— Arriybiblioche deutſcher, engliſcher uund franzöſiſcher Literatur Eduard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Jeſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8. Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. beträgt: für wöchentlich auf 1 Monat: „ Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und Bü Bücher:. 2 4 Bücher: —— 1 Mk. 50 Pf. Auswäürtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurz ickſendung der Buhor auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Sſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der er uun Erſatz des Ganzen verpflichte t. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonderb darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. 2 Bücher: — 1 Mk.— Pf. *2 Cooper's ſaͤmmtliche Werke. Acht und fünfzigſtes bis ſechszigſtes Bändchen. *—. 1 Die Waſſernixre .. o der 3 z der Tummler der Neere. 3 Erſtes bis drittes Bäͤndchen. Frankfurt am Main, 1831. Gedruckt und verlegt bei Johann David Sauerländer. — Die Waſſernixe oder der Tummler der Neere. Eine Erzählung 5* von. „& A James Fenimore Cooper. † Aus dem Engliſchen überſett Bearbeiter der humoriſtiſchen Geſchichte Pew⸗Yorks von W. Irving. b„Mais due diable alloit-il Salre dans cette galère.“ Erſtes bis drittes Bändchen. ——O⏑ÿʒÿ———————— 2 2.2.........—:“ Frankfurt am Main, 1831. Gedruckt und verlegt bei Johann David Sauerländer. + 92 ☛*——8-— S— Die Chriſtenheit windet ſich allmählig aus der Unwiſſen⸗ heit, Barbarei und Grauſamkeit der Zeiten des Mittel⸗ alters los. Es iſt kein Gegenſtand der Ruhmredigkeit mehr, daß die Hand, welche das Schwerd trägt, nie die Feder führte, und ſchon lange haben die Menſchen auf⸗ gehört, ſich erworbener Kenntniſſe zu ſchämen. Die ver⸗ vielfachten Mittel, um Grundſätze und Thatſachen zu verbreiten, und eine allgemeine Ausſaat der Intelli⸗ genz haben in der ganzen civiliſirten Welt zur Feſtſtel⸗ lung einer heilſameren Moral und gerechterer Ubungen geführt. So iſt derjenige, welcher mit der ſchwindenden Hoffnung ſeiner Jahre die Überzeugung annimmt, daß die Menſchheit ſich immer mehr verſchlechtert, wohl eben ſo weit von der Wahrheit entfernt, wie der, welcher in dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts den Morgen eines goldnen Zeitalters dämmern ſieht. Daß wir durch die Meinungen und übungen unſerer Vorfahren ſehr ge⸗ wonnen haben, iſt eben ſo gewiß, als daß ſich Anlaß er⸗ geben wird, das Erbtheil der Sittlichkeit, welches wir der Nachwelt hinterlaſſen werden, zu veredlen. Als die Fortſchritte der Civiliſation Europa zwangen, die Gewaltthat und Ungerechtigkeit einzuſtellen, die ſo offen geuͤbt wurden, bis man die Buchdruckerkunſt er⸗ fand, machte die andere Halbkugel Amerika zu einem Schauplatz von Handlungen, deren nähere Bekanntmachung zu Hauſe ihre Schändlichkeit verbot. Weniges von geſetz⸗ loſer, käuflicher, gewaltthätiger und ſelbſtſüchtiger Natur war zu finden, was die ſogenannten Herren des Conti⸗ 8 8SuS N Rn 12 d m ſe NII— gegenwärtigen franzöſiſchen Königreiches gleichkommt. Von dieſem großen Lande jedoch beſaßen ſie nur einen ſchma⸗ len Strich auf beiden Seiten des Hudſon, und da und dort eine Niederlaſſung an einigen wenigen Flußniede⸗ rungen mehr im Innern. Es waltet eine Vorſehung über dem Schickſal der Nationen und macht die tiefſten menſchlichen Berechnun⸗ gen zunichte. Hätte die Herrſchaft der Holländer noch ein Jahrhundert länger gedauert, ſo wäre im innerſten Herzen der Union ein Volk geweſen, welches ſich durch Sprache, Urſprung und Sitten der Bildung des neuen Vereins widerſetzt hätte. Die Eroberung der Engländer im Jahr 1663, wie ungerecht und unbillig ſie auch an ſich war, entfernte die Gefahr, indem ſie der großen Übereinſtimmung des Charakters, die nun ſo glücklich be⸗ ſteht, den Weg bahnte. Obgleich die Engländer, die Franzoſen, die Schwe⸗ den, die Holländer, die Dänen, die Spanier und die Norweger alle zuſammen Colonteen in dem Lande hat⸗ ten, welches die vereinigten Staaten bildet, ſo iſt doch das Volk dieſer Union ſich in Charakter, Sprache und Anſichten ähnlicher als in jedem anderen bekannten gro⸗ ßen Reiche. Dieſe Übereinſtimmung des Charakters ver⸗ dankt ſle dem frühen Übergewicht von England und dem Umſtande, daß Neu⸗England und Virginien, die beiden großen Quellen innerer Auswanderung, ganz brittiſchen Urſprungs waren. Doch hat Neu⸗York noch immer eine Menge von Gebräuchen aus Holland beibehalten. Seine gemalten Backſteinhäuſer, ſeine Straßen mit Alleen, die unbequemen und häßlichen Eingänge der Häuſer(stoops) und eine große Zahl ihrer Benennungen rühren gleich⸗ falls aus dem Holländiſchen her. Bis zu Anfang dieſes Jahrhunderts hörte man auch die holländiſche Sprache in den Straßen dieſer Hauptſtadt reden, und obgleich es eine Nation von beſondrer Kühnheit und Originalität in allem iſt, was zur Schifffahrt gehört, trägt doch der „ — vII— größte Seehafen des Landes noch viele Spuren eines auf denſelben Urſprung zurückweiſenden Geſchmackes. Der Leſer wird in dieſen Thatſachen eine hinreichende Erklärung für die meiſten eigenthümlichen Gebräuche fin⸗ den, die im Verlaufe der folgenden Erzählung vorkom⸗ men. Sclaverei, verſchiedene Sprache und geſchiedene Nationalität findet man nicht mehr in den ſchönen Ge⸗ genden von Neu⸗York, und ohne eine beſondere Ausnahme von der Schwäche der menſchlichen Natur machen zu wollen, dürfen wir doch hoffen, daß dieſes nicht die ein⸗ zigen Züge in dieſer Erzählung ſind, welche eine beſſere Staatskunſt und eine billigere Handhabung der Gewalt nun rein hiſtoriſch gemacht haben. 3 Früh der Feſſeln des Mittelalters entledigt, Feſſeln, welche mit der Perſönlichkeit den Geiſt niederhielten, iſt Amerika in dem Gang der Verbeſſerungen, welcher das gegenwärtige Zeitalter ſo merkwürdig macht, Europa eher vorangegangen als gefolgt. Unter einem ſo umfaſſenden, liberalen und gerechten Syſtem, wie das ſeinige, mag es wohl zu kämpfen haben mit Rivalſchaften, die durch eine geſchloſſenere Mitbewerbung unterſtützt werden und die ſo abſurd ſind in der Anmaßung von Liberalität, als ver⸗ letzend durch ihre Monopole: aber zu fürchten hat es am Ende nichts. Sein polikiſcher Wahlſpruch ſollte Gerechtig⸗ keit ſeyn und ſeine erſte und größte Sorge darauf gerich⸗ tet, daß ſie ihren eignen Bürgern gewährt werde. Die Nutzanwendung hiervon wird dem Leſer über⸗ laſſen. Die Küſte Breite Hudſo einer angege Die 2 daß ſi rend d wünſch tigen glückli die S 3 auf zende 2 fin⸗ kom⸗ edene Ge⸗ ahme Erſtes Kapitel. Soll dieſe Rede zur Entſchuld'gung ſeyn⸗ Oder bedarf's der Rechtfert'gung nicht weiter? Romeo und Julie. Die ſchöne Seebucht, die ſich an der amerikaniſchen Küſte zwiſchen dem vierzigſten und ein und vierzigſten Breitegrade hinzieht, wird durch den Zuſammenfluß des Hudſon, des Hackenſack, des Paſſaik, des Rariton und einer Menge kleinerer Ströme gebildet, die alle in dem angegebenen Raume dem Ocean ihren Tribut zuführen. Die Inſeln Naſſau und Staten haben die glückliche Lage, daß ſie gegen die Stürme der offenen See ſichern, wäh⸗ rend die tiefen und breiten Arme der letzteren jede nur wünſchenswerthe Bequemlichkeit ſowohl für den auswär⸗ tigen Handel, als den inneren Verkehr bieten. Dieſer glücklichen Vertheilung von Waſſer und Land verdankt die Stadt Neu⸗York, neben dem gemäßigten Klima, der Central⸗Lage und dem unermeßlichen Inneren, wel⸗ ches jetzt in jeder Richtung, theils von künſtlichen, theils 58— 60. 1 — 2— von natürlichen Strömen durchzogen iſt, ihren außerge⸗ wöhnlichen Wohlſtand. Obwohl es der Bai von Neu⸗ York nicht an Schönheit fehlt, gibt es doch viele andere, die ſie in dem Zauber der Scenerie übertreffen; indeſſen kann man die Frage thun, ob irgend ein anderer Mee⸗ resplatz in der Welt für das Wachsthum und die Hül⸗ fen eines weit verbreiteten Handels ſo viele natuͤrliche Vortheile gewährt? Als ob die Natur nie ihrer Güte überdruſſig würde, hat ſie die Inſel Manhattan gerade auf einen Punkt geſetzt, der für eine Stadt die wün⸗ ſchenswertheſte Lage hat. Millionen dürften dieſen Fleck bewohnen und doch könnte ein Schiff in der Nähe jeder Thür verladen, und während die Oberfläche des Landes gerade ſo viel Ungleichheiten beſitzt, als für Geſundheit und Reinlichkeit erforderlich ſind, iſt das Innere mit den nöthigſten Baumaterialien reichlich verſehen. Die Folgen eines ſo ungewöhnlichen Zuſammentref⸗ fens günſtiger Umſtände ſind wohl bekannt. Ein kräfti⸗ ges, geſundes und immer fortſchreitendes Wachsthum, das ſelbſt in der Geſchichte dieſes außerordentlichen und glücklichen Landes ohne Beiſpiel iſt, hat die unbedentende Provinz⸗Stadt des letzten Jahrhunderts jetzt mit den Städten zweiten Ranges der anderen Hemiſphäre auf gleiche Stufe erhoben. Neu⸗Amſterdam dieſes Feſtlan⸗ des wetteifert ſchon mit ſeiner Mutter Jenſeits, und ſo weit menſchliche Fähigkeit vorauszuſagen vermag, wird es ſich in wenigen flüchtigen Jahren mit den ſtolzeſten Hauptſtädten Europa's meſſen dürfen. Es ſcheint faſt, als habe die Natur, gleich wie den Stufen des animaliſchen Lebens, auch dem Steigen der morals Währ den N des N Pante res ar durch net im Wilde menſch 2 Maſte las, d belebt täglich Gebu welche den. mag Beleb gemac nerun Geſch aufgit wäſſel nen wo d Kano als ſi ißerge. Neu⸗ undere, ndeſſen Mee⸗ 1 Hül⸗ ürliche Güte gerade wün⸗ Fleck jeder Landes ndheit re mit entref⸗ kräfti⸗ tthum, n und utende it den 'e auf eſtlan⸗ und ſo wird lzeſten ie den en der — 3— moraliſchen und politiſchen Größen ihre Graͤnzen geſetzt. Während die Stadt der Medicäer von ihren verfallen⸗ den Mauern ſich zurückzieht, nicht anders als die Geſtalt des Menſchen einſchrumpft zum«hagern, ſockentragenden Pantalon», während die Königin des adriatiſchen Mee⸗ res auf ihren Moraſt⸗Inſeln ſchläft und ſelbſt Rom nur durch zerfallene Tempel und verſchüttete Säulen bezeich⸗ net wird, überſchüttet die junge Kraft Amerika's die Wilden des Weſtens mit den glücklichſten Früchten des menſchlichen Fleißes. Von dem Bewohner Manhatta's, der mit dem Maſtevwald, den meilenlangen Kais, den zahlloſen Vil⸗ las, den hundert Kirchen, den Caſtellen, den rauchenden belebten Schiffen, welche ſich in ſeiner Bai drängen, dem täglichen Wachſen und allgemeinen Gedränge in ſeiner Geburtsſtadt vertraut iſt, von dieſem wird das Bild, welches wir jetzt entwerfen wollen, kaum erkannt wer⸗ den. Wer aber eine Generation ſpäter kommen wird, mag vielleicht lächeln, daß man aus der gegenwärtigen Belebtheit der Stadt einen Gegenſtand der Bewunderung gemacht hat. Und doch wollen wir verſuchen, die Erin⸗ nerungen des Leſers nur ein Jahrhundert in die kurze Geſchichte dieſes Landes, zurückzuverſetzen. Als die Sonne am Morgen des 3. Juni 171— aufging, hörte man einen Kanonenſchuß über die Ge⸗ wäſſer des Hudſon hinhallen. Rauch ging von den Zin⸗ nen einer kleinen Feſtung auf, die an der Stelle ſtand, wo der Fluß und die Bai ihre Fluthen vereinigen. Der Kauonenſalve folgte die Erſcheinung einer Flagge, die, als ſte die Spitze ihres Stabes erreichte und ſich unter 1* dem leichten Luftzuge ſchwerfällig aus einander wickelte, das blaue Feld und rothe Kreuz des engliſchen Seewap⸗ pens entfaltete. In der Entfernung einiger engliſchen Meilen ſah man die dunkeln Maſten eines Schiffes, ſchwach gehoben durch den grünenden Hintergrund der Höhen von Staten⸗Island. Eine kleine Wolke überflog dieſen Körper und dann gelangte ein Antworts⸗Signal dumpf und rollend nach der Stadt. Die Flagge, die der Kreuzer aufzog, war in der Ferne nicht erkennbar. Gerade in dem Augenblick, als der Schall des erſten Geſchützes gehört wurde, öffnete ſich die Thür eines der Hauptgebäude der Stadt, und ein Mann, der wohl deſ⸗ ſen Beſitzer ſeyn konnte, erſchien an dem Eingang von gewöhnlicher übelgewählter Bauart. Er war, wie es ſchien, auf irgend einen Zug gerüſtet, der wohl den Tag hinnehmen konnte. Ein Schwarzer von mittleren Jah⸗ ren folgte dem Bürger zur Schwelle und ein anderer Neger, der noch nicht zur Mannesgröße aufgewachſen war, trug unter'm Arm ein kleines Bündel, das wahr⸗ ſcheinlich einige nothwendige Artikel für die Bequemlich⸗ keit ſeines Herrn enthielt. «Betriebſamkeit, Meiſter Euclid, Betriebſamkeit iſt der wahre Stein der Weiſen,» begann oder vielmehr endigte in reichem vollmäuligem Holländiſch der Eigen⸗ thümer des Gebäudes, der damit, wie man ſah, ſeinem erſten Sclaven einen Abſchieds⸗Befehl ertheilte, ehe er das Haus verließ—„Betriebſamkeit hat manchen Mann reich gemacht, und noch keinen in Noth gebracht. Be⸗ triebſamkeit hat den Credit meines Hauſes aufgebaut, und, ich ſage es zwar ſelbſt, aber ein breiterer Rücken und ei Colon Herrn mehr Grund ich kr nage, fahre, Aufſich meine Luſt i Fieber immer peſtet nun i Menſe daher genan⸗ mir a Wohl lich d wiſſen chen. ſind u Neger ander mit Taſche darf! mir, vickelte, heewap⸗ gliſchen ſchiffes, nd der iberflog Signal die der r. erſten nes der hl deſ⸗ ig von vie es n Tag Jah⸗ nderer vachſen wahr⸗ emlich⸗ zeit iſt elmehr Eigen⸗ ſeinem ehe er Mann Be⸗ ebaut, Rücken und ein feſteres Geſtell gehört keinem Kaufmann in den Colonieen an. Er iſt nur der Widerſchein von ſeines Herrn Glück, er Burſche, und deßhalb muß er um ſo mehr auf meinen Vortheil ſehen. Wenn der Körper zu Grunde geht, was will aus dem Schatten werden! Wenn ich kränkle, ſeid ihr elend, wenn ich am Hungertuch nage, ſterbt ihr ſchon Hungers, wenn ich aber hin⸗ fahre, ſeid ihr alle im— hm— Euelid, ich laſſe dir die Aufſicht über Gut und Vieh, Haus und Stall, mit meinem Anſehen in der Nachbarſchaft. Ich gehe nach Luſt in Ruſt, um einen Mundvoll beſſere Luft zu athmen. Fieber und Peſtilenz! Ich glaube, die Menſchen laufen immer ſo fort in dieſe vollgepfropfte Stadt, bis ſie ver⸗ peſtet wird wie Rotterdam in den Hundstagen. Er iſt nun noch gerade zu den Jahren gekommen, wo der Menſch ſeinen Verſtand kriegt, Burſche, und ich erwarte daher gebührende Sorgfalt und Unterſcheidung bei den genannten Dingen, indeß ich den Rücken kehre. Paß mir auf, Kerl, ich ſag' es dir: ich habe kein großes Wohlgefallen an deinesgleichen; ihr Racker ſeid eigent⸗ lich doch nicht werth, daß euch Männer von einem ge⸗ wiſſen Rang in der Welt zu vertrauten Dienern ma⸗ chen. Da, deine leibliche Vettern, Brom und Kobus, ſind nicht beſſer als ein Paar Galgenvögel, der engliſche Neger Diomed aber iſt ein Teufelsbraten! Du haſt die andern Schlöſſer in Verwahrung, und,v» dabei zog er mit ſichtlichem Widerſtreben das Inſtrument aus der Taſche,«hier iſt der Schlüſſel zum Stall. Kein Huf darf mir hinaustreten, außer an die Röhre— und ſorge mir, daß jedes Thier ſein Freſſen auf die Minute hat. Die Satanskerls! ein Manhattan⸗Neger ſieht einen flämiſchen Wallachen für einen Windhund an, der nie außer Athem kommen darf, und fort gehts, haſt du nicht geſehen, bei Nacht, an den Landſtraßen hin, wie eine Yankee⸗Hexe, die, hu! auf einem Beſenſtiel durch die Luft reitet— aber wahrhaftig, Meiſter Euclid, ich habe Augen im Kopf, wie du aus bitterer Erfahrung weißt! Denk an die Zeit, Hallunke, als ich dich aus dem Haag ſah die Beſtien reiten wie der lebendige Teufel, auf den Daͤmmen von Leyden hin, ohne Reu und Erbarmen!⸗ «Laß mir's nicht ausreden, Maſſer, daß ſo ein Unglücksſtifter mir's dat Weil verdarb;» erwiederte der Neger verdrießlich, doch nicht ohne Furcht. «Seine eigene Augen waren die Zwiſchentraͤger. Wenn die Herren keine Augen hätten, die Neger wür⸗ den eine ſchöne Zucht verführen! Ich habe das Signa⸗ lement von jeder ſchwarzen Sohle auf dieſer Iuſel, wie es in dem großen Buch ſteht, in das ihr mich ſo oft hin⸗ eingucken ſeht, beſonders am Sonntag, und wenn eins der vermaledeiten krummen Beine, die ich genannt habe, ſich auf meinen Grund und Boden wagt, ſo ſoll er ſich darauf verlaſſen, daß er die Stadt Prevoſt zu grüßen bekommt. Was denken denn die Hundscannaillen! Sie glauben wohl, die Thiere ſeien in Holland gekauft, ſammt allem Riſleo und Koſten zu Land und Meer, daß ihnen das Fleiſch von den Rippen ſchmilzt, wie ein Küchen⸗ licht abläuft.» „Nix g'ſchieht auf der ganzen Inſel, es muß ein Farbiger gewe'en ſeyn! Die thun all's Unglück und alle 8 ie ne ie 5 —— Arbeit darzu! Mich ſoll's wundern, was Maſſer denkt, daß Capitain Kidd für'ne Farb g'habt!» «Schwarz oder weiß; er war ein großer Galgen⸗ ſtrick, und er ſieht, was der Kerl für ein Ende genom⸗ men hat. Ich geb' ihm mein Wort, ja, der Waſſerdieb ſing ſeine Plakereien ſicher damit an, daß er der Nach⸗ barn Pferde Nachts ritt. Sein Schickſal ſollte jedem Neger in der Colonie zur Warnung dienen. Die Höl⸗ lenbrut! Die Engländer haben genug ſolche Schufte da⸗ heim, daß ſte den Seeräuber auf einer der Inſeln hãt⸗ ten aufhängen können, als Vogelſcheuche für die Schwar⸗ zen von Manhattan.» „Ja, und ſo e Schauſpiel wär' auch den Weißen e gute Warnung;,“ verſetzte Euclid, der alle Beharrlich⸗ keit eines armen holländiſchen Negers beſaß, ganz dem ergeben zu ſeyn, in deſſen Knechtſchaft er geboren war; „Ich hör' alle Leut ſag'n, es war'n nur zweierlei Leut in ſein Schiff, und beede war'n Guinea⸗Neger!» aEine beſcheidne Sprache, du mitternächtiger Aus⸗ reißer! Sieh mir auf meine Wallachen— Da— da ſind zwei holländiſche Gulden, drei Stüber und ein ſpa⸗ niſcher Piſtoreen für dich, einer von den Gulden iſt für deine alte Mutter, und mit dem andern kannſt du dein Herz auf Paus erluſtiren— hör' ich, daß einer von deinen vermaledeiten Vettern oder der engliſche Diomed über eins meiner Pferde ein Bein geſchlagen, ſo ſoll es ganz Afrika zum Unheil aufſtoßen! Klapperbein und Dürre! hier bin ich ſieben Jahre und quale mich, die Klapper fett zu machen, und ſie ſehen noch mehr wie Wieſel als wie ein Paar ſolide Wallachen) — 8— Das Ende dieſer Rede verlor ſich in ein Murmeln der Entfernung, mehr ein Selbſtgeſpräch, als an den Namensvetter des großen Mathematikers gerichtet. Das Geſicht des Negers bei der Abſchieds⸗Ermahnung war ein wenig zweideutig. Es war ein augenſcheinlicher Kampf in ſeinem Sinn, zwiſchen dem angebornen Hang zum Ungehorſam und einer geheimen Furcht vor der nachdrücklichen Art ſeines Herrn. So lang dieſer noch zu ſehen war, gah der Neger furchtſam auf ſich acht, wie er aber um eine Ecke bog, ſtellte er ſich mit einem andern Neger nachſchauend auf einen benachbarten Hauseingang, dann ſchüttelten Beide bedeutungsvoll die Köpfe, lachten laut auf und verſchwanden. In dieſer Nacht hatte der vertraute Bediente das Intereſſe ſeines abweſenden Her⸗ ren im Auge, mit einer Treue und Sorgfalt, welche be⸗ wies, daß er ſeine eigne Eriſtenz mit der eines Mannes verſchwiſtert fühlte, der ſo nahe Anſprüche an ſeine Per⸗ ſon machte, und gerade wie die Glocke zehn ſchlug, beſtieg er und der zuletzt erwähnte Neger die runden glaͤnzenden Wallachen, und galloppirten was ſie konnten einige Mei⸗ len tiefer ins Eiland hinein, zu einem luſtigen Feſt in einem der gewöhnlichen Schlupfwinkeln der Leute ihrer Farbe und ihres Looſes. 3 Hätte Alderman Myndert Van Beverout die Schmach geahnet, die ihm ſo bald nach ſeiner Abreiſe widerfahren ſollte, ſo wären wahrſcheinlich ſeine Mienen weniger ruhig geweſen, als er bei dem genannten Anlaß ſeine Schwelle verließ. Daß er Vertrauen auf die Wirk⸗ ſamkeit ſeiner Drohungen ſetzte, mag aus der Ruhe ge⸗ ſchloſſen werden, die ſich unmittelbar auf Zügen wieder einſtell Geprã ger wo ſcher nalen einſt i mit e und k genehr gewür ſichtlie Beiße die F ſiſchen Zweck er ein lation den 2 1 triebſ verlie der 2 einmo ſclave daß und und ſchien er ſo doch lurmeln an den t. Das ng war einlicher 1 Hang or der er noch ht, wie andern ngang, lachten tte der n Her⸗ che be⸗ dannes 2 Per⸗ beſtieg genden Mei⸗ eeſt in ihrer die breiſe ienen Inlaß Virk⸗ e ge⸗ ieder — 9— einſtellte, welche nie in Bewegung geriethen, ohne das Gepräge heftiger Aufreizung zu tragen. Der feſte Bür⸗ ger war etwas über fünfzig Jahre alt, und ein engli⸗ ſcher Spaßvogel, der aus dem Mutterlande einen natio⸗ nalen Hang zum Humor mitgebracht hatte, nannte ihn einſt in einem Witzſtreit vor dem Stadtrath einen Mann mit einerlei Anfangsbuchſtaben, nämlich: kurz, knollig und knipſig von Körper, anſehnlich, angebrannt und an⸗ genehm von Angeſicht, endlich gewaltig, gewichtig und gewürfelt in Gelüſten. Wie es gewöhnlich mit den ab⸗ ſichtlichen Späßen geht, lag in dieſer Beſchreibung mehr Beißendes als Wahres, doch mag der Leſer, wenn er die Farbe politiſcher Rivalſchaft darin nachſieht, den phy⸗ ſiſchen Theil der Beſchreibung für hinlänglich zu den Zwecken dieſer Erzählung halten. Fügen wir hinzu, daß er ein Handelsmann von großem Vermögen und Specu⸗ lationsgeiſt, und ein Junggeſelle war, ſo reicht dieß für den Anfang der Geſchichte hin. Ungeachtet der frühen Stunde, in welcher dieſer be⸗ triebſame und wohlhabende Kaufmann ſeine Wohnung verließ, war ſein Einhergehen durch die engen Straßen der Vaterſtadt ſehr gemeſſen und würdevoll. Mehr denn einmal ſtand er ſtill und redete irgend einen Lieblings⸗ ſclaven an, wobei die Fragen immer damit ausgingen, daß er ſich nach der Geſundheit des Herrn erkundigte, und die Erkundigung ſcherzhaft nach den Gewohnheiten und der Faſſungskraft des Sclaven einrichtete. Hieraus ſchien hervorzugehen, daß der würdige Bürger, obgleich er ſo übertriebene Begriffe von häuslicher Zucht hatte, doch weit entfernt war, ſolchen Drohungen, wie wir ſie — 10— von ihm gehoͤrt haben, ernſtlich nachzuhaͤngen. Er hatte gerade einen müßig daſtehenden Neger entlaſſen, als plötz⸗ lich bei einer Wendung um die Ecke ein Mann von ſeiner Farbe, der erſte an dieſem Morgen, vor ihm ſtand. Der betroffene Städter machte eine unwillkührliche Bewe⸗ gung, um das unverhoffte Begegnen zu vermeiden, dann aber, als ob er das Mißliche dieſes Schrittes inne werde, fügte er ſich zum Gruße, als ob es ſein eigner Wunſ geweſen wäre.. «Der Anbruch des Tages— die Morgenkanone— und Herr Alderman Van Beveront! rief der Begeg⸗ nende aus.„So iſt die Ordnung der Dinge, in dieſer frühen Stunde, bei jeder folgenden Bewegung unſerer Erde.» Das Geſicht des Alderman hatte kaum Zeit, ſich wieder zu ſammeln, ehe er auf dieſe freie und etwas ſcherzhafte Begrüßung antworten konnte. Er entblößte ſein Haupt und verbeugte ſich ſo ceremoniös, daß der Andere keine Urſache fand, ſich über ſeinen Scherz güt⸗ lich zu thun, während Jener antwortete— „Die Colonie hat Urſach verneurs zu bedauern, der ſe mein Herr, die haben, ihren Sinnen zu mißtrauen, ob⸗ „ der den Alderman Van Beverout für einen Mann hält, welcher ſeine Zeit wohl a Indt anzuwe Wohlfe harrlic penkön dert, e dem re hawk⸗ 60 erſte, einem einer Mäßi & eingel Van ben 7 Ich e Wap ßende ſäet friſch zahle gewa Er hatte als plötz⸗ on ſeiner nd. Der Bewe⸗ n, dann e werde, Wunſch none— Begeg⸗ dieſer unſerer t, ſich etwas tblößte aß der 3 güt⸗ Gon⸗ rlaſſen b bei te in erden, n.» „ die „ ob⸗ Van wohl — 11— anzuwenden verſteht. Wer ſeinen Theil trägt an der Wohlfahrt des Bibers,*½) muß auch des Thieres Be⸗ harrlichkeit und Vorſicht beſitzen. Wäre ich ein Wap⸗ penkönig, es ſollte eine Vergünſtigung für Euch, Myn⸗ dert, erlaſſen werden, wonach Euch ein Schild würde mit dem reißenden Thier, einem Pelzmantel und zwei Mo⸗ hawk⸗Jägern als Schildhaltern, und der Umſchrift: a Induſtrie.„ «Oder was haltet Ihr, Mylord,» erwiederte der erſte, dem der Spaß des andern nur halb gefiel,«von einem leeren Schild für ein fleckenloſes Gewiſſen, mit einer offenen Hand als Helmbuſch und der Deviſe: Mäßigkeit und Gerechtigkeit.» «Mir gefällt die offene Hand, obgleich der Gedanke eingebildet iſt. Ich ſehe, Ihr würdet bemerken, daß die Van Beverouts in dieſen ſpäten Tagen nicht nöthig ha⸗ ben, ſich nach Inſignien und einem Herold umzuſehen. Ich erinnere mich, ja ganz recht, ich ſah einmal Euer Wappen, eine Windmühle im vollen Gang, einen flie⸗ ßenden Canal, und grünes Feld mit ſchwarzem Vieh be⸗ ſäet— doch nein, das Gedächtniß verläßt mich; die friſche Morgenluft bereichert die Einbildungskraft!» «Das iſt aber keine Münze, um Gläubiger zu be⸗ zahlen, Mylord,» ſagte der kauſtiſche Myndert. «Das war verzweifelt gut geſagt. Es iſt ein übel⸗ gewähltes Ding, Alderman Van Beverout, daß man ei⸗ *⁴) Das alte Wappen von New⸗Vork oder der Provinz Neu⸗Amſterdam. S. Irving's humoriſtiſche Geſch. v. gew⸗York Seite 192. nen Ehrenmann bei Nacht hinaus laͤßt, wie den Geiſt im Hamlet, um mit dem Hahnenſchrei ins enge Haus zurück zu fliehen. Das Ohr meiner königlichen Baſe iſt vergiftet worden, ärger als das Ohr des«gemorde⸗ ten Dänemarks,» oder die Partheigänger dieſes Miſter Hunter hätten wenig Urſache zu triumphiren.» «„Waͤre es denn denen, die den Schlüſſel umgedreht haben, nicht möglich, ſolche Pfänder zu geben, die Eure Herrlichkeit befaͤhigten, das Gegengift anzuwenden? Die Frage berührte eine Saite, die das ganze Be⸗ nehmen des Andern veränderte. Seine Haltung, die mehr die eines tändelnden Mannes von Welt war, wurde ernſter und würdiger, und ungeachtet des augenſcheinlich Nachläſſigen in ſeinen Mienen, ſeiner Kleidung und ſei⸗ nem Benehmen, war ſeine ſchlanke und nicht ungraziöſe Geſtalt, wie er ſo neben dem gedrungenen Alderman da⸗ hinging, nicht ohne jene einnehmende und einſchmeichelnde Art, welche eine lange Vertrautheit mit der feinern Ge⸗ ſellſchaft auch dem Nichtswürdigſten verleihen kann. «Ihre Frage, werther Herr, beweiſ't viel Herzens⸗ güte und beſtätigt den Ruf von Edelmuth, womit die Welt ſo freigebig iſt. Es iſt wahr, daß man der Köni⸗ gin eingeredet, den Befehl zu meiner Zurückberufung zu unterzeichnen, und es iſt gewiß, daß Hunter das Gou⸗ vernement der Colonie hat; aber dieß ſind Dinge, die ſich redreſſiren ließen, wäre ich nur einmal ſo glücklich meinen Verwandten mich zu nähern. Ich ſtelle einige Mißbräuche gar nicht in Abrede; es würde mir übel ſtehen, ſie in Gegenwart eines Mannes läͤugnen zu wol⸗ len, deſſen Tugend ſo ſtreng iſt, wie die des Alderman * Van B wie Si weſen, men, a jener 2 ſtreiten meine daß ick . ſchaft Ihnen 4 den! müthit die Je reich; Bürge muth ſind. in der Colon doch zeichn kannt die N ſtons, füllen laers, Van Amte en Geiſt ge Haus en Baſe gemorde⸗ 8 Miſter ngedreht die Eure en? nze Be⸗ ng, die „wurde cheinlich und ſei⸗ graziöſe nan da⸗ ichelnde rn Ge⸗ in. eerzens⸗ nit die Köni⸗ ung zu Gou⸗ e, die lücklich einige cr übel t wol⸗ erman — 13— Van Beverout. Ich habe meine Schwächen; und vielleicht, wie Sie ſo eben anzudeuten beliebten, wäre es beſſer ge⸗ weſen, mir das Wort: Mäßigkeit zur Deviſe zu neh⸗ men, aber die offene Hand, theurer Herr, iſt ein Theil jener Beziehung, den Sie mir in allen Fällen nicht ab⸗ ſtreiten werden. Ich habe, wie geſagt, Schwächen, aber meine Feinde können mir das Zeugniß nicht verſagen, daß ich noch nie einen Freund im Stich ließ.» „Da ich noch nicht Gelegenheit gehabt, Ihre Freund⸗ ſchaft zu würdigen, ſo werde ich nicht der erſte ſeyn, der Ihnen dieſen Vorwurf macht.» „Ihre Unpartheilichkeit iſt zum Sprichwort gewor⸗ den! So ehrlich wie Alderman Van Beverout, ſo edel⸗ müthig wie Alderman Van Beverout, ſind Ausdrücke, die Jedermann im Munde führt, einige ſagen auch, ſo reich;»(hier blinzten die kleinen blauen Augen des Bürgers).«Aber Ehrlichkeit und Reichthum und Sdel⸗ muth ſind von wenigem Werth, wenn ſie ohne Einfluß ſind. Die Menſchen ſollten ihre natürlichen Ausſichten in der bürgerlichen Geſellſchaft genießen. Nun iſt die Colonie ausgemacht mehr holländiſch als engliſch, und doch ſeht Ihr, wie wenige Namen in dem Rathsver⸗ zeichniß ſtehen, die in der Provinz nur 50 Jahre be⸗ kannt wären. Da ſind die Alexanders und Heatheotes, die Moris's und Kennedies, die de Lancey's und Living⸗ ſtons, die alle den Rath und die Säle der Geſetzgebung füllen, dagegen finden wir wenige von den Van Renſſe⸗ laers, Van Coortlands, Van Schuylers, Stuyveſants, Van Beekmans und Van Beverouts in ihren natürlichen Amtern. Alle Nationen und Religiouen haben in der — 14— königlichen Gunſt den Vortritt vor den Kindern der Patriarchen. Der Böhme Felipſes, die Hugenotten de Lanceys und Bayards und Jays; die Königshaſſer Mo⸗ riſſes und Ludlows— kurz alle ſtehen bei der Regierung in höherem Anſehen als der älteſte Patron!» «Dieß iſt lange und wirklich der Fall geweſen. Ich kann mich nicht entſinnen, daß es anders geweſen wäre!⸗ «Das iſt nicht zu läugnen. Dagegen wird es dem politiſchen Scharfblick wenig ziemen, bei der Beurthei⸗ lung von Charakteren Uebereilung eintreten zu laſſen. Wenn meine eigne Verwaltung anſcheinend dieſer Vor⸗ wurf trifft, ſo beweiſt dieſes um ſo klarer, wie mächtig die Verketzerungsſucht zu Hauſe iſt. Zeit war nöthig, um meinen Geiſt zu erleuchten, und dieſe Zeit hat man mir verſagt. In einem andern Jahre, mein theurer Herr, würde ich den Rath mit Van's beſetzt haben!⸗ «In ſolchem Fall, Mylord, wäre warlich die un⸗ glückliche Lage, in die Ihr euch nun verſetzt ſeht, zu vermeiden geweſen.» »Iſt es zu ſpät, das uͤbel zu hemmen? Es iſt Zeit, daß Anna enttäuſcht und ihre Gunſt wieder gewonnen werde. Es fehlt zu dieſer Genugthunng für die gerechte Sache nichts, mein Herr, als die Gelegenheit. Es ſchmerzt mich tief, daß dieſe Ungnade Einen befallen ſollte, der dem königlichen Geblüt ſo nahe verwandt iſt! Es iſt ein Flecken auf dem Kronſchilde, den alle gute Unterthanen auszumerzen ſtreben müſſen, und es braucht ſo kleine Anſtrengung, um zum Zweck zu gelangen, ja, mit gewiſſen— Herr Alderman Myndert Van Beyve⸗ rout— 25 1 6 Andre, mehr re c T gleich? genet t 1 c( gen!. tiges it Weishe thes ge ein Se Nieder ℳ ſchwent 60 manche — Wi nennen Ehrem ein V Herr, aufs b Herr vinz auszu eher d dern der notten de ſſer Mo⸗ tegierung en. Ich wäre!⸗ es dem beurthei⸗ laſſen. r Vor⸗ mächtig nöthig, dat man theurer en!» die un⸗ eht, zu ſt Zeit, vonnen gerechte t. Es befallen adt iſt! e gute braucht en, ja, Beve⸗ — 15— «Mylord, ehemaliger Gonverneur,„ verſetzte der Andre, als er merkte, daß es bei ſeinem Gefährten nicht mehr recht fort wollte. «Was haltet Ihr von dieſem hannövriſchen Ver⸗ gleich?— Soll ein Deutſcher die Krone eines Planta⸗ genet tragen?5 «Es hat ſie ein Holländer getragen.» «Gut geantwortet! Getragen, und würdig getra⸗ gen! Das Volk iſt verwandt, und es liegt etwas Trif⸗ tiges in dieſer Antwort. Wie habe ich doch gefehlt an Weisheit, daß ich nicht früher die Hülfe Eures Ra⸗ thes geſucht, trefflicher Mann! Ach Myndert, es liegt ein Segen in den Unternehmungen Aller, die aus den Niederlanden kommen!» «Sie ſind fleißig einzuſammeln, und träge, zu ver⸗ ſchwenden.» «Daß das Aufwandmachen doch der Ruin von ſo manchem würdigen Mann iſt. Und doch kommt Zufall — Widerwärtigkeit— Unglück— oder wie man es nun nennen will, zu Zeiten ſchmählich dazwiſchen, um einem Ehrenmann Glück und Ruf zu untergraben. Ich bin ein Verehrer der Beſtändigkeit in der Freundſchaft, mein Herr, und bin der Anſtcht, daß die Menſchen einander aufs beſte durch dieſes trübe Jammerthal helfen ſollen— Herr Alderman Van Beverout— 75 «Mylord Cornbury.» «Ich war im Begriff zu ſagen, wenn ich die Pro⸗ vinz verlaſſen ſollte, ohne einen Theil meines Bedauerns auszudrücken, welches ich darüber empfinde, daß ich nicht eher die Verdienſte ihrer erſten Beſitzer gewürdigt, und — — 16— Eure inſonderheit, ſo würde ich Bewegungen unterdrük⸗ ſo ken, die nur zu gefährlich für den Frieden deſſen ſind, daz der ſie an ſich erfährt.» mei «Zeigt ſich denn Hoffnung, daß die Gläubigen Ew. in Herrlichkeit nachlaſſen oder hat der Graf das herge⸗ Col ſchoſſen, was die Gefängnißthür öffnet?“ ner „Sie bedienen ſich der gefälligſten Ausdrücke, mein hun Herr!— aber ich liebe Gradheit der Rede über alle mmi andere Tugenden. Gewiß wird die Gefängnißthür, wie abr Ihr ſo deutlich ſprecht, geöffnet werden, und glüͤcklich Ge würde der Mann ſeyn, der den Schlüſſel drehte. Ich den bin im Traum, wenn ich an die Unzufriedenheit der Köͤ⸗ the nigin denke, die früher oder ſpäter, doch ſicher, meine unſeligen Verfolger heimſuchen wird. Auf der andern 3 Seite finde ich Troſt an dem Gedanken der Gunſt, die 8 daf ſie auf diejenigen erſtrecken wird, welche ſich in ſolcher mil Enge als meine Freunde bewährt haben. Die, welche hät Kronen tragen, lieben nicht, daß Ungnade auf den ge⸗ ehe ringſten von ihrem Blute hafte, denn dieſe Flecken könn⸗ Er ten den Hermelin der Majeſtät verunehren.— Herr Al⸗ ver derman— 25 Mylord?„— α—= Was machen die flämiſchen Wallachen 2 16 « Sind wohl auf, danke vielmal, Mylord; die Kö⸗ zw der ſind fett wie Butter! Die armen Thiere haben Aus⸗ 4 pit ſicht auf ein bischen Ruhe, denn Geſchäfte rufen mich ¹ nach Luſt in Ruſt. Es ſollte ein Geſetz geben, Lord kat Gouverneur, die Schwarzen zu hängen, die Nachts die Thiere über Land reiten.» ein «Ich dachte ſchon an eine geeignete Strafe fuͤr ein 4 ind — 17— ſo herzloſes Verbrechen, aber es iſt wenig Hoffnung dazu unter der Verwaltung dieſes Hrn. Hunter. Ja, mein Herr, ſtände ich nur meiner königlichen Baſe Auge in Auge, da wäre die Spiegelfechterei am Ende und die Colonie käme zu Heil und Segen. Der Mann von Ei⸗ ner Generation ſollte aufhören, über den Mann von hundert Jahren den Herrn zu ſpielen. Aber wir müſſen mit unſerm Plan, mein theurer Herr, den rechten Wind abwarten; es iſt eine ächte holländiſche Idee, und der Gewinn, ſowohl der pecuniäre als der politiſche, ſollte den Ehrenmännern von jener Abkunft gehören— Mein theurer Van Beverout— 25 «Mein guter Lord 2 5 aIſt die blühende Alida folgſam? Seyd verſichert, daß ſeit meiner Reſidenz in dieſer Colonie ſich keine Fa⸗ milienbegebenheit zugetragen, die mich mehr intereſſirt hätte, als dieſe wünſchenswerthe Verbindung. Die Ver⸗ ehelichung des jungen Patrons von Kinderhook iſt ein Ereigniß von Wichtigkeit für die Provinz. Es iſt ein verdienſtvoller junger Mann!» «Er hat ein vortreffliches Landgut, Mylord!» «Und einen Ernſt, der ſeinen Jahren vorgreift.» Ich wollte eine ſtarke Wette darauf eingehen, daß zwei Drittheile ſeines Einkommens jedes Jahr zum Ka⸗ pital geſchlagen werden.» « Er ſcheint ein Mann, der von der Luft leben kann.» «Mein alter Freund, der letzte Patron, hinterließ ein anſehnliches Vermögen,» fuhr der Alderman fort, indem er ſich die Hände rieb, außer dem Gut.» 58— 60. 2 — 18— „Welches auch kein Wildgarten iſt!» Es reicht vom Hudſon zur Linie des Maſſachn⸗ ſetts. Einmal hunderttauſend Akres an Berg und Thal, und gut bevölkert mit frugalen Holländern.» «Reſpectabler Beſitz, lohnende Goldmine! Solche Männer, mein Beſter, ſollten hoch gehalten werden. Wir ſind es ſeiner Stellung ſchuldig, ihn Theil nehmen zu laſſen an dieſem unſerm Project, die Königin zu ent⸗ täuſchen. Wie viel höher ſind die Anſprüche eines ſol⸗ chen Mannes gegen die leeren Anmaßungen dieſes Capi⸗ tains Ludlow!⸗ «Pa, er hat wirklich ein recht gutes und gedeih⸗ liches Landgut!» „Dieſe Ludlows, mein Herr, Menſchen, die aus dem Königreich entflohen ſind, weil ſie ſich gegen die Krone verſchworen, ſind für jeden rechtſchaffenen Unterthan ein Gräuel. Dieſer Vorwurf trifft freilich überhaupt in ho⸗ hem Grade eine Menge in der Provinz, die von engli⸗ ſchem Blut abſtammen. Es thut mir leid, daß ich es ſagen muß, ſie hegen Zwietracht, ſtören die öffentliche Ordnung und disputiren verfänglich über Vorrechte und Inveſtituren. Aber ein Troſt liegt in dem holländiſchen Charakter, welcher Würde verleiht! Die Nachkommen der Holländer ſind Leute, auf die man ſich verlaſſen kann; wo wir ſie hente verlaſſen, ſehen wir ſie morgen wieder. Was die Politik betrifft, mein Herr, da wiſſen wir, wo wir ſie zu ſuchen haben. Kommt es Euch nicht beſonders beleidigend vor, daß dieſer Capitain Lud⸗ low den einzigen königlichen Kreuzer dieſer Station com⸗ * 5 mandirt?» —— dem rone ein ho⸗ ngli⸗ ) es tliche und ſchen nmen aſſen orgen viſſen Euch Lud⸗ com⸗ — 19— Es gefiel mir beſſer, Mylord, wenn er in Europa diente,» erwiederte der Alderman, indem er einen Blick zurück warf und ſeine Stimme dämpfte. Es ging neu⸗ lich das Gerede, ſein Schiff werde zuverläſſig nach den Inſeln geſchickt.» «Die Dinge ſtehen ſehr ſchlecht, mein ſehr werther Herr, und deſto dringender wäre die Nothwendigkeit, daß Jemand am Hofe ſeyn müßte, um die Königin zu enttäuſchen. Es ſollten Neuerer aufkommen, die ſolchen Leuten Bahn machten, deren Namen in der Geſchichte der Colonie ſtehen.» Es wäre für den Credit Ihrer Majeſtät kein Schade.» «Es wäre ein neuer Juwel in ihrer Krone! Sollte dieſer Capitain Ludlow wirklich Eure Nichte heirathen, dann würde dieſe Familie ganz ihren Charakter ändern — ich habe ein ſo ſchlechtes Gedächtniß— Eure Mut⸗ ter, Myndert, war eine— eine—» «Die fromme Frau war eine Van Buſſer.» «Die Verbindung Eurer Schweſter mit dem Hu⸗ genotten machte die ſchöne Alida zu einer Halbbürtigen. Dieſe Verbindung würde das ſchlechte Blut ausmerzen! Ich denke, der Mann hat keinen Heller!⸗ «Ich weiß das nicht, Mylord, denn ich möchte nicht den Credit meines ärgſten Feindes untergraben, aber wenn er auch Vermögen hat, ſo reicht es doch keines⸗ wegs an das Gut des jungen Patron von Kinderhook.⸗ «Er ſollte wirklich nach Indien geſandt werden— Myndert— 2 «Mylord 7„ 2*½ ——— «Wir würden meinen Geſinnungen zu Gunſten der Hrn. Oloff Van Staats unrecht thun, ſchlöſſen wir ihn von den Vortheilen unſeres Plaues aus. So viel muß ich mir von Eurer Freundſchaft erbitten; die nöthige Summe mag in Moitieſchaft zwiſchen Euch getheilt wer⸗ den, eine Geſammt⸗Verſchreibung ſoll die Sache bündig machen und dann, wenn wir einmal Meiſter unſeres Ge⸗ heimniſſes ſind, kann wenig Frage mehr über die Klug⸗ heit unſerer Maßregeln ſeyn. Der Betrag ſteht auf die⸗ ſem Stückchen Papier geſchrieben.» «Zweitauſend Pfund, Mylord?» Verzeiht mir; theurer Herr, nicht ein Pfennig mehr, als eins für jeden von Euch. Gerechtigkeit gegen Van Staats erfordert, daß Ihr ihn in das Geſchäft aufnehmt. Gälte es nicht die Bewerbung um Eure Nichte, ſo würde ich den jungen Mann mit mir nehmen und ihn am Hofe pouſſiren.» «Wahrhaftig, Mylord, dieſes überſteigt ſehr meine Kräfte. Die hohen Pelzpreiſe in der letzten Jahreszeit und ſchlechte Intereſſenzahlung haben ein Siegel auf un⸗ ſer Silber geſetzt—⸗ «Die Prämie wird hoch ſeyn.» 4 «Das Gold wird täglich ſeltner, ſo daß das Ge⸗ ſicht eines Carolus ſich faſt eben ſo rar macht, als das Geſicht eines Schuldners—. 3 «Die Intereſſen ſind ſicher.» «Während uns die Gläubiger an allen Straßen⸗ ecken begegnen—» «Es würde ein dur holländiſches Unterneh⸗ men ſeyn.» „ meine eszeit uf un⸗ 8 Ge⸗ 3 das raßen⸗ terneh⸗ — 21— «Die letzten Berichte aus Holland geben den Rath, unſer Gold für einige außerordentliche Bewegungen in der Handelswelt zurückzuhalten.» «Herr Alderman Myndert Van Beverout!» «Mylord Viscount Cornbury—» «Plutus beſchütze Euch,— ſeyd aber auf Enrer Huth! Zwar wittre ich die Morgenluft und muß zurück, doch iſt mir nicht verboten, die Geheimniſſe meines Ge⸗ fangenhauſes zu erzählen. Es ſitzt einer in jenem Käfig, der ziſchelt, daß der Tummler der Meere» an der Küſte iſt! Seyd vorſichtig, würdiger Bürger, oder der zweite Theil der Tragödie von Kidd könnte noch in dieſen Meeren aufgeführt werden.» „Ich überlaſſe ſolche Beſtellungen ganz meinen Obe⸗ ren,» verſetzte der Alderman, indem er wieder eine ſteife und ceremoniöſe Verbeugung machte.«Unternehmungen, welche den Grafen Bellamont, Gouverneur Fletſcher und Mylord Cornbury beſchäftigt haben ſollen, ſind über den Ehrgeiz eines geringen Kaufmanns erhaben.“ «Adieu, zäher Herr; ſpart Eure Ungeduld auf die außerordentlichen holländiſchen Bewegungen!» ſagte Corn⸗ bury, mit erzwungenem Lachen, obgleich er im Herzen den Stich fühlte, den der Andre iym gegeben, da näm⸗ lich die öffentliche Stimme nicht allein ihn, ſondern auch ſeine zwei Amtsvorgänger bei mehreren der ruchloſen Handlungen der amerikaniſchen Buckanier(Seeräuber) als verwickelt bezeichnete:«Seyd auf Eurer Huth, oder la demoiselle Barbérie hängt der Reinheit des ſtehen⸗ den Sumpfes noch einen zueiten Schandfleck an!» Die hierauf ausgetallſchten Bücklinge waren dem Stande Beider angemeſſen. Der Alderman blieb unge⸗ rührt, ſtarr und förmlich, während ſein Gefährte ſeine gefälligen Formen, ſelbſt in einem ſo peinlichen Augen⸗ blick, nicht vergeſſen konnte. Abgewieſen in einer An⸗ ſtrengung, wozu ihn nur ſeine verzweifelte Lage und ſein der Verzweiflung naher Charakter vermochte, ging der entartete Nachkomme der tugendhaften Clarendons wie⸗ der nach ſeinem Gefängniſſe, mit Schritten, welche noch die gewohnte Herrſchaft des Mannes kundgaben, doch mit einem Sinn, den eingefleiſchte Schlechtigkeit ſo ver⸗ derbt hatte, daß darin kaum eine Spur von den wür⸗ digen Eigenſchaften oder Tugenden ſeiner Vorfahren zu⸗ rückblieb. Zweites Kapitel. Sein Wort iſt Pfand, ſein Eidſchwur ein Orakel, Sein Lieben rein, ſein Denken unbefteckt;— Die beiden Edell. v. Verona. Die Philoſophie des Alderman Van Beverout bar nicht leicht zu erſchüttern. Ein Spielen, das ſich jetzt in den unteren Geicerſe ohdehnen ließ, konnte auf Selbſtzufriedenheit über ſeinen Sieg gedeutet werden, — 23— während eine gewiſſe Zuſammenziehung deren Muskeln, die den Ausdruck der Stirn beherrſchen, volle Gewißheit von der großen Gefahr, in die er ſich geſtürzt hatte, zu verrathen ſchien. Die linke Hand war in einer Taſche und wühlte emſig in einem Vorrath ſpaniſcher Münzen, ohne den der Handelsherr nie ſeine Wohnung verließ, während die andere das Rohr, das ſie hielt, mit der Kraft eines entſchloſſenen und entſchiedenen Mannes aufs Pflaſter ſtieß. So ging er denſelben Weg einige Minu⸗ ten fort, und verließ dann plötzlich die unteren Straßen um eine andere zu betreten, die dem Bergkamm entlang lief, der über das Flachland dieſer Seite der Inſel her⸗ vorragt. Hier ſtand er bald vor der Thür eines Hauſes ſtill, welches in dieſer Provinzſtadt ganz das Anſehen eines Patriciats⸗Gebäudes hatte. Zwei unregelmäßige Giebeldächer, jedes oben mit einem eiſernen Wetterhahn verſehen, theilte das Dach dieſes Hauſes; der hohe und enge Eingang war von dem rothen Quaderſtein des Landes aufgeführt. Das Mate⸗ rial des Gebäudes ſelbſt war wie gewöhnlich der kleine holländiſche Backſtein, in zarter Rahmfarbe angemalt. Auf einen einzigen Schlag des maſſiven glänzenden Metallklopfers erſchien ein Diener an der Thüre. Die Schneliigkeit, womit die Aufforderung erwiedert wurde, zeigte, daß der Alderman, ungeachtet der frühen Mor⸗ genſtunde, ein erwarteter Gaſt war. Das Geſicht deſſen, dey hen Thürſteher machte, verrieth keine Verwunderung, als es die Eintritt begehrende Perſon erblickte, und jede Bewegung des Schwarzen bezeichnete Vorſorge und Be⸗ reitſchaft zum Empfang. Der Alderman lehnte jedoch — 24— die Einladung, hineinzutreten, ab und legte ſich mit dem Rücken wider das eiſerne Geländer der Stufen, indem er ein Geſpräch mit dem Neger anfing. Dieſer war be⸗ jahrt, hatte grauliches Haar, eine Naſe, die faſt mit dem Geſicht gleich platt war, gerunzelte und verwirrte Züge, und eine Statur, die, obgleich noch feſt, ſich un⸗ ter der Laſt der Jahre beugte. « Grüß dich Gott, alter Cupido,» begann der Bür⸗ ger in der freundlichen herzlichen Art, womit die Her⸗ ren damaliger Zeit Sclaven, die ſie gern hatten, anzu⸗ reden pflegten.«Ein reines Gewiſſen iſt eine gute Nachtkappe, und er ſieht ja ſo klar aus, wie die Mor⸗ genſonne! Ich hoffe, mein Freund, der junge Patron hat eben ſo gut ausgeſchlafen, wie er, und wird zum Beweis davon ſchon ſein Geſicht haben ſehen laſſen.» Der Neger antwortete in dem trägen ſylbenverſchluk⸗ kenden Jargon, der ſeine Herkunft und Jahre verrieth. S— ſind zehr wachtſam, Maſſer Al'erman. J'denk, haben nich' halbe Weil mehr ſchlafen, letzlich. All ihr Ativerteh un Wiwacerteh is hin, und thun kein Ding mehr, wie rauchen. Su Herr, der immer rauchen thut. Maſſer Al'erman, machen ſich am End ganz meler koliſch J'denk en junge Fräule in York is ihr Tod, derweil!» «Wir wollen ſchon Mittel finden, ihm die Pfeife aus dem Mund zu bringen,» ſagte der Erſtere, indem er den Neger ſeitwärts anſchaute, als wolle er mehr aus⸗ drücken, als er ſagte.«Romane und ſchöne Mädchen ſpielen den Deurel mit unſerer Philoſophie, wenn wir jung ſind, wie du, alter Cupido, wohl aus Erfahrung, weißt!» em em be⸗ mit erte un⸗ zür⸗ der⸗ azu⸗ zute dor⸗ ron zum 2 luk⸗ jeth. enk, ihr Ding hut. bliſch 1 15 aus n er aus⸗ dchen wir rung, — 25— «Bin für nir mehr gut jetzt, für nix in der Welt,⸗ erwiederte ruhig der Neger.«War mal die Zeit, wo noch mit viel farbig Menſch in York, wären mehr Re⸗ ſpect bei die ſchön'ſchlecht, aberſt dat is lang'bei. Ja, Mutter von Ihr Euclid, Maſſer Al'erman, war'na ſchmucke Frau, obſchon haben wenig Kondwitt g'hab't. War ſelberſt jung, und machten Viſit bei de Al'ermans Vatter; eh' die Engliſch kommen ſeyn und wie ole Pa⸗ tron gung Mann war. Gottele; ich hab groß Schwach⸗ heit for Euclid, thut ſcho der jung Hund mit komm zu mir!“ «Er iſt ein Gaudieb. Ich darf nur den Rücken verwenden, ſo ſitzt er auf einem von ſeines Herrn Wal⸗ lachen.» «Is noch zehr jung, Maſter My'nert: Niemand wird g'ſcheut vor die grau Haar!» «Er kann Vierzig ſeyn jeden Augenblick, und der Hallunke wird nur immer unverſchämter mit den Jah⸗ ren. Das Alter iſt ein ehrbar und ehrwürdig Ding, wenn's zu Ernſthaftigkeit und Verſtand führt; aber, wie ein junger Schuft unleidlich, ſo iſt ein alter verächt⸗ lich. Ich bin ſicher, er war nie ſo gewiſſenlos, oder ſo herzlos, Cupido, daß er ein abgerackertes Thier geritten hätte bei Nacht!» «Ja, bin ſcho gar ole, Maſſer Myn'ert, un vergeſ⸗ ſen all Thun, wie noch jung war. Aber hier ſind Pa⸗ tron, die kann Ab'erman beſſer ſagen, als arm farbig Selav.» «Schönen guten Morgen und glückſeligen Tag, Pa⸗ tron!» ſchrie der Alderman, indem er einen dicken, lang⸗ — 26— ſam ſich fortbewegenden, ſtattlich ausſehenden jungen Mann von fünfundzwanzig Jahren begrüßte, der mit der Eruſthaftigkeit eines Mannes von doppeltem Alter ſich von dem Inneren des Hauſes nach der Außenthür bewegte. Die Winde ſind beſtellt und wir bekommen ei⸗ nen ſo ſchönen Tag, als jemals einer vom heitern Himmel herabſchien, kam er nun aus der reinen Atmoſphäre Hol⸗ lands oder des alten Englands ſelbſt. Potz Colonieen und Patronate! Wenn die Leute auf der andern Seite des Oceans mehr Vertrauen auf die Mutter Natur hät⸗ ten und weniger von ſich ſelber hielten, würden ſie das Athemholen in den Pflanzungen ganz ertraͤglich finden. Aber die eingebildeten Tröpfe ſind wie der Mann, der die Bälge trat und meinte, er mache die Muſik, und da iſt kein krummer Satan unter ihnen, der ſich nicht ein⸗ bildete, er ſey gerader und geſünder, als die beſten in der Colonie. Da iſt nun unſre Bai doch ſo glatt, als wäre ſie mit zwanzig Dämmen verſchloſſen, und die Reiſe wird ſo ſchön von Statten gehen, als führen wir auf ei⸗ nem Canal dahin.» «Dat ganz ſchön, wenn's ſo thut,v grunzte Cupido, der ſich zärtlich mit der Perſon ſeines Herrn zu thun machte.«Halts allemal beſſer, auf'm Land reiſen, wo en Herr ſo viel beſitzen, als Maſſer Oloff. War einmal, da ging ein Fähr unter, mit Hauf Menſchen und kein Seel kommen ebber heruf, ſagen, wie's thut.» «Das iſt ein Mißverſtändniß!“» unterbrach ihn der Alderman, indem er einen unruhigen Blick auf ſeinen jungen Freund warf.„Ich bin vierundfünfzig Jahre alt und erinnere mich keines ſolchen Ungluͤcks.” —— „Spaßig, wie jung Volk vergeſſen thut! War'n ſechs Menſch erſoffen in dat ſelbige Boot. A zwo Yan⸗ kee, ä Canada⸗Franzmann un ä arme Weibsbild von à Jarſeys. S hab'n viel lamentirt um dat arme Weibs⸗ bild von ä Jarſeys!" Dein Bericht iſt falſch, Maſter Cupido,v verſetzte raſch der Alderman, der im Nullenſchreiben erfahren war. «Zwei Nankees, ein Franzoſe und das gute Yerſey⸗Weib machen erſt vier.“» „Nu, dann war'n velleicht nur Een Yankee; aber weiß beſtimmt, alle waren verſoffen, dann e Gulbernör verloren ihr feine Kutſch⸗Pferd in dat ſelbige Boot.“ «„Der alte Burſche hat recht, ich erinnere mich des Unglücks mit den Pferden, als wäre es erſt geſtern ge⸗ weſen. Aber der Tod iſt Gebieter der Erde, und keiner von uns wird ſeiner Senſe entgehen, wenn die beſtimmte Stunde kommt! Wir haben keine Klepper einzubüßen, und können mit heiterm Geſicht und leichtem Herzen un⸗ ſere Reiſe beginnen, Patron. Gehen wir 2» Oloff Van Staats, oder der Patron von Kinder⸗ hook, wie man ihn in der Courtoiſie der Colonie ge⸗ wöhnlich nannte, hatte keinen Mangel an perſönlicher Feſtigkeit. Im Gegentheil war er, wie die meiſten Ab⸗ kömmlinge der Holländer, eher durch Stärke in Gefahr und durch Hartnäckigkeit ſeines Widerſtandes ausgezeich⸗ net. Das kleine Scharmützel, das ſo eben zwiſchen ſei⸗ nem Freund und ſeinem Sclaven ſtattgefunden, entſtand aus beiderſeitiger Furcht, da der eine ſeine Art väter⸗ lichem Intereſſe am Wohl ſeines Herrn nahm und der andre beſondre Gründe zu dem Wunſche hatte, daß er — 28— die Abſicht, ſich einzuſchiffen, nicht aufgab, ohne gerade auf den Charakter des jungen Herrn zu rechnen. Ein Zeichen für den Knaben, der ein Felleiſen trug, beendigte den Streit; damit gab Herr Van Staats ſeine Bereit⸗ heit, zu Schiff abzugehen, kund. Cupido hing über dem Geländer, bis ſein Herr um die Ecke war, ſchüttelte den Kopf, mit aller böſen Ah⸗ nung eines unwiſſenden und abergläubiſchen Menſchen, und trieb die junge Brut von Schwarzen, die ſich in der Thüre drängte, ins Haus zurück, indem er mit eigner ängſtlicher Sorgfalt alle hinter ſich verſchloß. Wie weit das Vorgefühl des Negers durch Ereigniſſe ſich beſtä⸗ tigte, werden wir in dem Verlauf der Erzählung ſehen. Der große Baumgang, wo Oloff Van Staats wohnte, hatte nur wenige hundert Yards in der Länge. Er ſtieß auf der einen Seite an die Feſtung und auf der andern endete er mit hohen Palliſaden, die den Na⸗ men Stadtmauern trugen, eine Vertheidigung, welche gegen jeden plötllichen Einfall der Indianer ſichern ſollte, die damats in einiger Menge in den niederen Gegenden der Colonie wohnten, zum wenigſten jagten. Es bedarf großer Vertrautheit mit dem Wachsthum dieſer Stadt, um in gegenwärtiger Beſchreibung die ſchöne Straße zu entdecken, die eine Stunde lang mit⸗ ten durch die Inſel läuft. Über dieſe Strecke, die da⸗ mals die Breitengaſſe hieß, gingen unſre Abentheurer laut converſtrend, in ein unteres Quartier der Stadt hinab. 4 «Cupido iſt ein Neger, der in des Herrn Ab⸗ weſenheit acht hat, daß ihm das Dach nicht fortgetragen wird, bald Auge fen, ich he geben ſeine erwie Akre derfe Sta⸗ begeg biger glau ſen wied könie ner kein teren besb Nei den derl gerade Ein ndigte Zereit⸗ rr um n Ah⸗ nſchen, in der eigner he weit beſtä⸗ ſehen. Staats Länge. und auf ſen Na⸗ welche ſollte, egenden chsthum ung die ng mit⸗ die da⸗ ntheurer r Stadt rrn Ab⸗ getragen — 29— wird, Patron;» war die Bemerkung des Aldermans⸗ bald nachdem ſie die Stiege verlaſſen hatten.«Er hat Augen wie ein Luchs und man darf wie eine Ratze ſchla⸗ fen, wenn ſo ein Hüter bei der Hand iſt. Ich wollte, ich hätte dem ehrlichen Kerl meinen Stallſchlüſſel ge⸗ geben.» «Ich habe meinen Vater immer ſagen hören, daß ſeine Schlüſſel am beſten bei ſeinem eignen Kiſſen lägen,“ erwiederte ruhig der Eigenthümer von hunderttauſend Akres. „Ach, verflucht ſey Cain, ſoll man denn ein Mar⸗ derfell auf einem Katzenbuckel ſuchen? Aber, Herr Van Staats, wie ich vorhin nach Eurer Wohnung zu ging, begegnete mir der ehemalige Gouverneur, dem die Gläu⸗ biger Luft zu ſchöpfen erlauben, in einer Stunde, wo er glaubt, daß die Augen der Unverſchämten noch geſchloſ⸗ ſen ſind. Ich glaube, Patron, Ihr wart ſo glücklich, wieder zu Eurem Gelde zu kommen, ehe den Mann die königliche Ungnade heimſuchte 25 „Ich war ſo glücklich, ihm nie zu trauen. «„Das war freilich noch beſſer, denn es wäre ein dün⸗ ner Anzug geworden; großes Riſico fürs Kapital und keine Zinſen. Aber wir ſprachen von verſchiednen In⸗ tereſſen und unter andern wurde auch von andern Lie⸗ besbewerbungen um meine Nichte ein Wink gegeben.» «Weder die Wünſche Oloffs Van Staats, noch die Neigungen der belle Barbérie ſind ein Gegenſtand für den Gouverneur im Rath,n ſagte der Patron von Kin⸗ derhook hartnäckig. Es ward auch nicht ſo davon geſprochen. Der 1— 30— Viscount machte glatte Worte, und wäre er nicht ſo unbeſcheiden geweſen, ſo hätten wir zu glücklicheren Re⸗ ruhic ſultaten gelangen können.“» «Es freut mich, daß das Geſpräch mit einigem Ruͤck⸗ Kreu halt geführt wurde.» 3 „Der Mann überſchritt warlich die geſunde Vernunſft, vorm denn er brachte Perſonalien auf's Tapet, auf die ſich mehr kein geſcheuter Mann einlaſſen dürfte. Doch ſagte er, es nes wäre möglich, daß die Coquette noch zum Dienſt unter über den Inſeln beordert werden könnte!— Dieſ Es iſt bereits bemerkt worden, daß Oloff Van werf Staats ein hübſcher producibler junger Mann, von brei⸗ era ter Statur und dem ſtattlichen Anſehen eines Edelman⸗ Jahr nes ſeines Landes war; denn wiewohl engliſcher Unter⸗ von than, blieb er doch ein ganzer Holländer in Gefühlen, Gewohnheiten und Anſichten. Er erröthete bei der An⸗ ſten ſpielung auf die Anweſenheit ſeines bekannten Nebenbuh⸗ ſeine 8 lers, doch konnte ſein Gefährte nicht entdecken, ob Stolz wahr oder Arger die Quelle der Aufregung war. die „Wenn Capitain Ludlow dies Kreuzen in Indien Flac vorzieht, um an dieſer Küſte zu dienen, ſo glaube ich, Poe kann es ihm nicht fehlen,„ war die vorſichtige Antwort des Patrons. 1 kein 4„Der gute Mann hat einen wohlklingenden Namen ſchät und einen leeren Koffer,„ bemerkte der Alderman trok⸗ 1 Erb ken. Mir ſcheint es, daß ein Geſuch an den Admiral, Bra einen ſo verdienten Offizier an Plätze zu ſenden, wo er des ſich auszeichnen kann, Dank verdiente. Die Seeräuber abel treiben dem Teufel ſein Spiel mit dem Zuckerhandel und pom bt ſo Re⸗ Ruͤck⸗ aunft, ſich er, es unter Van brei⸗ lman⸗ Inter⸗ ühlen, r An⸗ enbuh⸗ Stolz Indien de ich, ntwort Famen 1 trok⸗ miral, wo er rräuber del und 31 ſelbſt die Franzoſen weiter im Süden werden beun⸗ ruhigt.» «Er genießt freilich den Ruf eines rührigen Kreuzers.“» „Blixum und Philoſophie! Wenn ihr bei Alida vorwärts wollt, Patron, ſo müßt ihr die Sache mit mehr Feuer betreiben. Das Mädchen hat den Blitz ei⸗ nes Franzoſen in ihrem Temperament und keine Eurer Überlegungen und Verſchwiegenheiten führt zum Ziele. Dieſer Beſuch auf Luſt in Ruſt iſt Cupidos eignes Mach⸗ werk, und ich hoffe euch beide freundlich nach der Stadt zurückkehren zu ſehen, wie der Statthalter und die Ge⸗ neralſtaaten nach einem ſcharfen Kampfe, wo endlich die Jahrescontribution durch ein Compromiß entſchieden worden iſt.» «Der Erfolg in dieſer Sache iſt, was mir am mei⸗ ſten am»— Der junge Mann ſtockte, als ob er über ſeine eigne Offenheit ſtutzig werde, nahm die Gelegenheit wahr, daß ſeine Toilette etwas übereilt worden, ſteckte die Hand in die Weſte und bedeckte mit ihrer breiten Fläche einen Theil des menſchlichen Körpers, den die Potten nicht als den Sitz der Leidenſchaften bezeichnen. „Wenn ihr den Magen meint, Herr, ſo nährt ihr keine leeren Hoffnungen,» verſetzte der Alderman, etwas ſchärfer, als dieſer vorſichtige Mann gewohnt war. Die Erbin des Myndert Van Beverout wird keine geldloſe Braut ſeyn und Monſteur Barbarie ſchloß die Bücher des Lebens, ohne daß er für die Bilanz beſorgt war; aber dort fahren ja die verteufelten Fährmänner ſchon vom Kai ohne uns ab! Lauf, was du kannſt, Brutus, haben. Die Schufte ſind nie accurat; einmal brechen ſte auf, ehe ich da bin und ein andermal laſſen ſte mich in der Sonne warten, nicht beſſer als einen im Wind hängenden Stockfiſch. Pünktlichkeit iſt die Seele der Geſchäfte, und es iſt eine meiner Gewohnheiten, mit meiner Zeit weder vorzueilen, noch hinter ihr zurückzu⸗ bleiben.» Auf dieſe Art führte der würdige Bürger, der gar gern bei allen Gelegenheiten die Bewegungen Anderer nach ſeinen eigenen modelte, ſeine Klagen, während er und ſein Gefährte ſich eilten, um das langſam fahrende Boot, in das ſie ſich einſchiffen wollten, einzuholen. Eine kurze Beſchreibung der Scene wird für eine Ge⸗ neration, die in Vergleich mit der Zeit, wovon wir ſchreiben, neu genannt werden kann, nicht ohne Inte⸗ reſſe ſeyn. 4 Ein tiefer Einſchnitt ging auf dieſer Seite eine Viertelmeile weit in die Inſel hinein. Beide Ufer tru⸗ gen eine Reihe von Gebäuden, wie die Häuſer in Hol⸗ land an den Canälen hin ſtehen. Da der natürliche Lauf der Bucht nothwendig berückſichtigt wurde, ſo hatte die Straße eine Krümmung bekommen, die einem Monds⸗ viertel nicht unähnlich ſah. Die Häuſer waren ultra⸗ holläändiſch, niedrig, winkelich, ängſtlich ſauber gehalten und alle mit den Giebeln auf die Straße gehend. Jedes hatte ſeinen häßlichen und unbequemen Eingang(Stoop), ſeine Fahne oder ſeinen Wetterhahn, ſeine Gaublöcher und abgeſtufte Mauern mit Zinnen. Nahe an der Spitze einer der letztern ragte ein kleiner eiſerver Krahnen in und ſag' ihnen, daß ſie die geſetzliche Minute einzuhalten die S hing bäude 5 Schiß ſen 8 der 6 verſch nen, Canã 4 ten i über Hauſ durch Gelãͤ loſer ſchlec Spre Art komr ließ, erſten die Schr erſter da d don von E halten rechen mich Wind 2 der „mit ückzu⸗ r gar nderer nd er hrende holen. e Ge⸗ n wir Inte⸗ e eine r tru⸗ 1 Hol⸗ ürliche Hhatte Nonds⸗ ultra⸗ halten Jedes toop), blöcher Spitze nen in die Straße. Ein kleines Boot von demſelben Metall hing vorn an ihm herab, ein Wahrzeichen, daß das Ge⸗ bäude, an welchem es hing, das Fährhaus ſey. Angeborne Liebe zur künſtlichen und geſchloſſenen Schifffahrt hatte wahrſcheinlich die Bürger beſtimmt, die⸗ ſen Fleck als den Ort zu wählen, wo viele Schiffe von der Stadt wegfuhren, wähnend jedoch die beiden Flüſſe verſchiedne günſtigere Punkte hierfür hätten abgeben kön⸗ nen, inſofern ſie den Vortheil weiter und unverbauter Canäle für ſich hatten. Fünfzig Schwarze waren ſchon in der Straße, tunk⸗ ten ihre Beſen in den Canal und ſpritzten das Waſſer über die Trottoirs und an die Vorderſeiten der niedern Häuſer. Dieſe leichte aber tägliche Beſchäftigung wurde durch Witzgeſchrei unter einander, und durch fröhliches Gelächter erheitert, in das die ganze Straße, von harm⸗ loſer Munterkeit überſtrömend, einſtimmte. Die Sprache dieſes wohlgemuthen, lärmenden Ge⸗ ſchlechts war holländiſch, ſchon verdorben durch engliſche Sprachwendungen, wie durch engliſche Wörter; eine Art von Wechſel, der wahrſcheinlich bei einigen Nach⸗ kommen der früheren Coloniſten die Meinung auffkommen ließ, die letztere Sprache ſey nur ein Kauderwelſch der erſteren. Dieſe Anſicht, welche ſo ſehr derjenigen gleicht, die gewiſſe engliſche Gelehrte von den Plagiaten der Schriftſteller des Feſtlandes unterhalten, wenn ſie den erſten Blick in ihre Werke thun, iſt nicht ganz richtig, da die Sprache von England wahrſcheinlich dem Dialect, von welchem wir reden, ſo viel gegeben, als er jemals von den reineren Quellen der holländiſchen Schule erhal⸗ 58— 60. 3 — 34— ten. Hier und da ſah man einen ernſthaften Bürger den Kopf, noch in der Nachtkappe, aus einem oberen Fen⸗ ſter ſtecken und den Barbarismen der Rede zuhören, in⸗ dem er den luſtigen Spöttereien, die von Mund zu Mund gingen, mit einer Ernſthaftigkeit zuhörte, die von keiner Leichtfertigkeit derer da unten unterminirt werden konnte. Da die Bewegung der Fähre nothwendig langſam war, ſo konnten der Alderman und ſein Begleiter recht gut hineintreten, ehe die Stricke an Bord geworfen wur⸗ den. Die Periagua, ſo hieß man jene Fahrzeuge, hatte etwas von amerikaniſcher und von europäiſcher Bauart. Sie war von der Länge, Enge und dem netten Bug des Canots, nach dem es genannt war, mit dem flachen Bo⸗ den und dem Leger⸗Bord eines Bootes, das für die ſeichten Gewäſſer der Niederlande eingerichtet iſt. Noch vor zwanzig Jahren gab es eine Menge ſolcher Fahrzeuge auf unſeren Flüſſen, und ſelbſt jetzt ſieht man noch ihre zwei langen ungeſtützten Maſte mit hohen und nach oben eng auslaufenden Segel täglich wie Binſen ſich im Winde bewegen und leicht über die Wellen der Bai tanzen. Es gibt noch eine Varietät dieſer Klaſſe von Schiffen, die viel größer und anſehnlicher iſt, als die erwähnten, und eine Stelle unter den maleriſchſten und auffallendſten Booten, die überhaupt ſchwimmen, einnimmt. Wer Ge⸗ legenheit hatte, die füdliche Küſte des Sunds zu befah⸗ ren, muß oft das Fahrzeug geſehen haben, auf welches wir anſpielen. Es iſt ausgezeichnet durch ſeine große Länge und durch Maſten, die ohne Taue wie zwei ſchlanke ſtracke Bäume vom Rumpfe aufſteigen. Wenn das Auge über die waghalſige Kraft der Leinwand, die ſtolze Drei⸗ ſtigke mäßi zwei ſieht, dem Nach heit eine erwo üͤbut als NaY oft iſt 1 der Ere Ang Tap heif unt nen galt ürger Fen⸗ , in⸗ Nund keiner onnte. igſam recht wur⸗ hatte auart. ig des n Bo⸗ ür die Noch rzeuge h ihre h oben Winde n. Es n, die , und endſten er Ge⸗ befah⸗ welches große ſchlanke s Auge eDrei⸗ ſtigkeit des Wimpels hinwegſchaut und den verhältniß⸗ mäßig großen Körper mit Leichtigkeit und Anmuth von zwei gewandten und furchtloſen Schiffern gehandhabt ſieht, ſo erweckt es ungefähr eine Bewunderung, wie bei dem Anblick eines feſten Tempels des Alterthums. Das Nackte und Einfache des Baues, vereint mit der Kühn⸗ heit und Schnelle ſeiner Bewegungen, verleiht dem Schiff eine Großartigkeit, die der gewöhnliche Gebrauch nicht erwarten läßt. Indeſſen waren, in Hinſicht ihrer beſonderen Waſſer⸗ übungen, die urſprünglichen Anſiedler von New⸗York als Seeleute weit weniger waghalſig, als ihre jetzigen Nachkommen. Ein Durchſchneiden der Bai kam nicht oft in dem ſtillen Leben der Bürger vor, und die Zeit iſt noch wohl in Erinnerung, wo eine Reiſe von einer der vornehmſten Städte des Staates zur andern ein Ereigniß war, das die Beſorgniß der Freunde und die Angſt der Reiſenden zu erregen pflegte. Die Gefahren des Tapaan⸗Zee, wie eine der größeren Weiten des Hudſon heißt, wurden oft von den guten Weibern der Colonie unter ihren Wundermährchen erzählt, und wer von ih⸗ nen dieſe Gefahr am häufigſten glücklich beſtanden hatte, galt für eine Art Amazone zur See. Drittes Kapit el. — „Der Kert iſt mir ein rechter Troſt; ich denke, er hat kein Tauchermal an ſich; ſein Geſicht iſt eine wahre Galgenphyſtognomie.“ Sturm. Es wurde geſagt, daß die Periagua ſich in Bewegung ſetzte, ehe die beiden Abentheurer glücklich an Bord wa⸗ ren. Das Mitfahren des Patrons von Kinderhook und des Alderman Van Beverout war angezeigt, und der Schiffer war auf die Minute, die ihm die Strömung ſetzte, abgeſtoßen, um in einer Art kecker Unabhängigkeit, die einen beſondern Reiz für Männer ſeiner Lage hat, zu zeigen, daß« Zeit und Fluth auf keinen Menſchen warte.» Doch hielt er in ſeinem Entſchluß immer noch Maaß und richtete die erſte Bewegung des Bootes ſo ein, daß ein ſo wichtiger und regelmäßiger Kunde wie der Alderman nicht eruſthafte Klage führen konnte. Wie er und ſein Freund an Bord waren, warf man die Seile hinüber und das Schiffsvolk fing ernſtlich an, nach der Mündung der Bucht zuzurudern. Während dieſer Be⸗ wegt Peri kein Muſf ken, dunk entle zur Alde mit won Mu mig Mei zuſt Pfe die daß auß zor. eine e, er ſt iſt egung d wa⸗ 2 und d der mung gkeit, 2 hat, nſchen noch es ſo e wie Wie Seile h der r Be⸗ — 37— wegung ſaß ein junger Neger auf dem Vordertheil der Periagua mit ins Waſſer hängenden Beinen, und gab kein uͤbles Schnitzbild zu dem Schiff ab. Er ſetzte ein Muſchelhorn an den Mund und mit den zwei Pausbak⸗ ken, ſtrotend wie die des Aolus, und mit den glänzenden dunkeln Augen, die ſein Entzücken über die der Muſchel entlockten Töne ausdrückten, fuhr er fort, das Signal zur Abfahrt zu geben. „Pack ein mit deiner Muſchel, Schreihals!» rief der Alderman, indem er dem jungen Kerl im Vorbeigehn mit ſeinem Rohr einen Hieb über den bloßen Kopf gab, womit ſich auch ein minder aufs Brüllen eingerichteter Muſiker hätte beſchwichtigen laſſen.«Tauſend langath⸗ mige Trompeter werden ſtumm vor ſo einer Lunge. He, Meiſter Schiffmann, iſt das eure Pünktlichkeit, eher ab⸗ zuſtoßen, als eure Paſſagiere da ſind 25 Der Schiffmann zeigte ganz ruhig und ohne die Pfeife aus dem Mund zu nehmen, auf die Waſſerblaſen, die ſchon außen ſchwammen, als das beſtimmte Zeichen, daß die Ebbe eingetreten ſey. Ich ſchere mich den Henker um euer innen und außen, eure Ebbe und Fluth,» erwiederte der Alderman zornig. Es gibt keine beſſere Uhr als Bein und Auge eines pünktlichen Mannes. Es iſt nicht lächerlicher, zu gehen, ehe man fertig, als zu warten, wenn die Arbeit gethan iſt. Hört einmal, Meiſter Schiffmann, ihr ſeyd nicht der einzige in der Bai, und euer Schiff iſt auch nicht das ſchnellſte, das noch vom Land geſtoßen iſt⸗ Nehmt euch in Acht; ich bin von Natur ein guter Mana⸗ — 38— aber ich vermag auch eine Oppoſition zu wecken, wenn das öffentliche Wohl meine Hülfe ernſtlich begehrt.» über den Angriff an ſich war der Schiffer glächgül⸗ tig wie ein Stoiker, aber die Verdächtigung der guten Eigenſchaften ſeiner Periagua war ein Vorwurf für ei⸗ nen Mann, dem es am Ende nur auf ſeine Beredſamkeit zur Rache ankam. Jetzt nahm er die Pfeife aus dem Mund und wandte ſich gegen den Alderman mit jener eigenthümlichen Freimüthigkeit, von welcher die Hollän⸗ der nie gegen Beleidiger, ſie ſeyen von welchem Stand oder von welchen Eigenſchaften ſie wollen, Gebrauch zu machen verabſäumen. «Windgalle und Aldermänner!» murrte er im Dia⸗ leet ſeines Landes;«ich möchte doch das Boot in York ſehen, das dem Milch⸗Mädchen» ſein Hintertheil zeigen könnte! Der Mayor und die Rathsherrn ſollen lieber verordnen, wie die Ebbe und Fluth zu laufen haben, und damit ſichs jeder beſtellen kann, wie er will, ſo mö⸗ gen ſie uns die Strömungen in Vorrath in den Hafen geben.» Als der Schiffer ſich auf dieſe Weiſe ſeiner Gefüͤhle entledigt hatte, ſteckte er wieder die Pfeife in den Mund wie ein Mann, der ſich bewußt iſt, die Palme des Siegs verdient zu haben, hatte er ſie nun erhalten oder nicht. «Es iſt umſonſt, mit einem halsſtarrigen Menſchen zu disputiren,“ murrte der Alderman, indem er ſeinen Weg durch die Gemüſekörbe, Butterkübel und alles an⸗ dere Zeug nahm, das ein Marktſchiff verziert, um zu dem Platz zu kommen, wo ſeine Nichte unter den Bo⸗ gen des Hintertheils ſaß.«Guten, guten Morgen, lieb' Alidc auf d ſoll d geben Wan geröt ihm Hut in ei einer läng bin vont ihrer tite rigen Sar ſil, war iſt. wenn hgül⸗ zuten ir ei⸗ mkeit dem jener llän⸗ Stand ch zu Dia⸗ York zeigen lieber haben, „ mö⸗ Hafen efühle Mund Siegs nicht. nſchen ſeinen es an⸗ im zu n Bo⸗ „ lieb' — 39— Alidchen; früh aufſtehen zaubert dir einen Blumengarten auf die Wangen, aber die friſche Luft von Luſt in Ruſt ſoll deinen natürlichen Roſen eine noch höhere Färbung geben.» Der wieder mild gewordene Bürger begrüßte die Wange, deren Blüthen durch ſeine Bemerkung hoöͤher geröthet wurden, mit einer Wärme, welche zeigte, daß es ihm an natürlicher Zärtlichkeit nicht fehlte, griff an den Hut, um für den tiefen Bückling eines weißen Dieners in einer reinlichen doch alten Livrey zu danken und nickte einer jungen Negerin zu, deren abgetragener Putz hin⸗ länglich zeigte, daß ſie das Kammermädchen der Er⸗ bin war. Ein zweiter Blick auf Alida de Barberie war kaum vonnöthen, um ihre gemiſchte Abkunft zu entdecken. Von ihrem normanniſchen Vater, einem Hugenotten der pe⸗ tite noblesse hatte ſte das Rabenhaar, die großen feu⸗ rigen kohlſchwarzen Augen, worin Wildheit eigen durch Sanftheit gemildert war, ein claſſiſches tadelloſes Pro⸗ ſil, und eine Geſtalt, die ſowohl ſchlanker und biegſamer war, als gewöhnlich das Loos der holländiſchen Damen iſt. Von ihrer Mutter hatte la belle Barbérie, wie das Mädchen oft ſcherzhaft genannt wurde, einen Teint geerbt, fein und makellos wie die Blüthe Frankreichs, und eine Friſche, die mit den reichen Tinten des Abend⸗ himmels in ihrem Vaterlande wetteiferte. Von dem Embonpoint, wofür die Schweſter des Alderman ein we⸗ nig bekannt war, hatte auch die ſchönere Tochter eine kleine Erbſchaft bekommen. In Alida jedoch überſchritt dieſe Eigenthümlichkeit nicht die Fülle, die ihren Jahren — 40— zukam, indem ſie ihre Figur rundete, ohne ihre Leichtig⸗ keit und Grazie zu beeinträchtigen. Dieſe perſönlichen Vortheile waren durch einen netten, doch beſcheidnen Reiſeanzug, ein Kaſtorhütchen, das von einem Büſchel wallender Federn überſchattet war, und eine Miene ge⸗ hoben, die in der Verlegenheit ihrer Lage das glücklichſte Mittel zwiſchen Schuͤchternheit und vollkommnem Selbſt⸗ bewußtſeyn bildete.— Wie Alderman Van Beverout dieſem lieblichen Ge⸗ ſchöpf ſich näherte, an deſſen künftigem Glück er mit vollem Recht den tiefen Antheil nahm, den er in einer der erſten Scenen dieſes Buches verrieth, fand er ſie in einer artigen Unterhaltung mit dem jungen Mann be⸗ griffen, den man unter ihren vielen Anbetern allgemein als denjenigen anſah, der am wahrſcheinlichſten den Sieg davon tragen würde. Ohne jede andre Urſache wäre die⸗ ſes hinreichend geweſen, ſeine gute Lanne wiederherzu⸗ ſtellen, und während er ſich Platz machte, indem er ganz ruhig Frangois, den Bedienten ſeiner Nichte, aus dem Beſitz ſeines Platzes ſetzte, ſuchte der beharrliche Bürger ein Zuſammentreffen zu befeuern, das, wie er zu glauben gute Urſache hatte, mit dem von Beiden bedachten und gewünſchten Reſultate enden ſollte.