— J. F. Cooper’'s ſämmtliche Werke. 256 ſtes— 258 ſtes Bändchen. Der Bienenjäger oder die Eichen⸗ Lichtungen. Zweiter Theil. — e— Frankfurt am Main, 1850. der's Verlag. J. O. Sauerlän 3. c. chen⸗ Der Bienenjäger oder die Eichen⸗ Lichtungen. Roman von James Fenimore Cooper. Aus dem Engliſchen überſetzt. Zweiter Tyheil. Frankfurt am Main, 1850. J. D. Sauerläaͤnde r:8 Verlag. O. unterbre Sein h in der Häuptli in dem des Lich Er weiten irgend e das geri hätte: „I was ſich Vater v geſchickt. 2 Erſtes Kapitel. Wer glaubt wohl, daß Du, mit einem Lächeln, Das, gleich dem des Patriarchen, die Todesſtunde verſüßt, Mit einer Stimme, ſo ſanft und ſchmeichelnd, Wie der Abendwind, der die Blumen küßt. Mit dem Blick eines Job, der das Unglück ſegnet, Mit einer Anmuth, lockend wie des Vogels Waldgeſang, Nichts mebr biſt, als der verruchteſte Teufel, Der je ſeine Krallen um das Haar eines Gefangenen ſchlang? Halleck's Rotbhjacke. Obgleich die Ankunft des Läufers völlig unerwartet war, unterbrach ſie kaum die Ruhe dieſer ernſten Verſammlung. Sein herannahender Schritt war gehört worden, und er kam in der erwähnten Weiſe auf den Raſenplatz, worauf der junge Häuptling ſeinen Sitz wieder einnahm, während der Bote faſt in dem Mittelpankte des Kreiſes und völlig in dem Bereiche des Lichtes ſtehen blieb.. Er war ein Ottawa und hatte augenſcheinlich einen weiten Weg raſch zuruckgelegt. Endlich ſprach er, ohne daß irgend einer der Häuptlinge eine Frage an ihn gerichtet, oder das geringſte Zeichen ungeduldiger Neugierde von ſich gegeben hätte: „Ich komme zu den Häuptlingen, um ihnen zu ſagen, was ſich begeben hat,“ begann der Ottawa.„Unſer großer Vater von Quebee hat ſeine jungen Krieger gegen die Yankees geſchickt. Auch rothe Krieger waren zu Hunderten dort.“ — 6— ch unter den Ein leiſes Murmeln der Theilnahme ließ ſi Häuptlingen vernehmen. „Ihr Pfad hat ſie nach De genommen.“ Der Läufer ſchwieg und ein Geflüſter, welches Ueberra⸗ ſchung und Freude ausdrückte, machte unter den Wilden die Runde, denn Detroit war der wichtigſte aller Poſten, welche die Amerikaner die ganze Linie der großen Seeen entlang inne hatten. Aller Augen begegneten ſich in Erſtaunen und Bewunderung, dann ließ einer der älteſten Häuptlinge ſeine Theilnahme an dem Begehniſſe laut werden und fragte: „Haben unſere jungen Männer viele Blaßgeſicht⸗Scalpe genommen?“ „So wenige, daß es nicht der Mühe lohnt, ſie zu zählen. Ich habe nicht einen einzigen Scalp geſehen, welcher ſo geweſen wäre, wie der Indianer gern darouf blickt.“ 3 „Blieben unſere jungen Krieger zurück und ließen die Männer von Quebee allein kämpfen?“ „Niemand kämpfte. Die Yankees verlangten, gefangen ohne daß ſie ihre Büchſen brauchten. die Dörfer ſo viele Gefangene geführt, auf das ihre Feinde mit freund⸗ troit geführt. Detroit iſt genommen zu werden, Nie vorher hat man in die ſo wenig an ſich hatten, lichem Auge geblickt hätten.“ Ein Strahl wilden Entzückens flog über Peter's dunkle Züge. Wahrſcheinlich verfiel er, als er dieſe Nachricht hörte, in denſelben Irrthum, welchem ſich bei dem Beginne der beiden letzten Kriege der Republik ſo Viele in der alten Welt, wenn auch nur auf kurze Zeit, hingaben, indem die Unfälle, welche uns anfänglich trafen, ſie zu dem großen Verſehen veranlaßten, Jonathan als einen bloßen Krämer zu betrachten. Einen F nennen, hat Kop fruͤher ſe Pete mußte n vernichte Yankees Der Läu der näh hinreichen Geſchicht wiederho fertig we begannen zu beſpre achtung ſtärkſten Kampf g von eine welche di mußte, u des Lande ſeinen Ei „Wo Peter, die unterhielt „Es ſteht. D geſchaut, ter den oit iſt leberra⸗ den die welche entlang en und ge ſeine 6 Scalpe zählen. geweſen eßen die gefangen rauchten. geführt, it freund⸗ 's dunkle cht hörte, ginne der ten Welt, e Unfälle, Verſehen betrachten. Einen Krämer kann man ihn in einem gewiſſen Sinne wohl nennen, allein unter ſeinen Kaufwaaren ſind Waffen, und er hat Kopf, Herz und Hände, ſie zu brauchen, wie ſie Männer fruͤher ſelten zu brauchen verſtanden. Peter, deſſen Geiſt von tiefer Unwiſſenheit umſtrickt war, mußte natürlich glauben, ſein großer Plan, die Weißen zu vernichten, müßte in Folge dieſes ſchwachen Wiederſtandes der Yankees zu Detroit nun um ſo leichter auszuführen ſein. Der Läufer wurde jetzt von verſchiedenen Häuptlingen wegen der näheren Umſtände ausgefragt und erzählte Alles mit hinreichender Klarheit und Umſicht. Dieſe ganze ſchimpfliche Geſchichte iſt zu neu und zu bekannt, als daß wir ſie hier zu wiederholen brauchten. Als der Läufer mit ſeiner Erzählung fertig war, öffnete ſich der Kreis der Häuptlinge, und ſie begannen, die große Begebenheit, welche ſie gehört hatten, zu beſprechen. Einzelne nahmen keinen Anſtand, ihre Ver⸗ achtung gegen die Yankees laut werden zu laſſen. Drei ihrer ſtärkſten Poſten waren kurz nach einander und faſt ohne Kampf genommen worden. Detroit, am Beſten befeſtigt und von einem Heere vertheidigt, war auf eine Weiſe gefallen, welche die Schamröthe in jedes amerikaniſche Geſicht jagen mußte, und, wie es ſchien, war die ganze nordweſtliche Grenze des Landes, welches dem rothen Mann entriſſen worden, jetzt ſeinen Einfällen und Plünderungen preisgegeben. „Was hält mein Vater davon?“ ſagte Bärenfleiſch zu Peter, die ſich Beide mit einigen der älteſten Häuptlinge abſeits unterhielten.„Machen dieſe Neuigkeiten ſein Herz ſtärker?“ „Es iſt immer ſtark, wenn dieſe Angelegenheit vor ihm ſteht. Der Manitou hat lange düſter auf die rothen Männer geſchaut, nun aber erheitert ſich ſein Geſicht. Die Wolke — 8— geht vor ſeinem Antlitz vorüber, und wir können ſein Lächeln wieder ſehen. Es wird ſich euern Söhnen zeigen, wie es ſich euern Vätern gezeigt hat. Unſere Jagdgründe werden uns gehören, und der Büffel und der Hirſch werden in Fülle in unſeren Wigwams ſein. Das Feuerwaſſer wird denen nach⸗ ſließen, welche es in das Land gebracht haben, und der rothe Menſch wird wieder ſo glücklich werden, wie er es in ver⸗ gangenen Tagen war.“ Die Hoffnungen und Erwartungen Peter's in Bezug auf die Vernichtung ſeiner Blaßgeſichtfeinde auf dem amerikaniſchen Feſtlande hatten mit denen der Aufſtändiſchen der alten Welt in Bezug auf ihre ſtark verſchanzten Feinde in Europa ziemlich viel Aehnlichkeit, denn ihm, wie dieſen, erſchien die Erringung des Ziels viel leichter, als es zuletzt der Fall war, er überſah die große Macht ſeiner Gegner und nahm die Einflüſterungen einer Hoffnung, welche mehr Schein, als Gehalt hatte, für Lehren der Weisheit. Es dauerte einige Zeit, bis die Aufregung der Indianer ſich wieder ſo weit beſchwichtigt hatte, daß ſie daran dachten, den Miſſionär zur Wiederaufnahme ſeiner Rede einzuladen. Paſtor Amen hatte natürlich die Nachrichten vernommen und fühlte ſich dadurch ſo beunruhigt, daß er nicht ſehr geneigt war, fortzufahren. Als jedoch Peter ihn bedeutete,„die Ohren ſeiner Freunde ſeien offen,“ hielt er es für das Gera⸗ thenſte, mit ſeinen Ueberlieferungen fortzufahren. „Der große Geiſt, meine Kinder,“ begann er wieder, und der Kreis war von Neuem ſo ruhig und ſchweigſam geworden, als wäre die Stille keinen Augenblick unterbrochen geweſen,— „wählte alſo aus den Nationen der Erde eine zu ſeinem Lieblingsvolke. Ich werde jetzt nicht dabei verweilen, alle die Wunder ar zuletzt führ Milch und Von jener Chriſtus h das Haupt „So Volk gleich ſtigt wurde Schwächen dem große fühlbare S In mannig Sünden he Verzeihung „Als und Verbro Land eindre als zehn ge ſetzt wurden „Dieß kann mit geworden i Ifraels“ z Hier: zu ordnen, als die Hät das, was ſ war jedoch Unterbrechu Selbſtbeher Lächeln es ſich ſen uns Fülle in nach⸗ der rothe in ver⸗ eezug auf kaniſchen ten Welt ziemlich trringung rüberſah ſterungen hatte, für Indianer m dachten, uladen. ernommen hr geneigt tete,„die das Gera⸗ dieder, und geworden, geweſen,— zu ſeinem n, alle die 9.— Wunder außzuzählen, welche dieſe ſeine Vorliebe beurkundeten, zuletzt führte er ſeine Lieblinge in ein ſchönes Land, das von Milch und Honig floß, und machte ſie zu Herren deſſelben. Von jenem Volke ſtammte in ſeiner menſchlichen Geſtalt Chriſtus her, welchen euch die Miſſionäre predigen und der das Haupt unſerer Kirche iſt. „So ſehr auch die Inden, oder Iſraeliten, wie wir jenes Volk gleichfalls nennen, von dem Manitou geehrt und begün⸗ ſtigt wurden, waren ſie doch nur Menſchen und hatten die Schwächen der Menſchen. Mehr als einmal mißfielen ſie dem großen Geiſte, und zwar in ſo hohem Grade, daß er fühlbare Strafen auf ſie, ihre Frauen und Kinder herabrief. In mannigfacher Weiſe wurden ſie wegen ihrer Vergehen und Sünden heimgeſucht, und jedesmal bereuten ſie und erhielten Verzeihung. „Als der große Geiſt endlich ihrer Vernachläſſigungen und Verbrechen müde war, ließ er zu, daß ein Heer in ihr Land eindrang und von ihren zwölf Stämmen nicht weniger als zehn gefangen wegführte, die auf fremde Jagdgründe ver⸗ ſetzt wurden. „Dieß begab ſich vor viel tauſend Monden, und Niemand kann mit Gewißheit ſagen, was aus jenen Gefangenen geworden iſt, welche die Chriſten„die verlorenen Stämme Ifraels“ zu nennen pflegen.“ Hier machte der Miſſionär eine Pauſe, um ſeine Gedanken zu ordnen, und ein leiſes Murmeln ward in dem Kreiſe gehört, als die Häuptlinge in lebhafter Theilnahme mit einander über das, was ſie eben vernommen hatten, verkehrten. Die Pauſe war jedoch kurz, und der Redner fuhr ohne die geringſte Unterbrechung von Seiten einer Zuhörerſchaft, welche in der Selbſtbeherrſchung ſo geübt war, wieder fort: ———— — 10— „Meine Kinder, ich werde die Geſchichte der Geburt„Hier Chriſti, der Erlöſung der Welt und der zwei Stämme, welche und noch e in dem Lande verblieben, in das Gott ſein Volk geſetzt hatte, Rathsverſa hier unberührt laſſen, denn dieſe Gegenſtände gehören in den hier an der Kreis meines gewöhnlichen Berufsunterrichts. Meine Abſicht all in dem iſt jetzt, nur von euch ſelbſt zu ſprechen, von dem rothen rothe Man Mann Amerika's, ſeinem wahrſcheinlichen Urſprung und ſeiner Der Manit Beſtimmung, und von einer großen Entdeckung, welche über theile vere dieſen anziehenden Gegenſtand in der Geſchichte des guten baren That Buches gemacht worden iſt. Groß „Weiß Einer der Anweſenden Etwas von den zehn ver⸗ als ſte dieſ lornen Stämmen, deren ich erwähnt habe?“ hielt eine Die Augen der Indianer begegneten ſich und die geſpann⸗ andererſeits teſte Erwartung malte ſich auf den Geſichtern dieſer wilden theilung w Krieger. Endlich erhob ſich Krähenfeder, um zu antworten. der Blaßge „Mein Bruder hat uns eine Ueberlieferung mitgetheilt,“ und mächtis ſagte der Pottawattamie.„Cs iſt eine gute Ueberlieferung. Nachde Die rothen Männer hören ſolche Ueberlieferungen gern. Es eine Pauſe iſt wunderbar, daß ſo viele Stämme zu gleicher Zeit ſich laſſen. Bä en, und daß Niemand weiß, wohin ſie gekommen er erhob ſie verloren hab wir wüßten, was aus dieſen Zwiegeſpräc ſind. Mein Bruder fragt uns, ob zehn Stämmen geworden iſt? Wie ſollten arme, rothe Män⸗„Mein ner— die auf ihren Jagdgründen leben und, wenn das ſagte der M Gras wächſt, geſchäftig ſind, Nahrung für ihre Squawe und„ Nur Pappoſe für die Zeit zuſammenzubringen, wo der Büffel in men iſt une dieſem Theile der Welt Nichts zu freſſen findet— Etwas von dem guten einem Volke wiſſen, welches er nie geſehen hat? Mein Bru⸗ Buache, wele der hat eine Frage geſtellt, welche er allein beantworten kann.„Sagt Er ſage uns, wo dieſe zehn Stämme zu finden ſind, wenn er ſchen ſeien den Ort kennt. Wir würden gern dahin gehen und ſie auf⸗„Ich n ſuchen.“ —————õõn — 11— Geburt„Hier,“ rief der Miſſionär, ſobald Krähenfeder ſchwieg, welche und noch ehe er Zeit hatte, ſich zu ſetzen,—„hier, in dieſer zt hatte, Rathsverſammlung, auf dieſen Prärien, in dieſen Lichtungen, min den hier an den Geſtaden der großen Süßwaſſer⸗Seeen und über⸗ Abſicht all in dem Lande Amerika ſind dieſe Stämme zu finden. Der n rothen rothe Mann iſt ein Jude, der Jude iſt ein rother Mann. nd ſeiner Der Manitou hat das zerſtreute Volk Iſraels in dieſem Welt⸗ lche über theile vereinigt, und ich ſehe ſeine Macht in dieſer wunder⸗ s guten baren Thatſache. Nur durch ein Wunder war dieß möglich.“ Groß war das Staunen und die Freude der Indianer, zehn ver⸗ als ſte dieſe Kunde hörten. Keine ihrer Ueberlieferungen ent⸗ hielt eine ſolche Nachricht von ihrem Urſprunge, obgleich man geſpann⸗ andererſeits annehmen kann, daß auch keiner einer ſolchen Mit⸗ r wilden theilung widerſprach. Hier aber trat ein Medizin⸗Prieſter worten. der Blaßgeſichter auf und verkündigte kühn dieſe Thatſache, getheilt,“ und mächtig war das Erſtaunen Aller, welche ſie hörten! lieferung. Nachdem der Miſſionär geſprochen hatte, ließ er wieder gern. Es eine Pauſe eintreten, um ſeine Worte eindringlich wirken zu Zeit ſich laſſen. Bärenfleiſch übernahm jetzt die Rolle des Fragenden, gekommen er erhob ſich würdevoll und blieb ſtehen, ſo lange das folgende aus dieſen Zwiegeſpräch währte. pthe Män⸗„Mein Bruder hat eine große Ueberlieferung mitgetheilt,“ wenn das ſagte der Menomenee.„Hat er ſie von ſeinen Vätern gehört?“ ſuawe und.„Nur theilweiſe. Die Geſchichte von den verlornen Stäm⸗ Büffel in men iſt uns von unſern Vätern überliefert worden, ſie iſt in Ftwas von dem guten Buche der Blaßgeſichter niedergelegt,— in dem Nein Bru⸗ Buche, welches das Wort des großen Geiſtes enthält.“ orten kann.„Sagt das gute Buch der Blaßgeſichter, die rothen Men⸗ d, wenn er ſchen ſeien die Kinder des Volkes der Juden?“ nd ſie auf⸗„Ich möͤchte dieß nicht ſagen. Während das gute Buch — 12— gt, läßt es auch ſehr Vieles unbeſprochen. lbſt ſuchen, wenn wir ſeinen Sinn erforſchen uns ſo Vieles ſa Wir müſſen oft ſe wollen. Durch ſolches Nachforſchen iſt einzelnen Chriſten die e amerikaniſchen Indianer große Wahrheit klar geworden, daß di alzſees ein und daſſelbe und die Juden jenſeit des großen S Volk ſind.“ „Wenn dem ſo iſt, ſo ſage uns unſer Bruder, wie weit es von unſern Jagdgründen bis zu jenem fernen Lande jen⸗ ſeit des großen Salzſees iſt.“ „Ich kann euch dieſe Entfernung nicht genau in Meilen angeben, jedoch glaube ich, ſie beträgt eilf oder zwölf Mal die Länge des Michigan.“ „Will unſer Bruder uns ſagen, wie viel dieſes langen Pfades Waſſer, und wie viel trocknes Land iſt?“ „Ein Viertheil mag Land ſein, je nachdem man ſeinen Weg wählt, das übrige muß Waſſer ſein, wenn die Reiſe von der aufgehenden gegen die untergehende Sonne hin gemacht wird, und dieß iſt der kürzeſte Pfad, wird aber die Reiſe von der untergehenden gegen die aufgehende Sonne zu gemacht, ſo begegnet man wenig Waſſer, keinen großen Strömen und Seen, wie hier zu Land, ſondern nur einer kleinen Fläche des Salzſees.“ 4 *„Gs gibt alſo zwei Pfade zu jenem ferngelegenen Lande, wo der rothe Menſch einſt gewohnt haben ſoll?“ „So iſt's. Der Reiſende kann von jenem Lande hierher kommen, indem er der aufgehenden, oder indem er der unter⸗ gehenden Sonne folgt.“ Die allgemeine Bewegung, welche unter den rothen Häuptlingen bemerklich ward, deutete die Ueberraſchung hin⸗ reichend an, in welche dieſe Mittheilung ſie verſetzte. Da di Indianer, w allgemein d ſchwer werde entgegengeſer könne. Ei fernere Frag „Mein ſein Haar Medizin⸗M ſo bei den und Schlech Medizin⸗M indem er v⸗ Er hat es aber er ha Medizin⸗M meine junge Der B. der Hand a ſie zwiſchen auf, als er Der Häuptl „Sein Bäume an gehauen wer ander gleich Alles, was aber er glo auf zwei P wunderbarer nach hinten eſprochen. erforſchen priſten die Indianer id daſſelbe ,wie weit Lande jen⸗ in Meilen zwölf Mal ſes langen man ſeinen e Reiſe von zin gemacht e Reiſe von gemacht, ſo trömen und Fläche des enen Lande, ande hierher er der unter⸗ den rothen aſchung hin⸗ tzte. Da di 13 Indianer, welche nicht häufig mit weißen Männern verkehren, allgemein der Anſicht ſind, die Erde ſei eben, muß es ihnen ſchwer werden, zu begreifen, wie man von zwei unmittelbar entgegengeſetzten Pfaden her einen gegebenen Punkt erreichen könne. Ein ſo aufeallender Widerſpruch mußte natürlich fernere Fragen herbeiführen. „Mein Bruder iſt ein Medizin⸗Mann der Blaßgeſichter, ſein Haar iſt grau,“ bemerkte Krähenfeder.„Manche eurer Medizin⸗Männer ſind gut, und manche ſind ſchlecht. Es iſt ſo bei den Medizin⸗Männern der rothen Menſchen. Gute und Schlechte werden bei allen Nationen gefunden. Ein Medizin⸗Mann eures Volkes betrog meine jungen Männer, indem er verſprach, ihnen zu zeigen, wo Feuerwaſſer wachſe. Er hat es ihnen nicht gezeigt. Er hat ſie riechen laſſen, aber er hat ſie nicht trinken laſſen. Dieß war ein ſchlechter Medizin⸗Mann. Sein Scalp würde nicht ſicher ſein, wenn meine jungen Männer ihm wieder begegneten—“ Der Bienenjäger fuhr hier, ohne es ſelbt zu wiſſen, mit der Hand an ſeine Büchſe, um ſich zu vergewiſſern, daß er ſie zwiſchen ſeinen Beinen habe, und der Korporal ſah erſtaunt auf, als er dieſe plötzliche Bewegung ſeines Gefährten gewahrte. Der Häuptling fuhr fort: „Sein Haar wächſt nicht näher an ſeinem Kopfe, als die Bäume an der Erde wachſen. Selbſt ein Baum kann nieder⸗ gehauen werden. Aber alle Medizin⸗Männer ſind nicht ein⸗ ander gleich. Mein Bruder iſt ein guter Medizin⸗Mann. Alles, was er ſagt, mag nicht gerade ſo ſein, wie ſer denkt, aber er glaubt, es ſei ſo. Es iſt wunderbar, wie Menſchen auf zwei Pfade zugleich ſchauen können, aber es iſt noch wunderbarer, wie ſie auf Pfaden, welche nach vornen und nach hinten führen, zu demſelben Punkte ſollen kommen können. N. — 14— Dieß verſtehen wir nicht, unſer Bruder wird uns ſagen, wie es möglich iſt.“ „Ich glaube zu begreifen, was meine Kinder von mir wiſſen wollen. Sie glauben, die Erde ſei eine ebene Fläche, die Blaßgeſichter wiſſen aber, daß ſie rund iſt. Wer der unter⸗ gehenden Sonne viele, viele Tage entgegen reiſt, kommt zuletzt wieder an derſelben Stelle an. Die Entfernung iſt freilich ſehr groß, aber das Ende jedes geraden Pfades in dieſer Welt iſt der Punkt, von dem man ausgegangen.“ „Mein Bruder ſagt das. Er ſagt viele merkwürdige Dinge. Ich habe einen Medizin⸗Mann ſeines Volkes ſagen hören, die Blaßgeſichter hätten ihren großen Geiſt geſehen, mit ihm geſprochen, wären mit ihm gewandelt. Es iſt nicht ſo mit uns Indianern. Unſer Manitou ſpricht nur im Don⸗ ner mit uns. Wir ſind unwiſſend, und möchten mehr lernen, als wir jetzt wiſſen. Iſt mein Bruder jemals auf jenem Pfade gewandelt, welcher endigt, wo er beginnt? Ich habe einmal meinen Weg auf den Prärien verloren. Es lag Schnee und ich freute mich, als ich Fußſpuren fand. Ich folgte dieſen Spuren. Nur ein Reiſender war auf dieſem Pfade gewan⸗ delt. Nachdem ich eine Stunde gegangen war, hatten ihn zwei betreten. Noch eine Stunde, und drei hatten ihn betreten. Jetzt ſah ich, daß es meine eignen Fußſpuren waren, und daß ich nicht gerade aus, ſondern im Kreiſe herum gegangen war, wie die Squawen zu ſprechen pflegen.“ „Ich verſtehe meinen Freund; aber er hat unrecht. Et iſt gleichgültig, welchen Pfad die verlornen Stämme einge⸗ Die Hauptfrage iſ ſchlagen haben, um hierher zu kommen. ob ſie überhaupt hierher gekommen ſind. Ich ſehe in dem rothen Manne, in ſeinen Sitten, ſeiner Geſchichte, ſeinen Aeußern, jenen Jude abſtammt. „We hat er zus wegnahme weißen M lieferung Alles nich „Es begreifen, fallend er hatten Ge ihre Stra Wenn ſie ben, daß Kinder, e dem Land dem zu m berühmtes Da d großer W Begebniſſe obgleich ſi machen. ſie gluͤcklie beſchloſſen dann ware mit ihm f Gutem, z —. u WWaNC 66., Aeußern, ſogar in ſeinen Ueberlieferungen Beweiſe, daß er von jenen Juden, dem ehemaligen Lieblingsvolke des großen Geiſtes, von mir abſtammt.“ agen, wie ne Fläche,„Wenn der Manitou die Indianer ſo ſehr liebt, warum der unter⸗ hat er zugegeben, daß die Blaßgeſichter ihm ſeine Jagdgründe mmt zuletzt wegnahmen? Warum hat er den rothen Mann arm, und den iſt freilich weißen Mann reich gemacht? Bruder, ich fürchte, eure Ueber⸗ dieſer Welt lieferung iſt eine lügenhafte Ueberlieferung, ſonſt wäre dieß Alles nicht ſo.“ rerkwürdige„Es iſt dem Meuſchen nicht gegeben, die Weisheit 81— olkes ſagen begreifen, die da kommt von oben. Das, waß and ſo vaaf M iſt geſehen, fallend erſcheint, iſt vielleicht recht. Die verlornem Stä A.) Es iſt nicht hatten Gott beleidigt, und ihre Gefangenſchaft, ihr Zerſtreuen, ir im Don⸗ ihre Strafe ſind nur eben ſo viele Beweiſe ſeines Mißfallens. nehr lernen, Wenn ſie aber verloren gegangen, haben wir Grund zu glau⸗ jenem Pfade ben, daß ſie eines Tages wieder gefunden werden. Ja, meine habe einmal Kinder, es wird dem großen Geiſt eines Tages gefallen, euch Schnee und dem Lande eurer Väter zurück zu geben, und euch wieder zu folgte dieſen dem zu machen, was ihr einſt geweſen ſeid,— ein großes, fade gewan⸗ berühmtes Volk!“ hatten ihn Da der wohlmeinende, aber ſchwärmeriſche Miſſionär mit hatten ihr großer Wärme ſprach, mußte die Verkündigung eines ſolchen zuren waren, Begebniſſes aus dem Mund eines Mannes, welchen ſie achteten, dreiſe herun obgleich ſie ihn nicht verſtanden, einen tiefen Eindruck auf ſie gen.“ machen. Wenn es dem großen Geiſte wirklich gefallen ſollte, unrecht. Ei ſie glücklich zu machen, wenn er in ſeiner Liebe und Weisheit äämme einge beſchloſſen hatte, ihnen Gerechtigkeit wiederfahren zu laſſen, auptfrage ih dann waren die Entwürfe und Pläne Peter's und derer, welche ſehe in den mit ihm fühlten und handelten, unnütz, und konnten, ſtatt zu hichte, ſeinen Gutem, zu Schlimmem führen. ⸗ 160— 8 b —— e Dieſem ſcharfſinnigen Wilden konnte eine ſolche Wahrheit nicht entgehen, und er hielt es jetzt für geeignet, ein Wort zu ſprechen, um den Einfluß zu ſchwächen, welchen Paſtor Amen ſich ſonſt unter denen ſichern mochte, welche er ganz für ſeine Wünſche zu ſtimmen beabſichtigte. d So erpicht war dieſer geheimnißvolle Führer auf ſeinen Plan, Rache an den Blaßgeſichtern zu üben, daß die Befrei⸗ ung der Stämme von Elend und Armuth, ohne jene räche⸗ Alſche Sühne, ihn eher geſchmerzt, als erfreut hätte. Seine anze S f 5 nur mit dieſem einen Gedanken der Wieder⸗ und der Vernichtung der Unterdrücker ſeiner Raſſe 2 ltuhg Crns und er führte Alles auf das ſo in ihm erzeugte Rachegefühl zurück, wie der Miſſionär ſich bemühte, in jedem kleinſten Umſtande, welcher mit den Indianern im Zuſammen⸗ hange ſtand, einen Beweis für ſeine Anſicht von ihrer jüdiſchen Abſtammuug zu finden. Als Peter ſich daher erhob, wälzte er wilde, bösartige Leidenſchaften in ſeiner Bruſt, wie die gnadenreiche, gütige Gottheit ſie nie in der Seele des Menſchen, des geſitteten wie des wilden, zu ſehen wünſcht. Die Selbſtbeherrſchung des Stammloſen war jedoch groß, und es gelang ihm, den Vulkan, welcher in ihm wüthete, ſo weit zu bewältigen, daß er mit ſeiner gewöhnlichen Würde und völliger aͤußerer Ruhe zu ſprechen begann. „Meine Brüder haben gehört, was der Medizin⸗Mann geſagt hat,“ hob Peter an.„Er hat ihnen Etwas geſagt, das ihnen neu war. Er hat ihnen geſagt, ein Indianer ſei kein Indianer, ein rother Mann ſei ein Blaßgeſicht, und wir Alle ſeien nicht, was wir zu ſein geglaubt haben. Es iſt gut, wenn man lernt. Dieß macht den Unterſchied zwiſchen den Weiſen und die rothen unſere Jagd ſie gelernt, Hirſch getöd her zu komr ſondern Jud „Ich mein Geiſt, werde ich ar Brüder mög wortet, auch „Vielle ſondern Bl daß unſre e waſſer⸗Seee Vielleicht n und dieſe f laſſen, dam tern, welch unſern Kör „Brud „Bruder, h ſondern Jud nur von de „Von Ihr ſeid je wie das w ſeligkeiten: „Wentn 256— 25 or Amen für ſeine uf ſeinen te Befrei⸗ ene räche⸗ 2. Seine r Wieder⸗ ner Raſſe n erzeugte in jedem zuſammen⸗ r jüdiſchen bösartige che, gütige geſitteten eherrſchung ihm, den ltigen, daß ßerer Ruhe dizin-Mann was geſagt, ndianer ſei ht, und wir Es iſt gut, zwiſchen den — 11— Weiſen und den Thoren. Die Blaßgeſichter lernen mehr als die rothen Menſchen. Auf dieſe Weiſe haben ſie gelernt, unſere Jagdgründe an ſich zu ziehen. Auf dieſe Weiſe haben ſte gelernt, ihre Dörfer da zu bauen, wo unſere Väter den Hirſch getödtet haben. Auf dieſe Weiſe haben ſie gelernt, hier⸗ her zu kommen und uns zu ſagen, wir ſeien keine Indianer, ſondern Juden.“ „Ich wünſche zu lernen. Obgleich ich alt bin, lechzt mein Geiſt, mehr zu erfahren. Damit ich mehr erfahre, werde ich an dieſen Medizin⸗Mann Fragen richten, und meine Brüder mögen ihre Ohren öffnen, und durch das, was er ant⸗ wortet, auch ein wenig lernen.. 5 „Vielleicht werden wir glauben, daß wir keine Rothhäute, ſondern Blaßgeſichter ſind. Vielleicht werden wir glauben, daß unſre eigentlichen Jagdgründe nicht an den großen Süß⸗ waſſer⸗Seeen liegen, ſondern unter der aufgehenden Sonne. Vielleicht werden wir wünſchen, in unſere Heimath zu gehen und dieſe freundlichen Lichtungen den Blaßgeſichtern zu über⸗ laſſen, damit ſie ihre Hütten auf ihnen bauen, wie die Blat⸗ tern, welche ſie uns auch gegeben haben, ihre Beulen auf unſern Körpern anſetzen. „Bruder, hört! Ihr ſagt, wir ſeien keine Indianer mehr, ſondern Juden. Gilt dieß von allen rothen Stämmen, oder nur von denen, deren Häuptlinge hier ſind?“ „Von allen rothen Männern, wie ich ehrlich glaube. Ihr ſeid jetzt roth, aber einſt war eure ganze Nation ſo weiß, wie das weißeſte der Blaßgeſichter. Das Klima, die Müh⸗ ſeligkeiten und Leiden haben eure Farbe verändert.“ „Wenn das Leiden dieß vermag,“ verſetzte Peter mit 256— 258. 2 „Bruder,“ fuhr er, zu dem Miſſionär ſich wendend, fort: —Q——————ñÿÿÿjÿüüü — 18— Nachdruck,—„ſo wundre ich mich, daß wir nicht ſchwarz find. Wenn alle unſre Jagdgründe von Höfen eures Volkes bedeckt ſind, werden wir, denk' ich, ſchwarz werden.“ Zeichen eines mächtigen Widerwillens wurden jetzt bei den Zuhörern ſichtbar, denn der Indianer hegt gegen Alle, die der erwähnten Farbe angehören, faſt dieſelbe Verachtung, welche ſonſt auf dieſer unglücklichen Raſſe zu laſten ſcheint. Im Süden hat der rothe Mann bekanntlich einen Sclaven aus den Kindern Afrikas gemacht, Niemand aber hat bis jetzt aus dem Sohne der amerikaniſchen Wälder einen Sclaven gemacht. Etwas dieſer Art iſt noch keiner menſchlichen Macht gelungen. In fruͤheren Zeiten hat man allerdings Verſuche gemacht und einzelne Rothhäute auf die Inſeln geſchickt, aber der Verſuch erwies ſich ſo erfolglos, daß man den Plan bald aufgab. Wie groß auch die Erniedrigung, die Armuth, die Unwiſſenheit und die wilde Grauſamkeit der amerikaniſchen Indianer unſeres eigenen Gebietes ſein mag, ſcheinen ſie doch — den Eingebornen, welche ſudlicher gefunden werden, ganz unähnlich— als freie Männer leben und ſterben zu wollen. „Meine Kinder,“ antwortete der Miſſionär,„ich kann nicht ſagen, was geſchehen wird, ſo fern es uns nicht in dem Worte Gottes mitgetheilt wurde. Ihr wißt, daß die Blaß⸗ geſichter ein Buch haben, in welchem der große Geiſt ihnen ſeine Geſetze mitgetheilt und viele Dinge vorhergeſagt hat, welche ſich begeben ſollen. Einige dieſer Dinge haben ſich begeben, während dieß von andern noch zu erwarten ſteht. Das Abhandenkommen der zehn Stämme war vorher geſagt haben. Hi es iſt mein in Glück u dieſem Buch der mich di Zeile darin Die§ früher ſcho ſolches zum der Blaßge rungen au gehört hatt niken, obgl Hieroglyph⸗ Auch die 2 weniger gel jedoch bis chriſtlicher ſo klein au ſammlung wie ſie hier in Schran! Buch der ſuchen. Nicht zu, wie di mehrere de und iſt eingetroffen; ihre Wiederaufſindung aber ſteht noch ſie es bert bevor, ich müßte denn ſo gluͤcklich geweſen ſein, zur Zahl blickten u verer zu gehören, welche ſie in dieſen Lichtungen gefunden ergruͤnden. warz ſind. kes bedeckt n jetzt bei n Alle, die ung, welche heint. Im rlaven aus t bis jetzt n Selaven chen Macht gs Verſuche n geſchickt, a den Plan ie Armuth, kerikaniſchen nen ſie doch herden, ganz zu wollen. „ich kann nicht in dem 3 die Blaß⸗ Geiſt ihnen rgeſagt hat, haben ſich varten ſteht. orher geſagt — 19— haben. Hier iſt das Buch, es geht mit mir, wohin ich gehe, es iſt mein Begleiter und mein Freund bei Tag und bei Nacht, in Gluck und in Unglück, im Sommer und im Winter. An dieſem Buch halte ich feſt wie an meinem mächtigen Leitſtern, der mich durch die Stürme in den ſichern Hafen führt. Jede Zeile darin iſt koſtbar, jedes Wort iſt wahr.“ Die Hälfte der anweſenden Häuptlinge hatte vielleicht früher ſchon Bücher geſehen, während die, welchen jetzt ein ſolches zum erſten Male vor die Augen kam, von dieſer Kunſt der Blaßgeſichter, die ſie in den Stand ſetzte, ihre Ueberliefe⸗ rungen auf eine ihnen eigenthümliche Weiſe zu bewahren, gehört hatten. Selbſt die Indianer haben jedoch ihre Chro⸗ niken, obgleich ſie ſich dabei natürlicher Zeichen und einer Art Hieroglyphen ſtatt unſers künſtlicheren Verfahrens bedienen. Auch die Bibel war ein Buch, von welchem Alle mehr oder weniger gehört hatten, auf Keinen der Anweſenden hatte ſich jedoch bis jetzt ihr Einfluß erſtreckt. In der That würde ein chriſtlicher Indianer, und es gab deren bereits damals ſchon, ſo klein auch ihre Anzahl ſein mochte, kaum eine Rathsver⸗ ſammlung beſucht haben, welche ſich zu Zwecken vereinigte, wie ſie hier vorlagen. Dennoch herrſchte eine mächtige, aber in Schranken gehaltene Neugierde vor, das große Medicin⸗ Buch der Blaßgeſichter zu ſehen, zu berühren und zu unter⸗ ſuchen. Nicht wenig Aberglauben geſellte ſich der Art und Weiſe zu, wie die Indianer auf dieſes heilige Buch ſchauten, und mehrere der anweſenden Häuptlinge hatten ihre Zweifel, ob ſteht noch ſie es berühren ſollten, während ſie mit Staunen darauf z, zur Zahl blickten und vor Begierde brannten, ſeine Geheimniſſe zu zen gefunden ergrunden. 2* 20 Peter nahm das kleine Buch, welches der Miſſionär und dieſer emporhielt, als lüde er Jeden ein, es nach Belieben zu unter⸗ feſtſtand, m ſuchen. Der ſchlaue Häuptling hatte es nie vorher gewagt, ihn verbinde dieſes geheimnißvolle Buch zu berühren. Sein Nachſinnen Dieß u über die Mittel, durch welche es den Weißen gelang, die Freude über Eingebornen von Jahr zu Jahr mehr aus ihren heimathlichen Miſſionär w Gebieten zu verdrängen, hatte ihn auch zu der Anſicht geführt,„Möge dieſes außerordentliche Buch, welches alle Blaßgeſichter, ſelbſt ſein Medizit die Trunkenbolde in den Forts, zu verehren ſchienen, dürfte Mann etwas die mächtigen Grundſtoffe ihrer Macht enthalten.. Geiſt ſchuf Wa⸗wa⸗mſh war bei dieſer Anſicht vielleicht nicht ſehr Die Blaßge im Irrthum, obgleich die Mehrzahl derer, welche dieſes Buch„Nein, gewohnlich in der Hand haben, ſelbſt nicht weiß, warum der Herr wi dieß der Fall iſt. ſprichſt. Ge Bei der gegenwärtigen Veranlaſſung ſah Peter, wie Herz lege, i wichtig es ſei, keine Furcht zu zeigen, und er wendete die göttlichen L Blätter linkiſch, wie Jemand, dem ein Buch zuerſt in die Dieß 1 Hand fällt, aber ohne Zögern und mit keckem Finger hin geſagt, und und her. Durch die Ungeſtraftheit, welche dieſe Kühnheit die Bibel u begleitete, ermuthigt, riß er das Buch weit auf und hielt es er bemerkte, in die Höhe, als wollte er den Seinigen beweiſen, daß er ſich aus„Mein deſſen Zauberkraft und geheimnißvollem Einfluſſe Nichts mache. Peter,„unf Dieſe Prahlerei war jedoch mehr Schein, als Wahrheit, Hand iſt ni denn nie vorher hatte Etwas den Muth und die Selbſtbe⸗ Schierlings herrſchung dieſes außerordentlichen Weſens ſo in Anſpruch hatte. Es genommen, wie dieſe ſo höchſt einfache Handlung. Er kannte geſicht⸗Bue die Kräfte des Buches nicht, konnte ſie nicht kennen, und ſeine meines Bru Phantaſie war geſchäftig, ihn das Schlimmſte ahnen zu laſſen. von einer 1 Als das große Medezin⸗Buch der Blaßgeſichter enthielt es ſeien. Ein höchſt wahrſcheinlich das, was der rothen Raſſe feindlich war habe mit Miſſionär zu unter⸗ r gewagt, dachſinnen lang, die mathlichen ht geführt, hter, ſelbſt hen, dürfte nicht ſehr ieſes Buch „warum Peter, wie vendete die erſt in die Finger hin e Kühnheit ind hielt es Ser ſich aus ichts mache. 3 Wahrheit, ie Selbſtbe⸗ in Anſpruch Er kannte n, und ſeine en zu laſſen. — 21— und dieſer Umſtand, der in ſeinen Augen faſt unbezweifelt feſttand, mußte die Berührung mit ernſtlichen Folgen für ihn verbinden.. Dieß war jedoch nicht der Fall, und ein Lächeln wilder Freude überglänzte ſein dunkles Geſicht, als er ſich zu dem Miſſtonär wendete und mit Nachdruck ausrief: 5 „Möge mein Bruder ſeine Augen aufthun. Ich habe in ſein Medizin⸗Buch geſchaut, ſehe aber nicht, daß der rothe Mann etwas Anderes iſt, als ein rother Mann. Der große Geiſt ſchuf ihn, und was der große Geiſt ſchuf, das bleibt. Die Blaßgeſichter haben ihr Buch gemacht, und es lügt.“ „Nein, nein, Peter, Du ſprichſt gottloſe Worte! Aber der Herr wird Dir vergeben, denn Du weißt nicht, was Du ſprichſt. Gib mir das heilige Buch, damit ich es an mein Herz lege, in welchem, wie ich demüthig hoffe, ſo viele ſeiner göttlichen Lehren bereits geborgen ſind.“ Dieß wurde in dem Drange des Gefühls auf Engliſch geſagt, und da Peter es verſtand, überließ er dem Geiſtlichen die Bibel und ſchickte ſich an, den Vortheil, welchen er, wie er bemerkte, errungen hatte, ſogleich zu verfolgen. „Mein Bruder hat ſein Medezin⸗Buch wieder,“ ſagte Peter,„und die rothen Männer ſind noch am Leben. Dieſe Hand iſt nicht zuſammengeſchrumpft, wie der todte Zweig des Schierlings, obgleich ſie das Wort des großen Geiſtes gefaßt hatte. Es iſt möglich, daß ein Rothhaut⸗ und ein Blaß⸗ geſicht⸗Buch einander Nichts anhaben können. Ich habe in meines Bruders großen Zauber geſehen, aber ich habe Nichts von einer Ueberlieferung gehört oder geſehen, daß wir Juden enthielt es eindlich war ſeien. Ein Bienenjäger wohnt in dieſen Lichtungen. Ich habe mit ihm geſprochen. Er hat mir geſagt, wer dieſe —- —— — 22— Inden ſind. Er ſagt, ſie ſeien ein Volk, das nicht mit den Blaßgeſichtern gehe, ſondern von ihnen geſondert lebe, wie Leute, welche die Blattern haben. Es iſt nicht recht von meinem Bruder, daß er zu den rothen Menſchen kommt und ihnen ſagt, ihre Väter ſeien nicht gut genug geweſen, zu leben, zu eſſen und auf denſelben Pfaden zu wandeln, wie ſeine Väter. „Dieß iſt Alles ein Irrthum, Peter, ein großer, gefähr⸗ licher Irrthum! Der Bienenjäger hat Leute von den Juden ſprechen hören, welche in dem guten Buche nicht ſorgſam genug geleſen hatten. Sie waren und ſind noch das erkorne Volk des großen Geiſtes und werden eines Tages wieder in ſeine Gunſt aufgenommen werden. Wollte Gott, ich gehörte zu ihnen, freilich auch erleuchtet durch die Worte des Neuen Teſtamentes. Kein wahrer Chriſt wird und kann einen Sohn Iſraels verachten, was auch in fruheren Zeiten geſchehen ſein mag. Es iſt eine Ehre und keine Schande, das zu ſein, was, wie ich ſagte, meine Freunde ſind.“ „Wenn dem ſo iſt, warum überlaſſen uns die Blaß⸗ geſichter unſere Jagdgründe nicht? Wir ſind zufrieden. Wir wollen keine Inden ſein. Unſere Canves ſind zu klein, um darin über den großen Salzſee zu ſchiffen. Sie ſind kaum groß genug, um die großen Süßwaſſer⸗Seeen zu befahren. Wir würden müde werden, wenn wir ſo weit ruderten. Mein Bruder ſagt, unter der aufgehenden Sonne ſei ein reiches Land, welches der große Geiſt den rothen Menſchen gegeben habe. Iſt dieß ſo?2“ „Ohne allen Zweifel. Es iſt den Kindern Iſraels als ewiges Eigenthum gegeben worden, und obgleich ihr für eine Weile aus demſelben en tführt worden ſeid, ſteht das Land noch zu eue alten Inſa erfolgen, d Wort Gotte „Möge er hört, wo uns mitgetl ſo, wie er häute und Ort geſehen zu ſehen. geht. Wen auf jenes e wollen wir rien und di dieſes Lande Wild unter tödtet. Ge Indianer u geben, wen ſie ſo lang als ihre C Sie haben geſehen un mit euern hinein und ihr gekomn geſichte dar ſoll dem n Wine Dörf mit den ebe, wie recht von mmt und veſen, zu deln, wie c, gefähr⸗ den Juden t ſorgſam as erkorne wieder in h gehörte des Neuen nen Sohn hehen ſein ſein, was, die Blaß⸗ den. Wir klein, um ſind kaum befahren. ten. Mein ein reiches hen gegeben Iſraels als hr für eine das Land — 23— noch zu euerm Empfang offen und harrt der Rückkehr ſeiner alten Inſaſſen. Zur geeigneten Zeit muß dieſe Rückkehr erfolgen, denn wir haben in unſrer chriſtlichen Bibel das Wort Gottes, daß dieß geſchehen werde.“ „Möge mein Bruder ſeine Ohren ſehr weit öffnen, damit er hört, was ich zu ſagen habe. Wir danken ihm, daß er uns mitgetheilt hat, wir ſeien Juden. Wir glauben, er denke ſo, wie er ſpricht. Dennoch glauben wir, wir ſeien Roth⸗ häute und Indianer, und keine Juden. Wir haben nie den Ort geſehen, wo die Sonne aufgeht. Wir wünſchen ihn nicht zu ſehen. Unſere Jagdgründe ſind dem näher, wo ſie unter⸗ geht. Wenn die Blaßgeſichter glauben, wir hätten ein Recht auf jenes entlegene Land, das reich iſt an guten Dingen, ſo wollen wir es an ſie abtreten und dieſe Lichtungen, die Prä⸗ rien und die Wälder für uns behalten. Wir kennen das Wild dieſes Landes und haben gelernt, es zu tödten. Wir kennen das Wild unter der aufgehenden Sonne nicht, das uns vielleicht tödtet. Geht zu euern Freunden, und ſagt ihnen:„Die Indiauer wollen euch das Land unter der aufgehenden Sonne geben, wenn ihr ſie auf ihren Jagdgründen laſſen werdet, wo ſie ſo lange geweſen. Sie ſagen, eure Canoes ſeien größer, als ihre Canoes, und ein einziges faſſe einen ganzen Stamm. Sie haben einige eurer dicken Canves auf den großen Seeen geſehen und ſie gemeſſen. Füllt Alle, die ihr gebaut habt, mit euern Squawen und Pappuſen, bringt eure Habſeligkeiten hinein und kehrt auf dem langen Pfade zurück, auf welchem ihr gekommen ſeid. Dann wird der rothe Mann dem Blaß⸗ geſichte danken und ſein Freund ſein. Das ferngelegene Land ſoll dem weißen Mann eigen ſein. Er mag es nehmen und ſeine Dörfer dort aufbauen und ſeine Bäume fällen. Dieß iſt Alles, was die Indianer wünſchen. Wenn die Blaßgeſichter die Blattern und das Feuerwaſſer mit ſich nehmen wollen, iſt es deſto beſſer. Sie haben beide in dieſes Land gebracht, es iſt recht, daß ſie das Mitgebrachte wieder mit ſich nehmen. Will mein Bruder dieß ſeinem Volke ſagen?“ „Es würde zu Nichts führen. Sie wiſſen, daß das Land Judäa von Gott für ſein auserwähltes Volk beſtimmt iſt, und ſie ſind keine Juden. Nur die Kinder Iſraels können jenem Lande ſeine ehemalige Fruchtbarkeit wieder geben. Es wäre vergebens, wenn ein anderes Volk es verſuchte. Große Heere ſind dort geweſen, und man wollte einſt ein mächtiges Königreich dort gründen, aber es war nicht die rechte Zeit und nicht das rechte Volk. Nur Juden können Judäa wieder zu dem machen, was es war und was es wieder ſein wird. Wenn mein Volk jenes Land auch ſein nennte, wär' es ihm von keinem Nutzen. Auch iſt unſere Anzahl jetzt zu groß, um in Canoes wegzugehen.“ „Sind die Väter der Blaßgeſichter in Canoes gekommen?“ fragte Peter ein wenig ernſt. „Allerdings, ſeit jener Zeit aber ſtieg die Bevölkerung in ſo hohem Grade, daß man nicht Canoes genug finden könnte, um ſie zu faſſen. Nein, der große Geiſt hat zu ſeinen weiſen Zwecken mein Volk hierher geführt, und es muß hier bleiben bis zu aller Zeiten Ende. Es iſt nicht leicht, die Tauben im Frühlinge nach Süden fliegen zu laſſen.“ Dieſe Erklärung, welche ruhig, aber beſtimmt gegeben wurde, wie der Miſſionär gewöhnlich zu ſprechen pflegte, that ihre Wirkung. Sie ſagte Peter und ſeinen Gefährten ſo klar und einfach, wie die Sprache es nur ausdruücken konnte, daß ſie nicht hoffen durften, die Blaßgeſichter jemals freiwillig aus dem lediglich Wal gung in Unterbrec nur dem thümlich Es der Wil einander Inſtincte eines Hi mehr vo So von fün die enge den Ra wurde aßgeſichter vollen, iſt cht, es iſt nehmen. das Land timmt iſt, ls können eeben. Es te. Große mächtiges rechte Zeit däa wieder ſein wird. är' es ihm zu groß, — kommen?“ lkerung in den könnte, inen weiſen jier bleiben Tauben im mt gegeben pflegte, that rten ſo klar konnte, daß s freiwilli 25 aus dem Lande ſcheiden zu ſehen, und daß die Entſcheidung lediglich von dem Glücke der Waffen abzuhängen ſcheine. Wahrſcheinlich würde der Kreis der Krieger ſeine Erre⸗ gung in irgend einer Weiſe bethätigt haben, wäre nicht eine Unterbrechung erfolgt, welche alle andere Gefühle hemmte und nur dem Raum ließ, welches dem Leben der Wilden eigen⸗ thümlich iſt. Zweites Kapitel. Dem Gipfel nah ſtand Moſes, in der Hand bielt er den Stab, mit dem er Misraim's Reich durch unerhörte Plagen heimgeſucht, und weit das rothe Meer den Seinigen geöffnet. Schön war ſeine hobe Stirne, und aus dem ſeelenkund'gen Auge ſtrablte Begeiſterung, wie in der Geſetze Wort ſie bald ſich kund gab. Hillhouſe. Es begibt ſich nicht ſelten, daß in den tiefen Gründen der Wildniß, bei Abweſenheit der Menſchen, die Thiere auf einander Jagd machen. Beſonders ſieht man die Woͤlfe ihrem Inſtincte gemäß oft in Schaaren den Hufen einer Antilope, eines Hirſches und ahnlicher Geſchöpfe folgen, deren Sicherheit mehr von ihrer Flüchtigkeit, als von ihrer Kraft abhängt. So ſprang auch jetzt ein ſchöner Rehbock mit einer Meute von fünfzig Wölfen dicht hinter ſich in mächtigen Sätzen durch die enge Schlucht, die der Bach durchſtrömte, und kam auf den Raſenplatz des Thalgrundes. Sein ungeſtümer Anprall wurde zuerſt durch den Anblick des Feuers gehemmt, dann — 26— erhob ſich ein düſterer Kreis von Männern, die alle bewaffnet und an die Jagd gewöhnt waren. In kürzerer Zeit, als die Erzählung dieſes Vorfalles forderte, wimmelte dieſes kleine Raſenſtück von Menſchen und Thieren. Das wilde Ungeſtüm der Jagd und der Flucht hatte die Thiere gehindert, ihren feinen Geruchsſinn wirken zu laſſen, und für einen Augenblick waren Alle in eine Art Knäul verſtrickt. So kurz dieſes Durcheinander war, benützte ein junger Jäger es doch, ſeinen Pfeil durch das Herz des Bockes zu jagen, während andere Indianer einen Theil der Wölfe mit Pfeilen und Meſſern tödteten. Keine Büchſe wurde abgeſeuert, wahrſcheinlich wollte man keinen Lärm machen. Die Wölfe waren über dieſes unerwartete Zuſammen⸗ treffen ebenſo erſtaunt, wie die Indianer. Es war keine Meute ausgehungerter, blutgieriger Thiere, welche die Verzweiflung zu dem furchtbarſten Angriffe führen konnte, ſondern ſie jagten, wie Gentlemen, zu ihrem Vergnügen. Ihre ungeſtüme Eile wurde weniger durch die Menſchenmenge, als durch den Anblick des Feuers gehemmt. In ihrer wilden Haſt hätte ſie ſich vielleicht vor der dreifachen Anzahl nicht gefürchtet, kein wildes Thier geht aber gern dem Feuer entgegen. Einige der Häuptlinge, welche dieſe Lichtſcheue gewahrten, ergriffen Brände, ſtürzten ſich ſorglos inmitten der Meute, und verjagten die Thiere nach allen Richtungen. Einer der Wölfe brach mitten durch den Kreis, warf ſich in das jenſeitige Dickicht und lief unglücklicherweiſe, er ſelbſt mußte dafür büßen, an den gefallenen Baum hinan, auf welchem der Bienenjäger und der Korporal Platz genommen hatten. Dieß war zu viel für Stock's Erziehung, ſowie für ſeine Pl Feind ar freien R Kampf, Hur gend, ur Gebell. wegzurei und da zuhalten. Wie Stelle zu Weiſe n Zuſchaue Wolf tor gleich ü thuenden Vie weder K erſten Z ſcheinlich aus eine ſenden§ ihn auf gänzlich Der Indianer ſich wied zerſtreut neuen J waffnet orfalles en und dt hatte laſſen, Knäul junger ckes zu lfe mit efeuert, immen⸗ Meute veiflung jagten, ne Eile Anblick ſie ſich mwildes vahrten, Meute, varf ſich er ſelbſt in, auf nommen wie für 5 neuen Jagdvergnügen anſchickten. ſeine Philoſophie. Als dieſes edle Thier einen anerkannten Feind auf ſich zuſtürzen ſah, trat er ihm auf einem kleinen, freien Raum mit offenem Rachen entgegen, und ein wilder Kampf, der einige Augenblicke dauerte, war die Folge. Hunde und Wölfe bekämpfen ſich bekanntlich nicht ſchwei⸗ gend, und laut war bei dieſer Gelegenheit das Geheul und Gebell. Vergebens bemühte ſich le Bourdon, ſeine Dogge wegzureißen, das Thier war auf dem beſten Wege zum Siege, und da iſt es ſtets ſchwer, die Schritte des Kämpfenden auf⸗ zuhalten. Wie zu erwarten war, eilten Einige der Häuptlinge der Stelle zu, wo dieſer Höllenlärm laut geworden, und auf dieſe Weiſe wurde ihnen die Anweſenheit der zwei ungeladenen Zuſchauer zuerſt bekannt. Im nächſten Augenblicke lag der Wolf todt zu den Füßen der Dogge, und beide Theile ſchauten, gleich überraſcht und gleich verlegen wegen des zunächſt zu thuenden Schrittes, einander an. Vielleicht war es ein Glück für den Bienenjäger, daß weder Krähenfeder, noch Einer der Pottawattamies bei dieſem erſten Zuſammentreffen anweſend war, ſonſt wäre er wahr⸗ ſcheinlich auf der Stelle als Opfer ihrer getäuſchten Hoffnung, aus einer Whiskey⸗Quelle zu trinken, gefallen. Die anwe⸗ ſenden Häuptlinge waren le Bourdon fremd, und ſie ſtarrten ihn auf eine Weiſe an, welche zeigte, daß auch er iihnen gänzlich unbekannt war. 3 Der Bienenjäger und der Korporal mußten jetzt den Indianern auf den Raſenplatz folgen, wo die ganze Schaar 3 ſich wieder ſammelte, nachdem die Wölfe nach allen Richtungen zerſtreut waren und ſich vielleicht bereits wieder zu einem Während dieſes ganzen aufregenden und lärmenden Auf⸗ trittes*) hatte Peter ſich nicht gerührt. Mit ſolchen Begeb⸗ niſſen vertraut, fühlte er, wie wichtig es ſei, eine regungsloſe Ruhe zu behaupten, da eine ſolche Eigenſchaft die Gemüther ſeiner Gefährten ohne Zweifel mit dem Gefühle ſeiner Würde und Selbſtbeherrſchung durchdringen mußte. Während Alles um ihn in Bewegung und Aufruhr war, ſtand er regungslos wie eine Bildſäule da. Selbſt die Seelenſtärke des würdigen Miſſionärs war durch den wilden Sturm, welcher einen Augenblick gebrauſt hatte, erſchüttert worden, der gute Mann vergaß in ſeiner Angſt vor den Wölfen die Juden, vergaß in ſeiner Furcht vor einer unbehaglichen, bedrohlichen Gegenwart die mächtige Zukunft. Alles dieß war jedoch bald vorüber, und Ordnung, Stille und würdevolle Ruhe herrſchte wieder in dem Kreiſe. Neue Brände wurden auf das Feuer geworfen und die beiden Gefan⸗ genen oder Zuſchauer ſtanden,„die Beachteten aller Beachter,“ demſelben ſo nahe, als die große Hitze es möglich machte. Jetzt erſt erkannten Krähenfeder und ſeine Gefährten den Whis⸗ key⸗Quelle⸗Zauberer. Peter fühlte ſich unbehaglich, als er die beiden Zuſchauer entdeckt ſah. Die Zeit war noch nicht gekommen, wo er ſeinen Streich zu führen beabſichtigte, und er hatte unter jenen Pottawattamies, als er an der Mündung des Kolamazoo war, Winke erhalten, welche ihn gewahren ließen, wie wenig ſie *) Eine ſolche Scene heißt in dem neueſten Amerikaniſch ein„stam- pede.“ Man ſieht, die Amerikaner ſuchen ſich ſachlich, politiſch und ſprachlich auszudehnen. Dieſer Ausdruck kam unlängſt von Mexico herauf. Der Ueberſetzer geneigt getäuſcht Sei Einfluſſe auf wel konnten, den. D „If ſtammlof neben ih Maus z „Manche Bruder ſein Wie Füt Quelle und ſich Peter ge als den ſagte er geſehen anweſend üben zu kehren 1 ihrer S Die ſtehen es die Wäld wird, 2 nehmen niſſe in een Auf⸗ Begeb⸗ ungsloſe demüther Würde d Alles zungslos dar durch iſſt hatte, ngſt vor or einer zukunft. g, Stille e. Neue n Gefan⸗ heachter,“ machte. en Whis⸗ Zuſchauer er ſeinen ter jenen azoo war, wenig ſie in„stam- 5. politiſch nlängſt von rſetzer — 29— geneigt ſeien, einen Mann, der ihre Hoffnung ſo ſchmählich getäuſcht hatte, freundlich zu behandeln. Seine erſte Sorge war daher, mit ſeinem Anſehen und Einfluſſe zwiſchen le Bourdon und jeden Racheplan zu treten, auf welchen Krähenfeder's junge Männer vielleicht verfallen konnten, ſobald ſie ihres„Medizin⸗Mannes“ anſichtig wur⸗ den. Dabei verfuhr er auf eigenthümliche, ſchlaue Weiſe. „Iſt mein Bruder ein Freund des Honigs?“ fragte der ſtammloſe Häuptling den Führer der Pottawattamies, welcher neben ihm ſaß und le Bourdon anſah, wie die Katze auf die Maus zu ſchauen pflegt, ehe ſie auf ihre Beute losſpringt.— „Manche Indianer lieben eine ſo ſüße Speiſe, wenn mein Bruder zu dieſer Klaſſe gehört, kann ich ihm ſagen, wie er ſein Wigwam ohne viele Mühe mit Honig füllen kann.“ Für ein Anerbieten dieſer Art, das aus einer ſolchen OQuelle kam, konnte Krähenfeder nur ſeinen Dank ausdrücken und ſich bereit erklären, zu hören, was weiter folgen ſollte. Peter gedachte nun der Kunſt le Bourdon's und ſchilderte ihn als den geſchickteſten Bienenjäger des Weſten, ſeine Kunſt, ſagte er, ſei ſo groß, daß kein Indianer je ſeines Gleichen geſehen habe, es ſei ſeine Abſicht, ihn zum Vortheile der anweſenden Häuptlinge und Krieger ſeinen Beruf alsbald aus⸗ üben zu laſſen, und ſie könnten dann in ihre Dörfer zurück⸗ kehren und reiche Honigvorräthe mitnehmen, um die Herzen ihrer Squawe und Pappuſe zu erfreuen.“ Dieſe Liſt hatte den beſten Erfolg, denn die Indianer ver⸗ ſtehen es nicht, ſich dieſen Leckerbiſſen zu verſchaffen, welchen die Wälder in ſolcher Fuͤlle bieten, theils weil es ihnen ſchwer wird, Bäume zu fällen, theils weil ſie von dem„Winkel⸗ nehmen“— nichts wiſſen, ein Verfahren, das über ihre Kennt⸗ niſſe in der Mathematik weit hinausgeht. — 30— Nachdem Peter le Bourdon auf dieſe Weiſe für den Augen⸗ blick geſchützt ſah, hielt er es für geeignet, die geſchichtliche Unterſuchung, an welcher die Rathsverſammlung ſo großen Antheil genommen hatte, und die durch den Einfall der Wölfe unterbrochen worden war, zu Ende zu führen. Zu dieſem Zweck erhob er ſich und rief in einer kurzen Anſprache den ſämmtlichen Anweſenden dieſe wichtige Angelegenheit in das Gedächtniß zurück. Er that dieß vorzüglich, um jeden vor⸗ eiligen Angriff auf die Perſon le Bourdon's abzuwehren. „Bruder,“ ſagte dieſer geheimnißvolle Häuptling,„es iſt gut, daß die Indianer lernen. Wenn ſie etwas lernen, wiſſen ſie es, und können dann etwas anderes lernen. So machen es die Blaßgeſlchter, das macht ſie weiſe und gibt ihnen die Macht, uns unſre Jagdgründe zu nehmen. Wer nichts weiß, iſt nur ein Kind, das zu ſchnell aufgewachſen iſt. Er mag groß werden, mag lange Schritte machen, mag ſtark genug ſein, um Laſten zu tragen, mag Wildpret und Büffelhöcker gern eſſen,— ſeine Größe iſt aber nur ein Hinderniß, er weiß ſeine Schritte nicht zu lenken, er weiß ſeine Laſt nicht zu wählen, und er muß die Squawe um Eſſen bitten, ſtatt es ihnen ſelbſt in das Wigwam zu bringen. Er hat nicht gelernt, das Wild zu tödten. Wir müſſen Alles lernen. Es iſt recht ſo. Wenn wir gelernt haben, Wild zu tödten und den Feind zu treffen, und das Wigwam in Fülle zu verſorgen, dann können wir auch Ueberlieferungen lernen. Ueberlieferungen ſprechen uns von unſern Vätern. Wir haben viele Ueber⸗ lieferungen. Manche werden ſelbſt den Squawen erzählt. Manche werden an den Feuern der Stämme erzählt. Manche ſind nur den bejahrten Häuptlingen bekannt. Auch das iſt recht. Der Indianer ſoll nicht zu viel ſagen, und nicht zu wenig. mein B unſere 1 Etwas ſ gut, das Indianer und kein bei einer hören!“ Jetz Alles, n ſuchte— wie er n Anſicht: „M „daß es her geko Augen h Bärenfle offen un „It meine YN „Es iſt wünſche ſichter di Die er war einer Ack gegen de tete er n Augen⸗ hichtliche d großen der Wölfe u dieſem rache den t in das eden vor⸗ hren. , nes iſt en, wiſſen nachen es ihnen die chts weiß, Er mag urk genug üffel hoͤcker 3, er weiß t nicht zu u, ſtatt es ht gelernt, Z iſt recht den Feind gen, dann lieferungen iele Ueber⸗ en erzählt. Manche ich das iſt nd nicht zu — 31— wenig. Er ſoll ſagen, was weiſe iſt, was das Beſte iſt. Aber mein Bruder, der Medizin⸗Prieſter der Blaßgeſichter ſagt, unſere Ueberlieferungen hätten uns nicht Alles mitgetheilt. Etwas ſei zurückgehalten worden. Wenn das iſt, ſo iſt es gut, das auch zu lernen. Wenn wir Juden ſind und keine Indianer, müſſen wir es wiſſen. Wenn wir Indianer ſind und keine Juden, muß unſer Bruder es wiſſen und uns nicht bei einem falſchen Namen nennen. Laßt ihn ſprechen. Wir hören!“ Jetzt ließ ſich Peter langſam nieder. Da der Miſſionär Alles, was geſagt worden, verſtand, erhob er ſich nun und ſuchte— ſo gut er dieß vermochte, und in der Sprache, welche, wie er wußte, den Sitten der Indianer angemeſſen war— ſeine Anſicht von den verlornen Stämmen darzulegen. „Meine Kinder müſſen wiſſen,“ begann der Miſſionär, „daß es ehrenvoll iſt, ein Jude zu ſein. Ich bin nicht hier⸗ her gekommen, um die rothen Menſchen in ihren eigenen Augen herabzuſetzen, ſondern um ſie zu ehren. Ich ſehe, daß Bärenfleiſch etwas zu ſagen wünſcht. Meine Ohren ſind offen und meine Zunge ſchweigt.“ „Ich danke meinem Bruder, daß er mir Gelegenheit gibt, meine Meinung zu ſagen,“ verſetzte der erwähnte Häuptling. „Es iſt wahr, ich habe etwas zu ſagen. Es iſt dieß. Ich wunſche von dem Medizin⸗Mann zu wiſſen, ob die Blaßge⸗ ſichter die Juden achten und ehren?“ Dieſe Frage kam dem Miſſionär ziemlich ungelegen, aber er war ein viel zu biederer Mann, um zu heucheln. Mit einer Achtung gegen die Wahrheit, welche aus der Achtung gegen den Vater alles deſſen, was wahr iſt, herfloß, antwor⸗ tete er ehrlich, obgleich nicht zu verkennen war, daß er der — 32— Beide Sprecher er iſt ne Antwort am liebſten überhoben geweſen wäre. er thun ſtanden während des Zwiegeſprächs. „Mein Bruder wünſcht zu wiſſen, ob die Blaßgeſichter die„D Juden achten und ehren,“ erwiederte der Miſſionär.„Ich wollte, iſt nicht ich könnte„Ja“ ſagen, aber die Wahrheitsliebe zwingt mich, wiſſen d „Nein“ zu ſagen. Die Blaßgeſichter haben Ueberlieferungen, zu unter welche gegen die Juden ſprechen und das Gericht Gottes laſtet ſetzen, tl ſchwer auf den Kindern Iſraels. Aber alle guten Chriſten und Wi ſchauen jetzt mit freundlichen Augen auf dieſes zerſtreute, ver⸗ iſt, einen folgte Volk und wünſcht ihm das Beſte. Es wird dem weißen ihm ſeir Manne große Freude machen, zu vernehmen, daß ich die ver⸗ thun die lornen Stämme Iſraels in den rothen Menſchen Amerikas nicht ge gefunden habe.“ zu ſitzen. „Will mein Bruder uns ſagen, warum dieß den Blaß⸗ geſichter geſichtern Freude machen wird? Vielleicht, weil es ſie ergötzt, daß ſie ihre alten Feinde arm und auf kleinen Jagdgründen zu wiſſen,„M von welchen die Dörfer und Höfe der Blaßgeſichter ſie ver⸗ när.„ treiben und immer mehr gegen die untergehende Sonne ſcheu⸗ kann ſa chen, und zu denen jetzt Blattern und Feuerwaſſer einen Pfad nur wei gefunden haben, aber keinen, der dieſe Dinge wieder von uns derungen wegführt?“ auf dieſe „Nein, nein, Bärenfleiſch, denkt nicht ſo unfreundlich wußte ke von uns Weißen. Indem unſere Väter über den großen Salz⸗ zwiſchen ſee ſchifften und in dieſen Theil der Welt kamen, wurden ſie daß rotl von dem Finger Gottes geleitet. Wir gehorchen nur dem es, und Willen des großen Geiſtes, indem wir in dieſe Wildniß vor⸗ Verſamn dringen, durch ſeine Weisheit geführt und beſtimmt, die Er⸗ Namen kenntniß ſeines Namens unter denen zu verbreiten, welche ihn es mir bis jetzt nie gehört, oder, wenn ſie ihn hörten, nicht beachtet und der haben. In allem dieſen iſt der Weiſeſte nur ein Kind, denn ihrer Vä 256⸗ Sprecher ichter die ch wollte, ngt mich, ferungen, ttes laſtet Chriſten reute, ver⸗ em weißen h die ver⸗ Amerikas den Blaß⸗ ſie ergötzt, zu wiſſen, er ſie ver⸗ onne ſcheu⸗ einen Pfad er von uns unfreundlich koßen Salz⸗ wurden ſie n nur dem zildniß vor⸗ mt, die Er⸗ welche ihn icht beachtet Kind, denn — 33— er iſt nicht im Stande, zu ſagen, wohin er gehen, und was er thun ſoll.“ „Dieß iſt ſeltſam,“ erwiederte der ſtarre Indianer.„Es iſt nicht ſo mit den Rothhäuten. Unſere Squawe und Pappuſe wiſſen den Jagdgrund des einen Stammes und den des andern zu unterſcheiden. Wenn ſie ihre Füße auf fremde Jagdgründe ſetzen, thun ſie dieß abſichtlich,— ſie wollen dahin gehen und Wild ſtehlen. Dieß iſt zuweilen recht. Wenn es recht i*ſt, einem Feinde den Scalp zu nehmen, ſo iſt es auch recht, ihm ſeinen Hirſch und ſeinen Büffel zu ſtehlen. Aber wir thun dieß nie, ohne es zu wiſſen. Wäre dieß, ſo würden wir nicht geeignet ſein, in den Wäldern zu jagen und im Rathe zu ſitzen. Ich habe jetzt zum erſten Mal gehört, daß die Blaß⸗ geſichter ſo ſchwach ſind und einen ſo weibiſchen Geiſt haben, daß ſie nicht wiſſen, wohin ſie gehen.“ „Mein Bruder verſteht mich nicht,“ entgegnete der Miſſio⸗ när.„Niemand kann in die Zukunft ſchauen,— Niemand kann ſagen, was morgen geſchehen wird. Der große Geiſt nur weiß das. Er alſo muß ſeine Kinder auf ihren Wan⸗ derungen leiten. Als unſre Väter zuerſt aus ihren Canvoes auf dieſer Seite des großen Salzſee's an das Land ſtiegen, wußte kein einziger von ihnen das geringſte von dieſem Gebiete zwiſchen den großen Süßwaſſer⸗Seeen. Sie wußten nicht, daß rothe Menſchen hier wohnten. Der große Geiſt wußte es, und es war ſein Wille, daß ich heute Nacht mit dieſer Verſammlung mich erheben und von ſeiner Macht und ſeinem Namen ſprechen und ihn preiſen ſollte. Der große Geiſt hat es mir eingegeben, mich inmitten der Rothhäute zu verfügen, und der große Geiſt hat mich, wie Krieger zu den Gräbern ihrer Väter geleitet werden, auf jedem meiner Schritte geleitet, 256— 258. 3 — 34— daß die Indianer wirklich die nes auserwählten und einſt ſo Laßt mich eine Frage an meine Ueberlieferungen nicht, daß eure Väter einſt aus einem ferne gelegenen Lande gekommen ſind?“ Bärenfleiſch ſetzte ſich nan wieder, denn er fühlte ſich nicht berufen, Angeſichts eines ſo geehrten Häuptlings, wie Peter, eine Frage dieſer Art zu beantworten. Er zog es vor, den Letztern das Geſpräch da aufnehmen zu laſſen, wo er es aufzugeben für gut fand. Da Wa⸗wa⸗noſh den Grund dieſes raſchen Abtretens ſehr gut einſah, übernahm er ruhig das Amt des Sprechers und Alles begab ſich ziemlich, als wäre kein Wechſel der Per⸗ um die Entdeckung zu machen, Kinder Iſraels, ein Theil ſei ſehr begünſtigten Volkes ſind. Brüder richten. Sagen eure ſonen eingetreten. „Unſere Ueberlieferungen beſagen, aus einem weitentlegenen Lande gekommen,“ ohne ſich zu erheben. „Ich dachte es, ich dachte es!“ rief der einfache, glau⸗ bensfeſte Geiſtliche.„Wie wunderbar ſind die Wege Gottes! Ja, meine Brüder, Judäa iſt ein weit entlegenes Land und eure Ueberlieferungen beſagen, eure Väter ſeien aus einer ſolchen Ferne gekommen. Dieß iſt alſo einer der Beweiſe. Sagen eure Ueberlieferungen nicht, eure Stämme hätten ſich t2 einſt der Gunſt des großen Geiſtes mehr erfreut, als jetz „Unſre Ueberlieferungen ſagen dieß: Einſt ſahen unſere Stämme das Antlitz des Manitou nicht ſo düſter auf ſie ſchauen, wie jetzt. Dieß war, ehe die Blaßgeſichter in ihren dicken Canoes über den großen Salzſee kamen und die Indianer aus ihren Jagdgründen vertrieben. Es war, als die Blattern den Pfad noch nicht in ihre Dörfer gefunden hatte, als das unſere Väter ſeien antwortete Peter, Feuerw ſeine K „2 dieſe,— zu Ang. jener 3 Damals aus der aber ſel wenn de iſt. Ja und von „U von unſ verſchied wie die ſchwarz, hohe N Den Bl Dieß iſt vielfache von derf Farbe. Väter ſi Juden, unſere 2 damit a gekrümn zu ſprech Pfad zu rklich die einſt ſo an meine daß eure en ſind?“ fühlte ſich ings, wie og es vor, wo er es Abtretens Sprechers l der Per⸗ zäter ſeien rtete Peter, ache, glau⸗ ꝛge Gottes! 3 Land und aus einer er Beweiſe. hätten ſich als jetzt?“ ahen unſere ſter auf ſie ter in ihren die Indianer die Blattern ttte, als das Feuerwaſſer ihnen noch unbekannt war und noch kein Indiauer ſeine Kehle damit verbrannt hatte.“ „Bruder, ich ſpreche von einer viel, viel frühern Zeit als dieſe,— von einer Zeit, wo eure Propheten Gott von Angeſicht zu Angeſicht ſchauten und mit dem Schöpfer redeten. Seit jener Zeit hat euer Volk große Wechſelfälle erfahren müſſen. Damals war eure Farbe hell, wie die des ſchönſten, weißeſten aus der eirkaſſiſchen Raſſe, jetzt iſt ſie roth geworden. Wenn aber ſelbſt die Farbe wechſelt, darf man ſich nicht wundern, wenn der Menſch in anderen Beziehungen nicht mehr derſelbe iſt. Ja, einſt waren alle Menſchenraſſen von derſelben Farbe und von derſelben Abſtammung.“ „Unſere Ueberlieferungen ſprechen nicht ſo. Wir haben von unſeren Vätern gehört, der große Geiſt habe Menſchen von verſchiedenen Farben geſchaffen,— die habe er hell geſchaffen, wie die Blaßgeſichter, die roth, wie die Indianer, und die ſchwarz, wie die Selaven der Blaßgeſichter. Einigen gab er hohe Naſen, Anderen niedrige, noch Anderen platte Naſen. Den Blaßgeſichtern gab er Augen von verſchiedenen Farben. Dieß iſt der Grund, warum ſie ſo viele Dinge und auf ſo vielfache Weiſe ſehen. Den rothen Menſchen gab er Augen von derſelben Farbe, und ſie ſehen ſtets die Dinge in derſelben Farbe. Der rothe Mann weiß nichts von Wechſel. Unſere Väter ſind ſtets roth geweſen. Dieß wiſſen wir. Wenn jene Juden, von welchen ihr ſprecht, je hell waren, ſo find ſie nicht unſere Väter geweſen. Wir ſagen das dem Medizin⸗Mann, damit auch er es wiſſe. Wir wuünſchen ihn nicht auf einen gekrümmten Pfad zu führen oder mit doppelter Zunge zu ihm zu ſprechen. Was wir geſagt haben, iſt ſo.— Jetzt iſt der Pfad zu dem Wigwam der Blaßgeſichter offen, und wir wuͤn⸗ 3* — 36— s wohlbehalten erreichen. Wir Indianer ſchen, ſie möchten e Rath zu halten und werden länger haben um dieſes Feuer hier bleiben.“ Dieſe einfa Weißen nicht ferner wünſchenswerth ſei, unvermeidlich. Der Miſſionär, der vor Eifer glühte, entfernte ſich ungern, denn in ſeinen Augen verſprachen die jetzigen Verhandlungen mit den Wilden nicht nur die Bekehrung von Heiden, ſondern das Wiederfinden verlorner Stämme des aus⸗ erwählten Volkes. Demungeachtet mußte er gehorchen, und als le Bourdon und der Korporal ſich entfernten, wendete er ſich und ſprach in feierlichem Tone den chriſtlichen Segen über die Geſellſchaft aus. Die Bedeutung dieſes eindringlichen Gebetes war den meiſten Häuptlingen bekannt, und ſie erhoben ſich ſämmtlich in dankbarer Anerkennung. Als die drei weißen Männer aus dem Kreiſe ſchieden, ſchlugen ſie die Richtung nach Honigſchloß ein. Stock folgte ſeinem Herrn, denn er war ohne bedeutende Verletzung aus dem Kampfe hervorgegangen. Als ſie einen Punkt erreichten, wo ſie noch einmal den Raſenplatz im Auge hatten, wendeten ſie ſich Alle, um zu ſehen, was nun dort vorgehe. Das Feuer flammte gerade hell genug auf, um ihnen den Kreis dunkler Geſichter zu zeigen, kein Indianer aber redete oder rührte ſich. Dort ſaßen ſie Alle regungslos, wie Bronze⸗ bilder, und harrten geduldig des Augenblicks, wo die„Frem⸗ den“ ſich auf eine gehörige Strecke entfernt hätten, um ohne Furcht, unterbrochen zu werden, zu ihren Privatangelegenheiten überzugehen. „Dieß war für mich eine ſehr ergreifende Scene,“ bemerkte der Miſſionär, als die drei Weißen ihren Weg nach dem Fort che Mittheilung, daß die Anweſenheit der machte ihren Abzug verfolgten beizubring überzeugt, einzelne d ihr geſehe Punkt au „Ich Mängeln Bienenjäg theidigen, Sache un lingen ge⸗ dieß vielle die Menſe Ihnen ſog leſen alle Ihr und ein farbig Körper fö die ſchwa hielte.“ „Vie Farbe ged Geiſtlicher nur eine eine ausge „Nut auf Erder welche jed haftig, ich ndianer länger heit der u Abzug entfernte jetzigen ung von des aus⸗ hen, und endete er egen über einglichen e erhoben ſchieden, ock folgte tzung aus erreichten, wendeten ihnen den aber redete vie Bronze⸗ die„Frem⸗ „um ohne llegenheiten „“ bemerkte h dem Fort — 37— verfolgten.„Wie ſchwer iſt es, Menſchen eine Ueberzeugung beizubringen, welche gegen ihre Wünſche ſtreitet. Ich bin ſo überzeugt, als ein Menſch es nur immer ſein kann, daß jeder einzelne dieſer Indianer wirklich ein Jude iſt, und doch habt ihr geſehen, wie wenig es mir glücken wollte, ſie in dieſem Punkt auf den rechten Weg zu führen!“ „Ich habe ſtets bemerkt, daß der Menſch ſelbſt an ſeinen Mängeln feſthält, wenn ſie natürlich ſind,“ erwiederte der Bienenjäger.„Selbſt ein Nigger würde ſeine Farbe ver⸗ theidigen, warum ſollte es der Indianer nicht? Ihr habt die Sache unrecht angefangen, Paſtor. Hättet ihr dieſen Häupt⸗ lingen geſagt, ſie ſeien Juden, ſo wuürden die armen Burſche dieß vielleicht hingenommen haben, denn ſie wiſſen kaum, wie die Menſchen auf die Juden zu ſchauen pflegen, aber Ihr zogt Ihnen ſogleich die Haut ab und machtet ohne weiteres Feder⸗ leſen alle Rothhäute zu ärmlichen, kraftloſen Blaßgeſichtern. Ihr und ich halten ein weißes Geſicht wohl höher, als irgend ein farbiges, die Natur färbt aber das Auge, wenn ſie den Körper färbt, und es gibt keinen Nigger in Amerika, welcher die ſchwarze Farbe nicht für den Ausbund von Schönheit hielte.“ „Vielleicht war ich zu raſch, indem ich des Wechſels der Farbe gedachte, Bourdon. Was kann aber ein chriſtlicher Geiſtlicher anders thun, als die Wahrheit ſagen? Adam hat nur eine Farbe haben können, und alle Raſſen auf Erden, eine ausgenommen, müſſen dieſe eine Farbe geändert haben.“ „Nun, und ich ſetze mein Leben daran, daß alle Raſſen auf Erden glauben, dieſe eine Farbe ſei gerade die geweſen, welche jeder beſondern Schattirung zu Theil geworden. Wahr⸗ haftig, ich würde mich ebenſo wenig, wie ein Indianer, aus meiner Farbe herausſprechen laſſen. In Amerika ſetzt man ziemlich viel Werth auf die Farbe, und ſie mag bei den Indianern ebenſo hoch gehalten werden, wie bei den Weißen. Nein, nein, Paſtor, Ihr hättet damit beginnen ſollen, daß Ihr dieſe Wilden für die Anſicht zu gewinnen ſuchtet, ſie ſeien Juden, war das erreicht, würde das Andere ſich leicht gefunden haben.“ „Ihr ſprecht von den Juden, als ſähet Ihr in ihnen nicht das auserwählte Volk des Herrn, ſondern eine verachtete, haſſenswerthe Raſſe. Dieß iſt nicht recht, Bourdon. Ich weiß wohl, daß manche Chriſten ſo denken, allein dieß macht ihrem Kopfe, wie ihrem Herzen wenig Chre.“ „Ich weiß nur wenig von ihnen, Paſtor Amen, denn ich erinnere mich nicht, je in meinem Leben einen Juden geſehen zu haben. Doch will ich zugeben, daß ich eine Art Groll gegen ſie hege, obgleich ich kaum wüßte, warum. Des einen aber bin ich gewiß, kein Menſch auf Erden würde mich bereden, ich ſei ein Jude, ein verlorener oder ein gefundener, den zehn Srämmen, oder den zwanzig Stämmen angehörig.— Was ſagt Ihr dazu, Korporal?“ „Ich denke gerade wie Ihr, Bourdon. Juden, Türken, Ungläubige, ich verachte ſie alle, ſo wurde ich in meiner Jugend gelehrt, und dabei bleibe ich.“ „Wer von euch kann mir ſagen, warum ihr ſo Viele eurer Mitmenſchen mit ſo liebloſen Angen anſeht? Vom Chriſtenthume rührt dieß nicht her, denn der Art ſind weder ihre Lehren, noch ihre Gefühle. Auch ſeid ihr Beide eben nicht die Eifrigſten in der Beſolgung ſeiner Gebote, wie ſie dem chriſtlichen Volk üͤberliefert worden ſind. Mein Herz füuhlt ſich zu dieſen Indianern hingezogen, die Ungläubige find, ſtatt es eben ge „Ich wären wei Nachdruck anſchickte, aber jetzt nicht ſo ſe hatte.“ „Sie Korporal, jungen So abſcheeren, Eindruck, Burſche mi und Unifor! Unterſchied nach den Reden hielt Garniſon g⸗ Waſſer gebr Belagerung werden muß 3„Ich h ſa, ich fühle Paſtor Amen dieſe Wilden rothe Menſch lings ſo völl Korporal, 1 tzt man bei den Weißen. ten, daß htet, ſie ich leicht n ihnen erachtete, on. Ich eß macht denn ich n geſehen lrt Groll des einen h bereden, den zehn — Was „Türken, n meiner ſo Viele zt? Vom ſind weder zeide eben e, wie ſie ein Herz ungläubige find, ſtatt ein Gefühl gegen ſie zu hegen, es eben geäußert hat.“ „Ich wollte, es wären ihrer weniger, und dieſe Wenigen wären weiter von Honigſchloß entfernt,“ fiel le Bourdon mit Nachdruck ein.„Ich habe wohl gewußt, daß Peter ſich anſchickte, eine große Berathung hier zu halten, nachdem ich aber jetzt Etwas davon geſehen habe, geſtehe ich, daß ſie nicht ſo ſehr nach meinem Sinn iſt, wie ich es erwartet hatte.“ „Sie haben ein gewiſſes kernfeſtes Ausſehen,“ ſagte der Korporal,„und geben ſich als eine rauhe Schaar. Auf einen jungen Soldaten machen alle dieſe Malereien, dieſes Haar⸗ abſcheeren, dieſe Ringe in den Ohren und Naſen einen gewiſſen Eindruck, wenn man aber ein paar Feldzüge gegen dieſe Burſche mitgemacht hat, wird man bald gewahr, daß Farbe und Uniform, wenn man ihre Häute ſo nennen will, keinen Unterſchied machen. Ich habe ſie in das Auge gefaßt und nach den Regeln der Kunſt recognoſeirt, während ſie ihre den hielten, und, nach meinem Urtheil, können wir die Garniſon gegen ſie Alle halten, wenn es uns nur nicht an Waſſer gebricht. Mundvorräthe und Waſſer ſind bei einer Belagerung das Erſte und Letzte, was in dem Auge behalten werden muß.“ „Ich hoffe, wir werden keine Gewalt brauchen müſſen, ja, ich fühle mich überzeugt, daß dieß nicht nöthig iſt,“ ſagte Paſtor Amen.„Peter iſt unſer Freund, und ſein Einfluß auf dieſe Wilden iſt in der That wundervoll. Noch nie habe ich rothe Menſchen geſehen, welche ſich den Befehlen eines Häupt⸗ lings ſo völlig unterordneten. Eure Leute zu Fort Dearbora, Korporal, wurden kaum beſſer von ihren Offizieren in der dieſer Häuptling ſeine Rothhäute lenkt und leitet.“ „Ich werde regelmäßige Truppen nie mit Inſchins ver⸗ gleichen, Herr Amen,“ antwortete der Korporal ein wenig ſpitz.„Sie ſind ganz verſchiedener Natur und laſſen ſich nicht nach einem und demſelben Maßſtabe meſſen. Vielleicht gehor⸗ chen dieſe Wilden den Befehlen nach ihrer Art, Ihr müßtet ſie aber im Feuer manövriren ſehen. Ich habe vierzehn Jahre lang Inſchins eingeübt, konnte es aber nie dahin bringen, daß ſie in gerader Linie aufmarſchirten, oder daß ſelbſt die Beſten unter ihnen bei irgend einem Scharmützel zu einem guten, anſtändigen, mannhaften Angriff vorrückten. Ihre Natur fordert Bäume und gute Verſtecke, wie der Hirſch ſich in das Waſſer ſtürzt, damit man ſeine Spur verliert. Brecht mit dem Baggonet in ſie ein, und Ihr werdet ſehen, daß ſie keine Minute Stand halten.“ „Wie ſollten ſie auch, Korporal,“ ſiel le Bourdon lachend ein,„wenn ſie ſelbſt keine„Baggonete“ haben, um ihrem Feinde Widerſtand zu leiſten? Ihr erinnert mich an Etwas, das mein Vater zu ſagen pflegte. Er diente in den Tagen der Revolution und ſtand ſieben Jahre unter den Befehlen Waſhington's. Die Engländer ſiegten gewöhnlich, die Ameri⸗ kaner hielten nicht Stich, ſobald das Bajonnett zu arbeiten begänne, dieß war aber nur ſo lange der Fall, als wir ſelbſt keine ſolche Zahnſtocher hatten,“ ſagte der alte Mann.„So⸗ bald auch wir Bajonnette in der Hand hatten, ging die Sache ganz anders, und die Engländer merkten dieß.“ Wie es mir ſcheint, überſeht Ihr den Umſtand, Korporal, daß die Wilden keine Bajonnette haben.“ „Jedes Heer hat ſeine eigenen Waffen. Wenn ein Inſchin ſein Meſſen mich dieß ſich meiner ein Toma Tomahaw Nein, nein häute könt Leute gut Mannszuc wenig Sch ſie als So „Gut und ſie wa Geheimniß dann ſcheit die Scalpe Lebensgeſch „Nich der Miſſior als daß er wiegendem ein Umſtan alten Geſc perſönlichen die göttlich in den gro gehen. Es von dieſer? überzeugt J zur Hälfte tte lenkt ins ver⸗ n wenig ſich nicht tt gehor⸗ - müßtet hn Jahre bringen, ſelbſt die zu einem n. Ihre Hirſch ſich Brecht I, daß ſie an lachend um ihrem an Etwas, den Tagen Befehlen die Ameri⸗ u arbeiten wir ſelbſt nn.„So⸗ die Sache Wie es mir die Wilden ein Inſchin 41— ſein Meſſer und ſein Tomahawk einem Baggonet vorzieht, geht mich dieß Nichts an. Ich ſpreche von einem Angriffe, wie er ſich meinen Augen darſtellt, und der Soldat, welcher ſich auf ein Tomahawk ſtatt eines Baggonets verläßt, muß ſein Tomahawk ſpielen laſſen und ſich damit ſeiner Haut wehren. Nein, nein, Bourdon, was ich ſehe, glaube ich. Dieſe Roth⸗ häute können unſeren Leuten Nichts anhaben, wenn unſere Leute gut eingeübt ſind, tüchtige Offiziere haben und echte Mannszucht halten. Den Anfängern mögen dieſe Wilden ein wenig Scheu einflößen, das gebe ich zu, ſonſt aber finde ich ſie als Soldaten gar nicht merkwürdig.“ „Gut oder ſchlecht,— ich wollte, es wären ihrer weniger, und ſie wären weiter von uns. Dieſer Peter iſt für mich ein Geheimniß, manchmal kommt er mir ganz freundlich vor, dann ſcheint er mir wieder jeden Augenblick bereit, uns Allen die Scalpe zu nehmen. Wißt Ihr Etwas von ſeiner frühern Lebensgeſchichte, Paſtor Amen?“ „Nicht ſo viel, als ich zu wiſſen wünſchte,“ erwiederte der Miſſionär.„Niemand kann mir mehr über Peter ſagen, als daß er eine Art Prophet und ein Häuptling von über⸗ wiegendem Einfluß iſt. Selbſt ſein Stamm iſt unbekannt, ein Umſtand, zu deſſen Erklärung wir unſere Zuflucht zu der alten Geſchichte der Juden nehmen müſſen. Nach meiner perſönlichen Anſicht gehört Peter der Raſſe Aaron's an, und die göttliche Vorſehung hat ihn beſtimmt, eine wichtige Rolle in den großen Begebenheiten zu ſpielen, welchen wir entgegen⸗ gehen. Es fehlt nur noch das Eine, daß wir ihn ſelbſt von dieſer Wahrheit überzeugen. Wenn ſich ein Mann einmal überzeugt hat, daß Er zu Etwas beſtimmt iſt, ſo iſt das Werk zur Hälfte vollbracht. Die Welt iſt aber ſo voll unverdauter, aus der Luft gegriffener Theorieen, daß die Wahrheit ſich nur mit Mühe und Noth zu nüchternem, geduldigem Gehöre durcharbeitet.