·¶·[· auch in der wo immer geſelligen intereſſante ſelle Artöt vor; unſer zugeneigt, d Künſt⸗ Jach er DR Berorden keit ihrer ſeltene Studium enen Leiſtun⸗ „(in der tore) gleich n haben, r die Oper Zukunft Perſonale hinläng⸗ ſcheint et Mande Wahl mit fee zu treffen aitperſönlich Roden, die Publikum ung und Be⸗ ite Voturtheil jem bleiben; unſtudiren der r gehöligen n überwal Erinnerungen. TIlusftrirte Wlälter kürn Brnsi und Bumor. 82. Band.(Ein und vierzigſter Jahrgang.) Heft IX. 1 E TII 1 D 8 Louiſe Mennier. Von P. D. (Fortſetzung.) VII. Hhie Aufenthaltsſtunden, die ich in Avranches in einem Zimmer des Gaſthofes allein verbrachte, waren nicht darnach angethan, mich für die Weiterreiſe nach Dornets Plane zu begeiſtern. Die freie Luft, die ich athmete, machte mir Muth, und ich bedauerte, ihm nicht geſagt zu haben, daß ich lieber allein reiſen und ihn in Paris treffen möchte. Seine Ankunft unterbrach mein Hinbrüten. Er ſagte mir, er habe eben eine Halbkutſche angehalten, Erinnerungen. LXXXII. 1861. und, wenn ich wollte, könnten wir uns gleich auf den Veg machen. Ich muß jetzt noch lachen, wenn ich an den Eindruck der Worte„eine Halbkutſche“ denke. Ich hatte gerechnet, wir würden mit dem Abendomnibus nach Coutances reiſen und von da weiter über Saint⸗Loô und Bayeux. Als ich Dornet dieſes bemerkte, erwie⸗ derte er, er habe eben deßhalb auf den weitern Aufent⸗ halt bei Madame Savenay verzichtet, um mit mir dieſe Tour ſo zu machen. Das Reiſen in öffentlichen Wagen ſei immer beengend, man könne ſich gar nicht frei und ungenirt darin bewegen; nichts ſei unerträg⸗ licher als die Zudringlichkeit und Indiskretion von Reiſe⸗ gefährten; ſie ſtörten ſowohl den Genuß des ſüßen téte-A-téte als auch die Schönheiten der Gegend. Dieſe Bemerkungen, weit entfernt, mich für ſeinen An⸗ trag zu beſtimmen, machten mich etwas ſtutzig und un⸗ 33 258 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor. ruhig; ich ſuchte dieſe Gefühle zu bekämpfen; aber weil ich ſah, daß Moriz ſchon ſehr aufgeregt war über mein Zögern, gab ich jeden Widerſtand auf. „Wir beſtiegen die Chaiſe ich nahm hinten in der⸗ ſelben Platz, Moriz vorne mir gegenüber. „Dann gab ich mir Mühe, mir klar zu werden, wie ich mich denn fühlte in der Nähe des Reiſegefährten, der plötzlich ſich ſo weſentlich von dem unterſchied, dem ich mein Vertrauen ſchenkte. Das Reſultat meiner kurzen Betrachtung war eben einfach: tiefe, mich ſehr beängſti⸗ gende Reue. Aber was ſollte ich thun; es war nun einmal geſchehen. Ich mußte mich ſo gut es ging in meine peinliche Lage finden und mich ſo benehmen, daß mir die Achtung und Zuneigung meines Gefährten ver⸗ blieb; das heißt, ich mußte Weib genug ſein, um mich ihm liebenswürdig zu zeigen, ohne jedoch im Geringſten die Grenzen des Vertrauens und der Scham zu über⸗ ſchreiten. „Leider iſt der Weg vom Willen zur That oft weit. Tauſend Dinge ließen mich bald eine unüberwind⸗ liche Abneigung gegen Mo riz verſpüren, und nur vor Deinen Augen, liebes Klärchen, kann ich ihr Bild entrollen. War nicht ſein Anerbieten, mich zu beſchützen, ein uneigennütziges geweſen? Ich hatte ſo geglaubt; er aber benahm ſich nicht darnach. Er glaubte, wenig⸗ ſtens wollte er mir es einreden, daß er nur ſeine Ach⸗ tung und Verehrung mir beweiſe, wenn er meinen Fuß zwiſchen den ſeinigen feſthielt, wenn er meine Hand, oft ſogar unzart, fort und fort drückte, und die Dunkelheit henützte, um ſeinen Arm um meine Taille zu ſchlingen. Von vornherein wollte ich dieſe Freiheiten hintanhalten; ich verſuchte es zuerſt auf gütlichem Wege; aber das half nichts; er wollte zwiſchen meinem Weigern und ſeinen Forderungen zuletzt ein Kompromiß ſchließen. Das konnte ich aber auch nicht. „Aber nach dem erſten Tage ſollte ich noch eine weitere Tortur haben. M oriz hatte mir vorgeſpiegelt, die Zudringlichkeit und Neugier der Reiſegefährten ſei in einem Poſtwagen läſtig; aber dies war bei dem Perſonal der verſchiedenen Gaſthäuſer, wo wir abſtie⸗ gen, nicht minder der Fall, zumal wir keine Städte wie Paris und dergleichen berührten, ſondern meiſt Dörfer, wo unſere Ankunft ſofort Aufſehen machte. Wie ſtieg mir die Schamröthe in's Geſicht, als ich mein Gepäck den Händen des Hausknechtes, der es auf mein Zimmer tragen ſollte, faſt mit Gewalt entreißen mußte, weil er Moriz und mich für Gatten hielt und darauf beſtand, uns in einem und demſelben Zimmer einzulogiren. Ich konnte nicht umhin, dieſerhalb auch meinem Reiſege⸗ fährten Schuld zu geben, der mich mir ſelbſt in einem ſolchen Falle überließ, und im Moment der Ankunft nichts anderes wußte als räſonniren, ſchimpfen, mit dem Fuße ſtampfen, die Achſel zucken; und eben weil er dies alles ohne Würde that, fruchtete es gar nichts. „Den andern Morgen, als wir unſere Reiſe fort⸗ ſetzten, war ein prächtiger Herbſtmorgen, der mich wie⸗ der heiterer ſtimmte. Aus meinem Geiſte verſcheuchte ich die Nebel der üblen Laune. Mo riz ſchien dieſe Aende⸗ rung bei mir zu ſchätzen. Dies benützte ich, um ihm nahe zu legen, daß doch der kein edler Gegner ſei, der ſeine Angriffe ſo heimtückiſch mache, wie er es geſtern Abends gethan; er ſolle dergleichen nur ja nicht wieder⸗ holen; wenn ich in Paris eingerichtet ſei, dann erſt könne ich Huldigungen annehmen; da ſei ich frei und könne jeden Zudringlichen eben ſo gut abweiſen. Moriz ſchien von dieſen Worten, der Art, wie ſie geſprochen, und von den Blicken, die ſie begleiteten, ſo betroffen, daß er nichts erwiederte, und mir ſogar in Zukunft Ruhe verſprach. Wir waren früh Morgens von Cou⸗ tances abgereiſt und hielten zunächſt in Saint⸗Lo an, um zu frühſtücken. Moriz war außerordentlich auf⸗ merkſam; die Blicke, die er mir zuwarf, waren ſtrahlend, und er rieb ſich vor Freude die Hände. Jetzt kannte ich ihn ſchon näher und konnte daher auch dieſe Panto⸗ mime verſtehen; es war, als hätte ich ihn zu ſich ſagen hören:„Welche Ehre, meine Schöne, wirſt Du mir in Paris machen!“ „Als wir wieder einſtiegen, bemerkte ich mit einiger Unruhe Moriz triumphirenden Blick, ſein ironiſches Lächeln und die Leidenſchaftlichkeit, womit er mich in ſeinen Arm nahm. Unglücklicher Weiſe hatte ich mich über Kälte an den Füßen beklagt; ſofort hüllte er meine Füße in ſeinen Mantel, wobei er beide auch küßte, erhob ſich dann und ſetzte ſier neben mich. Ich erinnerte ihn an ſein Verſprechen von früh, und er erklärte, es halten zu wollen. Bald machten ſich ſeine Gefühle in Worten Luft. Was er da Alles durch zwei Stunden ſagte, weiß ich nicht mehr; wahrſcheinlich aber waren es die bei Liebeserklärungen gewöhnlichen Redensarten. „Dieſe bleiben ſich in der That, glaube ich, ſtets ziemlich gleich; ihr Werth hängt davon ab, wer ſie aus⸗ ſpricht. Im Munde Dornets ecbitterten ſie mich ge⸗ rade ſo, wie ſeine Freiheit am Abend zuvor. Ueberra⸗ ſchend war für mich nur die Kühnheit ſeiner Hoffnungen. Es koſtete mich unendliche Anſtrengung und Mühe aus⸗ zuhalten. Aber die Freiheit machte mich ſtark und waff⸗ nete mich mit Kälte und Gleichgiltigkeit gegen die ekel⸗ haften Zudringlichkeiten meines Gefährten. Meine Ge⸗ duld brach aber, als ſeine Anmaßung alles Maß über⸗ ſchritt. Ich forderte ihn auf, mich mit ſeinen Liebeser⸗ klärungen in Ruhe zu laſſen, und warf mich in die eine Ecke der Chaiſe, die Thränen der Unmuth, die mich faſt erſtickten, unterdrückend, während Moriz Drohungen vor ſich herbrummte, die mich nicht daran zweifeln lie⸗ ßen, daß ich nunmehr einen gefährlichen Feind in meiner Nähe habe. „So kamen wir gegen ſieben Uhr Abends nach Bayeux. Wir zogen uns ſofort nach der Ankunft im Gaſthofe auf unſer Zimmer zurück. Ich blieb indeß nur ſo lange, bis ich meine Augen etwas erfriſcht und die Spuren der Thränen verwiſcht. Dann ſchickte ich mich an, auszugehen. In dem Flur des Hauſes theilte mir die Hausherrin mit, Dornet werde gleich kommen, ich möchte ſo lange verziehen. Ich aber that als hätte ich große Eile und ließ Moriz erſuchen, falls ſich mein Spaziergang etwas in die Länge ziehen ſollte, nur ruhig ohne mich zu diniren. „Ich ging Anfangs planlos herum und war nur —— — der ſei der es geſtern ht wieder⸗ dann erſt frei und Mo riz gprochen, daffen, in Iudadt von Cou. int⸗Lo an, ntlich auf⸗ ſtrahlend, kannte ich eſe Panto⸗ ſich ſagen Du mir in it einiger ironiſches mich in ich mich er meine zte, erhob nerte ihn es holten n Porten zte, weiß die ba ch, ſtets ſie aus⸗ mich ge⸗ Ueberra⸗ fnungen. ühe aus⸗ nd waf⸗ die ekel⸗ eine Ge⸗ aß über⸗ Liebeser⸗ die eine nich faſt dhungen ffeln lie⸗ meiner ds nach unft im deß nut und die ch nich lte mit nen ich ätte ich h mein r rühig var nut Louiſe Meunier. 259 froh, meinen kecken Geſellen einmal los zu ſein. Da das ſtille Glück einer in der Zurückgezogenheit von dem hörte ich plötzlich die Glocke eines kleinen Kloſters zum Abendgebet läuten. Ich ging, ohne es ſo recht zu wiſſen, darauf zu, und bald fand ich mich in einer kleinen Ka⸗ pelle, die hinter dem Altare durch ein Gitter und einen grünen Vorhang abgeſperrt war. Hinter demſelben wur⸗ den in höchſt melodiſcher Weiſe Pſalmen geſungen. Der Geſang erquickte mein Herz buchſtäblich; ich fing an, mit mir zu Rathe zu gehen und bald ſtand's feſt bei mir:„Ich kann und darf nicht zu Moriz zurückkehren!“ Denn ich fühlte es zu gut, daß er nicht der Mann ſei, der uneigennützig ſich einer vom Unglück hart geprüften Frau zur Dispoſition ſtellt, und daß ich ſelbſt nicht die nöthige Energie haben dürfte, um ihn auf die Dauer in Schach zu halten. „Während ich in dieſe Gedanken vertieft war, verſtummte der Pſalmen⸗Geſang und es folgten gemein⸗ ſchaftliche Gebete, in welchen die frommen Kloſterfrauen den Ewigen prieſen und ihn um ſeinen Segen anflehten. Da betete auch ich; ſeit langer Zeit war dies das erſte Mal; nicht als hätte ich früher nicht meine kath oliſchen Pflichten erfüllt, das geſchah mit der größten Pünktlich⸗ keit; aber was heißt das Gebet, wenn man nicht zugleich Gott und die Menſchen lieb nd umfängt. Delphi⸗ nens und ihrer Mutter Nähe raubten meinem Gebete die Innigkeit; ich konnte meine Seele zu meinem Gott nicht erheben. Ich konnte nur verzeihen, meinen Haß beſiegen— aber lieben konnte ich nicht. Ja— ich ſagte mir öfter, Delphinens Gott, der Gott dieſer kalten, abſtoßenden, widerwärtigen Delphine, könne unmög⸗ lich mein Gott ſein. In jenem Augenblicke aber kannte ich alle dieſe Verirrungen nicht; ich betete heiß; ich blickte voll Vertrauen zu meinem Schöpfer empor— ich war wie umgewandelt. Plötzlich vernahm ich eine innere Stimme; ich folgte ihr und ſuchte den Eingang zum Kloſter. Man öffnete mir, und ſofort erklärte ich, die Oberin ſprechen zu müſſen, ich bedürfte dringend ihres Rathes und ihres Schutzes. „Kaum hatte die Oberin von meinem Wunſche Kenntniß bekommen, ſo befahl ſie, mich zu ihr zu führen. Das geſchah. Während ſie eben noch eine Unterhaltung mit einer Nonne beendigte, die ſie dann verabſchiedete, hatte ich Zeit, ein wenig um mich zu ſehen. Alle Möbel des Zimmers, in dem ich mich befand, denn eine Zelle konnte man es nicht wohl nennen, ſo geräumig war's, waren höchſt einfach; aber überall herrſchte eine Rein⸗ lichkeit, die man im weltlichen Leben in der That nicht kennt, alles glänzte förmlich; das Arrangement der Möbel war ſo regelmäßig, ſo ſymmetriſch, wie man's ebenfalls nicht leicht anderswo findet. An den Wänden herum hingen eine Menge Heiligenbilder, theils Oelge⸗ mälde, theils Holzſchnitte. Vor Allem aber feſſelte den Blick ein prachtvolles marmornes Krucifix, welches auf einem kleinen Tiſchchen ſtand. „Saint⸗Thereſe, ſo hieß die Oberin, mochte etwa fünfzig Jahre zählen, wie ihr etwas eingefallenes Geſicht errathen ließ, übrigens hatte ihre Körperfülle noch jugendliche Friſche; ihre ſchöne Stirn zeigte noch keine Falte, aus ihren großen blauen Augen ſprach Treiben der Welt glücklichen Seele. „Nachdem ich auf ihre freundliche Aufforderung neben ihr Platz genommen, erzählte ich in Kürze meine Geſchichte und ſchilderte ihr die Lage, in der ich mich befand. Sie hörte mir mit eben ſo viel Aufmerkſamkeit als Theilnahme zu. Ich war offenbar für ſie gleichſam der Bote aus einer andern Welt, und ſie ſchien begierig zu wiſſen, ob die Neuigkeiten, die ich noch erzählen würde, dazu angethan ſeien, ſie den Eintritt in's Kloſter bedauern zu laſſen. Aus dieſem Grunde gab ſie, als ſie bald darauf die Unterhaltung abbrechen mußte, um den Pflichten, die ihr als Oberin oblagen, nachzukommen, Befehl, mich in eine kleine Zelle zu führen, die an ihr Zimmer anſtieß und aus der eine Thür in dasſelbe führte, ſo daß wir ſpäter unbemerkt unſere Unterhaltung fortſetzen konnten. „Man ließ inzwiſchen aus dem Gaſthofe, wo Moriz Dornet mich erwartete, meine Koffer holen. Ich ſchrieb ihm ein paar Zeilen zum Abſchied; dieſelben enthielten zugleich eine Aufklärung über den von mir gethanen Schritt, die im Weſentlichen dahin lautete, daß ich den Gefahren mich nicht weiter habe ausſetzen wollen, in welchen eine junge Dame ſchwebe, die mit einem jungen Herrn allein reiſe. Ich vermied dabei ſorgfältig jegliche Anſpielung auf ihn. Nichts deſto we⸗ niger folgte er mein Gepäck in einer Wuth aus, die nach der Erzählung derjenigen, die Zeuge derſelben waren, wahrhaft komiſch geweſen ſein muß, und mich in eine ſo heitere Stimmung verſetzte, wie ich ſie in meinem ganzen Leben bis dahin nicht gekannt. „Nun bleibt mir nur noch Weniges zu erzählen, liebes Klärchen. Ich brachte ein ganzes Jahr in jenem Kloſter, wo ich eine Zufluchtsſtätte gefunden, zu. und nur meine ſehr angegriffene Geſundheit zwang mich, zum Onkel zurückzukehren. Daß ich allmälig wieder hergeſtellt wurde, verdanke ich Dir und Deiner Freund⸗ ſchaft. Der tiefe Friede des Kloſters, jene brüderliche Eintracht, die abſolute Gleichheit Aller unter einer Oberin, hatten auf meine Seele einen höchſt wohlthäti⸗ gen Einfluß gehabt. Arbeit war für die Folge meine größte Freude. Die Nonnen hatten eine beträchtliche Anzahl von Penſionnären und ich ward bald mit beim Unterrichte verwendet. Ich unterrichtete die vorgeſchrit⸗ tenſten Schülerinnen in den geſelligen Künſten und half außerdem dem vielfach unvollſtändigen und wenig me⸗ thodiſchen Wiſſen meiner Kolleginnen nach. In dieſem Wirkungskreiſe gefiel es mir allmälig ſo gut, daß ich nie in die Welt zurückzukehren wünſchte; ich war glück⸗ licher, als ich bis dahin je geweſen war. Aber, wie ſchon geſagt, nach und nach ſchwand meine Geſundheit; ein Arzt ward geholt; und ſein Recept lautete:„Friſche Landluft und Freiheit!“ So kehrte ich zum Onkel zurück.“ VIII. Nach beendigter Lektüre blieb Klärchen noch lange in tiefes Nachdenken verſunken; ſie war ganz außer ſich und nur eine Zuſammenkunft mit René 33* — —õ 6 6 260 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor. wünſchte ſie jetzt. Sie glaubte eine ſolche durch die Ver⸗ mittelung des Doktor Renoult am eheſten erzielen zu können; aber dazu war keine Zeit. An demſelben Tage erneuerte Moriz ſeinen Be⸗ ſuch vom vorigen Abend. Veronika war noch nicht vom Markte heimgekehrt, Herr Meunier war abwe⸗ ſend, nur Louiſe war zu Hauſe; als die Hausklingel ertönte, überlief ſie ein ſo kalter Schauer, wie dies bei einem Angeklagten zu geſchehen pflegt, wenn ſeine Rich⸗ ter nach einem Glockenzeichen ſich anſchicken, das Urtheil zu ſprechen. Anfangs zweifelte ſie einen Augenblick, ob ſie die Thür öffnen ſollte; zuletzt aber faßte ſie ein Herz, öffnete und herein trat der, den ſie als ihren Feind fürchtete. Hätte Louiſe nicht ein ſo ungünſtiges Vorurtheil über Moriz gehabt, ſo würde ſie ſich über ſeinen Be⸗ ſuch beim Anblick ſeiner höchſt reſpektvollen und cere⸗ moniöſen Erſcheinung alsbald beruhigt haben. Sie er⸗ ſuchte ihn aber einfach, Platz zu nehmen, und ſprach kein Wort. Sie ſchien gar nicht gewillt, dem unerwar⸗ teten Beſuche gegenüber ſich galant zu zeigen. So mußte denn ſchließlich er das Wort ergreifen. „Ich würde nur auf einen kalten Empfang Ihrer Seits gerechnet haben, wenn ich nicht in einer für Sie höchſt angenehmen Angelegenheit käme. Zunächſt komme ich, Ihnen meine Aufwartung zu machen; Ihre Stel⸗ lung zu meiner Schweſter, der Madame von Sau⸗ cour, gibt mir dazu das Recht, von unſerer alten Be⸗ kanntſchaft will ich ſchweigen; und dann,“ fügte er hinzu,„komme ich, Ihnen zu gratuliren zu Ihrer be⸗ vorſtehenden Vermälung. Sie werden Herrn René von Bourgueville heiraten, hat man mir geſagt.“ Louiſe ſagte ein kaum vernehmbares„Ja“. „Das iſt ein trefflicher junger Mann,“ ſagte Moriz in einem Tone, der die arme Louiſe kalt überlief;„da werden Sie ein ſchönes Vermögen haben — ein ſchönes Beſitzthum ꝛc. Liebt er Sie wirklich ſehr, dieſer René?“ „Zweifeln Sie daran?“ ſagte Louiſe, die die impertinente Frage offenbar beleidigte;„gibt's einen beſſeren Beweis, als wenn er, ein ſo reicher Mann, ein Mädchen ohne alles und jedes Vermögen wie mich heiratet?!“ „Ach! Sie mißverſtehen mich; nicht daraus, daß er Sie ohne Vermögen heiratet, ſchließe ich auf ſeine Liebe; das Opfer hätten auch Andere noch gern ge⸗ bracht; Sie ſind ſo liebenswürdig und ſo talentvoll, daß Sie ſtets in weiblichen Kreiſen glänzen müſſen; aber—“ „Hören Sie auf,“ ſagte Louiſe. „Warum denn?“ erwiederte er;„ſind Sie über⸗ raſcht oder erſchreckt ob meiner Rede?“ „Keines von Beiden; es iſt die reine Neugierde,“ ſagte ſie; aber ſchon der Ton, in dem ſie es ſagte, ſtrafte ſie Lügen. „Ja, René muß Sie in der That ſehr lieben, ſonſt würde er nicht bei allen Schikanen und Verleumdungen, die gegen ihn auftauchten, Ihnen treu geblieben ſein. Vielleicht kennt er aber auch nur das Geſchehene nach Ihren Angaben, das heißt, der Wahrheit gemäß, und nicht mit den Entſtellungen und Lügen, die über uns Beide in der Welt kurſiren.“ „Ueber uns Beide?“ rief Louiſe laut;„wie kann die Welt über uns Beide ſich ein Urtheil erlauben. Wie kann ſie dazu ſich berechtigt glauben in Folge eines kurzen freundſchaftlichen Verhältniſſes zwiſchen uns, das bald ſo entſchieden gebrochen wurde. Das iſt und kann nur Verleumdung ſein!“ Moriz erwiederte mit erheuchelter Ruhe: „Können Sie es läugnen, daß wir zuſammen ge⸗ reiſt ſind in einem téte-à-téte von ſechsunddreißig Stunden, während zweier Tage und einer Nacht, und zwar nicht etwa zufällig, ſondern in Folge förmlicher Verabredung? Man hat uns geſehen, nicht wahr? Iſt das alſo Verleumdung? Wenn nun die Leute allerlei darüber reden, ſo ſind Sie hauptſächlich daran Schuld, weil Sie mich plötzlich verließen und wie eine reu⸗ müthige Sünderin in einem Kloſter eine Zuflucht ſuchten.“ „Wie, ein Schritt, der für meine Unſchuld ſpricht, ſollte gegen dieſelbe ausgebeutet werden können? Wenn das die Folge Ihres mir angebotenen Schutzes iſt, dann haben Sie meine Unerfahrenheit ſehr grauſam miß⸗ braucht.“ 8 „Nur ſich ſelbſt können Sie anklagen; nicht da⸗ durch, daß Sie mir Vertrauen ſchenkten, ſondern nur dadurch, daß Sie es nicht thaten, haben Sie uns Beide entehrt. Ja, entehrt, denn Sie haben mich in den Ver⸗ dacht unlauterer Abſichten und ſich ſelbſt in den der Schamloſigkeit oder wenigſtens der Inkonſequenz ge⸗ bracht. Wären Sie, wie ich wollte, mit mir weiter nach Paris gereiſt, ſo wäre Alles gut geweſen; Niemand würde es aufgefallen ſein, mich an Ihrer Seite zu ſehen, und eine paſſende Placirung, wie ich ſie Ihnen bald verſchafft haben würde, hätte die Lauterkeit meiner Ge⸗ ſinnung und Ihre Unſchuld inss klarſte Licht geſetzt. Nun Sie es vorgezogen, hier in die Provinz zurückzukehren, iſt die Sache von ſelbſt in aller Leute Munde, und man fragt ſich allerwärts, wer bei der höchſt unangenehmen Geſchichte das Opfer des andern geweſen. Mich ſelbſt hat man gefragt; was ſollte ich ſagen?“ „Die Wahrheit,“ antwortete Louiſe;„ſie läu- tert Alles!“ „Das Weib, welches ſeine Fehler läugnet, findet nie Glauben.“ „So bin ich verloren!“ ſagte Louiſe;„man kann mich bei René anklagen und ihn zwingen, ſich meiner zu ſchämen; auf ſein Glück zu verzichten! So möge er denn eine reine Erinnerung an ſeine Geliebte behalten; nie werde ich ſeine Gattin ſein! Aber vielleicht nehmen Sie nur Rache,“ fuhr ſie fort;„vielleicht wollen Sie mich nur in Schrecken ſetzen! Jal ich will, daß Rens ſelbſt mein Richter ſei; ich werde ihm Alles er⸗ zählen; dann ſoll er mich entweder freiſprechen oder verdammen.“ „Und ſeine Mutter, werden Sie auch die befra⸗ gen? Das wäre jedenfalls ſehr gerathen. Das Urtheil einer Frau von ihrer Erfahrung iſt viel werth, um ſo licher 7 Jſt lerlei huld, reu⸗ lucht icht, Tenn dann miß⸗ d do⸗ Hlult eide Ver⸗ der ge⸗ nach mand ſehen, bald rGe⸗ Nun ehren, man ehmen ſelbſt läu⸗ Louiſe Meunier. 261 mehr, als es René, der Sie ſo ſehr liebt, nicht gerade leicht ſein dürfte, ganz unparteiiſch zu urtheilen.“ „Ah ſol ſchon haben Sie meinen guten Ruf untergraben, jetzt wollen Sie auch noch mein Leben vernichten; denn ich ſehe nur zu gut, ich kann, ich darf nicht René's Gattin ſein und dennoch liebe ich ihn, ja, ich liebe ihn!“ „Ich glaubte, Sie wären ſtärker als ſo; ich hätte nie gedacht, daß Sie ſo ohne Weiteres Ihre Liebe hoff⸗ nungslos aufgeben würden.“ „Grauſamer! Sie kennen meine Empfindlichkeit, meine ſchwache Seite! Unausgeſetzt wiſſen Sie dieſe zu treffen und laſſen der Hoffnung nicht den geringſten Raum.“ „Träume, Chimären zerſtöre ich, aber nur, um Ihnen dafür Wirkliches zu bieten. Derjenige, der unfrei⸗ willig Ihr Unglück verurſacht hat, kann es allein wieder gut machen; Rens ſelbſt würde das zugeben.“ „Was iſt das wieder für eine neue Ironie? Ich weiß nicht, was ich von Ihnen denken ſoll.“ „Mein geheimer Wunſch war es immer, Ihnen diejenige Stellung, die Ihnen in der Geſellſchaft ge⸗ bührt, dadurch zu ſchaffen, daß ich Ihnen anböte, mein Schickſal zu theilen—“ „Siel! Nein!... Ich will nicht in Ihre Erklärung Zweifel ſetzen; ich will glauben, daß Ihre Abſicht rein iſt. Aber Sie täuſchen ſich. Ich wiederhole noch einmal: ich will René Alles erzählen; ſagen Sie nur ſeiner Mutter nichts; darum bitte ich Sie. Sie ſehen, wie mein armes Herz blutet— ſein Zorn iſt mit ſeinem Stolze geſchwunden; meine Dankbarkeit und meine Freund⸗ ſchaft ſoll Ihnen dafür werden.