deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von. Eduard Oktmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und LCeſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen.. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ———— auf 1 Monat: 1 Mr.— Pf. 1 Mr. 50 Pf. 2 Pcr.— Pf. „ 3„ 7. 3„„„—„ 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zuruͤckſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. 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Der ſeinen C nehmen ſich jetzt nahe Geg es war 2 auf der; und ſein Unterneh welches e der Fall als er es Dem die Geſel unvermeit werde, it gehendes ſeines Th einige E. Erſtes Kapitel. Die Nacht war ſtürmiſch; wo wir ſchliefen, ſtürzten Die Schornſtein’ ein, und Klagen wollt' man hören Hoch in der Luft, und Aechzen wie im Tode, Und in furchtbaren Tönen die Weiſſagung Von Mord und Brand und jeder Art Begebniß, So dieſe Trauerzeiten neu gebähren. „Macbeth.“ Der Menſch ſieht ſich wohl ſelten zu einem, in allen ſeinen Einzelnheiten ſo verzweifelten, ſchrecklichen Unter⸗ nehmen aufgefordert, wie das war, dem Harry Mulford ſich jetzt widmete. Die Nacht war allerdings ſternhell, und nahe Gegenſtände konnte man ziemlich deutlich ſehen; aber es war Mitternacht, und das Düſter dieſer Stunde ruhte auf der Oberfläche der See und ſteigerte durch ſein Dunkel und ſein feierliches Geheimniß all das Bedrohliche des Unternehmens. Dazu kam die Ungewißheit, ob das Boot, welches er ſuchte, wirklich draußen ſtehe, und wenn dieß der Fall war, ob es nicht eben ſo raſch von ihm abtreibe, als er es verfolge. Demungeachtet mußte ihn die volle Ueberzeugung, daß die Geſellſchaft auf dem Wrack, Roſa Budd eingerechnet, unvermeidlich verloren ſei, wenn nicht raſch Hilfe geſchafft werde, in ſeinem Vorhaben beſtärken, und ein vorüber⸗ gehendes Gefühl des Zweifels hinſichtlich der Klugheit ſeines Thuns, welches den jungen Maat überkam, als er einige Ellen von dem Wrack entfernt war, mußte dem — 6— Gedanken an die Gefahr, in welcher Roſa ſchwebte, raſch weichen. So ſchwamm er fort, das Auge auf den„gedanken⸗ vollen Stern“ geheftet, welcher ihm den Weg zeigte, und bemüht, die möglichſte Seelenruhe zu bewahren, um ſo ſeine körperlichen Anſtrengungen zu erleichtern. Mulford war ein vortrefflicher Schwimmer. Die län⸗ gere Entbehrung aller Nahrung hielt ihn zwar ab, die ganze Fülle ſeiner Kraft zu entwickeln; aber er fühlte ſich doch noch ſtark genug, dem Wagniß beherzt entgegen zu treten. Da er von der Nothwendigkeit, leicht zu ſchwimmen, wenn er lange ſchwimmen wollte, überzeugt war, vergeu⸗ dete er ſeine Kraft nicht in dem Beginne, ſondern bewegte ſeine Glieder möglichſt regelmäßig, ſtetig und beſonnen. Er berechnete ſeine Kraft, und ſuchte ſie in dem Maße zu vertheilen, wie ſeine Aufgabe es zu fordern ſchien. Zwanzig Minuten etwa ſetzte er ſeinen Weg in dieſer Weiſe fort, als er jene Ermüdung ſchwach zu fühlen begann, welche die anhaltende Anſtrengung derſelben Muskeln und deren einförmiges, ununterbrochenes Spiel wohl zu beglei⸗ ten pflegt. Mit allen Hilfsmitteln ſeiner Kunſt vertraut, wendete er ſich auf den Rücken, ſowohl um ſeinen Armen eine augenblickliche Ruhe zu gönnen, als auch, wenn mög⸗ lich, einen Blick auf das Wrack zu werfen und ſich der Strecke, welche er bereits hinter ſich hatte, zu vergewiſſern. Es wäre jedoch nicht klug geweſen, wenn er lange ſo hätte ſchwimmen wollen. Denn er mußte den Stern im Auge behalten, um ſeine Richtung nicht zu verlieren. Es dürfte vielleicht nicht überflüſſig ſein, manche unſerer Leſer zu bedeut mal ſpie Bewegun „ſchwere ſehr ſtar Maat zu bringen, Ellen na wieder a Auge be konnte. Ein nach den es in der Kamm es auch es ſeiner das Herz Wrack ki wie lang fühlte er glück, ſo noch nich Er hob Koz Fläche d Augen war zu ſchwomn daß jede bte, raſch gedanken⸗ eigte, und 1, um ſo Die län⸗ r ab, die fühlte ſich itgegen zu hwimmen, ,, vergeu⸗ en bewegte beſonnen. Maße zu n. g in dieſer en begann, uskeln und zu beglei⸗ t vertraut, nen Armen wenn mög⸗ d ſich der ergewiſſern. er lange ſo Stern im lieren. Es nſerer Leſer zu bedeuten, daß die Oberfläche des Meeres zwar manch⸗ mal ſpiegelglatt, nie aber von jener langen, wogenden Bewegung ganz frei iſt, welche man unter dem Namen „ſchwere Deining“ kennt. Dieſe Deining war jetzt nicht ſehr ſtark, aber doch mächtig genug, um unſern jungen Maat zuweilen zwiſchen zwei ſchwarze Wellenhügel zu bringen, welche ſeinen Ausguck auf achtzig bis hundert Ellen nach allen Seiten hin beſchränkte; dann hob ſie ihn wieder auf den Kamm einer Welle, wo er, ſoweit ſein Auge bei ſo unſicherm Lichte reichte, um ſich ſchauen konnte. Einen ſolchen Augenblick nahm er jetzt wahr, um nach dem Wrack zu ſehen, aber vergeblich. Vielleicht war es in der Höhlung zweier Wellen, während er auf dem Kamm einer ſtarken Woge ſich erhob; vielleicht ſchwamm es auch ſo niedrig, daß die dazwiſchen liegenden Roller es ſeinem Blick entzogen. Einen Augenblick durchzuckte das Herz des jungen Mannes der ſchreckliche Gedanke, das Wrack könne bereits geſunken ſein; als er aber bedachte, wie langſam die Luft aus dem innern Raum entwich, fühlte er ſich wieder ermuthigt und ſah ein, daß das Un⸗ glück, ſo unvermeidlich es auch ſein möchte, ſeine Freunde noch nicht getroffen haben könne. Er harrte einer neuen Welle, welche ihn emportrug, hob Kopf und Schultern, ſo hoch er konnte, über die Fläche der See und ſtrengte, abermals vergeblich, ſeine Augen an, um des Wracks anſichtig zu werden. Nichts war zu ſehen. Der Maat war bereits viel weiter ge⸗ ſchwommen, als er glaubte, und ſtand ſchon ſo fern, daß jeder Verſuch dieſer Art hoffnungslos ſein mußte. . 8— 8— Er war bereits das volle Drittheil einer Meile von dem Wrack entfernt. In ſeiner Hoffnung getäuſcht und nicht wenig ent⸗ muthigt wendete ſich Mulford und ſchwamm in der Rich⸗ tung des ſinkenden Sternes. Er blickte wieder beſorgt nach dem Boote ans. Es mußte ſich jetzt ſeinem Blicke deut⸗ licher zeigen, und er fühlte ſich von neuer Angſt beklommen, als er kein Zeichen ſeiner Nähe gewahrte. Da er ſeiner Richtung gewiß war und ſich durch die Strömung der Luft derſelben noch mehr verſicherte, ſchwamm er beherzt fort. Der muthige junge Mann beſchloß jetzt, ſich nicht durch fruchtloſes Nachforſchen oder eitle Beküm⸗ merniß aufhalten zu laſſen, ſondern eine gewiſſe Zeit ſtetig fortzuſchwimmen und auf eine beſtimmte Entfernung anzu⸗ halten, ehe er wieder nach dem erſehnten Ziele ausſchaute. Der herzhafte, kräftige, junge Mann kämpfte aber⸗ mals zwanzig Minuten inmitten der Einſamkeit und Dun⸗ kelheit der Mitternacht mit der Waſſerwüſte. Er glaubte jetzt faſt eine Meile von dem Wrack entfernt zu ſein, und der Stern, welcher ihm ſolang als Leiter gedient hatte, näherte ſich allgemach dem Horizonte. Er wählte jetzt einen anderen Himmelskörper in der Nähe des erſteren als Leitſtern, hob ſich in dem Waſſer empor, und ſchaute abermals nach dem Boote aus. Sein Ausguck war vergeblich. Gewiß, kein Boot befand ſich in ſeiner unmittelbaren Nähe, und der ſchreckliche Gedanke beſchlich ihn, er müſſe fruchtlos in dieſer düſtern Waſſer⸗ wüſte ſeinen Tod finden. Während er ſo um ſich blickte und ſeine Augen in allen Richtungen ergehen ließ, in der Hoffnung, das lang erſehnte: Fuß von laufende Mul kalter S waren ol Haifiſches Fuß lang Wir ſobald er ſich in de erachten n Da hatte, wie und zwar er Muth. „zweifelten Schickſale gungen ſei noch zu w Der H der bekann Waſſers h' Schwimme Mulford ſe Hoffnung! Sternes zu geſchwomm und nur de Selbſterhal von dem denig ent⸗ der Rich⸗ ſorgt nach glicke deut⸗ eklommen, durch die ſchwamm hloß jetzt, le Beküm⸗ Zeit ſtetig ung anzu⸗ usſchaute. pfte aber⸗ und Dun⸗ r glaubte ſein, und ent hatte, er in der m Waſſer 1s. Sein nd ſich in Gedanke n Waſſer⸗ Augen in das lang erſehnte Boot anſichtig zu werden, ſah er, auf zwanzig Fuß von ihm, in dem Waſſer zwei ſchwarze, ſpitz aus⸗ laufende Gegenſtände, welche kleinen Pfählen glichen. Mulford erkannte ſie auf den erſten Blick, und ein kalter Schauer durchbebte ſeinen ganzen Körper. Es waren ohne allen Zweifel die Floßen eines ungeheuern Haiſiſches, eines Thieres, das volle achtzehn bis zwanzig Fuß lang ſein mußte. Wir brauchen kaum zu bemerken, daß der junge Mann, ſobald er die Nähe dieſes gewaltigen Thieres bemerkte, ſich in der Lage, in welcher er ſich befand, fuͤr verloren erachten mußte. Da er jedoch ſein Meſſer bei ſich trug und gehört hatte, wie geſchickte, erfahrene Seeleute ſelbſt Haifiſche, und zwar in ihrem eigenen Elemente, bewältigten, faßte er Muth. Anfangs war er entſchloſſen, lieber einen ver⸗ zweifelten Angriff zu wagen, als ſich einem ſo ſchrecklichen Schickſale zu fügen, wie es ihm eben drohte; die Bewe⸗ gungen ſeines gefährlichen Nachbars veranlaßten ihn aber, noch zu warten. Der Haiſiſch kam nicht näher, ſondern ſchwamm, nach der bekannten Weiſe dieſer Thiere, auf der Oberfläche des Waſſers hin und her, als bewache er die Bewegungen des Schwimmers. Da keine Zeit zu verlieren war, wendete Mulford ſein Antlitz ab, und begann, obgleich faſt jeder Hoffnung baar, wieder in der Richtung des untergehenden Sternes zu ſchwimmen. Nachdem er zehn⸗Minuten weiter geſchwommen, überkam ihn das Gefühl der Erſchöpfung, und nur die Nähe des Haiſiſches ſtachelte den Inſtinct der Selbſterhaltung. — 10.— Die zwei ſchwarzen, ſpitzen, dahin gleitenden, ihn ſo zu ſagen begleitenden Floßen des Thieres ließen Mul⸗ ford's Augen faſt mehr in dieſe Richtung als in der ſeines Leitſterns ſtreifen. So ſeltſam es auch klingen mag,— er gewöhnte ſich nach und nach an die Nachbarſchaft dieſes furchtbaren Geſchöpfs und fühlte bald in deſſen Gegen⸗ wart eine Art Troſt gegen die ſchreckliche Einſamkeit ſeiner Lage. Die Seeleute hatten ihm Beiſpiele erzählt, und er ſelbſt es einſt mit angeſehen, daß ein Haiſiſch auf eine ſehr große Strecke hin einen Mann begleitete, weil er es entweder verſchmähte, ihm ein Leid anzuthun, oder in Folge der Ueberſättigung, oder unter dem Einftuſſe jener Scheue, welche die Natur allen untergeordneten Geſchöpfen gegen den König der Schöpfung eingeprägt hat. Er begann ſich dem Gedanken hinzugeben, auch er werde in dieſer Weiſe begünſtigt, und betrachtete in der That den Haiſiſch eher als einen befreundeten Nachbarn, denn als einen raubgierigen Feind. Auf dieſe Art ſchwammen Beide eine lange Strecke fort. Die Floßen glänzten bald vor ihm, bald gleiteten ſie zur Seite auf und ab, zuweilen entſchwanden ſie den Blicken des Schwimmers, indem ſie nach hinten ſchoſſen, und dieſen in furchtbarer Ungewißheit über die Bewegungen des Thieres ließen. Plötzlich ſtieß Mulford's Fuß an etwas Hartes an. Er glaubte, der Haiſiſch ſchnappe nach ſeiner Beute, und ein leiſer Schrei entfuhr ihm. In dem nächſten Augen⸗ blicke ſtießen ſeine beiden Füße abermals auf, und er ſtand au Gürtel. Der in Verbir er ſich au ſo flach n Mul gerettet h ſich in d ſein Leber konnte. Er was zunä wiſſen, k Begleiter, bereits ge ſchlingen. noch imn Bewegung daß ſie c einen Hal ihm in de ſie zu ſeir klar an, watete in Felſenplat Vore Korallenk unregelme Schätzung en, ihn ſo eßen Mul⸗ der ſeines n mag,— ſchaft dieſes en Gegen⸗ Einſamkeit lt, und er h auf eine weil er es n, oder in nfluſſe jener Geſchöpfen t. in, auch er tete in der Nachbarn, unge Strecke ald gleiteten nden ſie den ten ſchoſſen, Bewegungen Hartes an. Beute, und ſſten Augen⸗ zuf, und er — mnu— ſtand aufrecht; das Waſſer ging ihm nur bis an den Gürtel. Der junge Mann, welcher Alles, was mit der See in Verbindung ſtand, ſehr gut kannte, ſah ſogleich, daß er ſich auf einem Theile des Riffes befand, wo das Waſſer ſo flach war, daß er darauf fortwaten konnte. Mulford fühlte, daß die Vorſehung ihn vom Tode gerettet hatte. Seine Kraft war beinahe erſchöpft, als er ſich in dieſer Weiſe auf einen Punkt geführt ſah, wo er ſein Leben vielleicht noch einige Stunden oder Tage friſten konnte. Er hatte Muße, um ſich zu blicken und über das, was zunächſt zu thun ſei, nachzudenken. Faſt ohne es zu wiſſen, kehrte er ſich um und ſuchte ſeinen ſchrecklichen Begleiter, deſſen gierigen Rachen er vor wenigen Minuten bereits geöffnet zu ſehen glaubte, um ſein Opfer zu ver⸗ ſchlingen. Dort gleiteten die zwei hornähnlichen Floßen noch immer auf und nieder, und deuteten jede kleinſte Bewegung des ſchrecklichen Fiſches an. Der Maat bemerkte, daß ſie auf eine kurze Strecke nach vornen ſchoſſen, faſt einen Halbkreis beſchrieben, dann zurückkamen und hinter ihm in derſelben Linie hingleiteten, eine Bewegung, welche ſie zu ſeiner Rechten ſtets wiederholten. Dieß deutete ihm klar an, daß zur Linken flaches Waſſer ſein müſſe, und er watete in dieſer Richtung fort, bis er eine kleine, nackte Felſenplatte erreichte.. Vorerſt wenigſtens war er in Sicherheit. Die Korallenklippe, auf welcher der Maat ſtand, hatte eine unregelmäßige Geſtalt, mochte aber, nach oberflächlicher Schätzung, hundert Fuß im Gevierte enthalten, und erhob — 12— ſich ſo wenig über die Oberfläche des Waſſers, daß man ſie, ſelbſt am hellen Tage, kaum auf eine Entfernung von hundert Ellen ſah. Mulford fand die Klippe ganz trocken, eine wichtige Entdeckung für ihn, denn nach einer genauen Berechnung der Ebbe und Fluth ſeit ſeiner Abfahrt von den Dry⸗ Tortugas wußte er, daß die Fluth ihre höchſte Höhe erreicht haben müſſe. Wenn er ſich nur dieſes kleine Stück nackten Felſens ſichern konnte, durfte er ſich, für den Augenblick, für eben ſo reich halten, als es der größte Gutsbeſitzer auf Erden war. Eine beträchtliche Menge Seegras war an den Fels geſchwemmt worden, und da auch dieſes größtentheils trocken war, überzeugte ſich der junge Seemann, daß der Fleck gewöhnlich über dem Waſſer ſtehe. Obgleich dieſes Seegras aber faſt überall trocken war, fanden ſich doch neuere Anſchwemmungen deſſelben, welche eine Ausnahme machten, und theils unter, theils nahe an dem Waſſer lagen. Als Mulford dieſes Seegras näher unterſuchte, um ſich jedes Umſtandes genau zu verſichern, fand er ein kleines Schalthier; er ſah, daß es friſch war und ſich leicht öffnete, und aß es mit der Begierde des Heißhungers. Nie hatte ihm etwas ſo köſtlich gemundet als dieſes kleine, ſchmackhafte Schalthier. Er ſuchte emſig in dem Graſe, fand mehrere Muſcheln derſelben Art, und hielt ein ſo köſtliches Mahl, als ihm, unter den jetzigen Umſtänden, zuträglich ſein mochte. Dankbar für eine ſolche Rettung, aber vor Müdigkeit erſchöpft, machte er ſich raſch ein Lager von Seegras zuxecht, deckte ſeinen Körper, um ihn zu erwärmen, mit einem T Schlaf, u Mulj Strahlen und die w erſtarrten Anfa eunden ve erinnerte blickte er kleinen Bo Blick um Da e men war, ward es weiten W werden mi Der 4 Wrack, od dort waren kraft des Nur: ſtens zwei Waſſer, un und wann dieſen kna Holzes un vielleicht n noch einer hinderte. aß man ſie, rnung von ine wichtige Berechnung den Dry⸗ öchſte Höhe ieſes kleine er ſich, für der größte n den Fels rößtentheils n, daß der gleich dieſes in ſich doch Ausnahme Gaſſer lagen. te, um ſich ein kleines ſich leicht ngers. Nie ieſes kleine, dem Graſe, hielt ein ſo Umſtänden, r Müdigkeit on Seegras ärmen, mit — 13— einem Theile des Graſes und verfiel in einen tiefen Schlaf, welcher Stunden währte. Mulford kam erſt wieder zum Bewußtſein, als die Strahlen der aufgehenden Sonne ſeine Augenlieder berührten und die wohlthuende Wärme des großen Lichtkörpers ſeine erſtarrten Glieder durchſtrömte. Anfangs war ſein Geiſt betäubt, und mehrere Se⸗ eunden vergingen, ehe er ſich der Vergangenheit vollkommen erinnerte und ſeine jetzige Lage ganz begriff. Bald aber blickte er klar umher, eilte dem höchſten Punkte ſeines kleinen Bereiches zu und warf einen ängſtlichen, haſtigen Blick um ſich, um das Wrack zu ſuchen. Da er wußte, in welcher Richtung er anher geſchwom⸗ men war, und die Stellung der Sonne ihm zu Hilfe kam, ward es ihm nicht ſchwer, zu ermitteln, wo er auf der weiten Waſſerwüſte des erſehnten Gegenſtandes anſichtig werden müſſe. Der Himmel hatte ſie nicht verlaſſen! Dort war das Wrack, oder— wie wir vielleicht richtiger ſagen würden— dort waren die, welche die ſich ſtets mindernde Schwimm⸗ kraft des Wracks noch über den Tiefen des Golfs erhielt. Nur noch ein kleiner Theil des Schiffsbodens— höch⸗ ſtens zwei bis drei Ellen im Geviert— ſtand über dem Waſſer, und dieſer kleine Theil wurde von den Wellen dann und wann faſt überſpült. Zwei bis drei Stunden mußten dieſen knappen Raum des noch nicht überſchwemmten Holzes unter die Oberfläche der See ſenken, obgleich es vielleicht möglich war, daß die Schwimmkraft das Wrack noch einen vollen Tag an dem völligen Verfinken hinderte. —y — u— Aber dort ſchwamm das Wrack noch auf der See und ein keinee Theil, welchen Mulford freilich nicht ſehen konnte, ſtand noch über dem Waſſer. Er ſah noch die vier Perſollen, und, was mehr war, ſie ſahen ihn. Dieß war augenfällig, denn Hans Tier ſchwenkte ſeinen Hut wie zum Gruße. Als Mufford dieſes Signal erwiederte, flatterte Roſa's Shawl in der Luft, ſo daß kein Zweifel mehr übrig blieb— er war geſehen und erkannt worden. Dieſes ſchnelle Gewahrwerden und Erkennen des jun⸗ gen Mannes iſt leicht erklärlich. Tier ſchlief nicht, als Harry Mulford das Wrack verließ, obgleich er ſich ſo ſtellte, als er gewahrte, zu welchem wichtigen Unternehmen ſich der Maat anſchickte. Als Roſa erwachte, den Ge⸗ liebten nicht ſah und erfuhr, was ſich begeben hatte, richtete ſein ermuthigender Bericht und die Hoffnung, welche ſich daran knüpfte, ihr Herz auf. Dennoch folgte eine verzweiflungsvolle Stunde, als das Licht erſchien und Mulford nirgends zu ſehen war. Der Verzweiflung, welche das Herz unſerer Heldin bewältigte, folgte der wonnige Augenblick, als ſie ihn auf der Klippe entdeckte. Es iſt kaum nöthig zu bemerken, wie ſehr beide Theile ſich getröſtet fanden, als ſie ſich ihrer gegenſeitigen Lage vergewiſſerten. So ſchwach beiderſeits die Hoffnung auf wirkliche Rettung war, ſchienen die nächſten zwei bis drei Minuten doch Minuten des höchſten Glückes. Nach dieſem Ausbruche unverhoffter Freude fuhr Harry fort, die Gegenſtände ringsum ſorgſam in das Auge zu faſſen. Das Wrack war eine volle halbe Meile von der Klip⸗ penplatte des Maats, dem Riff aber viel näher, als in der vorhergehenden Nacht. „Wer ſagte Hat glückliches Die tungen lie in der Ri auf die m brachte ihr Jetzt Bootes a durch offer es ſchien, als er ſell und Strö Klippen g ben worde Mulf erblickte, u ſobald er geſucht hä des jungen Folge der daß ſich in angeſamme welches die erinnerte e einer ſehr ſen. Er l Eile, und ſeinen Mu er See und nicht ſehen h noch die ihn. Dieß ſeinen Hut erwiederte, kein Zweifel unt worden. en des jun⸗ nicht, als er ſich ſo Internehmen , den Ge⸗ geben hatte, Hoffnung, nnoch folgte erſchien und erzweiflung, folgte der e entdeckte. ſehr beide gegenſeitigen lie Hoffnung ten zwei bis ickes. Nach rry fort, die faſſen. on der Klip⸗ ,als in der — 15— „Wenn der Schoner ſich auf den Felſen feſtſetzte,“ ſagte Harry vor ſich hin,„wäre dieß in der That ein glückliches Begebniß.“ Die Sache war wohl möglich; fortgeſetzte Beobach⸗ tungen ließ ihn aber bald gewahren, daß das Wrack eher in der Richtung der mehrfach erwähnten Durchfahrt, als auf die nächſten Klippen hin abtrieb. Aber jene Abtrifft brachte ihn Roſa jede Minute näher und näher. Jetzt ſchaute der junge Mann umher, und ward des Bootes anſichtig. Es ſtand eine Viertelmeile entfernt, durch offenes Waſſer von ihm getrennt, und hatte ſich, wie es ſchien, auf einen Felſen aufgelegt, denn es war mehr, als er ſelbſt, innerhalb des Riffes. Es mußte, den Winden und Strömungen preisgegeben, in der Nacht über die Klippen geworfen und auf ſeinen jetzigen Lagerplatz getrie⸗ ben worden ſein. Mulford ſtieß einen Freudenruf aus, als er das Boot erblickte, und war jetzt entſchloſſen, zu ihm hinzuſchwimmen, ſobald er ſich in dem Seegraſe eine kleine Erfriſchung geſucht hätte. Als er ſein kleines Bereich bei dem Lichte des jungen Tages überſchaute, bemerkte er, daß es ſiche in Folge der Ebbe bis auf das Vierfache erweitert hatte, und daß ſich in mehreren Höhlungen der unebenen Fläche Waſſer angeſammelt hatte. Anfangs glaubte er, es ſei Seewaſſer, welches die zurücktretende Fluth hier gelaſſen; bald aber erinnerte er ſich des Regenguſſes, und hoſſte, das Waſſer in einer ſehr geräumigen Höhlung werde ſich als ſüßes erwei⸗ ſen. Er kniete nieder, näherte ſeine Lippen in ſieberhafter Eile, und trank das köſtlichſte Waſſer, das jemals über ſeinen Mund gekommen war. —yy— — 16— Nachdem ſein Durſt, welcher ſich wieder peinlich geregt hatte, gelöſcht war, erhob er ſich mit dem Gefühle des inbrünſtigſten Dankes; wenn er Roſa auf dieſe kleine, nackte Klippe bringen konnte, würde ſie für ihn ein irdiſches Paradies abgeben! Mufford hielt jetzt ein knappes, unter den jetzigen Umſtänden aber zureichendes Mahl, labte ſich noch einmal durch einen mäßigen Trunk, und wendete dann ſeine Auf⸗ merkſamkeit und Sorgfalt dem Boote zu, welches, obgleich in dieſem Augenblick aufliegend und feſt, mit der erſten Fluth ſich heben und wieder aus ſeinem Bereiche abtreiben konnte. Seine erſte Abſicht war, ſeinem Ziele ſtracks entgegen zu ſchwimmen; als er ſich aber in das Waſſer gleiten laſſen wollte, ſah er mit Schrecken die Floßen von wenig⸗ ſtens zwölf Haifiſchen, welche in den tiefern Waſſern des Riffes auf ihre Beute lauerten, und ſeine kleine Inſel faſt ganz umlagerten. Es wäre Wahnſinn geweſen, ſich ſolchen Feinden bloß⸗ zuſtellen; er hielt inne und blickte ſorgſam umher. Zum erſten Male faßte er jetzt den ganzen Horizont in das Auge, um zu ſehen, ob ſich nichts blicken laſſe, denn bis jetzt war ſein Geiſt zu ſehr mit Roſa und ihren Gefährten beſchäftigt geweſen, als daß er an etwas Anderes gedacht hätte. Nach Nordweſten ſah er deutlich die oberen Segel eines großen Schiffes, das vor dem Winde nach Nordoſten abhielt. Da es keinen Hafen gab, zu welchem ein ſolcher Curs ein Schiff in dem Golf führen konnte, nahm Mul⸗ ford alsbald an, es müſſe die Kriegsſchluppe ſein, welche die Inſeln gefunden l oder wiede wollte, w hatte. Dieß habhaft we ren konnte, endlichen R Auch! gewahren. zeug, als d fernter. Es Schiffes ſeit leicht nach Hafen, Poit ein verungli Jedenfalls Horizont, un zu hoffen ge Nachden der Dinge r dete er ſeine oblag. Vor das Boot vo und weit aus er der ſchreck ſich das Wr welches derer ſchleunige Hit 244— 246. inlich geregt Gefühle des dieſe kleine, ein irdiſches den jetzigen noch einmal n ſeine Auf⸗ hes, obgleich it der erſten he abtreiben cks entgegen aſſer gleiten von wenig⸗ Waſſern des ee Inſel faſt kfeinden bloß⸗ mher. Zum zont in das ſe, denn bis n Gefährten eres gedacht beren Segel ch Nordoſten n ein ſolcher nahm Mul⸗ ſein, welche — 1— die Inſeln der Dry⸗Tortugas unterſucht und verlaſſen gefunden hatte, und nun entweder auf Key⸗Weſt losſteuerte, oder wieder ſüdlich von dem Riff denſelben Curs verfolgen wollte, welchen ſie den vorhergehenden Tag eingehalten hatte.. Dieß war ſehr ermuthigend, und wenn er des Bootes habhaft werden und die Geſellſchaft von dem Wrack abfüh⸗ ren konnte, ehe es ſank, durfte er ſich der Hoffnung einer endlichen Rettung hingeben. Auch nach ſüdwärts glaubte der Maat ein Schiff zu gewahren. Wahrſcheinlich war es ein viel kleineres Fahr⸗ zeug, als das Schiff nordweſtlich; auch ſtand es weit ent⸗ fernter. Es konnten aber auch die oberen Segel eines großen Schiffes ſein, welches auf ſeinem Wege nach Weſten, viel⸗ leicht nach Neu⸗Orleans, oder jenem neuen, wichtigen Hafen, Point Iſabel, entlang lief; vielleicht war es auch ein verunglücktes Schiff, welches auf die Durchfahrt abhielt. Jedenfalls erſchien es jetzt nur als ein Flecken an dem Horizont, und war zu entfernt, als daß von ihm Beiſtand zu hoffen geweſen wäre. Nachdem ſich Mulford auf dieſe Weiſe mit dem Stand der Dinge rings um ihn her bekannt gemacht hatte, wen⸗ dete er ſeine ganze Aufmerkſamkeit auf das, was ihm oblag. Vor Allem fürchtete er, die Morgenfluth möchte das Boot von dem Felſen, auf welchem es lag, aufheben und weit aus ſeinem Bereiche ſchwemmen. Dann gedachte er der ſchrecklichen und ſtets wachſenden Gefahr, in welcher ſich das Wrack befand, und des furchtbaren Schickſals, welches derer harrte, die darauf ſchwammen, wenn nicht ſchleunige Hilfe kam. 3 244— 246. — 18— Dieſer Gedanke quälte ihn faſt bis zur Verzweiflung, und es war ihm, als müßte er ſich ſtracks inmitten der Haifiſche werfen, und ſich auf Leben und Tod bis zu dem Boote hin kämpfen. Kurzes Nachdenken zeigte ihm jedoch einen minder gefährlichen Weg, um zu ſeinem Ziele zu gelangen. Wie ſein einſamer Begleiter in der Nacht gethan hatte, bewegten auch die Haifiſche jetzt ſich ſtets in einem Halb⸗ kreis, und er glaubte, die Seichtigkeit des Waſſers hindere ſte, ihren Weg weiter nach Südoſten, wo das Boot lag, auszudehnen. Harry wußte recht gut, daß der Hai ziemlich viel Waſſertiefe brauche, um unter ſeine Beute zu gelangen, ehe er nach ihr ſchnappte, und daß er ſich regelmäßig auf ſeinen Rücken wendete und aufwärts fuhr, wenn er einen ſeiner gierigen Biſſe that. Dieß hat ſeinen Grund darin, daß ſeine obere Kinnlade länger iſt, als die untere, und Muklford hatte gehört, dieſer Fiſch müſſe in dieſer Weiſe angreifen. Mochte dieſe Anſicht nun richtig ſein oder nicht, Mul⸗ ford beſchloß, ihr gemäß zu verfahren, und begann ſofort, den Theil des Riffes entlang zu waten, welchen ſeine Feinde zu meiden ſchienen. Hätte unſer junger Maat eine beſſere Waffe gehabt, als ſein Meſſer abgeben konnte, ſo würde er einem glück⸗ lichen Erfolge mit mehr Zuverſicht entgegengeſehen haben. Wie die Dinge jedoch ſtanden, zog er ſein Meſſer, und war bereit, ſein Leben theuer zu verkaufen, wenn ein Feind ihn angreifen ſollte. Sobald ſein Schritt im Waſſer gehört wurde, gerieth die ganze S ſie ſchoſſen und ſchienen ſchlüpfen wo Wäre augenblicklich einer ſolchen aber allmähl bis an den( breite Felſen führte, und fort, währe berührte. Durchar aber ganze E Oberfläche h⸗ zu begleiten zu erkennen, gegeben hatte und herſchwa bei dem Gehe Die klei legten die gi Einige derſel als ſeien ſie zu erſchnapper ſie bemerkten, liche Angriffs Unſer ju er mußte den Verzweiflung, inmitten der d bis zu dem einen minder angen. gethan hatte, einem Halb⸗ aſſers hindere as Boot lag, ziemlich viel zu gelangen, egelmäßig auf venn er einen Grund darin, e untere, und ndieſer Weiſe er nicht, Mul⸗ begann ſofort, en ſeine Feinde Waffe gehabt, r einem glück⸗ geſehen haben. Meſſer, und venn ein Feind wurde, gerieth — 10.— die ganze Schaar der Haifiſche in ungeſtüme Bewegung; ſie ſchoſſen hin und her, kamen oft ſehr nahe an ihn heran und ſchienen zu gewahren, daß ihre Beute ihnen ent⸗ ſchlüpfen wolle. Wäre das Waſſer tiefer geweſen, ſo hätte Harry augenblicklich zurückkehren müſſen, denn ein Kampf mit einer ſolchen Menge wäre hoffnungslos geweſen; es wurde aber allmählich ſeichter, nachdem es ihm eine kleine Strecke bis an den Gürtel gegangen war. Er kam auf eine lange, breite Felſenplatte, welche geradenwegs auf das Boot hin⸗ führte, und ging zuweilen bis an das Knie im Waſſer fort, während dieß ihm dann wieder kaum den Knöchel berührte. Durchaus nackte Klippen fand er nie auf ſeinem Wege, aber ganze Strecken weit ſpülte das Waſſer kaum über die Oberfläche hin. Inmitten der gierigen Schaar, welche ihn zu begleiten ſuchte, glaubte der Maat, den mächtigen Hai zu erkennen, welcher ihm während der Nacht das Geleit gegeben hatte, und der jetzt in der Schaar ſtattlich hin⸗ und herſchwamm, als ſei er bloß ein neugieriger Zuſchauer bei dem Gehaben des jungen Mannes. Die kleineren und wahrſcheinlich jüngeren Haifiſche legten die größte Verwegenheit und Gierde an den Tag. Einige derſelben machten ungeſtüme Angriffe auf Harry, als ſeien ſie auf jede Gefahr hin darauf erpicht, ihre Beute⸗ zu erſchnappen; ſtets aber gleiteten ſie wieder weg, wenn ſie bemerkten, daß die Seichtigkeit des Waſſers ihre gewöhn⸗ liche Angriffsweiſe unmöglich machte. Unſer junger Freund ſchritt nur langſam vor, denn er mußte den Bewegungen ſeines Geleites die umſichtigſte 2* — 20— Aufmerkſamkeit widmen. Zuweilen kam er an Klippen⸗ einſchnitte, wo er bis an die Arme im Waſſer waten mußte, um auf die andere Seite zu kommen, wo die Klippen wieder kaum von der Fluth bedeckt waren; einmal war er ſogar genöthigt, eine Strecke, acht bis zehn Ellen lang, zu durchſchwimmen. Demungeachtet kam er weiter, und nachdem er ſich etwa eine Stunde in dieſer Weiſe fort gearbeitet hatte, ſah er ſich nur noch hundert Ellen von dem Boote, das auf einer niedrigen, nackten Klippenplatte auflag, aber von ihm durch einen tiefen Kanal getrennt war, in welchen alle Haiſiſche in einem Haufen ſchoſſen, als wollten ſie ihm durchaus den Durchweg abſchneiden. Mulford blieb ſtehen, um Athem zu ſchöpfen und zu überlegen, was zu thun ſei. Da, wo er ſtand, war er völlig ſicher; das Waſſer ging ihm kaum bis an den Knöchel, und das ſeichte Waſſer dehnte ſich nach allen Seiten umher aus, mit der einzigen Ausnahme des Kanals vor ihm. Er ſtand an dem Nande dieſer Waſſerſtraße, und das Element war ſo durchſichtig, daß er ſah, es ſei tief genug, um ein ziemlich großes Schiff hindurch zu führen. Es wäre ein Wagniß der Verzweiflung geweſen, hätte ſich Harry zwanzig Haifiſchen entgegen geworfen; ſo weit war es noch nicht mit ihm gekommen. Er hatte ſich ſo ſehr beeilt, den Punkt, wo er jetzt ſtand, zu erreichen, daß er nicht Muße gehabt hatte, ſich nach dem Wrack umzuſehen; jetzt wendete er aber die Blicke nach dieſem ſo anziehenden Gegenſtand. Er ſah den Shawl in der Luft flattern, und dieß war 5 gefund fliegen tief in Kiele ſichtbat D der Ho gekräfti eher jen dieſem und fa Gegenſt davon, gleiten Boot zu De daß All nahe Z köſtliche hatte er beſſer er Mi der Wa er kräft tüchtig Hoffnun einen I Die weithin Klippen⸗ ſſer waten „ wo die n; einmal eehn Ellen em er ſich ttet hatte, oote, das lag, aber in welchen vollten ſie n und zu , war er 3 an den ach allen s Kanals und das ief genug, ſen, hätte ſo weit tte ſich ſo erreichen, m Wrack dieſem ſo und dieß — 21— war Alles, was er ſehen konnte. Tier hatte Mittel gefunden, ihn als Signal, wo das Wrack zu finden ſei, fliegen zu laſſen, der Rumpf des Schoners aber war ſo tief in das Waſſer geſunken, daß die, welche auf ſeinem Kiele ſaßen, ſelbſt nicht auf die kleine Entfernung hin ſichtbar waren, welche jetzt das Boot von ihnen trennte. Dieſes Signal gab Mulford neuen Muth, und von der Hoffnung, ſeine Gefährten noch zu retten, belebt und gekräftigt, wendete er ſich dem Kanale zu, faſt gewillt, eher jeder Gefahr zu trotzen, als länger zu warten. In dieſem Augenblicke gleiteten alle Floßen den Kanal entlang, und faſt in einer Richtung von ihm hinweg. Irgend ein Gegenſtand lockte die ganze Schaar in hellem Haufen davon, und der junge Maat ließ ſich leicht in das Waſſer gleiten und ſchwamm ſo geräuſchlos als möglich auf das Boot zu. Der Augenblick war furchtbar, aber Mulford fühlte, daß Alles von dem glücklichen Erfolge abhing. Durch das nahe Ziel gelockt, durch ſeine Liebe geſpornt, durch das köſtliche Frühmahl und den erquickenden Trunk neu geſtärkt, hatte er ſeine Kraft und Geſchicklichkeit in dem Waſſer nie beſſer erprobt als jetzt. Mit unglaublicher Geſchwindigkeit hatte er die Hälfte der Waſſerſtraße durchſchwommen, und ſtets noch ſchwamm er kräftig und wohlbehalten. Er holte noch einige Mal tüchtig aus und ſah ſich jetzt dem Boote ſo nah, daß die Hoffnung ſich ſeiner ganzen Seele bemächtigte, und er in einen Jubelruf ausbrach. Dieſer unbedachte, aber natürliche Schrei, welcher weithin hallte, zog aber Haifiſche gegen ihn heran, wie ſich eine Meute Hunde dem aufgejagten Wilde entgegen wirft. Mulford hatte den Ruf kaum laut werden laſſen, als er das Thörige ſeines Gehabens einſah; unwillkürlich wendete er ſeine Blicke auf die Feinde. Alle Floßen waren ihm zugewendet,— eine ſchwarze Schaar raſcher, wüthender Feinde. Tauſend ihm entgegen blitzende Ba⸗ jonnette hätten nicht halb ſo ſchrecklich ſein können, und die Anſtrengungen des jungen Mannes waren faſt die des fieberhaften Wahnſinns. So kräftig, ſo heimiſch in dem Elemente er aber auch ſein mochte,— was iſt die Bewegung eines Menſchen in dem Waſſer im Vergleiche mit der eines ſtarken, hunger⸗ gierigen Fiſches? Mulford ſah jene Floßen wie ein Unwetter auf ſich zu ſtürmen; er gab bereits jede Hoff⸗ nung auf, und Schreckensſchauer rieſelten eiſtg durch ſein ganzes Mark, als ſein Fuß an der Klippe anſtieß. Er holte von neuem ans, warf ſich dem Boote und ſeichterm Waſſer entgegen, eine Anſtrengung, welche ihn wenigſtens zwölf Fuß weiter ſchleuderte. Sobald er auf den Füßen ſtand, kehrte er ſich um und ſchaute rückwärts. Das Waſſer ſchien von Floßen zu wimmeln, die paarweiſe auf und nieder gleiteten. In dieſem Augenblicke glänzte etwas Hellfarbiges an dem jungen Manne ſo nahe vorüber, daß es ihn faſt berührte. Es war ein Hai, der ſich bereits auf ſeinen Rücken gewendet hatte, um nach feiner Beute zu ſchnappen, und dem es auch geglückt wäre, hätte er nicht an einen ſchlammigen Fels angeſchlagen, über welchen er emporſpringen mußte. Die Kraft, mit welcher er angriff, und die Neigung der 9. Klippe ſchreck gewah 2 aus, Boot, gewalt 31 unfäh ſich k inbrür dann, Hilfe 6 ausge lagen von d daß e mit ſt fielen, Fäßch und pflegt gebra der C gelaſſ war, und eentgegen laſſen, als willkürlich lle Floßen ar raſcher, tzende Ba⸗ nnen, und faſt die des aber auch Renſchen in n, hunger⸗ n wie ein 3 jede Hoff⸗ z durch ſein inſtieß. Er nd ſeichterm wenigſtens er ſich um n Floßen zu eiteten. In es an dem aſt berührte. nen Rücken een, und dem ſchlammigen ngen mußte. Neigung der — 23— Klippe warfen den Kopf und den halben Körper dieſes ſchrecklichen Thieres hoch empor und ließen ſein Opfer gewahren, welchem Schickſale er entgangen war. Mulford wich dieſem Hai jedoch ohne große Mühe aus, und in dem nächſten Augenblicke warf er ſich in das Boot, auf deſſen Boden er, keuchend, athemlos, durch die gewaltſame Anſtrengung erſchöpft, niederſank. Der Maat lag mehrere Minuten faſt beſinnungslos, unfähig ſich zu erheben, in dem Boote. Als er wieder zu ſich kam, brachte er vor Allem ſeinem Schöpfer den inbrünſtigſten Dank für ſeine Rettung dar, und überlegte dann, was zunächſt zu thun ſei, um ſeinen Freunden zu Hilfe zu kommen. Das Boot war ziemlich geräumig. Es war auch gut ausgerüſtet, denn ein Maſt und Segel, ſowie die Ruder lagen auf den Duften. Der Fels ſtellte Harry windwärts von dem Wrack, und ſobald er ſich ſo weit erholt hatte, daß er aufſtehen und um ſich ſchauen konnte, war er auch mit ſeinem Plane im Reinen. Unter anderen Gegenſtänden, die ihm in die Augen fielen, als er noch in dem Boote lag, ſah er auch einige Fäßchen, welche, wie er hoffte, friſches Waſſer enthielten, und einen Korb mit Zwieback. Für ſolche Vorräthe pflegte die Mannſchaft ſtets zu ſorgen, wenn das Boot gebraucht werden ſollte, und die Gegenſtände waren in der Eile, mit welcher die Brigg die Inſeln verließ, da gelaſſen worden, wo er ſie jetzt ſah.* Sobald Harry fühlte, daß ſeine Kraft wiedergekehrt war, ſtand er auf. Er ſtieß mit dem Fuß an das Fäßchen und fühlte mit der Hand an den Brodkorb, und vergewiſ⸗ — 24 ſerte ſich, daß jenes mit Waſſer, dieſer mit Brod gefüllt war. Dieß war ein mächtiger Troſt, denn jetzt mußte man auf dem Wrack die Qualen der Entbehrungen jeder Art doppelt fühlen. Der Maat ſetzte jetzt den Maſt ein und paßte das Spriet an das Segel an, denn er wußte, daß die auf dem Wrack das letztere in dem Winde flattern ſehen, und daß ihr Herz ſich darob freuen würde. Nachdem er dieſe Arbeit mit Umſicht zu Stande gebracht, begann er die Lage des Bootes zu unterſuchen. Es lag noch auf der Klippe feſt, wie die Ebbe es gelaſſen hatte; das Waſſer war aber bereits mehrere Zoll geſtiegen, und indem er ſich auf ein Dollbord ſtellte, ſo daß er das Boot auf ſein Flach brachte, und das Ruder zur Hand nahm, ging es in das tiefe Waſſer ab. Er durfte nur die Schoten hinten anholen und das Steuer richten, um durch den Kanal mit einer Geſchwindigkeit zu laufen, welche ſeinen Freunden, vor Allem aber Roſa, alsbaldige Rettung verſprach. Nulford ſchoß, von der ganzen Schaar Haiſiſche begleitet, an den Klippen und Untiefen vorbei. Dieſe Thiere gleiteten nach vornen, nach hinten und zu beiden Seiten entlang, als ſeien ſie entſchloſſen, nicht von ihrer Beute zu laſſen, obgleich ſie bereits aus den Grenzen des Bereiches getreten war, wo ſie ihr ſchaden konnten. Es war nicht leicht, das Boot in jener ſchmalen, gewundenen Waſſerſtraße, ohne jeden andern Führer als das Auge, zu handhaben, und der Maat mußte ſo viel Vorſicht brauchen, um den ſcharf vorſpringenden Korallen⸗ klippen auszuweichen, daß er keinen Augenblick ſeitwärts ſchauen werden, En und trat wenigſte herausko er die S dicht am Jetz Unf er den 3 ganz wi ſein. E Tier ha Wamſes den The ſich zuwe in einige Er welche a ihm aber Entfernu ihm dief daß ſo ausgeſtrü der See Es brachte. Obe gefüllt mußte en jeder ßte das auf dem nd daß Stande rſuchen. gelaſſen eſtiegen, er das ir Hand rfte nur en, um laufen, sbaldige Haiſiſche Dieſe u beiden on ihrer nzen des chmalen, jrer als ſo viel dorallen⸗ ſeitwärts — 25— ſchauen durfte, um des flatternden Shwals anſichtig zu werden, welcher jetzt das Stehſignal des Wrackes war. Endlich ſchoß das Boot durch die letzte Klippengaſſe und trat in das offene Gewäſſer. Mulford wußte, daß er wenigſtens eine halbe Meile leewärts von dem Wrack herauskommen müſſe, und ohne ſich umzuſchauen, nahm er die Schoten an, ließ das Ruder niedergehen, und luvte dicht am Winde.. Jetzt erſt wagte er es, um ſich zu blicken. Unſer Maat fühlte ſein Blut zu Eis gerinnen, als er den Zuſtand des Wracks gewahrte. Es ſtand vor Allem ganz windwärts von ihm, und ſchien völlig überſpült zu ſein. Er ſah, wie früher, den flatternden Shawl, denn Tier hatte den einen Zipfel an ein Knopfloch ſeines Wamſes, den andern an Biddy's Kleid befeſtigt, und ließ den Theil, welcher der Luft preisgegeben werden ſollte, ſich zuweilen ſenkrecht in die Luft erheben, um das Signal in einiger Entfernung ſichtbar zu machen. Er ſah auch den Kopf und den Körper Derjenigen, welche auf dem Boden des Schoners ſtanden, ſie ſchienen ihm aber in dem Waſſer, oder auf ihm zu ſtehen. Die Entfernung mochte wohl ein wenig dazu beitragen, daß ihm dieß ſo erſchien; dennoch blieb kein Zweifel übrig, daß ſo viel Luft aus dem inneren Raume des Wracks ausgeſtrömt ſein müſſe, daß es ganz unter die Oberfläche der See geſunken war. Es war hohe Zeit, daß er den Unglücklichen Hilfe brachte. Obgleich das Boot ungemein ſchnell ſegelte und„ſchön — 26— arbeitete,“ blieb es weit hinter Harry's Ungeduld, entlang zu kommen, zurück.— Nachdem er weit genug nach Nordoſten abgehalten hatte, um dem Wrack zuwenden zu können, vierte er end⸗ lich, und war ſo glücklich, zu ſehen, daß ſein Boot jetzt in gerader Linie auf das Wrack anlief. Erſt als er vierte, ſah er, daß alle Haiſiſche verſchwunden waren. Ohne Zweifel hatten ſie ihn verlaſſen, um auf das Wrack los⸗ zuſchießen, welches eine reichere und zumal leichter zu errei⸗ chende Beute zu bieten ſchien. Dieß ſteigerte ſeine ſieberhafte Sehnſucht, weiter zu kommen, denn das Boot ſchien, wenn ſein Auge ihn nicht täuſchte, in dem Augenblicke zu dreggen, wo er aus einem Fahrwaſſer trat, das aus Neeren und kleinen Strudeln beſtand. Der Wind war ſtetig; Mulford glaubte aber, das Boot werde durch eine Strömung aus ſeinem Curs und leewärts getrieben, obgleich dieß ſchwerlich der Fall ſein konnte, da das Wrack, ſein einziger Leiter, eine wenig⸗ ſtens eben ſo ſtarke Abtrifft hätte nehmen müſſen, als das Boot. Endlich kam Mulford— es ſchien ihm ein Jahr⸗ hundert, in der That aber war das Boot nicht länger als zwanzig Minuten im Gange— dem ſo glühend erſehnten Ziele nahe, und überſchaute genau den Zuſtand des Wracks und derer auf ihm. Der Rumpf des Schoners war wirklich ganz unter die Oberfläche der See getreten, und die Freunde, welche er dort verlaſſen hatte, ſtanden bereits knietief in dem Waſſer. Dieß war ſchrecklich genug; aber die Anweſenheit der Ha den A C Roſa Ertrin noch e 2 Freun zuhar! ihre 2 und 2 der Dring Wicht 9 Raun fiel al Seite 8 im S wärts kleine jener fiſche obgle gewol Geſch Wille beflof währ , entlang bgehalten te er end⸗ ot jetzt in er vierte, n. Ohne Vrack los⸗ er zu errei⸗ weiter zu ihn nicht aus einem Strudeln ubte aber, nem Curs h der Fall eine wenig⸗ n, als das ein Jahr⸗ länger als d erſehnten des Wracks ganz unter nde, welche tief in dem Anweſenheit der Haifiſche, welche ſich um dieſen Punkt ſammelten, machte den Anblick furchtbar. Es war dem jungen Mann, als käm' er zu ſpät, um Roſa von einem Looſe zu retten, das ſchrecklicher war als Ertrinken, denn ſein Boot ſiel ſo ſtark leewärts ab, daß er noch einmal vieren mußte. Als er an dem Wrack vorbeiſchoß, rief er ſeinen Freunden Muth zu, und bat ſie, noch fünf Minuten aus⸗ zuharren, wo er ſie werde erreichen können. Roſa breitete ihre Arme flehend aus, und das Geſchrei der Miſtreß Budd und Biddy's, welches ihnen das ſtets nähere Heranrücken der Haifiſche auspreßte, kündigte das Bedrohende und Dringliche der Gefahr, in welcher ſie ſchwebten, und die Wichtigkeit jeder Secunde hinreichend an. Mulford maß mit dem Auge eines Seemannes ſeinen Raum ab, und das Boot ſchnellte wie ein Kreiſel herum, fiel ab, und im Nu füllte ſich das Segel auf der andern Seite. Mit einem Entzücken, welches keine Feder zu ſchildern im Stande iſt, ſah jetzt der junge Matroſe, daß er wind⸗ wärts von dem flatternden Shawl ſtand, auf welchen ſein kleines Fahrzeug bereits zuflog. Es ſiel ihm ſpäter ein, jener Shawl allein müſſe die gefräßige Schaar der Hai⸗ fiſche abgehalten haben, das Wrack anzugreifen, denn obgleich das Waſſer noch nicht tief genug war, um ihre gewohnte⸗Angriffsweiſe zu beguͤnſtigen, warten hungrige Geſchöpfe dieſer Art nicht immer, bis ſich Alles ihrem Willen gefügt hat. Das Boot war aber inmitten der befloßten Unthiere, und zerſtreute ſie nach allen Richtungen, während Mulford ſeine Schoten fahren ließ, das Ruder — 28— an Bord hielt und heran ſprang, um die Hand zu faſſen, welche Roſa gegen ihn ausſtreckte. Sei es Zufall, oder die Folge der Gewandtheit und der Theilnahme von Seiten unſerer Heldin,— gewiß iſt es, daß die Backen des Bootes genau da an dem Wrack anlegten, wo Roſa ſtand, und ihre Hand war der erſte Gegenſtand, welchen der junge Mann berührte. „Nehmt meine Tante zuerſt ein,“ rief Roſa und wider⸗ ſtand Harry's Verſuch, ſie in das Boot zu heben;„ſie iſt von Schrecken gelähmt und hält ſich kaum noch auf den Füßen.“ Obgleich man zwei Mädchen von Roſa's leichter, gewandter Geſtalt in das Boot hätte heben können, bis ein ſolches Beginnen zu Gunſten der Wittwe zu Stande kam, verlor Mulford keine Minute mit Verhandlungen, ſondern that, wie man gewünſcht hatte. Tier erhielt Befehl, die Fangleine anzuhalten, und er lieh den Armen der Miſtreß Budd ſeine Kraft, und brachte ſie, mit Roſa's und Biddy's Beiſtand, über die Backen in das Boot. Roſa wartete jetzt nicht auf Beiſtand, ſondern folgte ihrer Tante mit einer Eile, welche bewies, daß die Furcht ihr, trotz des langen Faſtens, Kraft gebe. Biddy kam zunächſt, und ihr Eintritt in das Boot war nicht ohne Schwierigkeit; Hans folgte, ſobald er die Erlaubniß dazu erhalten hatte. Wie es ſich von ſelbſt verſteht, trieb das Boot, das nicht mehr an der Fangleine gehalten wurde, von der Stelle ab, und der Rumpf des Schoners, welcher der Wucht vier lebender Perſonen baar wurde, hob ſich wieder der Art Waſſer geringer der gele Wenn k würde der Rur Zweifel In Wärme Breite hatte in Budd 1 trocknen erſtarrt back her Stück, Stück g aufbewa Schnitte da es b bedurfte Un als dure lange ge oder ein Durſt n ſprach d „8 ſchmeckt faſſen, zeit und ewiß iſt Wrack der erſte d wider⸗ „ſte iſt auf den leichter, nen, bis Stande blungen, und er brachte acken in n folgte e Furcht ddy kam cht ohne niß dazu ot, das von der cher der h wieder — 25— der Art empor, daß eine kleine Linie ſeines Kiels aus dem Waſſer trat. Man hätte keinen beſſern Beweis von der geringen Kraft, welche ihn in der Höhe hielt, und von der gelegenen Ankunft des rettenden Bootes liefern können. Wenn das Boot in der Nähe des Schoners geblieben wäre, würde man eine halbe Stunde ſpäter bemerkt haben, daß der Rumpf allgemach tiefer und tiefer ſank, und ſich ohne Zweifel Zoll um Zoll dem Grunde des Golfs näherte. Indeſſen war die Sonne höher geſtiegen, und die Wärme der Stunde, der Jahreszeit und der geographiſchen Breite ergoß ſich über unſere unglücklichen Freunde. Man hatte in dem Boote ein altes Segel gefunden, das Miſtreß Budd und Biddy ſehr zu ſtatten kam, um die Füße zu trocknen, die ſo lange im Waſſer geſtanden und ganz erſtarrt waren. Dann zog der Maat den Korb mit Zwie⸗ back heran und öffnete denſelben. Jedes erhielt ein kleines Stück, und bei genauerm Nachſuchen entdeckte Harry ein Stück gedörrtes Schiffsfleiſch, welches man in dieſem Korbe aufbewahrt hatte. Auch davon gab er Jedem ein mäßiges Schnittchen, während er ſelbſt ſich ein wenig beſſer bedachte, da es bei ihm der Vorſicht nicht in ſo hohem Grade mehr bedurfte. Unſere Freunde litten aber nicht ſowohl durch Hunger, als durch Durſt. Dieſes zweifache Leiden war jedoch nicht lange genug gefühlt worden, um ſie ernſtlich zu ſchwächen, oder eine volle Mahlzeit ſehr gefährlich zu machen; der Durſt machte ſich aber am Peinlichſten fühlbar. Biddy ſprach dieß bald laut aus. „Der Magt iſt gut,“ ſagte ſie,„und der Zwieback ſchmeckt angenehm und wohlthuend; aber Waſſer iſt eine 30 geſegnete Sache. Könnt Ihr mir einen Tropfen Waſſer geben, welches vom Himmel fällt, Herr Mulford? Denn dieſes Seewaſſer iſt zu nichts gut, als Chriſtenmenſchen darin zu ertränken.“ Der Maat ſchlug ſogleich eines der Fäßchen auf und füllte die Zinnkanne damit, welche ſich faſt in jedem Boote vorzufinden pflegt, Biddy ſagte nichts mehr; aber ihre Augen ſprachen ſo beredt, daß Roſa bat, Harry möge das treue Geſchöpf zuerſt trinken laſſen. Ein gieriger Schluck wurde genommen, und dann folgte ein Schrei getäuſchter Hoffnung. Es war Salzwaſſer, das man als Ballaſt in das Fäßchen gefüllt hatte. Mit den anderen Fäßchen ver⸗ hielt es ſich ebenſo. „Es iſt ſchrecklich, ohne einen Tropfen Waſſer zu ſein,“ flüſterte Roſa,„und unſere Koſt hat dieſes peinliche Gefühl nur noch geſteigert.“ „Geduld, Geduld, liebſte Roſa, nur noch zehn Minu⸗ ten Geduld, und Ihr werdet Alle Euern Durſt löſchen können,“ antwortete der Maat, ließ das Segel füllen und hielt mit dem Boote ab.„Auf der Klippe, welcher ich zuerſt zuſchwamm, findet ſich Waſſer, und wir wollen es uns ſichern, ehe es in der Hitze der Sonne verdunſtet.“ Dieſe Nachricht beſchwichtigte die Sehnſucht derer, welche ihre Hoffnung getäuſcht ſahen, und daher die Ent⸗ behrung doppelt fühlten; und das Boot gleitete den Klip⸗ pen zu. Die Abtrifft des Wracks förderte den raſchen Lauf des Bootes, und als Mulford über dieſes Waſſer hinflog, gedachte er der Scene, in welcher er die vergangene Nacht ſo ſchmerzlich hingebracht hatte. Wie es oft geſchieht, ſchaudert der Verz gegengett Wunſch, dem Erf⸗ krönte. Das einen ku ſie ſenkte Phantaſi ſerwüſte, ſchaft lel Jetz platte, d angeſtoße Der Behälter „Ei rief Bidte „und tar ſtets nur Aus entgegen Lobes un Augen n „W ſo beſch⸗ Maat,„ geachtet dort mit Waſſer Denn nenſchen auf und n Boote ber ihre löge das Schluck täuſchter allaſt in chen ver⸗ zaſſer zu peinliche n Minu⸗ ſt löſchen üllen und delcher ich wollen es rdunſtet.“ cht derer, die Ent⸗ den Klip⸗ n Lauf des er hinflog, gene Nacht geſchieht, — 3— ſchauderte er bei der Erinnerung an Dinge, welchen er in der Verzweiflung jener Augenblicke mit feſtem Muthe ent⸗ gegengetreten war. Er glaubte jedoch, nur der glühende Wunſch, Roſa zu retten, habe ihn das Wagniß mit dem Erfolge beſtehen laſſen, welcher ſeine Anſtrengungen krönte. Das theure Weſen, das an ſeiner Seite ſaß, bat um einen kurzen Bericht deſſen, was ſich begeben hatte, und ſie ſenkte ihr Haupt in Schmerz und in Freude, als die Phantaſie ihr die Lage ihres Verlobten inmitten der Waſ⸗ ſerwüſte, der dunkeln Nacht und ſeiner ſchrecklichen Geleit⸗ ſchaft lebendig ausmalte. Jetzt war aber Alles vorüber. Dort lag die Klippen⸗ platte, dieſer rettende Fels, an welchem Mulford's Fuß angeſtoßen, dicht vor ihnen, und jetzt betrat ihn ihr Fuß. Der Maat nahm die Zinnkanne, eilte zu dem kleinen Behälter, und kehrte mit einer Labung für Alle zurück. „Eine geſegnete, geſegnete Sache iſt das Waſſer!“ rief Biddy aus, welche jetzt die erſehnte Erquickung fand, „und tauſendfacher Segen über Euch, Herr Mulford, der ſtets nur gut an uns gehandelt hat.“ Aus Roſa's Blick ſtrömte ihm ein ſchönerer Dank entgegen, und ſelbſt Miſtreß Budd hatte ein Wort des Lobes und Dankes für ihn. Hans Tier ſchwieg; aber ſeine Augen waren nicht müßig, wie er ſogleich bewies. „Wir ſind Alle mit unſeren eigenen Angelegenheiten ſo beſchäftigt geweſen,“ bemerkte der Proviantmeiſters⸗ Maat,„daß wir der Dinge in unſrer Nachbarſchaft wenig geachtet haben. Herr Mulford, wenn das Schiff, welches dort mit vollen Segeln durch den Kanal des Riffes läuft, — 32.— nicht die Brigg iſt, kenne ich die Molly Swaſßh nicht, wenn ich ſie ſehe.“ „Die Brigg?“ rief der Maat, der ſich ſogleich der Schiffe erinnerte, deren er bei Tagesanbruch anſichtig geworden war.„Sollte das Schiff, das ich dieſen Morgen nach ſüdwärts erſcheinen ſah, die Brigg ſein?“ „Seht hin und urtheilt ſelbſt, Herr. Dort kommt ſie einher wie ein muthiger Renner, und wenn ſie auf ihrem jetzigen Curs bleibt, muß ſie auf eine oder zwei Meilen an uns vorüberkommen, ſofern wir bleiben, wo wir ſind.“ Mulford ſchaute hin, und Alle thaten, wie er. Gewiß⸗ dort lief die Swaſh vor dem Winde und unter einer Wolke von Segeln daher. Sie mochte noch eine, höchſtens anderthalb Stunden entfernt ſein, bei der Geſchwindigkeit aber, mit welcher ſie ſegelte, mußte dieſe Entfernung bald ſchwinden. Ohne Zweifel lief ſie durch den Kanal, um in das Becken der Dry⸗Tortugas einzutreten, und den Scho⸗ ner aufzuſuchen, da Spike ſich der Hoffnung hinzugeben ſchien, er habe ſeinen Verfolgern an der Küſte von Cuba eine Naſe gedreht. Der Maat ſah ſich jetzt nach dem Schiffe auf der Nordweſtſeite um, welches er für die Kriegsſchluppe hielt. Dieſes Schiff hatte gewendet, und hielt auf einer ſteifen Bulinie nach ſüdwärts ab. Es ſtand noch ſehr fern, wenigſtens drei bis vier Stunden, der Wechſel in der Stellung aber, welchen es ſeitdem genommen, zeigte, daß es ein guter Segler war. Früher war der Rumpf noch ganz verdeckt, jetzt aber war es nahe genug, um den Umriß eines langen, ſtracken Baues unter ſeinem Segel⸗ tuche gewahren zu laſſen. 3 „Es von uns das Schif Ausguck dieſem Ar Spike iſt ſich hat.“ „Er Mulf ſtaunen. ausſehende ihm einen gewillt ſeir den Beine Ausdruck! zu heben ſchienen. Auge war Da i welcher ſich Abfahrt S ſich des Zo ſolches Zuſt druck in T kund gab, l dürfte, wenr zu ſchaden. Es wa gethan wer! Inhalt des 244— 246 aſh nicht, pgleich der anſichtig n Morgen kommt ſie auf ihrem pei Meilen wir ſind.“ r. Gewiß, iner Wolke höchſtens ſindigkeit nung bald nal, um in den Scho⸗ hinzugeben von Cuba fe auf der uppe hielt. iner ſteifen ſehr fern, ſel in der zeigte, daß umpf noch „ um den nem Segel⸗ — 33— „Es iſt kaum denkbar, daß Spike das Schiff nördlich von uns nicht ſehen ſollte,“ ſagte Harry zu Tier, welcher das Schiff mit ihm näher in das Auge gefaßt hatte.„Der Ausguck iſt gewöhnlich gut an Bord der Swaſh, und in dieſem Augenblicke dürfte er die Augen doppelt anſtrengen. Spike iſt kein Stümper, wenn er ernſte Geſchäfte vor ſich hat.“ „Er iſt ein Schurke,“ murmelte Hans Tier. Mulford betrachtete ſeinen Gefährten nicht ohne Er⸗ ſtaunen. Hans war in der Regel ein ſehr unbedeutend ausſehender Burſche, und man verweilte ſchwerlich dabei, ihm einen zweiten Blick zuzuwerfen, man mußte denn gewillt ſein, über ſeine Rundung und ſeine kleinen, watſcheln⸗ den Beine zu lachen. Jetzt aber glaubte der Maat den Ausdruck von Gefühlen zu gewahren, welche ſeine Geſtalt zu heben und ſeinem Aeußern Adel und Würde zu geben ſchienen. Sein Geſicht war ganz Groll, nnd in ſeinem Auge war etwas, das ſich Mulford nicht erklären konnte. Da ihm Roſa jedoch den Vorfall berichtet hatte, welcher ſich auf der kleinen Inſel in dem Augenblicke der Abfahrt Spike's begeben, nahm Harry an, Hans Tier habe ſich des Zornes noch nicht ganz entſchlagen, welchen ein ſolches Zuſammentreffen erzeugt haben mußte. Der Aus⸗ druck in Tier's Zügen, wie er ſich in dieſem Augenblicke kund gab, ließ ihn ahnen, daß Spike nicht ganz ſicher ſein dürfte, wenn der Zufall dem Erſtern Gelegenheit bot, ihm zu ſchaden. Es war jetzt nöthig, in Betreff deſſen, was zunächſt gethan werden müſſe, einen Entſchluß zu faſſen. Der Inhalt des Korbs konnte für die Geſellſchaft auf mehrere 244— 246. 3 34 Tage ausreichen, und in der Felshöhlung war noch ſo viel Waſſer, daß man eines der Fäßchen damit füllen konnte. Da Waſſer jedoch das erſte Bedürfniß in jenem Breitegrad war, hielt Mulford es nicht für klug, mit einem ſo kleinen Vorrath abzureiſen, und begann daher in Tier's Geſell⸗ ſchaft, die Klippen umher zu unterſuchen. Es gelang ihnen, ein zweites Fäßchen mit ſüͤßem Waſſer zu füllen, auch fanden ſie mehrere Schalthiere, welche den Frauen ſehr erquickend und erfriſchend mundeten. Hunger und Durſt quälten ſie jetzt nicht mehr. Des letztern, peinlichen Gefühls waren ſie los, indem ſie von Zeit zu Zeit einen Schluck Waſſer nahmen und, ehe ſie es hinunter tranken, eine kleine Weile im Munde behielten, und was die Nahrung betraf, ſo hatten ſie mehr Zwieback, als ſie zu brauchen hofften, auch war derſelbe vorzüglich gut. Ohne Zweifel hatte das längere Verweilen in dem Waſſer, zu welchem Roſa, ihre Tante und Biddy gezwungen geweſen, die Qual, welche der Durſt ihnen bereitete, gemildert, obgleich Alle, beſonders in den heißen Stunden, mehr oder weniger davon gelitten hatten. Das Einnehmen des Waſſers hatte Mulford und Tier eine halbe Stunde weggenommen. Nach Verlauf dieſer Zeit, war die Brigantine ſo nahe, daß man ihren Rumpf deutlich ſehen konnte. Es war hohe Zeit, daß man einen Entſchluß faßte, was nun zu thun ſei. Als man an der Klippe anlegte, hatte man das Segel des Bootes gebraßt, und das Boot ſelbſt lag an einer Stelle an, wo man von der Swaſh aus nur den Maſt ſehen konnte. Unter dieſen Umſtänden hielt Mulford es für das Gerathe gehen z wohin j Um ganze C der Klij die Brig würde. und wen zu erwa Die Maſt de Verſteck Nothſege lichen S ſchlafen ein Schle Stunden ford's Be Der ſich ein Bewegun Nach ſo nahe, welche ſich ſie auch 3 Bis ohne das gerade ge⸗ och ſo viel len konnte. Breitegrad ſo kleinen er's Geſell⸗ mit ſüßem Schalthiere, Hmundeten. nehr. Des em ſie von ‚ehe ſie es e behielten, ar Zwieback, vorzüglich len in dem hgezwungen in bereitete, en Stunden, rd und Tier erlauf dieſer hren Rumpf ſchluß faßte, ppe anlegte, id das Boot der Swaſh es für das Gerathenſte, zu bleiben, wo ſte waren, das Schiff vorüber gehen zu laſſen, und dann erſt auf Key⸗Weſt loszuſteuern, wohin ſie ſich zu flüchten gedachten. Um dieß jedoch zu thun, war es nöthig, daß die ganze Geſellſchaft ſich ſo niederlegte, daß die Unebenheiten der Klippe ſie bargen, denn es war jetzt augenfällig, daß die Brigg auf eine halbe Meile an ihnen vorüber kommen würde. Bis jetzt hatte man ſie ohne Zweifel nicht geſehen, und wenn ſie vorſichtig verfuhren, war faſt mit Gewißheit zu erwarten, daß Spike ſie überſehen würde. Die nöthigen Anſtalten waren bald getroffen, der Maſt des Bootes abgenommen, die Geſellſchaft in ihrem Verſteck geborgen und die Frauen behaglich von einem Nothſegel bedeckt, unter deſſen Hülle ſie nach den ſchreck⸗ lichen Stunden, welche ſie hingebracht hatten, ein wenig ſchlafen konnten. Selbſt Hans Tier legte ſich nieder, um ein Schläfchen zu halten, die ſicherſte Art, ſich für einige Stunden„beizuſtauen,“ denn ſo lange ſollte, nach Mul⸗ ford's Beſtimmung, ihr Aufenthalt auf der Klippe währen. Der Maat ſelbſt übernahm den Ausguck und ſuchte ſich ein Plätzchen, wo er, ohne geſehen zu werden, alle Bewegungen ſeines alten Fahrzeugs im Auge hatte. Nach zwanzig Minuten war die Brigg ganz nahe, ſo nahe, daß Mulford nicht nur die Leute an ihrem Bord, welche ſich in der Takelage zeigten, ſehen konnte, ſondern ſie auch zu erkennen glaubte. Bis jetzt hatte die Brigantine ihren Curs verfolgt, ohne das Geringſte zu ändern, als ſie aber der Klippe gerade gegenüber ſtand, begann ſie ihre Leeſegel und zwar 3 ½α — 36— ſo eilig einzunehmen, wie man dieß an Bord eines Schiffes nur in dem dringlichſten Augenblicke zu thun pflegt. Unſer junger Freund fühlte ſich anfangs nicht wenig beunruhigt, denn er glaubte, man habe ſie entdeckt; bald ſah er ſich aber zu der Annahme veranlaßt, die Brigantine müſſe eben in Betreff des fremden Schiffes nach nordwärts Verdacht geſchöpft haben. Jenes Schiff hatte ſich während dieſer ganzen Zeit genähert, und mochte kaum noch drei Stunden fern ſtehen. Bei der Art, wie es voran zog,— die Naſe nach vornen,— war es nicht leicht, den„Charakter“ des fremden Schiffes zu erkennen, das Ebenmaß aber und die Breite ſeiner Ragaen ließen faſt keinen Zweifel übrig, daß es ein Kreuzer ſei. Obgleich Spike nicht erwarten konnte, ſeinem alten Bekannten, welchen er während der Jagd auf die entgegen⸗ geſetzten Küſten geleitet hatte, hier wieder zu begegnen, mochte er doch Verdacht geſchöpft haben, und Mulford glaubte, er beabſichtige, dicht um die Nordſpitze des Riſſs aufzuholen und den Vortheil, welchen ihm der günſtige Wind über das fremde Schiff bot, zu behaupten. Wenn Spike dieß wirklich that, wurde das Boot ſeinen Blicken bloß geſtellt, denn die Brigg mußte auf eine Viertelmeile und auf der Seite der Klippe vorbei⸗ laufen, wo es lag. Es war jedoch zu ſpät, um das Boot wegzuſchaffen, denn gewiß durfte ſich nur ein menſchliches Weſen zeigen, um die Ferngläſer der Brigg auf dieſen Punkt zu lenken, und dieſe Ferngläſer mußten Spike als⸗ bald ſehen laſſen, wer hier verborgen war. Es blieb daher n gangs; We beſeitige durfte, den Bli⸗ Die konnte, oder das das fern um dieſ Seite de Aug gerichtet, Mulford Die Seg Leute tre zu laſſen, beilegen Jetzt Mann ſp Sob ließ die 2 Hilfe des und dieſe Eifer anz der Klipp das Segel Es u abzuthun, Schiffes t. ht wenig kt; bald rigantine ordwärts zen Zeit en ſtehen. ornen,— Schiffes ite ſeiner es ein iem alten entgegen⸗ begegnen, Mulford des Riffs r günſtige das Boot mußte auf pe vorbei⸗ das Boot nenſchliches auf dieſen Spike als⸗ Es blieb — 37— daher nichts übrig, als ſo geduldig als möglich des Aus⸗ gangs zu harren. Wenige Minuten reichten hin, um jeden Zweifel zu beſeitigen. Die Brigg wendete ſo dicht, als ſie es wagen durfte, um das Riff, und in kurzer Friſt lag das Boot den Blicken Aller an Bord bloßgeſtellt. Die Brigg ſtand jetzt ſo nahe, daß Mulford deutlich ſehen konnte, wie der Hochbootsmann auf die„Wagenremiſe“ oder das kleine Sturmhausdeck ſtieg, wo Spike ſtand und das ferne Schiff mit ſeinem Fernglas in das Auge faßte, um dieſem das kleine Boot zu zeigen, welches an der Seite der Klippe lag. Augenblicklich wurde das Fernglas auf die Stelle gerichtet, und die Bewegungen an Bord der Brigg ließen Mulford ſogleich ſehen, daß man das Boot erkannt hatte. Die Segel wurden an Bord der Swaſh geborgen, und Leute trafen Anſtalten, das Spiegelboot in das Waſſer zu laſſen, während Alles darauf hindeutete, daß das Schiff beilegen wollte. Jetzt war keine Zeit mehr zu verlieren, und der junge Mann ſprang alsbald auf. Sobald die Geſellſchaft ſich erhoben und gezeigt hatte, ließ die Mannſchaft ein dreimaliges Hurrah hören. Mit Hilfe des Fernglaſes hatte Spike ſie ohne Zweifel erkannt und dieſe Nachricht der Mannſchaft mitgetheilt, um ihren Eifer anzuſtacheln. Dieß verdoppelte die Eile derer auf der Klippe, und im Nu waren ſie im Boote und ließen das Segel fliegen. Es war bei weitem leichter, das hier Erzählte raſch abzuthun, als einen Entſchluß in Betreff des künftigen Gehabens zu faſſen. Wenn ſich die Flüchtlinge auf das offene Waſſer wagten, wurden ſie gewiß eingeholt, ſte konnten ſich daher nur zu retten hoffen, wenn ſie auf dem Riff blieben. Wenn ſie Kanäle fanden, durch welche das Boot laufen konnte, war ihre Rettung ſehr wahrſcheinlich, da das Boot des Schoners viel raſcher ſegelte, als das der Brigg rudern konnte, ſo raſch auch das letztere, wie Mul⸗ ford wußte, ſein mochte. Der Maat hatte ſich aber dieſen Morgen überzeugt, daß die Klippen an vielen Stellen zu nahe an die Oberfläche traten, als daß das Boot, ſo klein es auch war, darüber hätte wegſegeln können. Vieles mußte daher dem Zufall anheim gegeben werden. Harry hielt jedoch ab und ſteuerte einen engen Paß entlang, durch welchen eben ein ziemlich günſtiger Wind blies. Mitttlerweile hatte die Swaſh ihr Boot in das Waſſer gebracht; es war mit vier mächtigen Rudern bemannt, und Spike ſelbſt ſtand am Steuer. Unſer junger Maat ſtellte Tier an die Backen, um das tiefſte Waſſer zu bezeichnen, und ließ ſein Segel vom Winde faſſen, um ſo ſchnell als möglich nach vornen zu kommen. In der That kam er nach vornen, aber in einer Richtung, welche ihn bald auf das offene Waſſer der Hauptdurchfahrt durch das Riff führte, während Spike bedeutend ſpiegelwärts blieb. Der Letztere erhob ſich jetzt in dem Boote und gab ein Signal mit ſeinem Hute, welches der Hochbootsmann vollkommen verſtand. Dieſer ließ die Brigg ſich kurz auf der Ferſe wenden, traf ſeine Anſtalten zur Jagd und hielt, ſo Durchfaht Mul weit von doppelter ſtand wie Kanonen, bediente, ſobald er Der rechten W vorwärts ſpäter, au Wie fahrt ſtär! Riff wiede dem Kana und gegen. eine ſchnell Der 2 neuen Kau Kanonen d konnten ihr Spike in ſe Allem liche. Er große Dur Mulford ku entlang wi kommen, in — 39— e auf das hielt, ſobald er um die Spitze des Riffs war, auf die eholt, ſie Durchfahrt ab. 4 e auf dem Mulford ſah bald, daß er es nicht wagen dürfe, ſich welche das weit von den Klippen zu entfernen, da die Brigg mit rſcheinlich, doppelter Geſchwindigkeit ſegelte, obgleich ſie nicht ſo hochan ,als das ſtand wie er in dem Boote. Die Swaſh hatte aber ihre wie Mul⸗ Kanonen, und es war wahrſcheinlich, daß ſie ſich derſelben aber dieſen bediente, ehe ſie ihn entſchlüpfen ließ. Er wendete daher, Stellen zu ſobald er zwei hundert Ellen von dem Riff war. t, ſo klein Der neue Curs brachte die Flüchtlinge faſt in einen n. Vieles rechten Winkel von dem, welchen Spike ſteuerte, der ſtracks vorwärts abhielt, als wüßte er, daß ſie doch, früher oder 3. ſpäter, auf einander ſtoßen müßten. ingen Paß Wie es ſchien, begann die Strömung durch die Durch⸗ iger Wind fahrt ſtärker zu wirken, denn als Mulford's Boot das Riff wieder erreichte, kam es bedeutend windwärts von dem Kanal zu ſtehen, aus welchem es ausgelaufen war, und gegenüber öffnete ſich eine andere Waſſerſtraße, welche eine ſchnelle Flucht zu begünſtigen ſchien. Der Maat wagte ſich, ziemlich blindlings, in dieſen neuen Kanal, denn er mußte auf jede Gefahr hin den Kanonen der Brigg auszuweichen ſuchen. Sie wenigſtens das Waſſer bemannt, ager Maat Waſſer zu en, um ſo in einer konnten ihm nicht in dieſes Klippengewinde folgen, mochte Waſſer der Spike in ſeinem Boote nach Belieben vorſchreiten. tend Spike Allem Anſchein nach war Spike's Jagd keine glück⸗ liche. Er mußte von ſeinem Curs ablenken, um in die und gab große Durchfahrt und an den Punkt zu kommen, wo bootsmann Mulford kurz vorher daſſelbe gethan hatte, dann das Riff ch kurz auf entlang windwärts rudern, um in den neuen Kanal zu Jagd und kommen, in welchen das Boot, das er verfolgte, eben ein⸗ — 340— gelaufen war. Dieß brachte ihn nicht allein wieder ſpiegel⸗ wärts, ſondern eine große Strecke ſpiegelwärts, indem er genöthigt war, den erwähnten Umweg zu machen. Er hielt jedoch auf ſeinen Curs an, und ſchien ſö erpicht auf die Jagd, wie der Hund, der das Wild im Auge hat. Mulford's Boot ſchien zu fliegen, und gleitete wenig⸗ ſtens mit einer Geſchwindigkeit von drei Fuß gegen zwei von Spike nach vornen. Die Richtung des Kanals, in welchen er gerathen war, brachte ihn dicht an den Wind; aber das Waſſer war glatt, und unſer Maat wußte ſich ſo zu wenden, daß er zugleich gefüllte Segel hatte, und doch ganz auf der Luvſeite der Klippen dahinlief. Nach zehn Minuten waren die Flüchtlinge eine volle Meile von der Brigg, welche ihnen nicht folgen konnte, ſondern in der großen Durchfahrt auf⸗ und niederging, um des Verlaufs zu harren. Einmal glaubte der Maat, der Kanal laufe wieder in die offene See hinaus, und zwar auf die Nordſeite des Riffes, und mehr als eine Meile öſtlich von dem Punkte, wo die Schiffsſtraße begann, in welcher die Swaſh ſtand; ein zufälliger Umſtand hin⸗ derte ihn aber, weit genug hinauszulaufen, um deſſen gewiß zu ſein. Die Sache verhielt ſich ſo. Als Mulford in der erwähnten Weiſe anderthalb Meilen über das Riff gelaufen war, hatte er Spike's Boot eine volle halbe Meile hinter ſich gelaſſen. Er war nun außer dem Bereiche der Kanonenkugeln der Brigg, wenig⸗ ſtens aus dem ihrer Kartätſchenkugeln, des einzigen Geſchoſſes, welches er fürchtete, und ſo weit windwärts, daß er hoffen Riffes z und die 3 entlang in gerad abhalten zeigte ſie ohne Her Segel zu Boot we Waͤ wieder it gethan h glückliche dieß jedoe welche de halbe Me ſo leichter leichter g.⸗ Dieſe blick in 2 der Oeffne fen war. Wir einige Mi der That auf die F können, w⸗ der ſpiegel⸗ indem er n. ſchien ſö Wild im tete wenig⸗ gegen zwei Kanals, in den Wind; wußte ſich hatte, und f. eine volle gen konnte, niederging, der Maat, naus, und r als eine aße begann, nſtand hin— um deſſen anderthalb pike's Boot er war nun igg, wenig⸗ es einzigen windwärts, — 41— daß er nach jeder ſüdlichen Oeffnung ausſpähte, die ihn hoffen ließ, einen Strich weiter in das Labyrinth des Riffes zu treten, in welchem er am Leichteſten entſchlüpfen und die Ruderer ſeines Verfolgers ermüden konnte. Zwei bis drei ſolcher Oeffnungen zeigten ſich, als er entlang gleitete; ſte ſchieuen ihm aber alle nicht weit genug, in gerader Linie fortzulaufen, und er mochte nicht in ſie abhalten, eine Anſicht, welche ganz richtig war. Endlich zeigte ſich eine, welche, ſoweit er ſehen konnte, ſtracks und ohne Hemmniſſe fortlief, und durch die er mit fliegendem Segel zu flüchten hoffte. Sein Ruder ging nieder, das Boot wendete, und flog raſcher denn je nach ſüdwärts. Wäre Spike gefolgt, um dieſelbe Untiefe gelaufen und wieder in den Kanal eingetreten, wie das gejagte Boot gethan hatte, ſo wären alle ſeine Hoffnungen auf einen glücklichen Erfolg alsbald zunichte geworden. Er verſuchte dieß jedoch nicht, ſondern hielt in eine der Oeffnungen ab, welche der Maat verſchmäht hatte, und ſchnitt ſo eine halbe Meile ſeiner Entfernung ab. Dieß konnte ihm um ſo leichter gelingen, als ein Ruderboot nahe dem Wind leichter ging, als mit dem Wind voll auf ſein Bug. Dieſe kürzere Richtung führte Spike in dem Augen⸗ blick in Mulford's neuen Kanal, als dieſer die Mündung der Oeffnung eben hinter ſich hatte, durch welche er gelau⸗ fen war. Wir brauchen kaum zu bemerken, daß die beiden Boote einige Minuten ſich ganz nahe geweſen ſein müſſen; in der That kamen die Verfolger unſeren Freunden ſo nahe auf die Ferſen, daß ſie leicht mit einander hätten ſprechen können, wenn ſie dazu Luſt gehabt hätten. Kein Wort wurde aber laut. Mulford lief entlang, und Spike folgte etwa hundert Ellen ſpiegelwärts. Dieß war ein Augenblick der Verſuchung für den Letzteren, und der Teufel ſchien ihn zur Rache zu ſpornen. Er hatte die Jagd nicht unbewaffnet begonnen, denn man ſah drei oder vier geladene Gewehre auf dem Dollbord der Jolle liegen. Er blickte auf ſeine Leute und ſah, daß ſie nicht länger in der Weiſe ausdauern konnten, wie ſie bisher gerudert hatten. Dann ſchaute er auf Mulford's Boot, und ſah es mit einer Geſchwindigkeit von ſich abgleiten, welche bald wieder eine Strecke von einer halben Meile zwiſchen ſie legen konnte. Spike griff nach einem Gewehre, hob es bis zur Schulter, ja, er war eben im Begriff, auf den Maat anzuſchlagen, als Roſa, welche ſeine Bewegungen ſcharf in das Auge faßte, ſich vor Harry ſtellte und, wenn ſie nicht wirklich ſein Leben rettete, Spike wenigſtens hinderte, daſſelbe in dieſem Augenblicke zu gefährden. Im Verlaufe der nächſten zehn Minuten hatten die Flüchtlinge wieder einen folchen Vorſprung vor ihren Verfolgern gewonnen, daß dieſe allmählich jede Hoffnung auf einen glücklichen Erfolg aufgaben. Spike ließ einige bittere Flüche laut werden, und befahl ſeinen Leuten, die Ruder ruhen zu laſſen. „Es war ein Glück für den Ausreißer,“ grollte er vor ſich hin,„daß das Mädchen zwiſchen uns trat, ſonſt würde er zum letzten Mal Athem geholt haben. Ich habe längſt Verdacht gehabt; hätte ich es gewiß gewußt, ſo wäre der Golf ſchon in der erſten Nacht, welche wir darauf ſchwammen, ſein Grab geworde n.— Laßt das Rudern, Schurke i Die Male die ſo ungeſtt Das vor ihnen Dieſe nach vorn welcher d zeigte ſich „Dor Jungen, v Kanal get nicht entri In de Kanal ge hinausführ oft wendet ſtieß er ar Oberfläche ſchreiten he Mulfo allen ſeiner chen er ſie ſeinen Weg Rückzug ab um der He Verfolgern — 43.— entlang, Rudern, ihr Leute, laßt das Rudern, ich glaube, der . Schurke iſt uns durch die Finger geſchlüpft.“ für den Die Leute gehorchten, und wendeten jetzt zum erſten ſpornen. Male die Köpfe, um nach denen auszuſchauen, welche ſie denn man ſo ungeſtüm verfolgt hatten. Dollbord Das Boot des Schoners war eine volle halbe Meile ſah⸗ d vor ihnen, und hatte wieder geviert. Shutordes Dieſer letztere Umſtand veranlaßte Spike, langſam von ſich nach vornen zu rudern, um einen andern Paß zu ſuchen, ner halben welcher den Flüchtlingen den Weg abſchnitt, nirgends zeigte ſich aber eine ſolche Oeffnung. 1 bis zur„Dort läuft er ab, bei Georg,“ rief Spike.„Voran, den Maat Jungen, voranz leicht gerudert; er ſcheint in einen falſchen gen ſcharf Kanal getreten zu ſein, und in dieſem Falle ſoll er uns wenn ſie nicht entrinnen.“ 3 hinderte, In der That, der arme Mulford war in einen falſchen Kanal gelaufen, und ſah keine Oeffnung, welche ihn hatten die hinausführte. Zwei⸗ oder dreimal vierte er, und ebenſo vor ihren oft wendete er ſein Boot; wohin er ſich aber wendete, Hoffnung ſtieß er auf Untiefen oder Klippen, welche bis an die ließ einige Oberfläche des Waſſers herantraten und ſein Weiter⸗ Leuten, die ſchreiten hemmten. Mulford konnte ſeine Lage nicht verkennen. Nach grollte er allen ſeinen Anſtrengungen, nach allen Hoffnungen, wel⸗ trat, ſonſt chen er ſich bereits hingegeben hatte, ſah er nicht nur Ich habe ſeinen Weg nach vornen verſperrt, ſondern auch ſeinen gewußt, ſo Rückzug abgeſchnitten. Der Kanal war nicht weit genug, welche wir um der Hoffnung Raum zu geben, er könne an ſeinen Laßt das Verfolgern vorüberkommen, und der junge Mann mußte — 44— ſich ſagen, daß er nichts Beſſeres thun könne, als ſich mit Würde ſeinem Schickſale fügen. Er ſelbſt gab jede Hoffnung auf, er kannte Spike's Charakter zu gut, ſeiner Gefährten wegen aber hegte er für den Augenblick keine Beſorgniß. Spike's Gefühle für Roſa waren gewiß roher, ſinnlicher Art; aber ihr Ver⸗ mögen, welches er viel höher anſchlug, als es wirklich betragen mochte, war eine Art Pfand, daß er ſich nicht in eine Lage verſetzen würde, die es ihm unmöglich machen mußte, ſich deſſelben zu erfreuen. Seltſame, haſtige und vielleicht wirre Gedanken ſtröm⸗ ten durch Harry Mulford's Kopf, als er ſein Segel braßte und ſeines Feindes harrte, um heranzutreten und ſich des Bootes und ſeiner zu bemächtigen. Dieß geſchah von Seiten Spike's ruhig und mit ſehr wenig Worten. Mulford würde es bei weitem lieber geſehen haben, hätte ſein alter Befehlshaber ihn mit Flüchen überſchüttet, und die Wuth, welche in ſeiner Seele kochte, in jeder andern Weiſe bethätigt. Spike ſchien aber nie ruhiger geweſen zu ſein, oder mehr Selbſtbeherrſchung an den Tag gelegt zu haben. Er lächelte und begrüßte Miſtreß Budd, als wenn ſich nichts Unangenehmes begeben hätte, und ſpielte in ſcherzhaften Worten und ſcheinbar guter Laune auf die Hitze der Jagd an. Dieſes Gehaben täuſchte die Frauen, und ſie begannen, ſich der Hoffnung zu überlaſſen, das Schlimmſte, das ihnen begegnen könne, dürfte die Rückkehr in die früheren Zu⸗ ſtände an Bord der Swaſh ſein. Im Vergleiche mit ihrer furchtbaren Lage auf dem Wrack war darin ſogar etwas = Tröſtliche lich vorka „Wa ford?