“ So iſt es mit der armen Menſchennatur. Sobald ſich Jemand eine Grille in den Kopf geſetzt hat, mas ſie auch noch ſo unwahrſcheinlich ſein, mag ſie ſich auch noch ſo wenig auf Vernunft oder Erfahrung ſtützen, er wird alsbald jedem Beweiſe ſein Auge verſchließen, der ſeiner Anſicht nicht günſtig iſt, er wird jede Wahrheit leugnen, welche mit ſeiner Wahrheit nicht übereinſtimmt, und Allem entgegentreten, was ſeine Hirngeſpinſte zu zerſtören droht. ie Anſicht unſeres guten Miſſionärs von der Abſtam⸗ mung der nordamerikaniſchen Wilden war urſprünglich keines⸗ wegs von ihm ſelbſt ausgegangen. Dieſer gutmüthige Schwär⸗ mer hatte einige Winke in Betreff der Wahrſcheinlichkeit, daß die amerikaniſchen Indianer die verlornen Stämme Iſraels ſeien, in einem Buche geleſen, er hatte dieſen Gedanken auf⸗ gefaßt und ſich in ihn hineingelebt, und Alles, was er jetzt ſah, hörte und las, wurde in einen Beweis zu Gunſten ſeiner Theorie verkehrt. Man kann mit ebenſo viel Grund anneh⸗ men, jeder andere Stamm, oder alle Stämme der Heiden, die weit und breit auf der Erde zerſtreut ſind, ſeien dieſes Urſprungs, eine ſolche Wahrheit nahm der gute Paſtor aber gleichgiltig hin, bloß weil ſie nicht in den Kreis ſeiner Sondertheorie paßte. So erging es auch dem Korporal. Wenn Muth und die übrigen Eigenſchaften des Kriegsmannes ſich nicht genau in derſelben Weiſe beurkundeten, wie er es gelehrt worden war, ſo ſah er ſie gar nicht als Muth und als Eigenſchaften des Kriegsmannes an. In den Augen ſolcher Menſchen hat jede Tugen bung, nich iſt, und d ſich nach 2 und Grun launiſchen unſere zurück, ind mitgetheilt der Korpo geben, ſo d Eine thäti Zeuge gew mochte thei Peter gehe lingen in Alle mehr Schaar, w kommen zu Die Ul ling den Y war an ſic nicht geheit heiten beſp⸗ Umſtand w ſpreche. D und wünſch möchte wol lungen ſein. Als ſi ſich nur Gehöre bald ſich ſie auch ſo wenig ld jedem t günſtig ſeiner eten, was Abſtam⸗ ch keines⸗ Schwär⸗ gkeit, daß e Iſraels inken auf⸗ s er jetzt ſten ſeiner nd anneh⸗ er Heiden. ien dieſes gaſtor aber reis ſeiner Muth und richt genau jrt worden genſchaften nſchen hat — jede Tugend ihre eigenthümliche, hergebrachte Form und Fär⸗ bung, nichts dieſer Art bleibt, wie es von Oben gekommen iſt, und die einfachen Begriffe von Recht und Unrecht müſſen ſich nach Belieben wechſeln und deuten laſſen. Solche Gefühle und Grundſätze aber müſſen Einſeitigkeit, Beſchränktheit und launiſchen Eigenſinn erzeugen. unſere drei Weißen verfolgten ihren Weg zur„Garniſon“ zurück, indem ſie ſich in der Weiſe unterhielten, wie das oben mitgetheilte Geſpräch andeutete. Weder Paſtor Amen, noch der Korporal ſchienen ſich der geringſten Beſorgniß hinzu⸗ geben, ſo außerordentlich auch die Scene war, in welcher der Eine thätigen Antheil genommen hatte, und von der Flint Zenge geweſen war. Dieſe Sorgloſigkeit oder Gleichgiltigkeit mochte theilweiſe ihren Grund darin haben, daß man wußte, Peter gehe mit dem Plan um, eine große Anzahl von Häupt⸗ lingen in den Lichtungen um ſich zu verſammeln, und daß Alle mehr oder weniger darauf vorbereitet waren, eine ſolche Schaar, wie dieſe Nacht ſie zuſammengeführt hatte, anher fommen zu ſehen. Die Unbefangenheit, mit welcher der geheimnißvolle Häupt⸗ ling den Miſſionär in den Kreis der Wilden eingeführt hatte, war an ſich ſchon ein Beweis, daß er die Zuſammenkunft nicht geheim zu halten wünſche, und als man die Einzeln⸗ heiten beſprach, mußte ſelbſt le Bourdon zugeben, daß dieſer Umſtand weſentlich zu Gunſten ſeiner freundlichen Abſichten ſpreche. Demungeachtet hatte der Bienenjäger ſeine Zweifel und wünſchte herzlich, Alles in Honigſchloß, beſonders Blüthe, möchte wohlbehalten innerhalb der Grenzen der Anſiede⸗ lungen ſein. Als ſie das Shanty erreichten, fanden ſie Alles in der — 44— beſten Ordnung. Whiskey Herz, der jetzt, er mochte wollen,„Die oder nicht, ein nüchterner Mann war, denn in den Lichtungen jetzt in d iſt man in dieſer Hinſicht gerade ſo daran, wie zur See, Ihr wür! wenn die Branntweinkammer geleert iſt, bewachte das Thor. wünſchen.“ Er hatte Taubenflügel weggehen ſehen, hörte aber mit Erſtau⸗„Wie nen, daß auch Peter das Shanty verlaſſen hatte. Durch ſehen, Ihr dieſes Thor war er gewiß nicht gekommen, auf welche andere„Ich Weiſe er aber die Pailiſaden verlaſſen haben könne, war nicht ſagen, da leicht zu begreifen. Er konnte ſie freilich überſtiegen haben, Häuptlinge dieß würde jedoch nicht ohne große Anſtrengung möglich liche Anza geweſen ſein, auch hätte es ohne Zweifel nicht ohne einiges Recht, Tar Geräuſch geſchehen können, das gehört werden mußte, ſo daß„Ann es Allen ſchwer ward, zu glauben, ein in ſeinem Gehaben ſo Nur ſagen „Zuw würdevoller und abgemeſſener Häuptling, wie Peter, könne ein ſolches Mittel, den Platz zu verlaſſen, gewählt haben. Was den Chippewa betrifft, ſo ſagte Gerſhom, er habe Augen geſe das Shanty bald nach den Uebrigen verlaſſen, ſei aber vor Taube wenigen Augenblicken zurückgekehrt. Der Bienenjäger trat, aber zu ge ſobald er dieß hörte, ein, um nach dieſem bewährten Freunde und zwar zu ſehen. Taubenflügel war eben im Begriffe, ſich zur Ruhe„Ich hörte, mitt ſo nahe, m zu legen. „Ah, Chippewa, Ihr ſeid alſo zurückgekommen?“ rief„War le Bourdon.„Eine ſo große Menge Eurer rothhäutigen kurzab., Brüder ſchwärmen draußen herum, daß ich Euch vor den Immer Bi erſten zwei bis drei Tagen nicht mehr zu ſehen erwartete.“ guter Plat „Mein „Ihr alſo nicht eſſen wollen, he? Woher ihr Alle Eſſen nehmen, wenn Jäger nicht ſein Pflicht thun? Annehmen, flügel. W Squaw kochen nicht Fleiſch, wie euch das gefallen, he? Grad etwas And ſo mit Jäger, nicht tödten Hirſch, euch das auch nicht müßig hert Wigwam, gefallen.“ e wollen, eichtungen zur See, das Thor. iit Erſtau⸗ e. Durch che andere war nicht en haben, g möglich ne einiges te, ſo daß hehaben ſo ter, könne haben. n, er habe i aber vor jäger trat, en Freunde ) zur Ruhe nen?“ rief othhäutigen ch vor den wartete.“ Alle Eſſen Annehmen, „he? Grad auch nicht — 45— „Dieß iſt ganz wahr. So viele Eurer Leute ſind aber jetzt in den Lichtungen, daß ich es für wahrſcheinlich hielt, Ihr würdet einige Tage draußen bei ihnen zu bleiben wünſchen.“ „Wie Ihr wiſſen, rothe Männer draußen, he? Ihr ihn ſehen, Ihr ihn zählen, he?“ „Ich habe deren gegen fünfzig geſehen und darf wohl ſagen, daß ich ſie auch gezählt habe. Es waren jedoch nur Häuptlinge, und ich zweifle keinen Angenblick, daß eine ziem⸗ liche Anzahl gemeiner Krieger nicht ſehr fern ſind. Habe ich Recht, Taubenflügel?“ „Annehmen, es nicht wiſſen, alſo nicht ſagen können. Nur ſagen, was er wiſſen.“ „Zuweilen räth ein Indianer und kommt der Wahrheit ſo nahe, wie ein Weißer, welcher das Ding mit ſeinen eigenen Augen geſehen hat“ Taubenflügel gab keine Antwort, le Bourdon glaubte aber zu gewahren, ſein Freund habe Etwas auf dem Herzen, und zwar etwas Wichtiges, und wünſche es ihm mitzutheilen. „Ich glaube, Ihr könntet etwas Neues, das ich gern hörte, mittheilen, wenn Ihr Luſt dazu hättet, Chippewa.“ „Warum Ihr hier bleiben, he?“ fragte der Indianer kurzab.„Haben viel Honig, Bienenjäger jetzt heimgehen. Immer Bienenjäger heimgehen, wenn Jagd zu Ende. Heimath guter Platz, wenn Jäger recht müde.“ „Meine Heimath iſt hier in den Lichtungen, Tauben⸗ flügel. Wenn ich in die Anſiedelungen gehe, bleibt mir kaum etwas Anderes übrig, als in den Höfen am Detroit⸗Fluſſe muͤßig herumzuſchlendern, denn ich habe weder Squaw noch Vigwam, die mich feſſelten. Dieſer Platz gefällt mir ganz — — 46— gut, wenn Eure rothen Brüder mich hier in Frieden wollten leben laſſen.“ „Das eben jetzt ſchlechter Platz für Blaßgeſicht. Beſſer gehen heim, als bleiben in Lichtungen. Wenn Ihr nicht kennen kurzen Pfad nach Detroit, ich ihn zeigen. Am beſten, gehen, bald möglich. Und am beſten, gehen allein. Nicht gut, ſich mit Squaw beläſtigen, wenn in Eile.“ Le Bourdon wechſelte die Farbe bei dieſer letzten Andeu⸗ tung, obgleich dieß dem Indianer in der Dunkelheit entgehen mußte. Nach einer kurzen Pauſe antwortete der erſtere in ſehr entſchiedenem Tone: „Ich glaube, ich verſteh Euch, Chippewa,“ ſagte er. Ich werde aber nichts der Art thun. Wenn die Squawe nicht auch gehen können, werde ich ſie nicht verlaſſen. Würdet Ihr Eure Squawen verlaſſen, weil Ihr glaubtet, ſie wären Euch läſtig?“ „Sie noch nicht Eure Squaw. Am beſten, gar nicht Squaw haben, wenn Lichtungen ganz voll Inſchin. Wo Ihr wohl glauben, ſein zwei Böck, die ich dieſen Tag ſchießen, he? Haut abnehmen, zerſchneiden, hängen hin an Baum, wo Wolf nicht hinkommen kann. Gut, gehen einem andern nach, ihn auch tödten. Dort er ſein in Palliſad, aber nicht der ander zwei. Sie beide fort, als ich zurückkommen zu Baum. Zwei gute Böck, wie ich ſie zu ſehen. Wie Euch das gefallen, he?“ „Ich mache mir wenig daraus, da wir Wildpret genug haben und wahrſcheinlich keine Noth leiden. Die Wölfe haben Euch alſo, trotz all dieſer Mühe und Sorgfalt, Euer Wildpret geſtohlen, Taubenflügel?“ 84 „Wolf ihn nicht berühren,— Wolf können ihn nicht berühren. Mocaſſin geweſen unter Baum. Sehen den Tritt. Am beſten thun, wie ich Euch ſagen, gehen heim, ſobald nut können. Blaßgeſich „Ich ſehe wohl während ich kann weil Stad Es wäre: gleitete un meine Fre verſchaffen bereit zeige nicht Alle Fluß hina zwanzig vo „Das „Wenn nie Squaw ni Nicht gut, in ein Tag aufhaben g Nach auf, legte hätte gern weit vorger den Wink, Gefahr na machte der Shanty la⸗ en wollten dt. Beſſer Ihr nicht Am beſten, in. Nicht ten Andeu⸗ t entgehen erſtere in te er. Ich enicht auch Ihr Eure ch läſtig?“ gar nicht Wo Ihr hießen, het 1, wo Wolf nach, ihn tder ander aum. Zwei allen, he?“ dpret genug Die Wölfe gfalt, Cuer n den Tritt. ſobald nur — 47— können. Kurzer Pfad nach Detroit, nicht ſein zweihundert Blaßgeſicht⸗Meilen.“ „Ich ſehe wohl, wie die Dinge ſtehen, Taubenflügel! Ich ſehe wohl, wie Alles iſt, und danke Euch für dieſen Wink, während ich Eure Anhänglichkeit an Euer Volk ehre. Aber ich kann nicht nach Detroit gehen, ſchon aus dem Grunde, weil Stadt und Fort in die Hände der Britten gefallen ſind. Es waͤre möglich, daß ein Canoe während der Nacht vorbei⸗ gleitete und ſich in den Erie⸗See hineinſchliche, aber ich kann meine Freunde nicht verlaſſen. Wenn Ihr uns Allen Mittel verſchaffen könnt, dieſen Platz zu verlaſſen, werde ich mich bereit zeigen, in dieſen Plan einzutreten. Warum ſollten wir nicht Alle in der nächſten Nacht ein Canve beſteigen und den Fluß hinabfahren können? Vor Tagesanbruch hätten wir zwanzig volle Meilen hinter uns.“ „Das zu nichts helfen,“ verſetzte der Indianer ruhig. „Wenn nicht allein gehen können, gar nicht gehen können. Squaw nicht behalten können, wenn ſo Viele auf Spur. Nicht gut, mit Canoe gehen. Fangen Euch in zwei, vielleicht in ein Tag.— Nun, ich ſchlafen gehen, können nicht Augen aufhaben ganze Nacht.“ Nach dieſen Worten ſuchte Taubenflügel ſeine Felle ruhig auf, legte ſich nieder und ſchlief bald ein. Der Bienenjäger hätte gern ein Gleiches gethan, denn die Nacht war bereits weit vorgerückt, aber er blieb lange wach und dachte über den Wink, welchen er erhalten hatte, und über die Art der Gefahr nach, welche der Familie drohen konnte. Endlich machte der Schlaf ſein Recht ſelbſt an ihm geltend, und das Shanty lag bald in die tiefe Stille der Nacht gehüllt da. — 48— Drittes Kapitel. Das Auge ſtreift nach allen Seiten Hin über dieſes neue Land; Die Reitze, die ſich rings verbreiten, Sie ſcheinen aus der Schöpfershand So eben erſt hervorgegangen Und ſchmerzlich ſüß Verlangen Drängt zu dem Herzen ſich, dem bangen. Whittier. Keine weitere Störung erfolgte in dem Verlaufe dieſer Nacht. Mit dem erſten Tagesſtrahle war le Bourdon wieder auf den Füßen, und als er die Palliſaden verließ, um an die Quelle zu eilen und ſich zu waſchen, ſah er Peter in das Honigſchloß zurückkehren. Die beiden Männer begegneten ſich, aber keine Anſpielung auf das, was ſich in der Nacht begeben hatte, ward laut. Der Häuptling grüßte höflich und geſellte ſich, ſtatt ſeine Felle aufzuſuchen, zu le Bourdon, er ſchien ſo wenig geneigt, die Ruhe zu ſuchen, als hätte er ſich eben erſt von ſeinem Lager erhoben. Als der Bienenjäger die Quelle verließ, begann dieſer geheimnißvolle Indianer zum erſten Male von Geſchäften zu ſprechen. „Mein Bruder wollen heute Indianern zeigen, wie Honig nehmen,“ ſagte Peter, während er mit dem Bienenjäger den Palliſaden zuſchritt, innerhalb deren die ganze Familie jetzt ſichtbar ward.„Ich ſelbſt nie ſehen, wie man Honig finden, ſo alt ich auch ſein.“ lehren,“ bereitwill üben den „Wi Peter, de Seele ſer fernen G erſchütter Detroit l hier bleil „Ich Zeit hier Wetter vu wohl wiſſ zu bekäm ſammen j unterricht, „Bal ſchlafen. So Ihr! nen nach „Me⸗ andern S ich weiß hinüber beſten thu von da kö nen ganze Der „Ich werde Eure Häuptlinge ſehr gern meine Kumß die Augen 256— — 49— lehren,“ antwortete le Bourdon,„und zwar wird es um ſo üben denke, wenigſtens nicht in dieſem Theile des Landes.“ en„Wie das kommen? Wollen bald weggehen?“ fragte 6 Peter, deſſen ſcharfes, unſtetes Auge einen Augenblick in der me Seele ſeines Gefährten einzudringen, und dann über einen fernen Gegenſtand wegzuſchweifen ſchien, als wüßte er, welche Sangen erſchütternde Gewalt in ſeinem Blicke läge.„Britiſch jetzt Bhittier. Detroit haben, wohin alſo mein Bruder gehen. Am beſten, hier bleiben, ich glauben.“ laufe dieſer„Ich werde meine Abreiſe nicht übereilen, Peter, meine rdon wieder Zeit hier iſt jedoch bald vorüͤber und ich muß dem ſchlechten um an die Wetter vorauseilen, denn ein Rinde⸗Canoe würde, wie Ihr eter in das wohl wiſſen werdet, auf dem Huron⸗See Wind und Wellen zu bekämpfen haben. Wann werde ich die Häuptlinge bei⸗ Anſpielung ſammen finden, um ſie in der Kunſt, Bienen zu finden, zu ward laut. unterrichten.“ ſtatt ſeine„Bald ſagen werden. Das nicht ſo eilen. Müſſen erſt nig geneigt, ſchlafen. Ich ſehen deſto beſſer, wenn ich offen Aug haben. von ſeinem So Ihr langen Pfad reiſen wollen? Wenn nicht gehen kön⸗ nen nach Detroit, wohin gehen können?“ egann dieſer„Meine eigentliche Heimath iſt in Pennſylvanien, auf der Geſchäften zu andern Seite des Erie⸗See's. Es iſt ein langer Pfad, und ich weiß nicht, ob ich in dieſer unruhigen Zeit ungefährdet hinüͤber gelangen werde. Vielleicht würde ich jedoch am beſten thun, ſogleich die Richtung nach Ohio einzuſchlagen, von da könnte ich, um die Spitze des Erie wenden, und ſo mei⸗ nen ganzen Weg zu Lande zuruͤcklegen.“— Der Bienenjäger ſagte dieß, um dem Indianer Sand in meine Kunſ die Augen zu ſtreuen, denn er dachte nicht im Geringſten 4 256— 258. n, wie Honig nenjäger den Familie je Honig finden, bereitwilliger geſchehen, als ich ſie ſelbſt nicht länger auszu⸗ — 50— daran, eine ſolche Richtung einſchlagen zu wollen. Allerdings der Häu wäre dieß ſein geradeſter Weg geweſen, auch würde er ihn„können unter allen Umſtänden als den gewählt haben, welchen ihm lehren S die Klugheit andeutete, wenn er allein geweſen wäre. Allein Freuud, le Bourdon war, wenigſtens nach Herz und Gefühl, nicht ſein Land mehr allein. Margaret geſellte ſich allen ſeinen Ausſichten in hierher g die Zukunft bei, und er konnte ſo wenig daran denken, ſie in Dan ihrer jetzigen Lage zu verlaſſen, als er geneigt war, ſein Leben Peter wa den Wilden als Opfer darzubieten. Ziel nich Es war kaum denkbar, eine ſolche Reiſe in Geſellſchaft ſeinen G der Frauen unternehmen zu wollen, am wenigſten trotz der beſchäftig Wachſamkeit, Verſchlagenheit, Ausdauer und Feindſeligkeit der um Hon Indianer. Der„Pfad“ konnte nicht geheim gehalten werden, Anſpruch und was die Eile betraf, ſo legte eine Schaar junger Männer aufbreche aus der Wildniß zwei Meilen zurück, bis Margaret ſich zu denen le dem Ende einer einzigen forthalf. Wer Le Bourdon hatte, was auch Taubenflügel ſagen mochte, Feſtlande ſtets den Kalamazoo im Auge. Er gedachte des Spruches: Wilden n „das Waſſer läßt keine Spur zurück,“ und gab die Hoffnung kleinen 2 nicht auf, den See wieder zu erreichen, wo er verhältnißmäßig und heite ſicher zu ſein glaubte, denn ſein eigenes Canoe, und das von Ein glän Gerſhom zumal waren geräumig, gut ausgerüſtet und in den der Erde Sommermonaten jenen Gewäſſern ganz angepaßt. die dunke Wie es jedoch, wenn er dieſe Art Flucht wählte, von der der Sonn größten Wichtigkeit war, einen Vorſprung von mehreren und unte Stunden vor den Indianern voraus zu haben, ſo war es von ſtände zu nicht minderer Bedeutung, daß ſeine Pläne geheim blieben Schönhem und daß Peter, wenn möglich, zu dem Glauben verleitet ſangen 1 wurde, ſeine Blicke ſeien einem andern Pfade zugewendet. der Mor „Gut, annehmen, Ihr gehen dieſen Weg,“ antwortete Eichen. 7 Allerdings de er ihn lchen ihm ee. Allein ühl, nicht sſichten in ken, ſie in ſein Leben Geſellſchaft trotz der eligkeit der ten werden, er Männer ret ſch ze gen mochte, Spruches: e Hoffnung ältnißmäßig nd das von und in den ltte, von der n mehreren 4 —.51— der Häuptling ruhig, als ahne er nicht die geringſte Liſt, „können ihn antreten morgen, übermorgen. Heute müſſen lehren Indianer, wie Honig zu finden. Das machen ihn gut Freund, und er vielleicht helfen Blaßgeſicht⸗Bruder zurück in ſein Land. Beſſer geweſen ſein für Jeder, wenn gar nicht hierher gekommen.“ Damit endigte die Unterhaltung für dieſen Augenblick. Peter war kein Freund von vielem Reden, wenn er ſein großes Ziel nicht vor Augen ha te, ſondern zog es gewöhnlich vor, ſeinen Geiſt in ſtillem Nachdenken und durch Beobachtung zu beſchäftigen. Während der nächſten Stunde war Alles in und um Honigſchloß von den gewöhnlichen Morgenarbeiten in Anſpruch genommen, und nach dem Frühſtücke wollten Alle aufbrechen, um mit den Häuptlingen zuſammen zu treffen, denen le Bourdon eine Probe ſeiner Kunſt geben ſollte. Wer mit dem politiſchen Zuſtande des amerikaniſchen Feſtlandes nicht bekannt war und nichts von der Nähe der Wilden wußte, hätte dieſen Morgen, als die Geſellſchaft ihren kleinen Ausflug antrat, nur ein Gemälde ländlicher Ruhe und heitern Friedens in dieſen einſamen Lichtungen geſehen. Ein glänzenderer Tag goß nie ſeine Glorie über die Oberfläche der Erde aus, und die Lichtungen, die Raſenſtücke, und ſelbſt die dunkeln, dichteren Wälder ſchwammen alle in dem Lichte der Sonne, wie dieſe bekanntlich in der mildern Jahreszeit und unter dem drei und vierzigſten Breitengrade die Gegen⸗ ſtände zu beleuchten pflegt. Selbſt die Vögel ſchienen ſich der Schönheit des Wetters und der Landſchaft zu freuen, denn ſte ſangen und flatterten in ungewöhnlicher Anzahl um die in der Morgenluft ſanft ſich wiegenden Zweige der Bosquet⸗ Eichen. Die Natur paßt in wunderbarer Weiſe ihren Zwecken die Mittel an. In den Wäldern, auf den Prärien und in den noch unbebauten Lichtungen des Weſten findet man Vögel, und oft in zahlloſer Menge, beſonders ſolche, die gemeinſam ziehen und die Sicherheit unbewohnter Gebiete lieben. So trifft man in den jungfräulichen Wäldern Myriaden von Tauben, Enten, Gänſen u. ſ w., während das geſellige, freundliche Rothkehlchen, der kleine, melodiſche Zaunſchlupfer, die Droſſel, die Lerche, der Hänfling, der Fink und alle dieſe lieblichen, kleinen Geſchöpfe, welche unſere Wohnungen und Gelände umſtreifen und von der Vorſehung eigens geſendet zu ſein ſcheinen, um dem Schöpfer ihre Morgen⸗ und Abend⸗ Hymnen zu unſerem Gehör zu ſingen, ſich meiſtens in bevöl⸗ kerten Länderſtrichen aufhalten. 3 Wir haben Europäer behaupten hören, die amerikaniſchen Vögel ſeien, im Vergleiche mit denen der alten Welt, ſtumm. Bis auf einen gewiſſen Grad iſt dieß in Bezug auf die eigentlichen Waldvögel wahr, welche den düſtern Charakter zu theilen ſcheinen, der die feierliche Stille ihrer heimiſchen Wohnſitze auszeichnet. Von den Vogeln dagegen, welche auf unſeren Fluren, in unſeren Thälern und Obſtgärten leben, iſt jene Behauptung unwahr, denn Alle ſingen ihr Jubellied und laſſen ihren Lockruf und ihre eigenthümlichen Töne ebenſo laut, voll und angenehm erſchallen, wie die Vögel anderer Länder Eine ausgedehnte Klaſſe beſitzt ſogar das Geſchick, jeden Ton, welchen ſie gehört hat, ſelbſt den einzelner vier⸗ füßiger Thiere, täuſchend nachzuahmen. Und zwar ſind ihre Töne nicht die ſchrillenden, unangenehmen des Papagei's, ſondern man hört Triller, Rouladen und alle Abſtuſungen der Tonweiſen, wie ſie die begabteſten Sänger der gefiederten Raſſe hör alle Vöge Es n in der Un pflegte, Geſellſchaf fangen. als Anfüh dem Korz bis jetzt n beigewohn⸗ um Honig Mittagsme Wehr grif Die g dieſem Ve Bärenfleiſe in der Th Aber er hin, welch dem Biene ſollte. Hätte gekannt, h vergeltunge ſeine Beſo als ſie es le Bourdo Der 2 welche in — 53— Raſſe hören laſſen. So kann eine amerikaniſche Spottdroſſel wecken die alle Vögel Europa's zuſammengenommen erſetzen. nd in den Es war, als habe an dieſem Morgen jeder Vogel, welcher an Vögel, in der Umgebung des Honigſchloſſes ſeine Nahrung zu ſuchen gemeinſam pflegte, ſeine Schwingen gehoben und ſich angeſchickt, die eben. So Geſellſchaft zu begleiten, welche nun auszog, um Bienen zu iaden von fangen. Dieſe Geſellſchaft beſtand aus le Bourdon ſelbſt, geſellige, als Anführer und Leitsmann, aus Peter, dem Miſſionär und uſſchlupfer, dem Korporal. Auch Margaret war dabei, denn ſie hatte dalle dieſe bis jetzt nie einer Darlegung der Berufsgeſchicklichkeit Boden's ungen und beigewohnt. Gerſhom und ſein Weib blieben zurück, theils as geſendet um Honigſchloß nicht ganz bloßzuſtellen, theils um für ein und Abend⸗ Mittagsmahl zu ſorgen, während der Chippewa zu ſeiner in bevöl⸗ Wehr griff und wieder auf die Jagd zog. 1 Die ganze Zeit dieſes Indianers ſchien dieſer Pflicht oder erikaniſchen dieſem Vergnügen gewidmet zu ſein, obgleich Wildpret und elt, ſtumm. Bärenfleiſch in Fülle vöorhanden war und ſeine Anſtrengungen ug auf die in der That nicht ſo dringend ſchienen, als er gern vorgab. Charakter Aber er brachte die Hälfte ſeiner Zeit mit Beobachtungen heimiſchen hin, welche den Rath veranlaßt hatten, den er ſeinem Freunde, welche auf dem Bienenjäger, gegeben, und der dieſen zur Flucht drängen n leben, iſt ſollte. ubellied und Hätte Taubenflügel den geheimnißvollen Häuptling beſſer Löne ebenſo gekannt, hätte er die Größe und Ausdehnung ſeiner Wieder⸗ gel anderer vergeltungs⸗ und Rachepläne klarer durchſchaut, ſo würde as Geſchic, ſeine Beſorgniß in dieſem Augenblicke größer geweſen ſein, zelner vier⸗ als ſie es war, und er würde noch ungeſtümer auf die Abreiſe ar ſind ihre le Bourdon's gedrungen haben, als er bereits gethan hatte. Papagei s, Der Bienenjäger ſchlug den Weg nach einer Stelle ein, Abſtufungen elche in einiger Entfernung von ſeiner Wohnung lag. Es r gefiederten r — 54— von runder Form, welche in jenen Theilen des Landes jetzt allgemein unter dem Namen„Prairie round“(Prärie⸗ Kreis) bekannt iſt. Man brauchte drei Stunden, um dahin zu gelangen, beſonders wenn man Mar⸗ garet's kürzere Schritte in Erwägung 30g. Margaret ließ ſich jedoch„auf einem Pfade“ nicht hinten finden. Jung, rüſtig, leichten Fußes und an Anſtrengungen dieſer Art gewöhnt, mochte ihre Anweſenheit die Ankunft wahrſcheinlich nicht um viele Minuten verzögern. Wir müſſen hier ſogleich erwähnen, daß der Bienenjäger Niemandem geſagt hatte, wohin er die Geſellſchaft zu fuͤhren gedenke, ſowie daß Peter ſich nicht darum zu bekümmern ſchien, wohin der Pfad leitete, und folglich auch keine Frage deßhalb laut werden ließ. Trotz dieſer Zurückhaltung auf der einen, und dieſer Gleichgiltigkeit auf der andern Seite waren, als die Geſellſchaft den Prärie⸗Kreis erreichte, bereits alle Häuptlinge, welche in der verfloſſenen Nacht den Rath gebildet hatten, dort verſammelt. Die Indianer wanderten zerſtreut umher, blieben aber dem Punkte, wo der Bienenjäger und ſeine Begleitung die Prärie betrat, nahe genug, um ſich wenige Minuten nach deren Ankunft um die Gruppe zu ſammeln. Alles dieß mußte le Bourdon in erſchreckender Weiſe auffallen, denn es bewies, wie viele geheime Verkehrsmittel dieſen Wilden zu Gebote ſtanden. Daß die Bewohner des Shanty genau beobachtet und alle ihre Schritte ausgeſpäht wurden, mußte er wohl argwöhnen, noch ehe er dieſen Beweis von der Macht Peter's gewahr geworden, jetzt aber erſt über⸗ zeugte er ſich, wie völlig er und ſeine Freunde der Gewalt dieſer furchtbaren Feinde anheimgegeben waren. Wie konnte er war eine kleine Prärie hoffen, folgten, Dennoch verſucht hoffnun Männen Ab le Bou nahm j betrifft, Stelle, Landwit werth alten C gefaßt Di eines r. ſtumpfe heiten, Es gi licher 2 der Fo wie an viele 2 werden D ſcheinbe denn d Allem heimge n jenen Prairie hte drei un Mar⸗ ht hinten engungen Ankunft enenjäger zu fuhren kümmern ine Frage g auf der ite waren, rreits alle ihh gebildet leben aber eitung die nuten nach nder Weiſe kehrsmittel vohner des ausgeſpäht iſen Beweis r erſt über⸗ der Gewalt jie konnte er 6 — 55— hoffen, zu entfliehen, wenn hundert Augen ſeinen Bewegungen folgten, wenn in jedem Gebuſch eine Schildwache lauerte? Dennoch mußte die Flucht auf eine oder die andere Weiſe verſucht werden, ſollten nicht Margaret und ihre Schwägerin hoffnungslos verloren ſein, ſeiner ſelbſt und der drei andern Männer nicht zu gedenken. 3 Aber der Anblick der merkwürdigen kleinen Prärie, welche le Bourdon eben erreicht hatte, und der vielen Häuptlinge nahm jetzt alle ſeine Gedanken in Anſpruch. Was die erſtere betrifft, ſo gilt ſte noch bis auf den heutigen Tag als eine Stelle, welche, obgleich ſie mit Höfen und Bauten, wie der Landwirth ihrer bedarf, bedeckt iſt, des Beſuches des Reiſenden werth iſt. Man betrachtet ſie ſtets noch als ein Bild der alten Civiliſation, das in der Rahmen eines neuen Landes gefaßt worden. Dieſer Theil Michigans läßt freilich ſehr wenige Spuren eines rauhen Anfangs, einſchließlich der abgebrannten Baum⸗ ſtumpfen, der„gezirkelten Bäume“ und aller jener Einzeln⸗ heiten, gewahren, die wir öfter zu ſchildern Gelegenheit hatten. Es gibt noch dichte Wälder hier, und zwar von beträcht⸗ licher Ausdehnung, und wo die Art ſie angegriffen hat, tritt der Fortſchritt in derſelben Weiſe dem Reiſenden entgegen, wie anderwärts, allein die freundlichen Lichtungen geben ſo viele Ausnahmen ab, daß ſie faſt als Regel angenommen werden können. Dem Prärie⸗Kreis war ſelbſt ein höherer Stempel ſcheinbarer Civiliſation aufgedrückt,— wir ſagen„ſcheinbar,“ denn die Natur allein hatte dieſes Gemälde geſchaffen. Vor Allem war die Prärie erſt in der neueſten Zeit vom Feuer heimgeſucht worden, ſo daß die ganze Fläche von jungem — 56— 4 Gras uund Blumen bedeckt war, als gehörte ſie einem ſorgſam unterhaltenen Park an. Dieſer Umſtand war in der vorge⸗ ſchrittenen Sommerzeit ein bloß zufälliger, denn die Prärien⸗ brände hängen mehr oder weniger von Wechſelfällen ab. Wir haben es hier nicht ſowohl mit der Urſache, als mit deren Folgen zu thun. Dieſe thaten dem Auge ebenſo wohl, als ſie dem Fuße behaglich waren, denn das Gras war nirgends ſo hoch, daß es die Bewegung gehindert, oder, was für le Bourdon's jetziges Vorhaben noch wichtiger ſein mußte, die Blumen überſchattet hätte. Der Bienenjäger wußte alles dieß wohl und hatte ſeine Gefährten daher dieſer Scene wundervoller, ländlicher Schön⸗ heit entgegengeführt, um in Gegenwart der verſammelten Häuptlinge jener Gebiete ſeine Kunſt in großartiger Weiſe an den Tag zu legen. Le Bourdon war ſtolz auf ſeinen Beruf, wie jeder andere kunſtreiche Werkmann, der ſich durch ſeine Geſchicklichkeit einen Namen erworben, und er betrat die Prärie jetzt feſteren Schrittes und ſtrahlenderen Auges, als er ſonſt wohl zu thun pflegte, wenn er ſeinem Beruf in gewöhnlicher Weiſe oblag. Es waren Männer hier, die zu überraſchen für eine Ehre gelten konnte, und auch die ſchöne Margaret war hier, welche einem ſolchen Schauſpiele lang gerne zugeſehen hätte. Wir müſſen uns jedoch der Prärie noch einmal zuwenden, ehe wir zu der Erzählung deſſen, was ſich darauf begab, über⸗ gehen. Dieſer wohlbekannte Wieſenplan iſt nicht von großer Ausdehnung, denn ſeine Oberfläche mag der eines der größern Parke Europas gleich kommen. Seinen Namen hatte er von ſeiner Geſtalt, welche zwar nicht ganz regelmäßig war, aber einem Kreiſe doch ſo nahe kam, daß ſie die Benennung recht⸗ fertigen konnte. Die oder wie flach, w rollend eine frei des Wal geſchwur Im Geg erwähne deten, u das gar gruppen natürlich und Tit hierher blicke ar man pli hätte. Anbau grünen mit Blu müſſen. unregeln in den gebildet, große G zuahmen Die Grade w gewöhnl rgſam vorge⸗ rärien⸗ Wir deren l, als rgends as für mußte, ee ſeine Schön⸗ imelten Weiſe ſeinen h durch trat die es, als eruf in die zu ſchöne le lang wenden, ), über⸗ großer größern er von r, aber g recht⸗ 57— Die Oberfläche dieſes reizenden Raumes war weder wellig, oder wie man es in Amerika nennt,„rollend,“ noch völlig flach, wie Flußthäler oft zu ſein pflegen, ſie war aber gerade rollend genug, um zu viel Näſſe abzuhalten und der Fläche eine freundliche Abwechslung zu geben. Als Ganzes war ſie des Waldes baar, als wenn die Axt tauſend Jahre früher hier geſchwungen worden wäre, allein es fehlte nicht an Bäumen. Im Gegentheile waren deren in Fülle zu ſehen, die nicht zu erwähnen, welche den Rahmen dieſer reizenden Landſchaft bil⸗ deten, um jeden Schein von Einförmigkeit zu beſeitigen und das ganze Bild in Buſchwerk, kleinere und größere Baum⸗ gruppen und dichteren Waldſtreifen zu vertheilen, wie eine natürliche Scenerie durch die Mannigfaltigkeit der Formen und Tinten verſchönert wird. Wenn Jemand unerwartet hierher verſetzt worden wäre, würde er geglaubt haben, er blicke auf eine alte, lange gepflegte Anſiedelung, von welcher man plötzlich alle Geräthſchaften menſchlichen Fleißes entfernt hätte. Von Häuſern, Nebenbauten, Zäunen, Gehegen und Anbau war hier keine Spur, man hätte denn den glatten, grünen Raſen, welcher ſich wie ein Teppich ausbreitete und mit Blumen bedeckt war, für ein Erzeugniß der Kunſt nehmen müſſen. Man ſah hier die Raſenſtücke, die Durchſichten, die unregelmäßigen Wieſenflächen, die Baumgruppen und Wälder in den gefälligen Umriſſen von der freien Hand der Natur gebildet, als hätte die vollendetſte Kunſt ſich bemüht, unſere große Gebieterin in einer ihrer anmuthigſten Launen nach⸗ zuahmen. Die anweſenden Indianer halfen dieſe Scene in hohem Grade verſchönern. In der neuern Zeit ſind Pferde etwas ſo gewöhnliches bei den weſtlichen Stämmen, die auf den aus⸗ — 58— gedehnten natürlichen Wieſen jener Gebiete die nöthigen Mittel finden, ſie zu erhalten, daß man jetzt kaum ein Gemälde jener Wilden entwerfen kann, ohne ſie zu Roß und den Speer ſchwingend darzuſtellen, dieß war jedoch in der Zeit, von welcher wir ſchreiben, nicht der Fall, wie denn die Indianer in der Nachbarſchaft der großen Seeen üͤberhaupt keinen Ge⸗ ſchmack an der edeln Reitkunſt gehabt zu haben ſcheinen. Kein Huf irgend einer Art war jetzt ſichtbar, die ausgenommen, welche zu einer Heerde Hirſche gehörten, die in einiger Ent⸗ fernung von der Stelle, wo le Bourdon und ſeine Begleitung die Prärie erreichten, auf einer Lieblingsſtelle weideten. Alle Häuptlinge waren zu Fuß und nur Wenige mit mehr als dem Meſſer und dem Tomahawk, den„Seitengewehren“ der Wilden, verſehen, denn man hatte die Büchſen aus Rückſicht auf den friedlichen Charakter der Zuſammenkunft verſteckt. Während le Bourdon und der Korporal ihre Büchſen bei ſich hatten, konnte die Art, wie die Indianer erſchienen, als ein Zeichen gelten, daß, bei dieſer Gelegenheit wenigſtens, nichts Gewaltthätiges beabſichtigt werde.—„Beabſichtigt“ iſt jedoch ein ſehr ausdrucksvolles Wort, wenn man es in Verbindung mit dem Ungeſtüme der menſchlichen Leidenſchaften gebraucht, wie ſie ſich bei der unwiſſenden, erregten Menge zu zeigen pflegen. Es iſt gleichgültig, ob der Schauplatz die Hauptſtadt einer alten europäiſchen Monarchie oder die Wildniß Amerika's iſt,— das Drängen ſolcher Impulſe iſt ziemlich daſſelbe. Vielleicht wird hier ein Thron über den Haufen geworfen, ehe die, welche es thun, recht mit ſich einig ſind, was ſie an deſſen Stelle ſetzen ſollen,— dort bedient man ſich der Büchſe oder des Tomahawks zum Morde, indem man einem wilden Triebe folgt, welcher das Weſen, das Gott⸗ähnlich geſchaffen, in einen Teufel verwandelt. dem ſamk er ſe ſich leiten zensl trug welch ſeine hatte mes Korf verſe keit das iſt, mit men bege geſp ihn. geſte ihne anm über Mittel jener Speer , von ndianer en Ge⸗ Kein ymmen, er Ent⸗ lleitung Alle ehr als n“ der Rückſicht verſteckt. bei ſich als ein ,nichts ſt jedoch bindung ebraucht, zu zeigen auptſtadt Imerika's daſſelbe. rfen, ehe an deſſen oder des n Triebe in einen — 59— Le Bourdon war mit all dem wohl bekannt und vertraute dem äußern Scheine nicht in dem Grade, daß er die Wach⸗ ſamkeit, welche er für nöthig hielt, überſehen hätte. Der Bienenjäger hatte bald die Stelle ausgewählt, wo er ſeine Vorrichtungen aufſtellte. In dieſer Beziehung ließ er ſich vorzüglich von einer lieblichen, duftreichen Blumenfläche leiten, wo die Bienen zu Tauſenden ſummten und nach Her⸗ zensluſt in den wonnigen Kelchen ſchwelgten. Le Bourdon trug auch Sorge, dem Walde möglichſt nahe zu bleiben, welchen die Prärien umkreiſte, denn er wußte, daß er unter ſeinen Bäumen die Wohnſitze des kleinen Inſektes aufzuſuchen hatte. Statt eines Baumſtumpſs oder eines gefallenen Stam⸗ mes hatte er ein kleines Geſtell von Latten gefertigt, das der Korporal ihm heran getragen und auf welchem er nun ſeine verſchiedenen Geräthſchaften geordnet hatte, um ſeine Thäͤtig⸗ keit ſofort zu beginnen. Wir finden es nicht nöthig, dieß Verfahren zu wiederholen, das in unſern einleitenden Kapiteln bereits geſchildert worden iſt, wir werden nur auf ſolche Einzelnheiten hindeuten, welche mit den Begebenheiten unſerer Erzählung in näherm Zuſam⸗ menhange ſtehen. Sobald der Bienenjäger ſeine Vorbereitungen zu treffen begann, ſammelte ſich der Kreis der Häuptlinge in ſtummer, geſpannter Aufmerkſamkeit auf alles das, was vorging, um ihn. Obgleich ſie Alle ſchon von den Bienenjägern der Blaß⸗ geſichter, und die Meiſten von dem Manne, welcher jetzt vor ihnen ſtand, gehört hatten, ſo hatte doch noch keiner der anweſenden Indianer einen dieſer Männer ſeine Kunſt aus⸗ üben ſehen. Dieß mag in Bezug auf Wilde, welche ſtets in den Wäl⸗ — 60— dern umher zu ſtreifen pflegen, ſeltſam ſcheinen, wir haben aber bereits bemerkt, daß es das Begriffsvermögen der rothen Männer weit überſchritt, die Berechnungen anzuſtellen, welche nöthig ſind, um die Bienen in der beſchriebenen Weiſe zu fangen. Wenn der Indianer zu Honig kommt, iſt es gewöhn⸗ lich das Ergebniß eines zufälligen Fundes in dem Wald, und nicht die Frucht jener weit ausſchauenden, beharrlichen Thätigkeit, welche den weißen Mann in den Stand ſetzt, im Verlauf einer Jagd von wenigen Wochen einen ſo großen Vorrath zu ſammeln, daß er eine ganze Gegend damit ver⸗ ſorgen kann. Nie hat wohl ein Gaukler aufmerkſamere Zuſchauer gefun⸗ den, als der Bienenjäger, während er ſein Geſtell aufſtellte und ſeine Geräthſchaften herausnahm. Alle ernſten, dunklen Geſichter waren ihm zugewendet, und jeder ſcharfe, glühende Blick feſſelte ſich auf ſein Thun. Als er das Gefäß mit der Wobe auf den Tiſch ſtellte, erkannten die zunächſt ſtehenden Häuptlinge den Inhalt und murmelten Beifall und Bewunderung, denn es ſchien ihnen, als ſtehe der Medizin⸗Mann im Begriffe, Honig aus Honig zu machen. Dann war ihnen das Glas ein Gegenſtand großer Ueberraſchung, denn die Hälfte der Anweſenden hatte nie ein Ding dieſer Art geſehen. Ein Theil der verſammelten Häupt⸗ linge hatte die nordweſtlichen„Garniſonen,“ ſowohl die eng⸗ liſchen, wie die amerikaniſchen, beſucht, andere nicht, und von denen, welche dort geweſen waren, hatte nicht Einer unter Zehn einen klaren Begriff von den gewöhnlichſten Geräthſchaften des geſitteten Lebens. So kam es denn auch, daß faſt jeder Gegenſtand, deſſen ſich der Bienenjäger bediente, ſo einfach und alltäglich er auch ſein mochte, für ſie ein Gegenſtand geheimer, aber ſorgfältig unterdrückter Bewunderung war. ſeine Men welch wo kt die d wurd geſät in ſe Ger klärl das hatt aus wie Beſ den tiefe war einf tete dieſ nich Zur Bie haben vothen welche iſe zu wöhn⸗ Wald, rlichen zt, im großen t ver⸗ gefun⸗ fſtellte unklen ühende ſtellte, lt und ihnen, Honig großer nie ein Häupt⸗ ie eng⸗ nd von r Zehn ten des t jeder ich und heimer, Nach kurzer Zeit war der Bienenjäger bereit, ſich nach ſeinen Bienen umzuſchauen. Die Inſekten ſummten in großer Menge um die Blumen, beſonders um den weißen Klee, welcher in Amerika heimiſch iſt und überall von ſelbſt wächſt, wo das Gras Nahrung findet. Die große Anzahl der arbeitſamen Thierchen hatte jedoch die gewöhnliche Folge, daß unſer Held ein wenig wähleriſch wurde. Endlich deckte er das Glas über eine ſchöne, faſt halb geſättigte kleine Biene und nahm ſie gefangen. Dieß geſchah in ſo unmittelbarer Nähe der Indianer, daß ihnen nicht das Geringſte entgehen konnte. Es war wunderbar! s war uner⸗ klärlich! Konunten die Blaßgeſichter die Bienen zwingen, ihnen das Geheimniß zu enthüllen, wo ihr Stock geborgen, and hatte dieſe zudringliche Raſſe die Abſicht, alle dieſe Inſekten aus den Wäldern zu verſcheuchen und ihren Honig zu nehmen, wie ſie die Indianer vor ſich her trieb und ihre Ländereien in Beſitz nahm? Gedanken ähnlicher Art beſchäftigten an dieſem Morgen den Kopf mehr als eines Häuptlings, alle aber ſchauten in tiefem Schweigen dem Thun des jungen Weißen zu. ls die gefangene Biene über die Wobe gebracht worden war und die Mütze le Bourdon's alles bedeckte, blickten dieſe einfachen Kinder der Wälder und Prärien umher, als erwar⸗ teten ſie, ein Stock werde ſich unter der Hülle zeigen, ſobald dieſe weggenommen würde. 3 Nicht lange, ſo begrub ſich die Biene in der Wobe, und nicht nur die Mütze, ſondern auch der Becher wurde entfernt. Zum erſten Male ſeit dem Beginne des Geſchäftes ſprach der Bienenjäger, indem er ſich zu Peter wendete. „Wenn der ſtammloſe Häuptling genau zuſehen will,“ ſagte er,„ſo wird er gewahren, daß die Biene ſich bald zum Auffluge anſchickt. Sie füllt ſich jetzt mit Honig, und ſobald ſie ihre Laſt in ſich geſogen hat, wird ſie,— ha, ſeht, ſeht!— ſte erhebt ſich,— ſie fliegt empor,— ſie kreiſt um den Tiſch, als wollte ſie ſich umſchauen und den Ort genau merken,— dort fliegt ſie hin!“ Und in der That, dort flog ſie hin in einer regelrechten „Bienenlinie oder ſo gerade wie der Pfeil fliegt. Unter allen Anweſenden ſahen nur le Bourdon und Margaret das Inſekt in der Luft. Die meiſten Andern hatten es ſchon aus dem Geſichte verloren, während es um das Geſtelle kreiſte, ſobald es aber davonſchoß, war es für die Uebrigen wie in der Luft eſchwunden. Anders verhielt es ſich, wie bemerkt, mit dem Bienen⸗ jäger und Margaret. Der Erſtere ſah es in Folge der Uebung, die Letztere mittels eines ſcharfen Auges, geſpannter Aufmerk⸗ ſamkeit und des Wunſches, ſich zu ihrer Belehrung und Unter⸗ haltung von Allem zu unterrichten, was zu dem Berufe le Bourdon's gehörte. Das Thierchen flog in einer Luftlinie auf einen Punkt des Waldes zu, welcher eine volle halbe Meile entfernt war und an dem Saume der Prärie lag. Die Wilden ließen manchen leiſen Aufruf hören. Die Biene war fort, aber Niemand wußte, wohin ſie geflogen war und was ſie zu beſchaffen hatte. Hatte das Blaßgeſicht ihr einen Auftrag gegeben, oder war ſie entflohen, um ihre Ge⸗ fährtinnen pon der Gefahr zu benachrichtigen, welche ihnen drohte, damit dieſe ſich beeilten, die Hoffnungen des Bienen⸗ jägers zu vereiteln? Le Bourdon begab ſich jetzt ruhig daran, eine andere Biene zu welche f etwas me ſendet we zu bring fragten ſ das Geſt⸗ Le B ten Einf Krähenfe Stande Sobald d vorzugsw Mundart „Me ſie iſt im vor ihr d ſuchen ha „Wi emporſteig Der welches J aber ſein aus den ſich mit jedoch nich zutheilen, In d chen er al mal durch — 63— id zum Biene zu wählen, und bald hatte er drei unter dem Glaſe, lodald welche ſich emſig in die Wobe eindrängten. Hatte die Zahl eht! etwas mit dem Zauber zu ſchaffen, oder mußten Drei ausge⸗ Tiſch fendet werden, um die Eine, welche bereits fort war, zurück zen 3 zu bringen? In ſolcher Weiſe dachten, und in ſolcher Weiſe 8— fragten ſich mehrere dieſer ernſten Kinder der Natur, welche das Geſtell des Bienenjägers umſtanden. lrechten Le Bourdon ſetzte mittlerweile ſein Geſchäft mit der größ⸗ r allen ten Einfachheit fort. Er rief jetzt Peter, Bärenfleiſch und Inſekt Krähenfeder näher zu ſich heran, damit ſie nebſt Margaret im 1s dem 3 Stande wären, Alles, was er that, genau mit anzuſehen. ſobahd Sobald dieſe drei Häuptlinge nahe genug waren, deutete Ben eer dnft vorzugsweiſe auf eine Biene, indem er in der indianiſchen 1ne Mundart ſagte: ann.„Meine Brüder ſehen dieſe Biene in der Mitte der Wobe, fmert⸗ ſte iſt im Begriff aufzufliegen. Wenn ſie der folgt, welche Nuter⸗ vor ihr davon ſchoß, werde ich bald wiſſen, wo ich Honig zu erufe le ſuchen has, 5 1 „Wie kann unſer Bruder ſagen, welche der Bienen zuerſt 8 Punkt emporſteigen wird? fragte Bärenfleiſch. Der Bienenjäger konnte dieß ſagen, denn er wußte, welches Inſekt am längſten in der Wobe war, ſo geübt war „ ſKber ſein Auge geworden, daß er mit ziemlicher Gewißheit n. Die aus den Bewegungen der Thierchen ſchließen konnte, welche bot 5 ſich mit Honig geſättigt hatten und welche nicht. Da er ent war dre Ghe⸗ jedoch nicht gewillt war, alle Einzelheiten ſeiner Kunſt mit⸗ e lan zutheilen, gab er eine ausweichende Antwort. 8* Bienen⸗ 1 In dieſem Augenblicke kam er auf einen Gedanken, wel⸗ 4 chen er alsbald zu bethätigen beſchloß. Er hatte bereits ein⸗ mal durch Zauberei, oder durch etwas, das den einfachen Kin⸗ 3 andere — 64— auberei vorkam, ſein Leben gerettet, welche ſeinen Beruf ausmachte, nd ſich aus den Händen der dern der Wälder wie 3 warum ſollte er die Kunſt, nicht benützen, um die Frauen u Wilden zu retten? Dieſer Gedanke, welcher ſo plötzlich in ihm aufgeſtiegen jetzt an ſein Thun, und ſein Geiſt ſann unabläſſig auf die Mittel, das herbeizuführen, was jetzt als ſein einziges Ziel gelten konnte,— die Flucht. Statt daher die Frage des Häuptlings einfach und der Wahrheit gemäß zu beantworten, ſuchte er vielmehr ſein Gehaben mit dem Schleier des Geheimniſſes zu umhuͤllen. „Wie erkennt der Indianer den Pfad des Hirſches?“ fragte er.„Er ſchaut nach dem Thiere, ſucht es kennen zu lernen und ſeine Art und Weiſe zu verſtehen.— Dieſe mitt⸗ lere Biene wird alsbald auffliegen.“ „Welchen Pfad wird ſie nehmen?“ fragte Peter.„Kann mein Bruder uns dieß ſagen?“ „Sie wird ihrem Stocke zufliegen,“ erwiederte le Bourdon ſorglos, als hätte er den Sinn der Frage nicht recht gefaßt. „Sie fliegen alle ihren Stöcken zu, ich müßte ihnen denn ſagen, ſie ſollten einen andern Pfad nehmen. ſteigt auf.“ Die Häuptlinge ſtrengten je und ſahen in der That, daß die Geſtell beſchrieb. Bald aber verlor Blicken, es ſchien, als ſei es verſchwunden, le B behielt es noch auf hundert Ellen in dem Auge. Die Richtung, welche dieſe Biene nahm, bildete einen rechten Winkel mit der, welche die erſte genommen hatte, fi flog uͤber die Prärie einem war, leitete von tzt ihre ganze Sehkraft an Biene ihre Kreiſe um das en ſie das Inſekt aus den ourdon aber Waldſtreifen zu, welcher drei bie Seht, die Biem vier Mor Meile ent Wäh ſich eine der Wald ortes der dieſe dritt ſich die vi Häuptling leicht auf folgen. 2 abweichent hinweg urn Die dahinſchof Plane, d geben, al hohem Gr ſo mußte auf, und üͤbernatürl aber gera daß er üb Die J nicht klügs begreifen, denen Rich zu finden Le Bo er wußte 256— gerettet, usmachte, änden der ufgeſtiegen Geiſt ſann 3 jetzt als tatt daher heit gemäß mit dem Hirſches?“ kennen zu Dieſe mitt⸗ er.„Kann le Bourdon recht gefaßt. ihnen denn t, die Biem⸗ Sehkraft au eiſe um das ſſekt aus den Zourdon aber bildete einen en hatte, ſt lcher drei bit — 365— vier Morgen Ausdehnung haben mochte und weniger als eine Meile entfernt war. Während le Bourdon ſich dieſe Richtung merkte, erkob ſich eine andere Biene. Dieſes Thierchen nahm ſeinen Weg der Waldſpitze zu, deren wir bereits als des Beſtimmungs⸗ ortes der zuerſt aufgeflogenen Biene erwähnt haben. Sobald dieſe dritte Biene aus dem Geſichte verſchwunden war, erhob ſich die vierte und umſummte den Tiſch. Ben zeigte ſie den Häuptlingen, und dieſes Mal gelang es ihnen, den Flug viel⸗ leicht auf hundert Fuß von ihrem Standpunkt aus zu ver⸗ folgen. Dieſe vierte Biene ſchlug eine von den übrigen ganz abweichende Richtung ein, ſie nahm den Weg über die Prärien hinweg und dem Shanty zu. Die verſchiedenen Richtungen, in welchen dieſe Bienen dahinſchoſſen, wurden le Bourdon bei ſeinem raſch gefaßten Plane, die Wilden zu uͤberliſten und ſich das Anſehen zu geben, als ſtunden ihm geheimnißvolle Kräfte zu Gebot, in hohem Grade behilflich. Wären ſie alle eines Weges gezogen, ſo mußte man natürlich ſchließen, ſie ſuchten ihre Wohnſitze auf, und dann hätte er zur Entdeckung eines Stockes keiner übernatürlichen Beihilfe bedurft. Der Bienenjäger wünſchte aber gerade die Häuptlinge auf den Gedanken hinzuleiten, daß er über eine ſolche gebieten könne. Die Indianer waren jetzt, nachdem die Bienen fortgeflogen, nicht klüger als vorher. Im Gegentheile, ſie konnten nicht begreifen, wie der Flug ſo vieler Bienen, und in ſo verſchie⸗ denen Richtungen, dem Bienenjäger andeuten ſollte, wo Honig zu finden ſei. Le Bourdon ſah, daß die Prärie von Bienen ſchwärmte, er wußte ſehr gut, daß in dieſem Falle die Inſaſſen von viel⸗ 256— 258. 5 leicht hundert verſchiedenen Stöcken hier anweſend waren. Alles dieß war jedoch fuͤr die Beobachtungsgabe der Wilden nd zu vorwickelt, und nicht einer von den Häupt⸗ welche als Zuſchauer umherſtanden, konnte einen warum ſo viele Bienen in verſchiedenen Nich⸗ zu neu u lingen, Grund angeben, tungen wegflögen. Le Bourdon ließ jetzt den Wunſch laut werden, ſeinen Standpunkt zu wechſeln. Er hatte zwei Bienen beſonders in das Auge gefaßt, und die Frage, welche in Betreff ihrer zu löſen blieb, war, ob ihre Stöcke auf den Punkten ſich fänden, denen ſie zugeflogen waren, oder auf Punkten, welche weiter nach außen lagen. Der Leſer wird leicht begreifen, daß dieſe Frage nur dadurch zu beſeitigen war, daß„der Winkel“ ge⸗ nommen wurde, denn der Durchſchnittspunkt der zwei Flug⸗ linien mußte nothwendig die Stelle ſein, wo der Stock zu finden war. Ben Boden dachte jedoch nicht daran, dieß den Häupt⸗ lingen mitzutbeilen, er bewahrte es vielmehr als Geheimniß in ſeiner Buuſt. Margaret kannte das ganze Verfahren, denn mit ihr hatte der Bienenjäger öfter davon geſprochen, da er ein Vergnügen darin fand, eine ſo gelehrige Schulerin zu unterrichten, in deren zärtlichem, feuchtem, blauem Auge ſich jede Regung ſeiner Seele und ſeiner Gefuͤhle zu ſpiegeln ſchien. Margaret hätte er ſtets lehren können, wenigſtens glaubte er es in dieſem Augenblicke, was der Wahrheit ſo nahe kommt, als dieß unter dem Einfluſſe der Liebe möglich iſt. Hinſichtlich der Wilden war er weit entfernt, ſie in ſeine Geheimniſſe einzuweihen, vielmehr war es ſein ernſter Wunſch, ihnen auf jede mögliche Weiſe Sand in die Augen zu ſtreuen und ihre wohlbekannte Hinneigung zum Aberglauben zu ſeinen Zwecken zu benutzen. Bode ſich leicht nachläſſig welcher le gegen den lich heimi dadurch d Schlechtes in die Bl Buch der durch die Blicke auf Wie geleſen, w Gewohnhe Schriften beſchränkte die Dinge nachgedach Art ſind, rühren. Unter gefallen w läufig ube behufs der daran, die von dem gehört und dem gelege den ſo plö⸗ waren. Wilden Häupt⸗ nte einen nen Rich⸗ — 1 n, ſeinen ſonders in ihrer zu ch fänden, che weiter daß dieſe inkel“ ge⸗ wei Flug⸗ Stock zu en Häupt⸗ Geheimniß ähren, denn hen, da er chulerin zu 1 Auge ſich zu ſpiegeln wenigſtens gahrheit ſo be möglich ſie in ſeine ſter Wunſch, n zu ſtreuen en zu ſeinen — 65— Boden war nichts weniger als ein Gelehrter, wie man ſich leicht denken kann. Bis zu dieſer Stunde iſt die Ver⸗ nachläſſigung der öffentlichen Unterrichtsmittel für die Klaſſe, welcher le Bourdon angehörte, ein ziemlich gerechter Vorwurf gegen den ehrwürdigen, achtbaren Staat, in welchem er eigent⸗ lich heimiſch war, obgleich deſſen Bevölkerung vielleicht eben dadurch dem Unheil entging, viel Nichtiges und nicht wenig Schlechtes zu lernen, das ohne Zweifel von böſen Geiſtern in die Blätter wahrer Belehrung eingeſtreut wird, wenn das Buch der Erkenntniß ſich zum Unterrichte derer öffnet, welche durch die Verhältniſſe gehindert werden, mehr als flüchtige Blicke auf deſſen Inhalt zu werfen. Wie dem auch ſei, über Bienen hatte le Bourdon alles geleſen, was er erhaſchen konnte. Er hatte ihre Sitten und Gewohnheiten ſorgfältig beobachtet, und über die manchfachen Schriften in Betreff ihres Gemeinweſens— einer Art beſchränkter Monarchie, wo ein Fürſt gelegentlich, oder wenn die Dinge eine ſchlimme Wendung nehmen, abgeſetzt wird— nachgedacht,— Schriften, welche theils ziemlich phantaſtiſcher Art ſind, theils von aufmerkſamen, geiſtreichen Forſchern her⸗ rühren. Unter den Büchern, welche le Bourdon in die Hand gefallen waren, befand ſich auch eines, welches ſich ſehr weit⸗ läufig uber die Verwendung der Bienen in der alten Zeit behufs der Wahrſagung ausließ. Unſer Held dachte nicht daran, dieſe alten Gebräuche nachzuahmen oder irgend etwas von dem ins Leben zu rufen, was er in dieſer Beziehung gehört und geleſen hatte, ſein Gedächtniß führte ihm aber in dem gelegenen Augenblicke dieſen Gegenſtand vor Augen, um den ſo plötzlich erwachten Plan, ſich durch ſein jetziges Thun 5* den Weg zur Eereichung ſeines wichtigen entferntern Stelle entgegenſchritt.— mehr als ein Menſch.“ ling, welcher ſein Anſehen me Mann dieſe Frage vorlegen. Paſtor Amen von jener Sage, und er gehörte zufäll aber er hatte, während er ſich ohne g fleißig in Buchern umthat, geleſen, großes Vertrauen auf die Bienen ſetzten. dem beſten Glauben gegeben, denn er h teſte Ahnung, zu welchem Zwecke Boden ihn richtete. „Gewiß, ſehr gewiß,“ antworte när.„Die Wahrſager des Alterthums ihren Bienen, wenn ſie in die Zukunft Man hat unter den Chriſten viel von Seine Antwort wurde dieſem Umſtande gemã ieles— der Fl Ziele er Flucht und and nach dem Michigan⸗See— anzubahnen, noch mehr zu kräf⸗ u 5 tigen und zu ſtützen. 4 A 3 „Die Bienen wiſſen ziemlich viel,“ ſagte le Bourdon zu ſei i nſic ſeinem nächſten Nachbarn, während die ganze Geſellſchaft einer ſaisne 4—: 8 „Eine Biene weiß oft Warſag Dieſ „Mehr als Blaßgeſicht?“ fragte Bärenfleiſch, ein Häupt⸗ Peter hr ſeiner phyſiſchen Kraft als ger au ſeinen geiſtigen Fäbigkeiten verdankte. was di „Zuweilen;— Blaßgeſichter ſind ſchon zu Bienen gegangen, Zum G1. um zu fragen, was geſchehen werde. Laßt mich unſerm Medizin⸗ 1 3. er gewahr „habt Ihr je davon Häuptling rt, daß die Wahrſager des Alterthums ſich der Bienen. aß die Wahrſager de hj ſich e Engliſchen geho bedienten, wenn ſie wiſſen wollten, was ſich begeben werde?“ den Uebri Der Miſſionär war aber eben ſo wenig ein Gelehrter, Mediein⸗ wie der Bienenjäger, mancher Ungelehrte hatte aber Kunde 7 Wur⸗ ur ig unter dieſe Zahl. glücklichere Von Virgil, zum Beiſpiele, wußte Paſtor Amen nur wenig, gefördert. roße Auswahl, aber. 5 ſeinen Fre⸗ daß die Wahrſager einſt Uebles ſe al . eilmi 5 und in Heilmittel .— Alles zu atte nicht die entfern⸗ . glücklichen eine ſolche Frage au 3 „Ja, ſehr viel. te der gutmüthige Miſſio⸗ Bronen me verfügten ſich oft zu ghiere j zu blicken wünſchten, hiere ja e Wahrſagerei, Hexerei 1 „Ja, 1 ling behag. 7 er Flucht V zu kräf⸗ urdon zu zaft einer weiß oft n Häupt⸗ Kraft als gegangen, Medizin⸗ r je davon der Bienen n werde?“ Gelehrter, ber Kunde dieſe Zabl. nur wenig, vwahl, aber rſager einſt näß und in die entfern⸗ de Frage an hige Miſſio⸗ ſich oft zu wünſchten. erei, Hererei — 660— und anderen übernatürlichen Künſten derer geſprochen, welche zu den Zeiten der Propheten lebten, und die meiſten neigten der Anſicht zu, es ſei böſen Geiſtern erlaubt geweſen,— ja, es ſei ihnen jetzt noch erlaubt, gewiſſe Menſchen nach ihrem Willen zu lenken und zu leiten. Bienen aber ſtanden bei den Wahrſagern der alten Zeit in hoher Gunſt.“ Dieſe Antwort wurde in engliſcher Sprache gegeben, und Peter, ſowie die übrigen Häuptlinge, welche mehr oder weni⸗ ger von der Sprache wußten, verſtanden kaum mehr als das, was die Beihilfe der Bienen bei Zauberwerken beſtätigte. Zum Glücke war dieß Alles, was le Bourdon wünſchte, und er gewahrte mit Vergnügen, daß der Gedanke unter den Häuptlingen die Runde machte, denn die, welche von dem Engliſchen gar nichts verſtanden, erfuhren auf dieſe Weiſe von den Uebrigen,„die Bienen würden von den Blaßgeſichtern als „Medizin“ angeſehen.“ Durch dieſe glückliche Bekräftigung ſeines eigenen, noch glücklicheren Einfalls ſah der Bienenjäger ſeinen Zweck trefflich gefördert. In der That ſtand es mit ihm und mit allen ſeinen Freunden verzweifelt ſchlimm, wenn Peter wirklich auf Uebles ſann, und da verzweifelte Krankheiten bekanntlich Heilmittel derſelben Art nöthig machen, war er entſchloſſen, Alles zu verſuchen, was auch nur im Entfernteſten einen glücklichen Erfolg hoffen ließ. „a, ja,“ fuhr der Bienenjäger fort,„die Bienen wiſſen ſehr viel. Es iſt mir zuweilen vorgekommen, als wüßten die Bienen mehr, als die Bären, und mein Bruder muß dieſe Thiere ja genau kennen.“ „Ja, mein Name ſein Bärenſleiſch,“ verſetzte jener Häupt⸗ ling behaglich,„Inſchin immer geben Namen, der Etwas 8 und ſo haben Tödten ſo viele Bär in ein Winter, bekommen den Näamen.“ „Und ein guter Name iſt's! Ehrenvollſte, wos ein Jäger vollbringen kann, meinen. Einen Bären tödten iſt das wie uns Allen erfahren wünſcht, bekannt iſt. Wenn mein Bruder es zu ch meine Bienen wann er den nächſten Bären tödtet, will i fragen.“ Der Wilde, an welchen dieſe Worte gerichtet waren, fuhr entzückt auf. Er druͤckte ſeine Beiſtimmung zu dem Vor⸗ ſchlage freudig aus, als Peter ruhig vazwiſchen trat und in einer ihm eigenthümlichen Weiſe, der nicht leicht Jemand Etwas entgegenſetzte, das Geſpräch an ſich zog. 5 Es konnte le Bourdon nicht entgehen, daß dieſer geheim⸗ nißvolle Indianer einen Häuptling von ſo leidenſchaftlichem Ungeſtüm, wie Bärenfleiſch war,— einen Häuptling, welcher ſo wenig geeignet war, in einem verſtändigen Geſpräche ſeine Rolle ehrenvoll durchzuführen, nicht gern länger vorantreten ſah. Aus dieſem Grunde ſtellte er ſich ſelbſt mehr in den Vordergrund und überließ es ſeinem Freunde, ſtatt des Spre⸗ chers und Vertreters der rothen Männer, den Zuhörer und Beobachter abzugeben. Was ſich in Folg e dieſes Wechſels begab, wird ſich bei dem Weiterſchreiten der Erzählung herausſtellen. Wäh Bemerkun Prärie fo ſein Werl wieder an beachtete merkſamke Bien vergangen unbedeckt Umſtand, gedeckt wo darin ein geſchieht, verleiten, Das Gan deſſen Gr anders al daran gen wie Biene Hirſchen, o haben n iſt das ans Allen wünſcht, e Bienen aren, fuhr dem Vor⸗ at und in t Jemand er geheim⸗ chaftlichem welcher ſo räche ſeine vorantreten ehr in den des Spre⸗ uhörer und vird ſich bei 3 — 11— Viertes Kapitel. — Drum begleite mich, Und Elfen geb' ich dir, zum Dienſt für dich, Sie ſammeln dir Juwelen aus der See Und ſingen, wenn du ſchläfſt, auf blum'gem Klee, Senfſamen! Spinnweb! Erbſenblütbe Motte! Shakſpeare. Während man die in dem vorigen Kapitel erwähnten Bemerkungen austauſchte, ſchritt le Bourdon raſch über die Prärie fort und erreichte bald den neuen Standpunkt, wo er ſein Werk fortzuſetzen gedachte. Hier nahm er ſein Verfahren wieder auf, und Peter hielt ſich nah an ſeiner Seite und beachtete jede ſeiner Bewegungen mit der geſpannteſten Auf⸗ merkſamkeit. Bienen wurden gefangen, und kaum war ein Augenblick vergangen, als auch ſchon zwei oder drei dieſer Thierchen unbedeckt und frei an dem Honig in der Wobe ſaugten. Der Umſtand, daß die Mutze wenige Secunden uüber die Inſecten gedeckt wurde, ſiel den Wilden beſonders auf, und ſie ſahen darin eine Art Zauberei. Der Leſer weiß bereits, daß dieß geſchieht, um den Becher zu verdunkeln und die Bienen zu verleiten, ſich um ſo ſchneller auf den Honig niederzulaſſen. Das Ganze war für den, welcher mit dem Verfahren und deſſen Grund bekannt geworden, etwas ziemlich Einfaches, anders aber verhielt es ſich mit Männern, welche ſo wenig daran gewöhnt waren, die Sitten ſo unbedeutender Thierchen, wie Bienen ſind, genauer zu erforſchen. Hätte es ſich hier von Hirſchen, Biſons, Bären oder anderen Vierfüßlern jener ———— — 192 f 22— Gebikte gehandelt, ſo würden ſich wahrſcheinlich in dieſer„A aufmerkſamen, ſtaunenden Menge Einzelne gefunden haben,„Wenn welche den bewandertſten Naturforſcher in Betreff dieſer Thiere Dienſten hätten aufklären können, wenn die Unterſuchung ſich aber den Jet Bienen zuwendete, bewegte ſie ſich in einem Kreiſe, welcher brachte den Bedürfniſſen und Sitten des wilden Lebens fremd war. der Gle „Wohin Ihr glauben, dieſer Bien gehen?“ fragte Peter ihrer hö auf Engliſch, ſobald le Bourdon den Becher aufhob. Er „Die eine wird in dieſer, die andere in jener Richtung der früh gehen,“ antwortete der Bienenjäger und deutete zuerſt auf die es werde Waldecke, dann auf den Waldſtreifen in der Prärie, die zwei weit übe Punkte, welchen zwei der früheren Bienen zugeflogen waren. die Bien Dieſe Ausſage konnte ſich als richtig erweiſen, oder nicht Stöcke, Im erſtern Falle mußte die Wirkung groß ſein, im andern er es gei Falle waren Dinge von größerem Intereſſe zur Hand, welche aufmerkſe den Mißgriff leicht vergeſſen ließen. Unſer Held wagte daher in der R nur wenig, während er hoffen konnte, ſich einen großen Vor⸗ NNitt rege gew⸗ theil zu erringen. Durch einen glücklichen Zufall rechtfertigte der Erfolg die ſehen un Vorherſagung. Eine Biene erhob ſich, beſchrieb ihre Kreiſe Richtung, um den Tiſch und ſchoß dann dem inſelgleichen Waldſtreifen„Ihr in der Prärie zu, während die zweite dem Beiſpiele bald Peter, de folgte, aber die andere angedeutete Richtung einſchlug. nicht meh Dieſes Mal heftete Peter ſeine Blicke ſo geſpannt auf„All. die Thierchen, daß er ihre Bewegungen deutlich ſah und mit wie Eure eigenen Augen die Richtungen verfolgte, welche beide Bienen Häuptling genommen hatten. Beweis d „Ihr Bienen ſagen, daß ſie das thun?“ fragte Peter Waldſtücke mit einer Ueberraſchung, welche ihn ſo plötzlich und ſo mächtig Ich habe überkam, daß er in nicht geringem Grade ſeine gewöhnliche kehrt eine Selbſtbeherrſchung verlor. geſehen ha in dieſer haben, er Thiere aber den welcher d war. gte Peter Richtung ſt auf die die zwei en waren. oder nicht m andern ud, welche agte daher oßen Vor⸗ Erfolg die hre Kreiſe Laldſtreifen ſpiele bald ug. ſpannt auf ih und mit eide Bienen ragte Peter ſo mächtig gewöhnliche — 73— „Allerdings that ich dieß,“ verſetzte le Bourdon ſorglos. „Wenn Ihr eine andere ſehen wollt, ſteh' ich Euch zu Dienſten.“ Jetzt fing der junge Mann ruhig eine andere Biene und brachte ſte auf die Wobe. So ſehr er ſich jedoch den Schein der Gleichgiltigkeit gab, zeigte er vielleicht ſeine Kunſt in ihrer höchſten Vollendung durch die Auswahl dieſes Inſektes. Er nahm es von dem Blumenbuſch, auf welchem er eine der früheren Bienen gefangen hatte, und Alles ließ hoffen, es werde zu demſelben Stocke, wie dieſe, gehören. Da es weit über Boden's Kunſt ging, anzugeben, welche Richtung die Biene einſchlagen werde, wenn ſte einem der beiden Stöcke, deren Lage er jetzt kannte, angehören ſollte, vermied er es geſchickt, ſich bloßzuſtellen. Es reichte hin, daß Peter aufmerkſam hinſchaute und daß er das Inſekt wegfliegen und in der Richtung des Waldſtreifens verſchwinden ſah. Mittlerweile war die Aufmerkſamkeit mehrerer Häuptlinge rege geworden, und da ſie jetzt wußten, wo ſie nach der Biene ſehen und wohin ſie ihr folgen ſollten, ſahen auch ſie die Richtung, in welcher ſie dahinſchoß. „Ihr ſagen ihm wieder, dorthin zu gehen?“ fragte Peter, deſſen Theilnahme nun ſo augenfällig war, daß er nicht mehr daran dachte, ſie verheimlichen zu wollen. „Allerdings that ich dieß. Die Bienen gehorchen mir, wie Eure jungen Männer Euch gehorchen. Ich bin ihr Häuptling, und ſie kennen mich. Ich will Euch einen weitern Beweis davon geben. Wir wollen nun zu jenem kleinen Waldſtücke gehen, und Ihr werdet Alles ſehen, was darin iſt. Ich habe drei meiner Bienen dorthin geſchickt, ud hier kehrt eine derſelben eben zurück und berichtet mir, was ſte geſehen hat.“ — 74— In der That ſummte eine Biene, ohne Zweifel von einem Stückchen Wobe angezogen, um le Bourdon’s Haupt, und er verwandelte ſie geſchickt in eine Abgeſandte aus dem Wald⸗ ſtreifen. Alles dieß war fur die Indianer wundervoll und beunruhigte ſelbſt Peter in hohem Grade. Dieſer Mann ſtand bei weitem weniger unter dem Ein⸗ fluß abergläubiſcher Meinungen, als die Mehrzahl ſeiner Nation, aber er war nichts weniger als über ſie erhaben. Und ſehr wenig geſittigte Menſchen können ſich deſſen rühmen, vielleicht nicht ein Einziger, mögen ſeine Kenntniſſe und ſeine Geiſtesſtärke noch ſo groß ſein, am Wenigſten aber wird der Unwiſſende ſich einem ſolchen Einfluß entziehen. Unſer Zuſtand als menſchliche Weſen bietet zu viel Unſicheres, zu viel Geheimnißvolles, als daß wir uns ganz über das Schwanken, Zweifeln, Staunen und andere Schwächen unſerer Natur erheben könnten. Für dieſe einfachen Wilden war dir Art, wie die Bienen, ſcheinbar auf le Bourdon'’s Geheiß, in dieſes oder jenes Dickicht flogen, ebenſo gut ein Gegenſtand der Verwunderung, wie die unwiſſende Menge unter uns eines der ausgezeichnetſten phyſikaliſchen Kunſtſtücke anſtaunt. Unwiſſenheit! Und wo iſt die Linie zwiſchen Wiſſen und Unwiſſenheit zu ziehen 2 Jeder von uns iſt ein Laie in einem, wenn nicht in vielen Zweigen des Wiſſens, die bereits nach allen Seiten erforſcht und feſt begründet ſind. Hier ſieht man den Büchermenſchen, welcher von der Anwendung ſeiner eigenen Lieblingstheorien ſo wenig weiß, daß er ein bloßes Kind iſt wenn es ſich von der Ausführung ſeiner Lehre handelt, dort zeigt ſich ein Anderer als geſchickter Werkmeiſter, ohne daß er auch nur eine Ahnung von einem der Grundſätze hat, auf welchem all ſein Thun beruht. Lächeln wir daher nicht über dieſe ar neu iſt, Wo zeugt. überlege aber au Unwiſſen Leichtgle Geiſt we den Wil Um nun, der lichkeit Honigs Opfer g daß ein zu zieher Bienen Winkel ſ „W le Bour Michigan melden, „Kö „Lei Die Bier ausgeſtat Beſchäfti Bienenge dahin ge einem und er Wald⸗ oll und m Ein⸗ ſeiner rrhaben. rühmen, nd ſeine wird der Zuſtand zu viel hwanken, r Natur dir Art, in dieſes tand der aus eines it. ziſſen und in einem, reits nach ſieht man ner eigenen Kind iſt, delt, dort hne daß er hat, auf nicht über„ — 5— dieſe armen Kinder des Waldes, weil das, was ihnen ſo ganz neu iſt, auch unerklärlich und übernatürlich erſcheint. Was Peter betrifft, ſo war er eher verwirrt, als über⸗ zeugt. Sein Geiſt war dem der andern Häuptlinge ſo ſehr überlegen, daß es weit ſchwieriger war, ihn irre zu leiten, aber auch er war nicht frei von der großen Schwäche der Unwiſſenheit, vom Aberglauben und deſſen Geleitſchaft, der Leichtgläubigkeit und der Liebe zum Wunderbaren. Sein Geiſt war beunruhigt, wie Ben deutlich ſah, denn dieſer hatte den Wilden ebenſo ſcharf im Auge, wie der Wilde ihn. Um den Eindruck noch zu ſteigern, beſchloß unſer Künſtler nun, den Häuptlingen eine eindringliche Probe ſeiner Geſchick⸗ lichkeit zu geben. Das Vorlegen einer bedeutenden Menge Honigs mußte an ſich ſelbſt ſchon als eine Art Friedens⸗ Opfer gelten, und er ſchickte ſich jetzt an, von der Gewißheit, daß ein Bienenſtock in dem kleinen Waldſtreifen ſei, Nutzen zu ziehen,— denn ein Stock mußte dort ſein; er hatte drei Bienen dahin fliegen ſehen, und von zweien hatte er den Winkel ſorgfältig genommen. „Wünſcht mein Bruder Honig zu erhalten?“ fragte le Bourdon leichthin,„oder ſoll ich eine Biene über den Michigan⸗See ſchicken, um den weſtlicheren Rothhäuten zu melden, daß Detroit eingenommen worden iſt?“ „Können Bourdon jetzt Honig finden?“ fragte Peter. „Leicht;— mehrere Stöcke ſind kaum eine Meile von hier. Die Bienen lieben dieſe Prärie, welche ſo reich mit Blumen ausgeſtattet iſt, und ich bin in dieſen Umgebungen wegen Beſchäftigung nie in Verlegenheit. Dieß iſt mein Lieblings⸗ Bienengebiet, und ich habe es mit all den kleinen Thierchen dahin gebracht, daß ſie mich kennen und zu Allem, was ich bereit ſind.— Da ich ſehe, daß die Häupt⸗ von ihnen wünſche, lieben und deſſen zu koſten wünſchen, wollen wir nun zu einem meiner Stöcke gehen.“ Nach dieſen Worten ſchickte le Bourdo linge den Honig n ſich an, abermals weiter zu gehen. Er nahm alle ſeine Geräthſchaften mit, und Margaret, welche die Wobe und den Honig trug, hielt ſich dicht an ſeiner Seite. Während das Mädchen leichten Fußes vor den Indianern hinſchritt, umkreiſten fünfzehn bis zwanzig Bienen, von dem Dufte der Suͤßigkeit, welche ſie in der Hand hielt, angelockt, um ihr Haupt, und folglich auch um das Boden's, und Peter verfehlte nicht, dieſen Umſtand zu beobachten. Ihm kam es nicht anders vor, als wenn dieſe Bienen ebenſo viele dienſtbare Begleiterinnen wären, welche der Befehle ihres Gebieters harrten. Mit einem Worte, Peter gerieth allgemach in jene Geiſtesſtimmung, in welcher man Alles, was ſich den Sinnen darbietet, als eine Stütze der Anſicht, der man ſich hingegeben, betrachtet. Der Bienenjäger mußte mit den Bienen in irgend einer geheimnißvollen Verbindung ſtehen und über ſie gebieten, und hier hatte er einen der vielen Beweiſe dieſer ſeiner Macht vor Augen. Boden beachtete jedoch alles dieß nur wenig. Sein Geiſt war ausſchließlich damit beſchäftigt, die Indianer irre zu leiten, und er ſann über die Mittel nach, dieß in einer möglichſt eindringlichen Weiſe zu vollbringen. „Warum dieſer Bien um jung Squaw Peter,„und warum fliegen um Cuch auch? fliegen?“ fragte Die dem ſchle In loſen ein der Scha Le Bourk haltung Medizin⸗ ſehr zart zuruckzutr fortzuſpiel „Ich flüſterte Augenblic und gar zuletzt als „Es muthige 2 vielleicht f ſcheint Pet wild zu ſe „Nier glauben, 2 wenig, als haben könn „Wer gehabt, we oder mir ä „Sie kennen uns und begleiten uns zu ihren Stöcken, gerade wie die Indianer aus ihren Dörfern kommen, um Beſucher zu begleiten und zu ehren.“ anderes ha Des Einen feindlich ge 1 Häupt⸗ wollen bermals ten mit, ug, hielt leichten zehn bis de ſie in lich auch Umſtand e Bienen r Befehle r gerieth an Alles, r Anſicht, ger mußte gerbindung der vielen Sein Geiſt r irre zu 3 in einer 2“ fragte n Stöcken, nmen, um ſeindlich geſtimmt.“ 1 — 7— Dieß war eine raſch bereite Antwort, aber ſie genügte dem ſchlanen Wilden kaum, dem ſie gegeben worden. In dieſem Augenblicke nahm Krähenfeder den Stamm⸗ loſen ein wenig bei Seite und begann, während Beide mit der Schaar entlang ſchritten, ernſt mit ihm zu ſprechen. Le Bourdon war überzeugt, daß der Gegenſtand dieſer Unter⸗ haltung kein anderer ſei, als ſein früheres Gehaben als Medizin⸗Mann und daß der Pottawattamie ſich eben nicht ehr zart über ihn äußern werde. Es war aber jetzt zu ſpät, zurückzutreten, und er ſah, wie nothwendig es ſei, ſeine Rolle fortzuſpielen. „Ich wollte, Ihr wäret nicht mit uns hierher gekommen,“ flüſterte der Bienenjäger Margaret in einem unbewachten Augenblicke zu.„Mir gefällt dieſer Stand der Dinge ganz und gar nicht, und dieſer ganze Bienen⸗Zauber duürfte ſich zuletzt als unnütz erweiſen. „Es iſt beſſer, daß ich hier bin, Bourdon,“ verſetzte das muthige Mädchen.„Meine Anweſenheit ſtimmt die Wilden vielleicht freundlicher gegen Euch. Wenn ich in der Nähe bin, ſcheint Peter, wie man mir ſagt, ſtets menſchlicher, weniger wild zu ſein, als wenn ich nicht da bin.“ „Niemand iſt bereitwilliger, als ich, an Eure Macht zu glauben, Margaret, die Indianer achten aber die Squawe zu wenig, als daß Ihr viel Einfluß auf dieſen alten Burſchen haben könntet.“ „Wer weiß das, Bourdon, er hat vielleicht eine Tochter gehabt, welche von meinem Alter oder meiner Geſtalt war, oder mir ähnlich ſah, oder meine Stimme oder irgend etwas anderes hatte, das ihn an ſie erinnert, wenn er mich ſieht. Des Einen bin ich ganz gewiß,— Peter iſt gegen mich nicht —— Ihr täuſcht Euch nicht. Ich ſehe überhaupt nicht ein, warum ein Indianer Gefuhlen, wie Ihr ſie eben bezeichnet habt, fremd ſein ſollte. Er iſt ein Mann und muß für ſein Weib und ſeine Kinder fühlen, wie ein anderer—“ „Bourdon, warum winſelt d Stock ſich gebart!“ Das Gehaben Aufmerkſamkeit ſeines ſchaft war mittlerweile nen Waldſtücke gekommen un Hälfte dieſes Raumes voraus munteren Sprünge fortzuſetzen, richtete ſie ſi Weiſe empor und bewegte ſich vorſichtig von andern, wie Hunde zu thun pflegen, wenn wittern. Dieſe Bewegungen waren nicht zu mißdeuten und das Benehmen des Hundes zog bald die Aufmerkſamkeit der Häupt⸗ linge auf ſich. „Warum er ſo mache fürchten, he?“ „Er wartet auf mich,“ verſetzte le Bourdon.„Mein Bruder und zwei andere Häuptlinge mögen mit mir kommen, die übrigen laßt Die Bienen lieben die große Menge nicht Korporal, ich überlaſſe Margaret Eurem Schutze und Paſtor Amen wird in Eurer Nähe bleiben. Ich will den Häuptlingen jetzt zeigen, was eine Biene ihrem Herrn ſagen kann.“ Bei dieſen Worten ſchritt Ben Boden, fleiſch und Krähenfeder begleitet, weiter. „Ich wünſche und hoffe, 4 er Hund? Seht nur, wie Stocks war allerdings der Art, daß es die Herrn auf ſich ziehen mußte. Die Geſell⸗ bis auf zwanzig Ruthen von dem klei⸗ d die Dogge war faſt auf die Statt jedoch ihre ch in drohender einer Seite zur ſie einen Feind geeilt. n 2 fragte Peter.„Er Bienen hier bleiben. von Peter, Bären⸗ Unſer Held hatte ſich über Der Ort den Bäu glaubte, wie der 4 Nutzen 31 Da welche ſi ohne Fur jeder Hin tung ſeine Soba knurrte di ſeines Her le Bourde ſich tuchtig gebuſch, d. Stelle erre In de ſolches Ge⸗ rie hörte u mochte. D nicht weni ſchlugen. SHunde dicht zuſam ſagen aus d und ihre P Der p. nackt, furcht t. Ich en, wie iſt ein en, wie ur, wie ß es die ie Geſell⸗ dem klei⸗ tauf die och ihre drohender Seite zur nen Feind und das der Häupt⸗ Er Bienen n.„Mein tir kommen, n die große irem Schutze Ich will den Herrn ſagen eeter, Bären⸗ — Held hatte — 79— ſich uͤberzeugt, daß das Dickicht mehr barg als bloße Bienen. Der Ort war ein wenig ſumpfig, und es fand ſich dort außer den Bäumen verwachſenes Buſchwerk, daher le Bourdon glaubte, es müßten ſich Bären dort finden,— Thiere, welche, wie der Menſch, ſtets geneigt ſind, von dem Fleiße der Bienen Nutzen zu ziehen. Da er gut bewaffnet und von Männern begleitet war, welche ſich an Kämpfe dieſer Art gewöhnt hatten, ſchritt er ohne Furcht voran, denn er fühlte, daß es nothwendig ſei, in jeder Hinſicht zuverſichtlich aufzutreten, wenn er ſich die Ach⸗ tung ſeiner Gefährten ſichern wollte. Sobald der Bienenjäger an dem Hunde vorüber war, knurrte dieſer, fletſchte die Zähne wild und folgte an der Seite ſeines Herrn. Die Zuverſicht und die Raſchheit, mit welcher le Bourdon auf das Dickicht zueilte, zwang ſeine Begleiter, ſich tuchtig zu rühren, denn jener brach ſchon durch das Haſel⸗ gebuſch, das den Waldſaum umgrenzte, ehe die Indianer die Stelle erreicht hatten. In dieſem Augenblick erhob ſich ein ſolches Gellen, ein ſolches Geheul und Gebrull, daß man es auf der ganzen Prä⸗ rie hörte und daß auch das ſtärkſte Herz ſich erſchuttert fuhlen mochte. Das Bild, welches ſich bald dem Auge darbot, war nicht weniger ſchreckich, als die Töne, welche an das Ohr ſchlugen. Hunderte von Wilden, in ihrer Kriegsmalerei, bewaffnet, dicht zuſammen geſchaart, ſtiegen, wie auf einen Wink, ſozu⸗ ſagen aus der Erde heraus und begannen umher zu ſpringen und ihre Poſſen unter den Bäumen zu treiben. Der plötzliche Anblick einer Schaar ſolcher Weſen, faſt nackt, furchtbar bemalt, ihre Waffen gegen einander ſchlagend, — 809— die Nerven ſo viele Teufel, reichte hin, ſten Mannes zu erſchüttern. Angriff vorbereitet und und gellend wie eben des entſchloſſen Le Bourdon war jedoch auf einen fühlte ſich eher beruhigt, denn erſchreckt, als er die Wilden ſah. Sein raſcher Blick ließ ihn bald die Wahrheit ahnen. Die Schaar machte die ganze oder doch die Hauptmacht der Häuptlinge aus und er hatte nie daran gezweifelt, daß dieſe ſich irgendwo in den Lichtungen der Nähe der Prärie oder in verſteckt halte. Er hatte die Winke Taubenflügel's hinreichend verſtanden, um auf ein ſolches Zuſammentreffen gefaßt zu ſein, und in der letzten Zeit näherte er ſich keinem Dickicht, keinem Gebüſche, obne der Möglichkeit zu gedenken, daß Indianer darin verſteckt lägen. Statt daher Unruhe zu verrathen, ſterartiger Weſen ſich vor ſeinen Augen erhob, ſtand le Bour⸗ don feſten Fußes und blickte nur auf die Häuptlinge zurück, um ſich zu vergewiſſern, ob ſie eben ſo wie er durch dieſe Er⸗ ſcheinung ſich überraſcht fühlten. Und ſie waren offenbar überraſcht, denn dieſe„jungen Männer“ waren, als ſie erfuh⸗ ren, daß eine Medizin⸗Feierlichkeit auf der Prärie ſtattfinden ſollte, der Geſellſchaft vorausgeeilt und hatten, ohne daß ihre Häuptlinge es wußten, von dem Dickicht Beſitz genommen, da dieſe Oertlichkeit ganz geeignet war, Alles, was auf dem Wieſenplane vorging, zu überſchauen. „Mein Bruder ſieht ſeine junge Bourdon ruhig, ſobald dem Gellen, welches ſie bewillkommt hatte, eine Todesſtille gefolgt war.„Ich dachte, er würde ihnen etwas zu ſagen wünſchen, und meine Bienen verkündig⸗ ten mir, wo ſie ſeien. Will mein Bruder ſonſt noch etwas erfahren?“ als die Maſſe geſpen⸗ n Männer,“ ſagte le Groß Macht des heit zu a daß le B hatte, ſahe mußte ſich man auf welcher ül „Ihr Peter, und Frage zu „Gew ſie finden Dieß wenig zur ſich ein Ar „Pott Dürfte i ſonſt zu f Ihr Eurej Quelle ſchy Prieſter de dazu geſag „Dieß Bis auf de ſchwer auf ein raſcher Gunſten. welche uns nicht auf g 256—2 Nerven tet und Wilden ahnen. acht der daß dieſe chtungen nreichend zu ſein, t, keinem Indianer ſe geſpen⸗ le Bour⸗ ige zurück, dieſe Er⸗ n offenbar ſie erfuh⸗ ſtattfinden ie daß ihre genommen, as auf dem 4 ſagte le bewillkommt „ er würde n verkündig⸗ noch etwas — 81— Groß war das Staunen der drei Häuptlinge über dieſe Macht des weißen Medizin⸗Mannes! Weit entfernt, die Wahr⸗ heit zu ahnen oder einen glücklichen Zufall darin zu finden, daß le Bourdon ſie zu dem Verſteck ihrer Krieger geführt hatte, ſahen ſie in Allem nur Zauberwerk. Eine ſolche Kunſt mußte ſich ſehr nützlich erweiſen, und welche Vortheile konnte man auf einem Kriegspfade von einem Manne erwarten, welcher über die Wachſamkeit der Bienen zu gebieten vermochte? „Ihr finden Feind eben ſo gut, wie Freund?