihm zugewandt. Mor r 8. Mächte der Hölle, noch einmal zeigt Euch dem alten Gefährten geneigt. — 247— 3 Sulli vann. Mächte der Hölle, ihr bleibet uns treu, Laſſet uns nimmer, wo es auch ſey. Mor r i. Bringt mir die Liebe, bringt mir das Glück, Bringt mir die Träume der Jugend zurück! Sullivan. Thörigte Hoffnung! Himmliſcher Luſt Bleibet verſchloſſen die ſchuldige Bruſt. Bei dee. Sturmesheulen, Donnerton, Wohlklang iſt's für unſer Ohr! Freiheit dröhnt der Wolken Chor, Freiheit ruft der Schlund empor, Nur wo Freiheit Kränze flicht, Höhnt den Piraten das Leben nicht. MNo r r i 5. Wir ſehen uns. Sullivan. Zur Abendſtunde. MNor r i s. Du weißt den Ort. Sullioann. Im Hölengrunde. — 248— Morri. Verſchwiegenheit! 2 Sullivan. Still wie das Grab! MNMorr i. Du biſt mir treu? 3 Sullivan. Zur Höll' hinab! Beidee. Kampf mit dem Leben, Kampf mit der Welt, Bleibt dem Piraten vom Schickſal beſtellt. Muth zu dem Kampfe, Glück zu dem Spiel, Nur wer Viel wagt, der gewinnt auch Viel. (Morris ab.) Oritte Scene. Sullivan(blickt ihm höhniſch nach.) Aber⸗ witziger Narr! Unter die ehrlichen Leute wollteſt du dich miſchen und einer werden von ihnen— mit der Hölle in der Bruſt? Meinſt du, das ginge, ſo wie man eine Hand umwendet! Blutig iſt dein Inneres geworden und nur immer neue Ströme Bluts können den freſſenden Roſt des Gewiſſens abwaſchen. Mag er ſeine Geliebte immerhin mit auf die Fahrt nehmen— ſie ſoll uns willkommen ſeyn! Da kann ſie ſich mit den alten Seeräuber⸗ — 249— genoſſen, Eiſen und Feuer, befreunden und ihr ſchwaches Weiberherz erkräftigen im wilden Kampfe. Eiſen im Herzen, Eiſen in der Hand, Eiſen voll Schmerzen Dem Feind zugewandt! Blutiges Eiſen, Du magſt es beweiſen, Daß Seeräuberrecht Immer iſt ächt. Blutiges Eiſen! Feuer im Herzen, Feuer in der Hand, Feuer voll Schmerzen Dem Feind hingeſandt! Flammendes Feuer, Du zahleſt wohl theuer, Nach langer Geduld, Des Seeräubers Schuld. Flammendes Feuer! (Schnell ab.) Vierte Scene. Malwina und Brenda(aus dem Innern des Hauſes.) Malwina. O nur dieſes einemal gib meiner Bitte, meiner Warnung Gehör! Laß dich nicht hin⸗ — 250— reißen von dem ſtolzen Selbſtbewußtſehn, mit dem du immer ohne eines andern Rath deine Schritte und Handlungen geleitet! Eile nicht unbedachtſam und eigenwillig einer Zukunft voll drohender Ge⸗ fahren entgegen! Brenda. Laß mich! Blicke in dein eignes Herz. Dort wirſt auch du die Leidenſchaft finden, die du mir zum Vorwurf machſt. Malwina(betreten.) Wie, Schweſter— Brenda. Lebt nicht Edgar's Bild in deiner Seele? Malwina(berlegen.) Edgar? Ich kann es nicht läugnen— er iſt der Freund unſrer Kind⸗ heit— Brenda. Er war der Freund unſrer Kind⸗ heit; er iſt dir mehr geworden. Des Vaters Zorn ruht auf ihm, du ſchenkſt ihm deine Neigung. Des Vaters Wille verbietet ihm unſre Nähe, du öffneſt ihm dein Herz. Sprich, Malwina, erfüllſt du ſo deine kindliche Pflicht? Malwina. O, Schweſter, du quälſt mich! Iſt denn der Zorn gerecht, mit welchem Oliver ge⸗ gen den armen Edgar erfüllt iſt und ſoll auch ich ihn das entgelten laſſen? Brenda. Darf uns das kümmern? Des Vaters Willen ſoll uns Geſetz ſeyn. Ich liebe einen — 251— Mann, der Oliver's Achtung, ſeine Freundſchaft im weiteſten Umfange genießt und du tadelſt mich die⸗ ſer Neigung wegen! Welche von uns beiden aber i*ſt hier eigentlich tadelnswürdig? Malwina. Brenda, wie verkennſt du mich! Kann ich dafür, daß mich bei des Capitäns Nähe immer ein innres Grauſen ergreift, daß ich in ihr nur den Feind deiner Ruhe, den Zerſtörer deines künftigen Glücks erblicke? Und— er ſelbſt— Brenda. Halt— Schweſter! Läſtre ihn nicht ferner. Ich erkenne deine liebevolle Beſorg⸗ niß, ſelbſt in dieſer Ausartung. Auch will ich dein bewegtes Gemüth beruhigen.(Stark.) Siehe, ich ſchwöre es dir bei der Aſche unſrer Mutter: ſollte jemals Morris ſich der Liebe einer Tochter des Oli⸗ ver Mac Angus unwürdig erzeigen, ſollte ich ihn erkennen als den Elenden, für den du ihn hältſt, dann ſoll meine Liebe ſich in tödtlichen Haß, mein hoher Begriff ſeines Edelmuths ſich in die tiefſte Verachtung verwandlen. Duet. Malwinſa. Hal welcher grauſe Schwur, Mein Innerſtes erbebt. Brend a. Hat dich beruhigt nun Der Geiſt, der mich belebt? Malwinſa. O, ſchweig! Dies düſtre Wort— Brend a. Ihm bleib' ich treu hinfort. Malwina. Wie kann ein liebend Herz Im Haß ſo bald erſcheinen? Brend a. Mein Schwur hat es gelobt Bei der Mutter Gebeinen. Malwing. Störe nicht, die in des Grabes Stillem Grunde Ruhe fand! Stürme treffen hier die Seele, Unten ſind ſie abgewandt. Brend a. Glaube nicht, daß der Geliebte Mich zu düſtrem Haſſe zwingt! Nie kann das Vertrauen wanken, Das mich liebevoll durchdringt. Beid e. Zukunft! deine Truggeſtalten Stehn bald klar vor meinem Blick; Hoffnung, Furcht, Verderben, Glück, Müſſen rein ſich dann entfalten. — 253— Schweſter, dann in deinem Herzen Find ich Troſt bei allen Schmerzen, Schweſter, dann in deiner Bruſt Mitgefühl an meiner Luſt. Fünfte Scene. Die Vorigen. Edgar. Edgar(kommt unruhig herbei.) Länger kann ich dem Gebote der Pflicht nicht widerſtehn. Ich muß dem Zorne Oliver's trotzen und die Schwelle dieſes Hauſes überſchreiten. Malwina. Wie— Edgar— du achteſt unſres häuslichen Friedens ſo wenig— Brenda(ſtolz.) Du biſt wohl ſehr kühn, dich dem Unwillen meines Vaters entgegenzuſtellen! Edgar. O, Brenda, auch deinen Unwillen wird die Kunde reizen, welche ich bringe. Brenda. Wenn ſie neue Verläumdungen gegen Morris enthält, ſo irrſt du nicht. Malwina(bittend.) Schweſter! Edgar. Und dennoch, ſelbſt auf dieſe Ge⸗ fahr hin, darf ich nicht ſchweigen! Dein Vater hat mich einſt als ſein eigenes Kind behandelt; ihm bin ich zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet. Brenda. Du denkſt alſo dieſer Dankbarkeit — 254— zu genügen, wenn du als der Feind ſeines Freundes auftrittſt? Malwina. Brenda, du biſt ungerecht. Edgar. Laß ſie. Ihre Bitterkeit kann mei⸗ nen Eifer nicht hemmen. Dein Vater iſt der reichſte Eigenthümer dieſer Inſel, er iſt ſogar vom Könige zum Nichter unſrer Eilande beſtellt. Du weißt, welche Strafe das Geſetz gegen jeden ausſpricht, der mit Seeräubern Gemeinſchaft