“ „Stillſchweigen iſt mir da nicht mehr möglich; ich habe leider, als ſie mich um Aufklärung in Betreff un⸗ ſeres Abenteuers erſuchten, meine Niederlage erzählt; ich habe geſagt, daß Sie in jugendlichem Leichtſinn ſich ſelbſt kompromittirten und einen Ehrenmann gleich⸗ zeitig mit.“ „Und dieſes jugendlich leichtſinnige Mädchen, das Sie thatſächlich moraliſch entehrten, wollen Sie heiraten? Was wird man denn davon denken? frage ich.“ „Ich habe das Geſtändniß gemacht, daß ich Sie liebte... daß ich ſehr unglücklich geweſen... Man wird glauben, und das iſt wahr, daß ich mich von Ihrer Liebenswürdigkeit wieder bezaubern ließ, und daß mein Edelmuth Ihren und meinen Fehler wieder gut mache.“ „Ihr gleißneriſches Anerbieten iſt nur eine Falle, die Ihr Groll mir legt; aber ich brauche mich nicht erſt zu hüten, hineinzufallen. Nicht die Lüge, ſondern die Wahrheit würde mich diesmal in Schrecken ſetzen.“ „Was für Uebertreibungen!“ ſagte Mor i z Dornet;„Sie mögen es glauben oder nicht: Ihre Heirat mit René wird nicht ſtattfinden, und mein An⸗ trag iſt ernſtlich und gut gemeint. Sie ſind zu unerfah⸗ ren und zu unklug; Sie wiſſen Ihr Intereſſe nicht wahr⸗ zunehmen. Schon Herr von Saint⸗Mérin hätte Sie geheiratet, wenn Sie gewollt hätten, aber Sie wieſen ſein Vertrauen in beleidigender Weiſe zurück; heute iſt René, dieſer Bauer in Herrenkleidung—“ „Jetzt iſts genug; kein Wort mehr—“ ſagte Louiſe. „Ich gehorche um ſo lieber weil ich ſehe, daß Sie ſchon wiſſen, was ich ferner ſagen wollte, und weil ich ſomit auf meinen Antrag zurückkommen kann. Weiſen Sie ihn nicht von der Hand. Mein Vermögen, obwohl beſcheiden, wird uns erlauben alle die Freuden zu ge⸗ nießen, die das Leben anſtändigen Menſchen angenehm machen. Ich habss ſatt, ſo allein meine 30.000 Francs Rente zu verzehren; aber ich ſuche keinen Genoſſen mit einem rieſigen Appetit, ſondern einen, der das Eſſen verſteht und raffinirten Geſchmack beſitzt.“ „Geſetzt, ich wäre leichtſinnig genug,“ ſagte Louiſe darauf,„Ihren Wunſch aus Furcht oder Eigennutz zu erfüllen, wo würde ich nach der Heirat die Liebe her⸗ nehmen, die ich Ihnen doch entgegen zu bringen ver⸗ pflichtet wäre?“ „Was ſind das für ſentimentale Albernheiten; ich ſtaune, wie Sie dazu kommen, ihnen ein Gewicht bei⸗ zulegen. Ein Menſch iſt ein Menſch, Geld iſt Geld, Ge⸗ nuß iſt das einzig Solide und Reelle, Liebe iſt nichts als ein Gewürz.“ „Pfui! ſchämen Sie ſich! Was Sie von mir wol⸗ len iſt Seelenverkauf; Sie wollen, daß ich einſt im Un⸗ glück verzweifle, ſterbe...“ „Haha! Verzweiflung! Tod! Wer ſtirbt heutzu⸗ tage vor Liebe? Nur Griſetten waren die, die es je ge⸗ than, ſolcher gibt es aber keine mehr.“ „Wer ſtirbt?“ rief ſie entrüſtet, während ſich ihre ſchönen Augen mit Thränen füllten;„wer ſtirbt? Sie wollen ſagen, wer weiß zu ſterben? Ja, Sie werden's nicht wiſſen, das weiß ich. Daß der Tod nur eine Erlö⸗ ſung iſt von den Leiden dieſes Lebens, daß er nur der Uebergang zur Ewigkeit— was wiſſen Sie davon! Ihre letzte Stunde wird Sie ohnmächtig und in pani⸗ ſchem Schrecken finden; wenn Chriſtus ſich Ihrem Sterbe⸗ bett nähert, um Ihnen in ſeiner Barmherzigkeit zu ver⸗ zeihen, ſo wird Ihre Seele ſich ſelbſt nicht verzeihen. Thun Sie, was Sie wollen: Sie haben das Leben, ich werde den Tod haben! Ja, den Tod, das Ende meiner Leiden, die Heilung meines gemarterten Herzens, Ruhe, Freiheit. Ich brauche nicht einmal die Gewißheit, daß mein Tod ein ſeliger ſein wird, um ihn willkommen zu heißen. Ich vertraue feſt auf ſeine Güte und Barmher⸗ zigkeit und das iſt mir genug.“ Während Louiſe die letzten Worte ſprach, rollten lichte Thränen über ihre ſchönen Wangen, ihre Bruſt wogte mächtig. Moriz Dornet ſah ſie an, erſtaunt und be⸗ troffen; ſeine Lippen zogen ſich krampfhaft zuſammen; endlich ſpielte ein ſardoniſches Lächeln um ſeinen Mund, als er anhob: „Sind Sie nicht von dieſer Welt, ſo läßt ſich nichts für Sie thun; zu dem Glücke, das Sie erwarten, kann ich Ihnen nicht gratuliren, noch viel weniger es Ihnen wünſchen.“ „Wer weiß!“ erwiederte ſie mit einer Ironie, die jene Dornets weit übertraf.„Ich ſehe, Sie ſind hierher gekommen, um ein Gut hier zu ſuchen, das Sie 262 Crinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Crnſt und Humor. 6 nicht beſitzen werden, und das ein anderes ſein muß, thigkeit, der Korpsgeiſt, der unter Damen herrſcht, die als die Schönheit eines Weibes, die ſich von tauſend Anderen wenig unterſcheidet.“ „Ich bin gekommen, Rache zu nehmen.“ Mit dieſen Worten zog ſich Dornet zurück. Nach einer kalten Verbeugung trennten ſich Beide als Gegner, die in Betreff des Kampfes ſich geeinigt. Als Dornet fort war, blieb Louiſe ruhig; vielleicht war es nur die Reſignation der Verzweiflung; aber auf einem gewiſſen Punkte angekommen, erkennt die Seele ſich ſelbſt nicht mehr wieder; ſie überſteht mit einem Male, ohne es zu wiſſen, welcher Sturm ſie im jene hohen Regionen trug, wo die Wirklichkeit ſchwindet und nur die Idee, das Gefühl herrſcht. Dornet erreichte, während er ſich auf dem Wege immer wieder die Frage aufwarf:„Warum will miche denn Louiſe nicht, was hat denn ein René vor mir voraus!“ die Wohnung ſeiner Schweſter. Was wollte er nun thun? Wollte er Louiſe wieklich in den Augen Ren verächtlich machen, oder hatte er es nur ſo an⸗ gedroht, um von ihr bittweiſe um ſeine Vermittelung angegangen zu werden? Er wußte es ſelber nicht recht. Er war ein gefährliches Genie, aber vorher zu überlegen war ihm fremd; er ließ Alles auf die Stimmung im letzten Augenblick ankommen. Er hatte in ſeinem Leben mehr als eine grauſame That vollbracht; Verunglim⸗ pfung und böswillige Verleumdung waren von jeher die ſchrecklichen Waffen geweſen, deren er ſich mit diabo⸗ liſcher Geſchicklichkeit bediente; aber weil er ſeine aus⸗ erſehenen Opfer nicht kaltblütig hinſchlachtete, weil es immer der Zorn, der Haß und dergleichen war, der ſeine Streiche führte, ſo hielt er ſich ſtets für unverantwortlich, für unſchuldig. Die Schuld legte er denſenigen bei, die ihn in jene Stimmung ſetzten; er hielt ſich in ſeiner Eigenliebe gleich für verleßzt und glaubte darum immer einen Akt der Nothwehr, nicht aber ein Unrecht oder gar ein Verbrechen zu begehen. Ja noch mehr, er glaubte ſogar und wollte es auch Andere glauben machen, daß in Wahrheit nur er das bedauernswürdige Opfer war. Er wußte ſogar Thränen zu finden für die, welche er vernichtete. Obgleich Lucla ihren Bruder in dieſer Bezie⸗ hung nur zu gut kannte, überraſchte ſie doch die Erbitte⸗ rung, die ſie an ihm bemerkte. Und doch beruhigte ſie ſich ſehr bald; denn daß ſich der Bruder ein Leid an⸗ thun würde, das wußte ſie, werde er in keinem Falle thun; in dem Punkte kannte ſie ihn auch. Nichtsdeſto⸗ weniger verhehlte ſie ſich nicht, daß die Leidenſchaftlich⸗ keit, mit welcher Moriz auf die Aaflöſung des Ver⸗ hältniſſes Louiſens zu René hinarbeitete, zu großen Unannehmlichkeiten nach allen Seiten führen müſſe. Während ſich nun Lucia ſichtliche Mühe gab, ihren Bruder zu beruhigen, kam die Gräfin an. Sier hatte es vor Ungeduld nicht länger aushalten können; es wurde ihr gar zu lang, auf Dornets Beſuch und ſeine Mittheilungen zu warten. Hätte Lucla bis dahin noch Bedenken getragen, Louiſens Zukunft und Glück zu untergrahen, ſo wären dieſe ſicher durch die Ankunft von Ren Mutter verſcheucht worden. Die Einmü⸗ Forderungen der feinen Etiquette, machten, daß ſie um jeden Preis derjenigen ſich gefällig zeigen mußte, die ſte zun Hilfe und Rath anging. Sie zog ſie daher ſtill zur Seite, bevor ſie ſie zu ihrem Bruder führte. „Ach! meine Theuerſte,“ rief ſie aus,„was habe ich gethan, indem ich mich an meinen Bruder wendete? In welche Verlegenheit habe ich mich dadurch geſtürzt? Wiſſen Sie, was ich entdeckt habe? Er war in jenes Fräulein Louiſe verliebt; ſie hat ihm, ſcheints, durch ihre Leichtfertigkeit vielen Kummer bereitet; aber er iſt ſtets bereit, ihr zu verzeihen, ja ſie zur Gattin zu neh⸗ men; ich fürchte aber, wir werden bei ihr nichts aus⸗ richten.“ „Sie hat ihm Kummer verurſacht, ſagen Sie? Wodurch?“ „Ich weiß es nicht; mein Bruder ſpricht mit mir von dem Abenteuer immer nur in halben, unverſtänd⸗ lichen Worten; ich fürchte ihn zu beleidigen, wenn ich ihn um nähere Auskunft frage. Sie könnten das eher wagen; ich bitte Sie, ſprechen Sie mit ihm, berufen Sie ſich auf ihre Mutterpflichten; er wird Ihnen gewiß nä⸗ here Aufklärung geben.“ Nach dieſer kurzen Unterhaltung, die im Garten⸗ geführt wurde, traten beide Damen in das Zimmer, in welchem Moriz war. Lucia wendete ſich dann an ihren Bruder mit den Worten: „Du weißt, was Madame von Bourgueville von Dir erwartet ziich hoffe, Du wirſt das ehrende Ver⸗ trauen, welches ſit uns ſchenkt, durch rückhaltloſe Auf⸗ klärung rechtfertigen.” Moriz grüßte mehr als kalt; ſeine Stirn legte ſich in tiefe Falten, ſeine Geſichtszüge verriethen Be⸗ ſorgniß und Angſt. „Ja, mein Herr,“ begann Madame von Bour⸗ gueville;„ich habe geglaubt, Sie würden die Be⸗ kümmerniſſe einer Mutter um die Zukunft ihres einzigen Sohnes begreifen. Ich glaube darum mit Recht verlan⸗ gen zu können, daß Sie mir jetzt über Louiſe die ge⸗ naueſten und ausführlichſten Aufklärungen geben.“ „Fräulein Louiſe iſt ein liebenswürdiges Mäd⸗ chen,“ erwiederte Moriz kurz und ungeduldig.„Ihre Schoͤnheit, ihren Geiſt, ihr Talent kennen Sie; darüber brauche ich Ihnen nichts weiter zu ſagen. Ihr Charakter iſt untadelhaft.“ „Sie machen mich durch dieſe Ihre Mittheilung ſehr glücklich, mein Herr,“ ſagte Madame von Bour⸗ gueville;„aber in der Frauenmoral gibt's noch einen weſentlichen Punkt, über den Sie nichts geſagt haben.“ „In einem ſo delikaten Punkte dürfen Sie ſich nicht an einen Mann wenden. Den öſſentlichen Anklä⸗ ger bezüglich der Frauen zu ſpielen, kömmt uns nicht zu; was mich ſpeciell betrifft, ſo würde ich nicht einen Augenblick anſtehen, Fräulein Louiſe gegen alle ver⸗ leumderiſchen Angriffe zu vertheidigen; ich würde Nie⸗ mandem das Recht zuerkennen, gegen ſie etwas zu ſa⸗ gen, außer mir.“ „Sie alſo haben doch etwas gegen ſie zu ſagen, „ — errſcht die daß ſie um ßte, die ſi er ſtill zur was habe dar in jened eints durch aber er iſt in zu neh⸗ nichts aus⸗ agen Sie? ht mit mir unverſtänd⸗ n, wenn ich n das eher berufen Sie gewiß nä. im Garten Zunmw, ch daun an zueb ille rende Ver⸗ ltloſe Auf⸗ Süͤra begte niethen Be⸗ on Boul⸗ den die Je⸗ res einzigen tcht berlan⸗ iiſe die ge⸗ geben. 3 diges Näͤd dig.„Jhre le; darlber h Charaktet Mitheilmg on Bour⸗ ibts noch icts weg Maach ihrem Sohne. Rens aber war ſeit früh — Louiſe Meunier. 263 mein Herr; können Sie mir nicht ſagen, was ſie ver⸗ brochen hat?“ „Ich kann nicht Richter und Partei in meiner eigenen Sache ſein. Darum erlauben Sie mir, ganz einfach die bezügliche Thatſache zu erzählen.“ Moriz erzählte nun, wie er Louiſe kennen ge⸗ lernt, dann die Reiſe und ihre plötzliche Trennung. Seine Erzählung unterſchied ſich von der des jungen Mädchens viel weniger als man hätte vermuthen ſollen. Er betonte die außerordentliche Sympathie, die er für Louiſe gehabtv; ihr jugendliches Alter und ihre Furcht⸗ ſamkeit hätten ein längeres Verbleiben bei Madame Savenay nicht geſtattet. Er hätte es darum für ſeine Pflicht gehalten, ſie zu der Ueberſiedelung nach Paris zu bereden; nachdem er dieſen Plan einmal entworfen, habe er auch auf die Ausführung gedrungen, weil er Louiſens Unbeſtändigkeit gekannt. Aber er ſei den⸗ noch das Opfer dieſer Unbeſtändigkeit geworden ehe er es gedacht, und die brüske Art, in welcher ſie ſich von ihm getrennt, ſei nicht nur eine Inkonſequenz, ſondern eine Undankbarkeit geweſen, eine grobe Beleidigung, deren Folgen indeß nicht, wie er geglaubt, ſie allein ge⸗ troffen, ſondern unglücklicher Weiſe ihn ſelbſt mit. „Was für ein Streich!“ rief Madame von Bour⸗ gueville aus.„Ein ſo junges Mädchen verläßt ſeine natürlichen Beſchützer, um ſich einem jungen Manne anzuvertrauen! So einen Leichtſinn beſitzt die, die René zu heiraten beſchloſſen!“ Das Spiel war geſpielt! Moriz und Lucia ließen Madame von Bourgueoille wieder abrei⸗ ſen; ſie eilte jetzt nur nach Hauſe. Lucia, gewiß, nicht gehört zu werden, drang in die Gräfin, nur René nichts von dem Abenteuer zu erzählen.„Der Fehler Louiſens,“ ſagte ſie,„iſt nicht ſo groß und über⸗ haupt nicht ſo handgreiflich, daß er ſie darum nicht auch ferner lieben ſollte. Dieſe Indiskretion würde nur zur Folge haben, daß er ſeine Ruhe verliere und diejenigen haſſe, die ſein Glück auf dieſe Weiſe zerſtört.“ Allein Madame von Bourgueville beſtand auf ihrem Rechte, von dem Vernommenen beliebigen Gebrauch zu machen.. — Aufs Schloß zurückgekehrt, frug die Gräfin ſofort Morgens auf der Jagd. So bereitete ſie ſich denn inzwiſchen auf die Unterhaltung vor, die bei ſeiner Rückkehr ſtattfinden mußte, und zwar wie ein Advokat am Vorabende eines wichtigen Plaidoyers; ſie wollte um jeden Preis René überzeugen, daß Louiſe der Liebe eines Ehrenmannes unwürdig ſei. Dabei ſchreckte ſie der Gedanke an die Troſtloſigkeit und den Schmerz, den ſie ihrem Sohne bereiten würde, nicht einen Augenblick ab. Aufgeregt wie ſie nun einmal war, wurde ſie in hohem Grade unzart, als ſie ihrem Sohne das Aben⸗ teuer Louiſens erzählte. René hatte bis dahin zu enthuſiaſtiſch die kindliche Reinheit, die Unſchuld Loui— ſens verehrt, als daß ihn nicht die Erzählung der Mutter tief hätte erſchüttern ſollen. Allein ſeine plötzlich beränderten, entſtellten Geſichtszüge, ſeine zuſammen⸗ geballten Hände, konnten eben ſo gut ſtille Wuth, wie tiefen Schmerz bedeuten. Vergebens ſuchte die Gräfin zu erforſchen, was in ihm vorging; er gab keine Ant⸗ wort. Das beunruhigte die Gräfin nicht wenig. „Wohin will er?“ ſagte ſie zu ſich.„Wird er Moriz zum Duell fordern? Sollte ich ſein Leben ge⸗ fährdet haben, indem ich ſein Glück nur im Auge hatte?“ René verließ in ſtürmiſcher Eile das Schloß. Die Gräfin befahl ihrer Kammerfrau, die mit ihr an der Wiege des Sohnes gewacht, ihm in einiger Entfer⸗ nung zu folgen und Acht zu geben, wohin er gehe. René ging zu Louiſe. Er fand ſie allein. Sofort erklärte er, warum er gekommen; er machte ihr keinerlei⸗ Vorwürfe, ſondern bat einfach um Aufklärung. Ohne Weiteres erzählte ſie ihm dann, wie ſie zu dem unklu⸗ gen Streiche mit Moriz gekommen, und dies that ſie mit ſolcher Einfalt, Treuherzigkeit und Offenheit, daß René unmöglich ihr zürnen konnte. Und als ſie ihr Bekenntniß mit den Worten ſchloß:„Mein Ruf iſt hin, Renész hören Sie auf, mich zu lieben!“ und er ihr in das treue, thränende Auge ſchaute, erwiederte er: „Nie, Louiſel“ Dieſe zwei Worte berauſchten Lo uiſe vollſtän⸗ dig; ihre Dankbarkeit und Liebe konnten nicht mehr größer werden. „René,“ ſagte ſie,„ſeien Sie überzeugt, daß nicht ein Traum, nie ein Gedanke die Reinheit meines Herzens befleckte. Ich war treu und keuſch. Ich gehöre Ihnen ganz an. Laſſen Sie mich nur Ihr Geſchick thei⸗ len und Ihren Namen! Nur Ihre Liebe— iſt mein Loſungswort. Ich habe nichts Anderes als mich ſelbſt; und mich gebe ich Ihnen; wer Wenig hat, gibt Alles; Freigebigkeit iſt die Tugend der Armen.“ Das war mehr als genug, um René zu über⸗ zeugen. Der Ton in Louiſens Erklärung ließ nicht den geringſten Zweifel an der Wahrheit deſſen, was ſie ſagte, zu. Er hatte bis dahin noch nie Lo uiſens Werth ſo erkannt, noch nie ſie ſo ſehr geachtet und ge⸗ liebt, wie in dieſem Augenblicke. Als René zu ſeiner Mutter zurückkehrte, beob⸗ achtete ſie zunächſt ſeine Geſichtszüge mit ſichtlicher Un⸗ ruhe. Als er aber lange nicht Miene machte, zu reden, entſchloß ſie ſich ſchließlich, ihn zu fragen. Aber René unterbrach ſie gleich bei den erſten Worten und bat ſie, auf dieſen Gegenſtand nie wieder zurückzukommen. „Betrachten Sie Louiſe als meine Frau,“ ſagte er;„lieben Sie ſie wie Ihre Tochter; alles Andere ſei vergeſſen!“ 4 Hierauf wagte Madame von Bou rgueville kein Wort mehr. Aber ſie konnte es noch immer nicht begreifen, wie René an Lo uiſe Gefallen finden konnte. Louiſe war ihr nun einmal verhaßt. Sie hätte gern Lucia noch beſucht, weniger um ſie um Rath zu fragen in ihrer peinlichen Lage, denn das war hinfort unnütz, ſondern um ihre Galle auszu⸗ laſſen. Aber das ging nicht. Die einzige Hoffnung, die ihr übrig blieb, war: daß die Macht der Verhältniſſe noch eine Aenderung in René's Entſchluß hervorbrin⸗ gen könnte, Crinnerungen. Lucia und Moriz kannten dieſes Reſultat ihrer abſichtlichen Indiskretion nicht. Moriz verließ durch zwei Tage nicht ſein Zimmer. Er bildete ſich ein, er ſei krank, appetitlos, aufgeregt, abgeſpannt. Er war wü⸗ thend, aber er wußte nicht warum, Louiſe hatte ihn Lügen geſtraft, und er hatte beſchloſſen, ſie rückſichtslos zu foltern. Inzwiſchen blieb Madame von Saucoun nichts anderes übrig, als ſich unverrichteter Dinge zurückzu⸗ ziehen, und bald erſchien ſie bei Madame von Bourgueville, um Abſchied zu nehmen. Letztere fand ſie in voller Verzweiflung, ſie hatte Mitleid mit ihr, wenigſtens ſchien ein ſolches in all ihren Worten, in all' ihren Mienen, in all' ihren Geſtikulationen zu liegen. Aber es ſchien eben nur ſo! Darum raffte ſie ſich zu einem letzten Verſuch zuſammen, die Heirat Ren s zu hintertreiben. „Wollen Sie alſo nicht gewaltſam einen Bruch herbeiführen,“ begann ſie,„ſo verlangen Sie wenig⸗ ſtens einen Aufſchub. Machen Sie es René begreiflich, daß Sie zu dieſer Heirat Ihre Einwilligung nur dann geben können, wenn er Ihnen bewieſen, daß ſeine Nei⸗ gung keine vorübergehende, bald verlöſchende, daß Alles ganz ernſtlich überdacht ſei.“ Madame von Bourgueville war vor Freude über dieſen Vorſchlag faſt außer ſich. Sie hoffte mit Beſtimmtheit, auf dieſe Weiſe ihr Ziel zu erreichen. Sie umarmte ihre Freundin, nannte ſie ihre Retterin, und verſprach Alles aufzubieten, René wieder zu be⸗ ſänftigen. Während ſich dieſe neue Verſchwörung bildete, beſchäftigte ſich René mit den Vorbereitungen zur Hochzeit. An demſelben Tage, wo er die Abreiſe der Madame von Saucour erfuhr, eilte er auf's „Schlößchen“, weil er jetzt mit Moriz Dornet dort unter vier Augen ſprechen konnte. „Ich weiß, daß meine Mutter Sie von meiner bevorſtehenden Vermälung mit Fräulein Louiſe Meu⸗ nier in Kenntniß geſeßt hat; aber ich wollte auch ſelbſt Ihnen die Meldung bringen, um zugleich zu hören, ob Sie dieſe meine Wahl billigen. „Was wollen Sie damit ſagen?“ rief Moriz. „Was kuͤmmert Sie meine Billigung oder Mißbilli⸗ gung. Uebrigens kann ich Ihnen leicht meine Anſicht ausſprechen: Ich billige die Wahl des Grafen von Bourgueville; aber ich billige es nicht, daß Fräu⸗ lein Louiſe Meunier dieſe Wahl angenommen, nicht ſeinet⸗, ſondern ihretwegen.“ Der Ingrimm, der ſich bei dieſen Worten in der zitternden Stimme Dornets und in den geſchloſſenen Zähnen kundgab, theilte ſich elektriſch ſofort René mit. „Das habe ich durchaus von Ihnen erwartet,“ ſagte er.„Gut alſo; ich erlanbe Ihnen nicht, ein Ur⸗ theil uͤber Fräulein Louiſe zu fällen; die Anſprüche, die Sie auf ſie zu haben vorgeben, ſind nichts als eine Argliſt, als Falſchheit, ich will, daß Sie dieſelben ein. ſach aufgeben; endlich verlange ich auch, daß Sie über alles und jedes, was ſie betrifft, überall und immer ſchweigen. Das iſt es, was ich Ihnen zu ſagen hatte.“ Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor. „Iſt das eine Drohung?“ erwiederte Moriz bleich und ſichtlich erſchreckt. „Nehmen Sie das, wie Sie wollen,“ antwortete René mit der vollkommenen Ruhe eines Chrenmannes. „Habe ich denn nicht dasſelbe Recht, wie Sie, Fräulein Louiſe meine Hand und meinen Namen an⸗ zutragen?“ „Vor einigen Tagen vielleicht; jetzt nicht. Ich habe ihr Wort und ſie das meinige. Ich verlange, daß Sie dieſes Verhältniß reſpektiren; dieſe gerechte Forde⸗ rung darf Sie nicht verleßen.“ Die leßzten Worte ſprach René wieder in dem freundlichen Tone, in dem er die Unterhaltung begon⸗ nen, Er hatte ſeinen Gegner zittern geſehen, und wollte ihm nun einen ehrenvollen Rückzug ermöglichen. Das merkte Moriz auch alsbald und fing an, ſein Beneh⸗ men gegen Louiſe des Weiten und Breiten zu recht⸗ fertigen. Obwohl es dabei nicht an ungeſchickten Sei⸗ tenhieben auf Louiſe fehlte, ließ René ihn doch ruhig ſeine Apologie beenden, an deren Schluß Moriz nicht nur ſeinerſeits Stillſchweigen über Alles verſprach, ſondern es auch übernahm, zu einem Gleichen ſeine Schweſter zu verhalten. In Wahrheit rechnete René nur halb auf dieſe Verſprechungen. Aber er hatte den Verleumder wenigſtens eingeſchüchtert, wenn er auch nicht abſolutes Schweigen erreichte. Er hoffte, mit der Zeit würde Alles in Vergeſſenheit gerathen. Moriz, der ſich fortan alſo der Katzenfreude, ſeine Geliebte zu quälen, beraubt ſah, war dadurch na⸗ türlich ſehr verſtimmt; aber immer wieder tröſtete er ſich mit Lucia's Verſicherung, Madame von Bour⸗ gueville werde ſchon Renés Verhältniß brechen. Dann wußte er ja Louiſe, oder vielleicht Louiſe auch ihn wiederzufinden. Die Gräfin, die ihren Sohn aufsZärtlichſte liebte, war inzwiſchen mit den Vorbereitungen zur Ausführung ihres Planes beſchäftigt geweſen, Ren 6 zum Aufſchub ſeiner Vermälung zu bewegen. Diesmal beging ſie nicht den Fehler, ſich von ihrer Aufregung hinreißen zu laſſen, wie einige Tage vorher; ſie wußte im Gegentheil die Sache mit ungewöhnlicher Kälte vorzubringen. Sie wollte nur die Sprache der liebenden, zarten Mutter ſprechen, die ihren Eindruck auf Ren⸗ 6 nie verfehlte. Sie wußte auch äußerlich die Sache ſo einzuleiten und zu arrangiren, daß der Erfolg noch wahrſcheinlicher wurde. Sie gab nämlich Auftrag, ſobald René von ſeinem gewöhnlichen Beſuche des Pachthofes zurückkehre. ſolle er ſie in ihrem Zimmer ſuchen. Die Gräfin betete bei ſeinem Eintritt; ſie ließ ſich nicht ſtoren, ſondern blieb in Andacht verſunken ſitzen. Ein Krueifix von Elfenbein ſtand vor ihr; über demſelben hing an der Wand das Bild von René' Vater. Bald darauf gab ſie ihm ein Zeichen, er ſolle näher kommen.. „Ich habe ſo eben zu Gott gebetet, und das An⸗ denken an Deinen Vater angerufen, damit ſie mich er⸗ leuchten in der wichtigen Angelegenheit Deiner Verbin⸗ dung mit Louiſe. Ich habe mich, obgleich ich als junge Witwe nach dem Tode Deines Vaters daſtand, nur ganz Dir gewidmet, nur Dein Wohl blieb meine .