N 2 Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Olkmann in Gießen, ſe Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. X „ 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ ſt pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. .3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 5 4. Abo.mement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und 3 eträgt: 4 für wchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: —.--—.,—.-= auf 1 Monat:„N. Wf 1 Nr. 50 Ff. 2 M. Pf. „ 8 n—„ 7„„— 9 n.—„ 5. Auswärtige Aonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. ——.—— * —— J. F. Cooper’s ſämmtliche Werke. 250 ſtes— 252 ſtes Bändchen. 9 Die Seelöwen oder die verlornen Robbenjäger. Zweiter Theil. Frankfurt am Main, 1849. d. Sauerländer s Verlag. Die Seelöwen oder e. die verlornen Robbenjäger. Roman von James Fenimore Cooper. rnen Aus dem Engliſchen überſetzt. Zweiter Theil. Frankfurt am Main, 1849. J. OD. Sauerläunder s Verlag. R Ton ſe einen ſich irg vernich gen, 1 ſeine E „ und ur in das J jungen überzer langſa dem öſt menkar bemerk war, Felder Erſtes Kapitel. Er warf das Tau wohl in den Spiegel, Griff zu dem leichten Ruderflügel, Sprang raſch dann wie der Blitz Auf den gewohnten Sitz Und ließ ſein Boot in ſanftem Bogen Auslaufen in die blauen Wogen. Ungenannter. Roswell war kaum auf dem Eiſe, als ein ſehr bedenklicher Ton ſein Ohr erreichte. Er wußte ſofort, daß das Feld durch einen von außen kommenden Druck gebrochen worden, und daß ſich irgend etwas begeben habe, das den Schoner entweder vernichten, oder befreien müſſe. Er wollte eben vorwärts ſprin⸗ gen, um Daggett zu erreichen, als ein Ruf von dem Boot ſeine Schritte hemmte. „Dieſe Felder hier treten zuſammen, Capitän Gar'ner, und unſer Boot wird bald zerdrückt werden, wenn wir nicht in das Waſſer hinaus kommen.“ In der That, ein Blick nach hinten reichte hin, um den jungen Seemann von der Wahrheit dieſer Behauptung zu überzeugen. Das Feld, auf welchem er ſtand, begann ſich langſam zu bewegen, ſo daß ſein weſtlicher Rand näher mit dem öſtlichen Saume des innerhalb liegenden Eisſchoſſes zuſam⸗ menkam. Dieſe ſchwankende Bewegung machte ſich nur dadurch bemerklich, daß die Straße, durch welche das Boot gekommen war, ſich ſchloß und daß das Eis an den Rändern der beiden Felder krachte und ſich zermalmte. Der Druck war jedoch ſo furchtbar, daß Schöſſe von der Größe eines Hauſes ausbrachen und auf die Oberfläche des Feldes gedrängt, oder in kleine Stücke zerbröckelt wurden, als ob eine Kraft ſie zerſplitterte und zermalmte, wie die Zuſchauer bis jetzt nichts Aehnliches geſehen hatten. So langſam auch die Bewegung des Eiſes war, ſo war ſie doch zu raſch, als daß man hätte zögern durfen, und da man einen paſſenden Platz fand, wurde das Boot aufgeholt und auf dem Eisſchoß in Sicherheit gebracht, welcher dem Schoner am nächſten lag. „Das wird ein langes Ziehen koſten, um wieder in das Waſſer zurückzukommen, Stimſon, und die Nacht wird uns nicht an unſern Klippen finden,“ ſagte Roswell, welcher um ſich ſchaute, ſobald das Boot auf dem Eiſe war. „Ich wüßte dieß nicht, Herr,“ lautete die Antwort.„Mir ſcheint es, als wäre das Eisſchoß jenen Felſen entlang abge⸗ trieben, und wenn dieß ſich beſtätigen ſollte, wie ich es nicht anders erwarten kann, ſo werden wir, Schoner, Boot und ſo viel unſrer ſind, in die Bai einlaufen, denn daß eine Strömung von hier aus gegen unſre Inſel führt, weiß ich gewiß, ich habe es an meinem Ruder gefühlt, als wir entlang kamen.“ „Es iſt wohl möglich, die Strömungen laufen nach allen Seiten, und Eisfelder können durch die Enge gehen, aber keine Eisberge. Ich erinnere mich jedoch nicht, auch nur ein Schoß innerhalb der Gruppe geſehen zu haben, höchſtens große Schollen, welche auf die oder jene Weiſe abtrifftig geworden ſein mochten.“ „Ich habe zufällig einmal ein Schoß dort geſehen, Herr. Wir mochten einige Tage in der Bucht ſein, da ſtand ich allein auf dem Fels und ſah ein Schoß durch den nördlichen Einga Eisfell darf, rechten eben n abgebe ziehen an jer Hemn Burſe vor d Ich g ſei es that, geben vor nach zwan hat l hoch bleibt ande in ei lich, brachen kleine plitterte hnliches ſo war und da ufgeholt her dem in das ird uns her um „Mir g abge⸗ es nicht und ſo trömung viß, ich nmen.“ ch allen n, aber nur ein is große eworden n, Herr. tand ich ördlichen Eingang hereintreiben und durch den ſüdlichen austreten. Das Eisfeld trieb ſo ſchön dahin, als wäre, wenn man ſo ſagen darf, ein geſchickter Steuermann an ſeinem Bord, der es den rechten Weg führte. Es ſtieß zwar an dem Südcap an, aber eben nur während es wendete und ſo geſchickt mit der Ebbe in die offene See abhielt, wie es das beſte Schiff nur hätte thun können.“ „Nun, dieß iſt eine gute Nachricht und kann ein Mittel abgeben, das Vineyarder Schiff noch zu retten. Wie es ſcheint, ziehen wir der Bai weſentlich entgegen, und wenn wir nur an jener Inſel klar vorbeikommen, wird ſich uns kein auderes Hemmniß entgegen ſtellen. Dort kommt ein merkwürdiger Burſche von einem Berge von Norden, ich möchte faſt ſagen vor dem Winde, heran, der uns einen Ruck zu geben vorhat. Ich glaube, dieſer Geſelle bringt irgend einen Wechſel hervor, ſei es zum Beſſern oder zum Schlimmern.“ „Ja, ja, Herr,“ ſiel Thompſon ein, der, wenn es Noth that, als Bootsſteuerer aushalf,„einen Nuck kann er uns geben, aber mehr vermag er nicht. Herr Green und ich haben vor einigen Tagen von der kleinen Bucht eine gute Stund nach der Bai gelothet und, ſo weit wir gekommen ſind, gegen zwanzig Faden gefunden. Jener Burſche dort nach nordwärts hat hundert Faden Tiefe ſo gut, wie einen Zoll. Er ſteht ſo hoch über dem Waſſer, als ein Schiff erſten Ranges.“ „So iſt's, und noch ziemlich höher. Thompſon, Ihr bleibt mit Todd hier und ſorgt für das Boot, während wir andern unſern Curs auf den Schoner zu nehmen. Er ſcheint in einer gefährlichen Klemme zu ſein, und es wäre unnachbar⸗ lich, wenn wir ihm nicht herauszuhelfen ſuchten.“ In der That hatte Roswell recht, wenn er die Lage des Seelöwen von Martha's Vineyard eine gefährliche nannte. Als die Geſellſchaft den Schoner erreichte, ſtellte ſich ihr dieß nur zu deutlich dar. Er hatte ſich bemüht, ſich zwiſchen zwei großen Schoſſen durch zu arbeiten, als das Eis ſich zu ſchließen begann und er in große Gefahr gerieth,„gequetſcht“ zu werden. Daggett war ein Mann, der ſich überall zu helfen wußte und ſtets entſchloſſen zugriff. Als er ſah, daß er nicht ent⸗ kommen konnte und die Schoſſen vor und hinter ihm ſtets näher zuſammentraten, gewahrte er einen geräumigen Einſchnitt in dem ande des Feldes leewärts, welcher ihm, wenigſtens für den Augenblick, Rettung verſprach und ließ ſein Schiff hier eintreten. Alsbald begann er, das Eis anfangs mit Aexten, dann mit Sägen beſeitigen zu laſſen, um für ſein Schiff ſo viel freien Raum zu gewinnen, daß deſſen Rumpf ungefährdet bliebe. Mehrere Stunden war er mit ſeiner Mannſchaft ſo beſchäftigt, als ſie, zu ihrem großen Erſtaunen und zu ihrer großen Freude zumal, Roswell und ſeine Leute plötzlich heran⸗ kommen ſahen. Die Gefahr, in welcher die Vineyarder ſchwebten, hatte ihre Aufmerkſamkeit in ſo hohem Grade in Anſpruch genom⸗ men, und jeder Einzelne war in ſeinem Dienſte ſo geſchäftig, daß keiner von ihnen das Boot oder auch nur einen von der Bemannung bemerkt hatte, bis Roswell Gardiner den Capitän des Vineyarder Schoners anrief. „Willkommen, Capitän Gar'ner,“ rief Daggett und drückte dem jungen Manne herzlich die Hand,„und wahrlich, zur glücklichen Stunde willkommen! Ich wußte, daß ich in der Nähe dieſer Inſeln mit Euch zuſammentreffen würde, denn ſie liegen gerade da, wo in Folge der Andeutungen meines verſt aber Ihr die dage es brin⸗ ich Arbe Ihr ſers lang und habe hoffe welch ſtark höre baue ziemt in d gethe kräft Was Waf maſſe Eiſes nannte. or dieß n zwei hließen t“ zu wußte ht ent⸗ 3 näher in dem für den ntreten. „ dann ſo viel fährdet haft ſo u ihrer heran⸗ „hatte genom⸗ chäftig, von der Lapitän tt und ahrlich, ich in e, denn meines verſtorbenen Oheims gute Robbenjagd zu finden ſein mußte, aber ich konnte nicht hoffen, Euch dieſen Morgen zu ſehen. Ihr bemerkt unſre Lage, Capitän Gar'ner, wir haben hier die beſte Ausſicht auf eine gefährliche„Quetſchung.“ „So iſt's allerdings, obgleich ich ſehe, daß Ihr Euch dagegen zu ſchützen ſuchtet. Ihr dürft von Glück ſagen, daß es Euch gelungen iſt, den Schoner in dieſen Schlupfwinkel zu bringen.“ „Nun, es hätte ſchlimmer kommen können, opbgleich ich wünſchte, es wäre beſſer gekommen. Es iſt einfache Arbeit, ſo lange wir über dem Waſſer zu thun haben, und Ihr ſeht, wir haben dem Schiffe bis an den Saum des Waſ⸗ ſers ein hübſches Bett gehöhlt, unter dem Waſſer aber iſt es langſame, öde Arbeit. Das Feld iſt gegen dreißig Fuß dick, und an ein Durchſägen iſt nicht zu denken. Nur mit Mühe haben wir einzelne Stücke ſchräg abgebracht. Ich kann nicht hoffen, daß es uns gelungen iſt, einen Keil zu machen, auf welchem der Schoner ſich hebt, wenn der Druck von hinten ſtark auf ihn kommt. Ich habe von dergleichen ſprechen hören, Capitän Gar'ner, aber ſelbſt ſah ich es noch nie.“ „Es iſt eine kitzliche Sache, auf einen ſolchen Schutz zu bauen, dennoch muß durch dieſes Abhauen des obern Eiſes ziemlich viel gewonnen ſein und vielleicht wird Euer Schoner in die Höhe gehoben, wie Ihr zu hoffen ſcheint. Iſt etwas gethan worden, um das Schiff in ſeinem innern Raume zu kräftigen?“ „Bis jetzt nicht, obgleich ich auch daran gedacht habe. Was vermag aber das tüchtigſte Schiff, das je auf dem Waſſer ſchwamm, gegen den Druck einer ſo ungeheuern Eis⸗ maſſe? Wäre es nicht das Beſte, mit dem Abhauen des Eiſes fortzufahren?“ — 10=— „Ihr mögt Eure Arbeit mit Axt und Säge fortſetzen, während ich für die Kräftigung des Schoners bordeinwärts ſorge. Zeigt mir die Spieren und Planken, welche Ihr ent⸗ behren könnt, und wir wollen ſehen, was zu thun iſt. Jeden⸗ falls habt Ihr jetzt, Ihr Burſche, bei Eurer Arbeit den Troſt, daß Euer Leben außer Gefahr iſt. Mein Schoner liegt ſechs Stunden von Euch, und iſt ſo ſicher geankert, als läg' er in einer Docke. Kommt, Daggett, laßt mich Eure Nothſpieren und Planken ſehen.“ Es mußte gewiß für dieſe Seeleute, die ſo fern von der Heimath und in einer ſo bedrohlichen Lage waren, eine große Ermuthigung ſein, zu hören, daß ein Landsmann und Freund ihnen ſo nahe war und Schutz und Unterkunft bieten konnte. Der amerikaniſche Matroſe iſt kein hurrahendes Thier, wie ſein engliſcher Vetter, er weiß aber eben ſo gut, was dankbar angenommen werden muß, wie die, welche gern mehr Lärm machen. Die Leute von Vineyard beſonders waren von Natur ruhige, beſonnene Leute, und es befand ſich nur ein Seemann an Bord, welcher mit ſeinem Verdienſt nicht haushälteriſch umging und an den Bedarf des kommenden Tages dachte. Dieß iſt die Folge der Erziehung, denn gewöhnlich wird der Menſch ruhiger, wenn ſein Geiſt ſich entwickelt, er fühlt dann, daß ihm die Sprache nur gegeben worden, um Andern ſeine Gedanken mitzutheilen. Dennoch war die Freude der Vineyarder über dieſe unerwartete Hilfe groß, und beide Theile gingen mit Eifer und Thatkraft an die Arbeit. Roswell Gardiner hatte die Aufgabe, bordeinwärts thätig zu ſein, während Daggett und ſeine Leute auf dem Eiſe beſchäftigt waren. Die Letzteren begannen wieder, das Schoß zu durchhauen und zu durchſägen und Schutzbretter oder „Scl vor vieler Schi anbr da d zugä ſchni befeſt fältit Bau fertig mehr dem Ding gege und bind Stel Umr der hatte Win furch beſei mäck ezen, värts ent⸗ eden⸗ Troſt, ſechs er in vieren n der große reund onnte. „ wie unkbar Lärm Natur emann teriſch dachte. rd der fühlt Andern de der beide thätig n Eiſe Schoß r oder — 11— „Schilde“ aufzuſchlagen, um die Innenſeite ihres Schiffes vor der Quetſchung zu bewahren. Gardiner begab ſich an die ſelbſt gewählte Arbeit mit vieler Umſicht und Sachkenntniß. Seine Aufgabe war, das Schiff zu kräftigen, indem er in ſeinem innern Raum Stützen anbrachte. Dieß konnte ohne Schwierigkeit abgethan werden, da der ganze obere Theil des Raumes klar und daher überall zugänglich war. Spieren wurden in paſſender Länge zuge⸗ ſchnitten, Planken an dem breiteſten Theile des Schiffes ſo befeſtigt, daß ſie einander gegenüber ſtanden, die Spieren ſorg⸗ fältig eingekeilt und auf dieſe Weiſe der ohnehin tüchtige Ban des Schoners noch mehr gekräftigt. Nach einer guten Stunde war Roswell mit ſeiner Arbeit fertig, während Daggett ſich überzeugte, daß er ſelbſt nicht mehr viel zu vollbringen im Stande war. Sie kamen auf dem Eiſe zuſammen, um Rath zu pflegen und den Stand der Dinge umher in das Auge zu faſſen. Das äußere Feld hatte ſich fortwährend mehr und mehr gegen das innere gedrängt, der Saum beider Schoſſe brach und eine lange Linie aufgeworfener Eisſtücke deutete die Ver⸗ bindungspunkte genau an. Immer noch gab es aber offene Stellen, wie man ſich dieß bei der Unregelmäßigkeit der Umriſſe der Schoſſe wohl denken kann, und Daggett hoffte, der kleine Ruheplatz, in welchen er ſeinen Schoner gebracht hatte, würde ſich nicht ganz ſchließen, und ein Umſprung des Windes oder ein Wechſel der Strömung die Urſachen dieſes furchtbaren Druckes, welcher den Schoner ſo ſehr gefährdete, beſeitigen. Der Leſer dürfte ſich kaum eine Vorſtellung von der mächtigen Bewegkraft der Maſſe machen, welche jetzt langſam — 12— auf den Schoner lostrieb. Es blieb nur noch ein Hoffnungs⸗ 4 treib ſtrahl, jener Kraft fehlte nämlich eines der wichtigſten Be⸗ ſpraꝛ ſtandtheile. Da Bewegkraft zur Raſchheit geſteigertes Gewicht„Be⸗ iſt, der Gang der Schoſſe aber, obgleich unbedingt großartig, hat langſam und ſtetig war, durfte man hoffen, dem Letztern Widerſtand leiſten und ſich ſo retten zu können. Stil Wer je an dem Ufer eines See's oder Fluſſes geſtanden ſich und die Kraft beachtet hat, mit welcher eine Eisſcholle, ohne aus ihrer Bahn zu treten, von einem Windſtoß oder in einer terun Strömung ſich zerbröckelt forttreibt, kann ſich einigermaßen Verk eine Vorſtellung von der Majeſtät der Bewegung eines Eis⸗ wütl feldes machen, das mehrere Stunden im Durchmeſſer hatte, Bah und auf welches eine Kühlte des Meeres, ſowie Strömungen alsb⸗ und die Wucht der abtreibenden Eisberge draußen drückten. tung Der Auſtoß kam allerdings aus großer Ferne und konnte von unſeren Seefahrern kaum wahrgenommen werden, aber ſie hat durchſchauten völlig die Art der Gefahr, welche jeden Augen⸗ dieſe blick furchtbarer heranzog. Luvf Die beiden Felder traten immer näher zuſammen, und zwar mit einer unwiderſtehlichen Gewalt, welche den unglück⸗ näch lichen Schoner mit dem Untergange bedrohte. Das offene welc Waſſer um ihn war bereits ſo eingeengt, daß eine halbe des Stunde hinreichen mußte, ihn ganz einzuſchließen. am „Habt Ihr die nächſte Inſel nach dem Compaß aufge⸗ ſchur nommen, Daggett?“ fragte Roswell Gardiner, ſobald er Alles ringsum ſorgſam in das Auge gefaßt hatte.„Es bega ſcheint mir, als ſtünde ſie jetzt öſtlicher, als vor einer Stunde. das Wenn dieß richtig iſt, muß unſer inneres Feld eine bedeutende bis Abtrifft nach Weſten haben.“ der „In dieſem Falle könnten wir noch hoffen, klar abzu⸗ unm ngs⸗ Be⸗ vicht rtig, ztern nden ohne einer aßen Eis⸗ hatte, ngen ckten. von r ſie ugen⸗ und glück⸗ offene halbe aufge⸗ ld er „Es tunde. utende abzu⸗ — 18— treiben,“ erwiederte Daggett, indem er an Bord des Schoners ſprang und mit Roswell zu dem Compaßhäuschen eilte. „Bei Georg! es iſt, wie Ihr ſagt, die Stellung jener Inſel hat ſich wenigſtens um zwei Punkte geändert.“ „Unſere Abtrifft betrug alſo mehr als eine Stunde.— Still, was war dieß für eine Getöſe? Hätte der Vulkan ſich vielleicht hören laſſen?“ Daggett war anfangs geneigt, das Getöſe einer Erſchüt⸗ terung der Erde zuzuſchreiben, in deren Innern, gleichſam zur Verhöhnung der Froſtſcene, die außen herrſchte, ein Vulkan wüthete, welcher ſich durch ſeine eigene Kraft nach außen Bahn zu brechen ſuchte. Er ging jedoch von dieſer Anſicht alsbald wieder ab, und ſeine Antwort drückte die neue Rich⸗ tung aus, welche ſeine Gedanken nahmen. „Es war das Eis,“ ſagte er.„Ich glaube, der Druck hat die Felder an den Felſen jener Inſel geſchieden. In dieſem Falle kann unſer Leeſchoß ſo raſch wegtreiben, als das Luvfeld ſich nähert.“ „Ich glaube dieß kaum,“ ſagte Roswell und faßte die nächſte Inſel aufmerkſam in das Auge,„denn das Feld, welches am Meiſten luvwärts ſteht, wird nothwendig die Kraft des Windes und den Anprall jener Eisberge zuerſt faſſen und am raſcheſten abtreiben. Dadurch kann die Gewalt der Quet⸗ ſchung gemindert, aber ſchwerlich ganz abgewendet werden.“ Dieſe Anſicht Gardiner's ſprach alles das, was ſich nun begab, hinreichend aus. Das äußere Schoß fuhr fort auf das innere anzudringen, und die beiden Ränder brachen ſich, bis der Kanal ſich ſo weit ſchloß, daß das Feld, durch welches der Schoner am meiſten bedroht war, mit deſſen Seite in unmittelbare Berührung trat. — 14— Als der Rand des äußern Schoſſes das Flach des Scho⸗ ners zuerſt berührte, ging der Anprall gerade auf die Stelle, wo das Schiff in ſeinem innern Raum eben gekräftigt worden war. Auch außen hatte man für Schutzplanken geſorgt und in den erſten Augenblicken hofften die beiden Capitäne, dieſe Vorſichtsmaßregeln dürften das Schiff in den Stand ſetzen, dem Drucke zu widerſtehen. Dieſe Täuſchung ſchwand jedoch ſchnell, denn das Krachen der Balken ließ deutlich gewahren, daß die Kraft zu groß war, um ihr widerſtehen zu können. Beide Seeleute hielten noch einen Augenblick den Athem an ſich, denn ſie erwarte⸗ ten, das Deck würde ſich unter ihren Füßen heben, als das Eis entlang der Berührungspunkte zwiſchen den Schoſſen emporſtieg. Dieß würde aller Wahrſcheinlichkeit nach auch der Fall geweſen ſein, hätte der Druck nicht einen andern Wechſel zur Folge gehabt, welchen man zwar nicht erwartete, der aber in gleichem Grade ein Ergebniß der Geſetze der mechaniſchen Kräfte war. In Folge der keilförmigen Geſtalt des Schiffsbodens, ſowie des Umſtandes, daß das Eis des äußern Schoſſes eben ſo geformt war und unter dem Kiel des Schouers vorſprang, wurde das Schiff durch einen Ruck emporgehoben, als wenn es ſich plötzlich von einer Kraft befreit fühlte, welche es bisher feſtgehalten.— In der That war es frei, und zwar gerade in dem rechten Augenblicke, denn eine halbe Minute ſpäter wären ſeine Rippen gebrochen und der Schoner ein verſtümmeltes Wrack geweſen. Wie er ſich hob, machte Roswell ſeiner Freude durch einen lauten Ausruf Luft und die ganze Mann⸗ ſchaft fühlte, daß dieſer Zufall ſie vielleicht retten könne. wa lat das ma in Scho⸗ telle, rden und dieſe etzen, achen groß ielten darte⸗ 3 Eis eſtieg. Fall gechſel aber iſchen odens, 3 eben prang, wenn bisher n dem wären meltes ſeiner Mann⸗ e. — 15— Der Schwung nach oben war furchtbar, und mehrere Matroſen verloreu das Gleichgewicht und ſtürzten auf das Deck, er rettete aber das Schiff vor der„Quetſchung“ und legte es allmählich wie in einer Art Docke auf, welche die Mannſchaft ſo mühſam zu ſeiner Aufnahme hergerichtet hatte. Da lag es, ein wenig geneigt, theilweiſe auf ſeinem Flach oder vernäht, wie es die Seeleute nennen, wenn ein Schiff die Schlagſeite bekommt, und während es den Boden berührt, von der Strömung verlaſſen wird, ſo daß es weder aufrecht ſteht noch ganz auf der Seite liegt. Sobald das Schiff in dieſer Weiſe gelagert war, ſchwand jede Beſorgniß vor einem fernern Unfalle durch das äußere Schoß. Es konnte das Schiff ganz auf das innere Feld drängen und vor ſich hertreiben, wie Erdlawinen auf den Alpen zuweilen ganze Weiler vor ſich hertreiben, allein vor der Quetſchung war der Schoner geſichert. Es ſchien den beiden Capitänen jedoch nicht wahrſcheinlich, daß das Schiff aus ſeinem jetzigen Bette gedrängt werden könne, denn das Krachen und Brechen des Eiſes ließ merklich nach, wie die beiden Schoſſe immer näher aneinander traten. Dieß war jedoch nicht Alles, man ſah bald deutlich, daß das innere Feld mit raſcherer Bewegung in die Bai abtrieb, während das äußere und größere feſtzuſtehen ſchien, ohne daß ein Grund dafür ſichtbar geweſen wäre. Die Sache ſelbſt war nicht zu bezweifeln, denn die Ränder trennten ſich ſo langſam und ſtetig, wie ſie ſich geſchloſſen hatten, allein ohne das geringſte Geräuſch und ohne Krachen des Eiſes. „Es ſcheint nun gewiß, Daggett, daß wir Euch klar machen!“ rief Roswell mit herzlichem Wohlwollen und ohne in dieſem Augenblicke edelmüthiger Aufopferung der wechſel⸗ — 416— ſeitigen Beſtrebungen und Anſprüche auch nur zu gedenken. „Ich weiß, was Ihr vorhabt, mein guter Freund— habe es von vornherein geahnt. Jenes Hochland iſt der Fleck, welchen Ihr ſucht, und entlang der Nordküſte jener Inſel ſind See⸗ Elephanten, Löwen, Hunde, Bären und andere Thiere in ſolcher Menge, daß man alle Schiffe, die je aus Vineyard ausgelaufen ſind, damit füllen kann.“ „Das klingt herzlich, Gar'ner,“ verſetzte Daggett und drückte unſerem jungen Capitän die Hand mit Wärme,„und ſo liebe ich es. Der Robbenfang iſt ein geſelliges Geſchäft, und ein Schiff ſollte ſich nie allein in dieſe hohen Breiten wagen. Den Erfahrenſten und Beſonnenſten können hier Unfälle treffen, und Ihr ſeht, wie es mir ergangen iſt, denn die Wahrheit zu ſagen, wir ſind dem Verderben knapp entronnen.“ Der Leſer wird ſich erinnern, daß Alles, was Daggett hier vorbrachte, aus dem Munde eines Mannes kam, deſſen Schiff auf dem Eiſe und ſeitwärts lag, ſo daß es ziemlich ſchwer war, ſich auf dem Deck zu bewegen, ſowie es ſich denn überhaupt in einem Zuſtande befand, welcher die Hälfte der Seefahrer dieſer Welt zur Verzweiflung gebracht hätte. Dieß war jedoch bei Daggett nicht der Fall. Sieben tauſend Meilen von der Heimath, allein, in einer unbekannten See, und ungewiß, ob er den Ort,⸗ welchen er ſuchte, jemals finden würde, hatte dieſer Mann ſich unter Bergen und Feldern von Eis vielleicht mit weniger Zögern und Widerſtreben fort⸗ gedrängt, als ein Stutzer ſich den Gefahren eines Straßen⸗ übergangs ausſetzen würde, wenn der Regen das Pflaſter ein wenig befeuchtet hat. Selbſt in dem Augenblicke, wo ſein Schiff auf das Eis hingelegt und er gewiß ſein mußte, daß es ei Robb kehren zu ge 3 benfa Gehe behal ſagte uns Hilfe Ihr komm Mal will, alle viel; den? ſeiner Hinn ſich d ſchen viel Land ſchwi 2 yard und „und häft, eiten hier 1 iſt, napp ggett deſſen mlich denn te der Dieß uſend See, inden eldern fort⸗ aßen⸗ er ein ſein daß — 17— es eine ſtarke Quetſchung erhalten habe, freute er ſich, einen Robbenbezirk erreicht zu haben, von welchem er nicht zurück⸗ kehren konnte, ohne nochmals denſelben Gefahren entgegen zu gehen. Roswell lächelte über des Andern Anſicht von dem Rob⸗ benfang, denn er war überzeugt, der Vineyarder würde das Geheimniß, wenn es in ſeinem Beſitz geweſen wäre, für ſich behalten haben. „Nun, nun, wir wollen das Vergangene vergeſſen,“ ſagte er,„das ausgenommen, was wir gethan haben, um uns gegenſeitig zu helfen. Ihr ſeid mir vor Hatteras zu Hilfe gekommen, und ich habe Euch hier Beiſtand geleiſtet. Ihr wißt, Daggett, wie es in unſerem Berufe iſt, wer zuerſt kommt, mahlt zuerſt. Ich kam zuerſt hierher und bekam dieſes Mal den Rahm ab, obgleich ich damit durchaus nicht ſagen will, Ihr kämt zu ſpät.“ „Ich hoffe es nicht, Gar'ner. Es wäre ärgerlich, wenn alle dieſe Gefahren und Muͤhen unvergolten blieben. Wie viel Thran habt Ihr beigeſtaut?“ „Die ganze unterſte Lage und einige Fäſſer drüber. Mit den Fellen machen wir das meiſte Glück.“ Daggett's Augen funkelten bei dieſer Nachricht, welche ſeinen ganzen Berufsehrgeiz erregte, um nichts von jener Hinneigung zu der„Wurzel alles Uebels“ zu ſagen, welche ſich durch Beiſpiel, Lehre und Geſellſchaft mit ſeinem morali⸗ ſchen Weſen ziemlich gründlich verkörpert hatte. Wir haben häuſig Gelegenheit gehabt, zu bemerken, wie viel genußreicher für den Geiſtreichen und Unabhängigen ein Land in ſeinem Rückſchritte, als ein Land in ſeinem Auf⸗ ſchwunge iſt. Dieſes ſammelt Schätze, welche jenes bereits 250— 252. 2 beſeſſen und benützt hat, und die Menſchen hören auf, ſich nach Reichthümern zu ſehnen, wenn die Mittel, ſie zu erlan⸗ gen, ihrem Bereiche entrückt zu ſein ſcheinen. Dieß iſt eines der Geheimniſſe, warum Italien bei den Müßigen und Gebil⸗ deten ſo beliebt iſt, obgleich Klima, Denkmäler und Erinne⸗ rungen jeder Art ohne Zweifel auch ihr Anziehendes haben. Dennoch iſt man in der Regel in Italien der Geldjagd⸗ Manie bei Weitem weniger ergeben, als in irgend einem andern Lande der Welt, und der Grund kann nur der ſein, daß dort die Zeit des Reichthums und der Macht vorüber iſt und tauſendfache Früchte in ihrem Gefolge gelaſſen hat, die um ſo wohlſchmeckender ſcheinen, je näher der Stamm ſeinem Verfalle iſt. Auf Martha's Vineyard jedoch hat dieſe Ver⸗ fallzeit ſo wenig wie in irgend einem Theile der großen Republik begonnen, und das Herz der Menſchen ſteht noch unter dem Einfluſſe jener Wünſche, deren Erfüllung die Grundlage der Genüſſe ſpäterer Jahrhunderte abgeben wird. „Dieß iſt ein Glück für ein Schiff nach einem ſo kurzen Aufenthalte,“ erwiederte Daggett, nachdem er ſich ein wenig gefaßt hatte.—„Fangen die Thiere an, wild und ſcheu zu werden?“ „Sie ſind noch ſo ſorglos, wie an dem Tage unſerer Ankunft. Ich habe ſtets Sorge getragen, nur meine erfah⸗ renſten Leute zum Tödten und Auskochen auszuſchicken, und ſte hatten die ſtrengſten Befehle, die Thiere ſo wenig als möglich zu beunruhigen. Wenn Ihr Euer Schiff zu füllen wünſcht, rathe ich Euch, dieſelbe Vorſicht anzuwenden, denn der Sommer beginnt uns bereits ſeine Ferſen zu zeigen.“ „Ich werde den Winter hier bleiben, wenn ich nur mein Schiff fuͤllen kann,“ ſagte Daggett in entſchloſſenem Tone, ——— wenn genug ſind k⸗ antwo Winte ſelbſt Somn oder e - mer m Gefäh der T ächter bewen 7 NRosw ſich fr werde kehrte, abhän Verſte ich vi dieſer gekom geſtort ſeiner Gefol⸗ uf, ſich u erlan⸗ iſt eines d Gebil⸗ Erinne⸗ haben. zeldjagd⸗ d einem der ſein, rüber iſt hat, die r ſeinem eſe Ver⸗ großen eht noch ung die wird. o kurzen n wenig ſcheu zu unſerer ie erfah⸗ en, und enig als u füllen en, denn en.“ zur mein n Tone, 1— wenn er es auch nicht ſehr ernſtlich meinte.„Es hat mich Mühe genug gekoſtet, bis ich die Gruppe fand, und wir Vineyarder ſind keine Freunde davon, uns ausſtechen zu laſſen.“ „Es ſollte Euch ſchlimm ergehen, mein guter Freund,“ antwortete Roswell lachend,„wenn Ihr verſuchtet, einen Winter hier zu bleiben. Der Seelöwe von Holmes' Hole ſelbſt würde kaum das nöthige Holz liefern, und im nächſten Sommer müßtet Ihr aus Euern Fäſſern ein Floß machen oder ewig hier bleiben.“ „Ich denke, man könnte hoffen, Euch im nächſten Som⸗ mer wieder hier zu ſehen,“ bemerkte Daggett, indem er ſeinem Gefährten einen vielſagenden Blick zuwarf, als gehe er in der That mit einem ſo verzweifelnden Entſchluſſe um.„Ein ächter Robbenfängee läßt es ſelten bei einer einzigen Reiſe bewenden, wenn er einen Bezirk, wie dieſer iſt, gefunden hat.“ „Ich komme vielleicht wieder, vielleicht auch nicht,“ ſagte Roswell, welcher in dieſem Augenblicke an Mary dachte und ſich fragte, ob ſie ihn wohl ferner in Ungewißheit laſſen werde, wenn er von ſeiner jetzigen Reiſe glücklich zurück⸗ kehrte,—„dieß wird von Anderen mehr als von mir ſelbſt abhängen. Da wir jedoch Beide jetzt hier ſind und von einem Verſteckenſpielen nicht ferner die Rede ſein kann, wünſchte ich von Euch zu erfahren, wie Ihr zu einer Kunde von dieſer Inſelgruppe und den Robben, welche da zu finden ſind, gekommen ſeid?“ „Ihr vergeßt meinen Oheim, welcher auf Oyſter⸗Pond geſtorben iſt, und deſſen Nachlaß ich abgeholt habe.“ „Ich erinnere mich deſſen ſehr gut, ſah ihn während ſeiner Lebzeit öfter und war, nachdem er geſtorben, in dem Gefolge ſeiner Leiche.“ — 20— „Gut, unſere Nachrichten rührten von ihm her. Man hatte in der Brigg, die ihn in die Heimath brachte, manch⸗ fache Winke in Betreff der Robbenbezirke erhalten, und man braucht Euch nicht erſt zu fagen, Gar'ner, daß ein Wink dieſer Art ſeinen Weg leicht durch alle öſtlichen Häfen findet. Allein die Kunde von neuen Robbenbezirken war wenig oder nichts, wenn man nicht wußte, wo ſie zu finden ſeien. Ich wäre in großer Verlegenheit geweſen, hätte ſich nicht auf der Karte meines Oheims eine Stelle gefunden, welche von neuer Hand verwiſcht worden war, um, wie ich vermuthete, eine oder die andere dort befindliche Bemerkung nicht bekannt werden zu laſſen. Ihr wißt, ſo gut wie ich, daß die Stelle in eben dieſer Länge und Breite war, und ſo kam ich hierher, um mich nach dieſem gelobten Lande umzuſchauen.“ „Und Ihr habt auf eine ſo unſichere Nachricht hin Aus⸗ rüſtung und Bemannung übernommen und dieſe weite Reiſe in das Eismeer gewagt?“ rief Roswell, welchen dieſer Beweis des Scharfblicks und Unternehmungsgeiſtes ſelbſt bei Leuten in Erſtaunen verſetzte, welche in dem Rufe ſtehen, ſie röchen das Geld von einem Pol zum andern. „Allerdings, obgleich ich auch in den Papieren des alten Herrn einige zerſtreute Bemerkungen fand. Er hatte gern mit der Feder zu thun, und auf einem Blatte ſeiner Bibel fand ich eine Art Karte entworfen, welche, wie ich jetzt ſehe, dieſe Gruppe vorſtellen ſollte.“ „Dann war auch die gedruckte Karte mit den verwiſchten Zeichen darauf, ohne Werth für Euch und hat Euch nicht als Wegweiſer gedient?“ „Da irrt Ihr, Capitän Gar'ner. Auf der Karte von der Gruppe war weder Länge noch Breite, ſondern nur die Stellu Man und di anderr berühr verwiſ ſehen. alte M Verwe Mal ein gi wir m beküm „es ſorgt, ihn Weg manch überfl frieren Wahr ſehen. jenen Man manch⸗ d man Wink findet. ig oder n. Ich auf der n neuer e, eine bekannt Stelle hierher, in Aus⸗ te Reiſe u dieſer elbſt bei ihen, ſie ees alten gern mit bel fand he, dieſe rwiſchten uch nicht arte von nur die — 21— Stellung der verſchiedenen Inſeln gegen einander angegeben. Man konnte daraus nichts über die örtliche Lage abnehmen, und die Gruppe konnte eben ſo gut in der einen wie in der andern Halbkugel liegen.“ „Es war alſo dieß verwiſchte Zeichen—“ „Die Zeichen, mit Eurer Erlaubniß, Capitän Gar'ner,“ fiel der Andere mit Nachdruck ein.—„Mein Oheim hat an Bord jener Brigg außer den Robbenbezirken auch noch Anderes berührt. Wie wir glauben, iſt Mehreres auf der alten Karte verwiſcht worden, und wir haben vor, uns nach Allem umzu⸗ ſehen. Wir haben das Recht dazu, wie Ihr wißt, denn der alte Mann ſtammte von Vineyard, und wir ſind ſeine nächſten Verwandten.“ „Gewiß,“ erwiederte Roswell und lachte wieder, dieſes Mal aber weniger laut.„Jeder für ſich, iſt in dieſer Welt ein guter Grundſatz, denn es iſt ziemlich gewiß, daß, wenn wir nicht ſelbſt für uns ſorgen, man ſich wenig um uns bekümmert.“ 5 „Ja, Herr,“ ſagte Stimſon, welcher in der Nähe ſtand „es gibt Einen, der für jedes Haar auf unſerem Haupte ſorgt, wie ſorglos und vergeßlich wir auch ſein mögen. Ohne ihn würde manches Schiff, das in dieſe Meere kommt, ſeinen Weg nicht mehr hinaus finden, Capitän Gar'ner, und mancher kühne Seemann, deſſen Herz von Luſt und Scherzen überfließt, würde Jahr um Jahr wie in Eiszapfen zuſammen frieren.“ Gardiner fühlte das Richtige dieſer Bemerkung und die Wahrheit derſelben ließ ihn die unberufene Einſprache über⸗ ſehen. Die Mannszucht hat auf dieſen Robbenfängern nicht jenen abgeſchloſſenen militäriſchen Charakter, wie er ſich ſelbſt 22— auf Handelsſchiffen findet. Da jeder Matroſe bei dem Ergeb⸗ niß der Reiſe betheiligt iſt, fand dieſes Abweichen von der allgemeinen Regel einige Entſchuldigung, und die Vertraulich⸗ keit eines Stimſon ging nie über die Grenzen hinaus, welche die Rückſichten des Dienſtes fordern. „Ja, ja,“ erwiederte Roswell lachend,„in einem Sinne habt Ihr ziemlich recht; Capitän Daggett und ich ſprechen aber von irdiſchen Angelegenheiten und deren Leitung. Treibt dieſes innere Feld nicht raſch von dem äußern ab, Daggett? Wenn dieß wirklich der Fall iſt, werden wir gerade in die Bai laufen.“ Gardiner hatte ganz recht. In Folge eines nicht ſicht⸗ baren Einfluſſes trennten ſich die Schoſſe jetzt völlig und viel raſcher, als ſie zuſammen getreten waren. Wie es ſich von ſelbſt verſteht, ſchwand jetzt jede Beforgniß vor dem äußern Felde. „So iſt's, Capitän Gar'ner,“ ſagte Stimſon ehrerbietig, aber mit Nachdruck,„und wer und was fügte dieß ſo zu unſerer Rettung und zur Erhaltung dieſes Schiffes? Verzeiht, wenn ich dieſe Frage wage, Herr!“ „Es kann die Hand der Vorſehung ſein, mein guter Burſche, denn ich geſtehe offen, daß ich keine unmittelbare phyſiſche Urſache gewahre. Demungeachtet dürfte es ſich ergeben, daß die Strömungen hierbei in das Spiel kommen, wenn man der Sache genau nachſpüren könnte.“ „Nun, Herr, wer weiſt aber den Strömungen ihren Weg an?“ „Da bin ich gefangen, Stephan, denn ich habe nie erforſchen können, wie es mit ihren Bewegungen zuſammen⸗ hängt,“ antwortete Roswell lachend.„Ohne Zweifel hat —j—————] Alles könnte. dem G anbrich die Ba D. Folge. auseinc das Se Ström offenba kleinere und w. das ab meſſer D geſagt, war di aus de kleinen war eit keilartit beſten eine w 8 hinau Dagget in das auf zw Kieſelſt Ergeb⸗ on der aulich⸗ welche Sinne prechen Treibt iggett? in die zt ſicht⸗ nd viel ich von äußern erbietig, ſo zu zerzeiht, n guter ittelbare es ſich ommen, n ihren habe nie ſammen⸗ ifel hat — 23— Alles ſeinen Grund, wenn man ihn nur ausfindig machen könnte. Capitän Daggett, es iſt hohe Zeit, daß wir nach dem Gehaben Eures Schoners ſehen. Er muß, ehe die Nacht anbricht, in unſere Bucht treten können, da das Eis ſich in die Bai gedrängt hat.“ Dieſe Anſprache hatte eine allgemeine Bewegung zur Folge. Die beiden Schoſſe waren jetzt bis auf hundert Faden auseinander getreten, und das kleinere oder das, auf welchem das Schiff lag, lief unter dem Einfluſſe des Windes und der Strömung ſehr raſch in die Bai ein, während das größere offenbar von der Inſel aufgehalten worden war. Dieſes kleinere Feld hatte ſich theilweiſe an den Felſen gebrochen und war nun nicht mehr von ſo großem Umfang, obgleich das abgegangene Bruchſtück mehr als eine Stunde im Durch⸗ meſſer maaß und viele Ellen dick war. Den Seelöwen von Vineyard betreffend, ſo lag er, wie geſagt, im wörtlichen Sinne ſchräg auf. So unwiderſtehlich war die Bewegkraft des großen Schoſſes geweſen, daß es ihn aus dem Waſſer hob, wie zwei oder drei Matroſen einen kleinen Kahn auf ein ſandiges Geſtade gehoben hätten. Es war ein günſtiger Umſtand, daß dieſe Kraft von unten her keilartig wirkte, und daß ſie das Schiff da traf, wo es am beſten gekräftigt war. So kam es, daß der Schoner ohne eine weſentliche Beſchädigung auf ſeine Schraubendocke kam. „Wenn man das Schiff ſo leicht hepab brächte, als es hinauf kam, könnten wir uns glücklich preiſen,“ bemerkte Daggett, als er mit Roswell die Lage des Schiffes genauer in das Auge faßte.—„Wie aber die Dinge ſtehen, liegt es auf zwanzig Fuß dickem Eiſe— einer Maſſe, die feſt wie Kieſelſtein zu ſein ſcheint.“ „Wir wiſſen, daß es nicht ganz ſo hart iſt, Daggett,“ antwaͤrtete Roswell,„und unſere Sägen und Aexte wer⸗ den damit fertig werden, wenn wir nur daran kommen können.“ „Ja, wenn wir daran kommen könnten, Ihr ſeht aber wohl, Gar'ner, daß hier Alles unter Waſſer ſteht, und daß eine Art faſt nutzlos iſt. Auch die Sägen können bei ſo dickem Eiſe nicht ſehr virtheilhaft gebraucht werden.“ „Hier kann nichts anderes helfen als kräftige Arbeit und Beharrlichkeit. Ich rathe Euch, an jedem Ende des Schoners eine Säge anbringen und zwei tiefe Einſchnitte machen zu laſſen, um die Eismaſſe zu ſchwächen. Das Gewicht des Schiffes wird uns zu Hilfe kommen, und allmählich wird es ſich wieder in ſein natürliches Element ſenken.“ Da es in der That kein anderes Mittel gab, welches Erfolg verſprochen hätte, wurde Gardiner's Rath befolgt. In dem Laufe der zwei nächſten Stunden wurden tiefe Einſchnitte mit den Sägen gemacht, an welche man ſogenannte„Noth⸗ handhaben“ oder Spieren befeſtigt hatte, wodurch man faſt bis auf den Boden der Eisſchollen mit ihnen reichte. Das Waſſer gab das Haupthinderniß ab, denn dieſes ſtand wenig⸗ ſtens fünf Fuß hoch auf dem Eislager. Durch Ausdauer und Verſuche aller Art kam man endlich doch zum Ziele. Man hörte einen Krach, der Schoner richtete ſich langſam auf und ſenkte ſich wieder ſo leicht und ſtetig in die See, als würde er auf die wiſſenſchaftlichſte Weiſe vom Stapel gelaſſen. Die Stützen dienten als Schirm für die Seiten und das Kupfer, obgleich die Bewegung kaum mehr war, als ein langſames Sinken in die durch die Sägen allmählich ſo verminderte Eismaſſe, daß ſie eine ſo große Laſt nicht mehr tragen konnte. Di den far Bucht Auch 4 den zu D einfach in Th. Keine werth, Größe dieß fe 4 in die freund Stelle zu fin ggett,“ te wer⸗ ommen eht aber und daß bei ſo beit und Schoners ichen zu icht des wird es welches lgt. In nſchnitte „Noth⸗ man faſt te. Das d wenig⸗ n endlich r richtete ſtetig in zeiſe vom für die um mehr e Sägen große Laſt — 25— Dieſer glückliche Erfolg mehrerer ſehr mühevoller Stun⸗ den fand gerade Statt, als das Schoß quer vor die kleine Bucht getrieben war und etwa in der Mitte der Bai ſtand. Auch Hayard ſtellte ſich jetzt ein, da er, um mit den Frem⸗ den zu ſprechen, ſeinen Curs ein wenig geändert hatte. Der Bericht des Maats über ſeine Entdeckungen war einfach und kurz. Er hatte ſich überzeugt, daß der Vulkan in Thätigkeit war, ſonſt bot er nichts merkwürdiges dar. Keine Robben waren zu ſehen, und es war kaum der Mühe werth, deßhalb über die Bai zu fahren. Oede und eine kalte Größe waren das Auszeichnende dieſer ganzen Gegend, und dieß fehlte in keinem Theile der Gruppe. Die Sonne ging eben unter, als Gardiner den Schoner in die Bucht lootſte, und die beiden Seelöwen lagen bald freundſchaftlich nebeneinander vor Anker, und zwar an einer Stelle, wo Tauſende von Robben, kaum eine Stunde entfernt, zu finden waren. Zweites Kapitel. Die Morgenluft webt friſch Um ſeine Wangen roth, Die Wellen tanzen raſch Wohl um ſein kleines Boot; Seevögel jeder Art Umkreiſen ſchreiend ihn. O golden Morgenlicht, Wie zaubriſch iſt dein Glühn! Dana. Daggett ſchickte ſchon den erſten Tag nach der Ankunft des Vineyarder Seelöwen eine kleine Schaar unter die Rob⸗ ben an der Nordküſte, während ſein Maat das Schiff klar — 26— machte. Da man ſich ſtreng an das Verfahren Roswell's hatte el hielt, hatten dieſe vermehrten Angriffe der Robbenfänger begonnen keinen anderen Wechſel zur Folge, als daß die„Schläge“ ſich ger Zeit mehrten. Allerdings fiel eine viel größere Anzahl von Rob⸗ und ber ben, allein dieß ging auf eine ſo ruhige Weiſe vor ſich, daß„Y die Thiere nicht ſcheu gemacht wurden. herkömn Die Ankunft der neuen Schaar hatte in ihrem Geleite ob es einen Vortheil, welcher anfangs viele Heiterkeit erzeugte, bald füllen. aber ſich zur Förderung der Arbeit ſehr wichtig erwies. Gar'ner Daggett hatte einen gewöhnlichen Bauernwagen auseinander„2 nehmen und an Bord bringen laſſen, und es ergab ſich raſch, kommen wie nützlich derſelbe zum Herbeiſchaffen der Felle und des fangen Speckes war. Jedes Räderpaar wurde zu einem beſonderen ſollte 1 Gefährte hergerichtet, und konnte eine Laſt aufnehmen, welcher Eile fö kaum zwölf Mann gewachſen waren, während zwei vollkom⸗„2 men hinreichten, es die Felsplatte entlang zu ziehen, an ein⸗ zelnen ſchwierigen Stellen war freilich eine kleine Beihilfe werdet nöthig, allein dieſe war auch ſtets zur Hand. In dieſer 3 2 Weiſe rückte die Arbeit wunderbar vor, und es war kein mittelb Zweifel, daß man durch dieſe Wagen vierzehn Tage nach würde. Gardiner's Bedünken, einen ganzen Monat zu gewinnen hoffen fluß, konnte. Die Mannſchaft fühlte ſich bedeutend erleichtert und menſcht ſomit heiterer und dienſtwilliger. 2 An einem Sonntage, gerade vier Wochen nach dem Ein⸗ e. e, laufen des zweiten Schoners, trafen Gardiner und Daggett einen! ſich auf einer ganz ebenen Felsplatte, welche vier⸗ bis fünf⸗ an die hundert Fuß unmittelbar unter dem Hauſe hinlief. Es war. wieder früh am Morgen. Obgleich die Neuangekommenen ſehr geneigt ich me waren, Tag und Nacht zu arbeiten, hatten ſie ſich doch dem werde Befehle Roswell's, den Sabbat zu feiern, gefügt, und man haben *————— oswell's nfänger ge“ ſich 8n Rob⸗ ch, daß Geleite te, bald erwies. linander h raſch, und des onderen welcher vollkom⸗ an ein⸗ Beihilfe dieſer ar kein ge nach hoffen ert und m Ein⸗ Daggett s fünf⸗ Fs war geneigt ich dem id man — 27.— hatte eben mit dem Geſchäfte des Waſchens und Reinigens begonnen. Die zwei Capitäne bedurften dazu natürlich weni⸗ ger Zeit als ihre Leute, auch waren ſie früher aufgeſtanden und bereits mit ihrer Toilette fertig. „Morgen iſt der erſte Februar,“ ſagte Daggett nach dem herkömmlichen Morgengruße,„und ich habe eben berechnet, ob es mir möglich ſein werde, noch in dieſer Jahreszeit zu füllen. Wenn ich nicht irre, werdet Ihr dieſe Woche fertig, Gar'ner.“— „Wir hoffen, in der Mitte der Woche zu Ende zu kommen,“ lautete die Antwort.„Ich glaube, die Robben fangen an, viel ſcheuer zu werden, als ſie es waren, und faſt ſollte man fürchten das Sprichwort bewähre ſich:„zu große Eile fördert nicht.““ „Was liegt Euch daran?“ verſetzte Daggett raſch.„Ihr werdet natürlich nach Hauſe reiſen, ſobald Ihr bereit ſeid.“ Dieſes„natürlich“ mißfiel Gardiner, denn es deutete mittelbar an, was der Andere unter ähnlichen Umſtänden thun würde. Dennoch hatte dieß auf ſeinen Entſchluß keinen Ein⸗ fluß, denn dieſer war ein Ergebniß reifen Nachdenkens und menſchenfreundlichen Wohlwollens. „Ich werde dieß nicht thun, Capitän Daggett,“ verſetzte er.„Es kommt mir nicht in den Sinn, einen Mitmenſchen, einen Landsmann,— ja, ich möͤchte ſagen, einen Nachbar an dieſer einſamen Stelle und bei der Ungewißheit, ob er je wieder in die offene See gelangen kann, zu verlaſſen. Wenn ich meine Offiziere und die Mannſchaft dazu beſtimmen kann, werde ich mit dem Schoner hier bleiben, bis wir Beide gefüllt haben und gemeinſchaftlich zurück reiſen können.“ 28 „In welchem Falle Ihr natürlich eine Entſchädigung anſprechen würdet?“ „Ich könnte dieß natürlich, Daggett,“ erwiederte Roswell lächelnd,„werde es aber beſtimmt nicht. Keiner von uns in der Kajüte wird einen anderen Vortheil, als Eure werthe Geſellſchaft erwarten. Ich habe die Sache bereits mit meinen Maaten beſprochen, uund nach ihrer Aunſicht iſt der Vortheil einen Gefährten bei der Fahrt durch das Eis zu haben, ein hinreichender Grund für uns, zwei bis drei Wochen länger hier zu bleiben. Mit der Mannſchaft verhält es ſich vielleicht ein wenig anders und ſie werden entſchädigt werden müſſen. Die armen Burſche leben von ihrer Arbeit und erwarten für das, was ſie leiſten, ihren Lohn.“ „Sie ſollen gut bezahlt werden, verlaßt Euch darauf. Was Euch betrifft, Capitän Gar'ner, ſo hoffe ich, meine Schiffsherren werden nicht vergeſſen, zu thun, was recht iſt, wenn wir je nach Hauſe kommen und beim Verkaufe Glück haben.“ „Seit meinetwegen unbeſorgt, Daggett. Ich ſuche meinen Lohn in den glänzenden Augen und dem freundlichen Lächeln des vortrefflichſten Mädchens, das je gelebt hat. Mary ver⸗ fehlt nie, mich in dieſer Weiſe zu belohnen, wenn ich recht thue. Es iſt aber recht, jetzt bei Euch auszuharren,— zu thun, wie ich wünſchte, daß mir gethan würde, und ich werde es thun. Betrachtet die Sache als abgemacht, mit der Mann⸗ ſchaft aber trefft ein Uebereinkommen. Und nun, Daggett, was ſagt Ihr dazu, wenn wir jenen Berg heute zu erklim⸗ men ſuchten, um unſer Gebiet gehörig zu überſchauen und zumal uns nach dem Eiſe umzuſehen?“ Daggett willigte freudig ein, denn Roswell's Verſiche⸗ rung, Laſt vo ſchloſſer bleiben und di Frühſtü dert, d ſeine C W Dagget felſige, förmige Hier re und be See dr überſel wenn Roswe frei vo gelinge hädigung Roswell von uns re werthe t meinen Vortheil ben, ein n länger vielleicht müſſen. arten für darauf. , meine recht iſt, ife Glück e meinen Lächeln tary ver⸗ ich recht „— zu ich werde r Mann⸗ Daggett, u erklim⸗ uen und Verſiche⸗ — 29— rung, daß er bei ihm aushalten wolle, wälzte eine ſchwere Laſt von ſeinem Herzen, in der That war er bisher unent⸗ ſchloſſen geweſen, ob er nach der Abfahrt ſeines Gefährten bleiben ſollte oder nicht. Jetzt war ihm jedoch Alles klar, und die beiden Capitäne ſchickte ſich an, ſogleich nach dem Frühſtücke den Berg zu beſteigen. Stimſon wurde aufgefor⸗ dert, den Ausflug mitzumachen, denn ſein Offizier war an ſeine Geſellſchaft gewöhnt und hatte ihn gern um ſich. Während den erſten zwei Stunden waren Gardiner, Daggett und der Bootſteuerer emſig beſchäſtigt, ſich über die felſige, zerklüftete Fläche der Inſel bis zu dem Fuße der kegel⸗ förmigen Höhe hinzuarbeiten, welche das Ganze überragte. Hier ruhten ſie aus, nahmen eine kleine Erfriſchung zu ſich und beſprachen ſich über den Inſtand des Eiſes in der offenen See draußen, ſo weit ſie dieſe von ihrem jetzigen Standpunkte überſehen konnten. „Wir werden eine tüchtige Strecke zu klettern haben, wenn es uns überhaupt gelingt, hinauf zu kommen,“ bemerkte Roswell,„obgleich die Felſen in dieſem Augenblicke ganz frei von Schnee zu ſein ſcheinen.“ „Wenn wir jetzt nicht hinaufkommen, wird es uns nie gelingen. Dieß ſind die Hundstage des Südpols, Gar'ner,“ ſagte Dagett lachend,„und wir müſſen ſie benützen. Man kann jetzt des Nachmittags ſeine Jacke entbehren, und dieß iſt ſtets etwas, man hat mir geſagt, daß es ſelbſt in den Buchten oft mitten im Sommer friere.“ „Wir ſind dazu, Gott ſei Dank, noch nicht nahe genug am Pol, obgleich wir ziemlich weit nach Süden vordrangen. Dieß iſt unſere Herbſtzeit hier, und wir würden wohl thun, dieß nicht zu vergeſſen.“ — 30— Als Gardiner dieß ſagte, hatten alle Drei ihre Blicke auf die öde Scene rings um ſie gerichtet. Die Inſel war nicht ganz ohne Pflanzenleben, wie dieß wenige Grade ſüdlicher der Fall iſt, allein es konnte kaum ſpärlicher ſein. Man ſah nur wenige ärmliche Pflanzen in den Ritzen der Felſen, und da und dort, wo zerbröckelte Steine ein wenig Boden gebildet haben mochten, zeigten ſich Büſchel drahtartigen Graſes. Der Berg ſelbſt war faſt ganz nackt und unſere Wan⸗ derer fanden den Anſteig nicht nur beſchwerlich, ſondern an vielen Stellen gefahrvoll. Roswell hatte dieß vorhergeſehen und ſeine Maßregeln darnach getroffen. Außer der Lanze, welche als Springſtock und Stütze diente, hatte ſich jeder ein Stück Webelingen über die Schulter geworfen, um an ſchwie⸗ rigen Stellen ſich, oder den Gefährten weiter zu helfen. Beſon⸗ ders beim Niederſteigen glaubte man dieſer Stricke zu bedürfen, obgleich ſie ſich ſchon als nützlich erwieſen, ehe man die Kuppe erreicht hatte. Die Beſteigung eines Berges von tau⸗ ſend Fuß Höhe iſt unter gewöhnlichen Umſtänden keine Helden⸗ that. Wenn man mit abſchüſſigen Felſen, Klüften, loſem Geſtein und Hinderniſſen ähnlicher Art zu kämpfen hat, beſie⸗ gen gewöhnlich Jugend, Thatkraft und Muth alle dieſe Schwierigkeiten, und der Menſch ſetzt ſeinen Fuß auf Stellen welche die Natur allein für das Bereich der Gemſe beſtimmt zu haben ſcheint. So erging es auch unſeren drei Wanderern, welche, nach einem kräftigen und ziemlich gefährlichen Anſteig, der mehr als eine Stunde in Anſpruch genommen hatte, die Kuppe des Berges betraten. Ohne gegenſeitige Hilfe hätten ſie wahr⸗ ſcheinlich ihren Zweck nicht erreicht, und die Seile waren einige Male die einzige Zuflucht für unſere Seeleute. Eine Wagniß. Bewunder ausbreitet Gegenſtät wöhnliche waren na gruppe w Ausweg obgleich bewegte 4 Waſſerſtr jetzt gan würde ar derte noc und Gröt Nach Gardiner es ihnen Hemmniſ und vier häuften täne jetzt in See ſ „Es Feiertag eine Felt auszuruh koſtbar.“ Blicke auf war nicht dlicher der Man ſah lſen, und en gebildet raſes. ſere Wan⸗ ondern an thergeſehen der Lanze, hjeder ein an ſchwie⸗ en. Beſon⸗ mbedürfen, man die von tau⸗ ne Helden⸗ en, loſem hat, beſie⸗ alle dieſe sf Stellen beſtimmt Alche, nach der mehr Kuppe des ſie wahr⸗ ile waren — 31— Eine außerordentliche, glänzende Ausſicht lohnte für das Wagniß. Nachdem ſich die Wanderer einige Minuten der Bewunderung des großartigen Schauſpiels, das ſich vor ihnen ausbreitete, überlaſſen hatten, wendeten ſie ihre Blicke den Gegenſtänden zu, welche dem Rundgemälde einen ſo unge⸗ wöhnlichen Glanz verliehen. Mit Ausnahme der großen Bai waren nach allen Seiten hin Eisberge ſichtbar, und die Inſel⸗ gruppe war von ihnen in einer Weiſe umgeben, welche keinen Ausweg übrig zu laſſen ſchien. In dieſer Jahreszeit pflegten die Südwinde vorzuherrſchen, obgleich oft und raſch ein Wechſel eintrat, und die große bewegte Maſſe nach Norden abtrieb. Gardiner ſah, daß die Waſſerſtraße, auf welcher ſein Schoner hereingebracht worden, jetzt ganz geſchloſſen war und daß er nur auf der Nordſeite würde auslaufen können. Die große Tiefe der Eisberge hin⸗ derte noch ihren Eintritt in die Gruppe, während ihre Zahl und Größe die Schoſſe nicht vorübertreiben ließ. Nach nordwärts war die See viel offener. Während Gardiner und Daggett nach dieſer Richtung ausſchauten, kam es ihnen vor, als könne man ein Schiff leicht durch jene Hemmniſſe drängen und als dürfte eine gute Fahrt von acht und vierzig Stunden es völlig aus dem Bereiche des ange⸗ häuften Eiſes bringen, dieſe Ausſchau ließ die beiden Capi⸗ täne jetzt bedauern, daß ſie noch nicht in der Lage waren, in See ſtechen zu können. „Es thut mir faſt leid, daß wir aus dem Sonntag einen Feiertag gemacht haben,“ ſagte Daggett und ſetzte ſich auf eine Felsſpitze, um ein wenig von der Mühe des Anſteigs auszuruhen.—„Für Leute in unſerer Lage iſt jede Minute koſtbar.“ — 32— „Jede Minute, Capitän Daggett, iſt für uns Alle in einem anderen und bedeutſameren Sinne koſtbar, wenn uns dieſer nur klar iſt,“ fiel Stimſon in eifrigem Freimuth und chriſtlichem Ernſte ein. „Ich verſteh' Euch, Stephan, und will Eueren Worten nicht entgegen ſein. Eine Robbenreiſe iſt aber kein Geſchäft, das dem Mann erlaubt, viel an Religion und Sabbate zu denken.“ „Jedes Geſchäft iſt gut, Herr, und jede Stunde iſt ein Sabbat, wenn das Herz in dem rechten Zuſtande iſt. Gott iſt auf dieſem nackten Fels, wie er auf Vineyard iſt, und ein Gedanke oder ein Wort zu ſeinem Preiſe auf dieſem Berge iſt ihm ſo angenehm, wie Gebet und Geſang, welche in Kir⸗ chen und Kapellen laut werden.“ „Ich halte es wenigſtens für unklug, den Leuten keinen Ruhetag zu gönnen,“ ſagte Roswell ruhig.„Obgleich ich eben nicht ſo weit gehen möchte, wie mein Freund Stephan hier, ſtimme ich ihm darin vollkommen bei.“ „Und nicht auch darin, Herr, daß Ihr glaubt, der Geiſt Gottes ſei auf dieſer Inſel?“ 8 „Auch darin, gewiß. Ich glaube, Capitän Daggett und ich find ganz geneigt, dieſen zwei Sätzen beizupflichten, wenn wir gehörig darüber nachdenken. Die Natur ſcheint einen Wochentag zur Ruhe beſtimmt zu haben, und ich glaube, wir würden mit unſerem Geſchäfte um ſo eher fertig, wenn wir an dieſem Geſetze feſthielten. Des Seemannes Zeit iſt ſo viel⸗ fach in Anſpruch genommen, daß es nicht klug iſt, ſeine Arbeitsſtunden unnöthig zu vermehren.“ „Es thut mir leid, Capitän Gar'ner, ſagen zu müſſen, daß dieß nicht der Geiſt iſt, in welchem wir unſern Ruhetag feiern ſoll feiern. J häuſerbeſu denn jeder wenn er a „Und ſchen ſtin wie dieſer und Inbr meinem und glorr Woh rufen! T Spuren d grade ger nach Sül Meer, nü wölkten E Dieſe ſo Eigen ſelbſt Sch wilden C ſich das des Som vortrat. „Die wird,“ a die Fülle kein groß ſichten ar 250— ns Alle in wenn uns limuth und en Worten Geſchäft, Sabbate zu nde iſt ein iſt. Gott ſt, und ein eſem Berge che in Kir⸗ iten keinen bgleich ich d Stephan der Geiſt aggett und hten, wenn heint einen glaube, wir wenn wir iſt ſo viel⸗ iſt, ſeine zu müſſen, n Ruhetag — 33— feiern ſollen, obgleich es gut iſt, wenn wir ihn überhaupt feiern. Ich halte eben nicht viel auf Kirchengehen und Bet⸗ häuſerbeſuchen, aber zu geeigneten Zeiten ſind ſie ganz gut, denn jeder hat in ſeinem eigenen Herzen einen Tabernakel, wenn er gewillt iſt, Gott anzubeten.“ „Und wenn irgend ein Platz auf dieſer Erde den Men⸗ ſchen ſtimmen kann, Gott anzubeten, muß gewiß ein Platz wie dieſer dazu ſtimmen!“ rief Roswell mit einer Wärme und Inbrunſt, wie ſie ſelten bei ihm hervortraten.„In meinem Leben hat mein Auge auf keinem ſo merkwürdigen und glorreichen Schauſpiele geruht, wie dieß vor uns!“ Wohl mochte unſer junger Seemann dieſe Worte aus⸗ rufen! Der Tag war für jene Gegend ſchön, obgleich er Spuren der Laune und des wechſelvollen Lichtes hoher Breite⸗ grade gewahren ließ. Da und dort zeigten ſich Nebel, und nach Süden hinab ſah man Schneegeſtöber, während das Meer, nördlich von der Gruppe, in dem Glanze einer unum⸗ wölkten Sonne funkelte. Dieſer abſtechende Charakter der Scene gab ihr etwas ſo Eigenthümliches, während ihre Größe, Erhabenheit und ſelbſt Schönheit in der Ausdehnung den großartigen, obgleich wilden Einzelnheiten, den bewegten Eisbergen, auf welchen ſich das Licht in bunten Farben brach, und in dem Spiele des Sommers auf den Umriſſen einer Südpol⸗Anſicht her⸗ vortrat. „Dieß iſt eine merkwürdige Stelle, wie Niemand leugnen wird,“ antwortete Daggett,„allein mir behagt vor Allem die Fülle der Robben, welche man hier findet. Ich bin aber kein großer Freund von Ausſichten, wenn ſie nicht auch Aus⸗ ſichten auf einigen Gewinn darbieten. Wir Vineyarder ver⸗ 250— 252. 3 — 34— ſteigen uns nicht leicht und ſind nicht reich genug, um uns an Landſchaftsſcenen zu ergötzen.“ „Man diene Gott und ehre ſeinen heiligen Namen,“ ſagte Stimſon ernſt,„und jeder Ort iſt eine Wonne für das Auge. Ich bin zu meiner Zeit auch auf Vineyard gewe⸗ ſen und habe in Bezug auf den Ort keinen Unterſchied gefun⸗ den, ſofern nur das Herz in der rechten Stimmung iſt.“ „Arme Leute müſſen arbeiten,“ erwiederte Daggett und wendete ſeine Blicke von der entfernten, glänzenden Scene der abtreibenden Eisberge zu dem felſigen Geſtade, welches noch Tauſende von Robben beſuchten und wo man, ſelbſt von dieſer Höhe, einige der größten herum humpeln ſah,„ja, arme Leute müſſen arbeiten, Sonntag oder nicht Sonntag, und wer Heu einthun will muß den Sonnenſchein benutzen. Man mag zu paſſender Zeit in das Bethaus gehen, wie man Robben ſchlägt, wann Robben da ſind. Ich fürchte, dieß iſt ein verlorner Tag, und wünſche nur, daß wir nicht Grund haben, dieſe Säumniß zu bereuen.“ Stimſon ließ nicht von dem ab, was er als ſeine Pflicht erkannte, und antwortete auf dieſen kalten, weltlichen Geiſt, ſo gut ſeine ungebildete Sprache es ihm erlaubte. Aber ſeine Worte waren bei Daggett vergeudet. Die Goldgier war bei ihm rege, und wo dieſe über das Herz Gewalt gewonnen hat, darf man nicht hoffen, rein geiſtige Früchte reifen zu ſehen. Daggett war ein Mann, wie man, fürchten wir, deren Tauſende in allen Theilen unſeres Landes findet,— von Cha⸗ rakter thatkräftig, durch Gewohnheit thätig und emſig, und in ſeinen Anſichten ruhig und gemäßigt, aber mit ganzer Seele erpicht auf Erwerb und Anhäufung von Reichthum. Arm und man keine des Geldb früher Ju Kräfte wie Dagg gab bei C nothwendi reichlich e⸗ als für de günſtigere wäre, iſt Stahlklay mit ſeiner auf Gewi Da hatte, wa zu dem C worfen h nichts vo Tuchfabr keinen af auf Vine bedarf“ fängern könne, ein beha baren M ſeine W ziemlich „ um uns Namen,“ Vonne für Hard gewe⸗ hied gefun⸗ iſt.“ aggett und Sceene der elches noch ſelbſt von ſah,„ja, Sonntag, benutzen. wie man e, dieß iſt cht Grund ine Pflicht hen Geiſt, Aber ſeine dgier war gewonnen hte reifen vir, deren von Cha⸗ nſig, und jit ganzer Keichthum. — 35— Arm und in einem Geſellſchaftszuſtande geboren, in welchem man keine andere Art der Auszeichnung anerkennt, als die des Geldbeſitzes, darf man ſich nicht wundern, wenn er von früher Jugend auf dieſem einzigen großen Ziele alle ſeine Kräfte widmete. Daggett war kein Geizhals, wie Decan Pratt, denn er gab bei Gelegenheit mit vollen Händen und wußte wohl, wie nothwendig es ſei, daß man freigebig ſpende, wenn man reichlich erndten wolle, aber er lebte kaum für etwas Anderes als für den Erwerb. Was aus einem ſolchen Manne unter günſtigeren Umſtänden und bei beſſerer Erziehung geworden wäre, iſt nicht leicht zu ſagen, gewiß aber iſt es, daß die Stahlklappe nicht raſcher auf den Druck aufſpringt, als er mit ſeiner ganzen Kraft aufſchnellte, ſobald ſich eine Ausſicht auf Gewinn zeigte. Da er ſein ganzes Leben in einem Berufe hingebracht hatte, war es natürlich, daß ſeine Gedanken ſich am Leichteſten zu dem Gewinne hinneigten, welchen dieſer Beruf ſo oft abge⸗ worfen hatte. Er dachte nie an andere Erwerbsarten, wußte nichts von Banknoten, hatte nichts mit Baumwollen⸗ oder Tuchfabriken zu thun und hatte überhaupt von Reichthum keinen andern Begriff, als daß man damit ein ſchönes Gut auf Vineyard ankaufen, eine hübſche Summe für den„Haus⸗ bedarf“ haben, ſich bei Küſtenſchiffen, Wallſiſch⸗ und Robben⸗ fängern betheiligen und ſein Hausweſen hübſch einrichten könne, ſo daß man in beſcheidener Weiſe mit ſeiner Familie kein behagliches Leben zu führen vermöge. Trotz dieſer ſchein⸗ baren Mäßigung war Daggett ein habgieriger Mann, aber ſeine Wünſche waren durch ſeine Sitten und Gewohnheiten ziemlich gemäßigt. — 36— Während einer der Capitäne ſich in ſeinem Geiſte die Schätze ausmalte, welche er von dieſer Reiſe erwartete, gab Hingebung der andere ſich ganz verſchiedenen Gedanken hin. Roswell's bildetſten Phantaſie führte ihn weit über den blauen, funkelnden Ocean Gebildeten nach Norden— nach Oyſter⸗Pond, in Decan Pratt's Woh⸗ Sein nung und zu Mary. die außern Er ſah ſie in ihrer edeln Einfachheit, ihrer jungfräu⸗ vollen, r lichen Beſcheidenheit, ihrer jugendlichen Schönheit,— ja ſelbſt Chre und in ihrer unerſchütterlichen Frömmigkeit, um derentwillen ſie wohl thu ihm ſo theuer war, obgleich er keinen Anſpruch darauf machte, weltlichen ſich ihrem Glauben zu fügen. Er war kein Religionsver⸗ die Welt ächter, aber er war in dem einen wichtigen Punkte des lichen Sch Chriſtenthums ein Zweifler. Mary mußte jedoch nach ſeinem Welten,! Gefühle das glauben, was ſie von Kindheit auf gelehrt wor⸗ in ihren den, dieß ſchien ihm, wie bereits bemerkt worden, nur natür⸗ auf die lich, nur weiblich. Menſchen Der Leſer wird daher nicht ſtaunen, wenn er hört, daß Wirkung, Roswell ſich in dieſer Stimmung die Nichte des Decans mit Glauben den anſprechendſten Eigenſchaften ausmalte und mit allen jenen Nach Reizen ſchmückte, welche eine Jungfrau in den Augen des Gipfel d Geliebten zieren. Wäre Mary weniger fromm, in ihrem Glau⸗ beſprochen ben an Jeſus als den Sohn Gottes weniger feſt geweſen, trat ein der junge Zweifler hätte ſie, ſo ſeltſam dieß auch ſcheinen mahnte. mag, weniger ſchön gefunden, weniger geliebt. Mar Und an was dachte mittlerweile der rauhe, ungebildete allein es Seemann, welcher in der Nähe der beiden Offiziere ſtand? Einmal! * Waren auch ſeine Gedanken dem Erwerb, der Liebe und den den, jetz Freuden der Welt zugewendet? Ja, ſein Herz floß von Liebe und bede über, aber es war die Liebe Gottes, und zumal jene Liebe Schnee. zu allen ſeinen Geſchöpfen, jenes Wohlwollen und jene treue zwanzig die Eben Geiſte die dartete, gab Roswell's nden Ocean ratt's Woh⸗ r jungfräu⸗ — ja ſelbſt ntwillen ſie rauf machte, teligionsver⸗ Punkte des nach ſeinem gelehrt wor⸗ nur natür⸗ hört, daß Decans mit allen jenen Augen des hrem Glau⸗ ſt geweſen, ich ſcheinen ungebildete ijere ſtand? de und den von Liebe jene Liebe jene treue — 137— Hingebung, welche in dem Herzen des Niedrigſten und Unge⸗ bildetſten eben ſo warm glüht, wie in dem des Großen und Gebildeten. Sein Geiſt war ſeinem Schöpfer zugewendet und hatte die außerordentliche Scene vor ihm in einen großen, pracht⸗ vollen, reich geſchmückten, obgleich wilden Tempel zu ſeiner Ehre und Verherrlichung umgewandelt. Wir Alle würden wohl thun, wenn wir uns zuweilen in unſerem Jagen nach weltlichen Zwecken einen Ruhepunkt gönnten und um uns auf die Welt ſelbſt blickten, welche nur einen kleiner Theil der unend⸗ lichen Schöpfung iſt— nur eine unter den vielen tauſend anderen Welten, welche ſich zur Verherrlichung der Hand, die ſie ſchuf, in ihren Kreiſen bewegen. Dieſe kurzen, aber ſinnigen Blicke auf die Unendlichkeit des moraliſchen Raumes, welcher den Menſchen von ſeiner Gottheit trennt, haben die ſehr heilſame Wirkung, daß ſie uns Demuth lehren, dieſe erſte Stufe zum Glauben und zur Liebe. Nachdem unſere Wanderer eine Stunde auf dem kahlen Gipfel des Berges hingebracht und die Scenerie zuweilen beſprochen, zuweilen in ſtiller Bewunderung angeſtaunt hatten, trat ein Wechſel des Wetters ein, welcher zum Aufbruch mahnte. Man hatte den ganzen Morgen Schneegeſtöber geſehen, allein es war in der Ferne, inmitten der funkelnden Eisberge. Einmal war der Vulkan davon bedeckt und unſichtbar gewor⸗ den, jetzt aber ſegelte eine dicke Wolke über den Berg ſelbſt und bedeckte ihn in einem Augenblicke mit dem weißeſten Schnee. So dicht fielen die Flocken, daß man kaum auf zwanzig Fuß hin einen Gegenſtand unterſcheiden konnte und die Ebene der Inſel nach allen Seiten unſichtbar ward. In 38 dieſem ſehr ungünſtigen Augenblicke traten unſere Wanderer ſei ein S ihren Abſteig an. man ein Es iſt ſtets minder gefährlich, einen ſteilen Anhang zu Schlucht erſteigen, als abwärts zu gehen. Bei dem Aufſteig gewinnt Schwieri man leicht einen Anhaltspunkt, während der Abſteig häufig zu Alle raſch iſt, als daß man ſich völlig in der Gewalt hätte. Schlucht Noswell fühlte das Nichtige dieſer Erfahrung und würde nah läg, gern vorgeſchlagen haben, zu warten, bis der Himmel ſich Ein wieder aufklärte, wenn er nicht gefürchtet hätte, ein ſolcher er trieb Wechſel dürfte ſobald nicht ſtattfinden. Er folgte daher Strickes Daggett wider Willen und mit großer Vorſicht. Stimſon auf den machte den Nachtrab aus. Augenbl In den erſten zehn Minuten erging es unſeren Wande⸗„A rern ziemlich gut. Sie fanden die Stellen, von welchen aus ſtrengte ſie den Gipfel des Berges erſtiegen hatten, und begannen„Es iſt abwärts zu gehen. Es zeigte ſich ſogleich, daß die größte Vor⸗„H ſicht nöthig war, denn der Schnee hatte den Boden ſchlüpfrig Ende, i gemacht. Daggett war jedoch, wenn er einmal in Bewegung. Da war, ein kühner, heißblütiger Mann, ſchritt eine Strecke vor ſein ur den Uebrigen entlang und rief denen hinter ihm zu, ſie Roswel möchten ihm furchtlos folgen. den Fel Dieß geſchah zwar, aber mit größerer Vorſicht, als der Ot Führer zu bewähren ſchien. Endlich erreichten ſie einen nicht zu Punkt, wo, wie es ihnen vorkam, die Schwierigkeiten faſt Summ unbeſiegbar waren. Unter ihnen lag die glatte Fläche eines„0 bereits mit Schnee bedeckten Felſen, während ſie nicht weit haltet genug nach vornen ſehen konnten, um ſich zu überzeugen, wie gehe. und wo dieſe geneigte Fläche endigte. D Daggett beſtand jedoch darauf, er kenne die Stelle, fie beſand, 4, 2. 4 n ſeien hier herauf gekommen, eine kleine Strecke unter ihnen ſon an ee Wanderer Anhang zu beig gewinnt g häufig zu zwalt hätte. und würde Himmel ſich ein ſolcher olgte daher Stimſon ren Wande⸗ velchen aus d begannen größte Vor⸗ n ſchlüpfrig Bewegung Strecke vor im zu, ſie ht, als der ſie einen gkeiten faſt Fläche eines nicht weit zeugen, wie Stelle, fie unter ihnen — 39— ſei ein Klippenvorſprung, wenn man auf dieſem ſei, müſſe man einen bedeutenden Umweg machen, um eine gewiſſe Schlucht zu erreichen, durch welche der Weg keine großen Schwierigkeiter mehr haben könne. Alle erinnerten ſich des Klippenvorſprungs und der Schlucht, es fragte ſich bloß, ob jener unter ihnen und ſo nah läge, wie Daggett behauptete. Eine irrige Zuverſicht bemächtigte ſich des Letztern, und er trieb dieß ſo weit, daß er ſich weigerte, das Ende eines Strickes zu faſſen, das Roswell ihm zuwarf. Er ſetzte ſich auf den Schnee, gleitete abwärts und war faſt in demſelben Augenblicke verſchwunden. „Was iſt aus ihm geworden?“ fragte Roswell und ſtrengte ſeine Augen an, um die dicke Luft zu durchdringen. „Es iſt nichts von ihm zu ſehen.“ „Haltet die Leine feſt, Herr, und gebt mir das andere Ende, ich will nachſehen!“ antwortete Stimſon. Da es augenfällig am Gefährlichſten war, der Letzte zu ſein und ohne Beihilfe von oben niederzugleiten, willigte Roswell in den Vorſchlag und ließ den Bootsſteuerer über den Fels hinab, bis auch er nicht mehr zu ſehen war. Obgleich jedoch Stimſon in dieſem dichten Schneegeſtöber nicht zu ſehen war, befand er ſich doch noch im Bereiche der Stimme. „Geht mehr rechts, Herr,“ rief der Seemann,„und haltet die Leine ſtetig an, während ich mit Euch entlang gehe.“ Dieß geſchah, denn auf der Höhe, wo Roswell ſich beſand, war das Gehen ziemlich ſicher. Alsbald zuckte Stim⸗ ſon an der Leine und rief wieder: — 40— „So wird es gehen, Capitän Gar'ner,“ ſagte er, ich bin jetzt auf dem Klippenvorſprung und kann mich ziemlich frei bewegen. Legt die Leine auf den Schnee und gleitet ſo langſam als Ihr könnt nieder, vergeßt nicht, möglichſt dicht an der Leine zu bleiben. Ich bin bereit, Euch aufzufangen.“ Gardiner that, wie ihm geſagt worden. Er hielt ſich nahe an der Leine und erreichte den Klippenvorſprung genau an der Stelle, wo Stimſon ihn erwartete und ſich ihm ent⸗ gegenwarf, um ihn in ſeinen Armen aufzufangen. Roswell ſah ſich dadurch in dem rechten Augenblick aufgehalten, ſonſt wär' er in Folge des raſchen Abſturzes über die Klippe und an einer Stelle niedergeſtürzt, welche faſt ſenkrecht in die Tiefe ging und kein Mittel bot die Bewegung zu hemmen. „Und was iſt aus Capitän Daggett geworden?“ fragte Gardiner, ſobald er wieder auf ſeinen Füßen war. „Ich fürchte, er iſt über den Felſen hinabgeſtürzt, Herr,“ lautete die Antwort.„Da, wo ich dieſen Klippenvorſprung erreichte, war kaum Raum zum Stehen, und ich bewegte mich nur mit Mühe entlang, ſelbſt dieß wäre unmöglich geweſen, hätte ich mich nicht an der Leine feſthalten können, nach den Spuren im Schnee zu ſchließen, iſt der Mann unrettbar in die Tiefe geſtürzt.“ Dieß war eine furchtbare Rachricht in einer ſolchen Stunde und an einem ſolchen Orte. Roswell verlor aber den Muth nicht, im Gegentheile, er ging ruhig und mit großer Umſicht zu Werke. Er rollte die Webelingen zuſammen, warf die Leine ſo weit nieder, bis er glaubte, ſie habe den Boden bis auf ſechs Faden erreicht. Dann ließ er Stimſon ſich feſt damit umgürten und ein Stück um eine vorſpringende Felſenſpitze laufen, um die Kraft des Bootſteuerers zu ſtei⸗ gern, I deſſen F hatte, er Es mit ein jungen brachte. eine Th ſteigerte jetzt im beſorgt De ſchlang oben zu ſchwäch⸗ und die Hundst thuend ward 9 De zu hem feſten 7 Lanze jedoch nieder, mindert der un danken. that, eine S merte zte er, ich ch ziemlich gleitet ſo glichſt dicht zufangen.“ hielt ſich ung genau ) ihm ent⸗ Roswell lten, ſonſt dlippe und cht in die emmen. 2“ fragte zt, Herr,“ vorſprung h bewegte unmöglich en können, er Mann er ſolchen rlor aber und mit uſammen, habe den Stimſon pringende 3 zu ſtei⸗ 21= gern, und dann gleitete er kühn an dem Abgrunde nieder, deſſen Fuß er ziemlich in der Entfernung, wie er ſie berechnet hatte, erreichte. Es ſchneite noch ſtark, die Flocken waren groß und flogen mit einem Ungeſtüm um die Ecken der Felſen, welches den jungen Mann in einzelnen Augenblicken um die Beſinnung brachte. Er war jedoch entſchloſſen, und der Gedanke, daß er eine That der Menſchenliebe und der Kameradſchaft vollbringe, ſteigerte ſeinen Muth. Daggett mußte, lebendig oder todt, jetzt im Bereiche ſeines Auges ſein, und er begann eifrig und beſorgt nach allen Seiten zu ſpähen. Der Wind brüllte ſo laut, daß er jeden andern Ton ver⸗ ſchlang, doch glaubte er einmal den Anruf Stimſon’'s von oben zu hören. Plötzlich ſchwieg der Wind, der Schnee fiel ſchwächer und ſchwächer, bald klärte ſich der Himmel ganz auf und die Sonnenſtrahlen— man erinnert ſich, daß es in den Hundstagen jener Breite war— überglänzten hell und wohl⸗ thuend die funkelnde Scene. In dem nächſten Augenblicke ward Roswell den gewahr, welchen er ſuchte. Daggett war, da er ohne alle Mittel war, ſeinen Abſturz zu hemmen, über den ſchmalen Abſatz, auf welchem Stimſon feſten Fuß gefaßt hatte, raſch weggegleitet. Er ſtemmte ſeine Lanze oder ſeinen Springſtock nach vornen, die Spitze fand jedoch keinen Haltpunkt. Er ſtürzte aber keineswegs ſenkrecht nieder, denn mehrere Klippenvorſprünge kamen ihm zu Hilfe und minderten die Gewalt des Abſturzes, ſeine Rettung aber hatte der unglückliche Mann wahrſcheinlich ſeiner Lanze zu ver⸗ danken. Er hatte dieſe unter ſich, als er den letzten Sturz that, gleitete an ihr die ganze Strecke nieder und ſchoß auf eine Stelle an, welche weit und breit allein einige verküm⸗ merte Ginſterſträuche und Grasbüſchel aufzuweiſen hatte. — — 42— Als Roswell ſeinen unglücklichen Gefährten erreichte, war dieſer bexeits wieder völlig bei Sinnen und ganz ruhig. „Gott ſei⸗Dank, daß Ihr mich gefunden habt, Gar'ner,“ ſagte er;„ich war nahe daran, mich für verloren zu halten.“ „Gott ſei auch Dank, daß Ihr noch am Leben ſeid, Freund,“ antwortete Noswell.„Ich erwartete nur Eure Leiche zu ſinden. Ihr ſcheint Euch jedoch nicht ſehr beſchädigt zu haben?“ „Mehr als es ſcheint, Gar'ner, mehr als es ſcheint, Ich glaube gewiß, daß mein linkes Bein gebrochen iſt, er eine meiner Schultern ſchmerzt mich in hohem Grade, obgleich da nichts gebrochen oder aus dem Gelenke iſt. Dieß iſt eine traurige Geſchichte für einen Robbenfänger.“ „Seid ohne Sorgen wegen Eures Schiffes, Daggett, ich werde das Auge auf ihm und auf Eurer Befrachtung haben.“ „Wollt Ihr für den Schoner ſorgen, Gar’'ner? Ver⸗ ſprecht mir dieß, und ich werde mich beruhigt fühlen.“ „Ich verſpreche es. Die zwei Schiffe ſollen unter allen Umſtänden zuſammen bleiben, bis wir das Eis hinter uns haben.“ „Ah, dieß iſt nicht genug. Mein Seelöwe muß, ſo gut wie der Eurige, gefüllt ſein. Das verſprecht mir.“ „Es ſoll geſchehen, wenn es Gottes Wille iſt.— Doch hier kommt Stimſon, vor Allem müßt Ihr von hier weg⸗ gebracht werden.“ Roswell's Zuſagen hatten Daggett augenfällig beruhigt, denn inmitten der Beſorgniſſe und der Schmerzen, in welche ihn ſein jetziger Zuſtand verſetzt hatte, waren ſeine Gedanken mit ſeinem Schiffe und deſſen Schickſal eifrig beſchäftigt. Nun er ſeinen Geiſt in dieſer Hinſicht erleichtert fand, fühlte er auch ſeine Schmerzen weniger heftig werden. D Dagget aus der litten d armen und it Glück durch niedrig trugen um der Dieſen daß ſ Währe Knoche augen! mitthe das ei S und C etwas manch gewiſſ nehme einem gleich reiche zu be Fuße erreichte, 3z ruhig. Har'ner,“ halten.“ ben ſeid, ur Eure beſchädigt z ſcheint, iſt, Ker ubgleich 3 iſt eine gett, ich haben.“ 2 Ver⸗ 77 ter allen nter uns muß, ſo ir.