“ f gingen, un ſen der E gefangenen Anderen i men wurd welches zu von dem? „Er Wrack erſt „Er gewiß, und war ſeit v Jahren in hat ſich ei an jener K Eine e Durchfahrt dieſe Klivp Fuß im Du konnte, ger der Fluth bemerken, k war, als d und da die Regenwaſſer , als ſich tte Spike's r hegte er hefühle für r ihr Ver⸗ es wirklich r ſich nicht lich machen nken ſtröm⸗ begel braßte und ſich des geſchah von rten. ſehen haben, überſchüttet, e, in jeder nie ruhiger ing an den üßte Miſtreß egeben hätte, einbar guter ſie begannen, te, das ihnen früheren Zu⸗ che mit ihrer ſogar etwas — 45— Tröſtliches, ſo daß der Wechſel ihnen gar nicht ſo ſchreck⸗ lich vorkam. „Was iſt aus dem Schoner geworden, Herr Mul⸗ ford?“ fragte Spike, als die Boote den Kanal hinab⸗ gingen, um auf die Brigg loszuſteuern, denn zwei Matro⸗ ſen der Swaſh hatten mit deren Befehlshaber in dem gefangenen Boote Platz genommen, während die zwei Anderen in der Jolle blieben, die ins Schlepptau genom⸗ men wurde.„Ich ſehe, daß Ihr das Boot hier habt, welches zu ihm gehörte, und glaube, Ihr hüßt etwas von dem Fahrzeuge ſelbſt wiſſen.“ „Er legte ſich in einer Bö um, und wir haben das Wrack erſt dieſen Morgen verlaſſen,“ antwortete der Maat. „Er legte um? Ha, das war ein ſchlimmes Loos, gewiß, und zeugt von ſchlechter Seemannskunſt. Nun, ich war ſeit vierzig, oder wenigſtens ſeit fünf und dreißig Jahren in jeder Art Fahrzeug, und nie in meinem Leben hat ſich eines umgelegt. Die Augen auf, dort vornen, an jener Klippe dort angehalten!“ Eine einſame Korallenplatte erhob ſich dicht an der Durchfahrt zwei bis drei Fuß aus dem Waſſer, und auf dieſe Kliype deutete Spike. Sie hatte höchſtens fünfzig Fuß im Durchmeſſer, und ſtieg, wie man deutlich ſehen konnte, gerade ſo hoch, daß der gewöhnliche Höhepunkt der Fluth an ihr anſpülte. Es iſt kaum nöthig, zu bemerken, daß kein anderes friſches Waſſer dort zu finden war, als das, welches ein gelegentlicher Regen brachte, und da die Platte faſt ganz glatt war, konnte nur wenig Regenwaſſer ſtehen bleiben. Das Boot legte bald an dieſer — — 46— Platte an, und die zwei Matroſen hielten es an den Fangleinen feſt. „Thut mir den Gefallen, Herr Mulford, und tretet hier herauf,“ ſagte Spike, und ſchritt voran auf die Platte. „Ich habe Euch ein Wort zu ſagen, ehe wir wieder an Bord der alten Molly treten.“ Mulford fügte ſich ſchweigend, und in der ſichern Er⸗ wartung, Spike werde ihm eine Kugel durch den Kopf jagen; er wünſchte lediglich, die blutige That möchte auf eine, Roſcks Gefühl ſo wenig als möglich verletzende Weiſe vollbracht werden. Spike ließ jedoch eine ſol Er ſann auf eine tiefer einſchne che Abſicht nicht gewahren. idende Grauſamkeit; ſeine NRache war berechnet und umgab ſich ſozuſagen mit den ſtand vielleicht nicht ganz Förmlichkeiten des Geſetzes. Er ch den Schein, als auf dem Rechtsboden, aber er gab ſi ſtütze er ſich auf ſein Recht.“ „Hört, Herr Mulford,“ ſagte Spike bitter, ſobald ſie allein auf der Klippe waren,„Ihr habt meine Brigg heimlich verlaſſen, und dadurch bewieſen, daß Ihr ſie nicht liebt, und ich bin nicht geneigt, Jemanden bei mir zu behalten, der mich zu verlaſſen wünſcht. Ihr ſeid hier auf terra firma, wie ſich die Gelehrten ausdrücken, und Ihr habt meine volle Erlaubniß, hier zu bleiben. Ich wünſche Euch einen guten Morgen, Herr; und wenn wir an Bord kommen, werde ich nicht verfehlen, bekannt zu machen, daß Ihr die Brigg aus freiem Willen verlaſſen habt.“ „Ihr werdet nicht ſo grauſam ſein, mich auf dieſem nackten Fels allein zu laſſen, Capitän Spike, und zwar o Waſſer „2 Ihr den „ laſſen, richten; verlaſſen Mann e gefüllt, ihn mit Spi das Boo Leichten Mädchen Gefühl u gen, als gelöſt wa Weſen al Mul wie er pr chen mit ſeinen K. wenigſtene Bei kehrte von erreicht, a auf die B Die und bewe es an den und tretet f die Platte. wieder an ſichern Er⸗ h den Kopf tmöchte auf ) verletzende ht gewahren. amkeit; ſeine gen mit den ht nicht ganz Schein, als er, ſobald ſie meine Brigg Ihr ſie nicht nbei mir zu Ihr ſeid hier zdrücken, und bleiben. Ich ind wenn wir n, bekannt zu illeen verlaſſen ich auf dieſem Spike, und — 47— zwar ohne einen Biſſen Speiſe und ohne einen Tropfen Waſſer?“ „Waſſer iſt eine geſegnete Sache, rief Biddy.„Wollt Ihr den Herrn ohne Waſſer laſſen?“. „Ihr habt mich ohne Speiſe und ohne Waſſer ver⸗ laſſen, Herr, und mögt Euch Euern Fels behaglich her⸗ richten; ja, Herr, alle Teufel, Ihr habt mich im Feuer verlaſſen, und dieß iſt etwas, das keinem gutdenkenden Mann eingefallen wäre.— Auf, ihr Jungen, das Segel gefüllt, und wenn er an das Boot kommen ſollte, ſo jagt ihn mit den Bootshaken weg.“ Spike begann zornig zu werden, und trat wieder in das Boot, ohne zu bemerken, daß Roſa es verlaſſen hatte. Leichten Fußes und entſchloſſenen Muthes war das ſchöne Mädchen, ſchöner, als je, vielleicht durch ihr erregtes Gefühl und das entfeſſelte Haar, auf die Klippe geſprun⸗ gen, als Spike in das Boot ſtieg, und als das Segel gelöſt war, und er ſich umkehrte, trieb er von eben dem Weſen ab, welchem alle ſeine Anſtrengungen galten. Mulford glaubte, Roſa ſollte demſelben Schickſale, wie er preisgegeben werden, und empfing das edle Mäd⸗ chen mit ausgebreiteten Armen, obgleich er Spike auf ſeinen Knien anzuflehen bereit war, zurückzukehren und wenigſtens ſie mitzunehmen. Bei Spike war aber eine ſolche Bitte unnöthig. Er kehrte von ſelbſt zurück, und hatte eben die Platte wieder erreicht, als das Dröhnen eines Kanonenſchuſſes alle Blicke auf die Brigg hinwendete. Die Swaſh war wieder aus der Durchfahrt getreten, und bewegte ſich mit einem fliegenden Signale ſo nahe an dem Riff, als ſie es wagen durfte, her und hin. Alle Seeleute verſtanden augenblicklich, was dieſer Wink zu bedeuten hatte. Das fremde Schiff begann zu nahe heranzutreten, und Jeder konnte ſehen, daß es die Kriegsſchluppe war. Spike blickte Roſa einen Augenbllck wie zweifelhaft an. Aber Mukford hob ſeine Geliebte auf ſeinem Arm und trug ſie an den Rand der Klippe, wo das Boot ſtand, in welches er ſtieg. Spike's Blicke waren mit eiferſüchtiger Wachſamkeit auf das Thun des jungen Mannes gefeſſelt, und ſobald Roſa auf ihrem Sitze war, gab er dem Maat einen Winf, der ihn bedeutete, er habe das Boot zu verlaſſen. „Ich kann und werde nicht freiwillig gehen, Capitän Spike,“ antwortete Harry ruhig.„Es hieße eine Art Selbſtmord begehen.“ Ein Wink und zwei Matroſen traten herein, der Befehle des Capitäns gewärtig. Während dieſer Roſa auf ihrem Sitze feſthielt, drängten jene Harry wieder auf die Klippe hinauf. Hätte Mulford Widerſtand leiſten wollen, würden zwei Mann ihn nicht leicht aus dem Boot gebracht haben, wenn ihnen dieß überhaupt gelungen wäre; er wußte aber, daß der Capitän noch über andere zu ver⸗ fügen hatte, und fürchtete, es möchte bei dem gereizten Zuſtande Spike's in Gegenwart der Geliebten zum Blut⸗ vergießen kommen. Während er daher zu ſeinem eigenen Untergange nicht behilflich ſein wollte, vermied er es zumal, einen nicht allein gefährlichen, ſondern auch ver⸗ geblichen Widerſtand zu leiſten. Die Folge war, daß die Boote abſtießen und er allein auf der Klippe blieb. Es Ohnmach Biddy, Brigg er während niedergeſe Bericht v Mit Weſen ac fern von und ſcheit Klüſen der auf Alles, Als mit der J gegen ſege des Riffes, aus thun Art Karte dem Auger worden, Alles zu ſe Wie ſelbſt noch der Seite beſten Abſi jene ins W Was einen Auge keepſie, der 244— 24 hin. Alle Wink zu treten, und dar. Spike an. Aber nd trug ſie in welches Vachſamkeit und ſobald einen Wink, n. n, Capitän ge eine Art zerein, der dieſer Roſa wieder auf tand leiſten s dem Boot ungen wäre; dere zu ver⸗ em gereizten n zum Blut⸗ nem eigenen mied er es rn auch ver⸗ ar, daß die blieb. Es war vielleicht ein Glück für Roſa, daß ſie in Ohnmacht ſiel. Ihr Zuſtand beſchäftigte ihre Tante und Biddy, und Spike konnte ohne ferneren Aufenthalt ſeine Brigg erreichen. Roſa kam faſt noch bewußtlos an Bord, während ihre beiden Gefährtinnen ſo gedankenwirr und niedergeſchlagen waren, daß keine einen hinreichend klaren Bericht von dem, was vorgefallen war, hätte geben können. Mit Hans Tier war es nicht ſo. Dieſes ſeltſame Weſen achtete auf Alles, was ſich begab, und während er, fern von der Verwirrung, welche ſpiegelwärts herrſchte und ſcheinbar unbekümmert um dieſe, in der Nähe der Klüſen des Bootes ſaß, nahm er einen ſcharfen Ausguck auf Alles, was vorging. Als die Geſellſchaft in dem Boote des Leuchtthurms, mit der Jolle der Swaſh im Schlepptau, der Brigg ent⸗ gegen ſegelte, merkte Hans ſich die Canäle jenes Theils des Riffes, ſo gut er es von ſeinem niedrigen Standpunkte aus thun konnte. Er verſuchte, ſich in ſeinem Kopfe eine Art Karte von dieſen Oertlichkeiten zu ſchaffen, denn von dem Augenblicke an, wo Mulford auf dieſe Weiſe verlaſſen worden, faßte der kleine Burſche den feſten Entſchluß, Alles zu ſeiner Rettung zu wagen. Wie er dieß beginnen wolle, war ihm freilich jetzt ſelbſt noch nicht klar, und man konnte, als die Boote an der Seite der Brigg anlegten, ſagen, er ſei eher voll der beſten Abſichten, als mit einem hörbaren Plane fertig, um jene ins Werk zu ſetzen. Was die beiden Schiffe angeht, ſo kam Spike nicht einen Augenblick zu früh an Bord der Brigg. Der Pough⸗ keepſie, denn man hatte ſich jetzt vergewiſſert, daß das 244— 246. 4 — 5350— fremde Schiff nach nordwärts die Kriegsſchluppe war, trat jetzt auf Kanonenſchußweite heran und ſtand nahe genug, daß man ſich mittelſt des Fernrohrs von dem Cha⸗ rakter des heranziehenden Schiffes überzeugen konnte. Zum Glück lag die Brigg in der öfter erwähnten Durchfahrt, welche ſie und ihr Verfolger vor Kurzem auf ihrem Wege nach Norden durchſegelt hatten. Dadurch kam ſie nach windwärts, wie der Wind jetzt ſtand, und ihr Curs war klar auf eine weite Strecke hin. Kein Augenblick wurde verloren. Sobald die Frauen in dem untern Raume waren, ſetzte die Brigg ihre Segel bei und begann in langen und kurzen Gängen durch den Canal zu laufen. Sie wurde, wie ſich dieß von ſelbſt verſteht, gejagt, und ſcharf gejagt, da der Unterſchied in der Segelgeſchwindigkeit der beiden Schiffe nicht groß genug war, um die Flucht der Brigantine irgend als ver⸗ läſſig betrachten zu laſſen, ſo lange ſie innerhalb des Bereiches jener furchtbaren Geſchoſſe war, deren ſich die Mannſchaft des Kriegsſchiffes bediente. Spike beſchloß aber bald, ſich in Betreff eines ſo wichtigen Punktes, wie ſeine und ſeines Schiffes Sicher⸗ heit war, nicht bloß auf die Ueberlegenheit der Segelkraft zu verlaſſen. Das Florida⸗Riff, und alle ſeine Gefahren, Windungen und Klippen waren ihm ſo gut bekannt, wie die Eingänge in den Hafen von Neu⸗York. Es hatte außer den zwei oder drei großen Durchfahrten, durch welche mächtige Schiffe laufen konnten, viele andere, welche nur Schiffe von leichterer Waſſertracht zuließen. Die Brigg ging allerdings nicht„leicht,“ ſondern war bloß in gutem Ballaſtſtand und konnte in Kanäle einlaufen, durfte. C er die Flui welche faf die Brigg Dieſe der Südſe Kriegsſchle Verfolgun kurz, lief bei Sonn Schoner g Spike von dem F dorthin rie glänzte noch keepſie wend Segel zu be uppe war, ſtand nahe n dem Cha⸗ konnte. erwähnten Kurzem auf Dadurch ſtand, und die Frauen ihre Segel n durch den von ſelbſt nterſchied in nicht groß end als ver⸗ nerhalb des ren ſich die eff eines ſo iffes Sicher⸗ er Segelkraft ne Gefahren, bekannt, wie Es hatte durch welche ,‚ welche nur ht,“ ſondern te in Kanäle — 51— einlaufen, in welche ſich der Poughkeepſte nicht wagen durfte. Einer dieſer letzteren Kanäle lag ſo günſtig, daß er die Flucht Spike's förderte, und nach der ſcharfen Jagd, welche faſt eine Stunde gedauert hatte, ließ der Capitän die Brigg in dieſen einlaufen. Dieſe neue Waſſerſtraße bot einen kürzern Weg nach der Südſeite des Riffes als der Hauptcanal, und die Kriegsſchluppe, welche ohne Zweifel das Erfolgloſe einer Verfolgung unter ſolchen Umſtänden gewahrte, wendete kurz, lief wieder durch die große Waſſerſtraße, und trat bei Sonnenuntergang genau an dem Punkte, wo der Schoner geſunken war, in das offene Gewäſſer. Zweites Kapitel. Shallow: Hat der Großvater ihr ſiebenhundert Pfund hinterlaſſen? Evans: Ja, und ihr Vater hat noch etwas Erkleckliches geſpart. Shallow: Ich kenne den jungen Herrn; er beſitzt gute Gaben. Evans: Siebenhundert Pfund und Anwartſchaft ſind gute Gaben. . Shakſpeare. Spike hatte durchaus die Abſicht nicht, wieder ſüdlich von dem Florida⸗Riff zu gehen, bevor ſeine Geſchäfte ihn dorthin riefen. Der verlorne Sack mit den Dublonen glänzte noch vor ſeiner Phantaſie, und ſobald der Pough⸗ keepſie wendete und ihm ſeinen Spiegel zeigte, begann er Segel zu bergen, und lief in ſeiner engen Fahrſtraße ab 4* Alles bis auf zwei ſeiner nie als nach vornen, und wohl und auf, doch eher rückwärts, bedacht, daß man ſeine Liſt nicht gewahre. Als der Poughkeepſie ſo weit nach nordwärts ſtand, daß er ohne Gefahr an das Werk gehen konnte, nahm er drigſten Segel ab, und folgte in derſelben Richtung mit läſſiger Eile. Da die Kriegsſchluppe ihre leichten Oberſegel führte, blieb ſie den Leuten an Bord der Swaſh noch lange ſicht⸗ bar, nachdem die Swaſh ihr aus den Augen verſchwunden war. Spike machte ſich dieſen Umſtand zu Nutzen, trat, nachdem es dunkel geworden, wieder in die große Durch⸗ fahrt und wählte einen ihm längſt bekannten, ſichern Ankerplatz,— eine Stelle, wo ſich auf den Korallenklippen Sand genug angehäuft hatte, um einen guten Anhalt zu bieten, und wo ſein Schiff ſozuſagen eingebuchtet war, obgleich nach der Bildung des Riffes ſtets windwärts von der Oeffnung ſeines Kanals. Hier ließ Spike Anker werfen, erwarten, ehe er ſich weiter wagte. Roſa war dieſen ganzen ſchreckenvollen Tag in ihrer Kajüte geblieben, troſtlos, keines Wortes fähig und, wie man ſich wohl denken kann, zum Sprechen auch nicht auf⸗ gelegt. Jetzt fühlte ſie, Tante geeignet war, ihr in ihrer unglücklichen Lage Troſt zu ſpenden. Indeſſen blieb die zärtliche Sorgfalt der Miſtreß Budd, ſowie die ihrer treuen Dienerin Biddy, nicht ohne wohlthuenden Einfluß, und Vernunft und Ergebung began⸗ nen bald ihre Macht auf ein Weſen zu üben, deren Cha⸗ rakterſtärke ſich ſchon mehrfach erprobt hatte.. Stets aber ſchwebte das ſchreckliche Bild Harry's, um den Morgen zu wie wenig der ſchwache Geiſt ihrer welcher inn ſich einem Geiſte, un reißen zu n Tröſtung it heit, wenn furchtbaren Was 4 Swaſh zien fallen wäre. vorübergekon tadelndes W übernahm d Tadel oder Die eit wurde in eit ſtattfand, u meiſter, und „Ich 1 Frauen auf nachdem er ob ſie bald iſt nicht ſehr herumzufahr ein Menſch „Ah,“ wenig in ein nung fliegen Aber ich wü wir auf unſe und wohl irts ſtand, nahm er und folgte 7 egel führte, lange ſicht⸗ erſchwunden zutzen, trat, roße Durch⸗ ten, ſichern tallenklippen n Anhalt zu puchtet war, ndwärts von Morgen zu Tag in ihrer ig und, wie ich nicht auf⸗ e Geiſt ihrer n Lage Troſt lt der Miſtreß y, nicht ohne ebung began⸗ „ deren Cha⸗ Zild Harryes, — 53— welcher inmitten der einſamen Gewäſſer auf dem öden Fels ſich einem langſamen Tode preisgegeben ſah, vor ihrem Geiſte, und ſchien ſie an den Abgrund des Wahnſinns reißen zu wollen. Das Gebet brachte jedoch, wie immer, Tröſtung in ihre Bruſt, und wir ſagen bloß die Wahr⸗ heit, wenn wir berichten, daß ſie faſt die Hälfte dieſes furchtbaren Nachmittags auf ihren Knieen hinbrachte. Was Hans Tier betrifft, ſo wurde er an Bord der Swaſh ziemlich ſo aufgenommen, als wenn nichts vorge⸗ fallen wäre. Spike war wenigſtens fünfzig Mal an ihm vorübergekommen, ohne ihm einen zornigen Blick oder ein tadelndes Wort zuzuwenden, und der Viceproviantmeiſter übernahm die Pflichten ſeines Amtes wieder, ohne irgend Tadel oder Zurückweiſung zu begegnen. Die einzige Hindeutung auf ſeine neueſten Abenteuer wurde in einer Unterhaltung laut, welche in der Kambüſe ſtattfand, und an der Hans ſelbſt, Joſh, der Proviant⸗ meiſter, und Simon, der Koch, Theil nahmen. „Ich mich doch wundern, Hans, wo Ihr mit den Frauen auf dem Riff dort herumgeſtöbert,“ ſagte Joſh, nachdem er die Kajütenſuppe gekoſtet hatte, um zu wiſſen, ob ſie bald nach ſeinem Geſchmacke ſei.„Ich glauben, es iſt nicht ſehr luſtig dort unter den Felſen in einem Boot herumzufahren, da wieder ein Orkan kommen könne, ehe ein Menſch es denken.“ „Ah,“ ſagte Hans heiter,„zwei Orkane kommen ſo wenig in einem Monat, wie zwei Kugeln in dieſelbe Oeff⸗ nung fliegen. Wir haben Auſtern gefangen, das iſt Alles. Aber ich wünſchte, Ihr hättet einige der Geſchöpfe, welche wir auf unſerm Kreuzzug trafen, in Euern Keſſeln, Koch.“ — 54— Tier, von ganzem „Wären mir ganz recht, Meiſter glänzende Monarch Herzen recht,“ antwortete der feiſte, der Kambüſe.„Aber hör' er, Hans, was iſt aus unſerm Maat geworden? Ihr das ſagen können? Der Eine glauben, er ſei in den Dry⸗Tortugas geſtorben, der Andere behaupten, er umherfahren mit der jungen Weib in dem Boot, das Ihr haben.“ „Ach, Jungen,“ verſetzte Hans traurig,„ mag aus ihm geworden ſein!?“ „Wenn Ihr wiſſen, Ihr Geheimniß haben vor Freunden?“ Burſche? Habt Ihr Gefühl „Seid Ihr ſeine Freunde, genug, um einer armen Seele in ihrem Todeskampfe hilf⸗ reiche Hand zu leihen?“ „Warum nicht?“ ſagte Joſh mit dem Tone des Vor⸗ wurfs.„Miſſer Mulford der beſte Maat, der ja in dieſer Brigg dienen, und ich nicht einſehen, warum Capitän Spike ihn loswerden wollen.“ 3 „Weil er ein Schurke iſt,“ grollte Hans zwiſchen ſeinen aufeinander gepreßten Zähnen.„Verſteht Ihr, Meiſter Joſh, was das iſt— ein Schurke? Und könnt Ihr und der Koch da, die Ihr Beide mit dem Manne Jahr aus Jahr ein gereiſt ſeid, ſagen, ich ſpräche nicht die volle Wahrheit?“ „Das darauf ankommen, wie man es auslegen. Nach einer Anſicht ſein Capitän Spike kein ſehr ehrlicher Mann, ja, nach einer andern er ſo gut ſein, wie jeder ſeines Gleichen.“ „Ja, ſo es ſei, wenn es um und um kom jungen ach ja, was es uns ſagen. Wozu Ihr men,“ warf Simon be Ihr die S „Nenr Weſen auf verhungern „Wer „Der weil er gla junge Auge und ſeinem „Das ſchüttelte m bei, denn i Schwarzen Strafe rech Spike wiſſe niemals eir fangen in! nünftiger E Maus meir zu ſagen, dürfen mehf aber das m ich werfen ertrinken wi „J— c ſchen Tone gut, ein Y ausreißen,: und zahlen zn ganzem 1b Monarch ius unſerm nnen? Der dorben, der ngen Weib ach ja, was Wozu Ihr Ihr Gefühl kampfe hilf⸗ one des Vor⸗ ja in dieſer um Capitän uns zwiſchen Zerſteht Ihr, 2 Und könnt dem Manne ſpräche nicht islegen. Nach rlicher Mann, e jeder ſeines ymmen,“ warf — 55— Simon beiſtimmend ein.„Alles liegen in der Art, wie Ihr die Sach' auslegen.“ „Nennt Ihr es recht, wenn man ein menſchliches Weſen auf einem nackten Fels und inmitten des Oceans verhungern und verdurſten läßt?“ „Wer das thun?“ „Der Schurke, welcher die Brigg befehligt, und bloß, weil er glaubt, junge Augen und blühende Wangen zögen junge Augen und blühende Wangen ſeinen alten Ausguckern und ſeinem grau ſchillernden Barte vor.“ „Das ſchlecht, das ſehr ſchlecht,“ ſagte Joſh und ſchüttelte mißbilligend den Kopf, und Simon ſtimmte ihm bei, denn in den Augen dieſer behaglichen, wohl genährten Schwarzen gab es kein Verbrechen, welches eine ſolche Strafe rechtfertigte.„Das ungeheuer ſchlecht, und Capitän Spike wiſſen ſollten, daß ſo etwas ſehr ſchlecht ſein. Ich niemals einen Maus verhungern laſſen, wenn ich ihn fangen in der Brodſchrank. Und das doch wären ein ver⸗ nünftiger Straf, das, aber ich es nie thun. Wenn der Maus mein Brod eſſen, ich das Recht haben, der Maus zu ſagen, das ſein ſchlecht von ihm, und er nicht eſſen dürfen mehr mein Brod ein Woch', oder ein Monat lang; aber das mir zu grauſam, und ich es nie thun,— nein, ich werfen den kleinen Teufel über Bord, und laſſen ihn ertrinken wie ein Gintleman.“ 3 „J— a— a,“ ließ Simon es in einem philantropi⸗ ſchen Tone nachdröhnen,„das ſein der beſte Weg. Was gut, ein Mitmenſch zu martern? Wenn Miſſer Mulford ausreißen, nun— laſſen ihn ausreißen oder fangen ihn ein und zahlen ihm ſeine Löhnung nicht, ſag' ich; was das — — 56— aber gut, wenn er verhungern? Nun, das ſein mein Anſicht, Gintl'men, und ſag' ich, Hunger ſchlimmer ſein als Choleras; Choleras tödten, ich weiß; und ſo Hunger tödten, ich weiß; von der zwei aber geben eine Choleras zuerſt; wenn ich dieſen von Hals haben, dann Probe machen mit Hunger, ſag' ich.“ „Ich freue mich, Euch ſo ſprechen zu hören, meine Freunde,“ ſagte Tier,„und ich hoffe, Ihr werdet mir bei einem Anſchlag behilflich ſein, welchen ich im Sinne habe, um dem Maat aus ſeiner Klemme zu helfen. Ich würde als Freund Stephan Spike’s Herrn Mulford beiſtehen, dann es muß ſchrecklich ſein, mit einem ſolchen Mord auf der Seele vor den ewigen RNichter treten zu ſollen. Dort drüben treibt das Boot, welches wir an dem Leuchthurm gefunden haben, in dieſem Augenblick mit ſeiner Fangleine an der Brigg vertaut, und es iſt darin Alles auf das Beſte zu einem langen Lauf hergerichtet, wie ich weiß, da ich in ihm geſegelt bin, und was ich vorhabe, iſt dieß: als wir Herrn Mulford verließen, merkte ich mir Stellung und Richtung ſeiner Klippe ſehr genau, verſteht Ihr, und glaube, ich kann den Weg zu ihm leicht finden. Ihr ſeht, die Brigg geht wieder langſam nach nordwärts voran, und in Kurzem werden wir in der Nähe jener Klippe ſein. Wenn die Brigg beilegt, und ſie wird dieß thun, denn ich hörte, daß der Capitän dem ſpaniſchen Herrn ſagte, er ſei dazu geneigt,— wenn die Brigg bei⸗ legt, werden wir Drei die Anferwache überkommen und können dann das Boot, das auf dem Waſſer ſchwimmt, nehmen und den Maat aufſuchen.“ Die zwei Schwarzen blickten Tier ernſt an und wen⸗ deten dar Gedanke Ausführu Endl zukam, ül laut werd „Da ganz von ein ganz nach Lee! Eins, un gut wie Capitän Spaß, er kennen, u ſein, von mich nie ohne Mef ich ihn f Einwand der Schif Dollar jei geſcheidt fünfzig T von Neu⸗ haben,— „Es Geld verli „Wie er auf de ſein mein mmer ſein ſo Hunger Choleras ann Probe ten, meine det mir bei zinne habe, Ich würde beiſtehen, Mord auf llen. Dort Leuchthurm r Fangleine es auf das he ich weiß, abe, iſt dieß: nir Stellung ht Ihr, und inden. Ihr h nordwärts Nähe jener ſie wird dieß m ſpaniſchen he Brigg bei⸗ kommen und er ſchwimmt, an und wen⸗ — 57— deten dann ihre Köpfe, um einander anzuſchauen. Der Gedanke kam ihnen neu und kühn vor, aber jeder ſah der Ausführung deſſelben große Schwierigkeiten entgegentreten. Endlich nahm es Joſh, wie es ſeiner höhern Stellung zukam, über ſich, die Einwürfe, welche ſich ihm darſtellten, laut werden zu laſſen. „Das nicht angehen,“ rief der Proviantmeiſter.„Wir ganz von Herzen dem Maat zu helfen bereit ſein und er ein ganz ſo hübſcher Mann, wie je einer geſungen:„ſtark nach Lee!“ aber wir müſſen ein wenig denken an Nummer Eins, und dann auch an Nummer Zwei, da Simon ſo gut wie ich ſollen verwickelt werden in die Sach! Wenn Capitän Spike einmal erfahren, wir haben Hand in der Spaß, er es nie überſehen werden. Ich ihn ſehr gut kennen, und das gerade ſo viel ſagen wollen, als nöthig ſein, von eines Mannes Charakter zu ſagen. Ihr ſollen mich nie überreden, mich in ſein Rachen zu werfen, lieber ohne Meſſer kämpfen mit einer Haiſiſche. Nein, nein, ich ihn ſehr gut kennen. Dann kommen ein anderer Einwand, der gar nicht zu widerlegen ſein, und das iſt, der Schiff ſein mir und Simon Geld ſchuldig, fünfzig Dollar jedem, ſo gut wie ein Cent. Nun, Ihr es für geſcheidt halten, daß zwei farbige Gintlemen, wie wir, fünfzig Dollars hinwegwerfen, wie zwei Kaufherrnſöhne von Neu⸗York, die geſtern hundert tauſend Dollar geerbt haben,— wie, Meiſter Tier?“ „Es handelt ſich hier weder vom Ausreißen noch vom Geld verlieren.“ 3 „Wie Ihr aber der Maat wegbringen wollen? Kann er auf der Waſſer fort ſpazieren? Gut, dann er ohne — — 58— uns gehen mögen. Ein ſehr guter Gintleman ſein Miſſer Mulford, aber nicht gut genug, um Simon und mich um fünfzig Dollar zu bringen.“ „Ihr hört nicht auf das, was ich vorſchlagen will, werdet alſo auch nie erfahren, was man von Euch verlangt.“ „Gut, wir jetzt ſein wollen ganz Ohr. Hören, Simon, und wohl acht geben.“ „Nach meinem Plane nehmen wir, wenn wir vor Anker gehen,— und wir werden vor Anker gehen, ich weiß es,— das Boot, ſuchen Herrn Mulford auf ſeiner Platte, kehren dann zur Brigg zurück und gehen an Bord, während der Maat ſelbſt ſich in dem Boote flüchtet. Ihr ſeht, daß wir nicht ausreißen, und daß wir keine Löhnung einbüßen, wenn wir ſo verfahren.“ „Aber das brauchen viel Zeit und ein Ankerwach' nur zwei Stunden dauern, ſelbſt wenn man uns alle Drei dieſelbe Ankerwache geben.“ 8 „Spike pflegt dieß immer zu thun, wie Ihr wißt.— „Laßt den Koch und die zwei Proviantmeiſter die Mitter⸗ nachtswache übernehmen, damit die Mannſchaft vornen ſich gehörig ausruhen kann,“ ſagt er gewöhnlich.“ „Ja, ja, das ganz richtig, Joſh,“ ſiel Simon ein,— „faſt immer es ſich ſo treffen, daß wir miteinander wachen.“ „Ich das wiſſen, und glauben auch, daß er Alles heute Nacht ſo anordnen, wenn er vor Anker gehen. Aber ein Zweiſtundwach' nicht lang genug ſein, um Alles, was Ihr wollen, zu thun, und dann— denken Euch nur einen Augenblick— der Capitän auf der Deck kommen und Vorderee die Brig etwas S „Je caſtel zu beantwor denn ich auf das mag der beantwor das Dee ſcheinlich Kopf eir leicht oh Ihr Ste ihn noch „Gr müſſen 5 Wenn S thun Mi oder Eue Dief und ſein fanden. geneigt, grauſame dammt h und ſein Sie und er lin Miſſer mich um agen will, von Euch Hören, wir vor gehen, ich auf ſeiner an Bord, chtet. Ihr de Löhnung Ankerwach' u uns alle hr wißt.— die Mitter⸗ haft vornen h.“ mon ein,— miteinander aß er Alles gehen. Aber Alles, was ch nur einen ommen und — 59— Vordereaſtel preien, und wir all ſort ſein, ich nicht für die Brigg in Eurer Haut ſein wollen, Hans, wenn ſich ſo etwas Schreckliches begeben.“ „Ich habe aber gar nicht die Abſicht, das Vorder⸗ eaſtel zu verlaſſen, ohne daß Jemand einen ſolchen Anruf beantworten kann. Ich will nichts als einen Begleiter, denn ich möchte nicht gern um Mitternacht ganz allein auf das Riff gehen. Wenn mich Einer von Euch begleitet, mag der Andere Wache halten und des Capitäns Anruf beantworten, wenn er wirklich während unſerer Wache auf das Deck kommt,— eine Sache, die nicht ſehr wahr⸗ ſcheinlich iſt. Wenn er nach einem ſauern Tage ſeinen Kopf einmal auf ſeinem Kiſſen hat, hebt er ihn nicht leicht ohne einen Anruf oder eine Bö wieder auf. Wenn Ihr Stephan Spike ſehr gut kennt, Joſh, ſo kenne ich ihn noch beſſer.“ „Gut, Hans, das hier ein neuer Idee ſein, und man müſſen Zeit haben, über ihn nachzudenken, Ihr ſehen. Wenn Simon und ich dieſen„Reiſ'“ unternehmen, wir es thun Miſſer Mulford zu Lieb und nicht wegen ſein Gold oder Euers.“ Dieß war die ganze Aufmunterung, welche Hans Tier und ſein Anſchlag dieſes Mal bei den beiden Schwarzen fanden. Die zwei„farbigen Gintlemen“ waren ganz geneigt, einen unſchuldigen, harmloſen Mann von dem grauſamen Tode zu retten, zu welchem Spike ihn ver⸗ dammt hatte; keiner von Beiden verlor aber ſeine Sicherheit und ſein Intereſſe aus den Augen. Sie verſprachen jedoch Tier, ihn nicht zu verrathen, und er vertraute ihrem Verſprechen vollkommen. Leute, — 60— die ſtets mit einander verkehren, wiſſen in der Regel die Gefühle zu deuten, welche hinſichtlich eines gegebenen Punktes bei ihren Bekannten vorwalten, und Hans wußte recht gut, daß Harry in der Kambüſe und deren Umge⸗ bung beliebter war als der Capitän. Auf dieſes Gefühl ſtützte er ſich und war des Verlaufs der Dinge gewärtig, ehe er hinſichtlich ſeines Vorhabens einen entſcheidenden Entſchluß faßte. Die Unterhaltung in der Kambüſe fand etwa eine halbe Stunde, ehe die Brigg für die Nacht ankerte, Statt. Tier, welcher bei ſolchen Gelegenheiten oft Hilfe leiſtete, ging nach oben, um eine der Beſchlagſeiſingen an dem Oberbramſegel, welche losgegangen war, zu feſtigen. Auf der Raa hatte er eine herrliche Gelegenheit, einen Ausguck auf die Stellung der Kriegsſchluppe, auf das Labyrinth des Riffs und auf die Richtung der Klippe zu nehmen, auf welcher der arme Mulford ſein Leben ſſo jammervoll endigen ſollte. Der Zufall begünſtigte ihn in dieſem, ſeinem Gehaben, denn Spike rief ihn, während er auf der Raa ſaß, an und befahl ihm, ſcharf nach der Kriegsſchluppe auszu⸗ ſchauen, und ſich zumal zu vergewiſſern, ob vielleicht Boote ſichtbar waren, welche auf einen nächtlichen Angriff lauerten. Als Hans dieſen willkommenen Befehl erhielt, ließ er ein freudiges„Ja, ja, Herr!“ laut werden, ſtellte ſich auf die Raa, umſchlang den Maſt mit dem einen Arm und nahm ſorgfältigen Ausguck. Der Befehl, nach Booten auszuſchauen, würde ihn allein hinreichend entſchuldigt haben, geblieben Ha umzuſche großen ſichtbar. nach Nor Der dieſem I darüber, das Geri vorgefalle „Ga ſcharf na Stunde h Boote au ſuchen; ve und rude ſcharfen, „Ja, Augen thr Ihr ſchich herauf. T Antwort g Spike ſofort ein Hans ſtieg bequem hin Mittle das Deck Regel die gegebenen ns wußte en Umge⸗ s Gefühl gewärtig, chheidenden etwa eine te, Statt. fe leiſtete, an dem gen. zeit, einen auf das Klippe zu Leben ſo Gehaben, 1 ſaß, an pe auszu⸗ vielleicht en Angriff elt, ließ er lte ſich auf Arm und ich Booten entſchuldigt — 61— haben, wenn er, geblieben wäre. Hans brauchte nicht lange nach dem Poughkeepſie umzuſchauen. Die Kriegsſchluppe war bereits aus dem großen Kanale getreten und auf dem Deck nicht mehr ſichtbar. Wie es ſchien, hielt ſie unter leichten Segeln nach Nordweſt ab, wie ein Schiff, das nicht ſehr beeilt iſt. Der Capitän wurde in der herkömmlichen Weiſe von dieſem letztern mſtande benachrichtigt. Er ſchien erfreut darüber, und ſeine Antwort war ſo herzlich, als ſei nie das Geringſte zwiſchen ihm und dem Viceproviantmeiſter vorgefallen. „Ganz gut, Hans! Bravo, Hans! Seht nur jetzt ſcharf nach den Booten aus, es bleibt dazu noch eine halbe Stunde hell genug,“ rief der Capitän.„Wenn das Schiff Boote ausgeſetzt hat, müßt Ihr ſie den Kanal entlang ſuchen; vielleicht kommen ſie auch auf einem nähern Wege und rudern quer über das Riff einher. Nehmt einen ſcharfen, ſtetigen Ausguck nach ihnen, mein Burſche.“ „Ja, ja, Herr, ich werde thun, was man mit bloßen Augen thun kann,“ verſetzte Hans;„aber es wäre beſſer, Ihr ſchicktet mir an dieſem Signalfall ein Fernrohr herauf. Mit einem Fernrohre würde ich eine beſtimmte Antwort geben können.“ Spike fand dieſe Bemerkung ſehr zweckmaͤßig und ließ ſofort ein Fernrohr an dem Signalfall hinauflaufen. Hans ſtieg auf die Dwarsſahlingen nieder, ſetzte ſich hbequem hin und begann mit Muße ſeine Umſchau. Mittlerweile war die Brigg für die Nacht feſt gemacht, das Deck geklärt, und die Mannſchaft hatte ſich zum ſolange es hell war, auf der Raa Abendeſſen begeben, ehe die Ankerwache aufgeſtellt und Befehl zur„Einkehr“ gegeben wurde. Niemand achtete auf Tier's Thun, Joſh und Simon ausgenommen, denn Spike war in ſeine Kajüte gegangen. Jene zwei Schwarzen waren noch in der Kambüſe und beſprachen die Mittheilungen Tier's, während ſie abwech⸗ ſelnd ihre Köpfe aus der Thüre ſtreckten und nach oben ſchauten, um ſich anzublicken und die Köpfe bedeutungs⸗ voll zu ſchütteln, nachdem ſie mit ihren Beobachtungen zu Ende waren. Tier ſaß in aller Behaglichkeit auf ſeinen Dwars⸗ ſahlingen; er hatte ſein Fernrohr an ein Segeltau befeſtigt, ſo daß er es wie an einer Pinne drehen und ſeine Beob⸗ achtungen genau und mit Muße anſtellen konnte. Vor Allem ſchaute ſich Hans in dem Kanale ſorgſam um, um ſich zu vergewiſſern, daß keine Boote dort hielten; dann wendete er ſein Glas eifrig auf das Riff, um, was er kaum zu hoffen wagte, etwas von Mulford zu entdecken. Die Brigg hatte drei volle Stunden von dem einſamen Fels Anker geworfen, wo der Maat gelaſſen worden, und ſo günſtig auch Tier's Standpunkt war, konnte er doch kaum hoffen, einen ſo kleinen, niedrigen Gegenſtand, wie jene Klippe war, aus einer ſolchen Entfernung zu unter⸗ ſcheiden. Das Fernrohr war aber ein ungewöhnlich gutes. Spike hatte es von Jemandem zum Geſchenke erhalten, welcher bei der Auswahl ſolcher Gegenſtände eben ſo umſichtig als verſtändig zu Werke ging, und der zufällig dem Capitän ſehr verpflichtet war. Spike wußte, daß den Booten gegenüber ein ſcharfer Ausguck nöthig war, holte das Inſt gab, ſelb Hans al entlediger Burſchen der Swa Han⸗ beſtimmt ſtände vor Entfernun flogen, ſoh ſie mit de ſondern a So war kleine Wel des Pough keln ſah. ſtreute Klit Waſſer trei Endlie welches er konnte abern werden. C richtigen Pr Waſſerſtraß hatten, und folgte dieſer Felsplatte, eigenthümlis ragenden K ſtellt und ud Simon gegangen. nbüſe und ie abwech⸗ nach oben edeutungs⸗ htungen zu in Dwars⸗ i befeſtigt, eine Beob⸗ e. ile ſorgſam ort hielten; um, was u entdecken. n einſamen vorden, und nte er doch nſtand, wie ig zu unter⸗ nlich gutes. ke erhalten, de eben ſo der zuſällig ßte, daß den war, holte — 63— das Inſtrument, das er ſonſt nicht leicht aus der Hand gab, ſelbſt aus ſeiner Kajüte, und ſchickte es hinauf, damit Hans alle möglichen Mittel hätte, ſich ſeines Auftrags zu entledigen. Mit dieſem Fernrohre gelang es dem kleinen Burſchen, der ſo auf den Dwarsſahlingen der Vorſtenge der Swaſh ſaß, ſeine wichtigen Entdeckungen zu machen. Hans fuhr erſchrocken auf, als er bemerkte, wie beſtimmt und nahe das Fernrohr die entlegenſten Gegen⸗ ſtände vor ſein Auge führte. Die Möven, welche, in einer Entfernung von einer Stunde an dem Glas flogen, ſchienen ſo nahe zu ſein ſie mit der Hand faſſen, und daß er nicht nur die Farben, ſondern auch die Geſtalt ihres Gefieders deutlich erkannte. So war es auch mit der O kleine Wellen er doppelt ſo w des Poughkeepſie reichte, keln ſah. Auch nackte, ſtreute Klippen waren zu ſehen, obgleich kaum aus dem entlang „ daß er glaubte, er könne Endlich glaubte Tier das Bereich entdeckt welches er mit ſeinem Fernrohre ſuchte. E konnte aber von ſeinem hohen Standpunkt werden. Ein zweiter Blick ü⸗ richtigen Punkt im Auge hatte. Waſſerſtraße, in welcher ſie vor Spike Zuflucht geſucht hatten, und wo das Boot gefangen genommen worden. Er folgte dieſer NRichtung mit ſeinem Glaſe, und kam an die Felsplatte, auf welcher man Harry ausgeſetzt hatte. Die eigenthümliche Geſtalt und die Größe der über das Waſſer ragenden Klippe, und die Richtung des Kanals, welche e aus geſehen berzeugte ihn, daß er den Dann folgte er der letzten ſich durch die lichtere Farbe des Waſſers kund gab und von dem hohen Standpunkte aus deutlich hervortrat, alles dieß zeigte, daß er ſich nicht irrte. Das Herz des kleinen Burſchen klopfte ungeſtüm, als er die Oberfläche der Platte mit dem Glaſe überflog, um des Maates anſichtig zu werden. Dieſer war aber nicht zu ſehen. Ein zweiter, ſorgfältigerer Hinblick überzeugte ihn, daß Niemand auf der Klippe war. Obgleich ſich Jeder durch kurzes Nachdenken leicht vergewiſſert hätte, daß Mulford nach ſo geraumer Zeit nicht mehr auf dieſer Klippe zu ſuchen ſein dürfte, fühlte Tier ſich bitter getäuſcht, als er ſich der Genauigkeit ſeiner Beobachtungen verſichert hatte. Eine Minute ſpäter begann er über die Sache nachzudenken, und ſein Muth kehrte wieder einigermaßen zurück. Der Fels, auf welchem man den Maat ausgeſetzt hatte, war eben, und nirgends konnte ſich auf ſeiner Fläche friſches Waſſer, wie die letzten Regenſchauer es geſpendet, ſammeln. Hans erinnerte ſich auch, daß weder Seegras noch Schalthiere dort zu finden waren. Mit einem Worte, die verfeinertſte Bosheit Spike’s hätte keinen paſſendern Ort wählen können, um ſein Opfer zu verderben. Tier hatte aber gehört, was Mulford ſeiner Verlobten in Betreff der Art, wie er deſſelben Morgens das Riff entlang gewatet und geſchwommen, erzählt hatte, und er ſagte ſich alsbald, der junge Mann habe zu viel Muth und Thatkraft, um hilflos und ruhig auf einem nackten Fels dem Tode entgegen zu harren, ſo lange ſich eine Möglichkeit bot, das Leben wenigſtens zu friſten, wenn nicht Rettung zu finden. Dieß langſam i Klippen er vergeblich, guck nicht Tier im B als er da Brigg näh Allgemeine Harry vie anſichtig w Er ſal ſam über auf, daß es bewege. C und fand n Ein ſcharfe war ohne F dem ſeichten Mulford ſei Dieſe 6. er wie ein C ehe er das als er es tl ehe ein ſo kl er fand ihn, Schiff, um Mann,— e⸗. Der Zuf Nachforſchung 244— 246. — gab und trat, alles eſtüm, als erflog, um aber nicht überzeugte nken leicht aumer Zeit erfte, fühlte igkeit ſeiner äter begann Nuth kehrte t ausgeſetzt einer Fläche s geſpendet, der Seegras nem Worte, ; paſſendern en. er Verlobten 1s das Riff atte, und er mviel Muth inem nackten äge ſich eine riſten, wenn — 66— Dieß veranlaßte den wackern Burſchen, ſein Glas langſam über das Waſſer und die Richtung der ſichtbaren Klippen entlang ſtreifen zu laſſen. Lange war ſein Suchen vergeblich, denn die Entfernung machte einen ſolchen Aus⸗ guck nicht allein ſchwierig, ſondern angreifend. Schon war Tier im Begriffe, alles Nachſuchen verzweifelnd aufzugeben, als er das Glas noch einmal zur Hand nahm und der Brigg näherte, ſowohl um die Bootskanäle des Riffs im Allgemeinen ins Auge zu faſſen, als in der Hoffnung, Harry vielleicht zu finden, als er eines Gegenſtandes anſichtig ward, der ſich in dem Waſſer zu bewegen ſchien. Er ſah ihn nur einen Augenblick, als ſein Glas lang⸗ ſam über das Waſſer ſtreifte; es drängte ſich ihm aber auf, daß es etwas Lebendiges ſein müſſe und ſich wirklich bewege. Er richtete das Glas wieder auf denſelben Punkt und fand nach längerem Ausguck, was er ſo ſehnlich ſuchte. Ein ſcharfer Hinblick ſagte ihm, daß er recht habe. Es war ohne Frage ein Mann, welcher bis an den Gürtel in dem ſeichten Waſſer des Riffes watete, und— es mußte Mulford ſein. Dieſe Entdeckung regte Hans Tier ſo ſehr auf, daß er wie ein Espenlaub zitterte. Mehrere Minuten vergingen, ehe er das Glas wieder zur Hand nehmen konnte; und als er es that, bedurfte es langen, angſtvollen Suchens, ehe ein ſo kleiner Gegenſtand wieder aufzufinden war. Aber er fand ihn, und dann ſuchte er die Richtung gegen das Schiff, um ſeiner Sache gewiß zu ſein. Ja, es war ein Mann,— es war Mulford. Der Zufall begünſtigte Hans Tier bei ſeinen weiteren Nachforſchungen. Die Sonne war dem Untergange nah, 244— 246. 5 — 66— aber ein Strom goldnen Lichtes übergoß die Gewäſſer, beſonders jenen Theil, welchen Tier vor ſeinem Fernrohre hatte. Sodann hatte ſich Harry in ſeinem Eifer, von dem Fels wegzukommen und ſich dem Rande des großen Kanals zu nähern, wo er weit eher hoffen konnte, geſehen und gerettet zu werden, als auf ſeiner Klippe, nach Süden gewendet, indem er den nackten Felſen in den ſeichten Stel⸗ len folgte, und war ſo der Brigg um mehr als eine Stunde näher gekommen. Dieſer Weg mochte dem jungen Manne beſchwerlich geworden ſein, nnd er hatte ohne Zweifel jede Kraft aufgeboten, um ſeinen Zweck möglichſt ſchnell zu erreichen. Tier's Auge hing an der Geſtalt, welche entlang watete, mit einer Theilnahme, welche er bisher nie bei den Bewegungen irgend eines menſchlichen Weſens gefühlt hatte. Es war ſchwer, zu ſagen, ob Mulford die Brigg ſah oder nicht. Sie ſtand zwei volle Stunden von ihm entfernt, und jetzt, wo ihre Segel beſchlagen waren, bot ſie nichts dar, auf dem das Auge in einer ſolchen Entfernung hätte ruhen können.. Anfangs glaubte Hans, der junge Mann ſuche wieder in ihre Nähe zu kommen, obgleich dieß eine verlorne Hoff⸗ nung geweſen wäre, welche ihn nur wieder in Spike's Gewalt gebracht hätte. Es war jedoch wahrſcheinlicher, daß Harry den Rand der großen Durchfahrt zu erreichen trachtete, wo eine ziemlich lange Klippenkette über dem Waſſer ſtand, und in deren Nähe er bereits herangekom⸗ men war. Einmal ſah Tier, daß der Maat genöthigt war, eine Strecke zu ſchwimmen, und dann verlor er ihn eine kleine Weile gang trat ſeine mehr und Aushdehnung Bei die ford hatte j leicht mit de oder Simon leihen. Es kam dem Himmel vergleichsweif Blick überzeu vertiefungen geſendet hatte er über die Zeichen, daß Plötzlich dem Glaſe v war er mit brauchte ſein Wenn Hans ſe gegeben geweſe Nahrungsquell licher gefühlt! Das Tage aber Harry's Schildkröte war Harry's Abſicht, Seegras, Plank Gewäſſer, Fernrohre Eifer, von des großen te, geſehen nach Süden chten Stel⸗ ine Stunde gen Manne zeifel jede ſchnell zu de entlang nie bei den fühlt hatte. g ſah oder n entfernt, t ſie nichts nung hätte uche wieder lorne Hoff⸗ in Spike's ſcheinlicher, u erreichen über dem erangekom⸗ war, eine eine kleine — 67— Weile ganz aus dem Geſicht. Als er ſich wieder trat ſeine Geſtalt langſam aus dem Waſſer, mehr und mehr, bis Aushehnung erreichte. Bei dieſem Anblick ford hatte jetzt den Rand leicht mit dem Boot oder Simon ſich be leihen. Es kam Tier nun vor, dem Himmel ſeinen Dank darzubringen, vergleichsweiſe ſichere Stelle erreichen la zeigte, und hob ſich er einen nackten Fels von einiger athmete Hans freier, denn Mul⸗ des Kanals erreicht, und er konnte an dieſe Stelle gelangen, wenn Joſh ſtimmen ließ, ihm hilfreiche Hand zu daß er ihn dieſe ſſen; ein zweiter war er mit einer kleinen brauchte ſein Meſſer, um ſt Wenn Hans ſelbſt der Gefahr, Hungers zu ſterben preis⸗ gegeben geweſen wäre und eine ſo reiche und köſtliche Nahrungsquelle entdeckt hätte, würde er ſich kaum glück⸗ licher gefühlt haben. „ wenigſtens für Harry's Abſichten, hergeri j Seegras, Plankenſplitter und Holzſtücke jeder Art, wie ſie 5* 3 8 —— —— — — 68— ſich, durch den Canal treibend, an den Felſen angeſetzt hatten, zuſammentragen ſah. „Sollte er wohl ſo eigen ſein und ſeine Schildkröte nicht roh eſſen wollen?“ dachte Hans Tier.„Wagt er es in der That, ein Feuer anzuzünden, und hat er die Mittel dazu?“ Mulford war wirklich„ſo eigen“ und„wagte es, ein Feuer anzuzünden,“ auch hatte er die Mittel dazu. Harry trug ſtets einen kleinen Vorrath Zündhölzchen in einem waſſerdichten Büchschen bei ſich. Hans ſah ihn an einem kleinen Holzſtoße beſchäftigt, während die letzten Strahlen des Tages ſo raſch ſchieden, daß er fürchtete, die zunehmende Dunkelheit möchte ihm bald jeden ferneren Ausguck wehren. Plötzlich ſtrahlte ein Licht und der Holzſtoß entzündete ſich zu lichten Flammen. Mulford ging hin und her, ſammelte Brennſtoff, um ſein Feuer zu nähren, und machte ſich dann eifrig daran, ſeine Schildkröte zu röſten. Tier ſah und verſtand das Alles, denn das Licht der Flamme war gerade in der geeigneten Zeit gekommen, um das des ſcheidenden Tages zu erſetzen. Nach wenigen Augenblicken konnte Tier das Feuer, welches Mulford ſich auf ſeinem kleinen, einſamen Bereiche angezündet hatte, mit bloßen Augen ſehen. Es flammte herrlich wie aus der Mitte der Waſſer empor, und der kleine Burſche begann zu fürchten, man möchte es auf dem Deck ſehen, Spike Bericht davon abſtatten, und ſo Harry's Verderben herbeiführen. Der Maat ſchien jedoch eine ſolche Gefahr nicht zu ahnen, denn er warf von Zeit zu Zeit ganze Maſſen See⸗ gras auf emporloder Es fi Zweck gehe mochte ihn richten, ſo Schiff in ferner als daß ſie ein wenn ſie es Dieß u plötzlichen Spike's Sti „Fockſa den Dwarsſe fragte Spike .„Ich ſ wie Ihr mi ruhig. Seht 2 Waſſer vor „Es beg ſehen kann, ſehen.“ „Kommt unten Geſchä nach nordwär ihr zu hören ich, Hans, he Hans ge — 69— . gras auf ſein Feuer, ſo daß die Flammen mit Macht ſen angeſetzt emporloderten, als würden ſie durch Schießpulver genährt. Es fiel nun Tier ein, Harry müſſe einen doppelten e Shuderhe Zweck gehabt haben, indem er dieſes Feuer anzündete; es 7„ ag mochte ihm nicht nur als Mittel, ſeine Schildkröte herzu⸗ hat er die richten, ſondern auch als Nothſignal dienen, wenn ein 3 Schiff in die Nähe kam. Die Kriegsſchluppe ſtand zwar vagte es, ein ferner als die Brigg, aber ſie war doch nicht ſo entfernt, 1 dazu. daß ſie ein ſolches Feuer nicht hätte ſehen können, und Zündhölzchen wenn ſie es ſah, ſchickte ſie ihm gewiß Hilfe. dans ſah ihn Dieß war der Stand der Dinge, als Tier durch einen nd die letzten blötzlichen Anruf von unten erſchreckt wurde. Es war fürchtete, die Spike's Stimme, und ſie klang ſcharf und kurz. den ferneren„Fockſahlingen dort! Was macht Ihr ſo lange in — den Dwarsſahlingen droben, ſag' ich, Meiſter Hans Tier?“ 3 oß entzündete fragte Spike. in und her,„Ich ſehe nach den Booten der Kriegsſchluppe aus, „und machte wie Ihr mir's befohlen habt, Herr,“ antwortete Hans röſten. ub der Flamme ruhig. Seht Ihr etwas der Art, mein Burſche? Iſt das Waſſer vor uns klar oder nicht?“ „Es beginnt ſo dunkel zu werden, daß ich nichts mehr) das Feuer, ſehen kann, Herr. So lange es hell war, ließ nichts ſich amen Bereiche ſehen.“ Es flammte„Kommt herab, Mann, kommt herab, ich habe hier or, und der unten Geſchäfte für Euch. Die Schluppe iſt weit genug ees auf dem V nach nordwärts, und wir werden dieſe Nacht nichts von i: ſo Harry's ihr zu hören noch zu ſehen bekommen. Nur herab, ſag⸗ ich, Hans, herab!“ Hans gehorchte, hängte ſich das Fernrohr um und um das des ahr nicht zu Maſſen See⸗ — 0— ſtieg das Tauwerk herab. Bald war er in dem Mars und blieb hier einen Augenblick ſtehen, um noch einen Ausguck zu halten. Das Feuer war noch ſichtbar, wie eine Fackel leuch⸗ tete es über das Gewäſſer und warf ſeine Strahlen hell umher, wie„eine gute That in einer gottloſen Welt.“ Hans ſah das Feuer ungern, aber er faßte noch einmal deſſen Richtung gegen die Brigg in das Auge, um im Stande zu ſein, die Stelle aufzufinden, wenn er in den Fall käme, ſie aufſuchen zu wollen. Als er das Querholz der Focktakelage erreicht hatte, blieb er abermals ſtehen und ſchaute nach ſeinem Signale aus. Es war verſchwunden. Als er zwei Wewelinien der Wand hinaufſtieg, kam es ihm wieder zu Geſicht. Da Hans erwarten konnte, daß in dieſer Stunde Niemand Veranlaſſung haben würde, ſo hoch zu ſteigen, ging er auf das Deck und begab ſich mit dem Fernrohre nach hinten. Spike und der Senor Montefalderon waren unter der „Wagenremiſe,“ Niemand war ſonſt auf der Schanze zu ſehen. Die Mannſchaft ſaß bei ihrem Abendeſſen, und Joſh und Simon hatten in der Kambüſe zu thun. Die Frauen hatten es vorgezogen, in ihrer Kajüte zu bleiben, und Spike war gern geneigt, ſie dort zu laſſen. „Kommt hierher, Hans,“ ſagte der Capitän in hei⸗ terer Stimmung und aufgeräumten Tone,—„ich habe ein Wort mit Ench zu ſprechen. Hängt das Glas an mein Hüttenfenſter und kommt hierher.“ Tier that, wie ihm befohlen worden. „Ihr könnt alſo kein Boot nach nordwärts entdecken, ſagt Ihr? Gar nichts zeigt ſich in jener Richtung?“ „N „N an Klip beiden k ausſchau Ihr habt geführt 1 ſegeln, umzulege „All und wir nahe.“ „Kei „Ein es mir, zwanzig lagert.“ Ihr! Armen od das Boot des Leuchtt „Wir Madame 2 es abtrieb.) „Ich „Sehr volle Meile aufgefahren uns, und danken, daß n dem Mars n noch einen Fackel leuch⸗ Strahlen hell lloſen Welt.“ noch einmal luge, um im un er in den erreicht hatte, nem Signale Wewelinien Geſicht. Da nde Niemand , ging er auf nach hinten. ren unter der r Schanze zu ndeſſen, und n thun. Die te zu bleiben, n. pitän in hei⸗ ich habe ein Blas an mein rts entdecken, htung?“ — 1— „Nichts, das einem Boote gleicht, Herr.“ „Nun, nun, Waſſer iſt gewiß genug dort, und auch an Klippen fehlt es nicht. Das Florida⸗Niff hat an beiden keinen Mangel für den, welcher nach dem Einen ausſchaut und von dem Andern klar abhält. Höort, Hans. Ihr habt alſo den Schoner aus der Dry⸗Tortugas heraus⸗ geführt und es unternommen, mit ihm nach Key⸗Weſt zu ſegeln, als es ihm einfiel, ſich zu wenden und mit euch umzulegen, iſt's ſo, mein Burſche?“ „Allerbings legte ſich der Schoner mit uns um, Herr, und wir waren Alle auf ſeinem Boden dem Ertrinken nahe.“ „Keine Haiftſche in jener Länge und Breite, he, Hans?“ „Eine Menge, Herr, eine Menge, und einmal war es mir, als würden ſie uns Alle erſchnappen. Mehr als zwanzig Paar Floßen haben uns mehrere Stunden um⸗ lagert.“ Ihr hattet gewiß nicht Luſt, die Herren mit ein paar Armen oher Füßen zufrieden zu ſtellen? Wo war aber das Boot während dieſer ganzen Zeit, Ihr habt das Boot des Leuchtthurms im Schlepptau gehabt, benk' ich?“ „Wir hatten es allerdings im Schlepptau, Herr, aber Madame Budd ſprach ſo gelehrt mit der Fangleine, daß es abtrieb.“. „Ich habe euch aber doch Alle darin gefunden?“ „Sehr richtig, Herr. Herr Mulford ſchwamm eine volle Meile, um die Klippen zu erreichen, wo das Boot aufgefahren war. Sobald er das Boot hatte, kam er zu uns, und nahm uns an Bord, und wir durften Gott danken, daß ihm dieß gelang.“ — 72— Spike's Stirne verdüſterte ſich. Er wurde nachdenk⸗ lich, und murmelte die Worte„ſchwamm“ und„Klippen“ vor ſich hin, war aber zu vorſichtig, um ſich eine Sylbe entſchlüpfen zu laſſen, die dem Merxikaner verrathen hätte, was in ſeinem Innern vorging. Er ſchwieg jedoch eine volle Minute, und Hans ſah, daß er in des Capitäns Bruſt einen Argwohn geweckt hatte, der gefährlich werden konnte. „Nun, Hans,“ begann Spike nach dieſer Pauſe wie⸗ der,„könnt Ihr uns etwas von den Dublonen ſagen? Ich habe natürlich erwartet, ſie in dem Boote zu finden; es war aber nichts darin zu ſehen. Ihr habt ſchwerlich den Schoner ausgepumpt, ohne Alles zu unterſuchen und auf die Dublonen zu ſtoßen?“ „Gewiß haben wir ſie gefunden und in das Zelt gebracht, wo ſie blieben, bis wir abfuhren.“ „Und dann habt ihr ſie in den Schoner gebracht, nicht? Ich ſchwöre darauf, die Dublonen ſind nicht ver⸗ geſſen worden.“ „Allerdings nicht, Herr, wir haben ſie mit uns in den Schoner genommen, und als dieſer ſank, verſanken ſie mit ihm.“ Eine neue Pauſe folgte, und Senor Montefalderon und Capitän Spike blickten einander bedeutungsvoll an. „Glaubt Ihr, Hans, Ihr könntet die Stelle finden, wo der Schoner in die Tiefe ging?“ „Wenn ich die Stelle ſelbſt nicht genau angeben kann, ſo kann ich ihr wenigſtens ſehr nahe kommen. Das Waſſer läßt kein Zeichen über dem Grab eines geſunkenen Schiffes zu.“ „2 könnt, f Dieſe 2 und der Burſche. „Il Mexikan ſchwere das Wr habhaft erhalten, ſoſehr de „Ih dar, Eu alter Zeit Brigg eit wenn Ihr Ihr Euch was ſie b „Ich ich nicht Zeit in de Tier Spike fül die kleine, als bemül er mit der der Gegen zurückzuru „Ihr nachdenk⸗ „Klippen“ eine Sylbe then hätte, jedoch eine Capitäns lich werden Pauſe wie⸗ nen ſagen? zu finden; ſchwerlich ſuchen und das Zelt gebracht, nicht ver⸗ nit uns in rſanken ſie ntefalderon voll an. lle finden, iangeben nen. Das geſunkenen — 273— „Wenn Ihr uns einigermaßen in die Nähe führen könnt, fänden wir es vielleicht, indem wir darnach fiſchten. Dieſe Dublonen ſind einer kleinen Mühewaltung werth, und der Fund wäre beſſer, als eine lange Reiſe, mein Burſche.“ „Ihr habt ganz recht, Don Eſteban,“ bemerkte der Mexikaner,„und mein armes Land iſt nicht in der Lage, ſchwere Verluſte zu ertragen. Wenn Senor Hans Tier das Wrack finden kann, und wir des Schatzes wieder habhaft werden, ſoll er zehn jener Dublonen als Lohn erhalten, und ich werde ſie von meinem Antheil geben, ſoſehr derſelbe auch geſchmälert ſein mag.“ „Ihr hört, Hans, hier bietet ſich eine Gelegenheit dar, Euer Glück zu machen. Ihr ſagt, Ihr wäret in alter Zeit mit mir gereiſt, und die alte Zeit war für die Brigg eine gute Zeit; aber die Dinge haben ſich geändert; wenn Ihr jedoch in der alten Zeit mit mir reiſtet, müßt Ihr Euch erinnern, daß die Swaſh Alles zu Gold machte, was ſie berührte.“ „Ich hoffe, Ihr zweifelt nicht, Capitän Spike, daß ich nicht nur in der alten Zeit, ſondern in ihrer beſten Zeit in der Brigg reiſte?“ Tier ſchien verletzt, als er dieſe Frage ſtellte, und Spike fühlte ſich nicht ganz behaglich. Er ſchaute auf die kleine, runde, wunderlich ausſehende Geſtalt vor ihm, als bemühte er ſich, ihn wieder zu erkennen; dann fuhr er mit der Hand über die Stirne, wie Jemand, der ſich der Gegenwart entſchlagen will, um ſich die Vergangenheit zurückzurufen. 3 „Ihr wollt uns alſo die Stelle zeigen, wo mein armer Schoner verſunken iſt, Setior Hans Tier?“ fragte der Merxikaner. „Wenn ſie zu finden iſt, Senor, von Herzen gern. Ich glaube, auf eine Kabellänge kann ich ſte Euch ange⸗ ben, obgleich Hunger und Durſt, und Haifiſche, und die Furcht, zu ertrinken, einen Burſchen wohl hindern können, einen klaren Ausguck bei ſolchen Dingen zu nehmen.“ „In welcher Gegend glaubt Ihr den Schoner zu finden, Hans?“ fragte der Capitän. „Ihr kennt dieſe Gewäſſer beſſer, als ich, Herr. Er muß ungefähr eine halbe Kabellänge von dem Riff liegen, gegen das er von Zeit zu Zeit abtriftig wurde; wäre er noch eine Stunde oben geblieben, hätte er ſich vielleicht auf den Klippen feſtgeſetzt.“ „Er iſt beſſer da, wo er iſt, wenn wir ihn nur aus⸗ findig machen können. Auf den Felſen könnten wir nichts mit ihm anfangen, als ihn abbrechen, und dann wäre zehn gegen eins zu wetten, daß die Dublonen verloren wären. Nebenher bemerkt, Hans, wißt Ihr vielleicht, wo der Schurke, mein Maat, das Geld beigeſtaut hat?“ „Als wir die Inſel verließen, trug ich es ſelbſt in das Boot, und eine gute Laſt war es für mich. So gewiß Ihr vor mir ſteht, Senor, ich habe es auf meine Schultern nehmen müſſen. Als ich aus dem Boote kam, trug Herr Mulford es hinunter, und ich hörte ihn hernach zu Miß Roſa ſagen, er habe es in einen Brodkaſten über dem Heckbalken geworfen.“ „Und da werden wir es ſinden, Don Wan, trotz all unſerm Kreuz⸗ und Querſegeln. Die alte Brigg hat Glück, wenn es ſich von Dublonen handelt, und ſo war es ſte Euch wache die T worde möglie nehme ſchlafe thun. und ich die M volle E wächter Spike.“ 276 als M.e Runde kleine 4 worden Vie durch E Allem a unangen Er Herrn, zu wolle Swaſh, wenn er In *2* fragte erzen gern. Fuch ange⸗ e, und die on können, men.“ ſchoner zu Herr. Er Kiff liegen, ; wäre er vielleicht nur aus⸗ wir nichts ann wäre i verloren leicht, wo t?⸗ ſelbſt in nich. So auf meine oote kam, n hernach iſten über trotz all rigg hat d ſo war — 75— es ſtets, ſeit ich ihr Befehlshaber bin.— Hans, ich werde Euch und den beiden Schwarzen dieſe Nacht die Anker⸗ wache anvertrauen. Die Leute ſind durch das Rudern und die Mühen in dieſem Rifflabyrinth ſtark mitgenommen worden, und morgen müſſen ſie wieder ſo friſch ſein, als möglich. Ihr Faullenzer mögt die mittlere Wache über⸗ nehmen, damit die Burſche auf dem Vordereaſtell ruhig ſchlafen können.“ „Ja, ja, Herr; wir wollen ihnen dieſen Gefallen thun. Joſh und Simon mögen um zwölf Uhr antreten, und ich will die Wache um zwei Uhr übernehmen, ſo daß die Mannſchaft ſich gehörig ausruht; denn ich kann vier volle Stunden ausdauern. Ich bin ein ſo guter Anker⸗ wächter, wie irgend Jemand an Bord der Brigg, Capitän Spike.“ „Das ſeid Ihr, Hans, das ſeid Ihr, und ein beſſerer, als Mancher von ihnen. Rund herausgeſagt, und das Runde iſt bei Euch vorherrſchend, Ihr ſeid das ſeltſamſte kleine Takel, das je auf eine Oberbramraa verfahren worden iſt.“ Vielleicht hätte Tier ſich bei einer andern Gelegenheit durch Spike's kleine Complimente verletzt gefühlt; nach Allem aber, was ſich begeben hatte, war es ihm gar nicht unangenehm, ihn ſo gut geſtimmt zu finden. Er verließ jetzt den Capitän und den mexikaniſchen Herrn, welche zu einer vertraulichen Berathung übergehen zu wollen ſchienen, begab ſich in die unteren Räume der Swaſh, und widmete ſich ſeinem Dienſte ſo einfach, als wenn er die Brigg nie verlaſſen hätte. In der Kajüte fand er, wie es ſich von ſelbſt verſteht, — 76 die Frauen, Roſa hob kaum ihren Kopf von dem Shawl auf, welcher über ihr Lager gebreitet war. Hans machte ſich in einem Korbe, welcher in der Nähe ihres Lagers ſtand, etwas zu ſchaffen, bis ſich ihm eine Gelegenheit bot, Roſa zu berühren, ohne daß ihre Tante es merkte. Das arme Mädchen mit dem gebrochenen Herzen hob ihr Geſicht, aus welchem das Roth gewichen war, und warf Hans einen faſt wirren Blick zu, als erwarte ſie eine Erklärung. Nach den Anordnungen einer gütigen Vorſehung iſt die Hoffnung in der That eine der Segnungen, welche uns zuletzt verlaſſen. Vielleicht ward uns dieſes Geſchenk, um uns zu ermuthigen, der großen Sühne bis zum letzten Augenblicke mit Zuverſicht zu harren, denn ohne dieſen Inſtinet, welcher ſich an die Hoffnung anklammert, wäre Verzweiflung das Loos von Millionen, welche die göttliche Gnade gewiß für ein ſolches Ausharren belohnt. Wir möchten kaum behaupten, daß ſich in dem Blicke, welchen Roſa jetzt auf Hans warf, etwas wie Hoffnung ausſprach, er war vielmehr ängſtlich, ſieberhaft belebt und geſpannt. Tier beugte den Kopf auf den Korb nieder, wendete ſein Geſicht gegen Roſa hin und ſagte leiſe: „Wir haben Hoffnung, Miß Roſa, aber verrathet mich nicht.“ Dieß waren himmliſche Worte in unſerer Heldin Ohr, und ſie brachten augenblicklich einen mächtigen Wechſel in ihren Gefühlen hervor. Sie beherrſchte ſich jedoch und fragte mit ihren Blicken, was ſie nicht einmal zu flüſtern wagte. Hans durfte in dieſem Augenblicke nichts laut werden laſſen, bald darauf aber winkte er Roſa, deren Augen die le⸗ C dem D aufgeg ſchlag ſein A wo er konnter 271 Hans. eſſen u Nacht R. obgleich Geiſte wurde. wollte j und in Tier rei Sobald zelheit, „E nen Inf denn eit Waſſer vier Wo Mulford „G Hans? Shawl machte Lagers heit bot, te. Das Geſicht, rf Hans klärung. hung iſt lche uns enk, um u letzten e dieſen t, wäre göttliche t. Wir welchen zſprach, pannt. wendete errathet in Ohr, echſel in och und flüſtern ts laut , deren — 77— Augen ihn jetzt nicht mehr verließen, in die große Kajüte, die leer war. Es ſchlief ſich ſo angenehm in der luftigen Hütte auf dem Deck, daß ſelbſt Senor Montefalderon dieſe Kajüte ganz aufgegeben hatte; er hatte von Mulford's ehemaligem Ver⸗ ſchlag Beſitz genommen, und kam nur in die Kajüte, um ſein Mahl dort einzunehmen. Joſh war in der Kambüſe, wo er faſt ſeine ganze Zeit hinbrachte, und Roſa und Tier konnten ſich ungeſtört beſprechen. „Er iſt gerettet, Miß Roſa, Gott ſei Dank!“ flüſterte Hans.„Für jetzt wenigſtens iſt er geborgen, er hat zu eſſen und zu trinken, und ein Feuer, welches ihn in der Nacht erwärmt.“ Roſa wußte recht gut, von wem es ſich handelte, obgleich die peinliche Verwirrung, welche jetzt in ihrem Geiſte vorherrſchte, durch dieſe Worte faſt noch geſteigert wurde. Sie drückte ihre Schläfen mit beiden Händen, als wollte ſie das ſieberhafte Wallen des Blutes bewältigen, und in ihren Augen ſprachen ſich tauſend Fragen aus. Tier reichte ihr vorſichtig ein Glas Waſſer, ehe er erzählte. Sobald er ſie ein wenig gefaßter ſah, erzählte er jede Ein⸗ zelheit, welche er in Bezug auf Mulford zu berichten hatte.. „Er iſt jetzt auf einem großen Felſen, auf einer klei⸗ nen Inſel, wo er gegen das Meer geſichert iſt, es müßte denn ein Orkan kommen,“ ſchloß Tier,„er hat friſches Waſſer und friſche Schildkröten obendrein. Man kann vier Wochen von einer Schildkröte leben, wie ich ſie Herrn Mulford dieſen Abend zerlegen ſah.“ „Gibt es kein Mittel, ihn aus dieſer Lage zu retten, Hans? In einem oder zwei Jahren bin ich mündig und — 8— 1 habe Geld, über das ich verfügen kann, verſchafft mir Rudern Mittel, um Herrn Mulford zu retten, und ich werde Alles, weigern, was ich auf Erden mein nenne, mit Euch theilen, theurer anhielt, Hans.“ der Not Ja, ſo iſt es mit Euch Frauen insgeſammt,“ ſagte gewiß w Tier vor ſich hin;„wenn ſie ihr Herz einmal einem„I Manne zugewendet haben, iſt er ihnen theurer als Edel⸗ zurückkeh ſtein und Perlen. Aber Ihr kennt mich, Miß Roſa, und rief Roſ 1 wißt, warum und wie gern ich jeden Eurer Wünſche„Se erfülle. Meine Geſchichte und meine Gefühle ſind eben ſo antworte! gut Euer Geheimniß, wie Eure Geſchichte und Eure Bord der 6 Gefühle das meinige ſind. Wir werden an demſelben Tau dahin brir ziehen, wenn wir auch nicht ſehr ſtark ziehen. Hört mir und ſo la alſo zu, Miß Roſa, und ich will Euch das Geheimniß ſich denn meines Planes eröffnen, der Herrn Mulford vom Stapel kleinen Ir helfen ſoll.“ Schurke! Tier theilte der ſchönen Roſa mit, was er ausge⸗ meine Ba ſonnen hatte. Spike hatte ihm und ſeinen zwei Genoſſen, mals in d Joſh und Simon, unaufgefordert die Bewachung der Brigg nur an B von Mitternacht bis zum Morgen überantwortet. Wenn als mögli 2 er einen der Schwarzen veranlaſſen konnte, ihn zu begleiten, Stunde iſt wollte er das Boot des Leuchtthurms nehmen, das an dem welchen Ci Spiegel der Brigg gefeſtigt war, und mit der möglichſten„Ich 4 Eile zur Stelle rudern, wo Mulford jetzt weilte. ſehr feſt. Nach ſeiner Berechnung konnten ſte, wenn der Wind„Ihr, nicht wechſelte, in einer Stunde den Fels erreichen und in Euer Geſch faſt gleicher Zeit zurückkehren. Wenn der Wind läſſiger gegeben hal 4 wurde, was kaum zu erwarten war, da die öſtlichen Paſſat⸗ auf einem: winde wieder zu wehen begannen, glaubte Hans, er und daheim in i Joſh würden dieſe Strecke in der doppelten Zeit mit ihren mit den Ma afft mir de Alles, theurer “ ſagte Ieinem ls Edel⸗ ſa, und Wünſche eben ſo d Eure en Tau ört mir heimniß Stapel ausge⸗ enoſſen, Brigg Wenn gleiten, an dem glichſten Wind und in läſſiger Paſſat⸗ er und t ihren — 79— Rudern bewältigen. Sollten die beiden Schwarzen ſich weigern, ihn zu begleiten, wollte er, wenn der Wind anhielt, das Wagniß allein übernehmen, da er im Falle der Noth des kräftigen Arms Mulford's bei der Rückkehr gewiß war. „Ihr wollt doch nicht mit Harry an Bord der Brigg zurückkehren, wenn Ihr ihn von jenem Fels erlöſt habt?“ rief Roſa. 8 „Seht, Ihr wißt, wie es mit mir iſt, Miß Roſa,“ antwortete Hans.„Mein Geſchäft feſſelt mich hier, an Bord der Swaſh, und ich muß bleiben. Nichts wird mich dahin bringen, die Brigg zu verlaſſen, ſo lange fie ſchwimmt, und ſo lange gewiſſe Perſonen darin ſchwimmen, es müßte ſich denn etwas begeben, das dem ähnlich iſt, was auf der kleinen Inſel der Dry⸗Tortugas vorftel. Ha, er iſt ein Schurke! Ich werde aber nur zurückkehren, um wieder in meine Back zu kommen, nicht um Herrn Mulford aber⸗ mals in den Rachen des Löwen zu führen. Er ſoll mich nur an Bord der Molly zurückbringen, und dann ſo ſchnell als möglich auf Key⸗Weſt losſteuern. In einer halben Stunde iſt er außer Gefahr, um ſo mehr, da ich weiß, welchen Curs Spike morgen früh ſteuern wird.“ „Ich werde Euch begleiten,“ ſagte Roſa ſanft, aber ſehr feſt. „Ihr, Miß Roſa? Doch— warum ſollte ich ſtaunen? Euer Geſchlecht iſt einmal ſo, wenn ihr Euer Herz hin⸗ gegeben habt. Ja, Frauen bleiben Frauen, mag man ſie auf einem nackten Fels ſehen, oder auf Sammt und Seide daheim in ihrem Prunkgemache. Wie ganz anders iſt es mit den Männern. Sie thun ein wenig zärtlich und wenden —— — 30— ſich dann einem neuen Geſichte zu. Es iſt nicht zu leugnen, die Männer ſind Schurken!“ „Mulford nicht, Hans,— nein, Harry Mulford nicht. Ein treueres, edleres Herz ſchlug nie in eines Mannes Bruſt, und koſte es unſer Beider Leben, wir müſſen ihn von jenem Fels erlöſen.“ „Es ſei, wie Ihr ſagt,“ verſetzte Hans ein wenig gedankenvoll.„Vielleicht wär's das Gerathenſte, ihr ver⸗ ließet die Brigg miteinander. Spike flößt mir allgemach Furcht ein, und Ihr werdet bei dem jungen Maat ſicherer ſein, als bei einem ſo großen, alten Schurken. Ja, Ihr ſollt mich begleiten, Miß Roſa, und wenn Joſh und Simon ſich weigern, gehen wir allein.“ „Mit Euch, Hans, aber nicht mit Herrn Mulford. Ich kann meine Tante nicht verlaſſen, noch kann ich die Brigg allein mit Harry verlaſſen. Was Spike betrifft, ſo verachte ich ihn zu ſehr, um ihn zu fürchten. Er muß bald in irgend einen Hafen einlaufen, und ſobald er Anker geworfen hat, werden wir ihn verlaſſen. Wir wollen Harry retten, aber ich werde bei meiner Tante bleiben.“ „Wir wollen ſehen, Miß Roſa, wir wollen ſehen,“ ſagte Tier lächelnd.„Vielleicht hat ein ſchöner, junger Mann, wie Herr Mnlford, mehr Glück in der Ueber⸗ redungskunſt, als ein alter Burſche gleich mir. Wenn es ihm nicht gelingt, iſt es ſeine eigene Schuld.“ Dieß war Hans Tier's Anſicht, der die Frauen beur⸗ theilte, wie er ſie kannte, aber Roſa Budd dachte nicht ſo. Die Unterhaltung war jedoch hiermit abgeſchloſſen, und Beide hatten deren Inhalt und das ernſte Unternehmen, dem ſie ſich geweiht, im Auge. Der Der Him Mondſche war Spik gehörig a mühſamer Er h wieder in wieder der Waſſer ſch er der Dul Man ſobald die ſelbe gelang kommen zu Scharfſtnne gewiſſen Au ſicht mußten zum gewünf Indem beſtellte, wa jetzigen Aug zur Mitterne gut wie jeder Anerbieten a Merikaner al Hans an die blieb, wo er Nachdem ſogleich ſeine 244— 246. u leugnen, fford nicht. 3 Mannes müſſen ihn ein wenig e, ihr ver⸗ allgemach aat ſicherer Ja, Ihr und Simon Mulford. un ich die betrifft, ſo Er muß d er Anker zir wollen bleiben.“ en ſehen,“ er, junger der Ueber⸗ Wenn es auen beur⸗ te nicht ſo. oſſen, und ternehmen, — 81— Der Dienſt an Bord g Der Himmel war umwölkt Mondſchein war. Bei war Spike vor Allem da gehörig ausruhten, denn mühſamer für ſie werden. Er hatte die Abſicht, den Schoner, wenn möglich, wieder in die Höhe zu bringen, und wenn er ihn auch nicht wieder der Art auspumpen laſſen konnte, daß er auf dem Waſſer ſchwamm, mußte doch ſo viel Waſſer heraus, daß er der Dublonen habhaft werden konnte. Man wußte, wo der Brodkorb zu finden war, und ſobald die Kajüte ſo weit waſſerfrei war, daß man in die⸗ ſelbe gelangen konnte, zweifelte Spike nicht, an das Gold kommen zu können. Bei ſeinen Hilfsmitteln und ſeinem Scharfſtnne glaubte er, es handle ſich hier nur von einem gewiſſen Aufwande von Mühe und Zeit. Nach ſeiner An⸗ ſicht mußten acht und vierzig Stunden und ſchwere Arbeit zum gewünſchten Ziele führen. Indem daher Spike die beſtellte, war er ebenſo des k jetzigen Augenblicks eingedenk. Don Juan erbot ſich, bis zur Mitternacht auf dem Deck zu bleiben, und da er, ſo gut wie jeder Andere, Ausguck halten konnte, wurde ſein Anerbieten angenommen. Joſh und Simon ſollten den Mexikaner ablöſen und zwei Stunden Wache halten, worauf Hans an die Reihe kam und bis zum Tage auf dem Deck blieb, wo er den Capitän aufzurufen hatte. Nachdem dieſe Anordnung getroffen war, ſuchte Tier ſogleich ſeine Back auf und bat den Koch, ihn eine halbe 244— 246. 6 ing ſeinen gewöhnlichen Gang. „ aber nicht ſehr dunkel, da der Anordnung der Ankerwachen rauf bedacht, daß ſeine Leute ſich der nächſte Tag mochte ein ſehr Ankerwachen für die Nacht ommenden Tages, wie des Stunde vor der Zeit zu wecken, welche als der Beginn ſeiner Wache bezeichnet worden. Dieſe halbe Stunde wollte Hans benützen, um einen der beiden Schwarzen zu über⸗ reden, ihn zu begleiten. Um acht Uhr lag das Schiff in tiefes Schweigen ver⸗ hüllt; Senor Montefalderon ging allein auf der Schanze ab und auf, während Spike's tiefes Athmen aus dem offenen Fenſter ſeiner Hütte hörbar war,— ein Fenſter, welches, wie wir bemerken müſſen, bordeinwärts, oder auf das Deck, und nicht bordauswärts, oder auf die See ging. Vier einſame Stunden wandelte der Mexikaner auf dem Deck des fremden Schiffes hin und her, und ruhte nur von Zeit zu Zeit, wenn er müde war, wenige Minuten aus. Der Leſer denkt ſich wohl, daß ein Mann in ſeiner Lage mit ſeinen Gedanken vollauf beſchäftigt war! Don Juan Montefalderon war ein Kriegsmann’/ und ein wackerer Edelmann, und nur die Liebe zu ſeinem Vaterlande hatte ihn vermocht, ſich zu ſeinem jetzigen Unternehmen herzu⸗ geben. Es war aber nicht jene Vaterlandsliebe, welche nach dem Beifall der unwiſſenden Menge haſcht, um durch ſie zu Ehrenſtellen befördert zu werden, die nur dem wahr⸗ haft Würdigen gebühren; noch jene Vaterlandsliebe, welche Leute von anrüchigem Charakter veranlaßt, frühere Ver⸗ gehen anf die kürzeſte und ſicherſte Weiſe zu bemänteln; noch jene Vaterlandsliebe, welche nur die eigene Wohlfahrt im Auge hat, und Gott und ſeine ewigen Geſetze, die nie ungeſtraft übertreten werden, mit Füßen tritt; ſondern die Vaterlandsliebe, welche ihren Herd und ihre Heimath, ihre Altäre und die Gräber ihrer Väter gegen die rohen Schritte ihrer Feinde vertheidigt. Wir wie dieſer ſtaaten ut europäiſch für ihn h erlaubt iſt wo man ſofern eine werden da Leben aus oder Büch Landsleute Sabine zie erwartet, ſchaften de pflegte, we ein Name, Macht, G. werden, we zerfallen,— Land nicht beurtheilen weitzerſtreut den Regiſte ſechs⸗ bis Grenze zerft zieht, auf e len könnte; den Krieg i von ihrer H der Beginn tunde wollte zen zu über⸗ zweigen ver⸗ der Schanze n aus dem ein Fenſter, ts, oder auf ee See ging. exikaner auf nd ruhte nur ge Minuten nn in ſeiner war! Don ein wackerer rlande hatte hmen herzu⸗ iebe, welche t, um durch cr dem wahr⸗ liebe, welche rühere Ver⸗ bemänteln; e Wohlfahrt Geſetze, die itt; ſondern re Heimath, in die rohen — 83— Wir werden uns nicht herausnehmen, ſagen zu wollen, wie dieſer Mann von dem Streite zwiſchen den zwei Frei⸗ ſtaaten urtheilte; die Wahrheit liegt zu Tag, wie ſehr auch europäiſche Ränke und Eiferſüchteleien ſie verſtecken möchten; für ihn hatten die Dinge jene Grenze überſchritten, wo es erlaubt iſt, über einen wichtigen Schritt nachzudenken, und wo man in dem Gefühle ſeine einzige Rechtfertigung findet, ſofern eine ſolche Gemüthsſtimmung in Schutz genommen werden darf. Er war auf Reiſen geweſen, und kannte das Leben aus Erfahrung, und nicht aus fremden Mittheilungen oder Büchern. Er hatte daher nie geglaubt, daß ſeine Landsleute nach Waſhington, oder auch nur bis an die Sabine ziehen würden; er hatte aber mehr und Beſſeres erwartet, als ſich ſeitdem ergab. Die kriegeriſchen Eigen⸗ ſchaften der Amerikaner des Nordens, wie er die zu nennen pflegte, welche ſich par excellence Amerikaner heißen,— ein Name, welchen ſie beſtimmt ſind, zu behalten, und deſſen Macht, Glanz und Ruhm ſie zu ſtolzer Höhe emportragen werden, wenn ſie nicht durch ihre eigenen Hände in Nichts zerfallen,— hatten ihn, ſowie Alle überraſcht, die das Land nicht genau kannten und ſeine Bevölkerung nicht zu beurtheilen wußten. Er hatte nie geglaubt, daß die kleine, weitzerſtreute Schaar regelmäßiger Truppen, welche nach den Regiſtern des amerikaniſchen Heeres ſich kaum auf ſechs⸗ bis ſiebentauſend Mann belaufen, und entlang einer Grenze zerſtreut ſind, welche ſich über tauſend Meilen hin⸗ zieht, auf einen Wink der Regierung zu Legionen anſchwel⸗ len könnte; aus Männern beſtehend, die im Stande ſind, den Krieg in die Hauptſtädte ihrer Feinde, tauſend Meilen von ihrer Heimath, zu tragen, und furchtbar zumal durch * — 84— ihre Kraft, ihre Tapferkeit, ihre Gewandtheit in der Füh⸗ rung der Waffen, und durch ihre Anzahl. Er ſah das, was man vielleicht mit Recht Uebermuth des amerikaniſchen Charakters nennt, durch die That gerechtfertigt; er ſah Märſche, Eroberungen, Siege, welche, wenn die nüchterne Wahrheit allein die Blätter der Geſchichte füllte, an Müh⸗ ſeligkeiten und Gefahren die berühmten Uebergänge über die Alpen unter Napoleon, und die Thaten, welche denſelben folgten, weit übertreffen würden. Don Juan Montefalderon war ein ernſter, gedanken⸗ voller Mann von rein iberiſchem Geblüte. Er mochte von dem Stolze des ſpaniſchen Charakters nicht ganz frei ſein, dem ein Uebermaß ritterlichen Gefühls zum Grunde lag, unter deſſen Einfluß er vielleicht Mexiko und deſſen Söhne zu hoch anſchlug, aber er gehörte nicht zu Denen, welche ihre Augen der Wahrheit verſchloſſen. Er überzeugte ſich, daß die nördlichen Nachbarn ſeines Landes ein furchtbares, unternehmendes Geſchlecht waren, und daß unter allen Verleumdungen, welche Eiferſucht und enropäiſche Scheelſucht auf ſie häufte, keine vielleicht alberner und lächerlicher war, als die, welche ihnen alle militäriſche Befähigung abſprach. Im Gegentheil, er ſelbſt war, obgleich ihm Schlimmes ahnte, über die Raſchheit und Ausdehnung ihrer Eroberungen erſtaunt, denn der Krieg hatte erſt wenige kurze Monate begonnen, und ſchon hatten ſte Länderſtriche bewältigt, welche größer ſind, als manche Reiche der alten Welt. Ueberdieß war alles dieß nicht durch umzügleriſche, barbariſche, ungezüchtete Horden, die den Ueberfluß, welchen ſie zu Haus nicht fanden, draußen ſuchten; ſondern von Männer: Schwerd⸗ Dum Müh gegenzug riſchen Q Mit Uebel, w von noch Ueber Ge Gange na rigen, ein tief; obgl blik, war Rechtsſinn Wie wir ſind n dazu gerei lehren, d kann, wa und wir wir uns ſ Endli liche Man Back, um Nation zu tiefer Schu Die 2 und ungeſtt hatten dieſe tung war, in der Füh⸗ r ſah das, herikaniſchen gt; er ſah ie nüchterne , an Müh⸗ gänge über he denſelben gedanken⸗ mochte von az frei ſein, Brunde lag, ſſen Söhne nen, welche barn ſeines echt waren, erſucht und cht alberner militäriſche ſelbſt war, ſchheit und der Krieg chon hatten als manche zügleriſche, iß, welchen ondern von — 85— Mannern, die für den Augenblick die Pflugſchaar mit dem Schwerdte vertauſcht, und dem Ueberfluß entſagt hatten, um Mühſeligkeiten, Hunger und Gefahren jeder Art ent⸗ gegenzugehen, in der größten Regelmäßigkeit und militä⸗ riſchen Ordnung vollbracht worden. Mit einem Worte, der Senor Montefalderon ſah alle Uebel, welche ſein Vaterland umgaben, und ſah andere von noch ernſterer Art vorher, welche die Zukunft bedrohten. Ueber Gegenſtände dieſer Art ſann er während ſeinem Gange nach, und bitter wurden ihm die Minuten dieſer tra u⸗ rigen, einſamen Wache. Obgleich ein Merikaner, fühlte er tief; obgleich ein offener Feind dieſer, unſrer guten Repu⸗ blik, war er nicht ohne Grunßdſätze, ſittliches Gefühl und Rechtsſinn. Wie man auch über dieſen Krieg urtheilen mag,— und wir ſind nicht geneigt, in Abrede zu ſtellen, daß wir mächtig dazu gereizt hatten,— das Gefühl für Recht muß Jeden lehren, daß dem Amerikaner etwas patriotiſch ſcheinen kann, was der Mexikaner mit anderen Augen anſchaut, und wir ſollten Gefühle in Anderen achten, auf welche wir uns ſelbſt ſo viel zu gut thun. Endlich kam die Mitternacht heran, und der ungluck⸗ liche Mann rief die beiden Schwarzen auf und ſuchte ſeine Back, um in Kummer von denſelben Unglücksfällen ſeiner Nation zu träumen, über welche ſein Geiſt wachend in tiefer Schwermuth gebrütet hatte. Die Wache der zwei„farbigen Herren“ war ruhig und ungeſtört, bis es Zeit war, Hans aufzurufen. Etwas hatten dieſe Leute jedoch gethan, das für Tier von Bedeu⸗ tung war, und wofür dieſer dem alten Joſh im voraus ——— — 86— einen blanken Dollar in die Hand gedrückt hatte. Es war ihnen nämlich gelungen, das Boot des Leuchtthurms von ſpiegelwärts an die Seite der Brigg zu bringen, und ſie hatten dieß ſo geräuſchlos gethan, daß Niemand etwas dieſer Art merkte. Da lag es, als Hans erſchien, an der großen Takelage bereit, ihn jeden beliebigen Augenblick aufzunehmen. Nachdem Tier einige Minuten auf dem Deck erſchienen war, kamen Roſa und Biddy leiſe aus der Kajüte, und letztere trug ein Körbchen, welches Brod und Fleiſchſchnitten und andere kleine Leckerbiſſen enthielt, wie Frauenhände ſie bereiten und wie, bei der jetzigen Gelegenheit, die Zärtlich⸗ keit der Frauen ſie zu verſchaffen weiß. Die ganze Geſellſchaft ſammelte ſich an der Kambüſe, wo ſie von den Hinterhütten ſo weit entfernt waren, daß man ſie nicht hören konnte. Hier bemühte Hans ſich von Neuem, einen der beiden Schwarzen zu bereden, ihn in dem Boote zu begleiten, allein ohne Erfolg. Die Neger hatten die Sache während ihrer Wache reiflich erwogen, und ſich dahin geeinigt, das Unternehmen ſei zu gefährlich. „Ich ſage Euch, Hanus, Ihr kennen nicht Capitän ſo gut, als ich,“ ſagte Joſh im Verlaufe des Geſprächs. „Nein, Ihr ihn gar nicht ſo gut kennen, als ich. Wenn er ausfindig machen, daß Jemand in dieſer Nacht die Brigg verlaſſen, wehe dem. Es nicht gut ſein, ausreißen wollen; ich dreimal ausreißen, und Simon hier zweitnal. Was es uns nützen? Wir eingefangen worden, und hier wir ſein, wie vorher,— grah ſo. Ich kennen Capitän Spike, und ich nicht wollen wieder fallen quer vor ſeine Klüſen.