hält. Leider ſcheint es nur zu gewiß, daß Morris und ſeine Leute Anhänger jenes furchtbaren Flibuſtierhauptmanns, Roger Draco, ſind. Ich muß deinen Vater war⸗ nen, ehe es zu ſpät iſt. Brenda. Er wird deinen kindiſchen Mähr⸗ chen mit der gebührenden Verachtung zu begegnen wiſſen. Edgar. Dieſe Mährchen werden jetzt zu ſchrecklicher Wirklichkeit. Die gelandeten Abentheu⸗ rer benehmen ſich mit der roheſten Willkühr; es ſcheint ihnen kaum der Mühe werth, ihren wahren Stand zu verheimlichen, denn ſie bieten die koſtbar⸗ ſten Gegenſtände, ohne Zweifel geraubtes Gut, um einen Spottpreis feil. Malwina(mit Beſorgniß.) O, Edgar, eine furchtbare Ahnung ergreift mich! Hüte dich vor die⸗ ſem Morris. Du retteteſt ihn einſt von dem Tode in den Wellen, weißt du, was die Sage dieſes Landes behauptet? Edgar. Sprich, gute Malwina. Malwina. Wer einem Piraten das Leben rettete, dem wird es einſt von dieſem geraubt. Brenda(für ſich.) Die Thörin! TKerzel t. Edgar. Fürchte nichts! Die Pflicht gebeut. Malwina. Schweig, du trübe Bangigkeit! Brend a. Noch bleibt jeder Argwohn weit. Edgar. Herz! Ich folge deinem Triebe, Führe mich zur rechten Bahn! Himmell ſegne meine Liebe, Laß Gewährung ſie empfahn. Malwina. Herz! Du führſt mit ſtarkem Triebe Mich zu ſchwarzer Ahnung Bahn! Himmel! ſegne unſre Liebe, Laß Gewährung ſie empfahn. — 256— Brenda. Herz! Ich folge deinem Triebe, Führe mich zur rechten Bahn! Himmel! ſegne meine Liebe, Laß Gewährung ſie empfahn. Malwina Gu Sdgar.) Verachte nicht der Warnung Wort Und ſcheue die Gefahr. Brend a. Nicht reiße dich die Thorheit fort, Nimm Mährchen nicht für wahr. Edgar. Die Pflicht gebeut! Sie iſt mein Hort, Ihr folg ich immerdar. Zuſammen. 8 dah ruft die Bitte nicht zurück, ibt d dun dem Ziel getreu. O halte mächtiges Geſchick, Ihn jedes Unheils Ihn jeder Falſchheit frei. Mich jeder Wallung (Edgar und Malwina ab in das Innere des Hauſes.) K * — 257— Sechſte Scene. Brenda(allein; nachdenkend.) Wenn es wäre— wenn ſie recht hätten— wenn Morris in der That—(heftig.) Nein— nein—— nein— es kann nicht ſehn!(wiederum nachdenkend.) Und doch— wenn—(ſich ſtolz erhebend)— nun denn, wenn es auch wäre, wenn Morris zu jenen Elen⸗ den wirklich gehörte, ich habe geſchworen bei der Aſche meiner Mutter ihn dann zu haſſen, ihn zu verachten und mir ſelbſt wiederhol' ich dieſen Schwur.(Sie kniet nieder.) Mutter! Deine Ruh im Grunde, Stört der Tochter finſtrer Eid! Denn er bringt von dem die Kunde, Was ihr heilig iſt im Leid. Hat ein Böswicht mich erkoren, Mitzuwandeln ſeine Spur: Sey ihm Rach' und Haß geſchworen! Mutter! Höre meinen Schwur! (Sie ſteht auf.) Siebente Scene. Die Vorige. Morris. Morris. So ernſt, ſchöne Brenda? 4 Brenda. Ich dachte an Euch. 5 IV. 17 ſſͤſͤͤDͤSRDR2 — 258— Morris. Und bei dieſem Gedanken ſammeln ſich Wolken auf Eurer Stirn? Brenda. Muß nicht die Sorge um den Freund mich mit tiefer Unruhe erfüllen, wenn von allen Seiten ſich die Stimme des Verdachts und der Anklage gegen ihn erhebt? Morris. Hal wer kann es wagen— Brenda. Man hält Euch für einen Aben⸗ theurer, für den Befehlshaber eines Raubſchiffes— Morris(nicht ohne Verlegenheit.) Tolle Lüge! Gewiß entſprungen aus dem Gehirn jenes verläum⸗ deriſchen Edgars⸗ Brenda. Beruhigt Euch! Ihr nennt dieſe Kunde eine Lüge; das iſt meinem Herzen genug. Aber wißt, Morris: die Tochter Schottlands kann nicht allein lieben, ſie kann auch haſſen. Wehe dem, der es wagt, ſie mit eitlem Trug zu hinter⸗ gehn. Nur in ſeinem Verderben wird ſie den Frie⸗ den ihrer Seele wieder finden. Morris. Kühnes Mädchen!(für ſich.) Sulli⸗ van, ich gedenke deines Naths. Sie folgt mit Güte oder— mit Gewalt! 3 Brenda. Doch, verzeiht mir, Morris! Wie konnte ich ſo harte Worte an Euch richten? Alles i*ſt ja Lüge, was Nachtheiliges über Euch geſprochen — 259— wurde. Ihr ſagt es und Eure Rede iſt Wahrheit. Ihr könnt die arme Brenda nicht betrügen? Morris(bei Seite.) Ihre Worte ſind Dolch⸗ ſtöße!(laut.) Bei der ewigen Wahrheit, Brenda! meine Abſicht iſt, Euch ſo glücklich zu machen, wie ein Menſch das vermag. Aber Ihr müßt die meinige werden, die meinige um jeden Preis. Nur Eure Liebe kann mir noch die Welt verſchönern, nur Euer Umgang mir noch das Leben theuer machen! Brenda(zärtlich.) Stürmiſcher Schwärmer! Duett. Morr s. Hoffnung! Deine goldnen Strahlen Blicken mild auf mich herab! Süße Luſt willſt du mir zahlen, Seligkeit im Erdengrab. B r en d a. Liebe! dir weih ich mein Leben, Du reichſt mir den Freudenkranz, Zärtlich treu ſey all mein Streben, Deine Luſt belohnt mich ganz. Morr s. Reine Liebe— Brend a. Süße Triebe— 17* — 260— Beide zugleich. Glühet hier in dieſer Bruſt! Füllen ewig meine Bruſt. Morr is. Himmelswonne— Brend a. Gottes Sonne— Beidee. Lächelt froh zu unſrer Luſt. Hoffnung! Liebe! Ihr ſeyd beide Unſres Lebens Stab und Glück, Froh vereinigt ihr uns heute— Preis und Dank für dies Geſchick! (Beide nach mſſen, doch durch verſchiedene Thüren ab.) Achte Scene. Edgar. Oliver. Malwina(aus dem Innern des Hauſes.) Edgar(zu Oliver.) So hört doch— Oliver(heftig.) Schweig! du biſt ein Ver⸗ läumder, du läſterſt einen Ehrenmann hinter deſſen Rücken. Das iſt ſchlecht, ſag' ich dir! Malwina. Aber wenn nun— Oliver. Bei'm Heile Schottlands! Ich glaube, mein eignes Kind will ſich gegen mich empören. — 261— Malwina. Es köͤnnte doch ſeyn— Oliver. Es iſt aber nicht! Daß Morris Leute durch ihr rauhes Weſen manchen Anſtoß ge⸗ ben, glaub' ich gern. Das iſt Seemannsart. Ich muß das wiſſen, der ich die Ehre gehabt habe(er hebt die Mütze) auf der königlichen Fregatte Magda⸗ lena als Lieutenant zu dienen. Trotz dem aber können ſie ganz rechtliche Leute ſeyn und ihr Haupt⸗ mann iſt mein Freund.