„ Die gegenwärtige Bemühung des Alderman ſchlug jedoch fehl. Es gibt ein Gefühl, das ſich allgemein der Bewohner des platten Landes bemächtigt, wenn ſie zum erſtenmal auf ein Element gerathen, das ihnen fremd iſt, nämlich, daß dieſes ihnen in der Regel den Mund ver⸗ ſchließt und ſie nachdenklich macht. Bei den älteren und mehr beobachtenden Reiſenden iſt es Aufmerken und Vergle es gen gei au Patro die B des w oft be wegun allmät geſtolz zu ler durch daher der„† ſein 2 C zu ve das 2 ein n man Aber kelte macht dem 6 gel ü beyas ſtalt, von laufe eichtig⸗ önlichen heidnen Büſchel lene ge⸗ cklichſte Selbſt⸗ en Ge⸗ er mit n einer ſie in nn be⸗ gemein 1 Sieg re die⸗ herzu⸗ r ganz s dem Zürger lauben n und ſchlug n der e zum nd iſt, ver⸗ nund und — 41— Vergleichen, bei den jüngeren und empfäͤnglicheren nimmt es gewöhnlich die Farbe des Gefühls an. Ohne uns da⸗ gei aufzuhalten, die Quelle oder Folgen in dem Fall des Patrons und der belle Barbérie zu unterſuchen, wird die Bemerkung genügen, daß, trotz aller Anſtrengung des würdigen Bürgers, der den trägen Canal ſchon zu oft befahren hatte, um davon irgend einer Gemüthsbe⸗ wegung unterworfen zu ſeyn, ſeine jungen Reiſegefährten allmählig ſtill und gedankenvoll wurden. Obgleich Ha⸗ geſtolz für ſeine eigene Perſon, hatte Myndert nicht erſt zu lernen, daß der kleine Gott oft eben ſo viel Unglück durch Stille anrichtet, als auf andere Weiſe. Er wurde daher auch ſtumm und ſah auf die langſame Bewegung der Periagua mit ſo vieler Aufmerkſamkeit, als ob er ſein Bild auf dem Waſſer ſähe. Eine Viertelſtunde dieſer charakteriſtiſchen und wie zu vermuthen ſtand, auch angenehmen Fahrt, brachte das Boot an die Mündung der Bucht. Hier zwang es ein mächtiger Trieb in den Weg der Strömung und man hätte nun ſagen können, es bewege ſich weiter. Aber indem das ſchwarze Schiffsvolk die Segel aufwik⸗ kelte und die andern nöthigen Rüſtungen zur Abfahrt machte, rief ſie eine Stimme von der Küſte an, eher mit dem Befehl als mit der Bitte, daß ſie einhalten ſollten. «Holla, Periagua!“ ſchrie es, cwerft das Vorderſe⸗ gel über und laßt den Steuergriff in den Schooß des beyaglichen alten Herrn dort fahren. Nun, macht An⸗ ſtalt, ihr Brummer! oder gleich wird Euer Racepferd von Schiff ins Gebiß ſchäumen und mit Euch davon laufen!» Dieſe Aufforderung hatte eine Pauſe in den Bewe⸗ gungen des Schiffsvolks zur Folge. Sie ſahen einander mit Erſtaunen und Verwunderung an, warfen dann das Vorderſegel über, und richteten das Steuerruder nach der Küſte, ohne jedoch den Schooß des Alderman zu treffen, und das Boot blieb auf ein Paar Ruthen vom Lande ſtille ſtehen. Während der neue Paſſagier in ei⸗ nem Nachen herankam, hatten die, welche auf ihn auf⸗ merkſam wurden, Zeit, ſeine Erſcheinung zu beobachten und verſchiedne Vermuthung n über ſeinen Stand und Charakter aufzuſtellen. Es iſt kaum nöthig, zu bemerken, daß der Fremd⸗ ling ein Sohn des Oceans war. Er war von feſtem Ge⸗ webe und rüſtiger Geſtalt, ſechs Fuß hoch ſtand er in ſeinen Socken. Die eckigen Schultern waren gedrungen, der Bruſtkaſten hoch und voll, die Glieder rund, mus⸗ culös und gut gebaut, das Ganze deutete auf einen Körper, an welchem ſich Stärke und Thätigkeit mit gu⸗ tem Ebenmaß verbanden; ein kleiner kugelrunder Kopf ſaß feſt auf den breiten Schultern und hatte einen dich⸗ ten braunen, etwas ins grauliche ſchimmernden Haar⸗ wuchs. Das Geſicht war das eines Dreißigers und der Geſtalt entſprechend, nämlich männlich, kühn, entſchloſſen und faſt ſchön, wiewohl es wenig mehr als feſten Muth, kalte Uberlegung, etwas Hartnäckigkeit und einen Grad von Stolz gegen ſeine Nebenmenſchen zeigte, den ſein Eigner zu verbergen ſich nicht immer die Mühe gab. Die Geſichtsfarbe war ſtark roth, wie Anſtrengung in freier Luft ſte Menſchen von lebendiger und friſcher Na⸗ tur gibt, 4 De dig gen kurzes kleine! alles ve ſ(ſich zu ſteres! brauch umgab weißes und eit Banda Hals Europe nur be brauch mit S Klinge auf d die bi iſt. von S beſtick Beſch 2 und d wund fen u bis a fünf Bewe⸗ nander in das r nach an zu n vom in ei⸗ n auf⸗ dachten d und Fremd⸗ m Ge⸗ er in ungen, mus⸗ einen iit gu⸗ Kopf dich⸗ Haar⸗ d der loſſen Nuth, Grad ſein gab. ig in Na⸗ — 13— Der Anzug des Fremden konnte eben ſo merkwür⸗ dig genannt werden, wie ſeine Perſon. Er trug ein kurzes Pee⸗Jäckchen, knapp und ſauber gearbeitet, eine kleine niedre und leichte Kappe und weite lange Hoſen, alles von ſchneeweißer Schifferleinwand, ein Stoff, der ſich zu der Jahrszeit und dem Klima gut paßte. Er⸗ ſteres war ohne Knöpfe und entſchuldigte daher den Ge⸗ brauch eines reichen indiſchen Shawls, der ſeinen Leib umgab und das Kleid dicht angelegt hielt. Blendend weißes Linnenzeug ſchimmerte durch die obere Offnung und eine Binde von demſelben Stoff fiel über die leichte Bandanna, die in eine einzige ſorgloſe Schleife um den Hals geſchlungen war. Das letztere war ein damals in Europa wenig bekannter Manufactur⸗Artikel, und faſt nur bei den Seemännern auf langen Reiſen im Ge⸗ brauch. Das eine Ende flog im Winde, das andre war mit Sorgfalt über die Bruſt gezogen, wo es mit der Klinge eines kleinen Meſſers von elfenbeinenem Griff auf das Linnen angeheftet war, eine Art Bruſtnadel, die bis heute bei den Seefahrern häufig im Gebrauch iſt. Wenn wir noch hinzufügen, daß leichte Pantoffeln von Stramin, die Reihen mit Ankern von Wollengarn beſtickt, ſeine Füße bedeckten, ſo haben wir die ganze Beſchreibung von ſeinem Anzug gegeben. Die Erſcheinung eines Mannes von dem Ausſehen und der Kleidung des Beſchriebenen erregte ſtarke Be⸗ wunderung auf Seiten der Schwarzen, welche die Stu⸗ fen und das Pflaſter fegten. Es begleiteten ihn dicht bis an den Ort, wo er die Periagua anrief, vier bis fünf Tagdiebe, die ſeine Art und Bewegung mit dem — 44— Erſtaunen ſtudirten, welche Menſchen ihrer Klaſſe ſelten Solchen verſagen, die Spuren eines Lebens von Aben⸗ theuern und vielleicht von Gefahren und Wagſtücken an ſich tragen. Der Held des indiſchen Shawls winkte ei⸗ nem dieſer Müßiggänger, ihm zu folgen, und beſtieg ei⸗ nen leeren Kahn, machte den Strick los und fuhr die leichte Schüſſel gegen das Boot, das ſeine Ankunft er⸗ wartete. Es lag etwas in der freien Art, in der Ent⸗ ſchiedenheit und in den männlichen Stellungen eines ſo ſchönen Seemanns, was ſelbſt die Aufmerkſamkeit derer anzog, die ſich mehr in der Welt umgeſehen hatten, als das Häuflein von Bewunderern, das er hinter ſich ließ. Mit leichter Bewegung des Handgelenks und Ellenbo⸗ gens ließ er die Barke dahingleiten wie ein phlegmati⸗ ſches Seethier, das durch ſein Element rudert, und wie er ſo daſtand, feſt wie eine aufgeſtellte Statue, die Füße auf beiden Seitenborden, erweckte er ein Vertrauen auf ſeine Sicherheit, wie bei dem Anblick wiederholter glück⸗ licher Experimente eines geſchickten Seiltänzers. Als der Nachen die Seite der Periagua erreichte, drückte er dem Neger eine kleine ſpaniſche Münze in die offene Hand und ſprang hinauf, mit einer Muskelkraft, welche das Schiffchen, das er verließ, halbwegs zur Küſte zu⸗ rückſandte, dem erſchrockenen Schwarzen es überlaſſend, wie er ſich in dem ſchaukelnden Kahn ohne unterzugehen halten konnte. Der Tritt und die Stelnng des Fremden, als er das Halbverdeck der Periagua erreichte, hatte einen ſchö⸗ nen ſeemänniſchen Anſtand und einen Ausdruck von Selbſtvertrauen bis zur Verwegenheit. Er ſchien den halb⸗ ſe Paſſagi Ueberlee von ſeit die zu feſte La der ein Periag ſtändige dem V füllen, machte eine S ſellſcha keit ein tigkeit entſetzt nem 5 Hand, täglich durch Beme erſte, der B 44 merkt ſpann auf d sdann erhalt ſſe ſelten n Aben⸗ ücken an inkte ei⸗ eſtieg ei⸗ fuhr die zunft er⸗ der Ent⸗ eines ſo it derer ten, als ich ließ. Ellenbo⸗ legmati⸗ ind wie ie Füße ien auf r glück⸗ . Als ückte er offene welche iſte zu⸗ laſſend, ugehen als er en ſchoͤ⸗ k von en den — 45— halb⸗ſeemaͤnniſchen Charakter des Schiffsvolks und der Paſſagiere mit Einem Blick zu muſtern und diejenige Ueberlegenheit über ſeine Gefährten zu fuͤhlen, die Leute von ſeinem Gewerbe damals ein bischen zu viel gegen die zu nähren gewohnt waren, deren Ehrgeiz ſich aufs feſte Land beſchränkte. Er richtete die Augen empor zu der einfachen Spitze und den beſcheidnen Segeln der Periagua, während ſich die Oberlippe in den kunſtver⸗ ſtändigen Zug eines Kritikers aufzog. Nun ſtieß er von dem Vorderſegel die Klammern los, und ließ es ſich füllen, ſtieg dann von einem Butterkübel zum andern, machte gelegentlich aus dem Schooß eines Landmanns eine Stufe und kam im Hintertheil mitten in der Ge⸗ ſellſchaft des Alderman Van Beverout mit der Leichtig⸗ keit eines beſiederten Merkurs an. Mit einer Kaltblü⸗ tigkeit, die von ſeinen gebietenden Eigenſchaften zeugte, entſetzte er ſogleich den erſtaunten Schiffmann von ſei⸗ nem Platz am Steuerruder, nahm den Griff in die Hand, und zeigte dabei ſo viel Ruhe, als ob dieß ſein tägliches Geſchäft ſey. Als er ſah, daß das Boot ſich durch die Fluth bewegte, gönnte er ſich Muße, einige Bemerkungen über die Mitreiſenden zu machen. Der erſte, den ſein kühnes freies Auge traf, war Frangois, der Bediente Alidas. „Wenn's rechte Wiudſtöße gibt, Commodore„ be⸗ merkte der Eindränger mit einem Ernſt, der den ge⸗ ſpannten Franzmann halb irre machte, während jener auf den Beutel deutete, in dem dieſer ſein Haar trug: „dann wird's ſchwer werden, Euer breites Wimpel da zu erhalten. Aber ſo ein erfahrner Offizier geht nicht zur See, ohne ſeinen Sturm⸗Zopf für ſchlechtes Wetter ſchon in Bereitſchaft zu haben. 3 Der Bediente verſtand oder ſchien nicht zu verſte⸗ hen, worauf der Fremde anſpielte und behielt eine Miene würdiger doch ſtiller Überlegenheit. «„Der Herr iſt in fremden Dienſten und verſteht ei⸗ nen engliſchen Seemann nicht! Das ſchlimmſte, was am Ende kommen kann, iſt, daß man, was am Maſtkorb Überfluß iſt, abſchneidet und mit der Fluth treiben läßt. Darf ich ſo dreiſt ſeyn, Sie zu fragen, Richter, ob die Gerichtshöfe letztlich etwas gegen die Seeräuber der In⸗ ſeln gethan haben?» «Ich habe nicht die Ehre, in Dienſten Ihro Maje⸗ ſtät zu ſtehen,» erwiederte kalt Van Staats von Kinder⸗ hook, an den dieſe Frage mit Raſchheit gerichtet war. «Der beſte Schiffer kommt zuweilen durch dunſtige Beobachtung in Verwirrung und mancher alte Seemann hielt ſchon einen Nebelſtreifen für ſoliden Grund. Daß Ihr nicht bei den Gerichten ſitzt, dazu wünſch' ich Euch Glück, denn da zu kreuzen, heißt zwiſchen Sandbänken herumſtechen, ſey es nun Richter oder Sollicitant. Man iſt nie genug verwahrt und landumſchloſſen in Geſell⸗ ſchaft eines Advocaten, und es kann der Teufel ſelbſt dieſen Meerwölfen nicht genug offene See geben. Ein ſchönes Stück Waſſer iſt dieſe Bai von York, Freund, und ſo heimlich als zerriſſene Ankertaue und ſchlechter Wind es nur wünſchen laſſen!“ «Ihr ſeyd ein Seemann von langem Athem„» er⸗ wiederte der Patron, der Alida gern glauben machen wollte, gleichke Rechnt wahrer ſchen ein Ar die an als de oder g dieſe i ihr, nahmt Willer daß e 6 dadur tron, rie w Weg Wirk aus i ſäube das arbei von Quat wenn Nan Wetter verſte⸗ e Miene ſteht ei⸗ was am kaſtkorb en läßt. ob die der In⸗ Maje⸗ Kinder⸗ war. dunſtige ſeemann Daß ich Euch dbänken t. Man Geſell⸗ el ſelbſt 1. Ein Freund, hlechter 1,» ere machen — 27— wollte, daß er dem Fremden im Ballſpiel des Witzes gleichkomme. «Lang oder kurz, Calcutta oder Capo Cod, blinde Rechnung, Augenmaß oder Sterngucken, das iſt für den wahren Delphin alleins. Die Geſtalt der Küſte zwi⸗ ſchen Fundy und Horn iſt meinem Blick ſo bekannt, wie ein Anbeter dieſem ſchönen jungen Fräulein, und was die andere Küſte betrifft, ſo habe ich ſie öfter befahren, als der Commodore hier je ſein Wimpel bei ſtarkem oder gelindem Winde aufgeſetzt hat. Eine Fahrt wie dieſe iſt ein Sonntag in meinem Schifferleben, während ihr, wie ich wohl nicht mit Unrecht annehme, Abſchied nahmt von Weib und Kind, ſie ſegnetet, Euern letzten Willen hervorholtet und erſt zum Geiſtlichen ſchicktet, daß er für eine glückliche Reiſe beten möge.» „Wurde dieſe Vorſicht beobachtet, ſo iſt die Gefahr dadurch nicht größer geworden,» ſagte der junge Pa⸗ tron, der einen verſtohlenen Blick auf die ſchöne Barbe⸗ rie warf, indeß ſeine Schüchternheit ihn den verkehrten Weg zu ſehen zwang. Man iſt der Gefahr darum in Wirklichkeit nie näher, wenn man darauf gerüſtet iſt.» Wahr; wir müſſen alle ſterben, wenn die Rechnung aus iſt. Gehängt oder erſäuft— Galgen oder Kugel ſäubert die Welt von einer guten Menge Kehricht, oder das Verdeck wäre ſo vollgeſtopft, daß man nicht darauf arbeiten könnte. Die letzte Kreuzfahrt iſt die längſte von allen, und ehrliche Schiffspapiere mit einem guten Quarantainepaß mögen dem Mann in den Hafen helfen, wenn's mit ihm auf der offenen See nichts mehr iſt. Nun, Schiffmann, was gibts für Lügen heut an den Docken, wann kam der letzte von Albany in ſeinem Kü⸗ bel den Fluß herunter, oder weſſen Wallach iſt in der Hexenhatze zu Tod gejagt worden 2“ «Die Teufelsbuben!“ murmelte der Alderman; s iſt warlich kein Mangel an ſolchen Canaillen, die das unſchuldige Vieh quälen!⸗ «Haben die Bukanier ſich aufs Bitten gelegt, oder gedeiht ihr Gewerbe bei dieſem Kriegsfuß?» fuhr der Seemann mit dem indiſchen Shawl fort, ohne auf die Klage des Bürgers zu achten.»Die Zeiten werden ſchlimm für martialiſche Leute, das kann man aus der Art ſehen, wie jenem Kreuzer das Takelwerk verfault, ſtatt daß er in die offene See ſticht. So wahr ich Spatzen ſchießen kann, ich möchte das Boot hinaus in die friſche Luft führen, noch vor morgen, wenn die Kö⸗ nigin die Gnade hätte, Euerm unterthänigen Diener das Commando dieſes Schiffs anzuvertrauen! Der Mann liegt dort vor Ander, als haͤtte er eine gute Fracht ech⸗ ten Holländer im Kielraum und warte auf einige Ballen Biberfelle zum Anstauſch ſeines guten Branntweins.v Wie der Fremde ſo ganz kaltblätig ſeine Meinung uͤber Ihrer Majeſtät Schiff Coquette ausſprach, muſterte er mit einem Blick die Perſonen ſeiner Reiſegeſellſchaft und ruhte einen Augenblick mit geheimer Bedeutſamkeit auf dem feſten Auge des Bürgers. «Schöny— fuhr er fort,«die Schaluppe entſpricht wenigſtens einer ſchwimmenden Wetterfahne, welche zeigt, wie die Strömung geht, wenn ſie nichts beſſeres zu thun hat, und das muß ein großer Troſt ſeyn, Fährmann, dei einer Schifffahrt, wo man einen ſo ſchönen Blick auf die Um Eurer W verſetzte ehe we Ludlom Al und w Jamm ten in Nun, verſchl E die Re aus et T ich mi ℳ F Verſic laſtete und 2 J der C obglei⸗ einen ſpazier . fremde tät v 58 em Kü⸗ in der n;*s die das t, oder ihr der auf die werden aus der erfault, ahr ich naus in die Kö⸗ Diener Mann cht ech⸗ Ballen ins. v Keinung nuſterte ellſchaft ſamkeit ttſpricht e zeigt, zu thun ſrmann, lick auf — 49— die Umdrehung unſerer Erde thut, wie ein Mann von Eurer Scharfſichtigkeit.“ Wenn die Neuigkeiten in der Bucht ſich beſtätigen,⸗ verſetzte der ruhige Eigner der Periagua, aſo gibt es, ehe wenige Tage ins Land kommen, für den Capitain Ludlow und die Coquette etwas anderes zu thun!⸗ „Aha! der Mann ſieht die Schiffsvorräthe aufgezehrt, und will ſein Fahrzeug neu verproviantiren! Es wäre Jammer und Schade, wenn ein ſo thätiger Officier mit⸗ ten im Strich der Ebbe und Fluth verhungern ſollte. Nun, und ſind die Kroppen wieder gefüllt und das Mahl verſchlungen, was ſolls dann weiter geben 2 5 «Es geht unter den Bootsmännern der South⸗Bai die Rede, daß ſich geſtern Nacht von Long⸗Islands hiu⸗ aus etwas gezeigt hätte!“ «Die Wahrheit davon kann ich beſtätigen, denn wie ich mit der Abendfluth kam, ſah ich es ſelbſt.“» „Der Duyvel's Luck! und für was hieltet Ihr's «Für das atlantiſche Meer wenn Ihr an meiner Verſicherung zweifelt, ſo appellire ich an dieſen wohlbal⸗ laſteten alten Herrn da, der auch als Schulmeiſter Länge und Breite ganz nach der Wahrheit angeben kann. Ich bin der Alderman Van Beverout,“« brummte der Gegenſtand des neuen Angriffs zwiſchen den Zähnen, obgleich er augenſcheinlich nur halb geſtimmt war, auf einen Menſchen zu achten, der ſeinen Mund ſo luſtig ſpazieren gehen ließ. „Bitte tauſendmal um Vergebung!» verſetzte der fremde Seemann mit tiefer Verbengung.„Die Solidi⸗ tät von Ew. Gnaden Antlitz betrog mich. Es mag 58— 50. 4 3 — 50— zwar unvernünftig ſeyn, bei einem Alderman Kenntniß von der Lage des atlantiſchen Meeres vorauszuſetzen! Und doch, mein Herr, verſichre ich Sie auf Ehre eines Mannes, der ſchon viel Salzwaſſer in ſeinem Leuen ge⸗ ſehen hat, daß der Ocean, von dem ich rede, wirklich dort fließt. Ob da nun etwas iſt, drauf oder drin, was nicht ſo in Ordnung iſt, das wird uns dieſer würdige Befehlshaber der Periagua erklären.» cEin Horzboot von den Inlets ſagt aus, der Tumm⸗ ler der Meere ſey unlängſt an der Küſte geſehen wor⸗ den, verſetzte der Fährmann in einem Tone, der die große Wichtigkeit des Geſagten andeuten ſollte. «Euer echter Seehund da, der die Einfahrten aus und einpaſſirt, iſt ein Mährchen⸗Schmidt!» erwiederte kalt der Fremde. Sie kennen die Farbe des Meeres bei Nacht und ſteuern immer dem Wind in die Augen, um zu Abentheuern zu kommen. Mich wundert, daß ihrer nicht mehrere ſind, die Kalender machen! In dem letzten, den ich kaufte, ſand ſich ein Irrthum über einen Orkan, und das aus purer Unwiſſenheit. Aber ſagt mir doch, Freund, wer iſt denn der Tummler der Meere, der hinter ſeiner Nadel herlaufen ſoll, wie ein Schneider, der in ſeines Nachbarn Rock ein Loch gefunden hat?» «Die Nixen mögen das ſagen! ich weiß nur ſoviel, daß es einen ſolchen Umherſtreicher gibt, der heute hier, morgen dort iſt. Einige ſagen, es wäre nur ein Nebel⸗ ſchiff, das auf den Spitzen des Meeres dahin gaukelt,. wie ein wippernder Seevogel, Andre halten es fur ein Geſpenſterſchiff, von einem unglücklichen Fahrzeug, das Kidd im indiſchen Meere geplündert und angeſteckt, und das nut Ich ſah war zu ich ſchu Spitze S Loggbu Ihr de «Al bem B wir na davon eine M E von E Haſt⸗ N hielt's der ar kam's gebaut Weſtit man nicht York nicht cc5 Ich h rollen es wi kenntniß zuſetzen! re eines even ge⸗ wirklich in, was würdige Tumm⸗ en wor⸗ der die ten aus wiederte Meeres Augen, rt, daß In dem er einen ſagt mir eere, der hneider, hat 25 ſoviel, ite hier, Nebel⸗ gaukelt, für ein ig, das ckt, und — 51— das nun nach dem Gold und den Erſchlagenen umgeht. Ich ſah den Tummler ſelbſt einmal, aber die Entfernung war zu groß und ſeine Manoenvres ſo unnatürlich, daß ich ſchwer eine richtige Beſchreibung von Rumpf oder Spitze werde geben könnte.» So was wird freilich nicht jede Nachtwache in's Loggbuch eingetragen! Wo, und in welchem Meere ſaht Ihr denn das Ding?“ „Außer dem Branch draußen. Wir fiſchten bei trü⸗ bem Wetter und als der Nebel ſich etwas verzog, ſahen wir nach der Küſte zu ein Schiff, das wie ein Racepferd davon rannte; doch als wir flott wurden, war's ſchon eine Meile weit auf der andern Seite in offener See!“ «Ein ſicherer Beweis— entweder von ihrer oder von Eurer Geſchwindigkeit! Aber wie ſah denn Euer Haſt⸗ du⸗nicht⸗geſehen eigentlich aus 25 „Nicht daß man ihn beſchreiben könnte. Der eine hielt's für ein wohlbemaſtetes Schiff mit vollen Segeln, der andre für einen Bermudiſchen Scudder, mir aber kam's wie zwanzig Periaguas in Ein Schiff zuſammen⸗ gebaut vor. Dabei iſt das gar wohl bekannt, daß ein Weſtindienfahrer in der Nacht hinaus in See ging und man hat, obwohl ſeitdem drei Jahre verſtrichen ſind, nicht ein Wörtchen von ihm oder ſeiner Mannſchaft in York mehr gehört. Ich bin ſeit jener Zeit an den Ufern nicht mehr fiſchen gegangen, bei trübem Wetter.» «Da thatet Ihr wohl dran,» bemerkte der Fremde⸗ b Ich habe ſelbſt manche wunderbare Erſcheinung auf dem rollenden Ocean gehabt, und ein Mann, deſſen Geſchäft es wie das Eure iſt, mein Freund, zwiſchen Wind und 4* — 52— Waſſer zu liegen, der ſollte ſich nie in die Nähe einer ſolchen Teufels⸗Schwalbe wagen. Ich könute Euch die Geſchichte eines Ereigniſſes in den ſtillen Breiten der ſengenden Sonne erzählen, die eine Lection für alle Wa⸗ gehälſe abgäbe! Auf Execution und Abentheuer auszu⸗ gehen, iſt nichts für Euch Küſtenkriecher.» «Wir haben Zeit genug, Euch zuzuhören„ bemerkte der Patron, deſſen Aufmerkſamkeit durch die Rede ge⸗ weckt war und der in den dunkeln Augen Alida's las, daß ſie der Erzählung gern zuhören würde. Aber das Geſicht des Fremden wurde plötzlich ernſt. Er ſchuttelte den Kopf, als habe er hinlängliche Urſache zum Schweigen, verließ das Steuerruder und zwang ganz kaltblütig einen mitten im Boot mit offenem Maul daſitzenden Bauer, ihm ſeinen Platz abzutreten, auf den ſich die athletiſche Geſtalt in ganzer Länge ausſtreckte, während er die Arme über die Bruſt kreuzte und die Augen ſchloß. In weniger denn fünf Minuten hatten Alle, die in der Nähe ſaßen, die volle Ueberzeugung, daß dieſer ſeltſame Sohn des Oceans in recht geſunden Schlaf geſunken ſey. T fremd Peria war belle terhie den d nothu ner§ ten 2 ſeine von d dulde zu th glückt he einer Euch die ten der alle Wa⸗ auszu⸗ bemerkte dede ge⸗ 's las, h ernſt. Urſache zwang n Maul auf den ſtreckte, und die hatten eugung, eſunden Viertes Kapitel. «Sey ruhig, denn der Lohn, zu dem ich führe, Verſchleiert dieſen Unſtern—» Sturm. Das Außere, die Kühnheit und Sprachweiſe des fremden Seemannes hatte unter den Paſſagieren der Periagua eine ſehr merkliche Senſation gemacht. Es war klar in den ſchelmiſchen kohlſchwarzen Augen der belle Barbérie geſchrieben, daß ſeine Spöttereien ſie un⸗ terhielten, doch hatte die Keckheit ſeiner Manie ren ihr den Rückhalt geboten, der ihrem Geſchlecht und Stande nothwendig erſcheint. Der Patron ſtudirte die Züge ſei⸗ ner Herrin, und obgleich halb beleidigt von der ungenir⸗ ten Art des Eindrängers, hielt er es doch für das klügſte, ſeine Freiheiten als natürliche Exceſſe eines erſt jüngſt von der Einförmigkeit des Seelebens erlöſten Geiſtes zu dulden. Die Ruhe, die auf dem Geſicht des Aldermans zu thronen pflegte, zeigte ſich ein wenig getrübt, aber es glückte ihm, ſeinen Arger über jene ungezogenen Bemer⸗ — 54— kungen zu unterdrücken. Als nun der Hauptheld der vorhergehenden Scene den Moment wahrnahm, ſich zu⸗ rückzuziehen, war die vorige Ruhe wiederhergeſtellt und die Anweſenheit deſſelben ſchien vergeſſen. Die Ebbe und ein kühles Lüftchen führte die Peria⸗ gua raſch an den kleineren Inſeln der Bai vorüber und brachte den Kreuzer Coquette in deutlichere Nähe. Die⸗ ſes Fahrzeng, ein Schiff von zwanzig Kanonen, lag in der Richtung des Weilers an der Küſte von Staten Is⸗ land, welches der Beſtimmungsort des Fährbootes war. Hier war der gewöhnliche Ankerplatz der von auswärts kommenden Schiffe, die einen günſtigen Wind abwarten wollten, und hier war es denn auch, wo man damals wie noch jetzt, ſich jenen Unterſuchungen und Verzöge⸗ rungen unterwerfen mußte, die lediglich für die Sicher⸗ heit der Stadtbewohner geſchehen. Die Coquette lag jedoch allein vor Anker, denn die Ankunft eines Kauf⸗ fahrers aus einem entfernten Hafen war zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts ein ſeltnes Ereigniß. Die Periagua kam in ihrem Laufe nur funfzig Fuß von der Kriegsſchaluppe vorbei. Als ſie ſich näherte, gab es unter dem Schiffsvolk der letzteren eine Bewegung von Neugier und Antheil. «Haltet Euer Milch⸗Mädchen beſſer draußen,» murrte der Alderman, als er bemerkte, daß der Schiffmann ſeine Paſſagiere damit vergnügen wollte, ſie ſo nahe als mög⸗ lich an den ſchwarzen Seiten des Kreuzers hinfahren zu laſſen. Potz See und Weltmeere! iſt die Yorks⸗Bai nicht weit genug, daß ihr dem faulen Schiff da den Staub aus den Schießlöchern kehren müßt? Wenn die König ken u wiß Jagd du d einja zeige 2 dem ſchre ihre Krei ging über eld der ſich zu⸗ ellt und Peria⸗ der und . Die⸗ lag in ten Is⸗ es war. swärts zwarten damals Berzöge⸗ Sicher⸗ tte lag 3 Kauf⸗ ang des zig Fuß näherte, ewegung murrte un ſeine ls mög⸗ hhren zu ks⸗Bai da den zenn die — 55— Königin wüßte, wie ihr Geld hier verſpeiſt und vertrun⸗ ken wird, von den Müſſiggängern da, würde ſie ſie ge⸗ wiß hinter die Seeräubern unter den Inſeln auf die Jagd ſchicken. Schau auf's Land, Alida, Kind, damit du dich vom Schrecken erholſt, den der Maulaffe da dir einjagen muß, der nur ſeine Geſchicklichkeit im Steuern zeigen will.“ Aber an der Nichte zeigte ſich durchaus nichts von dem Schrecken, den der Onkel ihrer Schüchternheit zu⸗ ſchreiben wollte. Statt bleich zu werden, färbten ſich ihre Wangen röther, als die Periagua an der Seite des Kreuzers dahintanzte, und wenn ihr Athem ſchneller ging als gewöhnlich, ſo kam dieſes ſchwerlich von Unruhe über den Lärm. Die ſchlanken Maſte und die Laby⸗ rinthe von Tauen, die faſt über ihren Köpfen hingen, verhinderte jedoch, daß dieſer Wechſel bemerkt wurde⸗ Hundert neugierige Augen waren auf die Reiſegeſellſchaft der Periagua gerichtet, durch die Stückpforten, über die Baſteien des Schiffes, als plötzlich ein Officier, der die gewöhnliche Uniform eines Seecapitains jener Zeit trug, in das mittlere Tabelwerk des Kreuzers ſprang und die Geſellſchaft raſch mit Schwenken des Hutes grüßte, als ob er durch ihr Erkennen ſehr angenehm überraſcht wäre. «Heitern Himmel und freundliche Lüfte Jedem und Allen!» rief er mit der herzlichen Art eines Seemanns. «Der ſchönen Alida meinen Handkuß; der Alderman empfange die beſten Wünſche eines Schiffers. Herr Van Staats, ich grüße Sie!⸗ Ja„ brummte der Bürger, Ihr Müſſiggänger habt auch nichts zu thun, als Worte zu machen, für Thaten; läſſige Kriegführung und ein ferner Feind ma⸗ chen euch Seemänner zu Herren des Landes, Capitain Ludlow. Alida erröthete ſtärker, zögerte und ſchwang dann mit halb unwillkührlicher Bewegung das Schnupftuch. Der junge Patron ſtand auf und erwiederte den Gruß mit einer höflichen Verbeugung. Unterdeſſen hatte das Boot faſt das Schiff verlaſſen und der Arger das Geſicht des Alderman, als auf einmal der Seemann mit dem indi⸗ ſchen Shawl dicht zu ihm heranſprang und auf dieſe Art wieder mitten in der Geſellſchaft ſtand. «Ein flottes Schiff und gut aufgetakelt!“ ſagte er, als ſein Kennerauge das Tauwerk des königlichen Kreu⸗ zers durchlief; zugleich nahm er wieder das Steuerru⸗ der mit der früheren Gleichgültigkeit aus den Händen des Schiffmanns. Ihre Majeſtät mag ſich guten Dienſts von ſo einem Renner verſehen, und ohne Zweifel iſt der junge Mann dort im Takelwerk Einer, der aus ſeinem Schiff möglichſt was zu machen weiß. Wir wollen noch was hinüberſagen. Zieh das Vorderſegel weg, Junge. Der Fremde hatte das Steuerruder gedreht, indeß er ſprach; während er den Befehl gab, hatte das ſchnell arbeitende Fährboot ſchon ſeine Wendung gemacht, und in der nächſten Minute ſprütte es wieder an der Seite des Kriegsſchiffes hin. Gegen dieſe kecke Anderung des pflichtmäßigen Laufes wollte eben der Alderman und der Schiffer Klage im Namen Aller erheben, als der Shawl⸗ träger die Mütze abzog und den Officier im Takelwerk mit aller Selbſtgenügſamkeit anredete, die er in den Ge⸗ ſprächen mit ſeiner nähern Umgebung gezeigt hatte, gern Cornl quette den 2 womi Offici kleide antwt der ð geſetz! die 9 dc. Gew ſem werd deln. Beve genb ma⸗ pitain n mit Der ß mit Boot öt des indi⸗ ſe Art ſte er, Kreu⸗ uerru⸗ änden dienſts ſt der ſeinem i noch nge. indeß ſchnell „ und Seite gg des ad der hawl⸗ Alwerk n Ge⸗ 8 — 57— „Können Ihre Majeſtät einen Mann in ihren Dienſt brauchen, der in ſeinem Leben mehr blaues Waſſer als feſtes Land geſehen hat, oder iſt in einem ſo flotten Kreuzer kein Schwenk⸗Platz mehr für einen, der nir⸗ gends als im Seedienſt leben kann?“ Der Abkömmling der Königshaſſer Ludlow, wie Lord Cornbury das Geſchlecht des Commandanten der Co⸗ quette bezeichnet hatte, war eben ſo ſehr erſtaunt über den Anblick des Fragenden als über die Gleichgültigkeit, womit ein Seemann von gewöhnlichem Schlage einen Officier anzureden wagte, der einen ſo hohen Rang be⸗ kleidete. Er hatte jedoch Zeit genug, um ſich, bevor er antwortete, zu erinnern, wem er gegenüberſtand, denn der Fremdling hatte wieder das Steuerruder einwärts geſetzt und das Vorderfegel zurückwerfen laſſen, wodurch die Periagna in Stillſtand kam. Die Königin wird immer einen kühnen Seemann gern in ihren Sold nehmen, wenn er gereift iſt, mit Gewandtheit und Treue zu dienen„ ſagte er;«zu die⸗ ſem Beweiſe werfe man ein Tau nach der Periagua; wir werden unter Ihro Majeſtät Wimpeln bequemer unterhan⸗ deln. Es ſoll mich freuen, mittlerweile Alderman Van Beverout zu unterhalten und ein Kutter ſteht jeden Au⸗ genblick zu ſeinen Dienſten, ſobald er uns verlaſſen will.“» „Die landgewohnten Aldermänner da finden ihren Weg von einem königlichen Kreuzer zur Küſte beſſer als ein Seemann von zwanzigjähriger Erfahrung,„ erwie⸗ derte der andre, ohne dem Bürger Zeit zu gönnen, für das artige Auerbieten des Capitains ſeinen Dank auszu⸗ drücken.„Sie haben ohne Zweifel die Meerenge von — 58— Gibraltar paſſirt, edler Capitain, da Sie jetzt ein ſo ſchönes Boot zu befehligen haben?» «Der Dienſt führte mich mehr denn einmal in die italieniſche Meere, erwiederte Ludlow, der dieſe Ver⸗ traulichkeit gern gerügt hätte, wenn es ihm nicht ein Anliegen geweſen wäre, die Periagua in der Nähe zu behalten, weßhalb er mit dem zu zanken anſtand, der ihm offenbar das unerwartete Vergnügen verſchaffte. «Dann wißt Ihr auch, daß zwar eine Dame ein Schiff durch die Meerenge nach Oſten fächeln kann, je⸗ doch ein kräftiger Wind aus der Levante dazu gehört, um es wieder heraus zu führen. Ihro Majeſtät Wim⸗ pel ſind lang, und wenn ſie um die Glieder eines echten Seehunds her faul werden, ſo hilft alle ſeine Kunſt nichts, wieder loszukommen. Es iſt ſehr merkwürdig, daß, je beſſer der Seemann, deſto ſchwerer, den Knoten zu löſen!⸗ „Wenn die Wimpel ſo lang ſind, mögen ſie leicht weiter reichen, als Euch lieb iſt!— Aber ein kühner Volontär hat keine Preſſe zu fürchten.» „Ich beſorge, der Platz, den ich gern möchte, iſt ſchon beſetzt, erwiederte der andre, indem er die Lippen zu⸗ ſammenzog. Mach das Vorderſegel auf, Junge; wir wollen fort und vor dem Wimpel unter Wind gehen. Adieu, wackrer Capitain, wenn Ihr einen rechten wil⸗ den Hetzer braucht, wenn Ihr von ſcharfer Jagd und naſſen Segeln träumt, ſo denkt an den, der Euer Schiff am ſchläfrigen Ankerplatz beſuchte. Ludlow biß ſich in die Lippe, und obgleich ſein feines Antlitz ſich bis zu den Wangen röthete, ſo traf er doch auf de der ſo des 2 britti ſeiner dem Wind zu; genb am Bem an's Eife hab deu Pa ein ſo in die ſe Ver⸗ icht ein Nähe zu nd, der ffte. ame ein inn, je⸗ gehört, t Wim⸗ g echten e Kunſt würdig, Knoten ie leicht kühner iſt ſchon ppen zu⸗ ige; wir d gehen. zten wil⸗ tagd und er Schiff ein feines er doch — 59— auf den ſchlauen Blick Alida's, und lachte. Aber er, der ſo keck der Rache eines Mannes von dem Anſehen des Befehlshabers eines königlichen Kreuzers in einer brittiſchen Colonie getrotzt hatte, ſchien das Gefährliche ſeiner Lage zu ahnen. Die Periagua drehte ſich auf dem Topf herum und in der nächſten Minute ging ſte im Winde und ſtrich durch die ſchwachen Wellen der Küſte zu; drei Böte verließen den Kreuzer in demſelben Au⸗ genblick. Das eine, das augenſcheinlich ſeinen Capitain am Bord hatte, nahete mit der gewöhnlichen langſamen Bewegung einer Barke, die einen Officier von Rang an's Land ſetzt, aber die beiden andern eilten mit allem Eifer einer anzuſtellenden Parforce⸗Jagd vom Schiff weg. Wenn Ihr Luſt tragt, der Königin zu dienen, ſo habt Ihr Unrecht, mein Freund, einem ihrer Comman⸗ deurs unter ſeinen Kanonen zu trotzen,“» bemerkte der wie die Lage des gegenwärtigen Falls Patron alsbald, r zu ſichtlich wurde, um an den Abſichten der Mannſchaft des Kriegsſchiffs zu zweifeln. Daß Capitain Ludlow gern eins von uns aus die⸗ ſem Boot nehmen möchte, ſey es mit Güte oder mit Gewalt, das iſt ſo klar, wie ein heller Stern in heitrer Nacht, und da ich des Seemanns Pflicht gegen ſeine Oberen wohl kenne, werde ich dieſes Mitglied ſeiner Wahl uberlaſſen.» «In dieſem Fall werdet Ihr bald Ihro Majeſtät Brod eſſen,» erwiederte der Alderman kräftig. «Es iſt unſchmackhaft, ich mag es nicht— und doch kommt da ein Boot, deſſen Mannſchaft entſchloſſen ſcheint, jemanden zu einer noch ſchlechtern Koſt zu führen.» Der unbekannte Seemann hörte auf zu ſprechen, denn die Lage der Periagua war in der That etwas kritiſch geworden. Wenigſtens kam es den weniger erfahrenen Landbewohnern, welche Zeugen des nnerwarteten Schau⸗ ſpiels waren, ſo vor. Als das Fährſchiff nach der In⸗ ſel eingelenkt hatte, zog der Wind mehr durch den Paß, der mit der äußern Bai communicirt und es mußte zwei⸗ mal gewendet werden, um wieder zu dem gewöhnlichen Landungsplatz zu kommen. Das erſte dieſer Manoeuvers war geſchehen, und da es nothwendig den Lauf änderte, ſo ſahen die Paſſagiere, daß der Kutter, von dem der Fremde ſprach, vor ihnen die Küſte erreichen konnte, oder näher als ſie zu dem Kai kam, wo ſie ſelber landen mußten. Statt ſich zum Nachſetzen verleiten zu laſſen, was leicht vergeblich werden konnte, gönnte der Befehls⸗ haber des Bootes ſeinen Leuten, nach dem Ausſchiffungs⸗ punkt zu rudern. Auf der andern Seite ſetzte ein zwei⸗ ter Kutter, der in die Linie des Laufes der Periagua gekommen war, die Ruder bei und erwartete ihr Na⸗ hen. Der unbekannte Seemann bezeigte kein Verlan⸗ gen, das Zuſammentreffen zu vermeiden. Er hielt noch immer das Steuerruder und befehligte das Schiff mit ſo viel Feſtigkeit, als ob er ein Recht dazu hätte. Die Kühnheit und Entſchiedenheit ſeines Weſens und Beneh⸗ mens, verbunden mit der gewandten Führung des Boo⸗ tes, hätte allein dieſe momentane Gewaltübung gutge⸗ heißen, wäre nicht ſchon die allgemeine Stimmung gegen die Preſſe zu ſeinen Gunſten geweſen. «Bei des Teufels Klauen,„ murrte der Schiffmann, «wenn Ihr das Milchmädchen weiter führt, verlieren wir zu ſoldate Segelr D geſchick höflich H Kutten horche auseit die † gegen dem hen, ſich n ſich i Hand müht dami ten, 40 einer Vor 2 n, denn kritiſch ahrenen Schau⸗ der In⸗ in Paß, te zwei⸗ hnlichen oeuvers änderte, dem der konnte, rlanden tlaſſen, Befehls⸗ diffungs⸗ in zwei⸗ deriagua ihr Na⸗ Verlan⸗ elt noch hiff mit e. Die Beneh⸗ es Boo⸗ gutge⸗ ig gegen iffmann, erlieren — 61— wir zu viel an der Entfernung, doch denk' ich, die See⸗ ſoldaten ſollen ſich in Acht nehmen, ſie mit fliegenden Segeln wegzufangen! „Die Königin hat durch den Herrn eine Botſchaft geſchickt,» fing der Seemann wieder an;«es wäre un⸗ höflich, ſie nicht anzuhören.“ «Halt an, Periagua!“ ſchrie der junge Offieier im Kutter.„Im Namen Ihrer Majeſtät befehle ich, zu ge⸗ horchen.» Gott ſegne die königliche Frau!» verſetzte der mit den verdächtigen Ankern und dem ſchönen Shawl, wäh⸗ rend das hurtige Fährſchiff eiligſt fort ſteuerte. Wir ſchulden ihr den gehörigen Reſpekt und freuen uns, einen ſo feinen Herrn von ihrer Seite kommen zu ſehen. Unterdeſſen waren die Böte nur noch funfzig Fuß auseinander. Kaum zeigte ſich die Gelegenheit, ſo flog die Periagua herum und begann aufs Neue ihren Lauf gegen die Küſte zu. Es mußte jedoch eine Ruderlänge dem Kutter genaht werden, oder ſie durften weiter ge⸗ hen, wozu aber der, welcher ihre Bewegungen leitete, ſich nicht verſtehen zu wollen ſchien. Der Officier erhob ſich und wie die Periagua näher kam, ſah man, daß ſeine Hand eine Piſtole hielt, die er jedoch zu verbergen be⸗ müht war. Der fremde Seemann trat auf die Seite, damit alle Zuſammenſtehende unterſchieden werden konn⸗ ten, und bemerkte ſarkaſtiſch— Nehmt Enern Gegenſtand auf's Korn, Herr; bei einer ſolchen Parthie mag der Mann von Bildung den Vorzug haben.» Der junge Mann erröthete, eben ſo ſehr aus Schaam als aus Arger über das Fehlſchlagen deſſelben. Doch ge⸗ wann er die Faſſung wieder und zog vor der belle Bar- béerie den Hut, während die Periagua im Triumph vor⸗ beizog. Indeſſen war der Haupt⸗Kutter der Küſte ge⸗ naht, wo er bald ankam, indem die Mannſchaft am Ende des Kai's die Ruder beiſetzte und augenſcheinlich die An⸗ kunft des Fährbootes erwartete. Bei dieſem Anblick ſchüttelte der Schiffmann den Kopf und blickte ſeinem Paſſagier ins Geſicht, als ob er ſagen wollte, er ſetze wenig Vertrauen auf den Ausgang der Sache. Aber der ſchlanke Matroſe behielt ſeine Ruhe und begann lu⸗ ſtige Bemerkungen über die Seeleute, denen er mit ſo viel Keckheit getrotzt hatte und denen entrinnen zu kön⸗ nen, ihm Niemand verbürgen wollte. Durch die bis⸗ herigen Manoeuvers hatte die Periagua eine Richtung vom Kai ab bekommen und nun ſteuerte ſie grade in den Wind nach der Küſte. Gegen die Folgen dieſer Hart⸗ näckigkeit jedoch ſah ſich der Schiffmann zu proteſtiren genöthigt. «Schiffbruch und Felſengründe!“ ſchrie der geängſtete Fährmann.«Eine holländer Galliote ſelber ginge in Stücke, wenn Ihr ſie zwiſchen die Stufen da jagtet, mit vollem Winde! Kein ehrlicher Bootsmann freilich wird ſich freuen, wenn einen ein Kreuzer in die Klemme kriegt, wie einen Dieb im Loch, aber muß das Milchmäd⸗ chen das Naſenbein zerbrechen, dann iſt's doch zu viel vom Beſitzer verlangt, ſtill zuſehen zu ſollen.» Nicht ein Faſerchen ihres ſchönen Geſichts ſoll ihr verletzt werden,» antwortete der kalte Paſſagier. Her⸗ über den unwürdigen Auftrag, den er übernommen hatte, unter n an den dirn mi einen ſt ſern G ſel hät von ei worden Un riagua Entfer ℳ8 Sterb diſcher ſo ſtü Leiche endet tödten dauli Galg Feuer Sell Klip hatte, ch ge⸗ Bar- ) vor⸗ te ge⸗ Ende e An⸗ Inblick einem r ſetze Aber an lu⸗ mnit ſo kön⸗ 2 bis⸗ chtung in den Hart⸗ eſtiren ngſtete nge in jagtet, freilich lemme chmäd⸗ zu viel ll ihr Her⸗ — 63— unter nun mit den Segeln, wir fahren zur Küſte, dort an den Kai. Es wär' eine Schmach, die flotte Milch⸗ dirn mit ſo wenig Anſtand zu behandeln, nachdem ſie einen ſo netten Fuß und ſo behende Bewegungen zu un⸗ ſern Gunſten gezeigt. Die beſte Tänzerin auf der In⸗ ſel hätte ihre Rolle nicht ſo gut geſpielt und wäre ihr von einer dreiſaitigen Fiedel noch ſo luſtig aufgeſpielt worden.» Unterdeſſen waren die Segel eingezogen und die Pe⸗ riagua glitt zum Landungsplatz hin, immer noch in der Entfernung von einigen und funfzig Fuß von der Küſte. «Jedes Schiff hat ſeine gemeſſene Zeit, wie ein Sterblicher,“ fuhr der räthſelhafte Matroſe mit dem in⸗ diſchen Shawl fort.«Soll es einen jähen Tod finden, ſo ſtürzt es mit Baum und Schwanz ins Grab, ohne Leichengepränge und Pfarrersſegen; an der Waſſerſucht endet das lecke Schiff; als Gicht und Rheumatismen tödten es, gebrochne Wand und riſſige Fugen; Unver⸗ daulichkeit iſt geſchobene Ladung mit treibendem Geſchütz; Galgen iſt Bodmerei⸗Haft mit Advocaten Gebühren; Feuer, Erſäufen, Tod aus frommer Melancholie und Selbſtmord, ſind ein ſorglofer Stückmeiſter, lauernde Klippen, falſche Leuchten, und ein fauler Capitain.“ 4 Ehe ſich Jemand ſeiner Abſicht verſah, ſprang das ſonderbare Weſen aus dem Boot auf die Spitze einer kleinen Klippe, über welches die Wellen hinleckten; von da ſchwang er ſich von Stein zu Stein, mit kräftigen Sprüngen, bis er glücklich das Land erreichte. Die nächſte Minute brachte ihn aus ihrem Geſichtskreis, in⸗ dem er zwiſchen den Häuſern des Weilers verſchwand. — 34— Die Ankunft der Periagua am Kai gleich darauf, der Arger der Mannſchaft des Kutters und die Rückkehr beider zur Jagd abgeſandten Böte zu ihrem Schiff, wa⸗ ren Dinge, die nun erfolgten. Fuͤnftes Kapitel. Oliv.„Schrieb' er dieſes!““ Clo.„Ja, Madam.“ Was Ihr wollt. — Wenn wir ſagen, daß Alida de Barberie keinen Blick zurückwarf, als die Geſellſchaft den Kai verließ, nur um zu ſehen, ob das Boot, das den Commandanten des Kreuzers an Bord hatte, dem Beiſpiel der Andern ge⸗ folgt ſey: ſo deuten wir an, daß dieſe Jungfrau wohl minder dem Einfluß der Koketterie unterworfen ſchien, als es die Wahrheit rechtfertigen wird. Zum großen Mißvergnügen des Alderman fuhr— von welcher Art nun auch die Empfindung ſeiner Nichte geweſen ſeyn mochte— jene Barke dem Ufer zu, auf eine Weiſe, die genugſam andentete, daß dem jungen Seehelden der Er⸗ folg ſeiner Jagd nicht ſehr am Herzen lag. Die Jahrer Bäum tation Weilen dieſe 8 geübte ohne ſey de denn tigkeit wirrte ſehr, rinth 85 er zu der T hatte an ei Seel Ruſt verſie roſig je a berei arauf, ickkehr ff, wa⸗ ollt. Blick zur um en des ern ge⸗ u wohl ſchien, großen er Art n ſeyn iſe, die der Er⸗ — 65— Die Anhöhen von Staten⸗Island waren vor hundert Jahren noch mehr als gegenwärtig mit verkrüppelten Bäumen beſetzt. Pfade führten zu dieſer magern Vege⸗ tation in verſchiedenen Richtungen hinauf, und da der Weiler auf Quarantaine⸗Grund der Punkt war, wo dieſe Fußſteige auseinander gingen, ſo erforderte es einen geübten Führer, ſich durch ihre Windungen zu finden, ohne Zeit und Nähe zu opfern. Es ſchien jedoch, als ſey der würdige Bürger dieſem Geſchäft ganz gewachſen, denn er bewegte ſich jetzt mit mehr als gewöhnlicher Leich⸗ tigkeit, führte ſeine Gefährten in den Wald und ver⸗ wirrte durch öfteres Andern des Laufs ihren Ortsſinn ſo ſehr, daß ſich ſchwerlich eins von ihnen aus dem Laby⸗ rinth wieder herausgefunden hätte. „Wolken und ſchattige Lauben!» rief Myndert, wie er zu ſeiner eignen Zufriedenheit dieſes Entweichen aus der Verfolgung, die er dadurch vereiteln wollte, beendigt hatte; ckleine Eichen und grüne Tannen ſind erquicklich an einem Morgen im Juni. Ihr ſollt Gebirgsluft und Seelüftchen haben, Patron, um den Appetit auf Luſt in Ruſt zu ſchärfen. Wenn Alida reden will, kann ſie es verſichern, daß ein Mundvoll dieſes Elixirs beſſer iſt für roſige Wangen, als alles Gebräu und Waſchwaſſer, das je ausgedacht worden, um den Männern Herzweh zu bereiten.» 4 «Wenn ſich der Ort ſo ſehr verändert hat, wie der Weg, der hinauf führt„ verſetzte die belle Barbérie, indeß ihr ſchwarzes Auge vergeblich die Richtung der verlaſſenen Bai ſuchte, ſo möchte ich kaum eine Mei⸗ 58— 60, 5 — 66— nung auszuſprechen wagen, da ich völlige Unwiſſenheit bekennen müßte. Ach, die Weiber ſind doch aus Eitelkeit zuſammen⸗ geſetzt! Sehen und geſehen werden, iſt das Glück des Geſchlechts. Wenn uns auch hier in dieſem Wald tau⸗ ſendmal wohler iſt, als am Ufer hin, ſo verlieren doch die Seemeven und Schnepfen den Vortheil unſerer Ge⸗ ſellſchaft! Salziges Waſſer, und alles was darauf lebt, muß ein weiſer Mann meiden, Herr Van Staats, außer wenn beide dazu dienen, Fracht zu ringern und ſchwung⸗ haften Handel zu geben. Du wirſt mir für dieſe Sorge noch danken, Nichtchen hold, wenn du den Hof erreichſt, kühl wie ein Ballen Pelze, worin keine Motten, und friſch blühend wie eine holländiſche Tulpe, die bethaut iſt. «Um der letztern zu gleichen, mag man ſich wohl be⸗ ſcheiden, blinde Kuh geführt zu werden, beſter Onkel. François, fais moi le plaisir de porter ce petit livre; malgré la fraicheur de la forèt, j'ai besoin de m'évanter.» Der Lakai nahm das Buch, mit einem Eifer, der die langſamere Höflichkeit des Patrons aus dem Felde ſchlug, und als er aus dem unruhigen Auge und der höher gerötheten Wange ſeiner jungen Herrin ſchloß, daß ſie mehr durch innere als durch äußere Hitze bedrängt ſey, flüſterte er theilnehmend— 3 Que ma chère Mademoiselle Alide ne se fùche pas! Elle ne manquerait jamais d'admirateurs, dans un desert. Ahl si Mam'selle irait voir la patrie de ses ancétres!— Merci bien, mon cher; gardez les feuilles, for- tement fermées. II y a. des papiers, entr'elles.⸗ ſeine lichen kernh vorau habe Leben Rath land, welch natü boren Fran Herr Ihn Sch⸗ ſſenheit ammen⸗ ück des ld tau⸗ en doch er Ge⸗ uf lebt, „außer chwung⸗ Sorge rreichſt, nd friſch iſt. vohl be⸗ Onkel. t livre; ranter.» er, der a Felde und der oß, daß dedrängt 2 fdüche 8, dans atrie de es8, for- 68.» — 67— Monsieur François,» ſagte der Alderman, indem er ſeine Nichte mit wenig Ceremonie von ihrem faſt väter⸗ lichen Begleiter durch Dazwiſchenſchieben ſeiner eignen kernhaften Perſon trennte und die Geſellſchaft bewog, vorauszugehen,«ein Wort zu ihm im Vertrauen. Ich habe im Laufe eines emſigen und wie ich hoffe ergiebigen Lebens die Wichtigkeit eines treuen Dieners als ehrlichen Rathgebers kennen gelernt. Nächſt Holland und Eng⸗ land, den großen Handelsnationen, und den Indien, welche für dieſe Colonieen nothwendig ſind, und einer natürlichen Vorliebe für den Erdſtrich, auf dem ich ge⸗ boren bin, habe ich immer die Meinung gehegt, daß Frankreich eine recht gute Sorte Land iſt. Ich glaube, Herr Francois, ein Widerwillen gegen das Meer hat Ihn allein abgehalten, dorthin zurückzukehren, ſeit mein Schwager ſeliger geſtorben iſt.» „Mit Gefall' an Mam'ſell Alide, Monsieur, avec votre permission.» «Seine Anhänglichkeit an meine Nichte, ehrlicher Francois, zieht Niemand in Zweifel. Sie iſt ſo ſicher wie die Zahlung einer guten Tratte, von Crommeline, Van Stopper und Van Gelt zu Amſterdam. O, alter Diener! ſie iſt friſch wie eine Roſe, und iſt ein Mädchen von herrlichen Eigenſchaften! S' iſt ein Jammer nur, daß ſie ein bischen ſtarrſinnig iſt, ein Fehler, den ſie ſonder Zweifel von ihren normanniſchen Ahnen hat, da alle von meiner Familie ſich ſtets dadurch auszeichneten, daß ſie der Vernunft Gehör gaben. Die Normannen waren eine eigenſinnige Race, das beweiſt die Belage⸗ 5** — 68— rung von Rochelle, durch welchen Bock die liegenden Gü⸗ ter der Stadt viel an Werth verloren haben mögen!» «Mille excuses, Monsieur Biber:——; ſchöner dann Roſen und nit opinitre du tout. Mon dieu! pour sa qualité, c'est une famille tres ancienne. «Das war eine ſchwache Seite meines Bruders Bar⸗ berie, und am Ende, verbeſſerte es die Summe ſeiner Erbſchafts⸗Maſſe doch nicht um eine Ziffer. Das beſte Blut, Herr Francois, iſt das, welches am maſtigſten ge⸗ worden iſt. Der Stammbaum ſelbſt der Hugo Capete wäre ohne den Fleiſcher nichts, und die Fleiſcher würden nichts nützen, wenn es keine Kunden gäbe, die bezahlen können. Francois du biſt ein Mann, der den Werth ei⸗ nes feſten Fußes in der Welt richtig zu ſchätzen weiß; wäre es nicht ewig Schade, daß ſo ein Mädchen wie Alida ſich an einen wegwerfen ſollte, deſſen beſter Fuß auf der Welt ein wackelndes Schiff iſt 25 «Certainement, Monsieur, Mam'sell ſin' ſu gut, ſu wackeln in die Schiff.» «Gezwungen, einem Mann überall hin zu folgen: un⸗ ter die Spitzbuben und Galgenſtricke vom Commerz und eignem Gewerb; bei Unwettern und Sonnenſchein; in der Kälte, in der Hitze; im Naſſen, im Trocknen, in Grundſuppe und Salzwaſſer, mit Krämpfen und Erbre⸗ chen; Salzjunke und keine Junke, Stürme und Wind⸗ ſtillen, und alles das für eine übereilte Entſcheidung in feuriger Jugend. Das Geſicht des Dieners war allen Aufzählungen ge⸗ folgt, die der Alderman von den übeln eines unüberleg⸗ ten Schrittes ſeiner Nichte machte; es geſchah ſo ma⸗ in Gü⸗ ſen!o ſchöner dien! 6. 3 Bar⸗ ſeiner 3 beſte ten ge⸗ Capete vürden zahlen rth ei⸗ weiß; n wie r Fuß zut, ſu n: un⸗ rz und in; in n, in Erbre⸗ Wind⸗ ing in gen ge⸗ berleg⸗ o ma⸗ — 69— leriſch, als ob jede Muskel ein Spiegel geweſen wäre, der die Qualen eines an der Seekrankheit Leidenden wiedergeben müſſe. Parbleu, c'est horrible cette mer! ſeufzte er, als der Andere zu Ende war.«Sie is groſſer Malheur; die Waſſer müßten ſeyn nur ſu drink, un for die pro- preté, benebs die fosse, ſu alten die Karp' rund um die Schloß. Mais, Mam'sell ſin nit überheilte Entſchei⸗ dung, un ſollen aben mari uf terre solide.» «Es wäre ſicher beſſer, mein kluger Francois, man behielte das Vermögen meines Schwagers immer vor Augen, als daß es auf der hohen See triebe.» „Der waren Seeleut' dans la famille de Barbérie niemalen.» «Scheine und Bilanzen! wenn die Sparbüchſe eines, den ich nennen kann, mäßiger Francois, in klingender Münze dazu käme, machte die Summe ein gewöhnliches Schiff ſinken. Er weiß, daß meine Abſicht iſt, Alida zu bedenken, wenn ich meine Rechnung mit der Erde ſchließe.» Wann Monsieur de Barbérie noch leben, Monſieur Alderman, ſie würden ſaken choses convenables; mais, malheureusement, mon cher maitre est mort, un, mein Err, ick ſeyn ſtolz ſu dank pour lui et pour toute sa famille.» Die Weiber ſind verdreht, und manchmal haben ſie eine Freude dran, grade die Dinge zu thun, die ſie nicht thun ſollen.» —a foi, oui! „Geſcheute Maͤnner ſollten ſte zu behandeln verſtehen, — 70— mit ſanften Worten und reichen Geſchenken; damit wer⸗ den ſie ſo lenkſam wie ein Geſpann tüchtiger Wallachen. «Monſteur wiß,» ſagte der alte Diener, indem er ſich die Hände rieb und mit der unterdrückten Miene ei⸗ nes wohlgezogenen Bedienten lachte, obwohl er einen ſpaßhaften Zug nicht unterdrücken konnte; pourtant il est gargon! Le cadeau ſin gut for die Mamſell, un beſſehr als for de dames.» «Eheſtand und Blinzer! das müſſen wir gassons, wie Ihr uns nennt, beſſer wiſſen; die hennenumgakelten Ehemänner haben nicht die Zeit, allgemeine Betrachtun⸗ gen unter dem Geſchlecht anzuſtellen, um den rechten Werth des Artikels zu taxiren. Da iſt nun Van Staats von Kinderhook, treuer Francois; was denkt Er von ſo einem jungen Herrn zum Mann für Alida?⸗ Pourtant, Mam'selle gefallen die vivacité; Mon- sieur le Patron ſin niemalen ſu vif. 8 «Ei deſto beſſer— ſt! ich höre Tritte. Es folgt uns Jemand— macht wohl Jagd auf uns, könnte ich in der Sprache dieſes Seevolks ſagen. Nun iſt aber die Gelegenheit da, dieſem Capitain Ludlow zu zeigen, wie ein Franzoſe ihn um den Finger wickeln kann auf dem platten Lande. Laure auf im Hinterhalt und führ' un⸗ ſern Seemann eine falſche Straße. Wenn er in den Nebel hineingerathen iſt, dann komm eilig zur Eiche au der freien Ausſicht. Dort warten wir auf dich.» Durch das Vertrauen geſchmeichelt und wirklich über⸗ zeugt, er fördere das Glück ſeiner Herrin, nickte der alte Diener zum Wink und Hätſcheln des Alderman und ver⸗ zögerte ſogleich den Schritt. Der erſtere eilte ſo ſchnell — Anhäu manch allen die do griffe Wert Wahr wegu bare als g der unte ihm er ei er g Zwe nun des bra bed zu fer! wie rei ſein wer⸗ hen.„ m er ne ei⸗ einen it il I, un sons, kelten chtun⸗ echten Ztaats on ſo Mon- folgt te ich der die , wie f dem r' un⸗ n den che an ) ũber⸗ er alte dd ver⸗ ſchnell — 11— er konnte, und in einer Minute war er mit denen, die ihm folgten, durch eine kurze Wendung links aus dem Geſicht. Obgleich der alte Diener treue und ſelbſt zärtliche Anhänglichkeit gegen Alida bewies, ſo hatte er doch manche Eigenſchaften eines europäiſchen Bedienten. In allen Liſten ſeines Dienſtes geübt, war er von der Schule, die da glaubt, die Civiliſation ſey durch ſchlaue Kunſt⸗ griffe bedingt und der Erfolg verliere etwas von ſeinem Werthe, wenn er durch die gewöhnliche Maſchinerie der Wahrheit und des geſunden Menſchenverſtandes in Be⸗ wegung geſetzt werde. Kein Wunder alſo, daß der dienſt⸗ bare Geiſt in die Anſichten des Aldermans, mit mehr als gewöhnlichem Behagen an dieſer Dienſterfüllung, auf der Stelle einging. Er hörte die dürren Zweige knacken unter den Fußtritten eines der ihm folgte, und damit ihm das gewünſchte Zuſammentreffen nicht entgehe, ſummte er ein franzöſiſches Lied vor ſich hin, ſo vernehmlich, daß er gewiß war, es werde das nahe Ohr erreichen. Die Zweige knackten raſcher, die Fußtritte ſchienen näher, und nun ſprang der Held des indiſchen Shawls au die Seite des erwartungsvollen Francois. Die getäuſchte Hoffnung ſchien eine gegenſeitige und brachte den Bedienten aus dem Concept aller ſeiner vor⸗ bedachten Pläne, den Commandanten der Coquette irre zu leiten. Nicht ſo der verwegene Seemann. Weit ent⸗ fernt, ſein Selbſtvertrauen zu trüben, wären ſelbſt ver⸗ wickeltere Lagen als eine von denen, die den Leſern be⸗ reits bekannt geworden ſind, nicht im Stande geweſen, ſeine Kühnheit zu zügeln. — 2— „Wie gehts, auf der Wald⸗Kreuzerei, Monſieur Breit⸗Wimpel?» ſagte er mit großer Ruhe, nachdem ſein ſcharfer Blick erſpäht hatte, daß ſie allein ſeyen. „Das iſt eine beſſere Schifffahrt, für einen Officier von deiner Waſſertiefe, als in einer Periagua in den Baien herumzulaufen. Unter welchem Längegrad mögen wir wohl ſeyn und wo verließt Ihr Eure Compagnie 25 «Mein Err, ir gehn in die Wald for die plaisir un ik gehn auf der Bai for die— parbleu, non! um ſu folgen mein jeune maitresse, gehn ik auf der Bai, und mein Err, ik wünſch, die ſo lieben der Bai und der Meer, kommen nit in der Wald, du tout.» «Gut geſagt, und recht geiſtreich geſagt;— was, und auch ein Studioſus! in einem Wald ſoll man mit ſeinen Gaben nicht karg ſeyn. Iſt es die Kunſt, einen Kapital⸗Zopf aufzubinden, die in dieſem hübſchen Buch gelehrt wird?» Wie der Seemann dieſe Frage that, nahm er ſehr vorbedächtig Francvis das Buch ab, der ſtatt über die Freiheit böſe zu ſeyn, es ihm gern und triumphirend hingab. „Nein, mein Err, es is nix for ſu binden der queue, ſonder for ſu rühr der Seel, nit der Kuns, ſu verſieh der Ruh, ſonder— vut, c'est plein de connoissance et d'esprit! Ah! Ja! Ihr kennen der Cid! le grand homme! l'homme ae genie. Wann Ihr leſen, Mon- sieur Marin, werden Ihr finden la vraie poésie! Nit dicker Buch un nit einſelen Reimen— mein Err, ir wünſchen nit ſu ſagen, was is pénible, mais es is nit einer Buch ohne Reimen; es war nit keſchrieb auf der Meer. sentim H ſeine Cid u ſein C ſchriel C ſchreil soin. on pi. ccd . geſch! ſo ſch mer es n 6 gen ha! man iſt eine anſteur ichdem ſeyen. er von Baien n wir 5 Slaisir ! um Bai, ai und was, an mit „einen Buch r ſehr ber die bhirend queue, verſieh ssance grand Mon- 1 Nit err, ir is nit auf der —— Meer. Le diable! que le vrai géenie et les nobles sentiments se trouvent dans ce livre là!n «Ha, ich ſehe, es iſt ein Loggbuch, wo jedermann ſeine Gedanken aufzeichnet. Ich überlaſſe Euch Meiſter CEid und ſeine ſchönen sentiments in den Kauf. So groß ſein Genie war, glaube ich doch nicht, daß er alles ge⸗ ſchrieben hat, was zwiſchen dieſen Blättern liegt.“ Er ſchrieben ihm nit alles! Ja, mein Err, er ſollen ſchreiben ſix mal mehr dann all, wenn la france a be- soin. Que T'envie de ces Anglais se découvre, quand on parle des beaux génies de la France!¹⸗ «Ich wollte nur ſagen, wenn der Ehrenmann alles geſchrieben hat, was in dem Buch zu finden iſt, und es ſo ſchön iſt, als Ihr einen ſchlichten Seefahrer nur im⸗ mer glauben machen wollt; daß er dann unrecht that, es nicht drucken zu laſſen.» «Drucken 25 wiederholte Francois, indem er die Au⸗ gen aufriß, ſowie das Buch in gleicher Haſt. Imprimer! ha! da is Papier vun Mam'selle Alide, assurément.» «So hebt es beſſer auf„ unterbrach ihn der See⸗ mann mit dem Shawl. Was Euern Cid betrifft, ſo iſt er mir ein nutzloſes Buch, weil er weder die Größe einer Sandbank, noch die Geſtalt einer Küſte angibt.» Mein Err, er lehren die Moral, die Fels der pas- sion un les grands mouvements de Lame! Oui, mein Err; er lehren alles, was ein Monsieur wünſch ſu wiß⸗ Tout le monde leſen ihm in la France; en province, Wann Sa Majesté le Grand Louis comme en ville. Messieurs les Hu- wären nit ſo mal avisé, ſu chasser — 41— guenots von ſein Könikreik, würden ik gehn auf Paris, ſu hör le Cid, moi-meme!» Wünſch gute Reiſe, Monſteur Zopf. Wir treffen uns vielleicht noch auf dem Weg, bis dahin, wo ich ab⸗ reiſe. Es kann einmal ein Tag kommen, wo wir uns über die wogende See hinüber unterhalten. Bis dahin guten Muth!o Adieu Monsieur,v verſetzte Francois, indem er ſich mit einem Bückling verbeugte, der ihm zu gewohnt war, als daß er ihn hätte vergeſſen können.„Wann wir nit komm ſuſamen, als in die Meer, wir nit komm ſuſamm, niemalen. Ah, ha, ha! Monsieur le Marin n'aime pas à entendre parler de la gloire de la France! Je vou- drais bien savoir lire ce fre Shak⸗e⸗ſpear, pour voir, combien l'immortel Corneille en est le supérieur. Ma foi, oui; Monsieur Pierre Corneille est vraiment un homme illustre! Der treue, eitle alte Diener verfolgte nun ſeinen Weg hinauf zu der großen Eiche bei der freien Ausſicht, denn als er zu ſchwatzen aufhörte, hatte ſich der See⸗ mann mit der modiſchen Leibbinde ſchon ins Gehölz ver⸗ loren. Stolz über die Art und Weiſe, wie er der Kühn⸗ heit des Fremdlings getrotzt hatte, noch ſtolzer über den Ruf des Schriftſtellers, deſſen Name in Frankreich lange vor ſeiner eignen Abreiſe aus Europa erklungen war, und nicht wenig getröſtet durch die Gedanken, daß er ſein Theil dazu beigetragen, die Ehre ſeines entfernten und geliebten Vaterlandes aufrecht zu halten, drückte der ehrliche Francois das Buch unterm Arm zärtlich an ſich, und eilte, zu ſeiner Herrin zu kommen. Obg umgeber wird d angenel entfern hinan, Miſen raum dern e Hook unſern die A den 2 letzter als Die über; leute führt roder Paris, treffen ich ab⸗ vir uns 3 dahin ner ſich nt war, wir nit ſuſamm, me Pas Ie vou- r voir, rieur. aiment ſeinen lusſicht, er See⸗ ölz ver⸗ r Kühn⸗ ber den ch lange en war, daß er tfernten drückte tlich an — 75— Obgleich die Lage von Staaten⸗Island und der ſie umgebenden Baien den Manhattaneſen bekannt genug iſt, wird doch eine Erklärung der Localitäten jenen Leſern angenehm ſeyn, die von dem Schauplatz der Erzählung entfernt wohnen. Es iſt bereits bemerkt worden, daß die Hauptverbin⸗ dung zwiſchen den Baien Rariton und York die Narrows genannt wird. An der Mündung dieſes Durchgangs ſteigt das Land von Staten⸗Island in einer Kuppe übers Waſſer hinan, nicht unähnlich dem mährchenreichen Vorgebirg von Miſenum. Von dieſem Höhepunkt hat das Auge einen Spiel⸗ raum nicht allein über beide Seebuchten und die Stadt, ſon⸗ dern es ſchweift auch weit über den Punkt des Sandy⸗ Hook in das hohe Meer hinaus. Hier werden noch in unſern Tagen Schiffe zuerſt in der Ferne bemerkt und die Ankunft derſelben den erwartenden Kaufleuten durch den Telegraphen mitgetheilt. In der erſtern Zeit des letzten Jahrhunderts waren ſolche Ankunften zu ſelten, als daß dieſe Einrichtung ſich hätte verlohnen ſollen. Die freie Höhe war daher wenig beſucht, außer von vor⸗ überziehenden Bewunderern der Gegend, oder von Land⸗ leuten, welche ihr Betrieb von Zeit zu Zeit hier vorbei führte. Früh ſchon war die Waldung um ſie her ausge⸗ rodet und die erwähnte Eiche war der einzige Baum, der auf einer Strecke von etwa einem Dutzend Akres gefunden wurde. Wir haben gehört, daß Alderman Van Beveront dieſe einſame Eiche als den Ort des Zuſammentreffens mit Francois bezeichnete. Dahin nahm er denn ſeinen Weg, indem er den Diener verließ, und an dieſe Stelle müſſen wir nun die Scene hinverlegen. Ein ländlicher Sitz ging um die Wurzel des Baums und dort kam die Geſellſchaft, mit Ausnahme des zurückgebliebenen Be⸗ dienten, bald zu Sitz. Eine Minnte darauf jedoch er⸗ ſchien der frohlockende Francois und erzählte das neue Zuſammentreffen mit dem Fremdling. «Ein gutes Gewiſſen, nebſt theuern Freunden und einer guten Bilanz des Hauptbuchs hält auch in dieſem Himmelsſtriche einen Mann im Januar warm ſagte der Alderman, in der Abſicht, dem Geſpräch eine andere Wendung zu geben, edoch mit den rebelliſchen Schwar⸗ zen, dem theuren Pflaſter und den Pelzdiebereien über⸗ ſteigt es menſchliche Kraft, kühl zu bleiben in der voll⸗ gepropften, ſich auffreſſenden Stadt. Du ſiehſt Patron, den weißen Fleck auf der Jenſeite der Bai.— Zephir und fächelnde Lüftchen! das iſt Luſt in Ruſt, wo der Mund ſich behaglicher öffnet bei jedem Athemzuge und wo ein Mann Raum genug hat, um den Total⸗Belauf ſeiner Gedanken in jeder von den vier und zwanzig Stunden ruhig zu überſchlagen.» «Es ſcheint, wir ſind eben ſo gut allein auf dieſer Anhöhe, noch mit dem Vortheil, eine Stadt vor uns zu haben,⸗ bemerkte Alida mit einem Nachdruck, wel⸗ cher andeutete, daß ſie mehr verſchwieg, als ſagte. „Wir ſind unter uns, lieb Nichtchen,» erwiederte der Alderman, indem er die Hände rieb, als ob er ſich heimlich Glück wünſche, daß dem ſo ſey.«Das kann nun einmal nicht geläugnet werden und eine ſaubere Ge⸗ ſellſchaft ſind wir, wiewohl das einem geſagt wird, der keine Ziffer in der Parthie macht. Beſcheidenn heit iſt wohlha ſo gut zu rede J dem N Ludlon trat, d Wunſce zu ſtel wogen hoffe.⸗ Gouv⸗ Ihre ſchiffe ner u nun, 64 1*¾ blicher m die Be⸗ ch er⸗ neue n und dieſem ſagte andere ſchwar⸗ über⸗ r voll⸗ Hatron, Zephir wo der ge und Belauf wanzig f dieſer vor uns K, wel⸗ — . viederte Her ſich as kann bere Ge⸗ zt wird, CU.S ſcheiden heit iſt eines armen Mannes Reichthum, da wir aber wohlhabend in der Welt werden, Patron, ſo kann man ſo gut die Wahrheit von ſich als von ſeinem Nachbar zu reden anfangen.“» „In dieſem Fall werden wir wenig, aber Gutes aus dem Munde des Alderman Van Beverout hören,» ſagte Ludlow, der plötzlich an dem Fuß des Baumes hervor⸗ trat, daß er dem Bürger völlig den Mund ſchloß. Mein Wunſch, Ihrer Geſellſchaft mein Schiff zur Dispoſition zu ſtellen, hat mich zu dieſem unbeſcheidnen Beſuch be⸗ wogen, wofür ich daher auch Vergebung zu erhalten hoffe.⸗ „Die Macht zu vergeben iſt eine Prärogative des Gouverneurs,» erwiederte der Alderman trocken. Wenn Ihre Majeſtät ſo wenig Beſchäftigung für ihre Kriegs⸗ ſchiffe hat, daß ihre Capitaine zum Beſten alter Mäͤn⸗ ner und junger Mädchen über ſie disponiren können,— nun, ſo iſt das Zeitalter zu preiſen und der Handel wird ja in blühender Lage ſeyn!⸗ „Wenn beide Pllichten ſich mit einander vertragen, ſo iſt dieß um ſo mehr Grund für einen Commandeur, ſich Glück zu wünſchen, daß er Vielen dienen kann. Sie gehen nach den Hochlanden von Jerſey, Herr Van Be⸗ verout 25 «Ich reiſe nach einem ſehr angenehmen und ganz pri⸗ vaten Beſitzthum, welches Luſt in Ruſt heißt, Capitain Cornelius Van Cuyler Ludlow.) Der junge Mann biß ſich in die Lippe und ſeine ge⸗ zunde doch braune Wange farbte ſich mit höherem Roth 1 8 4½ gewöhnlich, ohne daß er jedoch aus der Faſſung kam. — ₰ «Und ich gehe in See, ſagte er gleich darauf. Der Wind wird friſch und Ihr Boot, das, wie ich merke, nach den Inſeln in Bereitſchaft ſteht, wird es ſchwierig finden, gegen die Gewalt des Elements anzukämpfen. Der Anker der Coquette wird in zwanzig Minuten ge⸗ lichtet und ich werde zwei Stunden Ebbe und ein Bram⸗ ſegel⸗Lüftchen gehörig wahrnehmen: eine leider nur zu kurze Zeit für das Vergnügen, ſolche Gäſte bei ſich zu ſehen. Ich bin gewiß, die Beſorgniſſe der Belle werden meine Wünſche krönen, was ſie ſelbſt immer für Wünſche nähren möge.» «Sie ſtimmen mit denen ihres Oheims überein,» er⸗ wiederte Alida ſchnell.»Ich verſtehe ſo wenig von der Schifffahrt, daß Klugheit, nicht Verzagtheit mich lehrt, der Erfahrung älterer Köpfe zu vertrauen.» aAlter darf ich mich freilich nicht nennen, ſagte Lud⸗ low erröthend;«aber Herr Van Beverout wird es nicht anmaßend finden, wenn ich mich für eine ſo gute Quelle der Belehrung über Wind und Strömung halte, als er ſelbſt ſeyn kann.» 3 «„Sie haben den Ruf, Ihro Majeſtät Kriegsſchaluppe mit Geſchicklichkeit zu commandiren, Capitain Ludlow, und es gereicht der Colonie zur Ehre, das Vaterland eines ſo guten Officiers zu ſeyn, obſchon, wenn ich mich nicht irre, Ihr Großvater erſt bei der Reſtauration Kö⸗ nigs Carls II. in die Provinz kam 25 «Wir können uns keiner Abſtammung aus den verei⸗ nigten Provinzen rühmen, Alderman Van Beverout, wenigſtens von väterlicher Seite, aber wie auch die po⸗ litiſchen Anſichten meines Großvaters beſchaffe waren, Der merke, wierig mpfen. en ge⸗ Bram⸗ ur zu ſich zu verden zünſche 1,» er⸗ on der lehrt, te Lud⸗ s nicht Quelle als er haluppe eudlow, terland ch mich don Kö⸗ verei⸗ verout, die po⸗ waren, 5* die Geſiunung ſeines Enkels iſt nie in Zweifel gezogen worden. Laſſen Sie mich die ſchöne Alida bitten, die Beſorgniß um Rath zu fragen, von der ſie ohne Zwei⸗ fel ergriffen iſt, und ihren Onkel zu überreden, daß die Coquette ein ſichreres Fahrzeug ſeyn wird als ſeine Pe⸗ riagua.» «Man ſagt, es ſey leichter Ihr Schiff zu betreten, als es zu verlaſſen, bemerkte lachend Alida. Nach gewiſſen Symptomen zu urtheilen, die unſere Üüberfahrt nach der Inſel begleiteten, iſt ihre Coquette, gleich an⸗ deren, auf Eroberungen erpicht. Man iſt nicht ſicher unter ſo ſchädlichen Einflüſſen.“ «Dieſen böſen Namen machen uns nur unſere Feinde. Ich hatte von der belle Barbérie eine andere Antwort erwartet.“ d. Der Schluß dieſer Worte hatte einen Nachdruck, welcher der Jungfrau das Blut in den Pulſen klopfen machte. Es war ein Glück, daß keiner ihrer Gefähr⸗ ten Beobachtungsgabe genug beſaß, ſonſt hätte ſich der Argwohn einſtellen müſſen, daß ein beſſeres Einverſtänd⸗ niß zwiſchen dem jungen Seemann und der Erbin ſtatt fand, als Jene für nothwendig hielten. «Ich hatte von der belle Barbérie eine andere Ant⸗ wort erwartet,v wiederholte Ludlow, mit leiſerer Stimme, aber mit größerem Nachdruck als vorher. Es war offenbar jetzt ein Kampf in der Seele Ali⸗ da's.— Sie überwältigte jedoch die Bewegung; ehe man ihre Verwirrung bemerken konnte, wandte ſie ſich zu dem Bedienten und ſagte, mit der einem Frauenzimmer von edler Erziehung zukommenden Faſſung und Anmuth: Rends moi le livre, François.» Eie voici— ah! ma chère Mam'selle Alide, que ce Monsieur Marin se fächait à cause de la gloire et des beaux vers de notre illustre M. Pierre Cor- neille!¹ «Hier iſt ein engliſcher Seemann, der gewiß nicht die Verdienſte eines bewunderten Autors verkleinern wird, ſelbſt wenn er von einer Nation iſt, die man ge⸗ wöhnlich für feindſelig hält, Francois,„ erwiederte ſeine Herrin.«Capitain Ludlow es iſt ſchon ein Monat, daß ich Ihr Schuldner bin, indem ich Ihnen einen Band von Corneille verſprach und ihn nun erſt abliefere. Wenn Sie den Inhalt dieſes Buches geleſen, mit der Aufmerk⸗ ſamkeit, die er verdient, ſo bitte ich—„ Um eine baldie Außerung über den Werth deſ⸗ ſelben.» «Ich wollte ſagen, daß Sie mir das Buch zuruͤck⸗ geben wollen, weil es ein Vermächtniß meines Vaters iſt, erwiederte Alida unmittelbar darauf. „Vermächtniſſe und fremde Zungen!» brummte der Alderman;«die einen mögen gut ſeyn, aber was die an⸗ dern betrifft, ſo braucht auch der Weiſeſte keine andere Sprachen als Engliſch und Holländiſch zu verſtehen. Ich konnte nie in einer anderen Sprache eine Gewinn⸗ oder Verluſtrechnung verſtehen, Patron, und ſelbſt eine gute Bilanz erſcheint nur in ihrer vollen Größe, wenn in ei⸗ ner oder der andern dieſer beiden vernünftigen Sprachen abgefaßt. Capitain Ludlow, wir danken Ihnen für Ihre Höflichkeit, aber hier iſt einer meiner Leute, der mir ſagt, daß meine eigene Periagua angekommen iſt; „ 2 que loire Cor⸗ nicht inern n ge⸗ ſeine „ daß Band Wenn merk⸗ h deſ⸗ uruͤck⸗ Zaters te der die an⸗ andere . Ich ⸗ dder e gute in ei⸗ prachen en für te, der en iſt; — 91— ich wuͤnſche Ihnen nun eine glückliche und lange Kreuz⸗ fahrt, wie wir vom Leben reden, und ſage Ihnen Lebewohl.⸗ Der junge Seemann erwiederte das Abſchiednehmen der Geſellſchaft mit freierem Anſtand, als ſein Anliegen, ſte zur Annahme ſeines Schiffes zu bewegen, erwarten ließ. Er ſah ihnen ſogar, wie ſie die Anhöhe nach der äußeren Bai hinabgeſtiegen, mit vollkommner Faſſung nach, und erſt als ſie in ein Dickicht traten, das ſie ſei⸗ nen Blicken entzog, ließ er ſeinen Gefühlen freien Lauf. Jetzt nahm er das Buch aus der Taſche und durch⸗ lief die Blätter mit einer Ungeduld, die er nicht länger hatte bemeiſtern können. Es ſchien, als ob er in den Blättern mehr zu leſen hoffte, als der Autor hatte hin⸗ einſetzen laſſen; als aber ſein Auge auf ein verſiegeltes Billet traf, fiel das Vermächtniß des Herrn von Bar⸗ berie zu ſeinen Füßen, und er riß das Papier mit einer Haſt auseinander, als ſolle auf ihm das Urtheil ſeines Lebens oder Todes verzeichnet ſtehen. Erſtaunen war offenbar das erſte Gefühl des jungen Seemannes. Er las und las wieder, fuhr mit der Hand über die Stirn; ſah ſich um auf Land und Meer, durchlief wieder das Geſchriebene, unterſuchte die Adreſſe, die nur einfach«an Capitain Ludlow von Ihro Majeſtät Schiff Coquette lautete; lächelte, murmelte zwiſchen den Zähnen, ſchien ärgerlich und doch entzückt, las das Ge⸗ ſchriebene wieder Wort für Wort, und ſteckte es endlich in die Taſche, mit einer Miene, die in dem Inhalt ſo⸗ wohl Grund zur Trauer als zur Zufriedenheit muth⸗ maßen ließ. 58— 60. 6 Sechstes Kapitel. „Erſchien das Ding wohl wiederum zu Nacht?“ Hamlet. aDas Geſicht des Menſchen iſt das Loggbuch ſeiner Gedanken, und Capitain Ludlow ſcheint angenehm be⸗ wegt,» bemerkte eine Stimme nicht weit von dem Com⸗ mandanten der Coquette, während dieſer noch die Pan⸗ tomine ſpielte, die zu Ende des vorigen Kapitels beſchrie⸗ ben wurde. Wer ſpricht von Gedanken und Loggbüchern, oder wer wagt es, ſich in meine Bewegungen einzudrängen!» fragte ſtolz der junge Seemann. «Einer, der ſich mit den erſtern ſchon zu oft herum⸗ getrieben und in die letzteren zu oft gekritzelt hat, um nicht zu wiſſen, wie man einem Sturm entgegengeht, ſtehe er nun in den Wolken oder nur auf eines Menſchen Stirn geſchrieben. Was den Blick in Eure Bewegungen betrifft, Copitain Ludlow, ſo habe in meinem Leben ſchon zu vielen ſtolzen Schiffen zugeſchaut, als daß mich jeder leichte Kreuzer, der mir in den Weg kommt, ſchrek⸗ ken ſollte. Ich hoffe, Herr, Sie haben darauf eine Ant⸗ wort; denn jeder Gruß hat ein Recht auf eine hölliche Erwiederung.“ 3 icht?“ ſeiner i be⸗ Com⸗ Pan⸗ ſſchrie⸗ „oder igen!