[¶QQ·Q·· Noriz intwortete nmannes. wie Sie amen an. nicht. Ich dange, dh chte Forde⸗ er in dem ing begon⸗ und wollte chen. Das ein Beneh⸗ en zu recht⸗ ickten Sei⸗ ihn doch Moriz verſprach, chen ſeine ete René hatte den in er auch ie, wit der genfreude, ndurch na- tröſtete er n Bour⸗ brechen. Louiſt ſchſte liebt lusführung m Auſchub ng ſi nicht n zu laſſen enthei di ngen. Si ten Multer verfehlte⸗ uleiten und ſchinlchet ing an dal auf gah —— —ℳ 7 —aaa —,— — 9 Ggwalbmies. Dorfleben in den Alpen. 265 einzige Sorge. Gott gebe, mein liebes, theures Kind, daß das Band nicht zerriſſen werde; ich bin zu Allem bereit, was mein Gewiſſen erlaubt. Aber, wie groß Deine Liebe zu Louiſe auch ſein mag, Du wirſt zuge⸗ ben, daß ich mit meiner Einwilligung ein großes, ſchwe⸗ res Opfer zu bringen habe. Nicht wahr? Ich rede nicht von den gänzlich außer Acht gelaſſenen Vermögensver⸗ hältniſſen Louiſens; nicht von meiner in ihren Er⸗ wartungen getäuſchten Mutterliebe; ich rede nur von der Verſchiedenheit der Anſchauungs⸗ und Gefühlsweiſe, die nothwendig mit der ſocialen Differenz verbunden iſt. Wird es möglich ſein, zwiſchen mir und Louiſe irgend eine Gleichheit der Ideen, Meinungen, Anſchau⸗ ungen zu ſchaffen? Ach, Renél ich hatte geglaubt, Du würdeſt Vertrauen und Liebe zu mir genug haben, um nur von meiner Hand Deine Gattin zu nehmen. Und Du ſelbſt, mein Theurer, bedenke, wie ſehr ihre Erzie⸗ hung von der Deinigen abſticht. Alle dieſe Umſtände beunruhigen mich ſehr; aber eins verſetzt mich in tiefe Trauer: Iſt es denkbar, René, daß ein Mädchen, das mehrere Jahre eine Nomadenexiſtenz friſtete, in der Welt heute hier, morgen dort auftauchte, die Reinheit einer Gattin, wie ſie Deines Herzens würdig iſt, mit⸗ bringe?“ „Mutter! Mutter!“ rief René mit Entrüſtung, „in dieſem Punkte leide ich keine Zweifel, keinen Verdacht.“ „Ich ſpreche nicht von ihrer Tugend,“ erwiederte die Gräfin;„aber kannſt Du wiſſen, daß ſie noch die liebenswürdige Unſchuld eines Kindes beſitzt, das noch nicht von der Seite der Mutter wich?“ „Ich glaube an ihre Unſchuld und Reinheit mehr als an die irgend einer andern Frau. Woher Ihre Zweifel ſtammen, weiß ich, auch, was ſie beſagen wollen. Mutter! Sie wollen, ich ſoll Madame von Saucour heiraten? Tröſten Sie ſich, das wird nicht geſchehen. Haben Sie mir alſo weiter nichts mehr zu ſagen?“ Hierauf machte die Gräfin den Vorſchlag, zu dem Lucia gerathen, Rens ſolle ſeine Liebe auf die Probe einer einjährigen Abweſenheit ſtellen; beſtehe ſie dieſe Probe, ſo möge er Louiſe heiraten. „Ich habe Louiſe mein Wort gegeben,“ ent⸗ gegnete er,„ich kann ohne ſie hierüber nichts entſchei⸗ den; von ihr hängt die Entſcheidung ab.“ Sofort ſetzte er Louiſe mit gewohnter Offenheit von der Unterhaltung, die er eben mit ſeiner Mutter gehabt, in Kenntniß. „Befragen Sie nur Ihr eigenes Herz,“ ſagte er zu ihr;„ſeine Entſcheidung hat Geltung.“ Louiſe fühlte bei dieſer Mittheilung den unge⸗ 8 heuren Schmerz, den ein tödtlicher Schlag verurſacht, ohne auf der Stelle zu tödten. Nichtsdeſtoweniger war ihre Entſcheidung raſch; denn ihr Vertrauen zu René richtete ſie bald wieder auf, und dieſes wollte ſie nicht trüben. Sie erklärte, gegen den Wunſch der Gräfin nicht das Geringſte einzuwenden zu haben. Dabei wies ſie entſchieden Ren és Plan, das Land zu verlaſſen, zurück; ſie wollte nicht, daß er ſich von ſeiner Mutter und ſeinen gewohnten Beſchäftigungen trenne und eine große Reiſe unternehme, für die er überhaupt nie ſehr ſchwärmte. Erinnerungen. LXXXII. 1861. „Das wäre ein unnützes Opfer,“ ſagte ſie;„denn ich weiß ſicher, daß mein Onkel mich nicht noch ein wei⸗ teres Jahr bei ſich behalten wird. Bleiben Sie alſo hier, René, wo wir uns geliebt; ich werde mich dann von Ihnen das Jahr trennen, aber Sie nicht von mir. Ich werde glauben, daß Sie mir um ſo ſicherer angehören, wenn Sie mich im Geiſte immer da ſehen, wo ſie mich in Wirklichkeit immer ſo gern ſahen. Sie werden hier unſer Paradies bewachen, mein innigſt Geliebter, und ich werde nie aufhören, in Gedanken in Ihrer Nähe, an Ihrer Seite zu leben.“ Hier erſtickten Thränen Louiſens Stimme. René, der in ihrer Entſchloſſenheit nur Verzweiflung erblickte, eilte darauf zu ſeiner Mutter und theilte ihr Louiſens Vorſchlag mit, ſprach aber auch zugleich zitternd die Befürchtung aus, es könne dieſer Zwiſchen⸗ fall ſeiner Geliebten leicht das Leben koſten. Allein es zeigte ſich bald, daß er ſich geirrt. Sie war und blieb gefaßt und änderte nichts an ihrem Entſchluſſe. „Ich muß mir die Liebe Ihrer Mutter erwerben,“ ſagte ſie zu René,„oder Ihnen beweiſen, daß keine Liebe der meinigen an Selbſtverläugnung und Uneigen⸗ nützigkeit gleich kommt. Wir werden ihr ganz ange⸗ hören, wenn ſie uns ſegnet; wir werden ganz einer dem andern angehören, wenn ſie mir ihr Herz ver⸗ ſchließt.“ (Schluß folgt.) 5 Dorfleben in den Alpen*) (Hiezu die Bilderbeilage:„Das Begräbniß“.) ſo wie mit der geträumten Poeſie des Sennen⸗ Peebens auf den Alpen; man denkt ſich dasſelbe Woin gewiſſen Beziehungen viel ideal romanti⸗ —= ſcher, als es in Wirklichkeit iſt. Der ſchwär⸗ 5 mende Beſucher aus dem Flachlande, dem alle Reiſe⸗Annehmlichkeiten zu Gebote ſtehen, nimmt nur den wonnigen, berauſchenden Eindruck der ſommerlichen, duftblauen Morgenlandſchaft in ihrer Totalität, oder den beſeligenden Abendfrieden mit ſeinen wunderheim⸗ lichen Staffagen aus dem Alpenthale hinweg, und über⸗ trägt dieſe Sättigung ſeiner Gefühls⸗Bedürfniſſe nun auf das Dorf, in welchem er weilte, auf ſeine Bewohner und deren erwerbliche und geſellige Zuſtände, ohne die⸗ ſelben in ihren inneren Verhältniſſen und Beziehungen⸗ eigentlich kennen gelernt zu haben; er konſtruirt ſich unter Zuhilfenahme des Vorhandenen ein ideales Alpen⸗ dorf aus den Phantaſien, welche in glücklichen Stunden ihn umranken, und ſchafft dadurch ein Ding, welches in Wirklichkeit nicht exiſtirt. M it dem Dorfleben im Gebirge geht's faſt eben *) Aus den„Alpen in Natur und Lebensbildern“ von H. A. Berlepſch, Leipzig 1861, mit beſonderer Er⸗ laubniß des Verlegers Herrn Hermann Coſtenoble. 34 266 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor. Der Alpenbauer, wie wir ihn bereits in einzelnen Umriſſen kennen lernten, iſt allenthalben, diesſeits und jenſeits des Gebirges, ein ungemein derber, höchſt pro⸗ ſaiſcher Menſch, der ſich beim erſten Anblick(vielleicht Tracht und Haltung ausgenommen) wenig vom Bauer des Flachlandes unterſcheiden würde, wenn hinter ſeiner Nüchternheit und in ſeiner Proſa nicht ein weit kernige⸗ res Naturell, eine gewiſſe urwüchſige Originalität, man möchte faſt ſagen ein klaſſiſcher Ernſt ſteckte. Er iſt bei Weitem nicht ſo dreſſirt und gehobelt wie ein großer Theil der agrikolen Bauern, die durch ihre fortwährende Beziehung zum Stadtleben viel von dieſem gelernt und aufgenommen haben; aber eben darum iſt er auch wahrer, urſprünglicher und trägt weniger fremdes Weſen in ſich als jener. Es iſt die Eigenthümlichkeit, die bei jedem Gebirgsvolke, gegenüber dem Flachlandsbewohner, heraustritt; das patriarchaliſche Moment, getragen und gehoben durch die kräftigere, präciſere Ausdrucksweiſe, die wiederum ein Reſultat der Einwirkungen jener impoſanten, oft fruchtbar⸗erhabenen Natur ſind. Sie ſtählt und kräftigt nicht nur den Körper, ſondern auch den Charakter des Volkes, das unbekannt mit den, im Sturme ſich häufenden, täglich neuen Bedürfniſſen der großen Welt, genügſam in ſeinen Lebens⸗Anſprüchen iſt, und in einer Altherkömmlichkeit der Sitten und Ge⸗ bräuche verharrt, die, eben ihrer uns fremd gewordenen Alterthümlichkeit halber, uns auffallen und anheimeln. Dieſen ungekünſtelten, naturgemäßen Lebensfor⸗ men begegnen wir zunächſt und am Unmittelbarſten an dem uns fremden Habitus der Häuſer. Sie ſind ein integrirender Theil der uns entzückenden Landſchaft und beleben dieſelbe durch ihre, weit über die Matten zerſtreute Lage ungemein. Dennoch aber würden ſie den maleriſchen, poetiſchen Effekt nicht erreichen, wenn wir an ihnen nur eben wieder den uns bekannten, geraden Linien, den äußerlichen Merkmalen der modernen Tief⸗ lands⸗Architektur, und den nüchternen, weißen Anſtrichs⸗ farben begegneten. Die Wohnungen in den Alpendör⸗ fern ſehen nicht aus wie Kunſtgebilde von Menſchen⸗ hand,— ſie ſcheinen mit den Bergen und Bäumen aus der Erde gewachſen zu ſein. Da iſt noch die ſaftige, weiche, braune Holzfarbe, wie ſie die Natur den Stäm⸗ men ſelbſt verlieh, da ſind die ſilberglänzenden Schin⸗ deldächer, auf denen ſchwere bemooſte Steine laſten, die trotzenden Hüter gegen den wilden Föhn. Breit und niedrig ſteht es da das Berghaus, als ob's vom jahre⸗ langen Druck der Steine und des Schnees halb in den Boden verſenkt wäre; aber gerade dieſe behäbige, la⸗ gernde Breite gibt ihm eine unendlich wohlthätige Ruhe, die der erhabenen Einfalt und Stille der Alpenwelt ent⸗ ſpricht. So vortheilhaft nun dieſe Häuſer in der land⸗ ſchaftlichen Kompoſition wirken, ſo wenig würde deren innere Verfaſſung und Einrichtung den Beſucher befrie⸗ digen. Die mehr oder minder allen Hirten⸗Völkern eigene geringe Sorgfalt für die Reinlichkeit ihrer Woh⸗ nungen zerſtört jede idylliſche Illuſion.— Ueber alle Begriffe einfach iſt der Hausrath; ein großer Theil des⸗ ſelben iſt Produkt eigener Handfertigkeit, und es gibt noch manches Dorf der inneren Alpen, in denen das eiſerne Thürſchloß noch keine Aufnahme und Anwen⸗ dung gefunden hat, und der brennende Kienſpan die Stelle des Talglichtes oder der Oellampe vertreten muß. Dem Rauch vom Herd und Ofen iſt kein Kaminweg angewieſen, durch den er ſeinen Ausgang ſuchen muß; in vielen Berghäuſern geht die Schornſteinleitung bis in den Bodenraum, und dort dampft es dann durch alle Lucken und Spalten des Daches hinaus. Menſchen und Vieh leben und gedeihen gemeinſam im gleichen Hauſe; die Stallungen nehmen meiſt einen weſentlichen Theil desſelben ein und ſchützen durch ihre natürliche Wärme im ſtrengen Winter gegen die ſcharfe Kälte. Betritt man dann des Alpendorfes Kirchlein, ſo iſtss auch hier wieder, als ob man einen Rieſenſchritt zurück in's graue Mittelalter machte. Die meiſten ſind im Bau Urtypen der Einfachheit und verrathen kaum, aus welcher Zeit ſie ſtammen, welchem Styl ſie angehö⸗ ren. Das Innere hat einſt die fromme Einfalt mit allerlei Zierathen oder die Hand eines wandernden Maler⸗Dilettanten mit Bildwerk aus dem Leben des Orts⸗Patrons oder anderen Heiligen⸗Legenden ge⸗ ſchmückt, in denen gewöhnlich der Teufel mit Hörnern und Pferdefuß eine hauptſächliche Rolle ſpielt; da iſt's denn nicht ſelten der Fall, daß die liebe Dorfjugend an dieſen hölliſchen Mißgeſtalten ihren Zorn ausgelaſſen und den Herrn Satan im heiligen Glaubenseifer ganz zerkratzt hat. Oder man findet plötzlich, zu ſeiner größten Ueberraſchung, ein neues, von tüchtigem Künſtler ge⸗ maltes Altarblatt und hört bei weiterer Nachfrage, daß ein Münchener oder Düſſeldorfer Maler, der einen gan⸗ zen Sommer lang im Wirthshäusle des Dorfes logirt, dies Bild gemalt und dem Kirchlein geſchenkt habe.— Indeſſen gibt's auch Alpendörfer, ganz verſteckt, zu hin⸗ terſt im Thal, die Gotteshäuſer haben, groß, edel im Styl, ſogar prunkvoll in der Ausführung, mit Marmor⸗ ſäulen und trefflichen Bildſchnitzereien,— Kirchen, die jene mancher ehemaligen Reichsſtadt weit übertreffen. Entweder ſteht oder ſtand ein Kloſter dort, welches aus ſeinem wohlgeſpickten Säckel und unter Beihilfe der dienſteigenen Thalleute den überraſchend ſchönen Bau herſtellte,— oder es lebte einſt in dieſem von der Welt abgeſchiedenen Alpenwinkel ein Mann, der ſeine Nach⸗ barn zu ſolch' großem Werk zu entflammen wußte, daß Alle Hand anlegten, bis das Gebäude vollendet daſtand. — Die Herrſchaft der äußerſten Gegenſätze, die in den Alpen allenthalben zu Tage tritt, zeigt ſich auch hier. Und nun das Leben ſelbſt in dieſen Dörfern, in dieſen großen Einſiedeleien Central⸗Europa’s,— wie tritt auch hier uns wieder ſo viel Uranfänglich⸗Einfaches entgegen!— Ohne Beiſtand der Wehmutter, ohne ärzt⸗ liche Hilfe, treten die meiſten Alpenbewohner in den Kreis ihrer Familie ein. Die erſte Pflege, welche ihnen wird, ſteht nicht ſelten weit unter jener, mit der die wilde Bärenmutter ihre Jungen inſtinktiv verſorgt und hegt und ſchützt. Nicht wenig Gegenden im Alpenlande ſind's, deren Bewohner den Kinderſegen als eine große materielle Laſt betrachten; denn iſt's die Armuth allein, welche die wandernde Savoyarden⸗Jugend in die ferne, fremde Welt, ohne Schutz, ohne Anhalt, ohne Mittel — — — id Anwen. enſpan die rketen muß. Raminweg hen muß; Adung bis im gleichen weſentlichen natürliche Kälte. irchlein, ſo ieſenſchritt neiſten ſind hen kaum, ſie angehö⸗ infalt mit vandernden Leben des genden ge⸗ ſit Hörnern t; da iſt s fjugend an ausgelaſſen seifer ganz ner grßten ünſtler ge⸗ frage, daß einen gan⸗ rfes logirt habe.— , Fa hir s, edel im it Marnor⸗ Kirchen die iberteeffen. welches aus Beihifft der hönen Baut in der Welt feine Nah⸗ wußte, da det daſtand. die in den Dorfleben in den Alpen. 267 hinausjagt und ihrem Schickſal preisgibt,— oder iſt's nicht vielmehr das beinahe vertrocknete Gemüth, das ſelbſt zu Fels und Stein gewordene Elternherz, das dieſen zur Volksgewohnheit gewordenen Akt immer wie⸗ der erneuert?— Aus dieſem Grunde iſt auch der Akt der Taufe in vielen Gegenden der Alpen durchaus kein Familienfeſt. Und wiederum liegt der äußerſte Gegen⸗ ſatz dicht daneben. Dort, wo das Volk, ſei es aus Glau⸗ benseifer und Ueberzeugung, oder gedrängt von der Nothwendigkeit, Werth auf das Sakrament der Taufe legt, finden oft weite Wanderungen bis zur Kirche der Gemeinde mit dem erſt wenig Tage alten Kindlein ſtatt; denn Haustaufen ſind in den Alpen unbekannt, und nicht jedes Dorf, nicht jeder weit in einem Seitenthal gele⸗ gene Weiler oder Hof hat ſeine eigene Kirche. Die evan⸗ geliſchen Walliſer gingen, als vor einigen Jahrhunder⸗ ten nach der Reformation ringsum das katholiſche Glau⸗ bensbekenntniß wieder angenommen wurde, mit ihren Täuflingen über Schnee und Eis, wohl ſechs bis ſieben Stunden weit, nach dem proteſtantiſchen Grindelwald, um dort vom Pfarrer ihres Glaubens die kirchliche Weihe über die Aufnahme ihrer Kinder in den Bund der Chriſtenheit ſprechen zu laſſen,— einen Weg, den heutzutage der kühnſte Berggänger kaum zurückzulegen ſich getraut, weil Alles furchtbar vergletſchert und von Firnſchründen zerriſſen iſt. Da zeigt ſich eben wieder die Kraft und Konſequenz des Aelplers,— der Ernſt und die Ausdauer, der feſte Wille und der Muth, nicht nur in Dingen des alltäglichen Müſſens und Sollens, ſon⸗ dern auch in Sachen eigenen Entſchluſſes, eigener freier Meinung; ſo zäh wie er in ſeinen phyſiſchen Anſtren⸗ gungen iſt, eben ſo nachhaltig iſt er auch in den Reſul⸗ taten ſeines Nachdenkens, ſeiner Willensfreiheit. Faſt lediglich der natürlichen Körperentwickelung überlaſſen, wächſt nun das Kind, halb nackend unter und mit den Thieren des Hauſes auf. Während der beſſeren Jahreszeit iſt ſein Tummelplatz auf der ſchwel⸗ lenden Matte, welche die„Heimet“ umgibt, im Walde und ob jäher Felſenfluh, immer umgeben von tauſend Gefahren,— hier des Sturzes in den Wildbach und des Zerſchmettertwerdens durch Steinſchläge, dort des Ertrinkens im See, oder der Vergiftung durch Beeren und Pflanzen; aber wie nicht der Frieden, ſondern der Krieg ſeine Helden groß zieht, ſo dienen auch alle dieſe, der zarten Jugend drohenden Schreckniſſe nur dazu, das Alpenkind für ſein ihm beſtimmtes Loos im Leben vorzubereiten und zu kräftigen. Es müßte allenthalben ein ſpartaniſch männlicher, eiſern feſter Volksſchlag er⸗ wachſen, wenn nicht vielſeitig die gänzlich vernachläſſigte Hautkultur und das Leben in engen, oft mit peſtartig verdorbener Luft gefüllten, während des Winters über⸗ heizten Stuben einer geſunden, normalen Körperaus⸗ bildung weſentlich hindernd entgegen träten. Darum in einzelnen Gebirgsgegenden, wo noch andere beeinträch⸗ tigende Faktoren mitwirken, die auffallende Menge von Kretins, blödſinnigen und nur halb entwickelten Men⸗ ſchen. Die Schule quält den jungen Welthürger der Alpen mit Wiſſensbeläſtigungen herzlich wenig; drei bis vier Elementar⸗Fächer, innerhalb der engſten Grenzen, r— Z— genügen, um die Baſis für den geiſtigen Horizont des ganzen Lebens zu legen,— alles Uebrige muß die Praxis ſpäterer Jahre lehren. Und dieſe Schulzeit,— o nachahmungswürdiges Beiſpiel, Seligkeitsgedanke der unterrichtsfeindlichen, ſtundenſchwänzenden Jugend,— dauert jährlich nur ſechs Wintermonate; den ganzen ſchönen, langen Sommer über, von Oſtern bis Michaeli, ſind Ferien,— Ferien für Lehrer und Schüler. Was von den Gehirn⸗Nerven während des Winters dürftig aufgeſogen und von den zugeſpitzten Fingern techniſch erlernt wurde, hilft das freie, ungebundene Sommer⸗ leben innerhalb der Berge und an den kräuterduften⸗ den Halden glücklich wieder verſchwitzen; nur einige Jahlenreſte für die Haus⸗ und Markt⸗Arithmetik, etwas Leſefertigkeit und die oft ſchwer entzifferbaren Hiero⸗ glyphen der Namens⸗Unterſchrift, ſind in ſehr vielen Fällen die ganzen für die Zukunft eroberten Schätze der Schulweisheit. Tritt nun der Knabe in's Leben ein, ſo hängt, wie überall, ſeine Zukunft von der Eltern Beſitz, von der Zahl ſeiner Geſchwiſter und hundert anderen Umſtänden ab. Gar mancher arme Bube, der einſt die Ziegen hü⸗ tete und wenig mehr als ſeine Kleidung ſein Eigenthum nannte, gelangte dennoch zu Reichthum und Gütern. Da ſind vor allen die Graubündner ein wunderbar ſpe⸗ kulatives Volk. Das große, ſchwach bevölkerte Land ſen⸗ det alljährlich eine namhafte Zahl ſeiner Angehörigen in’'s Ausland, damit ſie dort ihr Brod erwerben. Was ihnen daheim am Mindeſten geboten wird, Zucker und Leckereien, das legt den Grund bei Vielen zu nicht ge⸗ ringem Wohlſtand. Als arme Knaben wandern ſie, mit dürftigem Zehrpfennig und einer Reiſe⸗Empfehlung aus⸗ gerüſtet, weit fort nach Italien, Rußland, Deutſchland oder Frankreich, um bei einem dort etablirten Konditor als Helfershelfer und junger Dienſtknecht einzutreten. Hier müſſen ſie Kakao reiben, Zucker mörſern, Kaffee ſie⸗ den lernen, und bilden ſo ſich nach und nach zum Schweizerbäcker aus. Die wenigen Pfennige Lohn und Trinkgeld erſparen ſie mit Harpagons⸗Geiz. Inzwiſchen findet ſich Gelegenheit, mit einem anderen Landsmann ein kleines Stübchen zu miethen, ſelbſt einen Kaſtanien⸗ Handel, eine kleine Chokoladen⸗Fabrik oder Kaffee⸗Sie⸗ derei zu etabliren. Aus den verdienten Groſchen werden Thaler, die Kompagnons trennen ſich, um Jeder nun auf eigene Fauſt dem Gelderwerbe weiter obzuliegen, ſie richten größere Geſchäfte ein, und das hohe Mannes⸗ alter findet ſie als reiche Leute. Da treibt ſie denn die Sehnſucht wieder heim in's alte liebe Vaterland, wo ſie nach und nach Güter, Wieſen, Häuſer erwerben, und dort verleben ſie, in ſtiller Einſamkeit, den Abend ihres Lebens.