“ fragte Peter, und der Gedanke, welcher ihn beſchäftigte, trat in der Frage zu Tag. „Gewiß, dieß macht bei den Bienen keinen Unterſchied, ſie finden einen Feind eben ſo leicht auf, als einen Freund.“ Dieß Mal kein Whiskey⸗Quell?“ warf Krähenfeder ein wenig zur Unzeit ein, und in ſeinem dunkeln Geſichte malte ſich ein Argwohn, welcher le Bourdon nicht zuſagte. „Pottawattamie, Ihr verſteht Medizin⸗Männer nicht. Dürfte ich Euern jungen Männern ſagen, wo Whiskey um⸗ ſonſt zu finden ſei? Stellt euch ſelbſt dieſe Frage. Hättet Ihr Eure jungen Männer wie wilde Schweine an einer ſolchen Ouelle ſchwelgen ſehen mögen? Was hätte der große Medizin⸗ Prieſter der Blaßgeſichter, welchen Ihr dort draußen ſeht, dazu geſagt?“ „Dieß war ein Meiſterſtreich von Seiten le Bourdon's. Bis auf dieſen Augendlick hatte der Whiskey⸗Quelle⸗Handel ſchwer auf der Wagſchale gegen ihn gelaſtet, jetzt aber war ein raſcher Wechſel eingetreten und Alles ſprach zu ſeinen Gunſten. Selbſt ein Wilder iſt der Sittenlehre zugänglich, welche uns ſagt, der Menſch müſſe ſeine Vernunft ehren und nicht auf gleiche Stufe mit dem Thiere treten, indem er in 256— 258.. 6 und ſo ſah Krähenfeder jetzt plötz ch einen zureichenden Grund, den Bienenjäger mit günſtigem Auge, ſtatt mit dem des Argwohns und der Feindſchaft anzuſchauen. „Was das Blaßgeſicht ſagt, iſt wahr,“ bemerkte Peter, zu ſeinem Gefährten ſich wendend.„Wenn er ſeine Quelle erſchloſſen hätte, ſo wären Eure Krieger ſchwächer geworden, als Weiber. Er iſt ein wundervoller Medizin⸗Mann und wir dürfen ſeinen Zorn nicht reizen. Wie konnte er anders, als durch ſeine Bienen wiſſen, daß unſre jungen Männer hier ſeien?“ Dieſe Frage war nicht zu beantworten, und als die Häuptlinge, gefolgt von der ganzen Bande Krieger, drei bis vier hundert an der Zahl, auf die offene Prärie heraus⸗ kamen, wurde denen, welche ihre Ruckkehr erwartet hatten, Alles, was ſich begeben, kurz aber deutlich vorgetragen. e Bourdon benutzte einen günſtigen Augenblick, um Margaret mit ſeiner Lage und ſeinen Plänen bekannt zu machen, während Paſtor Amen und Korvoral Flint einen Wink erhielten, welcher ſie zur Vorſicht mahnte. Der Letztere war bei weitem leichter zu behandeln als der Erſtere. Das Gewiſſen des Geiſtlichen war ſo ungemein empfindlich, daß er, hätte er das Spiel klar durchſchaut, welches le Bourdon im Auge hatte, mit Unwillen jeden Gedanken an Zauberei, als in das Bereich der böſen Geiſter einſchlagend, von ſich gewieſen und bekämpft hätte, aber er war ſo arglos, daß er glaubte, Alles, was hier vorging, ſtehe im engſten Zuſammenhange mit der Kunſt, Bienen zu fangen. Ben Boden war jetzt eine Art Machthaber unter den „Feuerwaſſer“ ſchwelge, erſtaunten Wilden, welche ihn umgaben. Er hatte ſie dahin ein bedeutender Schritt für gebracht, an Zauberei zu glauben, den, wele thun iſt. beginnen Lage befa Weiſe her Wenn bei ſeinem noch Alle Anſiedelur Göttin de als nach ihres Läch Freih wie wenig Wahrheit Wenn ma⸗ man ſich: welcher d täuſcht! ehrung des wechſelnder tiger und Dienſte der er ſie vere! fich einer ſchung hin, ſich jetzt in Die Freihe es iſt jedoc Anbetung plötz ch n Auge, ſchauen. 2 Peter, Quelle eworden, ann und anders, Männer als die ger, drei e heraus⸗ t hatten, en. blick, um ekannt zu int einen er Letztere ere. Das h, daß er, zurdon im berei, als ch gewieſen er glaubte, nmenhange unter den e ſie dahin Schritt für —— 83— den, welchem es um die Handhabung despotiſcher Gewalt zu thun iſt. Freilich wußte er kaum ſelbſt, was er nun zunächſt beginnen ſollte, das aber war ihm klar, daß er ſich in einer Lage befand, aus welcher er ſich auf eine oder die andere Weiſe herauswinden mußte. Wenn er in dieſem Falle nur ſo glücklich war, wie er es bei ſeinem frühern Verſuche in der Zauberkunſt geweſen, konnte noch Alles gut gehen und Margaret im Triumph in die Anſiedelungen zuruckgeführt werden. Margaret war jetzt ſeine Göttin der Freiheit, und er ſtrebte nach keinem höhern Lohn, als nach dem Glücke, ſeine Lebenstage in dem Sonnenſchein ihres Lächelns verbringen zu dürfen.— 4 Freiheit! Dieſes Wort iſt jetzt in aller Welt Mund, in wie wenigen Herzen aber iſt es in ſeiner ganzen Reinheit und Wahrheit! Welch ein trübſeliger Irrthum iſt es überdieß. Wenn man glaubt, ſie ſei das große Gut des Lebens, ſofern man ſich ihrer nur in jener Vollendung erfreuen könne, mit welcher die Phantaſie der Menſchen den Verſtand ſo gern täuſcht! Eine Stunde, welche wir in demuthsvoller Ver⸗ ehrung des Weſens hinbringen, dem wir dieſes, ſowie alle die wechſelnden, unſicheren Güter dieſer Erde verdanken, iſt wich⸗ tiger und frommender, als Jahrhunderte, welche wir dem Dienſte der Freiheit weihen, und wer glaubt, er diene, indem er ſie verehrt, einem der großen Zwecke ſeines Daſeins, gibt fich einer eben ſo kindiſchen und unendlich gefährlicheren Tau⸗ ſchung hin, als die war, welcher Peter und ſeine Gefährten ſich jetzt in Bezug auf die Allwiſſenheit der Bienen überließen. Die Freiheit in den Grenzen der Vernunft iſt eine gute Sache, es iſt jedoch ein großer Fehler, wenn man ſie als ein der Anbetung würdiges Götzenbild hinſtellt.— . 6*¾ un?“ fragte Bärenſleiſch, der Darlegung ſchreiender „Vielleicht er „Was mein Bruder jetzt th deſſen gemeinere Natur ſich nach Wunder und ſtaunenswerther Künſte ſehnte. finden Honig jetzt?“ „Wenn Ihr es wünſcht, Häuptling, ja. Was ſagt Peter? wo ich Honig zu ſuchen habe?“ ſtimmte, ſchickte le Bourdon r Kunſt entgegen zu gehen. Soll ich meine Bienen fragen, Da Peter ſehr bereitwillig ein ſich an, dieſem neuen Beweis ſeine Der Leſer wird ſich erinnern, daß die Lage zweier Stöcke dem Bienenjäger mittelſt jenes ſehr einfachen und alltäglichen Verfahrens, von welchem er ſich nährte, bekannt war. Einer dieſer Stöcke war in dem bereits erwähnten Waldſtücke, das ſich den Saum der Prärie entlang zog, während der andere ſich in demſelben Dickicht befand, in welchem die Wilden ſich verſteckt hatten. Boden dachte jetzt nicht daran, dieſer zuletzt erwähnten Colonie weitere Unruhe zu bereiten, denn hätte er auf das Daſein derſelben an dieſer Stelle aufmerkſam gemacht, ſo wäre es möglicherweiſe um den Einfluß geſchehen geweſen, welchen er durch das letztere Gaukelſpiel errungen hatte, er wendete ſeine Aufmerkſamkeit daher alsbald dem andern Stocke zu, welchen ihm ſeine Bienen angedeutet hatten. ſeinem B er, was d Nachdem die Biene derte er d kam die jungen M hatte, ſchle Marg den. Wäl hatte ſie n ſeiner Abſi gewagtes die Indian ſchlagen, Wilden pre Vieller bens und d Einfluſſe h auf all die herbeiführer „Auch hielt es Boden jetzt nicht für nöthig, zu den gewöhn⸗ lichen Mitteln, die er bei ſeinem Beruf anzuwenden pflegte, ſeine Zuflucht zu nehmen. Da er die Stelle wußte, wo der Stock zu finden war, bedurfte er jener nicht, und mochte um ſo leichter gewiſſen Gaukeleien obliegen, welche ihm bei der Rolle, die er jetzt übernommen hatte, zu ſtatten kommen konnten. Le Bourdon ſing daher eine Biene, behielt ſie unter was dieſe zurückzutrete ihren Verla während ih garet wußte konnte, und ſetzte,— we deſſen Gunſt und von de renfleiſch, chreiender elleicht er gt Peter? n habe?“ Bourdon zu gehen. ier Stöcke lltäglichen ar. Einer tücke, das der andere Wilden ſich erwähnten er auf das eemacht, ſo n geweſen, n hatte, er ndern Stocke den gewöhn⸗ den pflegte, ßte, wo der mochte um ihm bei der ten kommen lt ſie unter — 85— ſeinem Becher, und brachte dieſen an ſein Ohr, als lauſchte er, was das darin ſummende Inſekt ihm wohl zu ſagen hätte. Nachdem er ſich ſcheinbar die nöthige Kunde verſchafft, ließ er die Biene nicht ohne einige Förmlichkeiten fliegen, und for⸗ derte er die Häuptlinge abermals auf, ihm zu folgen. So kam die ganze Schaar von Neuem in Bewegung, und die jungen Männer, welche Boden in ihrem Verſteck aufgeſcheucht hatte, ſchloſſen ſich dem Zuge an. Margaret begann jetzt der Folgen wegen bange zu wer⸗ den. Während ſie mit dem Bienenjäger entlang wandelte, hatte ſie mit dieſem mehrere kurze Worte gewechſelt und ſich ſeiner Abſichten ſo weit vergewiſſert, daß ſie einſah er ſpiele ein gewagtes Spiel. Eine Weile mochte es ihm wohl glücken, die Indianer zu täuſchen, zuletzt aber konnte es ihm fehl⸗ ſchlagen, und dann war er der rückſichtsloſen Rache dieſer Wilden preisgegeben. Vielleicht erwog ſie nicht völlig die Macht des Aberglau⸗ bens und die ſtumpfe Schwäche des Geiſtes, welcher ſich ihrem Einfluſſe hingegeben hat, während ihr weibliches Gefühl ſie auf all die ſchrecklichen Folgen hinwies, die ein Fehlſchlagen herbeiführen mußte. Demungeachtet war jetzt nichts zu thun, was dieſe Folgen abwenden konnte. Es war zu ſpät, um zurückzutreten und die Dinge mußten auf jede Gefahr hin ihren Verlauf nehmen. Damit ſie nicht ganz nutzlos wäre, während ihr Geliebter ſo viel für ſie wagte,— denn Mar⸗ garet wußte wohl, daß der Bienenjäger ſich leicht retten konnte, und daß er nur ihretwegen Alles auf das Spiel ſetzte,— wendete ſie ihre ganze Aufmerkſamkeit Peter zu, in deſſen Gunſt ſie, wie ſie wohl fühlte, jeden Tag geſtiegen war, und von deſſen Willen ſo viel abhing. Es ward ihr leicht, — 86— ſich ihm, ohne daß es auffiel, mehr zu nähern, als ſie bisher t gethan hatte. n gern ſehen?“ fragte Peter „Squaw den Medizin⸗Mann mit ſo bedeutſamem Nachdruck, daß Margaret's Wange ſich in Glut tauchte. „Ihr wollt wiſſen, ob ich den Medizin⸗Mann ſeine Kunſt gern ausüben ſehe,“ verſetzte Margaret mit der ihrem Geſchlecht eigenen Geiſtesgegenwart.„Weiße Frauen ſind, wie man ſagt, ziemlich neugierig, wie iſt es mit den Frauen des rothen Mannes?“ „Gerade ſo, voller Neugierde, S thun, in was Nation.“ „Es thut mir leid Squawen denkt. Hatte weder Weib noch Tochter?“ Ein Strahl mächtiger Erregung ſchoß über das Antlitz des Indianers und glich dem Aufglühen der elektriſchen Flamme, welche um Mitternacht auf einer Wolke glänzt, die ſer Flammenblitz ging aber eben ſo ſchnell vorüber, als er ſich gezeigt hatte, und an ſeine Stelle trat wieder der harte, in ſich zuſammengedrängte Ausdruck, welchen die Gewalt eines lange gehegten und genährten Gedankens unverlöſchlich, als wäre er in Stein gehauen, da eingeprägt hatte. „Alle Häuptlinge haben Squaw, alle Häuptlinge haben bende Antwort.„Wozu Pappus,“ lautete die endlich ſich kundge er gut, he?“ „Es iſt immer gut, Kinder zu haben, Peter, wenn die Kinder ſelbſt gut ſind.“ „Gut für Blaßgeſicht vielleicht, Blaßgeſicht froh, wenn Pappus zur traurig.“ quaw ſein Squaw, nichts Peter, daß Ihr nicht beſſer von den t Ihr vielleicht nie eine Squaw, beſonders nicht gut für Rothhaut. Welt kommen, Indianer „ traurig „L nicht wi wenn er fort. K Alles. weinen. „O wenn ich gutes Re als wir Antheil, Mam natürlich ſo viel W wa⸗noſh dem Herz So hätte Pet ſeinem P Gegenthei berechnet, wollte, ur bei dieſen dieſes war warmen 2 ßen Vorw Seele verf 4„Mei ſie bisher agte Peter Jange ſich ann ſeine der ihrem auen ſind, den Frauen raw, nichts ſer von den ne Squaw, das Antlitz elektriſchen glänzt, die⸗ ber, als er er der harte, Hewalt eines öſchlich, als tlinge haben vort.„Wozu r, beſonders ür Rothhaut. en, Indianer — 87— „Ich hoffe, dieß iſt nicht ſo. Warum ſollte ein Indianer traurig ſein, wenn er das Lächeln ſeines kleinen Sohnes ſieht?“ „Lächeln, wenn er klein, das wohl möglich, er klein und nicht wiſſen, was kommen. Aber Indianer nicht mehr lachen, wenn er groß gewachſen. Wild fort, Land fort, Maisfeld fort. Kein Raum mehr für Indianer, Blaßgeſicht nehmen Alles. Blaßgeſicht jung Mann lachen, Rothhaut jung Mann weinen. So es ſein.“ „O, ich hoffe es nicht, Peter. Es würde mir leid ſein, wenn ich dächte, dieß ſei ſo. Der rothe Mann hat ein ſo gutes Recht,— ja, er hat ein beſſeres Recht auf dieſes Land, als wir Weiße, und Gott verhüte, daß er je um ſeinen vollen Antheil an dieſem Boden komme.“ — Margaret hatte wahrſcheinlich ihr Leben dieſem biedern, natürlichen Ausbruche des Gefühles zu danken, welches mit ſo viel Wärme und Wahrheit ausgedrückt wurde, daß Wa⸗ wa⸗noſh nicht zweifeln kounte, es komme unmittelbar aus dem Herzen. So wechſelvoll iſt unſere Natur. Eine Minute früher hätte Peter keine Ausnahme zu Gunſten des Mädchens in ſeinem Plan, alle Weißen zu vernichten, zugeſtanden, im Gegentheil, er hatte bei ſich oft die Zahl der Blaßgeſichter berechnet, welche er ſozuſagen auf ihrem Lager erwürgen wollte, und der Bienenjäger, ſowie„ſeine Squaw“ waren bei dieſem beabſichtigten Opfer nicht ausgeſchloſſen. Alles dieſes war nun, raſch wie der Blitz, durch Margaret's biedern, warmen Ausdruck ihres Rechtsgefühls in Bezug auf den gro⸗ ßen Vorwurf, der Peter's ganzes Daſein ausfüllte, aus ſeiner Seele verſchwunden. „Meine Tochter das wünſchen?“ erwiederte Peter, nach⸗ * — 88— dem Margaret ſich in dieſer offenen, biedern Weiſe ausge⸗ ſchienen ſprochen hatte.„Ein Blaßgeſicht⸗Squaw wünſchen können, fehlte, daß Indianer bleiben auf ſein Jagdgründen?“ mögen. „Tauſende von uns wünſchen es, Peter, und ich gehöre De dieſer Zahl an. Oft und oft haben wir davon an unſerm Einfluß häuslichen Feuer geſprochen, und auch Gerſhom theilte unſer haben, aller Anſicht, wenn das Feuerwaſſer ihm nicht eben den Kopf begonne eingenommen hatte. Ich weiß, daß Bourdon gleichfalls ſo Me denkt, und ich habe ihn ſagen hören, der Congreß müßte ein ein kleit Geſetz geben, welches den Weißen verböte, den Indianern mehr gehörig, Land zu entringen.“ ddie Bier Peter's Antlitz wäre während der wenigen Minuten, in Bäume welchen ſein ungeſtümer Wille ſich dem Einfluſſe beſſerer hatte ſ Gefühle zuzuneigen begann, ein beachtenswerther Vorwurf erſpart. für den Phyſiognomen geweſen. Anfangs ſchien er betäubt Die zu ſein, dann folgte die Reue in ihren mannigfachen Abſtu⸗ dürren 2 fungen, endlich brach ſich das menſchliche Mitgefühl Raum und der und behauptete ſein lange ſchlummerndes, aber unvertilgbares gingen, Recht. 8 gezogen. Margaret ſah wohl Spuren dieſes Wechſels der Gefühle, bloßen es ging aber weit über ihren Scharfblick, den Kampf einer erkennen ſo ſtarren, wilden Seele genau zu verfolgen, obgleich ſie ſich daß es e durch das, was ſie ſah und zu deuten wußte, ermuthigt fühlte. Die Während die allmächtige, göttliche Vorſehung ſo ihre ihm oft gnadenreichen Abſichten in ihrer eigenen Weiſe dem Ziel ent⸗ bei mehr gegenführte, war der Bienenjäger eifrig bedacht, ein gleiches Räubern Ziel durch ſeine Mittel zu erreichen. Er ahnte nicht, wie Raubplä viel in den wenigen letzten Minuten für ihn gethan worden, geworden und wie ſehr Alles, was er erſtrebte, durch ſeine Anſchläge ſchwunde gefährdet ward,— Anſchläge, welche ihm ſo geſchickt erdacht mochte il 2 ſe ausge⸗ können, ich gehöre n unſerm ilte unſer den Kopf ichfalls ſo müßte ein nern mehr nuten, in ſe beſſerer Vorwurf er betäubt hen Abſtu⸗ ühl Raum ertilgbares er Gefühle, ampf einer eich ſie ſich higt fühlte. ng ſo ihre n Ziel ent⸗ ein gleiches nicht, wie jan worden, e Anſchläge hickt erdacht — 99— ſchienen, denen aber die nie irrende Einfalt und Wahrheit fehlte, welche allein das Gute und Rechte zu fördern ver⸗ mögen. Demungeachtet mochte le Bourdon's Thun nicht ohne Einfluß auf die Begebniſſe geblieben ſein und dazu beigetragen haben, den Kampf, welcher in der Bruſt des Stammloſen begonnen, zum Beſten zu lenken. Man wird ſich erinnern, daß der Bienenjäger gewöhnlich ein kleines Perſpectiv, als zu den Geräthſchaften ſeines Berufes gehörig, bei ſich trug. Er ward dadurch in den Stand geſetzt, die Bienen zu beobachten, wenn ſie in der höchſten Höhe der Bäume aus ihren Stöcken kamen oder hineinflogen, und er hatte ſich damit oft ſtundenlanges, fruchtloſes Nachſuchen erſpart. Dieſes Glas hatte er jetzt in der Hand, denn auf einem dürren Baume, welcher ein wenig abgeſondert von den übrigen und der äußerſten Waldſpitze nahe ſtand, der ſie jetzt entgegen gingen, hatte ein Gegenſtand ſeine Aufmerkſamkeit auf ſich gezogen. Die Entfernung war noch zu groß, als daß es dem bloßen Auge möglich geweſen wäre, dieſen Gegenſtand zu erkennen, ein einziger, raſcher Blick aber mit dem Glaſe zeigte, daß es ein Bär war. Dieß war einer der alten Feinde des Bienenjägers, die ihm oft entgegentraten und nach ſeinem Honig trachteten, und bei mehreren Gelegenheiten war er gezwungen geweſen, dieſen Räubern zu weichen, ehe es ihm gelungen, ſeine eigenen Raubpläne auszuführen. Der Bär, deſſen er ſoeben anſichtig geworden, war ihm im Nu wieder aus dem Geſichte ver⸗ ſchwunden, denn die Höhe, zu welcher er emporgeklettert war, mochte ihn ermüdet und veranlaßt haben, wieder herabzuſteigen. — 90— Alles dieß begünſtigte die Wünſche le Bourdon's, welcher alsbald Halt machte. Alle die dunkeln Augen funkelten und waren in unge⸗ ſtümer Neugierde auf ihn gerichtet. Er fing eine Biene und hielt ſie an ſein Ohr, während ſie ſummend in dem Becher herumſchwirrte. 1 „Ihr glauben, der Bien ſprechen?“ fragte Peter ſeine ſchöne Begleiterin in vertraulichem Ton, als walte ein neu erwachtes Gefühl unter ihnen. „Bourdon muß es glauben, Peter,“ antwortete das Mädchen ausweichend,„denn er würde ſonſt nicht auf das lauſchen, was ſie ſagt.“ 3 „Das ſeltſam, Bienen ſprechen! faſt ſo ſeltſam, wie Blaßgeſicht der Rothhaut Land zu laſſen wünſchen. Gewiß, Bienen ſprechen, he?“ „Ich habe nie eine ſprechen hören, Peter, es müßte denn in ihrem Summen ſein. Dieß iſt vielleicht die Sprache der Bienen, mehr weiß ich nicht von der Sache.“ Jetzt ſchien der Bienenjäͤger zufriedengeſtellt und ließ die Biene fliegen. Die Wilden ließen ihr Staunen und ihre Verwunderung durch Murmeln laut werden. „Wollen meine Brüder jagen?“ fragte le Bourdon mit ſo lauter Stimme, daß Alle in dem weiten Kreiſe es hörten. Die Frage hatte ſofort eine allgemeine Bewegung zur Folge. Neben den Erfolgen auf einem Kriegspfad iſt die Geſchicklichkeit im Jagen einer der großen Vorzüge des India⸗ ners, und er freut ſich ſtets, wenn er beweiſen kann, daß er ſie beſitzt. Le Bourdon hatte daher kaum das Wort laut werden laſſen, Männe 4, mit er ſagen. die Pr und ir meine theilen, der Pr Fleiſche D. zögerte überraſ linge i auf der Seite i ſich vor In ruf aus Peter g Bi Zweifel war es finden ſe Bienen, im Sta⸗ Di Erſchein welcher n unge⸗ ene und Becher ter ſeine ein neu tete das auf das im, wie Gewiß, ßte denn rache der hließ die und ihre urdon mit es hörten. gung zur d iſt die des India⸗ n, daß er ut werden — 91— laſſen, als ein allgemeiner Ruf die Bereitwilligkeit, der jungen Männer vorzugsweiſe, ankündigte, ſich der Jagd anzuſchließen. „Meine Brüder mögen näher herankommen,“ ſagte Ben mit ernſter Stimme,„ich habe ihnen Etwas in das Ohr zu ſagen. Sie ſehen jene Waldſpitze, wo die dürre Linde auf die Prärie gefallen iſt. In der Nähe jener Linde iſt Honig, und in der Nähe des Honigs ſind Bären. Dieß haben mir meine Bienen geſagt. Meine Brüder werden ſich nun ver⸗ theilen, ein Theil geht in den Wald, ein anderer bleibt auf der Prärie, dann werden ſie eine Fülle wohlſchmeckenden Fleiſches erhalten.“ Da alles dieß ſehr einfach und leicht zu begreifen war, zoͤgerte man keinen Augenblick mit der Ausführung. Mit überraſchender Ordnung und Gewandtheit führten die Häupt⸗ linge ihre Schaaren ab, eine Reihe dunkler Krieger drang auf der Oſtſeite der Linde, eine andere auf deren weſtlicher Seite in den Wald ein, während ein ziemlich ſtarker Haufe ſich vor derſelben auf der Prärie zerſtreut auſſtellte. In weniger als einer Viertelſtunde hörte man den Signal⸗ ruf aus dem Walde, daß man zur Treibjagd bereit ſei, und Peter gab das verabredete Zeichen zum Beginne. 4 Bis zu dieſem Augenblicke hegten die Wilden ſtets noch Zweifel an der Richtigkeit der Ausſagen le Bourdon's. Wie war es möglich, daß die Bienen ihm ſagten, wo Bären zu finden ſeien? Bären waren allerdings die großen Feinde der Bienen, dieß wußte jeder Indianer, ſollten die Bienen aber im Stande ſein, einen Feind gegen einen andern zu bewaffnen? Dieſe Zweifel wurden jedoch bald durch die plötzliche Erſcheinung von acht bis zehn Bären beſeitigt, welche, von der im Walde gellenden Schaar aufgejagt, auf die Prärie herausbrachen. Jetzt begann eine Scene wilden Lärms und lauter,, gellender Luſt. Die Krieger auf der Prärie zogen ſich vor ihren Feinden zurück, bis alle ihre Freunde den Wald hinter ſich hatten, dann ſchloß ſich der Kreis raſch, und man rückte den Bären näher. Bärenfleiſch führte, wie es ſeinem Namen zuſtand, den Tanz an, indem er einen Pfeil auf das nächſte Thier abſchoß. Die armen Vierfüßler, welche die große Menge ihrer Feinde ſchreckte und ihr gellendes Brüllen betäubte, wußten nicht, wohin ſie ſich wenden ſollten. Da und dort wurde ein Verſuch gemacht, den Kreis zu durchbrechen, aber Wolken von Pfeilen flogen ihnen gerade in das Geſicht und trieben ſie wieder rückwärts. Feuerwaffen wurden bei dieſer Jagd nicht gebraucht, Speere und Pfeile waren die Wehren, deren man ſich bediente. Mehrere ſcherzhafte Zwiſchenfälle fanden Statt, keiner aber hatte ernſte Folgen. Einige der ſorgloſeren Jäger, welche den Ehrgeiz hatten, vor den Vertretern ſo vieler Stämme glänzen zu wollen, ſetzten ſich größerer Gefahr aus, als nöthig war, kamen aber mit leichten Wunden davon. Einer der jüngeren Indianer hätte jedoch ſeine Verwegenheit faſt mit dem Leben gebüßt. Er war von einem tüchtigen Bären gepackt worden, welcher ihn mit ſeinen Tatzen faſt erdrückte, ehe ſeine Freunde ihm zu Hilfe eilen konnten. Der Gefangene hatte kein anderes Mittel, ſich dem Biſſe des verzweifelten Thieres zu entziehen, als daß er die Spitze ſeines Speeres in den Rachen des Bären bohrte und ihn ſo von ſich drängte, wie ſehr das Thier ſich auch anſtrengte, ihn durch ſeine Umarmung fügſam zu machen. We die ſche Bienenj waren. Auge be Schaar aber etn ebenſo 1 Kre durch d Zauberer eines de Pet Grad e Prärie lauter,, ich vor dhinter n rückte nd, den abſchoß. Feinde n nicht, Verſuch Pfeilen wieder ebraucht, bediente. ner aber , welche Stämme ls nöthig Liner der faſt mit n Bären erdrückte, Hefangene zweifelten peeres in drängte, rch ſeine V — 93— Als dieſer Kampf zu Ende ging, war das Schlachtfeld mit Erſchlagenen bedeckt, denn die jagdgeübten Wilden hatten nicht einen einzigen der Bären entrinnen laſſen. Shh u. SDSu L Fünftes Kapitel. „ . 5—— Sie war ein einzig Kind; Ginevra war ihr Name'; ein güt'ger Vater Fand ſeine Freude, ſeinen Stolz in ihr, Und als ſie fünfzehn Jahre zählte, ward Sie mit Franz Doria vermählt, der Freund⸗ Von zarter Kindbeit ihr geweſen und Dem ihre erſte Licbe ſie geweiht. Rogers. Während der Jagd hatte Niemand Muße gehabt, über die ſcheinbar außerordentliche Weiſe nachzudenken, wie der Bienenjäger den Platz angedeutet hatte, wo Bären zu finden waren. Keiner der Indianer hatte ihn das Glas an das Auge bringen ſehen, denn er war eine kleine Strecke vor der Schaar voraus und konnte dieß unbemerkt thun, wenn ſie aber etwas dieſer Art auch geſehen hätten, würde es ihnen ebenſo unerklärlich geweſen ſein, wie alles Andere. Krähenfeder und Einige ſeiner Gefährten hatten freilich durch das Medizin⸗Glas geſchaut, dieß mochte aber des Zauberers Anſehen eher geſteigert, als dazu beigetragen haben, eines der Wunder, welche er vollbrachte, zu erklären. Peter war über Alles, was ſich begeben hatte, in hohem Grad erſtaunt. Er hatte oft von der Geſchicklichkeit der — 94— Männer gehört, welche ſich der Bienenjagd widmeten, auch war er mit Einzelnen zuſammengetroffen, welche dieſes Gewerbe betrieben, jetzt aber bot ſich ihm zum erſten Mal eine Gele⸗ genheit, perſönlich Zeuge von der Ausübung einer ſo wunder⸗ baren Kunſt zu ſeinee. Hätte dieſes Verfahren in nichts Weiterem beſtanden, als eine Biene zu fangen, ſie mit Honig füllen und dann fliegen zu laſſen, um ihr dann bis an ihren Stock zu folgen, ſo wurde dieß ſo einfach geweſen ſein, daß es keiner Erklärung bedurft hätte. Peter war aber zu verſtändig und zumal ein zu ſcharfer Beobachter, als daß er nicht eingeſehen hätte, wie viel mehr, als dieß, erforderlich ſei. Wenn die Biene wirklich dem Walde zuflog, wie es bei zweien, die dieſen Morgen gefangen worden, in der That der Fall war,— in welchem Theile des Waldes hatte der Jäͤger den Bienenbaum zu ſuchen? Der Winkel ſetzte Peter, ſowie alle Indianer in Verlegenheit, denn um dieſes Winkelnehmen zu verſtehen, bedurfte es eines Grades von Kenntniſſen und Berechnungen, welcher ſeine Befähigungen weit überſtieg. Wir haben auf den Wechſel hingedeutet, welcher Peter bei ſeinem grauſamen Plane plötzlich uͤberkam. Bereits ſeit einiger Zeit hatte die Einfachheit, Offenheit, Wahrheit, Anmuth und weibliche Heiterkeit, um nicht zu ſagen, die perſönliche Schönheit der jungen Amerikanerin das Herz dieſes ſtarren Wilden, in Bezug auf das Mädchen ſelbſt, allmählich gemildert und geſänftigt. Keine Art Schwäche geſellte ſich dieſem Gefühle bei, welches rein aus jenem göttlichen Prinzip entſprang, das uns Allen eingeprägt iſt. 4 Die ruhige, ernſte Weiſe, in welcher das Mädchen an dieſem Tage den Wunſch hatte laut werden laſſen, ſie möchte — die Rech Sieg vol dem grof Es ſeinem C ſelbſt die, Grade ge ſamkeit, hatte er welcher es ihm n Häuptliug tigen, we dadurch n mehren v zu vermit wahrſcheit gehofft ha ander geh linge weg ſichter den gehaßten Die berkraft ve ihm reiche Männer d einem feſt Gehaben Scene um le Bourdo n, auch Hewerbe e Gele⸗ wunder⸗ den, als fliegen lgen, ſo rklärung mal ein itte, wie wirklich Morgen welchem daum zu dianer in verſtehen, hnungen, her Peter rreits ſeit Wahrheit, agen, die derz dieſes allmählich ſellte ſich n Prinzip äͤdchen an ſie möchte 95 die Rechte des rothen Mannes geachtet wiſſen, hatte ihren Sieg vollendet und ihre Rettung geſichert, ſo weit es ſich von dem großen Häuptlinge ſelbſt handelte. Es mag jedoch auffallend ſcheinen, daß Peter, bei all ſeinem Einfluſſe, nicht im Stande war zu entſcheiden, daß ſelbſt die, welche er zu begünſtigen und zu ſchützen in ſo hohem Grade geneigt war, verſchont bleiben ſollte. Durch ſeine Bered⸗ ſamkeit, ſeine Beharrlichkeit und ſeinen glühenden Rachedurſt hatte er einen Geiſt unter ſeinem Volke heraufbeſchworen, welcher nicht ſo leicht zu bewältigen war. Mehrere Male war es ihm nur mit Mühe gelungen, die jüngeren, ungeſtümeren Häuptliuge abzuhalten, ſich ſofort der Scalpe derer zu bemäch⸗ tigen, welche in ihrer Gewalt waren, und dieß war ihm nur, dadurch möglich geworden, daß er die Zahl der Opfer zu ver⸗ mehren verſprach. Wie durfte er es jetzt wagen, dieſe Zahl zu vermindern? und zwar in einem Augenblicke, wo es nicht wahrſcheinlich ſchien, mehr Weiße heranzulocken, wie er anfangs gehofft hatte? Dieſe Rathsverſammlung mußte bald ausein⸗ ander gehen, und es ſtand nicht in ſeiner Macht, die Häupt⸗ linge wegzuſenden, ohne die Scalpe der anwefenden Blaßge⸗ ſichter denen beizugeſellen, welche die Vernichtung der ganzen gehaßten Raſſe fördern ſollte. Die Verlegenheit, in welche ihn des Bienenjägers Zau⸗ berkraft verſetzte, und die Beſorgniß wegen Margaret gaben ihm reichen Stoff zu ernſtem Nachdenken. Während die jungen Männer das Bärenfleiſch herrichteten und Vorbereitungen zu einem feſtlichen Mahle trafen, wandelte er abſeits, und ſein Gehaben war das eines Mannes, deſſen Gedanken mit der Scene umher nichts gemein hatten. Selbſt das fernere Thun le Bourdon's, welcher ſeinen Bienenbaum gefunden und gefällt — 86— hatte und jetzt den Honig unter den Indianern vertheilte, konnte ihn ſeinem Nachdenken nicht entziehen. Der große Geſammtrath ſollte noch an demſelben Tage— auf dem Prärienkreiſe hier— ſtattfinden, und Peter mußte durchaus vor der Stunde, wo das Feuer angezündet wurde, und die Häuptlinge zur Schlußberathung zuſammen traten, über das Verfahren, welches er einhalten wollte, mit ſich einig werden. Mittlerweile hatte le Bourdon durch die Vertheilung des Honigs nicht minder, wie durch die Art, wie er ihn gefunden, in der Gunſt derer, welche von ſeiner Freigebigkeit Nutzen zogen, bedeutende Fortſchritte gemacht. Man ſollte glauben, das Gefühl des„Mein und Dein“ ſei uns von der Natur eingeprägt, da die Menſchen in allen Verhältniſſen klare und beſtimmte Begriffe in Bezug auf dieſes Recht zu hegen ſcheinen. Natürlich mag es, in dem ſtrengen Sinne des Wortes, wohl nicht ſein, es iſt aber ein Recht. welches mit denen, die uns die Natur eingeprägt hat, ſo eng verwebt iſt, daß es von dem Einzelnweſen faſt nicht getreunt werden kann. Gewiß hängt alle Civiliſation davon ab, daß dieſes Recht den geeigneten Schutz findet, denn wer würde mehr, als ſeine unmittelbaren Beduüͤrfniſſe nöthig machen, zu erwerben wünſchen, wenn er ſich dieſes Erwerbs nicht erfreuen dürfte? Unter den ameri⸗ kaniſchen Wilden findet das Eigenthumsrecht ſeine volle Aner⸗ kennung, die Jagdgründe, und gelegenilich auch der Boden, gehören dem Stamme, aber das Wigwam, und die Waffen, und die zum Gebrauche, wie zum Verkaufe beſtimmten Felle, oft auch die Pferde und alle übrige bewegliche Habe gehören dem Einzelnen. Dieſes Recht wird ſo heilig gehalten, daß nicht Einer von all denen, welche umherſtanden und le Bourdon ſeinen S ſahen, au Süßigkeit dazu einl anerkannt ſich die G indem er theilte. 2 wie unmö unendlich Gewißheit entfernen, in den Lich Wir Gunſt der für die Si ging dieß 1 abgeſehen v gefunden h Zweifel, o le Bourdon 1 In Be zweifelhaft; derbaren G Nänner in geſehen hatt beſchwichtige eigenen Aug Punder erſa Dinge, und 256— 25 vertheilte, n Tage— ter mußte det wurde, en traten, „mit ſich eilung des gefunden, eit Nutzen e glauben, der Natur klare und N ſcheinen. rtes, wohl „die uns s von dem wiß hängt geeigneten nittelbaren „wenn er den ameri⸗ volle Aner⸗ der Boden, ie Waffen, nten Felle, be gehören alten, daß e Bourdon — 97— ſeinen Baum fällen und den Honigvorrath zu Tag fördern ſahen, auch nur daran dachte, die Hand nach dieſer köſtlichen Süßigkeit auszuſtrecken, ehe deren rechtlicher Eigenthümer ihn dazu einlud. Dieſe Zurückhaltung, dieſe Achtung vor einem anerkannten Grundſatze machten es dem Bienenjäger möglich, ſich die Gunſt der Wilden in nicht geringem Grade zu ſichern, indem er die ſo hoch gehaltene Speiſe freigebig unter ſie ver⸗ theilte. Boden behielt nichts für ſich zurück, denn er ſah ein, wie unmöglich es wäre, den Honig wegzubringen. Glücklich, unendlich glücklich würde er ſich geſchätzt haben, hätte er die Gewißheit gehabt, daß es ihm gelingen werde, Margaret zu entfernen, mit Freuden hätte er den Wilden ſeine ganze Habe, in den Lichtungen wie anderwärts, überlaſſen. Wir haben bemerkt, daß der Bienenjäger raſch in der Gunſt der Krieger, beſonders derer ſtieg, welche eine Vorliebe für die Süßigkeit des Honigs hegten. Dem Stammloſen ent⸗“ ging dieß nicht, und er freute ſich jetzt dieſes Umſtandes, denn abgeſehen von der Gunſt, welche Margaret in ſeinen Augen gefunden hatte, hegte dieſer verſchlagene Häuptling gewiſſe Zweifel, ob es klug ſei, mit einem Medizin⸗Mann von le Bourdon's Befähigung rauh zu verfahren. In Betreff der Whiskey⸗Quelle war er von vornen herein zweifelhaft geweſen, ſelbſt Krähenfeder's Bericht von dem wun⸗ derbaren Glaſe, durch welches dieſer Häuptling geſchaut und Nänner in Kinder, und dann wieder in Rieſen verwandelt geſehen hatte, war nicht im Stande geweſen, ſeine Zweifel zu beſchwichtigen, gegen das aber, was er an dieſem Tage mit eigenen Augen geſehen hatte, war er nicht gewaffnet. Dieſe Wunder erſchütterten ſeine frühere Anſicht in Betreff anderer Dinge, und hatten die Wirkung, daß ſie den Bienenjäͤger zu 256— 258. 7 — 98— einer Höhe erhoben, welche einen Angriff gegen ihn gefährlich erſcheinen ließ. Während Peter auf dieſe Weiſe ſich von Zweifeln bedrängt fühlte, und zwar in einem Punkte, auf dem er ſich bisher feſt wie ein Fels gezeigt hatte, blickte ein anderer in der Schaar mit großem Widerwillen auf die ſteigende Gunſt le Bourdon's. Dieſer Mann konnte kaum für einen Häuptling gelten, aber er beſaß eine bösartige Gabe, welche er oft zum Verderben derer gebrauchte, die weit über ihm ſtanden. Man nannte ihn nur„das Wieſel,“— ein Beinawe, welchen man ihm wegen ſeiner Aehnlichkeit mit dieſem diebiſchen, gaunerhaften kleinen Thiere gegeben hatte. Seine äußere Erſcheinung war gemein, und nichts weniger als anziehend, und ſchmutzige Sitten trugen dazu bei, ihn noch abſtoßender zu machen, als er ſonſt geweſen „wäre. Er war überdieß der Unmäßigkeit ergeben, denn er liche Sendung Feuerwaſſer erhielt, welches man damals mehr als jetzt den Urbewohnern zu ſchicken pflegte. Da Wieſel ein Krieger ohne Namen und ein ſo ſchlechter Jäger war, daß ſein Squaw und ſeine Pappuſe oft in fremden Hütten um Nahrung betteln mußten,— da er von gemeinem Aeußern 8 1„. und ein Trunkenbold war, muß es auffallen, daß er unter ſo vielen Häuptlingen, welche ſich durch Muth, Klugheit, ruhm⸗ volle Thaten im Kriege und auf der Jagd und durch wichtige Dienſte am Berathungsfeuer auszeichneten, irgend Einfluß gehabt haben ſoll. Er verdankte dieſen lediglich ſeiner Zunge, Unggue, oder das Wieſel, war im höchſten Grade beredt, und beſaß jene Geſchmeidigkeit ſeiner Kunſt, welche ſich meiſtens an die Leidenſchaften wendet, und der Menſch läßt ſich, ſo ſeltſam dieß auch klingen mag, öfter und leichter von denen ſchwelgte Tag und Nächte lang, wenn ſein Stamm eine reich⸗ — täuſchen Etwas großen Wahrhe gibt den Die ſtets ber die er Ueberger des Neit Er hatte ſogar ge dem Plar dieſen gel jedoch eit Peter's fe Dief in Folge erſter Hä in ſeiner Wen, ode nicht ſag Stimmun ſeine unge Mitteln Milde zu Unggq Demagoge leiten, un was gerad gefährlich bedrängt bisher feſt eer Schaar Bourdon's. elten, aber Verderben nannte ihn ihm wegen ften kleinen dar gemein, tten trugen onſt geweſen n, denn er eine reich⸗ mals mehr Wieſel ein r war, daß Hütten um em Aeußern er unter ſo gheit, ruhm⸗ urch wichtige end Einfluß einer Zunge. Hrade beredt, ſich meiſtens läßt ſich, ſo c von denen — 99— täuſchen, die nur verſprechen, als von folchen, die in der That Etwas vollbringen. Eine geläufige Lügenzunge iſt bei der großen Menge an ſich ſchon eine Macht, ſte verdreht die Wahrheit, blendete die Gerechtigkeit, trotzt der Vernunft und gibt dem Unrecht den Vorrang vor dem Recht. Dieſe Eigenſchaft beſaß Wieſel in hohem Grad, und war ſtets bereit, jede Gelegenheit zu benützen, um denen zu ſchaden, die er haßte. Zu dieſen gehörte Peter, deſſen anerkanntes Uebergewicht bei ſeinem eigenen Stamm eine mächtige Quelle des Neides und der Unbehaglichkeit für dieſen Indianer war. Er hatte mühſam gekämpft, um ihm zu widerſtehen, er hatte ſogar gewagt, zu Gunſten der Blaßgeſichter zu ſprechen und dem Plane, ſie Alle zu vernichten, entgegen zu treten, lediglich um⸗ dieſen geheimnißvollen Fremden Widerſtand zu leiſten. Dieß war jedoch eitel geweſen, er hatte ſeinen Zweck nicht erreicht, und Peter's feurige Beredſamkeit erwies ſich ſelbſt für ihn zu mächtig. Dieſer Wilde vergewiſſerte ſich jetzt zu ſeinem Erſtaunen in Folge einiger Worte, die er zufällig erhaſchte, daß ihr erſter Häuptling ſich in ſo weit mild zeige, daß er nicht alle in ſeiner Gewalt befindliche Weißen zu vernichten beabſichtige. Wen, oder wie viele er zu verſchonen gedenke, konnte Ungque nicht ſagen, ſeinem raſchen, geübten Blicke war aber eine Stimmung dieſer Art im Allgemeinen nicht entgangen, und ſeine ungeſtüme Neigung zum Widerſpruche trieb ihn, ſich nach Mitteln umzuſchauen, um dieſem raſch erwachten Wunſche, Milde zu zeigen, alsbald entgegenzutreten. Ungque bediente ſich ſtets deſſelben Hebels, den die Demagogen benützen: er ſchmeichelte der Menge, um ſie zu leiten, und hegte eine eingefleiſchte Feindſchaft gegen Alles, was gerade, mannhaft und edel war. 7* — 100— Die Zeit rückte nun heran, wo die Indianer allein zu ſein wünſchten. Sie beabſichtigten, in dieſer Berathung zu einem wichtigen Entſchluſſe zu kommen, und ſelbſt die jungen Männer durften, wenn ſie nicht Häuptlinge waren, nur ferne Zuſchauer abgeben. Peter ſchickte daher nach le Bourdon, und theilte ihm den Wunſch mit, alle Weißen möchten nach dem Shanty zurückkehren, wo er bei dem Untergange der Sonne oder früh am nächſten Morgen ſich einzufinden verſprach. „Ihr wiſſen, wenn bei Euch, das mein Wigwam,“ ſagte der wilde Häuptling, und lächelte Margaret freundlich an, während er dem Bienenjäger die Hand ſchüttelte, dem ſein Benehmen weit offener ſchien, als es bei irgend einer frühern Gelegenheit geweſen.„Beſorgen gut Nachteſſen für alten Indianer, junge Squaw, das gerade, wozu Squaw gut ſein.“ Margaret verſprach lachend, ſeinem Wunſche zu entſpre⸗ chen, und begab ſich, von ihrem Geliebten begleitet, hinweg. Der Korporal folgte, bis an die Zähne bewaffnet, und hielt ſich von dem jungen Paar eben fern genug, um dieſes in den Stand zu ſetzen, ſich unbelauſcht zu beſprechen. Was den Miſſionär betrifft, ſo war er von Peter einen Augenblick bei Seite genommen worden, und die Uebrigen ſchritten langſam voran, um ihm Zeit zu laſſen, ſie einzu⸗ holen, ehe ſte die erſte Meile hinter ſich hatten. Man denkt ſich wohl, daß der geheimnißvolle Häuptling Paſtor Amen nicht ohne Grund zurückbehielt. „Mein Bruder hat mir viele ſeltſame Dinge geſagt,“ begann Peter, als er mit dem Miſſionär allein war, und bediente ſich jetzt der Ojebway⸗Sprache,„viele ſehr ſeltſane Dinge. Ich öffne ihnen mein Ohr gern. Einmal ſagte er mir au Squawe „J bitten d Feierlich Dieß if ich es d „I der Blaf verfahren Rothhau Wigwam nicht her Squaw langt die ſein Wei Bruder junges T „Ihr der Miſſt mir neu, und wicht was Ihr „Jen der junge iſt der W Squawen welcher ſi vielleicht, ſeitigen fr allein zu thung zu ie jungen nur ferne eilte ihm Shanty nne oder m,“ ſagte ndlich an, dem ſein r frühern für alten gut ſein.“ a entſpre⸗ „hinweg. und hielt ſes in den heter einen Uebrigen ſie einzu⸗ Häuptling e geſagt,“ war, und r ſeltſame l ſagte er — 101— mir auch, wie die jungen Männer der Blaßgeſichter ihre Squawen nehmen.“ „Ich erinnere mich, Euch dieß geſagt zu haben. Wir bitten den großen Geiſt, unſere Heirathen zu ſegnen, und die Feierlichkeit wird gewöhnlich von einem Prieſter vollzogen. Dieß iſt unſer Verfahren, obgleich es nicht nöthig iſt, halte ich es doch für gut.“ „Ja, es iſt immer gut, wenn Blaßgeſichter in der Weiſe der Blaßgeſichter, und die Indianer in der Weiſe der Indianer verfahren. Wir brauchen keinen Medizin⸗Mann, um eine Rothhaut⸗Squaw zu bekommen. Wir öffnen die Thüre des Wigwams, und ſie kommt herein. Das iſt genug. Wenn ſie nicht hereinkommen will, können wir ſte nicht zwingen. Die Squaw geht zu dem Krieger, der ihr gefällt, der Krieger ver⸗ langt die Squaw, die ihm gefällt. Das Blaßgeſicht nimmt ſein Weib am Beſten nach Blaßgeſichts⸗Weiſe. Sieht mein Bruder nicht einen jungen Mann ſeines Volkes, und ein junges Weib, welche er zuſammengeben und ſegnen könnte?“ „Ihr müßt Bourdon und Margaret meinen,“ antwortete der Miſſionär nach kurzem Nachdenken!ie„Der Gedanke iſt mir neu, denn mein Geiſt war in der letzten Zeit mit anderen und wichtigeren Dingen beſchäftigt, ich ſehe aber jetzt deutlich, was Ihr meint.“ „Jene Blume der Lichtungen wuͤrde bald welken, wenn der junge Bienenjäger ſie allein auf den Prarien ließe. Dieß iſt der Wille des großen Geiſtes. Er legt es den jungen Squawen in die Seele, Alles gut zu finden, was der Jaͤger, welcher ſie gewählt hat, thun mag. Mein Bruder weiß vielleicht, warum der Manitou die Jugend mit dieſen wechſel⸗ ſeitigen freundlichen Gefuͤhlen erfüllt. Er iſt klug und hat Bücher. Der arme Indianer hat keine. Er kann nur mit den Augen ſehen, welche er von Indianern, die ihm gleichen, erhalten hat. Das Eine aber weiß er. Was der große Geiſt befohlen hat, iſt gut. Der Indianer kann es nicht beſſer machen. Er kann es ſchlimmer machen, aber nicht beſſer. Möge mein Bruder das Paar ſegnen, welches der Maniton zuſammengeführt hat.“ „Ich glaube, ich verſtehe Euch, Peter, und will die Sache bedenken, und da ich Euch jetzt auf eine kleine Weile verlaſſen muß, laßt mich Euch bitten, dieſe Frage über die Abſtammung Eurer Nation ſorgfältig und ohne vorgefaßte Meinung in das Auge zu faſſen. Alles hängt bei dieſer wichtigen Angelegenheit davon ab, daß Euer Volk die Wahr⸗ heit nicht verkenne. Eine Nation muß ihre Pflichten ebenſo gut kennen, wie der einzelne Mann.— Verſprecht mir, daß Ihr an dieſe Sache denken wollt, Peter.“ „Meines Bruders Worte ſind in mein Ohr gedrungen, ſie ſind gut!“ verſetzte der Indianer höflich.„Wir wollen ihrer in dem Rathe gedenken, wenn mein Bruder ſeinen jungen Mann und in junges Mädchen ſegnen will, wie das Geſetz ſeines Volkes es vorgeſchrieben hat.“ „Ich verſpreche Euch, dieß zu thun, Peter, oder in Bourdon und Margaret zu dringen, daß ſie ſich Euerm Wunſche fügen, wenn Ihr mir verſprecht, heute in dem Rathe von der Geſchichte Eurer Vorfahren zu reden und die große Frage Curer Abſtammung von den Hebräern noch einmal in Erwägung zu ziehen.“ „Ich will ſprechen, wie mein Bruder wuͤnſcht, möge er thun, wie ich wünſche. Möge er mir verſprechen, daß ich, ehe die Sonne um die Länge meines Armes tiefer ſteht, den Häuptline habe die nommen.“ „Ich das, was gemäß, u Weile we und Mar fruchtlos Stämme werdet.. Sie höflichen gegen die nicht mild waren nac Nache aus Eine ſofern es ſi und die d Einfluß au Vielleicht in der Br rauher Lei ddiieſe grelle ihm ſelbſt Kämpfe w den Miſſio bindung a garet's hin nur mit gleichen, er große es nicht der nicht lches der will die ne Weile über die vorgefaßte bei dieſer ie Wahr⸗ ten ebenſo mir, daß edrungen, ir wollen her ſeinen „wie das oder in ch Cuerm in dem n und die äern noch möge er „daß ich, ſteht, den — 103— Häuptlingen ſagen darf, der junge Blaßgeſicht⸗Bienenjäger habe die junge Blaßgeſicht⸗Squaw in ſein Wigwam aufge⸗ nommen.“ „Ich kann Euern Beweggrund nicht einſehen, Peter, aber das, was Ihr verlangt, iſt klug und dem Geſetze Gottes gemäß, und es ſoll geſchehen. So lebt denn für eine kleine Weile wohl. Wenn wir uns wiederſehen, ſollen Bourdon und Margaret vereinigt ſein, ſofern mein Zureden nicht fruchtlos iſt, und wenn Ihr dieſe Sache wegen der verlornen Stämme Euerm Volke recht eindringlich vorgeſtellt haben werdet. Lebt wohl, Peter, lebt wohl!“ Sie trennten ſich, der Indianer mit einem kalten, höflichen Lächeln, aber mit dem unerbittlichen Rachegefühl gegen die Weißen in der Seele, und in Betreff des Miſſionärs nicht milder geſtimmt, als früher. Boden und Margaret waren nach ſeinen jetzigen Plänen allein von der allgemeinen Nache ausgeſchloſſen. Eine unerklärliche Milde des Gefühls beherrſchte ihn, ſofern es ſich von dem Mädchen handelte, während Aberglauben und die Furcht vor einer unbekannten Macht ihren vollen Einfluß auf den Entſchluß übten, ihren Geliebten zu verſchonen. Vielleicht glimmte ein ſchwacher Strahl menſchlichen Gefühls in der Bruſt dieſes Wilden, welche ſonſt ganz von dem Feuer rauher Leidenſchaft erglühte, aber jener Strahl wurde durch dieſe grelleren Flammen faſt ganz verdunkelt, ſo daß er faſt ihm ſelbſt unbemerkt blieb. Das Ergebuiß aller dieſer innern Kämpfe war der Entſchluß, die zu verſchonen, welche er durch den Miſſionär verbunden wiſſen wollte, indem er dieſe Ver⸗ bindung als einen geheimnißvollen Grund zu Gunſten Mar⸗ garet's hinſtellte, die Uebrigen aber zu opfern. — — 104— Der rothe Amerikaner iſt an dieſes unerbittliche, gefühl⸗ loſe Verfahren ſo gewöhnt, daß die Qual, welche er eben den Weſen, denen er ſich jetzt wohlwollend erwies, verurſachte, dem rauhen Häuptlinge nicht die geringſte Sorge machte. Wir überlaſſen den Indianern den ausſchließlichen Beſitz des Prärie⸗Kreiſes und kehren zu der übrigen Geſellſchaft zurück. Der Miſſionär eilte ſeinen Freunden ſo ſchnell, als er es vermochte, nach. Boden und Margaret hatten auf dieſem Wege einander viel zu ſagen, das ziemlich geeignet war, die Gedanken ihrer eigenen Lage zuzuwenden. Das Feuer hatte, wie bereits bemerkt worden, in der neuern Zeit dieſes ganze Gebiet durchzogen und die Gräſer und Kräuter waren noch jung und der Pfad daher faſt ohne alle Hemmniß oder Beſchwerde. Da die Mittagsſtunde jetzt nahe war und die Sonne heiß brannte, führte le Bourdon ſeine ebenſo muthige, als ſanfte Gefährtin durch das Gehölz, wo ſie ſich des köſtlichen Schattens erfreuten und in der ange⸗ nehmen Kühle entlang wandelten. Zweimal hatten ſie Halt gemacht, um an kühlen, klaren Quellen, in welchen das Waſſer mit der Luft an Durchſichtigkeit zu wetteifern ſchien, ihren Durſt zu ſtillen. Da dieß nicht als eine durchgehende Eigen⸗ ſchaft des Waſſers jenes Gebietes gilt, obgleich man gele⸗ gentlich auffallende Ausnahmen ſindet, behauptete Margaret, es ſei öſtliches, und kein weſtliches Waſſer. „Warum kommt es uns ſtets vor, als ſei das, was wir in unſeren Kindestagen hatten, beſſer, als das, deſſen wir uns ſpäter erfreuen?“ fragte Margaret, nachdem ſie einige Bemer⸗ kungen gemacht hatte, welche nicht ſehr zum Lobe des Land⸗ theiles ſprachen, in welchem ſie ſich eben befanden.„Ich kann kaum oh Heimath war. N was ich nach Per Felſen ir „Zu war, kan Kartoffel Hauſe bi geſammel „M von Eure habe ich Euch zue „So Menſchen bringt ſei fängt Fiſ anderen führte. 2 Käufer fu nach Geſe Margaret Das ſchien ſich „Ich Ihr glauk ſo vorkom ſeid, werde e, gefühl⸗ he er eben erurſachte, nachte. chen Beſitz Geſellſchaft ll, als er auf dieſem t war, die n, in der die Gräſer faſt ohne ſtunde jetzt e Bourdon as Gehölz, der ange⸗ n ſie Halt das Waſſer ien, ihren nde Eigen⸗ man gele⸗ Margaret, ,was wir en wir uns ige Bemer⸗ des Land⸗ „Ich kann — 105— kaum ohne Thränen an die Heimath denken,— was ich die Heimath nenne, und was für mich ſo lange eine Heimath war. Nichts hier ſcheint mir in ſeiner Art ſo gut wie das, was ich zu Haus zurückließ. Fühlt Ihr dieſelbe Sehnſucht nach Pennſylvanien, welche mich nach der Seeküſte und den Felſen in der Nachbarſchaft von Quiney hinzieht?“ „Zuweilen, wenn ich zwei oder drei Monate ganz allein war, kam es mir wohl vor, als ſchmecke ein Apfel, oder eine Kartoffel, oder ſelbſt ein Glas Cider von dort her, wo ich zu Hauſe bin, lieblicher, als aller Honig, welchen ich in Michigan geſammelt habe.“ „Mir ſchien es immer ſeltſam, Bourdon, daß ein Mann von Eurem Gefühl überhaupt allein zu leben wünſchte; doch habe ich Euch ſagen hören, die Liebe zur Einſamkeit habe Euch zuerſt zu Eurem Gewerbe hingezogen.“ „Solche mächtige Gefühle ergreifen oft das Herz des Menſchen und ändern ſozuſagen ſeine ganze Natur. Der Eine bringt ſein Leben hin, indem er den Hirſch jagt, der Andere fängt Fiſche. Mein Geſchmack wendete ſich den Bienen und anderen Geſchöpfen zu, welche der Zufall in meinen Weg führte. Wenn ich auf der Jagd war, oder Bienen fing und Käufer für meinen Honig ſuchte, hatte ich kaum Zeit, mich nach Geſellſchaft zu ſehnen. Mein Geſchmack ändert ſich aber, Margaret,— er hat ſich geändert.“ Das Mädchen erröthete, ſie lächelte aber auch, ja, ſie ſchien ſich zu freuen. „Ich fürchte, Ihr habt Euch nicht ſo ſehr geändert, als Ihr glaubt,“ antwortete ſie lächelnd.„Es mag Euch jetzt ſo vorkommen, wenn Ihr aber wieder in drn Anſiedelungen ſeid, werdet Ihr der Geſellſchaft bald müde werden.“ — 106— „Dann werde ich mit Euch, Margaret, in dieſe Lichtun⸗ gen eilen, und wir können hier miteinander ſo gut, und beſſer leben, als wenn ich allein wäre. Ihr und Gerſhom's Weib habt mich in meinem Shanty verhätſchelt. Ehe Ihr hierher kamt, wußte ich in der That nicht, wie viel man in einer Waldhütte finden kann.“ „Nun, Bourdon, Ihr hattet lange genug in den Anſie⸗ delungen gelebt, um das zu wiſſen.“ „Allerdings,— die Anſiedelungen betrachte ich aber als etwas, das von den Lichtungen ganz verſchieden iſt. Vieles, deſſen man dort bedarf, fällt hier weg, und umgekehrt. Dieſe letzten Tage haben aber eine ſolche Veränderung in Honig⸗ ſchloß hervorgebracht, daß ich es ſelbſt kaum mehr kenne.“ „Vielleicht iſt dieſe Veränderung eine Verſchlimmerung, und Ihr wunſcht ſie beſeitigt, Bourdon,“ bemerkte das Mäd⸗ chen, welches, ohne es zu wiſſen, ſich ſehnte, ihn das Gegen⸗ theil verſichern zu hören, während ſie in demſelben Augen⸗ blicke gewiß war, daß dieſe Verſicherung folgen würde. „Nein, nein, Margaret. Meine Hütte iſt jetzt in weib⸗ lichem Beſitz und ſoll ſtets unter weiblicher Herrſchaft bleiben, Ihr müßtet denn Euern Sinn ändern und meine Hand aus⸗ ſchlagen. Ich werde mit dem Miſſionär ſprechen, damit er uns verbindet, ſobald ich ihn allein ſprechen kann. Sein Geiſt iſt dermaßen auf die Juden erpicht, daß er kaum einen Augenblick für uns Chriſten übrig hat.“ Dieſe Erklärung minderte die Glut auf Margaret's Wangen nicht, obgleich ſie, die Wahrheit zu ſagen, darum nicht minder erfreut ſchien. Sie war ein gefühlvolles, edel⸗ herziges Mädchen, und zuweilen widerſtrebte es ihr, ſich von Gerſhom und Dorothea zu trennen, der Bienenjäger hatte ihr aber geſa annehme. ihnen beſ dieſes Ge anziehend Mar und benü Wink, un „Es ſagte ſie „Wi welcher a vor ihm weiteren Hebräer kommt er Le T Miſſionär ſich nun, rufenen L wenig erl zu laſſen, weile ſtoch „Wit chen,“ ſag freundlich ner in In daß ſie ſo Erſcheinur ſie wirklic e Lichtun⸗ und beſſer m's Weib ar hierher in einer den Anſie⸗ aber als Vieles, rt. Dieſe in Honig⸗ enne.“ mmerung, das Mäd⸗ as Gegen⸗ in Augen⸗ de. t in weib⸗ ft bleiben, Hand aus⸗ damit er in. Sein aum einen Nargaret's n, darum lles, edel⸗ „ſich von hatte ihr — 107— aber geſagt, dieß ſei nicht nöthig, wenn ſie ihn auch als Gatten annehme. Die Frage war bei früheren Gelegenheiten zwiſchen ihnen beſprochen und abgeſchloſſen worden, und noch während dieſes Ganges hatte ſich die Unterhaltung mehrfach um dieſen anziehenden Gegenſtand gedreht. Margaret war jedoch jetzt nicht geneigt, mehr zu ſagen, und benützte geſchickt den von dem Bienenjäger hingeworfenen Wink, um das Geſpräch zu ändern. „Es iſt der ſeltſamſte Einfall, der mir je vorgekommen,“ ſagte ſie lachend,„Indianer für Inden zu halten.“ „Wie Paſtor Amen mir ſagte, iſt er nicht der Erſte, welcher auf dieſen Einfall kam. Viele Schriftſteller haben vor ihm dieſe Behauptung aufgeſtellt, und er macht keine weiteren Anſprüche, als ſich ihnen anzuſchließen und dieſe Hebräer mit eigenen Augen geſehen zu haben. Doch, dort kommt er und mag ſeine Sache ſelbſt vertreten.“ Le Bourdon hatte dieß kaum ausgeſprochen, als der Miſſionär die Geſellſchaft einholte. Korporal Flint näherte ſich nun, da er nicht mehr zu beſorgen hatte, für einen unbe⸗ rufenen Lauſcher zu gelten. Der gute Miſſionär kam ein wenig erhitzt an, und man mäßigte den Schritt, um ihm Zeit zu laſſen, Athem zu ſchöpfen und ſich abzukühlen. Mittler⸗ weile ſtockte die Unterhaltung nicht. „Wir haben eben von den verlornen Stämmen geſpro⸗ chen,“ ſagte Margaret und lächelte halb, als ſie den Miſſionär freundlich anblickte,„und Eunres Einfalls gedacht, dieſe India⸗ ner in Juden zu verwandeln. Es kömmt mir aufeallend vor, daß ſie ſo von ihren alten Sitten, Gewohnheiten, ihrer äußern Erſcheinung und ihrem Charakter verloren haben ſollen, wenn ſie wirklich das Volk ſein ſollen, für welches Ihr ſie haltet.“ „Verloren! Man muß eher ſtaunen, daß nach einem Verlaufe von zweitauſend Jahren und länger noch ſo viel geblieben iſt. Wohin ich nur blicke, treten mir Spuren der Abſtammung dieſes Volkes entgegen. Ihr habt Eure Bibel geleſen, Margaret,— was nicht Alle auf dieſer Grenze gethan haben, wie ich leider bemerken muß,— Ihr aber habt Eure Bibel geleſen und man kann ſich bei Euch auf ſie beziehen und hoffen, verſtanden zu werden. Laßt mich Euch nun fragen: ob Ihr Euch eines Dinges, wie der Sündenbock der alten Juden iſt, erinnert? In dem Leviticus wird er erwähnt und i*ſt einer jener geheimnißvollen Gebräuche, deren dieſes außer⸗ ordentliche Buch voll iſt.“ „Der Leviticus iſt ein Buch, welches ich nur einmal geleſen habe, denn es wird in unſeren neuengliſchen Schulen nicht geleſen. Ich erinnere mich aber, daß den Juden befoh⸗ len worden, einen von zwei Böcken laufen zu laſſen, und von dieſer Sitte ſchreibt ſich, wie ich glaube, der Name Sunden⸗ bock her.“ „Nun,“ ſagte le Bourdon einfach,„welche herrliche Sache iſt es um das„Lernen.“ Mir iſt all das ganz neu, obgleich ich von dem Suüͤndenbocke gehört und tauſendmal von Sündenböcken geſprochen habe. Alles hat, wie ich ſehe, einen gewiſſen Sinn, und dieſer Gedanke von den verlornen Stämmen kommt mir jetzt nicht halb ſo ſeltſam vor, als er mir früher wohl erſcheinen mochte.“ „Margaret hatte den Bienenjäger nicht wegen ſeiner bibliſchen Kenntniſſe liebgewonnen, ſonſt würde ihre ausge⸗ dehntere Kenntniß durch dieſe einfache Erklärung einen ziemlich rauhen Stoß erlitten haben, ſtatt aber bei dieſem Beweiſe von le Bourdon'’s Mangel an Schulunterricht zu verweilen, neigte ihr Sündenbö „Und „und war „Wa die Wälde um die ze von den würden. ſie verände ſie noch di und die al tes an ſich noch die C Rehe und Antilope, Sündenböc vielleicht zu Da di gute Miſſi ſeiner jung machte le 2 konnte ſe von Wild i handelte, w fängern, N. ihm nicht e jemals Zieg keinen Anſt, „Es t nach einem och ſo viel Spuren der Fure Bibel eenze gethan habt Eure ſie beziehen lun fragen: der alten rwähnt und ieſes außer⸗ nur einmal en Schulen uden befoh⸗ n, und von ne Sünden⸗ he herrliche ganz neu, endmal von ie ich ſehe, verlornen or, als er egen ſeiner hre ausge⸗ ien ziemlich :m Beweiſe verweilen, — 109— neigte ihr thätiger Geiſt eher dahin, die Anſpielung auf die Sündenböcke einer nützlicher Schlußfolge entgegen zu führen. „Und was iſt mit dem Bocke, Paſtor Amen?“ fragte ſie, „und warum habt Ihr hier deſſen erwähnt?“ „Warum wurden alle dieſe Thiere in der alten Zeit in die Wälder und Wüſten geſchickt, Margaret? Ohne Zweifel, um die zehn Stämme mit Nahrung zu verſorgen, wenn ſie von den Siegern und harten Zuchtmeiſtern fortgeſcheucht würden. Zeit, Klima und Wechſel der Nahrungsmittel haben ſie verändert, wie dieſe die Juden ſelbſt veränderten, obgleich ſie noch die geſpaltenen Hufe, die Hörner, die Gewohnheiten und die allgemeinen Kennzeichen des arabiſchen Ziegengeſchlech⸗ tes an ſich tragen. Ja, die Naturforſcher werden am Ende noch die Entdeckung machen, daß die verſchiedenen Klaſſen der Rehe und Hirſche auf dieſem Feſtlande, beſonders aber die Antilope, nichts anderes ſind, als Nachkommen der alten Sündenböcke, durch Umſtände und Verhältniſſe geändert, und vielleicht zu ihrem Vortheile geändert.“ Da dieß ziemlich der höchſte Flug war, zu dem ſich der gute Miſſionär je emporgeſchwungen, mußte das Erſtaunen ſeiner jungen Geleitſchaft mächtig ſein. In Betreff der Juden machte le Bourdon keine Anſprüche auf großes Wiſſen, ja, er konnte ſolche Anſprüche nicht machen, wenn es ſich aber von Wild irgend einer Art, von Bärenfleiſch und Biſonhöckern handelte, wußte außer den eigentlichen Jägern und Bieber⸗ fängern, Niemand beſſer Rede zu ſtehen, als er. Es leuchtete ihm nicht ein, daß die amerikaniſchen Hirſche und Antilopen jemals Ziegen oder Böcke geweſen ſein ſollten, auch nahm er keinen Anſtand, ſeine abweichende Anſicht laut werden zu laſſen. „Es thut mir leid, Paſtor Amen,“ ſagte er,„daß Ihr —y — 110— die Rehe und Hirſche mit in das Spiel gezogen habt. Wäret Ihr bei den Juden ſtehen geblieben, ſo hätte ich vielleicht Alles geglaubt, was Ihr in dieſer Beziehung vorbringt, aber der Hirſch hat alles Uebrige verdorben. Was die Suüͤndenböcke angeht, ſo mögt Ihr da Recht haben, indem Margaret mit Euch übereinzuſtimmen ſcheint, obgleich es ſtets meine Anſicht war, man halte ſich am beſten fern von ihnen, ſtatt ihnen zu folgen, wie die Hebräer nach Eurer Behauptung gethan haben ſollen. Wenn aber Eure Lehre von den Indianern nicht ſtich⸗ haltiger iſt, wie die von ihrem Wilde, werdet Ihr Eure Reli⸗ gion wohl ändern müſſen.“ „Ihr dürft nicht glauben, meine Religion fuße auf ſo leichtem Grunde, Bourdon. Man kann ſich in der Erklärung einer Weiſſagung irren und dennoch ein frommer Chriſt ſein. Es gibt mehr Gründe, als Ihr auf den erſten Blick glauben mögt, für die Annahme dieſer Lehre von dem ſtufenmäßigen Uebergange des Bocks zum Rehe und beſonders zur Antilope. Niemand von uns gibt ſich der Anſicht hin, Noah habe alle Thiere, welche wir jetzt kennen, in der Arche bei ſich gehabt, er nahm nur die Hauptgeſchlechter auf, und dieß mindert die Anzahl ſogleich bedeutend. Wenn alle Menſchen von Adam herſtammen, Bourdon, warum ſollten die Hirſche nicht vom Ziegengeſchlechte herſtammen? 3 .„Nun, dieſe Frage wegen der Menſchen hat mich ſchon oft in große Verlegenheit geſetzt, Paſtor, und ich wüßte kaum, wie ich da antworten ſollte. Doch bleiben die Menſchen Menſchen, wo Ihr ſie auch finden mögt. Laßt ſie heller oder dunkler, größer oder kleiner, behaart oder bewollt ſein,— es ſind immer Menſchen. Nahrung, Klima, Lebensweiſe und Aehnliches mögen die Veränderungen hervorgebracht haben, die wir bedenkt! „W welche di Das be „Ih Tauſende mögen. todt ſein. Indianer „All⸗ größeres Ihr ſo o fällt mir lichen Pf ich hätte es mit ut zeugung, feindlich warme F „Wa Bourdon welche kei dieß ſteher Der Sitze fand Peter ihm ſcheinlich ſchönen M Verbindun habt. Wäret ich vielleicht bringt, aber Sündenböcke Nargaret mit neine Anſicht tatt ihnen zu gethan haben ei nicht ſtich⸗ r Eure Reli⸗ fuße auf ſo der Erklärung r Chriſt ſein. Blick glauben tufenmäßigen zur Antilope. dah habe alle i ſich gehabt 3 mindert die n von Adam hhe nicht vom at mich ſchon wüßte kaum, die Menſchen ie heller odet t ſein,— es ensweiſe und bracht haben, — 111— die wir ſehen, aber die Ziege, Paſtor, hat einen Bart, das bedenkt!“ „Was iſt aus den Tauſenden von Sündenböcken geworden, welche die alten Hebräer in die Wüſten geſchickt haben müſſen? Das beantwortet mir, Bourdon.“ „Ihr könntet mich eben ſo gut fragen, was aus den Tauſenden von Hebräern geworden iſt, welche geflüchtet ſein mögen. Ich glaube, ſie müffen ſeit mehr als tauſend Jahren todt ſein. Sündenböcke ſind Geſchöpfe, an welchen ſelbſt die Indianer keinen Gefallen haben dürften.“ „Alles dieß iſt ein großes Geheimniß, Bourdon,— ein viel größeres Geheimniß, als unſer Freund Peter, von welchem Ihr ſo oft geſagt habt, er ſei ein unerklärlicher Mann. Da fällt mir ein,— er hat mich beauftragt, einer meiner geiſt⸗ lichen Pflichten bei Euch und Margaret nachzukommen, und ich hätte es faſt vergeſſen. Nach dem, was er mir ſagte, ſteht es mit unſrer Sicherheit in Verbindung. Ich habe die Ueber⸗ zeugung, daß ſich unter dieſen Indianern Leute befinden, welche feindlich gegen uns geſinnt ſind, obgleich wir gewiß auch warme Freunde unter ihnen haben.“ „Was iſt Euch aber aufgetragen worden, das ſich auf Bourdon und mich bezieht?“ fragte die erſtaunte Margaret, welche keine Ahnung hatte, in welchem Zuſammenhange Alles dieß ſtehen könne. Der Miſſionär ließ Halt machen, und da man bequeme Sitze fand, theilte er ſeinen Begleitern allmählich mit, was Peter ihm aufgetragen hatte. Wir brauchen dem Leſer wahr⸗ ſcheinlich nicht erſt zu ſagen, daß zwiſchen le Bourdon und der ſchönen Margaret eine Zurückhaltung in Betreff ihrer künftigen Verbindung nicht länger nöthig ſchien. Der junge Mann hatte bereits auf eine unmittelbare Verbindung gedrängt, da er dieß für das klügſte und ſicherſte Verfahren hielt. Der wilde Amerikaner iſt zwar kaum ſo grauſam, daß er ſeine Gewalt über weibliche Gefangene mißbrauchte, und nimmt ſelten eine Squaw gegen ihren Willen in ſeine Hütte, der Bienenjäger fühlte ſich aber ſehr unbehaglich in Betreff deſſen, was ſeiner Verlobten begegnen konnte. Margaret war ſchön genug, um ſelbſt in einer Stadt die Aufmerkſamkeit auf ſich zu lenken, und mehr als ein grimmig ausſehender Krieger hatte an dieſem Tage, allerdings auf ſehr indianiſche Weiſe, ſeine Bewunderung kund gegeben. Gedichte, zierliche Redensarten und Anſpielungen feiner Art machen keinen Theil indianiſcher Bewerbung aus, die Augen⸗ ſprache der Bewunderung iſt aber eine ſo allgemeine, daß ſie Jeder leicht verſteht. Es war möglich, daß es irgend einem Häuptlinge, deſſen Schaar zu groß war, als daß ein Wider⸗ ſtand denkbar ſein konnte, in den Sinn kam, eine Blaßgeſicht Squaw in ſein Wigwam führen zu wollen, und während man herkömmlich bei ſolchen Gelegenheiten der weiblichen Neigung keinen Zwang anthat, war es nicht gewöhnlich, der Neigung eines mächtigen Kriegers großen Widerſtand entgegen zu ſetzen. Das Band der Ehe jedoch wurde ſehr geachtet, und es war weit weniger wahrſcheinlich, daß Margaret als Gattin in ein Wigwam geführt würde, denn Margaret als unverheirathetes Blaßgeſicht. Freilich findet man auch Beiſpiele einer rückſichts⸗ loſen Anwendung der Gewalt bei Indianern wie bei geſitteten Völkern, dieſe ſind aber ſelten, und die allgemeine Mißbilli⸗ gung iſt ſtets in ihrem Geleite. Der Bienenjäger war folglich ſehr geneigt, Peter's Plan — zu unterſtützen. Was Margaret ſelbſt angeht, ſo hatte ſie jedem Ei Geliebten ſtärkungs⸗ Pete Alle nicht Boden he und kam geheimniß und wün fernen, w Wigwam ſie vor ei Dieß doch nahe ten, ihre gegen ihr Entſchluſſ zu förderr jäger ver es gewiß ihre Rach Bourdon ſein Loos Was er manchf lich werde er in der weite Fell Er ſah al Mar 256— drängt, da t. am, daß er ichte, und eine Hütte, in Betreff Stadt die n grimmig rdings auf d gegeben. feiner Art die Augen⸗ ne, daß ſie gend einem ein Wider⸗ Blaßgeſicht hrend man n Neigung r Neigung n zu ſetzen. nd es war ttin in ein heirathetes rückſichts⸗ ei geſitteten e Mißbilli⸗ eter's Plan ſo hatte ſie 6 — 113— jedem Einſpruche bereits zu Gunſten früherer Gründe ihres Geliebten entſagt und war theilweiſe beſiegt, ehe dieſe Ver⸗ ſtärkungstruppen gegen ſie in das Feld geführt wurden. Peter's Beweggrund wurde vielfach beſprochen, da ſie Alle nicht im Stande waren, tiefer in denſelben einzudringen. Boden hatte jedoch ſeine perſönliche Anſicht von der Sache und kam auch dem Ziele ziemlich nahe. Er ſagte ſich, der geheimnißvolle Häuptling ſei Margaret freundlich zugethan und wünſche ſie ſo weit als möglich von Männern zu ent⸗ fernen, welche ſich dem Wunſche hingeben konnten, ſie in ihr Wigwam zu führen, die Ehe war aber das ſicherſte Mittel, ſie vor einem ſolchen Unfalle zu ſchützen. Dieß war nicht ganz richtig, aber es kam der Wahrheit doch nahe genug. Peter wollte das Leben des Mädchens ret⸗ ten, ihre ſanften Reize und ihre freundliche Aufmerkſamkeit gegen ihn hatten ſeine Gunſt gewonnen und ihn zu dieſem Entſchluſſe gebracht. Nichts ſchien ihm ſeine Abſichten leichter zu fördern, als wenn ſie ſich mit dem großen Medizin⸗Bienen⸗ jäger verbände. Wenn er nach ſich urtheilen durfte, wagte es gewiß keiner der Indianer, einen ſo mächtigen Zauberer in ihre Rachepläne einzuſchließen, und er ſelbſt war geneigt, le Bourdon zu verſchonen, wenn Margaret frei und wohlbehalten ſein Loos theilen dürfte. Was die Zaubermacht des Bienenjägers betraf, ſo hatte er manchfache Zweifel, ſie konnte für den rothen Mann gefähr⸗ lich werden, vielleicht auch nicht. In dieſer Beziehung war er in der peinlichen Bedrängniß der Unwiſſenheit, und das weite Feld der Vermuthung war vor ſeinem Geiſt erſchloſſen. Er ſah aber„dunkel, wie durch ein Glas.“ Margaret hätte gern die Feierlichkeit hinausgeſchoben, 256— 258. 8 — 114— wenigſtens bis ihr Bruder und ihre Schwägerin dabei ſein n, konnten. Le Bourdon war jedoch nicht ſehr geneigt, ſich zu bur 3 fügen. Es kam ihm vor, als ſei Gerſhom gegen eine unmit⸗ Der telbare Verbindung, weil er wahrſcheinlich glaubte, durch des Eiche in Bienenjägers erfinderiſchen, wichtigen Beiſtand würde es ihm friſches, gelingen, die Anſiedelungen zu erreichen, dieſer Beiſtand aber war ſaft könne ihm fehlen, wenn Margaret aus ihrem bisherigen Ver⸗ plan, die hältniſſe trat und ſich ihrem Geliebten ganz zu eigen gab. den und Ob le Bourdon darin recht hatte oder nicht, laſſen wir nach all hingeſtellt ſein, er hatte ſich einem Eindrucke dieſer Art hin⸗ Herrin, gegeben und freute ſich, als der Miſſionär ſeinen Wunſch Alle dringend wiederholte, den ehelichen Segen auf der Stelle aus⸗ zuſprechen. Amerikaniſche Ehen werden gewöhnlich ohne viele Förm⸗ grünen der Eich 3 dimmels lichkeiten vollzogen. In ſehr vielen Fällen iſt gar kein Geiſt⸗ ehrwürdt licher anweſend, und wenn ein ſolcher da iſt, haben die meiſten Bienenje Sekten keine Ringe, noch findet irgend eine der in den ältern Bau mit Kirchen beobachteten Feierlichkeiten Statt. Säͤukenb Ein Hinderniß war folglich nicht vorhanden, und nach halb ſo einer paſſenden Weile, welche der Ueberredung gewidmet wurde, willigte Margaret ein, dem Mann ihres Herzens ewige Treue zu geloben, bevor ſie von der Stelle ſchieden. Die Anyeſen⸗ heit ihrer Schwägerin wär' ihr willkommen geweſen, denn das Weib ſtützt ſich in ſolchen Augenblicken gern auf ihr eigenes Geſchlecht, ſie fügte ſich aber der Nothwendigkeit, „ſogleich vorzuſchreiten,“ wie der Bienenjäger und Paſtor Amen ſich auszudrücken beliebten. Man hätte in jenem ganzen weiten Gebiete keinen beſſern Altar wählen können. Die Natur ſelbſt hatte ihn aufgerichtet, und le Bourdon und ſeine ſchöne Braut traten mit Gefühlen dabei ſein V 3 igt, ſich z eine unmit⸗ durch des rde es ihm eiſtand aber erigen Ver⸗ gen gab. laſſen wir er Art hin⸗ en Wunſch Stelle aus⸗ diele Förm⸗ kein Geiſt⸗ die meiſten den ältern und nach met wurde, wige Treue 2 Anweſen⸗ eſen, denn n auf ihr wendigkeit, ind Paſtor nen beſſern ufgerichtet, Gefühlen — 115— vor ihn, welche der Feierlichkeit der Veranlaſſung angepaßt waren. Der gute Miſſionär ſtand im Schatten einer Bosquet⸗ Eiche inmitten dieſer parkähnlichen Lichtungen, wo Alles ein friſches, heiteres und liebliches Ausſehen hatte. Der Raſen war ſaftig, grün und kurz, wie ein ſorgſam gepflegter Wieſen⸗ plan, die Blumen waren, wie die Braut ſelbſt, ſanft, beſchei⸗ den und hold, während reizende ländliche Durchſichten ſich nach allen Seiten öffneten, als hätte die Kunſt die große Herrin, welche die Landſchaft entworfen, zu Hülfe gerufen. Alle Anweſenden, ſelbſt der Korporal, knieten auf den grünen Boden, und über ihnen breiteten ſich zunächſt die Aeſte der Eiche, und dann das tiefe, undurchdringliche Gewölbe des Himmels als Zeltdach aus. Auf dieſe Weiſe wurde in den ehrwürdigen Eichen⸗Lichtungen der eheliche Segen über den Bienenjäger und Margaret ausgeſprochen. Kein gothiſcher Bau mit den kunſtreichſten Seitenflügeln und den ſtattlichſten Säulenbüſcheln wäre für die Verbindung eines ſolchen Paares halb ſo geeignet geweſen. — 116— Sechstes Kapitel. Kein Reuegefübl den Wilden drückte, Der murrend auf den Geiſtlichen blickte. Cauſa'ſſ! Cauſa'ſſ! Wiſanſin! Mein Vater blicke auf Bornazin! Meines Vaters Herz iſt das Herz einer Squaw, Dem meinigen aber kam nie Mitleid nab. Whittier. Wir laſſen das neuvermählte Paar ſeinen Weg nach dem Shanty verfolgen, um uns dem Prärien⸗Kreis zuzuwenden. Wer nicht an Scenen dieſer Art gewöhnt iſt, würde hier leicht Spuren von Meinungsverſchiedenheiten und bedrängenden Zweifeln unter den Häuptlingen wahrgenommen haben, ob⸗ gleich ſich noch nichts kundthat, das einem Zwiſt oder Streite glich. Peter's Macht war ſtets noch im Steigen begriffen, und er hatte nichts verſäumt, was ihm den bisherigen Ein⸗ fluß ſichern konnte. Vielleicht ſah ſich Wa⸗wa⸗noſßh jetzt zu doppelter Anſtren⸗ gung aufgefordert, da er ſich in einer Lage befand, welche es nöthig machte, vieles von dem, was er hervorgerufen hatte, wenn nicht zu vernichten, doch in gewiſſe Schranken zurück⸗ zuführen. Ungque dagegen ſchien ſich in keiner Weiſe beſonders betheiligen zu wollen. Sein Gehaben war, wie gewöhnlich, das der Gleichgiltigkeit, er wußte wohl, daß ſein ganzer Ein⸗ fluß ſich auf den raſchen, gewaltigen Ausbruch der Beredſam⸗ keit gründete, und wartete, des Sieges gewiß, nur auf den rechten Augenblick und die geeignete Gelegenheit. Die Yar Wir übergehen die Einzelnheiten in Betreff des Zuſammen⸗ tretens befand ſt dem Sa gen, wo Wieſenp. Waldſche In die Meh Gruppe hören n ziehen. Die Förmlich cher bei „B Prärien ſind frül erſte Ver „W kommen. Sie ſind großen men. T ſonſt wü Yankee⸗ Sealpe: „Es den größ gehen un kte, blickte. ner Squaw, leid nab. Whittier. nach dem zuwenden. hier leicht rängenden aben, ob⸗ er Streite begriffen, igen Ein⸗ er Anſtren⸗ welche es efen hatte, en zurück⸗ beſonders eewöhnlich, anzer Ein⸗ Beredſam⸗ r auf den Zuſammen⸗ — 117— tretens des Rathes. Der Raum, welchen man gewählt hatte, befand ſich eigentlich nicht auf der Prärie ſelbſt, ſondern an dem Saume derſelben, in einem Theile der lieblichen Lichtun⸗ gen, wo das Auge über eine weite Fläche dieſes natürlichen Wieſenplanes ſchweifen konnte, während man ſich des kühlen Waldſchattens erfreute. In dem Kreiſe ſelbſt waren nur die Häuptlinge, während die Mehrzahl der„Tapfern“ und der„jungen Männer“ eine Gruppe draußen bildeten, und nahe genug waren, um zu hören was vorging und, wenn ſie wollten, Nutzen davon zu ziehen. Die Pfeife wurde angezündet und alle herkömmlichen Förmlichkeiten beobachtet, worauf Bärenfleiſch, der erſte Spre⸗ cher bei dieſer wichtigen Veranlaſſung, ſich erhob. „Brüder,“ ſagte er,„dieß iſt der große Rath auf dem Prärien⸗Kreis, zu welchem wir eingeladen worden ſind. Wir ſind früher zuſammengekommen, aber nicht hier. Dieß iſt die erſte Verſammlung hier.“ „Wir zogen über einen langen Pfad, um hierher zu kommen. Manche unſerer Brüder ſind noch weiter gezogen. Sie ſind zu Detroit. Sie ſind dorthin gegangen, um unſern großen Canada⸗Vater zu ſehen und Yankee⸗Scalpe zu neh⸗ men. Wie viele Scalpe ſie genommen haben, weiß ich nicht, ſonſt würde ich es euch ſagen. Ich freue mich ſtets, wenn ich Yankee⸗Scalpe zählen kann. Ich zähle ſie lieber, als ich Scalpe rother Menſchen zähle. Noch bleiben Viele zu nehmen. Die Yankees ſind zahlreich, und jeder Yankee hat einen Scalp. „Es ſollten ihrer nicht ſo Viele ſein. Als die Buffel in den größten Heerden kamen, pflegten unſere Väter hinaus zu gehen und ſie zu jagen, wo ſie am zahlreichſten waren. Ihre — 118— Söhne ſollten daſſelbe thun. Wir ſind die Söhne jener Väter. Es heißt, wir ſähen aus wie ſie, ſprächen wie ſie, lebten wie ſie,— wir ſollten handeln wie ſie. Möͤge ein Anderer ſprechen, denn ich bin fertig.“ Nach dieſer kurzen Anrede, welche mit der Eröffnungsrede des Vorſitzenden einer unſerer öffentlichen Verſammlungen verglichen werden konnte, machte die Pfeife wieder die Runde. Man erwartete allgemein, Peter würde ſich jetzt erheben, dieß geſchah aber nicht. Da Krähenfeder dieß bemerkte, über⸗ nahm er es, die Lücke auszufüllen, um jenem großen Häupt⸗ linge Zeit zu laſſen, ſeine Gedanken zu ordnen. Krähenfeder war bei weitem mehr Krieger als Redner, und wenn man ihm aufmerkſam zuhörte, galt dieß eher dem, was er gethan hatte, als dem, was er ſagte. Ju ſeine Rede miſchte ſich, ziemlich natürlich, viel indianiſche Ruhmredigkeit. „Mein Bruder hat euch von den Yankee⸗Sealpen geſpro⸗ chen,“ begann er.„Er ſagt ſie ſeien zahlreich. Er ſagt, es ſollten deren weuiger ſein. Er dachte nicht daran, wer ſo nahe bei ihm ſaß. Vielleicht weiß er nicht, daß die Zahl um drei vermindert wurde, ſeit der letzte Mond wechſelte. Krähen⸗ feder nahm drei zu Chicago. „Die Yankees müſſen zahlreicher ſein, als die Biſons auf den großen Prärien, wenn ſie oft ſo viele Sealpe verlie⸗ ren und doch Krieger herausſchicken können. „Ich bin ein Pottawattamie. Meine Brüder kennen dieſen Stamm. Es iſt kein Stamm von Juden, ſondern ein Stamm von Indianern. Es iſt ein großer Stamm. Er iſt nie verloren gegangen. Er kann ſich nicht verlieren. Kein Stamm kennt alle Pfade und alle die beſten Wege zu jedem Punkte beſſer, welchen er zu erreichen wünſcht. Es iſt thöricht, zu ſagen, Ente verli ſpreche nie tamies. „Wir und was Vater, de ſeien Jude früher nie von ihner behält er thut dann „Die der Blaßg anderen S tawattami keine Jude Dieſe Anſicht, d war denen gebracht n rungen Kr. allgemeine Wo dieß große Erf merklich b Man nehmen. ling war ſchlau die ner Väter. lebten wie Anderer nungsrede nmlungen ie Runde. t erheben, kte, über⸗ n Häupt⸗ Redner, eher dem, eine Rede nredigkeit. en geſpro⸗ ſagt, es „wer ſo Zahl um Krähen⸗ e Biſons pe verlie⸗ r kennen ndern ein Er iſt en. Kein zu jedem thöricht, — 119— zu ſagen, man könne einen Pottawattamie verlieren. Eine Ente verlöre ſich eben ſo leicht als ein Pottawattamie. Ich ſpreche nicht für die Ottawas, ich ſpreche für die Pottawat⸗ tamies. „Wir ſind keine Juden. Wir wollen keine Juden ſein, und was wir nicht ſein wollen, werden wir nicht ſein. Unſer Vater, der ſo weit hergekommen iſt, um uns zu ſagen, wir ſeien Juden, und keine Indianer, hat ſich geirrt. Ich habe früher nie von dieſen Juden gehört. Ich wünſche nicht mehr von ihnen zu hören. Wenn ein Mann genng gehört hat, behält er ſeine Ohren nicht gern länger offen. Der Sprecher thut dann am beſten, ſich niederzuſetzen. „Die Pottawattamies haben dem großen Medizin⸗Prieſter der Blaßgeſichter ihr Ohr verſchloſſen. Was er ſagt mag von anderen Stämmen wahr ſein, es iſt nicht wahr von den Pot⸗ tawattamies. Wir find nicht verloren gegangen. Wir ſind keine Juden. Ich bin fertig.