“ — Doch ier weg⸗ beruhigt, n welche Gedanken ſchäftigt. „ fühlte — 43— Die Lage unſerer Wanderer war ziemlich verlegentlich. Daggett's Fuß ſchien über dem Knöchel gebrochen oder doch aus dem Gelenke zu ſein, und mehrere Theile ſeines Körpers litten durch Quetſchungen. Es war nicht möglich, mit dem armen Manne etwas anzufangen, ſolange er nicht aufgerichtet und in eine ſitzende Lage gebracht werden konnte. Zum Glück waren ſie nicht weit von dem Fuße des Berges, und durch Sorgfalt und ſtetige Füße war es möglich, einen niedrigen Felsabſatz zu erreichen. Roswell und Stimſon trugen ihn auf ihren Armen dahin. Während er einen Arm um den Hals der Beiden ſchlang, ließ er die Füße hängen. Dieſem zufälligen Umſtande hatte es der Kranke zu verdanken, daß ſich eine ſehr heilſame Veränderung mit ihm begab. Während ſein Fuß auf dieſe Weiſe„baumelte,“ trat der Knochen wieder in ſein Gelenk ein, und Daggett gewahrte augenblicklich dieſe wichtige Thatſache, welche er auch Roswell mittheilte. In Folge dieſer angenehmen Nachricht wurde jetzt das einzuhaltende Verfahren geregelt. Seeleute müſſen oft die Stelle von Aerzten, Wundärzten und Geiſtlichen vertreten. Sie leiſten in dieſen Fächern ſelten etwas Ausgezeichnetes, da ſie aber berufen ſind, ſich mit ſo manchfachen Gegenſtänden zu beſchäftigen, erwerben ſie eine gewiſſe Gewandtheit, welche ſie faſt in Allem, was ſie unter⸗ nehmen, brauchbarer macht, als die Mehrzahl derer, welche einem oder dem andern Geſchäfte, das abgethan werden muß, gleichfalls fremd ſind. Roswell hatte bereits bei mehreren Verrenkungen hilf⸗ reiche Hand geleiſtet und wußte ziemlich gut, wie er ſich dabei zu benehmen hatte. Daggett ſaß jetzt auf einem Fels am Fuße des Berges, ſeine Füße hingen nieder und mit dem 44 Berges Rücken lehnte er ſich an einen Steinblock. Sobald er in welche dieſer Lage war, wurde Stimſon weggeſchickt, um Hilfe her⸗ ſchaffen. beizuholen. Der ehrliche Burſche machte ſich mit einer Eile vier M davon, welche die Ankunft des erwünſchten Beiſtandes ſo Schritte raſch erwarten ließ, als die Umſtände es möglich machten. legte m Unſer Held begab ſich, ſobald Stimſon ihn verlaſſen wurde hatte, an ſein wichtiges Amt. Daggett ſtand ihm mit ſeinem ſeinen c Rathe und auth ein wenig durch perſönliche Anſtrengung bei, Da denn der Seemann bleibt nicht thatlos liegen, wenn er etwas Gemach thun kann, wie ſchwer ihm dieß auch werden mag. man al Roswell legte das Glied bloß und überzeugte ſich bald, Da die daß der Knochen wieder in ſein Gelenk getreten war. Binden Schlafſ wurden alsbald umgelegt und Schienen gefertigt. Es war Stimſo⸗ charakteriſtiſch genug, daß Daggett ſein Meſſer herausnahm Kranke und behilflich ward, dieſen Schienen die gehörige Geſtalt und„ Dicke zu geben. Das Holz dazu lieferte der Stab der zer⸗ ſchlimm brochenen Lanze, und man war bald mit dieſer Arbeit fertig. hinzu. Bei dem Anlegen der Schienen zeigte Roswell eben ſo ſo hätte viel Geſchick als Umſicht. Die Taſchentücher wurden ver⸗„2 wendet, um den Druck an einzelnen Theilen zu mindern, und Vorſe 1 Kabelgarn von den Webelingen bot das Mittel, Alles gehörig Buch zu„feſtigen.“ göttlich Nach einer halben Stunde und ehe der Fuß bedeutend ſchwellen konnte, war Roswell mit dieſen Vorrichtungen fertig, und als das wunde Glied auf dieſe Weiſe verbunden war, wurde es ſorgfältig gehoben und nebſt dem geſunden Fuße auf den Fels gelegt, da die wagerechte Lage zuſagender ſchien als die ſenkrechte. Nicht weniger als vier peinliche Stunden verſtrichen jetzt, ehe eine Anzahl Matroſen von den Schiffen den Fuß des Rer—— 3——-——— er in lfe her⸗ er Eile ndes ſo ten. erlaſſen ſeinem ng bei, etwas h bald, Binden s war snahm ilt und 3 zer⸗ fertig. ben ſo n ver⸗ n, und gehörig heutend fertig, war, Fuße ſchien jetzt, iß des — 45 Berges erreichten. Sie brachten jedoch eine Tragbahre mit, welche ſonſt gebraucht wurde, um Felle über die Felſen zu ſchaffen. Auf dieſe Bahre wurde Daggett ſorgſam gelegt, vier Mann hoben ihn auf und trugen ihn einige hundert Schritte, worauf vier andere ſie ablöſten. Auf dieſe Weiſe legte man den Weg nach dem Hauſe zurück. Der Kranke wurde auf ſein Bett gelegt, und man widmete nun auch ſeinen anderen Wunden die nöthige Sorgfalt. Daggett freute ſich, unter einem Dache und in einem Gemache zu ſein, welches nicht ohne Behaglichkeit war, was man auf einer Robbenfangreiſe Behaglichkeit nennen kann. Da die Mannſchaft, mit Ausnahme der Nachtzeit, nie in dem Schlafſaale war, konnte er ruhig ſchlafen, und Roswell theilte Stimſon mit, er hoffe, in vier bis ſechs Wochen werde der Kranke ſeinen Fuß wieder brauchen können. „Er, darf von Glück ſagen, Stephan, daß es nicht ſchlimmer gekommen iſt,“ ſetzte Roswell bei dieſer Gelegenheit hinzu.„Wäre die Lanze nicht nach unten gekehrt geweſen, ſo hätte er ohne Zweifel Arm' und Beine gebrochen.“ „Was Ihr Glück nennt, Capitän Gar'ner, nenne ich Vorſehung,“ lautete Stephan’s Antwort.„Das gute Buch ſagt uns, kein Sperling falle ohne den Willen der göttlichen Vorſehung von dem Dache.“ Drittes Kapitel. Es ſchweift um, wo die Maſſen Eis nie ſchmelzen, Um Grönland's nackte Inſeln, Bhering's Felſen; Von Wüſten, die in ewigen Schnee gehüllt, Umtobt der Nachtwind ihn im Sturme wild; An Klippen brüllend ſich die Wellen theilen, Und Oonalaska Strand hallt von der Wolfe Heulen. Campell. Als Roswell Gardiner am folgenden Tage ſeinem Dienſte nachging, verdüſterte ein Schatten tiefen Nachdenkens ſeine Stirne. Er ſtand auf einem Wendepunkt und fühlte, daß er ſeine Schritte wohl zu bemeſſen habe. Daggett's Anweſenheit auf der Inſel war für ihn und ſeinen Schiffsherrn von keiner Bedeutung mehr, aber das Geheimniß in Betreff der kleinen Inſel und des dort verborgenen Schatzes war noch in Erwä⸗ gung zu ziehen. Wenn die beiden Schoner beiſammen blieben, fragte es ſich, wie er dieſen Theil ſeiner Aufträge ins Werk zu ſetzen habe, ohne eine Genoſſenſchaft zuzulaſſen, gegen die, wie er wußte, jede Fiber in des Decans phyſiſchem und moraliſchem Syſteme ſich empören würde. Sein Wort war jedoch gegeben, und es blieb ihm keine andere Wahl übrig, als zu bleiben, den nebenbuhleriſchen Seelöwen füllen zu helfen und ſeiner Gewandtheit zu ver⸗ trauen, ihm auf dem Wege der beiden Schiffe nach nordwärts zu entſchlüpfen. Daggett's erſter Maat war zwar ein guter Robbenſchlä⸗ ger, aber ein ungeſtümer, rückſichtsloſer Mann, der ſich mehr als einmal gegen die großen Vorſichtsmaßregeln, welche man auf Ros Macy, n Abſchlach Stunde lichen W Er hatte die beſte „E Gar'ner einem at Die anſprach hatte de wenn m. leicht fü Morgen Mannſch Vineyar und die unbedine ſeitige, mit dem entlang. Die daß ſie hätten, junger? ſeine er und Eif ein Ge elzen, fen; ; Heulen. ell. Dienſte s ſeine daß er eſenheit n keiner kleinen Erwä⸗ ragte es u ſetzen wie er aliſchem )m keine leriſchen zu ver⸗ ordwärts benſchlä⸗ ich mehr che man — 47— auf Roswell’'s Befehl anwendete, tadelnd ausgeſprochen hatte. Macy, wie dieſer Offtzier ſich nannte, war für ein regelrechtes Abſchlachten der Thiere, er tödtete in einer und derſelben Stunde möglichſt viele Thiere, und ließ dann in der gewöhn⸗ lichen Weiſe zu dem Einpöckeln und Austrocknen ſchreiten. Er hatte dieß früher mit Erfolg thun ſehen und hielt es für die beſte Art, das Geſchäft zu fördern. „Eines ſchönen Morgens,“ ſagte er,„wird Capitän Gar'ner herauskommen und ſeine Heerde verſchwunden— auf einem andern Felde weiden ſehen.“ Dieß war ein Gehaben, welches Roswell durchaus nicht anſprach. Die Vorſicht, mit welcher er bisher verfahren war, hatte den beſten Erfolg gehabt, und er hoffte, man würde, wenn man fortan umſichtig verführe, die beiden Schoner leicht füllen. Als daher die Robbenſchläger an dem nächſten Morgen aufbrachen, wiederholte er, als Führer der beiden Mannſchaften, ſeine Exmahnungen, und wies vorzüglich die Vineyarder auf die Nothwendigkeit hin, umſichtig zu verfahren und die Robben nicht mehr zu ſchrecken, als das Geſchäft unbedingt forderte. Die Antwort war das gewöhnliche all⸗ ſeitige„Ja, ja, Herr,“ und die Leute gingen, wie es ſchien, mit dem beſten Willen, dem Befehle zu gehorchen, die Felſen entlang. Die Umſtände waren jedoch keineswegs der Art geweſen, daß ſie Roswell denſelben Einfluß auf die Vineyarder gegeben hätten, welchen er über ſeine Leute ausübte. Er war ein junger Befehlshaber, und dieß war, wie alle ſehr gut wußten, ſeine erſte Reiſe in dieſer Eigenſchaft, dann hatten Wettſtreit und Eiferfüchtelei zwiſchen den beiden Schiffen beſtanden,— ein Gefühl, das man nicht leicht beſeitigte, endlich fühlte 48 Macy und ließ es auch laut werden, daß der Befehl über ſeinen Schoner ihm zufallen müſſe, wenn Daggett untauglich würde, und daß der Letztere nicht befugt ſei, ihn und ſeine Mannſchaft dem Willen eines Anderen unterzuordnen. Alle dieſe Punkte wurden an dieſem Tage, beſonders von Seiten der Vineyarder und Macy's ziemlich, unumwunden und rückſichtslos beſprochen. Mit Recht hat man geſagt,—„des Königs Name iſt eine ſtarke Burg.“ Wer das Geſetz auf ſeiner Seite hat, ſchreitet mit einem Anſehen einher, welchem man ſich nicht durch bloßes Gerede über Recht und Unrecht entzieht. Der Menſch unterwirft ſich leicht denen, welche ſo ausgerüſtet ſind, denn die Macht des Geſetzes hilft gewöhnlich einen Sieg wenigſtens ebenſo leicht herbeiführen, als„handgreiflichere“ Wege. In einem gewiſſen Sinne wird die geſetzmäßige Gewalt Gerechtigkeit, und wir erblicken in ihrer zweckmäßigen Aus⸗ übung das ſicherſte Mittel, um zu beſtimmen, was„recht iſt zwiſchen dem Einen und dem Anderen.“ „Der Commodore ſagt, die Geſchöpfe müßten zärtlich behandelt werden,“ rief Macy lachend, als er dieſen Morgen ſeine Lanze auf den erſten Robben, ein junges Thier von der ausgezeichnetſten Gattung, abſchoß,—„nehmt alſo die Puppe auf, Kinder, und legt ſie in ihre Wiege, während ich nach ihrer Mama ſehe.“ Ein lautes Gelächter folgte dieſem Einfall, und da die Leute ihren Offizier ſo rückſichtslos ſprechen hörten, waren ſie zu Unruhe und Ungehorſam nur um ſo aufgelegter. „Das Kind liegt in ſeiner Wiege, Herr Macy,“ erwie⸗ derte Jesnies, ein Spaßvogel gleich dem Maate.„Nach meiner Anſicht kann man es nicht beſſer in Schlaf wiegen, als wenn unſerer N. „Auf Befehle er die Felſen gung und Nähe war ſchienen ir Eine allein vie einen tödte „Nothzeich len eine 4 daß man! die ihrem geweſen ſe von der S ſeine Leut denn zu i ſtauen wa „Ich Befehlen Leuten au werdet ein „Ber „Ich habe nebenher k daß wir e „Ja, haben, M 250— ehl über ntauglich ud ſeine ders von den und dame iſt ite hat, ich nicht ht. Der sgerüſtet nen Sieg flichere“ »Gewalt en Aus⸗ ‚recht iſt zärtlich Morgen von der ie Puppe ich nach d da die varen ſie “¹erwie⸗ „Nach wiegen, — 49— 4 als wenn man alle dieſe ſcheußlichen Geſellen, die ſich in unſerer Nähe befinden. niederſchlägt.“ „Auf ſie! auf ſie!“ rief Macy, und griff bei dieſem Befehle einen Elephanten an. In einem Augenblicke waren die Felſen auf dieſem Theile der Inſel eine Scene der Erre⸗ aung und Verwirrung. Es gelang Hayard, welcher in der Nähe war, ſeine Leute zurückzuhalten; die Vineyarder aber ſchienen in der That wahnſinnig zu ſein. Eine große Menge Robben wurden freilich erſchlagen; allein viele flüchteten erſchreckt in das Meer, wo man noch einen tödtete. Alle Thiere haben ihren„Lärmruf“ oder ihr „Nothzeichen,“ wenn ihnen Gefahr droht. Man ſieht zuwei⸗ len eine Heerde oder einen Flug plötzlich davon eilen, ohne daß man die Urſache ahnt, während ſie einer Warnung folgen, die ihrem Inſtincte bekannt iſt. So muß es bei den Robben geweſen ſein, denn die Felſen waren bald bis auf eine Stunde von der Scene des Blutbades hin verlaſſen, und Hayard und ſeine Leute hatten wörtlich nichts zu thun— ſie mußten denn zu ihrem Schiffe zurückkehren, wo noch Manches beizu⸗ ſtauen war. „Ich denke, Ihr wißt, Herr Macy, daß all dieß den Befehlen entgegen iſt,“ ſagte Hayard, indem er mit ſeinen Leuten aufbrach, um in die Bucht zurückzukehren.„Ihr werdet einſehen, daß ich die Sache berichten muß.“ „Berichtet— mir ganz recht!“ lautete die Antwort. „Ich habe keinen andern Befehlshaber als Capitän Daggett, nebenher bemerkt, wenn Ihr ihn ſeht, Hayard, ſagt ihm doch, daß wir eine prachtvolle Morgenarbeit vollbracht haben.“ „Ja, ja, Ihr werdet heute alle Hände voll zu thun haben, Macy, wie wird es aber morgen ſein?“ 250— 252. — 50— „Ei, wie es heute geweſen iſt. Die Teufel müſſen über das Waſſer kommen, um Athem zu holen, und die Küſte ent⸗ lang wird ſich ſchon Beute finden. So lange wir auf der Inſel ſind, haben wir nie in zwei Tagen gethan, was dieſen Morgen vollbracht wurde.“ „Sehr wahr, was wird Eure morgige Arbeit aber werth ſein? Ich will jedoch Capitän Daggett berichten, was Ihr mir aufgetragen habt, und hören, was er von der Sache denkt. Nach meiner Anſicht iſt er entſchloſſen, den Befehl über ſein Schiff zu behalten, bis er in Holmes' Hole einläuft.“ Hayard ging ſeines Wegs und ſchüttelte bedenklich den Kopf, als er weiter ſchritt. Auch hatte er ſich nicht getäuſcht, wenn er erwartete, Daggett werde heftig zürnen. Dieſer erfahrene Robbenjäger ſchickte nach ſeinem Maat und gab ihm bald zu verſtehen, daß er noch ſein Befehlshaber ſei. So wenig ſtreng auch gewöhnlich die Mannszucht auf ſolchen Genoſſenſchafts⸗Schiffen gehandhabt zu werden pflegt, befindet ſich doch in der Regel ein Mann an Bord, welcher das Anſehen, das Geſetz und Vertrag zumal ihm einräumen, zu behaupten weiß. Macy wurde beſchickt, getadelt und mit Entſetzung von ſeiner Stelle bedroht, wenn er es wieder wagte, ſeinen Befehlen zuwider zu handeln. Wie es gewöhn⸗ lich in ſolchen Fällen zu geſchehen pflegt, zeigte der Sünder ſich reumüthig und verſprach für die Zukunft Gehorſam. Das Unglück war aber geſchehen. Der Robbenfang war nicht mehr das regelmäßige, ſyſtematiſche Geſchäft, welches er auf dieſer Inſel geweſen, ſondern wurde unſtet und zufällig. Zuweilen hatten die Leute Glück, dann kamen wieder Tage, wo nicht ein einziges Thier zu ſehen war. Der Vineyarder Schoner w zeit nahte Rosw ken an die Mannſchat zu verliere Mittl welchen D ſtellt, daß konnte,— an Beweg nicht verlo und bei e welcher ſi Hauſe hin Hier Wochen ne nahmen a ſeitigen Au Stephan „Ich den Leute indem er beſchäftigt einer kurz und mit f „Ja, die, welch lege ich ke treiben, S üſſen über Küſte ent⸗ auf der vas dieſen ber werth. was Ihr der Sache en Befehl einläuft.“ nklich den getäuſcht, 4. Dieſer und gab er ſei. zzucht auf den pflegt, I, welcher inräumen, und mit es wieder s gewöhn⸗ er Sünder ſam. nfang war t, welches d zufällig. eder Tage, Vineyarder — 51— Schoner war erſt zur Hälfte gefüllt, und die günſtige Jahres⸗ zeit nahte raſch ihrem Ende. Roswell war ganz reiſefertig und begann bei dem Gedan⸗ ken an die nicht vorgeſehenen Gefahren, welchen er und ſeine Mannſchaft nun bloßgeſtellt wurden, ſeine Geduld ein wenig zu verlieren. Mittlerweile, oder volle drei Wochen nach dem Unfalle, welchen Daggett getroffen, war dieſer ſo weit wieder herge⸗ ſtellt, daß er ſich mit Hilfe von Krücken ein wenig bewegen konnte,— eine große Wohlthat für einen Mann, welcher ſtets an Bewegung gewöhnt war, und nun ſo lange ſein Lager nicht verlaſſen hatte. Er konnte ſich, freilich noch langſam und bei großer Sorgfalt, bis zu dem Abſatze hinarbeiten, welcher ſich terraſſenartig zwei hundert Schritte unter dem Hauſe hinzog. Hier fand er an dem Sonntagmorgen, gerade drei Wochen nach dem unſeligen Beſuche des Berges, Roswell. Sie nahmen auf einem Felsſtücke Platz und beſprachen ihre gegen⸗ ſeitigen Ausſichten und die Lage ihrer Schiffe und Mannſchaften. Stephan war, wie gewöhnlich, bei ſeinem Capitän. „Ich glaube, Stimſon hatte recht, als er in mich drang, den Leuten ihren Sabbat zu gönnen,“ bemerkte Gardiner, indem er auf die verſchiedenen Gruppen blickte, wo die Leute beſchäftigt waren, ſich zu waſchen und zu reinigen.—„Nach einer kurzen Ruhe beginnen ſie ihre Arbeit mit neuer Kraft und mit freudigerem Muthe.“ „Ja, der Sabbat iſt ein großes Vorrecht, beſonders für die, welche am Strande ſind,“ verſetzte Daggett,„zur See lege ich keinen großen Werth darauf, ein Schiff muß vorwärts treiben, Sonntags wie Feiertags.“ „Glaubt mir, Capitän Daggett, in dem großen Logbuch 9 droben legt man gleichen Werth auf den Tag, ſei der Menſch„Ich nun auf dem blauen Waſſer oder nicht,“ ſiel Stephan ein, Khih. b der ſtets das Vorrecht hatte, ſeine Anſichten über ähnliche nod nnan „-—. 8 d Dinge laut werden zu laſſen.„Der Herr iſt Gott auf der mas e — 4„ ſeid Herr See, wie auf dem Lande. Pratt ſt Es entſtand eine Pauſe— denn der feierliche Ton und die ratt ſi Oyſter⸗. augenfällige Biederkeit des Sprechenden verfehlten ihren Ein⸗ ſonſt ſoll druck nicht auf die beiden Capitäne, ſo wenig ſie auch über 85 ſe 3 Dinge dieſer Art gründlich nachzudenken gewohnt waren. Hiegehne U Roswell nahm darauf das Geſpräch wieder auf und wen⸗ auch ſeir dete es einem Gegenſtande zu, welcher ihn ſeit mehreren Tagen 3 ſehr ernſtlich beſchäftigte. ſchwieg „Ich wünſche mit Euch, Capitän Daggett, über unſere männlich Ausſichten und Hoffnungen zu ſprechen,“ ſagte er,„mein i Schoner iſt voll, wie Ihr wißt. Wir könnten nicht mehr radſchaft 1 4.. Es iſt ei thun, wenn wir noch einen Sommer hier blieben. Ihr habt„. faſt zur Hälfte gefüllt und wenig Ausſicht, dieſen Sommer keue b ein volles Schiff zu bekommen. Macy's Metzelei unter den Schiff 4 Robben hat Euch wenigſtens um einen Monat zurückgeſetzt, ciffshe und wir werden die Thiere täglich ſeltner und ſcheuer werden gensit, ſehen. Die Tag⸗ und Nachtgleiche iſt nicht mehr fern, und ben ger, dann werden wir, wie Ihr wißt, ſtets weniger Sonne haben, Waſſere⸗ ſo wenig, daß ſie uns faſt gar nicht von Nutzen iſt. Wir 1 brauchen das Tageslicht, um durch das Eis zu kommen, und nicht, 6 es liegen wohl hundert gute Stunden zwiſchen uns und dem 4„3 klaren Waſſer, ſelbſt wenn wir morgen unſere Nückreiſe antre⸗ erroͤthen ten. Bedenkt, wie ernſt es um uns ſtünde, würden wir in 3ine e einer ſo hohen Breite, und nachdem die Sonne uns verlaſſen, iſt hütſ . 3 1474 hier eingeſchloſſen! und wa n Logbuch er Menſch phan ein, r ähnliche t auf der 8n und die ihren Ein⸗ auch über daren. und wen⸗ eren Tagen ber unſere er,„mein nicht mehr Ihr habt n Sommer unter den urückgeſetzt, uer werden fern, und une haben, n iſt. Wir mmen, und s und dem rreiſe antre⸗ rden wir in s verlaſſen, — 53— „Ich verſteh' Euch, Gar'ner,“ erwiederte der Andere ruhig, obgleich ſein Gehaben eher auf eine Art erzwungener Ergebung deutete, als auf eine herzliche Einſtimmung in das, was Roswell ihm, wie er glaubte, vorſchlagen wollte.—„Ihr ſeid Herr Eures Schiffes, und wahrſcheinlich würde Decan Pratt ſich ſehr freuen, Euch zwiſchen Shelter⸗Inſel und Oyſter⸗Pond einlaufen zu ſehen. Ich bin leider ein Krüppel, ſonſt ſollte das Vineyarder Schiff Euch nicht viele Meilen ſpiegelwärts folgen.“ Roswell fühlte das Unpaſſende dieſer Bemerkung, aber auch ſein Stolz war verwundet. Er biß ſich in die Lippe, ſchwieg einen Augenblick, und ſagte dann ſehr beſtimmt, aber männlich und nachſichtsvoll: „Ich will Euch ſagen, wie es ſteht, Daggett,— Kame⸗ radſchaft iſt Kameradſchaft, und die Flagge iſt die Flagge⸗ Es iſt eines jeden Nankee⸗Seemannes Pflicht, an den„Strei⸗ fen“ feſtzuhalten, und ich bin gewiß ſo bereit, wie jeder Andere, in dieſer Hinſicht meiner Pflicht zu genügen, mein Schiffsherr rechnet aber ſtreng und genau, und ich bin ſehr geneigt, zu glauben, er bekümmere ſich um dieſe Art Gefühle weniger, als wir Beide. Der Decan war nie in blauem Waſſer.“ „Ich glaub' es wohl. Er hat eine reizende Tochter— nicht, Gar'ner?“ „Ihr meint ſeine Nichte, denk' ich,“ verſetzte Roswell erröthend.„Der Decan iſt, ſoviel ich weiß, ſtets kinderlos geweſen. Mary Pratt iſt ſeine Nichte.“ „Es iſt ziemlich gleichgiltig, Nichte oder Tochter, ſie iſt hübſch, und wird, höre ich, reich ſein. Nun, ich bin arm, und was mehr iſt, ein Krüppel.“ — 51— Roswell hätte den Vineyarder zerſchmettern mögen, denn er verſtand dieſe Anſpielung hinreichend, er hatte aber Selbſt⸗ beherrſchung genug, um nichts von dem zur Schau zu ſtellen, was in ſeinem Innern vorging. Es iſt ſtets leichter, auf das Herz eines edlen, großmü⸗ thigen Mannes zu wirken, als ihn durch Gewalt oder Furcht leiten zu wollen. Roswell hatte nie daran gedacht, Daggett in dieſer Jahreszeit und in dieſer Breite zu verlaſſen, und er mochte jetzt noch weniger daran denken, da er ſah, daß man ſeinem Thun einen falſchen Beweggrund unterſchieben könnte. „Ihr habt doch gewiß nicht im Sinne, den Winter hier zubringen zu wollen, Capitän Daggett?“ ſagte er nach einer kurzen Pauſe. „Gewiß nicht, wenn ich es vermeiden kann. Aber der Schoner kann nicht nach Vineyard zurückkehren, ehe ſein Naum voll iſt. In einem ſolchen Falle würden wir ſelbſt der Weiber Spott abgeben. Thut was, dem Decan Pratt gegenüber, Eure Pflicht iſt, Gar'ner, und laßt mich hier fertig werden, ſo gut es gehen will. In vierzehn Tagen werde ich wieder ein wenig gehen können, und in vier Mochen höoffe ich geſund genug zu ſein, um die Robbenjagd ſelbſt leiten und regeln zu fönnen. Macy wird ſich, wenn ich anweſend bin, zu mäßigen wiſſen.“ „Vier Wochen? Wer nach vier Wochen hier bleibt, mag ſich ſtets darauf gefaßt machen, daß er acht Monate hier bleiben muß, wenn er überhaupt dieſe Inſeln je wieder verläßt.“ „Ein ſpäter Aufbruch iſt beſſer, als ein halb leeres Schiff. Wenn Ihr nach Oyſter⸗Pond kommt, werdet Ihr, hoffe ich erzählen, Eine ſtand Ro „Hö mit entſe Tage hie dann we wolle. Mann it „G eines S rechten 2 ſehung einen ſo mehr, a kommen, „J deren 3 verſäum „Uebere daraus „C Gleiche, haben. noch zu Dieß i und ick ſteuern. ſein, he gen, denn er Selbſt⸗ zu ſtellen, großmü⸗ her Furcht Daggett ſſen, und ſah, daß terſchieben iinter hier nach einer Aber der ehe ſein wir ſelbſt ran Pratt hier fertig werde ich n hoffe ich leiten und beſend bin, ier bleibt, hſt Monate je wieder alb leeres derdet Ihr, — 55— hoffe ich, einige Zeilen nach Vineyard ſchicken und Alles erzählen, was uns betrifft.“ Eine neue, lange, faſt athemloſe Pauſe ſolgte, und dann ſtand Roswell's Entſchluß feſt.“ 6 „Hört, was ich für Euch thun will, Daggett,“ ſagte er mit entſchloſſener, feſter Stimme.„Ich will noch zwanzig Tage hier bleiben und Euch helfen, Eure Ladung einzuthun, dann werde ich abreiſen, ſtehe es mit Eurer Fracht, wie es wolle. Dieß heißt ſolange hier weilen, als ein umſichtiger Mann in einer ſo hohen Breite weilen darf.“ „Gebt mir Eure Hand, Gar'ner. Ich wußte, daß Ihr eines Seemannes Herz in Euch habt, und daß es in dem rechten Augenblicke laut werden würde. Ich hoffe, die Vor⸗ ſehung begünſtigt uns, es iſt in der That ſchade, daß wir einen ſo ſchönen Tag, wie der heutige iſt, verlieren, um ſo mehr, als die Thiere wieder, faſt wie früher, auf die Klippen kommen, um ſich zu ſonnen.“ „Ihr werdet keine große Hilfe von jener Vorſehung, deren Ihr eben erwähnt habt, erwarten dürfen, wenn Ihr verſäumt, den Sabbat zu heiligen,“ ſagte Stimſon ernſt. „Uebereilt nichts, und Ihr werdet ſehen, daß Euch Gutes daraus erwächſt.“ „Er hat recht,“ ſagte Roswell,„denn er rieth mir das Gleiche, und ich habe es nicht bereut, ſeinen Rath befolgt zu haben. Unſere Uebereinkunft iſt alſo getroffen. Ich bleibe noch zwanzig Tage hier und helfe Euch den Schoner füllen. Dieß wird uns der Tag⸗ und Nachtgleiche nahe bringen, und ich werde dann, ſo raſch ich kann, nach nordwärts ſteuern. Bis dahin werdet Ihr auch wieder völlig dienſtfähig ſein, hoff' ich.“ — 56— So war man zu einer Art Abſchluß gekommen. Roswell fühlte, daß er mehr zugeſtanden hatte, als er hätte thun ſollen, aber das Gefühl guter Kameradſchaft war in ihm thätig, und er wollte auch nicht den Schein haben, als könne er einen Gefährten in ſo ſchwieriger Lage verlaſſen. Dennoch war unſer Held durchaus nicht ungewiß darüber, daß er gegen einen Nebenbuhler freundlich handle, auch konnte er ſich des Argwohns nicht erwehren, Daggett wünſche ihn im Auge zu behalten, bis er der kleinen Inſel ſeinen Beſuch abgeſtattet. Roswell's Entſchluß war jedoch gefaßt. Er wollte die zwanzig Tage ausdauern und die Abreiſe der Vineyarder aus allen ſeinen Kräften fördern helfen. Die Robbenjagd wurde jetzt mit mehr Umſicht und Ord⸗ nung fortgeſetzt, als ſie unter Macy's Aufſicht betrieben worden war. Man ging wieder mit der frühern Vorſicht zu Werke und demgemäß ſchritt auch die Arbeit vor. So oft Gardiner des Abends in das Haus zurückfam, hatte er einen guten Bericht zu erſtatten, und jenes eigenthümliche Blinzeln des Auges, welches Daggett's große Theilnahme an dem Berufe andeutete, zeigte ſich wieder in dem Geſichte des Vineyarders, — ein ſicherer Beweis, daß er ſich ſeinem alten Gedanken⸗ und Gefühlsgange raſch wieder zuwendete. Daggett war nie glücklicher, als wenn er erzählen hörte, wie ein alter Elephant oder Löwe gefallen war, oder wie eine Anzahl Pelzrobben dem Muthe und der Geſchicklichkeit ſeiner Leute unterlegen waren. Was Roswell betraf, ſo blieb er ſeinem Verſprechen treu und widmete ſich dem Geſchäfte mit Eifer und Erfolg, aber ſein Auge war auch ſtets jenen Zeichen zugewendet, welche das Fortſchreiten der Jahreszeit andeuten, Ba beachtete Eisberg ihren R Blick de nach N Halbkug ſo weni Di beganne Jahres kommen zenwuch rauher zeit ſich aber ſa Stunde M ziemlich durch 2 brochen denn a und da nahen. D. Polarkr Worte unſere und C So wo Roswell tte thun in ihm ls könne Dennoch daß er onnte er e ihn im Beſuch ollte die rder aus ind Ord⸗ n worden zu Werke Gardiner en guten zzeln des a Berufe eyarders, zedanken⸗ en hörte, wie eine eit ſeiner rſprechen Erfolg, gewendet, — 57— Bald erforſchte er das Meer nach Norden hin und beachtete die kleinere Zahl und die geringere Ausdehnung der Eisberge,— Beweiſe, daß der Sommer und die Wellen an ihren Rippen thätig geweſen waren. Dann wendete ſich ſein Blick der Sonne zu, welche täglich tiefer ging und ſich raſch nach Norden wendete, als hätte ſie die größte Eile, eine Halbkugel zu verlaſſen, welche ihrem wohlthuenden Charakter ſo wenig entſprach. Die Nächte, welche in jenen Gegenden ſtets kühl ſind, begannen froſtig zu werden, und die Zeichen des ſcheidenden Jahres, welche unter gemäßigten Himmelsſtrichen ſo ſpät kommen, fingen an, ſich hier fühlbar zu machen. Der Pflan⸗ zenwuchs war hier ſo ſelten, und zumal ſo magerer und rauher Art, daß in dieſer Hinſicht der Fortſchritt der Jahres⸗ zeit ſich nicht augenfällig kund that, in jeder andern Beziehung aber fah Roswell mit ſteigendem Mißbehagen, daß die ſpäteſte Stunde ſeiner Abreiſe raſch heranzog. Mittlerweile ging die Robbenjagd fort, und zwar mit ziemlichem Erfolge, obgleich die goldenen Tage des Geſchäftes durch Macy's Unbeſonnenheit und Ungehorſam ernſtlich unter⸗ brochen worden waren. Die Mannſchaft arbeitete tüchtig, denn auch ſie ſah die lange Nacht des ſüdlichen Polarkreiſes und damit alle Gefahren eines zu langen Aufenthaltes heran⸗ nahen. Da wir häufig Veranlaſſung nahmen, von dem ſüdlichen Polarkreiſe zu ſprechen, wollen wir hier einige erläuternde Worte einſchalten. Es ſoll damit nicht geſagt ſein, als ſeien unſere Robbenjäger wirklich in jenen Gürtel ewigen Schnee's und Eiſes eingedrungen, ſondern an näherungsweiſe. So weit unſere Kenntniß reicht, ſind wenige Seefahrer ſo — 58— weit ſüdlich gekommen. Wilkes kam allerdings ſo weit, und unter den neueſten Forſchern ſind Andere eben ſo unter⸗ nehmend und glücklich geweſen. Die von Gardiner beſuchte Gruppe lag jener Linie, welche die ſüdliche kalte Zone begrenzt, ſehr nahe, wir ſind jedoch nicht im Stande, die genaue Länge und Breite anzugeben. Bis zu dieſer Stunde iſt dieſe Angabe ein Privateigenthum, und in dieſem Jahrhundert des Anti⸗ Rentismus und anderer verwegener Eingriffe in lange geltende und heilig gehaltene Rechte erachten wir es nicht für paſſend, gegen die Anſprüche Einzelner Partei zu nehmen und der rohen Gewaltthätigkeit der Maſſe Vorſchub zu leiſten. Wer es Roswell nachthun will, muß die Inſeln durch kühnes Wagniß finden, wie er ſie erreichte, denn wir müſſen über dieſe Frage unſerm Verſprechen treu bleiben und ſchweigen, Es reicht daher hin, wenn wir die Nähe des ſüdlichen Polar⸗ kreiſes als den Punkt nennen, wo die Gruppe liegt, ein wenig nördlicher oder ſüdlicher, thut nichts zur Sache. Da dieſe See allgemein die Südſee genannt wird, folgen wir dieſem Beiſpiele und verſtehen darunter die nächſten Gewäſſer, welche innerhalb und außerhalb des Polarkreiſes liegen. Roswell Gardiner war herzlich froh, als ſeine zwanzig Tage vorüber waren. Der März war jetzt weit vorge⸗ ſchritten und die langen Nächte, kamen heran. Das Vine⸗ yarder Schiff war nicht voll und Daggett konnte noch nicht ohne Krücke gehen, Gardiner gab aber an dem Abend des vorletzten Tages ſeiner Mannſchaft Befehl, die Robbenjagd einzuſtellen und Anſtalten zur Rückreiſe in die Heimath zu treffen. „Ihr ſcheint entſchloſſen zu ſein, Gar'ner,“ ſagte Daggett in einem kläglichen Tone, als hoffte er ſtets noch, ſeinen Gefäht eine W bereits lichten folgt Breite Sprun kriechen bleibt Ich u hier e dieſe manch verlän durch umher zurück die R Spree klug 4 daß faſt it, und unter⸗ beſuchte egrenzt, e Länge Angabe s Anti⸗ geltende paſſend, und der 1. Wer kühnes ſen über zweigen, Polar⸗ n wenig da dieſe rdieſem „welche zwanzig vorge⸗ 3 Vine⸗ öch nicht end des bbenjagd nath zu Daggett ſeinen — 59— Gefährten zu längerm Bleiben bereden zu können.„Noch eine Woche und das Schiff könnte ſeine Ladung haben.“ „Keinen Tag mehr,“ lautete die Autwort.„Ich bin bereits zu lange geblieben und werde morgen früh die Anker lichten. Wenn ich Euch rathen darf, Capitän Daggett, ſo folgt Ihr meinem Beiſpiele. Der Winter kommt in dieſer Breite ziemlich, wie bei uns der Frühling— mit einem Sprunge. Ich habe nicht Luſt, auf dem Eiſe herum zu kriechen, wenn die Tage kürzer ſind als die Nächte.“ „Alles ſehr wahr, Capitän Gar'ner, Alles ſehr wahr, es iſt aber jammervoll, mit einem halbleeren Schiffe nach Haus zu ſteuern.“— „Ihr habt einen großen Vorrath von Lebensmitteln, bleibt in der Nähe der Falſe Banks und fangt Wallfiſche. Ich werde dort lieber einen Monat bei Euch ausharren, als hier einen Tag.“ 3 „Ihr erſchreckt mich, indem Ihr von der Gruppe auf dieſe Weiſe ſprecht. Ich bin überzeugt, daß die Bai noch manche Woche von Eis klar bleibt.“ „Es iſt möglich, es iſt ſelbſt wahrſcheinlich. Aber dieß verlängert die Tage nicht und führt uns nicht ungefährdet durch die Felder und Berge von Eis, welche dort im Norden umhertreiben. Wir haben in dieſer Richtung hundert Stunden zurückzulegen, und darauf lege ich mehr Werth, als auf alle die Robben, welche hier auf den Inſeln zurück bleiben. Das Sprechen iſt jedoch nutzlos, ich reiſe morgen ab, wenn Ihr klug ſeid, begleitet Ihr mich.“ Damit war die Sache abgethan. Daggett ſah wohl ein, daß ohne Roswell's und ſeiner Leute Beiſtand das Bleiben faſt nutzlos wäre, denn er konnte Macy nicht mehr als — 60— Führer der Robbenjäger brauchen. Der Mann war in einem gereizten Zuſtand, und mehr als einmal hatte er in der letzten Zeit ſcharfe Verweiſe hören müſſen. Es war daher nothwendig, daß die Seelöwen beiſammen blieben. Demgemäß ergingen die erforderlichen Befehle und„luſtig nach Hauſe!“ lief es jetzt von Mund zu Mund. Dieſer fröhliche Gedanke:„die Heimath,“ in welchem ſich Alles vereinigt, was in dieſem Leben beglückt, wenn man den Umfang der chriſtlichen Pflichten und Tugenden ausnimmt, erfüllt jedes Herz mit eigenthümlichem Schauer, mit ſeligem Entzücken. Der Seemann, den Wind und Wetter umher⸗ treiben, der Krieger, welcher der Ermüdung unterliegt, der Wanderer, deſſen Füße ſchmerzen, der Abenteurer, welcher in fremden Ländern Unterkommen oder Genuß ſucht,— ſie Alle fühlen ihr Herz raſcher ſchlagen, wenn der Ruf erklingt: „der Heimath zu!“ Nie wurde ein Schiff raſcher für die See bereit gemacht, als es hier der Fall war. Der Seelöwe von Oyſter⸗Pond war ſeit vierzehn Tagen ſegelfertig, die Vineyarder aber hatten noch viel zu beſchaffen, da ſie aber mit dem beſten Willen an das Werk gingen, wurde die Arbeit leicht und raſch vollbracht „Wir wollen das Haus für die, welche nach uns hierher kommen, ſtehen laſſen,“ ſagte Roswell, als man die letzten Gegenſtände, welche dem Schoner gehörten, herausgebracht hatte.„Der Decan hat uns ſo voll Holz gepfropft, daß ich bei meiner vollen Befrachtung nun faſt verſucht bin, die Hälfte davon über Bord zu werfen. Laßt Alles ſtehen, Hayard,— Bänfke, Planken und Alles, denn wir haben keinen Raum für dieſe Dinge. Selbſt dieſes Holz“— er deutete auf m. hatte, „muß viellei wir E laufen / worte hafen kann Gege „Für einla Inſel dieſe Seen nung des unbe zu ſe oft l Bai das ſo ſ in Geg n einem in der r daher „luſtig hem ſich nan den snimmt, ſeligem umher⸗ egt, der llcher in ſie Alle erklingt: gemacht, r⸗Pond er aber m beſten cht und hierher ee letzten gebracht daß ich din, die ſtehen, en keinen deutete — 61— auf mehrere Klafter Holz, welche man an das Land gebracht hatte, um Raum für die Felle und Fäſſer zu gewinnen— „muß unſeren Nachfolgern überlaſſen bleiben. Wer weiß, vielleicht braucht es einer von uns Beiden, Daggett, denn wir Seeleute wiſſen nie, in welchen Hafen wir zunächſt ein⸗ laufen.“ 1 „Ich hoffe, es iſt der alte Sag⸗Hafen, Herr,“ ant⸗ wortete Hayard freudig,„denn obgleich es kein großer See⸗ hafen iſt, liegt er doch der Heimath von uns Allen nah und kann als eine Art Aus⸗ und Eingangsthor für die ganze Gegend gelten.“ „Eine Seitenthür im beſten Falle,“ verſetzte Roswell. „Für Euch wird es wohl der nächſte Hafen ſein, in den wir einlaufen, ich aber werde den Schoner ſogleich hinter Shelter⸗ Inſel führen und an des Decans Werft vor Anker legen.“ Welche Bilder der Vergangenheit und Zukunft weckten dieſe wenigen ſcherzhaften Worte in der Seele des jungen Seemannes! Er glaubte Mary in der Vorhalle der Woh⸗ nung ihres Oheims ſtehen zu ſehen, wie ſie der Annäherung des Schoners entgegen ſchaute und gedankenvoll auf die noch unbeſtimmten Umriſſe derer blickte, welche auf ſeinem Decke zu ſehen waren. Mary hatte dieß oft in ihren Träumen gethau, oft und oft hatte ſie die weißen Segel des Seelöwen über Gardiner's Bai treiben und in Peconic eintreten ſehen, und oft hatte ſie das ſonnenbraune Geſicht deſſen erblickt, der ihre Gedanken ſo ſehr beſchäftigte, den ſie ſo innig in ihr Gebet einſchloß, in den geheimnißvollen Bildern des Schlafes trat ihr der Gegenſtand lebhaft entgegen, welcher ihr wachend ſo theuer war. und wo war Mary Pratt an dem Tage und zu der — 62— 2 Stunde, wo Roswell ſeine letzten Befehle auf der Robben⸗ Inſel gab? Womit beſchäftigte ſie ſich und was dachte ſie? Der Unterſchied in der geographiſchen Länge zwiſchen der Gruppe und Montauk war ſo unbedeutend, daß man die Stunde faſt die nämliche nennen konnte. Die fünf Grade Unterſchied brachten kaum eine Abweichung von zwanzig Minuten hervor. Mehr als dieß dürfen wir nicht ſagen, es iſt aber völlig hinreichend, um dem Seefahrer einen ziem lich ſichern Wink über die Lage der Gruppe zu geben. Da ein Längegrad an den Polarkreiſen weniger als acht und zwanzig geographiſche Meilen mißt, haben wir den Leſer, ſo weit es ſich von dem Längegrad handelt, bis auf eine Tagereiſe von der Inſel geführt, und dieß muß ihm genügen, wie neugierig er auch ſein mag. Und wo war alſo Mary Pratt? Geſund, wohlbehalten und ziemlich glücklich in dem Hauſe ihres Oheims, wo ſie ſeit ihrer Kindheit faſt ihre ganze Zeit hingebracht hatte. Die Freundinnen von Seeleuten haben in dem Berufe ſelbſt ſtets ergiebige Quellen der Unbehaglichkeit, Mary hatte aber keinen andern Grund zu einer ſolchen Unruhe als den, der von einer ſo langen Reiſe und der See, welcher Roswell zuſteuerte, unzertrennlich war. Sie wußte recht gut, daß die Zeit gekommen war, wo man ſeiner Rückkehr entgegen ſehen durfte, und da die Hoff⸗ nung ein aufregendes, trügeriſches Gefühl iſt, glaubte ſie, er könne nun nicht mehr fern ſein. Ein Geſpräch jedoch, welches an demſelben Tage, ja, in derſelben Stunde zwiſchen ihr und ihrem Oheim ſtattfand, wird ihre Anſichten und Hoffnungen am Beſten erläutern. „Es iſt ſehr auffallend, Mary,“ begann der Oheim, „daß Man fern troſtl bedac ämte mitbt Nach heit Robl muß hinte lich? „Da lang Mor ihr ſein ſagt Weſ und über Nobben⸗ hte ſie? hen der nan die Grade zwanzig gen, es ziem lich Da ein zwanzig weit es eiſe von ugierig behalten ſie ſeit e. Die bſt ſtets keinen en einer ſteuerte, ar, wo ie Hoff⸗ ſie, er ge, ja, attfand, ern. Oheim, 63— „daß Gar'ner nicht ſchreibt. Wenn er nur ahnte, wie einem Manne zu Muth iſt, der ſeine Habe zehn tauſend Meilen fern weiß, würde er gewiß ſchreiben und mich nicht in ſo troſtloſer Ungewißheit laſſen.“ „Durch wen ſoll er ſchreiben, Oheim?“ fragte die bedachtſamere und unſichtigere Nichte.„Es gibt keine Poſt⸗ ämter in der Südſee, und der Reiſenden, welche die Briefe mitbringen konnten, möchte es nicht viele geben.“ „Er hat aber doch einmal geſchrieben, und vortreffliche Nachrichten ſchickte er uns in jenem Briefe.“ „Er ſchrieb uns von Rio, denn er hatte dort die Gelegen⸗ heit dazu. Nach meiner Berechnung hat Roswell ſeinen Robbejagd⸗Bezirk vor drei oder vier Wochen verlaſſen und muß nun eben ſo viel tauſend Meilen auf ſeinem Rückwege hinter ſich haben.“ „Glaubſt Du dieß, Mädchen? Glaubſt Du dieß wirk⸗ lich?“ rief der Decan und ſeine Augen funkelten vor Freude. „Das wäre eine gute Nachricht, und wenn er ſich nicht lange unterwegs aufhält, könnten wir ihn längſtens in drei Monaten hier ſehen.“ Mary lächelte vor ſich hin und eine höhere Glut überflog ihr ſchönes Geſicht. „Es iſt nicht wahrſcheinlich, Oheim, daß Roswell auf ſeinem Wege nach Oyſter⸗Pond ſich irgendwo aufhalten laſſe,“ ſagte ſie ſehr ernſt. „Es würde mir leid ſein, wenn er dieß nicht thäte. Weſtindien iſt vielleicht der lohnendſte Theil ſeiner Reiſe, und ich hoffe, er iſt der Maun nicht, der ſeine Befehle überſieht.“ — 61— „Wird Roswell ſich in Weſtindien aufhalten müſſen, Oheim?“ „Gewiß, wenn er ſeinen Befehlen nachkommt, und ich glaube, der junge Mann thut das. Aber ſein Geſchäft wird ihn nicht lange dort feſthalten,“— Mary's Antlitz erheiterte ſich wieder bei dieſer Bemerkung,—„und wenn Du recht gerechnet haſt, können wir nach drei Monaten ſeiner Ankunft dennoch entgegen ſehen.“ Mary ſchwieg einige Minuten, aber ihr reizendes Geſicht glänzte von innigem Entzücken, das aber durch die nächſte Bemerkung ihres Oheims ein wenig getrübt wurde. Wenn Gar'ner glücklich zurückkommt, Mary,“ fragte der Decan,„glücklich in jeder Hinſicht, glücklich in der Robben⸗ jagd und glücklich in jenem andern Auftrage,— ich meine das weſtindiſche Geſchäft,— aber glücklich in Allem, wie ich jeden Tag zum Himmel flehe, dann möchte ich wohl wiſſen, ob Du ihn nehmen willſt? ſtets vorausgeſetzt, daß er ſelbſt unverändert zurückkommt.“ „Unverändert? Dann werde ich nie ſein Weib werden,“ antwortete Mary mit bebender Stimme, aber ernſt und ent⸗ ſchloſſen. Der Decan blickte ſie erſtaunt an, denn er hatte ſtets nur einen Grund begriffen, warum die elternloſe, arme Mary die Hand Roswell Gardiner's ſo hartnäckig ausſchlagen könne, und dieſer Grund war ſeine Armuth. Nun liebte der Decan Mary mehr, als er ſelbſt wußte, aber er konnte ſich nie entſchließen, ſie zur Erbin ſeines Ver⸗ mögens zu machen. Der Gedanke, von ſeiner Habe überhaupt zu ſcheiden, war ihm zu peinlich, als daß es ihm eingefallen wäre, ein Teſtament zu machen, und ohne ein ſolches gab es Leute nicht ihn z den f auf ſchrie ſtand ſehr ſehen kehrt würd dert nehn War Sch muß und förd Ma ſchif dem „3 Ger müſſen, und ich äft wird erheiterte Du recht Ankunft Geſicht nächſte agte der Robben⸗ ch meine em, wie ch wohl „daß er verden,“ und ent⸗ tte ſtets , arme zſchlagen t wußte, nes Ver⸗ berhaupt ngefallen 3 gab es — 65— Leute, welche ihren Antheil an dem Nachlaſſe anzuſprechen nicht abgeneigt waren. Der Decan wußte dieß Alles ſehr gut, und es beunruhigte ihn zuweilen, beſonders ſeit er ſeine Kräfte allmählich ſchwin⸗ den fühlte. Er war einmal ſogar ſo weit gegangen, daß er auf ein Blatt Papier„in dem Namen Gottes, Amen!“ ſchrieb, allein die Anſtrengung war zu groß für ihn, und er ſtand von ſeinem Vorhaben ab. Demungeachtet liebte Decan Pratt ſeine Nichte und war ſehr geneigt, in ihr die Gattin des„jungen Gar'ner's“ zu ſehen, beſonders wenn er„glücklich“ von ſeiner Reiſe zurück⸗ kehrte. „Unverändert!“ wiederholte der Oheim langſam;„Du würdeſt ihn gewiß nicht heirathen mögen, wenn er ſich geän⸗ dert hätte?“ „Ich meine dieß nicht in dem Sinne, in welchem Ihr es nehmt, Oheim. Wir wollen aber jetzt nicht davon ſprechen. Warum ſollte Roswell ſich in Weſtindien aufhalten? Unſere Schiffe pflegen dort nicht anzulegen.“ „Ganz richtig. Wenn Gar'ner dort vor Anker geht, muß dieß allerdings einen ſehr ungewöhnlichen Grund haben, und zwar einen Grund, der unſer Aller Glück mächtig fördern kann, das deinige, ſowie das ſeinige und meinige, Mary.“ „Ich hoffe, Robbenfänger geben ſich nie mit der Ver⸗ ſchiffung von Selaven ab, Oheim?“ rief das Mädchen mit dem Ausdrucke reger Beſorguiß auf ihrem lieblichen Geſichte. „Ich wollte lieber arm leben und arm ſterben, als damit das Geringſte zu ſchaffen haben.“ „Ich ſehe kein ſo großes Unrecht in dieſem Handel 250— 252. 5 — 66— Mädchen, aber Roswell's Auftrag in Weſtindien iſt nicht dieſer Art. Es iſt ein großes Geheimniß, warum er dort anlegt, und ich darf Dir vorherſagen, daß Du ihn heirathen wirſt, Kind, wenn er ihn ausrichtet und glücklich dabei iſt.“ Mary gab keine Antwort. Sie wußte recht gut, daß Roswell einen Fürſprecher in ihrem Herzen hatte, welcher ihm Tag und Nacht das Wort redete, aber ihr Entſchluß ſtand feſt, ſich nicht mit einem Manne, wie theuer er ihr auch ſei, zu verbinden, welcher, mit ſeinem ſchwachen Begriffe von dem Weſen der Vermittelung zwiſchen Gott und dem Menſchen, der einfachſten Sprache der Offenbarung, ſowie dem herrſchenden Glauben der Kirche, wie derſelbe ſich ſeit der erſten chriſtlichen Zeit bis auf unſere Jahre ſich fort⸗ gepflanzt, in Widerſpruch trat. Viertes Kapitel. O armes Kind, du der Gefahr, geſäugt Vom Sturm, der deine jungen Kräfte beugt; Unbänd’ge Winde, Felſenbänke ſtellen Sich dir entgegen und die Wuth der Wellen; Dein Herz iſt traurig; dir erglänzt kein Stern Und deine Heimath iſt ſo fern, ſo fern! Campbell. Es ging gegen Mittag, als die beiden Seelöwen in dem⸗ ſelben Augenblicke ihre Segel öffneten und ſich zum Abſchiede von dem Robbenfänger⸗Lande anſchickten. Die Mannſchaften waren an Bord, alle Gegenſtände, für die man Raum hatte, eingeſchifft, und nichts blieb mehr, das von der früheren — Anweſ als d welche und worder T vorder der C math Befehl obgleie nomm Pratt und e nehm ſagen: Eleph Robbe klar. ſie ſch Wind trat aus d iſt nicht er dort eirathen ei iſt.“ it, daß welcher ntſchluß er ihr Begriffe nd dem , ſowie ſich ſeit ch fort⸗ t beugt; Vellen; n Stern npbell. in dem⸗ bſchiede ſchaften hatte, küheren — 67— Auweſenheit menſchlicher Weſen auf dieſer öden Inſel zeugte, als das verlaſſene Haus und drei bis vier Klafter Holz, welches auf Shelter⸗Inſel und Martha's Vineyard gewachſen, und nun den Klippen des ſüdlichen Polarkreiſes überlaſſen worden war. Die Schoten der Obenſegel waren angeholt, die ſchweren vorderen und hinteren Schönfahrtſegel aufgegeigt worden, und der Geſang der Leute klang heiter und belebend.„Der Hei⸗ math zu!“ tönte in jedem Liede, in jeder Bewegung, in jedem Befehle wider. Daggett war auf ſeinem Deck und hatte, obgleich noch an ſeinem Fuße leidend, den Oberbefehl über⸗ nommen, während Roswell überall zu ſein ſchien. Mary Pratt ſtand dieſen ganzen Morgen vor ſeinem geiſtigen Auge, und es fiel ihm auch nicht ein einziges Mal ein, wie ange⸗ nehm es ſein würde, vor ihren Oheim zu treten und ihm zu ſagen:„Hier, Decan, iſt Euer Schoner mit einer guten Ladung Elephanten⸗Thran, und gut ausgepropft mit den feinſten Robbenfellen.“ Das Schiff von Oyſter⸗Pond war zuerſt des Grundes klar. Die Kühlte war in dieſer Bucht kaum merklich, denn ſie ſchien gar nicht in dieſen Raum zu dringen, aber es war Wind genug da, um mit dem Schoner abzufallen, und er trat unter ſeinem großen Segel, Vormarsſegel und Klüver aus dem Felſenbecken heraus. Der Wind wehte aus Südweſt— dem Nordweſter jener Halbkugel,— er war friſch und auf der andern Seite der Inſel ziemlich laut. Nachdem Roswell einen Strich von einer kleinen Meile in die Bai gemacht hatte, legte er ſein Vormarsſegel flach back, holte ſeine Klüverſchoten über und drückte das Steuer 5*½ — 63— ſtark nieder, um den andern Schoner herauskommen zu laſſen 3 D und mit ihm weiter zu gehen. lich v Nach einer Viertelſtunde war Daggett auf Anrufweite völlige herangekommen. ſein J „Nun, Gar'ner,“ rief der Letztere,„Ihr ſeht, daß ich ſtärker recht hatte; Wind genug hier außen, und weiter vom Land N ab noch mehr. Wir dürfen nur in jene Eisberge hineintreten, als de ſo lang es hell iſt, einen klaren Raum aufſuchen und während nach e der Nacht beilegen. Es wird kaum thunlich ſein, in der der G Dunkelheit durch ſo viel Eis zu laufen.“ von ze „Ich wollte, wir wären früher herausgetreten und 8 hätten bei hellem Tage eine gute Stecke zurückgelegt,“ Alles antwortete Roswell.„Nach meiner Anſicht hätten zehn tig w⸗ Stunden bei dieſem Winde uns dem klaren Waſſer weit ent⸗ von gegengeführt.“ der un „Es war nicht möglich, früher auszulaufen. Ich hatte i 2 noch ſo Vieles in das Schiff zu ſchaffen, und es dauerte lange, ein ei bis Alles an Bord kam. Kommt, laßt uns die Segel füllen wiß, und entlang laufen. Nun wir unterwegs ſind, bin ich eben vor de ſo ſehr beeilt, wie Ihr.“ Wind Roswell zeigte ſich bereitwillig, und die beiden Schoner der Y hielten ab und blieben ziemlich nahe beiſammen, da ſie glat⸗ zu Ta tes Waſſer hatten und in Folge der ſchirmenden Felſen und S der Luv⸗Stellung der Inſel eine Art gemäßigter Kühlte fühl⸗ minde ten. Der Curs war einer Stelle leewärts zugerichtet, wo ſich haft, die weiteſte Oeffnung im Eiſe zeigte, und wo man eine Waſ⸗ laſſen ſerſtraße nach Norden zu finden hoffte. richtig Je weiter die beiden Schiffe von dem Lande abtraten, man deſto mehr fühlten ſie die Gewalt des Windes und deſto 1 raſcher liefen ſie entlang. unmit u laſſen rufweite daß ich m Land utreten, vährend in der en und gelegt,“ n zehn deit ent⸗ ch hatte e lange, l füllen ich eben Schoner ſie glat— ſen und te fühl⸗ wo ſich e Waſ⸗ btraten, d deſto 8 — 69— Daggett fand bald, daß er gegen ſeinen Genoſſen ziem⸗ lich viel Leinwand entbehren könne, eine Folge ſeiner nicht völligen Ladung, er nahm daher ſeinen Obenſegel ein, obgleich ſein Maſt, während er faſt vor dem Winde lief, einen viel ſtärkeren Zug ausgehalten hätte. Nach der Uebereinkunft der beiden Capitäne ſollte Daggett als der ältere Seemann vorausgehen. Er that dieß, und nach einer Stunde waren beide Schiffe aus der großen Bai, der Gruppe völlig klar und liefen mit einer Geſchwindigkeit von zehn Knoten in der Stunde nach Nordoſten ab. Wie ſie von dem Lande abtraten, erhob ſich die See und Alles deutete auf einen Sturm, obgleich dieſer nicht ſehr hef⸗ tig war. Die Nacht kam heran und eine alpengleiche Kette von Eisbergen glühte nordwärts in den ſchrägen Strahlen der untergehenden Sonne. Weit um die Schiffe her war das Waſſer klar und nicht ein einziges Eisſchoß war zu ſehen. Daggett war jetzt unge⸗ wiß, ob er fortſteuern oder beilegen und die Nacht windwärts vor den Bergen verbringen ſollte. Die Zeit war koſtbar, der Wind günſtig, der Himmel klar, und gegen neun Uhr mußte der Mond ſich zeigen, und man konnte hoffen, er würde bis zu Tagesanbruch über dem Horizonte bleiben. Dieß war eine Seite des Bildes. Die andere bot eine minder erfreuliche Anſicht dar. Das Klima war ſo launen⸗ haft, daß man ſich auf die Klarheit des Himmels nicht ver⸗ laſſen konnte, beſonders bei einem ſtarken Südweſtwinde, oder richtiger, einer kleinen Kühlte, und jeden Augenblick konnte man in dieſer Hinſicht einem Wechſel entgegen ſehen. Ueberdieß war es gewiß, daß man nahe, wenn nicht unmittelbar um die erhabenen, bergähnlichen Maſſen, welche — 70— zwanzig Meilen nach leewärts einer großen Flotte nicht unähnlich umhertrieben, auf Schoſſe und Stücke von Eisber⸗ gen ſtoßen würde. Unſere beiden Capitäne, ſo wie alle an Bord der beiden Schoner, ſahen ein, daß die prachtvolle Reihe von Eis⸗ Inſeln, welche vor ihnen lag, unter dem Einfluſſe von Strö⸗ mungen ſtand, die ſich nicht immer leicht erklären laſſen. Der klare Raum mußte demſelben Grunde beigemeſſen werden, obgleich kaum zu bezweifeln war, daß der Wind, welcher nun ſeit vollen acht und vierzig Stunden aus Süden blies, dazu beigetragen hatte, die Eisflotte nordwärts zu treiben. In Folge aller dieſer Umſtände, mußten Eisſchoſſe in der Nähe der Berge ſein und man wußte, daß Hinderniſſe dieſer Art ſehr bedrohlich waren. Es nahm den ganzen Muth eines Seemanns in Anſpruch, wenn er ſich bei der untergehenden Sonne in Gefahren, wie wir ſie eben geſchildert haben, wagen wollte. Daggett that es jedoch, und Roswell Gardiner folgte in der Entfernung einer Kabellänge derſelben Bewegung. Als die letzten Strahlen des Tages verglommen, hängte jeder der Schoner, um eine Trennung zu verhüten, an dem untern Raagenarme eine Laterne aus. Bis jetzt war man jedoch noch auf keine Schwierigkeit geſtoßen, denn die alpen⸗ gleiche Kette war noch volle zwei Stunden leewärts. Dieſe zwei Stunden mußten in der Dunkelheit zurückgelegt werden, und Daggett nahm Segel ein, um das Eis nicht zu erreichen, ehe der Mond aufging. Er hatte das Tageslicht, ſo lange es blieb, benützt, um eine Stelle aufzuſuchen, wo er es wagen durfte, in die Eis⸗ berge einzutreten, allein ohne großen Erfolg. Er ſah, daß die C Folge geſchl mußt und folgte ſinſter ohne barg Scho Rost um Schi gewö Man mehr den dieß kein dazu Sche nach und hera Him Him erha e nicht Eisber⸗ r beiden 8n Eis⸗ n Strö⸗ en. Der werden, her nun 3, dazu foſſe in nderniſſe nſpruch, en, wie ett that tfernung hängte an dem ar man e alpen⸗ Dieſe werden, rreichen, ützt, um die Eis⸗ ah, daß — 1—= die Oeffnung, welche ihn angezogen hatte, jetzt entweder in Folge der Abtrifft, oder der geänderten Stellung der Schiffe geſchloſſen ſchien, und gab dieſes Vorhaben auf. Man mußte bis auf einen gewiſſen Grad dem Glücke vertrauen, und ſo lief er weiter, während Roswell ihm ſtets ganz nahe folgte. Die erſten Stunden dieſer begebnißreichen Nacht waren finſter. Demungeachtet hielt Daggett auf die Eisberge an, ohne eine andere Vorſicht zu brauchen, als daß er Segel barg und einen ſcharfen Ausguck hielt. Alle fünf Minuteu ward von der Schanze der beiden Schoner der Ruf laut:„Tüchtig ausgeguckt!“ Daggett und Roswell hätten denn ſelbſt auf dem Vordereaſtell ſein müſſen, um perſönlich auszuſchauen. Niemand an Bord der beiden Schiffe dachte an Schlaf. Die Wacht war, wie es zur See gewöhnlich iſt, aufgerufen worden, und die eine Hälfte der Mannſchaft konnte„einkehren“ und die Ruhe ſuchen. Was mehr war, dieſe kleinen, nur halb aufgetakelten Schiffe wur⸗ den von einer einzigen Wache ganz tüchtig gehandhabt, und dieß um ſo leichter, da die Obenſegel jetzt herein waren. Aber kein einziger Mann verließ das Deck. Die Beſorgniß war dazu zu groß, denn der unerfahrenſte Matroſe in den beiden Schonern fühlte, daß die nächſten vier und zwanzig Stunden nach aller Wahrſcheinlichkeit über das Schickſal der Schiffe und ihrer Bemannung entſcheiden würden. Die Unruhe Daggett's und Gardiner's ſtieg, als die Zeit herankam, wo der Mond aufgehen mußte, ohne daß dieſer Himmelskörper ſich zeigte. Da und dort trieben Wolken am Himmel hin, aber die Sterne funkelten, wie gewöhnlich, in erhabener Pracht. Es war nicht ſo dunkel, daß man nicht ——j— —— W Gegenſtände ſelbſt auf eine ziemliche Entfernung hätte ſehen können, und es ward der Mannſchaft der Schoner nicht ſchwer, die zerriſſenen Umriſſe der ſchwimmenden Bergkette deutlich zu ſehen. Die Alpen hätten dem Auge keine ſchärfer gezeichneten, phantaſtiſcher geformten Umriſſe darbieten können. Wenn die Eisberge zuerſt von ihren urſprünglichen „Ankerplätzen“ abtreiben, ſind ihre Formen gewöhnlich ziem⸗ lich regelmäßig und ihre Gipfel bilden eine Art Tafelland; aber die Strahlen der Sonne, das Anſpülen der Wellen, vor allem aber die Gewalt der Waſeerſtröme, welche aus den Eisſchlünden herausbrechen, vernichten dieſe Regelmäßigkeit der Geſtalt bald. Ein ausgezeichneter Seefahrer unſrer Zeit hat das Ausſehen dieſer Berge, wenn ſie ihre regelmäßige Geſtalt verloren haben und die phantaſtiſchen Umriſſe, welche ſtets folgen, anzunehmen beginnen, mit einer verlaſſenen, aus dem reinſten Alabaſter aufgebauten Stadt, deren Gebäude der Sturm der Zeit zertrümmert, und mit ihren zahlloſen, unbe⸗ völkerten Straßen, Gaſſen und Gäßchen verglichen. Alle Reiſende, welche eine ſolche Scene geſehen haben, ſtimmen darin überein, daß ſie eine der merkwürdigſten ſei, welche von der verſchwenderiſchen Hand der Natur komme. Gegen neun Uhr begannen Nebeldünſte über die See zu treiben und die Dunkelheit zu vermehren. Dieß machte Dag⸗ gett doppelt vorſichtig, er holte dicht gegen den Wind auf und hielt ſtark nach Weſten ab, um nicht in die Eisberge hin⸗ einzulaufen. Roswell folgte natürlich dieſer Bewegung, und als der Mond ſeine erſten milden Strahlen über dieſe außer⸗ ordentliche Scene ergoß, ſtampften die beiden Schoner in einer ſchweren See und ſtanden weniger als eine Meile von der Luvſeite der Bergkette. ſchwi vor i nen, Dieſe her b und währ lichen aufge einan übert jedem Dagt und der die S fällig welch entzü lebha und nahe man bedien zertri Boge te ſehen ſchwer, tlich zu chneten, nlichen h ziem⸗ felland; Wellen, nus den äßigkeit ter Zeit mäßige welche en, aus ude der unbe⸗ Alle timmen che von See zu e Dag⸗ nd auf ge hin⸗ g, und außer⸗ n einer on der — 73— Es war bald augenfällig, daß Schoſſe oder Eisfelder die ſchwimmenden Berge begleiteten, und ſich ſo weit ſüdwärts vor ihnen ausdehnten, daß ſie bereits in einer unwillkomme⸗ nen, wenn nicht gefährlichen Nähe der zwei Schiffe trieben. Dieſe Schoſſe waren jedoch denen unähnlich, welchen ſie frü⸗ her begegneten, durch das Anſpühlen der Wellen ſehr gebrochen und hatten ſelten mehr als eine Viertelmeile im Durchmeſſer, während tauſende derſelben nicht größer waren, als die gewöhn⸗ lichen Schollen in unſeren größeren Flüſſen, wenn das Eis aufgeht. Das Geräuſch, welches ſie machten, indem ſie gegen⸗ einander ſtießen, und das ſelbſt das Brüllen des Sturmes übertönte, gab zuerſt Kunde von ihrer bedrohlichen Nähe. Die Unbehaglichkeit unſerer beiden Capitäne wuchs mit jedem Augenblicke. Es zeigte ſich bald nur zu deutlich, daß Daggett zu verwegen geweſen und ohne die nöthige Vorſicht und Behutſamkeit gegen das Eis angelaufen war. Wie der Mond ſicher an dem Horizonte empor ſtieg, wurden die Schwierigkeiten leewärts von Minute zu Minute augen⸗ fälliger. Nichts hätte prachtvoller ſein können, als die Scene, welche ſich dem Auge der Seelente darbot, nichts würde ein entzückenderes Gemälde abgegeben haben, wäre ſich nicht jeder lebhaft bewußt geweſen, welcher Gefahr die beiden Schoner und Alle an ihrem Bord preißgegeben waren, indem ſie ſo nahe und windwärts von einer ſolchen Eisküſte ſtanden, wenn man ſich bei ſchwimmenden Körpern eines ſolchen Ausdrucks bedienen darf. Bei dieſem Mondlichte hatte man Wilke's Gemälde einer zertrümmerten Alabaſterſtadt ganz vor Augen. Da waren Bogen jeder Größe und Geſtalt; zahlloſe Zinnen, Thürme, — — 14— ſelbſt Säulen und Statuen. Dazu kamen lange Linien ſenk⸗ rechter Mauern, welche Feſtungen, Spitzthürmen, Tempeln u. ſ. w. glichen. Kurz, ſelbſt die Alpen mit all ihrer eigenthümlichen Erhabenheit bieten keinen Anblick dar, wel⸗ cher wegen ſeiner Aehnlichkeit mit den Arbeiten der Menſchen, und wegen der ſchönen Durchſichtigkeit des Materials ſo merkwürdig iſt. Man hat die Gletſcher oft und ſehr paſſend mit einem gefrorenen Meere verglichen, hier aber ſah man gefrorene Berge, in allen Formen und Geſtalten der Kunſt ausgehauen, freilich nicht mit dem Meißel, ſondern in Folge der Wirkung der ewigen Geſetze, welche ſie erzeugten. Vielleicht war Roswell Gardiner in dieſer Nacht der Einzige an Bord der beiden Schiffe, welcher die ganze außer⸗ ordentliche Pracht dieſes Gemäldes lebendig fühlte. Bis auf einen gewiſſen Grad mochte auch Stephan eine Ausnahme von der Regel machen, obgleich er die Hand Gottes faſt überall ſah. „Es iſt ein wunderbarer Anblick, Capitän Gar'ner, nicht wahr?“ ſagte dieſer würdige Seemann, als der Mond die Scene zu erleuchten begann,„wunderbar in der That, wenn wir nicht wüßten, von wem all dieß herrührt.“ Dieſe wenigen, einfachen Worte machten auf Roswell einen erheiternden Eindruck und halfen ſein Vertrauen auf ein mögliches Gelingen ſteigern. Von Gott rührt Alles mittelbar oder unmittelbar her, dieß konnten ſelbſt ſeine zweifleriſchen Anſichten zugeſtehen, und was von der gött⸗ lichen Weisheit herrührte, mußte zum Guten führen. Er wollte Muth faſſen und einmal in ſeinem Leben der Vor⸗ ſehung vertrauen. Ein ſolcher Entſchluß muß den Muth des entſchloſſenſten Mannes erhöhen. Sie etwa Es inmi friſch des und Lee Folg Bew groß der gege lang eine faſt unar Waſ die feuch näch In die ihre Eisl giſch mäß n ſenk⸗ empeln ihrer „ wel⸗ unſchen, als ſo paſſend h man Kunſt Folge cht der außer⸗ Zis auf znahme es faſt c, nicht ond die wenn doswell en auf Alles ſeine r gött⸗ n. Er r Vor⸗ uth des — 75— Die Stürme der Südſee ſollen heftig, aber kurz ſein. Sie dauern ſelten ſechs und dreißig Stunden an und blaſen etwa den dritten Theil dieſer Zeit mit dem größten Ungeſtüm. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß ein Sturm die Gefahren inmitten des Eiſes bedeutend vermehren muß, obgleich eine friſche Bö oder eine ſteife Kühlte vielleicht viel zur Sicherung des Schiffes beiträgt, indem man es dann unter Schollen und Schoſſen leichter handhaben kann. Wenn das Eis eine Lee zu bilden vermag, ſo iſt glattes Waſſer zuweilen eine Folge davon, obgleich es ſich öfter ereignet, daß die unruhige Bewegung, welche in klarem Waſſer entſteht, ſich über einen großen Raum ausdehnt, ſo daß die Felder und Berge unter der furchtbaren Gewalt der Wellen knarrend und knirſchend gegen einander ſtürzen. Unſere Schoner liefen jedoch noch in offenem Waſſer ent⸗ lang, wo die Winde weit und ungehindert dahin fegten, und eine See hatte ſich erhoben, welche die zwei kleinen Schiffe faſt bis zu ihrem Dollbord begrub. Was ihre Lage noch unangenehmer machte, war der Umſtand, daß jetzt alles Waſſer, das an Bord kam, alsbald gefror. Daran waren die Leute jedoch bereits gewöhnt, denn häufig waren die feuchten Theile, welche Nebel und Dünſte während der Herbſt⸗ nächte auf Spieren und Takelage abſetzten, zu Eis geworden. In der That haben Naturforſcher die Behauptung aufgeſtellt, die Eisberge ſelbſt entſtünden auf dieſe Weiſe, obgleich Schnee ihren vorzüglichſten Beſtandtheil ausmacht. Dieß gibt den Eisbergen ihr ſchichtenartiges Ausſehen, denn keine geolo⸗ giſche Bildung iſt in dieſer Hinſicht hervorſtechender und regel⸗ mäßiger, als dieſe ſchwimmenden Berge. Um zehn Uhr ſtand der Mond ziemlich hoch über dem ———— — — — 76— Geſichtskreiſe, der Nebel hatte ſich in Thauform auf das Eis geſtürzt, war gefroren und hatte die fortſchreitende Auflöſung hemmen helfen, während das Meer ziemlich hell ward und die Gegenſtände deutlicher hervortraten. Jetzt erſt trat den Seeleuten das Bedenkliche ihrer Lage klar entgegen. Der Kühne iſt im Dunkeln leicht ſorglos, wenn er aber die Gefahr vor ſich ſieht, wird ſein Gehaben umſichtiger und zweckgemäßer, als das des Furchtſamen. Als Daggett zuerſt die ungeheueren Eisſchoſſen zu Geſicht bekam, welche, von dem unruhigen Meer aufgeregt, knirſchend gegen einander brachen und ein Rauſchen gleich dem der Brandung an Felſengeſtaden, nur weiter lauter und mit einem dumpfen Getöſe, welches darthat, daß nicht Waſſer, ſondern ein feſterer Körper anſchlug, zu ſeinem Ohre drang, befahl er faſt inſtinetmäßig, alles Tuch, das noch los war, back zu legen und die Naſe des Schoners ſo nahe, als ſein Bau es erlaubte, an den Wind zu bringen. Roswell bemerkte den Wechſel in der Segellinie ſeines Gefährten, ſo unbedeutend derſelbe auch war, und folgte dem Beiſpiele. Die See war viel zu ſchwer, als daß man an ein Vieren hätte denken dürfen, auch fehlte es an Raum zu einer ſolchen Bewegung. So nahe waren bereits einige der Schoſſen, welche man als die Nachzügler des großen Heeres anſehen konnte, daß beide Schiffe durch die vorſpringenden Seiten der⸗ ſelben leichte Stöße gefühlt hatten. Es war ſichtbar, daß die Schiffe in das Eis eintraten, und daß Daggett nicht einen Augenblick zu früh ſeinen Wind angeholt hatte. Die nun folgende halbe Stunde war von mächtigem Intereſſe. Sie entſchied über die Frage, ob die Schoner, um der Gefahr zu entgehen, hinreichend Kraft hätten, in den —,— Win Sto geſch nach viere auch nied unte und keine Hint gehe in d hört ehe Dag Dur daro Sche war wele ſich, finde Sche das und 6 Eis öſung d und Lage rglos, ihaben Geſicht ſchend m der einem ondern ahl er ack zu gau es ſeines te dem an ein einer poſſen, nſehen n der⸗ aß die einen htigem r, um n den —— Wind zu treten oder nicht. Schoß folgte auf Schoß, Stoß auf Stoß, bis der Curs nach vornen plötzlich durch Eisfelder geſchloſſen ſchien, welche ſich, ſo weit das Auge reichen konnte, nach Süden ausdehnten. Es blieb keine Wahl mehr übrig, man mußte ſuchen zu vieren. Daggett ſah kaum, wie die Dinge ſtanden, als er auch ſchon befahl, das Steuer zu heben und die große Gaffel niederzulaſſen. In dieſem Augenblicke waren beide Schoner unter ihren Klüvern und Fockſegeln, beide ohne Bonnetten und unter doppelt eingerefften großen Segeln. Dieß war keine ſehr günſtige Leinwand, um zu vieren, da zu viel Hinterſegel vorhanden waren, die Schoten wurden jedoch gut gehandhabt, und beide Schiffe trieben nun ganz nach leewärts in die Giſcht einer breiten Welle, im nächſten Augenblicke hörte man das Eis die Seiten entlang knirſchen. Es war nicht möglich, auf der andern Seite aufzuholen, ehe die Schoner von Schoſſen umgeben waren, und da Daggett nicht weit nach vornen eine vergleichsweiſe ofſene Durchfahrt bemerkte, hielt er, von Roswell dicht gefolgt, kühn darauf ab. Nach zehn Minuten ſtanden ſie eine volle Meile in den Schoſſen und jeder Verſuch, nach windwärts herauszukommen, war hoffnungslos. Daggett hatte ſeine Bewegung unter Umſtänden begonnen, welche kaum eine andere Wahl ubrig ließen, und es fragte ſich, ob man überhaupt ein beſſeres Auskunftsmittel hätte finden können. Die Schoner waren jetzt ſo weit in die Schoſſen getreten, daß die Wellen ſich weniger brachen, wenn das Wogen des unruhigen Meeres auch ſtets noch bedeutend und das Knirſchen des Eiſes in der That ſchrecklich war. Das Getöſe, welches dieſer ſtete, heftige Anprall verurſachte, war ſo laut, daß man das Brüllen des Windes nur in einzelnen Zwiſchenräumen hörte. Es war ein Sauſen, wie das der niederbrechenden Lawinen, von einem Gekrache begleitet, das dem plötzlichen Zerreißen eines Gletiſchers glich. Die Schoner nahmen jetzt ihre Fockſegel ein, ſowohl um ihre Geſchwindigkeit zu mindern, als auch um beſſer im Stande zu ſein, ihren Curs zu ändern, wenn ſich Gefahr nach vornen zeigen ſollte. Dieſer Wechſel mußte natürlich öfter wiederholt werden, allein durch Kühnheit, Ausdauer und Geſchicklichkeit gelang es Daggett, in die erwähnte offene Waſſerſtraße einzulaufen. Es war eine Art Strom inmitten der Schoſſen, welcher ohne Zweifel von einer der unerklär⸗ lichen Strömungen herrührte, eine volle Viertelmeite breit, ſo gerade wie eine in der Luft gezogene Linie und ziemlich lang war, wie lang, konnte bei dem Mondlichte nicht genau beſtimmt werden. Dieſe Waſſerſtraße führte jedoch unmittelbar auf die Eis⸗ berge nieder, welche jetzt weniger als eine Meile fern ſtanden. Daggett hielt ſich nicht mit weiteren Nachforſchungen auf, ſondern ließ, mit Roswell dicht an ſeiner Seite, entlang ſteuern. Nach zehn Minuten kamen ſie jener wilden, pracht⸗ vollen Trümmerſtadt von Alabaſter, welche in der Südſee umherſchwamm, ganz nahe. Trotz der drohenden Gefahr, in welcher jetzt die beiden Schoner ſchwebten, war es unmöglich, ſich dieſer großartigen Naturſcene ohne Gefühle der Bewunderung und des Schreckens zumal zu nähern. Bangen laſtete ohne Frage auf jeder Bruſt, aber dieſem Gefühle geſellte ſich in der Seele jedes Seemannes Neugierde, Staunen, ſelbſt Entzücken zu. trug dring 6 in die einzel wie l oder voll nenne warer hatter loße 1 waren das 4 Die 6. hätte, und e gegen hatte, T bedeut fingen tungen und ü A den L Gefah Da da ſachte, ur in „ wie gleitet, hl um ſer im Gefahr türlich sdauer offene mitten erklär⸗ eit, ſo h lang genau e Eis⸗ anden. n auf, utlang pracht⸗ Südſee beiden artigen reckens f jeder 2 jedes — 79— Wie die Schiffe in die Mitte der Eisberge niedertrieben, trug Alles dazu bei, dieſe Bewegung in jedem Sinne ein⸗ dringlich, in einem furchtbar zu machen. Dort lag das ungeheuere Labyrinth ſchwimmender Berge, in dieſer Stunde faſt überall von geſpenſtiſchem Weiß, obgleich einzelne Maſſen gefälligere Farben zeigten, andere ſchwarz wie die Nacht waren. Die Einſchnitte zwiſchen den Bergen oder das, was man die Straßen und Gaſſen dieſer geheimniß⸗ voll ausſehenden, phantaſtiſchen und doch erhabenen Seeſtadt nennen könnte, waren zahlreich und von jeder Größe. Einige waren breite, gerade Zugänge, die eine Stunde in der Länge hatten, andere ſchmal und gewunden, da und dort waren loße Einſchnitte, welche als Gäßchen gelten konnten. Als die Schoner faſt eine Stunde innerhalb der Berge waren, fühlten ſie die Gewalt des Sturmes weit weniger und das Heben und Sinken der Wellen verminderte ſich merklich. Die Eisſchoſſen waren, was man kaum zu erwarten gewagt hätte, in den Waſſerſtraßen der Berge gänzlich verſchwunden, und es ſtellte ſich der Schiffahrt nur die Schwierigkeit ent⸗ gegen, daß man nicht wußte, welcher Kanal einen Ausgang hatte, und welcher vom Eiſe verſchloſſen war. Die Segelgeſchwindigkeit der beiden Schoner wurde nicht bedeutend gemindert, da die Berge den Wind gewöhnlich fingen, obgleich man dieſen dann und wann in den Klüf⸗ tungen heulen und toben hörte, als habe er Eile zu entkommen und über die offenere See zu fegen. Auch das Krachen und Knirſchen des Eiſes tönte mit den Luftſtrömungen nieder und deutete furchtbar auf die Gefahren hin, welche in nicht großer Entfernung drohten. Da das Waſeer jetzt ziemlich glatt und der Wind da, wo er ——— 80 nicht aus einer oder der andern Schlucht herüber brauſte, leicht war, konnten die Schoner ſich ohne Gefahr einander nähern. Dieß geſchah, und die beiden Capitäne beſprachen ſich über ihre jetzige Lage. „Ihr ſeid ein kühner Burſche, Daggett, und ich würde Euch nicht gern auf einer Reiſe um die Welt folgen,“ begann Roswell.„Wir ſind nun hier inmitten einiger hundert Eis⸗ berge,— ein prachtvoller Anblick, ich muß es geſtehen, wer⸗ den wir aber je wieder herauskommen?“ „Es iſt viel beſſer, daß wir hier ſind, Gar'ner, als dort drüben unter den Schoſſen,“ erwiederte der Andere.„Ich fürchte ſtets für mein Steuer und meinen Spiegel, wenn ich unter den Eisfeldern bin, während es hier herum keine Gefahr gibt, welche man nicht ſehen könnte, ehe ſie das Schiff bedroht. Wenn ich meine Augen brauchen kann, fühle ich ſtets, daß noch Hoffnung für mich da iſt.“ „Dieß iſt ziemlich wahr, dennoch wünſchte ich, dieſe Waſſerſtraßen wären ein wenig breiter, als ſie ſind. Man kann einen Eisberg eben ſo gut fühlen, als ſehen. Wenn es zweien dieſer Burſche einfallen ſollte, aneinander zu treten, wären unſere kleinen Schiffe zermalmt wie Nüſſe in dem Knacker.“ „Deßwegen müſſen wir ſorgfältigen Ausguck halten. Hier vor uns ſcheint ein langes Stück offenen Waſſers zu ſein, auch läuft es ſo ſtracks nach nordwärts, als wir nur immer wünſchen können. Wenn wir nur das andere Ende deſſelben erreichen, dürfte mir zu Muth ſein, als hätte ich die halbe Reiſe nach Amerika hinter mir.“ Die Bürger der Vereinigten Staaten nennen das Land vorzugsweiſe„Amerika,“ ſtatt zu ſagen„Nord⸗Amerika,“ ——— wie verſta öſtlich tha's kein Meile „Nich zu ſch mir a das( nicht ſelbſt Weite der W was Gar' 8 holte ein ſi von alle Erdbe Viele ſenkre gleich 4 — 81— brauſte, wie dieß die meiſten Europäer zu thun pflegen. Daggett inander f verſtand daher unter ſeinem Amerika die„Heimath,“ das prachen öſtliche Ende von Long⸗Island, Gardiner's Inſel und Mar⸗ tha's Vineyard. Roswell verſtand ihn natürlich und verlor ) würde kein Wort über dieſe Aeußerung. begann„Nach meiner Anſicht werden uns die erſten tauſend ert Eis⸗ Meilen nicht aus dieſem Eiſe bringen,“ verſetzte Gardiner. n, wer⸗„Nicht als erwartete ich, ſtets in einer ſolchen wilden Scene zu ſchiffen, wie wir ſie dieſe Nacht um uns ſehen, Ihr könnt als dort mir aber glauben, Daggett, daß nach einem ſolchen Sommer „Ich das Eis bis zum fünf und vierzigſten Grade nördlich, wenn venn ich nicht noch einige Grade weiter, treiben wird.“ Gefahr„Es iſt möglich, im zwei und vierzigſten habe ich es bedroht. ſelbſt geſehen, und nördlich vom Aequator bis zum vierzigſten. ts, daß Weiter als zum fünfzigſten wird es jedoch in dieſem Theile . der Welt ſchwerlich reichen. Das wird im Vergleiche mit dem, h, dieſe was wir hier ſehen, Kinderſpiel ſein— um Gottes willen, . Man Gar'ner, was war das?“ Wenn Auf keinem der Schiffe ließ ſich eine Stimme hören, man u treten, holte kaum Athem. Einem ſchweren, ächzenden Schalle war in dem ein ſolcher Sturz in das Waſſer gefolgt, als wäre ein Stück von einem andern Planeten hineingeſtürzt. Dann begannen n. Hier alle Eisberge ringsum zu wanken, als erſchüttere ſie ein zu ſein, Erdbeben. r immer Dieſer Theil des Gemäldes war großartig und furchtbar. deſſelben Viele dieſer Maſſen hoben ſich mehr als zwei hundert Fuß die halbe ſenkrecht über die Oberfläche des Waſſers und ließen mauern⸗ gleiche Flächen von der Länge einer halben Stunde ſehen. das Land Da wo die Schoner in dieſem ſchrecklichen Augenblicke merika,“ ſtanden, waren die Eisinſeln nicht ſo breit, aber ganz ſo hoch 250— 252. 6 ——y—— — und folglich leichter in Bewegung zu ſetzen. Während das ganze Rundgemälde wankte und wogte, und die Zinnen, Mauern, Bogen und Alles von Grund aus zu ſchwanken ſchienen, kam eine Woge reißend die Waſſerſtraße nieder, hob die Schoner wenigſtens fünfzig Fuß in die Höhe und warf ſie dann wie Kork volle hundert Schritte rückwärts. Andere Wellen, obgleich nicht ſo hoch und gewaltig, folgten, dann wurde das Waſſer allmählich wieder ſo ruhig wie vorher. „Das war ein Erdbeben,“ rief Daggett.„Jener Vulkan hat ſich ohne Zweifel Luft gemacht und das Gas hat die Felſen unter der See geſprengt.“ „Nein, nein,“ antwortete Stimſon vom Vordereaſtell ſeines Schoners,„das iſt's nicht, Capitän Daggett. Einer jener Berge iſt übergeſtürzt, wie ein Wallfiſch, der ſich über⸗ ſchlägt, und dieß hat die anderen Berge erſchüttert.