“ „Ja, ſo auch ich denken,“ ſiel der Koch ein.„Wir es gut m. und gut quer Kli das.“ „Nu ſchwarzen ändern,“ behilflich rend meir nicht vert Nutzen w das Boot fangen, dem Bug kommt, d. und von „Gen willig ann für den bedacht w geben.„ dern werd beantworte Bug aufh es gethan Hier wenig Be daß Roſa wecken. S Wirkung te. Es war thurms von gen, und ſie nand etwas hien, an der Augenblick ck erſchienen Kajüte, und eiſchſchnitten nenhände ſie die Zärtlich⸗ er Kambüſe, waren, daß ns ſich von hen, ihn in Die Neger ch erwogen, a gefährlich. Capitän ſo Geſprächs. ich. Wenn öt die Brigg ßen wollen; I. Was es er wir ſein, ike, und ich n.“ ein.„Wir —— es gut mit Euch meinen, Hans, und gut mit Miß Roſa, und gut mit Miſſer Mulford; aber wir nicht keinem fallen quer Klüſen, wie Joſh ſagen. Das auch meine Anſicht, das.“ „Nun, wenn Ihr Euern Entſchluß gefaßt habt, Ihr ſchwarzen Herrn, werdet Ihr ihn ohne Zweifel nicht mehr ändern,“ ſagte Hans.„Auf jeden Fall werdet Ihr mir behilflich ſein und jeden Anruf beantworten, welcher wäh⸗ rend meiner Wache von Zeiten her kommen mag, und mich nicht verrathen. Ihr könnt noch etwas, das uns von Nutzen werden dürfte, für uns thun. Wenn Capitän Spike das Boot vermißt und uns eine Falle legt, um uns zu fangen, ſo zündet jenes Laternchen an und hängt es an dem Bug der Brigg aus, wo es ihm nicht zu Geſicht kommt, damit wir wiſſen, daß die Dinge hier ſchief ſtehen und von dem Schiffe abhalten.“ „Gewiß,“ ſagte Joſh, welcher ſich der Sache bereit⸗ willig annahm, ſofern es ſich von ſeinen beſten Wünſchen für den glücklichen Erfolg handelte, während er weislich bedacht war, ſeine ſchwarze Perſon keiner Gefahr preiszu⸗ geben.„Gewiß, wir alles das thun und keinen Dank for⸗ dern werden. Es nicht ſehr ſchwierig ſein, einen Anruf beantworten, oder ein Latern anzünden und ihn über der Bug aufhängen, und wenn Capitän wiſſen wollen, wer es gethan haben, er ihn ausfindig machen.“ Hier lachten die beiden Neger herzlich, und zeigten ſo wenig Beſorgniß, ihre Heiterkeit laut werden zu laſſen, daß Roſa bange ward, der Lärm möchte Capitän Spike wecken. Solche gewöhnte Töne haben jedoch ſelten dieſe Wirkung auf das Ohr der Schläfer, und das ſchwere Athmen aus der Hütte war nach dem Gelächter der Schwarzen hörbar, ſobald das letztere verſtummte. Hans kündigte nun an, er ſei zur Abfahrt bereit. Es bedurfte einiger Sorgfalt und Umſicht, um namentlich Biddy geräuſchlos in das Boot zu bringen. Mit Hilfe der Schwarzen gelang dieß jedoch, die Fangleine wurde gelöſt, und Hans ſtieß mit dem Boote ab, und ließ es ziemlich weit von dem Spiegel der Brigg abtreiben, ehe er es wagte, das Segel beizuſetzen. „Ich kenne Spike genau,“ ſagte Hans in Folge eines Winkes, welcher der ungeduldigen Roſa wegen dieſer Zöge⸗ rung entſchlüpfte.„Der leichteſte Anſchlag dieſes Segels würde ihn, während die Brigg vor Anker liegt, wecken, während er bei einer Begrüßung mit ſchweren Kanonen, käme dieſe in regelmäßiger Weiſe, fortſchlafen würde. Stephan Spike hat ſcharfe Ohren, und es iſt räthlich, ſie zu ſchonen. Wenn noch eine Minute vorüber iſt, können wir das Segel fliegen laſſen und weiter gehen.“ Alles fügte ſich, wie Hans es wünſchte, und das Boot trieb ungehört und unbeachtet von der Brigg ab. Es blies eine gute Kühlte, und ſobald Hans Tier das Segel beige⸗ ſetzt hatte, ſchoß es mit einer Eile dahin, welcher Spike's Jolle und ſeine beſten Ruderer an Bord bald weit hinter dem Boote zurückgelaſſen hätte. Die Hauptſache war, den rechten Curs einzuhalten, obgleich die Richtung des Windes dabei ſehr zu ſtatten kam. Indem Hans den Wind krahnbalksweiſe hielt, glaubte er, ſich Mulford's Klippen zu nähern. In einer Stunde, möglicherweiſe in noch kürzerer Zeit, hoffte er, ſie zu erreichen, und bei ſeinen Berechnungen ließ er ſich ebenſo ſehr dr tung l V linien ſich no ſeine 9 nicht m er eini aber S rechten hielt, u ſeinem Eit Waſſer, deſſelben allerding Felſen l ſchöne C. kommen. „d ſagte ex, ganz na kenne di Klippe, Höhe, r Stunden in einer dieſe Kü „Ich Geſicht elächter der ite. t bereit. Es namentlich Mit Hilfe gleine wurde und ließ es treiben, ehe Folge eines dieſer Zöge⸗ eſes Segels egt, wecken, n Kanonen, fen würde. räthlich, ſie iſt, können d das Boot z. Es blies Segel beige⸗ her Spike's weit hinter inzuhalten, zu ſtatten elt, glaubte er Stunde, er, ſie zu ſich ebenſo — 89— ſehr durch die Zeit, wie durch irgend eine andere Beobach⸗ tung leiten. Vor der Abfahrt von der Brigg war er einige Wewe⸗ linien der Wand an der Focktakelage emporgeſtiegen, um ſich nach dem Feuer auf Mulford's Fels umzuſehen und ſeine Richtung darnach zu nehmen, allein das Licht war nicht mehr ſichtbar. Da kein Stern zu ſehen war, fühlte er einige Ungewißheit in Betreff des Curſes; Hans war aber Seemann genug, um zu begreifen, daß er in ſeinem rechten Curs ſei, wenn er ſich luvwärts von dem Kanal hielt, und daß er nichts mehr zu fürchten habe, als an ſeinem Ziele vorbei zu laufen. Ein ſo großer Theil des Riffes ſtand über dem Waſſer, daß es nicht ſchwer war, ein Boot dem Rande deſſelben entlang zu ſteuern. Die Dunkelheit machte es allerdings einigermaßen ungewiß, wie nahe ſie an die Felſen heranliefen; im Ganzen aber, verſicherte Hans ſeine ſchöne Gefährtin, hatte er keine große Mühe, entlang zu kommen. „Dieſe Paſſatwinde ſind faſt ſo gut, wie ein Compaß,“ ſagte ex,„und die Felſen ſind beſſer, wenn wir uns ihnen ganz nahe halten können, ohne auf ſie anzulaufen. Ich kenne die genaue Entfernung zwiſchen der Brigg und der Klippe, welche wir ſuchen, nicht; wie es mir aber von der Höhe, wo ich ausguckte, vorkam, können es kaum zwei Stunden ſein. Nun legt dieſes Boot eine ſolche Strecke in einer Stunde zurück, wenn das Waſſer glatt bleibt und dieſe Kühlte anhält.“ „Ich wollte, Ihr hättet das Fener noch einmal zu Geſicht bekommen, ehe wir von der Brigg abſtießen,“ — 90— ſagte Roſa, welche auf den Ausgang zu geſpannt war, um ſich wegen irgend eines andern Grundes unbehaglich zu fühlen. „Der Maat ſchläft, und das Feuer iſt ausgegangen, ſo erklärt ſich Alles. Ueberdieß findet ſich keine große Maſſe Brennſtoff auf einer Klippe, wie Herr Mulford ſie jetzt bewohnt. Wenn wir der Stelle näher kommen, werde ich mich nach der Aſchengluth umſehen, welche uns als Signal dienen kann, um in unſern Hafen einzulaufen.“ „Herr Mulford wird ſich freuen, uns zu ſehen und unſer Waſſer zu koſten,“ rief Biddy.„Waſſer iſt eine geſegnete Sache, und es müßte ein hartes Herz ſein, das nicht dankbar wäre, wenn es eine Fülle ſüßen Waſſers vor ſich ſieht.“ „Der Maat hat eine Fülle Nahrung und Waſſer da, wo er iſt,“ ſagte Hans.„Ich bürge für das Eine, wie für das Andere. Ich ſah ihn ſo deutlich eine Schildkröte zerlegen, als ſtände ich an ſeiner Seite; ich ſah, wie er aus einer Höhlung in den Klippen mit einem Behagen trank, wie je ein Knabe an der Oeffnung eines Syrup⸗ faſſes ſaugte.“ „Die Entfernung war aber ſo groß, Hans, daß ich es kaum für möglich halte, dergleichen mit Beſtimmtheit zu erkennen.“ „Ich richtete mich nach den Bewegungen. Ich ſah den Mann, und beachtete ſein Thun und Gehaben, und wußte mir dieß hinreichend zu deuten. Was die Schild⸗ kröte betrifft, ſo kann ich dieß allerdings nicht beſchwören; aber ich ſah etwas auf der Klippe, in welchem ich nach der Art, wie er damit verfuhr, nur eine Schildkröte erkenn kniete trank.“ ſeltenen Männe viele 9 R auf, 1 entlang „,2 derin, ſelbſt i Bruder konnte ford, ni than, 1 ſchämen zu beter ebenſo g wird ſie können.“ „3 mich gei von mir) fernung alſo, gu annt war, nbehaglich gegangen, ine große ulford ſie ten, werde uns als aufen.“ ſehen und wiſt eine ſein, das Waſſers Zaſſer da, FEine, wie ſchildkröte ), wie er Behagen 3 Syrup⸗ daß ich timmtheit Ich ſah en, und 2 Schild⸗ ſchwören; ich nach childkröte — 91— erkennen konnte. Dann ſah ich, wie der Maat nieder⸗ kniete und ſeinen Kopf neigte, und ſo wußte ich, daß er trank.“ „Vielleicht hat er gebetet,“ ſagte Roſa feierlich. „Nein, Miß Roſa. Der Seemann betet ſelten, viel ſeltener, als er ſollte. Die Frauen müſſen beten, die Männer arbeiten. Herr Mulford iſt nicht ſchlimmer, als viele Andere, aber ich zweifle, ob er dazu ſehr geneigt iſt.“ Roſa gab keine Antwort, aber Biddy nahm den Faden auf, und ſpann ihn fort, während das Boot lebhaft entlang gleitete. „Deſto mehr ſollte er ſich ſchämen,“ ſagte die Irlän⸗ derin,„haben doch Miß Roſa, und Miſtreß Budd, und ſelbſt ich für ihn gebetet, gerade als wenn er unſer Bruder wäre. Ich bete ſelten für einen Ketzer, aber ich konnte einen ſo hübſchen jungen Mann, wie Herrn Mul⸗ ford, nicht ausſchließen, und Miß Roſa iſt ihm ſo zuge⸗ than, und er iſt auf ſo ſchlimmen Wegen. Er ſollte ſich ſchämen, daß er noch damit groß thut, er ſei zu ſtolz, um zu beten.“ „Harry hat nie auf eine ſo gottloſe Weiſe geprahlt,“ fiel Roſa ſanft ein,„auch wiſſen wir nicht, ob er nicht ebenſo gut für uns, wie für ſich ſelbſt, gebetet hat. Hans wird ſich wohl geirrt haben, wie wir uns Alle irren können.“ „Ja,“ ſagte Haus ruhig,„es iſt möglich, daß ich mich geirrt habe, denn ich ſah den Maat auf ſechs Meilen von mir, und durch ein Fernrohr. Auf eine ſolche Ent⸗ fernung kann man ſich leicht täuſchen. Beruhigt Euch alſo, gute Biddy, und bringt Herrn Mulford die kleinen Leckerbiſſen, welche Ihr in Euerm Körbchen habt, mit ebenſo viel gutem Willen, als wär' er der Papſt.“ „Wir ſprechen am Beſten nicht weiter von dieſer Sache,“ bemerkte Roſa ruhig. „Wie Ihr es wünſcht, Miß Roſa, obgleich die Reli⸗ gion ein Vorwurf iſt, von dem man dann und wann ſprechen darf, ohne daß es ſchadet. Ich habe ſeit manchem Jahre Zeit und Gelegenheit gehabt, meine Gedanken frommen Gegenſtänden zuzuwenden. Seit ich von meiner Mutter Seite ſchied, war mein Geiſt ebenſo gut auf der Pilgerſchaft, wie mein Körper.“ „Armer Hans! Ich verſtehe Euch, und Euere Leiden haben mein innigſtes Mitgefühl angeſprochen; aber beſſere Zeiten werden kommen, und Ihr werdet zu den Gewohn⸗ heiten Eurer Jugend zurückkehren, und in Eurer Kirche Troſt ſuchen und finden.“ „Ich weiß es nicht, Miß Roſa, ich weiß es nicht,“ antwortete Tier, indem er den Ellbogen ſeines kurzen Armes auf das Knie eines ſcheinbar noch kürzeren Beines ſtützte, und den Kopf ſo tief beugte, daß ſein Geſicht ſich auf ſeine flache Hand lehnte, ein lebendiges Bild deſſen, der ſich bitteren, ſchmerzlichen Erinnerungen hingibt. „Kindheit und Unſchuld kehren uns in dieſer Welt nicht wieder. Wenn das Grab kommt, werden wir Alles zur rechten Zeit erfahren.“ „Die Reue kann Alle zur Unſchuld zurückführen, Hans, und das Herz, welches Euch ſpornt, Euch ſo edeln Handlungen zu widmen, wie die, welche Ihr eben unter⸗ nommen habt, muß noch gute Keime enthalten.“ „Wenn Hans ſich entſchlöſſe, zu einem Geiſtlichen zu gehen ſeiner den See Geſchöp Ab Hans T Pflicht Stößen, ein Au haben Schwern ſchließlic nommen Rof denn ſie gebniſſe ſeiner Z verheimli holden, j weelche ſer Der aller Dich ſterten V. und Dant Käfer, w Schmerz, ſittlichen und müſſe liſchen Da die Natur habt, mit 7 on dieſer die Reli⸗ und wann manchem Gedanken on meiner auf der ere Leiden ee beſſere Gewohn⸗ r Kirche nicht,“ 6 kurzen n Beines eſicht ſich d deſſen, hingibt. elt nicht Illes zur ckführen, ſo edeln n unter⸗ ichen zu welche ſeit ſo langen, bitteren Jahren bluteten — 93— gehen und ihm ſeine Sünden zu beichten, ſeiner armen Seele wohl thun,“ ſagte Bi den Seelenſchmerz gerührt war, welcher d Geſchöpf neben ihr bedrängte. Aber die Nothwendigkeit, das Boot zu Hans Tier bald, ſeinen Kopf empor zu richten und ſeiner Pflicht zu achten. Der Wind kam zuweilen in heftigen Stößen, und in ſolchen Augenblicken ſah Hans, daß man ein Auge auf das große Segel des Leuchtthurmbootes haben müſſe, ein Umſtand, der ihn veranlaßte, ſeine Schwermuth von ſich zu ſchütteln und ſeinen Geiſt aus⸗ ſchließlicher dem Geſchäfte zuzuwenden, welches er über⸗ nommen hatte.. Roſa nahm den innigſten Antheil an Hans Tier, denn ſie kannte ſeine Geſchichte, ſeine Herkunft, die Be⸗ gebniſſe ſeiner Jugend und die ſehr begründete Urſache ſeiner Zerknirſchung und Reue. Tier hatte ihr nichts verheimlicht, denn die ſanfte Theilnahme, die er in dem holden, jungen Weſen fand, war ein Balſam für Wunden, n. Der größte, engliſche Dichter und vielleicht der größte aller Dichter, welche je gelebt haben, wenn man die begei⸗ ſterten Verfaſſer des alten Teſtaments, den alten Homer und Dante ausnimmt, hat richtig bemerkt,„der kleine Käfer, welcher ſein Leben aushauche, fühle eben ſo viel Schmerz, als der ſterbende Rieſe.“ So iſt es auch im ſittlichen Leben. Erniedrigung, Elend, Armuth können und müſſen dazu beitragen, die Stimmung unſeres mora⸗ liſchen Daſeins herabzudrücken; aber der Grundſatz, welchen die Natur in uns gepflanzt hat, kann guch nur von der ſo würde dieß ddy, die durch as ſeltſame kleine ſteuern, zwang ——— ——— —— Natur vernichtet werden. Er lebt, ſo lange wir leben, und wenn er unter dem Druck der Umſtände eine Zeit lang ſchlummert, ſo liegt er, wie die Eichel oder die Wallnuß in der Erde, in der Tiefe der Seele, und harrt der rechten Zeit, um die Schale zu ſprengen, zu keimen und zu blühen. Wenn dieſe Zeit nie kommt, liegt der Grund nicht darin, daß der Same fehlt, ſondern darin, daß er vernachläſſigt worden. So verhielt es ſich mit dem ſeltſamen Geſchöpfe, von deſſen Gefühlen wir ſo eben geſprochen haben. Der Samen des Guten war früh in ſein Herz gelegt und mit zärtlicher Sorgfalt gehegt und gepflegt worden, bis er, eigenſinnig, von der Leidenſchaft beherrſcht, ſich der Bande ſeiner Kindheit und Jugend entſchlug, um ſich Spike anzuſchlie⸗ ßen,— eine Verbindung, welche nicht geeignet war, ihn zu beſſern. Ehe wir unſere Erzählung ſchließen, werden wir Gelegenheit haben, dieß näher zu erklären. „Wir ſind nun ſeit einer Stunde unterwegs, Miß Roſa,“ begann Hans wieder, und unterbrach eine längere Pauſe, während welcher das Boot eine geraume Strecke entlang gelaufen war;—„wir ſind nun ſeit einer Stunde unterwegs, und müſſen der Klippe nahe ſein, welche wir ſuchen. Es iſt aber ſo dunkel, daß ich fürchte, wir werden Mühe haben, ſie aufzufinden. Wir müſſen ſcharf aus⸗ ſchauen, daß wir nicht vorbeilaufen; das Gerathenſte wäre wohl, daß wir näher an die Felſen anhalten, und das Segel bergen.“ Roſa bat ihren Begleiter, mit der größten Umſicht zu verfahren, da es ſchrecklich wäre, wenn ſie ihr Ziel ver⸗ fehlten, nachdem ſie ſich einer ſolchen Gefahr preisgegeben. 8 77 Ihr ge in eine wir an liches L verlaſſe als wit hinter: „ zwei gu geſehen Meilen 22A Betreff ßungen Dut Angſt Ro Lichte zu des Mo genug, u die Oede eindringl Die bildete, kräftig u faſt vier würde at gehoben l Rollen zu ir leben, eine Zeit oder die und harrt zu keimen liegt der en darin, bpfe, von r Samen zärtlicher enſinnig, de ſeiner nzuſchlie⸗ var, ihn werden gs, Miß e längere e Strecke r Stunde elche wir r werden arf aus⸗ iſte wäre und das mſicht zu Ziel ver⸗ gegeben. „Vielleicht iſt Harry auf dem Seegraſe, von welchem Ihr geſprochen habt, eingeſchlafen,“ ſetzte ſie hinzu,„und in einem ſolchen Falle wäre es nur zu leicht möglich, daß wir an ihm vorbeiführen. Wie kann man ein menſch⸗ liches Weſen in einer ſolchen düſteren, furchtbaren Oede verlaſſen? Ich fürchte, Hans, wir ſind ſchneller geſegelt, als wir glaubten, und haben die Klippe vielleicht ſchon hinter uns gelaſſen.“ „Ich hoffe es nicht, Miß Noſa. Es ſchienen nur zwei gute Stunden bis zu der Stelle zu ſein, wo ich ihn geſehen habe, und das Boot läuft ſchnell, welches fünf Meilen in einer Stunde zurücklegt.“ „Wir kennen die Zeit nicht, Hans, und können in Betreff ihrer und der Entfernung zumal nur Muthma⸗ ßungen haben. Wie dunkel iſt es!“ Dunkel war es, in einem Sinne, allerdings, obgleich die Angſt Roſa ohne Zweifel verleitete, jetzt Alles in einem düſtern Lichte zu ſehen. Die Wolken verdunkelten zwar das Licht des Mondes; dieſer verbreitete aber ſtets noch Hellung genug, um die Gegenſtände umher zu ſehen, und vor Allem die Oede und Einſamkeit, welche ringsum herrſchte, recht eindringlich zu machen.. Die Nähe des Riffes, das die Luvſeite des Bootes bildete, hinderte jede ſtärkere Bewegung der Wellen, ſo kräftig und ſtetig auch die Kühlte war, welche nun ſeit faſt vier und zwanzig Stunden blies. Derſelbe Wind würde auf dem offenen Waſſer die Wogen hoch genug gehoben haben, um ein Schiff zum Stampfen oder zum Rollen zu bringen, während das Boot des Leuchtthurmes — 96— da, wo es ſtand, ſich auf den leichten Wellen des Kanals, durch den es hinlief, kaum auf und nieder ſchaukelte. „Dieß iſt ein gutes Boot, und auch ein ſchnelles Boot,“ bemerkte Hans Tier, nachdem er mehrere Minuten luvwärts abgehalten hatte, um ſich der Nähe des Riffes zu vergewiſſern,„und es könnte uns wohlbehalten nach Key⸗Weſt, gewiß aber zu den Dry⸗Tortugas zurückbringen, wenn wir geneigt wären, auf einen dieſer Punkte loszu⸗ ſteuern.“. „Ich kann meine Tante nicht verlaſſen,“ ſagte Roſa raſch,„und ſo wollen wir an dergleichen gar nicht denken.“ „Nein, es iſt nicht möglich, die Miſſus zu verlaſſen,“ ſagte Biddy.„Sie brachte die Angſtſtunden auf dem Wrack mit uns hin, und der Durſt quälte ſie wie uns.“ „Wir haben allerdings ſehr viel gemeinſam über⸗ ſtanden,“ verſetzte Tier,„und es ſollte uns zu ſteten Freunden machen.“ „Ich hoffe das, Hans; ja, ich hoffe, wenn wir wieder zu Neu⸗York ſind, ſehen wir Euch bei uns, wie Ihr es nennen würdet, vor Anker, und Ihr bringt den Reſt Eures Lebens unter dem Dache meiner Tante oder unter meinem eigenen hin, wenn ich ein ſolches haben ſollte.“ „Nein, Miß Roſa, mein Geſchäft iſt an Bord der Swaſh und bei ihrem Capitän. Ich werde bei Beiden aushalten, nachdem ich ſie jetzt wieder gefunden, bis ſie mich noch einmal verlaſſen. Eines Mannes Pflicht iſt ſeine Pflicht, und die Pflicht einer Frau iſt die ihrige.“ „Ihr ſcheint die Brigg und ihren Capitän zu lieben, Hans herrſcht ihren L. tiger S Fels üb vorbei, 4 „Ge empor,“ fahren u Boot, waä Miß Roſ Hans während Die Geſell Fels allm vornen ſan Hans leine an de welches eir ßerer Siche Hände und ihre Gefäh nungen get Oertlichkeite Wenige der Klippe, bekannt zu dehnten Ther 244— 246 Kanals, lte. ſehnelles Minuten es Riffes ten nach bringen, te loszu⸗ ste Roſa ar nicht rlaſſen,“ auf dem uns.“ m über⸗ u ſteten r wieder Ihr es en Reſt er unter llte.“ ord der Beiden bis ſie licht iſt iſt die lieben, 1— 92— Hans Tier,“ bemerkte Biddy,„und wo ein ſolches Gefühl herrſcht, hilft keine Gegenrede. Man muß den Dingen ihren Lauf laſſen. Jedenfalls iſt Capitän Spike ein tüch⸗ tiger Seemann.“ „Er iſt ein Schurke,“ grollte Hans. „Dort!“ rief Roſa faſt athemlos,„dort hebt ſich ein Fels über das Waſſer empor. Lauft nicht ſo raſch daran vorbei, Hans; wir wollen anhal „Gewiß, der Fels iſt da, empor,“ antwortete Tier.—„Wir wollen an ihm entlang fahren und ſehen, wie es damit iſt. Biddy hütet das Boot, während wir Beide unſere Nachforſchungen anſtellen, Miß Roſa.“ Hans hatte das Boot in den Wind gewendet, und während er noch ſprach, ſchoß es dicht an das Riff heran. Die Geſellſchaft fand es nicht ſchwierig, zu landen, da der Fels allmählich in den Kanal ablief, und das Boot ſich vornen ſanft auflegte. Hans hatte das Segel aufgegeit, brachte die Fang⸗ leine an den Strand und feſtigte ſie an einem Felſenſtück, welches einen hinreichenden Anker abgab. Zu noch grö⸗ ßerer Sicherheit gab Hans eine leichte Fangleine in Biddy's Hände und empfahl ihr, ſie nicht fahren zu laſſen, während ihre Gefährten abweſend wären. Nachdem dieſe Anord⸗ nungen getroffen waren, begannen Roſa und Hans die Oertlichkeiten eilig in das Auge zu faſſen. Wenige Minuten reichten hin, um ſie mit der Natur der Klippe, an welcher ſte beigelegt hatten, ziemlich genau bekannt zu machen. Sie befanden ſich auf einem ausge⸗ dehnten Theile des Riffes, welcher gewöhnlich uͤber dem 244— 246. 7 —— — 98— Waſſer ſtand, und wo ſich da und dort ein Gemiſch von Sand und Erde geſammelt hatte, das mit kurzem Gebüſch bewachſen war. Treibholz und Seegras hatten ſich in großer Menge an dem Rande gelagert und waren an einzelnen Stellen maſſenweiſe durch die Gewalt erregter Wellen auf den Fels ſelbſt geſchleudert worden. Bald entdeckte Hans auch eine Schildkröte, welche auf einen Sandhügel gekrochen war, wahrſcheinlich um ihre Eier dort zu bergen. Ungeachtet des ernſten Vorhabens, welches ihn hierher führte, konnte Hans der Verſuchung nicht widerſtehen, das Thier umzuwenden; in welcher Abſicht er dieß that, hätte er vielleicht ſelbſt nicht angeben können. Nachdem Hans ſeiner Neugierde Genüge gethan, folgte er Roſa ſo raſch, als ſeine kurzen Beine dieß geſtatteten, denn unſere Heldin eilte unaufhaltſam weiter, um ſich zu zu vergewiſſern, ob Mulford hier ſei oder nicht. „Ich fürchte, dieß iſt die Klippe nicht,“ ſagte Roſa faſt athemlos vor Eifer und Eile, als Hans ſie eingeholt hatte.„Ich ſehe nichts von ihm, und wir haben faſt die ganze Klippe umgangen.“ „Sehr wahr,“ antwortete Hans, welchen der Fund der Schildkröte in gute Laune verſetzt hatte,„aber es gibt noch andere Klippen hier in der Nähe.— Ha, was war das dort?“ rief er und hob ſeinen Finger, um die Stelle anzudeuten,—„dort, mehr in der Richtung der Brigg! So gewiß ich ein Sünder bin, es flammte wie Feuer auf.“ „Wenn es ein Feuer iſt, muß Harry es angezündet haben. Laßt uns ſogleich zur Stelle gehen.“ Hans ging voran und erreichte in der That bald eine Stelle, wo die glühende Aſche, deren Menge auf eine beträcht Wahrſch für eine Richtung Sie Stelle angezünd felbſt nie alle Zeich hatte, 1 größere, trockenen Flamme; faſt all i am Feuer das Holz Mangels Auf dem planken u Kurz, Ha Gegenſtän! müſſen, ir müſſe wind genden Klit riffe find man kann in großer 2 „Ich Signal zu miſch von Gebüſch n ſich in waren an t erregter en. Bald auf einen ihre Eier s, welches ung nicht Abſicht er en können. folgte er geſtatteten, um ſich zu ſagte Roſa e eingeholt en faſt die r Fund der er es gibt was war die Stelle der Brigg! Feuer auf.“ angezündet t bald eine e auf eine — 99— beträchtliche Feuermaſſe deutete, auf dem Fels verglomm. Wahrſcheinlich hatte der Wind einen glimmenden Brand für einen Augenblick entflammt, als Tier eben in dieſer Richtung ausſchaute. Sie konnten jetzt nicht mehr zweifeln, daß ſie zur Stelle gekommen waren, wo Mulford ſein Feuerſignal angezündet und ſein Abendmahl bereitet hatte, obgleich er ſelbſt nicht in der Nähe war. Rings um die Aſche waren alle Zeichen ſichtbar, daß der Maat hier das Mahl bereitet hatte, mit welchem Hans Tier ihn beſchäftigt geſehen. Ein Theil der Schildkröte, und zwar bei weitem der größere, war noch in der Schale, und eine Menge trockenen Holzes und Seegraſes lag zur Hand, um die Flamme zu nähren. Die Oberbramraa eines Schiffes mit faſt all ihrem Tauwerk lag nebſt einem verkohlten Ende am Feuer, oder da, wo das Feuer gebrannt hatte, denn das Holz war ſo weit abgebrannt, bis die Flamme wegen Mangels an entzündlicherer Nahrung ausgegangen war. Auf dem nahen Haufen lagen viele Stücke von Harztannen⸗ planken und einige ganze Dielen von demſelben Holze. Kurz, Hans glaubte aus der Art und Menge derartiger Gegenſtände, welche hier aufgehäuft waren, ſchließen zu müſſen, irgend ein mit Schiffsbauholz gefrachtetes Schiff müſſe windwärts geſtrandet und die Fracht an genden Klippen angetrieben worden ſein. riffe ſind Wracke etwas ſehr häuft man kann Trümmer dieſer Art in g in großer Menge ſammeln. „Ich wüßte kein beſſeres Mittel, dem Maat ein Signal zu geben, Miß Roſa, als daß wir einen Theil 7* die umlie⸗ In dem Florida⸗ g vorkommendes, und ünſtigen Stunden dort — 100— dieſes trockenen Graſes und dieſes Holzwerks auf das Feuer werfen,“ ſagte Hans, nachdem er die Stelle eifrig unterſucht hatte.„An Munition fehlt es hier nicht, und wir können eine volle Lage geben.“ Es ward Hans nicht ſchwer, ſein Wort zu bethätigen. Nach wenigen Minuten hatte er die Flamme angefacht und nährte ſie nun mit ſolchen Holzſtücken, wie ſie ſeiner Abſicht am Beſten entſprachen. Die Flamme breitete ſich allmählich aus, und als Tier die Oberbramraa auf den Stoß brachte und ſie mit Dielen und Planken umgab, begann die Maſſe in lichte Flammen auszubrechen. Der Glanz des Lichtes überſtrömte die Felſen bis auf weite Ferne, und die ganze Umgebung, welche eben noch ſo düſter und dunkel, war, erglänzte in dem hellen Strahle eines aufflackernden Feuers. „Das iſt ein Signalfeuer, welches man faſt an Bord der Brigg ſehen muß,“ rief Tier frohlockend, daß ihm ſein Werk gelungen war. Wenn der Maat irgend in dieſer Breite iſt, wird er ſich bald zeigen.“ „Ich ſehe nichts von ihm,“ antwortete Roſa in trauervollem Tone.„Gewiß, gewiß, Hans, kann er die Klippe nicht in dem Augenblicke verlaſſen haben, wo wir kamen, um ihn zu retten!“ Noſa und ihr Begleiter hatten das Geſicht von dem Feuer weggewendet, um in der entgegengeſetzten Richtung nach dem auszuſchauen, welchen ſie ſuchten. Ohne von ihnen geſehen zu werden, ſchritt eine menſchliche Geſtalt von einem Punkte auf der andern Seite raſch auf das Feuer zu. Sie kam näher, ſchien zu zögern, und ſtürzte dann m dieſer S blicke ſah Die ſeltſam ar war bald in Betreff mehr zu ſ ſich dieſem ten war 3 bekannt. 2 Vorwand, ebenſo ſehr ſich zehn od aus jedem a Die K Das Feuer ſtrom glänz auf das elle eifrig icht, und ethätigen. angefacht ſie ſeiner reitete ſich auf den n umgab, hen. Der auf weite ſo düſter ahle eines an Bord ihm ſein in dieſer Roſa in un er die „wo wir von dem Nichtung Ohne von he Geſtalt auf das ind ſtürzte — 101— dann mit einem Schritte, welcher die dieſer Seite wandte, heran, Augen Beider nach und in dem nächſten Augen⸗ blicke ſchloß Mulford Roſa an ſein Herz. Drittes Kapitel. Ich hätt' ihr lieblich Antlitz geſehen, Und doch vielleicht mein Herz nicht v Ihr ſchüchtern Erröthen aber ſagte mir, Sie, nur ſie ſei für mich geboren. Wer tadelt mich, daß ich ſie geliebt, Eh' ich fie zweimal nahe geſeh'n? Die Feengeſtalt, das warme, warme Herz Drängten mich, ſie um ihre Liebe zu fleh'n. Wolfe. erloren; Die Geſchichte der beiden Verlobten, welche ſich ſo ſeltſam auf dieſer öden, einſamen Klippe wieder fanden, war bald erzählt. Harry beſtätigte alle Angaben Tier's in Betreff ſeines eigenen Gehabens, und Roſa hatte wenig mehr zu ſagen, als daß ihre Liebe ſie veranlaßt habe, ſich dieſem Wagniſſe hinzugeben. Kurz, nach zehn Minu⸗ ten war Jedes mit dem Thun des Andern hinreichend bekannt. Dann begab ſich Tier zum Boote, unter dem Vorwand, er wolle es wenden und zur Abfahrt herrichten, Gelegenheit zu geben, en ungeſtört zu ſprechen, als ebenſo ſehr aber, um den Liebenden ſich zehn oder fünfzehn Minut aus jedem andern Grunde. Die Klippe bot jetzt ein Das Feuer loderte in hellen Flar ſtrom glänzte fern und nahe. ſeltſames Schauſpiel dar. men auf, und ſein Licht⸗ Unmittelbar vor ſeinen hellſten Strahlen ſtanden Harry und Roſa, Beide lächelnd und glücklich, entzückt über ihr Wiederfinden, und in dem Augenblicke nur ihres jetzigen Glückes bewußt. Harry glaubte, Roſa nie ſchöner geſehen zu haben. Ihr Antlitz ſtrahlte von jenen Gefühlen des Entzückens, welche der Verzweiflung gefolgt waren, ein Zuſtand, wel⸗ cher der Schönheit ſtets günſtig iſt, und Neize, welche ſtets weiblich und ſanft waren, ſchienen jetzt zu einer glänzen⸗ den Holdſeligkeit geſteigert, welche man am Beſten mit dem Bilde vergleicht, das wir uns von Engeln zu machen pflegen. Die milden, ſtrahlenden, reinen, geiſtvollen Augen, die vor Wonne glühenden Wangen, das Lächeln, das ſo leicht um die Lippen webte und ſo ganz Zärtlichkeit war, und das reiche Haar, das die Kühlte gelöſt und die See⸗ luft mit ihrer Feuchtigkeit überflogen hatte, alles dieß erhielt vielleicht einen neuen Reiz durch das eigenthümliche Licht, von dem es umſtrahlt war. Was Harry betrifft, ſo machte das Glück alle Nach⸗ theile vergeſſen, in welche ihn ſeine Wanderung über die Klippen, der Mangel an gehöriger Bekleidung und ein Geſicht, welches ſeit ſechs und dreißig Stunden kein Raſir⸗ meſſer berührt hatte, verſetzen mochte. Als er das Wrack verließ, hatte er ſeine Mütze und ſeine leichte Sommerjacke abgeworfen, um ſich im Waſſer leichter zu bewegen; beide waren aber wieder aufgenommen worden, als er mit dem Boote zurückkam, um ſeine Freunde abzuholen. Daher ſtand er jetzt in ſeiner gewöhnlichen Schiffskleidung, Roſa's beide Hände in den ſeinigen haltend, vor dem Feuer, alle Kleider rein und weiß, wie ſie durch das Waſſer des — Meere gebend S für do ſeinetn wohl ehrung ſanften mit w S Oberfl Meere A welche der K Feuer mach! „ halten runde gern d einen Laune und er 77 die gu iſt die wohl, 0 Glück lächelnd d in dem zu haben. ntzückens, und, wel⸗ elche ſtets glänzen⸗ heſten mit zu machen n Augen, 1, das ſo hkeit war, die See⸗ illes dieß athümliche alle Nach⸗ g über die g und ein kein Raſir⸗ das Wrack ommerjacke gen; beide r mit dem n. Daher ng, Roſa's Feuer, alle Vaſſer des — 103— Meeres nur ſein konnten, aber auch von all' dem Zeugniß gebend, was er ſeitdem beſtanden hatte. Sein ſchönes Antlitz war jener Liebe voll, welche er für das unerſchrockene, hingebende Mädchen fühlte, die ſeinetwegen ſo Vieles gewagt hatte; und ein Maler hätte wohl gewünſcht, den Ausdruck inniger, mannhafter Ver⸗ ehrung feſtzuhalten, die in ſeinen Augen glühte, und dem ſanften Mitgefühle und der weiblichen Zärtlichkeit entſprach, mit welcher ihm Roſa entgegenkam. Der Hintergrund dieſes Gemäldes war die weite, glatte Oberfläche des Korallenriffes mit dem düſtern, dunkeln Meere als Rahmen. An der Seite des Kanals aber ſah man das Boot, welches bereits gedreht war, und Biddy, welche noch auf der Klippe ſtand und freundlich auf die Liebenden an dem Feuer blickte, während Hans die Fangleine hielt und allge⸗ mach über das lange Zaudern ungeduldig werden wollte. „Sie werden eine Stunde ſo ſtehen bleiben, ihre Hände halten und ſich in das Geſicht ſehen,“ grollte der kleine, runde Viceproviantmeiſter, der vor allem Andern wieder gern der Brigg zugeſegelt wäre,„wenn man ihnen nicht einen Anruf gibt. Capitän Spike wird nicht in der beſten Laune ſein, wenn wir wieder an Bord der Molly treten, und er erfährt, was wir für einen Ausflug gemacht haben.“ „Laßt ſie gehen, laßt ſie gehen, Hans,“ antwortete die gutmüthige, warmherzige Irländerin.„Wie glücklich iſt dieſes Pärchen jetzt, wahrlich, es thut meinen Augen wohl, ſie ſo anzuſchauen.“ „Ja, jetzt ſind ſie wohl glücklich, ich wünſchte dieſem Glück nur auch Dauer.“ — 104— „Dauer? und warum ſollte es nicht andauern? Miß Roſa iſt ſo gut, und ſie iſt ſo ſchön, und überdieß hat ſie Vermögen, und der Maat iſt ein ſo hübſcher, junger Mann. Denkt Euch nur, Hans, und ſolche Leute haben bitter gelitten und die geſegnete Gabe des Waſſers entbehrt, und all' das zwei Nächte und einen Tag lang. Gewiß, die Vorſehung nimmt ſich unſer an, während wir ohnmächtig ſind. Könige auf ihren Thronen ſind nicht ſo glücklich, wie ſie es in dieſem Augenblicke ſind.“ „Die Männer ſind Schurken,“ murmelte Hans, und die Frauen ſind nur um ſo größere Thörinnen, daß ſie ihnen trauen.“ „In dieſe Klaſſe gehört ein ſo hübſcher, junger Mann, wie der Maat, nie,— nein, er nie, Hans. Aber gewiß der Maat des Schiffes, in welchem ich von Liverpool herüber⸗ kam,— es mögen jetzt zehn Jahre ſein,— der war ein Schurke. Er beneidete uns um unſere Kartoffeln und um unſer Brod; er beneidete uns um jeden Tropfen ſüßen Waſſers, das unſre Lippen netzte. Ihn möcht Ihr nach Belieben einen Schurken nennen, Hans, aber ein Mann, wie Mulford, verdient einen ſolchen Namen nie.“ „Ich meine es nur gut mit ihm, das iſt Alles, und darum muß dieſem gegenſeitigen Händehalten und Anblicken ein Ende gemacht werden. Die Zeit ſteht nicht ſtill, Biddy, um ſich den Wünſchen eines liebenden Paares zu fügen, und Stephan Spikediſt ein Burſche, mit dem man keinen Scherz treibt. Hollah dort, Maat, es iſt hohe Zeit, an die Abfahrt zu denken!“ 3 Harry und Roſa blickten raſch auf und erinnerten ſich der koſtbaren Minuten, welche ſie verloren. Der Erſtere —— die Fahr uahm e ſchritt d Platz ge Der beſchäftig Seeman nicht la⸗ welcher „W falſch ge „Ge die Brig⸗ uns aller wird nich wir das halbe St Swaſh a „St an? Unſ wäre, vo laufen un Pflicht un Capitän? beabſichtig ich keinen mich an der Ferſe „Nie, 1? Miß hat ſie junger te haben entbehrt, wiß, die mächtig llücklich, ns, und daß ſie Mann, ewiß der herüber⸗ var ein und um n füßen hr nach Mann, s, und nblicken Biddy, fügen, keinen eit, an ten ſich Erſtere 1 5 — 105— unahm einen beträchtlichen Theil der Schildkröten auf und ſchritt dem Boote zu, in welchem Alle nach drei Minuten Platz genommen hatten, worauf das Segel aufging und die Fahrt begann. Der Maat war einige Augenblicke dergeſtalt mit Roſa beſchäftigt, daß er nicht auf den Curs achtete; allein ein Seemann ſeiner Art konnte ſich über einen ſolchen Punkt nicht lange täuſchen, und er wendete ſich raſch zu Tier, welcher am Steuer ſtand, und rief: „Was iſt das, Hans? Ihr habt die Naſe des Boots falſch geſtellt.“ „Ganz und gar nicht, Herr. Sie ſteht ſo ſtrack auf die Brigg ab, als dieß nur möglich iſt. Der Wind iſt uns allerwegen günſtig, und dieß iſt ein Glück, denn es wird nicht weit von der Morgendämmerung ſein, wenn wir das Schiff erreichen. Ihr braucht wenigſtens eine halbe Stunde Dunkelheit, um einen guten Strich von der Swaſh abzukommen, ſofern ſie Euch jagen ſollte.“ „Strack auf die Brigg ab? Was geht uns die Brigg an? Unſer Curs iſt nach Key⸗Weſt, wenn es nicht beſſer wäre, vor dem Winde nach den Dry⸗Tortugas hinabzu⸗ laufen und nach der Kriegsſchluppe auszuſchauen. Meine Pflicht und meine eigene Sicherheit vielleicht drängen mich, Capitän Mull wiſſen zu laſſen, was Spike mit der Swaſh beabſichtigt, und nach dem, was ſich begeben hat, werde ich keinen Augenblick Anſtand nehmen, dieß zu thun. Laßt mich an das Steuer treten, Hans, wir wollen uns auf der Ferſe umdrehen.“ „Nie, Meiſter Maat,— nie! Ich muß in die Brigg — 106— zurück. Miß Roſa hier weiß, daß mein Geſchäft mich an Spike feſſelt,— an ihn allein.“ „Und ich muß zu meiner Tante zurückkehren, Harry,“ ſiel Roſa ſelbſt ein.„Ich darf meine Tante nicht verlaſ⸗ ſen, wie Ihr wißt.“ „Und ich bin von den Klippen gerettet worden, um Spike's zärtlicher Gnade wieder überliefert zu werden!“ Dieſe Worte wurden eher in dem Tone der Ueber⸗ raſchung, als der Klage vorgebracht, und veranlaßten Roſa, dem jungen Mann ſogleich ihren ganzen Plan mitzutheilen. „Nie, Harry,— nie!“ ſagte ſie feſt. Wir ſelbſt wollen und müſſen in die Brigg zurückkehren, und dann flüchtet Ihr in dem Boote. Hans Tier iſt der Anſicht, dieß könne ohne große Gefahr geſchehen, wenn wir vor⸗ ſichtig ſind und nicht zu viel Zeit verlieren. In keinem Falle aber würde ich daran denken, Euch wieder in Spike's Hände zu geben,— eher den Tod, als dieß, Harry.“ „Und in keinem Fall kann und werde ich zugeben, daß Ihr wieder in Spike's Hände kommt, Roſa,“ antwortete der junge Mann.„Da wir ſeine Abſichten und Pläne jetzt kennen, wäre ein ſolches Beginnen faſt gottlos zu nennen.“ 5 „Denkt an meine Tante, theurer Harry. In welcher Lage würde ſie dieſen Morgen ſein, wenn ſie ſich von Biddy und ihrer Nichte verlaſſen ſähe,— von ihrer Nichte, welche ſie von Kindheit auf gepflegt und gehütet hat, und welche ſie ſo innig liebt!“ „Ich werde Eure Verpſlichtungen gegen Eure Tante nicht in Abrede ſtellen, Roſa, ſofern es ſich von gewöhn⸗ lichen Umſtänden handelt. Dieß ſind aber keine gewöhn⸗ lichen L ſchicke l Ihr E wieder 2L 8 Sünde, ſehen u dieſer 9 Tier me damit ie fehle; dachte, ich nicht „9 fen und Mulfort blick na möglich finden i ſenden. Freunde ungefäh „2 leiſe, ab wollte i „A mir dur mir alle „8 mich an lichen Verhältniſſe, und es hieße ſich dem bitterſten Mißge⸗ ſchicke bloßſtellen, ja, faſt der Vorſehung trotzen, wolltet Ihr Euch dieſem Elenden, nachdem Ihr ihn los ſeid, wieder überliefern.“ Harry,“ ht verlaſ⸗ 9„Spike iſt ein Schurke!“ grollte Hans. nden, um„Und wenn ich die Miſſus verließe, wäre dieß eine ent Sünde, welche kein Geiſtlicher in der Welt ſo leicht nach⸗ den weofr. ſehen würde,“ ſagte Biddy.„Als Miß Roſa mir von autheilen. dieſer Reiſe ſprach, welche ſie in dem Boote mit Meiſter Vir ſelbſt 1 Tier machen wollte, verlangte ich, ſie begleiten zu dürfen, 4 damit ich für ſie ſorgte und zuſähe, daß es ihr an nichts n dann fehle; aber ich will unglücklich ſein, wenn ich je daran ali ſche dachte, die Miſſus zu verlaſſen. Nein, an ſo etwas habe Iu keinem ich nicht gedacht.“ n Spike's 4„Nun, dann wollen wir an die Seite der Brigg lau⸗ S fen und Biddy und Hans an Bord gehen laſſen,“ ſagte daß Mulford, nachdem er über das eben Geſagte einen Augen⸗ blick nachgedacht hatte,„während wir Beide ſo ſchnell als antwortete 3 de. möglich Weſt⸗Key zu erreichen ſuchen, wo ſich bald Mittel nd Pläne 29 31 9 n Wney finden werden, Regierungsſchiffe nach der Swaſh auszu⸗ ſenden. Auf dieſe Weiſe retten wir nicht nur unſere Freunde aus dem Rachen des Löwen, ſondern bleiben ſelbſt ungefährdet.“ „Denkt einen Augenblick nach, Harry,“ ſagte Roſa leiſe, aber in zärtlichem Tone,„es würde unpaſſend ſein, wollte ich Euch allein in dieſem Boote folgen.“ „Auch dann, wenn Ihr Euch bereit erklaͤrt hättet, mir durch die ganze Welt zu folgen, Roſa,— mir, und mir allein?“ „Selbſt dann, Harry. Ich weiß, Ihr werdet Euch gottlos zu n welcher ſich von rer Nichte, hat, und ure Tante gewöhn⸗ 2 gewöhn⸗ — 108— eines Beſſern beſinnen, wenn Euer edles Selbſt Zeit gehabt hat, mit Eurem Herzen deßhalb zu Rath zu gehen.“ „Ich kann nur mit Euren eigenen Worten antworten, Roſa,— nie! Wenn Ihr in die Swaſh zurückkehrt, werde ich Euch an Bord folgen und Spike Trotz bieten. Ich weiß, daß mir die Mannſchaft wohl will, und kann viel⸗ leicht mit Senor Montefalderon's und einiger Freunde Beiſtand ein kleines Häufchen aufſtellen, welches Spike hindert, mich in die See zu werfen.“ Roſa brach in Thränen aus, und dann folgte eine längere Pauſe, während welcher Mulford mit großer Innig⸗ keit bemüht war, ſie zu beruhigen. Sobald unſere Heldin ihre Selbſtbeherrſchung wieder gewonnen hatte, begannen ſie, die zwiſchen ihnen ſchwebende Frage ruhiger zu beſprechen. Beide machten eine volle halbe Stunde Alles geltend, was Gefühl, Liebe, Zärtlichkeit, oder Mißtrauen gegen Spike ihnen eingab, und Mulford begann allmählich mit ſeinen Gründen zu ſiegen, wie dieß natürlich war, da faſt Alles für ſeine Anſicht ſprach. Roſa war unſchlüſſig, verwirrt. Denn ſie verließ ihre Tante nur mit großem Widerwillen, ſo triftig auch ihr Beweggrund ſein mochte; vorzüglich aber bebte ſte vor dem Schein zurück, mit Mulford allein in einem Boote und faſt auf offener See zu fliehen. Hätte ſie Harry weniger geliebt, ſo würden ihre Zweifel weniger eindring⸗ lich geweſen ſein; aber das Bewußtſein der Innigkeit ihrer Neigung, und ihr feſter Entſchluß, ihm ihre Hand zu reichen, ſobald ſie im Stande wäre, dieß mit Anſtand zu thun, tr ihr Ohrꝛ In aus eine Boote ü fallen la Budd ſe daß er f war All fand, ar Noc Maat a der Frag und die dieß ſelb End daß Tier „Dr ab, als Ich ſehe fügen. finden, a Troſt. 2 wollt, w ſchaft zu „Wo als ich h begleitet, und gehe rinnen.“ . tworten, t, werde n. Ich nn viel⸗ Freunde Spike gte eine Innig⸗ Heldin egannen iger zu geltend, gegen lich mit da faſt verließ g auch ſie vor Boote Harry ndring⸗ it ihrer and zu tand zu — 109— thun, trug viel dazu bei, den Gründen des jungen Mannes ihr Ohr zu verſchließen. In Betreff ihrer Tante wußte der Maat die Sache aus einem Geſichtspunkte zu faſſen, welcher Alle in dem Boote überzeugte, Roſa müſſe dieſen Verweigerungsgrund fallen laſſen. Spike gewann nichts dabei, wenn er Miſtreß Budd ſeinen Groll fühlen ließ, und es war wahrſcheinlich, daß er ſie baldmöglichſt loszuwerden ſuchen würde. Dieß war Allen ſo einleuchtend, daß Harry es nicht ſchwer fand, auch Roſa ſeiner Anſicht geneigt zu machen. Noch war aber der Widerwille zu beſiegen, mit dem Maat allein in einem Boote zu flüchten. Dieſer Theil der Frage war ſchwieriger zu bewältigen, als der andere, und die linkiſche Art, wie Mulford ſie behandelte, ließ ihn dieß ſelbſt fühlen. Endlich kam die Verhandlung dadurch zum Abſchluß, daß Tier plötzlich ſagte: „Dort iſt die Brigg, und wir halten ſo ſtrack auf ſie ab, als wäre ſie der Pol und dieſes Boot ein Kompaß. Ich ſehe wie die Dinge ſtehen, Miß Roſa, und muß mich fügen. Ich denke, es wird ſich wieder eine Gelegenheit finden, an Bord der Brigg zurückzukehren, das iſt mein Troſt. Wenn Ihr nicht allein mit dem Maat fliehen wollt, werdet Ihr Euch nicht weigern, in meiner Geſell⸗ ſchaft zu fliehen.“ „Wollt Ihr uns begleiten, Hans? Dieß iſt mehr, als ich hoffen konnte. Ja, Harry, wenn Hans Tier uns begleitet, überlaſſe ich meine Tante der Sorgfalt Biddy's und gehe mit Euch nach Key⸗Weſt, um Spike zu ent⸗ rinnen.“ — 110— Dieß kam ſo ſchnell und ſo unerwartet, daß Mulford ganz überraſcht war. Er glaubte ſeinen Ohren kaum trauen zu dürfen und ſchien ſich anfangs verletzt zu fühlen, aber das Nachdenken eines Augenblickes reichte hin, um ihn zu überzeugen, daß er ſich des Ergebniſſes nur freuen könne, welcher Grund es auch herbeigeführt haben mochte. „Mehr als ich hoffen konnte!“ ſagte er ein wenig bitter, denn er fühlte ſich gekränkt;„Hans Tier iſt alſo ſo wichtig, daß ſeine Geſellſchaft der meinigen vorge⸗ zogen wird!“ „Still, Harry,“ flüſterte Roſa und legte ihre Hand auf Mulford's Arm, um ihren Worten Nachdruck zu geben. „Sprecht nicht ſo. Ihr kennt dieſe Verhältniſſe nicht, ein anderes Mal ſollt Ihr Alles erfahren, aber jetzt nicht. Es mag Euch für den Augenblick genügen, daß ich verſpreche, Euch zu begleiten, wenn Hans Tier mit uns kommt.“ „Ja, ja, Miß Roſa, ich will mitkommen, denn ich ſehe wohl ein, daß es kein anderes Mittel gibt, das Lamm aus dem Rachen des Wolfes zu befreien. Ueberhaupt mag es das Klügſte ſein, was ich thun kann, obgleich ich mit der erſten Gelegenheit in die Swaſh zurückkommen will und muß, koſte es auch, was es wolle. Ja, mein Ge⸗ ſchäft gilt der Molly, und zu der Molly werde ich zurück⸗ kehren. Da Ihr Euch nun entſchloſſen habt, Miß Roſa, uns auf dieſem neuen Kreuzzuge zu begleiten, iſt es ein Glück, daß mir einfiel, Biddy zu ſagen, ſie möchte ein Päckchen Allerlei für Euch herrichten. Jener Reiſeſack dort enthält einige Kleider und Aehnliches für Euch, und all das iſt meiner Vorſicht zu danken. Die Irländerin ſagte: „Miß Roſa wird mit uns zurückkommen, Hans, und warum —— ſoll ma den in aber be mal ar von ihr G meiner bedeute einiges nicht v bereiten ſah, d könne, Sack d Weiſe beſitze, hunder Kiſte a Nachm währen die Ge eilf Q legte e Adler * Mulford n kaum fühlen, bin, um r freuen mochte. n wenig iſt alſo n vorge⸗ re Hand u geben. ſicht, ein licht. Es rſpreche, nt.“ denn ich s Lamm upt mag ich mit nen will ein Ge⸗ ) zurück⸗ iß Roſa, t es ein ſchte ein ſack dort und all n ſagte: d warum , — 111— ſoll man die Kleider wegen einer Fahrt von wenigen Stun⸗ den in dem Boote zerknittern?“ Ich kannte die Frauen aber beſſer und ſah vorher, daß Ihr, wenn der Maat ein⸗ mal an Eurer Seite angelegt hätte, nicht wieder ſo ſchnell von ihm wegſteuern würdet.“ „Ich danke Euch, Hans, für dieſe Umſicht zu Gunſten meiner Behaglichkeit, obgleich ein wenig Geld dieſelbe bedeutend geſteigert haben würde. In meiner Börſe iſt einiges Geld, aber nicht viel, und ich fürchte, Ihr ſeid nicht viel beſſer daran, Harry. Es wird uns Verlegenheit bereiten, zu Weſt⸗Key ohne Geld anzulangen. „Wir werden nicht ganz ohne Geld ſein. Ich habe die Brigg ohne einen Cent verlaſſen, da ich aber voraus ſah, daß die Noth etwas der Art wünſchenswerth machen könne, lieh ich mir ein halbes Dutzend Dublonen aus dem Sack des Seüor Montefalderon, und ſie ſind glücklicher Weiſe noch in meiner Taſche. Alles, was ich in der Welt beſitze, iſt in einem Täſchchen, welches mit etwas mehr als hundert halben Adlern geſpickt iſt und in meiner Hütten⸗ Kiſte an Bord der Brigg zurückblieb.“ „Auch das werdet Ihr in dem Reiſeſack finden, Mei⸗ ſter Maat,“ ſagte Tier ruhig. „Finden? Was? Doch nicht mein Geld?“ „Ja, bis auf das letzte Stück. Spike erbrach geſtern Nachmittag Eure Kiſte, und ich mußte den Deckel halten, während er nachſuchte. Er fand das Täſchchen und zählte die Goldſtücke,— es waren hundert und ſieben halbe Adler, eilf Quartſtücke und ein ganzer Adler. Als er fertig war, legte er wieder Alles hin, mir aber gab er den ganzen Adler als meinen Antheil an der Beute, und befahl mir, nichts von dem zu ſagen, was ich geſehen. Ich habe nichts geſagt, aber ich habe etwas gethan, denn wäh⸗ rend er bei dem Abendeſſen ſaß, confiscerirte ich, wie man ſagt, das Täſchchen, und Ihr werdet es bei den Kleidern der Miß Roſa finden, und auch der ganze Adler iſt wieder in ſein Neſt zurückgeflogen.“ 3 „Das iſt nicht nur ehrlich, ſondern ſehr umſichtig,“ rief Mulford freudig.„Die Hälfte dieſes Goldes iſt Euer, Hans, Ihr verdient dieß.“ „Ich dank' Euch, Herr, aber ich werde keinen Cent davon berühren. Ihr ſeid mühſam dazu gekommen, Herr Mulford; denn meine eigenen Hände haben mich zu oft vom Theer geſchmerzt, als daß ich nicht wiſſen ſollte, daß der Seemann wie ein Pferd für ſein Geld arbeiten muß.“ „Dennoch würde dieß nicht heißen,„es wie ein Eſel vergeuden,“ Hans, wenn ich Euch einen Theil davon gäbe. Wir werden jedoch eine beſſere Gelegenheit finden, davon zu ſprechen. Es beweiſt, daß wir uns den Intereſſen der Welt wieder zuwenden, da uns das Geld zu beſchäftigen beginnt. Vor wenigen Stunden noch, als wir auf dem Wrack waren, dachten wir kaum an die Dublonen oder halben Adler.“ „An Waſſer haben wir gedacht,“ fiel Biddy ein, „Gold iſt gut auf Meſſen und Märkten, und in den Städten, oder um es nach Irland zu ſchicken und armen Eltern zu einiger Erquickung zu verhelfen, aber auf einem Wrack iſt Waſſer eine geſegnete Sache.“ „Die Brigg kommt uns allmählich ganz deutlich vor das Auge, und Ihr werdet am Beſten thun, Hans, wenn Ihr mir das Steuer überlaßt. Es iſt Zeit, daß wir uns über die 2 wir weger faſſen.“ Dieß waren, ſie die zunäch Umſicht al Als2 Brigg zue ſtand und kleine hall ſtark bewö hen, wenn welchem i ſtand, üb⸗ ſah man Minute zu Freunden an die N mahnen n Tier ihm das Richtung lag, Ebb Wind bli der Brigg faſt nörd und folgl Curs zu Tier 244— — 113— n. Ich habe über die Art, ihr nahe zu treten, verſtändigen, ſowie daß n, denn wäh⸗ wir wegen unſeres ſpäteren Gehabens einen Entſchluß— ich, wie man faſſen.“ den Kleidern Dieß war ſo augenfällig richtig, daß Alle geneigt ler iſt wieder waren, ſich jedes andern Gedankens zu entſchlagen, um 3 die zunächſt unerläßlichen Schritte mit aller Klugheit und r umſichtig,“ Umſicht abzuthun. des iſt Euer, Als Mulford die Hand an das Steuer legte, war die Brigg zuerſt deutlich hervorgetreten, obgleich ſie noch fern keinen Cent ſtand und der Nebeldunſt ſie umfloß. Sie mochte eine mmen, Herr kleine halbe Stunde abſtehen, und man hätte ſie bei dem mich zu oft ſtark bewölkten Himmel wahrſcheinlich noch gar nicht geſe⸗ n ſollte, daß hen, wenn ſie nicht einen Hintergrund gehabt hätte, auf beiten muß.“ welchem ihre Umriſſe hervortraten, da ſie aber vor Wolken die ein Eſel ſtand, über welche ſich die Strahlen des Mondes ergoſſen, davon gäbe. 3 ſah man ihre Form ſich deutlich abheben und von einer nden, davon Minute zur andern näher treten, bis ſie ſo klar vor unſern ntereſſen der Freunden ſtand, daß der Maat in der erwähnten Weiſe beſchäftigen an die Nothwendigkeit, ihre Vorbereitungen zu treffen, ir auf dem mahnen mußte. blonen oder Tier theilte nun dem Maat mit, welches Verfahren ihm das zweckmäßigſte ſchien. Die Brigg ſtand in der Biddy ein, Richtung des Windes, da in der Höhe des Riffes, wo ſie und in den lag, Ebbe und Fluth ohne allen Einfluß waren. Der und armen Wind blies ziemlich von Südoſten her, und der Spiegel rauf einem der Brigg deutete auf Nordweſten, während das Boot in faſt nördlicher Richtung von ihr den Kanal herabkam, deutlich vor und folglich einen ziemlich freien Wind hatte, um ſeinen dans, wenn Curs zu wählen. ß wir uns Tier hatte die Abſicht, von windwärts her an die 244— 246. 8 Brigg zu treten, und wenn er recht vor ihr Bug gekom⸗ men, das Segel aufzugeien und auf ſie abzutreiben, wodurch er an ihre Seite und bis zu den Fockruſten zu kommen hoffte, wo er Biddy an Bord helfen wollte, worauf das Segel wieder füllen und man das Weite ſuchen konnte. Dem Maat geſiel dieſer Plan nicht. Er fand ihn linkiſch und nicht im Geiſte des Seemanns. Er brachte einen andern in Vorſchlag, welcher zweckmäßiger und ein⸗ facher war. Er hielt es, ſtatt nach windwärts zu ſteuern, für rathſamer, leewärts abzuhalten, unter das offene Bug⸗ gat anzulaufen, die Schoten aufzuſtechen und das Segel aufzugeien, ſobald das Boot nahe genug wäre, um ohne Hilfe der Leinwand auf den beſtimmten Punkt abtreiben zu können. Tier ließ ſich die Art, wie der Maat ſeinem Plane nachhalf, unbedingt gefallen, und zeigte ſich ſofort willig und bereit, denſelben nach allen Kräften ins Werk ſetzen zu helfen. Da das Boot ungewöhnlich raſch ſegelte, hatte man gerade noch Zeit, im Allgemeinen anzudenten, was Jeder und Jede in dem herannahenden entſcheidenden Augenblicke zu thun habe, als dieſer Augenblick auch ſchon da war; jetzt herrſchte ringsum tiefes Schweigen und ängſtliche Spannung. Wir brauchen kaum zu bemerken, daß Mulford ein Boot zu führen verſtand. Er hielt die Schoten in ſeiner Hand, als das kleine Fahrzeug auf die Leeſeite des Schiffes anlief, während Hans an dem Segeltau ſtand. Die Augen des Maats überflogen den Rumpf der Brigg, um ſich, wenn m Lebensze Ger beſorgter locken. Kopf üb dieſer At Es Schoten das Seg des Tuck wecken k Da Tier vor dieſem m Maat de Leebug! des Bug Länge 1 dieſer S Mu auf das ſchwere Segeltue breitet l Mi Die Ir! bereits; Gebieter Au ug gekom⸗ zutreiben, kruſten zu n wollte, as Weite fand ihn er brachte und ein⸗ u ſteuern, ffene Bug⸗ das Segel um ohne abtreiben nem Plane fort willig Verk ſetzen hatte man was Jeder Augenblicke da war; ängſtliche ulford ein nin ſeiner es Schiffes Die Augen „um ſich, — 115— wenn möglich, zu vergewiſſern, ob ſich etwas regte; kein Lebenszeichen war aber an ihrem Bord bemerklich. Gerade dieſe Stille machte Mulford mißtrauiſcher und beſorgter, denn er fürchtete, man wolle ihn in eine Falle locken. Er hoffte wenigſtens einen der Schwarzen den Kopf über die Bekleidungen ſtrecken zu ſehen, allein nichts dieſer Art ließ ſich blicken. Es war jedoch zu ſpät, um anzuhalten, und die Schoten wurden allmählich nachgelaſſen, und Hans begann das Segel aufzugeien, eine Arbeit, welche das Schlagen des Tuches hindern ſollte, indem dieſes Spike leicht hätte wecken können. Da Mulford ſich der größten Vorſicht befleißigte und Tier vorher gehörig unterrichtet worden, kam man mit dieſem wichtigen Punkte glücklich zu Ende. Jetzt ließ der Maat das Ruder abfallen, und das Boot ſchoß unter dem Leebug der Brigg auf. Hans war bereit, eine der Wanden des Bugſpriets zu faſſen, und ſofort war das Boot ſeiner Länge nach unter der erwähnten Pforte, und wurde in dieſer Stellung gefeſtigt. Mulford verließ die Hinterduft, und warf einen Blick auf das Deck. Nichts war zu ſehen, aber er hörte das ſchwere Athmen der Schwarzen, welche ruhig auf einem Segeltuche ſchliefen, das ſie auf dem Vordercaſtell ausge⸗ breitet hatten. Mulford rief Biddy leiſe an das Pfortgat heran. Die Irländerin gehorchte augenblicklich, denn ſie hatte bereits vorher durch einen zärtlichen Kuß von ihrer jungen Gebieterin Abſchied genommen. Auch Tier kam heran, ſtieg durch die Pforte ein, und 8* — 116— kam auf das Deck, um Biddy, die ziemlich unbehilflich war, durch die Oeffnung zu helfen. Dieß war ihm eben gelungen, als die Geſellſchaft durch einen Anruf von der Schanze her in mächtigen Schrecken verſetzt wurde. Spike's wohlbekannte, tiefe Stimme hatte den Anruf laut werden laſſen. „Dort vornen, he!“ rief der Capitän. Da er keine Antwort erhielt, wiederholte er augen⸗ blicks in kürzerem, raſcherem Anrufe: „Vordereaſtell dort!“. „Herr!“ rief Hans, welcher ſich jetzt wieder erholt hatte. „Wer hat den Ausguck auf jener Back?“ „Ich, Herr, ich, Hans Tier. Ihr wißt, daß ich bis Tagesanbruch die Wache haben ſollte.“ „Ja, ja, ich erinnere mich jetzt. Wie liegt das Schiff vor Anker?“ „So ruhig, wie eine Kirche. Es hat nicht mehr Abtrifft während der ganzen Wache gehabt, als wäre es vornen und hinten gefeſtigt.“ „Hält ſich der Wind noch gut?“ „Kein Wechſel, Herr. Ein ſo leichter Paſſatwind, wie je einer blies.“ „Was für ſchwere Athemzüge höre ich nach vornen?“ „Es ſind die beiden Neger, Herr. Sie haben ſich ein Bett aus Segeltuch gemacht und ſchlafen, wie Schwarze zu ſchlafen pflegen. Bei Negern gibt es kein Mittel gegen das Schnarchen.“ 3 „Es war mir, als hörte ich auch leiſes Geflüſter, es mag a begegnet n „Herr „Geh Kanne mi ſchweren C Hans unter dem ſchlage ge nicht, war auf einen „Das Zinnkanne Wie lange „Zwe erhalten, helle Tag „Ja, und weiter nen könne muß ſie thun will. „Ich es Tag i mir die 8 Euch etw nicht, der ſein, wenn „Gle dank' Euc unbehilflich Geſellſchaft mächtigen inte, tiefe er augen⸗ eder erholt daß ich bis das Schiff nicht mehr ils wäre es Paſſatwind, hvornen?“ haben ſich ie Schwarze Nittel gegen 3 Geflüſter, — 117— es mag aber eine Art Halbtraum geweſen ſein. Dieß begegnet mir jetzt zuweilen. Hans! „Serr!⸗⸗ „Geht an die Waſſertonne, und bringt mir eine Kanne mit friſchem Waſſer. Der Kopf iſt mir heiß von ſchweren Gedanken.“ Hans that, wie ihm befohlen worden, und ſtand bald unter dem Hüttendeck vor Spike, welcher aus dem Ver⸗ ſchlage getreten war, erhitzt und unbehaglich, er wußte nicht, warum. Der Capitän trank einen vollen Schoppen auf einen Zug. „Das iſt erquickend,“ ſagte er, und gab Hans die Zinnkanne zurück,„und ich fühle mich ganz erfriſcht. Wie lange iſt es noch bis zum Tage, Hans?“ „Zwei Stunden, denk' ich, Herr. Ich habe Befehl erhalten, die ganze Mannſchaft aufzurufen, ſobald der helle Tag da iſt.“ „Ja, das iſt richtig. Wir müſſen die Anker lichten und weiter gehen, ſobald es hell genug dazu iſt. Dublo⸗ nen können ebenſo gut ſchmelzen, wie Mehl, und man muß ſie bald einthun, wenn man ſie überhaupt ein⸗ thun will.“ „Ich werde ſorgen, daß Alles aufgerufen wird, ſobald es Tag iſt. Ich hoffe jedoch, Capitän Spike, ich darf mir die Freiheit eines alten Schiffsgenoſſen nehmen, und Euch etwas ſagen, nämlich, vergeßt die Kriegsſchluppe nicht, denn ſie wird Euch wahrſcheinlich auf den Ferſen ſein, wenn Ihr es am Wenigſten erwartet.“ „Glaubt Ihr das wirklich, Tier? Nun, nun, ich dank' Euch, alter Burſche, für den Wink, aber ich habe — 118— keine Furcht vor dieſem Schiffe. Wir haben unſere Beine gegenſeitig gemeſſen, und die Molly ſcheint mir die längſten zu haben.“ Als der Capitän dieß ſagte, gähnte er wie ein Jagd⸗ hund und ging in ſeine Hütte. Hans zauderte auf der Schanze und lauſchte, um zu hören, wie Spike ſich auf ſein Lager warf, worauf er Biddy, welche ſich bis an die Kambüſe vorgewagt und dort verſteckt hatte, einen Wink gab, ſo ſtill wie möglich in die Kajüte hinabzugehen. Zwei Minuten ſpäter ging er, in ſeiner gebrochenen Stimme leiſe vor ſich hinſingend, wie es ſeine Gewohnheit war, nach vornen und ſuchte das Vorderkaſtell zu erreichens Mulford begann eben dem Gedanken Raum zu geben, der Burſche habe ſich eines andern beſonnen und wünſche 3 an Bord der Brigg zu bleiben, als er die kleine, runde Geſtalt des Viceproviantmeiſters aus der Pforte kriechen und geräuſchlos auf ein Doft treten ſah. Hans ging dann an das Bug und löſte die Fangleine, worauf die Naſe des Bootes unter dem Drucke der Kühlte auf jenen Theil des Maſtes und Segels, welcher ſich über den Rumpf der Swaſh erhob, langſam abzufallen begann. Faſt in dem⸗ ſelben Augenblicke ließ der Maat die Spiegelfeſtigung fahren, und das Boot war frei. Nicht geringe Sorgfalt war nöthig, das Segel beizu⸗ ſetzen, ohne daß das Tuch anſchlug. Dieß glückte jedoch, ehe das Boot die Kühlte völlig aufnahm, und nun waren ſie geborgen. Nach einer halben Minute faßte der Wind das Segel, und das kleine Boot ſchoß ab und ging raſch vor der Brigg weg. 3 Sobald Mulford Raum genug um ſich hatte, ließ er ſein Steuer Naſe des 2 Curs, wor tiger zu h flogen, wel⸗ Mittle gen verhül Alle, Bide was ſich ſo Als d gelaufen w ſtimmten, 1 waren Rur Nacht verſe Mulfo ohne welch welches da peinlicher 1 Sie ſe Tier hatte genommen, zu warten Schulter g als ſie in junge Ma bedeckte, 1 Weiſe auf Hans gekreuzt, Jacke,— unſere Beine die längſten ie ein Jagd⸗ erte auf der pike ſich auf h bis an die einen Wink ugehen. gebrochenen Gewohnheit zu erreichen: m zu geben, und wünſche leine, runde orte kriechen 3 ging dann uf die Naſe jenen Theil Rumpf der Faſt in dem⸗ egelfeſtigung Segel beizu⸗ ückte jedoch, nun waren te der Wind d ging raſch itte, ließ er — 119— ſein Steuer aufgehen, wendete rund um und brachte die Kaſe des Bootes nach nordwärts oder in den eigentlichen Curs, worauf ſie von dem Wind, welcher ſich ſtets kräf⸗ tiger zu heben ſchien, mit einer Geſchwindigkeit entlang flogen, welche jeder Verfolgung Trotz bot. Mittlerweile lag die Brigg in Einſamkeit und Schwei⸗ gen verhüllt, Niemand regte ſich an ihrem Bord, und Alle, Biddy ausgenommen, waren mit dem unbekannt, was ſich ſo eben an ihrer Seite begeben hatte. Als das Boot zehn Minuten mit fliegendem Segel gelaufen war, ſah man die Swaſh nur noch in unbe⸗ ſtimmten, nebelhaften Umriſſen, und zehn Minuten ſpäter waren Rumpf, Spieren und Alles von der Dunkelheit der Nacht verſchlungen. Mulford und Roſa fühlten jetzt eine Art Sicherheit, ohne welche jedes Glück ein unbehagliches Gefühl iſt, welches das Bangen vor einem Mißgeſchick nur um ſo peinlicher macht, je mehr auf dem Spiele ſteht. Sie ſaßen nun allein in dem Spiegelduft, denn Hans Tier hatte in der Nähe der Backen des Bootes Platz genommen, um nach Klippen auszuſchauen und des Bootes zu warten. Roſa hatte ſich nicht lange auf Harry's Schulter gelehnt, und noch war keine Stunde vergangen, als ſie in einen ſüßen Schlummer verfiel, während der junge Mann ſie ſorgfältig mit einem großen Shawl bedeckte, mit demſelben, deſſen man ſich in mehrfacher Weiſe auf dem Wrack bedient hatte. Hans blieb ſchweigend auf ſeinem Poſten, die Arme gekreuzt, die Hände, matroſenartig, in der Bruſt ſeiner Jacke,— ein Bild ſeemänniſcher Wachſamkeit. Roſa war — 120— eine geraume Weile entſchlummert, als dieſes ſeltſame Weſen zum erſten Male die Lippen öffnete. „Haltet ein wenig ab, Maat,“ ſagte er,„haltet etwa einen halben Punkt ab,— das Boot läuft wie ein Renn⸗ pferd, ſeit wir die Brigg verlaſſen haben, und dort zeigt ſich der erſte Strahl des Tages.“ „Nach der Zeit, die wir entlang liefen,“ bemerkte Mulford,„müſſen wir uns der Nordſeite des Riſfes nähern.“ „Ganz gewiß, Herr, verlaßt Euch darauf. Dort, dicht vor uns, iſt ein Fels, auf den wir raſch ankommen, gerade dort auf Eurer Luvſeite, und es ſcheint mir dieſelbe Stelle zu ſein, welche Ihr ſchwimmend erreichtet, und wo wir uns beigeſtaut hatten, als Stephan Spike uns entdeckte und Jagd auf uns machte.“ „Ich kann mich nicht genug wundern, Hans, wie Ihr es Euch einfallen laſſen möcht, bei einem Manne von Spike's Charakter auszuharren. Er iſt ein köbſtlicher Schurke, wie wir jetzt Alle wiſſen, und Ihr ſeid ein ziemlich ehrlicher Geſelle.“ „Liebt Ihr das junge Weib, welches dort ſo zu ſagen in Euern Armen liegt, und die Ihr heirathen zu wollen vorgebt?“ „Die Frage iſt ſeltſam, aber leicht zu beantworten. Mehr als mein Leben, Hans.“ „Nun, wie kommt es, daß Ihr dieſes Mädchens Herz gewannt, während es ſo viele andere junge Männer in der Welt gibt, welche ihr eben ſo gut gefallen konnten, wie Ihr?“. „Vielleicht liebt kein Anderer ſie ſo innig wie ich, und ſie überzeu Spike. Andere halte, werde 0 77 auf der men it Euer nach eben v 7 7 bargen hier i muß d eine ſcheine 0 daß d und z eben hatte das wegu ſes ſeltſame „haltet etwa e ein Renn⸗ d dort zeigt „“ bemerkte des Riffes rauf. Dort, ) ankommen, ſcheint mir nd erreichtet, ephan Spike ins, wie Ihr Manne von in köſtlicher hr ſeid ein ſo zu ſagen en zu wollen beantworten. ädchens Herz Männer in len konnten, nig wie ich, und ſie mochte Scharfblick genug haben, um ſich davon zu überzeugen.“ „Sehr möglich. Und ſo iſt's mit mir und Stephan Spike. Ich habe Gefallen an dieſem Manne, welchen Andere verachten und verdammen. Warum ich zu ihm halte, iſt mein Geheimniß, aber ich halte zu ihm, und werde ſtets zu ihm halten.“ „Dieß Alles iſt ſehr auffallend nach Euerm Benehmen auf der Inſel des Leuchtthurms, und nach Euerm Beneh⸗ men in dieſer Nacht. Ich werde mich jedoch nicht in Euer Geheimniß drängen, Hans, Ihr mögt Euch deſſen nach Belieben erfreuen. Iſt der Fels, an welchem wir eben vorüberkommen, derſelbe, von dem Ihr ſpracht?“ „Derſelbe, und dort iſt die Stelle, wo wir uns ver⸗ bargen, als ſie uns von der Brigg aus entdeckten, und hier in der Nähe, etwa eine Kabellänge weiter hinaus, muß das Wrack des wexikaniſchen Schiffes liegen.“ „Und was hebt ſich dort aus dem Waſſer, dort, Hans, mehr luvwärts von Euch?“ „Ich ſehe, was Ihr meint, Herr, es ſieht aus wie eine Spiere. Bei Georg, dort ſind deren zwei, es ſcheinen wahrſcheinlich die Maſten des Schoners zu ſein.“ In der That überzeugte ein zweiter Blick Mulford, daß der Top der beiden Maſten über dem Waſſer ſtand, und zwar auf hundert Ellen von der Stelle, wo das Boot eben lief. Der Maat hielt ſo weit, daß er Raum genug um ſich hatte, darauf ab, ließ das Steuer abfallen und wendete das Boot. Das Schlagen des Segels und die kleine Be⸗ wegung, welche das Ueberſpringen des Tuches verurſachte, weckten Roſa auf, die ſogleich von der Entdeckung benach⸗ richtigt wurde. Sobald das Boot herum war, lief es auf die Spieren ab und wurde ſogleich an einer befeſtigt, da Tier eine der Topmaſtwanden gefaßt hatte, worauf Mulford ſein Tuch wieder fliegen ließ und kurz auf die Stelle anluvte. Mittlerweile war es hell genug geworden, um die Gegenſtände in der Nähe deutlich zu ſehen, und Mulford konnte jetzt nicht mehr zweifeln, daß die beiden Maſten die des unglücklichen, mexikaniſchen Schoners ſeien. „Nun wahrhaftig, ich habe viel in meinem Leben geſehen, aber etwas dieſer Art noch nie,“ rief Hans. „Ihr wißt, Herr, daß ſich dieſes Fahrzeug, als wir es verließen, umgelegt und ſo tief in das Waſſer geſenkt hatte, daß ſeine oberen Scheerſtöcken nicht mehr zu ſehen waren, und jetzt ſteht es ſo aufrecht da, wie in einer Docke. Dieß geht weiter als mein Wiſſen von Schiff⸗ fahrt und Schiffsgehaben, Herr Mulford,— es ſieht aus wie Hexerei.“ „Es iſt allerdings ein ſehr ſonderbares Begebniß, Hans, und ich habe verſucht, mir die Sache zu erklären.“ „Und iſt es Euch gelungen, Harry?“ fragte Roſa, welche jetzt hell wach war und wie die Andern ſtaunte. „Es muß ſich auf folgende Weiſe begeben haben. Das Wrack wurde von uns eine kleine Strecke nach wind⸗ wärts verlaſſen. Die Maſten des Schoners waren natürlich leewärts gerichtet, und als er hier herein trieb, haben ſie eine flach aufſteigende Klippe berührt, und wie ſie nach und nach aufgehoben wurden, wirkten ſie hebelartig und halfen den Rumpf aufrichten, bis die Fracht durch die Bewegu ſo komn wäre,— geweſen daß es ſunken i „N nicht ſch wie die nicht ra früher, ſer dicht ſpricht auf den Oberflä Sinne welchen den Ru Aber di und da geringe mählich die Fä geringſ wieder betrifft, würde, ſich da ung benach⸗ die Spieren ier eine der ſein Tuch lvte. n, um die d Mulford den Maſten ien. nem Leben rief Hans. als wir es ſſer geſenkt dr zu ſehen e in einer don Schiff⸗ 3 ſieht aus Begebniß, erklären.“ agte Roſa, ſtaunte. den haben. nach wind⸗ n natürlich haben ſie e ſie nach lartig und durch die Bewegung wieder in ihre frühere Lage kam, wodurch das Schiff plötzlich aufrecht geſtellt wurde.“ „Ja, ja, Herr,“ antwortete Hans,„das Alles hätte ſo kommen können, wenn es über dem Waſſer geweſen wäre,— wenn nur ein Theil deſſelben über dem Waſſer geweſen wäre; Ihr werdet Euch aber erinnern, Maat, daß es, bald nachdem wir von ihm geſchieden, ver⸗ ſunken iſt.“ „Nicht gänzlich. Das Wrack ſank in dem Waſſer nicht ſchneller, als es vorher geſunken war. Es wurde, wie die Luft entwich, Zoll um Zoll niedergedrückt, und nicht raſcher, nachdem es nicht mehr zu ſehen war, als früher, vielleicht nicht einmal ganz ſo raſch, da das Waf⸗ ſer dichter wurde, je tiefer es ſank. Gegen meine Anſicht ſpricht vorzüglich der Umſtand, daß der Wind nicht mehr auf den Rumpf wirken konnte, nachdem dieſer unter der Oberfläche des Waſſers war. Dieß iſt jedoch nur in einem Sinne richtig. Die Wellen, oder der Druck des Waſſers, welchen der Wind hervorbrachte, konnte noch lange auf den Rumpf wirken, nachdem er nicht mehr ſichtbar war. Aber die Strömungen haben das Schiff hier hereingetrieben, und da der Rumpf immer noch ſchwamm, bedurfte es nur geringer Kraft, um ihn zu wenden. Wenn der Fels all⸗ mählich abfiel und glatt war, war dieß ſehr leicht, und die Fäſſer mochten ſich ſo gelegt haben, daß ſie bei der geringſten Bewegung zurückrollten, und mehr oder weniger wieder in ihre frühere Lage kamen. Was den Ballaſt betrifft, ſo wußte ich, daß dieſer ſeine Lage nicht wechſeln würde, da er mit großer Sorgfalt beigeſtaut war. Wie ſich das Schiff aufrichtete, kam die Luft darin in Bewegung, und ſobald das Waſſer es zuließ, entwich ſie durch die Luken, worauf das Schiff natürlich ſank. Dieſe Luft mag dazu beigetragen haben, durch ihre Bewegung in dem Waſſer den Rumpf aufzurichten.“ Dieſe Erklärung war die einzige, welche Mulford's Scharffinn geltend zu machen vermochte, mag ſie nun die richtige geweſen ſein, oder nicht. Jedenfalls lag der Schoner in einer Waſſertiefe von fünf bis ſechs Faden, die beiden Topſtangen und der Top der unteren Maſten außerhalb des Elements, und ſo gerade, wie in einer Docke, vor ihren Augen. Vielleicht hatte ſich Alles ſo begeben, wie der Maat es ſich dachte; vielleicht beruhte dieſes ungewöhnliche Begeb⸗ niß auch auf einem jener vielen geheimnißvollen Gründe, welche ſich jeder Nachforſchung entziehen, weil die wirkenden Kräfte ſich den Sinnen nicht kund geben. „Spike beabſichtigt, hierher zu kommen und ſich nach dem Wrack umzuſehen, wie Ihr mir ſagtet, Hans, in der Hoffnung, ſich der Dublonen zu bemächtigen, welche es enthält,“ ſagte Mulford, als das Boot noch einige Minu⸗ ten an dem Top, wo es gefeſtigt war, gelegen hatte. „Ja, ja, das iſt ſeine Abſicht, Herr, und er wird in mächtigem Zorne ſein, wenn er aus ſeiner Hütte kommt, was um dieſe Zeit wohl der Fall ſein wird, und mich nicht findet, denn ich ſollte ihm hierher als Lootſe dienen.“ „Er wird jetzt keines Lootfen bedürfen. Man kann unmöglich in dieſer Nähe vorüberſegeln, ohne daß man dieſe Spieren ſieht. Dieſe Entdeckung veranlaßt mich aber beinahe, meine eigenen Pläne aufzugeben. Was ſagt Ihr dazu, Roſa? Wir haben jetzt die nördliche Seite des Riffes erreicht, u holen, u wollen. daß die§ der Dry⸗ können, könnten n zweifelhaf Ich möch des Poug „Ha Molly S Spike, aus dem Swaſh Ferſen. des Riffe „Icl Euer Ge Capitän Wünſche „Er machter „W ſo ſehr, Mag er ſeine Ve „D Hans it an Bor te durch die ſe Luft mag ing in dem Mulford's ſie nun die der Schoner die beiden n außerhalb e, vor ihren e der Maat liche Begeb⸗ en Gründe, ie wirkenden id ſich nach uns, in der welche es nige Minu⸗ hatte. er wird in itte kommt, und mich iſe dienen.“ Man kann daß man mich aber ſagt Ihr des Riffes — 125— erreicht, und es wird Zeit, daß wir dicht beim Winde auf⸗ holen, wenn wir den Curs nach Key⸗Weſt einſchlagen wollen. Wir können jedoch deſſen faſt ganz gewiß ſein, daß die Kriegsſchluppe ſich irgendwo in der Nachbarſchaft der Dry⸗Tortugas aufhält, welche wir ſehr leicht erreichen können, da ſie leewärts liegen. Bis zur Mittagsſtunde könnten wir an der Leuchtthurminſel anlegen, während es zweifelhaft iſt, ob wir Key⸗Weſt vor morgen früh erreichen. Ich möchte mich gern fünf Minuten mit dem Befehlshaber des Poughkeepſie unterhalten.“ „Ha, um ihm zu ſagen, wo er wahrſcheinlich die Molly Swaſh und ihren verrätheriſchen Capitän, Stephan Spike, findet,“ rief Hans Tier.„Schlagt Euch dieß aus dem Sinn, Maat; laßt ſie nur kommen, die Molly Swaſh und ihr Capitän haben lange Beine und ſaubere Ferſen. Stephan Spike wird ihnen zeigen, wie die Kanäle des Riffes zickzack laufen.