* herum⸗ t, um engeht, tenſchen ꝛgungen 1 Leben aß mich ſchrek⸗ ne Ant⸗ höfliche — 83— Ludlow traute kaum ſeinen Sinnen, als er ſich nach dem unbeſcheidenen Frager umſah und dem kühnen Blick und der ruhigen Miene des Matroſen begegnete, der an dieſem Morgen ſchon einmal ſeinem Unwillen getrotzt hatte. Der junge Mann bezwang dieſes Gefühl jedoch und ſuchte ſich der Kälte gleichzuſtellen, die ungeachtet des geringeren Standes des Anderen, ſeinen Mienen et⸗ was Imponirendes, wenn nicht Befehlendes gab. Viel⸗ leicht half die Sonderbarkeit des Abenteuers bei einer Lage, in die der erſtere ſich ſchwer fand, da er ſo viele Ehrerbietung von den meiſten, die aus der See ihre Hei⸗ math machen, zu empfangen gewohnt war. Er unter⸗ drückte den Unwillen und antwortete ſo: «Wer ſeinen Feinden mit Muth entgegentritt, kann kühn genannt werden, wer aber auf die Nachſicht ſeiner Freunde zu ſündigen wagt, iſt tollkühn.» «Und wer beides nicht thut, iſt weiſer als beide,» verſetzte der furchtloſe Held der Schaͤrpe. Capitain Lud⸗ low, wir ſind jetzt einander gleich und das Geſpräch kann daher mit einiger Freiheit gefuͤhrt werden.“» «Gleichheit iſt ein Wort, das ſich übel ſchickt für Männer von ſo verſchiedenem Stande.» «Von unſerm Stand und Dienſt brauchen wir jetzt nicht zu ſprechen. Ich hoffe, wenn die rechte Zeit kommt, daß wir beide die erſten beim Angriffe und die letzten im Kampfe ſind. Aber Capitain Ludlow mit den vollen La⸗ gen der Coquette und den Kriegsſalven ſeiner Matroſen iſt nicht Capitain Ludlow allein, auf einer Seeausſicht, mit einer Krücke, die nicht beſſer iſt als ſein Arm, und mit einem ſtolzen Sinn gewaffnet. Als erſterer gleicht 6 — 834— er dem Maſt mit guten Stangen und Tauen, rer dem Maſt, der ſich dur ſeines Holzes aufrecht hält. Mannes, der allein ſtehen kann ſtärker geht als jetzt, wenn man au Segeln jenes als letzte⸗ ch die Güte und Feſtigkeit Ihr habt das Anſehn eines , ſelbſt wenn der Wind s den geſchwollenen Bootes in der Bai auf die Stärke des jetzigen Windes ſchließen darf.» Boot ſpürt warlich den Wind!» ſagte Lud⸗ low, indem er ſchnell alle Aufmerkſamkeit auf die Pe⸗ riagua richtete, die Alida und ihre Freunde trug und jetzt gerade unter der umfaſſenden Deckung der Kuppe in die Breite der Rariton Bai hervorſchoß.«Was haltet Ihr vom Wetter, Freund? Ein Mann von Euern Jah⸗ ven wird davon mit Kenutniß urtheilen.“» „Weiber und Winde werden nur erforſcht, wenn ſie in beſter Bewegung ſind,“ erwiederte Der mit der Schärpe; anun würde aber jeder Sterbliche, der Ruhe lieb hat, die Ueberfahrt in Ihrer Majeſtät Schiff Coquette der in jener tanzenden Periagua vorgezogen haben, und doch ſagt uns die flatternde Seide, die wir in dem Boot ge⸗ wahr werden, daß dort Jemand fährt, der anders dachte.» «Ihr ſeyd ein Mann von ſonderbarer Wiſſenſchaft,» rief Ludlow, indem er wieder den Unbeſcheidenen ins Auge faßte,« und von ſonderbarer— «Unverſchämtheit,» ergänzte der andere, als er den Capitain zögern hörte.«Der graduirte Mann der Kö⸗ nigin rede frei; ich bin nicht mehr, als der Matroſe im Jenes Maſtkorb oder höchſtens der Schiemann.» «Ich wollte nichts Schlimmes ſagen, Euer Wiſſen um mein Anerbieten, aber ich finde die Dame und ihre Bef hat, einer gel 6 Uuv⸗ Sch und mit darü vom einm denk in ſie ärpe; hat, e der d doch ot ge⸗ achte.» haft,» s Auge er den er Kö⸗ roſe im ch finde nd ihre — 85— Freunde nach dem Landſitz des Alderman Van Beverout zu bringen, etwas wunderbar.» «Aber ich finde nichts Wunderbares in Eurem Aner⸗ bicten, die Dame irgendwohin zu bringen, obgleich die Liberalität ihrer Freunde keine Sache von ſo leichter Er⸗ klärung iſt. Wenn junge Männer von der Leber weg reden, ſprechen ſie nicht flüſternd.» «Dieſes würde ſo viel heißen, als Ihr behorchtet un⸗ ſer Geſpräch. Ich glaube es, denn dort iſt ein Schirm, der Euch deckte. Es mag ſeyn, daß Ihr ſo gute Ohren als Augen habt.» «Ich geſtehe, Euer Geſicht geſehen zu haben, wie es beim Leſen eines Billets wechſelte, gleich einem Par⸗ lamentsgliede, das bei dem Signal des Miniſters ein neues Blatt in ſeinem Gewiſſen umſchlägt.» «Den Inhalt des Billets konntet Ihr nicht erfahren!“ «Den Inhalt des Billets hielt ich für einen geheimen Befehl einer Dame, die ſelbſt zu viel von einer Coquette hat, als daß ſie Euer Anerbieten annehmen konnte, in einem Schiff, das denſelben Beinamen trägt, unter Se⸗ gel zu gehn.» «Beim Himmel, der Kerl hat in ſeiner unbegreiflichen Uuverſchämtheit Recht,» murmelte Ludlow, indem er im Schatten des Baumes auf und ab ging.„Die Sprache und die Handlungen des Mäͤdchens ſind in Widerſpruch mit einander, und ich bin ein Thor, daß ich mich darüber beunruhige, wie ein Schiffscadett, der ſich erſt vom Schürzenband der Mutter losgeriſſen hat. Hört einmal, Meiſter— e— e, Ihr habt doch einen Namen, denke ich, wie jeder andre Vagabund auf dem Ocean.» — 86— 9 ja. Wenn der Zuruf lant genug iſt, um gehört zu werden, antworte ich auf den Namen Thomas Tiller.» «Nun denn, Meiſter Tiller, ſo ein tüchtiger Ma⸗ troſe wie ihr ſollte mit Freuden in Dienſte der Königin treten.» «Wäre es nicht um Pflichten gegen einen, deſſen An⸗ ſprüche von früher datiren, ſo könnte nichts angenehmer ſeyn, als einer Dame im Unglück die helfende Hand zu bieten.»— «Und wer iſt der, welcher Anſprüche auf Eure Dienſte hat, die mit der Majeſtät dieſer Reiche in Bewerbung treten,» fragte Ludlow mit etwas von jener Anmaßung, die ſich in dem Benehmen von Leuten kundgiebt, welche dem Königsthum mit Eifer zu dienen gewohnt ſind, wenn ſie von ihren Privilegien reden.“ «Ich ſelbſt. Wenn unſre Geſchäfte uns denſelben Weg führen, ſo kann niemand mehr bereit ſeyn als ich, Ihrer Majeſtät zu Dienſten zu ſeyn, doch—» „Dieß geht zu weit, mit ernſten Dingen Scherz zu treiben,» unterbrach ihn Ludlow,« Ihr wißt doch, Bur⸗ ſche, daß ich das Recht habe, über Eure Dienſte zu ver⸗ fügen, ohne über dieſelben zu accordiren; die vielleicht, trotz Eurer modiſchen Erſcheinung, die Mühe gar nicht einmal werth ſind.» „Braucht zwiſchen uns beiden, Capitain Ludlow, gar nicht zum Außerſten zu kommen,» knüpfte der Fremde wieder an, der einen Augenblick nachzudenken ſchien. « Wenn ich Eurer Verfolgung entronnen bin, ſo geſchah es vielleicht nur, um mir das ungeſchmälerte Verdienſt zu bereiten, frei auf Euer Schiff zu gehen. Wir ſind oͤrt 7.) Na⸗ gin An⸗ mer zu enſte bung ung, helche ſind, elben ich, rz zu Bur⸗ u ver⸗ Ueeicht, nicht w, gar Fremde ſchien. geſchah erdienſt zir ſind — 83— hier allein und Ew. Gnaden werden es nicht für ruhm⸗ redig auslegen, wenn ich ſage, daß ein Mann, wohlge⸗ ſtaltet und thätig, der ſechs Fuß zwiſchen Brett und Deck ſteht, nicht leicht wider ſeinen Willen am Schlepp⸗ tau geführt wird, wie ein Boot an dem Hintertheil ei⸗ nes Vierundvierzigers. Ich bin ein Seemann, Herr; und obgleich der Ocean meine Heimath iſt, ſo wage ich mich doch nie ohne ſichern Fuß auf ihn. Blickt Euch um von der Höhe, und ſagt mir, ob Ihr außer dem Kreu⸗ zer der Königin ein Schiff ſehet, das den Geſchmack ei⸗ nes Matroſen von weiten Reiſen befriedigen könnte.» «Ihr gebet mir damit zu verſtehen, daß Ihr hierher gekommen ſeyd, um Dienſte zu ſuchen?5 Nichts weniger; und wenn auch die Meinung eines Hanns vom Vordermaſte von geringem Werth ſeyn mag, ſo wird es auch kein Mißverguügen machen, zu hören, daß ich mich noch weiter umſehen könnte, ohne ein net⸗ teres Meeresboot oder ein ſchnelleres zu finden, als das, welches unter Euern eigenen Befehlen ſegelt. Ein See⸗ mann von Eurem Stande, Capitain Ludlow, braucht nicht erſt jetzt zu lernen, daß ein Mann verſchieden ſpricht, wenn ſein Name ſein eigen iſt und wenn er ihn der Krone gegeben, und daher denke ich auch, man wird ſich meiner jetzigen Freiheit nicht lange erinnern.» «Ich habe, mein Freund, Leute von Eurem Humor ſchon getroffen, und ich brauche nicht erſt jetzt zu lernen, daß der ächte Matroſe von einem Kriegsſchiff eben ſo un⸗ verſchämt an der Küſte, als gehorfam auf der See iſt— was iſt das da draußen, ein Segel oder die Schwinge eines Seevogels, die im Sonnenſtrahl ſchimmert?» — 88— Vielleicht beides,» bemerkte der kühne Matroſe, indem er das Auge geruhig nach dem offenen Meere wandte, edenn wir haben einen ſchönen freien Blick hin⸗ aus auf dieſer windigen Kuppe. Hier ſind Mewen, die über's Waſſer jagen und ihre Federn im Sonnenglanz bewegen.» Seht mehr ſeewärts hinaus. Dieſer Punct dort von blendendem Weiß könnte wohl die Leinwand eines Schiffes ſeyn, das in der Entfernung ſich umhertreibt!⸗ Nichts iſt wahrſcheinlicher, bei ſo leichtem Lüftchen. Ihr Küſtenfahrer ſeyd drin und draus, wie Waſſerrat⸗ ten auf einem Kai, jede der vierundzwanzig Stunden— mir aber ſcheint es der Kamm einer Brandung.» «Eine ſchneeweiße Ente, wie die hurtigen Seerãuber ſte auf den luftigeren Stangen haben.» cEine Ente, die davon geflogen iſt,» verſetzte der Fremde trocken,«denn ſie iſt verſchwunden. Dieſe Haſt⸗ du⸗nicht⸗geſehen, Capitain Ludlow, machen uns Matro⸗ ſen manche ſchlafloſe Nächte und vergebliche Jagden. Ich ſchiffte einſt die Küſte Italiens entlang, zwiſchen der In⸗ ſel Corſika und dem Feſtlande, als eins dieſer Trugbil⸗ der die Mannſchaft beherte, auf eine Art, daß ich ſeit⸗ dem auf Augen wenig Vertrauen ſetze, wenn ſle nicht einen klaren Horizont und einen kühlen Kopf hinter ſich haben.» „Ich höre gern das Nähere,“» ſagte Ludlow, indem er den ſtarren Blick von dem Ocean abwandte, als zweifle er nicht, daß ſeine Sinne ſich getäuſcht hätten. „Was war das für ein Wunderding in den italiſchen Meeren.„ K nen wörtl aufgel Hund oſtwã und Corſi einige den 8 Küſte hinge die 2 Acht eine Mew lagen die o Mäde Liebſt obere weſtli ſcharf erſten 6 trotz zeigte 6 ſten, — 89— «Ein wahres Wunderding, wie Ew. Gnaden beken nen werden, wenn ich Euch die Mähr leſe, faſt ganz wörtlich, wie ich ſie aus dem Munde aller Anweſenden aufgeloggt habe. Es war die letzte Stunde der zweiten Hundswache, am Oſterſonntag, mit dem Winde Südoſt, oſtwärts. Ein leichtes Lüftchen ſchwellte das obere Segel und machte uns Meiſter des Schiffs. Die Berge von Corſika, nebſt Monte Chriſto und Elba waren alle ſeit einigen Stunden hinuntergeſunken, und wir waren an den Rahen, wegen einer Recognoscirung der römiſchen Küſte. Eine niedere dicke Nebelbank lag auf dem Meere hingeſtreckt, zwiſchen dem Ufer und uns, die wir alle fuͤr die Dünſte des Landes hielten und darauf weiter nicht Acht hatten. Niemand wollte da hinein, denn das iſt eine Küſte, wo böſe Dünſte aufſteigen und wohin die Mewen und Landvögel nicht fliegen wollen. Nun, da lagen wir denn, das Hauptſegel in den Schlagleinen, die oberſten Segel ſtießen au die Maſtſpitzen, wie ein Mädchen, das ſich mit dem Fächer kühlt, wenn ſie ihren Liebſten ſieht, und nichts im vollen Bogen, außer die obere Ente, und die Sonne tief unterm Waſſer im weſtlichen Bord. Ich war damals jung und hatte ein ſcharfes Auge, behende Füße, und war darum einer der erſten, der es ſahl!“ «Nun was ſaht Ihr 2»— ſagte Ludlow, der jetzt, trotz ſeiner angenommenen Gleichgültigkeit, Intereſſe zeigte. «Nun, da war grade über der Bank von böſen Dün⸗ ſten, die immer an dieſer Küſte lagert, ein Gegenſtand, der ſich wie Rippen von ſtrahlendem Licht ausnahm, als ob tauſend Sterne ihre Stellen am Himmel verlaſſen hätten, um uns mit übernatürlichen Leuchten vor dem Land zu warnen. Das Geſicht war an ſich ganz ohne Gleichen und ſtaunenswerth. Wie die Nacht tiefer wurde, wuchs ſein Glanz und ſein Glühen, als wär' es im Ernſt gemeint, uns von der Küſte abzuhalten. Aber wie man ſich daran machte, die Fernröhren zu gebrauchen, wurde man ein glitzerndes Kreuz in der Höhe gewahr, weit über den Stangen, an denen irdiſche Schiffe ihre ge⸗ wöhnlichen Signale tragen.“— 1 «Das war freilich außerordentlich! und was thatet ihr, um dem Geheimniß des himmliſchen Zeichens auf die Spur zu kommen» «Wir machten uns von der Küſte weg und überlie⸗ ßen das Ding kühneren Seeleuten. Wie freute ich mich, als ich bei der nächſten Morgenſonne die beſchneiten Hö⸗ hen von Corſika wieder gewahr wurde!» „Und die Erſcheinung jenes Dings wurde nie aufge⸗ klärt?5 «Und wird es nie werden. Ich habe ſeitdem mit den Seeleuten jenes Meeres über das Geſicht geſprochen und konnte nie einen finden, der es geſehen haben wollte. Zwar war einer kühn genug, zu ſagen, es ſtehe eine Kirche, weit im Lande drin, von hinlänglicher Höhe und Größe, daß man ſie einige Seemeilen weit ſehen könne, und wir hätten, durch unſeren Standpunct und die Ne⸗ bel über den Niederungen begünſtigt, die oberen Theile derſelben, die zu irgend einer feierlichen Gelegenheit illu⸗ minirt worden, über den Dunſtwolken erſcheinen ſehen; aber wir alle waren im Seedienſt zu alt geworden, um aſſen dem ohne urde, Ernſt man urde weit te ge⸗ thatet s auf berlie⸗ mich, 2n Höͤ⸗ aufge⸗ nit den en und wollte. he eine jhe und könne, die Ne⸗ Theile heit illu⸗ n ſehen; en, um — 91— an eine ſo wunderliche Erklärung zu glauben. Ich weiß wohl, daß eine Kirche ſo gut wie Hügel oder Schiffe zur See erſcheinen kann, aber wer glauben machen will, daß Menſchenhände auf dieſe Weiſe Steine in die Wol⸗ ken aufthürmen können, ſollte ſich erſt nach Leichtgläubi⸗ gen umſehen, ehe er das Mährchen ſo weit augführt.» «Eure Erzählung iſt wunderbar, und die Erſcheinung hätte näher ins Auge gefaßt werden ſollen. Es konnte gar wohl eine Kirche ſeyn, denn es iſt ein Bauwerk zu Rom, mit Thürmen dreimal ſo hoch als der Maſt eines Kreuzers.» «Da ich mich überhaupt ſelten um Kirchen beküm⸗ mert habe, ſo weiß ich nicht, warum mich hier eine Kirche etwas kümmern ſoll,» ſagte der Matroſe mit der Schärpe, indem er der See den Rücken kehrte, als ſey ihm nicht gelegen, länger in die Waſſerwüſte hinauszu⸗ ſchauen.«Es ſind nun zwölf Jahre, ſeit dieſes Geſicht erſchien, und obgleich ich ein gedienter Matroſe bin, ſo haben meine Augen ſeitdem die römiſche Küſte nicht wie⸗ der zu ſehen bekommen. Wollen Ew. Gnaden den Weg von dieſer Kuppe herab mir voran nehmen, wie es Ih⸗ rem Rang ziemt 25 «Eure Erzählung von dem brennenden Kreuz und der ſchwebenden Kirche, Meiſter Tiller, hat mich vergeſ⸗ ſen laſſen, auf die Bewegungen der Periagua dort zu achten,» verſetzte Ludlow, der noch immer die Bai im Auge hatte.„Der eigenſinnige alte Holländer— ich meine den Herrn Alderman Van Beverout— hat größe⸗ res Vertrauen auf jene Art Schiffe als ich. Mir gefällt jene Wolke nicht, die ſich an der Mündung des Rariton — 92— erhebt, und hier über der See haben wir einen düſtern Horizont; beim Himmel, da draußen treibt ſich ein Se⸗ gel um, oder mein Auge hat Sehkraft und Maaß ver⸗ loren.» Ew. Gunaden ſehen wieder die Schwinge der jagen⸗ den Mewe; ſie hätte faſt auch mein Geſicht getäuſcht, das doch den Vortheil von zehn, auch funfzehn Jahren längeren Seedienſtes hat. Da erinnere ich mich, unter den Inſeln der chineſiſchen Meere mit den Paſſatwinden da von Südoſt— «Genug von Euern Wundern, mein Freund; die Kirche iſt grade ſo viel, als ich in einem Morgen ver⸗ ſchlucken kann— es mag eine Mewe geweſen ſeyn! denn das Ding war klein; doch hatte es ganz die ſtete Bewe⸗ gung und die Größe eines fernen Schiffes. Es iſt einige Urſache vorhanden, ein ſolches an unſrer Küſte zu er⸗ warten, worauf der Seemann ein ſcharfes Auge haben muß.» «Das würde mich denn in den Stand ſetzen, zu wäh⸗ len,» bemerkte Tiller. Ich danke Ew. Gnaden für dieſe Eröffnung, bevor ich mich an die Königin vergeben, eine Dame, welche mehr gemacht iſt, Vortheile dieſer Art anzunehmen, als zu ertheilen.» Wenn Euer Reſpect draußen im Meere irgend Eu⸗ rer Kühnheit am Strande gleicht, ſo mögt Ihr für ein Muſter von Höflichkeit gelten! Doch ein Seemann von Euern Anſprüchen ſollte einige Rückſicht auf den Charak⸗ ter des Schiffes nehmen, worauf er in Dienſte tritt.» «Das, wovon Ew. Gnaden ſprachen, iſt wohl ein Buccanier?*. 4 Ein gibt weit Aber wohl auf d ſeines troſe theils es ſi der nicht habet Land lig, Beka Befe reuer men Herr Ew. ich e mant ehrer ſtimr die. mann einige zu er⸗ haben wäh⸗ en für rgeben, dieſer end En⸗ für ein un von Charak⸗ ritt.» vohl ein — 93— Wenn auch kein Buccanier, doch nicht viel beſſer. Ein geſetzloſer Handelsmann im günſtigſten Fall, und es gibt Leute, welche annehmen, daß der, welcher ſchon ſo weit gegangen, nicht weit mehr von jenem Ende ſey. Aber der berüchtigte«Tummler der Meere» ſollte doch wohl einem Manne bekannt ſeyn, der ſo lange wie Ihr auf dem Ocean herumſchifft.» „Ihr werdet die Neugier eines Seefahrers in Sachen ſeines Gewerbes nicht übel deuten, erwiederte der Ma⸗ troſe von der Schärpe, mit dem Ausdruck lebhaften An⸗ theils. Ich komme erſt jüngſt aus fernem Ocean und es ſind mir zwar viele Geſchichten von den Buccaniers der Inſeln zu Ohren gekommen, doch erinnere ich mich nicht, von jenem Räuber eher, als da unten gehört zu haben, von dem Schiffmann des Fährbootes zwiſchen dem Landungsplatze hier und der Stadt. Ich bin nicht völ⸗ lig, was ich ſcheine, Capitain Ludlow, und wenn nähere Bekanntſchaft und ſtrenger Dienſt mich mehr vor meinem Befehlshaber gezeigt haben, wird er es wohl nicht be⸗ reuen, einen gemachten Seemann auf ſein Schiff genom⸗ men zu haben, dem er, als derſelbe noch ſein eigner Herr war, etwas Nachſicht und gute Laune ſchenkte. Ew. Gnaden werden meine Kühnheit verzeihen, wenn ich etwas Näheres von dieſem unrechtmäßigen Induſtrie⸗ mann zu hören wünſche.» Ludlow's Augen wurzelten auf den unveränderten ehrenhaften Zügen ſeines Gefährten. Es lag ein unbe⸗ ſtimmter Argwohn in dem Blick, doch er verſchwand, als die geübten Organe ſich in der Feſtigkeit des kühnen See⸗ manns geſielen. Ergötzt eher als beleidigt durch die Frei⸗ — 94— heit der Frage, drehte er ſich auf dem Abſatz herum und wie ſie die Anhöhe zum Landungsplatz hinabſtiegen, fuhr er in der Unterredung alſo fort: Ihr müßt wirklich aus fernen Meeren kommen,» ſagte der junge Capitain der Coquette, lächelnd, als wolle er ſich wegen der vermeintlichen Herablaſſung ent⸗ ſchuldigen,«wenn die Thaten der Brigantine, die unter dem Namen der«Waſſernixe⸗ bekannt iſt und deſſen, der ſie unter der paſſenden Benennung des«Tummlers der Meere⸗*) befehligt, Euer Ohr noch nicht erreicht haben. Es ſind nun fünf Sommer, ſeit in den Colonieen an die Kreuzer Befehle ergangen ſind, auf den Pikaroon Jagd zu machen, und man ſagt ſogar, der kecke Schmugg⸗ ler habe ſchon oft den Wimpeln in den Engpäſſen ge⸗ trotzt. Es trüge wohl ein Avancement, wenn nicht das Ritterthum dem glücklichen Officier, der den Schurken finge.» 4 Er muß ein geldmachendes Gewerbe treiben, daß er ſolche Gefahr läuft und den Anſtrengungen ſo vieler tüchtigen Männer Trotz bietet. Darf ich der Dreiſtig⸗ keit, die Ew. Gnaden wohl ſchon zu ſtark finden, wenn ich von dem Ausdruck des Auges muthmaßen darf, noch —— *) Die Ueberſetzung„ recht dem Ausdruck Tummler der Meerer⸗ entſpricht nicht des Originalts Skimmer of the Seas. Das Wort Skcim heißt, wie die Schwalbe über die Fluth wippen, aber Wiy per könnte nicht gut gebraucht werden, weil damit ein anderer Begriff(im Münzweſen) verbunden wird. Wir wählten daher den dem Delphin, dem der Führer ſich auch vergleicht, ver⸗ wandten Namen Tummler. und fuhr nen,» „als ent⸗ unter deſſen, mlers rreicht onieen zaroon mugg⸗ en ge⸗ ht das hurken , daß vieler reiſtig⸗ , wenn f, noch cht nicht of the lbe über icht gut griff Cim oher den icht/ ver⸗ — 95— etwas zuſetzen, indem ich frage, ob das Gerücht auch das Geſicht und die anderen Beſonderheiten der Perſon dieſes— Freihändlers, wie man ihn nennen müßte, be⸗ ſchreibt— obgleich Freibeuter ein beſſeres Wort wäre.» «Was kümmern Euch die perſönlichen Details von einem Schurken,» ſagte Capitain Ludlow, dem es viel⸗ leicht einfiel, daß die Freimüthigkeit des Geſpräches grade ſo weit gegangen, als es gerechtfertigt werden konnte. «Was ſie mich kümmern? nun, ich fragte, weil die Beſchreibung ein wenig mit der von einem Mann über⸗ einſtimmt, den ich einſt kannte, in den Seen von In⸗ dien, und der ſchon lange verſchwunden iſt, obwohl Nie⸗ mand ſagen kann, wohin er ſich gemacht hat. Aber die⸗ ſer Tummler der Meere iſt ein Spanier vom feſten Lande, oder vielleicht ein Holländer, der aus einer Gegend kommt, die ein Sumpf iſt, und feſtes Land kennen ler⸗ nen will?2» «Spanier von der Südküſte führten noch kein ſo küh⸗ nes Segel in dieſen Meeren, auch iſt noch nie ein ſo leichtfüßiger Holländer gefunden worden. Der Kerl, ſagt man, lache dem hurtigſten Kreuzer aus Altengland ins Geſicht! Von ſeinem Außern habe ich wenig Gutes ge⸗ hört. Es ſoll ein verſauerter Officier aus beſſerer Zeit ſeyn, der den Umgang mit ehrlichen Leuten gemieden, weil die Schurkerei ſo deutlich auf ſeinen Zügen geſchrie⸗ ben ſteht, daß er ſie vergeblich zu verbergen bemüht iſt." Der Meinige war ein ſchmucker Mann und brauchte ſich nicht zu ſchämen, ſein Geſicht unter ſeines Gleichen ſehen zu laſſen»„ ſagte der mit der Schärpe. Das kann nicht derſelbe ſeyn, wenn wirklich ſo einer an der — 96— Küſte exiſtirt. Iſt es gewiß, Ew. Gnaden, daß hier ſo einer exiſtirt?» So geht die Sage; doch haben mich ſchon ſo viele ungegründete Gerüchte, verführt, den Schmuggler zu ſuchen, wo er nicht war, daß ich dem Gerede nur wenig Glauben ſchenke.— Die Periagna hat jetzt den Wind weſtlicher und die Wolke in der Mündung des Rariton fängt an zu zerſtieben. Der Alderman wird davon gute Folge haben.. «Und die Mewen ſind mehr ſeewärts gegangen, ein ſicheres Zeichen von gutem Wetter,» verſetzte der Andre, indem er einen ſchnellen, aber ſcharfen Blick in die Ferne nach dem Horizont des Meeres warf. Ich glaube, un⸗ ſer Räuber mit ſeiner ſchlüpfenden Ente hat ſich unter ſie geflüchtet.»— So wollen wir denn auf ſeine Verfolgung ausge⸗ hen. Mein Schiff liegt ſegelklar, und es iſt Zeit, Mei⸗ ſter Tiller, daß ich erfahre, in welchem Rang Ihr der Königin zu dienen wünſcht.» 8 Gott ſegne Ihre Majeſtät! Anna iſt eine könig⸗ liche Dame und ſie hat einen Lord Ober⸗Admiral zum Gemahl. Was den Rang betrifft, ſo möchte wohl Je⸗ der Capitain ſeyn, ſelbſt wenn er ſeine Rationen in der Nachbarſchaft der Grundſuppe verzehren muß. Die Stelle als erſter Lieutenant wird wohl ſchon zu Eurer⸗ Zufriedenheit beſetzt ſeyn.» «Ha, Burſche, das iſt komiſch; einer von Euern Jahren und Erfahrungen ſollte ſich doch nicht erſt ſagen laſſen, daß ſolche Stellen erſt durch den Dienſt erworben werden.„ er ſo viele er zu wenig Wind ariton gute , ein Andre, Ferne e, un⸗ unter ausge⸗ Mei⸗ ihr der könig⸗ al zum ohl Je⸗ in der Die Eurer Euern ſt ſagen rworben — 97— «Mit Verlaub— ich bekenne den Irrthum— Ca⸗ pitain Ludlow, Sie ſind ein Mann von Ehre und wer⸗ den einen Seemann nicht betrügen, der Vertrauen auf Ihr Wort ſetzt.» «Seemann oder Landbewohner, nur der iſt ſicher, der das Pfand hat.» «Nun denn, Herr, ich fordre es. Laßt mich auf Euer Schiff, damit ich meine künftigen Tiſchgenoſſen ken⸗. nen lerne und von ihrer Lage urtheilen kann, um zu ſehen, ob das Schiff mir zuſagt, und es verlaſſe, wenn mir's ſo gefällt.» «Burſche,» ſagte Ludlow, cdieſe Unverſchämtheit geht über die Geduld.» «Das Verlangen iſt vernünftig, wie bewieſen wer⸗ den kann,» erwiederte ernſt der unbekannte Matroſe. aCapitain Ludlow möchte auch gern, ſey es gut oder übel, zu einer ſchönen Dame kommen, die kürzlich auf's Waſſer gegangen iſt, und doch gibt es Tauſende, die er mit minderer Schwierigkeit haben könnte.) „Immer ärger in der Keckheit— und was ſoll das 25 « Herr, ein Schiff iſt eines Seemanns Gebieterin— ja, wenn die Flagge aufgezogen, wenn der Krieg erklärt iſt, mag es heißen, er ſey mit ihr verheirathet, ſey es nun geſetzlich oder nicht. Er wird Bein von ihrem Bein und Fleiſch von ihrem Fleiſch, bis der Tod ſie trennt.„ Zu ſo einem langen Bund ſollte man freie Zeit haben. Hat nicht der Seemann auch ſeinen Geſchmack, wie der Liebhaber? Rumpf und Vordertheil ſind Leib und Schultern, die Taue Locken, Schnitt und Güte der Se gel die Kleidung nach der oder der Mode; die Kauonen 58— 60, — 98— heißen immer die Zähne und der Anſtrich iſt die Röthe, der geſunde Teint! Dabei findet allerdings Wahl ſtatt, Herr, und wenn die mir nicht geſtattet wird, muß ich Ew. Gnaden glückliche Fahrt und Ihrer Majeſtät einen beſſeren Diener wünſchen.“ «He, Meiſter Tiller,» rief Ludlow lachend,«Ihr verlaßt Euch zu viel auf dieſe verkrüppelten Eichen, wenn Ihr denkt, daß es außer meiner Macht liege, Euch nach Gefallen aus ihrem Dicticht zu jagen. Aber ich nehme Euch beim Wort. Die Coquette ſoll Euch unter dieſen Bedingungen aufnehmen, und mit dem Vertrauen, wie eine erſte Stadtſchöaheit einen ländlichen Ballſaal be⸗ tritt.» «Ich folge Ew. Gnaden Fahrwaſſer, ohne weitere Worte,» verſetzte der mit dem Gürtel, indem er zum erſtenmal ſeine Segeltuchkappe vor dem jungen Comman⸗ danten abzog. Obwohl noch nicht wirklich verheirathet, betrachtet mich wie einen verlobten Mann. Es iſt nicht nöthig, das Geſpräch weiter zu ver⸗ folgen, das zwiſchen den beiden Seeleuten ferner ſtatt⸗ fand. Es dauerte mit gehöriger Freimüthigkeit auf Sei⸗ ten des Untergeordneten fort, bis ſie die Küſte erreich⸗ ten und die Flagge der Königin vor ſich hatten; hier hielt ſich ſein Benehmen, mit dem Tact eines alten Kriegsmatroſen, in der reſpectvollen Entfernung, welche der Unterſchied des Ranges im Allgemeinen fordert. Eine halbe Stunde ſpäter trieb die Coquette an ei⸗ nem einzelnen Anker, wie die Windſtöße von den Höhen herab ihre drei Spitzſegel trafen, und kurz nachher ſah man ſie mit einem guten Südweſtwind durch den Eng⸗ G ᷣ 2SAͤSSͤ ſthe, katt, 3 ich inen Ihr venn nach ehme ieſen wie be⸗ eitere zum man⸗ thet, ver⸗ ſtatt⸗ Sei⸗ reich⸗ hier alten velche . an ei⸗ Höhen er ſah Eng⸗ — 99— paß oder die Narrows ſteuern. In allen dieſen Bewe⸗ gungen lag nichts, was die Aufmerkſamkeit anzog. Un⸗ geachtet der ſarkaſtiſchen Anſpielungen des Alderman Van Beverout war der Kreuzer weit entfernt, ein Müſſiggän⸗ ger zu ſeyn, und ſein Gang ins Freie war ein ſo ge⸗ wöhnlicher Umſtand, daß es keine Bemerkung bei den Seeleuten in der Bai und den Küſtenbewohnern erweckte, die allein Zeugen ſeiner Abfahrt waren. Siebentes Kapitel. „Ich bin kein Steuermann, doch wärſt du weit, Wie jene Küſt', umſpült vom fernſten Meer, Ich wagte mich um ſolchen Preis hinüber.“ Romeo und Julie. Eine glückliche Miſchung von Land und Waſſer, im hellen Mondſchein und unterm Himmel des vierzigſten Breitegrades geſehen, wird immer ein anziehendes Ge⸗ mälde abgeben. So war die Landſchaft beſchaffen, die der Leſer nunmehr ſeiner Phantaſie einzuprägen ver⸗ ſuchen muß. Der weite Einſchnitt des Rariton iſt durch ein lan⸗ ges, niedres und ſchmales Cap vor den Winden und Wogen der hohen See geſichert; es iſt dieß vielmehr eine bloße Spitze, welche vermöge der Vermiſchung des Holländiſchen mit dem Engliſchen, die man in den alten Territorien der vereinigten Provinzen von Holland häufig —— findet, unter dem Namen Sandy⸗Hook bekannt iſt. 7* ——— Dieſe Laudzunge ſcheint durch das unabläſſige feindliche Andrängen der Wogen auf der einen und durch die Strö⸗ mungen der verſchiednen Flüſſe bei ihrer Ausmündung in die Bai auf der andern Seite gebildet zu ſeyn. Ge⸗ wöhnlich iſt dieſes Vorgebirg mit der niederen Küſte von Neu⸗Jerſey gen Süden verbunden, aber es gibt Perio⸗ den, oft viele Jahre hinter einander, wo ein Durchzug des Meeres ſtattfindet, zwiſchen dem füglich ſo zu nen⸗ nenden inneren Ende des Caps und dem Feſtlande. Ju dieſer Periode bildet demnach Sandy⸗Hook eine Inſel. Dieß war gerade in der Zeit der Fall, von welcher un⸗ ſere Erzählung handelt. Die äußere oder Meeresſeite dieſer niedern ſchmalge⸗ ſtreckten Sandbank iſt ein ebener gleichmäßiger Strand, wie die meiſten Küſtenſtriche von Jerſey, doch die innere i*ſt eingezahnt, ſo daß ſte mehrere gute Ankerplätze bie⸗ tet, für Schiffe, die gegen die Oſtwinde Schutz ſuchen. Einer der letzteren iſt ein ſchöner runder Einſchluß, wo Schiffe von kleiner Ladung trefflich eingebuchtet liegen und ſicher vor allen Winden, die blaſen mögen, am Ankertau ruhen. Der Hafen, oder wie er immer ge⸗ nannt wird, der Cove, liegt an dem Punkt, wo das Cap an's Jeſtland ſtößt und der ſchon genannte Durch⸗ zug commu nicirt direct mit ſeinen Gewäſſern, wenn die Paſſage offen iſt. Der Shrewsbury, ein Fluß vierter oder fü von wenigen hundert Fuß Breite und keiner großen Länge, kommt von Süden, läuft faſt parallel mit der Küſte fort und wird bei einem Punkt in der Nähe des Cove der Bai gleichfalls zinsbar. Zwiſchen dem Shrews⸗ 3 ufter Klaſſe, oder mit andern Worten ein Strom 8 —„———————,——,— —““ 8 —.»— + —ꝑſꝑ“ꝑ— 7 — 101— bury und dem Meere gleicht das Land dem des Caps, indem es flach und ſandig iſt, obwohl nicht ganz unfrucht⸗ bar. Ein mäßiger Anwuchs von Tannen und Eichen be⸗ deckt es, wo der Fleiß des Menſchen es nicht in Acker⸗ feld verwandelt, oder wo die Natur nicht Wieſen hinge⸗ breitet hat. Das weſtliche Ufer des Fluſſes dagegen iſt eine abgeriſſene hohe Hügelung, die ſich bis zu Berges⸗ höhe erhebt. Nahe am Fuß dieſer letzteren hatte Alder⸗ man Van Beverout, aus Gründen, die im Laufe der Erzählung noch deutlicher entwickelt werden, ſeine Villa zu erbauen für gut gefunden, die er, einem Gebrauche Hollands angemeſſen,«Luſt in Ruſt“ nannte, ein Name, den der Kaufmann, der in ſeiner Kindheit ein Paar Claſſiker geleſen hatte, ſtets mit den Worten des Alter⸗ thums: Otium cum dignitate— würdige Zurückge 3⸗ genheit— zu erklären für gut fand. Wenn Liebe zur Zurückgezogenheit und zu friſcher Luft ihren Einfluß auf die Wahl des Bürgers von Man⸗ hattan übte, ſo konnte er allerdings keine beſſere Wahl treffen. Die angränzenden Ländereien waren früh im vorigen Jahrhundert von einer würdigen Familie, Na⸗ mens Hartshorne angebaut worden, die noch bis auf dieſe Stunde die hier gewählten Sitze einnimmt. Die Ausdehnung ihrer Beſitzungen diente in damaliger Zeit, andre Anſiedler fern zu halten. Wenn man zu dieſem Umſtande die äußere und innere Beſchaffenheit des Bo⸗ dens hinzufügt, der in ſo früher Zeit für den Ackerbau nicht beſonders lockend war, ſo wird man erkennen, daß eben ſo wenig Urſache als Gelegenheit für Eindränger, ſich anzuſiedeln, vorhanden ſeyn konnte. Was die Luft betraf, ſo ward ſie erfriſcht durch die Winde des Mee⸗ res, welches kaum eine Meile entfernt lag, während der Ort ſelbſt nichts Ungeſundes oder Unreines enthielt. Nach dieſer allgemeinen Phyſiognomie unſerer Landſchaft, wo ſo viele Dinge unſerer Erzählung ſich ereigneten, kommen wir zu der Beſchreibung der Wohnung des Al⸗ derman, die etwas detaillirter ausfallen wird. Die Villa Luſt in Ruſt war ein niedres unregelmä⸗ ßiges Gebäude aus Backſteinen, weißgepinſelt bis zur Helle des gefallenen Schnees und ganz in Holländiſchem Geſchmack aufgeführt. Sie hatte viele Dächer und Wet⸗ terhähne, und ein Dutzend kleine verbundene Schorn⸗ ſteine mit unzählichen Gelegenheiten zum Anbau für die Störche. Dieſe luftigen Sitze waren jedoch leer, zum großen Erſtaunen des ehrlichen Architecten, der, gleich ſo Vielen, die auf dieſe Halbkugel Gewohnheiten und Anſichten der anderen übertragen, welche ſich für dieſe beſſer eignen, nicht aufhören konnte, ſich zu wundern, obgleich die Neger der ganzen Nachbarſchaft ihm ver⸗ ſicherten, daß es keine ſolche Vögel in Amerika gebe. An der Vorderſeite des Hauſes war ein enges, doch aus⸗ nehmend nettes Plätzchen, mit Zierſträuchern umgeben, und zwei alte Ulmen, welche Zeitgenoſſen des Berges zu ſeyn ſchienen, wuchſen in dem üppigen Boden, aus welchem der Fuß dieſes letzteren beſtand. An Schatten fehlte es von keiner Seite der natürlichen Terraſſe, welche die Gebäude einnahmen. Sie war dicht beſetzt mit Obſt⸗ bäumen und da und dort ſtand eine Tanne oder eine Eiche von der Natur gepflanzt. Vorn aber ging es et⸗ was abſchüſſig zur Mündung des Fluſſes hinab. Es war, alles in Allem genommen, ein bequemes, doch ſchlichtes Landhaus, an welchem keine häusliche Schicklichkeit ver⸗ — 103— geſſen war, während es ſich deſſen von Seiten des Bau⸗ meiſters wenig zu rühmen hatte, es wären denn die ver⸗ bundenen Schornſteine und die roſtigen Wetterfahnen ge⸗ weſen. Ein Paar Nebengebände, zur Unterkunft der Neger, ſtanden in der Nähe, und dichter am Fluß ſah man Schennen und Ställe von weit vorzüglicherem Bau und Stand, als der Anſchein des urbaren Landes und der Werth des kleinen Meierhofes für nothwendig an⸗ gab. Die Periagua, in welcher der Beſitzer die Fahrt durch die äußere Bai gemacht hatte, lag an einem klei⸗ nen hölzernen Kai unmittelbar darunter. In den erſten Abendſtunden hatte das Leuchten der Kerzen und eine allgemeine geräuſchvolle Bewegung unter den Schwarzen die Anweſenheit des Eigners der Villa kundgegeben. Dieſe Lebendigkeit ließ allmählig nach, und ehe noch die Glocke Neun ſchlug, zeigte die Verthei⸗ lung der Lichter und die herrſchende Stille, daß die Ge⸗ ſellſchaft, wahrſcheinlich von der Reiſe ermüdet, ſich be⸗ reits zur Nachtruhe begeben hatte. Das Geſchrei der Neger war vorüber und die Ruhe des erſten Schlafes herrſchte auch über ihren niedern Dächern. An der Vorderſeite der Villa, die, wie man ſich er⸗ innern wird, an den Berg ſtieß, zog ſich öſtlich oder nach dem Laufe des Fluſſes und Meeres, ein kleiner Flügel, noch dichter von Gebüſch und niedrigen Bäumen umgeben, als die übrigen Theile des Landhauſes, und in einem ganz andern Styl gebaut. Es war ein Pa⸗ villon, den man zur beſonderen Bequemlichkeit und auf Koſten der belle Barbérie aufgeführt hatte. Hier war die Erbin zweier Vermögen gewohnt, während der Wo⸗ — 104— chen, wo ſie den Landaufenthalt genoß, ihre eigne kleine Haushaltung zu führen, und hier vertrieb ſie ſich mit den edlen weiblichen Beſchäftigungen die Zeit, die ihren Jahren und ihrem Geſchmack zuſagten. Um der Schön⸗ heit und dem Urſprung der Bewohnerin zu ſchmeicheln, hatte der galante Francois dieſen beſonderen Theil der Villa la Cour des Fées» getauft, ein Name, der all⸗ gemein in Übung kam, obgleich in etwas corrupten Klängen. An dieſem Abend waren die Vorhänge des Hauptzimmers dieſes Pavillons noch ſpät offen und man ſah die Herrin an einem der Fenſter ſtey 1. Alida war in einem Alter, wo ihr Geſchlecht lieblichen Eindrücken am offenſten iſt und ſie blickte hinaus auf die reizende Landſchaft und labte ſich an der milden Ruhe der Nacht, mit allem Ge⸗ nuß, den ſolche jugendliche Seelen aus der Betrachtung der Natur zu ziehen pflegen. Der Mond war aufgegangen und das Firmament glänzte von Myriaden Sternen. Das Licht war ſanſt über die Waſſerfläche gegoſſen, nur hier und da blitzte das Meer in ſeinen Strahlen auf. Eine faſt unmerk⸗ bare, doch was die Seeleute eine dicke Luft nennen, kam von der See herüber und verurſachte die erquickende Kühle der Stunde. Die Fläche der weiten Waſſerwüſte war vollkommen ruhig, ſowohl inwendig, als außerhalb des Bollwerks von Sande, welches das geſtreckte Cap bildet, doch der Leib des Elementes regte ſich mit trä⸗ gem Schwellen und Sinken, wie das Schlafathmen eines Weſens von rieſenhafter Geſtalt. Das Rauſchen der Brandung, die in langen weißen Schaumwogen auf den Sand rollte, war der einzige hörbare Ton; er war „ — 105— ſchwer und wiederkehrend, bald höher gehoben durch den Luftſtrom, hohl und drohend, bald fürs Ohr dahinſchwin⸗ dend in dumpfem entfernten Gemurmel. Es lag ein Zauber in dieſem wechſelnden Ton und in der feierlichen Stille der Nacht, der Aliden auf ihren kleinen Balkon lockte, und ſie lehnte uch hinaus über den Schatten der Hagebutten⸗Roſen, um nach einem Theil der Bai zu ſe⸗ hen, der nicht ſichtbar war, obwohl er ihren Fenſtern gerade gegenüber lag. Die belle Barbérie lächelte, als ſie die dunkeln Maſte und den ſchwärzlichen Rumpf eines Schiffes gewahr wurde, das nahe dem Ende des Caps und von ihm ge⸗ ſchützt vor Anker lag. Der Ausdruck weiblichen Stol⸗ zes lag in ihrem ſchwarzen Auge und vielleicht einiges Bewußtſeyn weiblicher Macht in dem Schluß der blü⸗ henden Lippe, während ihr zarter Finger das Geländer des Balkons raſch und ohne der Bewegung bewußt zu werden berührte. «„Der ritterliche Capitain Ludlow hat ſein Kreuzen ſchnell beendigt,» ſagte das Mädchen mit lauter Stimme, denn ſie ſprach aus Eingebung eines triumphirenden Ge⸗ fühls, das zu natürlich war, um unterdrückt zu werden. «Ich werde mich zu meines Onkels Meinung bekehren laſſen und annehmen, daß die Königin ſchlecht bedient ſey.» „Wer Einer Herrin treu dient, hat keine leichte Auf⸗ gabe,» erwiederte eine Stimme aus dem Gebüſch, das am Fenſter empor wuchs und es faſt vergitterte,«aber wer Zweien dienſtbar iſt, mag wohl des Erfolges bei beiden verzweifeln!“ — 106— Alida fuhr zurück und in dem nächſten Augenblicke ſah ſie ihren Platz von dem Commandanten der Coquette eingenommen. Ehe er es wagte, die niedre Schutzwehr zu überſteigen, die ihn noch von dem kleinen Wohnzim⸗ mer trennte, ſuchte der junge Mann in den Augen der Bewohnerin zu leſen, und dann, deutete er nun den Ausdruck fälſchlich ſich zu Gunſten, oder machten ihn Jahre und Hoffnung kühn, betrat er das Zimmer. Wiewohl ſicher nicht gewohnt, ihr Zimmer mit ſo wenig Umſtänden erſteigen zu ſehen, lag doch weder Augſt, noch Verwunderung in den Zügen der ſchönen Tochter des Hugenotten. Das Blut färbte ihre Wan⸗ gen höher, und das Auge, deſſen Ausdruck nie matt war, glänzte ſtärker, während ihre ſchöne Geſtalt feſt und gebietend daſtand. «Ich hörte, daß Capitain Ludlow ſo viel Ruhm durch Tapferkeit beim Entern gewann,“ ſagte ſie mit ei⸗ ner Stimme, deren Ton kein Mißverſtehen zuließ,«aber ich glaubte auch, ſein Ehrgeiz ſey mit den Lorbeern zu⸗ frieden, die er ſo ſchön den Feinden ſeines Landes ab⸗ getrotzt. „Verzeihung, ich bitte tauſendmal, reizende Alida lo unterbrach ſie der Jüngling. Sie kennen die Hinder⸗ niſſe, welche die eiferſüchtige Wachſamkeit Ihres Oheims meinem Verlangen, Sie zu ſprechen, entgegenſetzt.» «Dieſe ſind denn umſonſt geweſen, denn Alderman Van Beverout war ſchwach genug, zu glauben, daß Ge⸗ ſchlecht und Stand ſeines Mündels vor ſolchen coups- de-main ſchützen würden.» Nein, Alida; dieß hieße hartnäckiger ſeyn gls die Winde rem§ kalten ſchwer leicht Briefe ren S men d Vernt D tere ð es ſch vertra des wiewe ℳ5 in en beant keit a Sie zu la ℳ traue für n. zen ein klage dient eine Dan — 107— Winde! Sie wiſſen zu gut, wie meine Huldigungen Ih⸗ rem Hüter mißfallen, um eine leiſe Abweichung von der kalten Regel quäleriſch zum Gegenſtand ernſthafter Be⸗ ſchwerde zu machen. Ich hatte gehofft— ich darf viel⸗ leicht ſagen, zu ſchließen gewagt, aus dem Inhalt Ihres Briefes, für den ich tauſend Dank ſage— aber zerſtö⸗ ren Sie nicht grauſam Hoffnungen, die ſo ſpät aufkei⸗ men durften, jenſeits einer Gränze vielleicht, welche die Vernunft rechtfertigen kann.» Die Wange der belle Barbérie, die wieder eine ſanf⸗ tere Färbung hatte, überflog von Neuem tiefere Röthe und es ſchien auf einen Moment, als habe ihr hohes Selbſt⸗ vertrauen ein wenig gelitten. Nach einem Angenblick des Nachdenkens aber antwortete ſie mit beſtimmtem, wiewohl etwas bewegtem Ton: „Die Vernunft, Capitain Ludlow, hat weibliche Sitte in enge Schranken gewieſen. Indem ich Ihren Brief beantwortete, habe ich mich mehr mit der Gutmüthig⸗ keit als mit der Klugheit berathen, und ich finde, daß Sie nicht wenig dazu thun, mich meinen Fehler bereuen zu laſſen.» «Ich möchte nie etwas thun, was Sie Ihr Ver⸗ trauen zu mir bereuen ließe, holde Alida; möge Ungnade für mein Thun und Laſſen, und das Mißtrauen des gan⸗ zen Geſchlechts meine Strafe ſeyn! Allein habe ich nicht ein Recht, über dieſen Wankelmuth von Ihrer Seite zu klagen? Habe ich eine ſo ſtrenge Zurechtweiſung ver⸗ dient— ſtrenge, weil ſie kalt und ſpöttiſch war— für eine Beleidigung, verzeihlich, gleich dem Wunſche, meine Dankbarkeit auszudrücken?“ — 108— «Dankbarkeit!“ wiederholte Alida, und dieſesmal war ih Verwundern keine Verſtellung. Das Wort iſt ſtark, mein Herr, und es drückt mehr aus als eine ſo kleine Gefälligkeit, Jemanden einen Band Volksge⸗ dichte geliehen zu haben, erwarten kann.» „Ich habe denn den Inhalt des Briefes ſonderbar mißverſtanden oder das iſt ein Tag voll Narrheit lo ſagte Ludlow, bemüht ſein Mißvergnügen zu unterdrücken. „Doch nein, ich habe Ihre eignen Worte, um dieſen ab⸗ gewandten kalten Blick zu widerle en, und bei dem Eid eines Seemanns, Alida, ich muß Ihren wohlüberlegten durchdachten Worten ſtattz dieſen eigenſinnigen Grillen glauben, die Ihrer Natur ſo unwürdig ſind. Hier ſind die Schriftzüge ſelbſt; ich laſſe nicht gutwillig die ſchmei⸗ chelnde Hoffnung fahren, die ſie erwecken! La belle Barbérie ſah nun den jungen Mann mit völligem Erſtaunen an. Ihre Farbe wechſelte; denn ſie wußte zwar, daß ſie nicht ohne Schuld war, indem ſie ihm geſchrieben, jedoch daß ſie etwas geſchrieben, was dieſe Dreiſtigkeit rechtfertigen könne, war ſie ſich nicht bewußt. Die Sitten des Zeitalters und die Stunde veranlaßten ſie, ihm feſt in's Auge zu blicken, ob der Mann in aller Ehrbarkeit einer guten Sache vor ihr ſtehe. Allein Ludlow genoß den Ruf, frei von einem Laſter zu ſeyn, das dazumal unter den Seeleuten nur allzu gewöhnlich war, und es lag nichts in ſeinen kräf⸗ tigen und wahrhaft ſchönen Zügen, was Mißtrauen über ſeine Ankunft hätte geben können. Sie zog eine Klingel und ließ ihren Gefährten ſich ſetzen. Prangois, ſagte das Fräulein, als der alte Be⸗ diente plaisi bosqu et ra won de sc A Auftr ſelber ſeine Dien liche Gaſt ſer u rbar ſagte icken. n ab⸗ Eid egten rillen nd die hmei⸗ n mit un ſie em ſie , was hnicht Stunde ob der vor ihr einem ten nur n kräf⸗ en über Klingel lte Be⸗ — 109— diente, halb im Schlafe, ins Zimmer trat, fais moi le plaisir de m'apporter de cette cau de la fontaine du bosquet, et du vin— le Capitaine Ludlow a soif; et rapelle-toi, bon François, il ne faut pas déranger mon oncle à cette heure; il doit être bien fatigus de son voyage.» Als der reſpectvolle und ehrwürdige Diener ſeinen Auftrag empfangen und hinausgegangen, nahm Alida ſelber Platz, in der Zuverſicht, dem Beſuche Ludlows ſeinen heimlichen Charakter genommen und zugleich dem Diener eine Botſchaft gegeben zu haben, die ihr hinläng⸗ liche Muße verſchaffte, das unerklärliche Betragen ihres Gaſtes zu erforſchen. „Sie haben mein Wort, Capitain Ludlow, daß die⸗ ſer unzeitige Beſuch im Pavillon unanſtändig iſt, um ihn nicht grauſam zu nennen,“ bemerkte ſie, ſobald beide wieder allein waren;«daß Sie aber auf irgend eine Weiſe im Stande ſind, Ihre Unklugheit zu rechtfertigen, muß ich fortwährend bezweifeln, es ſey denn, daß Sie mir Beweiſe bringen.» «Ich hoffte hiervon einen ganz anderen Gebrauch zu machen,yp verſetzte Ludlow, indem er einen Brief— wir dulden es mit einigem Widerſtreben bei einem ſo einfa⸗ chen und ſoldatiſchen Charakter— aus dem Buſen zog; annd ſelbſt jetzt ſchäme ich mich, ihn hervor zu bringen, obgleich es auf Ihren Befehl geſchieht.» «Irgend ein Zauber hat ein Blendwerk daraus ge⸗ macht, denn das Gekritzel iſt nicht von dieſer Bedeu⸗ tung,» bemerkte Alida, indem ſie ein Billet nahm, wel⸗ ches je geſchrieben zu haben ſie jetzt zu bereuen aufing. — 110— «Die Sprache der Höflichkeit und weiblicher Zucht müſ⸗ ſen ſeltſame Verdrehungen zulaſſen, oder nicht alle, die leſen können, eignen ſich zu Auslegern.» La belle Barbérie hörte zu reden auf, denn ſowie ihre Augen auf das Papier fielen, verwiſchte ihre ge⸗ ſpannte Aufmerkſamkeit das Beſte ihres Unwillens. Wir geben den Inhalt des Briefes, ganz mit den Worten, die bei der Leſenden ſo viel Erſtaunen und möglicher Weiſe auch einige Unheimlichkeit erweckte. «Das Leben eines Seemannes,v ſagte das Papier, von einer zarten und ſchönen Hand beſchrieben, aiſt ein Leben voll Gefahren und Wagniſſe. Es flößt dem Weibe Vertrauen ein durch die Freiheit, die es erzeugt, und es erweckt Theilnahme durch ſeine Entbehrungen. Die, welche dieſe Zeilen ſchreibt, iſt nicht unempfindlich für das Verdienſt von Männern dieſes kühnen Beruſs. Bewun⸗ derung für das Schauſpiel des Meeres und für die, welche darauf leben, war, ſo lange ſie lebte, eine Schwachheit von ihr, und ihr Blick in die Zukunft, wie ihre Erinnerungen von der Vergangenheit ſind nicht ganz frei von einer wohl⸗ gefälligen Betrachtung dieſer Freuden. Die Sitten ver⸗ ſchiedener Nationen— Ruhm der Waffen— Wechſel der Scenen— mit der Beſtändigkeit der Neigungen, alles das durch überfluß verſüßt, ſind zu ſtarke Verſuchungen für eine weibliche Phantaſie, und dieſe ſollten nicht ohne Einfluß auf das Urtheil des Mannes bleiben. Adieu.» Alida las dieſes Billet, las es wieder, las es noch ehe ſie ihre Augen zu dem erwartenden Blick einmal, des jungen Mannes zu erheben verſuchte. «Und dieſes unzarte, unweibliche Bruchſtück hat Ca⸗ » — pitait ſie, i 6 Weil nen — 2 mit ſie, i ſtark nach Toil ( ſehr den ſund Klei Antt eine der ( keit, von den daß Lau Mit woll Eler um Rit nͤſ⸗ die wie ge⸗ Wir ten, icher pier, t ein Veibe und Die, h für ewun⸗ welche eit von en von wohl⸗ en ver⸗ Wechſel n, alles chungen iht ohne ldieu.» es noch en Blick hat Ca⸗ — 111— pitain Ludlow paſſend gefunden, mir zuzuſchreiben!» ſagte ſie, indem ihre Stimme vor Stolz und Kränkung zitterte. «Wem ſonſt kann ich es zuſchreiben? Kein anderes Weib, herrliche Alida, konnte ſo bezaubernd, in ſo ſchö⸗ nen Worten ſich ausſprechen.» Die langgezognen Brauen der Jungfrau ſpielten mit Raſchheit über den dunkeln Augen und dann ſagte ſie, indem ſie Gefühle bekämpfte, die mit einander in ſtarkem Widerſpruch ſtanden, mit Würde, indem ſie ſich nach einem kleinen Schreibzeug von Ebenholz neben ihrer Toilette wandte. «Meine Correſpondenz iſt weder ſehr wichtig, noch ſehr groß, aber ſo wie ſie beſchaffen iſt, zum Glück für den Ruf des guten Geſchmacks, wenn nicht für die ge⸗ ſunde Vernunft der Schreiberin, kann ich wohl noch die Kleinigkeit vorweiſen, die ich für anſtändig hielt als Antwort auf Ihren Brief an Sie zu richten. Hier iſt eine Abſchrift„ bemerkte ſie, indem ſie öffnete, was in der That ein Concept war und was ſie laut ſo vorlas: «Ich danke Capitain Ludlow für ſeine Aufmerkſam⸗ keit, daß er mir Gelegenheit verſchaffte, eine Erzählung von den grauſamen Thaten der Buccaniers zu leſen. Zu den gewöhnlichen Gefühlen der Menſchlichkeit kommt, daß man tief bedauert, ſo hartherzige Menſchen in einer Laufbahn anzutreffen, die man ſonſt für edel und zum Mitgefühl für den Schwachen ſtimmend annimmt. Wir wollen jedoch hoffen, daß die wahrhaft Schlechten und Elenden unter den Seeleuten nur als Folien erxiſtiren, um die Eigenſchaften der wahrhaft Hochſtrebenden und Ritterlichen ſtärker yervortreten zu laſſen. Niemand kann — 112— von dieſer Wahrheit lebhafter überzeugt ſeyn, als die Freunde des Capitains Ludlow;» die Stimme Alida's wurde etwas leiſer, als ſle an dieſe Stelle kam,«welcher nicht erſt den Ruf des Edelmuths zu erringen braucht. Ich, ſende als Erwiederung ein Exemplar des Cid, den der ehrliche Francois für das erſte aller Gedichte erklärt, auch Homer nicht ausgenommen— ein Buch, an deſſen Verkleinerung er nach meiner Anſicht unſchuldig iſt, da er ſeinen Inhalt nicht kennt. Nochmals danke ich Capi⸗ tain Ludlow für dieſen Beweis ſeiner vorzüglichen Auf⸗ merkſamkeit, und bitte ihn, das Buch zu behalten, bis er von ſeiner vorhabenden Kreuzfahrt zurückkehrt. «Dieſes Billet iſt die genaue Abſchrift deſſen, das Sie beſitzen oder beſitzen ſollten„ ſagte die Nichte des Alderman, als ſle ihr glühendes Geſicht von dem Pa⸗ pier erhob,«obwohl es nicht wie jenes mit dem Namen Alida de Barberie unterzeichnet iſt.“ Nach dieſer Erklärung blickten Beide einander mit ſtummem Erſtaunen an. Alida bemerkte oder glaubte doch zu bemerken, daß ungeachtet der vorherigen Bekennt⸗ niſſe ihres Anbeters, der junge Mann inne werde, er ſey betrogen worden. Achtung für Zartheit und Rück⸗ halt des anderen Geſchlechtes iſt etwas ſo allgemeines und natürliches bei den Männern, daß die, denen es am meiſten glückt, ihre Schranken niederzuwerfen, ſelten ih⸗ ren Triumph ohne Reue genießen und wer wahrhaft liebt, nie lange irgend eine Verletzung dieſer ſchönen Ei⸗ genſchaften des Gegenſtandes ſeiner Zärtlichkeit freudig ge⸗ nießen kann, wenn auch die Einräumung aus Liebe für ihn geſchieht. Unter dem Einfluß dieſes edlen und ge⸗ —.,— die da's cher icht. den ärt, eſſen „da Lapi⸗ Auf⸗ „bis das des Pa⸗ amen mit aubte kennt⸗ de, er Rück⸗ neines es am en ih⸗ hrhaft en Ei⸗ dig ge⸗ ebe für and ge⸗ — 113— ſunden Gefühls empfand Ludlow, obgleich einigermaßen gekränkt über die Wendung, welche die Sache genommen hatte, ſich doch weſentlich erleichtert von einer Zweifels⸗ laſt über die außerordentliche Sprache des Briefes, den er für das Werk der Geliebten gehalten hatte. Seine Gefährtin las den Zuſtand ſeiner Gedanken in einem Antlitz, das ſo offen war, wie das Geſicht eines See⸗ manns nur ſeyn kann, und war ſle nun gleich erfreut, wieder die vorige Stelle in ſeiner Achtung einzunehmen“ ſo war ſie doch auch verwundet darüber, daß er jemals in ihre weibliche Schamhaftigkeit Zweifel geſetzt. Im⸗ mer noch hielt ſie das unerklärliche Billet in Händen und ihre Augen prüften die Zeilen. Plötzlich ſchien ihr ein Gedanke zu leuchten; ſie gab das Papier zurück und ſagte kalt— «Capitain Ludlow ſollte die Correſpondentin beſſer kennen; ich müßte mich ſehr irren, wenn dieſes ihre erſte Mittheilung wäre.» Der junge Mann wurde über und über roth und verbarg auf einen Augenblick ſein Geſicht in die hohle Hand. «Sie geben die Wahrheit meines Verdachtes zu,“ fuͤhr la belle Barbérie fort, und können die gerechte Empfindung nicht mißbilligen, wenn ich fortan—» „Hören Sie mich, Alida,» rieß der Jüngling, halb athemlos, eine gefürchtete Entſcheidung zu erhalten;„ hören Sie mich und ſo wahr der Himmel mein Zeuge iſt, Sie ſollen die reine Wahrheit hören. Ich geſtehe es, dieß iſt nicht der erſte Brief von derſelben Hand— ich ſollte vielleicht ſagen in demſelben Geiſte— aber aufs 58— 60. 8 — 114— Wort eines unbeſcholtenen Officiers verſichere ich, daß, bis Umſtände mich verleiteten, mich ſo glücklich— ſo— ſehr glücklich—» Ich verſtehe Sie, mein Herr, das Werk war ano⸗ nym erſchienen und Sie hielten dann für gut, mich als den Verfaſſer zu bezeichnen. Ludlow! Ludlow! wie nie⸗ drig dachten Sie von dem Weibe, das Sie zu lieben vorgeben!o „So etwas war unmöglich! Ich verkehre wenig mit Leuten, welche die Feinheiten des Lebens ſtudieren, und da ich mein edles Gewerbe liebe, Alida, war es da ſo unnatürlich, zu glauben, daß es Jemand anderes mit denſelben Augen anſehe? Aber ſeit Sie den Brief nicht anerkennen— oder Ihre Nichtanerkennung überflüſſig iſt— ſo ſehe ich ein, daß mich die Eitelkeit in dem Schreiben getäuſcht hat— aber da nun die Enttäuſchung vollendet iſt, geſtehe ich freudig, daß ſie mich glücklich macht.⸗ La belle Barbérie lächelte und ihr Antlitz ſtrahlte höher. Sie freute ſich des Triumphes, daß ſie in den Augen ihres Anbeters volle Achtung behaupte, es war ein Sieg nach friſch geſchlagenen Wunden der Kränkung. Es folgte eine Pauſe von über einer Minute. Die Ver⸗ legenheit des Schweigens wurde zum Glück durch Frau⸗ cois Rückkunft unterbrochen. Mam'selle Alide, voici de l'eau de la fontaine,» ſagte der Bediente, mais Monsieur votre oncle s'est couché, et il a mis la cléf de la cave au vin des- sous son oreiller. Ma foi, ce n'est pas facile d'a- voir du bon vin du tout, en Amérique, mais après 4 — 115— que Monsieur le maire s'est couché, c'est toujours impossible; voila!" Nüimporte, mon cher; le eapitaine va partir, et il n'a plus soif.» «Branntwie der is kenuk„ fuhr der⸗Bediente fort, der die Verlegenheit des Capitains bemerkte,„mais Monsieur Loudle aben du gout, un ſie m'aime pas ſu drink ſo ſcharf liqueur.» «Sie haben ſchon mehr verſchluckt, als für einmal ubthig war,» ſagte Alida, die gegen ihren Anbeter lä⸗ chelte, in einer Art, daß er nicht wußte, ob er darüber ärgerlich oder heiter ſeyn ſollte.«Ich danke dir, guter Francois; dein letztes Geſchäft für dieſen Abend ſey, dem Capitain zur Thüre zu leuchten.“» Mit einer Verbeugung gegen den jungen Comman⸗ danten, die keine Zurückweiſung erlaubte, entließ jetzt la belle Barbérie ihren Anbeter und den Diener zu⸗ ſammen. «Er hat einen ſchönen Dienſt, Monſieur Francois,“ ſagte der Erſtere, als ihm Jener nach der Hausthür des Pavillons leuchtete; ⸗mancher ſtattliche Herr möchte Ihn darum beneiden.» Oui, mein Err.» Es is groſſer plaisir ſu dien Mam' selle Alide. Je porte der Fächer, der Buk, mais quant au vin, Monsieur le Capitaine, parole d'honneur, c'est toujours impossible après que l'Aldermain s'est oouché.» «Ja— das Buch— ich denke, Ihr verſaht heute den angenehmen Dienſt, der belle das Buch zu tragen 25 Vraiment, oui! Is kewees ein ouvrage de Mon- — 116— sieur Pierre Corneille. On prétend, que monsieur Schak⸗a⸗Speer en a emprunté d'assez beaux senti- ments!“" «Und das Papier zwiſchen den Blättern; Ihr wart auch mit dieſem Billet beauftragt, guter Francois?5 Der Diener ſchwieg, zuckte die Achſeln und legte ei⸗ nen ſeiner langen gelben Finger an ſeine ungeheure krumme Naſe, indeß er nachzudenken ſchien. Dann bewegte er den Kopf einigemal ſenkrecht, ging wieder vor dem Ca⸗ pitain her und murmelte wie vorher halb franzöſiſch, halb engliſch:. For le papier, ik wiſſen rien du tout; c'est bien possible, parceque, voyez vous, Monsieur le Capi- taine, Mam'selle Alide aben keſakt, prenez-y- garde; aber ik aben ihr nit mehr ſehn, depuis. Je suppose, es war beaux compliments gcrits anf der vers de Monsieur Pierre Corneille. Quel génie que celui de cet homme là— n'est ce pas Monsieur ²» «Es hat nichts weiter zu ſagen, guter Francois,» ſagte Ludlow, indem er dem Diener eine Guinee in die Hand drückte. Wenn Ihr jedoch erfahren könnt, was aus dem Papier geworden iſt, ſo werdet Ihr mich durch Mittheilung davon verpflichten. Gute Nacht; mes de- voirs à la helle!» 3 Bon soir, Monsieur le Capitaine; c'est un brave Monsieur que celui-la, et de très bonne famille. JI nà pas de si grandes terres, que Monsieur le Patte- roon, pourtant, on dit, qu'il doit avoir de jelies mai- sons et assez de rentes publiques. Paime à servir un si généreux et loyal maitre, mais, malheureuse- Sur ti- art ei⸗ ume er Ca⸗ iſch, bien api- de; ose, de i de bis, n die was durch 3 de- raäve JI vatte- mai- ervir euse- — — 117— ment, il est marin! Monsieur de Barkérie n'avait pas trop d'amitié pour les gens de cette profes- sion la.» Achtes Kapitel. — ,— Nun Jeſſika, hinein; Vielleicht komm' ich gleich wieder; Thu, wie ſch dir geſagt, Schließ hinter dir die Thür: feſt zu, gibt Ruh! Ein Sprichwort, das nicht alt wird bet Geſcheuten.» Kaufm. v. Venedig. 4 Die Raſchheit, womit la Demoiselle Barbérie ihren Anbeter entlaſſen, geſchah aus den beiden Gründen, weil ſie über die ſonderbare Natur der ſtattgehabten Ereig⸗ niſſe nachzudenken wünſchte und die Unſchicklichkeit dieſes Beſuches zu der ſpäten Stunde und auf eine ſo zwei⸗ deutige Weiſe ſie lebhaft drängte. Aber wie Andere, die aus fieberhaften Anregungen handein, wenn ſie allein ſind, bereute das Mädchen die Eile, und ſie bedachte ſich auf funfzig Fragen, welche die Sache des Geheimniſſes entkleidet haben würden und die ſie nun gern noch ge⸗ 118 than hätte. Es war jedoch zu ſpät, denn ſchon hörte ſie den Capitain Ludlow die Abſchieds⸗Worte ſagen und vernahm mit athemloſen Lauſchen, wie ſein Fußtritt durch das kleine Gebüſch des Plätzchens ſich verlor. Francois kam noch einmal an die Thüre, um ſeine Wünſche für Ruhe und Glück zu wiederholen, und dann hielt ſie ſich endlich allein für dieſe Nacht, indem Damen jenes Zeitalters und Landes ſich bei dem gewöhnlichen Aus⸗ und Ankleiden wenig mit Hülfleiſtungen ihrer Dienerin⸗ nen befaßten. Es war noch früh und das lebhaft gegenwärtige Geſpräch hatte Aliden alle Schläfrigkeit genommen. Sie ſetzte die Lichter in eine entfernte Ecke des Zimmers und trat an ein Fenſter. Der Mond hatte ſeine Stelle geändert, ſo daß er das Licht anders auf das Waſſer warf. Das hohle Wiederkehren der Brandung, die dumpfe, ſchwere Luft von dem Meere her, und die mil⸗ den Schatten der Baͤume waren faſt dieſelben. Die Co⸗ quette lag wie vorher nahe bei dem Cap vor Anker und der Shrewsbury glitzerte im Süden, bis wo ſeine Flächs von einer vorragenden hohen und faſt ſenkrechten Hügel⸗ kuppe verdeckt wurde. Es herrſchte tiefe Stille, denn mit Ausnahme des Familiengebäudes, welches der Villa zunächſt ſtand, fand ſich kein anderes Haus in dem Umkreiſe mehrerer Mei⸗ len. Noch war ihre Einſamkeit nicht geſtört durch Furcht vor Gefahr oder Nachrichten von Gewaltthaten roher und verbrecheriſcher Menſchen. Der friedliche Charakter der Coloniſten, die im Innern des Landes wohnten, galt ſchon als Sprichwort, und ihre Sitten waren ſchlicht und — 119— einfach, während der Ocean nie von jenen Barbaren be⸗ treten wurde, die damals einige Meere der anderen Halbkugel ſo gefürchtet machten, als ſie ſchön erſchienen. Ungeachtet dieſes bekannten und gewohnten ruhigen Charakters der Gegend und der ſpäten Abendſtunde, ſtand Alida nicht lange auf dem Balkon, als ſie das Geräͤuſch von Rudern vernahm. Die Bewegung ging im Tact und kam aus der Ferne; es war ein zu bekann⸗ ter Ton, als daß ſie ſich irren konnte. Sie wunderte ſich über die Eile Ludlows, der nicht gewohnt war, ſolche Haſt zu zeigen, wenn er von ihr ging. Sie lehnte ſich über das Geländer, um ſein abgehendes Boot zu ſehen. Jeden Augenblick glaubte ſie die kleine Barke unter dem Schatten des Landes hervorkommen zu ſehen, in den Glanzſtreifen, der ſich in der Nähe des Kreuzers über die Fläche zog. Sie blickte lange und vergeblich hin⸗ über, denn keine Barke erſchien und ſchon verhallte der Ton. Ein Licht hing noch an der Spitze der Coquette, als Zeichen, daß der Commandant außer ſeinem Schiff war. Der Anblick eines ſchönen Schiffes, im Mondlicht ge⸗ ſehen, mit ſeinen regelmäßigen Maſten und dem feinen Takelwerk, und mit den großartigen Bewegungen des Rumpfes auf den trägen Wogen eines ruhigen Meeres, iſt immer ein erfreuliches, wahrhaft impoſantes Schau⸗ ſpiel. Alida wußte, daß über hundert menſchliche We⸗ ſen in dem ſchwärzlichen ſtillen Körper ſchliefen, und ihre Gedanken ſchweiften unmerklich uͤber zu dem Gewerbe ihres waghalſigen Lebens, ihrem beſchränkten Wohnort bei unſteter Exiſtenz, zu den freien und tapfern Eigen⸗ ſchaften, der Treue für die Sache derer, die das Land beſitzen, zu ihrer kurzen und abgeriſſenen Verbindung mit dem übrigen Menſchengeſchlechte, und endlich zu den geſchwächten häuslichen Banden und zu dem Rufe der Unbeſtändigkeit, die eine natürliche Folge von allem dem ſind. Sie ſeufzte und ihr Blick irrte vom Schiff zum Ocean, auf dem es zu wohnen geſchaffen war. Von der fernen, niedren und kaum bemerkbaren Küſte der Inſel Naſſau bis zur Küſte von Neu⸗Jerſey war eine breite ununterbrochene Waſſerwüſte. Selbſt der Seevogel ruhte die müden Schwingen aus und ſchlief ruhig auf dem Gewäſſer. Der breite Raum erſchien wie eine große ſtille Einode oder vielmehr wie ein dichteres und körper⸗ licheres Widerſpiel des Firmamentes, das ſich als Bal⸗ dachin über ihm wölbte. Es wurde bereits bemerkt, daß ein verkrüppelter Anwuchs von Eichen und Tannen viel von dem ſandigen Rücken bedeckte, der das Cap bildete. Dieſelbe Bewach⸗ ſung gab dem Gewäſſer des Cove einen ſchwärzlichen Ab⸗ ſtich. Über dieſem Umriß von Wald, welcher den Rand des Meeres begränzte, meinte Alida nun einen Gegen⸗ ſtand ſich bewegen zu ſehen. Zuerſt glaubte ſie, ein ent⸗ laubter nackter Baum, deren die Küſte viele hat, täuſche ihren Blick und werfe die Striche auf den Hintergrund des Waſſers, ſo daß er die Form und Art eines leicht⸗ aufgetakelten Schiffes annehme. Wie ſich aber die dun⸗ keln und gleichförmigen Maſte deutlicher zeigten, wie ſle über entfernte feſte Gegenſtände dahinglitten, konnte ſie nicht länger zweifelhaft ſeyn. Das Mädchen wunderte ſich und ihre Verwunderung war nicht ohne alle Beſorg⸗ 1— und ung den der dem zum der nſel eite uhte dem roße per⸗ Bal⸗ elter digen dach⸗ Ab⸗ Rand egen⸗ ent⸗ luſche grund eicht⸗ dun⸗ dee ſie te ſie nderte niß. Es ſchien, als nahe ſich jetzt der Fremde— denn ein ſolcher mußte das Schiff ſeyn— furchtlos einer Brandung, die in ihrem ruhigſten Andrang für ein ſol⸗ ches Gebäude gefahrdrohend war, und ſteure, als kenne er die Gefahr nicht, gradezu aufs Land los. Selbſt die Bewegung war geheimnißvoll und ungewöhnlich. Segel hatte es nicht, und doch verbargen ſich die leichten und luftigen Maſte bald hinter ein Dickicht, das eine kleine Erhöhung am Rande der See bedeckte. Alida glaubte in jedem Augenblick den Ruf ſchiffbrüchiger Seeleute zu hören, und als dann die Minuten vorbeizogen und kein ſolcher ſchrecklicher Ton die Stille der Nacht unterbrach, ſielen ihr die ſchrecklichen Räuber ein, die unter den ea⸗ raibiſchen Inſeln in Menge hauſten und die ſich, wie es hieß, ſogar in den kleineren, verborgneren Buchten und Canälen des amerikaniſchen Feſtlandes ſehen ließen. Die Erzählungen, verbunden mit den Thaten, dem Charak⸗ ter und Schickſal des berüchtigten Kidd, waren noch zu neu, und ſo ſehr vergrößert und ausgeſchmückt ſie durch die Volksgerüchte, die es mit ſolchen Geſchichten gewöhn⸗ lich ſo machen, auch waren, ſo blieb doch für den beſſer Unterrichteten noch genug Wahres, um Leben und Tod dieſes Mannes zum Gegenſtand mancher wunder⸗ lichen und geheimnißvollen Gerüchte zu machen. In die⸗ ſem Augenblick hätte Alida gern den jungen Comman⸗ danten der Coquette zurückgerufen, um ihm den nahen Feind anzugeben, dann aber ſchämte ſie ſich ihrer Furcht, die ſie gern mehr ihrer weiblichen Schwäche, als der Wirklichkeit zuſchrieb, und ſuchte die Erſcheinung für die gewöhnliche Bewegung eines Küſtenfahrers zu erklären, — 122— d der, mit ſeiner Lage vertraut, nicht wohl ohne Hülfe, noch ein Gegenſtand der Angſt ſeyn konnte. Grade als dieſer natürliche, tröſtende Gedanke ihr den Kopf erhellte, hörte ſie vernehmliche Tritte in ihrem Pavillon. Sie ſchienen der Thuͤr ihres Zimmers zu nahen. Athemlos, mehr von der Aufregung ihrer Einbildungskraft, als von irgend wirklicher Furcht aus dieſer neuen Urſache von Beſorgniß, verließ das Mädchen den Balkon und ſtand regungslos, um zu horchen. Die Thüre öffnete ſich, es geſchah mit beſonderer Vorſicht, und einen Augenblick ſah Alida nichts als einen verworrenen Raum, in deſſen Mitte die drohende Geſtalt eines gierigen Freibeuters erſchien. «Potz Nordlicht und Mondſchein!» knurrte der Al⸗ derman Van Beveront, denn es war kein Anderer als der Onkel der Erbin, deſſen außergewöhnlich ſpäter, un⸗ erwarteter Beſuch ihr ſo viel Schrecken eingejagt hatte. „Dieß Aufbleiben unter freiem Himmel und Verkehren der Nacht in Tag wird deine Schönheit zerſtören, Nichte, und dann wollen wir ſehen, wie dick noch die Patrone zur Auswahl des Gemahls ſitzen! Ein feuriges Auge und eine blühende Wange ſind dein Waarenlager, Kind, und die vergendet beides, welche noch nicht zu Bett iſt, wenn die Glocke Zehn geſchlagen hat.» «Ihre ſtrenge Disciplin würde manche Schönheit der Mittel berauben, ihre Macht zu zeigen,» erwiederte la demoiselle, lächelnd über die Thorheit ihrer Furcht und aus Liebe zu dem, der ſie ausſchalt.«Man hat mir geſagt, zebn Uhr ſey die Zauberſtunde der Nacht, für die Herenkünſte der Damen in Europa.» die v ſelber gunge Famil der a Strei auf d 6 Blut Kinde fahr werde Aal gen h ten, fertig Niko hatte wie diſche Fing nächſ ſchon Oloff ſchon lius Gem wie fe, als te, Sie os, on don und es lick ſen ers Al⸗ als un⸗ tte. dren hte, one luge ind, iſt, heit derte ercht hat acht, aHexen oder keine! Das Wort erinnert einen an die verwünſchten Yankees, eine Race, die den Teufel ſelber auslernt, wenn man ihnen im Kauf die Bedin⸗ gungen überläßt. Hier iſt der Patron, der will eine Familie von dieſen Schurken unter die ehrlichen Hollän⸗ der auf ſeinen Hof laſſen und wir haben grade erſt einen Streit darüber zu Ende gebracht, indem wir die Sache auf dem Weg der Ehre ausfochten.» «Ich will doch hoffen, Onkel, daß es nicht zum Blutvergießen kam 25 «Friede und Oelzweige, nein! Der Patron von Kinderhook iſt der letzte Mann in Amerika, der in Ge⸗ fahr kommt, von Myndert Van Beverout angegriffen zu werden. Ich forderte den Jungen heraus, einen ſchönen Aal zu halten, den die Schwarzen aus dem Fluß gezo⸗ gen hatten, unſer morgendes Frühſtück damit auszuſtat⸗ ten, um zu ſehen, ob er mit dem ſchlüpfrigen Burſchen fertig werde. Bei dem Verdienſt des friedfertigen heil. Nikolaus! der Sohn des alten Hendrick Van Staats hatte eine ſaure Arbeit. Der Junge griff nach dem Fiſch, wie die alte Tradition ſagt, daß dein Onkel den hollän⸗ diſchen Gulden faßte, wie mein Vater ihn zwiſchen meine Finger that, um zu ſehen, ob der wahre Segen für die nächſte Generation in der Familie bleibe. Ich verlor ſchon den Muth auf einen Augenblick, denn der junge Oloff hat eine Fauſt wie ein Schraubſtock, und ich ſah ſchon die trefflichen Namen der Harmans, Rips, Corne⸗ lius und Dirks in dem Zinsbuch der Güter durch die Gemeinſchaft eines Increaſen oder Peleg befleckt, aber wie der Patron juſt meinte, er habe die Waſſerviper —— am Kragen, ſchnalzte der Fiſch unverſehens und ſchlüpfte ihm mit dem Schwanz durch die Finger. Potz Riſſe und Schlupflöcher! das Experiment iſt eben ſo ſinnreich als witzig!⸗ «Und mir kommt es vor, als wäre es, nachdem die Vorſehung alle Colonieen unter einen Hut gebracht hat, beſſer, dieſe Vorurtheile würden vergeſſen. Wir ſind Ein Volk aus vielen Nationen entſprungen, und unſere Anſtrengung ſollte darauf gerichtet ſeyn, die Liberalität und Intelligenz zu behaupten, während wir die Schwä⸗ chen Aller vergeſſen.„ „Brav geſprochen, für das Kind eines Hugenotten! Auch ich haſſe den Mann, der mir Vorurtheile vor der Thür ablädt. Ich liebe einen muntern Verkehr und eine hurtige Rechnung. Laß mich den Mann in ganz Neu⸗ England ſehen, der die Farbe eines Blattes im Credit⸗ buch raſcher angibt, als einer, der genannt werden kann, und ich will gern auf dem Bücherriemen reiten und wie⸗ der in die Schule gehen. Ich liebe den Mann, je mehr er auf ſeinen Vortheil ſieht; doch lehrt uns die gewöhn⸗ liche Geradheit, daß die Menſchen darüber eine Ver⸗ einbarung treffen ſollten, welche Gränzen ein Mann von Reputation und Charakter nicht überſchreiten dürfte.