“ Dieſe Rede wurde allgemein günſtig aufgenommen. Die Anſicht, die Indianer ſeien keine Indianer, ſondern Juden, war denen, welche gehört hatten, was über dieſe Sache vor⸗ gebracht worden, nichts weniger als angenehm, und die Aeuße⸗ rungen Krähenfeder's hatten den großen Vortheil, daß ſie das allgemeine Gefühl über dieſen Gegenſtand zurückſpiegelten. Wo dieß der Fall iſt, kann man mit geringer Beredſamkeit große Erfolge erringen, im Allgemeinen wurde die letzte Rede merklich beſſer aufgenommen, als die frühere. Man glaubte jetzt zuverſichtlich, Peter würde das Wort nehmen. Er that es aber nicht. Dieſer geheimnißvolle Häupt⸗ ling war noch nicht vorbereitet zu ſprechen, oder er wollte ſchlau die allgemeine Erwartung reizen, indem er ſich zurück⸗ — 120— hielt. Wenigſtens zehn Minuten vergingen in ſtummem Rauchen, ehe ſich ein Häuptling, welcher„Eichenaſt“ genannt wurde, erhob, um, wie Jeder ahnte, die Zeit auszufüllen. Der Beifall, welchen Krähenfeder gefunden, veranlaßte dieſen Häuptling, ſich deſſelben Stoffes zu bemächtigen und die An⸗ ſicht des Miſſionärs von einer andern Seite anzugreifen. „Ich bin ein Indianer,“ ſagte Eichenaſt,„mein Vater war ein Indianer, und meine Mutter war die Tochter eines Indianers. Alle meine Väter waren rothe Mänuner und alle ihre Söhne, Warum ſollte ich etwas Anderes zu ſein wünſchen? „Ich habe meinen Bruder, den Medizin⸗Prieſter gefragt, und er geſtand mir, die Inden ſeien Blaßgeſichter. Dieß hätte er nicht eingeſtehen ſollen, wenn er die Indianer zu Juden machen wollte. „Meine Haut iſt roth. Der Manitou hat meine Väter ſo gemalt, und ihr Kind wird es nicht wagen, die Farbe⸗ wegzuwiſchen. Wenn die Farbe meines Geſichtes weggewiſcht würde, wäre ich ein Blaßgeſicht! Es gäbe nicht Farbe genug, um meine Schaam zu bedecken. Nein, ich bin roth geboren, und will als eine Rothhaut ſterben. „Es iſt nicht gut, zwei Geſichter zu haben. Der Indianer iſt keine Schlange, die ihre Haut abwirft. Er behält die Haut, in welcher er zur Welt kam. Er ſpielt in ihr, ſo lange er ein Kind iſt, er zieht in ihr auf ſeine erſte Jagd, an ihr erkennt ihn der Bär und der Hirſch. Er trägt ſie mit ſich auf dem Kriegspfade, und ſeine Feinde zittern, wenn ſie ſie ſehen. Seine Squaw kennt ihn an dieſer Haut, wenn er in ſein Wigwam zurückkehrt, und wenn er ſtirbt, wird er in der⸗ ſelben Haut begraben, in welcher er zur Welt kam. „Es gibt für ihn nur eine Haut, und dieſe hat nur eine Farbe. iſt klein. dem Pa Haut. anpaßt. „M Nehmen Farbſteit nicht nö kam. T ein arm geſehen, und daſ auch ro konnten auf ihre „K. wundre Blaßgeſi Jagdgrü Indianer nicht, n Stamm nicht ver „M meinen. um uns ihm. J welche fe Dieß iſt ſtummem genannt uszufüllen. aßte dieſen ad die An⸗ eifen. nein Vater dchter eines r und alle wünſchen? eer gefragt, Dieß hätte zu Juden eine Väter die Farbe veggewiſcht rbe genug, h geboren, v Indianer behält die „ſo lange d, an ihr e mit ſich un ſie ſie denn er in er in der⸗ t nur eine — 12²1— Farbe. Anfangs iſt ſie klein, der Pappus, welcher ſie trägt, iſt klein. Er braucht keine große Haut. Aber ſie wächſt mit dem Pappus, und der ſtärkſte Krieger findet Platz in ſeiner Haut. Das kommt von dem großen Geiſte, welcher ſie ihm anpaßt. Was der Manitou thut, iſt wohlgethan. „Meine Brüder haben Squawe, ſie haben Pappuſe. Nehmen ſie, wenn der Pappus in ihre Arme gelegt wird, Farbſtein und malen ihn roth? Sie thun es nicht. Es iſt nicht nöthig. Der Manitou malte ihn roth, ehe er zur Welt kam. Wie dieß zugeht, kann ich nicht ſagen. Ich bin nur ein armer Indianer und weiß nur, was ich ſehe. Ich habe geſehen, daß die Pappuſe roth ſind, wenn ſie geboren werden, und daß die Krieger roth ſind, wenn ſtie ſterben. Sie ſind auch roth, während ſie leben. Es iſt genug. Ihre Väter konnten nie Blaßgeſichter ſein, ſonſt würden wir weiße Flecken auf ihren Kindern finden. Wir finden aber keine. „Krähenfeder hat von verlornen Juden geſprochen. Ich wundre mich, dieß zu hören. Es ſcheint mir, als müßten alle Blaßgeſichter ſich verlieren. Sie wandern aus ihren eigenen Jagdgründen in die anderer Völker. Es iſt nicht ſo bei den Indianern. Der Pottawamie tödtet den Hirſch des Jova nicht, noch der Ottowa den Hirſch des Menomenee. Jeder Stamm kennt ſein Wild. Dieß kommt daher, daß wir uns nicht verloren haben. „Mein Blaßgeſicht⸗Vater ſcheint es gut mit uns zu meinen. Er iſt einen langen, verwickelten Pfad gegangen, um uns von ſeinem Manitou zu ſprechen. Dafür danke ich ihm. Ich danke Allen, die es gut mit uns meinen. Die, welche feindlich gegen uns geſinnt ſind, treffe ich rückwärts. Dieß iſt unſere indianiſche Sitte. Ich wünſche den Medizin⸗ Prieſter nicht zu treffen, denn ich glaube, er meint es gut mit uns, und will uns nicht ſchaden. Er folgt einem ſelt⸗ ſamen Geſetz. Nach ihm ſoll man dem Gutes thun, der uns Böſes zufügt. Dieß iſt nicht das Geſetz des rothen Mannes. Es iſt kein gutes Geſetz. Es iſt kein Wunder, daß Stämme, welche einem ſolchen Geſetze folgen, verloren gehen. Sie können ihre Freunde nicht von ihren Feinden unterſcheiden. Sie können kein Volk haben, dem ſie Scalpe abnehmen. Was iſt ein Krieger, wenn er Niemanden finden kann, dem er einen Scalp abnimmt? Nein, ein ſolches Geſetz würde aus den tapferſten Kriegern in den Lichtungen, wie auf den Prärien, nur Weiber machen. Es mag ein gutes Geſetz für die Juden ſein, die ſich verloren haben, es iſt aber ein ſchlechtes Geſetz für Indianer, welche die Pfade kennen, die ſie betreten. Möge ein Anderer ſprechen.“ Dieſes gedrängte Glaubensbekenntniß in Bezug auf einen Gegenſtand, welcher vor ſo kurzer Zeit erſt in dem Rathe behandelt worden war, ſchien den allgemeinſten Beifall zu finden. Alle Anweſenden wollten augenſcheinlich lieber rothe Männer ſein, die wußten, wo ſie waren, als Iunden, die ihren Pfad verloren hatten. Unbekanntſchaft mit ſeinem Pfade iſt für den amerikaniſchen Wilden eine Schande, und nicht ein Einziger würde zugegeben haben, daß man ſeinem Stamm etwas dieſer Art zum Vorwurfe mache. Der Gedanke, die Yankees hätten ihren Pfad„verloren“ und zögen in der Irre umher, klang den meiſten Anweſenden ſehr angenehm, und Eichenaſt erwarb ſich, in Folge der gluͤck⸗ lichen Ausfälle, welche er bei dieſer Gelegenheit laut werden ließ, einen nicht geringen Ruhm als Redner. Abermals folgte eine lange, nachdenkliche Pauſe, und die Pfeife me ſeinen Si Peter ſich In ſich geſtei Nur ein Nachdenke jedoch der zu ſpreche öffnen beg Allen, we nachdem 2 ſchweigend Andrang Zunge ver „Was tone, wele Saum der nehmbar Strom, E gebiete, w Menſchen „Der gründen fi auf manni welches ſe er weniger Farbe. T Farbe, un der Menſch es gut nem ſelt⸗ der uns Mannes. Stämme, en. Sie rſcheiden. en. Was er einen aus den Prärien, ie Juden es Geſetz n. Möge auf einen m Rathe heifall zu ber rothe die ihren Pfade iſt nicht ein Stamm verloren“ mweſenden der gluͤck⸗ tt werden „und die der Menſchen. Wenn es deren mehr gibt, habe ich ſie nicht — 123— Pfeife machte wieder die Runde. Der letzte Sprecher hatte ſeinen Sitz bereits ſeit einer halben Stunde verlaſſen, als Peter ſich emporrichtete. In dieſem langen Zwiſchenraume hatte die Erwartung ſich geſteigert, und die Neugierde war noch reger geworden. Nur ein ſehr gewichtiger Grund konnte dieſe Zögerung, dieſes Nachdenken, dieſe Abneigung zu ſprechen veranlaſſen. Als jedoch der Augenblick kam, wo der geheimuißvolle Häuptling zu ſprechen, der Mann von vielen Scalpen den Mund zu öffnen begann, herrſchte die geſpannteſte Aufmerkſamkeit unter Allen, welche ſich in den Lichtungen verſammelt hatten. Selbſt nachdem Wa⸗wa⸗noſßh ſich erhoben hatte, ſtand er noch lange ſchweigend da und blickte nachdenkend umher, als müßte der Andrang ſeiner Gedanken bewältigt werden, ehe er ſeiner Zunge vertraute, ſie zu offenbaren. „Was iſt die Erde?“ begann Peter in tiefem Gurgel⸗ tone, welchen die grabähnliche Stille ſelbſt fuͤr den äußerſten Saum des Kreiſes ſtaunender und neugieriger Geſichter ver⸗ nehmbar machte.„Sie iſt eine fortgeſetzte Ebene, Strom an Strom, See an See, Prärie an Prärie, und ſchöne Wald⸗ gebiete, welche keine Grenze zu haben ſcheinen, und alle den Menſchen zur Wohnung gegeben ſind. „Der große Geiſt ſcheint dieſe reiche Beſitzung zu Jagd⸗ gründen für Alle vertheilt zu haben. Er färbte die Menſchen auf mannigfache Weiſe. Seine liebſten Kinder färbte er roth, welches ſeine eigene Farbe iſt. Die er weniger liebte, färbte er weniger, und ſie haben nur an einzelnen Stellen die rothe Farbe. Die er am wenigſten liebte, färbte er mit dunkler Farbe, und ließ ſie ſchwarz werden. Dieß ſind die Farben 11— geſehen. Man ſagt, dieß ſei der Fall. Auch ich werde das glauben, wenn ich es geſehen habe. „Brüder, dieſes Gerede von verlorenen Stämmen iſt ein thörichtes Gerede. Wir ſind keine verlorenen Stämme. Wir wiſſen, wo wir ſind, und wir wiſſen, woher die Nankees gekommen ſind, um uns aufzuſuchen. Mein Bruder hat gut geſprochen. Wenn Jemand ſeinen Pfad verloren hat, ſind es die Yankees. Die Yankees ſind Juden, ſie haben ſich verloren. Die Zeit iſt nahe, wo ſie wieder gefunden, wo ſie ihre Augen der aufgehenden Sonne von Neuem zukehren werden. „Die Nankees haben ſo lange in die untergehende Sonne geblickt, daß ſie nicht mehr deutlich ſehen können. Es iſt nicht gut, wenn man zu lang auf denſelben Gegenſtand blickt. Sie haben auf unſere Jagdgründe geſchaut, bis ihre Augen trübe geworden ſind. Sie ſehen die Jagdgründe, aber ſie ſehen alle die Krieger nicht, welche auf denſelben ſind. Mit der Zeit werden ſie ſie zählen lernen. „Brüder, als der Maniton den Menſchen ſchuf, gab er ihm die Erde als ſeine Wohnung. Unſere Ueberlieferungen ſtimmen darin nicht überein, aus was er geſchaffen worden. Manche ſagen aus Lehm, und wenn ſein Geiſt ſich zu den glücklichen Jagdgründen erhebt, werde der Krieger wieder Lehm. Ich ſage nicht, daß dieß ſo ſei, denn ich weiß es nicht. Es iſt nicht gut, Etwas zu ſagen, von dem wir nicht wiſſen, ob es wahr iſt. Ich wünſche nur die Wahrheit zu ſprechen. „Das wiſſen wir: wenn ein Krieger ſtirbt und wir ihn in die Erde bringen und viele Jahre nachher wieder nach ihm ſchauen, finden wir Nichts, als ſeine Gebeine. Alles Audere iſt verſchwunden. Ich habe alte Männer ſagen hören, mit der Zeit würden ſelbſt dieſe Gebeine nicht mehr gefunden. So iſt's Menſchen Sie ſind „Bri ſind. Es Mittel zu jetzt für „Die ausgegral er hört, glaube ni iſt, als d gibt uns Büchſen, kaͤmpfen. wollen wi „Brü Ein weiſe ſeien, ſeit geſehen. Indianer, erſten Ma Sie ware Männern reich unte gezogen m Blattern, arm bleibe wie die K „Brü linge lebte werde das nen iſt ein nme. Wir ie Nankees her hat gut at, ſind es h verloren. ihre Augen n. nde Sonne n. Es iſt tand blickt. hre Augen „aber ſie ſind. Mit uf, gab er lieferungen in worden. ich zu den ger wieder iß es nicht. icht wiſſen, u ſprechen. d wir ihn nach ihm les Audere Fören, mit gefunden. So iſt's mit den Bäumen, und ſo kann es auch mit den Menſchen ſein. Es iſt aber nicht ſo mit den Jagdgründen. Sie ſind geſchaffen, um immer zu bleiben. „Brüder, ihr wißt, warum wir auf dieſe Prärie gekommen ſind. Es geſchah, um die Blaßgeſichter zu zählen und auf Mittel zu ſinnen, ihre Anzahl zu vermindern. Die Zeit iſt jetzt für Schritte dieſer Art günſtig. „Die Blaßgeſichter haben die Streitaxt gegen einander ausgegraben, und der rothe Mann darf ſich freuen, wenn er hört, daß ſie ſich gegenſeitig die Scalpe nehmen. Ich glaube nicht, daß unſer Canada⸗Vater mehr unſer Freund iſt, als der große Nankee, Oheim Sam. Es iſt wahr, er gibt uns mehr Pulver, und Plankete, und Tomahawks, und Büchſen, als der Yankee, aber er thut es, damit wir für ihn kämpfen. Wir kämpfen auch für uns. Aus dieſem Grunde wollen wir ſeine Feinde bekriegen. „Brüder, es iſt Zeit, daß wir an unſere Kinder denken. Ein weiſer Häuptling ſagte mir einſt, wie viele Winter es ſeien, ſeit man Blaßgeſichter zuerſt bei dem rothen Manne geſehen. Es waren nicht viele Winter. Es leben noch Indianer, welche Indianer gekannt haben, deren Väter jene erſten Male Blaßgeſichter ſahen. Es waren ihrer wenige. Sie waren damals wie kleine Kinder, jetzt aber find ſie zu Männern herangewachſen. Die Medizin⸗Männer ſind zahl⸗ reich unter ihnen, und ſagen ihnen, wie die Kinder groß gezogen werden müſſen. Die Indianer verſtehen dieß nicht. Blattern, Feuerwaſſer, ſchlechte Jagd und Kälte laſſen uns arm bleiben, und hindern unſere Kinder, ſo ſchnell zu wachſen, wie die Kinder der Blaßgeſichter. „Brüder, alles dieß begab ſich, während drei alte Häupt⸗ linge lebten. Der erſte ſagte es dem zweiten, und dieſer dem — 126— dritten. Drei Häuptlinge haben dieſe Ueberlieſerung bewahrt.„B Sie haben ſie mir übermacht. Ich habe Einſchnitte in dieſen Stämme Stab gemacht,“— er hielt einen ſchön geſchnitzten Eſchenſtab men. J empor,—„welche die von ihnen angegebenen Winter bezeich⸗ Alle unſ nen, und jeden Winter habe ich ſeitdem nachgetragen. Seht, zwiſchen die Zahl der Einſchnitte iſt nicht groß. gch liebe „Ich habe rothe Männer ſagen hören, die Blaßgeſichter Hier ſeien bereits zahlreicher, als die Blätter auf den Bäumen. von Seit Ich glaube dieß nicht. Dieſe Einſchnitte ſprechen dagegen, lungen d Die Blaßgeſichter wachſen allerdings ſchnell und haben viele von Mer Kinder, und die Blattern tödten nicht ſo viele von ihnen, bekriegen, und ihre Kriege ſind nicht ſo häufig, aber blickt auf dieſen verfolgte. Stab. Konnte ein Canoe voll Menſchen in ſo wenigen„Er Wintern ſo zahlreich werden, wie man ſagt? Nein, es iſt Brüder, nicht ſo. Die Geſchichten, welche man uns erzählt hat, ſind Scalpe h nicht wahr. Eine doppelte Zunge brachte ſie auf. Wir ſind Fülle. E noch ſtark genug, um dieſe Fremden in den großen Salzſee zu weiß es. jagen und uns alle unſere Jagdgründe wieder zu erobern. oft thun. Das iſt's, was ich vollbracht wiſſen möchte. hätte, wie „Bruder, ich habe viele Scalpe genommen. Dieſer Stab„Brü wird euch die Zahl angeben.“ Andere zu Bei dieſen Worten flog einer jener wilden Flammenblitze, ich weiß. deren wir ſchon gedacht haben, über das dunkle Geſicht des„Ich Redners und erfüllte alle Anweſende mit der lebhafteſten BZlaßgeſich Theilnahme an dem, was folgen ſollte. hoffte, es „Es ſind ihrer viele,“ fuhr Peter fort.„Jeder gehörte nicht. Vi dem Kopf eines Blaßgeſichts an. Es ſind jetzt zwanzig Blaßgeſich Winter, ſeit ich den Scalp eines rothen Mannes nahm. Ich Es thut m werde keinen mehr nehmen. Wir bedürfen aller unſerer dahin gehe Krieger, um die Fremden zu verjagen.„Eine g bewahrt. ein dieſen Eſchenſtab ter bezeich⸗ en. Seht, laßgeſichter Bäumen. n dagegen. haben viele von ihnen, auf dieſen o wenigen ein, es iſt t hat, ſind Wir ſind Salzſee zu zu erobern. Dieſer Stab mmenblitze, Geſicht des lebhafteſten eder gehörte tzt zwanzig nahm. Ich Uer unſerer — 7= „Brüder, manche Indianer ſprechen uns von verſchiedenen Stämmen. Sie ſprechen wie Fremde von verſchiedenen Stäm⸗ men. Ich ſage euch, wir ſind Alle Kinder deſſelben Vaters. Alle unſere Häute ſind roth. Ich ſehe keinen Unterſchied zwiſchen einem Ojebway und einem Sac oder einem Siour. Ich liebe ſelbſt den Chirokeſen.“ Hier ließen ſich entſchiedene Zeichen der Mißbilligung von Seiten mehrerer Zuhörer gewahren, denn einzelne Abthei⸗ lungen der Stämme der großen Seren waren bis zum Golf von Merico gezogen, um die Indianer jenes Gebietes zu bekriegen, welche man allgemein mit dem erbittertſten Haß verfolgte. „Er hat das Blut unſerer Väter in ſich. Wir ſind Brüder, und ſollten wie Bruüder zuſammenleben. Wenn wir Scalpe haben wollen, bieten die Blaßgeſichter uns deren in Fülle. Es iſt ſchön, Blaßgeſichtern Scalpe abzunehmen. Ich weiß es. Meine Hand hat es oft gethan, und wird es noch oft thun. Wenn jeder Indianer ſo viele Scalpe genommen hätte, wie ich, würde die Zahl dieſer Fremden jetzt klein ſein. „Brüder, noch Eines habe ich euch zu ſagen. Ich wünſche Andere zu hören, und will dieſes Mal nicht Alles ſagen, was ich weiß. Eines aber habe ich noch zu ſagen, und ich ſage es. „Ich habe euch bemerkt, wir müßten die Scalpe aller Blaßgeſichter nehmen, welche jetzt in unſerer Nähe ſind. Ich hoffte, es würden deren mehr ſein, aber die Anderen kommen nicht. Vielleicht ſind ſie erſchreckt worden. Die Zahl der Blaßgeſichter beträgt nur ſechs. Sechs Scalpe ſind nicht viel. Es thut mir leid, daß es ſo wenige ſind. Aber wir können dahin gehen, wo ſich deren mehr finden. 1 „Einer dieſer ſechs iſt ein Medizin⸗Mann. Ich weiß nicht, was ich denken ſoll. Es kann gut ſein, wenn wir ihm den Scalp nehmen. Es kann ſchlimm ſein. Medizin⸗Männer haben große Gewalt. Ihr habt geſehen, was dieſer Bienen⸗ jäger thun kann. Er weiß, wie man mit den Bienen ſpricht. Dieſe Thierchen fliegen in die kleinſten Räume, und ſehen Dinge, welche der Indianer nicht ſehen kann. „Brüder, der große Geiſt hat ſie geſchaffen. Wenn wir all unſer Land wieder haben, werden wir auch die Bienen wieder bekommen, und wollen dann berathſchlagen, wie wir ſie beuützen können. Bevor wir mehr wiſſen, möchte ich den Scalp dieſes Bienenjägers nicht berührt wiſſen. Er könnte uns großen Schaden bringen. „Ich weiß, daß ein Medizin⸗Mann der Blaßgeſichter ſeinen Scalp verloren hat, und daß die Blattern mehr als die Hälfte der Schaar wegrafften, die ihn gefangen nahm und tödtete. „Es iſt nicht gut, ſich mit Medizin⸗Männern zu befaſſen. Vor wenigen Tagen ſehnte ich mich noch ſehr nach dem Sealp dieſes jungen Mannes. Jetzt will ich ihn nicht. Es könnte uns Schaden bringen, wenn wir ihn berührten. Ich wünſchte, wir ließen ihn ziehen, und mit ihm ſeine Squaw. Die Uebrigen können wir ihrer Hirnhaut berauben.“ Peter vermied es geſchickt, des Mädchens eher zu gedenken, als jetzt, da er im Begriffe war, ſeinen Sitz wieder einzu⸗ nehmen, ſo ſehr ihre Rettung ihm auch am Herzen lag. Was le Bourdon betrifft, ſo hatte er dieſen Morgen einen ſo tiefen Eindruck auf die Häuptlinge gemacht, daß der Antrag, zu ſeinen Gunſten eine Ausnahme zu machen, nur Wenigen von ihnen auffiel. Die abergläubiſche Furcht vor Zauberei iſt unter den amerikan allerding welcher f jetzt auf Augenbli mehrere dem Krei und natü⸗ die Mög Feinde u Als Häuptlin Plänen, entziehen, ſchloſſen, ſeltſamen ſagen, da zu morden Dieſe Art Nacht dazu beree Peter's er er trat je obgleich d Umſicht zu Hier ihm einen nicht unbe Indianer, und Leiden 256—: wir ihm 1⸗-Männer r Bienen⸗ en ſpricht. und ſehen Wenn wir bie Bienen , wie wir te ich den Er könnte laßgeſichter mehr als igen nahm zu befaſſen. dem Sealp Es könnte h wünſchte, uaw. Die u gedenken, eder einzu⸗ derzen lag. rgen einen der Antrag, ir Wenigen unter den — 129— amerikaniſchen Wilden ſehr allgemein verbreitet, und es mochte allerdings gefährlich ſcheinen, einen Mann dem Tode zu weihen, welcher ſelbſt den Bienen gebot, von denen die Verſammlung jetzt auf allen Seiten umſummt war. Er konnte in dieſem Augenblicke mit Allem, was vorging, bekannt ſein, und mehrere der grimmig ausſehenden alten Krieger, welche in dem Kreiſe ſaßen und es wohl mit Allem, was menſchlich und natürlich war, aufgenommen hätten, verfehlten nicht, auf die Möglichkeit hinzudeuten, daß ein Medizin⸗Mann ſeine Feinde und ſeine Freunde genau zu unterſcheiden wiſſe. Als Peter ſich niederſetzte, war in dem weiten Kreis der Häuptlinge nur ein Mann, welcher entſchloſſen war, deſſen Plänen, Boden und Margarel dem beabſichtigten Morde zu entziehen, alles Ernſtes entgegenzutreten. Viele waren unent⸗ ſchloſſen, und wuſten kaum, was ſie von einem ſo plötzlichen, ſeltſamen Vorſchlage halten ſollten, man konnte jedoch nicht ſagen, daß ſie auf dem urſprünglich gefaßten Entſchluß, Alle m morden, hartnäckig beſtanden hätten. Dieſer Mann war Ungqaue, welcher eher in Folge einer Art Nachſicht, als durch Abſtammung und ruhmvolle Thaten dazu berechtigt, unter den Häuptlingen ſaß. Der Einfluß Peter's erfüllte ihn, wie bemerkt, mit tödtlichem Haſſe, und er trat jedem Antrage des Stammloſen unbedingt entgegen, obgleich die Klugheit ihn zwang, dabei mit der größten Umſicht zu Werke zu gehen. Hier bot ſich jedoch eine vortreffliche Gelegenheit dar, ihm einen Streich zu verſetzen, und er war entſchloſſen, ſie nicht unbenutzt zu laſſen. So verſchlagen war jedoch dieſer Indianer, in ſo hohem Grade war er gewöhnt, ſeine Wünſche und Leidenſchaften zu zügeln, daß er ſich nicht ſogleich erhob, 256- 258. 9 1³ um mit dem Ungeſtüm des erregten Gefühles hervorzubrechen, ſondern ſeine Zeit abwartete, um ſeine Erwiederung laut werden zu laſſen. Der Indianer iſt am Ende nur ein Menſch, und trotz aller Selbſtbeherrſchung, welche ihm durch ſtrenge Zucht bei⸗ gebracht wird, den Schwächen unſorer Natur unterworfen. Dieſe Wahrheit ſollte Eichenaſt jetzt bewähren. Er hatte durch ſeinen letzten Verſuch in der Beredſamkeit einen unerwarteten Triumph gefeiert, und es war nicht leicht, in dem Augenblicke, wo ſich abermals eine Veranlaſſung bot, ſein Talent zu zeigen, ruhig ſitzen zu bleiben. Er trat daher als nächſter Redner auf. „Mein Bruder,“ ſagte Eichenaſt,„ich werde nach einem Baume genannt. Ihr Alle kennt dieſen Baum. Man kann ihn nicht zu Bogen und Pfeilen brauchen, man kann ihn nicht zu Canoes brauchen, er gibt nicht das beſte Feuer, obgleich er brennt und Wärme verbreitet, wenn er gehörig in Flamme geſetzt iſt. Es gibt viele Dinge, zu welchen der Baum, nach dem ich genannt werde, nicht zu brauchen iſt. Er bietet keine Art Nahrung dar. Er hat keinen Saft, welchen die Indianer trinken können, wie den des Ahornbaumes. Man kann keinen guten Beſen daraus machen. „Aber er hat Aeſte, Brüder, und Zweige, wie andere Bäume, und ſte ſind feſt und ſtark. Starke Aeſte ſind gut. Die Aeſte der Eiche beugen ſich nicht, wie die Zweige der Weiden oder der Eſche oder des Wallnußbaumes. „Brüder, ich bin ein Cichenaſt. Ich beuge mich nicht gern. Wenn ich einen Entſchluß gefaßt habe, bleibe ich mit der ganzen Kraft meines Willens dabei Mein Entſchluß war gefaßt, die Scalpe aller Blaßgeſichter zu nehmen, welche jetzt in den Li Er iſt ſta Nach kurz, aber zweiten 2 Tage zien war dieſe Gelegenhe Mehr nicht ganz und ſeinen tend, daß War ſein Ungq unerwarte hinreichend ſtreben eit vollen Hä lag. Dar Widerſtand andere Gre ein Wider ſtammt, iſt Alles Wieſel voll Augenblick den, ſo lan Nach Indianer u wart ſo vie zubrechen, ung laut und trotz Zucht bei⸗ terworfen. redſamkeit icht leicht, ſſung bot, trat daher hach einem Man kann ihn nicht öbgleich er n Flamme rum, nach zietet keine e Indianer ann keinen vie andere eſind gut. zweige der mich nicht be ich mit ſchluß war welche jetzt — 131— in den Lichtungen ſind. Meinen Entſchluß kann nichts beugen. Er iſt ſtark und feſt wie der Aſt der Eiche.“ Nachdem der Häuptling ſeine Anſicht von dieſer Sache kurz, aber eindringlich dargelegt hatte, nahm er, mit dieſem zweiten Verſuche ſeiner Rednergabe an einem und demſelben Tage ziemlich zufrieden, ſeinen Platz wieder ein. Sein Erfolg war dieſes Mal nicht ſo unzweideutig, wie bei der früͤhern Gelegenheit, indeſſen war er anſehnlich genug. Mehrere Häuptlinge ſahen eine ganz hörbare, wenn auch nicht ganz logiſche Aehnlichkeit zwiſchen eines Mannes Namen und ſeinem Charakter, und es ſchien ihnen ziemlich einleuch⸗ tend, daß der Mann ſeinem Namen gemäß denke und handle. War ſein Name ſtark, mußte auch er ſtark ſein. Ungque war überraſcht und erfreut, in Eichenaſt eine ſo unerwartete Stütze zu finden. Er kannte die menſchliche Natur hinreichend, um zu begreifen, daß dieſem unverhofften Wider⸗ ſtreben ein neu erwachter Ehrgeiz, dem großen, geheimniß⸗ vollen Häuptling als Redner entgegen zu treten, zum Geunde lag. Darüber konnte„das Wieſel“ ſich nur freuen. Ein Widerſtand, welcher ſich auf Gründe ſtützt, kann ſtets durch andere Gründe, wenn ſolche ſich darbieten, beſeitigt werden, ein Widerſtand aber, welcher irgend einer Leidenſchaft ent⸗ ſtammt, iſt gewöhnlich ein wenig ſtarrköpfig. Alles dieß begriff der ſogenannte Häuptling oder das Wieſel vollkommen und wußte es zu würdigen. Er hielt den Augenblick für günſtig und war gewillt,„das Eiſen zu ſchmie⸗ den, ſo lang' es heiß war.“ Nach einer paſſenden Pauſe erhob ſich dieſer verſchmitzte Indianer und ſchaute rings umher, als erfülle ihn die Gegen⸗ wart ſo vieler würdigen Krieger mit Ehrfurcht und Bangen, 9* — 13³2— und als zweifle er, ob er es wagen dürfe, vor dieſen bejahrten weiſen Häuptlingen zu ſprechen. Nachdem er ſich der Wirkung würden! dieſer ſchüchternen Beſcheidenheit vergewiſſert hatte, begann er erzählt. ſeine Anſprache. wiſſen, n „Man nennt mich„das Wieſel,“ ſagte er, bedächtig warum 1 zögernd.„Mein Name ſtammt nicht, wie der meines Bruders,„Ich von dem mächtigſten Baume des Waldes her, er ſtammt von jäger ge einer Art Ratte her, einem Thiere, das von ſeinem Scharf⸗ laſſen. 4 ſinne lebt. Mein Name iſt gut. Mein Stamm hatte recht, hält. V als er mir dieſen Namen gab. bin und „Nicht alle Indianer haben Namen. Mein großer Bru⸗„Ich der, welcher uns einſt ſagte, wir müßten den Sealp eines iſt meine jeden weißen Mannes nehmen, und der uns jetzt ſagt, wir daher, un ſollten nicht den Scalp eines jeden weißen Mannes nehmen, Es iſt nie hat keinen Namen. Die Blaßgeſichter nennen ihn Peter. Es Aber es b iſt ein guter Name. Es iſt aber ein Blaßgeſicht⸗Name. Ich„Der wünſchte, wir kennten den wahren Namen meines Bruders. angehört, Wir kennen weder ſeine Nation, noch ſeinen Stamm. Der Furcht vo Eine ſagt, er ſei ein Ottawa, der Andere behauptet, er ſei gern ziehe ein Jova, Manche halten ihn ſogar für einen Siounx. Ich„Er habe gehört, er ſei ein Delaware, von der aufgehenden Sonne der Hütte her. Einzelne— es müſſen aber Indianer mit doppelter nöthig, ſ Zunge ſein— glauben und ſagen, er ſei ein Chirokeſe. Ich Scalp neh glaube das nicht. Es iſt eine Lüge. Man ſagt dieß, um hat mein meinem Bruder zu ſchaden. Nur ſchlechte Indianer können um die Ol dieß ſagen. Aber wir bekümmern uns nicht um ihr Gerede. anderen T Es iſt nicht nöthig. icht des W 3„Meine Brüder, ich wollte, wir kennten den Stamm„Wen dieſes großen Häuptlings, welcher uns ſagt, wir ſollten Scalpe ſollen, war nehmen, und uns dann ſagt, wir ſollten keine nehmen. Wir in unſern der Kopf d bejahrten Wirkung degann er bedächtig Bruders, immt von n Scharf⸗ itte recht, ößer Bru⸗ lalp eines ſagt, wir 3 nehmen, Peter. Cs ame. Ich Bruders. mm. Der tet, er ſei ioux. Ich den Sonne doppelter okeſe. Ich t dieß, um ier können hr Gerede. en. Stamm tten Scalpe men. Wir — 133— würden dann vielleicht begreifen, warum er uns zwei Geſchichten erzählt. Ich glaube Alles, was er ſagt, ich möchte aber gern wiſſen, warum ich es glaube. Es iſt gut, wenn man weiß, warum man Etwas glaubt. „Ich habe gehört, was mein Bruder von dem Bienen⸗ jäger geſagt hat. Wir ſollen ihn zu ſeinem Volke ziehen laſſen. Ich weiß aber nicht, warum er dieß für das Beſte hält. Vielleicht weiß ich es nicht, weil ich ein armer Indianer bin und weil ich das Wieſel heiße. „Ich bin ein Thier, das durch enge Löcher kriecht. Dieß iſt meine Natur. Der Büffel ſtürzt auf der offenen Prärie daher, und man muß ein Pferd haben, um ihn zu fangen. Es iſt nicht ſo mit dem Wieſel, es kriecht durch enge Löcher. Aber es blickt ſtets um ſich, wohin es geht. „Der unbekannte Häuptling, welcher keinem Stamm angehört, ſpricht von dieſes Bienenjägers Squaw. Er hat Furcht vor dieſem großen Medizin⸗Mann und möchte ihn gern ziehen und ſein ganzes Wigwam mit ſich nehmen laſſen. „Er hat keine Squaw. Wohl iſt eine junge Squaw in der Hütte, ſie iſt aber nicht ſeine Squaw. Es iſt nicht nöthig, ſie ſeinetwegen ziehen zu laſſen. Wenn wir ihren Scalp nehmen, kann er uns keinen Schaden zufügen. Darin hat mein Bruder unrecht. Die Bienen haben ihm zu nahe um die Ohren geſummt. Die Wieſel können hören, wie alle anderen Thiere, und ich habe gehört, dieſe junge Squaw ſei nicht des Bienenjägers Squaw. „Wenn die Indianer die Scalpe aller Blaßgeſichter nehmen ſollen, warum dürften wir nicht mit denen anfangen, welche in unſern Händen ſind? Wenn das Meſſer da iſt, und wenn der Kopf da iſt, fehlt nur noch die Hand. Auch viele Händ⸗ — 134— ſind da, und in den Augen eines armen, elenden Wieſels, welches durch ſehr kleine Löcher kriechen muß, um ſein Wild zu finden, ſcheint es nicht gut, dieſes Wild frei zu laſſen, wenn es gefangen worden. „Wenn mein großer Bruder, welcher uns ſagt, wir ſollten dieſem Bienenjäger und die, welche er für ſeine Squaw aus⸗ gibt, die Scalpe laſſen, uns ſeinen Stamm nennt, werde ich mich freuen. Ich bin ein unwiſſender Indianer und lerne gern Alles, was ich lernen kann. Ich möchte das wiſſen. Vielleicht trägt es dazu bei, zu verſtehen, warum er uns geſtern einen Rath gab, und heute einen andern. Es iſt kein Grund dafür da. Ich wünſchte ihn kennen zu lernen.“ Ungque ſetzte ſich jetzt langſam nieder. Er hatte dem Aeußern nach mit großer Mäßigung und mit einer ſo demuths⸗ vollen Beſcheidenheit geſprochen, wie wohl unſere Demagogen ſie zu heucheln pflegen, wenn ſie dem Volke von ihren Tugen⸗ den ſprechen und zu gleicher Zeit zu beklagen ſcheinen, daß ſie ſelbſt die niedrigſten in der größten Nation der Erde ſeien. Peter ſah ſofort ein, daß er es mit einem verſchlagenen Nebenbuhler zu thun habe, und es ward ihm ziemlich ſchwer, den glühenden Unwillen über eine Einſprache von dieſer Seite in ſeine Bruſt zurückzudrängen. Peter war gewandt und in all den Künſten geübt, welche nöthig ſind, um Menſchen nach ſeinem Willen zu lenken, er hatte aber ein großes Ziel vor ſich, und dieß mußte erreicht werden. Vertilgung der weißen Raſſe, und es gab kaum Etwas, das er nicht gethan hätte, um dieſen Zweck zu erreichen. Jetzt aber hatte zum erſten Male ſeit vielen Jahren ein Strahl menſchlichen Gefühles ſich in die Nacht ſeiner Bruſt geſtohlen, und unerwartet trat ihm einer von denen entgegen, V Sein Zweck war die welche fr nen war Rufe gen hier aber gegen ihrn kannte, 1 Rathe de Mit Stand de bruche bri ſtets ſeine der gehein „Me und ſchau Geſichter, Thier. E etwas Gu ein kleines einen Dier wegen. J „Mei Kann er kann, mög nern zeigen neuen Feſt. Krieger in „Meit Wie weiß e in demſelbe pret mit ih Wieſels, ſein Wild ſſen, wenn wir ſollten luaw aus⸗ werde ich und lerne as wiſſen. uns geſtern es iſt kein en.“ hatte dem »demuths⸗ Demagogen ren Tugen⸗ en, daß ſie de ſeien. erſchlagenen lich ſchwer, dieſer Seite indt und in nſchen nach es Ziel vor ick war die Stwas, das 1. 4 Jahren ein ſeiner Bruſt en entgegen, — 135— welche früher ſo ſchwer für ſeine grauſamen Pläne zu gewin⸗ nen waren. Wäre dieſer hier ein Häuptling von einigem Rufe geweſen, ſo wuürde er dieß leichter hingenommen haben, hier aber wagte es ein Mann aufzutreten und ſeine Stimme gegen ihn zu erheben, welcher, ſo weit er deſſen Vergangenheit kannte, nicht das entfernteſte Recht hatte, in einem ſolchen 5 Rathe den Mund zu öffnen. 8 Mit dem in der Seele wüthenden Vulkane, Stand der Dinge leicht in der Bruſt e bruche bringen mußte, welcher jahrelang ein faſt unbeſchränkter, ſtets ſeines Erfolgs gewiſſer Führer geweſen war, erhob ſich der geheimnißvolle Häuptling, um zu antworten. „Mein Bruder ſagt, er ſei ein Wieſel,“ bemerkte Peter und ſchaute rundum auf den Kreis aufmerkſamer, ernſter Geſichter, welcher ihn umgab.„Dieß iſt ein ſehr kleines Thier. Es kriecht durch ſehr kleine Löcher, aber nicht, um etwas Gutes zu thun. Es iſt zu Nichts gut. Wenn es durch ein kleines Loch kriecht, geſchieht es, nicht um den Indianern einen Dienſt zu erzeigen, ſondern ſeiner perſönlichen Abſichten wegen. Ich habe keinen Gefallen an Wieſeln. „Mein Bruder hat keine Furcht vor einem Bienenjäger. Kann er uns ſagen, was eine Biene flüſtert? Wenn er es kann, möge er es uns ſagen. Er möge unſern jungen Män⸗ nern zeigen, wo mehr Honig zu finden iſt,— wo ſie zu einem neuen Feſtmahle Bärenfleiſch zu ſuchen haben, Krieger in dem Dickicht verſteckt liegen! „Mein Bruder ſagt, der Bienenjäger habe keine Squaw. Wie weiß er das? Hat er in der Hütte bei ihnen gewohnt,— in demſelben Canoe bei ihnen geſeſſen,— von demſelben Wild⸗ den ein ſolcher ines Wilden zum Aus⸗ — wo junge bret mit ihnen gegeſſen? — 136— „Ein Wieſel iſt ſehr klein. Es kann ſich in die Hütte des Bienenjägers ſtehlen und ſehen, was dort iſt, was man thut, was man ißt, wer ſeine Squaw iſt, und wer nicht,— hat das Wieſel dieß je gethan? Ich habe ihn nie dort geſehen. „Brüder, der große Geiſt folgt in dem, was er thut, ſeinen eignen Wegen. Er bleibt nicht ſtehen, um auf Wieſel zu hören. Er weiß, daß es ſolche Thiere gibt,— daß es Schlangen, Kröten und Unken gibt. Der große Geiſt kennt ſie Alle, aber er achtet nicht auf ſte. Er iſt weiſe und hört nur auf ſeinen eigenen Willen. „So ſollte es auch mit dem Nathe großer Häuptlinge ſein. Er ſollte nur auf ſeinen eigenen Willen hoͤren. Das iſt Weisheit. Auf den Willen eines Wieſels hören, iſt Thorheit. „Brüder, ihr habt dieſes Wieſel ſagen hören, es kenne den Stamm nicht, welchem ich entſproſſen bin. Wozu ſolltet ihr dieß wiſſen? Die Indianer waren einſt Thoren. Während die Blaßgeſichter ihnen einen Jagdgrund nach dem andern raubten. gruben ſie die Streitaxt gegen ihre eigenen Freunde aus. Sie nahmen ſich gegenſeitig die Scalpe. Ein Indianer haßte den andern,— ein Stamm den andern. Ich gehöre keinem Stamm an, und Niemand haßt mich meines Volkes wegen. „Ihr ſeht meine Haut, ſie iſt roth. Das iſt genug. Ich ſcalpire, und rauche, und ſpreche, und wandle auf mühevollen Pfaden für alle Indianer, und nicht für irgend einen Stamm. Ich habe keinen Stamm. Viele nennen mich den Stamm⸗ loſen. Es iſt beſſer, dieſen Namen zu haben, als ein Wieſel zu heißen. Ich bin fertig.“ hatte eit glaubten und vert Une dieß iſt ſchüchter erhob er zu antw wuͤrfigker konnte. „D „Ich fre ſtets offe „J hat. G Krieger Die denn die als irge Karthag „Es ein Chir „B getödtet keine zw gehört, Indianer „Ab ſollten n —— 1— 137— die Hütte Dieſe unmittelbar zu den Herzen ſich wendende Anſprache was man hatte einen ſo glücklichen Erfolg, daß die meiſten Anweſenden nicht,— glaubten, das Wieſel würde in irgend eine Höhle ſchlüpfen nie dort und verſchwinden. Dem war jedoch nicht ſo. Ungque war ein Demagog nach indianiſcher Weiſe, und er thut, dieß iſt eine Menſchenklaſſe, welche ſich nicht ſo leicht ein⸗ iuf Wieſel ſchuchtern läßt. Statt das Schlachtfeld beſchämt zu verlaſſen, — daß es erhob er ſich, um mit der Raſchheit eines geübten Mundhelden zeiſt kennt zu antworten, obgleich er dieß mit ſo viel Demuth und Unter⸗ und hoͤrt würfigkeit that, daß ſeine Anmaßung Niemanden beleidigen konnte. Häuptlinge„Der unbe kannte Häuptling hat geantwortet,“ ſagte er. ren. Das„Ich freue mich. Ich höre ſeine Worte gern. Mein Ohr iſt hören, iſt ſeets offen, wenn er ſpricht, und mein Geiſt fühlt ſich geſtärkt. „Ich ſehe jetzt, daß es gut iſt, daß er keinen Stamm es kenne hat. Er iſt vielleicht ein Chirokeſe, und dann würden unſre vozu ſolltet Krieger ihm zürnen.“ Während Dieß war ein derber, verſchlagen beigebrachter Streich, im andern denn die anweſenden Häuptlinge haßten die Chirokeſen mehr, n Freunde als irgend einen andern wilden Stamm,— ſie waren die 1 Indianer Karthaginienſer jener weſtlichen Römer. Ich gehöre„Es iſt beſſer, er gehört keinem Stamm an, als daß er nes Volkes ein Chirokeſe iſt. Er wäre beſſer ein Wieſel „Brüder, man hat uns geſagt, alle Blaßgeſtchter müßten genug. Ich getödtet werden. Dieſer Rath gefällt mir. Das Land kann mühevollen keine zwei Eigenthümer haben. Wenn es den Blaßgeſichtern en Stamm. gehört, kann es nicht den Indianern gehören. Wenn es den n Stamm⸗ Indianern gehört, kann es nicht den Blaßgeſichtern gehören. ein Wieſel„Aber der Häuptling ohne einen Stamm ſagt uns, wir ſollten nicht Alle tödten. Er ſagt uns, wir ſollten Alle tödten, — 138— nur nicht den Bienenjäger und ſeine Squaw. Er hielt dieſen Bienenjäger für einen Medizin⸗Bienenjäger, der uns India⸗ nern ſchaden könne. Er wünſcht ihn ziehen zu laſſen. „Brüder, ich denke nicht ſo. Es iſt beſſer, den Bienen⸗ jäger und ſeine Squaw, ſo lange wir es können, zu tödten, damit es keine ſolche Medizin⸗Bienenjäger mehr gibt, welche uns Indianer in Schrecken ſetzen. Wenn ein Bienenjäger ſo viel ſchaden kann, was wird ein ganzer Stamm von Bienen⸗ jägern vermögen? „Ich will keine Bienenjäger mehr ſehen. Es iſt gefähr⸗ lich, die Sprache der Bienen zu verſtehen. Es iſt am beſten, wenn Niemand eine ſolche Gewalt beſitzt. Ich wollte lieber nie wieder Honig koſten, als unter Blaßgeſichtern leben, welche mit Bienen ſprechen können. „Brüder, es iſt nicht genug, daß die Blaßgeſichter ſo viel mehr wiſſen, als die rothen Menſchen, ſie muſſen ſich auch noch der Bienen bedienen, um zu erfahren, wo Honig zu finden iſt, und wo Bären und Krieger in den Wäldern ver⸗ ſteckt ſind. Nein, laßt uns die Scalpe des Bienenjägers und ſeiner Squaw nehmen, damit wir künftig vor einer ſolchen Medizin geſichert ſind. Ich habe geſprochen.“ 3 Peter erhob ſich nicht wieder. Er fühlte, daß ſeine Würde es fordere, bei ſeinem Schweigen zu beharren. Mehrere Häuptlinge theilten jetzt ihre Anſicht in kurzer, gedrängter Sprache mit. Zum erſten Male, ſeit der geheimnißvolle Häuptling ſeinen Kreuzzug zu predigen begann, wendete ſich der Strom gegen ihn. Das Wieſel ſprach nicht mehr, aber die Winke, welche er hatte laut werden laſſen, wurden von andern benützt und geſchickt erläutert. Es iſt mit den Wilden wie mit geſitteten Menſchen, der Strom muß ſich Bahn brechen. Pet fernerer Uebergen näher z1 denn er Als dieſer g. Beſtehen ebenſo v bewährte der Par Schein mit eine „B' „ich hab die Auge Nebel ge Ich ſehe bleiben Squaw Die feierlich den Licht Pet keinen g die Ver⸗ noch wie es mit ſ behielt f ſichtigten elt dieſen s India⸗ 1. Bienen⸗ u tödten, t, welche njäger ſo Bienen⸗ ſt gefähr⸗ m beſten, llte lieber en, welche er ſo viel ſich auch Honig zu ldern ver⸗ äͤgers und er ſolchen ine Würde Mehrere gedrängter ing ſeinen vom gegen welche er nuͤtzt und geſttteſten — 139— Peter hatte Scharfblick genug, um einzuſehen, daß ein fernerer Verſuch, le Bourdon und Margaret zu retten, ſein Uebergewicht nur gefährden würde, ohne ihn ſeinem Zwecke näher zu führen. Hier zeigte er ſich Ungque weit überlegen, denn er verwandelte ſeine Niederlage in einen Sieg. Als die Frage eine volle Stunde beſprochen war, und dieſer geheimnißvolle Häuptling bemerkte, daß ein ferneres Beſtehen auf ſeinem Antrage fruchtlos wäre, ließ er ihn mit ebenſo viel Takt fallen, als der ſcharfblickende Wellington bewährte, indem er ſich der Emancipation der Katholiken und der Parlamentsreform fügte, das heißt, zeitig genug, um den Schein zu vermeiden, als ſchwimme er mit dem Strom, und mit einer Anmuth, welche ſeine Gegner entwaffnete. „Brüder,“ ſagte Peter, um die Verſammlung abzuſchließen, „ich habe nicht geradeaus geſehen. Der Nebel blendet zuweilen die Augen, und wir können nicht ſehen. Ich habe in einen Nebel geſehen. Der Hauch meines Bruders hat ihn zerſtreut. Ich ſehe jetzt klar. Ich ſehe, daß Bienenjäger nicht am Leben bleiben dürfen. Laßt dieſen Einen ſterben, laßt auch ſeine Squaw ſterben!“ Dieß endigte natürlich die Verhandlung. Es wurde feierlich beſchloſſen, daß alle Blaßgeſichter, welche ſich jetzt in den Lichtungen befanden, vernichtet werden ſollten. Peter dachts, indem er ſich dieſem Beſchluſſe fügte, an keinen geheimen Vorbehalt. Er war ganz aufrichtig. Als die Verſammlung nach zwei ferneren Stunden, in welchen noch wichtigere Fragen verhandelt wurden, ſich erhob, geſchah es mit ſeiner unbedingten Einwilligung in den Beſchluß. Er behielt ſich nur die Leitung der Einzelnheiten bei dem beab⸗ ſichtigten Blutbade vor. — 140— Siebentes Kapitel. Warum iſt auf des rothen Mannes Gründen Dieß anmuthreiche junge Weib zu finden? So ſchön und hold und zart, wie ſie erſcheint, Würd' keiner Königin ſie weichen; Und bier ſeh' ich mit Wilden ſie vereint, Als wären dieſe ibres Gleichen. Pinkney. Die Inſaſſen des Honigſchloſſes bekamen keinen Indianer zu Geſicht bis den Tag nach der Rathsverſammlung. Gerſhom und Dorothea hörten die Nachricht von der Verbindung ihrer Schweſter ohne große Erregung. Sie waren auf ein ſolches Begebniß vorbereitet, und was die Hochzeitskuchen und die Feierlichkeiten betraf, ſo fehlten jene ganz, und von dieſen war, außer den von uns erwähnten, Nichts zu gewahren. Das Herz der Verwandten Margaret's brach nicht wegen der Vernachläſſigung, die ihnen zu Theil geworden, ſie empfingen das junge Paar, als hätte die Eine über ſich verfügt, und der Andere ihr„den Handſchuh ausgezogen,“ wie junge Damen ſich jetzt auszudrücken pflegen, um anzudeuten, daß die Jugendfreundinnen ſich nach einer andern Geſpielin umſe⸗ hen müßten. In den Lichtungen wurden weder Zeit, noch Worte mit nutzloſen Artigkeiten vergeudet, und Alles galt bei dieſer Veranlaſſung für wohlgethan, da es geſetzlich geſchehen war. Eine Frage hätte in der That aufgeworfen werden können, ob nämlich dieſe Verbindung unter der amerikaniſchen, oder unter der engliſchen Flagge Statt gefunden habe, denn General Hull hatte in die Uebergabe von Detroit das ganze Gebiet vo er bei ſi waren. Peter's g hätte er der brittit Grenze c Verbindu da in bef die früher Einige S ſind bei a denn die Gerſhom Etwa flügel, a ausflüge wilde Ent drei bis über den Mal aber Doro er ihr die „Dar „Kein Bl. Viele ſind „Was ſprachkundt „O, 6 Etwas geg * beſorgt iſt Gründen inden? le erſcheint, ni int, kney. Indianer Gerſhom ung ihrer in ſolches und die on dieſen gewahren. vegen der impfingen fügt, und lie junge iten, daß lin umſe⸗ Zorte mit bei dieſer ihen war. m können, hen, oder de, denn das ganze eſorgt iſt?“ — 141— Gebiet von Michigan, ſowie alle Truppen eingeſchloſſen, welche er bei ſich hatte, und die auf dem Zuge zu ihm begriffen waren. Wäre er in dem Beſitze des grauſamen Geheimniſſes Peter's geweſen, wie er es, ſo viel wir wiſſen, nicht war, ſo hätte er kaum ängſtlicher dafür ſorgen können, den Mantel der brittiſchen Macht über deſſen ganze Raſſe auf dieſer fernen Grenze auszubreiten. Dennoch darf man annehmen, daß die Verbindung als eine geſetzliche angenommen worden wäre, da in beſtegten Ländern gewöhnlich, für einige Zeit wenigſtens, die früheren Geſetze und Gebräuche ihre Geltung behalten. Einige Scherzreden blieben natürlich nicht aus, denn dieſe ſind bei allen ſolchen Veranlaſſungen unerläßlich, man müßte denn die höheren Stände ausnehmen, der Korporal aber und Gerſhom gehörten der Elite der Geſellſchaft gewiß nicht an. Etwa eine Stunde nach dem Frühſtuck erſchien Tauben⸗ flügel, als kehrte er von einem ſeiner gewöhnlichen Jagd⸗ ausflüge zurück. Er brachte Wildpret mit, ſowie mehrere wilde Enten, die er an dem Kalamazoo geſchoſſen hatte, und drei bis vier Prärie⸗Hennen. Der Chippewa ließ ſich nie über den Erfolg ſeiner Bemühungen frohlockend aus, dieſes Mal aber ſchien er wirklich traurig. Dorothea nahm ſeine Jagdbeute in Empfang, und als er ihr die Enten und Hennen gab, ſprach ſie ihn an: „Dank' Euch, Taubenflügel,“ ſagte die junge Frau. „Kein Blaßgeſicht könnte einen beſſern Schaffner haben, und Viele ſind nicht halb ſo gut.“ „Was Schaffner meinen, he?“ fragte der nicht ſehr ſprachkundige Wilde.„Meinen gut, oder meinen ſchlecht, he?“ „O, es bedeutet etwas Gutes, natürlich. Wie ſollte ich Eiwas gegen einen Jaͤger ſagen, welcher für uns Alle ſo — „Was er alſo meinen?“ „Es bedeutet einen Mann, welcher Sorge trägt, daß die Seinigen ſtets mit Lebensmitteln verſehen ſind.“ „Ihr bekommen genug, he?“ „Wir bekommen genug, Taubenflügel, Dank Euerm Eifer und Fleiße. Die indianiſchen Gerichte ſind indeſſen für Chriſtenleute nicht ſtets die beſten, obgleich man das Leben damit friſten kann. Ich vermiſſe hier in den Lichtungen Vieles, an das ich mich in meinen früheren Tagen gewoͤhnt hatte.“ „Was Squaw miſſen, he? Vielleicht Inſchin ihn manch⸗ mal finden.“ „Ich dank' Euch, Taubenflügel, von ganzem Herzen. Ich bin Euch für Euern guten Willen ebenſo verpflichtet, als wenn Ihr Alles gethan hättet, was ich wünſche. Der Wille macht das Verdienſt aus, nicht immer die That. Aber Ihr könnt die Gerichte einer Blaßgeſtchtküche hier in den Lichtungen des Michigan nicht finden. Wenn Jemand aufängt, alle die guten Dinge aufzuzählen, welche Amerika bietet, weiß er nicht, wo er das Ende finden ſoll. Vor Allem vermiſſe ich Thee, Milch kommt zunächſt. Daun iſt Buchwaizen zu nennen und Kaffe, obgleich man in den Wäldern Etwas findet, das dieſen zu erſetzen vermag, für Thee aber gibt es keinen Erſatz. Dann liebe ich Waizenbrod, und Butter, und Erdäpfel, und viele andere ſolche Gegenſtände, an welche ich mein ganzes Leben lang gewöhnt war, bis ich in dieſe Wildniß, der unter⸗ gehenden Sonne ganz nahe, kam. Was Paſteten und Kuchen betrifft, ſo mag ich an dieſe jetzt gar nicht mehr denken.“ Taubenflügel blickte das Weib aufmerkſam an, während ſie ihre Lieblinge unter den Gerichten ihrer heimathlichen Küche her in die Hö „Wa Ding? 2 und laſſen „Was Geſetz geg Enten, un und die 7 werden, m. auf daran ſind ſie ab Buffel höcke Geflügel w „Ja, zurück und ſchnell er ke „Ich Lichtungen zu bleiben i welche, wie ſind jetzt g dem beſten bleiben, wo Reiſen iſt, Bourdon an „Am L Nachden druck und er die Quelle, daß die m Eifer ſen für 8 Leben chtungen gewöͤhnt manch⸗ en. Ich tet, als er Wille ber Ihr chtungen alle die weiß er miſſe ich u nennen ndet, das n Erſatz. pfel, und n ganzes er unter⸗ d Kuchen en.“ während nathlichen Küche herzählte. Als ſie geendigt hatte, hob er einen Finger in die Höhe, blickte ſie noch bedeutſamer an, und ſagte: „Wafum nicht gehen zurück, bekommen all dieſe guten Ding? Beſſer für Blaßgeſicht, eſſen Blaßgeſicht⸗Nahrung, und laſſen Inſchin ſein Inſchin⸗Nahrung.“ „Was mich betrifft, ſo wünſche ich, dieß hätte ſtets als Geſetz gegolten. Wildpret, und Prärie⸗Geflügel, und wilde Enten, und Forellen, und Bärenfleiſch, und wilde Tauben, und die Fiſche, welche in dieſen weſtlichen Fluſſen gefunden werden, mögen wohlſchmeckend fuͤr die ſein, welche von Jugend auf daran gewöhnt ſind, für einen öſtlichen Gaumen aber lud ſie abſcheulich. Ich eſſe lieber jeden Tag Roaſtbeef, als Buffelhöcker, und einen guten Kapauu ziehe ich allem wilden Geflügel weit vor.“ „Ja, ſo Blaßgeſicht⸗Squaw denken. Am Beſten, gehen zuruck und eſſen, was er gern haben. Am Beſten, gehen, ſo ſchnell er kann,— gehen noch heut.“ „Ich bin nicht ſo ſehr beeilt, Taubenflügel, und dieſe Lichtungen gefallen mir gut genug, um noch eine Weile länger zu bleiben und zuzuſehen, was alle dieſe Indianer vorhaben, welche, wie man ſagt, auf ihnen zuſammenkommen. Wir find jetzt ganz und gar unter Euerm Volke, und ſtehen auf dem beſten Fuße mit ihm, ſo daß es das Klügſte iſt, wir bleiben, wo wir ſind. Wir leben in Kriegszeiten, und das Reiſen iſt, wie ich höre, gefährlich. Wenn Gerſhom und Bourdon auſbrechen wollen, werde auch ich bereit ſein.“ „Am Beſten, bereit machen jetzt,“ verſetzte Taubenflügel. Nachdem der Chippewa dieſen Rath mit ſichtbarem Nach⸗ druck und ernſter Miene hatte laut werden laſſen, ging er an die Quelle, wo er ſich niederkniete und ſeinen Durſt löſchte. — 14=— Das Gehaben des Chippewa war der Art, daß es die Aufmerkſamkeit des Miſſionärs auf ſich zog, welcher, nur mit ſeiner Anſicht beſchäftigt, ſich einbildete, dieſer Wunſch, der Weißen los zu werden, ſtehe auf eine oder die andere Art im Zuſammenhange mit dem Widerwillen der Indianer, für Juden gelten zu ſollen. Die Abneigung der Häuptlinge, ſich dieſe Ueberlieferung gefallen zu laſſen, uͤberraſchte und betrübte ihn, und ſein Gemüthszuſtand war jetzt der Art, daß er ſich geneigt fühlte, dieſem einem Umſtande Alles zuzuſchreiben was für die Geſellſchaft bedrohlich werden konnte.. „Ich hoffe, Chippewa,“ ſagte er zu Taubenflügel, welchem er an die Quelle gefolgt war,„ich hoffe, Chippewa, die Häuptlinge haben ſich durch das, was ich ihnen geſtern in Betreff ihrer Abſtammung von den Juden ſagte, nicht beleidigt gefühlt? Ich habe geſprochen, wie ich denke, und es iſt eine Ehre und durchaus keine Schande, zu Gottes auserwähltem Volke zu gehören. Ich hoffe, die Häuptlinge begreifen dieß, und zürnen mir nicht, weil ich meine Ueberzeugung ausge⸗ ſprochen habe.“ „Ganz und gar nichts daran liegen,“ antwortete der ungelehrte Indianer, indem er ſich von den Knieen erhob und mit dem Rücken ſeiner Hand den Mund abwiſchte.—„Gar nichts daran liegen, ob Ind, oder ob Inſchin.“ „Was mich betrifft, ſo würde ich mich ſehr glücklich ſchätzen, wenn ich ſagen koͤnnte, ich ſei ein Abkömmling von Iſrael.“ „Warum es nicht ſagen, wenn das glücklich machen? Für Inſchin gut, wenn er glücklich. Alle Inſchin gern gluͤcklich ſein.“ „Ich ſage es nicht, weil es nicht wahr wäre. Ja, ich ſtamme ſonſt wü wenn ar heißen. darin fin „Ga Taubenflt bekümmer Inſchin. immer de Machen „Da Ihr aber Eile zu v Es iſt ni ohne Geb dieſen Ra „Am Streitaxt voll von heim gehe „Dief gegen uns geprieſen, Peter iſt thun, was ſeinem Sc ſehung, we haben wir Vorſehung. 256—: ß es die nur mit uſch, der e Art im ner, für inge, ſich dbetrübte aß er ſich iſchreiben, „welchem ewa, die geſtern in t beleidigt es iſt eine erwähltem eifen dieß, ng ausge⸗ ortete der een erhob —„Gar glucklich mling von hmachen? ſchin gern . Ja, ich — 145— ſtamme von den Heiden ab, und nicht von den Hebräͤern, ſonſt würde ich mich rühmen, in Bezug auf Abſtammung, wenn auch nicht in Bezug auf den Glauben ein Jude zu heißen. Ich hoffe, die Häuptlinge werden keine Kränkung darin finden, daß ich Hebräer in ihnen ſehe.“ „Ganz und gar ihm nichts daran liegen,“ erwiederte Taubenflügel ein wenig ärgerlich.„Er ſich gar nicht darum bekümmern, ob Jud, ſich gar nicht darum bekümmern, ob Inſchin. Wiſſen, das machen kein Unterſchied. Jagdgrund immer derſelbe, Wild immer daſſelbe, Scalpe immer dieſelben. Machen kein Unterſchied, gar nichts darum bekümmern.“ „Das freut mich von Herzen, Chippewa. Warum habt Ihr aber Dorothea den Rath gegeben, die Lichtungen in aller Eile zu verlaſſen, wenn die Häuptlinge nicht ungehalten ſind? Es iſt nicht gut, eine weite Reiſe ohne Vorbereitung und ohne Gebet anzutreten. Warum habt Ihr alſo Dorothea dieſen Rath gegeben, die Lichtungen ſo ſchnell zu verlaſſen?“ „Am Beſten für Squaw, nach Hauſe gehen, wenn Inſchin Streitart ausgegraben. Lichtungen voll von Krieger, Wald voll von Krieger. Wenn das ſo, am Beſten für Squaw, heim gehen.“ „Dieß möchte wahr ſein, wenn die Indianer feindlich gegen uns geſinnt wären. Sie ſind aber, der Himmel ſei geprieſen, unſere Freunde, und werden uns kein Leid zufügen. Peter iſt ein großer Häuptling, und ſeine jungen Männer thun, was er ihnen ſagt,— und Peter iſt unſer Freund. Unter ſeinem Schutz und mit dem Beiſtande der göttlichen Vor⸗ ſehung, welche uns auf unſern Pfaden lenken und leiten wird, haben wir Nichts zu fürchten. Ich vertraue der göttlichen Vorſehung. 256— 258. 10 — 146— „Wer er ſein?“ fragte Taubenflügel unſchuldig, denn ſeine Kenntniß der Sprache ging nicht ſo weit, daß er eine Redeweiſe, welche uns ganz geläufig iſt, die ihm aber ver⸗ wickelt erſcheinen mußte, deutlich begriffen hätte.—„Er alle Pfade kennen, he? „Ja, und er leitet uns auf allen Pfaden, befonders auf denen, welche uns zum Guten führen.“ „Am beſten, er euch ſagen Pfad nach Detroit. Das jetzt guter Pfad für Blaßgeſichter.“ Als der Chippewa dieſen Rath nicht ohne einen bedeut⸗ ſamen Blick hatte laut werden laſſen, verließ er die Quelle und ſchritt der Hütte Stock's entgegen, wo der Bienenjäger beſchäftigt war, ſeinen Gefährten zu füttern. „Willkommen in dem Shanty, Taubenflügel,“ rief le Bourdon herzlich, ohne jedoch in ſeiner Beſchäftigung einzu⸗ halten.„Ich habe geſehen, daß Ihr, wie gewöhnlich, gut beladen zurückkehrtet. Habt Ihr vielleicht getödtetes Wild irgendwo in den Lichtungen gelaſſen, das wir Beide ab holen ſollen?“ „Ihr öffnen Ohr, Bourdon, Ihr hören, was Inſchin ſagen,“ erwiederte der Chippewa ernſt.„Wenn Hund ſatt ſein, kommen mit mir, haben etwas zu ſagen. Am beſten es hören, ſo lang es hören können.“ 1 „Ich werde in einer Minute bereit ſein. Hier, Stock, mein guter Burſche, damit kann ſich jeder vernünftige Hund begnügen, und ich habe dich bis jetzt noch nicht unvernünftig gefunden.— Nun, Chippewa, hier bin ich und mein Ohr iſt weit geöffnet. Doch halt, ich habe Euch vorher eine kleine Neuigkeit zu berichten. Wißt Ihr wohl, Taubenflügel, mein wackrer Burſche, daß ich mich verheirathet habe?“ „Hei nehmen? „Nu nehmen? welches i habe ſie Paſtor Au her, unſer gleichem welche Ih der meini Weib, der „Ja, gern habe immer in „Nur iſt mein „Das Am beſten wohnen, Wo mei ſorgen für am beſten „Ich Nun, wir und wenn Nankees e bedenkliche Burſche.“ Der dig, denn aß er eine aber ver⸗ „Er alle onders auf Das jetzt ien bedeut⸗ die Quelle Zienenjäger „„ rief le ung einzu⸗ onlich, gut etes Wild de ab holen as Inſchin Hund ſatt m beſten es dier, Stock, aftige Hund nvernünſtig ein Ohr iſt eine kleine lugel, mein 1 — — 147— „Heirathen, he? Nehmen Squaw, he? Wo Ihr ihn nehmen?“ „Nun, wo anders als hier? Woher ſollte ich ſie ſonſt nehmen? Es gibt nur ein Mädchen in dieſen Lichtungen, welches ich zu meinem Weibe hätte nehmen mögen, und ich habe ſie mit ihrer Einwilligung zu meinem Weibe genommen. Paſtor Amen hat geſtern, auf dem Wege vom Prairien⸗Kreiſe her, unſere Verbindung geſegnet, ſo daß wir Beide jetzt auf gleichem Fuße ſtehen. Wenn Ihr Euch Eurer Squaw rühmt, welche Ihr in Eurem Wigwam gelaſſen habt, kann ich mich der meinigen rühmen, die ich hier habe. Margaret iſt ein Weib, deren man ſich auch rühmen kann.“ „Ja, gut Squaw das. Chippewa dieſe Squaw recht gern haben. Niemals beſſer geſehen. Am beſten, Squaw immer in ſein Wigwam behalten.“ „Nun, die meinige iſt in meinem Wigwam. Honigſchloß iſt mein Eigenthum, und ſie macht ihm Ehre.“ „Das nicht ſein, was Inſchin meinen. Meinen das. Am beſten, haben Wigwam daheim, dort, wo Blaßgeſicht wohnen, und am beſten, behalten Squaw in dem Wigwam. Wo mein Squaw, he? Sie daheim in mein Wigwam, ſorgen für Pappus, hacken Mais und halten Boden gut. So am beſten mit weiße Squaw, am beſten, daheim arbeiten.“ „Ich glaube, ich verſtehe, was Ihr meint, Taubenflügel. Nun, wir haben vor heim zu gehen, ehe der Winter einbricht und wenn die Zwiſtigkeiten zwiſchen den Engländern und den Nankees ein wenig beſeitigt ſind. Das Reiſen iſt jetzt eine bedenkliche Sache, Ihr ſelbſt werdet dieß zugeben, mein guter Burſche.“ Der Indianer ſchien jetzt in Verlegenheit, wie er ſich ver⸗ 10* — 148— ſtändlich machen ſollte. Auf der einen Seite hatte er ſeiner Farbe die Treue zu wahren, und Peter und die Häuptlinge flößten ihm Furcht ein, auf der andern war er dem Bienen⸗ jäger von ganzem Herzen zugethan. Er dachte einen Augen⸗ blick nach, und entſchloß ſich dann, auf ſeine Art das mitzu⸗ theilen, was er zu ſagen wünſchte. Der Umſtand, daß ſein Freund ſich verheirathet hatte, anderte nichts an ſeinem Rathe, denn der Indianer war ein viel zu ſcharfſichtiger Beohachter, als daß er die Neigung des Bienenjägers uberſehen hätte. Er hatte es nicht für möglich gehalten, ſeinen Freund von Gerſhom's Familie zu trennen, obgleich er annahm, es würde minder ſchwer ſein, ſie auf einen andern Pfad zu leiten, als der war, welchen der Miſſio⸗ när und der Korporal einſchlagen mochten. Seine einzige Sorge war, le Bourdon nützlich zu werden, und es lag ihm nichts daran, wie Viele oder wie Wenige ſich ihm zufällig anſchloſſen. Die Wahrheit zwingt uns, ſogar einzugeſtehen, daß Mar⸗ garet's Reize, ihre Anmuth, ihre gefühlvolle Theilnahme au Allen, die ſie umgaben, auf das marmorgleiche Herz des Wil⸗ den keinen Eindruck gemacht hatten, während die Sitten des Bienenjägers, ſeine Geſchicklichkeit in dem von ihm gewählten Berufe, die Theilnahme, welche er ihm an der Mündung des Fluſſes bewieſen, indem er ihn aus den Händen ſeiner Feinde befteite, ihm für ihren Gatten die Gefühle der innigſten Freundſchaft einſlößte. Es war nicht wenig auffallend, daß dieſer Chippewa Peter's abergläubiſche Furcht vor des Bienenjägers Zauber⸗ kraft nicht theilte, obgleich er mit Allem bekannt war, was ſich den vergangenen Tag anf der Prärie begeben hatte. L Taubenflüs er mochte oder überl kennen,— Eingang, und Abſtar Mit als ſeinen nur Perſon Seitdem e Squaw ge wenig geſte Bruſt dure ihre offene blieben den „Ja,“ —„Reiſen Ich mein wiſſen, ich ſorgen. M ſehen. Ken was ſie th „Ich unter den r „Ich 3 Pottawattan men, wenn ſehen. Da⸗ überliſten.— „Weit zuzuflüſtern! er ſeiner Häuptlinge n Bienen⸗ en Augen⸗ das mitzu⸗ thet hatte, r war ein eigung des ür möglich zu trennen, n, ſie auf der Miſſio⸗ ine einzige es lag ihm jm zufällig daß Mar⸗ ilnahme au rz des Wil⸗ Sitten des gewählten ündung des iner Feinde r innigſten Chippewa ers Zauber⸗ war, was geben hatte. — 149— Taubenflügel mochte mit le Bourdon's Sitten vertrauter ſein, er mochte an den Vorfall mit der Whiskey⸗Quelle denken, oder überhaupt den weißen Mann und ſein Gehaben genauer fennen,— lurz, Beſorgniſſe dieſer Art fanden bei ihm weniger Eingang, als vielleicht bei irgend einem andern ſeiner Farbe und Abſtammung, der in den Lichtungen anweſend war. Mit einem Worte, Taubenflügel betrachtete le Bourdon als ſeinen Freund, während er in den übrigen Blaßgeſichtern nur Perſonen ſah, welche ſich ihm zufällig angeſchloſſen hatten. Seitdem er wußte, daß Margaret wirklich ſeines Freundes Squaw geworden, hatte ſich ſeine Theilnahme an ihr ein wenig geſteigert, aber jene innigern Gefühle, die ſie in Peter's Bruſt durch ihre Aufmerkſamkeit gegen ihn, durch ihre Anmuth, ihre offene Heiterkeit und weibliche Sorgfalt geweckt hatte, blieben dem Chippewa ſtets fremd. „Ja,“ antwortete Taubenflügel nach kurzem Nachdenken. —„Reiſen ſehr bedenklich für Nankee und für Yankee⸗Inſchin. Ich mein Scalp nicht für ſehr ſicher halten, wenn Häuptling wiſſen, ich Nankee⸗Läufer ſein. Am beſten, immer für Scalp ſorgen. Mir nichts daran liegen, jene Pottawattamies zu ſehen. Kennen ſie ganz gut. Wiſſen, was ſie ſagen, wiſſen, was ſte thun, glauben, ich wiſſen, was ſie denken.“ „Ich habe Euch geſtern auf dem Prärien⸗Kreis nicht unter den rothen jungen Männern geſehen.“ „Ich zu viel wiſſen, um hinzugehen. Krähenfeder und Pottawattamies dort draus. Am beſten, ihnen nicht nah kom⸗ men, wenn ſie Augen offen haben. Müſſen ſie im Schlaf ſehen. Das beſter Weg bei ſolchen Inſchin. Sie manchmal überliſten.— Ihr aber jetzt offen Ohr, Bourdon?“ „Weit offen, mein guter Freund, was habt Ihr ihm zuzuflüſtern?“ 3 7 — 150— „Ihr ſcharf ſehen auf Peter, wenn er hereinkommen. Wenn er viel denken und nicht viel ſagen, acht geben auf das, was er ſagen. Wenn er lächeln und ſehr gut Freund, müſſen nehmen ſein Scalp.“ „Chippewa! Peter iſt mein Freund, er lebt in meiner Hütte, er ißt von meinem Brode! Die Hand, die ihn beruhrt, beruͤhrt mich!“ „Was am beſten, ſein Scalp oder Euer? Wenn er ſehr viel Feund in Hereinkommen, ſein Scalp müſſen fort, oder Euer. Ja, gerade ſo, das der Pfad. Kennen Inſchin beſſer, als Ihr, Bourdon. Ihr guter Bienenjäger, aber ſchlechter Inſchin. Jedermann folgen ſein Pfad, Inſchin's Pfad das. Peter lachen und ſehr viel Freund, wenn er heimkommen, dann er haben wollen Euer Scalp.— Wenn er nicht lächeln, und nicht ſcheinen ſehr viel Freund, ſondern niederſehen, und denken, denken, denken, dann er Euch nicht ſchaden wollen, fondern ſuchen, Euch aus den Händen der Häuptlinge zu befreien. Das Alles.“ Nach dieſen Worten wandelte Taubenflügel ruhig hinweg und ließ ſeinen Freund über die Frage: Scalp, oder nicht Scalp! nachdenken. Der Bienenjäger verſtand den Chippewa jetzt vollkommen. Er ſah ein, daß dieſer Wilde eigenthümliche Mittel beſaß, ſich von dem zu unterrichten, was in den Lichtungen vorging, und ſeiner Redlichkeit, ſeinem beſten Willen durfte er in jeder Hin⸗ ſicht vertrauen. 1 Wenn der rothe Mann nicht leicht eine Beleidigung ver⸗ gißt, ſo vergißt er nie einen Freundſchaftsdienſt. Darin weicht er ſo weit als möglich von den meiſten Blaßgeſichtern ab, welche jetzt ſeine Jagdgründe in Beſitz genommen haben, denn dieſen wol thaten zu digungen Es n oder die hatte. W beſchränkt dem Chip. das Geha gemacht, f Lage auf aber jetzt ſie nahme Dorothea Weibes. deuten.( und zwar nißvollen Die ſehr leicht auf das 2 hoffen oder Le Be Peter kam Stunde ſe ihn kaum kenvolle Z zeichen ſtel Indianer n den übrige außerorden nkommen. Nnauf das, d, müſſen in meiner n beruͤhrt, Wenn er üſſen fort, hhin beſſer, ſchlechter Bfad das. mkommen, ht lächeln, ſehen, und hen wollen, ptlinge zu hig hinweg oder nicht ollkommen. beſaß, ſich orging, und jeder Hin⸗ digung ver⸗ darin weicht ſichtern ab, haben, denn — 151— dieſen wohnt eine ebenſo außerordentliche Neigung inne, Wohl thaten zu vergeſſen, als ſie ein zähes Gedächtniß für Belei⸗ digungen haben. Es war jetzt ziemlich klar, daß Taubenflügel ſich auf eine oder die andere Art von einer drohenden Gefahr überzeugt hatte. Wäre le Bourdon noch ſo vereinzelt und nur auf ſich beſchränkt geweſen, wie bei ſeinem erſten Zuſammentreffen mit dem Chippewa, ſo hätten wahrſcheinlich weder die Worte noch das Gehaben ſeines Freundes einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht, ſo wenig war er daran gewöhnt, der Gefahren ſeiner Lage auf einer fernen Grenze zu achten. Dieß Alles war aber jetzt ganz anders. Margaret und ſeine Pflichten gegen ſie nahmen in ſeiner Seele den erſten Rang ein, dann kamen Dorothea und ihr Mann, als die Verwandten ſeines geliebten Weibes. Die Abſichten des Chippewa waren nicht zu miß⸗ deuten. Er wollte vor einer unmittelbaren Gefahr warnen,— und zwar einer Gefahr, welche mit dem Benehmen des geheim⸗ nißvollen Häuptlings in irgend einem Zuſammenhange ſtand. Die Anſpielungen auf Peter's Lächeln und Ernſt waren ſehr leicht zu deuten, auch verſtand der Bienenjäger, daß er auf das Benehmen des Indianers achten und dieſem gemäß hoffen oder fürchten müſſe. Le Bourdon ſollte nicht lange in Ungewißheit bleiben. Peter kam, nachdem Taubenflügel ſeit etwa einer halben Stunde ſein Lager aufgeſucht hatte, und unſer Held bekam ihn kaum zu Geſicht, ſo gewahrte er auch ſchon deſſen gedan⸗ kenvolle Züge und ſeine niedergeſchlagene Miene. Dieſe An⸗ zeichen ſtellten ſich noch augenfälliger dar, als der ſtammloſe Indianer näher kam,— ſo augenfällig in der That, daß ſie auch den übrigen betheiligten Beobachtern alles deſſen, was dieſer außerordentliche Mann that und ſagte, nicht entgehen konnten. — 152— Margaret ſah zuerſt dieſe Veränderung und maß zuerſt ihr Benehmen darnach ab. Sie that dieß⸗ obgleich le Bour⸗ don keine Sylbe in dieſer Beziehung gegen ſie geäußert hatte, und trotz einer gewiſſen weiblichen Verſchämtheit, welche ſie unter andern Umſtänden wahrſcheinlich veranlaßt hätte, ſich mehr in dem Hintergrunde zu halten. Als Peter an der Quelle ſtehen blieb, um ſeinen Durſt zu löſchen, trat Margaret zuerſt zu ihm und redete ihn an. „Ihr ſcheint müde zu ſein, Peter,“ ſagte das junge Weib, und ihre Stimme wie ihr Weſen verrieth die Schüchternheit ihres Geſchlechtes, während ihre Theilnahme entſchieden und unverkennbar zu Tage trat. Auch war Margaret nicht mit leeren Händen gekommen. Sie brachte ein ſchmackhaftes Gericht mit, wie der Mann der Wälder es liebt,— Fleiſch, in ſeinem eigenen Safte gekocht und von mehreren kleinen Zugaben umringt, deren Bereitung die Kunſt des geſittigten Lebens ſie gelehrt hatte. „Ihr ſcheint müde zu ſein, Peter, und wenn ich mich nicht fürchtete, es zu ſagen, würde ich hinzuſetzen, Ihr ſcheint traurig zu ſein,“ ſagte Margaret, indem ſie den Teller auf einen höchſt einfachen Tiſch ſetzte, welcher für die Bequemlich⸗ keit derer hier aufgeſtellt war, die ſelten Stunden oder irgend eine Regel in Bezug auf die Zeit ihres Mahles zu beachten pflegten.—„Hier iſt eine Speiſe, welche Ihr liebt und die ich eigenhändig bereitet habe.“ Der Indianer blickte aufmerkſam auf das ſchüchterne, reizende, junge Weſen, welches auf dieſe Weiſe herankam, um ihn zu erquicken, und ſeine getrübte Miene verdüſterte ſich noch mehr. Er war müude und hungrig, und aß eine Zeitlang, ohne etwas ar laſſen. 2 ſo zärtlich des Geri bedeutete Mar erglühten pflegt. 3 Beiden b Vater nie jetzt vor „Me he?“ ſag trat ein „Ve oder Bou ganzes G gewußt h „Be andere M ihn in ſe „Ich und ſenkt wiſſen wi Gatten h „Ho gut für kl wie das manchma bei Blaß aß zuerſt le Bour⸗ ert hatte, velche ſie aätte, ſich en Durſt hn an. ige Weib, chternheit ieden und nicht mit nackhaftes Fleiſch, in Zugaben Lebens ſie ich mich hr ſcheint Teller auf quemlich⸗ der irgend ibeachten nd die ich hüchterne, nkam, um ſterte ſich ng, ohne — 153— etwas anderes, als ſeinen einfachen Dank laut werden zu laſſen. Als ſeine Eßluſt jedoch geſtillt war, und die, welche ſo zärtlich für ihn beſorgt geweſen, ſich anſchickte, die Reſte des Gerichtes hinwegzuſchaffen, hob er ſeinen Finger und bedeutete ſie, näher zu kommen, als wollte er ihr etwas ſagen. Margaret gehorchte ohne Zögern, obgleich ihre Wangen erglühten, wie der Himmel ſich an ſchönen Abenden zu färben pflegt. Allein Wohlwollen und Vertrauen waren zwiſchen Beiden bereits ſo heimiſch geworden, daß eine Tochter ihrem Vater nicht zuverſichtlicher nahe treten konu⸗ wie Margaret jetzt vor Peter ſtand. „Medizin⸗Mann thun, was ich im. ſagen, junge Squaw, he?“ ſagte Peter, und zum erſten Male, ſeit er gekommen, trat ein leichtes Lächeln auf ſeine Lippen. „Verſteht Ihr unter„Medizin⸗Mann“ Paſtor Amen oder Bourdon? fragte ihrerſeits das junge Weib, und ihr ganzes Geſicht war in Roſenglut getaucht, ohne daß ſie recht gewußt hätte, warum. „Beide;— ein Medizin⸗Mann ſagen ſein Gebet, der andere Medizin⸗Mann nehmen jung Squaw Hand und führen ihn in ſein Wigwam. Das, was ich meine.“ „Ich bin mit Bourdon vermählt,“ erwiederte Margaret und ſenkte ihre ſchönen Augen zu Boden,„wenn Ihr dieß zu wiſſen wünſcht. Ich hoffe, Ihr glaubt, ich werde einen guten Gatten haben, Peter.“ „Hoffen das, gewiß,— nie wiſſen, bis Zeit kommen. Alle gut für kleine Weil',— Indianer gut,— Squaw gut. Grad' wie das Wetter. Manchmal Regen— manchmal Sturm— manchmal Sonnenſchein. Grad' ſo bei Indianer,— grad' ſo bei Blaßgeſicht. Kein Unterſchied. Alle gleich. Ihr ſehen — 154— dort Wolk'? er jetzt klein, wenn aber Wind blaſen, er dick werden und Ihr nichts ſehen als Wolk'. Wenn kommen viel Sonnenſchein, er fort fliegen,— dann wieder alles klar über Kopf. Das beſte Art, zu leben mit Mann.“ „Und auf dieſe Weiſe wollen Bourdon und ich mitein⸗ ander leben. Wenn wir wieder in die Anſiedelungen zurück⸗ kommen, Peter, und behaglich in einem Blaßgeſicht⸗Wigwam wohnen, und alle guten Dinge einer Blaßgeſicht⸗Haushaltung um uns haben, hoffe ich, Ihr werdet kommen und ſehen, wie glücklich wir ſind, und einige Zeit bei uns verweilen. Ich wünſche, Ihr kämt jedes Jahr einmal zu uns, um uns zu beſuchen und uns Wildpret zu bringen, und Bourdon wird euch Pulver und Blei und Blankete und Alles geben, was Ihr brancht, nur kein Feuerwaſſer. Er hat gelobt, nie wieder einem Indianer Feuerwaſſer zu geben.“ „Kein Whiskey⸗Quelle mehr finden, he?“ fragte Peter, welcher an der natürlichen, gutmüthigen Weiſe, wie das junge Weib ihm Gaſtfreundſchaft anbot, großes Gefallen zu finden ſchien.—„So am beſten,— ſo am beſten. Großen Fluch für Indianer. Viel Honig,— kein Feuerwaſſer. Alles das gut. Ich kommen, wenn—“ Hier hielt Peter inne, und keine von Margaret'’s Fragen konnten ihn bewegen, den Satz zu endigen. Die Art, wie er auf das ernſte Antlitz der jungen Frau blickte, flößte dieſer ein Gefühl großer dunbehaglichkeit, um nicht zu ſagen, großer Unruhe ein. Keine fernere Erkl lärung folgte Margaret blieb eine Weile um Peter und ſorgte mit der Theilnahme und zärtlichen Sorgfalt einer Tochter für ſeine Bedurfniſe. Endlich trat le Bourdon zu ihnen. Die mit wel geheimni Grad vo ſich alsl welche a „Jf fragte d welche d „ Kreis.“ „Ur gezogen? geworden „A thun un „B Vollbrin „G — kein „E iſt es ge an unſre „D Peter, ſchlecht. thun, w ſein.— laſſen hören w — 155— er dick Die Begrüßung war freundlich, und dem Wohlwollen, men viel mit welchem der geheimnißvolle Häuptling den gleichfalls lar über geheimnißvollen Bienenjäger betrachtete, miſchte ſich ein gewiſſer 1* Grad von Scheu bei. Le Bourdon bemerkte dieß und ſagte ) mitein⸗ ſich alsbald, daß er dieſen Zuwachs an Einfluß der Scene, 1 zurück⸗ welche auf der Prärie Statt gefunden, anheim geben müſſe. Wigwam„Iſt die große Rathsverſammlung geendigt, Peter?“ shaltung fragte der Bienenjäger, nachdem die kurze ſtumme Pauſe, hen, wie welche die Wäldler⸗Sitte forderte, vorüber war.“ en. Ich„Ja, er geendigt. Kein Rath mehr jetzt auf Prärien⸗ uns zu Kreis.“ don wird„Und die Häuptlinge, ſind ſie alle wieder ihres Weges en, was gezogen? Was iſt aus meinem alten Freund Krähenfeder ie wieder geworden, und aus all den übrigen, beſonders Bärenfleiſch?“ „Alle fort. Kein Rath mehr jetzt. Beſchließen was zu te Peter, thun und dann gehen weg.“ das funge„Bleiben aber rothe Männer ſtets ihrem Worte treu? du ſinden Vollbringen ſie auch ſtets, was ſie verſprechen?“ en Fluch„Gewiß;— jeder müſſen das thun. Das Indianer⸗Geſetz, Alles das— kein Blaßgeſicht⸗Geſetz, he?“ „Es mag das Geſetz ſein, Peter, und ein ſehr gutes Geſetz Fragen iſt es gewiß, wir weißen Menſchen denken aber nicht immer 4 wle er an unſre Geſetze.“ zte dieſer„Das ſchlecht. Großer Geiſt das nicht lieben!“ verſetzte I, großer Peter, mit ernſtem Blick den Kopf ſchuttelnd.—„Das ſehr 3. ſchlecht. Wenn Indianer ſagen, er das thun,— dann er es lieb Felne thun, wenn er kann. Wenn er nicht kann, es nicht zu ändern zärtlichen ſein.— Jetzt Squaw wegſchicken, Bourdon, am beſten nicht blich trat laſſen Squaw hoören, was Mann ſprechen, ſonſt ſie immer hören wollen.“ — 156— Le Bourdon wendete ſich lachend zu Margaret und wieder⸗ holte ihr dieſe Worte. Das junge Weib erröthete, nahm die Sache aber freundlich hin und lief den Shanty⸗Palliſaden zu, als freute ſie ſich der Geſellſchaft los zu ſein. Peter wartete mehrere Minuten, wendete dann ſein Haupt nach allen Seiten, als wollte er ſich verſichern, daß kein Lau⸗ ſcher in der Nähe ſei und begann dann: „Ihr geweſen auf Prärien⸗ Kreis, Bourdon,— Ihr ſehen dort Indianer⸗Häuptlinge, Krieger, junge Mann, Jäger,— Alle dort?“ „ Ich habe ſie Alle geſehen, Peter, und ein ſchöner Anblick iſt’s geweſen, alle dieſe Malereien, und Medaillen, und Bogen und Pfeile, und Tomohawks, und euere ganze kriegeriſche Ausrüſtung auf dem Wieſenplan zu ſehen!“ „Ihr ihn gern ſehen, he? Ja, er ein ſchöne Sach’, anzu⸗ ſchauen!— Nun, dieſer Rath zuſammen gerufen durch mich, Ihr auch das wiſſen, Bourdon?“ „Ich habe Euch ſagen hören, dieß ſei Euere Abſicht, und ich glaube, Ihr habt dieß gethan, Häuptling. Wie man ſagt, übt Ihr große Gewalt über Euer Volk aus, und ſie handeln grade wie Ihr es ihnen ſagt.“ Peter blickte bei dieſer Bemerkung ernſter denn jemals, und einer jener furchtbaren, wilden Strahlen flog über ſein dunkles Geſicht. Dann antwortete er mit ſeiner gewöhnlichen Ruhe und Selbſtbeherrſchung: .„Zuweilen ſo,“ ſagte er,„zuweilen nicht. Geſtern nicht ſo. Es ein Häuptling geben, der Peter unter ſein Fuß bringen will. Er es verſuchen, aber er es nicht thun. Ich kennen Peter gut, und kennen auch dieſen Häuptling gut.“ „Dieß iſt mir neu, Peter, und ich höre es mit Erſtaunen. 8⁸ Ich hätte ſo dicker 1„„Ja, jeder könd die Häup er gehen Mir das „Ih auf dem von einen nennt.“ „Er druck wo ſich früh wenn aue „Hö ſtehen.“ Der hörte, d und den hatte, er geheimnif thun pfle „Ich Mann h betrifft, j Den Pfa weiße M gehen la 1„Ja wieder⸗ ahm die den zu, Haupt in Lau⸗ hr ſehen ger,— Anblick Bogen eggeriſche , anzu⸗ mich, cht, und un ſagt, handeln jemals, ber ſein hnlichen on nicht in Fuß n. Ich gzut.“ ſtaunen. — 157— Ich hätte nicht geglaubt, daß ſelbſt der große Tecunthe ein ſo dicker Häuptling wäre, wie Ihr.“ „Ja, ſehr dicker Häuptling, das wahr, aber bei Indianer jeder können ſprechen, und nie Jemand wiſſen, welchen Pfad die Häuptling folgen. Manchmal er gehen rechts, manchmal er gehen links. Ihr hören Eichenaſt reden, Bourdon, he? Mir das ſagen.“ „Ihr werdet Euch erinnern, daß ich keinen Eurer Redner auf dem Prärien⸗Kreis gehört habe, Peter. Ich habe nie von einem rothen Manne ſprechen hören, den man Eichenaſt nennt.“. „Er großer Schurke,“ ſagte Peter, welcher dieſen Aus⸗ druck wohl in einem der Forts gehört haben mochte, wo er ſich früher oft eingeſtellt und die Sprache der Blaßgeſichter, wenn auch nur unvollkommen, gelernt hatte. „Hören, Bourdon! Nie gut. Peter zu nah' in ſein Weg ſtehen.“ Der Bienenjäger lachte laut auf, als er dieſe Bemerkung hörte, denn ſein Gaukelſpiel an dem vorhergehenden Tag und den Eindruck, welchen er offenbar dadurch hervorgebracht hatte, ermuthigten ihn, ſich größere Freiheiten gegen den geheimnißvollen Häuptling herauszunehmen, als er früher zu thun pflegte. „Ich glaube dieß recht gern, Peter,“ ſagte der junge Mann heiter,„ich glaube all dieß ſehr gern. Was mich betrifft, ſo würde ich Euch am liebſten aus dem Wege gehen. Den Pfad, welchen Ihr einſchlagt, iſt Euer Pfad, und jeder weiße Mann wird Euch gern nach Euerm Belieben entlang gehen laſſen.“ „Ja, das beſte Art,“ antwortete der große Häuptling mit — 158— bewundernswürdiger Einfachheit.„Wenn er ſagen Ja, er nicht gern einen andern Häuptling Nein ſagen hören. Das nicht gute Art, Geſchäft machen.“ Dieſe Ausdrucksweiſe hatte er wohl von weißen Kaufleuten aufgefangen, welche oft lange unter den wilden Stämmen umher zu ziehen pflegten.—„Ich wollen Euch eines ſagen, Bourdon, dieſer Eichenaſt ein ſehr thörig Indiauer ſein, wenn er Fuß auf mein Pfad ſetzen!“ „Dieß iſt ziemlich einfach, Peter,“ erwiederte le Bourdon, welcher ſorglos begonnen hatte, etwas an einer ſeiner Geräth⸗ ſchaften auszubeſſern.„Erlaubt mir jedoch, dieſen Gegenſtand fallen zu laſſen. Wie ich höre, bin ich ſehr in Eurer Schuld, Häuptling. Man ſagt mir, Euerm Rathe allein hätte ich es zu verdanken, daß ich mein Squaw früher in mein Wigwam führen durfte, als dieß ſonſt der Fall geweſen wäre. Ich denke, Ihr wißt, daß Margaret jetzt mein Weib iſt, und ich danke Euch herzlich, daß Ihr mir behilflich wart, meine Wünſche bei weitem eher, als ich erwarten durfte, zu erreichen.