“ „Ich kann mich nicht genug verwundern, Hans, daß Euer Gefühl Euch in ſo hohem Grade an Cuern alten Capitän feſſelt, während Ihr behilflich ſeid, ſeine heißeſten Wünſche zu vereiteln.“ „Er iſt ein Schurke,“ murmelte Tier,„ein ausge⸗ machter Schurke iſt Stephan Spike.“ „Wenn er ein Schurke iſt, warum bemüht Ihr Euch. ſo ſehr, ihn den Händen der Gerechtigkeit zu entziehen? Mag er gefangen werden und der Strafe erliegen, welche ſeine Verbrechen verdienen!“ „Die Männer ſind Schurken, alle zumal!“ grollte Hans immerdar.„Hört, Herr Mulford, ich habe länger an Bord der Brigg gelebt, als Ihr, und habe ſie in ihren 126— holdeſten, beſten Tagen gekannt, als ſie jung und anmuths⸗ voll und lieblich für das Auge war, wie das junge Geſchöpf an Eurer Seite, und es würde mir in meinem Herzen weh thun, wenn ihr ein Leid geſchähe. Sodann habe ich auch Spike lange gekannt, und alte Schiffsgenoſſen fühlen ſich ſtets mehr oder weniger angezogen. Ich ſage Euch ehrlich, Herr Mulford, Capitän Adam Mull wird Stephan Spike nie zum Gefangenen machen, wenn ich es hindern kann.“ Der Maat lachte über dieſen Einfall, Roſa aber war ſorglich beeilt, dem Geſpräche eine andere Wendung zu geben, und es gelang ihr, die Frage, welchen Curs ſie wohl jetzt am beſten ſteuerten, zur Beſprechung zu bringen. Mulford machte viele treffliche Gründe für den Wunſch geltend, zu den Inſeln hinabzulaufen, und er wußte ſie ſeiner Verlobten in anſprechender Weiſe darzulegen. Sein geheimer Grund war freilich der ſtärkſte von allen, wie dieß gewöhnlich der Fall iſt, wenn man geheime Gründe hat, er hütete ſich jedoch wohl, auch nur darauf hinzu⸗ deuten. Die Folge war die Beiſtimmung Roſa's, und dieſe Beiſtimmung ward ſehr bereitwillig gegeben, vorzüglich weil Harry ihr andeutete, wie wichtig es für ihn ſei, den Charakter und das Gehaben der Brigg möglichſt raſch zur Kenntniß der Behörden zu bringen, damit ſein eigenes Benehmen, als ehemaliger Maat jenes Schiffes, nicht ernſt⸗ lich in Zweifel gezogen werde. Als man zu einem Entſchluſſe gekommen war, erhielt Hans Befehl, ſeinen Anhalt fahren zu laſſen, das Segel füllte und das Boot eilte von dannen. Sobald Mulford das kleine Fahrzeug weggehalten hatte, begann es faſt zu fliegen, als wüßte es, daß es ſeiner Heimath entgegenzöge, gleitete es zu ſeinem Eine rend mar dem Maa er für die das Wrac „Ma nen ſie z Vortheil dieß uns Bald Seite ein Poughkeer Fleck, ab er die Kr Die keines daß zu erwart an dem der Hofft grund in was aus ſelbſt dor Boot hin Unſe Winde n Wellen hatte nur zu könne nd anmuths⸗ nge Geſchöpf Herzen weh abe ich auch n fühlen ſich Fuch ehrlich, ephan Spike dern kann.“ ſa aber war Wendung zu en Curs ſie zu bringen. den Wunſch r wußte ſie egen. Sein allen, wie me Gründe rrauf hinzu⸗ 3, und dieſe vorzüglich hn ſei, den ſt raſch zur ein eigenes nicht ernſt⸗ var, erhielt das Segel Id Mulford es faſt zu tgegenzöge, — 7— gleitete es raſch über die Wellen weg, wie der Vogel eifrig zu ſeinem Neſte zurückkehrt. Eine Stunde ſpäter frühſtückte die Geſellſchaft. Wäh⸗ rend man noch damit beſchäftigt war, zeigte Hans Tier dem Maat einen weißen Fleck auf ihrer Südoſtſeite, welchen er für die Brigg erklärte, die durch den Kanal ſegelte, um das Wrack aufzuſuchen. „Mag ſie es ſein,“ erwiederte der Maat.„Wir kön⸗ nen ſie zwar ſehen, aber ſie ſieht uns nicht. Es iſt ein Vortheil für uns, daß das Boot klein iſt, Roſa, obgleich dieß uns hindert, uns auf dem Deck Bewegung zu machen.“ Bald darauf entdeckte Mulford auf der nordweſtlichen Seite ein ſehr fern ſtehendes Schiff, in welchem er den Poughkeepſie zu ſehen hoffte. Es war aber auch nur ein Fleck, aber die Stellung war ziemlich dieſelbe, in welcher er die Kriegsſchluppe zu ſehen gehofft hatte. Die beiden Schiffe ſtanden ſo weit von einander, daß keines das andere zu ſehen vermochte, und es war kaum zu erwarten, daß der Poughkeepſte Spike bei ſeiner Arbeit an dem Wrack entdecken würde; der Maat gab ſich aber der Hoffnung hin, die Kriegsſchluppe würde den Anker⸗ grund in den Inſeln aufſuchen, um ſich zu vergewiſſern, was aus dem Schoner geworden wäre. Wenn ſie nicht ſelbſt dort einlief, war ſicher zu erwarten, daß ſie ein Boot hinſenden würde. Unſere Freunde liefen ſeit zwei Stunden vor dem Winde nieder, als ihnen endlich der eben aus den Wellen ſteigende Leuchtthurm zu Geſicht kam. Mulford hatte nun den Vortheil, auf einen ſichern Punkt abhalten zu können, denn bisher hatte er ſeinen Curs nach der Sonne, der Richtung des Windes und dem Laufe des Riffes genommen. Jetzt hatte er ſeinen Hafen im Auge, da er beabſichtigte, die Wohnung des Wärters des Leucht⸗ thurms in Beſitz zu nehmen und dort zu bleiben, bis ſich eine günſtige Gelegenheit zeigte, Roſa nach Key⸗Weſt zu bringen. Der junge Mann hatte noch einen andern wich⸗ tigen Plan im Auge, deſſen wir gedenken werden, ſobald er ſich ſeiner Verwirklichung nähert. Das Boot des Leuchtthurmes lief vor einem lebhaften Paſſatwind, und ſeine Geſchwindigkeit betrug nicht weniger als neun Meilen in der Stunde. Gegen eilf Uhr ſchoß daher das raſche Fahrzeug durch einen der ſchmalen Kanäle der Inſeln und trat in den Hafen. Nach wenigen Minuten ſtanden unſere Freunde auf dem kleinen Werfte, an welchem die Leute des Leuchtthurms gewöhnlich zu landen pflegten. Roſa begab ſich in das Gebäude, während Harry und Tier das Boot feſtigten. Zu dieſem Zwecke war eine Art Schlippe oder eine kleine Docke gemacht worden, und als das Boot hier eingetreten war, lag es ſo ſicher, daß es nicht nur gegen Wind und Wellen geſchützt, ſondern vor den Blicken Aller geborgen war, welche nicht unmittelbar darüber ſtanden. „Dieß iſt ein heimliches Plätzchen für unſer Boot, Hans,“ bemerkte der Maat, als er es in die Schlippe herein geholt hatte,„und wenn wir den Maſt ausheben, kann Niemand draußen ahnen, daß hier ein Fahrzeug verborgen liegt. Wer weiß, oh wir nicht Veranlaſſung haben, uns zu verſtecken. Und ich will ſogleich an dieſes Geſchäft gehen.“ Ein habe bei abſichtslo leitete ih Tier's, 1 Duften l einen and böte, dief Roſa in Man Weſen h Abend, Montefal Unſere H daß die! angebrach händig g Har genden, Schickſal Gebäude Eindruck Har wie er d und ſchi welchem der Sch andere Schildkr 244— aufe des im Auge, s Leucht⸗ bis ſich ⸗Weſt zu dern wich⸗ n, ſobald lebhaften zt weniger Uhr ſchoß en Kanäle n Minuten zerfte, an zu landen Harry und ar eine Art , und als er, daß es ondern vor unmittelbar anſer Boot, lie Schlippe t ausheben, n Fahrzeug zeranlaſſung ch an dieſes — 129— Ein zufälliger Lauſcher würde geglaubt haben, Harry habe bei dem Abnehmen des Maſtes bloß einer Art abſichtsloſem Inſtincte Raum gegeben; in der That aber leitete ihn ein geheimer Argwohn gegen die Abſichten Tier's, und als er Maſt, Spriet und Segel auf die Duften legte, beſchloß er bei ſich, dieſe Gegenſtände an einen andern Platz zu bringen, ſobald ſich eine Gelegenheit böte, dieß unbeachtet zu thun. Er und Hans folgten jetzt Roſa in das Gebäude. Man fand die Inſel öde und leer. Kein menſchliches Weſen hatte das Gebäude betreten, ſeit Roſa es an dem Abend, wo ſie in Geſellſchaft ihrer Tante und des Seüor Montefalderon ſo lange dort verweilte, verlaſſen hatte. Unſere Heldin konnte darauf aus dem Umſtande ſchließen, daß die leichte Feſtigung, welche ſie an der äußern Thür angebracht hatte, noch genau ſo war, wie ſie ſie eigen⸗ händig gemacht hatte. Harry und Roſa konnten ſich anfangs eines bedrän⸗ genden, ſchauerlichen Gefühles nicht erwehren, als ſie des Schickſals derer gedachten, welche vor Kurzem noch dieſes Gebäude bewohnt hatten; indeſſen ſchwand dieſer erſte Eindruck, und ſie fühlten ſich bald behaglich. Hans durchſuchte ſehr ruhig die Backen und Recken, wie er die Schränke und Schubladen des Thurmes nannte, und ſchickte ſich an, ein köſtliches Mahl zu bereiten, bei welchem das Fleiſch am Ruderſchild und am Bauchſchild der Schildkröte eine Hauptrolle ſpielte. Gewürz und andere nöthige Zugaben wurden hier leicht gefunden, da Schildkröten hier ein gewöhnliches Mahl abgaben, und in 244— 246. 9 kurzer Zeit verbreiteten ſich in der Kuͤche Düfte, welche die Eßluſt eines Feinſchmeckers gereizt hätten. Auch Roſa war nicht unthätig. Sie fand ein Tiſch⸗ tuch, Teller, Schüſſeln, Gläſer, Löffel, Meſſer und Ga⸗ beln— kurz Alles, was nöthig war, um einen Tiſch einfach, aber ausreichend herzurichten. Während man damit beſchäftigt war, nahm Harry eine Angelruthe und begab ſich an eine günſtige Stelle in dem Geklippe. Nach zwanzig Minuten kehrte er mit einem ſchönen Teller voll jenes köſtlichen, kleinen Fiſches zurück, welchem man den ſehr unpoetiſchen Namen„Meer⸗ ſchwein”*) gegeben hat, weil er ein leiſes Grunzen, wie das des Schweines, hören läßt, wenn man ihn ſeinem Elemente entzieht. Nichts fehlte jetzt nicht nur zu einem ſehr behaglichen, ſondern zu einem wahrhaft ſchwelgeriſchen Mahle, und Hans bat die Liebenden, nur eine kleine Stunde Geduld zu haben, nach welcher Friſt er ihnen Gerichte vorſetzen werde, wie man ſie ſelbſt zu Neu⸗York nicht fände. Roſa und Harry entfernten ſich jetzt, um ihrer Toilette einige Sorgfalt zu widmen, und kamen dann zu einem Spaziergange zuſammen. Der Maat hatte einige Raſir⸗ meſſer gefunden, welche ihm ſehr willkommen waren. Auch ein Hemd hatte er in Beſchlag genommen, und ſeine Bekleidung in einer Weiſe vervollſtändigt, daß er wieder als der vornehm ausſehende, hübſche, junge Seemann erſchien, der er wirklich war. 2 Roſa hatte es nicht nöthig gefunden, ſich ſolche Frei⸗ — *) Der braune Lippfiſch. Der Ueberſetzer. heiten mi es in de Kleider n hier zu dem Aug Sorge fi Hände de erzählten zum Beſt Wäl dem in§ lag, und der Dry fachen B Mannſch Leuten d Gelegenh bemüht Brigg in gelungen oft witzit mit„Ke geſehen Bei und ma der Sch Als Ant Poughke „man w zu bring welche die ein Tiſch⸗ und Ga⸗ ſch einfach, hm Harry ‚Stelle in mit einem hes zurück, n„Meer⸗ unzen, wie ihn ſeinem r zu einem welgeriſchen eine kleine ſt er ihnen Neu⸗York hrer Toilette n zu einem inige Raſir⸗ aren. Auch und ſeine aß er wieder ge Seemann ſolche Frei⸗ Ueberſetzer. — 131— heiten mit dem Eigenthum Anderer zu geſtatten, obgleich es in dem Gebäude an einer kleinen Auswahl weiblicher Kleider nicht fehlte. Es zeigte ſich ſpäter, daß eine Familie hier zu wohnen pflegte, von welcher einzelne Glieder in dem Augenblicke, wo der Mann und der Knabe, denen die Sorge für den Leuchtthurm übertragen worden, in die Hände der Mexikaner gefallen waren, und in der oben erzählten Weiſe ihr Leben verloren hatten, nach Key⸗Weſt zum Beſuche gereiſt waren. Während des Spazierganges begann Harry Roſa von dem in Kenntniß zu ſetzen, was ſeinem Herzen am nächſten lag, und was ihn eigentlich beſtimmt hatte, die Inſeln der Dry⸗Tortugas wieder aufzuſuchen. Bei den mehr⸗ fachen Beſuchen Wallace's an Bord der Brigg hatte die Mannſchaft des Poughkeepſie manchfachen Verkehr mit den Leuten der Swaſh gepflogen. Dergleichen iſt bei ſolchen Gelegenheiten faſt unvermeidlich, und obgleich Spike ſich bemüht hatte, dieſen Verkehr abzuſchneiden, als ſeine Brigg in dem Becken lag, war es ihm doch nicht ganz gelungen. Solche Geſpräche ſind gewöhnlich ſcherzhafter, oft witziger Art, und jede Anſprache beginnt in der Regel mit„Kamerad,“ obgleich die Redenden ſich zuvor nie geſehen haber mögen. Bei einem dieſer Beſuche wurde der Fracht gedacht, und man erwähnte„des hübſchen jungen Mädchens auf der Schanze“ als eines Theils der Fracht der Swaſh. Als Antwort auf dieſe Bemerkung hatte der Witzbold des Poughkeepſte ſeinen„Kameraden“ von der Brigg geſagt, „man würde am Beſten thun, ſie an Bord der Schluppe zu bringen, da man dort einen Geiſtlichen, und zwar 9* — 132— „einen ganz regelrecht gezimmerten,“ habe, welcher eines ſchönen Tags Biſchof oder etwas Anderes werden und ſie „mit einem der jungen Officiere zuſammenſpliſſen„ könne.“ Dieſe Bemerkung hatte den Matroſen der Molly veran⸗ laßt, zu fragen, ob man wirklich eine ſolche Art ſeemänni⸗ ſchen Luxusartikels, wie ein Geiſtlicher ſei, an Bord habe, und aus der Antwort ging hervor, der Geiſtliche in dem Poughfkeepſte gehöre nicht eigentlich an Bord, ſondern ſolle in eine Fregatte, die er nannte, übergeſetzt werden, ſobald man mit ihr zuſammentreffe. Alles dieß hatte Mulford mitangehört, und erinnerte ſich deſſen in einem Augenblicke, wo er Nutzen davon ziehen zu können hoffte. Es ſchien ihm in der Lage, in welcher Beide waren, klug und ſchicklich, ihre BVerbindung zu beſchleunigen, und ſeine Abſicht ging jetzt dahin, ſeine Verlobte zu überreden, ſich dieſer ſeiner Anſicht zu fügen. Er zweifelte nicht, daß die Kriegsſchluppe bald, vielleichte heute noch, heran kommen werde, und es ſchien ihm nicht ſchwierig, den Geiſtlichen hrer Verbindung den Segen der Kirche zu zu vermögen, i geben. Amerika iſt ein Land, wo man der ehelichen Verbin⸗ dung, und wir bedauern, hinzuſetzen zu müſſen, auch deren Löſung faſt gar keine Hinderniſſe entgegen ſetzt. Da iſt kein öffentlicher Aufruf, kein Erlaubnißſchein, ſelbſt nicht immer die Zuſtimmung der Eltern nöthig, und Leute, die mündig ſind— und die Mündigkeit der Frauen tritt in einem ſehr zarten Alter ein— können ſich faſt ohne alle Förmlichkeiten und Feierlichkeiten ehelichen. Es beſtand demnach kein geſetzliches Hinderuiß gegen den Schritt, welchen Mulford zu thun wünſchte, und Roſa's Beiſtimm Schwierit beſeitigen darauf Anſpruch Vor der Verb daß das ſollte, w war der und geiſt Gefühl! weite Re Neffen 1 eines, o Allerdin thurm u Auge g⸗ die Inſe verließ. Spike’s jenſeit leicht, könne, Mit de Mulfor nung a eines 2 R getrage er eines und ſie könne.“ veran⸗ emänni⸗ rd habe, in dem ern ſolle n, ſobald Mulford genblicke, Es ſchien llug und ind ſeine eden, ſich , daß die nkommen Geiſtlichen Kirche zu n Verbin⸗ auch deren t. Da iſt ſelbſt nicht Leute, die en tritt in ohne alle rruiß gegen und Roſa's — 133— Beiſtimmung war die hauptſächlichſte, wenn nicht die einzige Schwierigkeit. Er hoffte, ihre Zweifel und Anſtände zu beſeitigen, da Beider Lage der Art war, daß er ein Recht darauf hatte, ihre Aufmerkſamkeit in hohem Grade in Anſpruch zu nehmen. Vor Allem hatte Miſtreß Budd ihre Einwilligung zu der Verbindung gegeben, und man war übereingekommen, daß das junge Paar in dem erſten Hafen getraut werden ſollte, wo ſich ein Geiſtlicher ihrer Confeſſion vorfand. Dieß war der Tante eigner Plan, denn bei aller ihrer Schwäche und geiſtigen Beſchränktheit hatte die Wittwe das weibliche Gefühl der Schicklichkeit. Sie hielt es für anſtändiger, die weite Reiſe, welche ſie vor ſich hatten, im Geleite eines Neffen und Gatten zurückzulegen, als in der Geſellſchaft eines, obgleich von ihr begünſtigten Anbeters ihrer Nichte. Allerdings hatte ſie nie an eine Trauung in einem Leucht⸗ thurm und unter Umſtänden, wie die nun vorliegenden, im Auge gehabt, obgleich es paſſender ſein mochte, wenn Roſa die Inſeln als die Gattin Harry's, denn als ſeine Verlobte verließ. Dann war Mulford ſtets noch unruhig wegen Spike's. In dieſem abgeſchiedenen Theile der Welt, faſt jenſeit der Grenzen des geſelligen Lebens, war es nicht leicht, vorherzuſagen, welche Anſprüche er geltend machen könne, wenn der Zufall ſie hier wieder zuſammenführte. Mit den Befugniſſen eines Gatten ausgerüſtet, konnte Mulford ihm in einem ſolchen Falle mit weit mehr Hoff⸗ nung auf Erfolg entgegentreten, als ihm dieß in der Rolle eines Verehrers möglich war. Roſa hörte alle dieſe glühend und ziemlich beredt vor⸗ getragenen Gründe an, wie wohl ein Mädchen ihres Alters — — 134— und ihres Charakters einen begünſtigten Verehrer anzuhören Hans Ti pflegt. Sie war viel zu bieder, um ihre Neigung in Ab⸗ Diefes Le rede zu ſtellen, welche durch die Begebniſſe der letzten Tage Harry, de zur innigſten Liebe geſteigert worden war,— ſo leicht letzten ac wächſt unſere zärtliche Anhänglichkeit an die, welche wir viel Anſp in Bedrängniß wiſſen,— und ihr Verſtand ſagte ihr, daß ſetzte, we der nüchterne Theil der Auseinanderſetzungen Harry's Er⸗ und auf wägung verdiene. Als ſeine Gattin wurde ihre Lage aller⸗ dieß, wie dings weniger zweideutig und bedenklich, als während ſie welches a einen andern Namen trug, und, ſo zu ſagen, allein vor entſpring der Welt daſtand, und es konnten noch Wochen vergehen, San ehe die Pflichten gegen ihre Tante ihr erlaubten, nach erfunden Norden zu reiſen. für den Im Allgemeinen dankte Mulford die günſtige Aufnahme krötenſup ſeines Planes eher dem Einfluß, welchen er auf Roſa's ſagen vo zärtliche Gefühle hatte,— und dieß wäre wohl bei allen ſeine Ir Frauen der Fall geweſen,— als den beſten Vernunftgrün⸗ ohne daß den, welche er vorbringen konnte. Er liebte wahrhaft, und noch grö dieß machte ihn beredt, wenn er von Liebe ſprach, denn krötenſun das Mitgefühl ward in Allem, was er vorbrachte, ſein„Gebräu Verbündeter. ben, wi Als Hans ſtie anrief und verkündigte, die Schildkröten⸗ das Ger ſuppe ſei fertig, waren ſie zu dem Abſchluſſe gekommen, Gegenſte der Geiſtliche des Poughkeepſte ſollte ſie verbinden, wenn geſetzt, das Schiff einlief und der erwähnte Herr dieſem, ihrem Raum Wunſche zu entſprechen geneigt wäre. ihren C „Es wäre verdrießlich, Harry,— nein, es wäre ſehr Erde zu traurig, wenn er ſich weigerte,“ ſagte die erröthende Roſa, könnte, welche mit Mulford dem Leuchtthurme langſam entgegen⸗ krötenſu wandelte, und die Unterhaltung lieber fortgeſetzt, als an 3 Hans T unzuhören g in Ab⸗ zten Tage ſo leicht delche wir ihr, daß rry's Er⸗ age aller⸗ thrend ſie allein vor vergehen, ten, nach Aufnahme uf Noſa's bei allen nunftgrün⸗ rhaft, und ach, denn ichte, ſein hildkröten⸗ gekommen, den, wenn em, ihrem wäre ſehr ende Roſa, entgegen⸗ zt, als an — 135— Hans Tier's köſtlichem Mahle Theil genommen hätte. Diefes Letztere mußte jedoch für einen jungen Mann, wie Harry, der ſich der beſten Geſundheit erfreute, und in den letzten acht und vierzig Stunden ſo kärglich gelebt hatte, viel Anſprechendes haben. Als er ſich daher an den Tiſch ſetzte, welcher mit einem ſchneeweißen Tuche gedeckt war, und auf dem die ſchmackhafteſten Schüſſeln dufteten, geſchah dieß, wie man ſich wohl denken kann, mit einem Behagen, welches aus einer der großen Anforderungen unſrer Natur entſpringt. Sancho Panſa ruft über den Mann, welcher den Schlaf erfunden hat, den Segen herab. Er hätte ihn viel eher für den erbitten ſollen, welcher das Eſſen und die Schild⸗ krötenſuppe erfunden hat. Der Ermattete verfällt ſo zu ſagen von ſelbſt, zuweilen gegen ſeinen Willen und gegen ſeine Intereſſen in Schlaf, während Tauſende hungern, ohne daß ſie die Mittel beſitzen, ihre Eßluſt zu ſtillen. Eine noch größere Menge hungert täglich, ohne daß ſie Schild⸗ krötenſuppe haben. Es gibt Leute, welche dieſes köſtliche „Gebräue“ dem Genie eines Londoner Alderman zuſchrei⸗ ben, wir glauben jedoch mit Unrecht. Ohne Zweifel wird das Genie ſtädtiſcher Behörden, wenn es ſich von ſolchen Gegenſtänden handelt, lebhaft erregt und in Thätigkeit geſetzt, unſere eigene Erfahrung läßt uns aber der Anſicht Raum geben, daß die Tropenländer ihre Erfindungen mit ihren Erzeugniſſen den minder fruchtbaren Ländern der Erde zuſenden. Wenn die Frage jetzt noch gelöſt werden könnte, würde es ſich ohne Zweifel ergeben, daß die Schild⸗ krötenſuppe urſprünglich von irgend einem Künſtler, wie Hans Tier, erfunden wurde, welcher, indem er ſeine Keſſel — 136— füllte, um die Eßluſt ſeines Capitäns zu reizen, alles Gewürz, das er zur Hand hatte, hineinthat, eine Art „Kaiſerpunſch“ zu fertigen verſuchte, und ſo dieſe ſo oft belobte und ſo ſehr beliebte Suppe hervorbrachte. Es iſt ziemlich ſeltſam, daß man zu Paris, dieſem Sitze der Feinſchmeckerei, dieſe Schüſſel ſelten oder nie zu ſehen bekommt, während ſie zu London faſt ebenſo häufig zu ſinden iſt, wie in den größeren Handels ſtädten Amerika's. Es iſt aber ſo, und wir könnten nicht ſagen, daß wir eine Küche um ihre Paſteten und Ragouts und ihre vielen à la Dieß und à la Jenes beneideten, während die Wohl⸗ gerüche einer Schildkrötenſuppe niemals darin duften. „Auf mein Wort, Hans, Ihr habt uns da ein herr⸗ liches Mittags⸗ oder Abendeſſen, wie Ihr es nennen wollt, bereitet,“ rief Mulford heiter, nachdem er Roſa mit einem Stuhle verſehen und ſelbſt an dem Tiſche Platz genommen hatte. Nichts ſcheint hier zu fehlen, wir haben den beſten Schiffszwieback,*) ſelbſt Erdäpfel und andere kleine Leckerbiſſen, der Schildkröte und der Fiſche nicht zu gedenken.“ „Warun ſollten die Leute hier auch etwas entbehren verſetzte Hans, indem er die Suppe auszuſchöpfen begann. „Man lebt auf den Inſeln hier, als ob man auf der See ſchwämme. Alles wird hier beigeſtaut, wie man es in einem Schiffe thut, das ſich zur Reiſe rüſtet, ſodann muß das Riff ſtets Fiſche und Schildkröten liefern. Ich habe die Backen gehörig durchſucht und wenigſtens für einen Monat Vorräthe in Fülle gefunden. Thee, Zucker, Kaffe, 274 *) Lootſenbrod in der Seeſprache. Der Ueberſetzer. Brod, Ei⸗ andere Kl „Die werden be Weiſe wi gekommen finden ſuc zu bezahle „Da „Legt ein Glas, un ſie zurück bezahlen, Seht, der die Swaf Rechnung alle Men „St guter Ha mit der unmuthi lange ge⸗ zu wünſe „Ei dahin ko lieb gew und Böe gewiſſen „3 izen, alles „ eine Art dieſe ſo oft hte. Es iſt Sitze der e zu ſehen häufig zu Amerika's. aß wir eine ihre vielen h die Wohl⸗ duften. a ein herr⸗ ennen wollt, mit einem 3 genommen n den beſten ndere kleine e nicht zu entbehren?“ pfen begann. auf der See man es in ſodann muß Ich habe s für einen ucker, Kaffe, Ueberſetzer. — 137— Brod, Eingepöckeltes, Erdäpfel, Zwiebeln und hundert andere Kleinigkeiten.“ „Die armen Leute, welchen dieſe Vorräthe gehören, werden betrübt genug ſein, wenn ſie erfahren, auf welche Weiſe wir in den ungeſtörten Beſitz ihres Eigenthums gekommen ſind,“ ſagte Roſa,„wir müſſen Mittel zu finden ſuchen, um ihnen alles das, was wir uns aneignen zu bezahlen, Harry.“ „Das iſt leicht zu machen, Miß Roſa,“ ſagte Tier. „Legt einen halben Adler in eine Theekanne oder in ein Glas, und das Goldſtück wird ihnen nicht entgehen, wann. ſie zurückkommen. Nichts iſt leichter, als Schulden zu bezahlen, wenn man den Willen und die Mittel dazu hat. Seht, der ärgſte Feind Stephan Spike's muß zugeben, daß die Swaſh nie aus einem Hafen trat, ohne vorher ihre Rechnungen zu bezahlen. Stephan hat ſeine Fehler, wie alle Menſchen, aber er hat auch ſeine guten Seiten.“ „Stets kommt Ihr auf Spike's Lob zurück, mein guter Hans,“ rief der Maat, welchen die Hartnäckigkeit, mit der er an ſeinem Schiffe und deſſen Befehlshaber hing, unmuthig zu machen begann.„Ich dächte, Ihr wäret lange genug mit ihm gereiſt, um ihn zu durchſchauen, und zu wünſchen, ſeinem Bord möglichſt fern zu bleiben.“ „Ei nein, Maat. Schiff iſt Schiff, und man kann dahin kommen, daß man ſelbſt die Fehler eines ſolchen lieb gewinnt, wenn man mit heiler Haut in ihm Stürme und Böen durchgemacht hat. Ich liebe die Swaſh, und in gewiſſen Punkten auch ihren Befehlshaber.“ „Ihr wollt damit andeuten, daß Ihr die Abſicht habt, — 138— bald möglichſt wieder an Bord der einen zu treten und mit dem andern zu reiſen?“ „Ja, Herr Mulford, und ich nehme keinen Anſtand, Euch dieß zu ſagen. Ihr wißt, daß ich hierher kam, ohne daß ich es wünſchte.“ „Nun, Hans, Niemand wird ſich Euerm Willen ent⸗ gegenſtellen, Ihr könnt nach Willkür über Euch verfügen. Da ich jedoch mehr von dem Geſetze verſtehe, und auch Stephan Spike vielleicht beſſer kenne, als Ihr, halte ich es für meine Pflicht, Euch zu ſagen, daß er in einem hoch⸗ verrätheriſchen Verkehr mit dem Feinde ſteht, und daß alle die, welche diefen Umſtand kennen, und freiwillig bei ihm bleiben, deßhalb baumeln dürften.“ „Dann werde ich deßhalb baumeln,“ verſetzte Hans mürriſch. „Dieß klingt wie Hartnäckigkeit, mein guter Burſche, und dieſer müßt Ihr Euch entſchlagen. Ich bin Euch in hohem Grade verpflichtet, Hans, und werde nie vergeſſen, was ich Euch zu danken habe. Wäret Ihr nicht in dieſem Boote gekommen, hätte ich vielleicht auf jenen Klippen den Tod gefunden, denn Gott allein weiß, ob mich ein vorbei⸗ laufendes Schiff geſehen hätte. Die meiſten, die durch dieſes Riff gehen, halten ſich, wie ich höre, auf der Weſt⸗ ſeite der Klippen, weil dort mehr Waſſertracht iſt, und ſelten wird ein Schiff, das auf eine Entfernung von zwei Stunden vorbeigeht, eines Menſchen auf einer Klippe anſichtig. Ja, Hans, ich verdanke Euch mein Leben, und ich bin ſtolz darauf, dieß laut zu erklären.“ „Ihr verdankt es Miß Roſa, Maat, ſie hat mich zu dem Unterne getheilt.“ „Ihr Harry, und von ihm ang all ihrem Ei in der Führt verdanke ich ſem Augenbl ſie nicht geko „Ich w noch ein we voll würde es nicht in! Ihr mit den hinreichend und hier ha nur ſagen, ſein.“ „Ich d. um ſo eifrig Macht ſteht. mir zu beha kehren. So Schiff bauer meiſters ſoll „Dank Es iſt ſtets leewärts off treten und en Anſtand, r kam, ohne Willen ent⸗ ich verfügen. e, und auch ar, halte ich einem hoch⸗ und daß alle illig bei ihm erſetzte Hans uter Burſche, bin Euch in nie vergeſſen, cht in dieſem Klippen den hh ein vorbei⸗ n, die durch auf der Weſt⸗ acht iſt, und ung von zwei einer Klippe n Leben, und hat mich zu — 139— dem Unternehmen ermuthigt und die Gefahr mit mir getheilt.“ 4 „Ihr verdanke ich mehr als das Leben,“ verſetzte Harry, und blickte ſeine Verlobte an, wie es ſie entzückte, von ihm angeblickt zu werden;„aber ſelbſt ſte würde, bei all ihrem Eifer mich zu retten, ohne Eure Geſchicklichkeit in der Führung eines Bootes, hilflos geweſen ſein. Auch verdanke ich Eurem guten Herzen das Glück, Roſa in die⸗ ſem Augenblicke bei mir zu haben, denn dhne Euch wäre ſie nicht gekommen.“ „Ich will es nicht in Abrede ſtellen, Maat,— nehmt noch ein wenig Suppe, Miß Roſa, ein tüchtiger Teller voll würde ſelbſt einem Kinde nicht ſchaden,— ich will es nicht in Abrede ſtellen,— Herr Mulford, die Art, wie Ihr mit dem erſten Teller voll fertig geworden ſeid, deutet hinreichend an, daß Ihr einen zweiten nicht verſchmäht, und hier habt Ihr ihn,— ich leugne es nicht, und kann nur ſagen, daß ich ſtets bereit bin, Euch zu Gefallen zu ſein.“ „Ich dank' Euch, Hans, allein all dieß läßt mich nur um ſo eifriger wünſchen, Euch jetzt, da dieß in meiner Macht ſteht, nützlich zu werden. Ich wünſche, Euch bei mir zu behalten, Ihr dürft nicht in die Swaſh zurück⸗ kehren. Sobald ich nach Neu⸗York komme, werde ich ein Schiff bauen oder kaufen, und die Stelle eines Proviant⸗ meiſters ſoll Euch ſtets offen ſtehen.“ „Dank Euch, Maat, Dank Euch von ganzem Herzen. Es iſt ſtets Etwas, wenn man weiß, daß man einen Hafen leewärts offen hat, und obgleich ich Euer Anerbieten jetzt — 140— nicht annehmen kann, dürfte doch der Tag kommen, wo ich es mit Vergnügen annehme.“ „Wenn Ihr lieber an dem Lande lebt, wird unſer Haus Euch ſtets offen ſtehen. Mit Vergnügen würde ich einen ſo gewandten, kleinen Burſchen, wie Ihr ſeid, zurück⸗ laſſen, wenn ich zur See gehe. Ihr könnt Euch auf hun⸗ dertfache Art nützlich machen und Euern Zwieback verdie⸗ nen, ſo daß es Euch keine Sorgen zu machen braucht, als äßet Ihr Euer Brod in Müßiggang.“. „Dank' Euch von ganzem Herzen, Maat,“ rief Hans und verdrückte mit dem Rücken der Hand eine Thräne in ſeinem Auge,„wahrlich, ich danke Euch von ganzem Her⸗ zen. Die Zeit kommt vielleicht, aber ſie iſt noch nicht da. Meine Papiere ſind für dieſe Reiſe unterſchrieben. Stephan Spike hat einen Strick um ſeinen Hals, wie Ihr ſelbſt ſagt, und es iſt nöthig, daß ich dort bin und ein Auge darauf habe. Jeder hat ſeinen Beruf und ſeine Pflichten, und ſo auch ich. Ich halte zu der Molly und ihrem Befehlshaber, bis Beide aus dieſer Klemme oder verurtheilt ſind. Ich weiß nichts von Verrath, wenn aber das Geſetz ein zweites Opfer fordert, ſo muß ich mich fügen.“ Mulford war über dieſes Anklammern Tiers an das, was er für eine ſchlechte Sache hielt, erſtaunt; nicht weni⸗ ger war er darüber erſtaunt, daß Roſa ihm in ſeinen Bemühungen nicht beiſtand, Hans von einem ſo thörichten Beginnen, wie die Rückkehr in die Swaſh, abzurathen. Roſa that dieß jedoch nicht. Sie ſaß während der ganzen Zeit ſchweigend da und nippte zuweilen an ihrer Suppe, zuweilen war Sprechenden. Da die Verſuch für dem er ſich! chen, die Fro Trotz de wir eben ged glückliches z tigkeit wider unpoetiſchen ſchmecken. gedrungen, aber die her zu entſprech ſchmecken un Burſche wa Schüſſeln ſ Gefühle de tigen Mah brüche und „Die zuweilen le Löffel voll migen Mu⸗ „Oder „Denkt nu Stunden.“ „Ihr kommen, wo t, wird unſer gen würde ich r ſeid, zurück⸗ Fuch auf hun⸗ wieback verdie⸗ n braucht, als 7 tt,“ rief Hans ine Thräne in ganzem Her⸗ iſt noch nicht unterſchrieben. Hals, wie Ihr et bin und ein ruf und ſeine der Molly und Klemme oder ith, wenn aber muß ich mich Tiers an das, nt; nicht weni⸗ ihm in ſeinen n ſo thörichten h, abzurathen. kend der ganzen n ihrer Suppe, — 141— zuweilen warf ſie einen theilnehmenden Blick auf die beiden Sprechenden. Da die Dinge ſo ſtanden, glaubte der Maat ſeinen Verſuch für den Augenblick aufgeben zu müſſen, um, nach⸗ dem er ſich mit ſeiner Verlobten unter vier Augen beſpro⸗ chen, die Frage wieder aufzunehmen. Trotz des kleinen, unangenehmen Zwiſchenfalls, deſſen wir eben gedachten, war das Mahl ein köſtliches und ein glückliches zumal. Der Maat ließ der Suppe volle Gerech⸗ tigkeit widerfahren, ſowie ſpäter dem Fiſche mit dem unpoetiſchen Namen, und auch Roſa ließ es ſich trefflich ſchmecken. Roſa und Harry waren lebhaft in Hans gedrungen, an dem Tiſche Platz zu nehmen; obgleich ihn aber die herkömmliche Schiffsſitte abhielt, dieſem Wunſche zu entſprechen, ließ er ſich es an einem Seitentiſche gut ſchmecken und machte ſeiner Kunſt alle Ehre. Der kleine Burſche war entzückt über das Lob, welches man ſeinen Schüſſeln ſpendete, und für den Augenblick waren in dem Gefühle der Sicherheit und in dem Genuſſe eines ſo ſaf⸗ tigen Mahles die See, ihre Gefahren, Orkane, Schiff⸗ brüche und Jagden völlig vergeſſen. „Die Leute am Strande wiſſen nicht, wie Seeleute zuweilen leben,“ ſagte Hans, welcher eben einen igroßen Löffel voll Suppe emporhob, um ihn dem ziemlich geräu⸗ migen Munde zu bieten.. „Oder wie ſie zuweilen hungern,“ verſetzte Roſa. „Denkt nur an unſere eigene Lage vor acht und vierzig Stunden.“ „Ihr habt ganz recht, Miß Roſa, Ihr ſeht aber, daß eine Schildkrötenſuppe wieder Alles ausgleicht. Tränkt Ihr ein Glas Wein, Maat?“ „Sehr gern, Hans, nach einer ſo ſtark gewürzten Suppe, man hat aber den Wein nicht immer, wenn man ihn zu haben wünſcht.“ „Das wird ſich zeigen, Herr. Dieſe Flaſche hier ent⸗ hält etwas, das ziemlich wie Wein ausfieht.“ „Burgunder! ſo wahr ich lebe. Wie mögen dieſe Wärter des Leuchtthurm zu Burgunder gekommen ſein?“ „Daran habe ich ſelbſt gedacht, Herr Mulford, und bin der Anſicht, Offiziere des Oheims Sam müßten dieſes Getränk in dieſen Theil der Welt gebracht haben. Wie ich hörte, hat eine Geſellſchaft derſelben den ganzen letzten Winter hier hingebracht und die Gegend aufgenommen. Wie es ſcheint, kommen ſie mit dem kühlen Wetter, um zu peilen und ihre Entfernungen zu meſſen, und mit dem warmen Wetter ziehen ſie heim und arbeiten, ſozuſagen im Schatten, ihre Logtafeln ins Reine.“ „Dieß iſt wahrſcheinlich, Hans, der Wein komme aber, woher er will, er iſt willkommen, und wir wollen ihn verſuchen.“ Mulford öffnete die Flaſche, und goß von dem liebli⸗ chen, angenehmen Getränke für ſeine Gefährten und ſich ein. In dieſem Zeitalter moraliſcher„Kraftthaten“ darf man es kaum wagen, etwas zu Gunſten eines Getränkes zu ſagen, das auch nur den Namen Wein trägt, oder die Form einer Flaſche zu loben. Wir leben wahrlich in der Zeit der Uebertreibungen. Nichts wird in der herkömm⸗ lichen, natürlichen, gewöhnlichen Weiſe behandelt. Die Tugend iſt keine Tugend mehr, wenn ſie nicht auf Stelzen einhergeht, „Ueberſchre ſo wäre es Geſellſchaft wollte. Ei ſiedler, und Gelübde n. unterſchrieb ergeben, un Der Mißbr. mehr getad mache betet eine Mildt blättern zur mehr. Sel großen, all bethätigen mit zehn L begnügt hä zwanzig Jo ſtrebt ein Wahrheit dieſe Weiſe Unglücklich treibt, wie hinmordet, Laufe eine gemordet h Auf d unſerer He eicht. Tränkt tark gewürzten ner, wenn man laſche hier ent⸗ 2 mögen dieſe ommen ſein?“ Mulford, und müßten dieſes ſt haben. Wie ganzen letzten aufgenommen. en Wetter, um und mit dem ten, ſozuſagen Wein komme und wir wollen von dem liebli⸗ ihrten und ſich fftthaten“ darf eines Getränkes trägt, oder die wahrlich in der der herkömm⸗ behandelt. Die cht auf Stelzen — 143— einhergeht, und was die Sünden betrifft, die auf die „Ueberſchreitungen der Geſetze Gottes“ beſchränkt werden, ſo wäre es verwegen, wenn Jemand die Herrſchaft der Geſellſchaften durch eine ſo beſchränkte Anſicht begrenzen wollte. Ein Mann mag enthaltſam ſein, wie ein Ein⸗ ſiedler, und er wird nicht beachtet werden, ſofern er„das Gelübde nicht unterſchreibt,“ wenn er das Gelübde aber unterſchrieben hat, kann er ſich heimlich der Völlerei ergeben, und dennoch für ein Wunder der Mäßigkeit gelten. Der Mißbrauch der Gaben der Vorſehung wird jetzt nicht mehr getadelt, ſondern ihr Gebrauch; nicht in dem Ge⸗ mache betet man, ſondern an den Ecken der Straßen, und eine Mildthätigkeit, welche nicht in Kirchen und Tages⸗ blättern zur Schau getragen wird, iſt keine Mildthätigkeit mehr. Selbſt die Kunſt des Bettelns iſt in Folge des großen, allgemeinen Fortſchritts gehoben worden, und Viele bethätigen den geſteigerten Ehrgeiz dadurch, daß ſie da mit zehn Lügen auftreten, wo ſich ihre Väter mit einer begnügt hätten. Dieſe Kunſt hat in den letzten fünf und zwanzig Jahren außerordentliche Fortſchritte gemacht, und ſtrebt ein Uebergewicht an, welches man ſonſt nur der Wahrheit zugeſtand, ſo daß jetzt Mancher, der ſich auf dieſe Weiſe nährt, mit der größten Verachtung aͤuf den Unglücklichen niederblickt, welcher das Geſchäft im Kleinen treibt, wie der, welcher Tauſende auf dem Schlachtfelde hinmordet, bekanntlich wegwerfend auf den ſchaut, der im Laufe eines langen Lebens nur einen einzigen Menſchen gemordet hat. Auf die Gefahr hin, den Ruf unſeres Helden und unſerer Heldin zu ſchmälern, geſtehen wir offen, daß Roſa — 144— und Harry ſich den Burgunder, nebenher bemerkt, eine ſehr anſehnliche Flaſche Medoc, welchen, nach Hans Tier’s Vermuthung, Oheim Sam's Leute den letzten Winter hier vergeſſen hatten, ſehr gut ſchmecken ließen. Für Roſa reichte ein Glas hin, und, ſoſehr dieß auch gegen alle neueren Anſichten ſtreiten mag, ſie fühlte ſich behaglich dabei, während der Maat und Tier die Flaſche halb leerten und ſich nicht unbehaglicher dabei fühlten. So ſaßen ſie beiſammen, und erfreuten ſich der Sicher⸗ heit und des Ueberfluſſes nach den ausgeſtandenen Müh⸗ ſeligkeiten und Gefahren, glücklich in dieſer Sicherheit, glücklich in ſich und in der Ausſicht auf eine glänzende Zukunft. Sie konnten ja ebenſo gut auf den Dry⸗Tortugas wohnen, wie die Familie, welche früher den Leuchtthurm inne gehabt hatte. Der Ort war mit Allem reichlich ver⸗ ſehen, was zu einem Aufenthalte von mehreren Monaten nöthig war, und Roſa wurde glühend roth, als Harry ihr zuflüſterte, er würde, wenn der Geiſtliche käme, mit Ent⸗ zücken die Flitterwochen hier hinbringen. „Ich könnte der Laterne warten,“ ſetzte er lächelnd hinzu, was nicht nur eine Beſchäftigung, ſondern eine nützliche Beſchäftigung wäre; Ihr könntet alle Bücher dort von Anfang bis zu Ende leſen, und Hans wuüͤrde Sorge tragen, daß es uns nie an Fiſchen fehlte. Neben⸗ her bemerkt, Meiſter Tier, ſeid Ihr aufgelegt, ſo bald nach dieſem üppigen Mahle Euch eine kleine Bewegung zu machen?“ „Ihr dürft nur befehlen,“ ſagte Hans freudig. „Dann thut mir den Gefallen, und ſteigt in die Laterne des Leuchtthurms hinauf, und ſchaut Euch nach der Kriegsſ müßt Ihr Ihr einmal Auge faſſen wärters, d auf die Ga Hans trat ſofort einen dopp ertheilte. 6 ob der Pou und fühlte wohl Jeden hat; zu gl wieder unte Einen Laterne hin unterhielten zugsweiſe z von ſich, vo Mulfor er den Tag und von de ſichten Spil mit einer 9 täns, und ihr, wie er aber in Be⸗ ſich wirklich entfernteſte 244— 24 kt, eine ſehr Hans Tier's Winter hier Für Roſa gegen alle ch behaglich halb leerten der Sicher⸗ denen Müh⸗ Sicherheit, ee glänzende y⸗Tortugas Leuchtthurm keichlich ver⸗ en Monaten „‚Harry ihr 2, mit Ent⸗ er lächelnd ondern eine alle Bücher Hans wuͤrde te. Neben⸗ gt, ſo bald Bewegung udig. eigt in die Euch nach der Kriegsſchluppe um. Wenn ſie überhaupt ſichtbar iſt, müßt Ihr ſie nach nordwärts hin ſehen; und während Ihr einmal oben ſeid, könnt Ihr den ganzen Horizont ins Auge faſſen; dort hängt das Fernrohr des Leuchtthurm⸗ wärters, das Euern Augen nachhelfen wird, wenn Ihr auf die Galerie außerhalb der Laterne tretet. Hans nickte bereitwillig, nahm das Fernrohr und trat ſofort in den anſtoßenden Thurm. Mulford hatte einen doppelten Zweck, indem er Hans dieſen Auftrag ertheilte. Er wünſchte ſich in der That zu vergewiſſern, ob der Poughkeepſie in der Nähe der Inſeln ſichtbar ſei, und fühlte eben jene Ungeneigtheit, ſich zu bewegen, welche wohl Jeden anwandelt, der ein reiches Mahl eingenommen hat; zu gleicher Zeit wünſchte er aber auch, mit Roſa wieder unter vier Augen zu ſprechen. Einen ziemlichen Theil der Zeit, welche Tier in der Laterne hinbrachte, und er blieb eine volle Stunde dort, unterhielten ſich unſere Liebenden, wie Liebende ſich vor⸗ zugsweiſe zu unterhalten pflegen, das heißt, ſie ſprachen von ſich, von ihren Gefühlen und ihrer Zukunft. Mulford ſprach von ſeinem Hoffen und Bangen, als er den Tag vor der Abreiſe das Haus ihrer Tante beſuchte, und von der Art, wie ſein Argwohn in Betreff der Ab⸗ ſichten Spike's zuerſt wach geworden, Abſichten, ſoweit ſie mit einer Neigung zu der Nichte ſeines ehemaligen Capi⸗ täns, und vielleicht mit dem kleinen Vermögen, welches ihr, wie er wußte, zufiel, in Verbindung ſtanden, nicht aber in Bezug auf den verwegenen Plan, mit welchem er ſich wirklich beſchäftigte. Der junge Maat hatte nicht die entfernteſte Ahnung von dem Vorhaben ſeines Befehls⸗ 244— 246. 10 — 146— habers, und ſein Mißtrauen erwachte erſt, als er den unerwarteten, in unſerm erſten Kapitel erwähnten Befehl erhielt, die Brigg zum Empfange der Frauen herzurichten. Harry geſtand ſeine Eiferſucht auf einen jungen Mann, welchen er bei Weitem mehr fürchtete, als er Spike je gefürchtet hatte, und der Roſa's Gunſt zu haben ſchien, und die ihrer Tante wirklich in ſo hohem Grade hatte, daß er manche Nacht ſchlaflos hinbrachte. Dann unterhielten ſie ſich von der Zukunft, welche ihnen ganz mit Blüthen geſchmückt ſchien. Hundert Pläne tauchten auf, wurden beſprochen und faſt ebenſo ſchnell wieder aufgegeben, als ſie gekommen waren. Ueber einen Gegenſtand waren ſie einig, ſobald er in Frage kam. Harry ſollte ſo ſchnell ein Schiff haben, als ſich ein ſolches mit Roſa's Mitteln kaufen ließ, und die Verlobte verſprach lächelnd, ihren Gatten auf einer Reiſe nach Europa zu begleiten. „Ich wundere mich, liebe Roſa, daß meine Armuth ſich nie als ein Hinderniß gegen unſere Verbindung geltend machte,“ ſagte Harry, welcher von der offenen Weiſe, wie ſeine Verlobte über ihr Geld zu ſeinen Gunſten verfügte, tief ergriffen war,„weder Euch, noch Miſtreß Budd ſcheint es je eingefallen zu ſein, welcher Unterſchied in dieſer Hinſicht zwiſchen uns iſt.“ „Was iſſt die Kleinigkeit, die ich mein nenne, Harry, im Vergleiche mit Euerm Werthe. Meine Tante, wie Ihr ſie nennt, glaubte ſogar, ich gewänne bei dieſem Tauſche.“ „Wahrlich, ich bin Miſtreß Budd unendlich ver⸗ pflichtet—“ „Tan Tante Budt digen Nicht „Tan denn dieſen wenn Ihr e haben, Eue zu ſein.“ „Ich g um Euch e legen,“ ful Schulter, wißt, wie ſich ſeemänn Dieß it der junge dem ſchönen zu müſſen, einen ſeltſar „Nun offen, ich r wie?“ „Ei, immer, J Roſa dann ſetzte „Tante und von Se „Vielle als er den nten Befehl herzurichten. gen Mann, er Spike je aben ſchien, Prade hatte, unft, welche indert Pläne enſo ſchnell eber einen Frage kam. h ein ſolches te verſprach Europa zu ine Armuth dung geltend Weiſe, wie en verfügte, Zudd ſcheint d in dieſer ane, Harry, Tante, wie bei dieſem ndlich ver⸗ — 147— „Tante Budd! Ihr müßt ſagen lernen: meine Tante Budd, Herr Mulford, wenn Ihr mit ihrer unwür⸗ digen Nichte in Frieden leben wollt.“ „Tante Budd alſo,“ antwortete Harry lachend, denn dieſen Abend kam das Lachen leicht. Tante Budd, wenn Ihr es ſo wollt, Roſa. Ich kann nichts dagegen haben, Euch darin, wie in allem Anderen, zu Willen zu ſein.“ „Ich glaube, wir ſtehen uns jetzt nahe genug, Harry, um Euch einige Fragen in Betreff meiner Tante vorzu⸗ legen,“ fuhr Roſa fort, und blickte verſtohlen über ihre Schulter, als fürchtete ſie, belauſcht zu werden.„Ihr wißt, wie gern ſie von der See ſpricht, und wie oft ſie ſich ſeemänniſcher Ausdrücke bedient?“ Dieß iſt nicht ſchwer zu bemerken, Roſa,“ antwortete der junge Mann und blickte an der Wand empor, um dem ſchönen Geſchöpfe vor ſich nicht in die Augen blicken zu müſſen,—„Miſtreß Budd hat in dieſer Beziehung einen ſeltſamen Geſchmack.“ „Nun ſagt mir, Harry, das heißt, antwortet mir offen, ich meine, ob ſie ſich nicht zuweilen irrt,— wie?“ „Ei, ja, zuweilen ein wenig, das heißt, nicht immer, Ihr wißt, Jedermann irrt ſich zuweilen.“ Roſa ſchwieg einen Augenblick und ſchien verlegen, dann ſetzte ſie das Geſpräch fort: „Tantchen verſteht aber nicht ſo viel von der See und von Schiffen, wie ſie glaubt?“ „Vielleicht nicht. Wir überſchätzen all unſer Wiſſen. 10* — 148— Ich behaupte, ich ſelbſt bin kein ſo guter Seemann, als ich es zu ſein glaube.“ „Selbſt Spike gibt zu, daß Ihr einer der geſchickteſten Seemänner ſeid. Für Frauen dürfte es jedoch ſchwierig ſein, ſich eine genaue Kenntniß von all den ſeltſamen und zuweilen rauhen Ausdrücken zu verſchaffen, deren ihr Seeleute euch bedient.“ Ganz gewiß, und deßhalb werde ich mich freuen, wenn Ihr gar keinen Verſuch macht. Wir rauhen Söhne des Meeres hören unſere Frauen lieber kleine Verſehen machen, denn gleich alten Salzern ſchwadroniren.“ „Herr Mulford! Schwadronirt Tante Budd wie ein alter Salzer?“ „Liebſte Roſa, ich habe nicht an Eure Tante, ſondern an Euch gedacht, an meine Roſa, die weiblich, hold, leb⸗ haft, lieblich an Form und Charakter, eine Eingeweihte des Meeres, und voll ſeiner Sprache und Gedanken iſt.“ Ohne Zweifel hörte Roſa dieſe Hindeutung auf ſich nicht ſehr ungern, denn ein Lächeln ſchwebte um ihren lieblichen Mund, und ſie blickte gar nicht unfreundlich drein. Nach einer abermaligen kurzen Pauſe nahm ſie das Geſpräch wieder auf. „Meine Tante hat Eure Erklärungen von der Tages⸗ zeit und der geographiſchen Länge nicht ganz gefaßt,“ ſagte ſie,„und ich weiß nicht gewiß, ob ich Euch verſtan⸗ den habe.“ 3 „Ihr faßtet ſte viel beſſer als Miſtreß Budd, Roſa. Die Frauen ſind ſo wenig daran gewöhnt, über ſolche Dinge nachzudenken, daß man ſich nicht wundern darf, wenn ſie zuweilen fehl greifen. Ich wünſchte jedoch, man könnte Eure ſonen vorſie welche ihr! „Ich l antwortete das gewahr „aber das manches ni⸗ zu verdanke wünſchen i meine Beha dem ich die Rath,— zu wunderrn konnte, iſt im Allgen Verſtand.“ „Spik Beobachter! ſchaft mit gutdenkende verzweifelte Art harmle beſſer kenn der Brigg, mehr lang brachte, h Falle ihm geholfen he „Ich mann, als eſchickteſten h ſchwierig ſeltſamen deren ihr nich freuen, ihen Söhne e Verſehen en.““ dd wie ein ate, ſondern „ hold, leb⸗ Eingeweihte danken iſt.“ ng auf ſich e um ihren unfreundlich te nahm ſie der Tages⸗ nz gefaßt,“ -kuch verſtan⸗ zudd, Roſa. über ſolche indern darf, jedoch, man — 149— könnte Eure Tante überreden, in Gegenwart fremder Per⸗ ſonen vorſichtiger im Gebrauche von Ausdrücken zu ſein, welche ihr nicht geläufig ſind.“ „Ich beſorgte, die Sache verhalte ſich ſo, Harry,“ antwortete Roſa leiſe, als wollte ſie ſelbſt ihn nicht alles das gewahren laſſen, was ſie in dieſer Beziehung dachte, „aber das Herz meiner Tante iſt vortrefflich, obgleich ihr manches nicht ſehr geläufig ſein mag. Ich habe ihr viel zu verdanken, und wenn meine Erziehung manches zu wünſchen übrig ließ, war ſie für meine Geſundheit und meine Behaglichkeit mütterlich beſorgt, und gab mir, nach⸗ dem ich die Schule verlaſſen, manchen klugen, weiblichen Rath,— ja, Harry, ſo iſt's, obgleich Ihr Euch darüber zu wundern ſcheint. Wie Spike ſie hinter das Licht führen konnte, iſt mir in der That unerklärlich, denn ſie hat im Allgemeinen ein ſcharfes Auge und viel geſunden Verſtand.“. „Spike iſt weit verſchlagener, als er es oberflächlichen Beobachtern zu ſein ſcheint. Bei meiner erſten Bekannt⸗ ſchaft mit ihm hielt ich ihn für einen offenen, muthigen, gutdenkenden Seemann, welcher gefährliche Reiſen und verzweifelte Geſchäfte liebte,— ich nahm ihn für eine Art harmloſen, waghalſigen Spieler, ich habe ihn aber beſſer kennen gelernt. Sein ganzes Vermögen beſteht in der Brigg, und dieſe wird allmählich alt und kann nicht mehr lange dienen. Indem er Euch in ſeine Gewalt brachte, hoffte er eine Heirath zu erzwingen, in welchem Falle ihm Euer und Eurer Tante Vermögen wieder auf⸗ geholfen hätte.“ „Ich hätte ihn nie geheirathet, und wenn er mich — 150— getödtet hätte,“ verſetzte Roſa feſt.„Kommt Tier nicht die Treppe des Leuchtthurms herab?“ „So iſt’s. Die Anhänglichkeit dieſes Burſchen an Spike iſt außerordentlich, Roſa. Könnt Ihr mir den Schlüſſel zu dieſem Räthſel geben?“ Roſa ſchien anfangs geneigt, zu antworten. Ihre Lippen öffneten ſich, als wollte ſie ſprechen; ſie ſchloſſen ſich aber wieder, als ihre Blicke ſich der offenen Thüre zuwendeten, wo ſie des Proviantmeiſters kleine, runde Ge⸗ ſtalt jeden Augenblick auf der Schwelle zu ſehen erwartete. Es dauerte jedoch eine kleine Weile, ehe Hans kam, und als Roſa bemerkte, daß Harry ihrer Antwort geſpannt entgegen ſah, flüſterte ſie raſch: „Es iſt vielleicht Haß, nicht Anhänglichkeit.“ Im nächſten Augenblicke trat Tier in das Gemach. Er war eine volle Stunde in der Laterne geweſen, und kam erſt zurück, als die Sonne nahe daran war, in ein Flammenmeer zu ſinken. „Nun, Hans, was gibt es Neues von dem Pough⸗ keepſie?“ fragte der Maat. Ihr ſeid lange genug droben geweſen, um Euch Eures Auftrags vollkommen zu erledigen. Werden wir die Kriegsſchluppe dieſe Nacht nicht zu ſehen bekommen?“. „Was Ihr auch ſehen mögt, mein Rath iſt, Euch verſteckt zu halten und auf Eurer Hut zu ſein,“ antwortete Hans ausweichend. „Ich wüßte nicht, was ich von Oheim Sam's Schiffen zu fürchten hätte. Ein freimüthiger Bericht und ein ehr⸗ liches Herz werden dem gutgefinnten Zuhörer Alles klar machen. Wir haben an Spike's Verrath keinen Theil genommen gezogen y „H5 nicht, je Sam's 2 helfen. für den 4 „W gethan, ¹ ſein mag „Zn Ellen vo Nähe ei Aufentha „Ih nicht als würde ick Abweſen bracht.“ „ deutete Die Luft her Inſeln, wurde d das gebe „O ſah jetzt bis an Ei it Tier nicht Burſchen an Ihr mir den vorten. Ihre ſie ſchloſſen pffenen Thüre e, runde Ge⸗ den erwartete. e Hans kam, vort geſpannt eeit.“ das Gemach. geweſen, und war, in ein dem Pough⸗ genug droben zu erledigen. nicht zu ſehen ith iſt, Euch „ antwortete am's Schiffen und ein ehr⸗ er Alles klar keinen Theil — 151— genommen, und können deßhalb auch nicht zur Rechenſchaft gezogen werden.“ „Hört meinen Rath, Herr Mulford, und beeilt Euch nicht, jedes Schiff, das Ihr ſeht, anzurufen. Oheim Sam's Burſche ſind nicht ſtets zur Hand, um Euch zu helfen. Wißt Ihr nicht, daß dieſe Inſel eine Zeit lang für den Seemann unzugänglich iſt?“ „Warum das, Hans? Die Inſel hat nichts Böſes gethan, obgleich Ruchloſes in ihrer Nähe vollbracht worden ſein mag.“ „Zwei ertrunkene Männer liegen innerhalb hundert Ellen von dieſer Stelle, und Seeleute gehen nie in die Nähe eines friſchen Grabes, wenn ſie einen andern Aufenthalt finden können.“ „Ihr ſprecht in Räthſeln, Hans, und wenn ich Euch nicht als einen ſehr mäßigen, nüchternen Mann kennte, würde ich annehmen müſſen, Ihr hättet die lange Zeit Eurer Abweſenheit in Geſellſchaft einer Branntweinflaſche hinge⸗ bracht.“ „Dieß erklärt meine Worte,“ ſagte Hans kurzab, und deutete auf etwas, das draußen zu ſehen war. Die Thüre des Gebäudes ſtand weit offen, um friſche Luft herein zu laſſen. Sie ging auf das Becken der Inſeln, und als der Maat ſeine Augen dorthin wendete, wurde das Ende eines fliegenden Klüverbaums, an dem das geborgene Segel läſſig flatterte, ſichtbar. „Der Poughkeepſie!“ rief Mulſord entzückt, denn er ſah jetzt alle ſeine Hoffnungen erfüllt, Roſa aber wurde bis an die Augen roth. Eine Pauſe folgte, während welcher Mulford ſich ſeit⸗ wärts ſtellte und ſeine Verlobte mit ſanfter Gewalt in den Hintergrund zog, ſo daß ſie nicht geſehen werden konnte. Das Schiff trat raſch vor die Blicke, und bald ſahen Alle, daß es die Swaſh war. Viertes Kapitel. — Doch nein, er träumte nicht. Im nächſten Augenblicke war Dem Hochentzückten Alles klar, Der Jubelruf aus Inez' Mund That der Geliebten Nähe kund, Und als er zärtlich ſie umfangen, Schwand plötzlich alles Bangen, Es ſei kein Glück hienieden So treuer Lieb' beſchieden. Waſhington Alſton. Es war ein Augenblick der Ueberraſchung und des Schreckens, als Harry und Roſa ſich des wirklichen Cha⸗ rakters des Schiffes vergewiſſerten, welch es in das Becken der Dry⸗Tortugas eingetreten war. Dann wendete ſich der Erſtere zu Hans Tier und verlangte ernſt eine Erklä⸗ rung in Betrreff ſeiner offenbaren Treuloſigkeit. „Schurke!“ rief er,„iſt dieſer Verrath ein abſicht⸗ licher? Habt Ihr die Brigg geſehen und erkannt?“ „Still, Harry, lieber Harry!“ ſagte Roſa bittend. „Ich ſetze mein Leben zum Pfande, daß Hans nicht treu⸗ los iſt.“ „Warum hat er uns denn nicht benachrichtigt, daß die Brigg herannahte? Seit länger als einer Stunde war er in d uns plötzlickh darauf, Ro hätte uns ft „SJa, j ruhig, über weder erzür! gewöhnt. 2 den Vorderſ meiſter. W ein wenig diene.“ „Laßt Euch nicht „Nun, geſagt hätt kam wie ei hättet unm bläſt, würd das Boot, „Ich 1 „Das Boot laufen könn oder es hät Nacht war, „Ich h war zu ſpät zuerſt der 1 mich nieder, Ihr mir es walt in den en konnte. bald ſahen umte nicht. licke war Alles klar, 1ez' Mund Nähe kund, e umfangen, les Bangen, nieden ieden. ton Alſton. ug und des klichen Cha⸗ das Becken wendete ſich eine Erklä⸗ ein abſicht⸗ nnt?“ Coſa bittend. 3 nicht treu⸗ ichtigt, daß ner Stunde — 153— war er in der Höhe auf dem Ausguck, und hier ſehen wir uns plötzlich in dieſer Weiſe überraſcht! Verlaßt Euch darauf, Roſa, er hat die Brigg herantreten ſehen und hätte uns früher benachrichtigen können.“ „Ja, ja, ſtürmt nur auf mich an, Maat, ſagte Tier ruhig, über dieſe Ausbrüche des Unwillens, wie es ſchien, weder erzürnt, noch durch ſie verletzt,—„ich bin daran gewöhnt. Wenn ich nicht wüßte, daß es harte Stöße auf den Vorderſpannen ſetzt, wär' ich nur ein junger Proviant⸗ meiſter. Was aber dieſen Vorfall betrifft, ſo wird Euch ein wenig Nachdenken ſagen, daß ich keinen Tadel ver⸗ diene.“ „Laßt Eure Erklärung hören, denn ſonſt werde ich Euch nicht mehr vertrauen.“ 4 „Nun, Herr, was hätte es genützt, wenn ich Euch geſagt hätte, die Brigg halte auf dieſen Hafen ab? Sie kam wie ein Rennpferd auf die Inſeln heran, und Ihr hättet unmöglich fliehen können. Wie der Wind jetzt bläſt, würde die Molly noch einmal ſo ſchnell laufen als das Boot, und eine Jagd wäre Wahnſinn geweſen.“ „Ich weiß das nicht, Burſche,“ verſetzte der Maat. „Das Boot hätte in einen der kleinern Kanäle des Riffes laufen können, in welche ſich die Brigg nicht wagen darf, oder es hätte ſich hinter einer der Inſeln verſteckt, bis es Nacht war, um dann das Weite zu ſuchen.“ „Ich habe das Alles bedacht, Herr Mulford, aber es war zu ſpät. Als ich nach oben kam, wendete ich mich zuerſt der nordweſtlichen Seite der Laterne zu, und ſetzte mich nieder, um nach der Kriegsſchluppe auszugucken, wie Ihr mir es befohlen hattet, Herr. Nun, da beging ich — 154— faſt eine volle Stunde den Horizont mit dem Fernrohre, denn ich glanbte zuweilen, ich hätte ſie im Geſichte, dann war ſie mir wieder entſchwunden, und ich wüßte ſelbſt in dieſem Augenblicke nicht mit Gewißheit zu ſagen, ob dort nach Weſten hin, nicht ein Schiff ſteht, welches ſich auf einer Bulinie gegen den Leuchtthurm wendet, es iſt aber bei Weitem zu entfernt, um etwas Näheres von ihm ſagen zu können. Nun, Herr, ich ſaß alſo da und guckte nach dem Poughkeepſie aus, und es mochte faſt eine Stunde ver⸗ gangen ſein, als ich daran dachte, ich müßte auch auf die andere Seite der Laterne gehen und mich nach windwärts umſchauen. Ich hörte mein Herz ſchlagen, Ihr dürft es mir glauben, Miß Roſa, als ich die Brigg ſah, ich war froh und betrübt zumal, froh meinetwegen, und betrübt um Euretwillen. Allein dort ſtand ſie, es war nicht zu ändern, keine zwei Meilen von dieſer Stelle, und ſie flog daher, als wäre ſie zu ſtolz, das Waſſer auch nur zu berühren. Was hätte ich nun thun ſollen? Wir hatten keine Zeit mehr, Herr Mulford, das Boot hinaus zu bringen, den Maſt einzuſetzen und abzuſtoßen, denn wir waren im Bereiche der Kartätſchen, und Capitän Spike hätte dieſe nicht geſchont, um Euch wieder in ſeine Gewalt zu be⸗ kommen.“ „Verlaßt Euch darauf, Harry, dieß Alles iſt wahr,“ ſagte Roſa ernſt.„Ich kenne Hans und bürge für ſeine Treue. Er wünſcht in die Brigg zurückzukehren, und er wird dahin zurückkehren, wenn er kann, denn er glaubt, ſeine Pflicht rufe ihn dahin, aber er wird uns nie abſicht⸗ lich verrathen, mich am wenigſten. Spreche ich die Wahr⸗ heit, Hans?“ „Das Roſa, und wenn er übe Hand, Maa „Ich n für uns get Entſchuldigt aber unter! glaube, unſe bald Alle n wird kaum welche mit „Es if der in ſein Mannſchaft hierher kom ſind keine 7 men, um welche er ir entſchlüpfte Nein, nein, blicke auf. hat. Viell zufällig abe „Dieß wiſſe nicht, „Gan aufmerkſam Biddy den ſchriften ge 1 Fernrohre, eſichte, dann aßte ſelbſt in gen, ob dort hhes ſich auf es iſt aber on ihm ſagen d guckte nach Stunde ver⸗ auch auf die ch windwärts Ihr dürft es ſah, ich war und betrübt war nicht zu und ſie flog auch nur zu Wir hatten us zu bringen, wir waren im e hätte dieſe Hewalt zu be⸗ les iſt wahr,“ ürge für ſeine ehren, und er nn er glaubt, ns nie abſicht⸗ ich die Wahr⸗ — 155— „Das Evangelium kann nicht wahrer ſprechen, Miß Noſa, und Herr Mulford wird ſeine Bö beſchwichtigen, wenn er über die Sache ruhiger nachdenkt. Hier iſt meine Hand, Maat, um Euch zu zeigen, daß ich nicht grolle.“ „Ich nehme ſie, Hans, denn nach Allem, was Ihr für uns gethan habt, muß ich Euch für ehrlich halten. Entſchuldigt meine Hitze, die zwar ein wenig unvernünftig, aber unter dieſen Umſtänden ziemlich natürlich war. Ich glaube, unſere Lage iſt jetzt hoffnungslos, und wir werden bald Alle wieder an Bord dieſer Brigg ſein, denn Spike wird kaum daran denken, mich auf einer Inſel zu laſſen, welche mit Allem ſo gut verſehen iſt, wie dieſe.“ „Es iſt noch nicht ſo gewiß, daß Ihr überhaupt wie⸗ der in ſeine Hände fallt, Herr,“ fiel Hans ein.„Die Mannſchaft der Brigg wird keinesfalls aus freiem Willen hierher kommen, verlaßt Euch darauf, denn die Matroſen ſind keine Freunde von Gräbern. Spike iſt hierher gekom⸗ men, um nach den Puttingen des Schoners zu ſchauen, welche er in das Waſſer ließ, als er der Kriegsſchluppe entſchlüpfte, er denkt nicht daran, uns hier zu finden. Nein, nein, er muß glauben, wir ſteuerten in dieſem Augen⸗ blicke auf Key⸗Weſt los, wenn er uns überhaupt vermißt hat. Vielleicht gibt er ſich der Anſicht hin, das Boot ſei zufällig abgetrieben, und wir befänden uns Alle an Bord.“ „Dieß iſt unmöglich, Hans. Könnt Ihr glauben, er wiſſe nicht, daß Roſa fehlt?“ „Ganz gewiß, Maat, wenn Miſtreß Budd die Zeilen aufmerkſam geleſen, welche Miß Roſa ihr zurückließ, und Biddy den Befehlen gehorcht hat. Wenn ſie ihren Vor⸗ ſchriften gemäß handelten, glaubt man, Miß Roſa befinde — 156— ſich in ihrer Kajüte und traure um einen jungen Mann, welcher auf einer nackten Klippe ausgeſetzt worden, Hans Tier aber habe etwas gegeſſen, das ihm ſchlecht bekommen, und ſei in ſeiner Back. Ihr denkt Euch wohl, daß Capitän Spike nicht füglich in die Kajüte des jungen Weibes, oder in meine Back ſchaut, um zu ſehen, ob all dieß wahr iſt. Der Koch und Joſh kennen mein Geheimniß und wiſſen, daß ich beabſichtige zurück zu kommen, um den Sturm über mich ergehen zu laſſen, und dann nach wie vor meinem Dienſte obzuliegen. Nach meiner Anſicht glaubt Spike in die⸗ ſem Augenblicke, Miß Roſa und ich ſeien an Bord der Molly.“ „Und das Boot, wie ſoll er ſich die Abweſenheit des Bootes erklären?“ „Allerdings gibt das Boot eine große Schwierigkeit ab. Bedenkt aber, es trieb ſpiegelwärts an ſeiner Fang⸗ leine, und ſo ein Fahrzeug wird zuweilen von Unfällen heimgeſucht. Dann ſind wir zwei die letzten, von denen er annehmen wird, wir ſeien in dem Boote entflohen. Miſtreß Budd und Biddy ſind eine Art Bürgſchaft, daß ſich Miß Roſa an Bord befindet, und was Hans Tier betrifft, ſo iſt er ein zu unbedeutendes Geſchöpf, als daß der Capitän jetzt an ihn denken ſollte. Wahrſcheinlich ruft er die Mannſchaft nach vorne zuſammen, ſobald er ſieht, daß das Boot fort iſt, ich glaube aber nicht, daß er ſich um die Kajüten und Verſchläge bekümmert.“ Mulford gab zu, daß dieß möglich ſei; es ſchien ihm aber kaum wahrſcheinlich. Die Sache war jedoch bei dem jetzigen Stande der Dinge nicht zu ändern, und Alle wendeten jetzt ihre Aufmerkſamkeit der Brigg und dem Gehaben derer an ihrem Bord zu. Hans T geſchloſſen, war, und gl gehenden Fen wärts oder daß man ſickh Die Br beiden Boote die Seite vor werden konnt ſofort beman die von Tier Alles Mulford's u Gewißheit ar abgehalten ganz natürle That zu beſt dieſen Anker Heben des zweimal in „Ich fragen, Ha das Thun d Swaſh ins die Abſicht, „Wenr Euch und Weſt geſchit aber hier ei igen Mann, rden, Hans ſt bekommen, daß Capitän Veibes, oder eß wahr iſt. und wiſſen, Sturm über vor meinem Spike in die⸗ der Molly.“ veſenheit des Schwierigkeit ſeiner Fang⸗ von Unfällen „von denen te entflohen. gſchaft, daß Hans Tier pf, als daß zahrſcheinlich , ſobald er r nicht, daß mert.“ ii; es ſchien ar jedoch bei en, und Alle gg und dem — 157— Hans Tier hatte die äußere Thüre des Gebäudes geſchloſſen, ſobald die Swaſh durch ſie ſichtbar geworden war, und glücklicherweiſe war keines der nach jener Seite gehenden Fenſter offen geweſen. Die Luft ſtrich von wind⸗ wärts oder von der Rückſeite des Gebäudes herein, ſo daß man ſich behaglich und geſichert zumal fühlen konnte. Die Brigg hatte bereits Anker geworfen und ihre beiden Boote in das Waſſer geſetzt. Die Jolle wurde an die Seite vorgeholt, um ſie für jeden Dienſt, welcher nöthig werden konnte, zur Hand zu haben, während das Langboot ſofort bemannt worden war, den Anker bereits lichtete und die von Tier erwähnten Puttinge barg. Alles dieß war ſehr geeignet, die Unbehaglichkeit Mulford's und Roſa's zu beſeitigen, da es mit ziemlicher Gewißheit andeutete, daß Spike nicht auf die Dry⸗Tortugas abgehalten hatte, um ſie zu ſuchen, wie Beide anfangs ganz natürlich angenommen hatten. Es ſchien ſich in der That zu beſtätigen, daß er keinen andern Zweck hatte, als dieſen Anker mit den Puttingen zu holen, um ſie bei dem Heben des unglücklichen Schiffes zu brauchen, das nun zweimal in die Tiefe geſunken war. „Ich wünſche Euch über einen andern Punkt zu fragen, Hans,“ ſagte der Maat, nachdem ſie eine Weile das Thun der Mannſchaft an Bord und in der Nähe der Swaſh ins Auge gefaßt hatten.—„Habt Ihr in der That die Abſicht, wieder an Bord der Brigg zu gehen?“ „Wenn es thunlich iſt, ja, Maat. Meine Reiſe mit Euch und Miß Roſa iſt zu Ende. Ich wäre nach Key⸗ Weſt geſchifft, um meine Fracht dort abzuſetzen, ich fand aber hier einen Hafen, wo ich ſie los werde.“ — — 158— „Ihr werdet uns doch jetzt nicht verlaſſen, Hans?“ Gegenſtand rief Roſa in einem Tone und mit einem Nachdruck, welche chten. dem Verlobten auffallen mußten, die er ſich aber keines⸗ Der A wegs erklaren konnte. Daß Roſa nicht allein mit ihm Puttlingen auf dieſer einſamen Inſel bleiben wollte, war ziemlich welches ma ſ nalürlich, oder mochte ſeinen Grund in ihrer Erziehung Arbeit ging und den beſonderen Abſichten ihres Geſchlechtes haben, mit, er glat er konnte aber nicht begreifen, warum man einen ſolchen der Nähe de Werth auf die Anweſenheit eines Weſens von Hans Tier's ſehr kurzen Geſtalt und Charakter legte. Die Wahl war unter den Stunde ſpät jetzigen Umſtänden allerdings nicht groß, es ſiel Mulford wieder an jedoch ein, daß Roſa dieſelbe ſeltſame Vorliebe an den ſobald Anke Tag gelegt hatte, als etwas näher zur Hand war, das Hans! man wählen konnte. Die Zeit war jedoch nicht geeignet, Unbehaglich viel über dieſen Gegenſtand nachzudenken. ſeinem Geſe „Ihr werdet uns doch jetzt nicht verlaſſen, Hans?“ ſelbſt Mitte ſagte Roſa in der bereits erwähnten Weiſe. mit jedem? „Jetzt oder niemals, Miß Roſa. Wenn die Brigg dahin zu e dieſen Ankergrund ohne mich verläßt, werde ich ſie viel⸗ lieber das? leicht nie wieder zu Geſicht bekommen. Ihre Zeit iſt faſt zu rudern, abgelaufen, denn Holz und Eiſen halten eben ſo wenig„Ihr ewig zuſammen wie Fleiſch und Blut. Bedenkt, wie viele Harry,„J Jahre ich auf der Jagd nach ihr hingebracht habe, und zu verrathe wie hart es wäre, das zu verlieren, was ich nur in Folge zeigen, ohr vieler mühevollen Tage und ſchlafloſen Nächte wieder müßte, wir gefunden habe.“„Das 4 Roſa ſagte nichts mehr. Wenn ſie nicht überzeugt erwiederte 4 worden war, ſo war ſie wenigſtens zum Schweigen Brigg und gevracht, während Harry nur ſtaunen konnte, und ſich in der letzten Muthmaßungen jeder Art erſchöpfte. Beide ließen den und daß ic n, Hans?“ druck, welche aber keines⸗ ein mit ihm war ziemlich er Erziehung chtes haben, einen ſolchen Hans Tier's ar unter den fiel Mulford liebe an den nd war, das licht geeignet, en, Hans?“ in die Brigg ich ſie viel⸗ e Zeit iſt faſt bden ſo wenig nkt, wie viele ht habe, und nur in Folge Kächte wieder icht überzeugt Schweigen ,, und ſich in e ließen den — 159— Gegenſtand fallen, um auf die Mannſchaft der Brigg zu chten. Der Anker war indeſſen gelichtet worden, und die Puttlingen wurden mittelſt eines Taues an Bord gehoben, welches man um deren Bugt geſchlungen hatte. Die Arbeit ging raſch von Statten, und Mulford theilte Roſa mit, er glaube nicht, daß Spike die Abſicht habe, lange in der Nähe der Inſeln zu bleiben, da ſeine Brigg vor einem ſehr kurzen Kabelende lag. Dieſe Anſicht wurde eine halbe Stunde ſpäter beſtätigt, denn man ſah, daß das Langboot wieder an die Haken genommen und aufgehißt wurde, ſobald Anker und Puttingen in Sicherheit gebracht waren. Hans Tier ſah dieſes ganze Thun mit augenfälliger Unbehaglichkeit an. Seine Beſorgniß, Spike möchte mit ſeinem Geſchäfte zu Ende kommen und abſegeln, ehe er ſelbſt Mittel fände, ſich an Bord zu begeben, ſteigerte ſich mit jedem Augenblicke, und er nahm keinen Anſtand, ſich dahin zu erklären, er⸗ beabſichtige, auf jede Gefahr hin lieber das Boot zu nehmen und an die Seite der Swaſh zu rudern, als zurückzubleiben. „Ihr bedenkt nicht, was Ihr ſagt, Hans,“ bemerkte Harry,„Ihr müßtet denn wirklich die Abſicht haben, uns zu verrathen. Wie könnt Ihr Euch hier in dem Boote zeigen, ohne daß man alsbald auf den Gedanken kommen müßte, wir ſeien in der Nähe?“ „Das folgt ganz und gar nicht daraus, Maa erwiederte Hans.„Nehmt an, ich träte an die Seite der Brigg und geſtände dem Capitän, daß ich das Boot in der letzten Nacht genommen habe, um Euch aufzuſuchen, und daß ich, da mir dieß nicht gelungen, auf dieſen Hafen 4,44 4 — 160— abhielt, um mich hier nach Waſſer und Lebensmitteln umzuſchauen,— wäre dieß etwas ſo Unwahrſcheinliches? Er glaubt jetzt noch, Miß Roſa ſei an Bord des Schiffes, und nach meinem Bedünken würde er meiner Geſchichte glauben, mir einige herzhafte Flüche nachſchicken, und dann der Sache für immer vergeſſen.“ „Es geht nicht an, Hans,“ ſiel Roſa bittend ein. „Es würde Harry's Verderben zur Folge haben, denn Spike würde Euch nicht glauben, daß Ihr ihn nicht gefunden, ohne dieſes Gebäude nach allen Seiten zu unterſuchen.“ „Was haben ſie mit der Jolle vor, Herr Mulford?“ fragte Hans, deſſen Auge ſich nicht eine einzige Secunde von dem Schiffe trennte.„Es wird allgemach ſo dunkel, daß man das Boot kaum ſehen kann, es kommt mir aber vor, als ſei man im Begriffe, die Jolle zu bemanneu.“ „So iſt's, und eben wird eine Laterne eingebracht. Seht, da kommt Spike ſelbſt an der Seite der Brigg herab.“ „Sie können mit dieſer Laterne nichts Anderes vor⸗ haben, als dieſes Haus zu unterſuchen,“ rief Roſa. „O Harry, Ihr ſeid verloren.“ „Ich glaube vielmehr, die Laterne iſt für den Leucht⸗ thurm beſtimmt,“ antwortete Mulford, der in dieſem allerdings ſehr bedenklichen Augenblicke ſeine Ruhe nicht verlor.„Spike wünſchte vielleicht, die Laterne anzuzünden, denn Ihr werdet Euch erinnern, daß er dieß ſchon einmal gethan hat, nachdem der Wärter entfernt worden. Was ſeine Abfahrt betrifft, ſo kann dieſe nicht eher ſtattfinden, als bis der Mond aufgeht, und wenn er zu dem Wrack zurückkehrt, er Lage und „Da ko Schrecken. und rudert d Alles d dem Schiffe raſch dem k Boot unter Mulfor den Verſchlu ſo beſſer ver bänken des; Licht machte ſagen, wer bald den B glaubte man der Ehrenpl Nach d erreichte da und die vier Spike ſeiner Hand lauten, barſ ließ dann Seite ging, wenige Fuß hier ſtehen, wurden, ſie auch ihr ga 244— 24 Lebensmitteln eſſcheinliches? des Schiffes, er Geſchichte n, und dann bittend ein. haben, denn r ihn nicht Seiten zu Mulford?“ zige Secunde ich ſo dunkel, imt mir aber emanneu.“ eingebracht. e der Brigg Anderes vor⸗ rief Roſa. r den Leucht⸗ er in dieſem e Ruhe nicht e anzuzünden, ſchon einmal dvorden. Was er ſtattfinden, u dem Wrack — 161— zurückkehrt, kann die Laterne ihm nützlich werden, damit er Lage und Zug des Riffs erkennt.“ „Da kommen ſie!“ flüſterte Roſa halb athemlos vor Schrecken.„Das Boot hat von der Brigg abgeſtoßen, und rudert der Inſel gerade entgegen.“ Alles dieß war ganz richtig. Die Jolle hatte von dem Schiffe abgehalten, und zwei Matroſen ruderten es raſch dem kleinen Werfte vor dem Gebäude zu, wo das Boot unter einer Art Brücke verſteckt lag. Mulford wollte ſich nicht entfernen, ſorgte aber für den Verſchluß der Thüre, da er auf dieſe Weiſe ſich um ſo beſſer vertheidigen zu können glaubte. Auf den Hinter⸗ bänken des Bootes ſaßen zwei Männer, das ſchwindende Licht machte es aber faſt unmöglich, mit Gewißheit zu ſagen, wer ſie ſeien: In dem Einen erkannte man jehoch bald den Befehlshaber der Swaſh, und in dem Andern glaubte man den Señor Montefalderon zu ſehen, weil ihm der Ehrenplatz eingeräumt worden war. Nach drei Minuten war dieſe Frage gelöſt, denn jetzt erreichte das Boot das Werft. Es wurde ſofort gefeſtigt, und die vier Männer verließen es. Spike war jetzt mittelſt der Laterne, welche er in ſeiner Hand trug, leicht zu erkennen, er gab in ſeinem lauten, barſchen Tone den Leuten einige Befehle, und ver⸗ ließ dann mit Seſior Montefalderon, welcher an ſeiner Seite ging, das Werft. Die Letzteren kamen bis auf wenige Fuß an die Thüre des Gebäudes heran und blieben hier ſtehen, wodurch die drinnen in den Stand geſetzt wurden, ſie nicht nur auf das Genaueſte zu ſehen, ſondern auch ihr ganzes Geſpräch mitanzuhören, und dieß um ſo 244— 246. 11 e mehr, als Spike es nicht für nöthig hielt, ſeine mächtige Stimme auch nur im Geringſten zu dämpfen. „Es iſt kaum der Mühe werth, Don Wan, daß Ihr in den Leuchtthurm geht,“ ſagte Spike,„er iſt eben nicht der reinlichſte Ort, den ich kenne, und die Kleider werden nicht beſſer dadurch, daß man in Staub und Spinnweben wandelt. Hier, Bill, nehmt Eure Laterne und den Oel⸗ krug, damit wir in die Höhe gehen, und die Lampen putzen und füllen, und uns ein klares Licht ſchaffen. Seid achtſam auf das Licht, damit das Gebäude nicht zu Schaden komme, Seeleute ſollten nie einen Leuchtthurm zerſtört wiſſen wollen.“ „Was beabſichtigt Ihr, indem Ihr die Lampen oben anzünden laßt, Don Eſteban?“ fragte der Mexikaner, als die Matroſen ihre Laterne genommen und ſich in den Leuchtthurm begeben hatten. „Es iſt das Klügſte, hier Alles ſo zu laſſen, wie es ſeit längerer Zeit war, Don Wan, denn ſo vermeidet man nnnöthigen Verdacht. Da aber die Brigg heute Nacht durch das Riff zurücklaufen ſoll, wird uns das Licht von großem Nutzen ſein. Es fehlt mir an Offi⸗ zieren, wie Ihr wißt, ich muß alſo auf Alles Rückſicht nehmen, was mir zu ſtatten kommen kann.“ „Um offen zu ſprechen, Don Eſteban, ich bedaure ſehr, daß es Euch an Offtzieren fehlt, ja, ich hoffe noch immer, Euch überreden zu können, den Maat, welchen Ihr, wie ich höre, auf einem nackten Felsſtück ausgeſetzt habt, wieder an Bord zu nehmen. Er war ein hübſcher, junger Burſche, Seüor Spike, und Ihr werdet Euch nach einiger Zeit dieſer That gewiß nicht gern erinnern.“ „Der genommen, zurückzuhole „Eines unſere Mitt aber der T die mit ga barmherzig „Die zen,“ antw Tone ſeiner erkünſtelten barg,„nur „Die dem Deck, nach Waſſer „Ja, Wan, aber das Licht fi und Ihr w Schritte hir noch erinne und die Se daran ſein pflanzt.“ „Es n verkündigen Don Eſteb erwarte nich Die B eine mächtige an, daß Ihr iſt eben nicht leider werden Spinnweben ud den Oel⸗ die Lampen icht ſchaffen. iude nicht zu Leuchtthurm Lampen oben texikaner, als ſich in den ſſen, wie es ſo vermeidet Brigg heute ird uns das nir an Offi⸗ les Rückſicht bedaure ſehr, noch immer, en Ihr, wie geſetzt habt, ſcher, junger nach einiger — 163— „Der Burſche entfloh, und ich habe ihn beim Worte genommen, Don Wan. Ich brauche einen Ausreißer nicht zurückzuholen, es müßte mir denn ſo belieben.“ „Eines der wichtigſten Gebote ſagt uns, wir ſollen unſere Mitmenſchen nicht ihres Lebens berauben. Es wird aber der Tod des liebenswürdigen, jungen Weibes ſein, die mit ganzer Seele an ihm hängt, wenn Ihr nicht barmherzig ſeid und von Euerm Entſchluſſe ablaßt.“ „Die Frauen haben zäärtliche Blicke, aber zähe Her⸗ zen,“ antwortete Spike ſorglos, obgleich Mulford aus dem Tone ſeiner Stimme ſchließen konnte, daß ſich hinter dieſer erkünſtelten Gleichgiltigkeit eine große Bitterkeit des Gefühls barg,„nur Wenige ſterben aus Liebe.“ „Die junge Dame war den ganzen Tag nicht auf dem Deck, und die Irländerin ſagt mir, ſie verlange ſtets nach Waſſer, ein ſicheres Zeichen, daß ſie fieberkrank iſt.“ „Ja, ja, ſie hütet die Kajüte, wie Ihr ſagt, Don Wan, aber ſie wird mich durch ſolche Künſte nicht hinter das Licht führen. Ich muß jedoch nach den Lampen ſehen, und Ihr werdet die Gräber, welche Ihr ſucht, etwa dreißig Schritte hinter dieſem Gebäude finden, wie Ihr Euch wohl noch erinnert. Ihr habt da ein ſchönes Kreuz gemacht, und die Seele des Schiffsmeiſters wird gewiß um ſo beſſer daran ſein, wenn Ihr es auf ſeinem Grabhügel auf⸗ pflanzt.“ „Es wird denen, welche nach uns hierher kommen, verkündigen, daß ein Chriſt unter dem Sande ſchläft, Don Eſteban,“ antwortete der Merikaner mild.„Ich erwarte nichts Anderes von dieſem heiligen Zeichen.“ Die Beiden trennten ſich. Spike eilte in ziemlicher 11* — 164— Haſt in den Leuchtthurm, und Don Juan Montefalderon ging um das Gebäude, und ſuchte das Grab auf. Mulford wartete einen Augenblick, um Spike Zeit zu laſſen, die Treppe zu erſteigen, nahm dann Roſa's Arm in den ſeinigen, öffnete die hintere Thüre des Gebäudes, und ſchritt kühn auf den Merikaner zu. Don Juan drängte eben das ſpitze Ende des Kreuzes in den Sand, unter welchem die ſterbliche Hülle ſeines Landsmannes ruhte, als Mulford und ſeine bebende Gefähr⸗ tin die Stelle erreichten. Obgleich die Nacht eingebrochen war, war es doch noch hell genug, um Jemanden in einer ſo geringen Entfernung zu erkennen. Der Seſor Montefalderon war, als Mulford ihn bei ſeinem Namen begrüßte, bei einer ſo plötzlichen, unerwar⸗ teten Erſcheinung zuſammengefahren, als er jedoch ſogleich die Stimme Harry's erkannte, und ſah, wer vor ihm ſtand, fühlte er ſich eher überraſcht, als beunruhigt. Das Staunen über dieſe unerklärliche Erſcheinung hielt ihn jedoch nicht ab, das junge Paar mit jener leichten Höflich⸗ keit zu begrüßen, welche ihm eigenthümlich war und Vieles von der Artigkeit eines Caſtilianers hatte, obgleich ſich ihr vielleicht die größere Geſchmeidigkeit des Süd⸗Ameri⸗ kaners beigeſellte. „Ich ſehe Euch,“ ſagte Don Juan,„und muß mei⸗ nen Augen glauben. Ohne dieſes Zeugniß würde ich jedoch kaum glauben, daß Ihr Beide es ſein könntet, da ich wähnte, die Eine ſei an Bord des Schiffes, und der Andere ſchmachte auf einer öden Klippe dem elendeſten Tode entgegen.