— Ein anderer Theil der jungen Burſchen, be⸗ ſonders aus den katholiſchen Schweizerkantonen Wallis, Uri, Unterwalden, Schwyz und auch aus Graubünden, verlaſſen heimlich Haus und Hof, um in fremden Dien⸗ ſten als Lohnſoldaten ihr Glück zu verſuchen. Die Schweizertruppen in Neapel und Rom erlangten in jüngſter Zeit traurige Berühmtheit. Oder der Tiroler iſt als Kaiſerjäger in den Garniſonen Oeſterreichs zum feſten Mann herangereift, hat kapitulirt und dient dem 34* — G————ͤ. —— 268 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor. Vaterlande, bis der Tod auf dem Schlachtfelde ihn heimruft oder eine armſelige Civil⸗Verſorgung ihn dürf⸗ tig im Alter erhält. Die meiſten Alpenknaben aber, die nur einige Mittel beſitzen, bleiben in ihren Bergen, und weichen in ihrer Lebensart nicht eine Linie breit von dem althergebrachten Wirthſchafts⸗Betriebe der Ureltern ab. Je nach ihren Fähigkeiten und den ortsüblichen Be⸗ ſchäftigungen widmen ſie ſich entweder der Viehzucht, lernen die Märkte und den Handel kennen, und ver⸗ ſuchen ſelbſt ihr Glück, oder ſie werden Flößer, Holz⸗ hacker, Wurzelgräber und im Sommer vielleicht Frem⸗ denführer. Nur wenige Gegenden gibt's, in denen, wie im Berner Oberlande, ein eigentlicher Fabrik⸗Erwerb und induſtrielle Thätigkeit Raum gewonnen haben. Der Aelpler hängt in ſeinen Lebensbedürfniſſen weit weniger von fremder Hilfe und fremden Erzeug⸗ niſſen ab, als der Bauer des Flachlandes. Fleiſch, Milch, Käſe und Butter liefert ihm der Stall, rauhes, ſchwar⸗ zes Brod geben ihm die ſelbſt gebauten Körnerfrüchte, und ſeine Körperbekleidung webt er ſelbſt. Es gibt Fa⸗ milien in den Bergdörfern, die Monate lang nicht das kleinſte Geldſtück für ihren Lebensunterhalt zur Hand zu nehmen brauchen. Wirthshäuſer gibt'’s in gar vielen Alpenthälern nicht, und wo dennoch ſolche exiſtiren, da ſind es mehr Sprech⸗ als Zech⸗Häuſer. Da ſitzen z. B. die Bauern des vom Spoel durchfloſſenen Livinen⸗Thales oft Stunden lang im Wirthshauſe beiſammen, qualmen ihren(zu öſterreichiſcher Zeit ausſchließlich gebräuchlichen) Regie⸗Tabak, ohne einen Tropfen Wein oder Brannt⸗ wein zu verzehren; dabei aber ſchreien ſie ſo entſetzlich und disputiren beim Mora⸗Spiel ſo fieberhaft aufge⸗ regt, als ob ſie über und über berauſcht wären. Es gibt eine große Menge von Alpendörfern, in denen die äußerſte Einſamkeit und das abſoluteſte Still⸗ leben ſich niedergelaſſen haben; wohl aber wenige wer⸗ den vom Rofnerhof am Oetzthaler Ferner in Tirol über⸗ troffen, wo einſt der vom Konzil zu Konſtanz geächtete Herzog von Oeſterreich, Friedrich mit der leeren Taſche, ein verborgenes Aſyl fand. Vier Brüder wirthſchaften dort miteinander und üben alle Handwerke gemeinſam aus, die ſie für ihren Lebensbedarf beanſpruchen müſſen; wie eine robinſonſche Kolonie, ſind ſie von allem Ver⸗ kehr ziemlich abgeſchloſſen, und der Winter in dieſer Hö⸗ henlage von mehr als 6000 Fuß über dem Meeres⸗ ſpiegel trennt ſie für faſt halbjährige Friſt von den näch⸗ ſten Nachbarn. Bei aller dieſer Abgeſchiedenheit von der lärmen⸗ den, in Genüſſen ſich überſtürzenden Außenwelt geht's dennoch in manchen Alpengegenden, je nach des Volkes Temperament und Sitten, zu Zeiten ganz fröhlich und vergnüglich her. Der ſommerlichen ländlichen Feſte, der Alpen⸗Auffahrt, des„Goh⸗Meſſe“ Tages, der Schwin⸗ geten und Alpſtubeten wurde ſchon ausführlicher ge⸗ dacht; aber damit begnügt ſich das Bergvölklein noch nicht. Auch wenn die Herden wohlbehalten und gemäſtet von den hohen Triften heimgekehrt ſind, feiert Alt und Jung die Wiederkunft der Hausgenoſſen; das iſt die Aelpler⸗Kilbi, die mit dem Kirchweihfeſt an manchen Orten zuſammenfällt. Da gehts denn ländlich, ſittlich her. In manchen Thälern des Wallis bringen ſie den Decem dem Pfarrer in's Haus, beſtehend aus großen, fetten Käſen; Wohlehrwürden regalirt dagegen die Spender mit einem feſten, wohlbereiteten Mittagsmahl, bei dem es dann am Weine nicht fehlen darf. Im Kan⸗ ton Unterwalden zieht die ganze Sennenſchar mit Blu⸗ menſträußen überſchwänglich ausſtaffirt an einem Herbſt. ſonntage in die Kirche und nimmt daſelbſt die Ehren⸗ plätze des Tages auf den vorderſten Bänken ein. Nach⸗ dem das Standbild ihres Schutzpatrons, des heiligen Wendelinus, auf dem Altare ausgeſtellt iſt, hält der Ortsgeiſtliche eine Predigt zum Lobe des Hirtenſtandes, und der übrige Theil des Gottesdienſtes verläuft nach dem Ritual. Nun aber, wenn die Kirche zu Ende iſt, beginnt draußen vor den Thüren ein jubelvolles Leben. Die Muſiker ſchmettern ihre Fanfaren luſtig hinaus, hoch weht die Aelpler⸗Fahne, und der heilige Wendelinus wird in jauchzender Prozeſſion, begleitet vom Pfarrer, durch's Dorf getragen. Als Wildmann und Wildweib verkleidete Burſchen, ganz in grünes Tannenreis gehüllt, mit Bärten von der langen Rag⸗Flechte(Usnea bar- bata) treiben Tollheit über Tollheit, indeſſen kunſtgeübte Fahnenſchwenker ſich produciren. So geht der Zug zum Wirthshauſe, wo die Begeiſterung auf's Höchſte ſteigt und mit einem ſchönen Akt der Humanität in der Weiſe geſchloſſen wird, daß der Bratenmeiſter den Aermſten der Gemeinde den mit Blumen geſchmückten Kirchweih⸗ braten und eine große Kanne Wein zum Beſten gibt. Am andern Morgen dann, wenn Alle ausgeſchlafen ha⸗ ben, beginnt, nach abermaligem Gottesdienſt, der Tanz, der lärmend und tobend ſo lange fortgeſetzt wird, als ſich nur noch ein Bein regen kann.— Noch toller trei⸗ ben's die Appenzeller auf ihrer Kilbene zu Urnäſch; dort geht es Tag und Nacht in Saus und Braus. Und was gilt dann als die größte Chre für ein Mädchen, das vom Kirchweihfeſte kommt? Was glaubt man wohl? Blitzblaue und blutig geſtoßene Elbogen! das iſt ein Zeichen, daß ſie brav Tänzer hatte, und keine Allemande auszulaſſen brauchte. Der Saal, in welchem getanzt wird, iſt für die Menſchenmenge nämlich ſo klein, daß bei dem ungeſtümen Drehen die entblößten Elbogen allenthalben anſtoßen, und daher die blutigen Sieges⸗ male.— Im Graubündner Vorderrheinthal findet ein ſolches Tanzfeſt zur Faſtnachtszeit ſtatt, welches drei Tage und drei Nächte dauert; zu dieſem bringen die Tanzgäſte ſelbſt ihre Speiſen mit und entnehmen bei dem Wirthe blos den Wein. Die Luſt am Tanzen(das meiſt nur an wenigen Tagen im Jahre geſtattet wird) iſt ſo groß beim Alpenvolke, daß die wunderbarſten Er⸗ ſcheinungen dabei vorkommen. So iſts im Appenzeller Lande der Brauch, daß nach der ſ. g.„Trägete“, d. h., nachdem das Heu von den Vorbergen herunter in die tiefer liegenden Gaden getragen iſt, von dem Beſitzer den ledigen Burſchen, die ſich bei der Trägete betheilig⸗ ten, in einer Scheunen⸗Tenne ein Tanz mit einem ſehr frugalen Eſſen als Entſchädigung gegeben wird. Da drängt ſich denn Alles herzu, an dieſer Hilfeleiſtung ſich zu betheiligen,— nur um einige Stunden ausgelaſſen tanzen zu können. 5 — ——·—————- —— — n ſie den großen, gen die em Heude die Chren⸗ in. Nach. heiligen hält der nſtandes auft nach Ende iſ, es Leben. aus, hoch endelinus Pfarrer Wildweib gehüllt nea bar- nſtgeübte Zug zum jſte ſteigt der Woiſe Nernſten jrchweih⸗ en gibt. afen ha⸗ er Tanz, ird, als Aer Wer⸗ ſſch; dort Und was chen, das an wohl? iſt ein lllemande 1 getanzt lein, daß Elbogen Sieges⸗ ndet ein ges deei ingen die hmen be zen(das tet wird) rſen Se penzeller Dorfleben in den Alpen. 269 6⁸ Auch die Winter⸗Abende ſind lange nicht ſo ſtill als man bei der zerſtreuten Lage der Häuſer wohl glau⸗ ben ſollte. Die Weiber halten ihre„Spinneten“, bei denen allerlei abenteuerliche Geſchichten und abergläu⸗ biſcher Hokuspokus erzählt werden; und haben ſie dann ihre Phantaſie auf's Aeußerſte erhitzt, dann begegnet's in katholiſchen Thälern wohl, daß Alle ein gemeinſames Gebet, mitunter eine halbe Stunde lang, herzuſagen be⸗ ginnen, um ſich gegen die Einwirkungen böſer Mächte zu ſchirnen und zu panzern. ie winterlichen Abendzuſammenkünfte, die Spin⸗ neten und Stubeten oder das 5 Liecht Vae 8 Lim junge Leute beiderlei Geſchlechtes Theil nehmen leiten gemeiniglich auch die Dorfliebſchaften ein, deren unmit⸗ telbare Folge der„Kiltgang“ iſt. Er heerſcht nicht überall und ſelbſt da, wo er beſteht, iſt er nach ſeinen Einwir⸗ kungen auf die ſittlichen Zuſtände ſehr verſchieden. Kilt⸗ gang bezeichnet die Erlaubniß, welche ein lediges Mäd⸗ hen(mit Wiſſen ihrer Eltern) ihrem Liebhaber gibt, Abends beſuchen zu dürfen. Bald findet dieſes 6 e blos am Fenſter ſtatt, ſo daß der Vurſche dartobe dem Hauſe aufgebauten Beige Scheithon, an einer vor tert und ſo bis in die tiefe Nacht hineit alzes hinanftlet⸗ chen ſeiner Wahl ſich traulich unterbeßen mit dem Mäd⸗ Bewohner in den Baieriſchen n dalt, weßhalb es der „s Fenſterln“ nennt,— oder§. und Salzburger Alpen im Kämmerlein der Gelige s ſie Zuſammenkunft erfolgt ſio 1 „ * 3 Tages Grauen. In beß Dahten und währt oft bis gegen den Burſchen mitauf Noen Fällen regalirt das Mädchen geiſtigen Getränkez Naſchwerk und Wein oder anderen unendlich viel„en.— Es iſt eine uralte Sitte, die ſchon bannen läßt. Dh Unheil geſtiftet hat, aber ſich ſchwerlich Summe der weda die Knabenſchaft eines Ortes, d. h. die duldet, dafyr jungen, heiratsfähigen Burſchen, es nicht Gehege kq dis Einer aus einem anderen Orte ihnen in's ſo hat keier mme, beſonders bei den Töchtern reicher Bauern, gefühp lieder Kiltgang ſchon Mord und LTodtſchlag herbei⸗ jährl Pt, und leider haben die Kriminal⸗Gerichte faſt all⸗ ſittrmaich Proceſſe abzuwandeln, die aus dieſer alten Volks⸗ unhen reſultiren. Mit Liſt und Muth, mit Unerſchrockenheit MWBayd tapferer Gegenwehr muß der Begünſtigte, wenn er Köücht zur Knabenſchaft oder zu den„Nachtbuben“ eines Moͤrtes gehört, ſich die Braut erkämpfen. Der Aelpler iſt Leiben derb und kühn in Allem, was er thut und unter⸗ muſimmt. Der Feſttag der Hochzeit hat nur in wenigen Alpen⸗ mithälern volksthümlichen, poetiſchen Duft und Reiz be⸗ liehalten,— in den meiſten Gegenden iſt dieſer minnigſte unſeebensmoment zu einem ziemlich nüchternen, von der Stꝛothwendigkeit und vom Geſetz bedingten ſocialen Akt Rhabgeblaßt der nur materiell mit Eſſen, Trinken und geſTanzen, ohne alles ſymboliſche Ceremoniell vollzogen gibwird.— Die ſinnigſten Gebräuche, jedoch auch mit gro⸗ Aktßen, örtlichen Abweichungen, herrſchen in dieſer Beziehung Democh im Baieriſchen Oberlande, im Salzkammergut, ſo unſwie in einem Theile von Tirol, wo die kleidſame, flotte we Volkstracht weſentlich das Ihrige zum Schmuck der Feicr unzmit beiträgt. Dort wird in manchen Dorfſchaften die Braut am Hochzeits⸗Vorabend ſchlau verſteckt, und der Bräutigam muß wie ein feindlicher Feldherr mit Hilfe leiſen iennde alle Bewegungen der bräutlichen Partei hten und fortwährend die Umgebung des Hauſes rekognosciren, um dann mit Uebermacht in das ausge⸗ endſchaſteit Verſteck eindringen und ſich die Liebſte er⸗ obern zu können. Iſt er ein heller, pfiffiger Kopf, ſo greift er nicht eher an, als bis er ſich ſeines Sieges verſichert hält; ſchallendes Gelächter und gutmüthiger Spott ver⸗ folgen ihn indeſſen noch lange, wenn er ein⸗ oder mehr⸗ ahbatgt Aera ans enn en waden Bausmir 3 ageer einſt ein beſonnener⸗ praktiſcher hwerde, der Alles recht angreife und mit offe⸗ nen Augen auf's Ziel losgehe. Nur in verhältnißmäßig wenigen Gebirgsthäler herrſcht noch die ſchöne Sütte, nit iee oritdihänah unter Begleitung bekränzter Brautjungfern, die ſele den Muſikanten vorauf, zur Kirche zu Delen. Qie Nar wie einſt der Kloſtermeir von Mörliſchachen den Braut⸗ lauf hielt, ass er die Braut von Immenſee(Schillers Tell, IV. Akt, 3. Scene) abholte, iſt längſt außer Brauch gekommen. Auch in die Berge iſt die Verflachung ge⸗ drungen und hat mit der Beſeitigung der alten, natio⸗ nalen Tracht auch manche ſchöne Sitte entfernt. Nur noch das Schießen auf dem Kirchwege aus alten, halb verroſteten Böllern, Piſtolen oder Musketen, oder gar aus hohlgebohrten, in die Erde gegrabenen Holzröhren wird noch ziemlich allgemein prakticirt und ruft im tau⸗ melnden Freudenrauſch durch Unvorſichtigkeit manche Schreckensſtunde hervor. Und iſt das kleine, ſtille und beſcheidene Leben der Alpeneinſamkeit durchgelebt, wird der Körper der Erde wieder anvertraut, von der er kam, dann tritt uns auch in dieſer letzten Feierlichkeit wieder ein ganz eigenthüm⸗ licher Moment entgegen. Drunten im Lande, wo alle Nachbarn beiſammen wohnen und ihre Häuſer um des Dorfes Kirchlein gruppirt haben, da iſt(das landesüb⸗ liche Ceremoniell abgerechnet) das Begräbniß eine Hand⸗ lung, die ſich faſt allenthalben gleicht. Anders in den Alpen, wenn droben, ſtundenweit von der gemeinſamen Ruheſtätte, der Erdenbürger zur Ewigkeit eingeht. Den Weg, den er allſonntäglich als Lebender zum Kirchlein machte, muß jetzt ſein Leichnam im engen Bretterhaus zum letzten Mal zurücklegen. So weit hinab iſt's ſchwer ihn zu tragen. Da ladet denn der Sohn des Vaters oder der Mutter Sarg, wenn’'s Sommer iſt, auf einen kleinen, ſchmalen Karren, ſpannt aus dem Stall, was er juſt hat: ein Roß oder ein Stück Hornvieh davor, und geleitet ſo die irdiſchen Reſte hinab in's Thal. Ueberall, wo dieſes Trauer⸗Gefährt vorüberkommt, tritt das Volk hinaus, betet laut ein„Vater unſer“, oder ſchließt ſich dem Zuge an. Und hat der Winter ſeine Schneedecke über Berg und Thal geworfen, dann muß der Schlitten dem Verſtorbenen den letzten Dienſt erweiſen. Der Sarg wird feſt aufgebunden, ein ſtarker, kräftiger Mann, mit zwei Bergſtöcken unter den Armen, ſetzt ſich zu vorderſt auf, lenkt mit den Füßen, und im jagenden Fluge gleitet der Leichen⸗Kondukt hinab. — Erinnerungen. Illuſtrirte Bl Frack, Hut und Halseiſen. Vom Verfaſſer des„Redakteurs“. s iſt zwar nicht wahr, was der„Bazar“, deſ (wweitverbreitete Moden⸗ und Muſisrzeitung einf ſagte, daß nämlich die Moden der Männer alle Zeit auffälliger, unpraktiſcher, lächerlicher ge⸗ weſen ſind als die der Frauen. Im Gegentheil, die Frauenmoden haben vollſtändig Grund di Eigenſchaften zu reklamiren, die unſern Moden gege 3 worden ſind. Aber ſo aiſändig zein und erhaben ſteh⸗ ännliche Koſtüm auch nicht da. das echaſä ahern ſo zu Karl des Fünften und auch noch au Mallenſteins Zeiten Mode war, mag unge⸗ fähr ausgeſehen haben wie eine gereifelte Holzſcheibe, durch die der Kopf geſteckt worden iſt. Auch⸗ mag ſie nicht viel unpraktiſcher geweſen ſein als ſolche. Der ge⸗ tollte Buſenſtreifen oder Jabot hatte allerdings den praktiſchen Vortheil, als Schnupftabaksreſervoir zu dienen, denn liebevoll nahm er die Tabackkörner auf, welche beim Schnupfen der begierigen Naſe verloren gingen und ſonſt unrettbar auf dem Fußboden unter erbar⸗ mungsloſen Fußtritten umgekommen wären. Der ſchwarzſeidene Strumpf war beſonders im Winter ein ganz angenehmes Kleidungsſtück, denn er er⸗ möglichte nicht nur, ſondern bedingte ſogar in den mei⸗ ſten Fällen eine wohlausſehende, ſchützende, erwärmende Wattur. Seht ihr nun, ſchöne Frauen, daß unſere Moden ſtets auch ihre liebeswürdigen Seiten hatten? Ihr hal⸗ tet feſt an der Krinoline; ſollte das blos Vergeltung ſein, weil die Männer ſo feſt an ihren Moden halten? Ein Kleidungsſtück, wie es die Mode der Männer will, bleibt nicht nur Triennien, es bleibt Dezennien und darüber im Flor. Die Form erleidet hin und wieder Abwechſelungen und Aenderungen, das Ganze aber mit ſeiner eigenthümlichen Grundidee bleibt. Man betrachte ſich den Frack. Welche verſchiedenen Stadien hat er ſeit einem halben Säkulum durchge⸗ macht; die Form aber mochte ſein wie ſie wollte, das Ganze blieb immer ein Frack, d. h. kein Rock, keine Jacke, ſondern ein Gemiſch von beiden, wobei der Erfinder mit ſeltenem Takte das, was an beiden Kleidungsſtücken un⸗ praktiſch war, zu verſchmelzen wußte in Ein Ganzes. Erſt erſchien der Frack in einer Form, die heute un⸗ fehlbar ſelbſt den Antinous zur Vogelſcheuche machen müßte, wenn er ſich den Einſegnungsfrack ſeines Groß⸗ vaters anziehen wollte. Die Aermel waren möglichſt eng und konnten nur dann über die körperlichen Arme ge⸗ bracht werden, wenn krampfhaft der Daumen und die ſogenannte Maus in die innere Höhlung der Hand ge⸗ preßt wurden. Ob wir Epigonen nun ausgebildetere Armmuskeln oder nicht die Geſchicklichkeit unſerer Vor⸗ eltern haben, ich weiß es nicht, nur das wird mir un⸗ vergeßlich bleiben, daß ich mich einſt vergeblich bemühte, meines ehrenwerthen Großpapa's Hochzeitsfrack, behufs einer Maskerade, anzuziehen. lätter für Ernſt und Humor. Was die Aermel an Unvollkommenheit leiſteten, bemühte ſich wieder der Kragen auszugleichen. Unendlich hoch, unendlich ſteif, war er der natürliche Gegner dom aufrecht getragenen Häuptern. Auf dieſe Weiſe muß e der Kopf nach vorn ſinken und ſtets eine Lage annehmn die freien Männern nicht geziemt. Freilich aber, damals hatten wir in Deutſchland noch keine Verfaſſung! f Vorn trug der Kragen ſtets ein zierlich wisgehnit tenes Dreieck zur Schau, wo unſere heutigen Rieldundie ſtücke nur einen einfachen Einſchnitt haben. Dus Huiiet diente ebenſo zur Zierde als zum Beweiſe der Kunſt— ertigkeit des Schneiders. 3 kinſalant Taille war kurz und mußte bei argolerchier Bauart des Fracks eine Handbreit unter dem dlerne. loch aufhören. Daran ſchloß ſich dann ein ſihwaltn. ſchwanzähnlicher unbad Aeaüciedehehen e ſt den Kniekehlen r. deſiedeediuzdedan ſah de Stammvater des Geſchlechts er Fracke aus. Von Frack⸗Generation zu Frack⸗Genera⸗ „Solree nun der Baumeiſter, deſſen Symbol Schere, tion legte, iſt die beſſernde Hand an das Erzeug⸗ Elle und Nadheen Schneiderphantaſie. 9 niß einer erhitztd„blieb zwar enge, das war einmal ſchön Der Aermel Vond trefflich anerkannt, der Kragen und als praktiſch uͤlkt zedriger gemacht und mit ſteifem ward aber ein Wenig nra. der Seitenanſicht halbmond⸗ Zeuge ſo gefüllt, daß er in egef, welche zuerſt möglichſt förmig erſchien. Die Schöße in op jetzt in behaglicher ſpitz konſtruirt wurden, gefielen ſieguse Breite. tenſtie ſich die Kultur Immer mehr und mehr verbeſſerit vten verfiel die des Fracks. Sogar auf verſchiedene Arto ur den Phan⸗ Phantaſie. Ich nenne von dieſen Arten näſozeht ſich jeg⸗ taſie⸗ und den Reitfrack. Der erſtere entzunbetändig den licher Erklärung, da ſeine Konſtruktion vollfn, durde, der Wünſchen des Beſtellers gemäß ausgeführt wohl emiſch. zweite jedoch graſſirte eine Zeit lang ſogar epidein zt des Sein charakteriſtiſches Merkmal war die Abweſenhale ung Ausſchnitts, die Schöße ſchloſſen ſich in ſanfter Rund en an die Taille an. Hin und wieder ſieht man dergleich er Fracke noch heutigen Tages, ja konſervative Gemüth werden nicht müde, zumal in ſchöner Sommerzeit, eie neues derartiges Exemplar ſich bauen zu laſſen, dan S das Genre nicht ausſterbe. e Heute, wo die Mode überhaupt dem Grund m der Bequemlichkeit möglichſt huldigt, iſt der Krager Fracks ſchmal und hübſch, die Aermel ſind luftig t und nur unten am Gelenk eng, was ſeine gute pre⸗ Seite hat, die Taille iſt nach anatomiſchen Geſet fertigt und Ausſchnitt wie Schöße zeigen einen ne⸗ Mittelzuſtand. Freilich erreicht der Frack in Kleidſamkeit,? lichkeit und praktiſcher Anwendung den Rock lan und doch wird er bleiben, ſo lange die Welt von Vorurtheilen ſich nicht zu emancipiren vermag. Das ſchöne Rheinland revoltirt gewaltig den Frack, das übrige Deutſchland wird wohl er ten, ob der hohe Bundestag ein Geſetz betreffe Abſchaffung des privilegirten Ball⸗ und Feſtkleides ——— Nicht erſt an dieſem Orte, ſchon zu öfteren? — ſt leiſteten, Unendlich degner bon e mußte mehmen, ber, damals ſung! ausgeſchnit⸗ Kleidungs⸗ Das Oreieck der Kunſt⸗ dgalcechter dem Aermel⸗ ſchwalben⸗ en, der min⸗ 3 Geſchlechts rack⸗Genera⸗ abol Schere, das Erzeug⸗ einmal ſchön der Kragen d mit ſteffem t halbmond⸗- eit möglichſt behaglicher G die Kultur n verftel die ur den Phote tzeht ſich jeg⸗ inbzändig den In. enunde, der wobhl erniſch epidein t des eſenhek ung er Rund dergleich Gemüth netzeit d iſſen, dan? Grunt 1 Kragen luftig te ple⸗ geſe n nc 4 8 habe ich meine Abneigung gegen den mir verhaßten Rock⸗ und Jackenzwitter ausgeſprochen. Meine freund⸗ lichen Leſer mögen es entſchuldigen, wenn ich bei jeder Gelegenheit die Scipio’ſche Sentenz ceterum censeo Carthaginem esse delendam in meiner Art moderniſire. Auch dem hohen ſchwarzen Cylinder ſind ſchon in früheren Schriften einige liebenswürdige Wahrheiten geſagt worden. Wir kennen Alle die Gellert'ſche Fabel vom Hute. „Der Erſte, der mit kluger Hand Den Männerſchmuck, den Hut, erfand, Trug ſeinen Hut unaufgeſchlagen, Die Krempen hingen flach herab Und dennoch wußt' er ihn zu tragen, Daß ihm der Hut ein Anſeh'n gab. Er ſtarb und ließ bei ſeinem Sterben Den neuerfund'nen Hut dem Erben.“ Schön mag allerdings dieſe Art Hut nicht ausge⸗ ſehen haben. Jeder Erblaſſer teſtirt über den Hut, und jeder Erbe bringt ſeine Verbeſſerungen an. Die Geſtalt wird neu, der Hut ſelbſt aber bleibt alt und der alte ſchalkhafte Gellert kann ſich nicht enthalten, ſeine lie⸗ benswürdige Hutfabel mit der Moral zu ſchließen: Und daß ich's kurz zuſammenzieh', Es ging dem Hute faſt wie der Philoſophie. Leider iſt der Name des erſten Erfinders des Hutes der Nachwelt nicht aufbewahrt, aber noch viel bedauerns⸗ werther iſt, daß auch der Name desjenigen verloren ging, der zuerſt auf die Idee kam, der ehrenwerthen Geſtalt des Hutes der Vorzeit eine thurmähnliche Cy⸗ lindergeſtalt zu geben. Ein Wohlthäter der Menſchheit, oder vielmehr der Männerwelt kann es nicht geweſen ſein, und war es ein Satyr, dann mögen ſich noch im Grabe unſere Enkel für die Großväter ſchämen, die ſich ſo lange die Foppereien des Satyrs mit ihren Nachwirkungen ge⸗ fallen ließen. Nach meiner beſcheidenen Vorſtellung von einem normalen Bekleidungsgegenſtande muß dem menſch⸗ lichen Körper unter allen Umſtänden ſeine natürliche Bauart möglichſt wenig beeinträchtigt werden. Der Körper des Königs der Schöpfung iſt ein ſo erhabenes Meiſterwerk des Schöpfers ſelber, daß es mehr wie Leichtſinn, daß es geradezu Sünde iſt, die Formen muthwillig zu zerſtören oder zu verhüllen. Wie aber in aller Welt läßt ſich der Cylinderhut mit den Formen des Kopfes vereinbaren? Fätte der liebe Gott gewollt, es wäre ihm ja ein leichtes geweſen, unſer Aller Haupt thurmähnlich zu zieren, wie er dem Stier die Hörner, dem Elephanten den Rüſſel, dem Rhinoceros das Naſenhorn gab. Ich will damit nicht geſagt haben, daß es heutigen Tages keine Männer gibt, die einen Kopfſchmuck tragen; das Geſchlecht der Aktäons wird nicht ausſterben, ſo lange die Welt ſteht. Der liebe Gott aber gab uns einen gewölbten Schädel und üppigen Haarwuchs auf die Schädelhaut, und ich wette Zehn gegen Eins, nur in der Hoffnung hat er uns ſo geſchaffen, daß wir uns nur einer leichten, mög⸗ Frack, Hut und Halseiſen. 271 lichſt der edlen Form des Hauptes angepaßten Kopfbe⸗ deckung bedienen würden. Wir aber ſtülpen ein ſchwar⸗ zes hohes Gebäude auf's Haupt, das unter den gierig eingeſaugten Sonnenſtrahlen erglüht; wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn hirnverbrannte Ideen auftau⸗ chen. Mit Sanftmuth aber werden alle Unbequemlich⸗ keiten ertragen, man bleibt auf Reiſen geduldig belä⸗ ſtigt, iſt in öffentlichen Lokalen ſtets in Verlegenheit, was mit dem Hute anzufangen, ſetzt den Hut der Ge⸗ fahr aus aufgetrieben zu werden und ſchaut wehmüthig jeder Regenwolke entgegen, die ſich entladen und das theure Bedeckungsmittel arg beſchädigen könnte. Eine geiſtreiche, engliſche Dame vergleicht einen Mann mit Hut und Frack mit einer Krähe, die den Deckel einer ſchwarzgeſtrichenen Zündholzſchachtel auf's Haupt ſtülpte. Und Miß Maria S. Cummins hat Recht. Gäbe es Krähen mit weißen Hälſen, oder gäbe es überhaupt Anſtreicher unter dem Geſchlecht der Krä⸗ hen, die den Kameraden bei großen Galacouren Hals ſtreifen in Weiß malen könnten, der Vergleich der eng⸗ liſchen Schriftſtellerin würde noch mehr auf unſere mo⸗ derne junge Männerwelt paſſen. Jene weißen Streifen würden die Mode der Hals⸗ eiſen charakteriſiren. Als der Jabot abkam und man ſich zu den ein⸗ fachen weißen Chemiſettes mit detto Halskragen be⸗ kehrte, da war eine große That geſchehen, ein Schritt zur geſchmackvollen Einfachheit gethan. Es kamen die Oberhemden und das war kein Fehler: die Tracht iſt kleidſam und bequem. Der geſchmackloſe Vatermörder war beſiegt, der ſtets das Beſtreben zeigte, das Ohr⸗ läppchen vom Kopfe abzuſchneiden. Nun mußte irgend ein Engländer auf die Idee fallen, die bisherige Tracht, als zu zwanglos, mit der Etiquette nicht vereinbar zu halten. Er erfand die ſte⸗ henden, den ganzen Hals umſchließenden Kragen und eine möglichſt ſchmale Binde. So geht denn nun die junge Welt einher mit ſtets wunder Haut am Unterkiefer. Die Neigung des Hauptes wird ihnen ſchwer,— aber es ſieht ſchön aus. Wahr⸗ lich, ſehr ſchön! Ddie Krinoline haben wir zu bekämpfen geſucht in Wort und Schrift, mit Satyre und möglichſt geſchärftem Sarkasmus, es iſt uns nicht gelungen, ein Reſultat zu erzielen. Die Männer und ihre Modethorheiten bekämpft kein Menſch, wer wird gegen ſein eigenes Fleiſch und Blut wüthen? Aber, man laſſe ſie doch auch ganz ruhig ge⸗ währen. Sie wollen ſich rächen des nutzloſen Krinolinen⸗ kampfes wegen, indem auch ſie die Thorheiten des Modeweſens zur Schau tragen. Aber es iſt dieſelbe Rache, die jener hoffnungsvolle kleine Weltbürger nahm, als er vom Lehrer wegen ſeiner ſchlechten Handſchrift beſtraft wurde: er hieb ſich mit der Axt den rechten Zeigefinger ab. Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor. Deutſche Bäume. Von Hermann ZJäger. 4. Die Kiefer. Ras könnte der Dichter der„Heidebilder“ mit dem einſamen Wäldchen, das die arme Heide aufbewahrt hat, „Wie eine Witwe Den Brautſchmuck aufbewahrt, daß ſie die Blicke, Die thränenvollen, ſpät daran erquicke,“— was könnte er anders gemeint haben, als den Reſt eines Kiefernwaldes, vielleicht mit einigen freundlichen Birken gemiſcht? Ja, die Kiefer iſt der Baum der öden Heide, des unfruchtbaren Sandes mit ſeinen trockenen Dünen⸗ wellen, und in ihren unabſehbaren Flächen, dürftig mit ſchattenarmen Baumgeſtalten beſäet, fern dem befruch⸗ tenden Waſſer müſſen wir ſie aufſuchen. Hinter uns liegt der ſaftige, üppige Bergwald, hinter uns das lachende Hügelland mit ſeinen reichen Feldern und friſchen Wieſen⸗ gründen, die breite, üppige Flußaue mit ihrem ſtrotzenden Grün, und vor uns dehnt es ſich endlos im ſonnigen Nebel des Höhenrauchs— unerquicklich und traurig. Magere Felder, mit kärglichen Haferſtengeln und zwer⸗ gigem Heidekorn(Buchweizen) bedeckt, aus denen ſtach⸗ liche Diſteln wie Armleuchter hervorragen, ſäumen den mühevollen Weg durch das vertrocknete Meer. Vor uns liegt ein weißer, ſchimmernder Hügel, vor Jahrtauſenden von Meereswellen angefluthet oder von den leichteren Wellen des Windes zuſammengewirbelt. Kaum bemerk⸗ bar erhebt er ſich unter unſern Füßen, und troſtlos liegt abermals vor uns ein weites, ödes Flachland. Ach, wo ſeid ihr, freundliche Genoſſen des Menſchen, die ihm, ſelbſt ohne Seele, die Seele erquicken? Wie lechzen wir nach eurem erquickenden Schatten, nach euren form⸗ verleihenden Geſtalten in dieſer formloſen Oede! Das Auge ſehnt ſich nach Ruhe in dem unendlichen Nichts und findet ſie nur, wo neue Wipfel dem Boden entſteigen, wohlthuend verhüllend und unterbrechend das Uner⸗ trägliche. Ja, wahrhaft unerträglich iſt die Landſchaft im baumloſen Gewand. Aber Dank der freundlichen Kiefer, die ihren Wohnſitz aufgeſchlagen in der öden, traurigen Heide, Dank den Winden und Menſchen, die ihre geflügelten Samen herbeitrugen, Dank dem Regen und Schnee, der ihre Keime weckte und zu grünen Sternchen erzog, dem Thau, der ſie erfriſchte,— ein Wald iſt erſtanden, und ſchon winkt er„mit grünen Fingern“ am fernen Horizont, ein Labſal für das Auge, wie für das Herz. Schon bildet das braune Heidekraut, welches fern den Ortſchaften ſchon längſt die Felder abgelöſt hat, mit den röthlichen Blüthenknoſpen hoher, beſenförmiger Ginſter, im Frühling mit goldigen Schmetterlingen über⸗ ſäet, jetzt von Brombeerranken mit reifenden Früchten durchflochten, mit dem Wachholder niedriges Gebüſch. Eine ſanfte Bodenanſchwellung bezeichnet die Grenze des Waldes, und tief in ihn hinein ziehen ſich die ————+₰— braunen Buchten des Torfmoores, nur ſpärlich auf kleinen Hügeln niedriges Geſtrüpp von verkümmerten Kiefern, Birken, Gagel und Moorweiden tragend. Wir ſind im Walde und freuen uns ſeiner. Zwar iſt es nicht der ſchöne, friſche Laubwald mit ſeiner duftigen, uner⸗ gründlichen Perſpektive, nicht der feierliche, moosgrundige Fichtenwald mit ſeinem erhabenen Düſter; faſt mehr grau und braun als grün iſt die Oberfläche, faſt kahl und nur mit dürren Nadeln, ſpärlichem, braunem Moos und grauen Flechten bedeckt iſt der Boden, dem hie und da kleine Heideſträucher und borſtige Haarbüſchel von Schwingelgräſern entſproſſen; einförmig iſt die Linie der wenig eingeſchnittenen Wipfel, einförmig die Be⸗ leuchtung des faſt überall gleich dichten oder vielmehr dünnen Waldes; die Luft iſt nicht erfriſchend wie im Laubwald, ja ſie ſcheint uns ſchwüler als im Freien; aber wir ſind doch im Walde, wir hören ſein leichtes Rauſchen, ſehen doch Geſtaltung und wechſelnde Formen, finden Schutz. Der Wald iſt meiſtens nicht alt, denn die Forſtkultur, welcher er ſein Daſein verdankt, hat lange zurückgeſcheut vor ſolcher Sandwüſte. Die Kiefern ſind zum Theil wenig über Geſichtshöhe und noch bis zum Boden grün, die Stämme älterer Beſtände kaum 30. bis 40 Fuß hoch, einzeln daſtehend mit dünnen, braunen, nach Oſten geneigten Stämmen, als wollte ſie der Weſt⸗ wind nicht dulden auf ſeinem Tummelplatz, dem weiten norddeutſchen Tieflande, tragen oben nur einige Büſchel von mattem Grün, und werden wieder verſchwinden, ohne je viel höher und ſtärker zu werden, bis der von Nadeln gedüngte und beſchattete Boden endlich fähig wird, eine kräftigere Generation zu tragen. Der Wald iſt nicht groß, und wir ſind überraſcht, bei ſeinem Austritt Felder, Wieſen, ja ſogar ein Dörf⸗ chen zu finden. Aber ſind das nicht lichtgrüne Eſchen zwiſchen dem dunkeln Erlengebüſch hinter der kleinen Kirche? Erhebt ſich nicht jenſeits ein begrünter Berg? Iſt die Luft nicht friſcher und feuchter? Ein kleiner Bach am Dorfe, ohne welchen es nicht beſtehen könnte, erklärt uns dieſe Wandlung. Aber der Berg iſt durchſichtig und nur hoher, alter Kiefernwald, der ſich ſo hoch über den niederigen Horizont erhebt. Auch dieſes verdanken wir der Nähe des befruchtenden Waſſers, weil es ſeit Jahrtauſenden das Pflanzenwachsthum begünſtigte und ſo die Urſache zu beſſerem Boden wurde. Der Sand der kleinen Anſchwellung, welche den hohen Kiefernwald trägt, ſcheint überdies etwas Lehm zu enthalten, und auch dieſes erklärt uns die ſchöneren Bäume. Die Rand⸗ bäume treten mit ſtark gekrümmten braunrothen Aeſten und büſchelförmig getheilten, rundlichen Kronen ſo weit wie möglich an das Licht vor und nehmen aus dieſem Grunde ſelbſt eine ſchiefe Stellung ein. Das Grün hat ſchon eine lebhaftere, bläulichere Färbung und wird durch die braunrothe Rinde noch gehoben. Der Wald ſelbſt entſpricht der Schönheit des äußeren Anblickes nicht, denn die wohl 60 Fuß und höher aufſtrebenden glatten Stämme tragen nur dünne Kronen, deren An⸗ blick von unten nicht ſchön iſt, die Rinde iſt nicht ſo roth mehr, riſſiger und nicht ſo rein abgeſchuppt, der Waldboden ganz kahl und mit Nadeln bedeckt, durch — därlich auf kümmerten ſend. Wir ſt es nicht agen, uner⸗ undige fon wehr he, faſt kahhe inem Moos em hie und bü ſchel bon die Linie ig die Be⸗ jelmehr nd wie im im Freien; ſein leichtes de Formen, it denn die hat lange diefern ſind ch bis zum e kaum 30 en, braunen, j der Weſt⸗ dem weiten ige Büſchel hwinden, is der von dlich fähig U dertoſcht, tan Dolf⸗ rüne Eſchen der kleinen ater Berg! ner Bach nnte, erklärt durchſichtig hoch uber verdanken veil es ſeit nſtigte und Der Sand giefernwold Hermann Jäger: Deutſche Bäume. 273 welche ſelten kümmerliches Moos ſchimmert. Wir freuen rinnt Waſſer, und alle dieſe kleinen Bäche münden uns daher, daß bald Birken und Fichten am Wege weiter unten in ein Flüßchen, welches zwiſchen mäßigen auftreten, daß man überall durch die nackten Stämme Sandhügeln eine freundliche Wieſenaue langſam durch⸗ B N iue Bun Die Kiefer. in das offene Land hinausſehen kann, wo der gewun. zieht. Hier treten uns neben den vorherrſchenden Kiefern dene Bach mit Erlen, Eſchen und Weiden umſäumt iſt. ſchon einzelne Fichten, an tieferen Stellen ſogar Weiß⸗ Der Boden wird abwechſelnder. Durch kleine Thälchen tannen und Cichen entgegen. Der Waldboden zeigt mehr Erinnerungen. LXXXII. 1861. 35 — ſͤi— ꝗͦ,——— ——— 274 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor. Moos, und einzelne Stellen ſind mit dem Adlerfarrn dicht bedeckt. Die Kiefern an den Hügeln ſtehen dünner und haben faſt alle das Anſehen voller Randbäume, nach allen Seiten ſtarke, gekrümmte, rothe Aeſte aus⸗ ſtreckend. Manche haben eine bedeutende Höhe, vielleicht 100 Fuß und darüber, Wir finden kaum eine Aehnlich⸗ keit mehr zwiſchen dieſen Bäumen und den Krüppeln auf der Heide, denn auch die Färbung iſt eine ganz andere, friſchere, und es ſchimmern namentlich die tieferen Zweigpartien lebhaft blaugrün. Ungern faſt treten wir aus dieſer hübſch beleuchteten Gruppenlandſchaft in die Tiefe eines düſtern Hochwaldes, welcher eine ganz breite Thalmulde bedeckt. Am Rande der feuchten Wieſe zeigen ſich Erlen, an höheren Stellen einzelne Eichen; die ein⸗ zelnen ſpitzen Phramiden, welche die Oberfläche unter⸗ brechen, ſind Fichten; denn überall, wo die Kiefer auf gutem Boden ſteht, ſiedeln ſich gern andere Bäume, vorzugsweiſe Fichten und Weißtannen(wo ſie in der Gegend vorkommen) dazwiſchen an, was ihnen bei dem ſtets lichten Stand der Kiefern ſo gut gelingt, daß ſie im Laufe der Zeit die urſprünglichen Beſitzer verdrängen. Nur in der armen, trocknen Heide herrſcht die Kiefer ohne Nebenbuhler, denn die Birke dürfen wir mehr als freundlichen Begleiter betrachten. Noch herrſcht in dieſem Walde die Kiefer vor, und ſie erreicht auf dem mäßig feuchten humusreichen Sandboden eine erſtaunliche Höhe und Stärke. Aſtlos erheben ſich die zwei bis drei Fuß ſtarken Stämme in allmäliger Verjüngung bis zu der Höhe von 100 bis 120 Fuß, dann erſt eine ſchwache, von unten wenig bemerkbare Krone tragend. Die Höhe erſcheint faſt ſchwindelnd, weil ein Ende nicht recht ſicht⸗ bar iſt. Kein anderer Baum hat einen ſo hohen nackten Stamm, ſelbſt die Fichte nicht, weil ſie tiefer herunter grün bleibt, und kein Nadelholzbaum ſchließt oben die Walddecke ſo vollkommen wie die breitkronige Kiefer. Unten ſind die Stämme ſchuppig, mit Flechten bewachſen, graubraun, oft ſchwärzlich, nach oben zu werden ſie lederbraun, bis endlich die Stammſpitze am Geäſte die junge kupferrothe Rinde zeigt, welche im Gegenſatz zu dem Düſter der Tiefe, von der Sonne beleuchtet, noch farbenreicher erſcheint. Faſt unheimlich wird das Dunkel dieſes Waldes zur ſinkenden Tageszeit und bei dem im Abendwind erwachten, dem Kieferwald ganz eigenthüm⸗ lichen unbeſchreiblichen Sauſen oder Rauſchen. Aber was ſchimmert dort zwiſchen den dunkeln Stämmen im lich⸗ teſten Maigrün? Was ſchwebt wie ein duftiger Schleier über dem ſchmarzen Moderboden? Faſt wie eine Wieſe breitet es ſich aus, aber ſo lichtgrün iſt keine Wieſe, und im Kiefernwalde hat nur der„Elfentanzplatz“(freier, runder Platz im Walde) etwas Graswuchs. Näher tretend löſt ſich das Räthſel in maſſenhaft verbreiteten Adler⸗ farrn(Pteris aquilina) auf, welcher an lichten Stellen den ganzen Boden überzieht, während andere faſt aus⸗ ſchließlich von zwei Fuß hohen Gebüſchen von Sumpf⸗ heidelbeeren(Vaccinium uliginosum) und Porſt(Le- dum palustre) eingenommen werden. Dieſer ſchönſte einheimiſche Farrn wird in dem ſandigen, feuchten Humusboden oft vier Fuß hoch, iſt auf geradem dach⸗ artigem Stengel ausgebreitet und deckt ſo den Boden vollſtändig. Dieſes köſtliche Grün läßt uns faſt vergeſſen. wo wir ſind, und unbewußt erreichen wir den Rand des Holzes, wo eine tiefe Wieſenbucht einſchneidet, und ein kleiner Weiher das moorige Waſſer der Vertiefungen aufnimmt. Die kleine Waſſerfläche iſt faſt ganz mit ſtarken Kiefern umgeben, die ſich mit einigen weit über⸗ hängenden Birken darin abſpiegeln. Das Waſſer iſt klar und ruhig, der Grund ſchwarz, das Licht fällt nur von einer Seite darauf, daher entſteht ein ſo ſchöner Natur⸗ ſpiegel, wie er ſelten gefunden wird. Und hier können wir die Prachtgeſtalten der Kiefern noch einmal in ganz anderer Weiſe ſehen, denn ihre rothen Stämme und Aeſte leuchten in dem ſchwarzen Spiegel Allem vor. Wir ſehen unter uns, was wir oben nicht ſuchten und ſo ſchön erkannten, das Ganze des merkwürdigen, ſelt⸗ ſamen Geflechtes der Aeſte unbeſchattet. Der Blick dringt immer tiefer in den wunderbaren Spiegel,— es erfaßt uns Schwindel als müßten wir auf den Wald unter uns ſpringen. Darum hin zu den Hügeln jenſeits der Wieſen, der untergehenden Sonne zul Die kleinen raſigen Anhöhen ſind mit Gruppen alter, nicht hoher, aber breitkroniger Kiefern beſetzt, welche ſich mit ihren tief eingeſchnittenen Kronen ſcharf auf dem röthlichen Abend⸗ himmel abzeichnen und zum Theil wie zerfetzte rieſige Schirme daſtehen, unter denen der Horizont goldig ſchimmert. In der gegebenen Schilderung erkennen wir an⸗ fangs den traurigen Kiefernwald der Heide, wie er uns zwiſchen Meer und Bergen in ganz Norddeutſchland häufig, aber auch in andern Niederungen und Fluß⸗ ebenen, wo der unfruchtbare Sand herrſcht, und auf den trocknen Hochebenen des bunten Sandſteins und Muſchelkalks entgegentritt. Weiter ſehen wir ihn in ſeiner ganzen Schönheit und Vollendung, wie ihn das vom Waſſer und beſſeren Sandboden begünſtigtere Tief⸗ land der Niederlauſitz, die Gegenden der Neiße(vor⸗ züglich von Moskau aufwärts) und noch manche andere Gegend, jedoch ſelten in ſolcher Vollkommenheit zeigt. Dann finden wir aber auch in jener Schilderung den Kiefernwald, wie ihn die meiſten Gegenden, die ſandigen Vorberge und Ebenen haben, mit ſeinem einförmigen, nüchternen Anſehen. Aber die Kiefer iſt nicht nur der Baum des Tieflandes, ſondern tritt uns auch im eigent⸗ lichen Gebirge häufig und zwar meiſt in höchſt eigen⸗ thümlicher Geſtalt entgegen. Wir wollen ſie auch dort aufſuchen. Zwar ſinkt ſchon die Sonne; allein der Gold⸗ grund des Abendhimmels iſt ja die rechte Unterlage für die Formen der Bergkiefer. Schön geformte Berge, mit Laubholz dicht be⸗ wachſen, umſchließen ein tiefes Thal, das kaum bemerk⸗ bar ein Wieſenſtreif durchzieht. Obſchon die Buche vor⸗ herrſcht ſo iſt doch der Wald durchaus auch mit Nadel⸗ holz gemiſcht. Ueberall, wo Felſen aus dem Wipfel⸗ meere hervorragen oder unſichtbar unter einer ſchwachen Moosdecke lagern, hat ſich die Kiefer angeſiedelt und behauptet beſonders die Sonnenſeite der Berge. Der Laubwald iſt auf dieſer Seite nur in den Thalmulden und Vertiefungen üppig, auf den trocknen Rücken und Köpfen nur mit knorrigen Traubeneichen von niedrigem — ſeergeſſen. n Rand et, und efungen anz mit Ader⸗ er iſt Ua nur von er Natur⸗ r können in ganz me und em vor. ten und en, ſelt⸗ it dringt es erfaßt ud unter ſeits der mraſigen er aber hren tief nAbend⸗ te rieſige t goddi wir an⸗ er uns ſchland Fluß⸗ nd auf n Vnd ion in ihn das fere Tief⸗ iße(vor⸗ ſe andere eit zeigt. rung den ſandigen fbörmigen, nur der neigen⸗ iſt eigen⸗ auch dort der Gold Unterlage dict be bemerk⸗ ſuche vor⸗ Nadel⸗ Wipfel⸗ chwachen delt und e. Der almulden cen und iedrigem Hermann Jäger Deutſche Baume. 275 Wuchs und zwergigen, ſtruppigen Buchen bedeckt, welche überall von einzelnen, hohen Kiefern überragt werden. Wie ſeltſam und wie ganz anders als im geſchloſſenen Wald des Tieflandes iſt ihr Anſehen und Bau! Hier ſehen wir einzelne Kiefern oder Gruppen von Bäu⸗ men, die ſich von unten auf in mehrere Stämme oder vielmehr Aeſte theilen und ſo nahe am Boden aus⸗ breiten, als wollten ſie ſo ſchnell wie möglich den heißen Felsboden decken und ihre eignen Wurzeln ſchirmen. Die Nadeln daran ſind kurz, aber lebhaft grün, und faſt glauben wir eine andere Art vor uns zu haben. Um den trocknen Fuß der Felſen und an ſeinen Abhängen und Spalten finden wir uralte Stämme oft von drei Fuß Stärke, zuweilen mit einem dreißig Fuß hohen Schaft, noch öfter aber ſich niedriger in ſtarke, eichen⸗ artig⸗gekrümmte Hauptäſte theilend, die ſich aber faſt immer wieder nach oben krümmen, um eine geſchloſſene Krone zu bilden. Ihr kupferfarbiger Stamm trägt eine faſt regelmäßig über's Kreuz geriſſene, glatte Rinde, wo⸗ durch ſchachbrettartige, abgerundete Vierecke entſtehen. Wie bei der Bergeiche haben einzelne Aeſte an der Licht⸗ ſeite eine ſtammartige Stärke und bilden eine Krone für ſich. So ſtehen die mächtigen Bäume ſtufenweiſe über einander, immer einzeln oder ſelten zu mehreren Stäm⸗ men und Kronen gruppirt. Man ſieht überall mehr Felſen und Stämme als Kronen, wie eigentlichen Wald. Die Spitze des Felſens ſelbſt trägt eine Gruppe ſchirm⸗ artig geſtalteter Bäume mit allſeitig gleich entwickelter Krone, unter deren Schirmdach wir die herbſtliche An⸗ ſicht auf das Wipfelmeer zu unſern Füßen genießen. Manche Felsſpitze trägt nur einen ſolchen Schirmbaum. Dieſe Felskiefern gleichen in der Form den Pinien des Südens, welchen wir faſt auf jedem italieniſchen Land⸗ ſchaftsgemälde begegnen. Eben vergoldet die ſcheidende Sonne alle Wipfel, aber keinen ſo roſig, wie die der hochragenden Kiefern; denn das Kupferroth der Rinde vermiſcht ſich hier mit dem goldnen Schimmer des Abends. Lenau's Abendlied: ———————„des Waldes Rieſen Heben höher ſich in die Lüfte, um noch Mit des Abends flüchtigen Roſen ſich ihr Haupt zu bekränzen.“ kann keine treffendere Anwendung finden. Eilen wir mit dem Fluge der Gedanken aus Thüringen öſtlich in das Gebiet des Quaderſandſteins an die Elbe in Sachſen oder in das Felſenlabyrinth von Adersbach in Böhmen, ſo zeigt ſich uns ein ähn⸗ liches Bild; denn faſt jede der thurmhohen Felſenſäulen trägt in ſonniger Höhe eine oder mehrere ſchirmartig gewachſene Kiefern, während aus ſchattiger Tiefe die ſpitzige Fichte emporſtrebt. Aber auch in andern Ge⸗ birgen finden wir die Kiefer in dieſer Weiſe, und in Unteröſterreich(z. B. in der ſchönen Brühl bei Wien) iſt es die öſterreichiſche Schwarzkiefer, deren lange, dunkelgrüne Nadeln ihnen noch größere Schönheit ver⸗ leihen. Den gleichen Charakter hat die Kiefer auf Ruinen, wo ſie ſich nebſt der Birke vorzugsweiſe gern anſiedelt und zu einem ſchwachen Baum erwächſt. Dies kann nir⸗ gends ſchöner geſehen werden, als an der herrlichen Kloſterruine Paulinzelle im Thüringer Walde. In traurigſter Geſtalt tritt uns die Kiefer in den öden Mooſen(Torfmooren) der Donau und Oberbaierns entgegen. Nicht Baum, nicht Strauch, bildet ſie dort kleine Zwergwälder, die ſich nicht zu verändern ſcheinen, ein kümmerliches Daſein friſten und, mit grauen Flechten behangen, ewige Greiſe bleiben. Sie bilden ſchwarze Inſeln in der öden, braunen Sumpffläche. Wir haben die Kiefer nun ſo in allen Lagen und Verhältniſſen geſehen, daß ich nur noch wenig zu ſagen habe. Obſchon zum Nadelholz gehörend, hat ſie doch im Alter den Bau eines Laubholzbaumes, von dem ſich die Krone oft nur durch eine vortretende Spitze in der Form unterſcheidet. Sie hat gruppirte Aſtpartien, welche an manche Eichen erinnern. Einzeln ſtehend, iſt ſie ein ſchöner Baum, der dem Landſchaftsmaler willkommen iſt und der Landſchaft reiche Formen und große Ab⸗ wechſelung gibt. Im geſchloſſenen Wald iſt ſie nicht ſchön, und weil die meiſten Menſchen ſie nur ſo kennen, ſo gefällt ſie ſelten. In der Jugend iſt ſie nie ſchön, wodurch ſie ſich ganz von andern Nadelhölzern unter⸗ ſcheidet. Das meiſt düſtere Grün wird durch die lichter⸗ artig ſtehenden jungen Endtriebe von ſchmutzigem Grau vom Mai bis Auguſt noch unreiner, ſo daß die Kiefer eigentlich nur vom Herbſt bis zum Frühjahr ſchön grün iſt. Der quirlartige Aſtſtand der Jugend verliert ſich ſcheinbar nach zwanzig bis dreißig Jahren ganz, indem einzelne Aeſte ſtärker werden, vortreten und ſich krümmen, obſchon der Aſtſtand immer quirlförmig bleibt. Dieſer veränderte Wuchs und büſchelförmige Stand der Zweige alter Bäume ſcheint wie bei der Eiche durch häufigen Verluſt der Endknoſpen durch Inſekten hervorgebracht zu werden. Schöner iſt die Schwarzkiefer aus Oeſterreich mit dreimal ſo langen, dichterſtehenden, ſtärkeren, dunkel⸗ grünen Nadeln; dieſe iſt als volläſtiger, junger Baum ſogar ſehr ſchön. Stets bedeutend iſt die Wirkung alter, freiwachſender Bäume gegen den Himmel geſehen, be⸗ ſonders wenn dieſer auch unter der Krone ſichtbar iſt. Solchen Kiefernwald erkennt man auf Bergen Stunden weit. Die Felſenkiefer bildet meiſtens einen flacheren, breiteren Schirm, als die des Tieflandes auf gutem Boden, deren Krone die Form einer Glocke oder ſtumpfen Pyramide hat. Die Kiefer ſucht überall das vollſte Licht, verkümmert im Druck anderer Bäume und bildet, ſich ſelbſt überlaſſen, nur lichte, hochſtämmige, hainartige Wälder. Eigenthümlich iſt das Sauſen des Kiefernwal⸗ des im Winde, welches ſchon einige Bäume hervor⸗ bringen. Der Kiefernwald ſpricht ganz anders als der Tannen⸗ und Fichtenwald, der auch rauſcht; denn die langen Nadeln, die büſchelförmige Bildung der Zweige geben im Winde Veranlaſſung zu einem zeitweiſen Säuſeln, gleichſam einem Pianiſſimo, welches die anderen Nadelhölzer nicht hervorbringen können. Dieſes iſt noch zarter bei der auch in Deutſchland ſchon hie und da in Wäldern verbreiteten ſchönen Weymouthskiefer aus Nord⸗ amerika, deren lange, feine Nadeln das leiſeſte Säuſeln hervorbringen. Als natürlichen Standort erwählt die Kiefer das Tiefland, vorzüglich das ſandiger und niedriger 35 — ———,— 276 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor. Berge. Im Gebirge erklettert ſie zwar gern Felſen, ſteigt aber in Mitteldeutſchland ſelten über 1000 Fuß, in Süddeutſchland etwas höher, in den Alpen ſogar bis 4000 Fuß. Die Kiefer wird im Allgemeinen ſelten 100 Fuß hoch, auf günſtigem Standort und geſchont aber auch bis 130 Fuß. Die Schwarzkiefer wird ſelten achtzig Fuß hoch. Die Stärke des Stammes beträgt meiſt nicht über zwei Fuß, ſelten drei bis vier Fuß. Die Rinde iſt riſſig und blättert ſich ſchuppenartig ab, ſo daß an ge⸗ ſunden Bäumen auch Flächten nicht lange bleiben, und die Kupferfarbe immer ziemlich rein hervortritt. Die Rinde der Schwarzkiefer iſt ſchwarzbraun und rauher. — Das Alter ſtarker Kiefern wird auf 300 Jahre geſchätzt. Es gibt in Deutſchland vier wirkliche Arten von Kiefern: 1. Die gemeine oder Föhre(auch Kienbaum und fälſchlich Tanne(Pinus sylvestris); 2. die öſter⸗ reichiſche oder Schwarzkiefer(Pinus nigricans oder austriaca), wovon einige Botaniker die auf Donau⸗ inſeln und am adriatiſchen Meere wachſende ähnliche Strandkiefer(P. maritima) als beſondere Art unter⸗ ſcheiden; 3. die Zürbelkiefer(in der Schweiz Arve, in Tirol Zutſche, Zürne,(Pinus Cembra); 4. die Krumm⸗ holzkiefer(Legföhre, Latſche, Zwergkiefer,(Pinus Pumilio oder Mughus). Die beiden letzten Arten ſind Alpenbe⸗ wohner, von denen ſpäter zugleich mit der ebenfalls alpiniſchen Lärche die Rede ſein wird. Sagen kennt das deutſche Volk von der Kiefer nicht, wohl aber das ſlaviſche, welches ſie von einer Fee bewohnen läßt, die von Zwergen bedient wird. Große Erinnerungen knüpfen ſich ebenſo wenig daran, und die Dichter haben ſich noch nicht darum bekümmert. Dagegen iſt ſie der Lieblingsbaum des Landſchafts⸗ malers. Herrlich iſt die Kiefer im Miſchwald des Ge⸗ birges, wo ſie die dunkelſte Schattirung bildet und be⸗ ſonders mit dem jungen Grün wahrhaft wunderbar wirkt. Die bläuliche Färbung des Kieferwaldes ver⸗ urſacht ein ſcheinbares Zurücktreten, gleichſam eine künſt⸗ liche Luftperſpektive, welche von denkenden Landſchafts⸗ gärtnern benutzt wird, um eine ſcheinbare Ferne hervor⸗ zubringen. Im Garten iſt nur die Schwarzkiefer und Zürbelkiefer ſchön und paſſend, aber im großen Park ſind alle Kiefern, jedoch nur in Gruppen, von größter Wirkung, unſchätzbar auf Höhen und als Hintergrund. Möchte es mir gelungen ſein, dieſem von Vielen nicht genug geachteten Baum die verdiente Geltung verſchafft zu haben!