ö Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von CEduard Otltmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Seſe ebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfänandhanr und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 17 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. ) 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: · 8 1 Mt. f.——— 2 Mt. ff — auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mr. 50 Pf. Mk.— Pf. A 23 3 I und Arelgſendusg ſe und Zurückſendun J 5. Auswärtige Abonnenten haben für der Bücher ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und Jpefecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der j Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ — lorene oder defecte Buch ein Theil ſüßs größeren T Lerkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 1 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, vaß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir dellehen⸗ auch dafür zu ſtehen haben. d ———— — — J. F. Cooper's = 1 ſaͤmmtliche Werke. die 247 ſtes— 249 ſtes Bändchen. Die Seelöwen oder die verlornen ——— 29 Robbenjäger. —— 1 Erſter Theil. 1 1 1 1— 6(— = Frankfurt am Main, 1849. J. D. Sauerländer's Verlag. Die Seelöwen 3 der ke. die verlornen Robbenjäger. Roman von James Fenimore Cooper. nnen Aus dem Engliſchen überſetzt. 1 Erſter Theil. Frankfurt am Main, 1849. a g. J. D. Sauerländer's Verlag. — — 9— — 2 W 4 Herzens der Men ſo beredt und ſeine bedacht, verſchließ dieſes bei unter Zel den Blick und Bedi Wahrheit welches i des weite Die Nachdenke Eine Mif 4 das Firm Allmacht welches a erglühen —--—= “ „— A Vorrede. Wenn irgend etwas von der Härte des menſchlichen Herzens zeugen kann, ſo iſt es die Gleichgiltigkeit, mit welcher der Menſch inmitten der erhabenen Naturerſcheinungen, welche ſo beredt, ſo unaufhörlich zu ſeiner Phantaſie, ſeinem Herzen und ſeinem Verſtande reden, nur auf ſeine weltlichen Zwecke bedacht, ſein Daſein fortſpinnt. Das Leben des Einzelnen verſchließt ſich ſo in ſein Ich, und er beachtet Alles außerhalb dieſes beſchränkten Kreiſes ſo wenig, daß kaum zufällig Einer unter Zehn in den vier und zwanzig Stunden auch nur einmal den Blick von ſeinen eigenen unmittelbaren Wünſchen, Plänen und Bedürfniſſen abwendet, um ihn zu der Majeſtät, Gnade, Wahrheit und Gerechtigkeit des göttlichen Weſens zu erheben, welches ihn als ein Stäubchen unter die Myriaden Bewohner des weiten Weltalls hingeweht hat. Die phyſiſchen Wunder des Univerſums rufen kaum mehr Nachdenken hervor, als die tiefſten moraliſchen Wahrheiten. Eine Million Augen fliegen in einer wolkenloſen Nacht über das Firmament, und kaum hundert fühlen ihre Seele von der Allmacht des erhabenen Weſens durchbebt und durchdrungen, welches alle dieſe Wunder geſchaffen,— nicht hundert Herzen erglühen von der Andacht, welche eine ſolche Anſprache an die Gefühle und an den Verſtand natürlich hervorrufen ſollte. Dieſe Gleichgiltigkeit hat theilweiſe ihren Grund darin, daß wir dieſe Herrlichkeiten ſtets vor Augen haben, denn das, was wir ſtets vor uns ſehen, wird zu einem Theile der Luft, welche wir einathmen; und bleibt ebenſo unbeachtet. Eine der Folgen dieſer Neigung, die allmächtige Hand, welche in Allem um uns her ſo ſichtbar wird, iſt die, daß wir unſere Kraft an die Stelle der ihrigen ſtellen. In unſerer Zeit, in gebildeten Ländern und außer dem Bereiche unmittel⸗ barer Götzendienerei ſind nur Wenige ſo verwegen, das Daſein und die Macht eines höchſten Weſens zu leugnen; dieß aber zugegeben, wie Wenige fühlen jene tiefe Verehrung vor ihm, welche das Weſen unſeres Daſeins mit Recht verlangt! Der Mangel des wahren Gefühls der Demuth, ein trauriges Miß⸗ verſtehen deſſen, was wir ſind, und zu was wir geſchaffen wurden, führt uns in der richtigen Schätzung unſerer Unbe⸗ deutendheit, der Majeſtät Gottes gegenüber, nur zu oft irre. Nur ſehr Wenige erreichen die Stufe des menſchlichen Wiſſens, welche ſie vollkommen einſehen lehrt, wie viel noch zu lernen bleibt, und wie viel unſer Geiſt niemals zu erreichen hoffen kann. Wir hören oft von gottähnlichen Geiſtern und den unermeßlichen Befähigungen, welche uns inne wohnen; und all dieß mag wohl unſeres Preiſes würdig ſein, bis wir uns in dieſer und tauſend anderen Beziehungen mit ihm ver⸗ gleichen, der all dieß geſchaffen hat. Dann wird freilich unſere Unbedeutendheit zu augenfällig, als daß man einen Zweifel deßhalb hegen dürfte. Wir wiſſen, daß wir geboren worden und daß wir ſterben; die Wiſſenſchaft konnte mit den Erſchei⸗ nungen dieſer zwei großen phyſiſchen Thatſachen in Kampf treten, nur die weſentlichſte Frage: Was iſt Leben? Was iſt 5 Tod? könne weit Schö⸗ Erwe das Verm den 2 er iſt hüllt nicht Zeugt Ueber Texte daß 1 und l nicht könne Schw Feind 8 der el Wir den g ligen Glau und gunge Gerit 5 9 Tod? ließ ſie unbeantwortet. Etwas, das wir nicht begreifen können, liegt jeder natürlichen Erſcheinung zum Grunde.„So weit und nicht weiter!“ ſcheint jeder großen Thatſache der Schöpfung aufgedrückt zu ſein. In allen unſeren geiſtigen Erwerbungen kommen wir zu einem Punkte, wo ein Geheimniß, das kein menſchlicher Verſtand ergründet, an die Stelle der Vermuthung und des Beweiſes tritt. Dieſer Punkt mag für den Verſtand des Einen ferner liegen als für den des Andern; er iſt aber für Alle da, hält die Forſchung Aller auf und hüllt Alle in ſeinen Schleier. Wir wiſſen wohl, daß die Gelehrteren unter denen, welche nicht an die Göttlichkeit Chrkſti glauben, ſich auf geſchriebene Zeugniſſe ſtützen zu dürfen meinen und ſich auf Fehler in der Ueberſetzung, auf Mißgriffe und Mißdeutungen des alten Textes berufen. Demungeachtet dürfen wir wohl annehmen, daß neun Zehntheile derer, welche die alte Anſicht verwerfen und der neuen beipflichten, dieß nur deßwegen thun, weil ſie nicht geneigt ſind, das zu glauben, was ſie nicht begreifen können. Dieſer Vernunftſtolz iſt einer unſerer gefährlichſten Schwächen, und man hat ſich gegen ihn als unſeren mächtigſten Feind zu wahren. Wie vollſtändig, wie philoſophiſch umfaßt und veredelt der ehrwürdige chriſtliche Glaube alle dieſe Gefühle des Herzens! Wir ſagen philoſophiſch, denn es wäre dem Geiſte unmöglich, den ganzen Gegenſtand richtiger darzulegen, als er in des hei⸗ ligen Paulus höchſt faßlichen, aber kurzen Erklärung des Glaubens dargelegt iſt. Der Glaube iſt der mächtige Grund und Charakterzug der Kirche auf Erden. Er gleicht Befähi⸗ gungen, Stände, Mittel und Zwecke aus und erfüllt den Geringſten wie den Begabteſten mit Muth und Hoffnung. — 8— Wenn die Geſundheit oder die gewöhnlichen Mittel des Erfolgs uns verlaſſen, beginnen wir zu fühlen, wie ganz unfähig wir ſind, auch nur unſere eigenen Zwecke durchzu⸗ führen, geſchweige in die tiefen Geheimniſſe einzudringen, welche den Anfang und das Ende umhüllen. Man hat oft geſagt, die glücklichſten Lenker ihrer Mitmenſchen ſähen ihre eigene Unzulänglichkeit zu Erreichung ihrer Zwecke am klarſten. Wenn Napoleon, wie man behaupten will, wirklich geſagt hat: Je propose et je dispose, muß es in einem jener raſchen Augenblicke geſchehen ſein, wo der Erfolg ihn über ſeine Unzulänglichkeit blendete. Niemand baute mehr auf das Glück, gab den Ausgang großer Begebenheiten lieber den Beſchlüſſen des Schickſals anheim und achtete ängſtlicher auf das Steigen und Sinken ſeines„Sterns,“ wie er es nannte. Dieß war ein Glaube, welcher nicht zum Guten führen konnte; aber er bewies deutlich, wie die kühnſten Pläne, die ausge⸗ dehnteſten Mittel und der ſtolzeſte Ehrgeiz bei weitem nicht jenes erhabene Bewußtſein der Macht und ihrer Segnungen geben, welche die Herrſchaft der Allmacht auszeichnen. Der Zweck dieſes Buches iſt, den Menſchen auf einem neuen Gebiete ſeiner Thatkraft darzuſtellen und ſeine Abhän⸗ gigkeit von der Hand zu ſchildern, die keinen Sperling ohne ihr Wiſſen vom Dache fallen läßt. Die wiffenſchaftlichen Verſuche, welche die Seemänner der vier größten Seeſtaaten der Chriſtenheit in der neueren Zeit beſchäftigt haben, führten zu Entdeckungen, welche uns mit beiden Polarkreiſen vertrauter machten, als dieß, ſo weit bekannte Ueberlieferungen reichen, früher der Fall war. Wir ſagen„bekannte Ueberlieferungen,“ denn man darf annehmen, daß die Alten unſere Halbkugel kannten, wenn ſie auch den Gefahren hoher Breitegrade viel⸗ —— el des ganz rchzu⸗ ngen, it oft ihre rſten. eſagt jener über f das den rauf unte. unte; usge⸗ nicht ngen inem hän⸗ ohne ichen aten orten uter hen, 2n,4⸗ ugel viel⸗ —— leicht nicht getrotzt haben. Viele ſind jetzt der Anſicht,„Ophir“ ſei auf dieſem Feſtlande zu ſuchen, obgleich ſie freilich keinen beſſeren Grund anzugeben wiſſen, als den Umſtand, daß man in neuerer Zeit ſo viel Gold bei uns entdeckt hat. Dieſe Gelehrten ſollten bedenken, daß man auch Pfauen in dem alten Ophir fand, wenn ſie jedoch recht haben, müſſen die iſraelitiſchen Reiſenden alle unſere Pfauen entführt haben. Namen, wie die von Parry, Sabine, Roß, Franklin, Wilres, Hudſon, Ninggold u. ſ. w., ſowie die mehrerer wackeren Franzoſen und Ruſſen nehmen unſere tiefſte Ver⸗ ehrung in Anſpruch; denn Schlachten und Siege ehren den Seemann bei weitem nicht in dem Grade, wie die Gefahren, denen ſie ſich unterzogen, und die Erwerbungen, welche wir ihnen verdanken. Einer dieſer Männer, ein muthiger, erfahrener Seefahrer, muß in dieſem Augenblicke, wie man glaubt, von den Eismaſſen des Nordpols eingeſchloſſen ſein, nachdem er ein halbes Leben bemüht geweſen, ſeine Entdeckungen auf jene fernen, eiſigen Regionen auszudehnen. Er trägt den Namen des ausgezeichnetſten Philoſophen dieſes Landes, und die Natur hat,— in Folge eines jener großen Geſetze, welche unſer Begriffsvermögen ebenſo ſehr überſteigen, wie das größte aller unſerer Myſterien, die Fleiſchwerdung des Sohnes Gottes,— die Natur hat ihm, ſagen wir, Züge aufgeprägt, welche allein ſchon andeuten, daß ſie demſelben Geſchlechte angehören. Wer dieſen eingekerkerten Seemann je geſehen hat und die Geſichts⸗ züge der Männer gleiches Namens kennt, deren es nicht wenige in unſerem, Lande gibt, wird über eine Aehnlichkeit ſtaunen, welche unſere ſtolze Vernunft ebenſo wenig erklären kann, als die erhabenſten Thatſachen, die Wiſſenſchaft und Offenbarung uns lehren. Man hat in dieſem Augenblicke Schiffe ausge⸗ ——— 10 ſandt, welche ihn und ſeine Begleiter aufſuchen ſollen; und es iſt zu hoffen, daß die Vorſehung, welche die verſchiedenen Kreiſe und Zonen unſeres Erdballs ſo ſeltſam gemiſcht und dieſe einer ſengenden Sonne, jene einem ewigen Eiſe anheim⸗ gegeben hat, in ihrer göttlichen Gnade dieſe kühnen Reiſenden in ihren Schutz nehmen und ſie ihren Freunden und ihrem Vaterlande zurückgeben werde. In dem entgegengeſetzten Falle müſſen die Namen dieſer Opfer eines lobenswerthen Strebens, den Kreis des menſchlichen Wiſſens auszudehnen und ſomit den Ruhm Gottes zu erhöhen, der Nachwelt überliefert⸗ werden. Neu⸗York, den 21. März. gen ſelten hier der als einer fällt auhe den nom nur zeich einm faſt Die ihrer man die mitt geſur Erſtes Kapitel, — Verliert er ſie, Dann mag er nur Seewaſſer trinken. Shakſpeare. Während jene hohe Verfeinerung, welche durch einen lan⸗ gen Verkehr mit der großen Welt erlangt wird, in Amerika ſeltener iſt, als in den meiſten Ländern Europas, findet man hier auch weniger eigentliche Rohheit. Dort ſind die Extreme der Geſellſchaft weit geſchieden, und ſtoßen einander eher ab, als ſie ſich anziehen, während bei uns die Hinneigung zu einem gemeinſchaftlichen Mittelpunkte vorherrſcht. Demzufolge fällt in Amerika Alles einem die Mitte haltenden Geſetze auheim, das eine Mittelmäßigkeit erzeugt, welche vielleicht den meiſten Nationen, möglicherweiſe alten, England ausge⸗ nommen, in höherm Grade zum Looſe ſiel, die aber doch ſtets nur eine Mittelmäßigkeit iſt. Auf dieſe Weiſe wird die Aus⸗ zeichnung in keiner Beziehung⸗ gehörig gewürdigt, oft nicht einmal anerkannt, und die Huldigungen der Nation werden faſt immer Eigenſchaften einer untergeordneten Klaſſe geſpendet. Die Mehrheit herrſcht, und es iſt eben ſo unmöglich, ihr in ihrer Beurtheilung von Verdienſten entgegen zu treten, als man ihre Macht bei den Wahlurnen wegleugnen kann; nur die Zeit und ihr mächtiger, wirkſamer Einfluß wird das Heil⸗ mittel bieten, welches den öffentlichen Geiſt wieder in ſeinen geſunden Zuſtand zurückführt, und dem Anmaßling, ſowie tern der Geſchichte anweiſt. Die Thätigkeit des amerikaniſchen Lebens, die Raſchheit und Wohlfeilheit des Verkehrs, und die wandernden Sitten, welche dadurch herbeigeführt wurden, wirken in jedem einzel⸗ nen Theile des Landes der Rohheit und dem örtlichen Cha⸗ rakter entgegen. Dem ſcharfen Beobachter wird es allerdings nicht entgehen, daß der Weſtländer und Oſtländer, der Nord⸗ länder und Südländer, der Yankee und der Bewohner der mittleren Staaten, der Boſtoner, der Manhattaneſe und der Philadelphier, der Tuckahoe und der Cracker, der Buckeye, der Wolveriner und der Jerſey⸗Blue*) ſich von einander unter⸗ ſcheiden; dennoch wird die Welt ſchwerlich ein anderes Bei⸗ ſpiel von einem Volke aufzuweiſen haben, welches von ſo vie⸗ len verſchiedenen Racen abſtammt und ein ſo weit ausgedehn⸗ tes Gebiet bewohnt, und doch in ſeiner äußern Erſcheinung, in Charakter und Anſichten in ſo hohem Grade übereinſtimmt. Ohne Frage haben die Inſtitutionen des Landes weſent⸗ lich dazu beigetragen, dieſe Gleichförmigkeit zu erzeugen, wäh⸗ rend ſie ohne allen Zweifel dadurch, daß ſie die Entſcheidun⸗ gen den Vielen anheim gaben, ſtatt ſich an die Anſichten der Wenigen zu wenden, wie man es anderswo thut, große Nach⸗ *) Die Tuckahoes ſind die Bewohner der öſtlich von den Apalachen gelegenen Staaten; Crackers nennt man die Kentuckier, weil ſie ebemals nur Mais zu eſſen(brechen) hatten; Buckeyes ſind die Bewohner von Ohio, nach der weißblühenden Roßkaſtanie ſo genannt; Jerſey⸗Blues heißen die Neu⸗Jerſeyer, wegen des ſchönen blauen Wollengarns, welches die dortigen Fabriken liefern; Wolverines ſind die Muhiganer. Der Ueberſetzer. dem Ruhmeswürdigen ihre geeigneten Stellen in den Blät⸗ Blät⸗ chheit itten, inzel⸗ Cha⸗ dings Nord⸗ der d der „ der inter⸗ Bei⸗ vie⸗ dehn⸗ nung, mmt. ſſent⸗ wäh⸗ idun⸗ n der tach⸗ achen weil eyes ſtanie vegen briken tzer — 13— theile herbeiführten. Man ſchreitet jedoch vorwärts, und obgleich man Zeit brauchen wird, um die geſellige Säule Amerikas mit jenem anmnthigen, ſchmuckvollen Kapitäl zu zieren, auf deſſen Beſitz Europa mit Recht ſtolz iſt, wird das Werk, wenn es vollendet iſt, auf einer ſo breiten Grundlage ſtehen, daß Jahrhunderte nicht im Stande ſein werden, es zu erſchüttern. Ungeachtet des allgemeinen Charakters der Gleichheit und Gleichförmigkeit, welche das Gemälde der amerikaniſchen Ge⸗ ſellſchaft in ſo hohem Grade auszeichnet, trifft man doch in einzelnen Gegenden Ausnahmen, welche nicht allein beſtimmt und unabweisbar, ſondern ſo eigenthümlich hervortreten, daß ſte in unſerm Umriſſe nationaler Sitten eines nicht bloß vor⸗ übergehenden Blickes würdig ſind. Unſer gegenwärtiger Zweck führt uns in eine jener abge⸗ ſchloſſenen Gegenden, und wir halten es für das Geeignetſte, die Geſchichte gewiſſer höchſt anziehender Begebenheiten, deren Schilderung wir verſuchen wollen, damit zu beginnen, daß wir der Oertlichkeit und der Leute gedenken, wo und von denen die Hauptperſonen unſerer Erzählung entſtammt ſind. Wer mit der Karte von Amerika einigermaßen vertraut iſt, kennt die Lage und die allgemeine Geſtalt der zwei Inſeln, welche den wohlbekannten Hafen der großen Handelsſtadt des Landes ſchützen. Dieſe Inſeln erhielten ihre Namen von den Holländern, welche ſie Naſſau und Staten hießen; die Eng⸗ länder aber, die vor der alten Familie, von welcher der erſte jener Namen herrührte, wenig Achtung an den Tag legten, und nur den einfachen Geſchmack, welcher ſie in Allem eher zu einer praktiſchen, als zu einer poetiſchen Wahl des Aus⸗ drucks leitet, zu Rath gezogen, haben den Namen Naſſau — 1 ganz fallen laſſen und Long⸗Island an deſſen Stelle geſetzt. Long⸗Island oder die Inſel Naſſau erſtreckt ſich von der Mündung des Hudſon bis zu der öſtlichen Grenze von Connec⸗ ticut und bildet eine Art Seewall, welcher die ganze Küſte des letztern kleinen Gebietes gegen die Wellen des mächtigen atlantiſchen Meeres ſchützt. Drei der älteſten Neu⸗Yorker Grafſchaften, wie ihre Namen, die des Königs, der Königin und Suffolk, ſchon andeuten, liegen auf dieſer Inſel. Die erſtere wurde urſprünglich von den Holländern bevölkert und hat, wenn man die in neuerer Zeit entſtandenen Städte aus⸗ nimmt, noch jetzt eben ſo viele holländiſche als engliſche Namen aufzuweiſen. Die Königin⸗Graſfſchaft iſt gemiſchter, denn hier drangen ſchon früh Abenteurer von der andern Seite des Sundes ein und ſetzten ſich feſt; Suffolk aber, wel⸗ ches beinahe, wenn nicht völlig zwei Drittheile der ganzen Inſel umfaßt, iſt und war ſtets im Beſitz eines Volkes, das urſprünglich von den Puritanern Neu⸗Englands herſtammt. Die Königs⸗Graſfſchaft iſt unter dieſen Drei bei Weitem die kleinſte, nach Neu⸗York ſelbſt aber die bevölkertſte in dem Staate, was dem Umſtande zuzuſchreiben iſt, daß zwei neu entſtandene Vorſtädte des großen Stapelplatzes, Brooklin und Williamsburg, zufällig innerhalb ihres Bereiches an der Küſte des irrthümlich ſo genannten Eaſt⸗Rivers liegen,— eines Armes der See, welcher dieſen Namen erhalten hat, um ihn von dem Hudſon zu unterſcheiden, welcher, wie alle Manhat⸗ taneſen wohl wiſſen, eben ſo oft North⸗River als nach ſeinem eigentlichen Namen genannt wird. Seit der Entſtehung dieſer zwei Vorſtädte Neu⸗Yorks, deren eine faſt hunderttanſend Seelen zählt, während die ande die oder Kön Suf hab alle Erle die eine ſcha Bed rige Als Haf Rar eine iſt fiſch inde betr dieſ zu esp chit In Stelle n der onnec⸗ Küſte ztigen Horker nigin Die t und aus⸗ gliſche ſchter, ndern wel⸗ anzen „ das imt. beitem dem i neu nund Küſte eines n ihn nhat⸗ einem Horks, d die — 415— andere kaum weniger als zwanzigtauſend umfaſſen dürfte, hat die Königs⸗Grafſchaft ihren ganzen frühern, eigenthümlichen oder örtlichen Charakter verloren. Daſſelbe gilt von der Königin⸗Grafſchaft, obgleich in einem geringern Grade; Suffolk aber iſt immer noch Suffolk, und mit Suffolk allein haben wir es in dieſer Erzählung zu thun. Von Suffolk allein alſo gedenken wir hier einige Worte als vorläufige Erläuterung zu ſagen. Obgleich die Seeküſte von Suffolk ausgedehnter iſt, als die des übrigen Staates von Neu⸗York, hat es doch nur einen Seehafen, deſſen man außerhalb der Grenzen der Graf⸗ ſchaft ſelbſt erwähnt. Auch iſt dieſer Hafen nicht von großer Bedeutung, denn ſeine Schiffe ſind vorzugsweiſe dem ſchwie⸗ rigen, mannhaften Geſchäfte des Wallſiſchfanges zugethan. Als eine mit dem Wallfiſchfange beſchäftigte Stadt iſt Sag⸗ Hafen der dritte oder vierte Hafen des Landes, und weiß dieſen Rang auch ziemlich zu behaupten. Ein dem Wallſiſchfange zugethaner Hafen iſt Nichts ohne eine dem Wallfiſchfange zugethane Bevölkerung. Ohne dieſe iſt an einen Erfolg nicht zu denken. Neu⸗York kann Wall⸗ fiſchfahrer für die See ausrüſten und hat dieß oft gethan, indem es in den gewöhnlichen Häfen, wo man dieſes Geſchäft betrieb, Offiziere warb; ſelten aber haben Unternehmungen dieſer Art ſoviel eingetragen, daß dieſelben Unternehmer ſich zu einer zweiten Reiſe verſtanden hätten. Ein Wallſiſchfahrer muß eben ſo unerläßlich einen gewiſſen esprit de corps haben, wie ein Regiment oder ein Kriegs⸗ chiff von einem ihm eigenthümlichen Geiſte belebt ſein muß. In einem dem Wallſiſchfange zugethanen Hafen herrſcht dieſer Geiſt in einer Ausdehnung und in einem Grade, welche ——— —ͤͤͤͤͤ — Bewunderung einflößen, wenn man bedenkt, wie ſehr ſich dieſer Handelszweig in den letzten fünf und zwanzig Jahren ausge⸗ breitet hat. Die letzten Jahre waren ihm vielleicht nicht ſo günſtig; zur Zeit aber, von welcher wir reden, oder um das Jahr 1820 verſolgte Niemand in dem Sag⸗Hafen dieſen Beruf, deſſen allgemeiner Ruf an Bord des Schiffes nicht allen Frauen und Mädchen des Ortes eben ſo gut bekannt geweſen wäre, wie ſeinen Schiffsgenoſſen ſelbſt. Der glück⸗ liche Erfolg bei dem Wallſiſchfange machte ſich in jeder Fiber des ſtädtiſchen Gedeihens fühlbar, und es war eben ſo natür⸗ lich, daß die biedere Bevölkerung dieſes Theiles von Suffolk auf den kühnen und geſchickten Harpunirer oder Lanzenſchleu⸗ derer mit Vorliebe ſchaute, wie es erklärlich iſt, daß an einem Badeorte die„Schönſte“ ihr Lächeln einem der jungen Helden von Contreras oder Chorobusco*) zuwendet?, Man ſprach allein von ſeinen eigenthümlichen Verdienſten als Ruderer, oder Harpunirer oder Lanzenſchleuderer, und nannte die Zahl der Wallſiſche, welche er ſo glücklich war„feſtzumachen,“ oder die er zum„Blutſpeien“ brachte. Allerdings hat die große Ausdehnung dieſes Geſchäfts in den letzten zwanzig Jahren, wo ſo Viele aus der Ferne herbeikamen um ſich ihm zu widmen, dieſes örtliche Intereſſe und dieſen örtlichen Ruf jedes Einzelnen einigermaßen gemindert; wir ſprechen aber hier von den Tagen, wo alles dieß in der ſchönſten Blüthe ſtand, und wo ſelbſt Nantucket keine ſolche Liſten von Berühmt⸗ heiten, oder mehr von dem echten Wallfiſchfahrer esprit de corps aufzuweiſen hatte, als man in dem Landbezirke fand, welcher Sag⸗Hafen umgab. *) An beiden Orten ſiegten die Amerikaner gegen die Mexicaner. Der Ueberſetzer. Lon man kar bei Wei Namen daß ſich das woh In! wegen ſe Inſel ur ſich die den,— rend ein von der endigt. Der gen, nie welcher nach der zuſamme Jahrhun ganzen nehmung umgeſche iſt ein 9 Neu⸗Yo Jahrhun Santa( an dieſer Fortſchri Gegend 247— eſer öge⸗ das eſen icht nnt ück⸗ ber ür⸗ folk leu⸗ nem den ach rer, ahl n,““ die zig hm Nuf ber the mt⸗ —— Long⸗Island läuft in zwei Spitzen nach Oſten aus, und man kann ſagen, es habe zwei Enden. Das eine derſelben, bei Weitem der kürzere dieſer beiden Ausläufer, iſt unter dem Namen Oyſter⸗Pond⸗Point bekannt, während das andere, daß ſich viel weiter in der Richtung der Block⸗Inſel hinſtreckt, das wohlbekannte Cap Montauk iſt. Innerhalb dieſer Gabel liegt Schelter⸗(Schirm⸗) Inſel, wegen ſeiner geſicherten Lage ſo genannt. Zwiſchen Schelter⸗ Inſel und der längſten oder ſüdlichen Zinke der Gabel breiten ſich die Waſſer aus, welche das Becken des Sag⸗Hafens bil⸗ den,— eine Art Binnenſee von ziemlicher Ausdehnung; wäh⸗ rend ein ſchmaler, aber tiefer Arm des Meeres dieſe Inſel von der nördlicheg Zinke trennt, welche bei Oyſter⸗Pond endigt.* 4 Der Name Fhſter⸗Pond⸗Point wurde früher einem lan⸗ gen, niedrigen, ſtuchtbaren, freundlichen Landſtriche beigelegt, welcher ſich mehrere Meilen weſtlich von der Spitze ſelbſt nach dem na. hinzog, wo die zwei Zinken der Gabel zuſammenſtießens Man hätte in dem erſten Viertel des jetzigen Jahrhunderts ſchwerlich eine abgeſchloſſenere Stelle auf der ganzen Inſel gſfenue als Oyſter⸗Pond war. Neutre Unter⸗ nehmungen haben es jetzt zu dem Endpuukte einer Eiſenbahn umgeſchaffen, und Green⸗Port, ehemals Sterling genannt, iſt ein Name, welcher denen wohl bekannt iſt, die zwiſchen Neu⸗York und Boſton reiſen; in dem frühern Theile dieſes Jahrhunderts aber ſchien es eben ſo wahrſcheinlich, daß die Santa Caſa von Loretto einen neuen Flug beginnen und ſich an dieſer Stelle niederlaſſen würde, als daß der Geiſt des Fortſchrittes in Geſtalt einer Eiſenbahn in dieſe abgelegene Gegend dringen könne. In der That bedurfte es des ſcharfen 247— 249. 2 — 18— Auges eines Eiſenbahn⸗Spekulanten, um dieſen Fleck mit irgend Etwas in Verbindung zu bringen; auch war dieß nur möglich, indem man ſeine Zuflucht zu dem Waſſer nahm, von welchem er faſt umgeben iſt. Mittelſt des letztern iſt es aller⸗ dings gelungen, die zwei großen Marktplätze des Landes mit⸗ einander zu verbinden, und ſo aller ſeiner Abgeſchloſſenheit, ſeiner Einfachheit, ſeiner Eigenthümlichkeit und, wir möchten faſt ſagen, ſeinem Glücke ein Ende zu machen. Es iſt uns immer ein peinlicher Anblick, wenn wir die ländlichen Tugenden durch das Eindringen der ſogenannten Verbeſſerungen rauh bei Seite geworfen ſehen. Eine Eiſen⸗ bahn iſt für den Reiſenden gewiß eine herrliche Erfindung; es iſt aber die Frage, ob ſie irgend einen andern Vortheil bietet als den des Gelderwerbs für die Orte, durch welche ſie führt. Wie viele liebliche Weiler, freundlichs Dörfer und ſelbſt ruhige Landſtädtchen verlieren ihren herkömmlichen Ruf in Bezug auf Einfachheit und Ruhe durch das Vorüberfliegen dieſer Feuerwagen, welche ein Gemengſel nachgeäffter Eleganz, falſchen Ehrgeizes, der allen Seelenfrieden untergräbt, und eine unbehagliche Sehnſucht aller Anwohner der Bahn, die Geheim⸗ niſſe des ganzen weiten Bereichs, welches ſie durchſchneidet, zu erlauſchen, in ihrem Gefolge haben. Wir ſchreiben von dem Jahre des Herrn tauſend acht hundert neunzehn. Zu jener Zeit war Oyſter⸗Pond eine ländliche Gegend,— ländlich in dem beſten Sinne dieſes Wortes. Ihre Bewohner waren allerdings an das Waſſer und an den Anblick von Schiffen gewöhnt, vom Zweidecker an bis zu dem kleinen, ſchmutzig ausſehenden Boote, welches Aſche aus der„Stadt“ brachte, um dem ſandigen Boden von Suffolk nachzuhelfen. Nur fünf Jahre früher hatte ein engliſ um d Auge auf j für a nun zuſam Hafer Musß ſolche nicht Bewo Seite Alt⸗ 3 durch ſeligk Küſte und ſicher Einbr ſtens hafen ganze den, Schel von Küſte Fleck mit dieß nur ahm, von es aller⸗ undes mit⸗ gpoſſenheit, r möchten n wir die genannten ine Eiſen⸗ Frfindung; Vortheil welche ſie und ſelbſt n Ruf in überfliegen Eleganz, „und eine ie Geheim⸗ chſchneidet, uſend acht Pond eine nne dieſes as Waſſer Zweidecker e, welches gen Boden hatte ein — 19— engliſches Geſchwader in Gardener's Bai vor Anker gelegen, um die öſtliche Oeffnung des Sundes, Race genannt, im Auge zu behalten, den Handel abzuſchneiden und den Feind auf jede Weiſe zu beläſtigen. Mit ſolchen Scherzen hat es für alle Zeit ein Ende. Kein feindliches Geſchwader, ſei es nun ein engliſches, franzöſiſches, holländiſches oder alle zuſammen, wird fortan auf längere Zeit einen amerikaniſchen Hafen blockiren, denn der junge Herkules gedeiht zu raſch an Muskelkraft und Knochenfeſte, um länger zuzugeben, daß man ſolche Spiele vor ſeiner Wiege treibt. Der Art war aber nicht ſein Zuſtand in dem Jahre 1812, und die guten Bewohner von Oyſter⸗Pond hatten ſich an die bunt gemalten Seiten der Zweidecker und an die ehrwürdige, ſchöne Flagge Alt⸗Englands, welche darüber flatterte, gewöhnt. Das gute Volk von Oyſter⸗Pond war aber nicht bloß durch den Anblick aus der Ferne und in Folge von Feind⸗ ſeligkeiten mit Schiffen bekannt. Neu⸗York iſt der ganzen Küſte unentbehrlich, da es einen ſtets ſichern Abſatz bietet und jeder Bedarf von dort zu beziehen iſt, und man kann ſicher ſein, auf eine Entfernung von hundert Meilen in jeder Einbuchtung, in jeder Bai und in jedem Waſſerbecken wenig⸗ ſtens ein Fahrzeug zu finden, das zwiſchen dem Lieblings⸗ hafen und der fraglichen Stelle hin⸗ und hergeht. So war es auch mit Oyſter⸗Pond. Man findet an der ganzen amerikaniſchen Küſte kaum einen beſſern Hafen als den, welchen der ſchmale Seearm zwiſchen dem„Point“ und Schelter⸗Inſel darbietet; und ſelbſt in den einfachen Tagen, von welchen wir ſchreiben, hatte Sterling zwei bis drei Küſtenfahrer, mochten ſie nun ſein, wie ſie wollten. Der eigentliche ſeemänniſche Charakter von Oyſter⸗Pond 2* aber und von ganz Suffolk zumal ſchrieb ſich von den Wall⸗ ſiſchfahrern her, und der eigentliche Mittelpunkt war entlang der Seebucht, welche Sag⸗Hafen umgibt. Dahin eilten die jungen Burſche aus der ganzen Umgegend, um Beſchäftigung zu ſuchen und„ihr Glück zu machen,“ was gewöhnlich mit dem Erfolge gekrönt wurde, der Unternehmungsgeiſt, Fleiß und Kühnheit zu begleiten pflegt, wenn mäßiger Gewinn das Ziel tüchtigen Kraftaufwandes iſt. Keiner wurde im ſtrengen Sinn des Wortes reich, Manche aber gelangten zu ziemlicher Wohlhabenheit, und Viele verhalfen ſich zu einem ihren Bedürfniſſen entſprechenden behaglichen Daſein. Ein Gut in Amerika reicht für den Unterhalt einer Familie ziemlich aus; es genügt aber ſelten für all die wach⸗ ſenden Bedürfniſſe dieſer üppigen Zeit, wo Jeder ſich ſo gern in dem Genuſſe deſſen ſehen möchte, was früher nur in dem unbeſtrittenen Beſitze des wirklich Reichen war. Ein Gut mit einigen hundert Dollars jährlichen Einkommens, welche aus anderen Quellen fließen, gibt eine gute Grundlage der Gehä⸗ bigkeit ab, und wenn an die Stelle dieſer Hunderte Tauſende treten, wird ein ſolcher Landbebauer oder Landwirth nicht nur ein Mann, der in guten Umſtänden lebt, ſondern ein Eigen⸗ thümer von einiger Bedeutung. Die Höfe auf Oyſter⸗Pond waren weder ſehr ausgedehnt, noch hatten ihre Beſitzer ein großes Einfommen zu ihrer Verfügung,— im Gegentheil, die Höfe mußten ihren Eigenthümern den Unterhalt liefern, was bei Fleiß, Mäßigkeit und Umſicht ſelbſt in Amerika möglich iſt. Damit man jedoch wegen den Ortsnamen, deren wir zu erwähnen Grlegenheit haben werden, nicht in Ungewißheit bleibe, müſſen wir in dieſen einleitenden Erläuterungen ein wenig ausführlicher ſein. auf weiß nörd dieſe nenn die ſoger gewõ chen wech Qua Fläch die S nicht dama ling welch Gebie 4 an de von Geſch hatte kannte S Bezeie der U dern L Wall⸗ tlang n die igung h mit Fleiß n das engen licher ihren einer wach⸗ gern n dem it mit e aus Gehä⸗ uſende öt nur Eigen⸗ Pond er ein iil, die „was ich iſt. wir zu vißheit en ein — 21— Der Leſer weiß, daß wir hier von der Grafſchaft Suffolk auf Long⸗Island in dem Staate Neu⸗York ſchreiben. Er weiß auch, daß die Eröffnungsſcene auf der kürzern oder nördlichſten Zinke jener Gabel ſpielt, welche das öſtliche Ende dieſer Inſel ſcheidet, und was man eigentlich zwei Cape nennen kann, bildet. Die kleinſte Gebietsabtheilung, welche die Geſetze von Neu⸗York auf dem Lande zulaſſen, iſt das ſogenannte Township(Stadtbezirk). Dieſe Stadtbezirke ſind gewöhnlich größer als die engliſchen Pfarrdörfer und entſpre⸗ chen ziemlich den franzöſiſchen Cantonen. Ihre Ausdehnung wechſelt jedoch bedeutend, denn die größten enthalten hundert Quadratmeilen, während andere nur den zehnten Theil dieſer Fläche in ſich faſſen. Der Stadtbezirk, in welchem die nördliche Zinke oder die Spitze von Long⸗Island liegt, heißt Southold und umfaßt nicht nur den langen, niedrigen, ſchmalen Landſtrich, welcher damals unter den gemeinſamen Namen Oyſter⸗Pond, Ster⸗ ling u. ſ. w. bekannt war, ſondern auch mehrere Inſeln, welche ſich in dem Sunde hinziehen, ſowie ein größeres Gebietsſtück in der Nähe von Riverhead. Oyſter⸗Pond oder der Theil des Stadtgebietes, welcher an der„Spitze“ liegt, iſt oder war— denn wir ſchreiben von einem früheren Abſchnitte in der raſch fortſchreitenden Geſchichte des Staates— nur ein Theil von Southold und hatte damals wahrſcheinlich noch gar keinen öffentlich aner⸗ kannten Namen. Selbſt in der Ausſprache dieſes Wortes liegt etwas Bezeichnendes. Man ſagt nämlich nicht Oyſter⸗P ond, wie der Uneingeweihte den Namen wohl ausſprechen möchte, ſon⸗ dern Oyſter⸗Pund. Wir freuen uns ſtets, wenn wir bemerken, daß das Volk bei der Ausſprache von Orts⸗ und Eigennamen ſeinen eigenen Weg geht und die Pedanten und Schulmeiſter mit ihren Buchſtabirregeln auslacht. Wir werden ſo vornehm und laſſen ſo gern das bischen Licht, das wir aus den Schul⸗ ſtuben mitgebracht haben, vor aller Welt leuchten, daß man mit großem Vergnügen ſolche gute, heimiſche, altmodiſche Wörter hört, wie Oyſter⸗Pund, Gar'ner's IJnſel(Garde⸗ ner's Inſel) und Humſes Hull(ſtatt Holmes' Hole). Dieſe Einfachheit der Ausſprache war nicht der einzige Beweis von der Einfalt der Sitten, welche in dem erſten Viertel dieſes Jahrhunderts in Sufſolk herrſchte. Das öſtliche Ende von Long⸗Island liegt ſo weit ab von der übrigen Welt, daß ſelbſt die neue Eiſenbahn keinen großen Eindruck auf ſeine Bewohner machen kann, denn ſie kommen mit ihren Schweinen und ihrem Geflügel, ihrer Butter und ihren Eiern allerdings ein wenig früher zum Markte, als in den Tagen der Omnibus, bringen aber glücklicherweiſe bis jetzt wenig zurück, es müßte denn Aſche oder Aehnliches ſein, das den Sandfeldern ſeine befruchtende Kraft mittheilt, mag es nun auf der Eiſenbahn oder in der frühern beſchwerlichern Weiſe anher gebracht werden. Wir führen den Leſer in dem entzückenden September⸗ Monat, wo die früheren Verſprechungen des Jahres raſch der That entgegenreifen, nach Oyſter⸗Pond. Suffolk kann zwar im Ganzen kaum für eine fruchtbare Grafſchaft gelten, denn der Boden iſt allgemein dünner und leichter Art, und noch jetzt da und dort mit Gehölz und Buſchwerk bedeckt, dennoch findet man ungemein fruchtbare Stellen. Dahin gehört ein bedeutender Theil der nördlichen Zinke der Gabel, und Oyſter⸗ Pond iſt eine Art Garten im Vergleich mit der ringsum 4 vorherr Wohnu Obſtbät Aecker, der Ga mit der dazu b zu hebe Ar gegen! in der die abe M entzück Aepfel, Kirſche Bezirk erheben ſtrömen A zwiſche des St zwiſche ſtigen und 2 Schlup kehrich Küſten A einer amen eiſter nehm ſchul⸗ man diſche harde⸗ inzige erſten ſtliche brigen ndruck ihren Eiern Tagen wenig s den s nun Weiſe ember⸗ ſch der zwar „denn nd noch dennoch ört ein Oyſter⸗ ingsum — 28— vorherrſchenden Unergiebigkeit. Einfache, aber anſtändige Wohnungen, unter welchen viele maſſive Häuſer, Gärten, Obſtbäume, ſorgfältig unterhaltene Zäune, fleißig bebaute Aecker, gute Wege, und da und dort ein„Bethaus“ gaben der Gabel ein ländlich und ſittlich ſchönes Ausſehen, welches mit dem Waſſer, das ſie faſt von allen Seiten umfloß, viel dazu beitrug, die Einförmigkeit eines ſolchen Flächenſtrichs zu heben. Auf den Spelter⸗Inſeln hoben ſich ſanfte Hügel, und gegen Riverhead zog ſich eine Klippenkette hin, welcher man in der Schweiz keine große Aufmerkſamkeit zugewendet hätte, die aber in Suffolk keineswegs überſehen wurde. Mit einem Worte, die Jahreszeit und die Gegend waren entzückend, obgleich die meiſten Blumen bereits verwelkt und Aepfel, Birnen und Pfirſiche an die Stelle der einladenden Kirſchen getreten waren. Es gab Obſt in Fülle, ſo nahe der Bezirk auch dem Salzwaſſer lag, denn das ſüdwärts ſich erhebende Land brach oder milderte doch die von der See her⸗ ſtrömenden Luftzüge. Wir haben der Küſtenfahrer erwähnt, welche den Verkehr zwiſchen der Hauptſtadt und all den Waſſerarmen und Buchten des Sundes, ſowie den zahlloſen Flüſſen unterhalten, die ſich zwiſchen Sandy⸗Hook und Rockaway ausmünden. An gün⸗ ſtigen Punkten innerhalb der Gabel hatte man Dämme und Werften gebaut, und dann und wann ſah man eine Schluppe ihre Fracht einnehmen oder Aſche und Straßen⸗ kehricht— die gewöhnliche Rückfracht der Long⸗Islander Küſtenfahrer— ausladen. An einem der Werften lag jedoch jetzt ein Schiff von einer andern Geſtalt und, obgleich nicht von großem Umfange, 80 — — — „ —— doch offenbar beſtimmt, hinaus zu treten. Es war dieß ein erſt in der letzten Zeit vom Stapel gelaſſener Schoner, mit deſſen erſter Ausrüſtung man noch nicht weiter gekommen war, als daß man ſeine zwei Hauptſpieren eingeſetzt und die Takelage derſelben über den Tops aufgehängt hatte, um ſie jeden Augen⸗ blick an Ort und Stelle zu befeſtigen. Da es Sonntag war, ließ man die Arbeit ruhen, und dieß um ſo mehr, als der Eigenthümer des Schiffes ein gewiſſer Decan Pratt war, deſſen Haus eine halbe Meile von dem Werft entfernt lag, und welcher auch der Eigenthümer von drei geſonderten Landſtücken in dieſer Gegend war, deren jedes ſeine eigenen Bäulichkeiten und Wirthſchaftseinrichtungen hatte, und nicht unpaſſend„Gut““ oder„Meierhof“ genannt wurde. Keiner dieſer drei Höfe war freilich von großer Aus⸗ dehnung, denn die geſammte Morgenzahl mochte nicht weit über zwei hundert ſteigen; aber in Folge ihres Zuſtandes, der natürlichen Fruchtbarkeit des Bodens und der Art, wie dieſe benützt wurde, hatten ſie den Decan Pratt zu einem„warmen!“ Manne gemacht, wie man ſich in Amerika auszudrücken pflegt. Es giebt zwei große Arten von Decanen, denn wir glau⸗ ben, ſie ſtammen alle von derſelben Gattung ab. Die eine Art gehört der Geiſtlichkeit an; ſie werden Pfarrer und Biſchöfe, und verſchwinden, wie Pfarrer und Biſchöfe zu verſchwinden pflegen, nämlich mit mehr oder weniger gottſeligem Geruche. Die andere Art iſt weltlicher und ganz eigenthümlicher Natur; ſie beſteht aus den Männern, welche ex officio als die frömmſten der Umgegend gelten, und die zuweilen, wenn wir uns nicht ganz täuſchen, auch ex officio die habſüchtigſten und gemeinſten ſind, Da wir nicht in die Geheimniſſe der Sekten, zu welchen dieſe weltlichen Decane gehören, einge⸗ weih müſf in g der verei Wir from ſchaf war Anw mant mit der Chri word folk zugri lichſt die 3 Erpr Stell Grin ſo fe glaut Himnm Dieb Geſch ieß ein r, mit n war, akelage Augen⸗ u, und fes ein ile von thümer „deren htungen genannt r Aus⸗ iht weit des, der ie dieſe armen““ mpflegt. r glau⸗ Die eine Ziſchöfe, hwinden Geruche. Natur; als die enn wir chtigſten liſſe der „einge⸗ — 25— weiht ſind, werden wir uns jedes Urtheils darüber enthalten müſſen, ob der Mann zu der Decanswürde gelangt, weil er in guten Umſtänden iſt, oder ob die guten Umſtände eine Folge der Decanswürde ſind; gewiß iſt es, daß Beides gewöhnlich vereinigt iſt, über die Frage, was die Urſache und was die Wirkung ſein möge, mögen klügere Köpfe entſcheiden. Decan Pratt war keine Ausnahme von der Regel. Dieſe fromme Seele war der filzigſte Sünder in der ganzen Graf⸗ ſchaft, und während er nach dem Ebenbilde Gottes geſchaffen war, widmete er ſich, mit Herz und Hand, dem täglichen Anwachſe ſeiner weltlichen Habe. Demungeachtet ſprach Nie⸗ mand wegwerfend von dem Decane. Er hatte ſich ſo innig mit der Kirche,—„Bethaus“ wäre der geeignetere Ausdruck,— der Umgebung verwebt, daß es für einen Angriff gegen das Chriſtenthum gegolten hätte, wenn ſeiner verächtlich gedacht worden wäre. Allerdings hatte mancher unglückliche Mitbürger in Suf⸗ folk fühlen müſſen, wie tief des Decans Hand da, wo ſie zugriff, in das Fleiſch eindrang; man kann aber die unerbitt⸗ lichſten Erpreſſungen in einer Weiſe verüben, welche nicht nur die Welt zu täuſchen im Stande iſt, ſondern wirklich den Erpreſſer ſelbſt irre zu leiten ſcheint. Phraſen treten an die Stelle von Thaten, Gefühle an die von Handlungen, und Grimaſſen an die wohlwollender Blicke, und dieß Alles geht ſo fein und unverſchämt vor ſich, daß der Unglückliche oft glaubt, er ſei das Opfer einer ſchweren Heimſuchung des Himmels, während er eigentlich nur beſtohlen worden iſt. Wir wollen jedoch nicht behaupten, Decan Pratt ſei ein Dieb geweſen. Er war bloß ein in der Handhabung ſeiner Geſchäfte harter Mann, er betrog nie in dem ſtrengen Sinne ——— 26 des Wortes, aber er geſtand edeln Gefühlen und den Pflichten gegen unſeres Gleichen ſelten einen Heller zu. Er war Wittwer und kinderlos,— Verhältniſſe, welche ſeine Habgier noch unverzeihlicher machten; denn Viele, die um ihretwillen gegen das Geld gleichgiltig ſind, mühen ſich ab und ſparen, um für die, welche ſie zurücklaſſen, Schätze aufzuhäufen. Der Deean hatte nur eine Nichte zur Erbin ſeiner Habe, b es hätte ihm denn gefallen müſſen, über dieſen Verwandt⸗ ſchaftsgrad hinauszugehen und einen Theil ſeines Vermögens . entfernteren Anverwandten zu vermachen. Die Kirche— oder das„Bethaus“— hatte jedoch ein Auge auf ſeinen Geld⸗ 1 kaſten, und man raunte ſich in die Ohren, es ſei ihr durch nur ihr bekannte Mittel bereits gelungen, ſeiner ſo feſt geſchloſ⸗ ſenen Hand eine Summe von nicht weniger als hundert Dollars als Geſchenk für ein gewiſſes theologiſches Seminar zu ent⸗ winden. Nach den Muthmaßungen mancher Leute war dieß nur der Anfang einer religiöſen Freigebigkeit, und der vortreff⸗ liche, gottſelige Decan ließ hoffen, er werde faſt über ſeine ganze Habe in gleicher Weiſe verfügen, wenn der Augenblick herannahte, wo ſie ihm ſelbſt von keinem Nutzen mehr ſein . könne. Dieſe Anſicht fand bei manchen frommen Frauen, welche ſelbſt Töchter hatten, das günſtigſte Gehör, und ſie verfehlten ſelten, ihre Betrachtungen über dieſen anziehenden 3 Gegenſtand mit einer Bemerkung dieſer Art zu ſchließen: „Nun, in dieſem Falle— und mir ſcheint Alles auf einen ſolchen Ausgang hinzudeuten— wird Mary Pratt nicht mehr bekommen, als irgend eines andern armen Mannes Tochter.“ Mary, das einzige Kind Iſrael Pratt's, eines ältern Bruders des Decans, dachte wenig an all das. Sie war in ihrem zehnten Jahre eine Waiſe geworden, denn ihre Eltern waren faſt zel und G Landes fühlte. M das je theil i und de ſchwend nicht it und th D land, weicht Neu⸗C hervorf von Et Hand l mit we dem N Tagebu ſie von nungen Wagen wohlha nichts Staune die Wi beſonde hten twer noch egen für abe, ndt⸗ gens oder zeld⸗ urch bloſ⸗ lars ent⸗ dieß treff⸗ ſeine blick ſein auen, d ſie nden ßen: einen mehr ter.“ ltern ar in ltern — 27— waren beide kurz nacheinander geſtorben, und nun hatte ſie faſt zehn andere Jahre unter dem Dache ihres Oheims gelebt, und Gewohnheit, natürliche Anhänglichkeit und die Sitten des Landes hatten es dahingebracht, daß ſie ſich hier ganz heimiſch fühlte. 3 Mary war das uneigennützigſte, ſelbſtſuchtloſeſte Weſen, das je gelebt hat. In dieſer Hinſicht war ſie ganz das Gegen⸗ theil ihres Oheims, welcher ſie wegen ihrer Mildthätigkeit und den Handlungen nachbarſchaftlicher Güte, die er Ver⸗ ſchwendung nannte, oft heimlich tadelte. Mary ließ ſich aber nicht irre machen, ſchien ſolche Bemerkungen zu überhören, und that ruhig und in aller Demuth ihre Pflicht. Die erſten Anſtedler von Suffolk kamen aus Neu⸗Eng⸗ land, und der Charakter der Bevölkerung dieſer Grafſchaft weicht bis auf dieſe Stunde von den Sitten und Anſichten Neu⸗Englands nur wenig ab. Nun ſſt es aber eine der hervorſtechenden Eigenthümlichkeiten Connecticuts, nicht gern von Etwas zu ſcheiden, ehe man einen Erſatz dafür in der Hand hat. Jene kleine Dienſtleiſtungen, Geſchenke und Gaben, mit welchen man anderswo ohne einen Gedanken an Erſatz dem Nachbar entgegenkommt, werden hier regelmäßig in das Tagebuch eingetragen, und erſcheinen oft nach Jahren, wenn ſie von den Empfängern längſt vergeſſen ſind, in„Abrech⸗ nungen“ und„Ausgleichungen“ wieder. Selbſt Leute, welche Wagen und Pferde halten, vermiethen ſie, und die Art, wie wohlhabende Leute für Dinge, welche in den Mittelſtaaten nichts koſten, Geld annehmen und ſogar fordern, erregt oft Staunen und nicht ſelten Abſcheu. In dieſer Beziehung iſt die Wirthſchaftlichkeit des Schweizers und des Schottländers, beſonders des letztern, faſt ebenſo kleinlich, wie die des Neu⸗ — 28 Engländers, vorzüglich wenn der Werth geleiſteter Dienſte in Rechnung gezogen wird. Dieſes gewohnheitsmäßige Streben nach Erſatz iſt ſo charakteriſtiſch, daß ſelbſt die Sprache davon angeſteckt worden iſt. Wenn, zum Beiſpiele, Jemand in Folge einer Einladung einige Monate bei einem Freunde hinbringt, ſo heißt dieſer Beſuch ein„Einmiethen,“ denn man nimmt es als ſich von ſelbſt verſtehend an, daß er in irgend einer Weiſe bezahlt. In der That möchten wir kaum Jemand, der einige Zeit in einem Hauſe Neu⸗Englands hingebracht hat, rathen, ſich zum Abſchiede anzuſchicken, bevor er bereit iſt, ſeine Miethe zu bezahlen. Der freie, offene Verkehr zwiſchen Fremden und Verwandten, welcher in anderen Gegenden vor⸗ herrſcht, iſt hier faſt unbekannt und Alles hat ſeinen Preis. Dieſe Sitten ſind für den, welcher mit anderen Anſichten erzogen worden iſt, ſehr abſtoßend; doch gewahrt man auch Eigenſchaften, welche jene Untugend ausgleichen, und die wir bei einer paſſenden Gelegenheit hervorzuheben bemüht ſein werden. 3 Mary hatte keine Ahnung von der wahren Lage der Dinge; aber Gewohnheit, oder Geiz, oder eine unbeſtimmte Ahnung, das Mädchen könne eine Ehe eingehen, welche den Decan in den Stand fetzte, alle ſeine Auslagen zurückzufor⸗ dern, hatten ihn veranlaßt, nie einen Cent für ihre Erziehung, Kleidung oder Vergnügungen irgend einer Art herauszugeben, ohne ihr die Summe regelmäßig in dem gottloſen Hefte, welches er ſein„Tagebuch“ nannte, zur Laſt zu ſchreiben. Von Selbſtachtung und den Gefühlen, welche einen Ehrenmann abhalten, ſich mit ſolchen Handelskniffen zu befaſſen, wußte der Decan nichts. Er würde Jeden für einen Narren erklärt haben, welcher auf ſolche uneinträgliche Anſichten hingedeutet —— hätte. jedes guter 4 beginr loſen, Wohn tauſen r K er ſo und YT hohem geſchri Ar wie gey dieſem als zwe wie er ten, bei mittlere es jetzt enſte in Streben 2 davon n Folge abringt, nimmt d einer gemand, gebracht r bereit wiſchen en vor⸗ Preis. nſichten n auch die wir ht ſein ge der timmte che den kzufor⸗ ehung, igeben, velches Von nmann wußte erklärt edeutet — 29— hätte. Bei ihm hatte nicht nur jeder Menſch, ſondern auch jedes Ding„ſeinen Preis,“ und gewöhnlich war es auch ein guter Preis. In dem Augenblicke, mit welchem unſere Erzählung beginnt, ſtanden in dieſem Buche zu Laſten ſeiner argwohn⸗ loſen, liebevollen Nichte Poſten für Schulgeld, Kleider, Koſt, Wohnung und Taſchengeld, welche die bedeutende Summe von tauſend Dollars baar ausgelegten Geldes erreichten. Der Decan war nur äußerſt gemein und geizig, während er ſo ehrlich war wie der Tag. Nicht ein Cent war überſetzt, und Mary war, wenn wir die Wahrheit ſagen ſollen, in fo hohem Grade ſein Liebling, daß die meiſten ihr zur Laſt geſchriebenen Ausgaben ziemlich billig angeſetzt waren. Zweites Kapitel. Nun, ich babe bemerkt, daß Eure Nichte gegen den Diener des Grafen gefälliger war, als ſte es je gegen mich geweſen; ich habe es im Garten geſehen. Shakſpeare. An dem erwähnten Sonntage begab ſich Decan Pratt wie gewöhnlich in das Bethaus, ein Gebäude, in welchem an dieſem Tage der Gottesdienſt gefeiert wurde, und das weniger als zwei Meilen von ſeinem Wohnſitz entfernt lag; ſtatt aber, wie er ſtets zu thun pflegte, die Nachmittagspredigt zu erwar⸗ ten, beſtieg er ſeinen Einſpänner, ein Fuhrwerk, wie es die mittleren Klaſſen damals allgemein brauchten, während man es jetzt nur noch ſelten ſieht, und rollte ſo raſch heimwärts, ———— — — —— — —-— 30— als ihn eine lebhafte, gut genährte und kräftige Stute mit und 2 langem, dünnem Schweife, deren ſchnellem Laufe ein etwa bare, drei Monate altes Füllen folgte, zu ziehen vermochte. konnte Die Wohnung des Decans hatte für einen Mann von 8 ſeinen einfachen Sitten ungemein viel Einladendes. Sie lag Schör an dem Saum eines ſchönen Apfelbaumſtücks, und hatte auf ſeiner ihrer Vorderſeite einen Hofraum von faſt zwei Morgen. Die⸗ gang ſer Hofraum, welcher in jenem Sommer bereits zweimal ihres gemäht worden, war mit Blumen hübſch geſchmückt und von Zügel vier Reihen edler Kirſchbäume beſchattet. Das Haus ſelbſt Sclav war von Holz, wie es die meiſten Häuſer in Suffolk ſind, wo Pratt es wenig Steine gibt, und wo Backſteinhäuſer für feucht dem gehalten werden; es war jedoch ein anſehnliches Gebäude mit arbeit fünf Fenſtern auf der Vorderſeite, und von zwei Stockwerken. 9 Die Seiten des Hauſes waren mit Schindeln von Cedernholz ſich m in ſeiner natürlichen Farbe belegt, und obgleich das Haus 4. lange vor der Revolution gebaut worden war, hatte man dieſe— Schindelbekleidung nur einmal, etwa zehn Jahre vor der Leben 4 Eröffnung unſerer Erzählung, erneuert und das ganze Gebäude den 4 war in dem beſten Zuſtand erhalten worden. Die Wirth⸗ laſſen. — ſchaftlichkeit des Decans machte ihn ſorgſam, und die Wahr⸗ 3 3 heit des bekannten Sprichworts:„mit einem Stiche zur rech⸗ erwäh 4 ten Zeit erſpart man neun,“ leuchtete ihm vollkommen ein. Suffo Alles um Haus und Hof war in der beſten Ordnung,— ein Sitter Beweis, daß das Sprichwort ſich in der That bewährte. Aerzte Die Ausſicht war ziemlich ſchön, da die Vorderſeite des waren Hauſes nach Oſten lag, während die Seitenfenſter theils auf aber 2 den Sund, theils auf den Arm der See gingen, welchen man,„Doct 6 wenn wir nicht irren, zur Peconie⸗Bai zu rechnen pflegt. antwo Alle dieſe Gewäſſer, welche theilweiſe über Klippenvorſprüngen wo die Antwo Stute mit hein etwa te. Nann von Sie lag hatte auf gen. Die⸗ zweimal t und von aus ſelbſt k ſind, wo für feucht bäude mit ockwerken. Cedernholz das Haus man dieſe vor der 2 Gebäude le Wirth⸗ ie Wahr⸗ zur rech⸗ zmen ein. g,— ein te. rſeite des heils auf hen man, en pflegt. eſprüngen — 31— und Inſeln hinweg ſichtbar waren, ſowie der lachende, frucht⸗ bare, obgleich ſchmale Landſtrich, welcher den Vorgrund bildete, konnten nicht verfehlen eine liebliche Landſchaft anzugeben. Decan Pratt dachte jedoch kaum an Ausſichten oder Schönheiten irgend einer Art, als die Stute das offene Thor ſeiner Wohnung erreichte. Mary ſtand in dem bedeckten Ein⸗ gang oder der Vorhalle des Hauſes und ſchien der Rückkehr ihres Oheims beſorgt entgegen zu ſehen. Dieſer gab die Zügel in die Hand Sam's, eines Schwarzen, welcher jetzt kein Sclave mehr war, aber von den alten Sclaven der Familie Pratt herſtammte und in dieſer Eigenſchaft ſich heranließ, auf dem Hofe herum zu lungern und für halben Taglohn zu arbeiten. Nachdem der Oheim vom Wagen geſtiegen, näherte er ſich mit ziemlich theilnehmender Miene der Nichte. „Nun, Maxry,“ ſagte er,„wie ergeht es ihm jetzt?“ „Ach, mein lieber Herr, ich glaube nicht, daß er am Leben bleiben kann; ich bitte Euch inſtändig, erlaubt mir, in den Hafen hinüber zu ſchicken und Doctor Sage rufen zu laſſen.“ Der„Hafen“ war natürlich Sags⸗Hafen, und der erwähnte Arzt war einer der trefflichſten Heilkünſtler des alten Suffolks. Das Land war im Allgemeinen ſo geſund und die Sitten des Volkes ſo einfach, daß man weder Advokaten noch Aerzte in den Dörfern fand, wie dieß jetzt der Fall iſt. Beide waren zu Riverhead und zu Sag⸗Harbour zu haben; wenn aber Jemand auf den Straßen von Suffolk„Squire“ oder „Doctor“ rief, drehten ſich nicht Sechszehn herum, um zu antworten, wie dieß in anderen Gegenden der Fall ſein ſoll, wo die eine Hälfte auf„Squire“ und die andere auf„Doctor“ Antwort gibt. Der Decan hatte zwei Gründe, dem eifrigen Wunſche ſeiner Nichte entgegen zu ſein; der Eine waren die Koſten, obgleich er in dieſem Falle darauf nicht das größte Gewicht legte, den andern Geund behielt er für ſich, mit dem Vor⸗ ſchreiten unſerer Erzählung wird er jedoch hervortreten. Einige Wochen vor dem erwähnten Sonntage hatte ein Seeſchiff, das von der Reiſe kam, in Gardener's Bay, dem gewöhnlichen Ankerplatze für alle Arten von Fahrzeugen, angelegt. Ein Boot dieſes Schiffes, welches bald nachher weſtwärts ſegelte und wahrſcheinlich nach Neu⸗York ging, ſetzte einen alten, abgelebten Seemann bei Oyſter⸗Pond an den Strand. Der Fremde war nicht nur an Jahren bedeu⸗ tend vorgeſchritten, ſondern erlag augenſcheinlich einer ſchweren Krankheit. Die Auskunft, welche der Seemann von ſich gab, war hinreichend deutlich. Er war auf Martha's Vineyard geboren, hatte aber, wie die Knaben dieſer Inſel in der Regel thun, in ſeinem zwölften Jahre die Heimath verlaſſen, und war nun über fünfzig Jahre von ſeinem Geburtsorte fern geweſen. Da er fühlte, daß ſeine Kräfte mehr und mehr ſchwanden und ſeine Tage gezählt waren, hegte er den Wunſch, ſeine Augen da zu ſchließen, wo er ſie zuerſt dem Lichte des Tages geöff⸗ net hatte. Tom Daggett, wie ſich dieſer Seemann nannte, hatte den Befehlshaber des erwähnten Schiffes überredet, ihn von den weſtindiſchen Inſeln mitzunehmen und an dem genannten Orte auszuſetzen, da Vineyard nur etwa hundert Meilen öſtlich von der Oyſter⸗Pond⸗Spitze liegt. Er hoffte, hier eine Gelegen⸗ heit zu finden, dieſe letzten hundert Meilen zurückzulegen. Daggett war, wie er zugab, arm, ohne Freunde, ohne Bekannt wie die hatten, Kleider können. Da Vordere viele R er ſei ſ Schiffbr obgleich werthvo Ei mit ein tigen U Hauſes zeitliche fand, u De im Fre er dem der Nic ſagen it Vo mit den die Wit habe ar cherlei, Roswel junger 247- Vunſche Koſten, Gewicht n Vor⸗ ttte ein ), dem zeugen, nachher 3 ging, ond an bedeu⸗ hweren „ war boren, thun, r nun n. Da und Augen geöff⸗ te den n den Orte ) von eegen⸗ ohne — 33— Bekannte. Dennoch hatte er eine gewichtige Seekiſte bei ſich, wie die Matroſen jener Zeit ſie auf Kauffahrern gewöhnlich hatten, während ſie auf Kriegsſchiffen genöthigt waren, ihre Kleider in Bündel zu ſchnüren, um ſie bequemer beiſtauen zu können. Daggett's Kiſte war jedoch ein regelmäßiges Geräthe des Vordercaſtels und hatte, ihrem Ausſehen nach, faſt eben ſo viele Reiſen gemacht, wie ihr Eigenthümer. Dieſer berichtete, er ſei ſo glücklich geweſen, ſie aus nicht weniger als drei Schiffbrüchen zu retten. Es war eine ziemlich ſchwere Kiſte, obgleich ihr Inhalt, als ſie geöffnet wurde, eben nicht ſehr werthvoll zu ſein ſchien. Einige Stunden nach ſeiner Ankunft ſchloß der Mann mit einer Wittwe von mittleren Jahren, welche in ſehr dürf⸗ tigen Umſtänden war und ganz in der Nähe des Pratt'ſchen Hauſes wohnte, einen Vertrag ab, in Folge deſſen er als zeitlicher Miethsmann bei ihr eintrat, bis ſich eine Gelegenheit fand, um„nach Vineyard hinüber zu kommen.“ Dagget hielt ſich anfangs wacker und bewegte ſich viel im Freien umher. Auf einem dieſer Spaziergänge begegnete er dem Decan, welcher, ſo ſeltſam, ja, ſo unerklärlich es auch der Nichte ſchien, bald eine Art Freundſchaft, um nicht zu ſagen innige Theilnahme für den Fremdling bethätigte. Vor allem war der Decan ein wenig eigen darin, daß er mit den Dürftigen nicht in ein näheres Verhältniß trat, und die Wittwe White ließ es bald laut werden, ihr Miethsmann habe auch nicht einen„rothen Cent.“ Er hatte jedoch man⸗ cherlei, das bei Seeleuten einigen Werth haben mochte, und“ Roswell Gardiner, oder Gar'ner, wie man ihn nannte, ein junger Seemann par excellence auf der„Spitze,“ welcher 247— 249. nicht nur ein Wallſiſchfänger, ſondern auch ein Seefahrer wurder geweſen war, und jetzt in dem Schoner des Decans als die Be Schiffspatron diente, war um Rath und Beiſtand angegangen Die 2 worden. Mit Beihilfe des Herrn Gar'ner, wie der junge danke, Maat damals gewöhnlich genannt wurde, waren meVhrfache N Ankerhaken, Beſtecke von Segelnadeln und verſchiedene andere aus de ähnliche Gegenſtände, welche Daggett augenſcheinlich nicht Groß — mehr von Nutzen ſein konnten, in den„Hafen“ hinüber bekann geſchickt und bei den Seeleuten des Platzes vortheilhaft ange⸗ beſtimt bracht worden. Auf dieſe Weiſe war der Fremdling für einige South Wochen in den Stand geſetzt, ſeine Miethe zu bezahlen, denn gethan Wohnung und Koſt waren ärmlich und wohlfeil. den 2 Dieſer Verkehr mit Gardiner hatte etwas Beſſeres in damit ſeinem Gefolge, als daß er der augenblicklichen Noth des ab⸗ 5 gelebten Seemanns abhalf. Zwiſchen Mary Pratt und Ros⸗ erſchöf well Gardiner beſtand ein inniges Verhältniß, welches in ſeinem Betracht ihres Alters ein längeres und, hinſichtlich mancher fehlte Umſtände, auf welche wir ſpäter Gelegenheit nehmen werden fluſſe l hinzudeuten, eigenthümliches genannt werden konnte. C Mary war der Inbegriff aller Mildthätigkeit in dem Beſpre ſchönſten und ausgedehnteſten Sinne dieſes Wortes, und Gar⸗ die N diner wußte dieß. Als daher Daggett Entbehrungen bloß⸗ kam, geſtellt war, welchen man ſelbſt durch Geld in der Wohnung verbra der Wittwe White nicht abhelfen konnte, theilte der junge die Un Mann dieß der Nichte des Decans mit, welche ſogleich für auch i manchfache Erquickungen ſorgte, wie ſie ſelbſt dem Gaumen Beſpre des Kranken behagen. 5 Der Oheim erfuhr anfangs nichts davon. Obgleich vom ſeine Innigkeit mit Daggett ſich von Tag zu Tag ſteigerte, fertig und ihre geheimen Beſprechungen immer länger und vertrauter Befeh Seefahrer cans als gegangen der junge nehrfache ne andere ich nicht hinüber aft ange⸗ ür einige len, denn ſſſeres in des ab⸗ ind Ros⸗ elches in mancher n werden in dem nd Gar⸗ en bloß⸗ Vohnung er junge leich für Gaumen Obgleich ſteigerte, ertrauter — 35— wurden, deutete der Decan doch nie darauf hin, daß er für die Behaglichkeit ſeines neuen Freundes etwas gethan wünſche. Die Wahrheit zu ſagen, das„Geben“ war der letzte Ge⸗ danke, welcher dieſem Manne in den Sinn kam. Maria Pratt ſah ſcharf, und ihr Geiſt war ganz geeignet, aus dem Beobachteten richtige und ſichere Schlüſſe zu ziehen. Groß war die Verwunderung Aller auf der„Spitze,“ als es bekannt wurde, Decan Pratt habe das neue, für die See beſtimmte Schiff gekauft, welches unternehmungsweiſe zu Southold gebaut worden war. Nicht allein dieß hatte er gethan, ſondern er hatte auch abgenutztes Kupfer gekauft und den Boden des Schoners bis zu den Bauchſtücken hinauf damit bekleiden laſſen, ehe er ihn in das Waſſer brachte. Während die ganze Nachbarſchaft ſich in Vermuthungen erſchöpfte, was den Decan wohl bewogen haben könne, in ſeinem Alter noch Schiffseigenthümer werden zu wollen, ver⸗ fehlte Mary ni„es einem geheimen, aber mächtigen Ein⸗ fluſſe beizumeſſen, welchen der kranke Fremdling über ihn übte. Er brachte jetzt faſt die Hälfte ſeiner Zeit in geheimen Beſprechungen mit Daggett hin, und mehr als einmal, wenn die Nichte mit irgend einer leichten Speiſe zu dem Kranken kam, fand ſie ihn und ihren Oheim mit einigen beſchmutzten, verbrauchten Seekarten beſchäftigt. Bei ihrem Eintritte wurde die Unterhaltung ſtets einem andeven Gegenſtande zugewendet, auch wurde der Wittwe White nie geſtattet, bei dieſen geheimen Beſprechungen anweſend zu ſein⸗ Der Schoner war nicht nur gekauft und gekupfert und vom Stapel gelaſſen, und Alles hergerichtet, um ihn reiſe⸗ fertig zu machen, ſondern der junge Gar'ner wurde zu ſeinem Befehlshaber beſtimmt. In Bezug auf Roswell Gardiner 3* — ———— 5 oder Gar'ner, wie man ihn in Suffolk nennen mußte, wenn man nicht gegen den Anſtand verſtoßen wollte, waltete kein Geheimniß ob. Sechs und zwanzig Jahre vor dem Beginn unſerer Erzählung war er zu Oyſter⸗Pond ſelbſt geboren und ſtammte aus einer der beſten Familien. Wirklich war es bekannt, daß er ein Abkömmling Lyon Gardiner's, jenes Ingenieurs war, welcher zwei Jahrhunderte früher von den Lords Saye, Seal und Brook, ſeitdem Saybrook genannt, in die Colonie geſchickt worden war, um eine Stadt und ein Fort abzuſtecken. Dieſer Lyon Gardiner hatte die in der Nähe liegende Inſel, welche noch ſeinen Namen trägt, von den Indianern gekauft. Dieſer Ankauf der Inſel hatte im Jahre 1639 ſtatt und die Beſitzung iſt jetzt nach zwei hundert zehn Jahren in der Hand ihres neunten Eigenthümers, welche alle von dem urſprünglichen Beſitzer herſtammten und ſeinen Namen führten. Dieß iſt ein großes Alterthum für Amerika, das zwar viele Familien von größerem Reichthum und von größerer Berühmtheit und Wichtigkeit, aber ſelten eine von ſo dauernder, örtlicher Achtharkeit erzeugt hat. Dieß iſt ein Zug aus unſerem Geſellſchaftsleben, bei welchem wir ſo gern verweilen, und der durch die unſtäten, wandernden Sitten des Volkes ſo ſehr gefährdet wird, daß wir mit Vergnügen dieſes Beiſpiels der Stätigkeit gedenken, die in einem Zeitalter und in einem Lande des Wechſels ſo anſprechend und ſo empfehlenswerth iſt! Die Zahl der Glieder einer Familie, welche zwei Jahr⸗ hunderte hindurch blühte, iſt, wie man es ſich wohl denkt, zahlreich. Es mag Ausnahmen geben, aber dieß iſt die Regel, und ſo verhielt es ſich mit Lyon Gardiner und ſeinen Nachkommen, welche man jetzt nach Dutzenden zählen und in allen 2 ein ger als äch M Namen hörte, Johnſo Beſitze! giſchen Grad D er wed noch re wie es ſeinem hauſe Welt z B erfreue eines Einwo ſpäter, ben wi den Bo Freude Schone auf der „Seelt M weſen, = 37— ,iea allen Abſtufungen der Geſellſchaft, finden kann, obgleich ihnen Beginn ein gewiſſes Stammgepräge innewohnt, welches ſie in Suffolk en und als ächte Sprößlinge des alten Lyon Gardiner bezeichnet. war es Man ſtimmte darin überein, daß Roswell, welcher dieſen , jenes Namen führte, wenn er gleich dem Hauptſtamme nicht ange⸗ von den hörte, da die Inſel damals das alleinige Eigenthum David annt, in Johnſon Gardiner’s, des Vorgängers und Bruders des jetzigen und ein Beſitzens, war, dieſes Gepräge hatte, obgleich unſere genealo⸗ Iu der giſchen Kenntniſſe nicht ausreichen würden, wenn wir den gt, von Grad der Verwandtſchaft genau beſtimmen ſollten. zatte im Der junge Roswell ſtammte von achtbaren Eltern, obgleich hundert er weder eine glänzende Verwandtſchaft anſprechen konnte, , welche noch reich war. Im Gegentheile, früh vater⸗ und mutterlos, d ſeinen wie es bei Mary Pratt der Fall war, hatte man ihn in Amerika, ſeinem fünfzehnten Jahr aus einem ländlichen Erziehungs⸗ und von hauſe genommen und zur See geſchickt, um ſein Glück in der eine von Welt zu ſuchen. Bisher hatte er ſich aber keines glänzenden Erfolgs zu zen, bei erfreuen gehabt; er hatte ſich jedoch bis zum erſten Maat unſtäten, eines Wallfiſchfahrers emporgeſchwungen und ſtand bei der erd, daß Einwohnerſchaft Suffolks in dem beſten Rufe. Einige Jahre gedenken, ſpäͤter, als der Wallfiſchfang in ausgedehnterem Grade betrie⸗ chſels ſo ben wurde und reichen Gewinn abwarf, hätte er ohne Mühe den Befehl über ein Schiff erhalten. Jetzt aber war ſeine ei Jahr⸗ Freude groß, als Decan Pratt ihn zum Befehlshaber des hl denkt, Schoners ernannte, welchen er, nicht ohne einen Nebenbezug iſt die auf den Namen ſeines alten Vorfahren, des Ingenieurs, den ad ſeinen„Seelöwen“(Sea-lyon) nannte. und in Mary Pratt hatte dieſes ganze Gehaben theils miz Leid⸗ weſen, theils mit Freude, ſtets aber mit großer Theilnahme —y verfolgt. Es that ihr leid, daß ihr Oheim ſich in ſeinem ſpäten Alter in ein Geſchäft einließ, von welchem er nichts verſtand. Noch leider that es ihr, daß ein Mann, welcher ihr in Folge der Gewohnheit, wenn nicht ſittlicher Gefühls⸗ übereinſtimmung, theuer war, die wenigen Stunden, welche ihm blieben, um ſich zu dem letzten Wechſel vorzubereiten, mit dem Beſtreben vergeudete, ein Vermögen zu ſteigern, welches für ſeine Bedürfniſſe mehr als ausreichend wgy. Dieſer Gedanke ſchmerzte ſie vor Allem tief, denn Mary war die Frömmigkeit ſelbſt, und ihr Gewiſſen ſo zart und empfindlich, daß ihr Lebensglück, wie wir bald ſehen werden, weſentlich dadurch beeinträchtigt wurde, während ihr Oheim nur ein— Decan war. Ein Decan ſein, und der Liebe Gottes und der Liebe unſeres Nächſten, welche, wie man ſagt, ein Ausfluß der Liebe Gottes iſt, zugethan ſein, ſind zwei ganz verſchiedene Dinge, ſie vertragen ſich wohl mit einander, aber ſie ſind nicht eins und daſſelbe. Mary hatte dieß ſehen müſſen, obgleich ſie ſich alle mög⸗ liche Mühe gab, dem Manne gegenüber, welcher ihr dieſe unerfreuliche Lehre aufnöthigte, blind zu ſein. Die Freude unſerer Heldin— denn als ſolche kündigen wir Mary Pratt hiermit an— hatte ihren Grund in der Beförderung, welche Roswell Gardiner zu Theil ward. Ihr Herz klopfte oft hoch, wenn ſie von ſeinem guten Verhalten als Seemann hörte, wie man ſich denn ſtets nur lobend äußerte, wenn man ſeiner Berufslaufbahn überhaupt gedachte. In dieſer Beziehung war er fleckenlos, wie ganz Suffolk wußte und zugeſtand. Auf Oyſter⸗Pond galt er ſelbſt für eine Art Seelöwen, ſo zahlreich und erregend waren die Bei⸗ ſpiele, welche man ſich von ſeiner Kühnheit als Wallfiſchjäger erzählte. All des jung abgehal geben, weiſen, Feuer, mannes hatte, das län Di ſich all mehr in erhebt i aufzutre glauben rend er ſchen, Erlöſun W unſere von der in Ver nothwer eigentli ja hing Pflichtg W well G kleine Gehalt n ſeinem er nichts welcher Gefühls⸗ , welche rbereiten, ſteigern, ar. an Mary zart und werden, r Oheim der Liebe wie man ein, ſind vohl mit alle mög⸗ ihr dieſe kündigen d in der ard. Ihr Verhalten ir lobend gedachte. Suffolk ſelbſt für die Bei⸗ lfiſchjäger — 39b— Allein all dieſer Ruhmesglanz verdüſterte in den Augen des jungen Mädchens eine Wolke, welche ſie ſeit zwei Jahren abgehalten hatte, den Liebeserklärungen Roswell's Gehör zu geben, welche ſie veraulaßt hatte, eine Hand von ſich zu weiſen, die ihr wenigſtens zwanzig Mal mit eines Seemannes Feuer, mit eines Seemannes Offenheit und mit eines See⸗ mannes Biederkeit angetragen worden, und welche ſie genöthigt hatte, einen ſchweren Kampf mit ihrem Herzen einzugehen, das längſt ein mächtiger Bundesgenoſſe ihres Anbeters war. Dieſe Wolke rührte von einer Art Unglauben her, welcher ſich allmählich in Amerika ſo weit verbreitet, daß er nicht mehr im Geheimen wirkt, ſondern ſein Haupt kühn bei uns erhebt und offen als eine der zahlreichen Secten dieſes Landes aufzutreten die Verwegenheit hat. Mary hatte Grund zu glauben, Roswell Gardiner läugne die Gottheit Chriſti, wäh⸗ rend er erklärte, er ehre und halte ihn hoch als einen Men⸗ ſchen, der weit über andere Menſchen erhaben ſei und die Erlöſung des Menſchengeſchlechtes durch ſein Blut erkauft habe. Wir ergreifen dieſe Gelegenheit, um zu bemerken, daß unſere Erzählung in keinem Sinne polemiſch iſt, und daß wir von der Abſicht weit entfernt ſind, uns in dieſer Beziehung in Verhandlungen und Beweiſe einzulaſſen, ſo fern dieß nicht nothwendig iſt, um das Gemälde, welches auszuführen unſer eigentlicher Zweck iſt— das eines vertrauenden, liebevollen, ja hingebenden Herzens im Kampfe mit einem tiefen, religiöſen Pflichtgefühle— in das gehörige Licht zu ſtellen. Wie dem auch ſein mochte, Mary freute ſich, daß Ros⸗ well Gardiner den Seelöwen befehligen ſollte. Wohin dieſes kleine Schiff, ein Schoner von etwa hundert fünfzig Tonnen Gehalt, ſegeln ſollte, war ihr gänzlich unbekannt; es mochte ——— — 40— aber gehen, wohin es wollte, ſo war es gewiß, daß ihre vorhe Gedanken und ihre Gebete es begleiteten. auch Das Intereſſe, welches Mary Pratt an Roswell's Glücke Actie nahm, bedarf kaum einer Erklärung. Er geſiel ihr in allen zuſta Beziehungen, nur nicht in dem einen, bereits erwähnten ſeine Punkte. Ihr Alter, ihre geſellſchaftliche Stellung, ihre gen Sitten, ihre Verwaiſtheit, ſelbſt ihre Vorurtheile— und wel⸗ hätte cher der Welt entfernt Stehende hat keine Vorurtheile, wenn zeit ſelbſt die Mehrzahl derer, welche in dem Kampfe mit ihr leben, dieſelben in ſo hohem Grade hegen und pflegen?— auf 1 alles dieß mußte ihre gegenſeitige Theilnahme nähren. Auch Vern war Decan Pratt durchaus nicht gegen die Verbindung, er ſchor ſchien ſie im Gegentheile ſogar zu begünſtigen. Helf Der Widerſtand rührte ausſchließlich von Mary her, müt deren Herz jedesmal blutete, wenn ſie ſich aufgefordert ſah, Es denſelben geltend zu machen. Was den Oheim betrifft, ſo iſt chen es nicht leicht anzugeben, was ihn veranlaſſen mochte, die male Bewerbung eines Mannes, von welchem er wußte, daß er Wol keine fünf hundert Dollars in der Welt ſein nannte, um die Hand ſeiner Nichte und nächſten Verwandten zu dulden oder vorh gar zu begünſtigen. beſſe Da des Decans Anſichten in dieſer Hinſicht auf ganz Selt Oyſter⸗Pond bekannt waren, erſchöpfte man ſich in Muth⸗ Nan maßungen, und die ganze Umgegend übte ihren Scharfſinn Wei daran, wie es gewöhnlich der Fall iſt, wenn ſich etwas Unge⸗ dieſe wöhnliches begibt. Die verſchiedenen Meinungen laſſen ſich nehr auf Folgendes zurückführen.„Ge Nach dem Bedünken Einzelner ſah der Decan in dem hatt ganzen Thun und in dem unternehmenden Geiſte des jungen— Maates eine glückliche Laufbahn und mögliches Gedeihen ——— daß ihre l's Glücke in allen erwähnten ng, ihre und wel⸗ lle, wenn 2 mit ihr legen?— en. Auch dung, er Nary her, ordert ſah, ifft, ſo iſt ochte, die 2e, daß er e, um die ulden oder auf ganz in Muth⸗ Scharfſinn was Unge⸗ laſſen ſich in in dem des jungen Gedeihen — 41— vorher, und war gewillt, nicht allein ſeine Nichte, ſondern auch ſeine drei Höfe, ſein„verzinsliches Geld“ nebſt gewiſſen Actien, die ihm, wie man wußte, bei einem Wallftſchfahrer zuſtanden, und nicht weniger als drei Küſtenfahrer, ſowie ſeinen Antheil an einem Waarenlager zu Southold dem„jun⸗ gen Gar'ner“ zu vermachen, wenn er das Zeitliche geſegnet hätte, denn Niemand glaubte, daß er ſich während ſeiner Leb⸗ zeit von etwas, Mary ausgenommen, trennen würde. Andere gaben ſich der Anſicht hin, er wünſche die Waiſe auf die möglichſt leichte Art loszuwerden, um ſein ganzes Vermögen der theologiſchen Pflanzſchule zu vermachen, welche ſchon ſeit mehreren Jahren mittelſt ihrer wohl bekannten Helfershelfer mit ihm liebäugelte und der er bereits die groß⸗ müthige Schenkung von hundert Dollars zugewendet hatte. Es ſtand ſicher, daß jene Helfershelfer öffentlich davon geſpro⸗ chen hatten, ſie wollten den Deran Pratt veranlaſſen, ſich malen zu laſſen, um ſein Bild in der Reihe der übrigen Wohlthäter der Anſtalt aufzuhängen. Eine dritte Klaſſe wich in ihrer Meinung von den beiden vorhergehenden bedeutend ab. Die„Gar’ner“ waren eine beſſere Familie als die Pratt, und da der Decan nicht ohne Selbſtgefühl war, glaubten dieſe Leute, er wünſche Geld und Namen miteinander zu vereinigen und ſeine Familie in einer Weiſe, die in deren Geſchichte neu war, zu heben. Die Zahl dieſer Meinungsgenoſſen war jedoch klein und beſtand vor⸗ nehmlich aus ſolchen, die Oyſter⸗Pond nie verlaſſen und „Gar'ner's Inſel“ ihr ganzes Leben vor den Augen gehabt hatten.. Einige dieſer„Weiſen des Landes“ gaben ohne Anſtand zu verſtehen, der junge Seemann ſei der nächſte Erbe der — 42— Inſel, wenn die Familie, welche ſie jetzt beſaß, ausſtürbe, wozu einige Ausſicht vorhanden ſei, und der Decan, der ſchlaue Burſche, wiſſe dieß recht gut. Damit dieſe Andeutung den Leſer nicht veranlaßt, ſich vergeblichen Hoffnungen hinzu⸗ geben, bemerken wir ſofort, daß nichts dazu berechtigt, denn Roswell's Verwandtſchaft mit dem Eigenthümer der Inſel iſt viel zu entfernt, als daß er Hoffnung hätte, dieſe Beſitzung oder irgend etwas Anderes von ihm zu erben. Die vierte und letzte Klaſſe der Leute, welchen des Decans freundliche Geſinnungen gegen den jungen Seemann zu denken gaben, überließ ſich dem Glauben, der Alte habe ſein Herz dem jungen Paare erſchloſſen und ſei geneigt, einen würdigen Mann und eine geliebte Nichte glücklich zu machen. Die Zahl dieſer Anſichtsgenoſſen war die kleinſte und beſtand, was nicht zu überſehen iſt, aus den am wenigſten empfehlens⸗ werthen und tugendhaften Bewohnern von Oyſter⸗Pond. Der Prediger des Kirchſpiels oder der Paſtor, wie man ihn gewöhnlich nannte, gehörte der zweiten Klaſſe an; der gute Mann lebte der völligen Ueberzeugung, Decan Pratt werde ſein Vermögen größtentheils, wenn nicht ganz, der Verbrei⸗ tung des Evangeliums widmen. So ſtanden die Dinge, als der Decan, wie in dem erſten Kapitel berichtet, von dem Bethaus zurückkehrte. Der Bitte ſeiner Nichte, in den Hafen nach Doctor Sage zu ſchicken, hatte er nicht allein der Koſten, ſondern eines viel triftigeren Grun⸗ des wegen kein günſtiges Gehör geſchenkt. Die Wahrheit zu ſagen, er war nichts weniger als geneigt, irgend Jemanden in Verkehr mit Daggett treten zu laſſen, welcher ihm Dinge mitgetheilt hatte, die ihm von der größten Wichtigkeit ſchienen, pögleich er ſtets noch den Schlüſſel zu dem weſentlichen Geheim⸗ niſſe für ſich behielt. damit Docto lebt, gebrä 7 menſe fürcht nächſt der T wirkl wenn C einer überh und ſehen ſtellt zſtürbe, n, der heutung hinzu⸗ „ denn Inſel eſitzung Decans denken n Herz ürdigen . Die d, was fehlens⸗ Der uin ihn er gute twerde Verbrei⸗ erſten r Bitte u, hatte Grun⸗ cheit zu manden Dinge chienen,— Geheim⸗ — 43— Dennoch mahnte ihn die Schicklichkeit, um nicht zu ſagen der Einfluß der öffentlichen Meinung, dieſes großen Hebels der ganzen Geſellſchaft puritaniſcher Abſtammung, in den Vorſchlag ſeiner Nichte zu willigen. „Es iſt ein ſo weiter Weg nach dem Hafen, Mary,“ warf der Oheim nach einer längern Pauſe ein. „Boote gehen oft dahin ab, und in wenigen Stunden ſind ſie zurück.“ „Ja, ja— Boote, ich weiß aber nicht, ob es erlaubt iſt, an einem Sabbat das Ruder zu brauchen, Kind.“ „Ich glaube, es iſt erlaubt an dem Tage des Herrn Gutes zu thun.“ „Ja, wenn man gewiß wüßte, daß man dem Kranken damit etwas Gutes thut. Sage iſt ohne Zweifel ein trefflicher Doctor, ſo gut wie irgend Einer, der in dieſer Gegend lebt, faſt immer aber iſt das Geld, welches man ſür Doctor⸗ gebräu ausgibt, weggeworfen.“ „Dennoch iſt es, glaube ich, unſere Pflicht, einem Mit⸗ menſchen in ſeiner Noth Hilfe zu reichen, und Daggett wird, fürchte ich, dieſe Woche nicht überleben, wenn er ja den nächſten Tag erlebt.“ „Es würde mir leid thun, wenn er ſterben ſollte!“ rief der Decan, und man ſah es ihm an, daß ihn dieſe Nachricht wirklich bekümmerte.