“ Dieß war die richtige Erklärung, und nur ein ſo erfahrener Robbenjäger konnte auf dieſen Gedanken kommen. Es iſt jedoch ein Begebniß, das auf dem Eiſe nicht ſelten vorkommt, und gegen welches man ſich zu wahren hat. Wenn die Eisberge ſich in Folge der Fröſte oder auch der Sonnenwärme von ihren urſprünglichen„Ankerplätzen“ löſen, gleichen ſie, wie geſagt, dem Tafelland und haben regelmäßige Umriſſe, dieſe Geſtalt verliert ſich jedoch durch die Einwirkung der Wellen auf Eis von ſehr verſchiedenen Graden der Feſtigkeit, denn ein Theil beſteht aus gefrornem Schnee, ein anderer aus der Feuchtigkeit, welche ſich in Nebelform aus der Luft niederſchlägt, und ein anderer aus reinem gefrornem Waſſer. Der erſte ſchmilzt am früheſten, und ein Berg, welcher eine Zeit lang mit einer und derſelben Seite den Strahlen der Sonne bloßgeſtellt, dahin treibt, ver⸗ liert Zuletz und d im w⸗ ( ſtürze, Gefol Erſche Seefa ſich in halb fläche gewiß getöſe und f ihre 2 der ei Als ſchlug Wirkr einen merkn L dem l Unrul Scene annel rung, nd das Zinnen, zwanken der, hob d warf Andere „ dann her. Vulkan hat die dereaſtell Einer iſch über⸗ ein ſo kommen. ht ſelten t. der auch plätzen“ d haben ch durch chiedenen efrornem ſich in erer aus rüheſten, derſelben eibt, ver⸗ — 83— liert bald ſein Gleichgewicht und neigt ſich dem Horizonte zu. Zuletzt kommt der Schwerpunkt außerhalb der Baſis zu liegen und die noch ungeheure Maſſe rollt in das Meer und kehrt im wörtlichen Sinne das Unterſte zu oberſt. Es gibt alle Grade und Verſchiedenheiten dieſer Eis⸗ ſtürze, wenn man ſie ſo nennen darf, und ſie haben in ihrem Gefolge die mannigfaltigen Erſchütterungen, welche dergleichen Erſcheinungen hervorzubringen pflegen. Das, was unſere Seefahrer eben in Staunen und Schrecken verſetzt hatte, begab ſich in folgender Weiſe. Eine Eismaſſe, die eine Viertelmeile lang und mehr als halb ſo breit war und ſich volle hundert Fuß über die Ober⸗ fläche des Waſſers erhob, während ſie unter dem Waſſer gewiß die doppelte Dicke hatte, war der Grund dieſes Höllen⸗ getöſes. Sie hatte ihre Umriſſe ungewöhnlich gut bewahrt und ſtand bis zu dem letzten Augenblick aufrecht, obgleich ihre Baſis in Folge der zahlloſen Schichten Schnee⸗Eiſes auf der einen Seite viel mehr geſchmolzen war, als auf der andern. Als der Augenblick kam, wo das Gleichgewicht ſich löſte, ſchlug das Ungeheuer langſam über und brachte etwa dieſelbe Wirkung hervor, wie wenn ein Bergſtück in der Schweiz in einen See ſtürzt,— ein Begebniß, von welchem ſich viele und merkwürdige Beiſpiele finden. Während Stimſon's Erklärung den Schleier von allem dem hob, was geheimnißvoll war, war ſie nicht geeignet, die Unruhe zu beſchwichtigen. Wenn ein Eisberg eine ſolche Scene hervorzurufen vermochte, konnte man vernünftigerweiſe annehmen, daß andere es auch vermöchten, und die Erſchütte⸗ rung, welche dieſer, der noch in der Ferne ſchwamm, hervor⸗ 6* —— — — — 84— gebracht hatte, ließ gewahren, was von einem andern näheren zu erwarten war, wenn ſich dieſer gleichfalls überſtürzte. Daggett und Gardiner waren der Anſicht, daß der Sturz eines Eisberges gleicher Größe innerhalb einer Kabellänge von den Schonern, dieſe im höchſten Grade gefährden könne, indem er ſie gegen eine Eiswand ſchleuderte, vielleicht gar in der Tiefe begrübe. Es war jedoch zu ſpät, um zurückzutreten, und die Schiffe liefen wacker entlang. Der Kanal zwiſchen den Eisbergen wurde jetzt ganz gerade und ziemlich breit, ihre Lage in Bezug auf die Kühlte war der Art, daß ſie dieſe in ihrer ganzen Kraft fühlten. Es ergab ſich, daß die Schoner volle drei Seemeilen in der Stunde liefen, welche dem Sturze des Eisberges folgte. In manchen Augenblicken brauſte und ſtürmte der Wind wüthend daher, und wenn man alle Einzelnheiten dieſer merkwürdigen Scene in Anſchlag bringt, dürfte der höchſte Flug der Phan⸗ taſie ſich kaum etwas Aehnliches malen, wie nur Wenige etwas Aehnliches wirklich zu ſehen hoffen dürften. Das Mondlicht, die vielen tauſendfach geſtalteten Eis⸗ berge, welche bei der großen Geſchwindigkeit der Schiffe nur vorüber zu ſchweben ſchienen, die Mannigfaltigkeit der Farben und Tinten, vom geſpenſtiſchen Weiß bis zum Gelb und Grün, das in dieſer Stunde blaß, aber doch beſtimmt hervor⸗ trat, Straßen und Gaſſen, welche ſich kaum öffneten, um ſich ſogleich wieder zu ſchließen, endlich die phantaſtiſchen Bilder, welche ſolche Gegenſtände dem Geiſte vorführten,— alles dieß trug dazu bei, dieſe Nacht zu der denkwürdigſten zu machen, welche Roswell Gardiner je erlebt hatte. Um die allgemeine Aufregung noch zu ſteigern, kamen ein paar Wallfiſche„blaſend“ die Durchfahrt herauf und nähert Es wa die me faſt un zu fan werden Lanze A Vineye raſcher ſchloß der S dieſem ſtand welcher aber d mit ſe T ſeinen ſich bo breiter gehabt J und n men z hungs Es iſt Weiſe ähnlie Wie näheren e. Sturz ellänge könne, gar in utreten, t ganz Kühlte fühlten. in der gte. In wüthend bürdigen r Phan⸗ Wenige ten Eis⸗ hiffe nur r Farben zelb und t hervor⸗ um ſich Bilder, alles dieß machen, , kamen rauf und näherten ſich dem Schoner bis auf zwei hundert Schritte. Es waren Finnſiſche, welche man ſelten zu fangen pflegt, und die man daher auch unbeläſtigt vorbeiließ. Es wäre jedoch faſt unmöglich geweſen, inmitten dieſer Berge einen Wallſiſch zu fangen, das Thier hätte denn durch die Harpune getödtet werden müſſen, ohne daß es den kühneren Stich mit der Lanze bedurfte. Als die erwähnte Stunde verlaufen war, änderte der Vineyarder Seelöwe ſeinen Curs plötzlich und holte mit einer raſchen Bewegung nach weſtwärts ab. Die Straße vor ihm ſchloß ſich, und es blieb nur ein ſichtbarer Ausweg, welchem der Schoner langſam entgegen ſteuerte, denn er hatte ihn bei dieſem ſchwachen, trügeriſchen Lichte nicht früher geſehen und ſtand jetzt faſt zu weit leewärts von ihm. Noswell aber, welcher windwärts hielt, hatte weniger Schwierigkeiten, blieb aber doch an der Seite ſeines Gefährten und weigerte ſich, mit ſeinem Schoner vorauszugehen. Die Straße, in welche es Daggett mit Mühe gelang, ſeinen Schoner zu bringen, war furchtbar ſchmal und ſchien ſich bald zu ſchließen, weiter nach vornen war ſie augenfällig breiter, wenn man nur erſt die gefahrvolle Enge hinter ſich gehabt hätte. Roswell warnte, ehe das vorangehende Schiff einlief, und machte Daggett darauf aufmerkſam, daß die Berge zuſam⸗ men zu treten ſchienen, und wahrſcheinlich in Folge der Anzie⸗ hungskraft ihre Bewegung jeden Augenblick beſchleunigten. Es iſt bekannt, daß Schiffe während der Windſtille auf dieſe Weiſe in Berührung gebracht werden und man glaubt, ein ähnlicher Einfluß mache ſich auch bei den Eisbergen geltend. Wie dem auch ſei, die Straße, in welche die Schoner nun — 86— einzutreten hatten, wurde durch den Wind, oder die Strö⸗ mung, oder die Anziehungskraft raſch geſchloſſen. Daggett war kaum in dem Kanale, als eine mächtige Maſſe von dem Gipfel eines der Eisberge ſtürzte und den Weg hinter ihm vermachte, während ſie Roswell zwang, ſein Steuer niederzudrücken, raſch zu wenden und von dem wan⸗ kenden Berge abzuhalten. Die nun folgende Soene war furchtbar. Das Geſchrei an Bord des Vineyarder Schiffes fündigte an, daß es in Gefahr war, Roswell konnte aber mit ſeinem Schoner nicht zu ihm gelangen. Das einzige, was er thun konnte, war, daß er beilegte, ein Boot in das Waſſer ließ und zu dem gefährlichen Punkte zurück ruderte. Dieß that er auch ſofort mannhaft, allein mit beſorgter Seele und bangem Herzen. Er drängte ſein Boot in eine Bogenklüftung der geſtürzten Maſſe und arbeitete ſich bis an die Seite des unglücklichen Schiffes. Dieſes war wieder, und zwar ſehr ſchlimm„eingeklemmt,“ aber nicht geradezu verloren. Die niedergeſtürzte Maſſe allein war Urſache, daß der Schoner und Alle an ſeinem Bord nicht zu Staub zermalmt wurden. Dieſer Block, der von mächtigem Umfange war, hatte ſich zwiſchen die zwei Berge eingekeilt, und da ſie nicht aneinan⸗ der treten konnten, begannen ſie ſich langſam in der Strö⸗ mung zu wenden und trennten ſich an derſelben Stelle, wo die Anziehungskraft ſie vereinigen zu wollen geſchienen hatte. Nach einer Stunde war der Weg klar und die Boote führten den Schoner im Schlepptau, den Spiegel voran, in die breitere Durchfahrt. Strö⸗ nächtige nd den g, ſein n wan⸗ Geſchrei es in er nicht , war, zu dem eſorgter in eine bis an er, und erloren. Schoner vurden. tte ſich neinan⸗ Strö⸗ lle, wo i hatte. Boote lan, in Fünftes Kapitel. Eine Stimme auf den Prairien! Es iſt eines Weibes Fleh'n; Es miſcht der Ton ſich ſanft Mit des Herbſtwinds Weh'n. Mrs. Sigournet. Der Unfall, welche den Seelöwen von Martha's Vine⸗ yard traf, ereignete ſich gegen das Ende des Märzmonates, welcher in der ſüdlichen Halbkugel unſerm September ent⸗ ſpricht. In einem ſo hohen Breitengrade war dieß eine ſpäte Jahreszeit für Schiffe, obgleich es nicht geradezu gefährlich war, noch einige Wochen ſpäter hier zu weilen. Wir haben um dieſe Zeit einen Blick auf Mary Pratt und ihren Oheim geworfen, es ſcheint aber jetzt ſachgemäß⸗ den Leſer über einen bedeutenden Zeitraum wegzuführen und uns etwa ſieben Monate ſpäter abermals nach unſerer Heldin und ihrem knickeriſchen Oheim umzuſehen. Während dieſer Zeit hatte ſich bei dem Decan und ſeiner Nichte vieles geändert und die Hoffnung war faſt von Allen geſchieden, die Freunde an Bord des Seelöwen von Oyſter⸗ Pond hatten. Wir werden den Wechſel dieſer Zuſtände kurz zu erklären bemüht ſein. Als Capitän Gardiner abreiſte, nahm man an, er werde nicht länger als ein halbes Jahr abweſend bleiben. Alle, die Freunde und Verwandte an Bord ſeines Schoners hatten, waren deſſen vergewiſſert worden, und groß war die Beſorg⸗ niß, ſchmerzlich die getäuſchte Hoffnung, als der erſte unſerer Sommermonate die Seefahrer nicht zurückführte. — 88— Da Woche um Woche verging, ohne daß das Schiff ein⸗ lief, ſteigerte ſich die Beſorgniß und die Hoffnung verwan⸗ delte ſich in Troſtloſigkeit. Decan Pratt ächzte ſchwer über ſeinen Verluſt, er vergaß ganz und gar, ſich mit dem Gewinne zu tröſten, welchen ihm der nach Haus geſendete Thran geſchaffen hatte, wie dieß faſt immer bei Geizigen der Fall zu ſein pflegt, wenn ihr Herz einmal auf ſtetem Forterwerb erpicht iſt. Was Mary betrifft, ſo nahm die Wucht, welche auf ihrem Herzen laſtete, von Tag zu Tag zu, bis das Lächeln, welches ihr liebliches Geſicht ſo oft mit unſchuldiger Freude verklärt hatte, gänzlich verſchwand. Keine Klage aber kam über ihre Lippen. Sie betete oft und fand ihren einzigen Troſt in dem gottſeligen Vertrauen auf die Vorſehung, aber ſie ſprach nicht von ihrem Grame, ſchwache Augenblicke vielleicht ausgenom⸗ men, wo ihr unleidſamer Oheim, bei ſeinen häufigen Klagen über ſeine Verluſte, den Gegenſtand zur Sprache brachte. Der September iſt an den atlantiſchen Küſten der Repu⸗ blik zuweilen ein ſtürmiſcher Monat. Schwere Stürme ſind allerdings hier ſehr ſelten, aber das Wetter iſt manche Jahre ſtreng und winterlich und die Winde blaſen laut und lärmend. An einem Orte wie Oyſter⸗Pond fühlt man friſche Kühl⸗ ten faſt eben ſo gewaltig, wie an Bord eines Schiffes zur See, und Mary gewahrte den herben Unterſchied zwiſchen den milden Sommerlüften und den ſcharfen Herbſtwinden. Was den Decan betrifft, ſo griffen Beſorgniß und Unruhe ſeine Geſundheit allgemach an und ſein Zuſtand begann bedenk⸗ lich zu werden. Die Beſchwerden des Alters ſchienen ihn früh zu überkommen und ſeine Nichte hatte Dr. Sage heim⸗ lich zu Rath gezogen. — ñ Oheit werde und keit v wie e Ange hatte ſein ander und verm hatte ganz — n zimm einen gewö den hatte überf Mar eifrig unte Anke noch iff ein⸗ erwan⸗ r über ewinne Thran Fall zu erwerb ihrem velches erklärt er ihre n dem nicht genom⸗ klagen 2. Repu⸗ e ſind nanche at und Kühl⸗ s zur iſchen 1. nruhe edenk⸗ n ihn heim⸗ — 89— Es that dem vortrefflichen Mädchen weh, den Geiſt ihres Oheims weltlicher und ſeiner Gier nach Erwerb ſtachelnder werden zu ſehen, je mehr er ſeinen Halt am Leben verlor und die Stunde näher kam, wo die Zeit ſich in der Ewig⸗ keit verliert. Mittlerweile war Decan Pratt jedoch„bei der Hand,“ wie er ſich auszudrücken pflegte, und bemühte ſich, nach ſeinen Angelegenheiten auszuſchauen, wie er es ſein Lebenlang gethan hatte. Er ſammelte ſeine Schulden ein, erklärte, wenn es ſein mußte, ſeine Pfänder für verfallen, brachte ſein Holz und andere verkäufliche Gegenſtände möglichſt theuer an den Mann und vernachläſſigte überhaupt nichts, das ſeinen Reichthum vermehren konnte. Stets aber war ſein Herz bei ſeinem Schoner, denn er hatte von dieſer Reiſe viel erwartet und die Enttäuſchung ſtand ganz im Verhältniſſe zu ſeinen früheren Hoffnungen. Eines Tages— es war gegen das Ende des Novembers — waren der Oheim und ſeine Nichte allein in dem Wohn⸗ zimmer; er, in Folge ſeiner fortſchreitenden Schwäche in einem bequemen Armſtuhle von Polſtern umgeben, und ſie wie gewöhnlich mit ihrer Nadel beſchäftigt. Beider Stühle ſtan⸗ den ſo, daß jedes die Bai, die nun ein winterliches Anſehen hatte und wo Roswell vor ſeiner Abreiſe Anker geworfen, überſchauen konnte. „Welch ein ſchöner Anblick wär’ es, Oheim,“ bemerkte Mary faſt ohne es zu wollen, als ſie mit thränenvollen Augen eifrig auf das Waſſer blickte,„wenn wir eines Morgens unter der Spitze von Gardiner's Inſel den Seelöwen vor Anker ſähen? Ich denke oft, dieß könne, nein, dieß müſſe noch eintreffen, allein ſtets wird meine Hoffnung getäuſcht. — 99— Ich wollte es Euch geſtern nicht ſagen, da Ihr mir nicht ſo wohl wie gewöhnlich zu ſein ſchient, daß ich durch den Köder⸗ Joſeph eine Antwort auf den Brief erhalten habe, welchen ich nach Vineyard ſchickte.“ Der Decan bebte zuſammen und wendete ſich halb zu ſeiner Nichte um, auf deren Antlitz er jetzt ſeine hohlen Augen mit einer faſt wilden Theilnahme heftete. Es war die Liebe zum Mammon, welche ſeine ganze Seele in Aufregung brachte. Er dachte an ſein Eigenthum, während Mary an die dachte, deren Leben durch dieſe unſelige Unternehmung gefährdet, wenn nicht verloren war. Sie verſtand jedoch den Blick, ſo daß ſie ihn in ihrer gewöhnlich freundlichen, ſanften Stimme beantwortete. „Ich muß mit Bedauern ſagen, Herr, daß von Capitän Daggett oder ſeinen Leuten keine Nachrichten eingegangen ſind,“ lautete die traurige Antwort auf die ſtumme Frage. „Niemand auf der Inſel hat eine Sylbe von dem Vineyarder Schiffe gehört, ſeit es Rio verlaſſen. Die Verwandten des Capitäns Daggett ſind dort in derſelben Ungewißheit hinſicht⸗ lich ſeines Schickſals, wie wir hier um Roswell beſorgt ſind. Sie glauben jedoch, die beiden Schiffe ſeien beiſammen geblie⸗ ben und das gleiche Schickſal habe beide getroffen.“ „Der Himmel verhüte das!“ rief der Decan ſo laut, als ſeine ſchwindende Lunge es erlaubte.„Der Himmel ver⸗ hüte das! Wenn Gar'ner eine Stunde länger, als nöthig war, bei dieſem Daggett aushielt, hat er verdient, ſchiffbrüchig zu werden, obgleich der Verluſt den Eigenthümer am ſchwer⸗ ſten trifft.“ „Es iſt gewiß ein erfreulicherer Gedanke, die beiden Schoner in jener gefahrvollen See beiſammen zu wiſſen, als ſich Einen allein und verlaſſen in jener Oede zu denken!“ zu ſe nicht irgen Gew ſagte mein welch die 7 verſt die Herr nenn ſehr gilti Du, glüc wen Maꝛ daß und Euc mach cht ſo döder⸗ elchen lb zu Augen Liebe rachte. achte, hrdet, ck, ſo timme pitän angen Frage. harder des nſicht⸗ ſind. geblie⸗ laut, l ver⸗ nöthig rüchig hwer⸗ beiden — 91— „Müßige Worte, Mädchen, wie das Frauengerede ſtets zu ſein pflegÄt. Wenn Du Alles wüßteſt, würde Dir ſo etwas nicht in den Sinn kommen.“ „Ihr habt dieß ſchon oft geſagt, Oheim, und ich fürchte, irgend ein Geheimniß laſtet ſeit langer Zeit auf Eurer Seele⸗ Gewiß, Ihr würdet Euch erleichtert fühlen, wenn Ihr mir ſagtet, was Euch beunruhigt. Ich bin Euer Kind vermöge meiner Liebe, wenn nicht durch Geburt.““ „Du biſt ein gutes Mädchen, Mary,“ verſetzte der Decan, welcher ſich durch die klagenden Töne der lieblichſten Stimme, die je an ein menſchliches Ohr geſchlagen, geſänftigt fühlte, —„ein vortreffliches Geſchöpf, von der Robbenjagd aber verſtehſt Du natürlich gar nichts, und von der Sorgfalt für die Habe ſo gut wie nichts.“ „Ihr werdet mich doch nicht für verſchwenderiſch halten, Herr? Etwas dieſer Art möchte ich mich in der That nicht nennen laſſen.“ „Verſchwenderiſch? nein! Im Gegentheil, Du biſt ſehr, ſehr ſparſam, aber was den Erwerb betrifft, ſehr, ſehr gleich⸗ giltig. Wenn ich in dieſer Hinſicht dächte und handelte wie Du, ſo würden deine künftigen Tage nicht ſo behaglich und glücklich ſein, wie ſie es nach meinem Scheiden ſein werden, wenn ich ſcheiden muß.“ „Mein künftiges Leben behaglich und glücklich?“ dachte Mary, dann bemühte ſie ſich, an dem Gedanken feſtzuhalten, daß ſie ſich den Beſchlüſſen der Vorſehung zu fügen habe, und ſagte laut:„Es würde Euer Herz erleichtern und Euch ruhiger ſtimmen, wenn Ihr mich zu Eunrer Vertrauten machtet.“ Der Decan dachte länger als fünf Minuten ſchweigend — 92— nach. Selten hatten ſeine Gedanken in einem ſo kurzen Zeit⸗ raume ein ſo weites Bereich von Begebniſſen und Intereſſen überflogen; er kam jedoch endlich zu einem klaren, beſtimmten Entſchluſſe. „Du darfſt Alles erfahren, Mary, und Du ſollſt Alles erfahren,“ antwortete er in einem Tone, welcher andeutete, daß er einen feſten Entſchluß gefaßt hatte.„Gar'ner ſtellt den Robben auf Inſeln nach, von welcher mir jener Daggett, der vor etwa anderthalb Jahren hier ſtarb, Kunde gegeben hat,— Inſeln, von denen, ſeinem Berichte nach, außer ihm Nie⸗ mand etwas wußte. Seine Schiffsgenoſſen, welche die Inſeln mit ihm beſucht hatten, waren alle todt, ehe er mir das Geheimniß anvertraute.“ „Ich habe längſt etwas dieſer Art vermuthet, Herr, auch ſchien mir Capitän Daggett's Gehaben darauf hinzudeuten, daß die Leute auf Martha's Vineyard eine Ahnung von der Sache haben.“ „Iſt es nicht wundervoll, Mädchen? Inſeln, wo, wie es hieß, ein Schoner in dem kürzeſten Sommer, in welchem die Sonne des Südpols je geſchienen hat, Felle und Thran ein⸗ nehmen kann, ſo viel er faßt! Wundervoll! wundervoll!“ „Vielleicht ſehr ungewöhnlich, wir ſollten aber nicht ver⸗ geſſen, Oheim, welche Gefahren die jungen Leute dieſes Lan⸗ des auf einer ſolchen Reiſe zu beſtehen haben und wie theuer ihr Gewinn zuweilen erkauft wird.“ „Erkauft! Wenn der Schoner nun wieder zurück wäre, würde ich an all dieß nicht denken. Die Koſten für das Schiff und ſeine Ausrüſtung, Mary, dieſe laſten ſo ſchwer auf meinem Geiſte! Nun, Gar'ner's erſtes Geſchäft führt ihn auf jene Inſeln, welche furchtbar fern liegen, wenn man Zeit⸗ ereſſen nmten Alles eutete, ſtellt aggett, egeben n Nie⸗ Inſeln r das „ auch deuten, on der wie es em die n ein⸗ 1 ht ver⸗ s Lan⸗ theuer wäre, ür das ſchwer hrt ihn n man — 93— bedenkt, wie viel man dabei wagt. Es heißt jedoch, wer Nichts wagt, gewinnt Nichts. Nach meinen Berechnungen muß der Schoner gute fünf hundert Meilen in das Eis treten, um den Platz zu erreichen,— kein Eis, wie man es, den Zei⸗ tungen zu folge, trifft, wenn man zwiſchen England und Amerika reiſt, ſondern Eis, wie wir es zuweilen in Gar'ner's Bai aufgehäuft ſehen, nur hundertmal höher, und tiefer, und breiter, und kälter! Es iſt ein verzweifelt kaltes Eis, dieſes Eis der ſüdlichen Zone. Viele glauben, es ſei kälter, als jenes nach Grönland und Island hin. Es iſt auffallend, Mary, daß das Wetter kalt wird, wenn man ſüdwärts reiſt, allen Nachrichten zufolge aber verhält es ſich ſo. Ich habe es nie begriffen und in Amerika iſt's nicht ſo, das iſt gewiß. Ich denke, es kommt daher, weil ſie die Monate verkehren und mitten in den Hundstagen ihren Winter haben. Wie geſagt, ich habe es nie begriffen, obgleich Gar'ner es mehr als einmal verſuchte, mir die Sache klar zu machen. Ich glaube, aber ich begreife nicht.“ „Es ſteht Alles in meiner Geographie hier,“ verſetzte Mary und holte mechaniſch ein Buch herab, denn ihre Gedanken ſchweiften weit in jenen Eisſeeen, welche ihr Oheim ſo anſchaulich geſchildert hatte.—„Wir werden ohne Zweifel in dem einleitenden Theile dieſes Buches Alles erklärt finden.“ „Man zieht heut zu Tage Nutzen von dieſen Geogra⸗ phien,“ ſagte der Oheim in größerer Erregung, als er dieſen Morgen noch gezeigt hatte.„Sie ſind jetzt faſt eben ſo nütz⸗ lich, wie die Kalender. Lies, was von den Jahreszeiten dort ſteht.“ „Es heißt hier, der Wechſel der Jahreszeiten komme 94 „von der Meigung der Achſe der Erde gegen die Ebene ihrer Bahn“ her. Ich verſtehe nicht recht, Oheim, was dieß heißen ſoll.“ „Nein, es iſt nicht ſo klar, als es ſein könnte. Die Abneigung—“ „Die Neigung, Herr, ſo heißt es hier.“ „Gut, Neigung. Ich ſehe nicht ein, welche Neigung man zu dem Winter haben kann, die Sache muß aber wohl ſo ſein.„Die Bahn der Erde hat eine Neigung zu dem Winter,“ ſagſt Du?“ „Der Wechſel der Jahreszeit kommt„von der Neigung der Achſe der Erde gegen die Ebene ihrer Bahn.“ Hier ſteht nichts davon, daß die Bahn irgend eine beſondere Nei⸗ gung habe.“ So verhielt es ſich mit Mary Pratt und zumal mit ihrem Oheim, dem Decan. Eine der einfachſten Fragen in der phyſiſchen Geographie war für Beide hebräiſch, weil die Befähigungen, mit welchen die Vorſehung ſie begabt hatte, ſolchen nützlichen Kenntniſſen nie zugewendet worden waren. Während aber der Geiſt dieſes edeln Weſens über dieſe ein⸗ fache und für den, welcher ihr eine Stunde Nachdenken widmen will, leicht verſtändliche Frage im Dunkeln war, erfaßte er mit wunderbarer Klarheit ein anderes Geheimniß, welches Tauſende von Gelehrten, und Ungelehrten zumal, ver⸗ wirrt hat. Für ihren Verſtand war nichts klarer, keine moraliſche Wahrheit lebendiger, keine natürliche Erſcheinung gewiſſer, als die Menſchwerdung des Sohnes Gottes. In der Fülle der göttlichen Gnade hatte ſie den Beweis deſſen, was kein Auge geſehen, und war in dieſe größte aller Lebens⸗ angelegenheiten eingeweiht, während ſie nicht einmal faſſen konnt Bahn Und des 5 Lichte Grad an 2 denker Frag nachd „abe kalter ſchön Robb ſein, geber Thie war! ganz nach Zwei ſo le punk ihrer dieß Die eigung wohl u dem eigung r ſteht 2 Nei⸗ al mit gen in eil die hatte, waren. eſe ein⸗ jdenken war, eimniß, al, ver⸗ keine einung 6. In deſſen, Lebens⸗ faſſen konnte, wie„die Hinneigung der Erdachſe zu der Fläche ihrer Bahn“ den Wechſel der Jahreszeiten herbeiführen könne. Und war es ſo mit ihrem Oheim,— mit ihm, der ein Pfeiler des Bethauſes war, deſſen man oft als eines„glänzenden Lichtes“ gedachte, und welcher in der Nachbarſchaft in einem Grade mit der Religion ſelbſt verwechſelt wurde, daß manche an Decan Pratt dachten, wenn ſie an den Erlöſer hätten denken ſollen? Wie furchtbar, er verſtand von der einen Frage ſo wenig wie von der andern. „Es iſt ſehr außerordentlich,“ begann der Decan wieder, nachdem er einige Minuten über die Sache nachgedacht hatte, „aber ich denke, es iſt ſo. Wenn dieſe Hinneigung zu dem kalten Wetter nicht wäre, könnten unſere Schiffe unter dem ſchönſten Himmel, welchen wir hier im Juni haben, nach Robben jagen. Ich glaube jedoch, Mary, dieß ſollte nicht ſein, und darum iſt es nicht.“. „Wahrſcheinlich würde es keine Robben in der Südſee geben, wenn kein Eis dort wäre. Wie ich höre, lieben dieſe Thiere die Kälte und das Eis und die gefrornen Seeen. Zu warmes Wetter würde ihnen nicht zuſagen.“ „Es dürfte aber Anderen zuſagen, Mary.— Gar'ner's ganzer Auftrag lautet übrigens nicht nach jenen Seeen und nach jenen Robben.“ „Ich verſtehe Euch nicht, Oheim. Roswell iſt ohne Zweifel auf den Robbenfang ausgezogen.“ „Gewiß, dieß iſt nicht in Zweifel zu ziehen. Auf einer ſo langen Reiſe aber kann es viele Anhaltspunkte geben.“ „Wollt Ihr damit ſagen, Herr, er werde dieſe Anhalts⸗ punkte, wie Ihr es nennt, benützen?“ fragte Mary eifrig — 96— und faſt athemlos vor Unruhe, Alles zu hören.—„Ihr habt eines Tages von Weſtindien geſprochen!“ „Höre, Mary, geh' doch in den Gang hinaus und ſieh, ob die Küchenthüre geſchloſſen iſt.— So, und nun ſetze Dich ganz nahe zu mir, denn es iſt nicht nöthig, das, was ich Dir jetzt ſagen will, in ganz Oyſter⸗Pond auszupoſaunen. Setze Dich, meine Liebe, und blicke nicht ſo eifrig drein, als wollteſt Du mich eſſen, ſonſt verliere ich den Muth und könnte Dir gar nichts erzählen. Vielleicht wär' es das Beſte, ich behielt mein Geheimniß für mich.“ „Ja nicht, wenn es mit Roswell im geringſten Zuſam⸗ menhange ſteht, Oheim, in dieſem Falle ja nicht, mein lieber Herr! Ihr habt mir oft gerathen, ich ſollte ihn hei⸗ rathen, und ich muß in Betreff des Mannes, für welchen Ihr mich beſtimmt, Alles wiſſen.“ „Ja, Gar'ner wird für jedes Mädchen einen guten Gatten abgeben, und ich rathe Dir, ihn zu nehmen. Du biſt meines Bruders Tochter, Mary, und ich würde Dir dieſen Rath geben, wenn Du mein leibliches Kind wäreſt.“ „Ich weiß, daß Ihr mich liebt und mein Beſtes wollt, Oheim. Sagt mir aber, wie es mit Roswell und dem Auf⸗ trage iſt, welcher ihn unterwegs aufhalten ſoll.“ „Nun, Du mußt wiſſen, Mary, daß der Seemann, welcher im vergangenen Jahre hier ſtarb, dieſe ganze Reiſe veranlaßt hat. Ich erwies mich gütig gegen ihn, wie Du Dich erinnern wirſt, und verhalf ihm zu mancher kleinen ungewöhnlichen Behaglichkeit, und er war dankbar. Unter allen Tugenden iſt Dankbarkeit die erſte, Kind! Sie iſt die edelſte, ſowie die ſeltenſte aller unſerer guten Eigenſchaften! Wie ſparſam ward ſie mir auf meinem Lebenswege geſäet. Für ich ſ geern 4 ſeinen meuſe auch Verzi entge 6 trag, die u hatte. ganze Kind, davo Thrar ſenden haupt Schau zurück darf Größe blanke T ſtarrer haben. 250 hr habt id ſieh, ze Dich vas ich ſaunen. in, als dkönnte ſte, ich Zuſam⸗ , mein ihn hei⸗ hen Ihr guten n. Du r dieſen 3 wollt, m Auf⸗ Lemann, ze Reiſe wie Du kleinen Unter iſt die chaften! geſäet. — 97— Für alle Gaben und Geſchenke und Wohlthaten, welche ich ſpendete, habe ich ſelten oder nie den verdienten Dank geerndtet.“ Mary ſeufzte, denn ſie wußte wohl, wie wenig er von ſeinem Ueberfluſſe abgegeben hatte, um die Noth ſeiner Mit⸗ menſchen zu lindern. Theilweiſe mochte der Seufzer aber auch von einer Art ſanfter Ungeduld über die unnöthige Verzögerung der Mittheilung herrühren, welcher ſie ſo eifrig entgegenblickte. Der Decan war jedoch entſchloſſen, ihr Alles zu ſagen. „Ja, Gar'ner hat außer den Robben noch einen Auf⸗ trag,“ begann er von ſelbſt wieder, als er ſeine Klage über die um ſich greifende Undankbarkeit der Menſchen erſchöpft hatte.—„Und dieſer andere Auftrag iſt wichtiger, als ein ganzer mit Thran gefüllter Schoner. Thran iſt Thran, mein Kind, ich weiß es, aber Gold iſt Gold. Was hältſt Du davon?“ „Roswell ſoll alſo wieder zu Rio einlaufen, um ſeinen Thran zu verkaufen und den Erlös in Gold nach Haus zu ſenden?“ „Beſſeres als das, viel Beſſeres als das, wenn er über⸗ haupt zurückkommt.“ Mary's Herz zagte und ein kalter Schauer überlief ſie.„Ja, da liegt's,— wenn er überhaupt zurückkommt. Wenn Gar'ner je nach Haus zurücktkehrt, Kind, darf ich erwarten, ihn mit einem Fäßchen von ziemlicher Größe, ja, nach allen Nachrichten, faſt mit einem Faſſe voll blanken Goldes zurückkehren zu ſehen.“ Der Decan ſchaute, als er dieſe Worte laut werden ließ, ſtarren Blicks umher, als fürchtete er, zu viel geſagt zu haben. Dennoch hatte er ſeiner Nichte, ſeines Bruders 250— 252. 7 98— Tochter, ſo viel von ſeinem großen Geheimniſſe vertraut,— ein Augenblick des Nachdenkens beruhigte ihn. „Wie ſoll Roswell zu ſo viel Gold kommen, Oheim, wenn er ſeine Ladung nicht verkauft?“ fragte Mary in ſicht⸗ barer Angſt. „Dieß iſt ein anderer Punkt. Ich werde Dir Alles ſagen, Mädchen, und Du wirſt einſehen, wie wichtig es iſt, das Geheimniß zu bewahren. Jener Daggett, nicht der, welcher in einem andern Schoner, ſo zu ſagen einem andern See⸗ löwen auslief, ſondern ſein Oheim, welcher hier bei der Wittwe White geſtorben iſt,— gut, jener Daggett gab mir dann die Länge und Breite der Robbeninſeln an und erzählte mir von dem verſteckten Schatze.“ „Von dem verſteckten Schatze? Von Wem verſteckt? und was für ein Schatz, Oheim?“ „Verſteckt von Seeleuten, welche über die Habe Anderer auf offener See frei ſchalteten und die Beute in Sicherheit brachten, um ſie zu gelegener Zeit abzuholen und den gehö⸗ rigen Gebrauch davon zu machen. Was für ein Schatz, fragſt Du? Nach Daggett's Bericht beſteht er vorzugsweiſe aus ſchweren Dublonen, obgleich auch eine Summe alter eng⸗ liſcher Guineen darunter iſt. Ja, ich erinnere mich, daß er von dieſen Guineen ſprach— dreitauſend und etliche und faſt eben ſo viele Dublonen.“ Daggett iſt alſo ein Seeräuber geweſen, Herr? Denn die, welche auf der hohen See mit der Habe Anderer frei ſchalten, ſind nichts mehr und nichts weniger als Seeräuber.“ „Er ſelbſt war kein Seeräuber. Sein Geheimniß ver⸗ dankte er jedoch einem Manne, der dieſes Gewerbe getrieben hatte und in demſelben Gefängniß ſaß, in das man ihn wegen von d und 0. theiln ſelbſt wird. und g ſtande und v werde ärgerl Anſich ſprach ein g Eigen oder wurde vielen Schat lange Schat Denke wie d Don — w vor ſo aut,— Oheim, in ſicht⸗ s ſagen, iſt, das welcher ern See⸗ bei der gab mir erzählte verſteckt? Anderer Sicherheit den gehö⸗ Schatz, zugsweiſe alter eng⸗ , daß er liche und 2 Denn derer frei feräuber.“ nniß ver⸗ getrieben man ihn — 99— wegen Schmuggelns brachte. Der Mann erzählte ihm Alles von dem verſteckten Schatze, um Daggett für ſeine Theilnahme und Güte zu lohnen. Es iſt gut, wenn man ſich zuweilen theilnehmend und gütig zeigt, Mary.“ „Es iſt gut, ſtets theilnehmend und gütig zu ſein, Herr, ſelbſt wenn die Güte zuweilen mißverſtanden oder mißbraucht wird. Was war die Erlöſung anders als Güte und Liebe und göttliches Erbarmen mit denen, welche dieſes weder ver⸗ ſtanden, noch fühlten? Aber Gold, das Seeräuber aufbrachten und verſteckten, kann nie das Eigenthum Roswell Gardiner's werden.“ „Und wem gehört es denn, Mädchen?“ fragte der Decan ärgerlich.„Gar'ner hatte auch eine ſolche Art alberner Anſicht in ſeinem Kopfe, als ich zuerſt von dieſem Schatze ſprach, ich habe ihn aber bald zur Vernunft gebracht.“ „Ich glaube, Roswell muß ſtets eingeſehen haben, daß ein geraubter Schatz Niemanden als ſeinem rechtmäßigen Eigenthümer gehören kann.“ „Und wer iſt denn dieſer rechtmäßige Eigenthümer, he? oder wer ſind vielmehr die Eigenthümer? Denn das Gold wurde ohne allen Zweifel da und dort geholt und kam aus vielen Händen. Angenommen nun, Garuner findet dieſen Schatz, wie ich ſtets noch hoffe, obgleich er eine ſchrecklich lange Zeit dazu braucht,— aber angenommen, er findet den Schatz, wie will er die rechtmäßigen Eigenthümer finden? Denke Dir hier einen Sack mit Dublonen, eine ſieht aus wie die andere, ſie haben den Kopf eines Königs oder eines Don So und ſo, und die Jahreszahl und lateiniſche Umſchrift, — wer kann hier ſagen, dieſe Dublone iſt mein, ich habe ſie vor ſo und ſo viel Jahren verloren, der und der Seeräuber 7* 1090— hat ſie mir auf der und der See geraubt, oder man hat mich gepeitſcht, bis ich den Dieben ſagte, wo das Gold lag? Nein, nein, Mary, ſei überzeugt, von keinem Gerichte würdeſt Du ein einziges dieſer Stücke zurück erhalten. Für ihre frü⸗ heren Eigenthümer ſind ſie unwiderbringlich verloren, und ſie gehören dem, welcher das Glück hat, ſie zu beſitzen, und er wird durch dieſen Beſitz ihr rechtmäßiger Eigenthümer. Alles Eigenthum beruht auf dem Geſetz, und wenn das Geſetz die Zurückgabe ſo erworbenen Goldes nicht fordert, hat Niemand Anſprüche darauf.“ „Es würde mir ſehr, ſehr leid thun, mein lieber Herr, wenn Noswell Gardiner ſich auf dieſe Weiſe bereicherte.“ „Du ſprichſt, wie ein albernes junges Mädchen, welches ihre eigenen Rechte nicht kennt. Wir hatten ja keinen Antheil an der Beraubung jener Leute. Sie haben ihr Gold vor vielen Jahren verloren, ſind vielleicht todt, ſind es ohne allen Zweifel, ſonſt hätten ſie wohl Lärm geſchlagen, oder ſie haben es vergeſſen und könnten um keinen Preis eine der Münzen erkennen, in deren Beſitz ſie einſt waren, und wiſſen nicht, ob das Verlorne in die See geworfen oder in dem Sande einer Inſel begraben worden iſt. Mary, mein Kind, ſprich nur nie mit Jemanden von dieſer Sache.“ „Ihr könnt meinetwegen unbeſorgt ſein, Herr. Ich hoffe aber ſehr ernſtlich, daß Roswell mit ſo ſchlecht erworbenem Reichthume nie etwas zu thun haben wird. Er iſt zu edel⸗ herzig und mannhaft, um ſich auf dieſe Weiſe zu bereichern.“ „Gut, gut, ſprechen wir nicht weiter von der Sache, Kind, Du biſt romantiſch und phantaſtiſch. Gib mir doch meine Tropfen, denn das Sprechen nimmt mir den Athem. Ich bin ſehr herabgekommen, Kind, und es wird nicht mehr lange Athen Weiſe füge nur e davon gern Wallf von 9 d war enthie 5 welche ſend d aber keiten eingel mer n. man haben ſich d Eis Geſche daß di at mich d lag? würdeſt hre frü⸗ und ſie er wird Alles heſetz die Niemand er Herr, te.“ welches Antheil zold vor es ohne en, oder eine der id wiſſen in dem in Kind, Ich hoffe vorbenem zu edel⸗ feichern.“ r Sache, mir doch Athem. icht mehr — 101— lange mit mir währen, ich werde aber bis zu meinem letzten ½ Athemzuge behaupten, daß ein aufgegebener und in dieſer Weiſe gefundener Schatz ſeinem letzten Beſitzer gehört. Ich füge mich jedoch dem Geſetze, Kind, wenn Gar'ner das Gold nur einmal gefunden hat,— gut, gut, ich will nicht weiter davon ſprechen, denn es betrübt Dich, und ich ſehe Dich nicht gern betrübt. Geh' und ſuche den Zuſchauer, Kind, ſieh nach Wallſiſchfang⸗Nachrichten, vielleicht enthalten ſie auch etwas von Robbenjägern.“ Mary ließ ſich dieß nicht zweimal ſagen. Die Zeitung war bald zur Hand und die Spalte, welche Seenachrichten enthielt, wurde durchlaufen. Die Nichte las einen langen Bericht von Wallfiſchfängern, welche man angerufen und die viele hundert oder viele tau⸗ ſend Fäſſer Thran an Bord hatten, von Robbenfängern war aber keine Rede. Endlich fand ſte unter den Mannigfaltig⸗ keiten eine Mittheilung, welche ſo lautete: „Durch die Zwillingsſchweſtern, welche zu Stonington eingelaufen ſind, erfahren wir, daß das Eis in dieſem Som⸗ mer nördlicher in der ſüdlichen Halbkugel gefunden wird, als man es ſeit vielen Jahren beobachtet hat. Die Robbenfänger haben mit ſehr vielen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, um ſich durch daſſelbe zu winden, und ſelbſt Schiffe, welche um das Cap der guten Hoffnung gingen, kamen durch das Eis in Bedrängniß.“ „Da haben wir's, Mary! Ja, das iſt die Sache,“ rief der Decan aus.„Das iſſt dieſes ſchreckliche Eis. Wenn das Eis nicht wäre, würde der Robbenfang ein ſo angenehmes Geſchäft ſein, wie das Predigen des Evaugeliums. Möglich, daß dieſes Eis Gar'ner zurückgedrängt hat, als er auf dem Heimwege begriffen war, und daß er auf eine beſſere Zeit wartet, um nach Norden zu ſteuern. Etwas Gutes iſt in dieſer Nachricht, ich ſehe daraus, daß weniger Eis in den höheren Graden ſein muß, da es in den niederen umhertreibt.“ „Das Cap der guten Hoffnung liegt allerdings, in einem Sinne, in einer niedern Breite, Oheim, wenn ich mich recht erinnere, liegt es nicht ſo weit ſüdlich, als wir nördlich liegen, und, wie Ihr ſagt, es iſt ein gutes Zeichen, daß das Eis ſo nah an daſſelbe herantreibt.“ „Wenn das Eis ſo weit heraufgekommen iſt, dürfen wir die Nachricht als eine wichtige und erfreuliche betrachten, denn was der Art aus dem Polarkreis kommt, ſchafft Gar'ner klaren Raum in den höheren Graden.“ „Aber er muß doch durch dieſes Eis, wenn er nach Haus will,“ verſetzte Mary, und ihre Stimme klang ebenſo ſüß als trauernd.„Ach, warum begnügen ſich die Menſchen nicht mit den Segnungen, welche die Vorſehung in ihr unmittel⸗ bares Bereich legt, daß ſie ferne Reiſen unternehmen, um nach anderen Gaben auszuſchauen!“ „Du trinkſt gern Thee, denk' ich, Mary Pratt, und Zucker dabei, und liebſt ſeidene Kleider und Bänder, wie wollteſt du alle dieſe Dinge erhalten, wenn man nicht zur See ginge? Thee und Zucker, und Seide und Atlas wachſen nicht, wie die Seemuſcheln auf Oyſter⸗Pond.“ Mary konnte dagegen nichts einwenden und brachte die Unterhaltung auf einen andern Gegenſtand. Die Zeitung enthielt nichts Weiteres in Bezug auf Robbenfang und Rob⸗ benjäger und wurde bei Seite gelegt. „Vielleicht gräbt Gar'ner mittlerweile nach dem vergra⸗ benen Schatze,“ begann der Decan endlich wieder.—„Viel⸗ leicht er von 77 einer Oyſter Vielle der we er lan kreiſen weſtin und 8 ſtets laufen ſie we ſchreik Geleg ihn h wiſſen Nein, keine herum Berich L ſchein Weiſe richtig ere Zeit iſt in in den rtreibt.“ n einem ich recht Hliegen, Eis ſo rfen wir en, denn er klaren ich Haus ſüß als en nicht inmittel⸗ um nach ud Zucker ollteſt du e ginge? icht, wie achte die Zeitung und Rob⸗ i vergra⸗ —„Viel⸗ — 103— leicht bleibt er deßwegen ſo lange aus. In dieſem Falle hat er von dem Eiſe nichts zu fürchten.“ „Wenn ich recht verſtanden habe, ſo iſt dieſes Gold auf einer kleinen Inſel— in Weſtindien natürlich— verſteckt?“ „Sprich nicht ſo laut, Mary, Du brauchſt nicht ganz Oyſter⸗Pond wiſſen zu laſſen, wo der Schatz begraben liegt. Vielleicht iſt's Weſtindien, vielleicht auch nicht, es gibt auf der weiten Erde eine Menge Inſeln.“ „Glaubt Ihr nicht, daß Roswell ſchreiben würde, wenn er lange auf jenen Klippenneſtern aufgehalten würde?“ „Du wollteſt von Poſtämtern in den ſüdlichen Polar⸗ kreiſen nichts hören, und jetzt ſuchſt du dergleichen auf den weſtindiſchen Sandinſeln? Die Frauen ſegeln ſtets gegen Wind und Fluth.“ „In dieſem Falle wenigſtens gewiß nicht. Es müſſen ſtets eine Menge Schiffe an den weſtindiſchen Inſeln entlang laufen, und nichts ſcheint mir leichter, als einen Brief durch ſie weiter zu ſchicken. Ich bin überzeugt, Roswell würde ſchreiben, wenn er in einem Theile der Welt wäre, wo er Gelegenheit fände, einen Brief anherzuſenden.“ „Nein, nein, Gar'ner wäre der Mann nicht, für den ich ihn halte, wenn er irgend Jemand etwas von den Inſeln wiſſen ließe, ehe er ſich ſeines Auftrags dort erledigt hat. Nein, nein, Mary. Von jenem Theile der Welt kommt uns feine Nachricht von ihm zu. Vielleicht gräbt Gar'ner überall herum und kann die rechte Stelle nicht finden, denn Daggett’s Bericht hatte einige ſchwache Seiten.“ Mary antwortete nicht, obgleich ſie es nicht für wahr⸗ ſcheinlich hielt, daß Roswell Monate in Weſtindien auf dieſe Weiſe hinbringen würde, ohne Mittel zu finden, ſie zu benach⸗ richtigen, wo er ſei und was er mache. Der Verkehr zwiſchen dieſen jungen Leuten war ſtets ein 1 zu k wenig eigenthümlich geweſen. Mary war, indem ſie der brau Bewerbung Roswell's Gehör gab, ihrem Herzen gefolgt, indem und ſte zögerte, ſeine Hand anzunehmen, folgte ſie ihren Grund⸗ wach ſätzen. Gewöhnlich iſt eine Mutter— nicht die geſchäftige,. wicke kuppelnde, ſelbſtſüchtige, ſondern die kluge, weiblich fühlende, Ande edel denkende Mutter— von der größten Wichtigkeit für den davo Charakter und das Glück eines jungen Mädchens. Zuweilen wird. wird aber ein ſolches Weſen, welches einer ſolchen Bildnerin Anſte entbehrt und früh auf ſich ſelbſt angewieſen iſt, wenn ſie und Seelenkraft beſitzt, ebenſo ſorgſam und klug auf ſich und ihr ihres Betragen achten, als wäre ſie von der Umſicht und Zärtlich⸗ keit der beſten Mutter umgeben. Behc Dieß war der Fall bei Mary Pratt. Ihrer vereinſamten nach Stellung völlig bewußt, von den beſten Grundſätzen beſeelt, oder und früh mit den Fehlern und Schwächen des Charakters ihres unſich Oheims bekannt, hatte ſie ſich ſtrenge Regeln für ihr Thun ſich und Laſſen vorgezeichnet, und von dieſen Regeln wich ſie nie zu fi ab. So kam es, daß ſie Roswell geſtattete, ihr zu ſchreiben, beſten obgleich ſie ſeine Briefe nie beantwortete. Sie erlaubte ihm, den( zu ſchreiben, weil ſie verſprochen hatte, ſeiner Bewerbung ihr löſen. Ohr nicht zu verſchließen, ſo lange er ſeine angeborne mann⸗ kam hafte Freimüthigkeit gegen ſie bewährte, ihr ſeine Anſichten ihren offen darlegte, und ſeinen Fehler in dem einen wichtigen Punkte gung geſtand, welcher allein ihrer Verbindung entgegenſtand. decken Wenn ein junges weibliches Weſen, das keine Mutter hat, jeder den Uebeln entgeht, welche gewöhnlich im Geleite eines ſolchen Mangels ſind, eignet ſie ſich oft Vorzüge an, welche ihr in liche ihrem ſpäteren Leben ſehr zu ſtatten kommen. Sie lernt ſich veran ſelbſt zu vertrauen, gewöhnt ſich ſelbſtſtändig zu denken und eine ets ein ſie der indem Grund⸗ häftige, ihlende, für den mweilen ldnerin enn ſie und ihr ärtlich⸗ ſſamten beſeelt, s ihres Thun ſie nie Freiben, te ihm, ung ihr mann⸗ nſichten Punkte eer hat, ſolchen ihr in rnt ſich en und — — 105— zu handeln, und wird wahrſcheinlich eher eine vernünftige, brauchbare Hausfrau werden, als wenn ſie in Abhängigkeit und unter den Augen der ausgezeichnetſten Mutter aufge⸗ wachſen wäre. Kurz, Seelenkraft und Charakterſtärke ent⸗ wickeln ſich unter ſolchen Verhältniſſen früher, als da, wo Andere ſo viel ſorgen und denken, und es handelt ſich nur davon, ob jenen Eigenſchaften die rechte Richtung gegeben wird. Mary Pratt hatte früh in Allem, was ſich auf Anſichten und Charakter bezog, den rechten Weg eingeſchlagen, und war nie von dem auszeichnenden, beſonnenen Benehmen ihres Geſchlechts abgewichen. 1 Unſere Heldin wußte kaum, ob ſie in ihres Oheims Behauptung, Roswell werde in den kleinen Inſeln ſein und nach dem verborgenen Golde ſuchen, einen Troſt ſehen ſollte oder nicht. Je mehr ſie über dieſe Frage nachdachte, deſto unſicherer wurde ſie. Nur Wenige würden Anſtand nehmen, ſich einen ſolchen Schatz anzueignen, wenn ſie wüßten, wo er zu finden wäre, wie verfügte man aber dann, auch bei den beſten Abſichten, über das Gold? Es ſchien kaum möglich, den Eigenthümer aufzufinden und eine Gewiſſensfrage blieb zu löſen. Mary dachte vielfach über dieſen Gegenſtand nach und kam zu dem Schluſſe, ſie würde, wenn ein ſolcher Schatz in ihren Beſitz käme, eine gewiſſe Zeit zu öffentlicher Verkündi⸗ gung feſtſetzen, und wenn es ihr nicht gelänge, die zu ent⸗ decken, welche die meiſten Anſprüche darauf hätten, würde jeder Dollar zu einem mildthätigen Zwecke verwendet werden. Ach, Mary kannte die Welt wenig. Eine ſolche öffent⸗ liche Anzeige würde wahrſcheinlich eine Menge ehtloſer Leute veranlaßt haben, auf das Gold Anſpruch zu machen und nicht eine einzige Dublone wäre in die Hände der wahren Eigen⸗ . thümer gekommen, hätte ſie auch allen Angaben ſolcher Men⸗ ſchen Glauben geſchenkt. Alles dieß brachte jedoch den verlornen Roswell nicht zurück. Der zweite Winter brach mit ſeinen Fröſten, Stürmen und Kühlten herein, um die Angſt ſtets wach zu erhalten, indem er das wilde Meer immer vor den Augen in Aufruhr brachte. Keine Woche verging, ohne daß der Decan einen Brief von einer Gattin oder einer Mutter, oder einer Schweſter, oder einem ſchüchternen„Bäschen“ des oder jenes Matroſen erhielt, welcher mit Roswell Gardiner in dem Seelöwen von Oyſter⸗Pond abgereiſt war und nach deſſen Schickſal man ſich erkundigte. Selbſt die von Martha's Vineyard ließen anfragen und in der Art, wie dieſe Fragen laut wurden, ſprachen ſich Beſorg⸗ niß und Angſt aus. Jede Stunde ſteigerte des Decans Seelen⸗ Linen qual, bis es Allen um ihn klar ward, daß dieſe Angelegen⸗ peilt heit in Verbindung mit anderen, vielleicht mehr phyſiſchen perſü Gründen ſeine Geſundheit ernſtlich untergrub und ſein Leben arg! bedrohte. Nichts kann den traurigen Einfluß der Habgier, Waf welche dieſen Mann beſeelte, lebhafter zeichnen, als der Umſtand, daß er ſelbſt, ehe das Daggett entriſſene Geheimniß tiefer irgend ein Ergebniß herbeigeführt hatte, faſt ganz in der Lage Letzte jenes kranken Seemannes war und ebenſo wenig Ausſicht hatte, um von ſeinem Geheimuiſſe Nutzen zu ziehen, wie der Mann, zu d welcher ihm daſſelbe zuerſt mitgetheilt hatte. rend Mary ſah all dieß und trauerte faſt ebenſo ſehr über die kam Verblendung und den weltlichen Sinn ihres Oheims, wie zeigt, über das nun faſt zweifelloſe Schickſal deſſen, welchen ſie in ein ihrer tiefſten Seele ſo innig geliebt hatte. Fahr Drue Men⸗ nicht rmen alten, fruhr einen veſter, troſen n von man und eſorg⸗ eelen⸗ legen⸗ ſiſchen Leben bgier, s der imniß Lage hatte, Nann, der die „ wie ſie in Sechstes Kapitel. Auch ich ſab, wie auf ſchaumbedeckten Wegen Du raſch dem nächt'gen Sturme zogſt entgegen, Wie du die weißen Arm' in Zornesdräun Zum ſchwarzen Himmel hobſt, das Schiffchen klein Mit deinen Wellen peitſchteſt, wie in Wuth Nun bobſt, nun ſenkteſt auf der grimmen Fluth; Und immer mächt'ger, immer höber flogen Im wilden Kampfe deine Sturmeswogen, Bis ihre Spitzen giſchten, wo die Wolken zogen. Percival. Der erſte Schritt des Seemannes, deſſen Schiff an irgend einen harten Körper angeſtoßen, iſt ſtets, daß er die Pumpen peilt. Daggett war mit dieſem höchſt nothwendigen Geſchäfte perſönlich beſchäftigt, während Noswell Gardiner's Boote ſein arg mitgenommenes Schiff im Schlepptau hatten und dem klaren Waſſer entgegenführten. Alle an Bord, Roswell nicht ausgenommen, harrten in tiefer Beklommenheit des Ergebniſſes dieſer Unterſuchung. Der Letztere hielt die Laterne, da der Mond nicht hell genug ſchien, um bei ſeinem Lichte ſich der Höhe des Waſſers in der Pumpe zu verſichern. Daggett ſelbſt ſtand oben an der Pumpe, wäh⸗ rend Gardiner und Macy an ſeiner Seite waren. Endlich kam das Peilholz herauf und das untere Ende wurde vorge⸗ zeigt, um zu ſehen, wie weit herauf es naß ſei. „Nun, wie ſtehen die Dinge, Gar'ner?“ fragte Daggett ein wenig ungeduldig.„Waſſer muß darin ſein, denn kein Fahrzeug, das auf dem Waſſer ſteht, hätte einen ſolchen Druck ausgehalten, ohne ſeine Seiten zu öffnen.“ — 1908— „Ihr müßt nahe an drei Fuß Waſſer in Eurem untern Raume haben,“ verſetzte Gardiner kopfſchüttelnd.„Wenn dieß ſo fortſteigt, Capitän Daggett, könnt Ihr Euren Schoner ſchwerlich auf dem Waſſer erhalten.“ „Er wird ſich auf dem Waſſer halten, ſo lange ein Pum⸗ penſchwengel arbeiten kann. Hier, richtet dieſe Backbordpumpe ſogleich her und ſetzt ſie in Bewegung.“ „Vielleicht haben ſich Eure Nähte bei der Quetſchung geöffnet und ſchloſſen ſich wieder, als der Schoner frei wurde. Zehn Minuten an der Pumpe werden uns lehren, ob dieß der Fall iſt oder nicht.“ Obgleich es kein Geſchäft gibt, welches dem Matroſen ſo unangenehm iſt, als das Pumpen,— keines vielleicht, das ſo angreifend und erſchöpfend iſt, ſo gehen ſie doch oft mit Eifer daran, da ſie wiſſen, daß die Rettung ihres Lebens allein davon abhängt. Dieß war auch hier der Fall, und der herbe, aber wohl⸗ bekannte Schlag des Pumpenſchwengels machte ſich inmitten der feierlicheren, ſchwereren Töne der krachenden Eisberge, der knirſchenden Schoſſen und des gelegentlichen Brauſens und Heulens des Windes vernehmlich. Dieſer ſchien jedoch ſeine Richtung geändert zu haben, ein Umſtand, welcher ſich bald kundgab, da die Windſtöße bei weitem nicht mehr ſo beißend kalt waren, als in den früheren Stunden der Nacht. „Ich glaube, der Wind hat ſich nach Nordoſten gewendet,“ ſagte Roswell, während er mit Daggett die Schanze entlang ſchritt und den wohlgetrockneten Peilſtock noch in der Hand hielt, um demnächſt einen neuen Verſuch zu machen.—„Dieſer letzte Stoß kam uns gerade ins Geſicht.“ „Hört, Gar'ner, der Wind mag ſtehen, wie er will, er wird Dag Scho zu t denke zu fü erfän ſagte erſter werd ſüdw lange Ihr habt, der 2 mir zwan unter zu le Tager dann Pond wird C wußte Gard durch wirken utern Venn Honer zum⸗ umpe hung urde. ß der roſen as ſo Eifer allein vohl⸗ ritten „der und ſeine bald ißend det,“ tlang Hand Dieſer 1, er — 109— wird mich nicht von meinem Entſchluſſe abbringen,“ antwortete Daggett.„Ich werde die Inſel wieder aufſuchen, meinen Schoner trocken legen und nach ſeinen Lecken ſehen. Mehr zu thun kann ich jetzt nicht hoffen. Es iſt nicht daran zu denken, nach einer ſolchen Quetſchung ein Schiff bis nach Rio zu führen, während man ſich jeden Fuß Weg durch Pumpen erkämpfen muß.“ „Dieß wird uns lange aufhalten, Capitän Daggett,“ ſagte Noswell zweifelhaft.„Wir ſind jetzt ziemlich in der erſten großen Eismaſſe, und es möchte uns eben ſo leicht werden, nordwärts von derſelben zu kommen, als wieder nach ſüdwärts in klares Waſſer zu gelangen. 4 „Es iſt wohl möglich, allein ich gehe zurück. Ich ver⸗ lange nicht, daß ihr mich begleitet,— keineswegs. Nachdem Ihr Euch ſo ſchön benommen und ſo lange auf mich gewartet habt, darf ich an etwas dieſer Art nicht denken. Wenn ſich der Wind wirklich nach Nordoſten gewendet hat, und es ſcheint mir dieß ganz richtig, werde ich den Schoner in vier und zwanzig Stunden in die kleine Bucht bringen, und dort iſt unter dem Felsabſatz eine vortreffliche Stelle, um ihn trocken zu legen und nach ſeinen Wunden zu ſehen. In vierzehn Tagen denke ich ſeine Lecken alle verſtopft zu haben, und folge dann in Euerm Fahrwaſſer. Ihr werdet den Leuten zu Oyſter⸗ Pond ſagen, daß wir bald nachkommen, und die Nachricht wird ſchnell den Weg nach Martha's Vineyard finden.“ Dieß hieß Roswell an der Ehre angreifen, und Daggett wußte dieß recht gut. Großmüthig und charakterfeſt wie Gardiner war, konnte man auf den jungen Mann viel leichter durch eine ſtumme, mittelbare Anſprache an ſeine edeln Gefühle wirken, als er ſich in jeder andern Weiſe beſtimmen ließ. — 110— Der Gedanke, einen Kameraden im Unglück und in einer Lage, wie ſeine gegenwärtige war, zu verlaſſen, veranlaßte ihn, von dem zurückzubeben, was er unter andern Umſtänden für eine gebieteriſche Pflicht gehalten hätte. Der Decan und mehr noch Mary rief ihn nordwärts, aber das Ungemach der Vineyarder ſchien ihn an ihr Schickſal zu feſſeln. „Wir wollen ſehen was uns die Pumpe jetzt ſagt,“ rief Roswell ungeduldig.„Vielleicht ſtehen die Dinge viel beſſer, als wir zu hoffen wagen. Wenn die Pumpe den Leck beſiegt, kann noch Alles gut gehen.“ „Es iſt ermuthigend und freundſchaftlich, Euch ſo ſprechen zu hören, wer aber dieſe Quetſchung gehört hat,— ich möchte ſagen, wer darin war, kann unmöglich hoffen, der Schoner werde tauſend Meilen laufen, ohne vorher ausgebeſſert worden zu ſein. Wenn ich nicht irre, treten jene Eisberge auseinan⸗ der und laſſen uns zur Südbahn eine klarere Straße.“ „Ich glaube, Ihr habt recht, es ſcheint mir aber ein lei⸗ diger Zeitverluſt und zumal ſehr gefährlich, wieder durch dieſe Berge zu ſteuern,“ bemerkte Gardiner.„Der Wind hat ſich gewendet und in Folge einer oder der andern Urſache öffnen ſich die Berge langſam, bedenkt aber, welche Maſſen Eisſchoſſen draußen treiben. Laßt uns peilen.“ Der Peilſtock wurde wieder eingeſetzt, was jetzt leichter vor ſich ging, als das erſte Mal, da die Büchſen bereits ent⸗ fernt waren. Das Ergebniß ward bald bekannt. „Nun, wie ſteht es, Gar'ner?“ fragte Daggett, indem er ſich niederbückte und vergebens bemüht war, die faſt unbe⸗ merklichen Zeichen zu gewahren, welche den naſſen und trock⸗ nen Theil des Stockes unterſchieden.—„Siegen wir über den Leck, Fall ehrer des —( Capi Wen retter well. niede ganz rief? und ſeiner werde mehr ihrem der ging Bord nicht von ten T einer ilaßte änden und ch der rief beſſer, eſiegt, rechen nöchte choner vorden einan⸗ in lei⸗ h dieſe at ſich öffnen choſſen leichter ts ent⸗ dem er unbe⸗ trock⸗ ber den — 111— Leck, oder der Leck über uns? Gott gebe, daß das erſtere der Fall iſt. „Gott hat es ſo gefügt, Herr,“ antwortete Stimſon ehrerbietig, denn er war auf Befehl ſeines Offiziers an Bord des beſchädigten Schiffes geblieben und hielt jetzt die Laterne. — Er, nur Er konnte für unglückliche Seeleute ſo viel thun, Capitän Daggett.“ „Dann ſei Gott der gebührende Dank dargebracht! Wenn wir den Leck niederhalten können, iſt das Schiff noch zu retten.“ „Und ich halte dieß für möglich, Daggett,“ ſagte Ros⸗ well.„Die eine Pumpe hat das Waſſer bis auf zwei Zoll niedergebracht, und nach meinem Bedünken werden zwei es ganz beſeitigen.“ „Wir wollen pumpen bis kein Tropfen mehr darin iſt!“ rief Daggett.„Richtet die andere Pumpe her, ihr Burſchen, und ſogleich an die Arbeit.“ Dieß geſchah um ſo muthiger, als Roswell die Hälfte ſeiner Mannſchaft heranrief, um den Vineyardern behilflich zu werden. Mittlerweile hatten die beiden Schiffe den Wind gefaßt, mehr Segel beigeſetzt und liefen von dem neuen Winde in ihrem früheren Curſe zurück, ſo weit ſich dieß nach der Stellung der großen Waſſerſtraße beurtheilen ließ. Daggett's Schiff ging voran und Hayard folgte, denn Roswell blieb noch an Bord des verwundeten Schonuers. So vergingen einige Stunden. Die Pumpen zogen bald nicht mehr, und man vergewiſſerte ſich, daß der Schoner frei von Waſſer gehalten werden könne, wenn man etwa den vier⸗ ten Theil der Zeit pumpte. Dieß zeugte von einem ſchlimmen — 112— Leck, welcher die beſte Mannſchaft in den erſten Tagen hätte erſchöpfen müſſen. Je genauer Roswell mit dem Zuſtande des Schoners bekannt wurde, deſto mehr freute er ſich eines Ent⸗ ſchluſſes, welcher ihm bis auf einen gewiſſen Grad aufge⸗ zwungen worden war. Er gab ſich zufrieden, mit Daggett zuruͤckzukehren, überzeugt, daß es unmöglich ſei, das verwun⸗ dete Schiff nach Rio zu führen, bevor man ſeinen Beſchädi⸗ gungen die möglichſte Aufmerkſamkeit gewidmet. Das Glück— Stimſon würde geſagt haben, die Vor⸗ ſehung— begünſtigte unſere Seeleute auf ihrem ferneren Curs durch die Eisberge. Nicht fern von ihnen ſtürzte noch ein Berg über und mehrere Schneelawinen brachen ganz nahe nieder, keines der Schiffe wurde aber beſchädigt. Als die Schoner den Eisfeldern wieder nahe kamen, begab ſich Roswell an Bord ſeines eigenen Schiffes, und alle Boote, welche in der offenen Waſſerſtraße dem Seelöwen von Holmes' Hole weiter geholfen hatten, wurden jetzt aufgehißt und gefeſtigt. Gardiner lief nun voran und ließ ſeine Gefähr⸗ ten ſo nahe als möglich in ſeinem Fahrwaſſer folgen. Viel mehr Schwierigkeiten und Gefahren zumal boten ſich unter den zerſtückten und knirſchenden Schoſſen dar, welche nun um die Schiffe trieben. Obgleich man Wreifhölzer nach allen Seiten ausgab, mußte man doch manchen rauhen Stoß aushalten und das Kupfer litt an mehreren Theilen bedeu⸗ tend. Mehrere Male fürchtete Roswell, der Druck auf den Seiten würde die Schiffe zerquetſchen. Die Gefahr wurde noch vermehrt durch die kühne Weiſe, in welcher unſere See⸗ fahrer ſich aufgefordert ſahen, nach Vornen zu eilen, denn die Zeit war in jeder Beziehung ſehr koſtbar,— nicht nur drängte der ſchwindende Sommer, ſondern auch die Erſchlaffung der allmãä enthal in der den T nordw wendet T heraus tem n und h Beweg nur m mit e⸗ abtriel S umſchl plötzlie nicht, Wind germa Schoft wieder 25 hätte de des 3 Ent⸗ aufge⸗ daggett erwun⸗ ſchädi⸗ Vor⸗ erneren te noch 3 nahe kamen, id alle en von fgehißt zefähr⸗ en ſich welche r nach Stoß bedeu⸗ zuf den wurde ee See⸗ enn die drängte ng der — 113— Matroſen, welche zu jeder Stunde funfzehn Minuten an der Pumpe ſtehen mußten. Als der Tag wiederkehrte, und die Tage wurden jetzt allmählich kürzer, als ſie in den erſten Monaten ihres Auf⸗ enthaltes in dieſer See geweſen, ſahen ſich unſere Seefahrer in der Mitte großer Felder treibenden Eiſes, welche ſich von den Bergen entfernten, die in Folge tiefer Strömungen noch nordwärts trieben, während die Schoſſen ſich nach Süden wendeten. Man mußte ſehnlichſt wünſchen, aus dieſem Treibeis herauszutreten, obgleich ſein Anſchlag und Knirſchen bei Wei⸗ tem nicht ſo furchtbar war, als bei ſtarkem Wellenſchlage und heftiger Bewegung der ganzen Eisfläche. Allein dieſe Bewegung war jetzt faſt unmöglich, und man gewahrte ſie nur mittels der Schiffe, welche von den Eismaſſen umgeben mit einer Geſchwindigkeit von zwei Knoten nach ſüdwärts abtrieben. So vergingen vier und zwanzig Stunden. Das Eis umſchloß ſie ſo dicht, daß man ohne die geringſte Gefahr von einem Schiffe zum andern gehen konnte. So lange der Wind ſich in der jetzigen Richtung hielt, war nichts zu beſorgen, denn die Berge gaben eine ſo gute Lee ab, wie irgend eine Klippenkette. Am Morgen des zweiten Tages wurde all dieß jedoch plötzlich anders. Das Eis begann ſich zu öffnen, man wußte nicht, aus welchem Grunde, ſchrieb es aber dem Wechſel in Wind und Strömung zu. Jetzt konnten ſich die Schoner eini⸗ germaßen frei bewegen, und ſahen ſich des Einfluſſes der Schoſſen klar. Gegen Mittag wurde der Rauch des Vulkans wieder ſichtbar, und ehe die Sonne unterging, erblickte man 250— 252. 8 — 114— den Gipfel der höchſten Klippe in der Gruppe, welcher von Schneegeſtöber umgeben war. Jeder freute ſich des Anblicks dieſer bekannten Landmar⸗ 3 ken, obgleich man wußte, wie öde und wie fern von den Pfaden der Menſchen ſie ſeien, denn man hoffte dort auf ein zeitliches Ende der großen Anſtrengungen. Das faſt unaus⸗ geſetzte Pumpen hatte ſeine gewöhnliche Wirkung hervorgebracht. Die Leute ſahen erſchöpft und hinfällig aus. Wer nicht an einen Pumpenſchlägel an Bord eines Schiffes geſtanden hat, macht ſich keinen Begriff von der Art dieſer Arbeit und von dem Widerwillen, welchen die Seeleute dagegen fühlen. Wie wir hören, kömmt die Tretmühle— denn unſere Erfahrung erſtreckt ſich nicht auf dieſe Beſchäftigung, während wir die erſtere verſucht haben— dieſer Anſtrengung ziemlich nahe, nur arbeitet der Verbrecher nicht, um ſein Leben zu retten. Am Morgen des vierten Tages waren unſere Seeleute in der großen Bai im klaren Waſſer, etwa eine Stunde von der Bucht und faſt ganz Windwärts von ihrem Hafen. Die Steuer wurden gehoben und bald ſtanden die Schiffe in ihrem wohl⸗ bekannten Zufluchtsorte. Roswell blickte beim Einlaufen mit Betrübniß, Schrecken und Bewunderung um ſich. Er konnte nur bedauern, daß er ſo viele koſtbare Zeit verlieren mußte. So kurz ſeine Ent⸗ fernung von der Gruppe geweſen, hatte ſich der Anblick der Dinge doch bedeutend geändert. Alle Spuren des Sommers — und es fanden ſich deren ſtets nur wenige, dürftige— waren verſchwunden, und ein ein anfröſtelnder, öder Herbſt an deren Stelle getreten. An dem Gebäude ſelbſt war natürlich nichts geändert, die Holzhaufen und andere Gegenſtände, welche da rſtreut lagen, waren noch da, wo man ſie gelaſſen hatte, aber ſel als frü zu ſehe einen( wodurch wurde, beſchloſſ Einige zu über hatten waren Be heimiſch wüßten ten dar ten Bei edleren wo ſie In in der aufzuſte indeſſen Maaten welche „N deutend. wo vor „2 ich hab und W cher von . andmar⸗ von den auf ein unaus⸗ gebracht. nicht an den hat, und von n. Wie rfahrung wir die ch nahe, etten. eleute in von der ſe Steuer m wohl⸗ Schrecken „daß er ne Ent⸗ ablick der Sommers — waren an deren ch nichts velche da en hatte, — 115— aber ſelbſt dieſe ſahen minder erheiternd, minder heimiſch aus, als früher. Zum allgemeinen Staunen war nicht eine Robbe zu ſehen. Alle dieſe Thiere waren, ohne daß man irgend einen Grund dafür hätte angeben können, verſchwunden, wodurch eine von Daggett’s geheime Abſichten vereitelt wurde, denn dieſer umſichtige Schiffspatron hatte bei ſich beſchloſſen, dieſen Zufall zu benützen und ſein Schiff zu„füllen.“ Einige ſagten, die Thiere ſeien nordwärts gegangen, um dort zu überwintern, nach Andern waren ſie geſchreckt worden und hatten ſich an eine der anderen Inſeln geflüchtet, Alle aber waren darin einig, daß ſie verſchwunden waren. Bekanntlich wandern die Robben zuweilen weit von ihrem heimiſchen Gewäſſer, wenn man ſich ſo ausdrücken darf, wir wüßten jedoch nicht, ob man ſie als wandernde Thiere betrach⸗ ten darf. Die größeren Arten leben gewöhnlich in einem wei⸗ ten Bereiche und wechſelnden Klima, und ſelbſt die kleineren edleren Robben zerſtreuen ſich und werden an Küſten gefunden, wo ſie in der Regel nicht heimiſch ſind. In Betreff der Thiere, welche erſt kürzlich noch ſo häufig in der Gruppe waren, werden wir es nicht wagen, eine Theorie aufzuſtellen, da wir uns hauptſächlich mit Thatſachen befaſſen, indeſſen kommt vielleicht eine Unterhaltung zwiſchen den erſten Maaten der beiden Schoner, denen einigermaßen zu Hilfe, welche Luſt haben, über dieſen Gegenſtand weiter zu forſchen. „Nun, Macy,“ ſagte Hayard, auf die verlaſſenen Klippen deutend,„Was ſagſt Ihr dazu? Kein einziges Thier zu ſehen, wo vor kurzem Tauſende ſich ſonnten?“ „Was ich dazu ſage? Nun, ich ſage, ſie ſind fort und ich habe früher bereits Aehnſiches erlebt. Wer auf Zeichen und Winke achtet, wird wiſſen was er zu denken hat.“ 8* — 116— „Seid ſo gut und ſprecht deutlicher, ich weiß nicht, was abſatz, Ihr meint.“ Docke „Die Robben ſind fort, und dieß iſt ein Zeichen, daß W auch wir fort ſein ſollten. Das iſt meine Anſicht, und Ihr das an könnt daraus machen, was Ihr wollt. Die Natur gibt den ga ſolche Winke, und kein kluger Seemann ſollte ſie überſehen. wurde Ich ſage, wenn die Robben gehen, ſollten die Robbenjäger Um die auch gehen.“ zwanzig „Und Ihr betrachtet dieß als einen Wink der Natur?“ mehr d „Allerdings! und ein ſehr nützlicher Wink iſt es. Wenn die Fel⸗ wir zur Abreiſe gerüſtet wären, würde ich rathen, den Regen⸗ Sinken vogel nicht zu erwarten, ſondern noch dieſe Nacht abzuſegeln. Je Nun, gebt auf meine Worte acht, Hayard, nichts Gutes war der wird erfolgen aus dieſer Quetſchung und aus dieſer Rückkehr welche in den Hafen und aus dieſem Drehen und Wenden der völlig Ladung.“ die Ebk Der andere Maat lachte, aber ein Anruf ſeines Befehls⸗ acht Fu 1 habers ſetzte der Unterhaltung ein Ziel. Hayard wurde auf⸗ man ih gefordert, den Schoner Daggett's in dem Ankerplatze feſtigen„Gut“ zu helfen, in welchen man ihn jetzt gebracht hatte. den inn Die Fluth ſcheint in ſehr hohen Breiten keineswegs ſo Di hoch zu ſteigen, wie dieß im fünfzigſten Grade der Fall iſt. Matratz In der Südſee ſoll ſie nur die mittlere Höhe und Kraft zündete haben. Dieſer Thatſache hatten ſich unſere Seefahrer ver⸗ um am ſichert, und Daggett hat ſeinen Schoner alsbald auf die und in einzige Stelle gebracht, welche als eine Art flaches Geſtade man di an dieſer wilden Küſte gelten konnte. Bord i Sein Schiff war ſicher in der kleinen Bucht und lag An bequem auf, um aus⸗ und einzuladen. Sein Lager war nichts weniger und nichts mehr als ein etwas geneigter Fels⸗ nicht, was chen, daß und Ihr atur gibt überſehen. bbenjäger Katur?“ 8. Wenn en Regen⸗ bzuſegeln. ts Gutes Rückkehr unden der Befehls⸗ urde auf⸗ ee feſtigen swegs ſo Fall iſt. nd Kraft hrer ver⸗ auf die 3 Geſtade und lag ager war zter Fels⸗ — 117— abſatz, auf welchem man das Schiff wie auf den Grund einer Docke auflegen konnte. Während Daggett'’s Schoner dieſe Stelle einnahm, war das andere Schiff vor Anker gelegt worden. Man hatte faſt den ganzen Tag vor ſich, und die geſammte Mannſchaft wurde ſofort angeſtellt, um das verwundete Schiff auszuladen. Um die Pumpen los zu werden, würden die Leute vier und zwanzig Stunden ohne Unterbrechung gearbeitet haben. Je mehr das Schiff erleichtert wurde, deſto weiter wurde es auf die Felsplatte gehoben, bis es hoch genug ſtand, um vor dem Sinken völlig geſichert zu ſein. Jetzt konnten die Pumpen ruhen. Ehe die Nacht kam, war der Schoner mittelſt Schoren*) und oben mittelſt Tauen, welche man an die Felſen hinausführte, ſo gefeſtigt, daß er völlig ſicher auf ſeinem Kiele ſtand. So war er geſchützt, wenn die Ebbe ablief. Bei niedrigem Waſſer ergab ſich, daß noch acht Fuß fehlten, um ihn hoch und trocken zu legen, nachdem man ihn bereits um vier Fuß erleichtert hatte. Ziemlich viel „Gut“ wurde dieſe erſte Nacht nach der Rückkehr noch in den innern Raum gebracht. Die Mannſchaft des Vineyarder Seelöwen trug ihre Matratzen an die Küſte, nahm Beſitz von ihren Bettſtellen, zündete ein Feuer in dem Ofen an und traf alle Anſtalten, um am nächſten Morgen die Küche an das Land zu ſchaffen und in dem Hauſe zu kochen, wie man gethan hatte, ehe man die Inſel verließ. Roswell und ſeine Leute blieben an Bord ihres Schiffes. Am folgenden Tage wurde das verwundete Schiff von *) Stützbalken, Pfoſten und Aehnliches. Der Ueberſetzer. — 118— Allem, ſelbſt ſeinen Spieren, die unteren Maſte und das Bugſpriet ausgenommen, befreit. Die Mannſchaften zweier Robbenfänger wurden mit einem ſo kleinen Schiffe leicht fertig. Man ſchaffte leere Fäſſer unter den Schoner und zog ihn bei dem tiefſten Waſſerſtande ganz auf die kleine Klippen⸗ platte, deren wir erwähnt haben. Als die Ebbe am Tiefſten ſtand, ſiel er natürlich ein wenig über, bei mittlerer Fluth aber lag ſein Kiel hoch und trocken. Nun ſuchten alle Augen forſchend nach den Lecken. Wie man nicht anders erwartet hatte, fand ſich nichts der Art in der Nähe des Kielganges,— ein Umſtand, welcher ſich dadurch deutlich herausſtellte, daß eine gewiſſe Menge Waſſer in dem Schiffe blieb, nachdem es völlig bloß auf ſeinem Flach lag. „Seine Fugen haben ſich ein wenig unter den Bauch⸗ ſtücken geöffnet,“ ſagte Roswell, als er mit Daggett unter den Boden des Schiffes ging, um nach den Beſchädigungen zu ſehen,„und Ihr würdet wohl thun, das Kupfer ſogleich abnehmen zu laſſen. Hat man im Innern des Schiffes nach⸗ geſehen?“ Noch hatte dort keine Unterſuchung ſtattgefunden, und unſere zwei Capitäne ſtiegen durch die große Luke ein und ſahen ſich, ſo gut dieß möglich war, nach dem Stande der Dinge im innern Raum um. Der Druck war ſo fürchterlich geweſen, daß drei Deckbatten geſprungen waren. Sie würden ganz aus ihren Fugen weggeriſſen worden ſein, hätte die Eismauer auf beiden Seiten etwas dieſer Art möglich gemacht, ſo waren nur die oberen Planken ein wenig gewichen und die Fugen mußten ſich unmittelbar unter der Waſſerlinie geöffnet haben. Als die Fluth wieder kam, richtete ſich das Schiff natür⸗ lich er trocken Bewei zu ſuc 3 und m des H welche augen! Kupfer Mit g Wirku weſen zu viel zur S jedoch ſuchun er,, ihn fle waſſer Kupfe Schiff heraus fehlt. einer möglie auf d und das ten zweier öiffe leicht r und zog e Klippen⸗ m Tiefſten lerer Fluth cken. Wie der Art in ſich dadurch ſſer in dem lach lag. ſen Bauch⸗ ggett unter hädigungen fer ſogleich hiffes nach⸗ nden, und ke ein und Stande der fürchterlich Sie würden hätte die ich gemacht, wichen und Waſſerlinie ſchiff natür⸗ — 119— lich empor, und man nahm dieſe Gelegenheit wahr, um es trocken zu pumpen. Hier fand ſich kein Leck,— ein fernerer Beweis, daß die beſchädigten Stellen über der Waſſerlinie zu ſuchen waren. In Folge dieſes Ergebniſſes wurde das Kupfer entfernt und mehrere Fugen näher in das Auge gefaßt. Der Zuſtand des Harzes und Kalfaterwergs deutete diejenigen Stellen an, welche beachtet ſein wollten, und die Stopfmeißel wurden augenblicklich zur Hand genommen. Nach einer Woche war man mit der Arbeit fertig, das Kupfer wurde wieder befeſtigt und der Schoner flott gemacht. Mit großer Spannung und Beklommenheit harrte man der Wirkung dieſer Anſtrengungen, und mit eben ſo großem Leid⸗ weſen ſah man, daß noch ein bedeutender Leck da ſei, welcher zu viel Waſſer einließ, als daß man daran hätte denken dürfen, zur See zu gehen, ehe er geſtopft war. Kurzes Nachdenken jedoch, und zwar von Seiten Roswell's, leitete zur Unter⸗ ſuchung, die auch ſofort begonnen wurde. „Dieſes Leck iſt nicht an dem Flach des Schoners,“ ſagte er,„denn das Waſſer lief dort weder aus noch ein, bis wir ihn flott machten. Es iſt daher irgendwo zwiſchen der Leicht⸗ waſſer⸗Ladlinie und ſeinem Flach. Nun haben wir alles Kupfer losgemacht und die Fugen hinter dieſem Theile des Schiffsbodens unterſucht, und es wird ſich nach meiner Anſicht herausſtellen, daß etwas an dem Vor⸗ oder Hinterſteven fehlt. Vielleicht iſt eines der Holzenden herausgetreten. Bei einer ſo ſchweren Quetſchung iſt etwas dieſer Art ſehr leicht möglich.“ „Und in dieſem Falle werden wir das Schiff noch einmal auf den Strand legen und von neuem an die Arbeit gehen — 120— müſſen,“ antwortete Daggett.„Ich ſehe, wie die Dinge ſtehen, Ihr bleibt nicht gern länger hier und denkt an Decan Pratt und an Oyſter⸗Pond. Ich kann Euch nicht tadeln, Gar'ner, und werde nie eine Sylbe gegen Euch oder Eure Leute laut werden laſſen, wenn Ihr noch dieſen Nachmittag abreiſt und es uns überlaßt, für uns zu ſorgen. Ihr ſeid uns bis jetzt in edler Weiſe beigeſtanden, und ich ſchulde Euch für das Gethane bereits zu viel Dank, als daß ich mehr fordern könnte.“ Meinte Daggett es mit dieſen Aeußerungen ehrlich? Bis auf einen gewiſſen Punkt können wir dieſe Frage mit Ja beantworten, in manchen Beziehungen aber nicht. Er wollte für gerecht und großmüthig gelten, im Geheimen aber wünſchte er auf die edleren Gefühle und auf den Stolz Roswell’s zu wirken und ſich ſo ſeiner Hilfe bei der Ausbeſſerung ſeines Schoners verſichern u ihn im Geſicht behalten, bis man eine gewiſſe kleine Inſel beſucht hätte, wo ſich Dinge finden mußten, an welchen er eben ſo gut Antheil zu haben glaubte, als an dem, was die Robbeninſeln abgeworfen hatten. So ſeltſam es klingen mag, ſo wahr iſt es, daß dieſer Mann, ſelbſt in der Bedrängniß ſeiner jetzigen Lage und obgleich er kaum hoffen konnte, ſein Schiff wieder in die Hei⸗ math zu bringen, ſich wie ein Blutegel an die entfernteſte Möglichkeit, ſich zu bereichern, anklammerte. Unter einem gewiſſen Theile der großen amerikaniſchen Familie— der gott⸗ gleichen Angelſachſen— herrſcht eine eiſerne Hartnäckigkeit in dieſer Hinſicht, welche in mancher Beziehung Großes her⸗ beizuführen vermag, obgleich eine ſolche Richtung des Charak⸗ ters oft einen ſchmerzlichen, nie aber einen angenehmen Ein⸗ druck macht. keine von wolle eben welche wird chen, zwiſch mehr 5 ſchub halten verlaf Dagg ſich di dung recht Fügur dürfen ſeinem konnte 85 Verzö⸗ fruchtl ſich ar zu ſche S gewah ſtopft ie Dinge n Decan t tadeln, der Eure achmittag Ihr ſeid ilde Euch ich mehr h? Bis mit Ja Er wollte wünſchte vell's zu ig ſeines bis man ge finden glaubte, n. aß dieſer age und die Hei⸗ tfernteſte r einem der gott⸗ näckigkeit ßes her⸗ Charak⸗ nen Ein⸗ Dieſer Klaſſe gehörte Daggett an. Keine Gefahren, keine Mühſeligkeiten, kein Gedanke an die Zukunft brachte ihn von einem Plane ab, der Gold abzuwerfen verſprach. Wir wollen damit nicht behaupten, andere Nationen ſeien nicht eben ſo erwerbſüchtig, es gibt deren viele, beſonders die, welche durch ſchlechte Regierungen verderbt wurden. Man wird zum Beiſpiele eher ein halbes Dutzend Franzoſen beſte⸗ chen, als einen Yankee, wenn der letztere aber einen Dollar zwiſchen ſeinen Zähnen hat, wird keine Gewalt ihm denſelben mehr entreißen. Roswell dachte mit großem Widerwillen an einen Auf⸗ ſchub ſeiner Rückreiſe, der Berufsſtolz aber würde ihn abge⸗ halten haben, einen Gefährten unter ſolchen Umſtänden zu verlaſſen, hätte ein beſſeres Gefühl ihn nicht geleitet, bei Daggett zu bleiben und ihm beizuſtehen. Allerdings hatte ſich dieſer ihm gewiſſermaßen aufgedrungen, und die Verbin⸗ dung war bis auf dieſen Augenblick in ſeltſamer Weiſe auf⸗ recht erhalten worden, er betrachtete dieß jedoch als eine Fügung der Vorſehung, welcher er nicht entgegentreten zu dürfen glaubte. Er erklärte ſich demnach entſchloſſen, bei ſeinem Gefährten ſo lange auszuhalten, als man noch hoffen konnte, das beſchädigte Schiff nach Haus zu bringen. Dieſer Entſchluß deutete ſofort auf eine neue achttägige Verzögerung der Abreiſe. Man verlor jedoch keine Zeit mit fruchtloſem Bedauern, ſondern die ganze Mannſchaft begab ſich an die Arbeit, um den Schoner wieder in ſeichtes Waſſer zu ſchaffen und den Hauptleck aufzuſuchen. Sorgfältige Stellung des Schiffs und Pumpen ließen gewahren, daß ein großer Theil des Waſſers bereits„ausge⸗ ſtopft“ war, dennoch kam noch zu viel herein, als daß man —— — 122— es für klug erachtet hätte abzureiſen, ehe die Beſchädigung ausgebeſſert war. Man legte dieſes Mal den Schoner gar nicht auf das Flach. Er wurde ſo tief in das Waſſer geſtellt, daß er, von Schoren geſtützt, ſich aufrecht hielt, während die Ebbe zwei bis drei Gänge nach vornen trocken ließ, denn man beabſichtigte ihn zu wenden, wenn die Unterſuchung nach vornen nicht von Erfolg wäre. Als man das Kupfer abnahm, fand ſich wirklich, daß ein Holzende ausgetreten war, der innere Rand der Planke war ſo weit aus ſeiner Lage gerückt, als der äußere urſprüng⸗ lich geſtanden hatte. Dadurch öffnete ſich ein Ritz, durch welchen ſtets ein kleiner Waſſerſtrahl eindrang, und jede Stunde machte den Leck gefährlicher, indem das Kalfaterwerg gelöſt wurde und die Planke aus ihrer Biegung trat. Nachdem man jedoch die Beſchädigung einmal kannte, war nichts leichter, als ihr abzuhelfen. Man durfte das Holzende bloß neu verbolzen, einige neue Nägel einkeilen, kalfatern und das Kupfer wieder anſchlagen. Roswell, welcher jeden Augenblick ungeduldiger der Abreiſe entgegenſah, grollte mächtig über eine Verzögerung, welche in der That unvermeidlich ſchien, da ſie in der eigenthümlichen Lage des Lecks ihren Grund hatte. Da er nämlich, ſo zu ſagen, zwiſchen Wind und Waſſer lag, konnte man nicht länger als eine Stunde bei jeder Ebbe daran thätig ſein, und das Gerüſt ließ nur zwei Arbeiter zu gleicher Zeit zu. In Folge dieſer Umſtände verliefen und kamen nicht weniger als ſechs Ebben, ehe man ſagen konnte, der Vorſteven ſei wieder ganz„tüchtig.