5—--— 8/—⸗ 4₰— 4 ——.--———— Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von Eduard Oftmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Teih- und Leſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 3 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ———————— auf 1 Monat: 1 Mt.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. „„„„ 3„—„„=„ 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer lum Erſatz des Ganzen verp flichtet.. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. — —= ——,— — ——=— —— — — —— —— Dramatische Novellen von Georg Döring. Dritter Theil. Der Berggeiſt.— Fortunat mit dem Sackel und Wünſchhütlein.— Der Ahnenſchatz. Frankfurt am Main. 0 Gedruckt und verlegt von Johann David Sauerländer 1 8 3 3 v — I. Tyrisches. Wenn im Lenz aus Blüthenzweigen Uns ein reicher Jubel tönt, Warum ſoll der Dichter ſchweigen Und der Klang, der ihn verſchönt? Der Berggeist. Romantiſche Oper in drei Aufzügen. In Muſik geſetzt von Ludwig Spohr. Perſonen: Domoslav, Herzog. Alma, ſeine Tochter. Fürſt Oskar, Alma's Bräutigam. Ludmille, Alma' Vertraute. Der Berggeiſt. Troll—, ein Erdgeiſt. Vaſallen Domoslavs und Oskars. Ddiener und Dienerinnen. Erdgeiſter. Luftgeiſter. Feuergeiſter. Waſſergeiſter. Erſcheinungen. Erſter Aufzug. Erſte Scene. (Felſengewölbe mit mehreren Erhöhungen, von einem Erdbrande röthlich, aber ſchwach erleuchtet. Der Berggeiſt auf einem von Felſen gebildeten Throne nachläſſig ſitzend, in der herabhängenden Rechten einen ſchwarzen Stab, an dem unten ein goldener Hammer befindlich. Troll und die übrigen Erd⸗ geiſter, mit kleinen ſchwarzen Stäben, an deren Enden ſilberne Hämmer, eilen geſchäftig hin und her. Einige tragen Erzſtufen, andere arbeiten auf den Erhöhungen mit ihren Hämmern, an den Wän⸗ den; wieder andere eilen oft in die Nähe des Berg⸗ geiſtes, als wollten ſie deſſen Befehle vernehmen, kehren aber, da dieſer keine Theilnahme verräth, ſchnell wieder um. Sie haben ſämmtlich kleine eiſerne Kronen auf dem Haupte, in deren jeder ein Flämm⸗ chen brennt. Der Berggeiſt hat eine dergleichen größere, in der eine rothe Flamme brennt.) Chor der Erdgeiſter. Schafft, ſchafft, ſchafft! Hebt die Erze aus den Tiefen Dämmt der Waſſer wilde Wuth, Laßt die Gluth nur mäßig treiben, Daß ſie nicht zerſtörend wirkt. Schafft, ſchafft, ſchafft! Gluth und Fluth belebt die Erde, An der Luft verwelkt ihr Kranz. Troll. (Kommt unmuthig vor und lehnt ſeinen Hammer an die Felswand.) Recitativ. Immer Arbeit, nimmer Freude! Das mag Andern wohl behagen, Doch mir eckelt's! Tief im Innern Lebt ein Sehnen, lebt ein Drängen, Nach der Menſchen bunter Luſt. Glückliche Tage, die ich am Lichte Strahlender Sonne, bei euch verbracht! Ach! damals ſcheute man die Gnomen nicht! Und höh're Geiſtermacht Vergönnte manchem Auserwählten Aus unſerm Reich, ſich Menſchen anzuſchließen. (Mehrere Erdgeiſter haben ſich um Troll verſam⸗ melt, und hören ihm aufmerkſam zu.) Mehrere Erdgeiſter. Wie, du neideſt ein irdiſches Glück? Sprich, Troll, offenbare, was treiben die Menſchen? ———— — — — 9— Können ſie froher, als Geiſter, denn ſeyn? Wir ſahen ſie nimmer. Sprich, Troll, offenbare! Troll. (Scheu und behutſam, auf den Berggeiſt deutend.) RNecitativ. Auch der Meiſter ſtets verſchmähte, Ihnen ſich zu nah'n: Noch immer hält Sein Gebot auch mich von ihnen fern. Schreckliches Geſchick! Hört, Brüder, hört! Ein Geiſterleben Bleibt immer nur ein geiſtig Leben, Und ſo ein menſchlich Körperleben Iſt wahrlich gar nicht zu verachten! Ariette. Menſchen ſtehen nie allein; Gleich und gleich geſellt ſich gern! Und die Banden, die ſie weben, Drücken nicht, ſie einen nur. Wein und Frauen. Schöne Gaben! Nichts ward uns, das ihnen gleicht, Ach, vor Allem, holde Frauen Schmücken reich ihr Leben aus. Uns durchſtrömt des Feuers Gluth, Uns durchſchauert Eiſesfroſt, Aber keine zarte Hand Hat ſo Gluth wie Froſt verjagt. — 10— Holde Frauen, liebe Mädchen, Sanftes Streicheln, ſüße Küſſe, Gleichen jeden Kummer aus, Der das Menſchenleben trübt. Mehrere Erdgeiſter. Du ſagſt da Wunderdinge Von flücht'ger Menſchenluſt! Iſt's Feuer, iſt es Waſſer, Das ſo mit Zaubermacht Der Menſchen einzle Freuden In einen Guß vereint? Troll. Recitativ. Feuer? Waſſer? dumme Fragen G Ach es iſt ein Hochgefühl, Eine Macht, die Menſchen hebt zu Geiſtern, Eine Macht, die Geiſter menſchlich macht. Wer ſie einſt von uns empfunden, Den verfolgt ſie ſtachelnd, prickelnd, Quält mit Sehnſucht, reizt ihn ewig, Kurz: es iſt die Macht der Liebe! Berggeiſt(erhebt ſich von ſeinem Thron). Hal welches Zauberwort Weckt mich aus düſtern Träumen? — 11— (Er tritt ſinnend und bewegt vor. Die Erdgeiſter eilen ſchnell an ihre frühere Arbeit, die ſie im Hin⸗ tergrunde forttreiben. Nur Troll bleiht vorn ſchüch⸗ tern bei Seite ſtehen.) Hinab zum Mittelpunkt der Erde Gewendet war mein Blick! Er weilte in den ſchwarzen Klüften, Wo unheilſinnende verdammte Geiſter Dem Reich der Elemente Verderben dräun. Da plötzlich bebt ein ſüßer Klang Beglückend durch mein Inn'res, Ruft auf zur Ahnung unbekannter Wonne. (Zu Troll, der ſchüchtern bei Seite ſteht.) Du warſt's! Du ſpracheſt jenes Wort, Des wunderbarer, deutungsvoller Sinn Mich ſchnell entrückt dem Abgrund der Dämonen Und mich erhob zum Sitz der Himmelsgeiſter. Troll(näher tretend). Ach, verzeihe, hoher Herrſcher! Menſchenglück und Menſchentreiben, Einſtens mir ſo wohl bekannt, Hab' ich jenen nur beſchrieben. Berggeiſt. Und jenes Wort, mit Zaubermacht gerüſtet, Was deutet es im armen Menſchenleben, Daß ſein Erſchallen ſelbſt auf Geiſter wirkt? — 12— Troll. Du gebieteſt; ich gehorche! Menſchenleben: Kurze Freude, Lange Sorge, frühes Grab! Aber dieſer Dinge Wechſel Schmückt ein Heil, ach! Herr, das leider Wir entbehren. Ja, für alle Geiſternacht Gäben Menſchen nicht die Liebe! Berggeiſt. Die Liebe? welche Deutung birgt ſich In dem wunderbaren Laut? Menſchen wär' ein Glück bereitet, Das dem Geiſterreiche fremd? Nimmer faſſ' ich's! Rede weiter! Gieb mir Kunde, Wie ſich dieſes Heil geſtaltet? Troll. Hoher Meiſter, nur Erfahrung Lehrt das Glück der Liebe kennen. Ach wie ſüß iſt die Erfahrung! Von Frauenlippen ſie zu pflücken, In Mädchenarmen ſie erkennen, Zarte Herzen im Wonnedrang Übergeiſtig an ſich reißen: — 13— Herr! ein Heil, weit höher als Alles, Was unſerm ewigen Daſeyn beſcheert. Berggeiſt. Ich will es prüfen!—— Troll(bei Seite). Welche Hoffnung! Berggeiſt. Will es erkennen mit irdiſchen Sinnen, War den flücht'gen Erdenwandrern Größ'res Heil als uns beſchieden, Iſt es werth des Geiſterreiches: Dann— dann zieh' es ein In mein Gebiet, mit allen ſeinen Freuden! Duett mit Chor. Berggeiſt. Auf die Erde, auf die Auen Rufet mich ein ſüßer Klang. Liebe— übermächt'ges Weſen, Das im Klange Geiſter lockt! Troll. Ach wie herrlich! wunderherrlich Wenn durch goldbeglänzten Schacht Hier erſt ſchmucke Mädchen ſchlüpfen Und bei Allen ich bin Gaſt. (Die Erdgeiſter verlaſſen ihre Arbeit, und ſammeln ſich neugierig um Beide.) — 11— Berggeiſt. Geiſtermacht ſoll mich begleiten, Führe ſchnell mich an das Ziel. Troll Gu den Erdgeiſtern). Hört, der Meiſter eilt zu Menſchen, Nimmt uns mit an's Tageslicht! Berggeiſt. Unſichtbar ſey das Geleite, Schnell zu jedem Dienſt bereit! Troll und die Erdgeiſter. Glück auf! Glück auf! Wir ziehen mit. Berggeiſt. Ich will mir das friedliche Leben beſchauen, Will kennen die Menſchen, will kennen die Liebe; Auf, meine Geiſter, zum Tage empor! Im Sturm durchſauſen wir Felſen und Stein. Chor der Erdgeiſter. Auf Geiſterſchwingen Durchzieh'n wir die Klüfte, Wir folgen dem Meiſter; Glück auf! Glück auf! (Alle ab.) (Verwandlung. Im Hintergrunde Domoslavs Burg mit Garten. Ausſicht auf das Gebirg. Rechts Wald; links große ſchroffanſteigende Felſenmaſſen. Auf die⸗ ſer Seite nach dem Hintergrunde hin die Einfahrt eines verfallenen Schachtes. Rechts vorn ein Ruheſitz.) — 15— Zweite Scene. (Ludmille und Dienerinnen Alma's kommen durch die Gitterthür des Gartens in den Vorder⸗ grund. Sie tragen Körbe mit Blumen und Blu⸗ menguirlanden, mit denen ſie den Ruheſitz und ſeine Umgebungen ſchmücken.) Chor der Jungfrauen. Hochzeitsreigen, Liebesſehnen, Führt der Herrin Freund zurück. Laßt in Blumen, laßt in Kränzen, Blüh'n den Ort des Wiederſehns! Jedes Plätzchen ſey geſchmücket, Hauche ſüßen Blumenduft! Ludmille. Recitativ. Wie wird, o theure Freundin! Von Wonn'’ und ſüßem Hoffen Dein zartes Herz bewegt. Es naht der Geliebte, Ihn krönet der Sieg! Aus dräuenden Kämpfen Eilt er zurück in deine Arme! An einem Tage Wiederſehn Und holdes Bündniß am Altare! — 16— (Der Chor der Mädchen hat ſich fortwährend mit Ausſchmücken des Platzes beſchäftigt und nahert ſich nun dem verfallenen Schacht, um auch dort Blu⸗ men zu ſtreuen.) Chor der Jungfrauen. Jedes Plätzchen ſey geſchmückt, Hauche ſüßen Blumenduft! Ludmille. Recitati v. Hinweg von jener Stätte! Dort herrſchet Geiſtermacht, So kündet es die Sage Ehrwürd'ger Vorzeit. Reizt nicht die dunkeln Maͤchte! Sie ſchlummern lange; Ein Augenblick kann ſie erwecken. Chor der Jungfrauen. Dunkle Mächte? Geiſterſpuk? Welche Poſſen! (Sie werfen Blumen in den Schacht.) Kommt Herr Geiſt! (Fernes unterirdiſches Donnerrollen.) O weh! O weh! Laßt uns entfliehn! Dceer Geiſt erwacht, ſein Donner rollt! (Sie wollen entfliehen, Ludmille häͤlt ſie zurück.) — 17— Ludmille. Recitativ. Bleibt ihr tapfern Dirnen; Es löste ſich ein Stein Im alternden Gemäuer Und rollte polternd in die Tiefe. Dem Vorwitz wurde ſeine Strafe! Ihr ſeyd beſchämt, allein beruhigt euch: Der Geiſt übt Großmuth, Hält gering ſolch Necken. (Sie blickt in die Scene.) Die Fürſtin eilt herbei! Seht! ihre Wangen glühn, Gleich Roſen in des Morgens erſten Strahlen! Dritte Scene. (Vorige. Alma reich geſchmückt, den Myrthenkranz auf dem Haupte.) Alma(zu Ludmille.) Er naht! O Freundin! Der Geliebte naht! Von des Schloſſes Zinnen Hab' ich ihn erkannt. Weit ſeinen Kriegern vor Treibt Sehnſucht ihn und Liebe. O Herz, wie ſchlägſt du ſtürmiſch! Ihn wiederſehen den Geliebten, III. 2 18— Beſitzen ihn, o Himmelsſeligkeit! Ihn, den der Seele Glutverlangen, Den jeder Wunſch ſehnſüchtig ruft! Ihn wiederſehn! Beſitzen ihn, o Seligkeit! Du, meines Glücks Vertraute, Stimm ein in meinen Jubel! Ludmille. Dieſes Tages holde Saat Gehe auf in reichen Blüthen! Alma. Horch! es klingen ſeine Schritte! Ja! Er kommt! Er iſt's. An ſeine Bruſt! Oskar, mein Geliebter!. Vierte Scene. (Indem Alma nach der rechten Seite abeilen will, tritt Oskar in kriegeriſcher Rüſtung auf. Alma ſinkt in ſeine Arme.) Oskar. Holder Preiß des Siegs, Dich halt ich in meinen Armen, Meines Lebensglückes Unterpfand! — 19— Alma. Herrlicher Sieger! Oskar, mein Alles! (Sie verbirgt liebevoll ihr Antlitz an ſeiner Bruſt. Er führt ſie dann zu dem Ruheſitz, wo ſie bis zum Anfang des Duetts bleiben.) Ludmille und die Jungfrauen. Laßt uns ſtill von hinnen gehn! Wenn ſich Herzen wieder finden, Die ein Mißgeſchick getrennt, Stört nur andrer Gegenwart. (Ludmille und die Jungfrauen ziehen ſich leiſe in den Garten zurück.) Due t 1. Alma. Dich hab' ich wieder! Wonneſtunde! Dich nenn' ich mein! O Seligkeit! Oskar. Im Schlachtenſturm, im Kampfgewitter, Hab' ich dein Bild mir treu bewahrt. Alma. Ich ſah das Deine, wo ich weilte; Aus Blüthen lächelt' es mich an, Aus Himmelsauen ſchaut' es nieder, Die Silberquelle zeigt' es mir. 2 ½ — 20— Oskar. Wie doch vergelt' ich ſolche Liebe? Was nur die Erde Holdes giebt, Was nur ein liebend Herz erfindet, Das ſchmücke deinen Lebenspfad! Alma. Von dir geſchieden, ſchweres Leid! Oskar. Entfernt von dir: des Lebens Nacht! Alma. Das Herz, von Zweifeln wild bewegt, Fand Ruhe nicht, fand keinen Troſt. Oskar. Hart war der Kampf, wild ſein Gewirr, Der Kampf im Innern drängte mehr! Beide. Fort mit traurigem Erinnern! Sind wir wieder doch vereint. Hand in Hand, und Herz am Herzen, Wandeln wir durch's Leben hin! Nur Bilder der Wonne, 6 Nur Bilder der Freude Schmücken die Zukunft! Was wir erſehnt: Die Gottheit hat's gewährt, Der Liebe holder Traum wird Wirllichkeit. (Sie kehren zu dem Ruheſitz zurück.) — 21— Fünfte Scene. (Vorige. Domoslav aus dem Garten. Oskar und Alma ihm entgegen.) Domoslav.(Recitativ.) Theurer Sohn, willkommen ſey! Sieggekrönet kehrſt du wieder, Zu dem Feſte dieſes Tags. Dir erkämpft haſt du den Preis, Die Geliebte, Jene Länder, Welche frecher Naub bedroht. Oskar. Mächtig war die Liebe! Sie begeiſterte zu Thaten, Gab mir Kraft gen Ubermacht. Hatte doch der Räuber trotzig Die Geliebte ſelbſt begehrt, Mit ihr deines Reiches Krone! Nieder ſank er in den Staub Und mit ſeinem Leben floh ſein Trotz. Alma. Retter du, vor Zwang und Schmach. Domoslav(beider Hände vereinigend.) Nimm ſie, meiner Krone ſchönſte Perle, Du biſt ihrer werth. — 22— Terzetl. Domoslav. Prieſterſegen harret am Altare, Vaterſegen weicht das Vaterherz. Oskar. Dich zu ehren, ewig ſie zu lieben, Sey mir Pflicht, ſey meines Lebens Glück! Alma. Iſt es Sünde, heiß wie ich zu lieben, So verzeihe, Gott, der Sünderin! Alle Drei. Liebesmacht vom Himmel ſelber Ward dem Erdenſeyn geſellt; Sie erhebe, ſie beglücke, Kämpfe gegen Mißgeſchick! (Domoslapv will das vereinte Paar nach dem Hin⸗ tergrunde führen.) Alma. Recitativ. Noch einen Augenblick! Vergönnt mir, daß ich dieſer Stätte, Dem Orte heiliger Erinnerung, In ungeſtörter Einſamkeit, Des Abſchieds Zähre weihe! Oskar. Ich ehre deinen Willen, Solch Zartgefühl Keimt aus des Herzens Tiefen. — 23— Domoslav. Der Prieſter harrt, Der Altar iſt geſchmückt: Bald, Alma, komm zur Bundesweihe. (Domoslav und Oskar ab in den Schloßgarten, Alma begleitet ſie einige Schritte, kehrt dann zu⸗ rück und läßt ſich auf den Ruheſitz nieder.) Sechſte Scene. (Alma. Später der Berggeiſt.) Alma. Recitati v. Hier zum erſten Male Sah ich den Geliebten, meinen Oskar! Trunken ruhte das Auge Auf der Hochgeſtalt! Selig lauſchte das Ohr Seiner Stimme Laut. (Es wird nach und nach düſter. Sie ſteht auf.) Doch wie wird mir? Seltſam bebt ein Grauen Durch mein Inn'res. Wie? drängt finſtre Ahnung Sich in's Glück der Gegenwart? Schweig! du thöͤricht Fürchten, Wonne lächelt nur ringsum. — 24— Arie. Holde Stätte, meiner Liebe Wiege, Dein gedenk' ich in der fernſten Zeit! Wie's vom Wald melodiſch hergerauſchet, Wie der Fels ſo ernſt mich angeblickt. (Mit zunehmender Düſterheit tauchen einzelne Irrlichter aus der Mündung des verfallenen Schachts auf.) Fels, du ſtarrſt heut' grauſenhaft! Angſtlich wimmert's im Gezweig'! Kalte Hand greift in die Bruſt, Phantaſiegebild hinweg! Chor der Erdgeiſter(unſichtbar). Wir drängen durch Adern von Erz hinauf, Wir blicken in Zacken des Felſens hinab, Wir ziehn aus dem Grunde durch laubigen Schacht, Wir lauſchen im Wipfel und ſchau'n auf die Flur. Alma. Ich ſah ihn hier! Ich mußt ihn lieben, Wie auch mein Sinn ſich blöd geſträubt! Der Funken, ſo in's Herz gefallen, Schlug flammend in mein Leben auf. Beſitzen ihn, der wieder liebte, Des Tages Wunſch, der Nacht Gebet— Du, Himmelsmacht, die mild ſich neigte, Du haſt gewährt, wonach ich rang. Kann ich denn nimmer das Grauen bannen, Das unerklärlich die Seele erfaßt!— Oskar, mein Gatte— Hal die Gedanken Stürmen verwirrend— Selige Liebe! Nimm mich vor mir ſelber in Schutz! (Die Dunkelheit nimmt zu; die aus dem Schachte auf⸗. ſteigenden Irrlichter werden zahlreicher.) Chor der Erdgeiſter(unſichtbar). Du biſt unſer! Biſt berufen Auf des Geiſterfürſten Thron. Blitz und ferner Donner.) Alma. Mich umflüſtern böſe Geiſter, Drängen mich mit Graun und Hohn! Blitze ziſchen, Donner rollt, Auſſen Wetter, innen Schrecken! Fort zu meines Vaters Schloſſe, Fort an des Geliebten Bruſt, Dort verſchwinden alle Schrecken, Dort nur find' ich wieder Ruh! Rette mich, o Himmelsmacht! (Der Berggeiſt in Bergmanns⸗Kleidung iſt aus dem Schachte geſtiegen. Auf ſeinem Barett befindet ſich eine Grubenlampe, die mit dunkelrothem Schein die nun höchſt düſter gewordene Gegend überglänzt. In ſeiner Rechten trägt er den goldenen Hammer. Bei den Worten Alma's:„Hin zu meines Vaters Schloſſe⸗ erhebt er dieſen, um ſie gleichſam zu ban⸗ nen. Sie will entfliehen. Der Berggeiſt tritt vor.) — 26— Berggeiſt. Recitativ. Entfliehe nicht, du holde Lichtgeſtalt! Du biſt kein Kind der Erde. Nein! Der Himmelsgeiſt hat ſelber dich erzeugt! Dein Anblick weckt ein übermächtig Sehnen Nach unbekannten Wonnen. Alma. Wer biſt du? Unerklärlich Weſen! Dein Auge ſprühet Gluth, Doch deine Nähe Durchdringt mit eiſ'gem Schauer das Gebein. Laß mich hinweg! (Fortwährend Blitz und leiſer Donner.) Chor der Erdgeiſter(unſichtbar). Eitles Ringen, biſt gebannt! Wirf den Kranz, und nimm die Krone. Alma. Die Geiſterſtimmen rufen lauter; Sie wollen mich! Noch ein Mal Beſchwör' ich dich: Laß mich hinweg. Berggeiſt. Dich fliehen laſſen? Nimmer! Die Luſt, die mich durchſtrömt, Der Drang, dich zu beſitzen, Des ſüßeſten Entzückens Ahnung: Was kann das anders ſeyn, als Liebe! Alma(für ſich). Wie ſchrecklich tönt das Wort von dieſen Lippen! (Zum Berggeiſt, mit Würde.) Biſt du ein Menſch, hal ſo gebiet' ich dir, Die Fürſtin dieſes Landes, mich zu verlaſſen! (Schaudernd und mit gepreßter Stimme.) Biſt du kein Sterblicher, Ein übermenſchlich Weſen: So laß mein Flehen dich erweichen! (Fortwährend Spiel der Irrlichter über dem Schachte.) Berggeiſt. Du biſt die Meine! Verſchwimmen ſoll dein irdiſch Weſen In ew'ges Geiſterleben, Soll Wonnen genießen Am Urquell der Schöpfung, Soll Wonnen bereiten Im Schooße der Erde. Hinab mit mir! Auf goldnen Schwingen Ziehn wir in's Reich der Geiſter ein! (Er umfaßt Alma und drängt ſie nach dem Schacht.) Chor der Erdgeiſter(unſichtbar). Willkommen! Willkommen! Alma(indem ſie ſich loszuwinden ſtrebt). Oskar! Vater! Rettung! Hülfe! — 28— Siebente Scene. (Die Vorigen. Oskar. Domoslav. Ludmille. Ritter. Dienerinnen und Diener aus dem Garten. Oskar(vorauseilend). Wo weilſt du, Alma— Ha, was ſeh' ich? (Das Schwert ziehend.) Verweg'ner laß! Dich trifft mein Schwert. (Der Berggeiſt hebt den Hammer, alle bleiben wie gebannt ſtehn.). Berggeiſt. Erdenwurm! Du wagſt zu drohn? Meine Geiſter, nehmt ſie hin.— (Er hebt Alma mit gewaltigem Schwunge empor und ſchleudert ſie den aus dem Schachte auftauchenden Erdgeiſtern zu.) Chor der Erdgeiſter. Unſer jetzt, Triumph! Triumph! Alma. (Indem ſie mit den Geiſtern in den Schacht verſinkt.) Mein Oskar, lebe wohl! Berggeiſt. Bebt! Es iſt der Herr vom Berge, Dem ihr Trotz zu bieten wagt! Sie iſt mein, die Geiſterherrin! Jetzt hinab zum Hochzeitsfeſt! — 29— (Er verſinkt in die Erde. Flammen ſchlagen aus dem Schachte und aus dem Abgrunde auf. Blitz und Donner.) Oskar. Reißt ſich die Welt aus ihren Fugen, Stürzt über mir der Himmel ein! Mein Arm erlahmt! Mein Haupt verwirrt! In's Leben greifen Geiſtermächte! Domoslav. Du haſt's erlaubt, gerechte Gottheit, Daß Höllenmacht mein Kind geraubt! Ludmille. O Himmel! Alma, meine Freundin! Entriſſen mir! wie trag' ichs nur? Chor der Ritter. Diener und Dienerinnen. Entſetzen! In den Adern ſtarrt das Blut. Die Höll' iſt frei! Nach Opfern ſucht ihr Blick. (Fortwährendes Wetter.) Oskar. Hal klar mit einemmale Schau' ich des Unheils Laſt. Der Berggeiſt riß die Theure Von meiner Seite fort. Fluch ihm! Zum Mittelpunkte Der Erde folg' ich nach. — 30— Bringt Leitern, bringet Stricke: Senkt in den Schacht mich ein! (Mehrere Diener ab.) Domoslav. Vergebens! Welche Waffen Haſt du gen Geiſtermacht? Oskar. Die Gottheit wird mir helfen! Bei Alma nur iſt Heil. (Er eilt in den Hintergrund den Dienern entgegen, die Leitern und Stricke herbeitragen.) Chor. Was wagt er? Welche Kühnheit! Ludmille. Ich muß zu ihr! Ha! Freundin Du theilteſt jede Luſt, Nahmſt Theil an jedem Leiden, Warſt treu in Freud' und Schmerz. So will auch ich dir Treue Bewähren durch die That: Dich hat die Kluft verſchlungen, Hinab, dir Freundin nach! (Sie eilt nach dem Schacht, heftiger Blitz und Donner⸗ ſchlag. Die dem Schacht zunächſt ſtehende Felſen⸗ maſſe ſtürzt mit furchtbarem Gepraſſel zuſammen, über den Schacht und verſchüttet ihn.) — 31— Oskar. Domoslav. Ludmille und Chor. Weh! Keine Rettung! Keine Hülfe! Oskar und Ludmille. Hoffe nicht mich aufzuhalten, , dr Liebe ch ſtärkt der Mich ſret der Freundſchaft Himmelsmacht! Ludmille. Hinauf zu deinen Bergeshöh'n! In deinem Reich ſuch' ich dich auf! Oskar. Ich wurzle hier mit meinem Schmerz, Der Rache Dämon iſt mit mir! Chor und Domoslav. Es trümmern Felſen, wankt der Boden, Uns ſelbſt bedroht die Geiſtermacht! (Ludmille eilt nach der Seite des Gebirgs ab. Os⸗ kar ſinkt erſchöpft an den Felſentrümmern nieder. Alle übrigen ab. Noch einmal ſtarker Blitz und Donner.) (Der Vorhang fällt.) —— Zweiter Aufzug. (Unterirdiſches Felſengemach. Ein ſeltſames, von Gold⸗ ſtufen und Kriſtallzacken wiedergegebenes Licht über⸗ ſtrahlt die Scene. Alma liegt in Ohnmacht auf einem mit Moos bedeckten Felſenſitze. Der Berg⸗ geiſt reich geſchmückt zu ihren Füßen.) Erſte Scene. Berggeiſt. Jeden Kummer laß entweichen, Heit're deinen trüben Blick! Freuden ſollen dich umwallen, Wie kein irdiſch Seyn ſie beut. Alma(erwacht aus ihrer Betäubung und blickt um ſich). Glanz von Gold und Edelſteinen? Magiſch Licht im Felsgewölb? Ha, wo bin ich? (Sie ſieht den Berggeiſt zu ihren Füßen und ſpringt erſchrocken auf.) Dich erkenn' ich: Biſt mein Räuber! Nahe nicht! — 33— Berggeiſt. Der zu deinen Füßen ſeufzt Iſt der Geiſterfürſt vom Berge. (Er ſteht auf.) Alma(bei Seite mit Grauen). Wie? Der Geiſterfürſt vom Berge? Wird die alte Sage wahr? Berggeiſt. Dein Anblick hat der Liebe Flammen In meinem Innern angefacht. Ja, ich erkenn' es: Ohne Liebe Iſt ſelbſt der Götter Leben todt. Alma(bei Seite). Welch Bild erſcheint vor meiner Seele! Ha! Oskar: Bleich, verzweifelnd, wild! Mein Vater tief in Gram verſunken, Ludmille mit dem Thränenhlick. Berggeiſt(ungeduldig). Willſt du der Milde Wort nicht hören? Giebſt du für Liebe Liebe nicht? Alma ſchüchtern). Noch rufet manche Erdenfreude Mit freundlichem Erinnern mich. III. 3 — 241— Berggeiſt. Im Donner kann ich zu dir reden, Im Blitz verſchmelzen Herz in Herz! Alma(für ſich). Verſtellung ſteh' mir bei!(Zum Berggeiſt) Ver⸗ zeihe: Die Liebe ſpricht in Sanftmuth nur! Berggeiſt(milder). So ſchmücke denn mein Geiſterleben Mit deiner Liebe herrlich aus! An meiner Seite wirſt du thronen, Das Geiſterreich dir unterhan. Alma. Nicht dränge mich in ſolcher Weiſe! Man wirbt um Liebe mit Geduld. Berggeiſt. Du heiſcheſt es? Es ſey! Doch welche Pein, Der Liebe Flammengluth zu dämpfen. Alma(bei Seite). Wie rett' ich mich? Führt hier hinaus kein Pfad? Beide. Bekämpfen dieſes Sehnen, hin zu ihr mich treibt, as mich zu Oskar ruft, Des Herzens Gluthverlangen, Welch unerträglich Loos! Alma. Recitativ. O, ſchone mein! Getrennt von meinem Vater, Von der Geſpielinnen mir theuren Schaar, Faßt meine Seele kaum Die Herrlichkeiten deines Reichs! Berggeiſt. Du holde Lichtgeſtalt!. Regt ſich ein Wunſch in deinem Innern, So ſprich ihn aus: Im Augenblicke ſey er erfüllt! Alma. Könnt' ich ſie ſchau'n, Die mir auf Erden theuer ſind! Erfreuen mich in ihrer Mitte, Den Laut der Stimme hören! Der Wunſch ſteigt aus der Seele Tiefen. Berggeiſt. Dein Sehnen ſey befriedigt Durch magiſche Gewalt. (Er ſchwingt ſeinen Hammer.) Geiſt, der meinem Willen lauſcht, 3* — 36— Elle zu der Erdenflur, Bringe Blumen ſchnell hernieder: (Er wendet ſich mit dem erhobenen Hammer nach dem Hintergrunde.) Ihr Dünſte, die in Lüften hauſt, Verſammelt euch zum regen Wolkenſpiele, Der Schöpfungskräfte Gunſt Mag ſich belebend in euch hüllen! (Im Hintergrunde ſteigen aus dem Boden Wölkchen auf, welche nach und nach eine Maſſe bilden, aber in unaufhörlicher Bewegung bleiben.) Alma(für ſich). Nur Wolken! Nie erblick ich wohl Des Himmels Strahlenauge wieder! Troll(bringt in einem von Golddrath geflochtenen Korbe Waldblumen). Herr, wie du gebotſt, Flog ich mit Sturmeseile Zur Flur empor. Hier: Das Begehrte! (Er überreicht dem Berggeiſt die Blumen, der ſie Alma gibt; auf ſeinen Wink entfernt ſich Troll.) Alma. Seh' ich euch wieder, liebe Blunien? Bringt ihr mir Grüße meiner theuern Erde? Ihr ſüßen Boten ſeyd willkommen! Berggeiſt. In jenes Wolkenſpiels Geheimnißvoller Hülle Erzeugend wirkt der Weltgeiſt. Nimm eine Blume Und ſchleud're ſie in jene Dünſte, Den Namen nenne des erſehnten Bilds: Schnell vor dir ſteht Dann die befreundete Geſtalt. Alma(für ſich). Soll ich es wagen?. Berggeiſt. Ich laſſe dich allein, Erfreue dich des bunten Spiels! Doch laß auch das Geſtändniß meiner Liebe In deinem Herzen Gegenliebe wecken. (Der Berggeiſt ab.) Zweite Scene, Alma. Später Erſcheinungen. Alma. Ruhig meines Herzens Pochen! Soll ja ſchauen, die ich liebe: Vater, Bräutigam— Nein! Entweihen will ich nicht — 38— Durch des Zaubers räthſelhaften Ruf Der Natur, der Herzen heil'ge Bande! O mein Oskar! Doch Kunde will ich von ihm haben, Sey gehorſam Zaubermacht! (Sie nimmt eine Roſe aus dem Korbe, und ſchleudert ſie in das Wolkengewirre.) Traute Botin, ſchnell herbei! Dich verlange ich, Ludmille. (Aus den Wolken tritt unter einem ſanften, ſchnell ver⸗ ſchwindenden Lichtſchein Ludmillens Geſtalt hervor. Sie iſt roſenroth gekleidet. Alma eilt auf ſie zu und ſchließt ſie in ihre Arme. Die Ge⸗ ſtalt bleibt kalt und ohne Theilnahme.) An mein Herz, Geliebte! Hab' ich dich doch! Nun iſt alles gut. Wie? Du ſchweigſt!— Erwiederſt nicht Deiner Alma Zärtlichkeit? Nimm auch mich in deine Arme, Sey wie ehmals— Nicht bewahre länger dieſes Schweigen! Sprich von Oskar, von dem Vater!— (Die Geſtalt bleibt fortwährend ohne alle Theilnahme. 