—„Wahrhaft leid würd' es mir thun wenn er— gerade jetzt ſterben ſollte!“ Die Worte„gerade jetzt“ kamen ohne Vorbedacht und in einer Weiſe heraus, welche die Nichte bedauern ließ, daß ſie überhaupt laut geworden waren. Sie waren jedoch heraus, und'der Decan ſah, daß er zu offenherzig geweſen. Das Ver⸗ ſehen war nicht mehr gut zu machen, und er mußte es hinge⸗ ſtellt ſein laſſen, welchen Sinn Mary ſeinen Worten unterlegte. — 44— „Er wird wohl ſterben, fürcht' ich, Oheim,“ erwiederte Mary nach einer kurzen Pauſe,—„und es würde mir leid ſein, wenn er hinüberginge, ohne daß wir uns ſagen dürften, wir hätten Alles gethan, was in unſerer Macht ſteht, ihn zu retten oder ſeine letzten Stunden zu erleichtern.“ „Es iſt ſoweit hinüber in den Hafen, daß ein Bote wahrſcheinlich nicht viel Nutzen ſchafft, und dann wäre das Geld auch für dieſen weggeworfen.“ „Ich bin überzeugt, Roswell Gar'ner würde gerne gehen, um einem Mitmenſchen in ſeiner Noth Hilfe zu bringen. Er würde nicht daran denken, ſich dafür bezahlen zu laſſen.“ „Ja, das iſt wahr. Ich muß es Gar'ner nachſagen, er iſt, wenn es irgend etwas zu thun gibt, ein ſo billiger junger Mann, wie ich nur einen kenne; ich beſchäftige ihn gern.“ Mary verſtand dieß ſehr gut. Es ſollte damit nicht mehr und nicht weniger geſagt ſein, als daß der Decan ganz gut wiſſe, der junge Mann habe ihm bei hundert Gelegenheiten ſeine Zeit und Mühe unentgeldlich gewidmet, und zwar mehr als einmal unter Umſtänden, wo er das volle Recht hatte, einer Belohnung entgegenzuſehen. Eine leichte Röthe überflog das Antlitz der Nichte, als ſie ſich dieſe verſchiedenen Gelegenheiten in das Gedächtniß zurückrief. Glühte dieſe Wange ſo raſch auf, weil ſie die große Schwäche deſſen bemerkte, der Vaterſtelle bei ihr vertrat und dem ſie die Liebe eines Kindes zu weihen wünſchte? Wir können dieß nicht in Abrede ſtellen, ſo fern es ſich theilweiſe von dem Gefühle handelt, welches dieſes Erröthen erzeugte; gewiß aber iſt es, daß der Gedanke, Roswell habe ſich gefällig gezeigt, um ihren Oheim zu verbinden, ſich den übrigen Erinnerungen ziemlich lebhaft beigeſellte. „, Pauſe haltet, Manne „” einer f für nö erreiche hinüber wohl g Bucht ein ſolt S 77 aus ſei einer 4 bedarf Damm „“ dieß hi werden anbiete Rechnu Wohnn Doch- der Sa M lich iſt, des ju heran. männli rwiederte mir leid dürften, „ihn zu in Bote bäre das e gehen, en. Er u.“ agen, er billiger ftige ihn cht mehr ganz gut genheiten ar mehr tt hatte, hte, als dächtniß die große trat und 2 Wir heilweiſe erzeugte; gefällig übrigen — 145— „Nun, Herr,“ begann die Nichte nach einer neuen kurzen Pauſe wieder,—„wir können, wenn Ihr dieß für das Beſte haltet, nach Roswell ſchicken und ihn bitten, dem armen Manne dieſen Freundſchaftsdienſt zu erzeigen.“ „Solche Boten, die Aerzte holen ſollen, ſind ſtets in einer fieberhaften Eile! Ich bin überzeugt, Gar'ner hält es für nöthig, ein Pferd zu miethen, um Schelter⸗Inſel zu erreichen, und dann vielleicht ein Boot, um nach dem Hafen hinüber zu kommen. Wenn kein Boot zu finden iſt, nimmt er wohl gar ein zweites Pferd und galoppirt um die Spitze der Bucht herum. Wahrlich, fünf Dollars würden die Koſten für ein ſolches Rennen kaum aufwiegen.“ „Wenn es fünf Dollars koſtete, würde Roswell ſie eher aus ſeiner Taſche bezahlen, als einen Anderen bitten, ihm bei einer Handlung der Menſchenliebe zur Hand zu ſein. Es bedarf jedoch keines Pferdes, das Wallfiſchboot liegt an dem Damm und iſt jeden Augenblick zum Abſtoßen bereit.“ „Richtig,— das Wallfiſchboot hatte ich vergeſſen. Wenn dieß hier iſt, könnte der Doctor ziemlich billig herübergeſchafft werden, beſonders wenn Gar'ner ſeine Dienſte freiwillig anbietet. Ich glaube, Dagget's Habe wird hinreichen, die Rechnung des Arztes zu decken, da er bis jetzt die Koſten für Wohnung und Unterhalt damit zu beſtreiten im Stande war. Doch— da kommt Gar'ner; wir wollen hören, was er von der Sache denkt.“ Mit der freien Haltung, welche dem Seemann eigenthüm⸗ lich iſt, und mit dem beſcheidenen, aber doch ſtolzen Anſtande des jungen, weltgeprüften Mannes kam Roswell Gardiner heran.— Sein leicht von der Sonne gebräuntes Geſicht war mäͤnnlich ſchön, das Auge offen und klar, die Stirne edel und 6 46 nicht ohne Spuren des Denkens, der Wuchs hoch und kräftig. Leichte Röthe überflog ſeine Wange, als er Mary Pratt begrüßte, die ſich auf ihre Arbeit niederbeugte, um die Roſen⸗ glut zu verbergen, welche plötzlich über ihr Geſicht flog. Der Decan ließ den jungen Leuten nicht Zeit, ſich zu begrüßen, ſondern ging ſogleich in medias res ein, indem er bemerkte, Mary wünſche die Lage des armen, kranken Seemanns in dem Hauſe der Wittwe White erleichtert zu ſehen, und da ſie von Doctor Sage’s Beiſtand dieſe Erleich⸗ terung am Erſten erwarte, frage es ſich nun, wie man Doctor Sage raſch und, in Betracht der dürftigen Umſtände des Kranken, ohne große Koſten von dem Hafen herüberſchaffe. „Wenn ich mich des Wallſiſchbootes bedienen darf,“ ſagte Roswell lebhaft, und ein Blick, in welchem ſein ganzes Herz ſprach, ſtreifte das Antlitz des jungen Mädchens, die bittend ihr Auge zu ihm erhob,—„werde ich Euern Wunſch möglichſt raſch erfüllen, Decan.“ „Mein Boot iſt zu Euern Dienſten; nur wünſchte ich nicht, daß dem armen Seemanne durch dieſe Eure Bemühung neue Koſten erwüchſen, denn—“ „Ohne Sorgen, Decan, ohne Sorgen! Ich denke, Ihr kennt mich!“ Der Decan ſprach nun leiſe mit Roswell, was Mary veranlaßte, ſich abzuwenden und der Thüre des innern Hauſes entgegenzugehen. Noch einmal wendete ſie ihren ſchüchternen, bittenden, liebewarmen Blick auf ihn, es war, als wollte ſie ihn zur Eile ſpornen, als wollte ſie ihres Oheims filzige Geſinnung entſchuldigen, als wollte ſie ihm ſagen, daß ihr ganzes Herz ihm gehöre, ſobald die mächtige Schranke, welche ſie trennte, gefallen wäre.. in Be⸗ und ei S lichen war er ohne einem zu ſpr ſeiner noch 1 55 dieſe beſuche mit d Decan wahr, kräftig. ky Pratt e Roſen⸗ og. ſich zu indem er kranken chtert zu Erleich⸗ n Doctor ände des verſchaffe. f, ſagte azes Herz ie bittend möglichſt uſchte ich bemühung nke, Ihr as Mary s innern ſie ihren es war, s Oheims agen, daß Schranke, — 47— „Aber wird ſie je fallen?“ dachte ſie, und trauriger, als die Sorge für den kranken Seemann ſie vorher gemacht hatte, ging ſie in das Haus, während ſie Oheim und Anbeter in der Vorhalle ließ.. Nachdem Jener wiederholt zu klugen Vorſichtsmaßregeln in Betreff der Ueberfahrt gemahnt hatte, nahm dieſer Abſchied und eilte an das Waſſer nieder, um das Boot zu beſteigen. Drittes Kapitel. Hört, was man ſtets zu euch ſpricht, Trauet nur dem Scheine nicht; Manchem floh das Lebenslicht, Sah er mir nur in's Geſicht. Shakſpeare. Sobald Decan Pratt ſich allein ſah, eilte er der ärm⸗ lichen Behauſung der Wittwe White zu. Daggett's Krankheit war eine vollſtändige Erſchöpfung der Lebenskraft, welche faſt ohne alle Schmerzen ihren Verlauf nahm. Er ſaß jetzt in einem ländlichen Armſtuhle und fühlte ſich wohl genug, um zu ſprechen. In der That ahnte er das wirklich Gefährliche ſeiner Lage nicht, und gab ſich der Hoffnung hin, er habe noch manche Jahre vor ſich. Der Decan trat eben in die Hausthür, als die Wittwe dieſe verließ, um eine ganz nahe wohnende Freundin zu beſuchen, welche ebenſo mundfertig war, wie ſie ſelbſt, und mit der ſie ſtets Rath zu halten pflegte. Sie hatte den Deran aus der Ferne geſehen, und nahm dieſe Gelegenheit wahr, um über die Straße zu ſpringen, denn ſie hatte eine —————— — 48— Art inſtinetmäßiger Ahnung, daß ihre Anweſenheit unnöthig Fall f ſein dürfte, wenn die beiden Männer ſich miteinander unter⸗ damit hielten. dieſen Die Wittwe wußte nicht genau, was der Gegenſtand darauf ihrer häufigen, geheimen Beſprechungen ſei; was ſie ſich aber loſen darüber dachte, wird ſich aus ihrem Geſpräche mit ihrer Nach⸗ 3 barin, der Wittwe Stone, herausſtellen. Stube „Eben trat der Decan wieder ein,“ rief die Wittwe unde d White, als ſie in aller Eile zu ihrer Freundin kam.„Dieß Beſuch iſt das dritte Mal, daß er ſeit geſtern Morgen in mein ſich w Haus kommt.“ J „O, ich glaube, Betſy, er denkt an nichts Anderes, als einget den Kranken zu beſuchen, was er ja auch als den Grund bracht ſeines öfteren Kummers angegeben hat.“ einige „Ihr vergeßt, daß es Sabba' Tag iſt,“ ſetzte die Wittwe nach White mit Nachdruck hinzu. „Je beſſer der Tag, deſto beſſer die Handlung, Betſy!“ Decan „Ich weiß das; es iſt aber ſchrecklich, wenn ein Mann mein oft zu einem Kranken geht, dreimal in vier und zwanzig Euch Stunden!“ linder „Ja, für eine Frau paßte etwas dieſer Art weit beſſer, Gewif das ſtellt Niemand in Abrede“ erwiederte die Wittwe Stone lichen ein wenig trocken.„Wenn der Decan ein Weib wäre, Bucht Betſy, würdet Ihr, glaub' ich, von ſeinen Beſuchen eben wird nicht ſo misliebig denken.“ „Ich würde ganz und gar nichts dabei denken,“ verſetzte Koſten die Wittwe White ziemlich unſchuldig;„es iſt aber ſchreck⸗ etwas lich, wenm ein Mann ſich ſo mit Beſuchemachen abquält, blick und überdieß ein Decan unſerer Kirche.“ „Ja, die Sache kommt nicht ſo häufig vor, als es der wenn 247 nnöthig unter⸗ genſtand ich aber r Nach⸗ Wittwe „Dieß mein res, als Grund Wittwe Betſy!“ Mann zwanzig it beſſer, de Stone b wäre, hen eben verſetzte ſchreck⸗ abquält, ls es der — 49b— Fall ſein könnte, beſonders bei Decanen. Tretet aber herein, damit ich Euch den Text zeige, über welchen der Geiſtliche dieſen Morgen gepredigt hat. Es iſt wohl der Mühe werth, darauf zu achten, denn die Predigt handelt von unſerm troſt⸗ loſen Zuſtande.“ Die beiden Wittwen begaben ſich jetzt in eine der inneren Stuben, wo wir ſie die Schönheiten der Predigt beſprechen, und die Wittwe White über das„Schreckliche“ der häufigen Beſuche des Decans an„Sabba' Tagen“ und Werktagen, ſich wiederholt ereifern laſſen wollen. Mittlerweile war der Decan bei dem kranken Sermann eingetreten. Nach den erſten Begrüßungen und den herge⸗ brachten Erkundigungen deutete der Beſuchende nicht ohne einige Wichtigkeit darauf hin, daß er um des Kranken willen nach einem Arzte geſchickt habe. „Ich habe es aus eigenem Antrieb gethan,“ ſetzte der Decan hinzu,—„oder, wenn ich mich richtig ausdrücken ſoll, mein Herz hat mich dazu getrieben. Es war mir peeinlich, Euch leiden zu ſehen, ohne etwas zu thun, das Euern Zuſtand lindern kann. Schmerzen und Qualen und die Stacheln des Gewiſſens zu lindern, iſt eine der angenehmſten aller chriſt⸗ lichen Pflichten. Ja, ich habe den jungen Gar'ner über die Bucht in den Hafen geſchickt, und nach drei oder vier Stunden wird er mit Doctor Sage in ſeinem Boote zurückkehren.“ „Ich hoffe, ich habe noch ſo viel Mittel, um alle dieſe Koſten und Mühen zu vergelten, Decan,“ ſagte Daggett mit etwas zagender Stimme, ſo daß ſein Freund ſich einen Augen⸗ blick ungemein unbehaglich fühlte. „Ich weiß, daß ich, früher oder ſpäter, ſterben muß; wenn ich es aber nur erlebte, daß ich Vineyard wieder ſähe, 247— 249. 4 — 50— dann würde es ſich herausſtellen, daß mein Antheil an dem väterlichen Erbe für alle meine Bedürfniſſe ausreicht. Ich kann auch das Ende des andern Geſchäfts erleben.“ Zu den mancherlei Erzählungen Daggett's gehörte auch die, daß er ſeinen Antheil an der Verlaſſenſchaft ſeines Vaters nie erhalten habe,— eine Ausſage, welche ganz wahr ſein mochte, obgleich die Sache ſich eigentlich ſo verhielt, daß der alte Mann nichts zu theilen hinterlaſſen hatte. Wie der Sohn war er ein gewöhnlicher Matroſe geweſen und hatte hinter⸗ laſſen, was Matroſen gewöhnlich zu hinterlaſſen pflegen. Der Decan ſann einen Augenblick nach, und nahm dann Veranlaſſung, auf den Gegenſtand anzuſpielen, welcher ſich aller ſeiner Gedanken bemächtigt hatte, ſeit er den Kranken kennen gelernt und mit ihm im Geheimen verkehrt hatte. Welcher Art dieſer Gegenſtand war, wird ſich im Verlaufe der Unterhaltung herausſtellen. „Habt Ihr an die Karte gedacht, Daggett, und Euch nach jenem Tagebuch umgeſehen?“ fragte der Decan. „Beides, Herr. Eure Güte gegen mich iſt ſo groß, daß ich der Mann nicht bin, der etwas dieſer Art vergißt.“ „Ich wünſchte, Ihr zeigtet mir ſelbſt die Stellen auf der Karte, wo jene Inſeln zu finden ſind.“ „Ihr vergeßt meinen Eid, Decan Pratt. Wir Alle haben einen Eid auf die Bibel geſchworen, vor dem Ende des Jah⸗ res 1820 Niemandem die Lage jener Inſeln zu bezeichnen. Dann ſteht es Jedem von uns frei, nach Belieben zu ver⸗ fahren. Die Karte aber iſt in meiner Kiſte, und darauf ſind nicht nur die Inſeln, ſondern auch das kleine Klippenneſt ſo deutlich angegeben, daß jeder Seemann ſie finden kann. Von der Kiſte kann ich mich aber nicht trennen, ſo lange ich lebe. Seelöw wiſſen einen d c 7 lich lei ein and G 6 waren, Sieben Fieber bei der Wellen Thompy ſelbe I fiſch ar Zeitun G 77 ſolchen wirklich vor die mitgetk 85 wir A. was er amts⸗ ſchwört ihn eir tet, wo ligt.“ an dem ht. Ich örte auch s Vaters dahr fein daß der der Sohn te hinter⸗ gen. hm dann elcher ſich Kranken rt hatte. Verlaufe nd Euch 1. roß, daß zt.¹² n auf der lle haben des Jah⸗ dezeichnen. n zu ver⸗ arauf ſind llippenneſt den kann. lange ich — 31— lebe. Laßt mich geſund werden, und ich gehe an Bord des Seelöwen und ſage Eurem Capitän Gar'ner Alles, was er wiſſen muß. Das Glück des Mannes iſt gemacht, der zuerſt einen der beiden Plätze erreicht.“ „Ja, nach Euren Mittheilungen denke ich mir dieß ziem⸗ lich leicht; wie ſoll ich mich aber vergewiſſern, daß mir nicht ein anderes Schiff zuvorkommt?“ „Ich bin jetzt allein im Beſitze des Geheimniſſes! Unſerer waren, Alles in Allem, Sieben in jener Brigg. Von dieſen Sieben ſind kurz vor der Heimkehr Vier auf den Inſeln am Fieber geſtorben; von den übrigen Drei ertrank der Capitän bei dem Sturme, von welchem ich Euch ſagte, indem die Wellen ihn von dem Deck wegſpülten; ſo blieben nur Jack Thompſon und ich am Leben, und Jack muß, glaube ich, der⸗ ſelbe Mann ſein, welchen vor einem halben Jahre ein Wall⸗ fiſch an den Falſe⸗Banks getödtet hat, wie ich ſelbſt in den Zeitungen geleſen habe.“ „Jack Thompſon iſt ein ſo gewöhnlicher Name, daß ich ſolchen Nachrichten nicht ſehr vertraue. Wenn er aber auch wirklich von jenem Wallfiſche getödtet worden iſt, kann er vor dieſem Unfall einem Dutzend Menſchen ſein Geheimniß mitgetheilt haben.“ „Dagegen ſpricht ſein Eid. Jack hatte geſchworen, wie wir Alle, und er war ganz der Mann, der bei dem blieb, was er beſchworen hatte. Es war keiner von jenen Mauth⸗ amts⸗Eiden, deren ein Burſche an einem Morgen ein Dutzend ſchwört, die alle falſch ſind: ſondern es war ein Schwur, wie ihn ein Seemann auf ſeine Ehre ablegt, denn, genau betrach⸗ tet, waren wir Alle als gute Kameraden bei der Sache bethei⸗ ligt.“ 4*½ — — 4 —— — 52— Decan Pratt ſagte Daggett nicht, daß Thompſon eben ſo gut Gründe gehabt haben könne von ſeinem Schwure abzu⸗ ſehen, wie er ſelbſt; aber er dachte es. Es gibt Dinge, welche kein kluger Mann bei ſolchen Gelegenheiten laut werden läßt, und dahin gehörte dieſe Anſicht von der gleichen Ver⸗ bindlichkeit jenes Eides. „Bei Jack kommt noch Etwas in Betracht,“ fuhr Daggett nach kurzem Nachdenken fort.„Er hatte keine Idee von der Berechnung der Länge und Breite und hielt kein Tage⸗ buch. Unter ſolchen Umſtänden könnten er und ſeine Freunde ein Jahr in der Irre umherſteuern, ohne einen der beiden Plätze zu finden.“ „Ihr ſeid überzeugt, daß der Seeräuber Euch in ſeinen Ausſagen in Betreff jener kleinen Inſel und des dort vergra⸗ benen Schatzes nicht getäuſcht hat?“ fragte der Decan in ängſtlichem Eifer. „Ich buͤrge für die Wahrheit ſeiner Worte, als wenn ich die Küſte ſelbſt geſehen hätte. Die Leute waren arg bedrängt, ſonſt hätten ſie, wie Ihr Euch wohl denken könnt, gewiß nicht ſo viel Gold an einem ſolchen unbewohnten Platze gelaſſen, ſie ließen es aber dort, auf das Wort eines Ster⸗ benden!“ „Eines Sterbenden?— Ihr meint doch wohl den See⸗ räuber?“ „Allerdings, Herr. Ich war mit ihm in demſelben Gefängniß eingeſperrt, und wir beſprachen die Sache wenig⸗ ſtens zwanzig Mal, ehe er baumeln mußte. Als man ſich überzeugt hatte, daß ich mit den Seeräubern Nichts zu thun hatte, wurde ich frei gegeben, und war auf dem Wege nach Vineyard, um irgend ein Schiff habhaft zu werden und dieſe beiden wie das geſetzt Oyſter⸗ „2 gefällig andern bewogen wird da wie Ihr bei ihm In dieſ läßlich digen, Schoner „T Daggett „N „Ich w Zeit zu geboren Neu⸗Y. ich aber natürlic Nun ſch vorher wenn m „E Karte z Ankerple ſon eben re abzu⸗ Dinge, t werden den Ver⸗ Daggett dee von n Tage⸗ Freunde r beiden n ſeinen t vergra⸗ decan in als wenn aren arg en könnt, ten Platze nes Ster⸗ den See⸗ demſelben he wenig⸗ man ſich s zu thun Wege nach und dieſe — 58— beiden Schätze(denn das Eine iſt eben ſo gut ein Schatz wie das Andere) aufzuſuchen, als ich hier an das Land geſetzt wurde. Es iſt mir ſehr gleichgiltig, ob das Schiff von Oyſter⸗Pond oder von Vineyard abſegelt.“ „Natürlich. Nun habe ich, eben ſo gut um mich Euch gefällig zu zeigen und Euch zu beruhigen, als aus jedem andern Grunde, dieſen Seelöwen gekauft und Roswell Gar'ner bewogen, den Befehl darüber anzunehmen. In vierzehn Tagen wird das Schiff reiſefertig ſein, und wenn ſich Alles ſo findet, wie Ihr ſagt, wird es eine gute Reiſe vollbringen. Alle, die bei ihm betheiligt ſind, werden Urſache haben ſich zu freuen. In dieſem Augenblicke ſehe ich nur einen Umſtand, der uner⸗ läßlich iſt; Ihr müßt mir nämlich ſofort die Karte einhän⸗ digen, damit ich mich mit ihr genau bekannt mache, ehe der Schoner abgeht.“ „Wollt Ihr die Reiſe ſelbſt mitmachen, Decan?“ fragte Daggett nicht ohne Staunen. „Nicht perſönlich,— das nicht,“ lautete die Antwort. „Ich werde allmählich zu alt, um die Heimath auf ſo lange Zeit zu verlaſſen, und obgleich ich Angeſichts des Salzwaſſers geboren und erzogen bin, habe ich, außer einem Ausfluge nach Neu⸗York und Boſton, nie einen Verſuch damit gemacht. Da ich aber mein Vermögen an dieſes Abenteuer ſetze, iſt es natürlich, daß ich auch hören, und vor Allem ſehen will. Nun ſcheint es mir weit zweckmäßiger, mich mit der Karte vorher genau bekannt zu machen, als ſie zur Hand zu nehmen, wenn mein Schiff auf der See iſt.“ „Es wird Zeit genug ſein, daß Capitän Gar'ner ſeine Karte zur Hand nimmt, wenn er in die Nähe ſeiner beiden Ankerplätze kommt,“ verſetzte der Seemann ausweichend. — 54— „Wenn ich mit ihm reiſe, wie dieß nicht anders kommen kann, wird es mir leicht ſein, ihm alle ſeine Curſe und Entfernun⸗ gen anzugeben.“ Dieſe Antwort hatte ein langes, gedankenvolles Schwei⸗ gen zur Folge. Der Leſer wird jetzt einen Schlüſſel zu dem Geheimniſſe haben, welches zwiſchen dieſen zwei Männern ſo lange und ſo oft beſprochen worden. Daggett, welcher ſich krank, arm und verlaſſen unter fremden Menſchen ſah, hatte ſich raſch nach Mitteln umgeſehen, um ſich die Theilnahme eines Mannes zu ſichern, welcher ihm nützlich werden konnte. Die hingeworfenen Bemerkungen der Wittwe White, welche ſich in Folge der menſchenfreundlichen Beſuche der Nichte veranlaßt ſah, des Oheims zu erwähnen, hatten ihn einen Blick in den Charakter des Decans Pratt werfen laſſen. Als es eines Tages, bald nach ſeiner Ankunft, mit ihm auf die Neige zu kommen ſchien, hatte er den Wunſch geäußert, den Decan perſönlich zu ſprechen. Dieſem Wunſche war nur ungern entſprochen worden; während des Beſuches hatte Daggett ſich aber ſo geſchickt benommen, daß die Hab⸗ ſucht ſeines Beſuchers mächtig geſtachelt wurde, und der kranke Seemann ſich fortan nicht mehr zu bemühen brauchte, den Decan zu ſich heranzuziehen. Daggett ließ ſich nach und nach über die Thatſachen aus, behielt aber ſtets genug zurück, um ſich unentbehrlich zu machen, bis er ſeinen neuen Bekannten in den höchſten Zuſtand ſiebri⸗ ſcher Erregung verſetzt hatte. Der Schoner wurde gekauft und alle Beſtellungen zu ſeiner völligen Ausrüſtung ſo raſch betrieben, als dieß mit der Klugheit verträglich war. Die Karte, und die Länge und Breite behielt Daggett für ſich, äußerte ſich jedoch dahin, er zu ſe welch er der merkſ die d flog Ston Man Wall und darin die H keiner ſobal lange wie beeile ruhe mant und hat. wird und ſchad Dag Euch n kann, fernun⸗ Schwei⸗ zu dem nern ſo n unter geſehen, her ihm igen der undlichen wähnen, 8 Pratt Ankunft, Wunſch Wunſche Beſuches die Hab⸗ er kranke hte, den chen aus, u machen, nd ſiebri⸗ ungen zu dieß mit känge und dahin, er — 39— zu ſetzen. Vielleicht war ſein Kopf mit dem Gegenſtande, welchen er und Daggett verhandelt hatten, ſo beſchäftigt, daß er dem wahren Zuſtande des Mannes nicht die gehörige Auf⸗ merkſamkeit widmete. Zweimal ging der Decan an dieſem Nachmittage in die ärmliche Wohnung der Wittwe White, und eben ſo oft flog die Wittwe über die Straße, um ihrer guten Freundin Stone ihr Erſtaunen über die häufigen Beſuche des reichen Mannes auszudrücken. Zum zweiten Male kam er, als er das Wallfiſchbvot um die Spitze der Shelter⸗Inſel wenden ſah und mit Hilfe ſeines Fernglaſes bemerkte, daß Doctor Sage darin war. Bei dieſem Anblicke eilte der Decan wieder in die Hütte, denn er wünſchte Daggett etwas zu ſagen, das keinen Aufſchub zuließ. „Das Wallſiſchboot wird bald einlaufen,“ bemerkte er, ſobald er ſich geſetzt hatte,„und der Doctor wird nicht mehr lange auf ſich warten laſſen. Dieſer junge Gar'ner thut Alles wie im Sprunge ab. Es war gar nicht nöthig, ſich ſo zu beeilen, aber er ſcheint immer mächtige Eile zu haben.“ „Thue ſogleich, was gethan werden muß, und dann ruhe, iſt des Matroſen Regel, Decan,“ verſetzte der See⸗ mann.„Stürme, und Böen, und Einreffen, und Anholen und Segelhiſſen warten nicht, bis der Matroſe Zeit und Luſt hat. Seine Arbeit muß ſogleich abgethan werden, oder ſie wird nie abgethan. Ich fürchte mich nicht vor dem Doctor, und ſo mag er kommen, wann es ihm beliebt. Die Arznei ſchadet keinem Menſchen etwas, wenn er ſie nicht nimmt.“ „Ich wünſchte Euch auf etwas aufmerkſam zu machen, Daggett, ehe der Doctor kommt. Zu vieles Reden möchte Euch aufregen, beſonders wenn Ihr von Dingen ſprecht, — 60— welche Euch am Herzen liegen; auch würdet Ihr ihm einen der falſchen Begriff von Euerm Zuſtande beibringen, wenn Ihr der durch zu vieles Reden Euern Puls beſchleunigtet und das jen Blut in Euer Geſicht treibt.“ hie „Ich verſtehe Euch, Decan;— mein Geheimniß iſt mein die Geheimniß, und kein Doector ſoll es aus mir herausbringen, ſo lange ich weiß, was ich ſpreche. Ich bin kein ſo großer verf Freund von den Doctoren, um mich bei ihnen Raths zu Dif erholen.“ wa „Dann iſt heute Sabbat,“ ſetzte der Phariſäer hinzu, ſeir „und es will ſich nicht ziemen, daß man an dem Tage des von Herrn zu ſehr bei weltlichen Dingen verweilt.“ ren Nach dem, was ſich begeben hatte, möchte ein Neuling ſchr ſich nicht wenig über die ungemeine Ruhe gewundert haben, mit welcher der Decan dieſe Worte vorbrachte. Daggett war ver aber nichts weniger als erſtaunt, er hatte die Tiefe des me Gewiſſens ſeines neuen Bekannten ermeſſen und lange genug ich gelebt, um zu wiſſen, wie weit Betheuerungen und Hand⸗ hör lungen oft von einander abweichen. In der That findet man nur zu viele Menſchen, welche der das bei Anderen tadeln, was ſie ſich jeden Augenblick löw erlauben, die über die Gebrechen und Laſter Anderer herfallen, 3 auf in welche ſie ſelbſt ſo verſtrickt ſind, daß ſie ſo zu ſagen einen Theil ihres Daſeins ausmachen.. Dee Was den Decan betrifft, ſo glaubte er wirklich, es ſei am unziemlich und gebe ein böſes Beiſpiel ab, wenn Daggett an Iſt dem Tage des Herrn mit Doctor Sage in Betreff jener Dublonen ſpräche, während er ſelbſt kurz vorher ſich kein Dee Gewiſſen daraus gemacht hatte, lange und mit großem Eifer 4 wo von demſelben Gegenſtande zu reden. Wir halten es nicht — 61— einen der Mühe werth, uns um die Ausflucht zu bekümmern, welche n Ihr der würdige Mann zu finden wußte, um ſein Gewiſſen wegen d das jenes ſcheinbaren Widerſpruches zu beſchwichtigen; ohne Zweifel hielt er es für ſeine heilige Pflicht, Sorge zu tragen, daß mein die Geheimniſſe des Kranken nicht preisgegeben wurden. ingen, Doctor Sage kam nun,— ein gewandter, ſcharfſinniger, großer verſtändiger Mann, welcher früher als Repräſentant des hs zu Diſtriktes, in welchem er lebte, im Congreſſe geſeſſen. Er war ein tüchtiger Arzt und durchſchaute bald den Zuſtand hinzu, ſeines Patienten. Da der Decan ihm nicht einen Augenblick ge des— von der Seite wich, theilte er ihm nach dem Beſuche, wäh⸗ rend Beide der wohlbekannten Wohnung der Pratt entgegen euling ſchritten, ſeine Anſicht mit. haben,„Der arme Mann iſt ſeiner gänzlichen Auflöſung nah,“ t war verſetzte der Arzt ruhig,„und Arzneien können ihm nicht e des mehr von Nutzen ſein. Er kann noch vier Wochen leben; genug ich würde mich aber nicht wundern, wenn ich in einer Stunde Hand⸗ hörte, er ſei todt.“ „Glaubt Ihr, die Zeit ſei ihm ſo kurz zugemeſſen,“ rief welche der Decan;„ich hoffte, er würde bis zur Abfahrt des See⸗ enblick löwen leben, und die Reiſe an ſeinem Bord könnte ihm wieder allen, aufhelfen.“ einen 1„Nichts wird ihm wieder aufhelfen, verlaßt Euch darauf, Decan. Keine Seereiſe wird ihm Hilfe bringen, und er bleibt es ſei am beſten auf feſtem Lande, da er hier beſſere Pflege findet. ett an Iſt er auf Oyſter⸗Pond zu Haus?“ jener„Er ſtammt aus den öſtlichen Gegenden,“ verſetzte der ) kein Decan, welcher ſich wohl hütete, den Arzt wiſſen zu laſſen, Eifer 1 wo der Fremde heimiſch war, obgleich ihm dieß, wie man nicht ſogleich ſehen wird, wenig half.„Er hat weder Verwandte noch Bekannte hier, ich glaube aber, ſeine Habſeligkeiten reichen hin, um die Koſten zu beſtreiten.“ liche „Ich verlange nichts für meinen Beſuch, wenn der Mann. arm iſt,“ ſagte der Doctor raſch, denn er ſah wohl ein zu Er warum der Decan dieſe Bemerkung hingeworfen hatte.—„Ich habe eine ſehr angenehme Fahrt mit dem jungen Gar'ner ich zu über die Buchten gemacht, und er hat mir verſprochen, mich habe auch wieder zurückzubringen. Ich bin ein großer Freund werde ſolcher Ausflüge zu Waſſer, und ſie bekommen mir ſtets vor⸗ Küſte. ’ trefflich. Wenn ich meine Patienten mitnehmen könnte, würde ich ih die reine Luft und die Bewegung auf die Hälfte derſelben ſehr das 2 wohlthätig wirken.“ ihn „Es iſt in der That erfreulich, mit Männern Eures Beſue Charakters zuſammen zu treffen— aber Daggett—“ freunl „Heißt dieſer Mann Daggett?“ ſiel der Doctor ein. ſich m „Ich glaube, er nennt ſſich ſo; man kann aber nie mit ſo jur Sicherheit auf das bauen, was dieſe Leute ſagen.“ zu der „Dieß iſt allerdings wahr, Decan; dieſe umſtreifenden, 1 heimathloſen Matroſen ſind in der Regel große Lügner, indem wenigſtens fand ich ſie ſtets ſo, ihre meiſten Logbücher find vermiü des Leſens nicht werth, noch weniger darf man auf ſie„ bauen. Wenn dieſer Mann aber wirklich Daggett heißt, muß Decar er von Vineyard ſtammen, es gibt der Daggett dort zu Wall Dutzenden; ja, er muß ein Vineyarder ſein.“ Stung „So viel iſt gewiß, daß es in Connecticut Daggett gibt„Blit und... nomm „Dieß iſt allbekannt, denn es iſt dort ein gewichtiger Zeilen Name, Vineyard iſt aber die Wiege dieſer Raſſe. Auch hat anleg der Mann wirklich ein Vineyarder Ausſehen. Ich glaube, Tarpe behaupten zu dürfen, der Burſche iſt viele Jahre nicht zu und e Haus geweſen.“ 24 gkeiten Mann hl ein —„Ich Bar'ner „mich Freund ts vor⸗ würde en ſehr Eures in. nie mit fenden, Lügner, jer ſind auf ſie it, muß dort zu ett gibt vichtiger uch hat glaube, nicht zu — 65— Mary erröthete, war aber zu unſchuldig, um eine wirk⸗ liche Verlegenheit gewahren zu laſſen. „Er iſt wieder an das Waſſer gegangen, um das Boot zu Eurer Rückfahrt bereit zu halten,“ ſagte ſie. „Und dieſe muß angetreten werden, junge Dame, ſobald ich zwei Taſſen Eures Thee's getrunken haben werde. Ich habe Kranke in dem Hafen, welche dieſen Abend noch beſucht werden müſſen und mit der Sonne geht auch der Wind zur Küſte. Laßt den armen Mann die Tropſfen nehmen, welche ich ihm zurückgelaſſen habe, ſie werden ihm wohl thun und das Athmen erleichtern, mehr als das kann meine Kunſt für ihn nicht thun. Decan, Ihr braucht nichts von dieſem Beſuche zu ſagen— die Seeluft, die Fahrt und Miß Mary'’s freundlicher Empfang gleichen Alles aus. Ich ſehe, daß ſie ſich meines Beſuches freut, und das iſt etwas zwiſchen einem ſo jungen Mädchen und einem ſo alten Manne.— Und jetzt zu den zwei Taſſen Thee.“ Der Thee wurde getrunken und der Doctor nahm Abſchied, indem er der Nichte kopfſchüttelnd wiederholte, die Arzneikunde vermöge dem Kranken nicht zu helfen. „Unterrichtet ſeine Verwandten alsbald von ſeiner Lage, Decan,“ ſagte er, indem er dem Werfte zuſchritt, wo das Wallfiſchboot bereits zur Abfahrt bereit lag.„Es iſt keine Stunde zu verlieren. Ah, ich entſinne mich eben, daß der „Blitz,“ Capitän Smith, eine Ladung Oel für Boſton einge⸗ nommen hat und morgen früh abſegelt. Ich kann ihm einige Zeilen mitgeben, da er ohne allen Zweifel an der Inſel anlegt. Alle unſere Fahrzeuge treten in Holmes’ Hole oder Tarpautin Cove ein, ehe ſie ſich über die Sandbänke wagen, und ein Brief, welcher an irgend einen Daggett gerichtet iſt, 247— 249. 5 — — 66— wird an den rechten Mann kommen. Ich will noch dieſen ſetzte, Abend ſchreiben.“ buhle Die Mittheilung einer ſolchen Abſicht übergoß den Decan ſein mit kaltem Schweiße; er hielt es aber nicht für klug, Etwas Abſich dagegen zu ſagen. Er hatte den Seelöwen gekauft, Roswell reiſef Gardiner in Dienſt genommen, und in anderer Weiſe eine Schif bedeutende Summe ausgegeben, da er jene Dublonen zu erhal⸗ ten hoffte, um nicht von den Fellen zu ſprechen, und hier ſein zeigte ſich nun die Möglichkeit, alle ſeine Berechnungen durch der 9 die Einmiſchung unverſchämter, gieriger Verwandten vereitelt Anzal zu ſehen! Geduld war aber das einzige Hilfsmittel, und der beſuch Decan bemühte ſich, dieſe zu üben. treten 4 Decan Pratt begleitete den Doctor nicht weiter, als bis eine 8 an das Thor ſeines Obſtgartens. Es war nicht paſſend, daß thun Mitglieder des Kirchenvorſtandes am Sabbat ausgingen, und in S er erinnerte ſich deſſen zeitig genug, um ſich den Bemer⸗ Dolla kungen der Nachbarn nicht bloßzuſtellen. Der Doctor hätte 2 freilich als eine Entſchuldigung gelten können, ſtreng religiöſe Grad 4 Leute laſſen ſich aber nicht auf ſolche Einzelnheiten ein, wenn Seehr .B ſie ſich vorſetzen— das Gewiſſen ihrer Nebenmenſchen zu über⸗ oder wachen. nennt Sobald Gardiner und der Arzt wieder in dem Boote wie waren, begab ſich der Decan in die Hütte der Wittwe White. Prair Er hatte hier abermals eine lange, nachforſchende Unterredung Börſe mit dem Kranken. Der arme Daggett war der Sache müde; Der 3 aber Doctor Sage's Ausſage in Betreff der Lage des Setr⸗ Fauſt manns und die Möglichkeit, daß Verwandte von Vineyard noch 8 herüberkamen, um zu erfahren, worin die Habe des ſo lange ihn k Abweſenden beſtehe, waren mächtige Stacheln für den Decan. Wenn er ſich jetzt in den Beſitz der weſentlichſten Thatſachen von d h dieſen n Decan „Etwas Roswell eiſe eine zu erhal⸗ und hier en durch vereitelt und der als bis end, daß gen, und Bemer⸗ dor hätte religiöſe in, wenn zu über⸗ n Boote e White. terredung de müde; des Set⸗ Vineyard ſo lange Decan. hatſachen — 967— 1 ſetzte, konnte der Seelöwe raſch auslaufen und allen Neben⸗ buhlern den Vorſprung abgewinnen, ſofern Dagett Andere in ſein Geheimniß einweihen und ein anderes Schiff in derſelben Abſicht in See gehen ſollte. Sein Schoner war faſt ganz reiſefertig, während die völlige Ausrüſtung eines ähnlichen Schiffes Zeit fordert. Daggett ſchien jedoch zu Mittheilungen nicht geneigter zu ſein als bisher. Er berichtete wiederholt von der Entdeckung der Robben⸗Inſel, und theilte anziehende Nachrichten über die Anzahl und den zahmen Zuſtand der Thiere mit, welche ſie beſuchten. Nach ſeinen Worten konnte man mitten unter ſie treten, ohne daß ſie die geringſte Furcht verriethen. Kurz, eine Hand voll Leute, meinte er, würden nichts Anderes zu thun haben, als zu tödten, die Felle abzuziehen und den Thran in Sicherheit zu bringen. Es ſei gerade, als wenn man Dollars auf einem Seegeſtade aufleſe. Dieſe Nachrichten regten die Habgier des Decans in hohem Grade auf, denn ein lebendiges Gemälde von Wallfiſchen oder Seehunden hatte auf die Phantaſie eines ächten Suffolkers, oder richtiger, auf die eines„Oſt⸗Enders,“ wie man die nennt, welche jenſeits Riverhead wohnen, dieſelbe Wirkung, wie die prunkende Schilderung einer mit Weizen bedeckten Prairie auf die eines Wolverinen oder Buckeye, oder eine gute Börſennachricht auf die Gefühle eines Neu⸗Yorker Banquiers. Der Geldteufel hatte den Decan Pratt nie mit ſo kräftiger Fauſt gefaßt. Die Erzählung des Seeräubers, welche auch noch einmal in ſaftigen Farben vorgetragen wurde, erregte ihn kaum in dem Grade, wie Daggett's lebendiger Bericht von der Zahl, dem Zuſtand und der Größe der Robben. Nichts wurde verſchwiegen, als die Längen und Breiten. 5* — 68— Keine Liſt des Decans— und er ließ es an ſolcher nicht fehlen— konnte dem Seemanne dieſe weſentlichſten Punkte, ohne welche alles Uebrige ohne Werth war, entlocken, und der alte Mann gerieth durch ſeinen Eifer, ſich des ganzes Geheim⸗ niſſes zu bemächtigen, in ein Fieber, welches faſt ſo ſtark war, wie das, welches Daggett bald darauf heimſuchte,— aber Alles vergebens. Zu dieſer Stunde ging der Puls des Kranken gewöhnlich ſchneller, bei dieſer Gelegenheit aber flog er wahrhaft. Er hatte ſich ebenſo aufgeregt, wie ſeinen Zuhörer, und der leiden⸗ des ſchaftliche Eifer, mit welchem Beide ihre Phantaſie durch dieſe Die lockenden Bilder des Reichthums erhitzten, ſteigerte das Uebel Ohei in bedeutſamer Weiſe. Die Erſchöpfung ſetzte der Scene, welche dramatiſch und zumal abſtoßend war, endlich ein Ziel. 3 atte Als der Decan an dieſem Abend nach Hauſe kam, fühlte er, daß er nicht in der Stimmung war, in welcher er an dem Tage des Herrn ſein ſollte, in ſo lebhaftem Grade, daß er obgle ſich fürchtete, in das friedſame Auge ſeiner frommen, edel⸗ der herzigen Nichte zu ſchauen. Statt zu ihr zu gehen und ſich ſehr dem in dieſer Stunde herkömmlichen Gebete anzuſchließen, nut blieb er in dem nahen Obſtgarten, bis es faſt neun Uhr war. tauſ Der Mammon hatte ſich ſtatt der Gottheit ſeines Herzens. Dag bemächtigt, und die Gewohnheit gab eine zu ſtarke Schranke 4 ab, als daß er es gewagt hätte, dem falſchen Gott, wenn nu or wir ſo ſagen dürfen, Angeſichts des wahren offen zu huldigen. ſchli i — 69— r nicht Punkte, Viertes Kapitel. und der O traure nicht um ſie, die nun geſchieden; Geheim⸗ O weine nicht um ſie, ſie ruh'n in Frieden; ark war, Tief iſt ihr Schlaf, ſei noch ſo hart das Kiſſen, 4 — aber Auf dem ſie fortan ſchlummern müſſen. Bayly. Luhlan Früh am kommenden Morgen war der ganze Haushalt 4 r leiden⸗ des Decans Pratt, ihn eingeſchloſſen, auf und in Thätigkeit. rch dieſe Die Sonne ſtieg eben aus den Gewäſſern, als Mary und ihr 4s Uebel Oheim ſich in der Vorhalle begegneten. Stene,.„Dort kommt die Wittwe White, und ſie ſcheint in großer ein Ziel. Eile,“ ſagte die Nichte beſorgt, nachdem ſie den Oheim gegrüßt u, fühlte hatte;— ich fürchte, es ſteht ſchlimm mit ihrem Kranken.“* an dem„Er ſchien beſſer, als ich ihn geſtern Abend verließ, daß er obgleich ihn das Sprechen ein wenig erſchöpft hatte,“ ſagte’ en edel⸗ der Oheim.„Der Mann wollte durchaus ſprechen, wie und ſich ſehr ich mich auch bemühte, ihn zurückzuhalten. Ich wollte 5 ſchließen, nur zwei oder brei Worte von ihm hören, er hatte deren aber Uhr war. tauſend, nur die nicht, welche ich gerne gehört hätte. Dieſer ½ Herzens Daggett iſt ein Erzplauderer, muß ich Dir ſagen, Mary.“ Schranke„Er wird nie wieder ſprechen, Decan,“ rief die Wittwe tt, wenn White, welche ſo nahe herangekommen war, daß ſie die letzten huldigen. Worte gehört hatte.—„Er wird nie wieder ein gufes oder ſchlimmes Wort laut werden laſſen.“ Der Decan war ſo erſchrocken, daß er keine Sylbe hervor⸗ bringen konnte. Mary dagegen drückte ihr tiefes Bedauern aus, daß die Abberufung ſo plötzlich gekommen und daß die Vorbereitung zu einem ſolchen Uebergange ſo unzureichend —-— 70— geweſen,— ein Umſtand, welcher ihr bei weitem mehr zu Herzen ging, als alles Andere. Die geſprächige Wittwe ließ ſie nicht lange in Ungewiß⸗ heit über das, was ſich begeben, ſondern berichtete Alles mit den kleinſten Nebenumſtänden. Es ergab ſich, daß Daggett in der Nacht geſtorben war, denn die Wittwe hatte ihn, als ſie vor wenigen Minuten an ſein Lager trat, kalt und ſtarr gefunden. Daß dieſes, wenigſtens in Bezug auf die Zeit, unerwartete Begebniß durch die Aufregung der erwähnten Unter⸗ haltung beſchleunigt worden, ließ ſich kaum bezweifeln, obgleich man dieſe Thatſache mit Stillſchweigen überging. Die unmit⸗ telbare Urſache des Todes war die in Folge der Eiterung ein⸗ tretende Erſtickung, wie dieß bei raſchem Fortgange der Schwindſucht häufig vorkommt. Es hieße den Decan Pratt ſchlimmer ſchildern, als er wirklich war, wenn wir behaupteten, dieſer plötzliche Tod ſei ohne Wirkung auf ſeine Gefühle geblieben. Er erinnerte ihn für kurze Zeit lebhaft an ſeine eigenen vorgeſchrittenen Jahre, an ſeine Lage, ſeine Ausſichten. Eine halbe Stunde mochten ihn dieſe Gedanken beunruhigen und unbehaglich ſtimmen, die Gewalt“ des Mammons machte ſich aber allmählich wieder geltend, und die unerfreulichen Bilder wichen bald anderen, welchen er ſich mit Vorliebe zuwendete. Dann begann er erſt darüber nachzudenken, was er unter den obwaltenden Umſtän⸗ den zu thun habe. Da der Tod Daggett's nichts Ungewöhnliches darbot, war eine Unterſuchung des Leichenbeſchauers nicht nöthig. Es war augenfällig ein natürlicher, obgleich raſcher Tod. Man brauchte daher nur die herkömmlichen Anordnungen zur Beſtat⸗ tung zu treffen, und darauf zu achten, daß die Habe des Ver⸗ ſtorbenen in Sicherheit kam. 8 Dagge gefund und getroff 5 liche ſie, ei und Kurze todtbl loſigke auszu gefall die E ſonder von c Arm konnt ſeines G menſe Geiſt Ich an d in v Wirk wahr finden ſo of ehr zu⸗ gewiß⸗ les mit DHaggett n, als d ſtarr e Zeit, Unter⸗ bbgleich unmit⸗ ng ein⸗ ge der als er Tod ſei rte ihn Jahre, mochten en, die wieder nderen, er erſt Imſtän⸗ darbot, hig. Es Man Beſtat⸗ es Ver⸗ — 71— Der Decan übernahm es, für Alles Sorge zu tragen. Dagget'’s Kiſte, deren Schlüſſel man in ſeiner Weſtentaſche gefunden hatte, wurde in ſein Haus zur Verwahrung gebracht, und die nöthigen Vorkehrungen zur Beſtattung der Leiche getroffen. Des Decans harrte abermals eine ernſte und ſelbſt pein⸗ liche halbe Stunde, als er die Leiche vor ſich ſah. Da lag ſie, eine gefühlloſe Hülle, ihres unſterblichen Inſaſſen baar und ohne alles Bewußtſein deſſen, was ſie beide noch vor Kurzem und in ſo hohem Grade beſchäftigt hatte. In dem todtbleichen Antlitz ſchien ſich das Gefühl der gänzlichen Werth⸗ loſigkeit alles irdiſchen Trachtens nach Reichthum und Glück auszuſprechen; die Ewigkeit ſchien ihren Stempel auf die ein⸗ gefallenen, abgemagerten Züge gedrückt zu haben;— nicht die Ewigkeit in der Bedeutung des unvergänglichen Weſens, ſondern in der des Schickſals des Menſchen. Wäre Daggett von allen Schätzen Indiens umgeben geweſen, ſo hätte ſein Arm die Kraft nicht gehabt, darnach zu greifen. Sein Auge konnte nicht mehr gierig auf Gold ſchauen, und kein Theil ſeines Körperſyſtems Nutzen aus deſſen Beſitz ziehen. Eine eindringlichere Veranſchaulichung der Eitelkeit aller menſchlichen Wünſche hätte ſich in dieſem Augenblicke dem Geiſte des Decans nicht darbieten können. Sein moraliſches Ich war ſeltſam geſtaltet. Von früher Kindheit auf war er an die heuchleriſche Weiſe ſeiner Sekte gewöhnt worden, und in vielen Fällen hatte er ſich Eindrücken hingegeben, welche Wirkungen hervorbrachten, die man leicht mit den Früchten wahrer Frömmigkeit verwechſeln konnte. Ein ſolches Ergebniß ſinden wir oft in einem Geſellſchaftszuſtande, wo der Schein ſo oft an die Stelle der Wirklichkeit tritt. Was wahr iſt, ein 7 ſolches Ergebniß dürfen wir von den gleisneriſchen Anhängern der geltenden Sekten ebenſo gut erwarten, wie von den Nach⸗ kommen Jener, die einſt die Heimath ihrer Väter verlaſſen haben, um der Schmach einer ſo heuchleriſchen Verdrehung der wahren Gotteslehre zu entgehen. Bei den Letzteren beſchäf⸗ tigte der Schein die Seele mehr als die Liebe Gottes, durch welche ſich vorzugsweiſe der Fortſchritt des Menſchen zu jenem Zuſtande der Reinheit und Heiligkeit bewährt, ohne welchen, der Schrift zufolge, Niemand ſeinen Schöpfer ſchaut,— ja, ohne welchen Niemand dieſes erhabene Weſen von Angeſicht zu Angeſicht zu ſchauen wagen darf. Der Decan hatte alle Aeußerlichkeiten der Frömmigkeit in puritaniſcher Vollendung. Während ſeines langen Lebens hatte er„den Namen ſeines Gottes nie vergeblich genannt,“ er hatte ſich aber dieſer häßlichen, unverdienſtlichen Sünde eher enthalten, weil dieß einen Theil ſeines Jugendunterrichtes ausgemacht, und weil er ſeinen Nachbarn durch eine ſolche Uebertretung des Gebotes Aergerniß gegeben hätte, als weil er die tiefe Ehrfurcht vor ſeinem Schöpfer fühlte, welche das unbedeutende Weſen— das Geſchöpf ſeiner Hand— fühlen mußte, und die än ſich ſelbſt ſchon jede unnütze Nennung ſeines Namens verhinderte, wie auch die Nachbarn über dieſe Sache fühlen und denken mochten. Man konnte von dem Decan Pratt ſagen, daß er in gleicher Weiſe die meiſten Gebote des Herrn achtete, nicht aber, weil der Geiſt Gottes ihn durch Liebe zu Ehrfurcht und Gehorſam ſpornte, ſondern weil er in einem Theile des Landes erzogen worden, wo es als zierlich und recht galt, vor den Menſchen wenigſtens, wenn nicht vor dem allſehenden Auge Gottes ſittlich zu erſcheinen.. L kirchli Sekter ſeinen ſprach in B aber treffli Leben wär' ſeiner ſeine er in wo ſi dieſes bemãä dem allert behat Inter vielle Beiſt ſich; ſeine. gefäl der welck ſanft hängern n Nach⸗ verlaſſen drehung beſchäf⸗ 3, durch zu jenem welchen, 24 ja, Angeſicht igkeit in Lebens enannt,“ Sünde terrichtes ne ſolche als weil lche das — fühlen Nennung ber dieſe ß er in e, nicht rcht und s Landes vor den en Auge — 3— Auf dieſe Weiſe hatte der Decan ſeine Stellung in der kirchlichen Gemeinde erreicht. Er hatte alle die herkömmlichen Sektenphraſen ſtets in Bereitſchaft, war ſehr vorſichtig in ſeinen Aeußerungen, beſuchte das Bethaus regelmäßig, ent⸗ ſprach dem Scheine nach allen Pflichten, welche ſeine⸗ Kirche in Bezug auf die bloßen religiöſen Gebräuche vorſchrieb, war aber doch weit von jenem Zuſtande, welchen der Apoſtel Paulus trefflich mit den Worten ſchildert:„Denn Chriſtus iſt mein Leben, und Sterben iſt mein Gewinn,“ ſo weit entfernt, als wär' er ein Heide geweſen. Nicht die Liebe Gottes war in ſeinem Herzen thätig, ſondern die Selbſtliebe, und er zwängte ſeine Leidenſchaft in jene ſtrengen, täuſchenden Formen, weil er in einem Geſellſchaftszuſtande geboren und erzogen war, wo ſie einen weſentlichen Theil des Daſeins ausmachten. Habgier war des Decans eingefleiſchte Sünde, und da dieſes Laſter ſich bei einiger Beachtung des Scheins ziemlich leicht bemänteln läßt, ſtellte es ihn weniger als jede andere Sünde dem öffentlichen Urtheile bloß. Die Nachbarn hielten ihn allerdings zuweilen für„unzugänglich,“ und man wollte behaupten, Jeder, der mit ihm zu thun habe, müſſe ſeine Intereſſen ſcharf im Auge behalten; i Ganzen aber war vielleicht eher Grund zur Beſorgniß vorhanden, daß man das Beiſpiel eines ſo guten Mannes in einer ſolchen Gemeinde ſich zum Vorbild nehmen möchte, als daß ſeine Handlungen ſeinen Charakter in ein ſchiefes Licht geſtellt oder ſein Anſehen gefährdet hätten. Ganz anders waren Lage, Gefühle und Beweggründe der Nichte. Sie liebte Gott innig, und demzufolge alle die, welche er geſchaffen und mit denen er ſie umgeben hatte. Ihr ſanfter, edler Geiſt leitete ſie zu wahrer, ächter Gottesver⸗ — 11— ehrung, und all ihr Denken, Sprechen und Thun zeugte von dem Einfluſſe ſolcher Grundſätze, wie ſie nur aus dieſen Beweggründen hervorgehen konnten. Nur ihre wahrhaft weibliche Liebe zu Roswell Gardiner trübte ihr ſonſt ſo ruhiges, glückliches Daſein. Dieſe allein hatte ſie mehr als einmal auf ihrem Pfade unſicher gemacht, ſie kämpfte aber mit der Schwäche und gab ſich der Hoffnung hin, dieſe noch beſiegen zu können. In ihren Augen war es unmöglich, die Hand eines andern Mannes anzunehmen, bei den Gefühlen, welche ſie, wie ſie ſich wohl bewußt war, ihm weihte, wäre dieß unzart und zumal ungerecht geweſen; ihn aber als Gatten anzunehmen, während ihm der Erlöſer nur ein, wenn auch reiner, begeiſterter Menſch war, würde nach ihrem Gefühle eben ſo viel geweſen ſein, als ſich mit Wiſſen und Willen in die Hände des großen Feindes des Heils zu begeben. Wie oft hatte ſie, ſelbſt inbrünſtiger und mit heiß ren Thränen, als ſie für ſich betete, fuüͤr den Geliebten gebetet, allein ſtets, ſo weit ſie ſehen konnte, ohne ſichtlichen Erfolg. Seine Anſichten blieben ſtets dieſelben, und ſein offenes Weſen hielt ihn ab, den Zuſtand ſeines Innern vor Mary geheim zu halten. 8 Auf dieſe Weiſe überſchlich der Gram die frühen, unſchul⸗ digen Stunden eines Weſens, welches ſonſt ſo zufrieden und glücklich geweſen wäre. Das Eigenthümliche ihrer Lage wurde dadurch geſteigert, daß ihr Oheim die Wünſche ihres Bewer⸗ bers begünſtigte. Dieß machte den Kummer der Nichte nur um ſo herber, da ſie ſich gänzlich auf ihr eigenes Urtheil ſtützen mußte, ſo ſehr dieſes auch durch das Bewußtſein des Rechtes und den Halt jener großen Macht, welche den Gläu⸗ bigen nie verläßt, gekräftigt war. De perſone erfolgte White aber at liſch ge˖ welche E Beſitze ſeiner Enthül Matro nach ſe ſie dar Aufſch benen uU gewöhr Wittw ſtorben Dollar Ausgl liche d beſeititg und n Rückza durch A andere er vor gte von dieſen zardiner allein gemacht, offnung war es en, bei ar, ihm ; ihn sſer nur de nach Wiſſen deils zu heiß ren gebetet, Erfolg. „Weſen geheim unſchul⸗ den und e wurde Bewer⸗ hte nur Urtheil ſein des Gläu⸗ — 75— Der Art war der Zuſtand der Gefühle einiger der Haupt⸗ perſonen unſerer Erzählung, als der plötzliche Tod Daggett's erfolgte. Die Leiche war nicht aus der Hütte der Wittwe White weggebracht worden, am nächſten Morgen wurde ſie aber auf den„Grabhof“— Kirchhof würde zu episcopa⸗ liſch gelautet haben— getragen und in einer Ecke beigeſetzt, welche für die Armen und Unbekannten beſtimmt war. Erſt jetzt glaubte der Decan ſich in dem alleinigen Beſitze des wichtigen Geheimniſſes. Er hatte die Karte in ſeiner Behauſung und über Daggett's Lippen kamen jetzt keine Enthüllungen mehr. Wenn die Verwandten des verſchiedenen Matroſen von ſeinem Hintritte hörten und auher kamen, um nach ſeiner Habe zu ſehen, war es kaum wahrſcheinlich, daß ſie darunter irgend etwas fanden, das ihnen irgend einen Aufſchluß über das neue Robben⸗Bereich oder über den vergra⸗ benen Schatz des Seeräubers geben konnte. um ſich ganz ſicher zu wiſſen, nahm er von ſeiner gewöhnlichen, umſichtigen Weiſe Umgang und bezahlte der Wittwe White aus ſeiner Taſche Alles, was ſie an dem Ver⸗ ſtorbenen zu fordern hatte,— eine Summe von baaren zehn Dollars. In ihren wie in ſeinen Augen war dieß eine ſchöne Ausgleichung, den Argwohn, welchen eine ſolche ungewöhn⸗ liche Freigebigkeit wohl wecken konnte, ſuchte er dadurch zu beſeitigen, daß er ſagte:„er würde der Verwandten harren, und wenn dieſe ausblieben, reichte die Hinterlaſſenſchaft zur Rückzahlung hin, in jedem Falle wär's beſſer, er verlöre durch den Fremden, als eine vereinſamte Wittwe.“ Auch die Koſten für den Sarg, den Todtengräber und andere unbedeutende Dienſtleiſtungen bei der Beſtattung legte er vor und bemühte ſich überhaupt, alle zudringliche Fragen — 76— dadurch zum Schweigen zu bringen, daß er überall, wo es Karten nöthig war, durch Silber nachhalf. er ſuch Die Kiſte war in ein geräumiges, helles Gemach gebracht Al 8 worden, welches an des Decans Wohnzimmer ſtieß. Als alle dar. ſeine Rechnungen berichtigt waren, begab er ſich, mit dem Blicke Schlüſſel bewaffnet, welcher ſeinen ſehnſüchtigen Augen ſo troſen viele Schätze erſchließen ſollte, dahin. eben Er ſah ſich überall in dem weiten Gemache um und es noch n ſchien, als hege er einige Zweifel in Betreff des Schrittes, dem zu welchen er zu thun im Begriffe war. Die Kiſte war nicht ſamen ſein, dieß ſtand feſt; aber er wußte das, wie Daggett ihm D entdeckt hatte, ſo zu deuten, daß er ſein Verfahren bald völlig ab. 6 vor ſich gerechtfertigt ſah. Er hatte den Schoner zu keinem der lei andern Zwecke gekauft, als um die Seehunde und den Schatz ſtrichen aufzuſuchen. Dieß hatte er mit Daggett's Wiſſen und Zuſtim⸗ Die N mung gethan, und er ſah nicht ein, wie ſeine Rechte durch Aehnl den Tod des Matroſen geſchmälert werden konnten. Uebrigens Bedür war es ihm nie eingefallen, daß der Mann von Martha's Aber Vineyard im Stande wäre, die Reiſe mitzumachen, ſo daß dieſen deſſen Anweſenheit oder Abweſenheit auf ſeine eigenen Rechte auf ſe keinen Einfluß haben konnte. Freilich hatte der Decan keinen als e unmittelbaren, rechtlichen Anſpruch auf die Karten, er ſagte werfer ſich aber, alle vorhergehenden Umſtände berechtigten ihn hin⸗ reichend, wenigſtens Einſicht von dem zu nehmen, was darauf 3 ſoglei verzeichnet war. da w Es war ein feierlicher und zumal ein ängſtlicher Augen⸗ Inſel blick für den Decan, als er den Deckel der Kiſte aufhob. 4 und Feierlich,— weil es nicht möglich war, des kaum erſt erfolgten auf d Abſterbens des Eigenthümers derſelben zu vergeſſen; ängſt⸗ Entd lich,— ſofern er die Gewißheit nicht hatte, ob er auf den— Wich , wo es gebracht Als alle mit dem Augen ſo n und es Schrittes, var nicht ggett ihm ald völlig zu keinem en Schatz d Zuſtim⸗ chte durch Uebrigens Martha's ,ſo daß en Rechte an keinen er ſagte ihn hin⸗ us darauf r Augen⸗ e aufhob. erfolgten 1; ängſt⸗ r auf den —— Karten die Stellen finden würde, deren Länge und Breite er ſuchte. Allerdings bot ſich ſeinem Auge nichts Schatzähnliches dar, als Alles, was Daggett hinterlaſſen hatte, vor ſeinem Blicke ausgebreitet lag. Die Kiſte eines gewöhnlichen Ma⸗ troſen iſt in der Regel ſchlecht ausgeſtattet, er müßte denn eben von einer langen, gut bezahlten Reiſe zurückkehren und noch nicht Zeit gehabt haben, ſich mit Kleidern und allem dem zu verſehen, wonach er ſich Monate lang auf der ein⸗ ſamen See geſehnt hatte. Daggett's Kiſte gab keine Ausnahme von dieſer Regel ab. Die wenigen Kleider, welche ſich darin vorfanden, waren der leichteſten Art, denn er hatte ſie unter warmen Himmels⸗ ſtrichen angeſchafft, überdieß waren ſie ziemlich abgetragen. Die Nadeln, Muſcheln, ausgeſchnittene Wallfiſchknochen und Aehnliches hatte der Eigenthümer bereits verkauft, um ſeine Bedürfniſſe zu decken, und nichts dieſer Art war mehr übrig. Aber zwei alte, beſchmutzte Karten fanden ſich vor, und nach dieſen griff der Decan, wie der Habicht ſich in ſeiner Gier auf ſeine Beute niederſtürzt. Ein Zittern überkam ihn jedoch, als er dieß that, und zwang ihn, ſich in einen Stuhl zu werfen und einen Augenblick auszuruhen. Als der Decan die erſte Karte auseinander legte, ſah er ſogleich, daß es die der ſüdlichen Halbkugel ſei. Und ſieh, da waren drei oder vier Punkte mit Tinte angegeben, welche Inſeln vorſtellen ſollten, und zur Seite hatte er die Längen⸗ und Breitegrade beigeſchrieben. Wir ſind verpflichtet, dieſe auf der Karte verzeichneten Zahlen zu verſchweigen, denn die Entdeckung ſcheint noch bis auf dieſen Augenblick für die von Wichtigkeit, welche in das Geheimniß eingeweiht ſind. Wir —— haben freie Hand, die ganze Geſchichte, mit dieſer einzigen Ausnahme, zu erzählen, und wir werden mit der geeigneten Rückſicht auch das vorab gegebene Verſprechen unſerer Auf⸗ gabe verfolgen. 4 Der Deran athmete kaum, als er ſich des wichtigen, eben erwähnten Umſtandes verſicherte, und ſeine Hand zitterte in ſo hohem Grade, daß ihm die Karte beinahe entfallen wäre. Dann nahm er ſeine Zuflucht zu einem Auskunftmittel, welches den Mann trefflich charakteriſirte. Er ſchrieb die Länge und Breite in ein Notizenbuch, welches er ſtets bei ſich führte, ſetzte ſich dann und kratzte ſehr ſorgfältig mit der Spitze ſeines Federmeſſers die Inſeln und die Ziffern auf der Karte aus. Als er dieß vollbracht hatte, athmete er leichter auf. Dieß war jedoch nicht Alles. Die für den Schoner ange⸗ kauften Karten lagen auf einem Tiſche ſeines Zimmers aus⸗ gebreitet, und er zeichnete auf eine derſelben, ſo weit ſeine Kunſtfertigkeit reichte, die Robben⸗Inſeln, welche er eben auf Daggett's Karte verwiſcht hatte. Er bemerkte hier auch mit „Bleiſtift die wichtigen Zahlen, welche wir nicht ermächtigt ſind mitzutheilen. Nun wurde die zweite Karte ausgebreitet. Es war eine Karte von Weſtindien, namentlich von gewiſſen kleinen Inſeln in deſſen Bereich. Eine derſelben war dort auszeichnend her⸗ vorgehoben, ſo daß man nicht zweifeln konnte es ſei die von dem Seeräuber angedeutete Inſel. Auch hier können wir nicht dentlicher ſein, da wir in dieſer Hinſicht ebenſo durch unſer Wort gebunden ſind, wie in Betreff der Robben⸗Inſeln. Da dieſe Angabe nur mit Beiſtift geſchrieben war, wurde ſie mit Gummi leicht beſeitigt. N Vorſich Karte kein A rechte legte wieder bereits aller Mann A ſeine 4 Er fi denn dazu l weiger welche die bie Tod h nun ſ ( Nichte Mahl beſond beſtan dieſer das b Leute ihr V einzigen eeigneten rer Auf⸗ gen, eben tterte in en wäre. welches unge und führte, r Spitze auf der ſter auf. er ange⸗ ers aus⸗ eit ſeine eben auf auch mit mächtigt war eine n Inſeln end her⸗ die von nen wir ſo durch Inſeln. vurde ſie —— Nachdem dieß vollbracht war, brauchte der Deran die Vorſicht, die mit dem Federmeſſer berührten Stellen der erſten Karte mit irgend einem Stoffe zu reiben, und glaubte nun, kein Auge würde entdecken, was er gethan. Nachhem er die rechte Inſel auf ſeiner Karte von Weſtindien bezeichnet hatte, legte er Daggett's Karten in die Kiſte und ſchloß Alles wieder zu. Die mündlichen Berichte des Seemannes hatte er bereits zu Papier gebracht und dachte ſich nun in dem Beſitze aller Notizen, welche nöthig waren, um ihn zu dem reichſten Mann in Sufeolk zu machen. Als Mary ihren Oheim wieder ſah, ſtaunte ſie über ſeine Heiterkeit, und zwar ſo kurz nach einem Leichenbegängniß. Er fühlte jedoch ſein Herz von einer großen Laſt befreit, denn nachdem ihn Daggett allmählich umſtrickt und endlich dazu bewogen hatte, den Schoner zu kaufen und auszurüſten, weigerte er ſich hartnäckig, in jene Einzelnheiten einzugehen, welche wir mitzutheilen nicht ermächtigt ſind, und ohne welche die bisherigen großen Ausgaben ganz vergeblich waren. Der Tod hatte jetzt den Schleier gelüftet und der Decan glaubte, nun ſei jedes Hinderniß beſeitigt. 1 Einige Stunden ſpäter ſaß der Decan Pratt mit ſeiner Nichte und zwei anderen Gäſten an dem Mittagstiſche. Das Mahl war einfach, aber gut. In jenem Theile des Landes, beſonders den Strand entlang, machten Fiſche einen Haupt⸗ beſtandtheil jedes Mahles aus, und der Oheim hatte ſich bei dieſer Gelegenheit in der Freude ſeines Herzens etwas erlaubt, das bei ihm als eine wahre Verſchwendung gelten konnte. In allen Gegenden dieſer Art leben alte, gebrechliche Leute vom Fiſchfange. Gewöhnlich waren geiſtige Getränke ihr Verderben, und alle zeigen denſelbem charakteriſtiſchen Hang zur Trägheit, zum Umherſtreifen und, im beſten Falle, zu wenig anſtrengenden Arbeiten, für welche ſie ſich dann wieder durch Rückfälle in ihre alte Unmäßigkeit entſchädigen, und ſo gewöhnlich ihren Tod beſchleunigen. Ein ſolcher Mann fiſchte zwiſchen Oyſter⸗Pond und Shelter⸗Inſel, und Alle, die innerhalb ſeines Bereiches wohnten, kannten ihn unter dem Namen des Köder⸗Joſeph's. Bald nach der Entdeckung der Längen und Breiten auf den Karten war der Decan in ſeiner Ungeduld, Roswell Gar⸗ diner mit ſeinem Seelöwen raſch in reiſefertigem Zuſtande zu ſehen, auf das Werft gegangen. Der junge Mann war mit ſeinen Leuten in großer Thätigkeit, und man gewahrte bereits einen großen Unterſchied in dem Ausſehen des Schoners, wenn man ihn mit dem verglich, was er bei der Eröffnung unſerer Erzählung geweſen. Die ganze Takelage war an Ort und Stelle, die Stengen waren eingeſtemmt, und Alles hatte ein ſegelfertiges,„nach Außen drängendes“ Ausſehen: Man nahm eben Waſſer ein, und von Zeit zu Zeit kamen Wagen und Karren, welche die nöthigen Vorräthe heranbrachten. Von Befrachtung im eigent⸗ lichen Sinne war kaum die Rede, denn ein echter Robben⸗ fänger nahm außer Salz und ſeinen Vorräthen wenig an Bord auf. Kurz, die Arbeit ſchritt raſch vor, und„Capitän Gar'ner“ ſagte ſeinem ungeduldigen Schiffseigenthümer, der Schoner könne noch in dieſer Woche in See ſtechen. „Es iſt mir gelungen, den noch fehlenden erſten Offizier aufzutreiben,“ ſetzte der junge Mann hinzu,„und er iſt jetzt damit beſchäftigt, Leute zu Stonington aufzuſuchen und anzu⸗ werben. Wir müſſen vorab ein halbes Dutzend zuverläſſige Leute haben, dann könnten wir hier einige unſerer Nach⸗ barn al zeigen.“ „J der De thümer Gar'ner vorſchre Mittage ſprechen zu komn Joſeph „S Schafsk Pfund Ge brachte Gewicht Wonne Joſeph deln un Dollar. 8 Do eben die ehe er Capitär an dem ²) Di 247- lle, zu wieder und ſo n fiſchte le, die ter dem ten auf ell Gar⸗ ande zu war mit bereits ſchoners, röffnung Stengen „„nach iſſer ein, elche die meigent⸗ Robben⸗ ſenig an Capitän ner, der Offizier iſt jetzt nd anzu⸗ verläſſige er Nach⸗ — 81— barn als Anfänger einnehmen, nur um uns ihnen gefällig zu zeigen.“ „Ja, nehmt nur recht viele Neulinge an Bord.“ ſagte der Decan eifrig.„Sie arbeiten wohlfeil, und die Eigen⸗ thümer gewinnen auf dieſe Weiſe. Nun, nun, Capitän Gar'ner, ich ſehe, daß die Dinge unter Euren Häuden tüchtig vorſchreiten, und werde Euch gewähren laſſen. Nach dem Mittagseſſen möchte ich ein Wort mit Euch im Vertrauen ſprechen, und Ihr werdet ſo gut ſein, in das Haus herüber zu kommen, wo Ihr mich gewiß finden werdet. Der Köder⸗ Joſeph ſcheint dort etwas Ordentliches geangelt zu haben?“ „So iſt's auch. Ich bürge Euch dafür, er hat einen Schafskopf*) an dem Ende ſeiner Leine, der acht bis zehn Pfund ſchwer iſt.“ Gardiner's Worte erwieſen ſich als richtig, denn Joſeph brachte in der That einen Fiſch dieſes Namens und dieſes Gewichtes ein.. Dieſer Anblick verſuchte den Decan, in der Wonne ſeines Herzens, ſich eine Verſchwendung zu erlauben⸗ Joſeph wurde an den Strand gerufen, und nach vielem Han⸗ deln und Markten kaufte der Decan den Fiſch um einen halben Dollar. Da Mary in dem Rufe ſtand, ſich auf die Bereitung eben dieſes Fiſches vortrefflich zu verſtehen, lud der Decan, ehe er das Werft mit dem Fiſch in der einen Hand verließ, Capitän Gardiner ein, ſeinen Beſuch ſo einzurichten, daß er an dem Leckerbiſſen theilnehmen könne. *) Dieſer Fiſch hat ſeinen Namen von der Aehnlichkeit ſeines Kopfes mit dem eines Schafes, er iſt ſehr ſchmackhaft und in Neu⸗ England äußerſt beliebt. Der Ueberſetzer. 247— 249. 6 Dieß war jedoch nicht Alles. Ehe der Decan ſich mit Joſeph abgefunden, kam der wohlehrwürdige Herr Whittle an das Werft, um zugeſtandenermaßen ſich nach etwas Eßbarem umzuſehen. Dieſer Geiſtliche beſchäftigte ſich gewöhnlich mit Predigtſchreiben, Predigen, Berathungen, Taufen, Begraben und Trauen, und endlich mit der Jagd nach etwas„Leibli⸗ chem.“ Mit dieſer letztern Beſchäftigung brachte er die Hälfte ſeiner Zeit hin. Wir ſind weit entfernt, dieſen geiſtlichen Herrn zu beſchuldigen, er habe einen ungehörigen gaſtronomiſchen Hang gehabt, er hatte im Gegentheil einen ſehr gehörigen, und einen Gehalt, welcher ſo gering war, daß die Vorräthe in ſeiner Speiſekammer und in ſeinem Keller als gar nichts gelten konnten. Bald fehlte es ihm an Mehl, dann waren ſeine Kartoffeln gegeſſen, das geſalzene Fleiſch aufgezehrt und an Gewürz und anderm Bedarf dieſer Art herrſchte ein ſteter Mangel. Durch dieſe Vernachläſſigung abſeiten der Pfarr⸗ gemeinde, und in Folge eines gewiſſen Leichtſinns von Seiten des Paſtors, war die Familie des Geiſtlichen ſtets in einer Lage, welche man am beſten durch das„von Hand zu Mund leben“ ſchildert, und die folglich einen ſo großen Theil der Zeit des guten Mannes in Anſpruch nahm, um„ſich nach etwas umzuſehen.“ Decan Pratt fühlte ſich nicht ganz behaglich, als er des geiſtlichen Herrn anſichtig wurde. Der Fiſch beunruhigte ihn eben nicht ſehr. Hundertmal hatte er den Paſtor, wenn dieſer von Hunger gequält umherirrte, getroffen und laufen laſſen, während er in ſeiner Hand oder in ſeinem Wagen, wie es ſich eben traf, des Guten genug hatte, um die Familie des Geiſtlichen auf eine Woche zufrieden und glücklich zu machen. Mit Sorgen dieſer Art pflegte Decan Pratt ſich nicht zu beläſti tags⸗ wohl werder Weiſe Gottes kam es lichen für Al Sitte vor, de glücklie ſo ung von de mußte, J Tiſchge diner 1 Fiſch n bereitet allein den Ge liche To kehrten Roswel religiöſ Unterne Of doch mi den beſt ſich mit shittle an Eßbarem nlich mit Begraben 3„Leibli⸗ die Hälfte geiſtlichen nomiſchen Pörigen, Vorräthe gar nichts n waren zehrt und ein ſteter er Pfarr⸗ en Seiten in einer zu Mund Theil der ſich nach ls er des higte ihn enn dieſer en laſſen, , wie es milie des machen. nicht zu — 83— beläſtigen. Er hatte aber am letzten Sabbat den Nachmit⸗ tags⸗Gottesdienſt verſäumt,— ein Vergehen, welches er nicht wohl entſchuldigen konnte, während es durchaus en ſchuldigt werden mußte. Man begrüßte ſich in der herkömmlichen Weiſe, und der Eine dachte an ſeine Abweſenheit bei dem Gottesdienſt, der Andere an den ſchmackhaften Fiſch. Da kam es dem Decan glücklicher Weiſe in den Sinn, den Geiſt⸗ lichen auch zu dem Mahle einzuladen. Der Schafskopf war für Alle ausreichend, und obgleich es auf Oyſter⸗Pond nicht Sitte war, Mittaggeſſen zu geben, ſo kam es doch zuweilen vor, daß die Pfarrkinder ihren Paſtor zu Gaſt hatten. Dieſe glückliche Einladung beſchäftigte alle Theile ſo, daß man eines ſo ungewöhnlichen Begebniſſes, wie die Abweſenheit des Decans von dem Nachmittags⸗Gottesdienſte des letzten Sabbats ſein mußte, mit keiner Sylbe gedachte. In dieſer einfachen Weiſe hatte es ſich gefügt, daß die Tiſchgeſellſchaft des Decans aus dieſem, Mary, Roswell Gar⸗ diner und dem wohlehrwürdigen Herrn Whittle beſtand. Der Fiſch war vortrefflich, denn er war friſch und zumal geſchickt bereitet. Mary hörte ihr Lob von Allen, die ihn koſteten, allein ſie ſchien traurig zu ſein. Sie hatte ſich der betrüben⸗ den Gefühle noch nicht entſchlagen können, welche der plötz⸗ liche Tod des armen Fremden in ihr geweckt hatten, und dann kehrten ſich ihre Gedanken faſt ohne Unterlaß der langen Reiſe Roswell's, beſonders aber dem unglücklichen Zuſtande ſeines religiöſen Glaubens zu, in welchem er ſich einem ſo gewagten Unternehmen hingeben wollte. Oft hatte ſie dem Geiſtlichen Winke gegeben, er möge doch mit Roswell ſprechen, wenn der gute Herr aber auch den beſten Willen hatte, ihren Wuͤnſchen zuvorzukommen, ſo 6* —— 84 hatte er doch ſo viel mit ſeinem zeitlichen Fortkommen zu thun, daß es ihm ſchwer ward, aus ſeinem gewohnten Gleiſe zu ſchreiten, um Einzelnen das Gewiſſen zu ſchärfen. Er ver⸗ ſprach, aber er vergaß zu halten,— und darin folgte er genau dem Beiſpiele ſeiner Eingepfarrten in Bezug auf ſeinen Gehalt. Roswell Gardiner verblieb daher in ſeinem Unglauben, oder was ziemlich daſſelbe war, unter dem Einfluß einer Reihe von Anſichten, welche Allem widerſtritten, was die Kirche ſeit den Zeiten der Apoſtel gelehrt hat, wenigſtens dachte Mary ſo, und wir theilen ihre Anſicht vollkommen. Dagegen waren der Paſtor und der Decan, für Leute ihrer herkömmlichen Nüchternheit, ungemein heiter. Obgleich man damals noch nichts von der Mäßigkeit unſerer Tage wußte, war doch keiner der Gäſte auch nur ein mittelmäßiger Trinker. Roswell Gardiner brachte— gewiß eine Seltenheit bei einem Seemanne— ſelten etwas Anderes als Waſſer an ſeine Lippen, während die beiden Andern Rum und Waſſer, aber mäßig tranken, wie man alle Gaben Gottes genießen ſollte. Das unmäßige Geſchrei, welches jeden, wenn noch ſo mäßigen Genuß geiſtiger Getränke als eine Sünde hinſtellt, ließ ſich damals in dem Lande noch nicht laut werden. Im Ganzen konnte man die Geiſtlichkeit aller Glaubensformen als Rum⸗ und Waſſer⸗Männer bezeichnen, wenn auch Ein⸗ zelne eine Ausnahme von dieſer Regel machten. Der wohl⸗ ehrwürdige Herr Whittle war jedoch ein nüchterner Mann, und wenn er auch kein großes Unrecht darin fand, ſein Herz und ſeinen Geiſt durch mäßigen Genuß des Branntweins zu erheitern und zu erfreuen, ſchadete er weder ſich noch Andern durch eine ſolche gelegentliche Wonneſtunde. Ebenſo war es mit der Wahl, wein u zu ſehe V zu dere ganze für de ganz l Whittl D kehre n ten, u und S ten ſie Wenig dadurch leben! gerade Gebrec von de durchdr 8 bei der bensbe ſchäfts zulaſſe 2 Weſen wenigſ beſucht men zu n Gleiſe Er ver⸗ olgte er f ſeinen glauben, iß einer ie Kirche 3 dachte ür Leute Obgleich er Tage lmäßiger eltenheit aſſer an Waſſer, genießen noch ſo hinſtellt, en. Im isformen uch Ein⸗ er wohl⸗ Mann, ein Herz veins zu Andern war es — 85— mit dem Decan, nur trank er Rum und Waſſer aus freier Wahl, und kein anderes Getränke,— Mary's Johannisbeer⸗ wein und Cider ausgenommen,— war je auf ſeinem Tiſche zu ſehen.. 4 Von geiſtigen Getränken läßt ſich dieß ſagen, ſei es nun zu deren Gunſten oder nicht,— ſie erſchließen gewöhnlich die ganze Munterkeit eines Mannes, und machen ihn, wenigſtens für den Augenblick, geſprächig und angenehm. Dieß war ganz beſonders der Fall mit dem wohlehrwürdigen Herrn Whittle und ſeinen Decanen. Dieſe guten Leute hatten ſich in ihrem gewöhnlichen Ver⸗ kehre mit ihren Mitmenſchen der Anſicht hingegeben, ſie müß⸗ ten, um religiös zu erſcheinen, ihre Geſichter in Falten legen und Sorge und Gram müßten ſich darauf abdrücken, als hät⸗ ten ſie auf die Kraft der Erlöſung kein Vertrauen. Nur Wenige rechtfertigen in der That ihr Glaubensbekenntniß dadurch, daß ſie mit Gott und den Menſchen in Frieden leben! Auf Oyſter-Pond war man ziemlich der Anſicht, daß gerade die am unverſchämteſten auftreten, und die Fehler und Gebrechen ihrer Nachbarn am ſchärfſten tadeln dürften, welche von der Troſtloſigkeit ihres irdiſchen Zuſtandes am tiefſten durchdrungen waren. Dieſe Schwäche trat jedoch weder bei dem Paſtor noch bei dem Decan hervor, denn Jeder von ihnen ſah ſein Glau⸗ bensbekenntniß zu ſehr in dem Licht eines regelrechten„Ge⸗ ſchäfts,“ um ſich zu ſolchen kleinen Verläſterungen herab⸗ zulaſſen.. Was Mary betrifft, ſo war die Demuth dieſes guten Weſens ſo groß, daß ſie ſich für die Schwächſte und am wenigſten Begünſtigte unter Allen hielt, welche das Bethaus beſuchten. — 86— „Es thut mir leid, daß meine Reiſe nach Connecticut mich hinderte, den armen Mann zu beſuchen, welcher ſo plötz⸗ lich aus dem Hauſe der Wittwe White entführt wurde,“ bemerkte der wohlehrwürdige Herr Whittle, nachdem er eine Weile mit dem Schafskopf angelegentlich beſchäftigt geweſen. „Wie ich höre, war von vornherein keine Hoffnung da.“ „Der Art urtheilte Doctor Sage,“ verſetzte der Decan. „Capitän Gar'ner eilte unaufgefordert in meinem Boote hinüber, um ihn zu dem Kranken zu holen. Wenn aber das Salzwaſſer, wie Manche behaupten, ſich bei Schwinb⸗ ſüchtigen hilfreich erweiſt, ſo iſt nach meinem Bedünken für Seeleute wenig zu hoffen, ſobald ihre Lunge einmal ange⸗ griffen iſt.“. „Der arme Mann war alſo ein Matroſe? Ich habe ſeinen Beruf nicht gekannt, hielt ihn vielmehr für einen Ackerbauer. War er auf Oyſter⸗Pond zu Hauſe?“ „Nein,— wir haben Niemanden hier, der ſich Daggett nennt, dieſe Leute ſind auf Vineyard heimiſch. Die meiſten Daggett ſind Seefahrer, und dieſer Mann war, glaube ich, etwas derſelben Art, obgleich ich, mit Ausnahme eines oder des andern Wortes, welches er im Geſpräche fallen ließ, Nichts von ihm und ſeinem Thun weiß.“ Der Decan glaubte ſich dieſe kleine Abweichung von der Wahrheit um ſo gefahrloſer erlauben zu dürfen, als bei ſeinen vielfachen geheimen Beſprechungen mit dem verſtorbenen See⸗ manne Niemand anweſend war, oder als er glaubte, es ſei Niemand dabei anweſend geweſen. Er kannte jedoch den Charakter der Wittwe White kaum, wenn er ſich ſchmeichelte, unter ihrem Dache irgend Etwas beſprechen zu können, ohne daß ſie ſich dabei betheiligte. Die gute F auch ei was zu und ſe W Wille, würde ſein. Inſel, gehört als„ des St auch ſe N gehind deutlich Zu all und be erwähr D Stone Alles, widerſ Nachd künftig Folge von ſ der w liche necticut ſo plötz⸗ wurde,“ er eine geweſen. 1.* Decan. einem Wenn Schwinb⸗ ken für l ange⸗ ch habe r einen Daggett meiſten be ich, les oder en ließ, von der ei ſeinen en See⸗ es ſei e kaum, Etwas e. Die — 87— gute Frau hatte ſich nicht nur ein Lauſchplätzchen, ſondern auch ein kleines Lugloch einzurichten gewußt, wo ſie faſt Alles, was zwiſchen ihrem Gaſte und dem Decan vorging, hören und ſehen konnte. 5 4 Wäre ihr Begriffsvermögen ſo mächtig geweſen, wie ihr Wille, oder hätte ſie ſich nicht vor dem Decan gefürchtet, ſo würde ganz Suffolk der ſo enthüllten Wunder voll geweſen ſein. Die Eaſt⸗Ender würden nicht nur von einer Robben⸗ Inſel, ſondern von zwanzig großen und zahlloſen kleinen Inſeln gehört haben, deren jede mehr verborgene Schätze enthielt, als„Gar'ner's Inſel,“ und Oyſter⸗Pond und die ganze Küſte des Sundes, ſo reich an verſteckten Schätzen alle dieſe Orte auch ſein mögen, wenn man der Sage alter Leute glauben darf. Nur ein Zufall hatte die Verbreitung dieſer Gerüchte gehindert. Daggett war nämlich nur bei einer Veranlaſſung deutlich und zuſammenhängend in ſeiner Erzählung geweſen. Zu allen anderen Zeiten waren ſeine Mittheilungen Bruchſtücke, und beſtanden mehr in Anſpielungen auf das, was wir bereits erwähnt haben, als in klaren, unumwundenen Enthüllungen. Die Wittwe war unglücklicherweiſe bei ihrer Nachbarin Stone, als jene zuſammenhängende Erzählung erfolgte, und Alles, was ſie wußte, war Stückwerk, dunkel und ein wenig widerſprechend. Dennoch reichte es hin, um ihr Stoff zum Nachdenken zu bieten, und einen weſentlichen Einfluß auf die künftigen Geſchicke des Seelöwen zu üben, wie ſich in der Folge herausſtellen wird. „Es iſt ſtets ein Unglück, wenn ein menſchliches Weſen von ſeiner Heimath und den Verwandten ſcheidet,“ bemerkte der wohlehrwürdige Herr Whittle.„Hier mußte eine unſterb⸗ liche Seele ihren letzten, großen Aufflug nehmen, ohne daß —— 88 ſich ihr eine andere Stütze geboten hätte, als die Gebete 77 weniger frommer Nachbarn. Ich bedaure, daß ich abweſend in den war, ſo lange er hier weilte. Am Freitage erſt kehrte ic neugien zurück, und den Samſtag hatte ich den Vorbereitungen für D den Sabbat zu widmen, und am Sabbat⸗Abend verſchied aber d er, wie ich höre.“ einige „Wir ſind Alle in der Hand der göttlichen Vorſehung,“ ſcheu ſagte der Decan mit ruhiger Miene,„und es iſt unſere als kö Pflicht, uns zu fügen. Nach meinem Bedünken fallen Oyſter⸗ Schwe Pond allzu viele Arme und Dürftige anheim, welche die oſtwärts und weſtwärts gehenden Schiffe hier landen und beſucht durch die unſere Laſten bedeutend geſteigert werden.“ gibt es Dieß wurde von einer von der göttlichen Vorſehung ebenſo 11 geſegneten und begünſtigten Gegend geſagt, wie es nur eine Herrn in dem hochbegünſtigten Amerika gab. In dem letzten halben bereits Jahrhundert waren acht bis zehn Fremde dieſer Art an das 24 Land geſetzt worden, und dieß war der einzige Fall, wo Einer nicht u derſelben dem Decan eine kleine Vorlage gekoſtet hatte! Aber lich zu ſo wenig war er gewohnt,— ſo wenig war er geneigt zu„4 geben, daß ſelbſt eine bedrohliche Ausſicht dieſer Art in ſeinen ihm, S Augen bereits einem wirklichen Verluſte gleichkam. und Bl „Nun,“ rief der unumwundene Roswell Gardiner,— bald di „ich glaube, Decan, wir dürfen uns nicht ſehr beklagen. 14 Southold, Shelter⸗Inſel und alle die Inſeln hier herum gewiß, ſind in Bezug auf Arme ziemlich gut daran, und wir haben habe.“ zu ihrer Unterhaltung nur wenig beizuſteuern.“ 96 „Dieß iſt die Anſicht eines jungen Mannes, welcher die Fremde Steuer⸗Sammler nie zu ſehen bekommt,“ verſetzte der Decan. haben, „Es gibt jedoch Inſeln, Capitän Gar'ner, welche noch beſſer ſo es ſe daran ſind, und ich hoffe, Ihr erlebt es, ſie aufzufinden.“ Gebete abweſend ehrte ich igen für verſchied eehung,“ t unſere Oyſter⸗ elche die den und g ebenſo nur eine halben an das o Einer 2! Aber neigt zu nſeinen ner,— eklagen. herum r haben cher die Decan. h beſſer 1. — 89— „Soll unſer junger Freund vielleicht Inſeln dieſer Art in dem Seelöwen aufſuchen?