“ „Ich habe mich von Eurer theilnehmenden Güte zu unſern Gunf und darum Bootes, wele Felſen gerett ich mein Leb drüben in d es, daß ick geworden bi „Ich b Hans Tier lich zu löſen um auf den halb der Be So iſt' ein Gehein Abweſenheit bis jetzt un „Ich mal währe unwohl; u den Schatt Licht der 4 nicht allein „Die der Nähe! ſtände nich Höhe des wird dadur aber zurüc möchte, w Montefalderon b auf. Spike Zeit zu n Roſa's Arm des Gebäudes, de des Kreuzes e Hülle ſeines ebende Gefähr⸗ ht eingebrochen anden in einer zulford ihn bei chen, unerwar⸗ jedoch ſogleich vor ihm ſtand, nruhigt. Das ung hielt ihn eichten Höflich⸗ ar und Vieles obgleich ſich 8 Süd⸗Ameri⸗ zund muß mei⸗ iß würde ich in könntet, da iffes, und der dem elendeſten nden Güte zu — 165— unſern Gunſten überzeugt, Don Juan,“ ſagte Mulford, und darum vertraue ich Euch jetzt. Ich bin mittelſt des Bootes, welches man ohne Zweifel vermißt hat, von jenem Felſen gerettet worden, und dem holden Weſen hier habe ich mein Leben zu verdanken. Ihr und Hans Tier, welcher drüben in dem Schatten des Gebäudes iſt, verdanke ich es, daß ich nicht das Opfer der Grauſamkeit Spike's geworden bin.“ „Ich begreife jetzt den ganzen Verlauf, Don Henriquez, Hans Tier wußte auf Befehl der Senorita das Boot heim⸗ lich zu löſen, und die, welche man als zu unwohl meldete, um auf dem Deck zu erſcheinen, waren in der That außer⸗ halb der Brigg.“ So iſt's, Seüor, und ich habe keinen Grund, Euch ein Geheimniß daraus zu machen. Es ſcheint alſo, die Abweſenheit Roſa's und Tier's von der Brigg iſt Spike bis jetzt unbekannt geblieben?“ „Ich glaube es, Senor. Er hat Beider einige⸗ mal während des Tages erwähnt und bemerkt, ſie ſeien unwohl; würdet Ihr aber nicht beſſer thun, Euch in den Schatten jenes Gebäudes zurückzuziehen, denn das Licht der Laterne könnte die oben ſehen laſſen, daß ich nicht allein bin.“ „Die Gefahr iſt nicht groß, Don Juan, da man in der Nähe des Lichtes die in dem Dunkel befindlichen Gegen⸗ ſtände nicht genau unterſcheiden kann; überdieß iſt die Höhe des Thurmes bedeutend, und die Dunkelheit hier wird dadurch in hohem Grade geſteigert. Wir wollen uns aber zurückziehen, da ich Euch einige Fragen vorlegen möchte, welche eben ſo gut in einem geſicherten Raume, — 166— als hier, wo wir vielleicht gefährdet ſind, beantwortet wer⸗ den können.“ Die Drei gingen jetzt auf das Gebäude zu, und Roſa trat in die Thüre, während Harry außerhalb blieb, um das Gehaben derer in dem Leuchtthurm im Auge zu behalten. Der Senor Montefalderon theilte nun ausführlich mit, was ſich ſeit dem Anbruche des Tages an Bord der Brigg begeben hatte. Seinem Berichte zufolge hatte Spile ſogleich am Morgen die Mannſchaft verſammelt, um wegen des Verluſtes des Bootes Nachfrage zu halten. Tier wurbe bei dieſer Gelegenheit nicht gefragt, da der Capitän erfah⸗ ren hatte, er ſei in ſeine Back gegangen, nachdem er faſt die ganze Nacht auf dem Ausguck hingebracht. Da Nie⸗ mand über die Art, wie das Boot verloren gegangen, Auskunft geben konnte oder wollte, erhielt Joſh Befehl, hinab zu gehen und Hans über die Sache auszufragen. Sei es nun, daß der Schwarze ſich der Theilnahme an Tier's Flucht bewußt war, und die Folgen fürchtete, oder daß er von ſeiner Gutmüthigkeit und dem Wunſche, ſich der Liebenden gefällig zu erweiſen, geleitet wurde,— Joſh berichtete jetzt, Hans ſei geſtändig, er habe die Fangleine des Bootes von einer Klampe, an welche ſie nicht gehörte, löſen und an ihren gehörigen Platz bringen wollen, wobei das Boot abtriftig geworden. Nach der Erzählung des Schwarzen hatte ſich dieß in der erſten Wacheſtunde Tier's begeben und war nicht gemeldet worden, da das Boot eigentlich nicht zur Brigg gehörte, und eher eine„Belem⸗ merung“ als ein Vortheil war. Der Maat bewunderte die Verſchlagenheit des Negers, als Don Juan dieſen Theil ſeiner Geſchichte erzählte, wel⸗ cher im Fa haftigkeit T Flüchtlinge Ende war, gewöhnlich, ganze Sac brachte er vorgeſchützt in Betreff dieſen Vor Boots in bemerkt,; konnte. Was unter den der Seüor war, und als Spike ſehen, abe den Kopf, und ließ der ſchöne Die Spike ſie um ſeinen gelaufen. geworden, einen Aug ſchwunden ja geſehe atwortet wer⸗ u, und Roſa lieb, um das zu behalten. führlich mit, rd der Brigg hatte Spike t, um wegen Tier wurde pitän erfah⸗ hdem er faſt t. Da Nie⸗ n gegangen, kofh Befehl, auszufragen. eilnahme an ichtete, oder unſche, ſich de,— Joſh e Fangleine icht gehörte, ollen, wobei ählung des unde Tier's das Boot ee„Belem⸗ des Negers, gählte, wel⸗ b — 167— cher im Fall einer Entdeckung alle Schuld auf die Lügen⸗ haftigkeit Tier's wälzte, und zumal dazu beitrug, daß die Flüchtlinge mehr Zeit zum Entkommen gewannen. Das Ende war, daß Spike der Ungeſchicklichkeit Tier's, wie gewöhnlich, einige tüchtige Flüche ſpendete, und dann die ganze Sache vergeſſen zu haben ſchien. Ohne Zweifel brachte er Tier's Abweſenheit von dem Deck, ſowie ſein vorgeſchütztes Unwohlſein mit ſeiner angeblichen Schuld, in Betreff des Bootes, in Verbindung, und ſchien ſich um dieſen Vorfall nicht weiter zu bekümmern, da man des Boots in der That nicht benöthigt war, und es, wie bemerkt, zuweilen ſelbſt als eine Beläſtigung betrachten konnte. Was Roſa betraf, ſo war es ſo natürlich, daß ſie unter den obwaltenden Umſtänden in der Kajüte blieb, daß der Senor Montefalderon vollkommen getäuſcht worden war, und ſich in dieſer Hinſicht eben ſo leicht beruhigte als Spike ſelbſt. Die Wittwe ließ ſich nicht auf dem Deck ſehen, aber Biddy erſchien mehrere Male, ſchüttelte beſorgt den Kopf, wenn man ſie wegen ihrer jungen Herrin fragte, und ließ Jedermann glauben, es ſtehe ſehr bedenklich mit der ſchönen Roſa. Die Brigg und ihr Gehaben betreffend, ſo hatte Spike ſie in Bewegung geſetzt, ſobald es hell genug war, um ſeinen Curs zu finden, und war den Canal entlang gelaufen. Wahrſcheinlich war man des Bootes anſichtig geworden, denn man meldete ein kleines Schiff, das auf einen Augenblick ſichtbar geworden und dann wieder ver⸗ ſchwunden war. Dieſes kleine Schiff war, wenn man es ja geſehen hatte, in der Richtung der Dry⸗Tortugas — 168— geſehen worden; man war aber auf der Schanze der Swaſh ſo weit von jedem Argwohn entfernt, daß weder Spike, noch der Mexikaner auch nur die geringſte Ahnung hatten, wie ſich die Sache eigentlich verhielt. Als man dem Erſtern die Sache berichtete, ſprach er ſich dahin aus, es müſſe ein kleiner Wracker*) ſein, wie deren manche in der Nähe des Riffes weilten, und ſetzte lachend, aber in einer Weiſe hinzu, welche bewies, daß er die Sache überhaupt nicht ernſtlich nahm:„Wer weiß? Vielleicht iſt das Boot des Leuchtthurms ihnen in die Hände gefallen, und ſie tum⸗ meln ſich in ihm dort herum! Wenn ſie es haben, ſo ſchwöre ich darauf, ſie nehmen Rumpf, Spiere, Takelage, Segel und Fracht,— eins und alles als Bergelohn.“ Da die Brigg bei hellem Tage aus dem Kanale trat, mußte man natürlich der Tops der Maſten des Schoners anſichtig werden. Dieß veranlaßte Spike beizuhalten und ein Boot in das Waſſer zu laſſen, in welchem er perſön⸗ lich an das Wrack herantrat, um deſſen Lage zu unter⸗ ſuchen. Man wird einſehen, daß Tier jetzt nicht mehr vermißt wurde, man bedurfte hier des Lootſen nicht. Die Unterſuchungen, das Lothen, und andere auf das Heben des Schoners zielende Berechnungen nahmen Stunden weg. Als man damit zu Ende war, kehrte Spike an Bord der Brigg zurück, ließ ſein Boot einnehmen und ſteuerte der Dry⸗Tortugas entgegen. Senor Montefalderon beſtä⸗ tigte das Treffende der Vermuthungen Tier's hinſichtlich des Zweckes dieſes unerwarteten Beſuchs. Die Brigg war ——;—— *) Ein diebiſcher Berger von Wrack⸗ oder Strandgut. Der Ueberſetzer. lediglich willen ge Bord geſ der Mon In ganz ſich aufgegebe anhaben hielt, ur geſtellt n „El heiten be ſamen A an Bord Mulford die Inſ Begleite Burſche in der L als nöt! eine Ar volle S Alles a kommen Boot ad auf Der Spike n wahrſch Do Plan — 169— der Swaſh lediglich um des erwähnten Ankers und der Puttingen peder Spike, willen gekommen, und Spike wollte, nachdem er dieſe an zung hatten, Bord geſchafft, den Anker ſofort wieder lichten und, ſobald dem Erſtern der Mond aufgegangen, abermals auf das Wrack abhalten. 3, es müſſe In Betreff der Kriegsſchluppe ſchien der Capitän in der Nähe ganz ſicher ſein zu dürfen; er glaubte, ſie habe die Jagd einer Weiſe aufgegeben; ſie mußte jetzt wiſſen, daß ſie der Brigg nichts rhaupt nicht anhaben könne, ſo lange dieſe ſich in der Nähe des Riffes 8 Boot des hielt, und daß ſie ſtets der Gefahr des Schiffbruchs bloß⸗ nd ſie tum⸗ geſtellt war, wenn ſie die Klippen entlang ſteuerte. haben, ſo„Ehe der Seüor Montefalderon alle dieſe Einzeln⸗ „Takelage, heiten berichtet hatte, ſtellte ſich Hans Tier mit einem ſelt⸗ gelohn.“ ſamen Antrage ein. Hans wünſchte nichts ſehnlicher, als Lanale trat, an Bord der Molly zu gelangen; er bat den Mexikaner, 3Schoners Muklford die Jolle nehmen, ihn zur Brigg rudern und auf thalten und die Inſel zurückfehren zu laſſen, ehe Spike und ſeine er perſön⸗ Begleiter von dem Leuchtthurme herabkämen. Der kleine zu unter⸗ Burſche behauptete, es ſei Zeit genug dazu übrig, da die nicht mehr in der Laterne die Lampen noch nicht ſo weit gefüllt hätten, nicht. Die als nöthig ſei, wenn ſie die ganze Nacht brennen ſollten, das Heben eine Arbeit, zu welcher der gewöhnliche Wärter ſtets eine unden weg. volle Stunde brauche. In fünf bis ſechs Minuten ſei e an Bord Alles abgethan, und wenn man ihn an Bord der Brigg ind ſteuerte kommen ſähe, würde man leicht glauben, er ſei in dem eron beſtä⸗ Boot an den Strand gegangen. Niemand gebe ſo genau hinſichtlich auf Dergleichen Acht, um ihm zu widerſprechen, und was Brigg war Spike und die zwei Matroſen angehe, ſo würden dieſe wahrſcheinlich nie etwas davon hören. Don Juan Montefalderon war über den verwegenen eberſetzer. Plan Hans Tier's betroffen, und weigerte ſich, ſeine ———8ͤͤ — 170— Zuſtimmung zu geben. Er ſchien ihm zu gefährlich, und ließ ſich leicht durch einen andern erſetzen. Der Mond ging erſt gegen eilf Uhr auf und die Abfahrt mußts ſich noch um mehrere Stunden verzögern. Wenn ſie an Bord der Brigg zurückkehrten, wollte er ſeinen Mantel holen, und unter dem Vorwande, noch eine Stunde an dem Grabe ſeiner Landsleute hinbringen zu wollen, wieder herüber rudern, da er ſich vollkommen darauf verſtände, ein Boot in dieſer Weiſe zu handhaben. Nach Verlauf dieſer Stunde wolle er Hans, unter ſeinem Mantel ver⸗ ſteckt, mitnehmen, was bei der Dunkelheit um ſo leichter ſein müßte, da außer der Ankerwache Niemand auf dem Deck ſei. Hans Tier mußte ſich dieſem Vorſchlage fügen. Fünfzehn bis zwanzig Minuten vergingen noch, wäh⸗ rend welchen ſich die Gedanken des Mexikaners natürlich ſeinem Vaterlande und der beklagenswerthen Lage deſſelben zuwendeten. Die Kämpfe am 8. und 9. Mai, welche der kleinen Schaar, die Sieger blieb, ſtets zu hoher Ehre gereichen werden, waren eben gekämpft worden. Don Juan gedachte dieſer Begebniſſe ohne Rückhalt und geſtand freimüthig ein, daß der Sieg ſich dem ſchwächern Theile zugewendet habe. Er ſchrieb denſelben vorzüglich der großen Ueberlegenheit der amerikaniſchen Offiziere niederer Grade zu, da es bekannt war, daß in dem Dienſte der „nordiſchen Republik,“ wie er Amerika nannte, Männer, welche ihre ganze Bildung in der Militärſchule erhalten und das mittlere Lebensalter erreicht hatten, als Hauptleute, ja zuweilen als Lieutenante dienten,— Männer, die in einzelnen Fällen alle Eigenſchaften beſaßen, um Regimenter und Bre ſamkeit, rungen Gegenſte ſetzen kü bieten, hohem den Kre Er wu Regime einverle ſie dure dient he Kriegsn zuweiler general Anblick jede a einen wird v Spitze heit, d geſellen verdien und die lich, und der Mond nußté ſich an Bord el holen, an dem , wieder verſtände, Verlauf untel ver⸗ o leichter auf dem n. ch, wäh⸗ natürlich deſſelben lche der er Ehre . Don geſtand 1 Theile lich der niederer unſte der Nänner, erhalten ptleute, die in imenter — 171— und Brigaden zu befehligen, und die in Folge der Lang⸗ ſamkeit, mit welcher in dem Heere dieſes Landes Beförde⸗ rungen ſtattfinden, in dieſen niedrigen Stellen geblieben waren. Don Juan Montefalderon war vielleicht mit dem Gegenſtande nicht hinreichend vertraut, ſonſt hätte er hinzu⸗ ſetzen können, daß ſolche Männer, wenn ſich Gelegenheiten bieten, ſie zu den Stellen zu befördern, welche ſie in ſo hohem Grade verdienen, zu oft hintangeſetzt werden, um den Kreis gemeiner politiſcher Gönnerſchaft zu erweitern. Er wußte nicht, daß bei der Errichtung eines neuen Regiments Dragoner, das für alle Zeit dem ſtehenden Heere einverleibt wurde, die Oſſtziersſtellen nicht denen, welche ſie durch treue Dienſte und Entbehrungen jeder Art ver⸗ dient hatten, ſondern Fremden zu Theil geworden waren. Keine Regierung treibt mit Heer und Flotte mehr ihr Spiel, als die unſrige. Die regierenden Herren zu Waſhington ſind ſo knickeriſch mit den Chren, welche Kriegsmänner mit Recht verdient haben, daß unſere Flotte zuweilen von Capitänen und unſer Heer von Brigade⸗ generalen befehligt werden. Die Welt erfreut ſich des Anblicks einer Macht, welche in Bezug auf Zahl und jede andere militäriſche Erforderniß ausreichend wäre, einen der Heerkörper Napoleon's abzugeben, und dieſe wird von Männern befehligt, deren Rang ſie nur an die Spitze einer Brigade ſtellt. Bietet ſich nun eine Gelegen⸗ heit, dem ſtehenden Heere einige neue Regimenter zuzu⸗ geſellen, und den lange genährten Hoffnungen ſo mancher verdienter Männer zu entſprechen, ſo wird dieſe verſäumt, und die Wackern, welche ſo viel für die Ehre des amerika⸗ — 172— niſchen Namens und, leider, ſo wenig für ſich ſelbſt gethan haben, ſehen ſich auf demſelben Punkte, wo ſie vor zwanzig und dreißig Jahren ſtanden. Die Extrapatrioten der Nation— und ſie ſind ſo zahlreich, daß ſie„die Hallen der Montezumas“ unter ihre Füße treten könnten — ſagen uns, der Lohn jener anderen Patrioten unter dem Schatten der Sierra Madre finden ihr Glück und ihren Lohn in der Liebe und dem Beifall ihrer Mitbürger, während ſie in demſelben Augenblick einen handgreiflichen Beweis dieſer Achtung und zumal der Unbeſtändigkeit des Volksbeifalls geben, indem ſie höhniſch auf einen unbe⸗ dachten Ausdruck in dem Briefe des tapfern Kriegers deuten, welcher in unſeren Tagen die Truppen dieſes Landes gelehrt hat, den Vergleich mit den beſten Regi⸗ mentern Englands zu beſtehen und in offener Feldſchlacht dem Stolze Europa's den Sieg zu entringen. Ach! Man kann von Nationen wie von Menſchen in ihren einfachſten, früheſten Geſellſchaftsformen mit Wahr⸗ heit ſagen, es gäbe„in allen Familien Geheimniſſe,“ und wir ſind eben ſo wenig geneigt, bei der unſrigen zu verweilen, als es paſſen würde, die der Merxikaner bloß zu ſtellen. Die Unterhaltung zwiſchen Don Juan und Mulford war ſehr anziehend, wie man denn den erſtern nie ohne Theilnahme von ſeinem unglücklichen Vaterlande ſprechen hören konnte. Hinſichtlich der Maikämpfe war er offen⸗ herzig und geſtand ſein Leidweſen und ſeine tiefe Kränkung. Er hatte mehr von der am Rio Grande geſammelten Macht erwartet, obgleich er, mit dem nördlichen Charakter vertrauter als die Mehrzahl ſeiner Landsleute, dadurch nicht ir Maſſe „ die St herab thatkrãa zu— der S Kraft beſiegt kann e und de allein Ergebr Abſtan leicht ganz die Be Zeit d auftret um un den be 2 ſtände dürfte beſonn 2 näher Gebät der d ſich ſelbſt vo ſie vor apatrioten ſie„die n könnten ten unter hlück und Litbürger, reiflichen igkeit des en unbe⸗ Kriegers n dieſes en Regi⸗ ldſchlacht iſchen in t Wahr⸗ mniſſe,“ rigen zu ner bloß Mulford nie ohne ſprechen r offen⸗ änkung. nmelten harakter dadurch — 173— nicht in dem Grade überraſcht worden war, wie die große Maſſe ſeiner Nation. „Demungeachtet,“ ſchloß er,— denn man hörte eben die Stimme Spike's, welcher die Treppe des Leuchtthurms herab kam,—„ſollte Euer Volk, Don Henriquez, tapfer, thatkräftig und mächtig, wie es— ich geſtehe dieß gern zu— wirklich iſt, nicht vergeſſen, daß eine Nation von der Seelenzahl der unſrigen nie anders als durch die Kraft politiſcher Verſchmelzung beſiegt werden kann oder beſtegt worden iſt. In einen gewiſſen Geſellſchaftszuſtand kann eine Regierung geſtürzt, eine Hauptſtadt eingenommen und das ganze Land mit in dieſen Sturz verwickelt werden, allein unſere Lage iſt nicht der Art, daß ein ſolches Ergebniß wahrſcheinlich wäre. Wir ſind von ganz anderer Abſtammung, als die Angelſachſen, und es wird nicht leicht ſein, ſolche Nationalitäten zu verſchmelzen oder uns ganz zu unterjochen. In jenen Theilen des Landes, wo die Bevölkerung gering iſt, verſchwindet vielleicht mit der Zeit die ſpaniſche Raſſe, und Ihr dürftet dort als Herrſcher auftreten können; es bedürfte aber hundertjähriger Kriege, um unſere Sitten, unſere Sprache und unſere Religion in den bevölkerten Theilen Mexiko's gänzlich zu beſeitigen.“ Vielleicht wäre es gut, wenn wir über dieſe Gegen⸗ ſtände reiflich nachdächten, denn die Anſichten Don Juan’'s dürften, nach unſerm Urtheile, der Erwägung aller klugen, beſonnenen Männer werth. ſein. Als Capitän Spike ſich der Thüre des Leuchtthurmes näherte, begaben ſich Roſa, Harry und Hans Tier in das Gebäude. Alsbald hörte man die Stimme des Capitäns, der den Mexikaner anrief, worauf ſie miteinander dem — 174— kleinen Werfte zuſchritten, während Spike den Mexikaner auf das glänzende Licht aufmerkſam machte, welches die Laterne verbreitete. Dieſes Licht war allerdings glänzend, in der That ſo glänzend, daß Mulford in Betreff des Bootes in nicht geringer Sorge war. Das Licht der Laterne beleuchtete das Werft, und er konnte das Boot von dem Fenſter, an welchem er ſtand, ſehen, während Spike ſozuſagen unmit⸗ telbar über demſelben ſtand und der Leute harrte, welche ſeine Jolle zurecht machten. Allerdings wendete er dem gefährlichen Gegenſtande den Rücken zu, und die Planken der Brücke trennten ihn von dem Boote, allein die ernſte Gefahr wurde nur dadurch beſeitigt, daß Capitän Spike mit dem Mexikaner in dieſem Augenblicke über einen Gegenſtand ſo eifrig verhandelte, daß er ſich von dieſem Herrn nicht abwendete. Eine Minute ſpäter waren Alle in der Jolle, und dieſe ruderte der Brigg raſch entgegen. Don Juan Montefalderon ließ ſich nicht lange erwarten. Die Jolle hatte bald die Molly erreicht, und Don Juan nahm ſeinen Mantel und kehrte allein zur Inſel zurück, da Niemand an Bord der Brigg den Wunſch hegen konnte, ihn in ſeiner angeblichen Andacht zu ſtören. Unter der Mannſchaft der Brigg war wahrſcheinlich nicht ein Ein⸗ ziger, welcher ſich hätte verleiten laſſen, ihn in dieſer Stunde zu den Gräbern zu begleiten; ſie waren aber auch, wie er Mulford berichtete, mit Ausnahme Joſh's, Alle „eingekehrt,“ um vor dem Abgange der Brigg ein kurzes Schläfchen zu halten. Dem genannten Schwarzen war, als dem größten Müßiggänger an Bord, der Ausguck überlaſſen worden. Dieß war für Hans Tier's Plan ſehr günſtig, ſenheit e verrieth. Nac kleine S laſſen, mit ſeine begeben Ma allgemeit ſich der hatte, i daraus, ihm der mußte, Gold, eine viel hatte, u Dollar davon tr Erklärun Schickſal Er für das darauf beſchleur dieſe feie dieß in dadurch ſich von Mexikaner welches die er That ſo 3 in nicht beleuchtete eenſter, an gen unmit⸗ te, welche te er dem e Planken die ernſte tän Spike ber einen on dieſem aren Alle ntgegen. erwarten. von Juan el zurück, n konnte, Inter der ein Ein⸗ in dieſer der auch, 's, Alle n kurzes en war, Ausguck lan ſehr — 175— günſtig, da Joſh bereits in das Geheimniß ſeiner Abwe⸗ ſenheit eingeweiht war, und ſeine Rückkehr gewiß nicht verrieth. Nach einer kurzen Berathung kam man überein, eine kleine Stunde zu warten, um den Schläfern Zeit zu laſſen, ſich recht einzulullen, worauf ſich Don Juan mit ſeinem neuen Gefährten an Bord des Schiſſes zurück⸗ begeben wollte. Man brachte die dreißig bis vierzig Minuten mit allgemeinen Geſprächen hin. Bei dieſer Gelegenheit äußerte ſich der Mexikaner freimüthiger, als er bis jetzt gethan hatte, über die neueren Begebniſſe. Er machte kein Hehl daraus, wie ſehr er Spike verachtete und wie widerwärtig ihm der Verkehr war, welchen er mit ihm unterhalten mußte, und dem er ſich nur aus Pflichtgefühl fügte. Das Gold, welches ſich noch in dem Schoner befand, machte eine viel bedeutendere Summe aus, als man angenommen hatte, und für Mexiko war in dieſem Augenblicke jeder Dollar von ſolcher Wichtigkeit, daß er ſich nicht gern davon trennte, ohne dieſen Umſtand hätte er, nach ſeiner Erklärung, die Brigg augenblicklich verlaſſen, um ſich dem Schickſale Harry's und Roſa's anzuſchließen. Er drückte in verbindlichen Worten ſeine beſten Wünſche für das Glück des jungen Paares aus, und deutete zart darauf hin, er glaube, ſie würden ihre Verbindung zu beſchleunigen ſuchen, ſobald ſie einen Ort erreichten, wo dieſe feierliche Handlung begangen werden könne. Er ſagte dieß in der einfachſten Weiſe,— ſo zart, daß kein Gefühl dadurch verletzt werben konnte, und daß es eher als etwas ſich von ſelbſt Verſtehendes, denn als eine Art väterlichen — 176— Rathes gelten konnte, obgleich es eigentlich das Letztere ſein ſollte. Harry war über dieſen Wink ſeines merlkaniſchen Freundes entzückt,— der beſtgeſinnte Amerikaner darf hof⸗ fentlich noch einen Freund von merxlkaniſcher Herkunft haben, und ſeine Theilnahme an dieſer edeln Nation bethä⸗ tigen,— denn er entſprach nicht nur ſeinen geheimen Wünſchen, ſondern auch ſeinen geheimen Hoffnungen. In dem beſtimmten Augenblicke nahmen Don Juan Montefalderon und Hans Tier von den Verlobten Abſchied. Harry glaubte zu bemerken, daß Roſa den kleinen Pro⸗ viantmeiſter mit vielem Bedauern ſcheiden ſähe, Tier war aber erpicht darauf, dieſe vortreffliche Gelegenheit, wieder an Bord der Brigg zu kommen, nicht ungenützt vorüber gehen zu laſſen. Man trennte ſich demnach, und die beſorgten Lauſcher, welche an dem Strande auf die leiſeſte Bewegung der Jolle achteten, glaubten annehmen zu dürfen, Hans ſei unentdeckt an Bord des Schiffes getreten. Sie hörten den bekannten Ton des in das Boot fallenden Ruders, und Mulford ſagte, er habe die Stimme des Negers erkannt, welche auf den Anruf Don Juan's antwortete. Kein Geräuſch, kein Lärm ward laut, wie man dergleichen gewiß von Spike gehört hätte, wäre er gewahr geworden, in welcher Art man ihn getäuſcht hatte. Harry und Noſa waren jetzt allein. Jener ſchlug ſeiner Verlobten vor, ſie möge ſich in eines der kleinen Schlafgemächer begeben, wie man ſie gewöhnlich in ame⸗ rikaniſchen Wohnungen von der Ausdehnung des Gebäudes des Leuchtthurmes ſindet, während er die Brigg im Auge behalten w dem Schla unmittelba chender G die Störun Boote hing Unſere kleinen Ge⸗ Bett, wäh dieß als de Die z Uhr mußte daß er ni ſeiner Näh wenigſtens So lange Aeußerſte g er ſich nich Seite der verrathen war ſein A ſo ungedul Bewegung Der I kommene K eines Kau geht.„Al in weniger an Bord d heben bega 244— 24 das Letztere. behalten wollte, bis ſie ſich entfernt hätte. Er konnte ſich nerikaniſchen dem Schlafe nicht hingeben, ſo lange er-Spike in ſeiner ner darf hof⸗ unmittelbaren Nähe wußte, es war jedoch kein hinrei⸗ der Herkunft chender Grund vorhanden, warum Roſa ſich nicht für ation bethä⸗ die Störungen der vergangenen Nacht, welche ſie in dem en geheimen Boote hingebracht hatte, entſchädigen ſollte. nungen. Unſere Heldin nahm demzufolge Beſitz von ihrem Don Juan kleinen Gemache und warf ſich in den Kleidern auf das ten Abſchied. Bett, während Mulford ſich im Freien erging, da ihm kleinen Pro⸗ dieß als das ſicherſte Mittel erſchien, ſich wach zu halten. 2, Tier war Die zehnte Stunde war jetzt vorüber, und vor eilf mheit, wieder Uhr mußte der Mond aufgehen. Der Maat wußte ſomit, rützt vorüber daß er nicht lange zu warten brauchte, um Spike aus ſeiner Nähe abziehen zu ſehen,— ein Umſtand, welcher wenigſtens ihm eine große Laſt vom Herzen nehmen mußte. So lange er dieſen grundſatzloſen und jetzt faſt auf das ten Lauſcher, ewegung der n, Hans ſei Aeußerſte gebrachten Mann in Roſa's Nähe wußte, konnte ehörten den er ſich nicht ſicher fühlen, und während er auf der äußern Kuders, und Seite der Inſel, wo das Licht der Laterne ihn nicht gers erkannt, verrathen konnte, auf dem Sande auf und nieder wandelte, rtete. Kein war ſein Auge faſt ununterbrochen auf die Swaſßh gefeſſelt, dergleichen ſo ungeduldig, ſo eifrig harrte er jedes Zeichens einer or geworden, Bewegung an ihrem Bord. Der Mond ging auf, und Mulford hörte das will⸗ Jener ſchlug kommene Klopfen in der Wagenremiſe, welches an Bord der kleinen eines Kauffahrteiſchiffes dem Rufe„Alle auf!“ voran⸗ lich in ame⸗ geht.„Alle an das Ankerlichten, ahoi!“ erſcholl es, und es Gebäudes in weniger als fünf Minuten verkündigte das Geräuſch gg im Auge an Bord der Brigg, daß die Mannſchaft den Anker zu heben begann. 244— 246. — 178— Mittlerweile war es ſo hell geworden, daß der Maat es für klug hielt, in das Gebäude zurückzukehren, und ſich in deſſen Schatten zu bergen. Er wollte Roſa nicht wecken, obgleich er wußte, daß die Abfahrt der Swaſh ſie kaum weniger erfreuen würde, als ihn ſelbſt. Er beſchloß, zu warten, und ſie in keinem Fall eher zu wecken, als bis er ihr ankündigen könne, alle Gefahr ſei vorüber. In Betreff ihrer Tante war Roſa nun ſehr getröſtet, da ſie wußte, Hans Tier würde Miſtreß Budd Alles mit⸗ theilen, was mit ihrer Lage und ihren Ausſichten im Zuſammenhange ſtünde. Das Weggehen des kleinen Man⸗ nes, welcher unſere Heldin ſeit ſo langer Zeit begleitet hatte, that ihr in einer Weiſe leid, welche wir den Leſern jetzt noch nicht erklären können, er hatte ſich jedoch ent⸗ fernt, da er wahrſcheinlich fühlte, es ſei unnöthig, länger bei den Liebenden zu verweilen, und ſein Zweck, Roſa aus Spike's Händen zu retten, ſei nun erreicht. Nach kurzer Zeit waren die Anker der Molly in Bewegung, das Marsſegel lag back, und man harrte des Befehls, die Anker aufzukatten. Dieſer ward laut, die Raaen gingen herum, und das Marsſegel faßte den Wind. Es blies eben eine gute Kühlte, mit welcher ein ſolches Fahrzeug unter vollen Segeln auf einer Bulinie ablaufen konnte, und die leichte, bewegliche Brigg ſchoß dahin, wie ein Rennpferd, welches den Sporn fühlt, im Galopp dahinfliegt. Wie man ſich denken kann, hatte Spike mehrere Kanäle vor ſich, um aus dem Becken zu treten, manche waren ſchmal, andere breiter, aber alle tief genug, um eine Brigantine von der Tracht der Molly zu tragen. Da S lieren woll ſich, windn laufen. U des Hafens weit genue zu kommer Währ vollkommer Seite des lag, um zu ſehen. gelangen, ſchreiten, in dieſem Thätigkeit Es ſ wie man als das E Geſtalten Swaſh f es ſchien, Als war ſie k fürchtete, unachtſar unſer M welche er Die an Bord iß der Maat ten, und ſich nicht wecken, ſh ſie kaum beſchloß, zu cken, als bis ber. ehr getröſtet, d Alles mit⸗ usſichten im kleinen Man⸗ Zeit begleitet ir den Leſern h jedoch ent⸗ öthig, länger ck, Roſa aus er Molly in uan harrte des rd laut, die zte den Wind. r ein ſolches linie ablaufen oß dahin, wie im Galopp Spike mehrere eten, manche f genug, um u tragen. — 179— Da Spike nicht einen Zoll Entfernung unnöthig ver⸗ lieren wollte, luvte er dicht an den Wind, und bemühte ſich, windwärts von der Laterne in die offene See auszu⸗ laufen. Um dieß jedoch zu können, mußte er innerhalb des Hafens zwei kurze Wendungen machen, wodurch er ſich weit genug nach ſüdoſtwärts ſtellte, um auf ſeinen Curs zu kommen. Während dieſer Bewegungen ging der Maat, welcher vollkommen wußte, was der Capitän beabſichtigte, auf die Seite des Leuchtthurmes, welche dem Gebäude gegenüber lag, um das Schiff deſto beſſer in die See hinaustreten zu ſehen. Der junge Mann mußte jedoch, um dorthin zu gelangen, über einen vom Monde hell beſchienenen Raum ſchreiten, er hoffte aber, man würde ihn nicht ſehen, da in dieſem Augenblick Alle an Bord des Schiffes in eifriger Thätigkeit waren. 3 Es ſcheint jedoch, Mulford hatte in dieſer Beziehung, wie man zu ſagen pflegt, ohne den Wirth gerechnet, denn als das Schiff nahe kam, bemerkte er, daß ſechs bis ſieben Geſtalten auf den Kanonen und in der Takelage der Swaſh ſtanden, eifrig mit den Armen fochten und, wie es ſchien, auf die Stelle deuteten, wo er ſtand. Als die Brigg völlig dwars von der Laterne ſtand, war ſie keine hundert Ellen von ihm entfernt, und da er fürchtete, ſich noch mehr bloßzuſtellen, als er bereits unachtſamer⸗ und unerwarteterweiſe gethan hatte, gleitete unſer Maat dicht an die Mauer des Leuchtthurms, an welche er ſich möglichſt unbeweglich lehnte. Dieſe Bewegung war von einem einzigen Matroſen an Bord der Swaſh geſehen worden, und dieſer Mann 1²*½ ——— — 180— hatte zufällig kaum zwei Stunden vorher den Capitän an das Land begleitet. Er hieß Barlow. „Capitän Spike, Herr,“ rief Barlow, der eben auf dem Vordereaſtell Tau aufſchoß, und folglich ſo laut rufen mußte, daß es Alle an Bord hören konnten,„dort am Fuße des Leuchtthurms iſt ein Mann!“ Der Mond war jetzt in prachtvollem Glanze aus einer Wolkenöffnung getreten, und Mulford, welcher nun fühlte, daß er einer großen Gefahr bloßgeſtellt war, lehnte ſich ſo unbeweglich, wie die Mauer ſelbſt, gegen die Steine des Leuchtthurmes. Der Anruf des Matroſen brachte Alles leewärts, und jeder Kopf hob ſich über die Bekleidungen. Spike ſelbſt ſprang in die großen Ruſten, wo nichts ſeinem Ausguck hinderlich war, und wo Mulford ihn jetzt beſſer ſah und erkannte, als man ihn ſelbſt ſehen und erkennen konnte. Die Brigg ging mittlerweile ſtets nach vornen. „Ein Mann, Barlow?“ rief Spike in einem Tone, welcher gewahren ließ, daß ein ſolcher Bericht ihn über⸗ raſchte und ein wenig beunruhigte.„Ein Mann! Dieß iſt nicht möglich. Ihr wißt, daß Niemand in dem Leucht⸗ thurm iſt.“ „Dort ſteht er, Herr, mit dem Rücken an den Thurm gelehnt, das Geſicht uns zugewendet. Seine dunkle Geſtalt iſt an der weiß angeſtrichenen Mauer deutlich zu ſehen. Lebendig, oder todt, Herr, es iſt der Maat.“ „Lebendig? Das kann nicht ſein,“ verſetzte Spike, obgleich er in dem nächſten Augenblicke dieſe Worte gern für ſich behalten hätte. Ein allgemeiner Ausruf zeigte jetzt, daß Alle den Maat erkar Geſichtszüge traten, die i Statüengleig man von H abergläubiſc den Schatte erſt in das Selbſt er fühlte ſei eines Schiff wie einen§ bei ihm je zweiter Ged jetzt war er Die B gegenüber. „Joſh, laut genug, Lager aufzu „Gott Neger,„wo Ich hier ſei „Reich Läufe ſind ſuch machen Ein g den Matrof „Es Kugel etwo Capitän an der eben auf ſo laut rufen n,„dort am Glanze aus welcher nun t war, lehnte en die Steine eewärts, und Spike ſelbſt nem Ausguck eſſer ſah und en konnte. ornen. einem Tone, ht ihn über⸗ tann! Dieß dem Leucht⸗ den Thurm unkle Geſtalt ch zu ſehen. rſetzte Spike, Worte gern aß Alle den — 181— Maat erkannten, deſſen Geſtalt, Kleidung, ja, deſſen Geſichtszüge in dieſem Augenblicke ziemlich deutlich hervor⸗ traten, die regungsloſe Stellung jedoch, das Unbewegliche, Statüengleiche der Geſtalt und alle Einzelnheiten, welche man von Harry's Schickſal kannte, dieß Alles brachte die abergläubiſchen Matroſen auf den Gedanken, ſie hätten den Schatten eines Mannes vor ſich, welcher vor Kurzem erſt in das Reich der Geiſter hinüber gegangen. Selbſt Spike wandelte ein ſolcher Gedanke an, und er fühlte ſeine Knie da zittern, wo er ſtand, in den Ruſten eines Schiffes, welches er in ſo vielen Böen und Stürmen wie einen Kreiſel gehandhabt hatte. Die Täuſchung war bei ihm jedoch weder eindringlich, noch dauernd. Ein zweiter Gedanke ſagte ihm, dieß ſei kaum möglich, und jetzt war er auch wieder im Beſitze ſeiner Stimme. Die Brigg war jetzt der Stelle, wo Harry ſtand, faſt gegenüber. 4 „Joſh, dort!“ rief Spike mit donnernder Stimme, laut genug, um ſelbſt Miſtreß Budd und Biddy auf ihrem. Lager aufzuſchrecken. „Gott mögen uns gnädig ſein!“ antwortete der Neger,„was wir bald an Bord der Schiff erleben werden! Ich hier ſein, Herr!“ „Reiche mir die Vogelflinte aus meiner Hütte. Beide Läufe ſind mit Kugeln geladen. Wir wollen einen Ver⸗ ſuch machen, obgleich ſie nur von Blei ſind.“ Ein gemeinſamer Ruf der Mißbilligung ward unter den Matroſen laut, als Joſh dem Befehle nachkam. „Es iſt umſonſt!“„Solchen Dingen kann keine Kugel etwas anhaben!“„Die Brigg wied dafür büßen ———y müſſen!“ und:„Es iſt des Maats Geiſt, und Geiſtern ſchadet keine Kugel von Blei oder Eiſen!“ In dieſer Weiſe ſprachen ſich die Matroſen während der wenigen Secunden aus, welche dem Befehle, die Vogel⸗ flinte zu holen, und deſſen Ausführung folgten. „Da ſie ſein, Capitän Spike,“ ſagte Joſh, und reichte die Flinte durch die Takelage hinauf,„aber ſie das Ding nicht mehr treffen, als unſer Kanonen Gibraltar in die Luft ſprengen.“ Indeſſen war Spike zu einem feſten Entſchluß gekom⸗ men, und als er die Flinte nahm und den Hahn ſpannte, preßten ſich ſeine Lippen krampfhaft zuſammen, und ſeine Zähne knirſchten. Alles, was hier erzählt worden, begab ſich ſozuſagen in einem Augenblicke, und die Brigg ſtand faſt noch dem unbeweglichen Maat gegenüber, und etwa achtzig Ellen von ihm. 3 „Leuchtthurm dort!“ rief Spike.„Lebendig oder todt, Antwort, oder ich gebe Feuer?“ Keine Antwort erfolgte, und die dunkle Geſtalt, welche jetzt in dem hellen Mondlicht gegen das glänzende Weiß des Thurmes grell abſtach, war völlig ſichtbar. Spike legte an und drückte ab. Die Aufmerkſamkeit Aller in der Swaſh war ſo geſpannt, daß man faſt ein Zucken des Auges von Seiten Harry's geſehen hätte, wenn er bei dem Blitz und Knall auch nur dieſes leiſe Zeichen menſchlicher Schwäche ver⸗ rathen hätte. Die Kugel ſchlug gegen einen Stein des Thurmes, nur einen Fuß von dem Maat auf, dieſer aber rührte ſich nicht. Alles h Regungsloſt er ſtarr ſtel „Da Ding!“ ablaufen n Silberku gegoſſen, Spike nah Dieſes zu verfehle daß er für Als e Juan Mo⸗ und dort die Thurn Spik mexikaniſ Wort ſag zurückhall Jede regte ſich Jetzt durch das windwär dungen d er auf d Niemand Sp Er ſpra und Geiſtern ſen während , die Vogel⸗ , und reichte edas Ding altar in die chluß gekom⸗ ahn ſpannte, „ und ſeine ch ſozuſagen aſt noch dem ſchtzig Ellen ig oder todt, eſtalt, welche nzende Weiß aſh war ſo Zvon Seiten tz und Knall ſchwäche ver⸗ n Stein des „ dieſer aber — 183— Alles hing jetzt, wie er wohl wußte, von ſeiner völligen Regungsloſigkeit ab, und er hatte ſo viel Selbſtgewalt, daß er ſtarr ſtehen blieb, als wär' er ſelbſt von Stein. „Da ſeht Ihr nun, wie es iſt, kein Leben in dieſem Ding!“ ſagte der Eine.—„Ich wußte wohl, wie es ablaufen würde!“ ſetzte der Andere hinzu.—„Nur Silberkugeln, und zwar beſonders zu dieſem Zweck gegoſſen, treffen etwas der Art,“ fuhr der Dritte fort. Spike nahm aber auf all dieß keine Rückſicht. Dieſes Mal war er feſt entſchloſſen, ſein Ziel nicht zu verfehlen, und die Art, wie er anlegte, ließ gewahren, daß er fürchterlichen Ernſt machte. Als er jedoch eben losdrücken wollte, zupfte ihn Don Juan Montefalderon an dem Aermel, der Schuß ging los, und dort ſtand die unbewegliche Geſtalt, wie vorher, an die Thurmmauer gelehnt. Spike wendete ſich zornig um, und wollte eben ſeinem mexikaniſchen Freunde wegen dieſer Störung ein hartes Wort ſagen, als der Knall eines Gewehres wie ein Echo zurückhallte. Jedes Auge war auf die Geſtalt gerichtet; aber ſie regte ſich nicht. Jetzt wurde das Ziſchen der Kugel gehört, die rauh durch das Tauwerk pfiff und auf eine kleine Strecke nach windwärts einſchlug. Alle Köpfe waren unter den Beklei⸗ dungen verſchwunden. Selbſt Spike war ſo betroffen, daß er auf das Deck herabſprang, und eine Minute lang war Niemand über den Regelingen der Brigg zu ſehen. Spike war der erſte, der ſeine Faſſung wieder fand. Er ſprang auf eine Kanone und ſchaute nach dem Leucht⸗ — 184— thurme, welcher nun leewärts vom Schiffe war, aber die Stelle, wo eben Mulford's Geſtalt geſehen worden, ließ nichts ſehen, als das glänzende Weiß der angeſtrichenen Steine. Der Leſer wird nicht überraſcht ſein, wenn er hört, daß alle dieſe Vorgänge an Bord der Swaſßh einen ſelt⸗ ſamen, tiefen Eindruck machten. Die Wenigen, welche die Sache theilweiſe aufzuklären vermocht hätten, verhielten ſich klüglich ſtill, während die Mehrzahl der Mannſchaft, welche nichts von dem Geheimniß ahnte, feſt überzeugt war, der Geiſt des ermordeten Maats ſei ihr erſchienen, um wegen des Verbrechens, das an ihm begangen worden, Rache zu nehmen. Der Aberglaube der Matroſen iſt eben ſo tiefgehend, als er allgemein iſt. Auch beſtand die ganze Mannſchaft der Molly Swaſh aus Salzern von der alten Schule, wahren Seebären eines entſchwundenen Geſchlechts, Män⸗ nern, welche noch aus einer Zeit herſtammten, wo der Geiſt des Fortſchrittes ſich weniger bemerklich machte, als in unſeren Tagen. Vielleicht hatte Spike Beſorgniſſe und Ahnungen anderer Art, und wäre das ungewöhnliche, geiſterartige Echo des ketzten Schuſſes nicht geweſen, ſo hätte er geglaubt, die lebende Geſtalt ſeines vermeintlichen Opfers ſei ihm entgegen gelketen. Nah und fern war nichts zu ſehen oder zu hören, das andeuten konnte, woher dieſer Schuß gekommen, und der ganze Vorfall ſchien ihn zu betäuben. Die Abſicht, das Schiff zu wenden, ſobald er aus dem Kanale war, das Boot in das Waſſer zu laſſen und zu landen, wie er augenblicklich verfehlt hatt befahl, nich Brigg zu er bemerkte, Die M kommen, un eine Meile Wolke von nach Südoſt Wir kel dem erſten abhing, daß des Schiffes natürlich un rings umgal gehofft, das kommen. S flinte eine z aber in dieſ jedoch den gegengeſetzte erſtaunt un der Blitz urn daß man ih hatten in d dungen gebe Da der Brigg lag, Sein erſter „ aber die orden, ließ geſtrichenen n er hört, einen ſelt⸗ welche die verhielten kannſchaft, überzeugt erſchienen, en worden, tiefgehend, Nannſchaft n Schule, ts, Män⸗ „ wo der achte, als Ahnungen eiſterartige geglaubt, Z ſei ihm zu hören, nen, und Abſicht, ale war, , wie er — 185— augenblicklich zu thun entſchloſſen war, als er ſein Ziel verfehlt hatte, wurde eben ſo raſch aufgegeben, und er befahl, nicht ohne ein leiſes Zittern der Stimme, die Brigg„zu faſſen“ und„den Fockhals zu entern,“ ſobald er bemerkte, daß die Geſtalt verſchwunden war. Die Mannſchaft beeilte ſich, dieſen Befehlen nachzu⸗ kommen, und nach zehn Minuten lief die Swaſßh bereits eine Meile von dem Leuchtthurm und hielt unter einer Wolke von Segeln und bei einer friſch wehenden Kühlte nach Südoſten ab. Wir kehren auf die Inſeln zurück. Harry hatte von dem erſten Augenblicke an eingeſehen, daß Alles davon abhing, daß er ohne Regung blieb. Da die Mannſchaft des Schiffes theilweiſe im Schatten ſtand, blieb es ihm natürlich unbekannt, daß er in Folge der Helle, welche ihn rings umgab, völlig bloßgeſtellt war, auch hatte er anfangs gehofft, das Vorſchreiten des Schiffes würde ihm zu ſtatten kommen. Seine Nerven hatten durch das Feuer der Vogel⸗ flinte eine ziemliche Probe zu beſtehen, ſie bewährten ſich aber in dieſem bedrängenden Augenblicke trefflich. Als er jedoch den dritten Schuß von hinten, oder von der ent⸗ gegengeſetzten Seite der Inſel hörte, ſprang er, eben ſo erſtaunt und überraſcht, wie die an Bord der Brigg, wie der Blitz um den Thurm. Dieſe raſche Bewegung machte, daß man ihn nicht fliehen ſah, denn Alle in dem Schiffe hatten in dieſem Augenblicke die Köpfe unter die Beklei⸗ dungen geborgen. Da der Leuchtthurm jetzt zwiſchen dem Maat und der Brigg lag, fand er es unnöthig, ſich länger zu verſtecken. Sein erſter Gedanke wendete ſich Roſa zu, er hatte, ſo — 186— ſeltſam dieß ſcheinen mag, einen Augenblick geglaubt, ſie habe in dem Gebäude ein Gewehr gefunden und es los⸗ geſchoſſen, um ſeine Flucht möglich zu machen. Die Begeb⸗ niſſe waren ſo raſch auf einander gefolgt, daß zu ruhiger Ueberlegung keine Zeit blieb, und es war nicht überraſchend, wenn ſich ſeinen erſten Muthmaßungen ein Gedanke dieſer Art zugeſellte. Als Harry daher die Thüre des Hauſes erreichte, war er keineswegs überraſcht, Roſa an derſelben ſtehen und der raſch davoneilenden Brigantine nachſchauen zu ſehen. Er blickte ſich ſogar nach dem Gewehr um, und hoffte, es auf dem Boden liegen, oder an die Wand des Gebäu⸗ des gelehnt zu ſehen. Roſa war aber ganz unbewaffnet und von ſeinem Schutze allein ebenſo abhängig, wie ſie es in dem Augenblicke geweſen war, als er ſie ver⸗ laſſen hatte.— „Wo habt Ihr das Gewehr gefunden, und was habt Ihr damit angefangen, Roſa?“ fragte Harry, nachdem er ſich überall, wo eine ſolche Waffe Platz ſinden konnte, umgeſehen hatte. 6 „Das Gewehr, Harry? Ich habe kein Gewehr gehabt, wohl aber haben mich Schüſſe, welche ganz in der Nähe ſielen, aus dem Schlafe geweckt.“ „Iſt es möglich? Ich hatte mich unvorſichtig auf die andere Seite des Leuchtthurmes gewagt, während der Mond hinter Wolken ſtand, und als er plötzlich heraustrat, wurden mich die an Bord der Brigg gewahr. Spike ſchoß zweimal nach mir, ohne mich zu treffen, als zu meinem Erſtaunen ein dritter Schuß von der Inſel abgefeuert wurde. Was mehr iſt, aus dem Pfeifen der Kugel, welche durch das T daß es eine „Und? feuert?“ „An gern zu, d Art zu thu „Es n „Nich „Wer von hier ſe von Anſchl geſchickt a „Wen ich ihn fü halten.“ „Stil Geräuſch wenn ein Mulf ſeine Gefe das Gebä kleinen La Der wiederhall Ein großt trat eben Ruder ar ſogleich vor ſich — 187— geglaubt, ſie und es los⸗ durch das Tauwerk der Brigg flog, konnte ich abnehmen, Die Begeb⸗ daß es eine Kugelpatrone war.“ 3 zu ruhiger„Und Ihr habt geglaubt, ich hätte das Gewehr abge⸗ uberraſchend, feuert?“ „An wen ſonſt hätte ich denken ſollen? Ich gebe edanke dieſer gern zu, daß Ihr nicht ſehr geeignet ſeid, etwas dieſer rreichte, war Art zu thun, aber außer uns Beiden iſt Niemand hier.“ ſtehen und„Es muß Hans Tier geweſen ſein,“ rief Roſa plötzlich. n zu ſehen.„Nicht möglich, er hat uns ja verlaſſen.“ und hoffte,„Wer weiß, Hans fühlte wohl, wie ungern ich ihn von hier ſcheiden ſah, und er iſt ſo launenhaft und voll des Gebäu⸗ unbewaffnet von Anſchlägen, daß es ihm vielleicht gelungen iſt, ebenſo zig, wie ſie geſchickt aus der Brigg zu kommen, als er hinein kam.“ er ſie ver⸗„Wenn Hans Tier wirklich auf dieſer Inſel iſt, muß ich ihn für nichts weniger, als für einen Hexenmeiſter d was habt halten.“ yy, nachdem„Still!“ ſiel Roſa raſch ein,„was iſt dieß für ein Geräuſch in der Richtung des Werftes? Es klang, wie dden konnte, wenn ein Ruder in ein Boot fällt.“ Mulford hörte dieſen wohlbekannten Ton ſo gut wie vehr gehabt, ſeine Gefährtin, er ging, von Roſa gefolgt, ſchnell durch n der Nä Riht das Gebäude, und öffnete die Vorderthüre, welche zu der rſichtig auf kleinen Landung führte. vährend der Der Mond ſchien noch hell, und das Geheimniß des heraustrat, wiederhallenden Schuſſes klärke ſich augenblicklich auf. Spike ſchoß Ein großes Boot, welches mindeſtens zehn Ruder führte, zu meinem trat eben an das Ende des Werftes, und die Art, wie die Ruder ausgehoben und abgelegt wurden, ließ den Maat abgefeuert ugel, welche ſogleich gewahren, daß er Leute von einem Kriegsſchiffe vor ſich hatte. Er ſchritt eilig nach vornen. — 188— Drei Offiziere traten zuerſt aus dem Boote. Die daß Wnie Goldborten an ihren Mützen zeigten, daß ſie zur Schanze gema Wie gehörten, ein Umſtand, welchen das Licht des Mondes„, ſogleich gewahren ließ, obgleich es nicht hell genug war, Schiff? ſe um die Geſichtszüge der Männer deutlich zu ſehen. Gefühls, r Als Mulford weiter vortrat, grüßten ihn die drei Verrath zu Offiziere. Planken ſei „Wie ich ſehe, habt Ihr die Laterne wieder in t„.5 Stand geſetzt,“ bemerkte der Offtzier, welcher voranſchritt. b⸗ unen, de „Geſtern Nacht war es in Eurer Laterne ſo dunkel, wie an dis E im Erebus.“ Urtheil nic 5„Der Wärter des Leuchtthurms iſt nebſt ſeinem Gehil⸗ meine Erklo fen ertrunken,“ verſetzte Mulford.„Die Laterne wurde Mulfün 4 dieſen Abend von den Leuten der Brigg, welche eben aus⸗ wöhi in gelaufen iſt, angezündet.“ zunder 20 „Ah, Herr, was für eine Brigg mag dieß ſein?“ uun ihre, „Die Molly Swaſh von Neu⸗York, ein Schiff, zu muguß dem ich ſelbſt vor Kurzem gehörte, welches ich aber ſeines 5 ſchlechten Gehabens wegen verlaſſen habe.“ ſie uui 3„Die Molly Swaſh, Stephan Spike Befehlshaber ange Geſa und Eigenthümer, nach Weſt⸗Key beſtimmt, mit einer aiceruee 4 Ladung von achthundert Fäſſern Mehl, und zwar Mehl der Verrät von ſo lebhafter, hitziger Art, daß es wie Schießpulver ja Flucht g losgeht? Ich bitte Euch um Verzeihung, Herr Maat, ners, ſeinet daß ich Euch nicht eher erkannte. Habt Ihr den Pough⸗ 4 keepſte, Capitän Mull, und ihre weitreichenden Paixrhans wie u V aee9,ſas berichten „Ich muß Euch um Verzeihung bitten, Herr benichten Wallace, daß ich Euch nicht früher erkannt habe. Ich gand, wer freue mich, Euch zu ſehen, Herr, und hoffe jetzt, f„ Boote. Die zur Schanze des Mondes genug war, hen. hn die drei wieder in voranſchritt. dunkel, wie inem Gehil⸗ terne wurde de eben aus⸗ ſein?“ Schiff, zu aber ſeines Befehlshaber mit einer zwar Mehl Schießpulver Herr Maat, den Pough⸗ n Paixhans tten, Herr habe. Ich hoffe jetzt, — 189— daß mit meiner Hilfe der Laufbahn der Brigg ein Ende gemacht wird.“ „Wie, Herr Maat, Ihr wendet Euch gegen Euer Schiff?“ ſagte Wallare unter dem Einfluſſe des mächtigen Gefühls, welches redliche Männer veranlaßt, jede Art Verrath zu verabſcheuen,„der Seemann muß ſelbſt die Planken ſeines Schiffes lieben.“ „Ich verſtehe Euch ganz, Herr Wallace, und muß bekennen, daß die Anſicht, deren Ihr erwähnt, mich lange an die Schurkerei gefeſſelt hat. Ich habe jedoch Euer Urtheil nicht im Entfernteſten zu fürchten, wenn Ihr meine Erklärung gehört haben werdet.“ Mulford führte ſeinen Beſuch nun in das Gebäude, wohin ſich Roſa bereits begeben, und wo ſie Lichter ange⸗ zündet und nach Art der Frauen Alles hergerichtet hatte, um ihre Gäſte zu empfangen. Auf Harry's Bitte wurde ein Theil der Suppe über Kohlen geſtellt und für die Geſellſchaft gewärmt, und unſere Heldin traf Anſtalten, ſie auch mit einer Taſſe Thee zu bewirthen. Während ſie ſo beſchäftigt war, erzählte Mulford die ganze Geſchichte ſeiner Verbindung mit der Brigg, ſeines Widerwillens, ſie zu verlaſſen, der endlichen Entdeckung der Verrätherei Spike's, ſeiner eigenen Flucht, wenn es ja Flucht genannt werden konnte, des Verluſtes des Scho⸗ ners, ſeiner Ausſetzung auf der öden Klippe, und der Art, wie er zuletzt gerettet worden. Es war kaum möglich, alle die Einzelnheiten zu berichten, ohne der Pläne Spike's in Bezug auf Roſa und des Verhältniſſes, in welchem der junge Mann zu ihr ſtand, wenigſtens andeutend zu erwähnen, und obgleich — 190— Mulford dieſe Punkte mit dem größten Zartgefühle berührte, ſtand doch hier ein Seemann dem andern gegenüber, und er konnte ſich der Offenheit des Berufes nicht ganz ent⸗ ſchlagen. An dem Lande leben die Menſchen in der Vertrautheit ihrer häuslichen Kreiſe, und ihre Geheimniſſe und geheimen Gedanken ſind„Familiengeheimniſſe,“ deren es, wie das Sprichwort ſagt, ſtets und ſelbſt in den beſten Häuſern gibt. An Bord des Schiffes und in dem Lager iſt dieß anders. Die nahe Berührung, in welcher hier Alle ſtehen, und der Drang, die Herzen zu erſchließen, und dem Gefühle ſeinen Lauf zu laſſen, äußerten früh ihren Einfluß auf den ganzen Charakter, und ein gewiſſer Grad von Ein⸗ fachheit und Offenheit tritt an die Stelle der Zurückhaltung und Abgeſchloſſenheit, welcher vielleicht derſelbe Charakter unter anderen Einflüſſen anheim gefallen wäre. Mulford war jedoch von Natur und in Folge ſeiner Seeerziehung die Offenheit ſelbſt, und er hatte ſeine Ge⸗ ſchäfte noch nicht ganz zu Ende gebracht, als ihm ſeine Gäſte bereits alle ſeine Wünſche und Pläne in Bezug auf Roſa, ja ſelbſt ſeine Hoffnung, an Bord des Poughkeepſie den Geiſtlichen zu finden, ziemlich genau abgelauſcht hatten. Der Umſtand, daß Roſa während dieſer ganzen Zeit in einem andern Gemache beſchäftigt war, hatte die Aus⸗ einanderſetzungen bedeutend erleichtert und ihr manches Erröthen geſpart. Was die Offiziere des Kriegsſchiffes betrifft, ſo hörten ſie mit männlicher Theilnahme und edelm Mitgefühl auf die Erzählung. „Ich freue mich, Eurxe Erklärung gehört zu haben, Herr Maat Ende war, Euer Verfa lichſten Wil Verräther dabei blickt deren einer der Swaſh⸗ daß unſer ſolchen Um entſchuldige „Ich aus Euerm und der ſe gedankenvo Stimme au von unſere ketzeriſch, r „Ich gentleman genoſſen anderen S gewahren, chen er ſo Der Anrede ſe lange gen ihle berührte, enüber, und ht ganz ent⸗ Vertrautheit und geheimen es, wie das aſten Häuſern ager iſt dieß r Alle ſtehen, dem Gefühle Einfluß auf ad von Ein⸗ Zurückhaltung lbe Charakter re. Folge ſeiner atte ſeine Ge⸗ ils ihm ſeine in Bezug auf Poughkeepſie lauſcht hatten. r ganzen Zeit hatte die Aus⸗ ihr manches eifft, ſo hörten Mitgefühl auf ört zu haben, — 191— Herr Maat,“ ſagte Wallace herzlich, als Mulford zu Ende war,„und hier iſt meine Hand als Beweis, daß ich Euer Verfahren billige. Ich geſtehe, daß ich den gründ⸗ lichſten Widerwillen gegen einen Abtrünnigen oder einen Verräther an ſeinem Schiffe hege, Bruder Hollins,“ dabei blickte er den ältern ſeiner beiden Gefährten an, deren einer der Kadet war, welcher ihn früher an Bord der Swaſßh begleitet hatte,“ und ich freue mich, zu hören, daß unſer Freund Mulford nichts dieſer Art iſt. Unter ſolchen Umſtänden muß man den treuherzigſten Seemann entſchuldigen, wenn er ſein Schiff verläßt.“ „Ich höre dieſes kleine Zugeſtändniß mit Vergnügen aus Euerm Munde, Wallace,“ verſetzte Hollins gutmüthig, und der ſanfte, wohlwollende Ausdruck ſeines ruhigen, gedankenvollen Geſichtes ſprach ſich in dem Tone ſeiner Stimme aus,—„Eure Tiſchgeſellſchaft iſt, wenn es ſich von unſeren Pllichten handelt, in dieſer Beziehung ſo ketzeriſch, wie ich je eine geſehen habe.“ „Ich halte es für des Seemannes Pflicht, ſeinem Schiffe treu zu bleiben, lieber, wohlehrwürdiger Herr.“ Dieſe Art der Anſprache, deren ſich der„Schiffs⸗ gentleman“ ſcherzhafterweiſe gegen einen alten Schiffs⸗ genoſſen bediente, denn die Beiden waren bereits auf anderen Schiffen miteinander gereiſt, ließ Harry ſogleich gewahren, daß er denſelben Geiſtlichen vor ſich ſah, wel⸗ chen er ſo ſehnlich herbei gewünſcht hatte. Der„liebe, wohlerwürdige Herr“ lächelte über dieſe Anrede ſeines Freundes, eine Art Scherz, an welchen er lange gewöhnt war, antwortete aber mit einem Ernſt und Nachdruck, wie er es ſeinem heiligen Stande angemeſſen erachten mochte. Wir wollen hier ſogleich bemerken, daß der wohl⸗ ehrwürdige Herr Hollins keiner jener„ins Waſſer gelaſſenen Schiffscapitäne,“ welche die amerikaniſche Flotte in ſo hohem Grade beſchimpft, noch auch ein Laie war, welcher ſich einen ſolchen Titel beilegte, und nichts weiter beabſich⸗ tigte, als den Sold zu ziehen und den Spießgeſellen des Capitäns an ſeiner Tafel und bei ſeinen Gelagen am Lande abzugeben. Jene Zeiten ſind glücklicherweiſe vor⸗ über, und die Diener des Evangeliums nehmen jetzt ſich wirklich der Seelen der armen Matroſen an, welche ſo lange vor Anderen und in der That vor ſich ſelbſt als Weſen galten, die gar keine Seele zu haben ſchienen. In dieſer Hinſicht iſt die Welt wirklich fortgeſchritten, obgleich die Guten und Weiſen, wenn ſie umher blicken, mehr Grund haben, über das zu ſtaunen, was ſie einſt war, als ſich deſſen zu freuen, was ſie jetzt iſt. Der Fortſchritt in der Geſammtheit iſt jedoch nicht zu verkennen, wenn auch noch vieles zu wünſchen bleibt, und man würde ſich jetzt Mißbräuchen nicht fügen, welche vor einem halben Jahrhundert noch werth gehalten wurden. In mehr geiſtiger Hinſicht ſind an Bord eines Kriegs⸗ ſchiffes, mit Ausnahme des Befehlshabers, welcher, da er Alles leitet, auch der Befähigſte ſein muß, der Geiſtliche und der Arzt die hervorragendſten Stellen, und in Bezug auf dieſe haben ſich und vor vielen Jahren zwei Offtziere vom höchſten Range in der Flotte in folgender Weiſe geäußert: „Als ich zuerſt in die Flotte kam,“ ſagte einer dieſer Wackern,, werden muf dem Doctor ich nicht die die Arbeit b „In a ſobald ein§ die Tiſchgeſ Tiſchgeſellſch trug gewöhn In dief treibung. C zum Beſſern Mann von unter ihnen Befähigung, Schach ſpiele Terrapenhäfe trinken. „Man i hingibt, die Schiffe oder Herr Hollins und was ſic eine Uebertr Sünde betra *) Die ſchm **) In den g Smith Whisky 244— 246 de angemeſſen ß der wohl⸗ ſſer gelaſſenen Flotte in ſo war, welcher eiter beabſich⸗ eßgeſellen des Gelagen am jerweiſe vor⸗ men jetzt ſich i, welche ſo ch ſelbſt als chienen. In ten, obgleich licken, mehr ie einſt war, er Fortſchritt nnen, wenn n würde ſich inem halben ines Kriegs⸗ elcher, da er er Geiſtliche d in Bezug bei Ofſtziere nder Weiſe einer dieſer — 193— Wackern,„und es ſich traf, daß ein Bein abgenommen werden mußte, und ich zwiſchen dem Zimmermann und dem Doctor zu wählen hatte, will ich verd—t ſein, wenn ich nicht die volle Ueberzeugung hatte, der Erſtere brächte die Arbeit beſſer zu Stande, als der Zweite.“ „In alten Zeiten,“ ſagte der Andere,„entſtand, ſobald ein Kaplan an Bord kam, alsbald die Frage, ob die Tiſchgeſellſchaft den Kaplan, oder der Kaplan die Tiſchgeſellſchaft bekehren werde, und die Tiſchgeſellſchaft trug gewöhnlich den Sieg davon.“ In dieſen beiden Anſichten war gewiß wenig Ueber⸗ treibung. Glücklicherweiſe hat ſich aber Alles bedeutend zum Beſſern gewendet, und ein Schiffsarzt muß jetzt ein Mann von Bildung und Erfahrung ſein; ja, man findet unter ihnen nicht ſelten Leute von der ausgezeichnetſten Befähigung, während die Geiſtlichen mehr können als Schach ſpielen, Terrapen*) eſſen, wenn ſie in ſogenannten Terrapenhäfen ſind, und Grog oder reinen Bob Smith**½) trinken. 4 „Man irrt ſehr, Wallace, wenn man ſich dem Glauben hingibt, die höchſte Pflicht eines Mannes gelte ſeinem Schiffe oder ſeinem Vaterlande,“ ſagte der wohlehrwürdige Herr Hollins ruhig.„Unſer Aller erſte Pflicht gilt Gott, und was ſich nicht mit dieſer Pflicht verträgt, muß als eine Uebertretung ſeiner Gebote und folglich als eine Sünde betrachtet werden.“ *) Die ſchmackhafteſte Schildkrötenart. **) In den glorreichen Tagen der amerikaniſchen Flotte, als Robert Smith ſo lange Marineminiſter war, erhielt der Schiffs⸗ Whisky dieſen Namen. 244— 246. 13 — „Ihr überraſcht mich, lieber, wohlehrwürdiger Herr! Ich erinnere mich nicht, daß Ihr mir je vorher mit ſolchen Anſichten in den Wind gekommen wärt; könnte man ſie doch faſt ſo deuten, als dürfte ein Burſche ſeiner Flagge untreu werden.“ „Man kann jede Anſicht mißdeuten. Dennoch gehe ich in dieſer Beziehung nicht ſo weit, als manche meiner Freunde. Wenn Decatur wirklich geſagt hat:„Unſer Vaterland vor allen, ob es recht oder unrecht hat,“ ſo kann man dieß in gewiſſen Fällen und unter den nöthigen Beſchränkungen, welche er gewiß im Sinne hatte, als er dieß ausſprach, als richtig und ehrenhaft gelten laſſen; wenn er es aber als allgemeinen, leitenden Grundſatz hinſtellen wollte, hat er ſich ſehr geirrt. In dieſem letztern Sinne würde es, wie dieß in der alten Zeit wirklich der Fall war, die Götzendienerei rechtfertigen, ja, es iſt an ſich eine Art Götzendienerei, denn es ſtellt das Geſchöpf über den Schöpfer. Die Matroſen ſind nicht immer im Stande, in ſolchen Fällen den richtigen Unterſchied zu treffen, aber die Schanze ſollte dieß thun, mein lieber, wohlun ehrwürdiger Herr.“ Wallace lachte und wendete dann das Geſpräch dem eigentlichen Gegenſtande wieder zu. „Wenn ich Euch recht verſtanden habe, Herr Mul⸗ ford,“ bemerkte er,„ſo beabſichtigt nach Euerm Bedünken die Swaſßh jetzt, den unglücklichen Schoner zum zweiten Mal aus der Tiefe des Meeres heraufzuholen?“ „Von dem Fels zu befreien, auf welchem er liegt. Wie die Dinge ſtehen, würde er nicht hierher gekommen ſein, um Anker und Puttingen zu holen, wenn er dieſe Abſicht nicht die Brigg ve „Und 3 Wrack liegt? „Nichts weiſe über k Nacht, oder? „So w dieſer ganzen finden, und Regierung v ſtellen.“ „Wo ifß geſtern Aben! Erfolg; eben ſchen, von w ihn auf die. zu halten.“ „Das S den von hier. geſtanden hal wieder hierhe⸗ in welcher wi „Welche lebendig fange „Wir w Herr. Bei de und den raſch Erfahrung wi nungslos. Es würdiger Herr! cher mit ſolchen önnte man ſie e ſeiner Flagge Dennoch gehe manche meiner hat:„Unſer recht hat,“ ſo r den nöthigen hatte, als er gelten laſſen; den Grundſatz dieſem letztern lit wirklich der ja, es iſt an das Geſchöpf cht immer im Unterſchied zu mein lieber, Geſpräch dem „ Herr Mul⸗ erm Bedünken zum zweiten 12, hem er liegt. her gekommen henn er dieſe — 1295— Abſicht nicht hätte. Wir wiſſen überdieß, daß er, als wir die Brigg verließen, dieß zu thun vorhatte.“ „Und Ihr könnt uns zu der Stelle führen, wo das Wrack liegt?“ „Nichts leichter als dieß. Seine Maſten ſtehen theil⸗ weiſe über dem Waſſer und wir feſtigten erſt die letzte Nacht, oder vielmehr dieſen Morgen, unſer Boot an ihnen.“ „So weit iſt Alles ganz gut. Euer Benehmen in dieſer ganzen Angelegenheit wird gebührende Würdigung finden, und Capitän Mull wird nicht ermangeln, es der Regierung von dem richtigen Geſichtspunkte aus darzu⸗ ſtellen.“ „Wo iſt das Schiff, Herr? Ich habe mich erſt geſtern Abend eifrig nach ihm umgeſehen, jedoch ohne Erfolg; eben ſo erging es Hans Tier, dem kleinen Bur⸗ ſchen, von welchem ich Euch geſprochen habe, obgleich ich ihn auf die Galerie der Laterne ſchickte, um dort Ausguck zu halten.“ „Das Schiff ſteht nach Nordweſten, etwa ſechs Stun⸗ den von hier. Bei Sonnenuntergang mag es etwas ferner geſtanden haben. Wir nahmen an, die Swaſh würde wieder hierher kommen, und hatten ihr eine Falle gelegt, in welcher wir ſie beinahe lebendig gefangen hätten.“ „Welche Falle meint Ihr, Herr? Stephan Spike lebendig fangen, iſt eher geſagt, als gethan.“ „Wir wollten ihn mittelſt unſerer Boote fangen, Herr. Bei der größern Waſſerträchtigkeit des Poughkeepſte und den raſchen Beinen Eurer Brigg war, wie wir aus Erfahrung wußten, eine Jagd in dieſem Riff faſt hoff⸗ nungslos. Es war daher nöthig, den Kopf anzuſtrengen 13* — 196— und auf eine Kriegsliſt zu ſinnen, um ſich des Mannes zu bemächtigen. Geſtern Abend ließen wir drei Kutter in das Waſſer, bemannten ſie und hielten in ihnen gegen den Paſſatwind ab. Jedes Boot nahm ſeinen eigenen Curs, das eine lief auf das Weſtende des Riffs ab, das andere mehr oſtwärts, während ich in dieſer Richtung kam, um mich in den Dry⸗Tortugas umzuſchauen. Spike kann von Glück ſagen, wenn er nicht auf unſern dritten Kutter ſtößt, den unſer vierter Lieutenant befehligt, wenn er dem Curs folgt, in welchem er von hier abging, wird er ihm kaum entgehen. Er mag jedoch ſein Glück verſuchen. Unſer Boot betreffend, ſo ſah ich die Lampen in der Laterne kaum brennen, als ich hierher eilte und der Brigg in dem Augenblicke, wo ſie ihre Segel löſte, anſichtig wurde. Dann nahm ich meine eigenen Tücher ein, und ließ die Ruder ſpielen. Hätten wir bei dieſer Kühlte unſer Tuch ſliegen laſſen, ſo glaube ich faſt, wir hätten den Schurken eingeholt.“ „Es wäre unmöglich geweſen, Herr. Sobald er Euer Segel anſichtig geworden wäre, hätte er ſich in der ent⸗ gegengeſetzten Richtung davon gemacht, und ſeine Brigg ſcheint wirklich zu fliegen, wenn ſie ſich bedrängt fühlt. Ihr hättet nichts Beſſeres thun können, und habt ihn eben nur verfehlt. Er hat nicht das Geringſte von Euch geſehen, und wird daher um ſo weniger gegen den nächſten Beſuch von Seiten der Schluppe auf ſeiner Hut ſein.“ „Er hat nichts von mir geſehen? Pah, der Burſche feuerte zwei Flintenſchüſſe auf uns ab; warum er keine Kanone losbrannte, iſt mehr, als ich ſagen kann.“ „Verzeiht, Herr Wallace, jene zwei Schüſſe galten mir, ich ſel beantwortet l Sie bec Gruß nicht wenn er es That, er hal zur Hand ha Kaplan hier vergalt. Erk Mulford ſeines Austrit ihn der plötzl ſich hinſichtli ging theils a der Swaſh la deutlich hervo die Steine de Dieſer 8 nun Grund 1 Es war hergerichtet. die lebhafte welche ſich ih das Tiſchtuch ſeine Hilfe a oder zwei der Mannſchaft d oder ſchlief. durch einen d hinab geſchick des Mannes zu drei Kutter in hnen gegen den eigenen Curs, ab, das andere ſtung kam, um Spike kann n dritten Kutter , wenn er dem g, wird er ihm hlück verſuchen. Lampen in der und der Brigg löſte, anſichtig jücher ein, und dieſer Kühlte aſt, wir hätten Sobald er Euer ſich in der ent⸗ nd ſeine Brigg bedrängt fühlt. und habt ihn ingſte von Euch jen den nächſten Hut ſein.“ ih, der Burſche varum er keine kann.“ Schüſſe galten — 197— mir, ich ſehe aber jetzt recht gut ein, warum Ihr ſie beantwortet habt.“ Sie beantwortet? Wer würde auch einen ſolchen Gruß nicht beantworten, und zwar Schuß auf Schuß, wenn er es möglich machen kann? Ich glaubte in der That, er habe auf uns gefeuert, und da ich ein Gewehr zur Hand hatte, ließ ich die Kugel fliegen, und ſelbſt der Kaplan hier wird zugeben, daß ich„Böſes mit Gutem“ vergalt. Erklärt mir jedoch die Sache.“ Mulford erzählte nun die Einzelheiten in Betreff ſeines Austritts aus dem Gebäude und der Lage, in welche ihn der plötzlich erſcheinende Mond verſetzt hatte. Daß er ſich hinſichtlich des Ziels der Kugeln nicht geirrt hatte, ging theils aus den Worten, welche unter der Mannſchaft der Swaſh laut geworden waren, theils aus dem Umſtande deutlich hervor, daß beide Kugeln nicht weit von ihm auf die Steine des Thurms aufgeſchlagen hatten. Dieſer Bericht erklärte Wallace Alles, und er ſah nun Grund und Zuſammenhang aller Vorkommniſſe ein. Es war jetzt eilf Uhr und Roſa hatte das Abendeſſen hergerichtet. Die Herren von dem Poughkeepſie bethätigten die lebhafte Theilnahme an dem Thun der kleinen Hebe, welche ſich ihre Behaglichkeit ſo angelegen ſein ließ. Als das Tiſchtuch ausgebreitet werden ſollte, bot der Kadet ſeine Hilfe an, ſein Oberofficier befahl ihm aber, einen oder zwei der Leute von dem Werft heraufzurufen, wo die Mannſchaft des Kutters nach dem Kreuzzug müßig lungerte oder ſchlief. Man hatte auch an dieſe Leute gedacht, und durch einen der ihrigen ein Gefäß mit dampfender Suppe hinab geſchickt. — — 198— Das Abendeſſen war eben ſo heiter, als es vortrefflich war. Der trockene Humor Wallace's, der geſunde Ver⸗ ſtand Harry's und der lebhafte Geiſt Roſa's machten, jedes in ſeiner beſondern Weiſe, dieſes Mahl in mehr als einem Sinne merkwürdig. Heiteres Gelächter war leicht zur Hand, und es war Mitternacht, ehe man daran dachte, aufzuſtehen. Die Vorrichtungen für die Nacht waren bald getroffen, Roſa kehrte in ihr kleines Gemach zurück, wo ſie ſich nun dem Schlafe behaglich und ohne Angſt überlaſſen konnte. Die Herren richteten ſich ein, wie die Umſtände es erlaubten, jeder fand irgend etwas, auf dem er beſſer ruhte, als auf einer Planke. Die Mannſchaft angehend, ſo war dieſe an ein rauhes Leben gewöhnt und freute ſich aus ganzer Seele des guten Abendmahls und er ruhigen Stunden dieſer Nacht. Es war bereits ſpät, als ſie rings um den Topf mit der Schildkrötenſuppe und der Kanne Grog, welche jener folgte,„ihr Garn abgeſponnen“ und„ihre Witze losgelaſſen“ hatten. Um halb eins lagen ſie jedoch Alle in tiefem Schlafe. Mulford war am kommenden Morgen zuerſt auf. Er verließ das Haus, als die Sonne eben aus dem Meere ſtieg, und da er ſah, daß kein Haifiſch nah oder fern war, warf er ſeine leichte Bekleidung ab und ſprang in die See. Als er, durch dieſes Bad erquickt, in das Gebäude zurückkehren wollte, begegnete ihm der Geiſtliche, welcher ihn aufſuchte. Dieſer Herr, ein Mann von wahrer Frömmigkeit und großer Umſicht, hatte in der verfloſſenen Nacht der Erzäh⸗ lung des jungen Maats mit großer Theilnahme gelauſcht, und die auf waren, und entgangen. Er ſah welches ſich i und ſuchte j herbeizuführer lung zu verr Es bede Worte nöthig ſich ſeinen A hatte er ihr welche, wie zu erwirken. Eine St Roſa in dem Der wohlehr kleidung nicht und Frömmig und er trug vor, welche war derſelbe, gebraucht wo nicht an der Worte, Har und faſt unbe wie es der Altare der Biſchof unte Einſegnung es vortrefflich geſunde Ver⸗ ſſa's machten, dLahl in mehr Gelächter war he man daran bald getroffen, o ſie ſich nun llaſſen konnte. es erlaubten, uhte, als auf ſo war dieſe h aus ganzer gen Stunden rings um den Kanne Grog, „ und„ihre gen ſie jedoch erſt auf. Er 3 dem Meere der fern war, prang in die das Gebäude iche, welcher nmigkeit und t der Erzäh⸗ ne gelauſcht, — 199— und die auf ihn bezüglichen Hindeutungen, ſo fein ſie auch waren, und ſo zart ſie ſich kund gaben, waren ihm nicht entgangen. Er ſah ſogleich das Paßliche ein, das junge Paar, welches ſich in dieſer ſeltſamen Lage befand, zu verbinden, und ſuchte jetzt Harry auf, um ein ſo erwünſchtes Ziel herbeizuführen, und ſeine Bereitwilligkeit, die heilige Hand⸗ lung zu verrichten, in ſeiner einfachen Weiſe zu bethätigen. Es bedarf kaum der Bemerkung, daß nicht viele Worte nöthig waren, um den jungen Mann zu überreden, ſich ſeinen Anſichten zu fügen, und was Roſa betraf, ſo hatte er ihr einige darauf bezügliche Zeilen überreicht, welche, wie er glaubte, geeignet waren, ihre Beiſtimmung zu erwirken. Eine Stunde ſpäter waren alle Offiziere, Harry und Roſa in dem großen Zimmer des Leuchtthurms verſammelt. Der wohlehrwürdige Herr Hollins hatte zwar ſeine Amts⸗ kleidung nicht, aber er hatte, was weit beſſer war, Gefühl und Frömmigkeit. Das Gebetbuch war ſein ſteter Begleiter, und er trug die Trauungsformel mit einer Feierlichkeit vor, welche ſich allen Anweſenden mittheilte. Der Ring war derſelbe, welcher bei der Trauung der Eltern Roſa's gebraucht worden war, und den ſie gewöhnlich, obgleich nicht an der linken Hand, zu tragen pflegte. Mit einem Worte, Harry und Roſa wurden auf dieſer einſamen und faſt unbekannten Inſel ſo innig und geſetzlich getraut, wie es der Fall geweſen wäre, wenn das Paar vor dem Altare der Dreifaltigkeitskirche ſelbſt geſtanden und ein Biſchof unter den Augen von tauſend Zuſchauern die Einſegnung vollzogen hätte. — Nach den Glückwünſchen, welche der Feierlichkeit folgten, ſetzte man ſich zum Frühſtücke nieder. War das Abendeſſen heiter geweſen, ſo war es das Frühſtück nicht minder. Roſa war ſchüchtern und erröthete, wie es einer jungen Frau ziemt, obgleich es ihr nicht entgehen konnte, wie viel achtbarer ihre Lage unter dem Schutze Harry's als ihres Gatten wurde, als ſie es geweſen, während ſie bloß ſeine Verlobte war. Das zartfühlendſte Benehmen von Seiten der Officiere beſeitigte jedoch ihre Verlegenheit bald, und das Frühſtück endigte eben ſo heiter, als es begonnen hatte. „Das Schiff hält auf den Leuchtthurm ab, Herr!“ berichtete der Quartiermeiſter des Kutters, während die Geſellſchaft noch am Tiſche weilte, als wollte Jedes ein ſo fröhliches Mahl noch verlängert wiſſen.„Seit der Nebel ſich zerſtreut hat, ſehen wir es bis auf die Stück⸗ pforten und Jungfern.“ „In dieſem Falle kann es nicht mehr ſehr fern ſtehen, Sam,“ verſetzte Wallace.„Ja, da läßt es in dieſem Augenblick eine Kanone brummen, als wollte es ſagen: „Was iſt aus allen meinen Booten geworden?“ Eilt hinab, und feuert ein Gewehr ab, vielleicht hört es uns, da wir ziemlich windwärts zu ſtehen ſcheinen.“ Das Signal wurde gegeben und gehört. Eine Viertel⸗ ſtunde ſpäter begann der Poughkeepſie, ſeine Segel zu bergen. Jetzt ſteuerte Wallace ſelbſt den Kutter mitten in einen der Kanäle, und gab dem Schiff ein Signal, heranzutreten. Noch zehn Minuten, und das edle Schiff lief an der noch brennenden Laterne vorbei in das Becken, und während die Marsſegel kaum ſchwollen, wendete es anmuthig, kaum zehn ließ einen 2 Der 2 Daſeins he unſichern Li tritt. Unſer über die u geheimen G zu durchſcha per, die uns dungen und Geſchichte il Thatſachen, delt, gründl natürliche U und uns ſas Dieß g Feierlichkeit r. War das rühſtück nicht wie es einer gehen konnte, hutze Harry's während ſie te Benehmen Verlegenheit iter, als es ab, Herr!“ vährend die te Jedes ein „Seit der f die Stück⸗ fern ſtehen, in dieſem es ſagen: en?“ Eilt ört es uns, ine Viertel⸗ Segel zu tter mitten in Signal, edle Schiff das Becken, wendete es — 201— anmuthig, kam der Stelle ziemlich nahe, wo die Swaſh kaum zehn Stunden vorher gelegen, an den Wind, und ließ einen Anker fallen. Fünftes Kapitel. Die Möve ließ am Strand ſich nieder, Die Sonne ging zur Ruhe wieder, Und Alles ſich in Stille hüllt; Der mächt'ge Ocean nur brüllt. Dort ſteht der Mann, des Glückes baar, Vom Gram gebleicht das lock'ge Haar; Doch ſieh, er wendet ſich zurück— Wen ſucht ſein trauervoller Blick? Dana. Der Aberglaube ſcheint aus einem Zuſtande des Daſeins hervorzugehen, in welchem ſo viel ſich in einem unſichern Lichte zeigt, während ſo wenig beſtimmt hervor⸗ tritt. Unſere in die Ferne reichenden Gedanken ſtreifen über die weiten Gefilde geſchaffener Weſen, ohne den geheimen Grund des Daſeins auch nur eines Grashalms zu durchſchauen. Wir können die Beſtandtheile aller Kör⸗ per, die uns in die Hände fallen, zerlegen, ihre Verbin⸗ dungen und Beſtimmungen angeben, die wiſſenſchaftliche Geſchichte ihrer Bildung, ſofern es ſich von untergeordneten Thatſachen, z. B. ihren Eigenſchaften, ihrem Nutzen han⸗ delt, gründlich darlegen; überall aber gibt es eine geheime, natürliche Urſache, welche aller unſerer Forſchungen ſpottet und uns ſagt, daß wir bloß Menſchen ſind. Dieß gilt von dem ſittlichen Leben in gleichem Grade — 202— wie von dem phyſiſchen, denn keiner der Lebenden iſt im Stande, ohne die beſondere Beihilfe des göttlichen Geiſtes zu dem Glauben zu gelangen, der das Heil ſeiner Seele bedingt, und vertrauensvoll einer Zukunft, welche man uns lehrt, als ewig zu betrachten, einer Verwirklichung deſſen, was wir hoffen, und der Gewißheit deſſen, was unſeren Blicken verborgen iſt, entgegenſteht. Kurz, dieſe unſere irdiſche Prüfung gilt endlichen Weſen im Sinne unſeres jetzigen Daſeins, und läßt uns bei Weitem mehr muth⸗ maßen, als begreifen. Unwiſſenheit und Aberglaube ſind ſtets Hand in Hand gegangen, und der Grad der einen hat immer den Grad des andern bedingt. Der Unwiſſendſte iſt der Leichtgläu⸗ bigſte, während der, welcher viel geſehen hat, aber die Gabe nicht beſitzt, es zu begreifen, vielleicht am Erſten geneigt iſt, das, was ihm ein Geheimniß blieb, dem Ueber⸗ natürlichen und Wunderbaren beizugeſellen. Die Seeleute waren ſeit undenklichen Zeiten mehr als Leute ihrer Klaſſe an dem Land dieſer Schwäche zuge⸗ than, welche ohne Zweifel dadurch geſteigert wird, daß ſie ſtets in der Gegenwart von Gewalten leben, welche ihr Leben und ihre Habe zumal bedrohen, und die ſie in keiner Weiſe zu bewältigen im Stande ſind. Spike war, als Seemann von geringer Bildungs⸗ ſtufe, der Schwäche, auf welche wir eben hingedeutet haben, nicht beſonders verfallen; er war aber auch nicht ganz frei davon, und neuere Begebniſſe trugen dazu bei, ein Gefühl nur noch mehr in ihm zu ſtei⸗ gern, welches, wie die Sünde ſelbſt, in Augenblicken außerordentlicher moraliſcher Ohnmacht und in Folge eines reger zu beſchleich Währe fernte, ſchr das, was f Weiſe erkle das Boot k gen und k zurückzukehr gab unſer Augenblick ſo weit da Nacht nicht ſo ſehr wi Stelle zu zugetragen Was nicht an G habe ſich begeben. 