“ Der Schoner wurde dann ausgepumpt und wieder in das tiefe Waſſer gelaſſen. Jetzt ergab es ſich, daß die Geduld und der Fleiß unſerer Rob vorh Kork vor Lauf ich wenn Dag zu ſe verli Alles beder raſch mit herei in d Knal und vier Mut Eisb neuer jetzt werd Gruf idigung ier gar geſtellt, rend die , denn ng nach h, daß Planke ſprüng⸗ „ durch nd jede tterwerg kannte, fte das inkeilen, Abreiſe delche in ümlichen Waſſer der Ebbe beiter zu fen und konnte, er wurde aſſen. unſerer — 123— Robbenjäger mit Erfolg gekrönt worden, kein Leck war mehr vorhanden. „Der Schoner ſchwimmt wie eine Flaſche mit verſiegeltem Kork, Gar'ner,“ rief Daggett, welcher ſein Schiff jetzt wieder vor dem Anker treiben ſah und Roswell, dem er auf ſeiner Laufplanke begegnete, herzlich die Hand drückte.„Dieß habe ich Euch zu danken, und ganz Vineyard ſoll es erfahren, wenn wir je wieder nach Haus kommen.“ „Ich freue mich, daß es ſich ſo gefügt hat, Capitän Daggett,“ lautete Roswell's Antwort,„denn, die Wahrheit zu ſagen, dieſe vierzehn Tage, die wir verloren haben oder verlieren werden, ehe wir Eure Ladung wieder beigeſtaut und Alles zur Abreiſe hergerichtet haben, ſind nicht ohne eine bedenkliche Wetterveränderung geblieben. Die Tage werden raſch kürzer und die große Bai war dieſen Morgen bereits mit einer Eisrinde bedeckt. Der Wind warf ſchwere Wellen herein, welche die Eisdecke brachen, ſeht Euch aber nur hier in der Bucht um,— in der Nähe der Felſen könnte ein Knabe auf dem Eiſe hin und wieder gehen.“ „Morgen früh wird nichts mehr davon zu ſehen ſein, und die beiden Mannſchaften werden mit dem Füllen in vier und zwanzig Stunden fertig. Muth, Gar'ner, friſchen Muth, im Laufe einer Wache bringe ich Euch klar von den Eisbergen.“ „Ich habe jetzt weniger von den Eisbergen, als von dem neuen Eiſe und den Schoſſen zu fürchten. Jene Maſſen müſſen jetzt ziemlich weit nach Norden gezogen ſein, mit den kälter werdenden Nächten aber ſcheinen die Schoſſen wieder auf die Gruppe heranzuſchwimmen, ſtatt von ihr abzutreten.“ Daggett ſuchte ſeinen Gefährten durch zuverſichtliches ——— — 124— Zuſprechen zu erheitern, Roswell freute ſich aber herzlich, als man nach Verlauf von abermals vier und zwanzig Stunden das Vineyarder Schiff für reiſefertig erklärte. Es ging bereits gegen Abend und Roswell war für augenblicklichen Aufbruch, wogegen Daggett jedoch mehrfache erhebliche Gründe vorbrachte. Vor allem fehlte ihnen der Wind, und Roswell's Vor⸗ ſchlag, die Schoner im Schlepptau in die Mitte der Bai zu führen, wurde mit dem Einwande beſeitigt, die Mannſchaft habe mehrere Tage hart gearbeitet und bedürfe der Ruhe. Sodann gewinne man durch das Hinausführen der Schoner eben nicht mehr, als daß man ſie aus der Eisrinde bringe, welche ſich jetzt regelmäßig jede Nacht in der Nähe des Lan⸗ des anſetzte, die aber eben ſo regelmäßig brach und ſich ver⸗ lor, ſobald der Wind wieder kam und die Wellen hob. Das Ausſehen der Dinge geſiel jedoch Roswell nicht und er beſchloß, mit ſeinem Schoner hinauszutreten und Daggett thun zu laſſen, was ihm beliebte. Nachdem er ſeine Anſicht vergeblich erörtert hatte und ſah, daß die Mannſchaft des andern Schoners ihr Abendbrod gegeſſen und ſich nach unten begeben hatte, rief er alle ſeine Leute zuſammen, hielt eine kurze Anſprache an ſie und überließ es ihnen, ob ſie die Boote bemannen wollten oder nicht. Da Roswell die gewöhnliche Windſtille, die Glätte des Waſſers und eine vorausſichtlich ſehr kalte Nacht— denn kalt war es jetzt bereits in den Mittagsſtunden— mit Bered⸗ ſamkeit hervorhob, fügten ſich die Leute wider Willen ſeiner Anſicht und zeigten ſich bereit zu arbeiten, ſtatt zu ſchlafen. Die Anſtrengungen ließen ſich jedoch bedeutend mindern, wenn verthe 9 etwa er ar Linie am ge ger S große der M C ſeinem großes Schiff Segelt an der Deck, war. mit der M als die in die dieſer kaum d Robber in der die Lei Eis ar ch, als Stunden dar für ehrfache 8 Vor⸗ Bai zu inſchaft Ruhe. Schoner bringe, 2s Lan⸗ ich ver⸗ cht und Daggett dte und endbrod er alle an ſie wollten tte des — denn Bered⸗ ſeiner chhlafen. indern, — 125— wenn man die Mannſchaft in die herkömmlichen Wachten vertheilte. Roswell erzielte nichts Anderes, als ſeinen Schoner etwa auf eine Stunde von der Bucht zu entfernen, wodurch er aus einer von einem Vorberge zum andern gezogenen Linie kam, denn das neue Eis konnte innerhalb jener Linie am gefährlichſten werden. Damit hoffte er im Verlaufe weni⸗ ger Stunden, und wenn ſich Wind erhob, noch früher, ohne große Mühe fertig zu werden. Dieſe Erläuterungen genügten der Mannſchaft vollkommen. Es war Roswell, als wälzte man eine große Laſt von ſeinem Herzen, als ſein Schoner des Grundes klar und ſein großes Segel anfgegeit war. Ein Boot ging voran und das Schiff wurde langſam aus der Bucht bugſirt, ohne daß das Segeltuch förderlich oder hinderſam geweſen wäre. Als es an dem anderen Schoner vorbei kam, war Daggett auf dem Deck, das einzige lebende Weſen, welches an Bord ſichtbar war. Er wünſchte ſeinen Gefährten gute Nacht und verſprach, mit dem erſten Morgenlichte hinaustreten zu wollen. Man kann ſich wohl nicht leicht eine ödere Scene denken, als die war, in welche Decan Pratt's Schoner trat, als er in die Gewäſſer hinauslief, welche die verſchiedenen Inſeln dieſer entlegnen, wilden Gruppe trennten. Roswell konnte kaum die düſtere Maſſe der Felſen, welche den Mittelpunkt der Robben⸗Inſel krönte, unterſcheiden, und dieſe verlor ſich bald in der zunehmenden Dunkelheit. Die Kälte ſteigerte ſich und die Leute klagten bald, auf den Ruderblättern ſetze ſich Eis an. Jetzt bemächtigte ſich unſeres jungen Capitäns ein Gedanke, welcher ihm bisher entgangen war. Was konnte es ihn helfen, — 126— ſeinen Schoner klar aus dem Eis zu ſchaffen, wenn der ſeines Gefährten am nächſten Morgen davon eingeſchloſſen war? Dieſer Gedanke wirkte ſo mächtig auf ihn, daß er ſein Boot herein rief und in die Bucht zurückkehrte, um noch einmal zu verſuchen, Daggett zum raſchen Aufbruche zu bewegen. Gardiner fand alle Vineyarder, ſelbſt die Offiziere„ein⸗ gekehrt.“ Die Anſtrengungen, welche ſie gehabt, ſo wie die Kälte machten die Lagerſtätte ſehr behaglich, und ſelbſt Dag⸗ gett entſchuldigte ſich, daß er nicht aufſtünde und ſeinen Beſuch gehörig empfinge. Unter ſolchen Umſtänden und bei dieſer Stimmung des Mannes war alles Zureden vergeblich und Roswell kehrte, nachdem er ſich kurze Zeit mit Daggett beſprochen, in ſeinen Schoner zurück. Wie er entlang ruderte, ſah er, daß ſich raſch Eis bilde, und das Boot hatte bereits, ehe es das Schiff erreichte, eine dünne Decke zu durchfurchen. Unſer Held war nun ſehr beſorgt, er möchte ſelbſt ein⸗ frieren, ehe er in das offenere Waſſer der Bai gelangte. Glücklicherweiſe erhob ſich ein leichter Wind von Norden her, Gardiner ſtellte ſeine Segel und es gelang ihm, ſein Schiff an einen Punkt zu führen, wo das Wogen der Deining ihm andeutete, daß er außerhalb der oben erwähnten Linie ſtehe. Dann geite er ſein Fockſegel auf, holte die Klüverſchote über, ſenkte ſeine Gaffel und ließ das Ruder abfallen. Die Mannſchaft erhielt jetzt Erlaubniß, zur Ruhe zu gehen und die Offiziere übernahmen abwechſelnd die Bewachung des Schiffes. Eine Stunde vor Tagesanbruch rief der zweite Maat, ſeinem Befehle gemäß, Roswell auf. Als der junge Capitän auf das Deck kam, fand er keinen Wind, aber einen bitter kalten Seiten Eis geb der We günſtig er, daß angeſetzt er harrt Daggett Un von ein fläche i bedeckte! ſich mit Tagesar war nic volle K Ga gett's u Leute at ein war nommen Roswell ließ, au Weges eine Sä Vie bald fri ſchwere und das ſeines war? n Boot mal zu 2„ein⸗ wie die ſt Dag⸗ Beſuch ung des kehrte, n ſeinen daß ſich s Schiff lbſt ein⸗ gelangte. den her, n Schiff ing ihm nie ſtehe. verſchote en. Die u gehen hung des e Maat, Capitän en bitter — 127— kalten Morgen. Ueberall auf der Takelage und an den Seiten des Schoners, wo das Waſſer ihn berührte, hatte ſich Eis gebildet, obgleich die Stille der Nacht, welche das Sprühen der Wellen hinderte, in dieſer Hinſicht unſern Seefahrern günſtig war. Als Roswell einen Bootshaken niederließ, fand er, daß die Bai rings um ihn eine faſt zolldicke Eisrinde angeſetzt hatte. Dieß verurſachte ihm große Beſorgniß und er harrte ängſtlich des anbrechenden Tages, um ſich der Lage Daggett's zu vergewiſſern. Und in der That, als es hell ward, ſah man, daß Eis von einer Dicke, welche einen Mann trug, die ganze Ober⸗ fläche innerhalb der Linie zwiſchen den beiden Vorbergen bedeckte! Daggett und ſeine Leute waren bereits beſchäftigt, ſich mit der Säge Bahn zu brechen. Sie mußten lange vor Tagesanbruch das Unheil geahnt haben, denn der Schoner war nicht nur des Grundes klar, ſondern ſtand ſchon auf eine volle Kabellänge außerhalb der Bucht. Gardiner faßte mit ſeinem Fernrohre das Gehaben Dag⸗ gett's und ſeiner Leute in das Auge und ließ dann alle ſeine Leute aufrufen. Der Koch war bereits in der Kambüſe und ein warmes Frühſtück ſtand bald bereit. Als dieſes einge⸗ nommen war, wurden die zwei Wallfiſchboote niedergelaſſen, Roswell und Hayard ruderten ſo weit, als es das Eis zu⸗ ließ, auf das eingeſchloſſene Schiff zu, den übrigen Theil des Weges legten ſie mit dem größten Theile der Mannſchaft, die eine Säge mitgenommen hatte, zu Fuß zurück. Vielleicht war es ein Glück für Daggett, daß der Wind bald friſch aus Norden zu blaſen begann und eine ziemlich ſchwere See in die Bai ſchickte, welche das Eis raſch brach und das Vineyarder Schiff in den Stand ſetzte, ſich durch ——ÿ— — 128— die Eisſchollen zu drängen, ſo daß es gegen Mittag ſeinen Gefährten erreichte. Roswell freute ſich, als er wieder an Bord ſeines Schiffes war, er ließ ſofort die Segel vom Winde faſſen, entſchloſſen, auf jede Gefahr hin aus den engeren Waſſern zu laufen. Die Erfahrung der letzten Nacht hatte ihn gelehrt, daß ſie zu lange in der Bucht geblieben waren. Daggett folgte will⸗ fährig, aber doch nicht ſo eifrig, wie man es von einem Manne hätte erwarten ſollen, welcher nur mit Noth der Gefahr entſchlüpft war, in der Nähe des ſüdlichen Polar⸗ kreiſes den Winter hinbringen zu müſſen. Siebentes Kapitel. An der Moldau wilder Strömung, Vom blaſſen Mond umglänzet hehr, Da ſtand, wie in des Traumes Grau'n, Der Todten zahlos Heer. Longfellow. Unſere meiſten Leſer werden wiſſen, was Mary Pratt's „Neigung der Achſe der Erde gegen die Ebene ihrer Bahn“ ſagen wollte, da es aber einige geben könnte, welche dieß nicht wiſſen, und da die Folgen dieſer wichtigen, phyſikaliſchen Thatſache in einem weſentlichen Zuſammenhange mit den fortſchreitenden Begebenheiten unſerer Erzählungen ſtehen, wollen wir hier eine einfache Erklärung dieſer Erſcheinung einſchalten, und hoffen, ſie ſelbſt dem beſchränkteſten Verſtande hinreichend anſchaulich zu machen. Die Bahn der Erde iſt der Weg, welchen ſie bei ihrer jährlich Für ei nomme ihn he ſchwimn nennen Tiſch, ein Lich äußere und ſeit Eit Raum Tiſches Stellun braucher gebildete zum an man an Wi die Erde drücken Wenn d ſo würd man der Tiſches ihn den wird ma eine He Wenn di die Tage 250- g ſeinen Schiffes ſchloſſen, laufen. „daß ſie gte will⸗ n einem koth der Polar⸗ ung, nzet hebhr, Grau'n, fellow. Pratt's Bahn“ che dieß kaliſchen mit den ſtehen, cheinung zerſtande dei ihrer — 12²29— jährlichen Umdrehung um die Sonne in dem Raume verfolgt. Für einen Planeten gibt es kein Oben oder Unten, ausge⸗ nommen, ſo weit Auf⸗ und Abſteigung von ihm hin und gegen ihn her in Frage kommt. In allen anderen Beziehungen ſchwimmt er in einem leeren Raume, oder was man faſt ſo nennen kann. Der Leſer denke ſich nun einen großen runden Tiſch, auf deſſen Fläche in der Nähe des Mittelpunktes ſich ein Licht befindet. Das Licht ſoll die Sonne vorſtellen, der äußere Rand des Kreiſes des Tiſches die Bahn der Erde, und ſeine Fläche die Ebene jener Bahn. Eine ſolche Ebene gibt es nicht in der Natur, denn der Raum innerhalb der Bahn iſt leer, aber die Oberfläche des Tiſches gibt eine deutliche Vorſtellung von der allgemeinen Stellung der Erde, während ſie um die Sonne geht. Wir brauchen kaum zu bemerken, daß die Achſe der Erde eine ein⸗ gebildete Linie iſt, welche durch den Planeten von einem Pole zum andern gezogen wird, der Name ſchreibt ſich daher, daß man annimmt, die Erde drehe ſich täglich um dieſe Achſe. Wir müſſen vor Allem bitten, bemerken zu dürfen, daß die Erde ihre Stellung im Raume, wenn wir uns ſo aus⸗ drücken dürfen, nicht verändert, wenn ſie ihre Lage ändert. Wenn die Achſe ſenkrecht auf die Ebene der Erdbahn ſtünde, ſo würde dieß ohne Einfluß auf die Temperatur ſein. Wenn man den Aequator eines Globus an den äußern Rand des Tiſches bringt und ihn ganz aufrecht hält, während man ihn den Kreis durchlaufen läßt und um ſeine Achſe dreht, ſo wird man ſehen, daß das Licht in der Mitte des Tiſches ſtets eine Hälfte des Globus erleuchtet und die beiden Pole trifft. Wenn dieſe Bewegung der der Natur gleich wäre, ſo würden die Tage und Nächte ſtets dieſelbe Länge haben und nie ein. 250— 252. 9 — 130— Wechſel der Jahreszeiten eintreten, das wärmſte Wetter wäre um den Aequator und die Kälte würde ſich ſteigern, wie man ſich den Polen nähert. Nirgends jedoch würde die Kälte ſo groß ſein, wie ſie es jetzt iſt, auch die Hitze würde nur am Aequator der jetzigen gleich kommen. Jenes hätte ſeinen Grund in der täglichen Wiederkehr der Sonne, dieſes in der ſchiefen Richtung, in welcher die Strahlen überall, mit Aus⸗ nahme des Aequators, auf die Kugel fallen. Der Globus darf aber nicht, mit ſeiner Achſe ſenkrecht auf der Ebene ſtehend, oder„gegen die Ebene der Erdbahn,“ bewegt werden. Da ſich die Erde dieſer Ebene wirklich zuneigt, muß der Globus in einer entſprechenden Neigung aufgeſtellt werden. Man bringe den Globus auf den ſüdlichen Rand des Tiſches und laſſe den obern oder nördlichen Pol ſich gegen die Sonne neigen, und beginne dann die Kreisbewegung, wobei man beachten muß, daß dieſer Nordpol des Globus ſtets dieſelbe Richtung behalte, oder daß der Globus in einer feſten Stellung, wenn wir es ſo nennen dürfen, bleibe. Da die eine Hälfte des Globus ſtets im Lichte, die andere im Dunkeln bleiben muß, wird dieſe Neigung aus der ſenk⸗ rechten Linie den Lichtkreis ein wenig über den Nordpol aus⸗ dehnen, wenn der Globus gerade ſüdlich vom Lichte iſt, und um den entgegengeſetzten Pol wird ein gleicher Raum ohne Licht überhaupt, oder doch ohne unmittelbares Licht bleiben. Nun beachte man, was wir oben die feſte Stellung des Globus genannt haben. Wenn der Nordpol ſich gegen die dem Rande des Tiſches zugekehrte Bahn neigte, würde das Licht ſtets die Pole treffen, die Tage und Nächte würden ſtets gleich ſein und die Jahreszeiten würden nie wechſeln, obgleich eine ge⸗ er ſich ſeln wü De die Flä nothwen eben ſo Raume, Neigun die in ſogleich M die Ach derſelbe folgend, raſch ut So man ſe Umdreh vermöch Globus gung ſo Nu dem R fortgeht allgeme mit ein Linie pe des Tiſ Di — 131— ſetter wäre eine gegenſtrebende Bewegung des Globus ſtattfände, wodurch wie man er ſich einmal im Jahre umdrehen und die Pole gänzlich wech⸗ e Kälte ſo ſeln würde. enur am Da die Neigung gegen die Ebene des Tiſches, oder gegen itte ſeinen die Fläche der Bahn geht, müſſen die bekannten Erſcheinungen ſes in der nothwendig folgen, und ſo iſt der Wechſel der Jahreszeiten mit Aus⸗ eben ſowohl ein Ergebniß der feſten Stellung der Erde im Ranme, wie wir ihre Polarrichtungen nennen wollen, wie der e ſenkrecht Neigung ihrer Achſe. Weder jene noch dieſe allein könnte Erdbahn,“ die in Frage ſtehende Erſcheinung hervorbringen, wie wir ch zuneigt, ſogleich veranſchaulichen werden. aufgeſtellt Man ſtelle den Globus an die Südſeite des Tiſchrandes, chen Rand die Achſe gegen deren Ebene geneigt, und die Pole ſtets in ſich gegen derſelben allgemeinen Richtung und dem Kreislaufe der Bahn bbewegung, folgend, man laſſe ſich ihn nach Den bewegen und dabei es Globus raſch um ſeine Achſe laufen. Globus in So lange er genau ſüdlich vor dem Lichte ſteht, wird hen dürfen, man ſehen, daß der Nordpol erleuchtet iſt, während keine Umdrehung der Achſe den Südpol in den Lichtkreis zu bringen die andere vermöchte. Dieß tritt nur ein, wenn eine durch die Achſe des der ſenk⸗ Globus gezogene Linie die Lampe durchſchneidet, und die Nei⸗ rdpol aus⸗ gung ſo tief wie die Ebene des Tiſches geſtellt wird. te iſt, und Nun ſetze man den Globus in Bewegung, indem man taum ohne dem Rande des Tiſches folgt und nach Oſten oder rechts bleiben. fortgeht, und die Achſe ſtets ſo hält, daß ſie in derſelben tellung des allgemeinen Richtung oder in einer Stellung bleibt, welche gegen die mit einer nördlichen und ſüdlichen, durch das Licht gezogenen würde das Linie parallel liefe, wäre die Neigung ſo tief wie die Ebene ürden ſtets des Tiſches. n, obgleich Dieß iſt in einem Sinne eine Seitenbewegung, wodurch 9* der Lichtkreis um den Nordpol allmählich gemindert und nach Süden ausgedehnt wird, wie der Globus nordöſtlich vorſchrei⸗ erleucht 1 tet; die Tageslänge in der nördlichen Halbkugel nimmt nun Bleiſtift ab und die in der ſüdlichen wächſt. Steht er öſtlich, ſo fallen der Glo die geradeſten Lichtſtrahlen auf den Aequator, die beiden Pole Linien treten in die Schattengränze und die Tage und Nächte werden in der gleich. Beide Pole ſehen jetzt die Sonne den ganzen Tag in Dieſe L ihrem Horizonte. Wie der Erdball nach Norden geht, dehnt kreis, ſich der Lichtkreis um den Südpol aus, während er den zuwend Nordpol ganz unberührt läßt. Hat er die Nordſeite des Tiſches W erreicht, ſo neigt der Nordpol ſich ſo weit von der Sonne, daß verſtänd rings um ihn ein ebenſo großer Raum im Schatten bleibt, wie ſehr ſch der Lichtraum war, als er auf der andern Seite des Tiſches wenn n ſtand. M Umgeht man den Kreis auf der weſtlichen Seite, ſo bieten ſechs N ſich dieſelben Erſcheinungen dar, bis man wieder gerade ſüd⸗ nur in lich vor dem Lichte anlaugt, und der Nordpol von Neuem iſt es o ganz in das Licht, der Südpol aber in den Schatten tritt. ſchwerli In Folge dieſer höchſt einfachen, aber höchſt wundervollen Eismee Einrichtung der göttlichen Macht und Weisheit erfreut ſich die De Erde des Glückes der wechſelnden Jahreszeiten und zumal der welche wechſelnden Tageslänge. Ein halbes Jahr hindurch, oder von lichen? einer Tag- und Nachtgleiche bis zur andern, von der Zeit an, weſentl wo der Globus gerade auf dem weſtlichen Punkte des Tiſches und Li ſteht, bis er den öſtlichen erreicht, iſt der Nordpol ſtets von dieſer, einem Lichtkreis umgeben, welcher allmählich größer und kleiner atlantif wird, während des andern halben Jahres gilt daſſelbe von M der andern Halbkugel. erneuer Natürlich gibt es einen beſtimmten Punkt auf der Erbe, muß, wo dieſe Erleuchtung des Pols aufhört. Die Geſtalt des bercenn und nach vorſchrei⸗ immt nun ſo fallen iden Pole te werden n Tag in eht, dehnt ad er den des Tiſches onne, daß Dleibt, wie es Tiſches ſo bieten erade ſüd⸗ n Neuem tten tritt. ndervollen ut ſich die zumal der oder von Zeit an, es Tiſches ſtets von und kleiner ſſelbe von der Erde, heſtalt des — 133— erleuchteten Theils iſt rund, und wenn man die Spitze eines Bleiſtifts auf die äußerſte Stelle in dem Kreiſe ſetzt, während der Globus ſich in ſeiner Achſe dreht, ſchließen die entſtehenden Linien genau die Theile der Erde um den Globus ein, welche in der Mitte des Sommers die Sonnenſtrahlen empfangen. Dieſe Linien ſind der ſogenannte nördliche und ſüdliche Polar⸗ kreis, welchem letzteren unſere Erzählung ſich jetzt wieder zuwendet. Wir ſind jedoch keineswegs ganz gewiß, ob wir uns ſo verſtändlich gemacht haben, als wir es wünſchen, denn es iſt ſehr ſchwierig, Erſcheinungen dieſer Art deutlich zu machen, wenn man keine Zeichnungen und Inſtrumente zur Hand hat. Man ſagt gewöhnlich, in den beiden Polarſeen ſei es ſechs Monate Tag und ſechs Monate Nacht. Wörtlich iſt dieß nur in Bezug auf die Pole ſelbſt wahr, und im Ganzen iſt es annäherungsweiſe wahr. Der Uneingeweihte macht ſich ſchwerlich einen richtigen Begriff von dem, was man eigentlich Eismeer nennt. Da die Polarkreiſe in 23⁰° 28“ liegen, wird eine Linie, welche man z. B. von der einen Seite der Erde an dem ſüd⸗ lichen Polarkreis durch den Südpol bis zu der andern zieht, weſentlich länger ſein, als die Entfernung zwiſchen Neu⸗York und Liſſabon. Demgemäß würde die Eisregion einen Theil dieſer Erde umfaſſen, welcher ebenſo groß wäre, wie das atlantiſche Meer bis zum Aequator herab! Man denkt ſich leicht, wie groß der Einfluß der ſich ſtets erneuernden Kälte auf eine ſo ungeheure Ausdehnung ſein muß, da die im Sommer von Norden herab treibenden Eis⸗ berge auf die Temperatur der Vereinigten Staaten wirken! Wie Gleiches ſtets das Gleiche erzeugt, ſo erzeugt Kälte — 134— auch Kälte. Man fülle einen Raum, wie das nördliche atlan⸗ tiſche Meer, mit Eis in allen ſeinen mannigfachen Formen,— Eisberge, Felder, Schoſſen und Schollen,— und denke ſich die Herbe, die Intenſität und Ausdauer der Winterkälte, wenn die Sonne ſich kaum über dem Horizonte zeigt, und dann ihre Strahlen nur ſo ſchief auf die Oberfläche der Erde fallen, daß man bloß einen froſtig ausſehenden Lichtkreis vor ſich zu haben glaubt, welcher nur am Himmel zu ſtehen ſcheint, um die Nacht von dem Tage zu ſcheiden. Dieß war alſo die Gegend, welche Roswell Gardiner ſo ſehnlich zu verlaſſen wünſchte und deren Winter er ſo ſehr fürchtete. Mary Pratt ſtand vor ihm, ſeiner Pflichten gegen den Deean nicht zu gedenken, während er hinter ſich das unge⸗ heure Eismeer ſah, das wir eben geſchildert haben und welches jetzt im Begriffe war, ſich in die ſchaurigen Schatten langer, düſterer Dämmerung, wenn nicht gänzlicher Nacht, zu hüllen. Man darf ſich daher nicht wundern, daß er, als er an dieſem Abend ſeine Segel beiſetzen ließ, um aus der großen Bai zu treten, dieß mit einem Ernſte that, wie Jeder wohl Pflichten obzuliegen pflegt, deren große Wichtigkeit er erkennt, und welche ſichtbar und unmittelbar ſeine eigene Wohlfahrt bedingen. „Laßt den Wind tüchtig eingreifen, Herr Hayard,“ ſagte Noswell, als er das Deck verließ, um nach vier und zwanzig Stunden zum erſten Male ein wenig zu ſchlafen,„und den Schoner durch das Waſſer laufen. Die Zeit iſt uns voran⸗ geeilt und wir müſſen uns ſputen. Ruft mich auf, wenn ſich Eis in bedenklicher Weiſe zeigen ſollte.“ Hayard ließ das gewöhnliche„Ja, ja, Herr!“ laut wer⸗ den, knüpfte ſein Wollenwamms ſorgfältiger als je zu und ſah ſein druͤckt d aus,— ſchwinde St näherte und die „ der Me wüßtet. Pritſche und me Schlafe würde.“ „1 bekomm Fahrwe „ wir ſin gebliebe „ wir, de Augen! der Re 71 folgt n eine g ſelben. „ ſchauer hhe atlan⸗ prmen,— ee ſich die wenn die dann ihre llen, daß zu haben um die Gardiner r ſo ſehr en gegen das unge⸗ d welches nlanger, hüllen. ls er an großen der wohl erfennt, kohlfahrt „“ ſagte zwanzig und den 3 voran⸗ denn ſich aut wer⸗ zu und — 135— ſah ſeinen Oberen,— das modiſche Zartgefühl unſerer Zeit dräckt den Unterſchied des Ranges durch„älter und jünger“ aus,— Hayard ſah ſeinen Oberen nicht ganz ohne Neid ver⸗ ſchwinden, ſo ſchwer drückte der Schlaf auf ſeine Augenlieder. Stimſon war in der Wacht des erſten Maats, und dieſer näherte ſich dem alten Seebären, um ſich mit ihm zu beſprechen und die Schlafluſt los zu werden. „Ihr ſcheint hell wach zu ſein, König Stephan,“ bemerkte der Maat,„als wenn Ihr von Schläfrigkeit nie etwas wüßtet.“ „Dieß iſt kein Theil der Welt für Hängematten und Pritſchen, Herr Hayard,“ lautete die Antwort.„Ich kann und muß mich in dieſen Gewäſſern mit dem vierten Theil Schlafes begnügen, der mir in niedriger Breite zu Theil würde.“ „Und mir kommt es vor, als könnte ich deſſen nicht genug bekommen. Jene Burſche laufen uns ganz gehörig in unſerem Fahrwaſſer nach, Stephan.“ „So iſt’s, Herr, und ſie thun ganz recht daran, denn wir ſind länger, als wir hätten thun ſollen, in dieſer Gegend geblieben.“ „Nun, da wir jetzt wieder friſch im Gange ſind, werden wir, denk' ich, einen guten Strich machen. Ich habe bis dieſen Augenblick dort nach nordwärts nichts von Eis geſehen, das der Rede werth wäre.“ „Daraus, daß Ihr keines geſehen habt, Herr Hayard, folgt nicht, daß keines dort iſt. Eisſchoſſen ſieht man nicht auf eine große Entfernung, wohl aber zuweilen den Glanz der⸗ ſelben. Mir ſcheint aber hier herum alles Glanz zu ſein.“ „Darin habt Ihr ganz recht, Stephan, denn wohin wir ſchauen, hat der Horizont ein derartiges Ausſehen—“ — 136— „Ruder am Steuerbord!“ rief der Ausguck vornen, abgehalten, abgehalten, nach vornen iſt Eis!“ „Eis, hier in der Bai?“ rief Hayard und ſprang nach vornen.„Das iſt mehr, als wir erwartet haben. Wo iſt Euer Eis, Smith?“ „Dort, Herr, auͤf unſerer Luvſeite, und ein hölliſch dickes Eisfeld, gerade ſo ein Burſche, wie jener, der den Vineyarder Löwen quetſchte, als er ſich uns zuerſt näherte. So ein Geſelle könnte uns den Saft aus den Planken drücken, wie eine Citronenpreſſe den Saft aus einer ſolchen Frucht drückt.“ Smith war ſeines Gewerbes ein Zimmermann, was ihn wahrſcheinlich veranlaßte, ſich dieſer Vergleichung zu bedienen. Hayard ſah mit großem Leidweſen das Eis, denn er hatte gehofft, den Schoner in ſeiner Wacht aus der Bai zu führen; das Schoß kam aber in einer Weiſe in die Durchfahrt herab, daß es den Austritt der beiden Schoner aus der Bai zu hem⸗ men drohte. Daggett hielt ſich dicht im Fahrwaſſer ſeines Gefährten, ein Beweis, daß dieſer in ſolchen Gewäſſern bewanderte See⸗ mann kein Mittel ſah, weiter nach windwärts zu wenden. Da der Wind jetzt krahnbalksweiſe ſtand, trieben beide Schiffe raſch nach vornen, und hatten nach einer halben Stunde die nördliche Spitze des Landes, welches ſie kaum erſt verlaſſen, ganz nahe im Geſicht. In dieſem Augenblicke ging der Mond auf und die Gegen⸗ ſtände traten deutlich hervor. Hayard braiete den Vineyarder Löwen und fragte, was zu thun ſei. Wenn man dicht bei dem Wind anhielt, konnte man vielleicht an dem Cap, eine kurze Strecke windwärts vor ihm, vorbeikommen und, wie es ſchien, dem Schoß ſo aus⸗ weichen. wenden viele Me geſetzte „ welcher treten r ſein Ob zulaſſen. zu laſſer Die Seelöwe betrat d ward. „A Daggett durch od zwiſchen Ihr kön Der ſich befa „F tete der beabſicht Bei beiden was ſich nicht die dere Unr können, Gefahr vornen, ung nach Wo iſt ſch dickes neyarder So ein ken, wie drückt.“ was ihn bedienen. er hatte führen; t herab, zu hem⸗ fährten, rte See⸗ wenden. Schiffe unde die erlaſſen, Gegen⸗ e, was konnte rts vor ſo aus⸗ — 137— weichen. Wenn man dieß nicht konnte, mußten beide Schoner wenden und auf die ſüdliche Durchfahrt abhalten, was ſie viele Meilen leewärts führen und weit hinab auf die entgegen⸗ geſetzte Seite der Gruppe ſtellen konnte. „Iſt Capitän Gar'ner auf dem Deck?“ fragte Daggett, welcher jetzt nahe an die Leeſeite ſeines Gefährten herange⸗ treten war, denn Hayard hatte ſein Fockſegel aufgegeit und ſein Oberſegel ſcharf back gelegt, um den Vineyarder heran⸗ zulaſſen.—„Wenn nicht, ſo rathe ich, ihn ſofort aufrufen zu laſſen.“ Dieß geſchah alsbald. Mittlerweile ſchoß der Vineyarder Seelöwe an dem von Oyſter⸗Pond vorüber und Roswell betrat das Deck, als das andere Schiff eben ſeines Bugs klar ward. „Wir haben nicht Zeit, Rath zu pflegen, Gar'ner,“ ſagte Daggett raſch.„Unſer Curs geht nach vornen. Wir müſſen durch oder bleiben, wo wir ſind, bis das Eisfeld uns dort zwiſchen die Vorberge hinabdrückt. Ich will vorangehen und Ihr könnt folgen, ſobald Eure Augen gehörig offen ſind.“ Der erſte Blick ließ Roswell ſehen, in welcher Lage er ſich befand. Sie gefiel ihm nicht, aber hier galt kein Zaudern. „Füllt das Oberſegel und zieht das Fockſegel an!“ lau⸗ tete der ruhige Befehl, welcher andeutete, was er zu thun beabſichtigte. Beide Schiffe hielten ihren Curs. Alle am Bord der beiden Schiffe wurden— man wußte nicht wie— gewahr, was ſich begab, und erſchienen auf dem Deck. Man hatte nicht die ganze Mannſchaft aufgerufen, auch war keine beſon⸗ dere Unruhe entſtanden, welche die Aufmerkſamkeit hätte wecken können, aber man hatte unter einander zugeflüſtert, eine große Gefahr ſtünde bevor. ———— — 138— Allerdings ſtand eine große Gefahr bevor! Es war uner⸗ läßlich, mehrere Meilen weit dicht jenem hohen Land entlang zu ſteuern, wo ſich früher die Robben zu ſonnen pflegten. Der Wind erlaubte den Schonern nicht, während der erſten Stunde mehr als auf eine Kabellänge von dem Felſen abzu⸗ halten, dann lief die Küſte ein wenig ſeitwärts ab und man konnte knappen Seeraum gewinnen. An jenen Felſen aber brachen ſich die Wellen ſchwer und das Brüllen, mit welchem ſie in die Höhlungen ſtürzten, war faſt immer fürchterlich. Nur der Umſtand war einigermaßen ermuthigend, daß man die Küſte genauer kennen gelernt hatte, indem man häufig mit den Booten hin und her fuhr. Man wußte, daß das Waſſer in der Nähe der ſichtbaren Felſen tief war und daß keine Gefahr drohte, ſo lange man von ihnen abhalten konnte. Kein Wort wurde laut. Jedes Auge ſpähte angeſtrengt nach vornen, oder blickte ſpiegelwärts, um das erwartete Zuſam⸗ mentreffen des Eisfeldes und des kleinen Vorſprungs des Caps zu beachten. Bald hörte man, daß dieſes Zuſammentreffen bereits Statt gefunden hatte, denn die furchtbaren Töne, welche das Krachen und Zerſchellen des Eiſes begleiteten, hätten eine volle Stunde weit vernommen werden können. Jetzt mußte jeder Schoner ſeine ganze Kraft aufbieten. Raaen wurden aufgebraſſt, Segel back gelegt und des Ruders gewartet. Die große Nähe der Felſen auf der einen Seite, und das geheime Vorgefühl, daß auf der andern mehr Eis⸗ ſchoſſen trieben, hielt jeden Sinn rege und wach. Vor Allen waren die beiden Capitäne ganz Auge und Ohr. Es begann kalt zu werden und man hatte auf jedem Schiffe die Art Schutz in der Höhe, welcher man gewöhnlich den ſeltſamen Namen„Krähenneſt“ gibt, eingerichtet. In jedes die zugucken Fat Seemän teten, ei bar zera Die Nachrich Entſchie Ro den. D dieſer T Da Ro⸗ den Tag wärts z er ſtets benützen von der Da wurde, gewonne Na von ein auf ſein Die Cap an zwang machte, Felſen ar uner⸗ entlang pflegten. der erſten en abzu⸗ und man ſen aber welchem rchterlich. daß man n häufig daß das und daß in konnte. igeſtrengt te Zuſam⸗ des Caps nentreffen ne, welche itten eine aufbieten. 8 Ruders en Seite, nehr Eis⸗ luge und auf jedem ewöhnlich htet. In = 139— jedes dieſer Krähenneſter wurde ein Maat geſchickt, um aus⸗ zugucken, wie es windwärts ſtände. Faſt in demſelben Augenblicke riefen dieſe beiden jungen Seemänner ihre gegenſeitigen Decke auch ſchon an und berich⸗ teten, ein weites Schoß treibe auf ſie ab und würde ſie unfehl⸗ bar zerquetſchen, wenn man ihm nicht ausweiche. Die beiden Befehlshaber erhielten dieſe beunruhigende Nachricht in demſelben Augenblicke. Die Noth forderte raſche Entſchiedenheit, und jeder handelte ſelbſtſtändig. Roswell befahl abzufallen und den Schoner zu wen⸗ den. Das Waſſer war nicht rauh genug, um den Erfolg dieſer Bewegung zu hindern. Daggett dagegen faßte den Wind und hielt an. Roswell legte am meiſten Urtheil und Berufskenntniß an den Tag. Er war jetzt weit genug von dem Cap, um wind⸗ wärts zu ſteuern, und indem er dem Feinde näher trat, konnte er ſtets ſeinem ſüdlichen Saum entlang laufen, jede Oeffnung benützen und in dem Grade, als er ſo vorrückte, windwärts von der Küſte kommen. Daggett hatte einen Vortheil. Wenn er gezwungen wurde, zurückzukehren, hatte er, indem er anhielt, Zeit gewonnen. Nach zehn Minuten waren die beiden Schoner eine Meile von einander. Wir wollen zuerſt dem Roswell Gardiner's auf ſeinem Fluchtverſuche folgen. Dieß erſte Schoß, welches mit einer ſeiner Ecken an das Cap anſtieß und ſie in Stücke zermalmte und zerquetſchte, zwang das Schiff bald zu vieren. Indem Roswell kurze Gänge machte, ſah er ſich bald eine volle Meile windwärts von den Felſen und dem neuen Eisſchoſſe nahe genug, um deſſen ——— — 140— Geſtalt, Abtrifft und ganzes Gehaben ins Auge faſſen zu können. Sein öſtliches Ende hatte ſich auf das Eisfeld gelagert, welches zuerſt niederkam und die Schwerkraft, mit welcher dieſes ungeheure Schoß auf das Kap anprallte, bedeutend ſtei⸗ gerte. So groß jener erſte Beſucher der Bai war, ſo war dieſer doch von wenigſtens doppelter, wenn nicht dreifacher Ausdehnung. Was Roswell am meiſten beſorgt machte, war die große Entfernung, in welcher ſich dieſes Eisfeld nach Weſten hinſtreckte. Er ging ſelbſt in das Krähenneſt hinauf, und bei dem Scheine des glanzreichſten Mondes und einem ganz wolken⸗ loſen Himmel konnte er das Schimmern des Eiſes in jener Richtung, wie er glaubte, auf volle zwei Stunden hin ſehen. Dieß war vielleicht in dieſer frühen Jahreszeit ungewöhnlich, denn jene Eisfelder beſtanden nicht aus einer Menge zahlloſer kleiner Schollen, ſondern das ganze Feld war, ſo weit man ſich deſſen vergewiſſern konnte, eine feſte Maſſe. Die Nächte waren jetzt ſchon ſo kalt, daß überall, wo ſich Waſſer fand, alsbald Eis entſtand, und unſer junger Seemann zweifelte nicht, daß Eisſtücke, die von den Wellen gebrochen und zer⸗ ſtreut worden, ſich in Folge der Kälte wieder vereinigt hätten. Obgleich der Wind von einer warmen Seite her blies, kam Roswell doch, faſt erſtarrt von der ſchneidenden Kälte von dem Krähenneſte herab. Er rief ſeine Maaten zu ſich, um ihren Rath zu vernehmen. „Wie es mir ſcheint, Capitän Gar'ner,“ antwortete Hayard,„bleibt uns nicht viel Wahl. So weit ich mich ver⸗ gewiſſern kann, ſind wir hier eingebuchtet und müſſen uns zu halten ſuchen, bis der Tag kommt, wo ſich vielleicht eine Möglich herausz den Wi Di hörte, d Ih gibt,§ jener 6 ſteht be ſehen it , und vie ben St jener 9 wie ich mehr g „O Hayard geſehen Seite Auswe Straße eine ſo kommt von ei Schiffs dieſem nach w auf, H 3 faſſen zu gelagert, t welcher tend ſtei⸗ ſo war dreifacher hte, war keld nach bei dem 3 wolken⸗ in jener in ſehen. wöhnlich, zahlloſer veit man ie Nächte ſer fand, zweifelte und zer⸗ t hätten. jer blies, en Kälte zu ſich, ntwortete nich ver⸗ n uns zu icht eine — 141— Möglichkeit zeigt, Hilfe zu ſchaffen. Gelingt es uns nicht herauszukommen,— wohlan, dann müſſen wir uns entſchließen, den Winter hier zuzubringen.“ Dieſe Worte wurden ruhig und beſonnen laut und man hörte, daß Hayard in allem Ernſte ſprach. Ihr vergeßt, daß es nach weſtwärts eine offene Durchfahrt gibt, Herr Hayard,“ verſetzte Roswell,„und daß wir auf jener Seite in die See hinaus können. Capitän Daggett ſteht bereits ſo weit weſtlich, daß nichts mehr von ihm zu ſehen iſt, und wir werden wohl thun, auf ihn abzuhalten.“ „Ja, ja, Herr, ich weiß dieß recht gut, Capitän Gar'ner, und vielleicht iſt es, wie Ihr ſagt, als ich aber vor einer hal⸗ ben Stunde oben war, ſah ich das Schimmern des Eiſes in jener Richtung und rings um den Rücken der Inſel ſo gut, wie ich es hier um mich ſehe. Ich habe dieſen Glanz ſchon mehr geſehen und täuſche mich nicht leicht.“ „Es findet ſich ſtets Eis auf jener Seite des Landes, Hayard, und Ihr habt vielleicht das Blinken der Eisberge geſehen, welche den ganzen Sommer die Klippen auf jener Seite umlagerten. Dieß beweiſt jedoch nicht, daß ſich kein Ausweg findet. Unſer Schoner kann durch eine ſehr ſchmale Straße laufen, und wir müſſen die Augen offen halten, um eine ſolche zu entdecken und zu benützen. Hier zu überwintern kommt mir nicht in den Sinn. Hundert Gründe mahnen von einem ſolchen Entſchluſſe ab, der Intereſſen unſerer Schiffsherrn nicht zu gedenken. Wir ziehen ziemlich raſch an dieſem Schoß entlang, obgleich ich glaube, das Schiff geht nach vornen in dem Waſſer, fällt Euch dieß nicht auch auf, Hayard?“ „Gott, es iſt nichts, Herr, als das Eis, das ſich vornen raſch anſetzt. Ehe wir ſo nahe an das Schoß kamen, um eine beſſere Lee zu finden, fror der kleine Spritzer, welcher quer über unſer Bug kam, ebenſo ſchnell als er au uns anſchoß. Ich glaube, es haben ſich jetzt mehrere Tonnen Eis au deu Backen des Schoners von Rüſter zu Rüſter nach vornen angeſetzt. Dieß erwies ſich bei der Unterſuchung als richtig und dieſer Umſtand war in der That nicht geeignet, Roswell's Beſorgniſſe zu mindern. Er ſah, daß keine Zeit zu verlieren war und ließ mehr Segel beiſetzen, um, wenn möglich, das Schiff aus dieſen Gefahren zu ſteuern und einem mildern Klima entgegen zu führen. Aber ſelbſt ein ſchnell ſegelndes Schiff wird unter ſolchen Umſtänden unſeren Wünſchen kaum Genüge thun. Es war nicht zu bezweifeln, daß die Raſchheit des Seelöwen durch die Wucht des Eiſes, das ſich au ſeinen Backen feſtgeſetzt hatte, ſo wie durch die Beläſtigungen, welche Kälte, Feuchtigkeit und die ſchlüpfrigen Subſtanzen auf dem Deck und der Takelage er zeugten, bedentend gehemmt wurde. Zum Glück flog nicht viel Sprühe umher, ſonſt würde der Stand der Dinge viel ſchlimmer geweſen ſein. Er war jedoch bereits ſchlimm genug und deutete auf noch größeres Unheil. Während der Seelöwe von Oyſter⸗Pond in der eben beſchriebenen Weiſe an dem Saume des Eiſes niederlief und der Eisſchimmer weſtlich als ein ſichtbares Schoß hervortrat und es ſehr ungewiß machte, ob auf jener Seite ein Ausweg bleibe oder nicht, zeigte ſich plötzlich eine nach Norden ziehende Oeffnung, welche, nach Roswell Bedünken, breit genug war, um durch dieſelbe zu treten. Er drückte das Steuer nieder, der Schoner wendete ſich ſchwerfällig und füllte auf einen Curs, führte. Im terte ſich Stand zu faſſe hatte, indem in dem Fahrwa Me lich, de wendete den Fel ſogleich, nahm a möglich⸗ in eine geſchütz W eine Bi mit der offene ſchoſſen geſehen drängte men, um „welcher anſchoß. 3 au den ) vornen chtig und Roswell's verlieren glich, das mildern r ſolchen war nicht ie Wucht „ ſo wie und die Takelage log nicht inge viel m genug der eben lief und ervortrat Ausweg ziehende ug war, nieder, uf einen — 143— Curs, welcher ihn bald eine halbe Meile in dieſe Straße führte. Im Anfange ſchien Alles günſtig, denn der Kanal erwei⸗ terte ſich ſogar, während der nordweſtliche Curs ihn in den Stand ſetzte, auf einer, und zwar der beſten Seite den Wind zu faſſen. Nachdem er jedoch vier bis fünf Gänge gemacht hatte, änderten ſich dieſe ſchmeichelnden Ausſichten plötzlich, indem die Straße in einen cul de sac auslief. Faſt in demſelben Augenblicke ſchloß ſich das Eis raſch in dem Fahrwaſſer des Schoners. Man verſuchte jetzt zurückzutreten, dieß war jedoch unmög⸗ lich, da ſich ein ungeheures Schoß in ſeinem Mittelpunkt wendete, weil ihm ein näheres Eisfeld, welches ſeinerſeits an den Felſen aufgehalten wurde, entgegen trat. Roswell ſah ſogleich, daß in dieſem Augenblicke nichts zu thun ſei. Er nahm all ſein Segeltuch ein, ſo gut dieß bei durcheiſtem Tuche möglich war, ließ Eisanker auswerfen und holte ſein Schiff in eine Art Bucht an, wo es wenigſtens gegen das Quetſchen geſchützt war, wenn die Eisfelder ſich noch enger ſchloſſen. Während dieſer ganzen Zeit war Daggett geſchäftig wie eine Biene. Er umſchiffte das Cap und ſchmeichelte ſich bereits mit der Hoffnung, an den Felſen vorbeikommen und in das offene Waſſer auslaufen zu können, als die mächtigen Eis⸗ ſchoſſen, deren Schimmer ſelbſt die in dem andern Schiffe geſehen hatten, ſich plötzlich in einer Weiſe in ſeinen Curs drängten, welche jedem Verſuch, in dieſer Richtung weiter zu gehen, Trotz bot. Daggett wendete und ſuchte zurückzukehren Dieß war jedoch keineswegs ſo leicht, wie das Niederlaufen vor dem Wind, und auch ſeine Backen waren, ſo wie die des andern ——— —— — — 144— Schoners, und noch ſchwerer mit Eis belemmert. Mehrere Mal verſagte ſein Schiff das Wenden, weil es vornen ſo tief ging, und es blieb nichts übrig, als beizudrehen und zu den Aexten zu greifen. Ein großer Theil des angeſetzten Eiſes wurde losgehauen, aber man verlor auch eine koſtbare Stunde. Als Daggett ſich anſchickte, weiter zu gehen, ſah er, daß ihm die Rückkehr um das Cap durch das Antreten der Schoſſen an die Felſen völlig abgeſchnitten war. Es war jetzt Mitternacht und die Mannſchaften der bei⸗ den Schiffe bedurften der Ruhe. Die Wachten wurden beſtellt, und die Mehrzahl der Leute erhielt Erlaubniß„einzukehren.“ Man ſorgte natürlich für guten Ausguck, aber das Mondlicht war nicht hell genug, um, von ihm begünſtigt, noch irgend etwas zu unternehmen. Man fühlte keine große Beſorgniſſe, da es nichts ungewöhnliches war, ein Schiff in dem Eiſe„ein⸗ gebuchtet“ zu wiſſen, und ſo lange es nicht durch unmittelbare Berührung gedrückt oder gequetſcht wurde, konnte ſeine Lage als ziemlich geſichert gelten. Ueberdieß war es wünſchens⸗ werth, daß die Schoner mit einander verkehren konnten, da einer der Capitäne ein günſtiges Begebniß gewahren konnte, welches wegen der Entfernung dem andern entging. So kamen Roswell und Daggett ohne vorherige Verabredung zu demſel⸗ ben Entſchluſſe, und warteten geduldig. Endlich kam der Tag, kalt und trübſelig, aber nicht ohne einen kleinen Hoffunngsſchimmer, denn es wehte ein Wind, welcher aus weit wärmeren Regionen kam, als das Meer war, über das er daherzog. Jetzt wurden die Schoner ſich gegenſeitig anſichtig und beide Capitäne ſahen die Gefahr, von welcher ſie bedroht waren. Die aber die die beden ſeine F. Bewegun Sob die drohe er ſofort, ihm aus nach dem gutem 3 bei Nam bereit ha Nach Schaar Geräthſch fonnten. Oberfläch Umfange darauf w gen hätte „De viel ſchme ſtändigen dert Elle⸗ „Ga ſer Kälte Capitän wir ihn 250— Mehrere vornen ſo en und zu ngeſetzten e koſtbare )er, daß reten der mder bei⸗ n beſtellt, ufehren.“ Nondlicht ch irgend ſorgniſſe, kFiſe„ein⸗ nittelbare ine Lage ünſchens⸗ ten, da n konnte, bo kamen t demſel⸗ cht ohne Wind, us Meer oner ſich Gefahr, — 145— Die Schiffe waren kaum auf eine Meile getrennt, aber die Lage des Vineyarder Seelöwen war bei Weitem die bedenklichſte. Er hatte ſich an dem Schoß gefeſtigt, aber ſeine Feſtigung ſelbſt war in einer ſtetigen, großartigen Bewegung. Sobald Roswell die bedrängte Lage ſeines Gefährten und die drohende Gefahr ſah, in welcher er ſich befand, beſchloß er ſofort, mit einem Theil ſeiner Leute zu ihm zu eilen und ihm aus allen Kräften beizuſtehen. Er ſchaute noch einmal nach dem Eiſe, welches ſein Schiff umgab, und wo Alles in gutem Zuſtande zu ſein ſchien, rief dann ſechs ſeiner Leute bei Namen auf, ließ ſie warmes Frühſtück einnehmen und ſich bereit halten, ihn zu begleiten. Nach zwanzig Minuten ſchritt Roswell mit ſeiner kleinen Schaar über das Eis, die Leute trugen Aexte und andere Geräthſchaften, welche, wie man glaubte, von Nutzen werden konnten. Es war keineswegs ſchwierig fortzukommen, denn die Oberfläche des Schoſſes, das mehr als eine Stunde im Umfange hatte, war völlig eben, und die Schneekruſte darauf war ſo ſtark, daß ſie einen beſpannten Wagen getra⸗ gen hätte. „Der Waſſerſtreif zwiſchen den Felſen und dem Eiſe iſt viel ſchmäler, als ich gedacht hatte,“ ſagte Roswell zu ſeinem ſtändigen Begleiter Stimſon.„Er ſcheint hier kaum hun⸗ dert Ellen breit zu ſein.“ „Ganz wahr, Herr. Ei, bei einem ſolchen Trabe in die⸗ ſer Kälte athmet man wie ein blaſender Wallſiſch. Aber, Capitän Gar'ner, jener Schoner wird entzwei brechen, ehe wir ihn erreichen. Seht, Herr, das Schoß hat die Felſen 250— 252. 10 ——— — 146— in ſeiner Nähe bereits erreicht und ſcheint ſeine Abtrifft gar nicht hemmen zu wollen.“ Roswell gab keine Antwort. Die Lage des Vineyarder Seelöwen ſchien ihm weit gefährlicher, als er bis jetzt geglaubt hatte. Bevor er näher an das Land gekommen, hatte er keine Vorſtellung von der ſtetigen Gewalt gehabt, mit welcher das Eisfeld an die Felſen heran trieb, auf welchen die zerſchellten Stücke jetzt wie belebte Geſchöpfe fortkrochen. Dann und wann riſſen ſich Schollen krachend los und die Bewegung des Schoſſes wurde raſcher, plötzlich folgte eine Pauſe, Alles war ſtill, bewegungslos, und die heranziehende Schaar athmete freier, noch ſchien nicht Alles verloren. Alle Hoffnungen dieſer Art ſollten aber bald getäuſcht werden. „Seht, Herr,“ rief Stimſon,„bei dieſem letzten Anprall ging der Schoner zwanzig Faden weit hinüber. Er muß den Felſen furchtbar nah ſtehen, Herr!“ Alle blieben jetzt unbeweglich. Sie wußten, daß ſie nicht helfen konnten, und Beſorgniß und Schrecken hemmten jeden Schritt. Aller Blicke waren auf den Schoner gefeſſelt, und Jeder hielt erwartungsvoll den Athem an ſich. Sie ſahen, daß der Schoner, jetzt kaum auf eine Kabel⸗ länge von ihnen entfernt, dicht an den Felſen war, und der nächſte Anprall mußte ihn, wenn er dem letzten glich, zer⸗ ſchmettern. Zu ihrem Erſtaunen aber hob ſich der Schoner— ſtatt zwiſchen Eis und Fels zu berſten, in ſteter und ſelbſt groß⸗ artiger Bewegung auf mächtigen Eisſchollen, welche ſich unter ſeinen Boden gedrängt hatten— in die Höhe und erreichte faſt unbeſchädigt die Felſenplatte. Kein Mann hatte ihn verlaſſen. Dort lag er nun auf dem Strande, zwanzig Fuß über der Oberf Wellen ge wäre und möglich g und nach Aber folgte der eine Eisr Roswell: Thatkraft, Dieß Schoner begraben. die Takele Der Wrack— Werkſtoff wenden m Und zeigte ſich mit den ſchaften traurige hatte ſich gung wa geweſen. unter Eis Fuß Höh „De Gar'ner,“ trifft gar Bineyarder t geglaubt te er keine elcher das erſchellten DHann und egung des Alles war r athmete gen dieſer Anprall muß den ſie nicht iten jeden ſelt, und ie Kabel⸗ und der lich, zer⸗ — ſtatt bſt groß⸗ ſich unter eichte faſt verlaſſen. Fuß über — 147— der Oberfläche des Meeres, auf Felſen, welche das Spiel der Wellen geglättet hatte. Wenn die Jahreszeit günſtig geweſen wäre und das Unheil hier geendigt hätte, wäre es vielleicht möglich geweſen, das Schiff wieder auf das Waſſer zu bringen und nach Amerika zu führen. Aber das Eisfeld trieb noch immer weiter. Eine Scholle folgte der andern, eine Maſſe wälzte ſich über die andere, bis eine Eismauer die Küſte entlang emporſtieg, über welche Roswell und ſeine Begleiter, trotz all ihrem Muthe und ihrer Thatkraft, nur mit großer Mühe kletterten. Dieß gelang ihnen jedoch, als ſie aber den unglücklichen Schoner erreichten, war er, im eigentlichen Sinne des Wortes, begraben. Die Maſten waren gebrochen, die Segel zerriſſen, die Takelage zerſtoben und die Seiten zerſchmettert! Der Seelöwe von Martha's Vineyard war ein unnützes Wrack— unnütz in jeder Hinſicht, man hätte ihn denn als Werkſtoff zu einem kleinern Schiff oder als Brennſtoff ver⸗ wenden wollen. Und all dieß hatte ſich in zehn Minuten begeben! Hier zeigte ſich die große Ueberlegenheit der Natur im Vergleiche mit den Mitteln der Menſchen recht deutlich! Die Mann⸗ ſchaften der beiden Schiffe blickten bleich, bebend auf dieſes traurige Gemälde ihrer Unmacht. Die Mannſchaft des Wracks hatte ſich freilich ohne große Mühe gerettet, denn die Bewe⸗ gung war eben ſo langſam und ſtetig, als unwiderſtehlich geweſen. Aber ſie waren gerettet und ihre ganze Habe lag unter Eismaſſen begraben, welche bereits dreißig bis vierzig Fuß Höhe erreicht hatten. „Der Schoner ſieht aus, als wäre er dort gebaut worden, Gar'ner,“ bemerkte Daggett ruhig und ſchaute auf die Scene 10* — 148— mit Augen, die ſo eifrig auf das Wrack gefeſſelt waren, wie menſchliche Sinne je an einem Gegenſtande hingen.—„Wenn mir Jemand geſagt hätte, dieß könne ſich begeben, ich hätt' es ihm nicht geglaubt.“ Wäre das Schiff ein Dreidecker geweſen, würde das Eis ihm in gleicher Weiſe mitgeſpielt haben. Der Gewalt eines ſolchen Eisfeldes würde die ſtärkſte Mauer nicht widerſtanden haben. „Capitän Gar'’ner! Capitän Gar'ner!“ rief Stimſon plötzlich,„wir müſſen zurückkehren, Herr, unſer eigenes Schiff iſt in Gefahr. Es dreht ſich raſch gegen das Cap und kann es erreichen, ehe wir zu ihm gelangen.“ Und ſo verhielt es ſich in der That. Bei einem der Wechſel, welche das Eis ſo oft überkommen, ohne daß man den Grund dafür angeben könnte, hatte das Schoß ſich plötz⸗ lich und mit Macht gegen den Eingang der großen Bai gewendet. Wahrſcheinlich hatte das innere Feld ſich an dem Cap vorüber gedrängt und ſeinem Nachbarn Platz gemacht, ihm zu folgen. Daggett und einige ſeiner Leute eilten zurück, um zu ſehen, was aus dem Wrack noch gerettet werden könne, alle übrigen eilten dem Cap zu, welchem das Schiff von Oyſter⸗Pond nun gerade entgegen trieb. Die Entfernung betrug weniger als eine Stunde, und bis jetzt lag noch nicht viel Schnee auf den Felſen. Wenn man über eine höhere Platte ging, konnte man ſich ziemlich gut forthelfen, und dieſen Weg ſchlug Roswell nun ein. Die Küſte, an welcher unſere Seemänner jetzt entlang eilten, bot gerade in dieſem Augenblicke einen ungewöhnlichen Anblick dar. Da ſich die Eisſchollen von dem Schoß losge⸗ riſſen hatten, wurden ſie durch den mächtigen Druck von außen in lebende 2 erkletterte Ros geſehen, wendeten wäre die Nack Begleiter halbe Me Eisfelde fernt von das klein geſchloſſen Schiff de geweſen w Von führte kei Dort während ſo beſorg blickte. Anfa näherer 1 geben zu eher in d aren, wie —„Wenn ich hätt' de das Eis walt eines iderſtanden Stimſon nes Schiff und kann einem der daß man ſich plötz⸗ voßen Bai ch an dem gemacht, ten zurück, den könne, Schiff von inde, und n. Wenn h ziemlich ein. st entlang vöhnlichen hoß losge⸗ Druck von — 149— außen in die Höhe gedrängt, und es ſah aus, als ob überall lebende Weſen aus dem Meere emporſtiegen und die Felſen erkletterten. Roswell hatte dieſelbe Küſte oft von Robben belebt geſehen, wie ſie nun von Eisſtücken belebt ſchien, welche ſich wendeten und drehten und über einander emporſchoben, als wäre die Lebenskraft in ihnen thätig. Nach einer halben Stunde erreichten Roswell und ſeine Begleiter das Haus. Der Schoner war jetzt weniger als eine halbe Meile von dieſem Punkt und trieb ſtets mit dem äußern Eisfelde herein, ohne jedoch gequetſcht zu werden. Weit ent⸗ fernt von einem ſolchen Unglücke bedroht zu ſein, hatte ſich das kleine Becken, in welchem er lag, eher ausgedehnt als geſchloſſen, und es wäre möglich geweſen, ein gut arbeitendes Schiff darin zu handhaben, wenn es unter ſeiner Leinwand geweſen wäre. Von einem Austritt war jedoch keine Rede, denn es führte keine Oeffnung in dieſe Eisdocke oder heraus. Dort lag der Schoner mit dem Anker an der Luvſeite, während die Mannſchaft, welche an Bord geblieben war, eben ſo beſorgt auf die Küſte ſchaute, wie die an der Küſte hinüber blickte. Anfangs hatte Roswell ſeinen Schoner aufgegeben, bei näherer Unterſuchung aber glaubte er ſich der Hoffnung hin⸗ geben zu dürfen, er werde an den Felſen vorbei kommen und eher in die innere, als in die große Bai ablaufen. ——— ———— — 3 Achtes Kapitel. Nun betet!— denn der Sonne Glanz verglüht Und um die Flur ſich nächtig Dunkel zieht, Als ſchlöß den Vorhang der Allmächt'ge nun, Daß ſeine Kinder in dem Schatten ruhn; Drum kniet euch! ſeht, die Sternchen wachen licht Und Frommen fehlt ein guter Engel nicht. Ware. Troſtlos in der That und faſt hoffnungslos war jetzt die Lage unſerer Robbenjäger geworden. Es war Mittag, und es fror überall im Schatten. Eine glänzende, wohlthuende Sonne warf ihre glorreichen Strahlen auf das Eispanorama, ſie ſielen aber ſo ſchräg, daß ſie nur wenig zur Minderung der Kälte beitrugen. So weit das Auge, ſelbſt von der Höhe des Caps, reichte, war nichts als Eis, jenen Theil der großen Bai ausgenommen, in welchen das Eisfeld noch nicht einge⸗ drungen war. Nach Süden hin ſtand um die Durchfahrt eine Kette von rieſenhaften Bergen, Vorpoſten ähnlich, welche den Auftrag hatten, jeden Ausgang in dieſer Richtung zu hemmen. Seit der Wind umgeſprungen, hatte das Waſſer ſeine Abtrifft verloren und neues Eis ſich über die ganze Bai hin gebildet, wie man dieß an der weißen, funkelnden Linie ſah, die dem unwiderſtehlich fortſchreitenden Eisfelde voranging. Als Roswell auf dieſe Scene ſchaute, verdüſterte ſich ſein Antlitz, und er zweifelte alles Ernſtes, ob er vor dem wieder⸗ kehrenden Sommer dieſes Eisgefängniß verlaſſen könne. Ein Südwind konnte allerdings einen Wechſel herbeiführen und die ihn einſchließenden Maſſen verjagen, allein jeder Augen⸗ blick machte dieß unwahrſcheinlicher. Der Winter ſich wirkt Hoffnung Monaten Dag Es war lichen S da war hinabzuſt räumen verſteht, Kleider, dranten gefaßt. und Th nach der Ros wieder i landeinn des verl⸗ anzündet zwei Ka fortzufal Die welcher waren. jetzt von verhehle Der nz verglübt l zieht, ht'ge nun, ruhn; n wachen licht lnicht. Ware. dar jetzt die ittag, und vohlthuende panorama, Minderung n der Höhe der großen nicht einge⸗ hfahrt eine welche den zu hemmen. ine Abtrifft in gebildet, ), die dem ete ſich ſein hem wieder⸗ önne. Ein führen und der Augen⸗ — 151— Der Winter, oder was in den meiſten Gegenden als Winter gegolten hätte, brach bereits an, und wenn das Eis ſich wirklich in der Gruppe und um ſie her feſtſetzte, war alle Hoffnung verſchwunden, daß es ſich in den nächſten acht Monaten wieder in Bewegung ſetzen werde. Daggett erreichte kurz vor Sonnenuntergang das Haus. Es war ihm gelungen, ſich bis zur Kajütenthüre ſeines unglück⸗ lichen Schoners einen Weg durch das Eis zu hauen, und von da war es nicht ſchwierig, in die inneren Theile des Schiffes hinabzuſteigen. Die ganze Schaar folgte ihm in Zwiſchen⸗ räumen mit ſchweren Laſten. Wie es ſich ziemlich von ſelbſt verſteht, hatte Jeder zuerſt ſeine eigene Habſeligkeiten gerettet. Kleider, Tabak, Rum, kleine Speiſevorräthe, Betten, Qua⸗ dranten und ähnliche Gegenſtände wurden zuerſt in das Auge gefaßt. In dieſem Augenblicke dachte man kaum an Felle und Thran. Die Ladung wurde überſehen, während man nach den kleineren Gegenſtänden eifrig umſchaute. Roswell war an Bord ſeines Schoners, welcher nun wieder in gefährlicher Nähe des Caps ſtand. Er trieb ſtetig landeinwärts, als Daggett an Bord kam. Die Mannſchaft des verlornen Schiffes blieb in dem Hauſe, wo man ein Feuer anzündete, die gerettete Habe unterbrachte, und dann mit den zwei Karren zu dem Wrack zurückkehrte, um mit der Bergung fortzufahren. Die beiden Capitäne traten in ernſte Berathung, zu welcher auch die Offtziere herangezogen wurden, die am Bord waren. Die Rettung des Schoners von Oyſter⸗Pond war jetzt von der größten Wichtigkeit, und man konnte ſich nicht verhehlen, daß er in der größten Gefahr ſchwebe. Der Weg, welchen das Eisſchoß nahm, führte gerade — 152— gegen den zerklüfteſten Theil des Caps Hayard, und die Bewegung war ſo raſch, daß man einem ſchnellen Abſchluß der Sache entgegenſehen mußte. Ein Umſtand jedoch, und nur einer, ließ noch die Mög⸗ lichkeit der Rettung hoffen. Die Oeffnung um den Schoner war zwar bei dem Anſtoß an der äußerſten Spitze der Felſen um die Hälfte kleiner geworden, allein man hatte immer noch Waſſerraum um ſich. Gerade dieſe Art Leere hatte dadurch, daß ſie allen Widerſtand an dieſer Stelle beſeitigte, dem Eis⸗ feld die gefährlichſte Richtung gegeben, ſo daß das Schiff ſich gegen die Felſen bewegte. Alles kam jetzt darauf an, ob es möglich war, den Schoner in jenen kleinen Raum offenen Waſſers zu bringen, und weit genug ſüdwärts zu führen, um das ſüdlichſte Ende der Klippenmauer, welche die Bucht ſchützte, zu umſchiffen. Bis jetzt breitete ſich dieſes offene Waſſer nicht weit genug aus, um den Schoner bis zu dem fraglichen Punkte zu führen; er trieb aber langſam in dieſer Richtung entlang, und wenn das Becken um ihn ſich nicht ganz ſchloß, ehe das erſehnte Ziel erreicht war, konnte das Schiff noch gerettet werden. Zu dieſem Zwecke war es aber nothwendig, eine Art Docke oder Helling in das Eis der Bucht zu hauen, in welche das Schiff ſich flüchten konnte. Wenn es einmal in der Bucht und hinter der Klippenſpitze war, lag es völlig ſicher, ließ man es ſüdlich von dieſem Zufluchtsorte abtreiben, ſo war es wahrſcheinlich verloren wie ſein Gefährte, und wurde auch ziemlich in gleicher Weiſe zerſchmerttert. 2 Gardiner ſchickte jetzt eine Abtheilung der Mannſchaft mit Sägen an den bezeichneten Punkt und man begann die Helling. Das Eis in der Bucht war noch nicht dicker als zwei bis drei 30 ſich nie hauen ſelbſt vor Ar A Augen! D Roswe blieb, dern d eingeſc Seelön hindrã D und de Raum vorſpri blick k dieſes dieſer Ellen dieſer J auf ſe beigeſe verging ſchnell nung ſtreifte und die n Abſchluß die Mög⸗ n Schoner der Felſen mmer noch ee dadurch, dem Eis⸗ Schiff ſich an, ob es im offenen ühren, um cht ſchützte, weit genug zu führen; und wenn s erſehnte et werden. eine Art in welche der Bucht icher, ließ ſo war es urde auch aſchaft mit ie Helling. zwei bis — 153— drei Zoll und die Arbeit ſchritt wacker vor. Hayard begnügte ſich nicht damit, nur hinter der Klippenſpitze eine Durchfahrt hauen zu laſſen, ſondern eröffnete auch eine ſolche in die Bucht ſelbſt und bis zu der Stelle hin, wo der Schoner ſo lange vor Anker gelegen hatte. Als die Sonne eben unterging, nahte der entſcheidende Augenblick. Die Bewegung gegen die Felſen war ſo ungeſtüm, daß Roswell einſah, er dürfe nicht länger zaudern. Wenn er da blieb, wo er war, konnte der Vorſprung des Caps ihn hin⸗ dern auf den Eingang in die Bucht abzuhalten, er wäre eingeſchloſſen geweſen und hätte gewiß ſein können, daß der Seelöwe zerdrückt würde, ſowie das Schoß auf die Küſte hindrängte. Die Eisanker wurden daher gekippt, der Klüver aufgegeit und der Schoner wendete ſich rund auf ſeinem Hiel um. Der Raum zwiſchen dem Schoß und dem eben erwähnten Klippen⸗ vorſprunge betrug kaum hundert Fuß und wurde jeden Augen⸗ blick kleiner. Viel mehr Raum war auf den zwei Seiten dieſes Ausbugs der zerklüfteten Küſte, nach Norden hin war dieſer Raum ſehr beträchtlich, nach Süden mochte er hundert Ellen breit ſein, jener rührte von der Geſtalt des Beckens, dieſer von der Bildung der Küſte her. In dem erſten der genannten Becken vierte der Schoner auf ſeinem Hiel rundum, wobei ihm das Fockſegel, welches beigeſetzt worden, behilflich ward. Ein athemloſer Augenblick verging, als er der engen Einfahnt entgegenlief. Sie wurde ſchnell erreicht, und zwar keine Minute zu früh, da die Oeff⸗ nung jetzt kaum ſechszig Fuß betrug. Die Raaen des Schiffes ſtreiften im Vorübertreten faſt die Felſen, es trat aber wohl⸗ behalten ein. Sobald es in dem unteren Becken war, wie wir es nennen möchten, wurden Klüver und Fockſegel einge⸗ nommen und das große Vorderſegel aufgegeit, um das Schiff fortzudrücken. Dieß half ihm auf die Helling zuzuluven, welche es nach großer Anſtrengung erreichte. Man warf den Leuten auf dem Eis Taue zu, und ſo wurde der Schoner bis in ſeine Eisdecke hineingeſchafft. Ein dreifaches Hurrah wurde laut, als die Mannſchaft ſich in dieſer Weiſe der Rettung des Schiffes, ſo weit es ſich vom Eiſe handelte, vergewiſſert hatte. So ſchlagen wir unſer Glück und Unglück ſtets vergleichsweiſe an, an ſich war die Lage der Robbenjäger immer noch ziemlich traurig, im Ver⸗ gleich aber mit der, welche ihnen gedroht hatte, während der andere Schoner ein Wrack war,»mußten ſie ſich geſichert fühlen. Mittlerweile war es ganz dunkel geworden, und ein Tag der Erregung und Anſtrengung forderte eine Nacht der Ruhe. Nach dem Abendeſſen kehrten die Leute ein, die Vineyarder begaben ſich in das Haus, wo ſie ihre früheren Pritſchen aufſuchten. Als der Mond aufging, kamen die Leute mit tüchtig beladenen Karren, trotz der Anſtrengung, halb erfroren, an. Nach kurzer Zeit lagen Alle in Schlaf verſenft. Als Roswell Gardiner am nächſten Morgen auf das Deck kam, ſagte ihm der erſte Blick, wie wenig Hoffnung er habe mit ſeinen Gefährten in dieſer Jahreszeit nach Hauſe zurück⸗ zukehren. Das Schoß, welches ihn ſo viele Gefahr bereitet hatte, war in die große Bai abgetrieben und bedeckte die ganze Oberfläche derſelben, während es die Küſte weit und breit mit zerbröckelten, funkelnden Eisſchollen überſchüttete und den Platz gegen Eis, ſo, w einer zuweil wäre, ſtatt f hinzul S ſcheinl ſolchen ſtücke man könnte G dieſen einen geäuß ohne? Ander nicht war, allein erreic als il Gefüt wickel er kei 0 komm var, wie el einge⸗ as Schiff uzuluven, warf den poner bis annſchaft it es ſich vir unſer war die im Ver⸗ hrend der geſichert ein Tag er Ruhe. ineyarder Pritſchen t tüchtig ren, an. das Deck er habe e zurück⸗ bereitet die ganze breit mit den Platz gegen jeden Ausgang ſozuſagen hermetiſch verſchloß. Neues Eis, von zwei bis acht Zoll Dicke, hätte wohl durchſägt und ſo, wenn es nöthig geweſen wäre, eine Durchfahrt ſelbſt von einer Stunde Länge gehauen werden können. Dergleichen war zuweilen vollbracht worden, und ſo groß die Mühe geweſen wäre, hätten unſere Robbenjäger ſich ihr willig unterzogen, ſtatt ſich der Gefahr auszuſetzen, einen Winter in jener Gegend hinzubringen. So hoffnungslos aber ein ſolches Auskunftsmittel wahr⸗ ſcheinlich geweſen wäre, ſo wenig war daran zu denken, einen ſolchen Schritt zu thun, denn das Durchſägen ſo dicker Eis⸗ ſtücke auf eine größere Strecke hin war ein Unternehmen, das man mit dem Bau eines Tunnels durch die Alpen vergleichen könnte. Düſter war das Wiederſehen der beiden Capitäne an dieſem Morgen. Roswell war zu mannhaft und edel, um einen Vorwurf laut werden zu laſſen, ſonſt würde er wohl geäußert haben, daß ihm all dieß beizumeſſen ſei. Wir ſind ohne Ausnahme ſehr geneigt, unſere Verſehen auf die Schultern Anderer zu bürden und Roswell war von dieſer Schwäche nicht ganz frei, denn er überſah, daß er ſein eigener Herr war, und da er allein in die Gruppe gekommen, ſie auch allein wieder hätte verlaſſen können, als er ſeinen Zweck dort erreicht hatte. Roswell leuchtete dieß jedoch nicht ſo klar ein, als ihm Daggett's Zögerung und Anſprache an ſeine beſſere Gefühle vorſchwebte, wodurch er in dieſe Schwierigkeiten ver⸗ wickelt wurde. Obgleich er jedoch in dieſer Art fühlte, ließ er keine Beſchwerde laut werden. Jede Hoffnung, in dieſem Jahre noch nach Norden zu kommen, ſchien jetzt davon abzuhängen, ob das Eis aus der ———— — 156— großen Bai wegtrieb, ehe es ganz einfror. Jeder Theil dieſes großen Beckens war aber ſo damit überdeckt, daß von dieſer Seite her wenig Troſt zu erwarten war. Daggett gab dieß in der Unterhaltung zu, welche er mit Roswell hatte, als der Letztere auf der Felsplatte unter dem Hauſe zu ihm trat. „Das Klügſte, was wir alſo thun können,“ erwiederte unſer Held,„wird ſein, daß wir ſobald als möglich unſere Vorbereitungen treffen, um auf den Winter gefaßt zu ſein. Wenn wir hier bleiben müſſen, iſt ein Tag jetzt mehr werth, als ſpäter eine ganze Woche. Wenn wir aber glücklich hinaus⸗ kommen, wird die ſo vollbrachte Arbeit uns nicht tödten.“ „Ganz wahr, Ihr habt vollkommen recht, gewiß,“ ant⸗ wortete Daggett nachſtnnend.„Ich dachte eben, als Ihr an die Küſte kamt, darüber nach, ob es nicht vortheilhaft wäre, in dieſer Art vorzuſchreiten. Ich habe viele Felle in dem Wrack, wie Ihr wißt, und Ihr habt viel Thran in Euerm untern Raume, wenn man nun einen Theil dieſes Thranes auspumpte und die Fäſſer beſeitigte, fände ſich an Euerm Bord Raum genug für alle meine Felle. Ich glaube, wir könnten ſie in einer Woche alle auf jenen Karren herüberfahren.“ „Capitän Daggett, ich habe zu viel Rückſichten auf Eure Felle genommen und dadurch ſind wir in dieſes Wirrſal ver⸗ wickelt worden.“ „Felle ſind, das Gewicht in Anſchlag gebracht, mehr werth, als Thran.“ Roswell lächelte und ſprach ein wenig verdüſtert etwas vor ſich hin. Er gedachte des ſchweren Kummers und der großen Beſorgniß, welche Mary, wie er mit Leidweſen glaubte, über ſein ungewöhnlich langes Ausbleiben fühlen müſſe, obgleich ſein Lei wenn e beſorgt. denn de und der D heranzt machte, gegenzt welcher „8 ſteurer „Er n Jahr n die We C zubring L 77 und ſie unfehlb ich, C fahren, meinen ſolchen denn n ſo viel Brennl 2 wir fü Feuer eil dieſes 8n dieſer gab dieß als der rat. rwiederte h unſere zu ſein. r werth, hinaus⸗ ten.“ ß,“ ant⸗ Ihr an ft wäre, in dem Euerm Thranes im Bord könnten n.“ uf Eure ſal ver⸗ „ mehr t etwas großen te, über obgleich — 157 ſein Leidweſen wahrſcheinlich noch viel größer geweſen wäre, wenn er hätte glauben können, ſie ſei nicht bekümmert und beſorgt. Hier endigte ſein Mißbehagen oder deſſen Ausdruck, denn der junge Mann wendete ſeine Gedanken der Gegenwart und der Lage des Augenblicks zu. Da es Daggett ſehr am Herzen zu liegen ſchien, die Felle heranzuſchaffen, bevor der Schnee die Klippen unwegſam machte, und Roswell keinen trifftigen Grund fand, ihm ent⸗ gegenzutreten, freute unſer Held ſich doppelt, daß Stimſon, welcher herangetreten war, jenem Plane das Wort redete. „Laßt ihn gewähren, Capitän Gar'ner,“ ſagte der Boot⸗ ſteurer abſeits, indem er ehrfurchtsvoll, aber ernſt ſprach. „Er wird ſie nie in Euern Naum ſtauen, wenigſtens dieſes Jahr nicht, ſie werden aber einen vortrefflichen Beſchlag für die Wände des Hauſes dort abgeben.“ „Ihr glaubt alſo, Stephan, wir würden den Winter hier zubringen müſſen?“ „Wir ſind in der Hand der göttlichen Vorſehung, Herr, und ſie wird über uns verfügen, wie es in den Augen der unfehlbaren Weisheit das beſte iſt. Auf jeden Fall glaube ich, Capitän Gar'ner, es ſei das gerathenſte, ſofort zu ver⸗ fahren, als ob wir den Winter hier bleiben müßten. Nach meinem Bedünken könnte dieſes Haus für uns Alle in einem ſolchen Falle behaglicher hergerichtet werden, als unſer Schiff⸗ denn nicht nur hätten wir mehr Raum, ſondern könnten auch ſo viel Feuer haben, als wir brauchen, und mehr, als wir Brennholz dazu finden können.“ „Ja, dieß iſt die Schwierigkeit, Stephan. Wo ſollen wir für einen ganzen Polar⸗Winter auch nur zu einem Feuer Holz hernehmen?“ ———— 8 — 158— „Wir müſſen ſparſam ſein, Herr, und bedächtig, und uns ſo warm erhalten, als es durch Bewegung und Thätigkeit möglich iſt. Ich habe bereits einmal, in einem kleinen Maß⸗ ſtabe freilich, einen Vorgeſchmack davon gehabt und weiß in mancher Hinſicht, was zu thun iſt. Vor Allem muß die Mannſchaft ſich ſo reinlich halten, als es mittelſt Waſſers nur möglich iſt, Unreinlichkeit ſteigert ſtets die Kälte, und das Waſſer muß ſo kalt ſein, als der Menſch es nur ertragen kann. Dadurch wird innerlich Alles in rege Thätigkeit geſetzt und die Wärme, wenn man ſo ſagen darf, aus dem Herzen herausgebracht. Das iſt mein Geſetz in Betreff des Warm⸗ haltens, Herr.“ „Es iſt gewiß ein ſehr zweckmäßiges, Stephan,“ ant⸗ wortete Roswell,„und wir wollen uns dieß merken. Was die Oefen betrifft, ſo haben wir keinen Mangel daran, einer iſt in dem Hauſe, und zwar ein guter, großer Ofen, dann iſt einer in jeder Kajüte, die zwei Kochöfen nicht zu erwähnen. Wenn wir Holz für ſie alle hätten, würde ich hinſichtlich der Kälte unbeſorgt ſein.“ „Wir haben ja das Wrack, Herr. Wenn man es zuſam⸗ menſchlägt, haben wir, denke ich, Holz genug, um den Winter auszudaueru.“ Roswell autwortete nicht, blickte den Bootſteurer aber eine halbe Minute nachdenkend an. Der Gedanke war ihm neu, und je mehr er über die Sache nachdachte, deſto mehr leuchtete ihm die Zweckmäßigkeit des Vorſchlags ein. Er wußte wohl, daß Daggett in eine Verſtümmelung ſeines Schoners, ſo ſehr er auch Wrack war, nicht willigen würde, ſo lange noch die entfernteſte Hoffnung vorhanden war, ihn wieder in das Waſſer zu bringen. Die Zähheit, mit welcher der, wel es war erwarter Die man die den, im löcherten verbrant den füg Opfer k Me ſie könn Schoner Klippen Schoner ſelben f Die keine Ze man des gelangte hatte, t ſetzen. Wi während Tage n einlief, den Dre ungeach und uns hätigkeit n Maß⸗ weiß in nuß die Waſſers und das ertragen t geſetzt Herzen Warm⸗ „ ant⸗ Was n, einer -, dann wähnen. tlich der zuſam⸗ Winter er aber var ihm to mehr imelung willigen rhanden eit, mit — 159— welcher dieſer Mann ſich an ſeine Habe anklammerte, glich der, welche mit dem Leben der Katze verbunden ſein ſoll, und es war vergeblich, Zugeſtändniſſe dieſer Art von ihm zu erwarten. Die Noth iſt jedoch eine ſtrenge Gebieterin, und wenn man die Frage dahin zurückführte, ob das Holz eines geſun⸗ den, im Waſſer ſtehenden, oder das eines geſtrandeten, durch⸗ löcherten, lecken und in jeder Beziehung unbrauchbaren Schiffes verbrannt werden ſollte, mußte ſelbſt Daggett ſich den Umſtän⸗ den fügen und, wie ſchwer es ihm auch werden mochte, das Opfer bringen. Man gab daher der Vineyarder Mannſchaft zu verſtehen, ſie könne nichts Beſſeres thun, als ſofort Alles aus dem Schoner zu ſchaffen, was man habhaft werden und über die Klippen heranſchaffen könne. Da am Bord des„lebendigen“ Schoners wenig zu thun war, erbot ſich die Mannſchaft des⸗ ſelben freudig, bei dieſer Arbeit hilfreich zu werden. Die Tage wurden merklich und raſch kürzer, und es war keine Zeit zu verlieren, da die Entfernung ſo groß war, daß man des Tags nur mit vieler Mühe zweimal hin⸗ und her⸗ gelangte. Sobald man ſich daher über dieſen Plan verſtändigt hatte, that man die nöthigen Schritte, um ihn ins Werk zu ſetzen. Wir müſſen ſorgfältig bei Allem verweilen, was ſich während den nächſten acht bis zehn Tagen begab. An dem Tage noch, an welchem der Seelöwe in den kleinen Hafen einlief, ſprang der Wind nach Südweſten um, und dieß ſchien den Druck des großen Schoſſes alsbald zu hemmen. Dem⸗ ungeachtet war eine Gegenbewegung nicht zu bemerken, denn — 160— das Eis blieb augenſcheinlich ſo feſt in der großen Bai ſtehen, als wenn es urſprünglich darin erſtarrt wäre. Obgleich aber der Wind auf einen kalten Punkt des Com⸗ paſſes überſprang, ſtieg der Thermometer, und gegen Mittag thaute es auf allen Seiten, wohin die Strahlen der Sonne dringen konnten. Dieß ſetzte die Mannſchaft in den Stand, mit mehr Behaglichkeit zu arbeiten, als dieß bei dem ungemein ſtrengen Wetter möglich war, man bemerkte, daß die große Kälte das Athemholen ſehr erſchwerte. Man gelangte jetzt in das Innere des Wracks, indem man einen regelmäßigen Zugang zu der großen Luke durch das Eis haute. Der Schoner ſtand, von mächtigen Eisſtücken geſtützt, faſt ganz aufrecht, rings um ihn waren große Höhlungen, welche der zufällige Einſturz der rieſigen Schollen gebildet hatte, die wie lebendige Geſchöpfe aus ihrem Elemente heraufſtiegen. Man hätte meilenweit in dieſen Grotten fort⸗ wandern können, ehe ein einziges Mal an das Tageslicht zu kommen, ſie waren aber kalt und unbehaglich und boten unſeren Abenteurern nichts Anziehendes dar, nachdem ſie ihre erſte Neugier geſtillt hatten. Der Schoner war beim Aufſteigen aus dem Waſſer rauh behandelt worden, als er aber auf dem Eiſe war, wurde er leicht und ziemlich wohlbehalten höher gehoben. Mehrere mächtige Eisſtücke, mehr von ähnlichen Maſſen, welche auf den Felſen ruhten, als von dem ſchweren Holze des Schiffes getragen, lagen an und über ihm. Dieſe Eisſtücke bildeten eine Art Dach und boten Schutz gegen den Wind, denn da, wo das Wrack lag, kamen die Südweſtwinde brüllend um den Fuß des Berges und erſtarrten das Mark in den Knochen. Die Lage des Hauſes war eine ganz andere. Hier bil⸗ deten di noch w mit all auf die ringsun auf die ſogar i der Wi eingebrt Rr vorräth⸗ ſah vor der bei eingeno Vorrät! ſtanden räthe ei anderen M geringe Mehl pflegen. Faß K ganzes key vor licher5 dieſer e Fo Tage 250 ai ſtehen, des Com⸗ n Mittag er Sonne n Stand, ungemein die große 3, indem uke durch Eisſtücken en große Schollen Elemente tten fort⸗ eslicht zu nd boten hdem ſie ſſer rauh wurde er Mehrere elche auf Schiffes bildeten denn da, ph um den ochen. Hier bil⸗ — 161— deten die Höhen eine Lee, welche ſich über das ganze Cap und noch weiter nach Weſten hin erſtreckte, während die Sonne mit all der Kraft, welche ſie in jener hohen Breite hatte, auf die Felſenplatte, auf das Haus darüber und die Felſen ringsum ſchien. In der That war es noch ſehr lieblich, ſich auf dieſer natürlichen Terraſſe zu ergehen, da zu arbeiten, ſogar in der Mittagszeit einige Stunden da zu ſitzen, denn der Winter war noch nicht ernſtlich über dieſe vereiſte Welt eingebrochen. 