“ fragte der Paſtor ein wenig neugierig. Der Decan bereute jetzt ſeine Andeutung. Sein Herz war aber des Gegenſtandes voll, und Rum und Waſſer hatten einige Schleußen deſſelben durchbrochen. Er war jedoch ſo ſcheu und ängſtlich geworden, daß der unbedeutendſte Wink, als könnte man ſeine Geheimniſſe ahnen, ihn mit kaltem Schweiß übergoß. „Ganz und gar nicht— ganz und gar nicht, der Capitän beſucht wohlbekannte und oft befahrene Gebiete.— Sam, was gibt es?“ „Da kommen Köder⸗Joe das Werft herauf und wollen Herrn ſehen,“ antwortete der grauköpfige Neger, deſſen wir bereits oben erwähnt haben. „Der Köder⸗Joſeph! Ich hoffe, er will ſeinen Schafskopf nicht wieder haben? denn in dieſem Falle käm' er augenſchein⸗ lich zu ſpät.“ „Ja, ja,“ fiel der junge Seemann lachend ein.„Sagt ihm, Sam, ein beträchtlicher Theil davon ſei bereits in Fleiſch und Blut übergegangen, und werde in meiner Geſellſchaft recht bald die Linie paſſiren.“ „Ich habe Joſeph den halben Dollar bezahlt, ganz gewiß, Ihr habt es geſehen, Capitän, daß ich ihn bezahlt habe.“ „Ich nicht glauben, er das meinen, Herr. Es ſein ein Fremder bei Joe, den er von Shelter⸗Inſel herübergefahren haben, und er ſein auch von dem Werft heraufgekommen. Ja, ſo es ſein, Herr.“ Ein Fremder! Wer mochte er ſein? Der Befehl erging, — 90= ihn einzulaſſen, und ſobald Mary ihn janſichtig ward, ſtand ſie auf, um ihm einen Teller zu beſorgen, damit auch ihm ſein Antheil an dem Fiſche würde. Fünftes Kapitel. Die Heimath flob ich grambeladen, An Connocht Muran's Grab zu fallen; Hier fand ich meines Häuptlings Helm, Noch ziert ſein Bogen unſre Hallen. Campbell. „Amphibiſch!“ flüſterte Roswell Gardiner Mary zu, als der Fremde, von Köder⸗Joſeph eingeführt, in das Gemach trat. Der Letztere kam ſeines Glaſes Rum und Waſſer wegen, welches der Schwarze ihm einſchenkte, worauf er ſich mit dem Rücken ſeiner Hand, wie mit der Serviette, den Mund abwiſchte, ſeinen„guten Tag“ nickte und abzog. Was den Fremden betrifft, ſo müſſen wir Roswell Gardiner's Bezeich⸗ nung, da ſie ſehr charakteriſtiſch iſt, kurz erläutern. Das Wort„amphibiſch“ wird, oder vielmehr wurde auf viele Seeleute— Wallfiſchfänger und Robbenfänger— angewendet, welche auf dem öſtlichen Ende von Long⸗Island, auf Vineyard, um Stonington, und, wie wir hinzuſetzen kön⸗ nen, in der Umgebung von Neu⸗Bedford wohnten. Die Leute von Nantucket hatten, in Bezug auf terra firma, nicht Spiel⸗ raum genug, um eigentlich in dieſe Klaſſe gerechnet werden zu können. Die Klaſſe, welcher jener Name mit Recht zukam, beſtand aus Seeleuten, welche keine Seemänner im ſtrengen Sinne des Wortes waren. Während ſie im Stande waren, Alles zu leiſten, und an Ausdau verſtand bätingen „Pfropf der De über ih gerümp führen, von irg handelte ſonſt zu vielleich durchwe ſich zu De laden, viele W Appetit unzufrie ſeiner A „nicht n ſein Glo Stimmt zu verh Sylbe i Decan „T ſo gut, „ſtand ich ihm u fallen; delm, Uen. mpbell. zu, als Gemach wegen, mit dem Mund Was den Bezeich⸗ wurde inger— „Island, tzen kön⸗ Die Leute ht Spiel⸗ verden zu „beſtand n Sinne Alles zu — 9— leiſten, was nöthig war, um für ihre Schiffe Sorge zu tragen, und an Kühnheit, Verwegenheit, Unternehmungsgeiſt und Ausdauer von keinen andern Seemännern übertroffen wurden, verſtanden ſie wenig vom„Anſetzen der Taue“ und 4, Spill⸗ bätingen“ und all den Geheimniſſen des„Knotenmachens,“ „Pfropfziehens“ und„Spleißens.“ Ein ächter Seemann aus der Delaware⸗Bai hätte über manche ihrer Handgriffe und über ihre theilweiſe große Unwiſſenheit verächtlich die Naſe gerümpft; wenn es ſich aber vom Dreyhaken, oder vom Ruder⸗ führen, oder von der Ausdauer bei ſchlechtem Wetter, oder von irgend einem der mannhafteren Eigenſchaften des Berufes handelte, konnte er nicht umhin, die zu achten, über welche er ſonſt zu lachen geneigt ſein mochte. Wir ſchildern dieſe Leute vielleicht am Beſten, wenn wir bemerken, daß ſie ſich zu dem durchweg geſchulten Matroſen verhielten, wie der Freiwillige ſich zu dem regelmäßigen Soldaten verhält. Der Fremde wurde, wie es ſich von ſelbſt verſteht, einge⸗ laden, an dem Tiſche Platz zu nehmen. Er that dieß ohne viele Worte oder Umſtände, und Mary hatte nach ſeinem Appetit allen Grund zu glauben, er ſei mit ihrer Kochkunſt nicht unzufrieden. Von dem Schafskopfe war,— als dieſer Letzte ſeiner Angreifer ſeinen Teller zurückſchob,— ein Zeichen, daß er „nicht mehr konnte“— nur noch wenig übrig. Er leerte dann ſein Glas Rum und Waſſer, und ſchien nun in der geeigneten Stimmung, das Geſchäft, welches ihn hierher geführt hatte, zu verhandeln. Bis zu dieſem Augenblicke hatte er keine Sylbe über den Zweck ſeines Beſuches fallen laſſen, und der Decan erſchöpfte ſich in Muthmaßungen jeder Art. „Die Peconie⸗Fiſche, ſowie die um Gar'ner's Inſel ſind ſo gut, wie irgend welche, die ich kenne,“ bemerkte der Mann ruhig, nachdem er augenfällig bewieſen hatte, daß er zu einem Urtheile voll berechtigt war.—„Wir glauben in dieſer Beziehung auch nicht ſchlecht bedacht zu ſein auf Vineyard’— „Auf Vineyard!“ fiel der Decan ein, ohne zu warten was weiter herauskommen würde. „Ja, auf Martha's Vineyard, denn da bin ich zu Hauſe. Vielleicht hätte ich mich früher ſchon vorſtellen ſollen,— ich ſtamme von Martha's Vineyard und mein Name iſt Daggett.“ Der Decan ließ wirklich das Meſſer, mit welchem er ſich Butter ſtrich, auf ſeinen Teller fallen!„Daggett“ und „Vineyard“ waren unheilverkündende Namen! Hätte Doctor Sage Mittel gefunden, in ſo kurzer Zeit einen Boten in ſolche Entfernung zu ſchicken? und kam dieſer amphibiſche Inſaſſe der Nachbar⸗Inſel bereits, um ihn ſeiner Schätze zu berauben? Die Gedanken des Decans ſchweiften anfangs irre hin und her, und er bildete ſich ſogar ſchon ein, das für den Seelöwen ausgegebene Geld ſei weggeworfen und er könnte ſelbſt vor ein Gericht geſtellt werden, um über die Mitthei⸗ lungen, welche er durch den verſtorbenen Seemann erhalten, Rechenſchaft zu geben. Allein ein wenig Nachdenken reichte hin dieſe Schwäche zu beſeitigen, und er neigte höflich ſein Haupt, als wollte er dem Fremden ſagen, er ſei trotz ſeines Namens und Geburts⸗ ortes willkommen. Wie man ſich denken kann, gewahrte Niemand, welche Gedanken den Decan quälten, und nach einer ſehr kurzen Pauſe fuhr der Gaſt fort, den Zweck ſeines Beſuches näher darzulegen. „Die Daggett ſind auf Vineyard ſehr zahlreich,“ ſagte der Fremde,„und wenn man einen derſelben nennt, iſt es nicht immer leicht zu ſagen, welcher Famlie er angehört. Einer 1 Gull( er habe geſproch habe zu ſtamme, Jahren Dieſe N unter de Leute v und zun um da etwas n. Zeichen, Umfrag kam ma von me Jahren wieder von der mich ert „C kommt,“ eine Tr gekomm chen kör ſo hätte Er kam Beiſpiel er fand zu einem n dieſer ard“⸗— warten Hauſe. ,— ich daggett.“ lchem er tt“ und e Doctor in ſolche Inſaſſe erauben? irre hin für den er könnte Mitthei⸗ erhalten, Schwäche wollte er Geburts⸗ gewahrte nach einer Beſuches e,“ ſagte at, iſt es angehört. Einer unſerer Küſtenfahrer lief vor einigen Wochen in die Gull(Holmes' Hole war damit gemeint) ein und erzählte, er habe vor New⸗Haven eine landeinwärts gehende Brigg geſprochen und von ihr erfahren, die Mannſchaft dieſes Schiffes habe zu Oyſter⸗Pond einen Seemann, welcher von Vineyard ſtamme, Daggett heiße und nach einer Abweſenheit von fünfzig Jahren nach Haus zurückkehren wolle, an das Land geſetzt. Dieſe Nachricht machte die Runde auf der Inſel und brachte unter den Daggett eine große Aufregung hervor. Eine Menge Leute von Martha's Vineyard ſtreifen in der Welt umher, und zuweilen erreicht Einer eben die Inſel noch zeitig genug, um da zu ſterben. Da die meiſten von ihren Reiſen irgend etwas mitzubringen pflegen, gilt es gewöhnlich für ein gutes Zeichen, wenn man von ihrer Ankunft hört. Nach langem Umfragen und vielfachem Beſprechen mit all den alten Leuten kam man zu dem Schluſſe, dieſer Thomas Daggett müſſe einer von meinen Vatersbrüdern ſein, welcher vor etwa fünfzig Jahren zur See ging, und von dem man ſeit dieſer Zeit nie wieder Etwas gehört hat. Er iſt der Einzige dieſes Namens, von dem man nichts Genaueres weiß, und die Familie hat mich erſucht, herüberzuſchiffen und ihn aufzuſuchen.“ „Es thut mir leid, Herr Daggett, daß Ihr ſo ſpät kommt,“ antwortete der Decan langſam, als theile er ungern eine Trauerkunde mit.„Wäret Ihr in der letzten Woche gekommen, ſo hättet Ihr Euern Verwandten ſehen und ſpre⸗ chen können, ja, wäret Ihr nur dieſen Morgen eingetroffen, ſo hättet Ihr ſeinem Leichenbegängniſſe beiwohnen können. Er kam als Fremder zu uns, und wir bemühten uns, das Beiſpiel des guten Samaritaners nachzuahmen. Ich glaube, er fand all die Pflege, welche man auf Oyſter⸗Pond bieten — 94— konnte, und gewiß auch die beſte ärztliche Hilfe. Doctor Sage von Sag⸗Hafen ſtand ihm in ſeiner letzten Krankheit bei,— Doctor Sage von dem Hafen;— Ihr habt ſeinen Namen ohne Zweifel nennen hören?“ „Ich kenne ihn dem Rufe nach und bezweifle nicht, daß Alles gethan worden, was gethan werden konnte. Da die Schluppe, deren ich gedacht habe, während einer Windſtille eine Weile neben der Brigg lag, beſprachen ſich die beiden Capitäne lange, und der unſrige deutete uns an, daß es mit unſerm Vetter ſchlecht ſtehe. Er war, als er landete, bereits dem Tode verfallen, und keine menſchliche Geſchicklichkeit hätte ihn retten können. Da mein Oheim einen ſo berühmten Arzt hatte, welcher überdieß ſo weit her kam, muß er wohl Ver⸗ mögen hinterlaſſen haben?“ Dieß war ein derber Stoß, der Decan hatte ſich jedoch zu ſeinem Glücke ſchon auf eine Antwort vorbereitet. „Seeleute, welche von heimkehrenden Schiffen auf Land⸗ ſpitzen und Vorgebirgen an das Land geſetzt werden, ſind mit weltlichen Gütern ſelten überfrachtet,“ ſagte er lächelnd. „Wenn ein Mann in dieſem Berufe ſein Glück macht, betritt er gewöhnlich das Land an einem größern Orte, nimmt einen Wagen und läßt ſich in ein großes Gaſthaus führen. Ich habe ſtets bemerkt, Paſtor, daß Seeleute ihre Behaglichkeit lieben und ein gutes Leben führen, wenn ſie das Geld dazu haben.“ „Dieß iſt natürlich, Decan, ganz natürlich, und was natürlich iſt, kann uns, wenn es ſich begibt, nicht auffallen. Der Naturmenſch erlaubt ſich gern jene Art Genuß, beſonders in der angedeuteten Weiſe.“ Da gegen einen Gemeinplatz dieſer Art nichts einzu⸗ wenden war, ließ man ihn unbeantwortet. 28 gefallen „Seine er Einit in die ich, es denke i machen, Morgen hier ſeh Sicherh dieſes ⁴ Eröffnu nicht, d De Wahrhe natürlic ſend ge⸗ daß der ſtens ei Di Beſuche lichen Nachfo⸗ ben ſuc vorſicht or Sage bei,— en ohne ht, daß Da die eindſtille beiden es mit bereits eit hätte ten Arzt ihl Ver⸗ h jedoch if Land⸗ ſind mit lächelnd. , betritt mt einen Ich habe eben und haben.“ und was auffallen. beſonders s einzu⸗ — 95— „Ich hoffe, mein Oheim iſt nie auf Oyſter⸗Pond läſtig gefallen?“ ſagte der Neffe forſchend. „Ich könnte dieß nicht ſagen,“ erwiederte der Decan. „Seine Pflege koſtete anfangs wenig und er half ſich, indem er Einiges von ſeiner Habe verkaufte. Da ihn die Vorſehung in die Behauſung einer armen Wittwe geführt hatte, dachte ich, es würde ſeinen Verwandten— und jeder Menſch hat, denke ich, einen oder den andern Verwandten— Freude machen, wenn ich mit ihr abrechnete. Dieß that ich dieſen Morgen und ließ mir die Auslagen beſcheinigen, wie Ihr hier ſehen könnt.“ Bei dieſen Worten überreichte er dem Fremden das Papier. „Ich habe,“ fuhr dann der Decan fort,„als eine Art Sicherheit für die Vorlage, die Kiſte des Verſtorbenen in dieſes Haus bringen laſſen, und ſie ſteht im obern Stocke zur Eröffnung bereit. Sie wiegt nicht ſchwer, und ich glaube nicht, daß viel Gold und Silber darin zu finden iſt.“ Der Mann von der Vineyard⸗Inſel ſah, wenn wir die Wahrheit ſagen ſollen, ein wenig enttäuſcht aus. Es war natürlich, daß ein Mann, welcher gegen fünfzig Jahre abwe⸗ ſend geweſen, mit den Früchten ſeiner Arbeit zurückkehrte, ſo daß der Fremde für die Mühe, welche er ſich gegeben, wenig⸗ ſtens einige Entſchädigung zu erhalten hoffte. Dieß war jedoch nicht der eigentliche Zweck ſeines Beſuches, wie es ſich ſpäter herausſtellen wird. Seinen wirk⸗ lichen Beweggrund im Auge behaltend, ſetzte der Neffe ſeine Nachforſchungen fort, indem er ſeine Fragen ſtets zu umſchrei⸗ ben ſuchte, während die Antworten eben ſo ausweichend und vorſichtig ausfielen, wie es die Fragen waren. 96— All dieß war ganz in dem Charakter des ſchlauen Volkes, dem Beide entſtammten, und bei welchen nie ein Geſchäft verhandelt wird, ohne daß beide Theile ihre Aus⸗ drücke ſcharf in das Auge faſſen und auf jede Wendung arg⸗ wöhniſch achten. Nachdem man eine Viertelſtunde über den Gegenſtand geſprochen hatte, und die Geſchichte der Kiſte in ihrem Umriſſe mitgetheilt worden, der Fremde auch ſein Recht der Ein⸗ ſprache ſchriftlich dargelegt hatte, wurde beſchloſſen, ſofort ein Verzeichniß alles deſſen aufzunehmen, was Daggett zu Gunſten aller derer, welche dabei betheiligt ſein konnten, hinterlaſſen hatte. Demzufolge war bald die ganze Geſellſchaft, Mary ein⸗ geſchloſſen, in dem Gemache des Decans um die einladende Schiffskiſte verſammelt. Aller Augen waren in neugieriger Erwartung deſſen, was ſie enthalten möchte, auf den Deckel gerichtet, denn mit Ausnahme des Decans glaubten Alle, dieſer Inhalt ſei ein tiefes Geheimniß. Die Wittwe White hätte ſie eines Beſſern belehren können, denn ſie hatte die Kiſte wenigſtens ein Dutzend Mal durchwühlt, ohne ſich jedoch auch nur eine Nadel anzueignen. Neugier war ihr Haupt⸗ beweggrund, obgleich wir nicht in Abrede ſtellen wollen, daß die gute Frau auch ihre Intereſſen nicht ganz bei Seite ſetzte und gern erfahren hätte, ob ſie Hoffnung habe, das verab⸗ redete Miethgeld— nur anderthalb Dollar die Woche— zu erhalten; da aber der Verkauf der Nadeln und anderer Gegen⸗ ſtände einen Theil ihrer Forderung gedeckt hatte, war die Sorge für ihre Intereſſen eben nicht ihr größtes Anliegen. Nein, Neugier— weibliche Neugier allein, welche vielleicht durch die Leidenſchaft ein wenig geſteigert wurde, die der Beſitz eines geringer Nachfor zelnen ſondern auch ei geleſen forſchun dem gr⸗ nicht di Anſchla Jeder d Beinkle und der in Anſe forſchun In dieſ ſie eine bekannt „S berechne hier iſt Cent n Dollars zu theu Kiſte, u in den Dagget ſchlauen nie ein hre Aus⸗ ung arg⸗ egenſtand Umriſſe der Ein⸗ , ſofort ggett zu konnten, dary ein⸗ inladende ugieriger en Deckel en Alle, ve White hatte die ich jedoch r Haupt⸗ llen, daß heite ſetzte as verab⸗ che— zu er Gegen⸗ war die Anliegen. eicht durch eſitz eines — 92— geringen Grades von Unterricht belebte, lag wirklich ihren Nachforſchungen zu Grunde. Sie hatte nicht nur jeden ein⸗ zelnen Gegenſtand in der Kiſte in die Hand genommen, ſondern auch alle darin befindlichen Papiere, unter welchen auch ein halbes Dutzend Briefe waren, geleſen und wieder geleſen und ihre Gloſſen darüber gemacht. Allein dieſe Nach⸗ forſchungen brachten die gute Frau nicht viel weiter. Von dem großen Geheimniſſe wußte ſie durchaus nichts, wenn man nicht die halben Andeutungen, welche ſie belauſcht hatte, in Anſchlag bringen wollte. Hier aber endete ihre Unkunde. Jeder Riß in einem Hemde, jeder Flecken auf einem Paar Beinkleider und jedes Loch in einem Strumpfe war unterſucht, und deren Wirkung auf den Werth des Kleidungſtückes gehörig in Anſchlag gebracht worden. Das Einzige, was ihrer Nach⸗ forſchung entging, war eine kleine verſchloſſene Seitenlade. In dieſe konnte ſie nicht blicken, und es gab Augenblicke, wo ſie einen Finger darum gegeben hätte, wenn ihr der Inhalt bekannt geweſen wäre. „Dieſe Jacke wäre einen Dollar werth,“ hatte die Wittwe berechnet,„wenn ſie kein Loch im Ellenbogen hätte; dieſe hier iſt ziemlich gut ausgebeſſert, und mag fünf und ſiebenzig Cent werth ſein. Jene Schiffshoſen haben gewiß zwei Dollars gekoſtet, ſind aber jetzt um die Hälfte dieſes Geldes zu theuer. Jenes lange Wamms iſt das beſte Stück in der Kiſte, und wenn man es zu einer Zeit, wo Schiffe auslaufen, in den Hafen hinüber ſchickte, bekäme man ſo viel dafür, daß Daggett einen ganzen Monat davon leben könnte.“ In dieſer Weiſe unterſuchte die Wittwe die Schiffskiſte, ohne daß irgend Jemand etwas von ihren Entdeckungen 247— 249. 7 — 98— erfahren hätte, ſelbſt ihre Nachbarin Stone wurde nicht in dieſes Geheimniß eingeweiht. „Hier iſt der Schlüſſel,“ ſagte der Decan und nahm jenen aus einer Tiſchſchublade, als hätte er ihn ſorgſam und eines ſolchen Augenblickes gewärtig dort aufbewahrt.—„Ich zweifle nicht, daß es der rechte Schlüſſel iſt, denn ich habe ſelbſt geſehen, wie Daggett ſich ſeiner ein- oder zweimal bediente.“ Roswell Gardiner nahm nun als der jüngſte der anwe⸗ ſenden Männer den Schlüſſel, ſteckte ihn in die Oeffnung, drehte ihn ohne Anſtrengung um und hob den Deckel auf. Getäuſchte Erwartung ſprach ſich bei dem ärmlichen Anblicke, welcher der Geſellſchaft geboten wurde, in jedem Geſichte aus, nur nicht in dem des Decans. Die Kiſte war nicht nur mehr als zur Hälfte leer, ſondern die Gegenſtände, welche ſie enthielt, waren auch vom gröbſten Stoffe— abge⸗ tragene Schiffskleider, deren beſte Tage längſt dahin waren, und welche nie etwas anderes waren, als die gewöhnliche grobe Bekleidung des Matroſen, der am Fockmaſt angeſtellt iſt. „Dieß erſetzt die Koſten für die Ueberfahrt von Vineyard nicht,“ bemerkte Roswell Gardiner ein wenig trocken, denn er hatte durchaus kein Behagen an der Habgier, welche durch des Neffen ſäumige Trauer über das Schickſal des Oheims durch⸗ blickte.—„Die letzte Reiſe muß, fürcht' ich, keine ſehr glück⸗ liche geweſen ſein, oder die Schiffseigenthümer haben Bankrott gemacht, ehe das Schiff einlief. Was iſt mit dieſer ganzen Garnirung*) anzufangen, Decan?“ *) Die Unterlage der Befrachtung eines Schiffes. Der Ueberſetzer. „M andern e Alles un fangen k Der Kleidung darreicht vertrat. Blick, ſt überzeug den Bod Ma ſich in d Da eine welcher ohne ein „O thums d ſagte der Erwartu ſah.— Augenbl „3 hätte di Gewiſſer mann o geweſen an dem anhielt.“ „E nicht in d nahm am und —„Ich ich habe zweimal r anwe⸗ effnung, auf. rmlichen n jedem iſte war nſtände, — abge⸗ ren, und de grobe iſt. gineyard n, denn he durch is durch⸗ or glück⸗ Bankrott r ganzen etzer. — 992— „Man nimmt am Beſten einen Gegenſtand nach dem andern aus der Kiſte,“ verſetzte der Andere,„und unterſucht Alles und Jedes. Da wir mit der Aufnahme einmal ange⸗ fangen haben, führen wir ſie am Füglichſten zu Ende.“ Der junge Mann gehorchte und rief den Namen jedes Kleidungsſtückes aus, indem er es in die Höhe hob und dem darreichte, welcher hier die Stelle des rechtmäßigen Erben vertrat. Dieſer warf auf jeden Gegenſtand einen ſcharfen Blick, ſteckte vorſichtig ſeine Hand in jede Taſche, um ſich zu überzeugen, daß nichts darin ſei, und legte ihn dann auf den Boden. Man entdeckte eine Weile nichts Beachtenswerthes, bis ſich in der Taſche einer Pumphoſe ein kleiner Schlüſſel fand. Da eine Seitenlade, wie bereils erwähnt, vorhanden war, an welcher ſich ein Schloß befand, behielt der Erbe den Schlüſſel, ohne ein Wort über deſſen Vorhandenſein zu verlieren. „Der Verſtorbene ſcheint den Verſuchungen des Reich⸗ thums dieſer Welt nicht ſehr bloßgeſtellt geweſen zu ſein,“ ſagte der wohlerwürdige Herr Whittle, der ſich auch in ſeinen Erwartungen, um die Wahrheit zu ſagen, ein wenig getäuſcht ſah.—„Vielleicht war dieß nur um ſo heſſer für ihn, als der Augenblick des Scheidens herannahte.“ „Ich glaube faſt,“ ſiel Roswell Gardiner heiter ein,„er hätte die Laſt, ſich etwas behaglicher zu fühlen, ohne viele Gewiſſensbiſſe ertragen. Ich habe nie Jemanden, weder See⸗ mann oder Landbebauer, gekannt, der darum ſchlimmer daran geweſen wäre, weil er Alles behaglich um ſich hatte und an dem beſſern Ende ſeines Kabeltaues, ſo lange er konnte, anhielt.“ „Eure Anſicht von dem, was für den Menſchen in ſeinen 4 — 100— letzten Stunden am Beſten ſein mag, Capitän Gar'ner, iſt wahrſcheinlich nicht die anerkennenswertheſte. Die See erzieht keine ſehr ſtrenggläubige Theologen.“ Der junge Seemann erröthete, biß ſich in die Lippen, warf einen Blick auf Mary und begann faſt unaufhörbar vor ſich hin zu pfeifen. Den nächſten Augenblick hatte er den Tadel, der ihm zu Theil geworden, vergeſſen und fuhr lachend in ſeinem Geſchäfte fort: „Nun,“ ſagte er,„dieß iſt wahrlich eine ärmere Aus⸗ ſtattung, als Bruder Theer ſie ſonſt zu haben pflegt! Ein⸗ ſtattung, glaube ich, ſollte es eigentlich heißen, da der gute Burſche, welchem ſie gehörte, landeinwärts ging, als er auf Oyſter⸗Pond ausgeſetzt wurde. Ihr werdet es kaum der Mühe werth halten, Capitän Daggett, dieſes alte Zeug nach Vineyard hinüber zu bringen.“ „Allerdings iſt es nicht der Mühe werth, aber Freunde und Verwandte ſetzen„vielleicht einen Werth darauf,“ welchen es für den Fremden nicht hat.— Dort ſehe ich ein paar Karten— wollt Ihr ſo gut ſein und ſie mir herüberreichen? Sie könnten für einen Seefahrer wichtig ſein, da alte Ma⸗ troſen zuweilen Notizen beiſchreiben, welche ſo viel werth ſind, als die Karten ſelbſt.“ Dieſe Worte kamen ſehr einfach und natürlich heraus, dem Decan aber bereiteten ſie große Unruhe. Auch wurde dieſes Gefühl ganz und gar nicht durch den ernſten, um nicht zu ſagen gierigen Eifer beſchwichtigt, mit welchem Daggett, wie wir fortan dieſes Glied der Familie nennen werden, die Karte auf dem Bette ausbreitete und nach den handſchrift⸗ lichen Angaben ſpähte. Die auf ſolche Weiſe zuerſt geöffnete Karte war die der ſüdlichen Decan genau vertilgt Es etwas ſ täuſcht ſeine A deren ſ viele vo bohren. M endigte. gen Th „8 bemerkte ſich lan tung w Tages ſüdlich daß ſie iſt.“ „C Seemar leicht de „2 haben, alte Fr gewöhn nen Er! ner, iſt erzieht Lippen, bar vor er den lachend re Aus⸗ Ein⸗ der gute 3 er auf rum der zug nach Freunde welchen ein paar rreichen? alte Ma⸗ rth ſind, heraus, h wurde um nicht Daggett, den, die ndſchrift⸗ ar die der — 101— ſüdlichen Halbkugel und demnach dieſelbe, auf welcher der Decan die Robben⸗Inſeln, die der verſtorbene Seemann ſo genau und ſorgfältig bezeichnet hatte, mit ſo großer Mühe vertilgt hatte. Es war augenfällig, daß der Mann von Martha's Vineyard etwas ſuchte, welches er nicht finden konnte, und daß er ent⸗ täuſcht drein ſchaute. Er blickte nicht auf die Karte,— nein, ſeine Augen ſchienen ſie mit allen ihren Löchern und Ritzen, deren ſich in Folge des zerknitterten Zuſtandes des Papiers viele vorfanden, im eigentlichen Sinne des Wortes zu durch⸗ bohren. Mehrere Minuten vergingen, ehe die Nachforſchung endigte. Der Fremde ſchien jetzt alles Intereſſe an dem übri⸗ gen Theile der Garderobe ſeines Oheims verloren zu haben. „Dieß iſt eine alte Karte von dem Jahre 1802,“ bemerkte Daggett, indem er ſich aufrichtete, wie Jemand, der ſich lange niedergebeugt hat, ſeinem Rückgrat die gerade Rich⸗ tung wieder zu geben ſucht,—„eine ſo alte Karte iſt heutigen Tages von geringem Nutzen. Unſere Robbenjäger haben ſich ſüdlich von den zwei Vorgebirgen ſo gründlich umgeſchaut, daß ſie jetzt eine viel beſſere Karte liefern können, als dieſe iſt.“ „Euer Oheim hatte das Ausſehen eines altmodiſchen Seemannes,“ bemerkte der Decan ruhig,„und er liebte viel⸗ leicht deßhalb auch altmodiſche Karten.“ „Wenn dieß der Fall war, muß er ziemlich vergeſſen haben, was er auf Vineyard gelernt hatte. Wir haben keine alte Frau dort, welche nicht wüßte, daß die neueſten Karten gewöhnlich die beſten ſind. Ich geſtehe, daß ich mich in mei⸗ nen Erwartungen ein wenig getäuſcht fühle; denn der Patron — 102— der Schluppe gab mir zu verſtehen, er habe von dem Patron der Brigg gehört, auf den Karten des alten Mannes fänden ſich ſehr werthvolle Notizen.“ Der Decan bebte, denn dieß war ein Wink, daß der Ver⸗ ſtorbene von ſeinem Wiſſen mit Anderen ebenſo gut wie mit ihm geſprochen hatte. Es war ganz natürlich, daß ein Mann wie Daggett ſich deſſen rühmte, was ſeine Karten werth waren, und ſo konnten von dieſer Seite her ſich wohl Schwie⸗ rigkeiten erheben. Er hielt es jedoch für das Geeignetſte, ſtill zu ſchweigen und abzuwarten, in welcher Art ſich die Wahr⸗ heit Bahn brechen würde. Seine Aufmerkſamkeit war nicht leicht durch Hemden und alte Kleider abzulenken, denn der Fremde begann, die Karten zum zweiten Male zu unterſuchen, und, was mehr war, ſeine Blicke vorzugsweiſe auf die hohen Breiten, nicht fern von derſelben Stelle, wo die Robbeninſeln angedentet geweſen, und wo ſie ſo ſorgſam vertilgt worden waren, zu richten. „Es iſt unbegreiflich, daß man eine Karte, wie dieſe, ſo vielfach brauchen kann, ohne irgend eine Notiz beizuſchreiben,“ ſagte der Vineyarder in vorwurfsvollem Tone.„Hier ſind Brandungen inmitten des Oceans angedeutet, wo gewiß nie andere Brandungen zu ſehen waren, als die, welche ein Wall⸗ fiſch aufwühlte, während ſich von keiner Inſel eine Andeutung findet. Was haltet Ihr von der Sache, Capitän Gar'ner? Dieſe Stelle hier ſcheint mir oft mit dem Finger berührt zu ſein, wenn nichts Anderes, he?“ Bei dieſen Worten deutete er gerade auf die Stelle, von welcher der Decan an demſelben Morgen die Inſeln ſo müh⸗ ſam verwiſcht hatte. „Es iſt eine Sandbank, welche durch Schmutz angedeutet iſt,“ a In die denn ſ vorzud Finger handhe gekann Karte jährige wir, Geſicht klug ſi Gar'ne noch offenhe Karter ner R ſo mu wie ie Berich See g punen Patron s fänden der Ver⸗ wie mit in Mann in werth Schwie⸗ etſte, ſtill ie Wahr⸗ dar nicht denn der terſuchen, die hohen beninſeln t worden dieſe, ſo hreiben,“ Hier ſind gewiß nie ein Wall⸗ Indeutung Gar'ner? erührt zu telle, von ſo müh⸗ angedeutet — 103— iſt,“ antwortete Roswell Gardiner lachend.„Laßt ſehen!— In dieſer Länge und Breite kann kein bekanntes Land liegen, denn ſelbſt Capitän Cook gelang es nicht, ſo weit nach Süden vorzudringen. Der Seemann ſcheint mit Vorliebe ſeinen Finger auf dieſe Stelle gelegt zu haben, wenn er die Karte handhabte. Ich habe einen ſolchen altmodiſchen Burſchen gekannt, welcher ſtets auf dieſe Weiſe ſeine Hand auf die Karte legte, Ihr denkt Euch wohl, wie ſie nach einer drei⸗ jährigen Reiſe ausſehen mochte. Prächtige Burſche haben wir, beſonders unter unſeren Wallfiſchfängern, welche die Geſichter mancher älteren Fiſche zu kennen glauben, die zu klug ſind, um eine Harpune in ihre Nähe kommen zu laſſen.“ „Ihr ſeid oft zur See geweſen, ſollte ich denken, Capitän Gar'ner? fragte der Fremde forſchend. „Ich bin zu dieſem Beruf erzogen worden und finde ſtets noch großes Vergnügen darin,“ verſetzte der junge Mann offenherzig.„Auch lege ich keinen ſehr großen Werth auf Karten. Sie mögen ganz gut ſein, wenn ein Schiff auf ſei⸗ ner Reiſe iſt, was aber die Wallfiſche und Robben betrifft, ſo muß ſich der, welcher ſie ſucht, ſelbſt nach ihnen umſehen, wie ich meinem Schiffsherrn auch geſagt habe. Nach den Berichten gab es eine Zeit, wo ein Schiff nur auf die hohe See gehen durfte, um auf etwas zu ſtoßen, das eines Har⸗ punenwurfs werth war, jene Tage ſind aber vorüber, Capitän Daggett, und man muß ſich jetzt draußen auf der See nach Wallfiſchen umſehen, wie man ſich hier auf dem Lande nach Geld umſehen muß.“ „Das Schiff, welches ich auf dem Werft ausrüſten ſah, iſt alſo zum Wallſtſchfang beſtimmt?“ „Es zieht auf gutes Glück aus, und wird es willkommen heißen, in welcher Geſtalt es ihm begegnet.“ — 104— „Für einen Wallfiſchfänger iſt es ziemlich klein, obgleich Schiffe dieſer Größe gute Geſchäfte gemacht haben, indem ſie ſich in der Nähe unſerer Küſten hielten.“ „Wir werden am Beſten wiſſen, was es zu leiſten ver⸗ mag, wenn wir einen Verſuch damit gemacht haben,“ erwie⸗ derte Gardiner ausweichend.„Was haltet Ihr davon, wenn es die Geſtade von Neufoundland aufſuchen ſollte?“ Der Mann von Martha's Vineyard warf ſeinem Berufs⸗ freunde einen raſchen, unwilligen Blick zu, als wollte er ſagen: „etwas der Art mögt Ihr Marine⸗Soldaten erzählen?“ worauf er die zweite Karte auseinander legte, die bisher unbeachtet geblieben war. „Ah, ah,“ ſagte er vor ſich hin, aber doch nicht leiſe genug, um von dem aufmerkſamen Ohre des Decans über⸗ hört zu werden,—„das iſt es, eine Karte von Weſtindien mit all den kleinen Inſeln.“ In dieſem zufälligen, unwillkürlichen Ausrufe ſah der Decan abermals eine Andeutung, daß der Fremde etwas gehört haben müſſe, und ſeine Unbehaglichkeit ſteigerte ſich mächtig. Er war jetzt überzeugt, daß die Capitäne der Brigg und der Schluppe den Verwandten Daggett's Nachrichten gegeben hatten, welche ſie eben jene Enthüllungen hofſen ließen, durch die er ſelbſt ſein Glück zu gründen gedachte. Ueber den Umfang jener Nachrichten hatte er nur Muthmaßungen; ſie mußten aber ziemlich viele Einzelnheiten enthalten haben, da ſich dieſer Mann veranlaßt ſah, ſo eifrig in den Karten umzuſpähen. Unter dieſen Umſtänden wünſchte der Decan ſich Glück, daß er die Vorſicht gebraucht hatte, ſogleich jede Spur von jenen anziehenden Notizen zu vernichten. nigen, Fenſter Scheit geweſe D Schult der Fr mehrer Schatz als ſe Karte ſuchun auf d war ve in die beizuſe zumal „Alle ſichtigt verſchi Seefa überm Zeitun dieß i würde Mann Klippe obgleich ndem ſie ſten ver⸗ erwie⸗ n, wenn Berufs⸗ er ſagen: ählen?“ e bisher icht leiſe is über⸗ beſtindien ſah der e etwas gerte ſich er Brigg ichrichten n hofſfen te. Ueber äßungen; haben, Karten h Glück, pur von — 105— „Capitän Gar'ner, Eure Augen ſind jünger als die mei⸗ nigen,“ ſagte der Vineyarder, indem er die Karte gegen das Feuſter hielt,„wollt Ihr ſo gut ſein, hierher zu ſchauen? Scheint es nicht, als ob bei dieſer kleinen Inſel etwas bemerkt geweſen wäre, und als ob man die Worte verwiſcht hätte?“ Dieß veranlaßte den Decan, über Roswell Gardiner's Schulter zu ſehen, und mit großer Freude gewahrte er, daß der Fremde mit ſeinem Finger auf eine Inſel deutete, welche mehrere hundert Meilen von der lag, die den vergrabenen Schatz des Seeräubers bergen ſollte. Es ſchien in der That, als ſei etwas an der bezeichneten Stelle verwiſcht; aber die Karte war ſo alt und beſchmutzt, daß eine genauere Unter⸗ ſuchung ohne Erfolg blieb. Wenn der Fremde ſein Augenmerk auf dieſe Inſel richtete, war nichts zu beſorgen, denn ſie war von dem wirklich angedeuteten Punkte hinreichend entlegen. „Es iſt auffallend, daß ein ſo alter Seefahrer eine Karte in dieſer Weiſe verbraucht hat, ohne eine einzige Bemerkung beizuſchrelben,“ wiederholte der Fremde, welcher ärgerlich und zumal verlegen war, was er von der Sache denken ſollte. „Alle meine Karten ſind mit Bemerkungen überſäet, als beab⸗ ſichtigte ich, ſie herauszugeben.“ „Geſchmack und Gewohnheiten ſind bei den Menſchen verſchieden,“ antwortete Roswell Gardiner nachläſſig.„Manche Seefahrer finden ſtets Felſenklippen und Brandungen, und übermalen ihre Karten damit, wie ſie bei ihrer Rückkehr die Zeitungen damit überfüllen, ich habe aber nie bemerkt, daß dieß irgend förderlich geweſen wäre. Was mich betrifft, ſo würde ich keinen Sixpence für eine Notiz geben, welche ein Mann macht, der in einer Bö oder einem Unwetter an einer Klippe oder Sandbank vorbeikommt.“ — 106— „Was würdet Ihr zu der Notiz eines Robbenfängers ſagen, welche eine Inſel bezeichnete, wo die Seehunde auf dem Strande beiſammenliegen, wie Ferkel in einem Sumpf⸗ loche, und ſich ſonnen? Würdet Ihr eine Karte mit einer ſolchen Andeutung nicht einen Schatz nennen?“ „Allerdings würde dieß die Sache ändern,“ erwiederte Capitän Gardiner lachend,„obgleich es mir nicht einfiele, in dieſer Kiſte nach einem ſolchen Schatze umzuſpähen. Unſere meiſten Schiffsführer ſteuern zu ſehr auf das Geradewohl, als daß man auf ihre Karten viel Werth legen könnte. Sie finden wohl die Orte, welche ſie ſuchen, können Andern aber den Curs nicht angeben. Einer meiner alten Capitäne zeich⸗ nete einſt eine Sandbank, die er geſehen zu haben glaubte, einen vollen Grad ſüdlicher auf ſeine Karte. Eine ſolche Notiz kann aber mehr ſchaden als nützen. Sie kann einen günſtigen Wind zu einem ungünſtigen machen und einen armen Burſchen in die Irre führen und das Schiff wenden laſſen, wo nicht die geringſte Veranlaſſung vor der Welt vor⸗ handen war, etwas dieſer Art zu thun.“ „Ja, ja, dieß mag wohl von nervenſchwachen Leuten gelten, welche ſtets Gefahren nach vornen ſehen, ganz anders iſt es aber bei Inſeln, welche ein Schiff wirklich beſucht hat. Ich wünſchte nicht, Decan Pratt, daß Ihr Euch noch irgend ferner bemühtet. Mein Oheim war, wie ich ſehe, wirklich kein reicher Mann, und ich muß an die Arbeit gehen und mein Glück aufſuchen, wenn ich mehr beſitzen will, als ich jetzt mein nenne. Wenn irgend eine Forderung an den Todten vorliegt, bin ich bereit ſie zu berichtigen.“ Dieß ſchien einen ſo ſchnellen Abſchluß der Sache herbei⸗ zuführen, daß der Decan nicht wußte, was er davon denken ſollte. und ſe heit, d T er ha den, ir was e annah gab ih zahlen C auf de den D ſchloß er wür wäre, N der W „die C Vetter ohne Wenn tän G einmal Verwo 5 mit de nicht Beider fängers nde auf Sumpf⸗ it einer wiederte fiele, in Unſere ohl, als e. Sie rn aber ne zeich⸗ glaubte, e ſolche n einen d einen wenden gelt vor⸗ Leuten anders icht hat. h irgend wirklich hen und als ich Todten e herbei⸗ n denken — 107— ſollte. Seine zehn Dollars kamen ihm in das Gehächtniß, und ſeine eingefleiſchte Habgier ſiegte ſo weit über ſeine Klug⸗ heit, daß er ſich veranlaßt ſah, dieſes Umſtandes zu gedenken. Doctor Sage könnte eine Forderung zu machen haben, er hat eine ſolche zu machen, und dieſe muß berichtigt wer⸗ den, im Allgemeinen aber bezahlte Euer Oheim ziemlich Alles, was er ſchuldete. Ich glaubte, die Wittwe, welche ſich ſeiner annahm, habe Anſpruch auf eine kleine Vergütung, und ich gab ihr dieſen Morgen zehn Dollars, welche Ihr mir zurück⸗ zahlen könnt, oder nicht, wie es Euch beliebt.“ Capitän Daggett zog ſeine Börſe und trug die Schuld auf der Stelle ab. Er legte dann die Karten zuſammen, ließ den Deckel, ohne das Seitenlädchen zu öffnen, nieder, ver⸗ ſchloß die Kiſte, ſteckte den Schlüſſel in die Taſche und ſagte, er würde die Kiſte abholen laſſen, gerade als wenn er beeilt wäre, den Decan einer Beläſtigung zu überheben. Nachdem dieß abgethan war, fragte er nach der Wohnung der Wittwe White, mit welcher er zu ſprechen wünſche, ehe er „die Spitze“ verließ. „Ich werde,“ ſagte er lächelnd,„die Fragen ſo vieler Vettern zu beantworten haben, daß ich nicht zurückkehren darf⸗ ohne Alles gehört zu haben, was ich nur erfahren fann. Wenn Ihr ſo gut ſein wollt, mir den Weg zu zeigen, Capi⸗ tän Gar'ner, verſprech ich Euch ein Gleiches, wenn es Euch einmal begegnen ſollte, daß Ihr die Behauſung eines alten Verwandten auf Vineyard aufſuchen müßt.“ Roswell Gardiner, welcher den ſehr mißfälligen Blick, mit dem ſein Schiffsherr dieſen Wunſch laut werden hörte, nicht bemerkte, entſprach dieſem Wunſche bereitwillig. Die Beiden entfernten ſich alſo und erreichten bald die Thüre der — 108— Wittwe. Hier verließ der junge Mann ſeinen Gefährten, da er an Bord des Seelöwen Geſchäfte hatte. Die Wittwe White empfing ihren Gaſt mit lebhafter Theilnahme, denn es gehörte zu den größten Ergötzlichkeiten ihres Daſeins, wenn ſie Nachrichten mittheilen und entgegen⸗ nehmen konnte. „Ich hoffe, Ihr habt in meinem Oheim einen umgäng⸗ lichen Mann gefunden?“ ſagte der Capitän, ſobald ſich zwi⸗ ſchen den beiden Theilen mittelſt einiger gegenſeitiger, ſchmei⸗ chelhafter Bemerkungen ein freundliches Verhältniß geſtaltet hatte.—„Die Leute von Vineyard ſind in der Regel ſehr geſelliger Natur.“ „Das war er, Capitän Daggett, und ehe der Decan hier war um ihn irre zu machen und den weltlichen Geiſt in ihm zu wecken, zeigte er ſich ſo geneigt, wie irgend ein Kran⸗ ker, den ich geſehen, ſich zu ſeiner letzten Stunde vorzubereiten. Gewiß, es war anders, nachdem der Decan den erſten ſeiner Beſuche abgeſtattet hatte.“ „Kam der Decan öfter, um mit ihm zu beten und ihn vorzubereiten?“ „Er beten! Ich glaube nicht, daß er bei allen ſeinen Beſuchen auch nur das kürzeſte Gebet mit ihm laut werden ließ. Wenn ſie beiſammen waren, drehte ſich all ihr Reden um nichts als um Robben und Inſeln.“ „Wirklich!“ rief der Neffe und ließ eine geſteigerte Theil⸗ nahme an dem Goſpräche gewahren.„Und was konnten ſie ſich über ſolche Dinge zu ſagen haben? Inſeln und Robben waren ſeltſame Gegenſtände an dem Bett eines Sterbenden.“ „Ich weiß es,“ antwortete die Wittwe bitter.„Ich habe mir das auch geſagt, was konnte aber eine ſchwache Frau thun, 1 überdie lichen? Ordnurn 77⁷ Gegenr ſich?“ „ ſen wä Rücken wie ma D war in vorzugs welche ſchnitte männli der Kle Vollen b wiſſen, D die Sch geheim ſeligen vergaß gedenke D gewöhr hörte ten, da bhafter ſchkeiten atgegen⸗ mgäng⸗ ich zwi⸗ ſchmei⸗ geſtaltet gel ſehr Decan Geiſt in n Kran⸗ bereiten. n ſeiner und ihn i ſeinen werden r Reden te Theil⸗ nten ſie Robben benden.“ Ich habe he Frau — 109— thun, um ſie in das rechte Gleiſe zu bringen? war er nicht überdieß ein Vorſtand des Bethauſes? wenn ſie von welt⸗ lichen Dingen ſprachen, ziemte es ſich nicht für mich, ſie zur Ordnung zu weiſen.“ „Dieſe Geſpräche gingen alſo hier offen und in Eurer Gegenwart, wenn ich ſo ſagen darf, vor Euren Augen, vor ſich?“ „Ich möchte nicht ſagen, daß dieß gerade der Fall gewe⸗ ſen wäre; es geſchah aber auch eben nicht, wenn ich den Rücken gewendet hatte. Sie ſprachen und ich hörte eben zu, wie man zu thun pflegt, wenn man in der Nähe iſt.“ Der Fremde ging nicht näher auf die Sache ein, denn er war in dem Lande geboren und aufgewachſen, welches man vorzugsweiſe das der Lauſcher nennen konnte. Eine Inſel, welche faſt von jedem Verkehr mit der übrigen Welt abge⸗ ſchnitten iſt, und wo von Zeit zu Zeit zwei Drittheile ihrer männlichen Bevölkerung abweſend ſind, mußte es in der Kunſt der Klatſcherei, welche die des Lauſchens einſchließt, zu großer Vollendung bringen. „Ja,“ antwortete er,„man lieſt viel auf, ohne zu wiſſen, wie. Sie ſprachen alſo von Inſeln und Robben?“ Die Wittwe erſchloß auf ſolche Fragen mit Vergnügen die Schätze ihres Wiſſens. Wie ſie in ihrem Berichte von den geheimen Beſprechungen zwiſchen dem Decan Pratt und ihrem ſeligen Miethsmanne vorſchritt, belebte ſich ihr Eifer und ſie vergaß nichts von dem, was ſie gehört hatte, deſſen nicht zu gedenken, was ſie vorbrachte, ohne es gehört zu haben. Der Vineyarder war jedoch an ſolche Mittheilungen gewöhnt und wußte, wie viel er billig abziehen dürfe. Er hörte mit dem Entſchluſſe, nicht mehr als die Hälfte deſſen, — 110— was die Wittwe erzählte, zu glauben, und in Folge ſeiner langen Erfahrung gelang es ihm, mit einer bewundernswerthen Sicherheit das Glaubliche in den höchſt geläuftgen Mitthei⸗ lungen des Weibes von dem zu trennen, was als unglaublich zu betrachten war. Die größte Schwierigkeit, die Erzählung der Wittwe White in allen ihren Theilen zu verſtehen, ging aus dem Umſtande hervor, daß ſie die einleitenden Beſprechungen und den Haupt⸗ bericht des Seemannes nicht gehört hatte. Dadurch entſtanden ſo viele Dunkelheiten und Lücken, daß ſie in ihrem Eifer, dieſen Mängeln nachzuhelfen, die Sache nur noch mehr verwirrte. Capitän Daggett war völlig überzeugt, daß Decan Pratt wenigſtens von dem Daſein der Robben⸗Inſeln wiſſe; darüber aber war er zweifelhaft, ob ihm auch etwas von dem ver⸗ borgenen Schatze, deſſen das Gerücht gedacht hatte, mitgetheilt worden ſei. Der Ankauf und die Ausrüſtung des Seelöwen reichte übrigens, mit der Erzählung der Wittwe in Verbindung gebracht, allein ſchon hin, einen Mann von ſolcher Erfahrung und Umſicht zu überzeugen, daß man in Folge der Mitthei⸗ lungen ſeines verſtorbenen Oheims eine Reiſe zum Robbenfang vorhabe. Darüber war er außer allem Zweifel, aber die Frage, ob man auf dem Wege auch nach den kleinen Inſeln ſchauen werde, konnte er ſich nicht ſo zuverläſſig löſen. Capitän Daggett und die Wittwe White beſprachen ſich länger als eine Stunde. Während dieſer Zeit hatte Jener Alles in ſich aufgenommen, was dieſe mitzutheilen vermochte, und ſie trennten ſich als die beſten Freunde von der Welt. Der Capitän gab der Wittwe freilich nichts,— er hatte ſein Gewiſſen in dieſer Hinſicht beſchwichtigt, indem er dem Decan ſeine A ſie zu! es gibt kann, zu beth mit Gl ſchleuße ſich mi Bei der den Ge Ca die Kiſt Hafen; einige S und de erkundig Di ganzen tha's V Verläſſi daß der eine we ſend ble Anderes De beſtieg n mit der nichts, auf der Schiffen ſeiner erthen eitthei⸗ aublich White iſtande Haupt⸗ ſtanden dieſen rrte. Pratt darüber m ver⸗ getheilt reichte dindung ahrung Nitthei⸗ venfang Frage, ſchauen hen ſich Jener emochte, r Welt. itte ſein Decan — 111— ſeine Auslagen wieder erſtattete,— aber er hörte Alles, was ſie zu berichten hatte, mit der muſterhafteſten Geduld an, und es gibt Plauderer, welchen man keine größere Freude machen kann, als wenn man ihnen ruhig zuhört. Der Fremde war zu betheiligt, um nicht die Rolle des aufmerkſamen Zuhörers mit Glück zu ſpielen, und die entzückte Frau hatte ihre Rede⸗ ſchleußen in einer Weiſe geöffnet, welche ihrem heißen Wunſche, ſich mitzutheilen, in dem höchſten Grade entſprechen mußte. Bei der Trennung verſprachen ſie ſich beiderſeitig, den anziehen⸗ den Gegenſtand brieflich weiter zu erörtern. Capitäu Daggett fand deſſelben Nachmittags Gelegenheit, die Kiſte ſeines verſtorbenen Oheims über die Bucht nach Sag⸗ Hafen zu ſchaffen, wohin er ſich ſelbſt begab. Hier brachte er einige Stunden hin, um ſich nach dem Stande der Ausrüſtung und der wahrſcheinlichen Zeit der Abfahrt des Seelöwen zu erkundigen. Die Ausrüſtung dieſes Schoners gab den Leuten in der ganzen Umgegend viel zu ſprechen, und der Mann von Mar⸗ tha’s Vineyard hörte zahlloſe Muthmaßungen, aber nur wenig Verläſſiges. Im Ganzen jedoch konnte er als gewiß annehmen, daß der Seelöwe binnen zehn Tagen abreiſen werde; daß er eine weite Reiſe vorhabe, daß er wenigſtens ein Jahr abwe⸗ ſend bleiben werde, und daß man glaube, er habe noch etwas Anderes als den Robbenfang im Auge. Der entſchloſſene Seemann, obgleich halb Ackerbauer, beſtieg noch in dieſer Nacht ſein Wallfiſchboot und reiſte allein, mit der Kiſte an Bord, nach Vineyard. Dieß war jedoch nichts, denn er war ſchon oft ganz allein in ſeinem Boote auf der offenen See geweſen, um landeinwärts gehenden Schiffen als Lovtſe zu dienen. ——— ſehr gut Sechstes Kapitel. jetzt zu⸗ hier der Das Boot in's Meer, mein Seemann! Phi Laß Alles flugs bereiten; M Die Ruder hurtig eingeſetzt, aat, l Und mög' dich Gott geleiten! nen Ma Die Segel ſtelle mit Geſchick, den Sun Der Sturm naht oft im Nu, den. Da Und ſteu're ſtetig deinen Curs in ſeinen Der lieben Heimath zu! u Mrs. Southey. ngedull . entgegen Capitän Daggett's Beſuch und Alles, was er während werdung ſeines Aufenthalts auf Oyſter⸗Pond und zu Sag⸗Hafen geſagt Der und gethan hatte, machte es räthlich, die Ausrüſtung des See⸗ daß die löwen zu beſchleunigen. Decan Pratt kannte den Charakter handelte der Seeleute der Inſel zu gut, um in einer ſo wichtigen zweiten Sache zu zaudern. Er wußte nicht, wie viel man den Vineyar⸗ Wochen dern hirſichtlich ſeines großen Geheimniſſes geſagt haben Bedford mochte; aber er war überzeugt, daß ſie genug wußten und ſie durch durch dieſen Beſuch genug erfahren hatten, um ihre Begierde raſch zu nach Reichthümern zu reizen und ſie nach dem Südmeer zu oder; wn locken. Bei einem ſolchen Volke kommen Entfernungen und durch de Schwierigkeiten nicht in Betracht. Derſelbe Mann, der heute nachdem auf ſeinem einſamen Felde, wohin, wie man denken ſollte, Ehr⸗ Eigenthi geiz und Liebe zur Veränderung nie Zugang finden, ſeinen möglichen Hafer geſäet hat, iſt nach vier und zwanzig Stunden bereit, Vortheil ſeine Heimath zu verlaſſen, das Spitzeiſen ſtatt des Karſtes wird ſich in die Hand zu nehmen und mit derſelben Sorgloſigkeit, mit Ein welcher ein Anderer auf eine Woche verreiſt, nach den ent⸗ Namens fernteſten Grenzen der Erde auszuziehen. Der Decan wußte vpenfänge 247— emann! uthey. dährend geſagt es See⸗ harakter ichtigen bineyar⸗ haben ten und Zegierde meer zu en und er heute e, Ehr⸗ ſeinen bereit, Karſtes eit, mit den ent⸗ n wußte — 113— ſehr gut, daß der Charakter der Menſchen, mit welchen er jetzt zu thun hatte, dieſer Art war, und er ſah ein, daß es hier der größten Umſicht, Ausdauer und Thätigkeit bedürfe. Philipp Hayard, der von Roswell Gardiner erwähnte Maat, hatte Befehl, keine Zeit zu verlieren, und bald began⸗ nen Matroſen, welche für die Reiſe angeworben worden, über den Sund zu kommen und ſich an Bord des Schoners zu mel⸗ den. Das Schiff ſelbſt hatte ſchon Alles, was es nöthig hatte, in ſeinen innern Raum beigeſtaut, und der Decan begann mit Ungeduld der Erſcheinung einiger beſonders tüchtiger Seeleute entgegenzuſehen, welche der Maat ſuchte, und deren Habhaft⸗ werdung Capitän Gardiner ſich nachdrücklich ausbedungen hatte. Der würdige Schiffseigenthümer hatte keine Ahnung davon, daß die Leute auf Vineyard mit denſelben Männern unter⸗ handelten und ſie für ſich zu gewinnen ſuchten, um einen zweiten Seelöwen auszurüſten, womit ſie nun bereits mehrere Wochen beſchäftigt waren. Sie hatten dieſes Schiff zu Neu⸗ Bedford gekauft, um die unvollſtändigen Nachrichten, welche ſie durch die Capitäne der Brigg und der Schluppe erhalten, raſch zu benützen. Die Gleichheit des Namens war zufällig, oder wurde, um uns richtiger auszudrücken, ganz natürlich durch den gleichen Zweck der Unternehmung herbeigeführt; nachdem ſie aber einmal da war, hatte ſie den Vineyarder Eigenthümern den Gedanken an die Hand gegeben, aus der möglichen Verwechslung der beiden Schiffe alle möglichen Vortheile zu ziehen. In wie weit ihnen dieſer Plan gelang, wird ſich aus dem Verlauf unſerer Erzählung ergeben. Einige Tage waren vergangen, als Hayard einen Mann Namens Watſon, welcher den Ruf eines ausgezeichneten Rob⸗ benfängers hatte, von Stonington herüberſchickte. Ditt Erwer⸗ 247— 249. — 114— bung wurde hoch angeſchlagen, und während der Abweſenheit der beiden Maate, welche ſich nach Matroſen umthaten, berieth ſich Roswell Gardiner, der zum erſten Male ein Schiff befeh⸗ ligte, freimüthig mit dieſem erfahrnen, geſchickten Seemanne. Es war ein Glück für die Pläne des Decans, daß er ſeinen jungen Capitän in Bezug auf ſeine zwei großen Geheim⸗ niſſe bis jetzt noch im Dunkeln gelaſſen hatte. Gardiner wußte, daß der Schoner auf Robben, Seelöwen, Seeelephanten und alle Thiere aus dem Phoca⸗Geſchlecht Jagd machen ſollte; aber von den Mittheilungen Daggett's, oder den eigentlichen Beweggründen, welche den Decan veranlaßt hatten, in ſeinem Streben nach Gewinn ſo weit aus ſeinem gewöhnlichen Kreiſe zu ſchreiten, wußte er nichts. Wir wiederholen es,— es war ein Glück für den Decan, daß er ſo vorſichtig geweſen; denn Watſon war nichts weniger als gewillt, ſich in Oyſter-Pond einzuſchiffen, da er ſich bereits als zweiter Maat des nebenbuhleriſchen Seelöwen hatte ein⸗ ſchreiben laſſen, deſſen Ausrüſtung mit dem größten Eifer betrieben wurde, um mit dem Schiffe zu wetteifern, welches noch ſo ruhig und ſorglos an des Decans Werft lag. Mit einem Worte, Watſon war ein Spion, welchen die Vineyarder herübergeſchickt hatten, um die Abſichten des Eigen⸗ thümers des Schoners nach Kräften zu erforſchen, ſich in Gar⸗ diner's Vertrauen einzuſchleichen, und von Zeit zu Zeit über den Stand der Dinge Bericht zu erſtatten, damit die Eaſt⸗ Ender ſeinem wahren Schiffsherrn den Vorſprung nicht abge⸗ winnen möchten. Die Amerikaner pflegen ſich ſtets zu rühmen, es gebe keine Spione in ihrem Lande. In der herkömmlichen Bedeu⸗ tung dieſes Wortes mag dieß richtig ſein, in anderen Bezie⸗ hungen reicheres das Erſ Handelsl ſyſtem, 1 dient als auch im auf Ein Behaupt rungen, in Zweif wiederſpi Die hatte, in war nich lich aus Abſichten das Lage Der nach der verſtorber ner war zu ſprech Alle der wirkl thun, w ſchweifun Gardiner laut wer Die deſenheit berieth ff befeh⸗ emanne. daß er Geheim⸗ Gardiner ephanten n ſollte; entlichen n ſeinem en Kreiſe n Decan, zweniger ch bereits hatte ein⸗ ten Eifer ,welches . elchen die des Eigen⸗ h in Gar⸗ Zeit über die Eaſt⸗ icht abge⸗ es gebe en Bedeu⸗ ren Bezie⸗ — 115— hungen aber iſt es nicht wahr. Vielleicht gibt es kein ſpionen⸗ reicheres Land in der ganzen Chriſtenheit, wenn man darunter das Erſpähen der Angelegenheiten Anderer verſteht. Bei den Handelsleuten beſteht ein ausgedehntes, allbekanntes Spionir⸗ ſyſtem, und faſt Jeber, der mit der Preſſe in Verbindung ſteht, dient als eine Art Spion in den Intereſſen der Politik, Viele auch im Intereſſe anderer Art. Der Leſer darf daher nicht auf Eindrücke, welche ſich auf allgemeine, ſelten ſtichhaltige Behauptungen gründen, bauen, und die Wahrheit von Schilde⸗ rungen, welche mit daguerreotypiſcher Treue gezeichnet ſind, in Zweifel ziehen, weil ſie das Modegeſchwätz des Tages nicht wiederſpiegeln. Dieſer Watſon, welcher ſich theilweiſe verbindlich gemacht hatte, in dem Seelöwen, unter Roswelil Gardiner, zu dienen, war nicht nur ein Spion, ſondern ein Spion, welcher heim⸗ lich aus den gemeinſten Beweggründen und in ſo feindlichen Abſichten, als die Natur der Umſtände es nur zuließen, in das Lager des Feindes geſchickt worden war. Der Art war der Stand der Dinge eine volle Woche nach der Abreiſe des Neffen, welcher die Habſeligkeiten ſeines verſtorbenen Oheims in Sicherheit gebracht hatte. Der Scho⸗ ner war nun ganz reiſefertig und ſein Capitän begann davon zu ſprechen, ihn vom Werft ablaufen zu laſſen. Allerdings war kein ſehr hörbarer Grund vorhanden, vor der wirklichen Abreiſe einen ſolchen Schritt in jenem Hafen zu thun, wo ſich der Mannſchaft ſo wenig Gelegenheit zu Aus⸗ ſchweifungen bot, es klang aber nach Seemannsart und Capitän Gardiner hatte ſeine Abſicht, in dieſer Weiſe zu verfahren, laut werden laſſen. Die Mannſchaft meldete ſich langſam und eine Art Unge⸗ 8*½ —— 4— 116— duld bemächtigte ſich des jungen Befehlshabers, welcher ſchon lange alle ſeine Neulinge— junge Burſche aus der Nachbar⸗ ben; e ſchaft— an Bord hatte und ſie allmählich mit ihren Pflichten bas S bekannt machte. In der That, der beſte Grund, welchen er wäre; für ſich hatte, das Schiff„flott zu machen,“ war die Uebung 4 eine M in der Handhabung der Ruder, welche jenen Burſchen daraus 77 erwachſen konnte. nutzloſe „Ich weiß nicht, was Hayard und Green treiben,“ rief Arbeite Roswell Gardiner, welcher auf der Schanze des Schoners. 3 ſtand, ſeinem Schiffsherren zu, der ſich auf dem Werft befand, ich kei während Watſon in der Takelage des großen Maſtes beſchäf⸗ ſteht ſü tigt war,—„ſie waren lange genug auf dem feſten Lande, lichkeit. um ein Dutzend Männer für ein Schiff dieſer Größe aufzu⸗„2 ſtöbern, und es fehlen uns noch zwei Männer, ſelbſt wenn Berufe, dieſer da die Papiere unterzeichnet, was er bis jetzt noch nicht gute Me gethan hat.— Ah da, Watſon,— es wäre Zeit, daß Ihr 5 M mir Eure Handſchrift zeigtet.“ f Elephan „Ich ſchreibe nicht die ſchönſte Hand, Capitän Gar'ner,“ ſag, ich verſetzte der ſchlaue Seemann,„und brauche Zeit, um auch werden; nur mit einer ſo kleinen Probe, wie die meiner Unterſchrift, Geſchäft fertig zu werden.“ fag ich, „Ja, ja,— Ihr ſeid ein kluger Burſche und gefallt mir der Welt 4 deßhald nur um ſo beſſer. Aber Ihr habt Muſe gehabt— weiß es mehr Muſe als nöthig iſt,— um einen Entſchluß zu faſſen. der kom Ihr müßt den Schoner jetzt vom Kiel bis zu ſeinen Tops Pon dem kennen und im Stande ſein, Euch auszuſprechen, ob Ihr Euer„Wo Glück in ihm verſuchen wollt.“ Namen n „Nun, Herr, alles dieß iſt ganz wahr, ſo weit es ſich hab„Gal von dem Schiffe handelt. Wenn's eine weſtindiſche Reiſe wäre, nen en whe würde ich keine Minute zaudern, den Vertrag zu unterſchrei⸗ duh ie, 5 er ſchon Kachbar⸗ Pflichten elchen er Uebung daraus en,“ rief Schoners t befand, beſchäf⸗ n Lande, ſe aufzu⸗ bſt wenn och nicht daß Ihr Bar'ner,“ um auch terſchrift, efallt mir gehabt— zu faſſen. nen Tops Ihr Euer eit es ſich eiſe wäre, nterſchrei⸗ f * V 417— ben; auch würde ich keinen Anſtand nehmen, es zu thun, wenn das Schiff zu einer gewöhnlichen Wallfiſchreiſe groß genug wäre; der Robbenfang iſt aber ein ganz anderes Geſchäft, und eine nutzloſe Hand kann viele Arbeiten nutzlos machen.“ „Ich ſtelle dieß nicht in Abrede; aber wir werden keine nutzloſen Hände an Bord haben, noch werden wir nutzloſe Arbeiten beginnen. Ihr kennt mich“— „O, wenn Alle wären, wie Ihr, Capitän Gar'ner, würde ich keinen Augenblick zögern, zu unterzeichnen. ſteht ſüdwärts feſt, und lichkeit.“ „Wohlan, die beiden Maate haben Uebung, in Berufe, und wir ſehen darauf, daß alle gute Männer ſind, wie Ihr.“ „Man brau cht gute Leute, Herr, wenn man unter See⸗ Elephanten arbeiten will; und unter Seehunden gleichfalls,“ ſag' ich immer.„Wie ich höre, ſollen die Robben ſeltener werden; ich aber behaupte, es kommt Alles darauf an, das Geſchäft zu kennen.—„Da iſt der junge Capitän Gar'ner,“ ſag' ich,„der rüſtet einen Schoner für einen unbekannten Theil der Welt aus,“ ſag' ich,„vielleicht für den Südpol, weiß es nicht, oder für einen noch entlegenern Punkt der kommt mit voller Ladung zurück, von dem Geſchäft,“ ſag' ich.“ „Wohlan, wenn dieß Eure Anſicht iſt, ſo dürft Ihr Euren Namen nur unter den Vertrag ſchreiben und eintreten.“ „Ganz gut, Herr, ſobald ich meine Schiffsgenoſſen geſehen haben werde. Es gibt kein Geſchäft in der Welt, bei welchem man ſo, wie bei dem See⸗Elephanten⸗Geſchäft, ſeine Leute durch und durch kennen muß. Vielleicht geht es bei kleinen Euer Ruf Niemand zweifelt an Eurer Geſchick⸗ dem „Fähigen“ eben ſo denn ich . Nun, oder ich verſtehe nichts — 118— 3 Thieren wohl an, daß auch ſchwache Leute Theil nehmen, 3 wohi 1 Man wenn es aber an die wirklichen alten Bullen oder, wenn Ihr unvor wollt, Bullenbeißer geht, da braucht man ſtarke Herzen und auch ſtarke Hände.“„ nichte Nun, Watſon, nach meinem Dafürhalten iſt es weniger geben gefährlich, einen See⸗Elephanten zu fangen, als es mit einem tüchtigen alten Wallſiſch aufzunehmen, der vielleicht ſchon ein nf. in balbes Dutzend Eiſen in ſich hat.“ 3 „Ja, Herr, das iſt manchmal auch kitzliche Arbeit, obgleich dieß i ich einen Wallfiſch nicht für ſo bedenklich halte, wie einen„ 2 See⸗Elephanten oder Seelöwen. Wenn ich auf eine Rob⸗ iſt ebe benreiſe gehen ſoll,“ ſag' ich,„will ich meine Schiffsgenoſſen 2„ cher kennen.“ Capitän Gar'ner,“ ſagte der Decan, welcher nothwen⸗ ſchreit digerweiſe das Geſpräch mit anhören mußte,„Ihr müßt 4 andern Euch ſogleich ſicher ſtellen, ob dieſer Mann eintreten will droben oder nicht. Die Maate glauben, er bleibe in dem Schoner, T und komme ſonach wahrſcheinlich vom Feſtlande herüber, ohne überra einen Stellvertreter für ihn mitzubringen, wenn er uns ver⸗ in die läßt. Die Sache ſollte alsbald ins Reine gebracht werden.“ dem T „Ich bin gewillt, in dieſer Minute einen Entſchluß zu ſehen faſſen,“ ſagte Watſon ſo zuverſichtlich, als meinte er es ganz V ehrlich,„wenn ich nur erſt weiß, was ich unternehme. ſon au Wenn ich wüßte, nach welcher Inſel der Schoner ſegen ſoll, Als der würde dieß meinen Entſchluß alsbald beſtimmen.“ entgege Dieß war eine ſehr gute ausgedachte Liſt von Seiten des den K Spions; ſie führte aber zu nichts, da die große Vorſicht des Nach Decans, wie ſchon bemerkt, ihn abgehalten hatte, irgend eine§ Jemanden, ſelbſt den Capitän ſeines Schiffes mit ſeinem Geheim⸗ Boot: niſſe bekannt zu machen. Hätte Gardiner beſtimmt gewußt, deſſelbe 1 „— 119— 6 elunen wohin ſeine Reiſe führe, würde der Wunſch, einen ſo tüchtigen d Shr 1 Mann wie Waatſon zu feſeeln, ihn wahrſcheinlich zu einer u dd unvorſichtigen Aeußerung veranlaßt haben, da er aber ſelbſt en„ nichts wußte, konnte er auch nur eine unbeſtimmte Antwort weniger geben. In wihn ne ſen tteinem„Wohin wir reiſen? ſagte er,„nun, wir ſuchen Robben h ein auf, und werden ſie da aufſuchen, wo man ſie zu finden pflegt. Ein ſo erfahrener Seeman wie Ihr ſollte doch wiſſen, wo dieß iſt?“ oögleich„Ja, ja, Herr,“ antwortete der Burſche lachend,„das e Noſe iſt eben weder hier noch da— dieß iſt Alles.“ 3 Dobe„Capitän Gar'ner,“ fiel der Decan ernſt ein,„das ſind genoiſen Scherze, und wir müſſen Ernſt machen. Der Mann unter⸗ . ſchreibt jetzt, oder Ihr laßt Hayard wiſſen, daß er für einen lothwen⸗ 4 andern Burſchen ſorgt. Kommt an das Land, Herr, ich habe 4 müt 3 droben im Hauſe Geſchäfte mit Euch abzumachen.“ ten di Der Ernſt, mit welchem dieſe Worte vorgebracht wurden, Schauer, überraſchten den Capitän und den Mann zumal. Jener ging ei⸗ 9 in die Kajüte, um ein ſchwarzes Halstuch anzulegen, ehe er nedn dem Decan dahin folgte, wo er ſehr wahrſcheinlich Mary zu ſchluß zu ſehen bekam. ba 22 es ganz Während er mit ſeiner Toilette beſchäftigt war, ſtieg Wat⸗ ternehme. ſon aus der Takelage nieder und ging in das Vorderkaſtell. 1 Als der junge Capitän der Wohnung des Decans Pratt raſch gen ſoll, entgegen ſchritt, kam Watſon wieder auf das Deck und braiete eiten des den Köder⸗Joſeph, welcher nicht weit von dem Werfte fiſchte. lle des Nach wenigen Minuten war Watſon mit Pack und Allem— riicht nd eine Kiſte hatte er nicht an Bord gebracht— in Joſeph's Gehaime Boot und unterwegs nach dem Hafen. Von da fuhr er noch gewußt, deſſelben Abends in einem Wallſiſchboote, welches für ihn ue 2 —j ——jj— — 120— ¼ bereit lag, nach Holmes' Hole, wo er berichtete, der Seelöwe Ge⸗ von Oyſter⸗Pond würde ſchon in der nächſten Woche zur Ma Abreiſe bereit ſein. Obgleich Watſon ſeinen Poſten dem Gel Scheine nach in dieſer Weiſe verließ, geſchah dieß in völligem ſein Einverſtändniß mit ſeinen eigentlichen Schiffsherrn. Er 6 brauchte einige Tage um ſeine Vorbereitungen zu treffen, ehe die er den ein und vierzigſten Grad nördlicher Breite verließ, um ernf ſo weit ſüdlich zu ſegeln, als ein Schiff kommen konnte. ihm Er ließ ſeinen Poſten jedoch nicht ganz unbeſetzt. Einer der Nachbar des Decans hatte es gegen eine Vergütung über⸗. nommen, das Fortſchreiten der Dinge zu berichten und mit denk jeder günſtigen Gelegenheit gingen Nachrichten ab, welche das von Gehaben des Schoners und die mögliche Zeit ſeiner Abreiſe meldeten. Eid Die Ausſichten in der letztern Hinſicht waren nicht ſo glän⸗ zend, als Roswell geglaubt und gehofft hatte, denn es war* Robb den Werbern der Vineyard⸗Geſellſchaft gelungen, Hayard die. zwei beſten Männer wegzukapern, und da verläſſige Robben⸗ b in a fänger nicht ſo leicht zu finden waren, wie Kieſel auf einem Geſch Meergeſtade, konnte die Zögerung, welche dieſer neue boshafte„ Streich herbeiführte, ernſte Folgen haben. Während dieſer. damit ganzen Zeit ſchritt der Seelöwe von Holmes' Hole mit unaus⸗ geſetzter Thätigkeit weiter, und man konnte ſich der Hoffnung dieſes hingeben, er werde bereit ſein, zugleich mit ſeinem Neben⸗ welche buhler auszulaufen. ausge Wir kehzen jedoch nach Oyſter⸗Pond zurück. daß 3 Decan Pratt war in ſeiner Vorhalle, ehe Roswell Gar⸗ und d diner ihn einholte. Hier theilte er ſeinem jungen Freunde Pflicht mit, er habe Bedentendes im Vertrauen mit ihm zu verhan⸗ nachko deln und ſchritt ſofort ſeinem Gemache zu, welches als R eelöwe he zur n dem lligem Er n, ehe ß, um Einer güber⸗ nd mit he das Abreiſe d glän⸗ es war ard die dobben⸗ einem oshafte dieſer unaus⸗ offnung Neben⸗ ll Gar⸗ Freunde verhan⸗ hes als — 121— Geſchäfts⸗, Schlaf⸗ und Betzimmer diente, denn der wackere Mann war gewohnt, ſich in demſelben Raume mit ſeinen Gebeten an den Thron der Gnade zu wenden, in welchem er ſeinen zeitlichen Geſchäften oblag. Zu Roswell's großem Staunen ſchloß der alte Mann die Thür, ſchob den Riegel vor, warf ſeinem Gefährten einen ernſten, feierlichen Blick zu und ſagte ihm ſofort, er wolle ihm nun eine Sache von höchſter Wichtigkeit eröffnen. Der junge Seemann wußte kaum, was er von all dem denken ſollte, hoffte aber, es werde ſich in irgend einer Weiſe von Mary handeln. „Zuerſt,“ fuhr der Decan fort,„muß ich Euch einen Eid abnehmen, Capitän Gar'ner.“ „Einen Eid, Decan? das iſt etwas ganz Neues beim Robbenfang. Oheim Sam's Leute ſind kaum ſo umſtändlich.“ „Ja, Herr, einen Eid! und einen Eid auf die Bibel und in aller Form. Ohne den Eid wird aus unſerm ganzen Geſchäfte nichts, Capitän Gar'ner.“ „Ehe dieß geſchieht, Decan, lege ich willig zwei Eide ab, damit einer den andern feſtigt.“ „Gut. Ich fordere Euch auf, Roswell Gardiner, auf dieſes heilige Buch zu ſchwören, daß Ihr die Geheimniſſe, welche ich Euch jetzt entdecken werde, keinem Audern mittheilt, ausgenommen in einer von mir ſelbſt zu beſtimmenden Weiſe, daß Ihr in keines Andern Dienſte davon Nutzen ziehen wollt, und daß Ihr in Allem, was damit zuſammenhängt, Euern Pflichten gegen mich und meine Intereſſen redlich und treu nachkommt, ſo wahr Euch Gott helfe!“ NRoswell Gardinke küßte das Buch, während er ganz Verwunderung war und von Neugier brannte, was nun folgen würde. Nachdem dieſe wichtige Frage beſeitigt war, legte der Decan das Buch weg, öffnete eine Schublade und holte die zwei bedeutſamen Karten hervor, auf welchen er die Notizen Daggett'’s eingeſchrieben hatte. „Capitän Gar'ner,“ begann der Decan wieder, indem er die Karte der ſüdlichen Halbkugel auf dem Bette ausbreitete, „Ihr kennt mich und mein Thun bereits lange genug, um nicht überraſcht zu ſein, daß ich in dieſen ſpäten Jahren erſt mich mit Schiffsangelegenheiten befaſſe.“ „Wenn ich mich gewundert habe, Decan, ſo war der Grund der, daß ein Mann Eurer Klugheit und Umſicht ſich ſo lange von dem einzigen Geſchäfte fern hielt, welches nach meinem Urtheil für einen Mann von wirklicher Thatkraft und Charaktertüchtigkeit paßt.“ „Ja, ſo mögt Ihr, der Ihr ſelbſt Seemann ſeid, mit Recht denken, Ihr werdet es aber nicht leicht finden, die, welche ſtets auf dem Lande gelebt haben, zu überreden, Eure Anſicht zu theilen.“ „Allerdings, denn die Landmenſchen denken und handeln, wie ſie es von Jugend auf gelehrt wurden. Da blickt nur einmal auf dieſe Karte, Decan, ſeht, wie viel Waſſer und wie wenig Land darauf iſt. Paſtor Whittle ſagte uns am letzten Sonntage, nichts ſei ohne Abſicht geſchaffen und in allen Werken der Natur zeige ſich die weiſe Hand einer gött⸗ lichen Vorſehung. Wär' es aber die Abſicht geweſen, dem Lande den Vorzug vor dem Waſſer zu geben, fände ſich dann des erſtern nicht mehr vor, als des letztern, Decan? Dieſer Ge hör ben dür fün ich Eue Kar Nei Ort mit Wer ich anz! deu liegt gen! dem Elen Ihr Gar feinſ Lank der die izen n er tete, um erſt der t ſich nach und mit die, Eure ndeln, t nur r und s am nd in gött⸗ , dem ) dann Dieſer Gedanke kam mir in den Sinn, als ich des Paſtors Worte hörte, und hätte Mary nicht—“ „Was iſt's mit Mary?“ fragte der Decan, als er bemerkte, daß der junge Mann inne hielt. „Ich hoffte nur das, was Ihr zu ſagen hättet, Decan, dürfte in einigem Bezug zu ihr ſtehen.“ „Was ich zu ſagen habe, iſt des Hörens eher werth als fünfzig Mary. Was meine Nichte betrifft, Gar'ner, ſo habe ich nichts dagegen, wenn ſie Euch haben will, und warum ſie Euch nicht will, iſt mir unbegreiflich. Aber Ihr ſeht dieſe Karte, betrachtet ſie genau und ſagt mir, ob Ihr etwas Neues und Beachtenswerthes darauf findet.“ „Sie ſieht aus wie die alte Zeit, Decan, und viele dieſer Orte und Gegenden habe ich beſucht. Was iſt das? Inſeln mit Bleiſtift angedeutet, und die Länge und Breite in Zahlen? Wer ſagt, es fände ſich Land da herum, Decan Pratt, wenn ich ſo frei ſein darf, eine ſolche Frage zu ſtellen?“ „Ich ſage es, und vortreffliches Land iſt es, um da anzulegen und nach Robben umzuſchauen. Dieſe Inſeln wer⸗ deu Euer Glück machen, Gar'ner, ſowie das meinige. Es liegt nichts daran, woher ich es weiß, daß ſie dort ſind; genug, ich weiß es und wünſche, daß Ihr den Seelöwen auf dem kürzeſten Wege an eben dieſe Stelle führt, ihn mit Elephantenöl, Elfenbein und Fellen füllt und ſo raſch als Ihr ſegeln könnt, zurückbringt.“ „Inſeln in dieſer Länge und Breite?“ ſagte Roswell Gardiner und blickte ſo eifrig auf die Karte, als hätte er den feinſten Stich vor ſich,—„ich habe noch nie von einem ſolchen Lande gehört.“ 88 8 „Demungeachtet iſt es dort und, wie alles Land in 1 84 . —————— fernen Seeen, welche die Menſchen nicht oft getrübt haben, reich mit dem ausgeſtattet, was den Seemann für ſeinen Beſuch entſchädigt.“ „Daran zweifle ich nicht, wenn ſich wirklich Land dort findet. Es iſt vielleicht ein„Cap Eile davon,“ welches irgend ein Burſche bei nebligem Wetter geſehen hat. Das Meer iſt voll ſolcher Inſeln.“ „Es iſt nichts dieſer Art. Es iſt gute, feſte Erde, wie ich von dem Manne weiß, welcher ſeinen Fuß darauf geſetzt. Ihr müßt Euch ſehr in Acht nehmen, Gar'ner, und den Schoner nicht dagegen laufen laſſen,“ dabei ließ der Decan ein gluckſendes Lachen hören, wie Leute, welche ſelten eine Heiterkeit dieſer Art anwandelt, in ihrer fröhlichſten Laune zu lachen pflegen.—„Ich bin nicht reich genug, um Seelöwen zu kaufen und auszurüſten, damit Ihr ſie an den Strand laufen laßt.“ „Dieß iſt eine hohe Breite, Decan, um ein Schiff hinzu⸗ führen. Selbſt Cook iſt dieß nicht gelungen.“ „Sprecht mir nicht von Cook, er war eines Königs Seefahrer; mein Mann war ein amerikaniſcher Robbenjäger. Dort ſind die Inſeln, drei an der Zahl, und dort werdet Ihr ſie finden, und Thiere an ihren Geſtaden, ſo zahlreich wie Handelsmuſcheln an der Südküſte.“ „Ich hoffe, es verhält ſich ſo. Wenn Land dort iſt und Ihr den Schoner einſetzt, will ich ſuchen, es zu Geſicht zu bekommen. Ich wünſchte jedoch, Ihr gäbt mir es ſchwarz auf weiß, Deran, daß ich ſo weit hinauf ſegeln ſoll.“ 1„Ihr werdet jeden Ausweis erhalten, den man nur wünſchen kann. In dieſer Hinſicht werdet Ihr mich ſtets billig finden. Wenn der Schoner zu Schaden kommt, ſo — ben, inen dort gend r iſt wie ſetzt. den ecan eine aune öwen rand inzu⸗ önigs äger. derdet lreich t und heſicht hwarz nur ſtets 4, ſo trage ich natürlich den Verluſt, ich verlaſſe mich jedoch darauf, daß Ihr ihm alle mögliche Sorgfalt widmet. Haltet alſo ſtracks auf den Punkt ab und füllt mir den Schoner. Damit iſt aber mein Geſchäft noch nicht abgeſchloſſen, Gar'ner. Sobald der Schoner voll iſt, tretet Ihr die Rückreiſe an und macht Euch von Allem, was Eis iſt, ſo ſchnell als mög⸗ lich klar.“ „Dieß würde ich ſehr wahrſcheinlich gethan haben, Decan, wenn Ihr deſſen auch nicht gedacht hättet.“ „Ja, nach allen Berichten ſind jene Seeen ſtürmiſcher Art, und je eher man ſie hinter ſich hat, deſto beſſer. Und nun muß ich Euch abermals ſchwören laſſen, Gar'ner. Ich habe Euch noch ein Geheimniß mitzutheilen und auch für dieſes einen Eid aufzulegen. Küßt dieſes heilige Buch aber⸗ mals und ſchwört mir, nie einem Andern das zu enthüllen, was ich Euch nun ſagen werde, es müßte denn vor einem Gerichtshofe und auf richterlichen Befehl geſchehen, ſo wahr Euch Gott helfe!“ „Wie, einen zweiten Eid, Decan? Ihr ſeid ſo ſchlimm, wie die Zollbeamten, welche Euch bei allen Virungen nehmen und Euch doch nicht glanben, wenn Ihr geſchworen habt.— Ich habe ja bereits geſchworen.“ „Küßt das Buch und beſchwört, was ich beſchworen haben will,“ ſagte der Decan ernſt,„ſonſt geht Ihr nie in einem Schiffe, das mir gehört, zur See. Schwört, nie zu entdecken, was ich Euch jetzt ſagen werde, das Gericht müßte Euch denn dazu zwingen, ſo wahr Euch Gott helfe!“ Roswell Gardiner, der ſich auf dieſe Weiſe gedrängt ſah, zögerte nicht länger, ſondern leiſtete den Schwur und küßte das Buch mit Ernſt und Ehrfurcht. Der junge Mann befeh⸗ ligte zum erſten Male ein Schiff, und wollte dieſes Glückes um einer ſolchen Kleinigkeit willen nicht verluſtig werden, 5 Ein denn als ſolche erſchien ihm der Schwur, die Geheimniſſe er f ſeines Schiffsherrn zu bewahren. Nachdem er dem Decan es Genüge gethan, wurde die zweite Karte herbeigebracht und an wele der Stelle der erſtern ausgebreitet. hätt „Hier!“ rief der alte Mann faſt triumphirend,„dieß iſt war der eigentliche Zweck Eurer Reiſe.“ von „Dieſe kleine Inſel? Wohl, Deean, das iſt ja in der Dar nördlichen Breite, und Ihr laßt mich einen großen Umweg figen nehmen, wenn Ihr mich an den Südpol ſchickt, um nach Weſt⸗ nah Indien zu kommen.“ Raſ „Es iſt ſtets gut, wenn man zwei Stränge für einen und Bogen hat. Wenn Ihr erfahrt, was Ihr von dieſer kleinen beſe Inſel holen ſollt, werdet Ihr begreifen, warum ich Euch erſt nach ſüdwärts ſchicke, ehe Ihr hierher kommt, um Eure 5 Gaꝛ Ladung auszuhiſſen.“ auch „Es können nur Schildkröten ſein,“ ſagte Roswell Gar⸗ 6 diner lachend.„Auf dieſen Inſelchen wächſt nichts, als da hab⸗ und dort verkümmertes Geſträuſcch, und außer Schildkröten iſt nichts dort zu finden. Wenn man einmal an Ort und Stelle 1 i, iſt, findet man vielleicht einige Schildkröten, ſofern man 86 an die rechte Inſel kommt.“ „Gar'ner,“ verſetzte der Decan mit größerer Feierlichkeit, Leu „dieſe Inſel enthält, ſo klein und unbedeutend ſie iſt, große und Schätze. Seeräuber haben vor längerer Zeit dort ein Verſteck— Naꝛ gehabt, und ich allein bin jetzt in dem Beſitze dieſes Geheim⸗. bem niſſes.“* Der junge Mann erſchrack, denn es war ihm, als müſſe— der Decan nicht recht bei Sinnen ſein. Er kannte die einge⸗ hat lückes erden, mniſſe Decan nd an ieß iſt n der mweg Weſt⸗ einen leinen h erſt Eure Gar⸗ ls da en iſt Stelle man cheit, große erſteck heim⸗ müſſe einge⸗ fleiſchte Schwäche ſeines Charakters, und würdigte leicht den Einfluß, welchen der Glaube an eine ſolche Mittheilung, wie er ſie eben laut werden laſſen, auf ſeine Gefühle haben mußte; es ſchien ihm aber ganz unwahrſcheinlich, daß der Decan, welcher Oyſter⸗Pond nie verlaſſen, eine Thatſache dieſer Art hätte erfahren ſollen, welche allen Anderen ein Geheimniß war, und er glaubte anfangs, ſein Schiffsherr habe ſo lange von Geld geträumt, bis er um ſeinen Verſtand gekommen. Dann aber gedachte er des verſtorbenen Seemannes, der häu⸗ ſigen Beſprechungen des Decans mit demſelben, der Theil⸗ nahme, welche er dem Manne ſtets zu widmen ſchien, der Raſchheit und zumal der Zeit des Ankaufs des Schoners— und da ging ihm plötzlich ein Licht auf, welches alle Zweifel beſeitigte.* „Daggett hat Euch dieß geſagt, Decan Pratt,“ ſagte Gardiner in ſeiner freimüthigen Weiſe.„Und Er hat Euch auch von dieſen Robben⸗Inſeln geſprochen?“ „Wenn ich es zugebe, warum ſollte er es nicht ſo gut haben ſagen können wie jeder Andere?“ „Gewiß, wenn er wüßte, daß das, was er ſagte, wahr ſei, aber man darf das Geplauder eines Matroſen nicht immer für ein Evangelium nehmen.“ 1 „Daggett war ſeinem Ende nahe, und darf nicht mit Leuten verwechſelt werden, welche in der Blüthe ihres Lebens und ihrer Geſundheit in das Blaue hineinreden und den Namen des Herrn mißbrauchen, um ihr Lügengewebe zu bemänteln.“ „Warum ſagte der Mann Euch dieſe Dinge, während der drüben auf Vineyard Freunde und Verwandte zu Dutzenden hatte?“ — 128— „Er war ſeit fünfzig Jahren von dieſen Verwandten ent⸗ fernt,— eine Zeitlänge, welche eines Mannes Gefühle ſtets bedeutend ſchwächt. Bleibt nur den vierten Theil dieſer Zeit von Mary fern, und Ihr werdet vergeſſen haben, ob ihre Augen ſchwarz oder blau ſind, und zumal, wie ſie ausſieht.“ „Ich würde mich für den elendeſten und verächtlichſten Schurken halten, wenn ich dieß könnte? Nein, Decan, zwei⸗ mal fünfzig Jahre würden Mary's Augen und Ausſehen nicht aus meinem Gedächtniſſe verwiſchen.“ „Ja, ja, ſo denken, fühlen und ſprechen alle jungen Burſche. Wenn die Welt ſie aber prüft, ſehen ſie ihre Thor⸗ heit bald ein.— Dagget machte mich zu ſeinem Vertrauten, weil die Vorſehung mich zu ihm geführt hat, und weil er ſich der Hoffnung hingab, er würde wieder ſo weit zu Kräften kommen, daß er mit dem Schoner ſegeln und die Reiſe auch für ſich ergiebig machen könne.“ „Hatte der Mann die Unverſchämtheit, zu bekennen, er ſei Seeräuber geweſen und habe einen Schatz auf jener Inſel vergraben?“ „Nichts der Art kommt in ſeiner Geſchichte vor. Daggett war nie ſelbſt ein Seeräuber, der Zufall führte ihn aber in daſſelbe Gefängniß und in daſſelbe Gemach, in welchem ein Seeräuber gefangen ſaß. Dieſe Männer wurden Freunde, und der Seeräuber, dem das Urtheil geſprochen war, theilte Daggett das Geheimniß als den letzten Freundſchaftsdienſt mit, welchen er ihm erzeigen konnte.“ „Ich hoffe, Decan, Ihr erwartet von dieſem Theile der Reiſe eben keinen großen Gewinn?