“ Hier faßte Peter des Bienenjägers Hand und ergoß ſeine ganze Seele, ſeine geheimen Hoffnungen, ſeine Beſorgniſſe, ſeine Wünſche vor ihm aus. Wa⸗wa⸗noſh ſprach bei dieſer Gelegenheit in einer der indianiſchen Mundarten, welche, wie er wußte, le Bourdon kannte. Wir theilen das, was er ſagte, in einer freien Ueber⸗ tragung mit und werden uns bemühen, den urſprünglichen Ausdruck ſo treu als möglich wieder zu geben. „Hört, Jäger der Biene und großer Medizin⸗Mann der Blaßgeſichter, und öffnet Cuer Ohr dem, was ein Häuptling, welcher den rothen Menſchen kennt, im Begriffe iſt, Euch zu ſagen. Laßt meine Worte in Euer Ohr dringen, laßt ſie in Eurer Seele bleiben. Es ſind Worte, welche Euch nützlich . 4. 4 4 werden k den Höl gefunden „M ſagen un der Mat ſagen un gehabt, welche ſi „Di dieß wal geht. S ſeine Hal ſich die ihren Ja „Es loren ha Prieſter daß er nicht, wo Rücken, gekannt. über ihre „Un dieſes Lo gegeben zu jagen „Db mitgethei und unſt a, er nicht Das nicht e hatte er oft lange n.—„Ich ſt ein ſehr ſetzen!“ Bourdon, er Geräth⸗ Gegenſtand ker Schuld, ätte ich es Wigwam väre. Ich t, und ich art, meine erreichen.“ ergoß ſeine Beſorgniſſe, meiner der 2 Bourdon eien Ueber⸗ vrünglichen Mann der Häuptling, t, Euch zu laßt ſie in ich nützlich — 159— werden können. Es iſt nicht gut, ſolche Worte wieder aus den Höhlen kommen zu laſſen, durch welche ſie Eingang gefunden haben. „Mein junger Freund kennt unſere Ueberlieferungen. Sie ſagen uns nicht, die Indianer ſeien Juden, ſie ſagen uns, der Manitou habe ſie als rothe Menſchen geſchaffen. Sie ſagen uns, unſere Väter hätten dieſe Jagdgründe im Beſitze gehabt, ſeit die Erde auf den Rücken der großen Schildkröte, welche ſie trägt, geſetzt worden. — „Die Blaßgeſichter ſagen, die Erde bewege ſich. en dieß wahr iſt, bewegt ſie ſich langſam, wie die Schildkröte geht. Sie kann nicht weit gegangen ſein, ſeit der Maniton ſeine Hand davon gelaſſen hat. Wenn ſie ſich bewegt, bewegen 1 8 J ſich die Jagdgründe mit ihr, und die Stämme bewegen ſich mit ihren Jagdgründen. „Es iſt möglich, daß ein Theil der Blaßgeſichter ſich ver⸗ loren hat, kein Indianer aber hat ſich verloren, der Medizin⸗ Prieſter hat ſich geirrt. Er hat ſo oft in das Buch geſehen, daß er nichts mehr ſieht, als das, was dort iſt. Er ſieht nicht, was vor ſeinen Augen, an ſeiner Seite, hinter ſeinem Rücken, rings um ihn herum iſt. Ich habe ſolche Indianer gekannt. Sie ſehen nur eine Sache, ſelbſt der Hirſch ſpringt(* über ihren Pfad und ſie ſehen ihn nicht. „Unſere Ueberlieferungen ſind dieſer Art. Sie ſagen uns, dieſes Land ſei dem rothen Mann, und nicht dem Blaßgeſichte gegeben worden. Nur der rothe Mann habe das Recht, hier zu jagen. „Der große Geiſt hat Geſetze. Er hat uns dieſe Geſetze mitgetheilt. Sie lehren uns, wir ſollen unſre Freunde lieben und unſre Feinde haſſen.“ 3 A 8 . — 2160— „Ihr glaubt dieß nicht, Bourdon?“ fragte Wa⸗wa⸗noſh, welcher bemerkte, daß der Bienenjäger durch eine Bewegung zu verſtehen gab, er finde dieſe Lehre ſchlecht. „Unſere Prieſter ſagen uns Nichts der Art,“ antwortete le Bourdon.„Sie ſagen uns, des weißen Mannes Gott befehle uns, Alle in gleicher Weiſe zu lieben, unſeren Feinden Gutes zu thun und die zu lieben, welche uns haſſen, und Jedem zu thun, wie wir wünſchen, daß er uns thue.“ Peter war über dieſe Lehre nicht wenig erſtaunt, und es dauerte eine volle Minute, ehe er das Geſpräch wieder auf⸗ nahm. Er hatte in der letzten Zeit das Gleiche mehrſach vernommen, und es begann allmählich in ihm zu wirken. „Der Art ſind unſere Ueberlieferungen, und der Art ſind unſere Geſetze. Blickt auf mich. Fünfzig Winter ſind thätig geweſen, meine Haare weiß zu färben. Die Zeit vermag das. Das Haar iſt der einzige Theil eines Indianers, der je weiß wird, alles Uebrige an ihm iſt roth. Das iſt ſeine Farbe. Das Wild kennt der Indianer an ſeiner Farbe. Die Stäͤmme kennen ihn. Alles kennt ihn an ſeiner Farbe. Er kennt die Dinge, welche der Maniton ihm gegeben hat, auf gleiche Weiſe. Er gewöhnt ſich an ſie, und ſie ſind ſeine Freunde. „Er liebt die Fremden nicht. Weiße Menſchen ſind Fremde, und er ſiehl ſie nicht gern auf ſeinen Jagdgründen. Wenn ſie allein kommen, um einige wenige Büffel zu todten, oder nach Honig auszuſchauen, oder den Bieber zu fangen, beklagt ſich der Indianer nicht. Er gibt gern von ſeinem Ueberfluſſe. „Die Blaßgeſichter kommen nicht auf dieſe Weiſe. Sie kommen nicht als Gäſte, ſie kommen als Herren. Sie kom⸗ men, und ſie bleiben. Jedes meiner fünfzig Jahre habe ich 4— 8*, von neuen gehenden „Bou Ich habe nur einen. ihre Jagd ihre Jagd und er w der rothe nehmen l erſt das( „Ich don, als 2 in der in Männer, Peter Bienenjäg „Wer Eure Freui dem Prär Dutzend 2 zufällig in die Scalp „Zue ren ſchon Thaten b Forts der aus, er ſ geſicht auf 256— wa⸗noſh, Bewegung antwortete nnes Gott n Feinden aſſen, und it, und es hieder auf⸗ mehrfach irken. r Art ſind ſind thätig rmag das. er je weiß ine Farbe. e Stämme kennt die auf gleiche Freunde. ſchen ſind gogründen. zu toͤdten, zu fangen, on ſeinem zeiſe. Sie Sie kom⸗ ee habe ich von neuen Stämmen gehört, welche von ihnen der unter⸗ gehenden Sonne entgegengejagt worden ſind. „Bourdon, viele Monde habe ich über dieß nachgedacht. Ich habe Wege zu finden geſucht, ſie aufzuhalten. Es gibt nur einen. Dieſen Weg müſſen die Indianer verſuchen, oder ihre Jagdgründe den Fremden überlaſſen. Keine Nation gibt ihre Jagdgründe gern auf. Sie kommen von dem Manitou, und er wird ſie einſt wieder von uns fordern. Was kann der rothe Mann ſagen, wenn er ſie von den Blaßgeſichtern nehmen läßt? Nein, er darf dieß nicht thun. Wir müſſen erſt das Eine verſuchen, das noch zu thun iſt.“ „Ich glaube, ich verſtehe Euch, Peter,“ bemerkte le Bour⸗ don, als Wa⸗wa⸗noſh ſchwieg.„Ihr meint— Krieg! Krieg in der indianiſchen Art, Unbilden zu rächen, Krieg gegen Männer, Frauen und Kinder!“ Peter nickte beiſtimmend und feſſelte ſeinen Blick auf des Bienenjägers Geſicht, als wollte er in ſeiner Seele leſen. „Wenn ich alſo recht verſtehe, ſo beabſichtigt Ihr und Eure Freunde, die Häuptlinge und ihr Gefolge, die ich auf dem Prärien⸗Kreiſe geſehen habe, mit uns, einem halben Dutzend Weißen, unter welchen zwei Frauen, die wir uns zufällig in eurer Gewalt befinden, anzufangen und uns zuͤerſt die Scalpe zu nehmen?“ „Zuerſt? Nein, Bourdon! Peter's Hand hat ſeit Jah⸗ ren ſchon viele genommen. Er hat ſeinen Namen durch Thaten berühmt gemacht, und wagt ſich nicht mehr in die Forts der weißen Menſchen. Er ſchaut nicht nach Yankees aus, er ſchaut nach Blaßgeſichtern aus. Wenn er ein Blaß⸗ geſicht auf den Prärien oder in den Wäldern findet, ſucht er 256— 258. 11 deſſen Scalp zu bekommen. Er hat dieß ſeit Jahren gethan, und viele hat er genommen.“ „Dieß iſt eine blutige Kunde, welche Ihr von Euch gebt, Peter, und es wäre mir lieber, Ihr hättet davon geſchwiegen. Ich habe ſchon früher Aehnliches von Euch erzählen hören, nachdem ich aber mit Euch gelebt, und gegeſſen, und getrunken, und geſchlafen, und in Eurer Geſellſchaft gereiſt, hatte ich nicht nur gehofft, ſondern bereits geglaubt, es ſei nicht wahr.“ „Es iſt wahr. Ich wünſche die Blaßgeſichter zu ver⸗ nichten. Das muß geſchehen, ſonſt vernichten die Blaßgeſichter uns. Wir haben keine Wahl. Unſere oder die andere Nation muß vernichtet werden. „Ich bin ein rother Mann, mein Herz ſagt mir, die Blaß⸗ geſichter müßten ſterben. Sie ſind auf fremden Jagdgründen, nicht die rothen Menſchen. Sie haben unrecht, wir haben recht. „Aber, Bourdon, ich habe Freunde unter den Blaßge⸗ ſichtern, und es iſt nicht natürlich, ſeine Freunde zu ſcalpiren. Ich begreife Nichts von der Religion, welche ſagt, wir ſollten unſere Feinde lieben, und denen Gutes thun, welche uns haſſen, es iſt eine ſeltſame Religion. „Ich bin ein armer Indianer, und weiß nicht, was ich denken ſoll. Ich werde nicht glauben, daß Jemand dieß thut, ehe ich es geſehen habe. Ich begreife, daß wir unſere Freunde lieben ſollen. Eure Squaw iſt meine Tochter. Ich habe ſie Tochter genannt, ſie weiß es, und meine Zunge hat keine zwei Spitzen, wie die der Schlange. Was ſie ſagt, meint ſie, wie ſie es ſagt. Ich wollte einſt Eure junge Squaw ſeal⸗ piren, weil ſie eine Blaßgeſicht⸗Squaw war und die Mutter von mehr Blaßgeſichtern werden konnte. Ich will ſie jetzt nicht ſealpiren, meine Hand wird ihr nie ein Leid anthun. „Me der rother Auch Euc Mann de Leid antht müſſen da Peter dem Bien Anſiedelun geſtand, d den India nicht mehr ganze Geſ dargeſtellt hervor, wi vereitelt n Ein hehlte, ern erzeugte e bindung m daß faſt zu abgebroche werden,— der Weißen Die E Peter's her le Bourdo den Tod a ten gethan, Euch gebt, geſchwiegen. hlen hören, getrunken, tte ich nicht icht wahr.“ er zu ver⸗ Kaßgeſichter dere Nation „die Blaß⸗ gdgründen, haben recht. en Blaßge⸗ t ſcalpiren. wir ſollten welche uns t, was ich dieß thut, ere Freunde ſch habe ſie hat keine ,meint ſie, Squaw ſcal⸗ die Mutter ill ſie jetzt anthun. — 163— „Meine Klugheit wird ihr ſagen, wie ſie den Händen der rothen Männer, welche ihren Sealp ſuchen, entgehen ſoll. Auch Euch, da Ihr jetzt ihr Gatte und ein großer Medizin⸗ Mann der Bienen ſeid, auch Euch wird meine Hand kein Leid anthun. Oeffnet Euer Ohr weit, denn dicke Wahrheiten müſſen da Eingang finden.“ Peter berichtete jetzt ausführlich, daß er es verſucht habe, dem Bienenjäger und Margaret einen ſichern Pfad nach den Anſiedelungen zu eröffnen, daß dieß ihm aber mißlungen. Er geſtand, daß er durch ſein früheres Thun einen Geiſt unter den Indianern geweckt habe, welchen ſeine jetzigen Bemühungen nicht mehr zu bewältigen vermöchten. Kurz, er erzählte die ganze Geſchichte, wie ſie ſich dem Geiſte des Leſers bereits dargeſtellt haben muß, und trat dann mit ſeinen Plänen hervor, wie dieſelben Pläne, die er ſelbſt in das Leben gerufen, vereitelt werden könnten. Ein Umſtand jedoch, welchen Wa⸗wa⸗noſh nicht ver⸗ hehlte, erfüllte die Seele ſeines Zuhörers mit Schauer, und erzeugte einen ſo mächtigen Widerwillen gegen jede Art Ver⸗ bindung mit dem, welcher deſſen ſo kaltblutig erwähnen köonnte, daß faſt zu fürchten war, aller Verkehr zwiſchen ihnen würde abgebrochen und der Ausgang den Waffen anheimgegeben werden,— ein Weg, welcher nur zum gänzlichen Verderben der Weißen führen konnte. Die Schwierigkeit rührte von der unbefangenen Erklärung Peter's her, er wünſche nicht einmal, Jemand Anderes, als le Bourdon und Margaret zu retten, und dringe ſelbſt auf den Tod aller Anderen. —% — 164— Achtes Kapitel O Herr, ein Weib hat dich geboren, Und in der Welt der Sünde und der Nacht Kamſt du nicht in deiner Sieger⸗Macht; Des Donners Rollen und der Blitze Licht Geleiteten dich, Ew'ger, nicht, Nicht zürnend hielteſt du Gericht! Ein ſanftes Kind, nackt und klein, Geboren von der Jungfrau rein, Nahm von der keuſchen Bruſt ſie dich; In harter Krippe ſchliefſt du wonniglich. Ungenannter. Das Blut erſtarrte dem Bienenjäger in den Adern, als er Peter dieſe ſchreckliche Frage wie ein abzuthuendes Geſchäft und ſo ohne Rückhalt vorbringen hörte. Seine Lage war furchtbar, ſelbſt von der günſtigſten Seite her geſehen. Wenn dieſer ſchwärmeriſche Wilde auch wirklich und aufrichtig den Wunſch hegte, ihn und Margaret zu retten, wie denn le Bour⸗ don dieß nach ſeinen ebenſo ruhigen, als grauſamen Mitthei⸗ lungen nicht bezweifeln konnte, wie ſollte er, von einer ſo großen Schaar feindlicher Indianer umgeben, mit ſeiner jungen Gattin entkommen? Dann war ihm der Gedanke unerträglich, ſeine anderen Gefährten zu verlaſſen und in kalter Selbſtſucht mit Margaret allein zu fliehen. Noch nie hatte ihn während ſeines abenteuerlichen, kühnen Lebens das Gefühl ſeiner Gefahr ſo tief ergriffen und ſo ſchrecklich bewältigt. Unſer Held verlor jedoch den Muth nicht. Er überſah, ſo zu ſagen mit einem Blicke, ſeine bedenkliche Lage, und fühlte, was ihnen bevorſtehen müßte, wenn ſie in die Hände der Krieger ſielen, welche im höchſten Grade gereizt waren, ihren Sch aber er b haften Re ihm das Peter ſie noch eine Einf Ausdrucks in lebende Der ſei ſein C zu, in we Raſen gef Schritte Lichtunger von ſeine umhin korn es ihm Abſtammu „Ihr kranke Sq Weiſe.„ mit mir, „Seh erhob ſich Euern Fre zu zeigen. „Ja, hören. J Er auch boren, ind der Nacht ger⸗Macht; Blitze Licht icht! lein, ein, ſie dich; wonniglich. genannter. Adern, als des Geſchäft Lage war hen. Wenn ufrichtig den un le Bour⸗ ien Mitthei⸗ on einer ſo einer jungen unerträglich, r Selbſtſucht ihn während einer Gefahr Er überſah, Lage, und in die Hände ereizt waren, — 165— ihren Scharffinn in der Erfindung jeder Art Marter⸗ aber er blickte dieſem ſchrecklichen Augenblicke mit ein haften Ruhe entgegen, welche ihm Ehre machte, ihm das Herz zu brechen drohte. Peter hatte ſeine Geſchichte in einer Weiſe erzä ſie noch furchtbarer erſcheinen ließ. Es war eine 2 eine Einfachheit, eine Handgreiflichkeit, wenn wir un Ausdrucks bedienen dürfen, darin, welche Alles, was er in lebendiger Wirklichkeit erſcheinen ließ. Der geheimnißvolle Häuptling erhob ſich jetzt ruhig, al ſei ſein Geſchäft vollbracht, und ſchritt auf ein kleines Gehölz zu, in welchem der Miſſionär und der Korporal ſich auf den Naſen geſetzt hatten und ihre Vermuthungen über die nächſten Schritte der Schaaren laut werden ließen, welche in den Lichtungen umherſchwärmten. Der Geiſtliche war jedoch ſo von ſeinem Lieblingsgedanken eingenommen, daß er nicht umhin konnte, ſein tiefes Bedauern darüber auszudrücken, daß es ihm nicht gelungen, die Wilden von ihrer jüdiſchen Abſtammung zu überzeugen, als Peter zu ihnen trat. „Ihr müd'’,— ihr liegen nieder am hellen Tag, wie kranke Squaw, he?“ fragte der Indianer in ziemlich ſpottender Weiſe.„Am Beſten, aufſtehen, ſo ſchöner Tag, und gehen mit mir, ander Häuptling beſuchen.“ „Sehr erfreut, Peter,“ antwortete der Miſſionär, und erhob ſich munter,„vielleicht habe ich eine neue Gelegenheit, CEuern Freunden die Wahrheit deſſen, was ich ihnen geſagt, zu zeigen.“ „Ja, Indianer gern Wahrheit hören, haſſen, Lüge zu hören. Ihr ihnen Alles ſagen können, was ſagen wollen. Er auch mitgehen, he?“ ſagte Peter, auf den Korporal — 166— überhaupt keinen Gefallen haben mochte. weiß, daß mein Freund folgt,“ erwiederte der olle Miſſionär heiter.„Schreitet voran, Peter, erden nicht zurückbleiben.“ ſondern begleitete Paſtor Amen, welcher den Fußſtapfen äuptlings folgte. Dieſer ſchlug den Pfad nach der eelle in jenem Thalgrund ein, wo die erſte nächtliche Bera⸗ hhung Statt gefunden hatte.⸗ Dieſes kleine Thal war etwa zwei Meilen von dem „befeſtigten Shanty“ entfernt und, wie bereits angedentet, ein einſamer, abgelegener Platz. Während ſie dem Häupt⸗ linge folgend, entlang ſchritten, konnte der Korporal ſich nicht enthalten, ſeinem Gefährten zu bemerken, daß er an dieſem Gange durchaus keinen Gefallen finde. „Wir ſollten in Zeiten, wie dieſe, an unſerer Garniſon feſthalten, Herr Amen,“ ſagte der wohlmeinende Soldat. „Eine Garniſon iſt eine Garniſon, und die Indianer wagen ſich ſelten an einen gut gebauten und kühn vertheidigten Platz dieſer Art. Es fehlt ihnen an Geſchütz, ohne welches ihre Angriffe ſelten furchtbar ſind.“ „Warum ſprecht Ihr von kriegeriſchen Vorrichtungen, Korporal, wenn wir uns inmitten von Freunden befinden? Iſt Peter nicht unſer wohlbekannter, wohlbewährter Gefährte, mit welchem wir lange und weit gereiſt ſind? und wiſſen wir nicht, daß wir unter jenen Häuptlingen, zu welchen er uns führen will, Freunde haben? Der Herr hat mich in dieſe entlegenen, wilden Gebiete geführt, damit ich ſein Wort verkündige und ſeinen Namen predige, und als ein unwür⸗ welcher ſich nicht zu beeilen ſchien und an der Korporal zögerte, auf dieſe Weiſe aufgefordert, nicht diger und Anſtand m berufen ſagen, das alten Zei einem M der Ueber Der geiſterung laut werd zur Recht bald aus Als die Richt vielmehr nem nich werke, de Dier einem G war, er gewöhnt Gewöhn! ſein moc welche a Sei druck ſei thung ka Na⸗ Freund, folgten, nd an der 8 diederte der an, Peter, erdert, nicht Fußſtapfen nach der tliche Bera⸗ von dem angedentet, em Häupt⸗ il ſich nicht an dieſem r Garniſon de Soldat. aner wagen digten Platz delches ihre rrichtungen, befinden? r Gefährte, wiſſen wir hen er uns ch in dieſe ſein Wort ein unwür⸗ — 467— diger und unnützer Diener würde ich mich erweiſen, wenn ich Anſtand nähme, mich denen zu nähern, welche ich zu lehren berufen bin. Nein, nein, fürchtet Nichts. Ich will nicht ſagen, daß Ihr Cäſar und ſein Glück tragt, wie man ſich in alten Zeiten auszudrücken pflegte, ich ſage Euch aber, daß Ihr einem Manne folgt, welcher von Gott geleitet wird, und in der Ueberzeugung ſeiner göttlichen Sendung entlang ſchreitet.“ Der Korporal ſchämte ſich, einer ſo vertrauensvollen Be⸗ geiſterung entgegen zu treten, und ließ keine fernere Einſprache laut werden. Beide folgten ihrem Führer, welcher ſich weder zur Rechten noch zur Linken wendete, ſo daß ihnen das Schloß bald aus dem Geſichte verſchwand. Als ſie die Hälfte ihres Weges hinter ſich hatten, führte die Richtung ihres Pfades ſie durch ein kleines Dickicht, oder vielmehr deſſen Saum entlang, und der Miſſionär ſah, zu ſei⸗ nem nicht geringen Erſtaunen, Taubenflügel in dem Buſch⸗ werke, der ſich zu einem neuen Jagdausfluge anzuſchicken ſchien. Dieſer junge Krieger war erſt vor ſo kurzer Zeit von einem Gange dieſer Art zurückgekehrt, daß nicht zu erwarten war, er werde ſo bald wieder ausziehen. Auch war man nicht gewöhnt, ihn ſo früh am Tag auf die Jagd gehen zu ſehen. Gewöhnlich ſchlief er zu dieſer Stunde. Wie dem aber auch ſein mochte,— dort ſtand er und ſchaute auf die Geſellſchaft, welche an ihm vorüberkam. Sein Benehmen war jedoch ſo gleichgiltig, und der Aus⸗ druck ſeines Geſichtes ſo kalt, daß Niemand auf die Vermu⸗ thung kam, er wiſſe etwas von dem, was beadſichtigt wurde. Nachdem der Chippewa ſich überzeugt hatte, daß ſein Freund, der Bienenjäger, nicht zu denen gehörte, welche Peter folgten, wendete er ſich ruhig weg, und begann den Stein ſei⸗ 4 — 168— ner Büchſe zu unterſuchen. Der Korporal faßte ſein Gehaben in das Auge, und fühlte ſich durch dieſes noch mehr ermuthigt, weiter zu ſchreiten, denn er konnte ſich nicht denken, daß irgend ein menſchliches Weſen eine ſolche Gleichgiltigkeit zur Schau tragen könne, wenn man auf Verrath ſinne. Peter ſchritt in der geraden Richtung auf den Thalgrund zu, bis er die kleine, bereits geſchilderte Wieſenfläche erreicht hatte, die von Wilden wimmelte. Einige ſtanden oder ſaßen in Gruppen umher und unterhielten ſich in der ernſten Weiſe des Indianers, die meiſten aber hatten ſich der Länge nach auf dem grünen Raſen ausgeſtreckt und pflegten der Ruhe, wie der wilde Krieger ſo gern zu thun pflegt, wenn ſeine Thätig⸗ keit nicht in Anſpruch genommen wird. Peter's Ankunft änderte jedoch augenblicklich das Aus⸗ ſehen der Dinge. Alle waren raſch auf ihren Füßen, und denen, welche bereits auf der Thalwieſe verſammelt waren, ſchloſſen ſich andere aus dem benachbarten Gebüſche an, ſo daß bald zwei bis dreihundert rothe Männer im Kreiſe um die eben angekommenen Blaßgeſichter geſchaart ſtanden. „Hier,“ ſagte Peter ernſt und heftete ſein Auge in feind⸗ ſeligem Ausdruck auf Cichenaſt und Ungque,„hier ſind eure Gefangenen. Thut mit ihnen nach eurem Gefallen. Die, welche an meiner Treue zu zweifeln wagten, mögen eingeſtehen, daß ſie Lügner ſind.“ Dieß war keine ſehr freundſchaftliche Begrüßung, die Wilden ſind aber an eine freimüthige Sprache gewöhnt. Eichenaſt ſchien ſich ein wenig unbehaglich zu fühlen, und in Ungque's Geſicht drückte ſich Unzufriedenheit aus, der Letztere war jedoch ein zu guter Schauſpieler, um alle Geheimniſſe ſeiner ränkevollen Seele durch die Fenſter ſeines Geſichtes durchleue malte ſic und wild Ein feder red jetzt nur habens 1 „Me ſagte die ein india Herz, es linge hal Fremden Väter ve Prieſters. Juden, 1 Peter ker daß er ei Feinde. daß Niem nehmen. zwei Gefc wird fortt ſo ſelten „Da⸗ Der hatte, und Dinge na er wirklie fromme u in Gehaben ermuthigt, denken, daß ltigkeit zur Thalgrund iche erreicht oder ſaßen nſten Weiſe Länge nach Ruhe, wie ine Thätig⸗ das Aus⸗ füßen, und helt waren, ſche an, ſo Kreiſe um den. e in feind⸗ ſind eure len. Die, eingeſtehen, ßung, die gewöhnt. n, und in der Letztere zeheimniſſe Geſichtes — 169— durchleuchten zu laſſen. Was den großen Haufen betrifft, ſo malte ſich die Freude auf den glänzenden, rothen Geſichtern, und wildes Entzücken ſtrahlte in ihren Augen. Ein Gemurmel des Beifalles wurde laut, und Krähen⸗ feder redete die Schaar an, welche die zwei hilfloſen und bis jetzt nur halb bennruhigten Opfer eines ſo grauſamen Vor⸗ habens umſtanden. „Meine Brüder und meine jungen Männer ſehen jetzt,“ ſagte dieſer Pottawattamie,„daß der ſtammloſe Häuptling ein indianiſches Herz hat. Sein Herz iſt kein Blaßgeſicht⸗ Herz, es iſt das eines rothen Mannes. Einige der Häupt⸗ linge haben geglaubt, er ſei zu lange in der Geſellſchaft der Fremden geweſen, und habe die Ueberlieferungen unſerer Väter vergeſſen und lauſche den ſchönen Worten des Medizin⸗ Prieſters. Einige meinten, er halte ſich für einen verlornen Juden, und nicht für einen Indianer. Dieß iſt nicht ſo. Peter kennt den Pfad, auf welchem er wandelt. Er weiß, daß er eine Rothhaut iſt, und blickt auf die Yankees als auf Feinde. Die Scalpe, die er genommen hat, ſind ſo zahlreich, daß Niemand ſie zählen kann. Er iſt bereit, deren mehr zu nehmen. Hier führt er uns Zwei zu. Wenn wir mit dieſen zwei Gefangenen fertig ſind, will er uns mehr bringen. Er wird fortfahren, uns deren zu bringen, bis die Blaßgeſichter ſo ſelten ſein werden, wie die Hirſche in ihren Anſiedelungen. „Das iſt der Wille des Manitou!“ Der Miſſionär verſtand Alles, was Krähenfeder geſagt hatte, und erſchrack nicht wenig über die Wendung, welche die Dinge nahmen. Zum erſten Male begann r zu fühlen, daß er wirklich von Gefahr bedroht ſei. So ſehr war dieſer fromme und wohlgeſtnnte Diener der Kirche gewöhnt, ſein — 170— Vertrauen auf die Alles lenkende Vorſehung zu ſetzen, daß Beſorgniſſe von perſönlichen Leiden ſelten Einſtuß auf ſein Thun hatten. Er hielt ſich für ein Weſen, das der Himmel ſeines beſondern Schutzes würdigte, obgleich er bereitwillig eingeſtand, die Weisheit, welche der menſchliche Geiſt nicht zu faſſen vermag, könnte Begebniſſe herbeiführen, welche, auf den erſten Blick, dem zu widerſtreiten ſchienen, was ſich hätte ereignen ſollen. In dieſer Hinſicht war Paſtor Amen ein Muſter der Unterwürfigkeit und Hingebung, denn er glaubte feſt, Alles was ſich begebe, bezwecke die Förderung des großen Planes der Wiedergeburt des Menſchen und der endlichen Erlöſung. Bei dem Korporal war dieß ganz anders. Da er an den Krieg mit den Rothhäuten gewöhnt war und ſie von ihrer ſchlechteſten Seite kennen gelernt hatte, ahnte er überall Hinterliſt und Verrath, und war Peter mit einem Widerwillen gefolgt, welchen er unverholen geäußert hatte. Er durch⸗ ſchaute jetzt die Abſichten der Wilden und war, von Unruhe bedrängt, auf ſeiner Hut. Obgleich er kaum die Hälfte von dem, was Peter geſagt hatte, verſtand, war ihm doch ſo viel klar geworden, daß er und ſein Freund, der Miſſionär, von Feinden, wenn nicht von Henkern, umgeben ſeien. „Wir ſind hier in eine Art Hinterhalt gerathen, Paſtor Amen,“ ſagte der Korporal und ließ ſeine Waffen klirren, als wollte er ſich verſichern, daß ſie in dem gehörigen Stande ſeien,„und es iſt hohe Zeit, daß wir Generalmarſch ſchlagen laſſen. Wären unſer Vier, ſo könnten wir ein Quarré bil⸗ den, da wir aber nur Zwei ſind, können wir nichts Beſſeres thun, als wir ſtellen uns Rücken an Rücken, und der Eine hat das Auge auf die linke Flanke gerichtet, während er natür⸗ lich die g Auge auf ſeite bewa meinigen: Näher, nä tiefgewurze Stellung l Der raſchung v einzunehme Lage ſein das Gehab den Kreis daß ſie jed hatte dieß ihre Beweg Dieſer klei aͤhnlich, 1 begann ber ihm unter ein Sieg v „Ruhi Flanke im linken Flau uns dieſe f müſſen, der treffen dure „Verle würden in und wenn etzen, daß auf ſein r Himmel ereitwillig ſt nicht zu e, auf den ſich hätte Nuſter der eſt, Alles en Planes Erlöſung. Da er an d ſie von er überall giderwillen Er durch⸗ on Unruhe Hälfte von doch ſo viel onär, von hen, Paſtor een klirren, gen Stande ſch ſchlagen uarré bil⸗ ts Beſſeres d der Eine der natuͤr⸗ lich die ganze Fronte überwacht, und der Andere hat das Auge auf die rechte Flanke gerichtet, während er die Rück⸗ ſeite bewacht. Stellt Euch mit Euerm Rucken gegen den meinigen und übernehmt die Ueberwachung der linken Flanke. Näher, näher, mein guter Paſtor, wir muſſen feſtſtehen, wie tiefgewurzelte Bäume, wenn wir in irgend einer Art unſere Stellung behaupten wollen.“ Der Miſſtonär ließ ſich in ſeiner Verwirrung und Ueber⸗ raſchung von dem Korporal bereden, die angedeutete Stellung einzunehmen, obgleich er ſah, wie nutzlos dieß in ihrer jetzigen Lage ſein müſſe. Was die Indianer betrifft, ſo veranlaßte das Gehaben des Korporals und das Klirren ſeiner Waffen den Kreis der Wilden mehrere Schritte zurückzuweichen, ohne daß ſie jedoch irgend Schrecken verrathen hätten. Dennoch hatte dieß die Folge, daß die beiden Gefangenen Raum für ihre Bewegungen und Zeit gewannen, frei Athem zu holen. Dieſer kleine Umſchwung der Dinge ſah einer Art Erfolg ähnlich, und flößte dem Korporal friſchen Muth ein. Er begann bereits einen Rückzug für möglich zu halten, welcher ihm unter den vorliegenden Umſtänden ſo ehrenvoll wie irgend ein Sieg vorkam. „Ruhig, Schulter an Schulter, Paſtor Amen, und Eure Flanke im Auge behalten, Unſere Schwenkung muß ſich der linken Flanke zuwenden, und Alles hängt davon ab, daß wir uns dieſe frei halten. Ich werde Euch mein Baggonet geben müſſen, denn Ihr ſeid ganz ohne Waffen, was mein Hinter⸗ treffen durchaus bloßſtellt.“ „Verlaßt Euch nicht auf Eure Waffen, Bruder Flint, ſie würden in meinen Händen jedenfalls ohne allen Nutzen ſein, und wenn wir aus Gewehren zuſammengeſetzt wären, wurden wir gegen eine ſolche Maſſe Feinde nichts ausrichten können. Meine Waffen müſſen von Oben kommen, meine Rüſtung iſt der Glaube, und meine einzige Wehr das Gebet. Ich werde bei dieſer wie bei jeder andern Gelegenheit zu dem letztern meine Zuflucht nehmen.“ Der Miſſionär forderte jetzt den Kreis neugieriger Wilden, von denen er umgeben war, und welche ſicherlich nichts weniger im Auge hatten, als ſeinen, ſowie den Tod aller Weißen, die ſich jetzt in den Lichtungen befanden, feierlich auf, ſich gemein⸗ ſchaftlich mit ihm an den Thron der Gnade zu wenden. Der würdige Paſtor, welcher gewöhnt war, den Wilden in ihrer eigenen Sprache zu predigen und mit ihnen zu beten, ſprach ihr Gefühl lebhaft an, und erflehte den göttlichen Bei⸗ ſtand zu Gunſten ſeiner und ſeines Mitgefangenen, er rief für Alle den Segen der Vorſehung an, und empfahl ſeine Feinde der Gnade des großen Geiſtes, wobei er jene erhabene Lehre des Chriſtenthums:„Segnet die, welche euch fluchen,“ und „betet für die, welche euch ſchmähen,“ ſehr ſchön erläuterte. Peter ward zum erſten Mal in ſeinem Leben von der ſittlichen Schönheit eines ſolchen Gefühles lebhaft ergriffen, das, wenn es gehörig erörtert wird, ſelten ſeine Wirkung ſelbſt auf den ſtumpfeſten Sinn verfehlt. Seine Neugierde war mächtig rege, und ſtatt ſich kalt zu entfernen, wie es ſeine Abſicht geweſen, und die Gefangenen in den Händen derer zu laſſen, welchen er ſie überliefert hatte, blieb er in dem Kreiſe und achtete ſorgfältig auf Alles, was vorging. Er hatte den Miſſionär mehrere Male dieſes Gebotes des großen Geiſtes erwähnen hören, es aber nie für möglich gehalten, daß ihm Jemand wirklich nachkomme. Wenn die Indianer von dem ſeltſamen Schauſpiyle vor ihnen auch doch genei⸗ Einige ſta mehr oder liche Erſch Dort den ſeines der ganze während d ſeine Stin mächtigen währte, d nicht lang Geiſtlichen zu unterſt 2„Dri ihnen noc weicht ber und wir Achtung! an, ſobalt Dieſe waren zw⸗ es fiel ih Im Gege heit den Bewußtſei entfernt, fühlen, h. tigender 6 Aber n können. üſtung iſt Ich werde m letztern er Wilden, ts weniger geißen, die ich gemein⸗ nden. en Wilden mzu beten, lichen Bei⸗ er rief für eine Feinde bene Lehre hen,“ und rläuterte. n von der ergriffen, rkung ſelbſt gierde war ie es ſeine en derer zu dem Kreiſe r hatte den ßen Geiſtes , daß ihm uſpiele vor 4 — 173— ihnen auch nicht in hohem Grade ergriffen waren, ſchienen, ſie doch geneigt, den Miſſtonär ſeine Anſprache beendigen zu laſſen, Einige ſtaunten, Andere zweifelten, die Meiſten aber waren mehr oder weniger in Verlegenheit, wie ſie eine ſo ungewöhn⸗ liche Erſcheinung deuten ſollten. Dort ſtand der Korporal, ſich mit dem Rücken dicht an den ſeines Gefährten drängend, das Gewehr geſchultert, und der ganze Ausdruck ſeines Geſichtes der der höchſten Spannung, während der Miſſionär als Gegenbild mit ausgeſtreckten Armen ſeine Stimme erhob und ſein Gebet zu dem Throne des All⸗ mächtigen wendete. Je länger dieſe außerordentliche Scene währte, deſto erregter wurde der Korporal, und es dauerte nicht lange, ſo hörte man, wie ſich ſeine Stimme der des Geiſtlichen zugeſellte, um dieſen mit Rath und Ermuthigung zu unterſtützen. „Dringt ein! Herr Amen,“ rief der Soldat.„Gebt ihnen noch eine Ladung,— Ihr thut Wunder, und ihre Fronte weicht bereits zurück. Noch eine ſolche Ladung, wie die letzte, und wir können eine Bewegung nach vornen machen.— Achtung! Schickt Euch zum Abmarſch auf der linken Flanke an, ſobald wir Raum genug dazu haben.“ Dieſer Raum ſollte ſich aber nie finden. Die Wilden waren zwar verblüfft, aber nichts weniger als erſchreckt, und es ſiel ihnen nicht ein, ihre Gefangenen abziehen zu laſſen. Im Gegentheile,— Bärenfleiſch, welcher bei dieſer Gelegen⸗ heit den Oberbefehl überkommen hatte, war ganz von dem Bewußtſein ſeiner Würde und Macht durchdrungen, und, weit entfernt, ſich von dem Gebete des Miſſionärs ergriffen zu fühlen, hörte er nur in der Hoffnung zu, ein Zeichen bewäl⸗ tigender Schwäche zu gewahren. Aber die Aufregung des Korporals ſollte bald bedrohlich — 174— werden. Durch ſeine Verſuche, eine Bewegung„auf der linken Flanke“ zu machen, wurde die Vertheidigungslinie geſprengt, und da Paſtor Amen, der noch immer ſeine Seele im Gebete ergoß und ſich bemühte, Alles wieder auf den frühern Stand der Dinge zurück zu führen, ihn ohne Unterſtützung ließ, ſah er ſich plötzlich umringt und entwaffnet. Von dieſem Augenblicke an befolgte der Korporal eine andere Taktik. So lange er bewaffnet und vergleichsweiſe frei war, hatte er nur an Mittel gedacht, um Widerſtand leiſten zu können, da ihm dieſe jetzt aber fehlten, fügte er ſich und rief ſeine ganze Entſchloſſenheit auf, um die Folgen ſeiner Gefangenſchaft in einer Weiſe zu ertragen, die ſeinem Regi⸗ mente Ehre machte. Korporal Flint war jetzt zum dritten Mal ein Gefan⸗ gener der Indianer, und er wußte bereits, daß er eben nicht der zärtlichſten Behandlung entgegen ſehen durfte. Seine Ahnnngen waren nicht ſehr erfreulicher Art, er war aber ent⸗ ſchloſſen, das, was nicht zu ändern war, mit männlicher Stand⸗ haftigkeit zu ertragen. Seine einzige Sorge in dieſem ſchreck⸗ lichen Augenblicke war die Ehre ſeines Corps. Mittlerweile ſetzte Paſtor Amen ſein Gebet fort. Sein Geiſt war mit der Pflicht, ſeine Andacht als Opfer empor zu ſenden, ſo beſchäftigt, daß er von Allem, was ſich ſonſt begeben hatte, nichts wußte, er hatte des Korporals„Achtung!“— und„Ruhig!“— und„auf die linke Flanke“ gänzlich über⸗ hört. Mit einem Worte,— der ganze Menſch war in ſein Gebet verſenkt, und wenn dieß der Fall war, hätte man an ſeinem Ohr einen Sechspfünder abſchießen können, ohne daß ihn dieß im geringſten geſtört hätte. Nichts unterbrach daher ſeine Andacht, bis er auf ſeine Weiſe damit zu Ende war. Als gekräftigt lange zu auf einen poral hat Die führung i den Gebe⸗ tiefſten S abſeits ge gehört ha Wenn an ſich tr deſto klare gegen. 2 kunftigen Lehre wär von ihren Gefuhl er Gebotes it wie Macht uns haſſen ns zu Kraft des Theil wir Dieſ unterbrach ſich einer war. Ehe laubniß de der linken geſprengt, im Gebete rn Stand ließ, ſah voral eine leichsweiſe Viderſtand gte er ſich gen ſeiner iem Regi⸗ in Gefan⸗ eben nicht 2. Seine aber ent⸗ ſer Stand⸗ em ſchreck⸗ rt. Sein empor zu iſt begeben ung!“— glich über⸗ ar in ſein e man an ohne daß rach daher ee war. 3 — 175— Als der würdige Miſſionär ſeine Seele in dieſer Art gekräftigt und da um Beiſtand gebeten hatte, wo er ihn ſo lange zu ſuchen und zu finden gewöhnt war, ſetzte er ſich ruhig auf einen Block, auf welchen die Wilden ſchon vorher den Kor⸗ poral hatten Platz nehmen laſſen. Die Zeit war gekommen, wo die Häuptlinge zur Aus⸗ führung ihrer Pläne vorſchreiten mußten. Peter, welcher von den Gebeten des Geiſtlichen zu Gunſten ſeiner Feinde in der tiefſten Seele ergriffen war, hatte ſeinen Platz ein wenig abſeits gewählt und ſtand in Nachdenken uber das, was er gehört hatte, verloren da. Wenn irgend ein Gebot den Stempel göttlichen Urſprungs an ſich trägt, iſt es dieſes. Je mehr wir daruber nachdenken, deſto klarer und eindringlicher tritt uns dieſe Wahrheit ent⸗ gegen. Der ganze Gedanke der Erlöſung Chriſti und des kunftigen Lebens iſt in der Liebe gegründet, und eine ſolche Lehre wäre unvollkommen, wenn ſie irgend einen Menſchen von ihren Wohlthaten ausſchlöſſe. Die zu lieben, welche dieſes Gefuhl erwiedern, iſt etwas ſo natürliches, daß es keines Gebotes in dieſer Beziehung bedarf, denn Liebe erzeugt Liebe, wie Macht die Macht ſteigert. Die aber zu lieben, welche uns haſſen, und denen Gutes thun, welche bemüht ſind, ns zu verderben,— dieß überſchreitet weit die ſittliche Kraft des Menſchen, wenn ihm nicht höherer Beiſtand zu Theil wird. Dieſer Gedanke ſetzte Peter in Verwirrung, und er unterbrach jetzt plötzlich das Beginnen der Häuptlinge, um ſich einer Frage zu vergewiſſern, welche für ihn ſo ganz neu war. Che er jedoch dieſen Schritt that, erbat er ſich die Er⸗ laubniß der vornehmſten Krieger, und erweckte durch ſeine Aus⸗ — 176— einanderſetzungen bei ihnen ſelbſt faſt dieſelbe Theilnahme an dem Gegenſtande, von welchem er ſich durchdrungen fühlte. „Bruder Medizin⸗Mann,“ ſagte der geheimnißvolle Häuptling, indem er, von Bärenfleiſch, Krähenfeder und einem oder zwei andern begleitet, dem Miſſionär näher trat,„Ihr habt zu dem großen Geiſte der Blaßgeſichter geſprochen. Wir haben Eure Worte gehört und ſie haben unſern Beifall. Es ſind gute Worte in dem Mund eines Mannes, welcher im Begriff iſt, einen Pfad zu betreten, der in die unbekannten Länder führt. Dahin müſſen wir alle eines Tages gehen, und es liegt nichts daran, wann es geſchieht. Wir müſſen alle denſelben Pfad gehen. Ich glaube nicht, daß der Mani⸗ tou dort Stämme von verſchiedenen Farben zuſammen ruft, wie ſie hier ſich in Schaaren treffen. „Bruder, Ihr ſeid im Begriffe, zu erfahren, wie ſich Alles in Wahrheit und Wirklichkeit verhält. Ihr werdet in kurzer Zeit wiſſen, ob rothe Menſchen und Blaßgeſicher, und ſchwarze Menſchen nach dem Tode in demſelben Lande leben. Mein Bruder iſt im Begriffe, dahin zu gehen. Er und ſein Freund, dieſer Krieger der Blaßgeſichter, werden miteinander auf dieſem langen Pfade gehen. Ich hoffe, ſie werden den Pfad friedlich zurücklegen und einander nicht beunruhigen. Es wird paſſend ſein, daß mein Bruder einen Jäger bei ſich hat, der Pfad iſt ſo lang, daß er hungrig werden wird, ehe er das Ende erreicht. Dieſer Krieger verſteht es, ein Gewehr zu handhaben, und wir werden ihm ſeine Waffen mit in das Grab geben. „Bruder, ehe Ihr dieſe Reiſe antretet, von welcher nie ein Reiſender zurückkehrt, mag ſeine Farbe ſein, welche ſie will, wünſchen wir von Euch ein weiteres über die Liebe für 5 unſere Feinde zu hören. „Dieß haßt ſeine großen Geif ihn, zürnend gelehrt, und „Waru ſollen wir d uns jetzt, ſo „Ich u Worte ſo, d Wahrheit u göttlichen S „Wir j der große C ob dieß ni⸗ andern als ſelbſt gelehr auf, Gott a „Es i thun, es g thun, welch „Ich l ſprochen. dieſe große Manitou z lieben,— zu lieben un „Wenn den Hirſch halb der ſe 256— 2 nahme an fühlte. imnißvolle und einem rat,„Ihr hen. Wir eifall. Es velcher im nbekannten ges gehen, Bir müſſen der Mani⸗ nmen ruft, ie ſich Alles in kurzer nd ſchwarze n. Mein ein Freund, auf dieſem fad friedlich vird paſſend der Pfad iſt nde erreicht. haben, und ben. welcher nie welche ſie ie Liebe für P. — 177— „Dieß iſt nicht das indianiſche Geſetz. Der rothe Mann haßt ſeine Feinde und liebt ſeine Freunde. Wenn er den großen Geiſt bittet, auf ſeine Feinde zu blicken, ſo bittet er ihn, zürnend auf ſie zu blicken. Das haben unſre Väter uns gelehrt, und das lehren wir unſre Kinder. „Warum ſollen wir die lieben, welche uns haſſen? Warum ſollen wir denen Gutes thun, welche uns verfolgen? Sagt es uns jetzt, ſonſt werden wir nie den Grund vernehmen.“ „Ich will es euch ſagen, Peter, und der Herr ſegne meine Worte ſo, daß ſie eure Herzen ſänftigen und euch Alle zu der Wahrheit und zu dem Glauben an die Erlöſung durch ſeinen göttlichen Sohn führen! „Wir ſollen denen Gutes thun, welche uns ſchaden, weil der große Geiſt es befohlen hat. Fragt euer eigenes Herz, ob dieß nicht recht iſt? ob es wie Worte klingt, die von andern als denen geſprochen werden, die von dem Manitou ſelbſt gelehrt worden find? Die Teufel rufen uns zur Rache auf, Gott aber befiehlt uns, zu lieben. „Es iſt leicht, denen Gutes zu thun, dis uns Gutes thun, es greift aber das Herz mächtig an, denen Gutes zu thun, welche uns Uebles zufügen! „Ich habe euch von dem Sohne des großen Geiſtes ge⸗ ſprochen. Er kam auf die Erde und ſagte uns mündlich alle dieſe großen Wahrheiten, er ſagte, nächſt der Pflicht, den Maniton zu lieben, ſeien wir gehalten, unſern Nächſten zu lieben,— ſei er Feind oder Freund, es ſei unſre Pflicht, ihn zu lieben und ihm alles Gute zu thun, was wir ihm thun können. „Wenn kein Wildpret in ſeinem Wigwam iſt, ſollen wir den Hirſch von unſern eignen Pfählen nehmen, und ihn inner⸗ halb der ſeinigen tragen. 256— 258. 1² „Warum bin ich hierher gekommen, Euch dieß zu ſagen? Als ich zu Haus war, wohnte ich unter einem guten Dache, aß in Fülle und ſchlief in einem warmen, weichen Bette. Ihr wißt, wie es hier iſt. Wir wiſſen heute nicht, was wir morgen eſſen werden. Unſer Lager iſt hart und unſre Dächer ſind von Rinde. Ich bin gekommen, weil der Sohn des Manitou, der auf die Erde niederſtieg und unter den Menſchen lebte, es befohlen hat. Er hat den Medizin⸗Männern geboten, auszuziehen und allen Nationen allen Stämmen, allen Far⸗ ben die Wahrheit zu verkündigen,— ihnen zu ſagen,„liebt die, welche euch haſſen und vergeltet Böſes mit Gutem.““ Da Paſtor Amen einen Augenblick inne hielt, um Athem zu ſchöpfen, benützte Ungque, welcher bemerkte, daß Peter in ſeinem Geiſte unſchlüſſig war, und der ſich vor Allem getrieben füͤhlte, dem geheimnißvollen, ſtammloſen Häuptling entgegen zu treten, dieſe Gelegenheit, das Wort zu ergreifen. Ohne dieſe Pauſe würde die Erziehung des Indianers jede Unter⸗ brechung unmöglich gemacht haben. „Ich öffne meinen Mund, um zu ſprechen,“ ſagte das Wieſel in dem demüthigſten Tone.„Was ich ſage, gilt nicht dem Ohre der weiſen Häuptlinge. Es iſt thöricht, aber mein Geiſt zwingt mich, es zu ſagen. Will uns der Medizin⸗Mann der Blaßgeſicher zu verſtehen geben, der Sohn des großen Geiſtes ſei auf die Erde gekommen und habe unter Menſchen gelebt?“. „Allerdings; dieß iſt unſer Glaube, und die Religion, welche wir glauben und lehren, kommt unmittelbar aus ſeinem Munde.“ „Laßt den Medizin⸗Mann den Häuptlingen ſagen, wie lange der welchen W Dieſer zum Grun dem großen eines Wild kung, welc drucks wal durch ſein hatte. Paſto Charakters nicht ohne ſie zu geb Täuſchung „Es Brüder,— Erde beug Geiſtes ka denen, we ſollten. bige Men mel empo Hauſe ſeif auf die C loſen aber ich glaube Die Aufmerkſco bereits fru eß zu ſagen? zuten Dache, lichen Bette. ht, was wir unſre Dächer -Sohn des den Menſchen nern geboten, allen Far⸗ agen,„liebt dutem.““ „ um Athem daß Peter in em getrieben ing entgegen ifen. Ohne jede Unter⸗ ¹ ſagte das ge, gilt nicht t, aber mein dizin⸗Mann des großen ter Menſchen die Religion, r aus ſeinem m ſagen, wie — 179— lange der Sohn des großen Geiſtes auf Erden blieb, und welchen Weg er ging, als er ſie verließ.“ Dieſer Frage Ungque's lag nur heuchleriſche Hinterliſt zum Grunde. Er hatte von dem Tode Chriſti gehört und von dem großen Sühnopfer wenigſtens ſo viel gefaßt, als der Geiſt eines Wilden zu faſſen vermag. Er ſah vorher, daß die Wir⸗ kung, welche die Antwort hervorbrächte, einen Theil des Ein⸗ drucks wahrſcheinlich vernichten würde, welchen der Miſſionär durch ſeine Lehre und ſein Gebet augenfällig hervorgebracht hatte. Paſtor Amen war ein Mann von ſeltner Einfachheit des Charakters, und ſchien wegen der Wirkung ſeiner Antwort nicht ohne Beſorgniß zu ſein, dennoch nahm er keinen Anſtand, ſte zu geben, noch ſuchte er ein Umgehen der Frage oder eine Täuſchung. „Es iſt eine demüthigende, traurige Geſchichte, meine Brüder,— eine Geſchichte, welche jedes Haupt beſchämt zur Erde beugen muß,“ antwortete er.„Der Sohn des großen Geiſtes kam unter die Menſchen, er that nur Gutes, und ſagte denen, welche ihn hörten, wie ſie leben, und wie ſie ſterben ſollten. Zum Lohne für alles dieß tödteten ihn böſe, ungläu⸗ bige Menſchen. Nach dem Tode ſtieg er körperlich zum Him⸗ mel empor,— dem Sitze der abgeſchiedenen Geiſter und dem Hauſe ſeines Vaters, wo er jetzt iſt und der Zeit harrt, wo er auf die Erde zurückkehren⸗ und die Guten belohnen, die Gott⸗ loſen aber ſtrafen wird. Dieſe Zeit wird gewiß kommen, und ich glaube nicht, daß der Tag ſehr fern iſt.“ 1 Die Häuptlinge lauſchten dieſer Mittheilung mit großer Aufmerkſamkeit. Einige von ihnen hatten dieſelbe Erzählung bereits früher im Umriſſe gehört. Nachrichten, welche aus der 12* 3 — 180— Geſchichte des Chriſtenthums entſtammten, hatten ſich mit manchen ihrer eigenen Ueberlieferungen verwebt, ohne Zweifel ein Ergebniß der Lehren früherer Miſſionäre, waren aber ſo verändert und verkehrt worden, daß man ſie kaum wieder erkannte.. Für die Mehrzahl der Indianer war jedoch die Geſchichte der Menſchwerdung des Sohnes Gottes ganz neu, und es fiel ihnen als eine außerordentliche Thatſache auf, daß Jemand ein ſolches Weſen habe kränken können. Es verdient bemerkt zu werden, daß keiner der Krieger die Wahrheit der Ueber⸗ lieferung ſelbſt bezweifelte. Sie nahmen an, dieſe ſei mit der gewöhnlichen Sorgfalt aufbewahrt worden, und ſchenkten ihr, als einer unbezweifelten Thatſache, vollen Glauben. Die unmittelbar folgenden Bemerkungen werden zeigen, wie man die einzelnen Umſtände deutete. „Wenn die Blaßgeſichter den Sohn des großen Geiſtes getödtet haben,“ ſagte Eichenaſt mit Nachdruck,„ſo zeigt uns dieß, warum ſie den rothen Mann aus ſeinem Lande vertrei⸗ ben wollen. Böſe Geiſter wohnen in ſolchen Menſchen, und ſie thun nur, was ſchlecht iſt. Ich freue mich, daß unſer großer Häuptling uns gemahnt hat, den Fuß auf dieſen Wurm zu ſetzen und ihn zu zertreten, ſo lange des Indianers Fuß noch groß genug iſt, es zu thun. Nach wenigen Wintern würden ſie uns tödten, wie ſie den Geiſt getödtet haben, welcher ihnen nur Gutes that.“. „Ich fürchte, dieſe wichtige Ueberlieferung ſchließt ein Geheimniß ein, welches Cure indianiſchen Sinne kaum faſſen werden,“ begann der Miſſionär mit großem Ernſte wieder. „Ich möchte nicht für tauſend Welten— nicht, wenn ich auch tauſend Leben, ſo werthlos, wie das meinige, retten konnte, dem Glaub⸗ muß ich die „Dieſe den Juden konnte. C Leib und S alle es ſind Geiſtes ſelb „Dieß können nich es. Wir ſer begreifen kö Hier b Bemerkung Schärfe der genau zu a daß er von entfernt wa „Wir thut, uns 2 ſehr wenig, wiſſen zu u Dieſer Thei Indianer ka die hinter j „Mein Wenu die ſee keinen 2 des höſen G habn. Ich en ſich mit hne Zweifel ren aber ſo aum wieder ie Geſchichte und es fiel daß Jemand ient bemerkt t der Ueber⸗ ſei mit der chenkten ihr, auben. Die t, wie man oßen Geiſtes ſo zeigt uns ande vertrei⸗ enſchen, und , daß unſer dieſen Wurm dianers Fuß gen Wintern ödtet haben, ſchließt ein kaum faſſen ruſte wieder. enn ich auch ettten koͤnnte, — 181— dem Glauben irgend eines Menſchen zu nahe treten, dennoch muß ich die Sache erzählen, wie ſie ſich begab. 4 „Dieſer Sohn des großen Geiſtes wurde allerdings von den Juden jener Zeit getödtet, ſo weit er getödtet werden konnte. Er hatte zwei Naturen, wie überhaupt jeder Menſch, Leib und Seele. Seinem Leibe nach war er Menſch, wie wir alle es ſind, ſeiner Seele nach war er ein Theil des großen Geiſtes ſelbſt. „Dieß iſt das große Geheimniß unſrer Religion. Wir önnen nicht ſagen, wie es geſchehen kann, aber wir glaubeu 6s. Wir ſehen rings um uns tauſend Dinge, welche wir nicht begreifen können, und ſo iſt es auch damit.“ Hier benützte Bärenfleiſch eine neue Pauſe, um eine Bemerkung laut werden zu laſſen. Er that dieß mit der Schärfe deſſen, der gewöhnt iſt, auf Worte und Begebniſſe zenau zu achten, aber mit einer Einfachheit, welche zeigte, daß er von einer gemeinen Hinneigung zur Zweifelſucht weit entfernt war. „Wir können nicht hoffen, daß Alles, was der große Geiſt thut, uns Indianern völlig klar ſei,“ ſagte er. Wir wiſſen ſehr wenig, er weiß Alles. Wie ſollte es uns einfallen, Alles wiſſen zu wollen, was er weiß? Wir denken nicht daran. Dieſer Theil der Ueberlieferung macht uns keine Unruhe. Der Indianer kann glauben, ohne zu ſehen. Er iſt keine Squaw, die hinter jeden Buſch ſehen will. „Mein Bruder hat aber zu viel zu ſeinen Gunſten geſagt. Wenu die Blaßgeſichter ihren großen Geiſt tödteten, können ſie keinen Manitou mehr haben und müſſen in der Gewalt des föſen Geiſtes ſein. Darum wollen ſie unſre Jagdgründe ſahn. Ich wuͤnſche nicht, ſie der untergehenden Sonne näher Es iſt Zeit, daß wir anfangen ſie zu tödten, wie ſie ihren großen Geiſt getödtet haben. Die Juden thaten dieß. Mein Bruder wünſcht uns glauben zu laſſen, der rothe Nein, der rothe Mann hat dem Sohne des großen Geiſtes nie ein Leid angethan. Er würde ihn als n Häuptling behandeln. kommen zu ſehen. Mann ſei ein Jude. einen Freund aufnehmen und als einer Verflucht ſei die Hand, welche ſich erhebe, ihn zu kränken. Dieſe Ueberlieferung iſt eine weiſe Ueberlieferung. Sie berich⸗ tet viele Dinge. Sie ſagt uns, die Indianer ſeuen keine Juden. Wir haben nie den Sohn des großen Geiſtes gekrankt. Sie ſagen uns, der rothe Mann habe ſtets auf ſeinen Jagdgründen gelebt und ſei nicht von der aufgehenden Sonne hierher gekommen. Sie ſagen uns, die Blaßgeſichter ſeien nicht werth, daß ſie leben. Sie ſind zu ſchlecht. Mögen ſie ſterben!“ „Ich will eine Frage ſtellen,“ ſagte Peter. Dieſe Ueber⸗ lieferung iſt nicht neu. Ich habe ſie ſchon früher gehört. Ich hatte ihr das Ohr nicht ganz geöffnet. Ich hielt nicht viel auf ſie. Sie iſt jetzt tiefer in mein Herz eingedrungen und ich wünſche mehr davon zu hören. „Warum hat der Sohn Gottes die Juden nicht getödtet? Warum hat er zugegeben, daß die Juden ihn tödteten? Will mein Bruder mir dieß ſagen?“ „Er kam auf die Erde,“ ſagte der würdige Geiſtliche, „um für die Menſchen zu ſterben, deren Sündhaftigkeit ſo groß war, daß der Gerechtigkeit des großen Geiſtes ein geringeres Opfer nicht genügen konnte. Warum dieß ſo iſt weiß Niemand. Es iſt genug, daß es ſo ſein ſolite. Statt ſeinen Henkern und Mördern zu fluchen und ſie zu verdorben, ſtarb er für ſie, er ſtarb, indem er über ſie, ihre Frauen und Kinder den Segen für alle künftigen Zeiten herabrief. Er 7 hat befohlen ſchaden.“ Peter n keit zu, und ſenkte ſein Es iſt leeren Einn laut werden ter Menſche dieß nicht ſe ſie um ſich Erſt w der Philoſo weil ſie ein ihr Eigenth keinen Ster täglich, ſtü Bereiche ſei Menſchwerd doch beruht weil er dan allem ander unerklärlich verliert ſich das Auge Wunder, de Währe waren, die loren ſie i Augen. ie zu tödten, zuden thaten n, der rothe dem Sohne irde ihn als g behandeln. zu kränken. Sie berich⸗ keine Juden. kränkt. Sie Jagdgründen onne hierher nicht werth, ſterben!“ Dieſe Ueber⸗ gehört. Ich helt nicht viel edrungen und icht getödtet? dteten? Will ige Geiſtliche, dhaftigkeit ſo u Geiſtes ein m dieß ſo iſt⸗ ſolcte. Statt zu verdoxben, e Frauen und zerabrief. Er 7 — 183— hat befohlen, wir ſollten denen Gutes thun, welche uns ſchaden.“ Peter wendete dieſer Antwort die geſpannteſte Aufmerkſam⸗ keit zu, und als er ſie vernommen hatte, ging er abſeits und ſenkte ſein Haupt in Nachdenken. Es iſt beachtenswerth, daß keiner der Wilden einen der leeren Einwürfe gegen die Menſchwerdung des großen Geiſtes laut werden ließ, wie es wohl in einem ſolchen Kreiſe geſittig⸗ ter Menſchen der Fall geweſen wäre. Den Indianern ſchien dieß nicht ſchwieriger und unbegreiflicher, als ſo Vieles, was ſie um ſich her ſahen. Erſt weun die Menſchen anfangen, ſich mit dem Scheine der Philoſophie zu umkleiden,— erſt wenn ſie ſich einbilden, weil ſie ein wenig wiſſen, das ganze Buch der Weisheit ſei lühr Eigenthum,— dann erſt werden ſie zweifeln. Es gibt keinen Sterblichen auf der weiten, ſchönen Erde, welcher nicht täglich, ſtündlich Dinge ſieht, die eben ſo weit über dem Bereiche ſeiner Faſſungskraft ſtehen, wie dieſe Kunde von der Menſchwerdung Chriſti und die ganze Dreifaltigkeitslehre, und doch beruhigt er ſich bei dem, was er vor den Augen hat, weil er damit vertraut iſt und es ſtets ſieht, während er an allem andern häckelt und zweifelt, obgleich dieſelbe unbekannte, unerklärliche Urſache Alles verhüllt. Die tiefſte Weltweisheit verliert ſich bald in dieſem allgemeinen Geheimniß und für das Auge der hingebenden Seele iſt Alles ringsum eine Art Wunder, das ſeinen Grund in der Allmacht Gottes hat. Während die rothen Männer jedoch in dieſer Weiſe geneigt waren, die Ueberlieferungen der Blaßgeſichter zu achten, ver⸗ loren ſie ihre eigenen Abſichten und Zwecke nicht aus den Augen. — 184— Die erſten Häuptlinge traten jetzt zuſammen, und hielten eine kurze Berathung. Peter wurde zwar in ihre Mitte eingeladen, er hielt ſich jedoch fern, und überließ Bärenfleiſch, Eichenaſt und Ungque die Leitung der Dinge. Die Frage war, ob es bei der urſprünglichen Abſicht, dieſen Medizin⸗ Prieſter in die Zahl der Opfer einzuſchließen, ſein Bewenden haben ſolle, oder nicht. Einer oder Zwei ſprachen ihre Zweifel aus, die Anſicht des Rathes war aber gegen ſie. „Wenn die Blaßgeſichter den Sohn ihres großen Geiſtes getödtet haben, warum ſollten wir Anſtand nehmen, ſie zu tödten?“ fragte das Wieſel mit einem boshaften Nachdrucke, denn er ſah, wie ſchmerzlich Peter nun dadurch berührt werde, daß deſſen eigene Pläne in vollem Maaße verwirklicht werden ſollten.„Ich ſehe keinen Unterſchied. Dieß iſt ein Medizin⸗ Prieſter, in dem Wigwam iſt ein Medizin⸗Bienenjäger, und der Krieger dort kann ein Medizin⸗Krieger ſein. Wir wiſſen dieß nicht. Wir ſind arme Indianer, die nur wenig wiſſen. Nicht ſo bei den Blaßgeſichtern. Sie ſprechen mit den Bienen des Zauberers, und wiſſen Alles. Wir werden bald nicht Raum genug haben, um auch nur ein Moſchusthierchen zu fangen, wenn wir die Fremden nicht vernichten. Der Manitou hat uns dieſe gegeben, wir wollen ſie tödten!“ Da ſich dieſem Vorhaben Niemand kräftig wideerſetzte, war die Frage bald entſchieden, und Ungque erhielt den Auftrag, den Gefangenen den Ausſpruch des Rathes mitzu⸗ theilen. Eine Ausnahme wurde jedoch zu Gunſten des Medizin⸗Prieſters zugeſtanden. 5 erſcheinen, und es wurde daher beſchloſſen, er ſollte auf eine kleine Entfernung in das Buſchwerk umher abgeführt und Die Abſichten des Mifſionärs mußten Allen als feindliche dort ohn vermehre beſondere berühren Als beſtimmt Häuptlit weil da unangen weil er „N ſagte de der erw geſicht abermal Di wort, man de hatte. Blaßge ihm vo wenn ſchwerl welche hunger 9 Minut gefaßt Mein und hielten ihre Mitte Bärenfleiſch, Die Frage ſen Medizin⸗ in Bewenden mihre Zweifel roßen Geiſtes hmen, ſie zu n Nachdrucke, herührt werde, rklicht werden ein Medizin⸗ nenjäger, und Wir wiſſen wenig wiſſen. it den Bienen in bald nicht isthierchen zu Der Manitou g widerſetzte, erhielt den Kathes mitzu⸗ Gunſten des als feindliche ollte auf eine abgeführt und dort ohne jeden Verſuch, ihn zu martern oder ſeine Leiden zu vermehren, getödtet werden. Auch ward als ein Zeichen beſonderer Achtung beſtimmt, Niemand dürfe ſeine Hirnhaut berühren. Als Ungque und ſeine Begleiter den Miſſionär zu dem beſtimmten Platze führten, lud Jener den geheimnißvollen Häuptling boshaft ein, ihnen zu folgen. Dieß geſchah einfach, weil das Wieſel ſah, dieß würde dem ſo verhaßten Mann unangenehm ſein,— aus keinem andern Grunde verhaßt, als weil er einen Einfluß beſaß, um welchen er ſelbſt buhlte. „Mein Vater wird einen erfreulichen Anblick haben,“ ſagte der heimtückiſche„Wieſel,“ während er an Peter's Seite der erwähnten Stelle entgegenſchritt.„Er wird ein Blaß⸗ geſicht ſterben ſehen, und hören, daß die Zahl unſerer Feinde abermals um Einen geringer iſt.“ Dieſe höhniſche Bemerkung würdigte Peter keiner Ant⸗ wort, ſondern ging ſchweigend dem Platz entgegen, welchen man dem von ſeiner Wache umgebenen Miſſionär angewieſen hatte. Ungque trat nun vor, und ſprach: „Die Zeit iſt gekommen, wo der Medizin⸗Prieſter der Blaßgeſichter den Geiſtern ſeines Volkes folgen wird, welche ihm vorangegangen ſind,“ ſagte er.„Der Pfad iſt lang, und wenn er nicht bald aufbricht und ſchnell geht, wird er ſie ſchwerlich einholen. Ich hoffe, er wird einige von denen, welche denSohn ſeines großen Geiſtes getödtet haben, ver⸗ hungert und mit wunden Füßen auf dem Weg antreffen.“ „Ich verſteh' Euch,“ verſetzte der Miſſtonär nach wenigen Minuten, denn dieſe Mittheilung hätte ihn, obgleich er darauf gefaßt war, tief erſchüttert.„Meine Stunde iſt gekommen. Mein Leben ſchwebte in ſteter Gefahr, ſeit ich den Fuß auf — 186— dieſes heidniſche Gebiet geſetzt habe, und wenn es des Schöpfers Wille iſt, daß ich jetzt ſterben ſoll, beuge ich mich dieſem Beſchluſſe. Vergönnt mir einige Minuten, daß ich zu meinem Gott bete.“ Ungque deutete durch ein Zeichen an, daß dieſer Wunſch gewährt ſei. Der Miſſtonär entblößte ſein Haupt, und erhob ſeine Stimme abermals zum Gebete. Anfangs war ſie ein wenig bebend, dann aber wurde ſie feſter, und bald war ſie ſo rein und klar, wie gewöhnlich. Er bat zuerſt um Gnade für ſich, gab all ſein Hoffen dem großen Suühnopfer anheim, und bekannte, wie weit er von jener Heiligkeit entfernt ſei, welche allein ihn würdiger machen konnte, vor Gottes Antlitz zu treten. Als er dieſer Pflicht Genüge gethan, betete er für ſeine Feinde. Er bediente ſich hierbei ſeiner Mutterſprache, Peter verſtand aber faſt jedes Wort, das er laut werden ließ. Er hörte für ſein eigenes Volk beten, er hörte ſeinen eigenen Namen nennen und den Verurtheilten zu ſeinen Gunſten zu dem Manitou flehen. Nie hatte dieſer außerordentliche Wilde ſeine Seele ſo erſchüttert gefühlt. Die Vergangenheit kam ihm wie ein Traum vor, während die Zukunft in einem uüne glänzte, das noch von Wolken umdüſtert war. Hier hatte er ein lebendiges Beiſpiel jenes göttlichen Geiſtes der Liebe und des Wohlwollens vor ſich, er ſah das Wort hier verwirklicht, das ihm ſchon, ſo oft als wundervoll erſchienen war. Hier owar kein Irrthum möglich. Dort kniete der Gefangene, und) ſeine Worte ſtiegen klar, deutlich, flehend durch das verhüllende Laubwerk zum Throne Gottes empor. 8 — Sob der geheit Er war nicht me Tagen ne unerträgl Er das Geh Kopf bis ſolche Se aus Ach ſenkten er gefall Ei Miſſion ſendet l dige, er eines 2 eher T chöͤpfers dieſem meinem Wunſch id erhob ſie ein war ſie Hoffen weit er vürdiger ür ſeine e, Peter leß. Er eigenen nſten zu Seele ſo wie ein azte, das öttlichen ſah das undervoll Dort deutlich, e Gottes — 187— Sobald die Stimme des Miſſionärs verſtummte, ſenkte volle Indianer ſein Haupt, und ſchritt hinweg. Sein Anſehen konnte den Gefangenen welcher vor wenigen war ihm jetzt peinlich, der geheimniß Er war jetzt machtlos. nicht mehr retten, und der Anblick, Tagen noch ſeine Augen erfreut häͤtte, unerträglich. 9 Er hörte den einzigen Schlag mit dem Tomahawk, welcher das Gehirn des Opfers zerſchmetterte, und ſchauderte vom Kopf bis zu den Füßen. Zum erſten Mal überkam ihn eine ſolche Schwäche. Für den Miſſionär aber gruben die Mörder aus Achtung vor ſeinem Thun und Streben ein Grab, und ſenkten ſeinen verſtümmelten Körper auf der Stelle ein, wo er gefallen war. Neuntes Kapitel. 0 1 In Wort undo That dem wilden Thiere gleich, Argliſten Herzens, kampfbereit, 3 8 Die Hand geboben ſtets zum Todesſtreich, Dem Dämon gleich, der ſeines Thuns ſich freut, So iſt der Mann, ſo iſt ſein wildes Streben; 90 Sein Erndtfeld iſt— Menſchenleben. 2 2⁸: Whittler. Ein Schleier, gleich dem der Vergeſſenheit, nahm den MNiiſſonär in ſeine Hulle. Die Frommen, welche ihn ausge⸗ ſendet hatten, damit er den Heiden das Wort Gottes verkün⸗ 0. dige, erfuhren nie, was ihm begegnet war,— das Verſchwinden eines Mannes dieſer Art war etwas ſo Gewöhnliches, daß es eher Bedauern, als Staunen hervorrief. Selbſt die, welche 5 — 188— ihm das Leben nahmen, achteten ihn, und, ſo ſeltſam es auch ſcheinen mag, die Beredſamkeit ⸗des Mannes, welcher jetzt ſein Leben hingeopfert hätte, um ihn zu retten, hatte ſeinen Tod herbeigeführt. Peter hatte ein Feuer angefacht, das er nicht erſticken, er hatte einen Geiſt geweckt, welchen er nicht mehr bewältigen konnte. In dieſer Beziehung theilte er das Schickſal derer, welche in zweifelhaften, erregten Augenblicken unter dem Vorwand unvermeidlicher Reformen und Umgeſtaltungen eine Maſchine in Bewegung ſetzen, welche ſie nicht mehr zu lenken vermögen, wenn ſie einſehen, daß Ueberſchreitungen durch Vernunft gezügelt werden müſſen. Dieß gilt oft von ſehr wohlgeſinnten Volksführern, welche ſtets lernen müſſen, wie viel leichter es ſei, die Brandfackel in ein Haus zu werfen, als die Flammen zu löſchen, wenn ſie zu wüthen beginnen. Korporal Flint hatte auf ſeinem Blocke ſitzen bleiben müſſen, während die erwähnte blutige Scene mit dem Miſſionär vor ſich ging. Er kannte vollkommen alle Schrecken ſeiner Lage, und ahnte, welches Schickſal man ſeinem frommen Gefährten bereite. Die Wilden behandelten gewöhnlich die Miſſionäre mit ſo viel Achtung, daß der Soldat ſich nicht überraſcht fühlte, als er Paſtor Amen abſeits führen ſah, und als die, welche ihn in das Gebüſch begleitet hatten, zurückkehrten, ſchaute Korporal Flint bebend n dem gewöhn⸗ lichen, aber empörenden Zeichen des Todes ſeines geiſtlichen Freundes. Man hatte jedoch, wie bemerkt, den Miſſionär in ein mildes Grab gelegt, ohne eine Verſtummelung ſeiner ſterblichen Ueberreſte zuzeßfen Dieſer Mäßigung ungeachtet, hatten die Indianer jetzt Blut geſehen, und ihre Erregung begann ſich zu ſteigern. Der Geſichtsausdruck der vornehmſten Häuptlinge ward ernſter, und die gewahren wenn er ſehr bede kommen Es menſchlich geſetzten poral es entgegeng Die Er ſtarb Meiſters, ihn zu n geſänftigt in dem 2 trauen a Der daß er n Aſo, wie 1 gefallener Kor das Lebe ſich ihm fehlten, Gewiſſe mit dieſ dieſem e Lagerfeu von den es auch jetzt ſein nen Tod er nicht cht mehr Schickſal en unter altungen mehr zu keitungen oft von müſſen, iwerfen, innen. bleiben Niſſionär e ſeiner frommen mlich die ich nicht ren ſah, hatten, gewöhn⸗ eiſtlichen ionär in g ſeiner ner jetzt ſteigern. ernſter, und die jungen Männer ließen allgemach jene Ungeduld gewahren, wr che der noch ungeſchulte Jagdhund verräth, wenn er auf der Witterung ſeines Wildes iſt. Dieß waren ſehr bern u Barichen, und der Korporal wußte ſie voll⸗ kommen zu deuten. Es dürfte vielleicht unmöglich ſein, in dem weiten Bereiche menſchlicher Gefühle zwei Männer unter einem ſo entgegen⸗ geſetzten Einfluſſe zu finden, wie der Miſſionär und der Kor⸗ poral es waren, als ſie ihren letzten Augenblicken auf Erden entgegengingen. Die Art, wie Paſtor Amen endigte, iſt angedeutet worden. Er ſtarb als ein demuthsvoller Nachahmer ſeines göttlichen Meiſters, indem er die ſegnete, welche im Begriffe ſtanden, ihn zu morden, er ſtarb mit einem durch die Gnade Chriſti geſänftigten Herzen und einer Hingebung, welche ebenſoſehr in dem Bewußtſein ſeiner ſündigen Natur, wie in dem Ver⸗ trauen auf die Barmherzigkeit Gottes ihren Grund hatte. Der Korporal dagegen dachte nur an Rache. Er wußte, daß er nicht fliehen konnte, und wollte als Kriegsmann, oder ſo, wie nach ſeiner Anſicht ein Kriegsmann ſterben muß, von gefallenen Feinden umgeben, von hinnen gehen. Korporal Flint hatte eine erklärliche Anhänglichkeit an das Leben, und würde gern die Fl ucht ergriffen haben, wenn ſich ihm die Mittel dazu geboten hätten, da ihm dieſe aber fehlten, wendeten ſich alle ſeine Gedanken der Rache zu. Gewiſſe Regungen des Ehrgeizes, oder was man gewöhnlich mit dieſem Worte zu bezeichnen pflegt, ließen ſich ſelbſt in dieſem ernſten Augenblicke nicht verkennen. Er hatte an den Lagerfeuern und in den„Garniſonen“ ſo viele Erzählungen von dem Heldenmuth und der Seelenſtärke gehört, die von — 190— 8 . Soldaten bethätigt worden, welche das Schickſal in die Hände der Wilden geführt hatte, daß der Wunſch, ſeinen Namen der Reihe dieſer würdigen Kriegsleute beizugeſellen, in ſeiner Bruſt rege zu werden begann. Die Wahrheitsliebe zwingt uns jedoch, zu erken, daß das vorherrſchende Gefühl die Begierde war, ſich an ſeinen Feinden zu rächen, indem er möglichſt dne opferte. Der Ausfuhrung dieſes Planes waren faſt alle ſeine Gedanken während der Zeit zugewendet, welche ſein bisheriger Gefährte dem Gebete für die gewidmet hatte, deren Tomahawks ſich zu ſeinem Verderben erhoben. Dieß iſt der Unterſchied zzwiſchen Menſchen, deren Herz von der Allgewalt des heiligen Geiſtes berührt oder nicht berührt iſt. Der Korporal konnte jedoch Pläne der eerwähnten Art leichter eniwerfen, als ausführen, unbewaffnet, von wachſamen Feinden umgeben und jeder Unterſtützung baar, hatte er nur geringe Ausſichten, ſeinen Zweck zu erreichen. Einmal, aber nur eine einzige Minute, dachte er wirklich daran, zu flüchten. Es kam ihm vor, als ſei es möglich, das Schloß zu erreichen, wenn er nur einen kleinen Vorſprung gewänne, und wenn die Indianer ihn zwangen, Spießruthen 1 zu laufen, wie ſie es oft zu thun pflegten, beſchloß er, einen Verſuch zu machen, ſein Leben auf dieſe Weiſe zu retten. Nach dem Geſetzbuche des Grenzkrieges war eine ſolche Flucht, wem ſie glückte, kaum weniger ehrenvoll, als ein Sieg auf dem Schlachtfelde. Eine halbe Stunde mochte vergangen ſein, ſeit der Miſſionär ſein Leben ausgehaucht hatte, als die Häuptlinge ihre Blicke dem Korporal zuwendeten. Der Aufſchub rührte von einer Berathung her, in welcher Ungque Krieger und au Theile P gegenzn laſſen, trat. ſolchen einen( ehe ma U zu ger Gefang 4 77 ſich un Euch; er die und es Cuch f „ Ihr w ſchen, wir E uns zu D komme Gelege verlor langſa — 491—... die Hände Ungque vorgeſchlagen hatte, man ſollie eine Aunen 7 der Kamen der Krieger in das Schloß ſchicken, um die Familie heranzubringen in ſeiner und auf dieſe Weiſe alle Blaßgeſichter, welche ſich in dieſem be zwingt Theile der Lichtungen befänden, zumal zur vernichten. Gefühl die Peter wagte es nicht, perſönlich dieſtz Vyyſchlag ent⸗ indem er gegenzutreten, er fand aber Mittel, Krähenfeder zu veran⸗ laſſen, dieß zu thun, ohne daß er ſelbſt in doft Vordergrund alle ſeine 1 trat. Der Pottawattamie hatte Einfluß ellug, um einen bisheriger ſolchen Plan zu vereiteln, und es ward beſchloſſen, dieſen Lomahawks einen Gefangenen zu martern und ſeinen Scalp zu nehmen, Unterſchied ehe man ſich den übrigen Weißen zuwendete. es heiligen Ungaue, welcher durch ſeine letzten Erfolge in Anſehen zu gewinnen begann, erhielt abermals den Auftrag, den ihnten Art Gefangenen mit den Abſichten der Indianer bekannt zu machen. wachſamen„Bruder,“ begann Ungque, oder das Wieſel, und ſtellte atte er nur ſich unmittelbar vor den Korporal,„ich bin im Begriffe, zu Euch zu ſprechen. Ein kluger Krieger öffnet ſein Ohr, wenn er wirklich er die Stimme ſeines Feindes hört. Er lernt vielleicht Etwas, es möglich, und es iſt gut für ihn, wenn er es weiß. Es wird gut fur Vorſprung, Cuch ſein, zu erfahren, was cch Euch jetzt ſagen will. Spießruthen 8„Bruder, Ihr ſeid ein Blaßgeſicht, und wir ſind Indianer. Z er, einen Ihr wünſcht, unſere Jagdgründe zu erhalten, und wir wün⸗ zu retten. ſchen, ſie zu behalten. Um ſie zu behalten, iſt es nöthig, daß. lche Flucht, wir Euern Scalp nehmen. Ich hoffe, Ihr ſeid bereit, ihn n Sieg auf uns zu überlaſſen.“ Der Korporal kannte die indianiſche Sprache nur unvoll⸗ , ſeit der kommen, er verſtand aber Alles, was man ihm bei dieſer Häuptlinge Gelegenheit ſagte. Seine Lage ſchärfte ſeine Sinne, und er verlor keine Sylbe von dem, was geſprochen worden. Die „in welcher langſame, abgewogene, ruhige Art, mit welcher Wieſel ſeine — 192— Worte vortrug, erleichterte ihm das Verſtändniß derſelben bedeutend. Glücklicherweiſe war er auf das, was er hörte, vorbereitet, und die Ankündi ſeines herannahenden Schickſals beun⸗ ruhigte ihn nich dem Grade, daß er Schwäche verrathen hätte. Eine Schwäche dieſer Art war ſtets ein Triumph für die Wilden, ubgleich ſie auf die Opfer, welche einen mann⸗ haften Muth bothätigten, mit großer Achtung zu blicken pflegten. Eine Antwort mußte erfolgen, und der Korporal gab ſie in ſeiner Mutterſprache, da er wußte, daß mehrere Anweſende ſie zu übertragen im Stande waren. Um ihnen dieß zu erleichtern, ſprach er mit vieler Ruhe und in kurzen Sätzen. „Inſchins,“ verſetzte der Korporal,„ihr habt mich um⸗ zingelt und zu eurem Gefangenen gemacht. Hätte ich ein Peloton um mich gehabt, möchte euch dieß nicht ganz ſo leicht geworden ſein. Es iſt kein großer Sieg, wenn dreihundert Krieger veinen einzigen Mann überwältigen. Paſtor Amen habe ich für gar nichts gezählt, denn er ſah weder nach hinten, noch auf die Flanke. Wenn ich nur die Hälfte meiner Com⸗ pagnie um mich hätte, und eine kleine halbe Stunde mit euch handgemein werden dürfte, ſollten, denk' ich, eure Abſichten ſich ein wenig herabſtimmen. Dieß iſt jedoch unmöglich, und ſo thut mit mir, was euch gefällt. Ich bitte nicht um Gnade.“ 8 Obgleich dieſe Antwort nur unvollkommen übertragen wurde, erregte ſie doch allgemeine Bewunderung. Ein Mann, welcher dem Tode mit ſo viel Ruhe und Ertſchloſſenheit in das Geſicht zu ſehen vermochte, wurde in indianiſchen Augen ein Held, und bei dem nordamerikaniſchen Wilden iſt die Seelenſtärke eine Tugend, welche der Tapferkeit nicht nachſteht. Ein Ungque h ſehen, ob „Bri Wieſel a Stimme, hätte, er „Dieß iſ Indianer. ſcher Art wir dieß tert. Wi lachen. thun, ſo „Br ſollte ein ſchen Eue heit gibt, ſchen Eu erhaben veranlaſſe es ſei nie „Wi Chre. C zu haben zu ſein. „Br wird lan ſter keine lichen Ja 256— derſelben orbereitet, als beun⸗ verrathen lumph für den mann⸗ zu blicken al gab ſie Anweſende n dieß zu Sätzen. mich um⸗ te ich ein z ſo leicht dreihundert ſtor Amen ach hinten, einer Com ſe mit euch Zſichten ſich ch, und ſo i Gnade.“ übertragen Ein Mann, oſſenheit in chen Augen den iſt die t nachſteht. 1 * —- — 193— Ein Murmeln des Beifalls wurde laut, und man erſuchte Ungaue heimlich, den Gefangenen weiter anzugehen, um zu ſehen, ob der Gefangene in dieſen Geſinnungen beharre. „Bruder, ich habe geſagt, wir ſeien Indianer,“ begann Wieſel abermals mit ſo demüthiger Miene und ſo ſanfter Stimme, daß ein Fremder ſich leicht dem Glauben überlaſſen hätte, er wolle den Gefangenen tröſten, und nicht einſchüchtern. „Dieß iſt wahr. Wir ſind nichts, als arme, unwiſſende Indianer. Wir können unſere Gefangene nur nach indiani⸗ ſcher Art martern. Wären wir Blaßgeſichter, ſo verſtänden wir dieß beſſer. Wir haben den Medizin⸗Prieſter nicht gemar⸗ tert. Wir fürchteten, er moͤchte über unſre Ungeſchicklichkeit lachen. Er wußte ſehr viel. Wir wiſſen nur wenig. Wir thun, ſo gut wir können. „Bruder, wenn die Indianer thun, ſo gut ſie können, ſollte ein Krieger ihre Ungeſchicklichkeit vergeſſen. Wir wün⸗ ſchen Euch auf eine Weiſe zu martern, welche Euch Gelegen⸗ heit gibt, zu beweiſen, daß Ihr ganz Mann ſeid. Wir wün⸗ ſchen Euch zu martern, daß Ihr Euch über den Schmerz erhaben zeigen, und unſere jungen Männer zu dem Glauben veranlaſſen könnt, Eure Mutter ſei keine Squaw geweſen,— es ſei nichts von der Squaw in Euch. „Wir thun dieß zu unſrer, und zumal zu Eurer eignen Ehre. Es iſt eine Ehre für uns, einen ſolchen Gefangenen zu haben. Es iſt eine Ehre für Euch, ein ſolcher Gefangener zu ſein. Wir werden thun, ſo gut wir können. „Bruder, es iſt hohe Zeit zu beginnen. Die Marter wird lange Zeit hinnehmen. Wir dürfen dem Medizin⸗Prie⸗ ſter keinen zu gxoßen Vorſprung auf dem Pfade zu den glück⸗ lichen Jagdgründen vor Euch—— d 256— 258. 13 — 194— Hier trat eine ſehr unerwartete Unterbrechung ein, welche der Beredſamkeit Ungque's rafch ein Ziel ſetzte. Der Wilde hatte ſich in ſeinem Eifer, einen fühlbaren Eindruck hervorzubringen, dem Gefangenen bis auf die Länge ſeines Armes genähert, während ſein Geiſt nur mit dem be⸗ ſchäftigt war, was den Gefangenen aus der Faſſung bringen, und die Pein veranſchaulichen ſollte, die ſeiner harrte. Der Korporal feſſelte ſein Auge auf das des Redners, und zwang ihn, wenn wir ſo ſagen dürfen, durch eine Art Zauber, dieſen ſtarren Blick zu erwiedern. Er nahm den günſtigen Augen⸗ blick wahr, riß das Tomahawk von Ungque’s Gürtel und ſtreckte ihn mit einem Schlage todt zu ſeinen Füßen nieder. Damit nicht zufrieden, ſprang der alte Soldat jetzt vorwärts, hieb rechts und links, und verwundete ſechs bis acht Krieger, ehe er wieder feſtgehalten, entwaffnet und gebunden werden konnte. Während das letztere geſchah, entfernte ſich Peter unbemerkt. Das bekannte„Hugh!“ und andere Ausrufungen der Bewunderung folgten von allen Seiten dieſem Beweiſe ver⸗ zweifelter Tapferkeit. Die Leiche des Wieſels wurde wegge⸗ bracht und begraben, während die Verwundeten ſich entfernten, um ihrer Wunden zu warten. Die Uebrigen blieben auf dem Wieſenplane. Der Korporal fühlte ſich ſehr erſchöpft und athemlos, und außerdem, daß er an Händen und Füßen gebunden war, machte ihn die Anſtrengung, die, ſo lange ſte dauerte, ſchreck⸗ lich war, gänzlich unfähig, ſich zu bewegen, während er in Feſſeln und in dieſem Zuſtande der Ermattung war. Die vornehmſten Häuptlinge traten nun zur Berathung zuſammen. Ungque hatte wenig Freunde. Darin theilte er das Loo⸗ von dene mand bei Schickſal Abe nie zugel erfreue, würden. Nach angener um zu ſe alle unſe zu marte machen. Es bereiten, wenn er ſinn, w Wirkung angeben hatten a Oft lern und zu ſteiger in dem ſich, wie eitelung locken, iſt, wie richtiger ein, welche fühlbaren f die Länge nit dem be⸗ ng bringen, arrte. Der und zwang uber, dieſen gen Augen⸗ Gürtel und ßen nieder. tt vorwärts, cht Krieger, den werden ſich Peter ufungen der Zeweiſe ver⸗ urde wegge⸗ hentfernten, ven auf dem d athemlos, zunden war, erte, ſchreck⸗ hrend er in ar. Berathung n theilte er das Loos der meiſten Demagogen, welche wöhnich ſelbſt von denen, die ſie leiten und betrügen, verachtet werden. Nie⸗ mand bedauerte ihn ſehr, und Manche freuten ſich ſogar ſeines Schickſals. 