3 Roswell ließ es ſich alsbald angelegen ſein, die Mund⸗ vorräthe aus dem Wrack herüberbringen zu laſſen, denn er ſah voraus, daß man Alles dieſer Art brauchen würde. Keines der beiden Schiffe hatte für länger als ein Jahr Vorräthe eingenommen und faſt die Hälfte war aufgezehrt. Unter dieſen Vorräthen wollen wir bloß geſalzenes Fleiſch und Brod ver⸗ ſtanden wiſſen, welche gewöhnlich als die Grundlage der Vor⸗ räthe eines Schiffes betrachtet werden, denn es fehlt nicht an anderen manchfachen Zugaben. Man hatte noch mehrere Fäſſer Mehl, Kartoffeln in geringerem Maaße, deſto mehr Zwiebeln, einige Fäſſer Mais⸗ Mehl(Inſchin, wie es die Amerikaner gewöhnlich zu nennen pflegen), ein ganzes Faß eingemachter Gurken, ein halbes Faß Kohl, der in gleicher Weiſe eingemacht war, und ein ganzes Faß Zuckerſyrup. Ueberdieß war noch ein Faß Whis⸗ key vorhanden, etwas Wein und Branntwein und ein ziem⸗ licher Vorrath von Thee und Zucker, jener ein Hyson skin, dieſer ein mittelmäßiger San Domingo. Faſt alle dieſe Gegenſtände wurden im Laufe der nächſten Tage von dem Wrack in das Haus gebracht, ein gewiſſer 250— 252. 11 — 162— Theil der Vorräthe aber mußte auf Daggett's Einſprache in ſeinem geſtrandeten Schiffe belaſſen werden. Nachdem man mit dieſer Arbeit fertig war, zeigte Ros⸗ well ſich geneigter, den Anträgen Daggett's in Betreff des Ueberbringens der Felle Gehör zu geben. Zweimal hatte der Vineyarder Capitän während dieſer wenigen Tage die Arbeiten einſtellen laſſen, da das Wetter milder geworden war und er ſich noch immer mit der Hoffnung ſchmeichelte, es würde möglich ſein, noch vor dem Winter nach Norden zurück zu kehren. Bei der letztern Gelegenheit ſah Roswell ſich genöthigt, ſeinen Gefährten auf die obere Terraſſe der Inſel zu führen— wo man gegen dreihundert Fuß über der Meeresfläche und mehr als die Hälfte dieſer Höhe über dem Hauſe ſtand— und ihm das Rundgemälde von Eisfeldern zu zeigen, die ſich hier vor den Blicken ausbreiteten. Ehe dieſe große Fläche ſich öffnete oder zumal durch die Wirkung der bewegten Wellen und die Wärme der Strahlen einer Spätſonne ſich trennte, war nicht daran zu denken, das unbeſchädigte Schiff, geſchweige das auslaufen zu laſſen, welches zerſchellt auf den Felſen lag. „Wenn jedes Schoß jenes Eiſes ſchmölze, Daggett,“ fuhr Roswell fort,„ſo würde all dieß Euern Schoner doch nicht flott machen. Das reichſte Schiffswerft in Amerika würde kaum die Materialien zu Stapelblöcken und dergleichen liefern, um ihn in See zu laſſen, und ich habe nie gehört, daß man ein Schiff aus einer faſt ſenkrechten Höhe von zwan⸗ ig Fuß in das Waſſer ließ.“ „Ich weiß das nicht,“ ſagte Daggett hartnäckig.„Man vollbringt jetzt ganz ſtaunenswerthe Dinge. Ich habe eine ganze J umdrehe ſehen, Rodgers gehoben. ten Mal nicht du „O lächelnd. beſitzt, a Rodgers der in hätten.“ 331 im näch Stapelb Schiff f Stapelbe „O ſie geleg dieß au Schutzhi abholen, zu Rio Da⸗ Blick zu während erachtete läſtigen indien u ſprache in eigte Ros⸗ Zetreff des hatte der ie Arbeiten dar und er es würde zurück zu genöthigt, führen— fläche und and— und je ſich hier Fläche ſich ten Wellen h trennte, te Schiff, lt auf den Daggett,“ poner doch Amerika dergleichen nie gehört, von zwan⸗ g.„Man habe eine — 163— ganze Reihe Backſteinhäuſer mittels einer Wagenwinde rund umdrehen und ein Gebäude von einem Hügel herabbringen ſehen, der höher war, als dreihundert Fuß. Commodore Rodgers hat vor kurzem eine ſchwere Fregatte aus dem Waſſer gehoben. Was einmal gethan worden, kann auch zum zwei⸗ ten Male gethan werden. Ich gebe Nichts gern auf, wenn ich nicht durchaus muß.“ „Dieß leuchtet mir vollkommen ein,“ verſetzte Gardiner lächelnd.„Niemand wird leugnen, daß Ihr Entſchloſſenheit beſitzt, aber ſie wird hier nicht viel helfen. Weder Commodore Rodgers noch Commodore Soundſo würden Euer Schiff wie⸗ der in das Waſſer ſetzen, wenn ſie nicht die Mittel dazu hätten.“ „Ihr denkt, die Mühe ſei zu groß, mit Eurem Schoner im nächſten Sommer das nöthige Holz herbeizuſchaffen, um Stapelblöcke zu machen?“ ſiel Daggett fragend ein.„Das Schiff ſteht wie eine Kirche und Nichts wäre leichter, als Stapelblöcke unter ſeinen Kiel zu legen.“ „Oder ſchwerer, als von ihnen Nutzen zu ziehen, wenn ſie gelegt ſind. Nein, nein, mein guter Herr, Ihr müßt Euch dieß aus dem Sinne ſchlagen, vielleicht läßt ſich aber eine Schutzhütte für die Ladung bauen, und zurückkehren und Alles abholen, wenn man auf dem Wege nach Norden ein Schiff zu Rio miethet.“ Daggett warf ſeinem Gefährten einen raſchen, fragenden Blick zu und Roswell wurde roth bis an die Augen, denn während er den eben ausgeſprochenen Plan für ganz thunlich erachtete, war er ſich bewußt, daß er auf dieſe Weiſe ſeinen läſtigen Gefährten loszuwerden vorhatte, während er Weſt⸗ indien und den kleinen Inſeln näher kam. —— — 164— Dieß endigte die Unterhaltung für den Augenblick. Beide Capitäne ſahen nach den Arbeiten, welche jetzt völlig geregelt vor ſich gingen. Da ein großer Theil des Intereſſes unſerer Erzählung davon abhängt, was in dieſen Tagen gethan wor⸗ den, müſſen wir ein wenig in die Einzelnheiten eingehen. Der Leſer wird begreifen, daß das Haus, welches unſeren Seeleuten bereits ſo viele Dienſte geleiſtet hat, eigentlich doch nur ein leeres Gerüſte war. Es hatte ein gutes Dach, wel⸗ ches„waſſerdicht“ genannt werden konnte, die Wände waren roh, aber feſt und tüchtig mit zolldicken Dielen beſchlagen, ein wenig überhobelt und urſprünglich roth angeſtrichen. Es hatte vier erträgliche Fenſter und der Boden war mit geho⸗ belten Dielen ganz anſtändig ausgelegt. Alles dieß war tüch⸗ tig zuſammengefügt und mit mehr Sorgfalt gearbeitet worden, als man ſonſt Bauten dieſer Art zu widmen pflegt, da der Zimmermann wegen der bekannten Strenge des Klimas, ſelbſt in den warmen Monaten auf die Fugen und Ritzen ein beſon⸗ deres Augenmerk hatte. Die markdurchdringenden Winde, welche bald kommen mußten, bereits im Anzuge waren, konnten durch eine ſolche Vorrichtung wohl aufgehalten wer⸗ den, aber die kleinen, nadelgleichen Eistheilchen mußten in eine ſolche Wand dringen, wie Stahlnadeln ſich in das Tuch bohren. Es war daher von der größten Wichtigkeit, auf Mittel zu denken, die Kälte abzuhalten, um während der furchtbaren Jahreszeit, welche nun herannahen mußte, die Lebenswärme im Umlaufe zu erhalten. Stimſon hatte kein Behagen an den Einrichtungen, wie man ſie getroffen hatte. Er war der älteſte Mann an Bord der beiden Schiffe und der erfahrenſte Robbenjäger. Er hatte zufällig Nähe d bewohnte Leben fi Bäumen ſein mö Robbenj dem Wir hard ur niedriger Au tation o diente. mitgebre ein Wit geboten und fün wohl ve gemeine wer ein ziemlich andern Di und ſei bei den Stimm „4 ſagte S könnte ihrem „lick. Beide lig geregelt ſſes unſerer ethan wor⸗ gehen. hes unſeren entlich doch Dach, wel⸗ ände waren beſchlagen, richen. Es mit geho⸗ 3 war tüch⸗ itet worden, egt, da der imas, ſelbſt ein beſon⸗ den Winde, uge waren, halten wer⸗ mußten in n das Tuch auf Mittel furchtbaren lebenswärme ungen, wie un an Bord Er hatte — 165— zufällig einen Winter in Orange⸗Hafen, der unmittelbaren Nähe des Cap⸗Horn, hingebracht. Freilich iſt dieß eine bewohnke Gegend, wenn ja die armen Weſen, welche da ihr Leben friſten, Bewohner genannt werden können, auch an Bäumen und Pflanzen fehlt es nicht, welcher Art ſie auch ſein mögen. Der Unterſchied zwiſchen Orange⸗Hafen und Robbenjäger⸗Land mag ungefähr derſelbe ſein, wie zwiſchen dem Winter⸗Aufenthalt in dem Hospitale des großen St. Bern⸗ hard und einem der Dörfer, welche drei bis vier Stunden niedriger liegen. Auf der Gruppe war, im wörtlichen Sinne, keine Vege⸗ tation oder doch ſo wenig, daß ſie dieſen Namen nicht ver⸗ diente. An Brennholz fand ſich nur das vor, welches man mitgebracht hatte. Dennoch waren die Erfahrungen, welche ein Winteraufenthalt an einem Platze wie Orange⸗Hafen geboten hatte, nicht ohne Werth. Cap⸗Horn liegt im ſechs und fünfzigſten Grade, und die Gruppe— ſo viel dürfen wir wohl verrathen— keineswegs zehn Grad ſüdlicher. Im All⸗ gemeinen muß das Klima an beiden Orten daſſelbe ſein, und wer einen Winter an dem einen hingebracht hat, mag einen ziemlichen Vorgeſchmack von dem haben, was man an dem andern zu beſtehen hat. Dieſe Erfahrung nun, ſeine Berufskenntniſſe überhaupt und ſein Charakter trugen viel dazu bei, daß Stimſon bei den Berathungen der beiden Capitäne eine einflußreiche Stimme hatte. „Hier helfen alle Künſte nichts, Capitän Gar'ner,“ ſagte Stephan bei einer Gelegenheit,„keine Flotte der Erde könnte uns von hier wegſchaffen, bevor Gottes Sonne in ihrem Laufe zurückkehrt, um den Winter vor ſich herzutreiben. — 166— Ich fürchte faſt, jenes große Schoß, das in dieſe Inſeln herein gekeilt iſt, wird nie wieder in Bewegung zu bringen ſein, jedenfalls muß ſein Eintritt hier etwas ganz ungewöhn⸗ liches ſein.“ „Was würde aber in dieſem Falle aus uns werden, Stephan?“ „Nun, Herr, wir wären dann der Gnade Gottes anheim gegeben, wie wir es jetzt ſind, oder wären, ſtünden wir noch ſo weit nördlich. Nicht als könnten zwei tüchtige, kräftige Arme keinen Weg für unſer kleines Schiff hauen, wenn man den Sommer voll vor ſich hätte und wüßte, daß man einem Freunde, ſtatt einem Feinde entgegen arbeitet. Dieß iſt von großer Wichtigkeit, jeder fühlt ſich muthiger, wenn er nach einer harten Tagesarbeit das Ende ſeines Ziels herannahen ſieht, als er am Morgen beim Beginne war. Allein eine Reiſe in dieſer Jahreszeit könnte nur zum Schlimmſten führen. Nein, Herr, Alles, was wir jetzt thun können, beſteht darin, daß wir uns auf den Winter vorbereiten und mit Sorgfalt und Umſicht unſere Anſtalten treffen, dieſem Feinde entgegen⸗ zutreten. Wir müſſen wie die Ameiſen ſein,— eben ſo emſig, eben ſo vorſichtig und eben ſo klug.“ „Was würdet Ihr uns vor allen Dingen rathen, Stim⸗ ſon?“ fragte Daggett, welcher aufmerkſam zugehört hatte. „Ich würde vor Allem rathen, Herr, ſobald als möglich mit der Abhärtung der Mannſchaft zu beginnen. Wir haben zu viel Feuer in dem Ofen, ſowohl für unſeren Holzvorrath, als für das Wohl der Leute. Laßt die Leute unter weniger Bedeckung ſchlafen und erlaubt ihnen nicht, um das Küchen⸗ feuer zu hocken, wie manche bereits jetzt unr zu geneigt ſind zu thun. Dieſe Menſchen werden in zehn Wochen zu Nichts zu brau Keſſel, „T bemerkte „G ſchmächt! feſt und Allem 1 waſchen ziemlich ſo einer ein Fa brauche wie der der Ofe und in beſſer 3 werden Wände Hinſicht wäre, k als das De Rathſch dem be er den Fernha trat M fällige beſchän gleichm eln herein gen ſein, ngewöhn⸗ werden, es anheim wir noch „ kräftige venn man nan einem eß iſt von mer nach erannahen llein eine en führen. eht darin, Sorgfalt entgegen⸗ ſo emſig, n, Stim⸗ hatte. s möglich Vir haben lzvorrath, weniger 3 Küchen⸗ neigt ſind zu Nichts — 167— zu brauchen ſein, wenn man ſie nicht, wie einen Topf ober Keſſel, von dem Feuer entfernt und draußen abhärtet.“ „Dieß iſt vielleicht leichter geſagt, als gethan, Stephan,“ bemerkte Roswell ruhig. „Glaubt dieß ja nicht, Capitän Gar'ner. Ich habe die ſchmächtigſten und ſchwächlichſten Burſche nach kurzer Zeit ſo feſt und hart werden ſehen, wie eine geſtählte Axt. Vor Allem müſſen die Leute ſich jeden Morgen mit kaltem Waſſer waſchen und reiben. Dieß bringt Leben in die Haut, welche ziemlich wie ein Kleidungsſtück wirkt. Ja, ihr Herren, werft ſo einen Burſchen des Morgens eine oder zwei Minuten in ein Faß mit Waſſer, und Ihr könnt ihn den ganzen Tag brauchen, zu was Ihr wollt. Ein Eimer Waſſer iſt ſo gut wie der beſte wollene Wamms. Und vor Allem, hinweg mit der Ofenwärme, auch die Köche dürfen nicht zu ſtark ſchüren und in dem Schlafgemach können wir ohne den Ofen weit beſſer zurecht kommen, als die meiſten von uns glauben. Wir werden viel Holz ſparen, wenn wir ſofort anfangen, unſere Wände zu ſichern und zu vermachen und das Haus in jeder Hinſicht zu verwahren. Wenn das Haus in gutem Zuſtande wäre, könnten wir noch zwei Monate ohne jedes andere Feuer als das der Küche auskommen.“ Der Art waren die Nathſchläge Stephan's, und gute Nathſchläge waren es in jedem Betrachte. Roswell ging mit dem beſten Beiſpiele voran und nach der erſten Woche fühlte er den ſtärkenden Einfluß der kalten Bäder, des Reibens, des Fernhaltens von den Oefen. Wo das Beiſpiel nicht wirkte, trat Mahnung und Warnung hinzu. Mehrere große, ſchwer⸗ fällige, träge Burſche, welche das Feuer liebten, wurden beſchämt von den Oefen verjagt und die Wärme konnte ſich gleichmäßiger durch das ganze Gebäude verbreiten. — 168— Wer je Gelegenheit gehabt hat, die Wirkung des Gebrauchs kalten Waſſers ſelbſt zu beobachten und zu ſehen, wie ſelbſt zarte Frauen in den Stand geſetzt werden, der Kälte und Feuchtigkeit zu widerſtehen, wird ſich eine Vorſtellung von dem Einfluſſe machen, welche Stimſon's richtig angewendetes Kaltwaſſer⸗ und Kein⸗Feuer⸗Syſtem auf unſere Robbenjäger haben mußte. Bald warfen ſich die, welche Anfangs ſchon bei dem Gedanken an Eiswaſſer geſchaudert hatten, wie junge Enten hinein, und das Faß, welches als Badwanne diente, hatte bald vom Morgen bis zum Abend ſeine eifrigen Inſaſſen. Dieſes ziemlich große Faß ſtand in der Bucht unter einem Zelt auf dem Eiſe, wo man eine Pumpe angebracht hatte. Natürlich mußte die Axt ſtets zur Hand ſein, indem die Oeffnung jeden Morgen, und öfter zweimal des Tags ausge⸗ hauen werden mußte. Die Wirkung dieſer Bäder zeigte ſich bald, die Leute begannen ihre wollenen Jacken abzuwerfen und mit einem Eifer und einer Kraft, die ſie ſelbſt in Erſtaunen ſetzte, in ihren gewöhnlichen Kleidern zu arbeiten, welche warm und der hohen Breite angepaßt waren. Das Feuer in der Küche genügte bis jetzt vollkommen, und am Abend ſetzten die wärmeren Jacken, der Schutz des Gebäudes, die zuſammengedrängte Geſellſchaft und die warme Mahlzeit die Leute in den Stand, den großen Ofen unbe⸗ nutzt zu laſſen. Auch zeigten ſich Stimſon's Vorſchläge zum Schutze des Hauſes ſehr zweckmäßig. Die Felle, die Segel und ein Theil der Takelage waren, ſo lange kein Schnee lag, mittels der Karren, ſpäter als Schnee gefallen war, und das Ziehen der Wagen ſchwierig wurde, mit Schlitten von dem Wrack her⸗ über ge licherwe wenig ſ feſter zu daß ma den Ka In da Dag wendigk davon überein weiſe b durch gegen l Di der Fel anbring nicht ni nicht zu banden Decken Theile ſter fiel Vorhär Außenl behaupt ter Hol At und da emſig g ebrauchs die ſelbſt älte und ung von wendetes bbenjäger gs ſchon en, wie adwanne eifrigen ter einem ht hatte. ndem die s ausge⸗ eigte ſich rfen und Lrſtaunen che warm kkommen, ſchutz des ſe warme en unbe⸗ hutze des ein Theil ttels der iehen der rack her⸗ — 169— über gebracht worden. Der Weg über die Felſen war glück⸗ licherweiſe ſo gelegen, daß der obere Schnee um Mittag ein wenig ſchmolz, während er von einer Nacht zur andern immer feſter zuſammenfror, bald trug die Kruſte und es ergab ſich, daß man mit Schlitten ſchneller und leichter fortkam, als mit den Karren. In Betreff der Felle vereinigte man ſich nicht ſo raſch, da Daggett ſie immer noch als Ladung anfah. Die Noth⸗ wendigkeit und„Mehrheiten“ trugen am Ende den Sieg davon und das ganze Gebäude wurde mit vier bis fünf Fellen übereinander bedeckt, die man mit den dünneren Tauen band⸗ weiſe befeſtigte, durch ſolche dichte Lagen von Fellen, welche durch Taue zuſammengepreßt wurden, war man veſentlich gegen den Eintritt der Kälte geſchützt. Dieß war jedoch noch nicht Alles. Auf der innern Seite der Felle ließ Stimſon eine Wandbekleidung von Segeltuch anbringen, wozu er die Segel des Wracks benützte. Es war nicht nöthig, dieſe Segel zu zerſchneiden, Daggett würde dieß nicht zugegeben haben, ſondern man befeſtigte ſie an Tau⸗ banden und richtete ſie ſo ein, daß ſie alle Seiten, ſelbſt die Decken der beiden Gemächer deckten und ſchützten. Einzelne Theile wurden ſo geſchickt angeſchlagen, daß ſie um die Fen⸗ ſter fielen und warme und bequeme, wenn nicht ſehr zierliche Vorhänge abgaben. Stephan beſtimmte jedoch Roswell, Außenläden machen und anſchlagen zu laſſen, indem er behauptete, ein ſolcher Laden ſei mehr werth, als ein Klaf⸗ ter Holz. Auch viel Holz wurde von dem Wrack herüber geſchafft, und das, welches auf den Felſen ſorglos zerſtreut worden, nun emſig geſammelt und an einer paſſenden Stelle in der Nähe — — 170— der äußern Thüre aufgearkt, welche, nebenher bemerkt, auf der Rückſeite des Hauſes, den Felſen gegenüber, angebracht war, wo ſie auf eine Art Hof ging, welchen Roswell den ganzen Winter hindurch von Schnee und Eis frei zu erhalten hoffte. Er hätte eben ſo gut hoffen können, die Gletſcher des Grindelwaldes zu ſchmelzen, indem er auf den Wieſen zu ihren Füßen ein Feuer anzündete! Stimſon hatte noch einen Anſchlag. Er wollte, wenn der Winter am herbſten geworden, das Haus ſchützen und das Ein⸗ und Ausgehen erleichtern. Während ſeines Aufenthaltes zu Orange⸗Hafen hatte er bemerkt, welche Unbequemlichkeiten das vorzüglich durch die Feuerung erzeugte Schmelzen des Schnees unmittelbar um ſeine Wohnung herbeiführte. Um dieſen Uebeln abzuhelfen, hatte er Nothſegel von ſchwerer Leinwand über das nicht ſehr hohe Dach gelegt und ſie durch kleine Anker⸗Kloben und ähnliche Mittel, wohl auch durch Taue an Klippenvorſprüngen befeſtigt. Nothſpieren, welche durch Pfoſten geſtützt wurden, liefen von dem Dache herüber und trugen dieſe zeltartige Decke. Die Einrichtung beſchränkte ſich auf zwei Seiten des Gebäudes, denn das Tuch reichte nicht weiter, auch ſprach die Nothwendigkeit, das Licht zuzulaſſen, gegen ein ſolches Ver⸗ machen aller Fenſter. Dieſes Zelttuch ſenkte ſich bis auf zehn Fuß von der Seite des Hauſes, wodurch es mehr Feſtigkeit erhielt, als wenn man es wagerecht hätte vortreten laſſen, nicht zu gedenken, daß es als eine Art Vorhalle gelten konnte, wo man ſich freier als in den Gemächern bewegen konnte. Alles, was der Scharfſinn amerikaniſcher Seeleute nur erdenken konnte, um das Haus und die Vorhalle zu kräftigen und zu feſtigen, wurde mit der Handfertigkeit dieſer Leute ins Werk geſetzt. S ßen V einer andere fen un der ſch Nachth welche benden J tigung Währe zu thu ganz b den, n bis die und de Die K rkt, auf gebracht vell den erhalten ſcher des ieſen zu , wenn und das enthaltes lichkeiten lzen des te. Um ſchwerer ſie durch ch durch „welche herüber iten des prach die hes Ver⸗ auf zehn Feſtigkeit en laſſen, n konnte, onnte. leute nur kräftigen Leute ins — 171— Stephan deutete darauf hin, ihre Lage habe einen gro⸗ ßen Vortheil und zumal einen Nachtheil. Da das Haus auf einer Platte ſtand, an welche ſich, wenige Fuß tiefer, eine andere Terraſſe anlehnte, konnte man den Schnee hinabwer⸗ fen und das Haus einer Beläſtigung überheben, auch mußte der ſchmelzende Schnee natürlich dieſe Richtung nehmen. Der Nachtheil beſtand in der Felſenbarre hinter dem Gebäude, welche zwar die ſchneidenden Südwinde brach, aber bei trei⸗ benden Stürmen auch hohe Schneebänke abgeben konnte.⸗ Neuntes Kapitel. Mein Fuß hat den Eisberg berührt, Wo der Sturm eine rauhe Sprache führt; Wenn die Nacht das Boot verhüllet dicht, Seh' ich erlöſchen des Leuchthurms Licht. Ich bin der Seevogel, der Seevogel, Die Verzweiflung ſeh' nur ich; Ich bin der Seevogel, der Seevogel, Sie hat als Zeugen nur mich. Blainard. In der Erregung und Neuheit der Lage und der Beſchäf⸗ tigungen waren zwei Monate ſchnell vorübergegangen. Während dieſer Zeit ward Alles gethan, was die Jahreszeit zu thun erlaubte, und das Haus konnte als vollendet und ganz behaglich gelten. Die Tage waren raſch kürzer gewor⸗ den, während die Nächte ſich in gleicher Weiſe verlängerten, bis die Sonne nur noch wenige Tagesſtunden ſichtbar war, und dann bloß niedrig den nördlichen Horizont entlang ging Die Kälte ſtieg verhältnißmäßig, obgleich das Wetter in jener — 172— hohen Breite ebenſo oft wechſelt, wie bei uns. Es hörte jedoch auf zu thauen und der mittlere Stand des Thermo⸗ meters war nicht viele Grade über Null. Trotz dieſes niedr i⸗ gen Standes des Queckſilbers fühlten die Leute, daß ſie ſich an das Klima gewöhnten, und daß ſie eine viel heftigere Kälte ertragen könnten, als ſie je für möglich gehalten hätten. Bis jetzt hatte die Temperatur für Eingeborene von Neu⸗ York und Neu⸗England nichts Ueberraſchendes, denn es ver⸗ geht kaum ein Winter, ohne daß dieſelbe Kälte, wie man ſie jetzt um den ſüdlichen Polarkreis fühlte, ſich bemerklich machte und einige Zeit andauerte. Während wir dieſes Kapitel unſerer Erzählung hier in den Bergen von Otſego nieder⸗ ſchreiben, erhalten wir einen dieſer ſiberiſchen Beſuche in unſerem Thale. In den letzten drei Tagen wechſelte der Ther⸗ mometer von ſiebenzehn bis zwei und zwanzig Graden unter Null, allem Anſcheine nach wird es jedoch thauen und der Thermometer dürfte in den nächſten vier und zwanzig Stun⸗ den auf vierzig Grad über Null ſteigen. Leute, welche an ſolche Uebergänge und an ſolche Kälte gewöhnt ſind, werden nicht leicht krank oder muthlos. In dieſer Zeit fiel ziemlich viel Schnee, mehr als dieß ſpäter der Fall war. Der Schnee hatte große Unbequemlich⸗ keiten in ſeinem Gefolge, denn er wurde bald ſo tief, daß er eine Art Wall um das Haus bildete und die gewohnten Gänge der Leute unmöglich machte. Es gab jedoch Plätze, welche einigermaßen von dieſem weißen Mantel frei bleiben. Die bereits öfter erwähnte Terraſſe unter dem Hauſe war eine dieſer Ausnahmsſtellen. Sie lag ſo, daß ſie von den Oſt⸗ und Weſtwinden beſtrichen wurde, welche gewöhnlich den Schnee unmittelbar, nachdem er gefallen, wegfegten, was ſie um ſo leichter konnten, da ihnen tauſend Beſen zu Gebot ſtanden. T pflegte Abſatz. aufbar des S ſich gr dings Kruſte zehn b ſich fr ſich n welche Zweck Es ze niedri ertrug Grad 8 er es neue wieder war Gefür Scho daß e 6 Art. mehr Fuß gebilt 3 hörte hermo⸗ niedr i⸗ ſie ſich heftigere hätten. on Neu⸗ es ver⸗ man ſie machte Kapitel nieder⸗ uche in r Ther⸗ in unter und der g Stun⸗ elche an werden als dieß uemlich⸗ daß er n Gänge „ welche n. Die var eine den Oſt⸗ n Schnee ie um ſo inden. — 173— Die Felſenplatte, auf welcher man zu dem Wrack zu gehen pflegte, gehörte auch zu dieſen Plätzen. Er war eine Art Abſatz, der zu ſchmal war, als daß der Schnee ſich da hätte aufbauen können, und die Winde, welche gewöhnlich im Geleite des Schnees kommen, hatten hier zu viel Spielraum, als daß ſich große Schneemaſſen angehäuft hätten. Schnee war aller⸗ dings hier, und zwar, wie erwähnt, Schnee mit einer harten Kruſte, aber er war nicht, wie an vielen anderen Stellen, zehn bis fünfzehn Fuß hoch. An einzelnen Punkten hatte er ſich freilich auch hier angehäuft und die Mannſchaft mußte ſich mit Schippen einen Weg machen, eine Beſchäftigung, welche ſie in Thätigkeit erhielt und, wenn ſie keinen andern Zweck gehabt hätte, zur Kräftigung ihrer Geſundheit beitrug. Es zeigte ſich bald, daß der menſchliche Körper bei dieſem niedrigen Stande des Queckſilbers nicht die Hälfte der Mühen ertrug, welche er auszuhalten vermochte, wenn es um wenige Grade ſtieg. Daggett hatte ſein Schiff keineswegs aufgegeben, obgleich er es theilweiſe„entkleiden“ ließ. Faſt jeden Tag brachte er neue Pläne in Vorſchlag, wie er den Schoner im Frühjahre wieder in das Waſſer ſchaffen wollte, jeder aber, der ſie hörte, war von ihrer Unausführbarkeit völlig überzeugt. Jenes Gefühl veranlaßte ihn, ſeine Leute den Weg zu dem Schoner offen erhalten zu laſſen und kein Tag verging, ohne daß er das unglückliche Wrack beſuchte. Dieſer Ort war nicht ohne Intereſſe eigenthümlicher Art. Wir haben geſagt, daß Eisſtücke, von denen manche mehr als hundert Fuß im Durchmeſſer hatten, und acht bis zehn Fuß dick waren, ſich hier aufgethürmt und Höhlen und Grotten gebildet hatten, welche ſich weit hinzogen. Zufällig waren dieſe — 174— Stücke gerade um das Schiff ſo gelagert, daß ſie den erſten Schnee abhielten, welcher die äußere Räume füllte, gefror, neue Schichten friſchen Schnees aufnahm, und ſo eine Art Dachung bildete, durch welche kein Schnee eindringen konnte. So entſtand eine Reihe natürlicher Galerien in und unter dem Eiſe, in welchen man bequem hin und her gehen konnte. Da das Deck des Schoners klar gemacht worden war, und man leicht zu ſeinen Luken, der Kajüte, dem untern Raum und dem Vordercaſtell gelangen konnte, war er auf dieſe Weiſe gedeckt und geſchützt, während man Alles zur Hand hatte, was brauchbar ſchien. Ein Theil des Holzes, ſowie der Kochofen war noch an Bord gelaſſen worden. Der letztere wurde in die Kajüte geſchafft, und Daggett brachte mit zwei oder drei ſeiner Leute einen Theil ſeiner Zeit hier zu. Als Grund zu dieſer Vertheilung der Kräfte gab man an, daß die in dem Hauſe Zurückbleibenden mehr Raum hätten, ſich zu bewegen. Das völlig leere Deck war beſſer geeignet, ſich Bewegung zu machen, als die Terraſſe unter der Hütte, da es gegen die Winde geſchützt und viel wärmer, als früher oder vor dem Beginne des ſchweren Schneefalles war. Daggett ſchritt Stunde um Stunde auf ſeinem Deck auf und ab und wiegte ſich in den trügeriſchen Traum, er könne mit dem zurückkehrenden Sommer wieder heimwärts ſegeln. Um das Haus öildeten ſich früh Schneedämme. Man wird begreifen, daß eine Biegung der Felſen nach außen oder ein Einſchnitt nach innen auf die Art, wie dieſe Dämme ſich bildeten, Einfluß haben mußte. Der Wind blies keineswegs ſtetig aus einer Richtung, obgleich die ſüdweſtlichen Klippen die Wind⸗ ſeite der Inſel hätten genannt werden können, da die Stürme öfter von dieſer als jeder anderen Seite her einbrachen. Da gebaut dem hoh mere La welche f erwähnt wenn n höher l Außenſe Lande u Ei erweiſen wo Sch nicht ir ſchädlich und hat u. ſ. w. Wenn kann un kommt, ſehr un iſt, daß Ei jäger, nicht m bereits des Ge der Bu nen ma Grund n erſten gefror, ne Art konnte. d unter konnte. n war, untern er auf r Hand „ſowie letztere nit zwei n. Als in, daß en, ſich et, ſich „da es er oder deck auf r könne geln. Man hen oder ime ſich gs ſtetig e Wind⸗ Stürme ſchen. — 175— Da das Cap, wo die Bucht lag und wo man das Haus gebaut hatte, auf der Südoſtſpitze auslief und rückwärts von dem hohen Tafellande geſchützt ward, hätte man keine wär⸗ mere Lage auf der ganzen Gruppe finden können. Die Winde, welche faſt die ganze Nordküſte fegten, die aber, wegen des erwähnten Einſchnittes der Felſen das Haus nicht oft beſtrichen, wenn man ſie auch auf der Terraſſe, die nur hundert Fuß höher lag, wild pfeifen hörte, kamen von der ſüdweſtlichen Außenſeite, wendeten ſich aber mehr weſtlich, indem ſie dem Lande unter den Klippen folgten. Ein Schneedamm kann ſich ebenſo nützlich als verderblich erweiſen. Ein gewiſſer Grad Kälte herrſcht natürlich überall wo Schnee iſt, wenn dieſer aber mit dem menſchlichen Körper nicht in unmittelbare Berührung kommt, dürfte er kaum ſchädlich werden können. Andererſeits bricht er oft den Wind und hat, wie man weiß, eine Decke für Heerden, für Häuſer u. ſ. w. abgegeben, welche zu ihrer Wärme bedeutend beitrug. Wenn Jemand in eine Schneegrotte ſchläft, ſich trocken halten kann und nicht in unmittelbarer Berührung mit dem Schnee kommt, würde er, wie wir nicht bezweifeln, ſein Lager nicht ſehr unbehaglich finden, ſo lange ſeine Bekleidung der Art iſt, daß ſie die natürliche Wärme des Körpers feſſelt. Eines ſolchen Vortheils erfreuten ſich unſere Robben⸗ jäger, obgleich nicht ganz in demſelben Grade. Ihr Haus war nicht mit Schnee bedeckt, allein ganz in der Nähe hatte ſich bereits ein hoher Damm gebildet. Auf dem öſtlichen Ende des Gebäudes und vor der Südſeite, welche den Felſen an der Bucht zugekehrt war, ſah man, ſo ſeltſam dieß auch ſchei⸗ nen mag, faſt gar keinen Schnee. Dieß hatte theilweiſe ſeinen Grund in dem ſteten Gebrauche der Schippen und Beſen, — 176— mehr aber in den Luftſtrömungen, welche die leichten Flocken an geſichertere Stellen führten, ehe ſie ſich auf den Klippenplatten feſtgeſetzt hatten. Roswell bemerkte bald, was er als Amerikaner aus Erfahrung hätte wiſſen können, daß das Schmelzen des Schnees in Folge der Ofenwärme läſtiger war, als der Schnee ſelbſt. Mit dieſem fand man ſich leicht ab, wenn er aber am Tage ſchmolz und ſich des Nachts in Eiszapfen verwandelte, wurde er ein ſehr läſtiger, und zuweilen nicht ganz gefahr⸗ loſer Nachbar, denn die feuchte Kälte, welche er verbreitete, griff die Geſundheit leicht an. In Betreffen der Holzvorräthe war Roswell am beſorg⸗ teſten. Viel von dem in der Heimath beigeſtauten Holze war in der Schiffsküche, und dann in dem Ofen verbraucht worden, welchen man in dem Hauſe aufgeſtellt hatte. So groß dieſer Vorrath auch war, ſo hatte man ihm doch bedeutend bereits zugeſetzt, und nach ſeiner Berechnung konnte der Vorrath kaum für die Hälfte der Zeit reichen, welche man unerläßlich auf der Inſel bleiben mußte. Dieß war ein ſehr wichtiger Umſtand und mußte in ernſte Erwägung gezogen werden. Ohne Holz war die Mannſchaft rettungslos verloren, denn keine Abhärtungsmittel reichten hin, den menſchlichen Körper der Art zu ſtärken, daß er dem Einfluß eines Südpolar⸗Winters widerſtanden hätte. Seit Gardiner es daher für wahrſcheinlich hielt, daß er den Winter auf Robbenjäger⸗Land hinbringen müſſe, hatte er ein wachſames Auge auf das Holz. Stimſon hatte ſich meh⸗ rere Male mit vieler Umſicht über dieſe Frage geäußert. „Der Wärme können wir nicht entbehren,“ ſagte der alte Bootſteuerer,„ſonſt wird der ſtärkſte Mann an Bord der beiden den Schon von Kaffe. und Whis gießt an k haben, Lel als der N.. der Fall ſ „Ihr dem Aeq von ihm gehen?“ Stim geſtehen m davon wiſ „Alle Eine mehr kann. We Winter da Kaffe's de wenn der bleiben mi „Zun beſonders ſehen, als in reichem „Ja, Kaffe muf hohen Bre machen, m „Ich 250— ſocken an uplatten ner aus lzen des r Schnee aber am vandelte, gefahr⸗ rbreitete, n beſorg⸗ olze war worden, oß dieſer d bereits ith kaum llich auf in ernſte annſchaft reichten 3 er dem daß er hatte er ſich meh⸗ ert. der alte er beiden den Schoner erliegen. Wir haben einen gehörigen Vorrath von Kaffe, und dieſer iſt auf alle Fälle beſſer als aller Rum und Whiskey, der je gebrannt worden. Guter warmer Kaffe gießt an dem kälteſten Tage, welchen die beiden Pole je geſehen haben, Leben in uns, und wie es heißt, iſt der Südpol kälter als der Nordpol, obgleich ich nie begreifen konnte, warum dieß der Fall ſein ſoll.“ „Ihr wißt gewiß, warum es wärmer wird, je näher wir dem Aequator kommen, und kälter, je weiter wir uns von ihm entfernen, mögen wir nun nördlich oder ſüdlich gehen?“ Stimſon nickte, obgleich er wahrſcheinlich hätte ein⸗ geſtehen müſſen, daß er, außer der Thatſache, ſelbſt, nichts davon wiſſe. „Alle Seeleute wiſſen das, Capitän Gar'ner, obgleich der Eine mehr, der Andere weniger aus Erfahrung davon ſprechen kann. Wenige aber kommen ſo weit ſüdlich, wie ich, um einen Winter da hinzubringen. Glaubt mir, ein guter Topf heißen Kaffe's des Morgens ſteht einer zweiten Wollenjacke gleich, wenn der Mann bei dem kälteſten Wetter in der freien Luft bleiben muß.“ „Zum Glücke haben wir jene kleinen Vorräthe in Fülle, beſonders ſind wir in Bezug auf Kaffe und Zucker beſſer ver⸗ ſehen, als in vielen anderen Rückſichten. Ich habe Beides in reichem Maaße zu Rio an Bord genommen.“ „Ja, Rio iſt ein guter Platz für ſolche Einkäufe. Der Kaffe muß aber heiß ſein, wenn er in einem Winter dieſer hohen Breite bei den Leuten wirken ſoll, und um ihn heiß zu machen, muß man Holz haben.“ „Ich fürchte, das Holz wird nicht für die Lälft der Zeit 250— 252. —— — 178— ausreichen, welche wir hier hinbringen müſſen. Wir haben glücklicherweiſe einen großen Vorrath eingenommen, das andere Schiff war aber keineswegs ſo gut damit verſehen, als es bei einer ſo langen Reiſe hätte ſein ſollen.“ 3 „Nun, Herr, ich denke, Ihr wißt, was in einem ſolchen Falle zunächſt zu thun iſt. Ohne warme Nahrung können unſere Leute einen ſolchen Winter ſo wenig überleben, als ſie überhaupt ohne Nahrung leben können. Wenn das Vineyar⸗ der Schiff das nöthige Brennholz nicht an Bord hat, müſſen wir Brennholz aus ihm machen.“ Roswell ſah Stephan eine kleine Weile aufmerkſam an. Dieſer Vorſchlag machte ſich zum zweiten Male laut und er mißfiel ihm nicht. „Dieß ließe ſich hören,“ ſagte er,„obgleich es ſchwer ſein wird, Capitän Daggett's Zuſtimmung zu einem ſolchen Schritte zu erhalten.“ „Wenn er zwei oder drei Mötgen kein warmes Frühſtück erhält,“ verſetzte Stimſon, indem er den Kopf ſchüttelte, „wird er froh ſein, ſich dem Vorſchlage zu fügen. In einem ſolchen Klima verwendet der Menſch Alles, was brennt, zu ſeinem Feuer. Ich bin auf einen Gedanken gekommen, Capi⸗ tän Gar'ner, welchen ich Euch ſchon mehrere Male mittheilen wollte. Sollte der Vulkan drüben nicht zu etwas zu benützen ſein, wenn es zum Schlimmſten kommt, Herr?““ „Ich habe auch ſchon daran gedacht, Stephan, obgleich ich nicht viel davon erwarte. Wenn er uns von Nutzen wer⸗ den ſollte, müßten wir ihm näher kommen, als es bei den ſchädlichen Dünſten, die er aushaucht, rathſam iſt. Was Ihr aber von dem Abbrechen des andern Schoners ſagt, iſt der Erwägun ſprechen. Ros der Seen digung a daran, ſi Roswell lange da Beſchwer wäre. „J an dieſes ten,“ ſaß iſt hart noch auf In ſeines T ihn das wieder d der Mech Knapphe nur eine Kopfes d hingeben blendung Die ſondern In einer Satz kon ihn beſtr r haben s andere s es bei ſolchen können „als ſie Vineyar⸗ „ müſſen kſam an. t und er es ſchwer n ſolchen Frühſtück ſchüttelte, In einem rennt, zu n, Capi⸗ nittheilen benützen „obgleich itzen wer⸗ 3 bei den Was Ihr t, iſt der — 179— Erwägung werth und ich werde mit Capitän Daggett davon ſprechen.“ Roswell war„ſo gut wie ſein Wort,“ und der Vineyar⸗ der Seemann nahm den Vorſchlag auf, wie man eine Belei⸗ digung aufnimmt. Unſere beiden Capitäne waren nie ſo nahe daran, ſich ernſtlich zu entzweien, als in dem Augenblicke, wo Roswell den Vorſchlag machte, das Wrack abzubrechen, ſo lange das Wetter erträglich und die Mannſchaft ohne große Beſchwerde und vergleichsweiſe anhaltend zu arbeiten im Stande wäre. „Ich werde den Mann, welcher eine Axt oder eine Säge an dieſes unglückliche Schiff ſetzt, als meinen Feind betrach⸗ ten,“ ſagte Daggett feſt.„Das Lager, auf welchem es liegt, iſt hart genug, man braucht ſeine Seiten und Rippen nicht noch auf dieſe Art zu zertrümmern.“ In dieſer ſeltſamen Weiſe fuhr Daggett fort, die Lage ſeines Wracks in das Auge zu faſſen. Allerdings hinderte ihn das Eis, die Unmöglichkeit zu ſehen, ſeinen Schoner je wieder auf das Waſſer zu bringen, Niemand aber, der von der Mechanik auch nur beſchränkte Kenntniß beſaß, und die Knappheit der Hilfsmittel kannte, welche die Inſel bot, konnte nur einen Augenblick ſich der eiteln Hoffnung, die ſich des Kopfes des Vineyarder Capitäns bemächtigt zu haben ſchien, hingeben, wenn er nicht einer an Verrücktheit grenzenden Ver⸗ blendung verfallen war. Die Bethörung hatte ſich jedoch nicht nur des Capitäns, ſondern auch in einem gewiſſen Grade ſeiner Leute bemächtigt. In einer Menge von Rathgebern ſoll Weisheit ſein, und dieſer Satz kommt aus viel zu ehrwürdiger Huelle, als daß man ihn beſtreiten dürfte. Man kann aber mit ebenſo viel Recht 1²2* ——— — 180— ſagen, in einer Menge von Rathgebern ſei Thorheit, denn die Menſchen ſind zu ſehr geneigt, im Recht wie im Unrecht einander zu ſtützen. Mancher, der es nicht wagen würde, ſeine Stimme allein zu erheben, um ſeine Irrlehren und über⸗ ſpannten Anſichten darzulegen, tritt ohne Anſtand auf dem offenen Markt auf, wo er andere Zungen bereit ſindet, ſeine Lügenworte zu wiederholen. Die göttliche Weisheit, welche dieſe Frucht der menſchlichen Schwäche vorausſah, hat für eine allgemeine Kirche geſorgt, deren geiſtige Macht von dem unmittelbar ausgeht, welcher ſie eingeſetzt hat, und welche als die Trägerin aller der Grundſätze, Lehren und Geſetze daſteht, die Gott als weſentlich erachtete, um die moraliſche Herrſchaft auf Erden zu fördern, und doch ſehen wir von allen Seiten kecke Zudringlinge ſich erheben, welche, anmaßend in ihrer Unwiſſenheit, gierig in ihrem Ehrgeiz und neidiſch in dieſer Gierde, keinen Anſtand nehmen, ihre Marktſchreiereien auszu⸗ poſaunen, über welche die Wiſſenſchaft lächelnd ſtaunt und die Demuth ſtaunend weint. Der Art iſt der Menſch, wenn ihn ſeinesgleichen ſtützen, in allen Betreffen des Lebens, von der Religion, dem höchſten, an bis zu dem unbedeutendſten ſeiner zeitlichen Intereſſen. Daggett und ſeine Mannſchaft fühlten und handelten jetzt in dieſem Geiſte. Roswell hatte früh ſchon mit Bedauern bemerkt, daß etwas wie ein Parteigefühl unter den Vineyardern rege werde, welche ohne Ausnahme auf das größere Glück ihrer Nachbarn mit ſchlecht verhehlter Eiferſucht blickten. Seit dem Schiffbruche hatte dieſe Eiferſucht ſich in einer bedenklichen Weiſe geſteigert, ſie war zu einer Art Feindſelig⸗ keit geworden, und bei mehreren Veranlaſſungen hatte man zweideutige Worte laut werden hören, als hätten die Vineyarder die Abf räthe je Manch lag offe die Abf es erla Auch geſund S behagle laſſen, ſchaffen wo me viele d hätte vielen raum R Wunſe hinzub ſich zu enthal und b C wenn leben Kälte enn die Unrecht würde, d über⸗ if dem , ſeine welche hat für on dem che als daſteht, rrſchaft Seiten n ihrer dieſer auszu⸗ und die unn ihn von der i ſeiner een jetzt edauern hardern Glück en. n einer ndſelig⸗ te man eyarder — 181— die Abſicht, ſich von der anderen Mannſchaft zu trennen und für ſich zu leben. Es iſt jedoch wahrſcheinlich, daß dieß nur aus getäuſchter Hoffnung hervorging und daß man im Grunde nichts Ernſt⸗ liches beabſichtigte. Daggett hatte ſeinen Leuten erlaubt, Vor⸗ räthe jeder Art nach dem Hauſe zu ſchaffen, obgleich er auch Manches in dem Wrack zurückbehielt. In dieſem Verfahren lag offenbar durchweg nichts Feindſeliges, es deutete nur auf die Abſicht Daggett's, ſo oft und ſo lange, als die Umſtände es erlaubten, auf ſeinem geſtrandeten Wrack zu verweilen. Auch war in dieſem Plan etwas Paßliches, das ihn dem geſunden Sinne Aller empfahl. So lange ein Theil der Vineyarder in dem Wrack eine behagliche Unterkunft fanden, war es das Beſte, ſie dort zu laſſen, denn man ſparte ſich dadurch die Mühe des Herüber⸗ ſchaffens der Vorräthe und gewann Spielraum in dem Hauſe, wo man ſich freier bewegen konnte. Die Nothwendigkeit, ſo viele Fäſſer, Kiſten und Kaſten in dem Hauſe unterzubringen, hätte die Räume weſentlich beſchränkt, und man hatte aus vielen Gründen, beſonders der Geſundheit wegen, freien Spiel⸗ raum nöthig. Roswell freute ſich daher, ſo oft ein Vineyarder den Wunſch äußerte, das Wrack zu beſuchen und einige Tage dort hinzubringen. Um dieſe Stimmung zu ermuthigen, ſowie um ſich zu vergewiſſern, wie es denen erging, welche jenen Auf⸗ enthalt gewählt hatten, ſtattete er Daggett einen Beſuch ab und brachte ſelbſt einige Nächte in der Kajüte des Wracks hin. Er überzeugte ſich durch ſeine eigene Erfahrung, daß man, wenn der Thermometer auf Null ſtand, recht behaglich dort leben könne, wie man es aber aushalten werde, wenn die Kälte ſich ſteigerte, ſchien ihm zweifelhaft. — 182— Die Kajüte war klein und ein ſehr mäßiges Feuer in dem Kochofen erwärmte ſie hinreichend, Daggett aber, ein ſtets vernünftiger, nachdenkender Mann, wenn„die Wurzel alles Uebels“ ihn nicht umſtrickte, ſtimmte vollkommen mit ſeinen Anſichten in Betreff der Nothwendigkeit überein, ſparſam mit dem Holze zu verfahren und die Leute abzuhärten. In keinem der beiden Schiffe wurde jene Ofenhockerei, welche ſo gewöhn⸗ lich in Amerika iſt und die Hälfte der Winterkrankheiten des Klima's hervorruft, geduldet. Daggett ſah ein, daß Roswell's oder vielmehr Stimſon's Anſchlag klug ſei und fügte ſich ihm gern und mit dem beſten Willen. Während Gardiner's Beſuch auf dem Wrack beſprachen unſere zwei Capitäne ihre Pläne für den Winter, während ſie, ſorgfältig eingehüllt, um die bloßgeſtellteren Theile gegen den Froſt zu ſchützen, ſich auf dem Deck Bewegung machten. Jeder hatte eine Mütze von Seehundsfell, welche die Ohren und einen Theil des Geſichtes ſchützte, auch die Mannſchaft war mit ähnlichen Kopfbedeckungen verſehen worden. „Ich denke, wir dürfen dieß als ein angenehmes Winter⸗ wetter betrachten,“ bemerkte Roswell,„denn der Thermometer ſteht nur auf Null. Wie ich von Stimſon höre, war der Winter, welchen er zu Orange⸗Hafen hinbrachte, viel ſtrenger. Aber die eigentliche Froſtzeit, wie die Indianer es nennen, wird erſt in ſechs bis acht Wochen kommen. Ihr denkt gewiß nicht daran, hier zu bleiben, wenn das wirklich ſtrenge Wetter eintritt.“ „Ich glaube nicht, daß wir die Kälte viel mehr fühlen ſollten, als jetzt. Dieſes tägliche Waſchen iſt ein trefflicher Ofen, denn ich höre alle Leute ſagen, jeder fühle ſich neu belebt, ſobald es überſtanden ſei. Was mich betrifft, ſo werde ich in m. Waſſer Ro⸗ Maſſe v darüber. „C räthen nach eit wieder „ beſſer, bei uns der Eſſe wißt, u Leute l beabſich holz zu 3,2 iſt gut ſie hier dieſe.“ „2 flott zu forſchen W gegen vor de abgene an, ur leſen, r in dem ein ſtets zel alles nit ſeinen rſam mit n keinem gewöhn⸗ eiten des Roswell's ſich ihm eſprachen Frend ſie, eegen den n. Jeder und einen war mit Winter⸗ rmometer war der ſtrenger. nennen, ikt gewiß ge Wetter hr fühlen trefflicher ſich neu ſo werde — 183— ich in meinem Schiffe bleiben, ſo lange eine Planke über dem Waſſer ſchwimmt.“ Roswell dachte, wie thöricht es ſei, ſo an einer nutzloſen Maſſe von Holz, Eiſen und Kupfer zu häugen, aber er ſchwieg daruͤber. „Es thut mir jetzt leid, daß wir ſo viel von unſeren Vor⸗ räthen in das Haus hinübergeſchafft haben,“ fuhr Daggett nach einer kleinen Pauſe fort,„ich fürchte, mancherlei muß wieder an Bord gebracht werden.“ „Dieß würde kaum der Mühe lohnen, Daggett, es wäre beſſer, Ihr kämt herüber und brächtet den eigentlichen Winter bei uns zu, wenn die Vorräthe hier knapp werden. Während der Eſſenszeit wird Raum in dem Gemache geſchafft, wie Ihr wißt, und Ihr werdet Euch nur um ſo behaglicher fühlen.“ „Wir wollen ſehen, wir wollen ſehen, Gariner. Meine Leute haben es ſich in den Kopf geſetzt, Eure Mannſchaft beabſichtige, dieſen Schoner aufzubrechen, um ihn als Brenn⸗ holz zu benützen, wenn ſie nicht eine Ankerwacht aufſtellten.“ „Ankerwacht!“ wiederholte Roswell lächelnd.„Der Name iſt gut gewählt, wenn es je eine Ankerwacht gab, haltet Ihr ſie hier, denn keine Grundtakelage wird ſo gut halten, wie dieſe.“ „Wir geben den Gedanken nicht auf, den Schoner wieder flott zu machen,“ ſagte Daggett und ſah ſeinen Gefährten forſchend an. Während der Vineyarder Seenkann ein gewiſſes Mißtrauen gegen den von Oyſter⸗Pond hegte, hatte er die höchſte Achtung vor deſſen offenem, freimüthigem Charakter und war nicht abgeneigt, ſeiner Biederkeit zu vertrauen. Er ſchaute ihn daher an, um die wirkliche Anſicht des andern in einem Geſichte zu leſen, welches ſelten täuſchte. — — 184— „Ich werde Gott danken, Capitän Daggett,“ verſetzte Roswell nach einer halben Secunde,„wenn wir den langen Winter dieſer Breite hinbringen, ohne mehr von beiden Schiffen zu verbrennen, als ganz unerläßlich iſt. Allerdings wär' es das Beſte, mit dem zu beginnen, welches am Wenigſten in anderer Weiſe zu brauchen iſt.“ „Ich habe dieſe Sache nach allen Seiten und mit großer Sorgfalt überdacht, Gar'ner, davon geträumt, ſie in allen Stunden, Nacht und Tag, und in allen Wettern vor Augen gehabt, und wie ich ſie auch anſehen mag, iſt ſie ſtets voller Schwierigkeiten. Willigt Ihr ein, eine Halbladung meiner Felle und des Thrans im nächſten Sommer an Bord zu nehmen und dieſe Reiſe in allen Beziehungen und Rückſichten als eine gemeinſchaftliche zu behandeln, dann werde ich zuſtim⸗ men, daß Ihr dieſes Schiff verbrennt.“ „Ich bin nicht ermächtigt, einen ſolchen Vertrag abzu⸗ ſchließen. Ich habe einen Schiffsherrn, welcher ſcharf nach ſeiner Habe ſchaut und meine Leute dienen für ihren Antheil, wie die Mannſchaften aller Robbenfänger. Ihr fordert zu viel und vergeßt, daß Ihr nie die Mittel ſinden würdet, dieſe Inſeln wieder zu verlaſſen, ſollte ich dieſelbe Macht über mein Schiff üben, welche Ihr noch ſtets über dieſes Wrack geltend macht. Wir ſind nicht verbunden, Euch an Bord unſeres Schoners aufzunehmen.“ „Ich weiß wohl, Gar'ner, daß Ihr es für unmöglich haltet, unſer Schiff wieder flott zu machen, Ihr überſeht aber etwas, das wir noch thun können: was hindert uns, es abzu⸗ brechen und ein kleineres Schiff zu bauen, nehmen wir an, nur von ſechs Tonnen, unſere meiſten Felle beizuſtauen und nach Haus zu ſteuern?“ 7 aber, klüger laſſen, das L finden holen. ihrer gewiß hier werde Euerr licher viele dieſe wichti jetzt muß bis a nung entwe zur d nicht Wint die 2 Mitt den Son verſetzte hen langen beiden Allerdings Wenigſten nit großer 2 in allen vor Augen iets voller ag meiner Bord zu Rückſichten ich zuſtim⸗ rag abzu⸗ charf nach n Antheil, ert zu viel det, dieſe über mein ack geltend d unſeres unmöglich rſeht aber „es abzu⸗ n wir an, fauen und — 185— „Ich will nicht ſagen, daß dieß unmöglich ſei, ich ſage aber, es iſt ſehr ſchwierig. Ihr würdet nach meiner Anſicht klüger thun, Eure Ladung unter der Obhut einiger Leute zu laſſen, und mit mir abzureiſen. Ich ſetze Euch zu Rio an das Land, wo Ihr faſt immer ein kleines amerikaniſches Schiff finden könnt, um nach Süden zu ſteuern und Eure Felle abzu⸗ holen. Ihr könnt den Zurückbleibenden es auch überlaſſen, zu ihrer Unterhaltung ein kleines Schiff zu bauen, ich werde gewiß gegen einen ſolchen Schritt nichts einwenden. Es gibt hier nur eine Stelle, wo ein Schiff in das Waſſer gelaſſen werden kann, und dieſe iſt an dem Theile der Bucht, wo wir Euern Schoner auf das Geſtade leiteten. Dort kann es mög⸗ licherweiſe geſchehen, obgleich, wie es mir ſcheint, nicht ohne viele Mühe und vielleicht nicht ohne mehr Hilfsmittel, als ſich dieſe Inſeln entlang finden laſſen. Ihr überſeht aber einen wichtigen Umſtand, Daggett, welchen ich vielleicht am Beſten jetzt ſogleich erwähne. Euer Schiff, oder das meinige muß dieſen Winter als Brennholz dienen, ſonſt erfrieren wir bis auf den letzten Mann. Ich habe eine ſehr genaue Berech⸗ nung angeſtellt, und ſo gewiß wir leben, es iſt keine Wahl, entweder gehen wir zu Grund, oder das erwähnte Holz muß zur Feuerung dienen.“ „Keine meiner Planken darf berührt werden. Ich glaube nicht die Hälfte aller dieſer Geſchichten von den Südpolar⸗ Wintern, ſie können unmöglich ſchlimmer ſein, als die um die Bai von Fundy droben.“ „Ein Winter in der Bai von Fundy ohne Feuerungs⸗ Mittel mag ziemlich herb ſein, er iſt aber ein Spiel gegen den Winter hier. Ich ſollte denken, wer einen Südpolar⸗ Sommer und Herbſt hier verlebt hat, müſſe ſich eine ziem⸗ —— — 186— lich lebhafte Vorſtellung von dem machen können, was ſolgen werde.“ „Die Leute können faſt die ganze Zeit über auf ihren Pritſchen bleiben und ſo die Feuerung ſparen. Es gibt viele andere Mittel, ſich durch einen Winter zu helfen, als das Verbrennen eines Schiffes. Ich werde nie einwilligen, daß auch nur ein Brett dieſes guten Schiffes in die Kambüſe wandert, ſo lange ich noch klaren Weg ſehe, es zu hindern. Ich würde eher die Ladung als mein Schiff verbrennen.“ Roswell ſtaunte über dieſe Hartnäckigkeit, er verließ ſich aber auf den Drang der nächſten Zeit und wechſelte den Gegenſtand der Unterhaltung. Der Gedanke, ſein eigenes Schiff abzubrechen, war ihm gewiß nie in den Sinn gekommen, obgleich er keinen hin⸗ reichenden Einwand gegen die andere Seite des Vorſchlages ſah. Da jedoch jede ferne Verhandlung unnütz war, unter⸗ hielt er ſich mit Daggett über manchfache, uahe liegende Fragen, über welche ſein Gefährte geſunde Anſichten äußerte und ſich gern belehren ließ. Man hatte ſich durch Erfahrung vergewiſſert, daß das Waſſer in einer beträchtlichen Tiefe unter dem Eiſe weſentlich wärmer war, als an der Oberfläche. Auch hatte man Mittel gefunden, die unteren Waſſerſtrömungen zum Behufe der Bäder heraufzupumpen, welche dadurch behaglicher wurden, als früher. Das Baden in ſehr kaltem Waſſer iſt übrigens nichts ſo Furchtbares, als man allgemein annimmt, wenn die Luft eine niedrigere Temperatur hat, als das Waſſer. Bei dem großen Gewichte, welches man auf dieſe täglichen Reinigungen legte, war es natürlich, daß die beiden Capitäne die Fragen nach allen ihren Seiten beſprachen. In der Nähe des Wre war ein dem He ſeinen( Eit ten, we Null ſte ſcheinen den Wi ſchneide geſchirn fühlte als er Aufentl dieß be De halte f Thätigl nahmer ſchneier Kruſte der Th Schnee fortkam ſchwun S Schlitt letztern Fertigk es nich s folgen if ihren ibt viele als das een, daß Kambüſe hindern. rennen.“ lließ ſich elte den war ihm nen hin⸗ rſchages „ unter⸗ liegende äußerte daß das beſentlich n Mittel hufe der wurden, übrigens wenn die täglichen Capitäne er Nähe — 187— des Wracks war keine Vorrichtung zu dieſem Behufe, und dieß war einer der Gründe, warum Roswell rieth, das Wrack mit dem Hauſe zu vertauſchen. Daggett war dagegen und lud ſeinen Gefährten zu einem Spaziergang in ſeine Grotten ein. Ein Spaziergang in einer Reihe von Höhlen und Grot⸗ ten, welche aus Eis beſtanden, während der Thermometer auf Null ſtand, wird jedem eine ziemlich anfröſtelnde Ergötzlichkeit ſcheinen. Gardiner fand dieß nicht. Er war hier ganz gegen den Wind geſchützt, welcher eine große Kälte ſo markdurch⸗ ſchneidend, ja unerträglich macht. Von dieſer Seite völlig geſchirmt und durch das Erklettern der Eisſchollen durchwärmt, fühlte Roswell ſein Blut bald in geſunder Wallung, und als er das Schiff verließ, mußte er ſich geſtehen, daß der Aufenthalt an deſſen Bord nicht ſo unangenehm ſei, als ihm dieß bei ſeiner Ankunft geſchienen hatte. Da man nun mit den Vorbereitungen zum Winteraufent⸗ halte fertig war, dachte man an Unterhaltungen, welche die Thätigkeit des Körpers und zumal die des Geiſtes in Anſpruch nahmen. Mit der vorrückenden Jahreszeit hörte es auf zu ſchneien, und es gab nur noch wenige Stellen, über deren Kruſte man nicht ſchwere Laſten hätte wegbringen können. In der That war es leichter, über die Oberfläche des gefrornen Schnees wegzukommen, als man früher auf den nackten Felſen fortkam, welche Hemmniſſe in den Weg legten, die jetzt ver⸗ ſchwunden waren. Schlittenfahrten au den Abhängen nieder und ſelbſt Schlittſchuhlaufen waren nun tägliche Unterhaltungen, in der letztern Kunſt hat es faſt jeder Amerikaner zu einer gewiſſen Fertigkeit gebracht. Auch an Ergötzlichkeiten anderer Art fehlte es nicht, im Allgemeinen aber fand man, daß ſchon eine ——— — 188— geringe Anſtrengung in der freien Luft den Körper erſchöpfte und daß man mit Mühe Athem holte. Dennoch glaubte man, es ſei der Geſundheit zuträglich, daß die Leute ſoviel als mög⸗ lich außerhalb des überfüllten Hauſes blieben, und mehrfache Vorſchläge fanden Anklang, welche die Erhaltung der Lebens⸗ wärme unter freiem Himmel zum Zwecke hatten. Der Juli— unſer Januar— war noch nicht ganz zu Ende, als man es zweckmäßig fand, Kleider aus Fellen zu machen, wozu es glücklicherweiſe nicht an Stoff gebrach. Wie die Jahreszeit vorſchritt, gab Roswell den Gedanken allmählich auf, mehr als das Leben ſeiner Leute erhalten zu wollen, Daggett aber hing noch an ſeinem Wrack und hatte in der That Holz zurückfahren laſſen, um ſo lange als mög⸗ lich in der Nähe ſeiner Habe bleiben zu können. Vom Thauen war keine Spur mehr zu finden, obgleich die Kälte in ſehr merklichen Abſtufungen auftrat. Dann und wann konnte man zwei Stunden in der freien Luft bleiben, ohne ſich beläſtigt zu fühlen, aber es kamen auch Tage, wo es dem kräftigſten Körper nicht möglich geweſen wäre, auch nur wenige Minuten in einer gewiſſen Entfernung von der künſtlichen Wärme auszudauern. Im Ganzen fand man, daß das vergleichsweiſe gemäßigte Wetter vorherrſchte, und nur ſelten geſchah es, daß nicht die ganze Mannſchaft um die ſoge⸗ nannte Mittagszeit ihren Arbeiten und Vergnügungen im Freien nachging. Und welche Mittage waren es? Der kürzeſte Tag war ſeit einiger Zeit vorüber, als Roswell und Stimſon mit einander auf der Terraſſe wandelten, die jetzt, wie gewöhnlich, ſo frei vom Schnee war, als hätte man ſie mit dem Beſen gekehrt, ſonſt aber, wie Alles ringsum, das Ausſehen des endloſen Sonne d ſelbſt am „Di einige W ſchaute. dieſem 2 welche d werfen. Sonne if daß ich dem Rech Cap über wel Wenige wäre, de eine Bei unſern„ dieſer V gehen, k Wir gelungen lich zu die Son „un bemerkte „N krahnbal D ich i ſe erſchöpfte ubte man, als mög⸗ mehrfache er Lebens⸗ er Juli— 6 man es wozu es Gedanken rhalten zu und hatte als mög⸗ „ obgleich Dann und ft bleiben, Tage, wo däre, auch 3 von der man, daß und nur n die ſoge⸗ ungen im Tag war mſon mit ewöhnlich, dem Beſen ſſehen des — 189— endloſen Winters hatte. Ihre Augen folgten der Bahn der Sonne dem nördlichen Horizont entlang, über den ſie ſich ſelbſt am vollen Mittage kaum einige Grade erhob. „Die Sonne hat ein kaltes Ausſehen und gibt dennoch einige Wärme,“ ſagte Stimſon, indem er auf den Lichtkörper ſchaute.„Ich fühle in der That den Einfluß der Sonne in dieſem Augenblicke, und unter dem Schutze dieſer Klippen, welche die Strahlen, ſo viel deren zu uns kommen, zurück⸗ werfen. Mir fallen alle dieſe Wechſel in der Bewegung der Sonne in hohem Grade auf, Capitän Gar'ner, aber ich weiß, daß ich ohne Kenntniſſe bin und daß Andere ſich von allem dem Rechenſchaft geben können, was mir auffallend ſcheint.“ Capitän Gar'ner verſuchte die Erſcheinungen zu erklären, über welche wir früher eine leichte Skizze mitgetheilt haben. Wenige Amerikaner ſind ſo unwiſſend, daß ihnen unbekannt wäre, daß die Sonne keine merkliche Bewegung, oder daß ſie eine Bewegung hat, welche ohne augenfälligen Einfluß auf unſern Planeten iſt; Wenigere aber werden die Gründe eben dieſer Veränderungen, welche täglich vor ihren Augen vor⸗ gehen, klar verſtehen. Wir möchten nicht behaupten, daß es Capitän Gardiner gelungen ſei, ſich dem alten Seemanne vollkommen verſtänd⸗ lich zu machen, dieß aber ward dem Bootsſteuerer klar, daß die Sonne einige Grade ſüdlicher gar nicht zu ſehen wäre. „Und nun, Herr, wird ſie wohl jeden Tag höher ſteigen,“ bemerkte Stephan,„bis ſie ganz über unſeren Häuptern ſteht.“ „Nicht ganz um Mittag, aber Morgens und Abends frahnbalksweiſe, wenn ich ſo ſagen darf. „Dennoch ſtehen uns die kälteſten Tage noch bevor, wenn ich in ſolchen Dingen einige Erfahrung habe. Warum kehrt ——— —-— 190— die Wärme nicht mit der Sonne zurück? Doch,— Ihr habt mir ja geſagt, die Erde ſteure in ihrem Curs bald hierhin, bald dorthin.“ „Man kann ſich dieſe Frage wohl ſtellen, aber Kälte erzeugt Kälte, und es dauert lange, bis die Wärme ſich durch⸗ ſchlägt. Der Februar iſt, ſelbſt in Amerika, der kälteſte Monat des Jahrs, obgleich es früher und ſpäter einzelne kältere Tage geben kann, als die des Februars. Der März und ſelbſt der April ſind die Mongte, welche ich hier fürchte, und dieß um ſo mehr, Stephan, als unſer Holz raſcher zuſammenſchmilzt, als ich dachte.“ „Ihr habt ganz recht, Herr. Die Mannſchaft muß aber Feuer haben. Ich ſtand dieſen Morgen, während die Leute noch alle feſt ſchliefen, auf und ſah nach dem Ofen, und wahrlich, es war ohne Mütze und Fellbekleidung faſt nicht auszuhalten, obgleich das Haus völlig geſchloſſeen war. Wenn das Wetter ſo fortfährt, wie es begonnen hat, werden wir bald eine Wacht an den Ofen ſtellen müſſen, auch glaube ich nicht, daß ein Ofen länger ausreichen wird. Wir werden in dem Schlafſale einen zweiten haben müſſen.“ „Der Himmel weiß, woher das Holz kommen ſoll? Wenn Capitän Daggett ſeinen Schoner nicht aufgibt, wird es uns gewiß lange vor der Rückkehr der milderen Jahreszeit ausgehen.“ „Wir müſſen uns warm halten, Herr, indem wir die Bibel leſen,“ antwortete Stimſon lächelnd, obgleich der Blick, welchen er auf ſeinen Offizier heftete, ernſt und beſorgt war. „Ihr dürft nicht vergeſſen, Capitän Gar'ner, daß Ihr Einer, welche täglich für Euch betet, verſprochen habt, die von ihr bezeichneten Kapitel zu durchgehen, und über den Inhalt geduldi⸗ kann he in dem 0 77 rief Ro leichtfer „„6 und ich hier we „2 Die V Paſtore „„] Herr, nie da geſagt, von G ſinn, n Stolz aus de Gott i eignet zu ſein D kommer Ihr habt hierhin, er Kälte ch durch⸗ r kälteſte einzelne der März r fürchte, z raſcher muß aber die Leute fen, und faſt nicht r. Wenn erden wir ch glaube ir werden nen ſoll? gibt, wird Jahreszeit n wir die der Blick, ſorgt war. ihr Einer, je von ihr en Inhalt — 191— geduldig und aufmerkſam nachzudenken. Keine Robbenjagd kann halb ſo wichtig ſein, wie das Leſen dieſes guten Buches in dem rechten Geiſte.“ „Ihr glaubt alſo, Jeſus ſei der Sohn Gottes geweſen?“ rief Roswell halb forſchend, halb leichthin, um nicht zu ſagen leichtfertig. „So gewiß, als ich glaube, daß wir hier find, Herr, und ich wünſchte, wir wären halb ſo gewiß, daß wir je von hier wegkommen.“ „Was hat Euch veranlaßt, dieß zu glauben, Stimſon? Die Vernunft oder das Zureden Eurer Mutter oder des Paſtors?“ „Meine Mutter ſtarb, ehe ich ihren Worten lauſchen konnte, Herr, und mit Paſtoren hatte ich nie viel zu thun, weil ich nie da war, wo man ſie antrifft. Die Offenbarung hat mir geſagt, ich ſollte dieß glauben, und die Offenbarung kommt von Gott.“ „Und auch ich könnte es glauben, käme für mich die Offenbarung aus derſelben Quelle. Wie es iſt, fürchte ich, ich werde nie an das glauben, was mir eine Unmöglichkeit zu ſein ſcheint.“ Nun folgte eine lange Beſprechung, in welcher Scharf⸗ ſinn, nicht gewöhnliche Gewalt über die Sprache, menſchlicher Stolz und weltliche Gefühle mit jener klaren, unmittelbar aus der Seele kommenden, tiefen Ueberzeugung kämpften, die Gott in ſeiner Gnade oft denen verleiht, welche ſonſt unge⸗ eignet ſcheinen würden, die Beſitzer einer ſo hohen Gabe zu ſein. Da wir auf dieſen Theil unſerer Aufgabe ſpäter zurück⸗ kommen müſſen, wollen wir ihn hier nicht weiter verfolgen, — 192— ſondern die Erzählung, wie ſie mit dem Beginne der neuen Jahreszeit anhob, fortführen und den Einfluß ſchildern, welche die letztere auf die ganze Schaar der verlornen Robbenjäger geübt hat. Zehntes Kapitel. Jenſeits des jüd'ſchen Herrſchers ſtanden, Ein glorreich edeler Verein, Die zwölf Apoſtel dicht geſchaart. O wie ſchauten ſie mit Blicken des Entzückens, Mit wonnevollen Thränen, und Mit Herzen voll Begeiſt'rung wieder Auf ihren theuern Meiſter! Hilhouſe's letztes Gericht. Es iſt nöthig geworden, die Zeit bis zum Beginne des Oetobers, welcher unſerm April entſpricht, vorzurücken. In einem gemäßigten Klima würde dieß der Anfang des Früh⸗ lings andenten und die wieder erwachten Hoffnungen einer neuen, wohlthuenden Jahreszeit würden jede Bruſt ſchwellen. Nicht ſo auf dem Robbenjäger⸗Land. So lange der Winter ſeine ſtrenge Herrſchaft übte und die klare, ſtetige Kälte währte, war Alles in der beſten Ordnung, um nicht zu ſagen in aller Behaglichkeit vor ſich gegangen, da man Anord⸗ nungen getroffen hatte, welche die Herbe und Entbehrungen in einem ſolchen Theile der Welt weniger fühlbar machten, auch hatte man ſich bis jetzt nur über wenige perſönliche Unfälle, welche ſich auf einige erfrorne Wangen und Naſen beſchränkten, zu beklagen, und dieſe waren eher die Folgen von St ſchriften We in das nicht zu Vo ſolche 2 zum W faſt ver einher meter u Null, ü In Oectober zeichen. Jahres ziemlich fröſteln vorüben Der m Horizo welcher Häupte ganze ſo weit die So D Bedrol von de dritte 25 neuen welche eenjäger den, ntzückens, r Gericht. nne des en. In 6 Früh⸗ in einer wellen. nge der ſtetige nicht zu Anord⸗ hrungen nachten, rſönliche d Naſen Folgen — 193— von Sorgloſigkeit und muthwilligem Ueberſchreiten der Vor⸗ ſchriften, als einer unbedingten Nothwendigkeit. Wer jedoch den Ort im Juli geſehen hatte und ihn jetzt in das Auge faßte, mußte Zeichen großer Veränderung, um nicht zu ſagen Verſchlimmerung, finden. Vor Allem war eine große Maſſe Schnee gefallen— eine ſolche Maſſe, daß die ganze Terraſſe bedeckt, der Weg, welcher zum Wrack führte, vermacht und das Haus und Alles umher faſt verſchüttet war. Die Winde blieſen laut und ſchneidend einher und machten die Kälte doppelt ſcharf. Der Thermo⸗ meter wechſelte jetzt häufig, zuweilen ſtieg er bedeutend über Null, öfter aber ſank er viel tiefer. Im September hatten die Stürme vorgeherrſcht und der October begann mit den abſchreckendſten, winterlichſten Vor⸗ zeichen. In einem Sinne hatte ſich jedoch der Charakter der Jahreszeit geändert, der trockenen, gleichmäßigen Kälte, welche ziemlich erträglich war, folgten rauhe, ſchneidende, durch⸗ fröſtelnde Stürme. Die Tag⸗ und Nachtgleiche war natürlich vorüber, und man hatte die Sonne länger als zwölf Stunden. Der mächtige Lichtkörper ſtieg ziemlich hoch über den nördlichen Horizont, und obgleich ſeine Bahn einen Bogen beſchrieb, welcher nicht hoffen ließ, ihn um die Mittagszeit über den Häuptern zu ſehen, ſo ſchien der Lichtkreis ſich doch über die ganze Gruppe zu verbreiten und trat Morgens und Abends ſo weit ſüdlich, daß es ganz den Anſchein hatte, als kreiſe die Sonne rings um den Ort. Dieſe Veränderungen hatten natürlich. Beläſtigendes und Bedrohliches in ihrem Gefolge. Ungeheure Eiszapfen hingen von dem Dache des Hauſes bis zu dem Boden herab,— die dritte und vierte Nachkommenſchaft dieſer Zeichen vereinigten 250— 252. 13 — 194— Wärme und Kälte, nachdem man die frühere weggeſchlagen und entfernt hatte. Weit entlang der Küſte ſah man Treib⸗ ſchnee angehäuft, und Rieſenballen, welche mit furchtbaren Lawinen drohten, hingen auf den Klippen, nur der wieder⸗ kehrenden Wärme gewärtig, um ſich auf die unteren Felſen zu ſtürzen. Eine dieſer Maſſen war bereits auf das Wrack gefallen, und die Mannſchaft des Oyſter-Ponder Seelöwen war eine ganze Woche thätig, ſie zu durchbrechen und die Vineyarder zu befreien. Bei dieſem mühſamen Beginnen zeigte ſich viel Edelſinn und menſchenfreundliches Gefühl, denn in Folge des hartnäckigen Beſtehens Daggett’s und ſeiner Leute auf dem, was ſie ihre Rechte nannten, war Roswell endlich genöthigt, die Obenwerke ſeines eigenen Schoners abzuſchlagen, um Holz zu erhalten und ſeine Mannſchaft vor gewiſſem Tode zu retten. Die Stellung des Seelöwen von Oyſter⸗Pond war nur an einem hohem Schneerücken zu erkennen, welcher ſich dadurch gebildet hatte, daß der Schoner deſſen„Abtrifft“ hinderte, aber ſeine äußere Bekleidung, Planken, Deck, die oberen Auf⸗ langer, Spiegelgerüſte— kurz faſt Alles, was über dem Waſſer ſtand, war bereits in Stücke gehauen und unter die erwähnte Veranda gebracht worden, um in den Oefen ver⸗ braucht zu werden. Daggett war genöthigt geweſen, das Gleiche zu thun, wodurch der Eigenſinn der Vineyarder nur noch augenfälliger wurde. Ein großer Theil ſeines geliebten Schiffes war bereits in die Kambüſe gewandert und wahrſcheinlich folgte noch mehr nach. Die aufgedrungene Zerſtörung ſteigerte aber ſeinen Eigenfinn, ſtatt ihn zu mindern. Er hing an dem letzten Spane, geſtrand rend do Theil n Tages. Arke H fache 2 benutze Kochen wurde, der Se das Le A endlicht beruhte Berath Rudern Angrif dieſer, Roswe Aufme uns, könner Rippe worder geſchlagen an Treib⸗ urchtbaren er wieder⸗ ren Felſen gefallen, war eine gineyarder e ſich viel Folge des auf dem, genöthigt, gen, um ſſem Tode war nur ch dadurch hinderte, eren Auf⸗ über dem unter die defen ver⸗ zu thun, ghenfälliger dar bereits noch mehr er ſeinen em letzten — 195— Spane, ſein Ohr war jedem Antrage verſchloſſen. Das geſtrandete Wrack, hieß es, ſei ſein und ſeinen Leuten, wäh⸗ rend das andere Wrack den Oyſter⸗Pondern gehöre. Jeder Theil möge für ſich handeln und für ſich Sorge tragen. So ſprach er, und ſo handelte er. Dieſer Stand der Dinge war nicht das Ergebniß eines Tages. Monde waren vergangen, Roswell hatte ſeine letzte Arke Holz in die Kambüſe wandern ſehen, er hatte manch⸗ fache Verſuche gemacht, den Thran als Feuerungsmittel zu benutzen, was ihm inſofern gelang, als das gewöhnliche Kochen dabei bewerkſtelligt und auf dieſe Weiſe Holz geſpart wurde, wenn aber die Kälte wieder ſtieg, ſah man bald, daß der Schoner angegriffen werden mußte, wenn die Mannſchaft das Leben friſten ſollte. Als dieſer Beſchluß laut wurde, ſah Jeder ein, daß die endliche Rettung der Geſellſchaft lediglich auf den Booten beruhte. Einen ganzen Tag wurde die Frage in allgemeine Berathung gezogen, ob man die zwei Wallfiſchbvote mit Rudern und Zubehör verbrennen ſollte, bevor man einen Angriff auf den Schoner ſelbſt machte. Stimſon gab bei dieſer, ſowie bei vielen anderen Fragen den Ausſchlag, denn Roswell hörte auf jedes ſeiner Worte mit ſtets wachſender Aufmerkſamkeit. „Wenn wir die Boote zuerſt verbrennen,“ ſagte der Bootſteuerer,„und dann auch das Schiff angreifen müſſen,— wie ſollen wir je von hier wegkommen? Dieſe Boote werden uns, bei dem beſten Wetter, eine Woche weiter helfen, ſie können uns aber in ein chriſtliches Land führen, wenn jede Rippe und jeder Span des Seelöwen in Aſche verwandelt worden iſt. Ich würde mit den oberen Werken des Schoners 13* —— — 196— anfangen, Capitän Gar'ner, die Maſten aber ſchonen, obgleich ſie den beſten Brand liefern. Dann würde ich die oberen Aus⸗ langer, Planken, Deck, Heckbalken und Alles bis auf einen Fuß von dem Waſſer abſägen, unter dem Kupfer aber würde ich nichts anrühren, aus dieſem Grunde: wenn Capitän Daggett nicht an ſein Schiff geht und es ganz verbrennt, können wir im Frühlinge Werkſtoff genug finden, um das arme Ding da drunten in der Bucht wieder zu decken und es, ſo gut es geht, herzurichten und uns damit viel beſſer forthelfen, als mit unſeren Booten. Dieß iſt meine Anſicht, Herr.“ Es wurde beſchloſſen, dieſem Rathe zu folgen. Sobald das Wetter es erlaubte, wurden alle oberen Werke des Scho⸗ ners herausgenommen, das Holz in die Höhe geſchafft und in dem Hauſe untergebracht. Es ergab ſich bald, daß man ſelbſt bei dieſem Vorrathe ſehr haushälteriſch ſein mußte, und daß es nöthig werden konnte, den Boden des Schiffes anzugreifen. Was den Schoner betrifft, wie die Mannſchaft den Rumpf, oder was von dem Rumpfe noch übrig war, gern nannte, ſo war Alles aus ihm herausgenommen worden. Der gefrorne Thran war in das Haus gebracht worden und wurde zur Feuerung und Beleuchtung verwendet. Eine nicht unbedeu⸗ tende Wärme wurde dadurch erzeugt, daß man große Dochte von Segeltuch machte und in Gefäßen, welche Oel enthielten, anzündete, obgleich dieſe Wärme bei großer Kälte kaum ausreichend ſein konnte. Die größte Sparſamkeit bei dem Gebrauche des Holzes, welches man durch ein ſo großes Opfer erhalten hatte, wurde als eine wahre Lebensbedingung betrachtet. Glücklicherweiſe rückte die Jahreszeit ſtets weiter und der October bedenklic die beid die Mitte Null ſtit hatte de war er erzeugen Etr unſere( einem 2 und hat beiden 2 ſein W das Ha eine Ze⸗ Ga mit ſein wegen d geweſen gegeben. völlig Wenn Tage ot wäre g. 