3 Alma ſchaudert plötzlich zurück.) Graun! Entſetzen! Dieſe Kälte— dieſer todte Blick— — 39— Nein in deiner Bruſt Schlägt kein menſchlich Herz. (Ludmillens Geſtalt kommt langſam näher.) Ludmillens Geſtalt. Warum faßteſt du ſo hart? Biſt nicht milder Sonnenſtrahl, Nicht des Weſtes linder Hauch, Biſt nicht kühler Morgenthau! Alma. Widerwärt'ges Trugbild! Du der Freundin liebliche Geſtalt, Seelenlos— unempfindlich— Fort! mich ängſtigt deine Gegenwart. Ludmillens Geſtalt. Dulde mich! Mit Vertrauen. Kannſt du zu der Blume ſchrechen, Fühlt zwar nicht; verräth auch nicht. Alma. Sanfte Wehmuth neigt Sich in meine Seele. Du biſt ſchuldlos! Ach! biſt doch lebend'ge Ahnung Schöner Zeit auf Erdenflur. (Sie wirft noch mehr Blumen in das Gewölk.) — 40— Kommt ihr andern auch herbei! Dienerinnen und Geſpielen, Leiht mir holden Lebenstraum. (Das Gewölk theilt ſich zu beiden Seiten auseinander. In milder Beleuchtung werden die Geſtalten von Alma's Dienerinnen, in bunte Blumenfarben ge⸗ kleidet, ſichtbar. Sie kommen hervor. Das Gewölk ſteigt zu beiden Seiten langſam auf und verſchwindet.) Die Geſtalten. Wir kommen ſo gerne! Wir nicken dir Gruß! Oft haben wir dich auf den Auen geſchaut. Du lachteſt ſo froͤhlich, wir lachten zurück, Doch Lachen der Blumen bringt Menſchen nicht Luſt! (Sie umringen Alma, doch ohne ihr Theilnahme zu be⸗ zeigen. Alma betrachtet ſie mit Wehmuth.) Dritte Scene. Die Vorigen. Der Berggeiſt. Troll. Der Berggeiſt. Ird'ſche Bilder Rings um dich haſt du verſammelt! Freue dich der bunten Luſt! Aber nicht vergiß im Spiel mit ihnen, Meiner Liebe Sehnen zu erfüllen! Alma(trübe auf die Geſtalten zeigend.) Truggeſtalten wohlbekannt dem Auge, Fremd dem Herzen! — 41— Berggeiſt. Nur der Himmelsgeiſt Giebt des Geiſtes Himmelsfunken! Blühn, vergehn, Iſt ja auch der Menſchen Loos. Wollteſt du erkennen nur, Wie im Innern heiß und heißer, Mich die Liebesmacht verzehrt. Komm! Geleite mich zum Feſte, Das die Diener meines Reichs bereitet! Pracht und Geiſterherrlichkeit Machen wohl dein Herz geneigt! (Er nimmt Alma bei der Hand, um ſie fortzuführen. Wie er Trolls Aufforderung an die Geſtalten hört, verweilt er noch, nickt ihm Beifall, und ſieht dem Treiben der Geſtalten zu.) Troll(zu den Geſtalten). Schließt euch an! Ihr ſollt verſchönen Dieſes Feſt durch luſt'gen Tanz. Die Geſtalten(belebt.) Tanzen! das iſt unſre Freude! Kommt ihr Schweſtern! Eilt zum Tanz! Sich mit Lüftchen froh zu drehen, Welche Wonne, welche Luſt! (Der Berggeiſt mit Alma ab. Die Geſtalten folgen und ſingen im Abgehen:) Kommt ihr Schweſtern u. ſ. w. (Troll hält die Geſtalt Ludmillens zurück.) — 42— Vierte Scene. Troll. Ludmillens Geſtalt. Troll. RNecitati v. Du bleibſt bei mir! Solch holdes Kind Darf mir nicht allzuſchnell entlaufen! Die Geſtalt. Was hälſt du mich! Zum Tanze fort! Der Weſtwind möchte ſich verſagen. Troll. Was, Weſtwind? Mich, mich nimm zum Tänzer! Der Weſtwind iſt zu flink für dich. Die Geſtalt. Sein Hauch wird mir zur ſüßen Wiege. (Troll will ſie umarmen.) Laß mich! Bin bei den Schweſtern gern. Hueltt. Troll. Solche ſchlanke Huldgeſtalt Zum Entzücken, Solcher Roſenwangen Glühen, Sah ich nimmer! Die Geſtalt. Tanzen in der grünen Flur, — 43— Heit'res Leben! Augeln mit dem Sonnenſtrahl, Blumenfreude! Troll. Dieſes Füßchen— Hal wie zierlich— Dieſes Mündchen— dürft' ich's küſſen! Die Geſtalt. Was du heiſcheſt— nicht begreif' ich's. Gluth im Blick, wirſt du mich ſengen. Troll. Ach, wie ſengt und brennt die Liebe! Die Geſtalt. Ich vergeh' an Mittagsſchwüle. Troll. Liebe mich, ſey mir geneigt! Die Geſtalt. Mag nicht Liebe, mag nur Tanz! Troll. Das iſt nimmer zu ertragen, Nichts wie Tanzen, nichts wie Drehn! Hal da ſteig' ich auf die Erde, Suche dort das Urbild mir. Die Geſtalt. Ich bin froh! Er läßt mich tanzen! Mich, die Schönſte in der Reihe. — 41— Fort! Auf mich nur warten Alle, Bin des Tanzes Königin.. .(Tanzend ab.) Fünfte Scene. Troll gallein). 3 Recitativ. Beſchloſſen iſt's! Friſch, Troll, zum Tag hinauf! Die Pfade ſind jetzt frei. Raub dir die Jungfrau, jenes Weſens Urbild! Hält doch der Meiſter Ein irdiſch Liebchen ſich. Sein Beiſpiel ſey mir Pflichtgebot. Er wird nicht zürnen, Führ' ich des trüben Erdenkinds Erheiternde Geſpielin her.(ab.) (Verwandlung. Waldgebirge.) Sechſte Scene. Oskar(allein). (Tritt unruhig und verſtört auf.) Necitalti v. Hier ſuch' ich Ruhe! Im öden Felſenthale Allein mit meinem Schmerz, mit meinem Gram, Beſänftigt ſich des Innern Sturm! Der Wehmuth milder Thau — 45— Steigt in das Aug' empor. Tief aus dem Herzen ſchaut, Wie aus getrübtem Spiegel, Das Bild der theuern Braut mich an. O, Alma! In welcher Felſenkluft, Von Tagesglanz,] Von Menſchenluſt geſchieden, Durchbebt jetzt düſtre Sehnſucht Dein liebevolles Herz? Arie. Tief im Grunde rauſcht die Fluth, Flammenmacht iſt losgelaſſen, Und die Elemente toben In des Schaffens ew'ger Kraft. Nicht verſteht die Erdenmaid Solche ſturmdurchwallte Sprache, Sehnt nach ſanftem Menſchenlaute, Sehnt in's Leben ſich zurück! Jungfrau tief im Felſengrund: Reichten meiner Sehnſucht Schwingen In das Geiſterreich hernieder, Trügen ſie dich ſtark empor! Gebt Antwort, ſtarre Felſen, Sprich, tiefgehöhlte Kluft: Wo iſt die Bahn geöffnet — 46— In's finſtre Geiſterreich? Fort durch Schlund und Nächte! Fort durch Wetter und Sturm! Wuth, Verzweiflung und Rache, Führer mir und Geleit! Flammen, mögt mich umziſchen! Fluthen, ſtrömt auf mich ein!; Trotz ſey euern Gewalten: Alma zu dir! Alma zu dir! (Schnell ab.) Siebente Scene. Domoslav(im Vordergrunde auftretend). Wer ruft den Namen der geliebten Tochter? (Dskar kehrt zuruck.) Mein theurer Sohn! o kehr' zurück. Nicht irre ferner Im unwegſamen Waldgebirg! Gefählich iſt's! vernimm: Ludmille Ward eben auch zur Unterwelt entführt. Oskar. Auch ſie? Wohl ihr! Mit Alma iſt ſie jetzt vereint. Domoslav. O komm in's ſich're Vaterhaus! (Oskar macht eine verneinende Bewegung.) — 47— Soll ich auch dich verlieren? Dich, der des Alters öde Einſamkeit Mit ſeiner Lieb' allein belebt! Os kar. Geraubt iſt Alma! Entriſſen mir von hölliſcher Gewalt! Was leb' ich noch, Wenn Alma für mich todt? Tritt, böſer Geiſt, herauf aus deiner Nacht, Ich fluche dir, ich ſpotte dein: Vernichte mich! Doch hegſt du edlen Sinn, Nimm irdiſche Geſtalt Und kämpfe um die Braut mit mir! Domoslav. Der Geiſt lacht deines Rufs; Erkenne deine Ohnmacht! Duſet. Oskar. Feiger Näuber, höre mich! Meine Stimme dringe nieder Durch der Felſen ew'gen Bau: Komm, erſchein zum Todeskampfe! Domoslav. Seine Sinne ſind bethört. — 18— Durch den Wahn, der ihn umnebelt, Bricht des edeln Muthes Licht. Armer Oskar! Arme Alma! Oskar. Nicht mit Donner und mit Blitzen, Mit dem Schwerte rüſte dich! Domoslav. Nicht mit Schelten, nicht mit Drohen Ringſt du unſre Alma los. O skar. So bleibt mir nur Verzweiflung! Der Abgrund ſpottet mein, Verloren! Keine Hülfe! Der Himmel hört mich nicht. Domoslav. Hör', mächt'ger Geiſt, die Bitte, Erhör' des Vaters Flehn: Zurück gieb mir die Tochter, Die Lebende dem Licht! (Zu Oskar.) Folgſt du mir nicht? Oskar. Laß mich! Ich bleibe. 3 Domoslav. O, kehre heim! — 49— Oskar. Hier iſt die Heimath. Domoslav. Im Vereine unſrer Klagen Zeigt ſich eher Troſt und Ruh. Oskar. Troſt und Ruh? Es giebt nicht Frieden Wo nicht Alma's Liebe weilt. Beide. So lebe wohl! Bald vergönne das Geſchick Uns ein frohes Wiederſehn! Lebe wohl! (Beide zu verſchiedenen Seiten ab.) (Verwandlung. Großer unterirdiſcher Saal. Die gold⸗ ſtrahlenden Wände leuchten von Edelſteinen in al⸗ len Farben. Im Hintergrunde rauſchen Bäche her⸗ nieder. An der einen Seite ein reich geſchmückter Thron.) Achte Scene. Alma. Dann der Berggeiſt. Später Erdgeiſter, Feuergeiſter, Luftgeiſter und Waſſer⸗ geiſter. Troll. Die Blumengeſtalten.) Alma(beängſtigt vorſtürzend). Recitativ. Wohin entfliehn? Wohin mich retten vor der Liebe, III. 4 — 50— Der wildentflammten Gluth der Leidenſchaft Des mächt'gen Geiſt's? Berggeiſt. Du fliehſt vor mir? Nicht hoffe zu entrinnen! Wohin dein Fuß dich trägt, Herrſcht meine Macht! Undankbare! durch eiteln Widerſtand Verkehre meine Liebe nicht in Zorn, Der dich zermalmend treffen könnte! Alma. Sieh meiner Thränen Lauf! Dem Sturme des gewalt'gen Geiſterworts Erbebt das ſchwache Menſchenherz. Berggeiſt(beſänftigt und zärtlich). Du weinſt! O, trübe nicht den Himmelsglanz Des holden Blicks! Verzeihe mir! Hinweg mit dieſen Thränen! Ihr Diener meines Reichs, Beginnt das Feſt! (Der Berggeiſt und Alma nehmen ihren Sitz auf dem Throne ein. Luftgeiſter, himmelblau ange⸗ than, auf einem Regenbogen ruhend, ſchweben von oben herab, und bleiben in den Lüften. Waſſer⸗ — 51— geiſter, in ſilberfarbenen Kleidern, tauchen aus den Bächen auf. Feuergeiſter, in Goldſtoff gekleidet und mit flammenden Fackeln verſehen, ſtei⸗ gen aus der Erde. Troll und Erdgeiſter, in erdfarbenen, reich mit Gold durchwirkten Gewän⸗ dern, kommen von der Seite.) Berggeiſt. Huldigt der Schönheit! Huldigt der Liebe. Was Herrliches mein Reich erzeugt, Das bietet jetzt in Fülle dar! Alma(für ſich). Schönere Stunde Irdiſcher Feier! Nach dir verlangt mein Herz zurück: Mein Oskar— Vater— Sehnſucht, ſchweig! Die Luftgeiſter. Wir träufeln Himmelsthau hinab, Liebesſegen, Liebesglück! (Die Waſſergeiſter ſteigen aus den Bächen und bringen in großen Muſcheln Korallen und Perlen, und ſtellen ſie zu Alma's Füßen nieder.) Die Waſſergeiſter. Wir bringen Schmuck aus Meeresgrund: Perlenſchein, Korallenglanz! (Die Feuergeiſter treten hervor und kreuzen ihre Fackeln.) 4 ½ — 52— Die Feuergeiſter. Aus Flammen ſchöne Deutung ſpricht: Lieb' um Liebe, Gluth um Gluth! (Die Erdgeiſter legen in ehernen Füllhörnern Gold und Edelſteine vor Alma nieder.) Die Erdgeiſter. Dem Erdenſchooße abgekämpft: Goldesſonne, Edelſteine! Alle Elementargeiſter. Was Geiſtermacht gewähren kann, Iſt der Fürſtin dargebracht! (Allgemeiner Tanz der Waſſer⸗, Erd⸗ und Feuer⸗ geiſter. Die Blumengeſtalten treten im Vor⸗ dergrunde auf.) Die Blumengeſtalten. Wir kommen auch zum Feſt herbei, Zum Feſt, zum frohen Tanz! Auf ſchwebt mit uns im Reigen hin, Wählt raſch die Tänzerin! (Sie werden in den Tanz gezogen, bleiben aber fern von den Feuergeiſtern.) Berggeiſt(für ſich). Noch immer trüb der Jungfrau Blick! Kann ſolcher Glanz ſie nicht erfreu'n? Alma(für ſich). Auf Erdenauen weilt mein Geiſt. Hier alles fremd! Kein fühlend Herz! — 53— (Allgemeiner Tanz, in welchem die Blumengeſtal⸗ ten in die Nähe der Feuergeiſter gerathen. Kaum iſt dies geſchehen, ſo ſchwanken die Geſtalten ermattet zu den Bächen im Hintergrunde und ſin⸗ ken dort nieder. Der Tanz geraͤth in's Stocken.) Die Blumengeſtalten. Gluth hat uns ſo heiß berührt! Müſſen ſterben— ſind nicht mehr! Alma(aufſpringend). Welches Schauſpiel! wild durchbebt Meine Seele Schauer, Furcht! Berggeiſt. Feuergeiſt hat ſie verletzt! Weltgeiſt nimm ſie mild zurück! (Er ſchwingt ſeinen Hammer. Roſenwölkchen ſteigen aus der Erde auf und verhüllen die Geſtalten.) Alma(ſteigt vom Thron). Hinweg von dieſem Schreckensort! Hier haucht der Tod den gift'gen Odem aus. Die Elementargeiſter. Weh! Geſtört iſt unſre Luſt! Schönheit bebt in Angſt und Grau'n! Troll(heimlich zu Alma). Beruh'ge dich! Mit guter Kunde Bring' ich bald Troſt und neue Hoffnung dir. — 54— Alma(für ſich). Ha! was ſagt er? Gute Kunde! Fort, es greift der Tod nach mir! En ängſtlicher Eile ab.) Berggeiſt(ſteigt vom Throne). Welch Mißgeſchick! Mein Werk vernichtet! Vereitelt mein Bemühn! Sie ſelbſt empört! (Ab. Troll folgt.) Die Luftgeiſter. Schwebt in die Lüfte. Erdgeiſter. Dringt in den Grund. Waſſergeiſter. Taucht in die Wellen. Feuergeiſter. Hüpft in die Gluth! Alle Elementargeiſter. Immer zu ſchaffen Im herrlichen All Bleibet der Geiſter Belebende Luſt! 8 (Indem die Erdgeiſter ſich zum Abgehn wenden, die Waſſergeiſter nach den Bächen eilen, die Feu⸗ ergeiſter verſinken und die Luftgeiſter auf⸗ ſchweben, fällt der Vorhang.) Dritter Aufzug. Erſte Scene. (Unterirdiſches Gemach, wie im Anfange des zwei⸗ ten Aufzugs.) Alma(allein). Necitati v. Von Zweifeln ſtürmiſch wird mein Herz bewegt! Des mächt'gen Geiſtes Leidenſchaft Hört ferner nicht der Bitte Wort! Entfeſſelt, zügellos, Trifft ſie vernichtend mich, Das auserkorne Opfer! O, Himmelsmacht! Dring' in der Erde Tiefen, Bring' Rettung, Hülfe mir! (Plötzlich nachſinnend.) Was ſprach der Gnom von Troſt, Von froher Kunde, neuer Hoffnung? Ha! wär' es möglich? Wenn vielleicht— Wenn Oskar— wenn mein Vater— wenn Ludmille— — 36— Wohin verirr' ich mich? Ein ſchwacher Hoffnungsſchein Wird, liebevoll genährt, Zum Sonnenſtrahl, Der heilverkündend überglänzt Die trübe Gegenwart. Arie. Hoffnung! Du von Himmelshöh'n Schwachen Menſchen beigeſellt, Bleibe wahr! Was du verſprichſt, Flieh' nicht, wie ein Traumgebild, Schwer haſt du mich ſchon getäuſcht, Hochzeitsluſt und Eheglück Zeigte mir dein Noſenlicht: Holder Traum, du biſt entflohn! Sey nun, Hoffnung, die mich trog, Eingedenk der alten Schuld! Mahnend fleh' ich: mache wahr, Was auf's Neue du verſprichſt! Zweite Scene. Vorige. Berggeiſt. Troll. Berggeiſt. Recitati v. Immer trübe noch dein Auge! Kann denn meine Macht, — 52— Der die Elemente lauſchen, Dieſen Thränen nicht gebieten? Alma. Ach! Die Weſen, die mein ödes Seyn In befreundeter Geſtalt belebt, Sind nicht mehr! Berggeiſt. Meine Liebe bietet dir Erſatz. Wirf hinweg das Angedenken Früh'rer Zeit! Freue dich der Wonnen meines Reichs! Laß in Gluthen Strömen uns in Eins zuſammen! Was iſt flüchtig Menſchenſeyn Gegen ew'ges Geiſterleben? Alma. Menſchlich fühlt dies Herz! Freut ſich der bekannten Bilder. Troll(bei Seite zu Alma). Kühn verlange neue Blumen, Zu entfernen ihn thut Noth. Alma(für ſich). Welche Räthſel! Troll. Zaud're nicht! — 58— Alma(zum Berggeiſt). Unſer Bundesfeſt verſchönen Müſſen Bilder ohne Zahl. Darum gieb, o Geiſterfürſt, Zu Geſtalten neue Blumen! Berggeiſt. Du entzück'ſt mich! Dieſer erſte Strahl von Liebe Kündet mir das nahe Glück. (Zu Troll.) Blumen ſchaffe ſchnell auf's Neue. Troll. Herr, unmöglich! Alle Blumen Brach der wilde Nordwind ab. Berggeiſt. Ha! So will ich in dem Schoos der Erde Selbſt ein Blumenbeet bereiten. Flammengluth ſoll Blumenpracht Ewig ſichern meinem Reiche! Terzett mit Chor. Berggeiſt. Ihr Geiſter, die mir unterthan, Seyd meines Winks gewärtig! Legt ein die Saat in guten Grund, Laßt Keim gedeih'n und Blüthe. Der Glanz entſteigt, die Liebe naht, Du wirſt jetzt mein, ſchön Menſchenkind, Die Fürſtin auf dem Geiſterthron, In ew'ger Luſt, in weiter Macht! Alma. O, Hoffnung! Regeſt mächt'ger nun Die neu belebten Schwingen! Du wildes Fürchten, biſt entflohn; Bleib' fern! Kehr' nimmer wieder! Noch ahn' ich nur ein nahes Heil, Aus ird'ſchem Reich herabgeſandt: Doch, Herz, wo du ſo mächtig ſprichſt, Da trügt die ſuße Ahnung nicht! Troll. Es glückt! Er geht getäuſcht von hier, Auch ich darf Liebe hoffen! Noch ſchlummerſt du im Felſengrund. Sollſt, Mägdlein, gleich erwachen! Er liebt! Ich liebe, und ich bin Der Nächſte immer doch mir ſelbſt: Drum, was auch d'raus entſtehen mag, Ich geh' jetzt meinen eignen Pfad. Chor der Geiſter(unſicchtbar). Erfüllt iſt, Meiſter, dein Gebot! Wir harren dein! Nur deine Macht Belebt den Grund zu Schaffenskraft: Wir ſind bereit! Komm, Meiſter, komm! (Der Berggeiſt ab.) Dritte Scene. Alma. Troll. Später Ludmille. Alma. Recitativ. Nun zög're nicht! Sprich, welche heitre Kunde Bringſt du in mein umnachtet Daſeyn? Wir ſind allein! Erfüllung gieb Den zweifelhaften Wünſchen! Troll. Wozu jetzt große Rede? Des Meiſters Zaubermacht iſt dir bekannt, Ein Pröbchen meiner Macht Sollſt du zu deiner Luſt erſchau'n! (Er geht zu der Felſenwand im Hintergrunde, an welche er mit drei abgemeſſenen Schlägen klopft.) Felſenpforte, thu dich auf. (Nach dem dritten Schlage öffnet ſich die Wand, und eine glänzende Höhlung wird ſichtbar, in welcher auf einer Felſenbank Ludmille ſchlummert.) Alma(entzückt auf die Offnung loseilend). Was ſeh' ich? Ludmille! — ⁴— (Ludmille iſt erwacht und eilt freudig der Alma entgegen. Die Höhle ſchließt ſich.) An mein Herz! Ludmille. Du theure Freundin! Beide. Welche Luſt! Wir ſind vereint! Troll. Welch Ereifern! Seltſam Volk! Alma. Du biſt's wirklich! Biſt kein Truggebilde! Menſchenherz wallt Menſchenherzen zu. Ludmille. Wieder bei dir! Was hab' ich gelitten! Wanderte zu dir durch Thal und Kluft! Troll. Mich vergißt man! werde gleich mich melden, Holen mir den Dank, der mir gebührt! Alma und Ludmille. Des Wiederſehens Wonne Erfüllt ſo ſüß die Bruſt! Entzücken, wenn die Freundſchaft, Die Treue uns ſind nah! Troll. Dem Geſpräch mach' ich ein Ende! Gar zu reizend iſt das Kind, Hat auch Leben, fühlt ganz anders, Wie das kalte Blumenbild. Alma(bei Seite zu Ludmille). Welche Kunde bringſt du, Freundin, Mir vom Vater, vom Geliebten? Ludmille. Deines Vaters Thränen fließen, Oskar irrt in düſtern Gründen— Alma. Armer Vater— theurer Oskar: Troll(Ludmillens Hand ergreifend). Dieſes zarten Händchens Druck Ward zum Lohne mir verheißen! Ludmille(neckend). Laß mich! Ich verſprach dir nichts! (Zu Alma.) Wie kann es mir gelingen, Dem Geiſt dich zu entreißen? Alma. O ſchreckliche Erinnerung! Wer kämpft gen ſeinen Zauber? Ludmille(bei Seite zu Alma). Dieſen Gnomen zu beliſten, Verſuch' ich. Laß mich machen! — 63— Troll(zärtlich zu Ludmillen). Solche ſchlanke Huldgeſtalt Zum Entzücken, Solcher Roſenwangen Glüh'n Sah ich nimmer! Ludmille. Solcher ſchnelle Liebesdurſt Zum Verwundern! Wird nicht alſogleich geſtillt: Muß dich prüfen. Troll. Dieſes Füßchen— Hal wie zierlich— Dieſes Mündchen— dürft' ich's küſſen! Ludmille. Zeige thätig deine Liebe, Gegenliebe zu erwerben. Troll. Ach! mich ſengt und brennt die Liebe. Ludmille. Und mich läßt ſie kalt wie Eis. Troll. Liebe mich— ſey mir geneigt! Ludmille. Kann nicht ſehn— muß erſt dich kennen. Troll. In deinen Armen ruh'n, An deinen Lippen hängen; O ſtille dieſen Drang, Sprich freundlich mir von Liebe. Ludmille. So höre denn! Führſt du Uns aus dem Geiſterreiche, Dann bin ich willig dein; Doch nur auf dieſe Weiſe. Alma(bei Seite). Verkünde dich, du hohe Macht der Liebe, Umſpinne dieſes Gnomen Sinn mit Wahn! Troll(hat unterdeſſen nachgeſonnen). Befreien euch aus unſerm Reiche, Das iſt ein höchſt gefährlich Ding! Du wirſt dann mein? Ludmille. Verlaß dich d'rauf! Troll. Nimmſt mich auf Erden gütig auf! Ludmille. Wie kannſt du nur noch zweifeln! Troll. Nun denn: es ſey! Der Liebe zu Gefallen, Werd' ich ein Menſch, heirathe dich! Alma und Ludmille. Dank dir, Liebe! Unſer Fleh'n Haſt, Allmächt'ge, du erhört. 5 Bald glänzt dir ein Vaterhaus Nun das neue Hochzeitsfeſt. Troll. Liebesketten trag ich jetzt, Müd' bin ich des Geiſterſehns! Werde nun mit Fleiſch und Bein Bald ein fröhlich Menſchenkind. Vierte Scene. Vorige. Der Berggeiſt. Berggeiſt(hinter der Scene.) Das Werk gedeiht! Schon ſteigen Pflanzen aus dem Grund. Alma. Der Geiſt! Wir ſind verloren! Troll. Nur ruhig! Laßt mich machen! Berggeiſt(tritt auf). Hal! Neben der Geliebten Ein and'res Frauenbild? Verrath allein— was zögr' ich noch? (Er hebt den Hammer.) III. 5 — 66— Alma. Herr! Troll(den Berggeiſt zurückhaltend). Mir verzeih! Mein iſt die Schuld. Der Jungfrau Sehnen, die du auserwählt, Den Thron des Geiſterreichs zu ſchmücken, Hab' ich erkannt. Nur wenn ihr Herz nach keinem ird'ſchen Gute Umſonſt verlangt, Wird ſie auch deinen Wunſch gewähren. Drum zu Gefallen dir Holt' ihre Freundin ich herab. Alma(Ludmille an ſich ſchließend). In meiner Nähe, du! Welch unverhofftes Glück! Berggeiſt(zu Alma). Dein Sehnen iſt erfüllt! Auch mich erfreut, was Freude dir gewährt. (Zu Ludmille.) Willkommen ſey im Geiſterreiche. Ludmille(bei Seite). Ich athme neu! Berggeiſt(zu Alma). Verzeihe mir! Die Gluth des Zorns Stieg wild empor, Als ich betrogen mich gewähnt! — 6— Troll(bei Seite zu Alma). Such' wiederum ihn zu entfernen, Zeig' dich geneigt! Durch Hoffnung bald'gen ‚lücke Haſt du ihn leicht getäuſcht! Berggeiſt(zu Alma). Mit Entzücken weilt mein Blick, Stets neu gereizt, Auf deiner Anmuth! Doch länger nicht verſchiebe Der Wünſche freundliche Gewährung! Nicht länger kann ich mehr Den innern Gluthen wehren. Noch iſt dir fremd der Geiſter Weſen. So wiſſe denn: Bald hat die Flamme ganz mein Seyn durchdrungen, Wird dich ergreifen dann Und ſchmerzhaft deinen ird'ſchen Leib vernichten, Dich ewig in mein Seyn verſchmelzen! Ludmille(für ſich). Schrecklicher Geiſterſpruch! Alma(zum Berggeiſt). Ich werde dein! Allein das Feſt des nahen Bund's zu ordnen, Muß deine Liebe mir zuvor Noch Kunde bringen mancher Art! 5 ½ — 68— Berggeiſt. Gebiete! Quartel l. Alma. Zähle mir genau die Blumen, Die geſchaffen deine Macht! Roſen, Nelken, wie ſie heißen, Und vergiß nicht eine mir! Blumen werden Dienerinnen, Blumen bilden meinen Hof: Drum muß ich im Voraus kennen, Der Vertrauten Art und Zahl! Ludmille und Troll. Wird er glauben? Sich entfernen? Iſt das Schickſal uns geneigt? Schwer wird's ihm die Gluth zu dämpfen, Hoffen, Fürchten: Peinlich Loos! Berggeiſt. Auch noch dieſes? Immer harren, Eis vermählt mit Flammengluth! Noch das eine will ich tragen, Dann erring' ich Liebe mir. (Zu Alma.) Zu erfüllen dein Gebot Eil' ich zu den Blumen hin! Zähle auf und zähle ab, — 69— Kehr' ich wieder, biſt du mein, Giebſt um Liebe Liebe mir, Oder dich ergreift die Gluth Und Gewalt nimmt ihren Lohn. (Ab.) Alma, Ludmille und Troll. Fort laßt uns zieh'n Auf Erdenauen! Hinan zum Tag, Zum Sonnenglanz! Der Felſen drückt, Die Kluft iſt eng: Hinan, hinauf! Das Leben winkt. (Troll ſchwingt ſeinen Hammer, die hintere Felswand öffnet ſich und man ſchaut in einen glänzenden Fel⸗ ſengang. Indem alle drei zum Hintergrund ſchrei⸗ ten: Verwandlung. Kurzes Felſengewölbe mit einem Beete der prächtigſten Blumen.) Fünfte Scene. (Der Berggeiſt. Chor der Erdgeiſter, noch unſichtbar.) Berggeiſt. Recitativ. Gleich zum Werke! Um ſo eher — 70— Komw ich au's erſehnte Ziel. Schwere Prüfung! Mit Bedacht und kalter Ruhe Soll ich zählen— Und im Innern wogen Flammen, Treiben hin— Schlagen auf— Gluth empörter Elemente Muß gehorchen, Doch der Liebe Gluth Trotzet ſtark der Geiſtermacht. Arie. Ruhig! Zähle! Eins, zwei— Gählt ſtill weiter). Welche Menge Blumen! Der erglühte Erdenſchoos Alle Keime treibt zu Blüthen! (Er fängt wieder an ſtill zu zählen.) Zwanzig Gählt ſtill weiter). Neue ſteigen auf— Vo ich ſuche, wo ich ſchaue, Drängt ſich's friſch und bunt hervor. Chor der Erdgeiſter(unſichtbar). Glüh'n und harr'n Liebeswarm: Hoher Herr! Fühlſt du Qual. — 71— Berggeiſt. Neu beginn' ich! Gzählt ſtil). Nimmer, nimmer, Zähl' ich dieſe Blumen durch! Hal wer kann auch zählen, zählen, Wenn die Leidenſchaft ihn treibt? In Liebe verſinken, In Wonne vergeh'n, Ungekannte Freuden pflücken, Weſen in Weſen Liebend verſchmelzen, Hal das erhebt Zum Gotte den Geiſt! Doch die Prüfung?— Ich muß zählen.(Zäͤhlt ſtill.) Chor der Erdgeiſter(unſichtbar). Liebe, Sehnſucht, herrſchen mächtig, Geiſter ſelbſt ſind unterthan! Berggeiſt. Wie viel ſind's?— Auf's neu' verfehlt. Es wogen die Blumen, Ein ſtürmiſches Meer, In Wellen, in Fluthen, So raſtlos vorbei. Wer kann da erkennen, Wer zählt jeden Stern — 52— Auf ſchwankendem Stiele Vom Sturme bewegt. Chor der Erdgeiſter(unſichtbar.) Der Sturm tobt im Innern, Bekämpfe ihn dort! Sonſt findeſt du nimmer Gelingen des Werks. Berggeiſt. Hinweg mit dieſem Zwang, Unwürdig meiner Macht! Nicht dämpf' ich mehr die Gluth, Sie ſchmelze Herz in Herz! Hin! zu der Götterluſt, Die mir die Liebe beut. Zur Wonne, zum Triumph! Fort Schmach, unwürd'ger Zwang! Chor der Erdgeiſter(auftretend). Verrath! Dich zu entfernen Hat liſtig man gewußt, Die beiden Jungfrau'n, Troll, Floh'n auf die Oberwelt. Berggeiſt. Verrathen, ich— Ha! Wuth und Rache! Noch bin ich des Gebirges Herr. Ihr Blitze zeigt, du Donner künde, Wie meine Macht die Freyler ſtraft! — 73— Chor der Erdgeiſter. Seht den Meiſter! Wuth in Blicken! Weh' den Freylern! Rache naht!(Alle ab.) Sechſte Scene. (Verwandlung. Platz wie am Schluſſe des erſten Aufzugs.) Oskar(allein).(Recitativ). Unſeel'ge Stätte! Du meines Mißgeſchicks, Du meines Kummers Zeuge! Hier war es— hier verſchlang die Erde Die theure Braut Und Felſen thürmten ſich ob ihrem Grabe. Vergebens ſucht' ich einen Pfad, Hinab in's Geiſterreich zu dringen. Vernichtung dort zu finden, Wenn Rettung nicht gelänge! Ach! nimmer wieder ſie zu ſeh'n! Welch' ſchrecklicher Gedanke! (Er ſinkt troſtlos auf den Ruheſitz nieder.) Siebente Scene. (Voriger. Alma, Ludmille und Troll, von der Seite des Gebirges. Später Domoslav, Rit⸗ ter, Frauen, Diener, Dienerinnen. Dann der Berggeiſt.) Almg. Mein Oskar! —— Oskar. Alma! Alma(an ſeiner Bruſt).) Luſt! Entzücken! An deine Bruſt kehr' ich zurück. Oskar. Du wieder mein! 3 Alma. O Tag der Freude! Beide. Nach ſchwerer Trennung Wiederſeh'n! (Diener des Schloſſes zeigen ſich am Eingange des Gar⸗ tens. Wie ſie die Fürſtin erblicken, eilen ſie freu⸗ dig zurück, um deren Ankunft zu verkünden.) Ludmille und Troll. Fort, fort, zum Garten hin! Hier herrſcht noch Geiſtermacht! Alma und Oskar. Wir ſind vereint! Ha, Welche Wonne! Die Seele faßt Den Wechſel kaum. Aus Grabesnacht Empor ich ſtieg du ſtiegſt Zum Tagesglanz, O Heil! O Glück! Ludmille und Troll. Sie ſind vereint! Bei dieſer Wonne Gedenken ſie Nicht der Gefahr. Noch immer droht Aus Grabesnacht Des Geiſtes Zorn Mit Mißgeſchick. Kommt ſchleunig zum Garten, Hier droht noch Gefahr. Alma und Oskar. Selige Liebe! Du wirſt uns vereinen. Führſt uns gerettet Zum Bunde der Herzen! Ludmille und Troll. Umſonſt iſt die Warnung; Das Glück macht ſie taub. (Domoslav, Ritter, Frauen, Diener, Diene⸗ rinnen, kommen aus dem Garten). Domoslav(noch im Hintergrunde). Tochter! Chor(eben ſo). Heil unſrer Fürſtin! (Indem alle einander froh entgegen eilen wollen, ver⸗ finſtert ſich plötzlich der Himmel. Unter heftigem — 736— Blitz und Donner werden die Felſen von dem ver⸗ fallenen Schachte gewalzt. Von allen Seiten ſtei⸗ gen Felſen auf, ſo daß man von Domoslav, ſeinem Gefolge und dem Hintergrunde der Bühne nichts mehr ſieht. In Flammen ſteigt der Berggeiſt aus dem Boden empor.) Ludmille und Troll. Zu ſpät! Wir ſind verloren! Alma und Oskar. Weh'!