⸗ „Dieſe Vereinbarung müßte von Jedermann dahin abgeſchloſſen werden, daß er ſeinen eignen Fähigkeiten die Gränzen ſetzen ſolle, wodurch der Träge dem Raſchen gleichkäme. Ich meine, Onkel, man ſollte den Aal an je⸗ der Küſte fangen, wohin Käufer kommen.» „Vorurtheile und Grillen wirken auf ein ſchlaͤfriges Haupt;'s iſt Zeit, Kind, daß du in die Federn kommſt, und mit als 1 kernd dami terna böſen der nig möch derm ausl «&S dünn mich die den, men. dich Ort dem Dj Arti Vat ſicht dayl hlüpfte Riſſe anreich em die öt hat, r ſind unſere eralität Schwä⸗ notten! vor der nd eine 1z Neu⸗ Credit⸗ n kann, nd wie⸗ je mehr gewöhn⸗ ne Ver⸗ ann von rfte.» in dahin higkeiten Raſchen al an je⸗ hlaͤfriges kommſt, — 125— und morgen früh wollen wir ſehen, ob der junge Oloff mit den Gütern beſſeren Erfolg in deiner Gunſt hat, als mit dem Bild der Jonathans. Da, löſch dieſe flak⸗ kernden Lichter aus und nimm die beſcheidne Lampe, um damit zu Bett zu gehen. Helle Fenſter ſo nahe um Mit⸗ ternacht geben einem Haus in der Nachbarſchaft ⸗inen böſen Namen.» a Unſer Ruf der Nüchternheit könnte in den Augen der Aale leiden,» verſetzte Alida lachend,«hier ſind we⸗ nig Andere, denke ich, die uns Wohlleben vorwerfen möchten.» «Das kann man nicht wiſſen— flüſterte der Al⸗ derman, indem er die beiden großen Lichter ſeiner Nichte auslöſchte und ſeine kleine Handlampe dafür hinſetzte. «So ein großes Licht erhält einen wach, während der dünne Docht da ſo gut iſt wie ein Schlaftrunk. Küſſe mich, kleiner Eigenſinn, und mache die Läden zu, denn die Neger ſtehen jetzt bald auf, um die Periagua zu la⸗ den, damit ſie noch mit der Fluth nach der Stadt kom⸗ men. Der Spektakel der ſchnatternden Spitzbuben könnte dich im Schlummer ſtören!» Warlich, es ſieht nicht aus, als wäre hier der Ort zu ſo lebhafter Schifffahrt,» erwiederte Alida, in⸗ dem ſie die Wange des Onkels nach ſeinem Befehle küßte. „Die Liebe zum Handel muß ſtark ſcyn, wenn ſie die Artikel in einer Wildniß wie dieſe zuſammenbringt.» «Du haſt den rechten Punct getroffen, Kind. Dein Vater, Monsieur de Barberie, hatte ſeine eignen An⸗ ſichten von der Sache, und ohne Zweifel hat er etwas davon auf ſeinen Sprößling vererbt. Und doch, als der Hugenotte von ſeinem Schloß und lehmigen Boden ver⸗ trieben war, empfand er keinen Ekel gegen den Conto⸗ Corrent, ſobald nur die Bilanz zu ſeinem Vortheil ſtand. O Nationen und Charaktere! Ich finde doch wenig Un⸗ terſchied im Handel, werde er nun mit einem Mohawk um ſeine Pelzpäcke oder mit einem Seigneur getrieben, den man von ſeinen Gütern weggejagt hat. Jeder iſt bemüht, den Verluſt von ſich ab auf ſeinen Nachbar zu wälzen und den Gewinn allein zu ziehen. Nun ſchlafe wohl, Töchterchen, und bedenke wohl, daß die Ehe nicht mehr iſt als eine Capital⸗Anlage, von deren Succeß die Totalſumme der weiblichen Wohlhabenheit abhängt— ſo zum Letztenmal denn gute Nacht.» La belle Barberie begleitete ihren Onkel achtungs⸗ voll bis zur Thür ihres Pavillons, die ſte hinter ihm verriegelte, und als ſie ihr kleines Zimmer düſter fand von der matten Lampe, die er ihr gelaſſen, brachte ſie das Flämmchen in Berührung mit den Dochten ber bei⸗ den Kerzen, die er ſo eben ausgelöſcht hatte. Sie ſetzte die drei neben einander auf einen Tiſch und ging wieder ans Fenſter. Die unerwartete Unterredung mit dem Al⸗ derman hatte einige Minuten gedauert und Alida war jetzt begierig, von den unerklärlichen Bewegungen des geheimnißvollen Schiffs mehr zu erſpähen. Dieſelbe tiefe Stille herrſchte um die Villa und der ſchlafende Ocean wogte ſo ſchwer wie zuvor auf und ab. Alida ſah noch einmal nach dem Boot Ludlow's aus, und ihr Auge ſchweifte umſonſt über die ganze Ansdeh⸗ nung des breiten Glanzſtreifens zwiſchen ihr und dem Kreuzer. Die Falten des Waſſers ſpielten leicht in dem Mon hinül Kren von Anſtr in ir allen dern, Gewe kannt ſelt r ten v beſchr Cana Platz ward. des 2 Wind konnt ger ö⸗ Sand einem aberg ten 6 Dickic den 7 5 Brigo älteſte ver⸗ nto⸗ and. Un⸗ awk ben, r iſt r zu hlafe nicht ß die t— ungs⸗ r ihm faud be ſie r bei⸗ ſetzte vieder im Al⸗ a war n des nd der nd ab. s aus, lus deh⸗ ad dem in dem 127— Mondlicht, aber kein dunkler Fleck, wie eine Barke, glitt hinüber. Die Laterne war noch immer oben an dem Krenzer aufgehängt. Nun meinte ſie wieder den Ton von Rudern, aber näher zu vernehmen, doch war keine Anſtrengung ihres umherſpähenden Falkenauges das Boot in irgend einer Richtung zu erkennen im Stande. Zu allen dieſen Zweifeln kam eine Angſt, die aus einer an⸗ dern, ganz verſchiedenen Quelle entſprang. Die Exiſtenz des Canals, der das Meer mit den Gewäſſern des Cove verband, war nur den Wenigen be⸗ kannt, deren Beruf an die Stelle oder Umgebung gefeſ⸗ ſelt war. Der Paß war weit mehr als die halben Zei⸗ ten verſchloſſen, und ſein wechſelnder Charakter und der beſchränkte Gebrauch, der unter allen Umſtänden von dem Canal gemacht werden konnte, ließ es nicht zu, daß der Platz den Küſtenfahrern im Allgemeinen von Bedeutung ward. Selbſt wenn vom Meere geöffnet, war die Tiefe des Waſſers ungewiß, da zwar eine oder zwei Wochen Windſtille oder Weſtwinde den Fluthen Kraft geben konnte, die Canäle fahrbar zu machen, aber ein einzi⸗ ger öſtlicher Sturm hinreichte, um den ganzen Paß mit Sand zu füllen. Kein Wunder daher, daß Alida von einem Staunen ergriffen ward, das nicht ganz frei von abergläubiſcher Furcht war, als ſie in dieſer ſtillen ſpä⸗ ten Stunde der Nacht ein Schiff ohne Segel aus dem Dickicht, das die Meeresſeite des Cove begränzte, in den Mittelpunct deſſelben treten ſah. Das ſeltſame und geheimnißvolle Schiff war eine Brigantine von jener gemiſchten Bauart, die auch in den älteſten und claſſiſchſten Meeren der andern Hemiſphäre — 128— im Gebrauch iſt und die Vortheile eines eckigen, vorn wie hinten aufgetakelten Schiffes gewährt, ohne daß es dieſelbe Schönheit der Geſtalt, Symmetrie der Ausru⸗ ſtung entfalte, wie die, welche an den Küſten der verei⸗ nigten Staaten gefunden werden. Der erſte und kleinere Maſt hatte die ganze complicirte Einrichtung eines ordent⸗ lichen Schiffes, mit allen den kleinen und großen Stan⸗ gen, ihren weiter reichenden, doch leichten und gut zu handhabenden Raen, und den verſchiedenen Tauen, von einer Beſchaffenheit und Ausrüſtung, um alle Bedräng⸗ niſſe und Hartnäckigkeiten der Winde zu bekämpfen, wäh⸗ rend der zweite oder größere der beiden Maſten gleich einem kerzengeraden Tannenbaum vom Rumpf aufſtieg, ganz einfach in ſeinen Tauen und mit einem einzigen Stück Segeltuch, das allein genügend war, die Maſchine mit großer Geſchwindigkeit durch's Gewäſſer zu tragen. Der Rumpf war niedrig, von ſchönen Umriſſen, ſchwarz wie Rabenſchwingen, und ſo leicht gearbeitet, daß er auf dem Element hinſtrich, wie eine Seemeve, die nur über die Wogen hinwippt. Es waren auch feinere, duͤn⸗ nere Linien unter den Stangen zu erkennen, die dazu beſtimmt waren, breitere Segeltücher in den leichten Wind zu ſtellen, wenn's noth war, aber dieſe Zuthaten, die der Maſchine ſo viel Schönheit bei Tag gaben, wa⸗ ren nun, bei den matteren und verrätheriſchen Strahlen des Mondes, kaum mehr zu bemerken. Kurz, als das Schiff den Cove mit der Fluth betrat und ſich ſo wun⸗ derbar graziös und feenhaft bewegte, wollte Alida an⸗ fänglich kaum ihren Sinnen glauben und es nur für eine Taͤuſchung ihrer Phantaſte halten. Wie die Meiſten war — ſie1 uUm liege gant wo gege rige ſchw und der raun galt, gierd gerei Son Hoff wohl in g. Freil Inſe die Seit bis Eind billig de 2 mänt vorn aß es usrü⸗ verei⸗ feeinere rdent⸗ Stan⸗ gut zu , von dräng⸗ „wäh⸗ gleich ufſtieg, inzigen kaſchine tragen. ſchwarz daß er die nur ee, dün⸗ ie dazu leichten uthaten, en, wa⸗ Strahlen als das ſo wun⸗ llida an⸗ für eine iſten war ſie unbekannt mit dem geöffneten Canal, und unter dieſen Umſtänden war es kein Wunder, daß ſie einer ſo nahe liegenden Vorſtellung angenblicklich den Vorzug gab. Aber die Täuſchung ging ſchnell vorüber. Die Bri⸗ gantine wandte ſich und glitt in den Theil des Cove, wo die Krümmung der Küſten am meiſten Schutz gab gegen Winde und Wellen, vielleicht auch gegen neugie⸗ rige Blicke; hier aber hörte ihre Bewegung auf. Einen ſchweren Schlag ins Waſſer vernahm man bis zur Villa und Alida ſchloß daraus, daß ein Anker in den Grund der Bucht geſenkt worden ſey. Obgleich die Küſte von Nordamerika wenig Spiel⸗ raum für Seeräuberei bot und im Allgemeinen für ſicher galt, ſo drängte ſich doch die Möglichkeit, daß wilde Be⸗ gierde durch die einſame Lage der Villa ihres Onkels gereizt werden könnte, der Seele der jungen Erbin auf. Sowohl ſie als ihr Vormund galten für reich; getäuſchte Hoffnung auf der offnen See konnte deſperate Menſchen wohl zur Begehung eines Verbrechen treiben, das ſich in glücklicheren Stunden ihnen nicht aufgedrängt hätte. Freibeuter ſollten früher ſchon die Küſte der benachbarten Inſel beſucht haben, und die Leute fingen grade damals die Nachgrabungen nach verborgenen Schätzen und bei Seite geſchaffter Beute an, die zu verſchiednen Zeiten bis auf die jetzigen Tage fortgeſetzt wurden. Es gibt Lagen, in denen die Seele unmerklich ſich Eindrücken überläßt, welche die Vernunft gewöhnlich miß⸗ billigt. Die gegenwärtige war eine ſolche, wo ſich Alida de Barberie, obgleich ſie einen entſchloſſenen und ſelbſt männlichen Verſtand hatte, geneigt fühlte, den Mährchen, 9 — 130— die ſie ſonſt nur hörte, um ſie zu verlachen, Glauben beizumeſſen. Immer wurzelte ihr Blick auf dem bewe⸗ gungsloſen Schiff, ſie zog ſich hinters Fenſter zurück und wickelte den Vorhang um ſich, nneutſchieden, ob ſie die Familie aufwecken ſolle oder nicht, dabei fuͤhlte ſie eine unbeſtimmte Angſt, ihre Geſtalt möchte, obgleich ent⸗ fernt, bemerkt werden können. Kaum hatte ſie ſich ſo verſteckt, als das Geſträuch heftig bewegt wurde und ein Fußtritt über das Plätzchen rauſchte grade unter ihr Fen⸗ ſter; und jetzt ſprang Jemand ſo leichten Fußes auf den Balkon und vom Balkon mitten ins Zimmer, daß dieſe raſche Bewegung dem Fluge eines übernatürlichen We⸗ ſens zu gleichen ſchien. Neuntes Kapitel. „— Was ſchaut Ihr, und warum ſo ſtarr! Freund möcht' ich ſeyn, um Eure Liebe werben.* Shylock. Das erſte Gefühl, welches Aliden bei dieſer zweiten Erſteigung ihres Pavillons ergriff, war ſicher: die Flucht. Doch war Furchtſamkeit ihre Schwäche nicht; da viel⸗ mehr natürliche Feſtigkeit ihr Zeit gab, die Perſon zu beobachten, die ſo ohne alle Umſtände in ihr Zimmer getreten war, ſo ließ ſie ſich von der Neugier wei⸗ ter beſtimmen, da zu bleiben. Vielleicht hatte auch die unbeſtimmte, jedoch ſehr natürliche Erwartung, daß ſie den Befehlshaber der Coquette noch einmal ſortzuſchicken habe, Einfluß auf dieſe Entſcheidung. Damit der Leſer ur⸗ uben ewe⸗ und e die eine ent⸗ ich ſo d ein Fen⸗ f den dieſe We⸗ 1 erben.* k. weiten Flucht. a viel⸗ ſon zu zimmer er wei⸗ uch die daß ſie ſchicken eſer ur⸗ theilen möge, in wie weit dieſe Kühnheit entſchuldbar war, wollen wir die Perſon des Eindrängers näher beſchreiben. Der Fremde ſtand in der wahren Blüthe der Ju⸗ gend und kräftiger Männlichkeit. Sein Alter konnte nicht über zwei und zwanzig ſeyn, und man würde ihn wahrſcheinlich nicht für ſo alt gehalten haben, wären nicht ſeine Züge von einer ſtarken braunen Farbe verdüſtert ge⸗ weſen, die Folie einer natürlichen Geſichtsfarbe, die zwar nicht ſchön, doch klar und blühend war. Ein buſchiger, pechſchwarzer, doch weicher Backenbart, der in ſeltſamem Contraſt ſtand mit Augenwimpern und Brauen von faſt weiblicher Schönheit und Sanftheit, diente, einen ent⸗ ſchiednen Ausdruck einem Geſicht zu geben, welchem es etwas an dem Charakter gebrach, den man bei dem Manne ſonſt für weſentlich hält. Die Stirn war zart und niedrig, die Naſe hervorragend, von kühnem Schnitt im Profil, doch von ausnehmender Zartheit im Detail, Mund und Lippen voll, etwas gewölbt, während ſie einen Anflug von Schwermuth zu haben ſchienen, die Zähne waren regelmäßig und ſchön weiß. Das Kinn klein, rund, mit einem Grübchen und ſo ſorgfältig des unterſcheidenden Merkmals des Geſchlechtes beraubt, daß man denken konnte, die Natur habe dieſe ganze Zierde auf die benachbarten Wangen und Schläfen verwandt. Fügt man zu dieſen Zügen ein volles, feuriges, kohl⸗ ſchwarzes Auge, das in ſeinem Ausdruck nach des Eig⸗ ners Willen zu wechſeln verſtand, ſo wird der Leſer ſo⸗ gleich ſehen, daß das Zimmer Alidens von einem Mann beſchritten wurde, deſſen perſönliche Anziehungskraft un⸗ ter andern Umſtänden vielleicht der Einbildungskraft ei⸗ 9*¾ nes Weibes, deſſen Geſchmack ſich einigermaßen nach dem Maßſtabe ihrer eignen Schönheit richtete, gefährlich hätte werden können. 28 Der Anzug des Fremden war ſo merkwürdig, wie ſeine Perſönlichkeit. Der Schnitt der Kleider glich einem ſchon beſchriebenen, nämlich dem des Mannes, der ſich Maſter Tiller genannt hatte, aber die Stoffe waren rei⸗ cher und, vom Außern zu ſchließen, Deſſen würdiger, der ſie trug. 3 Der leichte Frack aus dicker Purpurſeide von indi⸗ ſcher Arbeit war mit großer Nettigkeit ſo ausgeſchnitten, daß er die ſchönen Umriſſe eines Körpers zeigte, der eher rund als eckig, eher nur lebhaft als athletiſch war. Die weiten Hoſen waren feiner weißer Jean, die Mütze aus ſcharlachrothem Sammt, mit Gold ausgeziert, und um die Hüften ſchlangen ſich breite Gürtelſchnüre von ſchar⸗ lachuer Seide, in Art eines Kabeltaues verſchlungen. An den Enden derſelben hingen kleine Anker, in Gold gearbeitet, als ein netter Schmuck. Im Gegenſatz mit dieſen kleinlichen und ungewöhn⸗ lichen Zierrathen ſtaken ein Paar kleine reich geſchaftete Piſtolen in dem Gürtel des Fremden, und das Heft ei⸗ nes ſeltſam geſchnitzten aſiatiſchen Dolchs ſtand etwas prahleriſch aus den Falten des Oberkleides. „Wie ſteht's? Wie ſteht's? ſchrie eine Stimme, die mehr mit der Kleidung, als mit dem rauhen ſee⸗ männiſchen Gruß harmonirte, indeß die fremde Fignr in der Mitte des Salons anlandete. «Komm heraus, Compagnon in Biberfellen, denn der da angelangt iſt, bringt reichliches Gold für deine 8 — 133— Koffer. Na! nun nachdem das Trio von Lichtern ſeine Schuldigkeit gethan, mag es verlöſchen, damit es nicht Andere in den verbotnen Hafen leitet!» «Um Vergebung, mein Herr,» ſagte die Herrin des Salons, die mit kaltblütiger Miene hinter dem Vor⸗ hang hervortrat, aber ihre Furcht faſt in den heftigen Bewegungen der Pulſe verrathen hätte,«da ich ſo un⸗ erwartet einen Gaſt bekomme, mögen die ſonſt überflüſ⸗ ſigen Lichter ganz am Ort ſeyn.» Das Erſchrecken, Zurückfahren und die ſichtbare Ver⸗ wirrung des ungebetenen Gaſtes gab Aliden etwas mehr Zuverſicht, denn der Muth ſcheint eine Eigenſchaft, die in dem Grade gewinnt, als der bedrohte Gegenſtand da⸗ von einbüßt. Doch, als die eine Hand an die Piſtole fuhr, war das Mädchen wieder im Begriff zu fliehen; ihr Entſchluß, zu bleiben, wurde erſt mit dem ſanften feſſelnden Blick des Eindrängers erkauft, als dieſer die Waffe ruhen ließ und mit ſo milder einſchmeichelnder Gebehrde ſich ihr näherte, daß jetzt Nengier an die Stelle des Entſetzens trat. «Obgleich Alderman Van Beverout nicht pünctlich in ſeiner Beſtellung iſt,» ſagte der aufgeputzte junge Fremdling,«ſo hat er mich für ſein Ausbleiben doch durch den geſendeten Stellvertreter mehr als entſchädigt. Ich hoffe, Sie kommen mit Vollmacht, die ſich über das Gauze unſerer Verhandlungen erſtreckt?» «Ich dränge mich nicht gern zum Hören oder Diec⸗ tiren von Geſchäften, die nicht meine eignen Angelegen⸗ heiten ſind. Mein äußerſtes Verlangen beſchränkt ſich darauf, zu bitten, daß dieſer Pavillon nicht zu Ver⸗ — 134— handlungen gebraucht werde, die mich eben ſo wenig in⸗ tereſſtren, als ich damit bekannt bin.» «Aber warum alsdann dieſes Signal?» fragte der Fremde, indem er mit Ernſthaftigkeit auf die noch neben einander brennenden Lichter dem offenen Fenſter gegen⸗ über deutete. Es iſt ſehr ärgerlich, falſch geleitet zu wer⸗ den in Dingen von ſo delicater Natur!» «Ihre Anſpielung, mein Herr, verſtehe ich nicht. Dieſe Lichter ſind nichts Anderes, als was man gewöhn⸗ lich um dieſe Stunde in meinem Zimmer ſieht— mit— ja, nur mit Hinzufügung der Lampe, die mein Oakel Alderman Beverout mir daließ.»— aIhr Onkel!“ rief der Andere, indem er ſich Aliden ſo näherte, daß ſie einen Schritt zurücktreten mußte, während ſein Geſicht lebhaftes, neu gewecktes Intereſſe ausſprach.—«Ihr Onkel!— Dieſes wäre alſo die welt⸗ berühmte und mit Recht geprieſene Schönheit, la belle Barbérie!“ ſetzte er hinzu, indem er höflich ſein Käpp⸗ chen abnahm, als entdecke er jetzt erſt den Stand und die hohen Reize ſeiner Gefährtin. Es lag nicht in Alida's Natur, empfindlich zu wer⸗ den. Alle ihre eingebildeten Schrecken waren vergeſſen, denn, außer der Unwahrſcheinlichkeit und Ungewißheit derſelben, hatte der Fremde ihr ja deutlich zu verſtehen gegeben, daß ihr Onkel ihn beſtellt habe. Fügen wir hinzu, daß die eigen intereſſanten und milden Züge ſei⸗ nes Geſichts und die einnehmende Stimme ihre Angſt vollends beſchwichtigten, ſo thun wir damit weder der Wirklichkeit, noch einem ziemlich natürlichen Gefühle über⸗ 1 haupt Gewalt an, Voͤllig unbekannt mit den Wegen N des Handels, und gewohnt, die Geheimniſſe deſſelben als eine Übung der freiſten und beſten Fähigkeiten des Menſchen rühmen zu hören, ſah ſie nichts Außerordent⸗ liches bei Solchen, die thätig mit der Verfolgung die⸗ ſer Pläne beſchäftigt waren, indem dieſe Leute die beſten Gründe haben mußten, ihre Bewegungen und Schritte der Eiferſucht und Mitbewerbung zu entziehen. Wie die Meiſten ihres Geſchlechtes ſtand ſie in großer Ab⸗ hänglichkeit von der Geſinnung derer, die ſie liebte, und obgleich Natur, Erziehung und Gewohnheit einen auf⸗ fallenden Unterſchied zwiſchen dem Vormund und ſeinem Mündel gemacht hatten, ſo war doch ihr gutes Verneh⸗ men mit einander nie durch irgend einen Mangel an Liebe unterbrochen worden. « Dieß iſt alſo la belle Barberie!» wiederholte der junge Seemann; denn fur das erklärte ihn ſein Anzug; er ſtudierte ihre Züge mit einem Ausdruck, worin Freude mit augenſcheinlicher, rührender Melancholie gemiſcht war.„Der Ruf hat nicht gelogen, denn hier iſt ja al⸗ les vereinigt, was Männer zur Thorheit oder zum Wahn⸗ ſinn treibt!» „Eine wirklich ſehr vertrauliche Unterredung mit einer ganz fremden Perſon,» verſetzte Alida erröthend, wiewohl das lebendige dunkle Auge, das alle ihre Ge⸗ danken zu entziffern ſchien, bemerken konnte, daß ſie dieß nicht im Arger ſprach.„Ich läugne nicht, daß die Par⸗ theilichkeit meiner Freunde, verbunden mit meiner Her⸗ kunft, mir den Betnamen verſchafft haben, der aber ge⸗ wiß mehr im Scherz als in ernſthafter Meinung gegeben * wird— doch da es ſchon ſpät in der Nacht und dieſer Beſuch mindeſtens ungewöhnlich iſt, ſo erlauben Sie mir, nach meinem Onkel zu gehen.» «O bleiben Sie,» unterbrach ſie der Fremde— des iſt ſo lang— ja ſo lang, daß ich kein ſo beſänftigendes, mildes Glück genoſſen! Dieſes Leben iſt voller Geheim⸗ niſſe, reizende Alida, obſchon ſeine Begebenheiten ge⸗ mein und alltäglich erſcheinen. Geheimniß liegt in ſei⸗ nem Beginn und in ſeiner Endſchaft, in ſeinen Triebfe⸗ dern, in ſeinen Sympathien und in allen diſſonirenden Leidenſchaften. Nein, verlaſſen Sie mich nicht. Ich komme von der hohen See, wo rohe und gemeinfüh⸗ lende Menſchen ſo lange meine einzige Geſellſchaft gewe⸗ ſen ſind: deine Gegenwart iſt Balſam für ein verwun⸗ detes, zerriſſenes Herz.” Mehr angezogen, wenn es möglich war, durch die rührenden melancholiſchen Töne des Sprechenden, als durch ſeine ungewöhnliche Rede, zögerte Alida. Ihre Vernunft ſagte ihr, daß Schicklichkeit und ſelbſt Klug⸗ heit von ihr heiſchten, den Onkel von der Ankunft des Fremden zu unterrichten, aber Schicklichkeit und Klug⸗ heit verlieren an Gewicht, wenn weibliche Neugier noch von geheimer und mächtiger Sympathie gehoben wird. Ihr eignes ſprechendes Auge traf den offenen bittenden Blick, der mit fabelhafter Zauberkraft gewaffnet ſchien, und während ihr geſundes Urtheil ihr ſagte, daß Gefahr vorhanden ſey, verwandten ſich ihre Sinne laut für den ſchönen Seemann. 8 «Ein Gaſt, den mein Onkel erwartet, mag wohl ſo viel Zeit haben, daß er ſich nach den Entbehrungen und Gefahren einer ermüdenden Reiſe ausruht,» ſagte ſle. Gaſt 66 Anzu Frem werfe hier und wenn wund nicht keit; 205 ſtören entfer ſtigtes zauber hier a reine dieſe hier ſt Felder men o Gedan makell Ali Seeme Gegen gen ſch mir, c es ndes, heim⸗ ge⸗ n ſei⸗ jebfe⸗ enden Ich nfüh⸗ gewe⸗ wun⸗ ) die als Ihre klug⸗ des dlug⸗ noch vird. nden hien, ffahr für vohl ngen agte — 137— ſte.«Dieß iſt ein Haus, deſſen Thüre den Rechten der Gaſtfreundſchaft nie verſchloſſen iſt.» «Liegt etwas in meinem Benehmen oder in meinem Anzuge, was Sie beunruhigen könnte,v» verſetzte der Fremde ernſthaft,«reden Sie, damit ich es von mir werfe.— Dieſe Waͤffen, dieſe thörichten Waffen dienen hier zu nichts„ fügte er hinzu und warf die Piſtolen und den Dolch durch ein Fenſter ins Geſträuch; ach, wenn Sie wüßten, wie ungern ich einen Menſchen ver⸗ wunde— und noch gar ein Weib— Sie würden mich nicht fürchten!“ «Ich fürchte Sie nicht,» verſetzte la belle mit Feſtig⸗ keit;«ich fürchte nur die falſchen Zungen der Welt.» «Welche Welt iſt hier, uns in unſerem Glück zu ſtören! Du lebſt in dieſem Paoillon, reizende Alida, entfernt von der Stadt und dem Neide, als ein begün⸗ ſtigtes, reichbegabtes Weſen, über deſſen glückliches be⸗ zauberndes Daſeyn ein gütiger Genius wacht. Sieh hier alle die reizenden Dinge, womit dein Geſchlecht ſich reine und harmloſe Vergnügungen ſchafft. Du berührſt dieſe Laute, wenn Melancholie dich gedankenvoll macht; hier ſind Farben, um die Schönheiten der Natur, der Felder und Berge, der Blumen und Bäume nachzuah⸗ men oder auszuwiſchen; und aus dieſen Blättern quellen Gedanken, rein und voll Phantaſie, wie deine Seele makellos und dein Weſen voll Lieblichkeit iſt!⸗ Alida horchte erſtaunt auf, denn indem der junge Seemann ſprach, berührte er die verſchiedenen genannten Gegenſtände mit melancholiſcher Innigkeit, welche zu ſa⸗ gen ſchien, wie tief er das Geſchick beklage, das ihn in eine Laufbahn geworfen, wo dieſe Dinge nicht hinge⸗ hören. „Es iſt bei Seeleuten nicht gewöhnlich, daß ſie ſich für die Kleinigkeiten intereſſiren, welche das Spielzeug eines Weibes ausmachen,» ſagte ſie, gegen ihre beſſere Abſicht verweilend. „Der Geiſt unſeres rauhen und ſtürmiſchen Gewerbes iſt Ihnen bekannt?⸗ «Es iſt nicht wohl möglich für die Verwandte eines Kaufmanns, der ſo weit und breit bekannt iſt wie mein Onkel, mit den Seeleuten ganz unbekannt zu bleiben. «Hier iſt eine Probe davon ,v verſetzte der Fremde, indem er ſo raſch ſprach, daß er wieder verrieth, wie empfindlich das Gewebe ſeiner Seele ſey. Die Ge⸗ ſchichte der amerikaniſchen Buccaniere iſt ein merkwürdi⸗ ges Buch in der Bibliothek eines Frauenzimmers! Wel⸗ ches Vergnügen kann ein Weſen wie la belle Barbérie an dieſen Erzählungen blutiger Thaten finden 25 «Welcher Vergnügen freilich!» erwiederte Alida, halb verſucht durch das wilde aufgeregte Auge des Gaſtes, ihn ungeachtet aller Dinge, die dagegen ſprachen, für ei⸗ nen ſolchen Räuber zu halten.«Ich erhielt das Buch von einem braven Seemann geliehen, der ſich in Bereit⸗ ſchaft hält, ihren Unthaten zu ſteuern, und indem ich von ſo viel Schlechtigkeit leſe, ſuche ich mir die Treue derer zu vergegenwärtigen, die ihr Leben wagen, um den Schwachen und Unſchuldigen zu ſchützen.— Mein On⸗ kel würde mir zürnen, wenn ich länger ſäumte, ihn von Ihrer Gegenwart zu unterrichten.» „Nur einen Augenblick! Es iſt lange— ſo lange, daß ich liegt M Fenſter tur, un ner ſch Scenen lich ſey! Der allein m gen, al ließ ſich des Sa Po hat dich Verhan vielleicht ſchlagen, Pd indem e ahmte beſchriel wenn n achtet 2, Da ſamkeit! ſie auf, einen S dich nich gen und Schweig hinge⸗ le ſich elzeug beſſere verbes eines mein eiben.» remde, „ wie e Ge⸗ würdi⸗ Wel⸗ rbérie ,, halb Gaſtes, für ei⸗ 3 Buch Bereit⸗ dem ich Treue um den in On⸗ ihn von lange, — 139— daß ich kein Heiligthum wie dieſes betreten habe! Hier liegt Muſik! und hier der feſtliche Stickrahmen— dieſe Fenſter gehen auf eine Gegend, ſanft wie deine eigne Na⸗ tur, und jener Ocean läßt ſich bewundern, ohne vor ſei⸗ ner ſchreckenden Macht zu zittern oder vor ſchlimmeren Scenen zuſammenzuſchandern. Du ſollteſt hier glück⸗ lich ſeyn!». Der Fremde drehte ſich um und bemerkte, daß er allein war. Verdruß malte ſich auf ſeinen ſchönen Zü⸗ gen, aber ehe er wieder einen Gedanken faſſen konnte, ließ ſich eine andre Stimme brummend an der Thüre des Salons vernehmen. «Potz Abreden und Tractate! Was in aller Treu hat dich hierher geführt! Iſt das der Weg, über unſere Verhandlungen einen Mantel zu hängen; oder meinſt du vielleicht, die Königin werde mich dafür zum Ritter ſchlagen, daß ich als dein Correſpondent bekannt werde 2. «Potz Lampen und Irrlichter!“ verſetzte der Andre, indem er die Stimme des verdrießlichen Bürgers nach⸗ ahmte und auf die Lichter hinwies, die noch wie oben beſchrieben daſtunden.«Kann man denn in den Hafen, wenn man nicht auf die Signale und Leuchtthürme achtet 25 „Das ſind die Früchte von Mondlicht und Empfind⸗ ſamkeit! Wenn das Mädchen im Schlaf liegen ſollte, iſt ſie auf, betrachtet die Sterne und macht einem Bürger einen Strich durch ſeine Speculationen.— Aber fürchte dich nicht, Meiſter Seadrift; meine Nichte iſt verſchwie⸗ gen und wenn wir auch kein beſſeres Pfand für ihr Schweigen hätten, als die Nothwendigkeit; ſie hat hier — 140— keinen Vertrauten, als ihren alten normanniſchen Be⸗ dienten und den Patron von Kinderhook, beide träumen von anderen Dingen als von einem bischen Profit im Handel.» «Fürchte dich nicht, Alderman,“» verſetzte der Andere, noch immer im nachäffenden Ton.«Wir haben das Un⸗ terpfand des Standes, wenn kein anderes, denn der On⸗ kel kann ſeine Reputation nicht verlieren, ohne daß die Nichte nicht den Verluſt theilt.“ «Welche Sünde iſt es denn, den Handel einen Schritt weiter als das Geſetz zu fördern. Dieſe Engländer ſind ein Volk von Monopoliſten und machen ſich kein Ge⸗ wiſſen draus, uns Leute in den Colonieen Hände und Füße, Herzen und Seelen mit ihren Parlamentsacten zu binden, indem ſie rufen: mit uns ſollſt du handeln, oder gar nicht.) In dem Charakter des beſten Bürger⸗ meiſters von Amſterdam, und derer die zur Provinz ge⸗ langten, iſt keine ſolche Ehrlichkeit, krumm zu liegen und zu gehorchen.» „Hieraus denn ergibt ſich viel Troſt für einen Kauf⸗ mann in Contrebande. Gut geurtheilt, mein würdi⸗ ger Alderman. Deine Logik macht auf jeden Fall ein ſanftes Ruhekiſſen, beſonders wenn das Abentheuer Ge⸗ winn abwirft. Und nun, nachdem wir ſo erbaulich über die Moral unſerer Induſtrie geſprochen, laßt uns zum rechtlichen, wenn nicht geſetzlichen Schluß kommen. Hier,“» fuhr er fort, indem er einen kleinen Beutel aus einer inwendigen Taſche ſeines Fracks zog und ihn nachläſſig auf den Tiſch warf; ehier iſt dein Gold. Achtzig breite Johannes iſt kein ſchlechter Ertrag für ein Paar Päcke Pelz u Monat De ſtig ſch vergnug Zufried Nun ſp will da überheb Ein Po ein Pa berger und ſche Hülfe Küſte 2, «Me macht. den in Was ſit ganza?, Di habe ich aHa nach de Handſch Wage z nommen mitgehn ſer Argr ſind geſc hen Be⸗ räumen vofit im Andere, das Un⸗ der On⸗ daß die Schritt der ſind ein Ge⸗ nde und acten zu handeln, Bürger⸗ vinz ge⸗ igen und n Kauf⸗ würdi⸗ Fall ein euer Ge⸗ lich über ins zum 1. Hier,“ us einer nachläſſig zig breite ar Päcke — 141— Pelz und ſelbſt der Geiz wird zugeſtehen, daß ſechs Monate kein langer Anſatz für ſolchen Wucher ſind 25 «Dein Boot, mein allerliebſter Seadrift, iſt ein lu⸗ ſtig ſchwirrender Seekolibri„ erwiederte Myndert mit vergnügtem Zittern der Stimme, welches ſeine völlige Zufriedenheit kund gab. Du ſagfeſt runde achtzig? Nun ſpare dir die Mühe, nach der Notiz zu ſehen, ich will das Geld ſelbſt zählen, um dich der Arbeit zu uͤberheben. Wahrhaftig, das Ding ging nicht ſchlecht. Ein Paar Fäßchen Jamaika, ein bischen Pulver und ein Paar wollne Decken, mit da und dort etwas Nürn⸗ berger Tand für einen Häuptling, das iſt, ey! ſo kundig und ſchuell in gelbes Metall verwandelt, durch deine gute Hülfe— dieſer Handel geſchah an der franzöſiſchen Küſte?“ «Mehr nördlich, wo der Froſt die Waare geſuchter macht. Deine Biber und Marder, ehrlicher Bürger wer⸗ den in den nächſten Feſttagen vor dem Kaiſer prangen. Was ſiehſt du denn ſo ſcharf nach dem Geſicht des Bra⸗ ganza?“ Die Münze ſcheint nicht die ſchwerſte— zum Glück habe ich meine Goldwage in der Nähe—» «Halt„» ſagte der Fremde und legte ſeine Hand, die nach der Mode des Tages in einem feinen parfümirten Handſchuh ruhte, leicht auf den Arm des Andern. Keine Wage zwiſchen mir und dir, Herr! Das ward einge⸗ nommen für dein Abentheuer; ſchwer oder leicht, es muß mitgehn. Wir theilen im Vertrauen auf einander; die⸗ ſer Argwohn beleidigt mich. Noch einmal das, und wir ſind geſchiedene Leute.⸗ aEin Jammer, den ich zu beklagen hätte, ſo gut oder noch mehr als du,„ verſetzte Myndert, mit erzwungnem Lachen, und dabei ließ er den verdächtigen Dublon wie⸗ der in den Beutel rutſchen, damit der Gegenſtand des Streites aus den Augen käme.«Ein wenig Genauig⸗ keit in der Bilanz dient zur Stärkung der Freundſchaft. Aber ſo eine Kleinigkeit ſoll uns nicht die edle Zeit ver⸗ tragen.— Bringſt du Güter, mit denen in den Colo⸗ nien etwas zu machen iſt 25 Eine Menge.» «Und gut aſſortirt? Potz Colonieen und Menopole! — Eine zweifache Satisfaction liegt in dem heimlichen Handelsverkehr! Ich bekomme nie Nachricht von deiner Ankunft, Meiſter Seadrift, daß mir nicht das Herz im Leibe lachte und hüpfte! Es liegt eine deppelte Luſt in dem Umgehen der Geſetze der grundgeſcheuten Londuer!⸗ aUnd die erſte iſt— 25 «Eine gute Capitalanlage, gewiß.— Ich will nicht die Wirkſamkeit der natürlichen Urſachen in Abrede ſtel⸗ len; aber glaube mir, es liegt eine Art Gewerbsruhm in dieſem Schnippchen, das wir der Selbſtſucht unſerer Herrſcher ſchlagen. Was? ſind wir darum vom Weibe geboren, damit wir als Werkzeuge zu ihrem Glück miß⸗ braucht werden? Gebt uns gleiche Geſetzgebung, ein Recht über die Weisheit ihrer Reſolutionen mit zu ent⸗ ſcheiden, ſo wollen wir, als rechtliche und gehorſame Un⸗ terthanen—»— „Nach wie vor nach Herzensluſt ſchmuggeln!» „Nun gut, gut; eitle Worte wechſeln iſt nicht Gold wechſel ſehen S Alder! die, w Lauf Hande E verlan alle I zu ein ſie kor S und e ob ihr ſeinen halten ten!» 6S zu He Nichte 2 ihr n der † . zut oder ungnem lon wie⸗ tand des Genanig⸗ ndſchaft. Zeit ver⸗ en Colo⸗ enopole! eimlichen on deiner Herz im 2 Luſt in ondner!" will nicht prede ſtel⸗ erbsruhm zt unſerer m Weibe zlück miß⸗ zung, ein it zu ent⸗ ſame Un⸗ 1!» icht Gold — 143— wechſeln. Kann die Liſte der eingeführten Artikel einge⸗ ſehen werden?" «Sie iſt hier und liegt zur Prüfung offen. Aber, Alderman Van Beverout, da überläuft mich eine Grille, die, wie andre meiner Eigenheiten, ihren ungeſchmälerten Lauf behält. Wir müſſen einen Zeugen bei unſerem Handel haben. «Ei was, Richter und Jury's! Du vergißt wohl, daß eine plumpe Galliote durch die feſteſte Clauſel die⸗ ſer widerrechtlichen Verträge ſegeln kann. Die Gerichte nehmen die Beweiſe von dieſer Art Händel auf, wie die Gruft die Todten; alles wird verſchluckt und ruht im Grabe der Vergeſſenheit.» „Was ſcheren mich die Gerichte; ich habe nie hinein verlangt. Aber die Gegenwart der belle Barbérie ſoll alle Mißverſtändniſſe beſeitigen, die unſere Verbindung zu einer frühzeitigen Endſchaft bringen könnten. Laß ſie kommen.⸗» Das Mädchen verſteht dir von Geſchäften gar nichts und es könnten ihr Gedanken in den Kopf kommen, als ob ihres Onkels Kredit nicht feſt ſtehe. Wenn ein Mann ſeinen Kredit nicht in ſeinen vier Pfählen aufrecht zu halten weiß, wie ſoll er ihn dann auf der Straße hal⸗ ten!» «Viele haben auf der Landſtraße Kredit, die keinen zu Hauſe haben. Doch du kennſt meine Launen; ohne Nichte kein Handel.» «Alida iſt ein frommes gutes Kind und ich möchte ihr nicht gern ſchlafloſe Nacht machen. Hier iſt aber der Patron von Kinderhook, ein Mann, der die engli⸗ . — 141— ſchen Geſetze ſo wenig Niebt wie ich ſelbſt— der wird ſich nicht ſträuben, einen ehrlichen Schilling in Gold ver⸗ wandelt zu ſehen. Ich will ihn aufwecken. Es hat noch Niemanden verdroſſen, zu einem profitabeln Geſchäft ge⸗ weckt zu werden.“ «Laß den nur ſchlafen. Ich theile nicht mit euern Manſchettenbauern und Pfandgläubigern. Bring mir das Mädchen her, denn es ſind lauter Dinge für ihr Urtheil!⸗ „ was, Gewiſſen und zehn Gebote! Ihr hattet nie die Sorge für ein Kind auf Euch, Meiſter Seadrift, und wißt nicht was Verantwortung heißt—» „Ohne Nichte kein Handel,“ unterbrach ihn der ei⸗ genſinnige Compagnon im Schmuggelgeſchäft, indem er das Waarenverzeichniß wieder in die Taſche ſchob und vom Tiſch aufſtehen wollte, an welchem er bereits ſaß, — die Dame weiß von meinem Hierſeyn und es wäre für uns beide beſſer, wenn ſie tiefer in unſer Geheimniß eingeweiht wäre.» 8 „Du biſt ſo despotiſch wie die engliſche Schifffahrts⸗ acte! Ich höre den Fuß des Kindes noch in ihrem Zim⸗ mer gehen, und ſie ſoll kommen. Aber es braucht keine Erläuterungen, die auf unſern alten Verkehr Bezug ha⸗ beu.— Die Sache kann für ein gelegentliches Geſchäft⸗ ſchen gelten.— Ein Intermezzo in dem großen Verkehr des Lebens.“ „Wie du das willſt. Ich markte weniger mit Wor⸗ ten, als mit Waaren. Bewahre deine eignen Geheim⸗ niſſe nur ſelbſt, Buͤrger, und ſie ſind ſicher. Nur muß er wird old ver⸗ hat noch chäft ge⸗ it euern ing mir für ihr zr hattet Seadrift, der ei⸗ ndem er chob und eeits ſaß, es wäre eheimniß ifffahrts⸗ rem Zim⸗ icht keine zezug ha⸗ Geſchäft⸗ Verkehr nit Wor⸗ Geheim⸗ Nur muß — 145— ich das Fräulein jetzt dabei haben, denn es ſchwant mir, als ob unſere Verbindung in Gefahr ſchwebe. «Ich liebe das Wort ſchwanen nicht,» murrte der Al⸗ derman, indem er ein Licht nahm und es mit Bedäch⸗ tigkeit putzte;«man darf nur einen einzigen Brief fallen laſſen, da träumt unſereiner ſchon von Strafen und Pöni⸗ tenzen der Schatzkammer.— Bedenke, daß du ein Han⸗ delsmann biſt, der ſich verbirgt, um deſto wirkſamer zu ſpeculiren! „Das iſt mein Beruf, auf den Buchſtaben getroffen. Wäre alles andere ſo wirkſam, dann wäre der Handel bald am Ende.— Geh, bringe das Fränulein. Der Alderman, der wahrſcheinlich einſah, daß er ſei⸗ ner Nichte einige Aufklärungen geben müſſe, und wie es ſchien die entſchiedene Art ſeines Compagnons ſehr gut kannte, zauderte nicht länger; doch erſt warf er noch ei⸗ nen argwöhniſchen Blick durch das geöffnete Fenſter ins Freie und verließ dann das Zimmer. . Zehntes Kapitel. 8 — — Weh mir, welch große Sünde wohnt in mir, Die Schande, meincs Baters Kind zu ſeyn! Doch, bin ich gleich dem Blut nach ſeine Tochter⸗ Bin ichs nicht von Geſinnung—» 1 Kaufm. v. Venedig⸗ — Sowie der Fremde wieder allein war, veränderte ſich der ganze Ausdruck ſeiner Züge. Das ſorgloſe und kühne Weſen wich aus ſeinem Blick, der jetzt wieder ſanfter, wenn nicht tiefſinnig wurde, als er auf den ver⸗ ſchiedenen eleganten Gegenſtänden verweilte, welche die Muße der belle Barbérie beſchäftigten. Er ſtand auf und berührte die Saiten einer Laute und dann, wie die Furcht ſelbſt, fuhr er zurück, als erſchrecke er vor dem geweckten Ton. Die Erinnerung des Gegenſtandes ſei⸗ nes Kommens war offenbar verdrängt durch ein neues, lebhafteres Intereſſe, und wäre Jemand zugegen geweſen, der ſeine Bewegungen bewacht hätte, ſo wäre das letzte Motiv für den einzig wahren Grund ſeiner Anweſenheit gehalten worden. Es lag ſo wenig von dem gemeinen⸗ * rohen Charakter, der gewöhnlich bei Männern ſeines Ge⸗: werb Weſe die 9 und Betr eher war, nung man mit werde dacht nährt ger 2 einſtel womi liſche Ehren teten Hauſe ſer B kung ohne gelaſſe wurde mittel Mehr gering die le mir, ter, dig. änderte )ſe und wieder een ver⸗ che die nd auf wie die bor dem des ſei⸗ neues, geweſen, as letzte beſenheit emeinen⸗ nes Ge⸗ — 147— werbes gefunden wird, in dem ſanften und unterdrückten Weſen der feinen Züge, daß man hätte denken ſollen, die Natur habe ihn ſo ſonderbar gebildet, um hier Liſt und Täuſchung vollkommen ſiegen zu laſſeu. Wenn ſein Betragen geringe Geſinnung kund gab, ſo ſchien dies eher erkünſtelt, als frei, und ſelbſt wo er im beſten Zuge war, zügelloſe Verachtung gegen die gewöhnliche Ord⸗ nung der Dinge in ſeinen Geſprächen mit dem Alder⸗ man auszudrücken, geſchah dies mit einem Rückhalt, der mit ſeinem Humor ſehr im Contraſt ſtand. Auf der andern Seite braucht nicht angedentet zu werden, daß Alida de Barberie keinen ſo ſtrengen Ver⸗ dacht über den Charakter des Gaſts ihres Oheims nährte. Die verderbliche Richtung, die ſich nothwendi⸗ ger Weiſe bei einer Niemanden verantwortlichen Macht einſtellt, verbunden mit der natürlichen Gleichgültigkeit, womit der Obere den Unteren anſieht, hatte das eng⸗ liſche Miniſterium veranlaßt, zu viele einträgliche und Ehren⸗Stellen in den Colonieen mit armſeligen, zerrüt⸗ teten Leuten von Rang oder von hohem Connexionen zu Hauſe zu beſetzen. Die Provinz Neu⸗York war in die⸗ ſer Beziehung beſonders unglücklich geweſen. Die Schen⸗ kung Karls an ſeinen Bruder und Nachfolger harte es ohne den Schutz ſolcher Freiheitsacten und Privilegien gelaſſen, die den meiſten Regierungen Amerikas gewährt wurden. Die Verbindung mit der Krone war eine un⸗ mittelbare, und lange Zeit hindurch betrachtete man die Mehrheit der Bewohner als eine verſchiedene, als eine geringere Race wie die Eroberer. So geſchah es durch die leere Moral der Zeiten in Hinſicht der Ungerechtig⸗ 10* keiten gegen die Bewohner dieſer Hemiſphäre, daß die räuberiſchen Expeditionen eines Drake und Anderer keine Flecken auf ihren Wappenſchildern zurückließen und die Königin Eliſabeth ihre Ehren⸗ und Gunſtbezeugungen auch auf Männer ausdehnte, die man jetzt für Freibeu⸗ ter erklären würde. Kurz das Syſtem von Gewalt und ſcheinbarer Moralität, welches mit den Schenkungen Ferdinands und Jſabellens, und mit den Bullen der Päbſte begann, dauerte mit mehr oder minderen Modi⸗ ficationen fort, bis die Abkömmlinge jener ſchlichten und thatkräftigen Männer, welche die Union bevölkerten, die Regierungsgewalt in ihre eigne Hände nahmen und eine politiſche Sittlichkeit frei bekannten, welche damals eben ſo wenig verſtanden als geübt wurde. Alida wußte, daß ſowohl der Graf Bellamont und der unlautere Edelmann, der in den erſten Blättern die⸗ ſer Erzählung eingeführt wurde, dem Verdacht nicht ent⸗ gangen waren, daß ſle in ſtärkere Gewaltthaten zur See gewilligt, als irgend ſolche ungeſetzliche Handelſchaf⸗ ten waren, und es wird daher nicht ſehr auffallen, daß ſte die Unrechtmäßigkeit einiger Speculationen ihres Onkels mit minderem Schmerz betrachtete, als irgend eine ih⸗ res Geſchlechts und ihrer Geſinnung zur gegenwärtigen Stunde. Ihr Verdacht erreichte aber bei weitem die ganze Wahrheit der Sache nicht, denn es war kaum möglich, ſich einen Seemann zu denken, der weniger At⸗ tribute ſeines rohen Berufs an ſich hatte, als der, mit dem ſie ſo unerwartet zuſammentraf. 4— Vielleicht auch übte der mächtige Reiz, der in der Stimme und Geſcchtsbildune eines von der Natur ſo ſeltſa⸗ zum man mehr 6 Lände Alder uͤber wenn deine ihr C 5 ren d ſeine des a len 2 lombe Bänd und bollät d und ſagte Sach dauer Throt ſehr: Bürg Haſt du in 16 die keine nd die zungen reibeu⸗ lt und kungen en der Modi⸗ en und kerten, en und damals int und ern die⸗ icht ent⸗ ten zur delſchaf⸗ in, daß Onkels eine ih⸗ värtigen item die ar kaum iger At⸗ der, mit in der tatur ſo — 149— ſeltſam begabten Menſchen lag, ſeinen Einfluß, um Alida zum Wiedererſcheinen zu beſtimmen. Auf jeden Fall ſah man ſie bald ins Zimmer treten, mit einer Miene, die mehr Neugier und Erſtaunen, als Mißfallen ausdrückte. «Meine Nichte hat gehört, daß du aus den alten Ländern kommſt, Meiſter Seadrift,» ſagte der ſchlaue Alderman, indem er Aliden voranging,«und ſee iſt dar⸗ uber ſehr erfreut. Es würde dir nie vergeben werden, wenn das Auge irgend eines Mädchens in Manhattan deine feinen Waaren zu ſehen bekäme, ehe ſie ſelbſt nicht ihr Gutachten darüber abgegeben.» «Ich kann mir keinen unpartheiiſcheren oder ſchöne⸗ ren Richter wünſchen,» erwiederte der Andre, indem er ſeine Mütze mit der nachläſſigen Galanterie ſeines Stan⸗ des abnahm. Hier ſind Seidenzeuge von den Webſtüh⸗ len Toscana's, und Lyoner Spitzen, die den Neid der lombardiſchen oder franzöſiſchen Damen erregen würden. Bänder und Borten von jeder Geſtalt und Färbung, und Spitzen, welche die Zierrathen der reichſten Eurer holländiſchen Dome nachzuahmen ſcheinen!“ Du biſt deiner Tage viel gereiſt, Meiſter Seadrift, und ſprichk von Ländern und Gebräuchen mit Verſtand,» ſagte der Alderman.«Aber wie ſtehen dieſe koſtbaren Sachen im Preis? Du weißt, wie lange der Krieg dauert und wie lange er noch dauern kann; dieſe deutſche Thronfolge und die Erdbeben im Lande haben die Preiſe ſehr wankend gemacht und gebieten uns nachdenklichen Bürgern, im Handel und Wandel vorſichtig zu ſeyn.— Haſt du dich erkundigt, wie die Wallachen ſtehen, als du in Holland warſt 25 — 1509— «Die Thiere werden um Bettelpreiſe losgeſchlagen! — Was den Werth meiner Waaren anbelangt, ſo weißt du, daß ſie ihre firen Preiſe haben; ich laſſe zwiſchen Freunden kein Accordiren gelten.» „Deine Hartnäckigkeit iſt unrecht, Meiſter Seadrift⸗ Ein weiſer Kaufmann ſieht immer auf die Marktpreiſe⸗ und ein ſo geübter Mann ſollte wiſſen, daß ein hurti⸗ ger Sirpence ſich ſchneller vervielfacht, als ein traͤger Schilling. Nur durch fortwährendes Umrollen wird das Schneeflöckchen zur Maſſe! Güter, die leicht kommen, ſollten nicht ſchwer gewogen werden und wer ſchnell han⸗ delt, wird ſchnell einig. Du weißt, daß unſer York ſagt, cdie erſten Gebote die beſten.⸗» aWem die Waare gefällt, der mag ſie kaufen; wer ſein Gold den feinen Spitzen, reichen Seidenſtoffen und dem ſchweren Brokat vorzieht, mag mit ſeinen Geldſäk⸗ ken unterm Kiſſen fortſchlafen. Es warten Leute genug mit Ungeduld auf meine Arrikel, und ich habe nicht das atlantiſche Meer durchfahren mit einer Ladung, die kaum der Brigantine den Ballaſt gibt, um die Koſtbarkeiten an den Mindeſtbietenden zu verſchleudern.» „Ja, Onkel,» ſagte Alida etwas zitternd, ⸗wir kön⸗ nen von der Güte der Artikel des Meiſter Seadrift nicht nach Hörenſagen urtheilen. Gewiß iſt er nicht ans Land gegangen, ohne Proben von ſeinen Waaren mit⸗ zubringen.» 0 Kundſchaft und Freundſchaft!“ murmelte Myn⸗ dert, azu was nützen nun Handelsverbindungen, wenn ſte um ein bischen mehr Wohlfeilheit abgebrochen werden ſollen. Aber krame nur deine Waaren aus, Herr Satzungs⸗ lagen! weißt viſchen aadrift⸗ preiſe⸗ hurti⸗ träger rd das mmen, Ul hau⸗ k ſagt, ; wer en und eldſäk⸗ genng ht das 2 kaum rkeiten ir kön⸗ zeadrift cht ans en mit⸗ Myn⸗ „wenn werden tzungs⸗ — 151— mann; ich wette, die Moden ſind ſchon veraltet oder die Farben haben wieder durch liederliches Packen dei⸗ ner leichtſinnigen Matroſen gelitten. Wir wollen dir wenigſtens die Ehre anthun, deine Effecten anzuſehen.⸗ „Wie Euch beliebt,» verſetzte der andere. Die Ballen ſind an dem gewöhnlichen Platz auf dem Kai, unter Aufſicht des redlichen Meiſter Tiller— aber wenn ſte ſo ſchlecht ſind, ſo wird es ſich kaum der Muͤhe ver⸗ lohnen, hinunter zu gehen.» „Ich gehe, ich gehe,» ſagte der Awerman, indem er die Perücke zurecht rückte und die Brille abnahm. Es wäre nicht recht, wenn man bei einem alten Handels⸗ freund nicht die Waaren beſähe— du wirſt mitgehen, Meiſter Seadrift, und ſo will ich dir das Vergnügen machen, die Waaren zu betrachten— obgleich der lange Krieg, die überladung des Markts mit Pelzen, die über⸗ mäßige Ergiebigkeit der vorjährigen Erndten und die voll⸗ kommene Stille in den Bergwerksdiſtricten, allen Han⸗ del platt auf den Rücken gelegt haben. Doch gehe ich, damit du nicht ſagen kannſt, du ſeyſt mit Nachläſſigkeit behandelt worden. Dein Meiſter Tiller iſt ein unbe⸗ ſcheidner kecker Geſchäftsführer; er jagte mir heute einen Schrecken ein, wie ich keinen ſeit dem Falliment von Van Halt, Balance und Diddle gehabt—» Die Stimme des Myndert verlor ſich in die Ent⸗ fernung, denn in der Haſt, die Intereſſen ſeines Gaſtes nicht zu vernachläſſtgen, hatte der zähe Kaufmann ſchon das Zimmer verlaſſen und die halbe Schlußrede ſiel ins Vorzimmer des Pavillons. „Es wird ſich nicht für mein Geſchlecht eignen, mit — 152— Seemännern und anderen Leuten zu verkehren, die ohne Zweiſel um die Ballen ſtehen,» ſagte Alida, in deren Geſicht ſich eine eigne Miſchung von Zögern und Neu⸗ gier malte. «Dies iſt auch nicht nöthig, verſetzte ihr Gaſt. Ich habe Proben von Allem, was Sie zu ſehen wünſchen bei der Hand. Doch wozu dieſe Haſt? Wir ſind noch im Beginn der Nacht und der Alderman wird lange zu thun haben, bis er zu dem Entſchluß kommt, die Preiſe zu bezahlen, die meine Leute ſicher von ihm begehren. Ich komme erſt jüngſt vom Meere, ſchöne Alida, und du kannſt dir das Glück wohl denken, welches ich nur in der Nähe ſchon eines weiblichen Weſens empfinde.⸗ La belle Barbérie trat einen oder zwei Schritte, ſte wußte nicht warum, zurück, und ihre Hand berührte die Schnur der Klingel, ehe ſie noch die Art gewahr wurde, wie ſie ihre Furcht verrieth. „Mich däucht, ich wäre keine ſo ſchreckliche Perſon, daß du meine Gegenwart fürchten ſollteſt,“ fuhr der ge⸗ putzte Seemann fort mit einem Lächeln, das eben ſo viel geheime Ironie ausdrückte, als von jener Schwermuth, die wieder von ſeinem Geſicht Beſitz nahm;«aber ſchelle, und laß deine Leute kommen, um dich von deiner Furcht zu befreien, die deinem Geſchlecht ſo natürlich und da⸗ rum verführeriſch für das meinige iſt. Soll ich die Klingel ziehen, denn dieſe ſchöne Hand zittert zu ſehr, als daß ſie den Dienſt thun könnte.» „Ich glaube, es würde niemand erſcheinen, denn die Stunde des Dienens iſt vorbei;— es iſt beſſer, ich gehe, die Ballen zu beſehen,⸗ D ches A genblic 46 kalten er meh Du bi Geſchle belle Hand haftigk Minut blick er ſich in Zimme 64 mir, men,» dem kl Hände machte tralitã e ohne deren Neu⸗ . Ich hen bei och im uge zu Preiſe gehren. und du nur in . chritte, erührte gewahr Perſon, der ge⸗ ſo viel rmuth, ſchelle, Furcht nd da⸗ ich die u ſehr, enn die er, ich —- 153— Das fremde und ſonderbar gekleidete Weſen, wel⸗ ches Aliden ſo viel Unruhe verurſachte, ſah ſie einen Au⸗ genblick mit ſchwermüthiger Bekümmerniß an. «So ſind ſie alle, bis zu viel Umgang mit einer kalten und verdorbenen Welt ſie verwandelt!» lispelte er mehr, als er es ſprach. Daß doch Alle ſo blieben! Du biſt eine ſeltſame Miſchung der Schwäche deines Geſchlechts und eines männlich entſchloſſenen Weſens, belle Barbérie; aber vertraue mir„ hier legte er die Hand mit einem Ernſt auf's Herz, der für ſeine Wahr⸗ haftigkeit Zeugniß gab:«ehe ein Wort oder eine That der Ungebühr von irgend einem ansginge, der meinem Willen gehorcht, müßte die Natur ſelbſt ſich verwandeln. Bleiben Sie, denn ich will jemanden rufen, der die Mu⸗ ſter bringt, die Sie zu ſehen wünſchen.“ Er ſetzte eine kleine ſilberne Pfeife an den Mund und that einen tiefen Signalpfiff, indem er Aliden bat, das Reſultat ohne Zagen abzuwarten. In einer halben Minute hörte man im Laube raſcheln, nur ein Augen⸗ blick erwartungsvoller Pauſe und ein dunkles Ding hob ſich in's Fenſter und rollte ſchwer in die Mitte des Zimmers. «Hier ſind unſre Modeſachen, und vertrauen Sie mir, auf den Preis ſoll es zwiſchen uns nicht ankom⸗ men,» hob Meiſter Seadrift wieder an, indem er von dem kleinen Ballen, der, wie es ſchien, ohne Hülfe von Händen in den Salon gekommen war, die Bänder los⸗ machte. Dieſe Güter ſind ſo viele Pfänder der Neu⸗ tralität zwiſchen uns; treten Sie näher und beſehen Sie ſte ohne Furcht. Sie werden einige darunter finden, die das Wagniß werth ſind. Der Ballen war nun geöffnet, und da ſein Eigen⸗ thümer beſonders erfahren ſchien, dem weiblichen Ge⸗ ſchmack zu ſchmeicheln, war es für Alida unmöglich, län⸗ ger zu widerſtehen. Sie verkor allmäͤhlig ihre Schüch⸗ ternheit, indem ſie die Dinge betrachtete, und ehe noch der Eigner der Schätze an den dritten Pack kam, waren die Hände der Erbin ſchon beſchäftigt, den Inhalt zu entfalten, wie ſeine eignen. «Dieſes iſt ein Stoff aus der Lombardei,v ſagte der Waarenverkäufer, erfreut über das Vertrauen, wel⸗ ches er zwiſchen der ſchönen Käuferin und ſich herzuſtel⸗ len ſo glücklich war.»Du ſlehſt, es iſt reich, blumig und mannichfaltig wie das Land, woher es kömmt. Man könnte ſich denken, die Reben und die ganze Vegetation dieſes tieſen Bodens ſchöſſen aus dieſer Arbeit des Web⸗ ſtuhls hervor— warlich, dieſer Stoff reichte zu jeder Toilette hin, wäre ſie auch noch ſo verſchwendriſch; ſieh, er iſt endlos wie die Ebenen, die das kleine Thier auf⸗ zogen, welches das Gewebe liefert. Ich habe von dieſer Fabrik an viele Damen in England verkanft, die es nicht entwürdigend fanden, mit einem Mann zu handeln, der für ſle ſo viel wagt.⸗ «Ich fürchte, es finden gar Viele Behagen an die⸗ ſen Stoffen, hauptſächlich aus dem Grunde, weil dieſel⸗ ben verboten ſind.» „Das wäre nicht gegen die Natur! Sieh; dieſes Käſtchen enthält nette Säͤchelchen aus Elfenbein, von ei⸗ nem geſchickten Künſtler in den fernen Ländern des Oſtens nicht denn minden ein S gabe a von 2 cc. ſolchen die rei eine A gefalle trachte es ſoll ſeiner nun ſi men fo welche ſpectir⸗ will ic zum(. cc L Blick den, die Eigen⸗ en Ge⸗ ich, län⸗ Schüͤch⸗ he noch waren halt zu ſagte n, wel⸗ erzuſtel⸗ blumig t. Man getation 8 Web⸗ zu jeder 5; ſieh, ier auf⸗ n dieſer es nicht In, der an die⸗ dieſel⸗ dieſes von ei⸗ rn des — 155.— Oſtens geſchnitzt; ſie würden den Putztiſch einer Dame nicht verunzieren, auch tragen ſie eine Moral in ſich⸗ denn ſie kommen aus einem Lande, wo das Geſchlecht minder glücklich als in der Heimath iſt. Ahl hier iſt ein Schatz von Mecheln, ganz nach meiner eignen An⸗ gabe gemacht.⸗ «Das iſt ſchöun erfunden! und würde einem Maler von Beruf keine Unehre machen.» «Ich beſchäftigte mich in meiner Jugend viel mit ſolchen Zeichnungen,» verſetzte der Kaufmann, indem er die reiche und ſchöne Spitze auseinander wickelte, auf eine Art, daß man ſah, er habe noch immer ein Wohl⸗ gefallen daran, Gewebe und Feinheit der Arbeit zu be⸗ trachten. Ich hatte von dem Fabrikanten ausbedungen, es ſolle ſo viel geben, daß es von dem hohen Kirchthurm ſeiner Stadt bis auf's Straßenpflaſter herabreiche, und nun ſieh, wie wenig mir geblieben iſt! Die Londner Da⸗ men fanden Geſchmack daran, und es hat mich Mühe gekoſtet, dieſe Kleinigkeit in die Colonieen mitzubringen.“ „Ihr wähltet ein eignes Maaß für einen Artikel, der ſo viele verſchiedene Länder ohne die Förmlichkeiten der Geſetze paſſiren ſollte!» „Wir dachten Aufſehen zu machen mit der Kirche, welche ſelten auf die ſauer ſieht, die ihre Privilegien re⸗ ſpectiren. Unter der Sanction einer ſolchen Autorität will ich den ganzen Reſt bei Seite legen; er wird dir zum Gebrauch ganz willkommen ſeyn?» «Ein ſo ſeltner Artikel mag nicht wenig koſten!⸗ La belle Barbérie redete zögernd, und als ſle den Blick erhob, traf ſte auf die dunkeln Augen ihres Ge⸗ — 156— fährten, die mit einem Ausdruck ſprachen, als ob er ſich des Wachſens ihrer Gunſt wohl bewußt ſey. Betroffen über, ſie wußte nicht was, fügte das Fräulein hinzu— «Es mag ſich für eine Hofdame beſſer eignen, als für eine Tochter der Colonieen.» «Für Niemanden, der es bisher getragen, ſo gut; — ich lege es dahin, als Zugabe zu meinem Handel mit dem Alderman.— Das iſt Atlas von Toskana, ein Land, wo die Natur ſich in ihren Ertremen zeigt und wo die Kaufleute Fürſten waren. Der Florentiner war fein in ſeinen Fabrikaten und glücklich in ſeinen Deſſeins, ſowohl was Zeichnung, als was Färbung betrifft, ein Vorzug, den er dem Reichthum ſeines eignen Klima's dankt. Sieh dort die Färbung der glänzenden Fläche iſt kaum ſo zart, wie ich das Roſenlicht Abends an den Seiten der Appenninen ſpielen ſah.» «Ihr habt alſo die Länder beſucht, aus deren Fa⸗ briken Ihr dieſe Dinge bezieht 25 ſagte Alida, indem ſie die Artikel aus der Hand fallen ließ, bei dem ſtärkeren Intereſſe, welches ſie kür den Eigenthümer zu fühlen be⸗ gann. «Das iſt meine Art zu leben. Hier haben wir eine Kette aus der Inſelſtadt. Die Hand der Venetianer allein konnte dieſe feinen und faſt unmerkbaren Glieder formen. Ich wies eine Schnur makelloſer Perlen für dieſes goldne Gewebe zurück.⸗ 4 «„Das war nicht klug, für einen, der mit ſo viel Gefahr Handel treibt. «Ich behielt das Spielzeug zu meinem Spaß!— Die Marotten ſind manchmal mächtiger, als der Durſt nach! ich die den, ſuchen ſo ſelt heit n ſo leie Fraue ein Z0 Dinge den ve nen E ſo wei del vo Lachri gen ti wegen Wert! ſchaft A ſetzen, dieſe ſeyen. ſte ma ihres der ſich hetroffen inzu— en, als ſo gut; ndel mit ia, ein igt und ner war deſſeins, fft, ein Klima's Fläche an den ren Fa⸗ dem ſte arkeren len be⸗ vir eine etianer Glieder len für ſo viel aß!— Durſt — 157— nach Reichthümern, und dieſe Kette laſſe ich nicht, bis ich die Dame meines Herzens finde.“» «Wer ſo emſig beſchäftigt iſt, kann kaum Zeit fin⸗ den, ſich einen würdigen Gegenſtand für die Gabe zu ſuchen.» «Iſt Wuͤrdigkeit und Lieblichkeit bei dem Geſchlecht ſo ſelten? La belle Barbérie ſpricht mit der Sicher⸗ heit mancher gemachten Eroberung, oder ſie würde nicht ſo leichthin urtheilen in einer Materie, die den meiſten Frauenzimmern ein ſo ernſthafter Gegenſtand iſt.» «Unter andern müßt Ihr wohl mit Euerm Schiff ein Zauberland beſucht haben; ſonſt würdet Ihr nicht Dinge zu wiſſen behaupten, die ihrer Natur nach Frem⸗ den verborgen bleiben.— Wie hoch kommen dieſe ſchö⸗ nen Straußfedern 25 «Sie ſind aus dem ſchwarzen Afrika, obgleich ſelber ſo weiß. Das Büſchel habe ich durch heimlichen Han⸗ del von einem Mohren, der ſie um ein Paar Schläuche Lachrymä Chriſti tauſchte, die er mit zugedrückten Au⸗ gen trank. Ich machte mit dem Kerl nur aus Mitleid wegen ſeines Durſtes den Handel und lege keinen hohen Werth auf den Putz. Er ſoll zur Beſtärkung der Freund⸗ ſchaft mit deinem Onkel ebenfalls dreingehn.⸗ Alida konnte ſich dieſer Freigebigkeit nicht wider⸗ ſetzen, obgleich ſle die geheime Bemerkung machte, daß dieſe Gaben keine ſehr delicate Geſchenke für ſie ſelber ſeyen. Die Wirkung dieſer Empfindung war zwiefach, ſie machte das Mädchen zurückhaltender in der Außerung ihres Geſchmackes, ſchwächte jedoch keineswegs ihr Ver⸗ — 4158— trauen und ihre Bewunderung für den ungezogenen und ſeltſamen Handelsmann. «Mein Onkel wird Urſache haben, Eure Großmuth zu loben,“ ſagte die Erbin; indem ſie den Kopf bei dieſer wiederholt erklärten Abſicht ihres Gaſtes ein we⸗ nig kalt herabſenkte;«doch iſt wohl im Handel Gerech⸗ tigkeit ſo wünſchenswerth als Großmuth— dieß ſcheint eine wunderliche Arbeit mit der Nadel?2 «Es iſt das Werk vieler Tage, von den Händen einer Nonne. Ich kaufte es einer ſolchen in Frankreich ab; ſie bringen Jahre mühſam über der Arbeit zu, die von mehr Werth iſt als der Stoff. Die demüthige Toch⸗ ter der Einſamkeit weinte, als ſie von dem Werk ihrer Hände Abſchied nahm, denn in ihren Augen hatte es die Anziehungskraft der täglichen Gewohnheit. Einer, die in den Zerſtreuungen der Welt lebt, könnte der Verluſt einer Freundin keinen ſtärkeren Kummer machen, als der ſtillen Bewohnerin des Kloſters das Scheiden von dem Product ihrer Nadel.» «Und iſt es Eurem Geſchlecht erlaubt, dieſe Oerter frommer Zurückgezogenheit zu beſuchen?» fragte Alida. Ich ſtamme von einer Familie, die weuig auf das klöſterliche Leben gibt, deun wir ſind Refugié's des ſtren⸗ gen Ludwig, doch hörte ich nie meinen Vater dieſe We⸗ ſen einer ſolchen Verletzung ihrer Sitte beſchuldigen.⸗ «Die Sache wurde mir ſo erzählt, denn ganz rich⸗ tig iſt es meinem Geſchlecht nicht erlaubt, mit den zu⸗ rückgezogenen Schweſtern unmittelbar zu verkehren;⸗ (ein Lächeln, das Alida faſt für unverſchämt hielt, ſpielte um den ſchönen Mund des Sprechenden)«es wurde mir ſo beri Weibe Sorger fliehen. „D dieſem Sitten a. mann wurde, viele 6 lebten, der W engliſch unter Meine Geſetz Delle 2 gen unß Ie theilen, meines chen mi den Mi⸗ Widerſt einen C T ſale un hinter a Heiligke ien und voßmuth kopf bei ein we⸗ Gerech⸗ ſcheint Händen ankreich zu, die ge Toch⸗ k ihrer atte es Einer, ite der machen, Scheiden Oerter Alida. uf das 3 ſtren⸗ ſe We⸗ een.- z rich⸗ den zu⸗ hren;⸗ „ſpielte de mir — 159— ſo berichtet. Was denkt ihr von den Verdienſten der Weiber, die auf ſolche Weiſe in klöſterlichen Orden den Sorgen und vielleicht auch den Sünden der Welt ent⸗ fliehen.» „Die Frage geht wahrlich uͤber meinen Horizont. In dieſem Lande werden keine Weiber eingemauert, und jene Sitten machen uns in Amerika keine großen Gedanken.» a Die Sitte hat ihre Mißbräuche,» fuhr der Kauf⸗ mann in Contrebande fort, indem er gedankenvoll wurde, aber ſie iſt nicht ohne ihr Gutes. Es gibt viele Schwache und Eitle, die glücklicher in Klöſtern lebten, als daß ſie den Verführungen und Thorheiten der Welt überlaſſen werden,— ah, hier iſt ein Werk engliſcher Hände. Ich weiß gar nicht, wie die Artikel unter die Producte fremder Webſtühle gerathen ſind. Meine Ballen enthalten in der Regel wenig, was das Geſetz zum Gemeingut macht. Reden Sie aufrichtig, belle Alide, und ſagen Sie, ob Sie die Vorurtheile ge⸗ gen unſern Stand der Freihändler theilen.» «Ich maße mir nicht an, von Verhältniſſen zu ur⸗ theilen, welche über die Kenntniſſe und Erfahrungen meines Geſchlechts hinausgehen,» erwiederte das Mäd⸗ chen mit lobenswerthem Rückhalt.«Es gibt Leute, welche den Mißbrauch der Gewalt für eine Rechtfertigung des Widerſtandes halten, indeß Andere einen Geſetzbruch einen Gewiſſensbruch nennen.“» «Das Letztere iſt eine Lehre eurer beeidigten Sen⸗ ſale und gemachten Leute. Sie haben ihren Gewinn hinter anerkannten Barrieren verſchanzt und predigen die Heiligkeit der Sache, weil ſie ihren Egoismus begünſtigt. — 160— Wir Tummler der Meere— Alida erſchrack ſo zuſe⸗ hends, daß ihr Gaſt zu ſprechen aufhörte. «Sind meine Worte ſo ſchrecklich, daß ſte von ihrem Ton erbleichen 2 5 «Ich hoffe, es war nur der Zufall, der ſie ſo ſtem⸗ pelte, nicht Abſicht. Ich würde es nicht geſagt haben — nein! es iſt bloß ein Ungefähr, aus Eurem ähnlichen Beruf. Ein Mann wie ihr kann nie ein ſolcher Mann werden, deſſen Name als Sprichwort gilt.» «Ein Mann wie ich, ſchöne Alida, iſt ſo viel als das Schickſal will. Von welchem Mann oder Namen ſprichſt du 2 «Es iſt nichts,» verſetzte la belle Barberie, indem ſie unwillkührlich und länger als Mädchen gewohnt ſind, auf den glatten und anmuthigen Zügen des Fremden verweilte.«Fahrt in Enren Erläuterungen fort— da iſt koſtbarer Sammt!⸗ «Er kommt auch von Venedig; aber mit dem Han⸗ del geht es wie mit der Glücksgunſt beim Reichen, und die Königin des adriatiſchen Meeres iſt ſchon nahe an ihrem Fall. Was das Gedeihen des Landmannes macht, verurſacht das Sinken der Städte. Die Lagunen füllen ſich mit fettem Boden und der Kiel des Kaufmanns wird ſeltner als ehemals. Nach manchen Zeitaltern mag der Pflug Furchen ziehen, wo der Bucentaur geflattert hatte. Die Straße um's Vorgebirg der Hoffnung hat den Weg des Glücks geändert, der immer in der weiteſten und neueſten Spur läuft. Nationen könnten Moral lernen, wenn ſie die trägen Canäle und belehrende Pracht dieſer geſunkenen Stadt ſtudirten; aber der Stolz macht ſich am Ende mit ſeinen eigenen trägen Erinnrungen fett.— Was ie den ver und C Meer o liche de 6 5 nöthig, brachte ſind At S des Re geſetze es ihr zuſchaff heiten anerken ſernire ein Zo⸗ D den; b 6 6 ten Fel cc 5 der W rüchtigt Tumml ſo zuſe⸗ on ihrem ſo ſtem⸗ igt haben ähnlichen er Mann el als das ichſt du 2 e, indem hnt ſind, Fremden t— da em Han⸗ hen, und nahe an es macht, een füllen nns wird mag der ert hatte. den Weg ſten und (lernen, ht dieſer nacht ſich fett.— Was ich ſagen wollte: wir Räuber haben wenig mit den verſchimmelten Maximen gemein, welche die Großen und Glücklichen daheim machen und über Land und Meer austrompeten, damit der Schwache und Unglück⸗ liche deſto enger in ihren Feſſeln eingenietet liege.» «Mich däucht, ihr treibt den Grundſatz weiter als nöthig, denn Euer größtes Vergehen gegen die herge⸗ brachte Sitte iſt ein kleiner waghalſiger Handel. Dieß ſind Anſichten, welche die Welt in Unruhe bringen.» «Vielmehr in Ruhe, indem ſie alles der Richtſchnur des Rechts unterwerfen. Wenn Regierungen ihre Grund⸗ geſetze auf dem natürlichen Recht beruhen laſſen, wenn es ihr Zweck iſt, die Verſuchungen zu Vergehen hinweg⸗ zuſchaffen, ſtatt ſie erſt neu zu ſchaffen, und wenn Geſammt⸗ heiten von Menſchen Verantwortlichkeit der Einzelnen anerkennen— wahrlich, dann könute ſelbſt die Waſ⸗ ſernixe ein zahlungeintreibender Kutter und ihr Eigner ein Zollofficiant werden!» Der belle Barberie fiel der Sammt aus den Hän⸗ den; beſtürzt ſtand ſie vom Stuhl auf. «Sprecht deutlich» ſagte Alida mit ihrer gewohn⸗ ten Feſtigkeit.«Wer iſt's, mit dem ich handle 2 «Der Auswurf der Menſchheit— den in der Augen der Welt Gebrandmarkte— der Vogelfreie— der be⸗ rüchtigte Vagabund des Oceans— der verbrecheriſche, Tummler der Meere!» rief eine Stimme am offenen Fenſter. Eine Minute, und Ludlow ſtand im Zimmer. Alida ſtieß einen Schrei aus, verhüllte das Geſicht im Ge⸗ wand und ſtürzte aus dem Zimmer. 58— 60. „ Eilftes Kapitel. —— „— Die Wahrheit kommt an's Licht; Mord bleibt nicht lang gehe im; wie man's auch treibt, Am Ende bricht die Wahrheit durch— Launcelot. Der Officier der Königin ſprang mit dem erhitzten Geſicht und der Haſt eines aufgereizten Menſchen in's Zimmer. Die Ausrufungen und die Flucht der belle Barberie nahmen für den erſten Augenblick ſeine ganze Aufmerkſamkeit hin. Dann aber kehrte er ſich raſch, um nicht zu ſagen trotzig, gegen ihren Gaſt. Wir brauchen die Perſon des Fremden nicht wieder zu be⸗ ſchreiben, um die plötzliche Veränderung in den Zügen Lndlows dem Leſer verſtändlich zu machen. Sein Blick ſchien zuerſt nach Jemand anderem im Zimmer zu ſuchen; als er ſich mit Mühe überzeugt, daß ſonſt Niemand da ſey, nachdem er das ganze Zimmer durchſucht hatte, kehrte er zu dem Geſicht und der Geſtalt des Schmugg⸗ — lers zurück, mit einem Ausdruck, welcher zugleich un⸗ gläubigkeit und Verwunderung kund gab. 6 Comn. unterf 6 deſſen Verd Fräul Unifo ein R zu be 6 tige jeder mer Betri Beſie 0 damit macht auf i wund das Ausd 6 als ſ könn gegn dt 3 treibt, lot. hitzten in's belle ganze raſch, Wir u be⸗ Zügen Blick chen; id da hatte, nugg⸗ Un⸗ 163— «Hier waltet irgend ein Mißverſtaͤndniß!» rief der Commandant der Coquette, nachdem er das Zimmer unterſucht hatte. «Euer artiges Hereintreten,» verſetzte der Fremde, deſſen Geſicht eine Röthe überflog, die eben ſowohl von Verdruß als Erſtaunen herrühren konnte, hat das Fräulein aus dem Zimmer geſcheucht. Doch da Ihr die Uniform der Königin tragt, ſo habt Ihr wahrſcheinlich ein Recht, die Wohnung eines Unterthaus mit. Gewalt zu betreten.» «Ich hatte geglaubt— vielmehr ich mußte die trif⸗ tige Vermuthung faſſen, daß hier Jemand weile, den jeder gute Unterthan verflucht,» ſtotterte der nd och im⸗ mer verwirrte Ludlow.„Doch hier kann unmöglich Betrug walten, denn ich hörte deutlich die Rede meines Beſiegers— und doch iſt er hier nicht!» Ich danke Euch für die Hochachtung, die ihr mir damit bezeugt.⸗ Mehr der Ton als die Worte des Sprechenden machten, daß Ludlow einen zweiten forſchenden Blick auf ihn warf. Es lag eine Miſchung von Zweifel, Ver⸗ wunderung, Aerger, wenn nicht Eiferſucht in dem Auge, das ſich langſam alle Linien und Umriſſe einprägte; der Ausdruck des Zweifels behielt anſcheinend die Oberhand ⸗ «Wir haben uns nie zuvor getroffen!» rief Ludlow, als ſein Blick von der Länge und Starrheit dunkelte, «Der Ocean hat viele Pfade und die Menſchen können lange darauf herumreiſen, ohne einander zu be⸗ gegnen.⸗» 11* — 164— «Du haſt der Köuigin gedient, in welcher zweiden⸗ tigen Stellung du dich auch jetzt befindeſt.» „Niemals; ich bin keiner der ſich an die Kuecht⸗ ſchaft irgend eines Weibes auf Erden bindet,» verſetzte der Freihändler mit einem höhniſchen Ausdruck um den Mund,«und wenn dies Weib tauſend Diademe trüge! Keine Stunde gehörte ich Anna, keine Regung meines Herzens gehörte ihr jel» «Das iſt eine kecke Rede, Herr, für das Ohr eines ihrer Officiere. Die Ankunft einer unbekannten Brigan⸗ tine, gewiſſe Dinge, die mir ſelbſt dieſe Nacht begegnet ſind, der Ballen mit verbotenen Waaren, regen Ver⸗ dacht auf, der genügende Auflöſung erfordert. Wer ſeyd Ihr?, «Der berüchtigte Vagabund des Oceans— der Auswurf der Menſchheit— der in den Augen der Welt Gebrandmarkte— der verbrecheriſche Tummler der Meerel⸗ «Das iſt nicht möglich! die Zungen der Menſchen malen dieſen Vagabunden als ein körperliches Scheuſal, wie er ein moraliſches vor den Geſetzen iſt. Ihr be⸗ trügt mich.» «Irren die Menſchen doch ſo vielfältig in ſichtbaren und gleichgültigen Dingen,» verſetzte der Andere ſtolz, aſollte man nicht bei Gegenſtänden von größerem Ge⸗ wicht an ihrer Zuverläſſigkeit zweifeln? Ich bin ſicher, was ich ſcheine, bin ich auch nicht, was ich ſage.» «Ich will dieſem unwahrſcheinlichen Gerede nicht glauben;— gebt mir einen Beweis, daß das, was ich höre, die Wahrheit iſt.» „Seht dort die Brigantine, deren feines Stangen⸗ werk ſagte Aufm a Die Eurer nen Feſſel Frag Meer lich; denn über auf der ben mit ſchön Prei ſchw Kok maß Ohr wele Mei Beſ Rec vei den⸗ Kuecht⸗ erſetzte m den trüge! neines eines rigan⸗ gegnet Ver⸗ er ſeyd der Welt Lere!⸗ nſchen euſal, r be⸗ baren ſtolz, Ge⸗ lcher, nicht s ich ngen⸗ — 165— werk ſich faſt mit dem Hintergrund der Bäume vermiſcht,“» ſagte der Andere, indem er an's Fenſter trat und die Aufmerkſamkeit ſeines Gefährten auf den Cove leukte! „Dieß iſt die Barke, die ſo oft die Anſtrengungen allen Eurer Kreuzer zunichte gemacht hat, und mich mit mei⸗ nen Reichthümern trägt, wohin ich will, frei von den Feſſeln willkührlicher Geſetze und von den unverſchämten Fragen beſtechlicher Miethlinge. Der Schauer, der über's Meer hinfährt, iſt nicht freier als das Schiff und ſchwer⸗ lich ſchneller. Mit Recht heißt es daher die Waſſernixe! denn ihre Leiſtungen ſcheinen alle natürliche Mittel zu üͤberbieten. Der Schaum des Meeres tanzt nicht leichter auf den Wellen, als jenes zierliche Kunſtwerk, wenn der Seewind es treibt. Es iſt ein Ding, das man lie⸗ ben muß, Ludlow; glaube mir, ich habe noch kein Weib mit ſolcher Inbrunſt geliebt, wie ich für dieſe treue und ſchöne Barke fühle!» aDas iſt faſt mehr, als irgend ein Seemann zum Preiſe des Schiffes, das er bewundert, ſagen kann.» «Wollt Ihr es ſagen, Herr, zu Gunſten jener ſchwerfälligen Kriegsſchaluppe der Königin Anna? Eure Kokette iſt keine der ſchönſten, und es liegt mehr An⸗ maßung als Wahrheit in ihrem Taufnamen.» «Beim Titel meiner königlichen Herrin, junger Ohnebart, es liegt eine Unverſchämtheit in dieſer Rede, welche dem gleicht, den Ihr ſo gerne vorſtellen möchtet! Mein Schiff, ſey es ſchwer oder leicht zu Fuße, hat die Beſtimmung, jenen falſchen Kauffahrer zu Urtheil und Recht zu bringen.» „Bei der Verſchlagenheit und Güte der Waſſernixe! — 166— dieſe Sprache gleicht der, die ein freier Mann führt, der nach Gefallen handeln kann,» entgegnete der Fremde, iadem er mit nachaͤffendem Tone den Aerger des Spre⸗ chenden malte. Ich will Euch den Beweis meiner Identität geben, hört. Es iſt ein Jemand, der ſeine Macht rühmt, und vergißt, daß er der Gimpel meines Agenten ward und gerade in dem Augenblicke, wo er ſo voller Keckheit ſpricht, mein Gefangener iſt!» Die braune Wange Ludlows röthete ſich und er drehte ſich gegen die leichtere und weit weniger kräftige Geſtalt ſeines Gefährten, als wolle er ihn eben nieder⸗ ſchmettern, da öffnete ſich eine Thür und Alida trat in den Salon. Das Zuſammentreffen des Commandanten der Co⸗ quette and ſeiner Dame war nicht ohne Verlegenheit. Der Zorn des Erſteren und die Verwirrung der Letzte⸗ ren geboten beiden auf einen Augenblick Schweigen; da aber la belle Barberie nicht ohne Anlaß zurückgekom⸗ men war, ſo faßte ſie ſich ſchnell. Ich weiß nicht, ob ich die Kühnheit gutheißen oder mißbilligen ſoll, womit Capitain Ludlow in dieſer unge⸗ wöhnlichen Stunde und mit ſo wenig Umſtänden meinen Pavillion betreten hat,» bemerkte ſte;«ich weiß noch immer nicht, aus welchem Grunde es geſchehen iſt. Wenn er mir den Gefallen erzeigt, denſelben hören zu laſſen, werde ich von dem Gewicht ſeiner Entſchuldigung beſſer zu urtheilen im Stande ſeyn.» «Recht, wir wollen ſeine Vertheidigung hören, be⸗ vor wir ihn verurtheilen,» ſetzte der Fremde hinzu, in⸗ dem e «Ohn unwie führt, remde, Spre⸗ neiner ſeine neines er ſo d er äftige ieder⸗ at in Co⸗ iheit. letzte⸗ ; da kom⸗ oder inge⸗ einen noch Venn ſſen, eſſer be⸗ in⸗ — 167— dem er Aliden einen Stuhl anbot, den ſte kalt ablehnte. «Ohne Zweifel hat der Herr doch einen Grund.» Wenn Blicke vernichten könnten, ſo wäre der Sprecher unwiederbringlich verloren geweſen. Da jedoch das Fräu⸗ lein über die letzte Bemerkung gleichgültig ſchien, ſo ſchickte ſich Ludlow zu ſeiner Rechtfertigung an. «Ich will nicht zu verbergen ſtreben, daß hier eine Liſt geſpielt wurde,“» ſagte er, adie von Folgen begleitet iſt, welche ich ärgerlich finde. Das Ausſehen und die Art des Seemannes, von deſſen keckem Benehmen Sie im Boote Zeuge waren, verführte mich, ihm mehr als klug war, zu trauen, und ich bin dafuͤr durch Betrug beſtraft worden.» «Mit andern Worten, Capitain Ludlow iſt der ſchlaue Mann nicht, für den er ſich hielt,» ſagte eine höhniſche Stimme an ſeiner Seite. 3 «Was trage ich für eine Schuld, oder warum muß ich in meiner Ruhe geſtört werden, wenn ein unſteter Seemann den Commandanten der Coquette getäuſcht hat?» hob Alida wieder an.«Nicht allein jener kühne Ma⸗ troſe, ſondern auch dieſe—— dieſe Perſou„» fügte ſie mit dem Gebrauch eines in der Volksſprache eingeführ⸗ ten Wortes hinzu,«iſt mir fremd. Es beſteht keine an⸗ dere Bekanntſchaft, als die Sie ſehen.» Es braucht nicht geſagt zu werden, warum ich an's Land ging,» fuhr Ludlow fort,«aber ich war ſchwach genug, dem unbekannten Matroſen zu erlauben, mit mir das Schiff zu verlaſſen, und als ich zurückkehren wollte, fand er Mittel, meine Leute zu entwaffnen und mich gefangen zu nehmen.“» — 168— «Und doch biſt du für einen Gefangenen noch er⸗ träglich frei!“ fügte eine ironiſche Stimme hinzu. Was nützt mir dieſe Freiheit, ohne mich ihrer be⸗ dienen zu können. Die See trennt mich von meinem Schiff und meine treuen Bootsleute ſind in Feſſeln. Ich ſelbſt werde nicht ſtreng bewacht; ich habe aber, obwohl mir gewiſſe Stellen zu betreten verboten wurden, genug geſehen, um nicht länger über den Charakter derer zu zweifeln, die Alderman Van Beverout gaſtlich aufnimmt.⸗ «Und ſeine Nichte, möchteſt du auch ſagen, Ludlow 25 «Ich möchte nichts ſagen, was gegen Alida de Bar⸗ berie hart oder unehrerbietig wäre. Ich will es nicht läugnen, daß mich ein nagender Gedanke quaͤlte— aber ich ſehe meinen Fehler ein und bereue es, ſo voreilig ge⸗ weſen zu ſeyn.» «So wollen wir uns denn in unſerm Handel nicht ſtören laſſen,“ ſagte der Kaufmann, indem er ſich ruhig vor den offenen Ballen ſetzte, während Ludlow und das Fräulein einander mit ſtummem Erſtaunen anſahen. Es iſt ſpaßhaft, dieſe verbotenen Schätze vor einem Officier der Königin auszukramen! Es mag die Art zeigen, wie man den königlichen Schutz gewinnt. Wir blieben bei den Sammtſtoffen und waren zuletzt in den Lagunen von Venedig. Hier iſt ein Stück von Farbe und Qualität, wie der Doge ſich als Bräntigam des Meeres bei der bekanuten Tranung trägt! Wir Leute vom Weltmeer erblicken in dieſer Feierlichkeit eine Bürgſchaft, daß Hy⸗ men uns nicht vergeſſen wird, obgleich wir vor ſeinen Altären fliehen. Thue ich der Treue am Gewerbe Ge⸗ rechtigkeit, Capitain Ludlow?— oder ſeyd Ihr ein ge⸗ och er⸗ rer be⸗ neinem . Ich bbwohl genug rer zu mmf. low 25 Bar⸗ nicht aber ig ge⸗ nicht ruhig ) das Es ficier wie 1 bei — 169— ſchworner Diener Neptuns und allein mit Seufzern zur Göttin Venus zufrieden, wenn Ihr auf dem Meere ſeyd 2 Mag's drum ſeyn, daß die Feuchtigkeit und ſalzige Luft des Meeres die goldne Kette roſten macht; es iſt die Sünde der grauſamen Natur!