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Etwa vier Wochen vor dem Zeitpunkte, zu welchem wir unſere Erzählung jetzt vorzurücken gedenken, war Macy, von einem Matroſen begleitet, in das Haus herüber gekommen und hatte in Daggett's Auftrag den Vorſchlag gemacht, die beiden Mannſchaften möchten ſich in ſeinem Schiffe, wie er ſein Wrack ſtets zu nennen für gut fand, vereinigen und das Haus zur Feuerung verwenden. Dieſer Beſuch fiel in eine Zeit, wo noch keines der Schiffe angegriffen worden war. Gardiner hatte bereits daran gedacht, es in dieſer Weiſe mit ſeinem eigenen Schoner zu halten— ein Plan, welcher wegen des Unterſchieds in der Entfernung leichter auszuführen geweſen wäre, als der jetzige, man hatte ihn aber bald auf⸗ gegeben. Das ganze Haus beſtand aus Fichtenholz, das völlig ausgetrocknet war und folglich wie Zunder brannte. Wenn man dieſes Opfer brachte, hatte man wohl vierzehn Tage oder drei Wochen ein ganz behagliches Feuer, dann aber wäre gewiſſe Vernichtung gefolgt. Gegen Daggett's Vorſchlag war mancherlei einzuwenden: der Mangel an Raum— der Mangel an Vorräthen, man hätte Eßwaaren, Betten und hundert andere Dinge hinüber ſchaffen müſſen, welche der Mannſchaft ebenſo nöthig waren, wie die Wärme, und die weſentlich zu der Wärme beizutragen ——— — 198— geeignet waren. Dazu kam noch der bereits erwähnte Grund, daß der Werkſtoff des Hauſes nicht ausreichte— ein Ein⸗ wand, welcher bei dem einen wie bei dem andern Schiffe als Aufenthaltsorte gleich anwendbar war. Der Vorſchlag wurde alſo abgelehnt. Macy brachte eine Nacht bei den Oyſter⸗Pondern hin und verließ am andern Morgen nach dem Frühſtücke das Haus, denn er wußte, daß Daggett nur anf ſeine Rückkehr mit der abſchlägigen Antwort wartete, um mit dem Abbrechen des Wracks zu beginnen. Der Matroſe, welcher den Maat begleitet hatte, kehrte mit ihm zurück. Zwei Tage ſpäter ſprang der Wind um, die Mittags⸗ Sonnenſtrahlen wirkten ein wenig auf den Schnee und in der folgenden Nacht bildete ſich eine Art Kruſte, ſo daß Roswell und Stimſon es unternahmen, den Beſuch zu erwiedern, um noch einmal Alles aufzubieten, Daggett zu bereden, das Wrack zu verlaſſen und ganz in das Haus herüberzukommen. Als ſie auf halbem Wege waren, fanden ſie den Matroſen ſteif, erfroren,— eine Leiche. Eine Viertelmeile weiter lag der leichtfertige Maat, welcher, wie man annahm, Daggett in ſeiner Hartnäckigkeit beſtärkt hatte, in demſelben Zuſtande. Beide waren auf dem Wege niedergeſunken und der ſchreck⸗ lichen Gewalt des Klimas erlegen. Nicht ohne Schwierig⸗ keit erreichte Roswell das Wrack und berichtete, was er geſehen hatte. Selbſt dieſe ſchreckliche Mahnung änderte Daggett'’s Ent⸗ ſchluß nicht. Er hatte begonnen, ſein Schiff zu verbrennen, da ihm keine andere Wahl blieb, er bedeutete jedoch Roswell, er ſchlage dabei ein Verfahren ein, welches ihm ſtets noch Material genug übrig laſſe, mit welchem er im Frühjahre ein klein Heck und In züge vo bewegen und den gefährlie Zweifel heranna Winde, daß ſie ihre käl Eit daß irg Septem während geweſen 3 mit der gekomm den ihn plötzlich ſeiner 2 welchen dem N wichtig De anderes oder de Zweifel e Grund, ein Ein⸗ chiffe als ug wurde dern hin as Haus, mit der echen des begleitet Mittags⸗ nd in der Roswell dern, um das Wrack n. Matroſen veiter lag Daggett Zuſtande. er ſchreck⸗ Schwierig⸗ was er ett’'s Ent⸗ erbrennen, Roswell, ſtets noch Frühjahre — 199— ein kleineres Schiff bauen könne, und das ihm erlaubte, das Heck und die Kajüte, ſo lange es ihm beliebte, zu bewohnen. In mancher Hinſicht hatte das Wrack allerdings Vor⸗ züge vor dem Hauſe. Man hatte dort mehr Raum, ſich zu bewegen, indem ſich die Eisgrotten ſehr weit hin erſtreckten und den Wind völlig abſchloſſen, welcher in dieſer Zeit am gefährlichſten war. Macy und ſein Begleiter waren ohne Zweifel dem Einfluſſe des eiſigen Windes erlegen. Mit dem herannahenden Frühjahre ſteigerte ſich die Heftigkeit dieſer Winde, obgleich ſich dann und wann Vorzeichen einſtellten, daß ſie ſanfter entlang ſtrichen, während in derſelben Zeit ihre kälteren Strömungen in der That ſchrecklich waren. Ein Monat verfloß nach dieſem Beſuche Noswell's, ohne daß irgend ein Verkehr Statt gefunden hätte. Es war September— der März des ſüdlichen Polarkreiſes,— und während dieſer Zeit war das Wetter faſt immer furchtbar geweſen. Jährend dieſer ſchauderhaften vier Wochen war Roswell mit der Prüfung des hochwichtigen Gegenſtandes zu Ende gekommen, welchen Mary ihm zur Pflicht gemacht, und an den ihn Stimſon ſo oft und ſo ernſt erinnert hatte. Der plötzliche Tod des Maats und ſeines Begleiters, die Lage ſeiner Mannſchaft und alle die ſehr ernſten Verhältniſſe, von welchen er ſich umgeben ſah, vereinigten ſich, ihn zu forſchen⸗ dem Nachdenken, und was bei einem ſolchen Forſchen ſehr wichtig iſt, zur Demuth zu ſtimmen. Der Menſch auf dem Gipfel des Glückes iſt ein ganz anderes Weſen als der, welchen das Unglück niedergebeugt oder den die göttliche Vorſehung heimgeſucht hat. Roswell’s Zweifelſucht war mehr ein Ausfluß des menſchlichen Stolzes —— — 200— und des Vertrauens in ſich ſelbſt, als der Lehren Anderer oder einer tiefer eindringenden Forſchung. Er dachte ſich, die Lehre von der Menſchwerdung des Sohnes Gottes ſtehe im Widerſpruche mit der Philoſophie und der Erfahrung, und in ſo fern kann man ſagen, er habe über die Sache nachgedacht, er that dieß aber in ſeiner Weiſe und von einem ſehr beſchränkten Geſichtspunkte aus, ſelbſt bei dieſem Schluſſe aber war der Stolz thätiger, als eine Bekanntſchaft mit Natur⸗ kunde und Philoſophie. Es vertrug ſich nicht mit der hohen Meinung, welche er von ſeiner geiſtigen Kraft hegte, daß er einer Ueberlieferung Glauben ſchenkte, welche ſo vielen Anſichten entgegenſtand, die er durch Anſchauung und Erfahrung gewonnen hatte. Leichtgläubige Frauen mochten wohl an dieſer Geſchichte feſt⸗ halten, meinte er, Männer aber ließen ſich nicht ſo leicht täuſchen. Er fand ſelbſt etwas Liebenswürdiges und Anzie⸗ hendes in dieſer Schwäche des andern Geſchlechtes, das ſich jedoch mit dem größern Ernſte des männlichen Urtheils nicht vertrug. Roswell nahm, wie er Stimſon einſt ſagte, Anſtand, irgend etwas zu glauben, das er nicht begriff.„Sein Gott müſſe in Folge der augenfälligen Wahrheit und Wirklichkeit ſeines Daſeins und ſeiner Eigenſchaften verehrt werden. Er wollte mit Achtung von Dingen ſprechen, die vielen würdigen Menſchen theuer ſeien, aber er könne nicht vergeſſen, daß die Vorſehung ihn als ein vernünftiges Weſen geſchaffen habe, und ſeine Vernunft fordere Beweis, Ueberzeugung.“ Stephan war kein großer Logiker, wie der Leſer ſich wohl denken kann, aber Newton hatte keine klarere Beweisführung für ſeine Sätze, als dieſer einfache, ja unwiſſende Mann ſie in ſein das il gangen beſchäft Lectüre jene S landes Unglär E des E dringli Gardit tigen, in den ſolche fläche faſſen. A Erzähl mittag vielen delten jetzt al zu wol Schutz L lings Anderer ſich, die ſtehe im „, und in chgedacht, nem ſehr luſſe aber it Natur⸗ welche er rlieferung egenſtand, en hatte. zichte feſt⸗ ſo leicht nd Anzie⸗ das ſich eils nicht Anſtand, Sein Gott girklichkeit rden. Er würdigen „daß die ffen habe, ſich wohl isführung Mann ſie 201— in ſeinem religiöſen Glauben durch das göttliche Licht fand, das ihm durch den Einfluß des heiligen Geiſtes aufge⸗ gangen war. Jener düſtere Monat war nicht ungenützt vorüber gegangen. Die ganze Mannſchaft war ernſt geſtimmt, und das öffent⸗ liche, laute Vorleſen der Bibel wurde bald eine Lieblings⸗ beſchäftigung der ganzen Geſellſchaft. Obgleich Roswell's Lectüre durch Mary's Zeichen geleitet wurde, welche alle auf jene Stellen hinwieſen, die ſich auf die Göttlichkeit des Hei⸗ landes bezogen, enthielt er ſich jeder Bemerkung, welche ſeine Ungläubigkeit bethätigt hätte. Es liegt ein einfacher Ernſt in den erzählenden Theilen des Evangeliums, welcher jedem Geiſte ſeine Wahrheit ein⸗ dringlich macht, und dieſe Wirkung hatte er auch auf Roswell Gardiner, obgleich es ihm nicht gelang, die Zweifel zu beſei⸗ tigen, welche er ſo lange gehegt hatte und die ihren Grund in dem Stolze der Vernunft oder in dem hatten, was als ſolche bei denen gelten mag, welche ſelten mehr als die Ober⸗ fläche der Dinge, wie ſie ſich ihnen darſtellen, in das Auge faſſen. Am Abend des Octobertages, welchen wir in unſerer Erzählung nun erreicht haben, nach dem heiterſten Nach⸗ mittage und nach einem Sonnenuntergange, wie man ihn ſeit vielen Monaten nicht auf den Inſeln geſehen hatte, luſtwan⸗ delten Roswell und Stimſon wieder auf der Terraſſe, welche jetzt alles Schnees baar war. Die Nacht ſchien kalt werden zu wollen, aber der Wind war noch nicht ſo ſcharf, daß man Schutz gegen ihn zu ſuchen genöthigt geweſen wäre. Beide glaubten in dem Winde eine Vorahnung des Früh⸗ lings zu fühlen, denn er kam von Nordoſten, einer Seite, — 202— welche die mildeſten Luftſtrömungen über dieſe See führte, wenn man ſich in dieſer Breite überhaupt eines ſolchen Aus⸗ druckes bedienen darf. „Es iſt hohe Zeit, daß wir wieder Nachricht von den Vineyardern zu erhalten ſuchen,“ ſagte Roswell, als ſie ſich dem Ende der Terraſſe näherten, von wo der Weg zu dem Wrack führte.„Seit vollen vier Wochen haben wir Nichts von ihnen geſehen und keine Sylbe von ihrem Thun und Gehaben gehört.“ „Dieſe Trennung geſiel mir nie, Capitän Gar'ner,“ ver⸗ ſetzte der Bootſteuerer,„und jede Stunde gefällt ſie mir weni⸗ ger. Bedenkt, wie heilſam es für dieſe jungen Leute geweſen wäre, wenn ſie nur das Buch aller Bücher jeden Morgen und Abend hätten vorleſen hören, Herr.“ „Dieſes gute Buch ſcheint alle Eure Gedanken zu beſchäf⸗ tigen, Stephan, ich wollte, ich hätte Euren Glauben.“ „Das wird mit der Zeit kommen, Herr, wenn Ihr nur darnach ſtrebt. Ich kann Euch ſagen, daß es kaum ein ver⸗ härteteres Herz geben kann, als das meinige noch vor fünf Jahren war, ich war als Chriſt weit ſchlimmer, Capitän Gar'ner, als Ihr jetzt nach meinem Bedünken ſeid, denn während Ihr in Betreff der göttlichen Natur unſeres Heilan⸗ des Zweifel hegt, war ich ein wahrer Heide. Meine einzige Gottheit war die Welt, und überdieß eine Welt, wie ein armer Matroſe ſie kennt. Ich war kaum beſſer als der Wil⸗ deſte unſerer Wilden.“ „Ihn ſcheint unter Allen, welche mich begleitet haben, der Zufriedenſte und Glücklichſte. Ich könnte nicht ſagen, daß ich auch nur eine Spur von Furcht an Euch bemerkt hätte, als unſere Lage das Schlimmſte erwarten ließ.“ „ Vorſeht 85 Jeſus „ dieß ni denke ie mich ſe nahmer und m Anſicht iſt der meſſen, Dingen ſtande C 177 finde e⸗ mit all mich g „,1 Abrede geweſer geweſen 77 Lehre lich iſt „ glaubte ken ge⸗ len. führte, en Aus⸗ von den ſie ſich zu dem Nichts pSun und r,“ ver⸗ ir weni⸗ geweſen Morgen beſchäf⸗ 77 Ihr nur ein ver⸗ vor fünf Capitän id, denn 3 Heilan⸗ he einzige wie ein der Wil⸗ et haben, ht ſagen, h bemerkt 5.77 — 203— „Es wäre ſehr undankbar, Herr, wenn ich nicht auf die Vorſehung vertraute, die ſo viel für mich gethan hat.“ „Ich wünſchte innigſt, ich könnte, wie Ihr, glauben, Jeſus ſei der Sohn Gottes.“ „Entſchuldigt mich, Capitän Gar'ner,— eben weil Ihr dieß nicht innig wünſcht, glaubt Ihr es nicht. Ich kann mich, denke ich, ganz in Eure Gefühle verſetzen, Herr. Ich trug mich ſelbſt mit ähnlichen, obgleich ſie keinen ſo hohen Flug nahmen. Ich war zu unwiſſend, um auf meinen Verſtand und mein Urtheil ſehr ſtolz zu ſein, und entſagte bald jeder Anſicht, welche gegen die heilige Schrift ſtritt. Ich weiß, es iſt der Natur, ſo weit wir etwas davon kennen, nicht ange⸗ meſſen, an dieſe Lehre zu glauben, wir ſind aber in tauſend Dingen zu unwiſſend, als daß wir mit unſerm ſchwachen Ver⸗ ſtande der Offenbarung entgegentreten könnten.“ „Ich glaube gern Alles, was ich begreife, Stephan, ich finde es aber ſchwer, Berichten Glauben zu ſchenken, welche mit all dem nicht zu vereinigen ſind, was meine Erfahrung mich gelehrt hat.“ „Die, welche ſo denken wie ihr, Herr, ſtellen nicht in Abrede, daß Chriſtus ein guter Menſch und ein Prophet geweſen, und daß die Apoſtel gute Menſchen und Propheten geweſen, und daß ſie Alle Wunder gewirkt haben.“ „Ich bin nicht abgeneigt, dieß zu glauben, die andere Lehre ſcheint mir aber Allem entgegengeſetzt, was mög⸗ lich iſt.“ „Und dennoch habt ihr geleſen, daß die Apoſtel das glaubten, was Ihr von Euch weiſt. Ich bin auf einen Gedan⸗ ken gekommen, Capitän Gar'ner, und muß ihn Euch mitthei⸗ len. Ihr wißt, ich bin ein einfältiger Mann und meine — 204— Gedanken ſind Eurer Beachtung kaum werth, dennoch will ich ſie Euch nicht verſchweigen. Man ſagt, dieſe Apoſtel ſeien Alle Männer von niedrigem Stand und ohne Kenntniſſe jeder Art geweſen, ſo zu ſagen, ausgewählt, um der Welt zu zeigen, daß der Glaube keiner Reichthümer, keiner Erziehung, keiner weltlichen Größe irgend einer Art bedürfe. Für mich liegt ein geſunder Gedanke in dieſer einen Thatſache.“ Sie gibt uns Allen eine nützliche Lehre, Stephan, und iſt, glaube ich, oft in Verbindung mit den Lehren des Chriſten⸗ thums angeführt worden.“ „Ja, Herr,— es iſt möglich, obgleich ich noch nie von einer Kanzel herab davon habe ſprechen hören. Gut, Capitän Gav'ner, es ſtimmt nicht mit unſeren Begriffen überein, anzu⸗ nehmen, Gott ſelbſt, ein Theil des Schöpfers und Lenkers des Weltalls, ſei von einem Weibe geboren worden und unter uns Sündern gekommen, um ſie vor ewiger Verdammniß zu retten.“ Eben darin liegt die Schwierigkeit, in dieſem einen Punkte kann ich an die ſogenannten Dogmen der chriſtlichen Kirche nicht glauben. Mir ſchien dieß ſtets das Unwahrſcheinlichſte, was ich je gehört habe.“ „Ganz gut, Herr, ich hatte ſelbſt einſt eine ſolche Art Gefühle. Als mir jedoch Gott in ſeiner Güte den Glauben in das Herz ſandte, wie er in einer Krankheit zu thun geruhte, von welcher ich nie wieder zu geneſen erwartete, und während der man mir anlag, ihn um ſeinen Beiſtand anzuflehen, begann ich, alle dieſe Dinge in meiner thörigen Weiſe zu überlegen. Unter Anderem ſagte ich mir:„iſt es wahrſcheinlich, daß ein Sterblicher ſich einfallen ließe, Chriſtum den Sohn Gottes zu nennen, wenn es ihm nicht eingegeben wurde, dieß zu . thun?“ der, wi wir gl Sache nicht d ben ſch R. nicht o ein ger konnte. „8 begann kommt. ohne ſi als müt wie die ſtarken ſchwere Gläubi neben k für ein dieß al ruhe.“ R wäre, theilen, blieben hatte, 1 welcher göttlicht will ich el ſeien nntniſſe Welt zu ziehung, ür mich an, und Chriſten⸗ nie von Capitän n, anzu⸗ Lenkers den und dammniß n Punkte n Kirche einlichſte, olche Art Glauben geruhte, während , begann berlegen. lich, daß )n Gottes dieß zu 205— thun?“ Dann kommt der Charakter jener Männer, der, wie Alle zugeben, bieder und religiös war,— wie können wir glauben, daß ſie Alle in demſelben Berichte von dieſer Sache übereinſtimmten, wenn das, was ſie ſagten, ihnen nicht durch einen Mund mitgetheilt worden, welchem ſie Glau⸗ ben ſchenkten?“ Roswell lächelte über Stephan's Beweisführung, die nicht ohne einen gewiſſen Scharfſinn war, welchen aber ein gewandter Mann in manchfacher Weiſe entgegen treten konnte. „Dann habe ich noch etwas in einem Buche geleſen, Herr,“ begann der Bootſteuerer wieder,„das mir ſehr zu Statten kommt. Jeſus ließ ſich von Anderen den Sohn Gottes nennen, ohne ſie deßwegen zu tadeln. Es ſcheint mir in der That, als mußten die, welche ihn für einen guten Menſchen halten, wie dieß bei Euch der Fall iſt, Capitän Gar'ner, darin einen ſtarken Beweis finden. Wir dürfen nur daran denken, welche ſchwere Sünde die Götzendienerei iſt, wie ſehr alle wahren Gläubigen ſie verabſcheuen, und dann ſtellt dieſes Gefühl neben die Thatſache, daß der Sohn es nicht für unrecht hielt, für eins mit dem Vater gehalten zu werden. Mir gilt dieß als ein Beweis, daß unſer Glaube auf feſtem Grunde ruhe.“ Roswell antwortete nicht. Er fühlte, daß es unrecht wäre, irgend ein Glaubensbekenntniß nach der Art zu beur⸗ theilen, wieſein Mann, gleich Stimſon, es vertheidigte. Dennoch blieben die beiden Thatſachen, welche Stephan geltend gemacht hatte, nicht ohne Wirkung auf ihn. Mehr als der Beweis, welcher von des Erlöſers ſtillſchweigendem Zugeſtändniß ſeiner göttlichen Natur hergenommen war, ſiel ihm dieſer neue — 206— Gedanke auf, daß die Avpoſtel ſehr unwahrſcheinlich etwas eerfunden haben würden, das mit den Anſichten und Vorur⸗ theilen aller Menſchen im Widerſpruche geweſen wäre. Das Erſtere mochte, nach ſeinem Bedünken, verſchiedenartig gedeutet und erklärt werden, das Zweite aber ſchien mit der ganzen Geſchichte der Herrſchaft Chriſti auf Erden innigſt verſchmolzen zu ſein. Die Verkündigung Johannes des Täufers, die ein⸗ fachen, anſpruchsloſen Geſchichten der Evangeliſten, die Erläu⸗ terungen des heiligen Paulus und die ehrwürdigen Lehren der Kirche während ſo vieler Jahrhunderte wechſelnder Glaubens⸗ meinungen und herber Kämpfe, Alles trug dazu bei, eine Lehre zu ſtützen, welche in ſeinen Augen mit der Philoſophie und Vernunft im Widerſtreite ſtand. Da Roswell allein zu ſein wünſchte, gab er Stimſon einen paſſenden Auftrag und ſetzte noch eine volle Stunde ſeinen Spaziergang auf der Terraſſe fort. Die Nacht kam kalt und ſtill heran. Es war einer jener letzten Anſtrengungen des Winters, in welcher er ſeine ganze furchtbare Kraft geltend machen wollte, und es ſchien in der That, als ob die Natur, ihres Kampfes um die Rückkehr zu einer mildern Temperatur müde, ſich verzweifelnd zurückzöge, um jenem eiſernen Herrſcher von Neuem den Sieg zu überlaſſen. Der Mond war jung, aber die Sterne funkelten mit einer Pracht, wie man ſie nur in den kalten, klaren Nächten hoher Breitegrade zu ſehen pflegt. Alle dieſe erhabenen Sinnbilder der Macht Gottes leuchteten wie glänzende Fackeln, und der Geiſt durfte ſich jedes nur in ſeiner wahrſcheinlichen oder bekannten Ausdehnung, in ſeiner möglichen oder vernunft⸗ gemäßen Beſtimmung denken, um ein Bild der wahrſten Erhabe wirklich wo er, augenſe aus un fällt, entgegen gibt er von ſei hin, we gen zu Luft ſich jene S Million Al weiſe, bewußt Firmam tete— die klein We ſen, wer iſt? D ſtarb, iſ liche Ho legten D Di ihm, n⸗ hatte, il die Sch ch etwas Vorur⸗ te. Das gedeutet r ganzen ſchmolzen die ein⸗ ie Erläu⸗ ehren der Glaubens⸗ bei, eine hiloſophie Stimſon e Stunde iner jener eine ganze ien in der ückkehr zu zurückzöge, Sieg zu mit einer hten hoher Sinnbilder ,, und der lichen oder vernunft⸗ wahrſten — 207— Erhabenheit vor ſich zu ſehen, in welchem der Menſch ſeine wirkliche Stellung einzunehmen geſchaffen iſt. In dieſer Welt— wo er, in einem gewiſſen Sinne, der Herrſcher iſt, wo Alles augenſcheinlich unter ſeinem Einfluſſe, wenn auch nicht durch⸗ aus unter ſeiner Gewalt, ſteht, wo kaum etwas in die Sinne fällt, das nicht geſchaffen ſcheint, um ſeinen Bedürfniſſen entgegen zu kommen oder ſich ſeinen Wünſchen zu fügen— gibt er ſich leicht einem irrigen, oft ſehr unſeligen Begriffe von ſeiner wahren Stellung in der Stufenfolge der Weſen hin, welche beſtimmt ſind, ſich um den Thron des Allmächti⸗ gen zu ſchaaren. Wie die Thierchen der, atmoſphäriſchen Luft ſich zu den ſichtbaren Dingen verhalten, ſo verhalten ſich jene Schaaren zu unſerer vagen Berechnung jener geiſtigen Millionen. Alles dieß fühlte Roswell und würdigte es auch theil⸗ weiſe, und nie war er ſeiner eigenen Unbedeutendheit ſich ſo bewußt geworden, wie in dieſer Nacht und Angeſichts eines Firmamentes, das von glänzenden Welten und Sonnen leuch⸗ tete— ohne Zweifel Mittelpunkte anderer Welten, in welchen die kleineren Weltkörper als ein Nichts verſchwanden. Wer hätte nicht von jenem Sternbilde gehört oder gele⸗ ſen, welches unter dem Namen des ſüdlichen Kreuzes bekannt iſt? Die Aehnlichkeit mit dem Stamme, an welchem Chriſtus ſtarb, iſt nicht ſehr auffallend, obgleich Alle, welche die ſüd⸗ liche Halbkugel befahren, es kennen und an den ihm beige⸗ legten Namen erkennen. Dieſes Sternbild zog jetzt Roswell's Bild an, und da es ihm, nachdem er ſo viel geleſen und mit Stimſon beſprochen hatte, in einem Augenblicke entgegentrat, wo ſein Herz durch die Schauer und Schrecken, von denen die Robbenjäger ſo ——— 1 — 208— lange umgeben geweſen, ſanfter geſtimmt war, darf man ſich nicht wundern, wenn es den jungen Mann veranlaßte, ernſt über ſeinen wahren Zuſtand hinſichtlich des Sühnopfers nach⸗ zudenken, welches, wie er gern zugeſtand, für ihn, wie für Alle auf Erden, dargebracht worden war, während er doch in demſelben Augenblick Anſtand nahm, zu glauben, der Dul⸗ der ſei in jedem andern als einem bildlichen Sinne der Sohn Gottes. Wir haben die Abſicht nicht, näher auf die religiöſen Gefühle Mary's und ihres Verehrers einzugehen oder uns mit Erörterungen über dieſen Gegenſtand zu befaſſen, die nicht unerläßlich ſind, um den Verlauf unſerer Erzählung in das rechte Licht zu ſtellen. Zu dieſem Zwecke iſt es nöthig, den Gang der Gedanken, und wir dürfen wohl hinzuſetzen, auch der Gefühle, welche Roswell's Geiſt und Herz zumal in Anſpruch nahmen, während er in dieſer Nacht allein die Terraſſe entlang ſchritt, kurz zu entwickeln. Nach unſerer Anſicht iſt das Gefühl der Demuth das erſte geſunde Vorzeichen der moraliſchen Widergeburt des Menſchen. Eine hingebende Würdigung ſeiner Stellung und ſeines Weſens ſtimmt ihn, der Offenbarung ehrfurchtsvoll zu lauſchen und das zu glauben, was er nicht ſehen kann. Vielleicht war Niemand, über deſſen Haupt nicht das Schwerdt des Schickſals an einem Haare ſchwebte, in einem geeignetern Zuſtande, ſich den Lehren der Demuth zu fügen, als Roswell Gardiner in dieſem Augenblicke. Beſcheiden war er ſtets in der gewöhnlichen Geltung dieſes Wortes, und zwar ohne äußerliche Betheuerungen und Grimaſſen, er hatte aber eine hohe Vorſtellung von dem menſchlichen Verſtande, und es widerſtrebte ihm, das zu glauben, was ſeiner Erfahrung und ſeinen ve ſchwache Bekanntt reiche Er Ros Hoffnung bildete 2 den träg Philoſop Menſch den höck Führer werden, Roswell half, zu vielen 2 Der Roswell an eine vermöge ſich in können. „N ernſt. für mich ſich auc Andacht „J bilde G „N 250 man ſich te, ernſt ers nach⸗ wie für doch in der Dul⸗ der Sohn religiöſen oder uns die nicht g in das thig, den zen, auch zumal in allein die nuth das eburt des llung und htsvoll zu unn. nicht das in einem zu fügen, heiden war und zwar hatte aber de, und es hrung und — 209— ſeinen vorgefaßten Anſichten Gewalt anthat. Dieß war die ſchwache Seite ſeines Charakters, und nur die Zeit, geſteigerte Bekanntſchaft mit Menſchen und Dingen oder eine gnaden⸗ reiche Erleuchtung von oben konnte hier hilfreich werden. Roswell beſprach ſich gewiß nicht mit Stimſon in der Hoffnung, Belehrung durch ihn zu erhalten, der rauhe, unge⸗ bildete Bootſteuerer war aber in einer Schule geweſen, welche den trägſten Verſtand weit über alle Schlußfolgerungen der Philoſophie erhebt. Er hatte Glauben, ohne welchen kein Menſch wahrhaft weiſe oder gelehrt iſt, wenn es ſich von den höchſten Intereſſen des Daſeins handelt. Von dieſem Führer geleitet, ließ Stephan zuweilen einen Gedanken laut werden, welcher durch ſeine Einfalt und Kraft den Geiſt Roswell's mächtig erregte und die Veränderung herbeiführen half, zu welcher Verhältniſſe, Lectüre und Nachdenken ſeit vielen Monaten den Weg gebahnt hatten. Den Tag vor dieſem Spaziergang auf der Terraſſe hatte Roswell dem alten Bootſteuerer bemerkt, er könne nur ſchwer an eine Göttlichkeit glauben, welche er nicht zu begreifen vermöge, wodurch er bloß ſagen wollte, ſeine Vernunft müſſe ſich in eine Lehre, wie die von der Menſchwerdung, finden können. 3 „Nun, Herr, dieß iſt mein Gefühl nicht,“ verſetzte Stephan ernſt.„Eine Göttlichkeit, welche ich begreifen könnte, wäre für mich kein Gott. Wo ſich dieſes Wiſſen findet, da findet ſich auch zu viel Ueberſchätzung, und für Gottesverehrung und Andacht iſt da kein Raum.“ „Man lehrt uns aber, der Menſch ſei nach dim Eben⸗ bilde Gottes geſchaffen.“ „Nach ſeinem Ebenbilde, Capitän Gar'ner, mit einem 250— 252. 14 — ͦ—— — 210— Theile des göttlichen Geiſtes, aber nicht mit dem ganzen. Dadurch unterſcheidet er ſich von dem Thiere, und dadurch wird er unſterblich. Ich habe einen Geiſtlichen ſagen hören, die Engel und Erzengel und andere himmliſche Weſen ſtün⸗ den hoch im Himmel über den Heiligen, welche nur Menſchen geweſen.“ Der Gedanke, nichts von einer Göttlichkeit wiſſen zu wollen, die er nicht begreifen könne, war lange eine der Lieb⸗ lings⸗Glaubensregeln Roswell Gardiner's geweſen. Er wollte dieſen anmaßlichen Satz nicht ſo gedeutet wiſſen, als ſtünde ſeine geiſtige Befähigung in irgend einer Beziehung der des göttlichen Weſens gleich, ſondern als dürfe man nicht erwar⸗ ten, oder fordern, er ſolle an eine Lehre glauben, welche ſeinem Wiſſen und ſeiner Erfahrung widerſtrebte, ſofern beide auf der Kraft der Verſtandesthätigkeit beruhten, welche eine unmittelbare Gabe ſeines Schöpfers ſei. Mit einem Worte, ſein Einwurf war eine der augenfälligſten Einflüſterungen des Vernunftſtolzes, und ſtand in demſelben Grade dem großen Geſetze der Wiedergeburt entgegen, welche ihren Hauptſtütz⸗ punkt in dem Gegenſatze dieſes Gefühles— dem Glauben hat. Während unſer junger Capitän auf der Terraſſe wan⸗ delte, tauchte der Gedanke an die Nothwendigkeit, daß der Schöpfer für das geſchaffene Weſen unbegreiflich ſei, wieder in ihm auf. Wahrſcheinlich war die nun folgende Stunde die wichtigſte in Roswell Gardiner'’s Leben. So geſpannt waren ſeine Gefühle, ſo thätig die Kraft ſeines Geiſtes, daß er für die Herbe der Kälte ganz gefühl⸗ los war, und da die Bewegung ſeines Körpers mit der des Geiſtes, wenn man ſo ſagen darf, gleiches Maaß hielt, ward er in bieten,! det gew Un geeignet tigen zu bring die in waren, Beſtimr ganzen in Kug hatte ch Lichtſch die glü den Lic Milliorn furchtbe tigkeit, dieſe t trümme ſeinen; n ganzen. dadurch en hören, ſſen ſtün⸗ Menſchen wiſſen zu der Lieb⸗ Er wollte uls ſtünde g der des cht erwar⸗ che ſeinem beide auf elche eine i/ Worte, ungen des m großen Hauptſtütz⸗ Glauben aſſe wan⸗ daß der ei, wieder e Stunde die Kraft nz gefühl⸗ it der des ielt, ward — 211— er in den Stand geſetzt, einer Temparatur Trotz zu bieten, welche ihn ſonſt, ſo warm und ſorgſam er auch beklei⸗ det geweſen, hätte vernichten müſſen. Und wahrlich, dieſe Stunde und dieſer Ort waren ganz geeignet, einen Jeden zu dem wahren Bewußtſein ſeiner rich⸗ tigen Stellung auf der Stufenleiter der geſchaffenen Weſen zu bringen. Das Gewölbe über Roswell funkelte von Welten, die in dem ewigen Raume ſchwammen, und faſt alle größer waren, als dieſe Erde, und ohne Zweifel, wie dieſe, ihre Beſtimmung hatten. Welcher Art war jenes ſtrahlende, den ganzen Raum erfüllende Licht, das alle dieſe dunkeln Maſſen in Kugeln von glorreichem Glanze verwandelte? Roswell hatte chemiſche Experimente geſehen, welche einen wundervollen Lichtſchein hervorbrachten, ſchwach aber waren in der That die glühendſten dieſer künſtlichſten Fackeln im Vergleiche mit den Lichtſtrömen, welche aus einer Ferne von Millionen und Millionen Meilen niederſchoſſen. Wer und was war das furchtbare Weſen,— furchtbar in ſeiner Majeſtät und Gerech⸗ tigkeit, aber unerſchöpflich in Liebe und Gnade,— welches dieſe tauſend Welten nach ſeinem Gefallen ſchuf und zer⸗ trümmert? Und was war er ſelbſt, der die Anmaßung hatte, ſeinen jämmerlichen Vernunftſtolz einer durch Wunder geſtützten Offenbarung entgegenſtellen zu wollen, welche, als von Gott begeiſterten Männern überliefert, angenommen oder ganz und gar verworfen werden muß? In dieſer Gemüthsſtimmung gewann Roswell die Ueber⸗ zeugung, daß das Chriſtenthum keinen halben Glauben zuläßt, daß es ganz wahr oder ganz falſch ſei. Und warum ſollte Chriſtus nicht Gottes Sohn ſein, wie die Kirchenväter es ſo beharrlich und doch ſo einfach aus⸗ 14* 212— ſprachen und wie die Kirche ſeit achtzehn Jahrhunderten lehrte? Roswell glaubte, daß er nach dem Ebenbilde Gottes geſchaffen worden, und ſeine ſo hoch gehaltene Vernunft ſagte ihm, daß er ſeinen Stamm ſortpflanzen könne, und der Schöpfer ſollte das nicht vermögen, wozu Er dem ſchwachen Menſchen die Kraft gegeben? Zum erſten Male ſchien ihm ein Beweis des Gegentheils unlogiſch. Dann gedachte er der Nothwendigkeit des großen Sühn⸗ opfers. Dieſer Punkt war ſtets ein Stein des Anſtoßes für Roswell's Glauben geweſen. Er ſah dieſe Nothwendigkeit nicht ein, und wollte ſonach nicht daran glauben. Hier trat die Schwäche ſeines Charakters hervor,— eine Schwäche, welche ihn nicht einſehen laſſen wollte, daß er weit über jener Natur, auf die er ſo ſtolz war, ſtehen müßte, wenn er ein ſo hohes Geheimniß begreifen wollte. Während er über dieſen Theil der Frage nachdachte, ſah er ſich von tauſend phyſiſchen und moraliſchen Geheimniſſen umringt und wurde gewahr, wie unwahrſcheinlich es ſei, daß er mit den Fähigkeiten begabt worden, dieſes größte aller Geheimniſſe zu faſſen. Hätte die Wiſſenſchaft nicht allmählich den chemiſchen Prozeß entdeckt, wie Gaſe ſich verdichten und frei werden, würde ihm die Bildung einer jener funkelnden Kugeln in der blauen Tiefe des Aethers ein ebenſo großes Geheimniß geweſen ſein, wie die Menſchwerdung des Erlöſers. Er ſah ein, daß Erſcheinungen, welche für den menſch⸗ lichen Geiſt ebenſo geheimnißvoll ſind, wie irgend ein Dogma des Chriſtenthums, an welches man glauben muß, uns ſtünd⸗ lich vor Augen treten, ohne unſere Zweifelſucht rege zu machen oder un zu vert ſielen. leuchtete ſich zwe das gri ten, die W Roswel grenzen hätte d entgegen ſondern welcher muß, n W erwärm erſchließ zu ſehe n lehrte? geſchaffen ihm, daß ffer ſollte ſſchen die egentheils n Sühn⸗ toßes für vendigkeit „— eine aß er weit ßte, wenn achte, ſah heimniſſen 3 ſei, daß ößte aller chemiſchen i werden, n in der ß geweſen n menſch⸗ n Dogma uns ſtünd⸗ zu machen — 213— oder unſern Scharfſinn in Anſpruch zu nehmen, da wir uns zu vertraut mit ihnen gemacht haben, als daß ſie uns auf⸗ ſielen. Viele dieſer Erſcheinungen waren, wie ihm nun ein⸗ leuchtete, für den menſchlichen Verſtand rein unbegreiflich, der ſich zwar zu einer gewiſſen Höhe emporſchwingen, aber nimmer das gründlich erfaſſen konnte, wozu ihm die Vorderſätze fehl⸗ ten, die allein die Beweisführung ſtützen. Wenn Mary Pratt gewußt hätte, was dieſe Nacht in Roswell Gardiner's Seele vorging, ihr Glück wäre ebenſo grenzenlos geweſen, wie ihre Dankbarkeit gegen Gott. Sie hätte die Schranke, welche ſich ihren Wünſchen ſo lange entgegenſtellte, brechen ſehen, nicht durch eine rauhe Hand, ſondern durch den Einfluß jenes Athems des göttlichen Geiſtes, welcher dem Menſchen den Weg erſchließt, den er wandeln muß, wenn er Gott von Angeſicht zu Angeſicht ſchauen will. Eilftes Kapitel. Laßt nur des Winters düſtre Gewalten Rings um öde Steppen walten! Laßt die Polargeiſter ſchalten In dem nachtumflorten Gefild Und auf der See, wo wild Der Stürme grauſe Orgel brüllt. Campbell. Während Roswell's Bruſt durch den neugebornen Glauben erwärmt wurde, deſſen Keim ſich eben in ſeinem Herzen zu erſchließen begann, zeigte Stimſon ſich auf der Terraſſe, um zu ſehen, was aus ſeinem Offiziere geworden wäre. Die — 214— Stunde war längſt vorüber, wo die Mannſchaft ſich unter ihre Decken zu begraben pflegte, und der ehrliche Bootſteuerer, welcher dem ihm gewordenen Auftrage Genüge gethan, war nicht ohne Beſorgniß, daß Roswell in dieſer Nacht— ohne Frage der herbſten des ganzen Winters— ſo lange im Freien blieb. „Ihr trotzt der Kälte mannhaft, Capitän Gar'ner,“ ſagte Stephan, als er ſich ſeinem Offiziere näherte,„es dürfte aber gut ſein, jetzt in das Haus zu gehen.“ „Ich fühle keine Kälte, Stephan,“ erwiederte Roswell, „im Gegentheil, mich durchſtrömt eine wohlthuende Wärme. Mein Geiſt iſt geſchäftig geweſen, während ich meinen Körper in Bewegung erhielt. Wo dieß der Fall iſt, ſchadet die Kälte nicht. Aber ſtill— ſcheint nicht Jemand auf der Seite, die zum Wrack führt, zu rufen?“ Man weiß, daß die Töne ſich bei ſtrenger Kälte und klarem Wetter auf eine weite Strecke fortpflanzen. Robben⸗ jäger haben Geſpräche, die in dem gewöhnlichen Tone geführt wurden, auf eine Meile hin deutlich gehört, und man hatte mehrere Male verſucht, mittelſt der bloßen Stimme zwiſchen dem Haus und dem Wrack zu verkehren. Einzelne Worte waren verſtanden worden, obgleich man es unmöglich fand, ein eigentliches Geſpräch zu unterhalten. Stimmen aber hatte man oft vernommen, und es kam jetzt Roswell vor, als hätte er bei Stimſon's Herantreten etwas wie einen Ruf um Bei⸗ ſtand gehört. „Es iſt ſo ſpät, Herr, daß ich kaum glauben kann, einer der Vineyarder ſei wach,“ bemerkte der Bootsſteuerer, nachdem er eine Zeitlang gelauſcht hatte, in der Erwartung, den erwähnten Ruf wiederholt zu hören,„dann iſt es auch ſo kalt, da ſuchte.““ „3 zufällig „J liche Ge iſt ganz Sache g „S Auch de dieß, ſo wieder Die war inn es war Wort, ein Lau deutlich dieſem Ö zu habe Es zurück, Menſche „ℳ Augenb ob der „L. war die Dagget „0 ſich unter potſteuerer, han, war t— ohne im Freien er,“ ſagte ürfte aber Roswell, e Wärme. nen Körper die Kälte Seite, die Kälte und Robben⸗ one geführt man hatte ge zwiſchen lne Worte gglich fand, aber hatte ,als hätte if um Bei⸗ kann, einer r, nachdem tung, den es auch ſo — 215— kalt, daß gewiß Jeder ſobald als möglich ſein Lager auf⸗ ſuchte.““ „Ich finde es nicht ſo ſehr kalt, Stephan. Habt Ihr zufällig nach dem Thermometer geſehen?“ „Ich ſah beim Herausgehen nach ihm, und eine ſchreck⸗ liche Geſchichte erzählt er dieſe Nacht, Herr. Das Queckſilber iſt ganz in die Kugel herabgetreten, als wollte es mit der Sache gar nichts mehr zu ſchaffen haben, Capitän Gar'ner.“ „Seltſam! Mir ſcheint es gar nicht ſo kalt zu ſein. Auch der Wind will nach Nordoſten umſetzen, gelingt ihm dieß, ſo werden wir Thauwetter bekommen. Horch— es hat wieder gerufen!“ Dieſes Mal war kein Irrthum möglich. Eine Stimme war inmitten der Stille dieſer Polarnacht laut geworden, und es war die Stimme eines Hilferufenden geweſen. Das einzige Wort, das gehört oder verſtanden worden, war„Hilfe!“— ein Laut, welcher ziemlich geeignet war, den Ton weit und deutlich fortzupſlanzen. Die Kraft des Todeskrampfes war in dieſem Rufe, die äußerſte Verzweiflung ſchien ihn ausgeſtoßen zu haben. 1 Es war, als ſtrömte Roswell's Blut zu ſeinem Herzen zurück, nie in ſeinem Leben hatte er die Abhängigkeit des Menſchen von der göttlichen Vorſehung ſo tief gefühlt. „Habt Ihr es gehört, Stephan?“ fragte er nach einem Augenblicke aufmerkſamen Schweigens, um ſich zu überzeugen, ob der Ruf nicht wiederholt würde. „Gewiß, Herr, man kann ſich hier unmöglich irren. Es war die Stimme des Negers Ive, der als Koch bei Capitän Daggett dient.“ „Glaubt Ihr das, Stephan? Der Burſche hat eine — — gute Lunge und ſie werden ihn aufgefordert haben, uns zu Hilfe zu rufen. Was mag ihnen begegnet ſein?“ „Ich habe darüber nachgedacht, Capitän Gar'ner, und ein ſchwerer Punkt iſt's, darauf Antwort zu geben. Speiſe⸗ vorräthe müſſen ſie noch haben, und wäre dieß nicht, ſo hätten ſie Leute herübergeſchickt, um es uns zu melden. Sie haben vielleicht ihr Feuer ausgehen laſſen und es fehlen ihnen die Mittel, es wieder anzuzünden. Ich wüßte nicht, was Leuten in ihrer Lage ſonſt zugeſtoßen ſein könnte.“ Der letztere Gedanke ſchien Roswell wahrſcheinlich. So⸗ bald er ſich überzeugt hatte, daß man ihn um Beiſtand ange⸗ rufen, beſchloß er, trotz der ſpäten Stunde und der ſtrengen Kälte zu dem Wrack zu eilen. Er fühlte, wie er Stephan auch angedeutet hatte, durchaus nicht, wie kalt es war, denn die Bewegung und die geiſtige Anſtrengung hatten ihn gegen die Herbe der Jahreszeit geſtählt. Der Ruf war jedoch ſo plötzlich, ſo unerwartet gekommen, daß er anfangs nicht wußte, wie er vorſchreiten ſollte. Er beſprach die Sache mit Stimſon, und man kam über folgen⸗ den Plan überein: Die Maate ſollten gerufen, mit dem, was ſich begeben hatte, bekannt gemacht und auf das aufmerkſam gemacht wer⸗ den, was möglicherweiſe von ihnen verlangt werden dürfte. Man hielt es nicht für nöthig, irgend einen der übrigen Leute aufzurufen. Einer der Matroſen war ſtets mit der Wacht in dem Hauſe betraut, und er hatte die Pflicht, nach dem Feuer zu ſehen, um gegen eine Feuersbrunſt geſichert zu ſein, und die Wärme bis auf den unerläßlichen Grad in dem Hauſe zu erhalten. Roswell hatte oft daran gedacht, welches Unglück eine Feuersbrunſt über die ganze Geſellſchaft bringen würde, dir me war es Haus Klimas R gut w Feuer nomme geben, N man ſe unſer R dem 3 daß er widme drückt, nothw helles ſo kla Bewe Umlar ſtreng 7 fachen vor f Hauſe nicht, 3 , uns zu ener, und Speiſe⸗ ſo hätten Sie haben ihnen die as Leuten ich. So⸗ and ange⸗ r ſtrengen Stephan vwar, denn ihn gegen gekommen, ollte. Er eer folgen⸗ ih begeben nacht wer⸗ en dürfte. igen Leute Wacht in dem Feuer ſein, und Hauſe zu s Unglück en würde, — 217— dir meiſten Vorräthe würden verloren ſein, und ebenſo gewiß war es, daß ohne gehörige Decken und ohne die Mittel, das Haus warm zu erhalten, die Mannſchaft der Strenge des Klimas keine vier und zwanzig Stunden widerſtehen würden. Roswell nahm nun Stimſon mit ſich. Zwei waren ſo gut wie hundert, wenn man nicht mehr wünſchte, als das Feuer wieder anzuzünden. Die Mittel dazu wurden mitge⸗ nommen, ſowie ein geladenes Piſtol, um damit ein Zeichen zu geben, wenn die Umſtände fernere Hilfe nothwendig machten. Nachdem man noch verabredet hatte, in welcher Weiſe man ſich einzelne Vorkommniſſe mittheilen wolle, begaben ſich unſer Held und ſein treuer Begleiter auf den Weg. Roswell Gardiner, welcher der Stunde, dem Wetter und dem Zwecke dieſer Wanderung gehörig Rechnung trug, fühlte, daß er ſich einem der wichtigſten Unternehmungen ſeines Lebens widmete, als er und Stephan den beiden Maaten die Hand drückte und den Klippenvorſprung verließen. Die Windwehen machten anfangs einen kleinen Umweg nothwendig, bald aber warfen Mond und Sterne ein ſo helles Licht auf die gefrorne Hülle der Erde, daß die Nacht ſo klar war, wie mancher Londoner Tag. Erregung und Bewegung erhielten das Blut unſerer zwei Wanderer in raſchem Umlauf und ließen ſie nicht unmittelbar gewahren, welcher ſtrengen Kälte ſie bloßgeſtellt waren. „Es iſt gut, des allmächtigen Gottes in ſeinen tauſend⸗ fachen Gnaden zu gedenken, wenn man einen ſo ernſten Weg vor ſich hat,“ ſagte Stephan, als ſie eine Strecke von dem Hauſe entfernt waren.„Vielleicht erreichen wir das Wrack nicht, denn es ſcheint mir jeden Augenblick kälter zu werden.“ „Ich wundere mich, daß wir den Ruf nicht mehr hören,“ bemerkte Roswell, welcher an die Bedrängniß dachte, aus welcher er die Vineyarder zu retten beſchloſſen hatte.—„Man ſollte denken, ein Mann, der ſo herzhaft um Hilfe rief, würde den Ruf wiederholen.“ „Man kann ſich nie auf einen Neger verlaſſen,“ antwor⸗ tete Stephan, welchem das herkömmliche amerikaniſche Vorur⸗ theil gegen die Kaſte innewohnte, die ſo lange in dem Lande unter der Knechtſchaft ſeufzte.„Sie werden leicht laut und ſchweigen ungemein ſchnell wieder, wenn ſie bemerken, daß ihr Gellen zu nichts hilft. Schwarzes Blut erträgt die Kälte nicht wie weißes, Capitän Gar'ner, gerade wie weißes Blut die Hitze nicht erträgt wie ſchwarzes.“ „Ich habe dieß ſchon mehrfach gehört, Stephan, und es hat mich überraſcht, daß Capitän Daggett's Koch der einzige unter der Mannſchaft geweſen ſein ſoll, welcher heute Nacht eine Stimme hatte.“ Während Beide ſich über ein Schneefeld fortarbeiteten und ſtets auf einer Rinde fortgingen, welche an den meiſten Stellen einen beladenen Karren getragen haben würde, ließ Stimſon ſich über den Unterſchied zwiſchen Raſſen hinſichtlich ihrer Ausdauer bei Müheſeligkeiten und Arbeiten weitläufig aus. Der würdige Bootſteuerer wußte mehrere Geſchichten zu erzählen, wo Schwarze der Kälte erlegen waren, während Weiße davon kamen. Obgleich dieſe Thatſache vollkommen hergeſtellt iſt, hörte Roswell doch mit Theilnahme zu, denn er war viel zu beeilt, vorwärts zu kommen, als daß er in dieſem Augenblick eine dieſer Vergleichungstheorien hätte beſtreiten mögen. Stephan begann eben eine neue Erläuterung ſeiner An⸗ ſicht, als Roswell wieder einen Ruf zu hören glaubte, denen ähnlich. gefährl dieſes war, e welcher Stelle W ſteuerer Mitthe 2 und go herauf Geſprẽ möchte. ob nich er verf R ſelbe 2 man b gewäh hier 1 drüber auf de hte, aus —„Man ef, würde antwor⸗ e Vorur⸗ m Lande laut und ken, daß die Kälte ßes Blut „ und es er einzige ate Nacht arbeiteten n meiſten rde, ließ inſichtlich nufig aus. dichten zu während llkommen zu, denn 3 daß er ien hätte einer An⸗ e, denen — 219— ähnlich, welche ihn in einer ſo ſchrecklichen Nacht zu dieſem gefährlichen Gange veranlaßt hatten. Der Ruf war jedoch dieſes Mal ganz ſchwach, und, was nicht ſo leicht zu erklären war, er ſchien nicht von der Richtung her zu kommen, in welcher das Wrack lag, ſondern von einer Seite, welche jener Stelle ziemlich fern lag. Wie man ſich denken kann, machte Roswell den Boot⸗ ſteuerer auf dieſen Umſtand aufmerkſam, und dieſe auffallende Mittheilung veranlaßte eine weitere Beſprechung zwiſchen ihnen. „Mir ſchien dieſer letzte Ruf dort drüben von den Felſen und ganz und gar nicht von der See, wo das Wrack liegt, heraufzukommen,“ bemerkte der Bootſteuerer im Laufe des Geſprächs.„Ich bin deſſen ſo gewiß, daß ich wünſchen möchte, wir änderten unſeren Curs ein wenig, um zu ſehen, ob nicht vielleicht einer der Vineyarder verunglückte, während er verſuchte, zu uns herüber zu kommen.“ Roswell hegte denſelben Wunſch, denn er war auf die⸗ ſelbe Vermuthung gekommen, obgleich er nicht glaubte, daß man bei einer ſolchen Veranlaſſung den Schwarzen zum Boten gewählt haben würde. „Ich glaube, Capitän Daggett wäre ſelbſt gekommen oder hätte einen ſeiner beſten Leute geſchickt,“ bemerkte er, „ehe er einen Neger mit einem ſo wichtigen Auftrage betraut hätte.“ „Wir wiſſen nicht gewiß, Herr, ob wir den Neger gehört haben. Der Ruf des Unglücks iſt ziemlich derſelbe, ob er einer weißen oder ſchwarzen Kehle entriſſen wird. Laßt uns hier näher an die Felſen hinauf gehen, Herr, ich ſehe dort drüben, ſozuſagen auf unſerer Steuerbordſeite, etwas Dunkles auf dem Schnee.“ 8 ——ÿ— ———— — 220— Roswell wurde denſelben Gegenſtand anſichtig, und unſere zwei Wanderer richteten ihre Schritte dahin und kamen ohne Schwierigkeit auf der Kruſte fort, ſo lange ſie ſich von den Windwehen fern hielten. Bei ſehr kalter Luft ſind phyſiſche Anſtrengungen nicht ſo leicht zu bewältigen, als bei gemäßig⸗ term Wetter. Dieß hinderte Roswell und ſeinen Begleiter, ſo raſch voran zu ſchreiten, als ſie ſonſt wohl gethan hätten, indeſſen thaten ſie ihr Möglichſtes und hatten ihren„Curs“ kaum fünf Minuten geändert, als ſie auch ſchon die Stelle erreichten, welche Stimſon zuerſt angedeutet hatte. „Ihr hattet recht, Stephan,“ ſagte Gardiner, als er dieſen ſchwarzen Fleck inmitten des ausgedehnten weißen Man⸗ tels, welcher, ſo weit das Auge reichen konnte, Land und Meer bedeckte, ſah,—„es iſt der Koch. Der arme Burſche iſt hier, halbwegs zwiſchen dem Wrack und dem Hauſe, erfroren.“ „Es muß noch Leben in ihm ſein, Herr, obgleich er ein Neger iſt. Es ſind noch nicht zwanzig Minuten, ſeit er den letzten Ruf laut werden ließ. Helft mir ihn umwenden, Capitän Gar'ner, und dann wollen wir ihn reiben und ihm einen Schluck Branntwein geben. Ein wenig heißer Kaffe würde jetzt das Leben am ſchnellſten zurückrufen.“ Roswell feuerte ſein Piſtol als Signal für die in dem Hauſe ab und ward dann Stimſon behilflich. Der Neger war nicht todt, aber noch wenige Minuten, und es wäre um ihn geſchehen geweſen. Die Bemühungen des jungen Capitäns und ſeines Bootſteuerers hatten den beſten Erfolg. Ein Schluck Branntwein rettete vielleicht das Leben des armen Burſchen. Während Roswell mit dem Schwarzen beſchäftigt war, fand er ein Stück gefrornes Schweinfleiſch bei ihm, welches, wie man ſich ſchnell überzeugte, nie gekocht worden war. Dieß erklärte ſchaft d Die ſchenfrer dem Ha als ſie erſten 2 mit, we Flüſſigk die woh Na hatte, umgeber telte je bekanntl und kor gehen. denn je Lebensn Di während „den N wollte a hatte er Stimſor Spanun Wi ſenen ſe Bewegu Neue B und unſere men ohne von den phyſiſche gemäßig⸗ Begleiter, in hätten, „Curs“ die Stelle , als er ßen Man⸗ Land und Zurſche iſt erfroren.“ ich er ein eit er den mwenden, und ihm ßer Kaffe e in dem der Neger wäre um Capitäns n Schluck Burſchen. dar, fand ches, wie ar. Dieß erklärte alsbald die Art der Bedrängniß, welche die Mann⸗ ſchaft des Wracks überkommen hatte. Die beiden Seemänner waren ſo eifrig in ihrer men⸗ ſchenfreundlichen Hilfeleiſtung, daß die durch das Signal von dem Hauſe anher gerufenen Leute in kürzerer Zeit anlangten, als ſie erwartet hatten. Sie kamen unter der Anführung des erſten Maats und brachten eine Laterne und einen Blechkeſſel mit, welcher mit Kaffe gefüllt war. Die Lampe erhitzte dieſe Flüſſigkeit im Nu, und der Kranke wie der Geſunde fühlten die wohlthätige Wirkung dieſes heißen Trankes. Nachdem der Schwarze einen guten Schluck Kaffe getrunken hatte, wurde er noch einmal kräftig gerieben und begann, umgeben von ſo vielen Menſchen, ſich bald zu erholen, ſchüt⸗ telte jene Art ſchlafſüchtiger Erſtarrung von ſich, welche bekanntlich dem Tode durch Erfrieren vorherzugehen pflegt, und konnte bald ſtehen und, von zwei Männern geführt, gehen. Der heiße Kaffe war von dem weſentlichſten Nutzen, denn jeder Schluck, welchen er zu ſich nahm, ſchien die Lebensmaſchine in neue Thätigkeit zu ſetzen. Die gezwungene Bewegung trug das Ihrige bei, und während der Maat, um uns ſeiner Sprachweiſe zu bedienen, „den Neger in die Docke einlaufen ließ,“ was ſo viel ſagen wollte als, während er ihn wohlbehalten in das Haus brachte, hatte er die Sprache bereits wieder erhalten. Gardiner und Stimſon waren mit ihm zurückgekehrt, und Alle hörten mit Spanung die Geſchichte des Schwarzen. Wie es ſchien, hatte Daggett während des nun verfloſ⸗ ſenen ſchrecklichen Monats ſeine Leute angehalten, ſich mehr Bewegung zu machen, als dieß früher der Fall geweſen. Neue Beſorgniſſe in Betreff des Brennholzes hatten ihn über⸗ kommen, und ſeine Befehle, in dieſer Hinſicht haushälteriſch zu ſein, waren höchſt ſtreng. In Folge deſſen wurde des Ofens nicht ſo ſorgſam gewartet, wie man vorher gethan hatte, und wie es den Umſtänden nach jetzt hätte gethan werden ſollen. Nachts mußten ſich die Leute an einander drängen und in ihre Decken und Kleider hüllen, und da die Kajüte klein war, mußte die Menge der da zuſammen gedrückten Leute die Luft verderben. Dieß war der Stand der Dinge, als der Schwarze, welcher an den Ofen kam, um nach dem Feuer zu ſehen, bei dem das Frühſtück gekocht werden ſollte, jenes ganz erloſchen fand. Kein Funke war mehr zu ſehen und, was das Schlimmſte war, das Feuerzeug war verſchwunden. In Betreff des letztern wollen wir hier ſogleich bemerken, daß es ſich ſpäter zwiſchen zwei Balken ſorgfältig aufgehoben wieder fand, während der, welcher es an dieſen ſichern Platz gebracht, erſt in der Schlaf⸗ laune, dann in der Beſtürzung nicht mehr an das dachte, was er gethan hatte. Der Verluſt des Feuerzeugs war unter dieſen Umſtänden ein Unfall, wie er die Vineyarder in dieſem Augenblicke kaum ſchwerer treffeu konnte. Durch Betten, ſtarke Bewegung und andere Vorſichtsmaßregeln konnte man das Leben eine zeitlang friſten, wenn die warme Nahrung nicht abging, die Kälte drang aber in die Kajüte und Alle fühlten bald das Beſorgliche, um nicht zu ſagen das Gefährliche ihrer Lage. Ein ganzer Tag verging mit fruchtloſen Verſuchen jeder Art, ſich Feuer zu verſchaffen. Reibung blieb ohne Erfolg und wird es wahr⸗ ſcheinlich ſtets bleiben, wenn der Thermometer auf Null ſteht. Man brachte wohl Funken hervor, aber jetzt ſtarrte bereits Alles vor Kälte. Die ſchon gekochten Speiſen waren hart wie B Brannt Kälte: Körper ausdrü⸗ Theil k Füßen der ein behagli in eine geſchickt verſchaf nöthig und let genoſſen wie er ſuchung De derhafte aus ſo ſetzte a eben ſo Nahrun Zweifel Hilfe g. Es weit erk konnte. Roswell war aut chälteriſch purde des er gethan te gethan einander nd da die gedrückten Schwarze, ſehen, bei erloſchen Schlimmſte es letztern r zwiſchen hrend der, er Schlaf⸗ ichte, was tänden ein m ſchwerer nd andere ug friſten, rang aber liche, um anzer Tag Feuer zu es wahr⸗ Null ſteht. rte bereits aren hart — 223— wie Bleikugeln, und in der zweiten Nacht fand man den Branntwein in Eisklumpen verwandelt. Die Strenge der Kälte nahm nicht nur zu, ſondern Alles, ſelbſt der menſchliche Körpeg, ſchien allmählich zu erſtarren und, wenn man ſich ſo ausdrücken darf, Behälter für die Kälte abzugeben. Ein Theil der Mannſchaft begann über Schmerz an Ohren, Naſen, Füßen und Händen zu klagen, und die Betten waren bald der einzige Ort, wo man es möglich fand, ſich einigermaßen behaglich zu fühlen. Nicht weniger als drei Männer waren in einem Zwiſchenraume von wenigen Stunden in das Haus geſchickt worden, um Feuer oder die Mittel, ſich ſolches zu verſchaffen, ſowie anderes, das zur Erhaltung der Mannſchaft nöthig war, herüber zu bringen. Der Koch war der dritte und letzte Bote geweſen. Er war an ſeinen zwei Schiffs⸗ genoſſen vorüber gekommen und hatte ſie todt ober leblos— wie er annahm— liegen ſehen, denn keiner gab bei der Unter⸗ ſuchung das geringſte Lebenszeichen von ſich. Der Todesſchrecken, welcher den Neger bei dieſem ſchau⸗ derhaften Anblick erfaßte, entrang ihm jenen Hilferuf, welcher aus ſo weiter Ferne an Roswell’s Ohr geſchlagen. Der Koch ſetzte aber ſeinen Weg fort, bis er endlich, durch Schrecken eben ſo erſtarrt wie durch Kälte und den Mangel an warmer Nahrung, niederſank und in einen Schlaf verfiel, welcher ohne Zweifel ſein letzter geweſen wäre, hätte ſich nicht noch zeitig Hilfe gezeigt. Es dauerte faſt zwei Stunden, ehe der Schwarze ſich ſo weit erholt hatte, daß er alle dieſe Einzelnheiten mittheilen konnte. Als er mit ſeinem Berichte fertig war, ſtand auch Roswell’s Entſchluß ſchon feſt, wie er zu verfahren habe. Es war augenfällig, daß ein unnöthiges Zögern hier nicht an ———— ——y— — 221— ſeiner Stelle ſei. Die Kälte ſteigerte ſich faſt in unerträg⸗ lichem Maaße, obgleich die erfahrenſten unter den Matroſen die Anſicht ausſprachen, daß ein Thauwetter, und zwar ein großes Frühlingsthauwetter, im Anzuge ſei. In Himmels⸗ ſtrichen, welche man ſelbſt Extreme nennen kann, pflegen ſich die Extreme eben ſo zu berühren, wie dieß im ſittlichen Leben zu geſchehen pflegt. Zum zweiten Mal in dieſer begebnißreichen Nacht und genau mit der zwölften Stunde verließ Roswell das Haus, von dem zweiten Maat und einem bei dem Fockmaſte ſtatio⸗ nirten Matroſen, ſowie von ſeinem alten Gefährten, dem Bootsſteuerer, begleitet. Man hatte mittlerweile ein warmes Nachteſſen genoſſen und mehrere Keſſel mit Kaffe wurden mit⸗ genommen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß es keinen beſſern Schutz gegen die Wirkung der Kälte gibt, als geſunde, kräf⸗ tigende Nahrung in Fülle. Roswell wußte dieß und hatte daher geſorgt, daß die, welche ihn in ſo ſpäter, bedrohlicher Stunde begleiteten, nicht nur ein gutes Nachteſſen erhielten, ſondern auch Keſſel mit heißem Kaffe, unter welchen Lampen brannten, ſowie eine Laterne mitnahmen. Der See⸗Elephantenthran und zu dieſem Zwecke bereitetes Segeltuch boten das nöthige Material. So durchdringend ſcharf war die Kälte, daß Roswell ernſtlich daran dachte, zurückzukehren, als er die Stelle erreichte, wo man den Schwarzen gefunden hatte. Die Lage Daggett's ſchwebte ihm aber vor und ſchien ihn weiter zu drängen. Man ſchritt weiter. Jede Vorſicht war angewendet worden, um die Kälte auszuſchließen, was in Bezug auf den Körper nicht mehr und nicht weniger ſagen will, als daß man die Lebenswärme zu erhalten ſucht, und es ergab ſich, daß dieſe ſchutzmitt treffliche In Folge der Vier An die Leiche Der Man chen war glich ein, wenig ſül Körper u die Poſat Man dieſes Me war. Zn den, den dem Hauf dem oben Zuſtande, tauſend S Nosn Unglücklie ſchritt we machte, m einen Or erwärmen Nach höhlen un Ohne 250—: nnerträg⸗ Natroſen zwar ein Himmels⸗ egen ſich ſittlichen acht und 1s Haus, te ſtatio⸗ en, dem warmes rden mit⸗ n beſſern de, kräf⸗ ttte daher r Stunde ſondern brannten, utenthran 3 nöthige Roswell ſe Stelle Die Lage weiter zu agewendet gZ auf den als daß rgab ſich, — 225— daß dieſe Vorſicht ſehr nützlich war. Felle waren das Haupt⸗ ſchutzmittel, obgleich die Leute längſt auf die einfache, aber treffliche Auskunft verfallen waren, zwei Hemden zu tragen. In Folge dieſer und der anderen Vorſichtsmaßregeln litt keiner der Vier von der Kälte und Alle ſetzten ihren Weg fort. An der von dem Schwarzen bezeichneten Stelle fand man die Leiche eines der beſten Leute Daggett's, eines Bootſteuerers. Der Mann war ſtarr wie ein Pfoſten. Jedes flüſſige Theil⸗ chen war vereiſt und die ganze ſchöne, männliche Geſtalt glich einem gefühlloſen Eisklumpen. Hätte dieſer Mann ein wenig ſüdlicher ſeine zeitliche Laufbahn geſchloſſen, ſo wären Körper und Antlitz wahrſcheinlich unverändert geblieben, bis die Poſaune des Engels ihn vor das letzte Gericht gerufen. Man verlor keine Zeit mit nutzloſen Klagen an der Leiche dieſes Mannes, welcher bei den Oyſter⸗Pondern ſehr beliebt war. Zwanzig Minuten ſpäter wurde die zweite Leiche gefun⸗ den, denn beide Männer hatten den gewöhnlichen Weg nach dem Hauſe eingeſchlagen. Dieſer war zuletzt geſtorben, gleich dem oben erwähnten Bootſteuerer aber war er in einem Zuſtande, daß die Leiche ſich ohne den Zutritt des Thauwetters tauſend Jahre erhalten hätte. Roswell warf nur einen Blick auf das Antlitz dieſes Unglücklichen, um ſich ſeiner Perſon zu vergewiſſern, und ſchritt weiter, denn die Kälte, welche ſich Allen fühlbar machte, mahnte ſie an die Nothwendigkeit, ſobald als möglich einen Ort zu erreichen, wo ſie ihre erſtarrenden Glieder erwärmen konnten. Nach zehn Minuten trat die kleine Schaar in die Eis⸗ höhlen und bald darauf in die Kajüte des Wracks. Ohne ſich zur Rechten oder zur Linken zu wenden, ohne 250— 252. 15 —— — 226— nach einem der Inſaſſen der Kajüte umzuſchauen, richteten alle neuen Ankömmlinge ihre Aufmerkſamkeit dem wichtigen Geſchäfte zu, das Feuer ſogleich anzuzünden. Der Ofen war mit Brennſtoff angefüllt, und man ſah, daß vielfache Verſuche gemacht worden waren, um dieſes Holz in Brand zu ſtecken. Zwiſchen das härtere Holz des Schiffes hatte man Fichtenſpäne geſteckt, und es fehlte nichts als die Mittel, ſie anzuzünden. Mit dieſen waren Roswell's Leute, zum Glück für ſie ſelbſt, verſehen und bemühten ſich jetzt eifrig, Gebrauch davon zu machen. Es befand ſich unter den Oyſter⸗Pondern nicht einer, der in dieſem Augenblicke einen andern Wunſch gehegt hätte, als den, ſich zu erwärmen. Die Kälte war langſam, aber unwiderſtehlich durch ihre Kleider gedrungen, und ſelbſt Ros⸗ well fühlte einen leichten fröſtelnden Schauer, obgleich ſein Körper dieſe Nacht durch die Kraft des moraliſchen Gefühls wundervoll geſtärkt war. Stimſon beſchäftigte ſich ſofort mit dem Ofen, während die Anderen die Lampe hielten und das mit Thran geſättigte Segeltuch, ſowie bereit gehaltenes Papier darreichten. Man fand, daß es in der Kajüte, deren Thüren geſchloſſen waren, und deren Wände man theilweiſe mit Segeltuch beſchla⸗ gen hatte, weit wärmer war, als draußen, demungeachtet überzeugte ſich Roswell, als er nach dem Thermometer ſah, welcher an einer der Gewelingen hing, daß das Queckſilber ganz in der Kugel war. Das Intereſſe, mit welchem unſere kleine Schaar auf Stimſon's Gehaben blickte, ließ gewahren, daß es ſich hier um höchſt Wichtiges handle. In der That hingen Leben und Tod von dem Erfolge ab, und die Art, wie jedes Auge auf das H ſelbſt d nicht fe R umher ſichtbar Haufen den dre welche Geſicht geſehen Di Augen Beſchäf glaubte wegliche der Aut kennen. bis in Un und ein rieſelte, gelinge, We genheit Brennſt Holz, d puſtet, ungeneit Thermo⸗ richteten wichtigen Ofen war e Verſuche zu ſtecken. chtenſpäne azuzünden. ſie ſelbſt, davon zu icht einer, hegt hätte, ſam, aber ſelbſt Ros⸗ gleich ſein n Gefühls „während geſättigte n. geſchloſſen uch beſchla⸗ nungeachtet pmeter ſah, Queckſilber Schaar auf s ſich hier Leben und Auge auf das Holz und Stephan's Verfahren damit blickte, zeigte, daß ſelbſt die kräftigſte Natur von dem Schrecken, zu erfrieren, nicht frei geblieben war. Roswell allein wagte es, einen Augenblick in der Kajüte umher zu ſchauen. Es waren nur drei Vineyarder darin ſichtbar, obgleich es ihm nicht entging, daß Andere unter Haufen von Kleidern auf ihrem Lager vergraben lagen. Von den drei eben erwähnten Männern war der eine der Lampe, welche er in der Hand hielt, ſo nahe, daß ihr Licht ſein Geſicht und Alles, was von einer in Felle gehüllten Geſtalt geſehen werden konnte, erleuchtete. Dieſer Mann ſaß gegen einen Heckbalken gelehnt. Seine Augen waren offen und blickten ſtarr auf die um den Ofen Beſchäftigten, die Lippen waren leicht geöffnet, und Roswell glaubte Anfangs, er ſei im Begriff zu ſprechen. Die unbe⸗ weglichen Züge, die ſtarren Muskeln und der wilde Ausdruck der Augäpfel ließen jedoch die traurige Wahrheit nicht ver⸗ kennen. Der Mann war todt. Der Strom des Lebens war bis in ſein Herz erſtarrt. Unſer junger Capitän wendete ſich, von dieſem Anblicke und einem eiſigen Schauer, der ſeinen rüſtigen Körper durch⸗ rieſelte, erbebend, eifrig zur Seite, um zu ſehen, ob es Stephan gelinge, das Holz in Brand zu bringen. Wer je in einem ſtrengen Klima gelebt hat, wird Gele⸗ genheit gehabt haben, zu bemerken, wie ungern ſich jede Art Brennſtoff bei ſehr kaltem Wetter entzündet. Das Scheit Holz, das an einem milden Tage luſtig aufflackert, ächzt und puſtet, und löſt ſich in kleinen Stückchen ab, und ſcheint ganz ungeneigt, die geringſte Hitze von ſich zu geben, wenn der Thermometer auf Null ſteht. Kurz, alle unbelebten Sub⸗ . 15* 228— ſtanzen, welche Wärmeſtoff enthalten, ſcheinen mit dem vor⸗ herrſchenden Zuſtande der Atmoſphäre zu ſympathiſiren und 1 A! das ihrige beizutragen, das, was bereits zu kalt iſt, um behag⸗ Flamm lich zu ſein, noch kälter zu machen. t dem So war es jetzt, trotz all den getroffenen Vorbereitungen. eſen 3 Stephan, dem es zweimal mißglückt war, die Späne zu ent⸗ ₰ zünden, hielt inne und nahm einen Schluck warmen Kaffe. an der Beim Trinken gewahrte er, daß das Getränke bereits kälter die Te geworden war. lebhaft Eine beträchtliche Menge Segeltuch, das mit Thran war di getränkt war, wurde jetzt unter das Holz und in mitten der R. Splitter und Späne geſteckt und eine der Lampen untergeſcho⸗ ben. Dieſes Mal war man glücklicher, der Froſt wurde all⸗ Rand gemach aus dem Holze verjagt und eine ſchwache, aber nach hatte und nach wachſende Flamme züngelte durch den Brennſtoff und begann bald das Eichenholz zu erfaſſen, welches allein zu füc eine dauernde Wärme hoffen ließ. Dennoch mußte man ſtets figtte noch fürchten, das leichtere Spanwerk würde verbrannt ſein, und de ehe das maſſige Holz aus ſeiner ſtarren Unthätigkeit geweckt 3 7. e 3 3 9. 414 wieder. werden könne. Die Kälte ſchien die ganze Maſſe bewältigt faß m zu haben und ihre Herrſchaft ſo hartnäckig zu behaupten, daß ſich an man wirklich einen Augenblick zweifelte, ob man auf Erfolg Be un rechnen könne.. Glücklicherweiſe fand ſich ein Blasbalg, und mittels des Fe dieſes nützlichen Werkzeugs brachte man das Eichenholz in Leute n helle Flamme, wodurch ſich raſch Wärme entwickelte. Jetzt. ſtellte ſich jenes Fröſteln und Schaudern ein, unter welchem Fieulich ſtarke Kälte auch aus dem menſchlichen Körper zu entweichen aus R pflegt, und die Gewalt, mit welcher dieſes Gefühl alle durch⸗ usge bebte, ließ Roswell begreifen, wie nahe er und die Seinigen w ds dem Tode geweſen. wie geſ harrten Stimſo em vor⸗ ren und n behag⸗ itungen. zu ent⸗ n Kaffe. s kälter Thran itten der ergeſcho⸗ urde all— ber nach rennſtoff es allein nan ſtets unt ſein, geweckt bewältigt oten, daß rf Erfolg mittels enholz in te. Jetzt welchem ntweichen lle durch⸗ Seinigen 229 Als der junge Mann das Feuer ſich in wohlthuenden Flammen ausbreiten ſah, ſchoß ihm die Glut der Dankbarkeit zu dem Herzen und er brachte Gott in ſeiner Seele den gefühl⸗ teſten Dank dar. Die Kajüte war ſo klein und durch künſtliche Mittel ſo gut verwahrt, daß der geräumige Kochofen ſeinen Einfluß auf die Temperatur gewahren ließ, ſobald das Holz ein wenig lebhaft zu brennen begann. Da keine Wärme verloren ging, war die Wirkung bald merklich und wohlthuend. Roswell blickte in die Gefäße des Ofens, während das Feuer ſich Raum ſchaffte. Das größte war faſt bis an ſeinen Rand mit Kaffe gefüllt, der ſich in einen Eisball verwandelt hatte. In das andere hatte man Fleiſchſtuͤcke gethan, um ſie zu kochen, ſie waren von Eis umlagert und knochenhart. Erſt als dieſe beiden Eismaſſen zu ſchmelzen begannen, fühlte man, daß das Feuer ſeine Herrſchaft geltend machte, und die Hoffnung belebte die Herzen der Oyſter⸗Ponder wieder. Bei einem zweiten Blick auf den Thermometer ſah man, daß das Queckſilber die Kugel verließ und ſich ausdehnte. Bald darauf ſtieg es bis auf vierzig Grad — unter Null! Da Alles, ſelbſt das Leben davon abhing, daß die Kraft des Feuers unterhalten und geſteigert wurde, ſchauten die Leute nach mehr Brennſtoff umher. Es fand ſich jedoch ein ziemlicher Vorrath in der Kajüte, denn das Feuer war nicht aus Mangel an Holz, ſondern in Folge läſſiger Wartung ausgegangen. Es würde nutzlos ſein, eine Schilderung zu verſuchen, wie geſpannt die um den Ofen Stehenden auf die Flammen harrten und wie groß ihre Freude war, als ſie ſahen, daß Stimſon’'s Werk gelungen war. — 230— „Gott ſei dafür und für alle ſeine Gnaden ewiger Dank!“ rief Stimſon endlich und legte den Blasbalg bei Seite.„Ich fühle die Wärme des Feuers, und dieß wird die retten, welche noch nicht hinüber ſind!“ Nun ſtand er auf und blickte in die verſchiedenen Gefäße, welche übergeſtellt waren. Das Eis ſchmolz raſch und der Duft des Kaffes begann die Kajüte zu durchſtrömen. Jetzt hörte man eine ſchwache Stimme unter einer der Decken. „Gar'ner,“ klang es flehentlich,„wenn Ihr Mitleid mit einem unglücklichen Mitgeſchöpfe habt, ſo erwärmt es mit einem Schlucke jenes Kaffes. O, wie lieblich duftet er, und wie wohl muß er dem Herzen thun!— Seit drei Tagen iſt nichts, nicht einmal Waſſer, über meine Lippen gekommen!“ Dieß war Daggett, der lange geprüfte Robbenjäger, der Mann mit den eiſernen Nerven und den goldenen Wünſchen, er, deſſen ganzes Weſen vor Kurzem erſt Alles in ſich ver⸗ einigte, was nöthig iſt, um einen hartnäckigen, entſchloſſenen, gierigen Jäger nach Erwerb zu bilden! Wie verändert war er jetzt in allem dieſem! Er bat jetzt um Mittel, ſein Leben zu friſten und dachte nicht mehr an Felle, Thran und Schätze auf einſamen Klippenneſtern! Sobald Roswell von der Lage Daggett's Kunde erhielt, beeilte er ſich, ihm die nöthige Hilfe zu reichen. Glücklicher⸗ weiſe war der Kaffe, welchen die Oyſter⸗Ponder mitgebracht hatten, und der noch einen Theil ſeiner Wärme bewahrte, ſofort an das Feuer geſtellt worden und hatte jetzt die Tem⸗ peratur, welche man für die wirkſamſte erachtete. Man ließ ihn vorſichtig trinken und ſeine Stimme gab alsbald Zeug⸗ niß von gebracht „E Schiffsp Zuſtande liche Na Wie ſagt es reichen.“ „Je mehr bed in der K man wir ich, aufz wenig bereits ü nicht me „D ſtandes müſſen( Decken z ſchen dor Di Abſcheide bringen ihm wen Der faſt aug Lee, ein Mannſch Dank!“ e.„Ich ,welche Gefäße, und der iner der leid mit es mit iftet er, zeit drei Lippen ger, der ünſchen, ſich ver⸗ loſſenen, hert war in Leben Schätze erhielt, ücklicher⸗ gebracht ewahrte, die Tem⸗ Nan ließ Id Zeug⸗ — 231— niß von der Wirkung, welche dieſes Getränk auf ihn hervor⸗ gebracht hatte. „Es ergeht mir ſchlecht, Gar'ner,“ ſagte der Vineyarder Schiffspatron,„ich fürchte, wir Alle hier ſind in ſchlimmem Zuſtande. Ich hielt mich gegen die Kälte, ſo lange die menſch⸗ liche Natur es vermochte, mußte aber zuletzt weichen.“ Wie viele Eurer Leute ſind noch am Leben, Daggett? ſagt es raſch, damit wir nach ihnen ſehen und ihnen Hilfe reichen.“ „Ich fürchte, ſie werden in dieſem Leben keiner Hilfe mehr bedürfen. Der zweite Maat und zwei der Leute ſaßen in der Kajüte, als ich dieſes Lager aufſuchte, und ich beſorge, man wird ſie todt finden. Ich drang in ſie, ihre Decken, wie ich, aufzuſuchen, denn dieß war das einzige Mittel, ſich ein wenig warm zu halten, allein die Schläfrigkeit hatte ſie bereits überkommen, und wo dieſe eintritt, iſt die Erſtarrung nicht mehr fern.“ „Die drei Männer in der Kajüte bedürfen unſeres Bei⸗ ſtandes nicht mehr, denn ſie ſind ſtarr wie Klötze, aber es müſſen Eurer mehr hier ſein. Dort ſcheinen zwei unter den Decken zu liegen,— ah, was ſagt Ihr zu dieſem armen Bur⸗ ſchen dort, Stephan?“ „Der Geiſt weilt noch in dem Körper, iſt aber dem Abſcheiden nahe, Herr. Wenn wir ihm ein wenig Kaffe bei⸗ bringen könnten, dürfte ſich der Engel des Todes noch von ihm wenden.“ Der Kaffe wurde dem Manne eingegoſſen und, er athmete faſt augenblicklich auf. Er war ein junger Mann, Namens Lee, einer der ſchönſten, kräftigſten Burſchen in der ganzen Mannſchaft. Man fand keines ſeiner Glieder gänzlich erfro⸗ — ———— 232— ren, aber der Umlauf des Blutes hatte in einer Weiſe geſtockt, daß noch eine Stunde in einer Kälte, wie ſie in der Kajüte geherrſcht und ſich ſtets geſteigert hatte, ſeinen Tod herbei⸗ führen mußte. Als man Daggett auf dieſelbe Art unterſuchte, bebte Roswell über die Entdeckung, welche er machte. Die Füße, die Beine und die Vorderarme des unglücklichen Vineyarders waren ſtarr und ſteif wie Eiszapfen. In dieſer Beziehung war kein Irrthum möglich und Roswell ließ ſogleich Schnee bringen, um durch dieſes einzig verläſſige Mittel, das den Robbenjägern bekannt war, die Kälte zu verſcheuchen. Die Leichen wurden aus der Kajüte gebracht und draußen anſtändig auf das Eis gelegt, denn die zunehmende Wärme innerhalb machte dieſes Verfahren räthlich. Der Thermometer, welchen man jetzt in dem entlegenſten Theile der Kajüte auf⸗ gehängt hatte, war bis auf zwei Grad über Null geſtiegen. Dieß war bereits ein erträglicher Wärmegrad, und die Leute begannen einen Theil ihrer außergewöhnlichen Kleidungsſtücke bei Seite zu legen. Die Mannſchaft des Vineyarder Seelöwen hatte aus fünfzehn Seelen beſtanden, einer weniger, als die ſeines Gefährten. Von dieſen Männern hatten vier ihr Leben zwiſchen dem Wrack und dem Hauſe eingebüßt, zwei früher und zwei in dieſer Nacht. Drei Leichen hatte man ſitzend in der Kajüte gefunden und zwei andere waren todt von ihrem Lager weg⸗ gebracht worden. Dieſe, nebſt dem Capitän, dem Koch und Lee wäaren zwölf, und es fragte ſich, was aus den drei Feh⸗ lenden geworden ſein könne. Als man Lee zur Rede ſtellte, ſagte er, Einer von ihnen ſei mehrere Tage vorher in den Eisgrotten erfroren, die anderen Zwei Hauſe ertrag angeka ließen, menſch yard um R gelten und v Lee w geſund A erfrore Gardit zwanzi peratut Wärm e geſtockt, er Kajüte d herbei⸗ ee, bebte Die Füße, neyarders Beziehung ch Schnee das den d draußen e Wärme rmometer, ajüte auf⸗ geſtiegen. die Leute ungsſtücke atte aus ie ſeines zwiſchen und zwei er Kajüte uger weg⸗ Koch und drei Feh⸗ on ihnen e anderen Zwei hätten ſich während des letzten Schneeſturmes nach dem Hauſe aufgemacht, da ſie die Kälte in dem Wrack nicht mehr ertragen konnten. Da die Letzteren noch nicht in dem Hauſe angekommen waren, als Gardiner und ſein Begleiter es ver⸗ ließen, hatte ſie ohne Zweifel der Tod ereilt. Von fünfzehn menſchlichen Weſen, welche mit einander von Martha's Vine⸗ yard abgereiſt waren und ſich jeder Gefahr unterzogen hatten, um Reichthümer, oder was in ihren Augen als Reichthümer gelten konnte, zu erwerben, bleiben demnach nur drei übrig, und von dieſen waren zwei in einer ſehr bedenklichen Lage! Lee war der einzige von der ganzen Mannſchaft, welcher als geſund und dienſtfähig gelten konnte. Zwölftes Kapitel. — Sag’ ihm, Er ſoll vor Dem, was über ihm, ſich beugen— Dem Ewigen, Unendlichen— dem Schöpfer, Der ihn nicht ſchuf, damit er Ihn verehre— Laßt ihn auf ſeine Knie ſinken, und Gemeinſam wollen wir uns knie'n. Byron. Als die Leichen aus der Kajüte entfernt und Daggett'’s erfrorene Glieder mit Schnee bedeckt waren, ſah Roswell Gardiner abermals nach dem Thermometer. Er war jetzt zwanzig Grad über Null geſtiegen, im Vergleiche mit der Tem⸗ peratur, welche früher hier geherrſcht hatte, eine behagliche Wärme, und Jeder fühlte dieß an ſich ſelbſt. Das Feuer war jedoch nicht die einzige Urſache dieſes 1 6 6 234— ſehr willkommnen Wechſels. Einer der Leute, welcher draußen geweſen war, kam bald zurück und erzählte, das Wetter habe ſich entſchieden zum Beſſern gewendet. Der Wind, welcher ſeit mehreren Stunden mit dem ſüdöſtlichen Punkte des Com⸗ paſſes liebäugelte, blies jetzt ſtetig aus dieſer Richtung. Eine Stunde ſpäter fand man, daß ein zweiter Thermometer, welcher außen hing, zehn Grad über Null anzeigte. Dieſer plötz⸗ liche, große Wechſel war hauptſächlich dem Winde zuzuſchrei⸗ ben, welcher jetzt von der warmen Seite herblies. Die Leute beſeitigten ihre Fellbekleidungen und mäßigten das Feuer, obgleich man Sorge trug, daß es nicht wieder ganz ausging. Wir finden wenig Vergnügen dabei, Gemälde menſch⸗ lichen Leidens auszuſtellen, und werden uns nicht über die Schmerzen und Seufzer verbreiten, welche Daggett duldete und ausſtieß, während er ſich dem höchſt peinlichen Verfahren unterwarf, welches wir angedeutet haben. Es war jedoch das einzige, ſichere Mittel in dieſem Falle, und da er dieß wußte, ertrug er die Schmerzen mit der Standhaftigkeit eines Seemannes. Der Tag war noch nicht angebrochen, als man ihn von ſeiner Qual erlöſte und auf ſein Lager zurückbrachte, welches mittlerweile ſorgfältig hergerichtet und mit dem faſt unerhör⸗ ten Luxusartikel von Bett⸗Tüchern und einer zweiten Decke ver⸗ ſehen worden war.. Man ſagte den Leuten, ſie ſollten ein wenig zu ſchlafen ſuchen und Stephan bemerkte bei dieſer Gelegenheit: „An leeren Pritſchen fehlt es nicht und jeder von uns kann ſo viele warme Decken finden, als er nur wünſcht, nach⸗ dem ein ſo großer Theil der Mannſchaft, wenn man ſo ſagen darf, in dem Stolze der Jugend und Kraft, ihrer großen Abrechnung entgegen geeilt iſt.