“ „Ich erwarte den größten Nutzen davon, Gar'ner, und Enthül hatte, berichte anfang zuletzt verleite urſpru D Decan in Fol in ſein welche ſo tie gewor größte denſel man Bord ſobalt außer es, teten, Sie dieſer nun 24 en ent⸗ le ſtets er Zeit b ihre fieht.“ lichſten zwei⸗ mnicht jungen Thor⸗ auten, er ſich räften auch n, er Inſel iggett er in ein unde, heilte ienſt der und — 12²9— auch Ihr werdet meine Anſicht theilen, wenn Ihr die ganze Geſchichte gehört habt.“ Der Decan theilte nun alle Einzelnheiten in Betreff der Enthüllungen, welche der Seeräuber ſeinem Freunde gemacht hatte, ziemlich in der Art mit, wie Daggett ſie ihm ſelbſt berichtet hatte. Der junge Mann hörte dieſe Erzählung anfangs mit ungläubigem Ohre, dann mit Theilnahme, und zuletzt mit einem Gefühl an, welches ihn zu dem Glauben verleitete, es möchte doch mehr Wahrheit darin ſein, als er urſprünglich für möglich gehalten hatte. Dieſen Wechſel brachte ſowohl das ernſte Gehaben des Decans, als die Erzählung ſelbſt hervor, denn der Mann war in Folge der mächtigen Gefühle, unter deren Einfluß er ſtand, in ſeiner Schilderung ſehr lebendig geworden. Der Eindruck, welchen Daggett's Bericht auf den Decan gemacht hatte, war ſo tief, und die dadurch geweckten Hoffnungen ſo mächtig geworden, daß er nichts überging, alle Einzelnheiten mit der größten Genauigkeit darlegte, und auf ſeinen Zuhörer ganz denſelben Eindruck machte, welchen er ſelbſt gefühlt hatte, als man ihm die Geſchichte erzählte. „Dieß iſt ein ganz außerordentlicher Bericht, von welchem Bord man ihn auch betrachten mag,“ rief Roswell Gardiner, ſobald der Decan ſeine Erzählung geſchloſſen hatte.„Der außerordentlichſte Bericht, den ich je gehört habe! Wie kam es, daß ſo viel Gold und Silber ſo lange herrenlos blieb?“ „Drei Schiffs⸗Offiziere verbargen ihn dort, da ſie fürch⸗ teten, ihn ihrer Mannſchaft in dem Schiffe anzuvertrauen. Sie gaben vor, ſie wollten Schildkröten fangen und legten zu dieſem Zwecke an, und ſo müßt auch Ihr verfahren. Während nun die Mannſchaft nach Schildkröten ſuchte, gingen der 247— 249. 9 — 130— Capitän und ſeine zwei Maate auf der Inſel umher und nahmen die Gelegenheit wahr, ihren Schatz in jener Höhlung in dem Korallenfels zu verſtecken, wie ich Euch geſagt habe. O, dieß Alles iſt zu natürlich, um nicht wahr zu ſein.“ Roswell Gardiner bemerkte, daß des alten Mannes Hoff⸗ nungen zu lebhaft rege waren, als daß man ſie leicht abge⸗ kühlt hätte, und daß die Habſucht in ſeinem Innern„kochte und ſchäumte.“ Unter allen Leidenſchaften, deren Selave der Menſch iſt, währt die Goldliebe am längſten, und begleitet uns oft, im ſtrengſten Sinne des Wortes, bis an den Rand des Grabes. In der That ſcheint die Leidenſchaft bei Men⸗ ſchen, welche ſich einer ungebührlichen Geldliebe ergeben haben, zu wachſen, wie andere, die mehr von Jugend, Kraft, Unter⸗ nehmungsgeiſt und Ehrgeiz abhängen, allmählich ſchwächer werden; ſie dehnt ihre Gewalt langſam aber ſicher über das Weſen aus, welches ſonſt mehrere Herren anerkannte. So war es auch mit dem Decan. Faſt alle ſeine Leidenſchaften liefen jetzt in einen Punkt zuſammen. Er ſehnte ſich jetzt nicht mehr nach politiſcher Bedeutung, obgleich er früher mächtig darnach geſtrebt hatte, Suffolk zu Albany zu vertre⸗ ten; ſelbſt das Bethaus, und ſeine Würden und Ehren lagen ihm nicht mehr ſo ſehr am Herzen, während ſeine Mitmen⸗ ſchen, ſeine Verwandten nicht ausgeſchloſſen, ihm kaum mehr galten als ebenſo viele Nebenbuhler oder Werkzeuge. „Lügen laſſen ſich in eine ſehr natürliche Form kleiden,“ yerſetzte Roswell Gardiner, „wenn der Erfinder die Kunſt ßen und zu verknüpfen. die Summe genannt, welche der gelaſſen haben will?“ „Allerdings,“ antwortete der Decan, verſteht, ſie gehörig zuſammen zu ſplei Hat dieſer Daggett Euch Seeräuber auf jener Inſel und ſeine ganz rege, go kenen A des See Dollars Dublon⸗ ihr voll „ Auswal peln, ſo „K von gut „2 es wirk „ nicht de ihm gil „2 Vorſeht muß ſei nur auf „8 habt I. gegeben „2 ſein lei⸗ „ich we ich viell einen T Joſeph her und Höhlung igt habe. n.* les Hoff⸗ ht abge⸗ „kochte lave der begleitet n Rand i Men⸗ haben, Unter⸗ wächer der das 2. So chaften h jetzt früher vertre⸗ lagen tmen⸗ mehr den,“ Kunſt pfen. der ganz — 131— rege, goldlüſterne Seele ſchien in ſeinen zwei tief eingeſun⸗ kenen Augen zu glühen, als er redete.„Nach dem Berichte des Seeräubers können dort nicht weniger als dreißigtauſend Dollars verborgen ſein, und faſt die ganze Summe in guten Dublonen aus der Münze der Könige,— Dublonen, die ihr volles Gewicht haben und drüber.“ „Die Ladung des Seelöwen würde, wenn man eine gute Auswahl trifft und ſie gehörig beiſtaut, dieſe Summe verdop⸗ peln, ſofern die rechten Thiere nur zu finden ſind, Decan.“ „Kann ſein, aber bedenkt, Gar'ner, hier handelt es ſich von gutem, blankem, geprägtem Golde!“ „Welches Recht haben wir aber auf dieſes Gold, wenn es wirklich dort iſt und wir es finden?“ „Recht?“ rief der Decan und fuhr empor.„Wird das nicht des Menſchen Eigenthum, was die göttliche Vorſehung ihm gibt?“ „Mit gleichem Rechte könnte man ſagen, die göttliche Vorſehung habe es den Seeräubern gegeben. All dieß Gold muß ſeine rechtmäßigen Eigenthümer haben, wenn man ſie nur auffinden könnte.“ „Ja, wenn man ſtie nur auffinden könnte! hört, Gar'ner, habt Ihr dieſer Tage einen Schilling oder einen Dollar aus⸗ gegeben?“ „Mehr als Einen, Decan,“ ſagte der junge Mann, und ſein leichtes Herz verrieth ſich wieder in einem heitern Lachen; „ich wollte, ich hätte mehr von Euerm Sparſinne, dann würde ich vielleicht reich. Ja, ich habe erſt vor wenigen Stunden einen Dollar ausgegeben, indem ich von dem alten Köder⸗ Joſeph Fiſche für die Kajüte gekauft habe.“ „Nun, ſagt mir, welches Gepräge hatte Euer Geld? 9*¾ — 132— Hatte es einen Kopf oder nur Pfeiler? In welchem Jahre— unter weſſen Regierung iſt es geprägt worden? Vielleicht rührte es von der Münze von Philadelphia her,— wenn dieß der Fall war, hatte es den alten Adler oder den neuen? Kurz, könnt ihr darauf ſchwören, wie das Stück ausgeſehen hat, Gar'ner?“ „Ich glaube kaum, Decan. Man ſetzt ſich nicht hin und merkt ſich das Gepräge, wenn man ein Gold⸗ oder Silberſtück bekommt.“ „Auch iſt es wohl nicht möglich, daß Jemand ſagt:„dieß iſt meine Dublone.“ „Dennoch muß dieſes Geld, wenn ja dergleichen dort iſt, einen rechtmäßigen Eigenthümer haben,“ verſetzte Roswell Gardiner ein wenig nachdrücklich.„Habt Ihr je mit Mary über dieſe Sache geſprochen, Decan?“ „Ich mit euerm Weibe von ſolchen Dingen ſprechen? Haltet Ihr mich für toll, Gar'ner? Wenn ich das, Geheim⸗ niß durch ganz Suffolk wollte laufen laſſen, wie das Feuer im Frühjahr über die Salzwieſen läuft, könnte ich an etwas dieſer Art denken, ſonſt nicht. Ich habe mit Niemanden als mit dem Befehlshaber des Schiffes geſprochen, welches ich im Begriffe bin, nach jenem Golde und nach den Robben⸗Inſeln, die ich Euch andeutete, auszuſchicken. Hätte ich nur einen Zweck im Auge gehabt, ſo hätte ich vielleicht nicht ſo viel auf das Spiel geſetzt, da aber der zweite dazu kam, wäre es faſt eine Sünde gegen die göttliche Vorſehung geweſen, wenn ich eine ſo günſtige Gelegenheit verſäumt hätte.“ Roswell Gardiner ſah, daß Vernunftgründe gegen eine ſo mächtig erregte Habgier nichts ausrichteten. Er enthielt ſich daher, noch einen der Einwürfe laut werden zu laſſen, welche ſich ſeit Decan das Ge W der Sch geſetzt, ihn ger Mann lichkeit und eit möglich Wechſe in der als we Decan D ſegelte aber t trennt hatte j in gro Gardir ſich vi Bai— vor Ar Jahre— ht rührte dieß der 2 Kurz, hen hat, hin und ilberſtück t:„dieß dort iſt, Roswell it Mary prechen? Geheim⸗ s Feuer n etwas als mit ich im Inſeln, einen viel auf es faſt denn ich eine ſo ielt ſich welche — 133— ſich ſeinem Geiſte darboten, und hörte auf all das, was der Decan ihm zu ſagen hatte, mit jener Aufmerkſamkeit, welche das Geſchäft und das Anſehen des Schiffsherrn zumal forderten. Wie es ſchien, war Daggett in ſeinen Anweiſungen, wie der Schatz zu finden ſei, hinreichend klar geweſen, ſtets voraus⸗ geſetzt, daß ſein Freund, der Seeräuber, eben ſo klar gegen ihn geweſen war und ihn nicht zum beſten gehabt hatte. Ein Mann von Pratt's vorſichtigem Charakter hatte an die Mög⸗ lichkeit dieſes letzteren Falles bei Zeit gedacht, allein es war Daggett gelungen, dieſen Eindruck durch die kräftigſten Ver⸗ ſicherungen von ſeines Freundes Ehrlichkeit zu verwiſchen. Am nächſten Tage ging der Seelöwe von dem Werft ab, und eine Verbindung mit ihm war jetzt nur noch durch Boote möglich. Watſon's plötzliches Verſchwinden mag zu dieſem Wechſel beigetragen haben;—„man hat die Mannſchaft mehr in der Zucht, wenn das Schiff von dem Element umgeben iſt, als wenn es an dem Werft liegt,“ ſagte Roswell und der Decan wußte nichts einzuwenden. Drei Tage ſpäter hob der Schoner ſeinen Anker und ſegelte bei einem leichten Winde ab. Er ging durch den engen aber tiefen Kanal, welcher Shelter⸗Inſel von Oyſter⸗Pond trennt und trat ganz aus dem Gewäſſer des Peconic. Er hatte jedoch kein reiſefertiges Ausſehen. Der Decan war nicht in großer Aufregung, und ein Theil der Waſche Roswell Gardiner's war noch bei der Wäſcherin,— Umſtände, welche ſich völlig erklärten, als man den Schoner in Gardiner's Bai— der äußern Rhede für alle Häfen jener Gegend— vor Anker gehen ſah. Siebentes Kapitel. O wandle in dem Licht— du wirſt Nur ſo zur wahren Lieb' erhoben, Die in dem Geiſte einzig wohnt, Der waltet in dem Lichte droben. O wandle in dem Licht— die Sünde Wird dich nicht wieder überraſchen; Das Blut des Heilands, unſers Herrn, Wird jeden Flecken von dir waſchen. B. Barton. Der Seelöwe mochte etwa ſeit einer Stunde in Gardi⸗ ner's Bai vor Anker treiben, als ſich ihm eine von Weſten herüber kommende Küſtenſchluppe näherte. Es gibt zwei Waſ⸗ ſerſtraßen, auf welchen Schiffe den Sund von Long⸗Island an ſeinem öſtlichen Ende betreten und verlaſſen. Der Haupt⸗ kanal liegt zwiſchen den Inſeln Plum und Fiſher und hat, wegen der Raſchheit ſeiner Strömungen, den Namen Nace (Wettlauf) erhalten. Die andere Straße wird ſeltener beſucht, denn ſie iſt für Schiffe, welche durch die Mitte des Sundes gehen, zu weit außer der geraden Segellinie. Sie liegt ſüd⸗ lich von dem Race zwiſchen der Plum⸗Inſel und der Spitze von Oyſter⸗Pond, und trägt den angelſächſiſchen Namen Plum⸗Gut. Der eben erwähnte Küſtenfahrer war durch letztere Straße gekommen, und nach der Anſicht derer, welche ihn vom Scho⸗ ner aus ſahen, ging er nach Peconie oder in die Gewäſſer des Sag⸗Hafens. Statt aber auf einen der Kanäle abzuhalten, welche ihn an jene Orte geführt hätten, blieb er in Gardiner's Bai und kam bald auf Anrufweite an den Schoner heran. D Roswe ehe die Schiffe Seema L 77 yard, „70 lich ver ich nich „ einem ausdrü ein tü erſt in morgen 8 17 diner ſten z1 Intere noch n troſen. würde ergrün 17 beim 6 reiſen u wirſt erhoben, ohnt, droben. ie Sünde rrraſchen; fers Herrn, r waſchen. rton. n Gardi⸗ n Weſten vei Waſ⸗ ⸗Island r Haupt⸗ und hat, en NRace beſucht, Sundes egt ſüd⸗ r Spitze Namen Straße n Scho⸗ äſſer des uhalten, irdiner's eran. — 135— Da der Wind ſehr leicht war, hatten der Küſtenfahrer und Roswell Gardiner Zeit genug, folgende Worte zu wechſeln, ehe die Schluppe außer Sprechweite trat. „Iſt dieß der Seelöwe von Oyſter⸗Pond?“ fragte der Schiffer keck. „Ja, ja,“ antwortete Roswell Gardiner in der kurzen Seemannsweiſe. „Befindet ſich ein gewiſſer Watſon, von Martha's Vine⸗ yard, an Bord dieſes Schiffes?“ „Er war einige Tage hier an Bord, hat uns aber plötz⸗ lich verlaſſen. Da er keinen Vertrag unterzeichnet hatte, kann ich nicht ſagen, er ſei davon gelaufen.“ „Er ward alſo andern Sinnes?“ erwiederte Jener in einem Tone, welcher ſein Erſtaunen über das, was er hörte ausdrücken ſollte.„Watſon flackert gern umher, obgleich er ein tüchtiger Burſche iſt, wenn man ihn feſthalten kann und erſt in das blaue Waſſer gebracht hat. Geht Euer Schoner morgen ab, Capitän Gar'ner?“ „Nicht vor übermorgen, glaub' ich,“ ſagte Roswell Gar⸗ diner mit ſeiner gewöhnlichen Offenheit und ohne im gering⸗ ſten zu ahnen, daß er mit Jemanden ſpreche, welcher den Intereſſen von Nebenbuhlern diene.„Meine Maaten ſind noch nicht eingetroffen, auch warte ich auf zwei tüchtige Ma⸗ troſen. Hätte dieſer Watſon den Vertrag unterzeichnet, ſo würde ich ihm Waſſer gezeigt haben, das noch kein Loth Blei ergründet hat.“ „Ja, ja, er iſt ein Windbeutel, aber eine tüchtige Hand beim See⸗Elephantenfang. Ihr denkt alſo übermorgen abzu⸗ reiſen?“ „Wenn meine Maate vom Feſtlande herüberkommen. Sie — 136— haben mir geſtern geſchrieben, ſie hätten die Burſche ange⸗ worben und ſähen ſich nach einer Gelegenheit um, herüberzu⸗ kommen. Ich bin hier herausgekommen, um ſie zu erwarten und an Bord zu nehmen, damit ſie nicht den weiten Weg in den Hafen zu machen brauchen.“ „Da habt Ihr ihnen manchen Ruderſchlag geſpart. Viel⸗ leicht ſind ſie in jenem Boote?“ Bei dieſen Worten ſprang Roswell Gardiner in ſeine Takelage und ſah, daß ein Boot, welches von dem Feſtlande kam und nur eine kleine halbe Meile entfernt war, wirklich auf den Schoner zuruderte. Man reichte ihm ein Fernrohr und bald hörte man ihn ſeinen Leuten freudig zurufen, Hayard und der zweite Maat ſeien mit zwei Matroſen in dem Boote und er glaube, jetzt ſei ſeine Bemannung vollſtändig. Alles dieß hörte der Küſtenfahrer und lauſchte auf jede Sylbe mit der geſpannteſten Aufmerkſamkeit. „Ihr werdet bald ſüdwärts abhalten, Capitän Gar'ner?“ rief dieſer Burſche wieder in glückwünſchendem Tone,„dieß ſind Eure Burſche und Eure Zahl ſcheint nun voll zu ſein.“ „Ich wünſche von Herzen weiter zu kommen, denn es gibt nichts Langweiligeres als zu warten, wenn man zum Ausfluge bereit iſt. Mein Schiffsherr wird auch ungeduldig und möchte für ſeine Dollars gern Felle einlaufen ſehen.“ „Ja, ja, es ſind Eure Leute und Ihr werdet ſpäteſtens übermorgen unterwegs ſein. Nun, guten Tag, Capitän Gar'⸗ ner, und eine glückliche Jagd. Ihr habt eine lange Reiſe vor Euch, beſonders wenn es wahr iſt, daß Ihr ſo weit nach Süden hinabgeht.“ „Woher wißt Ihr, Freund, wohin ich gehe? Ihr habt mich nicht gefragt, wo ich Robben zu fangen gedenke, und es — ſche ange⸗ herüberzu⸗ erwarten Weg in art. Viel⸗ in ſeine Feſtlande wirklich Fernrohr „Hayard em Boote g. Alles Sylbe mit ar'ner?“ ne,„dieß zu ſein.“ denn es nan zum ngeduldig hen.“ päteſtens in Gar'⸗ Reiſe vor heiit nach Ihr habt und es „— — 137— iſt bei unſerm Geſchäfte nicht herkömmlich, daß man es in dem Lande ausbraiet.“ Dieß iſt Alles ſehr richtig, dennoch habe ich eine Ahnung. Da Ihr nun aber ſo bald abſegelt und ich Euch, wenigſtens für einige Zeit, nicht wieder ſehen werde, möchte ich Euch eine Art Rath geben. Wenn Ihr auf einen Gefährten ſtoßt, ſo ſtoßt nicht gegen ihn, ſondern vertragt Euch mit ihm und arbeitet gemeinſchaftlich— Hand in Hand— und laßt Euch gefallen, was nicht zu ändern iſt.“ Die Leute am Bord der Schluppe lachten bei dieſen Wor⸗ ten, während die am Bord des Schoners darüber erſtaunt waren. Für Roswell Gardiner und ſein„Volk“ waren dieſe Reden ein Räthſel, und Jener murmelte, während er aus der Takelage niederſtieg und ſeine Befehle zu dem Empfange des Bootes gab, vor ſich hin, der Fremde ſei ein Tölpel. „Der Burſche iſt zu Holmes' Hole zu Haus,“ bemerkte einer der Leute des Schoners,„und all dieſe Vineyarder glau⸗ ben, ſie ſeien beſſere Blaujacken als das übrige Menſchen⸗ geſchlecht; ich denke, dieß kommt daher, weil ihre Inſel weiter draußen in der See liegt, als alles Andere inſeits Montauk.“ Damit war die Unterhaltung mit dem Fremden geſchloſ⸗ ſen. Die Schluppe gleitete vor einem leichten Südwinde weg und wendete, von der Fluth begünſtigt, um die ſandige Düne, welche den Ankerplatz ſchützt, holte dann nach oſtwärts auf und ſetzte ihren Weg nach Holmes' Hole fort. Der Schiffer war ein entfernter Verwandter der Eigen⸗ thümer des nebenbuhleriſchen Seelöwen und hatte ſich erboten, Erkundigungen, wie er ſie nun mitbrachte, einzuziehen, da er wußte, wie angenehm ſolche ſeinen Freunden ſein müßten. In der That herrſchte auf Vineyard eine mächtige, aber vorſichts⸗ volle Erregung nicht nur in Betreff der Robben⸗Inſeln, ſon⸗ dern auch hinſichtlich des verſteckten Schatzes. Die Nachrichten, welche die Verwandten des verſtorbenen Seemannes ſich verſchafft hatten, waren weder vollſtändig, noch ſehr klar. Sie rührten hauptſächlich von Aeußerungen Daggett's her, welche dieſem auf der Heimreiſe entfallen waren, und die der Capitän der Brigg dem der Schluppe im Laufe der Unterhaltung mittheilte, womit ſie ſich einen Sommernach⸗ mittag, während ihre Schiffe, von einer Windſtille heimgeſucht, ganz nahe beiſammen lagen, die Zeit vertrieben hatten. Jene Aeußerungen waren jedoch wiederholt worden und ziemlich verſtändlich. Die meiſten Menſchen machen ſich gern wichtig, und Daggett fühlte die Wichtigkeit ſeiner Geheimniſſe eben hinreichend, um ſich etwas darauf zu gut zu thun. Unter ſolchen Einflüſſen ließ er ſeiner Zunge ziemlich freien Lauf, und es wurden Dinge ruchbar, welche, als ſie aus der fünften oder ſechsten Hand und mit den gehörigen Zuthaten müßiger Plauderer ſeine Heimathsinſel erreichten, zu Mittheilungen angewachſen waren, die die Phantaſie eines weit ſtumpferen Volkes entflammt hätten, als das von Martha's Vineyard war. Da dieſe Leute von ſolchen Reiſen oft ſprachen und ſprechen hörten, darf es nicht überraſchen, wenn einige der unternehmendſten unter denen, welchen dieſe Erzählungen zuerſt zu Ohren kamen, ſich vereinigten und das Wagniß verabredeten, in welchem wir ſie jetzt bereits ſo weit vorgeſchritten ſehen. Als die Kunde von dem, was ſich auf Oyſter⸗Pond begab, ſie erreichte, ſchwand plötzlich Alles, was einem Zaudern oder Zweifeln ähnlich war, und von dem Augenblicke an, wo der Neffe, welcher ſeines Oheims Habe aufgeſucht hatte, zurück⸗ ehrte, war die Ausrüſtung des„Holmes' Hole⸗Schiffes“ in einer kreuz es b von hund Schi That als Schi gewi Vern jedoc unſer ſein welckh Lädch zwei auch getre hatte fache hang Ohe tend ſtück⸗ frag derſe nirg ſon⸗ benen ndig, ungen aren, Laufe nach⸗ ucht, Jene nlich htig, eben nter und oder iger igen eren var. und der erſt ten, heu. ab, der der ick⸗ in — 139— einer Weiſe beſchleunigt worden, welche der eines Regierungs⸗ kreuzers Ehre gemacht hätte. Selbſt Henry Eckford, welcher es bekanntlich unternommen hatte, in dem kurzen Zeitraume von ſechszig Tagen die Bäume zu zwei Fregatten, deren jede hundert Kanonen aufnehmen konnte, zu fällen, und dieſe Schiffe auf die Gewäſſer des Ontario zu ſetzen, legte weniger Thatkraft an den Tag, indem er ſeinem Vertrage entſprach, als dieſe unerfahrenen Inſelbewohner bei der Herrichtung ihres Schiffes, welches mit dem wetteifern ſollte, das, wie ſie nun gewiß wußten, bereit war, vonsdem Platze abzuſegeln, wo ihr Verwandter ſeinen letzten Athem verhaucht hatte. Die ſcharfblickenden, begabten Inſelbewohner rechneten jedoch nicht ganz ſo in das Ungewiſſe, wie der Leſer nach unſeren Darſtellungen im Allgemeinen zu glauben berechtigt ſein möchte. Man wird ſich des Kiſtenlädchens erinnern, welches der Unterſuchung des Decans entgangen war. Dieſes Lädchen enthielt ein altes, bruchſtückartiges Tagebuch von den zwei oder drei erſten Reiſen des Verſtorbenen, obgleich ſich auch zerſtreute Notizen darin fanden, welche ſich auf entfernte, getrennte Zeiträume bezogen. Der jetzige Beſitzer der Kiſte hatte durch wiederholtes Leſen und durch das Vergleichen viel⸗ facher Bemerkungen, welche anfangs gar keinen Zuſammen⸗ hang miteinander zu haben ſchienen, einen Schlüſſel zu ſeines Oheims zwei großen Geheimniſſen erhalten, welcher ihn bedeu⸗ tend förderte. Auch waren in der Lade mehrere loſe Papier⸗ ſtücke, auf welchen ſich rohe Verſuche zu Karten aller der fraglichen kleinen Inſeln fanden, welche die bezugsweiſe Lage derſelben durch die Nähe anderer bekannten Inſeln andeuteten, nirgends aber die Länge⸗ und Breitegrade angaben. Außer dieſen bedeutungsvollen Beweiſen, daß die von den — 440— beiden Capitänen überbrachten Berichte nicht ganz ohne Grund waren, fand ſich noch ein unvollendeter Brief, welchen der Verſtorbene geſchrieben und als eine Art Vermächtniß„an irgend Einen, oder Alle, welche ſich auf Martha's Vineyard Daggett nennen,“ überſchrieben war. Dieſe Adreſſe war hin⸗ reichend ausgedehnt, indem ſie wahrſcheinlich einige hundert Perſonen, einen ganzen Stamm, in ſich ſchloß, aber der Brief war auch ſehr bedeutſam. Da der Mann, in deſſen Hände er zuerſt fiel, dieſen Namen führte, las er ihn, wie man ſich wohl denken kann, legte dann das Papier zuſammen nnd ſteckte es in ſein Taſchen⸗ buch, welches er gewöhnlich bei ſich trug. Wir werden nicht bei der Unterſuchung verweilen, nach welchem Grundſatze dieſer Mann ſich für ſeine Zwecke einen ſolchen Brief aneignete, welcher unvollendet und ohne Unterſchrift war, und deſſen Urſprung und Beſtimmung nur eine allgemeine, leicht zu deutende Aufſchrift anzeigte! Er nahm jedoch den Brief an ſich und keiner von denen, welche die Ausrüſtung des Seelöwen zu Holmes' Hole unternommen hatten, wußten etwas von dem Daſein dieſes Papiers, ſeinen jetzigen Beſitzer ausgenommen. Er überlief es dann und wann, und ſchien deſſen Inhalt unter allen Umſtänden für nicht unwichtig zu halten. Die beiden Unternehmungen, über welche wir einleitend berichtet haben, waren ganz geeignet, den Geſellſchaftszuſtand, in welchem ſie in das Leben traten, in ſeiner Eigenthümlichkeit darzuſtellen. Decan Pratt war, wenn er ja einem beſtimmten Berufe folgte, ein Landwirth, obgleich die Geldliebe ihn veran⸗ laßt hatte, ſich bei allen Unternehmungen, welche in der Gegend gemacht wurden, zu betheiligen, ſobald ſie Gewinn verſprachen. Die Haupteigenthümer des Seelöwen zu Holmes' Hole waren gleichfe welche Rogge hatte men, gerade in ein ſolchen mit de mit H werfen Blick ſind; Kamã oder c ſpürer Pond Londo 2 zuſam ihre 8 fühle Sinne durch anſtät nehm nützli 1 dem Haya Grund hen der iß an ineyard ar hin⸗ hundert r Brief dieſen kann, aſchen⸗ mnicht dieſer ignete, deſſen ht zu jef an löwen dem imen. unter itend tand, cheit mten ran⸗ gend hen. aren — 141— gleichfalls Landwirthe, oder, beſtimmter zu ſprechen, Leute, welche ihre Felder eigenhändig beſtellten, ihren Hafer und Roggen ſelbſt ſäeten und ihre Wieſen mäheten. Demungeachtet hatte keiner dieſer Männer einen Augenblick Anſtand genom⸗ men, ſein Vermögen bei einem Seeunternehmen einzuſetzen, gerade als wären ſie Alle ganz regelmäßige Schiffseigenthümer in einem der größten Häfen der Vereinigten Staaten. Bei ſolchen Menſchen bedarf es nur der Darlegung eines Planes mit der Ausſicht auf guten Gewinn, und ſie ſind ſtets bereit, mit Herz, Hand und Börſe dem Wagniß beizutreten. Bald werfen ſie den Wallſiſchen an den Küſten von Japan einen Blick zu; dann jagen ſie nach Inſeln, wo Seehunde zu ſinden ſind; vielleicht fällt es heute einer Geſellſchaft ein, Jagd auf Kamäloparden zu machen, oder jungen Löwen Netze zu legen, oder auf den Ebenen Afrika's das Lager des Rhinoceros aufzu⸗ ſpüren, während morgen der Gedanke Beifall findet, von Long⸗ Pond Eis nach Calcutta und Kingſton, vielleicht ſelbſt nach London zu ſchaffen. Aus ſolchen Stoffen ſind dieſe Nachkommen der Puritaners zuſammengeſetzt— ein Gemiſch von Gutem und Schlechtem,— ihre Religion neigt ſich in der Erinnerung eher als im Ge⸗ fühle der Vergangenheit zu, während ſie einem weltlichen Sinne anheim fallen, der an Raubſucht gränzt, was Alles durch eine äußerliche Beachtung der Pflichten bemäntelt und anſtändig gemacht wird, im Uebrigen durch Maͤßigkeit, Unter⸗ nehmungsgeiſt und unermüdliche Thätigkeit eine achtbare und nützliche Menſchenklaſſe. Roswell Gardiner hatte ſich in Betreff der Perſonen in dem Boote nicht geirrt. Es enthielt in der That Philipp Hayard, ſeinen erſten Offizier, Tim Green, den zweiten Maat, — 142— und die zwei Robbenjäger, deren Habhaftwerdung ſo viel Zeit und Mühe gekoſtet hatte, denn die beiden Maate, welche ohne alles Arg waren, hatten kaum einen tüchtigen Mann gewonnen, als die Unterhändler der Schiffsherrn auf Martha's Vineyard ihn bereits in ihr Netz lockten und durch günſtigere Vorſchläge an ſich zogen, ehe er ſo weit gebracht worden, den Vertrag zu unterzeichnen. Indem man Watſon nach Oyſter⸗Pond ſchickte, wollte man unter anderm Capitän Gardiner glauben machen, er habe einen tüchtigen Matroſen in ihm gewonnen, was ihn natürlich abhalten mußte, ſich nach einem andern umzuſehen, bis er in dem letzten Augenblicke ſich wegen unzureichender Bemannung außer Stand ſah, in See zu ſtechen. Eine Wallfiſch⸗ oder Robbenfangreiſe macht es uner⸗ läßlich, daß das Schiff Leute an Bord hat, welche in dem eigenthümlichen Berufe geübt ſind, obgleich die Matroſen ſich in der letzten Zeit beſonders in dem ſtillen Meere ſo an das „Ausreißen“ gewöhnt haben, daß nur Schiffe, die im eigent⸗ lichſten Sinne den Wallfiſch fangenden Gemeinden angehören, die Leute, welche ſie mitnehmen, wieder zurückbringen, und ſelbſt dieſe nicht immer.. Roswell Gardiner hatte jedoch jetzt ſeine Bemannung vollſtändig an Bord und Alles war faſt bereit, um in See zu ſtechen. Er hatte nur noch nach Sag⸗Hafen zu ſchiffen, um ſeinen Clarirſchein zu löſen, eine kurze Beſprechung mit ſeinem Schiffsherrn, eine längere mit Mary zu halten und dann dem Südpol entgegen zu ſteuern. An Bord des Seelöwen befanden ſich jetzt ſechszehn Seelen,— eine hinreichende Anzahl für die Reiſe, zu welcher er beſtimmt war. Die Schiffsliſte geſtaltete ſich in folgender Weiſe: Roswell Gardiner, Capitän; Philipp Hayard, erſter Maat Zimm Todd, Bartle Arecule Cato T gelten. gehörte Stimſte lande, herüber Burſch Li Namen oder ih an die zugleich als„L dem We gedient oder au Es Bemanr mann d oder ein caſtells *) Lan (Zeit ohne nnen, keyard chläge ertrag Pond auben onnen, andern wegen jee zu uner⸗ n dem en ſich an das eigent⸗ ehören, , und annung See zu n, um ſeinem un dem efanden für die eſtaltete erſter — 143— Maat; Timotheus Green, zweiter Maat; David Weeks, Zimmermann; Nathan Thompſon, Sylveſter Havens, Markus Todd, Hiram Flint, Joſua Short, Stephan Stimſon und Bartlet Davidſon, Seeleute; Peter Mount, Landmann;*) Arcularius Mott, Landmann, und Robert Smith, Landmann; Cato Livingſton, Koch; Primus Floyd, Schiffsjunge. Dieß konnte im Allgemeinen für eine gute Bemannung gelten. Alle waren geborne Amerikaner, und die Meiſten gehörten Alt⸗Suffolk an. Thompſon, Flint, Short und Stimſon, vier Hauptburſche in ihrer Art, kamen vom Feſt⸗ lande, der Letztere, wie man hörte, ſogar von Konnebunk herüber. Sie waren Alle ziemlich jung, geſunde, kräftige Burſche, die treffliche Dienſte zu leiſten verſprachen. Livingſton und Floyd waren farbige Leute, welche die Namen der zwei geachteten Familien trugen, bei denen ſie oder ihre Vorfahren als Sclaven gedient hatten. Weeks war an die See gewöhnt und konnte als Zimmermann und Matroſe zugleich verwendet werden. Mount und Mott waren zwar als„Landmänner“ eingetragen, aber doch auch ziemlich mit dem Waſſer vertraut, da Beide zwei Sommer auf Küſtenſchiffen gedient hatten, keiner von ihnen war jedoch früher draußen oder auf blauem Waſſer geweſen. Es wäre nicht leicht geweſen, dem Seelöwen eine tüchtigere Bemannung zu geben, dennoch war kaum ein wirklicher See⸗ mann darunter,— ein Mann, welcher an Bord einer Fregatte oder eines Linienſchiffes die Stelle eines Capitäns des Vorder⸗ caſtells ausgefüllt hätte. Selbſt Gardiner, faſt in jeder Hin⸗ —-— *) Landmen ſind Matroſen, welche zum erſten Male zur See gehen. Der Ueberſetzer. — 144— ſicht der tuͤchtigſte Mann in ſeinem kleinen Schiffe, ließ manche Vorzüge vermiſſen, welche den geſchulten Seemann bezeichnen. Er würde ſich überall durch perſönlichen Muth, Ausdauer, Thatkraft, Raſchheit und alle jene Eigenſchaften bemerklich gemacht haben, welche einen Mann in dem Berufe, den er ſich gewählt hat, nützlich machen, aber man konnte ihn kaum einen geſchickten Befehlshaber nennen; von den Feinheiten ſeines Bernfes wußte er wenig und vor Allem fehlte ihm jene gründliche Bildung, welche die Gewohnheit zu einer Art Inſtinet macht und den geſchulten Seemann unter allen Wechſelfällen das Rechte in der rechten Weiſe und in dem rechten Augenblicke thun läßt. In allen dieſen Beziehungen war er jedoch bei Weitem der beſte Mann an Bord und ſtand in dem Grade über den Uebrigen, daß er ihre ganze Achtung anſprach. Stimſon war wahrſcheinlich nach dem Capitän der beſte Seemann. Am Tage nach der Ankunft der noch fehlenden Mann⸗ ſchaft ſchiffte Roswell Gardiner nach Sag⸗Hafen hinüber, wo er den Decan Pratt treffen ſollte. Der Zweck war, die nöthigen Clarirſcheine für den Seelöwen zu erhalten, was nur in dem Hafen geſchehen konnte. Mary begleitete ihren Oheim, um einige kleine häusliche Geſchäfte zu beſorgen, und man hatte ſich verabredet, daß der Decan dem Schiffe ſeinen letzten Beſuch in dem rückkehrenden Boote ſeines Capitäns⸗ abſtatten ſollte, während Noswell Gardiner Mary in dem Wallſiſchboote, welches ſie und ihren Oheim hinübergebracht hatte, nach Oyſter⸗Pond begleitete. Da der Köder⸗Joſeph, wie gewöhnlich, das Ruder geführt hatte, galt es, ihn los zu werden, denn der junge Seemann wünſchte mit Mary allein zu ſein. Das Boot hatte zwei Everſe weſten entgege D Hafen Boot Wind herein, daß er Mary vor eit machen Weiſe, Augenb ſchlüſſe war. ſich vor ſanfte und ſie und un ſo edler konnte gewann allen K „ „wenn ſo die dahin n 247- manche ichnen. zdauer, nerklich den er n kaum nheiten )m jene er Art r allen in dem ehungen d ſtand Achtung itän der Mann⸗ hinüber, dar, die n, was ete ihren gen, und fe ſeinen Capitäns in dem rgebracht r geführt Seemann atte zwei — 145— Everſegel und der Wind wehte leicht und ſtetig aus Süd⸗ weſten, ſo daß den Wünſchen Roswell Gardiner's nichts entgegen ſtand. 5 Der junge Seemann ſtieß von dem Werfte zu Sag⸗ Hafen etwa zehn Minuten ſpäter ab, als der Decan ſein Boot betreten hatte, um den Schoner zu beſuchen. Da der Wind ſo leicht und günſtig war, hatte er bald ſeine Schoten herein, und das Boot gleitete mit läſſiger Eile entlang, ſo daß er ſeine ganze Aufmerkſamkeit ſeiner reizenden Gefährtin zuwenden konnte. Roswell Gardiner hatte dieſe Gelegenheit geſucht, um Mary ſein Herz noch einmal erſchließen und zum letzten Male vor einer ſo langen Abweſenheit ſeine Bewerbung geltend machen zu können. Er that dieß in einer mannhaften, offenen Weiſe, welche ſeiner lieblichen Gefährtin, deren Neigung einige Augenblicke den Sieg über ihre grundſätzlich gefaßten Ent⸗ ſchlüſſe davon zu tragen ſchien, nichts weniger als unangenehm war. Ihr Verehrer drang in der That ſo ungeſtüm in fſie, ſich vor ſeiner Abreiſe feierlich mit ihm zu verloben, daß eine ſanfte Täuſchung das Herz des liebevollen Mädchens beſchlich und ſie halb geneigt war, ihren frühern Entſchluß für hart und unbillig zu halten. Allein der Kopf eines Weſens, das ſo edlen Grundſätzen lebte und ihre Pflichten ſo klar erkannte, konnte nicht lange von dem Herzen getäuſcht werden, und ſie gewann die Selbſtbeherrſchung wieder, welche ſie bisher in allen Kämpfen dieſer Art bewahrt hatte. „Vielleicht wär' es beſſer geweſen, Roswell,“ ſagte ſie, „wenn ich in dem Hafen von Euch Abſchied genommen und ſo die Gefahr beſeitigt hätte, Euch und mir wehzuthun, denn dahin wird leider unſere jetzige Unterredung führen. Ich habe 247— 249. 10 — 146— Euch nichts verhehlt, vielleicht bin ich offener gegen Euch geweſen, als ſich mit der Klugheit verträgt. Ihr kennt das einzige Hinderniß, welches unſerer Verbindung entgegen ſteht, allein dieſes ſcheint an Kraft zu gewinnen, je mehr ich Euch bitte, darüber nachzudenken und zu verſuchen, es zu entfernen.“ „Was ſoll ich thun, Mary? Ihr wollt gewiß nicht, daß ich den Heuchler ſpiele und das zu glauben vergebe, was ich nicht glaube und nach allen meinen Nachforſchungen nicht glauben kann.“ „Dieß thut mir in jeder Hinſicht leid,“ verſetzte Mary in leiſem, traurigem Tone.„Es thut mir leid, daß ein ſo edler, begabter Geiſt es unmöglich finden ſoll, dem Glauben ſeiner Väter zu folgen— leid, daß dieß eine ewige Kluft zwiſchen uns läßt.“ „Nein, Mary, dieß kann nicht ſein! Nur der Tod kann uns für eine ſo lange Zeit ſcheiden! Während wir uns ſehen können, wollen wir wenigſtens Freunde ſein, und Freunde haben es gern, wenn ſie ſich oft ſehen können.“ „Es mag in einem Augenblick, wie dieſer, unfreundlich ſcheinen, Roswell, iſt aber wahrlich das Gegentheil, wenn ich ſage, wir ſollten uns hier nicht wieder ſehen, ſofern jedes von uns ſeinen eigenen Weg in die künftige Welt verfolgt. Mein Gott iſt nicht Euer Gott; und wie kann der Friede in einer Familie heimiſch werden, wenn die beiden Häupter verſchiedene Gottheiten verehren? Ich fürchte, Ihr habt nicht hinreichend über dieſe Dinge nachgedacht.“ „Ich hätte Euch für freiſinniger gehalten, Mary. Wenn der Decan etwas dieſer Art geſagt hätte, würde ich nicht erſtaunt ſein, daß Ihr mir aber ſagen könnet, Euer Gott ſei nicht mein Gott, muß mir auffallen!“ beſchro nicht Gottes Ihr in ten, ſü Menſc unendl denheit land a des gö Menſch der beg denken. als Ge die das Sekte „ Ich ha Tauſen, Verpflie n Euch ant das n ſteht, ch Euch fernen.“ cht, daß was ich en nicht Mary in ein ſo Glauben ſe Kluft kod kann ns ſehen Freunde reundlich wenn ich jedes von Mein in einer rſchiedene nreichend . Wenn ich nicht Gott ſei — 147— „Auch hierin irrt Ihr, Roswell. Haltet mich für beſchränkt— ich werde über die Richtigkeit vieldeutiger Worte nicht ſtreiten. Ich glaube an den Erlöſer als den Sohn Gottes— als eine Perſon des dreieinigen Gottes,— während Ihr in ihm nur einen Menſchen ſeht,— einen edlen, gerech⸗ ten, fündenloſen Menſchen, wenn Ihr wollt, aber ſtets nur einen Menſchen. Weichen aber dieſe zwei Glaubensanſichten nicht unendlich ab? Handelt es ſich hier nicht gerade um die Verſchie⸗ denheit zwiſchen Gott und Menſchen? Ich bete meinen Hei⸗ land an, betrachte ihn als dem Vater gleich— als einen Theil des göttlichen Weſens, Euch aber iſt er nur ein ſündenloſer Menſch— ein Menſch, wie Adam es wahrſcheinlich vor dem Falle war.“ „Sind wir mit dieſen Dingen bekannt genug, Mary, um ſie zwiſchen uns und unſer Glück treten zu laſſen?“ „Man lehrt uns, ſie ſeien höchſt weſentlich für unſer Glück, nicht in dem Sinn, welcher Euch vielleicht vorſchwebt, Roswell, ſondern in einem von weit höherer Bedeutung, und wir dürfen ſie nicht vernachläſſigen, ohne dafür zu büßen.“ „SIch glaube, Ihr geht in dieſen Anſichten zu weit, Mary; Mann und Weib können gewiß ſich herzlich lieben und einan⸗ der beglücken, ohne daß ſie in religiöſen Gegenſtänden gleich denken. Wie viele gute, fromme Frauen kennt Ihr, welche als Gattinnen und Mütter zufrieden und glücklich ſind, und die das Bethaus beſuchen, während ihre Männer keinerlei Sekte angehören?“ „Wir wollen nicht unterſuchen, ob dieß ganz wahr iſt. Ich habe kein Recht, über die Pflichten Anderer zu urtheilen. Tauſende von Mädchen heirathen ohne eine Ahnung von den Verpflichtungen zu haben, welche ſie zu achten verſprechen; 10* und wenn dann im ſpäteren Leben tiefere Ueberzeugungen kommen, können ſie die Verbindung, welche ſie früher eingingen, nicht löſen, wenn ſie wollten, und wollen wahrſcheinlich nicht, wenn ſie auch könnten. Ganz anders verhält es ſich mit einer Jungfrau, welche ſich tief bewußt iſt, was ſie ihrem Erlöſer ſchuldet, und die mit Ueberlegung und mit dem Bewußt⸗ ſein der Wichtigkeit ihres Schrittes das Weib eines Mannes wird, welcher in Gott nur einen Menſchen ſieht— gleichgül⸗ tig, wie Ihr dieſes Wort näher bezeichnet, indem Ihr ihn einen reinen, ſündenloſen Menſchen nennt— ſtets feht Ihr einen Menſchen in ihm. Der Unterſchied zwiſchen Gott und Menſch iſt aber zu groß, als daß er durch ſolche Bezeichnun⸗ gen aufgehoben werden könnte.“ „Wenn ich es aber unmöglich finde, Alles zu glauben, was Ihr glaubt, Mary, werdet Ihr mich gewiß nicht dafür ſtrafen, daß ich ſo aufrichtig bin, Euch die Wahrheit, die ganze Wahrheit zu ſagen.“ „Nein, wahrlich nicht, Roswell,“ antwortete das biedere Mädchen ſanft, um nicht zu ſagen zärtlich.„Nichts hat mir eine beſſere Meinung von Euren Grundſätzen,— eine höhere Idee von Euerm wahrhaft graden, mannhaften Charak⸗ ter gegeben, als die Offenheit, womit Ihr meinen Verdacht, der Glaube— der Glaube, wie ich ihn allein für wirkſam halte— fehle Euch, als begründet eingeſtanden habt. Dieſe Freimüthigkeit hat Euch neben der mädchenhaftern Neigung, welche ich, wie ich Euch wenigſtens nicht verhehlen will, ſo lange fühlte, meine ganze Achtung gewonnen.“ „Herrliches Weſen!“ rief Roswell Gardiner, faſt im Begriffe, auf ſeine Knie zu fallen, und die ſchöne Begeiſterte anzubeten, welche an ſeiner Seite ſaß und in deren Antli gungen gingen, h nicht, ich mit ihrem Zewußt⸗ Mannes leichgül⸗ Ihr ihn eht Ihr vott und eichnun⸗ glauben, ht dafür eit, die 3 biedere chts hat — eine Charak⸗ Verdacht, wirkſam t. Dieſe Neigung, will, ſo faſt im Zegeiſterte n Antli — 149— ſich die tiefe Theilnahme an ſeinem Heile ſpiegelte, und in deren ſanften, ſüßen, blauen Augen die Zärtlichkeit der beſchei⸗ denen Unſchuld glänzte, mochte er ſich bewegen laſſen, ihren Gott als den ſeinigen anzunehmen, oder nicht.—„Wie könnt Ihr, in allen Rückſichten ſo gütig, in dieſer einen ſo grau⸗ ſam ſein?“ „Weil dieſe eine mir Alles in Allem ſſt, Roswell,“ ſagte das Mädchen und die Glut des Gefühls ergoß ſich über ihr ganzes Antlitz.—„Ich muß Euch antworten, wie Joſua einſt den Iſraeliten:„Erwählet Euch heute, welchem ihr dienen wollt, dem Gott, welchem eure Väter gedient haben, jenſeit dem Waſſer, oder den Göttern der Amoriter, in welchem Lande ihr wohnet. Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.““ „Rechnet Ihr mich zu den Heiden und Götzendienern Paläſtinas?“ fragte Gardiner vorwurfsvoll. „Ihr habt es geſagt, Roswell. Ihr ſelbſt habt Euch dieſen zugezählt, nicht ich. Ihr verehrt Eure Vernunft, ſtatt den wahren, lebendigen Gott zu verehren. Dieß iſt eine Götzen⸗ dienerei der ſchlimmſten Art, denn der Götze iſt für ſeinen Verehrer unſichtbar, und dieſer weiß nichts von deſſen Daſein.“ „Ihr haltet es alſo für Abgötterei, wenn man die Gaben braucht, welche uns der Schöpfer verliehen,— wenn man die wichtigſte aller Fragen als ein vernünftiges Weſen behandelt, ſtatt ſich blind und ohne Gedanken einem Glaubensgeſetze zufügen?“ „Wenn das, was Ihr Gedanken nennt, die Sache beſſer machte, wenn es hinreichte, dieſe Frage zu begreifen und zu bemeiſtern, dann wäre vielleicht Gehalt in dem, was Ihr ſagt. Was iſt aber denn dieſe geprieſene Vernunft? Sie reicht nicht aus, um ein einziges Geheimniß der Schöpfung zu erklären, — 150— und doch gibt es deren tauſende. Ich weiß, daß unter denen, welche ſich auf ihre Vernunft beziehen, ſtatt die Lehre der hei⸗ ligen Bücher hinſichtlich unſeres Erlöſers gläubig hinzunehmen, mannigfache Anſichten herrſchen, ja, herrſchen müſſen; aber ich glaube, daß alle die, welche nicht geradezu Ungläubige ſind, zugeben, ſein Tod ſei eine hinreichende Sühne für die Erlöſung des Menſchengeſchlechts geweſen. Ihr werdet aber dieſen Theil unſerer Religionslehre ebenſo wenig erklären kön⸗ nen, als Ihr im Stande ſeid, die göttliche Natur des Erlöſers zu erklären! Sagt Eure Vernunſt Euch mehr in Betreff des Falles, als in Betreff der Erlöſung ſelbſt? Ich weiß, ich bin nicht geeignet, über ſo tief gehende Gegenſtände zu ſprechen,“ fuhr Mary beſcheiden, aber mit Ernſt und Würde fort,—„mir ſcheint es aber ſehr klar, und die ganze Geſchichte des Chriſten⸗ thums lehrt es, daß wir an die Oſſenbarung glauben und nicht darüber vernünfteln ſollen. Die erſten Lehrer unſerer Religion waren Männer ohne Bildung,— Männer ohne alles Wiſſen, bis ihr Glaube ſie erleuchtete, und alle Lehren des Chriſtenthums zielen dahin ab, den Glauben, und den Glauben an den Erlöſer zumal, weit über alle anderen Vorzüge zu ſtellen, als den einen großen Erwerb, welcher jeden andern einſchließt und ihm Werth gibt. Wenn dem aber ſo iſt, macht das Herz nicht aus Allem einen Stein des Anſtoßes, was der Kopf nicht begreifen kann.“ „Ich weiß nicht, wie es kommt, Mary,“ antwortete Gar⸗ diner bewegt, doch nicht überzeugt,„aber wenn ich mit Euch über dieſe Sache ſpreche, komme ich mit meinen Anſichten und mit der Art, wie ich ſie mit meinen männlichen Freunden und Bekannten beſpreche, in eine Art Zwieſpalt. Ich geſtehe, es ſcheint mir unlogiſch, der Vernunft nicht entſprechend,— ich weiß ko kurz, u er ſelbſ dieſer 2 er ſelbf „2 Beweis die Kre irre, g. gelebt l und da angenel wie und der Chr „C eines u⸗ cher ein erſte ka habe, d wendig werdet das Letz „C mehr zu ſie in d Ich kar Ich hal ein ſolch glaub den So denen, der hei⸗ nehmen, n; aber ſläubige für die det aber ren kön⸗ Erlöſers reff des ich bin rechen,“ —„mir Ihriſten⸗ den und unſerer ne alles ren des Glauben züge zu andern , macht was der ete Gar⸗ nit Euch ten und den und tehe, es — ich — 151— weiß kaum, wie ich das, was ich meine, bezeichnen ſoll,— kurz, unwahrſcheinlich, daß Gott ſeinen Sohn von Weſen, die er ſelbſt geſchaffen, kreuzigen laſſen ſollte, oder daß er etwas dieſer Art für nöthig erachtete, um Weſen zu erlöſen, denen er ſelbſt das Daſein gegeben.“ „Wenn darin ein Beweis liegt, ſo iſt es ebenſo ſehr ein Beweis gegen die Kreuzigung irgend eines Menſchen, als gegen die Kreuzigung einer Perſon der Dreinigkeit. Wenn ich nicht irre, glaubt Ihr, daß ein Weſen wie Jeſus von Nazareth gelebt habe; daß er zu unſerer Erlöſung gekreuzigt worden iſt; und daß die Sühne angenommen wurde, und Gott dem Vater angenehm war. Iſt es nun nicht ebenſo ſchwer, zu begreifen, wie und warum dieß geſchehen, als den gewöhnlichen Glauben der Chriſten zu begreifen?“ „Gewiß iſt ein großer Unterſchied zwiſchen der Kreuzigung eines untergeordneten Weſens und der Kreuzigung deſſen, wel⸗ cher einen Theil der Gottheit ſelbſt ausmachte, Mary! Das erſte kann ich mir denken, obgleich ich die Anmaßung nicht habe, die Gründe zu begreifen oder einzuſehen, warum es noth⸗ wendig war, daß dieß geſchah; ich bin aber überzeugt, Ihr werdet meinen Beweggrund nicht mißdeuten, wenn ich ſage, das Letztere könne ich mir nicht denken.“ „Entſchuldigt Euch nicht vor mir, Roswell, blickt viel⸗ mehr zu jenem erhabenen Weſen empor, deſſen Lehren, wie er ſie in den Mund ſeiner erkorenen Diener legt, Ihr mißachtet. Ich kann die Wahrheit deſſen, was Ihr ſagt, ganz fühlen. Ich habe die Anmaßung nicht, verſtehen zu wollen, warum ein ſolches Opfer nothwendig war, aber ich fühle es, und glaube es, und indem ich es fühle und glaube, kann ich den Sohn, welcher von dem Himmel zur Erde kam, um zu dulden, damit wir des ewigen Lebens iheilhaftig würden, nur anbeten und verehren. Es iſt dieß für mich ganz Geheimniß, wie die Schöpfung ſelbſt, unſer Daſein, ja, Gott, und Alles, was mein Geiſt in ſeiner Beſchränkung nicht begreifen kann. Wenn ich aber einen Theil der Lehren der chriſtlichen Kirche glaube, muß ich ſie alle glauben. Die Apoſtel, welche Chriſtus perſönlich um ſich rief, die Angeſichts ſeiner lebten, die nichts wußten, als was der heilige Geiſt ihnen eingab, verehrten ihn als den Sohn Gottes, als einen,„der es nicht ſündhaft fand, Gott gleich zu ſein,“ und ich, die Unwiſſende, die Unbegeiſterte, ſollte mit meinem ſchwachen Verſtande ihren geſchriebenen Lehren entgegentreten?“ „Und doch müſſen wir Alle durch die Mittel, welche wir heſthen und den Gebrauch, den wir davon machen, ſtehen oder fallen.“ „Dieß iſt ſehr richtig, Roswell, und Ihr mögt Euch fragen, welchen Gebrauch Ihr von Euren Befäͤhigungen macht. Ich ſtelle nicht in Abrede, daß wir unſere Vernunft gebrauchen müſſen, aber nur innerhalb der Schranken, welche ihr geſetzt ſind. Wir dürfen die Glaubwürdigkeit der chriſtlichen Lehre prüfen und unſer Urtheil darüber feſtſtellen, inwiefern ſie durch vernünftige, ausreichende Beweiſe geſtützt iſt; weiter aber wer⸗ den wir nicht gehen dürfen, ſonſt dürften wir auch das Ge⸗ heimniß unſeres eigenen Daſeins begreifen wollen, welches unſern Verſtand ebenſo ſehr überragt, als jedes andere. Man lehrt uns, der Menſch ſei nach Gottes Ebenbilde geſchaf⸗ fen worden, das heißt, es ſei ein unſterblicher Theil in ihm, welcher von dem körperlichen Geſchöpfe ganz verſchieden iſt. Dieſes vergeht, wenigſtens für eine gewiſſe Zeit,— ein Glied kann von dem Körper getrennt werden und vergehen, während der K dem E gängli Behau ſchwer eines das C Menſce well, ſpruch währer den A Ihr w Wir i Gegen Roswe Minut bis zu gern. wüßte Y zücken Worter Herzen bei ſei finden, jetzt ſe 44 Mary' um ſie n, nur eimniß, Alles, kann. Kirche Shriſtus e nichts tten ihn ft fand, eiſterte, riebenen iche wir den oder gt Euch macht. rauchen geſetzt n Lehre ie durch eer wer⸗ das Ge⸗ welches andere. geſchaf⸗ in ihm, den iſt. in Glied vährend — 153— der Körper fortlebt, nicht aber iſt es ſo mit dem, was nach dem Ebenbilde der Gottheit geſchaffen worden. Dieß iſt unver⸗ gänglich, unſterblich, geiſtig, obgleich für eine Zeitlang in eine Behauſung von Lehm gebannt. Warum iſt es nun aber ſchwerer zu glauben, die reine Gottheit könne in die Perſon eines Menſchen eintreten, als zu glauben, ja, zu fühlen, das Ebenbild Gottes ſei in die Perſonen ſo vieler Myriaden Menſchen eingetreten? Ihr überſeht nicht nur all dieß, Ros⸗ well, ſondern Ihr macht Euch des mir unbegreiflichen Wider⸗ ſpruchs ſchuldig, einen Theil des Geheimniſſes zu glauben, während Ihr Anſtand nehmt, es ganz zu glauben. Wenn Ihr den Werth des Sühnopfers ganz in Abrede ſtelltet, würdet Ihr weit ſicherer fußen, als mit dieſem Euren halben Glauben. Wir wollen uns aber durch eine weitere Beſprechung dieſes Gegenſtandes den Augenblick der Trennung nicht verbittern, Roswell. Ich habe Euch andere Dinge zu ſagen und die Minuten ſind gezählt. Das von mir verlangte Verſprechen, bis zu Eurer Rückkehr unverehelicht zu bleiben, gebe ich Euch gern. Ich bringe Euch dadurch kaum ein Opfer, denn ich wüßte nicht, wie ich je einen andern Mann ehelichen könnte.“ Mary wiederholte zu Roswell Gardiner'’s großen Ent⸗ zücken dieſe Worte, oder vielmehr dieſe Gedanken in anderen Worten, und er erklärte freudig, er könne jetzt mit leichtem Herzen in das Eismeer eindringen, da er wiſſe, er werde ſie bei ſeiner Rückkehr frei und, wie er hoffe, ebenſo geneigt finden, ihm mit Theilnahme entgegenzuſchauen, wie ſie es jetzt ſei. Demungeachtet täuſchte ſich Gardiner nicht in Bezug auf Mary's Abſichten. Er kannte ſie und ihre Grundſätze zu gut, um ſich dem Glauben hinzugeben, ſie würde in ihren Ent⸗ — 154— ſchlüſſen je ſchwanken. Trotz ihrer langen, vertrauten Bekannt⸗ ſchaft hatte ſie nie eine Schwäche verrathen, welche erwarten ließ, ſie werde je von ihrem hohen Pflichtgefühle weichen; und da die Zeit ihr Urtheil über die Natur dieſer Pflichten kräftigte, ſchien ſie ſich denſelben ſtets unbedingter hinzugeben. Wäre in der Art, wie Mary die Gefühle, welche ſie beherrſchten, zu erkennen gab, etwas Starres oder Zurück⸗ ſtoßendes geweſen, ſo würde ein Mann von Roswell Gardi⸗ ner's Charakter ihren Einfluß ohne Zweifel abgeſchüttelt haben, dieß war jedoch bei weitem nicht der Fall, und ſie traf ihn nie und ſchied nie von ihm, ohne ihn ihre innige Theilnahme an ſeiner Wohlfahrt und bei Gelegenheit ihre ganze weibliche Zärtlichkeit fühlen zu laſſen. Er wußte, daß ſie täglich ebenſo inbrünſtig für ihn, wie für ſich ſelbſt betete, und gerade dieß, hoffte er, würde dazu beitragen, während ſeiner Abweſenheit ihre Theilnahme an ihm lebendig zu erhalten. In dieſer Hinſicht zeigte ſich unſer junger Mann als einen nicht gewöhn⸗ lichen Kenner des menſchlichen Herzens, denn wahrſcheinlich nährt nichts einen Einfluß dieſer Art in ſo hohem Grade, wie die Ueberzeugung, daß das Glück und die Wohlfahrt des geliebten Gegenſtandes von uns ſelbſt abhängt. D Gardin mit ma Haus g men he ſagen. wenig f Ausgab vergeſſer hinzu, er leſen Da welch em gelegt, Mi die Unr ſtets be jungen kung mi bedräng ekannt⸗ warten veichen; fflichten ugeben. lche ſie Zurück⸗ Gardi⸗ haben, ihn nie hme an eibliche ebenſo ſe dieß, eſenheit dieſer ewöhn⸗ heinlich Grade, hrt des — 155— Achtes Kapitel. Wie lieb' ich dich, o Meer; du meine Freude Im Jugendſpiel ſchon, wenn dein Buſen mich Forttrug wie Blaſen; ſchon im Flügelkleide Scherzt' ich mit deiner Brandung; inniglich Erfreut' ſie mich, und wenn die Kühlte dich Erſchreckte, wogt in mir ein ſüßes Sehnen, Denn ſo wie ſie dein Kind war, war's auch ich. Vertraut dir mußt' ich, nah wie fern, mich wähnen, Und legte dann, wie jetzt, die Hand auf deine Mähnen. Lord Byron. Die Mittagsſtunde war bereits vorüber, als Roswell Gardiner ſein Schiff erreichte, nachdem er Mary ſorgſam und mit mannhafter Theilnahme an Allem, was ſie betraf, nach Haus geleitet und zum letzten Mal Abſchied von ihr genom⸗ men hatte. Wir werden über dieſes Scheiden nur wenig ſagen. Es war rührend und innig, und wurde ſogar ein wenig feierlich, als Mary Pratt ihrem Geliebten eine Taſchen⸗ Ausgabe der Bibel mit der Bitte überreichte, er möchte nicht vergeſſen, dieſe Blätter zu Rath zu ziehen. Zugleich ſetzte ſie hinzu, ſte habe alle jene Stellen ſorgfältig bezeichnet, welche er leſen und über die er nachdenken ſolle. Das Buch wurde ganz in dem Geiſt angenommen, in welchem es gegeben wurde, und ſorgſam in eine kleine Kiſte gelegt, welche gegen hundert Bände verſchiedener Werke enthielt. Mit der herannahenden Stunde der Abreiſe machte ſich die Unruhe des Decans dem Befehlshaber ſeines Schoners ſtets bemerklicher. Mit jedem Augenblicke war er an des jungen Seemannes Seite und hatte bald eine ängſtliche Bemer⸗ kung mitzutheilen, bald eine Frage zu ſtellen, die von ſeinem bedrängten, ruheloſen Gemüthszuſtande zeugte. — 156— Es ſchien in der That, als hätte der alte Mann in den letzten Augenblicken den Muth nicht, von ſeinem Eigenthume zu ſcheiden oder es aus den Augen zu laſſen. All dieß war Roswell Gardiner läſtig, ſo geneigt er auch in dieſem Augen⸗ blicke war, Alles, was in irgend einer Weiſe mit Mary Pratt zuſammenhing, mit Nachſicht und Wohlwollen zu betrachten. „Ihr werdet ein beſonderes Augenmerk auf jene Inſeln haben, Capitän Gar'ner, und den Schoner nicht an den Strand laufen laſſen,“ ſagte der Decan wenigſtens zum zehn⸗ ten Male.„Wie ich höre, läuft die Flut in jenen hohen Breitegraden wie ein Roß an, und Seeleute werden oft an die Klippen geworfen, ehe ſte wiſſen, daß ſolche in der Nähe ſind.“ „Ja, ja, Herr, ich werde daran denken und mein Mög⸗ lichſtes thun,“ erwiederte Gardiner, der ſich ungern ſo oft an das erinnert ſah, was er ſchwerlich vergeſſen konnte;—„ich bin ein alter Kreuzer in jenen Seeen, und kenne Alles, was ſich auf Ebbe und Fluth bezieht.— Nun, Herr Hayard, wie ſteht es mit dem Anker?“ „Alles gut, Herr, wir warten nur auf Befehl zum Auf⸗ winden.“ „Laßt zugreifen Herr, und ſo Lebewohl Amerika, wenig⸗ ſtens dieſem Ende deſſelben!“ „Dann höre ich, die kleinen Inſeln böten eine gefährliche Schiffahrt, Gar'ner, und man müſſe alle ſeine Augen bei ſich haben.“ „Alle Gegenden haben ihre Gefahren für den ſchläfrigen Seefahrer, Decan, wer aber offene Augen hat, fürchtet fie nicht. Hättet Ihr uns einen Chronometer gegeben, ſo würde nicht die Hälfte der Gefahr dabei ſein, welche wir ohne einen ſolchen laufen.“ D öwen Zeit, it mein ir derte v Gegenf Theil zum A Sparſa lichen S Segel und m ſpitze, günſtig math n D cher die fernung Wind bereits n in den genthume dieß war Augen⸗ ry Pratt rachten. e Inſeln an den im zehn⸗ n hohen ft an die he ſind.“ in Mög⸗ o oft an —„ich es, was hard, wie um Auf⸗ ,‚wenig⸗ efährliche bei ſich hläfrigen irchtet ſie ſo würde hne einen — 157— Dieß war ein Zankapfel zwiſchen dem Capitän des See⸗ öwen und ſeinem Eigenthümer. Chronometer waren zu der Zeit, in welcher unſere Erzählung ſpielt, keineswegs ſo allge⸗ mein im Gebrauche, wie heut zu Tag, und der Decan ſchau⸗ derte vor den Koſten zurück, welche der Ankauf eines ſolchen Gegenſtandes verurſacht hätte. Wenn er ihn um den vierten Theil des gewöhnlichen Preiſes erhalten hätte, wäre er vielleicht zum Ankaufe zu bewegen geweſen, es ging aber gegen ſeine Sparſamkeits⸗Grundſätze, durch kluge Freigebigkeit einem mög⸗ lichen Schaden zuvorzukommen oder ihn abzuwenden. Sobald der Schoner des Grundes klar war, wurden ſeine Segel gefüllt, und er ging bei dem leicht blaſenden Südwind und mit der eintretenden Ebbe um die niedrige, ſandige Land⸗ ſpitze, deren wir bereits erwähnt haben. Alles zeigte ſich günſtig, und es hatte wahrſcheinlich nie ein Schiff die Hei⸗ math unter beſſeren Vorzeichen verlaſſen. Der Decan blieb an Bord, bis der Köder⸗Joſeph, wel⸗ cher die Stelle ſeines Bootsmannes vertrat, ihn an die Ent⸗ fernung und an die Wahrſcheinlichkeit erinnerte, daß der Wind ſich mit der ſcheidenden Sonne ganz legen würde; bereits jetzt, ſetzte er hinzu, würden ſie gegen Ebbe und Wind zu kämpfen haben, und er würde ſeine ganze Kunſt aufbieten müſſen, um das ſchwere Wallſfiſchboot in gehöriger Zeit nach Oyſter⸗Pond zu ſchaffen. In Folge dieſer Mahnungen riß ſich der Decan endlich von ſeinem Schiffe los, und redete dem„jungen Gar’ner“ noch ſo eifrig zu, als ſei dieſer im Begriff, den Strang zu fühlen. Roswell hatte jedoch auch ein letztes Wort, und zwar einen Auftrag an Mary. „Sagt Mary, Decan,“ flüſterte er dem alten Manne heimlich zu,„ich baute auf ihr Verſprechen und würde ihrer eingedenk ſein, unter der brennenden Sonne der Linie, ſowie inmitten des Eiſes des Südpols.“ „Ja, ja, ſo iſt es ganz recht,“ verſetzte der Decan herz⸗ lich.„Eure Ausdauer gefällt mir, Gar'ner, und ich hoffe, das Mädchen wird ſich noch fügen und ich werde Euch als Neffen begrüßen. Nichts zieht ein weibliches Herz ſicherer an, als Geld. Füllet mir den Schoner mit Fellen und Thran, und bringt den Schatz anher, und Ihr könnt der Hand des Mädchens ſo gewiß ſein als hätte der Paſtor längſt den Segen über euch geſprochen.“ Dieß war des Decan's Anſicht von ſeiner Nichte und von dem weiblichen Geſchlecht überhaupt. Monatelang gedachte er dieſer Rede als eines Meiſterſtücks, während Ros⸗ well Gardiner ſie nach der erſten halben Stunde vergaß. Der Liebende kannte den Charakter der Nichte wahrlich beſſer, als der Oheim! Der Seelöwe von Oyſter⸗Pond hatte ſich jetzt des letzten Bandes entſchlagen, welches ihn noch mit dem Lande verbun⸗ den hatte. Er hatte keinen Lootſen, da er, wie gewöhnlich, in dieſen Gewäſſern eines ſolchen nicht bedurfte; denn ein Schiff hatte hier nur darauf zu ſehen, daß es ſich von Long⸗ Island hinreichend fern hielt, indem es deſſen öſtliches Ende umſchiffte. Gardiner's Inſel barg bald das Boot, und von nun an verbanden nur noch die Bande des Gefühls dieſe kühnen Abenteurer mit ihrem Heimathlande. Allerdings waren Con⸗ nectieut und dann Rhode⸗Island auf der einen, und ein klei⸗ ner Theil von Neu⸗York auf der andern Seite ſichtbar; da aber die Dunkelheit der Nacht bald Alles in ihren Schleier hüllte, abgeſch lang welche rollend konnte M hatte wie au jenes 1 Fläche kleinen die be⸗ einem zeugte Punkte D der Sc Leuchtt neue C ſüdöſtli De Wechſel und üb Ofſizier Die M Mann er nicht anbetete einer R rde ihrer e, ſowie ran herz⸗ ch hoffe, Euch als herer an, Thran, Hand des en Segen chte und natelang end Ros⸗ gaß. Der ſſer, als es letzten 2 verbun⸗ vöhnlich, denn ein on Long⸗ hes Ende nun an kühnen ren Con⸗ ein klei⸗ tbar; da Schleier — 159— hüllte, waren ſelbſt dieſe Verbindungsmittel bald weſentlich abgeſchnitten. Der Leuchtthurm von Montauk war Stunden⸗ lang die einzige Landmarke für unſere kühnen Seefahrer, welche ihn um Mitternacht umſegelten und nun in die langen, rollenden Wellen des atlantiſchen Meeres eintraten. Jetzt erſt konnte man ſagen, das Schiff ſei wirklich auf der hohen See. Man fand, daß der Seelöwe ſich ſehr gut hielt. Man hatte bei ſeinem Bau ebenſo viel Rückſicht auf Behaglichkeit wie auf ſeine Segelkraft genommen, und ſein Rumpf hatte jenes richtige Verhältniß, welches ihn wie eine Ente über die Fläche der Waſſer dahintrug. Dieſe Eigenſchaft iſt bei einem kleinen Schiffe wichtiger, als bei einem größern, denn ohne die bewegende Kraft iſt das ſogenannte„Vergraben“ bei einem leichten Schiffe etwas ſehr Mühſeliges. Roswell über⸗ zeugte ſich raſch, daß der Schiffbauer in dieſem wichtigen Punkte ſeine Schuldigkeit gethan hatte. Da der Wind ſich fortwährend ſüdweſtlich hielt, wurde der Schoner auf eine leichte Bulinie gebracht, ſobald ihm der Leuchtthurm von Montauk ganz nach windwärts lag. Dieſer neue Curs führte ihn in die offene See hinaus, indem er ſüd⸗ ſüdöſtlich abhielt und alle Segel, die ziehen konnten, beiſetzte. Das Wetter ſchien gemäßigt, und da kein Zeichen eines Wechſels zu gewahren waren, ging Gardiner in ſeine Cajüte und überließ die Sorge für das Schiff dem wachehabenden Ofſiziere mit dem Befehle, ihn bei Sonnenaufgang zu wecken. Die Müdigkeit machte bald ihr Recht geltend, und der junge Mann wiegte ſich bald in einem ſo feſten Schlafe, als hätte er nicht vor wenigen Stunden erſt eine Geliebte, die er faſt anbetete, für einen Zeitraum von zwei Jahren, und behufs einer Reife verlaſſen, welche ihn mehr Gefahren und Entbeh⸗ rungen preisgeben konnte, als irgend ein Unternehmen, dem ſich bisher ein Seefahrer gewidmet hatte. Unſer junger See⸗ mann gedachte der letzteren gar nicht, ſondern ſchlief ein, um von Mary zu träumen. Der Befehlshaber des Seelöwen von Oyſter⸗Pond wurde genau in der von ihm bezeichneten Stunde geweckt. Nach ſünf Minuten war er ſchon auf dem Deck, wo er Alles fand, wie er es verlaſſen hatte, nur die Lage des Schoners war eine andere. In den ſechs Stunden, welche er unten hinge⸗ bracht, hatte ſein Schiff faſt vierzig Meilen zurückgelegt. Kein Land war jetzt mehr zu ſehen, denn die amerikaniſche Küſte iſt ſehr zahm, und hat für das Auge nichts Maleriſches, wie der eifrigſte Patriot, wenn er zufällig andere Erdtheile geſehen hat, wird zugeben müſſen. Eine niedrige, einförmige Küſte, welche kaum auf eine Entfernung von fünf Stunden ſichtbar iſt, darf ſich gewiß nicht jenen prachtvollen Geſtaden des mittelländiſchen Meeres, zum Beiſpiel, gleichſtellen, wo die Natur ſich erſchöpft zu haben ſcheint, um das Erhabene und das Reizende zu vereinigen. Auf dieſem Feſtland, oder doch wenigſtens auf der öſtlichen Seite deſſelben, müſſen wir uns mit dem Nützlichen begnügen und unſere Anſprüche an das Schöne aufgeben. Nur die Ströme und Buchten bieten uns in ihrer bewundernswerthen Erleichterung des Verkehrs und Handels einige Entſchädigung für die Zahmheit und Einför⸗ migkeit der Anſichten. Wir erwähnen dieſer Dinge im Vorbeigehen, da ein Volk, welches ſeine beziehungsweiſe Stellung in der Stufenfolge der Nationen nicht kennt, leicht in Irrthümer verfällt, welche ſeinen Charakter oder ſeine Achtbarkeit eben nicht zu heben geeignet ſind, beſonders wenn eine Selbſtliebe dabei ins Spiel kommt durch L das D ſehen, darbiet zu ver Zuweit erſte 2 R Südw bleiben Art, n Maat, einer Sitte 4 und ei Reiſe Boot freien Weſten noch z der let der frü⸗ nie ſo „ wärts Segelg⸗ Herr, 247- n, dem ger See⸗ ein, um d wurde . Nach es fand, ers war n hinge⸗ gt. Kein he Küſte hes, wie geſehen ge Küſte, ſichtbar aden des „wo die bene und dder doch wir uns an das eten uns ehrs und Einför⸗ ein Volk, folge der , welche zu heben ns Spiel — 161— kommt, die auf bloße Unwiſſenheit gegründet iſt, und reichlich durch Schmeichelei genährt wird. Wenn ein Seemann nach einer kurzen Abweſenheit auf das Deck kommt, pflegt er zuerſt windwärts zu ſchauen, um zu ſehen, wie der Wind ſteht und welche Ausſichten das Wetter darbietet. Dann wendet er ſeine Augen in die Höhe, um ſich zu vergewiſſern, welche Segel beigeſetzt ſind und wie ſie ziehen. Zuweilen wechſelt die Ordnung dieſer Beobachtungen, und der erſte Blick gilt den Segeln und der zweite den Wolken. Roswell Gardiner's erſter Blick war dieſen Morgen nach Südweſten gerichtet, und er gewahrte, daß die Kühlte ſtetig zu bleiben verſprach. Als er in die Höhe ſchaute, freute er ſich der Art, wie dort Alles anzog, dann wendete er ſich zu dem zweiten Maat, welcher die Wache hatte, und den er heiter und mit einer Höflichkeit anſprach, welche nicht immer unter Seeleuten Sitte iſt. „Ein ſchöner Morgen, Herr,“ ſagte Roswell Gardiner, und ein Lebewohl unſerem Amerika. Wir haben eine lange Reiſe vor uns, Herr Green, aber wir haben auch ein raſches Boot dafür. Hier dehnt ſich ein Meer vor uns aus, das freien Spielraum bieten zu wollen ſcheint. Nichts iſt nach Weſten hin zu ſehen, nicht einmal ein Küſtenfahrer. Es iſt noch zu früh für die auswärts gehenden Schiffe, welche mit der letzten Ebbe abfuhren, und zu ſpät für die, welche mit der frühern Fluth ſegelten. Ich habe dieſe Höhe der Küſte nie ſo leer an Segeln geſehen.“ „Ja, ja, Herr, es ſieht ziemlich kahl aus. Dort lee⸗ wärts iſt aber doch ein Burſche, welcher geneigt ſcheint, ſeine Segelgeſchwindigkeit mit der unſrigen zu meſſen. Hier iſt er, Herr, ein wenig mehr krahnbalksweiſe, und ſo weit ich ihm 247— 249. 11 in das Geſicht ſehen kann, iſt er ein Schoner von der Größe des unſrigen; wenn Ihr ihn durch dieſes Glas in das Auge faſſen wollt, Capitän Gar'ner, werdet Ihr ſehen, daß er nicht nur unſere Takelage, ſondern auch ſeine Segel beigeſetzt hat, wie wir.“ „Ihr habt ganz recht, Herr Green,“ antwortete Roswell, nachdem er ausgeſchaut hatte.„Es iſt ein Schoner von unſerer Größe und er geht genau unter denſelben Segeln. Wie lange hält der Burſche ſchon auf ſeinen jetzigen Curs an?“ „Er kam vor wenigen Stunden unter Block⸗Inſel heraus, wo wir ihn im Mondlicht zu Geſicht bekommen haben. Ich frage mich, woher mag dieſer Burſche kommen? Ein Schiff von Stonington würde natürlich windwärts von Block⸗Inſel herausgekommen ſein, und ein Burſche von New⸗Port oder Providence wäre nicht ſo weit windwärts abgelaufen, ohne einen oder zwei Gänge zur Rechten zu machen. Dieſer Schoner hat mich ſeit dem Anbruche des Tags ſchon geärgert, denn ich kann ihn auf keine Weiſe ſo über das Querholz bekommen, daß ich meine Weisheit an ihm verſuchen dürfte.“ „Er ſcheint aus ſeinem Curs gekommen zu ſein. Viel⸗ leicht will er auf das Hook abhalten, und da er ſich zu nahe landeinwärts ſah, hält er ſüdwärts ab, um wieder freien Spielraum zu bekommen.“ „Ich bezweifle dieß, Herr. Er kam hinter Block heraus und ein Schiff ſeiner Größe, welches weſtwärts gehen will und ſich ſo nahe am Land ſah, hätte die erſte Flut benutzt und wäre wie eine Kanonenkugel durch das Race geſchoſſen. Nein, nein, Capitän Gar'ner, dieſer Burſche iſt ſo gut wie wir nach Süden beſtimmt, und es iſt ganz unerklärlich, wie er gerade da ſteht, wo wir ihn ſehen— ſo weit windwärts, oder, ſüdöſt Landf (No einer 7 Hafen er ei umſeg ſein.“ 7. wenn zur T Stoni da ich geweſt 3 eben zu erf es au wo er faſſen, anzut! Stelli einen wende So, zwei irrend 6 2 r Größe us Auge er nicht etzt hat, Roswell, ner von Segeln. rs an?“ heraus, en. Ich n Schiff ck⸗Inſel ort oder n, ohne Dieſer geärgert, Querholz dürfte.“ 1. Viel⸗ zu nahe er freien ck heraus hen will it benutzt geſchoſſen. gut wie lich, wie indwärts, — 163— oder, wenn ich ſo ſagen darf, ſo weit leewärts. Ein ſüd⸗ ſüdöſtlicher Curs von irgend einem Hafen hinter der Judith⸗ Landſpitze würde ihn bis beinahe an„Keines Menſchen Land“ (No Man's Land) geführt haben, und hier ſteht er faſt in einer Linie mit Block⸗Inſel.“ „Vielleicht kommt er aus Neu⸗London oder einem andern Hafen des Feſtlandes und will nach Weſtindien, und da mag er ein wenig ſorglos geweſen ſein, indem er die Inſel umſegelte. Im Ganzen kann es uns übrigens gleichgiltig ſein.“ „Dieß kommt mir gerade vor, Capitän Gar'ner, als wenn man um ein Bethaus herum ging, während man vornen zur Thüre hinein ſoll. Aber es war kein ſolches Schiſf zu Stonington oder zu Neu⸗London, wie ich ganz gewiß weiß, da ich noch vor acht und vierzig Stunden an beiden Plätzen geweſen bin.“ „Ihr ſpannt meine Neugier in Betreff dieſes Burſchen eben ſo ſehr, als Ihr ſelbſt darauf erpicht ſcheint, ſein Treiben zu erforſchen, Herr. Wenn ich die Sache recht bedenke, kommt es auch mir ſehr ungewöhnlich vor, ihn gerade da zu ſehen, wo er iſt. Es iſt jedoch leicht, ihn näher in das Auge zu faſſen, und da wir beabſichtigen, die Inſeln von Cap de Verde anzuthun, ſo macht es keinen Unterſchied, wenn wir unſere Stellung luvwärts ein wenig verlieren,— haltet den Schoner einen Strich ab und laßt die Luvbraſſen ein wenig anziehen,— wendet auch die Segel ein wenig, vornen und hinten, Herr. So, jetzt wird er ſich ſtetig halten— ſüdſüdoſtwärts. In zwei Stunden werden wir wiſſen, wie es mit dieſem umher⸗ irrenden Geſellen ſteht.“ Da jeder Befehl genau befolgt wurde, lief der Seelöwe 11* bald frei ab, ſeine Bulinien hingen los und alle ſeine Segel ſchwollen im Winde. Der Wechſel ſeiner Segellinie brachte das Schiff leewärts, ein wenig vor den Krahnbalken, aber die Bewegung des Schiffes, welches den freieſten Wind faßte, war natürlich ſehr raſch. Im Laufe der nächſten halben Stunde war der Fremde wieder ein wenig hinterwärts des Krahnbalkens und weſentlich näher als früher. Das fremde Schiff änderte ſeinen Curs nicht, ſondern ſchien jetzt geneigt, den Wind zu benützen und auf einer leichten Bulinie in die See hinaus zu ſteuern, ohne auf das Schiff, welches vor ihm lief, zu achten. Es ward Nachmittag, ehe die beiden Schoner einander ſo nahe kamen, daß ſie ſich anrufen konnten. Wie ſie ſich mehr und mehr näherten, konnte natürlich Jeder an Bord das Ausſehen, die Ausrüſtung und anderer Eigenthümlichkeiten ſeines Nachbarn in das Auge faſſen. Hinſichtlich der Größe war kein merklicher Unterſchied zwiſchen den beiden Schiffen und in Betreff der Einzelnheiten fand ſich eine auffallende Aehnlichkeit. „Der Burſche iſt kein Weſtindienfahrer,“ ſagte Roswell Gardiner, als er kaum eine kleine Meile von ihm ſtand;„er hat ein Boot auf dem Deck, wie wir, und auch eins auf jeder Seite. Sollte er auf den Robbenfang ausgehen, wie wir?“ „Ich glaube, Ihr habt recht, Herr,“ erwiederte Hayard, der erſte Maat, welcher jetzt auf dem Deck war.„Der Herr hat ein robbenfängeriſches Ausſehen, oder ich kenne meinen eigenen Charakter nicht. Es iſt ziemlich wunderlich, Capitän Gar'ner, daß unſer Zwei hier, auf der offenen See, zuſammentreffen, und beide den Zweck haben ſollen, an das andere Ende der Erde zu reiſen. . wenn Som mehr ber d fes o Schif Aus Südn zu ſch gen b Wohe nicht komm iſt in Stimf von ei haben gehalt 7 Seebä daſſelb Galio viel ic „und bruder haben. len de mag. e Segel brachte aber die te, war Fremde eſentlich n Curs zen und n, ohne einander ſie ſich ord das lichkeiten r Größe Schiffen ffallende Roswell nd;„er Lins auf hen, wie yard, der Herr hat eigenen Gar'ner, entreffen, Ende der — 165— „Darin iſt nichts ſehr merkwürdiges, Herr Hayard, wenn wir bedenken, daß die, welche Cap Horn in der Sommerzeit hinter ſich laſſen wollen, mit der Abfahrt jetzt nicht mehr ſäumen dürfen. Keiner von uns Beiden wird vor Decem⸗ ber dahin gelangen, und das weiß der Capitän jenes Schif⸗ fes ohne Zweifel eben ſo gut wie ich. Die Stellung dieſes Schiffes macht mich mehr irre, als irgend etwas an ihm. Aus welchem Hafen kann ein Schiff kommen, das bei einem Südweſtwind grade hier ſteht?“ „Ja, Herr,“ fiel Green ein, welcher ſich auf dem Deck zu ſchaffen machte, indem er Taue aufſchoß und Belemmerun⸗ gen beſeitigte,„das habe ich auch dem erſten Maat geſagt. Woher kann ein Schiff bei dieſem Winde kommen, wenn es nicht von Stonington kommt? Und ſelbſt, wenn es von daher kommt, iſt es nicht auf ſeinem Wege, aber kein ſolches Schiff iſt in den letzten ſechs Wochen in jenem Hafen geweſen. Holla, Stimſon, kommt ein wenig hierher! Habt Ihr mir nicht etwas von einem Schiffe geſagt, welches Ihr zu Neu⸗Bedford geſehen haben wollt, und das ziemlich von unſerm Bau⸗ und Tonnen⸗ gehalt war, und zum Robbenfang gekauft wurde?“ „Ja, ja, Herr,“ antwortete Stimſon, ein ſo tüchtiger, alter Seebär, wie je einer ein Klüverſegel back legte,„und dieß iſt daſſelbe Schiff, glaub' ich, Herr Green. Das Bild ſeines Galions war ein Thier, und jenes Schiff hat ein Thier, ſo viel ich aus dieſer Entfernung ſehen kann.“ „Ihr habt ganz recht, Stephan,“ rief Roswell Gardiner, „und dieſes Thier iſt ein Seehund. Es iſt der Zwillings⸗ bruder des Seelöwen, welchen wir unter unſerm Bugſpriet haben. Dieß iſt eine Art Beweis, daß der Geſchmack zuwei⸗ len derſelbe iſt, obgleich er im Allgemeinen verſchieden ſein mag. Was wurde aus dem Schoner, welchen Ihr ſaht?“ — 166— „Wie ich hörte, kauften ihn einige Vineyarder und brach⸗ 3 wie ten ihn nach Holmes' Hole hinüber. Man rüſtet dort zuwei⸗ verla len Schiffe eben ſo gut aus, wie in den größeren Häfen. Ich wäre ſelbſt hinüber gefahren, um zu ſehen, was man vorhabe, Ebbe hätte ich Herrn Green nicht getroffen, und ſeine Anträge teten. annehmlich gefunden.“ daß „Ein Abenteuer, bei welchem Ihr, hoffe ich, nichts verlie⸗ ein S ren ſollt, mein Freund,“ fiel der Capitän ein.„Ihr glaubt alſo, es ſei das Schiff, das zu Neu⸗Bedford gekauft und auf um 9 Vineyard ausgerüſtet worden?“ rüſtun „Ganz gewiß, Herr, denn ich erkenne das Bild und den„ ganzen Bau des Burſchen.“ Bord, „Reicht mir das Sprachrohr, Herr Green, wir werden bald nahe genug ſein, um uns zu ſprechen, und dann wird ſich dentl Alles leicht aufklären.“ hatte Roswell Gardiner wartete einige Minuten, um die beiden war, Schoner näher zuſammentreten zu laſſen, und wollte eben das erfnne Sprachrohr an den Mund ſetzen, als der herkömmliche Gruß Woche von dem fremden Schiffe über das Waſſer geſendet wurde. vergef Während der nun ſtattfindenden Unterhaltung näherten ſich die Schiffe mehr und mehr, bis beide Theile das Sprach⸗ Dagg rohr weglegten und das Geſpräch mit der bloßen Stimme daß 3 fortſetzten. Ihr 2 „Schoner, ahoi!“ erſcholl der Gruß des fremden Schiffes. *„Halloh!“ lautete die Antwort. Hol„ „Was iſt dieß für ein Schoner, wenn es beliebt?“ vims „Der Seelöwe, von Oyſter⸗Pond, Long⸗Island, nach 7 ſüdwärts beſtimmt, um Nobben zu fangen, wie Ihr wohl an„ unſerer ganzen Ausrüſtung ſeht.“ letzten „Wann ſeid Ihr von Oyſter⸗Pond ausgelaufen— und R brach⸗ zuwei⸗ en. Ich orhabe, Anträge verlie⸗ glaubt und auf und den werden wird ſich ee beiden eben das he Gruß urde. näherten Sprach⸗ Stimme Schiffes. 2 nd, nach wohl an 1— und — 167— wie habt Ihr Euern Schiffsherrn, den guten Decan Pratt verlaſſen?“ „Wir ſegelten geſtern Nachmittag mit dem Beginn der Ebbe ab, und der Decan verließ uns, als wir die Anker lich⸗ teten. Er befand ſich wohl, und war der beſten Hoffnung voll, daß das Glück uns günſtig ſein werde. Was iſt dieß für ein Schoner, wenn es Euch beliebt?“ „Der Seelöwe von Holmes' Hole, nach ſüdwärts beſtimmt, um Robben zu fangen, wie Ihr wohl an unſrer ganzen Aus⸗ rüſtung ſehet. Wer befehligt jenen Schoner?“ „Capitän Roswell Gar'ner— wer befehligt an Euerm Bord, wenn es Euch beliebt?“ „Capitän Jaſon Daggett,“ rief der Mann und zeigte ſich deutlicher, indem er aus der Linie der Takelage trat.—„Ich hatte das Vergnügen, Euch zu ſehen, als ich auf der Spitze war, um nach meines Oheims Habe zu ſchauen, wie Ihr Euch erinnern werdet, Capitän Gar'ner. Es war erſt vor wenigen Wochen und Ihr werdet meinen Beſuch wahrſcheinlich nicht vergeſſen haben.“ „Ganz und gar nicht,— ganz und gar nicht, Capitän Daggett, obgleich es mir damals nicht in den Sinn kam, daß Ihr ſobald eine Reiſe ſüdwärts vor hättet. Wann habt Ihr Martha's Vineyard verlaſſen, Herr?“ „Vorgeſtern Nachmittag. Wir liefen um fünf Uhr aus Holmes' Hole aus.“ „Welchen Wind hattet Ihr, Herr?“ „Südweſt, und ſüdſüdweſt. Der Wechſel war in den letzten drei Tagen nicht ſehr bedeutend.“ Roswell Gardiner murmelte etwas vor ſich hin, hielt es — 168— aber nicht für klug, die Gedanken, welche ihm eben durch den Sinn fuhren, lant werden zu laſſen. „Ja, ja,“ ſagte er nach einer kurzen Pauſe,„der Wind bläſt die ganze Woche aus jener Ecke, der Wechſel wird aber ohne Zweifel nicht lange auf ſich warten laſſen. Es iſt eine Art Oſtgefühl in der Luft.“ „Nun, laßt es kommen. Bei dieſem offenen Raum um uns können wir Hutteras bei Allem, das nicht ſchlimmer iſt, als ein Südoſtwind, umſegeln. Dieſe ganze Küſte hinab, zwei bis dreihundert Meilen weit, iſt eine ſüdliche Strömung.