— Ahl hier iſt— Der durchdringende Ruf eines Pfeiſchens ſchallte aus dem Gebüſch und der Sprechende wurde ſtumm. Er warf die Gewänder nachläſſig auf den Ballen, ſtand auf und ſchien zu zaudern. In der Unterredung mit Ludlow war das Ausſehen des Freihändlers ſanft, zuweilen ſchalkhaft, und nicht ein einziges Mal ſchien er die Ar⸗ gerlichkeit zu erwiedern, die der Andere ſo deutlich an den Tag legte. Nun wurde er beſturzt und ſein Mienen⸗ ſpiel gab zu vermuthen, daß er in ſeinen Gedanken hin und her ſchwanke. Der Ton der Pfeife ließ ſich zum zweitenmal hören. «Gut, gut, Meiſter Tom,» murrte der Schmugg⸗ ler.«Deine Muſtk iſt laut genug, aber warum die Eile! Schöne Alida, dieſer ſchrille Ton ſagt mir, daß die Zeit zur Abreiſe gekommen ſey.» «Wir trafen uns mit weniger Vorbereitung,» er⸗ wiederte la belle Barberie, welche unter den eiferſüchti⸗ gen Augen ihres Anbeters die ganze Zurückgezogenheit ihres Geſchlechtes beobacktete. «Wir trafen uns ohne Meldung, aber ſoll unſer Scheiden ohne ein Merkmal ſeyn? Soll ich mit allen dieſen Koſtbarkeiten auf die Brigantine zurückgehen, oder kann ich dafür den gewohnten Tribut in Gold erhalten? «Ich weiß nicht, ob ich in Gegenwart eines Die⸗ vers der Königin einen Handel ſchließen darf, den das — 170— Geſetz nicht erlaubt,» erwiederte Alida lächelnd. Ich will nicht läugnen, daß Eure Artikel die Begierde eines Weibes ſehr erregen, doch unſere königliche Gebieterin könnte ihr Geſchlecht vergeſſen und wenig Mitleid zeigen, wenn ſie von meiner Schwäche hörte.» «Darüber ſeyn Sie unbeſorgt, mein Fräulein. Es ſind grade Die, welche ſich am ſtrengſten zeigen, dieſe harten Geſetze zu geben, die ſie am leichteſten brechen. Bei den Verdieuſten des ehrlichen Leadenhall, ich möchte einmal die Königin Anna in ihrem Cloſet mit einem ſol⸗ chen Aſſortiſſement von ſchönen Spitzen und ſchwerem Bro⸗ kat in Verſuchung führen!» «Das wäre wohl gewagter als weiſe!» „ Ich weiß es nicht. Sie ſitzt zwar auf dem Thron, iſt aber nur ein Weib. Verkleide die Natur wie du willſt, ſie iſt ein allmächtiger Tyrann und beherrſcht Alle gleichmäßig. Das Haupt, das eine Krone trägt, träumt von Eroberungen des Geſchlechts mehr als von Staats⸗ eroberungen; die Hand, die den Scepter hält, will gern ihre Fähigkeiten mit dem Pinſel, mit der Nadel zeigen, und klingen auch Worte und Gedanken mit dem Pomp des Königthums in die Welt hinaus, ſo iſt doch der Ton immer weiblich.» «Ohne über die Verdienſte unſerer jetzigen koͤnigli⸗ chen Herrin abſprechen zu wollen,» ſagte Alida, etwas erpicht, die Rechte ihres Geſchlechtes in Schutz zu neh⸗ men,«ſo genügt es an dem Beiſpiel der glorreichen Eli⸗ ſabeth, dieſen Vorwurf abzuweiſen.» «Ja, wir ſahen unſere Cleopatra's auf der See in Gefechten, und die Furcht zeigte ſich ſtärker als die Liebe auf ihr( ſind nig Sie vergi häng woll Ihr eigen ten mög Die führ Ern entd rie er i Mo höh ihr ſie ſche *Sch 2 eines ieterin zeigen, 1. Es dieſe rechen. nöchte m ſol⸗ Bro⸗ iron, je du t Alle äumt aats⸗ gern eigen, Pomp der nigli⸗ twas neh⸗ Eli⸗ ee in die — 171— Liebe. Das Meer hat ſeine Ungeheuer, ſo mag's auch auf dem Lande ſeyn. Er, der die Erde geſchaffen, gad ihr Geſetze, die man nicht brechen ſoll. Wir Männer ſind eiferſüchtig auf unſere Eigenſchaften, und haben we⸗ nig Gefallen daran, ſie uſurpirt zu ſehen, und, verlaſſen Sie ſich auf mich, Fräulein, welches Weib die Mittel vergißt, die ihr die Natur verliehen, mag über den ver⸗ hängnißvollen Fehltritt ſich in Lrauer abhärmen;— doch, wollen wir einen Handel in Sammt machen, oder neigt Ihr Geſchmack mehr zu dieſem Brokat?» Alida und Ludlow hörten mit Verwunderung dem eigenſinnigen und phantaſiereichen Gerede des räthſelhaf⸗ ten Fremden zu, und beiden war es ſchlechterdings un⸗ möglich, au dieſen Charakter einen Maßſtab zu legen. Die zweideutige Art ward im Allgemeinen gut durchge⸗ führt, doch hatte der Commandant der Coquette einen Ernſt und ein Gefühl in dem Benehmen des Fremden entdeckt, wenn er ſich unmittelbarer an die belle Barbe- rie wandte; daß er ſich etwas unbehaglich fühlte, was er indeſſen ſich ſelber zu geſtehen ſich ſchämte; daß das Mädchen dieſe Verſchiedenheit bemerkte, konnte aus der höheren Röthe geſchloſſen werden, die ſich allemal über ihre Züge verbreitete, doch iſt kaum anzunehmen, daß ſie ſich der Wirkung ſelbſt bewußt war. Ehe ſie um Ent⸗ ſcheidung wegen der Waaren gefragt wurde, ſah ſie Lud⸗ low wieder zweiflend an; dann antwortete ſie in lachen⸗ dem Tone: 7 «Ich muß geſtehen, daß Ihr das weibliche Geſchlecht nicht vergeblich ſtudiert habt. Doch, ehe ich mich ent⸗ ſcheide, laßt mich mit denen berathen, die mehr indden — 172— Geſetzen bewandert ſind, und daher auch beſſere Richter über die Eigenſchaften der Käufe abgeben.„ «Wäre dieſe Bitte nicht verſtändig an ſich, ſo würde es doch wenig Rückſicht gegen Schönheit und Stand der der Käuferin verrathen, mein Fräulein, dieſelbe abzit⸗ ſchlagen. Ich laſſe den Ballen unter Ihrer Obhut, und ehe die morgende Sonne geſchieden iſt, kommt Jemand, der auf Antwort wartet. Capitain Ludlow, gehen wir als Freunde, oder ſchreibt Eure Pflicht gegen die Köni⸗ gin das Wort vor?» «Wenn Ihr wirklich ſeyd, was Ihr ſcheint,» ſagte Ludlow, aſo ſeyd Ihr ein unerklärliches Weſen! Iſt es aber eine Maskerade, wie ich halb und halb vermu⸗ the, ſo iſt ſie wenigſtens gut durchgeführt, wenn ſie auch keine Ehre bringt.» aIhr ſeyd nicht der erſte, der ſeinen Sinnen miß⸗ traut, in Sachen, worin die Waſſernire und ihr Be⸗ fehlshaber ihr Spiel trieben.— Still, ehrlicher Tom— deine Pfeife wird die Mutter Zeit nicht übereilen! Freund oder nicht, Capitain Ludlow bedarf keiner Erinnerung, daß er mein Gefangener iſt.» «Daß ich in die Gewalt eines Schurken gefallen bin— .«St!— wenn dir Geſundheit und gerade Glieder lieb ſind. Meiſter Thomas Tiller iſt ein Mann von rau⸗ hen Sitten und verträgt ſo wenig Beleidigungen wie An⸗ dere. Auch gehorchte der ehrliche Matroſe nur meinen Befehlen und ſeine Auffuͤhrung unterliegt einer höheren Verantwortung.» „Deinen Befehlen!» wiederholte Ludlow, mit einem Richter würde und der abzit⸗ t, und emand, en wir Köni⸗ ſagte ! Iſt vermu⸗ ie auch miß⸗ ör Be⸗ om— Freund erung, efallen Zlieder rau⸗ ie An⸗ neinen öheren einem — 173— Ausdruck in Blick und Mund, welcher einen Heftigeren als der, mit dem er redete, beleidigt haben würde.«Der Kerl, der in ſeiner Liſt ſo glücklich war, ſcheint mehr zum Befehlen als zum Gehorchen gemacht zu ſeyn. Wenn hier einer der Tummler der Meere iſt, ſo iſt er es.“» «Wir ſind Alle nicht mehr, als treibende Zweige, welche ſchwimmen, wohin der Wind ſte jagt. Aber worin hat der Mann gefehlt, daß er ſo wenig Gunſt bei dem Capitain der Königin findet? Er hatte doch nicht die Keckheit, einem ſo treuen Diener einen heimlichen Han⸗ del anzubieten?» „Wohl das nicht, mein Herr; Ihr wählt eine gün⸗ ſtige Gelegenheit für ſolche Spötterei. Ich ging an's Land, um dieſer Dame meine Verehrung zu bekennen, und es iſt mir einerlei, ob die Welt die Abſicht des Be⸗ ſuches weiß. Es war keine dumme Liſt, die mich hier⸗ her verleitete.» „Das war mit der Freimüthigkeit eines Seemanns geſprochen,» ſagte der räthſelhafte Schmuggler, wobei aber ſeine Farbe etwas abnahm und ſeine Stimme zu ſtocken ſchien.«Ich bewundere dieſe Ritterlichkeit des Mannes gegen das Weib, denn da die Sitten beiden für den Ausdruck ihrer Gefühle ſo ſtarke Feſſeln ange⸗ legt haben, ſo iſt es recht ven uns, ſo wenig als mög⸗ lich Zweifel an unſerer Geſinnung zu laſſen. Schwerlich kann la belle Barberie etwas weiſeres thun, als ſo viel ritterliche Huldigung zu belohnen!“ Der Fremde warf, indem er ſprach, einen Blick, aus welchem Alida Kummer zu entrathen glaubte, auf — 174— die Jungfrau und ſchien eine Antwort von ihr zu er⸗ warten. «Wenn die Zeit zu einer Entſcheidung kommt,“ verſetzte der halb glückliche, halb beleidigte Gegenſtand ihrer Anſpielung,«ſo wird es nöthig ſeyn, ſich an ſehr verſchiedne Raͤthe um Gutachten zu wenden. Ich höre den Tritt meines Onkels.— Capitain Ludlow, ich über⸗ laſſe es Ihrer Discretion, ob Sie ihn ſehen wollen oder nicht.» Der ſchwere Fußtritt näherte ſich durch die äußeren Zimmer des Pavillons. Ludlow zögerte einen Augenblick, warf einen vorwurfsvollen Blick auf ſeine Geliebte und verließ das Zimmer durch dieſelbe Offnung, durch die er es betreten hatte. Ein Geräuſch im Laub bewies hin⸗ länglich, daß man auf ſein Zurückkommen gewartet hatte und ihn ſtreng bewachte. «Noah's Arche und unſere Großmütter!⸗» rief Myn⸗ dert, der mit einem rothen Geſicht von der Anſtrengung an der Thür erſchien.„Ihr habt uns lauter Putz von unſern Vorfahren mitgebracht, Meiſter Seadrift. Das ſind Stoffe aus vergangenen Zeiten, und ſollen für Gold verhandelt werden, das ſauren Schweiß gekoſtet hat.» «Nun, nun!) verſetzte der Freihändler, deſſen Ton und Manieren nach Willkühr mit den Perſonen, die er anredete, wechſeln zu können ſchienen. Nun, ſtarrköpfi⸗ ger Bürger, was machſt du mir die Waaren ſchlecht, die noch zu gut ſind für dieſes Ende der Welt. Wie viele engliſche Herzoginnen wären glücklich, nur den zehnten Theil von den ſchönen Stoffen zu beſitzen, die ich deiner Nichte ginnen 60 Brokc nem* liger 6 ſegeln tucket kees hawk ( wie d wenn Guld und die 2 Duca laß d bevor len. gen weit die 5 Erſch und Nich zu er⸗ mmt,„ enſtand an ſehr h höre über⸗ n oder ußeren enblick, te und die er 3 hin⸗ hatte Myn⸗ ngung z von Das Gold it.» n Ton die er rköpfi⸗ tt, die viele ehnten deiner - 115— Nichte anbiete; und meiner Treu, der engliſchen Herzo⸗ ginnen ſind wenige, denen ſte ſo gut ſtünden!» «Das Mädchen iſt hübſch, und Euer Sammet und Brokat paſſabel, aber die ſchweren Artikel kann ich kei⸗ nem Mohawk Sachem anbieten. Die Preiſe müͤſſen bil⸗ liger geſtellt werden oder die Factur geht nicht durch.» «Thut mir leid. Sollen wir ſegeln, ſo wollen wir ſegeln! Die Brigantine kennt den Weg über den Nan⸗ tucket⸗Sand, und, mein Leben zum Pfande, die Yan⸗ kees werden noch andere Käufer finden, als die Mo⸗ hawks.» «Du biſt ſo raſch in deiner Art, Meiſter Seadrift, wie dein Schiff. Wer ſagte denn, daß alles aus ſey, wenn man ſich nic ſogleich vereinigt. Laß die dummen Gulden fahren, nenne die Summe in runden Tauſenden, und unſer Handel iſt für dießmal gemacht!» «Ich laſſe keinen Stüber nach. Friſch, zähle mir die Braganza⸗Geſichter zurück; wirf von den dünnen Ducaten dazu, um die Summe voll zu machen, und laß deine Sclaven die Artikel auf guten Grund ſchaffen, bevor das Morgenlicht kommt, die Geſchichte zu erzäh⸗ len. Es war hier Jemand unter uns, der Unglück brin⸗ gen kann, wenn er will; obgleich ich nicht weiß, in wie weit er mit dem Hauptgeheimniß bekannt iſt.» Alderman Van Beverout ſtarrte wild umher, rückte die Perücke zurecht, wie einer, der von der Macht der Erſcheinungen in dieſer Welt einen vollen Begriff hat, und zog dann vorſichtig die Vorhänge über die Fenſter. «Ich weiß von Niemanden ſonſt, außer meiner Nichte,» ſagte er, nachdem er dieſe Vorſichtsmaßregel — 176— beobachtet.«Freilich iſt der Patron von Kinderhook noch im Hauſe, doch da der Mann ſchläft, ſo iſt er ein Zeuge für uns. Wir haben ſeine Gegenwart zur Bürg⸗ ſchaft, während ſeine Zunge ſtill iſt.» «Gut; mag dem ſo ſeyn,H verſetzte der Freihändler, der in den Augen Alida's die Bitte las, nichts weiter zu ſagen.„Ich wußte es aus Inſtinct, daß Jemand da ſey, der nicht her gehörte, konnte aber nicht wiſſen, ob er ſchlafe. Es gibt Handelsleute an der Küſte, die zu mehrerer Bürgſchaft ſeinen Namen mit auf die Ab⸗ rechnung ſetzen würden.». «Sag' nichts weiter, würdiger Meiſter Seadrift, und nimm das Gold. Um die Wahrheit zu reden, die Waaren ſind in der Periagua und aus dem Fluß drauſ⸗ ſen. Ich wußte ſchon, daß wir einig würden und die Zeit iſt koſtbar, da ein Kreuzer der Königin ſo nahe iſt. Die Spitzbuben fahren gewiß wie unſchuldiges Markt⸗ volk an der Flagge vorbei, und ich wilt einen flämiſchen Wallachen gegen einen virginiſchen Klepper verwetten, wenn ſie nicht den Capitain fragen, ob er kein Kraut in die Suppe braucht? Ah! ha— ha— ha!— der Lud⸗ low iſt ein Eſel, Nichtcheu mein, und ein Gelbſchnabel, der es nicht mit Männern von unſeren Jahren aufneh⸗ men ſoll. Du wirſt einſt beſſer von ſeinen Eigenſchaften urtheilen lernen und ihm wie einem ungeſtümen Gläubi⸗ ger den Abſchied geben.» « Ich will hoffen, Onkel, daß die Vorgänge da ſich voör den Geſetzen rechtfertigen laſſen? «Rechtfertigen laſſen! Glück rechtfertigt alles. So heißt's im Handel wie im Krieg. Guter Ausgang gibt das Kauf und Herr ſo vi Schle von heiml den gin bring letzte die 2 zum und ralſte zurüc dann die d — j tigen ten g von ſchlec laſſen tirte kaum einen 8 derhook er ein Bürg⸗ ändler, weiter gemand wiſſen, e, die die Ab⸗ eadrift, n, die drauſ⸗ nd die ahe iſt. Markt⸗ niſchen vetten, aut in er Lud⸗ pnabel, aufueh⸗ chaften zläubi⸗ da ſich . So ig gibt — 177— das Anſehen und die Beute da wie dort. Der reiche Kaufmann iſt auch der rechtſchaffene. Potz Pflanzungen und Rathsbeſchlüſſe! Wie führen ſich denn die hohen Herren zu Hauſe auf, die um ein bischen Contrebande ſo viel Spektakel machen? Die Schufte lärmen über Schlechtigkeit und Beſtechung, und mehr als die Hälfte von ihnen gelangen zu ihren Parlamentsſitzen eben ſo heimlich— ja eben ſo unrechtlicher Weiſe, wie du zu den ſchönen Brabanter⸗Spitzen hier. Sieht die Köni⸗ gin ſauer über unſern Handel, Meiſter Seadrift, ſo bringt mir noch eine oder zwei ſolche Frachten wie die letzte, und ich gehe als Paſſagier mit nach London, auf die Börſe, kaufe mir einen Sitz im Parlament und gebe zum königlichen Mißvergnügen von meinem Platz Rede und Antwort, wie ſie es uennen. Beim Eid der Gene⸗ ralſtaaten! ich hoffe in ſolchem Fall als Sir Myndert zurückzukehren, und die Manhattaneſen würden vielleicht dann von einer Lady Van Beverout zu hören bekommen, die dein Erbtheil, gute Alida, gewaltig verringern könnte! — jetzt geh' aber zu Bette, Kind, und träume von präch⸗ tigen Spitzen und köſtlichem Sammt, und von den Pflich⸗ ten gegen alte Onkels und von der Verſchwiegenheit und von allen möglichen angenehmen Dingen— küß mich, ſchlechte Perſon, und nun in die Federn!» Alida gehorchte und wollte eben das Zimmer ver⸗ laſſen, als der Freihändler ſich ihr auf eine Art präſen⸗ tirte, die ſo galant und reſpectvoll zugleich war, daß ſie kaunm darüber zürnen konnte. « Es wäre undankbar,» ſagte er, aſollte ich von einem ſo großmüthigen Kunden ohne Dank für ſeine Ar⸗ 85— 60. 1² — 178— tigkeit ſcheiden. Die Hoffnung des Wiederſehens wird meine Rückkehr beflügeln.» «Ich wüßte nicht, wie Ihr mir dieſen Dank ſchul⸗ detet,» erwiederte Alida, obwohl ſie bemerkte, wie der Alderman den Inhalt des Ballens ſorgfältig zuſammen⸗ machte und drei oder sier der verſuchendſten Artikel auf ihre Toilette legte.«Wir können nicht ſagen, daß wir mit einander gehandelt hätten.» «Ich habe mehr verloren, als gewöhnliche Augen ſehen können,» verſetzte der Fremde mit einem Ernſt und mit einer Dämpfung der Stimme, welche die Hörerin erſchreckten. Ob ich für dieſe Gabe oder vielmehr für dieſen Verluſt entſchädigt werde— wird die Zeit, wer⸗ den meine Sterne zeigen!⸗ Darauf faßte er ihre Hand, hob ſie zu ſeinen Lip⸗ pen mit ſo feinem und graziöſem Anſtande, daß die Jungfrau erſt, nachdem es geſchehen war, unruhig wurde. La belle Barberie erröthete über und über, ſchien die Kühnheit zu verdammen, ward böſe, lächelte und zog ſich verwirrt mit einer Verbeugung zurück. Einige Minuten vergingen in tiefem Schweigen, nach⸗ dem Alida das Zimmer verlaſſen hatte. Der Fremde war ernſt und nachſinnend, obgleich ſein lebhaftes Auge wie von freudigen Gedanken ſtrahlte; er ſchritt im Zim⸗ mer auf und ab, ohne auf die Gegenwart des Alderman zu achten. Dieſer nahm jedoch bald Gelegenheit, ſeinen Gefäͤhrten an ſein Daſeyn zu erinnern. 3 «Macht Euch keine Gedanken über das Geſchwäͤtz des Mädchens,» rief der Alderman, als er mit ſeiner Arbeit fertig war.«Sie iſt eine treffliche, folgſame — wird ſchul⸗ ie der mmen⸗ el auf ß wir Augen ſt und örerin hr für wer⸗ 1 Lip⸗ ß die ourde. n die d zog nach⸗ remde Auge Zim⸗ rman ſeinen hwatz ſeiner gſame — 179— Nichte und hier iſt ja, wie Ihr ſeht, ein Gewicht in ihrer Wagſchale, das den Mund der Frau des erſten Herrn der Schatzkammer ſchließen würde. Es iſt mir eigentlich gar nicht recht, daß Ihr das Kind ſo ins Ge⸗ ſchaft eingeweiht habt, denn ſeht, ich glaube nicht, daß Monſieur Barberie oder meine ſelige Schweſter es gut⸗ geheißen hätte, daß ſie ſo jung ſich mit dem Commerz zu thun mache— doch, was geſchehen iſt, iſt geſchehen, und der Normanne ſelbſt würde nicht läugnen, daß ich da ganz ſaubere Sächelchen für ſeine Tochter eingehan⸗ delt. Wann willſt du denn nun unter Segel gehen, Meiſter Seadrift?» «Mit der Morgenfluth; ich mag nicht da bei den verdammten Guarda⸗Coſtas hängen bleiben.» «Gut entſchieden! Klugheit iſt eine Kardinaltugend bei einem verſtohlenen Handelsmann, und das iſt nun einmal eine Eigenſchaft, die ich an meinem Mosjeh Tummler, nächſt ſeiner Pünctlichkeit, am meiſten ver⸗ ehre. Potz Datum und Verbindlichkeiten! Ich wollte nur die Hälfte der Handlungsfirma's, oder nur drei bis vier Namen, ohne die Co's zu rechnen, ſo ſicher wiſſen. Meinſt du nicht, daß es beſſer wäre, den gekommenen Eingang unterm Schutz der Dunkelheit zu paſſiren?2„ «Das iſt nicht möglich. Die Fluth reißt da herein, wie Waſſer durch einen Damm bricht und wir haben den Wind von Oſten. Aber fürchtet nichts, die Brigantine hat keine gemeine Ladung; der Handel mit Euch hat uns trotzig gemacht. Die Königin und die Braganza's und die holländiſchen Ducaten können ihr Geſicht ſelbſt dem königlichen Schatzmeiſter zeigen! An Päſſen fehlt 12* — 180— es uns nicht und das Müllermädchen iſt ein eben ſo guter Name, als die Waſſernire. Wir ſind das ewige Fahren ein bischen müde und hätten wohl Luſt, in Euerm Jer⸗ ſey eine Woche die Jagd mitzumachen. Da oben in den Hochebenen wird ja jetzt, mein' ich, geſchoſſen?⸗» «Bewahr der Himmel! Bewahr der Himmel! Mei⸗ ſter Seadrift.— Ich habe das Hochwild ſeit zehn Jahren zu den Fellen zuſammen ſchießen laſſen— und die Vö⸗ gel ſind alle davon, ſelbſt die Tauben, ſeit der letzte Stamm der Wilden weſtlich vom Delaware gezogen iſt. Du haſt deine Brigantine für Beſſeres entladen, als um jetzt die Vogelflinten zu laden. Ich will hoffen, die Gaſtfreundſchaft von Luſt in Ruſt iſt keine Thorheit;— was Schamröthlichkeit und Neugier! ich wünſche unter den Nachbarn ein gutes Geſicht zu haben. Weißt du gewiß, daß deine impertinenten Maſten der Brigantine nicht unter den Bäumen geſehen werden, wenn der Tag anbricht? Der Capitain Ludlow da iſt kein Faullenzer, wenn er ſeinen Dienſt wahrnehmen will.» «Wir hoffen ihn ruhig zu halten. Die Figuren der Bäume und die gute Bucht decken alles zu, was ſeine Leute betrifft. Ich laſſe den ehrenwerthen Tiller da, um reine Rechnung zwiſchen uns zu machen, und ſo, lebt wohl. He, Monſteur Alderman— noch ein Wort, ehe wir ſcheiden. Sitzt der Viscount Cornbury noch feſt in der Provinz.» «Feſt wie ein Nietnagel! Kein Handelshaus in der Colonie hat ſo feſten Sitz.“ ⸗Wir ſind mit einigen Dingen noch nicht im Rei⸗ guter ahren Jer⸗ n den Mei⸗ ahren Vö⸗ letzte n iſt. 3 um die unter t du ntine Tag zer, der ſeine — 181— nen.— Eine kleine Belohnung würde die Verbindlich⸗ keiten abkaufen—» «„Der Himmel nehme dich jetzt in ſeinen Schutz, Meiſter Seadrift; glückliche Reiſe, zurück und weiter hinaus. Was die Verantwortlichkeit des Viscounts be⸗ trifft— ſo mag die Königin ihm eine andre Provinz anvertrauen, aber Myndert Van Beverout gibt ihm nicht für einen Marderſchwanz Credit, und damit, noch einmal, Gott befohlen!“. Der Schmuggler ſchien ſich von dem Aublick aller der kleinen Koſtbarkeiten, welche das Zimmer der belle Barbérie zierten, mit Widerſtreben zu trennen. Sein Abſchied vom Alderman war eher ſtolz, denn er behielt noch immer das kalte zerſtreute Weſen bei; wie aber der Andere die Formen des Anſtands ziemlich aus den Au⸗ gen ſetzte, weil er nur ſeinen Gaſt los ſeyn wollte, ſah er ſich endlich wegzugehen gezwungen. Er verſchwand hinter dem niedern Balkon, über den er den Weg her⸗ ein genommen hatte. Als Myndert Van Beverout allein war, ſchloß er die Fenſter des Pavillons ſeiner Nichte und zog ſich in ſeinen Flügel zurück. Hier beſchäftigte ſich der emſige Bürger zuerſt mit verſchiednen Ausrechnungen, mit ſo viel Eifer, daß man ſah, wie dieſe Beſchäftigung ſeine ganze Seele erfüllte. Darauf gab er dem Matroſen mit dem indi⸗ ſchen Shawl eine kurze und heimliche Andienz, wobei viele Goldſtücke klimperten. Wie dann auch dieſer wegging, ſah der Herr des Hauſes nach den kleinen Sicherheits⸗ Borkehrungen, die man ſchon damals wie jetzt beim Ver⸗ ſchließen eines amerikaniſchen Landhauſes beobachtete; — 182— er trat hinaus auf das Plätzchen, als fühle er die Noth⸗ wendigkeit, ein wenig friſche Luft zu ſchöpfen. Mehr als einen forſchenden Blick warf er hinauf zu den Fenſtern Oloffs Van Staats, wo alles ſtill war, dann nach der unbeweglich ruhenden Brigantine, endlich auf den mehr entfernten und immer noch nicht flotten Rumpf des Kreuzers der Krone. Rings um ihn lag alles in tiefer mitternächtiger Stille. Selbſt die Böte, die er zwiſchen dem Land und dem kleinen vor Anker liegenden Schiff beſchäftigt wußte, waren unſichtbar, und ſo trat er denn wieder ins Haus, mit einem Gefühl von Sicherheit, wie es nur Jemand unter ähnlichen Umſtänden in einer ſo wenig bewohnten und bewachten Gegend wie die ſeinige haben konnte. Noth⸗ hr als nſtern ch der mehr des tiefer iſchen Schiiff denn „wie r ſo inige — 185— Z woͤlftes Kapitel. „ Neriſſa komm; ich hab' ein Werk zur Hand, Wovon du noch nicht weißt—» Kaufm. v. Venedig⸗ — Der großen Lebendigkeit ungeachtet, die in der Nacht, welche mit unſerm letzten Kapitel endete, in und um die Gebäude von Luſt in Ruſt herrſchte, wurden dieſer Dinge doch nur die darin Eingeweihten gewahr⸗ Oloff Van Staats war früh auf den Beinen, und als er auf dem Plätchen erſchien, um die Morgenluft zu ge⸗ nießen, zeigte ſich kein Menſch, der zu dem Verdacht Veranlaſſung geben konnte, daß etwas Außerordentliches während ſeinem Schlaf geſchehen ſey. La Cour des Fées war noch geſchloſſen, aber der treue Francois zeigte ſich in der Nähe, wo ſeine junge Herrin ruhte, mit ei⸗ nem der kleinen Dienſte beſchäftigt, die einem Mädchen von ihrem Alter und Stande wohl Freude machen konn⸗ ten. Van Staats von Kinderhook war von ſo wenig romanhafter Complexion, als ein junger Mann von fünf⸗ undzwanzig Jahren nur ſeyn konnte, den man allgemein für verliebt erklärte und der auch nicht ganz unbekannt — 184— mit der herkömmlichen Sympathie dieſer Leidenſchaft war. Der Mann war ein Sterblicher, und da die per⸗ ſönlichen Reize der belle Barbérie ſehr in die Augen fielen, konnte er nicht ganz dem Schickſal eutgehn, wel⸗ ches von der jugendlichen Phantaſle unzertrennlich ſcheint, wenn ſie mit der Schönheit in Berührung kommt. Er trat näher zum Pavillon und wußte es dur h ein ſchlaues, wohl durchdachtes Manoeuvre ſo zu karten, daß ein Ge⸗ ſpräch nicht nur natürlich, ſondern faſt unvermeidlich erſchien. «Ein ſchöner Morgen und geſunde Luft, Mos⸗ jeh Franz,» begann der junge Patron, indem er den tiefen Bückling des Bedienten mit ernſthaftem Lüften ſeines Caſtorhutes erwiederte. Das iſt ein behaglicher Fleck für die warmen Monate, den man nur öfter beſu⸗ chen möchte.» 8«Wann Monsieur le Patteron der Err von die Aus da ſeyn werd, aussi er werd komm, wann er werd aben la volonté,“» verſetzte Francois, der wohl wußte, daß dieſer Scherz ſeiner Herrin nichts vergäbe, während er auf jeden Fall dem, für den er gemeint war, ange⸗ nehm ſeyn mußte.«Monsieur de Van Staats est grand propriétaire sur la rivière, und einer Dag, peut- etre, er werd ſeyn propriétaire sur la mèrl «Ich dachte, das Beiſpiel des Alderman einmal nachzuahmen, ehrlicher Franz und mir eine Villa an die Küſte zu bauen; doch damit hat's noch gute Weile, bis ich mich im Leben ein bischen mehr geſetzt habe! Sein junges Fräulein iſt noch nicht auf, Franz 25 «Ma foi, non— Mam'selle Alide ſchlaf nok!— is gute nes pe la fan toujou 8 64 ſtärken ein B 4 Mam' als M ſu ſel air!» nicht, Thüre ſtehe, ſicht lächel 6 trons wagt, umhe er ſo bereit Man ein h keit lauf nerte enſchaft die per⸗ Augen I, wel⸗ ſcheint, . Er blaues, in Ge⸗ teidlich Mos⸗ er den Lüften glicher beſu⸗ n die werd oußte, hrend ange⸗ est Dag, » nmal n die „bis Sein 1— is gute Symptôme, Monsieur Patteron, pour les jeu- nes personnes, ſu ſchlaf tres bien. Monsieur et toute la famille de Barbérie ſchlafen à mevrveille! Oui, c'est toujours une famille remarquable, pour le sommeil! «Doch ſollte man vielmehr wünſchen, die friſche ſtärkende Luft zu athmen, die von der See kommt wie ein Balſam, weun es noch früh am Tage iſt.» Sans doute, Monsieur. C'est un miracle, wie Mam'selle lieben der air! Personne lieben der air mehr, als Mam'selle Alide. Bah!— Es war groſſer plaisir, ſu ſeh wie Monsicur de Barbérie, aben geliebt der air! 7 Vielleicht, Mosjeh Franz, weiß Sein Fräulein nicht, wie viel Uhr es iſt. Es wäre wohl gut, an der Thüre zu klopfen, oder vielleicht am Fenſter. Ich ge⸗ ſtehe, ich würde mit vieler Bewunderung ihr friſches Ge⸗ ſicht vom Fenſter herab auf dieſe fanfte Morgenſcene lächeln ſehen.» Sehr wahrſcheinlich hatte die Phantaſte des Pa⸗ trons von Kinderhook nie zuvor einen ſo hohen Flug ge⸗ wagt, und es ließ ſich aus dem unruhigen Blick, den er umher warf, ſchließen, daß er die Verwegenheit, womit er ſo unzweideutig ſeine Herzensſchwachheit verrathen, bereits bereue. Francois, der nicht Willens war, einen Mann zu beleidigen, von dem er wohl wußte, daß er ein hunderttauſend Acres Land mit Meierei⸗Gerechtig⸗ keit und daneben ein Perſonal von nicht minderem Be⸗ lauf beſaß, fühlte ſich unbehaglich bei dieſer Frage, erin⸗ nerte ſich jedoch noch zeitig, daß die Erbin eine Entſchie⸗ — 186— denheit des Charakters beſaß, die ſich in ihrem Wohlbe⸗ hagen nicht einreden ließ. «Schön, ik werden ſehr glücklick ſeyn, ſu klopf; mais Monsieur sais, der Schlaf is si agréable, pour les jeunes personnes! On n'a jamais geklopf dans la famille de Monsieur de Barbérie, un je suis sur, que Mam'selle Alide nit lieben ſu ör der Klopfen— pourtant, si Monsieur le Patteron le veut, werden ik ſeiner Rath— Voila! Monsieur Biber, qui vient sans Geklopf à la fenétre. J'ai l'honneur de vous laisser avec Monsieur Al'erman.». Und ſo bückte ſich der höfliche und ſehr rückſichts⸗ volle Bediente aus einem Dilemma heraus, das er, wie er im Weggehn vor ſich hin murmelte, tant soit pen ennuyant» fand. Die Art und Weiſe des Alderman, als er ſich ſei⸗ nem Gaſte näherte, war wie der Charakter des Mannes ſelbſt, munter, herzlich und von ſeinen eignen Genüſſen und Gefühlen abgezogen. Er räuſperte ſich dreimal, bis er nahe genug kam, um zu ſprechen; jede dieſer drei Anſtrengungen ſchien die Bewunderung des Patrons in Anſpruch zu nehmen, über die Stärke der Lungen und die Reinheit der Luft um eine Villa, die ihn als Eigner erkannte. «Zephyrs und Spas! nicht wahr, das iſt der Ort der Geſundheit, Patron!» rief der Bürger nach jenen genügend wiederholten Ankündigungen ſeines körperlichen Zuſtandes.„Man meint, man müſſe in ſolcher Luft ei⸗ nen Discurs übers atlantiſche Meer hinüber mit ſeinen Freunden in Scheveningen oder Helder führen. Ein brei⸗ ter voll ein reit des Ha unmerk hen; Stamn zig die über d Wechſe gab; d Schoch verout wird, raſcher Es iſ Zeit d Schiff die B herein führt Könic du, gerine und noß, ausſe gehen Wohlbe⸗ klopf; 8, pour dans la is sur, pfen— rden ik i vient e vous ckſichts⸗ er, wie it peu ſich ſei⸗ Nannes henüſſen nal, bis er drei ons in gen und Eigner er Ort jenen erlichen zuft ei⸗ ſeinen in brei⸗ 8 — 187— ter voller Bruſtkaſten, eine Luſt wie dieſe vom Meer, ein reines Gewiſſen und guter Fortgang auf den Wegen des Handels, laſſen die Lungen des Menſchen leicht und unmerklich ſpielen wie Flügel eines Colibri's.— Laß ſe⸗ hen; es ſind wenig Vier⸗Schock⸗Männer in deinem Stamm. Der letzte Patron machte mit Sechsundſechs⸗ zig die Bücher zu und ſein Vater brachte es nur etwas über die Siebenzig. Mich wundert, daß es nie eine Wechſelheirath zwiſchen Euch und den Van Coortlandts gab; das Blut iſt ſo gut, wie eine Promeſſe auf Vier Schock und Zehn.“» „Ich finde die Luft auf Eurer Villa, Herr Van Be⸗ verout, ſo lieblich, daß man ſie öfter zu athmen verſucht wird,„ verſetzte der Andre, der weit weniger von der raſchen Art eines Kaufmanns hatte, als ſein Freund. Es iſt ein Jammer, daß viele Menſchen, die doch die Zeit dazu haben, dieſe Gelegenheit nicht wahrnehmen.“ «Ihr ſpielt auf die faulen Matroſen da drüben im Schiff an! Ihro Majeſtät Diener eilen ſich ſelten, und die Brigantine da im Cove ſcheint wie durch Hexerei hereingekommen zu ſeyn! Ich wollte wetten, der Kerl führt nichts Gutes im Schilde und der Schatzmeiſter der Königin wird durch ſeinen Beſuch nicht reicher. Höre du, Brom,» rief er einen alten Schwarzen an, der in geringer Entferuung beim Hauſe etwas zu thun hatte und das Vertrauen ſeines Herrn in hohem Grade ge⸗ noß,«haſt du vielleicht Böte zwiſchen der ſpitzbübiſch ausſehenden Brigantine da und dem Lande hin und her⸗ gehen ſehen?» Der Neger ſchüttelte den Kopf, wie das irdene — 188— Bildniß eines Mandarins, und lachte aus vollem Halſe. «Glaub', er macht all Unglück unter die Yankee un nimmt nur Mundvoll friſch Luft,» ſagte der liſtige Sclav. Ei, ich wünſchen von ganzer Seel, der kämen Freihän⸗ deler zu Zeiten an unſer Strand her. Dat gib's Ver⸗ anderung for die arm ſchwarz Menſch, zu mach Paar ehrliche Groſchen!o. «Ihr ſeht, Patron, ſelbſt die menſchliche Natur lehnt ſich gegen das Monopoliſtren auf! Es war die Stimme des Inſtincts, die ſich der Zunge Broms bediente, und es iſt warlich kein Leichtes für einen Kaufmann, ſeine Angehörigen jenen Geſetzen gehorſam zu erhalten, die in ſich ſelbſt ewig die Verſuchung tragen, ſie zu umgehen. Nun, nun; wir wollen immer nur das beſte hoffen und wie getreue Unterthanen handeln. Das Boot da iſt nicht uneben von Form und Maſten; laſſen wir es kom⸗ men, woher es will.— Meint Ihr, der Wind ſtreiche landabwärts, dieſen Morgen 25 «Die Wolken deuten auf Wechſel. Man wünſcht warlich, daß Alles in der friſchen Luft wäre, um die prächtige Seeluft zu athmen, ſo lang ſie danert.» «Kommt, kommt,» rief der Alderman, der einen Au⸗ genblick mit Beſorgniß in den Wolken geleſen hatte, ſo daß er die Aufmerkſamkeit ſeines Freundes zu erwecken fürchtete.„Wir wollen uns an's Frühſtück machen. Hier iſt ganz der Ort, um ſeine Zahne in Übung zu ſetzen! Die Neger waren dieſe Nacht gar nicht faul, Herr Van Staats— hm— hm— ich ſage, Herr, ſie waren gar nicht faul;— wir werden von den Leckerbiſſen des Fluſ⸗ ſes und über de wir wer „. 1 Stadt, Aufford heu, u ſcheint kommer 4( es ein mehr k zwiſche fallen. Gabelt tel ver dl der ju nach d des F . wenn ſchmech und d Schw ſellenſt Vierz Herr daß n. und d vollem ankee un Sclav. Freihän⸗ s Ver⸗ h Paar ur lehnt Stimme ate, und 1, ſeine „die in mgehen. ffen und da iſt es kom⸗ ſtreiche wünſcht um die nen Au⸗ atte, ſo erwecken n. Hier uſetzen! err Van aren gar des Fluſ⸗ — 189— ſes und der Bai die Auswahl haben.— Die Wolke da über der Mündung des Rariton ſcheint ſich zu heben und wir werden gleich Weſtwind haben!“ „⸗Dort kommt ein Kahn in der Richtung von der Stadt, bemerkte der Andere, der nur widerſtrebend der Aufforderung des Aldermans folgte, ins Zimmer zu ge⸗ heu, wo ſie ihr Frühſtück einzunehmen pflegten.«Es ſcheint mir mit mehr als gewöhnlicher Eile daher zu kommen.» „Sie haben derbe Arme an den Rudern. Könnte es ein Bote an den Kreuzer ſeyn? nein— es ſteuert mehr hierher zu. Dieſe Leute von Jerſey werden oft zwiſchen York und ihrer Heimath von der Nacht über⸗ fallen. Nun, Patron, kommt, wir wollen Meſſer und Gabeln anſetzen, wie Männer, die das beſte Magenmit⸗ tel verſucht haben.» «Und ſollen wir uns allein damit vergnügen,“ fragte der junge Mann, der noch immerfort verſtohlene Blicke nach den unbeweglich geſchloſſenen Fenſterläden der Cour des Fées hinauf warf. „Deine Mutter hat dich verhätſchelt, guter Oloff; wenn du den Kaffee nicht aus zarten Händen bekommſt, ſchmeckt er dir nicht mehr. Ich weiß, was du willſt, und denke darum nicht ſchlechter von dir, denn dieſe Schwäche iſt in deinen Jahren natürlich. Ach, Jungge⸗ ſellenſtand und Unabhängigkeit! Ein Mann muß über Vierzig zählen, ehe er ſagen kann, daß er ſein eigner Herr iſt.— Komm Er her, Mosjeh Franz. Es iſt Zeit, daß meine Nichte ſich den Schlaf aus den Augen reibt und der Sonne ihr ſtrahlendes Geſicht zeigt. Wir war⸗ ten, daß ſite die Honneurs bei der Tafel macht.— Ich weiß nicht, das faule Weibsbild, die Dinah, iſt auch mit keinem Auge zu ſehen!o «Assurement non, Monsieur, verſetzte der Be⸗ diente. Mam'selle Dinah lieben nit groſſer Activtté. Mais, Monsieur Al'erman, elles sont jeunes, toutes les deux. ELe sommeil est bien salutaire, pour la jeunesse.» «Das Mädchen iſt nicht mehr in der Wiege, Franz, und es iſt Zeit, an den Fenſtern zu klappern. Dem ſchwarzen Thier aber, das aufſtehen ſoll, wenns Zeit iſt, will ich noch ſelbſt die Leviten leſen. Komm, Patron: — der gute Appetit wartet nicht auf die Trägheit eines eigenſinnigen Mädchens; wir wollen zu Tiſch.— Meinſt du wirklich, wir bekämen den Morgen Weſtwind 25 So ſprechend, ging der Alderman in das kleine Zim⸗ mer voran, wo ein nettes behagliches Mahl ſie zum Frühſtück einlud. Mit zögerndem Schritt folgte Oloff Van Staats, denn der junge Mann wünſchte ernſtlich, daß ſich die Fenſter des Pavillons öffneten und das holde Angeſicht Alida's inmitten der andern ſchönen Gegen⸗ ſtände der Landſchaft ihm entgegen lächle. Francois ging, um ſolche Maßregeln zum Aufwecken ſeiner Gebie⸗ terin zu treffen, wie ſie ihm mit ſeiner Pflicht gegen den Onkel und mit ſeinen eignen Begriffen von Wohlanſtän⸗ digkeit beſtehen zu können ſchienen. Nach kurzem Ver⸗ zug nahm der Alderman und ſein Gaſt am Tiſche Platz; der erſtere proteſtirte dabei laut gegen die Nachſicht mit trägen Menſchen und knüpfte moraliſche Bemerkungen an über wie in ſtarrige Stunde mit E theilter unten gut an die St Tauſer Zehnta das ü geſetzte ſeyn, aus N Vater nach d die G er die tig be Schei Breit Patrt hanne 2) vorzu 6 wenig ſchaft — Ich ſt auch er Be⸗ tivtté. toutes dur la Franz, Dem heit iſt, hatron: t eines Meinſt 25 ne Zim⸗ ie zum 2 Oloff enſtlich, s holde Gegen⸗ rancois Gebie⸗ gen den lanſtän⸗ m Ver⸗ Platz; icht mit rkungen — 191— an über die Vorzüge der Pünktlichkeit im Hausweſen, wie in Dingen des Handels.“ 3 „Die Alten theilten die Zeit,» ſagte der etwas hals⸗ ſtarrige Erklärer, in Jahre, Monden, Wochen, Tage, Stunden, Minuten und Augenblicke, wie ſie die Zahlen mit Eins, Zehn, Hundert, Tauſend und Zehntauſend theilten, und beides mit Vorbedacht. Wenn wir von unten anfangen, Herr Van Staats, und die Augenblicke gut anwenden, verwandeln ſich die Minuten in Zehner, die Stunden in Hunderte, die Wochen und Monate in Tauſende— ja, wenn der Handel gute Zeiten hat, in Zehntauſende! Eine Stunde verlieren iſt ungefähr wie das Überſehen einer erheblichen Ziffer in einer zuſammen⸗ geſetzten Rechnung; die ganze Arbeit kann vergeblich ſeyn, aus Mangel an Pünktlichkeit in dem einen, wie aus Mangel an Genauigkeit in dem anderen Falle. Euer Vater, der ſelige Patron, war, was man ſagt, ein Mann nach der Schnur.— Man ſah ihn immer pünktlich, wann die Glocke geſchlagen hatte, auf ſeinem Kirchenſtuhl, wie er die Rechnungen berichtigte, ſobald er die Poſten rich⸗ tig befunden. Ach! es war eine Wonne, einen ſeiner Scheine zu erhalten, obgleich ſie ſchmäler waren als Breitſtücke oder Goldbarren. Ich habe ſagen hören, Patron, das Gut habe eine gehörige Anzahl von Jo⸗ hannes und holländiſchen Ducaten im Hinterhalt 25 „»Der Nachkomme hat nicht Urſache ſeinen Ahnen vorzuwerfen, daß ſie es an Vorſicht mangeln ließen.» «Klug geantwortet;— kein Wort zu viel, keins zu wenig: ein Grundſatz, womit jeder ehrliche Mann Rechen⸗ ſchaft gibt. Durch gehörige Verwaltung kann man ſo ein Gut, das Tauſende erträgt, mit den beſten in Eng⸗ land und Holland um die Wette halten. Wachsthum und Mündigkeit! Patron, wir von den Colonieen müſ⸗ ſen zeitig zur Manneskraft gelangen wie unſere Vettern zwiſchen den Abzugsgräben der Niederlande, oder unſere Herrſcher unter den Schmieden von England.— Eras⸗ mus, ſchau mal nach der Wolke über dem Rariton und ſage, ob ſie ſteigt 25 Der Neger kam mit der Nachricht, daß der Dunſt noch feſt hänge und erzählte ſeinem Herrn gelegenttich, das Boot, welches ſie dem Land zurudern geſehen, habe den Kai erreicht, und einige Leute ſetzten ſich zur Auhöhe von Luſt in Ruſt in Bewegung. «Laß ſie gaſtfrei willkommen ſeyn,v» ſagte der Alder⸗ man mit Herzlichkeit,«gewiß ſind es ehrliche Landleute aus dem Innern, die von der nächtlichen Anſtrengung Hunger bekommen haben. Geh, ſage dem Koch, daß er ſie mit dem Beſten füttert und ſie freundlich willkommen heißt. Und hör', Junge;— iſt ein manierlicher Guts⸗ beſitzer unter ihnen, ſo bitte ihn, hereinzutreten und ſich zu uns zu ſetzen. Hier zu Lande, Patron, iſt man nicht ſo ekel mit der Sorte Tuch, die einer auf dem Rock hat, oder ob er eine Perücke oder nur ſein eigen Haar trägt. — Was ſperrt denn der Kerl das Maul auf?5 «Erasmus rieb ſich die Augen und riß den Mund in ganzer Breite anf, daß man die Doppelreihe weißer Zähne wie Perlen glänzen ſah; er gab ſeinem Herrn zu verſtehen, daß der Neger, welchen der Leſer unter dem Namen Euclid kennen gelernt und der ohne Zweifel ſein Bruder von der Halbrace oder mütterlichen Seite war, in Eng⸗ hsthum en müſ⸗ Vettern unſere Eras⸗ on und Dunſt genttich, —, habe Auhöhe Alder⸗ undleute rengung daß er kommen Guts⸗ und ſich un nicht ock hat, rtraͤgt. Mund weißer errn zu ter dem ifel ſein te war, — 193— jetzt in die Villa trete. Dieſe Nachricht verurſachte ein plötzliches Stocken in dem Kau⸗Proceſſe des Alderman, der jedoch die Zeit nicht behielt, ſich zu verwundern, als die beiden Thüren ſich zugleich öffneten und Francois an der einen, das glänzende und verzagte Geſicht des Scla⸗ ven aus der Stadt dunkel an der andern erſchien. Die Augen Mynderts rollten von dieſer zu jener Seite, aber böſe Ahnungen des Herzens ließen ihn bei Keinem zum Wort kommen, denn er erkannte in den verſtörten Zügen Beider Vorboten böſer Zeitungen. Der Leſer wird durch die von uns näher zu gebende Beſchreibung inne werden, daß der ahnungsvolle Bürger Grund genug hatte, außer ſich zu gerathen. Das Geſicht des Bedienten, das ſchon im gewöhn⸗ lichen Zuſtande lang und hager war, ſchien von noch grö⸗ ßerer Länge zu werden; die untere Kinnlade hing her⸗ unter und war dreimal ſo ſchmal als ſonſt. Die blaß⸗ blauen vorſtehenden Augen ſtanden weit aufgeriſſen und drückten eine gewiſſe wirre Troſtloſigkeit aus, welche durch einen Zug von innerlicher Zerriſſenheit erhöht wurde. Er hatte beide Hände erhoben, die Flächen hinaus gekehrt; die Schultern des armen Kerls zogen ſich ſo ſtark in die Höhe, daß das wenige Ebenmaß, welches die Natur die⸗ ſem Theile ſeines Körpers geſchenkt, dadurch ganz verlo⸗ ren ging. Auf der andern Seite drückte das Geſicht des Ne⸗ gers Schuld, Verbiſſenheit und Verſchmitztheit aus. Die Augen ſchielten von der Seite, als wollten ſte ſich um den Herrn herum ſtehlen, wie die Worte, dem nach was wir erfahren werden, ſich um deſſen Verſtändniß herum⸗ 58— 60. 13 — 194— zuwinden ſuchten. Die Hände zerdrückten zwiſchen den Fingern den Deckel eines wollenen Hutes und einer ſei⸗ ner Füße beſchrieb Halbzirkel mit der Spitze, indem der Abſatz krampfhafte Bewegungen machte. «Nun!o ſchrie Myndert, indem er Einen nach dem Andern anſah.— Was bringſt du Neues aus Ca⸗ nada?— Iſt die Königin todt oder hat ſie den verei⸗ nigten Provinzen die Colonie zurückgegeben 25 «Mam'selle Alide!—» jammerte oder vielmehr ächzte Francois. «Das arm ſprachlos Vieh!—» murmelte Euclid. Dem Myndert und ſeinem Gaſt ſielen Meſſer und Gabeln aus den Händen, als ob beide gleichzeitig vom Schlag getroffen wären. Der letztere ſtand unwillkühr⸗ lich auf, während der erſtere ſich erſt recht feſt in ſeinen Sitz einſtämmte, als ſolle ein entgegenkommender harter Stoß mit aller phyſiſchen Stärke, deren er noch fähig war, empfangen werden. — Was gibt's mit meiner Nichte?— Was gibt's mit dem Wallachen 25 — Er iſt doch nach der Dinah gegangen?⸗ cSans doute Monsicur!» „Und du haſt die Schlüſſel zum Staul gut ver⸗ wahrt 2 «Hab der niemalen laſſen fahren!⸗ — Und Er ſagte ihr, ſie ſolle das Fräͤulein wecken? 5 «Sie at nit antworten, du tout.» — Die Thiere wurden gefüttert und getränkt, wie ich befahl 25 den den ter ſei⸗ em der ch dem us Ca⸗ verei⸗ ielmehr uclid. ſer und ig vom illküͤhr⸗ ſeinen harter fähig gibt's it ver⸗ raͤulein bt, wie — 195— D'bekamen niemalen beſſer Fondrag!“ — Ging er denn nicht ſelbſt in's Zimmer meiner Nichte, ſie aufzuwecken? « Monsieur a raison.» — Was zum Deurel iſt denn dem armen Vieh widerfahren?» «Haben der Magen ganz verſchwächt, un denken groß Zeit eh Sie komm Pruck.⸗ — Mosjeh Franz, ſo ſag Er doch, was des Herrn von Barberie's Tochter geſagt hat.» Mamselle ne répond, Monsieur, pas une syl- labe!» — Viehtränke und Lanzetten! man hätte der Schönheit was einſchütten und die Ader ſchlagen ſollen— aDat is'm zu ſpät, itzunder, Maſſer!» — Das eigenſinnige Weibsbild!— Das kommt von ihrer Hugenotten⸗Art, eine Race, die lieber Haus und Hof verläßt, als ihren Gottesdienſt zu verlegen.“ a La famille de Barberie est honorable, Mon- sieur, mais le Grand Monarque fut un peu trop exi- geant. Vraiment, la dragonade était mal avisée, pour faire des chrétiens!» «Schlag und Verderben! warum haſt du nicht zum Viehdoctor geſchickt, um dem Kranken beizuſtehen, du ſchwarzer Hund du!» «Bin zum Fleiſcher gangen, Maſſer, dat Fell zu retten, dann et war geſchwind aus.» Das Wort aus, brachte eine plötzliche Pauſe her⸗ vor. Der vorhergehende Dialog ging ſo raſch und Fra⸗ gen und Antworten, wie nicht weniger die Gedanken 13*½ — 196— des Hauptſprechers, kamen in ſolcher Confuſton daher, daß er am Ende nicht wußte, ob la belle Barberie oder einer ſeiner flämiſchen Wallachen der Natur den letzten Zoll bezahlt habe. Bis jetzt hatte ſowohl Beſtür⸗ zung als Verwirrung über die Ereigniſſe dem Patron Schweigen auferlegt; er nahm jetzt die Zeit des Athem⸗ ſchöpfens gewahr, um ſich auch drein zu legen. « Soviel iſt klar, Herr Van Beveront,⸗» ſprach er mit zitternder Stimme, die ſeine eigne Angſt verrieth, adaß etwas Unerwartetes geſchehen iſt. Vielleicht trete ich und der Neger am beſten zurück, damit Ihr den Franz freier ausfragen könnt, was denn der Mademoi⸗ ſelle Barberie widerfahren iſt?„ Der Alderman erwachte bei dieſem anſtändigen, rück⸗ ſichtsvollen Vorſchlag aus tiefer Beſtürzung. Er nickte Beifall und genehmigte, daß Herr Van Staats das Zimmer verließ; aber als Euclid ihm folgen wollte, gab er dem Neger ein Zeichen, da zu bleiben. Ich werde dich gleich weiter fragen,» ſagte er mit einer Stimme, die faſt allen Schwung und Klang, wo⸗ für ſie ſo merkwürdig war, verloren hatte.„Steh, Bur⸗ ſche, und paß auf, wenn ich dich frage. Und jetzt, was gibt's, Mosjeh Franz, warum will meine Nichte nicht mit mir und meinem Gaſt frühſtücken?⸗ „Mon Dieu, Monsieur, es is nit möglichen d'y répondre. Les sentiments des demoiselles ſin niemal decidés!» „So geh Er und ſag er ihr, ich ſey feſt entſchloſ⸗ ſen, gewiſſe Vermächtniſſe zu beſchneiden, die mehr auf ihren Ander jung! jetzt i ſag E unſchu Mam vOuUs ſchrie herab Spie Herr ſchrie gen. die 2 erinn ſich: dung und Bev in d Wa nich Kra n daher, Barberie atur den Beſtür⸗ Patron Athem⸗ ſprach er verrieth, cht trete Ihr den NRademoi⸗ en, rück⸗ Er nickte ats das lte, gab e er mit ng, wo⸗ hh, Bur⸗ tzt, was hte nicht chen d'y niemal entſchlof⸗ nehr auf — 197— ihren Vortheil hinauslaufen, als die Gerechtigkeit gegen Andere meines Blutes— ja, meines Namens gutheißt!“ a Monsieur y réfléchira. Mam'selle Alide ſin ſo jung personne!. «Alt oder jung; meine Geduld iſt am Ende; und jetzt mach Er ſich eiligſt nach der Cour des Fées und ſag Er dem faulen Geſteck grade das.— Du haſt das unſchuldige Thier geritten, du Galgenſtrick du!“ «Mais pensez-y, je vous en prie, Monsieur Mam⸗'ſell werd nimmer se sauver encore; jamais, je vous en répond.» «Was labbert der Kerl da um den Brei herum!“» ſchrie der Alderman, deſſen Mund ſich faſt zu der Länge herabzog, die das Geſicht des armen Bedienten zu einem Spiegel des Jammers machte.«Wo iſt meine Nichte, Herr; und was ſoll die Anſpielung auf ihr Fortſeyn?⸗ La fllle de Monsieur de Barberie n'y est Pas!5 ſchrie Francois, dem das Herz zu voll war, mehr zu ſa⸗ gen. Der alte zärtliche Bediente legte die Hand auf die Bruſt, mit einem Ausdruck tiefen Leidens, dann aber erinnerte er ſich der Anweſenheit ſeines Herrn, verbeugte ſich mit tiefer Betruͤbniß, kämpfte ſeine eigne Empfin⸗ dung nieder und war ſo glücklich, das Zimmer mit Würde und Haltung zu verlaſſen. Es iſt zur Ehre des Charakters des Alderman Van Beverout zu bemerken, daß der harte Schlag, der ihn in der Nachricht von dem plötzliche Ende ſeines flämiſchen Wallachen traf, durch das ſo unerwartete Ereigniß einer nicht zu erklärenden Entfernung ſeiner Nichte etwas an Kraft verlor. Euclid wurde mehr als einmal in den — 198— nächſten zehn Minuten gefragt, bedroht, ja verflucht, aber es gelang dem durchtriebenen Kerl ſo gut, ſeine übrigen Angehörigen von der Halbrace in die nach dem Hinausgehen des Francois vorgenommene Unterſuchung zu verflechten, daß ſein Vergehen halb und halb vergeſ⸗ ſen wurde. Beim Eintritt in die Cour des Fées fand man die⸗ ſen Aufenthalt wirklich von Jener verlaſſen, deren Schön⸗ heit und Anmuth über ihn den größten Reiz verbreitete. Die äußeren, kleineren Zimmer, worin gewöhnlich Fran⸗ cois und die Negerin Dinah ſich den Tag über aufhiel⸗ ten, in der Nacht aber ſich allein die letztere befand, waren in dem gewohnten Zuſtande. Die Stube der Die⸗ nerin zeigte Spuren, daß ihre Beſitzerin ſie in Eile ver⸗ laſſen, obgleich es allen Anſchein hatte, daß ſie ſich zur gewöhnlichen Stunde zu Bette gelegt. Kleidungsſtücke lagen umhergeſtreut, und wenn auch ihre meiſten Effec⸗ ten verſchwunden waren, ſo blieben deren doch noch ge⸗ nug zurück, um zu beweiſen, daß ihr Weggehen beeilt und unvorhergeſehen war. 3 Dagegen war der kleine Salon, ſowie das Ankleide⸗ und Schlafzimmer der belle Barberie in dem Zuſtand größter Ordnung. Kein Stück Meubel ſtand verſtellt, keine Thür, kein Fenſter offen. Der Pavillon war au⸗ genſcheinlich auf dem gewöhnlichen Wege verlaſſen und die Thür in der üblichen Weiſe verſchloſſen, doch ohne Riegel. Das Bett lag ungebraucht, denn das Weißzeug war glatt und eben. Kurz die Ordnung des Platzes war ſo groß, daß ſich der Alderman einem natürlichen Ge⸗ fühl überließ, indem er ſeine träge Nichte bei Namen rief, G ſollte, dieſes hallte und m lachend 43 tenmal den ti geſagt Schwe T Mann der 6 von h lichkei 60 Bürg Ueber den, 5 verlie und Erbit Zeich räthſ flucht, ſeine h dem uchung vergeſ⸗ un die⸗ Schön⸗ eitete. Fran⸗ ufhiel⸗ defand, r Die⸗ le ver⸗ ch zur sſtuͤcke Effec⸗ ſch ge⸗ beeilt kleide⸗ uſtand rſtellt, ar au⸗ n und ) ohne ißzeug es war n Ge⸗ ſamen — 199— rief, als ob ſie ſogleich aus irgend einem Winkel treten ſollte, wohin ſie ſich aus Neckerei zurückgezogen. Aber dieſes rührende Mittel war vergeblich. Die Stimme hallte unbeantwortet in den verlaſſenen Zimmern wieder, und wie auch Alle aufhorchten, keine ſcherzhafte oder lachende Antwort kam. «Alida,» ſchrie der Bürger zum vierten und letz⸗ tenmale,«komm heraus, mein Kind; ich vergebe dir den tollen Einfall, und alles, was ich von Enterbung geſagt, war nur Spaß. Komm heraus, Tochter meiner Schweſter, und küſſe deinen Onkel!» Der Patron wandte ſich auf die Seite, als er einen Mann, der ſo bekannt war für egoiſtiſches Weſen, ſich der Stimme der Natur hingeben ſah, und der Herr von hunderttauſend Akres vergaß ſeine eigene Unbehag⸗ lichkeit über der Gewalt des Mitgefühls. «Laßt uns zurückgehen,» ſagte er, indem er den Bürger höflich drängte, den Ort zu verlaſſen.« Etwas Ueberlegung wird uns in den Stand ſetzen, zu entſchei⸗ den, was hier zu thun iſt.» Der Alderman gab nach. Ehe ſie jedoch den Ort verließen, wurden alle Gemächer und Winkel durchſucht und die Nachforſchung ließ keinen Zweifel, daß die junge Erbin wirklich davongegangen ſey. Ihre Kleider, Bücher, Zeichenapparate und ſelbſt die leichteren muſikaliſchen Ge⸗ räthſchaften waren verſchwunden. ————— — 200— Wenn keit od dann noch W 9 Von Dreizehntes Kapitel. e deg 4 Zeit g —„Ah, dahin will's hinaus! Barbe Nun merk' ich, daß ſie zwiſchen den Staturen 8 Vergleichung angeſtellt—— Patrr Sommernachtstraum. ſchwer von ſ Der Strom des Daſeyns fließt hinab und mit im tereſſ gehen in ihrer größten Stärke dahin alle jene zärtlichen derſp Gefühle, welche Familien und Verwandte mit einander mit verbinden. Wir lernen unſere Eltern in der Fülle ihrer men Geiſtesthäͤtigkeit und gewöhnlich in der Vollendung ihrer Körperkräfte kennen. Achtung und Ehrerbietung miſchen Eige ſich in unſere Liebe, aber die Zärtlichkeit, womit wir ren. das hülfloſe Kindesalter bewachen, das Intereſſe, welches Fühl wir an dem Gedeihen der eigenthümlichen jugendlichen 8 Sch Naturen unter unſerer Pflege nehmen, der Stolz über Wel die Fortſchritte und die Magie der Hoffnung ſchaffen ein trüg ſo inniges ſympathetiſches Band zu ihnen, daß es von vern Selbſtliebe kaum unterſchieden wird. Es liegt ein dop⸗ Wit pelter geheimnißvoller Lebenszug in der Liebe der Eltern res zum Kinde. Mit dem eignen Willen und den eignen unſ Leidenſchaften hat das Letztere die Gewalt, einen Sta⸗ enti chel in die Bruſt der erſteren zu druͤcken, der ſo tief ver⸗ oft wundet wie ihre eigenen Schwaͤchen oder Vergehen. SKr taturen um. it ihm tlichen nander ihrer ihrer niſchen it wir belches dlichen über en ein s von dop⸗ Eltern ignen Sta⸗ fver⸗ eehen. — 201— Wenn aber übles Betragen des Kindes der Nachlaͤſſig⸗ keit oder ſchlechten Erziehung zugeſchrieben werden kann, dann mag der Schmerz eines verwundeten Gewiſſens noch zu den Leiden kommen, die vorangegangen ſind. Von der Art ungefähr waren die peinlichen Gefühle, zu denen Alderman Van Beverout verurtheilt war, als er Zeit gewann, über den ſchlimmen Schritt, den la belle Barberie gethan, reiflich nachzudenken. « Sie war ein lieber, einſchmeichelnder Wildfang, Patron,» ſagte der Bürger, indem er mit ſchnellem, ſchwerem Tritt durch die Stube ging und unwillkührlich von ſeiner Nichte ſprach, als ſey ſie ſchon über das In⸗ tereſſe des Lebens hinaus,„dabei ſo eigenſinnig und wi⸗ derſpenſtig wie ein junges Füllen.— Der Teufelskerl mit ſeinem verwetterten Reiten! Ich werde zu dem ar⸗ men verwaiſ'ten Wallachen keinen Gleichen mehr kriegen. — Das Mädchen hatte tauſend angenehme und herrliche Eigenſchaften, welche die Wonne meiner alten Tage wa⸗ ren. Sie hat nicht weiſe gehandelt, den Frennd und Führer ihrer Jugend, ja ihrer Kindheit zu verlaſſen, um Schutz bei Fremden zu ſuchen. Das iſt eine unglückliche Welt, Herr Van Staats! Alle unſere Berechnungen trügen, und die Glücksgöttin kann wie ſie will unſere vernünftigſten und weiſeſten Pläne zunichte machen. Ein Windſtoß verſenkt das reichbefrachtete Schiff in den Mee⸗ resgrund, ein ſchnelles Sinken der Preiſe beraubt uns unſeres Goldes, wie der Novemberwind den Eichbaum entlaubt, und Bankerotte und geſunkener Credit trüben oft die Tage der älteſten Häuſer, wie Krankheiten die Kraft des Körpers zernagen:— Alida! Alida! du haſt einen Mann verwundet, der dir nie etwas zu Leide ge⸗ than; du haſt mein Alter elend gemacht!» «Es iſt vergeblich, mit Neigungen zu ſtreiten,» ver⸗ ſetzte der Eigenthümer des Gutes, indem er auf eine Art ſeufzte, die an der Aufrichtigkeit ſeiner Bemerkung nicht zweifeln ließ.«Ich hätte mich glücklich geſchätzt, Eure Nichte an den Platz meiner geachteten Mutter zu ſetzen, den ſte mit ſo viel Würde und Credit behauptete; es iſt nun zu ſpät—» eDas können wir nicht wiſſen— koͤnnen wir war⸗ lich nicht wiſſen,» unterbrach ihn der Alderman, der noch immer an der Hoffnung hing, den erſten großen Wunſch ſeines Herzens zu erreichen, auf den er mit der⸗ ſelben Hartnäckigkeit hielt, wie wenn ein vortheilhaftes Geſchäft für ihn zu machen wäre.« Wir dürfen nicht verzweifeln, Herr Van Staats, ſo lange die Verhand⸗ lungen noch nicht geſchloſſen ſind.» «Die Art und Weiſe, wie Mademoiſelle Barberie ihre Wahl ausgedrückt hat, iſt ſo ſehr decidirt, daß ich keine Hoffnung ſehe, das Arangement zu vollenden.» « Pure Coquetterie, pure Coquetterie! Das Mäd⸗ chen iſt verſchwunden, um den Werth ihrer künftigen Unterwerfung zu erhöhen. Man ſoll Verhandlungen nie am Ende glauben, ſo lange vernünftige Gründe vorhan⸗ den, daß ſie für die Partheien ergiebig werden können.» «Ich fürchte, mein Herr, es liegt mehr von einer Coquette in dieſem Schritt des jungen Fräuleins, als ein Mann von Ehre überſehen darf,» verſetzte der Pa⸗ tron ein wenig trocken und mit viel mehr Pointe, als man an ihm gewohnt war.«Wenn der Commandant kein g Grund gegenr muthuͦ Nichte nun 2 6 aufſpe daſtan derte, eide ge⸗ „» ver⸗ eine Art ig nicht „ Eure ſetzen, es iſt Ir war⸗ n, der großen sit der⸗ lhaftes nicht rhand⸗ arberie daß ich 1.5 Mäd⸗ iftigen en nie orhan⸗ nen.» einer „ als r Pa⸗ „als ndant — 203— kein glücklicher Mann iſt, ſo hat er wenigſtens keinen Grund, ſeiner Herrin Verſchmähung vorzuwerfen!» «Ich weiß nicht, Herr Van Staats, ob ich in dem gegenwärtigen Stand unſerer Stipulationen eine Ver⸗ muthung überſehen darf, die auf die Klugheit meiner Nichte ein Licht zu werfen ſcheint. Capitain Ludlow— nun Burſche, was ſoll die Unverſchämtheit?» «Er warten, zu ſeh Maſſer,» verſetzte der maul⸗ aufſperrende Crasmus, der mit der Thür in der Hand daſtand und die geheime Spürkraft ſeines Herrn bewun⸗ derte, der ihm ſeine Botſchaft aus dem Munde genommen. „Wer wartet?— Was meint der Dummkopf!⸗ ⸗Ich mein', e— en Herr, den Maſſer ſagen.» «Der beglückte Mann iſt hier, um uns von dem ſchönen Erfolg zu unterrichten,» bemerkte mit Stolz Van Staats von Kinderhook. Meine Gegenwart wird bei einer Unterredung des Alderman Van Beverout mit ſeinem Neffen nicht vonnöthen ſeyn.» Der Patron verbeugte ſich mit der Miene gerechten Zorns gegen den ebenfalls ſehr betroffenen Bürger und verließ das Zimmer mit den letzten Worten. Der Ne⸗ ger nahm dieſen Rückzug als ein günſtiges Zeichen für den, der allgemein für ſeinen Nebenbuhler galt, und be⸗ eilte ſich, dem jungen Capitain die Nachricht zu geben, daß die Küſte geſäubert ſey. Das nun folgende Zuſammentreffen war geſpannt und unheimlich genug. Alderman Van Beverout nahm die Miene verletzter Autorität und verwundeter Empfin⸗ dung an, indeß der Officier der Königin gezwungene Unterwerfung unter eine ihm unangenehme Pflicht kund⸗ gab. Die Eröffnung dieſer Unterredung war daher cere⸗ moniös und ſtreng in den Regeln der Höllichkeit. «Es iſt meine Pflicht,» fuhr Ludlow nach dieſen Präliminarien fort,«meine Verwunderung über den Umſtand auszudrücken, daß ein Schiff von der ausneh⸗ mend zweideutigen Erſcheinung der Brigantine, die in dem Cove vor Anker liegt, in einer Lage gefunden wird, die ſehr unangenehmen Verdacht gegen die commerzielle Rechtſchaffenheit eines Kaufmanns von dem bekannten Rufe des Herrn Alderman Van Beverout erweckt.» «Der Credit des Myndert Van Beverout ſteht zu feſt, Capitain Cornelius Ludlow, als daß die zufällige Lage von Schiffen und Buchten ihn ſchmälern könnte. Ich ſehe zwei Schiffe in der Nähe von Luſt in Ruſt vor Anker, und wenn ich vor dem Rath der Königin aufge⸗ rufen werde, mein Zeugniß abzulegen, erkläre ich, daß das Schiff, welches Ihro Majeſtät Flagge trägt, ihren Unterthanen mehr Unrecht zugefügt hat, als der Fremde. Aber welche Beſchwerden laſten auf dem letzteren 2 „Ich werde keines der Facta verhehlen, denn ich erkenne dieſen Fall als einen ſolchen, wo ein Herr von Ihrer bürgerlichen Stellung das vollſte Recht auf genü⸗ gende Erklärungen hat—» «Hm—,» unterbrach ihn der Bürger, dem die Art mißftel, wie ſein Gefährte die Unterredung begonnen hatte, und dem es war, als ſehe er den Anfang eines gezwungenen Vergleichs in der Wendung, welche ſie nahm;— Hm— ich lobe Ihre Mäßigung, Capitain Ludlow. Mein Herr, wir dürfen uns freuen, einen Ein⸗ gebornen der Provinz auf einem ſo ehrenvollen Poſten an der damit Die Lu den Co König nicht w einige machen daß we europã Herr, comme Räthe keit ve was l gelege rakter Waſſe fehlsl Meer Bede Man er ſt zurü leidi eine Pfli r eere⸗ dieſen er den zusneh⸗ die in twird, erzielle kannten .» teht zu ufällige könnte. uſt vor aufge⸗ h, daß „ ihren Fremde. 2 enn ich err von f genu⸗ die Art egonnen ug eines elche ſie Fapitain en Ein⸗ Poſten — 205— an der Küſte zu ſehen. Sehen Sie ſich, junger Mann, damit wir mehr mit Beguemlichkeit converſiren können. Die Ludlow's ſind eine alte und angeſehene Familie in den Colonieen, und waren ſie gleich keine Freunde von König Karl— nun, wir haben Andre hier, die es auch nicht waren. Es gibt wenig Reiche in Europa, die nicht einige ihrer mißvergnügten Unterthanen hier ausfindig machen können, und deſto größer die Urſache, ſage ich, daß wir nicht zu haſtig ſeyn ſollen, der Weisheit dieſer europäiſchen Geſetzgebungen Glauben zu ſchenken. Mein Herr, ich kann nicht ſagen, daß ich ein Bewunderer aller commerziellen Geſetze wäre, die aus der Weisheit der Räthe Ihrer Majeſtät herfließen. Gewohnte Aufrichtig⸗ keit verbietet mir, dieſe Wahrheit zu längnen, doch— was hat die Brigantine im Cove verbrochen? Es iſt nicht nöthig, einen Mann, der mit den An⸗ gelegenheiten des Handels ſo vertraut iſt, mit dem Cha⸗ rakter eines Schiffes bekannt zu machen, welches die Waſſernixe heißt, noch mit dem des verbrecheriſchen Be⸗ fehlshabers deſſelben, des berüchtigten Tummlers der Meere.⸗ „Capitain Ludlow wird doch den Alderman Van Beverout nicht beſchuldigen, daß er mit einem ſolchen Mann in Verbindung ſtehe?» ſchrie der Bürger, indem er ſich faſt unwillkührlich erhob und ein Paar Schritte zurückwich, als ſey er in Wahrheit betroffen oder be⸗ leidigt. aMein Herr, ich habe nicht den Auftrag, irgend einen der Unterthanen der Königin anzuklagen. Meine Pflicht iſt, ihre Intereſſen auf dem Waſſer wahrzuneh⸗ — 206— men, ihren offenbaren Feinden das Widerpart zu halten und ihre königlichen Prärogative zu verfechten.⸗ «Eine ehrenvolle Beſtimmung, und die, wie ich nicht bezweifle, auch ehrenvoll gelöſ't wird. Nehmen Sie wie⸗ der Platz, denn ich ſehe ſchon, die Conferenz wird ſich ſo endigen, wie es ſich zwiſchen dem Sohn eines Rathes des hochſeligen Königs und ſeines Vaters Freund ſchickt. Sie haben alſo Grund zu vermuthen, daß dieſe Brigan⸗ tine, die ſich ſo unverſehens im Cove gezeigt hat, ent⸗ fernte Verbindungen mit dem Tummler der Meere hat?“ «Ich glaube vielmehr, daß das Schiff die berüch⸗ tigte Waſſernixe ſelbſt und ihr Commandant mit einem Wort der bekannte Abenteurer iſt.» «Gut, mein Herr— gut— mag dem ſo ſeyn. Ich will es durchaus nicht in Abrede ſtellen— aber was ſoll ſo ein Schurke hier unter den Kanonen eines Kreuzers der Königin wohl zu ſchaffen haben?» «Herr Alderman, meine Bewunderung für Ihre Nichte iſt Ihnen nicht unbekannt.» «Ich habe ſie gemuthmaßt, mein Herr,» verſetzte der Bürger, der nun glaubte, daß ſich der Inhalt des Vergleichs mehr aufklaͤre, aber immer darauf wartete, den genauen Werth der Conceſſionen zu erfahren, die der Andere machen werde, ſtatt den Handel in Eile zu ſchließen, was ihn nachher reuen konnte.— Es war wirklich hier eben davon die Rede.» «Dieſe Bewunderung verleitete mich, vergangene Nacht Ihre Villa zu betreten—» «Das iſt eine bekannte Thatſache, junger Mann.⸗ die T ich ſa Etien tain lich ſe der n dung ich he die C Ich d den uU 4 rioſe 6 nes 2 ſtes ſeltſar mann Mant ſegefä 4 ten J und hook t halten ich nicht Zie wie⸗ vird ſich Rathes ſchickt. Brigan⸗ t, ent⸗ 2 hat 2 5 berüch⸗ t einem n. Ich bas ſoll reuzers Ihre herſetzte alt des artete, 1, die Eile zu 8 war angene ann.„ — 202— «Ich nahm von da—» Ludlow ſtockte, als ob ihm die Wahl der Worte ſchwer werde. «Alida Barberie.» «Alida Barberie!» Ja, mein Herr; meine Nichte, oder vielmehr ſollte ich ſagen, meine Erbin, ſo gut wie die Erbin des alten Etienne de Barberie. Die Kreuzfahrt war kurz, Capi⸗ tain Cornelius Ludlow, aber das Prämium wird anſehn⸗ lich ſeyn— es müßte denn ein Anſpruch auf Privilegien der neutralen Fiagge zu Gunſten eines Theils der La⸗ dung ergehen!» «Mein Herr, Ihr Scherzen iſt unterhaltend; allein ich habe keine Zeit, mich damit zu vergnügen. Daß ich die Cour des Fées beſuchte, ſoll nicht geläugnet werden. Ich denke, la belle Barberie wird unter den obwalten⸗ den Umſtänden ſich dadurch nicht beleidigt gefunden haben.» «Wenn ſie es noch iſt, ſo hat die Perſon eine ku⸗ rioſe Delicateſſe, nach dem, was vorgegangen iſt!“» «Ich maße mir nicht an, über mehr als was mei⸗ nes Dienſtes iſt, zu urtheilen. Der Eifer dieſes Dien⸗ ſtes hatte mich verleitet, Herr Van Beverout, einen ſeltſam gemuſterten und ſich ſehr keck betragenden See⸗ mann auf der Coquette anzunehmen. Sie werden den Mann erkennen, wenn ich Ihnen ſage, daß er Ihr Rei⸗ ſegefährte auf dem geſtrigen Fährboote war.» «Richtig, ich entſinne mich dieſes Matroſen von wei⸗ ten Reiſen, der viel Aufſehen und mir, meiner Nichte und nicht minder dem Herrn Van Staats von Kinder⸗ hook Ungelegenheiten machte.» — 208— Ludlow lächelte, wie einer der ſich nicht täuſchen läßt, indem er fortfuhr: „Nun, mein Herr, dieſem Mann glückte es, mich zu ſeinem Ausſchiffen in Geſellſchaft mit mir zu bewegen, unter der Verbindlichkeit eines halb erzwungenen Ver⸗ ſprechens— wir kamen ſo in den Fluß und betraten zu⸗ ſammen Ihren Grund und Boden.“ Alderman Van Beverout horchte nun auf, als fürchte er jede Sylbe, die er aufzufangen begierig war. Als er bemerkte, daß Ludlow inne hielt und mit kaltem feſtem Blick ſeine Mienen prüfte, ermannte er ſich und verſtellte ſein Geſicht zu bloßer Neugier, indem er fort⸗ zufahren bat. «Ich weiß nicht, ob ich dem Alderman Van Beve⸗ rout etwas Neues damit erzähle,„ fuhr der junge Offi⸗ cier fort,«wenn ich hinzufüge, daß der Burſche mich gut⸗ willig den Pavillon betreten ließ, dann aber mich zu ei⸗ nem Hinterhalt von Gaudieben brachte, nachdem er ſo glücklich war, meine Bootsleute gefangen zu nehmen.⸗ «Was Anfälle und Verhaftungen!“ rief der Bürger in ſeiner natürlichen heftigen und lauten Art. Das erſte, was ich höre.⸗ Ludlow ſchien erleichtert, als er aus dem unverſtell⸗ ten Erſtaunen ſeines Gefährten ſich überzengte, daß er wirklich nichts von der Art ſeiner Feſthaltung wußte. «Es wäre nicht geſchehen, mein Herr, wäre unſere Wache ſo aufmerkſam, als Jene liſtig geweſen, fuhr er fort. Ich war indeſſen ſchwach bewacht, und da ich keine Möglichkeit ſah, mein Schiff zu erreichen, ſo—⸗ ausfu len n her ſpern. 4 gegen ſchuld anbel Verle verbie Comn terſch und d den, belle größt werde 6 Auff rig u Rath ſäͤtze Beru ruht. keit, Waſ 5 täuſchen mich zu dewegen, n Ver⸗ aten zu⸗ ff, als ig war. kaltem ich und er fort⸗ Beve⸗ e Offi⸗ ich gut⸗ zu ei⸗ er ſo en. Bürger Das verſtell⸗ daß er ze. unſere uhr er keine — 299— eGut, gut, Capitain Ludlow, es iſt nicht nöthig, ſo ausführlich zu ſeyn. Sie gingen zum Kai und—» „Vielleicht, mein Herr, gehorchte ich meinen Gefüh⸗ len mehr als meiner Pflicht, bemerkte Ludlow mit ho⸗ her Röthe, als der Bürger innehielt, um ſich zu räu⸗ ſpern. Ich kehrte zu dem Pavillon zurück, wo—„ „Wo Sie eine Nichte überredeten, ihren Pflichten gegen einen Onkel und Schützer untreu zu werden.» Das iſt eine harte und nicht zu rechtfertigende Be⸗ ſchuldigung, ſowohl was die junge Dame, als was Sie anbelangt. Ich kann zwiſchen einem ſehr natürlichen Verlangen, Handelsartikel zu beſitzen, welche die Geſetze verbieten, und zwiſchen einem überlegten und einträglichen Complott gegen die Intraden des Landes recht wohl un⸗ terſcheiden. Ich glaube, es gibt Wenige von den Jahren und dem Geſchlecht Ihrer Nichte, die es abweiſen wür⸗ den, Waaren zu kaufen, wie ſie vor den Augen der belle Barbérie ausgebreitet lagen, beſonders wenn die größte Gefahr darin beſteht, daß die Dinge confiseirt werden, weil ſie ſchon im Lande ſind.⸗ Eine richtige Unterſcheidung, die wahrſcheinlich die Aufklärung unſerer kleinen Angelegenheiten minder ſchwie⸗ rig macht! Ich wußte doch, mein alter Freund, der Rath, werde keinen Sohn hinterlaſſen, dem Rechtsgrund⸗ ſaͤtze fremd wären, indem er im Begriff ſtand, ſich einem Berufe zu widmen, auf welchem ſo viel Verantwortung ruht.— Und alſo beging meine Nichte die Unvorſichtig⸗ keit, ſich mit einem Schmuggler einzulaſſen 25 «Alderman Van Beverout, es waren Böte auf dem Waſſer in Bewegung, zwiſchen dieſem Landungsplatz und 58— 60. 14 — 210— der Brigantine in dem Cove. Eine Periagua ſogar ver⸗ ließ, um nach der Stadt abzufahren, den Fluß in der ungewöhnlichen Stunde der Mitternacht!» «Mein Herr, Böte ſetzen ſich auf dem Waſſer in Bewegung, wenn Menſchenhände ſie treiben; aber was habe ich damit zu ſchaffen. Wenn ſich Güter ohne Li⸗ cenz in die Provinz eingeſchlichen haben, ſo müſſen ſie geſucht und confiscirt werden, und wenn ſich Freihändler an der Kuͤſte zeigen, ſo muß man ſie feſt nehmen. Wäre es nicht gut, nach der Stadt zu gehen und das Factum des Erſcheinens dieſer fremdartigen Brigantine dem Gou⸗ derneur ohne Verzug vorzulegen 25 «Ich beabſichtige andere Dinge. Wenn, wie Sie ſagen, Güter die Bai hereingekommen ſind, ſo iſt es jetzt zu ſpät, ſte anzuhalten; doch iſt es nicht zu ſpät, jene Brigantine wegzunehmen. Indeſſen wollte ich dieſe Pflicht auf eine Art erfuͤllen, welche einem ehrlichen Manne ſo wenig, als es mein Dienſt erlaubt, zu nahe tritt.» „Mein Herr, dieſe Rückſicht iſt ſehr lobenswerth— nicht als ob ſich Anzeichen ergäben, die mehr Leute als das Schiffsvolk verwickelten, ſondern weil der Credit eine feine Blume iſt, die man zart behandeln ſoll. Ich ſehe nun Ausſichten zu einem Arrangement— aber wir wol⸗ len den Pflichten gemäß zuerſt Ihre Vorſchläge hören, da Sie, wie man ſagen darf, im Namen der Königin reden, Ich wollte nur bevorworten, daß die Bedingun⸗ gen billig ausfallen mögen, weil es zwiſchen Freunden iſt— vielleicht ſollte ich ſagen, zwiſchen Verwandten, Capitain Ludlow. Herr läche Cou gert ben, führt nach verde nen Dia anne Nich Eige Cou ſtaut vern Able cier ſeyn in d tain mut geſe das ggar ver⸗ in der Zaſſer in der was ohne Li⸗ iſſen ſie ihändler Wäre Factum n Gou⸗ ie Sie es jetzt it, jene ) dieſe hrlichen n nahe rth— ite als dit eine ch ſehe r wol⸗ hören, önigin ingun⸗ iſt— pitain — 211— ⸗Ich fühle mich durch dieſe Benennung geehrt, mein Herr„verſetzte der junge Seemann, indem er vergnügt lächelte.«Zuerſt laſſen Sie mich in die bezaubernde Cour des Fées treten, nur auf einen Augenblick." «Dieß iſt eine Gunſt, die Ihnen ſchwerlich verwei⸗ gert werden kann, da Sie nnn eigentlich ein Recht ha⸗ ben, den Pavillon nach Gefallen zu betreten, hierbei führte er ihn ohne zu zögern, durch den langen Gang nach den verlaſſenen Zimmern ſeiner Nichte und ſetzte die verdeckten Anſpielungen auf die Vorgänge der verfloſſe⸗ nen Nacht auf dieſelbe indirecte Weiſe fort, welche den Dialog bis dahin charakteriſirte. Ich werde Vernunft annehmen, junger Mann; hier iſt der Pavillon meiner Nichte; ich wünſchte hinzufügen zu können: hier iſt die Eigenthümerin ſelbſt!⸗ «Und wohnt la belle Barbérie nicht mehr in der Cour des Fées 29 fragte Ludlow mit zu aufrichtigem Er⸗ ſtaunen, als daß es erkünſtelt ſeyn konnte. Der Alderman Van Beverout ſah den jungen Mann verwundert an, erwog einen Augenblick, wie weit eine Abläugnung der Kenntniß ihrer Abweſenheit dem Offi⸗ cier in den obſchwebenden Verhandlungen von Nutzen ſeyn könne, und bemerkte dann trocken: Böte paſſirten in der Nacht das Waſſer. Wenn die Leute des Capi⸗ tain Ludlow anfangs gefangen genommen wurden, ſo ver⸗ muthe ich, ſle wurden zu rechter Zeit in Freiheit geſetzt.» 8 «Sie wurden fortgeführt, ich weiß nicht wohin— das Boot ſelbſt iſt weg und ich bin hier allein.“» «Verſtehe ich Capitain Ludlow recht, ſo iſt Alida 14 — 212 Barberie in vergangener Nacht nicht aus meinem Haus emflohen, um auf Ihrem Schiff Schutz zu ſuchen!⸗ cEntflohen!» wiederholte der junge Mann mit Ent⸗ ſetzen.«Iſt Alida de Barberie aus dem Hauſe ihres Oheims entflohen 25 «Capitain Ludlow, iſt dieß keine Verſtellnng? Auf die Ehre eines rechtſchaffenen Mannes, wiſſen Sie nichts von der Abweſenheit meiner Nichte 25 Der junge Commandant gab keine Antwort, er ſchlug ſich heftig vor den Kopf und ſtotterte Worte, die ſein Gefährte nicht verſtand. Nachdem dieſer augenblick⸗ liche Ausbruch vorüber war, ſank er auf einen Stuhl nieder und ſchaute mit ſtierem Entſetzen um ſich her. Dieſe ganze Pantomime war für den Alderman uner⸗ klärlich, der jedoch zu bemerken anfing, daß mehrere Be⸗ dingungen des in Händen habenden Vergleichs außer der Macht ſeines Gefährten lagen, was er ſich ſchwerlich gedacht hatte. Der Knoten wurde, ſtatt ſich zu löſen, immer verwickelter, und der Alderman fürchtete ſich zu ſprechen, weil er mehr ſagen konnte, als ſich mit der Klugheit reimte. Das Schweigen dauerte daher eine ganze Minute fort, während deſſen Beide mit ſtarrer Verwunderung einander anblickten. «Ich kann es nicht läugnen, Capitain Ludlow, daß ich glaubte, Sie hätten es über meine Nichte vermocht, an Bord der Coquette zu fliehen, denn wiewohl ich ein Mann bin, der immer ſeine Gefühle unter Vormund⸗ ſchaft hält, als die ſicherſte Art, ſeine beſonderen Inte⸗ reſſen zu handhaben, ſo hahe ich doch nicht erſt zu ler⸗ nen, daß raſche Jugend ſich oft zu Thorheiten verleiten läßt. aus i findet. 