(Zu Edgar.) Verſtanden, junger Herr? Edgar. Ihr ſelbſt mögt ermeſſen, welchen Glauben die auf der Inſel herrſchenden Gerüchte verdienen. Ich habe dem Drange meiner Dank⸗ barkeit Genüge geleiſtet, indem ich ſie Euch offen⸗ barte. Oliver. Verbunden! UÜbrigens weiß Oliver Mae Angus ſich ſelbſt zu belehren und bedarf keiner fremden Weisheitsaufſchlüſſe. Malwina(bei Seite.) Wie hart iſt doch mein Vater! Edgar. Oliver, ich weiß nicht, womit ich den Unwillen verſchuldet habe, den Ihr ſeit einiger Zeit gegen mich zeigt. Aber ungeachtet Eures Zorns iſt meine alte Anhänglichkeit zu Euch dieſelbe ge⸗ blieben, und ein heiligeres tieferes Gefühl hat mich ſeitdem Euch noch näher gebracht. — 262— Oliver. Was muß ich hören? Malwina(für ſich.) O weh! Ich fuͤrchte⸗ Edgar wird in dieſem ungünſtigen Augenblicke mit der Entdeckung ſeiner Liebe an den Tag treten. Edgar. Ich kann dieſe mächtige Empfin⸗ dung nicht länger in der gepreßten Bruſt verſchlieſ⸗ ſen. Ich muß ſie Euch offenbaren und dann er⸗ warten, ob Ihr das Glück oder das Unglück mei⸗ nes Lebens wollt. Oliver(ungeduldig.) So ſprich! Edgar. Ich liebe Eure Tochter Malwina mit aller Stärke eines treuen und redlichen Herzens. Als wir noch Kinder waren, da thatet Ihr Alles, die gegenſeitige Neigung der jungen Gemüther zu begünſtigen. O ſeyd nicht grauſamer als damals. Ihr wißt: ich beſitze ein kleines aber hinreichendes Eigenthum. Gebt mir Malwinen zum Weibe und werdet mein Vater im ganzen ſchönen Sinne des Worts.(Er hat bei der letzten Rede Malwinen's Hand gefaßt.) Oliver(ſeinen Zorn bekämpfend.) Und— du— Malwina, was ſagſt du zu allen Dieſem? Malwina. O, mein Vater, ich erröthe nicht dir zu geſtehn, daß Edgar auch meine Liebe ge⸗ wonnen hat,. Oliver(indem er zwiſchen Beide tritt und 263— ſie trennt, heftig.) Nun denn, ſo erkläre ich Euch hiermit für immer, daß aus dieſer Verbindung nie etwas werden kann. Bei'm Heile Schottlands, junger Mann, ein großer Dünkel muß ſich deiner bemächtigt haben, daß du glaubſt, einer Tochter des Oliver Mac Angus würdig zu ſeyn. Wer waren deine Vorfahren?— Welche Thaten ſprechen deinen eignen Ruhm aus?— Blick' auf dich ſelbſt zurück und erkenne, wie weit du unter denen ſtehſt, die du durch einen ſolchen Antrag zu beſchimpfen wagſt. T er z e... Oliver. Entferne dich! Bei meiner Ehre, Dein Stolz verleitet dich zu weit. Edgar. Welche Schmach! Welcher Schmerz! Malwina. Schweres Leid! Armes Herz! Edgar und Malwina. O laſſet Euch Laſſe dich bewegen. Zerſtört 3. Zerſtör nicht unſer Gluͤck. — 264— 29 uns den Vaterſegen. i Neiht milde Lnten Blick. Neig deinen Oliver(zu Malwinen.) Schweig, ungerathnes Kind! (Z u Edgar.) Hinweg mit dir geſchwind! E dgar. Kann nichts den Groll verſöohnen, Der Eure Bruſt belebt. Malwin a. O Vater! Sey nicht ſtrenge. Mein Innerſtes erbebt. HOli veer. Mein Wille iſt geſagt, Ihr bleibet ſtets geſchieden, Und weh' dem, der es wagt, Zu ſtören meinen Frieden. Malwina. O Vater! Oliwveer. Still mit dir! Edggr. Noch einmal— — 265— O li ver. Fort von hier! Malwina und Edgar. Leiden tritt ſo hart ins Leben Unſre Liebe ſinkt in Nacht, Schickſal! du willſt widerſtreben, Wild ergreift uns deine Macht. Oli vy e r. Hal mich macht der Zorn erbeben, All mein Grimm iſt angefacht. Dieſer Liebe widerſtreben Werde ich mit Vatermacht. (Edgar nach Auſſen; Malwina von Oliver heftig fortge⸗ führt ins Innre des Hauſes ab.) Neunte Scene. Das Innere der Fingalshöle. Große Baſaltpfeiler er⸗ heben ſich zu beiden Seiten; in der Mitte ruht eine Felſenmaſſe in der Geſtalt eines Grabmals. Im Hintergrunde eine weitgewölbte Offnung, durch welche man das Meer, welches bis in die Mitte des Theaters vordringt, und den Himmel ſieht. Zu den Seiten tiefere Eingänge in die Höle. (Dämmerung.) (Oscar ſitzt mit ſeiner Harfe vor dem grabmalähn⸗ lichen Felſen.) Romanze. Oſſians Hülle ruft im Grunde, Seine Lieder ziehn herauf! — — 266— Bringen die vergeßne Kunde, Blühen neu im Siegeslauf. Aller Sänger, Ruhm und Preiß Grünen dir, ein friſches Reiß. Staub bald werden die Geſtalten, Ewig aber bleibt dein Lied! Wenn die Ketten nicht mehr halten, Schwebt's zum himmliſchen Gebiet. Aller Sänger, Ruhm und Preiß Grünen dir, ein friſches Reiß. (Er geht langſam in den Felſengang rechts ab.) Zehnte Scene. Brenda(kommt gedankenvoll aus dem Hin⸗ tergrunde.) Ha! Wie dieſe ſchauerliche Einſamkeit mit den Gefühlen meiner Bruſt übereinſtimmt. Hier i*ſt Alles ſtill und öde! Keines Menſchen Tritt ver⸗ irrt ſich zu dieſer finſtren Stätte, kein lebendiger Laut erklingt hier; nur das ewig einförmige Rau⸗ ſchen des Meers ſtört dieſes düſtre Schweigen.— O Morris, warum haben deine Verſicherungen dieſes Herz nicht ganz beruhigen können? Warum dringen immer neue Zweifel übermächtig aus der Tiefe der Seele empor? Recitativ. Könnteſt du mich täuſchen? Geliebter, den mein Herz erkor! — 267— Schrecklicher Gedanken! Mit Qual, mit Pein Durchzuckſt du meine Seele! Nein! Nein! Dies offne Auge War nicht der Lüge Schutz! Und doch— O Himmelsmacht! Nimm du dich gütig meiner an! Ari e. Laß deinen Schutz, o Himmelsmacht, Auf meinem Daſeyn ruhn! Dein Blick erglänzt, es flieht die Nacht, Du ſegneſt ſanft mein Thun. Dir will ich ganz mein Heil vertraun, Du hohe Himmelsmacht! Auf dich in Leid und Freude baun, O hab' dein Kind bewacht! Doch hat Verräthertücke Zu täuſchen mich gewagt, So ſey auch deine Hülfe, Der Rache zugeſagt. Fluch treffe und Verderben Den ſchwarzen Böſewicht, Ihn zu vernichten ſelber, Das ſey mir heil'ge Pflicht!— Nein! Nein! Er kann mich nicht betrügen, Sein Blick iſt treu, ſein Wort iſt wahr. Die Nacht entflieht, der Tag wird ſiegen, Du, Himmelsmacht, ſtrahlſt immerdar! Eilfte Scene. Die Vorige. Edgar(aus dem Hintergrunde.) Edgar(erwirrt eintretend.) Ha! Wohin hat mich unwillkührlich die Verzweiflung über den Ver⸗ luſt meiner höchſten, meiner einzigen Hoffnung ge⸗ führt? Hier in dieſer Kluft des Todes find ich mich wieder, herausgeriſſen aus der geträumten Seligkeit meiner Liebe, hinabgeſtürzt aus allen meinen Himmeln! Brenda(aufmerkſam.) Iſt das nicht Edgar's Stimme? Edgar(ſie erkennend.) Wie, Brenda, du— Brenda. Welche Klagen entrannen ſo eben deinen Lippen? Welches Unheil kann dich mit Ver⸗ zweiflung erfüllen? Edgar. O, Brenda, dir iſt das ubermaaß meines Unglücks noch unbekannt! Dein Vater hat alle meine Hoffnungen auf den Beſitz Malwinen's vernichtet, er hat mich voll Stolz und Hohn aus ſeinem Hauſe gewieſen. Brenda(theilnehmend.) Armer Edgar! Wohl — 269— mag ſo ſchweres Leid der Liebe den ſchmerzhaften Stachel mit ſich führen. Edgar. Tief in die Seele dringt dieſer