“ „Ein ſchwerer Südoſtwind würde uns hier, zwiſchen den Sandbänken, in einer Weiſe einklemmen, die mir ganz und gar nicht gefällt, Herr. Ich gehe ſtets, ſobald ich kann, öſtlich von dem Golfſtrome, wenn ich von dem Lande ablaufe.“ „Sehr richtig, Capitän Gar'ner,— ſehr richtig, Herr. Man tritt ſtets am beſten außerhalb des Golfſtromes, wenn man kann. Wenn man einmal dort iſt, kann man ſagen, man ſei auf offener See. Wenn dieſer Wind noch acht und vierzig Stunden anhält, werden wir dort ſein. Nun, Herr, da wir dieſelbe Art Reiſe vor uns haben, fühle ich mich glück⸗ lich, Euch getroffen zu haben; und ich ſehe nicht ein, warum wir uns nicht nachbarſchaftlich gehaben, und dann und wann ein wenig miteinander plaudern ſollten, wenn wir nichts beſſeres zu thun haben. Euer Schoner geſiel mir ſo gut, daß ich den meinigen möglichſt nach dieſem Vorbilde einrichten ließ. Ihr ſeht, unſer Bild iſt genau wie das Eurige.“ „Ich habe dieß bemerkt, Capitän Daggett, die Bilder ſehen ſich ſprechend ähnlich.“ „Ja, ja, als ich auf der Spitze war, nannte man mir den Namen des Bildſchnitzers zu Boſton, welcher Euch die —¼— ,—‧ Robb die b Niem 7 einen ſagen derſell Offizi für b 8 hörten genom angeſt und ſe bemer! Es la zu ein ſelbſt ſtrafbe I 77 77 Angele Gar'n dennoc Verwa rch den r Wind rd aber iſt eine um um mer iſt, hinab, mung.“ hen den anz und , öſtlich . „Herr. s, wenn n ſagen, acht und n, Herr, ich glück⸗ warum inn und pir nichts gut, daß hten ließ. e Bilder man mir Euch die — 169— Robbe machte, und beſtellte mir bei ihm eine ähnliche. Wenn die beiden Schiffe in einem Hafen neben einander lägen, würde Niemand ſie unterſcheiden können.“ „So ſcheint es, Herr. Sagt mir doch, habt Ihr nicht einen gewiſſen Watſon am Bord?“ „Ja, ja, er iſt mein zweiter Maat. Ich weiß, was Ihr ſagen wollt, Capitän Gar'ner; Ihr habt ganz recht, es iſt derſelbe, der bei Euch am Bord war, da mir aber ein zweiter Offizier fehlte, bot ich ihm die Stelle an, und er hielt dieß für beſſer, als einen Platz am Fockmaſt in Euerm Schiffe.“ Dieſe Erklärung genügte wahrſcheinlich Allen, welche ſie hörten, obgleich ſie nur die halbe Wahrheit enthielt. Streng genommen war Watſon ſchon als Dagget's zweiter Maat angeſtellt, ehe er je Roswell Gardiner zu Geſicht bekommen, und ſeine Ueberkunft nach Oyſter⸗Pond hatte bloß, wie bereits bemerkt, den Zweck, das Fortſchreiten der Arbeit zu überwachen. Es lag jedoch ganz in der Natur der Dinge, daß ein Mann zu einer beſſern Stelle griff, wenn ſie ihm geboten wurde, und ſelbſt Gardiner fand den Ueberläufer jetzt bei weitem weniger ſtrafbar, als früher. Mittlerweile wurde die Unterhaltung fortgeſetzt. „Ihr ſagtet uns nichts von der Ausrüſtung Eures Scho⸗ ners, als Ihr auf der Spitze waret,“ bemerkte Roswell Gar⸗ diner, deſſen Gedanken ſich eben zufällig dieſem beſondern Umſtande zuwendeten. „Meine Gedanken waren, glaub' ich, lediglich auf die Angelegenheiten meines guten Oheims gerichtet, Capitän Gar'ner. Der Tod muß jeden von uns einmal heimſuchen, dennoch erfüllt es uns Alle mit Wehmuth, wenn er r unſerr Verwandten wegrafft.“ — 170— Roswell Gardiner war nichts weniger als übergefühlvoll: auch war er nicht im Entfernteſten geneigt, ſich bei gewöhn⸗ lichen Gelegenheiten in moraliſchen Phraſen zu ergehen, dieſe Antwort ſchien ihm aber ſo ſachgemäß, daß er nichts dagegen einzuwenden fand. Dennoch hatte der junge Mann ſeine Muth⸗ maßungen in Betreff der Ausrüſtung des Schoners,— Muth⸗ maßungen, welche ihm jetzt lebendiger und ſchärfer entgegen⸗ traten und ihn zu der Anſicht leiteten, Daggett wiſſe auch in irgend einer Weiſe von dem Geheimniſſe, welches dieſe ſeine Reiſe veranlaßt hatte. So ſeltſam es auch ſcheinen mag, hatte dennoch dieſes ſonderbare Zuſammentreffen mit dem Seelöwen von Holmes' Hole einen günſtigen Einfluß auf die Intereſſen des Decans Pratt. Roswell Gardiner war nämlich anfangs durchaus nicht geneigt, den Ausſagen des verſtorbenen Seemannes großen Glauben zu ſchenken; er gab einen nicht kleinen Theil ſeines Berichts eigennützigen Abſichten anheim, welchen ſich der Wunſch beigeſellte, ſich wichtig zu machen. Jetzt aber ſah er einen Verwandten deſſelben Namens an der Svitze einer Unter⸗ nehmung, welche denſelben Zweck hatte, wie die ſeinige, und ſeine Anſichten von der Glaubwürdigkeit jener Angaben wech⸗ ſelten merklich. Da er die vorſichtige Sparſamkeit, mit welcher jedes Intereſſe in jenem Theile der Welt geregelt wurde, vollkommen kannte, ſchien es ihm nicht denkbar, daß Männer von Martha'’s Vineyard ihr Geld an ein Unternehmen ſetzen würden, wenn ſie nicht die beſten Gründe hätten, auf das Gelingen deſſelben rechnen zu können. Zwar ſah er ſich nicht in den Stand geſetzt, die Nachrichten, welche die Vineyarder haben mochten, völlig zu würdigen, auch war ſein Geiſt in dieſer Hinſicht —— nicht Fall! daß e räuber ſein n um v' 3 veranl was ten, genüg⸗ verließ zu fin er frü auf D bezeich was d C ihm z daß ſi Gefäh ihn zu YT ſchaft, gleichn Schiifſ in dem Schiffe es mu Behan ihlvoll: gewöhn⸗ u, dieſe dagegen Muth⸗ Muth⸗ ntgegen⸗ auch in ſe ſeine ch dieſes Holmes' Decans aus nicht großen il ſeines ſich der r ſah er er Unter⸗ ige, und en wech⸗ er jedes Ukommen Martha's n, wenn deſſelben n Stand mochten, Hinſicht — 171— nicht durch Habgier geſtachelt, wie dieß bei dem Decan der Fall war; er war aber ſcharfſichtig genug, um gewiß zu ſein, daß entweder die Robben⸗Inſeln, oder der Schatz des See⸗ räubers, oder Beides, in den Augen Anderer eine Wirklichkeit ſein mußten, welche ſie veranlaßte, ihr Geld daran zu ſetzen, um von ihrem Wiſſen Nutzen zu ziehen. Die Wirkung dieſer Ueberzeugung war natürlich. Sie veranlaßte Roswell, die Karten und ſeine Befehle, ſowie Alles, was mit ſeiner Reiſe zuſammenhing, weit ernſter zu betrach⸗ ten, als er urſprünglich geneigt war, zu thun. Bis jetzt genügte es ihm, den Decan in ſeinem Traume zu laſſen; er verließ ſich auf ſeine Umſicht, eine Ladung für den Schoner zu finden, indem er die Robben⸗Reviere beſuchen wollte, wo er früher geweſen war; nun aber beſchloß er, geraden Wegs auf Daggett's Inſeln, wie er und ſein Schiffsherr das ihnen bezeichnete Land nannten, abzuhalten und ſich zu vergewiſſern, was dort zu thun ſei. Er hielt es für wahrſcheinlich, daß der andere Seelöwe ihm zu folgen wünſchte, die Entfernung war aber ſo groß, daß ſich hundert Gelegenheiten bieten mußten, einen ſolchen Gefährten los zu werden, wenn er es für zweckmäßig hielt, ihn zu beſeitigen. Mehrere Stunden reiſten die beiden Schoner in Geſell⸗ ſchaft, indem ſie nur auf Anruf⸗Weite getrennt waren und ſo gleichmäßig ſegelten, daß es ſchwer zu ſagen war, welches Schiſſ den Vorzug verdiente. Es war nichts Ungewöhnliches in dem Umſtande, daß zwei für denſelben Handel beſtimmte Schiffe eine ſo große Aehnlichkeit miteinander hatten, allein es mußte auffallen, daß ſie an Geſtalt, Bau, Spieren und Behandlung ſo gleich waren, als ihre Segelgeſchwindigkeit faſt dieſelbe ſchien. Wenn ein Unterſchied vorhanden war, zu führ ſtellte er ſich in geringem Grade zu Gunſten des Seelöwen von Vineyard heraus, welcher ein wenig raſcher nach vornen Hayart zog, als ſein Gefährte, ſofern der andere Seelöwe ja im Augenl Laufe des Nachmittags noch ein Gefährte genannt werden ſchnitze konnte. ſeiner Wir brauchen kaum zu bemerken, daß man es an Bord Blick z der beiden Schiffe, welche ſich in ſo vielen Beziehungen mit ſagt, eiferſüchtigen Augen betrachteten, an Gloſſen und Muthma⸗ daß es ßungen aller Art nicht fehlen ließ, beſonders ließen ſich Ros⸗ uns zu well Gardiner und ſeine zwei Maate über den ſeltſamen gegeben Umſtand, daß der Vineyarder Seelöwe ſo weit von ſeiner 2 geraden Segellinie abgekommen, weitläufig aus. Wenn „Obgleich wir in dieſen letzten drei bis vier Tagen Süd⸗ Geſellſe weſtwind hatten,“ ſagte Hayard,„ſieht doch Jeder, daß wir kürzen, bald öſtliches Wetter haben werden. Es iſt ein öſtliches„2 Gefühl in der Luft, und das Waſſer hatte in der ganzen Schone letzten Nacht einen öſtlichen Schein. Nun kann ich aber nicht ſiebenzie begreifen, Capitän Gar'ner, warum ein Mann, welcher aus Süden dem Vineyard⸗Sund kommt und nichts Anderes zu thun hat, Ungewi als um das Weſtende ſeiner Inſel zu ſteuern, um dann ſeinen ſammen Curs ſüdoſtwärts hinüber zu nehmen, dicht unter Block 9,9 abhalten und in die See treten kann, als wäre er ein Sto⸗. benfäng nington Burſche oder ein Neu⸗Londoner, der ein wenig nach rigen 9 leewärts gefallen iſt. Verlaßt Euch darauf, die Sache hat ſind, 1 irgend einen Grund. Man ſetzt heut zu Tage keinen Schoner ſoll, iſt auf das Waſſer, und gibt ihm theuere Ausrüſtungen und drei Schiffes Wallſiſchbvote und Alles, was zum Robbenfang nöthig iſt,„2 um einer Küſte entlang Kreuz⸗ und Quergänge zu machen, aus.* wWie die vornehmen Jachtleute, die nie wiſſen, was ſie eigent⸗ wie wir en war, Seelöwen vornen 2 ja im werden an Bord igen mit Nuthma⸗ ich Ros⸗ eltſamen in ſeiner en Süd⸗ daß wir öſtliches ganzen ber nicht cher aus hun hat, in ſeinen er Block ein Sto⸗ nig nach ache hat Schoner und drei zthig iſt, machen, ee eigent⸗ — 173— lich vorhaben und ihre buntgemalten Schiffchen ſpazieren zu führen ſcheinen.“ „Ich habe all dieß auch ſchon bei mir bedacht, Herr Hayard,“ antwortete der junge Capitän, welcher ſich in dieſem Augenblicke damit unterhielt, daß er an einem Stückchen Holz ſchnitzelte, während er dem Schiffe, das eben ſo dicht unter ſeiner Lee war, als es ſich mit der Fahrt vertrug, manchen Blick zuwarf.—„Ein Grund dafür iſt vorhanden, wie Ihr ſagt, ich kann aber keinen andern finden als den Umſtand, daß es ſo weit von ſeinem Weg abgekommen iſt, um mit uns zuſammen zu treffen, da es wußte, daß wir in einer gegebenen Zeit um Montauk ſteuern würden.“ „Nun, Herr, daß magnwohl ſein Wunſch geweſen ſein. Wenn Leute denſelben Weg vor ſich haben, ſuchen ſie oft gute Geſellſchaft auf, um die lange Reiſe in dem Grade zu ver⸗ kürzen, in welchem ſie ſie angenehmer machen.“ „Dieſe Burſche werden doch nicht glauben, daß zwei Schoner vom vierzigſten Grade nördlicher Breite bis zu dem ſiebenzigſten ſüdlicher Breite oder vielleicht noch weiter nach Süden ſich ſtets im Geſicht behalten? Es wäre etwas ganz Ungewöhnliches, wenn wir auch nur eine Woche nahe bei⸗ ſammen blieben.“ „Ich weiß das nicht, Herr. Ich reiſte einſt in einem Rob⸗ benfänger, welcher trotz aller ſeiner Anſtrengungen einen neugie⸗ rigen Nachbarn nicht loswerden konnte. Wenn Robben ſelten ſind, und der Capitän nicht weiß, wo er ſie habhaft werden ſoll, iſt er gewöhnlich froh, wenn er in das Fahrwaſſer eines Schiffes kommt, wär' es auch nur, um Nachleſe zu halten.“ „Auf ſolche Zufälligkeiten hin rüſtet man keine Schiffe aus. Dieſe Männer von Martha's Vineyard wiſſen ſo gut, wie wir, und vielleicht noch beſſer, wohin ſie ſteuern.“ „Hier an Bord herrſcht großes Vertrauen in den Befehls⸗ haber, Capitän Gar'ner. Ich habe dieſen Morgen die Wache von der Sache ſprechen hören, und die Leute waren alle nur einer Meinung, dieß kann ich Euch ſagen.“ „Und dieſe Meinung war, Herr Hayard?“ „Eine Stelle an Bord dieſes Schiffes lohne ſich doppelt ſo viel, als in jedem andern Schoner, wem er auch in Amerika gehöre. Die Matroſen ſehen theils auf Geſchicklich⸗ keit, theils auf Glück. Ich habe Leute gekannt, welche in kein Schiff gegangen wären, ſelbſt wenn es den beſten Befehls⸗ haber gehabt hätte, wenn ſie ſich nicht vergewiſſert hatten, daß ihm neben ſeiner Geſchicklichkeit auch das Glück zur Seite ſtand.“ „Ja, ja,— das Glück! Dieſe Burſche denken kaum an die Vorſehung oder an das, was ein Mann verdient und was er nicht verdient. Nun, ich hoffe, der Schoner wird ihre Erwartungen nicht täuſchen, und ſein Befehlshaber eben ſo wenig. Indeſſen ſind wir in unſerem Berufe den Wechſelfällen des Meeres preisgegeben, und unſere ſchönſten Hoffnungen vernichtet oft ein Augenblick!“ „Allerdings, Herr, wie dem aber auch ſei, Capitän Gar'ner hat einen Namen und die Mannſchaft vertraut ihm.“ Unſer junger Seemann konnte ſich durch dieſe Aeußerungen nur geſchmeichelt fühlen, die ihm in einem günſtigen Augen⸗ blicke zu Gehör kamen, um ihn in den Entſchlüſſen zu beſtärken, welche der Wettſtreit mit dem nebenbuhleriſchen Schoner in ihm geweckt hatte. Obgleich die beiden Schiffe in einem Berufe mit einander wetteiferten, welcher mehr als jeder andere geeignet iſt, die Menſchen engherzig zu machen und feindſelig gegen einander zu ſtimmen— ein ſolcher Vorwurf pflegt ſ doch all ſchaftlich dem Vo nach m Signale das Wa andern Die ſehen, n pflegen. lichen J u. ſ. w. ſchiffe b iſt an leicht no einem 9 Bug ra in Bew widerſtel endlich i flach, ſo We gleichsw Größe Knoten gerudert Schwim Wallfiſe in welch Befehls⸗ ie Wache alle nur h doppelt auch in eſchicklich⸗ welche in Befehls⸗ ct hatten, Hlück zur ken kaum erdient Schoner fehlshaber erufe den ſchönſten n Gar'ner 4 aßerungen n Augen⸗ beſtärken, choner in in einem als jeder achen und Vorwurf — 175— pflegt ſonſt vorzugsweiſe die Aerzte zu treffen— deuteten doch alle äußeren Anzeichen darauf hin, daß man die freund⸗ ſchaftlichen Verhältniſſe aufrecht zu erhalten wünſche. Mit dem Vorſchreiten des Tages wurde der Wind ſchwächer und nach manchem Austauſche ſeemänniſcher Artigkeiten mittelſt Signale und Sprachrohr ließ Roswell Gardiner ein Boot in das Waſſer und begab ſich zu einem Beſuche an Bord des andern Schoners. Dieſe beiden kleinen Schiffe waren mit Booten gut ver⸗ ſehen, wie die Wallſiſchfänger ſie gewöhnlich bei ſich zu haben pflegen. Ein Wallfiſchboot unterſcheidet ſich von der gewöhn⸗ lichen Jolle, der Lanſch, dem Gig, der Barke, dem Dinguis u. ſ. w., welche ausſchließlich für den Dienſt bei Kriegs⸗ ſchiffe beſtimmt ſind, durch folgende Eigenthümlichkeiten. Es iſt an beiden Enden„ſcharf“ gebaut, damit es eben ſo leicht nach vornen laufen als zurücktreten kann; es wird mit einem Riemen und nicht durch ein Ruder geſteuert, damit der Bug raſch herum geworfen werden kann, um, wenn es nicht in Bewegung iſt, keine Gefahr zu laufen; es iſt lebhaft und widerſteht leicht dem Anprall der Wellen an beiden Enden; endlich iſt es, obgleich ſtark und tüchtig gezimmert, leicht und flach, ſo daß man es ohne Mühe rudern kann. Wenn man weiß, daß ſolche kleine Nußſchalen— ver⸗ gleichsweiſe geſprochen, denn als Boote haben ſie eine ziemliche Größe— oft mit der Geſchwindigkeit von zehn bis zwölf Knoten und häufig noch viel raſcher durch aufgeregte Wellen gerudert werden, kann man ſich eine Vorſtellung von ihrer Geſtalt, Schwimmkraft und Tüchtigkeit machen. Seeleute pflegen ein Wallfiſchboot gewöhnlich für das ſicherſte Fahrzeug zu halten, in welchem man ſich rauhem Waſſer anvertrauen könne. —= 3E Capitän Daggett empfing ſeinen Gaſt mit ausgezeichneter Artigkeit, obgleich in der ruhigen, oſtländiſchen Weiſe. Rum und Waſſer kamen zum Vorſchein, und die zwei Capitäne tranken ein freundliches Glas auf beiderſeitiges Glück, und die Bemerkungen und Anecdoten in Bezug auf Seelöwen, See⸗Elephanten und die Art, ſolche Thiere zu fangen, flogen hin und her. Selbſt Watſon, obgleich ein halber Ausreißer, durfte herankommen, ſein zweifelhaftes Benehmen wurde ver⸗ geſſen und Capitän Roswell Gardiner drückte ihm herzlich die Hand. Das Meer hat viel Aehnliches mit der Ewigkeit und ſtimmt Seeleute oft auf ihre Mitmenſchen mit einer Innigkeit des Gefühls zu blicken, welche ihrer gegenſeitigen Lage ganz angemeſſen iſt. Seine Ausdehnung erinnert ſie an die nie beginnende und nie endende Zeit; ſeine unaufhörliche Bewe⸗ gung an die nie ruhenden Regungen der menſchlichen Leiden⸗ ſchaften, und ſeine Unfälle und Gefahren an die Vorſehung, welche Alle in gleicher Weiſe ſchützt und der wir es allein zu danken haben, daß wir nicht der Herrſchaft des Zufalls anheim fallen. Roswell Gardiner war überdieß ein wohlwollender Mann und ſtets geneigt, ſeines Gleichen mit Nachſicht zu beurtheilen. So kam es, daß beim Abſchiede ſein„Guten Abend“ gegen Watſon eben ſo offen und bieder klang, als der Gruß, welcher dem Capitän Daggett ſelbſt zu Theil ward. D der öſtt der Gee ſich me Wir u Erſchei von eir der Sa achtung Be Gegenſt klaren ſtrahlen unterwo dieſer 247- ſezeichneter iſe. Rum Capitäne blück, und Seelöwen, gen, flogen Ausreißer, vurde ver⸗ n herzlich igkeit und Innigkeit Lage ganz n die nie che Bewe⸗ en Leiden⸗ vorſehung, allein zu 3 Zufalls der Mann zhurtheilen. d“ gegen 3, welcher Neuntes Kapitel. Wälz'’, Ocean, dein dunkelblau Geroll, Umſonſt zehntauſend Flotten auf dir wogen; Verheerend zieht der Menſch durch's Land; ſein Groll Hemmt ſich am Strand; die Wracks auf Waſſerbogen Sind all' dein Werk; des Menſchen Greuel flogen Dahin wie Schatten; ſeiner nur nicht ſchwand, Wenn, wie ein Regentropfen eingeſogen, Sein End' er röchelnd in der Tiefe fand, Grablos und unbeläutet, ſorglos, unbekannt. Lord Byron. Dieſen Abend ging die Sonne in Wolken nieder, obgleich der öſtliche Horizont verhältnißmäßig klar war. Die Umriſſe der Gegenſtände ſtellten ſich jedoch unnatürlich dar und ſchienen ſich mehr und mehr bis ins Unendliche ausdehnen zu wollen. Wir wiſſen den Grund nicht, warum der Oſtwind dieſe Erſcheinungen hervorbringen ſoll, noch erinnern wir uns, je von einem Verſuche, dieſe Frage zu löſen, gehört zu haben, der Sache ſelbſt aber haben wir uns durch jahrelange Beob⸗ achtungen vergewiſſert. Bei dem ſogenannten„öſtlichen Wetter“ ſieht man die Gegenſtände mittelſt einer Strahlenbrechung, welche bei einem klaren Nordweſt ganz unbekannt iſt; die Kämme der Wellen ſtrahlen ein helles Licht aus, welches viel bemerklicher iſt, als ſonſt, und in der Mitternachtsſtunde ſieht das Meer oft aus, wie an einem umwölkten Tage. Auch die Nerven ſind der Gewalt der öſtlichen Winde unterworfen, und es gibt viele Menſchen,— wir gehören zu dieſer Zahl,— welche fühlen, daß der Wind aus Oſten 247— 249. 12² weht, obgleich ſie das Zimmer nicht verlaſſen. Man hat allerdings dieſer Eigenthümlichkeiten ſchon erwähnt, wer aber hat ſie je zu erklären verſucht? Auf der Küſte von Amerika kommt die Kühlte von der aufgehenden Sonne, während ſie auf der von Europa vom Lande her bläſt; wir haben aber in ſolchen Zeichen ihres Einfluſſes keinen Unterſchied entdecken können, welcher aus dieſer auffallenden Verſchiedenheit her⸗ vorging.— Roswell Gardiner fand, als er am nächſten Morgen auf das Deck kam, die Scene mächtig verändert. Der Sturm, welcher ſo lange über der Meeresfläche brütete, war endlich erwacht und der Wind blies ein wenig wild aus Südoſten. Die Seite, von welcher die Bö kam, hatte den Offizier der Wacht gezwungen, auf dem Backbordgang aufzuholen, das heißt die Naſe des Schoners ſüdweſtlich zu ſtellen,— ein Curs, welchem man einige Tage folgen konnte, wenn der Wind nicht zu ſchwer blies. Auf der andern Seite wäre man der Sandbänke nicht klar geworden, welche ſich auf eine große Strecke nach Oſten hinzogen. Hayard hatte ſeinen fliegenden Klüver eingerefft und dem Fockſegel und Klüver ihre Bonetten abgenommen, um das Schiff vor dem Einſchlagen zu ſchützen. Auch hatte er ſein Hauptſegel und das Fockſtengeſegel einfach gerefft. Der Seelöwe von Vineyard ahmte jede Bewegung nach und lief unter demſelben gekürzten Segeltuch und in derſelben Richtung. In dieſem Augenblicke waren die beiden Schoner nicht um eines Kabeltaues Länge von einander und die Oyſter⸗Ponder mochten um ein Geringes leewärts ſtehen. Ihr Schoner hatte jedoch einen kleinen Vortheil im Segeln, wenn der Wind friſch blies und das Waſſer rauh war, und dieſer durch ſagte ſein 2 fürchte Jene bläſt: ſcheinl loſe A und in Anker geweh⸗ wählen ten un wo es den S Küſte Andere ſchäme ich etr Gar'ne dicht a ich nic Nan hat wer aber Amerika hrend ſie maber in entdecken heit her⸗ argen auf Sturm, r endlich Südoſten. fizier der len, das — ein venn der ite wäre auf eine und dem um das e er ſein ung nach derſelben Schoner und die 3 ſtehen. Segeln, ar, und — 179— dieſer Vortheil ward jetzt augenfällig, als die zwei Schiffe durch das erregte Element nach vornen zu kommen ſtrebten. „Ich wollte, wir ſtünden zwei hundert Meilen oſtwärts,“ ſagte der junge Capitän zu ſeinem erſten Offizier, ſobald er ſein Auge nach allen Seiten hatte ergehen laſſen.„Ich fürchte, wir werden am Cap Hutteras eingeklemmt werden. Jene Stelle iſt ſtets im Wege, wenn der Wind aus Südoſt bläſt und ein Schiff nach ſüdwärts geht. Wir werden wahr⸗ ſcheinlich ſchwere Stunden bekommen, Herr Hayard.“ „Ja, ja, Herr, ich glaube dieß auch,“ lautete die ſorg⸗ loſe Antwort.„Ich habe Leute gekannt, welche zurückgekehrt und in Fort Pond⸗Bai vielleicht gar an Gardiner's⸗Inſel vor Anker gegangen wären, bis dieſer Südoſtwind ſich müde geweht hätte.“ „Mir würde etwas dieſer Art nicht in den Sinn kommen. Wir ſtehen hundert Meilen ſüdöſtlich von Montauk, und wenn ich das Schiff in irgend einen Hafen führen müßte, ſo würde ich Charleſton oder eine der Inſeln entlang dieſer Küſte wählen. Ueberdieß können wir immer von dem Lande abhal⸗ ten und uns ſechszig bis achtzig Meilen weiter ſüdlich ſtellen, wo es uns möglich iſt, auf der andern Seite weit genug von den Sandbänken abzutreten. Wenn wir auf der Höhe der Küſte zwiſchen Long⸗Island und Jerſey hielten, wäre es etwas Anderes, hier auf dem offenen Meere aber würde ich mich ſchämen, dem Decan wieder in das Geſicht zu ſehen, wenn ich etwas dieſer Art thäte.“ „Ich habe die Bemerkung nur hingeworfen, Capitän Gar'ner, um etwas zu ſagen. Wenn es ſich davon handelt, dicht an unſrer Küſte hinab nach Süden zu kommen, ſo glaube ich nicht, daß einem Schiffe, welches ſo weit nach Oſten abzu⸗ 12* — 180— halten wünſcht, viel damit gedient iſt, denn man muß wind⸗ wärts auf die Paſſatwinde ſtoßen, oder man begegnete ihnen lieber gar nicht. Ich ſelbſt würde mich ebenſo leicht entſchlie⸗ ßen, auf Cap de Verds oder deſſen Umgebung abzuhalten, wenn ich vor drei Tagen Gardiner’s⸗Bai verlaſſen hätte, als dem nächſten Windſtoß ſüdlich, vor Charleſton oder Tybee, entgegen zu treten.“ „In dem letztern Falle wären wir nur fünfhundert Mei⸗ len windwärts, wenn der Wind wieder aus Südweſt kommt, wie er in dieſer Jahreszeit gewöhnlich zu kommen ſcheint. Es iſt jedoch gleichgiltig, wer eine Reiſe vor ſich hat, wie die unſrige, läuft nicht jedesmal in den Hafen, wenn ein widriger Wind bläſt. Ihr wißt ſo gut wie ich, Herr Hayard, daß man dort drunten im Süden eine gute Bö willkommen heißt, ſofern ſie klares Waſſer mit ſich bringt. Ich laufe lieber eine ganze Woche unter Inſeln, als einen einzigen Tag unter ſchwimmenden Eisbergen. Man weiß, wo man Land zu fin⸗ den hat, wenn es an derſelben Stelle bleibt, ſo ein treibender Berg aber fließt heute da, und morgen dort herum.“ „Ganz richtig, Herr,“ erwiederte Hayard,„und Leute, welche ihr Back in Robbenfängern nehmen, müſſen auf Sturm und Wind gefaßt ſein. Ich werde ſo lange anhalten als unſer Nachbar drüben, er ſcheint ſeine Segel ganz darnach zu ſtellen, als ſei es ihm voller Ernſt voranzugehen.“ Dieß war ganz richtig. Der Seelöwe von Martha's Vineyard that mittlerweile, was in ſeinen Kräften ſtand, um fortzukommen, und obgleich er nicht im Stande war, ſeine Stellung auf der Luvſeite ſeines Gefährten, wo er den größ⸗ ten Theil des Morgens geſtanden, beizubehalten, blieb er doch ſo wenig zurück, daß die Veränderung kaum merklich war. V zwei niſch n Intere die Bo Schöne die übr ſüchtig ihm n bringt. dann f der Ar als di Erfahr wurde lich zu A that, nachge ihre und de Wie es auf di ſeines gen en V wäre, von de haben, Punkte 3 wind⸗ e ihnen atſchlie⸗ thalten, tte, als Tybee, rt Mei⸗ kommt, int. Es wie die vidriger d, daß heißt, der eine unter zu fin⸗ eibender Leute, Sturm ten als nach zu artha’s nd, um „ ſeine n größ⸗ er doch par. — 181— Wie bemerkt, achteten Offtziere und Mannſchaft dieſer zwei Schiffe auf das„Gehaben“ derſelben, wie man es tech⸗ niſch nennt, mit der größten Aufmerkſamkeit und dem höchſten Intereſſe. Die in dem Schoner von Oyſter⸗Pond ſahen auf die Bewegungen des Vineyarder Schiffes, wie wohl eine Schöne in einem Ballſaal auf den Eindruck ſchaut, welchen die übrigen Schönen um ſie her machen, oder wie ein eifer⸗ ſüchtiger Arzt auf den Fortgang einer Operation achtet, welche ihm neue Lorbeern verſpricht, oder ſeine alten zum Welken bringt. Bald machte man Bemerkungen über das Schlingern, dann ſchien das Srampfen zu ſchwer, und Green war bald der Anſicht, die Spieren ihres Schoners trügen ſich leichter als die des Nebenbuhlers Kurz, jede Vergleichung, welche Erfahrnng, Eiferſucht oder Berufsgeſchick herbeiführen konnte, wurde freimüthig und, wie man ſich wohl denken kann, ziem⸗ lich zu Gunſten des eigenen Schiffes vorgebracht. Was man an Bord des Seelöwen von Oyſter⸗Pond that, wurde an Bord ſeines Namensvetters von Vineyard nachgeahmt. Sie machten ihre Vergleichungen und zogen ihre Folgerungen mit derſelben Rückſicht auf Selbſtachtung und denſelben Hoffnungen wie ihre Freunde„drüben“ thaten. Wie es ſcheint, iſt es in der Natur begründet, daß ſich Jeder auf dieſe Weiſe ſchmeichelt und den Splitter in dem Auge ſeines Nachbarn fieht, während ihm der Balken in dem ſeini⸗ gen entgeht. Wenn ein unparteiiſcher Beurtheiler anweſend geweſen wäre, hätte er wahrſcheinlich einer Anſicht gehuldigt, welche von den beiden Theilen abwich. Ein ſocher würde geſehen haben, daß der eine Schoner in dieſem, der andere in jenem Punkte den Vorzug verdiente. So würde er, beim Durchgehen — 182— der Liſte von Eigenſchaften, welche man von einem Schiffe fordert, ohne Zweifel zu dem Schluſſe gekommen ſein, daß zwiſchen den beiden Schonern keine große Wahl ſei, daß aber jeder mit einer verſtändigen Berückſtchtigung ſeiner eigenthüm⸗ lichen Beſtimmung gebaut ſei und von Männern gehandhabt werde, welche wohl verſtanden, wie man mit einem Schiffe dieſer Art umzugehen habe. Der Wind wurde nach und nach ſtärker, und die Schoner bargen die Segel, bis beide endlich nur unter dicht gerefften Fockſegeln liefen. Dieß wäre ſo viel geweſen als„Beilegen,“ hätte man die Steuer nicht ein wenig abgehalten, um die Schiffe durch das Waſſer zu drängen. Um eigentlich beizu⸗ legen, hätte man einige Hinterſegel beiſetzen müſſen, keiner der Capitäne hielt es aber bis jetzt für nöthig, ſtehen zu bleiben. Man hielt es für beſſer, ſich zwei Knoten weiter zu drängen, als bei einer Abtrifft oder Stellung der Segel nach leewärts zu ſchlingern und zu ſtampfen. Darin hatten Beide ohne Zweifel Recht, und fanden zuletzt ihre Schiffe weiter nach windwärts getrieben, als wenn ſie ſich bemüht hätten, durch Beilegen ihre Stellung zu behaupten. Die große Schwierigkeit, mit welcher ſie zu kämpfen hatten, indem ſie ein wenig abhielten, beſtand darin, daß die Wellen an Bord zu kommen drohten; bis jetzt war aber das Meer noch nicht in dem Grade erregt, um darin eine große Gefahr zu ſehen; auch waren die beiden Schoner, da ſie keine eigentliche Fracht hatten, leicht und ſchwimmkräf⸗ tig, und hielten ſich trocken. Wären die Wellen, wie ſie jetzt anſchwollen, einer vollen Ladung in den inneren Räumen begegnet, ſo möchte es wohl unklug geweſen ſein, ſie ſelbſt dieſer entfernten Möglichkeit der Ueberſchwemmung der Decke auszuſer Bord k haben; Schutzr ſicht ur waren, Ar die Br vierzig ſich des Man Sonne letzten feinen geweſen früher, lungen konnte hatte Zwei ſich ſo lich we wieder Niema dieſer Allger führun See tu laſſen, denſelt ten er Schiffe n, daß aß aber inthüm⸗ andhabt Schiffe Schoner gerefften ilegen,“ um die beizu⸗ keiner ehen zu heiter zu gel nach fanden s wenn ung zu ſie zu d darin, etzt war n darin Schoner, mmkräf⸗ ſie jetzt Näumen ie ſelbſt er Decke auszuſetzen. Das Waſſer kommt faſt ohne Ausnahme an Bord kleiner Schiffe, wenn ſie Wind und Wellen gegen ſich haben; der Scharfſenn der neuern Schiffbaukunſt hat jedoch Schutzmittel erfunden, welche Kauffahrteiſchiffe in dieſer Hin⸗ ſicht unendlich behaglicher machen, als ſie es zu der Zeit waren, von welcher wir ſprechen. Am Schluſſe des dritten Tages glaubte Roswell Gardiner die Breite des Cap Henry erreicht zu haben, und dreißig bis vierzig Stunden vom Lande abzuſtehen. Es war viel leichter, ſich des letztern als des erſtern Umſtandes zu vergewiſſern. Man konnte natürlich keine Beobachtungen anſtellen. Die Sonne war ſeit dem eintretenden Sturme und faſt den ganzen letzten Tag, an welchem die beiden Schiffe durch Nebel und feinen Regen von einander abgeſchloſſen waren, unſichtbar geweſen. Der Wind blies mehr in einzelnen Stößen als früher, und von dieſem Umſtande wurden die bezüglichen Stel⸗ lungen der Schoner mehr oder weniger bedingt. Der Eine konnte zuweilen mehr windwärts und nach vorne treten; dann hatte ſich der Andere wieder dieſes Vortheils zu erfreuen. Zwei Mal ſchienen ſie im Begriffe, ſich zu trennen, da ſie ſich ſo weit von einander entfernten, daß es ſcheinbar unmög⸗ lich war, ſich wieder zu finden; dann wechſelten die Schiffe wieder ihre Plätze und trieben ganz nahe beiſammen entlang. Niemand hätte in dem Augenblicke genau ſagen können, woher dieſer Wechſel kam, obgleich Alle an Bord die Gründe im Allgemeinen ziemlich einſahen. Windſtöße, ſorgloſe Steuer⸗ führung, Strömungen, Neeren und alle die Zufälligkeiten der See trugen dazu bei, dieſe unſicheren Bewegungen zu veran⸗ laſſen, welche zwei Schiffe von gleicher Raſchheit und unter denſelben Segeln oft als ſehr verſchieden in ihren Eigenſchaf⸗ ten erſcheinen laſſen. Während der Nächte war der Wechſel am größten, er trennte dann die Schiffe oft ſtundenweit und ſchien jede fer⸗* nere Verbindung unmöglich zu machen. Roswell Gardiner überzeugte ſich aber, daß Capitän Daggett abſichtlich in ſeiner Nähe blieb, denn wenn der Schoner des Letztern zufällig aus dem Wege gekommen war, ſuchte er bei allen ſolchen Gele⸗ genheiten wieder heran zu treten, ehe die Gefahr der Trennung zu groß war, um ſie zu überwinden. Unſere Seeleute ſchloſſen mit Hilfe des Senkbleies auf ihre Entfernung von dem Lande. Wenn es der amerikaniſchen Küſte an maleriſchem Reiz und erhabener Seenerie fehlt, ſo hat ſie den weſentlichen Vortheil gleichmäßig abgeſtufter Son⸗ dirungen. So regelmäßig hebt ſich der Grund gegen das Land hin, und die Tiefe iſt ſo ſorgfältig aufgenommen, daß ein vorſichtiger Seefahrer ſeinen Weg gegen die Küſte ſtets fühlen kann, und ſein Schiff nie auf den Strand anlaufen zu laſſen braucht, wenn er etwas dieſer Art nicht vielleicht abſichtlich thun will. Wiederholte Erfolge ſteigern des Men⸗ ſchen Kühnheit, und die eiferſüchtigen Kämpfe, das Nachvor⸗ nendrängen unſeres Nationalcharakters und der Aufenthalt, welcher durch das Sondiren in tiefem Waſſer verurſacht wird, alles dieß trägt dazu bei, daß ſorgloſe, tollkühne Seefahrer an dieſer wie an anderen Küſten öfter ſtranden, und zwar zu ihrem eignen großen Erſtaunen; ſo oft ſich aber ein ſolcher Fall ereignet, kann der Leſer verſichert ſein, daß die, welche für die Sicherheit des Schiffes zu ſorgen hatten, leichtfertig genug waren, das Sondiren zu unterlaſſen,— Schiffbrüche in Folge ſchwerer Stürme natürlich ſtets ausgenommen. Die Stunden⸗ oder Meilenzeiger einer Heerſtraße können die Ent⸗ fernungen nicht genauer bezeichnen, als das Senkblei faſt an der ganzen amerikaniſchen Küſte hinab. St des dri Entfern Seeſtun Breite weniger welcher „8 ſagte d ſtürmiſe Anſehen nicht ge und der ſelbſt.“ Ro welche wollte f übertroft dieſem Pond n licher C die Tho Vernunf welche d ohne da Ro⸗ Der Sc waren i zweimal liche Me ßten, er jede fer⸗ Gardiner in ſeiner llig aus en Gele⸗ rennung eies auf aniſchen ehlt, ſo er Son⸗ ſen das n, daß ſte ſtets anlaufen vielleicht 8 Men⸗ tachvor⸗ enthalt, t wird, eefahrer war zu ſolcher welche htfertig ffbrüche 1. Die ie Ent⸗ faſt an 9 — 185— So war Roswell Gardiner im Stande, an dem Abend des dritten Tages nach dem Ausbruche jenes Sturmes ſeine Entfernung von dem Lande auf etwa zwei bis drei und dreißig Seeſtunden anzuſchlagen. Indem er ſeinen Schoner in der Breite von Cap Henry ſtehend annahm, war er ſeiner Sache weniger gewiß, indeſſen war er wirklich in der Breite, in welcher er in Folge ungefährer Berechnung zu ſein glaubte. „Ich wollte, ich wüßte, wohin Daggett gelaufen iſt,“ ſagte der junge Capitän, als der Tag ſich eben einer ſehr ſtürmiſchen, ſchlimm ausſehenden Nacht zuneigte.„Das Anſehen des Wetters gefällt mir gar nicht, ich halte aber nicht gern vom Lande ab, während dieſer Burſche nach vornen und der Gefahr, wenn eine ſolche da iſt, näher ſteht, als wir ſelbſt.“ Roswell Gardiner ließ hier eine Schwäche gewahren, welche faſt allen unſeren Mißgriffen zum Grunde liegt. Er wollte ſich von einem Nebenbuhler ſelbſt da, wo er irrte, nicht übertroffen wiſſen. Wenn der Seelöwe von Holmes' Hole auf dieſem Curſe anhalten konnte, warum ſollte es dem von Oyſter⸗ Pond nicht auch möglich ſein? Durch dieſe Einflüſſe menſch⸗ licher Eitelkeit helfen wir das Unrecht Anderer ſtützen, und die Thorheit wird durch die Mehrheit, wenn nicht durch die Vernunft geheiligt. Wir ſehen hier einen der Gründe, durch welche die Maſſe irre geleitet wird, und dieß geſchieht ſelten, ohne daß ſie gewaltthätig würde. Roswell Gardiner ließ jedoch ſeine Lothleine nicht ruhen. Der Schoner durfte nur dicht an den Wind luven, und ſie waren im Stande, das Senkblei auszuwerfen. Dieß geſchah zweimal während dieſer Nacht und es ergab ſich eine beträcht⸗ liche Minderung der Waſſertiefe. Der Schoner trieb offenbar — 186— ziemlich dicht an die Küſte ab, da der Wind faſt ſüdlich und in ſtarken Stößen daherblies. Sein Capitän hielt auf ſeinem Curſe an, denn er glaubte, Zeichen zu gewahren, welche auf einen Wechſel deuteten, und er vierte nicht gern, ſo lange ſein Nebenbuhler von Vineyard auf der Backbordſeite entlang ging. So liefen dieſe beiden Schiffe, ſich an Sorgloſigkeit über⸗ bietend, faſt in den Rachen des Löwen, wenn wir ſo ſagen dürfen, denn als der Tag wiedererſchien, wendete ſich der Wind nach Oſten, ein wenig nördlich, wodurch das Schiff unmittelbar unter die Lee kam, während der Sturm ſo unge⸗ ſtüm tobte, daß ein zu einem bloßen Fetzen niedergerefftes Fockſegel noch mehr Leinwand ward, als ein ſo kleines Schiff tragen konnte. Als der Tag wiederkehrte und der Nebel ſich ein wenig hob, ward man leewärts Land anſichtig, welches ſich nach vornen und ſpiegelwärts leicht in die See herausſtreckte. Ros⸗ well Gardiner überzeugte ſich mit Hilfe ſeiner Karten und durch einen ſcharfen Ausguck nach der Küſte von der Höhe aus, daß er vor Currituck ſtand, alſo faſt ſechs Grad ſüdlich von ſeinem Abfahrtshafen und vier Grad weſtlich. Unſer junger Mann fühlte jetzt peinlich, daß eine bloße Eiferſüchtelei ihn zu einem Irrthume verleitet hatte, und es that ihm leid, daß er nicht den vorigen Abend gewendet hatte, wodurch er in eine offene See gekommen wäre, welche es ihm möglich machte, nach jeder Richtung zu ſteuern und des Landes klar zu werden. Wie die Dinge ſtanden, war er keineswegs gewiß, welchen Entſchluß er faſſen ſollte. Gardiner ahnte nicht, daß Daggett nur darum ſeinen Curs verfolgt hatte, um in ſeiner Nähe zu bleiben, denn dieſer Mann hatte ſich, als er Gardiner ſo dicht an die Küſte antreten ſah, der beabſicht Klippe von wel nach G Schlüſſe Auf einen, 1 beiden E eine höc Ge und der lich. J Schoner den Ma ſie ihre Gedanke Andern mit Rü men, w konnte, Di gerefft, gepreßt vornen 8 ε‿ Fiſchbei bis für von ein einen E lich und f ſeinem elche auf uge ſein ng ging. eit über⸗ ſo ſagen ſich der s Schiff ſo unge⸗ gerefftes s Schiff n wenig ich nach te. Ros⸗ tten und her Höhe d ſüdlich ne bloße und es het hatte, es ihm 3 Landes ineswegs n ſeinen nn dieſer antreten — 187— ſah, der Anſicht hingegeben, der Seelöwe von Oyſter⸗Pond beabſichtige, durch die weſtindiſchen Inſeln zu laufen und die Klippe zu beſuchen, wo der Schatz verborgen ſein ſollte und von welcher ihm Berichte zugekommen waren, die ſeinen Durſt nach Gold mächtig reizten, ohne daß ſie ihm den nöthigen Schlüſſel, wie er dazu gelangen könne, gegeben hätten. Auf dieſe Weiſe hatte eine grundloſe Wachſamkeit auf der einen, und auf der andern Seite ein grundloſer Stolz dieſe beiden Schiffe in eine Lage gebracht, welche in jeder Hinſicht eine höchſt gefährliche war. Gegen zehn Uhr erreichte der Sturm ſeine höchſte Höhe, und der Wind blies immer noch aus Oſten, ein wenig nörd⸗ lich. Im Laufe des Morgens hatten die Offiziere der beiden Schoner, indem ſie windſtille, klare Augenblicke benützten, auf den Maſten ſo viel von dem Lande zu Geſicht bekommen, daß ſie ihre bezüglichen Stellungen nicht verkennen konnten. Alle Gedanken an Eiferſucht und Ueberwachung der Schritte des Andern waren verſchwunden. Jedes Schiff wurde ausſchließlich mit Rückſicht auf ſeine Sicherheit gehandhabt, und Beide nah⸗ men, wie man von ächten Seemännern nicht anders erwarten konnte, zu denſelben Rettungsmitteln ihre Zuflucht. Die großen Segel beider Schiffe wurden, in Schwebeweiſe gerefft, beigeſetzt und die Rumpfe gegen Wind und Wellen gepreßt, während ſie mit unausgeſetzter Bewegkraft nach vornen getrieben wurden. „Jener große Maſt biegt ſich wie ein Peitſchenſtiel von Fiſchbein, Herr,“ ſagte Hayard, als dieſer neue Verſuch zehn bis fünfzehn Minuten angedauert hatte,„das Schiff ſpringt von einer Welle zur andern, wie ein Froſch, der beeilt iſt in einen Sumpf zu hüpfen.“ „Der Schoner muß es durchſetzen oder auf den Strand laufen,“ erwiederte Gardiner ruhig, obgleich er in ſeinem Innern tief erregt war.„Wenn mir Decan Pratt auch ver⸗ zeihen wollte, ging der Schoner durch mich verloren, ſo würde ich mir ſelbſt es nicht verzeihen.“ „Wenn wir den Schoner verlören, Capitän Gar'ner, würden wenige von uns dem Ertrinken entrinnen, um uns zu betrüben oder zu freuen. Blickt auf dieſe Küſte hin— ſie iſt jetzt klar, und man kann ein gutes Stück überſchauen, wahrlich, ich habe nie einen Strand geſehen, der für den anlaufenden Fremden ſo wenig Tröſtliches hatte.“ Roswell Gardiner blickte hinüber und mußte ſich Hayard's Anſicht fügen. Nach vornen und ſpiegelwärts ſtreckte ſich das Land ſeewärts, ſo daß die beiden Schoner in einer Küſten⸗ krümmung, oder was die Seeleute einen Schlupfhafen nennen, ſtanden, wodurch es ihnen numögllch wurde, an einer der Landſpitze, welche ſie ſahen, vorüberzukommen. Die ganze Küſte war niedrig und endloſe Linien von Brandungen wurden an ihr entlang ſichtbar, die mit blitzenden Kämmen aufſchoſſen und ſo die Geſahren deutlich vor Augen führten, welche des Seemannes dort harrten. Zuweilen ſchoſſen Waſſerſäulen wie ungeheure Strahlen empor und trieben ihre Sprühe meilenweit landeinwärts. Jetzt zogen ſich die Stirnen der Seeleute düſter zuſammen, welche die Art der Gefahr, die hier ſo deutlich angedeutet war, begriffen. Die unerfahrenen Matroſen waren am wenigſten beſorgt, denn„ſie wußten nichts und fürchteten nichts,“ wie ſich der ächte Theer wohl ausdrückt, wenn er auf die Gleich⸗ giltigkeit der Schiffsjungen und Landmenſchen anſpielen will. Nach den Berechnungen derer am Bord des Seelöwen von Oyſter⸗ vor ſich Anſchein frühere, jetzt ſeh jeder Zo Ga die Ein jetzt abe oder ga kaniſcher dieſem nächſten iſt. Die bilden e von Sti. ſchleuder Ga ſtens, befand. langen ſchwierig er lieber derſelben In noch zie länge n gang er tend, w keines en Strand in ſeinem auch ver⸗ ſo würde Gar'ner, m uns zu hin— ſie erſchauen, für den Hayard's e ſich das r Küſten⸗ nnennen, einer der nien von blitzenden or Augen n ſchoſſen eben ihre ifammen, utet war, wenigſten ts,“ wie e Gleich⸗ len will. dwen von — 189— Oyſter⸗Pond hatten ſie eine Strecke von ungefähr zwei Meilen vor ſich, ehe ſie in die Brandungen traten. Nach allem Anſchein waren ſte auf dem beſten Gang, und dieß war der frühere, welcher ſie in dieſe Art Bucht geführt hatte. Es wäre jetzt ſehr gefährlich geweſen, das Schiff zu wenden, denn jeder Zoll Raumes war von der größten Wichtigkeit. Gardiner hegte die ſtille Hoffnung, ſie fänden vielleicht die Einfahrt von Currituck, welche damals noch offen war, jetzt aber, wenn wir nicht irren, durch den Sand theilweiſe oder ganz geſchloſſen iſt. Dieß begibt ſich oft an der ameri⸗ kaniſchen Küſte, wo Schiffe von nicht zu ſchwerer Dracht in dieſem Jahre eine leidliche Einfahrt finden, während dieſe im nächſten ganz vermacht und in ſichtbares Geſtade umgewandelt iſt. Die Waſſer drinnen rühren ſich dann, brechen heraus und bilden einen Kanal, welcher offen bleibt, bis eine Reihenfolge von Stürmen die Sandmaſſen von außen her wieder auf ſie ſchleudert. Gardiner wußte wohl, daß er ſich, in einem Sinne wenig⸗ ſtens, an dem gefährlichſten Theil der amerikaniſchen Küſte befand. Die launenhaften Engen, welche ſich innerhalb der langen Sandküſten hinziehen, machen die Schiffahrt ebenſo ſchwierig, wie die Sandbänke weiter nördlich, dennoch wäre er lieber in einer dieſer Engen geweſen, als daß er außerhalb derſelben vor Brandungen hielt. In Bezug auf die beiden Schoner war der von Vineyard noch ziemlich am beſten daran, denn er ſtand faſt eine Kabel⸗ länge windwärts und alſo um ſo viel weiter von dem Unter⸗ gang entfernt. Der Unterſchied war jedoch nicht ſehr bedeu⸗ tend, wenn der Sturm fortwüthete, denn in dieſem Falle war keines von beiden zu retten. So bedenklich war in der That — 1980— die Lage der beiden Schoner geworden, daß keiner daran denken durfte, auch nur einen Faden des Grundes, welchen er inne hatte, aufzugeben. Alle Augen ſchauten nach der Einfahrt aus, denn es war beſchloſſen worden, mit dem Seelöwen von Oyſter⸗Pond darauf abzuhalten, wenn ſie ſich leewärts zeigte und die Uuſtände es erlauben, an ſie hinanzutreten. Die Linie der Brandungen war jetzt deutlich zu ſehen, und jeden Augenblick kam man ihr näher und näher. Man machte Anker klar und holte die nöthigen Taue an, denn das Ankerwerfen war ein Auskunfts⸗ mittel, zu welchem ein Seemann nothwendig ſeine Zuflucht nehmen mußte, ehe er ſich auf den Strand werfen ließ, wenn er auch kaum Hoffnung hatte, daß die Grundtakelage halten würde. Der Schoner iſt von Hayard geſchildert worden, als hupfte er in die Wellen. Dieſer Ausdruck iſt bei kleinen Schiffen auf kurzen Wellen ziemlich paſſend, und war bei der jetzigen Ver⸗ anlaſſung ſehr treffend. Obgleich dieſes Schiff nach vornen mit großer Sorgfalt gebaut und ſehr ſchwimmkräftig war, machte es doch in die ihm entgegenſchwellenden Wellen Stürze, die es faſt„begruben,“ und einige Male war der Anprall ſo ſtark, daß die am Bord ſich nur mit Mühe überzeugen konn⸗ ten, es habe nicht auf den Grund geſtoßen. Das Senkblei deutete indeſſen noch auf hinreichende Waſ⸗ ſertracht, obgleich die Seichte raſch und mit einer unheilver⸗ kündenden Regelmäßigkeit zunahm. Der Art war der Stand der Dinge, als der Schoner einen ſeiner tollen Stürze machte und einer Kraft begegnete, welche ſeine Bewegung nach vornen ſo mächtig hemmte, als habe er einen Felſen getroffen. Der große Maſt war in vielen Hinſicht Wäre würde Ankauf man ih über de maſtes gerade wenn er Ro Bisher hatte ſ Aufregt die in! ſeine Ar Es lichen, die Umſ des heu Benehn und R wichtige gewann und dre ſelbſt in De glücklich läßliche ner nich Minute ran denken en er inne un es war ond darauf uſtände es randungen m man ihr holte die Auskunfts⸗ ſe Zuflucht ließ, wenn age halten als hupfte chiffen auf zigen Ver⸗ ich vornen äftig war, en Stürze, Anprall ſo igen konn⸗ ende Waſ⸗ unheilver⸗ r Schoner begegnete, mmte, als r in vielen — 191— Hinſichten eine gute Stenge; es fehlt ihm aber an Holz. Wäre er nun zwei Zoll im Durchmeſſer dicker geweſen, ſo würde ihn dieß gerettet haben; der Decan hatte aber bei dem Ankauf deſſelben eine Erſparniß zu machen geglaubt, obgleich man ihn zeitig warnte. Dieſe Spiere brach um wenige Fuß über dem Deck, ſiel nach leewärts und zog den Top des Fock⸗ maſtes nach ſich, wodurch der Seelöwe von Oyſter⸗Pond gerade in dieſem Augenblick in eine ſchlimmere Lage kam, als wenn er gar keine Maſten gehabt hätte. Roswell Gardiner erſchien nun in einem neuen Lichte. Bisher war er ſchweigſam geweſen, hatte aber beobachtet, er hatte ſeine Befehle in einer Weiſe, welche die Leute nicht in Aufregung brachte, und mit einer unbeſorgten Miene gegeben, die in der That die Wirkung hatte, daß ſie die Mehrzahl über ſeine Anſicht von der Gefahr, in welcher ſie ſchwebten, täuſchte. Es war jedoch jetzt nicht mehr möglich, etwas zu verheim⸗ lichen, und unſer junger Capitän erſchien ſo thatkräftig, als die Umſtände es heiſchten,— der erſte, wo es galt, und inmitten des heulenden Sturmes ſeine Befehle ruhig erlaſſend. Seinem Benehmen, ſo ganz Entſchloſſenheit, Lebendigkeit, Thatkraft und Ruhe war es wahrſcheinlich beizumeſſen, daß in dieſem wichtigen Momente die Verzweiflung nicht die Oberhand gewann. Seine beiden Maate unterſtützten ihn mannhaft, und drei bis vier der älteren Matroſen zeigten nun, daß man ſelbſt im ſchlimmſten Fall auf ſie rechnen könne. Der erſte Schritt war das Ankerwerfen. Gardiner hatte glücklicherweiſe Alles vorſichtig herrichten laſſen, um dieſe uner⸗ läßliche Maßregel ſogleich ins Werk zu ſetzen. Wenn der Scho⸗ ner nicht vor Anker gekommen wäre, würden die nächſten zehn Minuten ihn wahrſcheinlich in die Brandungen geſchleudert — 192— haben, und Niemand an Bord wäre mit dem Leben davon gekommen, während das Schiff in Splitter gegangen wäre. Die beiden Buganker wurden zugleich hinausgelaſſen und hinreichend Tau ausgegeben. Der Schoner wurde feſtgeſtellt, ohne daß etwas gewiſſer wäre, und richtete ſofort ſeine Naſe ſeewärts. Dieß erleichterte ihn ſogleich, und ſeine Mannſchaft glaubte einen Augenblick, er könne auf der Stelle, wo er ſtand, das Ende des Sturmes erwarten, wenn er nur der Brandungen klar wäre. Aexte, Beile und Meſſer waren in voller Thätigkeit, und Roswell Gardiner ſah die Maſſe von Spieren und Tauwerk mit einer Freude, welche er nicht zu verbergen wünſchte, klar abtreiben. Als er ſie leewärts ſchwimmen ſah, jubelte er laut. Ein Bleiloth wurde augen⸗ blicklich in die Tiefe gelaſſen, um zu ſehen, ob die Anker hielten. Dieſer ſtets verläſſige Verſuch gab jedoch die traurige Gewißheit, daß der Schoner noch in etwas weniger als zwei Minuten um ſeine Länge trifftete. Die einzige Hoffnung gründete ſich jetzt darauf, daß die Zähne der Anker feſtern Haltgrund finden würden, als bisher. Der Boden war jedoch harter Sand, welcher einem Schiffe nie den Halt bietet, welchen es in Schlamm findet. Nach Roswell Gardiner's Berechnung mußte eine Stunde höchſtens, vielleicht nach weniger Zeit ſie in die Brandungen führen. Der Seelöwe von Holmes' Hole ſtand um eine Kabel⸗ länge rückwärts, und etwa eine halbe Meile ſüdlich, als ſich dieß an Bord ſeines Gefährten begab. Gerade in dieſem Augenblick zogen ſich die Brandungen ſeewärts vor dieſem Schoner entlang, und zwangen ihn zu vieren. Dieß geſchah, ſeine Naſe wurde ſüdwärts geſtellt und er kämpfte ſich nun gerade gegen ſeinen Gefährten hin. Durch das Wenden hatte er Grut treibend Ro ängſtlich unruhige vornen gen, die Da daß es Lauf ſei konnte. und an dann ur Waſſer der Stu um ſein Als war, ſch treiben, er in F deſſen K Die beſten h mit der beſprach eine kur „H Wort Schickſo 247— ſen davon wäre. laſſen und feſtgeſtellt, eeine Naſe dannſchaft e, wo er nur der ker waren die Maſſe e er nicht leewärts de augen⸗ die Anker e traurige als zwei f, daß die ls bisher. m Schiffe ſet. Nach höchſtens, ühren. ne Kabel⸗ , als ſich in dieſem or dieſem geſchah, 2 ſich nun nden hatte — 193— er Grund genug verloren, um leewärts von dem vor Anker treibenden Schiffe und der Gefahr näher zu kommen. Roswell Gardiner ſtand auf ſeiner Schanze und achtete ängſtlich auf die Abtrifft des andern Schoners, der in dem unruhigen Waſſer daher ſtürzte und ſich durch Wellen nach vornen drängte, welche faſt ſo weiß waren, wie die Brandun⸗ gen, die ihnen leewärts mit Vernichtung drohten. Das vor Anker treibende Schiff bewegte ſich ſo langſam, daß es als Merkzeichen für den unaufhaltſamen, wüthenden Lauf ſeines Gefährten, dem ſichern Untergang entgegen, dienen konnte. Anfangs glaubte Gardiner, Daggett wolle nach vornen und an ihm vorüber, und er fürchtete für ſeine Taue, die ſich dann und wann auf dreißig bis vierzig Faden hin über dem Waſſer zeigten und wie Eiſenſtangen geſpannt waren. Aber der Sturz nach leewärts des abtrifftigen Schiffes war zu raſch, um ſeinen Gefährten dieſer neuen Gefahr bloßzuſtellen. Als der Vineyarder Seelöwe auf eine Kabellänge entfernt war, ſchien es, als könne er an ſeinem Gefährten vorüber treiben, ehe er aber dieſen kleinen Raum hinter ſich hatte, ſiel er in Folge ſeiner Abtrifft ſo raſch ab, daß er mit Noth um deſſen Spiegel herum kam. Die beiden Capitäne faßten mit der einen Hand den erſten beſten haltbaren Gegenſtand, um nicht umgeriſſen zu werden, mit der andern drückten ſie ihre Mützen feſt auf den Kopf und beſprachen ſich, während die Schiffe ſich am nächſten ſtanden, eine kurze Minute. „Halten Eure Anker?“ fragte Daggett, welcher zuerſt das Wort nahm und ſeine Frage ſtellte, als glaube er, ſein Schickſal hänge von der Antwort ab. 247— 249. — 194— „Leider, nein! Wir treiben unſre Länge in etwa zwei Minuten.“ „Dieß verzögert den ſchlimmen Augenblick, um eine oder zwei Stunden. Seht, in welchem Kielwaſſer wir ſind.“ Wahrlich, dieſes Kielwaſſer war fürchterlich! Sobald die Naſe des Vineyarder Seelöwen klar um den Spiegel ſeines Gefährten war, bemerkte Gardiner, daß der letztere in ſchräger Richtung ablief und eben ſo raſch nach leewärts als vornen ging. „Gott mit Euch! Gott mit Euch!“ rief Roswell Gar⸗ diner und winkte mit der Hand Lebewohl, feſt überzeugt, er und der Capitän von Martha's Vineyard würden ſich nie wieder in dieſer Welt ſehen.—„Die Ueberlebenden müſſen das Schickſal der Verlornen bekannt machen. Im Nothfall werde ich Boote ausſetzen, wenn ich kann.“ Der Andere gab keine Antwort. Ein ſolcher Verſuch wäre auch nutzlos geweſen, denn keine menſchliche Stimme war ſtark genug, ſich in einem ſolchen Sturme und auf die Entfernung hin, in welcher die beiden Schiffe jetzt ſtanden, vernehmlich zu machen. „In einer halben Stunde wird der Schoner in den Brandungen ſein,“ ſagte Hayard, welcher an des jungen Capitäns Seite ſtand.„Warum wirft er nicht Anker? Nur die göttliche Vorſehung kann ihn noch retten.“ „Und die göttliche Vorſehung wird ihn retten,— Dank dem allmächtigen Gott für ſeine Güte!“ rief Roswell Gar⸗ diner.„Habt Ihr dieß wahr genommen, Herr Hayard?“ Unſeres jungen Seemannes„Dieß“ war in der That ein ſehr wichtiges Vorzeichen. Der Wind hatte ſich ſo plötz⸗ lich beſchwichtigt, daß die Segelfetzen, welche der andere Schoner führte, ſchlaff niederfielen. Anfangs glaubten unſere Seeleut bracht, bemerkl D folgte G ſein ei nicht n 55 geprieſ „7 eine S U dieſer diner: D Kennel Abtriff Worte ſprach die W gebroc Südo hoffe, ſchen digkeit twa zwei eine oder nd.“ zobald die egel ſeines n ſchräger rnen ging. well Gar⸗ rzeugt, er ſich nie nüſſen das fall werde r Verſuch e Stimme nd auf die t ſtanden, er in den es jungen ker? Nur — Dank well Gar⸗ yard?“ der That h ſo plötz⸗ der andere hten unſere — 195— Seeleute, die Grundwellen hätten dieſe Wirkung hervorge⸗ bracht, der Wechſel machte ſich aber auch bald bei ihnen bemerklich, ſo daß kein Irrthum mehr möglich war. Der Wind erhob ſich noch eine Minute fürchterlich, dann folgte abermals völlige Stille. Gardiner eilte an die Nothleine, um die Wirkung auf ſein eigenes Schiff zu beobachten. Seine Anker ſchleiften nicht mehr. 3 „Gott iſt mit uns!“ rief der junge Capitän.„Ewig geprieſen ſei ſein heiliger Name!“ „Und der ſeines einzigen und wahren Sohnes!“ ſetzte eine Stimme an ſeiner Seite hinzu. Ungeachtet der bedrängten Lage und Erregung, welche dieſer plötzliche Wechſel hervorbrachte, wendete ſich Roswell Gar⸗ diner um, um zu ſehen, woher dieſe Mahnung gekommen ſei. Der älteſte Seemann an Bord, Stimſon, ein Mann von Kennebunk, welcher hierher befehligt worden, um auf die Abtrifft des Schiffes zu achten, hatte dieſe ungewöhnlichen Worte laut werden laſſen. Die Andacht, mit welcher er ſprach, machte mehr Eindruck auf den jungen Capitän, als die Worte ſelbſt, denn jene war bei Seefahrern ſehr unge⸗ wöhnlich, während eine ſolche Sprache dieß nicht in dem Grade war. Gardiner erinnerte ſich ſpäter dieſes kleinen Begebniſſes, welches nicht ohne Folgen blieb. „Ich glaube, Herr,“ ſagte Hayard,„der Sturm hat ſich gebrochen. Es ereignet ſich oft an unſeren Küſten, daß der Südoſt plötzlich umſpringt und aus Nordweſten bläſt. Ich hoffe, es wird nicht zu ſpät ſein, um den Vineyarder Bur⸗ ſchen zu retten, obgleich er mit einer fürchterlichen Geſchwin⸗ digkeit auf die Brandungen losſtürmt.“ — 196— „Jetzt fliegt ſein Fockſegel wieder, und nun ſchweigt der Wind von Neuem,“ verſetzte Gardiner.„Ich ſage Euch, Herr Hayard, der Wind wird umſpringen, und nur dieß kann uns Beide aus dieſen Brandungen retten.“ „Und dieß haben wir der Gnade des allmächtigen Gottes durch die Fürſprache ſeines einigen Sohnes zu danken!“ ſetzte Stimſon mit derſelben Inbrunſt hinzu, obgleich er mit ſehr leiſer Stimme, gleichſam vor ſich hin, ſprach. Roswell Gardiner war wieder überraſcht, und einen zweiten Augenblick vergaß er den Sturm und ſeine Gefahren. Es war jedoch kein Sturm mehr, denn der Wind hatte ſich entſchieden gemäßigt und die beiden Ankertaue des Scho⸗ ners ſpannten ſich nur, wenn das Rollen der Wellen ihn hob und ſenkte. Dieſes Spielen der Wellen gefährdete den andern Schoner noch, denn es trieb ihn, obgleich nicht mehr mit der⸗ ſelben Raſchheit, den Brandungen entgegen. „Warum wirft der Burſche nicht Anker?“ rief Gardiner in ſeiner Angſt, denn für ſich hatte er jetzt nichts mehr zu beſorgen.—„Wenn er nicht ankert, wird er in das weiße Waſſer getrieben und iſt verloren.“ „Er denkt ſo wenig daran, daß er ſeine Reffe losmacht,“ antwortete Hayard.„Seht, dort zeigt ſich ein Matroſe in der Höhe, der das Obenſegel löſt, und dort beginnt bereits ein ganzes Marsſegel zu flattern.“ In der That ſchien Daggett eher geneigt, ſeinen Segeln als ſeinen Ankern zu vertrauen. Nach einer kurzen Weile ſtand ſein Schiff unter vollen Segeln und bemühte ſich, die einzelnen Windſtöße zu fangen und ſo an das Land anzutreten. Jetzt ſenkte ſich der Wind wieder und die Segel ſchlugen ſo ſchn halbe 2 entgege Di entgeger niedergt plötzlich Schicku Gegenſt 2,9 Nordwe Di ab und welche währen neuen Spann geſetzter G See hi aber b rampor weigt der ge Euch, dieß kann n Gottes !“ ſetzte mit ſehr d einen Befahren. ad hatte es Scho⸗ ihn hob n andern mit der⸗ Gardiner mehr zu as weiße zmacht,“ atroſe in t bereits Segeln n Weile hte ſich, as Land ſchlugen — 197— ſo ſchwer an, daß Gardiner und ſeine Leute es auf eine halbe Meile hörten. Dann füllte ſich die Leinwand wieder in entgegengeſetzter Richtung und der Wind blies vom Lande her. Die Naſe des Schoners wurde augenblicklich den Wellen entgegen gewendet und die Lothleine, welche an der Seite niederging, zeigte, daß er in der rechten Richtung ging. Dieſe plötzlichen Wechſel, welche zuweilen verderblich, zuweilen Schickungen der göttlichen Gnade ſind, haben ſtets ſtarke Gegenſtrömungen der Luft in ihrem Gefolge. „Nun wird er kommen,“ ſagte Hayard,„ein ächter Nordweſt, der ſeine rauhe Seite herauskehren wird.“ Die Richtigkeit dieſer Anſicht machte ſich bald geltend. Nach zehn Minuten blies es ſchwer und in einer Richtung, welche der faſt entgegengeſetzt war, in welcher ſich die Strö⸗ mung des Windes bisher bewegt hatte. Wie es ſich von ſelbſt verſteht, hielt der Seelöwe von Vineyard vom Lande ab und wälzte ſich durch die entgegenkämpfenden Wellen, welche noch immer von dem hohen Meere herein rollten, während der Seelöwe von Oyſter⸗Pond den Einfluß der neuen Windſtrömungen fühlte und mit geringer oder keiner Spannung ſeiner Ankertaue zwiſchen den zwei entgegen⸗ geſetzten Kräften, wenn wir ſo ſagen dürfen, ſchwankte. Gardiner erwartete, er würde ſeinen Gefährten in die See hinaus abhalten und das Weite ſuchen ſehen, ſtatt deſſen aber brachte Daggett ſeinen Schoner ganz in die Nähe des ramponirten Schiffes*) und warf Anker. Dieſes fremdnachbarliche Gehaben war zu unzweideutig, *) Ein krankes, nicht ſeehaltiges, rhedeloſes Schiff. Der Ueberſetzer. ——= ——— — — — 198— als daß es einer Erklärung bedurft hätte. Die Vineyarder beabſichtigten, ſich neben ihren Gefährten zu legen, bis er keine Gefahr mehr zu fürchten hätte. Die„rauhe Seite“ des Nordweſtwindes war zu fühlbar, als daß vor dem nächſten Morgen ein Verkehr möglich geweſen wäre, dann aber mäßigte ſich die kleine Bö zu einer guten, ſtetigen Kühlte, die Wellen gingen nieder und das Waſſer wurde die ganze Küſte entlang vergleichsweiſe glatt. Die Linie weißen Waſſers, welche die Brandungen andeutete, war noch ſichtbar, erregte aber keine Beſorgniß mehr. Die Nothmaſten an Bord des beſchädigten Schiffes wurden eingeſetzt und gerade in dem paſſenden Augenblicke ſchwammen die Trümmer der Spieren und des Takelwerkes mit der Ebbe ſo nahe heran, daß die Boote die Segel und faſt die ganze Takelage einnehmen konnten. Auch der große Maſt, eine vortreffliche Spiere, wurde entlang verteut und gerettet. Zehntes Kapitel. Der Schatten weicht von deiner Stirne, Aus deiner Bruſt die Schmerzen; Doch wo dein irdiſch Lächeln weile, Erfreun ſich nimmer unſre Herzen. Mrs. Hemans. Sobald es möglich war, die Boote auf das Waſſer zu bringen, oder mit dem Anbruche des nächſten Morgens, kam Daggett zu ſeinem Gefährten herüber. Er wurde mit ſee⸗ männiſcher Herzlichkeit bewillkommt und ſeine Dienſterbietungen wurden entgegen dieſem w barlicher ſichtigun die erſt ſelten b daß ſie Erwerb Menſche ein Gö⸗ unſere Ge grund, wollte anderer Oyſter beſuchte genug Hilfe beſſer D Schiff bringe am N die Ki K ſtand Geſich hatten ineyarder „bis er 2 Seite“ nächſten mäßigte ſe Wellen e entlang velche die aber keine 's wurden jwammen der Ebbe die ganze aſt, eine tet. er Stirne, merzen; weile, Herzen. Hemans. Waſſer zu eens, kam mit ſee⸗ bietungen — 199— wurden eben ſo bereitwillig angenommen, als man ſie im entgegengeſetzten Falle angetragen haben würde. In all dieſem war ein ſeltſames, charakteriſtiſches Gemiſch von nach⸗ barlichem und chriſtlichem Wohlwollen und ſcharfer Berück⸗ ſichtigung des Hauptziels der Reiſe nicht zu verkennen. Wenn die erſteren Pflichten von den Nachkommen der Puritaner ſelten bei Seite geſetzt werden, kann man mit Wahrheit ſagen, daß ſie ihre weltlichen Zwecke nie aus dem Auge verlieren. Erwerb und Gewinn gelten als unausſchließliche Theile der Menſchenpflicht, und wie unſere Verwandten aus Alt⸗England ein Götzenbild in Geſtalt der Ariſtokratie verehren, ſo beten unſere Verwandten aus Neu⸗England das goldene Kalb an. Genau genommen, hatte Daggett einen doppelten Beweg⸗ grund, Gardiner jetzt ſeine Dienſte anzubieten, einerſeits wollte er ſeinen moraliſchen Verpflichtungen Genüge thun, andererſeits wünſchte er in der Nähe des Seelöwen von Oyſter⸗Pond zu bleiben, damit dieſer die kleine Inſel nicht beſuchte, von welcher er einzelnes ſehr Anziehende, aber nicht genug wußte, um die Stelle zu finden, wenn es nicht durch Hilfe derer geſchah, welche in Betreff der eigentlichen Lage beſſer unterrichtet waren, als er. Daggett's Boote waren behilflich, das Wrackwerk an das Schiff zu ſchaffen und Segel und Takelage in Sicherheit zu bringen, dann halfen die Leute die Nothmaſten einſetzen, und am Nachmittage waren beide Schiffe unterwegs und hielten die Küſte entlang nach Südweſten ab. Hatteras war jetzt nicht mehr ſchrecklich, denn der Wind ſtand noch ſüdweſtlich, und ſie behielten jene Brandungen im Geſichte, welche ſie erſt den Tag vorher ſo ſehnlich gewünſcht hatten, nie wieder zu ſehen. Sie umſegelten in dieſer Nacht —jy— — das fürchterliche Cap,— eine weit in die See auslaufende Sandſpitze, welche einen ganz flachen Strand hat und nir⸗ gends mit dem feſten Lande zuſammenhängt. Nachdem ſie einmal um dieſen vorſpringenden Küſten⸗ winkel herum waren, hatten ſie eine Lee und konnten nach Südweſten abhalten. Mit dem Winde krahnbalksweiſe ſchifften ſie den Tag hindurch entlang. Während des Abends nahmen ſie einen Lootſen an Bord, umſegelten in der Nacht Cap Look out(Auslug), eine gute Landmarke, welche die nach Norden gehenden Schiffe wohl in das Auge zu faſſen haben, da ſie an die Nähe des heimtückiſchen, ſtürmiſchen Hatteras erinnert, und kamen am nächſten Morgen, als die Sonne eben aufging, vor dem Hafen von Beauford an. Mittlerweile hatte der Nordweſt ſich ausgeblaſen und beide Schoner traten mit einer leichten Südkühlte an Beau⸗ ford, wo ſich eben Waſſer genug fand, um ſie aufzunehmen. Dieß war die ganze Küſte entlang der einzige Platz, welcher den Abſichten, um derentwillen ſie einliefen, entſprach und alles das beſaß, was Roswell Gardiner in dieſem Augenblicke brauchte. Jene Gegend hat Fichtenholz und Spieren in Ueberfluß, und der Burſche, welcher als Lootſe diente, ſagte unſerem jungen Capitän, er würde ſchon nach der erſten Stunde ſeiner Ankunft gerade die Maſten haben, welche er brauche, und Roswell fand, daß der„Banker“ recht hatte. Banker heißt man eine zerſtreute Bevölkerung von Strand⸗ dieben, Fiſchern und dergleichen, welche auf den langen, niedri⸗ gen, ſchmalen Küſtenzungen leben, die ſich dieſe ganze Küſte entlang ziehen und von Cap Fear(Schrecken) bis Cap Henry, eine Entfernung von hundert fünfzig Meilen, reichen. Inner⸗ halb derſelben liegen die geräumigen Sunde, deren wir bereits gedacht Pimlice Carolirn jener C Cap F und ſe ſein Ar V der nie hätte, ſich ein genheit Dagger die Die treten, Beſpre bereits Spiere ich in ſein, u treffen. ſagte die Rr nicht ein F Schiff und w einand slaufende und nir⸗ 1 Küſten⸗ nten nach ſe ſchifften 3 nahmen acht Cap die nach zu faſſen ürmiſchen ,als die an. iſen und an Beau⸗ unehmen. „welcher rach und ugenblicke bieren in te, ſagte eer erſten welche er cht hatte. Strand⸗ I, niedri⸗ aze Küſte p Henry, Inner⸗ r bereits — 201— gedacht haben, und die, mit Einſchluß von Albemarle und Pimlico, die Waſſerthore zu den Seegeſtaden von ganz Nord⸗ Carolina bilden. Mit Recht nennt man die letzte Landſpitze jener Gegend, welche unſere Schoner aber nicht umſchifften, Cap Fear. Mit ihr beginnen die gefährlichen Küſtenpunkte, und ſchon der Name dient dem Schiffer als eine Mahnung, ſein Auge offen zu halten. Vor der Einfahrt in den ſchönen Hafen von Beauford, der nichts zu wünſchen übrig ließe, wenn er mehr Waſſertiefe hätte, legten die Schoner bei, um zu warten, bis die Fluth ſich ein wenig höbe, und Roswell Gardiner nahm dieſe Gele⸗ genheit wahr, um an Bord ſeines Gefährten zu gehen und Daggett den Dank auszudrücken, zu welchem er ſich durch die Dienſte, die der Andere ihm geleiſtet, verpflichtet fühlte. „Ihr denkt natürlich nicht daran, in den Hafen zu treten, Capitän Daggett,“ fuhr unſer Held während der Beſprechung dieſes Gegenſtandes fort,„nachdem Ihr Euch bereits ſo viel unnöthige Mühe gemacht habt. Wenn ich die Spieren ſinde, von welcher der Banker geſprochen hat, werde ich in acht und vierzig Stunden wieder auf der offenen See ſein, und wir können uns in einigen Monaten vor Cap Horn treffen.“ „Ich will Euch ſagen, wie ich die Sache anſehe, Gar'ner,“ ſagte der Vineyarder Seemann und ſchob ſeinem Gefährten die Rumflaſche zu,„ich bin ein einfacher Burſche und mache nicht viel Redens davon, wenn ich etwas thue, aber ich bin ein Freund guter Kameradſchaft. Wir waren Beide dem Schiffbruch nahe, näher als ich es je in meinem Leben war, und wir entkamen, und wenn Männer etwas dieſer Art mit einander durchgemacht haben, ſollten ſie zuſammen halten, ſo lange ſie können, und ich werde es nicht über mich gewinnen, von Euch zu ſcheiden, ehe ich Euch wieder mit eben ſo vielen Armen und Beinen verſehen weiß, als ich ſelbſt habe. Dieß iſt eben mein Gefühl, und ich will nicht ſagen, ob es ein richtiges Gefühl iſt oder nicht.— Schenkt Euch ein!“ „Es iſt ein lobenswerthes Gefühl, Capitän Daggett, Ihr mögt Euch deſſen verſichert halten. Mein Herz ſagt mir, daß Ihr Recht habt, und ich danke Euch für dieſen neuen Beweis Eurer Freundſchaft. Ihr dürft aber nicht vergeſſen, daß es Leute in der Welt gibt, welche man Schiffseigenthümer nennt. Ich werde mit dem meinigen genug zu thun bekommen, und wünſche nicht, daß auch Ihr mit dem Eurigen in Ungelegen⸗ heiten kommt. Hier bläſt eine hübſche kleine Kühlte, um in die See hinaus zu laufen, und wenn Ihr ſüdwärts auf Ber⸗ muda abhaltet, ſchneidet Ihr ein gutes Stück Weges ab und kommt weit genug nach windwärts in die Paſſatwinde, um Euern Curs ſicher weiter zu ſteuern.“ „Dank Euch, Dank Euch, Gar'ner! Ich kenne meinen Weg und weiß die Plätze, welche ich befahren ſoll, zu finden, obgleich ich kein großer Seefahrer bin. Ich habe mich nie mit den Mondtafeln beſchäftigt und wußte nichts mit einem Chronometer anzufangen, was aber den Weg zwiſchen Martha's Vineyard und Cap Horn betrifft, ſo weiche ich keinem lebenden Schiffsmeiſter.“ „Ich fürchte, Capitän Daggett, wir ſind Beide von unſerem eigentlichen Curs abgewichen, als wir uns dort drüben vor Hatteras in die Klemme treiben ließen. Nun, ich hatte den Platz nie geſehen und wünſche, ihn auch nicht wieder zu ſehen. Er liegt ſo fern von dem Pfade eines Wallſiſch⸗ oder Robbenfängers, wie der Jupiter von der Bahn des Mars oder der Venus.“ „A ich nicht ſag’ Eu⸗ kommt Dann h eben ſo die Häl Robbenl von Bu Ich ver ſoll, a meiner Rum u 271 zuſteuer das he Capitä Gar'n müßt, nicht i Mißge Dieß i Euer Unglü dem 2 Hafen Euer hier e ewinnen, ſo vielen e. Dieß phes ein 77 gett, Ihr mir, daß Beweis daß es er nennt. en, und agelegen⸗ , um in auf Ber⸗ ab und nde, um e meinen u finden, mich nie lit einem Nartha's lebenden eide von uns dort Nun, ich ich nicht de eines von der — 203— „Ah, da kommt Ihr mit Euern Mondtafeln, von denen ich nichts verſtehe, und um die ich mich nicht bekümmere. Ich ſag' Euch, Gar'ner, ein Mann, der ein geſundes Urtheil hat, kommt ohne Mondtafeln eben ſo gut fort als mit denſelben. Dann hat ein Robbenfänger ſo eine gelehrte Schiffahrtskunde eben ſo wenig nöthig, wie ein anderer Menſch. Mehr als die Hälfte unſeres Berufes beruht auf Glück, und die beſten Robbenbezirke, von denen ich gehört habe, wurden zufällig von Burſchen aufgefunden, welche ihren Weg verloren hatten. Ich verabſcheue die Mondtafeln, wenn ich die Wahrheit ſagen ſoll, aber ich ſteure gern den nächſten Weg in den Hafen meiner Beſtimmung.— Nehmt ein wenig Zucker zu Euerm Rum und Waſſer, wir Vineyarder lieben das Süße.“ „Und um auf dem nächſten Weg auf Euern Hafen los⸗ zuſteuern, ſeid Ihr auf Euerm Curs in das ſtille Meer hierher, das heißt, fünf hundert Meilen von Euerm Weg abgekommen, Capitän Daggett?“ „Ich bin der Geſellſchaft wegen hierher gekommen, Gar'ner. Wir hatten keine große Wahl, wie Ihr zugeben müßt, denn wir hätten die Sandbänke auf der andern Seite nicht umſchiffen können. Ich ſehe in unſerer Lage kein großes Mißgeſchick, wenn Ihr nur nicht maſtlos geworden wäret. Dieß iſt eine Ausgabe von zwei bis drei hundert Dollars, und Euer Schiffsherr wird wohl ein wenig murren, aber ein Unglück iſt es nicht. Ich werde bei Euch bleiben und kann dem Decan ſagen, was zu ſagen iſt, wenn Ihr ihm in dem Hafen einige Zeilen ſchreibt.“ „Wie es mir ſcheint, wär' es eine Ungerechtigkeit gegen Euern Schiffsherrn, wie gegen den meinigen, wenn ich Cuch hier aufhielte, Capitän Daggett,“ verſetzte Roswell unſchuldig, — 204— denn er hatte nicht die entfernteſte Ahnung von dem wahren Beweggrunde aller dieſer ſcheinbaren Kameradſchaftlichkeit,— „und ich wünſche dringend, daß Ihr mich verlaßt.“ „Ich denke nicht daran, Gar'ner. Es würde ein greu⸗ liches Gerede auf Vineyard geben, wenn ich etwas dieſer Art thäte.„Ihr ſollt nicht von Euerm Gefährten laſſen,“ heißt das eilfte Gebot auf unſerer Inſel.“ „Darum habt Ihr auch ſo viele alte Jungfern dort, glaub' ich, Daggett,“ bemerkte Roswell Gar'ner lachend. „Nun, ich dank' Euch für Eure Güte und werde derſelben eingedenk ſein, wenn ſich eine Gelegenheit bietet, ſte zu erwie⸗ dern. Die Fluth muß jedoch jetzt kommen, und wir dürfen nicht nutzlos unſere Zeit verlieren. Auf eine glückliche Reiſe für uns Beide, Capitän Daggett, und auf eine glückliche Wiederkehr zu Liebchen und Weibern.“ Daggett hob ſein Glas auf dieſen Trinkſpruch, und dann begaben ſich Beide auf das Deck. Roswell Gardiner war der Anſicht, eine zuvorkommendere Schiffsgeſellſchaft, wie die des Seelöwen von Holmes' Hole, ſei nicht in der Welt zu finden, denn obgleich die Intereſſen Aller an Bord ſich an den Ertrag ihrer Reiſe knüpften, ſchienen ſie insgeſammt gewillt, ſo lange, als es möglich war, ſich nützlich zu erweiſen, bei ihm und ſeinem Schiffe zu bleiben. Wallſiſch⸗ und Robbenfänger nehmen ihre Mannſchaft nicht gegen baaren Sold an Bord, wie dieß bei den meiſten Schiffen der Fall iſt. Von der Thätigkeit des„Volks“ hängt bei ſolchen Reiſen ſo viel ab, daß jeder Matroſe einen unmit⸗ telbaren Antheil an dem Erfolge hat. Demzufolge treten Alle gegen eine Belohnung an Bord, welche durch die Theilung der Rückfracht ermittelt wird. Die Bedingungen, unter wel⸗ chen ein Stellung an dem Weiſe f Ausrüſtt Ertrags Mannſch nachdem weniger geſtalten Au und ſei wenn ſie Schiffe lichkeit: Es ungewöl Nutzen denn de weſentli maſteter Be der leie Stadt welche fanden freuen, tigen 2 förderte Seemai n wahren chkeit,— ein greu⸗ dieſer Art ,“ heißt ern dort, lachend. derſelben zu erwie⸗ ir dürfen che Reiſe glückliche und dann war der 2 die des u finden, n Ertrag ſo lange, ihm und unnſchaft meiſten “ hängt unmit⸗ eten Alle Theilung tter wel⸗ — 205— chen ein Matroſe eintritt, heißt ſein„Lohn“ und nach ſeiner Stellung, Erfahrung und Brauchbarkeit richtet ſich fein Antheil an dem Hundert. Der Schiffsherr macht ſich in gleicher Weiſe für ſeine Gefahr und Auslage bezahlt; Schiff und Ausrüſtung nehmen gewöhnlich zwei Drittheile des ganzen Ertrags hinweg, das Uebrige fällt den Offizieren und der Mannſchaft zu. Dieſe Bedingungen wechſeln ein wenig, je nachdem der Ertrag dieſer Reiſen auf dem Markte mehr oder weniger im Werthe ſteht und die Koſten der Ausrüſtung ſich geſtalten. Aus dem Geſagten geht hervor, daß Capitän Daggett und ſeine Mannſchaft„in ihre eigenen Taſchen griffen,“ wenn ſie ihre Zeit verloren, indem ſie bei dem ramponirten Schiffe blieben. Gardiner wußte dieß und ſchlug ihre Freund⸗ lichkeit um ſo höher an, als er ſonſt gethan haben würde. Es könnte beim erſten Anblicke ſcheinen, als ſei all dieſe ungewöhnliche Zuvorkommenheit überflüſſig und ohne allen Nutzen geweſen. Dieß war jedoch wirklich nicht der Fall, denn die Mannſchaft des zweiten Schoners war von dem weſentlichſten Nutzen und förderte die Ausrüſtung des ent⸗ maſteten Schiffes bedeutend. Beauford hat einen vortrefflichen Hafen für Schiffe von der leichten Waſſerdracht unſerer beiden Robbenfänger, die Stadt iſt aber unanſehnlich und Arbeiter, beſonders ſolche, welche zu dergleichen Leiſtungen hinreichend befähigt waren, fanden ſich nur ſelten. Roswell Gardiner mußte ſich daher freuen, in dem„Volke“ des Seelöwen von Vineyard ſo thä⸗ tigen Beiſtand zu finden, und die Leute der beiden Schiffe förderten ihr Werk mit einer Raſchheit, welche ſelbſt eines Seemanns Ungeduld befriedigte. Die Ausbeſſernngen rückten in der That ſo ſchnell vor, daß Gardiner am Nachmittage des zweiten Tages nach ſeiner Ankunft wieder in See ſtechen konnte, und ſein Schoner war jetzt ohne Zweifel in einem beſſern Zuſtande, als an dem Tage, an welchem er Oyſter⸗ Pond verlaſſen hatte.