— Schnell entſchwund'nes Glück! Berggeiſt(zu Alma). Bebe Verrätherin! Du haſt mich getäuſcht. Haſt meine Liebe Mit Tücke gelohnt! Chor der Erdgeiſter(unſichtbar). Weh' den Frevlern, Rache nah't. Alma(zu des Berggeiſts Füßen). Beſänft'ge dieſes Zürnen! Mein Herz war nicht mehr mein. Schon hatte es zum Bunde Ihm Lieb' und Treu' geweiht. Oskar(indem er Alma emporreißt). Auf, Alma! Nicht ernied're Dich vor dem böſen Geiſt! (Zum Berggeiſt.) Kämpf— nicht mit Geiſterkräften Als Menſch mit mir um ſie! — 7,— Berggeiſt. Dich belohnet Gegenliebe, Die dem Geiſte ward verſagt! Nied'rer Wurm! Um deinetwillen Fand ich Täuſchung, traf mich Schmach. Hal! Euch beide ſchleud're Rache In das Todtenreich hinab. Chor der Erdgeiſter(unſichtbar). Es harret der Donner, es lauert der Blitz! Sprich, Meiſter! Wir ſenden Vernichtung hinauf. Alma und Oskar. So magſt du denn erfüllen, Der Wuth, der Rache Maas! Vereint mit thm zu ſterben t Iſt ſüß, iſt keine Pein. Zum Himmel trägt die Liebe Im Tode uns empor. Dort iſt das Glück uns treuer, Eint für die Ewigkeit! (Ein Nordſchein wird im Hintergrunde ſichtbar. Er wächſt immer mehr an und uübergießt bis zum Schluſſe die ganze Scene mit magiſchem Licht.) Berggeiſt. Hal was ſeh' ich? Urgeiſt, mahnſt du Mich in dieſes Nordſcheins Glanze An der Geiſter heil'ge Pflicht? — 8— Alma und Oskar(in Verzückung). Es öffnet ſich der Himmel Im Glanz der Seligkeit! Hinauf! die Bande fallen, Zum Liebesglück hinauf! Berggeiſt. Ich erkenne! Prüfen wollt' ich, Ob für Geiſter Liebe ſey? Mich berückte Erdenwallung, Mich ergriff die Leidenſchaft. Fort mit jeder niedern Neigung! Rein muß Geiſterwirken ſeyn. Nur dem dürft'gen Menſchenleben Bleibt die Macht der Liebe treu. Alma, Oskar und Ludmille. Hat der Himmel uns erhört? Straft der Geiſt? Wird er verzeih'n? Berggeiſt(zu Alma und Oskar). Seyd beglückt! Auf Erdenauen Stör' euch nimmer Geiſtermacht! Leiden, die ich euch geſchaffen, Wandl' ich nun in Segen um. Alma, Oskar und Ludmille. Wie? So nah' dem Abgrundsrande Hält uns ſeine Hand zurück? Himmelsmacht: das iſt dein Werk! — — 79— Troll(für ſich). Mein Gelüſt, ein Menſch zu werden, Wird nun nimmermehr geſtillt! Jenes Mädchen— Fort mit Liebe! Wie der Meiſter, ſo der Knecht! Berggeiſt. Auf immer ſcheid' ich von den Menſchen, Unſichtbar für ihr Wohl beſorgt! Kein Geiſt dringt mehr hinauf zur Erdenflur, Kein Menſch erſchaut fortan das Geiſterreich. (Zu Troll.) Hinab, mit mir! Zum reinen Seyn, Zum höhern Wirken! (Der Berggeiſt verſinkt mit Troll, die Irrlichter ver⸗ ſchwinden.) Chor der Erdgeiſter(ſich immer mehr entfernend.) Weben Gluth und Fluth, Miſchen Stein und Erz, Heizen Frühlingsau'n Bleibt der Geiſter Pflicht! (Die Felſen und der Schacht verſchwinden und Tages⸗ licht kehrt zurück. Domoslav eilt mit ſeinen Be— gleitern vor; Alma in ſeine Arme.) Chor. Beſeligende Luſt: Nichts ſtört mehr unſer Glück! Alma, Oskar, Domoslav und Ludmille. Nach Ningen und Bangen, Nach Harren und Gram, O, ſelige Stunde, Geſichertes Glück! Jetzt lächelt die Freude, Es flieht jeder Schmerz. Allmächtige Liebe Steh' ferner uns bei! Chor. Zum Feſt! Zur frohen Feier! Der Altar iſt geſchmückt. Es knüpft den Bund der Liebe: Dir, holdes Bündniß, Heil! Fortunat mit dem Säckel und Wünschhütlein. Mährchen⸗Oper in drei Aufzügen. In Muſik geſetzt von Schnyder von Wartenſee. III. 6 Perſonen: Claudio, König von Cypern. Alida, ſeine Tochter. Agrippina, ſeine Baſe. Graf Pedro, deren Bruder. Fortunat, ein armer Edelmann; Page des Königs. Carlino, ein Hofkavalier. Die Erſcheinung der Fortuna. Erſcheinungen. 4. Herrn und Damen vom Hofe. Reichsſtände. Wachen. Kaufleute. Gärtner und Gärtnerinnen. Volk. 1 Erſter Aufzug. Erſte Scene. (Schloßgarten, vorn mit einer Roſenlaube. Im Hinter⸗ grunde zur Seite ſieht man einen Theil des kö⸗ niglichen Pallaſtes. Alida und Fortunat(in der Roſenlaube. Er hält eine Cither im Arme). Enſemble. Beide. Süße Töne! Sanft entrauſchet Einer unſichtbaren Welt, Kündet Freude, kündet Wonne, Die uns ſtets umſchlungen hält. Fortunat(die Cither zum Spielen hebend). Mag zu unſern Liedesklängen Sich der Ton der Cither mengen! Hör', Alida! Laß mich hören! Laß die Töne uns beſchwören. (Er begleitet ſich bei Folgendem mit der Cither.) Im Haine klagt's! Es iſt der Schall Der wunderholden Nachtigall. 6* — 8— O ſüßer Schmerz! O ſanfte Triebe! Was will der Klang? Was will der Sang? Er klagt den Schmerz geheimer Liebe. Alida nimmt ihm die Cither ab, und indem ſie nun accompagnirt, wiederholen beide dieſe Strophe.) Fortunat(ihr zu Füßen). Der Liebe, ja! Ich kann nicht länger ſchweigen, Dir iſt mein Herz auf ewig unterthan. 4 Alida(unruhig aufſtehend). Was wagſt du?(für ſich.) O, mein Herz, ich darf nicht zeigen, Daß auch in dir der Liebe Flamme brennt! Fortunat. D, höre mich! Ich habe widerſtanden, Gekämpft, gerungen, aber nicht geſiegt. A lida(ſchüchtern, indem ſie ihn aufhebt). Erhebe dich! Was ſoll ich thun, was ſagen? Es drängt das Herz, daß ſich's in Liebe fügt. Zweite Scene. (Die Vorigen. Im Hintergrunde treten der König, Agrippina und Pedro lauſchend auf, ohne von Fortunat und Alida bemerkt zu werden. Spä⸗ ter Carlino mit Wache.) Pedro(mit gedampfter Stimme). Wir kommen recht! 3 Agrippina(eben ſo). Da, König, ſieh! Wie deine Ehre wird befleckt. Der König(eben ſo). Bei'm Himmel⸗ a! Das ahnt' ich nie. Doch ſtill! Roch bleiben wir verſteckt. Fortunat Gu Alida). O ſprich das Wort! Sprich aus das Wort der Minne, Daß ich des Lebens Seligkeit gewinne. Alida. Es zieht mich fort— nicht mehr bezwing' ich mich: Mein Fortunat, für immer lieb' ich dich. Der König(zwiſchen Alida und Fortunat tretend, die ſich erſchrocken trennen). Verderben ſoll euch treffen! Alida und Fortunat. Weh' uns! Wir ſind verloren. Agrippina und Pedro(zu beiden Seiten vor⸗ kommend). Die Nache naht. Ihr Opfer iſt erkoren. Der König(zu Fortunat). Du Frevler ohne Gleichen In meinen weiten Reichen! Zittre! Bebe! Ahne Qual! Dich trifft meines Zornes Strahl. Recitativ. Wache!(Carlino mit Wache tritt auf.) Führt dieſen Böswicht allſogleich Zum tiefſten Kerker, wo nicht Sonne, Nicht Tag ſein Angeſicht beſchaut. Dort büß' er, leid' er, Bis des Verbrechens Strafe, Ein martervoller Tod, ihn trifft. (Zu Carlino.) Du hafteſt mir für ihn. (Zu Alida.) Und du, Entartete! In Einſamkeit beweine deine Schuld. Alida und Fortunat(die erſtere von Agrippenen an der Hand gefaßt, der letztere von Wache umgeben). Kaum gewonnen, ſchon verronnen Iſt der Liebe holdes Glück. Tod und Leiden, ſtatt der Wonnen, Bringt das zürnende Geſchick. Geliebter, Geliebte, lebe wohl! Agrippina und Pedro. Gelungen iſt, was wir entſponnen, Uns ſtrahlt ein neuer Hoffnungsblick. Der König. Hinweg mit dem Verräther, — 87=— Dem argen Miſſethäter! Hinweg zum Burgverließ, Wohin ich ihn verwies! Carlino und Wache(zu Fortunat). Fort, fort, zum Burgverließ, Wohin er dich verwies! (Fortunat wird von Carlino und der Wache nach einer, Alida mit Agrippina nach der andern Seite abgeführt.) Dritte Scene. Der König und Pedro. Der König. Ein entſetzliches, ein todeswür⸗ diges Verbrechen! Dieſer Fortunat, ein ſimpler Page und was noch weit ärger iſt, ein armer Schluk⸗ ker, wagt es, ſeine Blicke nach der königlichen Toch⸗ ter begehrlicher Weiſe zu erheben. Pedro. Ganz recht, erhabener Vetter! Das iſt ein himmelſchreiender Frevel und der Tod ſcheint in der That eine noch viel zu gelinde Strafe für ein ſolches Vergehn.— Der König(verdrießlich). Vetter, deine Rede koͤnnte klüger ſeyn! Was gibt's denn ſchlimmeres auf der Welt, als den Tod? Stirb nur ein Mal und du wirſt dich bald überzeugen, daß dann die Auſter ihren erfriſchenden Reiz, der Champagner 88— ſein himmliſches Mouſſiren, der Caviar ſeine köſt⸗ liche Erregbarkeit verloren hat für immerdar. Ein miſerables Stück Nindfleiſch iſt dann ſo viel werth, wie der leckerſte Faſan, nämlich keine taube Nuß. ” Pedro(mit einer Verbeugung). Die Sonne deiner Weisheit leuchtet und erwärmt überall, wo⸗ hin du ihre Strahlen zu verſenden würdigſt. Der König. Ich weiß das; ich treffe im⸗ mer das Rechte. Aber der Fortunat that mir doch einigermaßen Leid, als ich ihn ſo ohne Weitres zu einer Luſtwandlung in's Burgverließ nöthigte. Man ſagt, er ſtamme von den ehemaligen Königen dieſer Inſel ab. Es bleibt doch immer eine höchſt be⸗ trübte Sache, in einem ſolchen Burſchen gleichſam die Ruine eines alten Regentenhauſes dem völligen Untergange entgegenzuſchicken. Pedro. Gewiß, großer König! Er hat es aber nicht beſſer verdient. Der König. Und der ärgerliche Vorgang überhaupt— Man nehme dem Carlino einen Eid und den gemeinen Wachen ein bloßes Handgelöbniß ab, daß von der Sache nichts verlautet. Verſtehſt du mich, Vetter? Pedro. Es ſoll geſchehn. Der König. Welcher Scandal vor den Für⸗ ſten und Herrn, die aus der Nähe und Ferne her⸗ — — 89— beiſtroͤmen werden, um bei'm bevorſtehenden Tur⸗ nier einige Lanzen, ein Dutzend Hälſe und verſchie⸗ dene Beine zu brechen, Alles der tugendhaften Prin⸗ zeſſin Alida zu Ehren, deren Hand den Tapferſten beglücken ſoll! Vetter! wer ein Wort von der Sache ſpricht, verliert den Kopf. Pedro. Du haſt zu befehlen, gnädigſter Vetter! Allein warum willſt du doch für Alida durch⸗ aus einen Gemahl aus der Ferne, einen Fremden, der für dich und die königliche Tochter ein Räthſel bleibt bis nach der Hochzeit? Gibt es nicht in dei⸗ ner Nähe Männer von Verdienſten, welche würdig wären, von dir mit dem Sohnesnamen begrüßt zu werden? Der Koͤnig(eertraulich lächelnd). Schlaukopf, Ich durchſchaue dich! Du verſtehſt dich ſelbſt unter einem ſolchen Manne von Verdienſten. Aber dar⸗ über mußt du dich näher erklären, denn in meinen Augen haſt du kein andres Verdienſt, als das, viel Geld zu verthun, und in nichts habe ich dich bis⸗ her fleißiger geſehn, als im Müßiggange. Duet t. Pedro. Meine Verdienſte ſoll ich aufzählen? Nun wohl! Es wird geſcheh'n. — 90— Doch dürft' es leicht an Worten fehlen, Soll Alles ich geſteh'n. Der König. Nur heraus! Nicht mehr gezaudert. Du ſündigſt gegen den Reſpekt. Hergeſprochen, hergeplaudert, Wo dein Verdienſt verborgen ſteckt. Pedro. Zum erſten bin ich euer Vetter, Verwandter königlicher Majeſtät. Der König. Ganz recht! Das iſt wohl ein Verdienſt, Für dich der trefflichſte Gewinnſt. 1 Pedro. Zweitens bin ich ein Graf, Ein hochgeborner Mann. . Der König. Auch das erkenne ich an. Doch beides ſind ererbte Gaben, Von deinen eignen möcht' ich Kunde haben. Pedro(verlegen). Von meinen eignen? Hört mich gnädig! Ich mach' es kurz— bin nicht ruhmredig, Wer iſt ein Jäger ſo wie ich, Und trifft den Aar im Fluge? — 91— Es ruft das Horn ſo freudiglich, Die Meute treibt zum Zuge. Da geht's bergauf, da geht's waldein, Vergebens ſucht das Wild zu flieh'n, Der allerbeſte Hirſch iſt mein, Den Pfeil ſend' ich zum Herzen hin. Der König. Bravo! Das läßt ſich hören ſchon, Das iſt eine noble Paſſion. Aber wie ſtehts mit dem Muthe, Vetter, Die Braut erwirbſt du nur im Kampfeswetter. Pedro. Beym Turniere ſoll ſich's zeigen, Keinem andern werd' ich weichen, Und der Ruhm von meinem Schwerdt Soll bis an die Sterne reichen. Der König. Bravo, brav, Braviſto! Thue, wie du ſprichſt, nur ſo, Und mit Freuden dir entgegen Bring' ich meinen Vaterſegen.(Beide ab.) Vierte Scene. (Kurzes Gefängniß. Carlino führt den Fortunat herein.) Carlino. Ja, beſter Freund! Es iſt nun einmal nicht anders. Du haſt deinen Kopf immer zu hoch getragen, darum wirſt du ihn bald gar nicht mehr tragen. Das iſt ſo der Lauf der Welt. Fortunat(mit einem Seufzer). Arme Alida! Carlino. Um die brauchſt du dich nicht zu grämen. Sie kommt mit einem blauen Auge da⸗ von, während du den ganzen Kopf hergeben mußt. Bei ſo hohen Damen lautet das Strafgeſetz anders, als bei unſer einem. Ein Stündchen Stubenarreſt, keine Chocolade zum Frühſtück, keine Manteltorte zum Nachtiſch: das iſt das Argſte, was ſie tref⸗ fen kann. Fortunat(bei Seite). Uberläſtiger Schwätzer! Carlino. Aber ernſtlich, Freundchen! Da dir doch einmal das Meſſer an der Kehle ſteht, ſo wäre es Zeit, dein Teſtament zu machen. Es iſt doch angenehm, noch einmal vor ſeinem Ende ſei⸗ nen Willen zu haben und ſchon deshalb würde ich einen letzten Willen machen. Fortunat. Wozu das? Ich beſitze wenig. Meine Verwandten ſind todt. Carlino. Deine Freunde aber leben und vor allen dein Carlino, der immer ein treues Herz zu dir in der Bruſt getragen hat und blutige Thrä⸗ nen weinen möchte, daß es nun mit dir zu Ende geht. Wer wäre würdiger dein Erbe zu ſeyn, als eben dieſer treue Freund. Da iſt der Diamant, — 95— den du von deiner ſeligen Großmutter erhalten. An meiner Rechten ſollt' er dir ewig zum Andenken ſtrahlen. Da iſt das arabiſche Pferd, das dir der König in einer Anwandlung von gnädiger Laune ſchenkte. In meinem Stalle ſollte es den beſten Haber finden und jedem würde ich ſagen: ſieh, das iſt das Noß des unglücklichen Fortunat! Das iſt das Pferd, auf dem er das Herz der reizenden Königstochter eroberte. Fortunat. Schweig, Vorwitziger! Was küm⸗ mert dich meine Liebe, was mein Geſchick? Deinem niedern Sinn lüſtet's nach meiner unbedeutenden Habe. Sie ſoll dir werden, doch unter einer Be⸗ dingung: verlaſſe mich ſogleich! Carlino. Auch in dem Eifer, mit welchem ich dieſem Verlangen entſpreche, möge Fortunat meine treue Freundſchaft erkennen.(ab.) Fünfte Scene. Fortunat(allein. Später Erſcheinungen.) Arie. Zartes Bild der jungen Liebe, Ach! wie bald biſt du erbleicht. Wolken decken dich ſo trübe, Daß dein Reiz ſich nicht mehr zeigt. — 94— O Alida! ſüßes Leben, Dich zu laſſen, dich zu flieh'n, Das iſt mehr, als Angſt und Beben, Wird mich Todesnacht umzieh'n. Recitati v. Doch, nein! Noch ſterb' ich nicht. Lebendig regt in meinem Herzen ſich die Hoffnung, Daß eine Himmelsmacht erſcheinen wird, Mich zu befrei'n, Mich zu beglücken. Des Lebens Glück zu finden An der geliebten Bruſt, O ſeliges Entzücken! O ſüße Götterluſt! Laß dich nicht lang erſehnen, Du hohe Himmelsmacht! Erfülle dieſes Wähnen In ſeiner ganzen Pracht. (Er ſetzt ſich auf einen Steinſitz im Vorgrunde der Bühne nieder.) Milder Schlaf! Du ſteigſt hernieder. Biſt des Himmels Bote du, So gib mir in ſanfter Nuh Liebesluſt und Freiheit wieder!(Er entſchlaft.) (Unter dem folgenden Chore geht der hintere Vorhang in die Höhe. Ein weites Roſengewölk nimmt die * ganze Breite des Hintergrundes ein. An den Cou⸗ liſſen treten Roſenwolken vor. In der Mitte des Roſengewölkes ſteht Fortuna, auf ein goldnes Rad ſich ſtützend, ein himmelblaues Segel über dem Haupte, das eine Art Triumphbogen bildet. In den übrigen Wölkchen neben ihr ſind geflügelte Ge⸗ nien gruppirt.) Chor der Genien. Wir ſchweben und ſteigen vom Himmel herab, Dir log nicht der Hoffnung belebender Blick. Verſiegt iſt dein Leiden, verſchwunden das Grab, Wir bringen die Freude, wir bringen das Glück. Fortuna(aus der Wolke hervor zu Fortunat tre⸗ tend. Sie trägt einen goldgeſtickten Säckel und ein zuſammengeſchlagenes Hütchen von ſchwarzem Sam⸗ met in der Hand). Recitativ. Armer Sprößling alten Königsſtammes! Lange hab' ich dein Geſchlecht verlaſſen. Doch ich will vergelten! Will gewähren deinen höchſten Wunſch. Nimm dieſe Gaben! Der Säckel, deſſen Goldesquelle nie verſiegt, Das Hütlein, das nach Wunſch Dich zu dem fernſten Punkt der Erde trägt. (Sie legt beide Dinge auf den Steinſitz neben Fortu⸗ nat nieder.) 3 — 96— Nicht eher ſollen ſie die Wunderkraft verlieren, Bis der Geliebten Hand, Bis dir der Sitz auf deiner Väter Throne Geſichert iſt! (Sie kehrt auf ihren Wolkenſitz zurück.) Chor der Genien. Hinauf in die Bläue! Hinauf in das Freie! Wie's uns gefällt, Hin durch die Welt! (Während das Gewölk ſich langſam erhebt, verwandelt ſich die Scene in einen kurzen Wald.) Fortunat(der im Schlafe verſchiedene Bewegungen gemacht, als erblicke er die ganze Erſcheinung im Traume, erwachend und vor ſich hinſtarrend). Recitativ. Was war das? War's ein Traum? War's Wirk⸗ lichkeit? Ein göttergleiches Weib ſtieg zu mir nieder, Beglückte mich mit Wundergaben— (Er blickt um ſich. Aufpringend.) Hal ich bin frei. Aus Kerkermauern fern— Das iſt ihr Werk, und die Erſcheinung war kein Wahn. (Sein Auge fällt auf die von der Fortuna zurückgelaſ⸗ ſenen Geſchenke.) Bei'm Himmel, ja! Da ſind die Wunderdinge, Der Zauberſäckel und das Wünſchhütlein, Mit hoher Kraft begabt— ſo ſagte ſie— Bis ich erreicht das ſchöne Ziel. (Er nimmt den Säckel und greift hinein.) Schnell her, daß ich die Kraft erprobe! (Er zieht eine Hand voll Goldſtücke heraus. Er macht noch einmal den Verſuch, worauf daſſelbe erfolgt.) Ha! Goldesglanz, der immer ſich erneut, Sey hochbelobt, ſey mir gegrüßt. Durch dich gewinn' ich Liebesſeligkeit, Durch dich wird jede Schuld gebüßt. Mir ſchwindelt— meine Sinne ſind umnachtet— Doch Faſſung— Muth— zur kühnen That! Ihr Mächte, die ihr dieſe Gaben brachtet, Schützt mich vor Tücke und Verrath! (Er verbirgt den Säckel in ſeine Bruſt und ſetzt das Wünſchhütlein auf.) Receitativ. Jetzt, Hütlein, thue deine Pflicht, Bring' mich zu Famaguſta's reichem Marktplatz! Sechſte Seene. (Die Scene verwandelt ſich in den Marktplatz von Fa⸗ maguſta. Allenthalben Buden mit Kaufleuten, welche allerlei Waaren feil halten. Im Hintergrunde eine, vor welcher koſtbare Anzüge aushängen. Die Kauf⸗ III. 7 leute treten aus ihren Buden. Fortunat nimmt ſchnell das Wünſchhütlein ab und ſteckt es in ſeine Bruſt.) Chor der Kaufleute. Kauft, edle Damen, edle Herrn, Kauft kurz' und lange Waaren. Seht her, ſeht hin! Ihr kauft dann gern, Sollt Billigkeit erfahren! (Einzelne Käufer erſcheinen bei den Buden im Hinter⸗ grunde und handeln dort.) Eine Galanteriekrämerin(zu Fortunat). Ganz friſche Pariſer Pomaden. Ein Taboulettkrämer(eebenſo). Extrafeine Windſorſeife. Ein Andrer(ebenſo). Falſche Zähne, falſche Waden. Eine Brillenhändlerin. Brillen für verliebte Augen. Fortunat(mit einer Gebehrde des Unwillens). Nichts von Allem kann ich brauchen. Ein Kaufmann(aus dem Fintergrunde). Bei mir findet deine Gnaden Goldesſchmuck und Edelſteine, Gallakleider überfeine. — 99— Fortunat. Du biſt der Mann, der mir gefällt, Laß ſeh'n, was dein Gewölb enthält. (Er geht mit dem Kaufmann in die große Bude im Hintergrunde.) Chor der Kaufleute. Kauft, edle Damen, edle Herrn! Seht her, ſeht hin! Ihr kauft dann gern. (Sie begeben ſich in ihre Buden zurück, bei denen im⸗ mer ein Verkehr mit Käufern bleibt.) Siebente Scene. (Die Vorigen. Carlino tritt nachdenklich auf.) Carlino(im Vorgrunde). Das Unglück iſt geſcheh'n! Fortunat iſt entſprungen. Nicht genug, daß er mich ſo um die Erbſchaft gebracht hat, auch meine Stelle habe ich verloren: ich bin in Ungnade gefallen. In Ungnade? Schreckliches Wort, noch ſchrecklichere Sache! Niemand will mich mehr ken⸗ nen, ſeitdem der königliche Zorn auf mir ruht, und ſelbſt ein Küchenjunge, dem ich eine Prieſe Tabak bot, kehrte mir verächtlich den Rücken und pfiff ein Schelmenlied. Wer nun ein ehrliches Handwerk gelernt hätte! Das nährt in allen Fällen und im ſchlimmſten ging ich fechtend, mit dem Ränzel auf dem Rücken, durch die Welt. 7* — 100— Li ed. Ein Schreiner führt den Hobel: Wo gibt's zu hobeln nicht? Oft wird das Handwerk nobel, Bei Menſchen regt der Hobel, Sich nach Gewalt und Pflicht. Ich hobelt' hier, ich hobelt' dort, Ein Schätzel blieb an jedem Ort: Ade! du Herzensſchätzel. Ein Schuſter führt den Pfriemen: Gibt's dabei nicht Genuß? Ihm will es wohl geziemen, Daß er mit Leiſt und Riemen, Nimmt Maaß dem ſchönſten Fuß. Ich mäße hier, ich mäße dort, Ein Schätzel blieb an jedem Ort: Ade! du Herzenſchätzel! Ein Schneider führt die Nadel: Bringt Ehre nicht die Kunſt? Ihm wird, führt er ohn' Tadel Das Eiſen und die Nadel, Der ſchönſten Frauen Gunſt. Ich näh'te hier, ich näh'te dort, Ein Schätzel blieb an jedem Ort: Ade! du Herzensſchätzel. — 101— Achte Scene. (Der Vorige. Fortunat, im reichen, glänzenden Anzuge, kommt aus der hintern Bude in den Vorgrund.) Carlino. Sieh, da! welcher ſtattliche Ca⸗ valier. Gewiß ein Fürſt oder Graf, der aus fer⸗ nen Landen gekommen iſt, um bei'm Turniere mitzukämpfen. Ich will ihn anreden. Vielleicht nimmt er mich in ſeine Dienſte. Fortunat(bei Seite). Hal das iſt Carlin. Ob er mich erkennen wird in dieſem prunkvollen Anzuge? Es kommt auf einen Verſuch an! Ich werde dann ſeh'n, ob ich mich mit Sicherheit an den Hof wagen kann, und im ſchlimmſten Falle bleibt mir immer mein Wünſchhütlein, das mich in einem Augenblicke jeder Verfolgung entzieht. Carlino(ſich mit Verbeugungen nahend). Darf ich mich unterſtehn— 2 Fortunat(für ſich). Er kennt mich nicht. (Laut.) Nur immer näher, mein Freund! Was willſt du? Wer biſt du? Carlino. Ach! Gnädigſter, ich habe eigent⸗ lich, da ich meiner Profeſſion ein Hofmann bin, gar keinen Willen. In dieſem Augenblicke aber bin — 102— ich noch weniger als nichts, denn die königliche Ungnade hat mich getroffen, zermalmt und vernichtet. Fortunat. Armer Zermalmter! Gewiß haſt du durch ein ſchweres Vergehn den Zorn des Kö⸗ nigs gereizt? 6 Carlino. Ein arger Schelm hat mir dieſes bodenloſe Unglück bereitet. Ein lockerer Zeiſig, Na⸗ mens Fortunat. Ich ſollte ihn im Gefängniß wohl verwahren. Der Gottſeybeiuns hat ihn aber durch's Schlüſſelloch davon geführt und mich traf die aller⸗ gnädigſte Ungnade. Fortunat(bei Seite). So leidet er um meinetwillen! Da muß ich wieder gut machen, was ich verſchuldet habe.(Laut.) Und was gedenkſt du zu thun? Carlino. Lieber Gott! Ich ſuche wiederum einen Dienſt, der meinem Stande und meinen Kennt⸗ niſſen entſpricht. Fortunat. Was haſt du gelernt? Was ver⸗ ſtehſt du? Carlino. Unausgeſetzt habe ich mich den Studien gewidmet, welche einem Hofmanne nöthig und anſtändig ſind. Ich kann Pferde zureiten, Bil⸗ lard ſpielen, Fahren wie ein engliſcher Jockey, Ca⸗ narienvögel abrichten— Fortunat. Schon genug. Dein Namen? — 103— Carlino. Carlino. Fortunat. Gut, Carlino! Ich bin der Graf Nimian aus Flandern. Erſt vor einer Stunde bin ich an's Land geſtiegen, um an dem feierlichen Turniere Theil zu nehmen, bei dem die ſchöne Prin⸗ zeſſin Alida zu gewinnen iſt. Auf der weiten See bin ich durch einen Sturm von dem Schiffe, in dem ſich meine Leute befanden, getrennt worden. Nun habe ich einen gewandten Stallmeiſter und neue Diener nöthig. Ich ernenne dich hiermit zu dem erſten und übertrage dir zugleich die Sorge, die übrigen herbeizuſchaffen. Carlino(mit tiefer Verbeugung). Gnädigſter, ich erſterbe als dein unterwürfiger Sklav. Fortunat(achend.) Leben ſollſt du für mich, aber nicht ſterben. Noch heute muß ich den glän⸗ zendſten Pallaſt in Famaguſta beſitzen. Das Köſt⸗ lichſte iſt nicht zu gut für deſſen innere Einrichtung. Diener ohne Zahl müſſen ihn durchrennen; ein herrlicher Marſtall darf nicht fehlen. Ich werde dir Gold geben. Streu' es aus mit vollen Händen, aber ſorge, daß Alles meinen Wünſchen entſpricht. Carlino(bei Seite.) Das iſt ein Cröſus. Geſegnet ſeh die Ungnade, die mich bei ihm zu Gnade gebracht hat! (Marſch aus der Ferne.) — 104— Fortunat. Was iſt das? Was bedeutet dieſe Muſik? Carlino. König Claudio kehrt aus ſeinem Sommerpalaſte in die Reſidenz zurück. Sieh den herrlichen Zug: die Leibwache, der König, die Prin⸗ zeſſinnen in den goldnen Sänften— da ſind ſie ſchon. Neunte Scene. Finale. (ceibwachen, welche ſich auf beiden Seiten aufſtellen. Dieſen folgt der König mit Graf Pedro. Dann Alida und Agrippina in zwei Palankinartigen, reich vergoldeten Sänften, von Hofherrn und Hof⸗ damen umgeben. Fortunat und Carlino tre⸗ ten zur Seite. Kaufleute und Volk aus dem Hin⸗ tergrunde vor.) Fortunat(bei Seite). Jetzt ſteh' mir bei, mein gutes Glück! Täuſch' jeden, nur nicht der Geliebten Blick. Chor der Hofleute, Wachen, Kaufleute und des Volks. Gegrüßt ſey uns, o Willkommen in der Sendi, Da gibt es neue Freuden. Wo Claudio nicht weilt, Da fühlen wir nur Leiden. —y Der König(der währendem den Fortunat aufmerk⸗ ſam betrachtet). Schon gut! ich bin gerührt. Wer mag der Fremde ſeyn? Sieh! Pedro: Gold und Edelſtein Hat ſein Gewand verziert. Pedro. In ſeinem Dienſte ſcheint Carlin; Ich eile hin und frage ihn. (Die Sänften mit den Prinzeſſinnen ſind niedergeſetzt worden. Pedro ſpricht heimlich mit Carlino.) Fortunat(bei Seite). O wie ſelig! Dieſe Lüfte, Die Alidens Odem trinken, Schwellen meine Bruſt mit Wonne. Stern der Liebe: wirſt nicht ſinken! Der Koͤnig(in fortwährend beäuglend). Welcher Wuchs! Welche Nobleſſe! Sehr erregt er mein Intreſſe. Pedro(zurückkehrend). Graf Nimian aus Flandern, Sehr vornehm und geehrt, Und wie Carlin verſichert, — Wohl zehn Millionen werth. Der König. Zehn Millionen! Ha, Reſpect! — 106— (In Alidens Sänfte.) Komm, Alida!