Schmerz! Glaub es mir, Brenda! Aber einen Troſt hat mir das Schickſal aufbehalten: ich weiß den Gegenſtand meiner Liebe treu und rein! O möchte auch dir dieſe Beruhigung nimmer fremd werden! Brenda(unwillig.) Edgar! Edgar. Ich muß noch einmal zu deinem Herzen reden, muß noch einmal dich warnen vor dem Abgrunde, an dem du ſorglos und im glück⸗ lichen Wahne wandelſt. Morris iſt ein Böſewicht. Ja! Täuſcht mich nicht Alles, ſo iſt er der verruchte Näuber Roger Draco ſelbſt. Zwölfte Scene. Die Vorigen. Morris, Sullivan(aus dem Hin⸗ tergrunde.) Morris(welcher die letzten Worte gehöͤrt.) Wer nannte hier meinen Namen? Sullivan. Still, Hauptmann, laßt uns leiſe näher ſchleichen. Edgar(fortſahrend.) O höre auf die Stimme des treuen Freundes, des liebevollen Gefährten dei⸗ ner Kindheit! Gib dich nicht ohne eine ſcharfe Prü⸗ fung dieſem Abentheurer hin! Hätte auch meine — 270— Ahnung mich betrogen, hätte nicht jener Roger Draco ſelbſt ſich unter dem Namen Morris hier eingeſchlichen, ſo iſt er doch ſicher einer von deſſen Verbrechensgenoſſen, ein Seeräuber, ein Abſcheu der Menſchheit. Sullivan(leiſe.) Hauptmann, wir ſind ver⸗ rathen. Soll ich dem Burſchen den Mund ſtopfen für immer?(Morris macht ein Zeichen des Schwei⸗ gens.) Brenda. Ich berg es dir nicht, Edgar, deine Worte haben mich im tief Innerſten erſchüttert. Aber wär' es auch, wäre ich betrogen von einem Böswicht— ſelbſt für dieſen Fall iſt mein Ent⸗ ſchluß gefaßt. Morris(halblaut zu Sullivan mit verhalte⸗ ner Wuth.) Tod und Verderben! Es iſt Brenda und der Bube Edgar! Finale. Edgar(zu Brenda.) Du biſt gewarnt nun vor Verrath, Dein Blick erkennt des Unheils Saat. Bren d a. Nimm meinen Dank! Dein treuer Sinn IFmfſt mir ein freundlicher Gewinn. Morris bei Seite.) Ha! Eiferſucht und Wuth Faßt mich in wilder Gluth. Sullivan(ebenſo, auf den Capitän deutend.) Bald, wett' ich, ſchafft die Wuth Sich Luſt in Feindes Blut. Bren d a. Die Liebe lebt, ſie kann mich nicht betrügen, Ward ich getäuſcht, ſo iſt es Menſchenthat; Doch, glaube mir, ich werde ſchrecklich rügen An meinem Herzen den Verrath. Morris(bei Seite, indem er ſeinen Dolch zieht.) Erzittre, Thörin! Bald— Trifft jenes Bruſt mein Stahl. Sullivan(bei Seite.) Ha! wie ſein Zorn aufwallt, Jetzt gilt die blut'ge Wahl. Edgar(zu Brenda.) Der Liebe Leid tritt gramvoll in mein Leben, Doch ſäh ich, Freundin, dich gerettet ſchen, Das könnte ſanften Troſt dem Herzen geben Und eine bange Sorge wär entflohn. Morris(indem er hervorſtürzt und den Edgar mit dem Dolche niederſtößt.) Da, Bube, nimm deinen Lohn! — 272— Edgar(ſinkt zur Erde.) Ha, Mörder! Brend a. Fluchwürd'ge That! (Sie fällt ohnmächtig an dem Grabmale nieder.) Sullivan. Ihr traft ihn gut! Wohl nimmer Ubt er an uns Verrath. Morr i s. Ha! Brenda. Welcher Zufall! Sie tödtete der Schreck. Sullivan(ſich zu ihr niederbeugend.) Nein! Nuhig— Eine Ohnmacht— Bald kehrt die Kraft zurück. Morris. Komm, Sullivan! Hinweg Laß uns den Leichnam tragen! Sonſt fällt auf's Neu ihr Blick Auf dieſes blut'ge Bild, Das ſie mit Schreck erfüllt. (Sulliran und Morris heben den Edgar auf und tragen ihn in den Gang, in welchen früher Oscar abging.) Brenda(allein, indem ſie ſich aufrichtet und vortritt.) Wo bin ich!— Was iſt mit mir geſchehn? War's ein ſchwarzer Traum, — 273— Der die Sinne mir verwirrt? Morris— Edgar— ich hab' ſie geſehn, Wen'’ge Augenblicke ſind es kaum! Ha! Welch ein Graus, der meinen Geiſt durchirrt— Der Nebel ſinkt, die Wahrheit tritt heran— Es war kein Traum!— Es war kein Wahn! O ew'ge Allmacht! Morris Hand Hat den Freund in den Tod geſandt! Hal Blutiges Verbrechen, Dich wird der Himmel rächen. Sein Blitz, ſein Donner droht Dem Thäter Straf' und Tod. (Morris und Sullivan kehren zurück.) Morris(kebhaft zu Brenda.) Zürne nicht! Der Liebe Stärke Trieb mich zu dem raſchen Werke. Zürne nicht! daß ihr Gebot Jenem Knaben brachte Tod. Brenda hheftig.) Hinweg die blut'ge Hand!) Wir ſind geſchieden für immer. Du ſelber loͤßt das Band— Dem Möͤrder gehöre ich nimmer! Morris(betroffen.) Wie, Brenda— Welche Rede! IV. 18 — 274— Sullivan(zu Morris.) Capitän, folgt meinem Wort, Führet ſie zum Schiffe fort. Brend a. Ha! Jetzt glaub ich, es war Wahrheit, Was der Todte mir vertraut! Steh' mir Rede! Gib mir Klarheit, Wer du biſt— Sprich ſchnell es aus! Morris(eerlegen.) Wer ich bin— du willſt es wiſſen— Sullivan(bei Seite.) Ha! nun regt ſich ſein Gewiſſen. Brendaa. Sprich'— daß ſich der Schleier hebe! Morris(gefaßt.) Nun ſo wiſſ' es und erbebe, Ich bin— Roger Dracol Brenda(uufſchreiend.) Enſetzliches Licht! Sulli yann. Sie ſcheint vom Blitz getroffen. Morris(nicht ohne Hohn.) Sprich, Mädchen, darf ich noch hoffen? Brenda(ſterk.) Fluch dir, o Böſewicht! — 275— Sullivan(zu Norris.) Mit Güte wird hier nichts gelingen, Laßt's die Gewalt zum Ende bringen. Brend a. Mein Fluch trifft dich, wo du wirſt weilen! Er folgt dir über's weite Meer, Er faßt nach dir, wird dich ereilen, Auf deinem Haupte liegt er ſchwer. Morr i s. Welch wüthendes Beginnen! 4 Sullivan. Fürwahr! Sie ſcheint von Sinnen. Brenda(zum Himmel blickend.) Hohe Himmelsmacht, verzeihe, Daß ich dieſen einſt geliebt! In dem Haß, dem ich mich weihe, Sey die Buße auch geübt. Moryi s. Ha, ſie zwingt mich! Ich muß handeln, Milde wird umſonſt geübt! Meine Bahn ſoll ſie auch wandeln, Feſt hält Draco, die er liebt. Sullivan. Muthig, Herr! Iſt ſie im Kreiſe Deiner Treuen eingeführt; 18* — 276— Dann wird auf der langen Reiſe Leichter auch das Herz gerührt. Morris(zu Brenda.) Laß noch einmal dich beſchwören, Sey die meine, ſey mein Weib. Brenda(mit Abſcheu.) Fort, ich kann dich nimmer hören, Deine Gegenwart bringt Tod. Morr i s. Hal du willſt nicht? Sullivan. Muthig, Herr! Brend a. Nimmermehr! Morr i 8. Nun, ſo brech ich deinen Sinn, Und ich führe mit Gewalt Dich zu meinem Schiffe hin! (Morris und Sullivan nähern ſich der Brenda. Dieſe aber entreißt mit einer ſchnellen Bewegung dem Mor⸗ ris den Dolch, welchen er in ſeinen Gürtel geſteckt hat.) Brend a. Wag es, Frevler! Uebe Gewalt! Schnell wie Blitzesſtrahl Durchſtößt meine Bruſt dieſer Stahl! (Morris und Sullivan fahren entſetzt