— Der electro⸗magnetiſche Telegraph beſtand in jenen Tagen noch nicht. Wir ſchätzen uns glücklich, mit dem ausgezeich⸗ neten Bürger, welcher ſeinem Vaterlande dieſes vichtige Geſchenk gemacht hat,— ein Geſchenk, welches ſeinen Namen mit dem Fulton’'s der Nachwelt überliefern wird,— perſön⸗ lich bekannt zu ſein. Man hat ihn, ſowie den letztgenannten Erfinder, der Ehre ſowie des Gewinnes, welcher ſich an ihre geiſtreiche Erfindung knüpfte, berauben wollen. Was den Gewinn betrifft, ſo behaupten wir, daß es dem Amerikaner täglich ſchwerer wird, ſeine Rechte gegen Mehrheiten geltend zu machen. Ohne Frage ſollte die Regierung dieſer großen Republik auf wohl erwogenen, gerechten Grundſätzen fußen und gewiſſe Fragen zu gewiſſen Zeiten der großen Maſſe vor⸗ gelegt werden, als der klügſte, natürlichſte und zumal gerech⸗ teſte Weg, ſie zu entſcheiden. Eine ſolche Regierung würde unter guter Leitung und unter ſorgfältigſter Beachtung der leitenden Grundſätze ohne Zweifel die beſte ſein, welche die menſchliche Schwäche einer Nation zu bieten vermag. Wenn man ſich aber dem großen Irrthume hingibt, anzunehmen, die bloße Mehrheit habe über Alles zu entſcheiden und dürfe ſich über jene große Grundgeſetze erheben, welche der Staat als Schranke gegen jeden Uebergriff aufgeſtellt hat, dann darf man fragen, ob ein ſo lockeres, launenhaftes, ſelbſtſüchtiges Syſtem nicht zuletzt das ſchlimmſte Mittel zu werden drohe, um die wildeſten Leidenſchaften in Bewegung zu ſetzen. Das Streb zwei D obgleich der Inf ſpruche offenbar entgeger brauch ſelbſt r um die Grunde dieſes!: Menſch des R ſtamme welche Pläne können bevor ßen R Geiſt Leiden ſchütze T tigkeite Wiſſer Ernſte würdit des e waren achmittage See ſtechen in einem er Oyſter⸗ nen Tagen ausgezeich⸗ wichtige en Namen — perſön⸗ genannten h an ihre Was den lmerikaner en geltend er großen zen fußen Naſſe vor⸗ nal gerech⸗ ung würde htung der welche die g. Wenn ihmen, die dürfe ſich Staat als dann darf ſtſüchtiges den drohe, den. Das — 207— Streben,— nicht der Geiſt der Inſtitutionen, denn dieſe zwei Dinge ſtehen im grellſten Widerſpruche mit einander, obgleich niedrige Geiſter ſie leicht verwechſeln,— das Streben der Inſtitutionen dieſes Landes geht im ſchreiendſten Wider⸗ ſpruche mit ihrem Geiſte und ihren Abſichten, welche offenbar dahin zielen, dem Hange der Menſchen zu Neuerungen entgegen zu wirken, ohne Frage dahin, dieſen großen Miß⸗ brauch zu nähren und Mehrheiten über Grundſätze zu ſtellen, ſelbſt während die Grundſätze feierlich angenommen werden, um die Mehrheiten ausdrücklich der Herrſchaft eines geſunden Grundgeſetzes zu unterwerfen. Dieſer Einfluß der Mehrheit, dieſes unſelige Mißverſtehen des Weſens der Freiheit, wodurch Menſchen und ihre Leidenſchaften über jene erhabenen Geſetze des Rechts geſtellt werden, die unmittelbar von Gott her⸗ ſtammen, werden ſtets mächtiger und drohen mit Folgen, welche alle für die Sicherheit des Staates ſo reif erwogenen Pläne der letzten Generation eben dieſes Volkes vernichten können, das weder Sicherheit noch ſelbſt Frieden hoffen kann, bevor es ſich ohne einen Gedanken an Widerſtand jenen gro⸗ ßen Rechtsgrundſätzen unterwirft, welche in Wahrheit den Geiſt ſeiner Inſtitutionen abgeben nnd uns allein gegen Leidenſchaften, Selbſtſucht und Habgier der rohen Maſſe ſchützen können. Wir haben die Abſicht nicht, uns auf die Vorrangsſtrei⸗ tigkeiten in Betreff der Entdeckungen auf dem Gebiete der Wiſſenſchaften einzulaſſen, erinnern uns aber lebhaft des Ernſtes und der aufopfernden Hingebung, mit welcher unſer würdiger Freund uns zuerſt ſeine Ideen über die Benutzung des electriſchen Funkens zu Telegraphen mittheilte. Wir waren zu Paris während des Winters 1831 und 1832 und des folgenden Frühlings faſt täglich beiſammen, und es gewährt uns große Freude, dieß öffentlich ausſprechen zu können, mögen Andere beſſere Beweiſe beibringen, wenn ſie können. Hätte Morſe ſeine große Erfindung dreißig Jahre früher ins Leben gerufen, ſo wäre Roswell Gardiner in den Stand geſetzt worden, an ſeinen Eigenthümer zu ſchreiben, und ehe er abſegelte, deſſen Antwort zu erhalten, ſo groß auch die Entfernung zwiſchen ihnen war. Wie die Dinge jetzt ſtanden, mußte er ſich begnügen, ſeinen Brief zu ſchreiben, welcher dem Decan etwa eine Woche ſpäter von ſeiner Nichte behän⸗ digt wurde, als er eben von einer kurzen Reiſe nach Southold zurückkehrte, wo er noch eine ſäumig eingegangene Rechnung für ſeinen Schoner zu berichtigen hatte.— „Hier iſt ein Brief für Euch, Oheim,“ ſagte Mary Pratt und bemühte ſich, ihre Gefühle nieder zu kämpfen, obgleich ſie in dem Gefühle ihrer eigenen Betheiligung bei der Sendung hoch erröthete.„Er iſt durch einen Irrthum von Sag⸗Hafen gekommen, der Köder⸗Joſeph brachte ihn eben herüber, als Ihr das Haus verlaſſen hattet.“ „Ein Brief mit dem Poſtzeichen„Beauford, N. C.“ Von wem in aller Welt mag dieſer Brief kommen? Und welche Summe für einen ſolchen Brief— einen halben Dollar!“ „Dieß iſt ein Beweis, daß Beauford weit von uns liegt. Ueberdieß iſt der Brief doppelt ſchwer. Ich glaube, es iſt Roswell's Handſchrift.“ Wenn die Nichte einen Sechspfünder vor ihres Oheims Ohr abgefeuert hätte, wäre ſein Schrecken ſchwerlich größer geweſen. Er wurde leichenblaß, und ſtatt den Brief zu erbrechen, wie er zu thun im Begriffe war, fuhr er mit der Hand zurück, als fürchte er ſich, den Inhalt zu erfahren. „Wa er ſeiner „Gar'ner dieſer unk hat, wert man in d „Es verfallen, ſie durch Roswell „Ne Er hat Vermöge ſind, als Ja, das Providen „N. in dieſen „N und ich ihn. A etwas a Ma ihn. D erſten T „D dich nich Stimme Stärke deren ſie 247- 3 gewährt n, mögen hre früher en Stand und ehe auch die ſtanden, „welcher te behän⸗ Southold Nechnung te Mary kämpfen, gung bei Irrthum ichte ihn N. C.“ n? Und Dollar!“ us liegt. e, es iſt Oheims h größer Brief zu mit der ren. — 209— „Was mag dieß bedeuten?“ ſagte der Decan, nachdem er ſeiner Stimme wieder einigermaßen mächtig geworden. „Gar'ner's Handſchrift! Ja, es iſt ſeine Handſchrift! Wenn dieſer unkluge, junge Menſch mich um meinen Schoner gebracht hat, werde ich es ihm in dieſer Welt nicht verzeihen, mag man in der andern auch gezwungen werden, es zu thun.“ „Es iſt nicht nöthig, ſogleich auf etwas ſo Schlimmes zu verfallen, Oheim! Man ſchreibt oft Briefe zur See und ſchickt ſie durch Schiffe, denen man begegnet, an das Land. Gewiß, Roswell wird es ſo gehalten haben.“ „Nein, nein, ſo etwas thut der leichtfertige Burſche nicht. Er hat mich um meinen Schoner gebracht, und mein ganzes Vermögen iſt in den Händen der Stranddiebe, die ſchlimmer ſind, als Ratten in einer Speiſekammer.„Beauford, N. C.“ Ja, das muß eine der Bahamas ſein und N. C. bedeutet Neu⸗ Providence!— Ach, ach, ich Unglücklicher!“ „N. C. kann aber nicht Neu⸗Providence heißen, Oheim, in dieſem Falle würde der Stempel N. P. lauten,“ „N. C. oder N. P.! Dieß ſieht ſich ſchrecklich ähnlich, und ich fürchte das Schlimmſte. Nimm den Brief und öffne ihn. Ach, wie dick er iſt— es muß ein Wechſelproteſt oder etwas anderes, das viel Geld koſtet, beigeſchloſſen ſein.“ Mary nahm mit bebender Hand den Brief und öffnete ihn. Der Einſchluß zeigte ſich bald, und fie ſah auf den erſten Blick, daß er an ſie überſchrieben war. „Was iſt es, Mary? Was iſt es, mein Kind? Fürchte dich nicht, mir Alles zu ſagen,“ ächzte der Decan mit ſchwacher Stimme.„Ich hoffe, ich kann jedem Mißgeſchick chriſtliche Stärke entgegenſetzen. Iſt eines jener furchtbaren Siegel darauf, deren ſich die öffentlichen Notäre bedienen, wenn ſie Geld wollen?“ 247— 249. 14 — 210— Mary wurde feuerroth, und erſchien in dieſem Augenblick ſehr reizend, obgleich ſie ſo entſchloſſen war wie jemals, ihre Hand nur dem Manne zu geben, deſſen„Gott auch ihr Gott wäre.“ „Es iſt ein Brief an mich, Herr, ſonſt nichts, ich ver⸗ ſichere Euch, Oheim. Roswell ſchreibt mir öfter, wie Ihr wißt. Er hat ſeinen Brief dem an Euch beigeſchloſſen.“ „Ja, ja, ich freue mich, daß es nichts Schlimmeres iſt. Nun, woher iſt dieſer Brief geſchrieben? Gibt er die Länge und Breite an? Es wird mir eine Beruhigung ſein, wenn ich höre, daß er ſchon recht weit ſüdöſtlich ſteht!“ Die Röthe ſchwand aus Mary's Antlitz und ſie wurde blaß, als ſie die erſten Zeilen des Briefes überflog. Dann nahm ſie ihre ganze Entſchloſſenheit zuſammen, und es gelang ihr, dem Oheim die Vorfälle zu berichten. „Ein Unglück iſt dem guten Roswell zugeſtoßen,“ ſagte ſte, und ihre Stimme bebte vor Erregung,„obgleich es nicht halb ſo ſchlimm ſcheint, als es hätte werden können. Der Brief iſt zu Beauford in Nord⸗Carolina geſchrieben, wo der Schoner einlief, um ſich neue Maſten zu verſchaffen. Denn er hatte in einem Sturme vor Cap Hatteras die verloren, mit welchen er abgeſegelt war.“ „Hatteras!“ ſiel der Decan ſtöhnend ein,„was in aller Welt hat mein Schiff dort unten zu thun?“ „Ich kann Euch dieß nicht ſagen, Oheim,— das beſte wird jedoch ſein, ich leſe Euch Roswell's Brief vor und Ihr werdet dann die ganze Geſchichte erfahren.“ Mary begann nun laut zu leſen. Gardiner theilte einen offenen, klaren Bericht von Allem mit, was ſich ſeit der Trennung von ſeinem Schiffsherrn begeben hatte, er verſchwieg nichts, und ſuch den Seelt ſich dahit richt vor Lage der Vor war ihn dieſem T haben kü geringſte Vineyar ſtandes Capitän barkeit ausſpra er vor ſtechen weiſe je worden, „ Jemand „ tete M erbot, ford zu oft auf die chri S fr iſt eine Gelege Augenblick emals, ihre h ihr Gott ts, ich ver⸗ „wie Ihr ſſen.“ nmeres iſt. die Länge ſein, wenn h ſie wurde bg. Dann es gelang en,“ ſagte ch es nicht nen. Der n, wo der n. Denn verloren, . s in aller das beſte und Ihr eilte einen Trennung eg nichts, — 211— und ſuchte nicht einmal ſeine Schuld zu beſchönigen. Ueber den Seelöwen von Holmes' Hole ſchrieb er ausführlich, äußerte ſich dahin, er glaube, Capitän Daggett müſſe eine Art Nach⸗ richt von den Robbeninſeln haben, obgleich er die eigentliche Lage derſelben nicht genau zu kennen ſcheine. Von den kleinen Inſeln ſagte Roswell nichts, denn es war ihm nicht in den Sinn gekommen, daß Daggett von dieſem Theile ſeiner Sendung auch nur die entfernteſte Ahnung haben könne. In Folge dieſer Anſicht hegte er nicht den geringſten Argwohn in Betreff der Beweggründe, welche den Vineyarder an ihn feſſelten, und daher wurde dieſes Gegen⸗ ſtandes in dem Briefe auch gar nicht erwähnt. Unſer junger Capitän war im Gegentheil ſehr beredt, indem er ſeine Dank⸗ barkeit gegen Daggett und deſſen Mannſchaft für den Beiſtand ausſprach, welchen ſie ihm freiwillig geleiſtet, und ohne den er vor dem Ablauf einer Woche nicht wieder hätte in See ſtechen können. Eine Nachricht beſagte, daß der Brief theil⸗ weiſe jenſeit der Barre geſchrieben und dem Lootſen übergeben worden, um ihn zur Poſt zu beſorgen. „Freiwillig?“ ſtöhnte der Decan laut.„Als ob irgend Jemand ohne Bezahlung arbeitete?“ „Roswell drückt ſich darüber klar aus, Oheim,“ antwor⸗ tete Mary,„und hier könnt Ihr leſen, daß Daggett ſich erbot, ohne irgend eine Entſchädigung in den Hafen von Beau⸗ ford zu treten und die Arbeit fördern zu helfen. Schiffe ſtehen oft auf dieſe freundſchaftliche Weiſe einander bei, hoffe ich,— die chriſtliche Liebe fordert dazu auf.“ „Nicht ohne Bergelohn, nicht ohne Bergelohn! Dieſe Liebe iſt eine gute Sache, und es iſt unſre Pflicht, ſie bei allen Gelegenheiten zu üben, aber der Bergelohn geſellt ſich dieſer 14* * Liebe bei, wie das Intereſſe ſich jeder andern Tugend beige⸗ ſellt. Dieſer Schoner wird mich zu Gru nde richten, fürcht' ich, und die Stadt wird mich in meinen alten Tagen ernähren müſſen.“ „Dieß iſt nicht denkbar, Oheim, denn Ihr habt ihn bezahlt und Eure Höfe bleiben Euch ungeſchmälert, wie Eure ganze ſonſtige Habe. Ich ſehe nicht ein, wie der Schoner Euch zu Grund richten könnte.“ „Ja, ich bin verloren!“ verſetzte der Decan und ſtampfte in fieberhafter Erregung mit dem Fuße auf dem Boden,„ich bin gerade ſo zu Grunde gerichtet, wie es Roswell Gardiner's Vater war, und er hätte der reichſte Mann zwiſchen Oyſter⸗ Pond und Riverhead ſein können, hätte er ſich nicht auf ver⸗ kehrte Unternehmungen eingelaſſen. Ich erinnere mich noch, daß er viel beſſer ſtand, als ich, und er war wenig mehr als ein Bettler, als er ſtarb. Ja, ja, ich ſehe wie es iſt, dieſer Schoner hat mich zu Grunde gerichtet.“ „Roswell ſchickt Euch ja eine Berechnung alles deſſen, was er bezahlt hat, und gibt eine Tratte auf Euch ab, um ſein Geld zurückzuerhalten. Die ganze Rechnung beträgt nur 116 Dollars 72 Cent.“ „Das iſt nicht der Bergelohn. Zunächſt werden jetzt die Eigenthümer und die Mannſchaft des Seelöwen von Holmes' Hole mit ihrer Forderung für Bergelohn kommen. Ach, Kind, ich weiß wohl, wie es bei ſolchen Unfällen zu gehen pflegt! Gar'ner hat mich zu Grunde gerichtet, und ich werde als ein Bettler in mein Grab hinab ſteigen, wie es ſeinem Vater bereits ergangen iſt.“ „Wenn dieß der Fall wäre, Oheim, ſo würde ich allein dabei leiden, und ich werde mich bemühen, mich über Eure Verluſt Verſeh Herr, Mannf well o haben, es, He T welche in den und t Gardi las, ſ koſten 2 Wechf ihr C 1 well's offene der 8 welch Die welch inden ihren ſehur herbe über Banld gend beige⸗ en, fürcht' en Tagen habt ihn wie Eure r Schoner d ſtampfte oden,„ich Gardiner's en Oyſter⸗ t auf ver⸗ mich noch, mehr als iſt, dieſer Ules deſſen, ih ab, um eträgt nur en jetzt die n Holmes' Ach, Kind, den pflegt! de als ein nem Vater ich allein über Eure Verluſte nicht zu grämen. Hier hat aber Roswell wohl aus Verſehen meinem Briefe noch ein Papier beigeſchloſſen. Seht, Herr, es iſt eine Art Zeugniß von Capitän Daggett und ſeiner Mannſchaft unterzeichnet, worin ſte ausſprechen, daß ſie Ros⸗ well aus Theilnahme in den Hafen von Beauford begleitet haben, und jedem Anſpruche auf Bergelohn entſagen. Hier iſt es, Herr. Ihr könnt es ſelbſt leſen.“ Der Decan las nicht nur, er verſchlang faſt das Papier, welches durch ein Verſehen, wie Mary richtig geahnt hatte, in den Brief an ſie gekommen war. Dieſe Urkunde beruhigte und tröſtete den Oheim in dem Maaße, daß er nicht nur Gardiner's Brief mit großer Aufmerkſamkeit auf deſſen Inhalt las, ſondern auch die zu Beauford erwachſenen Ausbeſſerungs⸗ koſten verzieh.. Während er auf dem Gipfel ſeiner Freude über dieſen Wechſel des Standes der Dinge war, ſtahl ſich die Nichte in ihr Gemach, um ihren Brief ungeſtört zu leſen. Die Thränen, mit welchen Mary Pratt die Zeilen Ros⸗ well's benetzte, waren ſüß und bitter zumal. Die mannhafte, offene Darlegung ſeiner Liebe entlockte ihren Augen Thränen der Zärtlichkeit, während die Erinnerung an die weite Kluft, welche ſie trennte, jene Beweiſe der Zuneigung verbitterte. Die meiſten Frauen würden wahrſcheinlich das Pflichtgefühl, welches unſere Heldin aufrecht erhielt, aufgegeben, und es, indem ſie den Mann ihres Herzens annahmen, der Zeit, ihrem eigenen Einfluſſe und der Gnade der göttlichen Vor⸗ ſehung anheim gegeben haben, den ſo ſehr gewünſchten Wechſel herbeizuführen, Mary konnte ſich aber nicht in dieſem Grade über ihre hohen Pflichten blenden laſſen. Sie betrachtete das Band der Gatten mit Recht als die ernſteſte Verpflichtung, — 214— welche wir. übernehmen können, und nie würde ſie ihre Hand dem Manne gegeben haben, deſſen„Gott nicht ihr Gott war.“ Indeſſen enthielt dieſer kaum erwartete Brief Roswell's auch viel ſüßen Troſt. Er ſchrieb, wie immer, einfach, natür⸗ lich und ohne allen Hehl. Dieß galt in gleichem Grade von ſeinem Thun als Capitän des Schoners, wie von ſeinen Aeußerungen als Verehrer unſerer ſchönen Heldin. Er erzählte Mary die ganze Geſchichte ſeiner Schwäche und geſtand, daß ein albernes Gefühl des Stolzes, welches ihm nicht geſtattete, von dem Wettſtreit der beiden Schoner zu laſſen, verleitet habe, länger nach windwärts abzuhalten, als er ſonſt gethan hätte, und daß die Strömungen das ihrige dazu beigetragen, die Gefahr zu ſteigern. Was Daggett betreffe, ſo habe dieſer, nach ſeinem Bedünken, unter demſelben Einfluſſe gehandelt, doch nahm er nicht Anſtand, ſeine ganze Dankbarkeit für dieß edle Benehmen dieſes Seemannes, welcher ihm in der Noth beigeſtanden, lebhaft auszudrücken. Manchen trübſeligen Monat ſchöpfte Mary Pratt ſüßen Troſt aus dieſem köſtlichen Briefe. Es lag vielleicht nur in der menſchlichen, oder wenigſtens in der weiblichen Natur, daß fie mit der Zeit auf jene Stellen mit Vorliebe blickte, welche dem Sehnen ihres eigenen Herzens am beſten entſprachen, und daß ſie am Ende ſo weit kam, beim Durchleſen des Briefes theilweiſe zu vergeſſen, daß er von einem Manne herrührte, welcher ſich mit Wiſſen und Vorbedacht der Anſicht hingab, der Erlöſer ſei nicht in dem, wenn wir ſo ſagen dürfen, katholiſchen Sinne des Wortes der Sohn Gottes. Die Zeitungen theilten die Nachricht von dem Einlauſen der„Zwillings⸗Seelöwen,“ wie ſie genannt wurden, in den Hafen von Beauford, nm Beſchädigungen auszubeſſern, und von ihr aus de und wä ſie dieſ M ein Zei den ode gefühl denken in ein mehr, Gebete inbrün N Nachde tüchtig In B eine kl diner. ſteuerr der E vorbei zu m urthei er de wünſe fern änder mehr hre Hand ött war.“ Koswell's „ natür⸗ rade von n ſeinen erzählte und, daß eſtattete, verleitet t gethan getragen, e dieſer, handelt, für dieß er Noth t ſüßen nur in ur, daß welche en, und Briefes rrührte, hingab, dürfen, nlaufen in den n, und von ihrer gemeinſamen Abreiſe mit. Dieſe Zeilen ſchnitt ſie aus der Zeitung aus, fügte ſie Roswell's letztem Briefe bei, und während des nächſten Jahres verging kein Tag, an welchem ſie dieſelben nicht hundert Mal und noch öfter geleſen hätte. Man bedarf jedoch dieſe Beweiſe der Zärtlichkeit nicht als ein Zeichen betrachten, daß ſie ihren Grundſätzen untreu gewor⸗ den oder daß ſie geneigt geweſen wäre, ihr Urtheil und Pflicht⸗ gefühl ihrer Liebe unterzuordnen. Im Gegentheil, das Nach⸗ denken kräftigte ihren Muth, und ihr Geiſt befeſtigte ſich in einem Entſchluſſe, welcher ihr heilig ſchien, mehr und mehr, je länger ſie über dieſe Frage nachdachte. Aber ihre Gebete für ihren abweſenden Geliebten wurden häufiger und inbrünſtiger. Mittlerweile ſetzten die beiden Seelöwen ihre Reiſe fort. Nachdem ſie Beauford verlaſſen hatten, liefen ſie mit einem tüchtigen Südweſt, der ihre Segel füllte, von der Küſte ab. In Betreff des Curſes, welchen ſie verfolgen ſollten, herrſchte eine kleine Meinungsverſchiedenheit zwiſchen Daggett und Gar⸗ diner. Der Letztere war der Anſicht, ſie müßten„höher hinauf⸗ ſteuern“ und ſüdlich von den Bermudas ablaufen, während der Erſtere ſtracks öſtlich ſteuern und nordwärts an jener Inſel vorbeigehen wollte. Gardiner wünſchte ſehnlichſt, ſeine Mißgriffe wieder gut zu machen, und den kürzeſten Weg einzuſchlagen, Daggett urtheilte aber ruhiger und trug den Winden Rechnung, indem er den Hauptzweck der Reiſe in das Auge faßte. Vielleicht wünſchte er auch, ſeinen Gefährten von all den kleinen Inſeln fern zu halten, bis er ſich gezwungen ſähe, ſeinen Curs zu ändern und auf dieſe Weiſe über ſeine Abſichten keinen Zweifel mehr zu laſſen. Des einen Umſtandes war Daggett jetzt gewiß, er hatte ſich überzeugt, daß der Seelöwe von Oyſter⸗Pond dem von Holmes' Hole nicht entrinnen könne, und er war feſt entſchloſ⸗ ſen, ſich in der Nacht oder bei Böen nicht von ihm trennen zu laſſen. Was Roswell Gardiner betrifft, ſo dachte dieſer nicht im Entfernteſten daran, ſich nach ſeiner kleinen Inſel umzuſchauen, bevor er die ſüdlichen Bezirke beſucht hätte, er hatte daher auch keine Ahnung von den Gründen, warum ſich der Andere ihm ſo enge anſchloß, am Wenigſten aber, warum er ihn von Weſtindien fern halten wollte, bis er ſich entſchlöſſe, an ſeinem Eldorado zu landen.— Beauford liegt etwa zwei Grade nördlich von den vier⸗ hundert Felſen, Klippenbänken und kleinen Inſeln, welche man die Bermudas nennt, eine vorgeſchobene Schiffsſtation, welche einer eiferſüchtigen Handelsmacht gehört, und von dieſer nur als ein Punkt behauptet wird, welcher im Falle eines Krieges mit der Republik von Bedeutung ſein kann. Wenn die An⸗ ſichten wirklicher Staatsmänner und nicht die bloßer Politiker in Amerika ſich Geltung verſchafft hätten, wäre dieſer Freiſtaat längſt mit aller Kraft darauf beſtanden, auf jenen Inſeln unſere Flagge an die Stelle der engliſchen zu ſetzen. Jetzt ſind ſie eine Station für feindliche Flotten, ein Aufbewahrungs⸗ ort für weggenommene Schiffe und ein Lagerplatz für Kriegs⸗ vorräthe, als hätte die Natur ſie ausdrücklich dazu beſtimmt, die ganze amerikaniſche Küſte in Unterwürfigkeit zu erhalten. Während kleine Männer mit großen Namen ſich wegen füdweſtlichen Erwerbungen und nordöſtlichen Grenzen abhadern, welche für das Gedeihen und die Macht der Republik nicht die geringſte Bedeutung haben, hat man dieſe Inſeln, welche der amerikaniſche Staatsmann nie aus den Augen verlieren ſollte, —,— gänzli die C lenker worde nach für d Staa ihre ſind, allen Quel uns Ihr ten, euch Aus Ber Ger eine paſſ die die der ein; Fre Me ſoll er hatte dem von entſchloſ⸗ n trennen hte dieſer nen Inſel hätte, er rrum ſich „warum itſchlöſſe, den vier⸗ lche man u, welche eſer nur Krieges die An⸗ Politiker Freiſtaat Inſeln 1. Jetzt ihrungs⸗ Kriegs⸗ eſtimmt, rhalten. hwegen hadern, nicht die lche der i ſollte, —— — 214— gänzlich unbeachtet gelaſſen,— ein ſicherer Beweis, wie wenig die Geiſter, welche das Schickſal unſeres Staates lenken, oder lenken ſollten, dem großen Berufe, welcher ihnen überwieſen worden, gewachſen ſind. Zweimal ſind Heere von dieſem Lande nach Canada geſchickt worden, während die beiden Canadas für die wahre Sicherheit und Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten— eine Nation iſt unabhängig, wenn ſie nicht alle ihre höheren Intereſſen ſelbſt leitet— nicht halb ſo wichtig ſind, als die Bermudas. Als England die Abtretung eines Gebietes, welches ohne allen Zweifel Amerika gehört, in Anſpruch nahm, weil es Quebeck ſchützte, hätten wir einfach vorſchlagen ſollen:„Gebt uns die Bermudas, und wir wollen in den Tauſch willigen. Ihr behauptet jene Inſeln, um uns damit im Schach zu hal⸗ ten, und wir wollen jenen Theil von Maine behaupten, um euch im Schach zu halten, bis ihr euch zu einem ähnlichen Ausgleich herbeilaßt. Wir werden euch wegen des Beſitzes der Bermudas nicht angreifen, denn wir halten den Grundſatz der Gerechtigkeit höher, als einen ſolchen Erwerb; wenn ihr aber eine Abtretung wünſcht, ſo beſtehen wir darauf, daß uns eine paſſende Entſchädigung wird. Wollt ihr Maine, ſo gebt uns die Bermudas, oder laßt uns in Ruhe.“ F Glücklicherweiſe ſind bei uns die Begebniſſe mächtiger als die Menſchen, und der Tag iſt nicht fern, wo die bloße Gewalt der Umſtände dieß kleine Häufchen Diplomaten zwingen wird, einzuſehen, was die wirklichen Intereſſen und die Würde des Freiſtaats hinſichtlich dieſer wichtigen Frage fordern.— Roswell Gardiner und Daggett beſprachen ſich mehrere Male über die Art, wie ſie an dieſen Inſeln vorbeilaufen ſollten. Man konnte etwa vier Grade zwiſchen den Paſſat⸗ — 218— winden und den Bermudas abſchneiden, und Jener war der Anſicht, ſie ſollten dieſen Strich durchſchiffen und eine geradere Straße verfolgen, als die nördlichere führen mußte. Dieſe Berathungen fanden von Schanze zu Schanze Statt, während die beiden Schoner frei abliefen und, als eine Art Ausgleich zwiſchen den beiden Anſichten, ſtracks auf die Inſeln abhielten. Man ſchlägt die Entfernung der Bermudas von dem Feſtlande auf ſechshundert Meilen an,— ein Raum, welcher hinreichend Muße bot, die Frage nach allen Seiten hin zu beſprechen. Die Unterhaltung war freundſchaftlich, und da der Wind Stand hielt und das Wetter mild blieb, wurde ſie jeden Nach⸗ mittag aufgenommen, wo die Schiffe näher aneinander traten, gleichſam um dieſe Geſpräche möglich zu machen. Während dieſer Zeit— im Ganzen fünf Tage— ſtellte es ſich heraus, daß der Unterſchied in der Segelkraft der beiden Schoner ein kaum merklicher war. Wenn ein Unterſchied beſtand, zeigte er ſich unbedeutend zu Gunſten des Vineyarder Schiffes, obgleich den Wechſelfällen der Wellen, welchen die Entſcheidung zunächſt zuſtand, noch nicht Rechnung getragen werden konnte. Während man über den Curs noch unentſchieden war, zeigte ſich unmittelbar nach vornen das niedrige Land und Daggett willigte ein, ſüdwärts vorbeizugehen, die Gruppe aber im Geſichte zu behalten, während ſie ſtetig nach Südoſten abhielten. R Inſelg kette in hinter wohlbe pracht neiro oder ſollen ſprech wenn retes wahr die Gae die itali etwe aber a Ru vor war der geradere e Statt, ine Art Inſeln as von welcher hin zu Wind 1 Nach⸗ traten, ſtellte beiden erſchied yarder en die tragen war, d und e aber doſten — 219— Eilftes Kapitel. Mit naſſer Mähne, glattem Felle, Entwindet taumelnd, dampfend, Mein Roß ſich mühevoll der Welle, Feſt des Geſtades Boden ſtampfend. Lord Byron. Roswell Gardiner glaubte freier zu athmen, als ſie die Inſelgruppen aus dem Geſichte verloren und die letzte Klippen⸗ kette in den weſtlichen Wellen verſank. Er hatte jetzt Amerika hinter ſich und hoffte nichts mehr davon zu ſehen, bis er den wohlbekannten Felſen umſchiffte, welcher der Weg in den de, die Bai des Rio de Ja⸗ prachtvollſten aller Häfen der Er Die Reiſenden ſind uneins, ob ſie dieſem Hafen oder denen von Neapel und Konſtantinopel den Vorzug geben ſollen. Jeder hat gewiß ſeine beſonderen Anſprüche an unaus⸗ ſprechliche Schönheit, welche man in das Auge faſſen muß, wenn man die Frage löſen will. Von Außen geſehen iſt Konſtantinopel mit ſeinen Mina⸗ retes, mit ſeinem„goldenen Horn“ und dem Bosphorus wahrſcheinlich der glorreichſte Fleck auf der Erde. Wenn man die Berge um Neapel beſteigt, die Golfe von Salerno und Gaeta, ſowie die näheren Gewäſſer, die Campagna Felice und die Denkmäler der Vergangenheit,— Alles in dem Zauber einer italieniſchen Atmoſphäre überſchaut, überzeugt man ſich, daß etwas Aehnliches nirgends wieder zu finden ſei. Wenn man aber in die Bucht von Rio eintritt und dieſes ganze edle Rundgemälde in das Auge faßt, wird ſelbſt der Vielgereiſte von dem erhabenen, bezaubernden, lieblichen Bilde hingeriſſen, neiro andeutet. welches ihm hier entgegentritt. Der zaubervolle Reiz iſt die Eigenthümlichkeit Italiens, wie gewiß Alle gefühlt haben, die ſeinem Einfluſſe nahekamen, allein dieſen Zauber theilen alle Gegenden niedriger Breitegrade mehr oder weniger. Unſere beiden Seelöwen ſtießen auf kein bemerkenswerthes Abenteuer, bis ſie völlig ſüdwärts von dem Aequator ſtanden. Sie waren ungewöhnlich glücklich geweſen, indem ſie die heißen Breitegrade durchſchnitten, und ſechs und vierzig Tage nach ihrem Abſchiede von Montauk ſprachen ſie einen Wallſiſch⸗ fänger von Sag⸗Hafen, welcher heimwärts ſteuerte und erſt in der vergangenen Woche Rio, wo er ſeinen Thran abgeſetzt, verlaſſen hatte. Dieſes Schiff nahm Briefe in die Heimath mit, und da Gardiner dem Deran jetzt ſagen konnte, daß er noch vor der erwarteten Zeit zu Rio anlangen würde, glaubte er, des alten Mannes Herz beruhigen zu müſſen. Ein kleines Begebniß, welches ſich an demſelben Tage, wo der Wallfiſchfänger von ihnen ſchied, zutrug, erhöhte noch das Vergnügen, welches dieſe Gelegenheit mit dem Schiffsherrn zu verkehren, darbot. Während die Schoner, nur auf eine Kabellänge getrennt, miteinander dahinliefen, ſah Hayard am Bord des Vineyarber Seelöwen eine plötzliche, ungewöhnliche Bewegung. „Nach einem Waſſerſtrahl umgeſchant!“ ſchrie der Maat Stimſon zu, welcher zufällig auf der Vormarsraa beſchäftigt war, als dieſe unerwartete Unterbrechung der bisher ſo ruhigen Fahrt ſtattfand.—„Entweder iſt ein Mann über Bord geſtürzt, oder man ſieht einen Wallfiſch!“ „Ein Wallfiſch! ein Wallſiſch!“ brüllte Stimſon,„und ein Pottwallfiſch obendrein! Dort iſt er, Herr, zwei Punkte auf unſerer Backbordſeite!“ Die hat, ſich befinden, ſich eine welche j Es war, regierte keln. T welche ſi digkeit d Cam aus ſein Wallffiſe Schoner daß mar Boote a ſein Be Ob Wallſiſe Taue, Bereitſe ſogleich welches kam dar man hö ſo ſcheu nähern, braucher will, a dieſer 8 iz iſt die aͤben, die eilen alle swerthes ſtanden. ie heißen ige nach Zallfiſch⸗ und erſt bgeſetzt, und da vor der s alten Tage, te noch sherrn if eine rd am onliche Maat äftigt ihigen ſtürzt, „und Lunkte 221— Dieß war genug. Wenn Jemand das Unglück gehabt hat, ſich auf einem mit vier Pferden beſpannten Eilwagen zu befinden, während dieſe ſcheu wurden und ausriſſen, kann er ſich eine ziemlich treue Vorſtellung von der Bewegung machen, welche jetzt an Bord des Schoners von Oyſter⸗Pond entſtand. Es war, als hätte eine Feder Alles in Thätigkeit geſetzt, als regierte ein Wille alle hier in Anſpruch zu nehmenden Mus⸗ keln. Die, welche unten waren, brachen herauf, und die, welche ſich in der Höhe befanden, ſtürzten mit der Geſchwin⸗ digkeit des Blitzſtrahles herab. Capitän Gardiner war, wie es ſchien, mit einem Sprung aus ſeiner Kajüte, ein zweiter Sprung, und er war in dem Wallſiſchboote, welches Hayard in dieſem Augenblicke, wo der Schoner zuwendete, in das Waſſer ließ. Als der Maat ſah, daß man ihm hier zuvorgekommen, wendete er ſich zu dem Boote auf der andern Seite und war, faſt eben ſo ſchuell wie ſein Befehlshaber, darin und auf dem Waſſer. 3 Obgleich keiner der beiden Schoner eigentlich für den Wallſiſchfang ausgerüſtet war, hatte doch jeder die nöthigen Taue, Lanzen, Harpunen u. ſ. w. auf den Seitenbooten in Bereitſchaft, um einen glücklichen Zufall, wie er ſich hier bot, ſogleich zu benützen. Das Heranrudern zu den Wallſtſchen, welches jetzt in den amerikaniſchen Schiffen ſo gewöhnlich iſt, kam damals noch wenig oder gar nicht in Anwendung. Wie man hört, ſind dieſe Thiere, weil ſie ſo vielfach verfolgt werden, ſo ſcheu geworden, daß man mit der alten Weiſe, ſich ihnen zu nähern, nicht mehr ausreicht und jetzt mehr Sorgfalt und Liſt brauchen muß, wenn man eines dieſer Seeungeheuer fangen will, als vor dreißig Jahren. Wir wiederholen in Betreff dieſer Frage nur, was man uns mitgetheilt hat, obgleich wir in dem Gebrauche des Ruders einen Vortheil ſehen, welcher von dem der größeren Ruhe, mit welcher ein Boot nach vornen gedrängt wird, ganz unabhängig iſt. Der Rudernde ſieht nach vornen und die Annäherung geht leichter und geregelter von Statten, wenn die ganze Bootsmannſchaft durch ihre Augen von dem Stande der Dinge Kunde erhält, als wenn ſie ihn nur durch die Befehle eines Offiziers kennen lernen. Dieſer hat in allen Fällen die Leitung, aber die Leute ſind auf ſeine Befehle vorbereitet, wenn ſie ſehen, was vorgeht, arbeiten mit Raſchheit und Umſicht und werden ſich ſeltener einen Mißgriff zu Schulden kommen laſſen. Jeder Schoner ließ faſt in demſelben Augenblicke zwei Boote in das Waſſer. Daggett ſteuerte das eine, Roswell das andere. Macy, der erſte Maat des Vineyarder Schiffes, und Hayard waren an den Steuerrudern der zwei andern Boote. Alle ruderten der Stelle in dem Meere zu, wo man den Waſſer⸗ ſtrahl geſehen hatte. Die, welche in der Höhe geweſen waren, äußerten ſich dahin, es müßten mehrere„Fiſche“ in der Nähe ſein, und es ſei gewiß, daß ſie der höchſt werthvollen Art, Pottwallfiſche genannt, angehörten, deren Thran dreimal ſo theuer bezahlt wird, als der der gewöhnlichen Art oder des rechten Wallfiſches. Man unterſcheidet beide Fiſche ziemlich leicht, wenn man ihre Waſſerſtrahlen in das Auge faßt, denn der rechte Wallfiſch wirft zwei gewölbte Strahlen in die Höhe, während der Pottwallfiſch nur einen niedrigen, buſchartigen Strahl emporſpritzt. Die Boote der beiden Capitäne kamen bald mit ihren beiden Seiten parallel und auf Anſprachweite zuſammen. Eine lebhafte Eiferſucht war jetzt auf allen Geſichtern zu ſehen, alle ruderten mit voller Kraft, und auf keine Lippe kam auch nur ein Läch jeder Ne denn ſie gewöhnt windwär Nic und der hälſe in offenen! der Grö Schon d rend ſeir ten nähe wie mar nimmt ken, da bekämpfe Die an all d der Zwe Fall wa wirklichꝛ „W „Woller arbeiten Die ſcheinlich Antwort wünſchte dung m „ welcher ich vornen ieht nach gelter von lugen von e ihn nur Dieſer hat auf ſeine beiten mit Mißgriff licke zwei dsswell das iffes, und rn Boote. en Waſſer⸗ een waren, der Nähe ollen Art, preimal ſo oder des he ziemlich faßt, denn die Höhe, iſchartigen mit ihren nen. Eine ſehen, alle auch nur ein Lächeln. Jedes Geſicht war ernſt, ſtreng, entſchloſſen, jeder Nerv des Armes geſpannt. Die Leute ruderten„ſchön,““ denn ſie waren an ihre langen Ruder in rauhem Waſſer gewöhnt, und nach zehn Minuten ſtanden ſie eine volle Meile windwärts von den zwei Schonern. Nichts kann uns einen höhern Begriff von dem Muth und der Thatkraft des Menſchen geben, als wenn man Wage⸗ hälſe in einer bloßen Nußſchale auf den bewegten Waſſern des offenen Meeres dahinfliegen ſieht, um mit einem Thiere von der Größe des Wallfiſches zu kämpfen und ihn zu fangen. Schon der Umſtand, daß dieſer in ſeinem Elemente iſt, wäh⸗ rend ſeine Angreifer ſich ihm in ſo leichten, gebrechlichen Boo⸗ ten nähern müſſen, daß der unerfahrene Zuſchauer nicht begreift, wie man ſie in den rollenden Wogen zu bewältigen vermag, nimmt unſere Bewunderung in Anſpruch, deſſen nicht zu geden⸗ ken, daß ſie einen ſo mächtigen Feind aufſuchen, um ihn zu bekämpfen. Die Mannſchaften unſerer vier Boote dachten jedoch kaum an all dieß. Sie hatten ihren Zweck, oder vielmehr einen der Zwecke ihres Wagniſſes vor Augen, und ſo lange dieß der Fall war, dachten ſie an nichts Anderes, als an deſſen Ver⸗ wirklichung. „Wie iſt’s, Gar’ner?“ rief der Vineyarder Capitän. „Wollen wir gleich theilen, oder ſoll jeder Schoner für ſich arbeiten und erndten?“ Dieſe Frage wurde in freundſchaftlicher Weiſe und augen⸗ ſcheinlich mit großer Gleichgültigkeit hinſichtlich der Art der Antwort laut, obgleich ſie eine große Liſt barg. Daggett wünſchte eine Art Genoſſenſchaft zu bilden, welche, in Verbin⸗ dung mit dem gegenſeitigen Wohlwollen, das ſich von dem Mißgeſchick vor Beauford herſchrieb, nicht verfehlen konnte, das Band zwiſchen ihnen feſter zu knüpfen und zu einer wich⸗ tigeren Vergeſellſchaftung zu führen. Zu Roswell's Glück kreuzte in dem Augenblicke, wo er antworten wollte, ſeinen Kopf ein Einfall, welcher die klügſte Antwort herbeiführte. Er glaubte nämlich, der Wetteifer würde eher, als die Genoſſenſchaft, den Eifer ſpornen, und der Erfolg Aller würde ſie für ihre Gefahren und Mühen beſſer belohnen, wenn jedes Schiff ausſchließlich für ſich handelte. Dieſer Grundſatz macht den jetzigen Zuſtand der Geſell⸗ ſchaft gedeihlicher und vortheilhafter, als jener, welchen die Freunde der verſchiedenen Aſſociationsſyſteme, welche jetzt ſo ſehr im Schwunge ſind, an deſſen Stelle zu ſetzen wünſchen. Die Einzeln⸗Exiſtenz, die Individualität, iſt ein höchſt wich⸗ tiges Gefühl bei der Vereinigung der Menſchen zu Gemeinden, und der Staatsmann, der National⸗Oekonom, welcher ſich dieſes Gefühles nicht als eines der mächtigſten Hebel zur För⸗ derung der Civiliſation bedient, wird bald gewahren, daß es umſchlägt, eine todte Laſt wird, und aus Selbſtſucht lieber von der geringſten Anſtrengung lebt, als ſeinen Privatvortheil durch das Aufbieten der möglichſten Kraft fördert. „Ich glaube, jedes Schiff arbeitet am beſten für ſich nnd ſeinen Eigenthümer,“ antwortete Roswell Gardiner. Da die Schoner innerhalb der Wendekreiſe waren, hatten ſie einen regelmäßigen Wellenſchlag, der weder hoch, noch ſehr gebrochen war. Dennoch wurden die Boote wie Nußſchalen oder wie Blaſen emporgeworfen, denn die unermeßliche Gewalt des Meeres hob die größten Schiffe, ächzend unter dem Gewichte ſchweren Geſchützes, als wären es Federn. Nach einigen Minuten waren Gardiner und Daggett ein wenit aus, wel wieder ge ſtetig her ger als e Die nahe zu Segeln k dem Koch war Nier Wir allgemein angehört ganze Ge dieſe ihm Der einzi der Wall thiere, de Luft komt ausathme Oeffnung fläche, di len, welc Thieres c Zahl und ausſtröm die Lung entweder in den W um ſich ſ 247— konnte, r wich⸗ wo er klügſte vr würde Erfolg lohnen, Geſell⸗ chen die jetzt ſo ünſchen. ſſt wich⸗ neinden, cher ſich zur För⸗ daß es ht lieber tvortheil ſich nnd u, hatten noch ſehr ußſchalen Gewalt Gewichte Daggett ein wenig getrennt und jeder ſchaute nach den Waſſerſtrahlen aus, welche keiner von ihnen, ſeit ſie ihre Schiffe verlaſſen, wieder geſehen hatte. Die beiden Maate liefen mittlerweile ſtetig heran, bis die ganze kleine Boot⸗Flotte jetzt nicht weni⸗ ger als eine Seeſtunde von den Schonern ferne ſtand. Die Schiffe ſelbſt drängten ſich, um den Booten möglichſt nahe zu bleiben, windwärts hinan, indem ſie unter gekürzten Segeln kurze Gänge machten. Außer einem Schiffswärter, dem Koch und Proviantmeiſter und einem oder zwei Matroſen war Niemand an Bord geblieben. Wir dürfen annehmen, daß unſere meiſten Leſer mit dem allgemeinen Charakter jener Thierklaſſe, welcher der Wallfiſch angehört, hinreichend bekannt ſind, um zu wiſſen, daß das ganze Geſchlecht die atmoſphäriſche Luft einathmet, und daß dieſe ihm zum Leben ebenſo nöthig iſt, wie den Menſchen. Der einzige Unterſchied in dieſer Hinſicht beſteht darin, daß der Wallſiſch den Athem länger halten kann, als die Land⸗ thiere, dennoch muß er in beſtimmten Zwiſchenräumen an die Luft kommen, ſonſt ſtirbt er. Wenn er den alten Luftvorrath ausathmet, bringt er ſeine Spritzlöcher, wie die Seeleute die Oeffnungen ſeiner Athmungswerkzeuge nennen, an die Ober⸗ fläche, dieſe drängen das Waſſer empor, und bilden die Strah⸗ len, welche dem Wallfſiſchfänger gewöhnlich die Stellung des Thieres andeuten. Die Waſſeerſtrahlen richten ſich nach der Zahl und Lage der Oeffnungen, durch welche die verderbte Luft ausſtrömt. Sobald das Thier dieſe ausgeſaugt hat, nehmen die Lungen einen neuen Vorrath ein, und der Wallfiſch bleibt entweder in der Nähe der Oberfläche, wo er ſich wälzt und in den Wellen ſpielt, oder er geht für kurze Zeit in die Tiefe, um ſich ſeine Nahrung zu ſuchen. Auch dieſe Nahrung wech⸗ 247— 249. 15 — 226— ſelt weſentlich je nach der Verſchiedenheit der Arten. Der“z „rechte“ Wallfiſch ſoll von Seeinſekten oder den Schleim⸗ thieren des Meeres leben; dieſe ſucht er, wie man behauptet, in den Theilen der See, wo ſie am häufigſten ſind, und fängt ſie in den haarigen Faſern auf, welche auf den„Barten“ wachſen, die ſeine Kinnbacken abgeben, denn er hat keine Zähne. Der Pottwallſiſch dagegen iſt mit tüchtigen Kauwerkzeugen verſehen, welche er geſchickt zu brauchen weiß und mit denen er oft die Boote derer, welche gegen ihn heranziehen, zermalmt. So haben ſich die Wallſiſchfänger, welche das gewöhnliche Thier angreifen, nur gegen eine Gefahr zu ſichern, nämlich gegen die Schläge des Schweifes, während der Pottwallſiſch außer dieſem Vertheidigungsmittel auch noch ſeine Zähne oder Kinnladen hat. Da dieſes Thier ein volles Drittheil Kopf iſt, iſt er in dieſer Beziehung dem Alligator nicht unähnlich. Dieſe kurze Schilderung der phyſiſchen Beſchaffenheit und der Gewohnheiten der Thiere, welche unſere Seemänner jetzt verfolgen, werden den Leſer in den Stand ſetzen, das beſſer zu verſtehen, was wir nun zu berichten haben. Die Boote traten, wie bemerkt, nachdem ſie eine Weile entlang gerudert, um den„Fiſch“ aufzuſuchen, ein wenig aus⸗ einander. Daß man Waſſeerſtrahlen geſehen hatte, konnte nicht in Zweifel gezogen werden, ſeit man aber die Schoner ver⸗ laſſen, hatte Niemand in den Booten etwas von dem Fiſche zu Geſicht bekommen. Alle an den Steuerrudern hatten wacker nach Waſſerſtrahlen ausgeſchaut, obgleich ohne allen Erfolg. Hätten nicht Roswell und Daggett, ehe ſie ihre Schiffe ver⸗ ließen, jene Anzeichen von Wallſiſchen mit ihren eigenen Augen geſehen, ſo würden ſie jetzt wahrſcheinlich veranlaßt worden ſein, zurückzukehren und auch ihre Maate anher zu rufen. Da ſie aber i ſtrebten, weiter au ſeine Beu rollenden, bewegtes Augen lo Paſſatwin den dunke welchen e hohle We der große bedenkt, Umriſſen man ſich End was er z Schwanze eine Vier von Dagt Wie es ſ demſelber ihn zu, Hai ſchw als die b Ball ſchwimme während drängten, thieren ſi n. Der Schleim⸗ ſehauptet, ind fängt Barten“ ie Zähne. eerkzeugen nit denen zermalmt. wöhnliche nämlich twallfiſch ähne oder b Kopf iſt, lich. b nheit und inner jetzt beſſer zu ine Weile venig aus⸗ unte nicht voner ver⸗ dem Fiſche ten wacker in Erfolg. ſchiffe ver⸗ nen Augen zt worden ufen. Da — 227— ſie aber überzeugt waren, daß die Geſchöpfe, denen ſie nach⸗ ſtrebten, nicht in weiter Ferne ſein konnten, traten ſie immer weiter auseinander und Jeder ſtrengte ſeine Augen an, um ſeine Beute zu ſuchen, wie ſein Boot ſich auf die Kämme der rollenden, ſchaukelnden Wellen hob. Rings um ſie her war bewegtes Waſſer, und Alles, was ihren ſcharfen, wachſamen Augen lohnte, waren die Schoner, welche ſich langſam den Paſſatwinden entgegen drängten. Zwanzigmal glaubte Jeder den dunkeln Rücken oder den Kopf des Gegenſtandes zu ſehen, welchen er ſuchte, ſtets aber war es nichts Anderes, als eine hohle Welle, die ſich empor bäumte und dann brach, oder in der großen Maſſe des unruhigen Meeres zerfloß. Wenn man bedenkt, daß die Oberfläche der See in tauſend phantaſtiſchen Umriſſen aufwallt, wie ihre Wellen ſich entlang wälzen, wird man ſich über ſolche Irrſichten nicht wundern. Endlich ſtellte ſich dem geübten Auge Gardiner's das dar, was er zu ſehen wünſchte. Es war der äußerſte Theil des Schwanzes eines ungeheuern Wallfiſches, welcher weniger als eine Viertelmeile von ihm entfernt war, während das Thier von Daggett durch dieſelbe Waſſerbreite geſchieden ſein mochte. Wie es ſchien, hatten beide wachſame Offiziere ihren Feind in demſelben Augenblicke erſpäht, denn beide Boote ſchoſſen auf ihn zu, als wären ſie plötzlich mit Leben begabt worden. Der Hai ſchwimmt nicht leichter und ſchneller auf ſeine Beute an, als die beiden Boote dahin flogen. Bald ſah man die ganze Schaar gegen den Wind dahin ſchwimmen, mit einem ungeheuern Bullen⸗Wallſiſch voran, während ein halbes Dutzend Kälber ſich dicht an ihre Mutter drängten, oder unter ſich ſpielten, wie die Jungen von Land⸗ thieren ſich muthwillig ergötzen, oder ihre Kraft prüfen. Augen⸗ 15* — 228— blicks wälzte ſich eine Mutter ſeitwärts und ſäugte ihr Junges. thut ein Andere folgten ihrem Beiſpiele und nun hielt der Anführer ſchwindig der Heerde auf ſeinem Wege nach windwärts inne und begann ſeinem S die Stelle zu umkreiſen, als warte er des Beliebens jener guten entkomme Mütter, welche für ihre Jungen ſo zärtlich Sorge trugen. In wie man dieſem Augenblicke ſchoſſen die Boote ſchäumend unter die Heerde. eine Mei Hätte der Wetteifer und die Aufregung unter den See⸗ das Thie leuten keinen ſo hohen Grad erreicht, ſo wäre man wahrſchein⸗ Kopf geg lich vorſichtiger verfahren. Es iſt ſehr gefährlich, einen Wall⸗ Nac fiſch anzugreifen, welcher ſein Junges zu vertheidigen hat. Wir drei ode 6 wiſſen, daß die zarteſten Frauen Heldinnen werden, wenn eine heftigem ſolche Gefahr droht, und die Natur ſcheint dem ganzen Ge⸗ die Heerd ſchlechte,— dem mit Vernunft begabten Theile wie dem, welcher war, far dem Inſtincte folgt, das Gefühl eingeprägt zu haben, in der mannſche Vertheidigung der hilfloſen Weſen, welche ihnen anvertraut iſt ein m worden, den Tod nicht zu ſcheuen. Stab bef Keiner unſerer Seemänner dachte aber jetzt an die Gefahr, Waffe w welcher er ſich bloßſtellte, denn jetzt hieß es— Vineyard gegen der Gew Oyſter⸗Pond, der eine Seelöwe gegen den andern, und bei„Schuß⸗ Einzelnen Dollar gegen Dollar. kräftigen Roswell lief, als verachte er die geringere Beute, mitten in die S durch die Heerde, und hielt mit ſeinem Boote unmittelbar auf durch de die Seite des alten Bullen ab, einen Wallfiſch von wenigſtens ſich die „hundert Fäſſern Thran.“ Eiſen de Das ungeheure Thier fühlte kaum die Harpune, als es, dem Zug ſeinen Schwanz in die Höhe werfend, mit einer Raſchheit in Körper die Tiefe des Meeres hinabging, daß aus der Oeffnung, durch Waſſer welche die Leine folgte, der Dampf aufſtieg. Gewöhnlich bewegt daſſelbe ſich der Wallſiſch nicht ſchneller, als ein rüſtiger Mann zu Sol gehen vermag, und wenn er auf der See dahin ſchwimmt, wie die 2 Junges. Inführer begann er guten gen. In Heerde. hen See⸗ hrſchein⸗ en Wall⸗ at. Wir enn eine azen Ge⸗ „welcher ,, in der nvertraut e Gefahr, ard gegen und bei e, mitten lelbar auf venigſtens e, als es, ſchheit in ing, durch ich bewegt Mann zu ſchwimmt, thut ein raſches Schiff unter vollen Segeln es ihm an Ge⸗ ſchwindigkeit gleich; wenn das Thier aber die Harpune in ſeinem Specke fühlt, bietet es alle ſeine Kräfte auf, um zu entkommen. Wenn es getroffen iſt,„ſondirt“ es gewöhnlich, wie man ſich ausdrückt, oder taucht unter, wobei es zuweilen eine Meile in die Tiefe geht, und man erzählt Beiſpiele, daß das Thier ſich ſchwere Wunden beibrachte, wenn es mit dem Kopf gegen Felſen ſtürzte. Nachdem der„Bulle,“ welchen Gardiner„gefeſtigt“ hatte, drei oder vierhundert Faden Leine ausgelaufen, kam er unter heftigem Blaſen an die Oberfläche, und begann langſam auf die Heerde zuzuſchwimmen. Sobald die Harpune„abgeſchoſſen“ war, fand, eine Veränderung in der Anordnung der Boots⸗ mannſchaft Statt, welche wir kurz erklären müſſen. Die Harpune iſt ein mit Widerhaken verſehener Wurfſpieß, welcher an einen Stab befeſtigt wird, um ihm Schwerkraft zu geben. An dieſe Waffe wird die Leine oder das Tau befeſtigt, um den Fiſch in der Gewalt zu behalten, obgleich er zuweilen durch den erſten „Schuß“ getödtet wird, wenn die Harpune in der Hand eines kräftigen, geübten Mannes iſt. Gewöhnlich dringt die Harpune in die Speckſeite, welche den Wallſiſch umgibt, und wenn ſie durch den Abſturz des Thieres zurückgetrieben wird, krallen ſich die Widerhaken in der Haut feſt und halten. Da das Eiſen der Harpune ſehr weich iſt, neigt ſich der Schaft unter dem Zug der Leine und der Stab bleibt ganz dicht an dem Körper des Thieres. So kommt es, daß die Harpune dem Waſſer nur wenig Widerſtand bietet, während der Wallfiſch daſſelbe raſch durchſchneidet. Sobald der Bootſteurer oder Harpunirer ſeine„Eiſen,“ wie die Wallſiſchfänger die Harpune nennen, abgeſchoſſen hatte, 1* — wechſelte er ſeinen Platz mit Roswell, welcher das Steuer verließ und ſich nach vornen begab, um die Lanze zu ſchleu⸗ dern, die Waffe, welche den endlichen Sieg entſcheidet. Die Leute„pirkten“ jetzt die Ruder, wie man es nennt, oder ſie ſteckten die Handhaben in Klampen, ſo daß die Blätter in die Höhe ſtanden und des Waſſers ganz klar waren. Dieß geſchah, um der Ruder los zu werden und zu anderen Dienſtleiſtungen bereit zu ſein, während man jeden Augenblick, wenn es nöthig ward, wieder nach ihnen greifen konnte. Dieß gibt einem Wallſiſchboote mit ſeinen fünf langen Rudern, welche in Winkeln von faſt fünf und vierzig Grad in die Luft hinaus⸗ ragen, ein eigenthümliches Ausſehen. Während der Wallſiſch der Heerde oder, wie man es auch nennt, der„Schule“ ſich näherte, begann die Bootsmann⸗ ſchaft Tau einzunehmen, welches der Bootſteuerer ſorgſam in ein Faß aufſchoß, das zu dieſem Zweck in dem Spiegel ſtand. Man begreift die Wichtigkeit dieſes Geſchäftes, da Bugten eines aus dem Boote laufenden Taues, an welchem ein Wall⸗ fiſch befeſtigt iſt, gefährliche⸗Schlingen für die Beine der Mannſchaft abgeben könnten, wenn die Leine nicht an einem geeigneten Platze aufgerollt iſt und ohne Gefahr ausgegeben werden kann. Aus dieſem Grunde läßt man auch nie ein Tauende an dem Bug eines Bootes auslaufen. Dieß könnte bei der Fahrt Schaden anrichten, und man hält in der Nähe des Bugs ſtets eine Art bereit, um das Tau zu kippen, wenn es nothwendig erſcheint. Es war etwas ſo Ungewöhnliches, einen Fiſch zu der Stelle zurückkehren zu ſehen, wo er angeſchoſſen worden, daß Roswell nicht wußte, wie er ſich dieſes Gehaben ſeines „Bullen“ erklären ſollte. Anfangs glaubte er, das Thier wolle ihr laſſen, e Bewegun an das ſchwamm Schwanz faltete ih um dem windwär Fuß an Jetz es war l eine ande das Thie und war kaum die Augenbl auf das näher, b hielten. des Aug Na Fäſſer⸗” lichſte a bei weit dieſer h⸗ chen na nicht nu ſondern ihren A Steuer m ſchleu⸗ et. Die oder ſie r in die geſchah, eiſtungen s nöthig pt einem belche in hinaus⸗ es auch btsmann⸗ rgſam in gel ſtand. Bugten ein Wall⸗ Zeine der an einem usgegeben hnie ein eß könnte der Nähe den, wenn h zu der rden, daß en ſeines das Thier wolle ihn bekämpfen und ſeinen furchtbaren Rachen fühlen laſſen, es ſchien aber, als leite Laune oder Schrecken dieſe Bewegung, denn nachdem das Thier auf etwa hundert Ellen an das Boot herangekommen war, wendete es ſich und ſchwamm nach windwärts, indem es die ganze Kraft ſeines Schwanzes und ſeiner Floßen aufbot. Die Mannſchaft ent⸗ faltete ihre ganze Geſchicklichkeit in der Handhabung der Ruder, um dem Taue zu folgen, und während der Fiſch wieder nach windwärts abging, hatten ſie das Boot bis auf vierhundert Fuß an ihn hinan gerudert. Jetzt begann man ganz nach windwärts abzuhalten, denn es war bekannt, daß ein angeſchoſſener Wallſiſch anfangs ſelten eine andere Richtung verfolgt. Die Geſchwindigkeit, mit welcher das Thier ſchwamm, mochte etwa ſechs Knoten betragen. Dann und wann mäßigte er ſeine Eile, und gelegentlich betrug ſie kaum die Hälfte der erwähnten Schnelle. So oft ein ſolcher Augenblick verhältnißmäßiger Ruhe eintrat, holten die Leute auf das Tau an und kamen dem Fiſche allmählich immer näher, bis ſie auf fünfzig Fuß von ſeinem furchtbaren Schwanze hielten. Das Tau wurde jetzt umgeſchlagen und man harrte des Augenblicks, wo man zur Lanze greifen konnte. Nach der Behauptung von Wallſiſchfängern iſt ein vierzig Fäſſer⸗Bulle von der Gattung der Pottwallſiſche das gefähr⸗ lichſte aller Thiere dieſer Klaſſe. Die größeren Bullen ſind bei weitem die mächtigſten und treiben allein ganze Heerden dieſer halbwüchſigen Thiere vor ſich her, was die jungen Männ⸗ chen natürlich erzürnt und wild macht. Dieſe Letzteren ſind nicht nur lebendiger und verwegener, als die größeren Thiere, ſondern ſtellen ſich auch eher zum Kampfe und verurſachen ihren Angreifern die größte Mühe. — 232— Dieß mag einer der Gründe geweſen ſein, warum Nos⸗ well Gardiner ſich nur in mäßiger Eile ſo dicht in dem„Fahr⸗ waſſer“ des hundert Fäſſer⸗Wallſiſches hielt. Dennoch war etwas in den Bewegungen dieſes Thieres, das ihn veranlaßte, ſehr vorſichtig zu Werke zu gehen. Er war jetzt auf zwei Stunden von dem Schoner und halb ſo weit von den anderen Booten entfernt, deren keines bis jetzt einen Fiſch harpunirt hatte. Dieſer letztere Umſtand hatte ſeinen Grund darin, daß die verſchiedenen Offiziere wegen der Wahl nicht mit ſich einig waren, da die Weibchen der Pottwallſiſche, wenn ſie ihre Jungen ſäugen, gewöhnlich leicht ſind und verhältnißmäßig nur wenig Wallrath und Thran liefern. Roswell hatte, indem er den Bullen wählte, ſein geſundes Urtheil bewährt, denn das Weibchen gibt nicht die Hälfte des Ertrags, den der Sieger von dem männlichen Wallſiſch erzielt. Das Thier, welches an Roswell's Boot gefeſtigt war, hatte ihn zwei volle Stunden nach windwärts geführt, ſo daß die Mannſchaft die anderen Boote ganz aus dem Geſichte ver⸗ lor und ſelbſt die Obenſegel der Schoner kaum noch über der Fläche des Waſſers zu ſehen waren. Zum Glück war die Mittagsſtunde erſt vorüber und man brauchte wegen der Nacht noch nicht beſorgt zu ſein, auch ſchien der Fiſch nicht ſehr beunruhigt, obgleich das Boot ſo nahe hinter ihm herkam. Anfangs, oder ehe die Eiſen„abgeſchoſſen“ worden, hatte man jedes Geräuſch ſorglich vermieden, ſobald die Mannſchaft aber„feſt“ war, verwandelte ſich das Geflüſter in laute Rufe, die Befehle kamen in dem gewöhnlichen, durch⸗ dringenden Tone, als gälte es, ſich von der Schanze bis in die fernſten Theile eines Schiffes vernehmlich zu machen. Die wildeſte Erregung und die ruhigſte Umſicht zumal herrſchte unter der 2 Jagdfieber ruhigſte in verantwort Stimſ derſelbe, r gegen das des Steue hatte. Ar zwei Stur „Die wollen, ſa pen des Tanzkünſt das Waſff vordere T ließ' ihn mißtraute „Ihrl tän Gar' und Eure ſen Zug i und es ehe wir Minute e es einem „Eb und ich will. I und die rrum Nos⸗ em„Fahr⸗ nnoch war veranlaßte, auf zwei en anderen harpunirt darin, daß t ſich einig in ſie ihre altnißmäßig atte, indem ährt, denn , den der eeſtigt war, hrt, ſo daß heſichte ver⸗ ch über der ſck war die n der Nacht nicht ſehr herkam. „I worden, ſobald die us Geflüſter chen, durch⸗ anze bis in nachen. Die al herrſchte — 233— unter der Mannſchaft, man gewahrte leicht, daß ein heftiges Jagdſteber unter ihnen wüthete. Gardiner war bei weitem der ruhigſte in dem Boote, wie es auch ſeiner Stellung und ſeinen verantwortlichen Pflichten zukam. Stimſon, der älteſte und beſte Seemann in dem Schoner,— derſelbe, welcher ſeinen jungen Capitän an die Dankbarkeit gegen das göttliche Weſen erinnert hatte,— verſah die Stelle des Steuerers, nachdem er vorher die Harpune abgeſchoſſen hatte. An ihn wendete ſich jetzt Gardiner, nachdem er ſeit zwei Stunden einen Wallfiſch verfolgt hatte. „Dieſer Burſche ſcheint uns eine lange Jagd bereiten zu wollen, ſagte der Capitän, indem er ſich auf den ſtarken Klam⸗ pen des Bugs wiegte und die Lanze handhabte wie ein Tanzkünſtler auf dem Seile ſeine Stange balancirt, während das Waſſer bei der raſchen Bewegung des Bootes über das vordere Dollbord ſpritzte,—„ich zöge gern an ſeine Seite und ließ' ihn die Lanze fühlen, wenn ich dieſem Schwanze nicht mißtraute. Ich glaube, er weiß, daß wir hier ſind.“ „Ihr könnt Euch darauf verlaſſen, daß er es weiß, Capi⸗ tän Gar'ner. Es iſt ſtets das beſte, wenn Ihr Euch mäßigt und Eure Zeit abwartet, Herr. Der Geſelle hat einen gewiſ⸗ ſen Zug in ſeinem Ankerflügeln, welcher mir ſelbſt nicht gefällt, und es iſt das Gerathenſte, wir ſehen erſt, was er vor hat, ehe wir uns nähern. Bemerkt Ihr wohl, daß er faſt jede Minute eintaucht, ſtatt ſchön und in ſtattlicher Bewegung, wie es einem Wallfiſche ziemt, nach vornen zu ſchwimmen?“ „Eben dieſe Bewegung erregt mein Mißtrauen, Stephan, und ich werde noch ein wenig warten, um zu ſehen, was er will. Ich hoffe, unſere Leute im Schoner werden thätig ſein und die Schiffe gehörig nach windwärts drängen, ehe es — 234— dunkel wird. Unſer Schiffswärter ſchläft mehr als er wacht, und iſt wohl im Stande, den Seelöwen um einen oder zwei Punkte abfallen zu laſſen.“ „Herr Hayard mahnte ihn, einen tüchtigen Ausguck nach den Booten zu halten, Herr, und ich denke, er wird wohl—— Ausgeſchaut, Herr, ausgeſchaut!“ Dieſe Mahnung kam in dem rechten Augenblick, denn der Wallfiſch hemmte eben ſeine Bewegung, hob ſeinen ungeheuern „Ankerflügel“ und ſchlug ſechs⸗ bis ſiebenmal damit auf das flache Waſſer, daß man den Schlag auf eine halbe Stunde hin hörte, während die Luft weitum mit Sprühe ange⸗ füllt war. So wie der Schwanz des Thieres in der Luft geſehen wurde, ließ man Tau aus dem Boot auslaufen und ſteigerte ſo die Entfernung zwiſchen dem Bug und den Schlägen um wenigſtens hundert Fuß. Nichts konnte den kühnen Charakter der Wallfiſchfänger beſſer in das Licht ſtellen, als das Gemälde, welches Roswell Gardiner und ſeine Gefährten jetzt darboten. In der Mitte des atlantiſchen Meeres, ſtundenweit von ihrem Schiffe, von den anderen Booten verlaſſen, harrten ſie geduldig des Augenblicks, wo der Rieſe des Oceans ſeine Bewegungen hemmte oder von ſeinem Spiele abließ, um ſich ihm nähern und ſein Gefangennehmen vollenden zu können! Die meiſten Matroſen ſaßen mit gekreuzten Armen und halb rückwärls gewendet da und ſchauten der Scene zu, während der Capitän und der Bootsſteuerer auf jede Bewegung mit ſcharfem, wachſamem Auge achteten, welchem nicht das Geringſte entging, was als Fingerzeig dienen konnte. So ſtanden die Dinge und der Wallſiſch fuhr fort, die Oberfläche des Meeres aufzuwühlen, als ein Ruf der Boots⸗ mannſche ſchoß D Geſchwir heran, Roswell' Anf Tau kip Boot z1 Schläge, peitſchen ab, um e Stelle zu Die der klein es geſch gerieth ſein, die ſcharfen haben, Nie in Betr näher zu von Ga backen und Sc des kleit ausgebe nieder. denn er daran f er wacht, der zwei guck nach ihl—— denn der geheuern auf das e Stunde he ange⸗ ft geſehen ſteigerte lägen um Charakter Gemälde, darboten. nweit von arrten ſie ans ſeine ß, um ſich u können! und halb „während hegung mit 3Geringſte or fort, die der Boots⸗ — 235— mannſchaft Roswell veranlaßte, zur Seite zu blicken. Dort ſchoß Daggett mit einem kleinen Bullen am Tau mit der Geſchwindigkeit des Windes unmittelbar gegen den Wind heran, er konnte kaum zweihundert Faden ſpiegelwärts von Roswell's Boot laufen. Anfangs glaubte unſer junger Seemann, er würde ſeinen Tau kippen müſſen, ſo ſtracks ſchwamm das Thier auf ſein Boot zu. Wahrſcheinlich ſchreckten es aber die furchtbaren Schläge, mit welchen der größere Wallſiſch das Meer zu peitſchen fortfuhr, denn das kleinere Thier wendete zeitig genug ab, um einen Znſammenſtoß zu vermeiden, begann aber jetzt die Stelle zu umkreiſen, welche der gefürchtete Herrſcher inne hatte. Dieſer Wechſel ward eine Quelle neuer Beſorgniſſe. Wenn der kleinere Bulle fortfuhr, den größeren zu umkreiſen, konnte es geſchehen, daß Daggett's Tau unter Gardiner's Boot gerieth und das Leben Aller darin gefährdete. Um bereit zu ſein, dieſer Gefahr zu begegnen, befahl Roswell ſeinen Leuten, ſcharfen Ausguck zu halten und ihre Meſſer zur Hand zu haben, um ſogleich davon Gebrauch zu machen. Niemand konnte ſagen, welche Folgen dieſe Kreisbewegung in Betreff der beiden Boote hätte haben können, denn ehe ſie näher zuſammen traten, gerieth Dagget's Leine in den Rachen von Gardiner's Wallfiſch, zog ſich in den Winkel ſeiner Kinn⸗ backen feſt hinein und ſetzte das Ungeheuer mit einer Gewalt und Schwerkraft in Bewegung, welche das Eiſen aus der Haut des kleineren Thieres riß. Roswell mußte nun in der Eile Tau ausgeben, denn ſein Wallſiſch tauchte in eine unglaubliche Tiefe nieder. Daggett war genöthigt, dieſem Beiſpiele zu folgen, denn er war nicht gewillt, ſeine Leine zu kippen, ſo lange er daran feſthalten konnte. — 236— Nach fünf Minuten kam der große Bulle wieder herauf, um Athem zu ſchöpfen, beide Taue waren noch an ihm befeſtigt, das eine in der regelrechten Weiſe oder an der Har⸗ pune, das andere mittelſt der Harpune und des Stabs, welche an dem Winkel des ungeheueren Rachens eine Art Knebel bildeten, in die Kinnladen des Thieres eingeklemmt. Der Fiſch fühlte natürlich dieſen ungewöhnlichen Gaſt, preßte ſeine Kinn⸗ laden zuſammen und machte die Feſtigung dadurch nur um ſo haltbarer. Da beide Boote während des„Sondirens“ des Wall⸗ fiſches Tau frei ausgegeben hatten, ſtanden ſie jetzt eine gute Viertelmeile ſpiegelwärts von ihm, und liefen nebeneinander, keine fünfzig Fuß getrennt, entlang. War der Geiſt der Eifer⸗ ſucht ſchon früher unter dem„Volk“ der beiden Boote rege, ſo ſtieg er jetzt auf einen Grad, welcher feindſelige Handlun⸗ gen beſorgen ließ. „Ihr wißt ohne Zweifel, Capitän Daggett, daß dieß mein Wallfiſch iſt,“ ſagte Gardiner.„Ich war in regelrechter Weiſe an ihn gefeſtigt, und wollte ihn nur ein weuig ruhiger wiſſen, um die Lanze gegen ihn zu ſchleudern, als Euer Wall⸗ ſiſch ſeinen Curs kreuzte, Euer Tau verfing ſich und bekam eine Feſtigung, welche ich mir nicht erklären kann, die aber jedenfalls gegen unſre Wallfiſchfanggeſetze iſt.“ „Ich weiß dieß nicht. Ich feſtigte einen Wallfiſch, Capi⸗ tän Gar'ner, und bin jetzt an einem gefeſtigt. Es muß bewieſen werden, daß ich kein Recht an das Geſchöpf habe, ehe ich es aufgebe.“ Gardiner wußte zu wohl, mit welcher Art Menſchen er es zu thun hatte, um ſich in vergebliche Erörterungen einzu⸗ laſſen. Entſchloſſen, ſein gutes Recht auf jede Gefahr hin zu behaupte denn die man ſich Daß heißer W zuerſt er blick zu „T Booten, des Thie beide T ner's T Fiſche a gegengef Nachen Die tigen 2 rechten jetzt an Fiſch der rul kühnſte. De Wallfiſe das Fet Augenb Geſchich Je ſchoſſen nur ru der herauf, an ihm der Har⸗ äbs, welche Irt Knebel Der Fiſch eine Kinn⸗ nur um ſo des Wall⸗ eine gute eneinander, der Eifer⸗ Boote rege, Handlun⸗ dieß mein regelrechter nig ruhiger Fuer Wall⸗ und bekam n, die aber iſch, Capi⸗ Es muß chöpf habe, Nenſchen er igen einzu⸗ ahr hin zu — 237— behaupten, befahl er ſeinen Leuten, auf das Tau abzuhalten, denn die Bewegung des Wallfiſches wurde ſo langſam, daß man ſich ihm nähern konnte. Daggett's Mannſchaft that daſſelbe und es entſtand ein heißer Wetteifer zwiſchen den beiden Booten, welches den Fiſch zuerſt erreichen und ihn tödten würde. Dieß war kein Augen⸗ blick zu ruhiger, bedächtiger Umſicht. „Tau herein! Tau herein, Kinder!“ hieß es in beiden Booten, ohne Rückſicht auf die Gefahr, welche mit der Nähe des Thieres verbunden war. Nach wenigen Minuten ſtanden beide Theile in einer Linie mit den„Ankerflügeln;“ Gardi⸗ ner's Boot lief auf der Backbordſeite oder links von dem Fiſche an, wo ſein Eiſen gefeſtigt war; Daggett auf der ent⸗ gegengeſetzten Seite, in welcher Richtung ſein Tau aus dem NRachen des Thieres auslief. Die zwei Capitäne ſtanden aufrecht auf ihrem gegenſei⸗ tigen Bug, Jeder wiegte ſeine Lanze und wartete nur des rechten Augenblicks, um ſie zu ſchleudern. Die Leute waren jetzt an den Rudern und trieben die Boote blitzſchnell auf den Fiſch an. Daggett war in dieſem Augenblicke vielleicht der ruhigſte und berechnendſte, aber Roswell der kräftigſte, kühnſte. Das Boot des Letztern ſtreifte jetzt faſt die Seite des Wallfiſches, als ſein junger Befehlshaber ſeine Lanze durch das Fett in die Lebenstheile des Fiſches trieb. In demſelben Augenblicke ſchleuderte Daggett ſeine Lanze mit vollendeter Geſchicklichkeit und traf das Herz. Jetzt hieß es:„Spiegelwärts Alle!“ und die Boote ſchoſſen vor der gefährlichen Stelle ab, ſo ſchnell die Leute nur rudern konnten. Das Meer ſchäumte und giſchte, und der Fiſch war kaum getroffen, als er auch ſchon ſeine„Todes⸗ wuth“ gewahren ließ. Die Mannſchaft der beiden Boote ſah mit Vergnügen, daß das Roth des Blutes ſeine dunkeln Farben mit dem Weiß des aufgeregten Waſſers miſchte. Zwei⸗ mal warf das Thier ſeine Strahlen empor, es war aber eine mit ſeinem Blute gefärbte Flüſſigkeit. Nach zehn Minuten wendete es ſich und war todt. Zwölftes Kapitel. „Gott grüß Euch, Herr!“ „„Und Euch— Ihr ſeid willkommen, Herr!““ „Reiſt Ihr weiter, oder ſeid Ihr hier am weiteſten?“ „„Am weiteſten, Herr, für eine oder zwei Wochen. Shakſpeare. Gardiner und Daggett trafen ſich, Auge in Auge, auf dem Körper des Wallſiſches. Beide ſtießen ihre Lanzen in das Fett und hielten ſich an den Schaften, und Beide ſchauten ſich in einer Weiſe in das Auge, welche das rege Gefühl ausſprach, daß Jeder ſein Recht zu behaupten entſchloſſen ſei. Es iſt ein amerikaniſcher Charakterfehler,— ohne alle Frage ein Ergebniß der Inſtitutionen des Landes,— daß man äußerſt ungern ſeinem Rechte entſagt. Dieſe Zähheit des Tempera⸗ ments, welche ſo Viele für Freiheits⸗ und Unabhängigkeitsliebe halten, kann viel Gutes erzeugen, wenn beide Theile recht haben, aber eben ſo viel Schlimmes, wenn ſie zufällig unrecht haben. In jedem Falle iſt es ſtets das Klügſte und zumal das Edelſte, ſich dem zu fügen, was gerecht iſt, denn ſo folgen wir dem Wer die ſeines E das Rech Unſ die Kra Auge in den Levi „C zu alter zu kenne habe nie meine L ich über des Wa gethan l „d. „Ich hj maſtlos nehme. nicht bei „,8 einen er Boote w Capitäns das Gef über die mir dieſ thun wer eine ſoll ne„Todes⸗ Boote ſah ne dunkeln hte. Zwei⸗ aber eine Minuten err!, weiteſten?“ i Wochen. peare. Auge, auf Lanzen in de ſchauten ge Gefühl hloſſen ſei. alle Frage an äußerſt Tempera⸗ gkeitsliebe heile recht ig unrecht und zumal mſo folgen wir dem Fingerzeig der untrüglichen Weisheit und Wahrheit. Wer dieß thut, braucht wegen ſeiner Würde, ſowie wegen ſeines Erfolgs nicht ungewiß zu ſein, denn er darf hoffen, daß das Recht am Ende Geltung erhält und erhalten muß. Unſere beiden Capitäne waren jedoch zu aufgeregt, um die Kraft dieſer Wahrheit zu fühlen, und ſo ſtanden ſie, Auge in Auge, als beabſichtigten ſie, einen neuen Kampf um den Leviathan des Meeres zu beginnen. „Capitän Daggett,“ ſagte Roswell heftig,„Ihr ſeid ein zu alter Wallſiſchfänger, um das Geſetz dieſes Gewerbes nicht zu kennen. Meine Eiſen waren zuerſt in dieſem Fiſche, ich habe nie von ihm losgelaſſen, ſeit er geſchoſſen worden, und meine Lanze hat ihn getödtet. Unter ſolchen Umſtänden bin ich überraſcht, Herr, daß ein Mann, welcher die Sitten des Wallfiſchfangs kennt, an dem Thiere feſthält, wie Ihr gethan habt.“ „Das iſt meine Natur, Gar'ner,“ lautete die Antwort. „Ich habe an GEuch feſtgehalten, als Ihr unter Hatteras maſtlos geworden, und ich halte an Allem feſt, was ich unter⸗ nehme. Das heiße ich Vineyarder Natur, und ich laſſe mir nicht beikommen, meinem Heimathlande Unehre zu machen.“ „Dieß ſind eitle Worte,“ erwiederte Roswell, indem er einen ernſten Blick auf die Mannſchaft in dem Vineyarder Boote warf, deren Lächeln bewies, daß ſie die Antwort ihres Capitäns höchlich billigten.„Ihr wißt recht gut, daß nicht das Geſetz von Vineyard, ſondern das amerikaniſche Geſetz über dieſe Frage zu entſcheiden hat. Wenn Ihr es wagtet, mir dieſen Wallſiſch zu nehmen, was Ihr, hoffe ich, nicht thun werdet, ſo könntet und würdet Ihr bei unſerer Rückkehr eine ſolche Handlung zu büßen haben. Oheim Sam hat — 240— einen langen Arm, und reicht mit demſelben oft rund um die Erde. Ehe Ihr in dieſer Sache irgend weiter vorſchreitet, dürfte es gut ſein, dieß in Erwägung zu ziehen.“ Daggett dachte nach, und es iſt wahrſcheinlich, daß ihm, wie die Erregung ſich abkühlte, in welche ihn ſeine Anſtren⸗ gungen verſetzt hatten, die Gerechtigkeit der Bemerkungen des Andern und die Ungerechtigkeit ſeiner eigenen Anſprüche völlig einleuchtete, dennoch ſchien es ihm unamerikaniſch oder— wenn der Leſer will— unvineyardiſch, ſeine Sache aufzugeben, und er blieb bei ſeinem Irrthum mit derſelben Hartnäckigkeit, als wenn er in vollem Rechte wäre. „Wenn Ihr gefeſtigt habt, habe auch ich gefeſtigt. Ich bin Eures Gefetzes nicht ſo gewiß. Wenn Jemand ein Eiſen in einen Wallſiſch bohrt, iſt er gewöhnlich ſein, und er kann ihn nehmen und tödten. Es gibt aber ein Geſetz, das über alle Wallfiſchfanggeſetze geht, und dieß iſt das Geſetz der gött⸗ lichen Vorſehung. Die Vorſehung hat uns an dieſen Wall⸗ fiſch gefeſtigt, als habe ſie beabſichtigt, uns ein Recht darauf zu geben, und ich bin keineswegs ſo gewiß, ob das Staaten⸗ geſetz dieſe Anſicht nicht auch aufrecht erhalten würde. Dann habe ich meinen Wallſiſch durch dieſen verloren und darf für dieſen Verluſt eine Entſchädigung in Anſpruch nehmen.“ „Ihr habt Euern Wallſiſch verloren, weil er ſich um den Kopf des meinigen wendete und nicht nur ſein Eiſen los⸗ riß, ſondern mich faſt zwang, zu kippen. Wenn Einer berech⸗ tigt iſt, deßhalb Entſchädigung zu fordern, ſo bin ich es, denn es hat mich außergewöhnliche Mühe gekoſtet, meinen Fiſch zu bekommen.“ „Ich glaube, meine Lanze hat dem Burſchen den Todesſtoß gegeben. Ich warf meine Lanze und Ihr ſtießt die Eurige kann mich zu haben. wir waren Freunde ble Laßt uns 1 Wallfiſche, Wenn wir können wir was wir 9' Wir m daß er die durchſchaute daß ſie ſe annehmen ſowohl um Geheimniſſt „Ihr Daggett,“ nigen nur zufällt. I abzuſchließe raſch und Decan Pra Herrn aber Belieben z1 der Vorſehn „Dieß ich ſchätze Fäſſer Thr 247— 24 d um die rſchreitet, daß ihm, Anſtren⸗ ungen des che völlig — wenn eben, und gkeit, als tigt. Ich ein Eiſen d er kann das über der gött⸗ ſen Wall⸗ ht darauf Staaten⸗ e. Dann und darf nehmen.“ ſich um Eiſen los⸗ ier berech⸗ in ich es, „ meinen ſchen den hr ſtießt — 241— die Eurige ein, auf dieſe Weiſe kam ich Euch zuvor und kann mich rühmen, das Thier zuerſt zum Blutſpeien gebracht zu haben. Aber hört, Gar'ner,— hier iſt meine Hand,— wir waren bis jetzt Freunde, und ich wünſchte, wir könnten Freunde bleiben. Ich will Euch daher einen Vorſchlag machen. Laßt uns von dieſem Augenblick an gemeinſame Sache machen, Wallſiſche, Robben und Alles ſoll in gleiche Theile gehen. Wenn wir uns zur Heimfahrt anſchicken und Alles beiſtauen, können wir eine letzte Theilung vornehmen, und Jeder erhält, was wir gemeinſam erworben haben.“ Wir müſſen Roswell die Gerechtigkeit widerfahren laſſen, daß er die Liſt dieſes Vorſchlags, ſobald er nur laut wurde, durchſchaute. Demungeachtet hatten jene Worte die Wirkung, daß ſie ſeine Gefühle ſanfter ſtimmten, denn er glaubte annehmen zu dürfen, Daggett handle in dieſer Weiſe, nicht ſowohl um ſeine Rechte zu ſchmälern, als um ſich ſeines Geheimniſſes zu bemächtigen. „Ihr ſeid Miteigenthümer Eures Schoners, Capitän Daggett,“ antwortete unſer Held,„während ich bei dem mei⸗ nigen nur durch das betheiligt bin, was mir als Capitän zufällt. Ihr mögt Vollmacht haben, einen ſolchen Handel abzuſchließen, ich nicht. Meine Pflicht iſt es, das Schiff ſo raſch und ſo vollſtändig zu füllen, als ich kann, und es dem Decan Pratt wohlbehalten zurückzuführen; Eure Vineyarder Herrn aber erlauben Euch wohl, die weite Erde nach Euerm Belieben zu umſchiffen, und vertrauen in Betreff des Ertrags der Vorſehung.— Ich kann Euer Anerbieten nicht annehmen.“ „Dieß heiße ich wie ein Mann antworten, Gar'ner, und ich ſchätze Euch jetzt nur um ſo mehr. Vierzig bis fünfzig Fäſſer Thran ſollen unſere Freundſchaftsbande nicht löſen. 247— 249. 16 — 242— Ich half Euch zu Beauford in den Hafen und entſagte dem b Bergelohn, ich werde Euch jetzt auch bei Euerm Wallſſiſche behilflich ſein. Vielleicht bringt es mir um ſo mehr Glück, wenn ich ein wenig großmüthig bin.“ Dieſer Entſchluß des Vineyarder Capitäns war klug und verſchlagen zumal. Trotz der ſcharfſinnigen Darlegung ſeiner Anſprüche auf den Wallfiſch, wußte er ſehr gut, daß ihm kein Geſetz zur Seite ſtand, und daß er, neben der Möglich⸗ keit, auf der Stelle geſchlagen zu werden, vor den heimiſchen Gerichtshöfen gewiß geſchlagen würde, wenn er es wirklich wagen ſollte, dieſe Sache vor die Gerichte zu bringen. Dann gab er ſich in der That der Hoffnung hin, ſein jetziges Nach⸗ geben werde auf ſein künftiges Glück nicht ohne Einfluß ſein. Der Aberglauben iſt ein weſentlicher Charakterzug des See⸗ manns, um nicht zu ſagen aller derer, welche ſich in gefähr⸗ liche Unternehmungen und in Wagniſſe einlaſſen, deren Aus⸗ gang ungewiß iſt. In wie fern ſeine Hoffnungen in letzterer Hinſicht gerecht⸗ fertigt wurden, wird ſich aus dem Inhalte einer Mittheilung ergeben, welche Decan Pratt von dem Capitän ſeines Schoners erhielt, und der wir uns als der einfachſten, kürzeſten Art, die Erzählung fortzuſetzen, jetzt zuwenden wollen. Der Seelöwe verließ Oyſter⸗Pond ſpät im September. Am dritten März des folgenden Jahres ſtand Mary an einem Fenſter und ſchaute mit wehmuthvollen Gefühlen auf jenen Punkt in den näheren Gewäſſern, wo ſie faſt ſechs Monate früher Roswell's Schiff hinter den Wäldern der Inſel, welche ſeinen Familiennamen trägt, hatte verſchwinden ſehen. Der Wind hatte längere Zeit ſcharf aus Oſten geblaſen, aber das Wetter hauee ſich geändert, der Südwind wehte mild und alle Vorzeichen eines frühen Frühlings wurden ſichtbar. Zum hang dieſ entgegenw ling ahne Der ſchrieb. „Her welche vo Meer doch wir bei ei tauſend 2 wiſſen, w Oyſter⸗P „Du wozu hät gegeben? „Ich verſetzte möchte.“ „W Ich glaul „Ne „Gr „Ich in dem e „Nu während wären 30 der gerat 23 30“ ntſagte den n Wallfiſche mehr Glück, ar klug und egung ſeiner t, daß ihm der Möglich⸗ n heimiſchen es wirklich gen. Dann tziges Nach⸗ Einfluß ſein. ig des See⸗ h in gefähr⸗ deren Aus⸗ ſicht gerecht⸗ Mittheilung ies Schoners ſten Art, die September. ey an einem mauf jenen echs Monate Inſel, welche ſehen. Der n, aber das lild und alle — 243— Zum erſten Male ſeit drei Monaten hatte ſie den Vor⸗ hang dieſes Fenſters aufgezogen, und die Luft, welche ihr entgegenwehte, war ſanft und ließ den herannahenden Früh⸗ ling ahnen. 4 Der Decan ſaß an einem ſehr ſpärlichen Kaminfeuer und ſchrieb. „Heute, Oheim,“ ſagte Mary mit ihrer ſüßen Stimme, welche vor innerer Erregung ein wenig bebte,„heute iſt das Meer doch gewiß ruhig genug. Es iſt wahrlich thörig, daß wir bei einem Sturme für die bangen, welche ſo viele, viele tauſend Meilen von uns entfernt ſind. Ich möchte wohl wiſſen, wie groß die Entfernung zwiſchen der Südſee und Oyſter⸗Pond iſt?“ „Du ſollteſt dieß ſelbſt berechnen können, Mädchen, wozu hätte ich ſonſt ſo viel Geld für deine Erziehung aus⸗ gegeben?“ „Ich wüßte nicht, wie ich dieß anzufangen hätte, Oheim,“ verſetzte das herrliche Weſen,„obgleich ich es ſehr gern wiſſen möchte.“ „Wie viele Meilen gehen auf einen Breitegrad, Kind? Ich glaube, dieß kannſt Du mir ſagen.“ „Neun und ſechszig oder drüber, Oheim.“ „Gut. In welcher Breite liegt Oyſter⸗Pond?“ „Ich erinnere mich, daß Roswell ſagte, etwas höher als in dem ein und vierzigſten.