(In Agrippinens) Werthe Baſe! (Die Prinzeſſinnen ſteigen aus und treten neben Claudio.) Vetter, führ' den Fremden her, Stelle ihn ſogleich uns vor. Pedro(für ſich). Verwünſcht! ich war ein Thor! Ein Freier iſt das mehr. (Er geht auf Fortunat zu, faßt deſſen Hand und führt ihn zum Könige.) Des Königs hohes Wort Gebeut euch vorzuſtellen: Graf Nimian aus Flandern. Fortunat(ein Knie ror dem Könige beugend). Ich erkenne ſolche Huld. Von des Vaterlandes Küſten Komm ich, mich zum Kampf zu rüſten Für die ſchönſte Frau der Welt. Alida(bei Seite). Welche Züge? Welche Stimme? Kenn' ich ihn denn nur allein? Jal er iſt es. Jal! kein Zweifel! Fortunat nur kann es ſeyn. Der König(zu Fortunat, höchſt freundlich). Sehr willkommen ſind zum Feſte Solche hochverehrte Gäſte. — 107— Alida(für ſich). Wie ſchlägt mein Herz! Ha, welche Macht Verbirgt ihn ſeiner Feinde Blicken? Agrippina(ebenſo)- Welch reicher Schmuck! Des Goldes Pracht— Das zu beſitzen— O Entzücken! Fortunat(ebenſo). Die Liſt gelingt! Des Zaubers Macht Liegt ſchwer auf aller Späher Blicken. Der König. Ein edler Mann! Man habe Acht: Ihm kann man nicht den Sieg entrücken. Pedro(für ſich). Verwünſchter Streich! Hätt' ich's bedacht.! Ich konnt' ihn früher unterdrücken. Der König(zu Fortunat). Begleitet uns jetzt zum Pallaſt, Seyd dort mein Freund, mein werther Gaſt! (Fortunat tritt mit einer Verbeugung neben den Kö⸗ nig, der ſich auf ſeinen Arm ſtützt. Die Prinzeſ⸗ ſinnen ſteigen unter folgendem Chore wieder in die Sänften.) Chor. Zum Schloß, zu Luſt und Tanz, Zu Spiel, zum heitern Feſte! . Es ſtrahlt der Freuden Kranz, Es harrt der Kreis der Gäſte. (Während der Zug ſich wieder in Bewegung ſetzt, fällt der Vorhang.) —õ— Zweiter Aufzug. Großer Ritterſaal. Erſte Scene. (Rechts unter einem Thronhimmel der König, Alida und Agrippina. Hofdamen. Pagen. Ritter. Herrn vom Hofe. Soldaten. Volk. Unter dem folgenden Chore treten Fortunat und Pedro in voller Rüſtung, von Rittern gefolgt, ein.) Chor. Preiß dem Helden, Ehre, Ruhm! Es glänzt vor allen Andern, Als Blume hoch vom Ritterthum, Der edle Graf aus Flandern. Der König(dem Fortunat Alida entgegenführend). Du haſt geſiegt, Dein wird jetzt der Lohn! Sey mir froh gegrüßt, Werther Schwiegerſohn! Fortunat(Aliden aus Claudio's Händen empfangend). Ich, Glücklicher! Alida mein! — 109— Alida(bei Seite, zu Fortunat). Mein Fortunat— Fortunat(einfallend). Still! Nenn' den Namen nicht! Agrippina(bei Seite, auf Fortunat deutend). Für mich ſollt' er verloren ſeyn? Verloren er mit ſeinen Schätzen? Der König(zu Pedro). Vetter, dir gebührt Auch ein Siegespfand, Nimm der Schärpe Schmuck Aus der Schweſter Hand! Pedro(für ſich, indem er vor Agrippinen, die ihm eine reichgeſtickte Schärpe umhängt, ſich auf ein Knie niederläßt). Verwünſchter Fremdling! Schickſalsſohn! Sein wird Alida, ſein der Thron. Chor. Erlauchtes Brautpaar ſey beglückt, Bis in die ſpätſten Tage! Wen König Claudio's Huld entzückt, Der kennet keine Plage. (Unter dieſem Chore und dem Nachſpiele ziehen alle, Agrippina von Claudio geführt, bis auf Fortunat und Alida, nach dem Hintergrunde ab.) — 110— Zweite Scene. (Alida. Fortunat, ſpäter Agrippina.) Fortunat. Ja! Alida, wir haben uns wie⸗ der. Wir ſtehen uns näher als je und der Stern unſerer Liebe ſtrahlt ſo hell, wie er nie zuvor geleuchtet. Alida. Noch ſcheint mir Alles, was geſche⸗ hen iſt, ein Traum. Du warſt im Kerker, du ent⸗ flohſt auf eine unbegreifliche Weiſe— du kehrſt wieder im Glanze einer hohen Würde, mit Reich⸗ thümern geſegnet, meinem Vater willkommen, allen fremd, nur mir nicht— da trittſt du als Käm⸗ pfer auf im Turniere. Niemand kann dir wider⸗ ſtehn; vor deinem Muthe, vor deiner Kraft ſinken Alle in den Staub und ich— ich werde meines Fortunats beglückte Braut. Fortunat. Wer iſt glücklicher als ich, meine Alida? Eine wunderbare Macht hat Alles ſo herr⸗ lich gefügt. Dank ihr, die mich aus der Nacht des Kerkers befreite, um mich auf den Gipfel des Glücks zu erheben. Alida. Sprich deutlicher! Immer noch fürchte jch, daß ein ſüßer Wahn mich täuſcht, tauſend Zwei⸗ fel beunruhigen mich— Fortunat(vorſichtig um ſich blickend). Vor dir — 111— habe ich kein Geheimniß. Als ich kaum den Ker⸗ ker betreten hatte, fiel ich in einen ſeltſamen un⸗ widerſtehlichen Schlaf. Da zeigte ſich mir eine wunderbare Traumerſcheinung. Fortuna ſelbſt trat zu mir hin und beglückte mich mit ihren Zauber⸗ gaben. Als ich erwachte, ſah ich, daß es kein bloßer Traum geweſen war. Ich befand mich in Freiheit, in einem dichten Walde, neben mir lagen die Geſchenke der Glücksgöttin.(Agrippina erſcheint lauſchend im Hintergrunde.) Sieh dieſen Zauberſäckel!(Er zeigt Aliden die Wundergaben.) So oft ich will, finde ich ihn mit Dublonen gefüllt, ſein Schatz iſt unerſchöpf⸗ lich. Sieh dieſes Wunderhütchen! Wenn ich es auf⸗ ſetze, ſo führt es mich in einem Augenblicke, wohin ich wünſche, in die Hütte des Bettlers, wie in den Pallaſt des Reichen, nach Indien, wo an allen Wegen Edelſteine liegen, an Afrika's Küſte, wo das Gold ſo gemein iſt, wie hier das Kupfer. (Agrippina zieht ſich mit allen Zeichen des Erſtaunens zurück.) Alida(bedenklich). Seltſame, gefährliche Ga⸗ ben! Mir nur deßhalb theuer, weil ſie dich mit mir vereinigen. Fortunat(Säckel und Wünſchhütlein wieder verbergend). Sey unbeſorgt, Geliebte! Sobald dein — 112— Beſitz mir geſichert iſt, hört ihre Wunderkraft auf. So lautete der Ausſpruch Fortuna's. Duel t. Beide. Liebe braucht nicht Goldesſchimmer, Nicht der fremden Zauberkraft, Denn unzählbar ſind die Wunder, Welche Liebe ſelber ſchafft. Alida. Könnte Gold dich doch verblenden, Könnte gar des Hütleins Macht Dich zur Ferne von mir wenden, Tiefer Schmerz! O Unheils Nacht! Fortunat. Fürchte nichts! Des Herzens Sehnen Hat mich feſt an dich gebannt. Goldesſchimmer! Eitles Wähnen! Glück nur bringt mir deine Hand. Beide. Wir ſind vereint, Entzücken! Kein Wunſch bleibt unerfüllt. Die Liebe will beglücken, Ihr Wunder iſt enthüllt. Geliebter, dir Geliebte, ir zu leben, — 113— O welche Seligkeit! Wir ſind zu einem Streben Vereint für jede Zeit.(BGeide ab.) Dritte Scene. Agrippina(kommt aus dem Hintergrunde vor). Frohlockt nicht zu frühe!— Noch ſcheint mir Al⸗ les unglaublich, was ich gehört habe! Ein Zau⸗ berſäckel, der bei jedem Verſuche die Hand mit Gold füllt, ein Wünſchhütlein, das ſchnell wie der Ge⸗ danken zu jedem Orte der Welt verſetzt? Wer dieſe Wunderdinge beſäße! Und ſollte ich mich ihrer nicht bemächtigen können? Bei'm Himmel, ja! Auf dieſe Weiſe kann es gelingen. Der Sitte gemäß muß er meinem Bruder und mir einen Beſuch ma⸗ chen— dann ein betäubender Schlaftrunk— kluge Benutzung des Augenblicks, und der Thor iſt um ſeine Zaubergaben gebracht. Ha! wie wird dann Agrippina im Glanze ihres Schmucks und ihres Reichthums alle Andre, ſogar die Königstochter ver⸗ dunkeln! Sie, die bisher allenthalben nachſtehen mußte, wird dann als die erſte geehrt und bewun⸗ dert werden! Claudio ſelbſt— er liebt das Geld — Wer weiß, ob nicht ſchon in wenigen Tagen das königliche Diadem dieſes Haupt umgibt. III. 8 — 114— Ari e. In der Krone Glanz zu prangen, Uber allen hochgeehrt: Ha! zu ſtillen dies Verlangen, Iſt wohl des Verſuches werth. Stolz ſchreit' ich zum goldnen Throne, Zu dem Sitz der Königin, Blicke dann mit kaltem Hohne Auf die niedre Menge hin. Und Alida— ſie muß beben, Fleh'n zu der, die ihr gedient! Muß als Tochter untergeben Meinem höchſten Willen leben. Ja, ich wag' es! Kühnes Wagen Kann mir ſolche Früchte tragen. Königskrone, Herrſcherluſt, Längſt erſehnt in ſtolzer Bruſt.(ab.) Vierte Scene. (Graf Pedro's und Agrippinens Wohnung. Eine Vorhalle.) Pedro lallein, voll Unmuth auf und niederſchreitend). Auch die letzte Hoffnung dahin! Kommt ſo ein Fremder ohne alle Umſtände aus ſeiner Heimath in unſere gute Inſel, und nimmt mir, einem Einge⸗ — 115— bornen, mit ſeiner naſeweißen Lanze den Sieg vor dem Munde weg. Was nun anfangen? Alida und ihre Mitgift war meine letzte Zuflucht. Jetzt über⸗ laufen mir die Gläubiger das Haus und ehe wir's uns verſehn, ſitzt Graf Pedro, der Vetter des Kö⸗ nigs, ſammt der gräflichen Schweſter im Schuldthurme. Fuͤnfte Scene. Der Vorige. Agrippina. Agrippina(welche die letzten Worte gehört hat). Überflüßige Beſorgniß! Die Schweſter wird ſchon auf eine kluge und anſtändige Weiſe ſich aus die⸗ ſer Verlegenheit zu ziehen wiſſen und auch dem Herrn Bruder heraushelfen, wenn er gute Lehren annimmt. 4 Graf Pedro(ppöttiſch). Gute Lehren— von dir? Die möchte ich hören, Jungfer Weisheit! Agrippina. UÜber deinen Spott bin ich er⸗ haben. Bald wird eine Zeit kommen, in der du nur mit Furcht und Zittern deine Blicke zu mir erhebſt. Graf Pedro(bedenklich). Schweſter, wie ſteht's um deine Geſundheit? Agrippina. Laß das! Wir haben keinen Augenblick zu verlieren, wenn wir zum Ziele kom⸗ 8* — 116— men wollen. An Alidens Beſitz iſt dir Alles gele⸗ gen. Wir müſſen den fremden Gimpel, der ſich in ihr Netz gefangen hat, auf eine kluge Weiſe zu entfernen ſuchen. Ich halte ihn ſo für einen Aben⸗ theurer, deſſen Verwandtſchaft uns am Ende zur Schande gereichen könnte. Gleich wird er hier ſeyn. Ein kräftiger Schlaftrunk, den du ihm kre⸗ denzeſt, raubt ihm in einem Augenblicke die Beſin⸗ nung. Dann läſſeſt du ihn ſchnell durch einige vertraute Männer fortbringen, in Lumpen hüllen und in das berüchtigte Felſenlabyrinth tragen, wo der Sage nach böſe Geiſter ihr Spiel treiben. Kehrt er auch von dort zurück, ſo erkennt ihn niemand wieder in ſeinem erbärmlichen Aufzuge, Bei'm Pal⸗ laſte wird er abgewieſen, von beſtellten Dienern fortgeſchafft. Du haſt dann als zweiter Sieger im Turniere den erſten Anſpurch auf Aliden. Auch ſeine Koſtbarkeiten, das Gold, was er bei ſich führt, überlaſſe ich dir; denn mir iſt es nur um dein Glück zu thun(bei Seite) und um die herrlichen Wundergaben, von denen übrigens der Herr Bru⸗ der nichts zu wiſſen braucht. Terzet.. Pedro(Agrippinen freudig umarmend). Trefflich! Prächtig! Meiner Seele! Schweſter, topp! ich bin dabei. — 117— Agrippina ſich kalt der Umarmung entziehend). Ruhig, Bruder! Dieſe Wallung Iſt nicht von Gemeinheit frei. Pedro. Offen ſag' ich's! Den Gedanken Hätt' ich dir nicht zugetraut. Agrippina. Leider weiß ich, daß der Schweſter Du nur wenig ſtets vertraut. Pedro(bei Seite). Das Gold, die Edelſteine— Bezahlt iſt jede Schuld. Alida wird die meine, Mich wählt des Königs Huld. Agrippina(ebenſo). Das Hütlein und der Säckel— Hal was verlang ich mehr. Es trägt der Wunderdeckel Die Schätze Indiens her. Sechſte Scene. Fortunat(eintretend). Iſt's erlaubt— Pedro und Agrippina(ihm entgegen). Hal ſey willkommen! — 118— Deinem Freunde, Deiner Freundin, Fortunat. Hier ſo gütig aufgenommen, Fühl' ich wahrlich mich beglückt. Agrippina(bei Seite). Armer Tropf! Dir droht Verderben. Pedro(ebenſo). Gimpel, wart'! Du wirſt berückt. Fortunat(für ſich). Seltſam Bangen! Tief im Herzen Fühl' ich mich von Furcht beſtrickt. edler Graf. Agrippina und Pedpo(den Fortunat in's Innere der Wohnung nöthigend). Tritt ein in dieſe Hallen! O möge dir gefallen, Was hier die Freundſchaft beut Mit offner Herzlichkeit. Fortunat. Ich geh' in dieſe Hallen! Wohl muß es mir gefallen, Wo ſich die Freundſchaft beut Mit offner Herzlichkeit. (Alle drei, die beiden Geſchwiſter mit Zeichen der Zu⸗ friedenheit, in eine Seitenthüre ab.) — 1149— Siebente Scene. Alida's Zimmer. Alida(aus einem Nebenzimmer). Ich hörte ein Geräuſch und glaubte er ſey es. Aber meine Liebe mag wohl daran ſchuld ſeyn, daß ich allenthalben ihn zu ſehn und zu hören glaube. Nichts macht mir mehr Freude, wenn Fortunat nicht dabei iſt. Jeder Augenblick, in dem ich ihn nicht in meiner Nähe weiß, iſt mir peinlich; jede Gewohnheit, die mir ſonſt theuer war, iſt mir jetzt gleichgültig. Arie. Nur die Nähe des Geliebten Gibt der Seele ſanfte Ruh. Leiden, die vorher betrübten, Fallen dem Vergeſſen zu. Süßes Hoffen, banges Ahnen, Mit dem Herzen ſpielet ihr! Ach! da will nicht Sorge mahnen, Biſt du, Fortunat, bei mir. Ja! Verzückung, Himmelswonne, Liebenden iſt zugelenkt, Wenn ſich Seele tief in Seele, Wenn ſich Herz in Herz verſenkt. — 120— Eile, Freund! O kehre wieder! All mein Sehnen ruft nach dir. Nichts erfreut mich! Spiele, Lieder, Scheinen todt und klanglos mir. Dieſes Harren, dieſes Bangen, Iſt der treuen Liebe Frucht, Die mit innigem Verlangen Nur nach dem Geliebten ſucht. O ſo komme, nicht mehr weile, Daß mich deine Näh' erfreut, Daß ich Liebe mit dir theile, Dem mein Daſeyn iſt geweiht. Achte Scene. b Die Vorige. Carlino. Carlino. Deine Gnaden verzeihn, aber die Sorge für den beſten, großmüthigſten Gebieter ver⸗ anlaßt mich, unangemeldet in dein Gemach zu treten. Alide(erſchrocken). Sorge für deinen Herrn? Was kann ihm begegnet ſeyn? Was fürchteſt du? Carlino. Glaubſt du an Ahnungen, gnä⸗ digſte Prinzeſſin! Schon den ganzen Tag über drängt ſich mir der Gedanken auf, der hochgeborene Graf Nimian aus Flandern ſey eigentlich ein Niemand — 121— und werde ſich mit einemmale in ſein Nichts auf⸗ löſen, wie eine Seifenblaſe. Ach, dieſe ſchreckliche Ahnung ſcheint in Erfüllung gegangen zu ſeynll Allenthalben ſuche ich den gnädigen, nirgends finde ich ihn. Alida. Deine Worte erfüllen mich mit tödt⸗ licher Angſt. Eile hinweg, forſche allenthalben nach— Carlino. Wo habe ich nicht ſchon geforſcht, wo nicht geſucht? Den herrlichſten Pallaſt habe ich im Handel, nur der erlauchte Herr fehlt, um den Kauf zu beſtätigen. Ein Zug köſtlicher arabiſcher Pferde ſteht im Schloßhof, aber Graf Nimian iſt nicht da, um ihn zu beſichtigen. Allenthalben habe ich Boten hingeſendet, nirgends iſt eine Spur des edlen Gebieters zu finden. Einen ſo reichen und gütigen Herrn zu verlieren! Es iſt entſetzlich! Ich bin außer mir: ich nehme Gift, ich jage mir eine Kugel durch den Kopf! Alida. Ich Unglückliche! Wo finde ich Hülfe, wo finde ich Beruhigung in dieſen entſetzlichen Zweifeln. Neunte Scene. Die Vorigen. Der König. Agrippina. Der König. Was muß ich hören, Prinzeſ⸗ ſin Tochter? Dien Bräutigam iſt verſchwunden. — 122— Weißt du wohl, daß ein verſchwundener Bräutigam nicht beſſer iſt, als gar keiner? Alida. O, mein Vater, ſtehe mir bei in die⸗ dieſer ſchrecklichen Lage. Laß kein Mittel unver⸗ ſucht, eine Nachricht von ihm zu erhalten. Agrippina(bei Seite). Es iſt gelungen. Der Überläſtige iſt entfernt; ſeine Wundergaben ſind in meinem Beſitze. Der König. Was macht der Menſch auch für ſeltſame Streiche. Verſchwindet auf ſeine eigene Hand, ohne den königlichen Vater davon in Kennt⸗ niß zu ſetzen! Wo ſoll das noch hinaus, wenn ſich junge unerfahrene Leute ſelbſt Eigenmächtigkeiten geſtatten? Carlino(höchſt demüthig). Allergnädigſter— Der König(ſeftig). Schweig, Wurm! Am Ende biſt du der Böſewicht, der ihn bei Seite ge⸗ ſchafft hat, um ſich ſeiner Schätze zu bemächtigen. Man wird dich einſtecken, peinlich befragen, foltern— Alida. Gewiß iſt dieſer Mann unſchuldig, mein Vater. Die Zeit drängt; verliere nicht die koſtbaren Augenblicke. Agrippina. Erlaube mir eine Bemerkung, königlicher Herr. Sollte dieſer angebliche Graf Nimian nicht ein Abentheurer ſeyn, der jetzt aus —— — 123— Furcht vor einer Entdeckung ſeines Betrugs die Flucht ergriffen hätte? Der Konig(verdrießlich). Dir ſollte es doch nicht unbekannt ſeyn, werthe Baſe, daß der Eidam eines Königs nun und nimmermehr ein Abentheurer ſeyn kann. Wir müſſen auf Mittel denken, ihn wieder herbeizuſchaffen. Eine hohe Polizei muß in Thätigkeit geſetzt werden, man muß einen Cordon um die ganze Inſel ziehn. AQuartet t. Der König. Ein Steckbrief werde ausgeſchrieben, Der ihn treu und deutlich malt. Wie er ſich trägt, was er mag lieben, Wie ſein Auge gräflich ſtrahlt. Alida. Werd' ich ihn jemals wiederſehn? O Herz, von Leid erfüllt! Muß ich verlaſſen, einſam ſtehn, Den Blick mit Gram umhüllt. Agrippina(für ſich). Jamm're nur! Ich triumphire. Nach der Krone greif' ich kühn. Carlino(bei Seite). Foltern mich? Hal ich verſpüre Schon, wie ſie mich dreh'n und zieh'n. — 124— Der König(zu Alida). Sey unbeſorgt, mein Kind! Wird dieſer Mann nicht dein, So wird's ein andrer ſeyn. Alida. Ihn werd' ich ewig lieben! Das Herz knüpft mich an ihn. Der König(mißbilligend). Was! Liebe iſt gemein, Vermählung reichet hin. Alida. O mein Vater! Laß uns eilen, Sende deine Boten aus. Der König. Recht! Ein längeres Verweilen Bringt noch Unruh' mehr in's Haus. Agrippina(zu Aliden). Dich beklag' ich! Warlich! Theilen Muß ich deiner Seele Schmerz. Carlino. Solchen Herren zu verlieren, Ach! darüber bricht ein Herz. Der König(majeſtätiſch). Er muß herbei! Ich muß ihn haben, Wär' er im tiefſten Schlund vergraben! — 125— Denn ich, der große Claudio, Ich, Cyperns König, will es ſo. Alida. Laß du ihn erſcheinen, Liebe, Himmelsmacht! Senke nicht die Deinen In des Leidens Nacht. Agrippina. Der König. Carlino. Ja, er muß erſcheinen, Wer gehorcht da nicht? Wer mag da verneinen, Wo der König ſpricht. (Alle ab.) Zehnte Scene. (Kurzes Felſenthal. Vorn eine Quelle, an deren beiden Seiten zwei mit Früchten beladene Apfelbaume glänzen.) Fortunat(in aärmlicher Kleidung aus dem Hin⸗ tergrunde). Furchtbarer Wechſel des Schickſals! Noch vor kurzer Zeit gebot ich über unerſchöpfliche Reich⸗ thümer, jetzt bin ich ein Elender, ein Bettler. Es ſtand in meiner Macht, im Fluge des Gedankens mich an jeden Ort der Welt zu begeben, jetzt wäre ich in dieſes Felſengekluͤft vielleicht auf ewig ge⸗ — 126— bannt, hätte ich nicht mit Lebensgefahr jene Fel⸗ ſenſpitze erklettert, von der ich Famaguſta's Thürme entdecken konnte. Und Alida! Sie weint, ſie trauert, wähnt dielleicht, ich habe treulos ſie verlaſſen, und ahnt nicht, daß Neid und Bosheit mich von ihr getrennt haben. Schändliche Agrippina! Abſcheu⸗ licher Pedro! Alles habt ihr mir geraubt bis auf dieſen Edelſtein, der euern habgierigen Blicken ent⸗ ging.(Er zeigt einen Ring an ſeiner Rechten.) Ge⸗ nug um mir Mittel zu geben, mich an euch zu rächen, mein altes Recht wieder zu gewinnen. For⸗ tuna hat mit ihre Gunſt noch nicht entzogen. Dieſe Wunderbäume ſind mir gültige Beweiſe. Tödtliche Ermattung trieb mich, von der Frucht des einen zu genießen. Aber welches Entſetzen befiel mich, als ich kurze Zeit hierauf in den Quell ſah und mich ſchwarz in einen Neger verwandelt erblickte. Da war es, als rief eine ſanfte, himmliſche Stimme mir zu: was der eine gibt, nimmt der andere wie⸗ der. Schnell folgte ich der gütigen Weiſung und ſtehe! in einem Augenblicke war das Wunder ge⸗ ſchehn und der Quell zeigte mein Bild weiß und blank wie zuvor. Köſtlicher Fund! Du ſollſt mei⸗ ner Rache dienen, du ſollſt mir behülflich ſeyn, den Zauberſäckel und das Wünſchhütlein wieder zu erlangen. — 127— Arie. Finale. Uben will ich Recht und Nache, Tücke, Bosheit ſey beſtraft. Glück, verbrüdert meiner Sache, Rüſte mich mit Liſt und Kraft. Ha! Entſetzen, Reue, Grauen, Wird ſie faſſen, trifft ihr Herz, Wenn ſie ſich als Neger ſchauen, Und verabſcheut allerwärts. (Er knüpft ſeine Halsbinde los und pflückt in dieſe Apfel von einem herabhaͤngenden Zweige des einen Baumes.) Komm, Frucht! Dein Goldesſchimmer Verlockt den blöden Sinn. Der Seele ſchwarze Flecken Treib du nach außen hin. (Er geht zu dem andern Baume und pflückt auch von dieſem Früchte.) Auch du biſt auserkoren, Die nicht ſo lieblich gleiſ't, Unſcheinbar iſt das Gute, Dir weicht der böſe Geiſt. Es iſt vollbracht, es iſt geſchehn! Nach Famaguſta fort! Alida werd' ich wiederſehn; Hinweg zum theuern Ort. — 128— Was Liebe gibt, was Liebe beut, Strahlt dort im heitern Glanz: Des Lebens höchſte Seligkeit, Die Braut im Myrthenkranz. (Raſch zur Seite ab.) Eilfte Scene. (Prächtiger Garten. Rechts im Vorgrunde die zu Pe⸗ dro's Pallaſt aufführenden Stufen. Gärtner und Gärtnerinnen ſind beſchäftigt, die wie Arkaden ge⸗ bildeten, mit Grün und Blumen umwundenen Stäbe, von denen jedes einen hält und unter dieſen wie unter einer Bogenthüre ſteht, ſimetriſch zu ordnen. Dieſe Blumenarkaden haben unten Stacheln, ſo daß ſie in den Boden eingeſtoßen werden können. Spä⸗ ter Carlino.) Chor(der hin und her ſich bewegenden Gärtner und Gärtnerinnen). Bunter Schmuck der Auen, Zeige deine Pracht! Darfſt dich laſſen ſchauen Selbſt vor Königsmacht. Carlino(aus dem Pallaſte. In einer weniger glän⸗ zenden Kleidung als früher). Recht, ihr Leute! Fleißig, friſch! Immer mehr noch Blumen her. — 129— Fehlt's, ſo zürnt man doch nur mir, Pedro's Maitre de Plaiſir. (Die Gärtner und Gärtnerinnen winden noch mehr Blu⸗ men um die Stäbe.) Schnelle Wandlung! Geſtern noch War ich ein Hofkavalier, Darauf ein Stallmeiſter doch, Heute nur Verwalter hier. Ach, wie kläglich! Süße Lüfte Schluckt' ich in des Königs Näh', Jetzt bereiten Küchendüfte Mir gar bitt'res Herzensweh. Zwölfte Scene. (Die Vorigen. Agrippina, Pedro, in höchſt prächtigen Kleidungen.) Pedro.. Iſt geſchehn wie ich geboten? Bald erſcheinen wird der König. Agrippina. Blumen, ha! Recht gut! Sie zieren Und ſie koſten dabei wenig. Carlino(ehrerbietig zu Pedro). Ja, Gnädiger! Dein Wort Hat mich zum Werk beſeelt. III.— 9 5 — 130— Blick um an dieſem Ort, Gewiß iſt nichts verfehlt. Pedro. Alida! dieſes Feſt Soll mir dein Herz gewinnen, Leicht läßt bei Scherz und Tanz Ein Mäadchen ſich umſpinnen. Agrippina(bei Seite). Recht gut! Bei Feſten ſelbſt Wird uns Erſparniß taugen, V Des Wunderſäckels Kraft Muß man auch nicht mißbrauchen. Die Gärtner und Gärtnerinnen. Wir winden und binden, Wir ſuchen und finden, Blumen zu Kränzen, Scherze zu Tänzen. Dreizehnte Scene. (Die Vorigen. An der Gartenthüre des Hinter⸗ grundes erſcheint Fortunat mit einem langen Bart, als Einſiedler gekleidet. An einem um den Hals geknüpften Bande trägt er ein glänzendes Käſtchen.) Fortunat(außerhalb mit veränderter Stimme.) Wer ſich des Lebens gern erfreut, — 131— Wer Schönheit, Jugend liebt, Den hat es warlich nicht gereut, Wenn er Gehör mir gibt. Agrippina(zu Carlino). Sieh' nach! Was will der Greis? Iſt's wichtig, führ' ihn her! (Carlino zu Fortunat an die Gartenthüre, wo er leiſe mit ihm ſpricht.) Agrippina(für ſich). Meinen Vortheil will ich wahren, Pedro braucht nicht zu erfahren Meines Strebens hohes Ziel. Pedro(ebenſo). Iſt Alida mir verbunden, Wird die Schweſter abgefunden, Herrſchſucht plagt ſie gar zu viel. Carlino(führt den verkleideten Fortunat vor). Seltſame Wunderdinge Führt dieſer Mann zum Kauf, Er hält ſie nicht geringe, Euch nur zeigt er ſie auf. (Ein Wink Agrippina's entfernt den Carlino, der ſich zu den Gärtnern und Gärtnerinnen begibt.) Fortunat(ſein Käſtchen öffnend, in welchem zwei ſchöne Apfel liegen). Aus fernem Land Arabia 9* — 132— Bring' dieſe Frucht ich her, Es finden Wunderwerke da Sich— glaubt es mir— noch mehr. Wer eine ſolch Frucht genießt, Bleibt immer ſchön und jung. Und täglich ſieht er freudiglich Seine Verherrlichung. Pedro(begierig). Was ſagſt du: Schönheit— Agrippina. Stete Jugend— Fortunat. Zu ſpenden iſt der Früchte Tugend. Agrippina. Iſt's auch Wahrheit? Pedro. 1 Lügſt du nicht? Fortunat(auf ſein Einſiedlergewand deutend). Wahrheit macht dies Kleid zur Pflicht. Agrippina(einen Ring vom Finger ziehend und dem Fortunat gebend). Nimm den Ning. Wohl nie ſo theuer Wurden Apfel ſchon bezahlt. Fortunat(der Agrippina und dem Pedro die Apfel überreichend). Da, die Früchte! Sie ſind euer. — 133— (Den Ring betrachtend.) Er iſt falſch. Wie matt er ſtrahlt! Agrippina. Überliſtet mit dem Ringe Iſt der alte Wundermann. Fort! daß ich mir ſchnell erringe, Was mich ſtets beglücken kann. Pedro. Wahrlich! das ſind gute Dinge, Die gebracht der Wundermann. Fort! daß ich mir ſchnell erringe, Was Aliden freuen kann. Fortunat. Falſche Zahlung! Falſche Dinge Biet' ich euch zum Kaufe an. Fort! Sie gingen in die Schlinge: Ihr denkt an den Wundermann. (Agrippina und Pedro in den Pallaſt, Fortunat in den Hintergrund ab.) Vierzehnte Scene. Gärtner. Gärtnerinnen. Carlino. Carlino. Herbei! Laßt uns den Tanz probiren! Schnell] keine Zeit iſt zu verlieren. — 134— (Er ſetzt ſich auf eine Raſenbank im Vorgrunde. Tanz der Gärtner und Gärtnerinnen, bei dem ſie mit den Blumenſtäben zierliche Bilder darſtellen.) Carlino(unter dem Tanze). Brav!— Leicht und zierlich iſt dies Bild, Das Licht ſo klar, der Schatten mild. (Als die Tänzer mit den Blumenarkaden grade einen ſchönen Halbkreis bilden, tritt der König, Alida und Gefolge von Hofherrn und Damen auf.) Fünfzehnte Scene. (Die Vorigen. Der König, Alida führend. Hof⸗ herrn und Damen. Carlino ſpringt ſchnell von ſeinem Sitze auf und tritt ehrerbietig zur Seite. Die Gärtner und Gärtnerinnen bleiben in ihren Stellungen unter den Arkaden ſtehen. Der König(die Gruppe wohlgefällig betrachtend). Charmant! Sieh! Mädchen, Blumen— Der Blick labt ſich an beiden. Die Hofleute. Charmant! Alida(für ſich). Welk ſind mir alle Blumen Seit des Geliebten Scheiden, Und Gram bewohnt mein Herz. Der Koönig(zu den Gärtnerinnen). Ihr mit den Schelmenblicken Hegt ſicher alle Tücken. — 135— Die Hofleute. Ha, ha! Ein gnäd'ger Scherz. Der König(vortretend). Aber unſre werthen Wirthe, Wo ſind ſie, uns zu empfahn! Carlino(nach dem Pallaſte deutend). Allergnädigſter! ſie nahn. Sechszehnte Scene. (Die Vorigen. Pedro, ſchwarz an Geſicht und Hän⸗ den; gleich darauf Agrippina ebenſo.) Pedro. Sey, willkommen— Alle(erſchrocken zurückfahrend). Weh! Entſetzen. Pedro(betroffen). Ha! was iſt das— Alle. Seine Stimme! Pedro. Will man mich in Schrecken ſetzen? Alle. Schrecklich! Fuͤrchterlich! Unglaublich! Agrippina(ſchwarz wie Pedro, aus dem Pallaſte). Königlicher— Pedro, die Schweſter, und Agrippina, den Bru⸗ der erblickend, im höchſten Entſetzen. Schweſter, 4 Bruder, du biſt ſchwarz. (Der Koͤnig ſpricht heimlich mit einigen Hofleuten, welche ſogleich in den Pallaſt gehen.) Alida, der König, Carlino, Hofherrn und Damen, Gärtner und Gartnerinnen. Hal von bangem, ſchwerem Grauen Iſt ergriffen jedes Herz. Sie ſo plöͤtzlich ſchwarz zu ſchauen, Wer erklärt dies Räthſel uns. Agrippina und Pedro. Ha! Von bangem, ſchwerem Grauen Iſt ergriffen jedes Herz. d ſo plötzlich ſchwarz zu ſchauen, Wer erklärt dies Räthſel uns. (Die zurückkehrenden Hofleute bringen zwei große Spie⸗ gel und halten ſie den Geſchwiſtern vor.) Pedro und Agrippina. Weh' mir! Wohin verberg' ich mich? (Beide eilen in den Pallaſt ab.) Der König. Das iſt arges Zauberweſen, Sicherlich ein Werk des Böſen. — 137— Fort, im Augenblicke, fort! Denn mein Zorn trifft dieſen Ort. Chor der Hofleute, Gärtner und Gärtne⸗ rinnen. Hinweg! So heiſcht es unſere Pflicht Fort auf dem nächſten Pfade! Wer bleibet, den verſchonet nicht Die höchſte Ungenade. (Alle ab, bis auf Carlino, der in einer verzweiflungs⸗ vollen Stellung auf der Raſenbank zurückbleibt.) Der Vorhäng fällt. Dritter Aufzug. Erſte Scene. (Marktplatz mit den Kaufmannsbuden. Kaufleute. Auf einer Seite eine buntausgeſchlagene Tribune, auf der ſich Fortunat, eine große entſtellende Naſe vor⸗ gebunden, als Marktſchreier im rothen Doctorman⸗ tel und Barett, befindet. Arzneigläſer, Schachteln, Büchſen u. dgl. ſtehen um ihn herum, auch eine Trommel.) Chor der Kaufleute(welche ſich müßig im Vor⸗ grunde verſammelt haben). Schlechte Meſſe, ſchlechte Geſchäfte! — 138— Man verliert die beſten Kräfte. Nichts Elend'res auf der Welt, Als ein Kaufmann ohne Geld. Fortunat(von ſeiner Bühne herab). Kommt nur zu mir, ihr lieben Leute! Bei mir findet ihr Hülfe für Alles. Da iſt ein köſtliches Augenpul⸗ ver, das dem Käufer jede Waare noch einmal ſo ſchön erſcheinen läßt, als ſie eigentlich iſt; da führe ich eine zuſammenziehende Tinktur für zerriſſene Geldbeutel; da habe ich einen auflebenden Trank für hartherzige Gemüther; hier iſt ein anziehendes Mittel für ſchlechte Bezahler; hier ein Gedächtniß ſtärkender Schnupftabak für vergeßliche Schuldner — und Alles, bei Hypokrates und Galenus! Pro- batum est.. Die Kaufleute(unter einander, während ſie ſich in ihre Buden begeben). Nichts für mich!— Der fehlte auch noch!