6 verlief Könnt & kurz, 4 unvor ren ⸗ ſeines welche ein ſo Weſer 2 daß e mäßig ſes S die fei zwar Ungen hatte der fe Coque ſo vor leicht auswi türlich alle J it Ent⸗ e ihres 7 Auf nichts rt, er te, die enblick⸗ Stuhl h her. uner⸗ re Be⸗ außer verlich löſen, ich zu it der eine tarrer „daß docht, h ein nund⸗ Inte⸗ ler⸗ eiten — 213— läßt. Ich bin nun, gleich Ihnen, völlig verwirrt, was aus ihr geworden iſt, da ſie ſich nicht bei Ihnen be⸗ findet.⸗ «Halt!„ unterbrach ihn Ludlow haſtig. Ein Boot verließ in früher Morgenſtunde den Kai nach der Stadt. Koͤnnte ſie nicht damit ſortgegangen ſeyn 2„ „Das iſt nicht möglich. Ich habe Gründe dazu— kurz, ſie iſt mit dieſem Boot nicht gegangen.⸗ „Dann iſt das unglückliche— das liebliche— das unvorſichtige Mädchen für ſich und uns auf ewig verlo⸗ ren!» rief der junge Seemann ſeufzend unter der Laſt ſeines Kummers.„Heftiger, gewinnſüchtiger Mann! zu welcher thörichten Handlung hat dieſer Durſt nach Gold ein ſo ſchönes— dürfte ich ſagen, ſo reines, unſchuldiges Weſen getrieben!“» Während der Schmerz des Liebenden ſo heftig war, daß er ſich in den Ausdrücken ſeiner Vorwürfe wenig mäßigte, ſchien der Onkel der ſchönen Ungetreuen in tie⸗ ſes Staunen verloren zu ſeyn. La belle Barbérie hatte die feine Sitte und die Zurückhaltung ihres Geſchlechts zwar ſo gut beobachtet, daß ſie ſelbſt ihre Anbeter in Ungewißheit ließ, auf wen ihre Neigung zielte, indeſſen hatte doch der ſchlaue Alderman lange geargwohnt, daß der feurigere, offenere und männlichere Commandant der Coquette über einen äußerlich ſo kalten und im Vorrücken ſo vorſichtigen Gegner, wie der Patron von Kinderhook, leicht den Sieg davontragen könne. Als es ſich daher auswies, daß Alida verſchwunden ſey, ſchloß er ganz na⸗ türlich, daß ſie den einfachſten Weg eingeſchlagen habe, alle Pläne mit Begünſtigung des Letzteren auf einmal — 214— zu vereiteln, indem ſie ſich in die Arme des jungen See⸗ helden warf. Die Geſetze der Colonie boten wenig Hin⸗ derniſſe gegen ihre Vereinigung, und als Ludlow dieſen Morgen erſchien, glaubte der Alderman wirklich nicht anders, als er erblicke einen Mann, der ſein Neffe, wo nicht ſchon ſey, doch unvermeidlich bald werden müſſe. Aber das Leiden des getäuſchten Jünglings konnte keine Verſtellung ſeyn, der beſtürzte Alderman war, indem er jenen Argwohn fahren ließ, ganz ohne Rath, was aus ſeiner Nichte geworden ſeyn könne; Verwunderung eher als Kummer bemächtigte ſich ſeiner, er ſtützte ſein brei⸗ tes Kinn auf Finger und Daumen der einen Hand und verrieth die Bewegung eines Mannes, der in ſeinem Sinn alle erdenklichen Möglichkeiten einer verwirrten Frage durchläuft. «Löcher und Ecken! murmelte er nach langem Schwei⸗ gen,«das Teufelsmädchen wird doch mit ihren Freunden nicht Verſtecken ſpielen! Die Dirne hatte immer zu viel von der Familie Barberie und dem hohen norman⸗ niſchen Blut an ſich, wie der ſchwachköpfige alte Be⸗ diente da, um ſich zu ſolchen Kindereien herabzulaſſen. Fort iſt ſie gewiß,» fuhr er fort, indem er wieder in den leeren Cabinettchen und Schränken ſich umſah,«und mit ihr ſind auch die Sachen von Werth fort. Die Gui⸗ tarre fehlt— die ſchöne Laute, die ich über's Meer kom⸗ men ließ, die holländiſche Laute von herrlichem Ton, die hundert Gulden wie einen Stuͤber koſtete, die iſt auch weg— und alle die— hm— die neu angeſchafften Sachen, alles weg. Und auch die Juwelen meiner Schwe⸗ ſter, die ich ſie mitzunehmen bat, um damit ſicher zu ſeyn, auch 1 von C Gebie . deſſen an ſich suppd Proba 8 auf L drücke hook, Her! tritte fame, einen etwat licher Wen ſo ſa Mitt Sto den inde en See⸗ ig Hin⸗ dieſen h nicht fe, wo müſſe. ee keine dem er as aus gg eher n brei⸗ nd und Sinn Frage Schwei⸗ eunden ner zu orman⸗ de Be⸗ tlaſſen. in den nd mit Gui⸗ r kom⸗ in, die t auch hafften Schwe⸗ er zu 215— ſeyn, waͤhrend wir nicht zu Hauſe wäͤren, die ſehe ich auch nicht. Francois, Francois, du langgeprüfter Diener von Etienne Barberie, was der Deurxel iſt aus deiner Gebieterin geworden 2 5 „NMais Monsieur„» verſetzte der troſtloſe Bediente, deſſen ſtille Geberden unzweideutige Züge des Jammers an ſich trugen,«ſie nit ſagen le pauvre Frangçois! En supposant, que Monsieur fragen der Capitaine, er wird probablement wiſſen.» Der Bürger warf einen raſchen argwöhniſchen Blick anf Ludlow und ſchüttelte dann den Kopf, um auszu⸗ drücken, daß der junge Mann die Wahrheit geſagt habe. «Geh Er, ſag Er Herrn Van Staats von Kinder⸗ hook, er möge uns das Vergnügen ſchenken—» «Halt,» rief Ludlow dem weggehenden Bedienten zu. Herr Beverout, ein Onkel ſollte ſchonend mit den Fehl⸗ tritten eines ſo theuren Weſens ſeyn, wie dieſes grau⸗ fame, unbedachte Mädchen. Sie werden ſte doch nicht einem ſo ſchrecklichen Schickſal überlaſſen!“ „Ich bin keineswegs geſonnen, mein Herr, irgend etwas aufzugeben, worauf ich einen gerechten und geſetz⸗ lichen Anſpruch habe. Aber Sie reden da in Räthſeln. Wenn Sie den Ort wiſſen, wo meine Nichte verſteckt iſt, ſo ſagen S. es frei und offen, und laſſen Sie mich alle Mittel ergreifen, die der Fall fordert.» Ludlow erröthete bis zur Stirn und der Kampf von Stolz und Schmerz war heftig. „Es iſt vergebens, den Schritt verbergen zu wollen, den Alida de Barberie zu thun für gut gefunden hat,“» indem er dieſes ſagte, ſpielte ein ſo bittrer Zug auf ſei⸗ 2 . — 216— nem Geſicht, daß man ihn für den Ausdruck ſcharfen Spottes hätte halten können; aſte hat wuͤrdiger gewählt, als einer von uns vermuthen konnte; ſie hat einen Ge⸗ fährten gefunden, der ihrem Stande, Charakter und Ge⸗ ſchlecht angemeſſener iſt als Van Staats von Kinder⸗ hook oder der arme Commandant eines Schiffes der Königin!o ⸗Kreuzer und Landgüter! Was um aller Myſterien willen ſollen dieſe geheimuißvollen Andentungen ſagen?2 Das Mädchen iſt nicht hier; Sie erklären, ſie befinde ſich nicht an Bord der Coquette, und es bleibt alſo nur—„ „Die Brigantine;» jammerte der junge Seemann, indem er das Wort mit uͤberwindender Gewalt ausſtieß. Die Brigantine!⸗ wiederholte der Alderman be⸗ dächtig. Meine Nichte kann nichts an Bord eines Schmugglers zu thun haben. Das heißt ſo viel als, Alida Barberie iſt kein Handelsmann.» «Alderman Van Beverout, wenn wir einem Schand⸗ fleck entgehen wollen, muß ſolche Geſellſchaft gemieden werden. Es war vergangene Nacht Jemand in dem Pa⸗ villon, mit einer Miene und einem Selbſtvertrauen, die einen Engel täuſchen konnten. Weiber! Weiber! euer Sinn iſt aus Eitelkeit zuſammengeſetzt und eure Einbil⸗ dungskraft iſt euer bitterſter Feind ⸗ „O Weiber und Eitelkeit!, wiederholte der Bürger im vollen Erſtaunen. ⸗Meine Nichte, die Erbin des al⸗ ten Etienne Marie de Barberie und der Sproſſe ſo vie⸗ ler ehrenvollen Namen und reſpectabeln Erinnerungen, wäre mit einem Räuber entflohen!— vorausgeſetzt, daß ich Ihr nehmen gegründ ſeyn 25 De la belle berung Lächeln⸗ eines u Vorzüg iſt, wa ſolltte ſie Do Kopf de Ludlow und na auf. 2 Kopfe k inſtincte des Lie Zuſamn rief ſich dächtnif Betrach nung, weiblich ſcharfen ewählt, en Ge⸗ nd Ge⸗ Kinder⸗ es der Fſterien ſagen 2 befinde t alſo mann, sſtieß. n be⸗ eines als, hand⸗ nieden Pa⸗ „ die euer inbil⸗ irger 3 al⸗ vie⸗ igen, daß — 212— ich Ihre Vermuthung mit der Brigantine für Wahrheit nehmen darf. Nein, es iſt ein Argwohn, der zu unwahr⸗ ſcheinlich iſt, um geglaubt zu werden.⸗ «Das Auge eines Liebenden iſt ſchärfer, als das ei⸗ nes Vormundes— nennen Sie es eiferſüchtig, wenn Sie wollen— wollte der Himmel, mein Verdacht wäre un⸗ gegründet!— aber wenn ſie dort nicht iſt, wo ſoll ſis ſeyn 25 3 Der Glauben des Alderman ſchien erſchüttert. Wenn la belle Barbérie nicht hingeriſſen war von der Bezau⸗ bernng jenes ſchmählichen, doch verführeriſchen Blicks und Lächelns, jener eigenthümlichen Schönheit der Züge, und eines unwiderſtehlichen Zaubers, der große perſönlichs Vorzüge umgibt, wenn ein Geheimniß dabei im Spiele iſt, was ſollte ſte dann hinweggetrieben haben, wohin ſollte ſie entflohen ſeyn? Das waren Vorſtellungen, die nun eben ſo den Kopf des Alderman durchkreuzten, wie ſie zu Dornen in Ludlows Buſen wurden. Mit ihnen draͤngte ſich nach und nach auch die Überzeugung mit ſiegender Gewalt auf. Aber die Gewißheit tagte nicht ſo ſchuell in dem Kopfe des ſchlauen berechnenden Kaufmanns, wie ſie mit inſtinctartiger Schnelligkeit ſich der eiferſüchtigen Natur des Liebenden bemächtigte. Er erwog jeden Umſtand des Zuſammentreffens des Schmugglers mit ſeiner Nichte, rief ſich die Art und das Geſpräch des erſteren ins Ge⸗ dächtniß zurück, ſtellte einige allgemeine und unbeſtimmte Betrachtungen an, welchen Eindruck eine neue Erſchei⸗ nung, verbunden mit romantiſchen Umſtänden, auf eine weibliche Phantaſte üben könne, und verweilte lange mit — 218— Heimlichkeit auf gewiſſen wichtigen Thatſachen, die ihm allein bekannt waren, ehe ſein Urtheil ſich endlich zu der⸗ ſelben Anſicht bekannte, die ſein Gefährte mit aller Em⸗ pfindlichkeit eiferſüchtiger Qual ſich gebildet. «Weiber und Thorheiten!“ murmelte der Bürger, nachdem ſein Studieren beendigt war.«Ihre Pläne gingen ins Blaue wie der Ertrag einer Wallfiſchfahrt oder das Glück eines Jägers. Capitain Ludlow, Ihr Beiſtand iſt in dieſer Sache von Wichtigkeit, und da er wohl nicht zu ſpät kommt, weil ſchwerlich Geiſtliche auf dieſem Schiff ſind— immer den von Ihnen behaupteten Charakter vorausgeſetzt— ſo wird meine Nichte ihren Fehler noch einſehen und ſich entſchließen, ſo große Treue und Anhänglichkeit zu belohnen.» «Meine Dienſte ſtehen immer bereit, ſo lange ich Aliden de Barberie nützlich ſeyn kann,» verſetzte der junge Officier mit Haſt, doch etwas kalt. Es wird Zeit genug ſeyn, von dem Lohn zu ſprechen, wenn unſer 3 Erfolg glücklich geweſen iſt.⸗ «Je weniger Lärm man in einer kleinen haͤuslichen Ungelegenheit wie dieſe macht, deſto beſſer iſt es, und ich würde deßhalb unmaßgeblich rathen, unſeren Verdacht über den Charakter des Schiffs noch geheim zu halten, bis wir beſſer darüber unterrichtet ſind.» Der Capitain nickte dieſer Bemerkung ſeinen Bei⸗ fall zu. 4 «Und da wir nun in den Präliminarien einig ſind, wollen wir den Patron von Kinderhook aufſuchen, der ein Recht hat, an unſerem Geheimniß Theil zu nehmen.» Myndert führte nun den Rückzug aus der leeren und me ihre v und m lichkeit die ihm ich zu der⸗ aller Em⸗ Bürger, re Pläne lfiſchfahrt dw, Ihr nd da er kliche auf haupteten hte ihren ge Treue ange ich tzte der Es wird m unſer uslichen es, und Berdacht halten, en Bei⸗ g ſind, n, der hmen.» leeren 219— und melancholiſchen Cour des Fées, mit Schritten, die ihre vorige Emſigkeit und Kraft wieder erlangt hatten, und mit einem Geſicht, das mehr Arger und Verdrieß⸗ lichkeit ausdruͤckte, als eigentlichen Kummer. Vierzehntes Kapitel. — Da haſt du'nen Wind. α— Biſt gütig geſtunt. — Von mir nimm auch einen. — Alle anderen ſind die meinen.» Macbeth. Die Wolke uͤber der Mündung des Rariton war nicht in die Höhe gegangen. Im Gegentheil kam der Wind unveränderlich von der See her; die Brigantine im Cove und der Kreuzer der Königin lagen noch im⸗ mer vor Anker, wie zwei ſchwankende Wohnungen, die ſich nicht von der Stelle bewegen wollen. Die Stunde war ſchon gekommen, wo der Charakter des Tages ſich entſchied und es war nicht mehr zu hoffen, daß ein Land⸗ wind das Schiff des Freihändlers in den Stand ſetzen compact ſein Speculationsgeiſt. Ihr Herren, es braucht — 220— werde, vor der Rückſtrömung der Fluth, welche ſchon begann, den Ausgang zu paſſiren. Die Fenſter von Luſt in Ruſt waren offen, als wenn der Eigenthümer da wäre und die Dienſtboten zeigten ſich in und um die Villa mit ihren gewöhnlichen Arbei⸗ ten beſchäftigt; man ſah jedoch in der Art, wie ſie zu⸗ weilen innehielten um zu plaudern, und in den häͤuftgen Conferenzen, die in geheimen Winkeln gehalten wurden, daß ſie ſich nichts deſtoweniger über das unerklärliche Verſchwinden ihrer jungen Herrin verwunderten. In je⸗ der anderen Hinſicht war die Villa mit ihren Umgebun⸗ gen wie gewöhnlich ſtill und anſcheinend öde. Aber es ſtand eine Gruppe Menſchen unter dem Schatten einer Eiche an dem Strand des Cove, an ci⸗ ner Stelle, wo ſich ſelten Leute zeigten. Dieſer kleine Trupp ſchien auf eine von der Brigantine verlangte Com⸗ munication zu warten, denn ſie ſtanden an der Seite des Canals nächſt dem Cap und ſo zurückgezogen, daß ſie Solchen, die eintraten oder die Mündung des Shrews⸗ bury verließen, verborgen bleiben mußten. Kurz ſie be⸗ fanden ſich auf dem langen, niedern und ſchmalen Sand⸗ damme, der jetzt die hervorſtehende Spitze Hook bildet und durch die zeitige Verbindung des Cove mit dem Meere grade eine Inſel war. „Compact ſeyn, iſt das eigentliche Motto für den Kaufmann,» bemerkte Einer von dieſen Maͤnnern, den ſeine Anſichten dem Leſer ſchon hinlänglich verrathen wer⸗ den. Compact muß ſein Geſchäft ſeyn, compact ſeine Art es zu führen; compact ſein Eredit, und vor Allem für eine nung h ein klu⸗ fenem ſo wür und He es über keine l hat mi die Me Schiffs gantine des Fa ſchienen dung z3 wo ſei währer Canal die M Richtu zurnte dem de nicatir ohne rer D A Unterr ſche ſchon als wenn m zeigten n Arbei⸗ ſie zu⸗ häͤuftgen wurden, klärliche In je⸗ mgebun⸗ ter dem an ci⸗ e kleine le Com⸗ eite des daß ſie Shrews⸗ ſte be⸗ Sand⸗ bildet t dem ür den n, den n wer⸗ t ſeine Allem raucht 221— für einen ſorgſamen Mann, der ſein Hausweſen in Ord⸗ nung halten will, kein bewaffnetes Geleite, ſo wenig als ein kluger Kaufmann den Gang ſeiner Geſchäfte auf of⸗ fenem Markt ausrufen läßt. Ich freue mich der Hülſe ſo würdiger Männer, wie Capitain Cornelius Ludlow und Herr Oloff Van Staats, denn ich bin gewiß, daß es über das kleine Unglück, das ſich ereignet hat, nun keine langen Fraubaſereien gibt. Aha! der Schwarze hat mit dem Freihändler geſprochen— ich nehme immer die Meinung des Herrn Ludlow über den Charakter des Schiffs als die richtige an— und er verläßt die Bri⸗ gantine.⸗ Keiner der Gefaͤhrten des Alderman ließ ſich mit einer Antwort hören. Beide beobachteten die Bewegung des Fahrzeugs, das ihren Botſchafter enthielt, und beide ſchienen gleichen Antheil an dem Reſultat ſeiner Sen⸗ dung zu nehmen. Statt jedoch an dem Ort anzufahren, wo ſein Herr und deſſen beiden Freunde warteten, und während ſie ſein Boot brauchten, um wieder über den Canal hinüber zu fahren, ließ der Burſche es grade in die Mündung des Fluſſes laufen, was der erwarteten Richtung direct entgegen war. «Du eigenſinniger Racker du!» brummte der er⸗ zürnte Herr.«Läßt uns der miſerabele Hund hier auf dem därren Sand im Stich, wo wir von aller Commu⸗ nication mit dem Innern abgeſchnitten ſind und ſo gauz ohne Nachricht von dem Stand des Handels und ande⸗ rer Dinge, wie Menſchen in einer Wüſte!“ „Hier kommt etwas, das uns hoffentlich zu einer Unterredung verhelfen wird,» bemerkte Ludlow, deſſen — 222— geübtes Auge ein Boot, das von der Seite der Brigan⸗ tine abſtieß, und die Richtung, welche es nahm, zuerſt entdeckte. Der junge Befehlshaber hatte ſich nicht geirrt, denn ein leichter Kutter, der wie eine Blaſe auf dem Element dahinfuhr, näherte ſich dem Strande, wo die drei War⸗ tenden ſtanden. Als er nahe genug gekommen war, um die Perſonen deutlich zu erkennen und ohne Mühe zu verſtehen, hörte die Mannſchaft zu rudern auf und ließ das Boot ruhig ſchwimmen. Der Matroſe mit dem in⸗ diſchen Shawl ſtand in dem Hintertheil auf und recog⸗ noseirte das Dickicht hinter der Gruppe mit ſcharfen mißtrauiſchen Blicken. Nach gehöriger Unterſuchung gab er ſeinen Leuten das Zeichen, näher zu rudern, und ſprach: «Wer iſt's, der mit einem aus der Brigantine et⸗ was zu handeln hat?» war ſeine ruhige Frage, ohne den Gegenſtand ihres Beſuches voraus anzudeuten. Sie hat wenig mehr, was mit Proſit veräußert werden kann, es waͤre denn ihre Schönheit.⸗ «Wahrhaftig, guter Fremder,» perſetzte der Alder⸗ man, mit gehörigem Nachdruck auf dem letzten Wort, cces will keiner von uns einen Handel machen, der nicht den Antoritäten des Landes gefiele, wenn er bekannt würde. Wir kommen mit dem Verlangen, eine Unter⸗ redung mit dem Commandanten des Schiffes zu pflegen, in beſonderen, doch nur Privat⸗Angelegenheiten.» «Warum kommt denn ein öffentlicher Beamter mit? Ich ſehe hier einen in der Livree der Königin Anna. Wir ſir nern un Lu tem Ar ihn ſche aber ve unterbr ſüße E «T ſagte e darauf den. Brigat dcS der an nige g zweide Matrr um to Name geſpro wenn 60 daß C lange wie d dem Kreuz nur o 6 Brigan⸗ m, zuerſt rrt, denn Element rei War⸗ war, um Nühe zu und ließ dem in⸗ nd recog⸗ ſcharfen hung gab rn, und ntine et⸗ ge, ohne n. Sie den kann, r Alder⸗ n Wort, der nicht bekannt e Unter⸗ pflegen, 1.) ter mit? a Anna. — 223— Wir ſind keine großen Freunde von Ihro Majeſtät Die⸗ nern und machen nicht gern unangenehme Bekanntſchaften.” Ludlow biß ſich faſt in die Lippen, vor unterdrück⸗ tem Arger über die Kaltblütigkeit eines Menſchen, der ihn ſchon mit ſo wenig Umſtänden behandelt hatte, dann aber vergaß er auf einen Augenblick ſeinen Zweck und unterbrach die Rede, ſtolz auf ſeinen Dienſt und die ſüße Gewohnheit zu gebieten, können wir hinzuſetzen— Wenn Ihr die Livree der königlichen Gewalt ſehet,» ſagte er ſtolz,«ſo bedenkt auch, daß ſte einer trägt, der darauf zu achten weiß, daß ihre Rechte reſpectirt wer⸗ den. Ich verlange den Namen und das Gewerbe jener Brigantine zu wiſſen!» «Was das Gewerbe betrifft, ſo iſt es, wie bei je⸗ der andern berühmten Schönheit, etwas anrüchtig; ei⸗ nige gehen in ihrem Arger ſogar ſo weit, ſie für eine zweideutige Perſon zu erklären. Aber wir ſind luſtige Matroſen, die wir ſie führen, und kümmern uns wenig um tolle Gerüchte über unſere Gebieterin. Was den Namen betrifft, ſo antworten wir jedem Anruf, der gut geſprochen und gemeint iſt. Nennt uns« Ehrlichkeit,» wenn Ihr wollt, da wir wohl nicht im Regiſter ſtehen.“" Es iſt viel Grund zu dem Verdacht vorhanden, daß Euer Schiff gegen die Geſetze handelt, und ich ver⸗ lange im Namen der Königin die Schiffspapiere, gleich⸗ wie die Ladung und Mannſchaft zu unterſuchen. Außer⸗ dem wäaͤre ich gezwungen, ſie unter die Kanonen des Kreuzers zu nehmen, der in nicht großer Entfernung nur auf Befehle wartet.» 3 «Es braucht keine Gelehrten, um unſere Papiere — 224— zu leſen, Capitain Ludlow, denn ſie ſind mit einem leich⸗ ten Kiel auf's rollende Waſſer geſchrieben und wer unſe⸗ rem Strich folgt, mag unſere Gerechtſame muthmaßen. Wenn Ihr unſere Ladung unterſuchen wollt, ſo müßt Ihr der Gouverneursfrau auf dem nächſten Ball im Fort recht genau Aufſchläge und Schürzchen, Häubchen und Halstücher beſehen, oder guckt in die Segel, die auf den Reifröcken des Weibes und der Töchter Eures Admiralitäts⸗Richters aufgeſetzt ſind! Wir ſind keine Kaͤſekrämer, die einem Victualien⸗Aufſeher unter den Kaſten und Butterkübeln die Beine brechen.⸗» «Eure Brigantine hat einen Namen, Burſche, und in Ihro Majeſtät Namen verlange ich ihn zu wiſſen.» «Der Himmel verhüte, daß Jemand das Recht Ihro Majeſtät beſtreite! Ihr ſeyd ein Seemann, Ca⸗ pitain Ludlow, und habt ein Auge für die Schönheiten eines Fahrzeuges, wie die einer Dame! Keine Wellen⸗ linie des ſchönſten Nackens kann dieſem vollen graziöſen Bug gleichkommen; dieſer ſchlanke Rumpf übertrifft an Ebenmaß und Feinheit jeden Wuchs und hier die Quer⸗ bänder ſchwenen und runden ſich gleich den Umriſſen ei⸗ ner Venus. Ach! ſie iſt ein bezanberndes Weſen, und kein Wunder, daß wie ſie ſo hinzieht auf dem Meere, man ihr den Namen— «Waſſernixe gibt!» ſagte Ludlow, als jener inne⸗ hielt. «Ihr müßt ſelbſt von der Schweſterſchaft ſeyn, Ca⸗ pitain Ludlow, weil Ihr es ſo ſchnell errathet.⸗» ⸗Wunder und Staunen, Patron!⸗ rief Myndert mit fürchterlichem Räuſpern.„Das iſt freilich eine Ent⸗ deckun einjag Dieſer tigten Miſſer Fallin mißve als 2 um C gar aber winn die Freih tig it in ei keit gezw erfül da 2 em leich⸗ ver unſe⸗ thmaßen. ſo müßt Ball im däubchen gel, die r Eures ad keine ater den he, und ſſen.„ 3 Recht n, Ca⸗ önheiten Wellen⸗ raziöſen rifft an 2 Quer⸗ iſſen ei⸗ n, und Meere, r inne⸗ du, Ca⸗ kyndert ne Ent⸗ deckung, die einem ehrlichen Kaufmann mehr Schrecken einjagt, als die üble Aufführung von funfzig Nichten! Dieſes Schiff alſo iſt die famoſe Brigantine des berüch⸗ tigten Tummlers der Meere, eines Menſchen, deſſen Miſſethaten in der Handelswelt ſo bekannt ſind, wie das Falliment eines großen Hauſes! Nun, Herr Seefahrer, mißverſteht unſere Abſichten nicht. Wir kommen nicht als Abgeordnete irgend eines Amtes in dieſem Lande, um Eure frühere Thaten zu unterſuchen, von denen Ihr gar nicht Rede und Antwort geben ſollt, noch weniger aber Auskunft zu irgend einem unrechtmäßigen Geldge⸗ winn, wenn Ihr uns Dinge aufdringen möchtet, welche die Geſetze verbieten. Wir wollen nur den berühmten Freihändler und Räuber, der, wenn Eure Ausſage rich⸗ tig iſt, das Schiff commandirt, auf ein Paar Minuten in einer Sache ſprechen, die für uns drei von Wichtig⸗ keit iſt. Dieſer Officier der Königin iſt durch ſeine Pflicht gezwungen, einige Fragen an Euch zu richten, die Ihr erfüllen wollt oder nicht, wie Euch das gut dünkt, und da Ihro Majeſtät Kreuzer außer der Schußweite liegt, ſo kann nicht grade erwartet werden, daß Ihr etwas anderes thut; aber weiter als dahin geht auch ſeine ge⸗ genwärtige Intention nicht.— Parliren und Scharmi⸗ ren! Capitain Ludlow, wir müſſen der. Mann artig thun, oder er läßt uns über den Canal und zurück nach Luſt in Ruſt ſegeln, wie wir mögen, und mit leeren Händen dazu, wie wir gekommen ſind. Denken Sie an unſere Stipulationen, ſonſt muß ich mich wahrhaftig von dieſem Abenteuer losſagen.“ Ludlow biß ſich in die Lippe und ſchwieg. Der Ma⸗ 58— 60. 15 troſe mit dem Shawl oder Meiſter Tiller, wie er ſchon mehr denn einmal genannt wurde, unterſuchte aber⸗ mals genau den Hintergrund und ließ ſein Boot ſo nahe an's Land gehen, daß man hinten einſteigen konnte. «Tretet herein,» ſagte er zu dem Capitain der Co⸗ quette, bei dem es keiner zweiten Einladung bedurfte; ctretet herein, denn eine wichtige Geißel iſt eine ſichere Bürgſchaft bei einem Waffenſtillſtande. Der Tummler iſt kein Feind von guter Geſellſchaft, und ich habe dem Beamten der Königin ſchon die Ehre erwieſen, ihn mit Namen und Charakter bei ihm einzuführen.» «Burſche, daß dir deine Liſt geglückt iſt, macht dich jetzt übermüthig; aber bedenke, daß die Coquette— «Ein wohlconditionirtes Boot iſt, deſſen Eigenſchaf⸗ ten ich kennen gelernt habe,» bemerkte Tiller, indem er ſehr kaltblütig dem Andern die Worte aus dem Mund nahm.„Doch da Ihr mit dem Tummler nun Geſchäfte habt, ſo wollen wir davon etwas ſpäter reden.» Der Matroſe mit dem Shawl, der ſein früheres keckes Benehmen wieder aufnahm, wurde jetzt ernſthaft und ſprach gebieteriſch mit ſeiner Mannſchaft, die das Boot an die Seite der Brigantine hinrudern mußte. Die Thaten, der geheimnißvolle Charakter und die Waghalſigkeit der Waſſernixre und Deſſen, der ſie führte, waren in jenen Tagen ein Gegenſtand großer Beſorg⸗ niſſe, wie des Erſtaunens und der Bewunderung. Wer am Wunderbaren Behagen fand, hörte mit Vergnügen von den Unmöglichkeiten, die von ihrer Schnelligkeit und Kühnheit erzählt wurden; die, welche ſich oft ver⸗ gebliche Mühe gegeben, den kecken Schmuggler gefangen zu neh wunder gungen Niema ſich der näherte ſtere i den C abweich Verhä ausgez Takeln es unle Nebenl den bl ſo viel ſteuwer S Ehrgei von 3 gemeſſe wohnur Abergl charakt denen ſchieder dem ei lichen Fratze vom K. er ſchon e aber⸗ ſo nahe te. der Co⸗ edurfte; ſichere ummler ibe dem ihn mit macht ette— enſchaf⸗ dem er Mund eſchäfte rüheres uſthaft die das 3te. nd die führte, Zeſorg⸗ Wer gnügen Uigkeit ft ver⸗ fangen — 227— zu nehmen, errötheten bei ſeinem Namen; Alle aber be⸗ wunderten die Energie und Einſicht, womit die Bewe⸗ gungen ſeines Schiffes geleitet wurden. Es wird daher Niemand verwundert ſeyn, daß Ludlow und der Patron ſich dem leichten und graziöſen Bau mit einem Intereſſe näherten, das mit jedem Ruderſchlage wuchs. Der Er⸗ ſtere war ſo ganz Seemann in der eigenthümlichen, von den Gewohnheiten und Lebensanſichten des Zeitalters abweichenden Bedeutung des Worts, daß er die ſchönen Verhältniſſe, die graziöſen Umriſſe des Rumpfes und die ausgezeichnete Symmetrie und Eleganz im Stangen⸗ und Takelwerk nicht ohne ein Gefühl betrachten konnte, wie es unläugbare überlegenheit ſelbſt in der Seele eines Nebenbuhlers erweckt. Auch zeigte ſich ein Geſchmack in den bloßen Verzierungen des feinen Fahrzeugs, der eben ſo viel Erſtaunen erregen mußte, wie Rumpf und Ma⸗ ſteuwerk. Seeleute aller Zeitalter und Kunſtſtufen ſetzten einen Ehrgeiz darein, auf ihre beweglichen Häuſer einen Styl von Zierde zu übertragen, der zugleich dem Element au⸗ gemeſſen und dem architectoniſchen Geſchmack der Land⸗ wohnungen einigermaßen analog war. Frömmigkeit, Aberglaube und nationale Gebräuche machen, daß dieſe charakteriſtiſchen Verzierungen, die man noch in verſchie⸗ denen Welttheilen zu ſehen bekommt, in großer Ver⸗ ſchiedenheit und Mannigfaltigkeit getroffen werden. Bei dem einen iſt der Ruderkopf mit dem Bild eines ſchreck⸗ lichen Ungethüms verſehen, bei dem andern grinzt eine Fratze mit ſchielenden Augen und heraushängender Zunge vom Krahnbalken; dieſes Schiff trägt den Schutzheiligen 15* — 228— oder die allerbarmende Jungfrau Maria in erhabener Arbeit auf dem vordern Geſims, jenes iſt mit Allego⸗ rieen und Emblemen des Vaterlandes und des Dienſtes bedeckt. Wenige dieſer alten nautiſchen Kunſtbemühun⸗ gen ſind von beſondern Erfolg geweſen, doch ein beſſerer Geſchmack ſcheint allmählig ſelbſt dieſen Zweig der menſch⸗ lichen Induſtrie ans dem Wuſt des Barbarismus zu ei⸗ nem Grade der Ausbildung zu erheben, der den geſtei⸗ gerten Anſprüchen des Zeitalters mehr genügt. Das Schiff jedoch, von dem wir reden, war auch für die da⸗ malige rohere Zeit ſo kunſtgerecht ausgeſtattet, daß es der unſrigen keine Schande gemacht hätte. Es wurde früher bemerkt, daß der Rumpf dieſes berüchtigten Contrebandirers uiedrig, ſchwarz, kunſtvoll und in ſo wunderſchönen, richtigen Verhältniſſen gebaut war, daß es auf ſeinem Elemente wie ein Seevogel da⸗ hinwippte. In einigem Abſtand vom Waſſer zeigte es ein Blau von der Farbe des tiefen Oceans, indem da⸗ mals der Gebrauch des Kupferbeſchlags noch unbekannt war, die oberen Theile dagegen waren pechſchwarz, zart mit zwei Linfen von Strohfarbe eingefaßt, die mit ma⸗ thematiſcher Genauigkeit mit dem oberen Plan parallel liefen, während ſie ſich unterm Vorbug ein wenig zur See herabneigten. Glänzende Mattendecken verbargen die, welche ſich auf dem Verdeck befanden, während die feſten Caſtelle dieſer Brigantine das Anſehen eines Kriegs⸗ ſchiffes gaben. Das Auge Ludlow's ſuchte die ganze Länge der beiden ſtrohfarbenen Linien hin vergeblich nach Spuren von Stückpforten. Hatte das Schiff Geſchütz, ſo war es ſo geſchickt verborgen, daß es ſeiner ſchärfſten Unterſt bereits Mitte dermaſ eutlehr den Ne Obwol guter muß, darin nicht welche kleiner einen geben, Linien Briga rechten derobe Raen es ihr ſinnvo rakter 2 gab e Umdr lange erblich für e Schif rhabener Allego⸗ Dienſtes emühun⸗ beſſerer menſch⸗ 8 zu ei⸗ n geſtei⸗ „ Das die da⸗ daß es f dieſes kunſtvoll gebaut ogel da⸗ eigte es dem da⸗ bbekannt 3, zart mit ma⸗ parallel enig zur rbargen rend die Kriegs⸗ 2 ganze ich nach Geſchütz, chärfſten — 220— Unterſuchung entging. Die Art des Takelwerks wurde bereits beſchrieben. Zwiſchen Brigg und Schooner die Mitte haltend, waren die Segel und Stangen des Vor⸗ dermaſts dem erſteren, die des Hintermaſts dem letzteren eutlehnt, weßhalb Seefahrer dieſer Claſſe von Schiffen den Namen Hermaphroditen oder Zwitter gegeben haben. Obwohl man nun aus dieſer Benennung einen Mangel guter Proportion, worauf die wahre Schönheit beruhen muß, ſchließen könnte, ſo muß doch bemerkt werden, daß darin nur von conventionellen Regeln abgewichen wurde, nicht aber von jenen allgemeinen und bleibenden Geſetzen, welche in der Natürlichkeit Halt und Reiz haben. Die kleinen gläſernen Modelle, die man für Geld zeigt, um einen Begriff von den Einrichtungen eines Schiffes zu geben, können nicht genauer und regelrechter in ihren Linien ſeyn, als die Taue und das Stangenwerk dieſer Brigantine war. Nicht der kleinſte Strick wich von der rechten Richtung ab, die Segel glichen der netten Gar⸗ derobe einer verſtändigen Hausfrau, die Maſten und Raen ſtanden mit der ſauberſten Eleganz hinaus, wie es ihre Beſtimmung mit ſich brachte. Alles war luftig, ſinnvoll und graziös, und gab dem Gebäude jenen Cha⸗ rakter unglaublicher Leichtheit und Behendigkeit. Als das Boot ſich der Seite der Brigantine näherte, gab ein veränderter Windzug dieſer behebten Barke eine Umdrehung, gleich einer Dachfahne, und als nun die lange und geſpitzte Form des Kopfes zum Vorſchein kam, erblickte Ludlow unter dem Bugſpriet ein Bildniß, das für eine allegoriſche Anſpielung auf den Charakter des Schiffs erklärt werden konnte. Eine weibliche Geſtalt, — 230— vom Schnitzler mit dem beſten Geſchick geformt, ſtand über die Schärfe der Waſſertheilung hinaus. Die Figur ruhte leicht auf dem Ballen des einen Fußes und hielt den andern in der Schwebe, ungefähr in der fliegenden Stellung des berühmten Merkurs von Bologna. Das Gewand war fließend, knapp und von lichter, meergrü⸗ ner Farbe, als hätte es von dem Element unten die Fär⸗ bung erhalten. Das Geſicht hatte dunkle Bronzfarbe, worin der Geſchmack der Menſchen von undenklicher Zeit her das beſte Medium erblickt hat, um Bildniſſen einen überirdiſchen Ausdruck zu geben. Die Haare waren auf⸗ gelöſ't, rauh und wild, das Auge blickte unheimlich, wie man es ſich bei Zauberinnen denkt, und ein eignes, bos⸗ haftes Lächeln ſpielte um den Mund, daß der junge See⸗ mann erſchrak, als er es anſichtig wurde, da es ihm vorkam, als ſey es der Abdruck lebender Züge. «Potz Zauberei und Schwarzkünſtelei!“ brummte der Alderman, als dieſes ſeltſame Bildniß ihm vor die Angen trat.„Das iſt ein keck blickendes Weibsbild! ein folches Stück trüge wohl ſelbſt der Königin ihren Schatz ohne Gewiſſensbiſſe weg! Eure Augen ſind noch jung, Patron; was hält denn die zweideutige Perſon ſo unan⸗ ſtändig über ihrem Kopf?» «Es ſcheint ein offenes Buch mit rothen Buchſta⸗ ben in den Blättern. Man braucht wohl kein Hexen⸗ meiſter zu ſeyn, um zu ſehen, daß es kein Auszug aus der heiligen Schrift iſt.» 3 «Auch nicht aus den Statutenbüchern der Königin Anna. Ich will wetten, es iſt das Hauptbuch von den Erträgniſſen ihrer vielen Wanderſchaften. Daß Du ſchie⸗ len u. hinre bring der 1 ganti den Gefoͤ Quer Naſe went und weiſe verd gen bes dert Ben den ben unte ſein folg Eit , ſtand ie Figur nd hielt jegenden n. Das neergrü⸗ die Fär⸗ nzfarbe, her Zeit en einen ren auf⸗ ich, wie 28, bos⸗ ge See⸗ es ihm rummte vor die ild! ein Schatz h jung, h unan⸗ Buchſta⸗ Hexen⸗ ug aus Königin on den u ſchie⸗ — 231— len müßteſt! Das kecke Geſicht der frechen Creatur wäre hinreichend, einen ehrlichen Mann aus dem Concept zu bringen.» „Wollt Ihr den Sinnſpruch der Nire leſen?» fragte der mit dem indiſchen Shawl, deſſen Auge jetzt die Bri⸗ gantine in ihrer ganzen Einrichtung muſterte, ſtatt auf den Gegenſtand zu ſehen, der die Aufmerkſamkeit ſeiner Gefährten anzog.«Die Nachtluft hat das Tauwerk der Querſtange dort geſchnurrt, Kerls; ſie wird bald die Naſe rümpfen wie ein ekler Hanns⸗guck⸗in⸗die⸗Welt, wenn er über's Salzwaſſer fährt! Seht mir darnach und bringt die Stange in die Richtung, ſonſt gibt's Ver⸗ weiſe von der Nixe, die nicht gern eins ihrer Glieder verdreht ſieht. Hier, meine Herren, ſind die Geſinnun⸗ gen der Dame ſo klar zu leſen, als die Seele des Wei⸗ bes je mit dem Senkblei erforſcht wird.» Während Tiller mit ſeinem Schiffsvolk ſprach, än⸗ derte er die Richtung des Bootes und bald ſtand es, der Bewegung ſeiner Hand gehorſam, grade unter dem wil⸗ den, bedeutungsvollen Bildniß, das wir ſo eben beſchrie⸗ ben haben. Die Worte in Roth konnten nun deutlich unterſchieden werden und wie Alderman Van Beverout ſeine Brille auf die Naſe geſetzt hatte, laſen alle drei folgenden Sinnſpruch: — Wiewohl ich weder leih' noch borge, Um Ueberſchuß zu geben oder nehmen, Will doch ich, weil es meinem Freund zur Hülfeereift, Die Sitte brechen⸗ Kaufm. v. Venedig⸗ „Das freche Stück!» rief Myndert, als es mit dem Citat aus dem unſterblichen Dichter zu Ende war. Reift oder grünt, wer ſollte der Freund eines ſolchen kecken Weibsbildes ſeyn wollen, und noch dazu einem reſpecta⸗ beln Handelsmann ſolche Dinge unterzuſchieben, ſey er nun ein Amſterdammer oder Venetianer. Laßt uns an Bord der Brigantine gehn, Freund Seemann, und die Bekanntſchaft aufgeben, ehe böſe Mäuler unſerem Beſuch ſchlechte Beweggründe unterſchieben.» «Das angeſtrengte Schiff pflügt die See zu tief für die Eile; wir kommen einmal in beſſerer Jahrszeit ohne Haſt in den Hafen. Wollt Ihr noch einen Blick in der dunkeln Dame Buch thun? Eines Weibes Herz entzif⸗ fert ſich nicht bei der erſten Antwort!⸗» Der Sprecher erhob das indiſche Rohr, das er trug, und ſchlug damit ein Blatt bemaltes Metall um eine der Angeln, die ſo verſteckt waren, daß man ſle nicht bemerken konnte. Man ſah eine neue Fläche, mit einem anderen Auszug beſchrieben. «Was iſt's, was iſt's, Patron? fragte der Bür⸗ ger, der die Verſchwiegenheit der Zauberin in Zweifel zu ziehen ſchien!„Narrheiten und Reime! Doch das iſt die Art des ganzen Geſchlechts; wenn die Natur ih⸗ nen Zungen verſagt hat, ſo erfinden ſie andre Mittel, um zum Sprechen zu kommen.» „ Pförtner auf dem Land und Meer Gehen ſo, umher, umher, Dreimal dein, und dreimal dein, Wieder drei, ſo ſind et neun.* «Baarer Unſinn!» fuhr der Bürger fort.«Das mag für Solche ſeyn, die ihre Waarenlager ſo dreifach und dreifach verſehen; ſeht, Patron, das iſt ein gedeihlicher Hande und de geduld 64 adoch kann wenn bei W ſchaue wie d 2 ſichern ihr O ſernix 5 ſich a keine ſeine ließ ſ er in Mom ließ berüh nach ſelbſt die . ſey. dieſer und mam kecken ſpecta⸗ ſey er ins an nd die Beſuch ief für ohne in der entzif⸗ trug, eine nicht einem Bür⸗ weifel das r ih⸗ ittel, mag und Handel, der den Werth des Drangewagten verdoppelt, und das mit ganz raiſonablem Riſico und nur Monaten geduldigen Auflauerns.» «Wir haben noch andre Blätter,» verſetzte Tiller, edoch unſre Angelegenheiten geben uns nicht die Zeit! Man kann viele gute Dinge in dem Buch der Zauberin ſehen, wenn man Muße hat und daran kommr. Ich nehme oft bei Windſtillen die Gelegenheit wahr, in ihr Buch zu ſchauen und ſelten findet man denſelben Spruch zweimal, wie dieſe braven Matroſen da betheuern können.⸗» Die Matroſen an den Rudern betheuerten ſeine Ver⸗ ſicherung mit ernſten und gläubigen Geſichtern, während ihr Oberer das Beot wandte und das Bilduiß der Waſ⸗ ſernixe einſam über ihrem Elemente ſchweben ließ. Die Ankunft des Kutters machte unter denen, die ſich auf dem Verdeck der Brigantine befanden, weiter keine Senſation. Der Seemann mit dem Shawl hieß ſeine Gefährten frei und herzlich willkommen, und über⸗ ließ ſie auf eine Minute ihren Betrachtungen, während er im Innern des Schiffs etwas zu thun hatte. Die Momente waren nicht verloren, denn mächtige Neugier ließ die Gäſte umherſtarren, wie die Erſcheinung eines berühmten Gegenſtandes, den man lange nur dem Ruf nach kannte, verſchlungen wird. Es war erſſchtlich, daß ſelbſt Alderman Van Beverout weiter als je vorher in die Geheimniſſe dieſer ſchönen Brigantine eingedrungen . ſey. Aber Ludlow war es, der die meiſte Belehrung aus dieſer kurzen Anſicht ſchöpfte, und deſſen Kennerblick raſch und ungeduldig über alles hinweglief, was einen See⸗ mann näher intereſſiren kann. 2 — 234— Bewunderungswürdige Nettigkeit herrſchte in allen Theilen. Die Planken des Verdecks glichen eher der Ar⸗ beit eines Kunſttiſchlers, als der rohen Zimmermanns⸗ arbeit, die man an ſolchen Orten findet; dieſelbe Güte und Vollendung bemerkte man an dem Getäfel der leich⸗ ten Caſtelle, des Gitterwerks und aller andern Dinge, die an dem Bau des Schiffes auffallen mußten. Meſ⸗ ſing war mehr geſchmackvoll als verſchwenderiſch an vie⸗ len Stellen angewandt, wo Metall gewöhnlich vorkommt, und der Anſtrich des Inneren war allenthalben helle zarte Strohfarbe. Geſchütz war nicht da, oder wenig⸗ ſtens nicht ſichtbar, auch ſahen die fünfzehn bis zwanzig Matroſen, die ſchweigend mit verſchränkten Armen auf dem Schiff umherlungerten, nicht darnach aus, als ob ſte an grauſamen Scenen Geſchmack fänden. Sie waren, mit Ausnahme eines Einzigen, Männer von mittleren Jahren, mit verwitterten und gedankenvollen Geſichtern, und viele ließen Haupthaare ſehen„ die mehr durch Zeit als durch Anſtrengung grau geworden waren. So viel entdeckte Ludlow in der kurzen Zeit, bis Tiller wieder zu ihnen kam. Als dieſer das Verdeck betrat, offenbarte er durchaus keine Angſtlichkeit, irgend eine der trefflichen Eigenſchaften ſeines Wohnhauſes zu verhehlen. «Die eigenſinnige Nire iſt keine Knauſerin, was die Bequemlichkeit ihrer Diener anbelangt,» ſagte der Ma⸗ troſe, als er bemerkte, mit welchem Intereſſe der Offi⸗ eier der Königin umherſchaute. Hier ſeht Ihr, der Tummler hat Raum genug für einen Admiral in ſeinen Cajüten, und die Kameraden liegen bequem gebettet von in allen der Ar⸗ rmanns⸗ be Güte eer leich⸗ Dinge, . Meſ⸗ an vie⸗ kommt, en helle wenig⸗ zwanzig nen auf als ob waren, ittleren ichtern, ch Zeit So viel wieder enbarte fflichen das die Ma⸗ — Offi⸗ -, der ſeinen et von dahinten bis übern Vordermaſt— wollt Ihr die Luke hinabſteigen und Euch unten umſehen 25 Der Capitain nahm mit ſeinen Gefährten die Ein⸗ ladung an und ſah zu ſeinem großen Erſtaunen, daß mit Ausnahme einer Art von Stube, die mit großen waſſer⸗ dichten Koffern, wie Schränke eingerichtet, ganz offen ſtand, der ganze übrige Schiffraum der Brigantine der Bequemlichkeit der Officiere und Matroſen diente. „Die Welt gibt uns den Namen Freihändler,» fuhr Tiller mit boshaftem Lächeln fort,«doch wenn der ganze Admiralitätshof hier ſtände, mit ihren großen Perücken und langen Stäben, Richter und Jury, ſo ſollte es doch vergeblich ſeyn, uns zu überführen. Da iſt Eiſen, um die Dame flott zu beſchuhen, und Waſſer, und einige Garni⸗ turen von Jamaika, und Weine von Alt⸗Spanien und den Inſeln, um die Herzen der Kameraden zu erfreuen und ihren Mund zu kühlen— das alles liegt unterm Verdeck, und mehr nicht. Wir haben Vorräthe für Tiſch und Winde hinter jenem Verſchlag, und hier ſeht Ihr Schränke, die— leer ſind, der offene da iſt ſo rein wie die Schubladen eines Damenpults. Das iſt kein Lagerplatz für eure holländiſchen Branntweine oder für die plumpen Fellkiſten eurer Tabaksfabrikanten. Mein Seel! Wer der Ladung der Waſſernire nachſpüren will, muß euern Schönen in ihren Atlaskleidern und euern Geiſtlichen in Rock und Kragen folgen. Wär' viel Jam⸗ mer in der Kirche und mancher Diſchof ſeufzte ſchwer, erführ' er, daß das gute Handelsſchiff in die Klemme ge⸗ kommen!y „Das kecke Spaßen mit dem Geſetz muß ein Ende nehmen,v ſagte Ludlow,«und dieſe Zeit wird näher ſeyn, als Ihr denkt. „Ich ſehe bei jedes neuen Morgens Pracht ins Buch der Herrin, denn wir haben es hier an Bord; wenn ſie uns ſchlecht bedienen will, iſt ſie wenigſtens ſo honett, uns eine Warnung zu geben. Die Motto's wechſeln oft, aber ihre Worte ſind immer wahr. Es iſt ſchwer, den treibenden Nebel einzuholen, Capitain Ludlow, und wer lange in unſerer Geſellſchaft bleiben will, muß mit dem Wind gut in Athem bleiben.» Viele ruhmredige Schiffer ſind ſchon gefangen wor⸗ den. Man kann nicht jeden Wind für leichte Ladung und für tiefen Kiel brauchen. Es lernt ſich nicht aus, was eine feſte Stange, ein weiter Baum und ein ſolider Rumpf ausrichten.“» „Die Herrin mit dem wilden Auge und böſen Lä⸗ cheln ſchütze mich! Ich habe die Nixe fadentief im Salzwaſſer geſehen, das glitzernde Waſſer fiel ihr von den Locken wie goldne Sterne, aber nie habe ich eine Unwahrheit in ihren Blättern geleſen. Es herrſcht gu⸗ tes Verſtändniß zwiſchen ihr und einigen am Bord, und glaubt mir, ſte kennt die Pfade des Meeres zu gut, um je einen falſchen Weg einzuſchlagen. Aber wir ſchwatzen wie die Fraubaſen vom Ufer.— Wollt Ihr den Tumm⸗ ler der Meere ſehn?2, «Das iſt der Zweck unſeres Beſuches, verſetzte Lud⸗ low, dem bei Nennung des gefürchteten Räubers das Herz ſtärker ſchlug. Wenn Ihr ſelbſt nicht dieſer Tumm⸗ ler ſeyd, ſo führt uns zu ihm hin.» «Sprecht leiſer; denn wenn die Herrin unterm Bug⸗ ſpriet ſo w ich e mit größ Gele pitai man fähr r ſeyn, 6 Buch enn ſie Honett, ln oft, -, den d wer t dem wor⸗ adung aus, olider Lä⸗ f im von eine 3 gu⸗ und „um atzen imm⸗ Lud⸗ das mm⸗ Bug⸗ ſpriet ſolche vermeſſene Rede über ihren Liebling hörte, ſo wollte ich für ihre Freundlichkeit nicht einſtehen. Ob ich er nicht bin!“ fügte der Held des indiſchen Shawls mit hellem Lachen hinzu.«„Wahrhaftig, der Ocean iſt größer als das Meer und eine Bai iſt kein Golf. Ihr ſollt Gelegenheit haben, zwiſchen uns zu urtheilen, edler Ca⸗ pitain, und dann überlaſſe ich die eigne Meinung Jeder⸗ manns Weisheit. Folgt mir. Er verließ den Weg der Lucke und führte die Ge⸗ fährten nach den Schlafſtellen hinten im Schiff. Fuͤnfzehntes Kapitel. «&Gott grüß euch, Herr!n „Gott grüß euch, ſeyd willkommen. aIhr reiſt, Herr, oder bleibet ihr dahinten 2 Die bezähmte Widerbellerin. War das Außere der Brigantine graziös von Geſtalt und merkwürdig in der Einrichtung, ſo erregte das In⸗ uere mit noch größerem Recht Aufmerkſamkeit. Unter dem Hauptverdeck waren zwei kleine Cajüten, auf jeder Seite eine, unmittelbar neben dem beſchränkten Raum, der ihre leichte, doch koſtbare Ladung bewahrte. In eine — 238— dieſer Caſüten war Tiller geſtiegen, als trete er unge von d nirt in ſein eignes Gemach; etwas drüber aber, näher jungen am Hintertheil war eine Reihe von kleinen Zimmern, die 5 in einem ganz anderen Styl eingerichtet waren. Die Alderr Ausſtattung glich eher der einer Jacht, als der behag⸗ zu fra lichen Wohnung ſelbſt des wohlhabendſten Contreban⸗ keit d diers.. dels, Das Hauptverdeck war einige Fuß geſenkt und be⸗ Racken gann an dem hinterſten Verſchlag der Cajüten der un⸗ Schul teren Officiere ſo, daß es die nöthige Höhe hatte, ohne latz b das Ebenmaaß des Gewichts der Brigantine zu beein⸗ feil, r trächtigen. Die Einrichtung konnte daher nicht geſehen 2 werden, wenn der Beohbachter nicht im Schiff ſelber beobac ſtand. Eine bis zwei Stufen jedoch fuͤhrten den Beſu⸗ Staa cher auf einen Vorraum und in ein Vorzimmer, das au⸗ obglei genſcheinlich für die Domeſtiken eingerichtet war. Eine erſtere kleine ſilberne Schelle ſtand auf dem Tiſch und Tiller Mask ſetzte ſte nicht gar laut in Bewegung, als ſey man ſtrenge ſchwuf Folgeleiſtung gewöhnt. Es erſchien ein Junge, der nicht kleide über zehn Jahre alt ſeyn konnte und deſſen Auzug ſo wollte ſonderbar war, daß wir ihn beſchreiben müſſen. 3 Der Stoff, aus welchem die Kleidung des jungen ſandt Dieners Neptuns beſtand, war von leichter roſenrother von Seide, und von einem Schnitt, der den ehemaligen Ha⸗ ein io bits der Pagen der großen Herren gleich ſah. Den Leih Läche umgab ein goldnes Gürtelband, üͤber Hals und Schul⸗ gemal tern breitete ſich ein fein gezwirnter Spitzenkragen und 4 die Füße waren in eine Art von Halbſtiefel mit Franzen Aunder von ächten Spitzen und mit Goldauaſten gekleidet. Ge⸗ 4 ſtalt und Züge des Kuaben waren zart und der Anſtand Waſſe unge⸗ näher en, die Die behag⸗ reban⸗ ad be⸗ r un⸗ ohne beein⸗ eſehen ſelber Beſu⸗ s au⸗ Eine Tiller renge nicht ig ſo ngen other Ha⸗ Leib chul⸗ und nzen Ge⸗ tand — 239— von dem rohen brüsken Weſen eines gemeinen Schiffs⸗ jungen fehr verſchieden. «Potz Uppigkeit und Verſchwendung,„ brummte der Alderman, als dieſer ſeltſame kleine Diener erſchien, um zu fragen, was Tiller befehle. Da iſt ja die Herrlich⸗ keit der wohlfeilen Waaren und des ungefeſſelten Han⸗ dels, wie man ſie nur haben will! Patron, der kleine Racker da hat ja ſo viel brabanter Spitzen über die Schultern hangen, als nur die Königin zu einem Bruſt⸗ latz brauchen kann. Mein Sir, die Waare war wohl⸗ feil, wie dem kleinen Beeſt die Livree gemacht wurde!» Das Erſtaunen beſchränkte ſich indeſſen nicht auf den beobachtenden und mäßigen Bürger. Ludlow und Van Staats von Kinderhook zeigten gleiche Verwunderung, obgleich ſie es nicht ſo charakteriſtiſch offenbarten. Der erſtere wollte ſich eben nur kurz erkundigen, was dieſe Maskerade bedeute, als er bemerkte, daß Tiller ver⸗ ſchwunden ſey. Sie waren jetzt mit dem phantaſtiſch ge⸗ kleideten Knaben allein und mußten ſich, wenn ſie weiter wollten, dem Verſtändniß mit ihm überlaſſen. «Wer biſt du, Kind? und wer hat dich hierher ge⸗ ſandt 25 fragte Ludlow. Der Junge erhob eine Mütze von demſelben roſenfarbnen Seidenſtoff und wies auf ein weibliches Bild mit dunkelm Geſicht und bösartigem Lächeln, welches mit großer Kunſt auf das Stirnband gemalt war. „Ich diene der meergrünen Gebieterin, gleich den Andern auf der Brigantine.» «Und wer iſt dieſe Herxin von der Farbe des ſeichten Waſſers, und woher biſt du insbeſondere?⸗ — 240— „Dieß iſt ihr Bild,— wenn Ihr mit ihr ſprechen wollt, ſte ſteht außen am Vordertheil des Schiffs und ſelten verweigert ſie eine Antwort.» «Das iſt doch närriſch, daß ein Bildniß von Holz die Gabe hat, zu ſprechen!“ «Meint Ihr denn, ſie ſey von Holz!“ fragte das Kind, indem es Ludlow furchtſam, doch neugierig in's Geſicht blickte.„Andre haben das auch gemeint, aber wer ſie recht kennt, ſagt es nicht. Sie antwortet mit keiner Zunge, aber das Buch hat immer eine Antwort in Bereitſchaft.» «Es iſt doch ein ſchmäͤhlicher Betrug, den man mit dem Aberglauben des Jungen geſpielt hat!— Ich habe in dem Buch geleſen, kann aber wenig Beſonderes darin finden.» 3 «So lies wieder darin. Nur durch wiederholte An⸗ ſtrengung ſtegt das Schiff, das nach der Küſte verſchla⸗ gen iſt. Mein Herr hat mir geſagt, ich ſolle Euch hin⸗ einführen— «Halt— du haſt zugleich ein Herrn und eine Herrin — von letzterer haſt du uns erzählt, nun wünſchen wir auch etwas von erſterem zu erfahren. Wer iſt dein Herr 25 Der Junge lächelte und blickte auf die Seite, als wollte er der Antwort ausweichen. „Nun, ſo antworte doch. Ich komme auf Befehl der Königin.» «Er ſagt uns, die meergrüne Frau ſey unſre Königin und eine andre hätten wir nicht. «Unbeſonnenheit und Aufruhr!“ murrte Myndert: adieſe mals bringet und I gedanl feſt, ſ dieſe grüne Land 4 ℳ vorüb kam i ſten, 60 ſprechen iffs und n Holz gte das eig in's tt, aber rtet mit wort in nan mit ſch habe s darin lte An⸗ verſchla⸗ ich hin⸗ Herrin hen wir ſt dein te, als Befehl Königin ondert: — 241— adieſe Tollkühnheit wird die ſchönſte Brigantine, die je⸗ mals die kleinen Meere befahren hat, um den Kragen bringen, und dann werden Gerüchte genug umlanfen und Menſchen unglücklich werden, bis jeder Gevatter in Amerika ſich ſatt verläumdet und verketzert hat.“ «Ein kühner Menſch, der ſo was zu ſagen wagt 1“ fuhr Ludlow fort, ohne auf das Intermezzo des Alder⸗ man zu achten, zeuer Herr hat doch einen Namen 25 «Wir hören ihn nie. Wenn uns Neptun unter den Wendekreiſen beſucht, ſo ruft er immer: Tummler der Meere, und dann antworten ſie. Der alte Gott kennt uns recht gut, wir paſſiren ſeine Breite öfter, ſagen ſie, als andre Schiffe.“» „Du biſt alſo ſchon ein gedienter Burſche auf der Brigantine— gewiß haſt du viele fremde Küſten geſehen, da du einem ſo ſchnellen Schiff angehörſt!⸗ „Ich— ich war nie am Land!» verſetzte der Knabe gedankenvoll.«Es muß da drollig hergehen; es ſey ſo feſt, ſagen ſie, daß man kaum gehen könne! Ehe wir an dieſe enge Bucht kamen, that ich eine Frage an die meer⸗ grüne Frau; ich wollte gern wiſſen, wann ich einmal an's Land käme 2„ Und ſie antwortete?5 Es dauerte erſt eine Weile. Zwei Wachen gingen vorüber, ehe ſich ein Wort ſehen ließ, aber endlich be⸗ kam ich die Verſe. Ich glaube, ſle hatte mich zum Be⸗ ſten, und ich habe es dem Herrn auch nicht gezeigt.» „Haſt du die Worte da? vielleicht können wir dir 58— 60. 16 behülflich ſeyn, denn es ſind Einige unter uns, welche auf der See ſo ziemlich bekannt ſind.“ Der Junge ſah ſich furchtſam und argwöhniſch um, griff dann raſch in eine Taſche und brachte zwei Stück⸗ chen Papier heraus, auf denen etwas ſchlecht gekrizzelt ſtand, beide Blättchen mit Spuren, daß ſie viel herum⸗ getragen und durchſtudiert waren. «Hier,» ſagte er mit einer Stimme, die faſt nur ein Gelispel war.«Das ſtand auf dem erſten Blatt. Ich fürchtete mich, daß ich die Herrin böſe gemacht, und ſah darum nicht wieder hinein, bis in der nächſten Wache, und da,» er drehte das Blättchen um,«fand ich das—» Ludlow nahm das erſte Stückchen Papier und las folgenden Auszug, von der Hand eines Kindes ge⸗ ſchrieben: „Ich bitte dich Gedenk', ich hab' dir guten Dienſt gethan, Dich nicht belogen, nicht mißhört, gutwillig Gedienet ohne Groll und Brummen.—“ »Ich meinte, das ware nur Spott,⸗ fuhr der Knabe fort, als er am Blick des jungen Capitains merkte, daß er es geleſen habe; denn es war grade das, nur mit ſchöneren Worten, was ich ſelber geſagt hatte! «Und wie lautet die zweite Antwort 2 „Dieſe fand ich in der erſten Morgenwache, ver⸗ ſetzte das Kind, indem es den Auszug ſelber las: „Du denkſt gen Meers zu treten wind auszuſetzen“⸗ 3 ſalz und dich dem ſcharfen Nord hätte gleich ten die 5 Geld rücke ſeyn ertra telt! Tum hobn Caji Zeich und ſchöt der länd koſte Sti deſſe von verſ Die folg lche auf ſch um, Stück⸗ krizzelt herum⸗ nur ein t. Ich and ſah Wache, das—„ nd las ſes ge⸗ Knabe te, daß zur mit ver⸗ reten u «Ich wagte ſeitdem keine Frage mehr. Aber was hätte ich auch davon? Sie ſagen, das Land ſey un⸗ gleich und ſchwer darauf zu gehen, Erdbeben erſchütter⸗ ten es und machten Löcher, welche Städte verſchlängen; die Menſchen erſchlagen ſich auf den Landſtraßen um's Geld, und die Häuſer, die ich auf den Höhen erblicke, rücken ja nie von der Stelle. Es muß recht traurig ſeyn, immer nur an einem Ort zu leben, und ganz un⸗ erträglich, daß alles ſo feſt iſt l“ «Außer wenn einen gelegentlich ein Erdbeben ſchüt⸗ telt! Du biſt beſſer flott, Junge;— aber dein Herr, der Tummler der Meere— «— St!“ lispelte der Knabe, indem er mit aufge⸗ hobnem Finger Schweigen gebot.«Er iſt in die große Cajüte getreten. In einem Augenblick werden wir ſein Zeichen hören, hereinzukommen.» Ein Paar leichte Accorde einer Guitarre folgten und nun ſpielte Jemand in dem anſtoßenden Gemach ein ſchönes Thema, raſch bis zu Ende. «Selbſt Alida hat keine ſolche Geläufigkeit,» lispelte der Alderman,«ich hörte das Mädchen warlich die hol⸗ ländiſche Laute, die mich hundert holländiſche Gulden ge⸗ koſtet hat, nie beſſer ſpielen!» Ludlow gebot Schweigen. Eine ſchöne männliche Stimme von Fülle und Umfang ſang mit Begleitung deſſelben Inſtruments. Die Melodie war ernſt und klang von dem geſelligen Ton der Bewohner des Oceans verſchieden, denn ſte war hauptſächlich in Recitativen. Die Worte waren, ſoweit man ſie verſtehen konnte, folgende: 16 — 244— Mein Troſt, o Brigantine! So ſchön an Form, im Bau von guter Regel, Im Gange edel, ſchwebend auf den Wogen, Im Sturm hinwippend wie das Seegevögel, Bei Wind und Wetter, bleibe mir gewogen; Du Waſſer⸗Königinne! Du Herrin mein! So leicht und ſchnell tritt keine zuf dem Meer, So ſichern Kiels, ſo ſtetig ihren Pfad, Wir trotzen aller ungethüme Heer Und lachen gen des wilden Sturms Verrath! Denn wir ſind dein! 9 Brigantine, Vertrau der ſtillen Macht zu fernen Zielen, Vertrau dem Auge, ſpahend in die Fern', Den Meteoren, die dich roth umſpielen, und ohne Furcht der grünen Meerfey Stern; Barke, du göttlich kühne: „So ſingt er oft,„ lispelte der Knabe, als der Ge⸗ ſang zu Ende war, adenn ſie ſagen, die meergrüne Herrin liebt die Muſik, die von dem Ocean und von ihrer Macht ſingt.— Horch! er ſagt, ich ſoll hereinkommen.⸗ «Er berührte nur wieder die Saiten der Guitarre, Knabe.» «Das iſt das Zeichen, bei gutem Wetter. Wenn der Wind ſauſt und die Wellen toſen, hat er ein laute⸗ res Signal.» Ler, 91 Ge⸗ derrin ihrer men.» tarre, Wenn laute⸗ Ludlow hätte gern länger zugehört, aber der Junge öffnete eine Thür, zeigte denen, die er zu führen hatte, den Weg und verſchwand ſchweigend hinter einem Vor⸗ hang. Die Beſucher, beſonders der junge Commandant der Coquette fanden bei'm Eintreten in die Haupt⸗Cajüte der Brigantine neue Gegenſtände des Erſtaunens und der Bewunderung. Das Zimmer war im Verhältniß des Umfangs des Schiffes geräumig und hoch. Das Ta⸗ geslicht ſiel durch zwei Fenſter des Hintertheils ein, und man ſah, daß zwei kleinere Zimmer zu beiden Seiten dieſen Vortheil mit ihm theilten. Der Raum zwiſchen dieſen Staatszimmern, wie ſie in der Schiffsſprache ge⸗ nannt werden, bildete nothwendiger Weiſe einen geräu⸗ migen Alkov, der von dem äußeren Theil der Cajüte durch einen Vorhang von karmoiſinfarbenem Damaſt ge⸗ trennt werden konnte, welcher jetzt in Feſtons von einem Balken herabhing, der mit vergoldetem Karnieß ausgeziert war. Ein üppiges Pfühl von Küſſen, mit rothem Ma⸗ rokko überzogen, lag in der Art eines morgenländiſchen Di⸗ wans der Querſeite entlang, und an der Wand jedes Staatszimmers ſtand eine Agrippine von Mahagoni, mit demſelben Stoff überkleidet. Nette und geſchmackvolle Bücherreale hingen hier und dort und die Guitarre, die kaum noch getönt hatte, lag auf einem kleinen Tiſch von köſtlichem Holz, der die Mitte des Alkovs einnahm. Andre Geräthſchaften, wie ſie der Muße eines gebilde⸗ ten, doch vielleicht eher verweichlichten als kräftigen Gei⸗ ſtes dienen mochten, lagen verſtreut umher, einige offenbar lange vernachläſſigt, andre wie es ſchien neuer im Gebrauch. Der äußere Theil der Cajüte war auf ähnliche Weiſe eingerichtet, doch enthielt er weit mehr Artikel, die zu dem gewöhnlichen Hausrath gehören. Es hatte ſeine Agrippine, ſeine Divans, ſeine Stühle von ſchönem Holz, ſeine Büchergeſtelle, ſeine vernachläſſigten Inſtrumente, mit Gegenſtänden von ſoliderem und bleibenderem Werth, die dazu beſtimmt waren, den heftigen Bewegungen, die in einer ſo kleinen Barke oft unvermeidlich ſind, zu begeg⸗ nen. Eine kleine Draperie von karmoiſinfarbenem Da⸗ maſt lief in dem ganzen Zimnter hin und hier und da war ein kleiner Spiegel im Getäfel und am Balkenwerk angebracht, Alles andere war von reichem Mahagony mit eingelegten Stücken Roſenholz, die der Cajüte ein ſehr elegantes Anſehen gaben; der Fußboden war mit einer Matte von dem feinſten Gewebe und von einem Wohlgeruch bedeckt, der die Friſche und den Urſprung ſeines Graſes im warmen und üppigen Clima verrieth. Der Ort war wie das ganze Schiff, ſoweit Ludlow es ausſpähen konnte, ohne alle Waffen, nicht einmal eine Piſtole oder ein Schwert war an ſolchen Stellen aufge⸗ hängt, wo man Waffen dieſer Art gewöhnlich ſieht, ganz verſchieden von den Kriegs⸗ oder ſelbſt von Handelsſchif⸗ fen, wo man im Nothfall Gewalt mit Gewalt zu ver⸗ treiben gezwungen iſt. In der Mitte des Alkovs ſtand das jugendliche außer⸗ ordentliche Weſen, das ſo ohne alle Ceremonien die Cour des Fees in der vergangenen Nacht beſucht hatte. Seine Kleidung war ungefähr dieſelbe in Stoff und Schnitt wie dort; dennoch war eine weſeutliche Verän⸗ derung daran wahrzunehmen, denn auf der Bruſt des ſeiden ausne unheit ſeltſan Tiſch Gäſte cheln, auszu ſtand die 6 haglit berüc ſuchen und geſſen und als denke Wir Com wert digen Alde ſon, oft und ſern Weiſe ie zu ſeine Holz, ꝛente, Zerth, die in hegeg⸗ Da⸗ id da nwerk agony e ein mit einem brung rieth. w es eine aufge⸗ ganz zſchif⸗ ver⸗ lußer⸗ n die hatte. und berän⸗ t des — 24 ſeidenen Fracks war die meergrüne Frau gemahlt, mit ausnehmender Feinheit und mit Milderung des wilden unheimlichen Charakters der Züge. Der Inhaber dieſes ſeltſamen Schmuckes lehnte ſich leicht an den kleinen Tiſch und indem er ſich mit Selbſtbewußtſeyn gegen ſeine Gäſte verbeugte, belebte ſich ſein Geſicht mit einem Lä⸗ cheln, welches nicht minder Schwermuth als Höflichkeit auszudrücken ſchien. Zugleich zog er ſeine Mütze und ſtand in den reichen rabenſchwarzen Locken da, womit die Natur ſeine Stirn reich beſchattet hatte. Die Stellungen der Eintretenden waren nicht ſo be⸗ haglich. Die Angſt, womit Ludlow und der Patron den berüchtigten Schmuggler an Bord ſeines Schiffes zu be⸗ ſuchen unternommen hatten, machte jetzt einem Erſtaunen und einer Neugier Platz, welche ſie faſt ihre Abſicht ver⸗ geſſen ließen, während Aldermann Van Beverout ſcheu und lauernd erſchien, offenbar weniger an ſeine Nichte als an die Folgen einer ſo merkwürdigen Zuſammenkunft denkend. Sie erwiederten alle drei die Begrüßung des Wirthes, warteten aber, bis er ſie anredete. «Man ſagt mir, ich erhalte hier den Beſuch eines Commandanten der Königin Anna, des reichen und ehren⸗ werthen Patrons von Kinderhook und eines ſehr wür⸗ digen und reſpectablen Gliedes der Stadtgemeine, als Alderman Van Beverout bekannt,v» ſo begann die Per⸗ ſon, welche die Honneurs des Schiffes machte. Nicht oft iſt meine geringe Brigantine in ſo glücklicher Lage, und ich drücke im Namen meiner Gebieterin dafür un⸗ ſern Dank aus.» Als er zu ſprechen aufhörte, verbeugte er ſich aber⸗ — 248— mals mit dem ceremoniöſen Ernſt, als ob ihm alle drei gleich fremd wären, wiewohl die jungen Männer deutlich ſahen, daß ein milderes Lächeln um ſeinen Mund ſptelte, dem auch ſie das Lob eines eigenen intereſſanten Aus⸗ druckes nicht verſagen konnten. «Da wir nur Eine Gebieterin haben,» ſagte Lud⸗ low,«ſo iſt es unſere gemeinſame Pflicht, uns zu be⸗ ſtreben, ihr Freude zu machen.» «Ich verſtehe Sie, mein Herr. Es iſt jedoch kaum nöthig, zu bemerken, daß das Weib Georgs von Dä⸗ nemark hier wenig zu ſagen hat. Dulden Sie das, ich bitte Sie,« fügte er ſchnell hinzu, als er bemerkte, daß Ludlow zu antworten im Begriff war.„Solches Zu⸗ ſammentreffen mit Dienern jener Dame iſt nicht ſelten, und da ich weiß, daß andere Angelegenheiten Sie hier⸗ her führen, ſo wollen wir im Geiſte vorausſetzen, daß alles geſagt ſey, was ein wachſamer Offizier und ein treuer Unterthan gegen einen vogelfreien und muthwil⸗ ligen Verhöhner der Zollgeſetze vorbringen kann. Dieſe Meinungsverſchiedenheit muß von uns beiden unter un⸗ ſern Segeltüchern, entweder durch Güte unſeres Lauſes oder durch andere von uns erwartete Eigenſchaften zu rechter Zeit und am rechten Ort ausgeglichen werden. Wir wollen nun auf andere Gegenſtände übergehen.» «Ich denke, der Herr hat Recht, Patron. Wenn die Dinge für den Schatzmeiſter reif ſind, ſo braucht man ſich nicht die Lunge auszuſchreien, um die Verthei⸗ digung zuſammenzufaſſen, wie ein bezahlter Advokat. Zwölf kluge Leute, welche ein Herz im Leibe haben für die Bedrängniſſe des Handels und die es zu würdigen wiſſen ſäen, men, geſtell untern genſin Herr, rout. Aufſch A. geweſe gange den. terred ſle ka⸗ alſo, und n trebar durch der K ſere ³ 6 komm nigt! und d daß kaniſc für d le drei eutlich ſpielte, Aus⸗ 2 Lud⸗ zu be⸗ kaum 1 Daͤ⸗ 3, ich , daß s Zu⸗ ſelten, hier⸗ daß d ein hwil⸗ Dieſe un⸗ aufes n zu rden. Wenn aucht thei⸗ okat. n fuͤr igen — 249— wiſſen, wie ſchwer es iſt zu ärndten und wie leicht zu ſäen, werden mit dieſer Materie beſſer zu Stande kom⸗ men, als alle leeren Schwätzer in den Provinzen.» «Wenn ich vor die zwölf unpartheiiſchen Daniels geſtellt würde, wollte ich mich gern ihrem Richterſpruch unterwerfen,» verſetzte der Andere, indem ihm das ei⸗ genſinnige Lächeln um die Lippen ſpielte.«Sie, mein Herr, heißen, glaube ich, Herr Myndert Van Beve⸗ rout.— Welchem Fallen der Pelzpreiſe oder welchem Aufſchlag anderer Preiſe verdanke ich dieſen Beſuch?⸗ « Es heißt, es ſeyen Leute von dieſem Schiff ſo kühn geweſen, ohne mein Wiſſen und meinen Willen in ver⸗ gangener Nacht auf meinem Grund und Boden zu lan⸗ den.— Sie werden auf den Inhalt dieſer unſerer Un⸗ terredung wohl Acht haben, Herr Van Staats, denn ſte kann noch vor die Obrigkeit kommen— wie geſagt alſo, ohne mein Wiſſen und meinen Willen gelandet, und mit Artikeln gehandelt, die vor dem Geſetz Con⸗ trebande ſind, ſie gingen denn gereinigt und veredelt durch die Luft der europäiſchen Reiche Ihro Majeſtät der Königin in die Provinzen ein— Gott beſchütze un⸗ ſere Königin!» «Amen— dasjenige, was die Waſſernixe ausſchifft, kommt durch die Luft vieler verſchiedenen Länder gerei⸗ nigt hier an. Wir ſind keine Schnecken, was das gilt, und die Winde von Europa hören ſelten auf zu wehen, daß wir nicht ſchon die Witterung von den friſchen ameri⸗ kaniſchen Winden haben. Aber dieß iſt eher eine Sache für die Schatzkammer, vor den zwölf gnädigen Bürgern — 250— verhandelt zu werden, ſtatt bei einem ſolchen Beſuch zur Unterredung zu dienen.» «Ich fange nur mit den Factis an, damit es darin keinen Irrthum gibt. Aber außer dieſer ſchlimmen Be⸗ ſchuldigung hat noch ein großes Unglück mich und mein Haus in dieſer letzten Nacht betroffen. Die Tochter und Erbin des alten Etienne de Barberie hat ihren Wohnſttz verlaſſen und wir haben Grund zu vermuthen, daß ſie ſich ſo weit habe verleiten laſſen, hier auf's Schiff zu gehen. Treu' und Handelsſchaft! Meiſter Seadrift, ich denke, das geht doch über die Verantwortung ſelbſt eines Schmugglers hinaus! Ich kann wohl bei Verſtößen in einer Rechnung ein Auge zudrücken, aber Weiber werden ohne Zoll aus⸗ und eingeführt, wann und wohin man will, und darum iſt es um ſo weniger nothwendig, ſie aus eines alten Onkels Haus auf ſo heimliche Weiſe wegzuführen.» «Eine unläugbare Sache und ein handgreiflicher Schluß! Ich erkläre, daß die Anfrage in aller Form geſchehen iſt, indem ich anuehme, daß dieſe beiden Her⸗ ren als Zeugen zur Bekraͤftigung des Acts beigezogen werden.⸗ «Wir ſind gekommen, um einem verletzten und tief betrübten Verwandten und Vormund in den Nach⸗ forſchungen um ſeinen verführten Mündel beizuſtehen,» gab Ludlow zur Antwort. Der Freihändler wandte ſich gegen den Patron, welcher die Beſtätigung des Geſagten durch eine ſtumme Verbeugung kund gab.. «Gut, meine Herren; ich nehme dieſe Zeugenſchaft an. A ſon in wenig gehabt. Beſchul ſcheinlie A.2 4 C Sinne, derſelbe Spur Brigat unter d &. ſchöpfte beſſer ſuchen, dieſen wolle tung Ausdr 6 bedarf mit d Barbe lange ſchätzt durch 6 ich zur darin en Be⸗ d mein ter und Zohnſitz daß ſie hiff zu ft, ich ſtt eines ßen in verden nman g, ſie Weiſe iflicher Form Her⸗ ezogen und Nach⸗ hen,» atron, umme aſchaft an. Aber ohgleich ich allgemein für eine ſo würdige Per⸗ ſon in Rechtsſachen gelte, ſo habe ich doch ſeithen ſehr wenig directe Verbindungen mit der blinden Go h gehabt. Geben die Autoritäten in der Regel ſole Beſchuldigungen Raum, ohne daß ſich irgend eine Wahr⸗ ſcheinlichkeit bietet.» a Das nicht!» «Sie ſind noch immer im Beſitz Ihrer geſunden Sinne, Capitain Ludlow, und auch im freien Gebrauch derſelben. Allein dieß iſt eine Liſt, um von der rechten Spur abzuleiten. Es gibt noch andere Schiffe als die Brigantine, und eine eigenſinnige Schöne kann ſogar unter der Flagge der Königin Anna Schutz geſucht haben!⸗ Dieß iſt eine Vermuthung, die ich allſogleich ſchöpfte,» bemerkte der kurzgefaßte Patron.. Es wäre beſſer geweſen, uns zu vergewiſſern, ob die, welche wir ſuchen, nicht einen wahrſcheinlicheren Zufluchtsort als dieſen gewählt, ehe wir ſo ſchnell annehmen, Eure Nichte wolle in Eile die Frau eines Fremden werden.» «Beabſichtigt Herr Van Staats irgend eine Andeu⸗ tung mit ſeinen Worten, daß er in ſo doppelſiunigen Ausdrücken ſpricht?» fragte Ludlow. «Ein Mann, der ſich auf ein gutes Gewiſſen ſtützt, bedarf keiner doppelſinnigen Ausdrücke. Ich nehme mit mit dieſem bekannten Schmuggler an, daß la belle Barberie lieber zu Einem fliehen werde, den ſie ſchon lange kennt, und den ſie, wie ich beſorge, nur allzuſehr ſchätzt, als zu einem wildfremden Menſchen, deſſen Leben durch ein ſo dunktes Geheimniß verſchleiert wird.» „Wenn die Wahrnehmung, daß das Fräulein ihre Neigung zu wenig zu verbergen wußte, dem Argwohn zur Entſchuldigung gereicht, ſo möchte ich rathen, eine Nach⸗ ſuchung auf dem Gute Kinderhook vornehmen zu laſſen!“ „Potz Jawort und Glückſeligkeit! die Dirne brauchte ſich nicht in die Kirche zu ſtehlen, um die Braut Oloffs Van Staats zu werden;» unterbrach ihn der Alder⸗ mann. eSie hätte meinen Segen in den Kauf gehabt und eine fette Ausſteuer als Salbung dazu.» «Dieſer gegenſeitige Argwohn iſt ſehr natürlich bei Männern, die auf denſelben Gegenſtand erpicht ſind,» hob der Freihändler wieder an.«Der Offizier der Kö⸗ nigin meint, ein gütiger Blick von einer eigenſinnigen Schönen bedeute Bewunderung breiter Landſtriche und fetter Wieſen, und der Landgutsbeſitzer verwünſcht das Romantiſche des kriegeriſchen Dienſtes und der Macht einer Einbildungskraft, welche ſich die See zum Tum⸗ melplatz erkohr. Dabei möchte ich noch immer fragen, welche Verſuchung ſoll eine ſtolze und augebetete Schön⸗ heit locken, an einem Orte wie dieſer, ihr Geſchlecht und ihre Freunde zu vergeſſen.» « Eigenſinn und Eitelkeit! Weiberſinn läßt ſich nicht ergründen! Hier bringen wir Artikel von großem Riſtco und ſchwerer Verantwortung aus Hinterinindien, um ihrer Einbildungskraft zu ſchmeicheln, und ſie ändern ihre Moden ſchneller, als der Biber ſeinen Rock abwirft. Ihre Einfälle ſchaden dem Handel unendlich und ich weiß deshalb nicht, warum nicht dieſe Einfälle eigenſinnige Mädchen auch zu andern Thorheiten treiben ſollten.» «Dieſes Raiſonnement ſcheint für den Onkel zu ſprechen. Stimmen die Herren der Richtigkeit bei?⸗ D haft de dieſe 8 ihm, ausdrü⸗ low. empfin Fehltri alle Fe miſchte und e ſeine welche als ih er mi einen Schat bendig 6 ſagte haben Eurer aber Barke & Tages Capit der d dem l auszu vohn zur ne Nach⸗ laſſen lo brauchte t Oloffs Alder⸗ gehabt llich bei ſind, 5 der Kö⸗ ſinnigen he und cht das Macht Tum⸗ fragen, Schön⸗ ſſcchlecht h nicht Riſico t, um ändern bwirft. h weiß ſinnige 1.» kel zu 2 ½ Der Patron von Kiuderhook hatte lange und ernſt⸗ haft das Geſicht des anßerordentlichen Weſens, welches dieſe Frage that, betrachtet. Eine Bewegung entſchlüpfte ihm, die ſowohl ſeine Ueberzeugung als ſeine Trauer ausdrückte, dabei aber blieb er ſtumm. Nicht ſo Lud⸗ low. Von feurigerem Temperament, wiewohl gleich empfindlich über die Verſuchung, welche Aliden zu dem Fehltritt verleitet, und eben ſo lebhaft empfänglich für alle Folgen, die für ſie wie für andre daraus entſtanden, miſchte ſich doch eine gewiſſe Ritterlichkeit des Dienſtes und ein Bewußtſeyn des Rechts einer Unterſuchung in ſeine Gefühle. Er hatte Zeit gehabt, die Gegenſtände, welche die Cajüte enthielt, genauer zu betrachten, und als ihr ſonderbarer Wirth die obige Frage that, wies er mit einem ironiſchen aber trübſiunigen Lächeln auf einen Schemel hin, der reich mit Blumen von natürlichen Schatten und Tinten geſtickt war, daß man ſle für le⸗ bendige Blumen hätte halten ſollen. «Das iſt nicht das Werk der Seemanns⸗Nadel!⸗ ſagte der Capitain der Coquette. Andere Schönheiten haben ſich verführen laſſen, eine müßige Stunde in Eurer modiſchen Reſldenz zuzubringen, kühner Seemann; aber früher oder ſpäter wird das Gericht die leichtfüßige Barke ereilen.» «Mit dem Wind, oder ohne Wind, ſie muß eines Tages zurückbleiben, wir Seelente wiſſen das wohl! Capitain Ludlow, ich entſchuldige etwas Raubheit in der Fügung Eurer Rede, denn es gebührt allerdings dem beauftragten Diener der Krone, ſich Freiheiten her⸗ auszunehmen, gegen einen, der, wie der ausgeſtoßene — 254— Gefährte des fürſtlichen Hal, nur zu geneigt wäre zu dem Auftrage:«Beraub mir des Königs Schatzmeiſter.» Aber, dieſe Brigantine und ihr Charakter ſind Ihnen wenig bekannt, mein Herr. Wir brauchen keine unbe⸗ ſchäftigte Damen, um in den Geſchmack des Geſchlechts eingeweiht zu werden, denn ein weiblicher Geiſt leitet alle unſere Neigungen und theilt von ſeiner Zartheit allen unſern Handlungen mit, ſelbſt wenn es bei den Bürgern ſo Sitte iſt, ſle ungeſetzlich zu nennen. Seht da,» ſagte er, indem er nachläſſtg einen Vorhang zurückſchob und hinter demſelben verſchiedene Gegenſtände weiblicher Kunſtfertigkeit vorwies,«das ſind Erzeugniſſe ſowohl des Pinſels als der Nadel. Die Zauberin,» hier be⸗ rührte er das Bild auf ſeiner Bruſt, cbleibt nicht bei uns wohnen, wenn man ihrem Geſchlecht nicht einige Rückſicht widmet.» «Ich ſehe ſchon, dieſe Sache muß durch einen Ver⸗ gleich entſchieden werden,» bemerkte der Aldermann. « Mit Ihrer Erlaubniß, meine Herren, will ich dieſem kühnen Handelsmann Priyat⸗Vorſchläge machen, viel⸗ leicht geht er auf mein Gebot ein.