“ „Nun gut. A4l mal 69 macht 2829,“— er rechnete, während er ſprach, auf ſeinem Papier,—„nimm an, wir wären 3000 Meilen von dem Aequator, verſteht ſich, auf der geradeſten Linie. Der ſüdliche Polarkreis beginnt mit 237 30“, zieht man dieß von 90 Graden ab, ſo bleiben 16* — 244— genau 66 30“ zwiſchen dem Aequator und dem nächſten Punkte innerhalb der von Dir eben erwähnten See. Nimmt man nun 69 Meilen auf einen Grad an, ſv machen 66 30 in gerader Linie 4589 Meilen mehr. Wenn man die beiden Summen zuſammen zählt, erhält man 7589 Meilen. Der Weg iſt aber nichts weniger als gerade, wie ich von Schiffs⸗ capitänen gehört habe, und ich glaube, Gar'ner muß wenigſtens 8000 Meilen zurücklegen, ehe er ſeine Breite erreicht, von der bedeutenden Längenſtrecke nicht zu reden, welche er ſüdlich von Cap Horn zu durchſchiffen hat.“ „Es iſt ſchrecklich, einen Freund ſo weit von uns entfernt zu wiſſen,“ ſagte Mary in leiſem, traurigem Tone. „Es iſt ſchrecklich, ſein Eigenthum ſo weit von ſich ent⸗ fernt zu wiſſen, Mädchen, und ich bringe manche Nacht ſchlaf⸗ los hin, wenn ich daran denke, wo mein Schoner umherge⸗ trieben werden mag.“ „Ah, da kommt der Köder⸗Joſeph, und wahrlich, Oheim, er hat einen Brief in ſeiner Hand.“ Vielleicht belebte eine geheime Hoffnung das edle Mäd⸗ chen, denn ſie ſprang wie ein junges Reh davon und eilte an die Thüre, dem alten Fiſcher entgegen. Ihr Auge hatte die Ueberſchrift kaum überflogen, ſo drückte ſie die Sendung auch ſchon an ihr Herz und ſchien einen Angenblick in inbrünſtigem Dankgebete verloren. Damit Niemand unnöthig Zeuge deſſen würde, was ſich zwiſchen dem Oheim und ihr begab, wurde Joſeph in die Küche geſchickt, wo Eſſen, ein Glas Rum und Waſſer und der Vier⸗ telsdollar, welchen ihm Mary gab, als ſie ihm den Weg zeigte, den Alten über das Ergebniß ſeiner Bemühung beruhigte. „Hier, Oheim,“ ſagte das faſt athemloſe Mädchen, als ſie wieder Brief noc Brief von Ein tenen Ge daß es f zu jeder wie theu⸗ heit vorge der Anbl aus ſeine ſal des 6 „Si des Südd Dieſ Unwiſſen gut, daß unbewoh den, ſeir ihn alber „O! einem A mit Roſe ſchwerlich „D Kind? gebracht „E nichts. und Bu gegeben n nächſten Nimmt 66 30“ die beiden Ilen. Der n Schiffs⸗ wenigſtens t, von der üdlich von as entfernt un ſich ent⸗ acht ſchlaf⸗ umherge⸗ ch, Oheim, edle Mäd⸗ ad eilte an hatte die ndung auch brünſtigem „was ſich n die Küche der Vier⸗ Weg zeigte, uhigte. idchen, als — 245— ſie wieder in das Gemach trat, und, ohne es zu wiſſen, den Brief noch immer an das Herz drückte,—„ein Brief— ein Brief von Roswell, von ſeiner eignen theuern Hand!“ Ein Strom von Thränen brachte den ſo lange verhal⸗ tenen Gefühlen und einem Herzen, welches ſo bedrängt war, daß es faſt brach, einige Erleichterung. Decan Pratt würde zu jeder andern Zeit und bei dieſem unzweideutigen Beweiſe, wie theuer der junge Mann ſeiner Nichte war, ihr die Thor⸗ heit vorgeſtellt haben, Roswell Gardiner's Hand auszuſchlagen, der Anblick des Briefes ſcheuchte aber jeden andern Gedanken aus ſeinem Kopfe, und ſein ganzes Weſen ſchien in das Schick⸗ ſal des Schoners zuſammengedrängt. „Sieh doch nach, Mary, ob der Brief das Poſtzeichen des Südpols hat?“ ſagte der Decan mit zitternder Stimme. Dieſe Frage entſchlüpfte dem Decan nicht ſowohl aus Unwiſſenheit als aus ängſtlicher Beſtürzung. Er wußte ſehr gut, daß die Inſeln, welche der Seelöwe zu beſuchen hatte, unbewohnt ſeien, und daß folglich keine Poſtämter dort beſtün⸗ den, ſeine Gedanken waren aber wirr und die Angſt machte ihn albern. „Oheim!“ rief die Nichte und trocknete die Thränen von einem Antlitze, welches die Scham über ihre Schwäche jetzt mit Roſenglut übergoß,—„Roswell wird da, wo er jetzt iſt, ſchwerlich ein Poſtamt finden.“ „Der Brief muß aber doch einen Poſtſtempel haben Kind? Der Köder⸗Joſeph hat ihn nicht ſelbſt in das Land gebracht!“ „Er hat das Poſtzeichen„Neu⸗York,“ Herr, und ſonſt nichts. Ja, hier heißt es:„Befördert durch Cane, Spriggs und Button, Rio de Janeiro.“ Er muß dort auf die Poſt gegeben worden ſein.“ — 246— „Rio? Alſo wieder Bergelohn, Kind? Abermals muß mir Bergelohn auf das Herz fallen!“ „Ihr habt aber das vorige Mal keinen Bergelohn zu bezahlen gehabt, und vielleicht iſt auch jetzt keiner zu zahlen. Wäre das nicht das beſte, ich öffnete ſofort den Brief, um zu ſehen, was ſich begeben hat?“ Ja, öffne ihn, Kind,“ antwortete der Decan mit ſo ſchwacher Stimme, daß man ſie kaum hörte.„Oeffne ihn ſogleich, und laß mich mein Schickſal vernehmen. Dieſe Qual iſt nicht zu ertragen!“ Mary wartete nicht auf eine zweite Aufforderung, ſondern erbrach ſofort das Siegel. Mochte es nun eine Folge der Erziehung ſein oder miſchte ſich etwas wie weiblicher Inſtinct ein, gewiß iſt es, daß das Mädchen ſich dem Fenſter zuwen⸗ dete und den Brief, welcher an ſie überſchrieben war, ſo geſchickt in ihren Buſen gleiten ließ, daß ſelbſt einem ſchär⸗ feren Auge, als dem des Oheims, die kleine Liſt entgangen wäre. „Lies du, Mary,“ ſagte der Letztere in ſeinem kläglichen Tone,„meine Augen ſind ſo trüb, daß ich nicht im Stande wäre, zu leſen.“ „Rio de Janeiro, Provinz von Braſilien, Süd⸗Amerika, den 14. November 1819,“ begann die Nichte. „Rio de Janeiro!“ fiel der Oheim ein.„Liegt dieß nicht jenſeit des Cap⸗Horn, Mary?“ „Nein, Herr, Braſilien liegt öſtlich von den Andes und Rio de Janeiro iſt die Hauptſtadt.“ „GanzKichtig, ich hatte es vergeſſen. Die braſiliſchen Sand⸗ bänke, wohin unſre Wallſiſchfänger gehen, liegen in dem atlan⸗ tiſchen Meere. Was hat Gar'ner aber in Rio einzulaufen, wenn er es nicht gethan hat, um mehr Geld auszugeben?“ „Wen Ich ſehe, „Ha, Decan und ter, Mary. kannſt, lie „Dec Befehle g Beauford, jenem Ha zu Hander und es g Breiten er eine Woch lich an u ſtrahlen Wallfiſche „Bei ich war b im Schle konnte un „Ca zu mache trieben m ward uns Seine E andere S licherweiſ es Capit als drei ſchönen f s muß mir egelohn zu zu zahlen. ief, um zu ſo ſchwacher gleich, und iſt nicht zu ng, ſondern Folge der er Inſtinet ſter zuwen⸗ n war, ſo inem ſchär⸗ ingen wäre. kläglichen im Stande d⸗Amerika, zt dieß nicht Andes und ſchen Sand⸗ dem atlan⸗ einzulaufen, ugeben?“ — 247— „Wenn wir den Brief leſen, werden wir es bald erfahren. Ich ſehe, daß hier die Rede von Pottwallfiſchthran iſt. „Ha, Pottwallſiſchthran? Sagſt du nicht ſo?“ rief der Decan und ſein Geſicht heiterte ſich plötzlich auf.„Lies wei⸗ ter, Mary, mein gutes Mädchen!— lies den Brief ſo ſchnell Du kannſt, lies ihn im Trabe.“ „Decan Iſrael Pratt, lieber Herr!“ fuhr Mary, dieſem Befehle gehorchend, fort.„Die beiden Schoner ſegelten von Beauford, Nord⸗Carolina ab, wie ich bereits in einem, aus jenem Hafen geſchriebenen Brief, welcher Euch ohne Zweifel zu Handen gekommen, meldete. Wir hatten ſchönes Wetter und es ging zielich raſch nach vornen, bis wir die ſtillen Breiten erreichten, wo wir durch die gewöhnlichen Wechſel etwa eine Woche aufgehalten wurden. Am 18. Oetober wurde plötz⸗ lich an unſerm Bord der erfreuliche Ruf:„dort geben Waſſer⸗ ſtrahlen auf!“ laut, und wir ſahen uns in der Nähe von Wallfiſchen. „Beide Schoner ließen ihre Boote in das Waſſer, und ich war bald an einen ſchönen Bullen gefeſtigt, der uns lange im Schlepptau hatte, ehe ich ihn meine Lanze fühylen laſſen konnte und er zum Blutſpeien kam. „Capitän Daggett hatte Luſt, Anſprüche auf dieſen Fiſch zu machen, da ſeine Taue in den Rachen des Thieres abge⸗ trieben waren; er beſann ſich jedoch zeitig eines Beſſern und ward uns behilflich, den Wallſiſch an unſer Schiff zu bringen. Seine Eiſen riſſen ſich von einem jungen Bullen los und die andere Schifſsmannſchaft war ziemlich verdrießlich, bis glück⸗ licherweiſe die Heerde junger Bullen uns ganz nahe kam und es Capitän Daggett und ſeinen Leuten gelang, nicht weniger als drei Fiſche zu tödten, während Herr Hayard einen ſehr ſchönen für uns einbrachte. — 248— „Ich freue mich, berichten zu können, daß wir zum Zer⸗ legen ſehr ſchönes Wetter hatten, und den Thran unſerer zwri Wallfiſche, wie Capitän Daggett den der ſeinigen in Sicher⸗ heit brachten. Unſer großer Fiſch gab hundert und neunzehn Fäſſer, von denen drei und vierzig Wallrath waren. Auch der kleine Bulle war ergiebig, er lieferte uns acht und vierzig Fäſſer, darunter ein und zwanzig Wallrath. Daggett erhielt hundert drei und dreißig Fäſſer von ſeinen drei Fiſchen und einen guten Theil Wallrath, obgleich nicht ſo viel als wir. „Mit dieſem Thran an Bord liefen wir, nach einer ſehr angenehmen Fahrt hier ein, und ich habe, laut einliegender Nota hundert ſieben und ſiebzig Fäſſer Pottfiſchthran, näm⸗ lich vier und ſechszig Wallrath und die übrigen in Kernthran durch die Brig Jaſon, Capitän Williams, welcher den 20. d. nach Hauſe reiſt und dieſen Brief mitnimmt, mittels Grinnel und Fiſh, Neu⸗York, an Eure Ordre verladen.“ „Halt ein, Mary, meine Liebe! dieſe Nachrichten ſind überwältigend, ſie ſind faſt zu gut, um wahr zu ſein,“ fiel der Decan ein, welchen dieſe Berichte von ſeinem guten Glücke faſt eben ſo ſehr bedrängten, wie ihn früher ſeine Angſt niedergebeugt hatte.„Ja, ſie ſcheinen mir zu gut, um wahr zu ſein. Lies es noch einmal, Kind, ja, lies mir jede Sylbe noch einmal vor.“ Mary, die entzückt war, von Roswell's glücklichen Erfol⸗ gen zu hören, gehorchte mit Freuden. „Nun, Oheim,“ ſagte Mary, welche den innigſten Antheil nahm,„all dieſer Thran iſt Wallrath und viel mehr werth, als der des gewöhnlichen Wallfiſches.“ „Mehr! faſt dreimal ſo viel. Suche mir doch die letzte Nummer der Zeitung, und laß mich ſehen, wie hoch der Wall⸗ rath ſteht.“ Ma 7,3 Gallion. dreißigm Kind!“ „5 „Dreißi „G dreißig zwei un Zeit. 2 Das ſir da die Auf me ſchöne De er ſeine Erſtaur welche hielt ſie weiter „,2 Auslag ir zum Zer⸗ unſerer zwri in Sicher⸗ d neunzehn Auch der und vierzig gett erhielt Fiſchen und als wir. h einer ſehr einliegender hran, näm⸗ Kernthran den 20. d. els Grinnel richten ſind n,“ fiel der uten Glücke ſeine Angſt , um wahr s mir jede ichen Erfol⸗ ſten Antheil nehr werth, ch die letzte h der Wall⸗ — 249— Mary fand das Blatt bald und reichte es ihrem Oheim. „Ja, hier iſt's, ſo wahr ich lebe, neun Schilling die Gallion. Mary, nimm dieß Stückchen Papier und rechne— dreißigmal hundert ſieben und ſiebenzig— wie viel iſt das, Kind!“ „5310, Oheim,— ja, ganz recht. Was ſind aber dieſe „Dreißigmal?““ „Gallionen, Mädchen,— Gallionen. Jedes Faß enthält dreißig Gallionen, wenn nicht mehr. Eigentlich müßten es zwei und dreißig ſein, wir leben aber in einer betrügeriſchen Zeit. Nun multiplicire 5310 mit 9 und ſieh', welche Summe heraus kommt.“ „Gerade 47,790, Herr, wenn ich recht gerechnet habe.“ „Ja, das ſind die Schillinge. Dividire jetzt 47,790 mit 8, meine Liebe. Raſch, mein Kind, raſch!“ „Wir erhalten 5973 mit einem Reſt von 6, Herr. Ich glaube, ich habe richtig gerechnet.“ „Ich zweifle nicht daran, Kind, nicht im Geringſten. Das ſind die Dollars. Mau kann 6000 Dollars annehmen, da die Fäſſer etwas mehr als dreißig Gallionen enthalten. Auf meinen Antheil kommen zwei Drittheile, und das wird die ſchöne runde Summe von 4000 Dollars betragen.“ Der Decan rieb ſich die Hände vor Vergnügen, und da er ſeine Stimme wieder gefunden hatte, hörte ſeine Nichte mit Erſtaunen, daß in ſeinen Worten eine Heiterkeit wiederklang, welche ihr bei ihm ganz unnatürlich vorkam. Die Sache ver⸗ hielt ſich jedoch ſo, und ſie bemühte ſich pflichtgemäß, nicht weiter darüber nachzudenken. „Vier tauſend Dollars, Mary, erſetzen völlig die erſten Auslagen für den Schoner, Ausrüſtung und Tauwerk natür⸗ — 250— lich ausgenommen, von welchem letzteren ſein Capitän noch einmal ſo viel an Bord ſchaffte, als nöthig war. Er iſt ein Kapitalburſche, der junge Gar'ner, und wird einen vortreff⸗ lichen Gatten abgeben, wie ich Dir ſtets geſagt habe, Kind. Vielleicht ein wenig verſchwenderiſch,— im Grunde aber ein herrlicher Junge. Ich behaupte, er hat vor Cap Hatteras ſeine Spieren verloren, weil er dieſen Daggett überſegeln wollte, doch überſehe ich das Alles jetzt. Er iſt ein Kapitaljunge, wenn es an einen Wallfiſch oder See⸗Elephanten geht. Es gibt in ganz Amerika ſeines Gleichen nicht, ſag' ich, ſobald man ihm nur einen Wink gegeben hat, wo dieſe Geſchöpfe zu finden ſind. Ich habe ihn durchſchaut, ehe ich ihn annahm. Nur ein echter Seebär bekommt den Befehl über Schiffe, die mir gehören.“ „Roswell iſt ein guter Burſche,“ antwortete Mary mit Nachdruck, und Thränen ſtanden in ihren Augen, als ſie ihren Oheim den jungen Mann ſo preiſen hörte, welchen ſie mit aller Zärtlichkeit des Weibes liebte, während ſie mit ſich ſelbſt kämpfte, ob ſie einem Manne— deſſen„Gott nicht ihr Gott war“— ihr Glück anvertrauen dürfe.„Niemand kennt ihn beſſer, als ich, und Niemand achtet ihn mehr. Wollen wir aber ſeinen Brief nicht zu Ende leſen, Oheim, er iſt noch ziemlich lang.“ 4 „Fahre fort, Kind, fahre fort, lies mir das aber noch einmal, was er von der Menge des Thrans ſagt, welche er an Grinnel und Fiſh verladen hat!“ Mary that, wie verlangt worden, und begann dann die weitern Mittheilungen vorzuleſen. „Ich bin in großer Verlegenheit geweſen, wie ich mich in Bezug auf Capitän Daggett zu verhalten hätte,“ ſagte Ros⸗ well in ſ müthig vn während geſchiener er hat ei ich glaube dieſer Ar⸗ Leute ſpi derten. uns ſo ſe wünſchte. nach mei und Stri Dennoch „He dieſe Dir Die ſo anſtec wußte, n auf das „D lich und Whittle ſie breite ſollte ih Stimme gett eine hörten; Lootſenl ltän noch Er iſt ein vortreff⸗ e, Kind. aber ein ras ſeine n wollte, taljunge, Es gibt ald man zu finden m. Nur die mir NKary mit ſie ihren ſie mit ſich ſelbſt ihr Gott ennt ihn ollen wir iſt noch aber noch welche er dann die mich in gte Ros⸗ — 251— well in ſeinem Brief.„Er ſtand mir ſo mannhaft und groß⸗ müthig vor Cap Hatteras bei, daß ich mich nicht in der Nacht oder während einer Bö von ihm trennen mochte, dieß hätte undankbar geſchienen und wie eine Art Flucht ausgeſehen. Ich fürchte, er hat eine Ahnung von dem Daſein unſerer Inſeln, obgleich ich glaube, er kennt die Länge und Breite nicht genau. Etwas dieſer Art weiß man an Bord des andern Schoners, denn ſeine Leute ſpielten öfter darauf an, wenn ſie mit den unfrigen plau⸗ derten. Es kam mir zuweilen vor, als ſchlöſſe Daggett ſich uns ſo ſehr an, um durch uns zu erfahren, was er zu wiſſen wünſchte. Er iſt in keiner Weiſe ein großer Seefahrer, denn nach meinem Urtheile richtet er ſeinen Curs eher nach Anzeichen und Strömungen, als nach Inſtrumenten und Berechnungen. Dennoch würde er ſeinen Weg in jeden Theil der Welt finden.“ „Halte, Mary,— halte ein wenig inne und laß mir Zeit, dieſe Dinge zu erwägen. Iſt es nicht ſchrecklich, Kind?“ Die Nichte wurde blaß und ſchien wirklich zu erſchrecken, ſo anſteckend war die Angſt des Decans, obgleich ſie kaum wußte, was es gebe. „Was iſt ſchrecklich, Oheim?“ fragte ſie ängſtlich und auf das Schlimmſte gefaßt. „Dieſe Habgier der Vineyarder! Mir erſcheint ſie ſchreck⸗ lich und gottlos zugleich. Ich muß den wohlehrwürdigen Herrn Whittle auffordern, gegen die Sünde der Habſucht zu predigen, ſie breitet ſich in Amerika immer mehr aus. Die ganze Kirche ſollte ihre Stimme gegen ſie erheben, ſonſt wird ſie bald ihre Stimme gegen die Kirche erheben. Ha, da rüſten dieſe Dag⸗ gett einen Schoner aus, um meinem Schiffe in einer ſo uner⸗ hörten Weiſe um die Erde zu folgen, gerade als wär' es ein Lootſenboot und der junge Gar'ner ein Lootſe! Ich hoffe, er — 252— zerſchellt den Burſchen auf dem Eiſe der Südſee. Dieß wäre eine paſſende Strafe für die Unklugheit und Habſucht dieſer Leute!“ „Ich glaube, Herr, ſie halten ſich für eben ſo berechtigt, das Meer zu beſchiffen, wie Andere. Robben und Wallſiſche ſind Gaben Gottes, und der Eine hat ſo viel Recht darauf wie der Andere.“ „Du vergißt, Mary, daß Einer ein Geheimniß haben kann, von welchem der Andere nichts weiß. In dieſem Falle darf er nicht darnach ſpüren, wie eine alte Dorfbaſe. Lies weiter, Kind, lies weiter, und laß mich das Schlimmſte ſofort hören.“ „Da mein Geſchäft hier abgethan iſt, werde ich morgen wieder in See ſtechen, und hoffe, in zwanzig Tagen, wenn nicht früher, vor Cap Horn zu ſtehen. Noch weiß ich nicht, auf welche Art ich Daggett los werden ſoll. Er ſegelt in jeder Hinſicht beſſer, als ich, es müßte denn bei ſchwerem Wet⸗ ter ſein, wo ich einen unbedeutenden Vortheil über ihn habe. Ich kann ihn in der erſten dunklen Nacht verlaſſen, wenn ich ihn aber nach vornen gehen laſſe, und er ſollte irgend eine genauere Kenntniß von der Lage der Inſeln haben, könnte er ſte zuerſt erreichen und den Robben übel mitſpielen.“ „Furchtbar! furchtbar!“ ſiel der Decan von Neuem ein, „dieß wäre das Allerſchlimmſte! Ich gebe es nicht zu— ich verbiete es— es darf nicht ſein!“ „Ach, Oheim, der gute Roswell iſt jetzt zu weit von uns, um dieſe Worte zu hören. Ohne Zweifel iſt die Sache jetzt längſt entſchieden, und er hat nach ſeinem beſten Wiſſen gehandelt.“ 4 „Es iſt ſchrecklich, wenn man ſo weit von ſeinem Eigen⸗ thume get boote unt und herge werden ni lange die Aus Art Tade und in d der Leſer war, wa gelten kor ſo würde welche die und wahr keit an d ſo treues die Welt Wir uns aber nicht ohn und jene des Veto und dem Decan w zur Schi der Verl Packetbo⸗ „W heure Fl beförderr Dieß wäre cht dieſer berechtigt, Wallfiſche ht darauf niß haben ſem Falle aſe. Lies mſte ſofort ch morgen en, wenn ich nicht, ſegelt in erem Wet⸗ ihn habe. wenn ich egend eine könnte er teuem ein, icht zu— weit von die Sache en Wiſſen em Eigen⸗ — 253— thume getrennt iſt! Die Regierung ſollte Dampf⸗ oder Packet⸗ boote unterhalten, und zwiſchen Neu⸗York und Cap Horn hin und hergehen laſſen, um die Briefe zu befördern. Aber wir werden nie Ordnung in die Dinge kommen ſehen, Mary, ſo lange die Demokraten an der Herrſchaft ſind.“ Aus dieſer Bemerkung, welche in hohem Grade nach einer Art Tadel ſchmeckt, wie man ihn in der großen„Haudelsſtadt“ und in den Kreiſen gewiſſer Leute jeden Tag hören kann, wird der Leſer ſogleich erſehen haben, daß der Decan ein Föderaliſt war, was vor dreißig Jahren in Suffolk als etwas Neues gelten konnte. Hätte der Mann bis zu unſeren Tagen gelebt, ſo würde er ohne Zweifel die ganze politiſche Kreisbewegung, welche die Schule, der er angehörte, charakteriſirt, mitgemacht und wahrſcheinlich, ohne es zu wiſſen, durch ſeine Anhänglich⸗ keit an das, was man jetzt Whigiſche Grundſätze nennt, ein ſo treues Abbild der ſteten Bewegung abgegeben haben, wie die Welt je eines geſehen hat. Wir halten uns der Politik ziemlich fern, die Zeit hat uns aber Mittel zu Vergleichungen geboten, und oft hören wir nicht ohne Lächeln die Jünger eines Hamilton, eines Adam's und jener ganzen hochfliegenden Schule gegen den Gebrauch des Veto declamiren, und von der„Gewalt Eines Mannes“ und dem„Congreſſe, der die Regierung regiere“ ſprechen! Der Decan war im Stande, der Regierung einen naſſen Sommer zur Schuld zu legen, und der Leſer hat geſehen, wie er von der Verbindung zwiſchen Neu⸗York und Cap Horn durch Packetboote dachte! „Wir ſollten eine große Flotte haben, Mary, eine unge⸗ heure Flotte, ſo daß die Schiffe nach allen Richtungen Briefe befördern und dem Publikum dienſtbar ſein könnten. Aber die 1 — mein Verſehen vor Carrituck vergeben. Wäre ich doch eben ſo — 254— Dinge werden nie in Ordnung kommen, bis Rufus King, oder ein Mann gleich ihm, in die Regierung tritt. Wenn Gar'ner dieſen Daggett nach vornen treten läßt, darf er mir nie wieder vor die Augen kommen. Die Inſeln ſind ſo gut mein, als hätt' ich ſie gekauft, und ich bin überzeugt, daß jeder Gerichts⸗ hof ſich in derſelben Weiſe ausſprechen würde. Ja, ja, wir ſollten eine ungeheure Flotte haben, um Robbenfänger zu geleiten, Briefe hin und her zu ſchaffen, und gewiſſe Leute zu Haus zu halten, während ſie andern Leuten in ihrem recht⸗ mäßigen Geſchäfte Beiſtand leiſtet.“ „Von welchen Inſeln ſprecht Ihr, Oheim? Gewiß ſind die Robbeninſeln, wohin Roswell geht, allgemeines Eigenthum und unbewohnt, und der Eine hat ſo viel Recht darauf wie der Andere.“ Der Decan bemerkte, daß er in ſeiner Angſt zu weit gegangen war und ſchien zu ahnen, daß er nahe daran ſei, dummes Zeug zu machen. Er bat daher ſeine Nichte mit ſchwacher Stimme, ihm den Brief zu reichen, damit er ihn ſelbſt zu Ende leſe. Obgleich Mary'n jedes Wort, das Roswell ſchrieb, ſehr theuer war, hatte das edle Weſen ſelbſt einen noch nicht geöff⸗ neten Brief zu leſen, und freute ſich der Gelegenheit, zu ent⸗ kommen. Sie reichte daher dem Decan ſeinen Brief und eilte in ihr Gemach, um den ihrigen zu leſen. „Theuerſte Mary,“ ſagte Roswell in dieſem Schreiben, „Euer Oheim wird Euch ſagen, was mich in dieſen Hafen geführt hat und wie es mit dem Schoner ſteht. Ich habe für mehr als 4000 Dollars Thran nach Haus geſchickt, und hoffe, mein Schiffsherr wird mir in Folge dieſes glücklichen Zufalls gewiß, d freundlic Mary, 1 wenn me mir mit Anſichter meiner5 Die die Thro Seele ſe Freimütt glaubte und bed dieſe jen „D Bewegg. ich das liebliche thun we 8 „ſo lan „N mich di „Ich n thun ſo ohne m iſt es ir mir bei und zeig daß ich, Ling, oder n Gar'ner nie wieder nein, als Gerichts⸗ Ja, ja, fänger zu Leute zu rem recht⸗ zewiß ſind Ligenthum arauf wie t zu weit daran ſei, tichte mit nit er ihn rieb, ſehr icht geöff⸗ t, zu ent⸗ und eilte Schreiben, ſen Hafen habe für und hoffe, n Zufalls och eben ſo — 255— gewiß, daß ich Euch geneigter fände, mich bei meiner Rückkehr freundlich aufzunehmen! Ich leſe jeden Tag in Eurer Bibel, Mary, und bete oft zu Gott, er möge meinen Geiſt erleuchten, wenn meine Anſichten falſch geweſen ſind. Bis jetzt kann ich mir mit keiner Aenderung ſchmeicheln, denn meine früheren Anſichten ſcheinen mir vielmehr feſter gewurzelt, als ſie es vor meiner Abreiſe waren.“ Die arme Mary ſeufzte hier ſchwer auf und wiſchte ſich die Thränen aus den Augen. Sie fühlte ſich in ihrer tieſſten Seele ſchmerzlich erſchüttert, mußte aber Roswell um ſeiner Freimüthigkeit willen hochachten. Wie alle frommen Seelen glaubte ſie feſt an den heilſamen Einfluß der heiligen Schrift, und bedauerte um ſo mehr ihres Anbeters Verblendung, da dieſe jenem Lichte nicht weichen wollte. „Da ich aber,“ fuhr der Brief fort,„jeden menſchlichen Beweggrund habe, das Wahre und. Rechte zu erſtreben, werde ich das Buch keineswegs bei Seite legen. Betet für mich, liebliches Mädchen, aber ich weiß, daß Ihr dieß thut und thun werdet, ſo lange ich abweſend bin.“ „Ja, wahrlich, Roswell,“ ſagte Mary leiſe vor ſich hin, „ſo lange Ihr und ich am Leben ſind!“ „Neben dieſer einen großen, wichtigen Sorge bedrängt mich die Frage wegen Daggett's,“ lautete der Brief weiter. „Ich weiß kaum, was ich unter allen dieſen Verhältniſſen thun ſoll. Ich kann nicht länger in ſeiner Geſellſchaft reiſen, ohne meine Pflichten gegen den Decan zu verletzen. Dennoch iſt es in keinerlei Weiſe leicht, von ihm loszukommen. Er hat mir bei allen Gelegenheiten ſo mannhaft zur Seite geſtanden, und zeigt ſich ſo geneigt, einen guten Reiſegefährten abzugeben, daß ich, hinge dieß von mir allein ab, ſofort eine Ueberein⸗ —————— 2* — 256— kunft mit ihm treffen würde, unſere Robbenjagd gemeinſchaft⸗ lich zu betreiben und die Beute zu theilen. „Dieß iſt jedoch jetzt nicht möglich und ich muß auf irgend eine Weiſe von ihm ſcheiden. Dieß iſt aber leichter geſagt, als gethan, da er mich faſt bei jedem Wetter überſegelt. Die ſich ſteigernde Kürze der Nächte macht die Sache noch ſchwie⸗ riger. Die Tage werden raſch länger, und da wir ſtets ſüd⸗ licher gehen, wird es, wenn die Zeit kommt, wo die Trennung unerläßlich iſt, faſt immer Tag ſein. Die Sache muß jedoch geſchehen und ich vertraue dem Glück, ſie ſo abthun zu können, wie ſie abgethan werden muß.“ „Und nun, theuerſte Mary“— Warum ſollen wir aber die Gefühle dieſes jungen Mannes entſchleiern, der in dem Schluſſe ſeines Briefes ſein ganzes Herz in wenigen herzlichen, warmen und wahren Worten aus⸗ ſtrömte. Mary's Thränen verſiegten dieſen ganzen Tag nicht; ſie las die theuern Zeilen ſo lange, bis die Augen ihr faſt den Dienſt verſagten. Einige Tage ſpäter wurde der Decan durch den Empfang eines Briefes erfreut, worin Grinnel und Fiſh ihm die Ankunft ſeines Thrans anzeigten und die angenehme Nachricht beifüg⸗ ten, wie es mit den Preiſen ſtünde, zugleich baten ſie um weitere Befehle. Der Thran wurde verkauft und der Decan ließ ſich ſobald als möglich ſeinen Antheil an dem Ertrage auszahlen, über welchen er danu auch ſofort in der ergiebigſten Weiſe weiter verfügte. Roswell Gardiner's Ruf ſtieg bedeutend durch den Fang zweier Pottwallſiſche, welche überdieß zu ſo günſtiger Zeit auf den Markt geſchickt worden. Der Erfolg iſt Alles,— im Handel wie im Krieg, obgleich der Erfolg in beiden faſt ebenſo oft das Ergebt und Berech Eigenſchaft Kunſt, un ebenſo mäc eine kühne Oyſter⸗Po ſein„Oel, nach Haus ſeit Jahrer Dieſer des edlen einzigen 2 daß es kar ten, ehe war ihre zwei Wock vierzigſten Aequator, hundert D Der einen Kat ſtillen M als ſolche Alles wol und daß. heit„abzt Nach Roswell langer, öt 247—: heinſchaft⸗ uf irgend er geſagt, gelt. Die h ſchwie⸗ ſtets ſüd⸗ Trennung uß jedoch u können, Mannes n ganzes rten aus⸗ ag nicht; r faſt den Empfang 2 Ankunft öt beifüg⸗ mſie um er Decan Ertrage giebigſten den Fang Zeit auf n Handel benſo oft — 257— das Ergebniß unvorgeſehener Umſtände, als das der Klugheit und Berechnung iſt. Kühnheit iſt im Kriege eine bedeutſame Eigenſchaft und vollbringt oft mehr, als die berechnendſte Kunſt, und wir wiſſen nicht, ob ſie nicht auch im Handel ebenſo mächtig iſt. Wie dem nun auch ſein mag, es galt als eine kühne und glückliche That, daß der kleine Schoner von Oyſter⸗Pond einen hundert Fäſſer⸗-Wallſiſch gefangen und ſein„Oel,“ wie der Decan ſich ſtets ausdrückte, in einer Zeit nach Haus geſchickt hatte, wo der Preis höher ſtand, denn ſeit Jahren.— Dieſem lichten Sonnenblicke, welcher das einſame Daſein des edlen jungen Weſens freundlich erhellte, folgten mit einer einzigen Ausnahme lange, düſtere Monate. Mary wußte, daß es kaum möglich war, Nachrichten von Roswell zu erhal⸗ ten, ehe er wieder nach Norden zurückkehrte. Um ſo größer war ihre Freude, als der Decan einen Brief erhielt, welcher zwei Wochen ſpäter als der von Rio, und von dem ein und vierzigſten Grade der Breite, oder gerade ſo weit ſüdlich vom Aequator, als Oyſter⸗Pond nördlich lag, und faſt vierzehn⸗ hundert Meilen ſüdwärts von Rio geſchrieben war. Der Brief zeugte von großer Eile, denn er wurde durch einen Kauffahrer in die Heimath geſchickt, welcher aus dem ſtillen Meere kam und ſich der Küſte mehr genähert hatte, als ſolche Schiffe ſonſt zu thun pflegen. Er berichtete, daß Alles wohlbehalten ſei, daß Daggett noch in der Nähe ſegle und daß Gardiner die Abſicht habe, ihn bei der erſten Gelegen⸗ heit„abzuſchütteln,“ wie der Deean ſich ausdrückte. Nach dem Empfange dieſes Briefes, des dritten, welchen Roswell Gardiner ſeit ſeiner Abreiſe geſchrieben, trat ein langer, öder Zwiſchenraum völligen Schweigens ein. Monate 247— 249. 17 — 258 vergingen jetzt in düſterer, banger Ungewißheit. Dem Winter folgte der Frühling, dieſem der Sommer, und der Herbſt kam, um die Früchte der früheren Jahreszeiten reifen zu ſehen, aber er brachte keine weiteren Nachrichten von den Reiſenden. Jetzt erſchien der Winter zum zweiten Male, ſeit der Seelöwe abgeſegelt war, und erfüllte die Seelen der Freunde und Verwandten der Seeleute mit traurigen Ahnungen, wenn ſie das Brüllen der Stürme hörten, welches dieſen freudeloſen, rauhen Theil des Jahres begleitet. Tief und ſchmerzlich waren die Beſorgniſſe des Deeans, deſſen düſtere Stimmung durch Kränklichkeit und den Gedanken an das herannahende Ende ſeiner irdiſchen Bahn noch geſteigert ward. Mary erhielten Jugend und Geſundheit aufrecht, aber auf ihrer Seele ruhte eine ſchwere Laſt, wenn ſie einer ſo langen, troſtloſen Abweſenheit gedachte. Dreizehntes Kapitel. — Sicher in dem Hafen Liegt jetzt des Königs Schiff; im ſtillen Plätzchen, Wo Du mir einſt um Mitternacht befablſt, In den noch ſtets bedrängten Bermuden Dir Thau zu holen,— dort bab' ich's verſteckt. Shakſpeare. Der zuletzt angekommene Brief Roswell Gardiner's war am 10. December 1819, alſo genau vierzehn Tage nach ſeiner Abfahrt von Rio, geſchrieben worden. Wir wollen dem Leſer nun den Schoner des Decans Pratt an dem sten dieſes Monats, der Haupt Früh Seelöwe aber friſch Man hat nahe, wei Dieſe gerichtet vier bis man es leichten, zeit in je vorgerückt Luft ſchie den würd Der Landes v bung, w Unmittel von zerk gewiſſern wilden F welche v erſchütter mochten. Es mit lebh Die Me hatten f dem Winter Herbſt kam, ſehen, aber inden. e, ſeit der her Freunde ngen, wenn freudeloſen, es Deeans, n Gedanken ch geſteigert frecht, aber ſie einer ſo m Hafen en Plätzchen, ablſt, en erſteckt. hakſpeare. diner's war nach ſeiner n dem Leſer Sten dieſes Monats, oder zwei und zwanzig Tage nach ſeiner Abreiſe von der Hauptſtadt Braſiliens vorführen. Früh am Morgen des eben erwähnten Tages war der Seelöwe von Oyſter⸗Pond nördlich ſtehend, mit einem leichten, aber friſchen Wind aus Weſten, und bei glatter See ſichtbar. Man hatte nicht nur Land im Auge, ſondern es lag ganz nahe, weniger als eine Stunde entfernt. Dieſem Lande entgegen war die Naſe des Schoners gerichtet worden, und er lief mit einer Geſchwindigkeit von vier bis fünf Knoten darauf ab. Das Land war, ſo weit man es ſehen konnte, zerklüftet, hoch, öde und mit einem leichten, ſich eben löſenden Schnee bedeckt, obgleich die Jahres⸗ zeit in jenen Breitegraden zur Mitte des erſten Sommermonats vorgerückt war. Das Wetter war jedoch nicht kalt und die Luft ſchien darauf hinzudeuten, daß es bald noch milder wer⸗ den würde. Der Anblick des umliegenden öden, rauhen, unwirthlichen Landes vereiſte das Herz und gab der Secene eine düſtere Fär⸗ bung, welche ihr das Wetter ſelbſt nicht hätte geben können. Unmittelbar vor dem Schoner erhob ſich eine Art Pyramide von zerklüfteten Felſen, welche eine kleine Inſel bildeten und gewiſſermaßen allein und ziemlich weit vor gleichfalls rauhen, wilden Felſenketten ſtanden, die auch zu den Inſeln gehörten, welche vor Tauſenden von Jahren in Folge heftiger Natur⸗ erſchütterungen von dem Feſtlande losgeriſſen worden ſein mochten. Es war ganz augenfällig, daß alle an Bord des Schoners mit lebhaftem Intereſſe auf jene zerklüftete Pyramide blickten. Die Mehrzahl der Mannſchaft, einſchließlich der Offtziere, hatten ſich auf dem Vordereaſtell zuſammengedrängt und alle 17*¾ „* — Augen waren auf die Felſenmaſſe gerichtet, welcher ſie ſich in ſchräger Richtung näherten. Der Hauptſprecher in der Gruppe war Stimſon, der älteſte Seemann an Bord, der jene Seeen öfter beſucht hatte, als irgend einer der Anweſenden. „Ihr keunt doch wohl dieſe Stelle, Stephan?“ fragte Noswell Gardiner mit Intereſſe. „Ja, Herr, man kann ſich hier nicht irren. Dieß iſt das Horn. Eilfmal habe ich es umſegelt, und dieß iſt das dritte Mal, daß ich ſo nahe an daſſelbe herantrete und es klar in das Auge faſſe. Einmal lief ich dort ein, wie ich Euch erzählt habe, Herr.“ „Ich habe es ſelbſt ſechsmal umſegelt,“ ſagte Gardiner, aber heute ſehe ich es zum erſten Male. Die meiſten See⸗ fahrer weichen ihm weit aus. Wie man ſagt, iſt es der ſtür⸗ miſchſte Raum auf der weiten Erde.“ „Dieß iſt ein Irrthum, Ihr könnt mir es glauben, Herr. Es iſt zwar wahr, der Südweſt bläſt hier wie aus ſchweren Kanonen und in einem ſolchen Falle wälzen ſich Wellen an dieſen Fels, wie man ſie vielleicht in der Welt nicht mehr ſieht, im Ganzen aber trete ich hier lieber nahe heran, als zweihundert Meilen weiter ſüdwärts. Wenn der Wind ſchwer und aus Südweſten kommt, wendet man beſſer nach Süden ab, hier aber weiß ich, wo ich bin, und würde hineintreten und Anker werfen, und warten, bis der Sturm ſich müde geblaſen hat.“ „Da der Wellen gedacht wurde, Capitän Gar'ner,“ bemerkte Hayard,„glaubt Ihr nicht, die Deining des ſtillen Meeres laſſe ſich allgemach fühlen? So glatt die Oberfläche des Waſſers iſt, rollt doch eine Grunddeining daher, welche zwölf bis fünfzehn Fuß hoch ſein muß.“ „Dief des ſtillen atlantiſche That ein Wind blä hier von „Laß ſon wieder und Anke ſpreche, d Südweſter gen ſehen bracht we regelmäßi Rosr hinten, i Seine La heit und Daggett an ihn de verlaſſen Oyſter⸗. umſchifft, Unterredr Wie Meerenge dort Sch lichſte be⸗ Ohn und der! ſie ſich in aſon, der icht hatte, 2“ fragte eß iſt das das dritte es klar in ich erzählt Gardiner, iſten See⸗ der ſtür⸗ ben, Herr. ſchweren Wellen an nicht mehr heran, als ind ſchwer ich Süden neintreten ſich müde Gar'ner,“ des ſtillen Oberfläche er, welche „Dieß iſt nicht zu bezweifeln. Wir haben die Deining des ſtillen Meeres ſchon ſeit zwei Stunden gefühlt. Das atlantiſche Meer hat keine ſolche Wellen. Dieß iſt in der That ein Meer und hier iſt ſein ſtürmiſchſtes Bereich. Der Wind bläſt friſcher und heult, und ich fürchte, wir werden hier von einem tüchtigen Südweſt eingeklemmt werden.“ „Laßt ihn kommen, laßt ihn kommen, Herr!“ fiel Stim⸗ ſon wieder ein,„wenn er losbricht, dürfen wir nur einlaufen und Anker werfen. Ich kann als Lootſe dienen und ver⸗ ſpreche, den Schoner an eine Stelle zu führen, wo zwanzig Südweſter ihn nicht wegheben. Was ich einmal habe vollbrin⸗ gen ſehen, kann, wie ich weiß, auch zum zweiten Male voll⸗ bracht werden. Die Zeit wird kommen, wo das Horn einen regelmäßigen Hafen abgibt.“ Noswell verließ das Vordercaſtell und begab ſich nach hinten, über das, was er eben gehört hatte, nachdenkend. Seine Lage war eine eigenthümliche und forderte Entſchloſſen⸗ heit und Klugheit zumal. Der Leſer weiß, wie ſehr ſich Daggett ſeit der Abreiſe der beiden Schiffe von Block⸗Island an ihn drängte. Die Seelöwen hatten Rio in derſelben Stunde verlaſſen und vor dem Tage, an welchem wir den Schoner von Oyſter⸗Pond wieder auf die Scene bringen, Staten⸗Land umſchifft, und waren ſich nun ſo nahe getreten, daß eine Unterredung zwiſchen den beiden Capitänen möglich wurde. Wie es ſchien, war Daggett ſehr abgeneigt, durch die Meerenge von Le Maire zu laufen. Einer ſeiner Oheime hatte dort Schiffbruch gelitten und die Durchfahrt als die gefähr⸗ lichſte bezeichnet, die ihm je vorgekommen. Ohne Zweifel hat ſie bei gewiſſen Stellungen des Windes und der Fluth ihre großen Schwierigkeiten, allein Roswell hatte — von Stimſon, welcher ſie mehrere Male durchſchifft hatte, gute Nachrichten von der Oertlichkeit erhalten. Der Wind war ziemlich knapp, um die Enge zu durchlau⸗ fen, und das Wetter drohte ſtürmiſch zu werden. Da Daggett ſeine Gründe, außerhalb Staten⸗Land zu bleiben— ein Curs, welcher ziemlich weit umführte, bei den vorherrſchenden Winden jener Gegend, welche gewöhnlich von Nordweſt nach Südweſt umſpringen, ein Schiff auch zu weit leewärts treiben konnten— mit großer Lebhaftigkeit vertheidigte, glaubte Roswell dieſen Umſtand benützen zu können, um ſich ſeines Gefährten zu entſchlagen. Nachdem man die Frage eine Weile beſprochen hatte, for⸗ derte er Daggett auf, voran zu gehen und es ihm zu über⸗ laſſen, in ſeinem Fahrwaſſer zu folgen. Dieß geſchah, aber keiner der Schoner hielt ab, bis Roswell das Cap St. Diego auf Tierra del Fuego in das Auge gefaßt hatte, wodurch er in den Stand geſetzt wurde, ſich mit der Lage der haupt⸗ ſächlichſten Landmarken bekannt zu machen. Er ließ alſo, ohne irgend ein beſtimmtes Verſprechen zu geben, Daggett vorantreten, und folgte ihm eine Zeitlang, da dieſer Curs ihn nicht weit von ſeinem Wege abführte. Das Wetter war neblig und der Wind bließ zuweilen ſtoßweiſe. Je näher ſie Staten⸗Land kamen, deſto ungeſtümer brauſte der Wind, und Daggett, der etwa eine halbe Meile voraus war, ſah ſich einer mächtigen Bö bloßgeſtellt, welche heulend vom Lande herkam. Er hielt daher ab, um msglichſt weit leewärts zu kommen. Zu gleicher Zeit wurde der Nebel ſo dicht, daß die Schiffe einander aus dem Geſichte verloren. Endlich ging die Sonne unter und eine dunkle, wüſte Nacht nahte. Dieſen letztern Umſtand hatte Daggett vorzüglich als Grund hervorgehoben, um in die hohe See abzuhalten. Rosw und lief a ſers ſah werde ſtar Von blieb in N ben. Als er wieder. in die En ten began Die Ganzen nach Wur haben, ve ten, daß rühmten im Geſich umſchiffen wirklich, möglich i Dieſ Land in dig weit den näch⸗ ſiedler) l Curs au Ros es ihm und er y nicht wie atte, gute durchlau⸗ a Daggett ein Curs, n Winden Südweſt onnten— ell dieſen ihrten zu hatte, for⸗ zu über⸗ hah, aber St. Diego wodurch er haupt⸗ drechen zu ſtlang, da te. Das ſtoßweiſe. r brauſte le voraus he heulend lichſt weit Nebel ſo verloren. iſte Nacht iglich als — 263— Roswell machte ſich alle dieſe Umſtände zu Nutze, wendete und lief auf Tierra del Fuego ab⸗ Aus der Glätte des Waſ⸗ ſers ſah er, daß die Fluth im Anzuge war, und hoffte, ſie werde ſtark genug ſein, ihn durch die Meerenge zu führen. Von dem Vineyarder Seelöwen ſah er nichts mehr. Er blieb in Nacht und Nebel gehüllt, welche beide Schiffe umga⸗ ben. Als er die Höhe der Durchfahrt erreicht hatte, wendete er wieder. Mittlerweile hatte die Strömung ihn dem Eingang in die Enge entgegen geführt, und ſobald er darauf abzuhal⸗ ten begann, wurde ſeine Bewegung nach ſüdwärts ſehr raſch. Die Windſtöße beunruhigten ihn von Zeit zu Zeit, im Ganzen aber hielt ſich der Schoner trefflich, und Alles ging nach Wunſch. Am nächſten Morgen ſtand er, wie wir bemerkt haben, vor Cap Horn. Damit will man gewöhnlich andeu⸗ ten, daß ein Schiff irgendwo in dem Längegrad dieſes weltbe⸗ rühmten Vorgebirgs ſteht, ohne daß es daſſelbe nothwendig im Geſichte hat. Wenige Seefahrer ſehen, obgleich ſie das Cap umſchiffen, die äußerſte Spitze des amerikaniſchen Feſtlandes wirklich, da man es in der Regel für das gerathenſte hält, möglich nach ſüdwärts abzuhalten. Dieſem Curs folgte auch Daggett. Da er von Staten⸗ Land in das offene Meer ausgelaufen war, ſtand er nothwen⸗ dig weit nach leewärts und konnte jetzt nicht mehr hoffen, in den nächſten vier und zwanzig Stunden auf die Hermits(Ein⸗ ſiedler) loszuſteuern, wenn Wind und Wellen einen ſolchen Curs auch begünſtigen ſollten. Roswell hatte ſich einen großen Vortheil geſichert, wenn es ihm gelang, durch die Meerenge von Le Maire zu kommen, und er war überzeugt, daß er ſeinen Gefährten an dieſem Tage nicht wieder ſehen würde, wenn er auch auf ihn abhielt. Unſer Held dachte aber nicht daran, etwas dieſer Art zu thun. Nach⸗ dem er ihn los geworden, wünſchte er nichts weniger, als ſich ihm wieder anzuſchließen. Aus keiner andern Abſicht, als um dieſen Zweck deſto ſicherer zu erreichen, beſchloß er, vor Anker zu gehen. Damit der Leſer in den Stand geſetzt werde, die nun folgenden Begebniſſe unſerer Erzählung beſſer zu verſtehen, werden wir einige Worte über den geographiſchen Charakter der Oertlichkeit ſagen müſſen, in welche er mit uns eingetreten iſt. Die äußerſte Südſpitze von Amerika bildet eine Gruppe von Inſeln, welche düſter, unfruchtbar, felſig, und faſt das ganze Jahr mit Schnee bedeckt ſind. Der Anblick wüſter Oede wird nur da und dort, an geſchützten Stellen, durch Epheu ein wenig geho⸗ ben, und ein ſpärlicher Pflanzenwuchs wird bloß an einzelnen Punkten ſichtbar, durch welche das auimaliſche Leben ſich erhält. Die erſte Enge, welche dieſe Inſeln von dem Feſtlande trennt, iſt die des Magellan, durch welche gelegentlich Schiffe laufen, die nicht weiter ſüdwärts gehen wollen. Dann kommt Tierra del Fuego(Feuerland), bei Weitem die größte dieſer Inſeln. Südlich von Tierra del Fuego liegt eine Gruppe ſehr kleiner Inſeln, welchen man verſchiedene Namen gegeben hat, die Gruppe aber, welche am Südlichſten liegt und gewöhnlich als die Südſpitze unſeres edeln Feſtlandes ange⸗ ſehen wird,— obgleich hier eigentlich von Feſtland nicht mehr die Rede ſein kann,— iſt unter dem paſſenden Namen der Hermits bekannt. Wenn Einſamkeit, Oede und Leere und der Anblick einer der erhabenſten Scenen unſerer Erde eine Oertlich⸗ keit zu einer Einſiedelei eignen können, ſo tragen dieſe Inſeln ihren Namen mit vollem Rechte. Die ſich dure welche di die kämp Hin Capitän, jetzt nich We es wenig um Dag wenig, konnte d abhalten ſüdlich d Anzahl, der Mu lichen, t die in Menſchh ſten belo dort glei wir ſchre die äuße Na und abg Vorderee „3 Horn iſt „G einer ſot dächtniſſ un. Nach⸗ er, als ſich ht, als um vor Anker , die nun verſtehen, arakter der en iſt. Die on Inſeln, Jahr mit rd nur da enig geho⸗ einzelnen Leben ſich Feſtlande iſch Schiffe nn kommt ſßte dieſer e Gruppe n gegeben liegt und des ange⸗ nicht mehr amen der e und der e Oertlich⸗ eſe Inſeln — 265— Die ſüdlichſte dieſer Inſeln iſt das Cap ſelbſt und zeichnet ſich durch die bereits erwähnte zerklüftete Felspyramide aus, welche die Natur hier als die nie ermüdende Vorwacht gegen die kämpfenden Elemente aufgeſtellt zu haben ſcheint. Hinter dieſer Gruppe der Einſiedler rieth Stimſon ſeinem Capitän, gegen den heranziehenden Sturm, deſſen Vorzeichen jetzt nicht mehr zu verkennen waren, Schutz zu ſuchen. Wenn Roswell jedoch dieſem Rathe Gehör gab, geſchah es weniger, um ſeinen Schoner in Sicherheit zu bringen, als um Daggett loszuwerden. Aus dem Sturme machte er ſich wenig, denn er war noch weit von dem Eiſe entfernt und konnte von dem Lande nach ſüdwärts in eine Waſſerwüſte abhalten, welche ohne Grenzen zu ſein ſchien. Man findet ſüdlich vom Cap Horn Inſeln, und zwar in nicht geringer Anzahl, obgleich nicht ſehr nahe. Die Anſtrengungen und der Muth verſchiedener Seefahrer, vor allen des unermüd⸗ lichen, thatkräftigen Wilkes, welcher unter allen Seefahrern, die in dieſem gefahrvollen, anſtrengenden Berufe für die Menſchheit thätig waren, am Meiſten leiſtete und am Wenig⸗ ſten belohnt ward, haben auch zu der Entdeckung geführt, daß dort gleichfalls feſtes Land iſt,— in der Zeit aber, von welcher wir ſchreiben, galten die Shetlands und Palmer's Land als die äußerſten Punkte in jenem Theile des Oceans. Nachdem Roswell einige Minuten auf der Schanze auf⸗ und abgegangen war, kehrte er wieder zu den Leuten auf dem Vordereaſtell zurück. „Ihr wißt gewiß, Stimſon, daß dieſe hohe Kuppe das Horn iſt?“ fragte er ernſt. „Ganz gewiß, Herr. Man irrt ſich nicht in Betreff einer ſolchen Stelle, die, einmal geſehen, uns ſtets im Ge⸗ dächtniſſe bleibt.“ — 266— „Es ſtimmt mit den Karten und unſeren Berechnungen, und ich darf wohl ſagen, auch mit unſeren Augen überein. Dieß iſt das ſtille Meer, ohne allen Zweifel, Herr Hayard.“ „So glaube auch ich, Herr. Wir ſind an dem Ende von Amerika, wenn es irgendwo ein Ende hat. Dieſe lange, ſchwere Deining iſt eine alte bekannte, obgleich ich nie vorher ſo nahe gekommen bin, um das Land hier herum zu ſehen.“ „Es iſt ein Glück, daß wir einen zuverläſſigen Mann an Bord haben, welcher als Lootſe dienen kann. Stimſon, ich beabſichtige, hier einzulaufen und Anker zu werfen, und ich ſetze das Vertrauen in Euch, daß Ihr uns in einen ſichern Ankerplatz geleitet.“ „Ich werde dieß, Capitän Gar'ner, wenn das Wetter es geſtattet,“ antwortete der Seemann mit einer Art anſpruch⸗ loſer Zuverſicht, welche ſehr zu Gunſten ſeiner Geſchicklichkeit ſprach. Man traf nun ernſtlich Anſtalten beizulegen. Es war aber auch Zeit, daß man zu einem feſten Entſchluſſe kam, denn der Wind begann ſich zu heben und der Schoner näherte ſich dem Lande reißend. Nach einer halben Stunde hatte der Seelöwe ſein Tuch bis auf ein dicht gerefftes Marsſegel und Fockſegel geborgen, die Bonnette des Klüvers abgenommen, und kämpfte gegen eine kleine Bö. Die See begann ſich raſch zu heben und die langen Wellen ſchwollen wie Berge empor. Roswell war vor dem Nebel bange. Hätte er bei klarem Himmel durch die engen Kanäle gehen können, welche Stimſon ihm geſchildert hatte, ſo wäre er nicht halb ſo beſorgt geweſen. Aber der Wind war kein„klarer,“ und er ſah, daß keine Zeit zu verlieren ſei. Es eine Küſt Schoner Anblick daran br. Brüllen Bruſt ſel geſellte f Punkt de umſchiffen laufen, d Jede Schoner eine Mi konnte hr blieb abe „D einer ſo fort, Neer hie iſt es ir „A unſere 2 wenig g im Aug von ihr angeriſſe aus Si Schiff k. Die chnungen, n überein. Hayard.“ dem Ende eſe lange, nie vorher u ſehen.“ Mann an nſon, ich „ und ich een ſichern s Wetter anſpruch⸗ hicklichkeit Es war luſſe kam, er näherte hatte der ſſegel und genommen, ggann ſich vie Berge bei klarem e Stimſon zt geweſen. keine Zeit — 267— Es gehörte viel Muth dazu, in einem ſolchen Wetter an eine Küſte, wie die von Cap Horn, anzutreten. Als der Schoner dem wirklichen Vorgebirge näher kam, wurde der Anblick der auf ihren zerklüfteten Fels ſich ſtürzenden und daran brechenden Wogen und das dadurch verurſachte hohle Brüllen wirklich furchtbar. Zu dem Schauer, welcher die Bruſt ſelbſt der ſorgloſeſten Matroſen an Bord durchdrang, geſellte ſich die Ungewißheit, ob der Schoner einen gewiſſen Punkt des Felſen, nämlich die weſtliche Spitze der Inſel, umſchiffen könne, nachdem er ſo weit in die Buchtung einge⸗ laufen, daß das Vieren zweifelhaft, wenn nicht unmöglich ward. Jeder ſchaute nun ernſt und beſorgt drein. Wenn der Schoner an einem ſolchen Platze an den Strand lief, mußte eine Minute hinreichen, ihn zu zerſplittern, und Niemand konnte hoffen, ſich zu retten. Roswell war äußerſt beſorgt, blieb aber ruhig. „Die Strömungen und Neeren um dieſe Felſen und in einer ſo hohen Breite reißen ein Schiff wie einen Span fort,“ ſagte er zu ſeinem erſten Maat. Wir ſind durch eine Neer hier herein gedrängt worden, und ein ſchrecklicher Platz iſt es in der That.“ „Alles hängt davon ab,“ lautete die Antwort,„daß unſere Maſten und Taue halten und die Vorſehung uns ein wenig günſtig iſt. Behaltet nur die Landſpitze nach vornen im Auge, Capitän Gar'ner, obgleich wir noch nicht leewärts von ihr ſind, ſo ſeht Ihr doch, mit welcher Abtrifft wir darauf angeriſſen werden. Die Wuth, mit welcher dieſe Wellen ſich aus Südweſt hereinwälzen, iſt wahrhaft fürchterlich. Kein Schiff kann windwärts gegen ſie gehen.“ Dieſe Bemerkung des Maats war ſehr richtig. Die 268— Wellen, welche auf das Cap heran kamen, glichen in ihrem Windes, Umriſſe einer rollenden Prärie. Zuweilen dehnte eine einzige einer Ge Welle ſich eine Viertelmeile von einem hohlen Raume zum andern drängte, in die Länge aus, und wenn ſie unter dem Schoner wegging, und durch die indem ſie ihn hoch in die Luft hob, ſchien es, als müſſe das Niem 1 glänzende Element ihn durch ſeine Gewalt in die Tiefe ſchleu⸗ gen dieſe dern. Die menſchliche Kunſt hatte aber Mittel gefunden, der Gott ſelbſt dieſe gewaltige Kraft der, Natur zu bändigen. Der auf die! kleine Schoner ſchwamm wie eine Ente über die Wellen, und mußte, n er ſank bloß zwiſchen ihren hohlen RNaum, um wieder auf Es den Kamm einer neuen Welle zu ſteigen. Mit einem Worte, das Waſ er hielt ſich wacker in dem Sturme. eine Gef Die größte Gefahr ſchien man von der Strömung fürchten Dieß w zu müſſen, denn dieſe, nur in ihren Folgen ſichtbare Kraft trieb denen at den Schoner offenbar nach leewärts und weſentlich gegen die für ihn Felſen hin. Unſere Seemänner waren jetzt dem Lande ſo nahe, gelingen 3 daß ſie faſt jeder Hoffnung entſagten. Cap Hatteras und ſeine der inner viel beſprochenen Gefahren ſchienen ein ſicherer Hafen im umſchiffe Vergleich mit dem Orte, wo unſere Seefahrer ſich jetzt befanden. herantret Wenn man das ſchwerſte Gebrüll von zehn tauſend Bullen Ros in einen Ton vereinigt hätte, würde dieſer dem hohlen Klang hoͤlzern doch nicht gleich gekommen ſein, welchen eine Welle hören begab ſie ließ, wenn ſie in eine Höhle des Felſen einbrach. Dann„3h füllte die Sprühe die Luft mit einem Triebregen, und es Capitän kamen Minuten, wo das Cap, ſo nah' es auch war, durch r den Dunſt ganz unſichtbar wurde. ſpitze na Gerade in dieſem Augenblicke war der Seelöwe weniger ſicheren; als eine Viertelmeile windwärts von der Landſpitze, welche er wir ſind zu umſegeln bemüht war, und gegen welche er durch eine„Al dreifache Bewegkraft abgetrieben wurde,— durch die des ruhig,„ läuft fur in ihrem ine einzige um andern gging, und müſſe das iefe ſchleu⸗ gefunden, gen. Der bellen, und vieder auf em Worte, ig fürchten Kraft trieb gegen die de ſo nahe, und ſeine Hafen im t befanden. nd Bullen len Klang elle hören ch. Dann „ und es var, durch be weniger welche er durch eine ) die des 269— Windes, welcher auf die Segel drückte und den Schoner mit einer Geſchwindigkeit von vollen fünf Knoten nach vornen drängte,— durch die der Neer oder der Strömung und endlich durch die der rollenden Wellen. Niemand ſprach, denn Jeder fühlte, daß in dem Schwei⸗ gen dieſes entſcheidenden Augenblickes eine Art Ehrfurcht vor der Gottheit lag. Einige beteten für ſich, und Alle ſchauten auf die niedrige Felsſpitze, an welcher man durchaus vorüber mußte, wenn man der Vernichtung entgehen wollte. Es bot ſich ein günſtiger Umſtand dar, man wußte, daß das Waſſer dicht an dem hohen Lande tief war, und wo irgend eine Gefahr drohte, konnte man ſie mit bloßem Auge ſehen. Dieß wußte Roswell aus Stimſon's Berichten, ſowie aus denen anderer Seemänner, und er ſah, daß dieſer Umſtand für ihn von der höchſten Wichtigkeit war. Wenn es ihm gelingen ſollte, die Spitze nach vornen, die an dem Ausgange der innerhalb der Einſiedler führenden Durchfahrt endigte, zu umſchiffen, mußte er auf eine furchtbare Nähe an die Klippen herantreten. Roswell Gardiner nahm ſeinen Platz zwiſchen den Klüs⸗ hölzern und winkte Stimſon zu ſich heran. Zu gleicher Zeit begab ſich Hayard an das Steuer. „Ihr erinnert Euch dieſer Stelle?“ fragte der junge Capitän den alten Seemann. „Dieß iſt der Fleck, Herr, und wenn wir um die Felſen⸗ ſpitze nach vornen herumkommen, werde ich Euch an einen ſicheren Ankerplatz führen. Unſere Abtrifft iſt ſchrecklich, oder wir ſind hier in einer Neer, Herr!“ „Allerdings iſt es die Strömung,“ antwortete Roswell ruhig,„obgleich unſere Abtrifft nicht unbedeutend iſt. Dieſe läuft furchtbar nah auf die Spitze ab.“ — 270— „Abgehalten, Herr, dieß iſt unſere einzige Hoffnung,— abgehalten! Wir reiben uns vielleicht ein wenig und gehen weiter.“ „Wenn wir uns reiben, ſind wir verloren, dieß iſt ziemlich gewiß. Wenn wir dieſe erſte Felsſpitze aber auch umſchiffen, droht uns ein wenig weiter noch eine, und dieſer entgehen wir ſchwerlich. Seht, ſie zeigt ſich deutlicher, je weiter wir nach vornen gehen.“ Stimſon ſah die neue Gefahr, und würdigte ſie vollkom⸗ men. Er ließ jedoch kein Wort laut werden, denn, die Wahr⸗ heit zu ſagen, er gab jetzt jede Hoffnung auf, und da er ein frommgeſinnter Mann war, wendete er ſich ſtill zu ſeinem Gott.. Alle am Bord erkannten die Natur der neuen Gefahr, und Alle ſchienen die zu vergeſſen, welche die nächſte Fels⸗ ſpitze, der ſie nun mit reißender Eile entgegengetrieben wurden, ihnen bereitete. An dieſer Spitze konnte man wohl vorüber⸗ kommen, dieſer Hoffnung mochte man ſich hingeben, was aber die Spitze eine Viertelmeile weiter bei dieſer Abtrifft des Schoners nach leewärts betraf, ſo ſah der unwiſſendſte Matroſe an Bord, wie unwahrſcheinlich es war, daß ſie an ihr vorbei⸗ kamen. Ein tief ergreifendes Schweigen herrſchte in dem Schoner, als er dem erſten Fels nahekam. Er lag gegen fünfzig Faden unter dem Leebug, und Alles kam hier auf die Entfernung an, in welcher man ſich von etwaigen Klippenvorſprüngen hielt. Dieſe konnte man aber bei dem Waſſerchaos, welches der Zuſammenſtoß zwiſchen Wellen und Land hervorbrachte, unmöglich ſehen. Roswell heftete ſeine Augen auf die Gegen⸗ ſtände nach vornen, um die Geſchwindigkeit ſeiner Abtrifft nach der Land mannes „O ſagte er Bruſt zu emporgel „A voll nach Ga das Ste ahnte er „A Ebbe un Die Der Sch eine mä unwider gebaute es ſich zurück u früher ſt Die nung ve könne ſ um das dieſer S im Frei des Mee brachte getrieber ffnung,— und gehen dieß iſt aber auch und dieſer tlicher, le vollkom⸗ die Wahr⸗ da er ein zu ſeinem en Gefahr, ichſte Fels⸗ en wurden, hl vorüber⸗ eben, was Abtrifft des ſte Matroſe ihr vorbei⸗ i Schoner, ifzig Faden Entfernung orſprüngen ds, welches vvorbrachte, die Gegen⸗ lbtrifft nach der Landſeite zu ermeſſen, und mit dem Schnellblick des See⸗ mannes gewahrte er den erſten Wechſel. „Der Schoner fühlt die untere Strömung, Stephan,“ ſagte er mit einer Stimme, welche aus der tiefſten Tiefe ſeiner Bruſt zu kommen ſchien,—„und wir werden nach windwärts emporgedrängt.“ „Was bedeutet dieſes plötzliche Luven, Herr? Hayard muß voll nach vornen abhalten, ſonſt haben wir keine Hoffnung.“ Gardiner ſchaute nach hinten und ſah, daß der Maat das Steuer ſtark hob, als wenn er Widerſtand fände. Jetzt ahnte er, was vorging, und rief laut: „Alles geht gut, Jungen! Gott ſei gelobt, wir haben die Ebbe unter unſerem Lesbug gefaßt.“ Dieſe wenigen Worte erklärten die Urſache des Wechſels. Der Schoner ſtieß nun, ſtatt nach leewärts abzutreiben, auf eine mächtige Ebbe von vier bis fünf Knoten, welche ihn mit unwiderſtehlicher Gewalt nach windwärts trieb. Das tüchtig gebaute Schiff, welches die Gefahr zu kennen ſchien, in der es ſich befand, wich nach vornen ſchießend von den Felſen zurück und ging um jene zweite Spitze, welche einige Minuten früher ſich abſichtlich dort zu erheben ſchien, um es zu vernichten. Die Landſpitze wurde ſchön und auf eine ſichere Entfer⸗ nung von hundert Faden umſchifft. Roswell glaubte nun, er könne ſeinen Schoner weit genug von dem Land abführen, um das Cap ganz zu umſegeln, wenn es ihm gelänge, ihn in dieſer Strömung zu erhalten. Sie ging aber eine kurze Strecke im Freien augenfällig aus, da ihr Waſſer ſich auf der Höhe des Meeres theilte, und dieſes Auseinandertreten des Elementes brachte die Neer hervor, welche das Schiff faſt auf den Fels getrieben und zerſchmettert hätte. Zehn Minuten, nachdem der Schoner auf die Ebbe geſtoßen war, ſtand er voll auf die Durchfahrt ab und das Steuer wurde gewendet, um einzulaufen. Obgleich es ſo ſchwer blies, überſtieg die Segelgeſchwindigkeit kaum fünf Knoten. Dieß hatte ſeinen Grund in der großen Kraft der Ebbe, welche in hohen Breiten und engen Gewäſſern oft dreißig Fuß fällt. Stimſon zeigte nun, daß er ein Mann war, auf den man bauen konnte. Mit den Eigenſchaften des Schiffes gründlich bekannt, führte er es hinter die Inſel, auf welcher die Fels⸗ pyramide ſich erhob, luvte in eine kleine Bai und ließ das Senkloth fallen. Man hatte fünfzig Faden Waſſer und ſchlam⸗ migen Grund. Da Roswell die Gewißheit hatte, daß er ſelbſt bei der niedrigſten Ebbe Waſſer genug habe, um das Schiff vom Boden klar zu halten, und daß ſein Grund gut ſei, warf er einen fliegenden Anker aus und ließ Tau genug ausgeben, um ſein Schiff zu feſtigen. Da lag nun der Seelöwe von Oyſter⸗Pond, das Schiff, welches der Leſer drei kurze Monate früher vor Decan Pratt's Werft auf dem Waſſer ſah, in einer Felſenbucht hinter Cap Horn ſicher vor Anker. Keinem Seefahrer, wenn er nicht Rob⸗ benfänger war, konnte es einfallen, ſein Schiff an eine ſolche Stelle zu führen, es gehört aber mit zu dem Berufe der Letzteren, ſich in Kanäle und Durchfahrten zu wagen, in wel⸗ chen ſonſt noch Niemand geweſen iſt. Auf dieſe Weiſe hatte Stimſon ſeinen jetzigen Ankerplatz finden gelernt. Das„Lager“ des Schoners war oöllig ſicher und ganz landumgürtet. Die furchtbare Deining, welche von draußen hereinrollte, ließ die Waſſer in der Durchfahrt ein wenig ſteigen und fallen, aber es wurde dadurch keine Spannung an den Ankertauen hervorgebracht. Ebenſo wenig Einfluß äußerte die reißend ſtrömung den Einſied er kaum m Drei Südweſten der Wind Meer aus zuſammen; endlich lo⸗ hätte er ſt Daggett n von ihm er ſich in umſah. 2 leewärts Strömung Nach Gar Nähe des Daggett veranlaßt Die in den hö Dennoch denn ſie ſie gehofft fügung, dem Auf Wind we Punkt, n 247— e geſtoßen s Steuer ver blies, en. Dieß welche in fällt. den man gründlich die Fels⸗ ließ das id ſchlam⸗ Z er ſelbſt das Schiff ſei, warf ausgeben, as Schiff, in Pratt's inter Cap nicht Rob⸗ eine ſolche zerufe der u, in wel⸗ Zeiſe hatte und ganz u draußen ein wenig unung an iß äußerte die reißende Ebbe auf den Schoner, welchen eine leichte Gegen⸗ ſtrömung traf, die ihn ſtetig erhielt. Der Sturm heulte über den Einſiedlern, wurde aber durch die Felſen gebrochen, ſo daß er kaum merklich durch die oberen Taue und Spieren pfiff. Drei Tage und ebenſo viele Nächte hielt der Sturm aus Südweſten an. Am vierten Tage trat ein Wechſel ein, da der Wind aus Oſten blies. Roswell wäre nun in das offene Meer ausgelaufen, hätte er nicht gefüchtet, wieder mit Daggett zuſammenzutreffen. Nachdem er dieſen hartnäckigen Gefährten endlich losgeworden, wäre es eine große Schwäche geweſen, hätte er ſich ihm abermals blindlings in die Arme geworfen. Daggett mochte vielleicht glauben, er habe ſich nicht abſichtlich von ihm getrennt, und in dieſem Falle war es möglich, daß er ſich in der Nähe des Caps nach ſeinem verlornen Gefährten umſah. Was den Sturm betraf, ſo hatte ihn dieſer vielleicht leewärts geblaſen, vielleicht auch nicht. Viel mußte von den Strömungen und ſeiner Stellung nach ſüdwärts abhängen. Nach Gardiner's Anſicht begünſtigten die Strömungen in der Nähe des Landes jedes nach Weſten gehende Schiff, und wenn Daggett mit dieſem Umſtande bekannt war, konnte er ſich veranlaßt ſehen, ſo nahe als möglich anf das Cap abzuhalten. Die Stunden waren für unſere Robbenjäger koſtbar, da in den höheren Breiten die geeignete Jahreszeit ſo kurz iſt. Dennoch waren ſie ein wenig vor ihren Berechnungen voraus, denn ſie hatten das Horn volle zehn Tage früher erreicht, als ſie gehofft hatten. Faſt der ganze Sommer war zu ihrer Ver⸗ fügung, und es war ſogar möglich, daß ſie zu früh und vor dem Aufgehen des Eiſes den fernen Süden erreichten. Der Wind war die ſtärkſte Triebfeder, hinauszutreten, denn der Punkt, welchen unſere Seefahrer erreichen mußten, lag eine 247— 249. 18 — 274— bedeutende Strecke weſtlich, und günſtige Kühlten durften nicht ungenützt bleiben. Nachdem Roswell alle dieſe Umſtände reiflich erwogen hatte, beſchloß er, noch einen Tag in der Durchfahrt zu ver⸗ weilen, und dieß um ſo mehr, da Hayard Spuren von See⸗ Elephanten entdeckt hatte, welche eine nicht ferne Inſel zu beſuchen pflegten. Demgemäß wurden die Boote in das Waſſer gelaſſen und der Maat ging in jener Richtung ab, während der Capitän den Felſen zuruderte und auf dem Einſiedler oder der Inſel landete, welche dieſen Namen vorzugsweiſe tragen ſollte, da ſie die äußerſte in der Gruppe iſt. Roswell Gardiner, welcher Stimſon mitgenommen hatte, um ein Fernrohr und eine alte Lanze, die als Spitzſtab dienen ſollte, zu tragen, begann nun die bereits erwähnte Pyramide zu beſteigen. Der Fels war zerklüftet und bot tauſend Schwie⸗ rigkeiten dar, keine jedoch, die nicht durch Kraft und Muth zu beſiegen geweſen wäre. Nach wenigen Minuten großer Anſtrengung und durch gegenſeitige Hilfeleiſtung gelang es Roswell und Stimſon, den Gipfel des Felſen, eine unregelmäßige Kuppe, zu erreichen. Die Höhe war beträchtlich und bot einen ausgedehnten Blick auf die umliegenden Inſeln und das düſtere, bedrohliche Meer nach Süden hin. Wahrſcheinlich gibt es auf der weiten Erde keinen merk⸗ würdigeren Vorpoſten, wie dieſe Pyramide, auf welcher unſer Held jetzt ſtand. Da ſtieg ſie empor, dieſe ultima Thule dieſes großen Feſtlandes, oder was auf daſſelbe hinausläuft, mit demſelben ſo innig verbunden, daß ſie ein Theil unſerer Hälfte des fläche hin Das die Südſee Stimſon ſpiel. Ne. Tierra del waren. jetzt der majeſtätiſ der Felſer Ausſehen etwas A Baſaltbill Fregatter wellen, w in der T hohle, tie ſie mit de gleiche ei Weiterdri während Nebeldun Sob züge dieſ ſuchte ſeit ſieh, dort den, und Soll eben der urften nicht ch erwogen hrt zu ver⸗ von See⸗ e Inſel zu eelaſſen und eer Capitän r der Inſel ſollte, da mmen hatte, ſtab dienen Pyramide nd Schwie⸗ d Muth zu und durch imſon, den erreichen. ynten Blick hliche Meer rinen merk⸗ lcher unſer hule dieſes läuft, mit unſerer — 275— Hälfte des Erdballs ſchien, welcher auf die unendliche Waſſer⸗ fläche hinausſchaut. Das Auge ſah zur Rechten das ſtille Meer, vor ihm lag die Südſee und zur Linken das atlantiſche Meer. Roswell und Stimſon blickten lange ſchweigend auf dieſes erhabene Schau⸗ ſpiel. Nach Norden ſich wendend ſahen ſie das Hochgebirge der Tierra del Fuego, deſſen höchſte Kuppen mit Schnee bedeckt waren. Die Pyramide jedoch, auf welcher ſie ſtanden, war jetzt der leichten Schneedecke baar und erhob ſich ernſt und majeſtätiſch in ihrem natürlichen Braun. Die Umriſſe aller der Felſen und die Küſten der verſchiedenen Inſeln hatten das Ausſehen vulkaniſchen Urſprungs, obgleich die Felſen ſelbſt auf etwas Anderes deuteten. Dieſe gehörten vorzugsweiſe der Baſaltbildung an. Cap⸗Tauben, Möven, Sturmvögel und Fregattenvögel ſchwirrten in der Luft umher, während die Roll⸗ wellen, welche ſtets noch an dieſe edle Seemauer anſchlugen, in der That furchtbar waren. Dem fernen Donner fehlt das hohle, tiefe Brüllen, welches dieſe Wellen hören ließen, wenn ſie mit den Küſten in Berührung kamen. Roswell glaubte, es gleiche einem Seufzen des mächtigen, ſtillen Meeres, das ſein Weiterdringen plötzlich gehemmt ſieht. Die Sprühe flog fort⸗ während in die Luft empor, die bis zum Gipfel heran mit Nebeldunſt geſchwängert war. Sobald unſer junger Seemann die großartigen Charakter⸗ züge dieſes prachtvollen Anblicks in ſich aufgenommen hatte, ſuchte ſein Auge den Seelöwen von Martha'’s Vineyard. Und ſieh, dort lief er, in einer Entfernung von nur wenigen Stun⸗ den, und hielt augenfällig gerade auf das Cap ab⸗ Sollte Daggett ſeine Abſicht errathen haben und ihn an eben der Stelle aufſuchen, wo er Schutz gefunden hatte? Es 18*¾ * 246= war das Schiff,— dieß war nicht zu bezweifeln. Von der Höhe, auf welcher Roswell ſtand, konnte er es mit Hilfe ſeines Fernrohres leicht ſehen, und Takelage, Geſtalt und Charakter erkennen. Auch Stimſon nahm das Fernrohr und beſtätigte ſeines Capitäns Anſicht. Auf dieſer öden, troſtloſen, weiten See glich es einem Fleck, aber die Kunſt des Menſchen ſetzte die an ſeinem Bord in den Stand, es ſicher durch die ſtürmi⸗ ſchen Wogen zu leiten und mit einer Raſchheit, welche, alle Umſtände erwogen, in der That wunderbar ſchien, an ſein Ziel zu führen.— „Wenn wir daran gedacht hätten, Capitän Gar'ner,“ ſagte Stephan, ſo hätten wir eine Flagge mitgebracht und ſie auf dieſen Felſen aufgeſteckt, um dieſe Vineyarder wiſſen zu laſſen, wo wir zu finden ſind. Wir können jedoch auslaufen, und ihnen entgegen gehen, ſofern dieſer Wind anhält.“ „Ich habe nicht im Entfernteſten die Abſicht, etwas dieſer Art zu thun, Stephan. Ich bin abſichtlich hier eingelaufen, um jenen Schoner los zu werden.“ „Ihr ſetzt mich in Erſtaunen, Herr. Ein Gefährte iſt nicht zu verachten, wenn ein Schiff in einer hohen Breite auf Robbenfang ausgeht. Das Eis iſt zuweilen ein ſo kitzliches Ding, daß ich für meine Perſon ſtets froh bin, wenn ich weiß, daß ſich eine Möglichkeit bietet, einem Burſchen, der Schiff bruch gelitten, an ein geſundes Bord zu helfen.“ „Dieß Alles iſt ſehr richtig, es kann aber Gründe geben, welche dagegen ſprechen. Ich habe von Inſeln gehört, welche von Robben wimmeln, und man bedarf keinen Gefährten, um ſie aufzunehmen, wie dieß bei einem Schiffbruch der Fall iſt.“ „Dieß ändert die Sache, Capitän Gar'ner. Niemand iſt verbunden, ſein Robbenbereich bekannt zu machen. Ich bin an Bord ein daß die 6 und Kein verkündig Entdeckur betrifft, ſ buch eint „Je raſch läu er ſteht was er d Gar gleitete d des Cap über. H Meer zu Selbſt be dort bläf zu laufen Nordweſt Inſeln l ſteht, tre Da⸗ ſich nach Caps zu ſah, hiel daß auf leichten nach ſüt Ro⸗ Von der dilfe ſeines Charakter beſtätigte n, weiten ſchen ſetzte die ſtürmi⸗ elche, alle n ſein Ziel Gar'ner,“ cht und ſie wiſſen zu auslaufen, lt.⸗ was dieſer ngelaufen, hefährte iſt Breite auf ſo kitzliches n ich weiß, der Schiff ide geben, ört, welche ährten, um Fall iſt.“ tiemand iſt Ich bin an Bord eines der erſten Schiffe geweſen, welche entdeckt haben, daß die Süd⸗Shetlands Hauptplätze für den Robbenfang ſind, und Keiner von uns hielt es für nöthig, dieß aller Welt zu verkündigen. Manche Leute haben die Schwachheit, ſolche Entdeckungen in den Zeitungen bekannt zu machen, was mich betrifft, ſo reicht es, glaube ich, hin, wenn man ſie im Log⸗ buch einträgt.“ „Jener Schoner muß die Strömung für ſich haben, ſo raſch läuft er nieder. Noch eine halbe Stunde, Stephan, und er ſteht Cap Horn gegenüber. Wir wollen warten und zuſehen, was er vorhat.“ 5 Gardiner hatte ſich nicht geirrt. Nach einer halben Stunde gleitete der Seelöwe von Holmes' Hole an der Felspyramide des Caps auf einer Entfernung von einer kleinen Meile vor⸗ über. Hätte ſein Befehlshaber die Abſicht gehabt, in das ſtille Meer zu treten, ſo würde ihm dieß jetzt leicht geweſen ſein. Selbſt bei einem Südweſtwind, wie er faſt die Hälfte der Zeit dort bläſt, wär' er im Stande geweſen, an den Inſeln vorüber zu laufen und die hohe See zu ſuchen. Mit einem Wind aus Nordweſten und ein wenig Waſſerraum wird ein Schiff der Inſeln leicht klar, und wenn es nördlich von dem Feſtlande ſteht, treibt es ſo zu ſagen von ſelbſt von der Küſte ab. Daggett beabſichtigte aber nichts dieſer Art. Er ſchaute ſich nach ſeinem Gefährten um, welchen er in der Nähe des Caps zu finden hoffte. Da er ſich in dieſer Erwartung getäuſcht ſah, hielt er weit genug nach Weſten ab, um überzeugt zu ſein, daß auf jener Seite nichts zu ſehen ſei, holte dann auf einer leichten Bulinie auf und richtete die Naſe ſeines Schoners nach ſüdwärts. Roswell freute ſich, dieß zu ſehen, ſofern es andeutete, daß Daggett von der Lage der Inſeln, welche er ſuchte, nichts wußte. Dieſe lagen viel weiter weſtlich, und ſobald er des Curſes, welchen der andere Schoner ſteuerte, gewiß war, eilte er zu ſeinem Boote hinab, um Befehl zu geben, ſein Schiff zur Abfahrt bereit zu halten, da er die Kühlte nicht unbenutzt laſſen wollte. Mittlerweile war auch der erſte Maat von ſeinem, übrigens erfolgloſen Ausfluge zurückgekehrt, und nach zwei Stunden ſchoß der Seelöwe von Oyſter⸗Pond mit einer ſchönen Ebbe durch die Durchfahrt, welche in die offene See führte. Das andere Schiff war unterdeſſen auf der Südſeite unſichtbar geworden, und Gardiner trat wieder kühn und ſeines Curſes gewiß in die blauen Gewäſſer. Alle Segel wurden beigeſetzt, und der kleine Schoner ſchlüpfte mit der Leichtigkeit eines Waſſervogels, der ſeine Schwimmfüße ſpielen läßt, vom Lande ab. Prallſegel wurden beigeſetzt, und bald begann ſich die Pyramide des Caps in der Ferne zu ſenken, wie das Schiff zurücktrat. Als ſich die Nacht über die rollenden Gewäſſer ſenkte, war ſie verſchwunden und das Schiff befand ſich auf dem Schooße der Südſee, wenn man das Meer nördlich vom Wendekreis ſo nennen darf. Es w in einem l in die geh jene Zeit niſche Rol Wiſſen, w mert ſich und ſagen gleichen ſt Inſeln un geſchaffen zu nähren ſich vorget Cap nern dieſe Felſen, E dem Horn cher wir als in un hte, nichts ald er des war, eilte ein Schiff unbenutzt „übrigens Stunden dnen Ebbe rte. Das unſichtbar es Curſes Schoner der ſeine jel wurden ps in der die Nacht unden und wenn man Vierzehntes Kapitel. Nun ſind ſie Alle, Alle fort, Und unſer iſt das ſchöne Land; Schaut um euch— dieß iſt nur Erbe! Dort ſchlängelt ſich des Stromes Band Wie flüſſig Silber durch das Grün; Hier bietet Schatten kühl der Wald; Und nun beſteigt des Berges Höbe, Und dann, wenn ihr es könnt, bleibt kalt. Sprague. Es war ein kühnes, des Mannes würdiges Unternehmen, in einem kleinen Schiffe wie der Seelöwe auf ſicherem Curſe in die geheimnißvollen Tiefen zu ſteuern,— geheimnißvoll für jene Zeit viel eher, als für unſere Tage. Aber der amerika⸗ niſche Robbenjäger hat ſelten Bedenklichkeiten. Er hat wenig Wiſſen, wenige Karten, und dieſe öfter alt als neu, und beküm⸗ mert ſich wenig um das, was die Gelehrten der Erde wiſſen und ſagen, wenn ſein Ohr gleich den Erzählungen Seines⸗ gleichen ſtets offen iſt und ſeine Phantaſie in den Bildern von Inſeln und Ländern ſchwelgt, welche zu keinem andern Zweck geſchaffen ſcheinen, als um die beſondere Klaſſe von Thieren zu nähren und zu erhalten, welche er zu jagen und zu fangen ſich vorgeſetzt hat. Cap Horn und ſeine Umgebungen ſind ſo lange von Män⸗ nern dieſer Klaſſe beſucht worden, daß ſie auf dieſen Inſeln, Felſen, Strömungen und Neeren heimiſch ſind, ſüdlich von dem Horn aber ſchien Alles eine Wüſte. Zur Zeit, von wel⸗ cher wir ſchreiben, wußte man von der Südſee viel weniger, als in unſeren Tagen, und ſelbſt jetzt iſt unſere Kenntniß auf — 280— wenige, ſpärliche Umriſſe beſchränkt, in welchen Oede und Eis um den Vorrang ſtreiten. Wilkes und ähnliche Seefahrer haben uns geſagt, es gebe in jenem Theile des Erdballs ein großes, eisbedecktes Feſtland, aber ſelbſt ihrer Unerſchrockenheit und Beharrlichkeit iſt es nicht gelungen, mehr als die allgemeine Thatſache feſtzuſtellen. Wir würden ein übertriebenes, falſches Bild von Roswell Gardiner's Charakter geben, wenn wir ſagten, er ſei mit einer gänzlichen Gleichgiltigkeit in Betreff ſeiner Beſtimmung und ſeiner Zwecke in jene große Oede des Südmeeres geſteuert. Der Zuſtand ſeines Geiſtes war vielmehr ganz der entgegen⸗ geſetzte, als er das Hochland des Caps ſo zu ſagen Fuß um Fuß in das Meer ſinken und endlich ganz verſchwinden ſah. Das Wetter war für jene Bereiche ſchön, aber düſter und bedrohlich. Dieß iſt in jenem Theile unſeres Erdballes ſelten anders, denn es ſcheint das Lieblingsrevier der Stürme zu ſein. Obgleich der Wind nicht mehr, als eine gute Kühlte, und das Meer nur wenig beunruhigt war, zeigten ſich doch in der Atmoſphäre und den langen Deiningen, welche von Südweſten heranrollten, Vorboten, welche den Seemann zur Vorſicht mahnten. Wahrſcheinlich ſind die Windſtürme in den warmen Mona⸗ ten gewaltiger, als in den kalten, es iſt aber während des Sommers etwas ſo Wohlthuendes, und in der entgegengeſetzten Jahreszeit etwas ſo Ankältendes und Widerſtrebendes in der Seeluft, daß man allgemein annimmt, die Luftſtrömungen ent⸗ ſprächen an Kraft dem Sinken des Queckſilbers. Roswell wußte dieß allerdings beſſer, er wußte aber auch, wo er war, und was er wollte und ſollte. Als Robbenfänger war er mehrere Male bis zu dem„Nun nicht weiter!“ des Cook na⸗ eine unte Male di und es Bürde f So im Aug Intereſſe licher Z. er endlie lagen ih ſeines R daher ern Abbild Meeres. Ob für die konnte, vorherrſ dunſt die zurückleg welche d ſchloſſen ſich wen auch In geiſt der Es des See Namene dings n e und Eis zt, es gebe 3 Feſtland, iſt es nicht ellen. n Roswell imit einer mung und geſteuert. entgegen⸗ n Fuß um den ſah. düſter und illes ſelten Stürme zu te Kühlte, iſich doch pelche von emann zur nen Mona⸗ chrend des hengeſetzten des in der ungen ent⸗ aber auch, bbenfänger iter!