— Solche Aufſchneider verderben den Markt. Zweite Scene. (Die Vorigen. Carlino mit ſchwermüthiger Gebehrde.) Carlino. Ich bin recht heruntergekommen. Vom königlichen Hofkavalier auf den gräflichen Stallmeiſter, vom graflichen Stallmeiſter auf den — 139— gräflichen Hausverwalter, vom gräflichen Hausver⸗ walter auf nichts. Hartnäckige, bösartige Menſchen, dieſer Pedro und dieſe Agrippina. Alle Welt be⸗ hauptet, ſie wären bei Hofe angeſchwärzt worden, und ſähen nur deshalb aus wie Mohren und Heiden; ſie allein laſſen ſich's nicht ausreden, daß ich die Schuld von Allem trüge, denn ich hätte den Ein⸗ ſiedler herbeigeführt, der es ihnen in einem ver⸗ herten Apfel angekhan. Was nun anfangen? Wo bekomme ich wieder ſchnell einen Dienſt her, der für mich paßt? Wie ſchließe ich geſchwind wieder ein neues Schutz⸗ und Trutzbündniß gegen Hunger und Elend. Fortunat. Herbei! Herbei! Wem was fehlt, der melde ſich! Ich habe Mittel für Alles, ich kann jedem helfen. Carlino(zu Fortunat hinauf). Jedem kannſt du helfen, Freund? Was gilt die Wette, für mich haſt du kein Mittel in deiner Apotheke? Fortunat. Gewißlich! Certissime! Sage nur, was dir fehlt und in zwei Minuten ſollen deine Wünſche befriedigt ſeyn! Carlino. Nun, denn! Mir fehlt ein Dienſt; ich ſuche einen Herrn. Fortunat. Optime! Es iſt gerade eine Stelle bei mir offen. Du kannſt mein Hannswurſt werden. — 140— Carlino. Ein Hannswurſt?— Carlino, ein Hannswurſt?— Schmähliche Zumuthung! Fortunat. Nun was ſträubſt du dich? Ein Hannswurſt iſt doch auch am Ende eine Creatur des Himmels, wie jedes andre Geſchöpf, und ich kann dich verſichern, du haſt etwas ſo Hannswurſt⸗ artiges in deiner Phiſiognomie, daß man darauf ſchwören möchte, du ſeyeſt in deinem Leben nichts andres geweſen. Carlino. Was bleibt mir übrig?— Hun⸗ ger thut weh und ich kann's ja einmal verſuchen. Meinetwegen denn! Ich will dein Hannswurſt ſeyn. Fortunat. Gut! Komm herauf, daß ich dich zu deiner neuen Würde einkleide und deinen natürlichen Anlagen durch einigen Unterricht nach⸗ helfe.(Carlino ſteigt zu Fortunat hinauf. Dieſer ſetzt ihm die Schellenkappe auf.) Da iſt die Mütze.(Er hilft dem Carlino die bunte Jacke anziehn.) Da das Ehrenkleid und hier die Pritſche.(Er gibt jenem die Pritſche.) So! Nun biſt du ein gemachter Mann. Dritte Scene. (Die Vorigen. Pedro. Fortunat ſpricht leiſe mit Carlino.) Pedro. Was ſoll ich mich länger im Hauſe verbergen? Mag Agrippina ſich härmen und grä⸗ — 141— men und unter einem dichten Schleier ihre ſchwar⸗ zen Reize verhüllen! Ich will die meinigen der ganzen Welt zeigen, denn am Ende gewöhnt man ſich daran und meint, es müſſe ſo ſeyn.(Carlino ſchlägt einen gewaltigen Wirbel auf der Trommel.) Was für ein Lärmen? Wahrhaftig— Carlino— Hannswurſt bei einem Doctor: das iſt prächtig! Carlino(nachdem er getrommelt, ausrufend). Kund und zu wiſſen ſey hiermit jedermänniglich, daß der hochgeborne, hochberühmte, hochgeprieſene, hochbelobte, hochverdiente Doctor Simplicius Wu⸗ nibaldus Hermogenes allhier angelangt iſt und ſo⸗ wohl aus dem Lande Arabia, wie aus dem Reiche Abyſſinien, aus Perſien wie aus Indien, aus Japan wie aus China, Mittel gegen alle Krankheiten mit⸗ gebracht hat. Fortunat(zu Pedro hin, mit erhobener Stimme). Gegen alle Krankheiten! beſonders auch gegen die der Haut. Pedro. Wahrhaftig? Der könnte uns viel⸗ leicht helfen. He! Doctor: haſt du etwa auch ein Mittel wider die Schwarzſucht? Fortunat. Wer zweifelt daran? Die Schwarzſucht iſt eine hoͤchſt ſeltene Krankheit, mor- bus rarissimus, und es gibt nur ein Mittel dage⸗ gen, das von allen Ärzten der Welt nur mir al⸗ — 142— lein bekannt iſt. Sie entſteht von dem Genuſſe eines Apfels, den man Gallapfel nennt und wel⸗ cher die Eigenſchaft hat, Alles ſchwarz zu färben, was mit ihm in Berührung kommt. Er wächſt in Schwarz⸗Rußland; ich habe dagegen einen andern Apfel aus Weiß⸗Rußland mitgebracht, der die nach⸗ theiligen Wirkungen des erſten wieder vernichtet. Aber theuer, ſehr theuer! Der Transport, die weite Reiſe— Pedro. Das iſt die gewöhnliche Litanei! Du wirſt wohl ſchon bemerkt haben, Doctor, daß ich an dieſer ungewöhnlichen Krankheit leide. Fortunat. Freilich! Ihr tragt alle Symp⸗ tomata derſelben an Euch. Pedro. Wie wär's, wenn du einen Verſuch machteſt mich zu heilen? Fortunat(mit verſtelltem Zorne). Verſuche macht der Doctor Simplicius Wunibaldus Hermo⸗ genes nie. Sein Auge erkennt das Ubel in ſeinen geheimſten Schlupfwinkeln; ſein Arcanum hilft ſicher. Ich will dich wieder herſtellen und noch überdem gratis, da ich hoffe, daß du mich weiter empfehlen wirſt. Pedro. Verlaſſe dich darauf, Doctor! Wenn du mir hilfſt, ſollſt du die reichſte Gräfin im gan⸗ zen Lande in die Kur bekommen. — 143— Carlino(für ſich). Wenn mein Herr das zu Stande bringt, ſo hat er ſeines gleichen nicht auf der Welt und ich ſchätze mir's zur Ehre, ſein Hanns⸗ wurſt zu ſeyn. Terzeit. Fortunat(den Pedro auf die Tribüne ladend.) Tritt herauf in meine Nähe, Daß ich dich genauer ſehe. Pedro(tteigt einige Stufen hinauf). Nun da bin ich. Was iſt's mehr? Fortunat. Reich' mir deine Rechte her. (Er fühlt den Puls.) Carlino. Welche tief gelehrte Mienen! Rühmlich iſt es ihm zu dienen. Fortunat. Ja! Es zeigt des Pulſes Schlag, Daß des Ubels Grund im Herzen lag. Pedro. Mach' ein Ende! Friſch! Curire! Daß ich gleich die Wirkung ſpüre. Fortunat(Gathetiſch). So laſſe, Staubgebor'ner, Dich nieder auf ein Knie! Fortunat(ſchneidet einen Apfel in zwei Hälften und (Er nimmt dem Carlino die Pritſche aus der Hand und — 144— Dir wird, was du verloren, Durch Kunſt und Sympathie. Pedro. Ich— knie'n? Gib nur den Apfel— Gib ihn— das iſt genug. Fortunat. Nichts! Du mußt knie'n. Der Apfel Hilft nicht ohn' Zauberſpruch. Carlino(für ſich). Wahrhaftig! Er kniet nieder. Jetzt kommt die Cur in Zug. (Pedro knieet ſo auf der verhängten Treppe der Tri⸗ büne nieder, daß die Zuſchauer ihn nicht ganz ſehn.) gibt die eine dem Pedro). Die Beſchwörung ſoll beginnen, Iß und ſprich kein Sterbenswort! macht unter Folgendem mit dieſer ſeltſame Bewe⸗ gungen über Pedro's Haupt.) Die Klarheit kommt vom Himmel, Der Abgrund zeugt die Nacht. Jetzt weiche Abgrunds Tücke Schnell vor der Himmelsmacht! Ignii, aer, Ariel, — 145— Leuchtet wieder klar und hell. (Zu Pedro.) Steh auf! Es iſt geſcheh'n. (Pedro erhebt ſich. Geſicht und Hände ſind wieder⸗ um weiß.) Fortunat(dem Pedro einen Spiegel vorhaltend). Betrachte dich! Wie ſchön! Pedro(herabeilend, den Spiegel in der Hand, den er nachher dem Carlino reicht). Bei'm Himmel, ja! Es iſt gelungen! Komm, werther Doctor, ſchnell mit mir. Zum Zeichen, daß mich Dank durchdrungen, Vertrau' ich jetzt die Schweſter dir. Fortunat(der ebenfalls herabgeſtiegen iſt, für ſich). Zur Hälfte iſt mein Werk gelungen. Fort, ohne Zögern hin zu ihr! Dann wird mein rechter Lohn errungen, Vertraut er Agrippina mir. Carlino(der auf der Tribüne zurückbleibt). Bei'm Himmel, ja! es iſt gelungen! Er iſt der Arzte höchſte Zier. Daß ich bei dieſem mich verdungen, Gereicht zur größten Ehre mir. (Pedro und Fortunat ab.) III. 10 — 146— Vierte Scene. (Cabinet Agrippinens. Agrippina mit einem großen ſchwarzen Schleier verhüllt, tritt in bekümmerter Stellung auf. Mit ihr Alida. An einem Nagel an der Wand hängt das Wünſchhütlein. Alida. Hemme deine Thränen und ſuche dein Unglück zu vergeſſen, liebe Agrippina. Du vergräbſt dich ſo tief in ein immerwährendes Nach⸗ denken über deinen Zuſtand, daß dir bald das Le⸗ ben zur Laſt werden wird, und irgend ein verzweif⸗ lungsvoller Entſchluß in deiner Seele reift. Agrippina(bei Seite). Die Verhaßte! Wenn ſie wüßte, wie ſie durch ihre Gegenwart meine Qua⸗ len vermehrt. Was hilft mir nun der Wunder⸗ ſäckel, was das Wünſchhütlein? Dieſe unſelige ſchwarze Farbe trennt mich auf ewig von meinem Ziele. 3 Alida(ſanft). Beſprich dich mit mir über deinen Kummer. Mittheilung wird ihn lindern. Ach! ich leide ja noch viel härter als du und dem Schmerze der unglücklichen Liebe iſt kein andrer zu vergleichen. Agrippina(bei Seite.) Ha! Auch ihr Herz iſt von Leiden zerriſſen, und ich bin die Urheberin — 147— ihres Grames. Das tröſtet mich in meinem Un⸗ glücke. Unerträglich wäre es, ſie auf dem Gipfel der Wonne und des Liebesglückes zu ſehen und mich in dieſem entſetzlichen Zuſtande zu wiſſen. (Sie wirft ſich unmuthig in einen Seſſel.) Alida. Ariette. Klag', o Freundin, deine Leiden, Klage deiner Seele Schmerz. Leicht ertragen wird von beiden, Was zu ſchwer war für ein Herz. Hoffe auf des Himmels Huld, Faſſe Muth! Trag' in Geduld. Ach, du willſt mir nicht vertrauen, Stößeſt mich ſo hart zurück! Doch ſollſt du mich wiederſchauen, Theilend gern dein Mißgeſchick. Dann wohl freundlich hörſt du mich: Lebe wohl! Ich laſſe dich! (Alida ab. Agrippina bleibt in Nachdenken verſunken auf ihrem Sitze.) Fünfte Scene. (Die Vorige. Pedro. Fortunat, als Arzt.) Pedro. Guten Tag, Schweſter! Sieh mich an: wie gefalle ich dir? 10* — 148— Agrippina(aufſpringend). Welches Wunder! Du biſt wieder weiß. Du haſt die fürchterliche Moh⸗ renfarbe verloren! Sprich! wie iſt das zugegangen? Hat der Himmel dein Gebet erhört? Hat vielleicht ein geſchickter Maler— Fortunat(das Wünſchhütlein erblickend, fur ſich). Ha! was ſehe ich? Das Wünſchhütlein. Seiner muß ich mich bemächtigen. Pedro. Fehlgeſchoſſen! Hier ſteht der vor⸗ treffliche Mann, dem ich meine Umwandlung ver⸗ danke. Ein Doctor aus Arabien, ein hochgelahr⸗ ter Medicus, der in Schwarz⸗ und in Weiß⸗Ruß⸗ land die ſchwarze und weiße Kunſt ſtudirt hat. Von inwendig heraus hat er mich kurirt. Das übel ſaß im Herzen. Da hat er es attrapirt, arretirt und maſſacrirt. Fortunat. Ein neues Syſtema der Heilkunſt verbreitet jetzt ſeinen Segen über die ganze Welt. Wie einſt der Erzvater Adam durch einen Apfelbiß ſein Elend verurſacht, ſo hatte der edle Graf auf gleiche Weiſe die gallopirende Schwarzſucht ſich gleichſam angegeſſen. Wir Anhänger des neuen Syſtems heilen die Krankheit durch den Krankheitsſtoff ſelbſt. Ein Apfel hat das Übel gegeben, ein Apfel mußte es wiederum nehmen. Agrippina. Wunderbarer Mann! Du wirſt — 149— auch mich heilen. Du vermagſt es. O laß mich nicht vergebens deinen Beiſtand erflehn. Pedro. Freilich will er auch dir das ſchwarze Weſen wieder austreiben. Aber bezahlen mußt du ihn, Schweſter, und das, deiner ſonſtigen Sparſam⸗ keit zuwider, mit vollen Händen. Sonſt wird nichts aus der ganzen Sache. An Geld fehlt dir's ja ſo nicht! Mach es ſelber ab mit ihm; ich muß jetzt zum königlichen Claudio, um mich dieſem wie⸗ der im Glanze meiner alten Schönheit vorzuſtellen und meine Werbung bei Aliden zu erneuern. Lebe wohl, Doctor. Wir ſind dir in Gnaden gewogen. (Ab.) Sechſte Scene. Agrippina. Fortunat. Agrippina. Sprich: weiſer Meiſter! Wel⸗ chen Preis begehrſt du für deine Hülfsleiſtung? Wie hoch hältſt du das Mittel, das mich von die⸗ ſer ſchrecklichen Krankheit befreien kann? Fortunat. Theuer iſt es, ſehr theuer, gnä⸗ dige Gräfin! Die Operation ſelbſt iſt den Augen⸗ blick geſchehn, aber die weiten Reiſen, der koſtbare Aufenthalt— unter zehntauſend Dublonen Vor⸗ ausbezahlung kann ich die mirakuloſen Medikamente nicht ablaſſen. — 1 Agrippina(heftig). Zehntauſend Dublonen? Du verlangſt das Unmögliche, Doctor. Fortunat(für ſich). Abſcheulicher Geiz! Sie iſt im Beſitz einer unerſchöpflichen Goldquelle und feilſcht bei einer ſolchen Gelegenheit um einige tau⸗ ſend Goldſtücke! Wüßte ich nur, ob ſie den Wun⸗ derſäckel bei ſich trüge.(Laut.) Verzeihe, hochedle Gräfin! Ich muß dich bitten, dein liebliches Antlitz zu entſchleiern, damit ich aus der Phiſiognomie den Grad der Krankheit erkenne.(Agrippina entſchleiert ſich mit einer widerwilligen Bewegung und zeigt ihr ſchwar⸗ zes Angeſicht.) Schlimm! Sehr ſchlimm! Pessime. Viele böſe, ſchwarze Gedanken aus deiner Seele müſ⸗ ſen den Krankheitsſtoff genährt haben. Es wird ſchwer halten, das Übel von Grund aus zu heben. Wie ſchon geſagt, edle Gräfin, unter zehntauſend Dublonen kann ich nichts thun. Agrippina. Eine ungeheure Summe! Waͤ⸗ ren denn fünftauſend Goldſtücke nicht hinreichend— Fortunat(ſich zum Fortgehn anſchickend). Vale! Gnädige. Hora ruit— meine Zeit iſt koſtbar. Bei zehntauſend Dublonen bleibt es. Punctum. Duel t. Agrippina(ihn zurückhaltend). Harre, Freund! Es ſoll dir werden, Was du heiſcheſt. Hier iſt Gold. — 151— (Sie macht den Wunderſäckel von ihrem Gürtel, wo ſie ihn verborgen getragen, los, um das Gold auf. den Tiſch zu zählen.) Fortunat(kann bei'e Anblicke des Sackels ſeine Freude kaum verbergen. Bei Seite). Jal er iſt's. Der Wunderſäckel— Auf! der Zufall iſt mir hold. (Er nähert ſich hinter Agrippinens Rücken ſchnell dem Orte, wo ſich das Wünſchhütlein befindet, bemach⸗ tigt ſich deſſelben und ſetzt es auf. Dann Agrip⸗ pinen, welche den Säckel hält, umſchlingend.) Recitativ. Hinweg! Zum Kloſter auf Siziliens Küſte! (Verwandlung. Platz am Meere. Im Hintergrunde ein Kloſter. Choralgeſang der Nonnen aus dem⸗ ſelben. Fortunat legt die ohnmächtig gewordene Agrippina auf einen Steinſitz nieder. Er nimmt den Wunderſäckel an ſich.) Fortunat(den Säckel betrachtend, unter dem Cho⸗ ralgeſange). Sey wieder mir gegrüßt: Der Göttin Wundergabe! Bleib', alter Freund, getreu, Bis ich Alida mir Zum Weib errungen habe. (Er verbirgt den Säckel und das Hütlein auf ſeiner Bruſt.) 3 Agrippina(erwachend). Wo bin ich! Was iſt mir geſchehn— Ein fremdes Land— der Doctor hier.— Fortunat(Naſe und Bart abwerfend). Erkennſt du mich? Agrippina(aufſpringend). Was muß ich ſehn? Ha! Fortunat— der fremde Graf! Fortunat. Der dir im Wege war, Den tückiſch du verſenkt in Schlaf, Ihn zu berauben— Agrippina. Nun iſt Alles klar. Fortunat. Zur Strafe deines Frevels Bleib' ſchwarz, wie deine Seele! Bis einſt vielleicht, Nach jahrelanger Reue Ich dich von dieſer Schmach befrete. Agrippina. Entſetzen! Fortunat. Wähle jetzt! Willſt du zurück mit mir an Claudio's Hof — 153— Und ſchau'n in deinem Elend Mein und Alida's Glück: So ſey es dir vergönnt! Agrippina. Ha! Nimmermehr. Fortunat(auf das Kloſter deutend). So büß' in dieſen frommen Mauern Die Sünden des Verraths, des Geizes und des Hochmuths. Agrippina. Verhaßter! Fern von dir Ertrag' ich nur das Leben. Drum wähle ich den Schleier. (Die Choralmuſik hat aufgehört.) Agrippina. Verwünſcht ſey deine Ehe, Sie treffe Mißgeſchick. Auf dein Haupt ruf' ich Wehe, Nie lächle dir das Glück. Aliden, dich zu haſſen, Nur kenn' ich dies Gefühl. Nie werd' ich von ihm laſſen Bis an mein Lebensziel. Fortunat. Sie peinigt meine Nähe, — 154— Wuth ſpricht ihr Flammenblick. Zur Wonne wird dies Wehe, Der Fluch bringt mir mein Glück. Sie lebt nur um zu haſſen, Sie kennt nur dies Gefühl, Von Liebe ganz verlaſſen, Bis an ihr Lebensziel. (Agrippina zum Kloſter im Hintergrunde. Fortunat ihr nach.) Siebente Scene. (Alidens Gemach. Claudio und Alida treten in ſehr glänzender Kleidung auf.) Der König. Sey heiter, Prinzeſſin Tochter! Wir haben ja Hochzeit und du biſt die Braut. Was bleibt dir noch zu wünſchen übrig? Ob es der Graf Nimian aus Flandern oder der Graf Pedro aus Cypern iſt, das kann dir gleichgültig ſeyn. Pedro hat ganz ſchätzbare Gaben und iſt überdem auch von guter Familie, denn er iſt mit uns verwandt. Alida. O mein Vater, könnte nicht ein kur⸗ zer Aufſchub— Der König. Unmöglich. Die Stände des Reichs dringen auf deine augenblickliche Vermälung, und ſie haben das Geſetz für ſich, dem ich nicht wider⸗ ſprechen darf. — 155— Alida. Wenn nun der flandriſche Graf wie⸗ derkehrte, wenn er— Der König. Wenn er erſchiene, ehe dich der prieſterliche Segen mit dem Vetter vereinigt hätte, ſo würde er mir lieb und angenehm ſeyn. Immer denke ich mit wehmüthiger Sehnſucht an ihn zurück, wenn ich ſeine Schätze und Koſtbarkei⸗ ten betrachte, die noch unberührt in ſeiner ehemali⸗ gen Wohnung ſtehn. Bald werden wohl ſeine Ver⸗ wandten eintreffen, um dieſes mir ſo theure An⸗ denken an den vortrefflichen Mann an ſich zu neh⸗ men und hinweg zu führen. Das wird eine ſchreck⸗ liche Stunde für mich ſeyn. Doch jetzt iſt der Augenblick nicht, ſich ſolchen melancholiſchen Ge⸗ danken zu überlaſſen. Arie. Zu den reich geſchmückten Hallen, Wo in Reihen bunt und ſchön, Ritter, Damen harrend wallen, Laß in Gnaden uns jetzt gehn. (Alida macht eine bittende Bewegung.) Nichts! Kein Zögern und kein Zagen Kann dir noch von Nutzen ſeyn, Hochzeit läßt ſich nicht vertagen, Und du mußt den Pedro frei'n. Hof und Stadt glüh'n jetzt in Wonne, — Weil ein ſolches Feſt ſich beut. Schöner ſtrahlt des Himmels Sonne, Treuen Unterthanen heut. (Er führt Alida mit vieler Würde ab.) Achte Scene. Großer Prunkſaal mit dem Throne. (Marſch. Wachen. Ehrenherold. Reichsſtände. Herrn und Frauen vom Hofe. Der König, Alida führend. Pedro. Pagen. Volk. Der König nimmt ſeinen Platz auf dem Throne ein. Ihm zu beiden Seiten Alida und Pedro auf niederen Sitzen. Die Frauen an Alida's Seite, die Herrn vom Hofe ſich an Pedro anſchließend. Reichsſtände, Wachen und Volk ver⸗ theilen ſich auf beiden Seiten. Später Fortunat, Carlino und Ritter.) Chor. Harrt in ehrfurchtsvollem Schweigen, Was des beſten Königs Mund, Will er gnädig ſich erzeigen, Thut in hoher Weisheit kund! Der König(ſich vom Throne erhebend). V Allergetreuſte Unterthanen, V Wir haben uns in Gnaden reſolvirt Zu eurem Glück, zur Ehre unſrer Ahnen; — 157— Prinzeß' Alida ſey mit Pedro copulirt! Jetzt ſchließt euch uns und dieſem hohen Paare Zum Zuge in die Schloßkapelle an, Wo beide vor geweihetem Altare, Der Kirche Segen jetzt empfah'n. Chor. Heil! des Königs Gnadenblick Verbürgt des edeln Paares Glück. (Unter dem Anfange eines feierlichen Marſches fügt Claudio Alida's und Petro's Hände in einander. Dann bildet ſich der Zug, an deſſen Spitze Hof⸗ herrn und Damen, dann der König, hierauf Pedro und Alida, letztere ſehr gebeugt und mit allen Zei⸗ chen innern Grams. Als der König, Pedro und Alida in den Vorgrund gekommen ſind, tritt plötz⸗ lich Fortunat, in einer höchſt glänzenden Kleidung, mit Carlino, als Stallmeiſter, von Rittern ge⸗ folgt, auf.) 4 Fortunat(den Pedro zurückhaltend). Halt ein, Verräther, halt! Pedro(utſetzt). Verdammt! Ihn führt die Hölle her. Alida(dem Fortunat entgegen). Welch unverhofftes Glück! Fortunat(zu Alida). Alida! Schönes Wiederſehn! — 158— Der König. Graf Nimian zurück? Chor. Ha! Wunderbar! Der Graf aus Flandern! Wer weicht von beiden nun dem andern. Der König G(u Fortunat, ſehr freundlich). An mein Herz, vielwerther Graf! Du kommſt noch gerade zum rechten Augenblicke, um deine gegrün⸗ deten Anſprüche auf Alida's Hand geltend zu ma⸗ chen. Eine Viertelſtunde ſpäter und die Prinzeſſin Tochter war Pedro's Gemalin. Fortunat. Wie rührt es mich, erhabener König, daß du mir deine Gnade erhalten haſt. Der König. Auch Hab und Gut habe ich dir wohl aufbewahrt. Du findeſt Alles unberührt wieder. Fortunat. Noch weit größere Reichthümer bringe ich mit mir— Der König(den Fortunat wiederholt umar⸗ mend). Noch weit größere Reichthümer?— Vor⸗ trefflicher Mann! Pedro wird es ſich zur Ehre ſchätzen, vor dir zurückzuſtehn. Pedro(bei Seite). Verwünſchter Unſtern! — — 159— Alida. So nahe dem Abgrunde ward mir noch Rettung! Fortunat. Nur der ſchwärzeſte Verrath konnte mich damals von Alida's Seite entfernen.(Dem Könige eine Pergamentrolle überreichend). Würdige dieſe Zeilen eines gnädigen Blickes. Sie enthalten Agrippinens Geſtändniß und ſind von ihrer eige⸗ nen Hand niedergeſchrieben. Pedro(bei Seite). Ich bin verloren. Der König(nachdem er geleſen). Schänd⸗ lich, verbrecheriſch, hochverrätheriſch! Den deſignirten königlichen Eidam zu entführen— hat man je von einem ſolchen Frevel gehört? Dieſes Attentat muß auf das Schrecklichſte beſtraft werden. Graf Pedro, du kennſt deine Schuld. Wir verbannen dich auf ewige Zeiten aus unſerm königlichen An⸗ geſichte. Pedro(im Abgehn). Unheil auf euer Haupt! Mich ſeht ihr nie wieder. (Ab.) Der König. Aber die köſtlichen Dinge— Der Wunderſäckel, das Wünſchhütlein, was iſt aus ihnen geworden?— Fortunat(ſie vorzeigend). Hier ſind ſie. Aber nach Fortunens Beſchluß iſt ihre Kraft ver⸗ — 160— ſchwunden, ſeitdem ich wiederum deinen königlichen Pallaſt betreten habe, und meines Lebens Glück iſt mir nun geſichert.(Er überreicht dem Carlino Säckel und Hütlein.) Da, Carlino, bewahre dieſe Dinge wohl. Sie ſind es werth, als Angedenken an die wundervollſte Zeit meines Lebens erhalten zu wer⸗ den.(Vor Claudio niederknieend.) Und du, erhabe⸗ ner Monarch, verzeihe mir, daß ich dich täuſchte. Nicht Graf Nimian aus Flandern liegt zu deinen Füßen: es iſt Fortunat, der letzte Sproſſe eines alten Königsſtammes, er, der dir einſt als Page diente. (Allgemeines Erſtaunen unter den Anweſenden.) Alida(ebenfalls zu Claudio's Füßen). Ja mein theurer Vater, verzeihe uns. Auch ich wußte um dieſes Geheimniß, auch ich habe dich getäuſcht. Der König(ſie halb unwillig aufhebend). Was iſt da zu verzeihn? Er iſt ein königlicher Prinz und ein Mann von anerkannten Verdienſten. Steh auf. Es iſt wider alle Ettikette, daß du im An⸗ geſichte ſo vieler Unterthanen knieeſt. Der Stand deiner Erniedrigung als Page iſt vergeſſen und abgethan. Der Eidam eines Königs kann nie ein Page geweſen ſeyn. Wir befehlen, daß jene Zeit — 161— nie exiſtirt hat. Jetzt kommt an mein Herz; nehmt meinen väterlichen Segen. Alida und Fortunat. Wir Glücklichen! Schlußgeſang. Alida. Fortunat. Der König. Es zeigt ſich des Geſchickes Huld Nach Wetter und nach Stürmen. Zu Tage tritt des Frevlers Schuld, Nicht Liſt kann ihn beſchirmen. Enthüllen wird der Liebe des Königs Was Tücke tief verborgen. Sey uns gegrüßt, nach Sturmesnacht Du heitrer Frühlingsmorgen. Macht, Carlino(in den Säckel greifend, bei Seite). O zeige dich, Fortunens Huld! Laß Gold den Säckel ſpenden. (EEr zieht die Hand leer heraus.) Hal nichts! So ſoll die Ungeduld Des Hütchens Zauber enden. (Er ſetzt das Wunſchhutlein auf.) Nach Aſta!— Nach Afrika! Umſonſt iſt Müh'n und Sorgen. III. 11 — 162— Ich bleibe auf dem Flecke da, Fortuna will nichts borgen. Schlußchor. Wonne und Freude, Entzuͤcken und Luſt Heben die Herzen, erfüllen die Bruſt. Segen dem Paare, Segen und Heil! Liebe bleibt immer der Glücklichen Theil. Der Ahnenschatz. Mährchen⸗Oper in drei Aufzügen. In Muſik geſetzt von Reiſſiger. 11* —-—õ— Perſonen: Falk, Gutsbeſitzer. Clärchen, ſeine Tochter. Röschen, ſeine Nichte. Adolf, Falks Gehülfe. Axel, ſchwediſcher Hauptmann. Oswald, ein Schatzgräber. Ein Greis. Schwediſche Jäger. Landleute beiderlei Geſchlechts. Die Scene iſt im Erzgebirge, während des dreißig⸗ jährigen Kriegs. — Erſter Aufzug. (Freier Platz. Rechts im Vorgrunde aufgeſchlagene Zelte. Dieſen gegenüber, doch etwas mehr nach hinten zu, Falks ſtattliches Haus in deſſen Näͤhe mehrere Häuſer des anſtoßenden Dörfchens ſichtbar ſind. Ganz vorn auf dieſer Seite eine Garten⸗ thüre, welche in Falks Garten führt. Im Hinter⸗ grunde links zeigen ſich fern auf einem Berge die Trümmer eines alten Schloſſes.) Erſte Scene. (Schwediſche Jäger. Landleute beiderlei Geſchlechts. Adolf und Axel. Fanfarn von Hörnern.) Chor der ſchwediſchen Jäger(welche mit ihren Büchſen bewaffnet ſich im Vorgrunde ſammeln). Es klingt das muntre Schwedenhorn So hell durch Flur und Au, Schickt zu dem früh'ſten Sonnenſtrahl Den Willkommruf hinauf. Sonnenſtrahl und Hornesklang: Jägers liebſter Morgengruß! — 166— (Die Jäger laden ihre Büchſen. Die Frühglocke aus dem Dörfchen ertönt.) Chor der Landleute beiderlei Geſchlechts (welche, mit Werkzeugen zur Feldarbeit verſehen, aus dem Dörfchen und aus Falks Hauſe kommen, und ſich auf der andern Seite des Vorgrunds ver⸗ ſammeln.) Es tönt der helle Glockenklang Belebend durch die Au, Schickt zu dem früh'ſten Sonnenſtrahl Den Willkommruf hinauf. Sonnenſtrahl und Glockenklang: Allerſchönſter Morgengruß. (Axel von der Seite des Lagers. Adolf aus Falks Hauſe. Die Jäger und Landleute ziehn ſich etwas in den Hintergrund zurück, wo ſie ſich unter einander ver⸗ miſchen und unterhalten. Axel und Adolf treten in die Mitte vor.) Axel(zu Adolf). Gott zum Gruß, mein wackrer Freund! Hebt ſich nicht auch dir die Bruſt, Wenn der muntre Hornesklang In die Morgenfriſche ruft? Adolf. Gott zum Gruß! Dich freut das Horn, Mich der fromme Glockenklang, — 167— Der zur wilden Kriegsluſt nicht, Der zu Fleiß und Andacht ruft. Axel. Dem Heere nach! Die Kette fällt; Groß iſt der Menſch in ſeiner Kraft. Adolf. 5 O Glockenklang! Du ſendeſt Ruh In's Herz, das wilder Sturm bewegt. Axel. Zieh, Freund, mit mir! Des Kriegers Arm Bahnt ſich den Pfad zu jedem Glück. Adolf(auf Falks Haus deutend). Dort weilt der Stern, der meiner Bahn Unwandelbare Richtung gab. Chor der ſchwediſchen Jäger(welche ſich von den Landleuten ſondern und zum Abmarſche bereiten). Es folgt dem muntern Hörnerklang Der Jäger gern ins Feld; Und rief das Horn in Nacht und Tod, Der Schwede zagte nicht: Sonnenſtrahl und Hornesklang, Jägers liebſter Morgengruß. Chor der Landleute. Es folgt dem ernſten Glockenklang Der Landmann gern in's Feld; — 168— Und rief er auch zum letzten Gang, Der Fromme zagte nicht: Sonnenſtrahl und Glockenklang, Allerſchönſter Morgengruß! (Die Schweden ziehn nach der Seite des Lagers, die Landleute nach der entgegengeſetzten ab.) Zweite Scene. Axel. Adolf. Axel(munter zu Adolf). Ich kenne den Stern, der deiner Bahn die unwandelbare Richtung gab: Clara iſt ſein Namen. Adolf(beſtürzt). Wie— du wüßteſt?— Wer hat dir geſagt— Axel(lachend). Wer mir das geſagt hat?— Du ſelbſt. Adolf. Welcher Scherz! Kein Wort ging über meine Lippe— Adolf. Deine Worte haſt du wohl gehütet; aber war es ebenſo mit deinen Blicken? Wo Clär⸗ chen erſchien, da hingen ſie, von innerer Gluth be⸗ lebt, an dem holden Mädchen. Kam ſie, ſo ſtrahl⸗ ten ſie ihr ein freudiges Willkommen entgegen; entfernte ſie ſich, ſo ſandten ſie ihr ein wehmüthi⸗ ges Lebewohl nach. Ich bin kein Freund von ſol⸗ — 169— chen unnützen Plänkeleien im Felde der Liebe. Ent⸗ decke dich Claren, wirb um ſie bei ihrem Vater und werde, da du doch einmal keine Neigung zu dem freien Kriegsleben haſt, ein ehrbarer Gatte und Hausvater. Adolf. Du haſt mein Herz durchſchaut, Axel. Aber wie dürfte ich wagen, um Claren zu wer⸗ ben? Sie iſt die Tochter des reichen Falk— ich — ein armes Findelkind, ohne Heimath, ohne El⸗ tern— bin ihres Vaters Diener. Axel. Diener?