zurück.) —-— 277— Sullivan. Tolles Weib! MNorri s. Kühne Thatl (In dieſem Augenblicke tritt der Vollmond über das Meer herauf und beleuchtet dieſes wie die ganze weite Halle der Höle. Man ſieht zwei Bote auf der See heranfahren, in denen ſich Oliver, Mal⸗ wina, Scoch, Fanny, Fiſcher und Mädchen befinden.) Chor der Herannahenden. Es ſendet jegliche Lippe Den Namen weit hinaus: Brenda! Es klingt von Klippe zu Klippe, Es toͤnt durch Mogengebraus: Brenda! Sullivan(zu Morris.) Hörtet Ihr es? Laßt uns eilen, Länger dürfen wir nicht weilen. Morris(zu Brenda.) Lebe wohl! Doch trau auf mich, Erſt im Tode laß ich dich. (Er eilt mit Sullivan durch einen der hintern Hölen⸗ gänge ab.) — 278— Brenda(mit zum Himmel gerichtetem Blicke,) Gott, dir ſey mein Dank gebracht, Daß du mich in der Gefahr bewacht! (Die Herannahenden ſind gelandet.) Dreizehnte Scene. (Brenda, Malwina, Oliver, Fanny, Scoch Fiſcher, Mädchen. Alle zerſtreuen ſich, um die nun faſt gedankenlos und ſtaar daſtehende Brenda zu ſuchen.) C h o r. Wir ſuchen, wir forſchen im eifrigen Bund. Laut machen den Felſen den Namen wir kund: Brenda! (Aus der Tiefe der Höle klingt mit einem reſſoniren⸗ den Wohllaute der Name Brenda wieder.) C ho r. Die Echo, ſie ward aus dem Schlummer erweckt, Horcht, wie ſie mit keckem Geſpötte uns neckt! Brenda! (Echo wie vorhin.) Malwina(welche zuerſt auf die theilnahmloſe Brenda ſtößt.) Ha! was ſeh' ich? Ja ſie iſt es! Meine Schweſter Gu dem folgenden Oliver.) — komm geſchwind! (Sie umfaßt Brendan zärtlich, welche aber fortwährend wie in tiefem Traume ſteht.) — 279— Orliev er. Preiß ſey Gott! So hab' ich endlich, Wieder dich, geliebtes Kind! Malwin a. Theure Brenda, wie ſo lange Suchen wir dich ſchon mit Schmerz. Sli ver. Ja! Bei Schottlands Heile: bange Schlug mir in der Bruſt das Herz. Chor einiger näher gekommenen Fiſcher und Mädchen. Ihr Freunde! Eilt herbee, Die Jungfrau iſt gefunden! Malwina(zu Brenda.) Immer ſchweigſt du! Rede frei, Was hielt dich noch hier gebunden? Sliver. Brenda, ſprich! Was es auch ſey, Aller Zorn iſt nun verſchwunden. CE h o r. Wie ſterbend ſchaut ihr Blick! Sie traf ein Mißgeſchick! Brenda(wie aus einer tiefen Geiſtesabweſenheit er wachend.) Hinweg von dieſem Schreckensort, Hier herrſcht der Tod, hier weilt der Mord! — 280— (Sie eilt ſchnell nach dem anliegenden Nachen im Hin⸗ tergrunde, welchen ſie beſteigt. Oliver, Malwina und einige Fiſcher folgen ihr.) Chor der Fiſcher und Nädchen. Ha! Schreck und Angſt ergreifen uns! Laßt ſchnell uns zu den Nachen fliehn! Im Mondesglanz, auf Wellenfluth Dort winkt der Herzen ſchönſtes Gut, Laßt uns zum Strand der Heimath ziehn, Wo ſtille Lebensfreuden blühn. (Sie eilen ſämmtlich nach dem Hintergrunde und ſchiffen ſich ein, während man noch die letzten Worte des Chors aus der Ferne hört.) (Der Vorhang fällt.) Drititer Act. (Oede Felſengegend. Zur Seite Oscars Hütte.) Erſte Scene. Edgar(tritt aus der Hütte. Sein Antlitz iſt bleich; er trägt den linken Arm in einer Binde.) Recitativ. Endlich, holder Strahl der Sonne, Dringſt durch Nebel du empor! Es flieht die Nacht, und neue Lebenswonne Lacht durch des Morgens goldnes Thor. — 281— Schreckliche Nacht! Furchtbares Angedenken! Ha! Die Erinnerung erwacht! Sie will den Dolch auf's neu mir in den Buſen ſenken. Brenda! welch Geſchick hat dich betroffen? Zwiſchen Fürchten, zwiſchen Hoffen Schwank ich hin und her Auf der Ahnung wildempörtem Meer! . Ari e. Arme Brenda, hat die Tücke Jenes Böswichts dich umſtrickt? Ward vom ſchwarzen Mißgeſchicke Jede Hülfe dir entrückt? Ach! Nur bange Zweifel ſteigen Auf in der empörten Bruſt. Keine Hoffnungsſtrahlen neigen Sich zu mir in ſanfter Luſt. Rückgeſtoßen von der Liebe, Um die Freundſchaft tief betrübt, Faſſen mich nur dunkle Triebe, Und mein Himmel bleibt getrübt! (Er ſteht in Nachdenken verloren.) Zweite Scene. (Der Vorige. Oscar, von einem Felſenpfade herab.) Oscar. Sey mir gegrüßt, Jüngling! Die — 282— Kraft deines Alters ſcheint ſich wieder mächtig er⸗ hoben zu haben. Der böſe Geiſt deiner Wunde iſt beſiegt. Edgar hhaſtig.) Guter Vater, welche Nach⸗ richten bringſt du mir? Oscar. Brenda ward gerettet von den Ge⸗ fahren des geſtrigen Abends; aber noch ſchwebt dro⸗ hend ein dunkles Verhängniß über ihr und den ihrigen. Edgar. Sprich, Oscar, offenbare mir Alles. Oscar. Als ich dich in einer todähnlichen Ohnmacht und mit blutendem Arme an einer entle⸗ genen Stelle der weiten Fingalshöle fand, da über⸗ fiel mich Schrecken und Beſorgniß. Ich wußte nicht, womit ich ſchnell das Blut deiner Wunde ſtillen, auf welche Weiſe ich deine Lebensgeiſter ermuntern ſollte.— Edgar. Guter Vater! Und doch war die Sache kaum der Rede werth! Des Buben Dolch hatte nur meinen linken Arm geſtreift; die Heftigkeit des Stoßes warf mich nieder; ich fiel mit dem Kopf auf eine vorſtehende Felſenſpitze und verlor von dieſem Augenblicke an das Bewußtſeyn, bis ich in deinen Armen erwachte. Oscar. Höre mich weiter! Ich eilte zu el⸗ ner Abtheilung der vordern Höle, wo ich einige Erfriſchungen verborgen hielt. Da vernahm ich deut⸗ — 283— lich die Stimme Brenda's und jenes Frevlers, der ſich ihr nun unumwunden als den blutigen See⸗ räuber, Roger Draco nannte. Edgar. Hal! Meine Ahnung! Oscar. Als ich ſchnell wieder mich zurück begab, um dir beizuſpringen, da ſchlugen noch die Flüche und Verwünſchungen an mein Ohr, mit denen Brenda den Betrüger überhäufte. Edgar. Du haſt recht, Oscar! Sie und meine theure Malwina, auch der edle Oliver, den nur ein übereilter Zorn gegen mich verblendet, ſchweben noch in großer Gefahr. Aber wie können wir retten, wie können wir helfen! Oritte Scenſe. (Die Vorigen. Scoch, Fanny, Fiſcher und Mäd⸗ chen den Felſenpfad herab.) Scoch. Friſch auf, meine Freunde! Nur den heitern Muth nicht verloren! Der iſt bei einer Hochzeit die Hauptſache. Fanny(zu Edgar.) Wie, Herr Edgar, Ihr weilt hier, während Fräulein Malwina voll Beſorg⸗ niß Eurer harrt, und uns beauftragt hat, allent⸗ halben Erkundigungen über Euch einzuziehn? Edgar. Wie? Malwina wäre beſorgt um meinetwillen? Sollte Brenda— doch nein, das läßt ſich nicht denken! Aber welcher Zweck