“ Th und die hielten nachzud erhaſche Je geiſtige bloßgeſt lichen D ſagen, vergewi nungsre ſchwäch ſein Ger ſeine Hingebu In ſtand je Mannes Antlitz an Gott er der berechne Auge zu geſenkter ihres tie Vo well jetz Ale das We raußen er habe welcher Com⸗ Eine welcher plötz⸗ uſchrei⸗ e Leute Feuer, isging. menſch⸗ ber die duldete rfahren jedoch er dieß it eines hn von welches nerhör⸗ cke ver⸗ ſchlafen on uns t, nach⸗ o ſagen großen — 235— Thätigkeitstrieb, die Verantwortlichkeit ſeiner Stellung und die eindringliche Nothwendigkeit, ſich Bewegung zu ſchaffen, hielten Roswell ab, viel über das, was ſich begeben hatte, nachzudenken, bis er ſich niederlegte, um ein wenig Schlaf zu erhaſchen. Jetzt freilich trat ihm das ganze, düſtere Gemälde vor das geiſtige Auge und er fühlte lebhabt, welchen Gefahren er bloßgeſtellt geweſen und wie augenfällig die Gnade der gött⸗ lichen Vorſehung über ihn gewacht hatte. Von Leichen ſo zu ſagen, umgeben, und des Looſes der noch Ueberlebenden nicht vergewiſſert, ward er gewahr, wie das Zuverſichtliche, Hoff⸗ nungsreiche ſeiner Anſichten von Vergangenheit und Zukunft ſchwächer und ſchwächer wurde. Die Majeſtät Gottes und ſein Gericht traten lebhafter, denn jemals, vor ſeine Seele, und ſeine Selbſtüberſchätzung verwandelte ſich in Demuth und Hingebung. Inmitten aller dieſer Wechſel der Gefühle und Anſichten ſtand jedoch ein Bild unverändert vor der Seele des jungen Mannes. Maxy mit ihrem ſanften, lieblichen, blühenden Antlitz nahm den Hintergrund jedes Gemäldes ein. Wenn er an Gott dachte, waren ihre Blicke zum Gebete erhoben, wenn er der Heimkehr gedachte und die Möglichkeit des Gelingens berechnete, reitzte ihr Lächeln und ihr beſorgtes, wachſames Auge zu dem kühnſten Wagniß, wenn er ankam, verrieth ihr geſenktes, aber freudeſtrahlendes Auge das beſcheidene Glück ihres tiefſten Herzens. Von ſolchen Bildern umgeben und eingewiegt fand Ros⸗ well jetzt den Schlaf. Als die Geſellſchaft am Morgen in das Freie kam, hatte das Wetter ſich noch entſchiedener geändert. Der Wind hatte —— 236— ſich zu einer Kühlte geſteigert und brachte Ströme von Regen mit ſich. Da er aus einer warmen Richtung blies, war das Thauwetter ebenſo entſchieden aufgetreten, wie früher die Kälte. In jenen Gegenden neigt ſich das Wetter gewöhnlich zu einem Aeußerſten, und der Uebergang vom Winter zum Frühling iſt ebenſo raſch und plötzlich, wie der vom Herbſte zum Winter. Wenn wir von„Frühling“ und„Herbſt“ ſprechen, geſchieht dieß nur, um uns der herkömmlichen Sprechweiſe zu fügen, denn ſtreng genommen, weiß man in der ſüdlichen, kalten Zone wenig von dieſen Jahreszeiten. Der Sommer folgt dem Winter, und dem Winter wieder der Sommer, was man nämlich hier Sommer nennen kann. Trotz des günſtigen Ausſehens der Dinge wußte Roswell, als er am nächſten Morgen in das Freie trat, recht gut, daß der Sommer noch nicht zur Hand war. Viele Wochen mußten noch vergehen, ehe das Eis die Bai verlaſſen und auch nur ein Boot auf das Waſſer gebracht werden konnte. Es ſtellte ſich daher als unerläßlich heraus, auch ferner noch mit den Vorräthen und Mitteln des Unterhalts ſparſam zu verfahren. In einer Hinſicht waren die jetzigen Inſaſſen der Inſel durch die ſchrecklichen Verluſte, welche Daggett's Mannſchaft getroffen hatten, im Vortheile. Die Vorräthe der beiden Schiffe kamen jetzt der Mannſchaft des einen zu gut, und Roswell ſah, als er über dieſe Begebniſſe nachdachte, wohl ein, daß die Vorſehung die Ueberlebenden vor großem Mangel, wenn nicht vor dem Hungertode gerettet hatte. Das eintretende Thauwetter hatte ganz den entſchiedenen Charakter, den ein Klima greller Gegenſätze auszeichnet. Der Schnee Ebene z maſſe z reichen welcher einen el war jet fall. k unterge De den und war Ro Beſorgt weggeſy Platz. von den in dene das We Ei bieten 1 zu laſſe wüthen! Gedank des Sti De gemeinf Tags Grotter ren un Der T Grad n Regen war das üher die wöhnlich ater zum Herbſte ſprechen, zweiſe zu n, kalten olgt dem das man Roswell, gut, daß mußten auch nur Fs ſtellte noch mit rſam zu der Inſel annſchaft r beiden gut, und te, wohl Mangel, chiedenen net. Der Schnee der Berge begann ſich in vollen Ströme über die Ebene zu ergießen, dieſe trugen das ihrige bei, um die Waſſer⸗ maſſe zu ſteigern, welche bald an verſchiedenen Stellen in reichen Waſſerfällen über die Klippen ſtürzte. Ein Felshang, welcher wohl eine Meile lang war, bot, von der Höhe geſehen, einen ebenſo überraſchenden als großartigen Anblick dar. Er war jetzt ein fortgeſetzter, faſt nirgends unterbrochener Waſſer⸗ fall, brauſend, giſchend, donnernd, als ſollte die Welt untergehen. Der Schnee entlang der Klippenküſte war bald verſchwun⸗ den und die Eisſtücke ſchmolzen und zerbröckelten raſch. Anfangs war Roswell in Betreff der Sicherheit des Wracks in einiger Beſorgniß, da er von vorn herein gefürchtet hatte, es möchte weggeſpült werden. Dieſe Beſorgniß machte einer noch ernſteren Platz. Es ſchien dem jungen Manne nämlich, als müſſe es von den ungeheueren Eisſchollen, welche die Grotten bildeten, in denen es lag, und die ſich nun zu ſenken begannen, wie das Waſſer ihre unteren Enden abſpülte, zerdrückt werden. Einmal war Roswell nahe daran, dem Sturme Trotz zu bieten und Daggett auf einen Schubkarren in das Haus fahren zu laſſen, als er aber die Waſſerſtröme ſah, welche, gleich wüthenden Bächen, über die Klippen ſchoſſen, gab er den Gedanken als unausführbar auf. Man brachte daher inmitten des Sturms eine zweite Nacht hin. Der Nordweſtwind, der Regen, das Thauwetter waren gemeinſam thätig, als unſere Freunde am Morgen des zweiten Tags ihres Aufenthalts in dem Wrack, herauskamen. Die Grotten und Höhlen ließen jetzt tauſend rieſelnde Bäche gewah⸗ ren und Alles deutete auf ein raſches Schmelzen des Eiſes⸗ Der Thermometer zeigte jetzt im Freien zwei und zwanzig Grad und die Leute ſahen ſich genöthigt, ihre Bekleidung ——— 238— dieſer Temparatur gemäß einzurichten. Dieß war jedoch nicht Alles. Bekanntlich hat der Wind, welcher über das Salz⸗ waſſer weht, mehr als den gewöhnlichen Einfluß auf Schnee und Eis, und dieß war auch auf dem Robbenfängerland der Fall. Der Schnee war faſt überall, wo keine Windwehen lagen, verſchwunden, während das Eis ſich hinſichtlich ſeiner Größe und Umriſſe bedeutend gemindert hatte. Dieſer Uebergang des Wetters von der äußerſten Kälte zu behaglicher Wärme war ſo wohlthuend, daß die Leute ſich aus dem Regen gar nichts machten, und in demſelben umhergin⸗ gen als bedürften ſie einer ſolchen Abkühlung. Einige kletterten auf die Klippen und ſuchten eine Höhe zu erreichen, von welcher aus man das Haus ſehen konnte. Die Rückkehr dieſer Leute, welche Roswell nicht begleitet hatte, wurde mit großer Spannung erwartek. Sie kamen endlich und das, was ſie zu berichten hatten, ſchien in mehr⸗ facher Hinſicht wichtig. Der Schnee war auf der Ebene und den Bergen zumal, mit Ausnahme weniger Stellen, wo er ſich ſtark angehäuft hatte, verſchwunden. Das Haus ſtand wohl⸗ erhalten und ringsum war keine Spur von Schnee mehr zu ſehen. Man hatte mehrere Schiffsgenoſſen auf den nackten Felſen umherwandeln ſehen und jedes Vorzeichen deutete auf den bleibenden Frühling. Dieß waren entzückende Nachrichten, und da die Waſſer⸗ bäche ſich theils gemindert hatten, theils ganz verſchwunden waren, brach Roswell auf, um nach dem Cap zurückzukehren, während der zweite Maat den Befehl über das Wrack erhielt. Lee, der junge Vineyarder, welcher durch die zeitliche Ankunft unſeres Helden vor dem Erfrieren gerettet worden, und ſich den Oyſter⸗Pondern zugeſellt hatte, begleitete ihn. D wo ſie niß wo hatten. ſchaft trug d ſchaft ſamme T obgleie wußte des W T währe That ſie die mein hinab, deſſelb auf de Bis z Winde daß il S Leuten Ladun damit umgal hinab, doch nicht as Salz⸗ ff Schnee rland der indwehen ich ſeiner ten Kälte Leute ſich mhergin⸗ kletterten n welcher begleitet ie kamen in mehr⸗ bene und vo er ſich ud wohl⸗ mehr zu nnackten eutete auf e Waſſer⸗ chwunden kzukehren, ck erhielt. Ankunft und ſich — 239— Dieſe Beiden erreichten, ehe es dunkel ward, das Haus, wo ſie Hayard und ſeine Gefährten in nicht geringer Beſorg⸗ niß wegen des Schickſals derer fanden, die das Cap verlaſſen hatten. Die Erzählung der Unfälle, welche die andere Mann⸗ ſchaft betroffen, machte einen tiefen Eindruck, und Roswell trug dieſen Abend die Gebete einer ſo aufmerkſamen Zuhörer⸗ ſchaft vor, wie ſie ſich je um einen häuslichen Herd ver⸗ ſammelt haben mag. Des Feuers bedurfte man jetzt nur noch zum Kochen, obgleich man ſtets auf kaltes Wetter gefaßt blieb, denn man wußte wohl, daß eine Wendung des Windes die ganze Herbe des Winters zurückführen konnte. Der nächſte Morgen war klar, aber der Wind blies fort⸗ während warm und wohlthuend von Norden nieder. In der That hatten die Robbenjäger kein ſolches Wetter geſehen, ſeit ſie die Gruppe erreichten, und die Wirkung auf ſie war unge⸗ mein erheiternd und belebend. Noch vor dem Frühſtück eilte Roswell in die Bucht hinab, um nach dem Zuſtande ſeines Schiffes, oder der Reſte deſſelben zu ſehen. Ziemlich viel gefrorner Schuee lag noch auf der Maſſe und er rief die Leute auf, ihn zu beſeitigen. Bis zum Mittage war das Schiff„klar,“ die Wärme des Windes und der Luft ſchienen mit ihnen thätig zu ſein, ſo daß ihre Mühe eben nicht ſehr groß war. Sobald Roswell den Rumpf klar ſah, befahl er ſeinen Leuten, Alles aus ihm herauszuſchaffen,— die Reſte der Ladung, Waſſerfäſſer und einen Theil der gefrornen Vorräthe, damit das Schiff ſo leicht als möglich ſchwämme. Das Eis umgab alle Theile des Schiffsbodens bis auf mehrere Fuß hinab,— ein Umſtand, welcher es natürlich hinderte, unter — 240— ſeine Spannen zu ſinken, da aber Niemand ſagen konnte, wann das Eis ſchmelzen und das Schiff frei geben werde, hielt man jene Vorſicht für rathſam. Der Verſuch glückte auch vollkommen und der Rumpf hob ſich um nicht weniger als vier Zoll, ſobald er der Wucht in ſeinem Innern ent⸗ hoben war. In dieſer Nacht beriethen Gardiner, ſeine Officiere und der älteſte Matroſe die wichtige Frage, ob man die Inſel⸗ gruppe in den Booten verlaſſen, oder den Rumpf ein wenig ausbauen, ihm ein Deck geben, und das ſo veränderte Schiff benutzen ſollte, um nach Norden zurückzukehren. Beide Vorſchläge hatten viel für und gegen ſich. Wenn man ſich der Boote bediente, konnte man, ſobald das Wetter ſtetig wurde und die Jahreszeit ein wenig vorrückte, Anſtalten zur Abreiſe machen, indem man die Boote auf Schlitten über das Eis in das offene Waſſer brachte, dieß mochte eine Strecke von zehn bis fünfzehn Meilen betragen und man konnte auf dieſe Weiſe eine Menge Vorräthe ſparen. Andrerſeits faßten, wenn es ſich von Vorräthen handelte, die Boote deren ſo wenig, daß man nicht viel dabei gewann, wenn man in ihnen abreiſte, und den Zurückbleibenden ſo viel hinterließ, daß ſie zwei bis drei Monate davon leben konnten. Dieſes Bedenken war ſehr einleuchtend, und blieb nicht ohne Einfluß auf die Entſcheidung. Dann durſte man nicht überſehen, daß noch rauhe Tage kommen konnten, welche es durchaus nöthig machten, noch mehr Holz zu brennen. In dieſer Hinſicht handelte es ſich um das Leben der Mannſchaft. So angenehm das Wetter vergleichsweiſe geworden war, konnte doch Niemand mit Gewißheit ſagen, daß es anhalten werde. Die Robbenjäger mußten und der Nachwint Falle abe welche nuö und decke zu faſſen, beſprochen Nach man zu f Monat 2 ſtürmiſche mehr, al wenn die in die † Jahreszei Wahrſche mußte, k Rumpfes, wieder ka konnte in um ſo be es da bli es aber Schiffe v bereit, ab Dieſ nur ſelter hielt ſich förderte, 250— konnte, werde, glückte weniger ern ent⸗ iere und Inſel⸗ wenig e Schiff Wenn Wetter Inſtalten Schlitten chte eine nd man handelte, gewann, mſo viel konnten. cht ohne he Tage en, noch es ſich 3Wetter and mit benjäger mußten noch einem vollen Frühlingsmonat entgegenſehen, und der Wind durfte ſich nur wenden, ſo machte der Nachwinter ſeine Herrſchaft wieder geltend. In einem ſolchen Falle aber war es unerläßlich, alle Materialien zu verbrennen, welche nöthig waren, wenn man den Rumpf wieder aufbauen und decken wollte. Man hatte daher manches in das Auge zu faſſen, und die Frage wurde reiflich erwogen und allſeitig beſprochen. Nachdem man alle dieſe Punkte verhandelt hatte, kam man zu folgendem Entſchluß. Man hatte wenigſtens noch einen Monat Zeit, ehe man ſich in einem offenen Boot auf dieſes ſtürmiſche, ſtets bewegte Meer wagen konnte, und dieß um ſo mehr, als der Wind jetzt faſt immer aus Norden blies, als wenn die Natur abſichtlich eine ziemliche Menge warmer Luft in die Polar⸗Regionen ſchicke, um auf den Wechſel der Jahreszeiten aufmerkſam zu machen. Da dieſer Monat aller Wahrſcheinlichkeit nach auf der Inſel hingebracht werden mußte, konnte man ſich ebenſo gut mit dem Ausbaue des Rumpfes, als mit jeder andern Arbeit beſchäftigen. Wenn es wieder kalt wurde, war das Holz ſtets noch vorhanden und konnte in der äußerſten Noth verbrannt werden, und dieß zwar um ſo bequemer, wenn man es in der Bucht hatte, als wenn es da blieb, wo es jetzt war, nämlich in dem Wrack. Wurde es aber nicht wieder winterlich, ſo war durch die an dem Schiffe vollbrachte Arbeit viel Zeit gewonnen und man war bereit, abzureiſen, ſobald das Eis ſich in Bewegung ſetzte. Dieſem Plane zufolge wurde die Arbeit begonnen und nur ſelten durch das Wetter unterbrochen. Volle drei Wochen hielt ſich der Wind ſo, daß er das Vorſchreiten des Frühlings förderte, er ſpielte nach Oſten und nach Weſten hin, nicht ein 250— 252. 16 — — 242 einziges Mal aber zeigte er eine ſüdliche Neigung. Dann und wann blies er eine ſteife Kühlte und ſchickte Wellen auf die Gruppe nieder, welche den äußeren Enden der Eisſchoſſe übel mitſpielten. Faſt jeden Tag ſchickte man einige Matroſen auf den Berg, um Ausguck zu halten und über den Stand der Dinge in den umliegenden Gewäſſern zu berichten. Die Flotte der Eisberge war noch nicht aus ihrem Hafen getreten, ſetzte ſich aber ſüdwärts in Bewegung, wie drei Decker ſich in Rheden und Baien anſchicken, ihre Ankerplätze nach Außen zu verlegen. Da Roswell abzureiſen wünſchte, ehe dieſe furchtbaren Kreutzer in See ſtachen, beachtete man ihre geringſten Bewe⸗ gungen und Veränderungen. Die Eisfelder waren da und dort ſogar meilenweit aufgebrochen und mit Ausnahme des Theiles, welcher ſich zwiſchen den Inſeln der Gruppe ſtaute und ſtemmte, war wenig mehr davon zu ſehen. In Folge eines nicht bekannt gewordenen Einfluſſes ſtürm⸗ ten die Meereswogen, welche der Nordwind niederdrängte, nicht mit ihrer ganzen Kraft auf dieſe Schoſſe an, ſo daß ſie ſich nur langſam und faſt widerwillig löſten. Die Robben⸗ fänger ſchrieben dieſe Hartnäckigkeit des Bai⸗Eiſes ſeiner Dicke zu und glaubten, die Seichtigkeit des Waſſers habe eine ſolche Eisbildung begünſtigt, während ſie draußen unmög⸗ lich geweſen wäre. Dieſe Anſicht mochte richtig ſein, obgleich man ebenſo viel für als gegen ſie vorbringen konnte, denn das Polareis ſetzt gewöhnlich oben und nicht unten an. Dieß Meer iſt in den kalten Monaten viel wärmer als die atmoſphä⸗ riſche Luft, und die Eisbildung geht auf der obern Fläche der Felder und Ren In gegenfül war zu Haus he als die Ror unſichere kalten 2 jägers A um ſo Blutum forderte, unglückl jedoch ſe lauf des Da Wrack die Kar nicht da war an mußte, kam ma der beid und übr auf den Kajüte Zurechtſ Rumpf g. Dann gellen auf Eisſchoſſe nauf den der Dinge Flotte der ſetzte ſich in Rheden Außen zu kurchtbaren ſten Bewe⸗ n da und nahme des ppe ſtaute ſſes ſtürm⸗ derdrängte, ſo daß ſie ie Robben⸗ ſes ſeiner ſſſers habe gen unmög⸗ n, obgleich denn das an. Dieß atmoſphä⸗ Fläche der — 243— Felder und Berge durch Ablagerungen von Schnee, Nebel und Regen vor ſich. In dieſen drei Wochen, welche dem Sommer raſch ent⸗ gegenführten, wurde viel nützliche Arbeit abgethan. Daggett war zum zweiten Male auf einem Schubkarren in das Haus herübergebracht worden und richtete ſich ſo behaglich ein, als die Umſtände es erlaubten. Roswell ſah von vornherein, daß ſein Zuſtand ein ſehr unſicherer ſei, beſonders war das erfrorne Bein von dem kalten Brande bedroht. Alle Mittel, welche eines Robben⸗ jägers Arzneimittellehre an die Hand gab, wurden angewendet, um ſo ernſte Folgen abzuwenden, allein ohne Erfolg. Der Blutumlauf war nicht wieder herzuſtellen, wie die Natur es forderte, und da dieſe wichtige Beihilfe fehlte, ſtellten ſich die unglücklichen Vorzeichen langſam ein. Dieſer Wechſel trat jedoch ſo allgemach hervor, daß er auf den regelmäßigen Ver⸗ lauf des Dienſtes kaum einen Einfluß hatte. Das Herüberſchaffen des übrigen Werkholzes von dem Wrack in die Bucht war eine ſehr mühevolle Arbeit. Ohne die Karren wäre man wahrſcheinlich in der gehörigen Zeit nicht damit zu Stande gekommen. Das Abbrechen des Schoners war an ſich keine geringe Mühe, denn die Hälfte des Gerüſtes mußte„herausgeholt“ werden. In nicht geringe Verlegenheit kam man bei der Verwendung des Werkſtoffes durch die Theile der beiden Schiffe, welche als ihre Unterkörper gelten konnten und übrig geblieben waren, während man die Obenwerke bis auf den hintern Theil von Daggett's Schiff, das wegen der Kajüte nicht angegriffen werden durfte, verbrannt hatte. Das Zurechtſchneiden und Einpaſſen der neuen Obenwerke auf den Rumpf war ein langwieriges, mühſames Geſchäft. Roswell 16* ——õ5 dachte nicht daran, ſeinen Schoner wieder in ſeiner früheren Geſtalt und Einrichtung herzuſtellen, dieß wäre faſt ein Neu⸗ bau zu nennen geweſen, und dazu fehlte ihm der nöthige Stoff und die Zeit. Er beabſichtige bloß, den Rumpf ſo weit zu überbauen, als nothwendig war, um einen ſichern und bequemen Raum zu bieten, und dann ein ſo gutes, feſtes Deck aufzuſetzen, als die Umſtände es erlaubten. Die Arbeit wurde glücklicherweiſe bedeutend dadurch geför⸗ dert, daß Lee, der Vineyarder, ein Schiffszimmermann und bei weitem geſchickter war, als Smith, welcher in dieſem Beruf am Bord des Oyſter⸗Ponder Schiffes diente. Dieſe zwei Männer waren jetzt von dem weſentlichſten Nutzen, denn, obgleich Keiner von ihnen zeichnen konnte, verſtanden ſie ihr Gewerk gründlich und beſaßen eine gewiſſe Handfertigkeit, welche ſie in den Stand ſetzte, hundert Dinge zu vollbringen, mit welchen ſie ſich früher nie befaßt hatten. Wenn die Obenwerke, welche nun auf den Seelöwen geſetzt wurden, nicht von tadelloſer Form waren, ſo waren ſie wenig⸗ ſtens feſt und machten das Schiff ſogar ſtärker, als es früher geweſen war. Man nahm geeignete Rückſicht auf den Druck des Eiſes, und die Erfahrung hatte alle Robbenjäger gelehrt, wo der Hauptſchutz gegen die Wirkung einer„Quetſchung“ anzubringen ſei. Die Umriſſe waren allerdings nicht voll⸗ kommen, dieß war jedoch von geringerer Bedeutung, da der Kiel des Schiffes, welcher den weſentlichſten Einfluß auf ſeine Segelkraft hatte, gerade ſo war, als käme er aus den Händen des Künſtlers, welcher ihn urſprünglich formte. Nach vierzehn Tagen waren die neuen Obenhölzer alle an ihren Stellen und gefeſtigt, während eine vollſtändige Anzahl Bauchſtücke eingeſetzt und gut verwahrt wurde. Die Kalfater⸗ eiſen we war, un tes vor dieſe Th Hand u in der war die Planken den. N löwen z caſtell verſchied zuſamm Schiff, Wrack, Wi Felſen z in der Stellun Winden kurzer Weo der Um legener weſt⸗Ko wieder Sehnſu an Gey Rückkeh: Antritte früheren Lin Neu⸗ ige Stoff weit zu ern und ſtes Deck ſcch geför⸗ und bei m Beruf eſe zwei , denn, n ſie ihr fertigkeit, lbringen, en geſetzt ie wenig⸗ es früher en Druck gelehrt, tſchung“ cht voll⸗ „ da der auf ſeine Händen r alle an e Anzahl Kalfater⸗ — 245— eiſen wurden zur Hand genommen, ſobald ein Streich fertig war, und die ganze Arbeit ging gewiſſermaßen gleichen Schrit⸗ tes vor ſich. An Deckplauken fehlte es natürlich ſehr, denn dieſe Theile des Schiffes waren, theils weil ſie zunächſt zur Hand waren, theils weil ſie den beſten Brennſtoff lieferten, in der großen Noth zuerſt verbraucht worden. Zum Glücke war die Schanze des Vineyarder Schiffes noch ganz und ihre Planken konnten zu einem vortrefflichen Zweck verwendet wer⸗ den. Man brauchte ſie, um eine neue Schanze auf dem See⸗ löwen zu bauen. Für das ganze Hauptdeck und das Vorder⸗ caſtell war aber noch zu ſorgen. Man brachte endlich aus verſchiedenen Theilen der beiden Schiffe das nöthige Holz zuſammen und legte ein völlig haltbares Deck über das ganze Schiff, die Scherſtöcke der Luken nahm man aus Daggett's Wrack, welches in dieſen Theilen nicht abgebrochen worden war. Wir brauchen kaum zu bemerken, daß das Eis auf den Felſen zeitig geſchmolzen war. Die Grotten und Höhlen waren in der erſten Woche des Thauwetters verſchwunden, denn die Stellung der Schollen war der Art, daß ſie der Sonne, den Winden und dem Regen bloßgeſtellt waren und ſonach in kurzer Zeit zerſtoben. Was man als ein günſtiges Vorzeichen betrachtete, war der Umſtand, daß ſich die Robben wieder zeigten. Ein ent⸗ legener Theil der Küſte, wo das Eis durch die, um das Nord⸗ weſt⸗Kap wehenden Winde weggetrieben worden war, wimmelte wieder von dieſen Thieren. Ach, die Robbenjäger fühlten keine Sehnſucht mehr nach ſolcher Beute! Sie dachten nicht mehr an Gewinn, ſondern an die Rettung ihres Lebens, an die Rückkehr in die beſcheidene Stellung, welche ſie vor dem Antritte dieſer unſeligen Reiſe in der Welt inne gehabt hatten! Dieſes Wiedererſcheinen der Robben machte auf Roswell Gardiner einen tiefen Eindruck. Sein Geiſt war in der neueren Zeit mehr und mehr der Betrachtung religiöſer Vor⸗ würfe zugewendet, und er unterhielt ſich mit Stephan noch öfter, als er früher gethan hatte. Nicht als hätte der Boot⸗ ſteuerer ihn durch ſein Wiſſen über dieſe wichtigen Fragen belehren können, denn dazu war Stimſon ganz ungeeignet, ſein Offizier fand aber Aufmunterung in der Tiefe und Innig⸗ keit des Glaubens dieſes alten Mannes,— eines Glaubens, der über jeden Zweifel und jede Unſicherheit weit erhaben ſchien. Während den düſterſten Augenblicken dieſes ſchreckenvollen Winters war Stephan ſtets gleich ergeben, vertrauensvoll und heiter geweſen. Man hatte ihn nicht ein einziges Mal ſchwan⸗ ken oder beben ſehen, während Alle um ihn bangten und das Schlimmſte erwarteten. Sein Herz war in dem Maaße leicht, als ſein Glaube ſtark war. „Wir werden weder erfrieren, noch verhungern,“ pflegte er zu ſagen,„wenn es nicht Gottes Wille iſt, und ſollte dieß ſein Wille ſein, dann ſeid überzeugt, Freunde, daß es zu unſerm Beſten iſt.“ Daggett hatte endlich ſeinen Anhalt an dem Wrack auf⸗ gegeben und ſchien nicht mehr daran zu denken. Als man ihm ſagte, die Robben zeigten ſich wieder, erglänzten ſeine Augen und es war, als erwache ſeine frühere Habgier von Neuem. Es war aber nur das Aufſprühen des Geiſtes des früheren Menſchen und er ſiel bald wieder in die Dämmerung zurück, welche jetzt alle ſeine Anſichten von der Welt zu umhüllen begann. „Es iſt ſchade, Gar'ner, daß wir kein Schiff haben, um ſolche Schätze aufzunehmen,“ ſagte er unter dem Einfluſſe der erſten Er ein mächt „W gett,“ la werden. behalten uns jetzt Gott zu „Ei es in der „W können. zurücklaſ knapp, a zu hemm nehmen Alles A „A ein Aug Haus ko hier, Ge˖ Es bleiben, welche i deuten, nicht ur ſchenden erſcheine mit ihr Weſentl Roswell in der ſer Vor⸗ an noch er Boot⸗ Fragen geeignet, Innig⸗ ens, der n ſchien. fenvollen voll und ſchwan⸗ und das he leicht, pflegte llte dieß ß es zu ack auf⸗ nan ihm e Augen Neuem. heren zurück, mhüllen den, um uſſe der erſten Erregung.—„In dieſer frühen Jahreszeit könnte man ein mächtiges Schiff füllen.“ „Wir haben andere Geſchäfte zur Hand, Capitän Dag⸗ gett,“ lautete die Antwort,„und dieſe müſſen zuerſt abgethan werden. Wenn wir die Inſeln überhaupt verlaſſen und wohl⸗ behalten zu denen zurückkehren können, welche, wie ich fürchte, uns jetzt als todt betrauern, haben wir die größte Urſache, Gott zu danken!“ „Einige Felle, Gar'ner, würden einem Schiffe, ſelbſt wenn es in den jämmerlichſten Umſtänden wäre, eben nicht ſchaden.“ „Wir haben mehr Ladung, als wir mit uns nehmen können. Wir werden die Hälfte unſerer Felle und allen Thran zurücklaſſen müſſen. Der innere Naum des Schoners iſt zu knapp, als daß er viel tragen könnte, ohne die Reiſe bedeutend zu hemmen. Ich werde Waſſer und Vorräthe als Ballaſt ein⸗ nehmen und in den übrigen Raum die beſten Felle beiſtauen. Alles Andere muß aufgegeben werden.“ „Warum aufgegeben? Laßt einige Leute hier, welche ein Auge auf dieſe Dinge haben und ſchickt, ſobald Ihr nach Haus kommt, ein Schiff auher, um ſie abzuholen. Laßt mich hier, Gar'ner, ich bleibe ganz gern hier.“ Es kam Roswell vor, als würde der arme Mann zurück⸗ bleiben, ob er es wünſchte oder nicht, denn alle Anzeigen, welche in dem Falle Daggett's auf den ſchlimmſten Ausgang deuten, ſtellten ſich ſo augenfällig ein, daß man über das Ende nicht ungewiß ſein konnte. Dieſe Schauſtellung der vorherr⸗ ſchenden Leidenſchaft des Vineyarder mußte dadurch auffallend erſcheinen, daß unſer Held bei mehreren Gelegenheiten ſich mit ihm über ſeinen Zuſtand beſprochen und ihm nichts Weſentliches verhehlt hatte, während jener ſich dahin aus⸗ — 248— ſprach, daß er auf den ſchlimmſten Ausgang gefaßt ſei und kaum mehr an Rettung zu denken wage. Stimſon hatte oft mit Daggett gebetet und Roswell ihm, auf ſeinen Wunſch, einzelne Kapitel aus der Bibel vorgeleſen, woraus man ſchloß, der Vineyarder beſchäftige ſich mehr mit ſeinem Ende als mit irgend einem Intereſſe, das mit dem Leben in Verbindung ſtand. Wahrſcheinlich iſt dieß guch der Fall geweſen, bis die ſcheinbare Wiederkehr deſſen, was ihm meiſt als„gutes Glück“ gegolten, alte Wünſche rege machte und eingefleiſchte Charakterſchwächen hervortreten ließ, welche das Herannahen einer künftigen Welt verwiſcht zu haben ſchien. Roswell ſah und beachtete dieß Alles, und die Gedanken, welche ſeine eigene gefahrvolle Lage, der gewiſſe Verluſt ſo vieler Gefährten, der wahrſcheinliche Tod Daggett's und das demüthige, aber eindrucksvolle Beiſpiel und die große Theil⸗ nahme Stimſon’s in ihm hervorriefen, waren der Art, daß das zärtliche Herz der holden Mary Pratt darüber frohlockt hätte, wenn ſie eine Ahnung davon hätte haben können. Aber die wichtige Beſchäftigung des Augenblicks, der Mittelpunkt aller Hoffnungen und Befürchtungen unſerer Rob⸗ benjäger war der Wiederausbau des verſtümmelten Seelöwen. Obgleich das lange Thauwetter ſie in ſo hohem Grade begün⸗ ſtigt hatte, darf der Leſer doch nicht glauben, daß ſie bei einer Witterung gearbeitet hätten, wie man ſich deren in der gemäßigten Zone während des Mai's erfreut. Es waren keine Blumen, keine Spur von Pflanzenwuchs überhaupt hier zu ſehen, und ſo oft der Wind nicht mehr rüſtig aus Norden blies, trat Froſt ein. Zwei oder drei Mal brach er ſo kalt herein, daß man die Rückkehr des Winters erwarten zu müſſen glaubte, und nachdem ſich das freundliche Wetter drei Wochen gehalte herauf D ehe die lang, vermac gebeten ergab ebenſo geweſen nicht v dieſes 1 zwingen um nich es Mon Zeit ein Tempere und fül nur ein kalten 9 Temperc bereits Feuers, den Mu Vie Augen a Mannſch verfahren der That Höhe err it ſei und well ihm, orgeleſen, mehr mit mit dem guch der was ihm ge machte 3, welche en ſchien. jedanken, herluſt ſo und das ze Theil⸗ Art, daß frohlockt en. cks, der rer Rob⸗ eelöwen. 2 begün⸗ bei einer in der waren upt hier Norden ſo kalt tmüſſen Wochen — 249 gehalten hatte, begann eine ſteife Kühlte aus dem Süden heraufzublaſen, es ſchneite und fror. Der Sturm begann gegen zehn Uhr des Vormittags und ehe die Sonne unterging, denn die Tage waren jetzt ſchon ſehr lang, waren alle Zugänge um das Haus mit Schneedämmen vermacht. Die Leute hatten mehrere Male um Erlaubniß gebeten, die Segel von dem Hauſe abnehmen zu dürfen, jetzt ergab es ſich, daß die zeltartige Veranda, welche ſie bildeten, ebenſo nützlich war, als ſie es jemals während des Winters geweſen. Ohne ſie hätten die Leute drei ganze Tage das Haus nicht verlaſſen können. Alle Arbeit ruhte natürlich während dieſes Unwetters, das die unglücklichen Robbenjäger ernſtlich zwingen zu wollen ſchien, ihren Schoner wieder abzubrechen, um nicht zu erfrieren. Die Kälte war nicht ſo heftig, wie ſie es Monate hindurch anhaltend geweſen, da ſie aber zu einer Zfit eintrat, wo die Leute ſich an eine wärmere, behaglichere Temperatur gewöhnt hatten, waren ſie nicht darauf gefaßt und fühlten ſie um ſo herber. Der Thermometer ſank jetzt nur einmal, eines Morgens früh, nach einer ſchneidenden, kalten Nacht, bis auf zwanzig Grad unter Null, die mittlere Temperatur war ſogar nur der Nullgrad, allein dieß war bereits eine empfindliche Kälte und die Leute bedurften des Feuers, und eines guten Feuers, wenn ſie geſund bleiben und den Muth nicht verlieren ſollten. Vielleicht vermehrte das Loos Daggett's, der vor ihren Augen an den Folgen der Kälte ſtarb, die Unbehaglichkeit der Mannſchaft und ließ ſie minder haushälteriſch mit dem Holze verfahren, als es in ihrer Lage dringend geboten ar. In der That berichtete man Roswell, als der Sturm ſeine höchſte Höhe erreicht hatte und der Thermometer am tiefſten geſunken —-—— 8 war, der Holzvorrath könne keine acht und vierzig Stunden mehr ausreichen, wenn man nicht das bereits verarbeitete Holz Man hatte allerdings einen kleinen wieder angreifen wolle! een auf der Vorrath in dem Schoner beigeſtaut, um ſich deſſ Heimfahrt zu bedienen, und zu dieſem würde man zuerſt ſeine Zuflucht genommen haben, wenn es wieder aufhörte zu ſchneien. Das Unwetter hatte ſeinen höchſten Grad erreicht, als Dagget's Seele ſich ihrem Kerker entrang, der Stunde gewär⸗ tig, wo ſie vor den Richterſtuhl Gottes gerufen werden ſollte. Der unglückliche Vineyarder erſchloß in den letzten Stunden Roswell ſeine Gedanken und Gefühle mit vertrauensvoller Offenheit. Mit dem herannahenden Ende kam ihm das volle Bewußtſein ſeiner Fehler und Schwächen, und mit tiefem Leidweſen blickte er auf die vergangenen Tage, welche er in weltlichem Treiben vergeudet hatte. Die ganze Erde enthielt jetzt nichts, das in den Augen des Sterbenden eine in wahrer, frommer, hingebender Gottesverehrung hingebrachte Stunde erſetzt hätte. „Ich fürchte, ich habe das Geld zu ſehr geliebt,“ ſagte während er nahe daran war, ſeinen letzten ich liebte es aber wahrlich mehr um Frau und Kinder feſſeln den er zu Roswell, Athem auszuhauchen,„ Anderer, als um meinetwillen. Menſchen unbegreiflich ſtark an die Erde. Die Frauen von Robbenjägern ſind daran gewöhnt, Unfälle zu hören, und die Vineyarder Weiber wiſſen, daß ſie ſelten einen Gatten an ihrer Seite alt werden ſehen. Dennoch iſt es hart für eine Mutter und Gattin, wenn ſie erfährt, daß ihr Beſchützer in dem Stolze ſeiner Jahre und in einer fernen Gegend weg⸗ gerafft worden. Arme Bethy! Es wäre für uns Beide beſſer geweſen, hätten wir uns mit dem Wenigen, das wir beſaßen, begnüg angewie De bewegte Anblick deſſen vollen geſchleu ſten Au All menſchli ſein Her ſank er Um Aufbewe nach ſic nicht we Als Gier ne eine gef lichen P auf die war er vorherzu und Ern auf den in jenen Wiege u genheit da ſind, btunden te Holz kleinen auf der iſt ſeine chneien. ht, als gewär⸗ ſollte. Stunden nsvoller as volle t tiefem he er in enthielt wahrer, Stunde „“ ſagte n letzten nehr um ſſeln den auen von und die atten an für eine chützer in end weg⸗ eide beſſer beſaßen, — 251— begnügt, denn die gute Frau wird jetzt ganz auf ſich ſelbſt angewieſen ſein.“ Daggett ſchwieg jetzt eine kleine Weile, aber ſeine Lippen bewegten ſich, wahrſcheinlich betete er. Es war ein trauriger Anblick, einen Mann, deſſen Stimme noch kräftig klang, und deſſen Herz noch warm und faſt jugendlich ſchlug, in der vollen Kraft ſeiner Jahre an den Nand eines Abgrundes geſchleudert zu ſehen, welcher ihn, wie Alle wußten, im näch⸗ ſten Augenblicke verſchlingen mußte. Allein dem, was droben beſchloſſen war, konnte keine menſchliche Kunſt entgegentreten. Bald nachdem er Roswell ſein Herz erſchloſſen und ſeine bitteren Klagen geendigt hatte, ſank er erſchöpft auf ſein Kiſſen und hauchte ſein Leben aus. Um die unangenehmen Folgen zu vermeiden, welche die Aufbewahrung der Leiche in den warmen Räumen des Hauſes nach ſich ziehen konnte, begrub man ſie eine Stunde ſpäter nicht weit von dem Hauſe in den Schnee. Als Roswell Gardiner dieſen Mann, der ſich in ſeiner Gier nach Gold wie eine Klette an ihn gehängt hatte, als eine gefühlloſe Leiche in der Windwehe einer Inſel des ſüd⸗ lichen Polarkreiſes liegen ſah, fühlte er, daß er hier lebhaft auf die Eitelkeit der Welt hingewieſen wurde. Wie wenig war er im Stande geweſen, alles das, was ſich begeben, vorherzuſehen, und wie hatte er ſich in ſeinen Berechnungen und Erwartungen getäuſcht! Was war alſo jener Verſtand, auf den er ſo ſtolz geweſen, und welchen Grund hatte er, ſich in jenen Dingen auf ihn zu ſtützen, die zumal jenſeit der Wiege und des Grabes liegen— der unbegreiflichen Vergan⸗ genheit und der unvorhergeſehenen Zukunft, welcher Alle, die da ſind, entgegen eilen? Alles wies Roswell auf die Demuth hin, und die Lehre der Demuth iſt gewiß die nützlichſte, welche dem Menſchen hinſichtlich ſeines Verhältniſſes zur Gottheit zu Theil werden kann. Während er in der Bibel las, die Mary Pratt ihm gegeben, hatte er ſich oft über die Hartnäckigkeit gewundert, mit welcher das auserwählte Volk Gottes zu ſeinen Götzen⸗ bildern und ſeinen Hainen und Tempeln zurückgekehrt war, er begriff aber jetzt, daß Andere noch ſtets in dieſer Hinſicht irren und daß von allen Götzenbildern, welche der Meuſch verehrt, das ſeines Ichs vielleicht das verwerflichſte ſei. Dreizehntes Kapitel. Getränkt in langen Regen, ſieh, erbeben Die Keime; Saaten, Blüthen, Knospen treiben, Vom lebenreichen Sonnenſtrahl berührt. Von der geheimnißvollen Kraft bewegt Durchſtrömet Lebensſaft die ſtarren Glieder Und über Wald und Feld hin gießet ſich Ein Strom des ſchönſten Grün's. Wilcorx. Endlich wurde unter den Robbenjägern das Gerücht laut, man müſſe die Feuer ausgehen laſſen, oder das Holz, welches man zu Bettgeſtellen und anderen Bedürfniſſen des Hauſes verwandelt hatte, zu der Heitzung verwenden. Als es bekannt wurde, daß der Geſellſchaft nur dieſe traurige Wahl bleibe, ſuchte ſich Roswell durch einen Schneedamm, welcher faſt das Haus überragte, Bahn zu brechen und arbeitete ſich ſo weit ins Freie, daß er ſich eine Anſicht über die mögliche Andauer des jetzigen kalten Wetters bilden konnte. D. aber a unbehin windes kreiſes nicht m noch eit währen 2,8 ſagte R thun, ie denn w Es iſt, im Frei „8 ſetzte der Raume, und der Thermor Morgen Als unter N Gunſten lich von betrug. In ſchaft ei aufſuchen Stunden u. ſ. w. ,welche ttheit zu att ihm wundert, Götzen⸗ ort war, Hinſicht Menſch i. n n treiben, t. ieder ch Bilcox. ücht laut, „ welches 3 Hauſes 3 bekannt hl bleibe, rfaſt das h ſo weit Andauer — 253— Der Thermometer ſtand innerhalb des Schneedamme s aber außerhalb des Hauſes auf zwanzig Grad, aber in den unbehinderten Strömungen eines ſo ſcharfen, beißenden Süd⸗ windes, wie er je über die mächtigen Eisfelder des Polar⸗ kreiſes geheult hatte, war es bei weitem kälter. Es ſchneite nicht mehr, aber eine unglaubliche Menge Schnee war gefallen, noch einmal ſo viel, wie es Roswell und Hayard ſchien, als während des Winters die Klippen bedeckt hatte. „Ich ſehe kein Anzeichen eines Wechſels, Herr Hayard,“ ſagte Roswell, vor Kälte ſchauernd.„Wir werden am beſten thun, in das Haus zurückzueilen, ehe der Froſt uns ganz erſtarrt, denn wir haben jetzt kein Feuer, um uns daran zu wärmen. Es iſt, auch ohne Feuer, in dem Hauſe viel wärmer, als hier im Freien.“ „Dieß läßt ſich wohl erklären, Capitän Gar'ner,“ ver⸗ ſetzte der Maat.„Die vielen Menſchen in einem ſo knappen Raume, der Schutz gegen den Wind und die feuchte Luft, und der Schneedamm— all dieß kommt uns zu Statten. Der Thermometer in dem geſchloſſenen Raume muß ſich dieſen Morgen ganz behaglich ausnehmen.“ Als man nachſah, fand ſich, daß er nur fünfzehn Grad unter Null ſtand, was einen Unterſchied von fünf Grad zu Gunſten der bedeckten Galerie oder Veranda und wahrſchein⸗ lich von fünf mehr zu Gunſten des innern Theiles des Hauſes betrug. In Folge einer Berathung wurde beſchloſſen, die Mann⸗ ſchaft eine tüchtige Mahlzeit halten, und dann ihre Decken aufſuchen zu laſſen, um zu ſehen, ob es möglich wäre, die kalten Stunden unter der warmen Hülle von Kleidern, Fellen, Tüchern u. ſ. w. hinzubringen. Man glaubte, im Allgemeinen möchten — 254— die Bettſtellen ſich auf dieſe Art zuträglicher erweiſen, als wenn man das Holzwerk in das Feuer werfe. So lag denn kaum eine Stunde nach Roswell’'s und ſeines Maats Rückkehr die ganze Geſellſchaft unter Haufen von Kleidern, Segel⸗ tüchern, Decken und was man ſonſt brauchen konnte, um die Lebenswärme an den Körper zu feſſeln und die Kälte abzu⸗ ſchließen,„dicht beigeſtaut.“ Sechs und dreißig Stunden vergingen auf dieſe Weiſe, ohne daß Einer es gewagt hätte, von ſeinem Lager aufzu⸗ ſtehen und der Strenge des Klimas Trotz zu bieten, wäh⸗ rend man nicht im Stande war, ſich an einem Feuer zu erwärmen. Roswell hatte in den letzten zehn Stunden faſt unaus⸗ geſetzt geſchlafen, und in dieſer Beziehung hatte er es allen übrigen gleich gethan. Ein Gefühl ſchwerfälliger Schläfrig⸗ keit hatte ſich der ganzen Mannſchaft bemächtigt, und viele klagten über Schmerz in den Armen und Beinen, obgleich dieſe Theile mit einer Maſſe Decken aller Art verhüllt waren. Niemand wußte, wie weit der Thermometer in dieſer furcht⸗ baren Nacht herabgegangen war, man war aber allgemein der Anſicht, daß eine ſchärfere Kälte den ganzen Winter nicht geherrſcht haben dürfte. Der Froſt war in das Haus gedrungen und theilte ſich Allem, was da lag und ſtand, mit. Die Betten ſchützten nicht mehr, und das geringſte Bloßſtellen der Schultern, Hände oder Ohren hatte heftige Schmerzen zur Folge. Die Mehrzahl der Mannſchaft klagte über Kopfweh und das Athmen wurde ſchwierig und peinlich. Erſtarrung faßte die Glieder, und dieß war das letzte unangenehme Gefühl, deſſen Roswell ſich erinnerte, als er wieder in einen kurzen, unruhigen Schlaf verfiel. Jeder fühlte ſich jetzt zum Schla kämpfe des T. U angede das H umher kam er er ſein an ein beunru allgem gung t R ſeine 2 wer ſie einem war S überwu ₰ ſichtige ſich, d fangen alles E nennen Ro und fü Körper von ein ſich erhe en, als lag denn Rückkehr Segel⸗ um die lte abzu⸗ ſe Weiſe, er aufzu⸗ n, wäh⸗ Feuer zu ſt unaus⸗ es allen Schläfrig⸗ und viele obgleich At waren. ſer furcht⸗ allgemein nter nicht gedrungen mit. Die ſtellen der nerzen zur Kopfweh Erſtarrung angenehme r in einen jetzt zum Schlafe geneigt, und Jeder ſuchte gegen dieſen Drang anzu⸗ kämpfen, da man wußte, daß er der gewöhnliche Vorläufer des Todes durch Erfrieren ſei. Unſer Held wußte nicht, wie lange dieſer letzte Schlaf angedauert hatte. Als er erwachte, ſah er, daß das Licht das Haus glänzend durchſtrömte, auch hörte er Jemanden umher gehen und ſich an der Kambüſe beſchäftigen. Raſch kam er nun zur Beſinnung und ſuchte ſich aufzuraffen. Als er ſeine Füße bewegen wollte, fand er ſie ſo gefühllos, daß an ein Aufſtehen nicht zu denken war. In hohem Grade beunruhigt, begann er ſofort, fie heftig zu reiben, bis er allgemach fühlte, daß das faſt ſtockende Blut wieder in Bewe⸗ gung kam. Roswell's Unrithe war ſo groß geweſen, und er ſetzte ſeine Beſchäftigung ſo eifrig fort, daß er gar nicht bemerkte, wer ſich an dem Kochofen zu ſchaffen mache, bis dieſer mit einem Zinntopfe in der Hand an ſeinem Lager erſchien. Es. war Stimſon, hell wach, angekleidet, jedoch ohne ſeinen Fell⸗ überwurf, und augenſcheinlich geſund und wohlbehalten. „Hier iſt heißer Kaffe, Capitän Gar'ner,“ ſagte der vor⸗ ſichtige Bootſteuerer,„und dann geht hinaus. Der Wind hat ſich, dem Ewigen ſei Dank, gewendet, und es hat ange⸗ fangen zu regnen. Jetzt, glaube ich, wird der Sommer alles Ernſtes kommen, was man auf Robben⸗Inſeln Sommer nennen kann.“ Roswell trank ein wenig von dem ſiedend heißen Kaffe und fühlte alsbald eine wohlthuende Wärme ſeinen ganzen Körper durchſtrömen. Stephan ging nun mit ſeinem Getränke von einer Bettſtelle zur andern, während der junge Capitän ſich erhob und die leidenden Theile wiederholt mit den Händen — 256— rieb. Dieſe Bewegung, das Reiben und der heiße Kaffe thaten die trefflichſte Wirkung, er ſprang von ſeinem Bette auf und war raſch gekleidet. Stimſon hatte das letzte Holz in den Ofen geworfen und behagliche Wärme verbreitete ſich bald in dem Gebäude. Aber der Wechſel des Windes und die daraus hervorgehende mildere Temperatur rettete wahrſcheinlich allein die geſammte Mannſchaft des Seelöwen von dem ſchrecklichen Looſe, welches die Vineyarder getroffen hatte. Bald waren Alle von ihren Lagern auf und bewegten ſich in dem Gebäude umher, um den Umlauf des Blutes zu fördern. Es ergab ſich, daß die drei Schwarzen die Ohren und Naſen erfroren hatten, und man mußte Schnee auf die leidenden Theile legen und ſah bald, daß dieſes Mittel von dem beſten Erfolge begleitet war. Da man es für weſentlich hielt, der Mannſchaft warmes Eſſen zu reichen, füllte Stephan die Keſſel mit Bohnen und Schweinfleiſch, und bald war ein nahrhaftes Mahl fertig, das unſeren Robbenjägern trefflich ſchmeckte. Alle fühlten ſich wieder wohl und man hörte keine Klage mehr über die Kälte. Und in der That war es nicht mehr kalt. Als Roswell das Haus verließ, ſah er, daß der Thermometer auf ſechs und zwanzig Grad über Null geſtiegen war, und in Folge des Feuers und des Wechſels des Windes ſtieg er bald auf vierzig Grad. Dieß war für Männer, welche die Luft des Südpols ein⸗ geathmet hatten, eine milde Temperatur, und der Einfluß der Nordoſtkühlte machte ſich ſtets fühlbarer. Regen und Thauwetter hatten eine neue Sündfluth in ihrem Gefolge, und die Klippen boten, mehrere Stunden lang, ein Scha beſchämt dem Wat gelegentlit heit oft d Auge täg Am Sommer zeigte fre vierzig G Gegenſätz ſich das ſich unter wurden b arbeiteten Da kam, wa der Leute noch einn well ſelb ſei die brauche k Stimſon Die alles das heit in d des Wege Wäh unſer jun der Ding 250— Kaffe n Bette eworfen hebäude. gehende ſammte welches hewegten lutes zu Ohren auf die ttel von heſentlich Stephan war ein trefflich rte keine Roswell echs und olge des f vierzig vols ein⸗ afluß der pfluth in hen lang, — 257— ein Schauſpiel dar, vor welchem der Niagara ſein Haupt beſchämt verſteckt hätte. Solche erhabene Scenen begegnen dem Wanderer zuweilen inmitten einſamer Oeden und ihr gelegentliches Auftreten übertrifft an Schönheit und Erhaben⸗ heit oft die herrlichſten Erſcheinungen, welche die Natur dem Auge täglich darbietet. Am folgenden Tage hörte es auf zu regnen und der Sommer ſchien wirklich gekommen zu ſein. Der Thermometer zeigte freilich zur Mittagsſtunde im Schatten nur acht und vierzig Grad, in der Sonne aber ſiebenzig. Wer die äußerſten Gegenſätze von Hitze und Kälte aus Erfahrung kennt, kann ſich das Entzücken denken, mit welchem unſere Robbenjäger ſich unter einer ſolchen Sonne bewegten. Die Winterkleider wurden bei Seite gelegt, und einzelne aus der Mannſchaft arbeiteten ſogar in Hemdärmeln. Da der Schnee eben ſo ſchnell verſchwunden war, als er kam, war nun Alles in der lebhafteſten Thätigkeit. Keiner der Leute hätte ſich gern der Gefahr ausgeſetzt, von der Kälte noch einmal auf der Inſelgruppe überraſcht zu werden. Ros⸗ well ſelbſt war der Anſicht, das herbe Unwetter dieſer Tage ſei die letzte Anſtrengung des Winters geweſen und man brauche keinen Froſt mehr zu fürchten— eine Anſicht, worin Stimſon ihm beiſtimmte. Die Segel wurden von der Veranda abgenommen und alles das, was man mitzunehmen beabſichtigte, mit der Raſch⸗ heit in den Schoner gebracht, welche bei den Schwierigkeiten des Weges möglich war. Während die Maate dieſem Geſchäfte oblagen, nahm unſer junger Capitän die erſte Gelegenheit wahr, den Stand der Dinge auf der Gruppe und deren Umgebung in das Auge 250— 252. 17 — 258— zu faſſen. Er ſtieg deßhalb auf die Ebene hinauf und erklet⸗ terte von hier aus einen Vorſprung des Berges, da er gern einen guten Ausguck auf das Meer draußen nehmen wollte. Er überzeugte ſich bald, daß die letzte Ueberſchwemmung alles Eis und jede Spur von den Todten in die See entführt hatte. Daggett's Leiche war mit dem Schneedamm, in wel⸗ chen man ſie verſcharrt hatte, verſchwunden, auch die Gerippe der Robben waren weggeſchwemmt worden. Kurz, die Felſen waren ſo nackt und rein, als hätte nie eines Menſchen Fuß ſie betreten. Aus dem Umſtande, daß Skelette von Robben auf der Nordküſte zerſtreut gelegen, und aus der jetzigen Leere glaubte Roswell ſchließen zu dürfen, daß der Sturm ungewöhnlich heftig geweſen, und daß ſolche Unwetter ſich nur in langen Zwiſchenräumen einſtellten. Aber der Stand des Eiſes war der wichtigſte Punkt. Der Schoner konnte jetzt ohne Mühe in einer Woche reiſe⸗ fertig gemacht werden, aber er lag noch von einem Eisfelde umgeben, welches faſt das ganze Becken der Gruppe bedeckte. Während Roswell auf den Klippen ſtand, welche die Bucht beherrſchten, berechnete er, daß man vier Fuß dickes Eis wenigſtens fünf Meilen weit mit Aexten und Sägen durch⸗ brechen mußte, wollte man den Schoner in klares Waſſer bringen. Eine ſolche Arbeit ſchien ihm ſo herkuliſch zu ſein, daß er faſt geneigt war, das Schiff ganz aufzugeben und, ſobald der Sommer ſich ſtetig eingeſtellt, mit den Booten auszulaufen. Bei ernſtem Nachdenken wurde der Plan jedoch als letzte Zuflucht hintangeſtellt, denn die Gefahr, auf jener See den Stür Feuerung preisſteller übrig blie Die große Flo unbekannt in See. Held ſtan mäßig get Es n. in das of hin war nommen, So l zeit rechne denn Ros nach Wur daß die dieſem W klare, bl unterſucht Schnee ei Winde, w wachſende ſeite des war, wele war eine nun zu lö In 7 und erklet⸗ es, da er en nehmen hwemmung hee entführt i, in wel⸗ die Gerippe die Felſen nſchen Fuß en auf der ere glaubte gewöhnlich in langen aſte Punkt. voche reiſe⸗ m Eisfelde pe bedeckte. die Bucht dickes Eis gen durch⸗ tes Waſſer ch zu ſein, gzeben und, en Booten als letzte jener See den Stürmen in einem Wallſiſchboot ohne Deck und ohne Feuerung entgegenzutreten, war zu groß, als daß man ſich ihr preisſtellen durfte, ſo lange noch irgend eine andere Wahl übrig blieb. Die Eisberge im Süden waren in Bewegung, und eine große Flotte derſelben, welche aus jenen fernen und damals unbekannten Regionen kam, wo ſie ſich gebildet hatte, ſtach in See. Von dem Klippenvorſprung, auf welchem unſer Held ſtand, zählte er deren wenigſtens hundert, alle regel⸗ mäßig geformt und die Gipfel denen des Tafellandes ähnlich. Es war ſehr wünſchenswerth, vor dieſen neuen Seealpen in das offene Waſſer hinaus zu kommen, denn nach Norden hin war das Meer ganz klar von Eis jeder Art, das ausge⸗ nommen, welches noch in der Bai lagerte. So lange man auf den regelmäßigen Wechſel der Jahres⸗ zeit rechnen konnte, war nur Geduld und Wachſamkeit nöthig, denn Roswell wußte wohl, daß ſich mit der rechten Zeit Alles nach Wunſch geſtalten müſſe. Es war aber keineswegs gewiß, daß die große Bai gewöhnlich von Eis ſtarrte, wie es in dieſem Winter der Fall geweſen, während draußen Alles eine klare, blaue Fläche war. Als Roswell jedoch die Küſten unterſuchte, fand er, daß der Regen und der geſchmolzene Schnee eine Art Saum erzeugt hatten, und daß die heftigen Winde, welche geblaſen hatten, und noch blieſen, eine ſtets wachſende Reibung hervorbrachten, wodurch zwiſchen der Luv⸗ ſeite des Eisfeldes und den Felſen ein freier Raum entſtanden war, welcher über dreißig Faden im Durchmeſſer hatte. Dieß war eine wichtige Entdeckung und eine ſehr ernſte Frage war nun zu löſen. In Folge der Geſtaltung des Landes umher konnte das 17*† 260— Eis in ſeiner Maſſe nicht in den nächſten zwei bis drei Monaten, oder eher abtreiben, als bis es ſo weit geſchmolzen war, daß die einzelnen Stücke zwiſchen den Vorbergen hindurch konnten. Ohne die unwiederſtehliche Gewalt eines Schoſſes, welches ſich weit über das Meer ausbreitete, wo Wind und Strömung es vereinigt mit faſt übernatürlicher Kraft faß⸗ ten, wäre es aus demſelben Grunde nie in die Gruppe getrieben. Es fragte ſich demnach jetzt, wie man den Schoner aus ſeinem jetzigen Lager und in klares Waſſer bringen könne. Der Leſer wird ſich wahrſcheinlich erinnern, daß der See⸗ löwe bei ſeiner Ankunft vor der Gruppe von Süden her in die Bai eingelaufen war, während er, bei dem ſpäteren Ver⸗ ſuch, nach Norden zu gelangen, die entgegengeſetzte Straße eingeſchlagen hatte. Roswell neigte der Anſicht zu, er würde auf der erſteren Straße leichter, als auf der letztern aus der Bai kommen, und zwar aus folgenden Gründen. Die ſüdliche Durchfahrt war nie durch ſchwere Eisblöcke vermacht geweſen, und jetzt war dort Alles blaues Waſſer, man konnte aber nicht leicht an ſie herankommen, da die Nordoſt⸗Kühlte, welche noch immer blies, das Eisfeld, welches faſt die ganze Bai füllte, gegen die Klippen antrieb. Der Wind mußte jedoch bald umſpringen, und wenn dieſer Wechſel eintrat, mußte dieſes Feld ſich in der entgegengeſetzten Rich⸗ tung bewegen und die ganze Küſte entlang einen breiten Saum Waſſers offen laſſen. Die Entfernung war allerdings bedeutend, ſie betrug nicht weniger als fünfzehn Meilen, und man mußte ſich dicht an ſcharfen Klippenvorſprüngen entlang drängen, welche in dem Falle einer Quetſchung mit der Schärfe einer Art in die Rippen der man aber ausweichen Da k ſeiner jetzi Maaten m ihn zu ver der Grupd Grund, w möglich w in der Ge küſte entla weit man und anein Am ſprang der ſtüm. W Bewegung nach nord Hayard ſe ſich unter ſei, den K nächſten F gefaßt zu auf das it Es n Schiff bei wollte. T war kaum ners. Du Schiff ſob bis drei geſchmolzen en hindurch Schoſſes, Wind und Kraft faß⸗ ie Gruppe choner aus könne. iß der See⸗ den her in nteren Ver⸗ tzte Straße „er würde rn aus der e Eisblöcke es Waſſer, n, da die eld, welches trieb. Der eſer Wechſel etzten Rich⸗ nen breiten betrug nicht ich dicht an lche in dem Axrt in die — 261— Rippen des Schoners ſchneiden konnten, dieſer Gefahr konnte man aber durch Vorſicht und unausgeſetzte Wachſamkeit wohl ausweichen. Da das Schiff nicht leicht auf eine andere Weiſe aus ſeiner jetzigen Gefangenſchaft erlöſt werden konnte, gingen die Maaten willig in dieſen Plan ein und man ſchickte ſich an, ihn zu verwirklichen. Da die Bucht dem Nordöſtlichen Ende der Gruppe ſo nahe war, müſſen wir bemerken, daß der Grund, warum der Austritt in der nördlichen Richtung nicht möglich war, in der Breite des Eisfeldes nach ſeewärts und in der Gefahr lag, bei der Abtrifft der Eismaſſen die Nord⸗ füſte entlang zu laufen, vor welcher zerbröckelte Schollen, ſo weit man von den Klippen ſehen konnte, ſich knirſchend über⸗ und aneinander drängten. Am dritten Tage nach dem Beginne des Thauwetters ſprang der Wind wieder nach Südweſten um und blies unge⸗ ſtüm. Wie man erwartet hatte, ſetzte dieß das Feld bald in Bewegung und trieb es gegen den Vulkan hinüber und zugleich nach nordwärts. Gegen ſechs Uhr des Morgens berichtete Hayard ſeinem Capitän, ein Saum offenen Waſſers beginne ſich unter den Klippen hinab zu bilden, während zu fürchten ſei, den Kanal, welchen man von dem Schoner bis zu dem nächſten Felſenvorſprunge gehauen hatte, um auf alle Fälle gefaßt zu ſein, möchte ſich durch den Druck des äußeren Eiſes auf das in der Bucht ſchließen. Es war daher keine Zeit zu verlieren, wenn man das Schiff bei dieſem Wechſel des Windes in Bewegung ſetzen wollte. Der Kanal, welchen man in das Eis gehauen hatte, war kaum hundert Ellen lang, die Breite war die des Scho⸗ ners. Durch dieſe Enge mußte, wie man begreifen wird, das Schiff ſobald als möglich geführt werden. — 262— Obgleich noch viele nützliche Gegenſtände anf dem Eiſe zerſtreut lagen und manches aus dem Haus über die Klippen herangeſchafft werden mußte, erging doch der Befehl, Tau auszugeben und das Schiff ſofort ablaufen zu laſſen. Die Mannſchaft begab ſich mit dem beſten Willen an die Arbeit, denn das Bild der Heimath ſtrahlte wieder vor ihrer Seele, und fünf Minuten nachdem Hayard ſeine Anord⸗ nungen hatte laut werden laſſen, war der Seelöwe auf eine ziemliche Strecke gegen die Klippen abgelaufen. Jetzt kam der bedenkliche Augenblick. Wäre das Eis zwiſchen dem Cap und dem bisherigen Ankerplatze des Schoners nicht feſt geweſen, ſo wäre er bei dem Zufammentreten der beiden Seiten dieſes künſtlichen Kanals gequetſcht worden, ſo wurde er nur eingebuchtet und in ſeinem Vorſchreiten gehemmt, in Folge des Widerſtandes des feſten Eiſes aber, welches die ganze Bucht öſtlich von dem Kanale füllte, trieb das Schoß ſeitwärts ab, und ehe eine Beſchädigung Statt gefunden, öffnete ſich die Straße ſchneller, als ſie ſich geſchloſſen hatte. Sobald das Schiff frei war, griffen die Robbenjäger wieder zu ihren Hißtauen und ließen es unter Hurrahruf gegen die Klippen antreiben. Der Saum des Waſſers that ſich eben auf, aber ſo raſch war die Bewegung der Mannſchaft geweſen, daß er noch nicht weit genug war, um das Schiff nach Vornen laufen zu laſſen, man war genöthigt zu warten, bis die Oeff⸗ nung ſich gehörig erweitert hatte, um es voran zu drängen. Dieſe Zeit wurde benutzt, um die Gegenſtände, welche man zurückgelaſſen hatte, an Bord zu ſchaffen. Um neun Uhr war Alles an Bord. Man konnte die offene Fahrſtraße, welche den Windungen der Küſte folgte, ſo weit ſehen als das Auge reichte. Die Taue wurden„bemannt,“ und der 2 Neuem. Rosw Unternehm die Flotte zu kommer wie das, ſeit mehre durch das des klaren man, daß Wenn der zu erklärer das ſüdöſt lich in der quetſcht o⸗ größten W Die Stunde n vorhanden vorſpringe hier zweim entſprach Als hatte ſich und einen ſtreifen m ſich leicht Um; Ende der dem Eiſe ie Klippen fehl, Tau 1. Willen an vwieder vor ine Anord⸗ e auf eine das Eis s Schoners ntreten der worden, ſo mgehemmt, welches die das Schoß gefunden, Lſſen hatte. ger wieder gegen die ſich eben ft geweſen, ach Vornen s die Oeff⸗ u drängen. velche man koönnte die folgte, ſo bemannt,“ — 263— und der Befehl, ſich in Bewegung zu ſetzen, ertönte von Neuem. Roswell fühlte jetzt, daß er der gefährlichſten aller ſeiner Unternehmungen entgegen ging. Der verzweifelte Lauf durch die Flotte der Eisberge und der zweite Verſuch in die See zu kommen, waren in mehrfacher Hinſicht nicht ſo bedenklich, wie das, was er jetzt unternahm. Das Schoß hatte ſich nun ſeit mehreren Wochen rückwärts und vorwärts bewegt, und durch das Reiben an den eiſenfeſten Felſen war der Saum des klaren Waſſers jedesmal größer geworden, auch wußte man, daß dieſe Wechſel oft ziemlich unvorgeſehen eintraten. Wenn der Wind nach Mittag umſprang, oder eine der nicht zu erklärenden Strömungen jener See ſich einſtellte, ehe man das ſüdöſtliche Cap erreichte, wurde der Schoner wahrſchein⸗ lich in den nächſten zwei bis drei Stunden in Splitter zer⸗ quetſcht oder in Staub zermalmt. Es war daher von der größten Wichtigkeit, keinen Augenblick zu verlieren. Die Bewegung des Schoners wurde während der erſten Stunde mehrere Male aufgehalten, weil nicht Raum genug vorhanden war, um zwiſchen dem Saume des Eiſes und den vorſpringenden Felſenſpitzen durchzukommen. Die Säge mußte hier zweimal gebraucht werden, denn die Bewegung des Schoſſes entſprach der Ungeduld unſerer Robbenjäger nicht. Als dieſe höchſt wichtige Stunde endlich vorüber war, hatte ſich das Schiff anderthalb Meilen nach vornen gedrängt und einen Einbug der Küſte gewonnen, wo der offene Waſſer⸗ ſtreifen mehr als fünfzig Faden breit war und der Schoner ſich leicht und raſch fortziehen ließ. Um zwei Uhr hatte der Seelöwe das, was man das Ende der großen Bai nennen konnte, erreicht und ſtand drei — 264— bis vier Stunden von der Bucht und an einer Stelle, wo das lange, niedrige Cap in ſüdöſtlicher Richtung auslief. Da man den Wind jetzt über die Felſen ſtreichen fühlte, wurde das Fockſtengeſegel, ſowie die unteren Segel beigeſetzt, obgleich die letzteren jetzt noch keinen Luftdruck fühlten, da das Land den Wind fing, und die Mannſchaft an Bord genommen, worauf das Schiff ſich unter den Segeln raſcher bewegte, als mittelſt der Hißtaue. Der Wind war ſehr friſch, und nach einer halben Stunde ſahen unſere Seefahrer, ſo dicht ſie auch an den Felſen ſtanden, das ſüdöſtliche Cap. Zehn Minuten ſpäter lief der Seelöwe unter gerefften Segeln in völlig klarem Waſſer ſüdoſtwärts ab. Roswell glaubte Anfangs, das Schwierigſte ſei nun bewältigt, und war nahe daran, ſeine Freude laut werden zu laſſen. Ein näherer Blick auf den Stand der Dinge um ihn her führte ihm jedoch die entmuthigende Lehre der Demuth zu Herzen, indem er gewahren mußte, daß die eigentlichen Schwierigkeiten erſt beginnen ſollten. Obgleich ſüdlich von der Gruppe, und in deren unmittel⸗ baren Nachbarſchaft kaum ein Eisſchoß zu ſehen war, zeigten ſich dort zahlloſe Berge. Dieſe ſchwimmenden Berge kamen der Waſſerſtraße allerdings nicht nahe, da der Boden zu ſeicht war, demungeachtet hielt eine große Flotte derſelben die ganze Gruppe, ſoweit das Auge ſehen konnte, nach Oſten, Weſten und Süden, oder die ganze Linie der ſüdlichen Küſte entlang, beſetzt. Es fragte ſich ſofort, ob der Schoner ſich je durch dieſe Gefahren ſchlagen könne, und bald ſah Jeder, daß dieß unmöglich ſei. Hätte der Wind leicht geblaſen, ſo wäre die Schwierigkeit nicht ganz unbeſiegbar geweſen, da er aber in einer denken U die ga vorbei war, Bai fü es dar um de dränge N Roswe T vor de Obenn zuflieg Auswe nordöf winde wirklie komme gefang viel z wäre, T Curs Alles 3 friſchen Robbe ſchauen le, wo das hen fühlte, beigeſetzt, ihlten, da an Bord eln raſcher ſehr friſch, fahrer, ſo Cap. r gerefften 2 ſei nun werden zu ge um ihn r Demuth eigentlichen unmittel⸗ ar, zeigten rge kamen n zu ſeicht die ganze en, Weſten te entlang, durch dieſe daß dieß wäre die er aber in — 265— einer ſteifen Kühlte und von vorne kam, war nicht daran zu denken. Man mußte ſich einem andern Plane zuwenden. Unter den mehrfachen Vorſchlägen ging der eine dahin, die ganze Gruppe zu umſchiffen und öſtlich von dem Vulkan vorbeizuſegeln, wo nie Einer aus der Schiffsgeſellſchaft geweſen war, nach dem anderen ſollte man dem öſtlichen Saume der Bai folgen, an der Leeſeite des Vulkans entlang laufen und es darauf ankommen laſſen, wo man eine Oeffnung fände, um den Schoner nach nordwärts in das klare Waſſer zu drängen. Nach kurzen Berathungen mit den Maaten entſchied ſich Roswell für den letzteren Plan. Da der Curs, welchen man jetzt zu ſteuern hatte, ganz vor dem Winde war, begann das Schiff, das ſich in ſeinen Obenwerken ſo ſehr erleichtert fühlte, durch das Waſſer dahin⸗ zufliegen. Indem der junge Seemann ſich zu dieſem neuen Ausweg entſchloß, beſorgte er, das Schoß könnte auf die nordöſtliche Seite der Bai abtreiben, was bei einem Südweſt⸗ winde nothwendig die Seite nach leewärts war. Wenn dieß wirklich der Fall war, konnte man unmöglich nach vornen kommen, und der Schoner wurde wieder in einem cul de sac gefangen, denn der Wind blies ihm in die Naſe, und war viel zu ſtark, als daß die Mannſchaft im Stande geweſen wäre, das Schiff zurückzuhiſſen. Trotz dieſer Wahrſcheinlichkeit hielt Roswell auf ſeinem Curs an, denn er ſah ein, daß in einem ſolchen Augenblick Alles beſſer ſei, als Unentſchloſſenheit. Die Raſchheit, mit welcher das kleine Schiff vor einer friſchen Kühlte in völlig glattem Waſſer dahinflog, ſetzte unſere Robbenjäger bald in den Stand, ihre Lage beſſer zu über⸗ ſchauen und die Wechſelfälle ſicherer zu berechnen. — 266— Die Ausgucke in der Höhe, zu denen auch Hayard, der erſte Maat, gehörte, theilten ſtets Berichte von dem mit, was ſie ſahen. „Wie ſteht es jetzt nach vornen, Herr Hayard?“ fragte Roswell gegen fünf Uhr des Nachmittags, als ſein Schoner eben dicht unter der rauchenden Küſte des Vulkans entlang lief, welcher ſtets ein Gegenſtand des Intereſſes für ihn geweſen war, obgleich er nie Zeit gefunden hatte, ihm ſo nahe zu treten, wie jetzt.„Müſſen wir nicht fürchten, auf den Grund zu ſtoßen, wenn wir ſo nahe an die Inſel treten?“ „Ich glaube nicht, Herr, als ich hier war, lotheten wir unausgeſetzt und hatten bis an die Küſte zwei Faden. Nach meiner Anſicht können wir keck an dem ganzen Geſtade hinauf⸗ laufen, Herr.“ „Und wie ſieht es nach vornen aus? Ich möchte hier, ſo dicht an dem Vulkane, nicht eingeklemmt werden, er könnte uns Alle mit ſeinem Rauch erſticken, ehe wir wiſſen, wo wir ſind.“ „Bei dieſem Wind iſt Nichts der Art zu beſorgen. Dieſe Vulkane ſind am Ende nur eine Spielerei. Der Rauch treibt nach Nordoſten.— Potz alle Welt, das war ein Krach!“ In dem Augenblicke, wo Hayard die harmloſe Natur der Vulkane pries, feuerte der neben ihnen, wie ſich die Mann⸗ ſchaft nachher ausdrückte,„eine Kanone“ ab, welche eine Maſſe Flammen, Aſche und Steine in die Luft ſchleuderte. Der leichtere Auswurf verwehte nach leewärts, der ſchwerere aber folgte dem Geſetze der Schwere und flog nach allen Seiten umher. Mehrere Steine von bedeutender Größe ſielen in der Nähe des Schoners in die See, einige kleinere wurden bis auf das Deck geſchleudert. Maat Schiff auf, einer Ich h Weg 5 Der E des T glaubt lief kle T Vulkaß und p entgin⸗ nur m welche ſeiner fache o und de D Bis z1 Begebr hohle überlät der gö d, der , was fragte choner itlang eweſen ihe zu Grund in wir Nach hinauf⸗ e hier, könnte , wo Dieſe treibt 1 4 ur der Mann⸗ ee eine uderte. werere allen ſielen vurden — 267— „Hier iſt nicht gut lange weilen,“ rief Roswell dem Maate zu.„Wir müſſen fort von hier, ſo ſchnell unſer gutes Schiff laufen kann.“ „Und es läuft wacker ab. Nach vornen hält uns nichts auf, das Schoß ſcheint aber auf jener Seite mehr nach dem öſtlichen Cap hin eingeklemmt zu ſein.“ „Haltet ſcharfen Ausguck, Herr, beſonders ſchaut nach einer Oeffnung zwiſchen den kleinen Inſeln nach vornen aus. Ich hoffe ſtets noch, daß die Strömungen dort uns klaren Weg auf jener Seite ſchafſen.“ Dieſe Worte erklärten genau, was ſich wirklich begab. Der Schoner lief entlang und ſtreifte faſt den Klippenſaum des Vulkans. Roswell ſah mit klopfendem Herzen hin, er glaubte, das Schiff müſſe jeden Augenblick ſcheitern, aber es lief klar ab. Während dieſer ganzen Zeit donnerte der Krater des Vulkans und eine Entladung folgte der andern, Flammen und pechſchwarzer Rauch erfüllten die Luft. Der Seelöwe entging, als er dem Krater am nächſten ſtand, mehrere Male nur mit Noth der Gefahr, denn Steine von einer Wucht, welche das Deck durchbrochen hätten, flogen auf das Eis zu ſeiner Seite; jene Hand aber, welche bisher ſo gnädig manch⸗ fache andere Uebel abgewendet hatte, waltete auch jetzt rettend, und der Schoner trat unverſehrt von der Inſel ab. Dieſe Rettung machte auf Roswell den tiefſten Eindruck. Bis zu der neueſten Zeit war er gewöhnt geweſen, Dinge und Begebniſſe als zufällig und naturgemäß zu betrachten. Dieſe hohle Gleichgiltigkeit, der ſich der Menſch im Glücke ſo gern überläßt, erſtreckte ſich ſelbſt auf die erhabenſten Erſcheinungen der göttlichen Allmacht, denn unſer Held ſah in dem Himmels⸗ — 268— gewölbe einer klaren Nacht nichts als funkelnde Lichter, welche dort lediglich aufgehängt waren, um unſere dunkle Erde zu ſchmücken und zu erhellen. Wie anders blickte er aber jetzt auf die Gegenſtände der Natur und ihren Urſprung! War es auch nur ein Inſekt, ſo ſah ſein Geiſt deſſen wundervollen Bau, ſeine Schönheit, ſeinen Nutzen. Jeder Stern war ihm nur das, was er, wie die Wiſſenſchaft uns lehrt, wirklich iſt, und die Macht des erhabenen Weſens, welches Alles ſchuf, Alles regiert und über Alle richtet, wurde der ſtete Vorwurf ſeines Nachdenkens, wenn er auf das geringſte ihrer Werke ſchaute. Gefühle, welche ſo durch Demuth geſänftigt und geklärt waren, führten den, welcher ſich ihnen hingab, bald zu dem Glauben an jene Hauptpunkte der chriſtlichen Lehren, welche durch das Anſehen der Kirche ſeit dem Jahrhundert der wun⸗ dervollen Sühne geheiligt und jetzt durch die Zeit ehrwürdig ſind. Anmaßende Verwegenheit iſt es, glauben zu wollen, der menſchliche Verſtand könne Irrthümer ſolcher Größe, ſolches Alters berichtigen, und die Kirche Gottes habe Jahrhunderte hindurch in der unſeligſten Götzendienerei geſchwelgt, um ihr durch die anmaßlichen Schlußfolgerungen ſeiner einſeitigen, beſchränkten Philoſophie entriſſen zu werden. Die Mannſchaft des Seelöwen war von dem, was ſie ſah, weniger ergriffen, als ihr junger Befehlshaber. Ihre Herzen ſchlugen leicht bei dem Gedanken einer baldigen Be⸗ freiung von den Mühſeligkeiten und Gefahren, denen ſie bloß⸗ geſtellt geweſen, und ſobald ſie außerhalb des Bereiches der fallenden Steine waren, lachten ſie bei jedem neuen Donner des Vulkans und behaupteten, der Berg feuere eine Salve zu Ehren ihrer Abreiſe ab. Dieß iſt der Unterſchied zwiſchen Menſe erſchlo ſorglo 5 vorbei den T Schoß daß es zu kon A ſichere erwart welchen ſchmal gerade C abzuhe weiſe laßte d das R Segel auf die ſtengeſ dieſer ſtreifen N ſich un A ſtücken, Anſtren ſchädig welche rde zu r jetzt Zar es vollen ir ihm ſch iſt, ſchuf, orwurf Werke geklärt zu dem welche wun⸗ würdig vollen, ſolches underte im ihr eitigen, vas ſie Ihre en Be⸗ e bloß⸗ hes der Donner alve zu wiſchen — 269— Menſchen, deren Herz und Geiſt ſich dem Lichte des Glaubens erſchloſſen hat, und denen, welche das Leben leichtfertig und ſorglos an ſich vorübergehen laſſen! Der Schoner ſchoß pfeilſchnell an einer kleinen Felſeninſel vorbei und begann, während er um die Bai lief, mehr gegen den Wind anzuholen, als Hayard ſich überzeugte, daß das Schoß gegen die äußere Inſel der Gruppe abgetrieben und daß es unmöglich ſei, auf dieſem Curs in das klare Waſſer zu kommen. Als er ſich wendete, um irgend eine Bucht oder eine ſichere Stelle zu ſinden, wo das Schiff einen günſtigen Wechſel erwarten könnte, kam ihm leewärts von der kleinen Inſel, an welcher er eine Minute vorher vorüber gekommen war, eine ſchmale Oeffnung zu Geſicht, welche, ſo weit er ſehen konnte, gerade in die offene See hinausführte. Es war zu ſpät, um auf den Eingang in dieſe Straße abzuhalten, da leewärts das Eis ganz nahe ſtand, glücklicher⸗ weiſe fand ſich aber Raum, um zu vieren. Ein Anruf veran⸗ laßte Roswell bald, den Schoner nahe am Winde zu halten, das Ruder ſiel ab und er ſchoß wie ein Kreiſel herum. Die Segel wurden geborgen, und als das kleine Schiff bereit war, auf die Straße abzufallen, hatte es nichts auf ſich, als Fock⸗ ſtengeſegel, Klüver und dicht gerefftes großes Segel. Unter dieſer Leinwand gleitete es, die Klippen der kleinen Inſel faſt ſtreifend, aber ohne anzuſchlagen, entlang. Nach zwanzig Minuten hatte es die Gruppe ganz hinter ſich und war im offenen Waſſer. Während der Nacht hatte man noch mit einzelnen Eis⸗ ſtücken, welche in dem Meer umhertrieben, zu kämpfen, durch Anſtrengung und große Wachſamkeit aber kam man unbe⸗ ſchädigt davon. Die Zeit der Dunkelheit war zum Glücke nur — 270— kurz, während die Morgen⸗ und Abenddämmerung beträchtlich lange anhielt, und die wiederkehrende Sonne überſtrahlte erhei⸗ ternd die Fläche des aufgeregten Gewäſſers. Der Wind hielt ſich drei Tage aus Südweſten und blies während dieſer ganzen Zeit ſchwer. Beim Anbruch der zweiten Nacht war das Meer ganz frei von Eis und man ſetzte alle Segel bei, welche der Schoner tragen konnte. Am Morgen des vierten Tages nach der Abfahrt ſah man einen Fleck ſich über die rauhen Umriſſe der rollenden Wellen erheben und von Minute zu Minute höher und beſtimm⸗ ter hervortreten. Zwei Stunden ſpäter trieb der Seelöwe von einer weſtlichen Kühlte entlang dem nur drei Stunden ent⸗ fernten Einſiedler des Cap Horn auf ſeiner Backbord⸗(linken) Seite. Wie viele erregende Scenen und bittere Augenblicke drängten ſich jetzt dem Geiſte Roswell Gardiner'’s entgegen, als er alles deſſen gedachte, was ſich in den zehn Monaten begeben hatte, die ſeit dem Tage vergangen waren, an welchem er hinter dem Schirm jener wilden Felſen hervorgetreten. So ſtürmiſch dieſe See war und in ſo ſchrecklichem Rufe ſie bei den Seeleuten ſtand, ſchien ſie ihm, der aus einer ſtürmiſcheren und ſchrecklicheren herkam, eine Art Zufluchts⸗ ſtätte. Er wußte wohl, daß ein Winter hier kein unbedeutendes Unternehmen wäre, er hatte jetzt aber einen Winter in einer Gegend hingebracht, wo ſich nicht einmal Feuerungsmittel fanden, wenn man ſie nicht mitbrachte. Zwanzig Tage ſpäter ſegelte der Seelöwe wieder von Rio ab, wo er allen See⸗Elephanten⸗Thran, welcher ihm noch übrig blieb, verkaufte und dagegen Lebensmittel einnahm, welche in dem Schiffe knapp zu werden begannen. Die meiſten Vorräthe waren, ſo bald es wärmer wurde, ungenießbar geword rungsn in den N eingebi Punkte Mittely ſind. ihrer 2 Wechſel er je ſt bemerkt Zy Segeln gen, ſat ſuchte e Schiff gelaſſen Die nicht in begab. 2 chtlich erhei⸗ blies weiten te alle rt ſah llenden ſtimm⸗ ve von n ent⸗ linken) enblicke tgegen, konaten velchem n. n Rufe s einer fluchts⸗ utendes n einer smittel er von er ihm nnahm, meiſten nießbar = mu= geworden, und es war beinahe Mangel an den nöthigen Nah⸗ rungsmitteln eingetreten, als der Schoner zum zweiten Mal in den edeln Hafen der Hauptſtadt Braſtliens einlief. Nun folgte die Läſſigkeit und Windſtille, welche um die eingebildete Linie herrſcht, die den Kreislauf der Erde an dem Punkte bezeichnet, welcher, in Bezug auf die Sonne, als ein Mittelpunkt gilt, und wo die Tage und Nächte ſtets gleich ſind. Keine„Neigung der Achſe der Erde gegen die Fläche ihrer Bahn“ hatte hier auf das Klima Einfluß, das keinen Wechſel der Jahreszeiten kannte, oder wo dieſer Wechſel, wenn er je ſtattfand, ſo ſchwach hervortrat, daß man ihn faſt nicht bemerkte. Zwanzig Tage ſpäter ſtand der Schoner bei geborgenen Segeln und in den ſüdöſtlichen Paſſatwinden unter einigen niedri⸗ gen, ſandigen Inſelchen. Nach ſeinen Bewegungen zu ſchließen, ſuchte er einen Ankerplatz, dieſer ward endlich gefunden, das Schiff ging vor Anker, die Boote wurden auf das Waſſer gelaſſen und Roswell Gardiner landete. Vierzehntes Kapitel. — Wenn von ſechstauſend Ducaten jeder ſechsfach zählt und jeder Theil ein Ducat wär', nähm' ich ſie doch nicht; Ich würde meinen Schuldſchein fordern. Shakſpeare. Die Erde hatte in ihrem raſchen Lauf um die Sonne nicht innegehalten, während ſich alles dieß in der Südſee begab. Der Sommer war vorüber,— jener Sommer, welcher — 222= die Robbenjäger hätte zurückbringen ſollen, und der Herbſt war gekommen, um mit dem Schmuck der Bäume auch alle Hoffnung zu entführen. Der Winter brachte keinen Wechſel. Man hörte nichts von Roswell und ſeinen Gefährten, auch hätte man ohne Beihilfe eines Wunders nichts von ihnen hören können. Mary Pratt gedachte Roswell's nicht mehr in ihren Gebeten. Sie hielt ihn für Tod, und ihre puritaniſche Lehre ſagte ihr, daß die Sitte, für die Verſtorbenen zu beten— einer der ſchönſten, herzinnigſten Gebräuche des Chriſtenthums — ſich an einen Glauben knüpfe, den zu hegen eine Gottes⸗ läſterung ſei. Wir wollen uns jeder Aeußerung in dieſer Beziehung enthalten und nur bemerken, daß wir uns der ächt proteſtan⸗ tiſchen Anſicht zuneigen, die wenigſtens den Mißbräuchen, welche man mit dem Fegfeuer treibt, entgegentritt, auf das Innigſte aber wünſchen wir, jene Gebete möchten die Wir⸗ kung haben, welche ein ſo großer Theil der chriſtlichen Welt ihnen beimißt. Mary Pratt aber, die in allem Weſentlichen ſo viel beſſer war, als wir zu ſein uns anmaßen dürfen, war in dieſem Punkte weniger freiſinnig. Daher kam Roswell Gar⸗ diner's Name in ihren Gebeten jetzt nicht mehr über ihre Lippen, aber es verging kaum eine Minute, ohne daß ſeine edle Geſtalt ſich ihrer Phantaſie dargeſtellt hätte. Er lebte noch in ihrem Herzen,— ein Tempel, aus welchem ſie ihn nicht zu vertreiben wünſchte. Was den Decan betrifft, ſo hatten Alter, Krankheit und innerer Kummer ihn dem Grabe nahe gebracht. Die Leiden⸗ ſchaften, welche den geſunden Mann ſo bewältigt hatten, zehrten wenn wi Viel weiße Ja gier nich lähmte, Kur geſchickte Oheim u Es reichen I erwacht, daß Deca beſaß er Eaſt⸗En ſammelte Suffolk, hatten, v In lange in hatte, zu genöthigt Grade v Bruder waren ke zu laſſen Gern gebetet, nommen, welcher d 250— Herbſt iſch alle nichts n ohne en. ihren e Lehre eten— nthums Gottes⸗ ziehung oteſtan⸗ räuchen, auf das ie Wir⸗ en Welt ſo viel war in ell Gar⸗ ber ihre aß ſeine Er lebte ſie ihn heit und Leiden⸗ hatten, — 243— zehrten jetzt an ſeiner letzten Lebenskraft und umſchwirrten, wenn wir ſo ſagen dürfen, wie Todesvögel ſein Sterbelager. Vielleicht hätte er ſein Leben noch Monate, möglicher⸗ weiße Jahre lang gefriſtet, hätte ſich der böſe Geiſt der Hab⸗ gier nicht mit der Krankheit, welche ſeine phyſiſche Kraft lähmte, verbündet, um ihn von der Erde wegzuraffen. Kurz, es ſtand ſehr bedenklich mit ihm, und ſelbſt der geſchickte Doctor Sage hatte Mary nicht verhehlt, daß ihr Oheim wahrſcheinlich nicht mehr lange leben werde. Es iſt wunderbar, wie plötzlich die Theilnahme an einem reichen Manne bei ſeinen Verwandten und möglichen Erben erwacht, wenn ſeine letzte Stunde herannaht. Man wußte, daß Decan Pratt verhältnißmäßig reich war, wie man glaubte, beſaß er dreißig bis vierzig tauſend Dollar, was bei den Eaſt⸗Endern vor dreißig Jahren als Reichthum galt, und es ſammelten ſich jetzt um ſein Lager alle Inſaͤſſen des alten Suffolk, welche auf geſetzliche Weiſe irgend einen Anſpruch darauf hatten, von dem Sterbenden bedacht zu werden. In dieſem Augenblicke war Mary Pratt, welche ihn ſo lange in ſeiner Krankheit gepflegt und ſeine Leiden gemildert hatte, zu einer ſehr unbedeutenden und untergeordneten Rolle genöthigt. Andere, welche mit dem Sterbenden in gleichem Grade verwandt waren, und zwei nähere Verwandte, ein Bruder und eine Schweſter, hatten ihre Anſprüche und waren keineswegs geneigt, dieſe in den Hintergrund drängen zu laſſen. Gern hätte Mary Pratt an dem Lager ihres Oheims gebetet, aber Paſtor Whittle hatte dieſe feierliche Pflicht über⸗ nommen, denn man hielt es für paſſend, daß ein Mann, welcher das Amt eines Decans ſo lange vertreten, mit der 250— 252. 