— das nun wohl ſo eigent⸗ lich nicht! Du biſt mehr ſein Freund und Gehülfe. Adolf. Immer doch nur ein armer Burſche, der ſeine Augen nicht zu Falks Tochter erheben darf. Ja! wenn ich das Kunſtſtück verſtände, die Geiſter zu bannen, welche den Schatz dort oben in der alten Burg bewachen, daß ich den heben könnte — oder wenn ich auch nur überzeugt wäre, daß Clara mich wieder liebte— Axel. Ob ſie dich wieder liebt? Darüber kann ich dir Aufſchluß geben— Adolf(einfallend). Wie— ſie hätte dir ge⸗ ſagt— Axel. Ihre Blicke ſind ebenſo beredt, wie die deinen und haben längſt ein deutliches und ver⸗ nehmliches Ja ausgeſprochen. — 170— Adolf. Du glaubeſt wirklich— ich wäre ſo glücklich— Axel. Verlaſſe dich drauf: Du biſt ſo glück⸗ lich. Allein wozu nützt dir dieſes Glück, wenn du nicht den Muth haſt, mit ihm ein Schutz⸗ und Trutzbündniß zu errichten, um die väterliche Ein⸗ willigung zu erſtürmen? Duet t. Axel. Friſch gewagt, iſt halb gewonnen: Ich will dein Freiwerber ſeyn. Adolf. Harre noch! Jetzt darf ich hoffen— Wehl wenn jede Hoffnung flieht. Axel. Thörigt' Fürchten! Clara's Vater Gilt für einen Biedermann. Adolf. Clara ſelbſt— der Blicke Sprache Hat vielleicht dich nur getäuſcht! Axel. Muth, Freund! Solch banges Zagen Hat Keinen noch beglückt; Willſt du zur Sonne ſteigen, So ſcheu' nicht ihren Strahl. — 171— Adolf. Entflieh, du banges Zagen, Das mir die Bruſt beengt! Mein Herz ſo offen zeigen, Heißt's Liebe nicht entweih'n? Axel. Schon ſeh' ich dich im Geiſte Mit ihr zum Altar geh'n. Adolf(bewegt). Schweig!— Seliger Gedanken, Du füllſt das Herz mit Luſt! Axel. Der Vater gibt den Segen— Adolf. O holdes Vaterwort! Axel. Den Bundeseid ſpricht Clara Adolf. O ſüßes Eidesband! Axel. Durch Muth wirſt du erlangen Das heißerſehnte Glück. Es neigt des Himmels Wonne Sich dann zu dir herab. Da kann das Herz nicht zagen, — 172— Nacht weicht dem Sonnenglanz. Hinweg mit jedem Fürchten, Hinweg mit jedem Zwang! Adolf. Dich, Clara, zu erlangen, Welch heißerſehntes Glück! O Himmel, deine Wonnen Sie neigen ſich herab. Da kann das Herz nicht zagen, Nacht weicht dem Sonnenglanz. Hinweg mit jedem Fürchten, Hinweg mit jedem Zwang! Dritte Scene. (Die Vorigen. Clärchen und Röschen aus Falks Garten.) Röschen(erſt halb ſichtbar, noch in die Scene ſprechend). Was ſcheuſt du dich doch? Die Herrn Schweden ſind längſt ausgeflogen. Ihr Horn wird von dem erſten Morgenſtrahle geweckt und wenn das erklingt, dann folgen ſie dem luſtigen Rufe durch Wald und Flur. Axel(zu Adolf). Schnell, Freund! hinter die Zelte.— Wer weiß, was wir Günſtiges erlauſchen. (Adolf und Axel treten hinter die Zelte und werden nur von Zeit zu Zeit ſichtbar. Röschen und Clär⸗ chen kommen aus dem Garten in den Vorgrund.) — 173— Röschen. Ach! In dem Garten war es mir ordentlich ängſtlich. Hier können wir frei und ſicher unſre Heimlichkeiten auskramen. Wenn eins kommt, ſieht man's ſchon in der Ferne. Clärchen. Aber wenn der Vater uns hier findet— du weißt, er ſieht es nicht gern, daß wir uns in der Nähe des Lagers aufhalten. Röschen. Beſſer er findet uns hier und ſchilt uns tüchtig aus, als daß er im Garten, hinter einem Gebüſche verſteckt, uns behorcht. Clärchen. Sprich nicht ſo! Mein Vater thut das nicht. Röschen. Und wenn wir auch nichts wie die bloße Angſt davon haben, ſo iſt das ſchon zu viel. Der Mund iſt mir wie zugewachſen, wenn ich fürch⸗ ten muß, daß plötzlich aus der Laubenwand oder über den Noſenhecken das ernſte Antlitz des geſtren⸗ gen Herrn Ohms erſcheinen möchte. Clärchen. Doch hier— ſo nahe den feind⸗ lichen Zelten— es ängſtigt mich ſelbſt— Röschen. Haſenherzchen! Zelte ſind keine Schweden und Schweden ſind im Grunde auch nichts anders, als das übrige Männervolk. Axel(für ſich). Spitzbübin! Klärchen(neckend). Du thuſt ſo keck! Ich — 174— glaube gar, du wärſt im Stande, einen Soldaten zum Manne zu nehmen? Röschen. Ariett e. Ein Reiter wär' ſchon meine Freude, Doch überleg' ich's recht, So ſucht er gar zu oft das Weite Und das gefiel mir ſchlecht. Ein Jäger wär' wohl etwas beſſer, Trieb er kein falſches Spiel, Und ſtrebt' im Wald und auf Gewäſſer Nicht nach verbotnem Ziel. Ein Kanonier— mich faßt ein Beben Bei dieſem Worte ſchon: Wie könnt' ich meine Stimm' erheben Bei ſeinem Donnerton? Ja: Gut iſt gut und beſſer beſſer, Allein das Beſte bleibt, Wenn fern von Donner und Gewäſſer Man Keinem ſich verſchreibt. So iſt meine Meinung! Ich will keinen Kriegs⸗ mann und überhaupt keinen Mann. Ich will Rös⸗ chen bleiben, wie ich bin, meines lieben Clärchens Freundin und— Vormünderin. — 175— Klärchen(lächelnd). Du meine Vormünde⸗ rin! Das möchte eine ſchöne Vormundſchaft geben. Röschen. Nun, du ſollteſt nicht unzufrieden damit ſeyn. Erſtlich begänne ich das neuübernom⸗ mene Amt damit, dich mit dem blöden Adolf ehlich zu verbinden, in den du trotz aller ſeiner Blödigkeit bis über den Kopf verliebt biſt. Adolf(halblaut zu Arel). Was höre ich— es wäre wirklich— Axel(ebenſo zu Adolf). Still. Clärchen. Du ſcherzeſt grauſam mit meinem wunden Herzen. Röschen. Ich ſtreiche nur den Balſam auf, der dieſe Wunde heilt. Clärchen. Ich war gewiß recht unbeſonnen, als ich dir ohne Rückhalt das Geheimniß meines Herzens vertraute. Seit der Zeit plagſt du mich mit ewigen Neckereien— Röschen. Und Clärchen findet gar nicht das gewaltige Mißbehagen an dieſen Neckereien, welches ſie vorgibt. Da hört ſie doch von ihrem Adolf, kann von dem Adolf ſprechen, lauſcht recht aufmerkſam meinen Plaudereien von dem Liebesglück, das ſie mit eben dem Adolf in Zukunft zu erwarten hätte— Clärchen. Schon wieder, du böſes Mädchen— Röschen. Still, kleine Heuchlerin, oder ich — 176— hole ſogleich den Adolf herbei und offenbare ihm Alles. Clärchen. Du wirſt doch nicht— Röschen(welche in dieſem Augenblicke Adolf erblickt, der von freudiger überraſchung bewegt unbe⸗ dachtſam hinter ſeinem Verſtecke hervorgetreten iſt.) Ich werde wahrhaftig und das eher, als du es vermu⸗ theſt.(Sie tritt ſchnell auf Adolf zu, faßt ſeine Hand und führt ihn vor.) Herbei mit dem Lauſcher! Schade daß hier das Sprichwort nicht eintrifft: der Hor⸗ cher an der Wand hört ſeine eigne Schand. LQuintett. Clärchen(beſtürzt). Ha, Adolf! Röschen. Wie du ſiehſt. Clärchen. Er hörte— Röschen. Dein Geſtändniß! Adolf(zu Clärchen hintretend). Entfloh'n iſt jedes Zagen, Vertrau'n erfüllt mein Herz. Du liebſt mich— Himmelswonne! Mein Lieben ward erhört. — 177— Clarchen(bei Seite). Beſaͤnftigt euch, ihr Stürme, Die ihr mein Herz durchzieht. Wie ſüß aus theurem Munde Biſt du, o Liebeswort! Röschen. Gethan hab' ich ein Wunder: Den Blöden macht' ich kühn; Nun geb' ich euch den Segen, Kraft meiner Vormundſchaft. Axel(aus ſeinem Verſtecke hervortretend). Und ich— ich dien' als Zeuge Dem neugeſchloßnen Bund. Clärchen. Auch der Hauptmann! Ich vergehe. Röschen(auf Adolf deutend). Kühn macht ihn der Hinterhalt. Axel(zu Röschen). Reitern, Jägern, Kanonieren Trotzet euer ſprödes Herz, Welche Strenge! Darf ein Hauptmann Auch nichts Beſſern ſich verſehn. Röschen(neckend). Herr, ihr wißt: Das Beſte bleibt, Daß man Keinem ſich verſchreibt! III. 12 — — 178— Adolf(zu Clärchen). Was ich erlauſcht, vor dir verborgen, Was mich beſeligend ergriff: Noch einmal ſprich der Gegenliebe Entzückendes Geſtändniß aus! Du ſchweigſt! O löſe dieſes Bangen, Gib für die Prüfungsſtunde Kraft, In der des Vaters Wort entſcheidet Der Liebe Leben oder Tod. Clärchen. Wie ſchlägt mein Herz! Was hier beginnen! Es drängt mich allgewaltig hin. Wenn ich ſchweige, ſteigt ſein Leiden— Sprechen— arger Selbſtverrath! Doch vergebens iſt das Ringen, Liebe ſiegt in dieſem Kampf; Die Gluth, im Innern tief entzündet, Schlägt jetzt zu lichter Flamme auf! Röschen und Axel. Seltſam Treiben! Liebesqualen! Sorgen ohne Noth! Glücklich, wer von ſolchen Dingen Frei das Herz ſich hält! Vierte Sceene. (Die Vorigen. Falk erſcheint in der Thüre ſeines Hau⸗ ſes. Er ſtutzt, als er die Anweſenden erblickt und bleibt von ihnen unbemerkt ſtehen.) Clärchen. Nun denn— es ſey! Ob ich auch will, Ich kann es länger nicht verhehlen: Ja— Adolf, ja: ich liebe dich! Clärchen. Röschen. Axel. Es iſt geſcheh'n! Vom Herzen nieder Hin ſank des Zwanges ſchwere Laſt. Die Liebe ſprach, die Ketten ſprangen, Und Himmelsglanz verſcheucht die Nacht. Adolf. Du, Clara, mein? Kaum kann ich's faſſen! Hin ſinkt der Zweifel ſchwere Laſt. Die Liebe ſprach, die Ketten ſprangen, Und Himmelsglanz verſcheucht die Nacht. Falk(für ſich). Was hör' ich? Trau ich meinen Sinnen? Zu ihm neigt ſich der Tochter Herz. Sie liebt ihn: armes Kind! Denn nimmer Weiht Vaterſegen dieſen Bund. 12* — 180— Adolf(zu Clärchen). Jetzt hin zu deinem Vater! Schwach war ich, deiner Liebe ung ewiß. Jetzt bin ich kühn, jetzt bin ich ſtark: Er widerſteht der Bitte nicht. Falk(vortretend). Halt! Du irrſt! Nicht allzuſchnell Laß den Hoffnungstraum dich täuſchen. Alles hört' ich! Doch dies Band, Das Verrath gen mich geknüpft, Das du, Clara, heimlich pflegteſt, Ich zerreiß es; eure Bitte Weiſt mein feſtes Nein zurück. Clärchen und Adolf. Weh uns! Kaum an's Licht geboren Stirbt ſchon unſre Liebe hin. O mein Vater, warum übſt du Eitles Hoffen! Warum übt ihr Solche Strenge gegen uns. Röschen und Axel. Welche Härte! Schnell verloren, Ward des kurzen Glücks Gewinn! Unerklärlich! Warum übt ihr Solche Strenge gegen ſie? Falk. Ihr klagt mich an? Habt ihr doch ſelbſt, — 181— Von arger Leidenſchaft bethört, Den Vaterrechten Hohn geſprochen! Hinweg! Verſchmäht ward mein Vertrau'n; Es folgt die Strafe dem Verrath. Clärchen. Deine Worte, theurer Vater! Dringen ſchmerzhaft in mein Herz. O verzeihe! Wenn ich fehlte, Nimm dein reu'ges Kind zurück! Falk(bei Seite). Ihren Schmerzen, ihren Thränen Kann ich kaum noch widerſtehn. Adolf(zu Falk). Habt ihr doch, gleich einem Vater, Eure Güte mir geweiht! Ach! da wagt ich ſie zu lieben; Doch Entſagung heiſcht ihr jetzt. Falk(bei Seite). Er iſt redlich— freilich wäre— Aber nein— es kann nicht ſeyn! Röschen und Axel(zu Falk). O laßt euch erbitten, erhört ihre Wünſche! Friſch auf! Gebt den Segen! Zum Altar dann ſchnell. — 182— Falk(laut). Nicht Härte iſt's, die eurer Bitte Das Vaterherz verſchließt. Entgegen ſtellt ſich dieſem Bunde Die eiſerne Nothwendigkeit. Clärchen. Hal ich bebe. Adolf. Düſtres Räthſel! Röschen. Was nur meint er? 2 Axel. Das iſt ſeltſam! Falk. Hört mich an! Gu Adolf.) Du biſt mir theuer, Theuer wie ein eignes Kind. Doch der Gatte meiner Tochter Muß durchaus begütert ſeyn. Adolf. Meine Ahnung! Hal ich wußt es: Vor der Armuth flieht das Glück. Clärchen. Wie— mein Vater— kaum erkenn' ich Wieder dich in dieſem Spruch! — 183— Röschen(bei Seite). Ei! Herr Oheim, löͤſt das Räthſel Sich in arge Habſucht auf? Axel(zu Falk). Erlaubt mir eine Frage: Ihr ſelbſt ſeyd reich und doch— Falk(einfallend). Der Grund iſt ein Geheimniß. Alle(außer Falk). Ein Geheimniß? Clärchen. Noch kann ich's nicht erfaſſen: Entſagung! Schwere Pflicht! Sey ſtark, mein Herz ertrage, Was Vaterwort gebeut. Adolf. Wie Reichthum mir erringen? Durch ihn der Theuern Hand— Verloren! Nur Verzweiflung Zeigt noch die Zukunft mir. Falk. Komm, Clara, mit dem Vater! Beruhige dein Herz. O glaub', was er auch thue, Sey für dein Wohl gethan! Röschen und Axel. Beiden zeigt er Vaterliebe, Dennoch trennt er grauſam ſie! Blitzesſtrahl aus heitrem Himmel, Der den ſchönen Traum zerſtört! (Falk mit den beiden Mädchen in's Haus, Adolf und Axel nach der andern Seite ab.) Fünfte Scene. (Oswald aus dem Hintergrunde von der Burgruine herab. Sein Auſſeres zeugt von gewaltiger innrer Bewegung. Unter dem ſchwarzen Barett, welches ſein Haupt bedeckt, flattert wild ſein Haar hervor. Er iſt ſchwarz gekleidet; über der Kleidung hängt ein weiter Mantel von gleicher Farbe herab. In der Hand trägt er ein weißes Stäbchen.) Oswald(üngſtlich vorſtürzend, als werde er von Jemanden verfolgt). Fort, ihr Geiſter der Un⸗ terwelt! Hinweg von meinen Ferſen! Hier habt ihr kein Recht mehr an mir! Hier bin ich frei, hier bin ich ſicher!(Er ſinkt erſchöpft auf eine Bank an Falks Gartenmauer nieder.)— Sicher?—(Wild auflachend.) Wo iſt auch der Geweihte der Hölle ſicher? Und hier, gerade hier—(indem er ſich um⸗ blickt und verſtört aufſpringt) auf dem Schauplatze meiner Verbrechen, hier wo ich den edelſten Ge⸗ bieter— doch ſtill! Ruhig, mein Herz! Was küm⸗ mern dich auch die Stürme, die herüberdringen aus den Zeiten einer fernen Vergangenheit! Umtobt dich der Sturm der Gegenwart nicht genug, daß du noch jene ſchlummernde Dämonen aufwecken mußt? —(Nach einer Pauſe kurzen Nachdenkens) O daß ich ein Thor war, daß ich von der gierigen Hab⸗ ſucht getrieben, von dem Zauber dieſer wunderbaren Ruthe gelockt, den alten Schatz zu heben verſuchte, den die Macht der Hölle in jenen Burgtrümmern bewahrt! Mir war er nicht beſtimmt— und als ich ſchon glänzend und herrlich ihn erblickte, als die Goldſonne auftauchte aus dunkler Nacht und ich im Wahne des glücklichen Beſitzes die Hand nach ihr erhob: da trat der Höllengeiſt, Vernich⸗ tung ſprühend, auf mich ein und ſtieß mich zurück! Ihm bin ich verfallen in kurzer Friſt, wenn ich kein andres Opfer, geleitet von habſüchtigem Ge⸗ lüſt, wie ich, ihm zur Stelle führe! Recitativ. Schreckliche Erſcheinung! Schauer rinnt durch mein Gebein, Und zu Eis erſtarrt mein Blut, Gedenk ich deiner! Entſetzen, Graun, Erinn'rung aller Frevel, — 186— Die ſchwer auf meinem Daſeyn laſten, Drang in die Seele Bei deinem Anblick, Und erfüllte ſie Mit Qualen der Hölle! Wie Rollen des Donners Tönt eine Stimme: Willkommen, Verdammter, Dein harren ſeit lange Die Geiſter des Abgrunds! (Er hält erſchöpft inne. Nach einer Pauſe ruhiger.) Wie konnt ich widerſtehn, Der Macht des Goldesglanzes? Es ſtrahlt dein Zauberlicht Hinab in meine Seele. Dort weckt' es die Luſt Gebahr das Verlangen, Das nagend am Herzen Zum Abgrund mich trieb. Nicht ſah ich den Abgrund, Dich ſah ich nur, nur Goldlicht; Bald werd' ich dein Meiſter— Da werd' ich, Entſetzen! Ein Sklave der Hölle. (Indem er verwirrt auf der Bühne umher irrt und ängſtliche Blicke um ſich wirft.) — 187— Schlangen ziſchen hinter mir, Wachen über meine Schritte, Daß ich nimmer dir entrinne, Dir, des ſchwarzen Abgrunds Macht! Keine Rettung!— Ha, ein Opfer— Hölle, die ſich mir verkündet, Treibe mir ein Opfer her! Mag ein Andrer dir verfallen; Seiner lach' ich, ſeiner ſpott' ich— Thor, hinab mit dir! Dein Fall Macht mich frei, iſt mein Triumph! (Er läßt ſich auf die Bank nieder und verſinkt in dü⸗ ſtres Nachſinnen.) Sechſte Scene. (Der Vorige. Adolf, tritt zwiſchen den Zelten hervor.). Adolf(lickt ſcheu zu den Fenſtern von Falks Haus auf.) Sie iſt nicht am Fenſter!— Wer weiß, wo der harte Vater ſie eingeſperrt hat, um ſie vor meiner Annäherung zu ſichern?— Arme Clara!— Ob ich wieder in ſein Haus zurückkehre? — Ob ich es wagen kann, ohne von ihm eine Be⸗ leidigung, vielleicht gar eine Erniedrigung erfahren zu müſſen.—(Er umſchleicht vorſichtig näher tretend Falks Haus.) — 188— Oswald(unwillig aufblickend, für ſich.) Wer iſt der Tropf, deſſen armſeliges Liebesgewinſel der Höllenpein in meiner Bruſt zu ſpotten ſcheint? Adolf. Ich wage nicht einzutreten!— Ach — und dennoch— wie werde ich leben koͤnnen, ohne Clara's liebes Antlitz zu erſchauen, ohne in ihre treuen Augen zu blicken, ohne dem ſüßen Klange ihrer Stimme zu lauſchen?(Er tritt mehr in den Vorgrund.)— Warum muß gerade mich der Fluch der Armuth treffen, warum gerade mich, deſſen ganzes Erdenglück von dem Beſitze einiger elenden Goldſtücke abhängt! Oswald(auffahrend, für ſich). Ha!— Wenn es wäre— wenn ich ihn gefunden hätte, der— (Er tritt leiſe und langſam dem Adolf näher, ſo daß er bald dicht hinter dieſem ſteht). Adolf(indem ſeine Blicke auf die Burgruine im Hintergrunde fallen). Dort oben in den verſchüt⸗ teten Gängen der alten Burg ſoll ſeit langen Jah⸗ ren ein Schatz ruhn,— böſe Geiſter bewachen ihn — hal könnte ich den heben! Oswald(ſeine Hand auf Adolfs Schulter legend). Du kannſt es! Adolf(tritt überraſcht einen Schritt vor Os⸗ wald zurück.) Wer ſehd ihr?— Was wollt ihr von mir? — 189— Oswald. Mein Name kümmert dich nicht.— Genug, wenn dir mein Beiſtand den erſehnten Schatz verſchafft! Adolf. Ihr vermöchtet— doch nein! Ihr treibt nur einen argen Scherz mit mir! Wie hättet Ihr auch die Macht, den verborgenen Schatz zu entdecken, Mauern zu ſprengen, die ihn umgeben, und unterirdiſchen Gewalten zu trotzen, die ihn hüten! Oswald. Kurzſichtiger Thor! In dieſem Stäbchen iſt die Kraft enthalten, die alles Verbor⸗ gene an's Licht bringt. Es iſt eine Wünſchelruthe: ein unſchätzbares Werkzeug in der Hand des Kun⸗ digen! Adolf(gierig die Hand nach der Wünſchelruthe ausſtreckend). Wie? Das wäre die wunderbare Wün⸗ ſchelruthe, durch ſie wäret Ihr im Stande— Oswald(Adolfs Hand zurückſchiebend). Hin⸗ weg! In deiner Hand würde ſie ohne Wirkung ſeyn. Doch ſprich ein Wort: ſo iſt durch ſie in kurzer Friſt jener Schatz dein Eigenthum, du biſt Herr einer Tonne Goldes. Adolf(für ſich). Warum zaudre ich doch die⸗ ſen Vorſchlag anzunehmen? Ein unerklärliches Grauen hält mich zurück. Des Fremden düſtres Außre— ſein wilder Blick— — 190— Oswald(bei Seite). Der Bube zögert!(laut) In Teufels Namen, ſprich! Meinſt du, ich ſey hie⸗ her gekommen, um meine Zeit über deinem thörig⸗ ten Grübeln zu verlieren? Mir iſt es eins, weſſen Eigenthum der Schatz wird. Verſchmähſt du ihn, ſo findet ſich leicht ein andrer, der ihn gern nimmt. Ich bedarf ſeiner nicht: mich leiten höhere Zwecke. Adolf(bei Seite). Clara— o Gott! nur auf dieſem Wege kann ich zu ihrem Beſitz gelangen und ich ſchwanke noch?— Oswald(traulich zu Adolf). Nicht, Freund, du biſt verliebt? 4 Adolf. Woher wißt Ihr— Oswald. In die Tochter eines Reichern, als du biſt? Adolf. Das iſt ja eben mein Unglück, daß Clara das Kind des reichen Falk iſt, der ihre Hand dem Vermögensloſen verſagt. Oswald(aufmerkſam). Wie— Falk ſagſt du? Des reichen Falk? 5 Adolf(auf Falks Haus deutend). Des Beſitzers dieſes Gutes. Oswald(haſtig). War Falk nicht ein Die⸗ ner des verſtorbenen Grafen— Adolf. So iſt's! Oswald. Und jetzt?— — 191— Adolf. Iſt er Herr der gräflichen Beſitzungen. Oswald(für ſich). Der heuchleriſche Schurke! — Gewiß hat er auf eine betrügeriſche Weiſe ſich dieſes Gut angemaßt. Ich werde ihn entlarven. Doch ruhig! Das für eine andre Zeit! Jetzt gilt es die eigne Rettung.(Laut.) Falks Tochter alſo liebſt du; die Annahme meines Vorſchlags kann dich zum reichen Manne, zum Gatten der Gelieb⸗ ten machen und du ſchwankſt noch immer— Adolf. Ich ſchwanke nicht länger. Ich bin der Eure. Ja, ich will Euch folgen auf der grauen⸗ vollen Bahn zum goldnen Ziel. Ich vertraue Euern Worten, ich fürchte nicht mehr die unterirdiſchen Gewalten, die uns in den Weg treten können: Clara iſt der leitende Stern und der kann nur zum Himmel führen!. Oswald(bei Seite). Oder in die Hölle! Duett mit Chor. Oswald(bei Seite). Triumph! Es iſt gelungen! Verderben wird dir, Thor! Frei bin ich, bin gerettet, Du gehſt zur Hölle ein! Adolf. O Heil, in trüber Stunde, — 192— Vom Schickſal mir geſandt! Du wandelſt Nacht der Seele In mildes Hoffnungslicht. Oswald(laut zu Adolf). Senkt der Abend ſich hernieder, Grüßt des Mondes erſter Strahl Jenes Schloſſes dunkle Trümmer: Dann bereite dich zum Werk! Adolf. Ich bin bereit! Entſchloſſen Bin ich zum kühnen Gang. Doch ſprecht noch eins— ein Schauer Ergreift mich, denk' ich d'ran. Oswald. Was iſt's—(ängſtlich bei Seite) Tritt er zurück?— Adolf. Gebt Rede! Wird der Seele Heil Gefährdet nicht durch meine That? Oswald(wild auflachend). Du träumſt! Faſt geht mich Reue an, Daß ich dir, Thor, mich anverband. Adolf. Fluch über Euch, lügt Euer Wort! Oswald(bei Seite). Faßt dich der Ahnung Grauen? — 193— Wie du auch ſchwankſt, wie du auch käͤmpfſt: Du bleibſt ein Sklav des Goldgelüſts. Adolf. Hinweg mit jedem Grauen! Der Hoffnung Glanz, der Liebe Macht, Begeiſtern mich zu Muth und Kraft. (Marſch von ſchwediſchen Hörnern außerhalb der Scene. Der Marſch kommt während des Folgenden näher.) Adolf und Oswald. Ich bin der Eure 2. 5 biſt der neene, iſ die Zeit Zum dunkeln Werke da. Kommt Sternenlicht und Mondenſchein, So harr' ich Eures Winks! So harre meines Oswald. Du folgſt mir dann? Adolf. Ich ſchwoͤr' es Euch! Oswald. Bei deinem Glück? Adolf. Bei meiner Liebe! Klopfe nicht, du ſehnend Herz, ſo ſtuͤrmiſch! Ruhig, wilde Welle in der Bruſt! . III. 13 — 194— Welch Entzücken, wenn der Vater ſegnend, Clara, deine Hand in meine legt! Oswald. Juble nur, Thor! vom Wahne berückt! Du träumſt dir den Himmel, die Hölle ſteht offen. Nur vorwärts zum Rande! Hinab in den Abgrund! Mein iſt der Sieg, die Rettung erkämpft! Chor der ſchwediſchen Jäger(von Außen herannahend.) Es ruft das muntre Schwedenhorn In's Lager uns zurück. Uns führte aus, uns führte heim Das ſchönſte Sonnenlicht. Sonnenſtrahl und Hornesklang: Jägers froh willkomm'ner Gruß! (Adolf und Oswald nach verſchiedenen Seiten ab. Der Vorhang fällt. Das ganze Orcheſter nimmt den Marſch auf und führt ihn im Zwiſchenacte zum Schluſſe.) —ü — 195— Zweiter Aufzug. EKurzer Garten mit einer Laube. Hinten ein eiſernes Gitter, in welchem eine in's Freie führende Thüre befindlich.) Erſte Scene. (Clärchen und Röschen, von der Seite.) R Duet t. Röschen. Ruhig, Herzchen, ohne Sorgen! Zeit bringt Roſen! ſagt ein Spruch. Clärchen. Ach! verwelkt iſt meine Roſe: Wilder Nord kam, der ſie brach. O Traum der Liebe, wie ſo bald verſchwunden, O Wahn des Glückes, wie ſo bald zerſtört. Mein Traum war Frende, Sonnenglanz mein Wähnen; Weh mir! Zu Leid und Nacht bin ich erwacht. Röschen. Verzage nicht! Ich prophezeihe: Bald kommt ein Hochzeitsfeſt in's Haus. 13* — 196— Clärchen. Du ſpotteſt mein! Das iſt nicht ſchön. Röschen. Kein Spott! Laß dich mein Wort erheben. Ja, glaub', eh' du's zu hoffen wagſt, Wird Adolf Clärchens Eheherr. Clärchen. Ich— hoffen noch?— Ihr hochbeglückten Stunden, Die Hoffnung mir ſo herrlich ausgeſchmückt! Ihr ſehd dahin! Du ſchiedeſt, ſanfter Frieden, Aus meinem Herzen mit der Hoffnung fort. Röschen(gereizt). Höre mich und laß die Klagen! Wer da liebt, muß auch vertrau'n. Adolf wird das Glück erjagen, Iſt's nicht hier, iſt's in der Fern'. Clärchen(ängſtlich). Ha! Was ſagſt du? In der Ferne? Röschen. Ohne Zweifel! Mit den Schweden Zieht er muthig in den Krieg. Kommt zurück mit reicher Beute Als ein luſt'ger Freiersmann. Clärchen. Himmel!— Wie? Er in den Krieg! Sprich! hat er das ſelbſt geſagt? — 197— Röschen. Adolf?— ſelbſt?— Er ſprach es nicht, Doch ich bild' es mir ſo ein. Clärchen. Ihm entſagen! O wie ſchrecklich! Doch ihn wiſſen in Gefahr, In dem wilden Schlachtgetoſe, Hal entſetzlicher als Tod! Röschen. Froh in's wilde Kriegsgetümmel; Dort gibt's Wunden, Beute auch! Ihn wird ſchon die Liebe ſchützen, Führt den Bräutigam zur Braut. Zweite Scene. (Die Vorigen. Durch die hintere Gitterthüre tritt ein Greis auf einen Stab geſtützt ein. Seine Klei⸗ dung iſt ärmlich, ſein Gang ſchwankend. Röschen iſt zu Clärchen getreten und hat theilnehmend deren Hand ergriffen.) Der Greis(vortretend). Endlich wäre das Ziel meiner Wandrung erreicht, endlich der Ort gefunden, wo ich das Verbrechen vergangener Tage wieder gut machen und dann das müde Haupt nie⸗ derlegen will zum letzten Schlummer. Röschen(zu Clärchen). Beruhige dich, Herz⸗ — 198— chen! Verlaſſ' dich d'rauf; es geſchieht wie ich's dir ſage. Eh' man's denkt, iſt der Adolf fort; eh' man's hofft, iſt er wieder da und bringt Geld mit in Hülle und Fülle.(Den Greis wahrnehmend.) Doch ſchau! Wir haben Geſellſchaft bekommen. Sieh den Alten— er ſcheint arm und ermüdet.(Zu dem Greis.) Ihr kommt wohl von weiter Wande⸗ rung, Vater? Der Greis(zuſammenſchaudernd, doch ſich ſo⸗ gleich wieder faſſend). Gott zum Gruße, freundliches Kind! Freilich komme ich aus weiter Ferne— Clärchen ctheilnehmend näher tretend). Und ſehd hier fremd? Der Greis(mit einem Seufzer). Jetzt bin ich ein Fremder hier. Röschen. Ihr wart es alſo nicht immer? Der Greis(ausweichend). Ach! das iſt ſchon ſo lange her, daß deſſen mein alter Kopf ſich kaum mehr erinnert. Clärchen. Kommt mit in das Haus meines Vaters! Dort harrt Eurer Ruhe und Erquickung. Der Greis(aufmerkſam). Wie?— Ihr wäret eine Tochter des Grafen Robert? Röschen(lachend). Aus Eurer Frage merkt man wohl, daß es ſchon eine Ewigkeit her iſt, als Ihr in dieſer Gegend bekannt wart. Graf Robert — 199— iſt längſt todt; mein Ohm Falk, des Grafen Leib⸗ diener, ward ſein Erbe. Der Greis(ei Seite). Welche Entdeckung! — Unglücklicher, deine Reue kam zu ſpät. Und Falk — der Gegenſtand meines Neids, meines Haſſes— jetzt Herr dieſes Guts, aller Wälder und Berge, ſoweit das Auge blickt!— Ich ſelbſt durch meine Schreckensthat der Schöpfer ſeines Glückes— Clärchen(näher zu ihm tretend). Ihr ſcheint in der That ſehr angegriffen. Gebt mir Eure Hand, ich will Euch ins Haus führen. Der Greis(urückſchreckend). Zu Falk?— Nimmermehr! Röschen. Ihr habt meinen Ohm nicht zu fürchten! Er läßt keinen dürftigen Wandrer ohne Pflege und Beiſtand von ſeiner Thüre gehn. Uber⸗ dem iſt er in dieſem Augenblicke fern. Der Greis G(für ſich). Ich will ihnen folgen. Mag mit den erwachenden Erinnerungen jener Zeit die Buße meiner Sünde beginnen!(Laut.) Wenn ihr meint, daß ich nicht unwillkommen bin, ſo nehme ich eure Einladung an. Clärchen(ihn fortführend). Kommt nur! Ein ſtärkender Schlummer thut Euch ſicher noth. Der Greis(mit einem Blick gen Himmel). — 200— Der Geiſt der Finſterniß trieb mich aus, ein Engel des Lichts führt mich wieder zurück. Röschen(ihnen folgend). Ein ſeltſamer Gaſt, das! (Alle drei ab nach dem Hauſe.) Dritte Scene. Adolf(tritt ſchüchtern durch die hintere Gitter⸗ thüre). Niemand hier?— Sonſt pflegte doch Clara in dieſer Stunde hier zu weilen.— Wie hier mich Alles ſo traulich anlächelt, wie die Büſche, wie die Blumen, zwiſchen denen ſie wandelt, ſo freundlich zu mir herblicken!— Hier iſt Frieden, hier wohnt das Glück; aber aus meinem Herzen ſind ſie ge⸗ wichen und ob ſie je wieder dahin zurückkehren werden: das muß ich dem Willen dunkler Mächte überlaſſen!— Der Tag neigt ſich; bald iſt die Stunde da, in der mich der Unbekannte zu finden verſprach.— Furchtbare Ahnungen durchwogen ſtür⸗ miſch meine Bruſt.