3 Aber die Würde der Sieger forderte Rache. Man durfte nie zugeben, daß ein Blaßgeſicht ſich eines ſolchen Vortheils erfreue, ohne daß ſeine Thaten auf ausgezeichnete Weiſe gerächt würden. Nach einer langen Berathung wurde beſchloſſen, den Ge⸗ angenen der„Marter durch junge Bäume“ zu unterwerfen, um zu ſehen, ob er dieſe Qual ohne Klage ertrüge. Da nicht alle unſere Leſer von dieſer grauſamen Weiſe, einen Menſchen zu martern, gehört haben werden, wollen wir uns deutlicher machen. Es gibt kaum ein Mittel, dem Feinde Schmerzen zu bereiten, das der nordamerikaniſche Wilde nicht verſucht hätte, wenn er dazu Gelegenheit fand. Verfehlt der hölliſche Scharf⸗ ſinn, welcher bei ſolchen Veranlaſſungen geübt wird, ſeine Wirkung, ſo hat man Gefangene ſelbſt andere Qualmittel angeben hören, welche ſie bei ihrem eigenen Volke mit Erfolg hatten anwenden ſehen. DOſft erhebt ſich ein ſeltſamer Wettſtreit zwiſchen den Quä⸗ lern und den Gequälten, jene bieten Alles auf, die Schmerzen zu ſteigern, dieſe ſtrengen jede Kraft⸗ an, um ihre Seelenſtärke in dem Ertragen derſelben zu bewähren. Der Krieger erwirbt ſich, wie bemerkt worden, nicht mindern Ruhm durch die Ver⸗ eitelung aller Anſchläge ſeiner Sieger, ihm eine Klage abzu⸗ locken, während er ihrer hölliſchen Grauſamkeit preisgegeben iſt, wie durch große Waffenthateu. Vielleicht drücken wir uns richtiger aus, wenn wir ſagen, dieß ſei bei den Indianern 13 † — 196— Sitte geweſen, denn es iſt gewiß, daß die Civiliſation in ihrem allmählichen Vorſchreiten, obgleich ſie manches dazu beitrug den rothen Mann zu entſittlichen und herabzuwürdigen, ſeinen Charakier zu ändern und zu ſänftigen beginnt, und ihn ſeinen früheren wilden Gewohnheiten— vor allen der hier in Frage ſtehenden— entfremdet. Wahrſcheinlich ſind die entfernteren Stämme allen dieſen alten Sitten noch zugethan, man darf aber hoffen und zumal glauben, daß die, welche den Weißen näher leben, ihnen entſagt haben. Die„Marter durch junge Bäume“ iſt eine Folterart, auf welche der Wilde ſich natürlich hingewieſen ſieht. Junge Bäume, welche nicht weit von einander ſtehen, werden ihrer Aeſte beraubt und einander genähert, indem man die Stämme biegt, das Opfer wird dann mit den ausgeſpannten Armen, oder mit den Füßen, oder mit irgend einem andern Theile des Körpers, wie die Grauſamkeit es den Quälern eingibt, an beiden Stämmen feſtgebunden, worauf man dieſe löſt und ihre frhere gerade Stellung wieder einnehmen läßt. Der Dulder wird natürlich von dem Boden emporgeſchnellt und die Span⸗ nung der Glieder erzeugt den peinlichſten Schmerz. Eichenaſt näherte ſich jetzt dem Korporal, um ihm zu fagen, welcher ausgezeichneten Ehre man ihn zu würdigen gedenke. „Bruder,“ ſagte der ehrgeizige Redner,„Ihr ſeid ein tapferer Krieger. Ihr habt gut gethan. Ihr habt nicht nur einen unſrer Häuptliege getödtet, ſondern auch mehrere unſrer jungen Männer verwundet. Nur ein Tapferer vermochte dieß zu thun. Ihr habt uns gezwungen, Euch zu binden, ſonſt hättet Ihr noch mehrere getödtet. Nicht oftn thun Gefangene dieß. Euer Muth hat uns veranlaßt, Rath zu pflegen, wie wir Euch am glänz „Na ſchloſſen, jungen T gefunden Wären ſi und ſie y würdiger finden ko für Euch ſeid ein „Br und gere näher ko wieder ir Wir wü⸗ in Euer Euch zu es ſind Männer und kön jungen da Ihr „B getödtet alle eur Amſel Scalpe glauben ſeien in ation in des dazu bürdigen, und ihn der hier ſind die zugethan, elche den Folterart, Junge den ihrer Stämme 1 Armen, Theile des gibt, au und ihre er Dulder die Span⸗ mihm zu würdigen ſeid ein nicht nur eere unſrer nochte dieß nden, ſonſt Gefangene egen, wie ſeien im Stande, alle Blaßgeſichter zu tödten. — 197— wir Euch am beſten marterten, ſo daß ſich Eure Standhaftigkeit am glänzendſten bewähre. „Nachdem die Häuptlinge ſich beſprochen, haben ſie be⸗ ſchloſſen, ein Mann von Eunrer Feſtigkeit müſſe zwiſchen zwei jungen Bäumen aufgehangen werden. Wir haben die Bäume gefunden und ihre Aeſte abgehauen. Ihr könnt ſie ſehen. Wären ſie ein wenig ſtärker, ſo würde ihre Kraft größer ſein, und ſte würden Euch mehr Schmerzen verurſachen, Eurer alſo würdiger ſein, es ſind aber die ſtärkſten jungen Bäume, die wir finden konnten. Wären größere dageweſen, ſo hätte man ſie für Euch gewählt. Wir wünſchen Euch zu ehren, denn Ihr ſeid ein großer Krieger und würdig, gut gemartert zu werden. „Bruder, blickt auf dieſe jungen Bäume. Sie ſind ſchlank und gerade. Wenn viele Hände ſie biegen, werden ſie ſich näher kommen. Wenn dieſe Hände ablaſſen, ſtellen ſte ſich wieder in die Höhe. Eure Arme müſſen ſie zuſammenhalten. Wir wünſchten, wir hätten Pappuſe hier, damit ſte ihre Pfeile in Euer Fleiſch ſchöſſen. Sie würden uns behilflich werden, Euch zu martern. Ihr könnt dieſe Ehre nicht haben, denn es ſind keine Pappuſe hier. Wir fürchten, unſere jungen Männer in Euer Fleiſch ſchießen zu laſſen. Sie ſind ſtark und könnten Euch tödten. Wir wünſchen, Euch zwiſchen den jungen Bäumen ſterben zu laſſen, denn dieß iſt Euer Recht, da Ihr ein ſo tapferer Krieger ſeid. „Bruder, wir halten Euch viel höher, ſeit Ihr das Wieſel getödtet und unſre jungen Männer verwundet habt. Wenn alle eure Krieger zu Chicago ſo kühn geweſen wären, hätte Amſel das Fort nicht nehmen können. Ihr würdet viele Scalpe gerettet haben. Dieß ermuthigt uns. Es läßt uns glauben, der große Geiſt wolle uns zu Hilfe kommen, und wir 7 — 198— „Wenn wir euren Anſiedelungen näher kommen, hoffen wir nicht, ſo viele Tapfere zu finden, wie Ihr ſeid. Man ſagt uns, wir würden Männer finden, welche davonlaufen und winſeln, wie Squawe. Es wird kein Vergnügen ſein, ſolche Männer zu martern. Wir martern weit lieber einen tapfern Krieger, wie Ihr, der uns durch ſeine Mannhaftigkeit zur Bewunderung zwingt. „Wir lieben unſre Squawe, aber nicht auf einem Kriegs⸗ pfade. Sie ſind am beſten in der Hütte, hier aber brau⸗ chen wir Männer. Ihr ſeid ein Mann, ein Tapferer, wir ehren Euch. „Dennoch glauben wir, wir dürften Euch ſchwach machen. Es wird nicht leicht ſein, wir hoffen aber, es gelingt uns. Wir wollen es verſuchen. Wir halten Euch vielleicht nicht mehr ſo hoch, wenn es uns gelingt, wir werden Euch aber ſtets einen Tapfern nennen. Ein Mann iſt kein Stein. Wir Alle haben Gefühl, und wenn wir unſer Mäglichſtes gethan haben, kann Niemand mehr fordern. So iſt es bei den Indianern, wir glauben, es müſſe auch ſo bei den Blaß⸗ geſichtern ſein. Wir wollen es verſuchen und ſehen, wie es iſt.“ Der Korporal verſtand wenig von dieſer Anrede, obgleich ihm die Vorbereitungen mit den jungen Bäumen und die Anſpielungen Eichenaſt's auf dieſe ſehr einleuchtend waren. Der Gedanke daran übergoß ihn mit kaltem Schweiß, denn ſo entſchloſſen er auch war, ſah er Schmerzen entgegen, welche die menſchliche Kraft kaum zu ertragen vermag. Bsi dieſem Stande der Dinge und in der Stimmung, in welcher er ſich befand, nahm er ſeine Zuflucht zu einem Aus⸗ kunftsmittel, von welchem er oft gehört hatte, und das ſich ihm, wie er glaubte, hilfreich erweiſen konnte. Er wollte nämlich di Hohn und einige der auf der S Da de unmittelbe viel Geiſte faͤlle erwä „Nen ziemlich euch iſt k⸗ Ihr ſeid geſichter i ihrer nur Prärien⸗ „Nu ben eure gründe w „Kei je an die denn Be herum, n „Ih hatten de hat je ei ein IndiY den Kop „Gl zwei ſo Nein! „hoffen . Man ifen und I, ſolche tapfern gkeit zur Kriegs⸗ er brau⸗ rer, wir machen. igt uns. hht nicht uch aber n. Wir 3 gethan bei den n Blaß⸗ ie es iſt.“ obgleich und die dwaren. iß, denn I, welche nung, in em Aus⸗ das ſich r wollte 342 „S — nämlich die Wilden mit Schmähungen überhäufen und durch Hohn und Spott in einem ſolchen Grad erbittern, daß es einige der ſchwächeren Glieder des Stammes veranlaßte, ihn auf der Stelle zu tödten. Da der Korporal, mit der Ausſicht auf die jungen Bäume unmittelbar vor ſeinen Augen, bei dieſer Gelegenheit ziemlich viel Geiſtesgegenwart bewies, wollen wir einiger ſeiner Aus⸗ fälle erwähnen. „Nennt ihr euch Häuptlinge und Krieger?“ begann er ziemlich laut und kühn.„Ich nenne euch Squawe. Unter euch iſt kein Mann. Hunde wäre der beſte Name fuͤr euch. Ihr ſeid elende Indianer. Vor langer Zeit kamen die Blaß⸗ geſichter in zwei oder drei kleinen Canoes hierher. Es waren ihrer nur eine Handvoll, und ihr waret zahlreich wie die Prärien⸗Wölfe. Man hörte euer Bellen in dem ganzen Lande. „Nun, was that dieſe Handvoll Blaßgeſichter? Sie trie⸗ ben eure Väter vor ſich her, bis ſie im Beſitze der beſten Jagd⸗ gründe waren.. „Kein Einziger von euch, wie viele eurer hier ſind, iſt je an die Küſte des großen Salsſeees hinabgekommen, er hätte denn Beſen oder Körbe verkauft, und dann kroch er dort herum, wie der Wolf um das Schaf kriecht. „Ihr habt vergeſſen, wie Auſtern ſchmecken. Eure Väter hatten deren mehr, als ſie eſſen konnten, keiner von euch aber hat je eine gekoſtet, die Blaßgeſichter ſpeiſen ſte alle. Wenn ein Indianer um eine bettelt, wirft man ihm die Schale an den Kopf nnd nennt ihn einen Hund. „Glaubt ihr, meine Häuptlinge würden euch zwiſchen zwei ſo elende, junge Bäume aufhängen, wie dieſe dort? Nein! Sie würden es verachten, eine ſo jämmerliche Marter — 200— anzuwenden! Sie würden die Wipfel der zwei höchſten Tan⸗ nen aneinander ziehen, Bäume, die hundert und fünfzig Fuß hoch ſind, ſie würden ihren Gefangenen an die höchſten Aeſte binden, daß die Krähen und Raben ihm die Augen auspickten. „Aber ihr ſeid erbärmliche Indianer. Ihr wißt nichts. Wenn ihr euch auf Beſſeres verſtündet, würdet ihr einen gro⸗ ßen Tapfern nicht mit ſo elender Qual heimſuchen. Ich ſpeie euch an und nenne euch Squawe. Die Blaßgeſichter haben Weiber aus euch gemacht. Sie haben eure Herzen heraus⸗ genommen und Stücke Hundefleiſch an deren Stelle gebracht.“ Hier mußte der Korporal, welcher mit einer Erregung ſprach, die ſeinen Worten angepaßt war, inne halten, da es ihm an Athem fehlte. Dieſe Ausfälle fanden, ſo ſeltſam dieß auch ſcheinen mag, großen Beifall unter den Indianern. Allerdings hatten nur ſehr Wenige verſtanden, was vorgebracht worden war, nicht ein Einziger hatte vielleicht Alles verſtanden, aber⸗ die Art und Weiſe, wie es vorgebracht wurde, fand allgemeine Bewun⸗ derung. Als man einige jener Artigkeiten überſetzte, lief ein leiſes, aber bedeutſames Gemurmel des Grolles durch den Kreis, beſonders machte das höhniſche Erwähnen der Art, wie die Weißen die Rothhäute bewältigt hatten, einen tiefen Eindruck. Man hört die Wahrheit ſtets ungern, und der Einzel⸗ menſch, wie das Volk, welches tauſend kränkende Lügen mit Verachtung behandeln, fühlen mit zornkochendem Herzen einen Vorwurf laut werden, welchen ſie als verdient anerkennen müſſen. Demungeachtet ward der Zorn, welchen des Korporals bittere Wahrheiten erregt hatten, ſorgfältig zurückgedrängt, und er gewah ſchont wü „Bru den Gefa Stein gen von Hund „Wa ſind anf und es w iſt wahr. untergehe „Wi laſſen. 2 zu nehme welcher k und der geſendet! Ihr kenn hatte ſeir von vorn legenheit zu thun, „De hat wart Euern S recht ſein „W ſo wiſſen Tapfern euch dief ten Tan⸗ afzig Fuß ſten Aeſte uspickten. ßt nichts. inen gro⸗ Ich ſpeie eer haben heraus⸗ gebracht.“ Erregung en, da es ineu mag, atten nur var, nicht r. die Art ie Bewun⸗ ſetzte, lief Lles durch n der Art, nen tiefen er Einzel⸗ Lügen mit rzen einen anerkennen Korporals rängt, und er gewahrte zu ſeinem großen Leidweſen, daß ſein Leben ge⸗ ſchont würde, um ihn der Marter zu überliefern. „Bruder,“ begann Eichenaſt, und ſtellte ſich wieder vor den Gefangenen,„Ihr habt ein ſtarkes Herz. Es iſt von Stein gemacht, und nicht von Fleiſch. Wenn unſre Herzen von Hundeſleiſch ſind, iſt das Eurige von Stein. „Was Ihr geſagt habt, iſt wahr. Die weißen Menſchen ſind anfangs in zwei oder drei kleinen Canoes gekommen, und es waren ihrer nur wenige. Wir ſchämen uns, denn es iſt wahr. Wenige Blaßgeſichter jagten viele Indianer der untergehenden Sonne entgegen. „Wir wollen uns aber jetzt nicht mehr weiter jagen laſſen. Wir wollen hier bleiben und anfangen alle Scalpe zu nehmen, die wir bekommen können. Ein großer Häuptling, welcher keinem Stamme, ſondern allen Stämmen angehört, und der alle Sprachen ſpricht, iſt von dem großen Geiſte geſendet worden, um uns aufzuſchütteln. Er hat es gethan. Ihr kennt ihn. Er kam von dem See mit Euch anher und hatte ſein Auge auf Euren Scalp gerichtet. Er beabſichtigte ooon vornherein, ihn zu nehmen. Er wartete nur einer Ge⸗ legenheit. Dieſe Gelegenheit iſt gekommen, und wir gedenken zu thun, wie er es uns befohlen hat. „Das iſt recht. Squawe ſind ſtets in Eile. Der Krieger hat warten gelernt. Wir könnten Euch alsbald tödten und Euern Scalp an unſere Stäbe hängen, es würde aber nicht recht ſein. Wir wünſchen zu thun, was recht iſt. „Wenn wir arme Indianer ſind und nur wenig wiſſen, ſo wiſſen wir doch, was recht iſt. Es iſt recht, einen ſo großen Tapfern zu martern, und wir gedenken es zu thun. Wir ſind euch dieß ſchuldig. 202— „Einem alten Krieger, welcher ſchon ſo viele Feinde ge⸗ ſehen, und der ein ſo dickes Herz hat, darf man nicht auf den Kopf ſchlagen, wie man einem Pappus, oder einer Squaw thut. Er hat ein Recht auf die Marter. „Wir werden ſofort bereit ſein und beginnen. Wenn mein Bruder uns eine neue Marterweiſe mittheilen kann, ſind wir bereit, ſie zu verſuchen. Wenn wir die Sache nicht ſo geſchickt anfangen wie die Blaßgeſichter, wird mein Bruder ſich erinnern, wer wir ſind. Wir gedenken unſer Möglichſtes zu thun, und wir hoffen, ſein Herz weich werden zu ſehen. Wenn uns dieß gelingt, wird unſre Ehre groß ſein. Wenn es uns nicht gelingt, können wir es nicht ändern. Wir wer⸗ den es verſuchen.“ Die Reihe war jetzt an dem Korporal, ſeine Erwiederung hören zu laſſen. Er that dieß eben ſo bereitwillig als geſchickk. Er war jetzt in einem ſo erregten Zuſtande, daß er ſich aus den jungen Bäumen wenig oder nichts machte und ſich über die Schmerzen, welche ſie ihm verurſachen konnten, hinwegſetzte. „Hunde können nur bellen, beſonders indianiſche Hunde,“ ſagte er.„Die Indianer ſind kaum beſſer, als ihre eignen Hunde. Sie können bellen, aber ſie können nicht beißen. „Ihr habt viele große Häuptlinge hier. Einige ſind Panther, andere ſind Bären, und andere Büffel, wo ſind aber eure Wieſel? Ich habe nun ſeit zwanzig Jahren mit euch zu thun gehabt, habe aber noch keinen geſehen, der vor einem Baggonet Stich gehalten hätte. Es iſt des Indianers Natur nicht, dieß zu thun. Hier machte der Korporal, ohne es zu wiſſen, den eingebor⸗ nen Kriegern Amerika's ziemlich denſelben Vorwurf, welchen die Engländer uns ſelbſt ſo oft und ſo laut gemacht haben— wir hätten uns Beiden Amerikaner keinen Wi daß unter um damit; Bajonnette wir könnter Eutaw, Be zeigte, daß umzugehen auch bei de Art, den§ zuließ. Alles regelrechter einen Satz „Hört mich Brude Neger⸗ od⸗ Freund Re Ihr je von genannt w verſtanden. euch mit ſe wart behen und ſah ar ter eures über ſeine zurücklief.“ inde ge⸗ auf den Squaw. Wenn inn, ſind nicht ſo Bruder öglichſtes zu ſehen. Wenn Vir wer⸗ viederung geſchickk. ſich aus ſich über wegſetzte. Hunde,“ ee eignen ßen. nige ſind ſind aber t euch zu dor einem rs Natur eingebor⸗ welchen haben— — 203— wir hätten einer Waffe nicht zu widerſtehen vermocht, welche uns Beiden fehlte. Es war ein großer Triumph, daß die Amerikaner in einem bekannten Gefechte einem Bajonnet⸗Angriff keinen Widerſtand leiſten konnten, während alle Welt weiß, daß unter fünf Koloniſten nicht einer eine ſolche Waffe hatte, um damit Widerſtand zu leiſten. Später, als unſre Schaaren Bajonnette hatten, ſtellte ſich die Sache anders heraus, und wir könnten fünfzig Orte nennen,— Guildford, Stony Point, Eutaw, Bennington, Bemis' Höhen u. ſ. w.,— wo es ſich zeigte, daß die Amerikaner eben ſo gut wie Andere damit umzugehen vermochten, und ſo würde es ſich wahrſcheinlich auch bei dem rothen Manne herausgeſtellt haben, obgleich ihre Art, den Krieg zu führen, ſolche regelmäßige Angriffe kaum zuließ..— Alles dieß aber überſah der Korporal, als wär' er ein regelrechter Geſchichtſchreiber, dem es nur darum zu thun iſt, einen Satz zu beweiſen. „Hört, Bruder,“ fuhr er fort,„da es Euch doch beliebt, mich Bruder zu nennen, obgleich, Gott ſei Dank! kein Tropfen Neger⸗ oder Indianer⸗Blut in meinen Adern fließt. Hört! Freund Rothhaut, und beantwortet mir eine Frage. Habt Ihr je von einem Manne gehört, welcher der tolle Anthony genannt wurde? Er hat eure hölliſchen Stämme zu kitzeln verſtanden. Er brauchte keine jungen Bäume dazu. Er jagte euch mit ſeinen„langen Meſſern und Lederſtrümpfen,“ und ihr wart behender, wie die flüchtigſten Pferde. Ich war bei ihm und ſah an jenem Tage mehr bloße Rücken als bloße Geſich⸗ ter eures Volkes. Euer großer Bär bekam eine Schmarre über ſeine Naſe, daß er winſelnd wie ein Hund in ſein Dorf zurücklief.“ 8 — 204— Abermals mußte der Korporal eine Pauſe machen, um Athem zu ſchöpfen. Die Anſpielung auf Wayne und auf die Niederlage der Indianer, fachte den Zorn der Wilden in ſo hohem Grade an, daß mehrere nach ihren Meſſern und Toma⸗ hawks griffen und ein Pfeil dem Korporal bereits am Kopfe vorbeiflog, ein zürnender Blick von Bärenfleiſch genügte aber, um die bereits auflodernde Flamme zu dämpfen. Man hielt es jedoch für rathſam, dieſer Scene ein Ende zu machen, damit es dem äußerſt offenherzigen Soldaten, der ſchwere Worte ſprach und von indianiſchen Niederlagen ſo viel zu berichten wußte, nicht gelingen möchte, einige ver⸗ harrſchte Wunden aufzureißen und auf dieſe Weiſe ſeinen Tod zu beſchleunigen. Es wurde daher beſchloſſen, ohne weiteres Zögern mit der „jungen Baummarter“ zu beginnen. Demzufolge wurde der Korporal weggeführt und zwiſchen die zwei jungen Baͤume geſtellt, welche durch Weidenbande an den Wipfeln mit einander verbunden waren. Ein Arm des Gefangenen wurde mit dem Handgelenke feſt an den Gipfel jedes Baumes geſchnrt, ſo daß ſeine Glieder die beiden jungen Baäume allein zuſammen hielten, ſobald man die Weidenbande löſte. Die Indianer vollbrachten ihr Geſchäft jetzt ſchweigend und für den Korporal nahm die Sache einen viel zu ernſten Verlauf, als daß er zu ferneren Aeußerungen geneigt geweſen wäre. Der kalte Schweiß kam wieder, und der alte Kriegs⸗ mann warf manchen unruhigen Blick auf die wilden Vor⸗ bereitungen. Demungeachtet wahrte er den Schein heldenmäßiger Ruhe, und als Alles bereit war, konnte nicht einer in der Schaar ſich rühme welcher die ſowohl de wenigen während e geſetzt zu gegeben ſe Jetzt dieſes vie Weſens, ſchlecht ar Aehnlichke und rief i in der S von ihren um ſich d zu ſuchen, war zu e das Menf „Kri Begriffe! eine Lage bedarf. Wenn Il Männer ehren der Fingern.“ Jetzt erhob da war er i ichen, um d auf die den in ſo ind Toma⸗ am Kopfe ügte aber, ein Ende daten, der erlagen ſo inige ver⸗ ſeinen Tod rn mit der id zwiſchen zeidenbande Ein Arm den Gipfel den jungen Zeidenbande ſchweigend zu ernſten igt geweſen lte Kriegs⸗ ſilden Vor⸗ ßiger Ruhe, der Schaar — 205— ſich rüöhmen, eine Spur von dem Todeskampfe geſehen zu haben, welcher die Bruſt des Opfers durchwühlte. Er fürchtete nicht ſowohl den Tod als die Qual. Er wußte wohl, daß in wenigen Minuten der Schmerz unerträglich werden würde, während er keine Ausſicht hatte, ſeinem Leben ein raſches Ziel geſetzt zu ſehen. Stundenlang konnte er dieſer Marter preis⸗ gegeben ſein, ohne die Seele zu verhauchen. Jetzt lebten die Lehren der Kindheit wieder in dem Herzen dieſes vielgeprüften Mannes auf, und er erinnerte ſich des Weſens, welches für ihn wie für das geſammte Menſchenge⸗ ſchlecht an dem Kreuzesbaume geſtorben war. Die ſcheinbare Aehnlichkeit mit ſeiner eignen Todesart ergriff ſeine Phantaſie und rief ihm lebendig jene Lehren in das Gedächtniß, welche in der Sündhaftigkeit und den Laſtern des Lagerlebens viel von ihrem Einfluſſe verloren hatten. Seine Seele kämpfte, um ſich dieſem Pfade wieder zuzuwenden und auf ihm Troſt zu ſuchen, aber das Schauſpiel, das er jetzt vor Angen hatte, war zu ergreifend, als daß es ihm gelungen wäre, ſich über das Menſchliche zu erheben. 3 „Krieger der Blaßgeſichter,“ ſagte Eichenaſt, welcher im Begriffe war die Weidenbande löſen zu laſſen,„Ihr werdet in eine Lage kommen, wo der tapfere Mann ſeines ganzen Muthes bedarf. Wenn Ihr ſtandhaft bleibt, werden wir Euch ehren. Wenn Ihr ſchwach werdet und ſchreit, werden unſre jungen Männer Euch verlachen. So halten es die Indianer. Sie ehren den Tapfern, auf den Feigling deuten ſie mit den Fingern.“ Jgetzt gab Bärenfleiſch ein Zeichen und einer der Krieger erhob das Tomahawk, um die Feſtigungen zu trennen. Eben war er im Begriff, ſie fallen zu laſſen, als der Knall einer — 206— Büchſe gehört wurde und ein leichter Rauch in dem Dickicht, in der Nähe der Stelle aufquoll, wo der Bienenjäger und der Korporal ſelbſt ſo lange verſteckt geweſen, als die nächt⸗ liche Berathung auf dem kleinen Wieſengrunde gehalten wurde. Das Tomahapk fiel jedoch, die Feſtigungen zerriſſen, und die jungen Bäume ſchnellten mit einer Heftigkeit empor, welche die Arme des Opfers aus ihren Banden zu reißen drohte. Die Indianer lauſchten, des Geſchreies und Geſtöhnes harrend,— ſie ſchauten empor, erwartend, die Zuckungen ihres Gefangenen zu ſehen. Nichts war aber zu hören, nichts zu ſehen, dort hing der Koͤrper, ſeine Arme waren ausgebreitet und hielten die Wipfel der Bäͤume zuſammen,— aber keine Spur von Leben war ſichtbart Ein kleiner Blutſtreifen floß von der Stirne nieder und über ihm war die faſt unmerkliche Oeffnung einer dort eingedrungenen Kugel. Der Kopf ſelbſt hatte ſich vorwärts und ein wenig nach der einen Schulter geneigt. Durch dieſen Freundesſchuß war der Korporal den Qualen entgangen, welche für ihn bereitet worden. Es lag in dem Charakter des Indianers, daß er ſeine Wunden zu rächen,— daß 1 ſuchte, indem er Wiedervergeltung an dem übte, der ihm den⸗ ſelben verurſacht hatte, ſo daß die Häuptlinge weder Ueber⸗ raſchung noch Unwillen über die Todesart des Korporals äußerten. Ihre Erwartung war freilich getäuſcht worden, kein Groll aber that ſich kund, denn man nahm an, einer der von dem Korporal verwundeten Krieger habe es für paſſend gefunden, auf dieſe Weiſe ſeine Rache zu nehmen. Darin täuſchten ſich jedoch die Indianer. Der wohlge⸗ meinte, tödtliche Schuß, welcher den Korporal von ſtunden⸗ langen, ſchweren Martern befreite, kam von der befreundeten nen Schmerz zu lindern Hand Taf ſchoſſen h Als Gefangen beriethen Peter,— ſtehen, de Shanty bemächtig phes übe daher füt an der C Hülfe bei Die Bäumen jetzt erren achtet, de Pfade, r vorgezeich Bär ordneten Gehorſan jener Ric Quelle g Nach Schaar, ſammelt. digten ſie ten Zwec Velagert n Dickicht, jjäger und die nächt⸗ lten wurde. rriſſen, und eit empor, ßen drohte. Geſtöhnes ungen ihres nichts zu ausgebreitet aber keine ſtreifen floß unmerkliche Kopf ſelbſt en Schulter orporal den aß er ſeine zu lindern er ihm den⸗ peder Ueber⸗ Korporals cht worden, n, einer der für paſſend Der wohlge⸗ von ſtunden⸗ befreundeten Hand Taubenflügel's, welcher ſich, ſobald er ſeine Büchſe abge⸗ ſchoſſen hatte, durch das Dickicht ſtahl und nie entdeckt wurde. Als die Indianer ſahen, daß ihre Hoffnung, einen Gefangenen ſeine Schwäche bekennen zu hören, vereitelt war, beriethen ſie über ihr ferneres Beginnen. Man fragte nach Peter,— Peter war aber nicht zu finden. Eichenaſt gab zu ver⸗ ſtehen, der geheimnißvolle Häuptling müſſe in das befeſtigte Shanty gegangen ſein, um ſich der noch übrigen Scalpe zu bemächtigen, denn ſeine Vorliebe für dieſe Beweiſe des Trium⸗ phes über Blaßgeſichter war wohl bekannt. Man hielt es daher für räthlich, daß die ganze Schaar folgte, theils um an der Ehre des Ueberfalls Theil zu nehmen, theils um mit Hülfe bereit zu ſein. Die Wilden ließen die Leiche des Korporals zwiſchen den Bäumen hängen und eilten, durch den Anblick des Blutes jetzt erregt, davon. Eine Art Ordnung wurde jedoch beob⸗ achtet, denn jeder Häuptling führte ſeine Abtheilung auf dem Pfade, welchen er einzuſchlagen für gut fand, aber in einer vorgezeichneten Richtung entlang. Bärenfleiſch übernahm den Oberbefehl und die unterge⸗ ordneten Führer folgten ſeinen Anweiſungen mit hiureichendem Gehorſam. Ein Theil entfernte ſich in dieſer, ein anderer in jener Richtung, bis der grüͤne Raſengrund an der Lieblichen Quelle ganz verlaſſen war. Nach weniger als einer halben Stunde war die ganze Schaar, bis auf einen Büchſenſchuß, um Honigſchloß ver⸗ ſammelt. Wie die verſchiedenen Schaaren anlangten, verkün⸗ digten ſie ihre Ankunft durch ein Gellen, welches den doppel⸗ nn Zweck hatte, daß es als Signal diente und die Herzen der Velagerten in Angſt und Schrecken verſetzte. Die nordameri⸗ kaniſchen Indianer bedienen ſich dieſes wichtigen Hilfsmittels im Kriege ſehr häufig. Während dieſer ganzen Zeit war Niemand in der befeſtig⸗ ten Hütte oder deren Umgebung zu ſehen. Das Thor, fowie die Thüren und Fenſter waren geſchloſſen und Alles deutete auf Vorbereitungen zur Vertheidigung, die Beſatzung aber hielt ſich verſteckt. Auch Peter war nicht zu ſehen. Vielleicht war er gefangen worden oder hatte einen andern Pfad eingeſchlagen. Vielleicht hatte er ſich ſogar an das Gebäude hinan geſchlichen, um in der Nähe zuzuſchauen und die Lage der Dinge zu erſpähen. Die indianiſche Kriegsführung iſt ſtets eine verſteckte. Die Urbewohner Amerika's wagen ſelten einen offenen Angriff auf irgend einen befeſtigten Platz, ſo klein und ſchwach er auch ſein mag. Da ſie mit dem Gebrauche des Geſchützes unbe⸗ kannt ſind und dieſer ſo höchſt wichtigen Waffe ganz entbehren, nähern ſie ſich jedem Verſteck, aus dem ſie eine Kugel treffen kann, vorſichtig, langſam und der Unterſtützung verſichert. Sie haben keinen Begriff von einem Laufgraben und entbehren der Mittel, einen ſolchen zu machen, ſie wiſſen aber einen ſolchen zu erſetzen, und erreichen oft, beſonders in bewaldeten Theilen des Landes, ihren Zweck auf ihre Weiſe eben ſo gut, wie unſere Krieger auf die ihrige. In einem Falle, wie der jetzige, mußte die Schaar ihren Scharffinn aufbieten, um neue Mittel zur Ausführung ihres Vorhabens zu erfinden. Bärenfleiſch ſammelte ſeine vornehmſten Häuptlinge um ſich, und nach einer ziemlich langen Berathung wurde beſchloffen, bei dieſer Gelegenheit einen Verſuch mit der Wirkung des Feuers zu machen. Das einzige Lebenszeichen, welches man in der Nähe des Shanty gewahren konnte, war ein gelegent⸗ liches Bell worden w Pfeile des wie erſchre wittere es Das die Hütte. zu ſagen, her eine K Man großer Ra es, von ei Brand zu Baume zu trotzte, und vereitelte, erreichten Blöcken, n Feuer, der zu bereiter und leichte brennenden auf Pfeil: in Flamme Jetzt Nach aller Erfolg wie Der Wind Honigſchlo Stock 256— ilfsmittels er befeſtig⸗ or, fowie es deutete zung aber r gefangen Vielleicht n, um in erſpähen. eckte. Die Angriff auf ch er auch ützes unbe⸗ entbehren, ugel treffen verſichert. dentbehren aber einen bewaldeten ben ſo gut, e, wie der n, um neue en. ptlinge um beſchloffen, zirkung des — 209— liches Bellen der Dogge, welche in das Gebäude gebracht worden war, wahrſcheinlich um ſie gegen die Kugeln und FPfeile des Feindes zu ſchützen. Aber dieſes Thier heulte nicht, wie erſchreckte Hunde zu thun pflegen, ſondern es bellte, als wittere es die Nähe von Fremden. Das ſchärfſte Auge entdeckte keine Art Oeffnung rings um die Hütte. Alles ſchien feſt vermacht, und es war unmöglich, zu ſagen, ob nicht in jedem Augenblick und von jeder Seite her eine Kugel auf den Unvorſichtigen abgeſchickt würde. Man war über den Plan bald einig und er wurde mit großer Raſchheit ins Werk geſetzt. Eichenaſt ſelbſt übernahm es, von einigen andern Tapferen unterſtützt, die Gebäude in Brand zu ſtecken. Sie thaten dieß, indem ſie von einem Baume zu dem andern mit einer Raſchheit, welche jeder Kugel trotzte, und mit einer Unregelmäßigkeit, die alle Berechnungen vereitelte, hingleiteten und ſich der Küche näherten. Sie erreichten dieſe ungefährdet, und fanden ſo ein Verſteck von Blöcken, welches die Indianer verbarg. Hier fanden ſie auch Feuer, denn man hatte nicht lange vorher das Mittagseſſen zu bereiten angefangen. Die Indianer waren mit Pfeilen und leichtem Holze verſehen, und bald begannen ſie, ihre brennenden Geſchoſſe auf das Dach der Hütte zu ſenden. Pfeil auf Pfeil traf und zündete, und in kurzer Zeit ſtand das Dach in Flammen. Jetzt erſcholl ein ſchreckliches Gellen in den Lichtungen. Nach allen Seiten hallte der Jubel der Indianer über ihren Erfolg wieder. Das Holz war dürr und entzündete ſich leicht. Der Wind wehte ſtark und nach einer halben Stunde ſtand elches man 4 in gelegent⸗: Honigſchloß in hellen Flammen. Stock begann nun zu heulen, ein Zeichen, daß er die ihm 6— 258. 3 14 drohende Gefahr kannte. Aber kein menſchliches Weſen ward ſichtbar. Jetzt ſtürzte das von Flammen umwirbelte Dach ein und die Wilden lauſchten geſpannt, um das Geſchrei ihrer Opfer zu hören. Das Heulen des Hundes wurde lauter, und bald ſah man ihn mit brennendem Haar auf die dachloſen Trümmer der Hütte und von da in den umzäunten Hofraum ſpringen. Eine Kugel endigte ſeine Schmerzen, als er nieder⸗ ſprang. Bärenfleiſch gab nun ein Zeichen und ein allgemeiner Angriff auf das Shanty erfolgte. Keine Büchſe widerſetzte ſich ihnen, und bald waren hundert Indianer an den Palli⸗ ſaden. Zum Erſtaunen Aller fand man das Thor ungefeſtigt. Man ſtürmte hinein, ſprengte die Thüre der Hütte und blickte in die Flammenglut drinnen. Die Schaar war zeitig genug herangekommen, um einen Theil von le Bourdon's rohem Geräthe brennen zu ſehen, eine menſchliche Leiche war jedoch nirgends zu entdecken. Pfähle wurden herangeholt und die Brände entfernt, in der Hoffnung, Gebeine unter denſelben zu finden, allein ohne Erfolg. Jetzt war es gewiß, daß kein Blaßgeſicht in dieſer Hütte umgekommen war, und nun leuchtete allen Wilden die Wahr⸗ heit ein: le Bourdon und ſeine Geſellſchaft hatten zur rechten Zeit die Gefahr geahnt und waren entflohen. Mit zuſammen die nicht welche ni in den K. Vorſatze hatte ihn früher ha tochter in Stande d ten über: Bruſt. S Vorſatze Mädchen glich, bra Aber Bienen l einen ſo Theilnah Beſen ward belte Dach ſchrei ihrer lauter, und e dachloſen n Hofraum z er nieder⸗ allgemeiner widerſetzte ven Palli⸗ ungefeſtigt. e und blickte zeitig genug von's rohem e war jedoch olt und die denſelben zu dieſer Hütte n die Wahr⸗ zur rechten ½ — 211— Zehntes Kapitel. 3 Sieb, o Herr, die Heiden treten Kecken Fußes deine Reben nieder; Wie ſie einſt dein ſchönes Land umrankt, Seben wir ſie nimmer, nimmer wieder. Selbſt das wird der wilden Thiere Raub, Was als letztes, grünſtes Laub Uebrig blieb von dem, was reizend ſchön Than einſt trank auf Zion's ſtolzen Höh'n. Milman. Mit Peter war, ſeit er mit des Bienenjägers Geſellſchaft zuſammen getroffen, allmählich eine Veränderung vorgegangen, die nicht zu verkennen war. Als er mit den beiden Männern, welche nun als Opfer ſeiner eignen Pläne gefallen waren, 8 in den Kalamazoo einlief, war ſein Herz von dem grauſamen Vorſatze erfüllt, die ganze weiße Raſſe zu vertilgen. Margaret hatte ihn zuerſt veranlaßt, an Ausnahmen zu denken. Er war früher halb entſchloſſen, ſie zu verſchonen und als ſeine Pflege⸗ tochter in ſeine eigne Hütte zu geleiten. Als er ſich von dem Stande der Dinge zwiſchen ſeinem Liebling und ihrem Gelieb⸗ ten überzeugt hatte, entſtand ein ſchwerer Kampf in ſeiner Bruſt. Sollte er auch le Bourdon retten oder ſeinem frühern Vorſatze treu bleiben? Er ſah, mit welcher Innigkeit das Mädchen an ihm hing und etwas, das menſchlichem Gefühle glich, brach ſich durch ſeine wilden Abſichten gewaliſam Bahn. Aber der geheimnißvolle Verkehr le Bourdon's mit den Bienen hatte bei weitem mehr Einfluß auf ſeinen Entſchluß, einen ſo großen Medizin⸗Mann zu verſchonen, als ſeine Kheilnahme an Margaret, und er hatte ſich bemüht, eine 14* — 212— Verbindung zwiſchen dem jungen Paare zu beſchleunigen, da er auf dieſe Weiſe die junge Gattin zu retten hoffte, denn wegen des Gatten war er unbeſorgt. Alle Indianer hegten eine Art ehrfurchtsvoller Scheu vor dem Bienenjäger, und nahmen Anſtand, einen ſo begabten Mann zu kränken. Wa⸗wa⸗noſh gab ſich daher der Hoffnung hin, die Gattin würde ſich mit dem Gatten entfernen dürfen. Seine Erwar⸗ tung wurde vereitelt. Wir haben geſehen, welche Wirkung die Argliſt des Wieſels hervorbrachte. In dieſem Gemüthszuſtande war Peter, als er die Schaar bei den zuletzt erwähnten Scenen traf. Seine ganze Auf⸗ merkſamkeit war dem Benehmen des Miſſionärs zugewendet. Hundertmal hatte er Krieger die furchtbarſten Flüche gegen ihre Feinde ausſtoßen hören, hier hatte er aber zum erſten Male Gelegenheit, einen Mann zu ſehen, welcher ſeinen letzten Athem dazu benützte, den Segen auf die herabzuflehen, welche ihn verfolgten. 4 Anfangs war Peter verblüfft. Dann äußerten die erha⸗ benen Lehren ihren Einfluß, und ſein Herz war von dem, was er hörte, tief ergriffen. Einerſeits wäre es Anmaßung, ſagen zu wollen, in wie weit der heilige Geiſt dieſe beſſeren Gefühle kräftigte, während es andererſeits nicht minder anmaßend wäre, wollte man die Möglichkeit, ja, die Wahrſcheinlichkeit in Abrede ſtellen, daß die mächtige Veränderung, welche Peter's Herz ſo plötzlich überkommen, einem höhern, als dem menſch⸗ lichen Einfluſſe beizumeſſen ſei. Wir wiſſen, daß dieſer erhabene Geiſt in einzelnen Fällen ſeine Macht und reiche Fülle kund that, und es iſt kein hin⸗ reichender Grund vorhanden, anzunehmen, dieſer Wilde ſei einer ſo ausgezeichneten Gnade nicht gewürdigt worden, ſobald ſein Herz Dieſelben konnten, d geltungspl wachend 1 ihn unter machen. barei zu( war in ſe Die Alles, da ſich von hervor, al innere M ſagen, daß beſſeren C täglich be Bereiche anheim u wollen n Macht in erhellen, ſolchen M raſcch bei und nach woſrden, mächtig, nd. S 3 Weltl rüber zu inigen, da ffte, denn ner hegten iger, und kränken. die Gattin ne Erwar⸗ Wirkung die Schaar ganze Auf⸗ ugewendet. üche gegen zum erſten inen letzten hen, welche i die erha⸗ von dem, Anmaßung, eſe beſſeren r anmaßend ſcheinlichkeit elche Peter's dem menſch⸗ lnen Fällen iſt kein hin⸗ Wilde ſei rden, ſobald — 213— ſein Herz ſich edeln, menſchlichen Gefühlen zugänglich zeigte. Dieſelben Eigenſchaften, welche ein ſolches Weſen veranlaſſen konnten, den wilden, ſchwärmeriſchen Rache⸗ und Wiederver⸗ geltungsplan, der nun ſeit Jahren alle ſeine Gedanken, wachend und ſchlafend, beſchäftigte, zu verwirklichen, konnten ihn unter beſſerer Leitung der göttlichen Gnade höchſt würdig machen. Ein tiefes Rechtsgefühl lag dieſer ſcheinbaren Bar⸗ barei zu Grunde, und was uns als wilde Grauſamkeit erſcheint, war in ſeinen Augen nichts weniger, als ſtrenge Gerechtigkeit. Die Worte, die Grundſätze, die Gebete, und mehr, als Alles, das Beiſpiel des Miſſionärs brachten, ſo weit es ſich von menſchlichem Einfluſſe handelt, dieſe Veränderung hervor, aber die Allmacht Gottes war unerläßlich, wenn der„ innere Menſch neu geboren werden ſollte. Wir wollen nicht N ſagen, daß es eines Wunders bedurft hätte, um einen Indianer beſſeren Gefühlen zugänglich zu machen, denn das, was ſich täglich begibt, und was Allen begegnen kann, fällt dem Bereiche des gewöhnlichen Wirkens der göttlichen Vorſehung anheim und kann eigentlich nicht ſo bezeichnet werden, wir wollen nur andeuten, daß keine ausſchließlich menſchliche Macht im Stande geweſen wäre, das geiſtige Auge ſo zu erhellen, alle Anſichten ſo zu verändern und das Herz eines ſolchen Mannes ſo zu mildern und zu ſänftigen, wie dieß ſo raſch bei Peter der Fall war. Der Weg war vielleicht nach unz nach durch die bereits erwähnten Mittel angebahnt woſrden, aber die große Umwandlung kam ſo plötzlich und ſo maͤthtig, daß er ſo zu ſagen im Nu ein ganz anderes Weſen 1 rd. Solche Sinnesänderungen ſind nicht ſelten, und obgleich Weltling in ſeiner Selbſtzufriedenheit geneigt ſein mag, 8 rüber zu ſpotten, dürfte es das Klügſte ſein, ſich mit hin⸗ 1 — 211— gebendem Gemüthe Kräften und Einflüſſen zu fügen, welche das menſchliche Faſſungsvermögen uüberſchreiten. In dieſem Gemüthszuſtande verließ, wie bemerkt, Peter die Schaar, ſobald das Schickſal des Miſſionärs entſchieden war. Sein unmittelbarer Zweck war, die Weißen, welche ſich noch in den Lichtungen aufhielten, zu retten, denn Gerſhom und Dorothea theilten jetzt ſeine guten Abſichten mit dem jungen Paare. Obgleich er raſch und beinahe in einer„Luſtlinie“ entlang eilte, hielt ſein Fuß kaum Schritt mit ſeinen Gedan⸗ ken. Während dieſes raſchen Ganges ſtand ihm ſtets das Bild eines Mannes vor Augen, welcher mit ſeinem letzten Athemzuge ſeine Feinde ſegnete. Die ſtille, ländliche Scenerie und die wilden Leiden⸗ ſchaften, welche die Indianer in ſo hohem Grad entflammten, hatten wenig mit einander gemein. Die ganze Landſchaft war von dem Licht eines klaren, warmen Sommertags über⸗ goſſen. Dieß ſind Stunden, wo die Erde an entlegenen, der frevelhaften Menge nicht zugänglichen Theilen wahrhaft ein Heiligthum zu ſein ſcheint. Die Bienen ſummen um die Blumen, die Vögel zwitſchern in dem Laubwerk der Bäume und in dem duftigen Gebüſche, und ſelbſt die ſilberklare, ſprudelnde Quelle ſcheint von dem Leben durchdrungen, welches den Ruhm Gottes verkündet. Was die Familie in dem Honigſchloſſe betrifft, ſo hte ihr ſeit vielen Monden das Glück nicht ſo ſreundlich gelächtelt, wie in dieſen Stunden. Dorothea verſtand und theilte ganz die Gefühle der jungen, reizenden Gattin, während Gerſhon⸗ Bruderliebe ſich in inniger, zärtlicher Weiſe kund that. ei hatte ſeine beſten Kleider angelegt, wie dieß auch die Jraud gethan hatt und Gerſh Ausſehen, welchem er Die 2 waren für ein ſo friet wolkenlos, mild und ländlich 2 daß man i Der le Bourdo an der Q. Farben de Der lebens ein ſein dunkt durch folg „Dür Aufſtehen, Pfad zu l „Wa und ſpran mit ſchli fallen, da „Au dern. Al rudern, ſe Mar en, welche rkt, Peter entſchieden welche ſich Gerſhom mit dem Luftlinie“ en Gedan⸗ ſtets das hem letzten en Leiden⸗ tflammten, Landſchaft tags über⸗ genen, der ihrhaft ein n um die der Bäume ſilberklare, en, welches t, ſo htte h gelächelt, heilte ganz Gerſhon⸗ hthat. ei die Fra — 215— gethan hatten, die zierlich, obgleich beſcheiden gekleidet waren, und Gerſhom hatte jenes ernſt ruhige und ſtill behagliche Ausſehen, das man bei Leuten ſeiner Klaſſe in dem Staate, welchem er entſtammte, ſo häufig findet. Die Beſorgniſſe, welche ſie in der letzten Zeit gehegt, waren für den Augenblick vergeſſen. Alles um ſie her hatte ein ſo friedliches Ausſehen, das Gewölbe über ihnen war ſo wolkenlos, ſo ungetrübt blau, das Licht des Tages war ſo mild und doch ſo glanzreich, die Lichtungen hatten etwas ſo ländlich Maleriſches und dem geſitteten Leben Aehnliches, daß man in dem jetzigen Genuſſe aller Sorgen vergaß. Der Art war der Augenblick, als Peter raſch vor le Bourdon und Margaret trat, die im Schatten der Eichen an der Quelle ſaßen und ſich eine mit all den glanzreichen Farben der jungen Liebe geſchmückte Zukunft ausmalten. Der Indianer betrachtete dieſes Bild jugendlichen Ehe⸗ lebens einen Augenblick, und ein Strahl der Freude flog über ſein dunkles Antlitz, dann verkündigte er ſeine Anweſenheit durch folgende Worte: 5 „Dürfen nicht hier ſitzen und junge Squaw betrachten. Aufſtehen, und Alles in Canoe ſchaffen. Zeit kommen, um Pfad zu betreten, der zu Blaßgeſicht⸗Land führen.“ „Was hat ſich begeben, Peter?“ fragte der Bienenjäger, und ſprang raſch empor.„Ihr kommt wie ein Läufer, welcher mit ſchlimmen Nachrichten hereinbricht. Iſt Etwas vorge⸗ fallen, das Beſorgniſſe erregen könnte?“ „Auf und fort, ſagen Euch. Jetzt nicht Zeit, zu plau⸗ dern. Alles, was er können, jetzt in Canve bringen und fort⸗ rudern, ſo raſch es gehen.“ Man konnte ſich uͤber Peter's Gehaben nicht täuſchen. — — 216— Der Bienenjäger ſah, wie vergeblich es wäre, einen ſolchen ſichtsmaßre Mann in einem ſolchen Augenblicke mit Fragen zu behelligen. ihrer Feind Er rief Gerſhom heran. Anſtalten, „Hier iſt der Häuptling und mahnt uns zum Aufbruche,“ Flüchtlinge ſagte le Bourdon, und bemühte ſich, ruhig zu ſcheinen, um Die C die Frauen nicht ohne Noth zu beängſtigen,„und was er Er berichte räth, werden wir am Beſten befolgen. Nach dem, was in zehn 2 Taubenflügel angedeutet hat, ſowie nach dem eben Gehörten ſchlang ſei muß uns Gefahr drohen. Laßt uns daher keine Zeit verlieren, trug ſie fa ſondern die Canoes laden und thun, wie der Häuptling raſch in ſ es will.“ deſſen Eig Da Gerſhom ſich willig zeigte, war nach zwei Minuten und des Alles in voller Thätigkeit. Seit mehreren Tagen war jedes blieb als Canoe mit Lebensmitteln verſehen, da eine eilige Flucht in bedeutet he le Bourdon's Abſichten lag. Man brauchte daher nur dieje⸗ Ehe d nigen Habſeligkeiten hinzuzufügen, welche zu werthvoll und ſich zu ber nothwendig waren, als daß man ſie hätte zurücklaſſen dürfen. daß ſich di Der Bienenjäger und Gerſhom arbeiteten eine halbe Le Bo Stunde mit der unſäglichſten Anſtrengung. Keine Frage nahe der wurde laut, kein einziger Augenblick wurde durch irgend eine und er ber Bemerkung vergeudet. Die Art, wie Peter ſich benahm, haben. D überzeugte Boden, daß dringende Gefahr vorhanden ſei, und Meile trä ſelten wurde wohl in ſo kurzer Zeit und von ſo wenigen über die Händen mehr vollbracht. Zum Gluͤck beſchleunigten die frü⸗ auszuladen heren Vorbereitungen den jetzigen Zweck, und in dem erwähn⸗ Stunde he ten kurzen Zeitraume war faſt alles Werthvolle in den Canoes. Canoes ka Nun mußte man einen CEntſchluß faſſen, wie es mit ßen Schac Honigſchloß gehalten werden ſolle. Peter rieth, jeden Zugang dungen de zu vermachen, das Thor zu ſchließen und den Hund drinnen einen raſch zu laſſen. Ohne Zweifel hatte die Geſellſchaft es dieſen Vor⸗ halt, wen — 3 der Wilde 4 n ſolchen dehelligen. ifbruche,“ linen, um d was er em, was Gehörten verlieren, Häuptling Minuten war jedes Flucht in nur dieje⸗ hvoll und en dürfen. ine halbe ne Frage rgend eine benahm, n ſei, und v wenigen u die frü⸗ n erwähn⸗ n Canoes. ie es mit en Zugang d drinnen ieſen Vo ſichtsmaßregeln zu danken, daß ſie nicht alsbald in die Hände ihrer Feinde fiel, denn die Zeit, welche die Wilden mit den Anſtalten, ſich der Hütte zu nähern, verloren, war für die Flüchtlinge koſtbar. Die Canoes waren eben geladen, als Taubenfſlügel eintraf. Er berichtete, die ganze Schaar ſei in Bewegung und dürfte in zehn Minuten vor dem Shanty anlangen. Le Bourdon ſchlang ſeinen Arm um die ſchlanke Hüfte Margaret's und trug ſie faſt in ſein Canoe. Gerſhom führte Dorothea ebenſo raſch in ſein kleines Boot, während Peter das beſtieg, als deſſen Eigenthümer er ſich nach dem Tode des Miſſtonärs und des Korporals wohl betrachten konnte. Taubenflügel blieb als eine Art Späher zurück, nachdem er Peter vorher bedeutet hatte, in welcher Richtung er ſteuern ſollte. Ehe der Chippewa in das Gebüſch ſprang, in welchem er ſich zu bergen beabſichtigte, gab er durch ein Zeichen kund, daß ſich die Bande bereits ſehen laſſe. Le Bourdon verlor faſt den Muth, als er vernahm, wie nahe der Feind ſei. Ein Entkommen ſchien ihm unmöglich, und er bereute es jetzt, den Schutz ſeines Forts verlaſſen zu haben. Die Strömung des Fluſſes war auf mehr als eine Meile träge und ſäumig, und dann kam eine„Tragſtelle,“ über die man nicht wegkonnte, ohne die Canoes theilweiſe auszuladen, was nothwendig einen Aufenthalt von einer vollen Stunde herbeiführen mußte. Auf dieſe Weiſe konnten die Canoes kaum dieſen Fluß hinabgehen, ohne von einer ſo gro⸗ ßen Schaar Verfolger eingeholt zu werden. Selbſt die Win⸗ dungen des Kalamazoo mußten dieſe in den Stand ſetzen, einen raſchen Vorſprung zu gewinnen, wo denn ein Hinter⸗ halt, wenn nicht ein offener Angriff, lüe Alle in die Hände der Wilden zu liefern drohte. — 218= Peter wußte dieß Alles ſo gut, wie le Bourdon, und hatte die Abſicht nicht, ſeine neuen Freunde zu einer Flucht ſtromabwärts zu veranlaſſen. Taubenflügel hatte ihm während der letzten Augenblicke in der gedrängten Kürze der indianiſchen Redeweiſe eine wichtige Mittheilung gemacht, und er beſchloß jetzt, ſeinen Winken zu folgen. Peter ruderte daher voran, und ſtatt flußabwärts zu fahren, ſchlug er die Richtung ein, welche der ganz entgegengeſetzt war, in welcher, wie man natürlich annahm, die Geſellſchaft flüchten mußte. Auf dieſe Art hatte man überdieß den Vortheil, von dem Ufer gedeckt zu ſein, das auf der ſüdlichen Seite ziemlich hoch und dicht umwaldet war. Man wird ſich erinnern, daß die Bäume zu den Palliſaden auf einem Moorboden, nicht weit von des Bienenjägers Shanty, gefällt worden waren. Sie waren an dem Rande des Fluſſes gewachſen, ſo daß ſie leicht in das Waſſer gebracht und an ihren Beſtimmungsort geflößt werden konnten. Die Wipfel und Aeſte vieler dieſer Bäume, die harzig und von Natur geeignet waren, ihren grünen Schmuck längere Zeit zu bewah⸗ ren, lagen theilweiſe auf dem Fluſſe und theilweiſe auf dem Ufer, und Taubenflügel, welcher die Nothwendigkeit, eines Zufluchtsortes gewiß zu ſein, vorausgeſehen, hatte dieſes Ge⸗ zweig ſo künſtlich geordnet, daß es noch ganz zu liegen ſchien, wie man es abgehauen hatte, und doch Gelegenheit bot, zwi⸗ ſchen den Aeſten und dem Ufer mit Canoes anzulegen, ſo daß ſie vollkommen verſteckt waren. Kein Indianer würde ſich einem ſolchen Verſtecke anvertraut haben, hätte man nicht deutlich geſehen, daß die Bäume zu einem beſondern Zwecke gefällt wären, oder wenn die Anordnung des Gezweiges ſich als eine abſichtliche erwieſen hätte. Dieß war aber nicht der 8 Fall, denr eingerichtet worden. 2 ſtatt ſie zu Die( die Schaat ſo ſagen d ihre ganze ten wohl entdeckt he wann au jedoch bal hatten, n jenem Th Moorgrun konnte me nähern we und war obgleich d Als mete er f hin. Sei er wußte, der Wilde ſcheinlich wendete bald alle „Da die Boot⸗ Gut, nick don, und er Flucht während dianiſchen beſchloß er voran, tung ein, wie man Auf dieſe er gedeckt und dicht Palliſaden 3 Shanty, es Fluſſes t und an ſie Wipfel on Natur zu bewah⸗ auf dem keit, eines dieſes Ge⸗ gen ſchien, bot, zwi⸗ en, ſo daß würde ſich man nicht ern Zwecke — 219— Fall, denn die Hand des Chippewa hatte Alles ſo geſchickt eingerichtet, daß Niemand gewahrte, was hier vollbracht worden. Man konnte ſagen, er habe der Natur nachgeholfen, ſtatt ſie zu verunſtalten. Die Canoes ruderten dicht unter dem Ufer entlang, als die Schaar in dem Wald ankam und den Platz, wenn man ſo ſagen darf, zu umſchließen begann. Wenn die Wilden nicht ihre ganze Aufmerkſamkeit der Hütle zugewendet hätten, möch⸗ ten wohl umſpähende Augen eines oder das andere der Canoes entdeckt haben, da die Ungleichheit des Ufers ſie dann und wann auf Augenblicke bloßſtellte. Dieſe Gefahr ſchwand jedoch bald, und als die Flüchtlinge eine Landſpitze hinter ſich hatten, waren ſie vor Jedem geſichert, der ſich nicht zufällig jenem Theile des Ufers näherte. Hier begann jedoch der Moorgrund, und da der Boden naß und ſchmierig war, konnte man nicht erwarten, daß Jemand ſich dieſem Bereiche nähern werde. Der Fluß drängte ſich durch dieſen Moorſtrich und war auf beiden Seiten von dichtem Wald umgeben, obgleich dieſer keine große Ausdehnung hatte. Als Peter dieſe buchtartige Flußſtrecke erreicht hatte, ath⸗ mete er freier und gab ſich dem Gefühle größerer Sicherheit hin. Seine Züge druckten die innere Beruhigung aus, denn er wußte, daß ſie vorerſt geborgen ſeien, wenn ſich nicht einer der Wilden in den Moorgrund verirrte, was ſehr unwahr⸗ ſcheinlich war. Als er weit genug nach oben gekommen war, wendete er das Canoe, ruderte üuͤber den Fluß, und führte bald alle Boote in das von Taubenſtügel bereitete Verſteck. „Das guter Platz,“ bemerkte der große Häuptling, ſobald die Boote befeſtigt waren,„ſehr gut, aber Augen offen haben. Gut, nicht machen zu lange Spur auf Land, Indianer haben — 220— ſehr ſcharfe Augen und ſehen Alles. Nun ich gehen, und ſprechen mit Häuptling. Bald wieder kommen. Ihr hier bleiben. Leben wohl!“ „Wartet, Peter,— ein Wort, ehe wir uns trennen. Wenn Ihr Paſtor Amen oder den Korporal ſeht, ſagt ihnen doch, wo wir zu finden ſind. Sie werden ſich gewiß freuen, es zu erfahren,“ bemerkte Ben Boden eifrig. Peter's Züge verdüſterten ſich, er ſchien traurig. Eine volle Minute verging, ohne daß er antwortete. Als er aber antwortete, geſchah es mit gedämpfter Stimme, wie der von ſchwerem Kummer Bedrängte wohl zu ſprechen pflegt. „Er nie wieder etwas erfahren,“ erwiederte der Häupt⸗ ling.„Beide Blaßgeſichter todt.“ „Todt?“ riefen Alle, welche dieſe Worte hörten. „Gerade das. Indianer ſie tödten. Wollen euch auch tödten. Darum ich ſo ſchnell fortgehen. Ich ſehen Medizin⸗ Prieſter ſterben. Was Ihr denken, Blüthe? Was Ihr denken, Bourdon? Dieſer Mann ſterben und bitten großen Geiſt, Indianer gut zu thun!“ „Ich glaube es wohl, Peter,“ ſagte der Bienenjäger ernſt und traurig,„denn er war ein guter Mann, und unſere Chriſtengeſetze befehlen dieß, obgleich Wenige von uns ihnen nachkommen. Ich glaube jedoch gern, daß Paſtor Amen eine Ausnahme war.“ „Ja, Peter, der Artz ſind unſere chriſtlichen Geſetze,“ fiel Margaret ſanft ein.—„Als Chriſtus, der Sohn Gottes, auf die Erde kam, um die ſündige Welt zu erlöſen, befahl er ſei⸗ nen Anhängern, denen Gutes zu thun, welche ſie kränkten, und für die zu beten, welche ſie verfolgten. Dieſe Worte ſtehen in unſerer Bibel.“ „Ihr nung.„Se „Gew ich vergeſſe leſen jeden werden bal „Nun, derte der j in ſein vo macht, wi Es ging n würde mir folgen, ur Winkel gen „Es i nur anfan „Wenn w kommen, h dieſes Buch hier in d nahe iſt.“ „Ihr aus dieſen Marg neuen Teſte Stelle und Vielleicht die eben 1 den Ernſt kung, wel den, und Ihr hier trennen. t ihnen ß freuen, ig. Eine ; er aber der von r Häupt⸗ uch auch Medizin⸗ or denken, en Geiſt, äger ernſt nd unſere uns ihnen men eine ſetze,“ fiel ottes, auf ähl er ſei⸗ kränkten, iſe Worte „Ihr das Buch haben?“ ſagte Peter mit großer Span⸗ nung.„Sehen, daß Ihr ihn oft leſen. Ihr ihn hier haben?“* „Gewiß habe ich die Bibel hier, ſie wäre das letzte, was ich vergeſſen könnte. Dolly hat eine, und ich gleichfalls, wir leſen jeden Tag darin, und wir hoffen, Bruder und Bourdon werden bald auch eifrig darin leſen.“ „Nun, ich bin kein großer Gelehrter, Margaret,“ erwie⸗ derte der junge Gatte, und fuhr ſich aus baarer Verlegenheit in ſein volles, lockiges Haar,„wenn es Dir aber Freude macht, wuͤrde ich ſelbſt eine ſchwerere Arbeit nicht ſcheuen. Es ging mir im Anfange ſo mit den Bienen, ich glaubte, es würde mir nie gelingen, der erſten Biene zu ihrem Stocke zu folgen, und doch habe ich ſeitdem wohl nach tauſenden den Winkel genommen.“ „Es iſt leicht, ſehr leicht, lieber Benjamin, wenn Du nur anfangen willſt,“ verſetzte das erröthende junge Weib. „Wenn wir mit der Gnade Gottes zu einem ſichern Orte kommen, hoffe ich, Du wirſt Dich mir anſchließen und⸗ täglich dieſes Buch zur Hand nehmen.— Seht Peter, ich habe es hier in dieſer kleinen Taſche, wo es ſicher und mir ſtets nahe iſt.“ din „Ihr dieſe Wort für mich leſen, Blüthe, ich ſie gern aus dieſem Buche hören, jetzt.“ Margaret entſprach dieſem Wunſche. Sie war in dem neuen Teſtamente ſehr beleſen, fand die wohlbekannte, erhabene Stelle und las mehrere Verſe mit ruhiger, ernſter Stimme. Vielleicht ſteigerte die Gefahr, in welcher man ſchwebte, und die eben mitgetheilte Kunde von dem Tode ihrer Gefährten den Ernſt und das Feierliche ihres Gehabens, denn die Wir⸗ kung, welche dieſe Worte auf Peter hervorbrachten, war kaum 222— geringer, als die, welche er gefühlt hatte, als er, bei dem Tode des Miſſionärs, Zeuge des wirklichen Gehorſams gegen dieſe erhabene Lehre war. Thränen traten in die Augen dieſes ſtarren Wilden, und mit Schauer blickte er zurück auf ſeine früheren Pläne und Bemühungen, das ganze weiße Geſchlecht zu vernichten. Er nahm Margaret's Hand, dankte ihr freundlich, und ſchickte ſich an, den Ort zu verlaſſen. Ehe er jedoch von ſeinen Freunden ſchied, theilte er ihnen einen kurzen Bericht von der Todesart des Miſſionärs und von dem Zuſtande mit, in wel⸗ chem er den Korporal verlaſſen hatte. Taubenflügel hatte ihm erzählt, was dem letztern begegnet und in welcher Erre⸗ gung die Schaar aufgebrochen war, um mehr weiße Sealpe zu ſuchen. „Peter, ich hoffe, wir können auf Euch, als auf einen Freund, rechnen?“ fragte der Bienenjäger, als Beide im Begriffe waren, ſich auf dem Ufer des Fluſſes zu trennen. „Ich fürchte, Ihr ſeid früher unſer Feind geweſen.“ „Bourdon,“ ſagte Peter mit Würde, und bediente ſich der Sprache ſeiner Nation,„hört! Es gibt gute Geiſter, und es gibt böſe Geiſter. Unſere Ueberlieferungen ſagen uns dieß. Unſer Herz ſagt uns dieß auch. Zwanzig Winter hindurch hat ein böſer Geiſt mir in das Obr geflüſtert. Ich habe ihm gelauſcht, und ich habe gethan, was er mir zu thun befahl. Ich glaubte, was er ſagte. z „Seine Worte aber waren:„Tödte deine Feinde, nimm den Scalp aller Blaßgeſichter, laß nicht eine Squaw, nicht einen Pappus übrig. Mache alle ihre Herzen ſchwer. Das iſt's, was ein Indianer thun muß! 3 „So fluſterte mir der böſe Geiſt zwanzig Winten zu. Ich — ſchafft. nicht z lauteſt eures dem T So ar ſehen, vor u⸗ meine ſagt, mir a ſinde, mich Indie Sohr und geſich nehn word Indi wird wah „bei dem ams gegen igen dieſes auf ſeine Geſchlecht dlich, und von ſeinen ht von der it, in wel⸗ ügel hatte lcher Erre⸗ iße Sealpe auf einen Beide im zu trennen. 1 — nte ſich der ſter, und es uns dieß. er hindurch h habe ihm hun befabi nde, nimm uaw, nicht hwer. Das ter zu. Ich ſchte ihm. Ich that, was er ſagte. Ich fand meine Wonne rin, Blaßgeſicht⸗Scalpe zu nehmen. Ich fand meine Wonne aarin, zu denken, es würden bald keine weißen Scalpe mehr übrig ſein. Ich war der Sealpir⸗Peter. „Bourdon, der gute Geiſt hat ſich endlich Gehör ver⸗ ſchafft. Sein Flüſtern iſt ſo leis, daß mein Ohr es anfangs nicht zu hören vermochte. Es hört ihn jetzt. Als er am lauteſten ſprach, nahm er die Stimme des Medizin⸗Prieſters eures Volkes an. Er war im Begriffe zu ſterben. Wenn wir dem Tode nahe ſind, werden unſere Stimmen ſtark und klar. So auch unſere Augen. Wir ſehen, was vor uns iſt, wir ſehen, was hinter uns iſt. Wir freuen uns über das, was vor uns iſt, wir betrüben uns über das, was hinter uns iſt. „Euer Medizin⸗Prieſter hat gut geredet. Es klang in meinem Ohr, als wenn der große Geiſt ſelbſt redete. Man ſagt, ſein Sohn habe ſo geredet. Ich glaub es. Blüthe hat mir aus dem guten Buche eures Volkes vorgeleſen, und ich ſinde, daß es ſo iſt. Ich fühle mich wie ein Kind, und könnte mich in mein Wigwam ſetzen und weinen. „Bourdon, Ihr ſeid ein Blaßgeſicht und ich bin ein Indianer. Ihr ſeid ſtark und ich bin ſchwach. Warum? Der Sohn des großen Geiſtes hat mit eurem Volke geſprochen, und nicht mit dem meinigen. Ich ſehe jetzt, warum die Blaß⸗ geſichter ſich uͤber die Erde ausbreiten und die Jagdgründe Sie wiſſen am meiſten, und es iſt ihnen befohlen nehmen. unwiſſenden worden, hierher zu kommen und den armen, Indianern zu ſägen, was ſie wiſſen. Ich hoffe, mein Volk Was der Sohn des großen Geiſtes ſagt, muß Er iſt nicht im Stande, unrecht zu thun. einſt ſchien es mir angenehm, die Scalpe wird hören. wahr ſein. „Bonrdon, meiner Feinde zu nehmen. Wenn ein Indianer mich krän nahm ich ihm den Sealp. Dieß war meine Art. Ich konn es damals nicht ändern. Der böſe Geiſt befahl mir, es zu thun. „‚Der Sohn des Manitou hat mich jetzt eines Beſſern belehrt. Ich habe in einer Wolke gelebt. Der Athem des ſterbenden Medizin„Prieſters eures Volkes hat dieſe Wolke verweht. Ich ſehe klarer. Ich höre noch, wie er dem Manitou ſagt, er möge mir Gutes thun, obgleich ich ſeinen Scalp nehmen wollte. Mein Herz hat ihm geantwortet. Da hat ſich mein Ohr weit geöffnet und ich hörte, was der gute Geiſt flüſterte. Das Ohr, in welches der böſe Geiſt zwanzig Winter redete, ſchloß ſich und wurde taub. Ich höre ihn nicht mehr. Ich will ihn nicht mehr hören. „Das Flüſtern des Sohnes des Manitou klingt mir ſehr angenehm. Es klingt, wie der lieblichſte Geſang des Zaun⸗ königs. Ich hoffe, er wird ſtets ſo flüſtern. Mein Ohr wird ſeinen Worten nie mehr verſchloſſen ſein. „Bourdon, ich freue mich, nach vornen zu blicken. Ich freue mich nicht, wenn ich nach hinten blicke. Ich ſehe viele Dinge, welche ich auf eine Weiſe gethan habe, während ich ſie auf eine andere Weiſe hätte thun ſollen. Es thut mir leid. Ich wollte, es wäre nicht ſo geweſen. Dann höre ich den Sohn des Maniton ſeinen Vater, der über den Wolken lebt, bitten, er möchte den Juden Gutes thun, die ihm das Leben nahmen. „Ich glaube nicht, daß die Indianer Juden ſind, darin hatte mein Bruder unrecht. Es war nur ſeine Meinung, und der Menſch irrt ſich leicht. Nicht ſo der Sohn des Maniton. Er denkt ſtets wie ſein Vater denkt, und dieſer denkt nur, was recht iſt.— — 225— „„Bourdon, ich bin von nun an nicht mehr Peter. Ich muß ein anderer Indianer ſein. Meine Gefühle ſind nicht mehr dieſelben. Ein Scalp iſt in meinen Augen ein ſchreck⸗ liches Ding,— ich wuünſche nie wieder einen zu nehmen,— nie wieder einen zu ſehen,— ein Scalp iſt ein ſchlechtes Ding. „Ich liebe jetzt die Yankees. Ich wünſche ihnen Gutes Wolke zu thun und nicht ſte zu kränken. Vor Allem liebe ich den aniton großen Geiſt, weil er ſeinen Sohn für alle Menſchen ſterben Scalp ließ. Der Medizin⸗Prieſter ſagte, er ſei für die Indianer ſo da hat gut, wie für die Blaßgeſichter geſtorben. Das wußten wir e Geiſt nicht, ſonſt hätten wir mehr von ihm in unſern Ueberlieferun⸗ Winter gen geſprochen. Wir ſprechen gern von guten Handlungen. mehr. Aber wir ſind ſo unwiſſende Indianer! Der Sohn des Mani⸗ tou wird Mitleid mit uns haben und öfter zu uns reden und uir ſehr uns ſagen, was wir thun ſollen. Mit der Zeit werden wir Zaun⸗ lernen. Jetzt fühle ich mich wie ein Kind, ich hoffe, ich werde zr wird noch ein Mann werden! Als Peter dieſes„Glaubensbekenntniß,“— ein Glaubens⸗ 1. Sch bekenntniß, das einer chriſtlichen Kirche Ehre gemacht hätte, he viele abgelegt, drückte er dem Bienenjäger freundlich die Hand und rend ich ahm Abſchied. Er ging nicht in den Moorgrund, obgleich utmir bei einiger Sorgfalt zugänglich war, ſondern ſchritt in dem höre ich ſluſſe, dem Ufer nahe, fort, denn er wußte, daß„das Waſſer Wolken ine Spur zurückläßt.“ Auch ſchlug Peter nicht den nächſten hm das Deg nach der nun aufflammenden Hütte ein, deren Rauch cch über die Bäume empor qualmte, ſondern er ging noch varin ine Strecke flußaufwärts, bis er eine günſtige Stelle fand, beinung. zm an das Land zu treten, warf hier ſeine leichte Bekleidung öhn des b, band ſie zuſammen und ſchwamm, jene in der einen Hand d dieſer ber dem Waſſer haltend, üͤber den Kalamazov. Als er das 256— 258. 15 — 226— entgegengeſetzte Ufer erreichte, kleidete er ſich auf dem Ufer⸗ ſaume wieder an und ſchritt dann ohne Büchſe, Bogen, Toma⸗ hawk oder Meſſer durch die Lichtungen entlang. Wa⸗wa⸗noſh hatte alle ſeine Waffen in dem Canve gelaſſen, da er fürchtete, ſie möchten ihn reizen, ſeinen Feinden übles, ſtatt gutes zu thun. Weder Bärenfleiſch noch Eichenaſt waren bis jetzt Freunde in den Augen Peter's. Er bemühte ſich, ſte nicht zu haſſen, und fand dieß ziemlich ſchwierig, und da er dieß fühlte, hatte er ſeine Waffen bei Seite gelegt. Dieſe mächtige Umwandlung hatte ſeit des Häuptlings innigerm Verkehre mit Margaret allmähliche Fortſchritte ge⸗ macht, allein die letzten Handlungen und die letzten Worte des Miſſionärs hatten das Werk vollendet. Als Peter die Lichtungen erreicht hatte, war es nicht ſchwer, ſich ſeinen bisherigen Gefährten zuzugeſellen, ohne daß man gewahr geworden wäre, woher er kam. Er hielt ſich ſo verſteckt, als es ihm paſſend ſchien, und hatte eben das Shanty erreicht, als die Schaar durch das Palliſadenthor brach und die Thüre der in Flammen ſtehenden, bereits dachloſen Hütte ſprengte. Hier trat Peter zurück, denn er wollte bei einem ſolchen Auftritte nicht unthätig ſcheinen, aber auch nichts thun, das ein empfindlich zartes Gewiſſen verdammen mußte. Er wußte, daß kein menſchliches Weſen dort zu retten wäre, und an den wenigen Geräthſchaften, die eine Beute der Flammen wurden, konnte nicht viel liegen. Er hielt ſich daher von der Schaar fern, bis man ſich überzeugte, der Bienenjäger und ſeine Ge⸗ ſellſchaft ſeien entflohen. „Die Blaßgeſichter find entwiſcht,“ ſagte Bärenfleiſch zu dem großen Häuptlinge, als dieſer ſich ihm näherte.„Wir haben dort. wolle il „L um na „Wenn dem gr Di augenbl ſo aus, unter d Di den dar und eit platz ut gegenge ganz ne wenned Ar Ufern i Stellen gewiß Die Ca den R dem ufer⸗ gen, Toma⸗ dem Canove nen Feinden ſch Cichenaſt Er bemühte wierig, und gelegt. Häuptlings rtſchritte ge⸗ en Worte des var es nicht en, ohne daß hielt ſich ſp n das Shanty or brach und ſchloſen Hütte einem ſolchen ts thun, das te. Er wußte, e, und an den umen wurden, on der Schaar und eine Ge Birerſteiih zu äherte. 1„Wir 9 4 haben ihre Gebeine in der Aſche geſucht, ſie find aber nicht dort. Dieſer Medizin⸗Bienenjäger hat ihnen geſagt, man wolle ihre Scalpe nehmen, und ſie haben die Flucht ergriffen.“ „Sind einige der jungen Männer an dem Fluſſe geweſen, um nach ihren Canves zu ſchauen?“ fragte Peter ruhig. „Wenn ihre Canoes auch verſchwunden ſind, haben ſie ſich dem großen See zugewendet.“ Dieß war ſo einleuchtend und wahrſcheinlich, daß man augenblicklich Nachforſchungen anſtellte. Die Berichte ſielen ſo aus, daß der größte Eifer, die Flüchtlinge zu verfolgen, unter den Wilden rege ward. Die vielfachen Windungen des Kalamazoo ließen Nieman⸗ den daran zweifeln, daß man die Weißen einzuholen vermöchte, und einzelne Abtheilungen wurden alsbald abgeſendet, um Jagd auf ſie zu machen. Dieß geſchah mit der gewöhnlichen Umſicht und Verſchlagenheit des Indianers. Die Canoes, welche Krähenfeder und ſeiner Schaar ge⸗ hörten, waren den Fluß herauf gebracht worden und lagen jetzt, kaum eine Meile von dem Shanty, in den Binſen ver⸗ ſteckt. Eine Abtheilung Krieger brachte ſte an den Landungs⸗ platz und in ihnen fuhr ein Theil der Schaar auf das ent⸗ gegengeſetzte Ufer, denn man beabſichtigte auf beiden Uferſeiten, ganz nahe an dem Fluſſe, bis zur Mündung hinab zu gehen, wenn dieß nöthig wäre. Andere Abtheilungen wurden gleichfalls auf den beiden Ufern in gerader Richtung abgeſendet, um ſich, an entfernten Stellen nach vornen, in Hinterhalt zu legen, da man faſt gewiß war, dieſe Punkte vor den Flüchtlingen zu erreichen. Die Canoes wurden flußabwärts geſchickt, um den Ausreißern den Kücheg abzuſchneiden, während Bärenfleiſch, Eichenaſt⸗ 15r — Krähenfeder und mehrere andere der vornehmſten Häuptlinge mit einer beträchtlichen Schaar in der Nähe des noch bren⸗ nenden Shanty blieben, um in den Lichtungen umher nach Fußſpuren zu ſpähen. Die Weißen konnten ja die Canoes flußabwärts haben treiben laſſen, um ſie irre zu führen und ihre Flucht durch die Wälder ungeſtört zu bewerkſtelligen. Wir haben wiederholt des ſchönen Raſens erwähnt, welcher Honigſchloß umgab. Dieß war in Bezug auf die erwähnte Oertlichkeit richtig und hatte le Bourdo. veranlaßt, ſie zu ſeiner Sommerwohnung zu wählen. Die Fülle der Blumen lockte die Bienen hierher, was an ſich ſchon ein Grund war, dieſem Raume den Vorzug zu geben. um den Leſer jedoch nicht irre zu führen, müſſen wir bemerken, daß eher der Mangel an Raſen, als das Gegentheil eine Eigenthümlichkeit jener Lichtungen iſt, denn jetzt, wo dieſe Gegenden angebaut ſind, hört man bis auf einen gewiſſen Grad die Klage laut werden, der Boden der Eichen⸗Lichtungen ſei ſo leicht, daß das Gras nicht ſo tief Wurzel ziehen könne, wie es zu Wieſen und Weiden nöthig ſei. Dieß mag jedoch weniger als Regel, denn als Ausnahme gelten, denn die Natur des Bodens jener Lichtungen iſt ſo wechſelnd, wie in anderen Gegenden. Demungeachtet überzeugten ſich die Wilden bald, daß der Boden um das Shanty auf eine bedeutende Entfernung hin in dieſer Hinſicht von dem nach Oſten, oder landeinwärts, ziemlich verſchieden ſei. Auf dem letztern war eine Spur viel leichter zu entdecken, als auf dem erſtern, und eine Schaar, von einem erfahrenen Führer begleitet, wurde abgeſchickt, um auf mehrere Meilen nach Oſten hin, oder in der Richtung des Weges nach Detroit, ſich nach Fußſpuren der Flüchtlinge umzuſchauen. auf di befohle det. Häupt eine 0. Art lo L Beratl fragte Ueberz Stand „Wir und v worder „ ſagte fanger Scalp Mediz ihnen finden 5 gleich Spure waren Verth konnte junge ptlinge h brenz er nach Canoes ten und telligen. rwähnt, auf die ranlaßt, ülle der Grund ſen wir gentheil vo dieſe gewiſſen chtungen a könne, g jedoch denn die wie in daß der ung hin einwärts, ppur viel Schaar, hickt, um Richtung üchtlinge Dieſer letztere Befehl beunruhigte Peter ungemein, denn auf dieſe Weiſe kam ein feindlicher Haufen ſeinen Schutz⸗ befohlenen in den Rücken und ihre Lage wurde doppelt gefähr⸗ det. Die Sache war jedoch nicht zu ändern und der große Häuptling ſah die Schaar abziehen, ohne daß er es wagte, eine Einrede, einen Tadel, oder Bemerkungen irgend einer Art laut werden zu laſſen. Bärenfleiſch rief jetzt die noch anweſenden Häuptlinge zur Berathung und fragte, welche Schritte zunächſt zu thun ſeien. „Was ſagt mein Bruder, der ſtammloſe Häuptling?“ fragte er und blickte Peter in einer Weiſe an, welche die Ueberzeugung aller Umſtehenden ausdrückte, er würde im Stande ſein, in dieſer Sache den beſten Rath zu geben.— „Wir haben von ſechs Köpfen nur zwei Scalpe bekommen, und von dieſen iſt einer mit dem Medizin⸗Prieſter begraben worden.“ „Man nimmt denen keine Scalve ab, die entflohen ſind,“ ſagte Peter ausweichend.„Wir müſſen dieſe Blaßgeſichter erſt fangen. Wenn man ſie gefunden hat, wird es leicht ſein, ihre Scalpe zu nehmen. Wenn die Canoes fort ſind, wird der Medizin⸗Bienenjäger und ſeine Geſellſchaft wahrſcheinlich in ihnen entflohen ſein. Wir können Alle am Fluß drunten finden.“ Dieſer Anſicht ſtimmten die meiſten Häuptlinge bei, ob⸗ gleich nun die Abſendung einer Schaar, um weiter öſtlich nach Spuren zu ſpähen, wiederholt gebilligt wurde. Die Wilden waren ſo zahlreich und der Blaßgeſichter ſo wenige, daß eine Vertheilung ihrer Macht keine bedenklichen Folgen haben konnte, und man nahm es allgemein als das rathſamſte an junge Männer nach allen Richtungen aäszuſenden. — 230— Demungeachtet erwarteten Alle, man werde die Flücht⸗ linge auf oder an dem Fluſſe einholen, und Bärenfleiſch deutete darauf hin, daß es das Beſte ſei, wenn ſie ſelbſt bald möglichſt flußabwärts zögen. „Wann hat unſer Bruder die Blaßgeſichter zuletzt geſehen?“ fragte Krähenfeder.„Dieſer Bienenjäger iſt mit dem Fluſſe ſehr bekannt und hat vielleicht ſchon geſtern ſeine Reiſe ange⸗ treten, möglich, daß er bereits aufbrach, als er von dem großen Rathe im Prärien⸗Kreiſe kam.“ 3 Dieß war ein neuer Gedanke, und man fand ihn ſehr wahrſcheinlich. Alle Augen wendeten ſich Peter zu, welcher plötzlich ſah, daß eine ſolche Anſicht den Flüchtlingen ſehr zu Statten kommen könne, und ſich daher geneigt fühlte, ſie zu ermuthigen und zu ſtützen. Er fühlte jedoch, daß es ſchwer ſei, eine ausweichende Antwort zu geben, und mußte vor Allem darauf denken, ſich nicht bloßzuſtellen. Statt daher eine ein⸗ fache, beſtimmte Antwort zu geben, nahm er ſeine Zuflucht zu einer Ausrede. „Mein Bruder hat recht,“ antwortete er.„Die Blaß⸗ geſichter hatten Zeit, den Fluß hinabzugehen, und einen kleinen Vorſprung zu gewinnen. Wie meine Brüder wiſſen, habe ich, gleich ihnen, auf dem Prärien⸗Kreiſe geſchlafen. Heute war ich bekanntlich bei ihnen, als wir an der Quelle im Wieſengrunde Rath pflogen.“ Alles dieß war bis auf einen gewiſſen Grad wahr, nur wurde einiges ſehr Weſentliche verſchwiegen. Niemand ſchien Mißtrauen in den großen Häuptling zu ſetzen, deſſen Anhäng⸗ lichkeit an ſeine Grundſätze, wie man allgemein glaubte, bis zur Schwärmerei ſtieg. Keiner der Anweſenden hatte eine Ahnung von der Macht des unſichtbaren Geiſtes Gottes, welcher d Menſchen Wir jetzt dieſe ſelten das Zeit beſti heit eben tete, wie Was die den enger Pfade no Wie war auch gebrocher die recht⸗ Lichte de Unt. Herz erg ſterbende herabflel war ein ihn übt auf die welche man ein ganze C Flücht⸗ ifleiſch t bald hen?“ Fluſſe ange⸗ n dem jn ſehr welcher ſehr zu ſie zu ſchwer r Allem ine ein⸗ lucht zu e Blaß⸗ d einen wiſſen, ſchlafen. Quelle ihr, nur id ſchien Anhäng⸗ ibte, bis atte eine Gottes, — 231— welcher die Herzen umwandelt und die Wiedergeburt des Menſchen herbeiführt. Wir wollen jedoch nicht behaupten, Peter habe bereits jetzt dieſe große Umwandlung erfahren. Sie iſt allerdings ſelten das Werk eines Augenblicks, obgleich es in der neuern Zeit beſtimmt erwieſene Beiſpiele gegeben hat, wo die Wahr⸗ heit ebenſo raſch und wunderbar die Seelen Einzelner erleuch⸗ tete, wie es bei dem heiligen Paulus ſelbſt der Fall war. Was dieſen außerordentlichen Wilden betrifft, ſo war er in den engen, ſchmalen Weg eingetreten, aber auf dem ſchwierigen Pfade noch nicht weit vorgerückt. Wie aber ſtets der erſte Schritt der ſchwierigſte iſt, ſo war auch hier, durch Gottes unendliche Gnade, die Bahn gebrochen, und es war zu hoffen, daß der Geiſt, welcher ihm die rechte Richtung gezeigt, ihn auch ſteis weiter dem wahren Lichte des geiſtigen Lebens entgegenführen werde. Unter den tauſend Mitteln, durch welche das menſchliche Herz ergriffen und gerührt wird, hatte der Anblick eines ſterbenden Menſchen, welcher den Segen auf ſeine Feinde herabflehte, den tiefſten Eindruck auf Peter gemacht. Dieß war ein Angriff auf die Sünde, die am meiſten Gewalt über ihn übte, auf den feſteſten Punkt ſeines wilden Charakters, auf die geheimen Verſtecke ſeiner Gewohnheiten und Neigungen, welche plötzlich offen vor ihm dalagen. Es war, als gäbe man einen Hauptſchlüſſel in die Hand deſſen, der durch das ganze Gebäude wandern will, um es zu reinigen. — 232— Elftes Kapitel. Der Faun, der Satyr iſt ſtets dienſtbereit, Schickſt du ibn aus, ſei nah' es oder weit, Im halben Schlaf den Haſen zu erhaſchen; Den Adler in dem Neſt zu überraſchen, Eh' auf das Lamm er ſtürzt in Thalesgründen; Mit Zauberkraft den Hirten zu umwinden, Ihn lehrend, den verlornen Weg zu ſinden. Keats. Man wird es ganz natürlich finden, daß die Geſellſchaft, welche Peter in den Canoes zurückgelaſſen hatte, ſich in einem Zuſtande großer Unruhe und Beſorgniß befand. Die Entfer⸗ nung zwiſchen dem Shanty und ihrem jetzigen Verſtecke betrug kaum mehr als eine Ziertelmeile, und trotz des dichten Waldes, der ſie umgab, hatte das Gellen der Wilden ihr Ohr oft erreicht. Dieſe Nähe war an ſich ſchon ſchrecklich, aber die Ungewißheit, in welcher le Bourdon in Bezug auf Peter's wirkliche Geſinnungen ſchwebte, mußte ſeine Unbehaglichkeit in hohem Grade ſteigern. Er wußte natürlich nur wenig von der großen Umwandlung, welche die Gefühle dieſes geheim⸗ nißvollen Häuptlings überkommen hatte, auch iſt es nicht wahrſcheinlich, daß er im Stande geweſen wäre, ſie zu wür⸗ digen, hätte er jener Thatſache ſich auch ganz verſichert. Unſer Held war mit den Grundlehren des Chriſtenthums ſehr wenig bekannt, und würde es wahrſcheinlich für unmöglich gehalten haben, daß eine ſo große Veränderung in dem Gemüth eines Menſchen Platz greifen könne, wenn man ihm die wahre Sachlage erörtert hätte. Er würde gewiß ohne Weiteres zugegeben haben, daß mit Gottes Beiſtand Nichts A unmöglich ſein, den beſondern aus keine Einfluſſe Dah geeignet, es ihm it Mit einer beſt Geſellſcha Gatten b hatte ſie wenn ſie Bezug ar le Bourd Gefühl, ſeiner zu oder Han Was betrifft, f ihren rel Mißtraue ſo weit l entledigen voon dem Vertraue nutzlos ſe eindringe werden, ſtbereit, oder weit, erhaſchen; chen, esgründen; winden, zu ſinden. eats. eſellſchaft, in einem ie Entfer⸗ cke betrug n Waldes, Ohr oft aber die if Peter's haglichkeit ur wenig es geheim⸗ es nicht zu wür⸗ verſichert. hums ſehr unmöglich in dem man ihm ewiß ohne nd Nichts — 233— unmöglich ſei, ebenſo leicht aber dürfte er geneigt geweſen ſein, den Einfluß ſeines heiligen Geiſtes, wie er in dieſem beſondern Falle ſich kundthat, in Abrede zu ſtellen, und zwar aus keinem andern Grund, als weil er ſelbſt einem ſolchen Einfluſſe ſtets fremd geblieben war. Daher war auch Alles, was Peter geſagt hatte, eher geeignet, ihn über das, was ſich begeben, irre zu führen, als es ihm in ſeiner wahren Farbe zu zeigen. Mit Margaret verhielt ſich dieß anders. Sie war in einer beſſern Schule geweſen, als alle übrigen Glieder der Geſellſchaft, und während ſie das mannhafte Aeußere ihres Gatten bewunderte und ſeinen offenen, edeln Charakter liebte, hatte ſie ſich mehr als einmal ſchmerzlich berührt gefühlt, wenn ſie gezwungen war, ſeiner großen Gleichgiltigkeit in Bezug auf heilige Dinge zu denken. Dieſe Gleichgiltigkeit le Bourdon's war jedoch eher ein leidendes, als ein thätiges Gefühl, und ſteigerte eher ihre freundliche Theilnahme an ſeiner zukünftigen Wohlfahrt, als es ihr jetzt durch Worte oder Handlungen peinlich entgegentrat. Was aber des jungen Paares Vertrauen auf Peter betrifft, ſo waren Beide darin viel weiter geſchieden, als in ihren religiöſen Anſichten. Der Bienenjäger war nie ohne Mißtrauen geweſen, obgleich ſeine Beſorgniſſe dann und wann ſo weit beſchwichtigt waren, daß er ſich derſelben beinahe ganz entledigen zu dürfen glaubte, während das junge Weib ſchon von dem Beginn ihrer Bekanntſchaft an das unbedingteſte Vertrauen auf den Häuptling ſetzte. Es dürfte vielleicht ganz nutzlos ſein, in die Gründe dieſer Gefühlsverſchiedenheit tiefer eindringen zu wollen, es kann aber nicht in Abrede geſtellt werden, daß es geheime Quellen der Sympathie gibt, welche — 234— Einzelne zu einander hinziehen, während entgegengeſetzte Gefühle zwiſchen Anderen eine weite Kluft eröffnen. Menſchen begegnen ſich zum erſten Mal, und fühlen ſich gegenſeitig angezogen wie zwei Tropfen Waſſer, oder abgeſtoßen wie die Korke einer Elektriſirmaſchine. Das Erſtere galt von Peter und Margaret. Von dem erſten Augenblick an that ſich ihre geiſtige Verwandtſchaft kund, und freundliche Dienſtleiſtungen ſteigerten bald dieſes Gefühl. Das Mädchen hatte nun ſo viele Indianer geſehen, daß ſie ſie ziemlich betrachtete wie andere Menſchen, oder ihre Annäherung gern oder ungern ſah, wie dieß uns Allen, unſeren Mitmenſchen gegenüber, zu geſchehen pflegt, ſie fühlte keinen beſondern Grund zu einer Entfremdung. Freilich würde Margaret ſich ſchwerlich in einen jungen Indianer verliebt haben, hätte ſich Einer von paſſendem Alter und Charakter ihr genähert, denn ihre amerikaniſchen Anſichten in Betreff der Farbe würden in einem ſolchen Falle Schwierigkeiten aufgeworfen haben, abgeſehen aber von den zärtlichen Gefühlen konnte ſie in dem Urbewohner, wie in dem weißen Manne gute und ſchlechte Eigenſchaften unterſcheiden. In Folge dieſer Sympathie zwiſchen Peter und Margaret hatte Letztere ſtets das größte Vertrauen auf den Schutz und die Freundſchaft des Erſtern gefühlt. Dieß war ſelbſt der Fall, während der Kampf in ſeiner Bruſt rege war⸗ ob er ſie in ſeine grauſamen Pläne einſchließen, oder eine Ausnahme zu ihren Gunſten zugeſtehen ſollte. Es deutet auf die Launenhaftigkeit unſerer Gefühle hin, daß Margaret zu Taubenflügel nie Zutrauen faſſen konnte, obgleich dieſer ein inniger Freund le Bourdon's war, und nur bei ihnen blieb, weil er ihnen nützlich zu ſein wünſchte. Etwas Rau höflich und ſie ihm vor ſich ihm ent nahe zu tre ſchaften ein Der g Margaret e ganzen Umf gewürdigt worden. E in das Gen higen, ſofer: Dieſes in einer Un uach Peter' „Ich n haut, Marg haltung, al⸗ „Peter ch glaube, uns die Wit wegen Taul „Ich b „Ich f mir nur l ihn. Der Kalamazoo geſtmmt.