(Nat.) Wie man auf Irland reiſt. 6) uf der ganzen Inſel, erzählt Winkler in ſeinem trefflichen Buche über Island, iſt nicht anders fortzukommen, als zu Pferde. Wagen und Karren ſind gänzlich unbekannt, zu Fuß zu gehen iſt in den meiſten Gegenden ein Ding der Un⸗ möglichkeit. Straßen exiſtiren nicht, ebenſowenig Brücken über einen Fluß. Die einzige Brücke der Inſel liegt in einem Fluſſe, ihre Bekanntſchaft werden wir ſpäter machen. Die nicht zum Vortheil des Reiſenden in der Phyſiognomie des Landes vorherrſchendſten Züge ſind die Heidi, die Hraun, das Myri und der Haul. Die Heidi iſt eine Hochebene, die Hraun ein Lava⸗ feld, das Myri ein Sumpf, der Haul eine ausge⸗ zeichnet gelungene Zuſammenſetzung verſchiedener Boden⸗ ſchwierigkeiten. Die Heidi entbehrt alle Naturreize, iſt aber, was die Reiſebeſchwerden betrifft, blos als Vorſchule zu betrachten. Ihre Oberfläche, welche ſich in ſanften Wellen⸗ hügeln forterſtreckt, iſt mit einer kaum einige Zoll dicken und überall durchlöcherten und zerriſſenen Raſendecke überzogen, und darüber her liegt kleiner Geſteinſchutt ausgeſtreut. Nur dort und da ragt eine größere Fels⸗ bank hervor. Die Spuren der Pferde, welche ſeit Jahr⸗ hunderten dahinüberziehen, laufen als ſchmale ſeichte Rinnen, mit ſcharfkantigen Steinen erfüllt, parallel und netzförmig verſchlungen, darüber und bilden zuſammen eine einige hundert Schritte breite Straße. Der ſolcher Paſſage ungewohnte Reiter braucht ſeine ganze Auf⸗ merkſamkeit dafür, ſein Pferd durch das Labyrinth der doch mehr oder weniger beſſern Weglein durchzuleiten, um mit der Karawane gleichen Schritt zu halten. Es iſt gut für ihn, daß hier Alles dazu angethan, ſeine Augen und Gedanken nicht von Pferd und Weg abzu⸗ lenken. Es herrſcht die tiefſte Ruhe, nicht einmal das melancholiſche Tippen eines Brachvogels, oder der grelle Schrei eines aufgeſchreckten Schneehuhnes, wie oft in isländiſchen Niederungen, läßt ſich vernehmen. Wer noch nicht ſelbſt in Island gereiſt iſt, der kann ſich von der Beſchaffenheit einer ſolchen Heidi keine Vorſtellung machen. Plateaus ſind zwar ſonſt keine ſeltenen Landes⸗ formen, aber mit ſolcher Oberfläche, ſolcher Spärlichkeit der Vegetation, ſolcher Einſamkeit, Einförmigkeit und Ausdehnung in nächſter Nähe ewigen Eiſes, ſind ſie nur Island eigen. Die Hraun kommt häufiger vor als die Heidi und prüft Herz und Nieren. Der Ritt durch einen ſolchen Lavaſtrom iſt eine mühſelige, langweilige Arbeit. Wenn man eine Eiſchale auf einer Tiſchfläche zerdrückt, ſo gäbe das eine Oberfläche, die ungefähr der dieſes erſtarrten Geſteinſtromes ähnlich wäre. Die Geſteinmaſſe der Lava iſt hart und von der⸗ ſelben Art wie das Baſaltgeſtein. Im Zuſtande des Schmelzens, in welchem ſie ſich über den Boden ergoß, blähte ſie ſich auf und die Blaſen riſſen auf, ſchäumte ſie auf und floß, oft tropfenweiſe, wieder zurück, das mehr und minder Flüſſige ſperrte ſich gegen einander, rieb ſich aneinander, das Flüſſige rollte ſich auf oder floß über das andere hinweg. In dieſem Zuſtande er⸗ ſtarrte die Maſſe durch das Nachlaſſen der Hitze, und es blieb ihre ſo unruhig bewegte Oberfläche verſteinert für immer erhalten. Die Erſtarrung ſelbſt aber veran⸗ laßte wieder Vorgänge, welche dieſe Oberfläche noch unebener machten. Hier iſt dieſelbe, wie aus hundert feinen Fäden getrieben, die ſich innerhalb eines ſchwarzen glänzenden Rahmens in Knoten und Maſchen ver⸗ ſchlingen, eine kunſtreiche Agraffe für den Mantel verden wir Reiſenden dſten Züge der Haul. dn Loa. ene dudge ener Boden⸗ aber was orſchule zu ten Wellen⸗ Zoll dicken Raſendecke eſteinſchutt ßere Fels⸗ ſeit Jahr⸗ ſeichte arallel und zuſammen Der ſolcher anze Auf⸗ heinth der zalten. Es than, ſeine Weg abhl⸗ amal das der grelle ie oft in en. Wer ſich bon Srtelung a Landes⸗ parlichkeit igkeit und 3, find ſie Heidi und en ſolchen eit. Wenn t ſo gübe erſtarrten von der⸗ fande des den etgoß ſcäum urück das einander, auf oder ande er⸗ ihe und erſteinert er veram nch noh hunder ſchwarzen heen bel⸗ Mantt Wie man auf Island reiſt. 277 Pluto's des Unterweltfürſten, dort zeigt ſie eine Zu⸗ ſammenſetzung von Höhlungen und Schnörkeln in den abſonderlichſten Formen, wie das überladenſte Rococo, dann iſt ſie wie eine Treppe, nach der Länge auf den Weg hingelegt, eine viereckige Grube nach der andern, in welche die Pferde nach einander ſteigen müſſen. Ueber Alles hinweg ſetzen breite und ſchmale Klüfte, dazwiſchen tiefe Gruben, welche ſich als Höhlen unter die Schale hineinziehen. Auf dem Zuſammenhängenden liegt ein Chaos ſcharfkantiger, löcheriger, gezackter Lava⸗ ſchlacken umher. Das iſt die Oberfläche eines Lava⸗ feldes, worüber in Island ſo oft die Wege führen. Wenn man die Feuerprobe eines Lavarittes während eines Tages öfter überſtanden, den Verlockun⸗ gen einer isländiſchen Lorelei glücklich obgeſiegt hat, und endlich ein gaſtlicher Hof, das Ende der Mühſale verſprechend, vom Hügel herüberwinkt, dann beginnt noch eine Noth, zwar kürzer als die ſchon beſtandene, aber ſo lange ſie währt, nicht minder groß. Ein Mhri trennt den Reiſenden noch vom Ziele. Um die Paſſage durch einen Sumpf zu finden, iſt ein landeskundiger Führer am allernothwendigſten, denn am Myri endet alle Spur eines Weges, wie an einem Fluſſe. Es führt auch eine Furth hindurch, die geſucht werden muß. Bei manchen Sümpfen ſollen gewiſſe Pflanzenarten erkennen laſſen, wo ſie zu paſſiren möglich und wo nicht. Es iſt immer eine höchſt unbehagliche Lage, man reitet wie auf Gummi elaſtikum, der Boden ſchwankt auf und nieder unter dem Fußtritt des Pferdes. Das Pferd ver⸗ ſinkt mit den Hinterfüßen, und indem es ſich anſtrengt, wieder frei zu werden, geht es ihm vorne ebenſo. Dabei wird es unruhig und der Reiter muß ſich beeilen, deſſen Rücken frei zu machen, um ſeine eigenen Füße vor deſſen Schlägen in Sicherheit zu bringen. Bei der erſten Begegnung dieſer Art erinnerte ſich Winkler recht leb⸗ haft an den glücklichen Einfall Baron Münchhauſen's, mit dem eigenen Schopf ſich ſelbſt und ſein Pferd aus dem Sumpfe zu ziehen. Er brachte das nicht zu Stande. Es kam vor, daß er einmal einen Lootſen brauchte, um durch ein Myri zu kommen. Dasſelbe war nur einige hundert Schritte breit, und jenſeits lag ein Haus, zu welchem er gelangen wollte. Das hieß Flugumyri und befand ſich im Nordlande. Er hatte damals zwei Führer, von denen einer aus der Gegend ſelbſt zu Hauſe war, aber beide machten vergebliche Anſtrengungen, eine Furth zu finden. Ueberall, wo ſie einzudringen verſuchten, brachen die Pferde durch. Die Bewohner von Flugu⸗ myri hatten ſich mittlerweile verſammelt und ſahen dieſen Nöthen zu. Sie ſuchten durch Winke auf die rechte Spur zu helfen. Aber es war vergeblich, bis einer von ihnen ſelbſt ein Pferd beſtieg, zu den Reiſenden herüberkam und ſie durch's Myri lootſte. Im Nordlande kommen mehrere Stunden lang fortziehende Hügel vor, deren Rücken ein weites Plateau bildet. Es ſind eigentlich Heidis, nur mit geringer Höhe über dem Meere und überwiegender Ausdehnung in einer Richtung. Die Isländer heißen dieſe Art Landes⸗ bildung Hauls. Dieſe Hauls gelten ſelbſt bei den Ein⸗ gebornen als ſehr ſchlimme Paſſagen. Die Oberfläche derſelben beſteht abwechſelnd aus Steinbänken, Schutt⸗ flächen und ſumpfigen Stellen. Dazwiſchen gilt es ſich durchzuwinden wie durch hundert Fallen. Das macht den Weg ſehr lang, wobei man aber noch immer gerade in die unbehaglichſten Situationen geräth. Wenn man das Nordland quer durchwandert, hat man, beſonders an ſeiner Grenze gegen das Weſtland, Gelegenheit, öfter mit dieſen Terrains Bekanntſchaft zu machen. Beſonders verrufen iſt dort der Hrutafjördrhaul, ein Hügelrücken, der ſich lang an der öſtlichen Seite des tief in's Land eindringenden Hrutafjördr hindehnt. Von dieſem Haul erzählen ſich die Isländer folgende Anek⸗ dote. Zwei Weiber zankten ſich einmal mit einander und erhitzten ſich dabei ſo ſehr, daß die eine der andern zurief: es möge ſie der T..... holen. Die ſo Beleidigte war aber viel unbarmherziger, indem ſie ihrer Gegnerin das Aergſte wünſchte, ſie möge verdammt ſein, über den Hrutafjördrhaul reiten zu müſſen. Aus dem Feſten und Halbfeſten geräth man unverſehens in's beweglich Flüſſige. Die Flußübergänge ſind bös, denn die Flüſſe haben alle den Charakter von Bergſtrömen und es bleibt keine andere Wahl, als durch ſie hindurchzureiten. Je nach der Geſchwindigkeit des Laufes, der Tiefe des Fluſſes und der Beſchaffenheit ſeines Grundes ſind die Flußpaſſagen ſehr verſchieden. Das eine Mal iſt ein reißender Bergbach voll tiefer Gruben und großer Blöcke, aber mit kryſtallklarem Waſſer zu durchreiten, das andere Mal iſt es ein trüber milchiger Gletſcherſtrom, dem man den guten Glauben ſchenken muß, daß er wirklich eine Furth beſitzt, denn ſehen kann man in ſeinen Wellen nichts, oder auch der Fluß iſt zu einem See angeſchwellt. Ein Fluß dieſer letzten Klaſſe verſetzte unſern Reiſenden einmal in eine große Unbehaglichkeit. Seine Führer haben ihm geſagt, man komme bald an ein Waſſer, und eilen nach dieſer Meldung wieder voraus. Es geht gemach fort durch eine ſparſam mit Moos und Birkengeſtrüpp bedeckte alte Hraun. Von rechts, gar nicht ferne, ſchaut ein niederer Krater herüber, aus dem dieſe Lava gekommen war.„Nach einer Weile ſehe ich auf, da liegt in einiger Entfernung eine weite Waſſerfläche vor mir, ein nicht unanſehnlicher See; das wird doch nicht das Waſſer ſein, durch welches wir reiten ſollen? Mein Blick hängt eine Weile wie feſtgebannt an der durch den Sturm in ſchäumende Wellen gekräuſelten Fläche. Ein Thier, wahrſcheinlich ein Pferd, ſehe ich eben auf dem Wege dahindurch, und gerade wo das Waſſer am breiteſten. Es ſcheint zu ſchwimmen, denn nur den Kopf hält es über die Oberfläche empor. Während ich mir ſo dieſe Scene betrachte, kommt der Bauer an mich herangeritten, deutet auf den See hinab und ich verſtehe zu meiner nicht angenehmen Ueberraſchung eben ſo viel von ſeinem Isländiſch und ſeinen Geberden: wir müſſen in der Richtung durch den See, welche das Pferd nimmt. Was mich aber nun bei dieſer Nachricht ernſtlich beun⸗ ruhigte, war der Zuſtand meiner Stiefel, denen ich nicht mehr viel zutrauen durfte. Hätte ich nicht gefürch⸗ tet, daß man den Abhaltungsgrund von dieſer Seite nur für eine Ausrede auslegte, ſo würde ich noch mein ———————õ———y — 278 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor. Wort zurückgenommen haben. Als ich nach einer guten Weile meine Blicke wieder aufrichtete, war das Pferd noch immer nicht am jenſeitigen Ufer angekommen und noch immer gleich wenig von ihm ſichtbar, ſo daß mein Reſpekt vor der Breite und Tiefe des Sees immer größer wurde, je näher wir ihm kamen. Endlich erreichten wir das Ufer ſelbſt. Da wird abgeſeſſen, die Pferde werden gemuſtert und die Sattelgurten und Mantel⸗ ſäcke feſter geſchnallt, die eigenen Kleider richtet man ſtrammer und dichter. In einigen Augenblicken wieder zu Pferde, nimmt man die Zügel in der gehörigen Länge, bringt ſie in die rechte Lage und ſo geht es hinein in die Fluth, mit derſelben Sicherheit, wie man anderswo eine Brücke betritt. Erſt werden die loſen Pferde hinein⸗ getrieben, die Führer folgen nach, dann kommen die Reiſenden. Ich hielt mich an der Seite des Bauers. Als wir kaum zehn Schritte weit im Waſſer geritten, lief es ſchon den Pferden nahe über dem Rücken zu⸗ ſammen. Der Wind wälzte die ſchäumenden Wellen uns gerade entgegen. Wenn ein Fluß ſo tief iſt, daß die Pferde faſt ſchwimmen müſſen, iſt das anfangs immer etwas unheimlich. In dieſem Falle war der Grund des Bettes ausgezeichnet gut, ganz feſter Lehmboden, ſo daß man den Fußtritt der Pferde heraufſchallen hörte, und das machte den Ritt völlig gefahrlos. Während der Paſſage gab ſich der Bauer alle Mühe, mich zu unter⸗ halten, und dabei dem Vorgang den letzten Schein von Gefährlichkeit zu benehmen. Er erzählte mir, wie zur Zeit der Heuernte die Pferde in Scharen, mit ſchweren Heubündeln gepackt, ungefährdet da herüberzögen. Ich überzeugte mich auch ſelbſt bald, daß wirklich keine Ge⸗ fahr vorhanden, und würde über unſere Unterhaltung ganz vergeſſen haben, in welcher Lage ich mich befand, wenn mich nicht meine Stiefel gemahnt hätten. Dieſe fingen bald an, an mehreren Stellen dem flüſſigen Element den ungehindertſten Zutritt zu geſtatten. Eine ſchöne Ausſicht für den noch bevorſtehenden Ritt. Als wir am jenſeitigen Ufer ankamen, beobachtete ich wieder meine Uhr, wie ich beim Eintreten gethan, und es zeigte ſich, daß wir dreiunddreißig Minuten durch den aufgeſtauten Fluß auf dem Wege geweſen waren. Es war zehn Uhr Vormittags, und nach Reykjavik, dem Ziel des Tages, noch zwölf Stunden. Das Waſſer, wodurch wir gekommen, heißt Alftabatn und iſt der Ausfluß des Sees von Dingvellir, welcher ſich in der Niederung ſeeartig ausbreitet. Man wählt die breiteſte Stelle, weil da die geringſte Tiefe iſt. Den Isländern iſt es nichts Ungewohntes, tagelang in naſſen Schuhen und Strümpfen zu reiten. Die einfache Operation, welche ſie ausführen, wenn ſie ſich bei einem Flußübergange durchnäßt haben, iſt, ſich der Schuhe und Strümpfe zu entledigen und letztere auszuwinden dann bedienen ſie ſich eben derſelben wieder. Mir blieb im obigen Falle auch nichts Anderes übrig, und nachdem ich mit Hilfe meiner Begleiter die Operation vorgenommen und von meinem Gaſtfreunde Abſchied genommen hatte, beſtieg ich wohlgemuth wieder mein Pferd.“ Die Brücke im Waſſer, mit der wir unſere Leſer bekannt zu machen verſprachen, liegt in der Bruarau. Obwohl dieſer Fluß da, wo der Weg hindurchführt, kaum zwei Meilen von ſeinem Urſprunge entfernt iſt, ſo kommt er doch ſchon mit einer anſehnlichen Waſſerfülle heran. Seinen Grund bildet die Oberfläche eines Lavaſtromes, der einmal auch in gleicher Richtung aus dem Gebirge herabgefloſſen war. Die Bruarau hat gleich nach ihrem Urſprunge eine mühſame Wanderſchaft zu beſtehen, in⸗ dem ſie entweder in Lavaklüfte eingezwängt wird, oder über zackige Katarakte ſtürzt und daran zerſplittert und zerſtäubt. Es gibt nur eine einzige Stelle, an der es möglich iſt, hindurchzuſetzen, und das nur durch ein in Island einziges Exemplar einer Art von Brücke— darum Bruarau oder Brückenfluß. An dieſer Stelle iſt unter ihrem Spiegel in der Lavakruſte eine Kluft, welche ſich gleich mit dem Waſſerlauf erſtreckt. Ueber dieſer Spalte liegt eine Brücke, welche aus ſtarken Dielen zuſammen⸗ gefügt und mit Eiſen in den Felſen eingeklammert iſt. Dieſe Brücke befindet ſich alſo im Fluſſe, wenigſtens einen Fuß tief unter ſeiner Oberfläche. Gleich unterhalb des Steges fällt derſelbe über eine hohe abgeriſſene Felsbank ab. Vom Ufer weg treten die Pferde auf die glatte, ſeit Jahrtauſenden vom reißenden Waſſer abge⸗ waſchene Lavakruſte, und obwohl das Waſſer noch nicht tief iſt, gehen die Thiere doch zagend vorwärts, denn ſie fürchten auszugleiten, und der Reiter fühlt das mit. Dabei donnert es von dem Katarakte herauf, ſo daß man ſeine eigenen Worte nicht verſteht, und der Wind jagt einem den Waſſerſtaub in's Geſicht. Mit Grauen fällt der Blick von der Brücke in den ſchwarzen Schlund hinab, durch den die Waſſer pfeilſchnell hervorſchießen. Auf dem hölzernen Boden treten die Pferde feſt auf. Jenſeit der Spalte haben ſie wieder bis an das Ufer Lava unter den Füßen. Dieſe Paſſage ſieht viel gefähr⸗ licher aus als ſie iſt. Es muß nur der Waſſerſtand dabei berückſichtigt werden. Reitet man am Abend in's Quartier ein, ſo muß man auf Vieles verzichten, was ſich in andern Ländern von ſelbſt verſteht. In ſehr wenigen Häuſern findet ſich ein Ofen. Das iſt nicht das kleinſte Unglück für Island, daß Brennſtoffe äußerſt ſelten ſind. Die Bäume ſind verkrüppelte Sträucher, einen Torfſtich gibt es blos bei Reykjavik, Stein⸗ und Braunkohlen haben ſich bis jetzt nicht finden laſſen. Um die Wohnungen warm zu ma⸗ chen, umgibt man ſie mit dicken Raſenwänden, um ſie warm zu erhalten, hält man ſie ſo viel wie möglich ge⸗ ſchloſſen. Die Nahrung iſt Schaffleiſch, friſch oder ge⸗ trocknet, Kabeljau, der, mit Schafbutter beſtrichen, von den Isländern lieber als Brod gegeſſen wird, Skyr, ein halbfertiger Schafkäſe, Kaffee und Branntwein. Der letztgenannte Trank und Schnupftabak ſind die beiden Genüſſe des Isländers, die ihn in den ſchlimmſten La⸗ gen des Lebens aufrecht erhalten. Alle Isländer, auch viele Weiber, gebrauchen den Schnupftabak im Unmaß. Sie führen denſelben in Gefäßen bei ſich, welche an Form und Größe mittelmäßigen Pulverhörnern gleichen. Zu Hauſe ſtreuen ſie davon in langen Zeilen auf die Hand, gerade wie es die Bewohner des baieriſch⸗böhmi⸗ ſchen Waldgebirges mit dem ſogenannten Perſiltabak machen. Auf der Reiſe, wenn ſie zu Pferde ſind, bewerk⸗ hrt kaum o kommt le heran. ſtoomes Gebirge ach igrem hen,Ree d oder ittert und n der es ch ein in — darum iſt unter gelche ſich rSpalte ſammen⸗ ert iſt. venigſtens unterhalb bgeriſſene eauf die ſer abge⸗ noch nicht denn ſie das tait f ſo A zer Wind Grauen Schlund ſchießen. feſt auf dos Wer A ggäht· aſſerſtand ſo muß Ländern indet ſich Jeland, ume ſind blos bei - bis jeßt in zu ma⸗ n, umn ſi öglich gk⸗ oder ge⸗ ſchen, von Skyr, ein gein. Der de beiden nſten La⸗ der, auch Unmaß. velche an gleichen. Dauf die ch⸗böhmi⸗ eriltbol d bewell Die Krinoline im Lichte der Philoſophie. 279 ſtelligen ſie das Schnupfen, indem ſie die Mündung des Hornes, bei zurückgelegtem Kopfe, nach einander in die beiden Naſenlöcher bringen. Auf dieſe Weiſe verlie ren ſie keinen Tabak, was beim Reiten um ſo mehr der Fall ſein würde, als in Island faſt beſtändig ein hefti⸗ ger Wind geht. Derſelbe Grund erklärt die Form des Behälters. Jeder Isländer übt Gaſtfreundſchaft, wenn auch keine unentgeltliche. Der Hausherr ſetzt voraus, daß man ſeinen Kindern etwa ſo viel ſchenke, als man ver⸗ zehrt hat, oder er ſtellt auch wohl geradezu eine Forde⸗ rung. Wenn der Bauer nicht ſeine eigene Stube, Bad⸗ ſtoba genannt, ſondern eine Hütte, welche ſonſt ein Auf⸗ bewahrungsort für Hausgeräthe iſt, zur Wohnung an⸗ bietet, ſo beweiſt er damit eine große Aufmerkſamkeit. Es ſteht dem Fremden bei ihm Alles zu Gebote, was Küche und Keller vermögen; bald breitet ſich ein gutes Bett, das auch Stuhl und Tiſch vertritt, auf dem im⸗ proviſirten Geſtelle aus; um den Aufenthalt in der Hütte heimlich zu machen, werden ihre Wände mit Decken, die ſonſt das ganze Jahr nicht aus den Truhen kommen, dekorirt, und der Bauer ſelbſt entfernt ſich keinen Augen⸗ blick, um den Wünſchen der Gäſte ſo viel als möglich nachzukommen. Bei ſo viel gutem Willen befindet man ſich in ſeiner Hütte eben ſo wohl wie im eleganteſten Hoôtel, wo geſchniegelte Kellner aufwarten. In Island wird auf den Gaſt alle Sorge verwendet, bis er in's Bett ſteigt. Man iſt ihm auch noch beim Ausziehen der Kleider behilflich. Eine Art, gebrauchte Teller zu reinigen, die man wohl nur in Island ſehen kann, beſteht darin, daß man ſie von den Hunden ablecken läßt. Die Hunde, deren man in jedem Hauſe mehrere hält, werden überhaupt faſt wie Familienglieder behandelt und bewegen ſich auf's⸗Ungenirteſte in den Wohnungen. Jene Tellerreinigungsmethode erlebte Winkler übri⸗ gens nur einmal. Er erzählt: Am Anfang der Reiſe traf es ſich, daß wir in Skalholt— dem Orte des ehe⸗ maligen Biſchofſitzes im Südlande, nunmehr ein etwas vernachläſſigter Bauernhof— Nachtquartier nehmen mußten. DaF erregte eine Scene, welche ſich mir gegen⸗ über vor dem Eingange zur Wohnung des Bauers zu⸗ trug, meine Aufmerkſamkeit. Es kam ein Mädchen, von einem Hunde begleitet, heraus und ſtellte zwei Teller auf den Boden, welche das Thier alsbald mit ſeiner Zunge zu bearbeiten begann. Da ich auf dieſe Reini⸗ gungsmethode ſchon vorher aufmerkſam gemacht war und wir das Nachtmahl erwarteten, ſo entſtand in mir die Vermuthung, daß die Teller„geſpült“ würden, um ſie für uns nächſtens zu gebrauchen, und ich rief meinen Reiſegefährten herbei, ſich den Vorgang auch mit anzu⸗ ſehen. Das Mädchen holte nach einiger Zeit die Teller wieder und nun wurde bald unſer Mahl aufgetragen. Begreiflich fiel mein erſter Blick auf die Teller. Ich er kannte ſie ſogleich als dieſelben, welche man dem Hunde vorgeſetzt hatte, da die Richtigkeit meiner Vermuthung in Strichen, wie ſie deſſen Zunge hervorbringen mußte, nur zu deutlich beſtätigt wurde. In einer Schüſſel lagen prachtvolle abgeſottene Forellen. Da regten ſich denn widerſtreitende Gefühle in mir, es traten Hunger und, Ekel gegen einander in die Schranken. In einem anderns Lande möchte der Ausgang dieſes Streites nicht zweifel haft geweſen ſein, ich würde mich unter ſothanen Un⸗ ſtänden einen Abend zu faſten entſchloſſen haben. Wenin man aber gewärtigen muß, die folgenden Tage in die ſelbe Lage zu kommen, nur etwa mit dem Unterſchiegſer daß keine leckeren Forellen mehr dabei im Spiele ſi dann findet man leicht durch eine kurze Betrachter in daß der Hund eines der reinlichſten Thiere ſei, ᷑‿ase kühn ein Stück Fiſch aus der Schüſſel auf, den guu herüber, höchſtens mit Anwendung der Vorſicht, die voc⸗ der Hundezunge am meiſten markirten Stellen zu ver⸗ meiden. Uebrigens war es ein glücklicher Zufall, daß ich die Methode noch beobachten kunnte, ſo ſehr greifen auch in Island Neuerungen um ſich. Ich traf ſie nirgends mehr wieder. Andere Erfahrungen, welche ich in Be⸗ treff der Reinlichkeit auf der Inſei machte, ſind alle nicht ſolcher Art, daß man ſie nicht auch anderswo, zum Beiſpiel bei den Bewohnern hochgelegener Alpenthäler, finden könnte. Die Krinoline im Lichte der Philoſophie. s wird den gebildeten Leſer und ſicher jede feine Weeſerin intereſſiren, eine Charakteriſtik und Kritik der auch in neueſter Zeit wieder vielbeſprochenen Krinoline von unſerem berühmten Aeſthetiker Friedrich Viſcher zu vernehmen. Die Unterſu⸗ chung, die wir hier in ihren weſentlichſten Zügen mittheilen wollen, iſt in dem glänzend geſchriebenen, mit echtem Humor ausgeſtatteten Aufſatze:„Vernünf⸗ tige Gedanken über die jetzige Mode“(Kritiſche Gänge, Neue Folge) enthalten.