6. einer nackte ausgeſetzt wie er jetz abſichtlich Mannſchaft „einem Bil dort aufgeſt Düſtere Runde, un Leiden derer nden iſt im chen Geiſtes ſeiner Seele he man uns hung deſſen, vas unſeren dieſe unſere nne unſeres mehr muth⸗ nd in Hand r den Grad Leichtgläu⸗ t, aber die am Erſten dem Ueber⸗ hbeiten mehr wäche zuge⸗ rd, daß ſie welche ihr ie in keiner Bildungs⸗ hingedeutet aber auch ſſe trugen m zu ſtei⸗ ugenblicken in Folge — 203— eines regen, böſen Gewiſſens den Menſchen am Erſten zu beſchleichen pflegt. Während die Brigg ſich von dem Leuchtthurm ent⸗ fernte, ſchritt ihr Befehlshaber, ſehr verwirrt durch alles das, was ſich eben begeben hatte, und das er ſich in keiner Weiſe erklären konnte, auf dem Decke hin und her. Da das Boot des Poughkeepſie durch die Inſeln ganz verbor⸗ gen und keinerlei Grund vorhanden war, in das Becken zurückzukehren, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, gab unſer Schleichhändler einem ſolchen Gedanken für den Augenblick auch nicht Raum. Ja, ſeine Wünſche waren ſo weit davon entfernt, daß ihm die Molly in dieſer Nacht nicht halb ſo raſch zu laufen ſchien, als gewöhnlich, ſo ſehr wünſchte er, ſich weiter und weiter von einer Stelle zu entfernen, wo ſich ſolche ſeltſame Begebniſſe zugetragen hatten. Was die Mannſchaft nach vornen betraf, ſo fehlte es nicht an Gründen, ſie in dem Glauben zu beſtärken, es habe ſich eben etwas Uebernatürliches vor ihren Augen begeben. Es war ihnen Allen bekannt, daß Mulford auf einer nackten Klippe, etwa dreißig Meilen von den Inſeln, ausgeſetzt worden, und es war nicht leicht zu begreifen, wie er jetzt auf die Dry-Tortugas gekommen und ſich abſichtlich an den Thurm hingeſtellt habe, um ſich der Mannſchaft der Brigg im hellen Mondſcheine zu zeigen, „einem Bilde gleich, welches für ſeine alten Schiffsgenoſſen dort aufgeſtellt worden, um es anzuſchauen.“ Düſtere Geſichter machten dieſe Nacht bei ihnen die Runde, und man brachte manche Erzählungen von den Leiden derer vor, welche auf öden Inſeln verlaſſen worden,— — 204— Erzählungen, welche alle mehr oder weniger an das Uebernatürliche grenzten. Die Mannſchaft brachte das Verſchwinden des Bootes mit Mulford's Erſcheinung in Zuſammenhang, obgleich ſie ſich bei einigem Nachdenken hätte ſagen müſſen, daß ein Körper, welcher zu ſeiner Weiterförderung der Planken bedurfte, noch nicht ganz in die Geiſterwelt verſetzt werden könne. Der große Hauſe knüpft jedoch die Glieder ſeiner Beweiskette oft ſeltſam an einander, und wenn es ſich von etwas Wunderbarem handelt, ſcheut er gewagte Sprünge ſo wenig, wie der Politiker, unbekümmert um das miß⸗ billigende Schweigen der Mehrzahl, in das Blaue hinein ſchwatzen darf, ſofern er nur im Sinne ſeiner Partei ſpricht. Während die Mannſchaft in dieſer Weiſe ihre Anſichten über das, was ihr außerordentlich erſchien, unter ſich aus⸗ tauſchte, geſellte ſich der Señor Montefalderon zu dem auf⸗ und niederſchreitenden Capitän, und lenkte das Geſpräch auf die Begebniſſe, welche ihre Abfahrt aus dem Hafen der Dry⸗Tortugas begleitet hatten. Don Juan bethätigte in dieſer Unterhaltung ſeine Geiſtesruhe und Selbſtbeherrſchung in bewundernswerther Weiſe, ſo daß nicht der entfernteſte Argwohn aufkommen konnte, als wiſſe er irgend etwas, das dem Andern unbe⸗ kannt wäre. „Ihr habt den Hafen mit der gewöhnlichen Begrüßung verlaſſen,“ begann der Mexikaner in ſeiner leichten, vor⸗ nehmen Weiſe, welche ſich leicht jedem Tone und jeder Gemüthsſtimmung anpaßt,„man grüßte, und erhielt den Gegengruß.“. „Ne dieſer höl wie irgen „Un Echo?“ „Ich Zuweilen Maat nic „Es wir komn über, wo die Jolle während „Gl. Spike, u dringende Kampf zr iſt, wer 1 dem Fuße „Wi ohne Nal nicht im ein, wie „Ka krötenfäng Ja, ja, gelaſſen. gemord „Ich Beſchuldi ger an das brachte das ſcheinung in Nachdenken her zu ſeiner nicht ganz lieder ſeiner mes ſich von gte Sprünge n das miß⸗ Blaue hinein einer Partei öre Anſichten ter ſich aus⸗ on zu dem as Geſpräch dem Hafen ltung ſeine ernswerther aufkommen udern unbe⸗ Begrüßung ichten, vor⸗ und jeder erhielt den — 205— „Nennt Ihr dieß Grüßen, Don Wan? Mir klang dieſer hölliſche Schuß bei Weitem eher wie ein Echo, denn wie irgend etwas anderes.“ „Und woher kam, nach Eurer Anſicht, ein ſolches Echo?“ „Ich wollte, ich könnte dieſe Frage beantworten. Zuweilen wandelt mich der Wunſch an, ich hätte meinen Maat nicht auf der öden Klippe gelaſſen.“ „Es iſt noch Zeit, dieſes letzte Unrecht auszugleichen, wir kommen bis auf wenige Meilen an der Stelle vor⸗ über, wo Señor Henriquez ausgeſetzt worden, ich könnte die Jolle mit zwei Ruderern nehmen und ihn aufſuchen, während Ihr an dem Wrack thätig ſeid.“ „Glaubt Ihr wirklich, er ſei noch dort?“ fragte Spike, und warf ſeinem Gefährten plötzlich einen durch⸗ dringenden Blick zu, während ſein Geiſt einen ſchrecklichen Kampf zwiſchen Haß und Furcht beſtand.„Wenn er dor iſt, wer und was war der, den wir Alle ſo deutlich an dem Fuße des Leuchtthurmes ſahen?“ „Wie hätte er die Klippe verlaſſen ſollen? Er war ohne Nahrung und Waſſer, und der kräftigſte Mann iſt nicht im Stande, ſo weit zu ſchwimmen. Ich ſehe nicht ein, wie er dorthin hätte kommen können.“ „Kann ihn nicht ein Stranddieb, oder ein Schild⸗ krötenfänger gefunden und an Bord genommen haben? Ja, ja, Don Wan, dieſe Hoffnung habe ich ihm noch gelaſſen. Niemand darf ſagen, ich hätte meinen Maat gemordet.“ „Ich habe nicht gehört, daß Jemand eine ſo ſchwere Beſchuldigung gegen Euch hätte laut werden laſſen, Don —— —— —— 2 “ — 206— Eſteban. Wir haben aber, ſeit wir hier ſind, weder Stranddiebe, noch Schildkrötenfänger zu Geſicht bekommen, und das mindert die ſchöne Hoffnung, welche Ihr dem jungen Mann gelaſſen habt.“ „Es iſt nicht nöthig, ſo ins Einzelne zu gehen, Seüor,“ grollte Spike in mürriſchem Tone.„Die Hoff⸗ nung war allerdings gegeben, ſag' ich, wenn man bedenkt, wie viele dieſer Teufel von Stranddieben um das Riff lungern. Laßt dieſe Brigg nun einmal feſt auf einer Klippe aufſitzen, und ſie werden wie die Haifiſche um uns ſchwärmen und die Rachen nach Berglohn aufreißen. Dieß iſt jedoch hier nicht die Frage. Was mich verblüfft, iſt das, was wir vor einer halben Stunde an dem Leucht⸗ thurme geſehen haben, und der Schuß, welcher auf uns abgefeuert ward. Ich weiß, daß die Geſtalt an dem Leuchtthurme nicht geſchoſſen hat, denn ich hatte ſie vom Anfang bis zum Ende im Auge, auch hatte ſie keine Waffe. Ihr ſeid ziemlich lang auf der Inſel geweſen, und müßt wiſſen, ob der Wärter des Leuchtthurm es dort war, oder nicht, Don Wan.“. „Der Wärter des Leuchtthurmes war dort, Don Eſteban, aber er war in ſeinem Grabe.“ „Ja, ja, ich weiß, daß Einer ertrunken iſt, und mit den Uebrigen begraben wurde, vielleicht waren ihrer aber mehrere dort. Ihr habt Niemanden von den Leuten, welche nach Key⸗Weſt gegangen waren, in dem Hauſe, oder deſſen Umgebung geſehen, Don Wan?“ „Niemanden. Wenn Leute in den letzten Tagen die Tortugas verlaſſen haben, um nach Key⸗Weſt zu gehen, ſo find ſie noch nicht zurückgekehrt.“ „So ihnen ger deutlich, w Nähe nur man könne „Ich Eſteban, ur „Ganz unglaublich fort den D ich habe k begeben ha wollen das nach Yucat Häfen, wir zu verſchaff Preis einig „Was wenn wir „Wah Gebt mir ſiebenzig te daß ich in eine halbe „Wür Eſteban?“ „Dief wir woller bevor er thut's ein ſind, weder t bekommen, ſe Ihr dem zu gehen, „Die Hoff⸗ nan bedenkt, n das Riff t auf einer che um uns aufreißen. ch verblüfft, dem Leucht⸗ er auf uns uilt an dem tte ſie vom te ſie keine ſel geweſen, urm es dort dort, Don t, und mit ihrer aber den Leuten, dem Hauſe, Tagen die t zu gehen, — 207— „So denke auch ich. Nein, es kann Niemand von ihnen geweſen ſein. Dann ſah ich auch ſein Geſicht ſo deutlich, wie man etwas im Mondſchein und in ſolcher Nähe nur ſehen kann. Glaubt Ihr wohl, Don Wan, man könne Todte auf Erden wandern ſehen?“ „Ich ſelbſt habe nie etwas dieſer Art geſehen, Don Eſteban, und weiß folglich nichts davon zu ſagen.“ „Ganz, wie ich denke. Wahrlich, es iſt faſt ganz unglaublich! Es mag eine Warnung ſein, daß wir hin⸗ fort den Dry⸗Tortugas fern bleiben, und ich muß ſagen, ich habe kaum den Muth, nach Allem, was ſich dort begeben hat, wieder in das Becken zurückzukehren. Wir wollen das Wrack aufſuchen, die Dublonen ſiſchen und nach Yucatan ſteuern. Sind wir einmal in einem Eurer Häfen, wird die Molly, wie ich nicht zweifle, ſich Geltung zu verſchaffen wiſſen, und wir werden uns bald über den Preis einigen.“ „Was würde uns die Brigg nützen, Don Eſteban, wenn wir ſie ſegelfertig hätten?“ „Wahrlich, eine ſehr ſeltſame Frage in Kriegszeiten. Gebt mir ein Schiff, wie die Molly, und ſechszig bis ſiebenzig tüchtige Matroſen, und ich bürg e Euch dafür, daß ich in einem Kriege, wie dieſer, in zwölf Monaten eine halbe Million mit ihr verdiene.“ „Würdet Ihr den Befehl über ſie übernehmen, Don Eſteban?“ „Dieß wäre eine kitzliche Sache, Don Wan. Aber wir wollen ſehen. Niemand weiß, was er thun wird, bevor er es verſucht hat. Thut's ein Pfennig nicht, ſo thut's ein Dollar. Man weiß das nicht. Ha, ha, ha, — 208— Don Wan, wir leben in einer ſeltſamen Welt,— ja, in einer ganz ſeltſamen Welt.“ „Wir leben in einer ſeltſamen Zeit, Don Eſteban, wie die Lage meines armen Vaterlandes es beweiſt. Wir wollen dieſe Sache jedoch ein wenig vertraulicher beſprechen.“ Und ſo beſprachen ſie den Gegenſtand. Es war ein eigener Anblick, einen Ehrenmann, welchen die uneigen⸗ nützigſte Liebe zu ſeinem Vaterlande belebte und ſpornte, einen Verräther hinſichtlich der Bedingungen ausforſchen zu ſehen, unter welchen er zu bewegen wäre, denen, wel⸗ chen er Anhänglichkeit und Treue ſchuldig war, allen möglichen Schaden zuzufügen. Leider ſind aber ſolche Vorkommniſſe nicht ſelten, denn unſere Sonderzwecke machen uns zu häufig gegen Pflichten blind, welche das ſittliche Gefühl uns auferlegt, als daß wir nicht ſelbſt das, was wir für gut halten, durch zweideutige Mittel zum Ziele zu führen ſtrebten. Senor Montefalderon hatte aber vor Allem das Ziel im Auge, ſich Mexiko nützlich zu erweiſen, und dieſem Beſtreben geſellten ſich, vielleicht ein wenig zu ſtark, die Wünſche eines Mannes bei, welcher nahe der Sonne gebo⸗ ren war, wirkliches oder geglaubtes Unrecht zu rächen. Während Spike und der Mexikaner auf dem Deck auf und nieder gingen und die Unterhaltung fortſpannen, fand in der Kambüſe, zwanzig Schritte von ihnen, ein eben ſo charakteriſtiſches Geſpräch zwiſchen Simon, dem Koch, und Joſh, dem Proviantmeiſter, ſtatt. Da ſie über Geheimniſſe verhandelten, hatten ſie die Thüre zugemacht, obgleich kaum Jemand Luſt haben mochte, ſich und Schmer dahin rief. „Was Simon, deff ſeiner Raſſe heraus, die ſonſt bei den Maat war wahr ſein; ſein können? „Das „darum ich Simon, was Niemand kön ganz nicht: wollen, das ein Haar de zeigen, der ſ meine Worte Tier komme dieſe Nacht ſich gehen, n Hier kic Herzensluſt, zum erſten zu ſehen be ſich Luft, tr weder der K das Geſpräc 244— 246 Welt,— ja, Don Eſteban, es beweiſt. vertraulicher Es war ein die uneigen⸗ und ſpornte, n ausforſchen denen, wel⸗ war, allen aber ſolche Sonderzwecke d, welche das r nicht ſelbſt eutige Mittel llem das Ziel „ und dieſem zu ſtark, die Sonne gebo⸗ zu rächen. dem Deck auf pannen, fand , ein eben ſo em Koch, und hatten ſie die Luſt haben — 209— mochte, ſich in ihr enges Bereich von Dunſt, Rauch und Schmer zu wagen, wenn ihn nicht der Hunger dahin rief. „Was Ihr von dieſer Sache denken, Joſh?“ fragte Simon, deſſen Gehirn von der wohlbekannten Dichtheit ſeiner Raſſe war und die innern Gedanken nicht ſo leicht heraus, die äußern nicht ſo leicht hinein ließ, wie dieß ſonſt bei den meiſten Menſchen der Fall iſt.„Unſer junger Maat war an den Leuchtthurm, ohne Aller Fragen das wahr ſein; wie er aber dann auch auf den Felſen dort ſein können?“ „Das nicht möglich, Simon,“ antwortete Joſh, „darum ich ſagen, es nicht wahr. Ihr doch wohl wiſſen, Simon, was nicht möglich, auch nicht wahr ſein, he? Niemand können zugleich dort ſein und auch da ſein. Das ganz nicht möglich, Simon. Was ich Euch aber ſagen wollen, das ſogleich alle Schwierigkeiten erklären und auf ein Haar den größern Verſtand des farbigen Mannes zeigen, der ſein Vorzug vor dem Weißen. Nun, Ihr auf meine Worte acht geben, Koch, und ſie bewundern. Hans Tier kommen zurück mit dem mexikaniſchen Gintelman dieſe Nacht in meine Ankerwache. Ihr ſehen, Alles vor ſich gehen, wenn Nigger auf Wache.“ Hier kicherten die zwei dunkelhäutigen Burſche nach Herzensluſt, wie wohl Knaben zu lachen pflegen, wenn ſie zum erſten Mal den Hanswurſt in einem Puppenſpiele zu ſehen bekommen. Die Heiterkeit eines Negers macht ſich Luft, trotz Geiſtern und ähnlichen Schreckniſſen, und weder der Koch noch der Proviantmeiſter dachten daran, das Geſpräch fortzuſetzen, bis ſie ſich tüchtig ausgelacht 244— 246. 14 hatten. Dann ließ der Koch ſeinen Bemerkungen freien Lauf. „Wie Hans Tier's Zurückkommen die Schwierigkeiten erklären, Joſh?“ fragte Simon. „Ihr doch wiſſen, daß Hans Tier die Ankerwache halten, und er mit Miß Roſa fortgehen in dem Boot, das verloren?“ Hier ſchlugen die Neger wieder ein herzliches Gelächter auf, denn ſie dachten ſich lebhaft, wie Capitän und Mann⸗ ſchaft wegen des Bootes irre geleitet worden. Biddy hatte Joſh im Vertrauen mitgetheilt, auf welche Art die Geſellſchaft an Bord der Brigg zurück⸗ kehrte, während er und Simon eingeſchlafen waren, und Joſh verfehlte nicht, ſeinen Freund Simon ſogleich in dieſes Geheimniß einzuweihen. Für dieſe beiden Weſen, welche von Allen an Bord ſo verſchieden und von einer Einfalt und Beſchränktheit waren, die ſie kaum mit dem Geiſtesvermögen des niedrig⸗ ſten Weißen auf gleiche Stufe ſtellte, hatten alle dieſe Umſtände eine Art geheimnißvollen Zuſammenhangs, aus welchem für ihren Scharfblick wenigſtens ſo viel hervor⸗ leuchtete, daß es eine Albernheit des Capitäns ſei, anzu⸗ nehmen, ein Boot ſei abtriftig geworden, während es doch von menſchlichen Händen weggenommen worden war. Sie lachten ſich alſo abermals aus, und als ſie damit zu Ende waren, kamen ſie mit geſteigerter Theilnahme auf ihren Gegenſtand zurück. „Nun, wie alles das die Schwierigkeit erklären, Joſh?“ wiederholte Simon. „Auf dieſe Art, ſo, Koch,“ erwiederte der Proviant⸗ meiſter mi hängen do wiſſen, de geholt wo Boot, un dann Han ganzen S Joſh ſage Augen auf „Das „Ja, das geſagt Hier daß Spike öffnen, ſe ſtecken und „Wa um ſo erb erreicht h lachen.„ zu ſein?“ Das verpönten Manhatte Ausſchwei berüchtigt nichts me Grundſätz meine V. geſchieht. kungen freien ſchwierigkeiten le Ankerwache in dem Boot, ſches Gelächter in und Mann⸗ tgetheilt, auf Brigg zurück⸗ n waren, und on ſogleich in Allen an Bord Beſchränktheit en des niedrig⸗ tten alle dieſe nenhangs, aus o viel hervor⸗ ins ſei, anzu⸗ ährend es doch den war. d als ſie damit theilnahme auf gkeit erklären, der Proviant⸗ — 211— meiſter mit ziemlicher Würde in Ton und Miene.„Alles hängen davon ab, daß man es verſtehen,— Ihr das wiſſen, denk' ich. Wenn Herr Mulford von dem Felſen geholt worden durch Miß Roſa und Hans Tier mit der Boot, und dann ſie kommen hierher miteinander, und dann Hans Tier gehen an Bord und ſagen Biddy die ganzen Sach, und dann Biddy ſagen Joſh, und dann Joſh ſagen dem Koch, warum Ihr dann ſtaunen und Augen aufreißen, Ihr ſchwarzen Teufel, he?“ „Das Alles?“ rief Simon. „Ja, das Alles, das der ganze Sach,— ich nicht das geſagt haben?“ Hier brach Simon in ein ſo lautes Gelächter aus, daß Spike ſich veranlaßt ſah, die Thüre der Kambüſe zu öffnen, ſein zürnendes Geſicht in die ſchwarze Höhle zu ſtecken und zu fragen, was es gebe. 4 „Was bedeutet dieſer Lärm?“ fragte der Capitän um ſo erboßter, als er fühlte, daß die Dinge einen Punkt erreicht hätten, welcher ihm ſelbſt nicht erlaubte, zu lachen.„Glaubt Ihr auf dem Hook oder den Five Points zu ſein?“ Das Hook und die Five Points find zwei Stellen verpönten Gebietes innerhalb des Bezirks der guten Stadt Manhattan, welche allmählich wegen der Schurkereien und Ausſchweifungen aller Art, die dort gang und gebe, berüchtigt worden. Um klaſſiſch zu werden, fehlt ohne Zweifel nichts mehr, als daß der Statthalter die dort geltenden Grundſätze öffentlich in ſeinen Schutz nimmt und allge⸗ meine Verzeihung für alles das ausſpricht, was dort geſchieht. Etwas dieſer Art wird auch nicht ausbleiben, 14* — 212— wenn die Politik die Moral in ſolcher Weiſe in das Schlepptau nimmt, und wenn wir in der eingeſchlagenen Richtung weiter gehen. Die tugendhaften Bürger dieſer beiden Schmachorte haben ja Stimmen zu geben, ſo gut wie die tugendhaften Bürger der gewerbfleißigen Straßen, und keine Moral wägt eine gehörige Anzahl Stimmen auf. „Glaubt Ihr auf dem Hook oder den Five Points zu ſein?“ fragte Spike ſcharf. „Gott, nein, Herr!“ antwortete Simon und konnte vor Lachen kaum ſprechen.„Wir nur ein wenig über den Geiſt lachen, das Alles, Herr.“ „Ueber den Geiſt lachen? Was iſt da zu lachen? Nimm Dich in Acht, ſchwarzer Schurke, daß er Dich nicht hier in Deiner Kambüſe beſucht, wenn Du ihn am Wenig⸗ ſten zu ſehen wünſcheſt.“ „Mir nicht viel an ihm liegen, Herr,“ antwortete Simon und lachte ſo herzhaft wie je.„Vor ſo Geiſt ſich kein kleiner Kind fürchten.“ „So ein Geiſt? Und was weißt Du von dieſem Geiſte mehr als die Anderen?“ „Nun, ich ihn geſehen habe, Capitän Spike, und was man geſehen haben, man auch kennen.“ „Du haſt ein Bild geſehen, das Herrn Mulford, meinem frühern Maat, ſo ähnlich ſah, wie ein Pöller dieſer Brigg dem andern gleicht.“ „Ja, Herr, er ſehr ähnlich, müſſen ſagen, ſo ähnlich, kein Unterſchied zu ſehen.“ Als Simon dieſe Worte heraus gebracht hatte, ſchlug er wieder ein lautes Gelächter auf, und Joſh ſtimmte ihm aus Leibeskräften bei. Der Leſer darf aber nicht glauben, das Geläckh oder greller und die H allerdings lichkeit erſe die Wonn welche aus Ein 6 mit irgend frommen k ferneren N entrückt, Schwarzen Gegenſtand unterbroche Der nicht zu g Spazierga Soba „Ca) rief Simo „Joſ ſehen, er „Ein- Bl ſein.“ Sim und glän iſe in das geſchlagenen ürger dieſer en, ſo gut in Straßen, timmen auf. e Points zu und konnte wenig über zu lachen? Dich nicht am Wenig⸗ antwortete fr ſo Geiſt on dieſem Spike, und n Mulford, ein Pöller ſo ähnlich, jatte, ſchlug ſtimmte ihm cht glauben, das Gelächter dieſer Schwarzen ſei ein ſehr lärmendes oder grelles geweſen. Wenn ſich die Gelegenheit darbot, und die Heiterkeit plötzlich über ſie kam, konnten ſie allerdings den Himmel durch ihre Ausbrüche der Fröh⸗ lichkeit erſchüttern; in einer Zeit, wie dieſe aber ließen ſie die Wonne ihrer Seele nur durch Töne laut werden, welche aus der Tiefe ihrer Bruſt kamen. Ein Strahl des Argwohns, als ſeien dieſe Schwarzen mit irgend einer Thatfache bekannt, welche ihm zu wiſſen frommen könnte, blitzte durch Spike's Kopf; er wurde aber ferneren Nachfragen durch eine Bemerkung des Mexikaners entrückt, welcher ihm bedeutete, die Heiterkeit ſolcher Schwarzen bedeute nie viel, und er wünſche, den wichtigen Gegenſtand, welcher ſie eben beſchäftige, dadurch nicht unterbrochen zu wiſſen. Der Capitän mahnte die Schwarzen, ihre Fröhlichkeit nicht zu geräuſchvoll werden zu laſſen, und begann ſeinen Spaziergang auf dem Deck fortzuſetzen. Sobald die Schwarzen wieder allein waren, brachen ſie von Neuem in Lachen aus, dießmal aber ſo behut⸗ ſam, daß man ſie außerhalb der Kambüſe nicht hören konnte. „Capitän Spike glauben, das ein Geiſt geweſen!“ rief Simon verächtlich aus. „Joſh glauben, wenn er einmal wirklichen Geiſt ſehen, er den Unterſchied begreifen,“ verſetzte Joſh. „Ein Blick auf wirklichen Geiſt zwei auf dieſen werth ſein.“ Simon's Augen gingen jetzt auf die zwei Bratpfannen und glänzten in dem Licht der Kambüſelampe wie zwei — — — 4 1 ſchwarze Kugeln, in welchen Neugier und Angſt ſich den Sieg ſtreitig zu machen ſchienen, auf ſeinen Freund. „Ihr ihn jemals geſehen, Joſh?“ fragte er und blickte raſch über ſeine beiden Schultern, um ſich zu verge⸗ wiſſern, daß er„ihn“ auch nicht ſähe. „Wie Ihr glauben können, ich ſo lange durch das Leben gewandert und ein ſolch Ding niemals geſehen? Ich haben zu Gibralter drei von der Mannſchaft der „Marion Sheffington,“ die Schiffbruch litten und in ihrem Boote ertranken, ſo deutlich geſehen, wie ich Euch ſehen jetzt. Dann—“ Doch, es iſt unnöthig, die manchfachen Erfahrungen des Negers in dem Gebiete der Geiſterwelt, mit welchen er Simon noch eine halbe Stunde unterhielt und ſchreckte, zu wiederholen. Darin liegt eben der Unterſchied zwiſchen Unwiſſenheit und Wiſſen. Während Spike ſelbſt und alle Matroſen in der Brigg ſehr geneigt waren, die Erſcheinung an der Mauer des Leuchtthurms für eine geſpenſtiſche zu halten, lachten die beiden Neger ſie über ihre Verblendung aus, weil ſie zufällig mit dem Geheimniſſe der Flucht Mulford's und ſeines jetzigen Aufenthalts auf den Tor⸗ tugas bekannt waren. Ohne dieſen Umſtand würden ihre abergläubiſchen Gefühle ſie in demſelben Grade wie die Anderen bewältigt haben, ja, noch weit mehr, da ihre früheren Sitten und Gewohnheiten ſie zu größerer Leicht⸗ gläubigkeit ſtimmten. Die Mitternachtsſtunde war gekommen, ehe die Mann⸗ ſchaft der Swaſh die Ruhe aufſuchen mochte. Der Capitän mußte ſie daran erinnern, daß ein äußerſt mühevoller Tag ihrer harre, bevor er einen von dem Deck wegbringen konnte, und Erlebniſſe a lebhaft beſpr Die M alle dieſe V. Unglück ber Leute an B ihr hingen, einen Hafen geworden. zuletzt ihre dem Schiffe Spike ſelbſ wie er, ſei und die 2 Backen and entgegen h Laterne de da ſie die ſank ſie ar ſie ganz it Mit dem Deck, ſeit jenem waren. die Arme als ſei n treffen m bedenklich Spi gſt ſich den eund. gte er und h zu verge⸗ durch das 3 geſehen? aſchaft der n und in e ich Euch rfahrungen nit welchen d ſchreckte, d zwiſchen t und alle rſcheinung nſtiſche zu erblendung der Flucht den Tor⸗ ürden ihre e wie die „da ihre rer Leicht⸗ die Mann⸗ r Capitän oller Tag degbringen waren, wurden die konnte, und als ſie endlich unten ls„übergeholt“ und Erlebniſſe auf den Inſeln aberma lebhaft beſprochen. Die Mannſchaft ſchien ſich der Anſicht zuzuneigen, alle dieſe Vorkommniſſe deuteten an, daß der Swaſh ein Unglück bevorſtehe, und ſo lange die Mehrzahl dieſer Leute an Bord der Brigg gedient hatte, ſo ſehr ſie an ihr hingen, ſo wären doch faſt Alle, hätten ſie dieſe Nacht einen Hafen erreicht, aus ihr verſchwunden, ehe es Tag geworden. Allein Ermüdung und Abſpannung äußerten zuletzt ihre gewöhnliche Wirkung, und es ward ſtill in dem Schiffe, wie es ſonſt zu dieſer Stunde zu ſein pflegte. Spike ſelbſt warf ſich in ſeinen Kleidern auf das Lager, wie er, ſeit Mulford ihn verlaſſen, ſtets zu thun pflegte, und die Brigg fuhr fort, gegen die Sprühe vor ihren Backen anzukämpfen, während ſie dem Paſſatwinde wacker entgegen hielt und ſich nach windwärts fortarbeitete. Die Laterne des Leuchtthurmes kam der Swaſh ſehr zu ſtatten, da ſte die Stellung des Riffes andeutete, allmählich aber ſank ſie am weſtlichen Horizonte, und gegen Morgen trat ſie ganz in die Wellen. Mit dem grauenden Tage erſchien Spike wieder auf dem Deck, und jetzt wurde er zum erſten Male Hans Tier's ſeit jenem Morgen anſichtig, wo Harry und Roſa geflohen waren. Der kleine, kloßartige Burſche ſtand in der Kuhl, die Arme nach Matroſenart übergeſchlagen und ſo ruhig, als ſei nicht das Geringſte vorgefallen, das ſein Zuſammen⸗ treffen mit dem Capitän in irgend einer Weiſe hätte bedenklich machen können. Spike trat dem Proviantmeiſters⸗Maat näher und ————„ —— — 216— betrachtete ihn mit einer wegwerfenden Ueberlegenheit von Kopf bis zu den Füßen, ehe er ihn anredete. „So, Meiſter Tier,“ begann er endlich,„es beliebt Euch demnach, wieder auf dem Deck zu erſcheinen? Ich hoffe, Ihr ſtrengt Euch heute an, um den Verluſt des Leuchtthurmbootes, welchen man Euch zur Laſt legt, einiger⸗ maßen zu erſetzen!“ „Was liegt an einem großen, plumpen Boote, welches man weder auf die Brigg hiſſen, noch im Schlepptau mit⸗ nehmen konnte?“ verſetzte Hans ruhig, indem er ſich auf den Ferſen umdrehte, ohne es jedoch der Mühe werth zu halten, ſeine Arme zu„löſen,“ ein Beweis von Gleich⸗ giltigkeit, welche wahrſcheinlich dazu beigetragen hätte, den Capitän ſicher zu machen, hätte er wirklich Verdacht geſchöpft, als habe Hans, außer dem Verluſte des Bootes, noch etwas auf dem Gewiſſen.„Wenn Ihr das Boot ſpiegelwärts gehabt hättet, Capitän Spike, würdet Ihr, ſobald die Brigg an den Wind trat, befohlen haben, es abtreiben zu laſſen.“ „Wer weiß, Hans, jenes Boot hätte uns ſehr zu ſtatten fommen können, während wir mit dem Wrack zu thun haben. Ihr ſeid an dem geſtrigen Morgen nicht heraufgekommen, um mir zu ſagen, wo der Schoner läge; Ihr überließt dieß unſerm Witze.“ Ich brauchte Euch nichts von der Sache zu ſagen, Herr, denn die Maſten hoben ſich über das Waſſer empor. Sobald ich hörte, daß dieſe Maſtentops ſichtbar wären, wendete ich mich und ſchlief wieder ein. Man kann nicht zu gleicher Zeit auf der Liſte des Doctors und im Dienſte ſein.“ Spike we zu, erwähnte tes, ſowie de hatte, Lootſen Kanal lief, um Spike he deckt, als er⸗ er gern bis z3 dem er ſo la welche der Se man einmal mand mehr ar an Bord nich Frauen⸗Kajü „Kommt einer ziemlich den kleinen 4 Gedanken in ich will Euch „Catechit rend er dem etwas dieſer „Ja, ko behaglich auf ihm ſtehen bl runde kleine des Schiffes, welchen es e „Eure Seebe ſie auch ſind. legenheit von n„es beliebt heinen? Ich Verluſt des legt, einiger⸗ vote, welches lepptau mit⸗ N er ſich auf ihe werth zu von Gleich⸗ n hätte, den ch Verdacht des Bootes, das Boot vürdet Ihr, hlen haben, ns ſehr zu n Wrack zu orgen nicht oner läge; zu ſagen, ſer empor. ar wären, kann nicht m Dienſte — 217— Spike warf dem kleinen Burſchen einen ſcharfen Blick zu, erwähnte aber ſeiner Fahrläſſigkeit in Betreff des Boo⸗ tes, ſowie des Umſtandes nicht ferner, daß er verſäumt hatte, Lootſendienſt zu leiſten, als die Brigg durch den Kanal lief, um das Wrack aufzuſuchen. Spike hatte nämlich die Maſtentops eben ſelbſt ent⸗ deckt, als er Befehl geben wollte, Hans zu rufen, welchen er gern bis zu dem letzten Augenblicke ſchlafen ließ, nach⸗ dem er ſo lange Wache gehalten,— eine Art Rückſicht, welche der Seemann ſelten aus dem Auge läßt. Nachdem man einmal an dem Wrack beſchäftigt war, dachte Nie⸗ mand mehr an Hans, da er mit den gewöhnlichen Arbeiten an Bord nichts zu thun hatte und auf den Dienſt in der Frauen⸗Kajüte hingewieſen war. „Kommt nach hinten, Hans,“ begann Spike nach einer ziemlich langen Pauſe wieder, während welcher er den kleinen Mann betrachtet hatte, als wollte er ſeine Gedanken in ſeinen Zügen leſen.„Kommt an die Hütte, ich will Euch ein wenig catechifiren.“ „Catechiſiren?“ wiederholte Hans vor ſich hin, wäh⸗ rend er dem Capitän zu dem bezeichneten Orte folgte.„Zu etwas dieſer Art bin ich ſeit langer Zeit nicht gekommen.“ „Ja, kommt hierher,“ ſagte Spike und ſetzte ſich behaglich auf ſeinen Verſchlag, während Hans nahe bei ihm ſtehen blieb, die Arme noch untergeſchlagen, und ſeine runde kleine Geſtalt ſo unbeweglich, wie einer der Böller des Schiffes, das bei dem Anprall der ſchweren Wellen, welchen es entgegen ging, ſich lebhaft hob und ſenkte. „Eure Seebeine ſtehen feſt, wie ich merke, Hans, ſo kurz ſie auch ſind.“ —— —“ „Das iſt auch kein Wunder, Capitän Spike, denn ich habe in den letzten zwanzig Jahren keine zehn Monate an dem Lande zugebracht, und was ich vor jener Zeit that, weiß Niemand beſſer, als Ihr ſelbſt, da wir zehn volle Jahre Schiffsgenoſſen waren.“ „So ſagt Ihr, Hans, obgleich ich mich Eurer nicht ſo gut erinnere, wie Ihr Euch meiner zu erinnern ſcheint. Solltet Ihr mit der Zeit nicht zu verſchwenderiſch umgehen?“ „Ich irre mich nicht um einen Tag, Herr. Zehn gute, glückliche Jahre ſegelten wir miteinander, Capitän Spike, und dieſe ganze Zeit in eben dieſer—“ „Still, ſtill, Menſch, ſtill! Ihr braucht nicht aller Welt zu ſagen, wie alt die Molly iſt. Vielleicht fällt es mir früher oder ſpäter ein, ſie zu verkaufen, und dann wären ihre langen Erfahrungen eben keine Empfehlung. Ihr müßt daran denken, daß die Molly ein Frauenzimmer iſt, und daß die Frauenzimmer nach ihrem fünf und zwan⸗ zigſten Jahre nicht gern von ihrem Alter ſprechen hören.“ Hans gab keine Antwort, ließ aber ſeine Arme ſinken, griff nach ſeiner Tabaksbüchſe und nahm ein neues „Priemchen.“ „Wenn Ihr zu der von Euch erwähnten Zeit mit mir in der Brigg waret, Hans,“ fuhr Spike nach einer aber⸗ maligen, langen, gedankenvollen Pauſe fort,„müßt Ihr Euch einer Menge kleiner Vorfälle erinnern, welche ich nicht ausgeplaudert wiſſen möchte, beſonders ſo lange Miſtreß Budd und ihre ſchöne Nichte hier an Bord ſind.“ „Ich verſtehe Euch, Capitän Spike. Die Damen erfahren von mir nicht mehr, als ſie bereits wiſſen.“ „Ich danke ganzem Herzen. zuſammenhalten mir haben, ſe ſegelt, Burſche. In dieſem ſagen zu dürfen beſtanden, wied überdieß in ein kommen beganr er das Geheim zog er es vor, „Es iſt n weiß, und die zum Sprechen Neuigkeiten, w „Ich habe Oheim Sam’s dort, um zu ſolchen Orten geſchwätz.“ „Ja, ja, denkt kein Me iſt eine Dublo Zeiten willen. mit den Frau des Maats *) Die Schif Spike, denn zehn Monate or jener Zeit da wir zehn Eurer nicht r zu erinnern erſchwenderiſch Herr. Zehn nder, Capitän - hht nicht aller lleicht fällt es n, und dann Empfehlung. Frauenzimmer ünf und zwan⸗ rechen hören.“ e Arme ſinken, m ein neues Zeit mit mir ach einer aber⸗ t,„müßt Ihr en, welche ich ſers ſo lange n Bord ſind.“ Die Damen wiſſen.“ „Ich danke Euch dafür, Hans, ich danke Euch von ganzem Herzen. Schiffsgenoſſen unſerer Art müſſen treu zuſammenhalten, und Ihr werdet ſtets einen Freund an mir haben, ſofern Ihr nur unter der rechten Flagge ſegelt, Burſche.“ In dieſem Augenblicke wünſchte Hans, dem Capitän ſagen zu dürfen, wie eifrig er noch in dieſer Nacht darauf beſtanden, wieder in das Schiff zu kommen, und dieß zwar überdieß in einer Zeit, wo die Brigg um ihren Ruf zu kommen begann, dieß war jedoch nicht möglich, ohne daß er das Geheimniß der Liebenden verrathen hätte, und ſo zog er es vor, zu ſchweigen. „Es iſt nicht nöthig, Alles auszuplaudern, was man weiß, und die Kambüſe*) iſt ein Ort, welcher ſich nicht zum Sprechen eiguet. Kambüſen⸗Neuigkeiten ſind ſchlechte Neuigkeiten, wie Ihr wohl wißt, Hans.“ 6 „Ich habe dieß an Bord der Kriegsſchiffe gehört. Auf Oheim Sam's Schiffen verſammeln ſich die Offiziere gern dort, um zu plaudern und zu rauchen, und was man an ſolchen Orten hört, iſt nicht beſſer, denk' ich, als Zeitungs⸗ geſchwätz.“ „Ja, ja, ſo iſt's auch, und eine halbe Stunde nachher denkt kein Menſch mehr an das, was er gehört hat. Hier iſt eine Dublone für Euch, Hans, Alles nur um der alten Zeiten willen. Nun ſagt mir, kleiner Mann, wie ſteht es mit den Frauen? Hat Miß Roſa ihren Kummer wegen des Maats noch nicht vergeſſen? Werden wir nicht *) Die Schiffsküche ſelbſt, und der Verſchlag über derſelben. Der Ueberſetzer. —-O——— —— —I — 220— bald wieder das Vergnügen haben, ſie auf dem Dech zu ſehen?“ „Ich kann für die Launen und Einfälle junger Frauen⸗ zimmer nicht einſtehen, Capitän Spike. Es iſt ſchwer, ſie zu verſtehen, und ich miſche mich nicht gern in Dinge, welche ich nicht verſtehe.“ 4 „Pah, pah, Mann, damit kommt Ihr nicht weit. Ihr könntet mir in einer ſehr zarten Angelegenheit behilflich werden, Hans, denn Ihr wißt, wie es mit Frauen iſt. Man muß ſie behandeln, wie man ein Schiff unter Bran⸗ dungen behandelt, beſonders Roſa iſt ſcheu wie ein Füllen.“ „Stephan Spike,“ ſagte Tier feierlich, aber in ſo leiſem Tone, daß ſeine gewöhnlich rauhe, gebrochene Stimme ſanft, wenn auch nicht gerade lieblich klang,„denkt Ihr nie an die Zukunft? Eure Tage ſind faſt abgelaufen; noch einige Jahre,— in Betracht Eures Berufes noch wenige Wochen, oder wenige Stunden, und Eure Zeit iſt aus und die Ewigkeit beginnt,— denkt Ihr nie an die Zukunft?“ Spike ſprang auf und blickte Hans durchdringend an, dann wiſchte er ſich den Schweiß von der Stirne, und begann auf dem Deck raſch auf und nieder zu gehen, indem er vor ſich hin murmelte: „Dieß war eine höchſt verwünſchte Nacht! Erſt der Maat, und jetzt das! Ich will verd—t ſein, wenn ich nicht eine Stimme aus dem Grabe zu hören glaubte! Gräber! können ſie die nicht feſthalten, welche ſie um⸗ ſchließen, oder haben Felſen und Wellen keine Gräber?“ Was dem Capitän ferner durch den Kopf flog, muß ein Geheimniß bleiben, da er es für ſich behielt, auch beachtete er den kleinen Mann nicht weiter. Hans, der ſich unbemerkt wieder auf, we Es began in die Nähe de und die Brige Befehlshaber e in das Waſſer die Brigg hie gab an dieſem hinreichend gla Dieß war Spike befahl ließ die Arbeit Er hatte um den Schor Lage zu ſeiner Schiff hatte daß ſeine Bac Spiegel der O war, als da ſchon an den hinten ſtand Fockmaſt ganz ſehen ließ. 2 den Plan, wie Niemand Schwimmen Montefalderon der Dublonen dieß könnte in auf dem Dech junger Frauen⸗ s iſt ſchwer, ſie gern in Dinge, nicht weit. Ihr enheit behilflich mit Frauen iſt. iff unter Bran⸗ vie ein Füllen.“ ch, aber in ſo rochene Stimme ig,„denkt Ihr bgelaufen; noch es noch wenige heit iſt aus und die Zukunft?“ rchdringend an, r Stirne, und u gehen, indem acht! Erſt der ein, wenn ich ören glaubte! velche ſie um⸗ ine Gräber?“ opf flog, muß behielt, auch r. Hans, der — 221— ſich unbemerkt ſah, ging ruhig hinab und ſuchte ſeine Back wieder auf, welche er nur für kurze Zeit verlaſſen hatte. Es begann aber hell zu werden, als die Swaſh wieder in die Nähe des Wracks kam. Die Segel wurden geborgen und die Brigg lief an, bis ſie ſo nahe war, als ihr Befehlshaber es wünſchte, wo man beiwendete, die Jolle in das Waſſer ließ, ein Tau an den Fockmaſt ſchickte, und die Brigg hier entlang brachte. Die Richtung des Riffs gab an dieſem Punkte eine Lee ab, und das Schiff lag in hinreichend glattem Waſſer. Dieß war bald nach Sonnenaufgang abgethan, und Spike befahl nun, die ganze Mannſchaft heranzurufen, und ließ die Arbeit ernſtlich beginnen. Er hatte während ſeiner frühern Anweſenheit rings um den Schoner ſorgfältig lothen laſſen, und ſich ſeiner Lage zu ſeiner völligen Zufriedenheit vergewiſſert. Dieſes Schiff hatte ſich auf eine Felſenplatte der Art aufgelegt, daß ſeine Backen in einer Art Wiege lagen, während ſein Spiegel der Oberfläche des Waſſers um mehrere Fuß näher war, als das entgegengeſetzte Ende. Man konnte dieß ſchon an den Maſten ſelbſt ſehen, denn der niedrigere hinten ſtand mehrere Fuß aus dem Waſſer, während der Fockmaſt ganz in dem Waſſer war und nur die Vorſtenge ſehen ließ. Auf dieſe wichtige Thatſache gründete Spike den Plan, wie er ſeine Aufgabe löſen wollte. Niemand dachte daran, den Schoner wieder zum Schwimmen bringen zu wollen. Spike und der Seüor Montefalderon hatte keinen andern Zweck vor Augen, als der Dublonen wieder habhaft zu werden, und Jener glaubte, dieß könnte in folgender Weiſe bewerkſtelligt werden. — 222— Er wußte, daß das Wrack, ſofern es ſich von ſeiner Wucht handelte, viel leichter zu handhaben wäre, ſo lange der Rumpf unter dem Waſſer bliebe. Er wußte auch, daß das eine Ende mit vergleichsweiſe unbedeutender Anſtren⸗ gung gehoben werden könne, ſo lange das andere auf den Fels ruhte. Unter dieſen Umſtänden ſchlug er daher bloß vor, um den hintern Theil des Schoners und dem Hinter⸗ ſteven ſo nahe, als dieß ohne Gefahr geſchehen konnte, eime Kette laufen zu laſſen, und ſo dieſes Ende des Schiffes an die Oberfläche zu bringen, während die größte Wucht des Schoners auf den Backen ruhte. Der Unterſchith zwiſchen der Kraft, welche nöthig war, um dieß zu vol⸗ bringen, und der, welche das Heben des ganzen Schiffes erforderte, war wie der Unterſchied zwiſchen der Kraft, mit welcher man einen Klotz, der mit dem einen Ende auf dem Boden ruht, aufhebt, und der, welche nöthig iſt, wenn man denſelben Klotz frei mit den Armen aufheben will. War der Spiegel einmal über dem Waſſer, konnte man leicht zu den Dublonen gelangen, welche Hans Tier in einen Kaſten über dem Heckbalken gelegt hatte. Vor Allem mußte die Brigg gehörig ſicher gelegt wer⸗ den, damit ſie die erforderliche Spannung aushalten konnte, Dieß geſchah ziemlich in gleicher Weiſe, wie wir es in unſerm Berichte von der Art, wie ſie gefeſtigt und geſtützt wurde, um den Schoner in dem Becken der Dry⸗Tortugas zu heben, ausführlich dargelegt haben. Ein Anker wurde dwars ab und windwärts in das Waſſer gelaſſen, und die Takeln wie früher an die Maſten gebracht. Dann wurden die Bugten der Kette, welche man von den Tortu⸗ gas geholt hatte, unter den Kiel des Schoners gebracht, und Gegent großen Maſt Alle die ſah nach ſei Höhe, ließ j Molly in die Mannſchaft gehen ließ. überſchritten. Währen ſeinem Wra nicht müßig hatte, begal Bericht ab. welchem er Offiziers be⸗ zu eigen ger daß man gl Schritte eit theuerere I⸗ Es dar Kriegsſchlur obgleich die Männlichker ſich allmäh Roſa einige Walla erwähnen, unſere Hel Gaſt mit d 3 ſich von ſeiner wäre, ſo lange wußte auch, daß utender Anſtren⸗ andere auf den g er daher bloß und dem, Hinter⸗ ihen konnte, eine de des Schiffts ie größte Wucht Der Unterſchied m dieß zu voll ganzen Schiffes chen der Kraſt, einen Ende auf nöthig iſt, wenn aufheben will. er, konnte man Hans Tier in atte. cher gelegt wer⸗ ushalten konnte. wie wir es in tigt und geſtützt Dry⸗Tortugas in Anker wurde gelaſſen, und ebracht. Dann von den Tortu⸗ oners gebracht, — 223— und Gegentakeln, welche von dem Fockmaſt und dem großen Maſt der Brigg abliefen, ſtark daran gefeſtigt. Alle dieſe Feſtigungen unterſuchte Spike jetzt ſorgſam, ſah nach ſeinen Kabeln, ſowie nach ſeinen Takeln in der Höhe, ließ jene anziehen und auf dieſe abwenden, um die Molly in die richtige Stellung zu bringen, worauf er die Mannſchaft von der Arbeit abtreten und zum Mittagseſſen gehen ließ. Die Sonne hatte den Scheitelpunkt bereits überſchritten. Während Capitän Spike ſich in dieſer Weiſe mit ſeinem Wrack beſchäftigte, war man auf den Tortugas nicht müßig. Sobald der Poughkeepſte Anker geworfen hatte, begab ſich Wallace an Bord, und ſtattete ſeinen Bericht ab. Capitän Mull ließ dann Mulford rufen, mit welchem er eine lange Beſprechung hielt. Das Haar dieſes Offiziers begann zu bleichen, er hatte ſich alſo Erfahrung zu eigen gemacht. Harry konnte es anfangs nicht entgehen, daß man glaubte, er habe ſich wiſſentlich in geſetzwidrige Schritte eingelaſſen, ſie aber dann fahren laſſen, um theuerere Intereſſen auf einer andern Seite zu fördern. Es dauerte ziemlich lange, ehe der Befehls haber der Kriegsſchluppe von dieſer Anſicht abgebracht werden konnte, obgleich die Offenheit in dem Gehaben des Maats, ſeine Männlichkeit, Einfachheit und das Edle ſeiner Geſinnungen ſich allmählich Geltung verſchaffte. Vielleicht hatte auch Roſa einigen Einfluß auf dieſen Sinneswechſel des Capitäns. Wallace verfehlte nicht, der Sch ildkrötenſuppe zu erwähnen, welche auf der Inſel zu bekommen ſei, und unſere Heldin hatte im Laufe dieſes Morgens manchen Gaſt mit dieſem angenehmen Gerichte zu bewirthen. Hans — 224— Tier hatte bei der Bereitung dieſes Leckerbiſſens eine ſo große Geſchicklichkeit bewährt, daß ſein Ruf ſelbſt die Kajüte erreichte und den Capitän veranlaßte, an das Land zu gehen, um ſich zu überzeugen, in wie weit ſich das Gerücht bei dieſer anziehenden Veranlaſſung als wahr oder lügneriſch bewähre. Die Kundſchaft dehnte ſich in ſo hohem Grade aus, daß Wallace Rückſicht genug hatte, einen der Kajütendiener in den Leuchtthurm zu ſchicken, um Roſa einer Pflicht zu überheben, welche allgemach läſtig werden konnte. Die Beſuche ſtrömten der jungen Frau in einer neuen und nicht ganz angenehmen Weiſe zu, und in Folge der An⸗ ordnungen des„Schiffs⸗Gentleman's“ wurden die Reſte der Schildkröte in das Schiff gebracht, und von den regel⸗ mäßigen Köchen, secundum artem, für den ferneren Bedarf bereitet. Capitän Mull hatte ſeinen Gaumen mit einem Teller dieſer Suppe gekitzelt und ſich in der Unterhaltung mit Roſa eine vergnügte halbe Stunde bereitet, als er Harry zu einer Endberathung über ihre künftigen Schritte heran⸗ rufen ließ. Der Befehlshaber des Poughkeepſie war jetzt gegen ſeinen neuen Bekannten günſtiger geſtimmt, geneigter, ihm Glauben zu ſchenken, und unendlich bereitwilliger, auf ſeinen Rath und ſeine Bemerkungen zu hören, als er es während den früheren Unterredungen geweſen. Wallace war als der„Schiffsgentleman,“ oder weil er nichts zu thun hatte, bei dieſer Beſprechung gegen⸗ wärtig, während der erſte Lieutenant an Bord des Schiffes wie ein Pferd arbeitete, um ſeinem ausgedehnten Berufs⸗ kreiſe mannhaft zu entſprechen. Bei dief Charakter ei Capitän Mull winnen, wen er es auf Se Nachdem vor ihm ſtan beſprach er ſi und ließ ſich von den Anſt bracht, aber belegt hatte, Mulford lungen mit de die Zeit zieml haber bei den waren, zu der „Die Br ſagte er,„z Weack liegt, erwartet, um werden mehrer vor Anker li werden, welch ſtützen. Dann und den Rum kommt. Meht vollbringen, er heute bloß der Lichtung; 244— 246. biſſens eine ſo Ruf ſelbſt die „an das Land weit ſich das ing als wahr m Grade aus, Kajütendiener iner Pflicht zu konnte. Die er neuen und Folge der An⸗ rden die Reſte von den regel⸗ erneren Bedarf einem Teller erhaltung mit als er Harry schritte heran⸗ pſte war jetzt mt, geneigter, itwilliger, auf n, als er es 1,“ oder weil echung gegen⸗ d des Schiffes ynten Berufs⸗ Bei dieſer Berathung traten die Anſichten und der Charakter eines jeden Einzelnen in das wahre Licht. Capitän Mull ließ ſich ſein Vertrauen nur langſam abge⸗ winnen, wenn er es aber Jemanden ſchenkte, ſo ſchenkte er es auf Seemannsweiſe, nämlich mit vollem Herzen. Nachdem er ſich überzeugt hatte, daß ein Ehrenmann vor ihm ſtand, und daß derſelbe der Flagge treu ſei, beſprach er ſich offen mit dem Maat, fragte ihn um Rath und ließ ſich bei der endlichen Beſchlußnahme nicht wenig von den Anſichten leiten, welche Harry beſcheiden vorge⸗ bracht, aber mit tüchtigen Beweiſen und mit Gründen belegt hatte, welche jedem Seemanne einleuchten mußten. Mulford war durch Seüor Montefalderon's Mitthei⸗ lungen mit den Abſichten Spike's bekannt, und konnte alſo die Zeit ziemlich genau berechnen, welche ſein alter Befehls⸗ haber bei den Mitteln, die an Bord der Swaſh zu ſinden waren, zu deren Ausführung brauchen würde. „Die Brigg wird ſich nicht vor Anbruch des Tages,“ ſagte er,„zu der Stelle hingearbeitet haben, wo das Wrack liegt, und Spike hat jedenfalls den hellen Tag erwartet, um ſeine Arbeiten beginnen zu laſſen, auch werden mehrere Stunden vergehen, ehe die Brigg gehörig vor Anker liegt und alle die Vorrichtungen getroffen werden, welche nöthig ſind, um das Schiff gründlich zu ſtützen. Dann wird er die Haken an die Takeln bringen und den Rumpf vielleicht theilweiſe heben, ehe die Nacht kommt. Mehr als dieß kann er an dieſem Tage unmöglich vollbringen, und es würde mich nicht überraſchen, wenn er heute bloß ſeine Vorbereitungen träfe, um morgen mit der Lichtung zu beginnen, weil er mit dieſer Arbeit heute 244— 246. 15 ——— —y nicht weit vorſchreiten kann, beſonders aber, weil er die ganze Nacht die ſchwere Spannung an ſeinen Maſten hätte. Er hat jedenfalls nicht Leute genug, um die Arbeit bis ſpät in die Nacht fortzuſetzen, und Ihr könnt mit der größten Beſtimmtheit darauf rechnen, Capitän Mull, daß Ihr ihn morgen früh bei Sonnenaufgang an dem Wrack, aller Wahrſcheinlichkeit nach vor Anker und an das Wrack gelegt, finden werdet. Wenn Ihr rechtzeitig dort anlangt, wird nichts leichter ſein, als ihn unter Eure Kanonen zu bekommen, und habt Ihr ihn einmal unter den Kanonen, ſo muß die Brigg ſich ergeben. Als Ihr ihn vor wenigen Tagen aus dieſem Hafen jagtet, hättet Ihr ihn gefangen, wenn er zehn Minuten länger im Bereiche dieſer furcht⸗ baren Bomben geblieben wäre.“ „Ihr rathet alſo nicht, alsbald von hier abzuſegeln?“ fragte Mull. „Ihr werdet Zeit genug haben, wenn Ihr dieſen Nachmittag und unter kurzen Segel abfahrt. Zehn Stun⸗ den ſind mehr als hinreichend, um das Schiff durch den großen Kanal an die rechte Stelle zu führen, und es wäre unvorſichtig, zu früh anzukommen, auch glaube ich nicht, daß Ihr gern während der Dunkelheit um das Riff gehen möchtet.“ Capitän Mull ſah das Richtige dieſer Bemerkungen ein, und der Plan des Verfahrens wurde mit Umſicht und Sachkenntniß entworfen. Da Mulford das Schif nothwendig begleiten mußte, um Lootſendienſt zu verrichten, indem kein Anderer an Bord im Stande geweſen wäre, das Wrack aufzufinden, hatte der Befehls haber der Kriegs⸗ ſchluppe die Höflichkeit, dem jungen Paar eine paſſende Räumlichkeit Tafel zu lade an, und man Key⸗Weſt an das Auge gefa war um ihre? ſie nicht zufrie In Folge bis zum Abe zogen ſeine S Theil der Off ſich entzündet die Frauen a Was die Leuch Capitäns Mu ſtigen mußten, welche dorthin fachheit und E und eine ma beſeelte Alle, lungen des zu geſteigert wurd Um fünf an die Seite ſchiffen gewöhr Fallreepstreppe Kajüte, wo ſic nur wohnlich: Die Son nahe, als der ber, weil er die ſeinen Maſten g, um die Arbeit hr könnt mit der pitän Mull, daß an dem Wrack, nd an das Wrack tig dort anlangt, zure Kanonen zu er den Kanonen, ihn vor wenigen hr ihn gefangen, che dieſer furcht⸗ ier abzuſegeln?“ denn Ihr dieſen rt. Zehn Stun⸗ Schiff durch den en, und es wäre glaube ich nicht, das Riff gehen ſer Bemerkungen rde mit Umſicht ford das Schiff nſt zu verrichten, 2 geweſen wäre, aber der Kriegs⸗ ar eine paſſende Räumlichkeit in dem Schiffe anzuweiſen und es an ſeine Tafel zu laden. Harry nahm dieſes Anerbieten dankbar an, und man kam überein, daß der Poughkeepſie ſie zu Key⸗Weſt an das Land ſetzen würde, ſobald das jetzt in das Auge gefaßte Unternehmen ausgeführt worden. Roſa war um ihre Tante ſo beſorgt, daß jede andere Anordnung ſie nicht zufrieden geſtellt hätte. In Folge dieſer Verabredungen blieb der Poughkeepſie bis zum Abend ruhig vor Anker liegen. Mittlerweile zogen ſeine Boote nach allen Richtungen aus, und ein Theil der Offiziere unterſuchte die Inſel, wo das Pulver ſich entzündet hatte, andere die mit dem Zelte, welches für die Frauen aufgeſchlagen worden war und noch ſtand. Was die Leuchtthurminſel betraf, ſo hatte ein Befehl des Capitäns Mull zu zahlreichen Beſuchen, die Roſa belä⸗ ſtigen mußten, vorgebeugt. Die wenigen Offtziere jedoch, welche dorthin kamen, ſchienen von der natürlichen Ein⸗ fachheit und Schönheit der jungen Frau bezaubert zu ſein, und eine mannhafte Theilnahme an ihrer Wohlfahrt beſeelte Alle,— ein Gefühl, welches durch die Mitthei⸗ lungen des zweiten Lieutenants und des Geiſtlichen noch geſteigert wurde. Um fünf Uhr begab ſich Roſa, von Harry begleitet, an die Seite des Schiffes und wurde in der auf Kriegs⸗ ſchiffen gewöhnlichen Weiſe an Bord gehißt, da dieſe keine Fallreepstreppen haben. Man führte ſie ſogleich in ihre Kajüte, wo ſich Alles vorfand, was ein ſo kleines Gemach nur wohnlich und behaglich machen konnte. Die Sonne war dem weſtlichen Horizonte ziemlich nahe, als der Hochbootsmann und ſein Maat die Pfeife 15*† — 228— laut werden ließen, um die Anker zu lichten. Harry eilte zu ſeiner reizenden Gattin, um ihr das Verhalten eines Kriegsſchiffes bei einer ſolchen Gelegenheit zu zeigen. So viel Roſa auch in den letzten Wochen von dem Meere und dem Thun an Bord eines Schiffes geſehen hatte, fand ſie doch, daß ſie noch viel zu lernen habe, und daß ſich ein Kriegsſchiff weſentlich von einem Kauffahrer unterſchied. Der Poughkeepſie war nach ſeinem Baue, der Zahl ſeiner Kanonen und ſeinem Scharter*) nur eine Kriegs⸗ ſchluppe oder Korvette, er hatte aber die Ausdehnung einer altmodiſchen Fregatte, denn er faßte gegen tauſend Tonnen. Die Fregatten, wie ſie vor einem halben Jahr⸗ hundert auf der See gingen, waren ſelbſt nicht immer ſo groß, aber ſie waren anders gebaut, denn ſie hatten ein regelmäßiges Geſchütz⸗ oder„bewaffnetes Deck,“ uber welchem ein zweites hinlief, das auf ſeiner Schanze und ſeinem Vordereaſtel gleichfalls Batterieen von leichterm Geſchütz hatte. Der Poughkeepſie hatte im Gegentheile nur ein„bewaffnetes Deck“ und darauf nur zwanzig Kanonen. Dieſe Kanonen waren aber von ungewöhnlich ſchwerem Kaliber, denn ſie ſchleuderten zwei und dreißig⸗ pfündige Kugeln aus, die Paixrhans oder Columbiaden nicht gerechnet, welche Kugeln von dem doppelten Gewichte ſchoſſen. Die Mannſchaft beſtand, Alles in Allem, aus zwei hundert Seelen, Spieren, Anker und andere Gegen⸗ ſtände waren ganz die einer leichten Fregatte. Eine andere, wichtige Eigenthümlichkeit unterſchied den Poughkeepſie von den korvettenartigen Schiffen, welche im ———O—— *) Der Rang eines Kriegsſchiffes. Der Ueberſetzer. Anfange die — eine Art denen die„E welche, nach der See ging immer, zu he Währen im eigentliche Campanje 1 waren die 4 Einrichtung, dig war, das ſchaft an Bo hinreichenden war in der g geräumige Hi Schiffen von der Fall iſt. Da wir wir nicht une deckiges Schif von der Zah haben, ſonde ſie haben, und Fregatte vier Kuhbrückendec weil nur einer hat, der Zw Dreidecker bei Der Leſe Harry eilte halten eines zeigen. So Meere und tte, fand ſie daß ſich ein interſchied. e, der Zahl eine Kriegs⸗ Ausdehnung gegen tauſend halben Jahr⸗ ccht immer ſo ſie hatten ein Deck,“ über Schanze und von leichterm Gegentheile nur zwanzig ungewöhnlich i und dreißig⸗ Columbiaden elten Gewichte n Allem, aus andere Gegen⸗ e. unterſchied den en, welche im r Ueberſetzer. — - — 229— Anfange dieſes Jahrhunderts ſo allgemein beliebt waren, — eine Art Bau, welcher von den Franzoſen herrührt, denen die„Seewiſſenſchaft“ ſo viel zu verdanken hat, und welche, nachdem ſie einige der beſten Schiffe, die je auf der See gingen, gebaut hatten, ſie nicht, oder doch nicht immer, zu handhaben wußten. Während der Poughkeepſie kein Sparr oder Oberdeck im eigentlichen Sinne des Wortes hatte, war er mit einer Campanje und Obenhütte verſehen. In der letzteren waren die Kajüten und Verſchläge des Capitäns, eine Einrichtung, welche für ein Schiff dieſes Baues nothwen⸗ dig war, das ſo viele Offiziere und eine ſo ſtarke Mann⸗ ſchaft an Bord hatte. Die Letztere würde ohne ſie nicht hinreichenden Raum gefunden haben. Eine Seitenkanone war in der großen Kajüte, an welche eine ſehr nette und geräumige Hinterkajüte ſtieß, wie dieß gewöhnlich in allen Schiffen von der Fregatte aufwärts bis zu den Dreideckern der Fall iſt. Da wir hier von dem Schiffsbau ſprechen, wollen wir nicht unerwähnt laſſen, daß die Bezeichnungen:„ein⸗ deckiges Schiff,“„Zweidecker“ und„Dreidecker“ ſich nicht von der Zahl der Decke herſchreiben, welche ſie wirklich haben, ſondern von der Zahl der Kanonendecke, welche ſie haben, und die voll bewaffnet ſind. So hat eine Fregatte vier Decke,— das Sparr, Kanonen⸗, Back⸗ und Kuhbrückendeck,— ſie heißt aber ein„eindeckiges Schiff,“ weil nur eines dieſer Decke eine ganz ausgerüſtete Batterie hat, der Zweidecker hat bei fünf Decken zwei, und der Dreidecker bei ſechs Decken drei ausgerüſtete Decke. Der Leſer wird uns dieſe kleine Abſchweifung, welche —-—— — — 230— ihm eine vielleicht nicht unwillkommene Belehrung bringt, nachſehen. Wir kehren ſofort zu unſerer Erzählung zurück. Harry führte Roſa zu der Campanje des Poughkeepſie, wo ſie die Art, wie ein Schiff nach echter Seemannsweiſe in Gang gebracht wurde, am beſten überſchauen konnte. Die Einzelnheiten waren natürlich geheimnißvoll, und Roſa wußte von dem Verlauf, wie die Kette mittelſt eines ſogenannten ginus aquae an das Gangſpill gebracht wurde, nicht mehr, als wenn ſie gar nicht anweſend gewe⸗ ſen wäre. Sie ſah zweihundert Menſchen in dem Schiffe ver⸗ theilt, dieſe am Gangſpill, jene auf dem Vordereaſtell, dieſe in den Tops und jene in der Kuhl, und dann hörte ſie den Befehl:„Umgewunden!“ Dann vernahm ſie die grelle Querpfeife die Weiſe anſtimmen:„Die Maid, von der ich ſchied“ ꝛc.*) eher, weil der Pfeifer dieſe Weiſe liebte, als weil er ſich um den Abſchied von den Mädchen grämte, die er auf den Dry⸗Tortugas gefunden, wie das Lächeln der Offiziere und die Blicke, welche ſie auf Roſa warfen, Mulford ver⸗ riethen. Roſa ſelbſt kannte das Lied nicht, und wußte nichts von der Art Parodie, welche es nach dem Dafür⸗ halten der Herren auf der Schanze auf ihre eigene Lage enthielt. Roſa war vorzüglich über die Ruhe erſtaunt, welche in dem Schiffe herrſchte, denn Capitän Mull war ſelbſt ein ſchweigſamer Mann, und hielt auf ein ruhiges Schiff. *) The girl I left behind etc., ein in Amerika bekanntes Volks⸗ lied. Der Ueberſetzer. Der erſte 2 nach dieſen richten. Ein eit Anführer ei werden ließ euere Anker kam in Ben und die ga verſetzen. 2 tactmäßige liche Bewegt Anker anzot Wallace, w zwiſchen de Standpunkt. rohr nimmt renden Offi der Befehle Wirkung au Endlick gen ſein, gehört hatt Leute verlie Nun f Hier war Vormarsſeg das ganze von den Re. gegeben und rung bringt, Slung zurück. Poughkeepſie, bemannsweiſe auen konnte. nißvoll, und mittelſt eines pill gebracht weſend gewe⸗ Schiffe ver⸗ Vordereaſtell, d dann hörte ife die Weiſe ꝛc.*) eher, l er ſich um e er auf den der Offiziere Mulford ver⸗ „und wußte ) dem Dafür⸗ te eigene Lage ſtaunt, welche ull war ſelbſt uhiges Schiff. bekanntes Volks⸗ Ueberſetzer. — 231— Der erſte Lieutenant war kein lärmender Offtzier, und nach dieſen zwei Herren hatten ſich Alle an Bord zu richten. Ein einfaches:„Alles bereit, Herr!“ welches der Anführer einer Schaar in dem gewöhnlichen Tone laut werden ließ, wurde mit einem:„Sehr gut, Herr, holt euere Anker!“ in gleichem Tone beantwortet, und Alles kam in Bewegung.„Aufgetreten und ab!“ folgte bald, und die ganze Scene mußte Roſa in lebhafte Aufregung verſetzen. Die grelle, belebende Muſik der Querpfeife, das tactmäßige Auftreten der Leute an den Winden, die merk⸗ liche Bewegung des Schiffes, das nach vornen gegen ſeinen Anker anzog, und dann und wann der Anruf zwiſchen Wallace, welcher als Oberbefehlshaber des Vordereaſtells zwiſchen den Bettingen ſtand, des zweiten Lieutenants Standpunkt, wenn der Capitän nicht ſelbſt das Sprach⸗ rohr nimmt, was ſelten der Fall iſt, und dem„ausfüh⸗ renden Offiziere“ hinten, welcher auf die Vollſtreckung der Befehle zu achten hat, alles dieß mußte eine mächtige Wirkung auf Roſa ausüben. Endlich, und es mochten kaum zwei Minuten vergan⸗ gen ſein, ſeit man den Befehl:„Aufgetreten und ab!“ gehört hatte, rief Wallace:„An und nieder!“ und die Leute verließen ihre Handſpaken. Nun folgte das Geſchäft des Beiſetzens der Segel. Hier war nicht die Rede von dem„Fallenlaſſen“ eines Vormarsſegels, wie an Bord eines Kauffahrers, ſondern das ganze Tuch ſiel in demſelben Augenblicke feſtonartig von den Ragen. Dann wurden die drei Marsſegel auf⸗ gegeben und aufgehißt, und Alles in einer Minute, und — 232— wie im Tacte, die Raaen wurden gegengebraſſt, und die Gangſpill⸗Spaken wieder bemannt. Nach zwei Minuten hieß es:„Windet, und auf und ab mit ihr!“ dann:„Windet, und auswärts!“ und: „Windet, und angeholt!“ Der Katläufer war bereit, und er wurde„angehakt,“ und nun ſchien der Pfeifer auf eine andere Melodie zu ſinnen, während die Leute den Anker katteten. Alles dieß ging in kürzerer Zeit vor ſich, als wir zum Niederſchreiben brauchen, und kaum in wenig mehr Zeit, als der Leſer verwendete, um das Geſchriebene zu leſen. Der Poughkeepſie war jetzt„frei vom Grunde,“ wie man zu ſagen pflegt, der Anker gekattet und angehohlt, und das Schiff bewahrte ſeine Stellung in dem Becken durch das Gegenbraſſen der Raaen und die gegenwirkende Kraft des Windes auf die Segel. Nun hieß es:„Die Segel gefüllt!“ und:„Die Vorderraaen ſcharf aufgebraſſt!“ worauf die große Maſſe ihre Trägkraft beſiegte, und durch das Waſſer zu gleiten begann. Während dieß geſchah, wurden Klüver und Flitter⸗ ſegel beigeſetzt. Wir kennen keinen ſchöneren Anblick, als eine anmu⸗ thige Frau von Welt und Bildung in ein Geſellſchafts⸗ zimmer treten, oder daſſelbe verlaſſen zu ſehen, beſonders letzteres, und auf ein Kriegsſchiff zu ſchauen, welches bei linder Kühlte, und wenn es nicht beeilt iſt, von ſeinem Ankergrunde abläuft. Capitän Mull war bei der jetzigen Gelegenheit nicht in Eile, und ſein Schiff ging, wie die Swaſh in der ver⸗ gangener thurme dem Fli flatterten Ma haften 2 chen, un amerikan pflegten. Wir ungegrür hat, und wo die K. Das Schiffes viel als ihre Schi Art Kreu überfüllt, daß ein takelte Bi lung verle verloren, der eine Wenn wie man daß die ſo viel beſſer St. Louis mouth kön raſſt, und die und auf und bärts!“ und: e„angehakt,“ e Melodie zu ſich, als wir wenig mehr eſchriebene zu Grunde,“ wie nd angehohlt, dem Becken gegenwirkende und:„Die große Maſſe er zu gleiten r und Flitter⸗ eine anmu⸗ Geſellſchafts⸗ n, beſonders welches bei von ſeinem genheit nicht in der ver⸗ — 233— gangenen Nacht gethan hatte, windwärts von dem Leucht⸗ thurme unter ſeinen drei Marsſegeln, dem Klüver und dem Flitterer hinaus, während die leichten Segel loſe flatterten und die großen in den Geitauen hingen. Man hat in den letzten Jahren viel von dem fehler⸗ haften Baue der leichten Kreuzer unſerer Flotte geſpro⸗ chen, und Beſchwerde geführt, ſie ſegelten nicht, wie amerikaniſche Kreuzer ſegeln ſollten, und ehedem zu ſegeln pflegten. Wir glauben wohl, daß dieſe Beſchwerden nicht ganz ungegründet ſind, obgleich man die Sache ſehr übertrieben hat, und der Fehler ſelbſt in ſolchen Fällen erklärlich iſt, wo die Kritik nicht ganz Unrecht hat. Das Gleichgewicht eines leichten, ſcharf gebauten Schiffes wird ſehr leicht geſtört, und Offiziere, welche ſo viel als möglich an Bord zu nehmen wünſchen, bringen ihre Schiffe oft in zu viel Tiefe. Sie ſind für eine ſolche Art Kreuzer überſparrt, überbemannt und mit Vorräthen überfüllt, folglich zu tief. Wir erinnern uns eines Falles, daß ein ſolches empfindliches Fahrzeug, eine halb aufge⸗ takelte Brigg, ſehr verhöhnt ward,„weil ſie ihre Sege⸗ lung verloren hatte.“ In der That hatte ſie ihre Fockraa verloren, worauf ſie wie eine Hexe ſegelte, bis ſie wie⸗ der eine neue hatte. Wenn man den Thatſachen in der Weiſe nachforſchte, wie man ihnen nachforſchen ſollte, ſo würde ſich ergeben, daß die ſogenannten, viel verhöhnten„Zehn Schluppen“ viel beſſere Schiffe waren, als die gewöhnlichen. Der St. Louis, Vincinnes, Concord, Fairfield, Boſton, Fal⸗ mouth können als Belege dienen. Der Warren, der — — — 234— Lexington galten bei allen Sachverſtändigen ſtets als durch⸗ aus„geſunde“ Schiffe. Der Poughkeepſie war aber ein ganz anderes Schiff, als alle dieſe„Zehn Schluppen.“ Er war in jeder Hin⸗ ſccht ein gutes Schiff und, wie Hans Tier ſich ausdrückte, ein vortrefflicher„Geher.“ Der ſtrengſte, ſeekundige Kri⸗ tiker würde kaum einen Fehler an ihm entdeckt haben, als er am Abend des erwähnten Tags in der Art Negligée, wie wir es geſchildert haben, aus den Inſeln heraustrat. Die ganze Scene war in der That eindrucksvoll, ein herr⸗ liches, charakteriſtiſches Seegemälde. Die kleinen, rings zerſtreuten, niedrigen, ſandigen, unbewohnten Inſeln waren das einzige Land, das man ſah, alles andere war grenzenloſe Waſſeröde. Der ein⸗ ſame Leuchtthurm ſtieg wie ein in dem Waſſer errichtetes Denkmal empor, welches abſichtlich hier erbaut ſchien, um die Scene zu heben. Capitän Mull hatte die Lampen herrichten und aus demſelben Grunde anzünden laſſen, welcher Spike veranlaßt hatte, dieß zu thun, und der halb⸗ verſchleierte Stern, welchen ſie vorſtellte, trat eben allge⸗ mach in das Leben, wenn wir ſo ſagen dürfen, als der Glanz der untergehenden Sonne verglühte und allmählich ſchwand. Der Rumpf des Schiffes erſchien ſchwarz, glänzend, anmuthig, wie dieß gewöhnlich bei Kriegsſchiffen der Fall iſt. Seine Segel ſtanden in einem ſanften Gegenſatze zu der Farbe des Rumpfes und boten alle die Mannigfaltig⸗ keit und Abweichungen von der geraden Linie, welche die vollendete Schönheit fordert. Die, welche beigeſetzt waren, hatten das Ebenmaaß ihrer Vertheilung und Anordnung, die Flät daß die Finkenet loſes, et Als wurde d ſegel ar Weg ve welche ſ Bootſitz ſie an laufen.“ Minuter So ſegel wi Ca Berathu Räthe“ eines S haben, wodurch Haupt monen gleichen ls durch⸗ s Schiff, der Hin⸗ asdrückte, dige Kri⸗ aben, als Negligée, eraustrat. ein herr⸗ ſandigen, das man Der ein⸗ errichtetes hien, um 2 Lampen ein laſſen, der halb⸗ ben allge⸗ „als der allmählich glänzend, der Fall genſatze zu nnigfaltig⸗ welche die tzt waren, nordnung, — 235— die Fläche in ihrer Leik, und die Breite, welche ein Kriegs⸗ ſchiff charakteriſirt, während die, welche los waren, wellen⸗ und wolkenartig in der Luft wogten, wie man oft leichtes Tuch bei friſcher Kühlte an den Raaen ſchwellen ſieht. Dieß gab dem Schiffe ein negligée⸗artiges Ausſehen, es war aber das Negligée, welches Leute von Welt bezeich⸗ net. Dieſes nachläſſige Ausſehen wurde dadurch vermehrt, daß die Hängmatten„herabgepfiffen“ wurden und die Finkenetten dadurch loskamen, was dem Ganzen ein ſorg⸗ loſes, etwas ſchlaues Ausſehen gab. Als man eine Meile von den Inſeln hinweg war, wurde die große Raa back gebraſſt und das große Mars⸗ ſegel an den Maſt gelegt. Sobald das Schiff„ſeinen Weg verloren“ hatte, holte man zwei bis drei Boote, welche ſpiegelwärts vertaut waren, und deren jedes ſeinen Bootſitzer oder Wärter an Bord hatte, an die Seite, hakte ſie an und ließ ſie nach dem Befehl der Pfeife„auf⸗ laufen.“ Alles geſchah im Tempo und war nach zwei Minuten abgethan. Sobald dieß geſchehen war, wurde das große Mars⸗ ſegel wieder gefüllt und das Schiff gleitete hinweg. Capitän Mull pflegte mit ſeinen Offtzieren keine Berathungen zu halten. Wenn„Weisheit in einer Menge Räthe“ iſt, ſo war er der Anſicht, daß dieß an Bord eines Schiffes nicht der Fall ſei. Napoleon ſoll geſagt, haben, ein ſchlechter Feldherr ſei beſſer, als zwei gute, wodurch er andeuten wollte, das obgleich mittelmäßige Haupt eines Heeres ſei beſſer als eine Hydra von Salo⸗ monen und Cäſarn. Capitän Mull war einer ziemlich gleichen Anſicht zugethan, und behelligte ſeine untergeord⸗ — —:: 236— neten Offiziere ſelten mit etwas anderm, als mit ſeinen Befehlen. Er trat dem thätigen Willy ſelten in den Weg, ſah aber, daß er ſeiner Pflicht nachkam. Der„Schiffs⸗ Gentleman“ mochte ſich nach Belieben ſeinen Scherzen hingeben, wenn er Zeit und Gelegenheit umſichtig wählte, in des Capitäns Gegenwart war aber kein Scherz zuläſſig, es müßte denn nach Tiſche, an ſeiner Tafel und in ſeiner Kajüte geweſen ſein. Und ſelbſt hier war es nicht ganz jener Scherz, welcher täglich, um nicht zu ſagen ſtündlich, in der Geſellſchaft der Kadetten gang und gebe war. So kam es, daß auch in dem vorliegenden Falle Capitän Mull ſelbſt entſchied, während er Alles, was Mul⸗ ford ihm mittheilen konnte, angehört und Wallace ermu⸗ thigt hatte, ſeine Anſicht laut werden zu laſſen. Er erwog Zeit und Entfernung, und beſchloß ruhig, die vier nächſten Stunden alle ſeine Segel fliegen zu laſſen. Dieß ſchien ihm die beſte Auskunft, um, ſo lange er konnte, windwärts zu kommen; überdieß wußte er, daß er das Schiff jeden Augenblick, wenn es ihm nöthig ſchien, unter kurze Segel bringen konnte. Der Leuchtthurm war ihm ein Leitſignal, welches ihm ſeine Entfernung mit faſt mathematiſcher Gewißheit andeu⸗ tete. Die Meilenzahl, welche die Laterne zur See ſichtbar war, konnte nach dem Erhöhungswinkel bis auf Fuß und Zoll berechnet werden, und indem er dieſe Erhöhung berechnete, war er ſeiner Entfernung von dem leuchtenden Punkte gewiß, ſo lange er von der Campanje aus zu ſehen war. Die Laterne ließ ihn auch den Zug des Riffs erkennen, obgleich Capitän Mull, ungleich Spike, beſchloſſen hatte, einen le Laterne wenden, faſt ſo Riff bri Um Segel, und der neigte, Geſchwi in der 6 So die Wa die ganz ren, mi zwiſchen vor ſich Wi heit und zurück. Ca⸗ dieſer G frühern Er und wuf einige F fern der ſenkrecht mußte d liegen bl nit ſeinen den Weg, „Schiffs⸗ Scherzen gZ wählte, zuläſſig, in ſeiner icht ganz ſtündlich, dar. en Falle das Mul⸗ ce ermu⸗ r erwog nächſten eß ſchien indwärts ziff jeden ze Segel ches ihm t andeu⸗ ſichtbar Fuß und rhöhung ichtenden aus zu erkennen, en hatte, einen langen Strich nach Nordoſten zu laufen, bis die Laterne faſt in den Horizont ſank, und dann ſüdöſtlich zu wenden, indem er glaubte, dieſer letzte Strich würde ihn faſt ſo weit windwärts, als er zu gehen wünſchte, an das Riff bringen. Um dieſen Plan zu fördern, wurden die verſchiedenen Segel, ſobald die Boote aufgehiſſt waren, eingenommen, und der Poughkeepſie, der ſich ein wenig an die Kühlte neigte, warf die Wellen wacker abſeits, die er mit einer Geſchwindigkeit von nicht weniger als zehn guten Knoten in der Stunde durchſchnitt. Sobald alle dieſe Anordnungen getroffen waren, ging die Wache hinab, und von dieſer Zeit an ließ das Schiff die ganze Nacht hindurch nur das ruhige Gehaben gewah⸗ ren, mit welchem auf einem wohlgeordneten Kriegsſchiffe zwiſchen den Stunden„von Sonne zu Sonne“ der Dienſt vor ſich zu gehen pflegt. Wir laſſen das gute Schiff ſeinen Curs mit Raſch⸗ heit und Sicherheit verfolgen, und kehren zu der Swaſh zurück. Capitän Spike hatte die Feſtigung ſeiner Brigg bei dieſer Gelegenheit viel ſchwieriger gefunden, als bei ſeinem frühern Verſuche, den Schoner zu heben. Er hatte damals die Wucht des Wracks zu bewältigen, und wußte, daß nicht viel darauf ankomme, ob die Swaſh einige Fuß weiter nach vornen oder nach hinten läge, inſo⸗ fern der Schoner, ſobald er des Grundes klar war, ſich ſenkrecht gegen die Takeln wenden mußte. Jetzt aber mußte das eine Ende des Schoners, ſeine Backen, feſt liegen bleiben, und es war wichtig, ſich zu vergewiſſern, — ö — 238— daß die Takeln ſo ſtanden, daß ſie die wenigſte Spannung an den Maſten verurſachten, während ſie unmittelbar auf den hintern Theil des Schiffes, der gehoben werden ſollte, wirkten. Dieſe Aufgabe machte Spike mehr zu ſchaffen, als er geglaubt hatte. Selbſt nachdem die Takeln im Zuge waren, verging die volle Hälfte des noch übrigen Tages mit der Berichtigung von Mißgriffen, welche man in dieſer Beziehung gemacht hatte, und mit dem Aufbringen neuer Feſtigungen für die Maſten. 3 In einer Hinſicht hatte Spike von vorn herein eine gute Anordnung getroffen. Die Maſten der Brigg ſchoſſen ziemlich weit aus, und indem er die Naſe der Swaſh in die Richtung des Schoners brachte, zog er Vortheil aus dieſem Umſtande, welcher ihm in anderer Weiſe ſehr ungünſtig ſein konnte. Indem die Brigg auf dieſe Art vertaut war, kam der Zug, welcher nothwendig nach vorne ging, faſt in eine Linie mit den Maſten, und dieſe ertrugen ihn alſo um ſo leichter. Ungeachtet dieſes Vortheils ſchiien es unerläßlich, Borgſtage hinaufzubringen, und die Spie⸗ ren auf jede nur mögliche Weiſe zu ſtützen. Stunden per⸗ gingen mit dieſen vorbereitenden, oder, richtiger geſprochen, untergeordneten Anordnungen. Nachmittags nach fünf Uhr begann die Mannſchaft an ihren Takeln, wie ſie endlich geſtellt waren, zu winden. Nach manchem Krach und nachdem die Sorringen und Bindſel ſich in ihren Stellen eingefügt hatten, ergab es ſich, daß Alles hielt, und die Arbeit ſchritt weiter. Nach zehn Minuten ſah Spike, daß er die Wucht des Schoners gefaßt hatte, ſoweit er ſie überhaupt bewältigen mußte, um den Spiegel über die Oberfläche zu bringen, und er gewiß z beabſicht ken, das nachdem war grö war, mi ganz un die Anſi Da alle mög arbeiten wurden und ma waren, Der und in nicht ſo weil er Linie la Sp um ſo m umſchlut eine Der lag, un hob, wo Hauptſp wurden. zu brau Der Spannung ttelbar auf den ſollte, i ſchaffen, n im Zuge gen Tages in dieſer gen neuer herein eine g ſchoſſen Swaſh in ttheil aus geiſe ſehr dieſe Art ach vorne eertrugen eils ſchien die Spie⸗ inden per⸗ eſprochen, Lannſchaft u winden. igen und ergab es r. Vucht des ewältigen bringen, und er glaubte des Beſitzes der Dublonen nun ziemlich gewiß zu ſein. Einen ferneren Verſuch mit der Swaſh beabſichtigte er nicht, da Seüor Montefalderon den Gedan⸗ ken, das Schiff ſelbſt zu bekommen, völlig aufgegeben hatte, nachdem faſt die ganze Fracht verloren war. Das Pulver war größtentheils dahin, und was noch in dem Rumpfe war, mußte jetzt durch die Feuchtigkeit verderbt, wenn nicht ganz unbrauchbar geworden ſein. Wenigſtens war dieß die Anſicht Don Juan's. Da die größte Sorgfalt nöthig war, wendete man alle mögliche Vorſicht an, Gangſpill und Bratſpill ſtetig arbeiten zu laſſen. Wie man Zoll um Joll vorrückte, wurden die Stützen und Feſtigungen der Maſten unterſucht, und man bemerkte, daß die Maſten viel ſtraffer geſpannt waren, als bei dem frühern Heben des Schoners. Der Grund davon lag in der Richtung dieſes Zuges und in dem Umſtande, daß der Anker rechts von der Seite nicht ſo fördernd war, wie bei der frühern Gelegenheit, weil er mit der Richtung der Takeln nicht in ſo gerader Linie lag, wie damals. Spike begann für ſeine Maſten zu bangen, und dieß um ſo mehr, als der Wind ein wenig mehr nach Norden umſchlug und das Wetter ſich zu ändern ſchien. Wenn eine Deining in die Bucht des Riffes ſiel, wo die Brigg lag, und den Rumpf des Schoners ein wenig zu rauh hob, war die größte Gefahr vorhanden, daß die beiden Hauptſpieren ſprangen, wenn ſie nicht ganz weggeriſſen wurden. Es war daher nöthig, außerordentliche Vorſicht zu brauchen, um einer ſolchen Gefahr auszuweichen. Der Capitän verdankte ſeinem Hochbootsmann, welcher — 240— . nun eigentlich an die Stelle des Maats getreten war, die eſhe Andeutung eines Planes, welcher zunächſt angenommen Sie wurde. Zwei der größten Reſerveſtengen der Brigg wurden menſchen, an den beiden Seiten des Schoners herausgebracht und Ewigkeit ihre Tops an den Gliedern der Kette, an welcher das Sturzes: L Wrack hing, ſorgfältig gefeſtigt. Roheiſen und Kugeln ſeht! wurden an dem Fuß dieſer Spieren geſorrt, welche ſie auf Spit den Grund zogen. Da die Spieren länger waren, als ſie Gelingen 1 zu ſein brauchten, um die Klippe zu erreichen, war ihre Seüor 2 Lage nothwendig eine geneigte, und dieſe Neigung minderte welche m. ſich mit jedem Zoll, um welchen der hintere Theil des„Ic Wracks ſich hob, ſo daß ſie dem Rumpfe des Schoners der Capir 4 als Stützen dienten. erklärt he Spike war über den Erfolg dieſes Anſchlags ent⸗ im Stan zückt; der erſte Verſuch bei dem Aufwinden überzeugte Grad mi ihn von der Trefflichkeit dieſer Vorrichtung. Nachdem fee nux n der Fuß der Spieren gehörig gefeſtigt war, befahl er fahren a der Mannſchaft, die Takeln ein wenig nachzulaſſen und glaube i ſah, daß er die Spannung der Brigg ein wenig mäßi⸗ laſſen, gen und das Wrack faſt lediglich auf dieſen Stützen ruhen keine ſen laſſen dürfe. eine halt Dadurch wurden die Sorgen wegen der anbrechenden an das Nacht bedeutend gemindert, und nur ſo beſeitigte man die„En Nothwendigkeit, die Arbeit ohne Unterbrechung oder Ruhe,. eine Enh bis man das Ziel erreicht, fortzuſetzen. Mexikan Die Mannſchaft der Swaſßh verſicherte ſich in dem Dubloner Augenblicke dieſes behäglichen Umſtandes, als der Pough⸗ Die keepſte aus den Inſeln der Dry⸗Tortugas heraustrat. In Regierun 1 1 demſelben Augenblicke, wo der beſtens angelegte Plan zu Hand in ihrem Verderben ſeiner Ausführung ſo nahe war, fühlten 244— 5 n war, die ngenommen gg wurden bracht und belcher das nd Kugeln iche ſie auf en, als ſie war ihre g minderte Theil des Schoners hlags ent⸗ überzeugte Nachdem befahl er laſſen und nig mäßi⸗ tzen ruhen brechenden e man die der Ruhe, h in dem er Pough⸗ ztrat. In Plan zu , fühlten — 241— ſie ſich glücklich, ſich gegen die furchtbarſte aller Gefahren hinreichend geſchirmt zu wiſſen. Sie glichen in dieſer Beziehung Millionen ihrer Mit⸗ menſchen, welche lange über dem Rande des Abgrunds der Ewigkeit ſchweben und ſich der unvermeidlichen Art des Sturzes nicht bewußt ſind, welcher ihnen ſo bald bevor⸗ ſteht! Spike war, wie wir eben bemerkt haben, über das Gelingen ſeines Planes hoch erfreut und bezeichnete dem Seüor Montefalderon mit Frohlocken die Anordnungen, welche man getroffen hatte. „Ich möchte den Künſtler ſehen, Don Wan,“ ſagte der Capitän, nachdem er alles auf die Stützen Bezügliche erklärt hatte,„welcher einen ſo ſchönen Körper zu ſchnitzeln im Stande iſt. Da ſteht er in einem Winkel von fünfzig Grad mit einem Paar ſo guter Beine unter ſich, wie man ſie nur wünſchen kann. Ich könnte jetzt alle Feſtigungen fahren und das Wrack ſo zu ſagen in statu quo, was, glaube ich, ſo viel heißt, als auf ſeinen Stelzen ſtehen laſſen, und es würde nicht wanken. Das Hackebord iſt keine ſechs Zoll unter der Oberfläche des Waſſers, und eine halbe Stunde an dem Gangſpill wird den Spiegel an das Tageslicht bringen.“ „Eure Vorrichtungen ſind vortrefflich geeignet, das eine Ende des Schiffes zu heben, Don Eſteban,“ ſagte der Mexikaner,—„wißt Ihr aber auch gewiß, daß ſich die Dublonen in demſelben befinden?“ Dieſe Frage wurde geſtellt, weil der Bedienſtigte einer Regierung, unter welcher die Summen, wenn ſie aus einer Hand in die andere gingen, oft eine merkliche Verminderung 244— 246. 