— Wenn unterirdiſche Gewal⸗ ten— doch fort, ihr entmuthigenden Gedanken— ich muß es wagen: es bleibt mir keine andre Wahl. Arri e. Recitativ. Doch Clara— wo iſt ſie! Nicht kann ich ziehn zum räthſelhaften Werke, — 201— Eh' ich— zum letztenmal vielleicht— Mich ihr genaht, In's treue Auge ihr geſchaut, Der holden Stimme Klang gelauſcht! Noch einmal ſie zu ſehn, Der Seele höchſter Wunſch! Gewähre dieſes Glück, Erhab'ne Himmelsmacht! Aus Clara's Augen Liebesblick, Von ihren Lippen Liebeswort, O Seligkeit, nur einmal noch Neig' dich in mein umnachtet Seyhn! Dann in Gefahr, dann in den Tod! Was iſt das Leben ohne ſie? Ich ſetz' es ein, verloren ſey's, Ja!— oder Clara mein Gewinn! Wie erklär' ich dieſe Schauer, Dieſes Bangen in der Bruſt? Wäv' vielleicht— ha Schreckgedanken! Fort— hinweg— der Hölle Bild! Und doch kann ich dich nicht bannen— Wär' bei'm Werke dieſer Nacht, Ha! Entſetzen! nicht nur Leben, Selbſt der Seele Heil gewagt? Nein! Schweig du düſtre Ahnung, — 202— Du Schreckbild, fall' in Staub! Nicht iſt es ſo! Vom Himmel Ward Liebe uns geſandt. Sie zeigt die Bahn; ich folge Dem Wink der Liebesmacht. Fort, Ahnung— finſtres Grauen! Trotz dir, du bange Furcht! Clara, höre der Sehnſucht Ruf: Zögre nicht länger, wende dich her! Einmal dich ſehn noch— dann ohne Furcht Hin in Gefahr, hin in den Tod! (Er will nach dem Hauſe hin ab; Clärchen ihm entgegen.) Vierte Scene. (Der Vorige. Clärchen, ſpäter Oswald.) (Abenddämmerung.) Clärchen(ſchüchtern). Guten Abend, Adolf. Wo warſt du doch heute den ganzen Tag über? Adolf. O Gott! Warum mahnſt du mich daran? Konnt ich es wagen in das Haus deines Vaters zurückzukehren, zu dem Manne, der mit einem harten Worte alle meine Hoffnungen ver⸗ nichtet hat? Clärchen. Denke nicht ſchlimm von ihm. — 203— Er muß triftige Gründe haben— ach! und meine Pflicht iſt es, dieſe, wenn ich ſie auch nicht kenne, zu ehren. Adolf(nicht ohne Spott). Triftige Gründe?— O ja! Der Klumpen Goldes, den er hütet, ſoll immer mehr vergrößert werden und ſelbſt das eigne Kind muß zum Werkzeuge ſeiner Habſucht dienen. Clärchen(vorwurfsvoll). Adolf! Adolf(mit ſteigender Heftigkeit). Aber es ſoll ihm nicht gelingen, dich mir zu entreißen! Eh er's ahnt, trete ich vor ihn hin und breite einen Schatz vor ſeinen gierigen Blicken aus, deſſen Werth ſein Beſitzthum weit überſteigen wird. Clärchen. Deine Worte machen mich beben. Kaum erkenne ich in dir meinen Adolf wieder, düſter flammt dein Blick— eine dunkle Wolke ſchwebt auf deiner Stirn— ſprich: was iſt mit dir geſchehn? Welches ſchreckliche Vorhaben trägſt du im Sinne? Adolf. Laß nur, meine Clara! Wenn die Sonne des nächſten Tages jene Berge überſtrahlt, dann iſt Alles anders. Ich bin wieder ruhig wie ehemals, mein Auge ſpricht dann nur Liebe, jede Wolke, die jetzt meinen Himmel bedeckt, iſt ver⸗ ſchwunden. Clärchen. Ich beſchwoͤre dich— entdecke mir— — 204— Adolf. Wenn harte Menſchen ſich grauſam unſerm Glücke entgegenſetzen, dann gibt es höhere Mächte, mit denen wir uns verbünden müſſen. Clärchen. Dieſe räthſelhaften Worte— O noch einmal, bei unſrer Liebe laß dich erbitten und ſage mir— Adolf. Sey ohne Furcht! Das Werk, dem ich entgegen gehe, begründet unſer Heil. Ich habe dich noch einmal geſehn, ehe ich es beginne: das war meiner Seele heißeſter Wunſch. Jetzt lebe wohl! In wenigen Stunden ſehn wir uns wieder: von Freude erfüllt, dem ſeligſten Bunde nahe. Terzett. Clärchen. Halt ein! Du läſſeſt mich Der Zweifel Qual zum Raube. Sie dringt in meine Bruſt, Sprich: was willſt du beginnen. Adolf. O zage nicht! Beſeelt Von Muth zum kühnen Werke, Aus zieh' ich, kehre heim, Ein froher Bräutigam. Clärchen(heftig). Nimmer kehrſt du heim! dich ruft — 205— Eine Stimme dunkler Macht. Folge nicht! O bleibe, bleibe!— Iſt mein Flehen denn umſonſt? Adolf. Dem Gebot der Liebe folgen, Dazu treibt das eigne Herz. Clärchen. Um der Liebe willen bleibe! Adolf. Nein, ich kann nicht! Dich erringen Oder— fuürchte nichts, es glückt. Clärchen. Weh mir! Seinen Sinn zu beugen Iſt mein Streben viel zu ſchwach. Grauenvoll droht mir die Zukunft; Düſtres Räthſel! Schwarzes Grab! Adolf. Mich belebt nur ein Gedanken: Clara mein, o Seligkeit! Holde Bilder zeigt die Zukunft: Liebeswonne! Zartes Band! (Oswald iſt durch die hintere Gitterthüre eingetreten und hat ſich den beiden Liebenden genaͤhert. Der Mond ſteigt hinter den Bergen des Hintergrunds auf.) — 206— Oswald(bedeutungsvoll). Die Stunde ruft! Der Mond ſteigt auf, Die Sterne ſenden helles Licht. Adolf(zuſammenfahrend und um ſich blickend). Er iſt's! In ſeiner Nähe faßt Mich ſelbſt Entſetzen, dunkles Graun. Clärchen(den Oswald erblickend und zurückbebend). Hal! Welche dräuende Geſtalt! Ihr Auge ſprüht der Hölle Gluth. Oswald(zu Adolf). Gedenk' des Worts, das du gegeben! Adolf. Ich bin bereit, doch harret noch! Oswald. Die Zeit verrinnt, das Ziel iſt weit. Adolf. Sogleich— noch einen Augenblick! V Clärchen(zu Adolf). Um meines Heils, um meiner Ruhe willen, Sprich, Adolf, was haſt du mit ihm gemein? O trau ihm nicht! Zu keinem guten Werke, Nein, ewig nein! lockt der Verſucher dich. Adolf. V Der Liebe Lohn, der Liebe Heil zu finden, Sag ich auf kurze Zeit dir Lebewohl. — 207— Clärchen. O bleib' zurück! Adolf. Mein Schickſal reißt mich fort. Clärchen. Soll ich verzweifeln? Adolf. Ruhig ſeyn, Geliebte! Oswald(zu Adolf). Wanke nicht! Denke des herrlichen Preiſes, Der bald am Ziele dem Muthigen wird. (Für ſich.) Wenn's ihr gelänge, wenn er zurückträt'— Hölle, du ſiegteſt!— Verloren auf ewig! Clärchen. Iſt vergebens jede Bitte, Iſt dein Herz mir fremd geworden? 2 Adolf. Welche Pein!— Ich darf nicht, Clara! Laß mich! Bald ſiehſt du mich wieder. Oswald(zu Adolf). Folge! Hinweg! Was zauderſt du länger? Adolf Gu Clärchen). Lebe wohl! Noch ziehen Stürme Durch die wild empörte Bruſt. — 208— Hoffe Alles! Glück und Frieden Segnen bald der Herzen Bund! Clärchen. Wehe! Rauher ziehn die Stürme Durch die wild empörte Bruſt. Jede Hoffnung, Heil und Frieden, Fliehen unſrer Herzen Bund. Oswald. Hal! Glück auf! Er kann den Schlingen Des Gelüſts ſich nicht entziehn. Er— verloren!— Ich— gerettet! Und die Hölle iſt beſiegt. (Adolf mit Oswald ab.) Fuͤnfte Scene. Clärchen(allein. Sie ſchwankt ermattet zu der Laube hin und ſinkt auf der in derſelben befindlichen Bank nieder.) Er iſt fort!— Mein Flehn, mein Jammern vermochte nichts über ihn.— Und um meinetwil⸗ len eilt er hin in Gefahr, in den Tod, vielleicht— (Sie ſpringt entſetzt auf.) O Himmel, nimm du ihn unter deinen Schutz! Wenn ihm ein Verderben droht, das ich nur ahne, aber nicht kenne, dann wende es ab von ſeinem Haupte; ſteht er einem — 209— Abgrund nahe, deſſen Tiefe ich nicht ermeſſe, dann halte ſeinen Schritt rettend zurück. Ich kann nicht helfen; ich kann nur beten und— weinen. Cavatine. Rinne, ſanfte Thränenquelle, Kühl' der Wunde heißen Schmerz, Die ich tief im Herzen trage, Welche Liebe mir gebracht. Ruhig ſchwanden einſt die Tage Meines jungen Lebens hin; Liebe, du drangſt in mein Leben Und die Ruhe war dahin. Adolf! Ach, in dieſem Namen Lebt des Herzens Sehnſuchtsruf: Wohin fliehſt du? Welcher Zauber Reißt von Claren dich hinweg?— Weinen nur, nicht retten können, Zwang, der meinen Willen lähmt, O entweiche!— Du gib Klarheit, Himmel! Daß ich helfen kann. Sechſte Scene. (Die Vorige. Röschen und Axel, vom Hauſe her.) Röschen(zu Clärchen, welche träumeriſch ſin⸗ nend daſteht). Denke dir, Clärchen: der arme Wan⸗ III. 14 — 210— derer, dem wir im Hauſe drinn Pflege und ein Nachtlager bereitet hatten, iſt ſchon wieder fort. Er ſchien von einer heftigen Unruhe ergriffen— alle meine Bitten waren umſonſt— ich konnte ihn nicht zurückhalten. Axel(zu Röschen). Eure Freundin vernimmt Euch nicht!— Weshalb mag ſie in ein ſo trübes Sinnen verloren ſeyn? Röschen(Clärchens Hand ergreifend und ihr geſunkenes Köpfchen aufrichtend). Schäme dich, du haſt geweint!— Wer will ſich ſo dem Herzleid um einen jungen Burſchen hingeben? Und was iſt's denn überhaupt ſo Großes?— Heute Regen, mor⸗ gen Sonnenſchein! Heut ſchlägt dir's dein Vater ab, morgen willigt er vielleicht ein. Clärchen. O du weißt nicht, was geſchehn iſt! Adolf iſt fort— Röschen. Wie? Axel. Wohin? Clärchen. Wohin weiß ich nicht, doch iſt meine Seele von den ſchrecklichſten Ahnungen be⸗ ſtürmt. Er folgte einem Unbekannten, deſſen düſtres Außere, deſſen tückiſcher Blick mich Alles fürchten läßt. Dabei waren ſeine Reden ſo räthſelhaft— er ſprach von Gefahr, von Tod, von großem Neich⸗ thum— o Himmel! Ich kann es nicht erklären, — 211— nur davon bin ich überzeugt, daß er ſeinem Verder⸗ ben entgegeneilt. Axel. Wohin wendete er ſich? Clärchen. Der Fremde führte ihn dort hin⸗ aus, nach den Bergen zu.— Röschen. Sey unbeſorgt! Deine aufgeregte Einbildungskraft neckt dich mit ſchrecklichen Bildern. Was kann Adolf mit dem einzelnen Manne zu fürchten haben? Clärchen. Du haſt ihn nicht geſehn, dieſen Unbekannten, deſſen höhniſches Antlitz den Himmel läſtert, deſſen dunkelglühendes Auge die Gemein⸗ ſchaft mit den Mächten der Finſterniß darthut. Es iſt kein gutes Werk, zu welchem Adolf mit ihm ausgezogen; ach! ich fürchte, das Heil ſeiner Seele ſteht auf dem Spiel. Axel(ſinnend.) Wenn es wäre— er ſprach von dem Schatze im alten Schloſſe— Clärchen. Ihr ſeyd ſein Freund. Eilt ihm nach, ich beſchwöre Euch. Das Mondlicht wird Euch die Geſtalten der beiden Nachtwandrer zeigen, Ihr werdet ſie erreichen und— ihn aus den Schlingen des Verführers retten. Röschen. Du träumſt ſelſam bei offenen Augen. Aber um ſie zu beruhigen, Herr Schwede, gewährt ihren Wunſch. 14½ — — — 212— Axel. Wenn ich nicht irre, ſo kenne ich Adolfs Unternehmen— Clärchen. Wie?— Ihr kennt es— und weilt noch hier? Axel. Ruhig! holdes Clärchen. Mich ruft die Pflicht zu den Trümmern der alten Burg. Dort hat ſich verdächtiges Geſindel gezeigt und meine Jäger haben bereits vorſichtig das alte Neſt umſtellt. Dort denke ich auch Adolfen zu finden und den ſeltſamen Fremdling, den Ihr ſo ſehr fürchtet. Clärchen. Adolf— dort? O ſchnell hin, daß die Möglichkeit der Rettung nicht verloren geht. Kommt— wir wollen Euch begleiten. Röschen. Du vergiſſeſt, Clärchen! Dein Va⸗ ter könnte— Clärchen. Alles vergeſſe ich, wenn es gilt den Freund— den Geliebten aus den Händen des Verſuchers zu befreien. Um meinetwillen begibt er ſich in Gefahr, meine Pflicht iſt's ihn zu retten. Final e. Clärchen. Hinweg! daß wir ihn noch ereilen; Ich zittre für ſein Seelenheil. Axel. Es iſt Euch Ernſt?— Nach Euerm Willen, Euch ſchützt mein Arm, ihn ſchütze Gott. — 213— Röschen. So ſoll es ſeyn?— Nun denn meintwegen! Mein Clärchen laß ich nicht allein. (Sie wollen nach der Thüre des Hintergrundes.) Siebente Scene. (Die Vorigen. Falk kommt von der Seite des Hauſes.) Falk. Halt! Wohin zu dieſer Stunde? Röschen du— auch Clara, warlich, Mit dem Hauptmann— das iſt ſeltſam! Kommt— zurück! Ihr Mädchen, bleibt! Clärchen(bei Seite). Himmel! Nun hält mich zurück Meines Vaters ſtreng Gebot. Röschen(für ſich). Was ihm ſagen— was erſinnen? (Laut.) Nur luſtwandeln wollten wir. Ar el- Arme Kinder! Wie ſie beben! Falk. Jetzt luſtwandeln! Ihr kehrt heim Alſogleich in's Vaterhaus. Clärchen. O ſchwere Pflicht! Ich darf nicht retten, So ſchütz' ihn, Gottheit, deine Macht! Ich ſchweige, trage, ich gehorche, Bis dieſes Herz im Leiden bricht. Röschen. Kühner Plan, du biſt vereitelt! Armes Clärchen, thuſt mir leid. Welcher Unſtern, daß er grade, Eh wir gingen, kam zurück. Axel. Was nur weil' ich! Ohne Zaudern Muß ich an das nächt'ge Werk. Hal! Wie will ich rächend treffen, Droht dem Freunde ein Verrath. Falk. Sie ſtehn beſtürzt! War ihr Beginnen Gar ein Verrath an ihrer Pflicht? Ich werde forſchen, werde finden, Und ſtrafen— wenn ich es vermag. (Axel durch die hintere Thüre, Falk und die beiden Mädchen nach dem Hauſe hin ab.) (Verwandlung. Die linke Seite der Bühne bildet aus dem Mauerwerke der alten Burg eine tief eingehende Spalte, von der auch noch einzelne hohe Schwibbögen ſtehn. Die Halle iſt nach der rechten — 215— Seite hin, welche aus einem waldigten Abhange be⸗ ſteht, offen. In der hintern Mauer befindet ſich eine mit Epheu verwachſene Niſche. Der Mond wirft ein unſicheres Licht in die Halle.) Achte Scene. (Schwediſche Jäger. Landleute beiderlei Geſchlechts. Sie kommen ſämmtlich, die Jäger in geſchloſſenen Gliedern, die Landleute ihnen neugierig folgend, von der linken Seite und ziehn ſich durch die Halle nach der Waldung rechts hin.) Chor der Jäger. Alles ruhig! Stille, ſtille! Laßt uns leiſe weiter ziehn, In dem grünen Dickigt lauſchen! Fort! daß niemand bleibt zurück! Chor der Landleute. Was ſie ſuchen? Stille, ſtille! Laſſet leiſe mit uns ziehn, In dem grünen Dickigt lauſchen! Fort! daß niemand bleibt zurück. (Alle ab. Sie verſchwinden in der Waldung rechts.) Neunte Scene. (Oswald. Adolf. Der erſte hat des letzten Hand ergriffen und führt den Zögernden faſt gewaltſam vor.) Oswald. Wir ſind am Ort.— Was zitterſt du? Biſt du ein Mann— biſt du ein Knabe? Adolf. Ich fürchte nichts! du ſelber bebſt. Gott iſt mit mir— fern jedes Zagen. Oswald(unwillig). Was— Gott! Hier walten andre Mächte, Fort mit Gebet und Weibsgeſchwätz! Adolf. — 216— Du läſterſt! Oswald. Schweig! Zum Werke jetzt! (Ganz in der Ferne ſchwediſche Hörner.) Adolf laufhorchend, bei Seite). Sey willkommen, holder Ton! Dringſt befreundet aus der Ferne, Klingſt ſo ſüß, als ob du gütig Grüße mir von Claren brächteſt. 1(Ein Gewölk iſt vor den Mond getreten.) Oswald. Günſtig iſt der Augenblick, Mond und Sterne leuchten nicht. Auf zur Weihe! eEEr überreicht Adolfen die Wünſchelruthe.) Nimm! (Adolf ergreift die Ruthe. Oswald zieht einen bloßen Dolch aus ſeinem Gurtel und hält ihn quer über jene. Mit beſchwörender Stimme.) Ruthe, die mit Kindesblut — 217— Ward getränkt um Mitternacht, Spalte Felsgeſtein und Mauer, Das Verborg'ne bring' an's Licht! Ruthe oben, Ruthe unten: Schnell iſt jetzt der Schatz gefunden. Adolf. Ha, ſie belebt ſich— wunderbar! Sie ſtrebt aus meiner Hand— Oswald. Halt feſt! Adolf. Sie zieht mich fort— ich muß ihr folgen. (Adolf, die Wünſchelruthe in der weit vorgeſtreckten Hand haltend, ſchreitet langſam nach der im Hin⸗ tergrunde befindlichen Niſche hin.) Oswald(erſtaunt). Ha! wie anders jetzt, als damals! Donner ſchweigt— kein Blitz zu ſchauen! Warum droht kein Sturm Vernichtung, Du ſelbſt ſtumm— der Hölle Zorn? Adolf(vor der Niſche). Hier muß es ſeyn— ſie wurzelt feſt. Ha ſeht— (Unter einer ſanften Muſik(Harmonie) hinter der Scene ſpaltet ſich die Mauer. Man ſieht in eine glänzend beleuchtete Hölung, in der eine weißgekleidete Frauen⸗ — 218— geſtalt ſitzt. Das Antlitz der Erſcheinung iſt bleich, aber von einem milden Lächeln übergoſſen. Sie deutet mit der Hand nach einem Käſtchen, das zu ihren Füßen ſteht. Die Harmonie dauert ſo lange die Hölung offen iſt.) Oswald. Verdammt! Kein Dämon— eine Lichtgeſtalt.! Adolf(der überraſcht zurückgetreten iſt). Welches Schauſpiel! Kaum ertragen Meine Blicke dieſen Glanz. Oswald. Ich bin getäuſcht— verloren! Ihm war der Schatz beſtimmt. Adolf. Ach! wie freundlich ſieht das Auge Jenes Weſens zu mir her. Iſt es doch, als ſäh' ich Bilder Aus der Kindheit frühſter Zeit. Oswald. Ihr triumphirt jetzt, Höllenmächte! Verzweiflung, Wuth erfüllt mein Herz. Adolf. Ha! Sie deutet auf das Käſtchen— Ob ich's wage— ob ich's faſſe? (Die Lichtgeſtalt neigt ſanft ihr Haupt und winkt mit der Rechten dem Adolf.) — 219— Ihr Wink gebeut— ſie lächelt mild— Sie will's— ich kann nicht widerſtehn. (Er eilt ſchnell nach dem Hintergrunde und ergreift das Käſtchen.) Oswald(boshaft ſeinen Dolch zückend.) Der Schatz iſt dein— doch auch der Tod. Du erndteſt nicht, wo ich geſäet. (So wie Adolf das Käſtchen aus der Hffnung in der Mauer genommen hat, ſchließt ſich dieſe. Die Har⸗ moniemuſik verhallt. Adolf eilt mit dem geöffneten Käſtchen vor.) Adolf. Glänzend ſtrahlt ſelbſt durch die Nacht Dieſer Edelſteine Licht. Oswald(der leiſe mit gezücktem Dolche Adolfen näher getreten iſt. Für ſich.) Gleich erliſcht es ewig dir. Adolf(plötzlich in großer Bewegung). Doch welch Grauen faßt mich plötzlich? Fort! Mir iſt die Hölle nah. (Er ſtürzt von Angſt ergriffen nach der linken Seite ab.) Oswald. Du entfliehſt! Ha! Hoffe nimmer, Meinem Dolche zu entgehn! (Er will dem Adolf nacheilen.) Zehnte Scene. (Indem Oswald abeilen will, dringen aus der Wal⸗ dung Arxel, ſchwediſche Jäger und Landleute auf die Bühne. Die Schweden bemächtigen ſich ſogleich Os⸗ walds und entreißen ihm den Dolch.) Chor der Schweden. Halt! Nicht weiter! Faßt ihn kräftig! Du willſt ſpähen? Wirſt bald hängen. Chor der Landleute. Ein Spion? Er wollte ſpähen, Muß nun hängen ohne Gnade. Oswald(zähneknirſchend). Verwünſcht! Der Bube iſt gerettet, Verloren ich— der Hölle Eigenthum. Axel(ſich umblickend). Doch wo iſt Adolf?— Er war mit dir! Geſteh' ſogleich, was aus ihm ward? Chor der Landleute. Wie— Adolf mit ihm? Chor der Schweden. Gleich geſteh'! Oswald(mit Hohn). Was kümmert mich der Burſche? Ihr wollt ihn ſehn— ſo ſucht ihn auf! — 221— Axel und die Schweden. Du wagſt uns zu verhöhnen? Die Landleute. Er wagt ſie zu verhöhnen! Axel. Der Dolch in deiner Hand— Des Auges wilder Blick— Die Verwirrung— ich errathe— Bube! Du warſt Adolfs Moͤrder! Die Schweden. Ja, ſein Mörder! Die Landleute(zurückſchaudernd). Er— ein Mörder! Oswald(kalt). Mögt ihr's glauben— meinetwegen! Axel, die Schweden und die Landleute im Chor. Fort mit dem Mörder! Auf! Hinweg! Zum Strafgericht, zum Tod! Fluch deiner That, Fluch, Moͤrder, dir! Nur Blut ſühnt deine Schuld. Oswald. Verachtung euch!— Hohn eurem Droh'n! Mich tödten— Thorenwahn! — 222— Was wollt ihr dem, den Höllenmacht Zum Opfer ſich geweiht? (Die Schweden haben den Oswald feſtgepackt. Alle tu⸗ multuariſch ab.) Dritter Aufzug. Zimmer in Falks Hauſe. Erſte Scene. Clärchen(allein).(Recitativ.) Zwiſchen Bangen, zwiſchen Hoffen Zagt mein Herz. Himmelsmacht! Du ſchützeſt treue Liebe, Neige huldreich dich der meinen hin. Du haſt ihn geſandt, Den ich nimmer aus dem Herzen Nun verbannen kann und mag. Ja! du wirſt mich nicht verlaſſen, Du wirſt ſchützen, retten, helfen, Weihen das erſehnte Band. 3 Arie. Dir vertrau' ich! Deine Botin, Hoffnung, gibt mir ſanften Troſt. — 223— Fliehe, Klage! Strahle, Freude, In's bewegte Herz hinab. Himmelsmacht, du biſt gewaltig, Allles iſt dir unterthan. Leiden wandelſt du in Freuden Und das Mißgeſchick in Heil. Lenkſt du doch das Band der Welten Und ich ſollte dir mißtrau'n? Du wirſt ſchützen, retten, helfen, Weihen das erſehnte Band. O nahet bald, ihr ſchönen Stunden, Ihr Tage des gehofften Glücks! Mit eurem Frieden, euren Wonnen, Mit aller ungetrübten Luſt. Laß, Adolf, mich nicht länger harren, O kehr' zurück an dieſes Herz, Zur Heimath, die dir Liebe bietet, Zum Hafen, wo die Ruhe wohnt. Und ſelbſt mein Vater— ach! Sein Zürnen Es muß in Milde übergehn Wenn er erkannt, daß uns die Liebe, Daß uns die Himmelsmacht beſchützt. Ja, Glück, das einzig mir mein Leben Mit reichen Blüthen ſchmücken kann, Dich wird die Himmelsmacht mir ſpenden: Vereint mit Adolf find' ich dich. — 224— Zweite Scene. (Die Vorige. Röschen, Falk.) Röschen. Ja, Herr Ohm, Ihr hättet es beſ⸗ ſer überlegen ſollen! Einen ſchmucken Burſchen wie Adolf, auf deſſen Redlichkeit Ihr Euch verlaſſen konntet, der überdem den großen Vorzug hat, daß ihn Clärchen gern ſieht, hättet Ihr nicht ſo kurz abweiſen ſollen! Falk. Schweig, vorwitzige Dirne! Weiß der Himmel, wie leid mir's thut, wenn ihm ein UÜbel begegnet wäre! Clärchen(ſchüchtern). Habt Ihr denn noch nichts Näheres erfahren— o Himmel! laßt mich es wiſſen, ſollten auch alle meine Hoffnungen dar⸗ über untergehn! Falk(ſie theilnehmend anblickend). Armes Kind! Man hat keine Spur von Adolf. Clärchen(haſtig). Und der Fremde— Falk. Er ſteht in einem ſchrecklichen Ver⸗ dachte— die Zukunft wird die Wahrheit entdecken. Clärchen(bei Seite). O daß Adolf meine Warnung nicht beachtete! Röschen. Aber immer noch begreife ich Euer Benehmen gegen Adolf nicht, Herr Ohm! Ihr ſeyd — 225— ſonſt immer großmüthig, ohne Geiz— und grade dieſesmal— Falk. Ich will mich rechtfertigen. Nicht vor dir, du zudringliche Fragerin; aber vor dir, meine gute Tochter. Röschen(bei Seite.) Der Herr Ohm iſt un⸗ gnädig. Mir eins! Wenn ich nur die ſaubern Gründe erfahre. Falk(zu Clärchen). Du weißt, daß ich dieſes Gut, mit allem was dazu gehört, den Feldern und Waldungen und dem alten Schloßgemäuer da oben der Gunſt meines ehemaligen Herrn, des Grafen Robert, verdanke, der mich auf dem Sterbebette zu ſeinem Erben einſetzte. Clärchen. Ich weiß es. Röschen. Das iſt eine alte Geſchichte! Falk. Aber das iſt dir unbekannt, daß der Graf einen Sohn hatte, der als zweijähriges Kind auf eine ſeltſame Weiſe verſchwand. Clärchen. Wie? davon ſpracht Ihr noch nie! Falk(mit einem Blick auf Röschen). Auch würde ich nie davon geſprochen haben, wenn ich nicht den Vorwurf der Härte und Habſucht von mir zurückweiſen wollte. Röschen(bei Seite). Verſtanden, Herr Ohm! Falk. Dieſer Knabe wurde von zwei treuloſen 15 Dienern des Grafen geraubt. Der eine von ihnen war ein tückiſcher Böſewicht, vor dem ich den Gra⸗ fen immer vergebens gewarnt hatte; der andere, Curt, wurde von jenem wahrſcheinlich zu der Fre⸗ velthat verführt. Eine gerechte Strafe, der Graf Robert ſie unterworfen hatte, mochte der erſte An⸗ laß zu dem Verbrechen geweſen ſeyn. Genug! al⸗ lenthaben forſchte man nach dem Knaben und ſei⸗ nen Räubern, aber keine Spur ward entdeckt. Clärchen. Wie— wenn er noch lebt? Falk. Das könnte recht wohl ſeyn und er mit einemmale auftreten und das Erbe ſeines Va⸗ ters von mir verlangen. Als redlicher Mann würde ich es ihm zurückgeben— aber, ich wäre ein Bett⸗ ler, du— Clara— eine Bettlerin! Deshalb kann ich nur, deines eignen Glückes wegen, dich einem Vermögenden zur Frau geben. Röschen. Hm! Es wäre möglich, daß Adolf noch heute als ein reicher Mann vor Euch erſchiene und ſpräche: da iſt Gold, Herr Falk, willigt Ihr nun ein? Falk. Du fabelſt. Clärchen. Nöschen! welcher unzeitige Scherz. Röschen. Etwas mehr als Scherz! Ihr ſelbſt, Herr Ohm, habt uns oft erzählt, daß der ſelige Graf an das Daſeyn eines Schatzes in dem verfallenen — 227— Schloſſe geglaubt, ja ſelbſt durch alte Urkunden et⸗ was Beſtimmtes davon gewußt habe. Falk. Nun— und was weiter? Röschen. Hauptmann Axel meint, Adolf ſey ausgezogen um den Schatz zu heben. Wenn ihm nun das geglückt iſt, wenn er ſich nun wäh⸗ rend der Nacht im Walde verirrt hätte, und jetzt mit dem großen Reichthume zurückkäme— Falk. Unbeſonnene! Wäre dann nicht auch der Schatz das rechtmäßige Eigenthum von NRo⸗ berts Sohn, im Falle er ſich auffände? Und wel⸗ ches tolle Wagſtück! Solche gefeyte Schätze werden von böſen Mächten gewahrt, und nur dem ausge⸗ liefert, dem ſie beſtimmt ſind. Clärchen. O Himmel— gewiß hat ihn bei dem Unternehmen ein Unheil betroffen. Nur ſchlim⸗ mere Ahnung, kein milderer Troſt ſiedelt in meiner Bruſt! 7 Ter zett. Clärchen. Trübe Ahnung! Herzenszwang, Der ſo ſchwer und unerkennbar In dem Innern lebt und waltet, Weiche! Laß die Hoffnung ein! Doch birgt vielleicht dein Schleier Mir Schreckliches, dann weile! 15* Und ſink', eh' ich es ſchaue, Mein Leben hin in Nacht. Röschen. Ha, verwünſcht! Was ich gehofft, War ein Wahn, ein eitles Träumen! Hätt' ich's nur dem Ohm verſchwiegen! Thörin! daß ich's offenbart. Doch mag ich nicht verzweifeln, Sie noch beglückt zu wiſſen. Ja, Adolf kehret wieder, Auf andre Weiſe reich. Falk. Welcher Schmerz! Geliebtes Kind, Daß ich deines Herzens Wünſche Zu erfüllen nicht vermag, Glaub': ich theile deinen Gram. Verzweifle nicht! Die Zukunft Bringt dir vielleicht noch Wonne. Ein Troſt, des Vaters Liebe, Bleibt ewig dir gewiß. (Alle drei ab.) Dritte Scene. (Verwandlung. Freier Platz. Zur linken ſtehn noch einige Zelte, mit deren Abnahme ſchwediſche Soldaten be⸗ ſchäftigt ſind. Mehr hinten auf derſelben Seite — 229— einige Bauernhäuſer. Rechts Waldung, ein einzeln ſtehender Eichbaum auf der Bühne. Im FHinter⸗ grunde bergigte Gegend, hoch über einer Felſen⸗ kluft, zwiſchen der ein Waldſtrom herabrauſcht, eine hölzerne Bogenbrücke. Ganz vorn ſind ſchwediſche Jäger in der Reinigung ihrer Waffen begriffen.) Chor der Schweden. Auf! Wir müſſen weiter, Wo der Krieg hin ruft. Kampf iſt unſre Freude, Beute unſre Luſt. Drum drauf und dran Und ſtets voran! Du Dörfchen, das uns treu gepflegt: Leb' wohl! Leb' wohl! Friſch! Zerreißt die Bande, Die ihr hier geknüpft. Stets winkt dem Soldaten Neues Liebesglück. Drum drauf und dran Und ſtets voran! Hat einer ein Schätzchen ſich angeſchafft: Leb' wohl! Leb' wohl! (Die Zelte ſind weggebracht. Die Jäger hängen Büch⸗ ſen und Ranzen über.) — 230— Vierte Scene. (Die Vorigen. Axel.) Axel(ernſt). Iſt Alles zum Aufbruche bereit? Ein Jäger. Es ward Alles geordnet, wie Ihr befohlen. Axel. Keine Kunde von Adolf? Ein Jäger. Der Wald wurde vergebens durchſucht. Wir fanden nichts. Axel(finſter). Hm! Wenn ich fort müßte, ohne eine weitere Nachricht von ihm—(Zu einigen Jägern.) Führt den Gefangenen her!(Mehrere Jäger ab.) Vielleicht gelingt es mir von ihm ein Geſtändniß zu erhalten. Sein Betragen iſt ſo räth⸗ ſelhaft, ſeine Rede ſo unbeſtimmt, daß die ſeltſam⸗ ſten Zweifel ſich erheben— Doch ruhig! Er kommt. Fünfte Scene. (Die Vorigen. Oswald unter Bedeckung. Auf einen Wink des Hauptmanns ziehn ſich die Jäger in den Hintergrund.) Axel. Wie nennt Ihr Euch? Oswald(frech). Das mögt Ihr errathen. Axel. Euer Gewerbe? — 231— Oswald. Thoren in ihren eigenen Netzen zu fangen. Axel(gereizt). Nicht dieſen Trotz! Oder bei meinem Schwerdt! in einer Stunde hängt Ihr am höchſten Baume dieſer Gegend, den Raben zur Speiſe. Oswald. In einer Stunde?— Bis dahin wird Euch ein andrer die Mühe ſparen.(Unruhig bei Seite.) Die Friſt verlauft, Hölle du biſt ſchnell! Ein Eisſtrom rinnt durch mein Herz. Axel. Geſteht, was iſt aus Adolf geworden? Er war geſtern Abends ſpät in Eurer Geſellſchaft. Oswald. Seyd Ihr deſſen ſo gewiß? Axel. Falks Tochter ſah Euch mit ihm. Oswald(aufgeregt bei Seite). Ha!