18 —— 8 gebührenden Rückſicht auf die Sitten des Bethauſes hin⸗ über gehe. Einige Verwandte, welche in der neueſten Zeit aufge⸗ treten waren und mit dem Stande der Dinge zwiſchen dem Decan und dem Geiſtlichen nicht ſehr bekannt ſchienen, führten unter ſich Klage, der letztere mache zu viele unzeitige Anſpielun⸗ gen auf die Geldbedürfniſſe der Gemeinde und habe den Decan gewiſſermaßen aufgefordert, eine gewiſſe Summe zu hinter⸗ laſſen, mittelſt welcher das Bethaus neu angeſtrichen, ein neuer Schoppen für die Pferde der Kirchenbeſucher gebaut, neue verbeſſerte Oefen geſetzt und andere dringende Bedürfniſſe beſchafft werden könnten. Dieſe beſcheidenen Forderungen, flüſterte man ſich zu,— denn Alles ging jetzt flüſternd von Statten,— würden nicht weniger als tauſend Dollar von des Decans ſauerm Erwerbe wegnehmen, auch erwähnte man dieſes Umſtandes als eines Unrechts, das man an dem Manne verübe, der eben im Begriffe ſei, in ſein Grab hinabzuſteigen, wo nichts Irdiſches ihm fortan nützen werde. Decan Pratt war in ſeiner letzten Lebenswoche eng umlagert. Tauſend Winke legten es ihm nahe, ein Teſtament zu machen, nur ſeine zwei Geſchwiſter, welche ihre Rechte, wie das Geſetz ſie feſtgeſtellt hat, in Anſchlag brachten, ſpra⸗ chen wenig über die Sache, und dieſes Wenige deutete ziemlich beſtimmt auf das Unpaſſende hin, einen Mann in der Lage ihres Bruders mit ſo unangenehmen Anforderungen zu beläſtigen. Die Einſprache ſo beheutender Perſonen gegen den Plan hatte ihr Gewicht, und die meiſten Verwandten begannen den wahrſcheinlichen Betrag ihres Antheils nach dem Geſetze der Inteſtat⸗Erbfolge, wie es damals galt, zu berechnen. Dieſe vortreffli hatte ſick ſinns em ſtrebt. 3 Gläubige welche u werden, hinausla Neu⸗Yo welche il anders z die Händ Unwiſſen großen auch noch denen, w konnte m ſich habe konnte fr Gebrauch er ſich it haben, d verpachte: in die He Der freundlich und raſch dem Tag ſchen, wa net und iſes hin⸗ eit aufge⸗ ſchen dem ;, führten Inſpielun⸗ en Decan zu hinter⸗ ein neuer nut, neue hedürfniſſe derungen, ternd von r von des jnte man Manne zuſteigen, oche eng Teſtament re Rechte, ten, ſpra⸗ e ziemlich der Lage ingen zu den Plan unen den heſetze der n. Dieſe 275— vortreffliche, unvergleichlich weiſe Gemeinde von Neu⸗York hatte ſich damals noch nicht zu jener Höhe ungemeſſenen Frei⸗ ſinns emporgeſchwungen, welcher ſie jetzt ſo raſch entgegen⸗ ſtrebt. Man hielt damals den Schuldner noch nicht für des Gläubigers nächſten Erben, ſowie denn manche neue Ideen, welche mit dem ſchönen Namen der Philanthropie bemäntelt werden, während ſie auf Schmälerung des geſetzlichen Beſitzes hinauslaufen, in jener Zeit noch nicht gäng' und gäbe waren. Neu⸗York war damals eine geſunde, vernünftige Gemeinde, welche ihre Mißgriffe machte, wie dieß von Menſchen nicht anders zu erwarten iſt, die Gewalt war aber noch nicht in die Hände politiſcher Quackſalber übergegangen, die in ihrer Unwiſſenheit und Unverläſſigkeit nur nach dem Beifall der großen Maſſe ſtreben. Unter anderm achtete man damals auch noch letzte Willensverfügungen, aber nicht Einer von all denen, welche ſich um das Haus des Decans Pratt drängten, konnte mit Beſtimmtheit ſagen, daß der Sterbende es je über ſich habe gewinnen können, ein Teſtament zu machen. Er konnte frei verfügen, aber er wollte von dieſer Freiheit keinen Gebrauch machen. Hätte er noch einige Jahre gelebt, ſo würde er ſich in dem Genuſſe einer ſo geſteigerten Freiheit geſehen haben, daß er nicht im Stande geweſen wäre, ein Gut zu verpachten oder eine Schuld einzufordern, ohne den Politikern in die Hände zu fallen und von ihnen zerſchleißt zu werden. Der April war herangekommen, gewöhnlich ein milder, freundlicher Monat an der Seeküſte, obgleich er beträchtlichen und raſchen Wechſeln der Temperatur unterworfen iſt. An dem Tage, zu welchem wir jetzt die Scene vorzurücken wün⸗ ſchen, waren die Fenſter des Schlafgemachs des Decans geöff⸗ net und der ſanfte Südwind fächelte ſeine hohle, blaſſe Wange. 18* — 276— Der Tod war nahe, aber die Lebenskraft kämpfte mächtig mit dem Könige der Schatten. Jetzt zeigte ſich das Unzu⸗ reichende jener irreleitenden, phariſäiſchen Lehre, welche ihren Bekenner ſo lange in einer Knechtſchaft hatte ſchmachten laſſen, die drückender war, als offene, rückſichtsloſe Sündhaf⸗ tigkeit, und welche in ihrem Geleite nichts von dem Troſte hatte, der die letzten Lebensſtunden erheitert. Es war ſtets zu viel Selbſtſuͤchtiges in dem moraliſchen Charakter des Decans geweſen, als daß ſein Glaube ſo demüthig und fromm hätte ſein können, wie er es ſollte. Es nützte ihn nun gar nichts, daß er Decan war oder daß er auf den Marktplätzen, wo ihn die Welt ſehen konnte, gebetet hatte, oder daß er des Beiſpiels wegen„ſo viel Gutes“ gethan hatte, wie er ſich deſſen rühmte. Alles reichte nicht hin, ſein Herz von ſeinem weltlichen Sinn zu reinigen, und er tappte nun in der Nacht eines verdüſterten Glaubens nach dem wahren Lichte umher, das ſeinen Pfad in eine andere Welt erhellen ſollte. Der Arzt hatte Alle, bis auf einige der nächſten Ver⸗ wandten des Sterbenden, aus ſeinem Gemache verweiſen laſſen. Unter dieſen waren jedoch die ſanfie, zärtlich fühlende Mary, welche ihrem Oheim in dieſer ſeiner ſchweren Stunde gern nahe war. Sie hatte ſeiner Habgier, ſeines wucheriſchen Gehabens, ſeiner großen Selbſtliebe und ſeiner geringen Got⸗ tesliebe ganz vergeſſen. Während ſie an ſeinem Lager kniete, meldete man ihr, der Köder⸗Joſeph wünſche ſte in dem Gange vor dem Gemache zu ſprechen. Sie begab ſich zu dem alten Fiſcher und fand ihn an dem Fenſter, welches nach Oſten ging, und von dem aus man alſo die Gewäſſer von Gardiner's Bai überſchauen konnte. „Dort iſt er, Miß Mary,“ ſagte Joſeph, indem er auf das Wa und Wh damit ſ waren, doch nie Me und ſie um ſogl Seelöwe dachte, „A Mädcher „A ling, we kommt, von die Jof und er Kopf ur Mary i geweſen, ſich das „3 nicht ar „Y andern ſames den zu herein, Ja, bei e mächtig as Unzu⸗ ſche ihren ſchmachten Sündhaf⸗ em Troſte war ſtets lakter des nd fromm nun gar kktplätzen, aß er des je er ſich on ſeinem der Nacht te umher, öſten Ver⸗ ſen laſſen. de Mary, unde gern ucheriſchen ugen Got⸗ ger kniete, dem Gange dem alten nach Oſten Gardiner's em er auf — 277— das Waſſer deutete, während ſein ganzes Geſicht vor Freude und Whiskey glühte.„Man muß es dem Decan ſogleich ſagen, damit ſeine letzten Stunden heiterer werden, als es viele waren, die er bisher verlebte. Das iſt er, aber ich habe ihn doch nicht ſogleich erkannt.“ Mary ſah ein Schiff, welches auf Oyſter⸗Pond abhielt. und ſie war mit Gegenſtänden dieſer Art hinreichend bekannt, um ſogleich zu ſehen, daß es ein Schoner war, ſie hatte den Seelöwen aber ſo völlig aufgegeben, daß ſie gar nicht daran dachte, dieſes könne das lange vermißte Schiff ſein. „Auf was deutet Ihr, Joſeph?“ fragte das erſtaunte Mädchen in vollkommener Unbefangenheit. „Auf das Schiff dort— auf den Seelöwen von Ster⸗ ling, welchen man ſo lange erwartet hat, und der nun wieder kommt, wenn ſein Eigenthümer im Begriffe iſt für immer von dieſer Erde abzureiſen.“ Joſeph hätte noch eine ganze Stunde fortſprechen können, und er plauderte in der That noch mehrere Minuten, mit Kopf und halbem Körper aus dem Fenſter lehnend, ohne daß Mary ihn unterbrochen häͤtte, wäre kein Stuhl in der Nähe geweſen, ſo wäre ſie auf die Flur geſunken. Endlich faßte ſich das liebliche Mädchen und ſagte: „Ihr müßt euch irren, Joſeph, jener Schoner ſcheint mir nicht auszuſehen, wie der Seelöwe.“ „Mir auch nicht in manchen Dingen, während er ihm in andern wieder gleicht.. Die Obenwerke haben ein ganz ſelt⸗ ſames Ausſehen und ſcheinen etwas hart mitgenommen wor⸗ den zu ſein. Aber kein Schoner dieſes Baues kommt hier herein, und ich wüßte keinen, der Veranlaſſung dazu hätte. Ja, bei Jupiter, dort wird dieſelbe blaue Flagge aufgezogen, — 278— welche ich eigenhändig machen half, und die, wie der Decan befahl, als Signal fliegen ſollte. Jetzt iſt kein Zweifel mehr übrig.“ Joſeph konnte fortſprechen, ohne eine Unterbrechung fürch⸗ ten zu müſſen, denn Mary war in ihr Gemach geeilt und hatte ihn den Kopf und den halben Leib aus dem Fenſter lehnen und ſeine Anzeichen und Muthmaßungen auseinander ſetzen laſſen, während die, mit welcher er zu ſprechen glaubte, auf ihren Knieen lag und Gott ihren Dank darbrachte! Eine Stunde ſpäter waren alle Zweifel beſeitigt, denn der Schoner lief zwiſchen Oyſter⸗Pond und Shelter⸗Inſel heran und eilte dem wohlbekannten Hafen entgegen. „Iſt es nicht wundervoll, Mary,“ rief der Decan, und obgleich ſeine Stimme hohl klang, hatte ſie doch eine Belebt⸗ heit und eine Kraft, welche auf nichts weniger als einen nahen Tod deutete,—„iſt es nicht wundervoll, daß Gar'ner doch noch zurückkommt? Wenn er ſeiner Pflicht gegen mich in allem nachgekommen iſt, wird dieß die ſchönſte Stunde meines Lebens ſein, der Abend meiner Tage wird dadurch behaglich werden. Ich hoffe, ich war ſtets dankbar für den Segen des Himmels, und für dieſen werde ich aus dem Grunde meiner Seele dankbar ſein. Man gebe mir gedeihliches Glück und ich werde es nicht vergeſſen. Ich bin aufgefordert worden, ein Teſtament zu machen, ich deutete aber auf meine Armuth hin und hielt es nicht der Mühe werth, etwas dieſer Art zu thun, da aber mein Schoner jetzt zurückgekehrt iſt, werde ich noch mehr Winke dieſer Art bekommen. Wenn mir etwas zuſtoßen ſollte, Mary, kannſt du mir das verſiegelte Papier bringen, welches ich dir gegeben habe, und das muß ſie Alle zufrieden ſtellen. Du wirſt dich erinnern, daß es an Gar'ner über⸗ ſchrieben viel We die letzte wieder b kommt! ja, in ei die kleine Das kummerr leid, die Welt me ſondern trotz des eben friſ und daf brachte Die eines S breitete und ſteig Sterben! alles IJ Grade. große E des Dec⸗ durch ſe geworden das Wer mit wel blickte. er Decan ffel mehr ng fürch⸗ eilt und Fenſter leinander glaubte, te! gt, deun er⸗Inſel can, und Belebt⸗ ls einen 'ner doch in allem 8 Lebens werden. Himmels, er Seele und ich den, ein nuth hin zu thun, ich noch zuſtoßen bringen, zufrieden er über⸗ — 279— ſchrieben iſt. Es ſteht nicht viel darin, und man wird nicht viel Weſens davon machen, denk' ich, wie es aber iſt, iſt's die letzte Urkunde, die ich unterſchrieben habe, ich müßte denn wieder beſſer werden.— Daß aber Gar'ner nun doch zurück kommt! Wenn ich daran denke, fühle ich neues Leben in mir; ja, in einer Woche werde ich wieder auf ſein, wenn er nur die kleine Inſel und den verſteckten Schatz nicht vergeſſen hat!“ Das Herz der holden Mary Pratt war ſeit manchem kummervollen Tage nicht ſo leicht geweſen, aber es that ihr leid, dieſes ſehnſüchtige Verlangen nach den Dingen dieſer Welt mit anzuhören. Sie wußte, daß nicht nur die Tage, ſondern die Stunden ihres Oheims gezählt waren, und daß trotz des augenblicklichen Aufflackerns der Lampe, in welche ſo eben friſches Oel gegoſſen worden, der Docht faſt verzehrt war, und daß ſie bald erlöſchen mußte, ob Roswell Schätze mit⸗ brachte oder nicht. t Die Nachricht von der plötzlichen, unerwarteten Rückkehr eines Schiffes, welches man ſo lange für verloren hielt, ver⸗ breitete ſich raſch wie Prärienfeuer auf der ganzen„Spitze“ und ſteigerte die Theilnahme der Verwandten an der Lage des Sterbenden bedeutend. War er vorher ſchon der Mittelpunkt alles Intereſſe's, ſo ward er es jetzt in noch höherm Grade. Ein mit Fellen befrachtetes Schiff hätte an ſich ſchon große Erregung hervorgebracht, allein das große Geheimniß des Decans von dem verſteckten Schatze war, ohne Zweifel durch ſeine öfteren Klagen während der Krankheit, ruchbar geworden, und obgleich man nichts beſtimmtes wußte, hatte das Wenige, das verlautete, die Erwartungen ſehr geſteigert, mit welchen man auf das plötzlich wiederkehrende Schiff blickte. — 280— Kurz, es dürfte ſchwer geweſen ſein, irgend etwas zu erdenken, das die Gefühle des Decans und ſeiner muthmaß⸗ lichen Erben in lebhaftere Spannung verſetzt hätte, als die Ankunft des Seelöwen gerade in dieſem Augenblicke. Und es kam an, dieſes ſturmgepeitſchte, verſtümmelte, eisumſchloſſene, halb verbrannte kleine Schiff, nachdem es eine Meeresſtrecke durchlaufen, welche einem halben Dutzend gewöhn⸗ licher Seereiſen gleich kam. In der That, der dem Leſer wohlbekannte Schoner ließ jetzt ſein großes Segel und den Klüver fallen und hielt allein unter dem Fockſtenge⸗Segel auf das Werft ab, wo ſich jetzt Alles, was unter irgend einem paſſenden Vorwande da ſein konnte, in geſpannter Neugierde geſammelt hatte. Mit den Knaben und Frauen mochten gegen hundert Perſonen auf dieſem Werfte umher ſtehen, und unter ihnen war die Mehrzahl der fieberhaft erregten Verwandten, welche das herannahende Ende des Schiffseigenthümers anher gerufen hatte. In Folge eines unter dieſen Umſtänden ſehr natürlichen Uebergangs hatten ſie die Theilnahme an dem Decan auf den Schoner übertra⸗ gen, in welchem ſie einen unbelebten Theil einer Kapitalan⸗ lage erblickten, der ſie bald Leben und Umlauf zu geben hofften. 44 Der Köder⸗Joſeph war bei ſolchen Vorkommniſſen eine Art Orakel. Er hatte ſeine Jugend auf der See hingebracht, das Cap Horn oft umſegelt und beſaß, wie man wußte, einen wahren Schatz von Kenntniſſen in Allem, was ſich auf Form, Größe, Takelage und Eigenſchaften eines Schiffes bezog. Wie es ſich von ſelbſt verſteht, drängte ſich jetzt Alles um ihn, um zu fragen und zu hören, und ſeine Anſichten galten für die Ausſprüche eines zweiten Salomon. „ nerung Seelöw geht w Schone ſehen, Ihr nie das ſch ſteht?“ Jit Fiſch⸗ ſtand n ſtets ein ,3 „dieſer gemacht der Bac ,3 in welch Bord e über de Meer ſt Täglich umſaher Amphib „2 kein ſole „d gehört h Luft kon etwas zu nuthmaß⸗ als die ümmelte, es eine gewöhn⸗ em Leſer und den ge⸗Segel r irgend eſpannter Frauen te umher fieberhaft Ende des ge eines 3 hatten übertra⸗ apitalan⸗ zu geben 4 ſſen eine gebracht, te, einen if Form, zog. Bt Alles Anſichten . 281— „Dieß iſt das/ Boot,“, ſagte Joſeph, und das Verklei⸗ nerungswort ſollte als ein Beweis ſeiner Achtung vor dem Seelöwen gelten,„ja, das iſt das Schiff ſelbſt, aber es geht wunderbar tief in dem Waſſer. Ich habe nie einen Schoner ſeines Tonnengehaltes von einer Reiſe zurückkommen ſehen, deſſen Speigaten ſo vom Waſſer beſpült wurden. Glaubt Ihr nicht, Jim, es müßte etwas in dem innern Raume ſein, das ſchwerer iſt, als Felle, weil er ſo tief im Waſſer ſteht?“/ Jim war ein Landſtreicher, wie Joſeph, der ſich vom Fiſch⸗ und Auſternfang in den Buchten umher nährte. Er ſtand nicht in ſo hohem Anſehen wie Joſeph, hatte aber doch ſtets eine Stimme auf einem Werfte. „Ich habe nie etwas Aehnliches geſehen,“ erwiederte Jim, „dieſer Schoner muß faſt die ganze Reiſe unter dem Waſſer gemacht haben. Er geht ſo tief wie einer unſerer Küſtenfahrer, der Backſteine geladen hat.“ „Ja, er geht tief, aber doch nicht ſo tief, wie ein Schiff, in welchem ich einſt einen Kreuzzug machte. Ich war an Bord eines der erſten Kanonenbote des Oheims Sam, das über den Pond nach Gibralter ging. Das mittelländiſche Meer ſtaunte, kann ich Euch ſagen, als wir dort einliefen. Täglich und ſtündlich kamen fremde Offiziere, welche ſich umſahen und ſtaunten und zu ſagen pflegten, wir ſeien Amphibiſe.“ „Was iſt das?“ fragte Jim ziemlich haſtig.„Es gibt kein ſolches Tau im Schiffe.“ „Das weiß ich wohl, aber ein Amphibis iſt, ſo weit ich gehört habe, eine neue Art Wallfiſch, welcher zuweilen an die Luft kommt, um Athem zu ſchöpfen, wie alle dieſe Thiere zu —4— — — 282— thun pflegen. So glaubten die fremden Offiziere, wir müßten auch zu dieſer Familie der Amphibiſe gehören, weil wir, wie es ihnen vorkam, ſo lange unter dem Waſſer gelebt hätten. Es war eine Maſſe Arbeit, Kinder, das kann ich euch ſagen, ich glaube nicht, daß ich ſeit dem erſten Tage der Abfahrt mehr als einmal die Stunde einen guten Athemzug holte. Einer der fremden Offtziere fragte unſeren Capitän, wie das Kanonenboot ſteuere. Er war aber gar kein Capitän, ſeht ihr, er war nur ein Maſter und wir nannten ihn Alle den fetten Wilm. So ſagt denn der fette Wilm—„weiß nicht, Herr!“—„Was? Ihr kommt in ihm über das atlan⸗ tiſche Meer und wißt nicht, wie euer Schiff ſteuert?“ ſagte der fremde Offizier, und mit Recht konnte er ſo ſagen, Jim, denn kein Schiff iſt je von Neu⸗York nach Gibralter gegan⸗ gen, ohne ein wenig nach dem Steuer zu ſehen. Aber der fette Wilm hatte'was anderes zu erzählen.„Nein, Herr, weiß nicht,“ antwortete er.„Seht, Herr, ein Nordweſter faßte uns hinten, als wir die Vorgebirge klar waren, und nieder ging das Boot, die Naſe unten, der Spiegel auswärts, und ſo kamen wir hierher, ohne daß es uns möglich ward, das Steuerruder auf die Probe zu ſtellen.“ Dieſe Geſchichte, welche der Köder-Joſeph wenigſtens hundert Mal erzählt hatte, und die, nebenher bemerkt, wahr ſein ſoll, fand, wie gewöhnlich, allgemeinen Beifall, beſonders von Seiten der Erbberechtigten, denen ſie ganz neu war. Als man genug geſtaunt und gelacht hatte, fuhr Joſeph fort einen Gegenſtand zu beſprechen, welcher für die Mehrzahl ſeiner Zuhörer, oder vielmehr für die Hauptperſonen darunter, von größerem Intereſſe war. „Felle können ein Schiff nie ſo tief in das Waſſer bringen darauf habe al ſchraube Schiff etwas u „2 antwort derſelbe dieß iſt Schoner Ich wohl ab Tops ſi mit eige Jim,— oder gee baut. ſage.— ſelbſt, ge Ein flüſterte weinend Ei denn in Mädcher zu heuch Wa flüſterte volle Hi Chriſtus kannte d müßten eil wir, gelebt ich euch age der hemzug Zapitän, Lapitän, hn Alle „weiß s atlan⸗ „¹ ſagte , Jim, gegan⸗ lber der „Herr, rdweſter in, und swärts, )h ward, nigſtens t, wahr eſonders eu war. eph fort hl ſeiner ter, von bringen — 283— darauf könnt ihr Euch verlaſſen,“ begann er wieder.„Ich habe alle Arten Schiffe geſtaut geſehen, aber hundert Preß⸗ ſchrauben könnten Felle nicht ſo zuſammendrücken, daß ſie ein Schiff ſo tief legten. Für mich, Jim, hat dieſer Schoner etwas unnatürliches an ſich.“ „Vielleicht iſt es der Seelöwe ganz und gar nicht,“ antwortete Jim.„Manchmal haben Schiffe, welche ein und derſelbe Mann baut, eine gewiſſe Familien⸗Aehnlichkeit und dieß iſt vielleicht ſo eine Art Vetter unſeres verlorenen Schoners.“. Ich kann nicht darauf ſchwören, daß es das Schiff iſt, wohl aber, daß es ſeine blaue Flagge iſt und daß es ſeine Tops ſind, und den Aufholer jenes Stagſegels habe ich mit eigener Hand eingeſetzt,— Ich will Euch etwas ſagen, Jim,— der Schoner iſt dort drunten in dem Eiſe zerſchellt oder gequetſcht worden, und man hat ihn wieder neu aufge⸗ baut. Ihr werdet ſehen, es kommt ſo heraus, wie ich Euch ſage.— Ja, ja, ſeht, und dort kommt eben Capitän Gar'ner ſelbſt, geſund und wohlbehalten vorwärts.“ Ein kleines Mädchen lief mit dieſer Nachricht hinweg und flüſterte ſie bald in das offene Ohr und das offene Herz der weinenden, dankerfüllten Mary. Eine Stunde ſpäter ſchloß Noswell ſie in ſeine Arme, denn in einem ſolchen Augenblicke wäre es dem ſprödeſten Mädchen nicht möglich geweſen, da Kälte und Zurückhaltung zu heucheln, wo ſo viel wirkliche Liebe und Zärtlichkeit war. Während Roswell das holde Weſen in ſeine Arme ſchloß, flüſterte er ihr die beſeligenden Worte zu, die ſeine demuths⸗ volle Hingebung an den Glauben verkündigten, welcher in Chriſtus den Sohn Gottes verehrt. Das holde, edle Mädchen kannte den biedern, offenen Charakter ihres Geliebten zu gut, — 284— als daß ſie ſeine Worte bezweifelt oder nach dem Beweggrunde geforſcht hätte. Dieſer Augenblick war der glücklichſte ihres kurzen, unſchuldigen Daſeins! Aber die erfreuliche Botſchaft hatte den Decan erreicht, und bevor Roswell Gelegenheit hatte, irgend eine andere Erklärung laut werden zu laſſen, als die, welche Mary ver⸗ ſicherte, er ſei ganz ſo wiedergekehrt, wie ſie ihn zu ſehen wünſchte, wurden Beide an das Bett des Sterbenden gerufen. Der Decan war in ſo hohem Grad erregt, daß die der Erhſchaft Harrenden faſt annehmen zu müſſen glaubten, ſie ſeien zu früh gekommen, und könnten ſich nur nach Haus begeben, um ſpäter ihren Beſuch zu erneuen. Es iſt peinlich, daß wir gezwungen ſind, ſolche Züge der menſchlichen Natur zur Schau zu ſtellen, mit welchem Rechte dürften wir aber das widrige Bild der Habgier, welche ſich über ein Grab neigt, zeichnen, wenn wir derer nicht gedenken, welche es umgeben? Mary Pratt war das einzige dieſer zahlreichen Familienglieder, welche fühlte und dachte, wie Chriſtenthum, weibliche Zärtlichkeit und Vernunft es vor⸗ ſchrieben. Alle Uebrigen ſahen nur den Beſitzer eines anſehn⸗ lichen Vermögens, der im Begriffe war, in jene undekannte Welt überzutreten, in welche von dieſer Nichts mitgenommen werden konnte, als der göttliche, aber ſündhaft erniedrigte Geiſt, welcher nach dem Ebenbilde Gottes geſchaffen worden. „Willkommen, Gar'ner, willkommen in der Heimath!“ rief der Decan ſo kräftig aus, daß der junge Mann über den wirklichen Zuſtand ſeines Schiffsherrn völlig getäuſcht wurde, ein Irrthum, welcher ſchlimme Folgen haben konnte, da er ihn veranlaßte, ſich offener auszuſprechen, als er ſonſt gethan hätte.—„Ich habe es nicht über das Herz bringen können, Euch aufzugeben, und glaubte ſtets, ich würde noch gute Nachrie läſſige zum 2 Dagget hätten kleinen Al Mary Seele, nächſten Gier a noch b. einem Lippen, jetzt fü fühlte ſende, l wie ſie Selbſt um wi Decans welches Al welcher Bruder Vettern die des der Ei darin, S Tropfer ggrunde te ihres erreicht, andere ary ver⸗ u ſehen gerufen. die der öten, ſie h Haus zuüge der a Rechte lche ſich gedenken, ge dieſer te, wie es vor⸗ anſehn⸗ dekannte nommen niedrigte worden. imath!“ über den tt wurde, e, da er ſt gethan können, och gute Nachrichten von Euch erhalten. Die Gar'ner ſind eine zuver⸗ läſſige Familie, und dieß war ein Grund, warum ich Euch zum Befehlshaber meines Schoners gewählt habe. Dieſe Daggett ſind ſchreckliche Leute, aber ohne Einen derſelben hätten wir nie Etwas von den Robben⸗Inſeln und dem kleinen Klippenneſt erfahren.“ Als der Decan ſchwieg, um Athem zu holen, wendete Mary ſich von dem Bett ab, denn es ſchmerzte ſie in tiefſter Seele, daß der Geiſt eines Menſchen, der vielleicht in der nächſten Stunde vor ſeinem Richter erſcheinen ſollte, mit ſolcher Gier an den Dingen dieſer Welt hing. Das gläſerne, aber noch belebte Auge, eine Wange, welche einem welken, auf einem kalten, weißen Steine liegenden Ahornblatte glich, und Lippen, auf welchen der Tod bereits zu ſitzen ſchien, gaben jetzt für ihr Auge ein düſteres, trauriges Gemälde ab, doch fühlte Mary Pratt unter allen Anweſenden allein das Unpaſ⸗ ſende, bedachte allein das Widerſinnige, Gefühle zu ermuthigen, wie ſie ſich jetzt der Bruſt des Decans bemächtigt hatten. Selbſt der Geiſtliche, Herr Whittle, war neugierig, zu erfahren, um wie viel ſich die Geſammtſumme des Vermögens des Decans durch die Rückkehr eines Schiffes vermehrt habe, welches ſo lange für verloren galt. Als ſich daher dem ſchönen Geſichte des jungen Mannes, welcher jetzt an dem Bette des Decans ſtand, die Augen des Bruders und der Schweſter, der Neffen und Nichten, der Vettern und Baſen in geſpannter Neugier zuwendeten, waren die des Dieners des allmächtigen Gottes nicht die letzten, und der Eifer und die Erwartung ſpiegelten ſich ebenſo lebhaft darin, wie in denen der Uebrigen. Sobald der Decan Athem geſchöpft und einige ſtärkende Tropfen, welche die Krankenwärterin ihm reichte, genommen — 286— hatte, kehrten ſich ſeine Gedanken wieder dem Gegenſtande zu, welchem er ſein ganzes Leben gewidmet zu haben ſchien. „Ihr ſeht hier nur Verwandte, Gar'ner,“ ſagte er, „welche mich in der kleinen Krankheit beſuchten, die mir in der neueren Zeit ein wenig zugeſetzt hat, ich denke, ſie hören Alle gern von unſerm Glücke berichten. Ihr habt alſo doch den Schoner zurückgebracht, Gar'ner, und ſtraft ſomit die Schiffs⸗ herren von Sag⸗Hafen Lügen, denn dieſe prophezeiten uns Alle, wir würden Euch nicht wiederſehen, Ihr habt ihn zurück⸗ gebracht, nicht, Gar'ner?“ „Nur theilweiſe, Decan Pratt. Wir haben, ſeit wir Euch verließen, Glück und Unglück gehabt, wir konnten nur den beſten Theil des Schoners zurückbringen.“ „Den beſten Theil?“ ſagte der Decan, und der Athem ſchien ihm in der Kehle zu ſtecken, ſo daß eine kleine Pauſe erfolgte.„Den beſten Theil? Nun, um des Capitals willen, welches darin ſteckt, was iſt aus dem Uebrigen geworden?“ „Den übrigen Theil haben wir verbrannt, Herr, um nicht zu erfrieren!“ Roswell erzählte nun kurz, aber klar und verſtändlich was ſich begeben hatte, und wie er den Rumpf des Seelöwen des Decans mit dem Werkſtoff überbaut habe, welchen der Seelöwe von Martha's Vineyard ihm lieferte. Die Erzählung führte Mary Pratt an die Seite des Bettes zurück, und feſſelte ihre ſanften Augen innig auf das Antlitz des Sprechenden. Was den Decan betrifft, ſo hätte er mit Shakſpeare's Wolſey ſagen können: Hätt' ich nur meinem Gort mit halb dem Eifer Gedient, mit dem ich meinem König diente, Er hätt' in meinem Alter mich nicht nackt An meine Feinde überliefert. Hier h Macht Habgie in ſeine der an Stimm gung er tert, ſor Aſſecure Weiſe c Burſche weil ih Holz da ſind wit „N Roswell mitgebre Eure A nehmer gewöhnl Unſere tauſend gelaſſene anderes „D „Obglei rüſtung fragen. ande zu, n. agte er, r in der ren Alle doch den Schiffs⸗ ten uns zurück⸗ eit wir ten nur Athem e Pauſe willen, en?“ rr, um ſtändlich beelöwen hen der eite des auf das ſo hätte — 287— Hier handelte es ſich allerdings nicht von dem Verluſte der Macht, ſondern von einer weit unedleren Leidenſchaft, der Habgier. Wie Roswell in ſeiner Erzählung fortfuhr, ſah er in ſeinem Geiſte, wie ihm eine Quelle des Reichthums nach der andern aus der Fauſt geriſſen wurde, und mit bebender Stimme und einem Geſichte, aus dem jede Spur von Erre⸗ gung entflohen war, wagte er, ſich wieder vernehmen zu laſſen. „Ich muß alſo mein Unternehmen nicht nur als geſchei⸗ tert, ſondern als noch ſchlimmer betrachten,“ ſagte er.„Die Aſſecuranten werden ſich weigern, für ein Schiff, das auf dieſe Weiſe ausgebaut worden, zu bezahlen, und dieſe Vineyarder Burſche rücken gewiß mit Anſprüchen auf Bergelohn heraus, weil ihre Leute bei der Arbeit mithalfen, und weil ſie das Holz dazu lieferten, und, um all' dem die Krone aufzuſetzen, ſind wir ohne Ladung?“ „Nein, Decan, es iſt nicht ganz ſo ſchlimmn, begann Roswell wieder.„Wir haben eine ziemliche Anzahl Felle mitgebracht, genug, um die Mannſchaft völlig zu befriedigen, Eure Auslagen für die Ausrüſtung zu erſetzen und den Unter⸗ nehmer anſtändig zu entſchädigen. Die Robbenfänger machen gewöhnlich gute Geſchäfte, wenn ſie den rechten Platz finden. Unſere Ladung an Fellen kann nicht weniger als zwanzig⸗ tauſend Dollar werth ſein, einer auf den Inſeln zurück⸗ gelaſſenen Fracht nicht zu gedenken, nach welcher man ein anderes Schiff ausſenden kann.“ „Das iſt Etwas, Gott ſei gedankt!“ rief der Decan aus. „Obgleich der Schoner ſo gut wie verloren iſt und die Aus⸗ rüſtung ſündlich theuer war, fürchte ich mich faſt, weiter zu fragen. Gar'ner, habt Ihr— ich fühle, daß ich ſchwach — 288— werde— legtet Ihr an— Mary, ich wünſchte, Du ſtellteſt die Frage.“ „Ich fürchte, mein Oheim will wiſſen, ob Ihr Euerm Auftrage gemäß an den kleinen Inſeln in Weſtindien angelegt habt, Roswell,“ ſagte die Nichte mit großem Widerwillen, denn ſie ſah wohl ein, daß ihr Oheim jetzt aufhören ſollte, an das Irdiſche zu denken, um ſeine Gedanken dem heiligen Sühnopfer und dem künftigen Leben zuzuwenden. „Ich habe keinen Theil Euerer Befehle vergeſſen, Herr,“ verſetzte Roswell.„Es war meine Pflicht, ihnen nachzu⸗ kommen, und ich glaube, ich bin ihnen pünktlich nachge⸗ kommen.“ „Haltet, Gar'ner,“ rief der Sterbende,„eine Frage, weil ich eben daran denke. Werden jene Vineyarder in Bezug auf die Felle ein Recht auf Bergelohn geltend machen können?“ „Gewiß nicht, Herr. Jene Felle ſind alle unſer Eigen⸗ thum, wir allein haben ſie abgeſtreift, getrocknet, beigeſtaut und nach Hauſe gebracht. Eine Anzahl Felle, welche den Vineyardern gehören, iſt in dem Hauſe, Eurem Hauſe, auf⸗ bewahrt worden, und ſie werden keinen Schaden dabei haben, weun ſie ein kleines Schiff hinſenden und ſie abholen laſſen. Wenn Jemand Anſprüche auf Bergelohn hat, ſo ſind wir es. Ich hoffe, man hat wegen des Verluſtes vor Cap Henlopen keinen Bergelohn gefordert?“ „Nein, keinen,— Daggett benahm ſich bei dieſer Sache freiſinnig, wenn ich ſo ſagen darf, und ich habe dieß ſeinen Verwandten auf Vineyard gern zugeſtanden. Aber, Gar'ner, wir haben unſer Hauptgeſchäft noch nicht berührt. Wünſcht Ihr, daß wir allein ſind, ehe Ihr davon ſprecht, ſollen wir uns iſoliren, und dann die Sache ins Reine bringen,— he, he, he?“ Des zeitgemäß gegentret Erzählun Mann n mand ar Krankenn Die werden, Recht, al Augen de Spruch: als tauſen Geltung alle dieſe werden al ſich zu ül täuſcht. Sprichwo wenn mar „Iſt zitternder erſchüttert, die Thüre die Kranke Mary ſchmerzlich „Nun uns nun wiſſen.“ 250— ſtellteſt Euerm angelegt erwillen, n ſollte, heiligen „Herr,“ nachzu⸗ nachge⸗ ige, weil ezug auf önnen?“ r Eigen⸗ heigeſtaut lche den uſe, auf⸗ ei haben, n laſſen. hwir es. Henlopen er Sache eß ſeinen Gar'ner, Wünſcht ollen wir ngen,— Des Decan's ſcherzhafte Laune ſchien Noswell nicht ſehr zeitgemäß, er wußte aber nicht, wie er ſeinen Wünſchen ent⸗ gegentreten ſollte. Es konnte vielleicht unklug ſein, Erzählung vor ſo vielen Zeugen fortzuſetzen, der junge Mann wartete daher, bis das Zimmer geräumt und Nie⸗ mand anweſend war, als der Decan, Mary, er und die Krankenwärterin. Die Letztere konnte man auf Oyſter⸗Pond nicht wohl los werden, denn ſie hatte kraft ihres Amtes ein hergebrachtes Recht, alle Familiengeheimniſſe zu kennen, oder, was in ihren Augen daſſelbe war, zu glauben, ſie kenne ſie. Der alte Spruch:„es gibt in jeder Familie Geheimniſſe,“ iſt richtiger, als tauſend ähnliche, welche ſich, durch ihr Alter wenigſtens, Geltung verſchafft haben. Die Welt glaubt gewöhnlich in alle dieſe Geheimniſſe eingeweiht zu ſein, nach unſerer Anſicht werden aber Wenige ihr ſechszigſtes Jahr erreicht haben, ohne ſich zu überzeugen, wie ſehr die Welt ſich in dieſer Hinſicht täuſcht.„Tôt ou tard tout se sait“ iſt ein vielſagendes Sprichwort der Franzoſen, es iſt aber gewiß eben ſo wahr, wenn man ſagt:„tôt ou tard tout ne se sait pas.“ „Iſt die Thüre geſchloſſen?“ fragte der Decan mit zitternder Stimme, denn der Eifer und ſeine Schwäche zumal erſchütterten ſeinen ganzen Körper.„Sieh zu, Mary, daß die Thüre feſt geſchloſſen iſt, dieß iſt unſer Geheimniß und die Krankenwärterin wird das nicht vergeſſen.“ Mary verſicherte ihn, ſie ſeien allein und wendete ſich ſchmerzlich erregt von dem Bette ab. „Nun, Gar'ner,“ begann der Decan wieder,„erſchließt uns nun Euer ganzes Herz und laßt uns Alles und Alles wiſſen.“ 250— 252. 19 ſeine — 290— Roswell zögerte mit ſeiner Antwort, denn auch er ſah it Widerwillen dieſes Anklammern einer Seele an den Mammon, während ſie im Begriffe war, in die unbekannte Welt überzugehen. Der Ausdruck der verglaſten, eingefallenen Augen des Decans erinnerten ihn peinlich an jenes Augen⸗ blinzeln, welches er ſo oft an Daggett geſehen hatte. „Ihr habt gewiß die kleine Inſel nicht vergeſſen, Gar'ner?“ fragte der Decan geſpannt. „Nein, Herr, ich war auch in dieſer Hinſicht meiner Befehle eingedenk.“ „Ihr habt ſte gefunden— war der Ort genau bezeichnet?“ „Keine Karte hätte ihn beſſer bezeichnen können. Wir verloren viel Zeit, bis wir die Hauptlandmarke entdeckten, denn Wind und Wellen hatten ſie geändert, als wir dieſe aber gefunden hatten, war alles Uebrige leicht. Die Schwierig⸗ keiten, welche ſich unſerem Auslaufen entgegen ſtellten, ſind der Grund, warum wir ſo ſpät im Frühjahre nach Hauſe kamen.“ „Was liegt am Frühjahre, Gar'ner? Was vorüber iſt, muß zu gehöriger Zeit wiederkommen.— Ihr habt alſo die kleine Inſel, welche Daggett bezeichnete, gefunden?“ „Ja, Herr, und gerade da, wo ſie nach ſeiner Angabe liegen mußte.“ „Und wie war es mit dem Baume und dem kleinen Sand⸗ hügel an ſeinem Fuße?“ „Beide fanden ſich. Der Hügel mußte ſich durch den antreibenden Sand bedeutend vergrößert haben, im Allge⸗ meinen aber war die Stelle ziemlich genau angedeutet.“ „Gut— gut— gut! Ihr grubt natürlich den Hügel uf?“ „So erwähnte „Ein Seeräuber „Ich Decan, es ziemlich kl „Abe „Hier Sack aus das Bett. und fünfzi jede ihre ſ Der er nach de todt, und in ſeiner e wohl anne Liſt gelacht charakteriſti irdiſchen B ihrer Eigen die frühere und bitter geendet hat uch er ſah e an den unbekannte ngefallenen nes Augen⸗ e. Gar'ner?“ icht meiner ezeichnet?“ nen. Wir ickten, denn dieſe aber Schwierig⸗ ellten, ſind nach Hauſe vorüber iſt, habt alſo en?“ ner Angabe inen Sand⸗ durch den im Allge⸗ utet.“ den Hügel — 291— „So iſt’s, Herr, und wir fanden das von dem Seeräuber erwähnte Käſtchen.“ „Ein tüchtiges Käſtchen, ich ſchwöre darauf! Solche Seeräuber thun nie etwas halb,— he, he, he!“ „Ich könnte von ſeiner Größe eben nicht viel ſagen, Decan, es ſah aus, als hätte man einſt Fenſterglas, und zwar ziemlich kleines, darin aufbewahrt.“ „Aber der Inhalt— Ihr ſprecht nicht von dem Inhalte.“ „Hier iſt er, Herr!“ ſagte Roswell, nahm einen kleinen Sack aus ſeiner Taſche und legte ihn neben den Decan auf das Bett.„Es ſind lauter Goldſtücke, gerade hundert drei und fünfzig an der Zahl, gewichtige Dublonen, fürwahr, deren jede ihre ſechszehn Dollar werth iſt.“ Der Decan ſtöhnte, als fehlte ihm der Athem, während er nach dem Sacke griff. Im nächſten Augenblicke war er todt, und die böſen Geiſter, welche auf ihn lauerten und ihn in ſeiner eingefleiſchten Sünde beſtärkten, mochten, wie man wohl annehmen darf, über dieſes Gelingen ihrer boshaften Liſt gelacht haben. Wenn die Engel im Himmel über dieſes charakteriſtiſche Scheiden eines ſchwachen Geiſtes aus ſeiner irdiſchen Behauſung nicht trauerten, ſo that es eine, die viele ihrer Eigenſchaften beſaß. Schwer hatte auf Mary's Herzen die frühere Schauſtellung der Schwäche ihres Oheims gelaſtet, und bitter war jetzt ihr Schmerz, daß er auf dieſe Weiſe geendet hatte. Fünfzehntes Kapitel. Vierter Bürger. Leſt uns das Teſtament— Mark Anton, leſt's. Die Bürger. Das Teſtament! Leſt Cäſar's Teſtament uns. Antonius. Geduld, ihr eveln Freund',— ich darf's nicht leſen, Ihr ſollt nicht wiſſen, wie euch Cäſar liebte. Shakſpeare. Man iſt in dieſem Lande gewöhnlich ſehr beeilt, ſich der Todten zu entledigen. In keinem uns bekannten Theile der Erde ſind die Leichenbeſtattungen ſo einfach oder ſo rührend, indem ſie eher das, was des Hingeſchiedenen jenſeits harrt, als Rang, Reichthum und perſönliches Verdienſt in das Licht ſtellen. In den Städten gibt man der Begleitung Schärpen und Handſchuhe, auf dem Lande Handſchuhe, zuweilen Flor⸗ ſchärpen, von dieſen aber, und dem Leichentuche, und dem Sarge, und den weinenden Freunden und Verwandten abge⸗ ſehen, iſt ein amerikaniſches Leichenbegängniß ein ſehr anſpruchsloſer Zug Menſchen in ihren beſten Kleidern, zu Fuß, wenn die Entfernung nicht groß iſt, in ein⸗ und zwei⸗ ſpännigen Wagen oder zu Pferd, wenn man weit zu dem Grabe zu gehen hat. Eine Sitte jedoch, welche unſerem Lande eigenthümlich iſt, wünſchten wir geändert. Es iſt die ſo allgemein vorherrſchende Eile, mit welcher man die Todten los zu werden ſucht. Ohne Zweifel hat das Klima zu dem Aufkommen dieſer Sitte beigetragen, allein das Klima for⸗ dert keineswegs die Haſt, mit welcher man gewöhnlich zu Werke geht. Da übernahm Mary zo ſchlechte u ſobald ih Leichenbeg Todes St Landes ge Der Gelegenhe eine Trau Bethaus Gemeinde Wir mit einfae Decane n bequeme u den Geiſtl den Auge in dieſer hunderte lich komm Da, enthielt m Früh des wandten i der Anweſ digung ar Decan hat die verſchit „Es ton, leſt's. nent uns. as nicht leſen, ar liebte. hakſpeare. ilt, ſich der Theile der ſo rührend, ſſeits harrt, in das Licht ig Schärpen weilen Flor⸗ e, und dem andten abge⸗ ß ein ſehr Kleidern, zu n⸗ und zwei⸗ weit zu dem elche unſerem 2. Es iſt die in die Todten lima zu dem 3 Klima for⸗ zewöhnlich zu 293 Da ſo viele Verwandte aus der Ferne anweſend waren, übernahmen einige derſelben die Leitung der Vorbereitungen. Mary zog ſich mit einer Schüchternheit, welche ihrem Ge⸗ ſchlechte und ihren Jahren natürlich war, in ſich ſelbſt zurück, ſobald ihr Oheim ihrer Pflege nicht mehr bedurfte, und das Leichenbegängniß des Decans fand den Tag nach dem ſeines Todes Statt. Landes gemäß. Der wohlehrwürdige Herr Whittle begriff, daß er bei Gelegenheit des Hintrittes dieſes„hellen, glänzenden Lichtes“ eine Trauerrede halten mußte, und die Leiche wurde in das Bethaus gebracht, wo, da es eben Sabbat war, die ganze Gemeinde ſich verſammelte. Wir können nicht viel zu Gunſten der Rede ſagen, welche mit einfacher Namensveränderung ſchon zwei oder drei andere Decane mit allem denkbaren Lobe übergoſſen' hatte, eine bequeme und nur zu häufig vorkommende Sitte, welche weder den Geiſtlichen noch ſeinen Stand und ſein heiliges Amt in den Augen der Verſtändigen zu heben geeignet iſt. Nichts in dieſer Welt iſt jedoch, wie es ſein ſollte, und Jahr⸗ hunderte werden noch vergehen, ehe die„gute Zeit“ wirk⸗ lich kommt. Da, wie bemerkt, der Begräbnißtag ein Sabbat war, enthielt man ſich alles deſſen, was ſich auf Geſchäfte bezog. Früh des folgenden Morgens aber verſammelten ſich die Ver⸗ wandten in dem Wohnzimmer, und der Umſtand, daß viele der Anweſenden ſo weit zu gehen hatten, wurde als Entſchul⸗ digung angeführt, wenn man ein wenig beeilt ſcheine. Der Decan hatte ſich ohne Zweifel in größere Ferne begeben, als die verſchiedenen Wege ſeiner Verwandten betragen mochten. „Es iſt nicht mehr als billig, daß wir vor unſrer Tren⸗ Es war der einfachen, feierlichen Sitte des — 294— nung die Angelegenheiten des Decans ein wenig ins Auge faſſen,“ ſagte Herr Job Pratt, welcher wohl den Namen, aber nicht die Geduld des alten„Mannes der Schmerzen“ hatte,— „um Mühe und Verdrießlichkeiten aller Art zu vermeiden. Zwiſchen Freunden und Verwandten ſollte nur Vertrauen nnd Liebe herrſchen und ich ſelbſt hege keine andere Gefühle gegen irgend einen der Anweſenden. Ich glaube,“— Herr Job wußte nie etwas, er glaubte nur—„ich glaube, ich bin der geeig⸗ nete Mann, der das Vermögen des Decans zu verwalten ver⸗ ſteht, obgleich ich dieſe Mühe nicht übernehmen werde, wenn Jemand dagegen iſt.“ Alle ſtimmten darin überein, er ſei der geeignete Mann, denn Alle wußten, daß der Gerichtsbeigeordnete ihn am wahr⸗ ſcheinlichſten beſtätigen würde. „Ich habe das Vermögen des Decans nie ſo hoch ange⸗ ſchlagen, wie es das Gerücht thut,“ begann Herr Job Pratt wieder,„ich glaube aber, es wird ſich auf volle zehntauſend Dollars belaufen.“ „Pah!“ rief eine verwittwete Baſe, welche ihre eignen Hoffnungen hatte,„ich habe den Decan ſtets auf ſeine vierzig bis fünfzig tauſend Dollars geſchätzt. Zehn tauſend Dollars! Da käme bei ſo vielen Leuten gar wenig auf den Einzelnen.“ „Die Theilung wird nicht ſo weit gehen, Miſtreß Mar⸗ tin,“ erwiederte Herr Job,„denn ſie wird ſich auf die nächſten Verwandten und ihre Erben beſchränken. Wenn kein Teſta⸗ ment vorgefunden wird,— und nach Allem, was ich gehört habe, iſt keines da,“— Herr Job legte großen Nachdruck auf„keines.“„Wenn kein Teſtament vorgefunden wird, muß das ganze bewegliche und unbewegliche Vermögen in fünf gleiche Theile getheilt werden, und auf jeden Theil kämen, nach meiner Berechnung, zwei tauſend Dollars— kein großes Capital, mögen. Pratt ne deßwegen ſeinen M hat, ſpar Auf ſen oft, n und ande lehre leg⸗ nur den zu beförd dieſe Beft „Ma Herr,“ ve zu wiſſen, weiß, de nicht, daß an ſeine „Ich ich fürcht, mente. Muth geh ben, und von Mary Teſtament, fragen ſoll dige Herr „Es welcher ſie zu guter 5 ins Auge men, aber hatte,— dermeiden. rauen nnd hle gegen Job wußte der geeig⸗ alten ver⸗ de, wenn te Mann, am wahr⸗ voch ange⸗ Job Pratt ehntauſend re eignen ne vierzig Dollars! inzelnen.“ treß Mar⸗ ie nächſten ein Teſta⸗ ich gehört Nachdruck den wird, mögen in eil kämen, ein großes V 295— Capital, aber ein ganz hübſche Zugabe zu einem kleinen Ver⸗ mögen. Der Decan ſparte gern— ja, er ſparte gern, alle Pratt neigen ein wenig dahin, und ich wüßte nicht, daß ſie deßwegen Tadel verdienten. Es iſt ganz gut, wenn man mit ſeinen Mitteln, welche uns die göttliche Vorſehung anvertraut hat, ſparſam umgeht.“ Auf dieſe Weiſe beſchwichtigte Herr Job Pratt ſein Gewiſ⸗ ſen oft, wenn dieſes ihm vorwerfen wollte, er gehe mit ſeiner und anderer Leute Habe zu ſparſam um. Nach ſeiner Sitten⸗ lehre legte die göttliche Vorſehung ihm die Pflicht auf, nicht nur den Dollar aus ſeines Nachbars Taſche in ſeine eigene zu befördern, ſondern auch ihn ſorgſam zu bewachen, wenn dieſe Beförderung Statt gefunden. „Man muß ſtets auf ſeiner Hut ſein, wie Ihr andeutet, Herr,“ verſetzte die Wittwe Martin,„und darum wünſchte ich zu wiſſen, ob ein Teſtament vorhanden iſt oder nicht. Ich weiß, daß der Decan etwas auf mich hielt, und glaube nicht, daß er in die andere Welt hinübergegangen iſt, ohne an ſeine Baſe Jenny und ihren Wittwenſtand zu denken.“ „Ich fürchte, er dachte nicht daran, Miſtreß Martin,— ich fürchte es wirklich. Ich weiß nichts von einem Teſta⸗ mente. Der Doktor ſagt, er zweifle, ob der Decan je ſo viel Muth gehabt habe, etwas auf ſeinen Tod bezügliches zu ſchrei⸗ ben, und er habe nie von einem Teſtamente gehört. Wie ich von Mary vernehme, hat auch ſie keine Kenntniß von einem Teſtament, und ich wüßte nicht, wo man ſonſt noch nach⸗ fragen ſollte. Wenn ich nicht irre, glaubt der wohlehrwür⸗ dige Herr Whittle, es ſei ein Teſtament vorhanden.“ „Es muß ein Teſtament da ſein,“ verſetzte der Paſtor, welcher ſich gleichfalls, und wie alle übrigen„aus Gründen“ zu guter Zeit eingefunden hatte,„ich weiß dieß aus vielen — 296— Unterhaltungen, welche ich mit dem Verſtorbenen hatte. Es ſind noch nicht vier Wochen, daß ich von verſchiedenen Aus⸗ beſſerungen mit ihm ſprach, welche unſre ſämmtlichen Pfarrei⸗ Gebäude, beſonders das Pfarrhaus, bedürften. Er ſtimmte jedem Worte bei, das ich ſagte— geſtand zu, daß noch vor dem nächſten Winter ein Pferdeſchuppen gebaut und in dieſem Sommer der öſtliche Giebel des Pfarrhauſes mit Schindeln belegt werden müſſe.“ „Dieß Alles kann ſehr wahr ſein, Paſtor, ohne daß der Decan ein Teſtament gemacht hat,“ bemerkte Herr Job ruhig und, wir möchten faſt ſagen, geduldig. „Ich glaube dieß nicht,“ erwiederte der Geiſtliche mit einer Wärme, welche ſür unſchicklich gegolten hätte, wenn es ſich hier nicht von dem Pferdeſchuppen, dem Pfarrhaus, und dem Bethaus,— alles öffentliches Eigenthum,— ſondern von perſönlichen Intereſſen des Paſtors gehandelt hätte.„Ein frommes Glied der Kirche würde mich nicht mit Hoffnungen hinhalten, wie der Decan mich ſeit zehn Jahren hingehalten hat, wenn er nicht geſonnen wäre, zuletzt ſein Wort zu löſen. Ich denke, Jeder wird dieſer Anſicht beiſtimmen.“ „Iſt der Decan wirklich ſo weit gegangen, daß er etwas verſprochen hat?“ fragte Herr Job ziemlich ſchüchtern, denn er fürchtete faſt, die Antwort könnte bejahend ausfallen. „Vielleicht nicht,“ antwortete Paſtor Whittle, der zu gewiſſenhaft war, um eine offene Unwahrheit laut werden zu laſſen, obgleich er ſich ſehr verſucht fühlte, es zu thun.„Man kann aber etwas mittelbar ſo gut, wie unmittelbar verſprechen. Wenn mir etwas ſehr an dem Herzen liegt, und ich ſpreche oft davon mit einem Manne, welcher meine Wünſche erfüllen kann, und dieſer Mann höoöͤrt mich mit der größten Aufmerk⸗ ſamken Kirche 9 oder e Orden Profef abgele da ſie möger folge müſſe nicht binder Fällen verant ſtellt großer deſſen wuchs des V teriſche Ander tte. Es en Aus⸗ Pfarrei⸗ ſtimmte noch vor n dieſem Schindeln daß der ob ruhig liche mit wenn es rus, und dern von „Ein offnungen ngehalten zu löſen. er etwas rn, denn len. „ der zu verden zu „Man rſprechen. ch ſpreche e erfüllen Aufmerk⸗ ſamkeit an, ſo betrachte ich dieß als ein Verſprechen, und in Kirchenangelegenheiten, als ein ſehr feierliches Verſprechen.“ Nicht alle Jeſuiten in der Welt werden zu Rom erzogen oder erkennen Ignaz Loyola als den großen Gründer ihres Ordens an, es ſoll deren ſogar geben, welche nie öffentlich Profeß gethan, oder die Tonſur angenommen oder das Gelübde abgelegt haben. „Das kommt darauf an, wie man die Sache nimmt,“ verſetzte Herr Job Pratt ruhig, lächelte aber ſo bedeutſam, daß Miſtreß Martin ſich abermals ſehr unbehaglich fühlte, da ſie mehr und mehr fürchten zu müſſen glaubte, das Ver⸗ mögen werde denn doch nach dem Rechte der Inteſtat⸗Erb⸗ folge vertheilt werden.—„Manche glauben, ein Verſprechen müſſe ausdrücklich gegeben werden, Andere meinen, dieß ſei nicht nöthig. Das Geſetz will, wie ich annehme, daß ein bindendes Verſprechen unmittelbar ansgeſprochen, und in Fällen dieſer Art überdieß geſchrieben, beſtegelt und von drei verantwortlichen Zeugen unterzeichnet werde.“ „Ich wünſche, daß eine ſorgfältige Nachforſchung ange⸗ ſtellt wird, ob ein Teſtament da iſt,“ ſagte der Geiſtliche in großer Beſorgniß. „Ich bin ganz dieſer Anſicht,“ erwiederte Herr Job, deſſen Zuverſicht und moraliſcher Muth jeden Augenblick wuchs.„Auch ich wünſche, daß man ſogleich nachforſche, wenn ich nur wüßte, wo man nachforſchen ſoll.“ „Iſt keinem der Anweſenden etwas von einem Teſtamente des Verſtorbenen bekannt?“ fragte der Geiſtliche mit gebie⸗ teriſcher Stimme. Eine Todesſtille folgte dieſer Frage. Eines ſah das Andere an und eine mächtige Befangenheit herrſchte unter den ——————— — 298— zahlreichen Seitenverwandten, einſchließlich aller derer, welche nicht als nächſte Verwandte oder deren Erben betheiligt waren. Der wohlehrwürdige Herr Whittle war aber einem Legat zu lang und zu ſcharf auf der Fährte, als daß er ſich in dem Augenblicke hätte zurückweiſen laſſen, wo er das Wild zu Geſicht zu bekommen hoffte. „Das Gerathenſte wird ſein, bei allen näheren Ver⸗ wandten unmittelbar anzufragen,“ ſetzte er hinzu.„Herr Job Pratt, wißt Ihr etwas von einem Teſtamente?“ „Durchaus nichts. Ich habe nie etwas davon gehört. Ich denke, der Decan hatte die Abſicht, ein Teſtament zu machen, ohne Zweifel hat er ſich aber anders beſonnen.“ „Und Ihr, Miſtreß Thomas,“ fragte er, zu der Schweſter gewendet,„ich ſtelle Euch, als der nächſten Verwandten, die⸗ ſelbe Frage!“ „Ich ſprach einmal mit meinem Bruder davon,“ ant⸗ wortete Miſtreß Thomas, welche ſich in einem Schaukelſtuhl wiegte, als ſtände die Erde in ihrem Kreislauf ſtill, wenn ſie aufhörte, ſich zu bewegen,„er gab mir aber keine genügende Antwort, das heißt keine, die ich genügend nenne. Hätte er mir geſagt, er habe ein Teſtament gemacht und mir einen vollen Antheil gegeben, ſo wär' ich zufrieden geweſen, oder, hätte er mir geſagt, er habe kein Teſtament gemacht und das Geſetz würde mir einen vollen Antheil geben, wär' ich auch zufrieden geweſen. Niemand iſt leichter zufrieden zu ſtellen, als ich.“ Dieß war deutlich und weiter ließ ſich die geliebte, einzige Schweſter des Deeans nicht vernehmen. „Und Ihr, Mary, wißt Ihr etwas von einem Teſtamente, das Euer Oheim hinterlaſſen hat?“ ich m und Leben Schlã ſprech ich ſte deſſelb wohlel es ſeir ſei da⸗ T daß ih und gl Gelieb ſeine 2 nichts Y und no helche aren. Legat dem d zu Ver⸗ Job -hört. at zu veſter die⸗ ant⸗ lſtuhl un ſie gende tte er einen oder, und r' ich in zu inzige nente, Mary ſchüttelte den Kopf, ihr Antlitz war verdüſtert, denn die Scene mißfiel ihr. „Keines der Anweſenden weiß alſo von einem Papiere, welches der Decan zu dem Behufe hinterlaſſen hat, daß es nach ſeinem Tode geöffnet werde?“ fragte der wohlehrwürdige Herr Whittle und ſchaute in dem Kreiſe umher. „Ein Papier?“ rief Mary haſtig.„Ja, ich weiß etwas von einem Papier, ich glaubte, Ihr ſprecht von einem Teſtamente.“ „Leſtamente werden heutzutage gewöhnlich auf Papier geſchrieben, Miß Mary. Ihr habt alſo ein Papier?“ „Mein Oheim hat mir ein Papier gegeben und geſagt, ich möchte es bis zu Roswell Gardiner's Rückkehr anfheben, und es dieſem geben, wenn er ſelbſt dann nicht mehr am Leben ſein ſollte.“ Das ſchöne Mädchen erröthete bis an die Schläfen, und ſchien jetzt mit mehr Ruhe und Umſicht zu ſprechen.„Da ich das Papier Roswell geben ſollte, glaubte ich ſtets, es bezöge ſich auf ihn. Mein Oheim erwähnte deſſelben noch an dem Tage vor ſeinem Tode.“ „Dieß iſt ohne allen Zweifel das Teſtament,“ rief der wohlehrwürdige Herr Whittle mit frohlockenderer Stimme, als es ſeinem Amte und Berufe zuſtand.„Glaubt Ihr nicht, dieß ſei das Teſtament des Decans Pratt, Miß Maxy? Mary hatte nie an etwas dieſer Art gedacht. Sie wußtg⸗ daß ihr Oheim ſie gern mit Noswell verbunden geſehen hätte und glaubte ſtets, das Papier, welches ihr in einem an ihren Geliebten überſchriebenen Umſchlag behändigt worden, enthalte ſeine Wünſche in dieſem ihr ſo nahe liegenden Betreff und nichts weiter. Mary Pratt dachte kaum an ihres Oheims Vermögen und noch weniger an eine deßfallſige Verfügung, während ſie — 300— viel an Roswell Gardiner und ſeine Bewerbung dachte. Es war daher ganz natürlich, daſt ſie die mehrfachen Anfragen in Betreff eines letzten Willens ganz unbeachtet ließ. Da ſich ihr der Gegenſtand nun aber in dieſer Weiſe darſtellte, ſtand ſie auf, ging in ihr Gemach und kam bald mit dem Papier in der Hand zurück. Herr Job und der wohlehrwürdige Herr Whittle zumal erboten ſich, ſie von dieſer Laſt zu befreien, und es gelang dem Erſteren durch eine ziemlich kecke Bewegung wirklich, ſich des Schatzes zu bemächtigen. Der Umſchlag hatte die gewöhnliche Form eines Geſchäfts⸗ briefes, war mit Siegelwachs beſiegelt und trug die Ueberſchrift: „An Herrn Noswell Gardiner, Capitän des Schoners, der Seelöwe genannt, und jetzt auf einer Reiſe begriffen.“ Dieſe Aufſchrift wurde der erſtaunten Geſellſchaft laut vorgeleſen, demungeachtet begab ſich Herr Job Pratt ſehr ruhig daran, den Umſchlag zu öffnen, gerade als wäre das Schreiben an ihn ſelbſt gerichtet. An dieſem entſchloſſenen Gehaben nahmen Miſtreß Martin und Miſtreß Thomas und der wohlehrwürdige Herr Whittle in einem gewiſſen Sinne Theil, denn ſie traten möglichſt nahe heran und die beiden Frauen waren ſo eifrig, daß ſie bei dem Aufbrechen des Siegels hilfreiche Hand leiſteten. „Wenn dieſer Brief an mich gerichtet iſt,“ ſagte Roswell Gardiner mit feſter, eindringlicher Stimme,„ſo ſpreche ich das Recht an, ihn ſelbſt zu öffnen. Es iſt ungewöhnlich, daß die, an welche ein Brief nicht gerichtet iſt, ein ſolches Geſchäft übernehmen.“ „Er kommt aber von dem Decan Pratt,“ rief Miſtreß Martin,„und enthält vielleicht das Teſtament.“ „Und in einem ſolchen Falle kann ich doch wohl für Es ragen a ſich ſtand Lapier zumal elang „ ſich häfts⸗ chrift: 6, der t laut t ſehr re das Nartin Vhittle t nahe ei dem oswell che ich h, daß eſchäft Miſtreß ahl für — 301— betheiligt gelten,“ ſagte Herr Job Pratt ein wenig ruhiger, aber augenſcheinlich ſehr beſorgt. „Allerdings,“ warf Miſtreß Thomas ein,„Geſchwiſter und ſelbſt Vettern und Baſen kommen jedenfalls vor Fremden, und da Bruder und Schweſter des Verſtorbenen hier ſind, haben ſie auch das Recht, ſeinen Brief zu leſen.“ Roswell Gardiner ſtand mit ausgeſtreckter Hand da, und ſein Blick war ganz geeignet, Herrn Job Pratt's Ungeduld zu zügeln. Mary trat ihm zur Seite, als wollte ſie ihn ſchützen, ſprach aber nichts. „Wir haben ein Geſetz, welches den mit ſchwerer Strafe bedroht, der wiſſentlich einen nicht an ihn gerichteten Brief öffnet,“ ſagte Roswell ernſt,„und ich werde gegen Jeden auftreten, der ſich in dieſer Art gegen mich vergißt. Wenn dieſer Brief an mich überſchrieben iſt, fordere ich ihn, Herr, und werde ihn mir jedenfalls zu verſchaffen. wiſſen.“ Roswell trat einen Schritt auf Herrn Job Pratt zu und der Brief wurde ihm, nicht mit der freundlichſten Miene, behändigt, als Miſtreß Martin eben einen raſchen, aber ver⸗ geblichen Griff nach dem Papiere that. „Auf jeden Fall muß das Schreiben in unſerer Gegen⸗ wart geöffnet werden,“ bemerkte dieſe Dame,„damit wir ſehen, was darin iſt.“ „Und auf welches Recht hin, Madame? Darf ich nicht, wie jeder Andere, meine Briefe leſen, wann und wo es mir beliebt? Wenn jedoch der Inhalt dieſes Schreibens in irgend einem Zuſammenhange mit der Hinterlaſſenſchaft des verſtor⸗ benen Decans Pratt ſteht, bin ich ganz gewillt, ihn mitzu⸗ theilen. Die Aufſchrift enthält keine Andeutung, daß ich den Brief in Gegenwart von Zeugen öffnen ſoll, ich ziehe es jedoch unter allen Umſtänden vor, dieß zu thun.“ ———— — 302— Roswell ſchickte ſich nun ruhig an, den Umſchlag zu löſen. Das Siegel war bereits gebrochen, und er ließ dieß alle in dem Zimmer Anweſende mit einem bedeutſamen Lächeln ſehen, worauf er eine Urkunde, welche auf einen einzelnen Papierbogen geſchrieben war und am Schluſſe die Unterſchrift mehrerer Zeugen hatte, herausnahm und entfaltete. „Ja, ja, das iſt's,“ ſagte der Köder⸗Joſeph, denn allmählich hatte ſich das Zimmer mit Leuten aller Art gefüllt, „das iſt die Urkunde. Ich habe ſie erkannt, ſobald ich ſie anſichtig wurde.“ „Und was wißt Ihr davon, Joſy?“ fragte die Wittwe ärgerlich.„Es wird ſich ſinden, Vetter Job, daß dieſer Burſche einen wichtigen, gewaltigen Zeugen abgibt.“ „Was ich davon weiß, Miſtreß Martin? Nun, ich habe geſehen, wie der Decan ſie unterſchrieben und beſiegelt hat. Sobald ich hörte, daß Squire Craft, welcher dieſes Geſchäftes wegen von Riverhead herüber gekommen war, von Schiff und Siegel ſprach, wußte ich, daß Capitän Gar'ner bei der Sache betheiligt ſein müſſe. Das Herz des Decans war bei dem Schoner und deſſen Reiſe und ich bin überzeugt, daß ihm das Schiff den letzten Stoß gegeben hat.“ „Würde dieß nicht hinreichen, um jede Verfügung zu Gunſten des Capitäns Gar'ner und Mary's für ungiltig zu erklären, Vetter Job?“ fragte die Wittwe halb leiſe. „Wir werden ſehen, wir werden ſehen. Ihr ſeid alſo bei der Anfertigung des Teſtamentes gegenwärtig geweſen, Joſy?“ „Gewiß, und zwar als Zeuge bei dem Act, wie der Squire es genannt hat. Ich glaube, der Decan hat mich als Zeugen gewählt, weil ich mit der Robbenjagd bekannt bin und das und ſetzte. falls ſchrei keine wir todt“ welch wie aber wund 1 ſchwe eine der, vielle wöhn mit gewiſ außer jeder in A Verde ig zu dieß icheln elnen chrift denn füllt, h ſie zittwe dieſer habe hat. häftes f und Sache dem n das g zu ig zu alſo beſen, e der mich kannt — 303— bin und mehrere Seereiſen gemacht habe, denn das Schiff und die Robben waren ſtets in ſeinem Munde. Ja, ja, das iſt die Urkunde, und ich kann Euch ſagen, ſehr blaß und erſchreckt war der Decan, als er ſeinen Namen darunter ſetzte.“ „Erſchreckt!“ wiederholte der Bruder,„dieß iſt jeden⸗ falls gegen das Geſetz. Die Urkunde, welche Jemand unter⸗ ſchreibt, weil man ihn erſchreckt hat, iſt nach dem Geſetze gar keine Urkunde. Was ein Teſtament betrifft, ſo iſt es, was wir Friedensrichter„dies non“ nennen, das heißt„nicht todt“ vor dem Geſetz.“ „Iſt das möglich, Squire Job?“ fragte die Schweſter, welche bisher wenig geſprochen, aber deſto mehr gedacht hatte. „Ja, das iſt lateiniſch, glaub' ich, und gut lateiniſch, wie man mir geſagt hat. Man kann feeiſchlich todt ſein, aber vor dem Geſetze leben.“ 3 „Vor dem Geſetze— wie ſeltſam! Das Geſetz iſt eine wundervolle Sache für den, der etwas davon verſteht.“ Die würdige Miſtreß Thomas ſagte etwas viel Inhalt⸗ ſchwereres, als ſie wahrſcheinlich ſelbſt ahnte. Das Geſetz iſt eine wundervolle Sache, und am bewundernswertheſten wäre der, welcher uns ſagen könnte, was es heute iſt und was es vielleicht morgen ſein kann. Beſonders iſt das Erbrecht unge⸗ wöhnlich ſchwankend und unſicher, da das große Intereſſe, mit welchem die Gemeinden auf ausgedehnte Beſitzungen gewiſſer Perſonen blicken, die durch ihr großes Vermögen außerhalb der gewöhnlichen geſelligen Categorie ſtehen, ſich jeder gründlichen Feſtſtellung widerſetzt. In der Türkei und in Amerika wird der Beſitz großer Reichthümer leicht das Verderben des Beſitzers, denn die Verbannung in einer oder —IZ—j1 — 304— der andern Geſtalt iſt die ziemlich gewiſſe Folge. In der Türkei war dieß lange und öffentlich der Fall, denn die Seidenſchnur lag gewöhnlich auf der Geldkiſte, in unſerm Lande iſt dieſes Syſtem aber noch in ſeiner Kindheit, geht ſeiner Reife aber mit Rieſenſchritten entgegen. Noch zwanzig Jahre, wie die letzten zwanzig, wo der Same mit vollen Händen ausgeſtreut wurde, und die herrliche Saat wird reifen und das große Werk der Entſittlichung wird, wenn nicht alle Anzeichen trügen, vollbracht ſein. Wir müſſen ſehr fürchten, der geprieſene Fortſchritt, von welchem man ſo viel Redens macht, wird dem Gehaben jenes Mannes gleichen, welcher wähnte, er könne ſein Pferd lehren, ohne Futter zu leben, und das gerade ſtarb, als er glaubte, das arme Thier ſei der Koſt entwöhnt. 25— Roswell las die Urkunde zweimal und reichte ſie dann mit einem innigen Blicke Mary Pratt dar. Auch das Mäd⸗ chen überlas das Schreiben und Thränen brachen aus ihren Augen, eine glühende Röthe aber überſtrömte ihr Antlitz, als ſie das Teſtament ihrem Geliebten zurückgab. „Leſt es jetzt nicht, bitte, Roswell,“ ſagte ſie halbleiſe, aber die Stille und die Erwartung waren ſo groß, daß Alle in dem Zimmer ihre Worte hörten. „Und warum ſollte man es nicht leſen, Miß Mary?“ rief die Wittwe Martin.„Ich glaube, dieſer Augenblick iſt ganz geeignet, es zu leſen. Wenn ich aus dem Teſtamente ausgeſchloſſen bin, muß ich es wiſſen.“ „Es iſt in jeder Hinſicht das Beſte, daß die ganze hier verſammelte Geſellſchaft ſofort Alles erfahre, was ſie erfahren muß,“ bemerkte Herr Job Pratt.„Ehe man das Teſta⸗ ment geleſen hat, wenn es ja ein Teſtament iſt, Capitän Gar'ner—“ 4 ſchriel verſeh . glaub worde Anſich wenn dieſes unterf wenn nenne Köder ſchriel er die Ende habt, wiſſen Ihr e zu leſ und it von 4 Nachf n der undie nſerm geht anzig vollen reifen t alle ſchten, tedens delcher leben, ei der dann Mäd⸗ ihren 6, als bleiſe, 5 Alle ary?“ lick iſt amente ze hier fahren Teſta⸗ apitän — 305— „Es iſt das Teſtament des Decans Pratt, gehörig unter⸗ ſchrieben und beſiegelt und mit der Unterſchrift der Zeugen verſehen, wie ich glaube, Herr.“ „Noch ein Wort alſo, ehe wir zum Leſen ſchreiten. Ich glaube, Joſy, Ihr habt geſagt, der Verſtorbene ſei erſchreckt worden, als er dieſes Teſtament unterſchrieb? Ich werde keine Anſicht laut werden laſſen, bis ich das Teſtament geleſen habe, wenn dieß geſchehen iſt, werde ich vielleicht etwas in Betrefſ dieſes Schreckens äußern, eine Urkunde aber, welche ein Mann unterſchreibt, weil er erſchreckt worden, iſt gar keine Urkunde, wenn der Schrecken ein geſetzlicher Schrecken iſt, wie ich es nennen möchte.“ „Dieß war aber bei dem Decan nicht der Fau,“ fiel der Köder⸗Joſeph alsbald ein.„Er hat die Urkunde nicht unter⸗ ſchrieben, weil er erſchreckt worden, ſondern, er erſchrack, weil er die Urkunde unterſchrieb. Laßt das Boot mit dem rechten Ende voran durch das Waſſer laufen, Squire.“ „Leſt das Teſtament, Capitän Gar'ner, wenn Ihr es habt,“ ſagte Herr Job Pratt entſchloſſen.„Wir müſſen wiſſen, wer der Teſtamentsvollſtrecker iſt.— Freunde, wollt Ihr einen Augenblick ſchweigen?“ Ein grabähnliches Schweigen folgte, und Roswell begann zu leſen: „In dem Namen Gottes! Amen. „Ich, Iſchabod Pratt, geboren in der Stadt Southold, und in der Grafſchaft Suffolk, und in dem Staate Neu⸗York, von Körperſchwäche heimgeſucht, aber geſunden Geiſtes, erkläre Nachſtehendes für meinen letzten Willen und Teſtament. „Ich vermache meiner Nichte, Mary Pratt, dem einzigen Kinde meines verſtorbenen Brudes, Iſfrael Pratt, meine ganze 250— 252. ———IIͤhhhſhſhſͤhſͤhſſſͤnͤͤͤͤnͤͤͤͤ11 — 306— unbewegliche Habe, wo ſie auch ſein und wo immer ſie liegen mag, als ihr und ihren Erben für alle Zeiten gehöriges, freies Eigenthum. „Ich vermache meinem Bruder, Job Pratt, ein Pferd, welches er unter allen denen, die ſich bei meinem Tode vor⸗ finden, ſelbſt wählen kann, als Entſchädigung für eines ſeiner Pferde, welches, während ich es im Gebrauche hatte, zu Schaden kam. „Ich vermache meiner Schweſter, Jane Thomas, den großen Spiegel, welcher in dem öſtlichen Schlafzimmer meines Hauſes hängt, und der einſt unſrer geliebten Mutter gehörte. „Ich vermache der Wittwe Katharine Martin, meiner Baſe, das große Nähkiſſen, welches ſich in demſelben öſtlichen Zimmer befindet, und das ſie ſtets ſo ſehr zu loben und zu bewundern pflegte. „Ich vermache meiner beſagten Nichte, Mary Pratt, dem einzigen Kinde meines vorerwähnten Bruders meine ganze bewegliche Habe, in deren Beſitz ich bin, oder deren Beſitz ich anzuſprechen habe, die ausgeliehenen Capitalien mitgerechnet, Silberzeug, Ackergeräthe, Hausrath und Möbeln, Kleider, rückſtändige Schulden, baares Geld und jede mögliche Art beweglicher Habe. „Ich ernenne und beſtelle Roswell Gardiner, jetzt auf einer Robbenreiſe in meinem Dienſt abweſend, zum einzigen Vollſtrecker dieſes meines letzten Willens, vorausgeſetzt, daß er binnen ſechs Monaten nach meinem Tode zuruͤckkehrt, ſollte er während der beſagten ſechs Monate nicht zurückkehren, dann beſtelle ich meine oben erwähnte Nichte, Mary Pratt, zur einzigen Vollſtreckerin dieſes meines letzten Willens. „Ich rathe meiner genannten Nichte, Mary Pratt, alles Ernſtes, den beſagten Roswell Gardiner zu ehelichen, füge diefem daß n. handle T Form ziehen Ihre jeder geweſe eines Leben anzuſ 8 Köder Freur erzäh knopf Sach fuhr ſie d liefen bewe ſobal liſirt denn er n am bepfl es ſ — 307— . diefem Rathe aber keinerlei Bedingung bei, denn ich will, ſie liegen daß meine Pflegetochter frei und nach ihrem beſten Wiſſen ges, freies handle.“ — Die Urkunde war in allen Beziehungen in gehöriger ein Pferd, Form ausgefertigt und ihre Giltigkeit nicht in Zweifel zu Tode vor⸗ ziehen. Mary fühlte ſich ſeltſam erregt und ſehr verlegen. nes ſeiner Ihre Liebe und Sorge für ihren Oheim waren ſo fern von hatte, zu jeder ſelbſtſüchtigen Rückſicht, ihre Wünſche ſo beſcheiden geweſen, daß ſie ſich Anfangs nicht als die Eigenthümerin mas, den eines Vermögens betrachten konnte, welches ſie ihr ganzes ier meines Leben gewöhnt war, als einen Theil ihres verſtorbenen Oheims er gehörte. anzuſehen. i, meiner Nachdem die Erben in spe das„Inſterment,“ wie der n öſtlichen Köder⸗Joſeph es nannte, als er am Abend ſeinen guten en und zu Freunden bei einem Kruge Cider den Hergang der Sache erzählte, von vornen bis hinten und„von dem Flaggenſtock⸗ Pratt, dem knopf bis zur Kielſchwinne“ durchleſen hatten, gaben ſie die ine Junze Sache als ein ſchlechtes Geſchäft auf.„Ihre Opperſition,“ Beſitz ich fuhr Joſy fort,„hätte ſie Nichts geholfen, und ſo nahmen itgerechnet, ſie das Pferd, und den Spiegel, und das Nadelkiſſen, und „Kleider, liefen mit ihrer Fracht aus. Dieſes Volk wäre nicht zu gliche Art bewegen geweſen, auch nur eine Stecknadel zurückzulaſſen, 3 ſobald das Geſetz ihnen nur das geringſte Recht darauf ſigna⸗ jetzt auf liſirt hätte. Squire Job ging höchſt entrüſtet von dannen, n einzigen denn ſo ſtark war ſein Vertrauen auf ſein Recht, daß er, wie eſetzt, daß er mir ſelbſt geſagt hat, bereits entſchloſſen war, die Wieſe ehrt, ſollte am Nordweg ſogleich umzubrechen und ſie mit Welſchkorn zu rückkehren, bepflanzen.“ „Wie ich höre, nahm der wohlehrwürdige Herr Whittle es ſehr übel, daß in dem Teſtamente des Decans von ihm 20* ary Pratt, lens. ratt, alles chen, füge — 308— und dem Bethauſe gar keine Rede war,“ bemerkte Jake Davis, einer von Joſy's Kumpanen. „Man kann ſich das denken, und ſein Geitau iſt ſo ſtraff, daß alle Welt ſagt, er werde die nächſten zwei Sabbatstage die ſchlechteſten Predigten halten, die man je von ihm zu hören bekam.“ „Dann müſſen ſie ziemlich ſchlecht geweſen ſein,“ bemerkte Davis ſchlau.„Es kam mir längſt vor, als ſchlingerten Paſtor Whittle's Predigten ſtets ein wenig zu ſtark.“ Wir brauchen die Fortſetzung dieſes Geſprächs nicht mit⸗ zutheilen, und hätten dieß Wenige nicht mitgetheilt, wenn darin nicht weſentlich angedeutet wäre, was ſich nach der Veröffentlichung des Teſtamentes begab. Niemand dachte daran, die letzte Willensverfügung des Decans anzugreifen, und am Tage nach Roswell's förmlicher Einſetzung als Teſtamentsvollſtrecker ehelichte er Mary Pratt und wurde in Folge des damals noch beſtehenden Rechtes, denn es iſt jetzt aufgehoben, Inhaber ihrer ganzen unbeweg⸗ lichen Habe. Jetzt können Mann und Frau einen ganz hübſchen Familienſtreit über ein halbes Dutzend Theelöffel anfangen, und die Letztere kann, wenn es ihr einfällt, dem Erſtern befehlen, einen ihrer Schaukelſtühle zu verlaſſen. Der häusliche Friede iſt gewiß nichts ſo Unbedeutendes, daß das Geſetz noch neue Veranlaſſungen zu Hader zu ſchaffen braucht, während ſo mancher Hader bereits von dem Eheſtand unzer⸗ trennlich zu ſein ſcheint. Wie dem aber auch ſein mag, ein ſolches Geſetz beſtand noch nicht, als Roswell Gardiner und Mary Pratt Mann und Frau wurden. Eines der erſten Anliegen des glücklichen,“ jungen Ehepaares war die paſſende Verwendung der Summe, welche man auf dem ſo viel beſprochenen Klippenneſt am —— Fuße 2000 welch Betre beſtin das geſetz wenig welch ſeiner Grad 8 von zugebe die ga ihr L. der T er ſich Wittw 2 fahrt ſeiner dem 5 geſend⸗ holen, erlaub A kam, Das. Davis, ſtraff, atstage ym zu merkte gerten t mit⸗ wenn ch der g des rlicher Pratt echtes, beweg⸗ ganz elöffel dem Der ß das aucht, unzer⸗ eſtand Nann ichen,“ mme, t am — 309— Fuße des Baumes gefunden hatte. Sie betrug etwas über 2000 Dollars, denn, wie es ſcheint, hatte der Seeräuber, welcher Daggett das Geheimniß mittheilte, den genauen Betrag ſelbſt nicht gekannt. Dieſes Gold gehörte in Folge einer beſondern Vertrags⸗ beſtimmung mit der Mannſchaft, dem Decan allein, war alſo das Eigenthum ſeiner Nichte, und durch ſie hatte Roswell geſetzlich darüber zu verfügen. Der junge Mann war nichts weniger als geneigt, ſich in den Beſitz von Geld zu ſetzen, welches urſprünglich von Seeräubern erbeutet worden, und ſeiner gewiſſenhaften Gattin widerſtrebte dieß in noch höherm Grade. Nachdem ſie jedoch dieſe Frage verhandelt hatten und ſich von der Uumöglichkeit überzeugten, das Gold denen wieder⸗ zugeben, welchen es gewaltſam abgenommen worden, wurde die ganze Summe unter die Familien derer vertheilt, welche ihr Leben auf den Robben⸗Inſeln verloren hatten. Obgleich der Betrag der einzelnrn Theile nicht bedeutend war, erwies er ſich doch wohlthuend und erheiterte die Herzen mehrerer Wittwen und armen Schweſtern. Aber die Sorgfalt Roswell Gardiner's für ihre Wohl⸗ fahrt ging noch weiter. Er hatte den Seelöwen wieder in ſeiner frühern Geſtalt ausgebaut und aufgetakelt und unter dem Befehle Hayard's abermals nach den Robben⸗Inſeln geſendet, um den zurückgelaſſenen Thran und die Felle abzu⸗ holen, und das Schiff, wenn Jahreszeit und Witterung es erlaubten, vollſtändig zu„füllen.“ Alles dieß wurde glücklich ausgeführt und der Schoner kam, nach einer ſehr kurzen Reiſe, mit voller Ladung zurück. Das Geld, welches dieſes glücklich ausgeführte Unternehmen ——röööööööö — 310— abwarf, wurde verwendet, um Manche zu tröſten, welche Grund hatten, um ihre früheren Verluſte zu trauern. Roswell und Mary hatten alle Urſache, mit ihrem Looſe zufrieden zu ſein. Das Vermögen des Decans ſtellte ſich weit bedeutender heraus, als man anfangs geglaubt hatte. Als Alles geordnet war, fand Roswell, daß ſeine Gattin mehr als dreißigtauſend Dollars beſaß, eine Summe, welche zu jener Zeit auf Oyſter⸗Pond für Reichthum galt. Wir haben jedoch bereits angedeutet, daß die Einfachheit und, wir fürchten, mit ihr das Glück von dieſer Gegend geſchieden iſt. Eine Eiſen⸗ bahn endigt nicht weit von des Decans ehemaligen Wohnſitze und hat das ganze Getöſe, ſo wie die Eiferſüchteleien und den Ehrgeiz ſolcher Plätze in ihrem Gefolge. Was ſelbſt ſchlimmer iſt,— der altehrwürdige, bezeichnende Name„Oyſter⸗Pond“ (Auſtern⸗Teich), welcher an ſich ſchon an ſaftige Gerichte gewiſſer, ſehr ſchmackhafter Art erinnert, iſt— Gott ſei mit uns!— in„Orient“ umgewandelt worden! Long⸗Island iſt bisher in der Geſchichte von Neu-York durch das einfach Bezeichnende ſeiner Namen berühmt geweſen, das gewöhnlich auf die geographiſche Eigenthümlichkeit des Platzes hindeutete. „Jeruſalem“ kann ſich allerdings keines Salomoniſchen Tem⸗ pels, und„Babylon“ keiner hängenden Gärten rühmen, man hat ſich aber allgemein darüber vereinigt, dieſe und ein halbes Dutzend Namen ähnlicher Art für das Gegentheil deſſen zu nehmen, was ſie andeuten. Roswell Gardiner ließ Stimſon nicht aus den Augen wie zu geſchehen pflegt, wenn Seeleute ein Schiff verlaſſen⸗ Er kaufte ihm eine Schluppe, welche regelmäßig zwiſchen Neu⸗York und Southold hin und her ging, mit welchem Geſchäfte der gute alte Mann ſeine Zeit ausfüllte und einer vern eine wur nack freu wele nent Ma Mer Wel gene dieſ We dam zieh erre Sta Sel bem dem das wür dieſe erfre des Ver Ein und elche Looſe weit Als mehr jener edoch mit riſen⸗ nſitze d den nmer ond“ richte i mit sland nfach hnlich zeutete. Tem⸗ man halbes en zu Augen laſſen. diſchen elchem einer — 311— verwittweten Schweſter, welche bei ihm wohnte, die Mittel zu einem behaglichen Daſein ſchuf. Die einzige kleine Liſt, deren Mary ſich je ſchuldig machte, wurde kurz nach Stimſon’s Tod, und ſechs bis acht Jahre nach ihrer Verheirathung ins Werk geſetzt. Eine ihrer Schul⸗ freundinnen, eine Verwandte, hatte einen Mann geehelicht, welcher„weſtlich von der Brücke“ wohnte, wie man Alles zu nennen pflegt, was weſtlich vom Cayuga⸗See liegt. Dieſer Mann hieß Hight, beſaß Mühlen und lieferte eine große Menge jenes vortrefflichen Mehles, das ſich ſelbſt in der alten Welt eines wohlverdienten Rufes zu erfreuen beginnt. Er war geneigt, mit Roswell in Geſchäftsverbindung zu treten, und dieſer verkaufte ſeine Beſitzung und wanderte nach dem„großen Weſten“ aus, wie man das Land„weſtlich von der Brücke“ damals nannte, während man jetzt tauſend Meilen weiter ziehen muß, wenn man das ſogenannte„weſtliche Land“ erreichen will. Mary hatte ſich ſehr bemüht, dieſe Auswanderung zu Stand zu bringen. Sie hatte bei ihrem Gatten eine gewiſſe Sehnſucht nach dem Meere und nach Robben und Wallſiſche bemerkt, und hielt ihn nicht für geborgen, ſo lange ſie ihn in dem Bereiche des duftigen Salzwaſſers wußte. Und wahrlich, das Entzückende dieſes Wohlgeruches kann nur der gründlich würdigen, welcher ihn in ſeiner Jugend eingeſogen hat, und dieſer Eindruck bleibt, ſo lange man ſich geſunder Sinne erfreut. Eine ſich mehrende Familie jedoch, und das Eldorado des Weſten, welcher damals Waizen hervorbrachte, waren Veranlaffungen, dahin auszuwandern, und da Mary ihren Einfluß geltend machte, wurde der gewünſchte Plan ausgeführt, und länger als zwanzig Jahre war Roswell Gardiner in —y—y—ee — 312— einer der weſtlichen Grafſchaften des„Herrſcherſtaates,“ wie Neu⸗York ſich gern nennen hört, ein gedeihlicher Müller in einem großen Maßſtabe. Roswell wankte nie in ſeinem Glauben, ſeit er ſich ſeiner Unbedeutendheit im Vergleich mit der Macht Gottes recht innig bewußt geworden. Er hatte ſich die wichtige Lehre in reli⸗ giöſem Glauben, die der Demuth, ohne welche Niemand wahr⸗ haft bußfertig oder ein wahrer Chriſt ſein kann, tief einge⸗ prägt. Er dachte nicht mehr daran, mit ſeinen beſchränkten Gaben die Gottheit bemeſſen oder ſeine blinde Vernunft⸗ ſchlüſſe Angeſichts der beſtimmten Offenbarung geltend machen zu wollen. Er ſah, daß dieſe ganz angenommen, oder ganz ver⸗ worfen werden mußte, und es war eine zu augenfällige Beweis⸗ kraft, eine zu eindringende Wahrheit, eine zu göttliche Moral in dem Evangelium, als daß ein Geiſt, wie der ſeinige, ſich von demſelben hätte trennen können. Mit Mary an ſeiner Seite fuhr er fort die Dreieinigkeit zu verehren und an ihre Geheimniſſe in demuthsvollem Vertrauen auf die Worte gott⸗ begeiſterter Männer zu glauben. —ô—— 1 b