4 16 ——— S ———— — — —— erlitten, nicht ohne allen Argwohn war und kaum glauben konnte, daß Mulford, Hans Tier und ſelbſt Biddy unter allen dieſen Umſtänden ihr eigenes Intereſſe nicht ganz beſonders im Auge gehabt haben ſollten. „Der Sack wurde in eine der Hackbalkenkiſten gelegt, ehe der Schoner niederging,“ antwortete der Capitän. „So hat mir Hans Tier geſagt, wenn dieß wahr iſt, ſo muß er ſich auch dort finden. Die Haiſiſche bekümmern ſich nicht um Gold, Don Wan.“ „Wär' es nicht gerathen, Hans Tier heranzurufen und ſeinen Bericht noch einmal anzuhören, da wir jetzt dem Eldorado unſerer Wünſche ſo nahe ſtehen?“ Spike hatte nichts dagegen, und Hans wurde auf die Schanze gerufen. Der kleine Burſche hatte ſich während des ganzen Tags kaum ſehen laſſen und kam jetzt langſam und, wie es ſchien, widerwillig heran. „Ihr habt Euch doch in Betreff jener Dublonen nicht geirrt, hoff' ich, Meiſter Tier?“ fragte Spike, indem er ſeinen Untergebenen in ziemlich ſeemänniſcher Weiſe anſprach.„Ihr wißt, daß ſie in einer jener Hackbalken⸗ kiſten ſind?“ Hans ſtieg auf eine der Kanonen und blickte über die Bekleidungen auf die Anordnungen hin, welche zur Lich⸗ tung des Wracks getroffen worden. Das Hackebord des Schoners begann ſich bereits zu zeigen, als eine kleine Deining darüber ging und es einen Augenblick in dem Raume zwiſchen zwei Wellen ließ. Der kleine Mann ward ſo des Fahrzeugs noch einmal anſichtig, an deſſen Bord ſein Leben in ſo hohem Grade gefährdet an alles eben an i „Nur ungeduldie „Der in den Se verſetzte H thun, we fahren dä um Stunk der Boden Don War blaſen abl „Wa Habt Ihr Schurke? „Nei Capitän balkenkiſte ihn eigen geweſen, eine Luke angeben Dieſe Capitäns von dem Winden z „Jet Matroſen aum glauben Biddy unter nicht ganz kiſten gelegt, der Capitän. wahr iſt, ſo 2 bekümmern heranzurufen da wir jetzt 12“ durde auf die des ganzen im und, wie er Dublonen Spike, indem niſcher Weiſe r Hackbalken⸗ ickte über die lche zur Lich⸗ Hackebord des s eine kleine blick in dem noch einmal hohem Grade — 243— gefährdet geweſen, er ſchüttelte den Kopf und ſchien eher an alles Andere als an die Frage zu denken, welche man eben an ihn gerichtet hatte. „Nun, wie iſt's mit dem Golde?“ fragte Spike ungeduldig. „Der Anblick jenes Schoners hat mir andere Gedanken in den Sinn gebracht, als die an Gold, Capitän Spike,“ verſetzte Hans ernſt,„und wir Seeleute würden alle beſſer thun, wenn wir weniger an Gold und mehr an die Ge⸗ fahren dächten, welchen wir bloß geſtellt ſind. Stunden um Stunden ſtand ich an der Pforte der Ewigkeit, und der Boden jenes Schoners friſtete mein Leben der Art, Don Wan, daß es ſozuſagen von der Gnade einiger Luft⸗ blaſen abhing.“ „Was hat all dieß mit dem Golde zu ſchaffen? Habt Ihr mich in Betreff jener Kiſte getäuſcht, kleiner Schurke?“ „Nein, Herr, ich habe Euch nicht getäuſcht, nein, Capitän Spike, nein! Der Sack iſt in der obern Hack⸗ balkenkiſte auf der Steuerbordſeite. Dorthin habe ich ihn eigenhändig gelegt, und eine ziemliche Wucht iſt's geweſen, und dort werdet Ihr ihn finden, wenn Ihr eine Luke an der Stelle hauen laßt, welche ich Euch angeben werde.“ Dieſer Bericht ſchien der natürlichen Habgier des Capitäns neue Nahrung zu geben, er rief die Mannſchaft von dem Abendeſſen ab und befahl ihnen, wieder an die Winden zu treten. „Jetzt gilt es den Dublonen!“ ging's nun bei den Matroſen von Mund zu Mund, und ſie begaben ſich 16* — — — —— — — munter und hurrahend an die Handſpaken und Spille, obgleich die Sonne bereits in das Meer gegangen war. Alle Anordnungen Spike's entſprachen den beabſich⸗ tigten Zwecken bewundernswürdig. Der Spiegel des Scho⸗ ners hob ſich langſam empor, und mit jedem Zoll, welchen er emporſtieg, ſenkte ſich der Fuß der Stützen in Folge der an ſie gefeſtigten Gewichte ſenkrechter ein, und die Spieren gaben feſte Stützen ab, die Alles, was man gewann, ſogleich auch ſicherten. Nach einer Viertelſtunde erhob ſich faſt der ganze Theil des Spiegels, welcher innerhalb fünf bis ſechs Fuß vom Hackebord war, über das Waſſer und war deutlich zu ſehen. Spike brüllte nun der Mannſchaft„halt!“ zu und befahl dann, die Takelläufer allmählich abfallen zu laſſen, um ſich zu überzeugen, daß die Stützen ihre Laſt wirklich trügen. Dieſer Verſuch glückte, und ſieh, das Wrack ſtand aufrecht da, von den zwei Spieren gänzlich getragen. Da dieſe letzteren jetzt faſt ſenkrecht ſtanden, konnten ſie eine ſehr ſchwere Laſt tragen, und Spike fühlte ſich ſo gedrängt, ſeine Brigg von dem ſtarken Zuge zu befreien, welchen ſie aushalten mußte, daß er befahl, die Sorringen der Blöcke zu löſen, und ſeinen Stützen allein die Feſtigung des Ganzen anheim zu geben. Der Hochbootsmann verſuchte, gegen ein ſolches Ver⸗ trauen Einwendungen zu machen, das Gold war aber zu nahe, als daß der Capitän hätte hören oder ant⸗ worten mögen. Der Zimmermann erhielt Befehl, mit ſeinem Hand⸗ werkszeug Senior Mo Boot zu r beſtiegen, u Tier erhielt ſo genau Zimmermaꝛ Als A und die E Axt war l welche grof hindurch zu Küſte begat Mittle holte eine die Kiſte f dicht an d feſt hielten ſeinen Kop „Ah, aus der ze den Deckel bald haben, Euch auszi Stelle zeig Haus Tier, „Ja, Der entledigt u ſehender O und Spille, ngen war. den beabſich⸗ gel des Scho⸗ Zoll, welchen tzen in Folge ein, und die 3, was man iſt der ganze bis ſechs Fuß war deutlich alt!“ zu und Ulen zu laſſen, Laſt wirklich Wrack ſtand getragen. Da unten ſie eine hſo gedrängt, n, welchen ſie gen der Blöcke Feſtigung des n ſolches Ver⸗ old war aber ren oder ant⸗ ſeinem Hand⸗ werkszeug auf das Wrack zu gehen, während Spike, der Seüor Montefalderon und zwei Matroſen, welche das Boot zu rudern und ſtetig zu halten hatten, die Jolle beſtiegen, um des Fortgangs der Arbeit zu warten. Hans Tier erhielt Befehl, ſich in den Puttingen zu halten und ſo genau als möglich die Stelle zu bezeichnen, wo der Zimmermann„einzufallen“ habe. Als Alles bereit war, ließ Spike die Arbeit beginnen und die Späne flogen. Mit Hilfe der Säge und der Axrt war bald eine Oeffnung in dem Deck angebracht, welche groß genug war, um zwei bis drei Männer zugleich hindurch zu laſſen, und das„Lothen“ nach der erſehnten Küſte begann. Mittlerweile war es ganz dunkel geworden, und man holte eine Laterne von der Brigg herab, damit die, welche die Kiſte ſuchten, ſehen konnten. Spike hatte die Jolle dicht an die Luke heran geſchoben, wo die Matroſen ſie feſt hielten, während der Capitän ſelbſt die Laterne und ſeinen Kopf in die Luke ſteckte, um ſich umzuſehen. „Ah, Alles richtig!“ rief die Stimme des Capitäns aus der zellenartigen Höhlung heraus.„Ich ſehe gerade den Deckel der Kiſte, welche Hans meint, und wir werden bald haben, was wir ſuchen. Zimmermann, Ihr könntet Euch ausziehen und da hineinſteigen, ich werde Euch die Stelle zeigen, wo die Kiſte iſt. Ihr wißt doch gewiß, Hans Tier, daß es die Stenerbordkiſte iſt?“ „Ja, ja, Herr, die Steuerbordkiſte und keine andere!“ Der Zimmermann hatte ſich ſeiner Kleider bald entledigt und ſtieg in die Luke. Es war ein düſter aus⸗ ſehender Ort, in welcher der Mann zu einer ſolchen — 246— Stunde hinabſtieg, denn die Laterne war nicht von großem Belange, und bei der Art, wie Spike ſie halten mußte, ſiel nur ein unſicheres Licht in die ſchwarze Höhle. „Gebt Acht und ſucht feſtzuſtehen, Zimmermann,“ ſagte der Capitän in ungewöhnlich ſanftem Tone,„ehe Ihr Eure Hände loslaßt, ich denke jedoch, Ihr könnt ſchwimmen— nicht, Mann?“. „Nein, Herr, keine Elle, ich habe nie mit dem Waſſer fertig werden können.“ „Um ſo mehr müßt Ihr Euch alſo in Acht nehmen. Wenn ich dieß vorher gewußt hätte, würde ich einen andern Burſchen hinabgeſchickt haben. Aber ſucht nur feſten Fuß zu faſſen. Mehr nach links, Mann, mehr nach links. Das iſt der Deckel der Kiſte, Ihr legt eben Euere Hand darauf. Warum hebt Ihr den Deckel nicht auf?“ „Er iſt vom Waſſer geſchwollen, Herr, und Ihr müßt mir Hammer und Meißel reichen laſſen. Ruft nur einem der Leute zu, mir aus meinem Geräthekaſten einen Meißel zu holen, je ſtärker er iſt, deſto beſſer.“ Der Befehl wurde gegeben, und während des Aufent⸗ haltes, den dieß verurſachte, ermuthigte Spike den Zimmer⸗ mann, ſeine Ruhe zu bewahren, vor Allem aber feſt zu ſtehen. Sein Eifer, ſich des Goldes zu verſichern, war ſo groß, daß er den Kopf ganz in die Luke hiueinſteckte, und ſo den Mann drinnen von jedem Verkehre mit der äußern Welt abſchnitt. „Was habt Ihr, Mann?“ rief Spike ein wenig ſtreng.„Ihr ſchaudert, und doch kann das Waſſer in dieſer Breite nicht kalt ſein. Nein, ich fühle es an meiner Hand, daß zu ſein.“ „Es i man käme Herr? Es „Höre Fiſch darir raum zu k „Ich Capitän den Meiße „Blei vor Todte Ihr ſeid! ob Ihr ih „Ich Ich kann nicht zu einen And Spike ſo fürchte Anſtand r Manne vr die todten zerrte Gef „Wa einer Don ich ſchleu das Euch diges.“ von großem alten mußte, böhle. nmermann,“ Tone,„ehe Ihr könnt nie mit dem Acht nehmen. einen andern ur feſten Fuß nach links. Euere Hand ruf?“ nd Ihr müßt ift nur einem einen Meißel d des Aufent⸗ den Zimmer⸗ aber feſt zu hern, war ſo einſteckte, und lit der außern e ein wenig as Waſſer in es an meiner Hand, daß es gerade die rechte Wärme hat, um behaglich zu ſein.“ „Es iſt nicht das Waſſer, Capitän Spike, ich wollte, 1 man käme mit dieſem Meißel. Habt Ihr nichts gehört, Herr? Es war etwas, ich hörte es genau.“ 1 „Hören? Was iſt da zu hören, es müßte denn ein Fiſch darin ſein, der ſich herumtreibt, um aus dem Schiffs⸗ raum zu kommen.“ 1 „Ich habe ganz gewiß etwas wie ein Stöhnen gehört, Capitän Spike. Laßt mich doch heraus, damit ich mir den Meißel ſelbſt hole, dieſe Leute werden ihn nie finden.“ 2 „Bleibt, wo Ihr ſeid, Memme! Fürchtet Ihr Euch V vor Todten, die an Mauerwänden ſtehen? Bleibt, wo Ihr ſeid! Ah, da iſt der Meißel. Nun laßt uns ſehen, ob Ihr ihn zu brauchen wißt.“ „Ich habe ein zweites Stöhnen gehört, gewiß, Herr. Ich kann nicht arbeiten, Capitän Spike. Ich bin hier nicht zu brauchen, laßt mich heraus, Herr, und ſchickt einen Anderen herein, der ſchwimmen kann.“. Spike ſtieß gegen den unglücklichen Zimmermann einen ſo fürchterlichen Fluch aus, daß wir ihn wiederzugeben 3 Anſtand nehmen, dann ließ er das Licht der Laterne dem Manne voll auf das Geſicht fallen. Das zitternde Fleiſch, die todtenbleichen Züge und das ganze vor Schrecken ver⸗ zerrte Geſicht verſetzten ihn in Staunen und Unruhe zumal. 4 „Was fehlt Euch, Mann?“ ſagte der Capitän mit einer Donnerſtimme.„Nehmt den Meißel zur Hand, oder ich ſchleudere Euch in das Waſſer. Es iſt nichts hier, das Euch beunruhigen kann, weder Todtes, noch Leben⸗ diges.“ — 248— „Das Stöhnen, Herr, ich höre es wieder. Laßt mich heraus, Capitän Spike!“ Spike hörte jetzt ſelbſt den Ton, es klang auch ihm wie ein Aechzen. Es ſchien aus der Tiefe des Schiffes zu kommen, und war ziemlich deutlich und vernehmbar. Erſtaunt, aber nicht erſchreckt ſchob er ſeine Schultern in die Luke, als wollte er dem Dämon Trotz bieten, welcher ihn quälte, während der Zimmermann an die Oeffnung kam, und zu entfliehen ſtrebte. Bei dem nun folgenden Kampfe fiel die Laterne in das Waſſer, und die halb wahnſinnigen Streiter kämpften im Dunkeln. Das Aechzen ließ ſich wieder hören, und jetzt leuchtete plötzlich Beiden die Wahrheit ein. „Die Stützen! Die Stützen!“ rief der Zimmer⸗ mann drinnen. „Die Stützen!“ wiederholte Spike, warf ſich in das Boot zurück, und brüllte den Matroſen zu: „Feſt abgehalten vom Wrack!“ Das Knarren einer der Stützen auf dem Geſtein drunten wurde jetzt ganz deutlich gehört, das untere Ende gleitete auswärts, nicht dem Spiegel zu, wie man gefürchtet hatte, und ließ das Wrack wieder langſam auf den Grund zurückſinken. Ein durchdringender Schrei kam aus der kleinen Luke, dann hörte man das Gurgeln des Waſſers, das in die Oeffnung ſchoß, und nun ward kein Ton mehr laut, als das raſche, ſtätige Spülen der Wellen des Golſes, die an den Klippen des Riffes brandeten. Dieſes Begebniß machte einen tiefen Eindruck. Ein unglückliches Verhängniß ſchien über der Brigg zu walten, und die M Nacht mit in Znſamm ſchien geneig Spike, mögl befreundeten aber die Ha als daß er weigerte ſich erreicht hätt Da da ging, ganz unfalle kein angebracht Neuem zu k Morgen zu und die Na können, die fragte es f ſich einem wurde dahe Don Juan zu theilen. „Dieß bemerkte d Schanze h Lager aufzt licher Sch worden zu „Ja, Laßt mich g auch ihm des Schiffes vernehmbar. Schultern in eten, welcher ie Oeffnung e Laterne in lter kämpften hören, und 1. der Zimmer⸗ f ſich in das dem Geſtein untere Ende an gefürchtet f den Grund der kleinen ſſers, das in mehr laut, des Golfes, ndruck. Ein g zu walten, — 2a9— und die Mehrzahl der Leute brachte den Unfall dieſer Nacht mit der ſeltſamen Erſcheinung des vorigen Abends in Zuſammenhang. Selbſt der Senor Montefalderon ſchien geneigt, den Dublonen zu entſagen, nnd drang in Spike, möglichſt ſchnell nach Nucatan zu ſegeln, und einen befreundeten Hafen aufzuſuchen. Der Capitän ſchwankte, aber die Habgier war eine zu ſtarke Leidenſchaft in ihm, als daß er ſein Vorhaben ſo leicht aufgegeben hätte. Er weigerte ſich, von der Stelle zu gehen, ehe er ſeinen Zweck erreicht hätte. Da das Wrack, als es zum dritten Mal in die Tiefe ging, ganz klar von der Brigg war, erfuhr dieſe bei dem Unfalle keine Beſchädigung. Wenn die Sorringen wieder angebracht wurden, war Alles bereit, um die Arbeit von Neuem zu beginnen, und dieß beſchloß Spike am nächſten Morgen zu verſuchen. Die Mannſchaft war zu müde, und die Nacht zu dunkel, als daß man daran hätte denken können, die Arbeit dieſen Abend noch fortzuſetzen, auch fragte es ſich, ob die Leute noch willig geweſen wären, ſich einem deßfallſigen Befehle zu fügen. Die Mannſchaft wurde daher zur Ruhe geſchickt, und der Capitän kam mit Don Juan und Hans Tier überein, ſich in die Nachtwache zu theilen. „Dieß iſt ein trauriger Vorfall, Don Eſteban,“ bemerkte der Mexikaner, während er mit Spike über die Schanze hinging, und der Letztere ſich anſchickte, ſein Lager aufzuſuchen.„Ein trauriger Vorfall! Mein unglück⸗ licher Schoner ſcheint von ſeinem Schutzpatron verlaſſen worden zu ſein. Und dann Euer armer Zimmermann!“ „Ja, er war ein ziemlich guter Burſche, wenn es — 250— fich von der Axt und dem Hohleiſen handelte,“ antwortete Spike gähnend.„Man gewöhnt ſich aber an dergleichen zur See. Ein Zimmermann iſt eben geliefert, nicht mehr, nicht weniger. Gute Nacht, Don Wan, morgen früh gehen wir wieder an das Gold.“ Sechstes Kapitel. Sieh', wie das Schiff ſich ſenkt und hebt, Und wie im Todeskrampfe Der mächt'’ge Bau erſchüttert bebt Im Wind⸗ und Wellenkampfe. Doch gilt der Streit dem Schiffe nicht; Wenn ſo der Sturm entbunden, Dann hat des Ewigen Gericht Gezählt der armen Mannſchaft Stunden. Miß Gould. Spike lag früh am folgenden Morgen vor der Wieder⸗ kehr des Lichtes in feſtem Schlafe, als er plötzlich empor⸗ fuhr, ſeine Augen rieb und, wie plötzlich aufgeſchreckt, vom Lager ſprang. Er hatte einen Ruf gehört, oder zu hören geglaubt. Eine Stimme, welche er einſt wohl gekannt, und der er gern und oft gelauſcht hatte, ſchien ihn ganz nahe anzurufen. Anfangs hatte er ihren Worten erſtaunt, entzückt gelauſcht, denn dieſe Töne riefen ihm Scenen und Perſonen zurück, welche einſt eine große Gewalt auf ſein rauhes Herz ausgeübt hatten. Jetzt wurde die Stimme härter, und er hörte die Worte: „Hans Spike, erwacht! Der Tag bricht bald an, und Eure d Stephan, e Als de Kopf in ei ſeiner Hütt der Welt gewacht, 1 einer ſiebern Jener lange in d eindrangen Anſpruch 1 Der 2 ſchaft lag ſtreut, der das kleine, um Mitter Spike ſehen, we dieſen Die Kambüſe, wie es ſch ausſchauer ren ließen Der eben nich klärlicherr deren ſich men konn irgend eit te,“ antwortete an dergleichen rt, nicht mehr, morgen früh nkt und hebt, kampfe. chiffe nicht; bunden, ht nſchaft Stunden. Miß Gould. or der Wieder⸗ lötzlich empor⸗ aufgeſchreckt, hört, oder zu r einſt wohl hatte, ſchien ihren Worten ne riefen ihm ſt eine große Jetzt wurde icht bald an, — 251— und Eure Feinde ſind näher, als Ihr glaubt. Erwacht, Stephan, erwacht!“ Als der Capitän auf ſeinen Füßen ſtand, und ſeinen Kopf in ein Gefäß mit Waſſer getaucht hatte, das in ſeiner Hütte für ihn bereit ſtand, hätte er um Alles in der Welt nicht zu ſagen vermocht, ob er geträumt oder gewacht, und ob das, was er gehört hatte, das Ergebniß einer fieberiſchen Phantaſie oder der Wirklichkeit geweſen ſei. Jener Anruf klang ihm den ganzen Morgen, oder ſo lange in den Ohren, bis wichtige Vorkommniſſe ſo auf ihn eindrangen, daß ſie ſeine ungetheilte Aufmerkſamkeit in Anſpruch nahmen. Der Tag war noch nicht angebrochen. Die Manu⸗ ſchaft lag noch in ſchwerem Schlafe auf den Decken zer⸗ ſtreut, denn Jeder mied in dieſem warmen Klima gern das kleine, überfüllte Vordercaſtell. Alles war ſtill, wie um Mitternacht. Spike ging nach vornen, um nach dem Manne zu ſehen, welcher die Ankerwache hatte. Hans Tier hatte dieſen Dienſt überkommen, und ſtand in der Nähe der Kambüſe, die Arme, wie gewöhnlich, verſchlungen und, wie es ſchien, nach den Zeichen des herannahenden Tages ausſchauend, welche ſich an dem öſtlichen Himmel gewah⸗ ren ließen. Der Capitän war gegen den Proviantmeiſters⸗Maat eben nicht ſehr günſtig geſtimmt, Hans hatte aber uner⸗ klärlicherweiſe eine Gewalt über ſeinen Befehlshaber erlangt, deren ſich gewiß ſelten Jemand an Bord der Swaſh rüh⸗ men konnte. Spike hatte ſich Mulford mehr gefügt, als irgend einem Maate, den er jemals in der Brigg gehabt — 252— hatte, dieß war jedoch die Hingebung, welche höhere Bil⸗ dung, Sitten und Herkunft mit Recht anſprechen, ſie war etwas gewöhnliches, wenn nicht gemeines, während das Uebergewicht, welches der kleine Hans Tier erlangt hatte, ganz unerklärlich war. Spike wollte es vor ſich ſelbſt verbergen, daß dem ſo ſei, es machte ſich jedoch bei jeder Gelegenheit geltend, welche ſie in Berührung brachte, und er fühlte, daß er ſich dem fügen müſſe, was er nicht ändern könne. „Hans Tier,“ fragte der Capitän, welcher ſich wieder einmal mit dem kleinen Mann allein ſah und ſeine Anſicht über eine Frage zu hören wünſchte, welche ihn, er wußte nicht warum, quälte,„Hans Tier, antwortet mir auf eine Frage. Glaubt Ihr, wir hätten die Geſtalt eines Todten, oder eines Lebenden am Fuße des Leuchtthurmes geſehen?“ „Die Todten lehnen ſich nicht auf dieſe Weiſe an Mauern, Capitän Spike,“ antwortete Hans ruhig und ohne ſich die Mühe zu nehmen, ſeine Arme zu löſen. „Was Ihr geſehen habt, war ein lebender Mann, und Ihr würdet wohl thun, vor ihm auf Eurer Hut zu ſein. Harry Mulford iſt Euer Freund nicht, und er hat Urſache, es nicht zu ſein.“ „Harry Mulford— und lebendig! Wie wäre das möglich, Hans? Ihr kennt den Hafen, in welchen es ihm einzulaufen beliebte.“ „Ich kenne die Klippe, auf welcher Ihr ihn auszu⸗ ſetzen beliebtet, Capitän Spike.“ „Nun gut, wie kann er dann leben und auf den Dry⸗ Tortugas ſein? Die Sache iſt unmöglich.“ „Die Sache iſt ſo. Ihr habt Harry Mulford lebend, geſund und Hütet Euch „Frau für einen le „Der 9 Euch vor ſ gegen Euch „Das werde mich „Es v war bei de dürfte nicht zuzugeben, beiwohnte.“ „Hans das alles laſſe nicht meint, Bur „Was Herr. Rof „Ihr haben!“ „Es i ſich bald ſchluppe, d wohl jetzt Roſa Man „Nar in dieſem krank weg⸗ e höhere Bil⸗ chen, ſie war es, während Tier erlangt es vor ſich ich jedoch bei rung brachte, was er nicht er ſich wieder ſeine Anſicht hn, er wußte mir auf eine eines Todten, s geſehen?“ ſe Weiſe an Gruhig und ne zu löſen. Mann, und Hut zu ſein. hat Urſache, e wäre das lchen es ihm ihn auszu⸗ auf den Dry⸗ lford lebend, — 253— geſund und bereit geſehen, Euch an den Galgen zu jagen. Hütet Euch alſo vor ihm und vor ſeiner ſchönen Frau.“ „Frau! der Burſche hat keine Frau, er hat ſich ſſtets für einen ledigen Mann ausgegeben.“ „Der Mann iſt verheirathet, und ich ſage Euch, hütet Euch vor ſeiner ſchönen Frau. Auch ſie wird Zeugniß gegen Euch ablegen.“ „Das wird etwas Neues für Roſa Budd ſein. Ich werde mich freuen, Ihr dieſe Nachricht mitzutheilen. „Es wird für Roſa Budd nichts Neues ſein. Sie war bei der Trauung anweſend, und die Ueberraſchung dürfte nicht groß ſein. Roſa liebt Harry zu ſehr, um zuzugeben, daß er getraut würde, ohne daß ſie der Trauung beiwohnte.“ „Hans, Ihr ſchwatzt da ſeltſames Zeug. Was ſoll das alles heißen? Ich bin Capitän dieſes Schiffes, und laſſe nicht mit mir ſcherzen. Sagt mir ſofort, was Ihr meint, Burſche!“ „Was ich meine, iſt ſehr einfach und bald geſagt, Herr. Roſa Budd iſt Harry Mulford's Weib.“ „Ihr träumt, Burſche, oder wollt mich zum Beſten haben!“. „Es iſt vielleicht ein Traum, aber es iſt einer, welcher ſich bald als wahr erweiſen wird. Wenn ſie die Kriegs⸗ ſchluppe, den Poughkeepſie, gefunden haben, wie ſie ihn wohl jetzt gefunden haben werden, ſo ſind Mulford und Roſa Mann und Weib.“ „Narr, Ihr wißt nicht, was Ihr ſprecht. Roſa liegt in dieſem Augenblicke drunten auf ihrem Bett, herzens⸗ krank wegen des jungen Herrn, welcher lieber auf dem — — 254— Florida⸗Riff bleiben, als an Bord der Molly ſegeln wollte.“ „Roſa iſt weder krank, noch geſund auf ihrem Bette; überhaupt iſt ſie nicht an Bord dieſer Brigg. Sie hat das Schiff in dem Boote des Leuchtthurms verlaſſen, um ihren Geliebten von dem nackten Fels zu retten, und dieß iſt ihr gelungen. Gott war ihr Beiſtand, Stephan Spike, und wer einen ſplchen Freund zur Seite hat, dem mißlingt ſelten etwas.“ Dieſe Worte ſetzten Spike nicht weniger in Erſtaunen, als die ruhige, zuverſichtliche Weiſe, mit welcher ſie vorge⸗ bracht wurden. Hans redete allerdings in einem gewiſſen, gemeſſenen, orakelähnlichen Tone, welcher die Wirkung ſeiner Worte hätte mindern können, wenn er weniger Ein⸗ fluß auf den Capitän gehabt hätte. Spike war aber ſicht⸗ bar unter dieſem Einfluſſe, und ſchenkte Allem, was er gehört hatte, den unbedingteſten Glauben, und dieß um ſo mehr, je unmöglicher ihm alles Erzählte vorkam. Es dauerte eine halbe Minute, ehe er ſich ſo weit von ſeinem Staunen erholte, daß er das Geſpräch fortſetzen konnte. „Das Boot des Leuchtthurms!“ widerholte Spike langſam.„Nun, Burſche, Ihr habt mir ja geſagt, das Boot des Leuchtthurmes ſei Euch ſelbſt abtriftig gewor⸗ den?“ „So iſt es auch,“ antwortete Hans ruhig,„denn ich löſte die Fangleine, und was mehr iſt, ich fuhr in dem Boote weg.“ „Ihr— ganz unmöglich. Ihr bringt hier eine ſelbſt⸗ gemachte Lüge vor. Wenn Ihr in jenem Boote wegge⸗ fahren wäret jämmerliche „Geht Euch mit Er Spike tl nahm eine L Kajüte hing, Roſa's Verſ wirklich ausg Ein ſch ſo lauter Fli Da er entſch bleiben zu w Wittwe, und hier nicht zu Ein ne wurde durch Frauen bean den jedoch F den Capitän lautere Wah ſchaftlichen 8 alten Befehl⸗ Bis zu wahren geſu Bande zwiſe Spike war it zart, aber er Art bei Sei männlichen Molly ſegeln ihrem Bette; gg. Sie hat verlaſſen, um ten, und dieß tephan Spike, dem mißlingt in Erſtaunen, hher ſie vorge⸗ nem gewiſſen, die Wirkung weniger Ein⸗ Har aber ſicht⸗ llem, was er dd dieß um ſo kam. ſich ſo weit dräch fortſetzen erholte Spike a geſagt, das triftig gewor⸗ hig,„denn ich fuhr in dem ier eine ſelbſt⸗ Boote wegge⸗ — 255— fahren wäret, wie könntet Ihr jetzt hier ſein? Es iſt eine jämmerliche Lüge, und Roſa iſt unten.“ „Geht in ihre Kajüte, ſeht Euch um und überzeugt Euch mit Euren eigenen Augen.“ Spike that, wie ihm geſagt worden. Er ging hinab, nahm eine Lampe, welche ſtets angezündet in der großen Kajüte hing, und begab ſich, ohne weitere Förmlichkeit in Roſa's Verſchlag, wo er bald entdeckte, daß der Vogel wirklich ausgeflogen war. Ein ſchrecklicher Fluch folgte dieſer Entdeckung, ein ſo lauter Fluch, daß Miſtreß Budd und Biddy erwachten. Da er entſchloſſen war, nicht auf halbem Wege ſtehen bleiben zu wollen, erbrach er die Thüre des Verſchlags der Wittwe, und uͤberzeugte ſich, daß die, welche er ſuchte, auch hier nicht zu finden ſei. Ein neuer Ausbruch von Schwüren und Flüchen wurde durch das gewöhnliche Zetergeſchrei der beiden Frauen beantwortet. Inmitten dieſer heftigen Scene wur⸗ den jedoch Fragen geſtellt und Antworten gegeben, welche den Capitän nicht nur vergewiſſerten, daß Hans Tier die lautere Wahrheit geſagt hatte, ſondern auch jedem freund⸗ ſchaftlichen Verkehr zwiſchen ihm und der Wittwe ſeines alten Befehlshabers ein Ende machte. Bis zu dieſem Ausbruche hatten ſie den Schein zu wahren geſucht; von dieſem Augenblicke an waren alle Bande zwiſchen ihnen, ſelbſt die der Höflichkeit, zerriſſen. Spike war in dem Umgange mit Frauen nie ſehr fein und zart, aber er warf jetzt ſelbſt den Anſpruch auf etwas dieſer Art bei Seite. Seine Wuth war ſo groß, daß er ſeinen männlichen Charakter ganz vergaß und Miſtreß Budd, — — 2 ——-— — 256— ſowie Biddy mit Beiwörtern überſchüttete, welche gar nicht zu entſchuldigen waren, und die wir nimmer zu wiederholen vermöchten. So ſchwach und beſchränkt die Wittwe auch war, ſo beſaß ſte doch Muth, und war bei dieſer Veranlaſſung nichts weniger als geneigt, ſich dieſen unverdienten Schmä⸗ hungen zu fügen. Biddy folgte, wie man ſich denken kann, dem Beiſpiele ihrer Gebieterin, und ſte ließen Beide ihre Zungen in dieſem Wortſtreite ziemlich lebhaft ſpielen. „Ich kenn' Euch, ich kenn“ Euch jetzt!“ ſchrie die Wittwe ſo laut ſie konnte,„und Ihr werdet uns jetzt nicht mehr täuſchen, Ihr unwürdiger Sohn des Neptun, Ihr! Ihr ſeid nicht werth, ein Landratze zu heißen, und wollt an Bord eines Schiffes den Gentleman ſpielen. Ihr ein vollgetakelter Seemann? Ihr ſeid noch nicht einmal ein halbgetakelter, ja, und ich ſag’' Euch dieß in das Geſicht.“ „Ganz recht ſo, und das iſt noch nicht die Hälfte von all dem, was man von Euch weiß,“ ließ Biddy ſich vernehmen, als ihre Gebieterin einhielt, um Athem zu ſchöpfen.„Habt Ihr nicht Miß Roſa zur Frau haben wollen, während Biddy Noon zu gut für Euch wäre? Wir kennen Euch und Euer ganzes Treiben, und könnten Eure ganze Geſchichte von dem Tage an, an dem Ihr geboren wurdet, bis zu dem jetzigen Augenblicke erzählen, und finden in dieſem langen Zeitraume nicht ein einziges Wort zu Euern Gunſten zu ſagen; ja, ein langer Zeitraum iſt's für einen Mann, der die ſchöne, junge Miß Roſa hei⸗ rathen will. O, ich mag Euch nicht anſehen, ſo häßlich ſeid Ihr.“. „Und Freund meir werth ſeid, Herz und eit Ihr entehrt, um dem Ca⸗ liche Fratze Schiff jener Geld zu fiſe werfen, wer! der anklagen „Thut! niß ablegen, hat, und no es wagtet, und ſchön iſt Kommt, Weibern, wä Ihr Euer ne Kajütstreppe ſchlimmer fü mit ihm.“ Spike w furchtbarſten aber ſprang Deck. Im erſte Tier auszula Capitän's Ar auf den Pou 244— 246. , welche gar ir nimmer zu auch war, ſo Veranlaſſung dienten Schmä⸗ in ſich denken ie ließen Beide lebhaft ſpielen. t!“ ſchrie die erdet uns jetzt n des Neptun, zu heißen, und n ſpielen. Ihr ) nicht einmal h dieß in das icht die Hälfte ieß Biddy ſich um Athem zu ar Frau haben uch wäre? Wir d könnten Eure m Ihr geboren erzählen, und a einziges Wort Zeitraum iſt's Miß Roſa hei⸗ hen, ſo häßlich — 257— „Und mich habt Ihr bereden wollen, Ihr wäret ein Freund meines guten, theuern Herrn Budd, dem Ihr nicht werth ſeid, die Schuhſchnallen aufzulöſen, und der ein Herz und eine Seele für den edlen Beruf hatte, welchen Ihr entehrt,“ warf die Wittwe ein, ſobald Biddy innehielt, um dem Capitän bei dem Worte„häßlich“ eine fürchter⸗ liche Fratze zu ſchneiden.„Ich glaube jetzt, Ihr habt das Schiff jener armen Mexikaner ſtranden laſſen, um ihr Geld zu ſiſchen, und ſobald wir an einer Rhede Anker werfen, werde ich an das Land gehen und Euch als Mör⸗ der anklagen, das werde ich.“ „Thut das, liebſte Miſſus, und ich werde Euch Zeug⸗ niß ablegen, ja, und Alles beſchwören, was ſich begeben hat, und noch mehr. O, Ihr ſeid ein Elender, daß Ihr es wagtet, Miß Roſa heirathen zu wollen, die ſo jung und ſchön iſt, während Ihr ſo alt und häßlich ſeid.“ Kommt, kommt, Stephan Spike, und hadert nicht mit Weibern, während Ihr und Eure Brigg, und Alles, was Ihr Euer nennt, in Gefahr iſt,“ rief Hans Tier von der Kajütstreppe herab.„Der Tag iſt gekommen, und, was ſchlimmer für Euch iſt, Euer gefährlichſter Feind kommt mit ihm.“ Spike war aſchgrau vor Zorn und wollte eben in die furchtbarſten Verwünſchungen ausbrechen; bei dieſem Anrufe aber ſprang er an die Treppe und war im Nu auf dem Deck. Im erſten Augenblicke war er gewillt, ſeine Wuth an Tier auszulaſſen, zum Glück für dieſen fiel aber des Capitän’s Auge, ſobald ſein Fuß die Schanze berührte, auf den Poughkeepſie, welcher, noch eine halbe Stunde 244— 246. 17 ———— — 258— entfernt ſtehend, auf das Riff abhielt, das jedoch noch eine volle halbe Meile leewärts lag. Dieſes Geſpenſt ſcheuchte alle anderen Gedanken aus des Capitän's Kopf, und er war nun das, was man ein⸗ zig an ihm achtenswerth nennen konnte,— der Seemann. Faſt inſtinctmäßig rief er die ganze Mannſchaft auf, und verwendete dann eine kurze Minute zum Ueberblick ſeiner Lage. Es war in der That Zeit, daß die Swaſfh ſich in Bewegung ſetzte. Da lag ſie, mit drei Ankern im Grund, den des Schoners eingerechnet, und mehr hatte ſie nicht, wenn man ihren beſten Tauanker und einen leichten Wurf⸗ anker ausnahm, mit den Takeln in der Höhe, um an das Wrack anzuhaken, und mit all den übrigen Feſtigungen oben, welche den Maſten gegeben worden waren. Was die Kriegsſchluppe angeht, ſo war ſie unter der⸗ ſelben Leinwand, welche ſie trug, als ſie aus den Dry⸗ Tortugas trat, den drei Marsſegeln, dem Kluͤver und dem Flitterer, die jedoch alle mittelſt der laufenden Kardeelen in ihre Spieren dicht eingenommen waren. Kurz, jeder Sachkundige konnte auf den erſten Blick ſehen, daß ſie nur des rechten Augenblicks wartete, um ihre Schwingen aus⸗ zubreiten und mit der Geſchwindigkeit des Gedankens durch das Waſſer zu fliegen. Das Wetter ſah unmuthig aus und der Wind ſtieg allmählich und drohte mit dem vorrückenden Tage ſchwer zu blaſen. „Alles losgemacht! Alles losgemacht!“ brüllte der Capitän dem Hochbootsmanne zu, welcher zuerſt auf dem Deck erſchien.„Die Kriegsſchluppe kommt auf uns nieder, und es iſt kein Augenblick zu verlieren. Wir müſſen die Brigg in m Alles hier a⸗ losgemacht, Einige I Niemand arl ſind und ihre Böen zu bege gehen. So Das Klirren die an die 2 liefen oder ve fielen. Dieß viel zu thun fertig“ war. „Weg n wieder, inder „Den Klüver Alles fle Grabe des ar Raſchheit, we ließ man das eckigen Segel bordein gehol Die Mo ſich in die W Kraft entgege in das rauhe Von den laut geworder waren ſieben jedoch noch Gedanken aus vas man ein⸗ der Seemann. haft auf, und ick ſeiner Lage. zwaſh ſich in rn im Grund, hatte ſie nicht, leichten Wurf⸗ 2, um an das n Feſtigungen ren. ſie unter der⸗ aus den Dry⸗ luͤver und dem nden Kardeelen Kurz, jeder en, daß ſie nur ſchwingen aus⸗ hedankens durch der Wind ſtieg in Tage ſchwer !“ brüllte der zuerſt auf dem auf uns nieder, Wir müſſen die — 259— Brigg in möglichſter Eile des Grundes klar machen und Alles hier aufgeben. Losgemacht, nach hinten und vorne losgemacht, Leute!“ Einige Minuten faſt verzweifelter Anſtrengung folgten. Niemand arbeitet, wie Matroſen thun, wenn ſie beeilt ſind und ihre Thätigkeit in Anſpruch genommen wird, um Böen zu begegnen, oder einer dringenden Gefahr zu ent⸗ gehen. So war es jetzt bei der Mannſchaft der Swaſh. Das Klirren der Ketten währte nur eine Minute, worauf die an die Anker gefeſtigten Theile durch die Klüsgaten liefen oder von anderen Theilen des Schiffes in das Waſſer fielen. Dieß erleichterte die Brigg ſogleich, obgleich noch viel zu thun war, bis ſie ganz hergerichtet und„reiſe⸗ fertig“ war. „Weg mit dieſem Außen⸗Halende!“ brüllte Spike wieder, indem er die Geitaue des großen Segels löſte. „Den Klüver los!“ Alles flog im Nu, und die Swaſh ſchied von dem Grabe des armen Zimmermannes mit jener Leichtigkeit und Raſchheit, welche alle ihre Bewegungen auszeichnete. Dann ließ man das Marsſegel fallen, während alle oberen, vier⸗ eckigen Segel eingenommen und aufgegeit, und der Fockhals bordein geholt wurde. Die Molly war bald in lebhaftem Gange und ſtürzte ſich in die Wellen, welche ihr mit mehr als gewöhnlicher Kraft entgegenrollten, als ſie aus dem Schutze des Riffs in das rauhe Waſſer hinaustrat. Von dem Augenblicke an, wo Spike's erſter Befehl laut geworden, bis zu dem, wo alle ſeine Segel flogen, waren ſieben Minuten vergangen. 17 — —ꝗ ꝗ— — — — — 260— Mittlerweile war der Poughkeepſie mit ſeiner weit überlegenen Mannſchaft nicht müßig. Ohne daß man die Wache unten im geringſten beunruhigte, wendete ſie anmuthig, und hielt in einer mit dem Curs der Brigg gleichlaufenden Linie, und etwa eine halbe Meile von ihr entfernt, von dem Riff ab. Jetzt wurden mehr Segel beigeſetzt und auflavirt. Spike wußte, daß die Brigg ihre Stärke in kurzen Gängen hatte, denn ſie war in ihren Bewegungen ſo raſch, daß er in der Hälfte der Zeit umlaufen zu können glaubte, welche ein Schiff von der Länge des Poughkeepſie nöthig hatte. „Raſch herum!“ rief er daher, als er etwas weniger als eine Meile von dem Riff ſtand..„Laßt ſie herum⸗ gehen.“ Die Molly drehte ſich wie ein Kreiſel und lief genau in ſechs und fünfzig Secunden völlig auf dem andern Gange ab. Die Bewegung der Korvette war ſtetiger und ruhiger, Dennoch wendete ſie ſchon in den Wind, und Spike, ſowie der Hochbootsmann ſchuͤttelten die Köpfe, als ſie ſie mit allen Segeln geſchwellt und alle Schoten fliegend in den Wind treten ſahen. „Der Burſche wird eine Kabellänge vorſtrecken, ehe er wendet,“ rief Spike aus.„Er dürfte ſich uns bei dieſem Spiele überlegen erweiſen. Abgehalten, Mann, die Brigg auf den Kanal abgehalten. Wir müſſen durch das Riff laufen, ſtatt uns in dem offenen Waſſer auf unſere Ferſen zu verlaſſen.“ Die Brigg wurde in Folge dieſes Befehls weg⸗ gewendet, d berührt, um Da de leichten Bul Kühlte, wel mit dem vor zu wollen ſe für die Sw nung hin, den Sieg d Brigg Geltu Deck zu ſeh abgeſpiegelt Lächelns ge Erzählung loszufliegen, chen ſchien. Anderer geführt und und der er Hand. Cay und im Se recht und ſy Als die einzulaufen, Sobald die Steuerbordſe Stückpforten bereit zu he und in den ſeiner weit daß man die wendete ſie 3 der Brigg Neile von ihr nd auflavirt. e in kurzen wegungen ſo fen zu können Poughkeepſie twas weniger zt ſie herum⸗ und lief genau dem andern r und ruhiger,. d Spike, ſowie ils ſie ſie mit liegend in den orſtrecken, ehe ſich uns bei alten, Mann, müſſen durch en Waſſer auf Befehls weg⸗ und der erſte Lieutenant hatte das Sprachrohr in der 1 — 261— gewendet, die Schoten nachgelaſſen und die Braſſen eben berührt, um auf den neuen Curs abzuhalten. Da der Wind anhielt, war zes möglich, in einer leichten Bulinie auf den Kanal anzulaufen, obgleich die Kühlte, welche friſcher ward, als Spike erwartet hatte, mit dem vorſchreitenden Tag mehr nach Nordoſten anholen zu wollen ſchien. Dennoch war dieß der günſtigſte Curs 3 für die Swaſh, und Alle an Bord gaben ſich der Hoff⸗ 5 nung hin, ſie würde, wenn ſie dabei verharren könnte, den Sieg davon tragen. Ehe dieſes Gefühl ſich in der Brigg Geltung verſchafft hatte, war kein Geſicht auf ihrem Deck zu ſehen, auf welchem ſich nicht große Beſorgniß abgeſpiegelt hätte; jetzt aber ließ ſich eine Art wilden. Lächelns gewahren, wie ihr Schiff auf den in dieſer Erzählung ſchon mehrfach erwähnten Durchgang eher loszufliegen, als ſich durch das Waſſer Bahn zu bre⸗ chen ſchien. 3 Andererſeits wurde der Poughkeepſie bewundernswürdig geführt und gehandhabt. Alles war jetzt auf dem Deck, Hand. Capitän Mull war ein ruhiger, beſonnener Mann und im Seedienſt ertüchtigt, was er that, geſchah regel⸗ recht und ſyſtematiſch, wenn man ſo ſagen darf.“ 4 Als die Swaſh eben im Begriffe war, in den Kanal 8 einzulaufen, rief die Trommel das Volk auf ſeine Poſten. Sobald die Leute an den Batterieen leewärts oder auf der Steuerbordſeite ſich geſammelt hatten, kam der Befehl, die Stückpforten zu öffnen und das Geſchütz zum Dienſte bereit zu halten. Da die Kriegsſchluppe leewärts ſtand und in den einzelnen Gängen ſtets ſo weit vorrückte, konnte Capitän Mull berechnen, daß er nicht viel verlöre, wenn er in den Wind luvte oder halbe Gänge machte, während er durch ſeine wohl gezielten Schüſſe Alles gewinnen konnte. Der Kampf wurde dadurch eröffnet, daß die Keiegs⸗ ſchluppe eine Kugel aus ihrer Luvbugkanone auf die Swaſh abfeuerte. Kein Schaden wurde angerichtet, obgleich die Fockraa der Brigg mit Noth ungefährdet durchkam. Dieſer Verſuch wurde dreimal wiederholt, aber kein Faden Tau wurde weggeriſſen, obgleich Wallace ſelbſt die Kanone gerichtet, und auch gut gerichtet hatte. Eine Kugel kann jedoch ihrem Ziele ſehr nahe kommen und doch keinen Schaden anrichten. Dieß war bei dieſer Gelegenheit der Fall, obwohl der„Schiffsgentleman“ über dieſes Begebniß ſehr ärgerlich war. Das Verdienſt wird ſo ſehr nach dem Erfolge berechnet und beurtheilt, daß man ſelten daran denkt, auf die Gründe des Mißlingens zurückzugehen, ſo oft es ſich auch ereignet, daß Waghälſe gerade ihren Mißgriffen ihr Glück zu danken haben. Capitän Mull beſchloß jetzt, einen halben Gang zu machen, denn ſein Schiff ſtand mehr nach leewärts, als er wünſchte. Die Offtziere in den Batterieen wurden ange⸗ wieſen, ſich umſichtig zu verhalten, und das Steuer fiel ab. Sobald das Schiff in den Wind ſchoß, wurden alle Kanonen gelöſt, welche die Brigg erreichen konnten. Dann änderte man den Curs des Schiffes, denn das Steuer war aufgerichtet worden, ehe das Schiff ſeine Fahrt verloren hatte, und jetzt fiel der Poughkeepſie wieder in ſeinen Curs ab. Alles daß die Krie ſie der Sw Kanonen w geri ztet wo Schiff nur Höhe anrich glauben, de Köpfen ſei ſtürzen. Ei vorſtenge he Maſtes herk teelbar folge folglich Al⸗ Faſt die§ Gaffel wur wurde in d in verſchied Unter wenn nicht kunft bot. begünſtigte, ihn vielleie Die aus, als ei „Halt Der liefen, war darüber zu günſtig ge t viel verlöre, hänge machte, Schüſſe Alles ß die Keiegs⸗ uf die Swaſh „obgleich die hkam. Dieſer n Faden Tau die Kanone ie Kugel kann d doch keinen helegenheit der leſes Begebniß folge berechnet enkt, auf die ft es ſich auch ffen ihr Glück lben Gang zu ewärts, als er wurden ange⸗ Steuer fiel ab. wurden alle nnten. Dann n das Steuer ſeine Fahrt pſie wieder in — 263— Alles dieß ging in ſo ungemein kurzer Zeit vorüber, daß die Kriegsſchluppe keine Fahrt verloren hatte, während ſie der Swaſh den ernſtlichſten Schaden zufügte. Die Kanonen waren auf die Spieren und Segel der Brigg geri ztet worden, denn Capitän Mull wollte das gejagte Schiff nur fangen, und die Zerſtörung, welche ſie in der Höhe anrichteten, ließen Spike und ſeine Leute anfangs glauben, das ganze Tauwerk nebſt den Segeln über ihren Köpfen ſei im Begriffe, knatternd auf das Deck niederzu⸗ ſtürzen. Eine Kugel riß die ganze Takelage der Luv⸗ vorſtenge herab, und würde ohne Zweifel den Verluſt des Maſtes herbeigeführt haben, wenn nicht eine zweite, unmit⸗ telbar folgende die Spieren ſelbſt entzwei geriſſen und folglich Alles, was über ihr war, herabgeſtürzt hätte. Faſt die Hälfte des großen Maſtes ſplitterte, und die Gaffel wurde ganz aus dem Mick geſchleudert, die Fockraa wurde in der Mitte geſpalten, und mehrere wichtige Taue in verſchiedenen Theilen des Schiffes weggeriſſen. Unter ſolchen Umſtänden war die Flucht unmöglich, wenn nicht ein ungewöhnlicher Zufall irgend eine Aus⸗ kunft bot. Spike ſah ſogleich, daß ein ſolcher Zufall ihn begünſtigte, und er nahm zu dem einzigen Mittel, welches ihn vielleicht noch retten konnte, ſeine Zuflucht. Die Kanonen ſtrömten noch Rauch und Flammen aus, als er den Befehl gab: „Halt auf Ruder!“ Der Durchgang, welchen die beiden Schiffe entlang liefen, war nicht ſo breit, daß er nicht hätte hoffen können, darüber zu kommen und in einen zu einem ſolchen Zwecke günſtig gelegenen Kanal zwiſchen den Klippen zu treten, —-- — — 264— ehe die Kriegsſchluppe ihn einzuholen im Stande war. Wohin dieſer Kanal führte, welche Waſſertiefe er hatte, und ob er nicht in eine ſeichte Sackgaſſe auslief, waren Fragen, die Spike ſich nicht beantworten konnte, die Um⸗ ſtände ließen ihm aber keine andere Wahl übrig. Es kam Spike bei ſeinem jetzigen Plane ſehr zu Statten, daß bis jetzt nichts von der Höhe in das Waſſer gefallen war, was die Fahrt der Brigg aufgehalten hätte. Nach vornen ſah ſie einem Wrack völlig ähnlich, denn die Fockraa war ganz herabgeſtürzt, ſo daß das Vorderecaſtell arg belemmert war, während die Stenge mit Allem, was dazu gehörte, faſt unmittelbar darüber hing. Dennoch war nichts über die Seite gegangen, ſo daß es das Waſſer wirklich berührte, und das Schiff gehorchte ſeinem Steuer wie gewöhnlich. Die Brigg ſchoß alſo in die eben erwähnte Seiten⸗ öffnung des Riffs und die ſtarke Bö drückte auf die Segel, welche dem Wind noch Breite genug darboten, mit einer Kraft, welche Spike's Hoffnungen vielfach belebte. Der Ponghkeepſie wendete nicht, um zu folgen, ſondern hielt ſich ſtets luvwärts, und eben als die Swaſh in den unbekannten Kanal eintrat, in welchen ſie ſich blindlings geworfen hatte, ſtand die Kriegsſchluppe etwa eine Viertel⸗ meile windwärts und hielt gerade über dem Spiegel der Brigg ab. Capitän Mull hätte jetzt das gejagte Schiff leicht vernichten können, er fühlte aber zu menſchlich, als daß er es über ſich vermocht hätte, in dieſem Augenblicke Feuer geben zu laſſen. Er wußte, daß die Brigg nicht mehr lange ausdauern könne, und erwartete, daß ſie alsbald Anker werfen ihrer leicht b Er erwa Segel berger beſchlagen ur Mittlern ſich veranlaß Zweck im Au Zur Ver ſetzte die Bri Reile entfern penkette nich fand das We veranlaßte C Er befahl, d ſchleudern, d gehe. Währen kühn auf ſeit und Leben g zu fühlen, d Verfolgern e ſchloſſen. T hatten, was ſich mehr ode und gingen einen Verſus Waſſer laſſe glücklichen C ſagen, das Stande war. efe er hatte, slief, waren te, die Um⸗ eig. ane ſehr zu das Waſſer halten hätte. ich, denn die Vordereaſtell Allem, was g. Dennoch 3 das Waſſer inem Steuer hute Seiten⸗ ickte auf die arboten, mit h belebte. gen, ſondern waſh in den ch blindlings eine Viertel⸗ Spiegel der Schiff leicht ich, als daß nblicke Feuer nicht mehr ſie alsbald — 265— Anker werfen werde, worauf er ſich mittelſt ſeiner Boote ihrer leicht bemächtigen konnte. Er erwartete dieſes Ergebniß ſo zuverſichtlich, daß er Segel bergen ließ, indem er befahl, die Bramſegel zu beſchlagen und die großen Segel aufzugeien. Mittlerweile hatte der Wind ſo aufgefriſcht, daß er ſich veranlaßt ſah, aufzuwerfen, wobei er einen doppelten Zweck im Auge hatte. Zur Verwunderung Aller an Bord der Kriegsſchluppe ſetzte die Brigg ihre Fahrt fort, und ſtand bald eine volle Reile entfernt, denn ſie war in dem Labyrinth der Klip⸗ penkette nicht nur auf kein Hemmniß geſtoßen, ſondern fand das Waſſer immer tiefer und tiefer. Dieſer Umſtand veranlaßte Capitän Mull, ſeine Paixhans ſpielen zu laſſen. Er befahl, die Bomben eine Strecke jenſeit der Brigg zu ſchleudern, damit ſie ſich den Wink merke und vor Anker gehe. Während die Kanonen hergerichtet wurden, hielt Spike kühn auf ſeinen Curs ab, denn er wußte, daß es jetzt Leib und Leben galt, und begann ſeine Hoffnung ſchwach belebt zu fühlen, da er ſah, daß er ſich ſtets mehr von ſeinen Verfolgern entfernte, und daß die Klippen ihn nicht ein⸗ ſchloſſen. Dieſelben Männer, welche über das gemurrt hatten, was ihnen ein zu großes Wagniß ſchien, ließen ſich mehr oder weniger von demſelben Gefühle beſchleichen, und gingen daran, den ihnen jetzt zukommenden Befehl, einen Verſuch zu machen, ob ſie das Langboot in das Waſſer laſſen könnten, mit der beſten Ausſicht auf einen glücklichen Erfolg zu erfüllen. Vorher konnte man kaum ſagen, das Werk habe einen Fortgang gehabt, jetzt aber — 266— machten ſich zwei der älteſten Matroſen an das Werk, und man ſchlug mehrfache Wege vor, welche zum Ziele zu führen verſprachen. Es war jedoch nicht leicht, das Langboot aus einem halbgetakelten Schiffe zu ſchaffen, das ſeine Fockraa ver⸗ loren hatte, und nach hinten ohne lange Raaen war. Gewöhnlich hatte man ſich des Dirks der Beſahnsruthe bedient, um den Spiegel des Bootes zu heben, der Dirk hinten war aber jetzt ohne Nutzen, da es vornen an einem Haltpunkte fehlte. Während man dieſe Fragen unter der Aufſicht des Hochbootsmannes erörterte, und Spike zwiſchen den Vorder⸗ klüſen ſtand und ſein Schiff im Auge hatte, ließ die Kriegs⸗ ſchluppe ihre erſte hohle Kugel fliegen. Die ſchwirrende Maſſe kam auf die Swaſh heran, und alle Köpfe hoben ſich, und alle Augen ſchauten nach dem dunkeln Gegenſtande, der über ihren Köpfen wegpfiff⸗ Die Bombe platzte eine volle Meile leewärts von der Brigg. Man hatte der erſten Kugel dieſes weite Zielen gegeben, um dem Capitän anzudeuten, wie lange er noch in dem Bereiche der Kanonen zu laufen habe, um ihn zu mahnen, beizulegen. Die zweite Bombe folgte ſogleich. Man ſah ſie gerade in einer Linie mit der Brigg aufſchlagen und Sprünge machen, welche eine volle halbe Meile lang waren. Sie traf etwa fünfzig Ellen ſpiegelwärts von der Swaſh das Waſſer, ſetzte unmittelbar über das Deck, wo ſie zwiſchen dem großen Segel und dem wracken Tauwerk vornen durch⸗ flog, um auf hundert Ellen nach vornen zu platzen. Wie es gewöhnlich bei ſolchen Geſchoſſen der Fall iſt, flogen die Stücke urſprüngliche Dieſer 6 einen plötzlich ſchimmer wa ſich ſofort d welcher ſie Langboot. und ging de Spitze, auf ſtellen, daß gefährlichſten mannigfachſt Der C Wuth leuchte auf ihre Po ſeines Wam barg, die C nicht zu miß Es iſt ner zuweiler Abhängigkei ausüben. 6 eine reichlig ſchaft, welch In der hohem Gra und Hingel entgegen, u Sie wu 1s Werk, und um Ziele zu ot aus einem Fockraa ver⸗ Raagen war. Beſahnsruthe een, der Dirk nen an einem Aufſicht des n den Vorder⸗ ieß die Kriegs⸗ virrende Maſſe oben ſich, und genſtande, der tzte eine volle zielen gegeben, r noch in dem n zu mahnen, ſah ſie gerade und Sprünge g waren. Sie er Swaſh das vo ſie zwiſchen vornen durch⸗ platzen. Wie all iſt, flogen — 267— die Stücke größtentheils ſeitwärts, oder wurden, von der urſprünglichen Kraft getrieben, nach vornen geſchleudert. Dieſer Schuß machte auf die Mannſchaft der Swaſh einen plötzlichen, tiefen Eindruck. Die ſchwachen Hoffnungs⸗ ſchimmer waren auf einmal verſchwunden, und Jeder ſchien ſich ſofort der verzweifelten Lage bewußt zu werden, in welcher ſie ſich befanden. Niemand dachte mehr an das Langboot. Die Mannſchaft beſprach ſich einen Augenblick, und ging dann in Maſſe, den Hochbootsmann an der Spitze, auf das Vordercaſtell, um ihrem Capitän vorzu⸗ ſtellen, daß ein längeres Beharren in ſeinem Curſe die gefährlichſten Folgen nach ſich zöge und ihr Leben auf die mannigfachſte Weiſe bedrohe. Der Capitän hörte ſie mit Augen an, welche vor Wuth leuchteten. Mit einer Donnerſtimme befahl er ihnen, auf ihre Poſten zu gehen, und ſchlug an die Bruſttaſche ſeines Wamſes, in welcher er, wie man wußte, Terzerolen barg, die Geberde, welche dieſe Bewegung begleitete, war nicht zu mißdeuten. Es iſt in der That wunderbar, welche Gewalt Män⸗ ner zuweilen durch Charakter, Gewohnheit, zu befehlen, Abhängigkeit und Einſchüchterung über ihre Mitmenſchen ausüben. Spike hielt auf ſtrenge Zucht, und dieß, ſowie eine reichliche Löhnung ſicherte ihm die unbedingte Herr⸗ ſchaft, welche er oft an Bord geltend machen mußte. In dem vorliegenden Falle waren ſeine Leute in hohem Grade beunruhigt, aber die gewohnte Abhängigkeit und Hingebung an ihren Führer wirkte jenem Gefühle entgegen, und machte ſie unentſchieden. Sie wußten vollkommen ihre Lage dem Geſetze gegen⸗ —— — — — —— — 268— über zu würdigen, und waren nichts weniger als gewillt, an einem Gehaben Theil zu nehmen, das ihnen verbreche⸗ riſch erſcheinen mußte. Die Mehrzahl war aber bei frü⸗ heren Gelegenheiten durch die Ruhe, Thatkraft und Geſchick⸗ lichkeit des Capitäns aus ſo vielen ernſten Gefahren gerettet worden, daß in den rauhen Herzen der älteren Seebären an Bord ſtets noch ein ſchwacher Hoffnungsſchimmer zurückblieb. In Folge dieſer mannigfachen Gründe ſtanden ſie von ihren Vorſtellungen, wenigſtens für den Augenblick, ab, und thaten, als kehrten ſie zu ihrer Pflicht zurück, obgleich ſelbſt dieß mürriſch und unwirſch geſchah. Es war jedoch leichter, mit mehr oder weniger gutem Willen das Langboot hinaushiſſen zu wollen, als dieſen Zweck zu erreichen. Dieß zeigte ſich ſogleich bei dem erſten Verſuche, und Spike ſelbſt gab die Sache auf. Er befahl, die Jolle niederzulaſſen, an die Seite zu bringen, einen kleinen Vorrath von Lebensmitteln und Waſſer hineinzu⸗ ſchaffen, und ſie zur Aufnahme der Mannſchaft bereit zu halten. Während dieſer ganzen Zeit flog die Swaſh wie toll unter Klippen und Brandungen, ohne einen andern Führer, als den, welchen die ſichtbaren Gefahren boten, nach leewärts. Spike wußte ſo wenig, als der letzte Matroſe in ſeinem Schiffe, wohin er ſegelte. Sein einziges Ziel war, ſeinen Verfolgern zu entfliehen, und ſeinen Hals vor dem Strange zu wahren. Er ſteigerte die Gefahr der Strafe, welche ihm wirklich drohte, denn er kannte die Größe und Natur ſeiner Verbrechen, von denen dem Leſer einige wenige bekannt geworden ſind, welche, von dem Standpunkte zu den vorr betrachtet, be ſich ſchuldig Um dief nach vornen, ztung dieſes Bewegungen abſonderliche wünſchte der lande auch i niſſe bedräng „Beabſt Don Eſtebaf Falle ſcheint Spike kamen offen „Sprec würde durch beſonders i Winde, wir laſſen.“ „Die laufen, Do der erſten E „Ich Augenblicke, meine Auge und erwart ſchickt, um r als gewillt, nen verbreche⸗ aber bei frü⸗ und Geſchick⸗ fahren gerettet eren Seebären ungsſchimmer ſtanden ſie i Augenblick, Pflicht zurück, ſchah. veniger gutem en, als dieſen bei dem erſten f. Er befahl, pringen, einen iſſer hineinzu⸗ inſchaft bereit waſh wie toll ndern Führer, boten, nach letzte Matroſe meinziges Ziel inen Hals vor e Gefahr der er kannte die nen dem Leſer che, von dem — 269— „ Standpunkte der Geſetze und des Völkerrechts aus geſehen, zu den vorragendſten gehören, von dem der Moral aber betrachtet, bei weitem nicht die ſchwerſten waren, deren er ſich ſchuldig gemacht hatte. Um dieſe Zeit begab ſich der Senor Montefalderon nach vornen, um mit Spike zu ſprechen. Die ruhige Hal⸗ ztung dieſes Herrn, die Einfachheit und Würde ſeiner Bewegungen deuteten auf ein Gewiſſen, welches ſich keines abſonderlichen Grundes zu Beſorgniſſen bewußt war. Er wünſchte der Gefangenſchaft zu entgehen, um ſeinem Vater⸗ lande auch noch ferner dienen zu können, weitere Beſorg⸗ niſſe bedrängten ihn nicht. „Beabſichtigt Ihr, Euch der Jolle anzuvertrauen, Don Eſteban?“ fragte der Mexikaner ruhig.„In dieſem Falle ſcheint ſie mir zu klein, um uns Alle zu faſſen.“ Spike antwortete mit leiſer Stimme, ſeine Worte kamen offenbar aus einer ſehr heitern Kehle. „Sprecht leiſer, Don Wan,“ ſagte er.„Das Boot würde durch die ganze Mannſchaft zu überladen ſein, beſonders in den Brandungen und bei dieſem ſtraffen Winde, wir können aber einen Theil der Geſellſchaft zurück⸗ laſſen.“ „Die Brigg muß früher oder ſpäter an die Klippen laufen, Don Eſteban, in dieſem Falle aber wird ſie in der erſten Stunde zerſchellt ſein.“ „Ich erwarte, daß ſie jede Minute ſtrandet, in dem Augenblicke, wo dieß geſchieht, müſſen wir fort. Ich habe meine Augen ſchon einige Zeit auf jenes Schiff gerichtet, und erwarte, daß es ſeine Kutter und Gigs an uns heran⸗ ſchickt, um uns zu entern. Ihr werdet Euch in der Nähe — 270— halten, es iſt jedoch nicht nöthig, viel von unſerer Flucht zu ſprechen.“ Spike wendete dem Merkkaner jetzt den Rücken und ſpähte eifrig nach vornen, da er wünſchte, ſo weit als möglich mit ſeiner Brigg, welche er mit großer Ruhe und Geſchicklichkeit handhabte, in das Riff zu gelangen. Der Senor Montefalderon verließ ihn. Die Ritter⸗ lichkeit und Umſicht des Mannes, und des Ehrenmannes, veranlaßte ihn, Miſtreß Budd und Biddy aufzuſuchen. Es bedurfte bei ihnen nur eines Winkes, ſie rafften das Nöthigſte in der Eile zuſammen und waren in den nächſten drei Minuten in der Jolle. Dieſe Schritte waren Spike entgangen, ſonſt hätte er ſie verhindert. Seine Augen waren dem Kanale nach vornen zugewendet. Er war völlig entſchloſſen, ſobald die Brigg ſcheiterte, in dem Boote zu fliehen, und nicht nur Don Juan, Miſtreß Budd und Biddy, ſondern auch die Mehrzahl des Volkes ihrem Schickſale zu überlaſſen. Der Hochbootsmann und drei der brauchbarſten Matroſen hatten geheimen Befehl erhalten, und Alle bewahrten das Geheimniß mit der unverbrüch⸗ lichſten Gewiſſenhaftigkeit, da anzunehmen war, daß ihre perſönliche Rettung von dem Gelingen des Plans abhing. Die Furcht iſt eine anſteckende Krankheit. Es erfordert nicht nur große natürliche Nervenſtärke, ſondern eine durch Gewohnheit geſtählte Feſtigkeit, um da ruhig zu bleiben, wo Alles rings um uns von Schrecken ergriffen iſt. Die herkömmliche Achtung hatte die Mannſchaft abge⸗ halten, ſich dem Thun des Mexikaners entgegen zu ſtellen, der nicht nur ungehindert mit ſeiner weiblichen Begleitung in das Boot ſtieg, ſondern auch den kleinen Sack mit Dublonen mi Schoners ale Joſh un über Bord u war, ihre † für die, wele dem Andern Jolle, bis ar Deck zu ſeh Letzte, der ſe Seiten des H war, hätte e Ohne 8 ſich jetzt in nicht groß ohne Gefah Seite der 2 Eigenthümer Alles und die Bei wenig Zeit ſie da, wo dringen ſchi So vi getheilten 2 Augenblicke einlief, bis vergangen. Sobal luvwärts 1 inſerer Flucht Rücken und ſo weit als jer Ruhe und angen. Die Ritter⸗ prenmannes, aufzuſuchen. ie rafften das mden nächſten waren Spike Seine Augen et. Er war erte, in dem Miſtreß Budd Volkes ihrem unn und drei efehl erhalten, unverbrüch⸗ dar, daß ihre Zlans abhing. Es erfordert ſondern eine da ruhig zu ecken ergriffen anſchaft abge⸗ gen zu ſtellen, en Begleitung hen Sack mit — 271— Dublonen mitnahm, welche ihm bei dem erſten Heben des Schoners als ſein Antheil zugefallen waren. Joſh und Hans Tier halfen Miſtreß Budd und Biddy über Bord und nahmen, ſobald dieſe fromme Pflicht erfüllt war, ihre Plätze in dem Boote ein. Dieß war ein Wink für die, welche ſich in der Nähe befanden, und Einer nach dem Andern verließ ſeinen Poſten und ſtahl ſich in die Jolle, bis außer Spike kein lebendes Weſen mehr auf dem Deck zu ſehen war. Der Mann an dem Ruder war der Letzte, der ſeinen Poſten verließ, und ohne einen Wink von Seiten des Hochbootsmannes, mit welchem er ſehr befreundet war, hätte er dieſen Schritt noch nicht gethan. Ohne Zweifel hegte die Mannſchaft der Swaſh, welche ſich jetzt in einem Boote zuſammen gedrängt ſah, das nicht groß genug, um auch nur die Hälfte dieſer Zahl ohne Gefahr zu faſſen, den geheimen Wunſch, von der Seite der Brigg abzuſtoßen und ihren Befehlshaber und Eigenthümer ſeinem Schickſale zu überlaſſen. Alles war jedoch in ſolcher Eile vor ſich gegangen, und die Begebniſſe drängten ſich ſo raſch, daß man nur wenig Zeit zur Berathung hatte. Die Gewohnheit feſſelte ſie da, wo ſie waren, obgleich Alles um ſie her darauf zu dringen ſchien, daß ſie an ihre Rettung dachten. So viel Zeit wir auch brauchten, um die hier mit⸗ getheilten Begebniſſe zu berichten, war doch von dem Augenblicke an, wo die Swaſh in den unbekannten Kanal einlief, bis zu dem, wo ſie ſcheiterte, keine Viertelſtunde vergangen. Sobald das Ruder verlaſſen worden, lief die Brigg luvwärts und drehte ſich in den Wind, und Spike, der — die Urſache nicht kannte, wollte eben dem Steuermann ſeine Verwünſchungen zuſenden, als die Brigg mit der Seite auf ein ſcharfes, eckiges Felſenlager geſchleudert wurde. Zum Glück für das Boot und Alle darin war es durch die Wendung des Schiffes leewärts gekommen, und das Waſſer hatte ringsum Tiefe genug, um das Branden der Wellen zu verhüten. Brandungen waren allerdings auf allen Seiten in großer Menge, und die Seeleute wußten recht gut, daß ein Schiffbruch die Gefahr nicht noch zu ſteigern brauchte, um ihre Lage zu einer faſt ver⸗ zweifelten zu machen. Der Sturm ſelbſt war kaum lärmender und tobender, denn Spike, als er ſah, wie ſeine Leute ſich benommen hatten. Er glaubte anfangs, ſie hätten die Abſicht, ihn ſeinem Schickſale zu überlaſſen. Als er aber an die Leelaufplanke ſtürzte, verſicherte ihn Don Juan Montefalderon, man habe nie an etwas dieſer Art gedacht, und er würde nicht zugeben, daß das Boot abſtoße, bevor der Capitän an Bord getreten ſei. Dieſe Worte veranlaßten Spike, für ſeinen Antheil an den Dublonen Sorge zu tragen, und er ſtürzte in ſeinen Verſchlag, um ſie und ſeine Quadranten zu holen. Das Knarren des Bodens der Brigg auf dem Fels deutete auf ein raſches Zerſchellen des Schiffes, während der Capitän ſo beſchäftigt war. So ungeſtüm waren einzelne Stöße, mit welchen es auf das harte Lager geworfen wurde, in dem es jetzt eingeengt war, daß Spike glaubte, es müſſe berſten, ſo lange er noch an Bord weilte. Das Krachen des Holzes ſagte ihm, die Swaſh ſei verloren, auch Schatze errei wie man zu und daß ſein welche fürcht nach hinten 1 Ungeacht die Minuten Gefahr lief, blieb er doch einen Augenk zu überſchau genau in das Da ſich theilweiſe an es uns geſta damit zuſamn Die Bri betretenen Ko an der Stelle ſtand in der Boote auf de die Brigg au Die Bre der Oberfläch Wrack, ſo we Die Waſſerſt aufhielt, wa ihnen, und g daß er offene 244— 246 Steuermann rigg mit der geſchleudert arin war es ommen, und das Branden en allerdings die Seeleute Gefahr nicht iner faſt ver⸗ und tobender, mmen hatten. „ihn ſeinem Leelaufplanke lderon, man rwürde nicht Capitän an Spike, für ragen, und er Quadranten uf dem Fels tes, während eſtüm waren harte Lager r, daß Spike Bord weilte. Swaſh ſei verloren, auch hatte er die Laufplanke noch nicht mit ſeinem Schatze erreicht, als er ſich überzeugte, daß das Schiff, wie man zu ſagen pflegt, ſein Rückgrat gebrochen hatte, und daß ſeine Schanddeckel ſich in einer Weiſe öffneten, welche fürchten ließ, das Schiff zerfalle in zwei Theile, nach hinten und nach vornen. Ungeachtet aller dieſer unverkennbaren Beweiſe, daß die Minuten der Molly gezählt waren, und daß Spike Gefahr lief, von ſeiner Mannſchaft verlaſſen zu werden, blieb er doch, ehe er über die Seite des Schiffes ſtieg, einen Augenblick ſtehen, um den Gang des Riffes flüchtig zu überſchauen. Er wollte die Lage der Brandungen genau in das Auge faſſen, um ihnen auszuweichen. Da ſich das Intereſſe des demnächſt zu Berichtenden theilweiſe an dieſe eigenthümlichen Gefahren knüpft, dürfte es uns geſtattet ſein, ihre Natur, ſowie einige andere damit zuſammenhängenden Punkte kurz zu erläutern. Die Brigg war zwei volle Meilen in dem von ihr betretenen Kanale fortgelaufen, und dieſer endigte gerade an der Stelle, wo ſie geſcheitert war. Der Poughkeepſie ſtand in der Hauptdurchfahrt auf und an, hatte ſeine Boote auf dem Waſſer und ſchickte ſich augenſcheinlich an, die Brigg auf dieſe Weiſe gefangen zu nehmen. Die Brandungen angehend, ſo glänzte ihr Weiß auf der Oberfläche des Meeres nach allen Richtungen um das Wrack, ſo weit das Auge reichen konnte, zwei ausgenommen. Die Waſſerſtraße, in welcher die Kriegsſchluppe an⸗ und aufhielt, war, wie es ſich von ſelbſt verſteht, frei von ihnen, und gegen anderthalb Meilen nordwärts ſah Spike, daß er offenes Waſſer finden würde, wenn es ihm gelänge, 244— 246. 18 —— — —— — — —— jene Seite des Riffes zu erreichen. Der Weg dahin führte durch Brandungen, welche ſich auf allen Seiten brachen, und ohne Zweifel auch über Klippen, welche ſo nahe an die Oberfläche heran traten, daß ſie den Weg gänzlich zu ſperren drohten. In einem Sinne konnten die Brandungen ſich jedoch auch nützlich erweiſen. Wenn er ſie ſo viel als möglich vermied und in dem glattern Waſſer blieb, konnte das Boot in einen der Kanäle des Riffes gelangen und folglich um ſo ſicherer ſein. In Folge dieſer Unterſuchung, welche kaum eine Minute hinnahm, gelangte Spike zu einer Art Plan, und als er über die Seite ſtieg und das Boot betrat, ſtand ſein Entſchluß feſt, in aller Eile aus dem Riff nach deſſen nördlicher Spitze hin zu laufen und ſeinen Saum entlang nach den Dry⸗Tortugas zu flüchten. Siebentes Kapitel. Das Wuthgebrüll, das Aechzen, Stöhnen, Das Fluchen und der Waffen Dröhnen, Verſtümmelter halblautes Keichen, Das Fleh'n um Gnade, blut'ge Leichen, Die ſtarren Augs gen Himmel ſchau'n,— Das Alles zeigt des Schlachtfelds Grau'n. Matthew Lee. Es war hohe Zeit, daß Spike in die Jolle kam. Die Leute begannen im höchſten Grade ungeduldig und beſorgt zu werden, und die Gewalt, welche der Senor Montefal⸗ deron bisher über ſie geübt hatte, wurde mit jedem Augen⸗ blicke unzureie das Knarren ſelbſt, und für ihrer Seite l begraben. D die Luvſeite d Alle in dem? ſie einem heff daher gut, de Minute länge herbeigeführt. Ein eiska blickte und der bänke, in wele kaum einen Pl Da er die St Hans Befehl, gehen um ihr gedrängt, und auf den Bode maßen bewege auszuſchöpfen. zu widmen, he dringlich dar⸗ Gefäße, welch Von Ru an Raum, u Jolle zu tief ſtarken See he In allem z dahin führte ßeiten brachen, he ſo nahe an eg gänzlich zu gen ſich jedoch el als möglich , konnte das en und folglich he kaum eine Art Plan, und betrat, ſtand Kiff nach deſſen Saum entlang Aechzen, Stöhnen, Vaffen Dröhnen, es Keichen, blut'ge Leichen, dimmel ſchau'n,— blachtfelds Grau'n. Matthew Lee. olle kam. Die dig und beſorgt enor Montefal⸗ it jedem Augen⸗ — 275— blicke unzureichender. Sie hörten das Splittern der Hölzer, das Knarren auf dem Fels noch deutlicher als der Capitän ſelbſt, und fürchteten, die Brigg möchte, während ſie an ihrer Seite lägen, zerſchellen und ſie in ihren Trümmern begraben. Dann flel die Sprühe der Wellen, welche über die Luvſeite der Brigg brachen, wie Regen auf ſie, und Alle in dem Boote waren bereits ſo durchnäßt, als wären ſie einem heftigen Schauer ausgeſetzt geweſen. Es war daher gut, daß Spike in dem Boote erſchien, denn eine Minute längern Zögerns hätte ſein eigenes Verderben herbeigeführt. Ein eiskalter Schauer überlief Spike, als er um ſich blickte und den Zuſtand der Jolle gewahrte. Die Spiegel⸗ bänke, in welche er herabſtieg, waren ſo überfüllt, daß er kaum einen Platz fand, wohin er ſeinen Fuß ſtellen konnte. Da er die Steuerung zu übernehmen beabſichtigte, erhielt Hans Befehl, in die Nähe der Klüſen des Bootes zu gehen um ihm Platz zu machen. Die Duften waren gedrängt, und drei oder vier von dem Volke hatten ſich auf den Boden des Bootes geſetzt, um ſich nur einiger⸗ maßen bewegen zu können, wenn es nöthig wäre, Waſſer auszuſchöpfen. Die Nothwendigkeit, ſich dieſem Geſchäfte zu widmen, hatte ſich in der That jedem Einzelnen als ſo dringlich dargeſtellt, daß faſt Alle mit irgend einem Gefäße, welches dieſem Zwecke entſprach, verſehen waren. Von Rudern konnte keine Rede ſein, denn es fehlte an Raum, um die Arme zu bewegen; überdieß ging die Jolle zu tief in dem Waſſer, als daß man bei einer ſo ſtarken See hätte rudern können. In allem waren achtzehn Perſonen in einem kleinen 18* . —— — ꝗ— — —— ——— — 276— Fahrzeuge zuſammengedrängt, welches, bei gemäßigtem Wetter zur See, mit ſeinen vier Ruderern, eben ſo vielen in den Spiegelduften Sitzenden, und Einem in der Nähe der Klüſen, um ihm einen ebenern Kiel zu geben, hinrei⸗ chend beladen geweſen wäre. Mit andern Worten, es hatte an lebendiger Fracht gerade die doppelte Laſt in ſich, welche ein ſo kleines Boot bei einer gewöhnlichen Veranlaſſung, in oder außer dem Hafen, haben durfte, wenn man es keiner Gefahr ausſetzen wollte. Außer der lebendigen Fracht, wie wir ſie eben erwähnt haben, enthielt die Jolle auch noch ziemlich viel Gepäck, denn faſt alle waren ſo vorſichtig geweſen, einige Kleidungs⸗ ſtücke zum Wechſeln mit ſich zu nehmen. Die Vorräthe waren eben nicht ſehr beläſtigend, denn man hatte deren nicht mehr an Bord gebracht, als man für den Capitän und die vier Matroſen, welche ihn begleiten ſollten, nöthig zu haben glaubte. In Folge dieſer ſchweren Fracht mußte die Jolle ſehr tief in dem Waſſer ſtehen, und alle Seekundigen an ihrem Bord hegten die lebhafteſten Beſorgniſſe, ſie würde gar nicht ſchwimmen können, wenn ſie aus der Lee der Swaſh in die unruhige See träte. Der Verſuch mußte jedoch gewagt werden, und Spike gab zaudernd und widerwillig den endlichen Befehl„abzuſtoßen.“ Die Jolle führte ein Raaſegel, wie es gewöhnlich Boote zur See führen, und der erſte Anprall der Kühlte darauf überzeugte Spike, daß ſein jetziges Unternehmen eines der gefahrvollſten ſei, in die er ſich je eingelaſſen. Die Windſtöße waren ſo ſtark, daß das Boot ſich mit Mühe gegen ſie hielt; daran lag ihm aber wenig⸗ vrun er lief vor de der Jolle, w Auch la⸗ voran zu ſeg wurden, in d das Einbreche abhält. Als vereinigte Kre entſpann ſich dem Hochboot „Ich we gen vor uns es Euch übe Leute des Kri Es reeft ſind auf den ſagen bei.“ „Und ſe „Ich ſel den Seiten n vier, Herr, 1 ſegel gereeft, „Wir h ſollen, aber dieſe hölliſch uns wenden, Leute, ſchöp *) Das dick gemäßigtem eben ſo vielen in der Nähe geben, hinrei⸗ erten, es hatte in ſich, welche Veranlaſſung, wenn man es e eben erwähnt h viel Gepäck, nige Kleidungs⸗ Die Vorräthe an hatte deren ir den Capitän ſollten, nöthig e die Jolle ſehr digen an ihre ſie würde gar Lee der Swaſh h mußte jedoch und widerwillig es gewöhnlich rall der Kühlte es Unternehmen h je eingelaſſen. ‚Boot ſich mit ber wenig⸗ venn — ——— er lief vor dem Winde ab, und bei einer ſolchen Wucht in der Jolle, war kaum zu fürchten, daß ſie ſcheitern werde. Auch lag ein Vortheil darin, ſo raſch als möglich voran zu ſegeln, da die Wellenkämme dadurch gehindert wurden, in das Boot zu brechen, obgleich der Wind ſelbſt das Einbrechen der Wogen bei einer ſteifen Kühlte kaum abhält. Als die Jolle von der Brigg klar war und die vereinigte Kraft von Wind und Wellen zu fühlen begann, entſpann ſich folgendes kurze Geſpräch zwiſchen Spike und dem Hochbootsmann. „Ich wage es nicht, meine Augen von den Brandun⸗ gen vor uns abzuwenden,“ begann der Capitän,„und muß es Euch überlaſſen, Strand, mir zu berichten, was die Leute des Kriegsſchiffes vorhaben. Was macht das Schiff?“ Es reeft eben ſeine Marsſegel ein, Herr, alle drei ſind auf dem Eſelshaupt*) und das Schiff legt ſo zu ſagen bei.“ „Und ſeine Boote?“ „Ich ſehe keines, Herr,— ah, ah, da kommen ſie an den Seiten wie eine kleine Flotte hervor. Es ſind ihrer vier, Herr, und ſie kommen alle vor dem Wind, die Raa⸗ ſegel gereeft, die Meven nieder.“ „Wir hätten das unſrige eigentlich auch einreefen ſollen, aber wir dürfen uns damit nicht aufhalten, und dieſe hölliſchen Wellenkämme ſcheinen überall, wohin wir uns wenden, in das Boot ſchauen zu wollen. Rührt Euch, Leute, ſchöpft aus, was Ihr könnt, wir müſſen durch *) Das dicke Holz an jedem Maſtenabſatz. Der Ueberſetzer. ——— ——-— — 248— einen Strich weißen Waſſers, es iſt nicht zu ändern, Gott gebe, daß wir von den Felſen klar abkommen.“ Alles dieß war nur zu wahr. Das Boot war noch keine volle Kabellänge von der Brigg entfernt, als es ſich bereits ſo völlig von Brandungen umgeben ſah, daß ihm nichts übrig blieb, als ſie zu durchſchneiden. Nur die unvermeidlichſte Nothwendigkeit hätte je einen Mann, der bei Sinnen war, vermocht, einen ſolchen Raum zu beſchiffen, auch ſahen unſere Seeleute mit einer Art dumpfer Verzweiflung die kleine Jolle ſich in dieſen Giſcht ſtürzen. Spike ließ es jedoch an keiner Vorſicht fehlen, welche Erfahrung und Geſchicklichkeit ihm eingaben. Er hatte mit Ruhe und ſicherm Auge ſeinen Raum gewählt. Wie das Boot ſich auf den Wellen hob, blickte er eifrig nach vorn, und indem er in dem rechten Augenblicke wendete, kam er in eine Art Kanal, welcher Waſſertiefe genug hatte, um von den Felſen klar zu bleiben, und wo die Brandun⸗ gen minder gefährlich waren, als an den ſeichteren Stellen. Die Fahrt bis zu dieſem Kanale nahm eine Minute hin, und war ſo bedenklich, daß Niemand Athem zu holen wagte, bis man über dieſe Stelle weg war. Der geſchickteſte Steuermann hätte das Einbrechen der Wellen über das Dolbort nicht verhüten können, und ein Drittheil des Bootes war mit Waſſer gefüllt, als man die Gefahr hinter ſich hatte. Hier war weder Ort noch Zeit um anzuhalten, das kleine Fahrzeug wurde faſt bis an ſein Dolbord niedergedrückt, da die Kühlte in einzelnen Stößen gegen das Raaſegel anſtürmte und den Maſt faſt herauszureißen drohte. Alles war mit Ausſchöpfen beſchäſ⸗ tigt, und ſelb beſeitigen zu „Es iſt Spike ernſt. Waſſer ausg eifrig!“ Es war inmitten der ruhigte, denn zu laſſen, u man mitgebre von ihrem R fühlte, wie gehen, warf Knieen hatt Spike zu der blieben an T „Was der Capitän hinweg war Klippen abw die Leute vo „Sie lo eins der Bo es ſcheint ſchwer, etwa ein gutes S „Und d „Nun, wollen; we ändern, Gott 72 vot war noch t, als es ſich ah, daß ihm n. Nur die linen Mann, en Raum zu it einer Art dieſen Giſcht eehlen, welche n. Er hatte ewählt. Wie er eifrig nach blicke wendete, genug hatte, die Brandun⸗ zteren Stellen. Minute hin, ſem zu holen FEinbrechen der nen, und ein als man die Ort noch Zeit e faſt bis an in einzelnen den Maſt faſt oöpfen beſchäſ⸗ tigt, und ſelbſt Biddy brauchte ihre Hände, um das Waſſer beſeitigen zu helfen. „Es iſt keine Zeit zu verlieren, ihr Leute,“ ſagte Spike ernſt.„Alles muß über Bord, Lebensmittel und Waſſer ausgenommen. Alles ſogleich fort, rüſtig und eifrig!“ Es war ein Beweis, wie ſehr dieſer erſte Verſuch inmitten der Brandungen die ganze Mannſchaft beun⸗ ruhigte, denn Niemand wagte, eine Einſprache laut werden zu laſſen, und ohne Zögern flog Alles in die See, was man mitgebracht und zu retten gehofft hatte. Biddy ſchied von ihrem Reiſeſack, und Seüor Montefalderon, welcher fühlte, wie wichtig es ſei, mit gutem Beiſpiele voran zu gehen, warf einen kleinen Schreibpult, welchen er auf den Knieen hatte, in die Tiefe. Nur die Dublonen, welche Spike zu den ſeinigen in ein kleines Kiſtchen gethan hatte, blieben an Bord. „Was gibt es ſpiegelwärts, Hochbootsmann?“ fragte der Capitän, ſobald man über dieſe gefährliche Stelle hinweg war.„Ich darf meine Augen nicht von dieſen Klippen abwenden, die uns überall umgeben. Was machen die Leute von der Kriegsſchluppe.“ „Sie laufen alle auf das Wrack nieder,— doch nein, eins der Boote ſcheint aus der Linie abhalten zu wollen; es ſcheint unſer Fahrwaſſer aufzuſuchen. Es iſt jedoch ſchwer, etwas Gewiſſes zu ſagen, Herr, denn ſie ſind noch ein gutes Stück windwärts von dem Wrack.“ „Und die Molly, Mann?“ „Nun, die Molly ſcheint bald auseinanderfallen zu wollen; wenn ich recht ſehe, iſt ſie ſchon hinter den Pöck⸗ — 280— ruſten entzwei gebrochen und wird ſich wohl nicht lange mehr halten können.“ Dieſer Bericht drängte ein dumpfes Aechzen aus Spike's Bruſt, und die Blicke aller Matroſen an Bord wendeten ſich einem Gegenſtande zu, welchen ſie ſo raſch hinter ſich ließen. Im Vergleich mit der Gewalt des Windes, der faſt bis zum Sturme ſtieg, ſegelte die Jolle eben nicht raſch, denn ſie ſtand viel zu tief im Waſſer; dennoch trat ſie ſo ſchnell von dem Wrack ab, daß die Gegenſtände an deſſen Bord bereits undeutlich zu werden begannen. Alle ſahen ein, daß das Boot, gleich einem übermäßig belaſteten Pferde, mehr zu tragen hatte, als es bewältigen konnte, und ſo ſehr auch Seeleute, ſelbſt in den dringendſten Gefahren, dem Urtheile und den Befehlen ihrer Obern zu vertrauen pflegen, war es doch den Unerfahrenſten klar, daß ſie der Gefahr zu ertrinken ſchwerlich entgehen würden. Die Leute blickten einander in einer Weiſe an, welche ihre Gefühle deutlich ausſprach, und der Augenblick ſchien Spike günſtig, um ſich mit ſeinen vertrauteſten Seebären leiſe zu beſprechen; es zeigte ſich aber wieder weißes Waſſer nach vornen, und man mußte es durchſchneiden, da nir⸗ gends eine Oeffnung ſichtbar war, welche einen Ausweg bot. Er verſchob daher ſein Vorhaben, bis dieſe Gefahr beſeitigt wäre. Spike blickte nach allen Seiten umher, ohne einen Durchgang durch die Brandungen zu erſpähen, die Stelle ſchien ihm jedoch keine der gefährlichſten zu ſein. Cs wird dem Leſer begreiflich ſein, daß die Erhaltung des Bootes in dem weißen Waſſer überhaupt dem Umſtande beizumeſſen der Oberfle regung des das Boot Wären die ſie da ſieht zuerſt auf anſchlagen, Fahrzeug ſers komm waren die hatte, fure Gefahr, m denen, du Winde wat gang berei der Gewalt dieſen Unti „Rührt wieder in heraus mit Die Gefahr wo ihr entgeg aus Spike und nun welcher ih wollen ſchit Dieſen des Hochbo nicht lange Aechzen aus ſen an Bord ſie ſo raſch des, der faſt n nicht raſch, hh trat ſie ſo nde an deſſen Alle ſahen ßig belaſteten ltigen konnte, dringendſten rer Obern zu hrenſten klar, gehen würden. ſe an, welche genblick ſchien ten Seebären veißes Waſſer iden, da nir⸗ einen Ausweg dieſe Gefahr „ohne einen n, die Stelle zu ſein. Es erhaltung des dem Umſtande beizumeſſen war, daß die Klippen ringsum zu nahe an der Oberfläche der See lagen, als daß eine ſtarke Auf⸗ regung des Elementes möglich geweſen wäre, auch lief das Boot nicht weit von der Leeſeite des Riffs entlang. Wären die Brandungen von der Größe geweſen, wie man ſie da ſieht, wo die hohen, vollendeten Wogen des Meeres zuerſt auf die Luvſeite der Untiefen oder Klippenbänke anſchlagen, ſo hätte ein ſo kleines und ſo überladenes Fahrzeug unmöglich über die erſte Linie des weißen Waſ⸗ ſers kommen können, ohne ſich zu füllen. Stets aber waren die Brandungen, mit welchen die Jolle zu kämpfen hatte, furchtbar genug, und das Boot ſchwebte in ſteter Gefahr, mit ſeinem Boden aufzuſchlagen. Stellen, gleich denen, durch welche Mulford auf dem Riffe bei ſtillem Winde watete, würden jetzt dem ſtärkſten Manne den Unter⸗ gang bereitet haben, denn keine menſchliche Kraft kann der Gewalt ſolcher Wellen widerſtehen, wie ſie jetzt über dieſen Untiefen aufglänzten. „Rührt Euch, Leute!