bringt Euch in dieſe Gegend? Hat euch Mac Angus nicht — 284— die Erlaubniß gegeben auf dem Platze vor ſeinem Hauſe eure Tänze zu halten? Scoch. Freilich, Herr! Da ſind aber ſo viel ungebetene und rohe Theilnehmer gekommen, daß wir uns ſchnell anders beſonnen haben und unſer Feſt nun auf einer benachbarten Inſel halten wollen. Fanny. Die Seeleute von dem Schiffe des Herrn Morris haben es ſo arg getrieben, daß keine rechtliche Dirne mehr zugegen bleiben konnte. (Ein kleines Mädchen kommt aus der Mengez zu Edgar.) Ja, Herr, es iſt gewiß und wahr⸗ haftig wahr! Mich hat ein großer ſchwarzer Mann mit einem gewaltigen Schnauzbart küſſen wollen; ich ſagte aber, ich bedanke mich! und lief davon. (Sie läuft hinter die andern Mädchen zurück.) Scoch. O wir hätten ſie ſchon bezwingen wollen, wir Männer! Aber wir waren doch eigent⸗ lich Herrn Olivers Gäſte und durften ſeinen Freund, Hauptmann Morris, nicht beleidigen. Edgar Gu Oscar.) Oscar, mir keimt ein glücklicher Gedanke! Oscar. Folge der innern Eingebung! Oft ſpricht aus ihr ein höhrer Geiſt, den wir verehren müſſen. Edgar(uzu den Fiſchern.) Freunde, dieſer Morris iſt ein Böſewicht. Ich ſelbſt bin ſeinem mörderiſchen Anſchlage nur durch ein Wunder ent⸗ riſſen worden. Aber dem würdigen Oliver Mac — 285— Angus und ſeinen edeln Töchtern droht Verderben von dieſem Frevler. Alle(durcheinander.) Welche Entdeckung! Das wollen wir nicht dulden! Edgar. Unter dem angenommenen Namen Morris hat er das Vertrauen Olivers zu erſchleichen gewußt, aber in der That iſt er kein andrer, als der ſchändliche Seeräuber Roger Draco, auf deſſen Haupt die Regierung ſeit lange einen Preis ge⸗ ſetzt hat. Alle. Führt uns an! Unſer Blut. unſer Leben für Oliver Mac Angus. Edgar. Folgt mir zu meiner Wohnung! Dort will ich euch mit Waffen verſehn und es müßte ſchlimm ſeyn, wenn unſer Muth und unſre gerechte Sache die Buben nicht von unſrer Küſte verjagten. Oskar(aufblickend.) Seyd mit ihnen, ihr ewigen Himmelsmächte! E hyo r. Auf! Laßt uns nicht länger weilen, Sieg winkt über jene Brut! Laßt uns ſchnell zur Hülfe eilen, Rettung bringet unſer Muth. Fort! Es rufen Recht und Pflicht; Waget kühn und fürchtet nicht! (Alle ſtürmiſch ab. Oscar folgt langſamer.) Die Scene verwandelt ſich in den Platz vor Olivers Hauſe. — 286— Bierte Seene. Brenda(kommt düſter und tiefſinnig aus dem Hauſe.) Ich habe ihn geliebt. O, daß ich mich dieſer Regung gegen einen Unwürdigen zeihen muß, gegen einen Böſewicht, den die Menſchheit ausſtieß, den die Geſetze ächten! Brenda, die Ge⸗ liebte eines Seeräubers— Brenda, welche immer mit Stolz die Rathſchläge Andrer zurückgewieſen, betrogen von einem Böſewicht!— Unglücklicher Ed⸗ gar! gemordet um meinetwillen.— Ha! Dein Blut ruft mich auf zur Nache, fürchterlich mahnt mich der Mutter Stimme aus dem Grabe, zu erfüllen den geleiſteten Eid. A r i e. Nache ruft es aus den Grüften, Nache heiſcht das eigne Herz! Dort in jenen ſchwarzen Klüften Stark bezwang ich jeden Schmerz. Liebe, dir muß ich entſagen, Deine Hoffnung nimm zurück, Blüthen, die du hold getragen, Fallen nieder wie dein Glück. Verderben, Haß und Rache, Sie führen meine Sache; Aus wildem Mord und Blut Auf wälzt ſich Flammengluth. ——— — 287— Die Flamme kommt vom Herzen, Sie drängt mit Qual, mit Schmerzen, Zur Feindesbruſt ſich ein, Und ſchafft dort ew'ge Pein. Fünfte Scene. (Die Vorige. Malwina und Oliver aus dem Hauſe.) Oliver(hält einen Brief mit gruͤßem Siegel, welchen er erbricht.) Ein Eilbote brachte ſo eben dieſen königlichen Befehl! Laß ſehn, was er Wich⸗ tiges enthält!(Er lieſt.) Malwina(ooll Unruhe, für ſich.) Noch im⸗ mer keine Spur von Edgar! O Himmel! Des Her⸗ zens bange Ahnung zieht mir enger und enger die Bruſt zuſammen. Kaum vermag ich noch meine Unruhe zu verbergen. Brenda lbei Seite.) Hartes Schickſal! Haſ⸗ ſen muß ich nun, den ich liebte! Oliver(der geleſen hat.) Welche überra⸗ ſchende Kunde! Hört mich an, meine Töchter. Mir ward in dieſem Schreiben angezeigt, daß in unſeren Gewäſſern der gefürchtete Piratenhäuptling Noger Draco ſein Weſen treibe— Brenda(bei Seite.) Hal Schon zieht ſich das Ungewitter über ſeinem Haupte zuſammen. Oliver(fortfahrend.) Jeder königliche Be⸗ amte ſoll bei hoher Strafe die größte Wachſamkeit — 288— üben und, wo der Frevler ſich wahrnehmen läßt, allſogleich auf der nächſten Anhöhe die rothe Blut⸗ fahne aufſtecken und ein Feuer anzünden, damit die kreuzenden Fregatten der königlichen Marine herbei⸗ ſegeln und dem kühnen Piraten ſein Recht thun. Beim Heile Schottlands! Zeigt er ſich in unſern Gegenden, ſo ſoll er dem Oliver Mac Angus, der die Ehre hatte(er hebt die Mütze) auf dem könig⸗ lichen Schiffe Magdalena als Lieutenant zu dienen, nicht entgehn. Brenda(für ſich.) Rache! Du nahſt mit ſchnellen Schritten. Malwina(edeutungsvoll.) Wollt Ihr nicht dem Capitän Morris dieſe Nachricht mittheilen? Oliver. Frreilich! Ich eile, ſogleich ihn auf⸗ zuſuchen. Der wird ſich wundern. Aber ſein Bei⸗ ſtand kann uns im Fall der Noth von großem Nuz⸗ zen ſeyn!(Ab in den Hintergrund.) Sechſte Scene. (Brenda. Malwina.) Malwina. O, meine Schweſter! Nicht län⸗ ger kann ich vor dir ſchweigen, nicht länger die Stürme verheimlichen, welche mein Herz zerreißen. Brenda(für ſich.) Unglückliche! Hat ſchon die Ahnung des Schrecklichen ſich in deine Bruſt gedrängt? — 289— Malwina. Du ſollſt Alles wiſſen! Viel⸗ leicht daß du mir ſogleich Aufſchluß zu geben ver⸗ magſt in den Zweifeln, welche ihre glühenden Kral⸗ len in mein Herz ſchlagen. Brenda(bei Seite.) O jal! Furchtbaren Auf⸗ ſchluß. Malwina. Schon mit dem erſten Strahle der Sonne wollte ſich Edgar zu einer verabredeten Zuſammenkunft auf dieſem Platze einfinden. Noch nie brach er ſein Wort! Hoch ſteht bereits die Ta⸗ geskönigin und keine Spur ließ ſich von ihm wahr⸗ nehmen! Eine angſtvolle Ahnung in meinem In⸗ nern— Morris Haß gegen den Jüngling— der grauenvolle Glauben, daß der Retter eines Schiff⸗ brüchigen in dieſem ſeinen Mörder ſich nahe gebracht habe— dann deine ſchrecklichen und dunkeln Auſ⸗ ſerungen am geſtrigen Abende; alles das tritt ſinn⸗ verwirrend und gräßlich auf mich ein. O„Schwe⸗ ſter, ich beſchwöre dich, ſprich: Kannſt du dieſe Zweifel löſen, kannſt du mir Licht geben in dieſer Nacht? Brenda(nach kurzem Kampfe mit niederge⸗ ſchlagenem Blicke.) Nein, Malwina! Ich weiß nichts von Edgar. Malwina. Brenda, du hintergehſt mich, dein Auge ſtraft dich Lügen. Schweſter, ſev barm⸗ IV. 19 herzig! Reiße mich aus dieſer tödtlichen Angſt: — 290— Was ward aus Edgarn? Brenda. reden! Du et t. Mal wina. O, ende dieſes Leiden, Gieb meinem Herzen Ruh! Laß jeden Zweifel ſcheiden, Die Ahnung deute du. Brendaa. Nein! Schweſter, ich muß ſchweigen— (Für ſich.) O, hartes Mißgeſchick! Wollt' ich den Tag ihr zeigen, So ſänk in Nacht ihr Glück. Malwin a. Ha! düſtres Grauen dringet Vom Höllengrund herauf. Brend a. Die Qual, die ſie umſchlinget, Löſ't nie in Luſt ſich auf. Malwin a. Ein Wort! Laß dich erflehen, Schon faßt Verzweiflung mich! Brend a. Hal nimmer. Sollt ich ſehen Vom Blitz getroffen dich? Ich kann nicht, ich darf nicht — 291— Beide. Tag des Schreckens, Tag der Schmerzen, Deine Qual dringt in die Herzen. Laß, o Leiden, deine Macht Nicht uns nah'n in Todesnacht. Siebente Scene. (Die Vorigen. Oliver und Morris. Dieſer tritt auf einen Wink Olivers zur Seite.) Oliver. Beim Heile Schottlands, ihr Mäd⸗ chen! Ein froher Tag iſt im Anzuge für das Ge⸗ ſchlecht der Mac Angus. (Malwina nimmt wenigen Theil an der Handlung. In ih⸗ rem ganzen Weſen mahlen ſich innere Angſt und Unruhe.) Brenda. Was kann meinen Vater mit ſol⸗ cher Freude erfüllen? Oliver. Dir gilt es eigentlich, Brenda; dich geht es am Nächſten an. Brenda(geſpannt.) Nun? Oliver. Ein würdiger Mann, ein Mann, den wir alle ehren, der auf der Bahn des Ruhms eine hohe Staffel erreicht hat, hält um dich an und begehrt dich zu ſeinem Weibe. Brenda(bei Seite.) Ha, ſollte Morris den⸗ noch— 19* — 292— Oliver. Der Mann ſcheint ſelbſt uͤberzeugt, daß er dir nicht ſo ganz gleichgültig ſey. Brenda(mit erzwungener Faſſung.) Du ſcherzeſt, Vater! Oliver. Beim Heile Schottlands, ich ſcherze nicht.(Er giebt dem Morris einen Wink, welcher vortritt.) Hier iſt der Mann. KQuartett. Brenda(voll Abſcheu.) Mörder! Fort aus meinen Blicken. Malwina(heftig aus ihrem Nachſinnen auffahrend.) Ew'ger Gott! Welch Schreckenswort! Ol i ve r. Will ein Trugbild ſie berücken? NM o r r 1 z. Sie verräth mich. Tod und Mord! Brenda(zu Morris.) Dich treibt dein frecher Uebermuth Zu neuer Unthat an. Blick, Vater, in des Auges Gluth Blick auf den würd'gen Mann! Schweigen will ich länger nicht, Reden jetzt gebeut die Pflicht Roger Draco iſt's, der Böſewicht! Er läugne, wenn er kann. — 293— Oli ve r. Brenda, wie! biſt du von Sinnen, Unſer Gaſt iſt's, der hier naht. Malwina. Ha! Ich werde Licht gewinnen, Bald ſchau ich den blut'gen Pfad. Mor r i s. Schöne Schlange! Eitle Mühn Sind es, dich mir zu entziehn. Brenda(ſtolz zu Morris.) Rede ſelbſt und widerlege mich, Roger Draco nennſt du dich. MN o r r i 3. Nun ja, ich bin's! Ich bin der Krieger, Auf Meeresfluth der anerkannte Sieger. Brenda und Malwina. Nun iſt's entdeckt, nun iſt es klar, Er ſelbſt hat's offenbart. Ha, furchtbar hell, ha, ſchrecklich wahr Iſt was er ſtill bewahrt. Oli ver. Ein Donnerſchlag traf dieſes Wort, Mich leichtgetäuſchten Mann. Doch ruhig, Herz! Sogleich muß fort, Der mich ſo falſch umſpann. — 294— Morr i 3. Verſucht es nur, mir zu entgehn, Ich ſtehe nicht allein: Noch heute wird, ihr ſollt es ſehn, Brenda die Meine ſeyn. Oliver(zu Morris.) Hinweg ſogleich von dieſer Küſte hier. Ich ſag es in des Königs Namen dir. Du warſt mein Gaſtfreund! Das Gereichet dir zum Glück. Sonſt hielt ich dich, bei Gott! Gefangen hier zurück. Morr i s. Gebt Brenda mir, dann eil' ich weiter Und kehre nie zu dieſem Strand. Brenda. Ha! Uebermüth'ger, eh dem Tode, Als dir gewähr' ich meine Hand. Malwina(die Hand auf dem Herzen.) O, ſchrecklich brennt die Wunde! Oliver(zu Morris.) Hinweg zu dieſer Stunde! Morr i s. Nun, ich gehe! Triumphiren Moͤgt ihr aber nicht zu bald. — 295— Kann euch nicht die Liebe rühren, Ha, ſo zwingt euch die Gewalt. Brenda, Malwina und Oliver. Ha! Er gehet. Triumphiren Dürfen wir doch nicht zu bald. Konnte Liſt zum Ziel nicht führen, So verſucht es die Gewalt. (Morris ab. Oliver folgt ihm in einiger Entfernung.) Achte Scene. Brenda. Malwina. Brenda. Er iſt fort. Meine Verwünſchun⸗ gen folgen ihm nach; ſie werden ihn ereilen, wo es auch ſey. Malwina. Schweſter, du nannteſt ihn einen Moöͤrder? Sprich es ganz aus— verhehle mir's nicht länger— ich will ja ſtark bleiben bei der ſchrecklichen Aufklärung: er iſt der Mörder Edgars? Brenda. Nun denn, ja! So wiſſ' es und verzweifle: er hat ihn gemordet, er hat ihn nieder⸗ geſtoßen vor meinen Blicken. Malwina(berbirgt ihr Antlitz.) Ewige All⸗ macht! Brenda. Was jammerſt du? Biſt du nicht zu beneiden gegen mich? Dein Geliebter iſt todt, er lebte der Tugend, ſein Angedenken wird von — 296— Allen geehrt werden, du darfſt ihn beweinen dein Lebelang. Aber ich— o du bodenloſes Meer des Grams! ich achtete nicht eurer freundlichen War⸗ nungen, ich war zu ſtolz eurem rathenden Worte Gehor zu geben und ſo ward ich die Beute eines hinterliſtigen Frevlers. Dein Edgar, der treue Warner, fiel, ein Opfer der ſchrecklichſten Leidenſchaft. Malwina(mit von Thränen erſtickter Stimme.) Rede nicht weiter, Brenda! Ich weiß genug. Brenda. Beruhige dich! Du ſollſt gerächt werden. Der Mutter Stimme ruft unabläſſig aus dem Grabe zu mir empor, daß ich meinen Eid löſe, daß ich den verderbe, der mich tückiſch betro⸗ gen. Ha! Er ſoll mich kennen lernen! War Brenda ſtark genug, ihn zu lieben trotz jeder War⸗ nung, ſo fehlt es ihr auch nicht an Muth, die ge⸗ täuſchte Liebe zu rächen. Ja! ich will wieder durch eine große That meiner ſelbſt und der meinigen würdig werden! Zittre, Roger Draco, die Rache kommt. (Schnell ab ins Haus.) Neunte Scene. Malwina(allein.) Recitativ. Was habe ich gehört? Hal mein Geliebter, Er ſank durch ſchwarzen Mord in Todesnacht. O, Theurer! — 297— Dein blut'ger Schatten wird fortan In jedem Augenblicke mich umſchweben. Des Lebens Glück, die Hoffnung, jede Luſt, Sie ſind mit dir dahin! O, ew'ge Gottheit! Weil er treu Gewarnt