“ „Weiß unter dem eengeſetzte Menſchen egenſeitig wie die Von dem andtſchaft ald dieſes r geſehen, oder ihre n, unſeren lte keinen ch würde er verliebt Charakter in Betreff Gefühlen 1 en Manne Margaret Schutz und ſelbſt der „ ob er ſie Ausnahme hefühle hin, ſſen konnte, ar, und nur n wünſchte. — 235— Eiwas Rauhes in ſeinem Weſen, das überhaupt weniger höflich und zuvorkommend war, als das des Häuptlings, hatte ſie ihm von vornherein abgeneigt gemacht, und nachdem ſte ſich ihm entfremdet, fühlte ſie ſich nie wieder geneigt, ihm ſo⸗ nahe zu treten, daß ſie über ſeine guten oder ſchlimmen Eigen⸗ ſchaften ein ſicheres Urtheil hätte haben können. Der große Wechſel in den Gefühlen Peter's wurde von Margaret ebenſo wenig, wie von ihrem Gatten, nach ſeinem ganzen Umfange verſtanden, obgleich ſie ihn vielleicht am beſten gewürdigt hätte, wäre ihre Aufmerkſamkeit darauf gelenkt worden. Es bedurfte jedoch einer ſolchen genaueren Einſicht in das Gemüthsleben des Häuptlings nicht, um ſie zu beru⸗ higen, ſofern es ſich von Beſorgniſſen von ſeiner Seite handelte. Ddieſes Gefühl der Beruhigung und Sicherheit trat jetzt lin einer Unterhaltung mit le Bourdon zu Tage, welche bald nach Peter's Weggehen ſtattfand. bierigkeiten „Ich wollte, wir wären nicht in den Händen dieſer Roth⸗ haut, Margaret,“ ſagte der junge Mann mit weniger Zurück⸗ altung, als er ſonſt zu bethätigen pflegte. „Peter's? Ich bin über dieſes Wort erſtaunt, Benjamin. Sch glaube, wir könnten nicht in beſſeren Händen ſein, nun uns die Wilden in dieſer Weiſe bedrohen. Wenn Du Beſorgniß wegen Taubenflügel fühlteſt, würde ich dieß begreifen.“ „Ich bürge mit meinem Leben für Taubenflügel.“ „Ich freue mich, dieß von Dir zu hören, denn er gefällt mir nur halb. Vielleicht habe ich ein Vorurtheil gegen ihn. Der Scalp, welchen er drunten an der Mündung des Kalamazoo genommen, hat mich von vornherein gegen ihn Neſtimmt.“ „Weißt Du nicht, Margaret, daß Dein großer Freund unter dem Namen des Scalpir⸗Peter's bekannt iſt?“ — 236— „Ja, ich weiß es ſehr gut, glaube aber nicht, daß er in ſeinem Leben einen Scalp genommen hat.“ „Hat er Dir je Etwas dieſer Art geſagt?“ „Ich wüßte nicht, daß er es geſagt hätte, er hat aber nie mit einer ſolchen Scheußlichkeit vor meinen Augen geprahlt, wie Taubenflügel es that. Dieſer Chippewa gefällt mir nur halb, lieber Bourdon.“ „Sei ſeinetwegen ohne Beſorgniß, Margaret, auch ſehe ich, wenn ich Alles recht bedenke, nicht ein, warum Peter uns hierher gebracht hätte, wenn er Schlimmes gegen uns im Schilde führte. Der Mann iſt ſo geheimnißvoll, daß ich den Winkel zu ſeinem Stocke nicht zu nehmen vermag.“ „Mein Wort darauf, Bourdon, daß Dich Dein Winkel zu einem freundlichen Stocke führen wuͤrde. Ich habe faſt ſo oiel Zutrauen zu Peter, wie zu Dir oder zu Gerſhom. Du haſt gehört, was er von Paſtor Amen und dem Korporal ſagte.“ 8 „Und wie ruhig er dieß Alles nahm,“ antwortete der junge Gatte und ſchüttelte den Kopf.„Es war ein raſches Scheiden für Beide, und man ſollte glauben, ſelbſt ein India⸗ ner müßte es tiefer gefuͤhlt haben.“ Margaret's Wange erblaßte und ihre Lippen bebten ein wenig. Es verging eine volle Minute, ehe ſie im Stande war, das Geſpräch fortzuſetzen. „Dieß iſt ſchrecklich, aber ich will, ich kann es nicht glauben,“ ſagte ſie.„Gewiß, Bourdon, wir müſſen es dem Häuptlinge Dank wiſſen, daß er uns hierher gebracht hat. Bedenke nur, wie ernſt er den Worten des Erlöſers gelauſcht hat. ich ihm dan ſoll! Taub⸗ und nach m wir ſollten trauen.“ „Auch jederzeit Pet „Unſer Wenn wir habe ich ſtet ein herrliche bereitet, wie Das ju den Moorgru zu unterſuche Fluſſes höher und der Bod wo die junge nochte ſich a ſo viele Bäu Weiſe Zugar haſcheinen lie allen Seiten ſumpfige Mo⸗ nb faſt eine Der Bie Nühe, hind koch verſiche . Er klär „Wenn er uns in guter Abſicht hierher gebracht hat, bin Hütte, daß er in r hat aber en geprahlt, lt mir nur auch ſehe Peter uns jen uns im daß ich den dein Winkel habe faſt ſo ſhom. Du n Korporal hwortete der ein raſches t ein India⸗ bebten ein im Stande un es nicht üſſen es dem gebracht hat. ers gelauſcht 1 — 237— ich ihm dankbar dafür. Ich weiß aber kaum, was ich denken ſoll! Taubenflügel hat mir mehr als einen Wink gegeben, und nach meinem Bedünken wollte er mir dadurch andeuten, wir ſollten dieſem unbekannten Indianer nicht zu ſehr ver⸗ trauen.“ „Auch mir hat er ähnliche Winke gegeben, ich würde aber jederzeit Peter eher vertrauen, als ihm.“ „Unſer Leben iſt in der Hand der Vorſehung, Margaret. Wenn wir dieſen zwei Indianern wirklich vertrauen können, habe ich ſtets noch Hoffnung, denn gewiß, Peter hat uns in ein herrliches Verſteck gebracht und der Chippewa hat es bereitet, wie ich von dem Häuptlinge gehört habe.“ Das junge Ehepaar betrat nun das Ufer und begann den Moorgrund in der Umgebung des Landungsplatzes genauer zu unterſuchen. Gerade an dieſer Stelle war das Ufer des Fluſſes höher als faſt überall ringsum, auch war es trocken und der Boden faſt ſandig zu nennnen. Dieß war die Stelle, wo die jungen Fichten gewachſen waren. Der trockene Boden mochte ſich auf vier bis fünf Morgen ausdehnen, und da hier ſo viele Bäume gefällt worden, hatten Licht und Luft in einer Weiſe Zugang, welche den Platz vergleichsweiſe angenehm ſaſcheinen ließ. Die Aeſte der gefällten Bäume boten nach allen Seiten hin einen hinreichenden Schirm, obgleich der ſumpfige Moorboden an ſich ſchon mehr als das war,— denn er uh faſt eine Schutzwehr gegen die Lichtungen hin ab. Der Bienenjäger ſah, daß man ſich, wenn auch mit vieler Nhe, hindurch arbeiten könne, da er ſich dieſes Umſtandes ſoch verſichern wollte, ſtellte er eine gründliche Nachforſchung u. Er klärte eine Stelle für die Frauen und machte eine oct hat, bön k Hütte, welche als Schutz gegen den Regen dienen und — 238— einen nicht unbequemen Aufenthalt für die Nacht bieten konnte. Es war zu erwarten, daß ſie dieſen Ort nicht in den erſten zwei bis drei Tagen verlaſſen würden, wenn Peter es redlich meinte, denn ein früher Aufbruch mußte unvermeidlich zur Entdeckung führen. Man mußte den Indianern Zeit laſſen, ſich weit genug zu entfernen, da ſonſt bei der großen Anzahl Wilden, an ein Entkommen nicht zu denken war. Dieſe Unterſuchungen und Anordnungen hatten ein größe⸗ res Gefühl der Sicherheit in ihrem Gefolge. Von der Seite des Fluſſes her war faſt allein Gefahr zu fürchten. Ein Canoe, welches flußaufwärts ging, konnte in der That ihre Zufluchtsſtätte entdecken, aber es war kaum zu beſorgen, daß Jemand durch Sumpf und Waſſer waten und von einer andern Seite her ſich dem Moorgrunde nähern würde. Unter dieſen Umſtänden begann le Bourdon, ihre Lage als ziemlich geſichert anzuſehen. Wenn er ſich auf Peter ver⸗ laſſen konnte, durfte er jetzt vergleichsweiſe beruhigt ſein und ſeine ganze Aufmerkſamkeit der Sorge für die Behaglichkeit der Seinigen zuwenden. Margaret, die ihm ſelten von der Seite ging, nahm wiederholt die Gelegenheit wahr, der Treue und Verläſſigkeit Peter's das Wort zu reden und brachte es, mittelſt ihres eigenen, tiefen Vertrauens auf ihn, zuletzt dahin, dem Gatten einen Theil ihrer Zuverſicht einzuflößen. Von dieſem Augenblick an arbeitete er mit mehr Eifer und mit bei weitem größerer Sorgfalt in Bezug auf die Ein⸗ zelnheiten an dem für die Frauen beſtimmten Schirmdach und andern kleinen Einrichtungen, welche ihre Lage nothwendig machte. So lange wir wegen unſeres Thuns in Zweifel und ſe Na und Nachr dr. acht bieten cht in den n Peter es vermeidlich anern Zeit der großen war. ein größe⸗ der Seite hten. Ein That ihre rgen, daß ner andern ihre Lage Peter ver⸗ errläſſigkeit elſt ihres f die Ein⸗ ndach und othwendig veifel und auf die Sinn als Eigenſch permag. Di i allen Ver Tauben zu geben, r Sein Berich Scharfblick Spähers her eines ſolchen Mehreren, d eerfundene Na Menſchſließ Taubenfl n, dicflußaufwärts, zuf die Sinne und die P. als Eigenſchaften, welch ermag! Die Unwiſſen in allen Verhältniſſen d Taubenflügel ließ ſe Sein Bericht war Scharfblick und di Spähers hervor. mitzutheilen, den Weſentlichen lau Die vornens 7 wie bereits ange⸗ Reiſch den jungen Män⸗ und eine Abtheilung war Walſich eine günſtige Stelle fand. — die Indianer vor, ſpäheten den Fluß zchten jede Stelle, wo ſich ein Canve bergen Zwiſchen 5 äufer ſteter Bewe Erfolge der Nachfor⸗ Taubenflügel die Rolle mmen hatte, verkehrte er mit Mehreren, denen er abſichtlich in den Weg trat und ſolche Nachrichten mittheilte, welche weſentlich dazu bei⸗ rugen, die jungen Männer auf ihrer falſchen Spur ſtets weiter zu führen. 655 3 Auf dieſe Weiſe zog die Hauptſchaar der Wilden in den denerſten anderthalb Tagen den Fluß hinab, und legte, deſſen gegen ſechszig Meilen zuruͤck. Hier ver⸗ ſe Rothhäute, und wendete ſich wieder um nach ſeinen Freunden zu ſehen. Von Peter 16* 9 hatte ihn weder geſehen, eworden. 3 r Taubenflügel mehreren ſelbſt, wenigſtens dem eelche nach den Flücht⸗ ſchwer geworden, dieſe te zu Krähenfeder's remd. Mit ſeinem ſeine Berichte ohne Mißtrauen n, mit welchen er vorgeblich betra So gelang es? denen er begeg⸗ ihm in dieſer Weiſe Ufer des Kalamazoo von allen ſäubern. Dennoch traf er mit Vielen nicht zuſammen, von denen er wußte, daß ſie ausgezogen, und theils noch im Rücken der Schaar, theils auf eine bedeutende Entfernung nach vornen waren, ſie konnte er daher natürlich nicht auf einen falſchen Weg leiten. In der That war die Zahi der Indianer ſo groß und die der Weißen ſo gering, daß es leicht war, den Pfad mit jungen Kriegern zu bedecken, deren einzelne Abtheilungen ſtark genug waren, zwei Männer und ebenſo iele Frauen gefangen zu nehmen. 4 dbihnenn anbenſugel von ſeinem Thun Nechenſchaft abgelegt hatte, ging er zu ſeinem Vorſchlage hinſichtlich des künftigen 2 die Familie Flucht bewe gerade entge Dieß k übrig zu ſei für die Fra heit annehn amerikaniſch wird es auf Spuren ein bleiben kön⸗ und den Se ebenſo wahr auf der gru Fußſtapfen denen man Dieß iſ als der Chi Ohio, woh mußten, ne hatten, bald meiſten Krie Unter d flußabwärts. mit Ruhe u Mißtrauens in den Vorſe Es war Dieß geſchal der geſehen, el mehreren ggſtens dem den Flücht⸗ orden, dieſe kähenfeder's Mit ſeinem richte ohne welchen er her begeg⸗ nen ſagte, laßgeſichter e, man elang hatte,. einden zu men, von noch im Entfernung nicht auf Zahl der ß es leicht een einzelne und ebenſo Rechenſchaft ichtlich des — 245— künftigen Verhaltens über. Nach ſeinem Bedünken mußte die Familie noch dieſe Nacht die Canves beſteigen und ihre Flucht bewerkſtelligen, indem ſie flußabwärts und den Feinden gerade entgegenging. Dieß klang auffallend, es ſchien jedoch keine andere Wahl übrig zu ſein. Der Weg durch die Halbinſel war jedenfalls für die Frauen zu beſchwerlich, und man konnte mit Gewiß⸗ heit annehmen, daß ihre Spur entdeckt würde. Wer mit den amerikaniſchen Indianern und ihren Sitten nicht bekannt iſt, wird es auffallend ſinden, daß auf einer ſo weiten Strecke die Spuren einer ſo kleinen Geſellſchaft nicht unentdeckt ſollten bleiben können, dennoch war dem ſo. Wer die Wachſamkeit und den Scharffinn dieſer Wilden nicht kennt, muß es für ebenſo wahrſcheinlich halten, daß man der Spur eines Schiffes auf der großen Einöde des Meeres folgen könne, als daß Fußſtapfen ſo unvertilgbar ſein ſollten, daß ſie Zeichen böten, denen man Tagelang zu folgen vermöchte. Dieß iſt jedoch der Fall, und Niemand wußte dieß beſſer, als der Chippewa. Er ſah auch ein, daß das Land gegen Ohio, wohin die Flüchtlinge natürlich ihren Weg nehmen mußten, nachdem die Engländer ſich Detroit's bemächtigt hatten, bald eine Art Schlachtfeld abgeben würde, dem die meiſten Krieger dieſer Gebiete eifrig zuſtrömen dürften. Unter allen dieſen Umſtänden rieth er daher zur Flucht flußabwärts. Le Bourdon überdachte Alles, was er hörte, mit Ruhe und Beſonnenheit, und da er ſich eines gewiſſen Mißtrauens gegen Peter nicht entſchlagen konnte, trat er bald in den Vorſchlag ein und machte ihn zu dem ſeinigen. Es war jetzt nothwendig, die Canoes wieder zu laden. Dieß geſchah im Verlaufe des Tages, und man traf alle 1 — 246— Anſtalten, um mit dem Einbruche der Dunkelheit zur Abreiſe bereit zu ſein. Alle freuten ſich des Aufbruchs, obgleich Alle wohl fühlten, welcher Gefahr ſie entgegengingen. Beſonders fühlten die Frauen ihr Herz zagen, als jede, in dem Canoe ihres Gatten, aus dem Verſteck in den offenen Fluß trat. Taubenflügel führte die kleine Flotte an. Mit langſamem, aber ſicherem, ruhigem Ruderſchlage trieb er ſein Canoe entlang, und hielt ſich ſtets ſo dicht als möglich an dem einen Ufer. Indem er dieſe Vorſichtsmaßregel anwendete, gelang es ihm, die Canoes den Augen Aller zu entziehen, welche ſich auf dieſer Seite des Fluſſes befanden, wenn ſie nicht nahe am Ufer waren, während die Schatten der Nacht ihn gegen den Späherblick derer ſchützten, welche vielleicht das entgegengeſetzte Ufer bewachten. Auf dieſe Weiſe gleitete unſere Geſellſchaft unentdeckt an der Stelle, wo das Shanty geſtanden, und an dem Theile der Lichtungen vorüber, welche es umgaben. Da der Fluß natürlich durch die niedrigſten Theile des Landes ſeinen Weg nahm, waren ſeine Ufer faſt überall mit dichtem Walde beklei⸗ det, und boten den Flüchtlingen einen willkommenen Schutz, und dieß um ſo mehr, als dieſe Wälder oft von ſumpfigen Moorgründen umgeben waren, in welche ſich Späher nicht leicht verirrten. Gegen Mitternacht erreichten die Canoes die erſte Schnelle des Fluſſes. Eine Stunde ging mit Aus⸗ und Einladen und dem Uebertragen der Canoes verloren.⸗ Sobald dieſe Schwie⸗ rigkeiten beſeitigt waren, ſchiffte die Geſellſchaft ſich wieder ein, und man nahm die Ruder abermals zur Hand, um einen beſonders geſchutzten Strich des Fluſſes zu erreichen, ehe der Tag anbrach. Dieß gelang, und die Geſellſchaft landete. Es fumpfigen während durch wel waren zu düſter, v wie ſie n daß ſie d ſcheinlich ſuchen w Der lichen S mehreren eingetrete und in während zu dieſer eine geſch Abend ve Tau Kanal, anlegte: ſtätte fü ununterb und eine Tro ſchreiten einen N ein tücht über diem bemerkt * ur Abreiſe gleich Alle Beſonders dem Canoe Fluß trat. angſamem, ve entlang, einen Ufer. g es ihm, e ſich auf nahe am gegen den egeengeſetzte nentdeckt an dem Theile der Fluß ſeinen Weg alde beklei⸗ nen Schutz, ſumpfigen päher nicht eſte Schnelle inladen und leſe Schwie⸗ ſich wieder d, um einen den, ehe der landete. — 247— Es ergab ſich jetzt, daß Taubenflügel abermals einen ſumpfigen Moorgrund gewählt hatte, wo die Flüchtlinge ſich während des Tages verſteckt halten ſollten. Dieſe Moorgründe, durch welche ſich der Kalamazoo in kurzen Strichen ſchlängelte, waren zu ſolchen Zwecken bewundernswürdig geeignet. Dunkel, düſter, von der Seite des Landes her faſt undurchdringlich, wie ſie waren, ſchien es auf den erſten Blick unwahrſcheinlich, daß ſie Jemand betreten würde. Auch war es ſehr unwahr⸗ ſcheinlich, daß Frauen an einem ſolchen Ort eine Zufluchtsſtätte ſuchen würden. Der Chippewa hatte jedoch Mittel gefunden, den natür⸗ lichen Schwierigkeiten der Niederungen zu begegnen. An mehreren Stellen war das Flußwaſſer in den Moorgrund eingetreten, wodurch kleine Arme und Buchtungen entſtanden, und in die größte dieſer ließ er jetzt ſein Canoe einlaufen, während ihm die anderen folgten. Indem man ſeine Zuflucht zu dieſem Auskunftsmittel nahm, ſicherte man ſich vielleicht eine geſchütztere Stelle, als die war, welche man am vorigen Abend verlaſſen hatte. Taubenflügel ruderte ſein leichtes Boot in den ſeichten Kanal, bis er ein Stück trockenen Landes erreichte, wo er anlegte und die Geſellſchaft bedeutete, dieß ſei ihre Zufluchts⸗ ſtätte für den Tag. Alle waren erfreut, nach achtſtündigem, ununterbrochenem Rudern und peinlicher Aufregung das Ufer und eine Stelle zu betreten, welche Sicherheit verſprach. Trotz der Schnellen und Tragſtellen, welche ſie über⸗ ſchreiten mußten, berechnete le Bourdon, daß ſie in dieſer einen Nacht dreißig Meilen zurückgelegt hatten. Dieß war ein tüchtiger Vorſchritt, und allem Anſcheine nach waren ſie über dieſe weite Strecke weggekommen, ohne von den Feinden bemerkt zu werden. * — 248— Der Chippewa ſchien ſehr zufrieden zu ſein, und ſobald er ſein Canoe befeſtigt hatte, zündete er ſeine Pfeife an und ſetzte ſich ruhig und behaglich nieder, um den Rauch des duftigen Krautes in ſich zu ziehen. „Ihr glaubt alſo, Taubenflügel, wir könnten den Tag hier in Sicherheit hinbringen?“ fragte le Bourdon, indem er an den gefallenen Baum trat, auf welchem der Indianer Platz genommen hatte. „Gewiß, kein Pottawattamie hierher kommen. Zu naß. Naß nicht gern haben. Nicht Ente, nicht Gans ſein, lieber trocken Land, gerade wie Squaw.— Das guter Bacci, Bour⸗ don, hoffen, Ihr mehr für Freund haben.“ „Ich habe deſſen genug für uns Alle, Taubenflügel, und Ihr ſollt Euren vollen Antheil bekommen. Sagt mir jetzt, wann werden wir wieder aufbrechen, und wo ſollen wir den morgigen Tag hinbringen?“ „Grad wie das. Viel Moor und Sumpf, Bourdon, an Kekalamazoo.**) Canoe laufen laſſen in Sumpf, dann ſicher genng. Inſchins dort nicht nachſuchen, weil er nicht um ſich her blicken können. Er nicht lieben Sumpf. Große Gefahr drunten an Mündung des Fluſſes.“* 4 „So kam es mir anch vor, Chippewa. Die Indianer müſſen dort in großer Anzahl verſammelt ſein, und es dürfte uns nicht leicht werden, an ihnen vorüber zu kommen. Wie gedenkt Ihr es anzufangen?“ Bor „Gehen bei Nacht hinein. Kein ander Weg. Wenn 2) Dieß iſt die eigentliche indianiſche Schreibung und Ausſprache des Wortes, die Weißen haben jedoch beliebt, die erſte Sylbe zu Kreichen. Der Verfaſſer. nicht ſe Ding Hoffen Scalp. es ſehr anhalte D Art, w wenigſt ſicht ur ihr den mitzuth Di geſchah gefährl aufſteig Lager . Entfern heit vo lenartit den W wallen, weiß. un ein Feu nd ſobald 2an und kauch des den Tag n, indem Indianer Zu naß. n, lieber ci, Bour⸗ ügel, und mir jetzt, n wir den irdon, an ann ſicher It um ſich ze Gefahr Indianer es dürfte ien. Wie Wenn zſprache des e Sylbe zu rfaſſer. — 249— nicht ſehen kann, das gut. Dort eine Menge Rohr, das gut Ding und uns vielleicht helfen. Rohr guter Schutz für Canve. Hoffen auch, wenn wir dort hinabkommen, erhalten mehr Scalp. Gewiß viel Pottawattamie um die Hütte dort, und es ſehr hart, wenn nicht erhalten Scalp von ihm. Ihr doch anhalten und Cache aufgraben wollen, he, Bourdon?“ Die ruhige und, wenn wir ſo ſagen dürfen, gemüthliche Art, wie der Chippewa ſeine Abſichten laut werden ließ, hatte wenigſtens die⸗Wirkung, daß der Bienenjäger in ſeiner Zuyver⸗ ſicht und in ſeinem Vertrauen noch mehr beſtärkt wurde. Er konnte die Gefahr nicht für ſehr bedeutend halten, ſo lange ein ſo erfahrner Mann wie Taubenflügel mit ſo vieler Ver⸗ läſſigkeit auf ſein künftiges Thun ſchaute. Nachdem der Bienenjäger ſich noch eine kleine Weile mit dem Indianer beſprochen hatte, ſuchte er Margaret auf, um ihr den gebührenden Antheil an ſeinen eigenen Hoffnungen mitzutheilen. Die Schweſtern bereiteten eben das Frühſtück. Dieß geſchah, ohne daß ſie ſich des Feuers bedienten, da es zu gefährlich geweſen wäre, Rauch über die Wipfel der Bäume aufſteigen zu laſſen. Durch den Rauch ſind ſchon ſehr viele Lager entdeckt worden, denn man ſieht ihn auf eine große Entfernung, und es iſt ſtets ein ſicheres Zeichen der Anweſen⸗ heit von Menſchen, wenn er in kleinen Windungen oder ſäu⸗ lenartig emporwirbelt. Dieſer Rauch iſt ſehr verſchieden von den Wolken, welche über brennende Prärien qualmen und wallen, und deren Entſtehung der Indianer ſogleich zu deuten weiß. unſere Flüchtlinge hatten ſich in ſo hohem Grade gehütet, ein Feuer anzuzünden, daß ſie lieber in der Nacht gekocht hatten, — — 250— wobei ſie die größte Vorſicht beobachteten, daß man das Feuer nicht ſah, und daß es, lange ehe der Tag graute, wieder aus⸗ gemacht wurde. Ein Vorrath kalten Fleiſches war ſtets zur Hand, und wenn dieß nicht der Fall geweſen wäre, würden ſich die Flüchtlinge mit Beeren begnügt, oder, im Nothfalle, gefaſtet haben, denn Alles war dem Ungemach, in Gefangen⸗ ſchaft zu gerathen, weit vorzuziehen. Sobald die Geſellſchaft ihr Frühſtück eingenommen hatte, wurden Anſtalten getroffen, um ſich durch Schlaf zu ſtärken. Taubenflügel hatte, nach indianiſcher Weiſe, ungemein viel gegeſſen, denn nur eine gehörige Menge Wildpret konnte ſei⸗ nem Appetit genügen. Als er gegeſſen hatte, legte er ſich auf den Boden ſeines Canoes und entſchlief. Die Uebrigen ſorgten für eine ähnliche Anordnung, und eine halbe Stunde nach dem Frühſtücke lagen Alle in tiefem Schlaf. Eine Wache hielt man nicht für nöthig, und ſie wurde nicht ausgeſtellt. Die Ruhe des Müden iſt köſtlich. Viele Stunden ver⸗ gingen, ehe die Geſellſchaft erwachte, ſobald der Chippewa aber ſich rührte, waren Alle auf den Füßen. Die Sonne ſtand bereits tief und es war Zeit, daß man an das Mahl dachte, welches die Kräfte ſtärken ſollte, um den Arbeiten und Mühen einer zweiten anſtrengenden Nacht entgegen zu treten. Dieß geſchah, und alle Vorbereitungen zum Aufbruche waren getroffen, ehe die Sonne unterging. Die Canoes wur⸗ den jetzt bis an die Mündung des Kanals hinausgeſchafft. Hier machte man Halt, und eine Berathung fand Statt, in welcher Weiſe vorzuſchreiten ſei. 4 Sobald die Schatten des Abends den Fluß einhüllten, ſetzten die Flüchtlinge ihre Reiſe fort. Der Himmel war mit Wolke waren deckt z ten an der F 3 flußau nen W Er üb Haupt 2 neuen wo die Auf d und er ſchaft T berecht eine ſi heit ei . A gekom Stund größte Nacht den J ſchaft falls e A wöhn! as Feuer der aus⸗ tets zur würden tothfalle, efangen⸗ en hatte, ſtärken. lein viel nnte ſei⸗ ſich auf ig, und n tiefem und ſie den ver⸗ Lhippewa Sonne s Mahl iten und u treten. lufbruche des wur⸗ geſchafft. btatt, in nhüllten, war mit wöhnlich dichten Wald ſloß, hörte Taubenflügel an dem Fluſſe, — 251— Wolken bedeckt und die Nacht dunkel. Die Ufer des Fluſſes waren hier ſo umwaldet, daß man kaum fürchten durfte, ent⸗ deckt zu werden. Die Tragſtellen und Flußſchnellen verurſach⸗ ten am meiſten Aufenthalt, wie dieß auch in der vorigen Nacht der Fall geweſen. Zum Glücke war le Bourdon durch ſeine vielen Reiſen flußauf und flußab mit dem Wege ſo bekannt, daß er auf ſei⸗ nen Windungen einen ganz erträglichen Lootſen abgeben konnte. Er übernahm die Leitung, und gegen Mitternacht waren die Hauptſchwierigkeiten dieſer Nachtreiſe überwunden. Als der Tag herannahte, bezeichnete Taubenflügel einen neuen Flußarm, welcher wieder in einen Moorgrund führte, wo die Geſellſchaft für den kommenden Tag eine Zuflucht fand. Auf dieſe Weiſe verfloſſen vier Nächte auf dem Kalamazoo und ebenſo viele Tage in Moorgründen, ohne daß die Geſell⸗ ſchaft eutdeckt worden wäre. Der Chippewa hatte Zeit und Entfernungen ſehr gut berechnet. Jeden Morgen erreichte man zur gehörigen Stunde eine ſichere Stelle, und jeden Abend war, ſobald die Dunkel⸗ heit einbrach, Alles zur Abfahrt bereit. Auf dieſe Weiſe waren die Flüchtlinge ſo weit flußabwärts gekommen, daß ſie nun ohne große Anſtrengung in wenigen Stunden die Mündung des Fluſſes erreichen konnten. Die größte Vorſicht war jetzt nöthig, denn im Laufe der letzten Nacht hatte man an mehreren Punkten Spuren von anweſen⸗ den Indianern bemerkt. Bei einer Gelegenheit war die Geſell⸗ ſchaft ſo nahe daran, entdeckt zu werden, daß wir dieſes Vor⸗ falls erwähnen müſſen. An einer Stelle, wo der Kalamazoo durch einen unge⸗ —— vor ihm, Stimmen. Ein Indianer rief einem andern zu und bat, ihn in einem Canoe über das Waſſer zu fahren. Es war zu ſpät um die Canves zu wenden, und über die Nähe oder Entfernung der Gefahr herrſchte ſo viel Ungewiß⸗ heit, daß der Chippewa es für das Gerathenſte hielt, die drei Canoes zuſammentreten und über den Punkt weggleiten zu laſſen, welchen, wie man vermuthete, oder vielmehr wußte, der Feind inne hatte. Dieß geſchah mit der größten Vorſicht, und der Anſchlag gelang vollkommen, obgleich man dabei die größte Gefahr lief. Die Canoes liefen ungeſehen vorbei, aber eine Minute lang glaubte le Bourdon nach den Tönen, die Wilden, welche miteinander ſprachen, könnten nicht hundert Fuß von ihm ent⸗ fernt ſein. Dieſer Umſtand trug jedoch dazu bei, das Gefühl der Sicherheit bei unſern Freunden zu ſteigern, denn die Verfolger mußten glauben, die Fliehenden könnten auf dem Fluſſe weiter unten keine Zuflucht geſucht haben. Man machte an dieſem Morgen früher Halt, als man bisher zu thun pflegte. Dieß geſchah, weil die Entfernung bis zur Mündung des Fluſſes jetzt ſo gering war, daß die Geſellſchaft, hätte ſie die Fahrt fortgeſetzt, mit dem anbrechen⸗ den Tage den See zu Geſicht bekommen hätte. Dieß mußte jedenfalls vermieden werden. Ebenſo wichtig aber war es auch, daß den Wilden die Richtung, welche ſie einſchlugen, ein Geheimniß blieb.— Wenn ſich die Häuptlinge vergewiſſerten, daß ihre beab⸗ ſichtigten Opfer auf dem Michigan⸗See waren, konnten ſie leicht Abtheilungen ihrer Krieger über die Landzunge ſchicken, denen es möglich ward, mehrere Tage vor der Ankunft des Bienen zum 2 erreiche kommen um ihr M See di le Bon liefen, der Bo ungewi hem I wöhnlie aber th und Ur D Moorg⸗ nung v an eine war, u in den Do genug rohr ſie benes( Vorthei zu wäh Ta erreicht Geſellſe Strecke zu und iber die ngewiß⸗ die drei iten zu ußte, nſchlag Gefahr Minute welche )m ent⸗ hl der rfolger weiter s man ernung aß die rechen⸗ mußte 3 auch, 1,gein beab⸗ ten ſie hicken, ift des — 253— 4 Bie nenjägers und der Seinigen in der Nähe von Saginaw, zum Beiſpiele, oder vor Pointe aux Barques, Punkte zu erreichen, wo die Candes aller Wahrſcheinlichkeit nach vorüber kommen mußten, und wo ſie ſich in Hinterhalt legen konnten, um ihre Zwecke zu erreichen. Man hielt es daher für ſehr weſentlich, ſelbſt auf dem See die Richtung, die man einſchlug, geheim zu halten, obgleich le Bourdon nicht zweifelte, daß ſeine Canves viel raſcher liefen, als die der Wilden. Die Indianer ſind in der Führung der Boote nicht ſehr geſchickt, während der Bienenjäger eine ungewöhnliche Gewandtheit beſaß, eine Rinde⸗Barke bei rau⸗ hem Wetter zu handhaben. Er war kein Seemann, im ge⸗ wöhnlichen Sinne dieſes Wortes, in ſeinem eigenen Boote aber that er es dem erfahrenſten Seemann an Geſchicklichkeit und Umſicht zuvor. Der Landungsplatz an dieſem Morgen war nicht an einem Moorgrunde, denn ein ſolcher war nieh in paſſender Entfer⸗ nung von der Mündung zu finden. Man legte im Gegentheil an einer Lichtung an, die jedoch ziemlich mit Bäumen beſetzt war, und durch welche ein kleiner Bach floß, der ſein Waſſer in den Kalamazoo ergoß. Der Chippewa hatte ſich dieſen Bach gemerkt, der tief genug war, um die Canves aufzunehmen, und in deſſen Ufer⸗ rohr ſie völlig verſteckt lagen. Ein kleines, von Erlen umge⸗ benes Gebüſch bot einen geſchützten Raum am Ufer, und dieſe Vortheile bewogen den Indianer, dieſe Stelle zum Lagerplatze zu wählen. 4 Taubenftügel ſuchte, als man dieſen heimlichen Platz erreicht hatte, nicht, wie ſonſt, die Ruhe, ſondern verließ die Geſellſchaft, um die Umgegend auszuſpähen. Er ging eine Strecke im Bache hinauf, um ſeine Spur zu bergen, und — 254— ſchritt dann in weſtlicher Richtung, oder der Mundung des Fluſſes zu, über die Lichtung hin. Le Bourdon und die Sei⸗ nigen aßen und ſchliefen, wie gewöhnlich, ungeſtört, erwachten aber mehrere Stunden vor dem Anbruche der Nacht. So weit war das wichtige Werk glücklich vollbracht. Die Canoes hatten dieſe Stelle des Fluſſes mit einem Erfolg erreicht, welchem nur die Kühnheit eines ſolchen Schrittes und die Umſicht und Geſchicklichkeit, mit welcher er ausgeführt worden, gleichgeſtellt werden konnte. Taubenflügel hatte eine Karte von dem Kalamazoo in ſeinem Kopfe und ſchien nie in Verlegenheit, wo er den Platz, welchen er ſuchte, finden ſollte. Allerdings hatte er ſeit ſeiner früheſten Kindheit dieſe Lichtun⸗ gen nach allen Seiten durchſtreift, und der Indianer kommt ſelten an einer Stelle vorüber, welche ihm nach ſeinen Sitten nützlich zu werden verſpricht, ohne ſich ihre Eigenthümlich⸗ keiten in einer Weiſe zu merken, daß ſie ihm in dem rechten Augenblicke zuverläſſig dienſtbar wird. Während Margaret ſich jetzt ganz der Hoffnung hingab, fühlte der Bienenjäger ſich von Beſorgniſſen bedrängt. Sie ſah Alles roſenfarben, denn ſie war jung, glücklich und un⸗ ſchuldig, er aber wußte ſehr wohl, daß der ernſteſte Augenblick ihrer Flucht jetzt herannahe. Er kannte die Wachſamkeit der amerikaniſchen Wilden, und konnte ſich über das höchſt Bedenk⸗ liche ihrer Lage nicht täuſchen. Die Mündung des Fluſſes war unter allen Punkten gerade der, welcher gewiß am ſorg⸗ fältigſten bewacht wurde, und um da vorüber zu kommen, war nicht nur Geſchicklichkeit und Muth, ſondern auch die ſchützende Hand der Vorſehung nothwendig. Es konnte wohl helingen⸗ aber die Wahrſcheinlichkeit ſprach ſehr dagegen — Me angebor eine Sch die Schl — faſt benflüge was es jedoch ei ſich ſehe Ma raum ge als ein Schritte Ein ſie errei Rücken war, der ung des die Sei⸗ wachten Llbracht. Erfolg ttes und zgeführt ttte eine nie in ſollte. Lichtun⸗ kommt Sitten hümlich⸗ rechten hingab, t. Sie und un⸗ genblick kkeit der Bedenk⸗ Fluſſes m ſorg⸗ en, war hützende elingen, Zwölftes Kapitel. Ja, auf ſich ſelber kann der Menſch nicht bauen, Da dieß als eitle Anmaßung ſich ſtets erweiſt: Das Leben kann nicht geiſt’ge Leiden heilen, Die Erde iſt zu eng dem ew'gen Geiſt. Dem Tag, dem Licht entgegenſtrebt die Seele, Wie der Verbannte ſich zur Heimath ſehnt; Doch lockt vom Pfad ihn jede wilde Blume, Der Abgrund ſchreckt ihn, der ihm grauſig gähnt Im Weh'n des Weſtwinds, in des Sturmes Streit Umgibt der Tod uns und— die Ewigkeit! Mrs. Hemans. Margaret fühlte ſich jetzt, ohne Zweifel in Folge jener angebornen Neigung, nach dem Verborgenen zu ſpähen,— eine Schwäche, die ihrem Geſchlecht eigen ſein ſoll, und welche die Schlange benutzte, um Eva zum Ungehorſam zu verführen, — faſt wider Willen verſucht, über die Grenzen, welche Tau⸗ benflügel ihr geſetzt hatte, hinaus zu gehen, um zu ſehen, was es draußen gebe. Sie vernachläſſigte bei dieſem Schritt jedoch eine gewiſſe Vorſicht nicht, und vermied es vor Allem, ſich ſehen zu laſſen. Margaret hatte ihrer Neugierde einen ſo weiten Spiel⸗ raum gegeben, als ſich nur irgend mit der Klugheit vertrug, als ein unerwarteter, erſchreckender Anblick plötzlich ihre Schritte feſſelte. 3 Ein Indianer ſaß, zwanzig Fuß von der Stelle, welche ſie erreicht hatte, auf einem Felsſtück. Er wendete ihr den Rücken zu, ſie war aber überzeugt, daß es nicht Taubenflügel war, denn dieſer hatte ſich in einer entgegengeſetzten Richtung — 256— entfernt, und die Geſtalt des Wilden, welchen ſie vor ſich ſah, war weit ſtärker und maſſiger, als die des Chippewa. Seine Büchſe war, nahe an ſeinem Arm, an den Fels gelehnt, Tomahawk und Meſſer waren in ſeinem Gürtel, dennoch glaubte Margaret, ſo weit ſie ſich deſſen verſichern konnte, er ſei nicht auf einem Kriegspfade, wie es ihres Wiſſens bei denen der Fall war, welche ſie auf dem Prärien⸗Kreis geſehen hatte. Auch die Haltung und das ganze Benehmen dieſes Fremden erſchien ihr auffallend. Obgleich unſere Heldin mehrere Minuten, faſt athemlos vor Schrecken und Angſt, auf ihn ſchaute, um ſein Thun zu erſpähen, ſah ſie ihn kein Glied rühren. Bewegungslos, wie der Fels, anf welchem er Platz genommen hatte, ſaß er dort— ein Bild der Einſamkeit und des Nachdenkens. Es konnte ihr überdieß nicht entgehen, daß dieſer Fremde, wie die Flüchtlinge, eine Art Verſteck aufgeſucht hatte. Aller⸗ dings hatte er ſich nicht in den Schutz der Gebüſche geflüchtet, der Fels, auf welchem er ſaß, lag aber in einer Höhlung des Bodens, wo man ihn weder von hinten, noch von beiden Seiten auf eine größere Entfernung hin, als die war, in welcher Margaret ſtand, ſehen konnte, während er nach vornen durch eine Reihe Büſche, die den Rand des Baches ſäumten, geſchützt war. Marius, inmitten der Trümmer von Karthago, über die Wechſelfälle des Glückes nachdenkend, konnte kaum einen auffallendern Gegenſtand darbieten, als die unbewegliche Geſtalt dieſes Fremden. Endlich wendete der Indianer den Kopf faſt unmerklich, und Margaret ſah zu ihrem großen Erſtaunen den harten, rothen, aber edeln, ausdrucksvollen Umriß der wahlhekannten Geſichtszüge Peter's. 64 In jungen ihres 7 der gro langſam des reiz der Fre ward hi Peter ſe tet und 7,2 Margar fühlen, Bärenfle „I. Jetzt ſie nie verg „Je treuer F gefunden „G mir ſage 235 was hab „Vi Alle in können. „Ac ſehr, uns 256—- ſich ſah, den Fels Gürtel, verſichern s Wiſſens en⸗Kreis Benehmen athemlos Thun zu slos, wie r dort— r Fremde, e. Aller⸗ geflüchtet, glung des n beiden war, in ch vornen ſäumten, darthago, ite kaum ewegliche merklich, harten, dekannten — 234= 4 In einem Augenblicke ſchwanden alle Beſorgniſſe des jungen Weibes, und ihre Hand berührte leicht die Schulter ihres Freundes. Trotz der Raſchheit dieſer Berührung ließ der große Häuptling keine Unruhe gewahren. Er wendete langſam das Haupt, und als er das freudeſtrahlende Antlitz des reizenden Weibes ſah, begrüßte ſein Lächeln das ihrige in der Freude des Wiederſehens. Er fuhr nicht auf, kein Ton ward hörbar, er ſchien nicht überraſcht. Es war, als hätte Peter ſeine ſchöne, junge Freundin in dieſem Augenblick erwar⸗ tet und als mache ihre Erſcheinung ihm große Freude. „Wie glücklich trifft ſich dieß, Peter,“ rief die athemloſe Margaret.„Bourdon wird ſeine Unruhe jetzt beſchwichtigt fuͤhlen, denn er fürchtete, Ihr hättet Euch Euren Feinden, Bärenfleiſch und ſeiner Schaar zugeſellt.“ „Ja,— gehen, und bleiben bei ihnen. So am beſten. Jetzt ſie glauben, Peter ganz auf ihrer Seite. Aber Euch nie vergeſſen, junge Blüthe!“ 8 „Ich glaube dieß, Peter, denn ich fühle, daß Ihr ein treuer Freund ſeid. Wie glücklich iſt es, daß wir uns hier gefunden haben.“.. „Gar kein Glück. Kommen abſichtlich. Taubenfluͤgel mir ſagen, wo ihr ſein, ſo hierher kommen. Grad ſo.* „Ihr hofftet alſo, uns in dieſem Verſtecke zu finden? und was habt Ihr uns von unſern Feinden zu berichten?“ „Viel davon. Alle an Mündung des Kekalamazoo. Alle in Wälder und Lichtungen hier. Mehr als Ihr zählen können. Sie an nichts denken, als eure Scalp bekommen.“ „Ach, Peter— warum wuünſcht ihr rothen Männer ſo ſehr, uns das Leben zu nehmen?— und warum habt ihr den 256— 258. 17 — 258— Miſſionär getödtet, einen frommen Chriſten, der nur euer Beſtes wollte?“. 4 Peter ſenkte ſein Auge zu Boden und blieb länger als eine Minute ſtumm. Er war ſichtbar tief ergriffen, und ſeine Züge drückten die lebhafte Erregung aus, welche ihn über⸗ kommen hatte. „Blüthe, hören auch meine Worte,“ ſagte er endlich. „Sie ſein, wie Vater ſie ſprechen zu ſeiner Tochter. Ihr meine Tochter. Sagen Euch ſo einmal, und was Indianer einmal ſagen, er immer ſagen. Arm, und nicht viel wiſſen, er aber wiſſen zu thun, was er ſagen. Bärenfleiſch Euch nicht anrühren können, ohne mich anrühren. Bourdon Euer Gatte, Ihr ſein Squaw. Gatte und Squaw gehen miteinander auf ein Pfad. Das recht. „Aber, Blüthe, hören! Es geben großen Geiſt. Indianer das glauben, ſo gut wie Blaßgeſicht. Er ſehen, das ſo ſein. Es geben großen böſen Geiſt auch. Das fühlen,— es nicht zu ändern. Zwanzig Winter dieſer große böſe Geiſt ſtehen dicht an mein Seite. Er legen ſein Hand vor ein Ohr des Häuptlings, und bringen ſein Mund an ander Ohr⸗ Immer flüſtern— flüſtern— fluſtern, Tag und Nacht, nicht aufhören flüſtern. Sagen mir, tödten Blaßgeſicht, wo ich ihn finden. Am beſten, ihn tödten. Wenn nicht tödten Blaßgeſicht, Blaß⸗ geſicht Indianer tödten. Nicht zu ändern. Tödten alt Mann, tödten jung Mann,— tödten Squaw, Pappus, und all. Das er flüſtern, Tag und Nacht, zwanzig Winter. Flüſtern ſo viel, müſſen ihm gehorchen. Schlimm, zu hören zu viel fluſtern daſſelbe Ding in Ohr. So ich wollen hören Sealp. Können nicht haben zu viel Scalp. Nehmen viel 3 Stalp. Alle Blaßgeſicht Scalp. Herz werden hart. So ich immer zu Euc warum Noch m Scalp, Eir ziemlich blickten jedoch k Wochen den Au ſchienen mehr vo Gedanke Der trauen n ſagte, w⸗ Glücke d weckte. „O Ihr ſtreb haſtig. „De nicht der mehr hal nicht me nicht mel „Ich mich freu von Euch zur euer nger als und ſeine n über⸗ endlich. er. Ihr Indianer ll wiſſen, uch nicht er Gatte, inder auf Indianer 3 ſo ſein. es nicht iſt ſtehen Ohr des Immer aufhören n finden. ht, Blaß⸗ lt Mann, all. Winter. zu hören len hören hmen viel So ich — 259— immer fühlen, Blüthe, bis Euch ſehen. Fühlen wie Vater zu Euch, und nicht wollen Euer Scalp. Sehr wundern, warum ich ſo füͤhlen, aber ſo fühlen. Das mein Natur. Noch wollen all ander Blaßgeſicht Scalp. Wollen Bourdon Scalp, wie all ander.“ Ein leiſer Aufruf der jungen Frau, der einem Schrei ziemlich ähnlich war, unterbrach den Sprechenden, und beide blickten auf und ihre Augen begegneten ſich. Margaret ſah jedoch keinen jener wilden Blitze, welche während der erſten Wochen ihrer Bekanntſchaft ſie ſo oft erſchreckt hatten, ſondern den Ausdruck innerer Bedrängniß, und eine ernſte Neugier ſchienen anzudeuten, wie ſehr des Häuptlings Herz ſich ſehnte, mehr von dem wichtigen Gegenſtande zu hören, welchem ſeine Gedanken ſich in der letzten Zeit zugewendet hatten. Der Austauſch dieſes einen Blickes reichte hin, das Ver⸗ trauen wieder zu beleben, welchem unſre Heldin ungern ent⸗ ſagte, während er Peter's ganze väterliche Theilnahme an dem Glücke des anziehenden Weſens, das vor ihm ſtand, von neuem weckte. „Dieſes Gefühl iſt aber von Euch geſchieden, Peter, und Ihr ſtrebt nicht mehr nach Bourdon's Scalp,“ ſagte Margaret haſtig.„Nun er mein Gatte iſt, iſt er Euer Sohn.“ „Das gut vielleicht,“ antwortete der Indianer,„aber das nicht der Grund ſein, Blüthe. Ihr auch recht haben. Nicht mehr haben wollen Bourdon Scalp. Das wahr. Aber gar nicht mehr haben wollen ein Scalp. Herz werden ſanft— nicht mehr hart jetzt.“ „Ich wollte, ich könnte Euch ſagen, Peter, wie ſehr ich mich freue, dieß zu hören. Ich habe meinetwegen nie etwas von Euch gefürchtet, aber ich muß euch geſtehen, daß ich zu⸗ 17† 8 — 260— weilen fürchtete, die vielen grauſamen Geſchichten, welche man von Eurem Haß gegen unſre Farbe erzählte, möchten nicht ganz aus der Luft gegriffen ſein. Jetzt höre ich von Euch, daß Ihr des weißen Menſchen Freund ſeid, und daß Ihr ihm nicht ferner ſchaden wollt. Dieß find geſegnete Worte, Peter, und ich danke Gott durch ſeinen heiligen Sohn aus tiefſter Seele, daß ich es erlebt habe, ſie zu hören.“ „Der Sohn machen mich ſo fühlen, Blüthe,“ erwiederte der Indianer ſehr ernſt.„Ja, grad ſo. Mein Herz ſehr hart, bis Medizin⸗Prieſter ſagen, die Ueberlieferuug von Sohn des großen Geiſt— wie er ſterben für alle Stämm und Nationen, und bitten ſein Vater, zu thun Gutes denen, die ſein Leben nehmen. Das wundervolle Ueberlieferung, Blüthe. Klingen wie Zaunköniggeſang in mein Ohr— ſüßer als Spottdroſſel, wenn er am ſchönſten ſingen. Ja, das wundervoll. Er auch wahr, denn Medizin⸗Prieſter bitten ſein Manitou, zu ſegnen Indianer, als Indianer grad ſein Tomahawk heben, ihm Leben zu nehmen. Ich ſelbſt das ſehen und hören. Alles wunder⸗ voll, ſehr wundervoll.“ „Es war der Geiſt Gottes, welcher den guten Paſtor Amen in den Stand geſetzt hat, dieß zu thun, Peter, und der Geiſt Gottes iſt es, der Euch die Erhabenheit einer ſolchen Handlung einſehen und fühlen lehrt. Ohne den Beiſtand dieſes Geiſtes ſind wir hülflos wie Kinder, mit ihm ſind wir ſtark wie Rieſen. Ich wundere mich gar nicht, daß der gute Miſſio⸗ när im Stande war, in ſeiner Todesſtunde für ſeine Feinde zu beten. Gott gab ihm die Kraft, dieß zu thun.“ Margaret redete, wie ſie fühlte, ernſt und eindringlich. Ihre Wauge erglühte von der Innigkeit ihrer Gefühle, und Peter blickte ſie mit einer Art Ehrfurcht und Erſtaunen an⸗ Die S lich al dem A Röthe war, d in älte Zauber S Stimm Erſcheit ſehenen ergriffen trug v lebendie Fiaa93 nachden Immer er dara Dann meiſten „2 ner, bit können, wunderr „2 Euch u Euch, Häuptli als Ind Er es ſ „u he man en nicht n Euch, Ihr ihm „Peter, tiefſter wiederte hr hart, vohn des lationen, in Leben Klingen ttdroſſel, Er auch u ſegnen zm Leben wunder⸗ n Paſtor und der r ſolchen and dieſes wir ſtark te Miſſio⸗ ne Feinde iringlich. ühle, und aunen an. l⸗ns. Die Schönheit dieſes reizenden, jungen Weibes war eher 8 lich als glänzend, und die Gewalt, welche ſie übte, lag in dem Ausdrucke, dem Spiegel einer edeln Seele. Die geſteigerte Röthe erhöhte dieſen Reiz, und wenn, wie es jetzt der Fall war, das Auge die Farbe der Wangen zurückſtrahlte, hätte man in älteren Ländern tagelang reiſen können, ohne einen ähnlichen Zauber wieder zu finden. So ſehr Peter ſie jedoch bewunderte, war er jetzt in einer Stimmung, in welcher ihre Schönheit nur eine untergeordnete Erſcheinung für ihn war. Seine Seele war von der unge⸗ ſehenen, aber allgegenwärtigen Gewalt des heiligen Geiſtes ergriffen, und die Sprache, die Begeiſterung des jungen Weibes trug viel dazu bei, die Gefühle, welchen er ſich hingegeben, lebendiger zu entflammen. „‚Nie wiſſen, Indianer das thun,“ ſagte Peter, in ruhigem, nachdenkendem Tone,„nein, nie wiffen, Indianer ſo thun. Immer fluchen und haſſen ſein Feind, und am meiſten, wenn er daran, ſein Scalp zu verlieren. Dann Gefühl am heißeſten. Dann müſſen haben Tomahawk gegen Feind. Dann am meiſten fühlen, daß er haſſen ſein Feind. „Aber nicht ſo bei Medizin⸗Prieſter. Beten für India⸗ ner, bitten großen Geiſt, ihm alles Gutes zu thun, was er können, grad wie Indianer zuſchlagen wollen. Wundervoll— wundervoll— ſehr wundervoll das in mein Aug. „Blüthe, Ihr kennen Peter. Er Euer Vater. Er nehmen 8 Euch und machen Euch ſein Tochter. Sein Herz ſanft für Euch, Blüthe Aber er nur arm Indianer, obgleich großer Häuptling. Was er wiſſen? Blaßgeſicht Pappus wiſſen mehr, als Indianer Häuptling. Dieß auch kommen von geoßer Geiſt. Er es ſo wollen, und es ſo ſein. „Unſer Häuptlinge ſagen, großer Geiſt lieben den Indianer. 1 Oeungagen. 262— Vielleicht ſo. Glauben, er lieben alle Menſchen, er aber nicht können Indianer lieben ſo, wie er lieben Blaßgeſicht, ſonſt er würden nicht laſſen wiſſen Indianer ſo wenig. Man nicht rechnen können Städt, und Wigwam, und Canpes, und Pulver, und Blei als Beweis, großer Geiſt uns lieben. Blaßgeſichter haben alles das mehr als Indianer. Das ich ſehen und wiſſen, und das ich fuhlen. Aber daran nichts liegen. Indianer gewöhnt, arm zu ſein und ihm nichts daran liegen. Wenn gewöhnt, reich zu ſein, ſehr hart, arm ſein. Alles Gewohnheit. Indianer ſich nicht darum bekümmern. Schlimm aber, nicht zu wiſſen. Ich Krieger— ich Jäger— ich großer Häuptling ſein. Ihr Squaw— Ihr jung— Ihr wiſſen ſo viel, wie Squaw von Häuptling. Aber Ihr wiſſen viel. Ich mich ſchämen, zu wiſſen ſo wenig. Müſſen mehr wiſſen. Was ich meiſt wiſſen wollen, wie Sohn des großen Geiſt ſterben für alle Stämm', und bitten ſein Vater, ſie zu ſegnen, die ihn tödten. Das, was Peter jetzt mehr wiſſen wollen.“ „Ich wünſchte aus meinem tiefſten Herzen, ich wäre beſſer geeignet, Euch zu lehren, Peter, das Wenige aber, was ich weiß, ſollt Ihr hören. Ich möchte Cuch dieß nicht um alles in der Welt verweigern, denn ich glaube jetzt, daß der heilige Geiſt Euer Herz gerührt hat und daß Ihr ein neuer Menſch werdet. Die Chriſten glauben, Jeder müſſe ein neuer Menſch werden, wenn er in der andern Welt vor das Angeſicht Gottes treten wolle.“ „Wie das ſein können? Peter bald alt werden,— wie alt Mann können wieder jung werden? „Der Sinn dieſer Worte iſt,— wir müſſen in unſern Gefühlen uns ſo ändern, daß wir nicht mehr dieſelben Menſchen ſind. wir ge lieben. füͤhlen verehre P ehrfure Strebe Schöpf konnte geborn, des We deſſen G Umwan welche fühlte, „ wiſſen. Häuptl junger wünſche Britiſch Wuͤnſch zu bitt nehmen arm J Scalp. „ Knie ber nicht ſonſt er an nicht es, und lieben. Das ich in nichts ts daran arm ſein. ümmern. Jäger— g— Ihr hr wiſſen ſen mehr s großen g, ſie zu hr wiſſen ääre beſſer was ich um alles er heilige r Menſch r Menſch ht Gottes n,— wie in unſern Menſchen — 263— ſind. Was wir geliebt haben, müſſen wir hafſen, und was wir gehaßt oder wenigſtens vernachläſſigt haben, müſſen wir lieben. Wenn wir dieſe Umwandlung in unſeren Herzen fühlen, dürfen wir hoffen, den großen Geiſt zu lieben und zu verehren und in ſeinem heiligen Schirme zu leben.“ 3 Peter hörte mit der Aufmerkſamkeit eines gehorſamen, ehrfurchtsvollen Kindes zu. Wenn Demuth, Hingebung, das Streben nach Wahrheit und ein inniges Gefühl gegen den Schöpfer als Zeichen der„Wiedergeburt“ gelten können, dann konnte man dieſen Wilden mit vollem Rechte einen„Wieder⸗ gebornen“ nennen. Gewiß, er war im moraliſchen Sinne des Wortes derſelbe Menſch nicht mehr, und er ſelbſt war ſich deſſen völlig bewußt. Groß war Peter's Staunen, was eine ſo große, plötzliche Umwandlung in ihm hervorgerufen. Die Antwort jedoch, welche er Margaret gab, drückt das, was er in dieſer Hinſicht fühlte, hinreichend aus. „Ein Indianer wie Kind,“ ſagte er demüthig.„Er nie wiſſen. Selbſt Blaßgeſicht Squaw mehr wiſſen, als großen Häuptling. Nie ſo fühlen, wie jetzt. Herz ſanft, wie das junger Squaw. Nun Niemand mehr haſſen, nein! Gutes wünſchen allen Stämm, und Nation und Farb. Nicht haſſen Britiſch, nicht haſſen Yankees, ſelbſt nicht haſſen Cherokes. Wünſchen Allen Gutes. Nicht wiſſen, ob Herz ſtark genug, zu bitten großen Geiſt, daß er ihm Gutes thun, wenn er nehmen wollen mein Scalp,— vielleicht das zu viel ſein für arm Indianer, ich ſelbſt aber nicht wollen eines Menſchen Scealp. Das etwas, ich hoffen, für mich.“ „Dieß iſt's auch, Peter, und wenn Ihr Euch au Eure Knie niederlaßt, und Eure Gedanken demüthigt und Gott bittet, Euch in dieſen guten Gefühlen zu ſtärken, wird er es gewiß thun und Euch zu einem neuen Menſchen machen.“ Peter blickte geſpannt auf Margaret und ſenkte ſein Auge dann zu Boden. Nachdem er eine Weile ſo nachdenkend dageſeſſen hatte, ſchaute er wieder auf das junge Weib und ſagte mit der Einfalt eines Kindes: „Nicht wiſſen, wie das thun ſollen, Blüthe. Hören zuweilen beten den Medizin⸗Prieſter der Blaßgeſichter, arm Indianer aber nicht recht wiſſen, wie er ſprechen ſollen zu großer Geiſt. Ihr ſprechen zu großer Geiſt für ihm. Er kennen Euer Stimm, und öffnen Ohr Euerm Wort, er aber Peter nicht hören wollen, weil er ſo lang haſſen ſein Feind. Vielleicht er donnern, wenn er Peter ſprechen hören.“ „Darin irrt Ihr Euch, Peter. Das Ohr Gottes iſt Euerm Gebete ſtets geöffnet, wenn Ihr es aufrichtig zu ihm ſendet, und ich weiß, daß Euer Gebet jetzt aufrichtig iſt. Wenn ich Euch aber den Sinn deſſen, was ich im Begriffe bin zu ſagen, erklärt habe, will ich gern mit Euch und für Euch beten. Es iſt am beſten, Ihr beginnt damit, ſobald Ihr könnt.“ Margaret trug Peter nun langſam das Gebet des Herrn vor. Sie theilte ihm die Geſchichte dieſes Gebetes mit und erklärte ihm den Sinn mehrerer Worte, welche ihm ſonſt unverſtändlich geweſen wären, obgleich es ſich ergab, daß er mit großer Leichtigkeit auffaßte und einen neuen Gedanken, ein neues Bild an das ihm bereits Bekannte anknüpfte. Nachdem ſie ihm den Sinn eines jeden Wortes deutlich gemacht hatte, forderte ſte ihn auf, mit ihr niederzuknien, und zum erſten Mal in ſeinem Leben erhob dieſer Mann der Lichtungen und Prärien ſeine Stimme im Gebet zu dem einigen Manito aber ſte gewende ſtattet, Herrn d Au chen w andeuten thums hielt vi aber ſei mächtig demuthe ſanft, ſicheren einem ä bewußt. Pe ſam un eines K den Kn Kraft Glieder Leichtig! zeichnete der Tha An er auf Häuptli rd er es en.“ in Auge hdenkend geib und Hören er, arm ſollen zu hm. Er er aber in Feind. vottes iſt g zu ihm ſchtig iſt. Begriffe und für pbald Ihr des Herrn mit und ihm ſonſt daß er Gedanken, ffte. s deutlich nien, und Nann der zu dem — 265— einigen Gott. Peter hatte allerdings früher oft zu ſeinem Manitou um Vergünſtigungen gebeten, dieſe Bitten waren aber ſtets weltlicher Art, und das Weſen, zu welchem er ſich gewendet hatte, war mit ganz andern Eigenſchaften ausge⸗ ſtattet, als die, welche, wie er jetzt zu begreifen anfing, dem Herrn des Himmels und der Erde angehörten. Auch war der Geiſt, in welchem dieſe Gebete ausgeſpro⸗ chen wurden, ein verſchiedener. Wir wollen damit nicht andeuten, der Indianer ſei bereits ein Bekenner des Chriſten⸗ thums im vollen Sinne des Wortes geweſen, denn dieſes ent⸗ hielt viele Lehren, von denen er noch keinen Begriff hatte, aber ſein Herz war ergriffen und der erſte Schritt zu der mächtigen Umwandlung war geſchehen, er war jetzt eben ſo demuthsvoll, als er früher ſtolz geweſen,— er war jetzt ſo ſanft, als er früher wild geweſen, und er ward ſich jenes ſicheren Merkmals der beginnenden Liebe zum Schöpfer in einem ähnlichen Gefühle gegen alle Werke ſeiner Hand lebhaft bewußt. Peter erhob ſich— nachdem er Margaret das Gebet lang⸗ ſam und mit großer Andacht nachgeſagt, mit der Hingebung eines Kindes, das dem Unterrichte ſeiner Mutter lauſcht— von den Knieen. Körperlich war der Mann ganz der frühere, die Kraft ſeiner Muskeln, die gedrungene Tüchtigkeit ſeiner Glieder war dieſelbe, und er wurde jede Beſchwerde mit der Leichtigkeit ertragen haben, die ſeine kriegeriſcheſten Tage aus⸗ zeichnete, in geiſtiger Hinſicht aber war die Veränderung in der That ſehr groß. An die Stelle der eigenwilligen Zuverſicht, mit welcher er auf ſich und ſeine Ueberlieferungen blickte, und die dieſem Haͤuptling in ſo hohem Grad eigenthümlich war, zeigte ſich 8 ‧* . — 266— jetzt ein demuthsvolles Mißtrauen in ſein Urtheil, ſo daß er in Gewiſſensſachen ſich nicht mehr auf ſeine Anſichten zu ſtützen wagte, und in Allem, was ſich auf ſeinen religiöſen Glauben bezog, einem Kinde verglichen werden konnte. Unter günſtigeren Umſtänden würde ſein moraliſcher Fortſchritt groß geweſen ſein, ſo aber konnte man lediglich ſagen, daß er einen vortrefflichen Anfang gemacht habe. Peter und Margaret waren während dieſer ganzen Zeit viel zu ſehr mit ihren Gefühlen und Beſtrebungen beſchäftigt, als daß ſie der Vorſicht eingedenk geweſen wären, welche ihre Lage nöthig machte. Die Sonne ging unter, als ſie ſich erhoben, und jetzt machte Peter die wichtige Entdeckung, daß ſie von zwei jungen Männern der Pottawattamies beobachtet wurden. Es waren Späher, welche Bärenfleiſch ausgeſendet hatte, um nach den Flüchtlingen umzuſchauen. Es hatte eine Zeit gegeben, wo Peter keinen Anſtand genommen hätte, ſeine Büchſe gegen ſolche unwillkommene Eindringlinge zu brauchen, der beſſere Geiſt aber, welcher jetzt über ihn gekommen war, ließ ihn in ganz anderer Weiſe verfahren. Er ging zu den jungen Männern, und befahl ihnen, ſich zu entfernen, während Margaret ſich dem Schirme der Gebüſche näherte. Früher würde Peter ſich nicht beſonnen haben, zu Liſt und Täuſchung ſeine Zuflucht zu nehmen, um dieſe zwei jungen Männer auf eine falſche Fährte zu leiten, und ſie auf dieſe Weiſe los zu werden, jetzt aber fühlte er einen Wider⸗ willen gegen Täuſchungen jeder Art, und ſie hatten ſich auf ſeinen Wink kaum entfernt, als er Margaret zur Lagerſtelle folgte. Das junge Weib gab ihrem Gatten eben in eiligen Worten Nachricht von dem, was ſich bsdehen haſtezza als Peter zu ihnen trat. 4 „2 ſobald .„ und ſas 72 unſer L „ Leute g wo Hä gehen, Indian Le verſtehe ernſtlich abweſen Gründe ganz l nichts erhalten viel da ihn geg Ue jetziger hatte n und me ſtellt m Helden beſorgte ſo daß er ſichten zu religiöſen ite. Unter hritt groß ß er einen nzen Zeit belche ihre s ſie ſich kung, daß beobachtet usgeſendet n Anſtand llkommene elcher jetzt rer Weiſe ihnen, ſich r Gebüſche haben, zu dieſe zwei und ſie auf ten Wider⸗ n ſich auf Lagerſtelle in eiligen als Peter 8 — 267— „Man hat unſer Lager entdeckt!“ rief der Bienenjäger, ſobald er den Indianer erblickte. „Grad ſo. Pottawattamie ſehen Squaw, und gehen, und ſagen ſeinem Häuptling. Das gewiß,“ antwortete Peter. „Was iſt hier zu thun? Entweder kämpfen wir für unſer Leben, oder wir fliehen.“ „Gehen in Canoe, ſo ſchnell ihr können. Dieſe jungen Leute gute halbe Stunde brauchen, bis ſie an Platz kommen, wo Häuptling ſein. In dieſer halben Stunde müſſen ſo weit gehen, als können. Nicht gut, bleiben hier. In einer Stunde Indianer da ſein.“ Le Bourdon kannte ſeine Lage hinreichend, um dieß zu verſtehen. Demungeachtet ſprachen mehrere Umſtände ſehr ernſtlich gegen einen ſofortigen Aufbruch. Taubenflügel war abweſend, und der Bienenjäger entſchloß ſich aus mehrfachen Gründen nur ungern, ihn zurückzulaſſen. Auch war es noch nicht dunkel genug, und eine Fahrt flußabwärts und bei hellem Tage hieß ſich faſt dem Löwen in den Rachen werfen. Sodann war le Bourdon wegen Peter's durchaus nicht ganz beruhigt. Sein plötzliches Erſcheinen, die eilige und nichts weniger als klare Mittheilung, welche er von Margaret erhalten hatte, und der höchſt auffallende Vorſchlag trugen, viel dazu bei, frühere Zweifel wieder rege zu machen, und ihn gegen die Befolgung des Rathes zu ſtimmen. Ueber Eines aber konnte kein Zweifel obwalten: ihr jetziger Aufenthalt war kein Geheimniß mehr, denn Margaret hatte mit eigenen Augen die zwei jungen Indianer geſehen, und man konnte erwarten, daß alsbald Nachforſchungen ange⸗ ſtellt wurden. Unter allen dieſen Umſtänden blieb unſerm Helden Nichts übrig, als ſich den wiederholten Bitten ſeines beſorgten Weibes zu fügen, und Alle beſtiegen die Canoes. — 268— „Mir gefällt dieſer Schritt nur halb, Peter,“ ſagte le Bourdon, als er ſeine leichte Barke den Bach entlang gleiten ließ, der ſie in den Fluß führen ſollte.„Ich hoffe, er leitet zu einem beſſern Ziele, als es das Ausſehen hat, und wir bleiben den Händen unſerer Feinde fern. Bedenkt, Häuptling, es iſt noch heller Tag, und drei bis vier Meilen weiter unten wimmelt es von rothen Männern.“ „Ja, das wiſſen. Aber müſſen fort. Indianer bald zu viel hier. Ja, müſſen gehen.— Bourdon, warum Ihr jetzt die Bienen nicht fragen, was am beſten zu thun? Gute Zeit jetzt, Bienen zu fragen, was er wiſſen wollen.“ Der Bienenjäger gab keine Antwort, ſein hübſches Weib aber erhob unwillkührlich die Hand, als wollte ſie dem India⸗ ner unterſagen, weiter zu ſprechen. Peter war ein wenig verlegen, denn bis jetzt begriff er nicht, daß der Glaube an Zauberei ſich mit den Lehren der chriſtlichen Religion nicht vertrüge. War er in ſeiner Unwiſſenheit vielleicht ſchlimmer daran, als die Klügſten unſerer Farbe? Wird ein umſichtiger Mann, welcher die Wirkung des magnetiſchen Schlafs genau beachtet hat, in Abrede ſtellen, daß hier ein Geheimniß obwaltet, welches wir nicht im Stande ſind zu durchdringen? Wer dieſer Erſcheinung ſeine Aufmerkſamkeit zugewendet hat, muß zugeben, daß die hier wirkende Kraft verſchiedene Grade der Ausdehnung hat, ſowie, daß Täuſchungen manchfacher Art durch ſie herbeigeführt worden ſind, obgleich wir aber früher ſelbſt zu den entſchiedenſten Ungläubigen gehörten, haben wir Dinge geſehen, über welche kein bekanntes Natur⸗ geſetz Aufklärung gibt, und bei denen keine Täuſchung ſtatt⸗ finden konnte, indem wir nur ſelbſt zu einer ſolchen hätten behilflich ſein können. Das Zeugniß unſerer Sinne in Abrede ſtellen, unſerm welche und wit was ſeit zu wolle verlacht einer S Mittheit worden verachter ſeinen 2 Wir ſin Männer Geſetze Irrthün geltend iſt dahe Augenbl hoffte, erwähnt Ob Wälder Zum G und der es war ſich d⸗ Reis un Es nachden Bereich r,“ ſagte h entlang Ich hoffe, ſehen hat, Bedenkt, ler Meilen r bald zu 4 Ihr jetzt Gute Zeit ſches Weib dem India⸗ ein wenig Glaube an ggion nicht ſchlimmer umſichtiger lafs genau Geheimniß chdringen? dendet hat, ene Grade ranchfacher wir aber gehörten, kes Natur⸗ zung ſtatt⸗ hen hätten in Abrede — 269— ſtellen, iſt eine größere Schwäche, als an Geheimniſſe in unſerm moraliſchen und phyfiſchen ſein zu glauben, in welche bisher kein menſchlicher Scharfſinn eingedrungen iſt, und wir erklären es als des Mannes unwürdig, von dem, was ſeine Ueberzeugung iſt, nicht auch öffentlich Zeugniß geben zu wollen, weil er beſorgt, von Schwachen oder Unwiſſenden verlacht zu werden. Wir wiſſen, daß unſere Gedanken von einer Somnambüle unter Umſtänden, welche eine anderweitige Mittheilung ganz unmöglich machten, deutlich ausgeſprochen worden ſind. Warum ſollten wir alſo den armen Indianer verachten, weil er noch daran glaubte, le Bourdon könne mit ſeinen Bienen verkehren und von ihnen Belehrung erwarten? Wir ſind zufällig beſſer unterrichtet, und es gibt vielleicht Männer, welche die bis jetzt uns ſelbſt noch unbekannten Geſetze des thieriſchen Magnetismus kennen und vielfache Irrthümer und falſche Anſichten, welche ſich in dieſer Hinſicht geltend gemacht haben, zu berichtigen im Stande ſind. Es iſt daher nicht auffallend, wenn Peter in dieſem bedrängten 4 Augenblicke der Bienen gedachte und bei ihnen Rath zu finden hoffte, oder wenn Margaret dieſe Schwäche ſchweigend in der erwähnten Art tadelte. Obgleich es nochshell war, begann die Sonne ſich in die Wälder zu ſenken, als die Canves in den Fluß einliefen. Zum Glücke für die Flüchtlinge waren die Ufer dicht bewaldet und der Fluß von großer Breite, faſt einem See ähnlich, und es war kaum zu beſorgen, daß ſie geſehen würden, bevor ſie ſich d. Mündung näherten, und auch hier konnte der wilde Reis und das Geröhr wirkſamen Schutz bieten. Es war aber jetzt kein Rückſchritt mehr möglich, und nachdem man eine Strecke weiter gerudert war, um ſich dem Bereiche der Späher zu entziehen, welche der Stelle, wo die — 270— Flüchtlinge zuletzt geſe worden, zueilen konnten, traten die Canoes dicht zuſammen, und man ließ ſie vor einer leichten Kühlte abtreiben, ſo daß ſte die Mündung nicht eher erreichten, als bis die Schatten der Nacht Alles um ſie verhüllten. Alles ſchien ſo ruhig, die Einſamkeit ſo tief, ihr Vor⸗ ruͤcken ſo ſtill und ununterbrochen, daß in jeder Bruſt das Vertrauen wieder rege ward, und ſelbſt der Bienenjäger ſich der Hoffnung, dem Feinde zu entſchlüpfen, hinzugeben begann. Es entſpann ſich jetzt eine Unterhaltung, in welcher Peter gefragt wurde, wie er die Zeit ſeiner Abweſenheit, welche, nebenher bemerkt, le Bourdon ſo ſehr beunruhigte, verwendet habe. Wenn ſich der Häuptling ganz deutlich erklärt hätte, würde man erfahren haben, daß der Gedanke an den Tod des Sohnes Gottes, an des Miſſionärs Gebet für ſeine Feinde und an die erhabenen Lehren, welche mit einer ſolchen Religion in Verbindung ſtanden, während der vollen Hälfte dieſer Zeit ſeinen Geiſt beſchäftigt hatte. Peter konnte allerdings in eine tiefere Ergründung dieſer Vorwürfe nicht eingehen, auch waren ſeine Begriffe nicht ſehr klar und „rechtgläubig,“ aber ſein Streben war redlich, und die Gefühle, welche in ihm rege wurden, waren die des wahrhaft frommen Chriſten. Peter enthielt ſich jedoch, dieſer inneren Bewegungen zu gedenken, und beſchränkte ſich auf die Mittheilung des äußer⸗ lichen Theils ſeines Thuns. Er war bei Bärenfleiſch, Krähen⸗ feder und den übrigen vornehmſten Häuptlingen geblieben, um der Quelle der Nachrichten nahe zu ſein und ſeinen Ein⸗ fluß geltend zu machen, wenn die Blaßgeſichter das Mißgeſchick haben ſollten, in die Hände derer zu fallen, welche ſo eifrig nach ihnen ausſpähten. Nich Anſpruch wißheit wie die l vereitelter ein Späl aller Na⸗ Dad nachdrück es war Abtheilur dieſen wi gelaufen Pete geöffnet n für unſer bitter ge Intereſſer verlor. daß Bäre jungen N Nähe der Indianer Die haltung es zu wiſ eine gefäl gekommer und Pete Pflanzen voll wär raten die leichten rreichten, en. ihr Vor⸗ ruſt das äger ſich begann. welcher deſenheit, nruhigte, deutlich Gedanke rs Gebet lche mit rend der Peter Vorwürfe klar und und die wahrhaft ungen zu s äußer⸗ Krähen⸗ eblieben, ien Ein⸗ ißgeſchick ſo eifrig Nichts hatte ſich begeben, das ſein Dazwiſchentreten in Anſpruch genommen hätte, es ſcien ite eine ſeltſame Unge⸗ wißheit unter den Kriegern in Betreff der Art zu herrſchen, wie die beabſichtigten Opfer alle Bemühungen, ſie einzuholen, vereitelten. Nirgends war eine Spur von ihnen zu entdecken, eein Späher nach dem andern kam zurück, um das Erfolgloſe aller Nachforſchungen landeinwärts zu berichten. Dadurch wurde die Aufmerkſamkeit der Indianer nur noch nachdrücklicher auf die Mündung des Fluſſes hingelenkt, denn es war gewiß, daß die Canves vor der Ankunft der erſten Abtheilungen der jungen Männer, welche man ſo früh an dieſen wichtigen Punkt abgeſendet hatte, nicht in den See ein⸗ gelaufen ſein konnten. 1 Peter benachrichtigte le Bourdon, ſein Cache ſei entdeckt, geöffnet und geplündert worden. Dieß war ein herber Verluſt für unſern Helden, und zu jeder andern Zeit würde er ihn bitter gefühlt haben, jetzt aber hatte er ſo viel wichtigere Intereſſen zu beſchützen, daß er über dieſen Unfall kein Wort verlor. Was ihn am meiſten beunruhigte, war der Umſtand, daß Bärenfleiſch, wie Peter berichtete, einem Dutzend ſeiner jungen Männer befohlen hatte, Tag und Nacht in Canoes in der Nähe der Ausmündung des Fluſſes Wache zu halten, und daß die Indianer, gleich Schlangen im Graſe, in dem wilden Reis lagen. Die Theilnahme der Geſellſchaft wurde durch dieſe Unter⸗ haltung in ſo hohem Grad angeſprochen, daß ſie, faſt ohne es zu wiſſen, an den Anfang des Reiſes und Rohrs und in eine gefährliche Nähe des bedenklichſten Punktes ihrer Fahrt gekommen waren. Die Nacht war noch nicht angebrochen, und Peter ſchlug vor, mit den Canoes in den Schirm der Pflanzen zu treten, und da zu bleiben, bis es minder gefahr⸗ voll wäre, die Fahrt fortzuſetzen. Dieß geſchah, und nach wenigen Minuten waren die drei kleinen Barken in dem Bee⸗ ſtecke geborgen. E Die Frage ſtellte ſich nun dar, ob man die Flüchtlinge bemerkt und ihrem Fortſchreiten abſichtlich kein Hinderniß in den Weg gelegt habe, da jeder Zoll flußabwärts ſie der großen Schaar ihrer Feinde näher führte. Peter verhehlte ſeine Beſorgniſſe in dieſer Beziehung nicht, denn es ſchien ihm unwahrſcheinlich, daß irgend ein Strich in der Nähe der Mündung des Kalamazoo in einem ſo wichtigen Augenblicke unbewacht ſein ſollte. Wie es ſich ſpäter heraus⸗ ſtellte war dieſer Theil des Fluſſes allerdings bewacht, die jungen Männer aber, welche Peter und Margaret geſehen, hatten Lärm gemacht, und die Nachricht verbreitete ſich, wo die Flüchtlinge zu finden ſeien, ſo daß die Wachen entlang des Fluſſes ihre Poſten verließen, um ſich bei der Gefangen⸗ nehmung zu betheiligen. Durch ſolche geheime, unvorgeſehene Mittel ſchützt oft die Vorſehung die, welche ſie ihres beſondern Beiſtandes würdigt, und durch ihre ſtille Leitung der Begeben⸗ heiten vereitelt ſie die ſcharfſinnigſten Berechnungen der Kunſt. Der Bienenjäger fühlte ſich ſieberhaft getrieben, die Wei⸗ terreiſe zu beſchlennigen. Nachdem man eine halbe Stunde in dem Verſtecke geweilt hatte, ſchlug er vor, mit den Canoes auf eine der offenen Durchfahrten abzuhalten, deren es viele in dem Geröhre gab, und die Fahrt fortzuſetzen. Peter war im Beſitz eines gehörigern Antheils indianiſcher Geduld, und hielt die Stunde für zu fruh. Le Bourdon aber, der das Mißtrauen, welches ihm ſein Gefährte einflößte, noch nicht ganz beſchwichtigt hatte, forderte Gerſhom auf, ihm zu folgen, und begann in eine der erwähnten Durchfahrten hinabzurudern. Dieſer entſcheidende Schritt zwang die Uebrigen zu ſolgen oder ſich von ihren Gefäͤhrten zu trennen. Sie wählten das erſtere. Hätte wäre er n würde er zu begegne Obgl. ſtanden ſi⸗ wurde not zu drängen jedoch ſtets wurde. Bei dringen, Aufmerkſar theilte dur Canve mit alsbald w dem Shan gung. De gem Harre und ein fu Ufern, ſon Die Ausſicht a hörten. 9 geben, ric le Bourdo feines, ge vergewiſſer war er a Canoes. 256— dem Ver⸗ lüchtlinge derniß in er großen ung nicht, Strich in wichtigen heraus⸗ icht, die geſehen, ſich, wo entlang hefangen⸗ rgeſehene beſondern Begeben⸗ er Kunſt. die Wei⸗ Stunde Eanoes es viele dianiſcher aber, der noch nicht zu folgen, zurudern. gen oder s erſtere. — 273— Hätte le Bourdon mehr Selbſtbeherrſchung bewährt, und wäre er noch eine kleine Weile in dem Verſtecke geblieben, ſo würde er wahrſcheinlich jeder bedrohlichen Gefahr, der er nun zu begegnen genöthigt war, entgangen ſein. Obgleich es unter den Pflanzen viele offene Fahrwege gab, ſtanden ſie nicht immer miteinander in Verbindung, und es wurde nothwendig, die Canoes durch kleine verwachſene Stellen zu drängen, um aus einem in den andern zu gelangen, wobei iiedoch ſtets die Richtung nach dem See hin im Auge behalten wurde. Bei dem erſten Verſuche, durch ein ſolches Dickigt zu dringen, erregte die Bewegung der Spitzen der Pflanzen die Aufmerkſamkeit eines Spähers an dem Ufer. Dieſer Indianer theilte durch ein verabredetes Zeichen ſeine Entdeckung einem Canve mit, welches die Stelle eines Wachtbootes vertrat, und alsbald waren die ganze Wachtlinie und die Häuptlinge in dem Shanty, an der Mündung des Fluſſes in lebhafter Bewe⸗ gung. Das wilde Entzücken, mit welchem man, nach ſo lan⸗ gem Harren, dieſe Nachricht hörte, war nicht mehr zu bändigen, und ein furchtbares Gellen und Schreien, das von den beiden Ufern, ſowie von dem Fluſſe ſelbſt herkam, erfüllte die Luft. Die Weißen in den Canves glaubten alle, jeder fernern Ausſicht auf Rettung entſagen zu müſſen, als ſie dieſes Geſchrei hörten. Nicht ſo Peter. Statt einer Beſorgniß Raum zu geben, rief er ſeine ganze geiſtige Kraft zu Hilfe. Während le Bourdon faſt der Verzweiflung nahe war, lauſchte Peter's feines, geübtes Ohr, um ſich der Punkte auf dem Fluſſe zu vergewiſſern, wo das Gellen laut wurde. Wegen der Ufer war er außer Sorge. Die Gefahr drohte von Seiten der Canoes. Mittelſt der Schärfe feiner Sinne überzeugte ſich 256— 258. 18 = 214= der Hauptling raſch, daß vier Canoes auf dem Waſſer waren, und daß ſie durch dieſe ſich Bahn brechen oder der Hoffnung zu entkommen entſagen mußken. Der Ton jener Stimmen ließ ihn auch gewahren, daß dieſe vier Canoes ſich in dem Reiſe befanden, er vermuthete, ſte würden ihr Verſteck nicht verlaſſen, da ſie erwarteten, die Strömung müſſe die Flücht⸗ linge ihnen gerade entgegentreiben. „Peter's Entſchluß ſtand angenblicklich feſt. Es war jetzt ganz dunkel, und die, welche in den Canoes im Reis lauerten, waren ſelbſt bei hellem Tage nicht im Stande, die Mitte des Fluſſes zu uͤberſchauen. Er beſchloß daher, ſofort in die Mitte des Fluſſes hinauszulaufen. Zu dieſem Zwecke gab er ſeine Befehle klar und beſtimmt. Die Frauen forderte er auf, ſich in ihren Canoes auf den Boden zu ſetzen, während die weißen Männer allein ſichtbar bleiben durften. Peter hoffte, die Späher würden le Bourdon und Gerſhom in der Dunkelheit und unter ſeinem unmittelbaren Befehle, für Indianer nehmen. Le Bourdon verſicherte ſich einer ſehr wichtigen Thatſache, ſobald dieſe Anordnungen getroffen waren. Auf dem See blies der Wind aus Süden, und war folglich für die günſtig, welche in der entgegengeſetzten Richtung zu fahren wünſchten. Er theilte Margaret dieſe Entdeckung mit leiſer Stimme mit, denn er wünſchte ſie in jeder möglichen Weiſe zu tröſten und zu ermuthigen. Das junge Weib war ihrerſeits bemüht, dem Gatten einige aufmunternde Worte zuzuflüſtern. Die drei Männer hatten ſich über die zu ergreifenden Maßregeln völlig verſtändigt. Im Falle einer Entdeckung ſollten die Canoes in verſchiedenen Richtungen in den Reis flüchten, und Jeder nach ſeinem Gutdünken handeln. Vor einer Landſpitze, welche Gerſhom und le Bourdon bekannt / war, wollt ſollten die Peter war ſternen dem Waſſe die Gegenf ſichtbar. eichförmi lang lie zu erreicher der Feinde Die 4 die Flücht wären. S le Bourdo des Fluſſes jetzt einen Feuer hell Wilden ſeh wie das G zu hören. und deren Als ſi der ganzen dichter zuſe gedämpften tete die gra bar wurde Ruders au blick unfeh ſſer waren, Hoffnung Stimmen ich in dem rſteck nicht die Flücht⸗ s war jetzt 3 lauerten, Mitte des die Mitte ab er ſeine rauf, ſich die weißen hoffte, die Dunkelheit er nehmen. Thatſache, dem See die günſtig, wünſchten. timme mit, tröſten und müht, dem rgreifenden Entdeckung den Reis deln. Vor n bekannt — 275— war, wollten ſie ſich wieder ſammeln, und gewiſſe Signale ſollten die zuletzt Ankommenden bedeuten, daß Alles ſicher ſei. Peter trat mit ſeinem Canoe an die Spitze. Die Nacht war ſternenhell und klar, aber der Mond ſchien nicht. Auf dem Waſſer machte dieß einen nur geringen Unterſchied, denn die Gegenſtände waren auf keine weſentliche Entfernung hin ſichtbar. Der Häuptling regelte die Eile, welche mäßig, aber ichförmig war. Nach der Geſchwindigkeit, mit welcher er lang lief, konnten ſie eine Stunde brauchen, um den See zu erreichen, faſt dieſe ganze Zeit aber mußten ſie inmitten der Feinde hinbringen! Die Hälfte der eben erwähnten Zeit verſtrich, ohne daß die Flüchtlinge in irgend einer Weiſe beunruhigt worden wären, Sie waren jetzt vor der Stelle, wo Gerſhom und le Bourdon bei ihrem frühern Abeniteuer an der Mündung des Fluſſes ihre Canoes verſteckt hatten. Das Ufer bot aber jetzt einen ganz andern Anblick dar. Damals brannte das Feuer hell in der Hütte, und man konnte bei ſeinem Lichte die Wilden ſehen. Jetzt war Alles nicht nur dunkel, ſondern ſtill wie das Grab. Kein Geſchrei, kein Ton, ja, kein Fußtritt war zu hören. Selbſt in der Luft ſchien eine gewiſſe Unſicherheit und deren Tochter, die Beſorgniß, zu weben. Als ſie ſich dem Punkte, welcher als der gefährlichſte auf der ganzen Fahrt gelten konnte, näherten, ließen ſie die Canoes dichter zuſammentreten, ſo daß le Bourdon und Gerſhom in gedämpftem Tone miteinander ſprechen konnten. Man beobach⸗ tete die größte Vorſicht, daß nicht das geringſte Geräuſch hör⸗ bar wurde, denn das leiſe, unvorſichtige Aufſchlagen eines Ruders auf der Seite der Canoes würde ſie in dieſem Augen⸗ blick unfehlbar verrathen haben. 3 18*5 — 276— Margaret und Dorothea waren ihrer Gefühle nicht mehr mächtig, Beide erhoben ſich von ihren Sitzen und blickten über den Rand ihrer Canoes. Sie flüſterten ſogar einander zu, und bemühten ſich, durch gegenſeitige Theiluahme ihren Muth zu ſtärken. droben ge an das L. Peter liche, ruhr dazu bei, Jetzt nahte der entſcheidende Augenblick. — Dreizehntes Kapitel. Sie ſteuert einer Inſel Indiens zu; Sie gönnte weder Tag noch Nacht ſich Ruh'; Sie ſah vor ſich nur ibre Heimath⸗Küſte; Es war, als ob ſie ihre Richtung wüßte, So ruhig ſchwamm, ſo ſicher ſie einher 1 Auf wildem, pfadlos unermeß'nem Meer. Wilſon. Wir haben bemerkt, daß Peter die kleine Barkenflotte anführte. Als ſein Canoe dem gewöhnlichen Landungsplatze vor der Hütte faſt gegenüber ſtand, ſah er zwei Canves, welche aus dem Reis kamen und nicht mehr als hundert Ellen von ihm entfernt waren. In einer größern Entfernung würde es in der That nicht leicht geweſen ſein, einen ſolchen Gegenſtand auf dem Waſſer überhaupt nur zu gewahren. Statt es zu verſuchen, dieſen zwei Canoes auszuweichen, rief der Häupt⸗ ling ihnen ſogleich zu, und zog die Aufmerkſamkeit der Män⸗ ner an Bord auf ſich, indem er ſo laut ſprach, daß die, welche ſolgten, ſeine Worte deutlich vernehmen konnten. „Meine jungen Männer kommen zu ſpät,“ ſagte er. „Die Blaßgeſichter ſind von unſern Kriegern in den Lichtungen ihnen ſtief durch das ruderte er s das 8 Le B Häuptling Peter fuh ſprechen u ſo daß ſei er ſich bef benutzt, u theil zu zi In d und flußa dieſe gefäh men warer dete er ſe Fahrſtraße um nicht; Soba Richtung ruderten, hinab. D nur eine h ſamkeit ſei Gefahr bed nicht mehr lickten über nander zu, hren Muth zu; öt ſich Ruh'; ith⸗Küſte; g wüßte, einher m Meer. Wilſon. Barkenflotte dungsplatze oes, welche Ellen von g würde es Gegenſtand Statt es zu der Häupt⸗ t der Män⸗ die, welche ſagte er. Lichtungen 5. — — 277— droben geſehen worden und müſſen bald hier ſein. Laſſet uns an das Land gehen und ſie an dem Wigwam empfangen.“ Peter's Stimme wurde ſogleich erkannt. Der zuverſicht⸗ liche, ruhige, natürliche Ton, in welchem er ſprach, trug viel dazu bei, die in den Canoes irre zu leiten, und als er zu ihnen ſtieß und mit ihnen in die enge Waſſerſtraße trat, welche durch das Gewinde des Reiſes zum Landungsplatze führte, ruderte er voran und die andern folgten ihm ſo regelmäßig, das Füllen ſeiner Mutter zu folgen pflegt. Le Bourdon hörte die Unterhaltung und deutete ſich des Häuptlings Abſicht, obgleich er die Canoes nicht ſehen konnte. Peter fuhr, während er dem Lande zuruderte, fort, laut zu ſprechen und den Fragen ſeiner neuen Begleiter Rede zu ſtehen, ſo daß ſeine Stimme den Flüchtlingen genau andeutete, wo er ſich befand. Dieß wurde von den letztern begriffen und benutzt, und ſie verloren keine Zeit, von dem Begebniß Vor⸗ theil zu ziehen. In dem erſten Augenblicke wollte le Bourdon umwenden und flußaufwärts flüchten. Als er ſich aber verſicherte, daß dieſe gefährlichen Feinde von Peter ſo ganz in Anſpruch genom⸗ men waren, daß ſie die Canoes hinten nicht bemerkten, wen⸗ dete er ſein Boot nur ein wenig auf die andere Seite der Fahrſtraße, und minderte die Geſchwindigkeit der Bewegung, um nicht zu nahe zu kommen. Sobald er ſah, daß die drei Canoes vor ihm die erwähnte Richtung eingeſchlagen hatten, und dem Landungsplatze zu⸗ ruderten, hielt er ab und gleitete wie ein Pfeil den Fluß hinab. Die Fahrt uber die Oeffnung der Waſſerſtraße forderte nur eine halbe Minute, und Peter war beſorgt, die Aufmerk⸗ ſamkeit ſeiner Begleiter nach vornen zu lenken, wodu ch die Gefahr bedeutend vermindert wurde. — 278— Le Bourdon's Herz klopfte in dieſen Augenblicken, wo das Tomahawk gewiſſermaßen über ſeinem Haupte ſchwebte, hörbar in ſeiner Bruſt, aber das Glück begünſtigte ſie, oder, wie Margaret ſich in ihrem frommen Sinne äußerte, die gött⸗ liche Vorſehung fuͤhrte ſie ſicher durch die Gefahr. Le Bourdon und Gerſhom mußten es als höchſt wahr⸗ V ſcheinlich annehmen, daß ſie an der Ausmündung des Fluſſes auf neue Späher ſtoßen würden, und hielten ihre Waffen zu einem Kampfe bereit.