„Die Krinoline— deducirt der Philoſoph— iſt eine Uebertreibung, welche die Schön⸗ heitslinie der Schlankheit nicht verſtärkt, markirt, ſon⸗ dern verzerrt, aufhebt, einen falſchen Begriff des weib⸗ lichen, des menſchlichen Baues gibt. Wenn die Kontou⸗ ren von den Hüften an in das ganz Unmögliche toll auslaufen, ſo fragt das Auge nicht mehr nach dem Ver⸗ hältniß der Ausquellung zu dem ſchmalen Durchmeſſer der Leibestaille; Alles iſt Eins, Niemand iſt ſchlank, Niemand unſchlank, es gibt in der phantaſtiſchen Lüge, kein Geſetz mehr. Und das iſt nun doch gewiß häß lich, ſehr häßlichl“ Darauf weiſt Viſcher ſcharfſinnig nach, was für einzelne Schönheiten in dieſer Häßlichkeit zu Grunde gehen.„Geopfert, in Mißform verkehrt wird der unendliche äſthetiſche Vortheil der weiblichen Ge⸗ wandung überhaupt; er liegt im Faltenfluſſe des langen Kleides. Der ungebrochene Zug der reichlich ergoſſenen Falten läßt die Geſtalt größer erſcheinen, als ſie iſt, wirkt wie ein erhaltener Reſt der ſtylvollen antiken Ge⸗ wänder, hat daher einen idealen Charakter und iſt nicht die kleinſte der Urſachen, warum das Weib dem Manne zum Symbol des Harmoniſchen, zum Idealbild wird, und ihm feſtlich, wie ein Geiſt aus reineren Regionen Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor. W itt. Schon die Beſetzung der Kleider mit W ats ſtört und bricht dieſes ſchöne Ganze noc te ſcheinbare Erhöhung der Geſtalt auf, in⸗ noch Auge mit jedem neuen Stockwerk zu einer Reſſe„Figur überzugehen glaubt. Jene wüſten Schrei⸗ größé en vollends, die für kurzen Rock und Hoſen in wir derika aufgetreten ſind, verdienen den ganzen Abſcheu werded Geſchlechts.“ Aus der Lobrede, die Viſcher, wohl ſäcke ſellebereinſtimmung Aller, dem langen Kleide hält, wrerm wir folgende beſonders anmuthige und treffende Stellen hervorheben.„Das lange Kleid verhüllt zwar die Formen, aber nicht ohne ſie errathen zu laſſen; bei manchen Bewegungen und Stellungen prägt ſich die Bildung der Hüften, des Beines im Gewandſtoff aus, bei Anſtrengungen oder wenn ein ſchalkhafter Bote des Aeolus ihn feſt an die Formen preßt, oft in aller An⸗ muth der plaſtiſchen Linie. Eine beſondere Schönheit bringt die Bewegung hinzu. Hat ein Weib den rhyth⸗ miſchen, ſchwebenden, muſikaliſchen Gang, das unbe⸗ ſchreibliche Neigen und Beugen, das ſich ſo rührend in Sinn und Phantaſie einſchleicht, ſo erſcheint der große ſchwungvolle Faltenzug wie eine poetiſche, reizende Fort⸗ ſetzung und Erweiterung des ſchönen Bewegens der Glieder, wie eine Variation über das Thema. Und nun die Krinoline! An die Stelle des ſchwungvollen Fal⸗ tenfluſſes nach der Tiefe ſetzt ſie die Aufbauſchung in die Weite, an die Stelle des Hohen das Runde und Breite, die Ausſpannung nach allen vier Weltgegenden, an die Stelle der ſchönen Natur das Faß, den Hühner⸗ korb, die Glocke. Keine Form kann ſich darin ausprägen, weil keine an das weite Gehäuſe anzuliegen kommt, und nebenbei iſt nicht zu überſehen, daß die Geſtalt einen geometriſchen Kreis darſtellt, die Figur alſo, von der Seite geſehen, nicht bloß nach hinten(was, mit einiger Maßhaltung bewerkſtelligt, ganz in der Ordnung wäre), ſondern auch nach vorn aufgetrieben, aufgebauſcht er⸗ ſcheint. Nun fällt aber auch natürlich das ſchöne Echo der Gliederbewegung im Gewande weg, keine ſchweben⸗ den Falten begleiten ſie, führen ſie weiter, vervielfäl⸗ tigen ſie, ja das Kleid folgt nicht nur nicht dem Leibe, ſondern, zum ſelbſtändigen Mechanismus geworden, agirt es nach dem erſten Anſtoß, den es durch die Be⸗ wegung erhalten, für ſich, ſchwingt ſich nach ſeinen eige⸗ nen Geſetzen hin und her; das Weib geht vorwärts, die Glocke, in der ſie ſteckt, dreht ſich im Kreiſe. Wie man's nur aushalten kann!“ Doch, wir wollen uns nicht weiter bei dem, was Viſcher noch von dem Häß⸗ lichen und zugleich Lächerlichen dieſer Kreisbewegung ſagt, aufhalten, ſondern gehen zu ſeinem zweiten Satze über: die Krinoline iſt impertinent.„Impertinent natür⸗ lich ſchon wegen des großen Raumes, den ſie für die Perſon in Anſpruch nimmt. Allein das iſt noch viel zu allgemein, zu abſtrakt geſprochen; nein, impertinent wegen der ungeheuer herausfordernden, augenfälligen Beziehung auf den Mann. Willſt du, ſo ſpricht die Krinoline zum Individuum männlichen Geſchlechts, das ihr in die Nähe kommt, hinunter vom Trottoir oder willſt du's wagen, mich anzuſtreifen, zu drücken? Willſt du neben mir auf dem Parketſitz mein Kleid auf den Schooß nehmen, oder darauf ſitzen? Fühlſt du die Reifen? Fühlſt du die unbezwingliche Burg, den A2. a⸗ koffkranz, den entſetzlichen Gürtel der Tugend, der dich von meiner Trägerin abwehrt?“ Doch dies Letztere iſt nur Renommage,„denn was ſind— fragt Viſcher darauf weiter— was bedeuten überhaupt Kleider beim ſchönen Geſchlechte? Sie können nie etwas Anderes ſein, als eine Welt von Beziehungen, Andeutungen, eine ſchweigend beredte Sprache, eine Rüſtkammer ſanfter Fragen, furchtbarer Abweiſungen, rührender Bitten, grauſamer Drohungen, glühender Geſtändniſſe, kalter Verſchließungen. Und welche unter dieſen Rüſtzeugen ſind nun die mehr verführeriſchen, die entgegenkommen⸗ den oder die abſchreckenden, was macht den Mann kühner, wenn man ihn lockt oder wenn man ihn in eine Ecke drückt? Die Antwort darauf verſteht ſich von ſelbſt und hierin liegt drittens das eigentlich Unmo⸗ raliſche, Unweibliche der Krinoline. Man könnte einhalten, daß ein Kleid, das von den wirklichen Formen ſo weit abſteht, daß es gar kein Bild von ihnen gibt, das allerſittſamſte ſei. Aber nein, der Kontraſt iſt es, der reizt, die Entſtellung, welche über die wahre Geſtalt, über die Naturgeheimniſſe mit geſchärfter Neugier nachzu⸗ denken nöthigt, welche den gründlichen Forſcher ver⸗ leitet, abzuwarten, bis etwa eine jener Kreisbewegungen mehr geſteht, als das Kleid ſelbſt. Freilich darf man das Schlimme, was bei einer verfänglichen Tracht Je⸗ mandem einfällt, nicht auf Rechnung der Tracht ſchreiben. Wir meinen, jede liebenswürdige Trägerin durchlaufe in ihrem Köpfchen die böſen Gedanken, die in dieſen Formen lauern; wir kennen die Macht der Mode, wie ſie blendet und zwingt, wir haben nicht vergeſſen, wie manches ganz reine Herz in den Buſen ſchlug, welche die Tracht der neunziger Jahre ſo frech entblößte. Nur muthe man uns nicht zu, daß wir glauben, man ſei in dem großen Hexenkeſſel, aus welchem die Moden her⸗ vorgehen, in Paris, ſich deſſen nicht bewußt, was man braut.“— Zum Schluß kommt Viſcher auf die hiſto⸗ riſche Entſtehung der Krinoline zu ſprechen.„Es iſt bekannt, daß die phantaſiereiche Tracht des 16. Jahr⸗ hunderts um die Mitte desſelben in Spanien jene höfiſche Einziehung und Verengung erfuhr, welche ein treuer Aus⸗ druck des politiſchen und hierarchiſchen Despotismus in dieſem Lande war; gleichzeitig mit dem eng anſchließen⸗ den Wamms, der ſteifen Halskrauſe, den anliegenden Hoſen ꝛc. kam damals beim Weibe zum erſtenmale der Reifrock auf, freilich, dem ſtreng kirchlichen Geiſte entſprechend, noch nicht mit offenem Buſen, ſondern eng bis oben geſchloſſenem Leibchen und mit der Hals⸗ krauſe verbunden. Seine erſte Auferſtehung feierte er dann im Anfang des 18. Jahrhunderts, unter der Re⸗ gierung Ludwigs XV., und der Wolluſt der Sitten entſprechend, verband er ſich nun mit dem weiten, frechen Ausſchnitte des Oberkleides. Die Reifen waren ſchon in der erſten Periode nicht nur von Fiſchbein, ſondern auch von Draht, Eiſen, wie jetzt. Die dritte Epoche ſeiner Herrſchaft, die zweite Auferſtehung, iſt das unverkennbare Symbol der Vollendung der Reaktion durch den Imperialismus, der ſich breit und hohl aus⸗ en 2 a. der dich gen, eime ner ſanfter der Bitten, iſee kalter tüſtzeugen nkommen⸗ en Mann. n ihn in t ſich von hUnmo⸗ Nan könnte en Formen hnen gibt, iſt es der eſtalt uͤber her nachzu⸗ orſcher ber⸗ ewegongen darf man Zacht Je⸗ ſchreiben. urchlaufe in dieſen Node, wie Fen, woi welche di ößte. Nur nan ſei in Roden her was man die hito⸗ 65 iſ 16. Jahr⸗ ene höfſche reuer Aus⸗ ötismus in mnſchließen⸗ nliegenden erſtenmalt chen Geifte ſondern 1 W. Ernſt: Heitere Skizzen aus dem Kadettenleben. ſpannt, wie dieſes ſein Bild, der als letzter und ſtärkſter Ausdruck der Zurückſchwellung aller Tendenzen des Jahres 1848 ſeine Macht wie eine Glocke über Gutes und Schlimmes, Berechtigtes und Unberechtigtes der Revolution geſtürzt hat. Die Krinoline iſt eine Tollheit, die kein Weib von Witz tragen wird, ohne gleichzeitig darüber ſelbſt zu lachen; ſie ſchien eine Grille des Augen⸗ blickes und hat ſich für eine Periode feſtgeſetzt, wie der 2. December. Nett wär's doch, wenn beide Luftballons mit einander zerplatzten!“ Heitere Stizzen aus dem Kadettenleben. Von W. Ernſt. Grün oder gelb? 9 „eraume Zeit ſchon halte ich die Feder in der 10Sand, während ich ſinne, ob ich meine kleinen 6 Zmilitäriſchen Erlebniſſe, die ich zu erzählen ge⸗ denke, einem erdichteten Helden zuſchreiben ſolle; ver meine künftigen Biographen nicht irre 4 zu führen, widerſtehe ich doch der Neigung, mich als einen anderen darzuſtellen und ſchriftſtelleriſche Mas⸗ kerade zu treiben. Da ich überhaupt gewohnt bin, jedes Ding beim rechten Namen zu nennen, will ich auch bei meiner eigenen Perſon keine Ausnahme machen. Der Leſer, dem es vor allem um hiſtoriſche Wahrheit zu thun iſt, kann alſo verſichert ſein, daß er in dieſer Hinſicht bei mir an den Recht, gekommen iſt. Dies zur Einleitung, die, wenn nicht gut, ſo doch kurz genug iſt. Mein Vater leb’ als Beamte in einer Stadt des nordweſtlichen Ung ns, die in knapper Nähe einer Feſtung liegt. Ff einen guten Geopraphen, wie der Leſer ſicher eivee iſt, bedarf es keiner näheren An⸗ deutung. Meine Kutter, die von hoher Geburt war,— denn ihre Wieg ſtand in den Bergen Tirols— wünſchte nichts ſe ſehnlich, als daß ich mich zum geiſtlichen Stand heranbilden möchte; mein Vater hingegen, der aus zohmen ſtammte, hatte ſich's in den Kopf ge⸗ ſetzt, nich dem Advokatenſtande einverleiben zu laſſen. Da es nun reine Unmöglichkeit war, den getheilten Wünſhen und Abſichten meiner Eltern mit meiner einzicen Perſon zu entſprechen, verfiel ich auf den Aus⸗ wegß heder Prieſter noch Advokat, ſondern Soldat zu we uſi. Als ich dieſen meinen Entſchluß den Eltern miße rilte, war plötzlich die langgeſtörte Einigkeit der⸗ ſelen wieder hergeſtellt, indem ſie Beide vereint ſich gegle meinen heroiſchen Vorſatz kehrten. Ich ſtudirte damt einer der oberen Klaſſen des Gymnaſiums Gund S gut in der Oppoſition gegen die Pro⸗ feſſore ſou T alt, als daß ich nicht auch den Eltern gegen der. S olg auf meinem Kopfe hätte beſte⸗ hen ſo„WasS an.. 1861. ll„ Soldat wollte ich werden, das ſtand nun einmal bei mir feſt, nur war ich noch unentſchloſſen, ob ich das grüne oder gelbe Aufſchlagstuch wählen ſollte. Ich hatte nämlich zwiſchen dieſen beiden Farben die Wahl zu treffen, da von den beiden Regimentern, die eben in der nahen Feſtung in Garniſon lagen, das eine grüne, das andere gelbe Aufſchläge trug, und bei einem dieſer Regimenter wollte ich mich ſofort anwerben laſſen. Da ließ ich denn, wie das oft große Männer in verwickelten Lebenslagen zu ihrem Glücke gethan haben ſollen, das Los entſcheiden. Der Zufall iſt der rettende Gott drr Ungewißheit. Zu dieſem Zweck ſchnitt ich aus gefärbtem Papier eine gleiche Anzahl grüner und gelber Streifen, warf ſie in eine Blumenvaſe und ſagte meiner kleinen vierjährigen Schweſter, ſie ſolle eines der Papier⸗ röllchen herausziehen. Die Kleine that es gern und ohne zu ahnen, daß ſie jetzt mit ihrem runden Händchen tief in die Zukunft ihres Bruders eingreifen ſollte, nahm ſie wie zum Spiele eines der Blättchen hervor. Mir war es feierlicher Ernſt. Noch ruhten in der Zeiten Schoße die grünen und die gelben Loſe; im nächſten Moment hatte das Schickſal das grüne Regiment beſtimmt. Die Schweſter hielt einen grünen Zettel in der Hand. Grün iſt die Farbe der Hoffnung. Ohne gerade aber⸗ gläubiſch zu ſein, ſah ich doch in dieſer Farbe ein gün. ſtiges Vorzeichen. Meine Eltern meinten immer noch, ich werde von meiner Idee, Soldat zu werden, wieder abkommen, wie ich bereits manche andere Idee, für die ich früher einige Zeit entflammt war, hatte fahren laſſen; aber diesmal war es mir ernſtlich Ernſt und ich ſah mich ſchon im Waffenrocke mit grünen Aufſchlägen einherſtolzieren. Grün. Eben fand eine Rekrutenaushebung für das grüne Regiment ſtatt. Dieſe Gelegenheit wollte ich benützen, um zur Fahne zu kommen. Man hatte mir, um mir meinen Entſchluß auszureden, von mehreren Seiten ge⸗ ſagt, daß ich für die Anſtrengungen des Militärdienſtes zu ſchwach ſei; da ich aber in den mancherlei Ring⸗ und Boxkämpfen, die in den Hallen des Gymnaſiums vor Beginn der Schulſtunden ausgeführt zu werden pflegten, meiſtens als Sieger hervorgegangen war, ſo glaubte ich auch für ernſtere Gefechte mich phyſiſch genug befähigt. Um aber eine ſichere mediciniſche Kritit über meinen Körper zu erfahren, begab ich mich zum Kreisphyſikus, deſſen Ausſpruch nach flüchtiger Unter ſuchung lautete:„Zwar geſund, aber etwas ſchwach Uebrigens macht man bei Freiwilligen nicht ſo viel Fe⸗ derleſens.“ Ermuthigt durch dieſen tröſtlichen Beſcheid begab ich mich auf das Stadthaus, wo die Aſſentirung ſtatt fand. Im Hofraume desſelben drängten ſich in ſchüch⸗ ternen, ängſtlichen Gruppen Weiber und Mädchen vom Lande, die ihre Söhne, Brüder oder Geliebten bis hierher an die verhängnißvolle Schwelle begleitet hatten. 8 Heute hatte ich keine Blicke für die beſorgten Land⸗ 36 — —[.öO[.idſ—— 4——— —— O—— 282 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor. ſchönen und keinen Troſt für die zagenden Bräute; ſelbſt voll banger Erwartung ſtieg ich die hölzerne Stiege hinauf, die ich nur als Soldat wieder herabzu⸗ ſteigen hoffte. Oben trat ich in einen großen Saal ein, der von Menſchen verſchiedenen Alters, doch nur männ⸗ lichen Geſchlechtes, gefüllt war, da nur die Väter oder männlichen Verwandten ihren Angehörigen bis zu jener gefürchteten Thür folgen dürfen, aus welcher die Ange⸗ nommenen mit trauriger Miene treten. Unter den vielen trübſeligen Geſichtern kam ich mir hier wie der einzige Mann vor. Als ich ſchon längere Zeit gewartet hatte, erkundigte ich mich, wenn wohl ich an die Reihe käme, aber man gab mir keine rechte Auskunft. Nur ein alter Polizeimann, der mich zuweilen mit ſeltſamem Lächeln von der Seite betrachtet hatte, theilte mir mit, daß die Freiwilligen„zuletzt dran kämen“. Mit ſteigender Un⸗ geduld wartete ich bis Mittag, und da ich noch immer nicht gerufen wurde, begab ich mich nach Hauſe, wohin mich der Hunger rief, denn ein Soldat hat ſtets guten Appetit. Man empfing mich daheim mit Lachen.„Nun, biſt Du angenommen?“ „Nein, ich kam noch nicht daran,“ antwortete ich unwirſch. Das Lachen kam mir verdächtig vor. Der Vater ſchmunzelte zwiſchen jedem Löffel Suppe, den er nahm, und die Mutter kicherte verſtohlen in ſich hinein. Ich wußte mir dieſe Fröhlichkeit nicht zu erklären, da ja die Sorge, daß ich Soldat werden könnte, noch nicht im Geringſten behoben war. Nachmittag verfügte ich mich wieder zur Stelle, die ich Vormittag eingenommen hatte, nur war ich durch das Benehmen meiner Eltern etwas aus meiner Zuver⸗ ſicht gerathen. Gegen drei Uhr Nachmittag hieß es end⸗ lich:„Die Freiwilligen herein!“ Ich hatte mich ſchon geraume Zeit für die Aſſen⸗ tirung ſalonfähig gemacht, das heißt, alle Kleidungs⸗ ſtücke bis auf jenes abgelegt, das Wallenſtein bei ſeiner Ermordung trug. Jetzt mußte auch die letzte Hülle fallen. Sie fiel und feſten Schrittes ging ich auf die Thür des Zimmers zu, worin die Kommiſſion ſaß. Das Alles geſchah in ſolcher Eile, daß ich wenig Zeit zu Reflexionen hatte. Es belebte mich nur der einzige Ge⸗ danke, mich recht ſtattlich, gewandt und unerſchrocken zu repräſentiren, um einen vortheilhaften Eindruck auf die Kommiſſäre hervorzubringen. Als ich aber nun die Thür öffnete, ſah ich mit Schrecken viele bekannte Herren, die mich mit einem ſpöttiſchen Lächeln zu em⸗ pfangen ſchienen. Ich balancirte, ging unſicher, ſtolperte über meine eigenen Füße, denn ich war zu wenig ge⸗ wohnt, in einem Aufzuge, wo die Hände alle Kleidungs⸗ ſtücke vertreten, mich in Geſellſchaft zu bewegen. Ich war ja ganz Adamit, und noch weniger bekleidet, als Adam nach dem Falle. Da packte mich ein alter Korporal beim Arm und ſchob mich unter das Maß. Darauf rief er eine Zahl und ſtieß mich nach vorwärts. Ich hemmte noch rechtzeitig den erhaltenen Schwung, um in reſpektvoller Entfernung vor dem daß ich roth im Geſichte ſein mußte, und das machte meine Verlegenheit noch größer, zumal da ich mich ganz in der Nähe eines Herrn ſah, vor dem ich um alles in der Welt nicht lächerlich erſcheinen wollte. Dieſer Herr war der Papa der ſchönen Karoline, der ich erſt geſtern noch eine Fenſterpromenade gemacht hatte. Ich bemerkte wohl, wie er lachte und ſeinem Nebenmanne etwas zuflüſterte.„Gewiß macht er Witze über meine ſchlechten Waden,“ dachte ich mir und ſuchte ein Bein mit dem andern zu bedecken. „Na, komm Er vorwärts l“ kommandirte der Stabsarzt mit barſcher Stimme.„Noch näher!— hierher!“ Ich war eine ſolche Anſprache nicht gewöhnt, doch verſtand ich was er wollte und leiſtete Folge. „Wie heißt Er?“ wurde ich gefragt. Ich nannte meinen Namen. Kaum hatte ich ihn genannt, ſo umſpielte ein ſpöttiſches Lächeln, wie mir ein ſolches heute ſchon auf mehreren Geſichtern vorgekommen war, ſeine Mund⸗ winkel und alsbald erſcholl mir von ſeinen Lippen das furchtbare Orakel:„Zu ſchwach.“ Ich zog ein langes Geſicht und hätte Luſt gehabt, ihm die Stärke meines Armes zu zeigen. er, um mich gänzlich zu vernichten, fort,„ſehen Sie nur, wie ſchwach ſeine Bruſt iſt, eine wahre Ziegenbruſt, und und— und... ich will den Leſer mit der keineswegs ſchmeichelhaften Kritik meines leiblichen Ichs verſchonen. Der Herr Oberſtwachtmeiſter begleitete die Worte des Stabsarzt mit beiſtimmendem Kopfnicken, und nach geſchehene urtheilung ſchüttelte er den Kopf, was ſo viel ſagen te, als: nicht tauglich. Es wird mir nun e ink gegeben, mich zu ent⸗ fernen, und mit dem allern„ Gefühle, mich gründ⸗ lich blamirt zu haben, bale jich wieder zur Thür hinaus.. Vor dem Thore des Stadr.— erwarteten mich einige Studienkollegen, die mich ugierigen Mie⸗ nen fragten, wie es ausgefallen ſei. „Schlecht!“ ſagte ich und nahn ßmuthig mei⸗ nen Weg nach Hauſe. Unterwegs ſtieß ie weeden alten Polizeimann, mit dem ich ſchon Vorn s einige Worte gewechſelt. Er hatte ſchon wieder de maliciöſe Lächeln, das mich heute verfolgte, auf dem G Zu meiner Verwunderung blieb er ſte⸗ct, um mir, wie es ſchien, mit aller Bequemlichkeit in's Geſicht zu lachen. Auf meine Frage, was er wolle? r im Tone und mit der Miene vertraulicher Zu hes. „Ich hätte Ihnen das ſchon früh ſagen könne aus Ihrer Aſſentirung nichts wird. Ich habe ja re ge⸗ ſehen, wie Ihr Herr Vater und Ihre Frau Y mit den Herren da oben geſprochen haben, und h recht gut gehört, wie der Stabsarzt ſagte: Nein, nein, er, ſeien Sie außer Sorgen, ſagte er, er wird nif ge⸗ nommen, hat er geſagt.“ 6 Vor Zorn glühend über die Hinterliſt, de Eltern, die ihren Kindern doch Offenheit und le Major und Stabsarzte ſtehen zu bleiben. Ich fühlte, „Sehen Sie nur, Herr Oberſtwachtmeiſter,“ fähr ſchuldig ſind, gegen mich bedient hatten, ging i ch — as machte mich ganz alles in ieſer Herr dr ich erſt hatte. Ich ebenmane über mon: te ein Bein andirte der näher!— wöhnt, doch mſpielte ein te ſchon auf ine Mund. Lyppen das Luſt gehabt diſter. iowe iſehen Sie giegenöruſt, ſer mit der blichen Ichs gleitete die Kopfnicken äe er den ugäch. mich zu ent⸗ mich gründ⸗ der zur Thür varteten nich . ie⸗ gierigen N muthig mei⸗ a denl alten z einige malieiöſt 4 V- W. Ernſt: Heitere Skizzen aus dem Kadettenleben. 