vor finſtrem Unheil, Traf ihn des Mörders Hand. (Zärtlich.) Mein Edgar! So mild, ſo muthig und ſo ſtark Entgegen ſtandeſt du dem Böſewicht. Ach! ewig wird dein ſüßes Bild ¹ In meinem Herzen leben; Und meine Thräne fließt Auf immer deinem Tod. (Sie bleibt einige Augenblicke in trauerndem Sinnen. Indeſſen eilt Brenda aus dem Hauſe; dieſe trägt eine blutrothe Fahne und eine brennende Fackel. Sie geht nach dem Hintergrunde. In der Mitte des Theaters bleibt ſie unſchlüſſig einen Augenblick ſtehn, blickt im Gebet zum Himmel auf, dann aber eilt ſie plötzlich in heftiger Bewegung auf die Klippe im Hintergrunde, ſteckt dort die Blutfahne auf und zündet ein Feuer an.) NMal wina. 4 A r i e. Ich ſoll ihn nimmer ſchauen, — 298— Für den mein Herz entbrennt; Des Todes ſchwarzes Grauen Hält mich von ihm getrennt. O Gram, Verzweiflung, Trauer Ihr ſtürmet auf mich ein, O möchte Grabesſchauer Bald enden dieſe Pein. Vergangenheit, dein ſüßes Bild, Es blickt zu mir ſo hold und mild, Es ruft mit ſanftem Laut zu mir: Wie war es doch ſo ſchön bei dir. Mich hat das Leid erkoren, Zu dienen ihm fortan. Glück, lebe wohl! Verloren Bin ich auf ſchwarzer Bahn. Zehnte Scene. Finale. Die Vorige. Brenda hat ihr Werk vollendet und eilt begeiſtert vor. Brenſda. Es iſt geſchehn! Blick, Schweſter, auf! Geendet bald iſt nun des Freolers Lauf. Malwina(welche das Werk ihrer Schweſter mit Er⸗ ſtaunen erblickt.) Du haſt es gewagt? Ha, welcher Heldenmuth! — 299— Brend a. Der Eid iſt gelöſ't, So räch' ich Edgar's Blut. Meine Liebe hab' ich überwunden, Ausgeſtoßen aus dem Herzen ſie, Nache hält den Böſewicht gebunden, Und bei'm Himmell er entgeht ihr nie, Klar ſteht's nun auf's Neu vor meinem Sinn, Daß ich wieder Eurer würdig bin. Malwin a. Bewundern muß ich dich, Doch hätt' ich's nie vermocht. Brend a. In Haß kehrt Liebe ſich, Die der Betrug umflocht. Bei d e. Wie ſind doch unſre Herzen Beſtürmt von heißen Schmerzen! Doch Troſt wird uns geſandt Im ſchweſterlichen Band. Eilfte Scene. Die Vorigen. Morris. Sullivan. Seeräuber ſtürmiſch aus dem Hintergrunde. Chor der Seeräuber. Rache, Rache! Wer hat's gewagt, Hat uns verrathen, hat uns entdeckt? Wer ſchürt' die Gluth auf dem Felſen an, — 300— Wer hat die Blutfahne auf dort geſteckt? Wer? Wer? Wer? Mor n i 3. Brenda, ſprich! Dem Freoler droht Unter wilder Qual der Tod. Malwina(für ſich.) Hal welches Mißgeſchick Führt dieſen noch zurück. Brenda(tritt dem Morris ſtolz entgegen.) Wie, Böſewicht! du bebſt, du biſt erſchreckt, Ich ſelbſt hab' jene Fahne aufgeſteckt, Ich ſelbſt gezündet jene Flammen, Der Rache Gluth ſchlägt über dir zuſammen! Die Seerauber. So zittre! Denn es naht Die Strafe dem Verrath. Einige Seeräuber(welche auf die Spitze des Fel⸗ ſens geeilt waren und jetzt zurückkehren.) Auf deiner Huth ſey, Capitän! Schon laſſen ſich die Feinde ſehn. Morris(Entſchloſſen.) Die Jungfraun nehmt! Von dieſem Ort Bringt ſie ſogleich zum Schiffe fort. MNMalwin a. Du hohe Allmacht, ſteh uns bei! Brenda(zu Morris.) In mir bleibt dir die Rache treu. (Die Seeräuber bemächtigen ſich der Mädchen und wol⸗ len ſie gewaltſam nach dem Hintergrunde führen.) 8 — 301— Zwölfte Scene. Die Vorigen. Oliver und Edgar ſtürzen an der Spitze eines zahlreichen und bewaffneten Fiſcherhau⸗ fens herbei. Sullivan und Morris weichen entſetzt vor dem todtgeglaubten Edgar zurück.) Oliver, Edgar und die Fiſcher.(Indem ſie die Jungfraun den überraſchten Seeräubern entreißen.) Halt! ihr Buben. Solcher Tücke Zu begegnen wiſſen wir. Schwerdter weiſen ſie zurücke, Flieht im Augenblick von hier. Morris(auf Edgar blickend.) Gibt der Tod die Beute wieder? Sullivan. Der iſt aus dem Grab erwacht. Brendaa. Edgar— Engel ſteigen nieder. Malwin a.; Edgar lebt! O Himmelsmacht! (Vom Meere her erſchallen plötzlich zahlreiche Kanonen⸗ ſchuſi⸗ Die Seeräuber. Fort! Schon hat der Kampf begonnen Bringt den Freunden Hülfe gleich. Mo r i 3. Bald iſt mir der Sieg gewonnen, Wieder kehr ich dann zu euch! (Morris und die Seeräuber ab in den Hintergrund.) — 302— Malwina Gu Edgar.) Du lebſt! Edgar. Ich lebe! Malwina. Himmliſches Entzücken. Edgar. Biſt frei— Malwina. Gerettet! Edgazr. Könnteſt mich beglücken. Brenda(zu Oliver.) O, Vater ſegne ihren Bund! Sey nicht mehr ſtrenge, werde mild. Oliver(bei Seite.) Fürwahr, faſt wäre ohne ihn, Mein Mißgeſchick erfüllt! (Fanny und die Mädchen ſind indeſſen nachgekommen. Fortwährendes Schießen.) Chor der kämpfenden Seeräuber(hinter der Scene.) Eiſen im Herzen, Eiſen in der Hand, Eiſen voll Schmerzen Dem Feind zugewandt. Chor der Anweſenden(auf der Bühne.) Hört ihr das Kampfgeſchrei, —— — 303— Dort herrſchet ſchon der Tod! Sein Wüthen iſt jetzt frei, Er bringet blut'ge Noth. Chor der Seeräuber hinter der Scene.) Feuer im Herzen, Feuer in der Hand, Feuer voll Schmerzen Dem Feind zugewandt. Chor der Anweſenden. Hört, immer ärger tobt Der Kampf auf blauer Fluth, Die Gottheit ſey gelobt, Uns trifft nicht ſeine Wuth. (Das bedrängte Seeräuberſchiff erſcheint im Hintergrunde zur Seite. Es fängt an zu brennen; die Flamme greift ſchnell um ſich. Alle ſehen im ſtummen Ent⸗ ſetzen dem Schauſpiele zu.) Die Seeräuber(mit Angſtgeſchrei.) Wehe! (Gleich darauf fliegt das Schiff mit gewaltigem Krachen in die Luft, welche dadurch verfinſtert wird und erſt nach einigen Augenblicken ſich wieder erhellt.) (P a u ſ e.) Chor. Es iſt geſchehn! Sie ſind gerichtet! In Flammen fanden ſie den Untergang. — 304— Brenda(mit Begeiſtrung.) Jetzt hat die Gottheit mich verpflichtet, Geſtillt iſt nun der Seele Drang, Wie ich einſt war, ſo heiter bin ich wieder Und Frieden ſinkt in meine Seele nieder. Oliver(zu Edgar.) Du haſt heut Heldenmuth bewährt, Drum ſey Malwina dir gewährt! Malwina und Edgar. Ha! Seligkeit und Himmelsluſt Ziehn in die dankerfüllte Bruſt. Brend a. Laßt mich die dritte ſeyn im Bunde, Dann heilet ganz die Herzenswunde. (Edgar und Malwina nehmen ſie liebevoll in die Mitte.) Schlußchor Seyd heiter, zufrieden und liebt euch ſtets treu Das Glück eurer Herzen ſey täglich euch neu Befolget was Tugend, was Liebe gebeut; Das Schickſal bringt Lohn, der euch dauernd erfreut. (Der Vorhang fällt.)