— Falk— Noch ein Werk iſt mir übrig! Den Heuchler ent⸗ larven, das unrechtmäßige Gut ihm entreißen— (laut). Bringt mich mit Falk zuſammen, aber ſo⸗ gleich. Dann, verſpreche ich Euch, will ich wichtige Entdeckungen machen, Entdeckungen, die den alten Falk aus ſeiner Ruhe aufrütteln und ſeltſame Dinge an's Licht bringen ſollen. Axel. Was kann das ſehn? Ich muß Alles verſuchen, um auf eine Spur von Adolf zu kommen. (Er winkt einem Jäger, mit welchem er leiſe ſpricht. Der Jäger ab.) — 232— Oswald G(für ſich). Schmerzhafte Gluthen rinnen durch mein Gehirn! Sey ſtark Oswald! Gehe deiner würdig unter. Terzet l. Oswald. Eis im Herzen! Gluth im Haupte! Dunkle Macht, du trittſt mir näher. Axel. Hoffe nimmer, mich durch Ränke Zu umgarnen! Böswicht, zittre! Oswald. Ich vor dir? Faſt möcht' ich lachen! Axel. Vor dem Frevel, den du übteſt. Oswald. Nahſt du ſchrecklich mir, Verderben, Gönn' noch, eh' du mich zermalmſt, Mir der Rache ſüße Luſt! Axel. Mußte Adolf durch dich ſterben, Gibt die Strafe deiner That Mir der Rache ſüße Luſt. Oswald. Fort, blut'ge Bilder, aus dem Innern, Von Raub und Mord! Schweig du, Vergangenheit! — 223— Axel. Wie ſeltſam ſtarrt ſein Blick! Die Züͤge Verzerren ſich faſt grauenhaft. Oswald. Muth! Schreite kühn entgegen Der Pein, die deiner harrt! Ich— zagen? Nimmer! Hölle: Heran zum letzten Kampf! Axel. Ja! Ihm bringt das Bewußtſeyn Der Schuld jetzt Pein und Qual! Ich werde richten ſtrenge, Wie Herz und Pflicht gebeut. (Der abgeſchickte Jäger kehrt zurück und ſpricht leiſe mit Axel.) Axel. Bereitet Euch auf Falks Ankunft. Er wird im Augenblicke erſcheinen. Oswald(bedeutend, indem er zum Himmel blickt, der ſich mit dunklem Gewölk überzieht.) Wenn er nur kommt, ehe es zu ſpät wird.(Für ſich.) Die blutigen Bilder der Vergangenheit ziehn immer dräuender durch mein Innres.— Ihre Zahl ver⸗ mehrt ſich.— Um mich her wird es dunkel.— Das Reich der Finſterniß beginnt.— Axel. Schaut auf! Dort naht ſchon Falk! — 234— Mit ihm die Dorfbewohner, um Zeuge Eures Ge⸗ richts zu ſeyn. Oswald(ſich ermannend). Mögen ſie! Erſt Falks, dann mein Gericht! Axel. Räthſelhaft! Sechſte Scene. (Axel, Oswald, Schwediſche Jäger, Falk, Clärchen, Röschen, Landleute beiderlei Ge⸗ ſchlechts.) Finale. Falk(indem er den Oswald erblickt und betroffen zurückfährt). Ha! Was ſeh' ich? Oswald— du! Oswald. Du erkennſt mich— bebſt— erbleichſt! Alle(auſſer Falk und Oswald). Wie— Oswald— was iſt das? (Auf Falk.) Er zittert— er erbleicht. Falk Gzu Oswald). Du zitterſt ſelbſt.— Des Frevels Strafe Erwartet dich an dieſer Stätte. (Ferner langſam verhallender Donner.) Oswald(in ſich gekehrt und ſchaudernd). Der erſte Ruf der Höllenmächte! Doch Muth! Zur That! Fort jedes Zagen! — 235— Clärchen. Ach! Was wird ſich offenbaren? Trifft's den Vater? Trifft es Adolf? Röschen und Axel. Ha? Was wird ſich offenbaren, Trifft's den Oheim? Trifft es Adolf? es ihn? Trifft es den Adolf? Chor der Schweden und Landleute ſich näher drängend). Welche Räthſel! Laßt uns hören! Oswald. Vernehmt denn alle! Dieſer Falk, Der als ein Ehrenmann hier gilt, Iſt ein Betrüger— Falk(heftig). Bube, ſchweige! Axel. Du lügſt! Noch einmal läſtre ihn— Mein Schwerdt macht dich verſtummen. Clärchen. Des Vaters Blick— ſo ſtarr Sein Antlitz blaß— Was wird das werden. Röschen. Des Oheims Blick— ſo ſtarr Sein Antlitz blaß— Was wird das werden. Chor der Schweden und Landleute(wild). Nieder mit dem Lügner! Mit dem Sünder nieder! (Der Himmel verfinſtert ſich mehr und mehr. Blitz und Donner.) Oswald(für ſich). Höllenpein verzehrt mein Innres! Durch das Mark rinnt Flammenglut, Durch die Adern Eiſesſchauer— Reue—(mit dem Fuße ſtampfend) Nein— bei'm Teufel, nein! Ich bereu' nichts, was ich that. (Zu den andern.) Ich lüge nicht!— Fragt ihn nur ſelbſt Ob er dies Gut mit Recht beſitzt. Falk. Sprich weiter, Knabenräuber! Oswald(höhniſch). Ganz recht! ich raubte Roberts Sohn; Doch wiſſe, Falk, zu deiner Schmach: Des Grafen Sohn— er lebt. Falk, Clärchen und Röschen. Hal er lebt! — 237— Axel, die Schweden und die Landleute. Ein Sohn des Grafen? Oswald. Dieſes Wort— es hat gezündet: Haß und Abſcheu wird ihn treffen. (Zum Himmel ſchauend.) Himmelsauge, ſchwarz umhüllt, (Niederblickend und ſchaudernd, als ſähe er etwas Gräßliches.) Höllenauge aufgethan, Meine Schritte zu bewachen— Wohin fliehn— wohin entrinnen? Clärchen, Röschen und Falk. Was er ahnte i— ſ9 ahnte iſt geſchehn Himmel! du haſt es geordnet, Du gebeuſt und wir gehorchen, Ja! Entſagung iſt hier Pflicht. Axel, die Schweden und Landleute(auf Oswald). Ha! Du willſt nur Zeit gewinnen: Sprich! Von Adolf gib uns Kunde! Oswald(im Vorgrunde wild umherirrend). Hölle im Innern— Hölle von Außen— (Das Gewitter verſtärkt ſich. Zu den andern.) Kunde von Adolf— eitles Verlangen! — 238— Falk(den Oswald bei der Hand ergreifend und ihn feſt anblickend). Führ' mir den Sohn des Grafen her! Was ich ihm ſchulde, will ich zahlen, Verwaltet hab' ich nur ſein Gut. Oswald(betroffen). Wie— du wollteſt— Falk. Führ' ihn her! Oswald. Ha! Unmöglich— Falk. Alſobald! Clärchen und Röschen. Welcher Wechſel! Wird aus ihm Unheil oder Heil entſtehn? Falk. Schickſal! Was du mild geſchenkt, Gerne geb' ich es zurück,. (Sehr heftiger Blitz und Donner.) Oswald(zu den andringen Schweden und Landleuten). Hinweg! Laßt ab von mir! Verzweiflung, Pein, Entſetzen— Die Hölle wühlt in mir. ——— — 239— Chor(von Axel, den Schweden und den Landleuten). Jetzt fort mit jeder Ausflucht! Geſtehe: wo iſt Adolf— Wo iſt der junge Graf? (Alle haben mit drohenden Gebärden Oswald umringt.) Siebente Scene. (Die Vorigen. Der Greis drängt ſich mit Adolf an der Hand durch die Menge in den Vorgrund.) Clärchen(Adolf erblickend ihm entgegen). Ha, Adolf! Axel. Freund! Röschen. Er iſt's. Falk, die Schweden und Landleute. Willkommen! Sey gegrüßt! Oswald(für ſich). Kommt noch dieſer, zu vermehren Meines Innern Höllenqual! Und— verdammt! An ſeiner Seite Curt, mein alter Naubgenoſſe! Adolf(zu Clärchen). Frohe Nachricht, theure Clara: Wunderbares iſt geſchehn. — 240— Falk(den Greis ſinnend anblickend). Ha! Wie ſcheinen wohlbekannt, Mir doch jenes Greiſes Züge! Der Greis. Graf Roberts Sohn, nach dem ihr forſcht— Er ſteht hier vor euch—(Auf Adolf deutend.) Dieſer iſt's. (Fortwährendes ſehr ſtarkes Gewitter.) Alle(außer Oswald und Adolf.) Wie— Adolf— er— Der junge Graf? Oswald. Das wäre mehr, Als Höllenpein! Der Greis(auf Oswald deutend). Von ihm verführt, In dunkler Nacht Raubt ich das Kind— Falk. Ha! Du biſt Curt. Oswald(heftig zu dem Greis). Fluch dir, du Thor. Chor. Still! hört auf ihn! Sprecht, Alter, fort! — 241— Der Greis(auf Oswald). Ihn ließ ich ziehn, Den Knaben übergab ich Zur Pflege einem Bauernweib. Fort trieb mich des Gewiſſens Pein, Furcht vor des Grafen Zorn. Jetzt komm' ich wieder gut zu machen Und find', o Heil! zum Manne ihn gereift. (Er zeigt auf Adolf.) Chor. Heil ihm! Heil dem jungen Grafen, Heil, dem Sohn des beſten Herrn! Clärchen(bei Seite). Weh mir! Nicht geahntes Leiden Dringt auf's Neue in mein Herz! Röschen q(zu Clärchen). Kind, ſey heiter! Herrlich gehen Deines Glückes Blüthen auf. Oswald(ſchwankend und ſich an den Eichbaum lehnend). Die Friſt iſt um— es ſchwinden meine Sinne— Sie triumphiren— Nein!— Noch ein Verſuch— Schon greift die Hölle— Muth zur letzten That! (Immer heftiger rollender Donner. Oswald nimmt alle ſeine Kraft zuſammen. Er hält ſich mit der rech⸗ ten an dem Baum und deutet mit der andern auf Adolf: dann laut zu Allen.) III. 16 — 242— Des Grafen Sohn wär' er? Er iſt es nicht! Ich ſchwör's: So Gott mir helfe! (Furchtbarer Donnerſchlag. Ein Blitzſtrahl fährt in die Eiche, zerſchmettert ihre Äſte und ſetzt ſie in Brand. Oswald ſtürzt zu Boden.) Chor. Entſetzen! Weh! Der Greis. Des Meineids Strafe! Oswald. Verdammniß— Hölle— dein! Fluch euch— Euch allen Fluch! (Er ſtirbt.) (Der Donner ſchweigt und der Himmel heitert ſich nach und nach, aber ſchneller als gewöhnlich, wieder auf.) Chor. Furchtbarer Anblick, du, O Tod des Böſewichts! Meineid die letzte That, Das letzte Wort ein Fluch! (Auf einen Wink Axels wird hinter den vorſtehenden Schweden die Leiche Oswalds weggebracht.) Der Greis(den Ärmel von Adolfs Kleid zurück⸗ ſchlagend, zu Falk). 3 Dir bekannt iſt dieſes Maal? — 243— Falk. Ha! Kein Zweifel. Roberts Sohn. Adolf. Und der Eure— wenn Ihr wollt! Indem er ein Käſtchen an Falk übergibt.) Dieſer Schmuck, den Schatz der Ahnen, Den das Schickſal mir beſtimmt, Macht mich reich: drum werb' ich kühn Um der Tochter Hand bei Euch. Axel(ihm die Hand drückend). Braver Freund! Falk(überraſcht). Wie, mein Herr?— Das Gut iſt Euer— Ich bin Euer Diener jetzt. Adolf. Was iſt jedes Gut der Erde! Ohne Claren gib'ts kein Glück. Clärchen(bei Seite). Ha! Selige Ahnung erfüllt dich, o Herz! Nach Leiden, nach Bangen, naht Wonne, naht Heil. Röschen(zu Clärchen). Ha! Selige Ahnung erfüllt jetzt dein Herz, Nach Leiden, nach Bangen, naht Wonne, naht Heil. 16*½ — 244— Falk(Clärchen dem Adolf zuführend). So nehmt ſie hin mit meinem beſten Segen. Clärchen, Adolf, Röschen. Innig erſehnte, Selige Banden Schlingen nun endlich Sich um die Herzen. 29 zu beſitzen, Himmliſche Wonne! Iſt ihnen Dich lücken, Sich zu beglücken Streben und Luſt! Iſt ihnen u Falk. Glücklich vollendet Was trüb begonnen! Segen der Stunde, Die das gebracht. Sich zu beſitzen, Iſt ihnen Wonne, Sich zu beglücken, Iſt ihnen Luſt. Axel Gu den Jägern). Auf, Freunde, uns ermahnt die Pflicht! Zum Aufbruch! Friſch in's Feld! —- 245— (Axel zieht mit den Schweden in geordneter Reihe langſam dem Hintergrunde zu und den Felſenpfad nach der Brücke hinauf.) Chor der Landleute. Dem jungen Brautpaar Glück in's Haus! Ein frohes Lebehoch! Den Stürmen folgt der Sonnenſchein, Dem Leid ein Freudentag. (Die Schweden bedecken die Berge und die Brücke im Hintergrunde. Arel ſteht in der Mitte der Brücke und breitet die Arme nach Vornen aus.) 1 Schlußchor. Die Schweden. Lebt wohl! Wir ziehn dem Schwedenhorn Durch Feld und Auen nach. Kann ſeyn, wir kehren einſt zurück: Auf frohes Wiederſehn! Die Landleute. Ihr eilt vom heitern Feſte weg, Lebt wohl! Glück ſey mit euch! Wir rufen froh noch einmal aus, Das Brautpaar lebe hoch! Der Vorhang fällt. — In demſelben Verlage ſind folgende empfehlenswerthe Schritten erſchienen und um beigeſetzte Preiſe durch alle ſolide Buch⸗ handlungen zu beziehen. Abraham a Santa Clara, Merk's! Ein curiöſes Memento fur alle Stände aller Or⸗ ten. Zur Ergötzung der heutigen Leſewelt wieder an's Licht geſtellt durch Dr. Hein⸗ mar. Mit dem Billdniſſe des Verfaſſers. Geh. Rthlr. 1. oder fl. 1. 45 kr. —— Auch eine Heerpredigt wider den Tür⸗ ken, oder: Auf, auf, ihr Chriſten! Das iſt: eine bewegliche Anfriſchung der chriſtlichen Waffen wider den türkiſchen Erbfeind, in Eil' ohne Weil' zuſammengetragen. Geh. 21 gr. oder fl. 1. 30 kr. Es ſind dies zwei der witzigſten Schriften von Abraham a Santa Clara, und zwar diejenigen, welche ſeit hundert Jahren nicht wieder hervortraten, und die hier nach der erſten Ausgabe als ein zuſammenhängendes Ganze in lesbarer Erneuerung erſcheinen. Adrian, Dr., Bilder aus England. Zwei Theile mit 6 Kupfrn. Rthlr. 3. 12 gr. od. fl. 6. —— Stizzen aus England. Zwei Bände. à Rthlr. 1. 18 gr. oder fl. 3. Die Halliſche, Jenaiſche und Leipziger Lite⸗ ratur⸗Zeitungen, das Berliner Converſations⸗ blatt, die Blätter für literariſche unterhal⸗ tung, Heſperus u. A. haben ſich über dieſe Werke auf das Vortheilhafteſte ausgeſprochen. Das ausgezeichnete Darſtel⸗ ler⸗Talent, die leichte, lebendige Schilderungsgabe des Ver⸗ faſſers, der reizende Wechſel der Gegenſtände, das Intereſſe, das den Leſer vom Anfang bis zum Ende feſſelt, und der elegante Styl ſowie die Wahl der Gegenſtände, die treue, ſtets aus dem Leben gegriffene Darſtellung des anziehenden Landes, in welches uns der Verfaſſer einführt, in welchem er uns heimiſch macht, die liebenswürdigen und wunderlichen Charaktere, mit denen er verkehrt und die er ſo treffend ſchildert,— alles das ſind Vorzüge, welche die eben ſo un⸗ terhaltenden, als lehrreichen Bilder und Skizzen aus England auszeichnen und ihnen in gebildeten Kreiſen einen ſo großen Beifall gewonnen haben. Adrian, Dr., neueſtes Gemaͤlde von London und ſeinen Umgebungen. Handbuch für Rei⸗ ſende nach London. Mit einem Wegweiſer von Frankfurt am Main über Mainz, Cob⸗ lenz, Köln, Nymwegen und Rotterdam nach London, ſodann von London über Harwich nach Hamburg, über Oſtende nach Brüſſel und über Dower und Calais, Brighton und Dieppe nach Paris.— Beigegeben iſt: Eine Reiſekarte, der Plan und das Panorama von London, ſowie eine Karte der Umgebungen von London. In Etui geb. Rthlr. 3. 4 gr. od. fl. 5. 30. —— Die Prieſterinnen der Griechen. Geh. 18 gr. oder fl. 1. 12 kr. Der Gegenſtand, den der als Schriftſteller rühmlichſt bekannte Verfaſſer in dieſem Werke behandelt, iſt zu anzie⸗ bend und wichtig, als daß es einer empfehlenden Anzeige bedürfte, um daſſelbe in den Kreiſen der Gelehrten und Ge⸗ bildeten einzuführen. 3 Auffenberg, Freiherr von, der Renegat von Granada. Dramatiſches Nachtgemaͤlde in 5 Ab⸗ theilungen. Rthlr. 1. 18 gr. oder fl. 3. Byron, Lord, ſämmtliche Werke, herausgege⸗ ben von Dr. Adrian. Mit dem Bildniſſe des Verfaſſers, einem Faeſimile ſeiner Hand⸗ ſchrift und einer Anſicht von Newſtead⸗Abtey. Geh. Auf geglättetem Velinpapier Rthlr. 8. 12 gr. oder fl. 14. Auf weißem Druckpapier Rthlr. 6. 18 gr. oder fl. 11. Dieſe Ausgabe iſt vollſtändiger, ats irgend eine bis jetzt in engliſcher Sprache erſchienene, und mit der größ⸗ ten Sorgfalt, mit Sachkenntniß und Geſchmack von einem Vereine rühmlichſt bekannter Männer ausgeführt; keinerlei Rückſicht konnte das Auslaſſen auch nur einer einzigen Stelle bedingen. Obgleich nun dieſelbe um 15 Octavbogen ſtär⸗ ker wurde, wird dennoch vorerſt der äußerſt bil⸗ lige Subſcriptionspreis beibehalten. Die vorzüglichſten kritiſchen Blätter haben ſich über dieſe Ausgabe auf das Vortheilhafteſte ausgeſprochen. Eine ausführliche Beurtheilung in der Halliſchen Lit. Zei⸗ tung(1832. 195] beginnt: „Wir ſehen hier ein Unternehmen vollendet, in wel⸗ chem die univerſalität des Geiſtes unſerer Sprache einen ihrer glänzendſten Triumphe feiert. Wie möchte auch der Franzoſe oder der Italiener die kühne Kraft des engliſchen Dichters wiederzugeben vermögen, wie den freien Schwung ſeines Geſanges, die Tiefe zerreißender und verſöhnender Gefühle, die verwegene Bildung der Sätze und einzelner Worte, die tauſend bedeutungsvollen Nüancen, welche By⸗ ron gleichſam tändelnd, aber nie ohne Abſicht und Be⸗ wußtſeyn, hinwirft?« Catullus, uͤberſetzt von Conrad Schwenck. Anhang: Sechſter Geſang der Odyſſee. Auf Velinpapier Rthlr. 1. oder fl. 1. 48 kr. Auf Druckpapier 16 gr. oder fl. 1. 12 kr. Cooper's ſämmtliche Werke, 75 Bändchen. Geh. Ausgabe auf Druckvelinpap. Rthlr. 13. 16 gr. oder fl. 21. 24 kr. Auf Druckpapier Rthlr. 9. 2 gr. oder fl. 14. 36 kr. Dieſelben enthalten: Der Spion.— Der Letzte der Mohikaner.— Die Anſiedler.— Der Lootſe.— Lionel Lincoln.— Die Steppe.— Der rothe Freibeuter.— Die Nordamerikaner.— Die Grenzwohner.— Die Waſſernixe. — Der Bravo.— Die Heidenmauer. Delavigne, eine Pariſer Woche, deutſch und franzöſiſch. Geh. 8 gr. oder 36 kr. Döring, Georg, Tage der Vorzeit. Drama⸗ tiſches Gedicht in vier Darſtellungen, aus der Geſchichte der freien Stadt Frankfurt. 1. Die Gründung. 2. Der Kaiſerſitz. 3. Die Wahl⸗ ſtadt. 4. Guſtav Adolphs Abſchied von Frank⸗ furt. Cartonirt Rthlr. 1. 8 gr. od. fl. 2. 15 kr. —— Stimmen des Lebens. Drei Erzählun⸗ gen. Rthlr. 1. 16 gr. eder fl. 2. 48 kr. —— Sonnenberg. Eine Novelle in 3 Thei⸗ len. Geh. Rthlr. 4. 20 gr. oder fl. 8. 24 kr. —— die Mumie von Rotterdam. Eine No⸗ velle. 2 Theile. Geh. Rthlr. 3. 4 gr. oder fl. 5. 30 kr. —— der Hirtenkrieg. Novelle in 3 Theilen Geh. Rthlr. 4. 20 gr. oder fl. 8. 24 kr. —— das Kunſthaus. Novelle in 3 Theilen. Geh. Rthlr. 4. 20 gr. oder fl. 8. 24 kr. —— van Speyk. Ein Heldengedicht. Geh. 9 gr. oder 40 kr. —— Novellen. 4 Theile. Ausgabe auf Velinpapier Rthlr. 6. oder fl. 10. 48 kr. Ausgabe auf Druckpap. Rthlr. 5. od. fl. 9. —— das Opfer von Oſtrolenka. Novelle in 3 Theilen. Geh. Rthlr. 4. 20 gr. od. fl. 8. 24 kr. —— Roland von Bremen. Novelle in 3 Thei⸗ len. Geh. Rthlr. 4. 20 gr. oder fl. 8. 24 kr. —— Phantaſtegemaͤlde. 5 Jahrgänge. 1829 bis 1833. Jeder Jahrgang mit einem Titel⸗ kupfer von Fleiſchmann. Geb. à Rthlr. 1. 12 gr. oder fl. 2. 45 kr. Dieſe Dichtungen des berühmten Herrn Verfaſſers ha⸗ ben ſich des außerordentlichſten Beifalls nicht allein von Deutſchland, ſondern auch theilweiſe von England und Frankreich, wohin ſie talentvolle Ueberſetzer verpflanzt, zu erfreuen. Mit Recht nennen ihn kritiſche Blätter den deut⸗ ſchen Cooperz denn wie er gleich dieſem genialen Schrift⸗ ſteller einen Reichthum der Erfindung entfaltet, eine ſcharfe Charakteriſirung in allen Individuen aufſtellt, ſo gelingen ihm auch ebenſo die Schilderungen von Naturſcenen, die Darſtellungen reizender und romantiſcher Lokalitäten, mit allen dichteriſchen Details, welche dazu beitragen, ein Bild zum Kunſtwerke zu erheben. Daß die reinſte Moralität in allen ſeinen Dichtungen vorherrſche, und ſie deshalb ohne Anſtand jeder Jungfrau in die Hand gegeben werden kön⸗ nen, iſt allgemein anerkannt. Edgeworth, Maria, die Goͤnnerſchaft. Aus dem Engliſchen von Louiſe Marezoll. 4 Theile. Rthlr. 4. 12 gr. oder fl. 7. 48 kr. Dieſe Novelle der allgemein beliebten Verfaſſerin hat ſich des ungetheilten Beifalls zu erfreuen gehabt. Erholungsſtunden. Eine Zeitſchrift für gebildete Leſer. 2ter und 3ter Jahrgang, 1829 und 30. Herausgegeben von Georg Döring. Herabgeſetzter Preis eines jeden Jahrgangs Rthlr. 2. oder fl. 3. 36 kr. —— Eine Zeitſchrift für gebildete Leſer. Von Georg Döring. 4ter bis 6ter Jahrgang, 1831— 33. à Rthlr. 5 oder fl. 8. Dieſe Zeitſchrift, welche ſeit einer Reihe von Jahren ſich des Beifalls der gebildeten Leſewelt erfreut, wird wie bisher in monatlichen Heften erſcheinen. Die Redaktion der⸗ ſelben hat Herr Georg Döring übernommen.— Durch die ſorgfältige Auswahl, Prüfung und Anordnung dieſes ausgezeichneten und beliebten Schriftſtellers wird dem Pu⸗ blikum eine Zuſammenſtellung des Gediegenſten geboten, wie es ſich nicht leicht in einer andern Zeitſchrift finden dürfte. Zugleich bürgen auch die Namen der bisherigen Mitarbeiter: Adrian, Kruſe, Friederike Lohmann, Ph. von Mettingh, H. Moſengeil, Nänny, Rük⸗ kert, Schacht, Johanna Schopenhauer, Starkloff, Zſchokke und a. m. für die Tüchtigkeit dieſes Unternehmens. Evelina und Johanna, die Heldinnen des fuͤnfzehnten Jahrhunderts. Ein hiſtoriſcher Roman in 12 Büchern. 3 Theile. Rthlr. 2. 6 gr. oder fl. 3. 48 kr. Fiſcher, C. A„neue Kriegs⸗ und Reiſefahr⸗ ten oder romantiſche Kriegs⸗ und Lebensaben⸗ theuer. 2 Theile. Rthlr. 3. 12 gr. oder fl. 6. Dem allgemein geſchätzten Verfaſſer ſtand ein Schatz literariſcher Quellen des Auslandes zu Gebote, welche er auf ſeine bekannte anmuthige Weiſe verarbeitete und zum Eigenthum unſerer Literatur machte. Wenn ſeine früheren Kriegs⸗ und Reiſefahrten ſich durch Eleganz, Wärme und Wahrheit der Darſtellung auszeichneten, ſo verbindet dieſe neue Sammlung mit der Leichtigkeit und dem Glanz der Diction und der Treue der Ausführung noch das Anziehende, daß ſie Stoffe behandelt, die, allgemein menſchlich, und hi⸗ ſtoriſch betrachtet, von dem höchſten Intereſſe ſind. Fiſcher, C. A., Hyacinthen in meinem Ker⸗ ker gezogen. Rthlr. 1. oder fl. 1. 45 kr. Dieſe Hyacinthen ſind die erſte literariſche Production, welche der geiſtreiche Verfaſſer, ſeit 25 Jahren ein Liebling der gebildeten Leſewelt, nach ſeiner Befreiung aus der Feſte Marienburg in die Hände des Publikums gab. Gruner, G. A., Friedemann und die Seinen, oder das Gottesreich auf Erden. Ein Fami⸗ lienbuch zur Veredlung des häuslichen und bürgerlichen Lebens. 4 Theile. Geh. Rthlr. 3. 8 gr. oder fl. 6. — In dieſem Jahr ſind erſchienen: Adrian, Skizzen aus England. Zweiter Theil. Rthlr. 1. 18 gr. oder fl. 3. Aſchbach, Dr. J., Geſchichte Spaniens und Portugals zur Zeit der Herrſchaft der Almo⸗ raviden und Almohaden. Erſter Theil. gr. 8. Auf Druckpap. Rthlr. 2. 12 gr. od. fl. 4. 30 kr. Auf Velinpap. Rthlr. 3. od. fl. 5. 12 kr. Cooper, Fenimore, ſaͤmmtliche Werke. 76— 81 Baͤndchen. Der Scharfrichter von Bern. Anf Velinpap. Rthlr. 1. 4 gr. oder fl. 1. 48 kr. Auf ordin. Papier 18 gr. oder fl. 1. 12 kr. Döring, Georg, die Geiſelfahrt. Eine Er⸗ zaͤhlung aus dem vierzehnten Jahrhundert. 3 Bände. Rthlr. 4. 20 gr. oder fl. 8. 24 kr. —.— Tage der Vorzeit. Dramatiſches Gedicht in vier Darſtellungen, aus der Geſchichte der freien Stadt Frankfurt. 1. Die Gründung. 2. Der Kaiſerſitz. 3. Die Wahlſtadt. 4. Guſtav Adolphs Abſchied von Frankfurt. Cartonirt. Rthlr. 1. 8 gr. oder fl. 2. 15 kr. —— Erzählungen. 4 Theile. 8. Rthlr. 5. 8 gr. oder fl. 9. — dramatiſche Novellen. 4 Theile. Rthlr. 5. 8 gr. oder fl. 9. —— Erholungsſtunden. Zeitſchrift fuͤr gebil⸗ dete Leſer. Sechster Jahrgang 1833. 12 Hefte. Rthlr. 5. oder fl. 8. Duller, Eduard, Franz von Sickingen. Dra⸗ matiſches Gedicht in fünf Abtheilungen. 8. geh. Rthlr. 1. 8 gr. oder fl. 2. 20 kr. Friederich, Dr. G., Serena. Die Jungfrau bei und nach ihrem Eintritte in ldie Welt. Vierte umgearbeitete und verbeſſ. Auflage. 8. Auf ordin. Pap. Geh. Rthlr. 1. 21 gr. oder fl. 3. 20 kr. Cartonirt auf Velinpap. Rthlr. 2. 12 gr. oder fl. 4. 30 kr. Gersbach, A., Wandervögelein oder Samm⸗ lung von Reiſeliedern, uebſt einem Anhange von Morgen⸗ und Abendliedern. In vier⸗ ſtimmigen Tonweiſen. Zweite verbeſſerte Auflage. 12. geh. 16 gr. oder fl. 1. 12 kr. Kiltlitz, Kupfertafeln zur N. aturgeschichte der Vögel. 2tes und 3tes Heft. Rthlr. 2. oder fl. 3. 30 kr. Kupfersammlung zu Cooper's sämmtlichen Wer- Ken. Zweite Lieferung 16 gr. od. fl. 1. 12 kr. —= zu Washington Irving's sämmtlichen Werken. Zweite Lieferung 8 gr. oder 36 kr. Lautir⸗Buchſtabir⸗ und Leſe⸗Spiel für Kinder. Dritte verbeſſerte und vermehrte Auflage. In einem eleganten Käſtchen. 12 gr. oder 48 kr. Lips, F. W., ſämmtliche hiſtoriſch⸗romantiſche Erzählungen. 1r Bd. 8. Rthlr. 1. 16 gr. oder fl. 2. 48 kr. Nänny, J. C., Gedichte. Rthlr. 1. 6 gr. od. fl. 2. Der Name des Herrn Nänny iſt den Freunden der Dichtkunſt aus Taſchenbüchern und Zeitſchriften ein erfreu⸗ licher Klang geworden, der immer irgend ein aus der Tiefe der Gemüths⸗ und Phantaſiewelt geſchöpftes Product ankün⸗ digt. Vorzüglich aber ſind es heitre, liebliche Melodieen, die irgend eine gefühlvolle Anſchauung, eine poetiſche Er⸗ kenntniß des Lebens und der Natur enthalten, welche der Muſe des Herrn Nänny gelingen. Sie iſt ein reiches Kind, aber ihr Reichthum beſteht in Blumen und dieſe ſind wiederum einfache Blumen der Wieſe, traulich dem Herzen, wie dem Vaterlande, ein ſinniger Strauß für ſinnige Freunde der Poeſie. Oefele, Freiherr von, Bilder aus Italien. 2 Bände. Geh. Rthlr. 2. 20 gr. od. fl. 4. 48 kr. Wir dürfen dieſe Bilder, hauptſächlich der Wahrheit und Lebensfriſche wegen, die ſie karakteriſiren, empfehlen. Es ſind Erfahrungen, die der Verfaſſer unter dem reizenden Himmelsſtriche Heſperiens geſammelt, es ſind ſeine oft höchſt eigenthümliche Anſichten, in denen uns ſo Vieles ſchon vielfach Beſprochene wiederum neu erſcheint, es ſind Ergeb⸗ niſſe heitrer und romantiſcher Natur, welche hier in kecken Zügen, in warmen Localfarben zu Gemälden vereinigt wer⸗ den, die den Beſchauer anziehn, belehren und ergötzen. Offen und einfach, wie Yorick, erzählt der Verfaſſer, unabſichtlich zur Hauptfigur ſeiner Bilder werdend, in deren Weſen ſich die Menſchlichkeit mit ihren tauſendfachen Schattirungen ſpiegelt. Platen, Graf von, Geſchichten des König⸗ reichs Neapel von 1414 bis 1443. Rthlr. 1. 16 gr. oder fl. 2. 48 kr. —— die Liga von Cambrai. Geſchichtliches Drama in 3 Akten. geh. 12 gr. oder 54 kr. Shakspeare, William, The Plays. Vol. III. Containing: Hamlef, Prince of Denmark. 12. geh. 8 gr. oder 36 kr. Storch, L., die Intrigue. Eine Novelle in 2 Theilen. Zweite verbeſſerte Auflage. Rthlr. 1. 18 gr. oder fl. 3. 4 —— die Beguine. Hiſtoriſcher Roman aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. 3 Theile. Rthlr. 4. 20 gr. oder fl. 8. 24 kr. Taſchenbuch, Rheiniſches, auf das Jahr 1834. Mit 8 Stahlſtichen. Rthlr. 2. od. fl. 3. 36 kr. Dieſer neueſte Jahrgang empfiehlt ſich durch das An⸗ muthvolle der Beiträge ſowohl, als auch durch die künſtle⸗ riſche Ausſtattung. Das Titelkupfer zeigt uns einen unſrer vorzüglichſten Schriftſteller, Georg Döring. Die übri⸗ gen Kupfer behandeln Gegenſtände aus den Werken Lord Byron's, des erſten Dichters unſers Jahrhunderts. Sie ſind theils in England, theils von deutſchen Künſtlern ge⸗ fertigt und tragen alle das Gepräge der höchſten Vol⸗ lendung; einzelne derſelben ſind Meiſterwerke, wie ſie wohl noch nie vollendeter gebotrn wur⸗ ben. Der Verleger glaubt dem fortſchreitenden Geſchmack und den höchſten Anforderungen an eine ſolche literäriſche Gabe Genüge gethan zu haben. Walker, G., Anweiſung zum Schachſpi⸗ ar Die vorzüglichſten Spieleröffnungen und End⸗ ſpiele, nebſt einigen eigenthümlichen Stellun⸗ gen, und fünfzig ausgewählten Aufgaben ent⸗ haltend. Aus dem Engliſchen überſetzt und mit Anmerkungen begleitet von J. F. Schierek. Geh. 21 gr. od. fl. 1. 30. Der Ueberſetzer dieſes Werkchens hat allen Freunden des geiſtvollen Spiels durch ſeine Arbeit einen gewiß dan⸗ kenswerthen Dienſt geleiſtet. Nicht nur der Anfänger, der ſich belehren will, gewinnt hier raſch einen klaren und voll⸗ ſtändigen Ueberblick, ſondern auch der erfahrene Schachſpieler wird ſich mancher geiſtvoll entworfenen Spiele, mancher in⸗ tereſſanten Eröffnungen und Endigungen erfreuen. Der Ver⸗ faſſer hat auf Philidors Syſtem fortgebaut, allein auch an⸗ dere große Meiſter ſind nicht unbenutzt geblieben und was er ſelbſt aus eigenen Erfahrungen hinzuthut, gehört zu den ausgezeichnetſten Leiſtungen in dieſem Fache. Zschokke's popular history of Switzerland. From the German:— with the author's subsequent alterations of the original Work by W. Howard Howe. Cart. 12. Rthlr. 1. 18 gr. oder fl. 3. ——— 1e