⸗ «Ach! das ſchmeckt mehr nach dem Geiſt des Han⸗ dels, als nach dem der Seegottheit, der ich diene,» ſchrie der Andere, indem er ſeine Finger leicht über die Saiten der Guitarre hiulaufen ließ. α Vergleiche und Gebote ſind Klänge, die zu eines Bürgers Lippen paſſen. Mein artiger dienſtbarer Geiſt, führe dieſe Herren zu dem kühnen Thomas Tiller, indeß ich mit dem Kauf⸗ mann rede. Der Charakter des Herrn Van Beveront, Capitain Ludlow, wird uns beide vor dem Verdacht irgend ſchütze L Freihe hervo⸗ Barbe 6 dieſe nachd accept Chare nicht heit o zerei in eit und! der 4 Unter ich! herat ten rand Pfal wozu kehrt Du kehrt doch wäre zu meiſter.⸗ — Ihnen ne unbe⸗ eſchlechts iſt leitet heit allen Bürgern t da,„ rückſchob eiblicher ſowohl hier be⸗ gt nicht t einige in Ver⸗ ermann. dieſem 1, viel⸗ 8 Han⸗ diene,» ber die he und paſſen. ren zu Kauf⸗ verout, erdacht — 255— irgend einer Abſicht hinſichtlich der Zölle genugſam ſchützen.» Ueber ſeſne eigene Anſpielung lachend, befahl der Freihändler dem Jungen, der hinter einem Vorhang hervorgetreten war, die unglücklichen Sucher der belle Barberie in einen andern Theil des Schiffes zu führen. «Böſe Zungen und Verläumdung! Meiſter Seadrift, dieſe unrechtliche Art um Geſchäfte herum zu tändeln, nachdem die Rechnungen in Ordnung und die Poſten acceptirt ſind, kann noch zu anderem Verluſt als dem des Charakters führen. Der Commandant der Coquette iſt nicht ſehr befriedigt über meine vermeintliche Unwiſſen⸗ heit an Euren Miſſethaten, was die gegenwärtige Schwär⸗ zerei betrifft, und dieſe Späße ſind nur ein Geſtocher in einem düſtern Feuer bei dunkler Nacht. Es gibt Licht und macht, daß die Leute deſto klarer ſehen:— obgleich der Himmel mein Zeuge iſt, daß Niemand weniger eine Unterſuchung in ſeinen Geſchäften zu fürchten braucht als ich! Ich fordre den beſten Rechner in den Colonieen heraus, mir einen falſchen Poſten oder einen zweifelhaf⸗ ten Anſatz in einem meiner Handelsbücher, vom Memo⸗ randum bis zum Hauptbuch, nachzuweiſen.» „Die Sprüche Sirachs ſind nicht körniger und die Pſalmen nur halb ſo poetiſch, wie Eure Suada. Aber wozu dieſe geheime Verhandlung?— Die Brigantine kehrt eilig um.». «Kehrt eilig um! Potz Beſen und Van Tromy! Du haſt eilig meine Nichte aus ihrem Pavillon wegge⸗ kehrt, wie die Johannes aus meiner Börſe. Das heißt doch, einen unſchuldigen Handel in einen höchſt verpön⸗ — 256— ten Commerz umwandeln und ich hoffe, der Spaß geht zu Ende, ehe die Theekeſſel der Provinz ihr ſüßes Ge⸗ bräu drübergießen.» «Das iſt lebhafter geſprochen als klar. Ihr habt meine Spitzen und Sammtſtoffe; mein Brokat und At⸗ las iſt ſchon in den Haͤnden der Manhattan⸗Damen und Eure Pelze und Johannes liegen ſicher, wo kein viſtti⸗ render Officier der Coquette—, „Ihr braucht nicht einem Mann mit Trompeten zu⸗ zurufen, was er ſchon weiß, was zu ſeinem Schaden ge⸗ reicht! Ich kann von zwei bis drei ſolcher Geſchäftchen bankerott werden und Ihr wollt zu meinem Geldverluſt noch den Verluſt des guten Namens! Wände haben Ohren in einem Schiff wie in einem Haus. Ich will von dem lumpigen Handel da zwiſchen uns nichts mehr hören. Wenn ich durch die Geſchichte tauſend Gulden verliere, ſo weiß ich mich allenfalls darüber zu troſten. Geduld und Betrübniß! Iſt mir doch heute ein ſo fet⸗ ter und hoffnungsvoller Wallach gefallen, als je einer auf dem Pflaſter dahinlief, und hat mich eine Seele darum klagen hören? Ich weiß hoffentlich, Verluſte zu ertragen und ſomit nichts mehr von unſerem unglücklichen Handel.» „Warlich, wenn's nicht um den Handel wäre, ich wüßte nicht, was die Mannſchaft der Brigantine und den Alderman Van Beverout mit einander verbände!» „Deſto mehr wirſt du die Nothwendigkeit einſehen, dieſen dummen Spaß zu beendigen und dem Alderman ſeine Nichte zurückzugeben. Ich weiß wahrhaftig nicht, wie die Sache mit dieſen beiden jungen Hitzköpfen aus⸗ gehen nicht bringe fleck worde beſitze wie 2 alles gen d führte Hafer Unter da ſt Unpa hatte ſter leibhe nen muth Bürt Spie Dub paß geht ßes Ge⸗ Ihr habt und At⸗ men und in viſſti⸗ eten zu⸗ aden ge⸗ häftchen dverluſt haben ſch will s mehr Gulden troͤſten. ſo fet⸗ 2 einer Seele uſte zu klichen e, ich e und de lv ſehen, erman nicht, aus⸗ — 257— gehen ſoll, obgleich es mir auf ein paar Tauſende mehr nicht ankommen ſollte, um die Sache aus der Welt zu bringen. Wenn einmal ein weiblicher Name einen Schand⸗ fleck im Volke hat, dann iſt der Artikel ſchlimmer ge⸗ worden als ein wankendes Kapital, und die jungen Guts⸗ beſitzer und Commandanten der Kreuzer haben Mägen wie Wucherer; da hilft kein Accordiren, da heißt es, alles oder nichts! Solche Tollheit war nicht in den Ta⸗ gen deines würdigen Vaters. Der ehrliche Handelsmann führte ſeinen Kutter mit ſo unſchuldiger Miene in den Hafen, wie der Müller ſein Boot. Wir hatten unſere Unterredungen über die Qualität ſeiner Waaren, und da ſtanden ſeine Preiſe, dort mein Gold. Paar oder Unpaar! Es war nur Zufall, wer den beſten Vortheil hatte. Ich machte gute Geſchäfte zu jener Zeit, Mei⸗ ſter Seadrift; aber du ſchindeſt ja die Leute, wie der leibhaftige Satanas!» Ein verächtlicher Zug überflog die Lippen des ſchö⸗ nen Schwärzers; aber er ſchwand dahin in tiefe Schwer⸗ muth. «Du haſt mein Herz erweicht, grade damit, edler Bürger,» antwortete er,«indem du meinen Vater ins Spiel brachteſt; ich habe für ſein Lob ſchon manchen Dublon bezahlt.» «Ich ſpreche ſo unintereſſirt, wie ein Pfarrer ſeinen Beichtkindern ins Gewiſſen redet. Was will ein lum⸗ piges Stück Geld zwiſchen Freunden ſagen. Ja, es war dazumal, als dein Vater noch lebte, noch Gedeihen im Handel. Er hatte ein nettes und kurriges Schiff, einem unverſtümmelten Racepferd zu vergleichen. Es war flink 58— 60. 17 — 258— genug, wenn's noth that, und doch hatte es nur das Anſehen eines ganz behaglichen Amſterdammers. Ich weiß, daß ihn ein Schatzkammer⸗Kreuzer anrief und den famoſen Freihändler mit ſo wenig Argwohn nach Neuigkeiten fragte, als den Lord Oberadmiral ſelbſt! Es waren da keine ſolche Narrheiten Mode, wie mit dem unanſtändigen Weibsbild unterm Bugſpriet, das ei⸗ nen honetten Mann aus der Contenance bringen kann, keine Schwärmereien in Segel und Gemälden, kein Ge⸗ ſinge und Geklimper, es war nichts als ein vernünſtiger und erſprießlicher Handel. Und dann befrachtete er ſein Schiff mit ſoliden Gegenſtänden; ich weiß, daß er ein⸗ mal funfzig Anker Wachholderbranntwein einlud, ohne einen Heller für die Fracht zu nehmen, wie wir einmal mit den feineren Artikeln im Reinen waren; er landete ſte in England für eine kleine Vergütung, wenn er über⸗ haupt etwas dafür bekam!⸗ «Du darfſt ihn ſchon loben, dankbarer Alderman; aber zu was ſollen dieſe Prälndien 2„ «Dazu, daß wenn mehr Gold zwiſchen uns beiden rouliren ſoll,» fuhr der widerſetzliche Myndert fort,«wir die Zeit nicht damit verſchwenden, es zu zählen; der Himmel weiß, Meiſter Seadrift, du haſt mich ſchon tüch⸗ tig ausgebeutelt. Es ſind mir zuletzt ordentliche Verluſte auf die Rippen gefallen. Ein Wallach iſt hin, den auf den Bompjes in Rotterdam keine funfzig holländiſche Ducaten erſetzen, von der Fracht, UÜberfahrt und allen den Speſen, die beſonders hoch kommen, gar nicht zu reden—» 3 — chen went ſeyn mal in 2 wede ren, ſetze geiz tini wen weit dete ten nich nur das 38. Ich ief und hn nach ſelbſt! wie mit das ei⸗ n kann, ein Ge⸗ inſtiger er ſein er ein⸗ „ ohne einmal landete eüber⸗ rman; beiden « wir ; der — tüch⸗ erluſte en auf diſche allen ht zu — 259— «Kommt zum Ziel!» unterbrach ihn der Andre, dem offenbar die Zeit zu lang wurde. «Gib das Mädchen zurück und nimm dafür fünf⸗ und zwanzig dünne Stücke.» «Die Hälfte des Preiſes fuͤr den flämiſchen Walla⸗ chen! La belle würde mit gerechtem Stolz erröthen, wenn ſie ihren Marktpreis erführe!“ „Quälerei und Herzbrechen! Laß es denn hundert ſeyn, und damit ſey die Sache aus.» «Hört einmal, Herr Van Beverout; daß ich manch⸗ mal den Gewinn der Königin überhüpfe, will ich nicht in Abrede ſtellen, am wenigſten vor Euch; mir gefällt weder dieſe Art, eine Nation durch Deputirte zu regie⸗ ren, noch der Grundſatz, daß ein Stückchen Erde Ge⸗ ſetze für ein anderes macht. Ich bin nicht darauf ehr⸗ geizig, engliſche Baumwolle zu tragen, wenn die floren⸗ tiniſche mein Geſchmack iſt, noch Bier zu verſchlucken, wenn mich der Gaumen nach den delicaten Gascogner⸗ weinen kitzelt. Außerdem weißt du, daß mich eingebil⸗ dete Rechte nicht irre machen, und hätte ich funfzig Nich⸗ ten von dir, ſo würden ſie mit Säcken voll Ducaten nicht zu kaufen ſeyn!» Der Alderman ſtarrte; jeder Zuſchauer hätte denken können, er höre etwas Unglaubliches. Und doch ſprach ſein Gefäͤhrte mit einer Wärme, die ihm keine kleine Veranlaſſung zur Annahme gab, daß er nicht mehr ſpreche, als er fühle, und, ſo unerklärlich dieß auch ſeyn mochte, daß er Schätze geringer anſchlage als Empfindungen. «Hartnäckigkeit und Ungereimtheit!“ murrte Myn⸗ 17 ½ — 260— dert;«was kann ein unruhiges Mädchen dir bei deiner Lebensart nützen? Entführt, wie du ſie— «Ich habe Niemanden entführt. Die Brigantine iſt kein algieriſches Schiff, das mit Löſegeld wuchert.» ⸗Dann laß ſie ſich einer Procedur unterwerfen, die ihr wahrſcheinlich zum erſtenmal widerfährt. Wenn du meine Nichte nicht hinweggelockt haſt, der Himmel weiß durch welche eitle Künſte! ſo laß das Schiff durchſuchen. Dieß wird die Gemüther der jungen Männer beruhigen, den Vertrag zwiſchen uns im Gang und den Werth des im Handel beſtimmten Artikels bei Kraft erhalten.» «Gut— doch höre! Wenn gewiſſe Ballen mit un⸗ bedeutenden Marder⸗ und Biberfellen und mit anderen Colonial⸗Artikeln die Art meiner Verbindungen an den Tag brächten, ſo wäre ich alles Treubruchs los und ledig.» «Das iſt klug. Ja, in Ballen und Päcke darf kein zudringliches Auge ſehen. Nun, Meiſter Seadrift, ich ſehe die Unmöglichkeit ein, direct zu einer Verſtändigung zu gelangen, und deßhalb will ich dein Schiff verlaſſen, denn wahrhaftig ein Kaufmann von Reputation ſoll keine unnöthige Verbindung mit einem ſo verdächtigen Men⸗ ſchen haben.» Der Freihaͤndler lächelte, aus Verachtung, mehr noch aus Arger, und ließ die Finger wieder über die Saiten der Guitarre laufen. 8 „Führe den würdigen Bürger zu ſeinen Freunden, Zephyr,⸗ ſagte er, verbeugte ſich gegen den Alderman und entließ ihn auf eine Weiſe, die eine ſonderbare Mi⸗ ſchung von Gefühl verrieth. Ein ſcharfer Beobachter der menſch ben, lichen Spra bunde ren ſprãc die d den ſcheit ſehr ande lich, noch than daß befir deiner antine t.» n, die un du weiß uchen. higen, h des „ t un⸗ deren n den und kein „ich gung aſſen, keine Men⸗ noch niten menſchlichen Leidenſchaften würde vielleicht geſchlaßſen ha⸗ ben, Trauer und ſelbſt Bekümmerniß ſey mit der natür⸗ lichen oder angenommenen Sorgloſigkeit in der Art und Sprache des Schmugglers auf eine mächtige Weiſe ver⸗ bunden. Sechzehntes Kapitel. „Das wird ein ſcharmantes Königreich für mich werden z die Muſik habe ich einmal unentgeltlich!“ Sturm. Wäͤhrend der geheimen Conferenz in der Cajüte wa⸗ ren Ludlow und der Patron auf dem Verdeck im Ge⸗ ſpräch mit dem Helden des indiſchen Shawls. Es war die Rede von Dingen des Gewerbes, da Van Staats den alten Ruf der Schweigſamkeit behauptete. Die Er⸗ ſcheinung Mynderts, in Gedanken, ärgerlich und, wie ſehr erſichtlich war, verwirrt, gab den Gedanken der andern eine neue Richtung. Es iſt nicht unwahrſchein⸗ lich, daß der Bürger glaubte, er habe dem Freihändler noch kein hinlänglich hohes Gebot für ſeine Nichte ge⸗ than, denn aus ſeinem Anſehen konnte man ſchließen, daß er ſich durchaus nicht überzeugt hielt, ſeine Nichte befinde ſich nicht auf dem Schiffe. Doch gab er, als ſeine Gefaͤhrten ihn über das Reſultat der Unterredung mit dem Freihändler befragten, aus Gründen, die er am beſten ſelber verſtand, gern ausweichende Antworten. «Wenn noch eins zur Zufriedenheit ausfällt,» ſagte er, eſo wird dieſe Fatalität ſich heben laſſen, und Alida Barberie entfeſſelt und mit einem guten Namen, der ſo rein iſt, wie der der Van Stoppers in Holland, zu mir zurückkehren. Die phantaſievolle Perſon da in der Cajüte läugnet, daß meine Nichte hier ſey, und ich glaube, die Wahrheit neigt auf ihre Seite. Ich geſtehe, wenn man ſich in den Cajüten umſchauen könnte, ohne Schränke und Ladung durchzuwühlen, würde die Sache mehr Sicherheit gewinnen, allein— hm— meine Herren, wir müſſen die Verſicherung auf guten Glauben hinnehmen, weil uns die gehörige Bürgſchaft fehlt.» Ludlow ſah nach der Wolke über der Mündung des Rariton und ſein Mund verzog ſich zu einem ſtolzen Lächeln. «Laßt den Wind nur ſo von Oſten fortwehen» ſagte er,«und wir werden mit Schränken und Cajüten noch unſre Freude erleben.» « St—! daß der würdige Meiſter Tiller dieſe Dro⸗ hung nicht hört— und, am Ende weiß ich doch nicht, ob es nicht das Geſcheuteſte wäre, die Brigantine reiſen zu laſſen.» «Herr Alderman Van Beverout,» verſetzte der Ca⸗ pitain, deſſen Wange jetzt glühte,«meine Pflicht kann nicht durch Ihre Zärtlichkeit für Ihre Nichte gebunden werden. Mag nun Alida Barberie das Land wie ein gemeiner Handelsartikel verlaſſen, ſo muß der Comman⸗ edung die er orten. ſagte Alida der ſo t mir kajüte „ die man ränke mehr wir men, des olzen ,» üten Dro⸗ icht, eiſen Ca⸗ kann nden ein ran⸗ * 263— dant dieſes Schiffes doch erſt einen Paß von Ihro Ma⸗ jeſtät Kreuzer haben, ehe er wieder in See ſticht.» «Willſt das der meergrünen Frau ſagen 2 fragte der Matroſe mit dem Shawl, der plötzlich dicht an ſeiner Seite ſtand. Die Frage war ſo unerwartet und ſo ſonderbar, daß ſte unwillkührliches Stutzen zur Folge hatte; der junge Seemann faßte ſich jedoch gleich und antwortete ſtolz— «Oder jedem andern Ungethüm, das du beſchwören kannſt!» «Wir wollen Euch beim Wort halten. Es iſt kein beſſerer Weg, das Vergangene oder Zukünftige zu erfah⸗ ren, oder aus welchen Himmelsgegenden der Wind kommt, oder wann die Orkane wüthen, als wenn man eine Frage an unſre Herrin thut. Sie, die ſo viel von verborgenen Dingen weiß, mag uns ſagen, was Ihr wiſſen wollt. Wir wollen ſie durch die gewöhnliche Aufforderung darum bitten.» So ſagend, verließ der Matroſe mit dem Shawl ernſthaft ſeine Gäſte und ſtieg in die unteren Cajüten des Schiffs hinab. Es dauerte nur einen Moment, ſo kamen Töne aus einer unbekannten, doch nicht entfern⸗ ten Gegend der Brigantine, die bei Beiden, Ludlow und dem Patron, Staunen und Luſt erregten. Ihr Gefährte hatte ſeine guten Urſachen, für keine dieſer Empfindun⸗ gen empfänglich zu ſeyn. Nach einer kurzen und raſchen Symphonie begann ein Blasinſtrument ein wildes Thema, während ſich wie⸗ der eine menſchliche Stimme zu der Muſik vernehmen ließ, Worte, die ſo in die Töne verſchlungen waren, daß — 264— es unmöglich iſt, mehr davon zu ſagen, als daß der Re⸗ frain der Verſe eine Art myſteriöſer Beſchwörung einer Meeresgottheit war. „Potz Gequieke und Flöten!» murrte Myndert, ehe noch die letzten Töne lieblich endeten. Das klingt gra⸗ dezu heidniſch, und ein ſchlichter Handelsmann, deſſen Geſchäfte nicht an Schiffes Bord ſind, hat guten Grund, ſich in eine ehrliche Kirche zu wuͤnſchen. Was haben wir mit Hexen vom Lande oder mit Nixen vom Waſſer zu thun, was mit Zauberei überhaupt, daß wir hier noch in der Brigantine warten, während wir doch erfahren, meine Nichte ſey hier nicht an Bord, und wollten wir auch ir⸗ gend ein Händelchen machen, das Schiff hat ja nichts, was ein Mann von Manhattan branchen kann. Der tiefſte Moor deines Gutes, Patron, iſt feſterer Grund für uns, als das Verdeck eines Schiffes, das einen Ruf wie dieſes hat.» Die Scenen, von welchen Van Staats von Kinder⸗ hook Zeuge war, hatten einen mächtigen Eindruck auf ihn gemacht. Mit langſamer Einbildungskraft, doch mit mächtiger und umfänglicher Geſtalt begabt, war er nicht leicht aufzuregen, ſey es, um phantaſtereichen Bildern nachzuhängen, oder Furcht aufkommen zu laſſen. Es wa⸗ ren erſt wenig Jahre, ſeit Männer, die in anderen Be⸗ ziehungen aufgeklärt waren, feſt an die Exiſtenz überna⸗ türlicher Einflüſſe in Dingen dieſes Lebens glaubten, und obgleich die Neuen Niederlande dieſer Bethörung entgin⸗ gen, die in den religiöſen Provinzen von Neu⸗England ſo allgemein herrſchte, ſo nahm doch eine abergläubiſche Furcht von minderer Kraft die Gemüther der geſcheute⸗ ſten hu ſonſt i Wahr ereigne Glück⸗ vinzia der be kunft ſchafte Impu von 2 Patro in der 6 kann, verſetz hier: lande von d ben, Stim ehrwt 6 war und ren 1 Luſt das Priv Capi er Re⸗ z einer t, ehe t gra⸗ deſſen zrund, en wir ſer zu och in meine ich ir⸗ lichts, Der Brund Ruf nder⸗ if ihn mit nicht ldern wa⸗ Be⸗ erna⸗ und tgin⸗ land iſche eute⸗ — 265— ſten holländiſchen Anſiedler und ſelbſt ihrer Nachkommen ſonſt und zu unſern Zeiten in Beſitz. Die Kunſt des Wahrſagens war in beſonders hoher Gunſt, und ſelten ereignete ſich's, daß ein unerklärliches Begebniß die Glücksumſtände oder die Behaglichkeit der guten Pro⸗ vinzialen berührte, daß ſie nicht ihre Zuflucht zu einer der berühmteren Wahrſagerinnen des Landes um Aus⸗ kunft zu nehmen pflegten. Leute von langſamen Eigen⸗ ſchaften lieben ſtarke Aufregung, indem minder ſtarke Impulſe ſpurlos bleiben würden, wie Menſchen, die hart von Begriffen ſind, ſtarke geiſtige Getränke lieben. Der Patron war ganz von trägem Guß, und daher fand er in der gegenwärtigen Lage großes Vergnügen. „Welche wichtige Folgen dieſes Abentheuer haben kann, wiſſen wir nicht, Herr Alderman Van Beverout,» verſetzte Oloff Van Staats; aund ich geſtehe, daß mich hier mehr zu ſehen und zu hören verlangt, bevor wir landen. Dieſer Tummler der Meere iſt ganz verſchieden von dem, den unſere Stadtgerüchte aus ihm gemacht ha⸗ ben, und indem wir bleiben, können wir die öffentliche Stimme über ihn mehr berichtigen. Ich hörte meine ehrwürdige ſelige Tante ſagen—5 „Rockenmährchen und Geſchichtchen! Die gute Dame war kein ſchlechter Kunde von dieſem Völkchen, Patron, und es iſt gut, daß dieſe nicht auf dem Weg der Gebüh⸗ ren mehr von deiner Erbſchaft bekamen. Ihr ſeht das Luſt in Ruſt gegen den Berg da liegen; nun alles, was das Publikum ſehen ſoll, liegt außen, und was für mein Privat⸗Vergnügen iſt, wird innen gehalten. Aber da iſt Capitain Ludlow, der hat Aufträge der Königin in Hän⸗ — 266— den, und der brave Herr wird es unrecht finden, daß wir die edle Zeit mit ſolchen Blendwerken vergeuden.» Ich geſtehe, daß ich eben ſo begierig bin, das Ende zu ſehen,» verſetzte trocken der Commandant der Co⸗ quette. Der Stand des Windes verhütet jeden unmit⸗ telbaren Wechſel in der Stellung der beiden Schiffe, und warum ſollten wir nicht noch einen Blick weiter auf die außerordentlichen Charaktere der Leute thun, die der Bri⸗ gantine angehören.» «Ja, ſo iſt es!“ murmelte der Alderman. Dieſe Einſichten und Ausſichten führen zu aller Verwirrung im Leben. Man wird nie fertig mit dieſen Phantaſtereien, die einen mit Geheimniſſen herumziehen, wie die Fliege vom Licht gefeſſelt wird und rings herum flattert, bis ſle die Flügel verbrennt. Da ſeine Gefährten zu verweilen entſchloſſen ſchie⸗ nen, ſo blieb dem Bürger nichts übrig als Geduld. Ob⸗ gleich Beſorgniß unvorſichtiger Ausſetzung ihrer Perſonen bei ihm die Oberhand behielt, ſo fühlte er ſich doch nicht ganz frei von jener Schwäche, welche den Oloff Van Staats verleitete, ferner zuzuhören und ſich umzuſchauen, was, wie geſagt, mit geheimer Scheu und großem Inte⸗ reſſe geſchah. Selbſt Ludlow fühlte ſich mehr durch die außerordentliche Lage afficirt, in die er verſetzt wurde, als er ſich gern geſtehen wollte. Kein Menſch kann ſich ſympathetiſchen Einflüſſen ganz verſchließen, mögen ſie nun ihre Gewalt üben, wie ſte wollen. Dieſer Wahrheit war ſich der junge Seemann noch mehr bewußt durch die Wirkung, welche das ernſte Außere und die aufmerkſame Art aller Matroſen der Brigantine auf ihn machte. Er war e hatte Beruf ihren zu und bilden einen war ie enge leicht ſchrän len ſer der R bürger ſowie aus L ter ur Vorz ben. ovalet und l anus zuwei merk Dieſe Grun tönte pfäng phyr daß n, daß den.» s Ende r Co⸗ unmit⸗ 2, und uf die r Bri⸗ Dieſe ng im ereien, Fliege bis ſie ſchie⸗ Ob⸗ ſonen nicht Van auen, Inte⸗ h die urde, mſich nun rheit h die ſame Er war ein Seemann von nicht geringen Fähigkeiten und hatte unter andern Eigenſchaften, welche Männer ſeines Berufs auszeichnen, auch die erworben, die Seeleute nach ihren Nationen durch gewiſſe allgemeine markirte Zügen zu unterſcheiden, die den Hauptunterſchied bei Männern bilden, deren gemeinſame Laufbahn in ſo hohem Grade einen übereinſtimmenden Charakter trägt. Das Wiſſen war in jenen Tagen bei den Söhnen des Oceans auf enge Schranken angewieſen. Selbſt der Officier konnte leicht ein Mann von rohen lärmenden Sitten, von be⸗ ſchränkten Begriffen und ſtark eingewurzelten Vorurthei⸗ len ſeyn. Kein Wunder alſo, daß der geweine Mann in der Regel unbekannt war mit den Anſichten, welche die bürgertiche Geſellſchaft allmählig aufflären. Ludlow hatte, ſowie er in's Schiff trat, bemerkt, daß die Mannſchaft aus Leuten von verſchiedenen Ländern beſtand. Ihr Al⸗ ter und ihre Perſönlichkeit ſchienen mehr, als nationale Vorzüge, bei ihrer Wahl den Ausſchlag gegeben zu ha⸗ ben. Es war ein Finnländer unter ihnen, mit einem ovalen leichtgläubigen Geſicht, derbem doch kurzem Leib und hellen leeren Augen; und ein dunkelfarbiger Matroſe aus dem mittelländiſchen Meer, deſſen claſſiſcher Kopf zuweilen einen Ausdruck von Unruhe zeigte, wenn er auf⸗ merkſame, forſchende Blicke nach dem Horizont warf. Dieſe beiden Männer hatten ſich in die Nähe unſerer Gruppe aufs Verdeck geſtellt, als der letzte Geſang er⸗ tönte; Ludlow war geneigt, dieß einer beſondern Em⸗ pfänglichkeit für Muſik zuzuſchreiben, als das Kind Ze⸗ phyr ſich an ihre Seite ſtahl, auf eine Art, welche zeigte, daß in der Bewegung mehr lag, als ſich in der Hand⸗ — 268— lung ſelbſt kund gab. Die Erſcheinung Tillers, der die Geſellſchaft bat, wieder in die Cajüte hinabzuſteigen, er⸗ klärte die Bedeutung, indem er zeigte, daß dieſe Männer, wie ſie ſelbſt, etwas mit jenem Weſen zu thun hatten, welches, wie wenigſtens vorgegeben wurde, einen ſo gro⸗ ßen Einfluß auf die Schickſale der Brigantine hatte. Die Geſellſchaft, die nun in das kleine Vorzimmer trat, war von ſehr verſchiednen Gefühlen beherrſcht. Lud⸗ low zeigte lebhafte, furchtloſe Neugier, etwas gemiſcht mit dem Intereſſe ſeines Berufes, während ſeine Gefähr⸗ ten mit einer innerlichen Scheu vor der geheimnißvollen Macht der Zauberin erſchienen. Die beiden Matroſen offenbarten eine dumpfe Unterwürfigkeit und der Knabe lies auf ſeinen offenen doch halb erſchrockenen Zügen ſehr unzweideutig den Einfluß kindiſcher Fnrcht wahrnehmen. Der Seemann mit dem Shawl war ernſthaft, ſtill und, was an ſeinem Betragen ungewohnt war, voll Reſpect. Nach Verzug einer Minnte öffnete Seadrift ſelbſt die Thür des innern Gemachs und ließ Alle hineintreten. Eine weſentliche Veränderung war in der Einrich⸗ tung der Hauptcajüte gemacht. Das Tageslicht vom Hintertheil des Schiffes war verſchwunden und der kar⸗ moiſinfarbene Vorhang am Alkov heruntergelaſſen. Ein Fenſterchen, welches nur ein Dämmerlicht ins Innere ließ, war an der Seite geöffnet. Die Gegenſtände, wor⸗ auf dieſes Licht am ſtärkſten fiel, erhielten eine ſanfte Färbung von dem Stoff der Vorhänge. Der Freihändler empfing ſeine Gäſte mit einer zu⸗ rückhaltenden Miene; er verbeugte ſich ſtill und mit we⸗ niger Leichtigkeit der Haltung, als in der früheren Un⸗ terredu zwungt zu ſehe einer2 mag, d nächſte nur di vergnü machte die ſch 60 reden, ter S heit 9 floſſen das 2 den u 6 Art g chelnd wir e 6 treue weiß kühn bekar Quer die 2 Der der die gen, er⸗ Känner, hatten, ſo gro⸗ te. zimmer . Lud⸗ emiſcht Gefähr⸗ ßvollen atroſen Knabe en ſehr ehmen. l und, eſpect. ſt die en. eurich⸗ vom r kar⸗ Ein nnere wor⸗ ſanfte zu⸗ we⸗ Un⸗ — 269— terredung. Indeſſen glaubte Ludlow noch immer ein er⸗ zwungnes, trübes Lächeln um den ſchönen Mund ſpielen zu ſehen, und der Patron ſah auf die ſchönen Züge mit einer Bewunderung, wie man ſie einem Manne weihen mag, der dem Heiligthum, das die Menge anberet, am nächſten ſteht. Die Gefühle des Alder man ſprachen ſich nur durch ein halb unterdrücktes Gemurmel des Miß⸗ vergnügens aus, womit er ſich von Zeit zu Zeit Luft machte, trotz einer Art Ehrerbietung, die allmählig über die ſchlecht verhehlte Unzufriedenheit ſiegte. Man ſagte mir, Ihr wolltet mit unſerer Herrin reden, ſprach die Hauptperſon des Schiffes mit gedämpf⸗ ter Stimme. eEs ſind noch Andre, die von ihrer Weis⸗ heit Rath erwarten. Schon mehrere Monate ſind ver⸗ floſſen, ſeit wir ſie ſelbſt nicht befragt haben, obgleich das Buch immer offen iſt, für alle, die ſich an ſie wen⸗ den wollen. Habt Ihr ſtarke Nerven, ſie zu ertragen 25 „Ihro Majeſtät Feinde haben nie einen Zweifel der Art gegen mich gehegt,„ verſetzte Ludlow ungläubig lä⸗ chelnd. Fahrt mit Euern Beſchwörungen fort, damit wir etwas zu hören kriegen.» „Wir ſind keine Nekromanten, mein Herr, ſondern treue Schiffer, die ihrer Herrin zu Gefallen leben. Ich weiß, daß Ihr ein Zweifler ſeyd, aber es haben ſchon kühnere Männer bei minderen Proben ihren Irrthum bekannt. St—! wir ſind nicht allein. Ich höre die Querbalken der Brigantine ſich öffnen und ſchließen.» Der Sprecher wich zurück, faſt bis zu der Linie, wo die Andern ſich ſtill und erwartungsvoll gruppirt hatten. Der Vorhang erhob ſich bei einer leiſen Melodie deſſel⸗ — 279— ben Blasinſtrumentes, und ſelbſt Ludlow empfand jetzt eine mächtigere Bewegung als ſein bisheriges Intereſſe geweſen war, wie er den Gegenſtand bemerkte, der ſich ihren Blicken enthüllte. Eine weibliche Geſtalt, ſo viel wie möglich in der Art gekleidet, wie die geſchnitzte Figur am Vordertheil des Schiffes, und in derſelben Stellung, nahm die Mitte des Alkovs ein. Wie bei dem Bildniß hielt die eine Hand ein Buch, deſſen Blätter gegen die Zuſchauer ge⸗ kehrt waren, während ein Finger der andern Hand vor ſich hin wies, als zeige er der Brigantine ihren Lauf. Das meergrüne Gewand floß ihr nach, als ſey es von der Luft bewegt, und das Antlitz hatte dieſelbe dunkle ungewohnte Farbe mit dem merkwürdigen bösartigen Lächeln. Wie das Entſetzen und der erſte Blick des Erſtau⸗ nens voruͤber war, ſahen der Alderman und ſeine Ge⸗ fährten einander verwundert an. Das Lächeln in dem Blick des Freihändlers war weniger verſtohlen und nahm etwas Triumphirendes an. «Wenn Jemand hier der Herrin unſeres Schiffs et⸗ was zu ſagen Verlangen trägt, ſo erkläre er nun, was er will. Sie iſt auf unſern Ruf weither gekommen und hat nicht lange Raſt.⸗ «So möchte ich denn wiſſen,» ſagte Ludlow, indem er tief Athem ſchöpfte, als erhole er ſich erſt von der plötzlichen mächtigen Einwirkung, ob die, welche ich ſuche, in der Brigantine iſt 25 Der, welcher bei dieſer außerordentlichen Ceremonie den Vermittler machte, bückte ſich und trat hin zum Buche, Rath ſen ſch ſelber von C L Stand Stolz 6 Meer auf de gung zur u gendl ges 2 4 ner k 6 abern niß 1 nicht ihres duld in jetzt intereſſe der ſich in der dertheil Mitte ie eine uer ge⸗ nd vor Lauf. s von dunkle rtigen erſtau⸗ e Ge⸗ dem nahm fs et⸗ was und ndem n der 2 ich nonie zum — 271— Buche, das er mit einem Ausdruck tiefer Ehrfurcht um Rath fragte, indem er in den Blättern las oder zu le⸗ ſen ſchien. «Ihr werdet hier, in Antwort deſſen, was Ihr fragt, ſelber gefragt, ob Sie, die Ihr ſucht, in Aufrichtigkeit von Euch geſucht vrd 25 Ludkow err Jhete; aber die Ritterlichkeit ſeines Standes überwand die natürliche Zurückhaltung des Stolzes, und er erwiederte mit Feſtigkeit— «Das wird ſie!“ «„Aber Ihr ſeyd ein Seemann; die Leute, die dem Meer angehören, wenden ihre ganze Zärtlichkeit oft nur auf das Gebände, in welchem ſie wohnen. Iſt die Nei⸗ gung zu Der, welche Ihr ſucht, ſtärker als die Liebe zur unſteten Lebensart, zu Euerm Schiff, als Euer ju⸗ gendlicher Ehrgeiz, als der Ruhm, der eines jungen Krie⸗ ges Träume belebt?⸗ Der Commandant der Coguette zögerte. Nach ei⸗ ner kurzen Pauſe, wie der Selbſtbefragung, ſagte er— «Stark, wie es dem Manne ziemt.» Eine Wolke überflog die Stirn des Fragers, der abermals hintrat und die Blätter befragte. «Ihr ſollt Antwort geben, ob ein neuerliches Ereig⸗ niß nicht Euer Vertrauen auf die, welche Ihr ſucht, ver⸗ nichtet hat?5 «Getrübt wohl— aber nicht vernichtet.“ Die meergrüne Dame bewegte ſich und die Blätter ihres geheimnißvollen Buches zitterten, wie vor Unge⸗ duld, ihre Orakel zu ſpenden. „Und könnt Ihr Neugier, Stolz und alle andre — 272— Gefühle Eures Geſchlechts unterdrücken, und Euch um ihre Gunſt bewerben, ohne Aufklärung zu verlangen, wie vor dem neuerlichen Ereigniß?, «Ich würde vieles thun, um einen holden Blick von Alida de Barberie zu erhalten, aber das niedrige Be⸗ tragen, von dem Ihr da redet, würdm ich ihrer Achtung unwürdig machen. Wenn ich ſie fände, wie ich ſie ver⸗ lor, würde mein Leben ihrem Glück geweiht ſeyn, wo nicht, ſo würde ich trauern, daß ein ſo edles Weſen fiel.⸗ «Habt Ihr je Eiferſucht empfunden 2 «Zuerſt laßt mich wiſſen, ob ich Urſache dazu habe 2 rief der junge Mann, indem er ſich einen Schritt der regungsloſen Geſtalt naͤherte, in der Abſicht, ihr etwas ſchärfer ins Geſicht zu ſehen. Die Hand des Matroſen mit dem Shawl hielt ihn mit der Kraft eines Rieſen zurück. «Keine Ungebühr gegen unſere Gebieterin,» bemerkte kalt der kräftige Seemann, indem er den Andern zurück⸗ treten ließ. Der beleidigte Officier fixirte ihn mit ſtolzem Blick, und ſeine wehrloſe Lage kam ihm noch zu rechter Zeit in's Gedächtniß, um ihn von Thätlichkeiten abzuhalten. «Habt Ihr je Eiferſucht empfunden?» fuhr der Fra⸗ ger fort, ohne ſich irre machen zu laſſen. «Liebte denn, wer ſie nicht empfände?» Ein ſanfter Athemzug wurde in der Cajüte gehört, während eine kurze Pauſe folgte, doch Niemand wußte, woher er kam. Der Alderman drehte ſich nach dem Pa⸗ tron um und ſah ihn an, ob er geſeufzt habe, während der er wiſſen keune. dc wieder er ſich oder Euch thum 6 ein 2 dröhrl verbe gung ſung wort Zeus man chelt Ernm Phi denn und ch um langen, ick von e Be⸗ lchtung le ver⸗ n, wo Weſen habe 2 tt der etwas lt ihn nerkte urück⸗ Blick, Zeit alten. Fra⸗ ehört, ußte, Pa⸗ hrend — 273— der erſtaunte Ludlow neugierig umher blickte, ohne zu wiſſen, wer mit ſo vielem Gefühl ſeine Antwort aner⸗ keune. Eure Antworten ſind gut,» begann der Freihändler wieder, nach längerer Pauſe als bisher. Dann wandte er ſich gegen Oloff Van Staats und ſagte—«Wen oder was ſucht Ihr?⸗ «Wir kommen zu einem gemeinſamen Zweck.“ aUnd ſucht Ihr in aller Aufrichtigkeit 25 „Ich wünſche wohl zu finden. 3 «Ihr ſeyd reich an Läandereien und Häuſern; iſt Euch die, welche Ihr ſucht, ſo theuer wie dieſer Reich⸗ thum 25 «Ich ſchätze beides, weil man nicht wünſchen kann, ein Weib, das man verehrt, zur Bettlerin zu machen.» Der Alderman räuſperte ſich ſo laut, daß die Cajüte dröhnte, und erſchreckt von ſeiner eignen Unterbrechung, verbeugte er ſich wie zur Entſchuldigung gegen die bewe⸗ gungsloſe Geſtalt im Alkov und gewann dann ſeine Faſ⸗ ſung wieder. «Es liegt mehr Klugheit als Feuer in Eurer Ant⸗ wort. Habt Ihr je Eiferſucht empfunden 25 «Das hat er!» rief Myndert ungeduldig. Ich war Zeuge, wie der Mann wüthete, gleich einem Bären, dem man ſeine Jungen geraubt hat, wenn meine Nichte lä⸗ chelte, zum Beiſpiel in der Kirche, wäre es auch nur die Erwiederung des Grußes einer alten Dame geweſen. Philoſophie und Faſſung, Patron! Wer zum Teufel kann denn wiſſen, ob Alida nicht das Gefrage mit anhört, und dann mag ihr franzöſtſches Blut kochen, wenn ſie 58— 60. 18 erfährt, daß euer Puls ſtets ſo regelmäßig wie die Stadt⸗ uhr ging. «Könntet Ihr ſie nehmen, ohne auf vergangene Dinge zu ſehen 2„ «Das wird er— das wird er,» verſetzte der Alder⸗ man.«⸗Ich verbürge mich dafür, daß Herr Van Staats alle Verbindlichkeiten ſo punctlich erfüllt, wie das beſte Haus in Amſterdam.» Das Buch zitterte wieder, aber es war eine ſchwan⸗ kende und unzufriedne Bewegung. «Was begehrſt du von unſerer Herrin 25 fragte der Freihändler den Seemann mit den ſchönen Haaren. «Ich habe mit einem von den Krämern meines Lan⸗ des gewettet, wegen des Windes, der die Brigantine durch den Canal führen ſoll.» «Geh. Die Waſſernixe ſegelt, wenn's Zeit iſt;— und Ihr 2 5 «Ich möchte wiſſen, ob ein Paar Felle, die ich dieſe Nacht auf meine eigne Fauſt gekauft habe, mir was ein⸗ bringen werden?, „Vertraut der meergrünen Frau rückſichtlich Eures Gewinns. Wann hat ſie je einen im Handel fehl gehen laſſen.— Was führt dich hierher, Kind?5 Der Knabe zitterte und erſt nach einigem Stocken fand er die Worte: «Sie ſagen, es ſey ſo närriſch auf dem Land!⸗ «Ei Burſche, du haſt ja deine Antwort ſchon bekom⸗ men. Wenn Andre an's Land gehen, ſollſt du mit.» «Sie ſagen, es ſey ſo ſchön, die Früchte ſelbſt vom Baum zu pflücken—.» Stadt⸗ angene Alder⸗ Staats 3 beſte hwan⸗ te der 3Lan⸗ antine — 275— «Du haſt deine Antwort.— Ihr Herren, unſere Gebieterin geht. Sie weiß, daß einer unter Euch ihrer Lieblings⸗Brigantine mit dem Zorn einer irdiſchen Kö⸗ nigin gedroht hat, aber es iſt unter ihrer Würde, ſo lee⸗ ren Drohungen zu antworten. Horcht; ihre Diener em⸗ pfangen ſie!⸗ Man hörte das Blasinſtrument wieder und der Vor⸗ hang ſiel langſam bei dieſen Tönen. Ein plötliches hef⸗ tiges Geräuſch, das wie das Offnen und Schließen ei⸗ nes maſſiven Thors klang, folgte, und dann war alles ſtill. Als die Zauberin verſchwunden war, hatte der Freihändler wieder die vorige Leichtigkeit des Beneh⸗ mens, er ſchien natürlicher zu reden und zu handeln. Alderman Van Beverout ſeufzte tief, als hebe ſich ihm eine Centnerlaſt vom Herzen, und ſelbſt der Matroſe mit dem ſchönen Shawl ſtand in einer leichteren nnbefangne⸗ ren Stellung da, als bei ihrer Gegenwart. Die beiden Seeleute und das Kind gingen hinweg. «Erſt Wenige, die dieſe Uniform tragen, haben frü⸗ ber die Herrin unſerer Brigantine geſehen,» fuhr der Freihändler fort, indem er ſich an Ludlow wandte, und es iſt ein Beweis, daß ſie weniger Abneigung gegen Euern Kreuzer fühlt, als gegen die meiſten Lang⸗Wim⸗ pel, die auf dem Waſſer umher ziehen.» Deine Herrin, dein Schiff und du ſelbſt, eins iſt ſo unterhaltend wie das andere,» verſetzte der junge See⸗ mann, indem er abermals ungläubig und mit einigem Dienſtſtolz lächelte.«Es ſoll mich freuen, wenn Ihr dieſen Scherz auf Koſten der Intraden Ihrer Majeſtät noch länger fortſetzt.» «Wir vertrauen auf die Macht der Waſſernire. Sie hat unſere Brigantine zu ihrem Wohnſitz erwählt, ihr ihren Namen gegeben und führt ſie mit eigner Hand. Es wäre ſchwach, zu zweifeln, wo man ſo beſchützt wird.» «Es wird vielleicht Gelegenheit geben, ihre Stärke zu erproben. Wäre ſie ein Geiſt aus der Tiefe der Ge⸗ wäſſer, ſo trüge ſie ein blaues Kleid. Nichts von ſeich⸗ tem Fahrwaſſer kann der Coquette entgehen!" „Weißt wohl noch nicht, daß die See in verſchied⸗ nen Himmelsſtrichen verſchiedne Färbung hat! Wir fürch⸗ ten uns nicht, aber Ihr wollt Antworten auf Eure Fra⸗ gen. Der ehrliche Tiller wird Euch zuſammen an's Land bringen und im Vorbeiſahren möcht Ihr das Buch wieder befragen. Ich zweifle nicht, daß ſie noch einige Merkmale ihres Beſuches geben wird.» Der Freihändler verbeugte ſich und zog ſich hinter den Vorhang zurück, mit der Miene eines Herrſchers, der aus einer Audienz entläßt, obgleich ſein Auge neu⸗ gierig glänzte, als er verſchwand, als ob er die Wirkung, die ſeine Unterredung hervorgebracht, beobachten wolle. Der Alderman Van Beverout und ſeine Freunde waren wieder in dem Boot, ehe noch ein Wort zwiſchen ihnen gewechſelt wurde. Sie waren dem Matroſen mit dem Shawl, dem Winke deſſelben gehorſam, gefolgt und verließen die ſchöne Brigantine wie Leute, die ernſt bei ſich erwogen, wovon ſie Zeuge geweſen. Es iſt im Verlauf der Erzählung hinläͤnglich ange⸗ deutet worden, daß Ludlow mißtrauiſch war, obgleich er nicht umhin nnte, ſich über das, was er geſehen hatte, w zu ve ben, geme geſun von mehr zig 2 war, gier nigte folge war tag. gen ſich auf ange dung Zau ſchei deut kaur fern. über miſe cabt Lud was ee. Sie lt, ihr Hand. deſchützt Starke der Ge⸗ n ſeich⸗ rſchied⸗ fürch⸗ ee Fra⸗ n an's 8 Buch einige hinter eſchers, he neu⸗ erkung, volle. reunde viſchen en mit at und nſt bei ange⸗ eich er hatte, — zu verwundern. Er war nicht ganz frei von Aberglau⸗ ben, ein Fehler der damals unter den Seeleuten ſo all⸗ gemein war, aber ſeine Erziehung und ſein angeborner geſunder Verſtand befähigten ihn, ſeine Einbildungskraft von jener Liebe zum Wunderbaren abzulenken, die doch mehr oder minder Allen eigenthümlich iſt. Er ſtellte funf⸗ zig Vermuthungen auf über das, was ihnen widerfahren war, und keine davon war richtig, jede ſchien ſeine Neu⸗ gier auf einen Augenblick zu beſchwichtigen und beſchleu⸗ nigte doch ſeinen Entſchluß, dieſes Gewebe weiter zu ver⸗ folgen. Was den Patron von Kinderhoos anbelangt, ſo war dieſer Tag ein ſeltner, ein unübertroffner Freuden⸗ tag. Er gab ihm den vollen Genuß, den ſtarke Erregun⸗ gen bei langſamen Naturen hersorrufen, und er wünſchte ſich weder eine Auflöſung ſeiner Zweifel, noch ging er auf der Spur irgend einer Nachforſchung, die eine ſo angenehme Täuſchung aufheben konnte. Seine Einbil⸗ dungskraft war erfüllt von dem ſchwärzlichen Geſicht der Zauberin, und wenn er ſich von dieſer unnatürlichen Er⸗ ſcheinung losmachte, ſo ſah er die ſchönen Züge, das zwei⸗ deutige Lächeln und das reizende Weſen ihres von ihm kaum minder bewunderten Miniſters vor ſich. Wie das Boot ſich ein wenig von dem Schiff ent⸗ fernte, ſtand Tiller auf und ließ den Blick ſelbſtgefällig über den vollendeten Bau und das Takelwerk hingleiten. «Lönſre Herrin hat manche Barke auf die weite ſtür⸗ miſche See ausgerüſtet und hinausgeſendet,» ſagte er, zaber nie eine lieblichere als die unſrige!— Capitain Ludlow wir hatten doppelt mit einander zu thun; aber was nun kommt, wird von unſrer Gewandtheit, unſerm — 278— Seedienſt und von den Vorzügen der beiden Schiffe ab⸗ hängen. Ihr dient der Königin Anna und ich der meer⸗ grünen Dame. Laßt uns jeder ſeiner Gebieterin treu ſeyn, und der Himmel ſende dann, was wir verdienen! — Wollt noch das Buch ſehen, ehe wir den Tanz machen) Ludlow winkte zuſtimmend und das Boot näherte ſich dem Schnitzbild am Vordertheil. Es war unmög⸗ lich, ſich des Gefühls zu erwehren, das alle drei Aben⸗ theurer, den Alderman nicht ausgenommen, nun wieder bei dem nahen Anblick des ben egungsloſen Bildes em⸗ pfanden. Die geheimnißvollen Züge ſchienen nachſinnend und das boshafte Lächeln noch ironiſcher als vorher. „Ihr thatet die erſte Frage und müßt daher auch die erſte Antwort haben,„ ſagte Tiller, indem er Ludlow aufforderte, das aufgeſchlagene Buch anzuſehen.«Unſre Herrin ertheilt ihre Antworten größtentheils in Verſen, aus dem alten Autor, deſſen Gedanken uns eben ſo all⸗ gemein klingen, wie der menſchlichen Natur überhaupt. „Was bedeutet das!» ſagte Ludlow haſtig— «Sie, Claudio, die Ihr ſchmäht, gibt Euch zurück; —————— liebt ſie Angelo; Mir ſtand ſie Beicht', ich kenne ihre Tugend.» „Das ſind klare Worte, aber ich möchte lieber, ein anderer Prieſter nähme die, welche ich liebe, in die Beichte!“ St—! Junges Blut iſt raſch und vorſchnell. Un⸗ ſere Herrſcherin der Barke verträgt keine ſcharfen Reden uͤber Blat beſche . dem chens gnüge Feror leicht in de laut e ab⸗ meer⸗ treu enen! Tanz herte mög⸗ ben⸗ ieder em⸗ nend die dlow nſre ſen, all⸗ t. — 279— über ihre Orakel.— Kommt, Herr Patron, wendet das Blatt mit dem Rohr um und ſeht, was Euch das Glück beſcheert.» Oloff Van Staats erhob ſeinen gewaltigen Arm mit dem Zögern und zugleich mit der Neugier eines Mäd⸗ chens. Es war nicht ſchwer, in ſeinen Augen das Ver⸗ gnügen zu leſen, welches ſeine träge Natur in der au⸗ ßerordentlichen Aufregung empfand, und doch war es leicht, die böſe Ahnung einer verunglückten Erziehung in dem Ernſt ſeiner übrigen Züge zu entdecken. Er las laut folgendes— «Ich hab' ein Wort, das euer Gut betrifft, Demnach, wollt Ihr ein willig Ohr mir leihen, Das Mein'ge euer, mein das Eure iſt— So bring' uns zum Palaſt; es ſoll ſich zeigen, Was noch zurück, ſich wird entgegen neigen. Gleiches mit Gleichem. Schön gedacht und noch ſchöner geſprochen!«Das Meinige euer, mein das Eure,“ iſt Gleiches mit Gleichem in Wahrheit, Patron!» rief der Alderman.«Ein billi⸗ gerer Handel kann nicht geſchloſſen werden, wenn die Verlaſſenſchaften von gleichem Werth ſind. Hier findet ſich Aufmunterung, gut und lieblich, und nun, Meiſter Schiffmann, wollen wir landen und nach Luſt in Ruſt gehen, welches doch wohl der in den Verſen gemeinte Palaſt iſt.«Was noch zurück,„ das bedeutet Alida, die quälende ſchlechte Perſon, die mit uns blinde Kuh und Verſtecken ſpielt, aus keinem andern Grunde, als um die weibliche Eitelkeit zu befriedigen, indem ſie zeigt, wie unglücklich ſie drei ernſte und verantwortliche Män⸗ ner machen kann. Laß das Boot weiter gehen, Meiſter Tiller, ſo heißt du ja, und vielen Dank für deine Mühe.⸗ «Es wäre ſehr gefehlt, die Dame zu verlaſſen, ohne zu wiſſen, was ſie alles noch zu ſagen hat. Das Antworten ergeht nun an Euch, würdiger Alderman, und der Stock wird in Eurer Hand das Umwenden voll⸗ bringen, wie bei den Andern.» «Ich haſſe die leidige Neugier und begnüge mich zu wiſſen, was Zufall und gutes Gluͤck uns lehren,» ver⸗ ſetzte Myndert.«Es ſind Leute in Manhattan, die im⸗ mer ihrer Nachbarn Credit ausſchnüffeln, wie Fröſche die Naſe aus dem Waſſer recken. Es iſt mir genug, den Stand meiner Bücher zu wiſſen und die Marktpreiſe ein wenig zu kennen.» «Damit iſt's nicht gethan.— Das mag wohl ein ruhiges Gewiſſen befriedigen, wie das Eure, mein Herr, aber wir von der Brigantine wollen mit unſrer Herrin nicht ſpaßen. Eine Berührung mit dem Stock wird Euch ſagen, ob dieſer Beſuch bei der Waſſernire ſich zu Eurem Vortheil wendet.“» Myndert ſchwankte. Es wurde ſchon geſagt, daß er, wie Andere ſeiner Herkunft in der Colonie, einen heimlichen Glauben an's Wahrſagen hatte, und die Worte des Helden vom Shawl enthielten eine ſchmei⸗ chelnde Anſpielung auf den Gewinnſt ſeines geheimen Handels. Er nahm den angebotenen Stock und wie ſich das Blatt umdrehte, war er eifrig genug, es zu leſen. Es fand ſich bloß Eine Linie, die ebenfalls ganz paſſend geleſe Mühe zu la eine daß laufer Meiſ gls i ſert, ſellſch künſt auf ſetze etwa im ſollte ich! wide Ihr Wa ſie Ihr iſt: ein derr, errin Euch rem daß inen die nei⸗ men ſich ſen. end aus dem bekannten Luſtſpiel«Gleiches mit Gleichem» genommen war: „Poſaun' es, Schultheiß, in der Stadt herum!“ In ſeiner Ungeduld hatte Myndert das Orakel laut geleſen und ſank auf ſeinen Sitz zurück, indem er ſich Mühe gab, über den kindiſchen, nichtsſagenden Einfall zu lachen. «Poſaunen, mich, was Poſaunen! Iſt es denn eine kriegeriſche Zeit, oder ſchwebt der Staat in Gefahr, daß man mit der Nachricht ſchreiend durch die Straßen laufen ſoll! Gleiches mit Gleichem, wahrhaftig! Hört, Meiſter Tiller, dieſe meergrüne Metze da iſt nicht beſſer als ihr Ruf, und wenn ſle nicht ihre Handelsweiſe beſ⸗ ſert, ſo wird ſich kein ehrlicher Mann gern in ihrer Ge⸗ ſellſchaft betreffen laſſen. Ich glaube an keine Schwarz⸗ künſtelei— wenn ſchon ſich der Canal dort diees Jahr auf eine ungewöhnliche Art geöffnet hat— und deßhalb ſetze ich wenig Vertrauen auf ihre Worte; aber daß ſie etwas von mir oder dem meinigen, in der Stadt oder im Lande, in Holland oder in Amerika ausſprengen ſollte, was meinen Credit wankend machte, daru lache ich! Indeſſen mag ich doch nicht gern dummes Zeug zu widerlegen haben, und daher ſage ich Euch zum Beſchluß, Ihr werdet am beſten thun, ihr den Mund zu verſchließen. «Verſchließt einen Orkan oder Tornado! Nur Wahrheit ht in ihrem Buch, und wer ſie lieſ't, muß ſie zu erfayren ſich gefallen laſſen. Capitain Ludlow, Ihr ſeyd wieder Herr Eurer Schritte, deun der Canal iſt nicht mehr zwiſchen Euch und Eurem Kreuzer, Hin⸗ ter jenem Hüglein befindet ſich Boot und Mannſchaft, die Ihr verloren. Die letztern warten auf Euch. Und nun, mein Herr, das Ubrige wollen wir der Führung der grünen Dame oder unſerer Gewandtheit und den Winden überlaſſen! Lebt wohl!» Sowie ſeine Gäſte am Strand waren, ließ der Held des Shawls ſein Boot wenden und in weniger als fünf Minuten ſah man es an ſeinen Tauen uberm Hintertheil der Brigantine ſchaukeln. 4 Siebzehntes Kapitel. „Gleich dem Arion, reitend den Delphin, Sah ich ihn mit den Wogen traulich thun, So weit ich blicken konnte, Sturm. Es war ein neugieriger, doch halb verwirrter Beob⸗ achter von allem dem, was in und um den Cove an die⸗ ſem Morgen geſchah. Dieſe Perſon war Niemand ande⸗ res, als der Sclave Bonnie, der das Factotum ſeines Herrn und über das Gut Luſt in Ruſt geſetzt wurde, wenn der Alderman in der Stadt anweſend gyn mußte, was in Wahrheit vier Fünftheile des Jahres der Fall war. Verantwortlichkeit und Zutrauen hatten ihren Ein⸗ fluß auf dieſen Neger gehabt, wie auf gebildetere Men⸗ ſchen. die R ſamke Gabe iſt. daß d Geho der§ daß n in Ub niger fortpf das d einem higkei und i Dieß eben ſeinen weiht nig a mal rung überl tigkei und im C ſchäft Cano ſchaft, Und prung den Held fünf theil — 283— ſchen. Er hatte ſich in ſchwierigen Lagen erprobt, und die Routine hatte in ihm eine Gewohnheit von Wach⸗ ſamkeit und Beobachtung erzeugt, die keine gewöhnliche Gabe bei Menſchen von dieſem unglücklichen Geſchlecht iſt. Es gibt auf Erden keine größere Wahrheit, als daß die Menſchen, wenn ſie einmal an dieſe Art von Gehorſam gewöhnt ſind, ihre Seele grade wie ihren Leib der Herrſchaft Anderer unterwerfen. Daher kommt es, daß wir ganze Nationen ſo mancherlei irrige Grundſätze in Übung halten ſehen, bloß weil ſie den Vortheil We⸗ niger ausmachen, die daher dieſe Täuſchungen auch gerne fortpflanzen. Zum Glück aber für die Fortbildung und das Fortſchreiten der Wahrheit, iſt es nur nothwendig, einem Mann Gelegenheit zu geben, ſeine natürlichen Fä⸗ higkeiten auszubilden, um aus ihm ein nachdenkendes und in gewiſſem Betracht unabhängiges Weſen zu machen. Dieß, doch nur in minderem Grade, war auch mit dem eben erwähnten Sclaven der Fall. Wie weit Bonnie in die Verhandlungen zwiſchen ſeinem Herrn und den Seelenten der Brigantine einge⸗ weiht war, iſt unnöthig zu ſagen. Es ereignete ſich we⸗ nig auf der Villa, wovon er nicht wußte, und wie ein⸗ mal geweckte Neugier ihr eignes Vergnügen zur Nah⸗ rung nimmt, ſo würde ſich, wenn es ſeiner Willkühr überlaſſen geweſen wäre, wenig um ihn her von Wich⸗ tigkeit ereignet haben, ohne daß er etwas von der Natur und Wichtigkeit der Sache erfahren hätte. Während er im Garten des Alderman anſcheinend mit der Hacke be⸗ ſchäftigt war, hatte er das Trio mit Erasmus über den Canal fahren ſehen, er hatte ſie beobachtet, wie ſie am — 284— Strande hin zum Schatten der Eiche gingen, und ſein Auge war ihnen nach der Brigantine gefolgt. Daß die⸗ ſer außerordentliche Beſuch an Bord eines Schiſſes, das gewöhnlich in ſo großes Geheimniß gehüllt war, zu man⸗ chen ungewöhnlichen Betrachtungen bei dem Schwarzen Veranlaſſung gab, zeigte ſich in der Art, wie er ſo oft von ſeiner Arbeit ruhte und ſich in nachdenklicher Stel⸗ lung auf den Griff ſeiner Hacke lehnte. Er hatte nie ſeinen Herrn die gewöhnliche Klugheit ſo ſehr überſchrei⸗ ten ſehen, daß er die Wohnung während der gelegent⸗ lichen Beſuche des Freihändlers verließ, und nun war er doch ſo zu ſagen dem Löwen in den Rachen gelaufen, ſo⸗ gar von dem Commandanten eines königlichen Kreuzers begleitet. Kein Wunder daher, daß die Aufmerkſamkeit des Negers immer lebhafter wurde, und daß nicht der kleinſte Umſtand ſeinen verwunderten Blicken entging. Während der ganzen Zeit, welche der Beſuch wegnahm, wie er im vorigen Kapitel erzählt wurde, verſtrich keine Minute, ohne daß ſein fragender Blick in die Richtung der Brigantine oder der daranſtoßenden Küſte gefallen wäre. Es iſt kaum nöthig zu ſagen, wie ſcharf der Selave aufmerkte, als ſein Herr mit ſeinen Gefaͤhrten dem Land wieder zuruderte. Sie gingen ſogleich nach dem Fuß der Eiche hinauf, und dann gab es eine lange und dem Anſchein nach ernſte Unterredung zwiſchen ihnen. Waͤh⸗ rend dieſer Conſultation fiel dem Neger die Hacke aus der Hand, er ſtarrte und blieb wie verſteinert in dieſer Lage. Er getraute ſich kaum zu athmen, bis die ganze Geſellſchaft von dem Fleck hinweg war und ſich ins Dik⸗ 3 kicht oder des Bon genſt hört lag, loſes ohne ohne ſer und bot, Geſ fern meil des Unt Näf der ches und zun Um beit wät ein noſ offe d ſein 3 die⸗ , das man⸗ arzen o oft Stel⸗ e nie chrei⸗ gent⸗ ar er „ ſo⸗ uzers nkeit der ging. ahm, keine tung allen llave Land Fuß dem Baͤh⸗ aus ieſer anze Dit⸗ — 285— kicht verlor, indem ſie ihre Richtung nach der äußeren oder nördlichen Seite nahm, ſtatt ſich an dem Strand des Cove nach dem Canal zurückzuziehen. Nun ſeufzte Bonnie tief auf und fing an, ſich nach den andern Ge⸗ genſtänden, die zu den Dingen dieſes Schauplatzes ge⸗ hörten, umzuſehen. Die Brigantine hatte ihr Boot aufgewunden und lag, wie man ſle zuerſt geſehen hatte, als ein regungs⸗ loſes, ſchönes und ausnehmend graziöſes Gebäude da, ohne das geringſte Zeichen, ſich bewegen zu wollen, ja ohne ein Zeichen ſelbſt des Lebens ihrer Bewohner, auſ⸗ ſer daß alles auf dieſem Schiff in muſterhafter Ordnung und Symmetrie gehalten war. Der königliche Kreuzer bot, vbgleich größer und von weit geringerer ätheriſcher Geſtalt und Fügung, daſſelbe Bild der Ruhe. Die Ent⸗ fernung beider von einander betrug ungefähr eine See⸗ meile, und Bonnie war vertraut genug mit der Lage des Landes und der Schiffe, daß er merken konnte, die Unthätigkeit rühre von der völligen Unwiſſenheit über die Nähe des Feindes auf Seiten derer her, welche die Rechte der Königin zu beſchützen hatten. Das Dickicht, wel⸗ ches den Cove begränzte, und das Wachsthum der Eichen und Tannen, die ſich längs der ſchmalen ſandigen Land⸗ zunge bis zur Spitze hin zogen, erklärte hinlänglich dieſen Umſtand. Der Neger blickte einige Minnten nach den beiden unbeweglichen Schiffen hin, drehte die Augen ſeit⸗ wärts nach der Erde, ſchüttelte den Kopf und brach in ein ſo lautes Gelächter aus, daß er ſeine farbige Ge⸗ noſſin veranlaßte, ihr dummes rundes Geſicht durch ein offenes Fenſter von dem Waſſerſtein der Villa zu erhe⸗ — 286— ben, um nach der Urſache dieſer Luſtigkeit zu fragen, die ihrer treuen Empfindung ein wenig ungeſellig vorkam. «He! behaltſt allmal luſtig Ding vor dich, Bonnie, hörſt!» ſchrie die Zänkerin.«Freu' mich, zu ſeh alte Bein wie ein Hack; nimmt mich Wunder, ſo viel Zeit da is zu lachen, wo der Garten voller Unkraut. ⸗» «Grach!“ ſchrie der Neger, indem er den einen Arm mit gerichtlichem Anſtand hinausreckte;«was weiß ſchwarz Weib von Politik. Wann ſte hab Zeit zu ſchwatzen, beſſer ſie kocht Eſſen. Ihr ein Ding ſagen, Phillis, un dat is dat, wenn't Schiff vun Capstän Lud⸗ low nit vor Anker wär und komm zu nehmen den Schuft in sen Cove? kann ſie mir dat ſagen— oder nit— 2 Wann nit, ſo laß ſte Mann, der ſich verſteh, lachen, ſo viel he will. Wenig Spaß thut Königin Ann kein Schad un ermord kein Gubbernör!⸗“ «All Arbeit thun un kein Schlaf, mach alte Bein Schmerzen, Bonnie, ja!“ verſetzte die Schwarze. Zehn Uhr— zwölf Uhr— drei Uhr, un in kein Bett; ich ſeh die Sonn, eh ſo ſchwarz Narr ſteck ſein Kopf aus'm Kiſſen!— Un dem Hack is alleins, wann er ſchlaf zehn Stund, Maſſer Myndert is kein ſteinern Herz, un will nit ermord ſein Leut mit Arbeit; alt Phillis wär lang todt, fufzig Jahr, nächſte Winter!» «So Weibsbild ſein Zung niemal ſtill! Was, zu ſagen der ganz Welt, wann Bonnie geht ſchlafen! Er ſchlaft for ſich und ſchlaft nit for die Nachbarſchaft! Ha! en Mann der kann nit denk an alles in der Minut. Da is en Bändel, is lang genug„ ſich dran zu häng— da n, die m. ounie, alte Zeit einen weiß t zu agen, Lud⸗ ſchuft — 2 — 287— hol' ihn, und denk, Phillis, biſt ein Frau von ein Mann, der viel Sorg' hat auf ſein Achſel.» Bonnie fing nun wieder an zu lachen, und ſeine Ge⸗ fährtin, welche den Waſſerſtein verlaſſen hatte, um die Gabe in Empfang zu nehmen, die der Haut einer Strumpf⸗ band⸗Schlange glich, ſtimmte in thieriſchem Behagen mit ein. Die Wirkung der Gabe aber ſollte ſeyn, daß der Neger allein blieb, um ſeine Bemerkungen im Stillen zu machen, ungeſtört von einer Perſon, die nur zu ge⸗ neigt war, ſeine Einſamkeit zu unterbrechen. Man ſah jetzt ein Boot aus den Büſchen kommen, die am Ufer hin ſtanden, und Bonnie konnte in ihm gegen das Hintertheil ſeinen Herrn, Ludlow und den Patron erkennen. Er wußte von der Wegnahme der Schaluppe der Coquette und von der Gefangenſchaft der Leute in vergangener Nacht. Ihr Erſcheinen an dieſem Ort gab ihm daher kein neues Erſtaunen. Die Zeit aber, wo die Mannſchaft nach dem Kriegsſchiff ruderte, waren Mi⸗ nuten von geſteigertem Intereſſe. Der Schwarze verließ ſeine Hacke und nahm an der Seite des Berges einen Platz ein, der ihm freie Ausſicht auf die ganze Bai gab. So lange die Geheimuniſſe von Luſt in Ruſt auf die ge⸗ wöhnlichen Combinationen eines verbotenen Handels be⸗ ſchränkt blieben, war er ganz der Mann, ſie zu begrei⸗ fen, nun aber, wo augenſcheinlich eine ſo unnatürliche Allianz eintrat, wie zwiſchen ſeinem Herrn und dem Kreuzer der Krone, ſah er ſich zu doppelter Aufmerkſam⸗ keit und zu größerer Anſtrengung ſeiner Verſtandeskräfte aufgefordert. Auch ein weit gebildeterer Verſtand als der des — 288— Sclaven wäre durch die Ankündigung der neuen Dinge, die ſich nun darſtellen ſollten, gefeſſelt worden, beſonders wenn er mit der Bedeutung der beiden Schiffe recht be⸗ kannt geworden wäre. Der Wind ging zwar noch von Oſten, allein die Wolke an der Mündung des Rariton hatte endlich angefangen ſich zu erheben. Die breiten Wollſtreifen von weißem Dunſt, die den ganzen Morgen auf dem Feſtlande gelegen hatten, vereinigten ſich raſch und bildeten bereits eine dunkle dichte Maſſe, die den Hintergrund der Seebucht einnahm und bald über ihre weiten Gewäſſer hinzurollen drohte. Die Luft wurde leichter und veränderlich und während die Wogen ver⸗ nehmlicher andrangen, war ihre Brandung am Strande weniger regelmäßig als in den Frühſtunden dieſes Tages. So ſtand es mit den beiden Elementen, als das Boot das Schiff berührte. In einer Minute hing es an ſei⸗ nem Tauwerk hoch in der Luft und verſchwand in die ſchwarze Maſſe des Rumpfes. Es überſtieg weit die Unterſcheidungskraft Bonnies, jetzt zu entdecken, ob auf einem der beiden Schiffe, welche ſeine ganze Aufmerkſamkeit feſſelten, ſich Zeichen von Zu⸗ rüſtungen ergaben. Sie ſchienen ihm beide ohne Bewe⸗ gung wie ohne Mannſchaft zu ſeyn. Es kamen zwar in dem Takelwerk der Coquette einige Puncte zum Vor⸗ ſchein, welche Menſchen ſeyn konnten, aber die Entfer⸗ nung hinderte ihn, es für gewiß zu erkennen, und wenn es auch Seelente waren, die da oben etwas zu thun hat⸗ ten, ſo zeigten ſich doch keine Folgen ihrer Gegenwart, wenigſtens für ſein des Dienſtes unkundiges Auge. In einer bis zwei Minuten bemerkte er auch dieſe einzelnen Dinge, ſonders echt be⸗ och von ſariton breiten Norgen h raſch die den er ihre wurde en ver⸗ Strande Tages. 3 Boot an ſei⸗ in die onnies, welche on Zu⸗ Bewe⸗ war in Vor⸗ Entfer⸗ d wenn an hat⸗ enwart, ſe. In nzelnen — 289— Puncte nicht mehr, obgleich der aufmerkſame Schwarze zu ſehen meinte, daß die Maſtſpitzen und das Tauwerk unter ihnen ſich verdichteten, als ſeyen ſie mit mehr als den gewöhnlichen Stricken umgeben. In dieſem Augen⸗ blick der Erwartung drang aus der Wolke über dem Ra⸗ riton ein Blitz und das Rollen eines entfernten Donners kam längs dem Waſſer her. Es ſchien eine Warnung für den Kreuzer zu ſeyn, denn als Bonnies Blick, der den Himmel beobachtete, nach dem Schiff zurückkehrte, ſah er, daß es ſeine drei Oberſegel entfaltet und aufgeſtellt hatte, dem Anſchein nach mit ſo wenig Mühe, wie ein Adler ſeine Schwingen ausbreitet. Das Schiff wurde nun unruhig, denn der Wind kam in Stößen daher und das Schiff ſchaukelte, als kämpfe es mit dem feſten Halt ſeines Ankers und dann, grade in dem Augenblick, wo der veränderte Luftzug gefühlt wurde und von der Wolke in Weſten herüberwehte, machte ſich der Kreuzer von ſeiner gebundenen Lage los; er ſchien eine kurze Zeit ſtille zu ſtehen, wie ein Roß, das ſich von ſeinen Strän⸗ gen losgeriſſen hat, kam aber dann ſchwer mit dem Winde daher und hielt ſich durch das Einwirken ſeiner Segel im Gleichgewicht. Noch eine oder zwei Minuten ſchein⸗ barer Unthätigkeit folgten, wornach die breiten Flächen der oberſten Segel ſich parallel ſtellten. Ein weißes Tuch nach dem andern entfaltete ſich auf dem ſtolzen Gebäude und Bonnie ſah, wie die Coquette, der ſchnellſte Kreu⸗ zer der Krone in dieſen Meeren, unter einem Gewölk von Segeln ſich vom Lande trennte. Dieſe ganze Zeit über lag die Brigantine in dem Cove ruhig vor Anker. Als der Wind ſich drehte, wandte 58— 60. 19 —— — 299— ſich der leichte Rumpf mit dieſer Strömung um und das Bild der meergrünen Dame ließ ſich die ſchwärzlichen Wangen vom Wind anwehen. Aber ſie allein ſchien über den Frieden ihrer Diener zu wachen, denn man konnte kein anderes Auge erſpähen, das nach der Gefahr aus⸗ ſchaute, die ſie ſo heftig, ſowohl vom Himmel, als von einem gewiſſeren und ſichtbareren Feinde, zu bedrohen ſchien. Da der Wind kräftig, wiewohl unſtet war, bewegte ſich die Coquette mit einer Geſchwindigkeit durch's Waſ⸗ ſer, die ihrem Ruf Ehre machte. Zuerſt ſchien es die Abſicht des königlichen Kreuzers, das Cap zu umfahren und in die offene See zu ſtechen, denn das Vordertheil ſtand nordwärts; aber kaum hatte er die Curve der klei⸗ nen Bucht hinter ſich, die von ihrer Form das Hufeiſen genannt wird, als er gradezu gegen den Wind ſteuerte und mit graziöſer leichter Bewegung, indem das Vordertheil ſich nach Luſt in Ruſt kehrte, das Schauſpiel eines Schif⸗ fes in ſtetiger Richtung gewährte. Seine Abſicht auf das berüchtigte Schmugglerſchiff war nun nicht mehr zu bezweifeln. Immer gab die Waſſernire noch keine Zeichen von Unruhe. Das bedeutſame Geſicht des Bildes ſchien die Bewegungen mit aller Klugheit eines verſtändigen We⸗ ſens zu ſtudieren und dann und wann drehte ſich die Brigantine ſachte in den wechſelnden Strömungen der Luft, als ob die kleine kunſtvolle Maſchine ſich mit freiem Wil⸗ len bewege. Dieſes ſcheinbare Leben glich den ſchnellen und ſachten Bewegungen eines Hundes, der den Kopf in ſeinem Höfchen in die Höhe reckt, um anf entferute id das zlichen n über konnte aus⸗ ls von drohen ewegte Waſ⸗ es die fahren ertheil r klei⸗ ufeiſen te und ertheil Schif⸗ ht auf ehr zu n von en die We⸗ ch die Luft, Wil⸗ dnellen Kopf ferute — — 291— Töne zu horchen, oder um im Wind die Fährte eines wechſelnden Wildes zu wittern. Mittlerweile näherte ſich das Schiff der Königin ſo ſchnell, daß der Neger den Kopf ſchüttelte, ſo bedeutſam, daß ſeine bisherige wichtige Miene nichts dagegen war. Alles war dem Vorſchreiten günſtig, und da das Waſſer des Cove während der Zeiten, wo der kleine Canal offen war, hinlängliche Tiefe hatte, um das Kriegsſchiff auf⸗ zunehmen, ſo fing Bonnie ſchon an, einen ſchweren Schlag für die künftigen Glücksumſtände ſeines Herrn zu ahnen. Die einzige Hoffnung, die er hinſichtlich des Entrinnens des Schmugglers faſſen konnte, war die Ver⸗ änderlichkeit des Himmels.. Obgleich das drohende Gewölk nunmehr die Mündung des Rariton verlaſſen hatte und ſich mit furchtbarer Schnelligkeit oſtwärts wandte, ſo war es doch noch nicht auseinander geriſſen. Die Luft hatte das unnatürliche und erhitzte Anſehen, welches einem Sturm vorausgeht, aber mit Ausnahme einiger dicken Tropfen, die, wie es ſchien, vom blauen Himmel fielen, war es noch bis da⸗ hin ein ſogenannter trockner Sturm. Das Waſſer der Bai war dunkel, drohend und grün, und es waren Au⸗ genblicke, wo es ſchien, als ob ſchwere Luftſtrömungen auf die Oberfläche herabſtiegen, begierig, ihre Stärke an dem Schweſter⸗Elemente zu verſuchen. Ungeachtet dieſer ſchlimmen Anzeichen ſtand die Coquette im Winde, ohne die weiten Flächen ihrer Segel auch nur um einen Zoll zu mindern. Die ihre Bewegungen regierten, waren keine Männer von der läſſigen Levante, noch aus den milden Gewäſſern des mittelländiſchen Meeres, die ſich 19 das Haar ausraufen und alle Heiligen anrufen, ſich zwi⸗ ſchen ihren Jammer und ihre Hülfloſigkeit zu ſtellen, ſon⸗ dern Matroſen in ſtuͤrmiſchen Meeren erzogen, gewohnt, ihr beſtes Vertrauen auf ihre eigne Mannheit zu ſetzen, und ihrer Wachſamkeit und Gewandtheit von einem lan⸗ gen Leben voll Gefahren und Bedrängniſſe das übrige zu danken. Hundert Augen an Bord dieſes Kreuzers beobachteten das Nahen des herangewälzten Gewölks oder achteten auf das Spielen des Lichts und Schattens, wel⸗ ches dem Waſſer die wechſelnde Färbung gab, aber die⸗ ſes geſchah ruhig und mit völliger Abhängigkeit von dem Urtheil des jungen Officiers, der die Bewegungen des Schiffes leitete. Ludlow ging ſelbſt mit aller gewohnten Ruhe auf dem Verdeck hin und her, ſo weit man nach den äußerlichen Andentungen ſchließen konnte, obgleich ſein Gemüth in Wahrheit durch Gefühle aufgeregt war, die den Pflich⸗ ten ſeines Berufes fremd ſind. Auch er warf Blicke nach dem drohenden Unwetter, aber ſein Auge wurzelte weit öfter auf der ruhig liegenden Brigantine, die man nun vom Verdeck der Coquette ſehr gut vor Anker ſehen konnte. Der Ruf: cein Fremdling im Cove!“» der ei⸗ nige Augenblicke zuvor von einem der Maſten herabſcholl, erregte bei dem Commandanten kein Erſtaunen, wäͤhrend die Mannſchaft, verwundert aber gehorchend, zum erſten⸗ mal den Gegenſtand ihrer ſeltſamen Manveuvres anſich⸗ tig wurde. Selbſt der Officier, der im Rang dem Ca⸗ pitain am naͤchſten ſtand, hatte keine Frage zu thun ge⸗ wagt, doch nun, wo der Gegenſtand ihres Suchens vor Aug nüge Lien die Kön oder ſche zu t ſetzte dien ſen wied Ton Wir quet ſollt daß lebe gleie den. ein ſeyn vohnt, ſetzen, 1 lan⸗ übrige euzers s oder (wel⸗ r die⸗ dem des dem lichen th in flich⸗ Blicke rzelte man ſehen r ei⸗ holl, rend ſten⸗ iſich⸗ Ca⸗ ge⸗ vor — Augen ſtand, erdreiſtete er ſich, ſeinem Rang zur Ge⸗ nüge eine Bemerkung zu machen. «Das iſt ein niedliches Schiff!“» ſagte der geſetzte Lieutenant, indem er ſich einer Bewunderung hingab, die ſeinen Gewohnheiten natürlich war, es könnte der Königin als Jacht dienen! Das iſt ſo ein Schwärzer oder vielleicht ein Buccanier von den Inſeln. Der Bur⸗ ſche hat keine Flagge aufgeſteckt!" «Geben Sie ihm zu verſtehen, daß er es mit Einem zu thun hat, der in königlichen Aufträgen ſegelt„ ver⸗ ſetzte Ludlow halb mechaniſch, nach der übung des See⸗ dienſtes, ohne recht zu wiſſen, was er ſagte. Wir müſ⸗ ſen dieſem Räuber Achtung vor einer Flagge einflößen. Der Donner einer Kanone brachte den Abweſenden wieder zu ſich und erinnerte ihn an ſeinen Befehl. «Was, ſchoß die Kanone hin?“ fragte er, mit einem Ton, der wie Vorwurf klang. «Schoß, doch zielte weit, Herr; nur ein ferner Wink. Wir ſind keine Leute mit ſtummen Zeichen, in der Co⸗ quette, Capitain Ludlow.“ «Ich möchte nicht, daß dem Schiff was geſchähe, ſollte es auch ein Buccanier ſeyn. Geben Sie Achtung, daß ſie nicht getroffen wird, ohne meinen Befehl.⸗ „Ja, es wäre recht, Herr, wenn wir die Schönheit lebendig fingen; wie Schade um ein ſo nettes Boot, gleich einem alten Rumpf auseinander geriſſen zu wer⸗ den. Ha! da kommt endlich das Flaggentuch! Er zeigte ein weißes Feld— ſollte der Burſche wohl ein Franzoſe ſeyn 25 Der Lieutnant nahm ein Fernrohr und hielt es ei⸗ — 294— nen Moment mit gewohnter Feſtigkeit vor's Auge. Dann ließ er das Inſtrument ſinken und ſchien ſich auf die ver⸗ ſchiedenen Flaggen beſinnen zu wollen, die ihm waͤhrend der Erfahrungen mancher Jahre vorgekommen. «Dieſer Schäker kommt wahrſcheinlich von einem un⸗ bekannten Lande, ſagte er. Da hat er ein Weib auf ſeiner Flagge; mit einem häßlichen Geſicht, und, wenn das Fernrohr mich nicht trügt— ſo wahr als ich lebe, der Kerl hat das Conterfey als Bruſtfigur am Schiff! — Wollen Sie die Damen einmal betrachten, Herr!» Ludlow nahm das Fernrohr und hielt es nicht ohne Neugterde auf die Flagge, die der kühne Schmuggler ei⸗ nem Kreuzer gegenüber zu entfalten wagte. Die Schiffe waren einander unterdeſſen ziemlich nahe gekommen, daß er die ſchwärzlichen Züge und das boshafte Laͤcheln der meergrünen Dame, mit derſelben Kunſt, wie er ſte an verſchiednen Theilen der Brigantine geſehen, auf die Flagge geſtickt, erkennen konnte. Erſtaunt über die Keck⸗ heit des Freihändlers, gab er das Glas zurück und ging wieder ruhig auf dem Verdeck hin und her. In der Nähe der beiden Sprechenden ſtand ein Officier, deſſen Haupt und Geſtalt die Wirkungen der Zeit anzudeuten begann und der ſeiner Stellung nach Zuhörer dieſer Unter⸗ redung geweſen ſeyn mußte. Obgleich das Auge dieſer Perſon, welche der Segelmeiſter des Schiffes war, ſich ſelten von dem drohenden Gewölk abwandte, außer um nach ſeinen weißen Leinwandfeldern zu ſehen, ſo fand er doch auch eine Minute, um den Fremdling unters Glas zu nehmen. «Eine halbaufgetakelte Brigg, der Vor⸗Top⸗Gallant⸗ Maſt ſteher Seer ſchrei bildu mit jagte Schl ges Del Wir unſer wär uach gen, zwö Cap da, Me Sti Sp nen ter ten ſteh ſchr ſetzt hell — — 295— Maſt hinten aufgeſetzt, ein doppelter Martingal und ein ſtehender Gaft,“» bemerkte der methodiſche und techniſche Seemann wie Jemand an einem Menſchen, den er be⸗ ſchreiben will, die eigenthümliche Geſtalt oder Geſichts⸗ bildung würde geſchildert haben. Der Kerl braucht ſich mit ſeiner bronzirten H— nicht ſo dick zu machen! Ich jagte ihn einmal ſechs und dreißig Stunden in den Schlupfwinkeln der St. Georgsbai, nicht ſpäter als vori⸗ ges Jahr und der Kerl ſchwamm um uns her wie ein Delphin, der unterm Vorderfuß eines Schiffes ſpielt. Wir hatten ihn bald am Wetterbogen, bald kreuzte er unſern Weg, und einmal folgte er unſerm Strich, als wär er Mutter Careys Küchlein, das den Bröſamlein nachläuft. Er ſcheint da gepackt genug im Cove zu lie⸗ gen, warlich; aber ich will den Gehalt von jedem der zwölf Monate drum verwetten, er ſchlüpft uns durch. Capitain Ludlow, die Brigantine vor uns an der Küſte da, in Spermaceti, iſt der wohlbekannte Tummler der Meere!⸗ 1 „Der Tummler der Meere!» wiederholten zwanzig Stimmen auf einmal, mit einem Ton, der die große Spannung bei dieſer unerwarteten Aufklärung zu erken⸗ nen gab. „Ich will ſeine Perſon vor jedem Admiralitätsrich⸗ ter in England und ſelbſt in Frankreich beſchwören, hät⸗ ten wir den Fall, vor einem ausländiſchen Gericht zu ſtehn— doch was brauchts da Eide, wenn wir einen ge⸗ ſchriebnen Bericht von ihm haben, den ich ſelbſt aufge⸗ ſetzt mit dieſen meinen eignen Händen, in der Hetze am hellen Mittag vor mir—.» Indem der Segelmeiſter ſo — 296— prach, zog er eine Tabaksdoſe aus der Taſche, ſchob ein rund gelegtes Schweinenſchweif⸗Tau zurück und gelangte zu einer Lage Schriften, die in der Farbe mit ſeiner Klei⸗ dung wetteiferten.«Hier, meine Herrn,» fuhr er fort, eda ſteht das Gebäu, als ob es der Meiſter Schiffszim⸗ mermann nach Ruthen ausgemeſſen. Nicht zu vergeſ⸗ ſen, einen Muff von Marderpelz aus Amerika für Frau Tryſail zu— kauf ihn in London und ſchwörs— das iſt nicht das Papier— ich ließ Ihren Jungen, Meiſter Luff, den letzten Vorrath Tabak da für mich auf Seite packen, und der junge Hund hat mir alle meine Schrif⸗ ten durch einander geworfen. Grade ſo werden auch die Regierungs⸗Berichte verlegt, wo ein Parlament fehlt, um ſie durchzuſehen. Doch Jugend hat nicht Tugend! Ich ließ ſelbſt an einem Sonnabend in der Nacht, wie ich noch ein Knabe war, einen Affen in eine Kirche und er warf die Geſang⸗ und Gebetbücher ſo durch einander, daß ſich das ganze Kirchſpiel ſechs Monate lang an den Ohren hatte; und ein Streit zwiſchen zwei alten Wei⸗ bern iſt bis auf dieſe Stunde noch nicht ausgemacht— ach! da iſt's— Tummler der Meere. Vorn ganz auf⸗ getakelt mit Vorder und Hinter⸗Hauptſegel, ein Gaff⸗ Topſegel, mit großen Sparren, mit leichtem Maſtkorb, nett im Gerüſt, wie nur eine Schönheit ſeyn kann,— trägt einen weißen Geyerſchwanz bei hellem Wetter; die Hauptſtange wie eine Fregatten⸗Oberſegel⸗Rae, mit einem Haupt⸗Ober⸗Maſt⸗Stand⸗Segel voll und groß. Niedrig im Waſſer, mit einer Weibsfigur vorn; hat Segel mehr wie ein Teufel als wie ein menſchliches Weſen und legt ſich b Das der 4 ſeht die n kann. Offic ſeine anzu vor Seit Lieut ſter; zu b dara hera ſie d dem Kab ten Bro Fra 8) ſich bis zu fünf Punkten, wenn der Wind hart drängt.*) Das ſind Merkmale, woran eine von den Kammerfrauen der Königin Anna den Schuft erkennen würde, und da ſeht Ihr ſie alle vor euch, ſo klar und deutlich als ſie die menſchliche Natur an einem Schiff euch nur zeigen kann.» «Der Tummler der Meere!“» wiederholten die jungen Officiere, die ſich um den alten Knaben drängten, um ſeine charakteriſtiſche Beſchreibung des Freihändlers mit anzuhören. «Tummler oder Flatterer, wir haben ihn nun, todt vor uns an der Küſte, einen ſandigem Strand auf drei Seiten und den Wind in den Augen!“ rief der erſte Lieutnant.