* Kein Canve war jedoch dort zu ſehen, und die Flücht⸗ linge waren bald auf dem See. Der Michigan⸗See iſt ein großes, ausgedehntes Waſſer⸗ becken, und ein Rinde⸗Canve iſt nur ein ſchwaches Fahrzeug, um ihn zu befahren, wenn der Wind ſtark bläſt oder die Wellen hoch gehen. In dem vorliegenden Falle fehlte es weder an ſtarkem Winde, noch an hohen Wellen, und Mar⸗ garet und Dorothea erſchracken nicht wenig. Unter allen bekannten Fahrzeugen iſt jedoch eine dieſer Nußſchalen in der That das ſicherſte, wenn es unter Brandungen oder hochgehen⸗ den Wellen geſchickt gehandhabt wird. Wir ſind ſelbſt in ihnen durch Brandungen gefahren, welche den beſten Kriegs⸗ Kutter, der je auf dem Waſſer ſchwamm, verſenkt hätten, und zwar thaten wir dieß, ohne daß auch nur ſo viel Waſſer, als man braucht, um die Hände zu waſchen, an Bord gekommen wäre. Das leichte Schifſchen ſchwimmt in der That auf ſo wenig Waſſer, daß der Schaum einer ſtarken Welle kaum an ſeinen Nand gelangen kann, und die Geſchicklichkeit des Schif⸗ ſers beſteht darin, daß er es hindert, ſich auf die Seite zu neigen. Wenn man es der Welle gerade entgegen führt, 4 4 könnte man, nach unſerm Bedünken, eine kräftige Kühlte darin aushalten, ſteten Wa ausſchöpfe Le B in der Ha willig ein Beziehung Der bot, vorhe mit Erfol in rauhen band ſie nach vorn wenn es ein Segel beiſetzen, halten.( auf jedem rechts, Se Die liche Auf ſiiegen ſch ihm mit das durch druck iſt handelt, gleichen 2 *) Raaſ icken, wo ſchwebte, ſie, oder, die gött⸗ ſchſt wahr⸗ des Fluſſes Waffen zu die 31 es Waſſer⸗ Fahrzeug, t oder die fehlte es und Mar⸗ Inter allen ilen in der hochgehen⸗ d ſelbſt in ten Kriegs⸗ hätten, und Waſſer, als b gekommen hat auf ſo le kaum an des Schif⸗ ie Seite zu egen führt, lühlte darin aushalten, vorausgeſetzt, daß die Kräfte eines Mannes der ſteten Wachſamkeit und der unausgeſetzten Mühe des Waſſer⸗ ausſchöpfens gewachſen wäre. Le Bourdon war, wie bereits bemerkt worden, ſehr geſchickt in der Handhabung ſeines Bootes, und Gerſhom, jetzt unfrei⸗ willig ein nüchterner, brauchbarer Mann, ſtand ihm in dieſer Beziehung nicht nach. Der Erſtere hatte die Schwierigkeit, welche ſich nun dar⸗ bot, vorhergeſehen und alle ſeine Anſtalten getroffen, um ihr mit Erfolg entgegen zu treten. Sobald er daher die Canoes in rauhem Waſſer ſah, ließ er ſie Seite an Seite treten und band ſie ſo feſt. Dieß minderte die Gefahr des Umſchlagens nach vornen, ſteigerte aber die Mühe, das Boot zu handhaben, wenn es ſich ſeitwärts werfen wollte. Man durfte jetzt nur ein Segel auf dem Floße— denn ein ſolches war es jetzt— beiſetzen, um ſich ſo viel als möglich gegen die Wellen zu halten. Ein leichtes baumwollenes Ever⸗Segel*) war bald auf jedem Canoe ausgebreitet, und dahin ging es, Schwinge rechts, Schwinge links, wie die Seeleute es nennen. Die Steuerung war jetzt viel leichter, obgleich unermud⸗ liche Aufmerkſämkeit nothwendig war. Ein Boot kann zu fliegen ſcheinen, und doch glänzt der Kamm der Wellen vor ihm mit der Geſchwindigkeit eines Vogels entkang. Nichts, das durch oder auf dem Waſſer geht,— und der letztere Aus⸗ druck iſt der geeignetſte, wenn es ſich von einem Rinde⸗Canoe handelt,— iſt im Stande, mit jenem geſiederten Schaum gleichen Lauf zu halten, welcher unter den verſchiedenen Namen, *) Raaſegel bei einmaſtigen Fahrzeugen, Der Ueberſetzer. 1 — 280— „weiße Mütze,“— ein Landmenſchen⸗Ausdruck—„Kamm,“ „Breiher der Wellen,“„Spülwellen“ bekannt iſt und im Sturm an einem Schiffe vorbeiſchießt oder über Bord bricht, wenn es vor dem Winde läuft. Wir haben dieſe Waſſerwolken oft beobachtet, die vor uns hin ſchoſſen, wenn wir mit einer Geſchwindigkeit von zehn bis eilf Knoten uns durch die See ffortarbeiteten, und ſie kamen uns ſtets als ſehr nützliche Mahner an die Macht Gottes, im Vergleich mit der Macht des Menſchen, vor. Dieſe baut ein Schiff, rüſtet es mit Allem. aus, was Kunſt und Geſchick an die Hand geben, und drängt es mit der Schnelligkeit des Vogels durch die Wellen, dennoch wird die Welle ihre gefiederten Schaumkämme gleich Delphinen, die an ſeinem Bug ſpielen, an ihm vorüberſchicken. Dieſes Verfolgen, dieſe Jagd der Wellen gibt in ſteifen Kühlten die groößte Gefahr ab und zwingt die mächtigſten Schiffer beizu⸗ legen, um ihrer faſt unwiderſtehlichen Gewalt das Bug zuzu⸗ wenden. 1 1 1 Unſere Reiſenden hatten jedoch mit ſolchen Kühlten, wie ſie eben angedeutet wurden, und mit ſolchen Wellen nicht zu kämpfen. Der Wind blies friſch aus Süden, und der Michi⸗ gan kann wenn es ſein muß, ſeine Wellenhäupter gewaltig erheben. ſe Wellen waren, wie die aller großen Seeen, kurz, und darum nur um ſo gefährlicher. Je größer die Waſſerfläche iſt, über welche der Wind hinfährt, deſto länger ſind die Wellen und deſto leichter bewegt ſich das Schiff in ihnen. Die des Michigan⸗Sees waren jedoch für ein Rinde⸗ Canoe lang genug, und hocherfreut waren Margaret und Dorothea, als ſie ihre beiden kleinen Fahrzeuge aneinander getaut ſahen, wodurch ſie ein dauerhafteres Ausſehen erhielten, als ſie ausgel gen d Kühlt Anhal unſere ausſpa ſtracks don es geſetzte dieſes beſeitit daß ke wäre ſamme bedeut & hinter teſten Indian daß die würder allgem Aller der Si ſich eh man ü der Ar E dung d ——— „Kamm,“ t und im aerd bricht, iſſerwolken mit einer h die See nützliche der Macht mit Allem ind drängt 7, dennoch Delphinen, . Dieſes üühlten die iffer beizu⸗ Bug zuzu⸗ hlten, wie n nicht zu der Michi⸗ r gewaltig en Seeen, größer die ſto länger Schiff in in Rinde⸗ garet und aneinander erhielten, — 281— als ſie zu haben pflegten. Le Bourdon's Segel wurde zuerſt ausgebreitet und hatte ſogleich die Wirkung, daß das Anſchla⸗ gen der Wellen weniger fühlbar wurde. Bei einer ſteifen Kühlte iſt der Abtrieb eines Canoes bedeutend, da es keinen Anhaltpunkt auf dem Waſſer hat, um ihr zu widerſtehen, unſere Reiſenden flogen aber, ſobald das Baumwollentuch ſich ausſpannte. Der Wind kam genau aus Süden, und da man ſtracks nach Norden, oder ganz vor ihm ſteuerte, fand le Bour⸗ don es möglich, auch in dem andern Canoe auf der entgegen⸗ geſetzten Seite das Segel zu löſen, und als der Wind auch dieſes faßte, waren plötzlich alle Schwierigkeiten bis auf die beſeitigt, daß man, wie die Seeleute ſagen,„ſo ſchmal ſteuerte,“ daß keines der Segel„überſchlagen“ konnte. Aber ſelbſt dieß wäre nicht von ſehr ernſtlichen Folgen geweſen, da das Zu⸗ ſammenfeſſeln der Boote eine daraus hernosgshanbe Gefahr bedeutend minderte. Der Kalamazvo und ſeine Mündung waren bald weit hinter ihnen, und Boden fühlte jetzt nicht mehr die entfern⸗ teſten Beſorgniſſe vor den dort zurückgelaſſenen Wilden. Die Indianer ſind keine kühnen Seefahrer, und er war überzeugt, daß die Rothhäute es bei dieſen rauhen Wellen nicht wagen würden,„in See zu ſtechen,“ während ein r Cours ihn allgemach von dem Lande hinweg führte und vor den Augen Aller barg, die an der Küſte lauern mochten. Das Gefühl der Sicherheit überkam unſere Freunde bald, und da der Wind ſich eher zu ſenken, als an Heftigkeit zu wachſen ſchien, kam man überein, daß einer der Männer ſchlafen ſollte, während der Andere für die Sicherheit der Canoes ſorgte. Es war gegen neun Uhr, als die Flüchtlinge die Mün⸗ dung des Kalamazoo verließen, und mit der Wiederkehr des Tages, oder ſieben Stunden ſpäter, waren ſie mehr als vierzig Meilen von der Flußbarre entfernt. Der Wind„ſtand noch feſt,“ und manche Zeichen deuteten ſogar darauf hin, daß er nach Sonnen⸗Aufgang wieder friſcher werden würde, und das Land war auf der öſtlichen Seite kaum ſichtbar, da die Küſte ſich bedeutend in jener Richtung landeinwärts zieht. Dadurch waren ſie weiter von dem Land abgekommen, als le Bourdon wünſchte, er konnte jedoch ſeinen Cours nicht weſentlich ändern, wenn er nicht eins ſeiner Segel einnahm. Man änderte jedoch ſo viel, als ſich mit der Klugheit vertrug, und um neun Uhr, oder zwölf Stunden nach dem Eintritt in den See, zogen die Canves wieder der Küſte entlang, welche ihnen nach vornen entgegen trat. Nach des Bienenjägers Berechnungen waren ſie jetzt etwa ſtebenzig Meilen von der Mündung des Kalamazoo, und hatten die Ausflüſſe von zwei bis drei der ſtärkſten Ströme jenes Gebietes hinter ſich gelaſſen. Die Flüchtlinge ſahen ſich nach einer gelegenen Lagerſtelle um und landeten hinter einer Landſpitze, wo ihre Canoes hin⸗ reichend geſchützt lagen. Sie hatten jetzt einen Punkt erreicht, wo ſich die Küſte ein wenig oſtwärts hinzieht, wodurch der Wind ſie in igem Grade von dem Lande her traf. Dieſer Wechſel hatte keinen ſehr großen Einfluß auf die Wellen, ſetzte die Canoes aber in den Stand, ſich dicht an der Küſte zu halten, und in dieſer eine Art Lee zu ſinden. Nachdem ſie ein Feuer angezündet, in einem nahen Bach einige Fiſche gefangen, einen tüchtigen Bock erlegt und herge⸗ richtet und für die nächſten zwei bis drei Tage hinreichende Vorräthe gekocht hatten, brachen ſie nach der Mittagsſtunde auf, um ihre Reiſe fortzuſetzen. Die Canves waren jetzt wieder handh auch l eine d daß ſi 2 verbra zurück. Sonne von 1 betrag E Küſte Hilfe genau Seinit die Kr neuem abwech wieder zwei ſie wie zu koe faſſen. 9 Lande genan mehr Wind vierzig noch daß er id das Küſte adurch zurdon ndern, underte id um n See, n nach t etwa hatten jenes erſtelle s hin⸗ rreicht, rch der auf die icht an een. n Bach herge⸗ eichende sſtunde en jetzt —C——— wieder gelöſt worden, da ſie in dieſen Zuſtande leichter zu handhaben waren, als wenn ſie aneittander hingen, beide ſo auch leichter Segel führten. Je weiter ſie nach Norden kamen, eine deſto beſſere Lee haiten ſie, obgleich ſie nie der Art war, daß ſie das Waſſer geglättet hätte. 38 Auf dieſe Weiſe wurden abermals mehrere Stunden verbracht, und mit jeder Stunde legte man etwa ſechs Meilen zurück. Als le Bourdon wieder landete, was er kurz vor Sonnenuntergang that, berechnete er, daß ſeine Entfernung von der Mündung des Kalamazoo über hundert Meilen betragen müſſe. Sein Hauptzweck war, eine Anhöhe zu beſteigen und die Küſte entlang zu ſchauen, ob Canoes ſichtbar wären. Mit Hilfe ſeines Glaſes war er in den Stand geſetzt, einen ziemlich genauen„Ausguck“ zu nehmen, und als er wieder zu den Seinigen kam, hatte er die Frende, ihnen berichten zu können, die Küſte ſei„klar.“ 4 Nachdem man ſich gelabt hatte, wurden die Canoes von neuem an einander gebunden, damit die beiden Männer abwechſelnd Wache halten könnten, worauf man die Nachtreiſe wieder antrat. Auf dieſe Weiſe verfolgten unſere Freunde zwei Tage und zwei Nächte ihren Curs nach Norden, während ſie wiederholt an das Land gingen, um zu ſiſchen, zu jagen, zu kochen und zu ruhen, ſowie um die Küſte in das Auge zu faſſen. 2 Nach Verlauf der erwähnten Zeit kam ihnen die berühmte Landenge Michilli⸗Mackinac, oder, wie ſie faſt allgemein genannt wird, Mackinaw zu Geſicht. Der Curs war allmählich mehr nach Oſten genommen worden, und mit ihm war der Wind ziemlich gleichmäßig umgeſprungen, ſo daß er ihnen — 289— fortwährend günſtig in den Nacken blies und ihre Reiſe „beſchleunigte. 4 Man hielt es jedoch jetzt nicht mehr für ſicher, Segel zu führen, und nahm ſeine Zuflucht zu den Rudern, bis man die Enge und die Inſel hinter ſich hatte. Dieß hatte einen kleinen Aufenthalt zur Folge und vermehrte die Arbeit bedeutend, es ſchien jedoch ſo gefährlich, die weißen Baumwollenſegel aus⸗ zubreiten,— Gegenſtände, welche man auf eine bedeutende Entfernung hin ſehen konnte, daß man es vorzog, ſich dieſer Vorſichtsmaßregel zu fügen. Auch war ſie nicht nutzlos. In Folge dieſer Umſicht kamen unſere Reiſenden ſicher an einer Flotte von Canves vorüber, welche von dem Poſten zu Mackinaw nach dem feſten Lande bei Michigan überſetzten. Die Zahl dieſer Canoes belief ſich auf mehr als fünfzig, da le Bourdon ſie aber zu rechter Zeit gewahr geworden, ließ er ſein Boot in eine Felsbuchtung einlaufen, und barg ſich da, bis die Gefahr vorüber war. Der Curs anderte ſich jetzt noch mehr, während der Wind ganz nach Weſten umſchlug. Dieß war Anfangs ein günſtiger Wind und gab den Canoes, indem ſie vorrückten, eine gnte Lee. Der Huron⸗See, in welchen unſere Flüchtlinge jetzt eingetreten waren, liegt mit dem Michigan⸗See faſt parallel, und der Curs war ſüdöſtlich. Da le Bourdon oft über dieſe Gewäſſer gekommen war, hatte er ſeine Lieblingshäfen, und kannte jene Zeichen, welche den Seefahrer lehren, welches Wetter er zu erwarten hat. Im Ganzen durften die Reiſenden zufrieden ſein, obgleich ſie zwiſchen Mackinaw⸗ und Saginaw⸗Bai zwei Tage ver⸗ loren, Folge der H Reiſen findet bedien in den T Mackit Stund hatten Beſorg Geſell aux b Huron H und ne den T beſorgl möglic eeiinzuzi 5 Mittel zwei 2 da ihre eben ke einande nicht 1 7 flügel, Reiſe gel zu an die leinen nd, es l aus⸗ utende dieſer imſicht Lanoes feſten Lanoes ber zu eine Befahr d der gs ein lückten, e jetzt rrallel, r dieſe n, und velches bgleich ge ver⸗ — 285— loren,— einen des zu rauhen Windes wegen, und einen in Folge ſtarker Regengüſſe. Während des letztern blieben ſie in der Hütte, welche le Bourdon ſelbſt auf einer ſeiner vielen Reiſen erbaut hatte. Solche leere Hütten oder Shantys findet man häufig in neuen Gegenden, und jeder Reiſende bedient ſich ihrer, wenn die Noth ihn dazu zwingt, wie man in den Alpen zu den ſogenannten„refuges“ flüchtet. Der Anblick der Canoe⸗Flotte in der Enge von Michilli⸗ Mackinae war das Einzige, was unſeren Fluͤchtlingen von der Stunde an, wo ſie die Mündung des Kalamazoo hinter ſich hatten, bis zum Schluſſe des zehnten Reiſetages wirkliche Beſorgniß einflößte. Nach Verlauf dieſer Zeit war die Geſellſchaft an Saginaw vorüber, und kam raſch auf Pointe aux barques heran, einer Landmarke für Alle, welche den Huron beſchiffen. Hier ſahen ſie ein Canve unter der Küſte hervorkommen, und nach ſeinem Curſe mußten ſie annehmen, es wolle ihnen den Weg abſchneiden. Dieſer Anblick war erfreulich und beſorglich zumal, beſorglich, weil ein feindlicher Zuſammenſtoß möglich war, erfreulich, weil der Bienenjäͤger Nachrichten eeinzuziehen hoffte, welche ſein ferneres Verhalten leiten konnten. 4 Hier kam ihm ſein Glas abermals ſehr zu Statten. Mittelſt dieſes Inſtrumentes verſicherte er ſich bald, daß nur zwei Männer, Indianer, in dem fremden Canoe waren, und da ihrer gleichfalls zwei waren, konnte dieſes Zuſammentreffen eben keine große Beſorgniſſe erregen. Die Boote traten daher einander immer näher, und le Bourdon ließ ſein Glas faſt nicht mehr von den Augen. „So wahr ich lebe, dort kommen Peter und Tauben⸗ flügel,“ rief unſer Held plötzlich.„Sie haben den Weg uͤber — 286— die Halbinſel eingeſchlagen und müſſen uns von der Land⸗ ſpitze aus geſehen und erkannt haben, da ſie in dem Canve heraustraten.“ „Und ſie bringen gewiß wichtige Neuigkeit, deſſen kannſt Du gewiß ſein, Benjamin,“ verſetzte das junge Weib.„Sag, es doch dem Bruder und Dorothea, damit ſie das Canve und die rothen Männer nicht mehr beunruhigen, als nöthig iſt.“ Der Bienenjäger rief ſeine Freunde in dem andern Canoe an und theilte ihnen die eben gemachte Entdeckung mit, denn die beiden Barken hielten ſtets auf Anruf⸗Entfernung bei einander. „‚Dieſe Indianer kommen nicht vergebens hierher,“ ant⸗ wortete Dolly.„Ihr werdet finden, daß ſie uns etwas Ernſtes zu berichten haben.“ „Wir werden es bald hören,“ rief le Bourdon.„In zehn Minuten ſind ſie uns zur Seite.“ Die zehn Minuten waren faum vergangen, als die drei Canoes ſich vereinigten. Man band ſie an einander, und das von Peter wurde in die Mitte genommen. Der Bienenjäger ſah auf den erſten Blick, daß die Reiſe der Indianer eine ſehr raſche geweſen ſein müſſe, denn ihr Cauve war nicht nur ganz anders gebaut, ſondern entbehrte auch aller der Vorrich⸗ tungen, Bequemlichkeit und Vorräthe, uelche eine längere Fahrt nothwendig machte. Der Bienenjäger enthielt ſich jedach jedet Frage, ſondern zündete ſeine Pfeife an, that einige Züge und überreichte ſie dann höflich dem Häuptlinge. Peter rauchte eine kleine Weile und gab ſie ſeinerſeits Taubenflügel, welcher ſich dieſes Genuſſes ebenſo ſehr zu freuen ſchien, als e ein Anderer in der Geſellſchaft, 1 * 4 den I das G war, k 6,5 Geiſt Manitt Juden ſein J nicht lieben, 28 deren ſ hörte. ſein, de Pe ſich de Seele ſo trat Hinſich nern, d ſein m. Einfluf Ne Achtung glaubte hierher ſchwache Land⸗ Canve kannſt „Sag! de und iſt.“ Canoe denn ig bei ant⸗ Frnſtes „In ie drei ud das enjäger ne ſehr ht nur orrich⸗ ängere ondern hte ſie Weile dieſes in der —õõõ—— — 287— „Mein Vater glaubt nicht an ſeine Abſtammung von den Juden?“ ſagte le Bourdon lächelnd, denn er wünſchte das Geſpräch in Gang zu bringen, obgleich er entſchloſſen war, keine weibiſche Neugierde an den Tag zu legen. 1 „Wir arme Indianer, Bourdon, grade wie der große Geiſt uns machen, das Beſte. Nicht ändern können, was Manitou thun. Wenn er uns nicht machen Juden, wir nicht Juden ſein können. Wenn er uns machen Indianer, müſſen ſein Indianer. Ich ſelbſt glauben, ich ſein Indianer und nicht Blaßgeſicht ſein brauchen. Können Blaßgeſicht jetzt lieben, grad wie Indianer lieben.“ „O, ich hoffe, dieß iſt wahr, Peter,“ rief Margaret, deren ſchönes Geſicht vor Entzücken glühte, als ſie dieſe Worte hörte.„So lange Ener Herz dieß Euch ſagt, dürft Ihr gewiß ſein, daß der Geiſt Gottes in Euch iſt.“ Peter antwortete nicht, in ſeinem Auge aber ſpiegelte ſich der Eindruck des neuen Gefühls, welches ſich ſeiner Seele jetzt bemächtigt hatte. Was den Bienenjäger betrifft, ſo trat er Margaret's Ueberzeugungen oder Gefühlen in dieſer Hinſicht nie entgegen, denn er glich darin den meiſten Män⸗ nern, die, wie gleichgiltig ſie ſelbſt in Bezug auf Religion ſein mögen, es ganz gern ſehen, wenn ihre Frauen ſich dem Einfluſſe derſelben fügen. Nach einer kurzen Pauſe, welche als ein Beweis der Achtung gelten konnte, die man dieſem Gegenſtande widmete, glaubte er, er dürfe nach den Umſtänden, welche die Indianer hierher geführt hatten, fragen, ohne daß man ihn einer ſchwachen, ungeduldigen Neugierde zeihen könne. 1 Peter's Geſchichte war bald erzählt. Er hatte ſich bei den Häuptlingen eingeſtellt, ohne ihr Mißtrauen rege zu — 288.— machen, und Alle waren der Ankunft der jungen Männer mit den Gefangenen gewärtig. Sobald man ſich überzeugt hatte, daß die beabſichtigten Opfer entflohen, und zu Waſſer ent⸗ flohen waren, ſchickte man Abtheilungen nach den verſchiedenen Landſpitzen ab, um ihnen den Weg abzuſchneiden. Ein Theil folgte in Canoes, da ſie aber weniger verwegene Schiffer waren als der Bienenjäger, erreichten ſie die Enge erſt, als die Flüchtlinge ſie bereits eine Zeitlang hinter ſich hatten. Peter ſelbſt hatte ſich Bärenfleiſch und etwa zwanzig Häuptlingen zugeſellt, welche über die Halbinſel eilten, ſich vor der Saginaw⸗Bai Canoes verſchafften, und drei Tage vor der Ankunft der Weißen an der Pointe aux Barques aus⸗ liefen,— derſelben Stelle, welcher unſere Geſellſchaft ſich jetzt näherte. Des Wartens müde, und ungewiß, ob die Blaßgeſichter nicht bereits einen Vorſprung vor ihm gewonnen hätten, war Barenfleiſch in den Fluß weiter unten getreten, um dort Wache zu halten, während Peter mit drei jungen Männern und einem Canoe an der Pointe blieb, um nach den Flücht⸗ lingen zu ſpähen. 1 Der große Häuptling hatte eine Ausrede gefunden, um dieſe jungen Männer an das Ende der Bai zu ſchicken, wo ſie ein anderes Canoe ſuchen ſollten, ſo daß er ganz allein auf der Pointe blieb. Die Indianer waren kaum aus ſeinen Augen verſchwunden, als Taubenflügel ſich bei ſeinem Ver⸗ bündeten einſtellte, denn, wie es ſchien, hatte ſich dieſer treue Freund während der ganzen Zeit in der Nähe ſeiner Feinde gehalten, war mehrere hundert Meilen gegangen, hatte Hunger und Beſchwerden ertragen, und überdieß faſt bei jedem Schritte ſein Loben auf das Spiel geſetzt, um denen nützlich zu werden, welchen er zu dienen ſich verpflichtet hatte. 5 8 1 ſeitig. Canoes ſogleich entgeger Pe Geſellſe Es Feind hatte ſ Küſte e er lenkt da jene Zufluch 4 t hatten Fluß, w mit den Meilen welcher Fluß, traten. auf der kleines einen A weißer Händen für ihn Bärenſt Je 256 er mit hatte, r ent⸗ jedenen Theil Schiffer ſt, als ten. wanzig n, ſich i Tage 2s aus⸗ ich jetzt geſichter u, war m dort Tännern Flücht⸗ en, um en, wor allein z ſeinen m Ver⸗ er treue Feinde Hunger Schritte werden, — 289— Peter und Taubenſlügel verſtanden ſich natürlich gegen⸗ ſeitig. Sie waren kaum eine Stunde beiſammen, als ſte der Canoes der Flüchtlinge anſichtig wurden. Sie erkannten ſie ſogleich an ihren Segeln und ruderten ihnen, wie angedeutet, entgegen. Peter ſchloß die hier gegebenen Mittheilungen, ehe die Geſellſchaft an der Pointe anlegte. Es konnte für etwas gelten, daß man wußte, wo der Feind lauerte, le Bourdon ahnte aber große Gefahr. Er hatte ſeine Canves volle fünfhundert Meilen eine bedrohliche Küſte entlang gedrängt, obgleich kleine Boote, wie die, welche er lenkte, vielleicht weniger Gefahr laufen, als größere Schiffe, da jene faſt jeden Augenblick in geringer Entfernung einen Zufluchtsort finden können. Von Pointe aux Barques bis zu der Spitze des Sees hatten ſte noch gegen hundert Meilen. Hier verbindet ein Fluß, wie man es nennt, eigentlich aber eine Enge den Huron mit dem kleinen St. Clair⸗See. Dieſe Enge iſt etwa dreißig Meilen lang. Dann mußten ſie über den St. Clair⸗See, welcher faſt dieſelbe Länge hat, worauf ſie in den Detroit⸗ Fluß, gleichfalls eine Enge, wie ſchon der Name andeutet, traten. An dieſer Enge, ſechs bis acht Meilen aufwärts und auf der Weſtſeite, liegt die Stadt Detroit, damals ein ſehr kleines Dorf mit einem Fort, deſſen Lage geeigneter war, einen Angriff der Wilden zurückzuweiſen, als einer Belagerung weißer Männer zu widerſtehen. Dieſer Platz war jetzt in den Händen der Engländer, und nach le Bourdon Anſicht war er für ihn kaum minder gefährlich, als die feindliche NMahe des Bärenfleiſch und ſeiner Gefährten. Jede Verzögerung konnte jedoch die hlimmſten Solse 256— 258. 19 nach ſich ziehen. Nachdem man daher gekocht und gegeſſen hatte, ſetzten die Canoes ihre Fahrt fort und Peter nebſt Taubenflügel begleiteten ſie, ließen aber ihr Canoe zurück. Peter beſtieg le Bourdon's und Margaret's Boot, während der Chippewa in dem Boote Gerſhom's Platz nahm. Dieſe Einrichtung wurde getroffen, um in jedem Canoe zwei Ruderer zu haben, denn es war möglich, daß nur die größte Eile ſie rettete. Der Wind hielt ſich noch weſtwärts und die kleinen Barken liefen raſch. Gegen das Ende des Tages näherte ſich die Geſellſchaft der Enge, und Peter rieth, die Segel einzu⸗ nehmen. Er wollte dadurch verhüten, daß die Canoes geſehen wuͤrden,— eine Vorſichtsmaßregel, welcher der Umſtand noch zu Hülfe kam, daß ſie ſich ſo nahe als möglich an dem Lande hielten, wo ſo kleine, niedrige Gegenſtände leicht mit den Schatten verfloſſen, welche die theils mit Wald, theils mit Buſchwerk bewachſenen Ufer auf das Waſſer warfen. Es war völlig dunkel als die Canoes in den St. Clair⸗ Fluß eintraten. Von Wind und Strömung begünſtigt, machten ſie raſche Fortſchritte, und als der Tag aubrach, lief Peter— welcher eine von dem gewoͤhnlichen Curs ve iedene Richtung eingeſchlagen hatte, auf einem der vielen Arme, welche von, dem Fluſſe in den See führen und wo Waſſerpflanzen einen vollkommenen Schirm bildeten— in den St. Clair ein. Dieſem Umwege hatten die Flüchtlinge es zu danken, daß ſie nicht in die Hände einer Abtheilung ihrer Feinde fielen, wie die beiden Indianer ſich deſſen ſpäter vergewiſſerten. Bärenfleiſch hatte zwei Canves, deren jedes mit fünf Kriegern bemannt war, hier zurückgelaſſen, um die Hauptzugänge zu dem St. Clair zu bewachen, da er nicht erwartete, daß der Biener von d beſond aber, der I T ſchnitt Mitte ten, wenn bloßge 5 mittag Ufer erwäh Hier Zuvor diſchen es gle oder kees,“ Gebie Gunſt Ufer weiſe Ludw Spra erinne Spra 5 gegeſſen r nebſt zurück. bährend Dieſe RKuderer Eile ſie kleinen rte ſich einzu⸗ geſehen nd noch Lande nit den ils mit Clair⸗ nachten ſeter— ichtung he von, n einen en, daß fielen, iſſerten. eriegern nge zu aß der Bienenjäger und ſeine Freunde in einer ſolchen Entfernung von der Gegend, wo ſie ibhren Feinden entſchlüpft waren, beſondere Vorſicht nöthig halten würden. Die Ankunft Peter's aber, ſein Scharfſinn und ſeine Bekanntſchaft mit den Sitten der Indianer vereitelte die Erwartungen der Wilden. Die Canoes liefen unbemerkt in den See ein und durch⸗ ſchnitten ihn faſt in ſchräger Linie, ſo daß ſie erſt in der Mitte des folgenden Nachmittags die Ufer von Canada erreich⸗ ten, denn ſie brauchten ihre Segel ſelten, und nur dann, wenn ſie weit von dem Land und wachſamen Augen nicht bloßgeſtellt waren. Der Bienenjäger und ſeine Freunde landeten dieſen Nach⸗ mittag an der Hütte eines canadiſchen Franzoſen, der an dem Ufer des Sees und in einer ſichern Entfernung von dem erwähnten Flußarme wohnte, welcher noch weiter ſüdlich führte. Hier wurden die Frauen gaſtlich empfangen und mit jener Zuvorkommenheit bewirthet, welche den Charakter der cana⸗ diſchen Franzoſen auszeichnet. Dieſen einfachen Menſchen galt es gleich, ob die Reiſenden einer feindlichen Nation angehörten oder nicht. Sie machten ſich allerdings wenig aus den„Yan⸗ kees,“ wie ſie alle Amerikaner nannten, allein ihre engliſchen Gebieter ſtanden bei ihnen eben auch nicht in ſehr hoher Gunſt. Sie begnügten ſich, wieder in dem Beſitze der beiden Ufer des Detroit zu ſein, denn dieſe waren damals vorzugs⸗ weiſe von Nachkommen der Franzoſen bevölkert, welche unter Ludwig dem Vierzehnten eingewandert waren, und durch Sprache und Sitten noch lebhaft an die Franzoſen jener Zeit erinnerten. Sie ſprachen damals wie jetzt, ausſchließlich die Sprache ihrer Väter. Der Bienenjäger verließ die Hütte dieſer einfachen, gaſt⸗ 19* — 292— freundlichen Menſchen ſobald es völlig Nacht geworden, oder richtiger, ſobald der junge Mond untergegangen war. Peter übernahm jetzt die Leitung, indem er le Bourdon’s Canve ſteuerte, während Gerſhom ſo nahe folgte, daß der Bug ſeines kleinen Boots in dem Bereiche des Arms des Indianers war. In weniger als einer Stunde erreichten die Flüchtlinge die Mündung des Fluſſes, welche hier durch eine große Inſel in zwei Arme getheilt wird. An dieſer Inſel harrte in dieſem Augenblicke Bärenfleiſch mit drei Canoes, deren jedes mit ſechs Kriegern bemannt war, ihrer Ankunft. Es wäre dieſem Häuptlinge leicht geweſen, nach Detroit zu gehen, die Wilden, welche dort in großer Anzahl verſammelt waren, aufzubieten, und die Canoes ſo außzuſtellen, daß ein Entkommen zu Waſſer unmöglich geworden wäre, dieß würde aber ihn und ſeine Freunde um die Ehre gebracht haben, die Scalpe zu nehmen. Er beſchloß daher, ſeiner eigenen Geſchicklichkeit und Wachſam⸗ keit zu vertrauen, und da er annahm, die Flüchtlinge würden jetzt ziemlich ſorglos entlang kommen, zweifelte er kaum, ſie hier in Empfang zu nehmen, wenn ſie den Händen derer ent⸗ ſchlüpfen ſollten, welche er weiter oben aufgeſtellt hatte. Der Bienenjäger traute jener Inſel nicht und wendete beſondere Vorſicht an, als er an ihr vorüberlief. Vor Allem hatte man die zwei Canoes vereinigt, um ihnen in der Dunkel⸗ heit das Ausſehen eines einzigen zu geben, während die vier Männer die Zahl der Mannſchaft ſo ſteigerten, daß eine ſolche Täuſchung um ſo leichter war. Am Ende ergab es ſich, daß eines der Canoes Bärenfleiſch's, welches in der Mitte des Fluſſes ruderte, ſie geſehen, dieß Boot unſerer Freunde aber für eines ihrer Canoes gehalten hatte, welches ſich in der Nähe halten ſollte, und in dieſer Stunde auch genau ſechs Perſt Land zu he ihren Mar gung die N bereit grim da zu waren weich zu ve inden wo d Stad. waren aus. waren Kana würde waren Joch genoſſ tet ha 9 2 „ oder Peter Canve ſeines 3 war. ötlinge Inſel dieſem t ſechs dieſem Lilden, bieten, Waſſer ſeine ihmen. chſam⸗ pürden m, ſie er ent⸗ dendete Allem zunkel⸗ ie vier ſolche daß te des e aber in der ſechs — 293— Perſonen an Bord hatte. Dieſe ſechs Krieger waren an das Land gegangen, um ſich in den Shantys der Franzoſen Obſt zu holen, von dem ſie große Freunde waren, und deſſen ſie in ihren Dörfern nur wenig hatten. In Folge dieſes glücklichen Zuſammentreffens, welches Margaret ſtets als einen neuen Beweis beſonderer Begünſti⸗ gung von Seiten der göttlichen Vorſehung betrachtete, kamen die Flüchtlinge unbeläſtigt an der Inſel vorüber, und waren bereits, ohne es zu wiſſen, jenſeits der letzten Späher des grimmen Bärenfleiſch. Es war keineswegs ſchwer, jetzt den Fluß hinab zu gehen, da zu jeder Stunde ſo viele Canoes auf ihm in Bewegung waren. Der Bienenjäger wußte, welchen Punkten er auszu⸗ weichen hatte, und brauchte die größte Vorſicht, um die Wachen zu vermeiden. Der Fluß oder die Enge iſt kaum eine Meile breit, und indem die Canoes ſich in der Mitte der Strömung hielten, wo der Wind ſie begünſtigte, trieben ſie unentdeckt an der Stadt, damals einem unbedeutenden Dorfe, vorbei. Sobald die Canoes weit genug nach unten gekommen waren, wurden ſie wieder gelöſt und jedes breitete ſein Segel aus. Das Waſſer war glatt, und noch ehe der Tag kam, waren die Flüchtlinge vor Maldek, aber in dem amerikaniſchen Kanal. Wäre letzteres aber auch nicht der Fall geweſen, ſo würde dieß die Gefahr nicht geſteigert haben. Die Amerikaner waren durch Hull's Kapitulation ſo vollſtändig unter das Joch gebracht worden, und die Zahl der indianiſchen Bundes⸗ genoſſen England's war ſo groß, daß man kaum darauf geach⸗ tet haben würde, ob ein Canoe mehr oder weniger vorüberlief. Michigan war zu jener Zeit faſt nur dem Namen nach — 2294— eine Provinz. Das Gebiet war allerdings ausgedehnt, aber die ganze Bevölkerung belief ſich nicht höher als die eines mäßigen engliſchen Markifleckens, und Detroit galt damals für einen entlegenen, vereinſamten Poſten. Mackinaw und Chicago lagen freilich noch ferner und verlaſſener, ein engli⸗ ſches Heer aber, in deſſen Beſitz Detroit war, konnte von den Amerikanern auf der Landſeite nur angegriffen werden, wenn dieſe ſich durch einen großen Strich faſt unzugänglicher Wild⸗ niß durchgearbeitet hätten. Im folgenden Jahre geſchah dieß allerdiugs, denn es bedarf ſtets der Zeit, um Jonathan'’s militäriſche Kraft zu wecken. Iſt ſie einmal erwacht, dann pflegt er nicht zu ſcherzen, wie alle ſeine Feinde wohl gewahr geworden ſind, allein ziemlich viel Mißgriffe, falſche Berech⸗ nungen, anmaßliche Unwiſſenheit und nutzloſes Geſchwätz müſſen vorausgehen, ehe man zu den Mitteln und Männern ſeine Zuflucht nimmt, welche dem Lande wirklich helfen können. In dieſer Hinſicht ſind wir, Dank der trefflichen Schule auf Weſt⸗Point, einem gut geleiteten Generalſtab und tüchtig gebildeten Offizieren, im Fortſchreiten begriffen. Der Congreß war nicht im Stande, in dem letzten Kriege die Armee zu vernichten, obgleich er zu dieſem Zwecke ſein Möglichſtes gethan hat; ber Grund des Mißlingens lag in der Feſtigkeit und Kraft des Kerns unſeres großen Staatskometen, welchen das Gas des gewöhnlichen geſetzgebenden Schweifes nicht ganz zu verdunkeln vermochte, und der heute den Krieg durch ein Hurrah erklärt, morgen aber ſagt, die Geſutzgebung habe ſich nicht mit der Fortſetzung zu befaſſen, als ob er ſeinem eigenen Thun mißtraute oder ſeinen Patriotismus ſchon wieder bereute. Und dieſer ſeelenloſe Körper, dieſe Schule des Partei⸗Getriebes, als Ganzes von ſehr zweifelhafter Befähigung, ſoll, nach — gewi giert auch die Com Ave Tert allen ſich nach bemu zurer glück Geſe mals Land daß abſch getha ſchnel werde deckt einzu Zeit Seeer Wild men, Die , aber eines damals iw und engli⸗ von den , wenn r Wild⸗ ah dieß nathan's t, dann gewahr Berech⸗ zeſchwätz Nännern können. Schule dtüchtig Congreß lrmee zu es gethan gkeit und lchen das ganz zu zurch ein habe ſich n eigenen r bereute. Getriebes, oll, nach ——————:— — 295— gewiſſen Auslegern der Verfafſung, alle Handlungen der Re⸗ gierung leiten! Er ſoll nicht nur Geſetze geben, ſondern ſie auch auslegen dürfen, was nicht weniger heißt, als— er ſoll die Armee befehligen, ja, die Bewegungen jeder einzelnen Compagnie leiten, er lieſt die Verfaſſung, wie ein Abbé ſein Ave und Pater noster hermurmelt, er ſieht Alles, nur den Text nicht. Mit einem Worte, der Nationalrath muß von allen Vaterlandsfreunden ſcharf bewacht und angehalten werden, ſich die Verfaſſung als Richtſchnur zu wählen, nicht aber, ſie nach ſeiner Willkür zu deuten. Seine Glieder ſollten ſich bemühen, Staatsmänner zu werden, ſtatt Hirngeſpinſten nach⸗ zurennen. Das Veko! Wollte der Himmel, wir erlebten die glückliche Zeit, wo, wenigſtens einmal, der Congreß mehr Geſetze an die, welche ſie machten, zurückſchickte, um ſie noch⸗ mals zu überdenken, als er deren beſtätigt. Dann könnte das Land ſich der ſehr weſentlichen Thatſache wieder bewußt werden, daß die Geſetzgebung kein Oberbefehlshaber iſt, keine Verträge abſchließt, und kein Recht hat, das zu thun, was ſie ſo oft gethan hat, durch Congreßakte Stellen zu beſetzen. In Folge der geringen Beſorgniß der Engländer, ſo ſchnell wieder aus ihren neuen Eroberungen vertrieben zu werden, gelang es le Bourdon und ſeinen Gefährten, unent⸗ deckt und unbeläſtigt aus dem Detroit⸗Fluß in den Erie⸗See einzulaufen. Hier hatten ſie noch eine weite Reiſe vor ſich. Zu jener Zeit war die amerikaniſche Seite der Küſten aller„großen Seeen,“ wie wir ſie mit Recht nennen, kaum mehr als eine Wildniß. Es gab allerdings an einzelnen Punkten Ausnah⸗ men, deren waren jedoch wenige, und ſie lagen weit getrennt. Die ganze Küſte von Ohio— denn Ohio hat ſeine Küſten, wie Böhmen, wenn man Shakſpeare glauben darf*)— war, ſowie auch die von Pennſylvanien und Neu⸗York⸗ auf der Süßwaſſerſeite, größtentheils in dem Zuſtande der Natur. Der Hafen, welchen der Bienenjäger im Auge hatte, war Presque Isle, jetzt Erie genannt, in Pennſylvanien, der ſeit⸗ dem ziemlich berühmt geworden iſt, da die amerikaniſchen Schiffe ein Jahr nach den Begebniſſen, welche wir hier berich⸗ ten, aus ihm ausliefen, um jene Schlacht zu ſchlagen, welche dieſen See wieder in unſere Gewalt brachte. Dieß war an ſich ſchon eine kleine Seereiſe, denn ſie betrug volle zwei hundert Meilen die Inſeln und Küſte ent⸗ lang, ſie wurde aber im Laufe der folgenden Woche unge⸗ fährdet zurückgelegt. Als unſere Reiſenden einmal den Erie⸗ See und die amerkkaniſche Seite erreicht hatten, fühlten ſie ſich gegen alle Gefahren, die des Elements ausgenommen, ziemlich geſichert. Allerdings berichtet ein Geſchichtſchreiber von Ruf, welcher durch die Geſammtweisheit einer„hiſtori⸗ ſchen Geſellſchaft des Staates Pennſylvanien“ geſtützt wird, der Feind habe im Jahre 1814 beide Ufer des Erie⸗Sees im Beſitze gehabt, der Mißgriff jedoch, deſſen ſich der Neſtor der Geſchichtſchreibung hier ſchuldig gemacht hat, iſt im Vergleiche mit anderen ſo unbedeutend, daß wir uns nicht dabei auf⸗ halten wollen, ihn zu berichtigen. Le Bourdon und ſeine Freunde fanden das ganze nörd⸗ liche Ufer des Erie⸗Sees im Beſitze der Amerikaner, ſo weit es überhaupt im Beſitze von irgend Jemanden war, und ſahen ſich folglich durch jenen Mißgriff des Geſchichtsſchreibers und ſeiner hochgelehrten Genoſſen eben nicht gefährdet. ) Man ſehe deſſen„Wintermärchen.“ Der Verfaſſer. 4 Taub Cano rend. Anha Sein er da deſſen regeln und Erreie 8 leichth Verkel Büchſ kleine wogeg fiel jel † That auch a ters u Dankb⸗ war, uf der rr. te, war er ſeit⸗ niſchen berich⸗ welche enn ſie ſte ent⸗ unge⸗ n Erie⸗ lten ſie ommen, chreiber „hiſtori⸗ t wird, Sees im ſtor der ergleiche bei auf⸗ ze nörd⸗ ſo weit ar, und hreibers rfaſſer. Ehe man Presque Isle erreichte, verließen Peter und Taubenflügel ihre Freunde. Der Bienenjäger gab ihnen ſein Canoe, und der Abſchied war nicht nur herzlich, ſondern rüh⸗ rend. Margaret hatte auf der Reiſe und an den öfteren Anhaltpunkten mit dem großen Häuptlinge häufig gebetet. Sein ſteter, inniger Wunſch war jetzt, leſen zu lernen, damit er das Wort des großen Geiſtes in ſich aufnehmen und nach deſſen Weisheit und erhabener Moral ſein künftiges Leben regeln könne. Margaret verſprach, wenn ſie ſich wieder träfen und die Verhältniſſe einen ſolchen Plan begünſtigten, zur Erreichung dieſes Wunſches das Ihrige beitragen zu wollen. Taubenflügel ſchied von ſeinem Freunde mit derſelben leichtherzigen Lebhaftigkeit, welche er während ihres ganzen Verkehres bethätigt hatte. Le Bourdon gab ihm ſeine beſte Büchſe, eine Menge Pulver und Blei und mehrere andere kleine Gegenſtände, welche für einen Indianer Werth hatten, wogegen er die Waffen des Ehippewa annahm. Dieſer Tauſch fiel jedoch ſehr zu des Indianers Vortheil aus. Peter ſelbſt lehnte jedes Geſchenk ab. Er trug in der That jetzt nur noch der Jagd wegen Waffen, wäre dieß aber auch anders geweſen, ſo hätte doch die Würde ſeines Charak⸗ ters und ſeiner Stellung ihn über einen ſolchen Beweis der Dankbarkeit erhoben. Vierzehntes Kapitel. S Komm in des Friedens Land! Komm', wo nicht länger tobt des Sturmes Wuth, Wo dich nicht drückt der Sonne heiße Gluth, Und wo die Thränen unbekannt. Dort kennt man Bangen nicht und Beben! Komm', wo ſich in der Myrthe dunkeln Schatten Behaglich ſtille Rub' und Liebe gatten, Wo Cden lacht in's ird'ſche Leben. Mrs. Hemans. Es ſind nun drei und dreißig Jahre ſeit dem letzten Kriege mit England verfloſſen und ſechs und dreißig gingen ſeit dem Sommer vorüber, in welchen die hier erzählten Bege⸗ benheiten fallen. Dieſes Drittheil eines Jahrhunderts hatte mächtige Veränderungen in Amerika hervorgebracht. Jahr⸗ „hunderte übten oft in den älteren Ländern einen ſolchen Ein⸗ fluß nicht, wie es hier während des Zeitraumes der Fall war, in welchem wir leben. Wir hatten auf den Grund von Mit⸗ theilungen, welche uns zugekommen waren, unſere Erzählung ſo weit fortgeführt, als ſich uns Gelegenheit bot, die Wahr⸗ heit, wenigſtens einiger unſerer Gemälde, durch perſönliche Beobachtung zu berichtigen. Im Laufe des freundlichen Juni⸗Monats 1848 verließen wir unſere ſtille, einſame Wohnung in den Bergen, ſtiegen in das Thal des Mohawk herab und flogen auf der Eiſenbahn der untergehenden Sonne entgegen. Wohl erinnerten wir uns der Zei Punkte bis zu wir di in eine hatten, Tagen, in Anſ ſchöne reichen ſam in V „Waſſe bahn. der der⸗ dieſes berühm gedenke gefund getäuſe Erfahr ſend, wir ihr erinner des gel keit des en! hatten emans. letzten gingen en Bege⸗ ts hatte Jahr⸗ hen Ein⸗ fall war, don Mit⸗ rzählung ie Wahr⸗ erſönliche verließen , ſtiegen Liſenbahn wir uns —— — 299— der Zeit, wo man einen ganzen Tag brauchte, um von dem Punkte am Mohank, wo wir den geflügelten Wagen beſtiegen, bis zu dem kleinen Dorfe Utica zu kommen. Jetzt durchflogen wir dieſen Raum in drei kleinen Stunden und ſpeiſten in einer Stadt von etwa fünfzehntauſend Einwohnern zu Mittag. Zwanzig Stunden, nachdem wir den Wagen beſtiegen hatten, erreichten wir Buffalo. Dieſe Reiſe würde in jenen Tagen, welchen unſere Erzählung angehört, eine ganze Woche in Anſpruch genommen haben. Jetzt verſchmolz dieſes ganze ſchöne Gebiet, mit Städten und Dörfern bedeckt und mit reichen Fluren geſchmückt, durch die Raſchheit der Reiſe gleich⸗ ſam in eine einzige Landſchaft zuſammen. Von Buffalo wendeten wir uns ſeitwärts, um den „Waſſerfall“ zu beſuchen. Auch dahin führte uns eine Eiſen⸗ bahn. Dreißig Jahre waren verfloſſen, ſeit wir dieſes Wun⸗ der der Natur zum letzten Male geſehen hatten. Während dieſes Zeitraumes waren wir viel gereiſt und hatten viele der berühmten Waſſerfälle der alten Welt geſehen, deren nicht zu gedenken, welchen in andern Theilen unſeres eigenen Landes gefunden werden. Hat dieſer Beſuch unſere Erwartungen getäuſcht? Haben Zeit, vorgeſchrittene Jahre, oder die durch Erfahrung geſchwächten Gefühle den Anblick minder ergrei⸗ ſend, minder großartig, oder minder Aiaeuliah gemacht, als wir ihn zu finden hofften? Nichts weniger als das. Alle unſere Erwartungen wur⸗ den mehr als befriedigt. In einer Hinſicht— und wir erinnern uns nicht, daß irgend ein Reiſender dieſes Umſtan⸗ des gedacht hätte— waren wir über die ungemeine Herrlich⸗ feit des Niagara wahrhaft entzückt, wir meinen den Charakter — 300— der Lieblichkeit, wenn wir es ſo nennen dürfen, welcher die ganze, glänzende Scene überglühte. Nicht ſowohl das Groß⸗ artige des Waſſerfalls, als ſeine erhabene Lieblichkeit und Anmuth bezauberte uns. Wir hatten uns ſo lange an den Anblick bewegten und aufgeregten Waſſers gewöhnt, daß dieß vielleicht dem Gefühle des Schreckens, welcher ſich des Neulings ſolcher Scenen wohl bemächtigt, einigen Abtrag that, wir fühlten uns aber ſogleich durch die ungemeine Lieblichkeit des Niagara angezogen. Der Keſſel unten war ergreifender, als wir es uns gedacht hatten, aber er war italieniſch an Farbe und Anmuth inmitteu ſeiner Wildheit und Erhabenheit. Die niederrauſchenden Waſſer flößten keinen Augenblick Schrecken ein, denn Alles ſchien uns nur Lieblichkeit und Milde zu athmen. Bei allem Großen und Ergreifenden iſt dem Charakter der Sanftheit und dem Zauber der lieblichern Verhältniſſe eher, als der Großartig⸗ keit die Macht beizumeſſen, welche der Niagara ausübt. Wir glauben auch, daß dieſes Gefühl bei weitem allgemeiner iſt, als man gewöhnlich annimmt, denn wir ſehen die, welche in der Nähe des Waſſerfalles wohnen, ſich um ihn und bis an den Rand ſeines mächtigſten Abſturzes ſpielend bewegen, als hätten ſie das vollſte Vertrauen zu ſeinen rollenden Waſſern. So ſahen wir das kleine Dampfboot,„die Nebelmaid,“ ganz nahe an die grüne Waſſerſchichte, welche man den„Pferdehuf“ nennt, herantreten und in der Strömung des Strudels nieder⸗ gleiten, als ſei es in dieſer Schaum⸗, Dunſt⸗ und Giſcht⸗ Welt ganz heimiſch. Ueber den Waſſerkeſſel ſind Drähte geſpannt und man gleitet in Körben darüber hin. Wie man ſagt, ſoll eine ähnliche Erfindung menſchliche Weſen über den mächtigſten Fall führen, ſo daß Waghälſe unmittelbar über dem Höllenſtrudel in der Luft hängen. ——— Au ihre Liel lichkeit ꝛ Zu liſchen? unſere jedem A mit unſe und Bed eiviliſirte Reiſender aus allen Eine Frauen waren es ausſehend ſchien, un achtzehn ten. Die dieſer Kl Dure aus einer nordweſtli ſation no Mundart fungen un mung und Großmutt, die Tochte fluſſe der elcher die 1s Groß⸗ hkeit und gten und Gefühle nen wohl r ſogleich en. Der t hatten, teu ſeiner n Waſſer chien uns Großen und dem Proßartig⸗ ibt. Wir neiner iſt, welche in d bis an gen, als Waſſern. d,“ ganz ferdehuf“ ls nieder⸗ d Giſcht⸗ d Drähte Wie man über den lbar uber ——˖—O—ᷣ—ᷣ—ᷣ—ᷣ—ᷣ—ÿ—ÿõ— — 301— Auf dieſe Weiſe bewähren Männer und ſelbſt Frauen ihre Liebe zu der Oertlichkeit, deren vorherrſchende Eigenthüm⸗ lichkeit nach unſerer Anſicht Anmuth und Lieblichkeit iſt. Zu Buffalo beſtiegen wir ein Dampfboot unter der eng⸗ liſchen Flagge,„Canada“ genannt. Dadurch kürzten wir unſere Reiſe nach Detroit bedeutend ab, denn wir entgingen jedem Aufenthalt auf Seitenpunkten, auch hatten wir Grund, mit unſerer Wahl ſehr zufrieden zu ſein. Boot, Befehlshaber und Bedienung waren der Art, daß ſie jedem Theile der eiviliſirten Welt Ehre gemacht haben würden. Die Zahl der Reiſenden war groß,— ein buntes Gemiſch, wie gewöhnlich, aus allen Theilen des Landes. Eine Geſellſchaft zog durch die ungemeine Schönheit der Frauen bald unſere Aufmerkſamkeit auf ſich. Wie es ſchien, waren es eine Großmutter, trotz ihres Alters rüſtig und gut ausſehend, eine Tochter, welche den Vierziger nahe zu kommen ſchien, und zwei ungemein hübſche Mädchen von ſechszehn und achtzehn Jahren, welche wir für die Töchter der letztern hiel⸗ ten. Die große Familienähnlichkeit führte uns ſogleich zu dieſer Klaſſenvertheilung, welche ſich ſpäter als richtig ergab. Durch zufällige Bemerkungen erfuhr ich, daß die Mädchen aus einer„öſtlichen“ Erziehungsanſtalt kamen, denn in den nordweſtlichen Staaten blühen ſolche Einrichtungen der Civili⸗ ſation noch nicht. Es ſchien uns, als könnten wir in der Mundart der verſchiedenen Glieder dieſer Familie die Abſtu⸗ fungen und Eigenthümlichkeiten gewahren, welche die Abſtam⸗ mung und die Sitten des Einzelnen andeuten. So war die Großmutter in ihrer Redeweiſe nicht ſo ganz„weſtlich,“ wie die Tochter, während die Enkelinnen offenbar unter dem Ein⸗ fluſſe der verbeſſernden Erziehungsanſtalt, oder wie Mädchen öer — ſprachen, welche ſich über dieſen Gegenſtand hatten belehren laſſen.. „Ausgezeichnet“— und„ja, Herr!“— und„das iſt eine Thatſache,“— dieſe Ausdrücke waren oft in dem Munde der freundlichen Mutter, und ſelbſt die Großmutter gebrauchte ſie, allein nicht ſo oft, wie die Tochter, während die jungen Mäd⸗ chen ein wenig verwirrt, ja erſtaunt darein ſahen, ſo oft ihre Mutter, welche ſich überhaupt ſehr offen auszuſprechen ſchien, ſie hören ließ. Daß dieſe Leute keiner höhern Geſellſchaftsklaſſe angehör⸗ ten, ließ ſich ſelbſt aus ihrer Sprache abnehmen. Sie nah⸗ men, wie ich bemerkte, öfter Veranlaſſung, von Neu⸗York zu ſprechen, das ſie gewöhnlich„die Stadt“ nannten. Dieß kommt allgemach aus der Mode und zwar in dem Grad, als die Neu⸗Yorker ſelbſt gewahr werden, daß es noch andere „Städte“ in Amerika gibt, welche ſich eines gewiſſen Alters, einer gewiſſen Anzahl Kapitaliſten, vieler Müßiggänger und einer Fülle faullenzeriſchen⸗ ſchreienden Geſindels rühmen können. Dieſe kleinen Eigenthümlichkeiten waren jedoch nur Son⸗ nenflecken. lich entzückend, und lange, ehe die Abendſtunde kam, hatten alle ihre Glieder unſere ganze Theilnahme gewonnen. Wir fanden, daß eine fünfte Perſon zu dieſer Geſellſchaft gehörte, welche ſich dieſen Abend nicht ſehen ließ. Aus der Unterhaltung der Frauen war es jedoch weſentliche Umſtände zu ſchließen. Dirſe fünfte Perſon war ein Mann, er war bejahrt und fühlte ſich unwohl, daher er in ſeiner„Back!“ blieb. Mehrere zierliche Deller mit Lecker⸗ biſſen waren abwechſelnd vor Die Familie war, als ein Ganzes betrachtet, wirk⸗ leicht, auf folgende n dem beiden jungen Mädchen dieſen 4 Abend jedes( ſeiner Theiln⸗ man z Mann „Groß ſter,“ ⸗ gefallen gehört anſprech Tones W alle Re Geſichte aber lei dieſer A ſich im ein Rau er ſie in Hie keit auf weiß we ganze H *) Im ——————— belehren iſt eine unde der ichte ſie, en Mäd⸗ oft ihre 1 ſchien, angehör⸗ Sie nah⸗ Vork zu n. Dieß prad, als h andere ewiſſen ziggänger 3 rühmen nur Son⸗ btet, wirk⸗ n, hatten n. zeſellſchaft Aus der f folgende erſon war daher er mit Lecker⸗ — chen dieſen — 303— Abend von der Tafel in ſeine Kajüte gebracht worden, und jedes Glied dieſer lieblichen Familie ſchien beeifert, Etwas zu ſeiner Behaglichkeit beizutragen. Dieſe Anhänglichkeit und Theilnahme erregte unſer lebhaftes Intereſſe, und lange, ehe man zur Ruhe ging, fühlten wir einige Neugierde, dieſen alten Mann zu ſehen. 1112 Unter den Frauen war keines andern Namens als des der Miſtreß Osburne erwähnt worden, ſonſt hieß es nur „Großmama,“ und„Mama“ und„Dolly“ und„Schwe⸗ ſter,“*)„Mutter“ und„Großmutter“ hätte uns beſſer gefallen, auch hätten wir die Namen der Schweſtern lieber gehört als„Schweſter,“ wie wir denn dieſe liebenswürdigen, anſprechenden Frauen durchaus nicht als Muſter des feinſten Tones hinzuſtellen wünſchen. Wir verbrachten eine ſehr ruhige, angenehme Nacht, und alle Reiſende erſchienen am nächſten Morgen mit lächelnden Geſichtern. Der Wind weht oft ſtürmiſch auf dieſem See, aber leichte Luftzüge vom Lande her waren Alles, was uns dieſer Art geſpendet wurde. Wir gehörten zu den Erſten, die ſich im Freien und auf dem obern Decke nach Vornen zeigten,— ein Raum, wo die Reifenden ſich gern einzuſtellen pflegen, da er ſie in den Stand ſetzt, vorwärts zu ſchauen. Hier zog alsbald eine Perſon unſere ganze Aufmerkſam⸗ keit auf ſich,— ein alter Mann, deſſen Haar bereits ſchnee⸗ weiß war. Sein Gang aber, ſeine Bewegungen und ſeine ganze Haltung deuteten auf phyſiſche Kraft und Muskelthätig⸗ *) Im Original ächt Amerikaniſch„Grand-ma“ und„Ma“ und Der Ueberſetzer. „Sis“ ſtatt sister. — 304— keit. So alt er war,— und er mußte über achtzig Jahre alt ſein,— ſchritt er aufrecht, wie ein Jüngling, einher. Seinem Wuchſe nach war er mehr als mittler Größe, und ſeine Be⸗ wegungen waren xuhig und würdevoll. Seine Tracht war ſehr einfach, ſchwarz und der Sitte des Tages angemeſſen. Die Farbe ſeines Geſichts und der Hände aber, ſowie die kühnen Umriſſe des Geſichts und das ſtets noch ſcharfe, ruheloſe, ſchwarze Auge bezeichneten den Indianer. Wir hatten alſo einen geſitteten rothen Mann vor uns und es ward uns ſogleich klar, daß er ein ehemaliges Kind der Wilden ſein müſſe, welchem ſich die Wahrheiten des Evan⸗ geliums erſchloſſen hatten. Man nimmt ſelten Anſtand, einen Indianer anzureden, und wir begannen ein Geſpräch mit unſerm ehrwürdigen Reiſegefährten, ohne auf die gewöhnlichen Förmlichkeiten und Umſchweife ſehr zu achten. „Guten morgen, Herr! Wir erfreuen uns eines herrlichen Wetters auf dem See!“ „Ja,— gut Wetter,“ verſetzte mein rother Gefährte, indem er kurz und abgebrochen wie der Indianer redete, aber die Worte ſo ausſprach, als wäre er lange an die Sprache gewöhnt. „Dieſe Dampfboote ſind eine köſtliche Erfindung für die weſtilichen Seeen, wie die Eiſenbahnen für dieſes große Binnen⸗ Gebiet. Ich denke wohl, Ihr dürftet Euch der Zeit noch erinnern, wo es etwas Seltenes war, wenn man irgend ein Fahrzeug auf dem Erie⸗See zu Geſicht bekam, und in dieſem Augenblicke könnte man, glaube ich, fünfzig zählen.“ 3 „Ja,— große Veränderung,— große Verändernng⸗ Freund,— Alles anders, als alte Zeit.“ 2 )re alt Seinem ne Be⸗ ar ſehr Die kühnen iheloſe, or uns g Kind Evan⸗ „einen ſch mit onlichen rrlichen efährte, te, aber Sprache für die Binnen⸗ eit noch end ein n dieſem adernng, „Die Ueberlieferungen Eures Volkes laſſen Euch ohne Zweifel all dieß ſehen und fühlen.“ Der Ausdruck der Liebe war der vorherrſchende in den Geſichtszügen dieſes rothen Mannes. Er mochte ſeine ſtets noch ſprechenden Augen auf Menſchen oder Dinge richten, ſo drückte ſich Theilnahme und Liebe darin aus, und dieſer Aus⸗ druck war ſo entſchieden und eigenthümlich, daß er uns ſogleich anzog und uns mehr und mehr an den alten Häuptling feſſelte, je länger wir in ſeiner Nähe waren. Als wir jedoch unſere Anſpielung auf die neberlieferungen ſeines Volkes laut werden ließen, wechſelte jener Ausdruck und eine Wolke flog über das Antlitz. Dieſer Wechſel war jedoch ebenſo vorübergehend, als er ihn plötzlich überkommen hatte, und der wohlwollende, milde Blick kehrte ſo raſch wieder, als er verſchwunden war. Es ſchien, als wollte er dieſen unwillkürlichen Ausdr uck eines ſchmerzlichen Rückblicks auf die Vergangenheit dadurch ſühnen, daß er mir ſo offen entgegen kam, als dieß nur mög⸗ lich war. 4 „Meine Ueberlieferung ſagen ziemlich viel,“ lautete die Antwort.„Sie ſagen gutes, und ſie ſagen ſchlimmes.“ „Darf ich fragen, welchem Stamm Ihr angehört? Der rothe Mann wendete ſeine Augen ſo freundlich auf mich, als wollte er das Herbe, das vielleicht in der Verwei⸗ gerung einer Antwort lag, mildern, und in ſeinen Zügen ſpiegelte ſich ein Wohlwollen, deßgleichen ich mich nicht eerinnere, je geſehen zu haben. Ja, wir könnten mit aller Wahrheit ſagen, die Liebe, welche gewöhnlich in den Zügen dieſes alten Mannes glänzte, habe Alles übertroffen, was in Bezug auf dieſes Gefühl irgend ein anderes menſchliches 256— 258. 20 — 306— Antlitz auszudrücken vermag. Er ſchien mit ſich undmit allen übrigen Kindern Adam's in Frieden zu leben. „Stamm machen kein Unterſchied,“ antwortete er,„Alle ſein Kinder deſſelben großen Geiſtes.“ „Rothe Menſchen und Blaßgeſichter?“ fragte ich, durch dieſe Antwort nicht wenig überraſcht. „Rothe Menſchen und Blaßgeſichter. Chriſtus ſterben für Alle, und ſein Vater erſchaffen Alle. Kein Unterſchied, als die Farbe. Färben nur die Haut dunkel.“ „Ihr blickt alſo auf uns Blaßgeſichter, als hätten wir ein Recht hier? Betrachtet Ihr uns nicht als Eindringlinge, als Feinde, welche gekommen ſind, um euch eure Ländereien zu nehmen?“— „Erde nicht Indianer gehoͤren. Erde gehören Gott, und er ſchicken die, ſo er lieben, um darauf zu wohnen. Einſt er ſchicken Indianer, jetzt er ſchicken Blaßgeſichter. Seine Erde, und er damit machen, was er wollen. Niemand ein Recht, ſich darüber zu beklagen. Schlecht, der großen Geiſt tadeln wollen. Alles, was er thun, recht, nie etwas ſchlecht thun. Sein heiliger Sohn ſterben für alle Farben, und alle Farben müſſen ſich beugen vor ſein heiliger Namen. Das es ſein, was dieß guter Buch ſagen,“— er zeigte eine kleine Taſchen⸗ ausgabe der Bibel,—„und was der guten Buch ſagen, kommen von großer Geiſt ſelbſt.“ „Ihr leſt alſo die heilige Schrift,— Ihr ſeid ein India⸗ ner, der eine ſorgfältige Erziehung erhalten hat?“ „Nein,— können gar nicht leſen. Das nicht lernen zunen. Viele Mühe geben, aber zu alt, um anfangen damit. Haben aber junge Augen, die helfen,“ ſetzte er mit ſo wonni⸗ —— — gem Läc glänzen gen, Pet Schweſte alter In ſein, in Großmu kommen auch leſe Die welchen bar verä moraliſch tigen, gr Chriſt g. Bruder ten, um gründe; Zweifel fluchten gethan, wahren ihm das Die der Vern die Blät die Künf ſelbſt den Fuß gew her nahe undmit 7,„Alle h, durch 3 ſterben terſchied, ätten wir ringlinge, ändereien Hott, und Einſt er ne Erde, in Recht, iſt tadeln echt thun. le Farben es ſein, Taſchen⸗ ch ſagen, ein India⸗ hht lernen gen damit. ſo wonni⸗ — — 307— gem Lächeln hinzu, wie ich es je auf einem Menſchenantlitze glänzen ſah, indem er ſich umwendete, um das„Guten mor⸗ gen, Peter,“ der hübſchen Dolly zu erwiedern und der älteren Schweſter die Hand zu drücken.— Sie leſen guter Buch für alter Indianer, wenn er ihn hören wollen, und wenn ſie fort ſein, in Schul, in„Stadt,“ dann ihr Mutter, oder ihr Großmutter leſen. Erſt anfangen mit Großmutter jetzt kommen zu Enkelchen. Aber immer guter Buch, wer ihn auch leſen.“ Dieß war alſo der Scalpier⸗Peter,“ derſelbe Mann, welchen ich zu ſehen, nach Michigan reiſte, aber wie wunder⸗ bar verändert! Der Geiſt des allmächtigen Gottes hatte ſein moraliſches Weſen reich durchſtrömt, und aus dem racheſüch⸗ tigen, grauſamen Wilden war ein demüthiger, wohlwollender Chriſt geworden. In jedem menſchlichen Weſen ſah er einen Bruder und dachte nicht mehr daran, die Weißen zu vernich⸗ ten, um ſeinem eignen Volke den ruhigen Beſitz ſeiner Jagd⸗ gründe zu ſichern. Seine ganze Seele war Liebe, und ohne Zweifel fühlte er ſich ſtark genug, die zu ſegnen, welche ihm fluchten und ſeinen Geiſt aufzugeben, wie der gute Miſſionär gethan, deſſen Tod ihn zuerſt der Verehrung des einigen wahren Gottes zugewendet hatte, als er für die betete, welche ihm das Leben nahmen. Die Wege der göttlichen Vorſehung ſind für die Forſchung der Vernunft unergründlich. Wie oft finden wir, wenn wir die Blätter der Geſchichte aufſchlagen, daß die Sittigung, die Künſte, die moraliſche Bildung, ja, das Chriſtenthum ſelbſt dem blutigen Pfade folgten, auf welchem des Eroberers Fuß gewandert, und daß Völker ihr Glück von einer Seite her nahen ſahen, welche anfangs mit Unheil und Verderben 20* — 308— drohte. In gleicher nung hingeben, daß Amerika ſeine Schuld an Afrika abträgt, und in gleicher Weiſe wird die Beſitznahme der Wälder, Prärien und„Lichtungen“ des rothen Mannes zu einer Art Sühne werden, indem ſie die Segnungen des Evangeliums und eine richtigere Anſicht von dem Verhältniß des Menſchen zum Schöpfer in ihrem Gefolge hat. Vielleicht zieht auch Mexico Nutzen von der herben Lehre, welche ihm in der neueſten Zeit geworden iſt. Dieß war alſo Peter, in einen geſitteten Mann und in einen Chriſten umgewandelt! Ich habe ſpäter gefunden, daß ſich in ſeinem Charakter noch ſchwache Spuren ſeines frühern Weſens kund thaten, ſie zeigten ſich aber nur in langen Zwiſchenräumen und unter beſondern Umſtänden. Die Beobachtung dieſer Züge wurde für uns von hohem Intereſſe, denn wir ſetzten jetzt unſere Reiſe gemeinſchaftlich fort. Die ältere Dame, oder die„Großmam“ war die Margaret unſerer Erzählung, noch immer ſchön, muthvoll und liebreich. Die jüngere Frau war ihre Tochter und ihr einziges Kind, und die Schweſtern, gleichfalls eine Margaret und eine Dorothea, waren ihre Enkelinnen. Ein Sohn, oder vielmehr ein Enkel, Ben, war„bei dem General“ auf dem Prärien⸗ Kreiſe. Der„General“ war unſer alter Freund, le Bourdon, welcher in der Gegend ebenſo oft„General Bourdon“ als „General Boden“ genannt wurde. Der Generalstitel iſt im Weſten ein wenig mißbraucht worden, wie dieß in neuen Ländern mit allen Titeln und Rangauszeichungen der Fall iſt. Man ſieht ſich oft genöthigt, darüber im Oſten zu lächeln, und es darf daher nicht auffallen, wenn eine öſtliche Sitte ſich in all ihrem Pomp der„untergehenden Sonne“ nähert. Weiſe darf man ſich jetzt auch der Hoffſf⸗ In ſi wie 2 6 Name Mann wohle Umrif wurde wünſe Seger in ſei Jahr wand ein L behag 6 gegrif mitge er in wie n jetzt, hat e Wohr gen g denen die v Vater *) 8 er Hoff⸗ 4 abträgt, Wälder, iner Art ageliums Nenſchen eht auch in der u und in den, daß 3 frühern n langen 4. Die Intereſſe, ort. Die Margaret liebreich. ges Kind, und eine vielmehr Prärien⸗ Bourdon, ddon“ als titel iſt im in neuen er Fall iſt. zu lächeln, tliche Sitte 2“ nähert. — 309— In ſpäteren Zeiten werden die Generale„nicht ſo häufig ſein wie Brombeeren.“*) Sobald Miſtreß Boden, oder, um uns eines bekanntern Namens zu bedienen,— ſobald Margaret hörte, daß ſie den Mann vor ſich habe, welchem„der General“ den von dem wohlehrwürdigen Herrn Varſe zu Kalamazoo aufgeſetzten Umriß der Geſchichte ſeiner früheren Begebniſſe geſchickt hatte, wurde ſie ſo zuvorkommend und mittheilend, als wir es nur wünſchen konnten. 3 Ihr eigenes Leben war glücklich und ihre Ehe von dem Segen des Himmels begleitet geweſen. Ihr Bruder aber war in ſeine alte Schwächen zurückgefallen und ſtarb, noch ehe das Jahr 1812 zu Ende ging. Dorothea war zu ihren Ver⸗ wandten in Maſaachuſets zurückgekehrt und erfreute ſich, da ein Oheim ſie in ſeinem letzten Willen bedacht hatte, eines behaglichen Alters. Der Bienenjäger hatte in jenem Kriege zum Schwerdt gegriffen und einige heiße Gefechte an den Ufern des Niagara mitgekämpft. Sobald aber der Friede abgeſchloſſen war, kehrte er in ſeine theuere„Lichtungen“ zurück, wo er blieb und, wie man ſich ausdrückt,„mit dem Lande gedieh.“— Er iſt jetzt, was man in Michigan einen reichen Mann nennt. Er hat eine Menge Land, und zwar gutes Land, eine ſchöne Wohnung und keine Schulden. Er kommt ſeinen Verpflichtun⸗ gen gegen einen öſtlichen Mann ebenſo gewiſſenhaft nach, wie denen, welche ihm in der Provinz obliegen, und betrachtet die vereinigten Staaten, und nicht Michigan, als ſein Vaterland. *) Falſtaff in Shakſpeare's Heinrich IV, Der Ueberſetzer. — 310— Dieß Alles waren lobenswerthe Züge, und wir freuten uns, daß ein Mann ſich ihrer rühmen konnte, welcher unſere Achtung bereits in ſo hohem Grade beſaß. Detroit zeigte ſich uns als eine ſchöne, blühende Stadt, deren Bevölkerung ſich bereits auf zwanzig tauſend Seelen beläuft. Die Ufer der ſchönen Enge, an welcher dieſe Stadt liegt, und die in Folge einer ſeltſamen Verſchmelzung von Bedeutungen und Sprachen gewöhnlich„Detroit river“ genannt wird, wim⸗ melten von thätigen, kräftigen Menſchen, und wir wüßten kaum, wohin wir uns wenden ſollten, um eine freundlichere Landſchaft zu finden, als die war, welche ſich unſeren Blicken darbot, als wir an der Inſel Bobolo(Bois blanc), bei Malden, vorüber kamen. Sie glich vollkommen einem Minia⸗ tur⸗Gemälde von Konſtantinopel, ohne deſſen morgenländiſche Eigenthümlichkeiten. Zu Detroit begann unſere Ueberraſchung über die Fort⸗ ſchritte der weſtlichen Civiliſation. Zur Zeit unſerer Erzäh⸗ lung war, die Umgebungen von Detroit ausgenommen, die ganze Halbinſel Michigan in dem Zuſtande der Natur. Auch fing man erſt ſeit zwanzig Jahren an, die Anſiedelungen aus⸗ zudehnen, und jetzt glaubt man bereits in einem lange bewohnten Lande zu reiſen. An Baumſtümpfen fehlt es natürlich nicht, denn man nimmt ſtets neue Felder in Anbau, im Ganzen aber glaubt man ein bereits längere Zeit bewohntes Land vor ſich zu haben. Wir verließen Detroit auf der Eiſenbahn und raſſelten mit einer Geſchwindigkeit, welche dem weſtlichen Dampfe alle Ehre machte, der untergehenden Sonne entgegen. Unſer Weg führte an einer ziemlichen Anzahl großer Dörfer vorbei, wir müſſen im Verlaufe weniger Stunden wenigſtens ein Dutzend freuten r unſere t zeigte ölkerung die Ufer d die in gen und d, wim⸗ wüßten ndlichere Blicken ic), bei Minia⸗ ländiſche die Fort⸗ Erzäh⸗ nen, die r. Auch gen aus⸗ n lange fehlt es Anbau, ewohntes raſſelten npfe alle ſer Weg bei, wir Dutzend hinter uns gelaſſen haben, die meiſten dieſer Orte habeu tauſend bis dreitauſend Einwohner. Die Vegetation über⸗ traf ſelbſt die des weſtlichen Theils von Neu⸗York, die Bäume allein ausgenommen. Das ganze Land war ein Waizenfeld, und wir begannen jetzt zu begreifen, wie Amerika die Welt zu ſpeiſen vermöchte. Unſer Weg führte häufig durch die„Lichtungen,“ und wir ſahen, daß ſie dem Wechſel anheim gegeben waren, wel⸗ cher mit dem Vorſchreiten des geſitteten Menſchen verbunden iſt. Da die periodiſchen Brände ſeit vielen Jahren aufgehört hatten, war Buſchwerk an die Stelle des Graſes getreten, und inſofern ſind dieſe Waldreviere nicht mehr ſo anziehend als früher, der Grund drängt ſich uns aber ſogleich auf, und man malt ſich leicht das Bild aus, welches dieſe lieblichen Wälder in alten Zeiten dargeboten haben mögen. Wir verließen die Eiſenbahn zu Kalamazoo, einem unge⸗ mein ſchönen Dorf an dem Ufer des Fluſſes gleiches Namens. Die, welche den Plan zu dieſem Dorfe vor etwa fünfzehn Jahren entworfen, beurkundeten Umſicht und Geſchmack, indem ſie die Bäume faſt überall ſtehen ließen, und die meiſten Häuſer und Höfe, welche ein wenig entfernt von den belebte⸗ ſten Straßen ſtehen,— und es ſind deren viele für ein Dorf von etwas mehr als zweitauſend Einwohnern,— machen durch die ſchattigen Bäume und die ländlichen Gemälde, die ſie bilden, den angenehmſten Eindruck auf das Auge. Wie wir von Miſtreß Boden hörten, waren wir hier eine oder zwei Meilen von der Stelle entfernt, wo einſt Honig⸗ ſchloß geſtanden,„der General“ hatte es jedoch vorgezogen, ſeinen Wohnſitz zu Schoolcraft, auf dem Prärien⸗Kreis, auf⸗ zuſchlagen. n 3 Auf der Straße zwiſchen Detroit und Kalamazoo ſahen wir die erſte Prärie, welche uns jemals zu Geſicht gekommen. Sie war von dem letztern Ort acht bis neun Meilen ent⸗ fernt. Die Art hatte in ihrer Nähe das Land erſchloſſen, man erkannte die Oertlichkeit aber ſogleich an der Art des Anbaues und an einem gewiſſen jugendlichen Ausſehen. Nicht ein einziger Baumſtumpf war zu ſehen, und die Felder waren ſo gleichlaufend, wie die Ebenen der Lombardei, und bei weitem fruchtbarer, ſo reich dieſe letzteren bekanntlich auch ſind. Mit einem Worte, die Schönheit dieſer natürlichen Aue fiel uns ſogleich auf, obgleich ſie in eine Landſchaft einge⸗ rahmt iſt, welcher es keineswegs an eigenthümlichem Intereſſe fehlt. Wir brachten die Nacht in dem Dorfe Kalamazoo hin, die Frauen aber und der alte Peter eilten ſofort weiter nach dem Prärien⸗Kreis oder„Prärien⸗Rund,“ wie dieſer Theil des Landes in der Sprache von Michigan genannt wird. Der Name„Prärie“ iſt jetzt in allen europäiſchen Sprachen heimiſch geworden und bezeichnet eine natürliche Wieſe im Gegenſatze zu einer künſtlichen, welche jedoch ihre beſonderen, örtlichen Eigenthümlichkeiten hat. Einige Zeilen unterrichteten General Boden, wie man unſeren alten bekannten Ben Boden ganz allgemein nannte, ich würde Schoolcraft am nächſten Tage beſuchen, denn ich woollte in einem Augenblicke nicht läſtig werden, wo dieſe liebenswürdige Familie ſich nach einer ſo langen Trennung wieder vereinigt ſah. Am nächſten Tage nahmen wir ein„Buggy“*) und *) Eine einſpännige Chaiſe. ——— — 513= fuhren ab. Wir hatten zwölf Meilen zurückzulegen und fan⸗ den einen leicht ſandigen Weg, der jedoch minder ſchwierig wurde, je näher wir der berühmten Prärie kamen. Und in der That verdient dieſer merkwürdige Ort, daß man ihn berühmt nennt und daß ihm eine beſſere Feder, als die unſrige, ſeinen Ruhm ſichert. Wir fanden in Betreff ſeiner alle unſere Erwartungen verwirklicht und fuhren mit einer Bewunderung, welche nicht ganz frei von einer Art Schauer war, durch die reiche Seenerie, welche ſich unſerem Auge erſchloß. Wenn der Leſer ſich ein Bild von dem Prärien⸗Kreiſe machen will, muß er ſich eine eirunde Fläche von fünf und zwanzig bis dreißigtauſend Morgen ungemein fruchtbaren Bodens ohne jede Erhöhung und faſt ohne eine Ungleichheit denken. Einige kleine Höhlungen gibt es jedoch, in welchen ſich Quellen finden, die große Teiche nähren, deren herrliches Waſſer das Vieh trinkt. Dieſe Fläche iſt, ſo weit wir ſte geſehen haben, jetzt ganz eingezäunt und angebaut. Die Felder ſind groß, manche ent⸗ halten achtzig, andere ſogar hundert und ſechszig Morgen, die meiſten ſind mit Waizen beſäet. Meierhöfe mit Scheunen und anderem Zubehör des ländlichen Lebens erheben ſich da und dort. In der Mitte der Prärie iſt eine„Inſel,“ das heißt ein Wald von fünf bis ſechshundert Morgen Flächen⸗ inhalt, welcher mit den herrlichſten einheimiſchen Bäumen beſetzt iſt, die wir je geſehen haben. In der Mitte dieſes Waldes breitet ſich ein kleiner, kreisrunder See aus, der mehr als eine Viertelmeile im Durchmeſſer hat. Ein Spaziergang in dieſem Walde, der keine Lichtung, ſondern ein jungfräu⸗ licher Wald nach alter Weiſe iſt, erſchien uns in den heißen Stunden eines Sommertages wahrhaft entzückend. — 314— Auf der einen Seite dieſer Waldinſel liegt das kleine Dorf oder der große Weiler Schoolcraft. Hier wurden wir von General Boden und allen ſeinen hübſchen Sprößlingen herzlich empfangen. Das Haupt der Familie iſt noch rüſtig und munter, obgleich er nicht fern von dem ſiebenzigſten Jahre ſein mag. Sein Kopf iſt ſchneeweiß und ſein Geſicht ſo roth wie eine Kirſche. Man wird ſelten einen ſchönern alten Mann ſehen. Mäßigkeit, wohlgeordnete Thätigkeit, die freie Luft und ein gutes Gewiſſen ſtählen ihn, ſo weit dieß möglich iſt, gegen die gewöhnlichen Einflüſſe des vorgerückten Alters. Die Ruhe, mit welcher er in Vergangenheit und Zukunft blickte, war, wie er ſelbſt ſagte, theilweiſe dem Umſtande bei⸗ zumeſſen, daß er ſich von dem Wirbelwinde der Speculation frei hielt, welcher vor zehn bis fünfzehn Jahren über dieſe Gegend hinfegte. Er iſt ein ſehr wohlhabender Mann. Da die Erndte eben beginnen ſollte, nahm er mich mit auf die Felder. Der ungemeine Scharfſinn der Amerikaner hat den Man⸗ gel an arbeitenden Händen in einem Lande, wo der Ackerbau, beſonders der Getraideban, im Großen betrieben wird, durch ein merkwürdiges, künſtliches Inſtrument zu erſetzen gewußt. Dieſe Maſchine wird von ſechszehn bis achtzehn Pferden gezo⸗ gen, die an deren Seite angeſpannt ſind, ſo daß ſie unbeſcha⸗ det des ſtehenden Getraides arbeitet, und welche die ganze Vorrichtung in mäßigem, aber gleichem Schritte fortbewegen. Auf einer Seite des Feldes wird erſt ein Pfad mit der Senſe gelichtet und die Maſchine in den offenen Raum gezogen. Hier tritt ſte in das ſtehende Getraide und ſchneidet, während ſie ſich fortbewegt, die Aehren mit der größten Genauigkeit ab. Gabeln, die unten angebracht ſind, bahnen den Weg und die raſche, wellenartige Bewegung einer Menge zwei⸗ ſchneidiger Meſſer vollendet das Werk. Die Halme können ſo hoch oder ſo tief abgeſchnitten werden, als man dieß wünſcht, gewöhnlich aber hält man es für das Beſte, nur die Aehren abzuſchneiden. Später wird das ſtehende Stroh verbrannt oder abgemäht. 3i9 Die Kraft, durch welche die große Maſchine fortgerückt wird, ſetzt auch das innere Getriebe in Bewegung⸗ Sobald die Aehren von den Halmen abgeſchnitten ſind, fallen ſie in einen Behälter, wo die Körner, durch eine eben⸗ ſo raſche als einfache Vorrichtung, von den Hülſen gelöſt werden. Von da geht Alles in eine Worfmaſchine, wo die Spreu weggeweht wird. Das reine Korn fällt in einen kleinen Kaſten, aus welchem es durch ein Schrauben⸗Hebewerk ſo hoch gehoben wird, daß es aus einer Oeffuung, an der ein Sack befeſtigt iſt, laufen kann. Dem langſamen Vorrücken der Maſchine folgen Wagen und die nöthige Anzahl Menſchen, um des Dienſtes zu warten. Ein Sack nach dem andern wird gelöſt, bis ein Wagen beladen iſt, worauf er zur Mühle geht⸗ Gewöhnlich verkauft der Landwirth ſein Getraide an den Müller, oft aber trägt er auch die Koſten des Mahlens und ſchickt das Mehl auf der Eiſenbahn nach Detroit, von wo es in der Regel nach Europa geht, um die Millionen der alten Welt zu nähren. Der Art war weuigſtens im Verlaufe des letzten Jahres der Gang des Handels.— Was jene ſinnreiche Maſchine betrifft, ſo wollen wir nur noch hinzuſetzen, daß ſie im Laufe eines einzigen Sommertages zwanzig bis dreißig Morgen ſchweren Waizens abſchneidet, reinigt und in die Säcke liefert. Sie iſt in der That eine rieſenhafte Erfindung und geeignet, den Bedürfniſſen eines rieſenhaften Landes zu entſprechen. — 316— Der alte Peter begleitete uns an dieſem Tage auf das Feld. Da ſtand er, gleich einem anziehenden Denkmale der Vergangenheit, welche noch ſo neu und ſo wundervoll war. Auf eben dieſer Prärie, wo Alles von den Fortſchritten der Sittigung Zeugniß gab, hatte er gejagt und ſeinen wilden Rathsverſammlungen beigewohnt. Auf dieſer Prärie hatte er über den Tod des jungen Paares, deſſen Nachkommen jetzt glücklich und inmitten des Ueberfl uſſes hier leben, nachgeſon⸗ nen oder ſeine Zuſtimmung dazu gegeben. Nur das Gebet des ſterbenden Miſſionärs zu Gunſten ſeiner Mörder hatte die Ausführung des ſchrecklichen Beſchluſſes vereitelt. Wir waren auf dem Felde, als die Aufmerkſamkeit des Generals auf einen andern Gaſt gelenkt wurde. Auch dieſer war ein Indianer, von dem Alter meines edlen Wirths, aber nicht, wie Peter, in die Tracht der Weißen gekleidet. Der Anzug des muskelkräftigen, alten Mannes war ein Gemiſch der Tracht beider Raſſen. Er trug ein Jagdhemd, Mocaſſins und einen Gürtel, er hatte aber auch weite Beinkleider ange⸗ legt und ſich überhaupt den Sitten herkömmlichen Anſtandes gefügt. Ich ſah Taubenflügel, den Chippewa, vor mir, wel⸗ cher kam, um ſeinem Freunde, dem Bienenjäger, ſeinen jährlichen Beſuch abzuſtatten. Das Wiederſehen war herzlich, und ich ſah ſpäter, daß der alte Mann mit Geſchenken beladen, die ſeine Behaglichkeit auf ein Jahr ſicherten, Abſchied nahm. 6 Peter gab jedoch den großen Mittelpunkt unſeres Intereſſes ab. Wir konnten des Generals Bienenſtöcke bewundern, die zahlreich und kunſtvoll eingerichtet waren, wir konnten die noch ſchöne Margaret und alle ihre blühenden Nachkommen bewundern, und wir freuten uns, als wir entdeckten, daß unſer alter ſeine men. richt geſch gelie falle MaYc wäh Zeug leber Wei⸗ und blick Sag und und ſeine noch war ſich und dieſe Indi Häu Kind Gla u e 8 4 2 2 R⸗— 317 1enh MX alter Freund— er war dieß in Folge der Bekanntſchaft mit ſeinem Charakter, wenn auch nicht in Folge längeren Zuſam⸗ menlebens— an geiſtiger Bildung gewonnen hatte, ein auf⸗ richtiger Chriſt, und als früherer Senator ſeines Staates geſchätzt, ſowie von Allen, die ihn kannten, geachtet und geliebt war. Eine ſolche Laufbahn hat jedoch in Amerika nichts Auf⸗ fallendes, ſie iſt ein gewöhnliches Begebniß und zeugt von der Macht des Mannes, wenn er ſeine Kraft frei verwenden kann, während die des Scalpier⸗Peter's von der Allmacht Gottes, Zeugniß gab. Hier ſah ich ihn, inmitten der verhaßten Raſſe lebend, liebend und geliebt, den Segen des Himmels in gleicher Weiſe für alle Farben erflehend, und auf ſeine Ueberlieferungen und ſeinen Aberglauben mit einer Art ſchwermüthigen Intereſſes blickend, wie ſich wohl in unſer Aller Gedächtniß die Scenen, Sagen und Gefühle einer wirren Jugend abſpiegeln. Nach dem Mittagseſſen durchwanderten wir den Garten und ſahen nach den Bienenſtöcken. Der General, Margaret und Peter begleiteten uns. Der Erſtere wußte viel zum Lobe ſeiner ſummenden Freundinnen zu ſagen, denen er offenbar noch mit großer Vorliebe zugethan war. Der alte Indianer war anfangs traurig, dann lächelte er und ſprach, indem er ſich zu mir wendete, ernſt und faſt mit ſeinem alten Feuer und der beredten Zunge: „Ich hören, Ihr ein Buch machen,“ ſagte er.—„In dieſem Buch ſagen Wahrheit. Ihr mich ſehen,— armen, alten Indianer.— Mein Vater einſt Häuptling,— ich großer Häuptling. Aber wir alle Kinder. Nichts wiſſen. Wie klein Kind, obgleich großer Häuptling. Glauben Ueberlieferung Glauben, dieſe Erde flach,— glauben, Indianer können 9 — 74 d nns— Scalp nehmen aller Blaßgeſichter,— glauben, Tomahawk und Kriegspfad und Büchſe die beſten Dinge auf ganzer Welt ſein. In jener Tag mein Herz Stein ſein. Fürchten großer Geiſt, aber ihn nicht lieben. In jener Tag glauben, General können ſprechen mit Bien'. Ja, ſehr thöricht geweſen ſein dann. Jetzt all der Wolk' weggeblaſen und ich ſehen mein Vater, der im Himmel. Sein Geſicht mir glänzen Tag und Nacht, und ich nie müd werden, darauf zu ſchauen. Ich ſehen ihn lächeln,— ich ſehen ihn auf armen, alten Indianer blicken, als wenn er ihn wollen näher rufen. Manchmal ich ihn ſehen zürnen, und das mich ſchrecken. Dann ich beten und ſein Zorn weggehen. „Fremder, ich lieben Gott.— Glauben an ſein heiliger Sohn, der beten für den, die ihn tödten. Indianer, das nicht thun. Indianer nicht ſtark genug, ſo gut Ding zu thun. Heilig Geiſt müſſen kommen, das Herz zu ſtärken, ehe er thun könne ſo groß Ding. Wenn er bekommen die Kraft des heiligen Geiſt, das Herz von Stein werden Herz von Weib und wir all bereit, unſer Feind zu ſegnen und zu ſterben. Ich haben geſprochen. Mögen die verſtehen, die Euer Buch nehmen in Hand.“ 3 —