“ des — 281— Cook nach Süden vorgedrungen, allein er hatte damals ſtets eine untergeordnete Stelle gehabt. Jetzt hatte er zum erſten Male die Verantwortlichkeit des Befehlshabers uͤbernommen, und es war ganz natürlich, daß er die Wucht dieſer neuen Bürde fühlte. So lange man den Seelöwen von Martha's Vineyard im Auge hatte, bot er einen Mittelpunkt des gemeinſamen Intereſſes dar. Seine erſte Sorge und faſt ſein ausſchließ⸗ licher Zweck war geweſen, ihn los zu werden, jetzt aber, da er endlich ganz aus ſeinem Fahrwaſſer getreten zu ſein ſchien, lagen ihm die wichtigen, raſch herrannahenden Schwierigkeiten ſeines Reiſezwecks unmittelbar vor den Augen. Roswell war daher ernſt und gedankenvoll, und ſein Geſicht war kein ſchlechtes Abbild des nüchternen Charakters der Atmoſphäre und des Meeres. Obgleich der Sommer gekommen war und das Wetter für die Nähe des Caps als ein günſtiges betrachtet werden konnte, war doch ein Gefühl der Unſicherheit das bei weitem vorherrſchende. Nach Süden hinab verhüllte ein kalter Nebel⸗ dunſt die Ausſicht, und mit jeder Meile, welche der Schoner zurücklegte, ſchien er tiefer und tiefer in Regionen einzudringen, welche die Natur bisher der Erforſchung des Seemannes ver⸗ ſchloſſen hatte. Man wußte, daß Eis und deſſen Gefahren ſich wenige Grade weiter in dieſer Richtung vorfanden, aber auch Inſeln waren entdeckt worden, und der Unternehmungs⸗ geiſt der Robbenjäger hatte bedeutenden Nutzen davon gezogen. Es war in der That ein wichtiger Schritt von Seiten des Seelöwen von Oyſter⸗Pond, daß er ſich von ſeinem Namensverwandten getrennt hatte. Beide Schiffe waren aller⸗ dings noch in derſelben See und es war möglich, daß ſie ein⸗ —y ‧ 282— ander wieder begegneten. Roswell Gardiner ſteuerte aber einem Punkte entgegen, welcher ihm nach Grad und Minute bezeich⸗ net worden, während das andere Schiff wahrſcheinlich unſicher und aufs Geradewohl in jenen entlegenen, ſtürmiſchen Ocean hineinſteuerte. Es ſchien unſerm Helden kaum wahrſcheinlich, daß er mit ſeinem früheren Gefährten wieder zuſammen träfe, und dieß um ſo mehr, da die Inſeln, welche er ſuchte, nicht in der Nähe eines bekannten Gebietes, und folglich außer dem gewöhnlichen Pfade der Robbenfänger lagen. Dieſen letztern Umſtand wußte unſer juuger Seefahrer ſehr zu würdigen, und er fühlte ſich dadurch in ſeiner Zuverſicht, die Schätze allein zu beſitzen, wenn er erſt den Ort gefunden, wo die Natur ſie barg, bedeu⸗ tend geſtärkt. Als die Sonne in jener großen Waſſerwüſte, welche ſüd⸗ lich von unſerem Feſtlande liegt, verſunken war, hatte der kleine Seelöwe das Land ganz aus dem Geſichte verloren und ſchwamm über die langen, ſüdweſtlichen Deiningen gleich einer Möve dahin, welche ſtetig ihrem Neſte zueilt. Viele Stunden hatte er ſeinen Curs nicht um einen halben Punkt geändert, ſondern lief ſo nahe als möglich nach ſüdſüdweſtwärts ab, wodurch er ein wenig vor dem Winde blieb. Sobald ſich jedoch die Nacht um das Schiff lagerte, begab ſich Roswell Gardiner nach hinten zu dem Manne am Steuer und befahl ihm ſo nahe nach ſüdwärts abzuhalten, als die Kühlte dieß nur geſtatten wollte. Dieß war ein weſentlicher Wechſel in der Richtung des Schiffes, welches, wenn die Kühlte anhielt, mit der Wiederkehr des Lichtes wahrſcheinlich auf eine große Strecke öſtlich von dem Punkte entfernt ſtand, welchen es ſonſt erreicht haben würde. ³ ten abzuh ſo lange er könne hatte. Die Seeen ſo ſich keine erlauben, Man war gehe ſein dem nächt Auße Laufe dier Mittheilu daß viele mancher von Ston bekannt w oder Mor Daß liegen, w man an tän zur wußte, m würde ſie denn es! Schoners Neu⸗Gen jenen Se er einem bezeich⸗ unſicher n Ocean ß er mit und dieß der Nähe öhnlichen id wußte ihlte ſich beſitzen, 3, bedeu⸗ lche ſüd⸗ atte der pren und eich einer Stunden geändert, ärts ab, te, begab n Steuer als die ung des iederkehr tlich von ht haben — 283— würde. Bis jetzt war es Roswell's Ziel von ſeinem Geſähr⸗ ten abzuhalten, jetzt aber, da es dunkel ward und man jenen ſo lange aus dem Geſichte verloren hatte, glaubte Roswell, er könne genau in der Richtung ſteuern, die er zu verfolgen hatte. Die Jahreszeit, welche die Jagd begünſtigt, iſt in jenen Seeen ſo kurz, daß jede Stunde koſtbar iſt, und man durfte ſich keine andere Abweichung von dem eigentlichen Zwecke mehr erlauben, als die, welche die Umſtände durchaus erheiſchten. Man war ſonach an Bord allgemein der Anſicht, das Schiff gehe ſeinem Beſtimmungsorte mit möglichſter Eile und auf dem nächſten Curſe entgegen. Außer den Entdeckungen der Seefahrer hatte man im Laufe dieſes Jahrhunderts durch die Robbenjäger ſelbſt wichtige Mittheilungen über die Südſee erhalten. Man nimmt an, daß viele Landſpitzen und Inſeln, welche ſo viel zum Ruhme mancher europäiſchen Seefahrer beitrugen, den Abenteurern von Stonington und anderen kleinen Häfen dieſes Landes lange bekannt waren, ehe die Wiſſenſchaft ihre Blicke dorthin richtete oder Monarchen die ſpäteren Entdecker zu Rittern ſchlugen. Daß viele Inſeln in dieſem Theile des Meeres zerſtreut liegen, war eine in der Geographie anerkannte Thatſache, ehe man an den Seelöwen dachte, vielleicht ehe deſſen junger Capi⸗ tän zur Welt kam, allein das, was man über den Gegenſtand wußte, war mager und ungenügend. In einzelnen Fällen würde ſich dieſe Bemerkung jedoch nicht als richtig erweiſen, denn es waren in dieſem Augenblick an Bord unſeres kleinen Schoners mehrere Seeleute, welche die ſüdlichen Shetlands, Neu⸗Georgia, Palmer's Land und andere bekannte Orte in jenen Seeen oft beſucht hatte. Keiner von allen hatte aber — 284— je von einer unmittelbar ſüdlich von dem jetzigen Stande des Schoners liegenden Inſel ſprechen hören. Während der Nacht, ſowie an dem folgenden Tage trat kein weſentlicher Wechſel ein und der kleine Schoner arbeitete ſich fleißig nach Süden fort, indem er ſehr regelmäßig in der Stunde ſechs Knoten zurücklegte. Sechs und dreißig Stun⸗ den nach der Abfahrt von Cap Horn glaubte Gardiner volle drei Grade ſüdwärts davon, und folglich eine Strecke innerhalb des Parallelkreiſes von ſechszig Grad ſüdlich zu ſtehen. Pal⸗ mer's Land und deſſen benachbarte Inſeln wären nicht fern geweſen, wenn der Schoner auf ſeinem erſten Curſe nach weſt⸗ wärts angehalten hätte. Bei dem jetzigen Stande der Dinge konnte Niemand ſagen, was vor ihnen läge. Am Schluſſe des dritten Tages holte der Wind an und blies ſchwer aus Nordoſt. Dieß trieb unſere Seefahrer raſch voran. Bald ſah man Eis glänzen und dann bergartig umher⸗ treiben. Die ſchwimmenden Hügel, welche ſich in den Wellen wälzten und rollten, boten einen großartigen Anblick dar, aber das Anſpülen des Meeres hatte ſie theilweiſe geſchmolzen und ihren Umfang beträchtlich gemindert. Es ward jetzt durchaus nothwendig, die meiſten Stunden der Dunkelheit zu opfern, denn es war zu gefährlich, in der Nacht entlang zu laufen. Man wußte, daß die große Eisbarre in der Nähe war und Cook's„Nun nicht weiter!,“ damals die Grenze der Südſee⸗Schiffahrt, lag in der Nähe der Breite⸗ linie, welche der Schoner erreicht hatte. Das Wetter blieb jedoch günſtig, und nachdem die Bö aus Nordoſten ſich ausgetobt hatte, kam der Wind aus Süden,— eiſig, von Schneegeſtöber begleitet, aber ziemlich ſtetig und nicht ſo friſch, daß unſere Seefahrer genöthigt geweſen wären, Segel zu bergen. Die Eiſes an Berechnut des fünft ſich ein n welche de auf den f ſchwerfäll Wolken Tage me Eismaſſer Seiten zu Trot fühlten f ergriffen, nungen, Bewunder alle Farl ihre Gip hafte W ſchienen rend an Farben, Auch weiſe. 5 und erfü während Sinne d das Gen den nahe Btande des Tage trat r arbeitete ßig in der zig Stun⸗ iiner volle innerhalb den. Pal⸗ nicht fern nach weſt⸗ der Dinge ad an und ihrer raſch tig umher⸗ en Wellen dar, aber nolzen und Stunden der Nacht eisbarre in damals die der Breite⸗ die Bö aus Süden,— ſtetig und ſen wären, — 285— Die Glätte des Waſſers hätte an ſich ſchon die Nähe des Eiſes angedeutet, Gardiner wußte dieß nicht nur durch ſeine Berechnungen, ſondern ſein Auge beſtätigten dieſe. Im Laufe des fünften Tages ſah man mehrere Male, wenn das Wetter ſich ein wenig aufklärte, lange, bergartige Eismauern glänzen, welche den zerklüfteten Umriſſen der Alpen glichen, ſich aber auf den ſteigenden und ſinkenden Wellen des ruheloſen Meeres ſchwerfällig bewegten. Von Zeit zu Zeit verhüllten dichte Wolken die ganze Scene, und der Schoner mußte an dieſem Tage mehr als einmal laviren, um nicht auf die geſunkenen Eismaſſen oder Eisfelder zu laufen, welche man jetzt von allen Seiten zu Geſicht bekam. Trotz den Gefahren, welche unſere Abenteurer umgaben, fühlten ſie ſich alle von der Erhabenheit der Natur zu ſehr ergriffen, als daß ſie den mannichfachen, prachtvollen Erſchei⸗ nungen, welche dieſe einſame, wilde Scenerie darbot, ihre Bewunderung hätten verſagen können. Die Eisberge zeigten alle Farben des Regenbogens, je nachdem das Sonnenlicht ihre Gipfel oder ihre Seiten vergoldete, oder dunkle, maſſen⸗ hafte Wolken dazwiſchen treten. In manchen Augenblicken ſchienen Theile dieſer ungeheuren Maſſen völlig ſchwarz, wäh⸗ rend andere in demſelben Augenblick in den prachtvollſten Farben, beſonders lichtgrün und golden, glänzten und glühten. Auch die Waſſervögel zeigten ſich jetzt wieder ſchaaren⸗ weiſe. Pinguine(magellaniſche Gänſe) ſchwammen umher und erfüllten die Luft mit ihrem unharmoniſchen Geſchrei, während es von Cap⸗Tauben und Sturmvögeln in wahrem Sinne des Wortes wimmelte. Auch Fregattenvögel halfen das Gemälde der belebten Natur ſteigern, während man in den nahen Gewäſſern Wallfiſche ihre Waſſerſäulen„aufblaſen“ 4 ———õ—— — — 286— hörte. Gardiner gewahrte viele Anzeichen der Nähe des Lan⸗ Als des und begann ſich der Hoffnung hinzugeben, er dürfte die von Cap auf ſeiner Karte verzeichneten Inſeln wirklich entdecken, wie ſo weit: Daggett ihre Stellung angegeben hatte. Es blieb In jener hohen Breite iſt ein Längegrad nothwendig viel kommen, kürzer, als gegen den Aequator hin. Hier rechnet man bekannt⸗ Richtung lich ſechszig geographiſche Meilen auf einen Längegrad, in führen n dem zwei und ſechzigſten Grad der Breite aber mißt ein Länge⸗ Wer grad kaum mehr als die Hälfte. Dieſer ſcheinbare Wider⸗ Seemann 3 ſpruch erktärt ſich ſehr leicht, wenn man weiß, daß dieſe Länge⸗ herrn m grade, welche an dem Aequator ſechzig Meilen auseinander ſtehen, bemühen, gegen die Pole zulaufen und in einem Punkte zuſammentreffen. einmal b In Folge der beſten Beobachtungen, welche Roswell Gar⸗ dem Vir 8 diner anſtellen konnte, war er genau einen dieſer kurzen Länge⸗ Unterneh grade oder gegen zwei und dreißig Meilen weſtlich von dem ſo ſchrech Punkte, welchen er zu erreichen wünſchte, als der Wind aus entlegener Süden zu blaſen begann. Dieſer Wechſel war günſtig, denn die Wahr er ermuthigte ihn, der großen Eisbarre, welche jetzt eine Art Ehrgeiz, Luvwall abgab, näher zu treten, als er es ſonſt wohl gethan Muth un hätte. Zum Glücke waren die ſchwimmenden Berge und die ten Gefa geſunkenen Maſſen Eis ſo weit nach nordwärts abgetrieben, Sache me daß der Schoner, nachdem er innerhalb derſelben ſtand, ziem⸗ liche, un lich frei laufen konnte und Roswell, welcher keinen der koſt⸗ Aufgabe baren Augenblicke verlieren wollte, wagte es, unter gekürzten Der Segeln ſelbſt während der folgenden kurzen Nacht ſeinen Curs Eiſe aufg fortzuſetzen. Die Seefahrer haben den großen Vortheil, daß es lief. Ga während den Sommermonaten in dieſen Gewäſſern faſt gar ſchien und nicht Nacht wird und daß es ſtets hell genug iſt, um inmitten welche er der Schwierigkeiten dieſer pfadloſen Reiſe wegen des Weges breit nack nicht in Ungewißheit zu ſein. Da des Lan⸗ dürfte die cken, wie endig viel nbekannt⸗ egrad, in in Länge⸗ ſe Wider⸗ eſe Länge⸗ der ſtehen, nentreffen. well Gar⸗ en Länge⸗ von dem Wind aus ſtig, denn eine Art hl gethan 2 und die getrieben, ind, ziem⸗ ; der koſt⸗ gekürzten inen Curs il, daß es faſt gar minmitten es Weges — 287— Als am Morgen des ſechsten Tages nach der Abfahrt von Cap Horn die Sonne wieder erſchien, glaubte Roswell ſo weit weſtlich gekommen zu ſein, als ſein Zweck es forderte. Es blieb nun nur noch übrig, einen ganzen Grad ſüdlicher zu kommen,— eine große Strecke in jenen Seeen und in jener Richtung, welche ihn weit ſüdlich von dem„Nun nicht weiter!“ führen mußte. Wenn jedoch Daggett Glauben verdiente, ſo war dieſer Seemann hier geweſen und die Anweiſungen ſeines Schiffs⸗ herrn machten es unſerm jungen Capitän unerläßlich, ſich zu bemühen, dem vorgeſchriebenen Curs zu folgen. Mehr als einmal bereute es unſer Held dieſen Morgen, daß er ſich mit dem Vineyarder Seelöwen nicht vertragen hatte, um dem Unternehmen gemeinſame Kraft zu widmen. Es war etwas ſo ſchreckliches, fich mit einem einſamen Schiffe in einer ſo entlegenen, fremden Welt in das Eis zu wagen, daß Roswell, die Wahrheit zu ſagen, zu bangen begann. Aber Berufsſtolz, Ehrgeiz, Liebe zu Mary, Scheue vor dem Decan, angeborner Muth und die Kühnheit, welche aus oft verſuchten und beſieg⸗ ten Gefahren entſpringt, ſtählten ſeine Kraft wieder. Die Sache mußte verſucht werden, ſonſt war die Reiſe eine vergeb⸗ liche, und unſer junger Seemann begab ſich jetzt an ſeine Aufgabe mit dem ernſten Entſchluſſe, ſie zu löſen. Der Schoner hatte jetzt auf einer Kabellänge von dem Eiſe aufgeluvt, deſſen Saum entlang er unter leichten Segeln lief. Gardiner glaubte ſo weit oeſtlich zu ſein, als nöthig ſchien und ſein Zweck war nun, eine Oeffnung zu ſuchen, durch welche er in das ſchwimmende Chaos, welches ſich weit und breit nach rückwärts ausdehnte, einzutreten vermöchte. Da die Kühlte die treibende Maſſe nach nordwärts führte, löſte und trennte ſie ſich jeden Augenblick mehr, und mit Freuden gewahrte Gardiner endlich eine klare Stelle, welche ſeinen Zweck zu begünſtigen ſchien. Ohne einen Augenblick zu zögern, wurden die Segel„eingebrochen,“ die Braſſen ſtärker angezogen und der kleine Seelöwe trat in die Waſſer⸗ ſtraße, welche hundert Mal mehr wirklichen Grund zu Beſorg⸗ niſſen barg, als die Seylla und Charybdis der alten Welt. Die Nähe des Eiſes hat auf ausgedehnten Gefilden unter Anderem die Wirkung, daß ſie verhältnißmäßig ſtilles Waſſer erzeugt. Es muß eine Bö, und zwar über eine beträchtliche Fläche offener See blaſen, wenn die eiſigen Felder und Berge recht in Bewegung kommen ſollen, obgleich das Heben und Senken, welches mit dem Athmen eines mächtigen Ungeheuer verglichen worden iſt, und das der Seemann die„Deining“ nennt, auf den Gewäſſern eines Meeres nie ganz aufhört. Bei der jetzigen Veranlaſſung hatten unſere Abenteurer in dieſer Hinſicht Glück, denn ihr Schiff gleitete nach vornen, ohne daß ſie einen Widerſtand der Wellen gewahrt hätten. Nach Verlauf von vier Stunden hatte ſich der Schoner, der, wo es nöthig war, wendete und vierte, nach der Berech⸗ nung ſeines Capitäns gegen fünf und zwanzig Meilen ſüdweſt⸗ lich fortgearbeitet. Es war jetzt Nachmittag, und da die Atmo⸗ ſphäre zwar nie ohne Nebel, aber doch ungewöhnlich klar war, begab ſich Gardiner in die Höhe, um mit eigenen Augen den Stand der Dinge um ihn her zu erforſchen. Nach Süden hinab und die Waſſerſtraße entlang, welche das Schiff befahren hatte, begann ſich das Eis zu ſchließen⸗ und es war viel leichter, weiter zu gehen als zurückzukehren. Nach Oſten jedoch, und beſonders nach Südoſten wendete Gar⸗ diner ſeine ſehnſüchtigen Blicke. In jenem Theile des Meeres und nicht Inſeln zu gab. In das Eis, Stelle, d Roswell waren, n fiel, dunk ihn die a ſo eben ſe wie durch prangte i das den 2 von denern herrlichen der Scen⸗ Meere at Macht ur Eine von wo nach Süt Winde de war nie lich weit ein Liebli man jetzt weites E hügeln l Schoner, und das 247— und mit , welche ugenblick Braſſen Waſſer⸗ Beſorg⸗ Welt. den unter s Waſſer rächtliche nd Berge heben und Ungeheuer Deining“ zört. Bei in dieſer ohne daß Schoner, r Berech⸗ n ſüdweſt⸗ die Atmo⸗ klar war, lugen den g, welche ſchließen, kzukehren. dete Gar⸗ es Meeres — 289— und nicht weniger als zehn Seeſtunden entfernt, hoffte er die Inſeln zu finden, welche er ſuchte, wenn es ja ſolche Inſeln gab. In jener Richtung öffneten ſich mehrere Straßen durch das Eis, welches faſt überall höher war, als gerade an der Stelle, die das Schiff erreicht hatte. Einige Male glaubte Roswell wirkliche Berge zu ſehen, obgleich es nur Eismaſſen waren, welche in Folge der ſchrägen Beleuchtung, die darauf fiel, dunkel und erdartig ausſahen. Jedes Mal enttäuſchten ihn die aus dem Nebel brechenden Sonnenblicke, und was ihm ſo eben ſchwarz und bedrohlich vorgekommen, ſtand plötzlich, wie durch einen Zauberſchlag, in vollem Glanze da, und prangte in dem prachtvollſten Grün oder in ſchneeigem Weiß, das den Beſchauer ſelbſt inmitten der Schrecken und Gefahren, von denen er umgeben war, mit Bewundernng erfüllte. Die herrlichen Alpen, dieſe Wunder der Erde, konnten kaum mit der Scenerie wetteifern, welche die Natur in jenem entlegenen Meere an eine anſcheinende Leere vergeudete. Aber Gottes Macht und Ehre waren da, ſowie unter dem Aequator. Eine volle Stunde blieb Gardiner in den Dwarsſahlingen, von wo aus er das Deck anrief und die Naſe des Schoners nach Südoſten richten ließ, um ihn ſo nahe als möglich am Winde durch die Oeffnungen zu drängen. Die Atmoſphäre war nie nebellos, obgleich die Dünſte umhertrieben und gewöhn⸗ lich weite Räume hell ließen. Eine Stelle ſchien vorzüglich ein Lieblingsplatz für dieſe niedrigen Wolken zu ſein, welche man jetzt auf die Fläche des Meeres ſelbſt ſinken ſah. Ein weites Eisgefilde, oder richtiger, ein großer Gürtel von Eis⸗ hügeln lag zwiſchen dieſer wolkenumhüllten Stelle und dem Schoner, und während der Stunde, welche er oben hinbrachte und das Schiff durch einen ſehr verwickelten, bedenklichen Kanal 247— 249. 19 —y — 290— leitete, verging keine Minute, ohne daß der junge Mann ſeinen Blick auf jene verſchleierte Stelle richtete. Er war eben im Begriffe, ſeinen Fuß auf die Webeleinen*) zu ſetzen, um auf das Deck niederzuſteigen, als er ſich, faſt ohne es zu wiſſen, noch einmal umkehrte, um einen letzten Blick auf dieſen fernen, unbeweglichen Gegenſtand zu richten. In dieſem Augenblicke ſah er, wie ſich die Nebelhülle, welche ſich wie eine wogende, wallende Flüſſigkeit auf und nieder gerollt hatte, ohne daß die Maſſe ſich ſchied, plötzlich öffnete und die kahle Kuppe eines wirklichen Berges, der tauſend Fuß hoch war, ſich unerwartet ſeinem Ange zeigte. Hier war kein Irrthum möglich, alles war zu deutlich, um einen Zweifel zuzulaſſen. Ja, ohne Frage, dieß war Land, es war wanhrſcheinlich die weſtlichſte der Inſeln, welche der ſterbende Seemann bezeichnet hatte. Alles beſtätigte dieſe Annahme, Länge und Breite ſtimm⸗ ten ziemlich genau überein, und die übrigen Umſtände waren geeignet, eine ſolche Anſicht zu ſtützen. Nach Daggett's Aus⸗ ſage lag eine Inſel,— hoch, gebirgig, rauh und öde, aber von einigem Umfange auf der weſtlichſten Seite der Gruppe, während mehrere andere einige Meilen davon aus der See ſtiegen. Dieſe waren niedrig, viel kleiner und kaum mehr als nackte Klippen. Eine dieſer letzteren jedoch war, wie er ver⸗ ſichert hatte, ein Vulkan, welcher von Zeit zu Zeit Flammen auswarf. Nach ſeinem Berichte hatte jedoch die Geſellſchaft, zu welcher er gehörte, dieſen vulkaniſchen Keſſel nie beſucht; ſie begnügte ſich, ſeinen Schrecken aus der Ferne zu bewundern. *) Die Stufen der Strickleiter an den Maſten. Der Ueberſetzer. Ros Landes, wiß. Es glänzende Lichtes u Dunſt zu dieſe Art Dieſer A den neu weg und Gegenſta Wol und Fels angegebe aus dem artig.. ernſten, Eishügel der eben zürnende ſteter Be Ros ſich übe Beſtimm ſein faſt Der blies zie Berge k hinan 1 Küſte er aun ſeinen beleinen*) ſich, faſt nen letzten zu richten. Kebelhülle, auf und plötzlich rges, der zeigte. deutlich, war Land, welche der ite ſtimm⸗ nde waren ett's Aus⸗ öde, aber r Gruppe, der See mehr als je er ver⸗ Flammen eſellſchaft, e beſucht; ewundern. berſetzer. — 291— Roswell war über den Charakter und die Stellung des Landes, welches er deutlich geſehen hatte, in keiner Art unge⸗ wiß. Es gibt eine Anſicht, derzufolge die Sonne von einem glänzenden Dunſtkreiſe umgeben iſt, welcher die Quelle des Lichtes und der Wärme abgibt, während dieſer ſtets bewegte Dunſt zuweilen die Maſſe des Planeten ſehen läßt, und auf dieſe Art die gewöhnlichen ſogenannten Sommerflecken bildet. Dieſer Anſicht entſprechend rollten die Nebel der Südſee um den neu auftauchenden Berg, zuweilen flog der Vorhang hin⸗ weg und ließ das Auge über den anziehenden, majeſtätiſchen Gegenſtand drinnen hingleiten. Wohl verdiente dieſe einſame, faſt öde Maſſe von Erde und Fels eine ſolche Bezeichnung! Die Höhe haben wir bereits angegeben, und ein Fels, welcher tauſend Fnß beinahe ſenkrecht aus dem Meere emporſteigt, iſt ſtets eindringlich und groß⸗ artig. Dieſer Eindruck wurde durch ſeine Einſamkeit, ſeinen ernſten, feſten Stand inmitten der ſchwimmenden, ſchaufelnden Eishügel, ſeine blauen Seitenwände und den kahlen Gipfel, der eben mit friſch gefallenem Schnee bedeckt war, und ſeinen zürnenden, ſtarren Anblick inmitten einer Scene, welche in ſteter Bewegung zu ſein ſchien, bedeutend geſteigert. Roswell Gardiner's Herz ſchlug vor Entzücken, als er ſich überzeugt hatte, daß er dieſes erſte wichtige Ziel ſeiner Beſtimmung entdeckt hatte. Zu ihm zu gelangen, war jetzt ſein faſt ausſchließlicher Wunſch. Der Wind hatte ſich nun nach Südoſten gewendet und blies ziemlich friſch, wodurch er gut nach windwärts von dem Berge kam, allein er trieb auch die Eismaſſen an das Land hinan und ſtellte eine undurchdringliche Barre die weſtliche Küſte entlang. 19* ——x—xꝛxxxä⸗—;—’⸗—⸗—L—L— — 292— Unſer junger Seemann erinnertenſich jedoch, daß Daggett .. 3 3 tigkeit du die nördliche Seite der Inſel als ſeinen Ankerplatz angedeutet hatte, wo ſich, nach ſeinem Berichte, ein kleiner Hafen fand, end⸗ 5 welcher ein Dutzend Schiffe ſicher bergen konnte. Auf dieſe und kurz Seite der Inſel ſteuerte alſo Gardiner zu. ſich und Nach Norden hin war keine Oeffnung, aber eine ziemlich kemannen gute Durchfahrt lag ſüdlich von der Gruppe vor dem Schoner. ſinden zu In dieſer Richtung ſteuerte demnach der Seelöwe, und um Alles ern vier Uhr des Nachmittags war die Südſpitze der größten groß war Inſel umſchifft. Der übrige Theil der Gruppe wurde ſichtbar, Buchtung und zum großen Entzücken Aller am Bord fand man eine im Durch Fülle klaren Waſſers zwiſchen der Hauptinſel und ihren daß man kleineren Nachbarn. Die Eismaſſen waren augenſcheinlich, fühlte. wie ſie ſich der Gruppe näherten, in die Tiefe gegangen, ſo Im daß dieſe weite Bai, mit Ausnahme weniger kleinen Schichten, inſeln in welche darauf umherſchwammen, ganz frei von Eis war. Dieſen und Wide Maſſen konnte man leicht ausweichen und der Schoner lief kleinſte L mit fliegenden Segeln in das große Becken, welches die ver⸗ beſchädigt ſchiedenen Inſeln der Gruppe bildeten. Lothblei n Um„das Gewiſſe doppelt gewiß“ zu machen, oder um achtzig F Daggett's Wahrheitsliebe gründlich zu erhärten, erhob ſich der beſtand al Rauch eines Vulkans aus einem Klippengürtel öſtlich, welcher gigen Inſ drei bis vier Meilen im Umfange zu haben ſchien und auf der abſichtlich Oſtſeite des Beckens, oder vier Seeſtunden von„Robbenjäger⸗ Seefahrer land“ lag, wie Daggett die größte Inſel genannt hatte. Dieß Auch mochte ziemlich die Breite des großen Beckens ſein, in welches der gauze zwei Hauptkanäle leiteten, einer von Süden, der andere von Von Nor Nordoſten. lang, wä Nachdem der Schoner einmal glücklich in der großen Bai Natürlich und des Eiſes ziemlich klar war, lief er mit der größten Leich⸗ geſtellt al 3 Daggett ungedeutet rfen fand, Auf dieſe e ziemlich Schoner. und um r größten ſichtbar, man eine nd ihren ſcheinlich, ingen, ſo Schichten, r. Dieſen voner lief die ver⸗ oder um b ſich der „welcher d auf der benjäger⸗ tte. Dieß n welches dere von oßen Bai ten Leich⸗ geſtellt als der kleine Hafen, dennoch aber entging es Roswell — 293— tigkeit durch das freie Waſſer und erreichte das nordöſtliche Ende vom„Robbenjägerland.“ Der December entſpricht in jener hohen Breite unſerem Juni, die Nächte ſind daher hell und kurz zumal; man hatte ſonach noch mehrere Stunden vor ſich und Roswell ließ ein Boot in das Waſſer ſetzen und bemannen, und ruderte ſofort der Stelle zu, wo er den Hafen finden zu müſſen glaubte, wenn ja ein ſolcher zu finden war. Alles erwies ſich ſo, wie Daggett es beſchrieben hatte, und groß war unſeres jungen Seefahrers Freude, als er in eine Buchtung einlief, welche wenig mehr als zweihundert Ellen im Durchmeſſer hatte und ſo völlig„landumſchloſſen“ war, daß man den Einfluß der Wellen draußen nicht im Geringſten fühlte. Im Allgemeinen iſt das Antreten an Klippen und Fels⸗ inſeln in der Südſee eine große Schwierigkeit, da Brandungen und Widerſee ſich entgegenſtellen, hier aber konnte ſich das kleinſte Boot mit ſeinem Bug ohne die geringſte Gefahr, beſchädigt zu werden, auf das flache Geſtade legen. Das Lothblei verkündigte gleichfalls einen guten Ankerplatz in etwa achtzig Faden Waſſer. Mit einem Worte, der kleine Hafen beſtand aus einer jener Buchtungen, wie man ſie auf gebir⸗ gigen Inſeln oft findet, wo ſich Felſenſtücke von der Hauptmaſſe abſichtlich gelöſt zu haben ſcheinen, um den Wünſchen der Seefahrer entgegen zu kommen. Auch die äußere Bai oder das große Becken, welches von der ganzen Gruppe gebildet wurde, bot manche Vortheile dar. Von Norden nach Süden war ſie wenigſtens ſechs Seeſtunden lang, während die Breite, wie bemerkt, vier betragen mochte. Natürlich war ſie Wind und Wellen bei Weitem mehr bloß — 294— nicht, welche große Vortheile ſie in mancherlei weſentlichen Einzelnheiten darbot. Sie war faſt ganz ohne Eis, während außerhalb des Kreiſes der Inſeln deſſen ſo viel umher trieb, daher fonnte ſich ſelbſt das kleinſte Boot frei auf ihr bewegen. Dieß hatte ſeinen Grund vorzüglich darin, daß die größte Inſel zwei lange halbmondförmige Caps hatte, das eine auf ſeinem nordöſtlichen, das andere auf dem ſüdöſtlichen Ende, wodurch die ganze Oſtſeite die Geſtalt des Neumondes erhielt. Der eben beſchriebene Hafen lag ſüdlich von dem Nordoſt⸗Cap oder innerhalb des„Cap Hayard,“ wie unſer junger Capitän es zu Ehren der Wachſamkeit ſeines erſten Maats nannte, denn dieſer Offtzier hatte zuerſt auf die Vortheile hingedeutet, welche die Bildung des Landes hinſichtlich eines ſichern Anker⸗ platzes zu perſprechen ſchien. So zerklüftet und wild die nördliche Küſte des Hafens auch ausſah, war es doch nicht ſchwer, die Felſenklippen zu beſteigen, und Gardiner begann ſofort in der Begleitung von Stimſon, welcher ſich in der letzten Zeit ſeinem jungen Befehls⸗ haber mit großer Ergebenheit auſchloß, die Abhänge empor zu klimmen. Dieſe Klippenbarre erhob ſich nur hundert Fuß über die Oberfläche des Meeres, und als ſie die Höhe erreicht hatten, ließen Beide einen Ausruf der Ueberraſchung, um nicht zu ſagen des Entzückens, laut werden. Bis jetzt hatte ſich noch keine Art Robbe ſehen laſſen, und Gardiner fühlte ſich allmählich ein wenig beſorgt in Betreff der Ausbeute, welche ſo viele Mühen, Gefahren und Wagniſſe vergelten ſollte. Alle Zweifel ſchwanden jedoch in dem Augenblicke, wo er die nördliche Küſte der Inſel zu Geſicht bekam. Dieſes Geſtade, welches ſich mehrere Meilen weit hinzog,⸗ wimmelte ſenden la Seite der der Südſ wild aus men wed Thiere w humpelte in das 2 dem Waf aus. O hier vere dungen o „Di Stephan die Händ und unſe Tag⸗ un irre, ſehe irgend ei dieſen G „l dieſe In Platze g. ſo entlee Erſten, und zwe gute Lad Da war Ro⸗ eſentlichen während aher trieb, bewegen. die größte eine auf hen Ende, es erhielt. rdoſt⸗Cap er Capitän s nannte, ingedeutet, ern Anker⸗ es Hafens flippen zu eitung von n Befehls⸗ nge empor indert Fuß hhe erreicht hung, um hen laſſen, beſorgt in fahren und jedoch in Inſel zu eeit hinzog, — 295— wimmelte von den Ungeheuern, welche er ſuchte. Zu Tau⸗ ſenden lagen ſie auf den niedrigen Felſen, welche dieſe ganze Seite der Inſel bearenzten, und ſonnten ſich in der Sonne der Südſee,— Seelöwen, See⸗Elepyanten, große, maſſi e, wild ausſehende, ſcheußliche Geſchöpfe, welche ſtreng genom⸗ men weder dem Meere noch dem Lande angeyörten. Dieſe Thiere waren ſtets ſchaarenweiſe in Bewegung, ein Theil humpelte ſchwerfällig an den Rand der Felſen und warf ſich in das Meer, um Nahrung zu ſuchen, andere halfen ſich aus dem Waſſer und ſuchten ſich paſſende Ruheplätze in der Sonne aus. Obgleich alle bekannten Klaſſen der größern Robben hier vereinigt waren, gewahrte man kaum etwas von Anfein⸗ dungen oder Hader unter dieſen ſcheußlich ausſebenden Thieren. „Dieß wird eine herrliche Jagd für uns abgeben, Meiſter Stephan,“ ſagte Roswell zu ſeinem Gefährten und rieb ſich die Hände vor Vergnügen.„Ein Monat tüchtiger Arbeit, und unſer Schoner wird voll ſein, und wir können vor der Tag⸗ und Nachtgleiche wieder abreiſen. Wenn ich mich nicht irre, ſehe ich dort druben Gebeine von Seelöwen oder Robben irgend einer Art zerſtreut liegen, als wären Menſchen dort an dieſen Geſchöpfen geweſen.“ „Ihr habt ganz recht, Capitän Gar'ner, ſo entlegen dieſe Inſel auch iſt,— und ich habe noch nie von dieſem Platze gehört, obgleich ich ein alter Robbenjäger bin,— aber, ſo entlegen dieſe Inſel auch iſt, ſo ſind wir doch nicht die Erſten, welche hier jagen. Es waren ſchon Robbenſchläger hier, und zwar längſtens vor zwei Jahren, und ſie haben eine gute Ladung eingenommen, verlaßt Euch darauf.“ Da dieß nur mit dem Berichte Daggett'’s übereinſtimmte, war Roswell nicht überraſcht, er ſah im Gegentheile darin = 296= eine Beſtätigung alles deſſen, was Daggett angegeben hatte, und glaubte ſich nun um ſo eher der Hoffnung hingeben zu dürfen, ſeine Reiſe in allen Beziehungen mit Erfolg gekrönt zu ſehen. Während Roswell auf den Klippen war, faßte er die Oertlichkeiten aufmerkſam in das Auge, um im Stande zu ſein, ſeine Befehle mit Umſicht und Beſtimmtheit zu geben. Der Schoner machte bereits kurze Gänge, um dicht an die Inſel herantreten zu können, wie ein Signal ihm bedeutet hatte, und der zweite Maat ruderte an dem Eingang des kleinen Hafens hinaus, um Lootſendienſte zu thun. Ehe der Capitän von der Höhe der nördlichen Barre herabgeſtiegen war, kam das Schiff ſchon unter ſeinem Klüver herein, denn es hatte den Wind faſt ſpiegelwärts und ließ an paſſenden Punkten zwei Anker fallen. Die Freude ſtrahlte jetzt auf jedem Geſtchte. Man hatte an ſich ſchon viel gewonnen, daß man den Schoner in einen völlig ſichern Hafen gebracht hatte, wo die Mannſchaft wäh⸗ rend der Nacht und während der Wachtzeit unten die nöthige Ruhe finden konnte, ohne fürchten zu müſſen, in dem Eiſe zerdrückt zu werden. Allein ſie fanden hier nicht nur Sicher⸗ heit, ſondern auch die Quelle jenes Reichthums, nach dem ſie ausgingen, und der ſie veranlaßt hatte, ſo vielen Entbehrungen und Gefahren kühn die Stirne zu bieten. Das Schiffsvolk ging bis auf den letzten Mann an das Land, und Jeder eilte auf die Höhe der Barre, um ſeine Augen an dem Schauſpiele zu weiden, welches ſich die niedrigen Felſen der Nordſeite der Inſel entlang in ſolcher Fülle vor ihnen ausbreitete. Da es noch einige Stunden hell blieb, brachen Roswell und Stit nur als verſehen, weit es jedoch in daß ein durchzufiͤ es gelan⸗ zu erreie ganze B Von über die Freunde oder der hier auch Beſchaffe ſowie v umher z Der Dreieck, niederen bildeten. Geſtade zwei bis emporſti⸗ Wellen Eis„he tiefes, k war es machten den hatte, ngeben zu g gekrönt te er die e zu ſein, den. Der die Inſel tet hatte, s kleinen en Barre m Klüver d ließ an Lan hatte in einen haft wäh⸗ e nöthige dem Eiſe r Sicher⸗ h dem ſie behrungen n an das um ſeine niedrigen Fülle vor Roswell 297— und Stimſon, beide mit Robbenſpeeren oder Lanzen, nicht nur als Vertheidigungswaffen, ſondern auch als Springſtöcken verſehen, auf, um die Bergſteile in der Mitte der Inſel, ſo weit es die Umſtände erlaubten, zu erklimmen. Er hatte ſich jedoch in der Entfernung getäuſcht und überzeugte ſich bald, daß ein voller Tag nöthig wäre, um ein ſolches Unternehmen durchzuführen, wenn es überhaupt durchgeführt werden könnte, es gelang ihm indeſſen, einen niedrigen Vorſprung des Berges zu erreichen, welcher eine weite, herrliche Ausſicht über die ganze Bai nach Norden und Oſten hin darbot. Von dieſer Höhe aus, welche ſich mehrere hundert Fuß über die Oberfläche des Meeres erheben mochte, hatten unſere Freunde eine noch beſſere Ausſicht auf die ganze Nordküſte oder den eigentlichen Robbenbezirk der Inſel. Sie erhielten hier auch eine ziemlich genaue Vorſtellung von der allgemeinen Beſchaffenheit dieſes einſamen Fels⸗ und Erdebruchſtücks, ſowie von den größeren und kleineren Inſeln, welche rings umher zerſtreut lagen. Der Umriß des Erſteren bildete eine Art unregelmäßiges Dreieck, deſſen drei Hauptſpitzen die beiden bereits erwähnten niederen Caps und ein drittes, das nach Nordweſten lag, bildeten. Das ganze weſtliche oder richtiger ſüdweſtliche Geſtade ſchien eine faſt ſenkrechte Felſenwand zu ſein, welche zwei bis drei hundert Fuß über die Oberfläche des Meeres emporſtieg. Vorzüglich gegen dieſe Seite der Inſel ſchlugen die Wellen des Meeres in wildem Ungeſtüm an, während das Eis„heimtrieb“— wie die Seeleute ſich ausdrücken— und tiefes, klares Waſſer zurückließ. Auf den beiden anderen Seiten war es nicht ſo. Die Südweſtwinde waren vorherrſchend und machten die ſenkrechte Seite der Inſel zu deren„Wetterwall,“ während die zwei anderen Seiten des Dreiecks durch ihre Lage geſchützter waren. Demnach war die Nordſeite der Sonne am Meiſten ausgeſetzt, da Alles dieſer Art in der ſüdlichen Halbkugel ſich gerade als das Gegentheil deſſen dar⸗ ſtellt, wie wir es in der nördlichen ſehen, während die öſtliche oder nordöſtliche Seite durch die Slafndve⸗ die ſich vor ihr hinzog, gedeckt ward. Dieß war die allgemeine Beſchaffenheit des„Robben⸗ jägerlandes,“ ſo weit ſich ſein jetziger Beherrſcher durch eine beeilte Umſchau darüber belehren konnte. Das raſche Heran⸗ rücken der Nacht veranlaßte ihn, die ziemlich gefährlichen Felsabhänge, an welchen er empor geſtiegen, zu verlaſſen und zu ſeinen Leuten und ſeinem Schoner zurückzukehren. Fünfzehntes Kapitel. Ihr werft euch auf die Wellen und die Ruh' Der Silberfläche fliehet ſcheu im Nu, Und über das erregte Giſchtgefild Tobt eure wilde Jagd dahin und brüllt. Der Vogel rührt erſchreckt die naſſen Flügel, Der Menſch ſieht blaß auf dieſe Wogenhügel, Umſchlingt den Maſt verzweifelnd mit den Armen Und fleht zu Gott um Rettung und Erbarmen. Bryant’s Winde. Der eine große Zweck der Robbenjäger ließ kein Zögern zu. Die Jahreszeit war ſo kurz, und die Schwierigkeiten und Gefahren, welche das Eis den Seefahrern bereiten konnte, waren ſo bedrohlicher Art, daß Alle, die zu dem Schoner gehörten in Anſpr. Sch man nic vor, ſon gezeichne See⸗ Ele welche f bringen reichlich Roswell Thiere i kehr na Lanzenm beſchäfti merkſam ſich zun das Her Wo Waaren dem W für ein hatte ſe an Bor in dem in vor machen. De den un Planker irch ihre ſeite der t in der eſſen dar⸗ ie öſtliche h vor ihr „Robben⸗ urch eine he Heran⸗ fährlichen aſſen und Ruh' t. Klügel, nhügel, den Armen rbarmen. Winde. n Zögern eiten und u konnte, Schoner — 299— gehörten, einſahen, daß ihre Rührigkeit und Thätigkeit jetzt in Anſpruch genommen werde. Schon am Tage nach der Ankunft des Schiffes ſchritt man nicht nur mit den vorbereitenden Anordnungen wacker vor, ſondern tödtete auch ziemlich viele Pelzrobben von aus⸗ gezeichneter Art und brachte ſie in Sicherheit. Auch zwei edle See⸗ Elephanten wurden mit der Lanze erlegt,— Thiere, welche faſt dreißig Fuß lang waren und die mit dem Ein⸗ bringen verbundene Gefahr und Münye durch ihren Thran reichlich belohnten. Die Felle der Petzrobben waren jedoch Roswell's Hauptaugenmerk, und groß war ſeine Freude, dieſe Thiere in einer Anzahl vorzuſiuden, welche eine baldige Rück⸗ kehr nach dem Norden hoffen ließ. Während Alles mit dem Lanzenwerfen, dem Abhäuten, Austrocknen und Einbringen beſchäftigt war, richtete unſer junger Seemann ſeine Auf⸗ merkſamkeit auf gewiſſe untergeordnetere Einrichtungen, welche ſich zunächſt auf die Behaglichkeit der Mannſchaft und auf das Heranſchaffen der Ladung bezogen. Während der Schoner ausgerüſtet wurde, mußte ein altes Waarenlager von ziemlich bedeutendem Umfange, welches auf dem Werfte des Decans ſtand, abgebrochen werden, um Raum für ein paſſenderes Gebäude zu gewinnen. Noswell Gardiner hatte ſeinen Schiffsherrn vermocht, das Gerüſt dieſes Hauſes an Bord des Schoners zu ſchicken, und man hatte es theils in dem untern Raume, theils auf dem Deck beigeſtaut, um in vorkommendem Falle den nöthigen Gebrauch davon zu machen. Da es nothwendig war, das Deck klar zu machen und den untern Raum aufzubrechen, wurden alle dieſe Balken, Planken und Diele an das Geſtade gebracht und auf die —ꝛ—ꝛ—ꝛꝛ::V ‿ — 300— Felſen geſchafft. Roswell benutzte einen Augenblick der Muße, um einen paſſenden Raum für dieſes Haus auszuwählen, welches er ſogleich aufſchlagen zu laſſen beſchloß, um nicht zu viel Zeit mit Bootfahrten zwiſchen dem Schoner und dem Geſtade zu verlieren. Es war nicht ſchwer, eine Stelle zu finden, welche ſich zu dem Aufbau des Hauſes eignete. Die von Gardiner gewählte war eine Felſenplatte von ziemlicher Ausdehnung, welche auf die nördliche und nordöſtliche oder die Sommerſeite der Inſel ging, während ſie durch große Felſenmaſſen, die ſie gegen die kälteren Winde völlig ſchützte, auf der Süd⸗ und Südweſtſeite gedeckt war. Die Klippenwälle waren jedoch nicht ſo nahe, daß der Schnee, welcher ſich vielleicht dort anhäufte, für das Haus bedrohlich werden konnte, der Raum zwiſchen den Felſen und dem Hauſe war im Gegentheile groß genug, um ihn zu einem ausgedehnten Hofe zu benutzen, wo man die manchfachen Gegenſtände aufbewahren konnte, welche die gewöhnlichen Arbeiten oder die Bedürfniſſe der„Robben⸗ ſchläger“ nothwendig machten. Wenn es räthlich geweſen wäre, die ganze Mannſchaft zum Robbenſchlagen, wie man es nennt, zu verwenden, ſo würde Roswell Gardiner gewiß die Zeit nicht mit dem Auf⸗ bau ſeines Hauſes vergeudet haben. Allein Roswell war ein umſichtiger Mann und kannte ſeinen Beruf gründlich. Die Robben waren jetzt ganz zahm, und nichts war leich⸗ ter, als ſie dutzendweiſe zu tödten. Die große Schwierigkeit beſtand darin, die Felle über die Felſen zu ſchaffen, eine Ent⸗ fernung, welche zuweilen mehrere Meilen betrug. Man fand zuletzt Mittel, ſich dazu der Boote zu bedienen, obgleich das nördliche Geſtade der Inſel ſelbſt jetzt, inmitten des Sommers, häufig d. unmöglich Um früh in d Matroſen nicht mel und ausg In ihren ger Weiſe m Angriff a Die Mühe an einigem l Amerikan Fichtenho mäßig ſo ſen ſie zie der Landt ihm fiel zuſammen nicht unt Amerikan „handfert ſowie vie gerechter ſchmied g Bei thätig, 1 fertig, da er Muße, zuwählen, um nicht und dem helche ſich Gardiner ddehnung, mmerſeite n, die ſie Süd- und en jedoch eicht dort er Raum eile groß itzen, wo e, welche „Robben⸗ annſchaft nden, ſo dem Auf⸗ war ein dar leich⸗ vierigkeit ine Ent⸗ tan fand leich das ommers, — 301— häufig durch Eis ſo umlagert war, daß die Anfahrt faſt unmöglich wurde. Um alſo die Opfer dieſes beabſichtigten Einfalles nicht zu früh in Schrecken zu verſetzen, durften nur die erfahrenſten Matroſen mit ihren Lanzen ausziehen, auch durften täglich nicht mehr Thiere getödtet werden, als in dieſer Zeit zerlegt und ausgekocht werden konnten. In Folge dieſer klugen Vorſicht kam die Arbeit raſch in ihren geregelten Gang, und es ergab ſich bald, daß auf dieſe Weiſe mehr gefördert wurde, als dieß bei einem ſorgloſern Angriff auf die Robben möglich geweſen wäre. Die einzelnen Theile des Gebäudes wurden ohne große Mühe auf die Felſenplatte geſchafft. Das Gerüſt war von einigem Umfange, wie dieß bei den meiſten alten Bauten der Amerikaner der Fall iſt, da es aber aus längſt ausgetrocknetem Fichtenholz beſtand, waren die Pfoſten und Balken verhältniß⸗ mäßig ſo leicht, daß die bei der Jagd nicht betheiligten Matro⸗ ſen ſie ziemlich mühelos handhaben konnten. Nobert Smith, der Landmann, war ſeines Gewerbes ein Zimmermann, und ihm ſiel es anheim, die einzelnen Theile des alten Magazins zuſammen zu ſetzen. Wäre aber auch ein ſolcher Werkmanu nicht unter dem Schiffsvolke geweſen, ſo hätten ein Dutzend Amerikaner jederzeit ein Haus aufgeſchlagen, denn die ſtets „handfertigen“ Sitten des Volkes führen zur Erlernung dieſes, ſowie vieler ähnlichen Gewerbe, wenn auch eben nicht in kunſt⸗ gerechter Weiſe. Mott hatte einige Jahre bei einem Grob⸗ ſchmied gearbeitet und richtete jetzt ſeine Schmiede ein. Bei dem Aufſchlagen des Gebäudes waren alle Hände thätig, und ſchon am Ende der erſten Woche war das Haus fertig, da man nicht viel mehr zu thun hatte, als alle Theile an ihrem Platze einzufügen und ſie da zu befeſtigen. Das Gebäude beſtand aus zwei Abtheilungen, die eine beſtimmte Gardiner zum Wohnzimmer, die andere zum Schlafſaal. Man zimmerte rohe Bäuke, und die Matratzen der Leute wurden ſämmtlich an das Land geſchafft und in das Haus gebracht. Man beabſichtigte, die ganze Mannſchaft in dem Gebäude ſchlafen zu laſſen, da man auf dieſe Weiſe Zeit und Mühe ſparte. Die Ladung ſollte auf der Felſenplatte, welche gegen zwanzig Fuß höher lag, als die, auf welcher das Gebäude ſtand, geſammelt werden, wenn man auf dieſer fortſchritt, konnte man den höchſten Punkt des Paſſes, welcher das Gebäude auf ſeiner Südſeite ſchützte, umgehen und auf der Hafenſeite an einer andern Platte herauskommen, welche nur fünfzig Fuß höher lag, als das Deck des Schiffes. Von hier wollte Ros⸗ well ſeine Fäſſer mittels eines vorſpringenden Diels hinab⸗ laſſen, ſeine Nothſpieren lieferten ihm dazu die nöthigen Mittel und der ſteile Abfall des Felſen begünſtigte eine ſolche Vor⸗ richtung. In dieſer Weiſe traf man alle Vorbereitungen mit Umſicht und ſachkundigem Urtheile. Die erſten zehn Tage waren nun vorüber und Alles war geſchäftig wie in einem Bienenkorb. Allerdings nahm man keine Rückſicht auf den Sabbat, welchen man zu Haus, bei den Leuten gelaſſen zu haben ſchien, welche von jenen Puri⸗ tanern herſtammten, die es mit der Feier dieſes heiligen Tages ſo ſtreng hielten. Nach Verlauf dieſer zehn Tage war bereits Vieles abgethan. Das Haus war fertig. Es war freilich nur ein altes, wieder zuſammengeflicktes Magazin, allein es ergab ſich bald, daß es von unendlichem Vortheil war, und jeder wünſchte ſich Glück, daß man das alte Gerüſt in dem Schoner eingebracht hatte. Selbſt die, welche ſich über die Mühe, d und die Belemme über den luſtig ge Wohnun auf den tigung u Bequeml ſolchen 2 Stand g kraft an Obe Nächte k die Sonn welche de Winde gemacht Oef Magazin angebrac ſelbſt, u Bedarf fehlen, ſ fluß da endigen tenden 2 auf She hatte nie ſtaute. en. Das beſtimmte al. Man e wurden gebracht. Gebäude ind Mühe lche gegen Gebäude fortſchritt, 3 Gebäude Hafenſeite infzig Fuß ollte Ros⸗ ls hinab⸗ gen Mittel dlche Vor⸗ ungen mit Alles war ahm man Haus, bei enen Puri⸗ gen Tages var bereits dar freilich allein es war, und iſt in dem über die — 303— Mühe, das Holz an Bord zu ſchaffen, am ungeſtümſten beklagt, und die auf dem Deck während der Reiſe dadurch entſtandene Belemmerung am meiſten verwünſcht, oder ſich am lauteſten über den Einfall, Zimmerleute aus Robbenſchlägern zu machen, luſtig gemacht hatten, geſtanden bald willig ein, daß dieſe Wohnung von dem größten Nutzen für ſie ſei, und daß die auf den Ausbau verwendete Mühe ſie in ihrer Hauptbeſchäf⸗ tigung nicht nur nicht aufgehalten habe, ſondern daß die Bequemlichkeit, welche ſie nach einem mühevollen Tage in einer ſolchen Behauſung gefunden, einen jeden geſtärkt und in den Stand geſetzt habe, mit erneuertem Muth und friſcher That⸗ kraft an ſein Tagewerk zu gehen. Obgleich man in der wärmſten Jahreszeit war und die Nächte kaum Nächte genannt werden konnten, ſo ſenkte ſich die Sonne doch nie, ohne eine Kälte in der Luft hervorzurufen, welche den Schlaf ohne Decke und ohne den Schutz gegen die Winde nicht nur unbehaglich, ſondern ziemlich gefährlich gemacht hätte. Oefter fand man es nöthig, ein Feuer in dem alten Magazin anzuzünden, wo man einen geräumigen Sparofen angebracht hatte, welcher faſt ſo alt war, wie das Gebäude ſelbſt, und den man als einen in dieſem Klima unerläßlichen Bedarf mitgenommen hatte. An Brennſtoff konnte es nicht fehlen, ſo lange die„Abfälle“ vom Thranauskochen in Ueber⸗ fluß da waren, und dieſes Auskochen ſchien noch nicht ſo bald endigen zu wollen. Der Schoner hatte aber auch einen bedeu⸗ tenden Vorrath von Brennholz mitgebracht, denn dieſes war auf Shelter⸗Inſel um geringe Preiſe zu haben, und der Decan hatte nichts dagegen eingewendet, daß man es reichlich bei⸗ ſtaute. Gardiner hatte den geizigen, alten Herrn zu dieſem Zugeſtändniſſe vermocht, indem er ihm ſagte, der Robbenſchläger könne nicht anhaltend arbeiten, wenn er nicht dann und wann Mittel fände, ſich zu wärmen. Die Habgier des Decans ging nicht ſo weit, daß er nicht eingeſehen hätte, wie klug manche Auslage ſei, wenn es gelte, ſich den Hauptzweck zu ſichern, und ſo hatte der Schoner unter andern Gegenſtänden ähnlicher Art auch einen beträchtlichen Holzvorrath mitgenommen. Holz und Zwiebeln waren in der That die Vorräthe, welche ſich am reichlichſten in dem Schiffe vorfanden. Die erwähnten Anordnungen waren mit dem Schluſſe der zweiten Woche beendigt und man hatte den Robbenfang wäh⸗ rend dieſer Zeit mit Eifer und Erfolg fortgeſetzt. Die Opfer waren ſo zahm und ahuten die Gefahr, mit welcher ſie durch die Anweſenheit der Menſchen bedroht wurden, ſo wenig, daß die Leute um ſie herum gingen, ohne daß ſie viel auf ſie achte⸗ ten, oder ſie im geringſten beläſtigten. Man ſah mit größten Sorgfalt darauf, daß ſie nicht ohne Noth beunruhigt wurden, und wenn man eines der Thiere tödtete, ging dieß in ſo ruhi⸗ ger Weiſe vor ſich, daß die übrigen es kaum gewahr zu wer⸗ den ſchienen. Am Ende der angedenteitd Zeit war man mit dem„Rob⸗ benſchlag“ ſo weit vorgeſchritten, daß die ganze Mannſchaft behilflich werden mußte, die Beute in Sicherheit zu bringen. Alle gingen auch mit dem beſten Willen an die Arbeit, und die Felſenplatte unter dem Hauſe war bald mit Fäſſern und Fellen bedeckt. Wäre die Arbeit auf das bloße Tödten, Abhäuten, Aus⸗ kochen und Füllen der Fäſſer beſchränkt geweſen, ſo hätte man ſte vergleichsweiſe leicht nennen können, die große Schwierig⸗ keit war aber, das Ergebniß ſo vieler Anſtrengungen oder, wenn m über die Anſicht wenn es Felſen h aber nich jedes Sc der Inſe Vor machen, in den H in den i unterſte Schlauch dieſe unt und kam weiſe ein Wã hohe Br Am drei ners ſtar in nicht eine wei Löwen u wie an Sonne g dem Wa ſich in il „Di jäger, C 247— enſchläger ind wann ans ging g manche hern, und ähnlicher en. Holz e ſich am hluſſe der ang wäh⸗ die Opfer ſie durch enig, daß ſie achte⸗ t größten wurden, mſo ruhi⸗ r zu wer⸗ em„Rob⸗ tannſchaft bringen. beit, und iſſern und en, Aus⸗ hätte man Schwierig⸗ gen oder, — 305— wenn man will, ſo vielen Glückes oft mehrere Meilen weit über die Klippen zu ſchaffen. Nach Roswell Gardiner's Anſicht hätte er den Schoner in einem Monat„füllen“ können, wenn es möglich geweſen wäre, mit ihm unmittelbar an die Felſen heranzutreten, welche die Robben beſuchten, daran war aber nicht zu denken, denn die Wellen und das Eis würden jedes Schiff zertrümmert haben, das ſich an die nördliche Küſte der Inſel gewagt hätte. Von den Booten konnte man dann und wann Gebrauch machen, und Ladungen von Häuten und Thran um das Cap in den Hafen bringen, in welchem Falle dieſe Frachten ſogleich in den inneren Raum des Schoners geſchafft wurden, wo die unterſte Lage der Fäſſer bereit lag, um den Thran mittels eines Schlauches einzunehmen. Am Ende der dritten Woche war dieſe unterſte Faßreihe gefüllt, und das Schiff wurde„ſteif“ und kam in guten Ballaſt⸗Stand, obgleich man das vorraths⸗ weiſe eingenommene Waſſer völlig ausgepumpt hatte. Während dieſer ganzen Zeit war das Wetter für eine ſo hohe Breite ſehr ſchön und in jeder Hinſicht günſtig geweſen. Am drei und zwanzigſten Tage nach dem Einlaufen des Scho⸗ ners ſtand Roswell Gardiner auf dem Vorſprung einer Klippe, in nicht großer Entfernung von dem Gebäude, und überſchaute eine weite Strecke der Seeküſte, wo See⸗Elephanten und Löwen und Hunde und Bären ſo furchtlos umher humpelten, wie an dem erſten Tage der Ankunft des Schoners. Die Sonne ging eben auf, und die Robben kamen ſchwerfällig aus dem Waſſer heran und wählten ſich günſtige Plätze aus, um ſich in ihren Strahlen zu wärmen. „Dieß iſt ein erfreulicher Anblick für einen echten Robben⸗ jäger, Capitän Gar'ner,“ bemerkte Stimſon, welcher, wie 247— 249. 20 gewöhnlich, an der Seite ſeines Offiziers war,„ein Anblick, deſſen Gleichen mir noch niemals vorgekommen iſt. Ich habe dieſen Beruf nun ſeit fünf und zwanzig Jahren verfolgt, nie aber einen Hafen gefunden, welcher für ein Schiff ſo ſicher, und nie eine ſo große Menge dieſer Thiere geſehen, welche ſo wenig zu beunruhigen und ſcheu zu machen geweſen wäre.“ „Gewiß, Stephan, wir dürfen uns glücklich nennen, und ich hoffe jetzt, daß wir das Schiff zeitig füllen und abreiſen können, ohne durch das Eis beläſtigt zu werden,“ verſetzte Roswell. Unſer Glück war groß, wenn ich Alles in Anſchlag bringe.“ „Ihr nennt es Glück, Capitän Gar'ner, nach meinem Dafürhalten aber gibt es ein wahreres und beſſeres Wort dafür, Herr.“ „Ah, ich weiß wohl, was Ihr ſagen wollt, Stephan, ich kann mir aber nicht denken, daß die Vorſehung ſich viel darum bekümmern ſollte, ob wir heute hundert Robben fangen oder gar keine.“ „Ich bin dieſer Anſicht nicht, Herr, und ich ſchäme mich nicht, es offen zu ſagen. Nach meiner einfältigen Weiſe zu henken, waltet die göttliche Vorſehung über Allem, was da iſt, wenn auch nicht unmittelbar und in die Sinne fallend, doch in Folge gewiſſer Geſetze, welche Alles, was geſchieht, gerade ſo leiten, wie es geſchieht. Ich glaube, Herr, die Vorſehung will nicht, daß wir heute auch nur eine Robbe fangen.“ „Warum nicht, Stimſon? Es iſt der ſchönſte Tag, welchen wir ſeit unſrer Ankunft auf der Inſel gehabt haben.“ „Dieß iſt ganz wahr, und ein prachtvoller, ſonniger Tag iſt es, prachtvoll und ſonnig für eine ſo hohe Breite, und ich fühle in iſt. Ihr bat iſt.“ „Ja, laſſen abe ruhen.“ „Um meine ſiel deren ſch worden, die ihn f Mann, Geiſt, w denen ſeit das Wer! Sonntag Ros ſehr hoch aus irger der Vernn neigen zu glaubten, im entfer Als woh der Men Beſchäfti war er m. hyung un war aber bildeten, ein Anblick, Ich habe erfolgt, nie ff ſo ſicher, u, welche ſo in wäre.“ nennen, und und abreiſen u,“ verſetzte in Anſchlag ach meinem ſſeres Wort „Stephan, ug ſich viel bben fangen ſchäme mich en Weiſe zu m, was da inne fallend, as geſchieht, Herr, die eine Robbe Tag, welchen en.“ onniger Tag eite, und ich — 307— fühle in der tiefſten Seele, daß er nicht zur Arbeit beſtimmt iſt. Ihr habt wahrſcheinlich vergeſſen, Herr, daß heute Sab⸗ bat iſt.“ „Ja, ja, ich hatte es vergeſſen, Stephan, wir Robbenjäger laſſen aber wegen eines ſolchen Grundes ſelten unſre Lanzen ruhen.“ „Um ſo ſchlimmer für uns Robbenjäger, Herr. Dieß iſt meine ſiebenzehnte Reiſe in dieſe See, und ohne Zweifel ſind deren ſchon mehr mit Offizieren und Mannſchaften gemacht worden, welche den Sabbat nicht feierten, als mit ſolchen, die ihn feierten. Dennoch habe ich bemerkt, Herr, daß der Mann, welcher von ſieben Tagen einen ausruht und ſeinen Geiſt, wenn ich ſo ſagen darf, mit anderen Gedanken, als denen ſeines Alltagsberufes ſtärkt, freudiger und kräftiger an das Werk geht und mehr fördert, als wenn er Tag und Nacht, Sonntag und Werktag arbeitet.“ Roswell Gardiner hielt den chriſtlichen Sabbat nicht ſehr hoch, und zwar mehr, weil man ihn ſo nannte, als aus irgend einem an ſich ausreichenden Grunde. Der Stolz der Vernunft machte ihn auf Alles eiferſüchtig, das einem Hin⸗ neigen zu der Anſicht derer glich, welche an den Sohn Gottzs glaubten, und er fühlte ſich geneigt, Alles zu verwerfen, was im entfernteſten mit dieſer Lehre im Zuſammenhange ſtand. Als wohlwollender Befehlshaber jedoch, und als ſcharfblicken⸗ der Menſchenkenner ſah er ein, daß es klug ſei, den mühſam Beſchäftigten eine Erholung von der Arbeit zu geſtatten. Auch war er nicht abgeneigt, an die Fürſorge der göttlichen Vorſe⸗ yung und an deren Gerechtigkeit zu glauben, dieſer Glaube war aber nicht die innige Ueberzeugung, wie ſie in dem unge⸗ bildeten, aber hochſinnigen Seemanne lebte, welcher an ſeiner 20* Seite ſtand. Er wußte wohl, daß unausgeſetzte, erholungs⸗ loſe Anſtrengung den Geiſt abſtumpfe nnd daß der Menſch von Zeit zu Zeit den Geiſt von den Sorgen und Mühſalen dieſer Welt abwenden müſſe, um über das, was die andere Welt bringt, nachzudenken. Obgleich Roswell zum Deismus*) hinneigte, verehrte er dennoch in ſeinem Herzen den Schöpſer alles deſſen, was er ſah und begriff, ſo wie vieles andere, das er weder erklären, noch begreifen konnte.⸗ „Dieß iſt des Seemanns Denkweiſe,“ erwiederte unſer Held, nachdem er ſeinen Gefährten einen Augenblick aufmerk⸗ ſam angeſehen hatte.—„Bei uns gibt es auf dem blauen Waſſer ſelten Sabbate.“ „Zu ſelten, Herr, viel zu ſelten. Verlaßt Euch darauf, Capitän Gar'ner, Gott iſt auf der Fläche der Waſſer, ſowie auf den Gipfeln der Berge. Sein Geiſt iſt überall, und man ſieht mit Betrübniß menſchliche, nach ſeinem Ebenbild geſchaf⸗ fene Weſen, welche auf Gewinn ſo erpicht ſind, daß ſie ſich keine Zeit nehmen, auszuruhen, geſchweige denn ihn zu preiſen und zu verehren.“ „Ich glaube nicht, daß Ihr Unrecht habt, Stimſon, ich glaube ſogar, daß Eure Anſicht als die eines National⸗Oekono⸗ men richtiger iſt, denn als die eines Chriſten. Man ſollte gewiſſe Tage für Ruhe und Nachdenken feſtſetzen— dennoch verlöre ich ungern einen ſo ſchönen Tag, wie der heutige iſt.“ „Je beſſer der Tag, deſto beſſer die That, Herr. Man verliert nie ſeine Zeit, wenn man die Arbeit ruhen läßt, um ein wenig an Gott zu denken. Unſere Leute ſind daran *) Der Glaube an Gott ohne Glauben an die Offenbarung oder die Dreieinigkeit. Der Ueberſetzer. gewöhnt, Antheil Gar'ner, dieß ſei enthalter 8 ſteht, S angeſtren Befehl heute jer Sonnta⸗ Der well zu Mary Erwägu Sti und eilt Mannſcak geſinnte der Ma Art, wi ziemlich zen, ur erhalten hat ſein lichkeit, rholungs⸗ r Menſch Mühſalen die andere. eismus*) Schöpfer s andere, erte unſer aufmerk⸗ m blauen ich darauf, ſſer, ſowie und man Id geſchaf⸗ daß ſie ſich zu preiſen timſon, ich al⸗Oekono⸗ an ſollte — dennoch eutige iſt.“ derr. Man n läßt, um ſind daran ung oder die berſetzer. — 309— gewöhnt, ihren Sabbat zu feiern, und obgleich wir in unſerm Antheil arbeiten, iſt doch kein Matroſe an Bord, Capitän Gar'ner, welcher nicht mit Freuden das Wort laut werden hörte, dieß ſei der Tag des Herrn und jeder habe ſich der Arbeit zu enthalten.“ „Da ich glaube, daß Ihr ne Mannſchaft kennt und ver⸗ ſteht, Stephan, und da wir uns ſeit mehreren Wochen ſehr angeſtrengt haben, werde ich Euerm Nathe folgen und den Befehl geben. Geht und ſagt Herrn Hayard, man möge ſich heute jeder Arbeit enthalten, die nicht unerläßlich ſei. Es iſt Sonntag, und wir wollen einen Ruhetag daraus machen.“ Der Wahrheit gemäß müſſen wir bemerken, daß Ros⸗ well zu dieſem Befehle eben ſo ſehr durch den Gedanken, Mary würde ſich darüber freuen, als durch irgend eine höhere Erwägung veranlaßt wurde. Stimſon vernahm mit wahrem Entzücken dieſen Befehl und eilte davon, um den Maat aufzuſuchen, damit er ihn der Mannſchaft ſofort bekannt mache. Obgleich dieſer trefflich geſinnte Seemann die Beweggründe, wenigſtens eines Theils der Mannſchaft, überſchätzte, hatte er doch in Bezug auf die Art, wie dieſe neue Anordnung aufgenommen werden würde, ziemlich recht. Ruhe und Erholung waren ihnen bis auf einen gewiſſen Grad unerläßlich geworden, auch bedurfte das„Volk“ der Muſe, um ſich zu reinigen; denn das Geſchäft, welchem ſie oblagen, tränkte, ſo zu ſagen, den Körper mit öligen Subſtan⸗ zen, und forderte zeitliche Reinigung, um die Geſundheit zu erhalten. Der Scorbut, dieſer große Fluch langer Seereiſen, hat ſeinen Grund eben ſo ſehr in Vernachläſſigung der Rein⸗ lichkeit, wie in der Diät. Sobald es bekannt wurde, daß dieſer Tag als Sabbat gelten ſollte, kamen Seife, Raſirmeſſer, Scheere und alle die gewöhnlichen Gegenſtände der Toilette eines Seemanns aus Kiſten und Kaſten und machten ſich die Felſen entlang ſicht⸗ bar. Eine Stunde verging mit Waſchen, Bart-⸗ und Haar⸗ ſcheeren, Unterſuchen der Kleider und Durchwühlen der nicht immer in dem beſten Zuſtande befindlichen Theile der Garderobe. Die Maate kamen„mit blanken Backen“ und hübſch geklei⸗ det aus dem bunten Gewühle, und es war jetzt Keiner auf der Inſel, welcher nicht in Folge dieſes Aufſchubs der gewöhn⸗ lichen Geſchäfte und des verſprochenen Feiertags ein ganz anderes Weſen geſchienen hätte, als eine Stunde früher. Strenger Befehl erging, daß Niemand ſich den Robben nähern dürfe, denn man beſorgte, die Thiere möchten durch irgend eine Unbeſonnenheit geſchreckt werden. In jeder andern Hinſicht hatte die Mannſchaft über die Inſel zu verfügen, wenn ja ein ſo einſamer Ort, ein Fleck auf der Oberfläche der Südſee, der faſt ganz von ſchwimmenden Eisbergen umgeben war, irgend eine Zerſtreuung bieten konnte. Roswell ſelbſt beſchloß, nachdem er einige Kapitel in Mary Pratt's Bibel geleſen hatte, einen neuen Verſuch zu machen, die Kuppe der öden Felſen zu beſteigen, welche ſich in dem Mittelpunkte der Inſel ſchroff emporthürmten. Er hatte faſt den ganzen Tag vor ſich, und zog wohlgemuth, ganz Leben und jugendliche Kraft, in dem Geleite Stimſon'’s aus. Faſt in demſelben Augenblicke ruderte Hayard, der erſte Maat, in einem der Wallfiſchboote, welches mit Freiwilligen bemannt und mit Segeln verſehen worden, aus dem kleinen Hafen, um über die große Bai zu ſchiffen, um den vulkaniſchen Berg, aus welchem ſtets Rauch, und dann und wann Flammen emporſtiegen, näher in das Auge zu faſſen. Der Nähe de zu bewa Die vorgerüc unſerm vorklüfte dem Ta Erde ſo wieder keit zu, dig wäß Ganzen können, erfahrne Wi angefan ſeiner 2 in welch ten, hel gut gel hatte ie „1 wenn n zur Laf hinnehr „9 kunde o Herrn Anker Sabbat d alle die inns aus ang ſicht⸗ nd Haar⸗ der nicht Harderobe. ſch geklei⸗ er auf der r gewöhn⸗ ein ganz üher. en Robben hten durch der andern verfügen, erfläche der n umgeben Kapitel in Verſuch zu lche ſich in Er hatte nuth, ganz ſon's aus. b, der erſte Freiwilligen dem kleinen vulfaniſchen in Flammen — 311— Der zweite Maat und einige Matroſen blieben in der Nähe des Hauſes, um das Schiff und die„Habſeligkeiten“ zu bewachen. Die Jahreszeit war jetzt bis zum erſten Tage des Januar vorgerückt, ein Monat, welcher in der ſüdlichen Halbkugel unſerm Juli entſpricht. Während Roswell ſich durch die vorklüfteten Felsmaſſen emporarbeitete, welche den Anſteig zu dem Tafellande, wenn man ein ſo zerklüftetes Stückchen dieſer Erde ſo nennen darf, bedeckten, wendeten ſich ſeine Gedauken wieder der Frage in Betreff der Jahreszeit und der Möglich⸗ keit zu, eine Ladung zu bekommen, ehe es undedingt nothwen⸗ dig wäre, an die Rückkehr nach Norden zu denken. Im Ganzen glaubte er ſich den beſten Hoffnungen hingeben zu können, und dieß ſchien auch Stimſon's Anſicht, als dieſer erfahrne Seemann über den Gegenſtand befragt wurde Wir haben in allen Punkten, einen ausgenommen, gut angefangen, Capitän Gar'ner,“ ſagte Stephan am Schluſſe ſeiner Bemerkungen über die Frage,„und ſelbſt in der Sache, in welcher wir von Anfang her einen kleinen Mißgriff mach⸗ ten, helfen wir allmählich nach, und ich hoffe, zuletzt wird Alles gut gehen. Ich ſagte, einen kleinen Mißariff, darin aber hatte ich Unrecht, denn es war ein großer Mißgriff.“ „Und was iſt es geweſen, Stephan? Spielt nicht Verſteckens, wenn mir nach Eurer Anſicht vom Dienſte irgend ein Verſehen zur Laſt fällt. Ihr ſeid ſo viel älter als ich, daß ich es wohl hinnehmen darf.“ „Nun, Herr, es handelt ſich nicht von der Schiffahrts⸗ funde oder dem Robbenfang, ſondern davon, daß der Tag des Herrn nicht von der Stunde an gefeiert wurde, wo wir unſre Anker in jener Bucht lichteten, welche Euern Familiennamen trägt, und die Euch ſchon deßwegen, wenn nicht aus einem andern Grunde theuer ſein muß und, wie ich es nicht bezweifle, theuer iſt. Nach Allem, was man mir erzählt hat, war der alte Lord Gar'ner, welcher zuerſt dort waltete, eifrig beſorgt, daß das Wort Gottes gepredigt und daß zu dem Herrn der Heerſchaaren gebetet wurde. „Es hat nie einen Lord Gardiner bei uns gegeben,“ erwiederte Roswell beſcheiden,„obgleich es bei den„Oſtendern“ Sitte war, dem Eigenthümer der Inſel jenen Titel beizulegen. Mein Vorfahr, welcher zuerſt dort lebte, war Lyon Gardiner, ein Ingenieur im Dienſte der Colonie von Connecticut.“ „Nun, wie er auch geheißen haben mag, deſſen bin ich gewiß, daß der Herr auf jener Inſel nicht vergeſſen wurde, Capitän Gar'ner, und man ſollte ihn auf dieſer auch nicht vergeſſen. Noch nie hat Jemand auf dieſer Welt, oder in jener, welche einſt kommen ſoll, etwas dabei verloren, wenn es ihm in ſieben Tagen einmal einſiel, den Schöpfer um ſeinen Beiſtand auf dieſer Pilgerfahrt anzurufen. Ich habe mir ſagen laſſen, Herr, Ihr wäret in Euern Anſichten über Religion ein wenig eigen, und hieltet Euch nicht ganz an die Lehren, welche auf und ab in dem Lande gepredigt werden.“ Roswell fühlte, daß dieſe Bemerkung die Röthe auf ſeine Wangen trieb, und er dachte an Mary und ihr hingebendes Vertrauen auf jenen Erlöſer, deſſen göttliche Natur er in dem Stolze ſeiner Kraft, Jugend und, wie er glaubte, auch ſeiner Vernunft bezweifeln zu müſſen wähnte. Das Bild, welches ſich ſeinem Geiſte ſo darſtellte, hatte ſeine Licht⸗ und Schattenſeite. 1 So ſeltſam es auch ſcheinen mag, iſt es doch gewiß, daß der junge Mann Mary weniger geliebt, daß er ſie weniger geach gekon wie Weib und zu zu heit möcht gerin Kirch Män Bezu freig und Erzie nicht er f Frar Abhe Gere zu 2 auf fläch ſich rauh jedo⸗ Kräf Scer 1s einem ezweifle, war der beſorgt, derrn der egeben,“ tendern“ izulegen. Bardiner, ut.“ n bin ich n wurde, uch nicht oder in n, wenn im ſeinen mir ſagen igion ein n, welche auf ſeine ngebendes ur er in bte, auch as Bild, icht⸗ und ewiß, daß weniger - 313— geachtet hätte, als er jetzt that, wenn es ihm in den Sinn gekommen wäre, ſie denke über eben dieſen Gegenſtand ſo wie er! Dem Manne gefällt ſelten der Unglaube bei dem Weibe, deſſen eigentliche Sphäre es zu ſein ſcheint, zu glauben und anzubeten, nicht aber über Glaubensſachen zu kritteln und zu zweifelu. Vielleicht verbinden wir mit der Idee der Locker⸗ heit des Glaubens auch die der Lockerheit der Sitten, und möchten das andere Geſchlecht nicht gern auch nur von dem geringſten Zwange befreit wiſſen, welche ihm die Lehren der Kirche auflegen, ganz gewiß aber iſt es, daß die meiſten Männer ſolche Frauen, an welchen ſie Intereſſe nehmen, in Bezug auf religiöſe Gegenſtände lieber zu gläubig als zu freigeiſtig wünſchen. So iſt's mit der Mehrzahl von uns, und ſo war es mit Roswell Gardiner. Wenn er an Mary's Erziehung dachte, konnte er ſich über ihre ſtrengen Anſichten nicht wundern, und liebte ſie um derenwillen nur mehr, obgleich er fählte, daß ſie ſeinem Glücke entgegentraten. Wenn die Frauen wüßten, welchen Einfluß, welche Gewalt ihre ſcheinbare Abhängigkeit auf den Mann äußert, ſie würden auf das hohle Gerede von ihrer Unabhängigkeit und gleicher Berechtigung zu Allem und in Allem nicht ſehr duldſam hören. Während unſer junger Seemann und ſein Begleiter ſich auf das Tafelland, das volle dreihundert Fuß über der Ober⸗ fläche des Meeres lag, hinaufzuarbeiten bemüht waren, bot ſich kaum eine Möglichkeit dar, das Geſpräch fortzuſetzen, ſo rauh war der Weg und ſo ſchwierig der Anſteig. Als ſie jedoch oben waren, hielten ſie einen Augenblick inne, um neue Kräfte für das Erklimmen der Kuppe zu ſammeln und die Scene rings um ſie her in das Auge zu faſſen. Dort lief das Boot— ein bloßer weißer Fleck auf dem — 314— Waſſer— bei einer friſchen Nordkühlte dem Vulkane zu, deſſen Rauchſäule eine nicht ferne, aber deutlich hervortretende Land⸗ marke abgab. Näher heran erſchien Alles ungewöhnlich klar für eine Gegend, wo die Nebel ſo oft vorherrſchen. Die kleine Bucht lag faſt zu ihren Füßen, und es fiel jetzt dem jungen Capitän auf, in welchem kleinen Fahrzeug eer aus der fernen Heimath gekommen war, um ſo tief in die Eislabyrinthe einzudringen. Allein gerade dieſes Eis zog Roswell's Aufmerkſamkeit am meiſten auf ſich. So weit das Auge reichte, nach den vier Himmelsgegenden glänzte und funkelte das Meer von dieſen großen ſchwimmenden Maſſen. Der Einfluß auf die Luft, welches die Seeleute„das Tödten des Sommers“ zu nennen pflegten, war ſtets fühlbar, auf der Höhe aber, welche unſere Seeleute erreicht haben, mußte dieß doppelt der Fall ſein. Das Nundgemälde war jedoch prachtvoll. Der einzige Theil des Meeres, welcher nicht von Eisbergen zu wimmeln ſchien, wenn man ſich ſo ausdrücken darf, war der Raum innerhalb der Gruppe, welcher ſo klar war wie ein Binnenſee in einem milden Klima. Es war in der That, als hätte die Natur dieſen bevorzugten Raum dazu beſtimmt, den Verkehr zwiſchen den verſchiedenen Inſeln ſtets offen zu erhalten. Natür⸗ lich mußte der große Widerſtand, welchen die Wellen und ſelbſt der Anprall der Winde draußen fanden, innerhalb glattes Waſſer erzeugen, ſo daß das langſame, athemgleiche Heben und Sinken der ruheloſen Deining die einzig fühlbare Bewegung des Waſſers innerhalb war. „Dieß iſt ein ſehr merkwürdiger Anblick, Stephan,“ ſagte Roswell Gardiner,„wir werden aber eine weit ſchönere Aus⸗ ſicht haben, wenn es uns gelingt, den Gipfel des Berges zu erreich ich he um i zu ne ſon, dieſer Weiſ welch „nac daß ein S Nutze und weich und ben, Thie hat ohne einen „W Han was Mor man habe oder deſſen Land⸗ ) klar 's fiel örzeug in die 3 3og genden nenden einzige mmeln Raum nenſee tte die zerkehr Natür⸗ ſelbſt glattes Heben vegung ſagte 2 Aus⸗ iges zu erreichen und auf die nackte Kuppe zu klettern. Ich wollte, ich hätte eine alte Flagge und eine kleine Spiere mitgebracht, um im Namen der Vereinigten Staaten Beſitz von der Inſel zu nehmen. Wir fangen an, um uns zu greifen, alter Stim⸗ ſon, und werden bald im Beſitze beſſerer Landſtriche ſein, als dieſer iſt, wenn ſich die Erde noch hundert Jahre in dieſer Weiſe dreht.“ „Nun, Capitän Gar'ner,“ verſetzte der alte Seemann, welcher ſeinem Befehlshaber auf dem rauhen Pfade folgte, „nach meiner Anſicht hat Oheim Sam bereits ſo viel Land, daß er nicht weiß, was er damit anfangen ſoll. Wenn man ein Stück See entdecken könnte, wüßte man wohl beſſer daraus Nutzen zu ziehen. Die Wallſiſche werden nach und nach ſcheu und verlaſſen ihre alten Bezirke, um den Harpunen auszu⸗ weichen, und was die Robben betrifft, ſo muß man ſich, Schiff und Alles bis an die Knöpfe der Flaggenſtöcke, in Eis begra⸗ ben, um ein Lächeln von einem dieſer lieblich ausſehenden Thiere zu erhaſchen.“ „Ich fürchte, Stephan, mit der Entdeckung neuer Meere hat es ein Ende. Selbſt der Mond iſt, wie man jetzt lehrt, ohne alles Waſſer, und man findet dort nicht ſo viel von einem See oder Teich, daß eine Ente darin leben könnte.“ „Ohne Waſſer, Herr?“ rief Stimſon ganz verblüfft. „Wenn dem ſo iſt, Herr, muß es recht ſo ſein, denn dieſelbe Hand, welche den Mond ſchuf, ſchuf auch die Erde und Alles, was darauf iſt. Was fangen ſie aber mit Seeleuten in dem Monde an, Herr, wenn das, was Ihr ſagt, wahr iſt?“ „Man kann ſie dort nicht brauchen, Stephan. Ich glaube, man findet dort nicht viel Käufer für Thran und Felle. Was haben wir aber dort nach Oſten? Oſt und Nord, Halb⸗Oſt oder ſo?“ — 316— „Ich fehe, was Ihr meint, Herr. Es ſieht einem Schiffe merkwürdig ähnlich, und zwar einem Schiffe, das ziemlich von Eis umgeben iſt.“ Die Sache war nicht zu bezweifeln. Die weiße Leinwand eines Schiffes war auf einer großen Eisfläche, ein wenig nördlich von der Inſel, welche der kleinen Bucht unmittelbar gegenüber lag, beutlich zu ſehen. Obgleich die Segel des fremden Schiffes ausgeſpannt waren, ſo gewahrte man doch, daß es eng umlagert, wenn nicht eingeklemmt war. Roswell hatte es in dem erſten Augenblicke, wo er es zu Geſicht bekommen, erkannt. Er war überzeugt, daß es ſeine früheren Reiſegefährten, der Seelöwe von Martha’'s Vineyard ſei, welcher mittelſt gewiſſer Andeutungen, die in Daggett's Hände gerathen, wenn nicht in Folge beſtimmten ſeemänniſchen Inſtinets, den Weg in die Gruppe gefunden hatte. Indeſſen war der junge Seemann ſelbſt von dem Glücke ſo begünſtigt worden,— er war ſo gewiß, daß er zu rechter Zeit ſeine volle Ladung haben werde, daß er dieſen Beſuch in ſeinem Bereiche nicht mehr ſo ungern ſah, als dieß vierzehn Tage früher der Fall geweſen wäre. Es konnte im Gegen⸗ theile ſehr erwünſcht ſein, einen Gefährten zu haben, wenn ſeinem eigenen Schiffe ein Unfall zuſtoßen ſollte. Von dem erſten Augenblicke, wo Roswell den Schoner erkannte, ſtand daher auch ſein Entſchluß feſt, wie er ſich gehaben wolle. Er beſchloß, ſeinen alten Gefährten mit Wohlwollen zu empfangen und ihm, ſobald er ſeiner Ladung gewiß war, behilflich zu werden, auch ſeinen Schoner zu „füllen,“ um dann in Geſellſchaft der Heimath entgegenzu⸗ ſegeln. Durch ſeine Hilfe und ſeinen Rath und durch die Erfahrung und Thätigkeit ſeiner Mannſchaft konnte leicht ein ganzer Monat in der günſtigſten Jahreszeit gewonnen werden. geben Geſie dem komn augen einer bereit zweit Stinm Stun Held wie Ande man freud der ware Sege mögl Stur Ziele nahe Als laſſe öſtlie gege Schiffe ch von nwand wenig ttelbar gel des n doch, es zu s ſeine ineyard ggett's niſchen Glücke rechter ſuch in jerzehn Gegen⸗ wenn Schoner er ſich en mit Ladung dner zu egenzu⸗ irch die icht ein werden. — 317— Alle Pläne, die Kuppe zu beſteigen, wurden ſofort aufge⸗ geben, und fünfzehn Minuten, nachdem man das Schiff zu Geſicht bekommen, langten Roswell und Stimſon keuchend an dem Hauſe an, ſo viel leichter iſt es in dieſer Welt herabzu⸗ kommen als hinaufzuſteigen. Eine kleine Schiffskanone wurde augenblicklich geladen und als Signal abgefeuert, und nach einer halben Stunde war ein Boot bemannt und zum Abſtoßen bereit. Roswell übernahm ſelbſt den Befehl, während ſein zweiter Maat den Auftrag erhielt, für den Schoner zu ſorgen. Stimſon begleitete ſeinen. Capitän, und nach einer kleinen Stunde nach dem Sichtbarwerden des Schiffes ruderte unſer Held aus der Buchtung, um ihm Beiſtand zu leiſten. Roswell Gardiner war ein ſo gutherziger, junger Mann, wie je einer gelebt hat. Er faßte ſeine, ſowie die Intereſſen Anderer, welche ihm anvertraut worden, in das Auge, wenn man aber von dieſen allgemeinen Punkten abſieht, hätte er freudig vier Wochen gearbeitet, um die Leute von Vineyard der Gefahr zu überheben, in welche ſie ſo ſichtbar gerathen waren. Sobald das Boot der Felſen klar war, ſtellte er ſeine Segel und lief ſo raſch dahin, als Ruder und Leinwand es möglich machten,— nicht weniger als acht Knoten in der Stunde. Während unſer junger Seemann auf dieſer Weiſe ſeinem Ziele entgegenfloh, ſuchte er ſich die Abtrifft des Eiſes in der nahen See zu erklären. Er kam auf folgendes Ergebniß. Als er in die große Bai trat, hatte er das Blei auswerfen laſſen und ſich überzeugt, daß das Waſſer zwiſchen dem ſüd⸗ öſtlichen Ende des Robbenjägerlandes und der nächſten Inſel gegenüber verhältnißmäßig ſeicht ſei. Es war wohl tief genug, um das größte Schiff hereinzuführen, das je auf der See geweſen, allein es war nicht ſo tief, daß die Eisberge hindurch gehen konnten. Auch liefen Ebbe und Fluth wie wüthend durch die Inſeln, wodurch vor dem ſüdlichen Eingange die Anhäufung des Eiſes unmöglich wurde, während die Strömungen außer⸗ halb der Gruppe lediglich da zu ſein ſchienen, um öſtlich von der Gruppe alle ſchwimmenden Eisberge heranzutreiben und zu ſammeln. An dem Weſtſaume dieſer Wildniß von Eis⸗ bergen und Eisfeldern arbeitete ſich das fremde Schiff auf die Gruppe los, die man von ſeinem Decke deutlich ſehen mußte, da ſeine Entfernung von den nächſten Inſeln kaum mehr als zwei Seeſtunden betragen konnte. Roswell's Wallfiſchboot brauchte mehr als zwei Stunden, um über die Bai zu gelangen und den Saum jenes großen Eisgeſildes zu erreichen, deſſen Eindringen in die ofſene Bai nur durch die ſtarke Klippenkette der erſten Inſel der Gruppe gehindert wurde. Jedes Auge ſchaute jetzt eifrig nach einer Oeffnung aus, durch welche man weiter gegen oſtwärts zu kommen hoffen könnte. Endlich zeigte ſich eine ſchmale Straße, Gardiner ließ ſein Boot hineinſchießen, und befahl ſeiner Mannſchaft, aus allen Kräften zu rudern, obgleich Capitän und„Volk“ ſich nicht verhehlten, daß ſie ſich in große Gefahr begäben. Das Boot lief jedoch entlang und wendete bald rechts, bald links, um vorragenden Eismaſſen auszuweichen, bis es ſich durch eine furchtbar ſchmale und gewundene Straße, wo ſich oft kaum ſo viel Raum fand, daß es weiter konnte, gedrängt hatte und eine Stelle erreichte, wo die beiden Eisfelder, welche dieſe Enge bildeten, krachend gegen einander traten. Roswell blickte nach vornen und ſpiegelwärts, ſah, daß der dem auf eine Mar Gefe Es werd - See ndurch durch iufung außer⸗ ch von n und Eis⸗ auf die mußte, ihr als tunden, großen ne Bai Gruppe h einer irts zu er ließ uft, aus lk“ ſich . Das d links, rch eine kaum ſo atte und he dieſe ah, daß 319 ſein Boot in Folge der eigenthümlichen Bildung des Saumes der beiden Felder ſicher war, ſprang auf das Eis und befahl dem Steuerer auf ihn zu warteu. Sobald der junge Capitän auf dem Eiſe ſtand, ſtieß er einen lauten Schrei aus. Dort eine halbe Meile von ihm, lag der Schoner, das Schiff von Martha's Vineyard, es war nicht zu verkennen, aber die Gefaht, in welcher es ſchwebte, war auch nicht zu verkennen. Es war eingeklemmt und mußte, wie Roswell glaubte, erdrückt werden, ehe es ſich aus ſeiner gefährlichen Lage retten konnte. 4 ———ſſ“