„Ihr werdet gleich Gelegenheit haben, Mei⸗ ſter Tryſail, euer Signalement durch Nachmeſſen an Bord zu berichtigen.» Der Segelmeiſter ſchüttelte den Kopf, als zweifle er daran, und dann richtete er den Blick wieder nach dem herannahenden Gewölk. Die Coquette war unterdeſſen ſo weit gekommen, daß ſie den Eingang des Cove offen vor ſich hatte, und von dem Feinde trennte ſie nur eine Entfernung von ein Paar Kabeltauen. Auf Befehl Ludlows wurden nun alle leich⸗ ten Segel eingezogen und das Schiff unter die dreĩi Bramſegel und Jib genommen. Es blieb aber noch die Frage über den Eingang, denn es war für Schiffe von *½) Es iſt dem Laien wohl nicht um die genaue Ueberſetzung der techniſchen Ausdrücke zu thun, die kaum ein anderer als ein Seemann liefern kann. Die Wörterbücher geben bei dieſem humoriſtiſchen Signalement faſt gar keine Hülfe. der Tiefe der Coquette nicht gewöhnlich, in dieſem Theil der Bai vor Anker zu gehen, und der bedrohliche Him⸗ mel machte Vorſicht doppelt nöthig. Der Lootſe ſcheute ſich vor einer Verantwortung, die nicht zu ſeinem eigent⸗ lichen Dienſt gehörte, da die gewöhnliche Schifffahrt mit dieſem engverſchloſſenen Platz nichts zu thun hatte, und ſelbſt Ludlow, wie ſehr ihn auch viele und mächtige Be⸗ weggründe antrieben, zögerte doch, ein Wagniß zu be⸗ ſtehen, das ganz über ſeine Inſtructionen hinausging. Es lag etwas ſo wunderliches in der anſcheinenden Ruhe des Schmugglers, daß es ſie ſehr natürlich zu dem Glau⸗ ben führte, er müſſe ſich durch irgend ein geheimes Hin⸗ derniß ſicher wiſſen, und es wurde daher beſchloſſen, das Senkölei anzuwenden, ehe das Schiff hineingewagt wurde. Ein Vorſchlag, deu Freihändler mit den Böten gefangen zu nehmen, war zwar plauſibel genng und viel⸗ leicht die weiſeſte Maßregel, allein der Commandant ver⸗ warf ſte unter dem ausweichenden Vorwande, daß es von nngewiſſem Erfolg wäre, obwohl er in Wahrheit ſich we⸗ gen der Perſon, die er ſicher in der Brigantine glaubte, ſcheute, das Schiff zum Schauplatz eines ſo heftigen Kampfes zu machen. Es wurde daher ein kleines Boot ins Waſſer gelaſſen, das Bramſegel des Hauptmaſtes an den Maſt gezogen, und Ludlow ſtieg ſelbſt mit dem Loot⸗ ſen und dem Schiffs⸗Patron hinab, um den beſten Weg zu dem Schmuggler zu ſondiren. Ein Blitz und ein Donnerſchlag, die an dieſem Feſtlande ſchrecklicher zu ſeyn pflegen als an den Küſten der alten Welt, warnte den jungen Seehelden, ſich zu eilen, wenn er das Schiff noch vor dem drohenden Gewölk wieder erreichen wollte, das — Theil Him⸗ ſcheute eigent⸗ et mit „ und e Be⸗ zu be⸗ gging. Ruhe Glau⸗ Hin⸗ „das wagt zöten viel⸗ ver⸗ von we⸗ abte, igen Zoot an vot⸗ Beg ein eyn den och das —- — 299— ſich immer dicker heranzog. Das Boot ſchnitt hurtig in den Cove, der Patron und der Lootſe ſondirten auf bei⸗ den Seiten ſo ſchnell die Taue von der Hand gerollt und wieder erlangt werden konnten. aEs geht,v ſagte Ludlow, wie ſie ſich verſichert hat⸗ ten, daß ſie einlaufen konnten.„Ich möchte das Schiff der Brigantine ſo nahe als möglich legen, denn ich trane ihrer Ruhe nicht. Wir wollen näher gehen.⸗» So eine bronzirte unverſchämte Hexe, mit ſo fre⸗ chen Augen und kecker Figur möchte jeden ehrlichen Ma⸗ troſen zum Schmuggeln und zur Seeräuberei verführen!o ſprach Tryſail halblaut, vielleicht aus Furcht vor den Ohren einer Creatur, die einen Ausdruck hatte, als ob ſie lebe.«Ja, das iſt das Weibsbild! Ich kenne es an dem Buch und dem grünen Rock! Aber wo ſteckt denn die Mannſchaft? Das Schiff iſt ſo ſtill, wie die könig⸗ liche Gruft bei der Krönung, wenn der letzte König und ſeine Vorfahren Platz genug bei einander haben. Eine prächtige Gelegenheit, Bootsknechte aufs Verdeck zu ſchaffen und da die unverſchämte Flagge wegzureißen, die das Bild der verherten Dame ſo luſtig in die Luft flattern läßt, wenn man nur— „Was, wenn man nur?» fragte Ludlow, dem der gute Einfall behagte. „Ja, wenn man nur auch der Natur eines ſolchen Weibsbildes trauen könnte, Herr; denn um die Wahr⸗ heit zu geſtehen, ich will es lieber mit einem ordentlich gebauten Franzmann aufnehmen, der einem ehrlich ſeine Kanonen zeigt, und einen Lärm an Bord hat, daß man — 300— auch im Dunkeln ſagen kann, was er treibt.— Die Creatur ſprach!⸗ Ludlow erwiederte nichts; ein ſchwerer Donnerſchlag folgte dem hellen Glanz eines Blitzes, der plötzlich wie aus den ſchwärzlichen Linien hervorkam, ſo daß er die unwillkührliche Ausrufung bei Tryſail veranlaßte. Die Warnung, die aus den Wolken drang, war nicht zu über⸗ ſehen. Der Wind, der ſo lange gewechſelt hatte, ließ ſich jetzt in dem Takelwerk der ſtillen Brigantine hören und die beiden Elemente gaben in ihren Drohungen und in ihrer charakteriſtiſchen Färbung unzweideutige Zeichen, daß der Sturm ganz nahe ſey. Der junge Seemann wandte mit großer Beſorgniß den Blick nach ſeinem Schiff. Die Raen waren en den Topmaſten, die ſchwel⸗ lende Leinwand flatterte weit zum Lande hin, und zwan⸗ zig bis dreißig menſchliche Geſtalten auf jeder Stange zeigten, daß die fingerfertigen Topmänner zuſammenraff⸗ ten was ſie konnten und die Segel in Knäul geballt auf eine nahe Sandbank warfen. «Weg da, Matroſen, bei euerm Leben! ſchrie der aufgeregte Ludlow. Ein einziger Schlag der Ruder wurde gehört und der Nachen war jetzt nur noch zwanzig Fuß von dem ge⸗ heimnißvollen Bildniß entfernt. Dann folgte eine ver⸗ zweifelte Anſtrengung, um den Kreuzer wieder zu errei⸗ chen, bevor ihn der Sturm habhaft wurde. Das un⸗ heimliche Sauſen des Winds, der durch das Tauwerk ſtrich, hörte man noch einige Zeit vorher, ehe ſie den Bord erreichten, und die Kämpfe von Schiff und Ele⸗ menten waren auf Momente ſo augenfällig, daß der junge Commandant ſchon beſorgte, es werde zu ſpät ſeyn. — Die erſchlag iſch wie er die Die u über⸗ jeß ſich en und und in geichen, lemann ſeinem ſchwel⸗ zwan⸗ Stange enraff⸗ geballt iie der et und em ge⸗ ie ver⸗ errei⸗ s un⸗ uwerk ie den 8 Ele⸗ junge — 301— Ludlow berührte mit ſeinem Fuß das Verdeck der Coquette, als grade die volle Wucht des Sturms auf ihre Segel fiel. Er dachte jetzt an nichts als an die Wichtigkeit des augenblicklichen Falls, denn ganz See⸗ mann, hatte er jetzt nur Sinn und Gefühl für ſein chiff. «Laßt alles gehen, wie es willl» rief der geiſtesge⸗ genwärtige Officier, mit einer Stimme, die ſich durch das Brüllen des Sturms vernehmlich machte. Segel ab, helft!— Fort da oben, ihr Topmänner!— Legt aus!— Zieht zuſamimnen!» Dieſe Befehle kamen raſch hintereinander und ohne Trompetenſtöße, denn der junge Mann konnte nöthigen⸗ falls ſo laut reden wie der Sturmwind. Es folgte jetzt eine der aufregenden und ſchrecklichen Minuten, die dem Seemann ſo bekannt ſind. Jeder war feſt auf ſeinem Poſten, während die Elemente umher raſ'ten, als ob die Hände, die ſie gebunden, auf immer losgelaſſen wären. Die Bai war ein Feld von Schaum, während das Rau⸗ ſchen des Sturmwinds dem Daherrollen von tauſend Karren glich. Das Schiff ſtemmte ſich dem Druck, bis das Waſſer durch die Speygatten an der Uferſeite her⸗ ausſchoß und die ſchlanken Maſten ſich nach der Fläche der Bai ſenkten, als ob die Enden der Raen ins Meer tippen wollten. Das war aber nicht mehr als das erſte Ausweichen vor dem Anfall; der gutgeformte Bau kam wieder in ſein naturliches Gleichgewicht und kämpfte ſich durch ſein Element, als wiſſe er, daß nur in der Bewe⸗ gung Heil für ihn ſey. Ludlow ſah nach der Strand⸗ ſeite. Die Offnung des Cove war vortheilhaft und er bemerkte einen Augenblick die Stangen der Brigantine wie ſie der Sturm tüchtig ſchüttelte. Er fragte, ob die Anker gerüſtet ſeyen, und dann hörte man ihn wieder von ſeinem Platz in dem Wetter⸗Gehweg— «Hart gegen's Wetter lavirt!— Die erſten Anſtrengungen des Kreuzers, ſeinem Sten⸗ erruder zu gehorchen, waren mühſelig und langſam. Aber wie das Vordertheil heraus kam, war der jagende Sturm⸗ wind kaum geſchwinder als ſeine Bewegung. In dieſem Moment öffneten ſich die Schleußen der Wolken und ein heftiger Regenſchaner miſchte ſich in den Aufruhr der Elemente und erhöhte die Verwirrung. Nichts war jetzt ſichtbar als die fallenden Waſſergüſſe und das weiße Schaumfeld, aus dem das Schiff hervortauchte. „Hier iſt das Land, Herr!“ bellte Tryſail von einem hervorragenden Pfoſten, auf dem er ſtand, wie ein ehr⸗ würdiger Meeresgott, triefend von ſeinem Elemente. „Wir reißen wie ein Renner dran vorbei!“ „Setzt die Anker licht!» rief der Capitain zurück. „Iſt geſchehn, Herr, iſt geſchehn—» Ludlow befahl jetzt das Schiff gegen den Wind zu dringen und als ſein Lauf hinreichend eingehalten war, ſielen auf ein zweites Signal zwei ſchwere Anker in⸗s Waſler. Das große Gebäude wurde nicht ohne einen weiteren heftigen Kampf befeſtigt. Wie die Bogen den Zwang ſpürten, fuhr das Schiff grade gegen den Wind und Faden auf Faden der ungeheuern Taue ſchlug her⸗ aus, von den Brandungen, die ſo heftig waren, daß der Rumpf im Innerſten erzitterte. Aber der erſte Lieut⸗ nant und Tryſail waren keine Neulinge in ihrem Dienſt und i feſt a hen n einan volle ſicht ſichtb Wech lang berul vorü ſtenz ihrer ler; Brig ſtren rückl Ruf Fahf nach den ſich Se mar dem Mo ſicht mei gantine ob die wieder Sten⸗ Aber Sturm⸗ dieſem und ein hr der ar jetzt weiße einem in ehr⸗ mente. rück. ind zu war, r in's einen en den Wind g her⸗ aß der Lieut⸗ Dienſt und in weniger als einer Minute hatten ſie das Schiff feſt an den Ankern. Wie dieſer wichtige Schritt geſche⸗ hen war, ſtanden Officiere und Mannſchaft und ſahen einander an, als wollten ſie ſagen, daß ſie das gefahr⸗ volle Unternehmen wacker beſtanden hätten. Die Aus⸗ ſicht klärte ſich wieder, Gegenſtände am Land wurden ſichtbar, obwohl es noch ſtark regnete. Es war ein Wechſel wie von Nacht zu Tag. Männer, die ihr Leben lang auf der See zugebracht hatten, athmeten tief und beruhigt, mit der glücklichen Gewißheit, daß die Gefahr vorüber ſey. Als ſie die nächſte Sorge ihrer eignen Exi⸗ ſtenz erledigt ſahen, erinnerten ſie ſich des Gegenſtandes ihrer Verfolgung. Die Blicke Aller ſuchten den Schmugg⸗ ler; er war verſchwunden, Niemand wußte wie. Der Tummler der Meere!“ und Was iſt aus der Brigantine geworden!“ waren Ausrufungen, welche die ſtrenge Mannszucht des königlichen Kreuzers nicht zu⸗ rückhalten konnte. Aus hundert Kehlen drang dieſer Ruf, während doppelt ſo viele Augen nach dem ſchönen Fahrzeug umher ſpäheten. Alle ſahen ſich vergeblich dar⸗ nach um. Die Stelle, wo die Waſſernixe kaum noch geſtan⸗ den hatte, war leer und keine Spur ihres Rumpfes zeigte ſich an der Küſte des Cove. Während der Kreuzer ſeine Segel zuſammenmachte und den Cove detrat, hatte Nie⸗ mand Zeit, nach dem Fremdling auszuſchauen, und nach⸗ dem das Schiff Anker geworfen, war es bis zum jetzigen Moment unmöglich, irgend ein Stück von ihm zu Ge⸗ ſicht zu bekommen. Immer noch ſiel der Regen in Strö⸗ men ſchräg gegen die See, aber die neugierigen und be⸗ — 304— ſorgten Blicke Ludlows ſtrebten vergeblich, in dieſes Ge⸗ heimniß einzudringen. Einmal, ſpäter als eine Stunde, nachdem das Ungewitter ſein Schiff erreicht hatte, und als der Ocean draußen wieder hell und ruhig war, glaubte er das feine Stangenwerk eines Schiffes, das ohne Segel zum Horizont aufſtrebte, im fernen Meer ge⸗ wahr zu werden. Aber ein zweiter Blick in die Ferne machte ihn wieder ungewiß.— Viele wunderbare Erzählungen gab es dieſe Nacht an Bord des königlichen Schiffs Coquette. Der Hoch⸗ bootsmann verſicherte, während er hinuntergeguckt, um nach der Cabeltaue zu ſehen, habe er ein Gekreiſch in der Luft gehört, als wenn tauſend Teufel ihn foppten, was er dem Conſtabler im Vertrauen ſo erklärte, als ſey es der Schall eines Rufs an Bord der Brigantine geweſen, welche die Gelegenheit wahrgenommen, wo an⸗ dere Schiffe froh waren zu ankern, auf ihre Weiſe den Lauf anzutreten. Es war auch ein Vortopmann Namens Robert Narn, ein Kerl, der Mährchen zu erzählen wußte, wie Scheherezade, der verſicherte nicht allein, ſondern bekräftigte es auch mit vielen unerhörten Schwüren, wie er auf der Vortopſegelſtange gelegen, um den Buſen des Segels zu faſſen, ſey ein ſchwärzliches Weib ihm über'n Kopf geflattert und habe ihm ihr langes Haar ins Ge⸗ ſicht gepeitſcht, daß er die Augen habe zudrücken müſſen, worüber er einen derben Verweis von dem Aufroller be⸗ kam. Der Matroſe, der nächſt Yarn lag, machte den ſchwachen Verſuch, dieſen ſeltſamen Angriff zu erklären, indem er ſich einbildete, das Haar der Meerfrau ſey eine im Winde flatternde Quaſte geweſen, allein ſein Kame⸗ rad, ſeſſen ſein feind der über Geſch wohi mitt! ergal ſicht meiſt mit Schi mehr es Ge⸗ Stunde, 2, und war, s, das keer ge⸗ Ferne Nacht Hoch⸗ t, um iſch in pppten, e, als gantine vo an⸗ ſe den amens wußte, ondern n, wie 2en des über'n 8 Ge⸗ 1 nüſſen, ler be⸗ e den lären, h eine Kame⸗ — 365— rad, der an einem der Ruder des kleinen Bootes ge⸗ ſeſſen hatte, machte ihn mit der Bemerknng ſtill, daß ſein alter Ruf der Wahrhaftigkeit von keiner ſolchen zwei⸗ feinden Erklärung abhänge. Selbſt Tryſail verſuchte in der Conſtablerkammer einige wunderſame Conjecturen über das Schickſal der Brigantine, aber als er von dem Geſchäft zurückkehrte, den kleinen Einlas zu ſondiren, wohin ihn ſein Capitain geſchickt hatte, war er weniger mittheilend und mehr nachſinnend als gewöhnlich. Es ergab ſich aus dem Erſtaunen, welches ſich in dem Ge⸗ ſicht aller Officiere malte, die den Bericht des Pumpen⸗ meiſters mit anhörten, der das Blei abgerollt hatte, was mit Ausnahme des Alderman Van Beverout auf dem Schiff Niemand wußte, daß nämlich dieſer geheime Paß mehr als zwei Faden Waſſer in die Tiefe maß. Achtzehntes Kapitel. „Ihr Herren nehmt jetzt Platz und merkt wohl auf.“⸗ Heinrich IV. Am folgenden Tag hatte das Wetter einen entſchie⸗ denen Charakter. Der Wind ging von Oſten, zwar leicht, doch nicht unſtet. Die Luft hatte das dicke ne⸗ belige Anſehen, welches dem Herbſt dieſes Himmelsſtri⸗ ches beſondes eigen iſt, das man aber auch mitten im Sommer zuweilen hemerkt, wenn ein trockener Wind vom Ocean herweht. Das Wogen der Brandung vom Ufer war regelmäßig und monoton, und die Luftſtrö⸗ mung ſo ſtet, daß jede Beſorgniß eines Wechſels ſchwand. Der Moment, den die Handlung der Erzählung ein⸗ nimmt, ſind die erſten Stunden des Nachmittags. Um dieſe Zeit ſag die Coquette wieder unterm Schutz des Caps vor Anker. Man ſah ein Paar kleine Segel die Bai hinaufziehen, aber die Sonne bot, wie gewöhn⸗ lich in den damaligen Tagen, dem Auge noch nicht die bunte Abwechslung der gegenwärtigen Zeit. Die Fenſter von Luſt in Ruſt waren wieder geöffnet und die Bewe⸗ gune Ann Zeit Com der den lion die teriſ gequ kanm hatt tron Züg ausd wen als unzr nen ger — ſten den, vorh genſ zwei qual ſchla auf.⸗ IV. tſchie⸗ zwar e ne⸗ lsſtri⸗ n im Wind vom ftſtrö⸗ vand. ein⸗ Schutz Segel vöhn⸗ t die enſter zewe⸗ — 307— gungen der Sclaven in und um die Villa verriethen die Anweſenheit ihres Herrn. Der Alderman war in der That in der angegebenen Zeit dort und ſchritt mit Oloff van Staats und dem Commandanten des Kreuzers auf dem kleinen Platz vor der Cour des Fées auf und ab. Man ſah deutlich aus den Blicken, die der letztgenannte öfter auf den Pavil⸗ lion richtete, daß er an die Abweſende dachte, waͤhrend die beiden Andern ſich entweder ergebener in die gebiete⸗ teriſche Ndthwendigkeit fügten, oder weniger von Sorge gequält waren. Wer den Charakter der Perſon näher kannte und ron dem Vorgegangenen genaue Kenntniß hatte, ſchöpfte vielleicht aus der größeren Ruhe des Pa⸗ trons, die mit einer Art geheimnißvoller Belebtheit von Zügen kontraſtirte, die in der Regel ſtille Zufriedenheit ausdrückten, den Argwohn, daß der junge Freier ſich weniger, wie früher mit dem Erbtheil des alten Etienne, als mit dem geheimen Behagen beſchäftige, welches er unzweifelhaft an den ſonderbaren Dingen fand, von de⸗ nen er Zeuge geweſen war. «Was Eigenheit und Willkühr!“ verſetzte der Bür⸗ ger in Antwort auf eine Bemerkung der jungen Männer. — ⸗Ich ſag' es noch einmal und ſag' es zum zwanzig⸗ ſten Mal, daß wir Alida wieder unter uns haben wer⸗ den, ſo ſchön, ſo unſchuldig, ja, und ſo reich wie je vorher!— vielleicht ſollte ich hinzuſetzen— auch ſo ei⸗ genſinnig. Die Kröte, wie ſle ihren alten Onkel und zwei ehrenwerthe Freier auf ſo unperantwortliche Art guälen kann! Die Umſtände, meine Herren,v» fuhr der ſchlaue Kaufmann fort, als er ſah, daß der Werth der 20 ½ 308 Hand, über die er zu disponiren hatte, etwas im Preis gefallen ſey, ⸗die Umſtände haben Ihnen einen Platz in meinem Herzen eingeräumt. Sollte meine Nichte am Ende den Capitain Ludlow als Lebensgefährten vorzie⸗ hen, ſo wüßte ich nicht, warum dieß die Frenndſchaft zwiſchen dem Sohn des alten Stephanus Van Staats und Myndert Van Beverout ſchwächen ſollte. Unſere Großmütter waren Baſen, und es muß Liebe bei einem und demſelben Blute herrſchen.» «Ich möchte durchaus meine Bewerbung nicht fort⸗ ſetzen,» bemerkte der Patron,«wenn das Fräulein einen ſo beſtimmten Fingerzeig gegeben, daß es ihr unange⸗ nehm—» «Zeigt mir keinen Fingerzeig! Nennt Ihr dieſen Eigenſinn des Momentes, dieſes Spaßen mit Wind und Fluthen, wie der Capitain hier ſagen würde, einen Fin⸗ gerzeig? das Mädchen hat normanniſches Blut in den Adern, ſie will die Anbeterei nur würzen. Wenn der Handel ſchon aufhören ſoll, wo der Käufer ein bischen hartnäckig feilſcht und der Verkäufer einen beſſern Markt abwarten will, da könnte Ihre Majeſtät eben ſo mehr ihre Zollhäuſer ganz ſchließen laſſen und ſich nach andern Quellen des Staats⸗Einkommens umſehen. Laßt doch dem Mädchen einmal einen tollen Einfall; ich ſetze den Profit einer Jahresabrechnung in Pelzen gegen dein Zinsbuch, wir ſehen ſie noch ihre Thorheit bereuen und mit Freuden Vernunft annehmen. Meiner Schweſter Kind iſt keine Hexe, die auf dem Beſenſtiel eine Reiſe durch die Welt macht!» « Es iſt eine Sage in unſerer Familie,v ſagte Oloff Preis üz in 2 am orzie⸗ ſchaft taats iInſere einem fort⸗ einen ange⸗ dieſen d und Fin⸗ den der ischen Narkt mehr ndern doch e den dein und veſter Reiſe Oloff — 309— Van Staats, deſſen Augen ſich geheimnißvoll belebten, während er ſich Mühe gab, über die Wunderlichkeit der Mähr zu lachen,«und die große Ponghkeepſie, die Wahrſagerin, hat es vorhergeſagt, daß ein Patron von Kinderhook ſich mit einer Hexe verheirathen werde. So ſollte es mich gar nicht wundern, wenn ich la belle in der von Euch beſchriebenen Poſition erblickte.“ «Die Prophezeihung hat ſich ſchon mit der Heirath deines Vaters erfüllt,“ brummte Van Myndert, der ungeachtet der Leichtigkeit, womit er den Gegenſtand dem Anſchein nach behandelte, ſich doch nicht ganz frei wußte vom geheimen Glauben an ſolche Wahrſagerinnen der Provinz, von denen einige ſich in hohem Rufe er⸗ hielten, ſelbſt bis zum Schluß des vorigen Jahrhunderts hinaus.«Sein Sohn wäre ja ſonſt kein ſo ſchmucker Junge geworden! Aber da ſeht den Capitain Ludlow, der ſchant ins Meer hinaus, als ob er eben darauf warte, meine Nichte wie eine Meerfey aus dem Waſſer ſteigen zu ſehen.» Der Commandant der Coquette deutete auf den Gegenſtand, der ſeine Aufmerkſamkeit beſchäftigte und ſeiner Erſcheinung nach durchaus nicht gemacht war, den Glauben ſeiner beiden Gefährten an übernatürliche Ein⸗ flüſſe zu ſchwächen. Es wurde vorhin bemerkt, daß der Wind trocken und die Luft etwas nebelhaft oder vielmehr mit einem dünnen Flor ſo überzogen war, daß ſich das Tageslicht in einen düſtern dampfenden Schein verzog. In einem ſolchen Zuſtande der Atmoſphäre iſt das Auge, beſon⸗ ders wenn man auf einer gewiſſen Höhe ſteht, nicht im — 310— Stande den Strich zu unterſcheiden, welcher der ſicht⸗ bare Horizont zur See genannt wird. Die beiden Ele⸗ mente verwiſchen ſich ſo in einander, daß der Blick nicht beſtimmen kann, wo das Waſſer aufhört und die Him⸗ melswölbung beginnt. Es iſt eine Folge dieſer Undeut⸗ lichkeit, daß alle Gegenſtände, die man über der ver⸗ meintlichen Waſſergränze erblickt, den Anſchein haben, als ſchwebten ſie in der Luft. Dem Auge eines Land⸗ bewohners wird es ſchwer, über die anſcheinende Gränze des Meeres hinaus zu dringen, wenn die Atmoſphäre dieſe Eigenthümlichkeit beſitzt, während das geübte Auge des Seemanns oft Schiffe entdeckt, wo andere nichts ſehen können, weil ſie den rechten Fleck verfehlen. Die Täuſchung mag daher durch eine kleine Lichtbrechung un⸗ terſtützt werden. * Hier,» ſagte Ludlow, indem er auf einen Koͤrper deutete, den das Waſſer auf zwei bis drei Seemeilen hinaus zeigte,«bringt einmal den Schornſtein jenes niedern Gebändes auf der Ebene da mit der abgeſtorbe⸗ nen Eiche an der Küſte zuſammen, und dann erhebt den Blick ſachte, ſo werdet ihr ein Segel ſehen.» «Das Schiff fährt im Himmel!» rief Myndert. „Deine Großmutter war ein reizbares Weib, Patron; ſie war die Baſe meines frommen Vaters, und man kann unicht wiſſen, was zwei ehrbare alte Frauen zu ihrer Zeit geſehen und gehört haben, wenn man ſo etwas in unſern Tagen ſieht!» «Ich bin ſo wenig wie ein Anderer geneigt, mich auf unglaubliche Dinge einzulaſſen,» erwiederte ernſt Oloff Van Staats,«doch wenn mein Zeugniß hier be⸗ gehrt daß heit als e Sege wird fried⸗ und Bode der einig Verf ſich des quett inder Miet in d gebr je s werd de Mon mer ſu b ſicht⸗ Ele⸗ nicht Him⸗ deut⸗ ver⸗ aben, Land⸗ ränze häre Auge lichts Die un⸗ örper heilen jenes orbe⸗ den dert. ron; man n zu twas mich ernſt be⸗ gehrt wird, kann ich mich nicht entſchließen zu ſagen, daß jenes Schiff nicht in dem Himmel fährt!» «Dann werdet Ihr kein Zeugniß nach der Wahr⸗ heit abgeben,» ſagte Ludlow.«Es iſt kein ander Ding als eine halb aufgetakelte Brigantine, mit nur wenigen Segeln. Herr Van Beveront, Ihro Majeſtät Kreuzer wird ſogieich in See ſtechen.». Myndert hörte dieſe Erklärung mit ſichtbarer Unzu⸗ friedenheit. Er ſprach von der Trefflichkeit der Geduld und von den Vortheilen eines ſoliden Grundes und Bodens; als er aber ſah, daß die Abſicht des Dieners der Königin nicht zu erſchüttern ſey, ſo willigte er mit einigem Widerſtreben in das Unternehmen eines zweiten Verſuchs wie am geſtrigen Tage. Demzufolge befand ſich die Geſellſchaft in einer halben Stunde au den Ufern des Schrewsbury, im Begriff ſich in die Barke der Co⸗ quette einzuſchiffen. Adieu, Monsieur François,» ſagte der Alderman, indem er dem alten Diener zunickte, der mit troſtloſer Miene an der Küſte ſtand. Geb Er auf die Mobilien in der Cour des Fées Achtung; ſie werden wohl bald gebraucht werden.» «Mais, Monsieur Biber, mon devoir, et ma foi je suppose la mèr ſeyn plus agréable; mon désir werden ſeyn, zu folg Mam'selle Alide. Jamais personne de la famille Barbérie aben geliebt der See; mais Monsieur, comment faire! Ick werden ſterv sur la mer de douleur; un ick werden ſterv vor die Langerweil, ſu bleib igi, bien sür!» „ So kommt, treuer Frangois,» ſagte Ludlow. Ihr ſollt Eurer jungen Herrin folgen und vielleicht, wenn Ihr's weiter verſucht, ſchmeckt Euch das Leben von uns Seelenten beſſer, als es wohl früher ſchien.» Nach elnem beredten Ausdruck der Züge, worin die heimlich beluſtigte, doch äußerlich ehrbar blickende Mann⸗ ſchaft des Bootes eine Ahnung von den Leiden des alten Mannes bekam, betrat der zärtliche Diener die Barke. Ludlow hatte Mitleid mit ſeiner Angſt und ermuthigte ihn mit einer aufmunternden Miene. Die Sprache der Gütigkeit bedarf nicht immer der Worte, aber das Ge⸗ wiſſen des Dieners quälte ſich mit der Vorſtellung, daß er ſich doch zu ſtark über einen Beruf ausgedrückt habe, dem jener ſein Leben und ſeine Hoffnungen widmete. «La mer, Monsieur le capitaine,» ſagte er mit ehrerbietiger Anerkennung, est un vaste théeätre de la gloire. Voilà Messieurs de Tourville et Dougay Trouin; ce sont des hommes vraiment remarquables! mais Monsicur, quant à toute la famille de Barbérie, aben wir toujour geabt un sentiment plus favorable pour la terre.» «Ich wollte, Mosjeh Franz, Sein herzhaftes Fräu⸗ lein Grillenfängerin theilte Sein Sentiment,» bemerkte Mondert trocken:«denn ich muß Ihm ſagen, das Um⸗ herkreuzen in einem verdächtigen Schiff flößt ſo weuig Vertrauen auf ihren geſunden Verſtand ein, als— Munter, Patron, das Mädchen ſetzt nur deinen Muth auf die Probe und die Seeluft wird ihrem Teint und ihrer Börſe keinen Schaden thun. Ein wenig Vorliebe für's Salzwaſſer muß, denk' ich, Ihre Neigung zu dem Mädchen erhöhen, Capitain Ludlow.⸗» 46 Eleme wort. tänſcht den: Ihre Männ T unterl leute war a daß e hatte, von d gelegt 2 am 6 Hook alten und ſ weſt. «das mit fernt. entha Sch geht Brig⸗ Schö luftig Ruth und liebe dem ——— „Wenn die Vorliebe ſich nicht weiter als auſ's Element erſtreckt! allerdings;» war die kauſtiſche Ant⸗ wort. Aber betrogen oder nicht, fehlend oder ge⸗ täuſcht, Alida Barberie darf nicht aufgegeben wer⸗ den: dieſes Opfer der Ränke eines Elenden. Ich liebte Ihre Nichte, Herr Van Beverout und— rüſtig, ihr Männer, ſchlaft Ihr an den Rudern, Burſche?» Die plötzliche Art, wie der junge Mann ſich ſelbſt unterbrach und der tiefe Ton, in welchem er die Boots⸗ leute anredete, machten dem Geſpräch ein Ende. Es war augenſcheinlich, daß er nicht mehr ſagen wollte und daß er ſelbſt die Schwäche bereute, die ihn verleitet hatte, ſchon ſo viel zu ſagen. Die übrige Entfernung von der Küſte bis zum Schiff wurde ſchweigend zurück⸗ gelegt. Als der Kreuzer der Königin Anna«nach Mittag am 6 Juni(See⸗Rechnung) im Jahr 17—— Sandy Hook umfuhr, war der Wind,⸗ ſo heißt es in einem alten Schiffsjournal, das einer der Seecadetten führte und ſich noch vorfindet,«ſtets ſüdlich, bei⸗weſt⸗halb⸗ weſt.“ Es ergibtsſich aus demſelben Documente, daß «das Schiff um 7 Uhr abfuhr, die Spitze Sandy Hook mit der Richtung weſt⸗halb⸗ſüd, drei Seemeilen ent⸗ fernt.“ Auf demſelben Blatt, welches dieſe Notizen enthält, lieſ't man unter der Rubrick Bemerkungen:— «Schiff unter Rechtſeit⸗Steuerſegeln, vorn und hiuten, geht ſechs Knoten. Eine verdächtige halbaufgetakelte Brigantine, im öſtlichen Bord liegend, unter ihrem Schönfahrſegel, mit Vortopſegel zum Maſt, leichte und luftige Segel und Jib ſchlaff, Vorderſegel in den Be⸗ — 314— ſchlagleinen. Ihre Rechtſeit⸗Steuerſegelſtangen erſchei⸗ den ganz abgetakelt, das ganze Gerüſt wie ein Streifer auf den Angriff gefaßt. Dteſes Fahrzeug ſoll der fa⸗ möſe Hermaphrodit, die Waſſernixe ſey, unter den Be⸗ fehlen des berüchtigten Tummlers der Meere, derſelbe der uns geſtern ſo ſeltſam entwiſchte. Der Herr ſende uns eine Kappe voll Wind und wir wollen ihm noch vor Morgen die Ferſen proben!— Paſſagiere: Alder⸗ man Van Beverout, vom zweiten Viertel der Stadt Neu⸗York in Ihro Majeſtät gleichnamiger Provinz; Oloff Van Staats, Landedelmann, gewöhnlich geuannt Patron von Kinderhook, aus derſelben Colonie, und ein ſeekrank ausſehender alter Maulaffe, in einer Art Seemanns⸗Jacke, der auf den Ruf„Franz» hört. Einen Schluck Rum genommen alle zuſammen, obwohl ſie ſich mehr des Capitains Guſto zu bequemen ſcheinen. Anm. Jeder Schwall der Wogen wirkt wie Brechwein⸗ ſtein auf den Burſchen im Seehabit.» Da eine Beſchreibung, die wir geben könnten, die Stellung der beiden Schiffe zu genannter Zeit nicht ge⸗ nauer bezeichnen wüͤrde, als der hier mitgetheilte Aus⸗ zug, ſo nehmen wir nun erſt den Faden, und zwar zu der Tagszeit wieder auf, die der Leſer, wenn er den dreiunddreißigſten Breitegrad und den Monat Juni be⸗ denkt, für bald nach Einbruch der Nacht erkennen wird. Der junge Bekenner Neptuns, deſſen Beobachtungen wir ſo eben niedergeſchrieben haben, hatte ſich auf ſeine Ortskenntniß verlaſſen, als er die Diſtanz und Lage des Caps, da die niedre ſandige Spitze nicht mehr ſichtbar war, vom Verdeck aus beſtimmte. Die Sonne war, v des Re veſink nannt breitete allem einer 2 kommt hin, ſtuͤcke ſeiner ſtigſten Zwieli hinaus heute Seem len de zeug ſchönen ſtigſten Wind durch ſah L theilu rigen ger ü Matte erſchei⸗ treifer der fa⸗ n Be⸗ erſelbe ſende nnoch Alder⸗ Stadt vvinz; nannt und r Art hört. bwohl einen. wein⸗ „ die bt ge⸗ Aus⸗ ar zu den ii be⸗ wird. ingen ſeine Lage mehr vonne — 315— war, vom Schiff herab geſehen, grade in der Mündung des Rariton untergegangen und die Schatten von Na⸗ veſink oder Neverſink, wie die Anhöhen gewöhnlich ge⸗ nannt werden, fielen weit in die See hinaus. Jetzt breitete ſich allmählig die Nacht um das Schiff, mit allem Anſchein eines ruhigen milden Wetters, doch mit einer Dunkelheit, wie ſie auf dem Ocean ſelten vor⸗ kommt. Unter dieſe Umſtänden war es die große Auf⸗ gabe, die Spur des Wildes nicht zu verlieren, ſo lange es den Augen entzogen blieb. Ludlow ſchritt in dem Gehweg unterm Winde da⸗ hin, lehnte ſich mit dem Ellbogen an die freien Matten⸗ ſtucke an und ſah lange ſchweigend nach dem Gegenſtand ſeiner Jagd hinaus. Die Waſſernire lag in der gün⸗ ſtigſten Richtung, um noch bemerkt zu werden. Das Zwielicht, das ſchwach am Himmel dämmerte, gab dort⸗ hinaus keine Blendung und nun ſah er die Brigantine heute zum erſten Mal in ihren wahren Proportionen. Seemänniſche Bewunderung war mit den andern Gefüh⸗ len der jugendlichen Seele gemiſcht. Das feindliche Fahr⸗ zeug war in einer Stellung, welche den ausnehmend ſchönen Rumpf und die nachläßige Auftakelung im gün⸗ ſtigſten Lichte zeigte. Das Vordertheil ſtand in den Wind gegen den Verfolger gewandt, und als der Bug durch eine der ungewöhnlich ſchweren Wellen heraufſtieg, ſah Ludlow das geheimnißvolle Bildniß an der Waſſer⸗ theilung oder glaubte es zu ſehen, wie es dem Neugie⸗ rigen das Buch entgegen hielt und immer mit dem Fin⸗ ger über die Waſſerwüſte hinwies. Eine Bewegung der Matten machte, daß der junge Mann den Kopf etwas — 316— drehte, und nun ſah er, daß der Patron ſich ihm ſo nahe geſtellt, als es der Dienſt zuließ. Ludlow hatte große Achtung vor den Eigenſchaften, die dieſer Subal⸗ tern unbezweifelt beſaß und hegte Mitgefühl in der Be⸗ trachtung ſeines Schickſals, welches nicht viel gethan hatte, um die Entbehrungen und Dienſte eines See⸗ mannes zu belohnen, der recht wohl ſein Vater ſeyn konnte. Die Betrachtung dieſer Umſtände machte ihn immer freundlich gegen einen Mann, der außer ſeinem ächten Seemanns⸗Charakter und ſeiner langen Erfah⸗ rung wenig Empfehlendes beſaß. 2 «Wir werden wahrſcheinlich dicke Nacht kriegen, Meiſter Tryſail,» ſagte der junge Capitain, ohne ſeine Stellung zu aͤndern, und wir können noch am Bug⸗ ſpriet zu thun bekommen, bis wir jenen Unverſchämten habhaft werden.» 3 Der Patron lächelte, als wiſſe er mehr als er ſage, und ſchüttelte ernſthaft den Kopf: «Wir werden noch manchen Ruck am Bugſpriet thun und ein bischen die Raen hin und her zu richten bekommen, bevor die Coquette(das Bruſtbild des Kriegs⸗ ſchiffes war auch eine weibliche Figur) dem ſchwärzlichen Weibsbild unterm Bugſpriet der Brigantine nahe ge⸗ nug iſt, um ihm was in die Ohren zu ſagen. Sie und ich ſind ihr ſchon ſo nah gekommen, ihr das Weiße im Auge zu ſehen und die Zähne zu zählen, in dem ver⸗ ſchmitzten Grinzen, und was hat uns der Beſuch ge⸗ nützt! Ich bin nur ein Subaltern, Capitain Ludlow, und ich kenne meine Pflicht zu gut, daß ich nicht ſchwiege, wenn ein Sturm kommt, und ich weiß wohl, daß ich nicht zu nungen und da den vor die ich Leute 6 Schiff mit E 44. Weib — abe Sturn währen Ihre zu laf und de Coque ich wi & &. in der 60 das 2 60 zähler von u tiefer Niem iſt, de hm ſo hatte Subal⸗ er Be⸗ gethan See⸗ ſeyn te ihn ſeinem Erfah⸗ iegen, 2 ſeine Bug⸗ ämten rſage, gſpriet eichten rriegs⸗ Zlichen he ge⸗ e und ße im ver⸗ h ge⸗ dlow, vwiege, aß ich V b — 317— nicht zu reden habe, wenn mein Commandant die Mei⸗ nungen ſeiner Officiere als Schiffsrath vernehmen will, und darum iſt die meinige grade jett vielleicht verſchie⸗ den von dem was einige Andere auf dem Schiff denken, die ich nicht nennen will und die wohl auch ganz brave Leute ſind, aber keine von den älteſten.» «Und was iſt deine Meinung, Tryſail?— das Schiff thut ſeinen Dienſt brav und trägt ſeine Segel mit Ehren!» „Das Schiff hält ſich wie ein wohlerzognes junges Weib in Gegenwart der Königin, beſcheiden und geſetzt — aber was nutzen Segel bei einer Jagd, wo Hexerei Sturmwind macht und dem einen Schiff die Segel kürzt, während ſie dem andern fliegende Drachen gibt! Wenn Ihre Majeſtät die Königin ſo dumm wäre, ſich bereden zu laſſen, dem alten Tom Tryſail ein Schiff zu geben und dieſes Schiff läge grade auf dieſer Straße, wo bie Coquette ſo munter daher lauft, nun, bei meinem Dienſt, ich wüßte wohl, was ihr Commandant thäte— «Nun— und 2» «Dran, mit den Studding⸗Segeln und das Schiff in den Wind!» «Das würde Euch nach Süden führen, ſtatt daß das Wild hier im öſtlichen Bord liegt.» «Wer kann fagen, wie lang es dort liegt? Sie er⸗ zählen uns da in York, es hätte ſich ein Franzmann von unſerm Gewicht und Metall unter den Fiſchern dort tiefer hinab an der Küſte herumgetummelt. Na, Herr, Niemand weiß beſſer als ich, daß der Krieg halb vorbei i*ſt, denn kein Pfennig Priſengeld hat mir ſeit drei Jah⸗ — 318— ren die Taſchen gewärmt;— doch, was ich ſagen wollte, wenn ein Franzmann von ſeinem Grund geht und ſein Schiff in unruhiges Waſſer jagen will,— weſſen Schuld iſt's als ſeine eigene! Schön Ding käm bei ſo einem Mißverſtand heraus, Capitain Ludlow; denn der Bri⸗ gantine dort nachzurennen, iſt der Königin Leinwand umſonſt zerreißen. Der Schiffsboden muß auch, nach meiner geringen Meinung, einen friſchen Überzug haben, ehe wir ſie fangen.» «Ich weiß nicht, Tryſail,» verſetzte der Capitain, indem er in die Höhe ſah,«alles iſt in ſeinem Zug, und das Schiff iſt noch nie ſo gut und leicht gegangen. Wir können das gar nicht wiſſen, wer die längſten Beine hat, bis der Wettlauf geſchehen iſt.» « Sie mögen die Hurtigkeit des Kerls ſchon aus ſei⸗ ner Unverſchämtheit abnehmen. Da liegt er und paßt uns auf wie ein Linienſchiff, das den Feind erwartet. Ich bin ein Mann von ein bischen Erfahrung, aber ich habe nie einen Lordsſohn geſehen, der ſein Glück ſo ge⸗ wiß vor Augen gehabt, wie ſich die Brigantine auf ihre Ferſen zu verlaſſen ſchien! Wenn der alte Franzmann mit ſeiner Keckheit ſo fortmacht, ſo kehrt er ſich ſein Inneres heraus und dann kriegen wir ehrlicher Weiſe was zu ſehen, denn die Burſche hängen nie ihren wah⸗ ren Charakter über Bord wie ein rechtſchaffner Englän⸗ der.— Ja, Herr, wie ich ſage, der Räuber da, wenn er ein Räuber iſt, ſetzt ſein Heil mehr auf ſeine Lein⸗ wand, als auf die Kirche. Ich zweifle gar nicht, Capi⸗ tain Ludlow, daß die Brigantine durch den Paß geſtri⸗ chen iſt, wie wir geſtern an unſern Topſegeln waren, denn felsreit mit eie lich iſt noch, was i und ſi einen als da den la nur zu «. der gu ter Ke alte NM ben, mand denen, Wimp kann bin. Bord ſo ſchö . und be 66 brauch glaube junge wollte, nd ſein Schuld einem er Bri⸗ inwand „ nach haben, pitain, g, und . Wir ne hat, aus ſei⸗ d paßt wartet. ber ich ſo ge⸗ uf ihre zmann ch ſein Weiſe wah⸗ nglän⸗ wenn Lein⸗ Capi⸗ geſtri⸗ varen, — 319— denn ich bin keiner von denen, die gleich auf die Ten⸗ felsreitereien was geben, und dann hab' ich den Paß mit eigner Hand ſondirt und weiß, daß das Ding mög⸗ lich iſt, wenn der Wind tüchtig ins Taffarell bläſt; den⸗ noch, Herr, Menſchenkräfte ſind Menſchenkräfte, und was iſt der älteſte Seemann anders als ein Menſch! und ſo mache ich den Schluß, ich will lieber alle Tag einen Franzmann jagen, von dem ich weiß, wie er rennt, als daß ich wage, Läufe zu machen, achtundvierzig Stun⸗ den lang, ſo einem Flatterer nach, ohne die Hoffnung, nur zum Anrufeu in ſeine Nähe zu kommen.» «Ihr vergeßt, Meiſter Tryſail, daß ich an Bord der guten Priſe war und von ihrem Bau und Charak⸗ ter Kenntniß habe.» «Sie ſagen ſo viel hier an Bord,» verſetzte der alte Matroſe, indem er ſich, von ſtarker Neugier getrie⸗ ben, an ſeinen Capitain herandrängte,«obgleich Nie⸗ mand mit dem Räheren bekannt iſt. Ich bin keiner von denen, die unverſchämte Fragen thun, beſonders unterm Wimpel Ihro Majeſtät, denn mein ſchlimmſter Feind kann mir nicht nachſagen, daß ich ein weibiſcher Kerl bin. Man ſollte jedoch meinen, das Ding wäre au Bord ganz ſauber beſchaffen, da es in den Waſſerlinien ſo ſchön geformt iſt?» «Die Brigantine iſt vollkommen in ihrer Bauart und bewunderungswürdig im Maſtenwerk.» «So war mir's in den Knochen! Ihr Befehlshaber braucht aber darum nicht hochmüthig zu ſeyn und zu glauben, daß ſie allen Klippen entgeht. Die ſchönſte junge Frau in unſerm Kirchſpiel litt ſo zu ſagen Schiff⸗ bruch an den Bänken ihres eignen ſchönen Geſichts, da ſie zu oft in Geſellſchaft von des Squire's Sohn kreuzte. Ein ſchönes Weibsbild war ſie, obſchon ſie an allen ih⸗ ren alten Bekannten vorbeiſegelte, wie der junge Guts⸗ herr einmal in ihrem Strich war. Nun ſie hielt ſich brav genug, Herr, ſo lang ſie ihre Drachen fliegen laſſen konnte und den Wind benutzen nach Möglichkeit; aber wie das Ungewitter, das ich meinte, über ſie hereinbrach, was konnte ſie da beſſeres thun, als ſich davon machen, und wie Andere, die gepackter ſind in ihrer Moral, wenn ſte in ſtürmiſche See geworfen werden, unter den Sturm⸗ ſegeln der Religion und ſolcher Sachen, wie man ſie in dem Katechismus zuſammenklaubt, trieb ſie windab von aller honetten Geſellſchaft! Ja, ein ſauber gebautes und flottes Weibsbild war die Dirn, und ich weiß war⸗ lich nicht, ob Frau Tryſail ſich jetzund die Frau eines königlichen Officiers nennen könnte, hätte Jene gewußt, wie man die Segel ſtellt und ſich mit ſeinen Oberen gut hält.» Der würdige Meiſter Tryſail holte tief Athem, wel⸗ ches vielleicht ein Seemanns⸗Seufzer war, der aber in ſeiner Kraft mehr von dem Nordwind, als von dem Ze⸗ phyr hatte; er nahm zu der kleinen blechernen Doſe ſeine Zuflucht, die gewöhnlich ſeine Tröſterin war. «Ich hörte früher von dieſem Vorfall,» verſetzte Ludlow, der als Seecadet auf demſelben Schiff gedient hatte, wo ſein jetziger Subaltern ihm vorgeſetzt war. „Aber nach allem, was ich höre, habt Ihr wenig Ur⸗ ſache, den Wechſel zu beklagen, da ich Eure jetzige Fran ſehr rühmen höre. im Se mande auszul nicht, zu G ten z1 Schiff Bord wandte den 2 Schull 6 unſere halten ſagen ten ſich ſeinem nimmt ich für Menſch Die§ Verſta Gott vor da der G einen pitain Admir Contre nen S urtheil Fänger wollte als die Franzt 58 s, da reuzte. len ih⸗ Guts⸗ lt ſich laſſen aber abrach, nachen, wenn Sturm⸗ ſie in ab von bautes 3 war⸗ eines ewußt, en gut 7, wel⸗ ber in em Ze⸗ e ſeine erſetzte gedient war. ig Ur⸗ 2 Fran —— Mit Recht, Herr, mit Recht. Ich heiße jeden im Schiff einen Lügner, der da ſagt, ich verketzere Je⸗ manden, ſey es auch meine eigne Frau, mit der ich gut auszukommen eine Art geſetzliches Recht habe. Ich klage nicht, ich bin ein glücklicher Mann zur See und hoffe zu Gott, Frau Tryſail weiß ſich zu Haus in ihre Pflich⸗ ten zu ſchicken.— Sie ſehen gewiß, Herr, wie das Schiff dort ſeine Raen gezogen und ſein Vortack an Bord genommen hat.» Ludlow, der kein Auge von der Brigantine ver⸗ wandte, nickte bejahend; der Patron überzeugte ſich durch den Augenſchein, daß jedes Segel der Coquette ſeine Schuldigkeit thue und fuhr fort— «Die Nacht kommt dick herein und wir werden Alle unſere Augen brauchen, den Schuft im Geſicht zu be⸗ halten, wenn er ſeine Figur ändert— aber, was ich ſagen wollte, wenn der Commandant jener Halbgetakel⸗ ten ſich auf ihre Schönheit was einbildet, ſo kann er in ſeinem Stolz noch Schiffbruch leiden! Der Burſche nimmt ſich deſperat gut für einen Schmuggler, wiewohl ich für meinen Theil nicht ſagen kann, daß ich dieſe Menſchen ſo ſcheel anſähe, wie manche Andere es thun. Die Handelſchaft ſcheint mir eine Art Jagd zu ſeyn, ein Verſtand jagt den andern und der dämiſche Segler mag Gott danken, ſich windab fortzuhelfen. Wenn die Sache vor das Zollamt gelangt, nun ſo iſt der, der durchkommt, der Glückliche, wer gefangen wird, die Priſe. Ich kenne einen Flaggen⸗Officter, der den andern Weg ſieht, Ca⸗ pitain, wenn ſeine Effecten zollfrei eingehen, und Ihre Admiralsfrau gar, die iſt eine große Beſchützerin der Contrebande. Ich läugn' es nicht, Herr, daß man ei⸗ nen Schmuggler einfangen, und wenn man ihn hat, ver⸗ urtheilen, und dann eine ordentliche Theilung unter den Fängern erlauben muß; aber was ich eigentlich ſagen wollte, es gibt noch ſchlechtere Menſchen in der Welt, als dieſe brittiſchen Schmuggler— ſo zum Beiſpiel die Franzmänner, die Holländer und die Don's.⸗» 58— 60. 21 — 222— «Das ſind ketzeriſche Anſichten für einen Diener der Königin,» ſagte Ludlow, der nicht wußte, ob er lächeln oder ſich ärgern ſollte. «Ich hoffe, ich verſtehe meinen Dienſt, daß ich ſo was nicht dem Schiffsvolk predige, aber ein alter Seeſoldat kann ſchon auf eine philoſophiſche Art vor ſeinem Capi⸗ tain ſagen, was er einen Seecadetten nicht merken läßt. Ich bin zwar kein Advocat, aber ich weiß, was es ſagen will, Zeugniß geben für die Wahrheit, und nur für die Wahrheit. Ich wollte, die Königin hörte ſie einmal, Gott ſegne Ihre Majeſtät! manche geflickte Schiffe wür⸗ den dann abgedankt und beſſere an die Stelle geſchickt. Aber Herr, um die Sache von der religiöſen Seite an⸗ zuſehen, was iſt wohl für ein Unterſchied in dem Herein⸗ bringen eines Koffers mit Putz, wo der Name einer Herzogin auf dem Meſſingbeſchlag ſteht, und im Herein⸗ bringen von einem Kutter voll Wachholderbranntwein 2 «Man ſollte doch denken, ein Mann von Euern Jahren wüßte den Unterſchied der Abgabe von einer Guinee und der von tauſend Pfund beſſer zu ſchätzen.» «Es iſt eben der Unterſchied von Klein⸗ und Groß⸗ handel, und es iſt kein Spaß, das meine ich, Capitain Ludlow, in einem Handelsland, beſonders unter honetten Leuten. Ja, Herr, der Zoll iſt des Landes Recht und darum gebe ich zu, daß ein Schmuggler ein ſchlechter Kerl iſt, nur noch nicht ſo ſchlecht wie die ich eben nannte, beſonders die Holländer! Die Königin hat Recht, wenn ſie dieſe Schufte ihre Flaggen abnehmen läßt in den klei⸗ nen Meeren, die ihr rechtes Eisenthum ſind, weil Eng⸗ land eine reiche Inſel und Holland nichts als ein bischen Moor iſt, das man trocken gelegt hat; darum iſt es ver⸗ nüuftig, daß wir auf dem Meer das Commando führen. Nein, Herr, ob ich zwar kein Schreier bin gegen einen armen Menſchen, der Unglück gehabt bei einer Jagd mit einem Revenue⸗Kutter, ſo denke ich doch zu wiſſen, was die natürlichen Rechte eines Engländers ſagen wollen. Wir müſſen hier Meiſter ſeyn, Capitain Ludlow, kutt ki ku Finge Stac Capi ziehu etwa mein eines die gera enten weig koth und mach rige iſt, woll ſehe ſetzt ECap r der icheln was oldat Capi⸗ läßt. ſagen r die imal, wür⸗ hickt. e an⸗ erein⸗ einer rein⸗ in 25 zuern einer en.» Broß⸗ itain etten und ichter nnte, venn klei⸗ Eng⸗ Schen ver⸗ hren. einen mit was llen. kutt — 323— ki kutt, und dem Handel und den Manufacturen auf die Finger ſehen.» «Ich dachte nicht, daß Ihr ein ſo ausgemachter Staatsmann wäret, Meiſter Tryſail!“ «Ich bin zwar nur eines armen Mannes Sohn, Capitain Ludlow, aber ein freier Britte und meine Er⸗ ziehung iſt nicht ganz vernachläſſigt worden. Ich glaube etwas von unſerer Verfaſſung zu verſtehen, ſo gut wie meine Obern. Ehre und Gerechtigkeit iſt das Motty eines Engländers, und ſo müſſen wir wie Männer auf die Veränderungen ſehen. Wir ſind keine windigen Schwätzer, ſondern ein räſonnirendes Volk, und es fehlt gar nicht an tiefen Denkern auf der Inſel und darum, Herr, alles in eins zuſammengefaßt, England muß auf ſeine Rechte halten! Da iſt zum Beiſpiel der Holländer, ein entſetzlicher Vielfraß, ein Kerle deſſen Gurgel weit genug iſt, um des Großmoguls Schäte, wenn er daran käme, zu verſchlingen, und dabei doch ein Vagabund, der nicht einmal einen feſten Fuß auf der Erde hat, um die reine Wahrheit zu ſagen! Ei, Herr, ſoll denn England ſeine Rechte einer ſolchen Na⸗ tion von Flegeln aufopfern? Nein, lieber Herr; unſere ehrwürdige Conſtitution und Mutterkirche verbietet das geradezu, und daher ſage ich, Gott verdamme mich, entert ſie, wenn ſie uns unſere naturlichen Rechte ver⸗ weigern, oder ſagt es nur, ſo wollen wir hinab zu ihrem kothigen Tummelplatz.» «Wie ein Landsmann des großen Newton geſprochen, und mit einer Beredſamkeit, die einem Eicero Ehre machte! Ich will verſuchen, Eure Gedanken mit gehö⸗ riger Muße zu verarbeiten, da es zu mächtige Speiſe iſt, um in einer Minute damit fertig zu werden. Wir wollen jetzt dem wilden Thier da aufzupaſſen, denn ich ſehe mit Hülfe meines Glaſes, daß es die Segel einge⸗ ſetzt hat und drauf los zu laufen anfängt.» Dieſe Bemerkung ſchloß das Geſpräch zwiſchen dem Capitain und ſeinem Untergebenen. Der Letztere verließ 21* — 324— den Gehweg mit der geheimen glücklichen Empfindung, daß er ſich eines Stroms tiefer Gedanken rühmlich ent⸗ ledigt habe. Es war wirklich an der Zeit, den Bewegungen der Brigantine alle Aufmerkſamkeit zu ſchenken, denn man konnte ziemlichen Grund zu der Beſorgniß ſchöpfen, ſie werde in der Dunkelheit ihre Richtung ändern und den Feind auf dieſe Art täuſchen. Die Nacht brach immer dunkler herein, ſo daß ſich jeden Moment der Horizont um die Coquette verengte und die Matroſen oben nur in Zwiſchenräumen die Lage des feindlichen Schiffes zu erkennen im Staude waren. Als beide Schiffe ſich in dieſer Tes⸗ befanden, ging Ludlow zu ſeinen Gäſten auf's Kurzdeck. 4 Ein weiſer Mann verläßt ſich auf ſeine Klugheit, wo Gewalt nichts mehr ausrichtet,» ſagte der Alder⸗ man. Ich mache keine Anſprüche darauf, ein Seemann zu ſeyn, Capitain Ludlow, obgleich ich einmal eine Woche in London war und ſchon ſtebenmal die Reiſe nach Hol⸗ land gemacht habe. Wir thaten auf unſeren Fahrten nichts, um es zu forciren. Wenn die Nächte ſchwarz wurden, wie jetzt, ſo begnügten ſich die ehrlichen Schif⸗ fer, auf beſſer Wetter zu warten, wir waren dadurch verſichert, unſern Weg nicht zu verlieren und endlich in dem beſtimmten Hafen einzulaufen.» Ihr ſaht, daß die Brigantine die Leinwand auf⸗ wickelte, als wir ſie zuletzt erkannten, und wer von der Stelle rücken will, muß die Segel dranſetzen.» «Niemand weiß, was im Himmel gebraut wird, wenn man keine Farbe an den Wolken erkennt. Ich habe wenig Begriffe von dem Tummler der Meere, auſ⸗ ſer was das Gerede von ihm ſagt, aber nach dem gerin⸗ gen Urtheil eines Landbewohners möchten wir wohl beſ⸗ ſer thun, wenn wir an verſchiedenen Stellen Laternen anzündeten, damit kein heimſegelndes Schiff wider uns rennt, und wenn wir mit weiteren Bewegungen bis zum Morgen warteten. — 6. verſche einlad allen Kreu; Geht gel. S der 2 alle E zogen allgen 4 über wohl ihrer inem Leucht anſtre gejagt trauer ſanft 6 dämp nicht Halt! wahr heit h ſtecken 6 Luff, abkon ſie ree die K die Kerls dort wiſſen gewiß nicht, wie wir ſtehen!“ = 325— «Die Mühe wird uns geſpart, denn ſeht, der Un⸗ verſchämte ſteckt ſelbſt eine Laterne auf, als wolle er uns einladen, ihm nachzukommen! Dieſe Keckheit überſteigt allen Glauben! Es zu wagen, mit einem der ſchnellſten Kreuzer der engliſchen Flotte ſo ſeinen Spott zu treiben! Seht, ob alles zieht, meine Herren, und richtet die Se⸗ gel. Fragt hinauf, ob ſie alles im Stande haben.» G Dem Befehyl folgte die Stimme des Officiers von der Wache, welcher der Anweiſung gemäß fragte, ob alle Segel ausgeſpannt ſeyen; einige Taue wurden ange⸗ zogen und dann folgte auf die augenblickliche Erregung allgemeine Stille. Die Brigantine zeigte wirklich ein Licht, als ob ſie über den Verſuch des königlichen Kreuzers ſpotte. Wie⸗ wohl heimlich ärgerlich über dieſe offenbare Verachtung ihrer Eile, ſahen ſich die Officiere der Coquette jetzt von inem mißlichen und änugſtlichen Dienſt erlöſt. Ehe dieſe Leuchte ſie führte, mußten ſie ihre Sinne auf's Außerſte anſtrengen, um dann und wann einmal die Stellung des gejagten Schiffes zu entdecken, während ſie nun ver⸗ trauensvoll auf den kleinen Stern losſegelten, welcher ſanft mit den Wogen ſtieg und ſank. «Ich meine, wir nähern uns ihm,» ſprach mit ge⸗ dämpfter Stimme der ungeduldige Capitain;«ſeht Ihr nicht an den Seiten der Laterne etwas von Zeichnung. Halt! Warlich, das iſt das Geſicht des Weibes, ſo wahr ich lebe!» «Die Männer von der kleinen Schaluppe ſagen, der Räuber habe das Symbol an mehreren Theilen ſeines Schiffs; wir wiſſen ja, daß er geſtern die Unverſchämt⸗ hei hatte, es in unſerer Gegenwart als Flagge aufzu⸗ ecken.» «Recht— recht; nehmen Sie das Fernrohr, Herr Luff, ob nicht das Geſicht eines Weibes vor dem Licht abkonterfeyt iſt— wir kommen ihm wirklich nahe; laßt ſie recht ruhig ſeyn vorn und dahinten auf dem Schiff; — 326— «Ein frech blickendes Weibsbild, wie man nur eins ſehen kann! verſetzte der Lieutnant. Man ſieht ihr unverſchämtes Lachen mit unbewaffnetem Auge.“ „Iſt alles zum Entern in Bereitſchaft. Ein Theil ſan ſich fertig machen zum Verdeck, ich will ſie ſelbſt ühren.» 2 Dieſer Befehl wurde mit gedämpfter Stimme und hurtig gegeben. Schuell wurde er befolgt. Mittlerweile ſteuerte die Coquette raſch drauf los, die Segel ſchwollen von dem Thau und die ſchwere Luft wirkte mit doppel⸗ ter Kraft auf ihre Flächen. Die Mannſchaft zum En⸗ tern wurde gemuſtert, es kam der Befehl, daß die tiefſte Stille herrſchen müſſe, und als das Schiff dem Licht ſich noch mehr näherte, erhielten auch die Officiere den Be⸗ fehl, ſich nicht zu regen. Ludlow ſtellte ſich in die Be⸗ zangänge, um das Schiff zu täuſchen, und die Anweiſun⸗ gen wurden dem Pumpenmeiſter mit vernehmlichem Lis⸗ peln zugerufen. «Die Nacht iſt ſo ſchwarz, daß wir gewiß nicht ge⸗ ſehen werden!“» bemerkte der junge Mann zu ſeinem Lieut⸗ nant, der an ſeiner Seite ſtand. Sie laſſen unſere Stellung unbegreiflich außer Acht. Schaut, wie das Ge⸗ ſicht des Gemäldes immer deutlicher wird— man kann ſogar die Locken des Haares ſehen. Dran, dran, wir entern glücklich!“ «Der Narr muß es haben! verſetzte der Lieutnant. «Selbſt den Nixen muß es manchmal am Wiß fehlen! Sehen Sie, welchen Weg ſein Vordertheil ſteht 25 „Ich ſehe nichts als das Licht. Es iſt ſo dunkel, daß wir kaum unſre eignen Segel ſehen— und doch mein' ich, ſind das hier ſeine Raen, ein bischen vor un⸗ ſerm Baum da, wind ab.» «Das iſt unſere eigene untere Stange. Ich ſtellte ſte in Bereitſchaft für die andre Wendung, falls der Kerl was merken ſollte.⸗ 3 «Achtung ein wenig— Achtung; ſachte, oder wir zerſchellen ihn!⸗ ——— waren ander Aufre Entfe chen fuhr das † die E r eins öt ihr Theil ſelbſt e und rweile wollen oppel⸗ n En⸗ tiefſte ht ſich n Be⸗ e Be⸗ beiſun⸗ n Lis⸗ ht ge⸗ Lieut⸗ unſere 1s Ge⸗ kann „ wir tnant. ehlen! unkel, d doch 8r un⸗ ſtellte r Kerl er wir —-——— 327— Nach dieſem Beſehl ging Ludlow eiligſt vorwärts. Er fand die Enterhaken zum Überſchlagen bereit und gab raſch ſeine Anweiſungen. Die Leute ſollten die Brigan⸗ tine unter allen Umſtänden nehmen, doch keine Gewalt yrauchen, außer wenn ſie ernſthaften Widerſtand leiſtete. Dreimal wurde ihnen eingeſchärft, nicht in die Cajüten zu treten und der junge Mann drückte den edelmüthigen Wunſch aus, daß man jedenfalls das Leben des Tumm⸗ lers der Meere ſchonen ſolle. Während dieſe Anordnun⸗ gen getroffen wurden, war das Licht ſo nahe, daß man jeden Zug des boshaften Geſichts der meergrünen Dame ſehen konnte. Ludlow ſah vergeblich nach den Stangen, um zu entdecken, in welcher Richtung das Vordertheil der Brigantine ſtehe; auf gut Glück ſich verlaſſend, Kaubte er, daß nun der entſcheidende Augenblick gekom⸗ men ſey. «Rechte Seite und auf ihn, geentert!— Ihr Ente⸗ rer voran! Die Enterhaken gehoben; hebt, Leute, mit langem Hub, nun hebt!— Gut Augenmaß mit dem Steuer— hart wider— rüſtig!“ ſo ſchallte es mit hel⸗ ler, voller und feſter Stimme, die jedem Commandowort, das on de jungen Capitains Lippen flog, ſtärkere Wir⸗ ung gab. Die Enterer waren guten Muths und ſprangen in's Takelwerk. Die Coquette überließ ſich bereits der Ge⸗ walt ihres Steuerruders. Erſt nach dem Licht gewandt, dann gegen den Wind hinwiſchend, war ſic im nächſten Augenblick dicht an dem Priſenſchiff. Die Eiſen wurden geworfen, die Männer ſchrieen wieder und alle an Bord waren in athemloſer Erwartung des Stoßes der an ein⸗ ander fahrenden Körper. In dieſem Augenblick großer Aufregung erhob ſich das Geſicht des Weibes in kurzer Entfernung in die Luft, ſchien über den Verſuch zu la⸗ chen und war mit einem Male verſchwunden. Das Schiff fuhr in vollem Laufe dahin, während kein Geräuſch als das Klatſchen der Wogen vernehmbar war. Man hörte die Eiſen zum Entern ſchwer in die See fallen und die ſo ſah man doch ſicher in dieſem Raume nichts, als das unruhige Element und nigin Anna darauf hinſtreichen — 328— Coquette war im Hui über die Stelle weg, wo ſich das Zeitſe Licht gezeigt hatte, aber kein Stoß erfolgte. Wiewohl u ſich grade die Wolken ein wenig theilten und das Auge 4 einen Umkreis von einigen hundert Fuß umfaſſen konnte, 9, den ſtattlichen Kreuzer der Kö⸗ o. . 3 ie Wirkung auf die verſchiedenen Perſonen, welche Aufna Zeugen dieſes ſonderbaren Ereigniſſes geweſen waren, of⸗ tereſſe fenbarte ſich zwar etwas verſchieden, allein der Schreck Hefter der Täuſchung war allgemein. Der Eindruck war ſicher Wid bei Allen der, daß man die irdiſche Exiſtenz der Brigan⸗ ten v tine in Zweifel zog; ſobald aber einmal Irrthümer ſol⸗ brin cher Art von unwiſſenden Menſchen Beſitz genommen ha⸗ hinzuf ben, ſind ſie nicht ſo bald wieder zu heben. Selbſt Try⸗ handli ſail, obwohl mit den Künſten derer wohl bekannt, welche ſind. mit den Zollgeſetzen ihr Spiel treiben, neigte doch ſehr ſo aͤuf zu dem Glauben, daß dieß kein gewöhnlicher Fall von ſchaffu Irrlichtern und falſchen Leuchten ſey, vielmehr daß außer kreis die auf der See regelmätzig gefunden werden, 2 ſich noch andere Sachen über den Waſſern begeben müßten. Hefter Wenn Capitain Ludlow verſchieden hiervon dachte, ſo fand oder er doch keinen hinlänglichen Grund, in eine Erklärung dar⸗ ziehen, auf mit denen einzugehen, die ſich der Sache ſtill unter⸗ Er ſchritt ein Paar Minuten auf dem Kurzdeck ber und gab dann dem nicht minder betroffenen tnant ſeine Wefehle. Die leichte Leinwand der Co⸗ in D quette wurde eingezogen, das Gerüſt eingeſchränkt und die Stangen z den Wind gebracht, 1 das obere Fockmaſtſegel an den Maſt geworfen. In die⸗ 2 g lag der Kreuzer und wartete auf das Mor⸗ um ſeinen Bewegungen größere Sicherheit zu 95½ 71 f urückgebunden. Nun wurde das Schiff in 2 die niederen Segel aufgezogen und —— ſich das Ziewohl s Auge konnte, als das er Kö⸗ welche en, of⸗ Schreck ſicher Prigan⸗ er ſol⸗ en ha⸗ t Try⸗ welche h ſehr ll von außer erden, üßten. b fand g dar⸗ unter⸗ rzdeck ffenen r Co⸗ t und iff in n und die⸗ Mor⸗ eit zu Der Proteſtant. Zeitſchrift für evangeliſches Chriſtenthum, zur Erbauung und geſchichtlichen Belehrung Gebildeter, herausge⸗ geben von Dr. G. Friederich. Zweiter Jahrgang 1828, Januar bis December. gr. 8. geh. uß 4.— oder fl. 6. 48 kr. Wegen des Andrangs von zeitgemaͤßen Beitraͤgen, deren Aufnahme nicht verſpaͤtet werden darf, damit ſie nicht an In⸗ tereſſe verlieren, erſcheint dieſe Zeitſchrift nun in monatlichen Heften, und enthaͤlt von jetzo an auch hauptſäͤchlich eine alsbaldige Widerlegung deſſen, was die roͤmiſchen Zeitſchrif⸗ ten von entgegen geſetzter Tendenz wider ſie dar⸗ bringen. Zur Empfehlung derſelben glaubt der Verleger nichts hinzufuͤgen zu duͤrfen, da 7 Monathefte bereits an alle Buch⸗ handlungen verſandt und daher uͤberall zur Einſicht zu erhalten ſind. Der Preis fuͤr beilaͤuſig 70 große Octavbogen iſt deßwegen ſo aͤußerſt billig geſtellt, damit auch Minderbeguͤterten die An⸗ ſchaffung erleichtert und derſelben ein um ſo groͤßerer Wirkungs⸗ kreis bereitet wird. Vom erſten Jahrgang, erſter und zweiter Band in 6 Heften ſind noch Exemplare vorraͤthig⸗ und für Rthlr. 1. 16 ggr. oder fl. 2, 48 kr. pr. Band durch alle Buchhandlungen zu be⸗ ziehen, Anklaͤnge fuͤr Geiſt und Gemuͤth in Darſtellungen ſeiner äußern und innern Welt, aus früherer und ſpäterer Zeit, in Poeſte und Proſa. Von G. L. Schneidler, Hofrath und Director in Worms. Nr. 1. 8. Geheftet. 20 ggr. oder fl. 1. 30. . Erzahlungeu von Johanna Schopenhauer. Siebenter und achter Theil. 8. Auf Velinpapier Rtylr. 3. 16 ggr. oder fl. 6. 24 kr. Auf Druckpapier Rthlr. 2. 20 ggr. od. fl. 4. a8 kr. Die früher erſchienenen 6 Theile enthalten folgende Erzaͤh⸗ lungen: Fruͤhlingsliebe.— Der Guͤnſtling.— Haß und Liebe. — Die Reiſe nach Flandern.— Sommerliebe.— Leontine und Natalia.— Claire.— Der Schnee.— Die erſte Liebe.— Anton Solario.— Die Freunde.— Preis auf Velinpapier Rthlr. 11. od. fl. 19. 12. und auf Druckpapier Rthlr. 83. 12 ggr. od. fl. 14. 24 kr.. Rheiniſches Taſchenbuch auf das Jahr 1829. Herausgegeben von Dr. Adrian. Mit 9 Kupfern von Barth, L. Beyer, S. Lan⸗ ger, Lips, Joſ. Stöber und David Weiß. In ordinarem Einband Rthlr. 1. 16 ggr oder fl. 3.— In Saffian Rthlr. 2. 20 ggr. oder fl. 4. 438. Inhalt: Gallerie aus Walter Scotl's Werken. Sechſte Lieferung: Der Alterthuͤmler.— Das Herz von Midlothian.— Die Presbyterianer.— Der St Ronansbrunnen.— Robin der Rothe.— Stiefmama und Stieftochter. Novelle von Starkloff.— Aus dem Leben eines Gluͤcklichen. Mitgetheilt von C. Spindler.— Die Schweſtern. Er⸗ zaͤhlung von Johanna Schovenhauer.— Die Weiber von Weinsberg. Erzaͤhlung von Mara.— Skizzen von Adrian: 1) The Attwood. 2) Der September. 3) Ein Morgen in London. 4) Ein Nachmittag zu Norwood. Staatswirthſchaftliche Zeitung. Zeitſchrift für Staats⸗ und Privat⸗Oeconomie. Her⸗ ausgegeben von S. Behlen und W. Bickes. Zweiter Jahrgang 1828. Nr. 1— 40. gr. 4. Rthlr. 4. oder fl. 7. 12. Dieſe Zeitſchrift erfreut ſich immer mehr einer guͤnſtigen Auf⸗ nahme, und hat bei dieſem Jahrgang durch den Beitritt noch diegenheit ſehr gewonnen; dieſelbe erleidet keine Unterbrechung, ſondern wird in raſcher Folge erſcheinen. — ☛ niger um Belehrung als um Unterhaltung zu thun iſt, von der Neuheit der Gegenſtaͤnde und von der meiſterhaften Darſtellungs⸗ weiſe des Verfaſſers in gleichem Maße angezogen werden wird. Die fruͤheren Werke dieſes Schriftſtellers enthalten im 1— 19n Baͤndchen: Das Skizzenbuch— Die Erzaͤhlungen eines Reiſenden — Bracebridge⸗Hall— Eingemachtes— und koſten auf wei⸗ ßem Druckvelinpapier Rthlr. 3. 12 ggr. od. fl. 5. 48 kr. Auf ordinaͤrem Druckpapier KRthlr. 2. 16 ggr. oder fl 4. 12 kr. Kupfersammlung zu W. Scott's Werken. Achte Lieferung: Der Alterthümler.— Das Herz von Midlothian. 8 ggr. oder 36 kr. — Neunte Lieferung: Die Presbyteria- ner.— Der St. Ronansbrunnen.— Ro- bin der Rothe. 8 ggr. oder 36 kr. Die erſte bis ſiebente Lieferung enthalten Darſtellungen zu Kenilworth, dem Fraͤulein vom See, Peveril, Ivanhoe, dem Kloſter, Abt, Seeraͤuber, Marmion, der Braut von Lammermoor, AQuentin Durward, Rokeby, Nigels Schickſale und Waverley. Zur Empfehlung dieſer Sammlung bedarf wohl nur ange⸗ fuͤhrt zu werden, daß die Herren Leop. Beyer, Bruͤckner, Fleiſchmann, Langer, Lips, Rosmäsler, Joſ. Stö⸗ ber und David Weiß den Stich derſelben in Kupfer beſorgten. Luſtwandlungen auf der Morgen⸗Aue des Lebens. Zur Erheiterung und Belehrung der weiblichen Jugend. Vom Herausgeber von Der Mägdlein Luſtgar⸗ ten. 2 Theile, mit Titelkupfer und Vignetten. Gebunden Rthlr. 3. 4 ggr. oder fl. 5. 30 kr. Actenmäßige Nachrichten uͤber das Gaunergeſindel am Rhein und Main und in den an dieſe Gegenden grenzenden Ländern, von G. W. Pfeiffer, Dr. und Polizei⸗Aſſeſſor. gr. 3. Rthlr. 1. 12 ggr. oder fl. 2. 30 kr. Der Herr Verfaſſer bezweckt durch die Herausgabe dieſer gehaltvollen Schrift, dem Publikum Kenntniß zu geben von dem Treiben einer herumgiehenden gefaͤhrlichen Menſchenklaſſe, damit daſſelbe in den Stand geſetzt werde, ſich moͤglichſt vor Scha⸗ den und Nachtheil zu huͤten, und den Unterſuchungs⸗ beamten bei Unterſuchungen gegen ſolches Gaunergeſindel huͤlf⸗ reich zu ſeyn. Daſſelbe zeichnet ſich nicht nur durch Gruͤndlich⸗ keit und Genauigkeit in den Angaben, ſondern auch durch Reich⸗ haltigkett aus, da es von dem Treiben von mehr denn 300 Gau⸗ nern, die in Freiheit ſind oder bald wieder dieſelbe erlangen, moͤglichſt ausfuͤhrliche Nachrichten liefert. Nal und Damajanti. Eine indiſche Geſchichte von Friedrich Rückert. 12. Geh. Reylr. 1. 18 ggr. od. fl. 2. 48 kr. Das Publikum erhaͤlt hier eine, von dem ruͤhmlich bekannten Dichter Ruͤckert, mit aller ihm in ſo ſeltenem Grade eigenen Sprachfertigkeit und Reimfuͤlle uͤbertragenen indiſchen Dichtung, bei der aber alles Fremdartige, ohne Studium der indiſchen Poeſie Unverſtaͤndliche vermieden iſt, ſo daß ſie als eine ſinnige Liebeserzaͤhlung erſcheint, uͤber welche ſich nur ein leiſer fremdar⸗ tiger aber lieblichſuͤßer Duft ausbreitet und ſie umweht. Das mythologiſche, voͤllig verſtaͤndlich, erſcheint in der Figur, welche am bedeutendſten eingreift, nur als Allegorie des boͤſen Geluͤſtens, welches in unſrer Bruſt wohnt. Liebe, in bezaubernder Schilde⸗ rung, ihre Leiden und Treue bilden den Inhalt des Buͤchleins, und wem Sinn fuͤr wahre Poeſie einwohnt, wird an dieſer Dich⸗ tung, und wem Sinn fuͤr Sprachſchoͤnheit und Ausdruck einwohnt, wird an Ruͤckerts Verſen ein Vergnügen genießen, wie es ſelten geboten wird. Von der leger gend tereſſ Vaͤt Verg unter ſchwe muͤth die L Hein Refot ernſte unſer Volke der 8 in jet terlat Zweif aus d ſehr volkst Styl merkr Unſere Vorzeit. Von Theodor von Haupt, eingeführt durch Hein⸗ rich Zſchokke. 12. Geh. Die bis jetzo in Teutſchland ungewoͤhnliche guͤnſtige Aufnahme der wohlfeilen Taſchenausgaben fuͤhrte den Herausgeher und Ver⸗ leger des hier angekuͤndigten Geſchichtwerkes zu der ſo nahe lie⸗ genden Idee, die Gallerie derſelben, mit einer, den theuerſten In⸗ tereſſen unſeres eigenen Volkes und der Geſchichte unſerer Vaͤter und Vorzeit gewidmeten, zu vermehren. Welche aͤchtteutſche Bruſt ſollte ein treues Gemaͤlde dieſer Vergangenheit nicht mit Stolz, Luſt und Wehmuth fuͤllen; wen unter Hermanns noch immer hochherzigen Soͤhnen die inhalt⸗ ſchwere Vorzeit ſeines lieben Vaterlandes nicht im innerſten Ge⸗ muͤthe anregen?— Sollen uns Hermann, unſer großer Karl, die Ottonen, Salier, Hohenſtaufen, Habsburger, unſere Friedriche, Heinriche, Maximiliane, Joſephe; unſere Helden, Staatsmaͤnner, Reformatoren, Gelehrte, Dichter und Kuͤnſtler; ſoll uns das ernſte, erhabene und heitere; erhebende und betruͤbende Gemaͤlde unſerer Vorzeit minder anſprechen, als was in den blutigen Volksſtuͤrmen unſerer Nachbarn an der Seine ſich begeben? Bei der Tuͤchtigkeit, Gediegenheit und der bei allen Schickſalswechſeln, in jedem teutſchen Herzen treu bewahrten, innig fortlebenden Va⸗ terlandsliebe koͤnnte ſchon dieſe Frage ſchier ein ungerechter Zweifel an unſerm Volke ſcheinen! Die Leſewelt erhaͤlt in vorſtehend angekuͤndigtem Werke eine aus den Quellen ſelbſt, und den ausgezeichneteſten, zum Theil ſehr baͤndereichen ſogenannten Huͤlßsſchriftſtellern geſchoͤpfte, in volksthuͤmlichem, auf alle Klaſſen der Geſellſchaft berechneten Style erzaͤhlte unbefangene und ruͤckſichtsloſe Darſtellung aller merkwuͤrdigeren Begebniſſe unſerer Vorzeit „ſeit dem erſten geſchichtlichen Auftreten unſerer Altvordern bis zur Aufloͤſung des Teutſchen Reiches im J. 1806.“ Daſſelbe erſcheint in 9 bis 10 Lieferungen zu vier Baͤnd⸗ chen, à 10 bis 12 Bogen pr. Baͤndchen; die Lieferung von vier Baͤndchen koſtet Rthlr. 1. 4 ggr. od. fl. 2.— Zwei Liefe⸗ rungen werden noch im Laufe dieſes Jahres ausgegeben und an den folgenden unausgeſetzt fortgearbeitet. Waſhington Irvings ſämmtliche Werke. 20— 31 Bändchen. Leben und Reiſen Chriſtoph Columbus. 1— 128 Bändchen. Mit 2 Karten. Preis für das ganze Werk auf geglaͤttetem Velin und cartonirt Rthlr. 3. 16 ggr. od. fl. 5. 48 kr. Auf weißem Druckpapier Rthlr. 2. 12 ggr. oder fl. 4. Auf ord. Druckpapier Rthlr. 1. 16 ggr. od. fl. 2. 42. Nicht leicht iſt wohl ein Werk von ſolcher Wichtigkeit und Gediegenheit aus der Feder eines neueren Schriftſtellers hervor⸗ gegangen, und waͤhrend Walter Scott ſeinen Ruf durch die Com⸗ pilation des Lebens Napoleons auf's Spiel geſetzt hat, zeigt ſich der geniale Humoriſt Washington Irving hier als Geſchichtſchrei⸗ ber ſeines Vaterlandes von einer neuen glaͤnzenden Seite. Eine geſchaͤtzte kritiſche Zeitſchrift von London(die Literary Gazette) druͤckt ſich bei dem kuͤrzlichen Erſcheinen dieſes meiſterhaften Pro⸗ duktes folgendermaßen uͤber daſſelbe aus: Dieſes Werk wird Herrn Irving's Ruhm unglaublich ver⸗ groͤßern; die Neuheit der Erzaͤhlungen wird Verwunderung er⸗ wecken und iſt nur aus der beſonderen Verguͤnſtigung zu erklaͤren, welche der Autor in Spanien fand, wo ihm die Regierung den Zutritt zu ihren Archiven erlaubte, und ihm außerdem viele Pri⸗ vat⸗Bibliotheken zu Gebote ſtanden, welche fruͤher„eine ver⸗ ſchloſſene Quelle und ein verſiegeltes Buch, waren:— hierdurch iſt er in den Stand geſetzt worden, manche hoͤchſt intereſſante, bis jetzt unbekannte Thatſachen uͤber Columbus in ſein Werk zu verweben.— Die reine und kraͤftige Eleganz ſeines Styls, der unbefangene und wahrhaft philoſophiſche Blick ſeiner Gedanken und Empfindungen, ſind Dinge, die Niemanden in Erſtaunen ſetzen werden, der ſeine fruͤheren Schriften kennt; aber dieſes 8 neue Produkt iſt noch ausgearbeiteter und von ungleich hoͤheren Anſpruͤchen. Mit ungemiſchter Freude betrachten wir daher die Fruͤchte ſeiner langen und angeſtrengten Forſchungen.“— Dieſem gerechten Ausſpruche laͤßt ſich zur Eipfehlung nichts hinzuſetzen, als daß das uͤberraſchende Werk in allen Klaſſen der Geſellſchaft, bei Gelehrten und Ungelehrten, bei Alt und Jung, uͤberall großes Intereſſe erregen wird, und daß auch derjenige Leſer, dem es we⸗ 3)( nach eben beder Vot einer ſcheir pfehl und mach Fuͤlle dem das hende durch auf daß j nung eben — 128 ganze Ldnirt ißem Auf 2. 42. it und hervor⸗ Com⸗ igt ſich tſchrei⸗ Eine azette) Pro⸗ h ver⸗ ng er⸗ kKlaͤren, g den e Pri⸗ e ver⸗ rdurch ſſante, erk zu , der danken aunen dieſes öͤheren r die Dieſem ſoon. 4222237 ſchaft, roßes s we⸗ Folgende neue Verlagsbuͤcher von J. D. Sauer laͤnder in Frankfurt a. M., ſind durch alle Buchhandlungen um beigeſetzte Preiſe zu beziehen. Bilder aus England. Von Adrian. Zweiter Theil. Mit Kupfern. 8vo. Geheftet. Rthlr. 1. 18. ggr. oder fl. 3. 3) Ein Sonntag in England. 4) Ein Nachmittag zu Hampton Court. 5) Der Greis in Dulwich College. 6) Der Alterthüm⸗ ler. 7) Thomas Marſhall, Eſq. 8) Aurflug nach Norfolk. 9) Herr North. 10) Die Dichterhalle. 11) Der geheimnißvolle Wa⸗ gen. 12) Die Kunſt in London. 13) Das Tunnel. 14) Ueberfahrt nach Boulogne. Anhang: I. Vauxhall⸗Geſaͤnge. II. Valentines. Der erſte Theil erſchien im vorigen Jahre, und koſtet ebenfalls Rthlr. 1. 18 ggr. oder fl. 3.— Derſelbe ward in den bedeutendſten kritiſchen Journalen auf das Ehrenvollſte erwaͤhnt. Phantaſiegemaͤlde fuͤr 1829. Von Dr. Georg Döring. 8. Gebunden, mit einem Kpf. von Fleiſchmann. Rthlr. 1. 12 ggr. od. fl. 2. 45 kr. Dieſes Werk erfreut ſich ſchon ſeit einer Reihe von Jahren einer ſo ausgezeichn ten Gunſt des Publikums, daß es uͤberfluͤſſig ſcheinen duͤrfte, dieſen neueſten Jahrgang noch beſonders zu em⸗ pfehlen. Dennoch halten wir es für unſere Pflicht, die Freunde und Freundinnen einer gebildeten Lectuͤre darauf aufmerkſam zu machen, daß die reiche Phantaſie des Verfaſſers ſich hier in einer Fuͤlle entfaltet, wie noch in keinem der früheren Jahrgaͤnge, in⸗ dem ſie, bald das Meer, bald England und Frankreich, bald ſelbſt das uͤppig herrliche Oſtindien zum Schauplatze ihrer hoͤchſt anzie⸗ henden Darſtellungen macht. Auch ſind die Ereigniſſe, obgleich durchaus folgerecht herbeigefuͤhrt, von dem groͤßten Intereſſe, auf das Lebendigſte dargeſtellt und ſo wunderdar verſchlungen, daß in der That, bei der außerdem ſo beſtimmten Charakterzeich⸗ nung, die regſte Theilnahme bis zur letzten Zeile unterhalten wird, / Sonnenberg. Eine Novelle in drei Theilen von Dr. Georg Dö⸗ ring. 3 Theile. 12. Geh. Rthlr. 4. 20 ggr. pd. fl. 8. 24 kr. Wir duͤrfen dieſes neue Product des beliebten Herrn Ver⸗ faſſers, mit um ſo groͤßerem Rechte der Theilnahme des Pub⸗ likums empfehlen, da hier das Intereſſe der Dichtung ſelbſt und zugleich die Wahl des hiſtoriſchen Hintergrundes, auf welchem jene erſcheint, von hoher Bedeutung fuͤr den deutſchen Leſer ſind. Wenn Walter Scott mit vorziehender Liebe die fruͤhere Geſchichte ſeiner Heimath benutzte, um ſie mit ſeinen Dichtungen zu verſchmelzen und ſie in dieſen zu verlebendigen, ſo iſt daſſelbe in Hinſicht auf die Geſchichte unſeres Vaterlandes gewiß mit nicht weniger Liebe von unſerm Verfaſſer in der gegenwaͤrtigen Novelle geſchehen. Uns ſcheint das Zeitalter, der Kampf und Untergang Adolphs von Naſſau mit lebendiger Erkenntniß aufgefaßt und dargeſtellt, die handelnden Perſonen ſcharf und anziehend gezeichnet, die Haupt⸗ geſchichte— der rein romantiſche Theil des Werks— von außer⸗ ordentlichem, fortwaͤhrend ſpannendem Intereſſe, und die Darſtel⸗ lung des Ganzen ſo bluͤhend und anſprechend, wie ſie die Leſewelt von dem Herrn Verfaſſer zu erwarten berechtigt iſt. Wir er⸗ waͤhnen nur noch, daß dieſes— nach den ſeit Walter Scott angenommenen Beſtimmungen— die erſte hiſtoriſche Novelle ſeyn duͤrfte, die, indem die reizendſten Gegenden unſeres Vaterlandes ihr zur Scene dienen, einen allgemein wichtigen Zeitabſchnitt umfaßt, da Hauffs Lichtenſtein ſein Intereſſe nur aus der wuͤrtembergiſchen Geſchichte ſchoͤpft und Spindlers Judae überhaupt mehr in den Sittenzuſtand, als in die Geſchichte Deutſchlands ſelbſt eingreift. Goönnerſchaft. Roman von Maria Edgeworth. Aus dem Eng⸗ liſchen überſetzt von Louiſe Marezoll. a Thle. 8. Rthlr. 4. 12 ggr. vd. fl. 2, a8.