283 Hauſe und ſchmiedete bereits auf dem Wege an einem andern Plane, wie ich meinen Willen durchſetzen könnte. Die Eltern ſollten ſehen, daß ihr Sprößling die Fäden ihres Komplottes zu zerreißen wüßte. Mit den grünen Aufſchlägen war es nun freilich aus, aber dafür blieben mir jetzt noch die gelben. Und auf einmal war mir die gelbe Farbe ſo lieb und werth geworden, daß ich kaum begreifen konnte, wie mir die grüne hatte gefallen mögen. Gelb. Je mehr ich über meinen unglücklichen erſten Feld⸗ zug nachdachte, deſto klarer wurde es mir, daß ich eigent⸗ lich nichts verloren hatte. Im Gegentheile glaubte ich nun Urſache zu haben, mich zu freuen, daß ich bei den grünen Aufſchlägen nicht zum Ziele gekommen, denn die grünen hatten nur Pantalons, die gelben aber unga⸗ riſche Hoſen. „Ich gehe,“ dachte ich mir,„ſtracks zum Oberſten des gelben Regimentes, ohne den Eltern davon etwas zu ſagen, damit ſie mir nicht wieder heimlich einen Strich durch die Rechnung machen. Der Oberſt wird mich mit Freuden aufnehmen, da er nur wenig Kadetten bei ſeinem Regimente hat, und habe ich nur einmal den Oberſten auf meiner Seite, dann werden die Eltern ge⸗ wiß einwilligen.“ Gedacht, gethan. Eines Vormittags— ich glaube, es war eines ſchönen Vormittags— ging ich in die nahe liegende Feſtung und ſuchte die Wohnung des Oberſten. Als ich ſie gefunden hatte, erhielt ich den Be⸗ ſcheid:„Ja, der iſt verreiſt.“ Da ſtand ich nun wieder und fürchtete ſchon, daß ich unverrichteter Dinge umkehren müßte. Glücklicher Weiſe hörte ich noch, daß in Abweſen⸗ heit des Oberſten der Oberſtlieutenant als Regiments⸗ kommandant fungire.„Alſo zu Reſeutterief ich und verfügte mich nach der Wohnung desſelben, die man mir zeigte. Ich klopfe an die Thür. Keine Antwort. Ich klopfe ſtärker; noch immer regt ſich nichts. Endlich nach wieder⸗ holtem lauten Klopfen höre ich dumpf aus der Ferne ein ſchnarrendes„Herrrein!“ erſchallen. — Ich trete ein und befinde mich in— einer Pferde⸗ rüſtkammer. Der Eindruck dieſes Lokales war eben nicht geeignet, mir einen ſonderlichen Begriff von militäriſchem Komfort zu geben; doch denke ich, es werde ſchon noch kommen. Da ſehe ich eine zweite Thür, klopfe und aber⸗ mals ein dumpfes„Herrrein!“ Ich trete durch die Thür in das anſtoßende Zim⸗ mer;— ja auch hier ſcheint mir der Herr Oberſtlieute⸗ nant nicht zu wohnen, da es an jedem Möbelſtücke mangelt und nur vier kahle Wände durch das vergit⸗ terte Fenſter magiſch beleuchtet werden. Ich ſtand ſtill und war unſchlüſſig, was ich weiter thun ſollte, als ſich plötzlich die Thür gegenüber öffnete, und der Herr Oberſtlieutenant vor mir ſtand. „Was wünſchen Sie, junger Mann?“ redete er mich an. „Ich bitte, Herr Oberſtlieutenant, mich zu Ihrem Regimente als Kadet aufzunehmen.“ „Ja— ja— das geht nicht ſo ſchnell. Was haben Sie denn ſtudirt?“ „Hier ſind meine Zeugniſſe.“ Mit dieſen Worten übergab ich ihm einige Atteſte. „Ah, die ſind ja recht gut. Was hat Sie denn eigentlich beſtimmt, dieſen Stand zu wählen 2* „Beſondere Vorliebe.“ „Das iſt leicht geſagt. Haben Sie denn auch über⸗ legt, welche Entbehrungen und Mühſeligkeiten mit dem Militärſtande verbunden ſind? Ich halte es für meine Pflicht, Sie auf alle dieſe Schattenſeiten aufmerkſam zu machen, damit Sie ſpäter nicht einen unüberlegten Schritt zu bedauern haben. Uebrigens fragen Sie ſich in fünf oder ſechs Tagen nochmals an. Wenn Sie dann noch bei Ihrem Vorſatze geblieben ſind, ſteht Ihrer Aſſentirung kein Hinderniß im Wege. Adieu!“ Ich ging. Wohl gab er mir Hoffnung, aber zu⸗ gleich auch Bedenkzeit. Sollte es denn wirklich ein ſo harter Stand ſein? Ich glaubte, man werde mir zu⸗ reden, bei meinen guten Zeugniſſen mich freudig will⸗ kommen heißen, meine Annahme ſogleich in's Werk ſetzen:— anſtatt deſſen räth man mir halb und halb ab und ſchickt mich mit Bedenkzeit fort. Mir fiel die Scene zwiſchen Karl Moor und Koſinsky ein. Und dann, wie ſah es bei einem ſo hochgeſtellten Officier aus— ſo düſter, ſo ungemüthlich, und, wie ich mit einem Blicke in's halbgeöffnete Zimmer bemerkte, nur die allernöthigſten Möbeln, und dieſe kaum beſſer, als ſie der gewöhnlichſte Bürger hat! Wenn nicht einmal ein Oberſtlieutenant auf Bequemlichkeit und Eleganz in ſeiner Wohnung Anſpruch machen kann, was mag ich dann als gemeiner Soldat zu hoffen haben? Ich muß geſtehen, nicht die zum Ueberdruß gehörten Schil⸗ derungen des glänzenden Elendes, die man mir vom Soldatenſtande entwarf, brachten eine ſolche Wir⸗ kung auf mich hervor, wie die vier kahlen Wände des einfachen Vorzimmers meines künftigen Oberſt⸗ lieutenants. Trotz alledem blieb ich meinem Entſchluſſe treu;— denn, dachte ich mir, eine ſchöne Wohnung iſt es ja nicht allein, die zur Annehmlichkeit des Lebens und zur Zufriedenheit der Stimmung gehört; ſie gleicht nur zu oft dem vergoldeten Käfig des Vogels. Welcher Stand kann wahl dem Militärſtande an die Seite geſtellt werden in Beziehung der wechſeluden Lebensverhält⸗ niſſe? In welchem anderen Stande lernt man das Leben und die Welt von ſo vielen Seiten kennen? Wir marſchiren von einem Ende des Reiches bis ans ent⸗ gegengeſetzte, bleiben an keinem Orte zu lange, finden überall gedeckten Tiſch, ſchöne Augen, fröhliche Herzen, — und dann noch ein Feldzug, eine Auszeichnung, ſchnelle Beförderung— ſind das nicht alles die ſchön⸗ ſten Bedingungen zu einer glücklichen Exiſtenz? Kurz, ich bleibe dabei, ich laſſe mich aſſentiren. Unter dieſen oft wiederholten Betrachtungen ver⸗ ſtrichen die als Friſt geſetzten funf Tage, nach deren Verlauf ich meinen Eltern den unabänderlichen Ent. 36* 8 —— —— ———— Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor. Ehegeſpräch. ſ 718 1 V 3 TEMEI Nͤſͤſͤſͤſ 1 Frau:„Wir reiſen doch dieſes Jahr wieder in's Bad, liebes Kind?“ Mann:„Ich dächte, wir bleiben diesmal zu Hauſe, meine Liebe.“ Frau:„Aber warum willſt Du nicht, mein Schatz?“ Mann:„SIch habe keine Luſt, mein Engel.“ Frau:„Keine Luſt, mein Beſter?“ Mann:„SIch kann es nicht beſtreiten, liebes H erz. Frau:„Warum nicht beſtreiten, lieber Mann?“ Mann:„Es koſtet eutſetzlich viel! liebe Frau. Frau:„Entſetzlich viel? Unſer Freund Müller iſt doch mit ſeiner ganzen Familie hin gereiſt, wie Du weiſt, Mann!“ Mann:„Müller iſt ein Narr, und ſeine Frau nicht beſſer als er, Frau.“ Fran:„Sie ſollen doch von meinen Freunden nicht böſes reden, mein Herr!“ Mann:„Ich will das Beiſpiel Ihrer Freunde nicht nachahmen, Madame.“ Frau:„Wenn Sie nicht hinreiſen wollen, ſo will ich, Herr Gemal.“ Mann:„Reiſen Sie,— aber wer Ihnen keinen Heller zur Reiſe gibt, das bin ich, und damit Punktum, Frau Gemalin.“ ſchluß eröffnete, Soldat zu werden und in's gelbe Re⸗ pagnie„in Stand gebracht“ und ging aus den Hän⸗ giment zu treten. Wie ich vorausgeſehen hatte, willig⸗ ten ſie auch endlich ein, nen eſcesi gaben ſie immer webels über. nach, wenn ich auf einer Vater führte mich nun ſelbſt zum Oberſten und meine Annahme beim Regimente fand, wie mir verſprochen— SON war keine Hinderniſſe mehr. Ich wurde bei einer Kom⸗ he feſt beſtand. Mein(Cortſetzung folgt.) den des Papa's in die väterliche Aufſicht eines Feld⸗ — — 1 zſ — 1 ' 1 — iſt, wie Du nit Punktum, den Hän⸗ eines ßeld⸗ 36 1 2* 5 Feuilleton. 287 In Berlin hat am Sonntag die Krinoline einen ſchweren Unfall veranlaßt. Ein Herr verwickelte ſich beim Begegnen einer Dame mit dem Fuße in die Reifen ihrer Krinoline und ſtürzte dadurch ſo auf's Steinpflaſter, daß er ſchwer verletzt in einem Wagen nach ſeiner Wohnung gebracht werden mußte. Ein ganz ähnlicher Fall wird aus London gemeldet, wo am 14. Oktober Dr. Dell vom Reifen einer Krinoline erfaßt zu Boden ſtürzte und den Knöchel brach.. Aus Kirchhain(in Kurheſſen) wird der„Zeit“ folgender Vorfall berichtet: Der zwölfjährige Knabe einer dortigen Witwe ſchlug auf der Straße mit einer kleinen Peitſche nach einem Hunde. Der Herr Landrath Rohde ſieht das vom Fenſter aus und herrſcht den Knaben an, ſofort auf das Landrathsamt zu kommen. Da der kleine Uebelthäter, wie man ſich denken kann, nicht gehorcht, ſondern alsbald davon läuft, ſo wird ein Polizeidiener befehligt, ihn aufzuſuchen und vorzuführen. Als das ge⸗ ſchehen, prügelt der Herr Landrath den armen Knaben höchſteigenhändig durch und läßt ihn 24 Stunden in's Amtsgefängniß einſperren. Hier ſchreit der zum Tode er⸗ ſchrockene Junge ſo kläglich, daß den Gefängnißwärter Mit⸗ leid erfaßt und er die Mutter desſelben holt, die dem Knaben während der Nacht Geſellſchaft leiſtet. Am andern Morgen wird der Junge von einem Polizeidiener aus dem Gefängniß nach der Schule gebracht. Einen originellen Leſerkreis hat ſich eine Stutt⸗ garter Buchhandlung gewählt: Kappf's„Selige Stunden hingerichteter Perſonen“ werden von ihr„für Gefangene, namentlich aber zum Tode Verurtheilte“ empfohlen. Auch einem„häufig gefühlten Bedürfniß der Geiſtlichen wird das Büchlein entgegenkommen“, und mauche Gegner der Todesſtrafe werden aus dem„göttlich beſtimmten Gewiſſen der Hingerichteten“ zur Nutzanwendung gebracht!!! Der fünffache Mord, deſſen, Schauplatz am ver⸗ wichenen Sonntag der verödete Zizkaberg geweſen, iſt noch immer der allgemeine Geſprächsgegenſtand. Man hält es kaum für möglich, daß ein Vater das Herz haben konnte, bevor er ſich ſelbſt das Leben genommen, ſeine eigenen Kinder auf ſo gräßliche Art, eines nach dem an⸗ dern, abzuſchlachten. Den Kindern hatte er die Adern kreuz und quer durchſchnitten und theilweiſe ganze Fleiſch⸗ ſtücke von ovaler Form aus den Armen herausgeſchnitten und dann ſich ſelbſt durch einen Schnitt in den Hals ntleibt. Man fand an dem Ort der That— einer Erd⸗ vertiefung an der Mauer des ehemals Hraba'ſchen Gartens in der Gegend des Gloriettes— zwei blutige Tranſchir⸗ meſſer und zwei geleerte Flaſchen. Die Flaſchen enthielten, wie man vermuthet, ein geiſtiges Getränk, mit welchem er ſeine Kinder betäubt und vielleicht auch in Schlaf ge⸗ bracht haben mochte. Die Leichen wurden zuerſt von einer Bahnwächterin, welche am Montag Nachmittags auf den Zizkaberg Moos ſammeln ging, entdeckt. Sie boten in threm blutübergoſſenen Zuſtande einen gräßlichen Anblick. Noch am Ahend verfügte ſich die ſtrafgerichtliche Beaugen⸗ ie Wänd Roöommiſſion an Ort und Stelle, worauf die die Fotankammer des allgem. Krankenhauſes ¹g geſchafft wurden. Der Mann, welcher die henda ghat verübt hat, hieß Auguſtin Zimmermann, müſſen, ander 1 Zi N 1 182— 5), wo er eine Grieslernahrung führte. 7,5 und 1 Jahren und das vierte ein vier Jahre noch A Mädchen. Ueber das Motiv der That iſt noch nichts erſieht, Hauſe entfernte, bemerkte man an ihm nicht das ge⸗ pfübel und wurde deßhalb von ihrer ältern Schweſter or dem Schlafengehen am ganzen Kopfe mit Spiritus ewaſchen. Da kommt das Kind mit ſeinen Haaren einer brennenden Lampe zu nahe und im Nu ſteht der ganze Kopf in hellen Flammen. Das unglückliche Kind ſtarb erſt nach zwölf Stunden unſäglicher Leiden. Im Kontineutaltheater zu Philadelphia geriethen am 14. September zwölf Balletmädchen, die eben in der Garderobe Toilette machten, in Brand. Eine derſelben hatte ſich mit ihrem Flügelkleide einer Gasflamme genaht und brannte augenblicklich über und über. Zwei andere Mädchen, ihre Schweſtern, eilten ihr zu Hilfe und theilten ihr Schickſal. In Angſt und Schrecken ſtürzten die drei Brennenden in ein anſtoßendes Zimmer, welches eben falls voll Mädchen war. Die Folgen laſſen ſich denken. Mehre der armen Geſchöpfe ſprangen zum Fenſter auf die Straße hinaus. Alle trugen mehr oder minder ge⸗ fährliche Brandwunden davon... ſechs ſtarben nach wenigen Stunden. Rieſenſtadt. Nach dem Temps zählt gegenwärtig Paris in ſeinen 20 Arrondiſſements 1,696.000 Einwohner, und das ganze Departement de la Seine 1,953.000. Unter ſämmtlichen beim Viktoria⸗Theater in Berlin⸗ zur Feſtfeier des Krönungstages eingereichten Konkurrenz ſtücken hat das von Dr. Wilhelm Schröder verfaßte pa⸗ triotiſche Schauſpiel„Studenten und Lützower, ein Zeit⸗ bild aus dem Jahre 1813,“ den Vorzug erhalten. Dasſelbe wurde am 22. Oktober, als an dem Tage, an welchem König Wilhelm ſeinen Einzug in Berlin hielt, auf dem Viktoria⸗Theater als Feſtvorſtellung zur Aufführung gebracht. Lang vorbedachter Selbſtmord. In Linz hat ſich am 14. Oktober ein Kommis mittelſt eines Piſtolenſchuſſes entleibt. Am 18. erhielt die Redaktion des„Abendboten“ durch die Behörde ein vom 19. Sept. datirtes Schreiben des Selbſtmörders zugeſtellt; dasſelbe lautet wörtlich: „Euer Wohlgeboren! Erſuche Sie hiemit, beifolgende Zeilen in Ihrem geſchätzten Blatte als Inſerat einzu ſchalten, zu welchem Zwecke ich 2 fl. ö. W. beilege, und empfehle mich Ihnen hochachtungsvoll. A. Schneider.“ Das Inſerat lautet:„Ich erlaube mir hiemit, allen meinen „Freunden und Bekannten anzuzeigen, daß ich mich nach reiflicher, jahrelanger Ueberlegung durch einen Schuß entleibt habe, und bitte, mich nicht gar zu ſtrenge zu beurtheilen und manchmal an mich zu denken. Linz, am 20. Sept. 1861. Auguſt Schneider.“ In Rom macht ein ſchrecklicher Selbſtmord großes Aufſehen und hat viele angeſehene Familien in Trauer verſetzt. Hr. Lazzari hat ſich am 6. Oktober in Gegenwart ſeiner Frau, ſeiner Töchter und ſeines Arztes erſchoſſen. Er hielt zwei Revolver in der Hand, einen gegen die Anweſenden gerichtet, den andern an ſeine Schläfe geſetzt, und während der Arzt einen Stuhl ergriff, um ſich zu vertheidigen und die That zu verhindern, drückte Herr Lazzari los und war kurz darauf eine Leiche. Er war ein ſehr vermöglicher und vielſeitig gebildeter Mann; eine ſeiner Töchter hatte vor zwei Monaten den Duca Altemps geheiratet. In der Hauskapelle der Landesgerichts in Wien hatte am Kaplan Hr. P. Karl Böß eben die Segenmeſſe, welcher ſämmtliche männliche Sträflinge beiwohnten, geleſen und verneigte ſich eben nach beendeter Meſſe vor dem Altare, als plötzlich ein Sträfling, der 17jährige, bereits mehr⸗ mals wegen Diebſtahl abgeſtrafte Karl Weber, der als Miniſtrant fungirte, auf den Geiſtlichen losſtürzte und demſelben ein Meſſer in das Genick mit ſolcher Heftigkeit ſtieß, daß die Klinge zerbrach. P. Böß ſtürzte bewußtlos zuſammen und mußte fortgetragen werden. Die Meſſer⸗ klinge war ihm im Genick ſtecken geblieben, und die Aerzte erklärten nach ſofortiger Unterſuchung die Verletzung als eine ſchwere, die abſolut tödtlich geweſen wäre, wenn das Meſſer tiefer eingedrungen wäre. Der Verbrecher ſoll die That aus Rachſucht verübt haben, weil er auf Veranlaſſung des Kaplans wegen Verſpottung einer Pre⸗ digt einen Tag hatte faſten müſſen. Die d. 24 un. that entweihte Kirche wurd nee a benedieirt. ruſchigen Strafanſtalt des k. k. letzten Sonntag früh der 24 / —— —— 288 Erinnerungen. Die„Donauzeitung“ erzählt unter anderen Bei⸗ ſpielen der gegenwärtigen Beamtenwirthſchaft in Ungarn auch folgenden Fall. Ein Schnittwaarenhändler, ein acht⸗ barer, mit dem goldenen Verdienſtkreuze gezierter Mann, rumäniſcher Nationalität, hatte vor einigen Monaten betreffs einer Wechſelforderung von 120 fl. die Klage bei dem Stuhlrichteramt anhängig gemacht. Der Stuhlge ſchworne J., mit dieſer Angelegenheit betraut, entledigt ſich ſeines Auftrages in der gewiſſenhafteſten Weiſe und läßt den Schnittwaarenhändler wegen Behebung dieſer Summe vorladen. Froh erſcheint der geldbedürftige Mann und erfährt— daß der Stuhlgeſchworne den Wechſel zwar einkaſſirt habe, jedoch genöthigt geweſen ſei, den⸗ ſelben für die dringend nothwendige Bezahlung eines für ſich gekauften Pferdes zu verwenden, und daß der Schnitt⸗ waarenhändler ſich einſtweilen mit einem von ihm aus⸗ geſtellten, auf einen kurzen Zahlungstermin lautenden Schuldſchein begnügen möge. Daß der Geprellte noch heute auf ſein Geld wartet, daß der weiſe Richter trotz⸗ dem, daß der Obergeſpan eine Beſchwerde entgegenge⸗ nommen, noch heute in ſeinem Amte fungirt, das ſind Dinge, die ſich in Ungarn ſo ziemlich von ſelbſt verſtehen. Einen mehr als eigenthümlichen Eindruck, beſon⸗ ders außerhalb Preußen, muß eine Bekanntmachung der Strafanſtalt Rhein(Reg.⸗Bez. Gumbinnen) machen, die folgendermaßen beginnt:„In der Strafanſtalt Rhein ſollen für das Jahr 1862 oder auch für mehre Jahre ſämmtliche verfügbaren weiblichen Sträflingskräfte verpachtet werden. Es iſt zu dieſem Zweck ein Termin angeſetzt; die Be⸗ dingungen können eingeſehen werden ac.“ Das ganze Ge ſchäft wird behandelt, als ob die Strafgefangenen eine zu verpachtende Sache ſeien. Ein kleines Verſehen. Ein Dr. Hendric in London hatte kürzlich einem kleinen Knaben eigenhändig eine Doſis Strychnin verabreicht. Er entſchuldigte ſich bei der Todteu⸗ ſchau damit, daß er in ſeiner Hausapotheke eine Flaſche mit Strychnin neben einer Flaſche mit Santonin(Wurm⸗ ſamenbitter) ſtehen hatte. Beide Flaſchen waren mit blauem Papier überzogen, beide hatten Aufſchriften, aber der Regen ſei in das Gemach gedrungen, und ſo habe er „das kleine Verſehen“ begangen! Zur Warnung wird aus Guhrau(Schleſien) ge⸗ ſchrieden: Ein Jagdgehilfe ſchießt einen Haſen. Da der⸗ ſelbe nicht ganz todt, ergreift der Jäger ſein Doppel⸗ gewehr, um mit dem Kolben den Haſen vollends zu tödten. Dabei entladet ſich der zweite Lauf des Gewehres und, in der linken Seite getroffen, ſinkt der unvorſichtige junge Mann todt zur Erde. Zunft und Zopf. In einer der jüngſten Magiſtrats⸗ ſitzungen in München wurde eine Klage gegen eine Bier wirthswitwe verhandelt, weil ſie das ungeheure Verbrechen begangen hatte, um ſechs Kreuzer Brod ohne gleichzeitige Abgabe von Bier oder Speiſen zu verabreichen. Die In⸗ kulpatin kam für diesmal mit einem Verweis unter An⸗ drohung von zehn Gulden Strafe für den Wiederholungs⸗ fall dabon. In derſelben Sitzung wurde, obgleich für die Vorſtadt Au ſeit 1827 keine neue Zinngießerskonceſſion ertheilt worden iſt, der einzige Bewerber um eine ſolche aus dem Grunde abgewieſen, weil er kein hinreichendes Vermögen nachzuweiſen vermochte. Theater. Am 24. Oktober wurde auf der Prager Bühne zum erſten Mal aufgeführt:„Fauſt“, Oper in vier Akten von Th. Gounod. Nach den drei bisherigen Aufführungen hatte zwar dieſe Novität keinen vollſtändig durchgreifenden Erfolg, doch erregte ſie durch mehrere gelungene Einzel⸗ heiten in der Muſik ein ziemliches Intereſſe. Daß man Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor. überhaupt hier auf dieſe Oper ſehr geſpannt war, lag, abgeſehen von dem bereits aus dem auswärtigen Deutſch⸗ land und aus Frankreich von den Aufführungen herüber⸗ klingenden unterſchiedlichen Rufe und einer ebenſo ab⸗ weichenden Beurtheilung, zumeiſt in dem Umſtand, daß das Libretto von der bekannten pariſer Kompagniefirma „Barbiér und Carréô“ in den Hauptſcenen unſerem deut⸗ ſchen Nationalwerke„Fauſt“ von Göthe, und zwar dem erſten Theil desſelben, entlehnt war. Allerdings zeigte alsbald dieſe Bearbeitung, daß die Librettiſten in ihren Anſchauungen an das Erfaſſen eines ſo großartigen Stoffes in ſeiner ganzen Bedeutung nicht heranreichten; ſie haben denſelben blos in Abſicht auf äußerliche Opern⸗ effekte willkürlich und ohne innern Zuſammenhang aus⸗ gebeutet und zugeſchnitten, wie es gerade in ihren pro⸗ jektirten Rahmen paßte, und dabei, wie nicht anders denkbar, den urſprünglichen Charakter der Hauptperſonen verfehlt, mitunter auch karrikirt, ſo wie die moraliſche Tendenz des Sujets gänzlich verrückt. Dieſes Verſehen machte der Ueberſetzer des ſo frei bearbeiteten franzöſiſchen Operntextes wo möglich noch greller, da er namentlich dem„Gretchen“ einzelne Phraſen des Urtextes zugewieſen hat, die ſich in der übrigen Umgebung im Texte gar ſonderbar ausnehmen. Immerhin blieb aber dem ſo zu⸗ gerichteten Skoffe ſo viel anregendes Element, daß das unverkennbare Talent des Komponiſten ſich ſelbſt zu einem dramatiſchen Anlauf verſteigen konnte, der vielen lyriſchen und brillant effektuirenden, gelungenen Momente nicht zu gedenken. Die Muſik, im Allgemeinen betrachtet, zeichnet ſich vor Allem durch eine ſehr verſtändige, ge wandte und auch ſtellenweiſe ſehr pikante Inſtrumen⸗ tation aus, die Kompoſition im Allgemeinen läßt ſchließend daß Gounod in den Hauptrichtungen der Oper die größten Meiſterwerke wohl ſtudirt, und das ihm ſcheinende Beſte hieraus einer, aber keineswegs blinden Nachahmung ſeinerſeits werth erkannt hat. Beſonders ſcheinen ihm Meyerbeer und Halevy als Vorbilder geleuchtet zu haben. In der charakteriſtiſchen Betonung iſt ihm die Partie des„Valentin“ und dieſer zunächſt jene des Mefiſto“ am beſten gelungen. Gretchen iſt zuviel in Geſangs⸗Paraderolle, Fauſt ſogar in unpaſſender Art zu ſentimental gehalten. Des beſchränkten Raumes d. Bl. wegen, wollen wir hier nur einzelne Nummern der Ope hervorheben. Die Inſtrumentaleinleitung iſt ernſt, würdig als Tonbild ſehr intereſſant; in der Kirmeßſcene(2. Akt hier mit dem vorhergehenden zum erſten Akt verbunden treffen wir einen friſchen Studentenchor, dann originell Couplets Mefiſto's,— in dem folgenden Finale ſind die bekannten Worte,„mein ſchönes Fräulein“ recht hübſch komponirt. Siebel's Couplets(Anfang 3. Akt.) haben ein ſehr gefällige Melodie, ebenſo iſt Fauſt's Kavatine(Nr. 12 eine ſchöne und dankbare Stelle.— Weiter iſt ſehr ge lungen das Duett(Nr. 18) zwiſchen Fauſt und Gretchen der Soldatenchor ber der Rückkehr Valentins, die Duel⸗ ſcene, die Serenade Mefiſto's, endlich die Kirchenſcene i dem choralmäßigen Theile. Der letzte Akt bieter Der Schay luſt in Maſchinerie, Dekorationen und Verwandl vielen Unterhaltungsſtoff. Die mise en scène war di ſehr ſorgfältig, die Dekorationen(bis auf eine) und ſtume neu. Die Totalaufführung bildete endlich eineg nahme von der ſonſt in Opernrepriſen herrſchendeite chalance. Von den Hauptperſonen iſt Hr. Kren„Fr. als trefflich in jeder Beziehung zu bezeichnen, nen Hr. Bernard„Fauſt“, dem nur ein friſcheres uwon hafteres Organ zu wünſchen wäre. Frl. Gralt „Gretchen“ kann für jetzt unmöglich ihre Aufgabe bek tigen, vielmehr bedürfte ſie ſehr der Schonung. NXo zweiten Rollen waren Frl. Mick(Siebel), Frau chaska(Martha) und Hr. Steinecke(Valentin) ½ gut am Platze. 4* 8 Nonime waiente„and, esit des Verlegers.— Papier und Druck des art.-typ Inſtituts von Carl Bellmann in Prag —mn— An warke Pr. Ich wu 2 2 22 2 2 A 23 8 „