“ rief Spike, als das Boot ſich wieder in das weiße Waſſer ſtürzte.„Tüchtig geſchöpft, heraus mit dem Waſſer, Leute!“ Die Matroſen ſchöpften das Waſſer aus, und die Gefahr war faſt in dem Augenblicke vorüber, wo man ihr entgegen getreten war. Eine Art Freuderuf brach aus Spike's Bruſt, als er tiefes Waſſer um ſich ſah, und nun einen Kanal gefunden zu haben glaubte, welcher ihn jenſeit des Bereichs des Riffes führen zu wollen ſchien. Dieſen Ruf erſtickte jedoch theilweiſe eine Mittheilung des Hochbootsmannes, der in der Mitte des Bootes mit — 282— untergeſchlagenen Armen, die Blicke auf das Wrack und die Boote gerichtet, auf einer Duft ſaß. „Eben ſtürzen die Maſten der Molly, Herr! Beide ſind zugleich geſtürzt, und gute Stäbe waren's, ehe dieſe Bomben durch unſere Takelage fuhren, wie ſie je in ein Kielſchwein eingeſpurt wurden.“ Der Freuderuf verwandelte ſich in ein ſchweres Stöh⸗ nen, und ein Murmeln des Schmerzes lief durch das ganze Boot. „Wie iſt's mit den Leuten von dem Kriegsſchiffe, Hoch⸗ bootsmann? Halten ſie noch auf ein bloßes Wrack ab?“ „Nein, Herr, ſie ſcheinen es aufgegeben zu haben und nehmen ihre Ruder heraus, um an ihr Schiff zurück⸗ zukehren. Sie werden eine ſchöne Zeit dazu brauchen. Der Kutter, welcher gegen eine ſolche See und eine ſolche Kühlte in einer Stunde eine halbe Meile windwärts geht, muß gut gerudert und noch beſſer geſteuert werden. Einer der Burſche ſcheint jedoch ausharren zu wollen.“ Spike überließ einer geübten Hand das Ruder und nahm Ausguck nach hinten. Er wechſelte zu dieſem Zwecke den Platz mit dem Manne, welchen er auserſehen hatte, und kam ſo auf ein Duft neben dem Hochbootsmann und einem oder zwei ſeiner Vertrauten. Hier entſpann ſich eine leiſe Beredung, welche mehrere Minuten währte; Spike ſchien den Leuten Befehle zu ertheilen. Die Jolle war jetzt über eine Meile von dem Wrack entfernt; alle Boote der Kriegsſchluppe, mit Ausnahme eines einzigen, hatten ihre Segel niedergelaſſen und ruderten langſam und unter großer Anſtrengung auf das Schiff zu, während der Kutter, welcher zurückblieb, ſeinen Curs augenſchein zu nähern. Die 2 erwarten, d übrig ſein dem weißen viele Weller waren thät wieder mutt Nach Riffe zu ble war— vo tieferes Wa die hohen Fahrzeug n ſtanden, kon Waſſers kar arbeiteten 1 Waſſer ſtan Simon und Unterw abhielt, ſich zu geſellen, von einem ſelben Män hatte— au Unter derſel beigeſtaut, n Dieſe Männ ſie von Zeit Wrack und ſerr! Beide 3, ehe dieſe ie je in ein veres Stöh⸗ durch das chiffe, Hoch⸗ Vrack ab?“ n zu haben chiff zurück⸗ brauchen. eine ſolche wärts geht, den. Einer Ruder und eſem Zwecke ſehen hatte, smann und ſpann ſich in währte; dem Wrack Ausnahme nd ruderten Schiff zu, inen Curs augenſcheinlich nach der Jolle nahm, ſtatt ſich dem Wrack zu nähern. Die Brigg brach raſch zuſammen, und es war zu erwarten, daß nach wenigen Minuten nichts mehr von ihr übrig ſein werde. Die Jolle ſelbſt lief, ſobald ſie aus dem weißen Waſſer war, unaufhaltſam entlang, ohne daß viele Wellen in ſie einſchlugen; die Leute auf dem Boden waren thätig mit„Oehſen“ beſchäftigt und begannen wieder muthiger drein zu ſchauen. Nach Spike's Bedünken war es räthlicher, in dem Riffe zu bleiben, ſo lange er ſich— was freilich ſchwer war— von den Brandungen frei halten konnte, als in tieferes Waſſer zu treten, wo die Deining der See und die hohen Wellen ein ſo kleines und ſchwer belaſtetes Fahrzeug mit ernſten Gefahren bedrohte. Wie die Dinge ſtanden, konnten zwei bis drei der Leute des einſchlagenden Waſſers kaum Herr werden, obgleich ſie ohne Unterlaß arbeiteten und überdieß faſt immer zwei Fuß tief im Waſſer ſtanden. Simon und Joſh hatten mit jener Art Demuth und Unterwürfigkeit, welche die amerikaniſchen Schwarzen abhielt, ſich mehr als ziemlich erſcheint, zu den Weißen zu geſellen, nebeneinander Platz genommen. Sie waren von einem Paar kräftiger alter Seebären— eben den⸗ ſelben Männern, mit denen Spike Berathung gepflogen hatte— auf das eine Ende der Duft hingedrängt worden. Unter derſelben Duft hatte ſich ein anderer Vertrauter beigeſtaut, welchem man auch Mittheilungen gemacht hatte. Dieſe Männer waren lange in der Swaſßh gereiſt, und da ſie von Zeit zu Zeit, wenn die Brigg Leute brauchte, in — 284— verſchiedenen Häfen herangezogen worden waren, gehörte faſt jeder einer andern Nation an. Durch Gewohnheit und berufsmäßiges Anſehen hatte Spike eine große Gewalt über ſie erlangt, und ſeine Winke wurden nun als eine Art Geſetz betrachtet. Sobald die Beſprechung zu Ende war, kehrte der Capitän an ſein Ruder zurück. Der Capitän warf einen forſchenden Blick auf das Riff nach vornen und auf den Stand der Dinge ſpiegel⸗ wärts. Nach vornen war noch weißes Waſſer zu ſehen, das letzte, ehe man von dem Riffe klar werden konnte; ſpiegel⸗ wärts durfte man nun als ſicher annehmen, daß der Kutter, welcher auf ſeinem Curſe durch die Gefahren der Oertlichkeit anhielt, die Jolle jagte. Spike war überzeugt, daß Mulford ſich darin befand, und dieſer Gedanke ver⸗ bitterte noch ſeine jetzige Noth. Der Augenblick war aber gekommen, wo ein entſchei⸗ dender Schritt gethan werden mußte. Das weiße Waſſer nach vornen war weit ſchrecklicher als alle die Brandungen, durch welche man gekommen war, und die kühnſten See⸗ leute blickten mit Zagen und Schrecken hin. Spike gab dem Hochbvotsmann ein Zeichen und begann die Ausfüh⸗ rung ſeines ſcheußlichen Planes. „Hollah, Joſh,“ rief der Capitän in dem gebieteriſchen Tone, welchen Alle an Bord eines Schiffes kennen,„das Wiel dort eingenommen, das an der Seite draußen abtreibt.“ Joſh lehnte ſich über den Dolbord, und berichtete, es ſei kein Wiel draußen. Ein Fluch folgte, wie ihn auch Alle kennen, die mit Schiffen b noch einma ſich der Ne die Seite d nicht drauß ſeine Beine See ſtürzte, was man ſeinen„Br. vor, um ſeine Bei nachſtürzte. Einer niß nichts ſeine ausg Burſche koz Alles und ſo un denen, wel geringſten der Zufall denken kan geöhſet wo Die O ſo verſchwa und gingen entgegen, a ſo jede An⸗ lich wurde. Die J ren, gehörte Gewohnheit große Gewalt un als eine ung zu Ende lick auf das inge ſpiegel⸗ ſehen, das nte; ſpiegel⸗ n, daß der Gefahren der ar überzeugt, Gedanke ver⸗ ein entſchei⸗ veiße Waſſer Brandungen, ihnſten See⸗ Spike gab die Ausfüh⸗ gebieteriſchen ennen,„das ite draußen herichtete, es den, die mit — 285— Schiffen bekannt ſind, und der Schwarze erhielt Befehl, noch einmal nachzuſehen. Wie man erwartet hatte, lehnte ſich der Neger jetzt mit Kopf und Oberkörper weit über die Seite der Jolle, um nach dem auszuſchauen, was gar nicht draußen war, als zwei der Männer unter dem Duft ſeine Beine nachſchoben. Joſh, der fühlte, daß er in die See ſtürzte, ſtieß einen Schrei aus und ſchien zu ahnen, was man vorhatte, und Spike rief Simon zu, er möge ſeinen„Bruder Neger“ feſthalten. Der Koch beugte ſich vor, um zu gehorchen, als ein ähnlicher Angriff auf ſeine Beine unter der Duft her ihn häuptlings Joſh nachſtürzte. 3 Einer der jüngern Matroſen, welcher von dem Geheim⸗ niß nichts wußte, ſprang auf, um Simon zu retten, der ſeine ausgeſtreckte Hand faßte, als der zu großmüthige Burſche kopfüber aus dem Boot geſchleudert wurde. Alles dieß begab ſich in weniger als zehn Secunden, und ſo unerwartet und natürlich, daß Niemand außer denen, welche in das Geheimniß eingeweiht waren, den geringſten Verdacht ſchöpfte, hier ſei etwas Anderes als der Zufall im Spiele. Das Boot hatte, wie man ſich denken kann, Waſſer geſchöpft, war aber bald wieder klar geöhſet worden. Die Opfer dieſer ruchloſen Verſchwörung betreffend, ſo verſchwanden ſie in dem aufgeregten Waſſer des Riffs, und gingen ihrem gemeinſamen Schickſale um ſo raſcher entgegen, als ſie ſich krampfhaft umklammert hielten, und ſo jede Anſtrengung des Einzelnen, ſich zu retten, unmög⸗ lich wurde. Die Jolle war jetzt einer Wucht von mehr als fünf⸗ — — 286— hundert Pfund überhoben, denn Simon wog allein zwei⸗ hundert Pfund, und der junge Matroſe war ein kräftiger Burſche. Zu einem ſolchen Grade ſteigert ſich die menſch⸗ liche Selbſtſucht in Augenbllcken großer Noth, daß wir fürchten, die Mehrzahl derer, welche zurückblieben, habe ſich heimlich des Vortheils gefreut, welcher ihnen aus dem Verluſt ihrer Schiffsgenoſſen erwuchs. Der Seüor Montefalderon ſaß auf der hinterſten Duft, und hatte den beiden Negern den Rücken zugekehrt; auch er mußte das, was geſchehen war, als einen bloßen Zufall betrachten. „Laßt uns das Segel niederlaſſen, Don Eſteban,“ rief er eifrig,„und die armen Burſche retten.“ Ein Lächeln, das faſt höhniſch ausſah, glänzte auf dem dunkeln Geſichte des Capitäns, wechſelte aber plötzlich. Spike ſchien ſich anders beſonnen zu haben. „Gut,“ ſagte er eilig,„eilt nach vorn und laßt das Segel herab. An die Ruder, ihr Leute!“ Der edelherzige Mexikaner trat, ohne ſich einen Augen⸗ blick zu bedenken, auf ein Duft und begann raſch nach vorne zu ſchreiten, indem er, um ſtetiger zu gehen, ſeine Hände auf die Köpfe der Leute legte. Man ließ ihn bis an die zweite Duft oder dahin kommen, wo ſich die ver⸗ brecheriſche Schaar geſammelt hatte, welche ihn von hinten an den Beinen faßte. Er ahnte augenblicklich ihr Vorhaben, hielt ſich an zwei Matroſen vor ihm, welche nichts von Spike's ſcheuß⸗ lichem Plane wußten, und klammerte ſich aus allen Kräf⸗ ten an ihre Wämſer feſt. Jene Männer, welche ſich ſo angegriffen fühlten, faßten andere in der gleichen Abſicht, und ein fu des Bootes In di das weiße daß ſie faß und legte dieſer letzte in dem Au Alle plötzlich ül Leute auf Kämpfende plötzlichen wobei der Sechs Mä dert worde Spike Stelle weg dem nächſt Saum des Das Sturz that Stücke zer dem Drucke worden wä können, de drückte es Der§ auf, ſobal feſten Fuß allein zwei⸗ ein kräftiger hdie menſch⸗ th, daß wir lieben, habe nen aus dem nterſten Duft, ekehrt; auch bloßen Zufall in Eſteban,“ glänzte auf aber plötzlich. und laßt das einen Augen⸗ mraſch nach gehen, ſeine jieß ihn bis ſich die ver⸗ in von hinten jielt ſich an bike's ſcheuß⸗ allen Kräf⸗ helche ſich ſo chen Abſicht, und ein furchtbarer Kampf entſpann ſich in dieſem Theile des Bootes. In dieſem ſchrecklichen Augenblicke ſchoß das Boot in das weiße Waſſer, welches ſo ungeſtüm in die Jolle ſchlug, daß ſie faſt ſank; ſie machte dann eine wilde Wendung, und legte ſich beinahe auf die Seite. Wahrſcheinlich hat dieſer letzte Umſtand das Boot gerettet, ſo furchtbar auch in dem Augenblicke die Gefahr war. Alle in der Mitte des Schiffes waren durch die ſo plötzlich über ſie hereinbrechende Gefahr außer ſich; die Leute auf dem Boden brachen mit aller Macht unter den Kämpfenden hervor, als Alle, die aufrecht ſtanden, einen plötzlichen Sturz thaten und einander über Bord riſſen, wobei der Angriff von unten nicht ohne Einfluß blieb. Sechs Männer waren auf dieſe Weiſe über Bord geſchleu⸗ dert worden. Spike hob ſein Ruder, das Boot fiel ab, flog von der Stelle weg, durchſchnitt die Brandungen, und erreichte in dem nächſten Augenblicke den nördlichen, mauerartigen Saum des Riffes. Das Waſſer war da, wo dieſe Leute den furchtbaren Sturz thaten, ſo ſeicht, daß das Boot auf den Klippen in Stücke zerſchellt wäre. Wenn es nicht ſo plötzlich von dem Drucke einer Wucht von faſt tauſend Pfund befreit worden wäre, hätte es dieſem Unglücke kaum entgehen können, denn eine Menge Waſſer ſchlug über Bord und drückte es nieder. Der Kampf zwiſchen dieſen Unglücklichen hörte jedoch auf, ſobald ſie über Bord waren. Da ſie auf dem Fels feſten Fuß faſſen konnten, ließen ſie einander los und gaben — 288— ſich der verzweifelten Hoffnung hin, ihr Leben dadurch zu friſten, daß ſie die Klippenbank entlang wateten. Zwei oder Drei ſtreckten ihre Arme aus und riefen Spike zu, er möge zurückkehren und ſie aufnehmen. Dieſe ſchreckliche Scene dauerte nur eine kurze Minute, denn die heranbrechenden Wellen warfen einen nach dem andern um, und während ſie dann und wann wieder auf feſten Grund kamen, ſahen ſie ſich unabläſſig gegen den Saum des Riffes hingedrängt, und wurden endlich in das tiefe Waſſer hinausgeſpült. Keine menſchliche Kraft hätte hingereicht, um gegen ſolche Wellen und gegen einen ſolchen Wind anzukämpfen, und, einmal leewärts von den Klippen, wieder zu ihnen zurück zu ſchwimmen. So verſchwanden die armen Unglücklichen, einer nach dem andern, wie ihre Kraft ſie verließ, in der Tiefe des Golfes. Kein Wort war während dieſer ſchrecklichen Scene laut geworden, und noch lange nachher herrſchte tiefes Schweigen in dem Boote. Ueber die Geſichter des Hoch⸗ bootsmanns und ſeiner Verbündeten war ein wildes Lächeln der Freude geflogen, als ſie ſahen, daß ihr ſchändlicher Plan ſo gut gelungen war, dieſes Lächeln wandelte ſich aber in Schauer und Schrecken, als ſie den Todeskampf der Ertrinkenden ſahen. Demungeachtet war die menſch⸗ liche Selbſtſucht in Allen thätig, und keiner von ihnen war ſo unwiſſend, daß er nicht eingeſehen hätte, um wie viel beſſer es jetzt mit der Jolle ſtände, als in dem Augen⸗ blicke, wo ſie das Wrack verlaſſen hatten. Sie war der Wucht von acht ſtarken Mäunern losgeworden, und da man das Waſſer ſchnell ausgeöhſet hatte, war ſie jetzt nicht nur b ſondern ſegel Indeſſen wodurch das in dem Waſſe Fahrzeugs m Zuſtand, in tend geminder weiter. Während Kriegsſchiffs jagen, wie die ford war in jetzt ſein innt wünſchte einen ſeiner weinend könnten überalg Dieſe Anſicht n der Kutter war in dem Waſſer, durchſchnitt das Voot, welches Gefahr preisgeg velche er faſt e fegte. Bis jetzt w und Niemand Kutter führte ze und hatte außer an Bord, flog 244— 246. n dadurch zu ateten. Zwei Spike zu, er kurze Minute, en nach dem in wieder auf ig gegen den ndlich in das e Kraft hätte einen ſolchen den Klippen, n, einer nach der Tiefe des klichen Scene errſchte tiefes ter des Hoch⸗ wildes Lächeln r ſchändlicher wandelte ſich u Todeskampf die menſch⸗ er von ihnen ätte, um wie n dem Augen⸗ Sie war der den, und da war ſie jetzt — 289— nicht nur beſſer im Stande ſondern ſegelte auch bedeutend Indeſſen waren immer no wodurch das Boot unter ſeiner in dem Waſſer blieb, und die S Fahrzeugs mußte durch die geri Zuſtand, in welchem es am beſt tend gemindert werden. weiter. Während dieſer ganzen Zeit ſchoß der Kutter des Kriegsſchiffs eben ſo toll durch die Brandungen, um zu jagen, wie die Jolle gethan hatte, um zu flüchten. Mul⸗ ford war in der That an Bord deſſelben, und Wallace, jetzt ſein inniger Freund, befehligte ihn. Der Letztere wünſchte einen Verräther zu fangen, der Erſtere die Tante ſeiner weinenden Gattin zu retten. Beide glaubten, ſie könnten überall folgen, wohin Spike voranzugehen wagte. Dieſe Anſicht war jedoch eher verwegen als beſonnen, denn der Kutter war viel größer und ging noch einmal ſo tief in dem Waſſer, als die Jolle. Er lief jedoch entlang und durchſchnitt das weiße Waſſer viel ſicherer, als das kleine Voot, welches er jagte, war aber auch natürlich mehr der Gefahr preisgegeben, auf die Klippen zu ſchlagen, über welche er faſt eben ſo raſch, wie die Wellen ſelbſt, weg⸗ fegte. den Wellen zu widerſtehen, raſcher, als vorher. ch zehn Perſonen an Bord, eigentlichen Ladewaſſerlinie chnelligkeit eines ſo kleinen ngſte Abweichung von dem en lief, nothwendig bedeu⸗ Spike's Pläne gingen aber noch Bis jetzt war er jedoch wohlbehalten davon gekommen, und Niemand in ihm dachte an eine Gefahr. Dieſer Kutter führte zehn Ruder, war ein vortreffliches Seeboot, und hatte außer ſeiner Bemannung vier Marineſoldaten an Bord, flog aber mit all dem durch die Brandungen, 244— 246. 19 — 290— und ſchöpfte in Folge der Höhe ſeines Setzbordes und der allgemeinen Eigenſchaften des Fahrzeugs kaum einen Tropfen Waſſer. Wir wollen hier noch hinzufügen, daß der Poughkeepſie ſeine Reefe„ausgeſchüttelt“ hatte, und Capitän Mull ungeduldig zu werden begann, Segel beizuſetzen und die Jagd zu verfolgen, denn die Signalkanone bedeutete die Boote, ſich zu rühren und an Bord zurückzukehren. Die drei Boote unter ihren Rudern bemühten ſich, dieſem Signale zu gehorchen, Wallace war aber ſo weit leewärts gekommen, daß ihm der Curs, welchen er verfolgte, der rathſamſte ſchien. Miſtreß Budd und Biddy hatten mit einer Art ſtarren Schreckens den Kampf geſehen, in deſſen Folge der Senor Montefalderon ſein Leben verloren hatte, Beide hatten, wie es ihre Gewohnheit war, geſchrieen, wahrſcheinlich ahnte aber Keine von ihnen den wahren Hergang. Die ruchloſen Pläne Spike's galten ihnen jedoch ebenſo gut, wie denen, welche er bereits geopfert hatte. Die Jolle ging jetzt im tiefen Waſſer, lief den Saum des Riffs entlang, die Wellen wurden höher und höher, und die Kämme der Wogen bedrohten das Boot immer mehr. Dieß wäre nicht der Fall geweſen, hätten die Klippen eine Lee geboten, ſie thaten dieß aber nicht, da ſte zu nahe in der Richtung der Paſſatwinde hinliefen, als daß ſie die Wellen, welche etwa eine Meile in der offenen See ſich hoben, hätten hindern können, ſich au das Riff heranzuwälzen. Von dieſen Wellen rührte diß weiße Waſſerlinie den nördlichen Saum der Klippen ent lang her, durch eine Art Druck von der Seite her ſpülte ſie an die F möglich war. laufen können Eine an harren. Der die Jolle aber war, hatte ſie bedeutend ger näher, aber 1 kraft der Joll ſich die Mögl Pfund zu erle war der Capit Der Kutt ſtand, aller C Viertelmeile ſ als die Jolle nur ein ſehr wiſſern konnte. „Madame Tone,„wir ſee bitten, Euern Waſſer getreter und Euer Ge uns ſehr zu S mann die Har einer Duft zur erreicht, wo B Miſtreß 2 mit angeſehen, Setzbordes und gs kaum einen er Poughkeepſie Capitän Mull iſetzen und die e bedeutete die kzukehren. Die n ſich, dieſem o weit leewärts w verfolgte, der iner Art ſtarren Folge der Senor „Beide hatten, wahrſcheinlich Hergang. Die doch ebenſo gut, 8 , lief den Saum höher und höher, das Boot immer eſen, hätten die ß aber nicht, da twinde hinliefen, ine Meile in der können, ſich au Bellen rührte die der Klippen ent Seite her ſpülte — 291— ſie an die Felſen, und brandeten, wie dieß nicht anders möglich war. An vielen Stellen hätte kein Boot durch⸗ laufen können, ohne zu ſcheitern. Eine andere Erwägung veranlaßte Spike, auszu⸗ harren. Der Kutter näherte ſich ihm augenſcheinlich, ſeit die Jolle aber der Wucht von acht Menſchen klar geworden war, hatte ſich der Unterſchied in der Segelgeſchwindigkeit bedeutend gemindert. Das Boot der Kriegsſchluppe zog näher, aber nicht mehr ſo raſch, als früher. Die Segel⸗ kraft der Jolle konnte bedeutend geſteigert werden, wenn ſich die Möglichkeit darbot, ſie nur um einige hundert Pfund zu erleichtern, und dieſe Möglichkeit zu verwirklichen, war der Capitän feſt entſchloſſen. Der Kutter war jetzt, wie er, in tiefem Waſſer, und ſtand, aller Gefahren des Riffes baar, weniger als eine Viertelmeile ſpiegelwärts. Im Ganzen lief er ſchneller, als die Jolle, der Unterſchied war aber ſo gering, daß nur ein ſehr geübtes Auge ſich dieſes Umſtandes verge⸗ wiſſern konnte. „Madame Budd,“ ſagte Spike in heuchleriſchem Tone,„wir ſchweben in großer Gefahr, und ich muß Euch bitten, Euern Platz zu wechſeln. Da wir jetzt in tiefes Waſſer getreten ſind, geht das Boot ſpiegelwärts zu tief, und Euer Gewicht in der Mitte des Fahrzeugs würde uns ſehr zu Statten kommen. Reicht nur dem Hochboots⸗ mann die Hand, und er wird Euch behilflich ſein, von einer Duft zur andern zu treten, bis Ihr die rechte Stelle erreicht, wo Biddy Euch folgen mag.“ Miſtreß Budd hatte nun zwar den furchtbaren Kampf mit angeſehen, in welchem ſo Viele über Bord geſchleu⸗ 19* — 292 dert worden waren, allein ſie war ſo arglos und ſo wenig geneigt, etwas zu argwöhnen, das ſich auch nur im Ent⸗ fernteſten der gräßlichen Wahrheit näherte, daß ſie keinen Anſtand nahm, zu willfahren. Die Schrecken der Scenen, welche an ihr vorüber⸗ gegangen waren, hatten einen tiefen Eindruck auf ſie gemacht, die wüthenden Wogen des Golfs, wie ſie von einem ſo kleinen Boot aus erſcheinen mußten, erfüllten ſie mit ängſtlicher Beſorgniß, dennoch that ſich die einge⸗ wurzelte Vorliebe für die See in ihrem Weſen und in ihren Worten kund, welche ein ſeltſames Gemiſch von angeborener Schwäche und ſtarker, natürlicher, weiblicher Liebe gewahren ließen. „Sehr gern, Capitän Spike,“ ſagte ſie, und ſtand auf.„Ein Fahrzeug darf nie ſpiegelwärts gehen, und ich bin ſehr bereit, dem Boot als Ballaſt zu dienen. Wir haben heute ſo ſchreckliche Begebniſſe erlebt, daß Alle ſich beeifern müſſen, die Jolle auf dem Waſſer zu erhalten, und alles mögliche Tauwerk zu beſeitigen. Bringt mich nur zu meiner guten, lieben Roſy, Capitän Spike, und Alles, was ſich zwiſchen uns begeben hat, ſoll vergeſſen ſein. Dieß iſt kein Augenblick, um Groll zu hegen, und ich verzeihe Euch Alles und Jedes. Das Schickſal unſeres unglücklichen Freundes, des Herrn Montefalderon, ſollte uns Menſchenliebe lehren und uns veranlaſſen, der Ewig⸗ keit zu gedenken, an deren Rand wir ſchweben.“ Waährend die gute Wittwe dieſe Worte mit feierlicher, orakelgleicher Stimme ſprach, ſchritt ſie dem Sitze, welchen ihr die Männer in der Mitte des Bootes bereitet hatten, langſam zu, während der Hochbvotsmann und ein anderer Vertrauter S Hand boten. Als ſie a und ſich eben Blick nach h Natürlich luvt würde wahrſch ſtümen Wendu nicht der hefti Arme der Leute unterſtützt wort Sie ſtürzte Größe ein bed ſofort das Op furchtbaren An ſcheinlich keine denn ſie faßte Kraft einer Sch kochenden Weller Von keinem ſelbſtſüchtigen W ſein Ruf laut ge nach dem Stur etgriff ſelbſt die gende Scene w⸗ Biddy's:„Rettet „Schüttelt ſte wird das B ſ ſogleich fahre ſe nicht losläßt! und ſo wenig h nur im Ent⸗ daß ſie keinen nihr vorüber⸗ ndruck auf ſie 3, wie ſie von zten, erfüllten ſich die einge⸗ Weſen und in Gemiſch von cher, weiblicher ſie, und ſtand ts gehen, und Uaſt zu dienen. erlebt, daß Alle ſer zu erhalten, Bringt mich än Spike, und t, ſoll vergeſſen zu hegen, und Schickſal unſeres falderon, ſollte ſſſen, der Ewig⸗ ben.“ 2 mit feierlicher, n Sitze, welchen bereitet hatten, und ein anderer — 293— Vertrauter Spike's ihr ſorgſam und achtungsvoll die Hand boten. Als ſie auf dem zweiten Duft vom Spiegel her war, und ſich eben ſetzen wollte, warf der Hochbootsmann einen Blick nach hinten, und Spike ließ das Ruder nieder. Natürlich luvte das Boot und fiel ab, und Miſtreß Budd würde wahrſcheinlich in Folge einer ſo plötzlichen, unge⸗ ſtimen Wendung leewärts über Bord geſtürzt ſein, wäre nicht der heftige Stoß, welchen ſie ſo erhielt, durch die Arme der Leute, welche ihre beiden Hände gefaßt hatten, unterſtützt worden. Sie ſtürzte tief in das Waſſer, denn ſie hatte für ihre Größe ein bedeutendes Gewicht. Dennoch ward ſie nicht ſofort das Opfer dieſer Unmenſchen. Selbſt in dieſem furchtbaren Augenblicke hatte dieſe Unglückliche wahr⸗ ſcheinlich keine Ahnung von einer abſichtlichen Frevelthat, denn ſie faßte die Hand des Hochbootsmannes mit der Kraft einer Schraube, hob ſich ſo an die Oberfläche der kochenden Wellen, und ſchrie laut nach Spike um Hilfe. Von keinem der Männer, welche der Capitän ſeinem ſelbſtſüchtigen Wunſche, ſich zu retten, geopfert hatte, war ein Ruf laut geworden, jetzt hörte man zum erſten Male nach dem Sturz in die See einen Ton. Der Anruf agriff ſelbſt die rohen Weſen umher, und die mitleiderre⸗ gende Scene wurde durch das einfallende Zetergeſchrei Ziddy's:„Rettet die Miſſus!“ noch geſteigert. „Schüttelt ihre Hand ab,“ rief der Capitän zornig, ſte wird das Boot durch ihr Sträuben umwerfen. Laßt ſe ſogleich fahren. Schneidet ihr die Finger ab, wenn ſe nicht losläßt!“ — 294— In dem Augenblicke, wo dieſer unmenſchliche Befehl in zornigem, ungeduldigem Tone laut wurde, hörte man Biddy's Stimme nicht mehr. Die Wahrheit drängte ſich ihrem ſtumpfen Geiſte auf, und ſie ſaß in ſtummer Ver⸗ zweiflung da,— eine Zuſchauerin der ſchauderhaften Scene. Der Kampf währte nicht lange. Der Hochbootsmann zog ſein Meſſer durch das Gelenk der ſeinige hielt, ein Schrei wurde gehört, und das Boot ſtürzte in eine Wellenhöhlung, während die arme Miſtreß Budd auf der Höhe der Woge und inmitten des Schaumes ihres Kammes kämpfte. Dieß war das letzte, was man je von der unglücklichen Wittwe geſehen hat. „Das Boot hat durch dieſe letzte Entfrachtung bedeu⸗ tend gewonnen,“ ſagte Spike, kurz nachdem man des zu dem Hochbootsmann, kämpfenden Weibes losgeworden, „es iſt bei Weitem lebhafter geworden, und hat ſich ſeiner Tragwaſſerlinie mehr genähert. Wenn wir es auf dieſe bringen können, habe ich keine Furcht mehr vor dieſer Kriegsſchluppe und ihren Booten, die Jolle iſt eines der ſchnellſten Fahrzeuge, die je auf dem Waſſer ſaßen.“ „Es bedürfte nur noch ſehr wenig, um unſere rechte Waſſerdracht zu gewinnen, Herr.“ „Ja, wir müſſen noch mehr Fracht loswerden. Kommt. gutes Weib,“ ſagte er, zu Biddy wendend, bei welcher a es nicht für nöthig hielt, viele Umſchweife zu machen „Jetzt ſeid Ihr an der Reihe! Iſt es nicht der Zui Pflicht, ihrer Herrin zu folgen?“ „Ich wußte, daß es ſo kommen würde,“ ſagte Bidd ſanft.„Wenn die Miſſus keine Gnade fand, durfte it ſie kaum erwarten. Hand, welche die Ihr werdet aber eine Chriſtin nicſ morden, ol Gebet zu ve „Nun, trocken und klingen mag deren wilde minder bere geweſen. Als ſi niederließ, von dem wenden, the vorrückten. In der näher, und ſeinen Feint zu ſchuldbel wünſchensw auch aus ke zu ſchließen. Spike Ahnung vo herrſchte au und zwei C ford erkannt der Klüſen, ſchien ein C zu haben. was jetzt Zeugen gefe ſchliche Befehl e, hörte man it drängte ſich ſtummer Ver⸗ rhaften Scene. Hochbootsmann und, welche die und das Boot e arme Miſtreß des Schaumes etzte, was man n. rachtung bedeu⸗ chdem man des Hochbootsmann, d hat ſich ſeiner ir es auf dieſe mehr vor dieſer lle iſt eines der ſſer ſaßen.“ um unſere rechte zwerden. Komm, nd, bei welcher a weife zu machen s nicht der Zoſe de,“ ſagte Bitd fand, durfte in eine Chriſtin nitſ — 295— morden, ohne ihr eine Minute Zeit zu laſſen, um ihr Gebet zu verrichten.“ „Nun, betet nur!“ antwortete Spike, deſſen Kehle trocken und heiſer wurde, denn— ſo ſeltſam es auch klingen mag— die hingebende Ruhe der Irländerin, auf deren wildes Widerſtreben er vorbereitet war, ließ ihn minder bereitwillig vorſchreiten, als dieß früher der Fall geweſen. Als ſich Biddy auf dem Boden der Spiegeldufte niederließ, ſchaute Spike nach hinten, theils um ſich von dem peinlichen Schauſpiele zu ſeinen Füßen abzu⸗ wenden, theils um ſich zu vergewiſſern, ob ſeine Verfolger vorrückten. In der That, dieſe rückten immer, obgleich langſam, näher, und der Capitän begann jetzt zu zweifeln, ob er ſeinen Feinden je werde entfliehen können. Er war jedoch zu ſchuldbeladen, um zurückzutreten, und es ſchien höchſt wünſchenswerth, der armen Biddy los zu werden, wär' es auch aus keinem andern Grunde, als um ihr den Mund zu ſchließen. Spike glaubt ſogar, die in dem Kutter müßten eine Ahnung von dem haben, was ſich begeben hatte. Es herrſchte augenſcheinlich einige Aufregung in jenem Boote, und zwei Geſtalten, in welchen er jetzt Wallace und Mul⸗ ford erkannte, ſtanden auf dem Röſterwerk, in der Nähe der Klüſen, oder vorwärts von dem Fockſegel. Der Erſtere ſchien ein Gewehr, der Andere ein Fernrohr in der Hand zu haben. Dieſer letzte Umſtand warnte ihn, daß Alles, was jetzt geſchähe, vor den Augen feindlich geſinnter Zeugen geſchähe. Es war jedoch zu ſpät, um einen Rück⸗ — 296— ſchritt zu thun, und der Capitän wendete ſich, um nach der Irländerin zu ſchauen. Biddy erhob ſich eben von ihren Knieen, als Spike ſich von ſeinen Verfolgern abwendete. Der Hochboots⸗ mann und ein anderer Vertraute ſtanden bereit, das arme Geſchöpf in die See zu werfen, ſobald ihr Anführer das Zeichen geben würde. Biddy ſah und verſtand, was man beabſichtigte, und wendete ſich ernſt und flehend zu ihren Mördern. „Es bedarf hier keiner Gewalt,“ ſagte ſie in einem ruhigen Tone, aber mit trauervollem Ausdrucke in ihren Zügen.„Ich weiß, daß die Reihe an mir iſt, und ich werde Euren Seelen einen Theil dieſer großen Sündenlaſt erſparen. Gott, und ſein ewiger Sohn und die geſegnete Mutter Jeſu werden mir Gnade ſchenken, wenn es unrecht iſt; ich würde aber lieber, ohne von rohen Manneshänden berührt zu werden, in die See ſpringen, als das Furcht⸗ bare noch einmal ſehen, das der Miſns geſchehen iſt. Es iſt etwas Schreckliches mit dem Waſſer, zuweilen hat man deſſen zu wenig, zuweilen zu viel—— „Schnell, ſchnell, gutes Weib!“ fiel der Hochboots⸗ mann ungeduldig ein.„Ihr könnt nicht in dem Boote bleiben, und je ſchneller es geſchieht, deſto beſſer iſt es für uns Alle.“ „Mißgönnt einer armen Sterblichen in dem letzten Augenblicke nicht eine halbe Minute Leben,“ antwortete Biddy.„Ich werde Euch nicht lange mehr beläſtigen, und ſomit kein Wort mehr.“ Das arme Weſen ſtieg nun, ohne daß Jemand ſie berührte, auf die Seite des Bootes und ſetzte ſich, dem Waſſer zug Augenblick Zartgefühl und bleicher den raſchen der Wellen den Kämm zwei Welle „Gott Euch verge fiel in die Obgle Tier ausge Auch Hans auf der S Bewegung der See zu Eine ruhige Ere ihre Mörd Kampf der immer mi blendet ih er ſich un entgegen, Gottes fü davon. Es n wünſchte, Meiſten bl ch, um nach u, als Spike r Hochbvots⸗ eit, das arme Anführer das Id, was man zend zu ihren ſie in einem kucke in ihren iſt, und ich n Sündenlaſt die geſegnete an es unrecht tanneshänden 3 das Furcht⸗ geſchehen iſt. zuweilen hat er Hochboots⸗ n dem Boote ſſer iſt es für n dem letzten antwortete hr beläſtigen, Jemand ſie tzte ſich, dem — 297— Waſſer zugekehrt, auf den Dolbord. Sie brachte einen Augenblick damit hin, daß ſie ihre Kleider mit weiblichem Zartgefühl ordnete, und blickte dann mit ſtarrem Auge und bleicher Wange in das ſchäumende Kielwaſſer, welches den raſchen Gang des Bootes bezeichnete. Die Höhlungen der Wellen erſchienen ihr minder ſchrecklich als die giſchen⸗ den Kämme, und ſie wartete, bis das Boot wieder in zwei Wellen ſtürzte. „Gott vergebe Euch Allen dieſe That, wie ich ſie Euch vergebe!“ ſagte Biddy ernſt, beugte ſich vor und ſiel in die Tiefe. Obgleich Alle ihre Augen anſtrengten, ſah doch, Hans Tier ausgenommen, Niemand mehr etwas von Biddy Noon. Auch Hans ſah nicht viel, eines Armes jedoch ward er auf der Spitze einer Welle ſchauernd anſichtig, aber die Bewegung des Bootes war zu raſch und die Oberfläche der See zu bewegt, als daß er mehr hätte ſehen können. Eine lange Pauſe folgte dieſem Begebniß. Biddy's ruhige Ergebung in ihr Schickſal hatte mehr Eindruck auf ihre Mörder gemacht, als der verzweifelte, aber nutzloſe Kampf derer, welche ihr vorangegangen waren. So iſt es immer mit dem Menſchen. Wenn er Widerſtand findet, blendet ihn ſein böſer Genius, und er vergißt, was er ſich und Andern ſchuldig iſt; tritt ihm aber nichts entgegen, ſo macht ſich der ſtille Einfluß des Bildes Gottes füͤhlbar, und ein beſſerer Geiſt trägt den Sieg davon. 3 Es war nicht Einer in jenem Boote, welcher nicht wünſchte, man hätte die arme Biddy geſchont. Bei den Meiſten blieb dieſes Gefühl vorherrſchend, bis kurz darauf — 298— das ſchreckliche Begebniß eintraf, welches die Scene des eirdiſchen Daſeins vor ihnen abſchloß. „Hans Tier,“ rief Spike etwa fünf Minuten nach dem Verſinken Biddy's, nachdem er vorher noch einmal ausgeſchaut und ſich völlig überzeugt hatte, daß der Kutter der Kriegsſchluppe ſtets näher heranrückte und jetzt nur noch einen guten Flintenſchuß ſpiegelwärts ſtand. „Ja, ja, Herr,“ antwortete Hans, trat ruhig aus ſeiner Höhle in dem Vordertheil des Bootes und ſchritt, als ſei er gegen die Gefahr gleichgiltig, leicht von einer Duft zur andern, bis er die Spiegelduft erreichte. „Die Reihe iſt jetzt an Euch, kleiner Hans,“ ſagte Spike in einem Tone, welcher ſein Bedauern ausdrücken ſollte, daß er ſich einer Nothwendigkeit fügen müſſe, die kein Geſetz kenne,„wir haben nicht Raum genug für Euch.“ „Ich habe dieß erwartet und bin bereit. Laßt es mich auf meine Weiſe abthun, und ich werde Euch keine Unruhe machen. Die arme Biddy hat mich gelehrt, wie man ſterben muß. Ehe ich jedoch ſcheide, muß ich Euch dieſen Brief überliefern, Stephan Spike. Er iſt von meiner Hand geſchrieben und an Euch gerichtet. Wenn ich fort bin, leſt ihn, und bedenkt wohl, was er enthält. Und möge der barmherzige Gott durch die Gnade ſeines Sohnes unſer Beiden Sünden verzeihen. Ich vergebe Euch, Stephan, und wenn Ihr ſo glücklich ſeid, denen zu entrinnen, welche Euch jetzt zu todt zu jagen erpicht ſind, ſo möge dieſer Tag Euch meinetwegen keinen Kummer machen. Gewährt mir nur einen Augenblick Zeit, und ich werde Euch nicht beläſtigen.“ Hans und wieg Bootes. Welle ge Kutter d Augenbli ihn nicht erwartet Die hob ſich in deſſe ſchwenkt geſehen Waſſer Stelle Wellen. Ha leicht u auf die zu verf S plan u nicht u Tier a ( über n mit vi P' gleiche Scene des inuten nach noch einmal ß der Kutter d jetzt nur d. ruhig aus und ſchritt, dt von einer te. ins,“ ſagte ausdrücken müſſe, die genug für Laßt es Euch keine elehrt, wie iß ich Euch Er iſt von tet. Wenn er enthält. nade ſeines ſch vergebe d, denen zu erpicht ſind, n Kummer eit, und ich — 299— Hans ſtellte ſich nun auf den Sitz der Spiegelduft und wiegte ſich mit einem Fuße auf dem Spiegel des Bootes. Er wartete, bis die Jolle auf die Spitze einer Welle gehoben wurde, und ſchaute dann eifrig nach dem Kutter der Kriegsſchluppe aus. Dieſer war in dieſem Augenblicke in der Höhlung zweier Wellen, und Hans konnte ihn nicht ſehen. Statt über Bord zu ſpringen, wie Alle erwartet hatten, bat er noch um eine Secunde Verzug. Die Jolle ſank nun ſelbſt zwiſchen zwei Wellen und hob ſich auf der nächſten Woge. Jetzt ſah er den Kutter, in deſſen Backen Wallace und Mulford ſtanden. Er ſchwenkte ſeinen Hut gegen ſie und ſprang, um von ihnen geſehen zu werden, hoch in die Luft; als er auf das Waſſer kam, war das Boot um ſeine ganze Länge von der Stelle hinweg und überließ ihn dem Kampfe mit den Wellen. Hans benahm ſich nun bewundernswürdig, indem er leicht und bequem entlang ſchwamm und ſeine Augen ſtets auf die Kämme der Wellen richtete, um den Kutter nicht zu verfehlen. Spike bemerkte jetzt den ſchlau angelegten Rettungs⸗ plan und bereute, daß er ſo ſchwach geweſen und Hans nicht unſchädlich gemacht hatte, Alle in ber Jolle ſchauten Tier athemlos nach. „Dort iſt er auf dem Kamm jener Welle und rollt über wie ein Faß!“ rief der Hochbootsmann. „Er iſt darüber,“ erwiederte Spike,„und ſchwimmt mit vieler Kraft und Ruhe.“ 3 Mehrere der Leute ſprangen unwillkürlich und zu gleicher Zeit auf, um auszuſchauen, und einer ſtieß und — 300— zerrte den andern vor ſich hinweg. Der Argwohn, die Angſt hatten ihren höchſten Grad erreicht, und Bullen⸗ beißer ſpringen nicht ungeſtümer an des Ochſen Schnauze heran, als dieſe ſechs Männer einander anfielen. Ver⸗ wünſchungen, Flüche und Geſchrei um Hilfe folgten, und Jeder war in ſeiner wahnſinnigen Wuth erpicht darauf, den Andern über Bord zu werfen, als das einzige Mittel, ſein Leben zu retten. Sturz folgte auf Sturz, und als dieſer verzweifelte Kampf endigte, war außer dem Hochbootsmann keiner von allen übrig. Spike hatte an dieſem Kampfe keinen Theil genommen, ſondern ſchaute in wilder, grimmiger Freude zu, wie der Vater der Lüge wohl auf jeden menſchlichen Kampf blickt, der ihm zu Statten kommt, ſei der Ausgang, welcher er wolle. Von den fünf Männern, welche ſo über Bord ſtürzten, kam keiner mit dem Leben davon. Sie ertränkten einander, indem ſie ihren wahnwitzigen Kampf in einem Elemente fortſetzten, welches für ihre Natur nicht geeig⸗ net war. Nicht ſo Hans Tier. Man hatte ihn in das Waſſer ſpringen ſehen, und ein Dutzend Augen in dem Kutter waren auf ihn gerichtet, als das Boot ſchäumend vor dem Wind niederkam. Ein Ruf von Mulford:„Da iſt er!“ folgte, und der kleine Burſche wurde an den Haaren gefaßt, und von dem zweiten Lieutenant des Poughkeepſie und unſerm jungen Maat in das Boot„geholt!“ Andere in dem Kutter hatten die furchtbare Kampfes⸗ ſeene bemerkt und Wallace berichtet. Mulford rief alsbald: „Jetz dieſen bele „Dar iſt!“ verm und gebt Die mann dur nieder. 6. Spiegeldu Das Spike als jetzt befan er die Ru Wind. Dieß verließen und der 2 und war Aber! Welle ſchl bald„gef dahergeſch Priſe an vohn, die d Bullen⸗ Schnauze en. Ver⸗ gten, und ht darauf, ge Mittel, erzweifelte einer von nommen, wie der pf blickt, elcher er er Bord rtränkten n einem t geeig⸗ Waſſer Kutter vor dem und der on dem jungen impfes⸗ lsbald: — 301—* „Jetzt, da die Jolle nur zwei Männer trägt, wird ſie dieſen beladenen Kutter überſegeln.“ „Dann iſt es Zeit zu verſuchen, wozu das Blei gut iſt!“ verſetzte Wallace.„Soldaten, kommt nach vorn und gebt dem Schurken eine Salve!“ Die Gewehre krachten, eine Kugel flog dem Hochboots⸗ mann durch den Kopf, und er ſtürzte augenblicklich todt nieder. Eine zweite traf Spike. Der Capitän ſiel in die Spiegelduften und das Boot„ſtrauchelte“ ſogleich. Das Waſſer, welches über Bord hereinſtrömte, ließ Spike alsbald den Zuſtand gewahren, in welchem er ſich jetzt befand, und mit einer verzweifelten Anſtrengung faßte er die Ruderpinne und brachte die Jolle wieder vor den Wind. Dieß konnte jedoch nicht andauern. Seine Kräfte verließen ihn allmählich, ſeine Hand ließ die Pinne los, und der Verwundete ſank auf den Boden der Spiegelduften und war nicht mehr im Stande, ſeinen Kopf zu heben. Abermals fiel das Boot ab. Jede vorüberrollende Welle ſchleuderte Waſſer an Bord, und die Jolle würde bald„gefüllt haben,“ wäre der Kutter nicht wie ein Pfeil dahergeſchoſſen; er wendete unter ihrer Lee und nahm die Priſe an ſich. Achtes Kapitel. Des Menſchen ird'ſche Pilgerfahrt Iſt reich an Kampf und Streit; In allen Lebenszeiten iſt Das Unglück ſein Geleit'. Auf ſeine Zukunft wendet er Mit Bangen ſeinen Blick, Und auf vergang'ne Tage ſchaut Er ſeufzend nur zurück. 3 Southey. Wir ſehen uns jetzt genöthigt, die Zeit um drei ganze Tage vorzurücken, und die Scene nach Key⸗Weſt zu ver⸗ legen. Da der letztere Ort unſern Leſern ſchwerlich genau bekannt iſt, wollen wir bemerken, daß er ein kleiner See⸗ hafen iſt, welcher auf einer der größten jener zahlreichen, niedrigen Inſeln liegt, die auf dem Florida⸗Riff zerſtreut ſind, und daß er, ſeit die amerikaniſche Republik die Flo⸗ rida's an ſich gebracht, als eine Stadt bekannt geworden, oder richtiger, daß er ſeitdem erſt entſtanden iſt. Eine Reihe von Jahren war Key⸗Weſt bloß ein Zufluchtsort für Stranddiebe und ſolche, die ſich ein Geſchäft daraus machten, geſtrandete Schiffe loszuarbeiten und wieder flott zu machen, wobei ſie des Berglohns nicht vergaßen. Wenn man ſich erinnert, daß der größte Theil der Schiffe, welche in den Golf von Mexiko treten, auf eine Entfernung hin, welche zwiſchen ein⸗ und zweitauſend Meilen wechſelt, dicht an dieſem Riffe vor den Paſſat⸗ winden entlang ſegeln, und daß faſt alle, die dort her⸗ kommen, a küſte hinal wundern, vorkommen Zu K der See ſ hat kein bewahrt, Lattichkop Ueberfluß bergen di man ſich wird, als voll ſolch tauſchen der Erde In einigten einer vr Bis jetz Oertlicht nicht me Kapiteln ſchönen Me kaum i Folge n gefunde Zugang Ke ilgerfahrt und Streit; Southey. drei ganze heſt zu ver⸗ lich genau einer See⸗ ahlreichen, ff zerſtreut ik die Flo⸗ geworden, iſt. Eine ufluchtsort äft daraus vieder flott ßen. Theil der „ auf eine weitauſend en Paſſat⸗ dort her⸗ — 303— e an ſeiner Felſen⸗ küſte hinab in den Golfſtrom laufen, wird man ſich nicht daß eine nicht kleine Bevölkerung von den ſtets vorkommenden Schiffbrüchen lebt. Zu Key⸗Weſt wohnen heißt fa der See ſein. Der Ort iſt mit Seeluft geſchwängert, und kommen, auf eine eben ſo lange Streck wundern, ſt eben ſo viel, als auf hat kein Waſſer, außer dem, welches man in Ciſternen bewahrt, und kein Erdreich, oder doch ſo wenig, daß ein Lattichkopf eine Seltenheit iſt. Schildkröten gibt es in Ueberfluß, und der Schildkrötenfang iſt nach dem Wrack⸗ bergen die Hauptbeſchäftigung. Nach dem Geſagten denkt man ſich wohl, daß hier eine Kartoffel viel höher geſchätzt wird, als ein Schildkrötenei, und daß man für einen Sack voll ſolcher Knollen eine Maſſe von Schildkrötenfleiſch ein⸗ tauſchen kann, die hinreichen würde, alle Stadtbehörden der Erde ſatt zu machen. In den letzten Jahren hat die Regierung der ver⸗ einigten Staaten ſich überzeugt, daß das Florida⸗Riff zu einer vorgeſchobenen Schiffsſtation ſich trefflich eignet. Bis jetzt hat man freilich wenig mehr gethan, als die Oertlichkeiten aufgenommen, wahrſcheinlich iſt aber der Tag nicht mehr fern, wo Flotten an den in unſeren früheren Kapiteln geſchilderten Inſeln vor Anker liegen, oder die ſchönen Gewäſſer von Key⸗Weſt umlagern. Man war lange der Anſicht, ſelbſt Fregatten würden kaum in dieſem Hafen aus⸗ und einlaufen können, in Folge neuerer Unterſuchungen ſoll man aber Waſſerſtraßen gefunden haben, welche ſelbſt den ſchwerſten Schiffen Zugang geſtatten. Key⸗Weſt iſt jedoch noch im Zuſtande des Werdens, — 304— und die glückliche Zeit, welche ſeiner harrt, liegt noch einigermaßen in dem Schooße der Zukunft, wie die Frucht. ſich in der Blüthe birgt. Wir wollen noch hinzufügen, daß dieſe Inſel ein wenig nördlich von dem zwanzigſten Grad der Breite und fünf Grad weſtlich von Waſhington liegt. Vor den neueren Eroberungen in Mexiko war ſie die ſüdlichſte Beſitzung der Amerikaner auf der Oſtſeite des Feſtlandes, Cap St. Lucas an dem äußerſten Ende von Nieder⸗Californien liegt jedoch zwei Grad ſüdlicher. Der Leſer wird ſich eine genauere Vorſtellung von der Oertlichkeit Key⸗Weſt's machen, wenn wir eines Vorfalls erwähnen, welcher ſich in der neueſten Zeit begab. Wenige Wochen nach der Schlußſcene dieſer Erzählung wurde die erwähnte Stadt zum größeren Theile weggeſpült. Ein Orkan ſchleuderte die See über alle dieſe Inſeln und Riffe, und das Waſſer ſchoß in raſchen Strömungen über Stellen, welche ſeit Menſchengedenken trocken gelegen waren. Der untere Theil von Key⸗Weſt war in ein raſendes Meer umgewandelt, und Alles wurde in dieſem Theile der Stadt hinweggeriſſen. Da die Grundlage aber Fels iſt, kam die Inſel, als das Meer zurücktrat, wieder zum Vorſchein, und Fleiß und Unternehmungsgeiſt legten Hand an, um den Schaden gut zu machen. Die Regierung hat zu Key⸗Weſt ein kleines Hoſpital für Seeleute gegründet. Unſere Erzählung führt jetzt den Leſer in eines der Zimmer dieſes Gebäudes. Es befand ſich nur ein einziger Kranker darin, und dieſer war Spike. Er lag auf ſeinem ſchmalen Bette, welches nur der Vor⸗ läufer einer noch ſchmäleren Wohnung, des Grabes, ſein ſollte. In Frauen, it Budd erken! gekleidet wo wahrſcheinli Hauſes gen ſchien ſich zu fühlen. angezogen, und ſehne f ihrer Erſche keine Haube Büſcheln en liegen, wie Um dieſer pflegt, die ſehende We Dieſes zweideutigen ihres Geſch Rock, welch eifrig bemü Art war, d der Segelne licheren Nä anzuſtellen, Hände ſich fügen woll rein weibl Geſchöpfe, 244— 24 liegt noch e die Frucht. Inſel ein Breite und den neueren e Beſitzung ndes, Cap Californien ellung von wir eines Zeit begab. Erzählung weggeſpült. Inſeln und ungen über in gelegen ar in ein in dieſem dlage aber at, wieder eiſt legten 3 Hoſpital t jetzt den Es befand ar Spike. der Vor⸗ abes, ſein ſollte. In dem Gemache des Sterbenden waren zwei Frauen, in der einen werden unſere Leſer ſofort Roſa Budd erkennen, welche ihrer Tante wegen in tiefe Trauer gekleidet war, die zweite würde ein zufälliger Beſucher wahrſcheinlich für eine der gewöhnlichen Wärterinnen des Hauſes genommen haben. Sie war zienlich gut gekleidet, ſchien ſich aber in dieſen Gewändern gar nicht behaglich zu fühlen. Es war, als hätte ſie ihre beſten Kleider angezogen, könne aber damit nicht recht fertig werden, und ſehne ſich nach ihrer Alletagstracht. Das Auffallende ihrer Erſcheinung wurde dadurch noch geſteigert, daß ſie keine Haube trug, und daß ihr Haar ſich in kurzen, grauen Büſcheln emporſtruppte, ſtatt lang zu ſein und glatt anzu⸗ liegen, wie es ſonſt bei Frauen der Fall zu ſein pflegt. Um dieſer wunderlichen Erſcheinung, wie man zu ſagen pflegt, die Krone aufzuſetzen, kaute dieſes ſeltſam aus⸗ ſehende Weſen Tabak. Dieſes Weib widmete ſich eben, trotz ihres etwas zweideutigen Ausſehens, einem der gewöhnlichſten Geſchäfte ihres Geſchlechtes, ſie nähte. Sie hatte einen groben Rock, welcher Spike gehörte, in der Hand, und ſchien ſehr eifrig bemüht, ihn auszubeſſern. Obgleich die Arbeit der Art war, daß ſie eher zu dem Gebrauche der Hand und der Segelnadel, als zu dem des Fingerhutes und der zier⸗ licheren Nähnadel einlud, ſchien das Weib ſich doch linkiſch anzuſtellen, als wenn ihre rauh ausſehenden, braunen Hände ſich einer ſo weiblichen Beſchäftigung nicht recht fügen wollten. Dennoch gewahrte man Spuren eines rein weiblichen Charakters an dieſem ungewöhnlichen Geſchöpfe,— Spuren, welche die Aufmerkſamkeit der 244— 246. 20 — 306— ſchönen Roſa, ihrer Gefährtin, auf ſich zogen und ihre Theilnahme in hohem Grade anſprachen. Thränen drängten ſich dann und wann aus ihren Augenliedern, ſtrömten über ſonnenverbrannte Wangen, und ſielen auf das grobe Schiffstuchkleid, welches in ihrem Schooße lag. Nach einer dieſer plötzlichen, mächtigen Ausbrüche des Gefühls trat Roſa zu ihr, legte ihre kleine, ſchöne Hand freundlich auf die Schulter der Andern, und ſagte in dem mildeſten, ſanfteſten Tone: „ Ich glaube wirklich, er erholt ſich, Hans, und Ihr dürft hoffen, Euch noch mit ihm beſprechen zu können.“ „Man ſagt allgemein, er müſſe ſterben,“ ſagte Hans Tier, denn er war es, der nach einer Verkleidung, welche nun volle zwanzig Jahre gewährt hatte, in der Tracht ſeines eigentlichen Geſchlechtes erſchien,„und er wird nie erfahren, wer ich bin, und daß ich ihm verzeihe. Er muß in einer andern Welt an mich denken, da er es in dieſer nicht mehr kann, es wäre aber ein großer Troſt für ſeine Seele, wenn er wüßte, daß ich ihm verziehen habe.“ „Gewiß, der Mann muß wünſchen, von ſeinem Weibe freundlichen Abſchied zu nehmen, ehe er ſeine Augen für immer ſchließt, und ich darf wohl ſagen, auch für Euch wäre es ein großer Troſt, wenn Ihr ihm ſagen könntet⸗ Ihr hättet ihm vergeben, daß er Euch verlaſſen, in tauſend Widerwärtigkeiten geſtürzt und gezwungen hat, Euern Unterhalt als gemeiner Matroſe zu verdienen.“ „Ich werde ihm nicht ſagen, daß ich es ver⸗ geſſen habe, Miß Roſa, dieß wäre eine Unwahrheit, und es ſoll keine Täuſchung mehr zwiſchen uns ſtattfinden; aber ich werde ihm ſagen, daß ich ihm verzeihe, wie ich hoffe, Gott verzeiht auch mir einſt alle meine Sünden.“ „Es fremden Lo betrügen z „Er dennoch, d „Den überzeugt, Chriſtin, 1 „Ach. damit iſt thun, wie angebt, a obgleich d kennen ler Ihr ſprech das, welch und den Le Roſa länger all ſich in der Macht beſ Geſichtszü die eines und gebroe haben moe Tier, ſelb lichen Erk Geſchlechte Die Geſichts en und ihre nen drängten trömten über das grobe usbrüche des ſchöne Hand ſagte in dem us, und Ihr können.“ ſagte Hans dung, welche der Tracht er wird nie he. Er muß es in dieſer doſt für ſeine habe.“ ſeinem Weibe e Augen für uch für Euch agen könntet⸗ n, in tauſend hat, Euern ch es ver⸗ Unwahrheit, s ſtattfinden; ihe, wie ich ne Sünden.“ „Es iſt gewiß keine kleine Sünde, ſein Weib in fremden Landen zu verlaſſen, und dann ein anderes Weib betrügen zu wollen,“ bemerkte Roſa ruhig. „Er iſt ein Schurke,“ murmelte das Weib,„und dennoch, dennoch—“ „Dennoch verzeiht Ihr ihm, Hans,— ja, ich bin überzeugt, Ihr verzeiht ihm. Ihr ſeid eine zu gute Chriſtin, um ihm nicht verzeihen zu wollen.“ „Ach, Miß Roſa, ich bin denn doch ein Weib, und damit iſt Alles geſagt. Ich glaube wohl, ich muß ſo thun, wie Ihr rathet, aus dem Grunde, welchen Ihr angebt, aber ich bin ſein Weib, und er liebte mich einſt, obgleich dieß lange vorüber iſt. Als ich Stephan Spike kennen lernte, hatte ich jene Art Gefühl, von welchem. Ihr ſprecht, und war ein ganz anderes Geſchöpf als das, welches Ihr jetzt vor Euch ſeht. Mit den Jahren und den Leiden ändert ſich gar Vieles an und in uns Allen.“ Roſa antwortete nicht, ſondern blickte die Sprechende länger als eine Minute aufmerkſam an. Vieles mußte ſich in der That hier geändert haben, wenn ſie jemals die Macht beſeſſen hatte, einem Manne zu gefallen. Ihre Geſichtszüge waren Roſa ſtets klein und ausdruckslos für die eines Mannes vorgekommen, wie ihre Stimme ſchwach und gebrochen war; welche Wechſel ſich aber auch begeben haben mochten, Roſa konnte ſich kaum denken, daß Hans Tier, ſelbſt in den Tagen der Jugend und des jungfräu⸗ lichen Erblühens, die gewöhnliche Anziehungskraft ihres Geſchlechtes beſeſſen haben könne. Die See hatte ihre Haut gegerbt, der Ausdruck ihres Geſichts war hart und ſinnlich, und ihre Sitten mußten 20* — 308— dieſe natürlichen Folgen eines rauhen, mühevollen Lebens noch entſchiedener und ſprechender hervorheben. Wenn wir jedoch von„Sitten“ ſprechen, wollen wir damit nicht andeuten, Hans habe jemals im Uebermaße getrunken, wie es bei vielen Seeleuten der Fall iſt, denn dieß hieße ihm Unrecht thun, aber er rauchte und kaute Tabak,— Gewohnheiten, welche in einer andern Art betäuben und faſt eben ſo viele dem Grabe zuführen wie das Unmaß im Trinken. In gleicher Weiſe deutete alles Uebrige an dieſem ſeltſamen Geſchöpfe auf die Art ſeines ſpätern Lebens und Berufs. Ihr Gang hatte das Schwankende und Rollende der Bewegungen des Matroſen, ihre Hände waren durch Theer ihrer Farbe baar und voller Knorren, und ſelbſt ihr Fuß hatte jene platte, breitzehige Geſtalt angenommen, welche vielleicht mehr als jede andere phyſiſche Eigenthüm⸗ lichkeit den Stand anzudeuten geeignet iſt. Dennoch war dieſes Weſen einſt jung geweſen, es war einſt ſelbſt ſchön geweſen, und hatte einſt jene weibliche Anmuth, jene leichte Form gehabt, welche die junge Amerikanerin, welchem Stande ſie auch angehören mag, in ſo hohem Grade auszuzeichnen pflegt. Roſa blickte noch eine Zeit lang auf ihre Gefährtin, und ſchritt dann nachdenkend an ein Fenſter, welches auf den Hafen ging. „Ich weiß nicht, ob dieſer Anblick ihn erfreuen würde oder nicht,“ ſagte ſie, indem ſie das Weib freundlich anredete, ohne zu wiſſen, welche Wirkung, ſelbſt auf letztere, ihre Worte haben würden.„Dort iſt die Kriegs⸗ ſchluppe nebſt mehreren anderen Schiffen zu ſehen!“ „Ah, iſt ſie dort? Ach, er wird die Molly Swaſh nicht mehr noch jung und Famil das Alles er den Na ſein Herz f „Ihr gereiſt und annahmt?“ „Ich deſſen Nam Aehnlichkeit und ſein zuerſt auf nehmen.. wir wurde ich ohne o hatte und Am folgen dem gelben und vierzig herbeiwünſ lebten, mü „Ihr Hans,— Ihr nicht „Voll bittere Ja Zeit macht Geheimniß nähren.“ len Lebens wollen wir Uebermaße iſt, denn und kaute indern Art führen wie an dieſem Lebens und d Rollende aren durch und ſelbſt genommen, Eigenthüm⸗ eweſen, es einſt jene welche die angehören Gefährtin, velches auf euen würde freundlich ſelbſt auf die Kriegs⸗ hen!“ olly Swaſh — 309— nicht mehr betreten! Als er dieſe Brigg kaufte, war ich noch jung und ihm theuer, und er gab ihr meinen Tauf⸗ und Familiennamen, Mary oder Molly Swaſh. Aber das Alles hat ſich geändert, und ich wundere mich, daß er den Namen des Schiffes nicht geändert hat⸗ nachdem ſein Herz ſich änderte.“ „Ihr ſeid alſo wirklich ehedem an Bord der Brigg gereiſt und habt den Mann gekannt, deſſen Namen Ihr annahmt?“ „Ich war viele Jahre an ihrem Bord, und Tier, deſſen Namen ich mir aneignete, weil er einige äußerliche Aehnlichkeit mit mir hatte, ſtarb unter meiner Pflege, und ſein Schutzbrief fiel mir in die Hände, was mich zuerſt auf den Gedanken brachte, ſeinen Namen anzu⸗ nehmen. Ja, ich habe Tier in der Brigg gekannt, und wir wurden zu gleicher Zeit am Strande zurückgelaſſen, ich ohne allen Zweifel abſichtlich, er, weil Spike Eile hatte und wegen eines Matroſen nicht warten wollte. Am folgenden Tage ſchon wurde der arme Burſche von dem gelben Fieber ergriffen und ſtarb in den nächſten acht Hund vierzig Stunden. So iſt’s in der Welt: die den Tod herbeiwünſchen, bleiben am Leben, und die, welche gern lebten, müſſen ſterben.“ „Ihr habt ein mühevolles Leben gehabt, armer Hanus,— ein Weib und zwanzig Jahre Matroſe! Habt Ihr nicht ſo geſagt?“ „Volle zwanzig Jahre, Miß Noſa, und wahrlich, bittere Jahre ſind es geweſen. Während dieſer ganzen Zeit machte ich Jagd auf meinen Gatten, bewahrte mein Geheimniß und arbeitete wie ein Pferd, um mich zu nähren.“ — 310— „Ihr könnt nicht alt geweſen ſein, als er Euch verl—, ich will ſagen, als Ihr Euch trenntet.“ „Nennt die Sache nur bei ihrem rechten Namen und ſagt geradezu, als er mich verließ. Ich war ſechs bis ſieben und zwanzig Jahre alt und des Anſchauens immer noch werth. Das Alles hat ſich geändert, aber ich war damals hübſch.“ „Warum hat Capitän Spike Euch verlaſſen, Hans? Ihr habt mir dieß nie geſagt.“ „Weil ihm eine Andere geſiel. Und ſtets haben ihm ſeit jener Zeit Andere gefallen, ſtatt daß er meiner gedacht hätte. Ich glaube, wenn er Euch bekommen hätte, Miß Roſa, wäre er für den Reſt ſeines Lebens zufrieden geweſen.“ „Seid überzeugt, Hans, daß ich nie eingewilligt hätte, Capitän Spike zu heirathen.“ „Es iſt gut, daß Ihr nicht mehr in ſeiner Gewalt ſeid, verſetzte Hans mit einem tiefen Seufzer, welcher mehr als alles andere, was bei dieſer Unterhaltung vorkam, von weiblichem Gefühle zeugte,„es iſt gut ſo, und der Himmel ſei dafür geprieſen. Er wäre eher geſtorben, als ich zuge⸗ geben hätte, daß er Euch von der Inſel wegführte— Gatte oder nicht Gatte.“ „Ihr hättet es unter anderen Umſtänden ſchwerlich hindern können.“ Roſa ſchwieg und blickte wieder auf die See hinaus. Ihre Gedanken wendeten ſich ihrer Tante und Biddy zu, und Thränen überſtrömten ihre Wangen, als ſie der Liebe der Einen, und der Treue der Andern dachte. Ihr ſchreck⸗ liches Loos hatte ſie tief ergriffen, und hätte ſie faſt einer ſchweren Krankheit zugeführt, aber ihr kräftiger, geſunder Verſtand, il Zärtlichkeit, die Gefahr, bemüht, ih unglücklichen ſeltſame We Der L. Hans Tier trauten gen Zuſammenſe Zügen, und Mulford ſo als er ſich geleitet, ſeit ſo junges, ein Weib ke wie Spike, mit dem He lebten, und Eine 2 von dem Fe wendete ſich höhern The abgeben als „Wo Spike und was ſich be — das iſt „Es i ſanft und worden und 3 er Euch / tamen und ſechs bis iens immer r ich war en, Hans? tets haben er meiner bekommen nes Lebens lligt hätte, ner Gewalt elcher mehr orkam, von der Himmel ls ich zuge⸗ egführte— ſchwerlich See hinaus. -Biddy zu, ie der Liebe Ihr ſchreck⸗ ie faſt einer r, geſunder — 311— Verſtand, ihr vortrefflicher Körperbau, Harry's männliche Zärtlichkeit, und vor Allem ihr frommer Sinn beſeitigten die Gefahr, und ſie war nun, wie der Leſer bemerkt hat, bemüht, ihren Schmerz niederzukämpfen, um dem noch unglücklicheren Weibe nützlich zu werden, welche auf eine ſo ſeltſame Weiſe ihre Freundin und Gefährtin geworden war. Der Leſer wird bereits längſt geahnt haben, daß Hans Tier die Frauen an Bord der Swaſh zu ihren Ver⸗ trauten gemacht hatte. Seit den erſten Tagen ihres Zuſammenſeins kannte Roſa ihre Geſchichte in allgemeinen Zügen, und ſo erklärt ſich die ſichtbare Hinneigung, welche Mulford ſo ſehr überraſcht hatte. Vielleicht war Hans, als er ſich den Frauen entdeckte, theilweiſe von Eiferſucht geleitet, ſein Hauptbeweggrund war aber der Wunſch, ein ſo junges, unſchuldiges Weſen, wie Roſa, zu retten. Nur ein Weib konnte ſich dem Gedanken hingeben, ein Anbeter, wie Spike, dürfte Roſa gefährlich werden, Hans ſah aber mit dem Herzen, in welchem theure Jugend⸗Erinnerungen lebten, und nicht mit dem Auge des nackten Verſtandes. Eine Bewegung des Verwundeten zog Roſa's Blicke von dem Fenſter ab. Sie trocknete raſch ihre Augen und wendete ſich zu ihm, da ſie glaubte, ſie dürfte, trotz der höhern Theilnahme ihrer Freundin, eine beſſere Wärterin abgeben als dieſe. „Wo bin ich, und warum bin ich hier?“ fragte Spike und ſeine Stimme klang kräftiger, als nach Allem, was ſich begeben, zu erwarten war.„Das iſt keine Kajüte, — das iſt die Swaſßh nicht, es ſieht aus, wie ein Hoſpital.“ „Es iſt ein Hoſpital, Capitän Spike,“ ſagte Roſa ſanft und näherte ſich dem Bette.„Ihr ſeid verwundet worden und man brachte Euch nach Key⸗Weſt, wo Ihr — 312— in dem Hoſpital aufgenommen wurdet. Ich hoffe, Ihr fühlt Euch beſſer und habt keine Schmerzen mehr.“ „Mein Kopf iſt nicht, wie er ſein ſollte, ich weiß nicht, Alles ſcheint ſich um mich zu drehen, aber es gibt ſich vielleicht. Ich fange an mich zu erinnern,— wo iſt meine Brigg?“ „Auf den Klippen geſcheitert, die Wellen haben ſie in Stücke zerſchellt.“ „Das ſind jedenfalls traurige Nachrichten. Ah, Miß Roſa, Gott ſegne Euch. Ich hatte ſchreckliche Träume. Nun, es thut wohl, Freunde um ſich zu haben. Was iſt das für ein Geſchöpf? Wo kommt ſie her?“ „Es iſt Hans Tier,“ antwortete Roſa ruhig.„Es ergab ſich, daß ſie ein Weib iſt, und ſie hat ſich wieder gekleidet, wie es ihrem Geſchlechte zuſteht, um Euch wäh⸗ rend Eurer Krankheit zu pflegen. Hans hat Euer Lager nicht verlaſſen, ſeit wir hier ſind.“ Ein langes Schweigen folgte dieſer Mittheilung. Die Augen des armen Weibes glänzten, und ſie wendete ſich halb zur Seite, als wollte ſie ihr Geſicht verbergen, auf welchem ſich ungewöhnliche Erregungen ausprägten. Roſa hielt es für das Beſte, Mann und Frau allein zu laſſen, und fand Mittel, unbeachtet aus dem Gemache zu gleiten. Spike blickte fortwährend auf das ſeltſam ausſehende Weib, mit welchem er jetzt allein war. Allmählich kehrte ſeine Erinnerungskraft zurück, und mit ihr das volle Bewußtſein ſeiner Lage. Er mochte der unbedingten Gewißheit ſeines nahen Todes noch nicht ganz inne geworden ſein, mußte aber fühlen, daß ſeine Wunde ſehr bedenklich ſei, und daß die Entſcheidung nicht fern ſein könne. Dennot unbekannten vorher geſel dung, dem anzugehören Was Swaſh bei uns deſſen Name bei was Hans Gewande i aber völlig Sie w und ein he Zeit, Müh gern hätte vor ihm ve Mary eines Schi ihrer Juge Gatte ſie? dem Aeuße kenswerther den langen ſie noch in zen, grauer Kopfbedeckt geeignet, ſeit einer d ſtand jetzt, Alters. hoffe, Ihr hr.“ 2, ich weiß ber es gibt — wo iſt haben ſie Ah, Miß he Träume. Was iſt uhig.„Es ſich wieder Euch wäh⸗ Euer Lager eilung. Die vendete ſich dergen, auf gten. Frau allein m Gemache ausſehende ihlich kehrte das volle unbedingten ganz inne Wunde ſehr m ſein könne. — 313— Dennoch konnte er den Blick nicht von dieſer ſeltſamen, unbekannten Geſtalt abwenden, eine Geſtalt, wie er ſie nie vorher geſehen hatte, und welche, trotz ihrer jetzigen Klei⸗ dung, dem einen Geſchlechte eben ſo gut wie dem andern anzugehören ſchien. Was Hans betrifft,— wir nennen Mary oder Molly Swaſh bei ihrem männlichen Namen, ſowohl weil wir uns deſſen ſtets bedient haben, als auch weil der andere Name bei einem ſolchen Weſen ganz ungeeignet wäre,— was Hans betrifft, ſo ſaß ſie halb abgewendet, mit dem Gewande in der Hand und bemüht, die Nadel zu brauchen, aber völlig ſtumm da. Sie wußte, daß Spike's Auge auf ſie gewendet war, und ein heimliches Gefühl ſagte ihr, welche Veränderung Zeit, Mühſal und Kummer an ihr hervorgebracht, und gern hätte ſie dieſe Mängel in ihrer äußern Erſcheinung vor ihm verborgen. Mary Swaſh war die Tochter und zumal die Frau eines Schiffscapitäns. Sie war, wie bereits bemerkt, in ihrer Jugend hübſch geweſen, und bis zu der Zeit, wo ihr Gatte ſie verließ, konnte ſie für eine Frau von anſprechen⸗ dem Aeußern gelten. Beſonders ihr Haar war von bemer⸗ kenswerther Schönheit und Fülle, und der Abſtand zwiſchen den langen, ſchwarzen, glänzenden, vollen Locken, welche ſie noch in ihrem dreißigſten Jahre umfloſſen, und den kur⸗ zen, grauen Struppen, welche ſich ohne Haube oder andere Kopfbedeckung emporſträubten, war nichts weniger als geeignet, ein Erkennen herbeizuführen. Dann war Hans ſeit einer Reihe von Jahren von dem Gatten getrennt und ſtand jetzt, wenn wir ſo ſagen dürfen, an dem Saume des Alters. Ihre Geſtalt hatte ſich ganz geändert, ihre — 314— Geſichtsfarbe war dahin, und ihre Züge, obgleich ſtets unbedeutend, aber weiblich und ihrem Geſchlechte angepaßt, waren hart und faſt rauh geworden. Doch hatte Hans noch etwas von ihrem frühern Ich an ſich, das Spike irre machte, und ſeine Augen hefteten ſich eine volle Viertel⸗ ſtunde in tiefem Schweigen auf ſie. „Reicht mir Waſſer,“ ſagte der Verwundete,„ich habe Durſt.“ Hans ſtand auf, füllte einen Becher mit Waſſer und brachte ihn an das Bett. Spike nahm den Becher und trank, blickte aber unabläſſig auf ſeine ſeltſame Wärterin. Als ſein Durſt geſtillt war, ſagte er: „Wer ſeid Ihr, und wie kommt Ihr hierher?“ „Ich bin Eure Wärterin. Man pflegt den Kranken gewöhnlich Wärterinnen beizugeben.“ „Seid Ihr ein Mann oder eine Frau?“ Ich wüßte dieſe Frage kaum zu beantworten. Manch⸗ mal halte ich mich für beides, und dann wieder für keines von beiden.“ „Habt Ihr mich je vorher geſehen?“ Oft, und noch ganz vor Kurzem. Ich begleitete Euch auf Eurer letzten Reiſe.“ „Ihr? Das iſt unmöglich. Wenn dem aber ſo iſt, wie heißt Ihr?“ „Hans Tier.“ Eine lange Pauſe folgte dieſer Mittheilung, welche Spike veranlaßte, ſo eifrig, als ſein Zuſtand es erlaubte, nachzuſinnen, obgleich die Wahrheit ihm nicht einleuchtete. Endlich nahm der halbbetäubte Mann wieder das Vort. „Seid Ihr Hans Tier?“ ſagte er langſam, und als ob er zweifelte.„Ja, ich ſehe jetzt die Aehnlichkeit, und eben dieſe Hoſpitale ſo um mir hier „Ich h mich gekleid „Aber ford,— ah Boot, als i „Ganz nie aus, S des Golfs Euerm Lebe es Eure Pf „Das auf Euch n Frauen. OL der ſchönen auf Erden Spike Mittheilung geduldet, p konnte ſie Ihre Selb Darlegung geregt war „Ich ſelbſt ein V Tone, als führen.„ annehmen. „Ihr gleich ſtets angepaßt, atte Hans Spike irre le Viertel⸗ dete,„ich Baſſer und Becher und Wärterin. r? 7⁷ a Kranken a. Manch⸗ für keines eitete Euch ber ſo iſt, ng, welche s erlaubte, inleuchtete. as Vort. u, und als chkeit, und — 315— eben dieſe hat mich irre gemacht. Iſt man in dieſem Hoſpitale ſo ſtreng, daß Ihr Frauenkleider anziehen mußtet, um mir hier hilfreich zur Seite zu ſtehen?“ „Ich habe gute Gründe, mich ſo zu kleiden, wie Ihr mich gekleidet ſeht.“ „Aber Haus Tier riß aus, wie jener Schurke Mul⸗ ford,— ah, jetzt erinnere ich mich, Ihr wart in dem Boot, als ich euch Alle auf dem Riff einholte.“ „Ganz recht, ich war in dem Boote. Aber ich riß nie aus, Stephan Spike. Ihr habt mich auf der Inſel des Golfs verlaſſen, und dieß war das zweite Mal in Euerm Leben, daß Ihr mich am Strande ließt, während es Eure Pflicht war, mich an Bord zu nehmen.“ „Das erſte Mal war ich in Eile, und konnte nicht auf Euch warten, das letzte Mal hieltet Ihr es mit den Frauen. Ohne Eure Dazwiſchenkunft hätte ich die Hand der ſchönen Roſa erhalten, und wäre der glücklichſte Menſch auf Erden geweſen.“ Spike hätte ſeiner rechtmäßigen Gattin keine widrigere Mittheilung machen können. Nach Allem aber, was Hans geduldet, was ſie während ihrer letzten Reiſe erlebt hatte, konnte ſie ein ſolches Geſtändniß nicht zurückſchrecken. Ihre Selbſtbeherrſchung ging ſo weit, daß ſie jede offene Darlegung ihrer Gefühle hinderte, ſo ſehr dieſe auch auf⸗ geregt waren. „Ich ſchlug mich auf die Seite der Frauen, weil ich ſelbſt ein Weib bin,“ antwortete ſie jetzt in entſchloſſenerem Tone, als dränge es ſie, endlich den Abſchluß herbeizu⸗ führen.„Es iſt natürlich, daß wir uns unſeres Gleichen annehmen.“ „Ihr— ein Weib, Hans? Das iſt ſehr merkwürdig. — 316— Seit wann prait man Euch als ein Weib? Ihr habt zwei Reiſen mit mir gemacht, und jedes Mal als Mann, obgleich ich Euch nie für befähigt hielt, den Pflichten eines Seemannes zu genügen.“ „Demungeachtet wurde ich als Weib geboren und erzogen, und bevor ich Euch kannte, habe ich nie die Kleidung eines Mannes getragen. Ihr nahmt mich für einen Mann, als ich öſtlich von Tiker's⸗Inſel zu Euch an Bord kam, ich war aber damals, was ich jetzt, ſelbſt dem Aeußern nach, bin.“ „Ich fange an, die Sache zu begreifen,“ verſetzte der Kranke nachdenklich.„Ja, ja, mir geht ein Licht auf, und ich ſehe nun ein, wie Ihr mit Miſtreß Budd und der hübſchen, hübſchen Roſa in ein ſo vertrautes Verhältniß treten konntet. Roſa iſt ſchön, Hans, Ihr müßtet das zugeben, wenn Ihr auch ein Weib wäret.“ „Roſa iſt ſchön, ich gebe dieß zu, und was mehr iſt, ſie iſt gut. Es war Hans ſchwer, ein ſolches Zugeſtändniß laut werden zu laſſen, Gerechtigkeit und Edelmuth forderten aber dringend dazu auf. „Und Ihr machtet Miſtreß Budd und, Roſa mit Euerm Geheimniß bekannt, und darum ſtandet Ihr wäh⸗ rend der Reiſe ſo ſehr bei ihnen in Gunſt?“ „Ich ſagte ihnen, wer ich bin, und warum ich in Mannestracht zur See kam. Sie kennen meine ganze Geſchichte.“ „Billigte es Roſa, daß Ihr unter falſcher Flagge ſegelt?“ „Ich möchte Roſa ſelbſt darum befragen. Meine Geſchich te nie etwas „Es v Ihr in Er habt Ihr möchte Eu⸗ Segeln, al— Hans drängte ſich Zeit, wenig ſchmerzte. aber linkiſe Spike“ das Schwe ihn mehr forderte er ſich wieder mit ihrer! ſeltſame F Zufäll dem, was volle Geſi Spike's At weit entfe etwas, do Rechenſcha wem es ährꝛ „Maꝛ er,„acht ihn das Bericht üb Ihr habt als Mann, en Pflichten geboren und ich nie die nt mich für ſſel zu Euch z ich jetzt, 1,“ verſetzte ht ein Licht nit Miſtreß in ein ſo iſt ſchön, hr auch ein as mehr iſt, tändniß laut th forderten Roſa mit et Ihr wäh⸗ darum ich in neine ganze ſcher Flagge gen. Meine — 317— Geſchichte gewann mir ihre Freundſchaft, ſie ſagte aber nie etwas für oder gegen meine Verkleidung.“ „Es war eine gute Verkappung, Hans, gewiß. Nun Ihr in Euern eigentlichen Kleidern ausgerüſtet daſteht, habt Ihr eine Art halb aufgetakelten Ausſehens. Man möchte Euch eher für einen Mann unter zerſchleißten Segeln, als für ein Weib halten.“ Hans gab keine Antwort, aber ein tiefer Seufzer drängte ſich aus ihrer Bruſt. Auch Spike ſchwieg längere Zeit, weniger aus Erſchöpfung, als weil ſeine Wunde ihn ſchmerzte. Während dieſer Pauſe wurde die Nadel emſig, aber linkiſch gehandhabt.. Spike's Gedanken waren noch ein wenig wirre, aber das Schweigen und die Ruhe einer Viertelſtunde brachten ihn mehr und mehr zu ſich. Nach Verlauf dieſer Zeit forderte er wieder Waſſer. Als er getrunken, und Hans ſich wieder ſeitwärts an ſein Lager geſetzt hatte, und ſich mit ihrer Nadel beſchäftigte, betrachtete der Capitän dieſe ſeltſame Frau lange und aufmerkſam. Zufällig war das arme Weib, von der Seite geſehen, dem, was ſie einſt geweſen, ähnlicher, als wenn man das volle Geſicht vor ſich hatte, und dieſe Aehnlichkeit zog Spike's Aufmerkſamkeit auf ſich, obgleich er noch immer weit entfernt war, die Wahrheit zu ahnen. Er ſah etwas, das ihm bekannt ſchien, konnte ſich aber keine Rechenſchaft geben, was dieſes Etwas ſei, und noch weniger, wem es ähnlich ſein möchte. Endlich nahm er das Wort wieder: „Man hatte mir geſagt, Hans Tier ſei todt,“ ſagte er,„acht und vierzig Stunden nach unſerer Abreiſe ſoll ihn das Fieber hinweggerafft haben. So lautete der Bericht über ihn.“ . — 318— „Und was hat man Euch von Eurer Gattin geſagt, Stephan Spike, von ihr, welche Ihr zu derſelben Zeit am Strande verlaſſen hattet?“ „Man erzählte, ſie ſei erſt drei Jahre ſpäter geſtorben. Ich habe zu Neu⸗Orleans, drei Jahre ſpäter, die Nach⸗ richt von ihrem Tode exhalten.“ „Und wie konntet Ihr ſie, Euer treues, Euer recht⸗ mäßiges Weib an einem fremden Strande verlaſſen?“ „Es war ein ſchlechtes Gehaben,“ verſetzte Spike, welcher jetzt, da er an dem Rande des Grabes ſtand gleich allen anderen Sterblichen ſein früheres Thun ganz anders betrachtete, als er in den Jahren der Geſundheit, und Kraft gethan hatte,—„ja, es war ein ſchlechtes Gehaben, und ich wollte, ich könnte es ungeſchehen machen. Aber es iſt jetzt zu ſpät. Auch ſie ſtarb in Folge eines Fiebers, das iſt ein Troſt, wäre ſie an einem gebrochenen Herzen geſtorben, würde ich mir nie verziehen haben. Molly hatte ihre Fehler, ich hielt ſie für große Fehler, im Ganzen aber war Molly ein gutes Weſen.“ „Ihr habt ſie alſo geliebt, Stephan Spike?“ „Die Wahrheit zu ſagen, als ich Molly heirathete und Capitän Swaſßh ſeiner Tochter Hand in die meinige legte, lebte kein Weib, die nach meinem Urtheile beſſer, oder in meinen Augen ſchöner geweſen wäre.“ „Ja, ja, als Ihr ſie heirathetet, wie war es aber ſpäter, als Ihr ihrer müde wart, und eine Andere ſaht, welche in Euern Augen ſchöner war?“ „Ich habe ſie verlaſſen, und Gott hat mich dieſer Sünde wegen geſtraft. Wißt Ihr wohl, Hans, daß das Glück ſeit jenem Tage von mir geſchieden iſt? Oft und oft habe ich daran gedacht, und ſo gewiß Ihr hier vor nir ſitzt, war das(. Was eine! Stets in langen Rei und die La blieb ſo art mir, und gung zu er „Und Weibes zu „Ich! Orleans vo nutzlos auf unſeligen E hätten wir geſſen gew es auch ſch Molly hätt „Und Budd, die Euch iſt?“ „Ich Roſa iſt w mir den 2 Brigg war Aſſekuranzg ſie konnte n Kriegsſchlu nern verka: ſte an unſe attin geſagt, rſelben Zeit er geſtorben. die Nach⸗ Euer recht⸗ aſſen?“ ſetzte Spike, rabes ſtand Thun ganz Geſundheit, n ſchlechtes hen machen. Folge eines gebrochenen ehen haben. roße Fehler, e?“ y heirathete die meinige heile beſſer, wie war es eine Andere mich dieſer s, daß das 2 Oft und Ihr hier vor — 319— nir ſitzt, ſeit ich meine Frau an dem Strande verließ, war das Glück von mir und meinem Schiffe gewichen. Was eine Reiſe einbrachte, nahm die andere wieder hin. Stets in Bewegung, keine Ruhe in einer ſo langen, langen Reihe von Jahren, daß die grauen Haare kamen, und die Laſt des Alters über mich hereinbrach, und ich blieb ſo arm, wie ich war. Es ging immer abwärts mit mir, und ich hatte die größte Noth, die Brigg in Bewe⸗ gung zu erhalten, um mir mein Leben zu friſten.“ „Und veranlaßte Euch all dieß nicht, Eures armen Weibes zu gedenken, welche Ihr ſo ſehr gekränkt habt?“ „Ich dachte kaum an etwas Anderes, bis ich zu Neu⸗ Orleans von ihrem Tode hörte, und dann gab ich es als nutzlos auf. Hätte ich Molly ſechs Monate nach jener unſeligen Stunde, wo ich ſie verließ, wieder gefunden, ſo hätten wir uns nie wieder getrennt, und Alles wäre ver⸗ geſſen geweſen. Ich kannte ihr Herz, ſo ſtolz und hart es auch ſchien, war es doch voller Zärtlichkeit und Güte. Molly hätte mir verziehen!“ „Und doch erhobt Ihr Euer Auge zu dieſer Roſa Budd, die nur zu jung, und ſchön, und gut für Euch iſt?“ „Ich war des Wittwerſtandes müde, Hans, und Roſa iſt wunderhübſch. Ueberdieß hat ſie Geld und hätte mir den Abend meines Lebens behaglich gemacht. Die Brigg war alt, wie Euch wohl bekannt iſt, und keine Aſſekuranzgeſellſchaft wollte mehr etwas von ihr wiſſen, ſie konnte nicht mehr lange zuſammen halten. Wäre dieſe Kriegsſchluppe nicht geweſen, ſo hätte ich ſie den Mexika⸗ nern verkauft, und nach den erſten vier Wochen hätten ſie ſte an unſere Leute verloren.“ „Wäre es ehrlich geweſen, irgend Jemandem eir altes, zerfallenes Schiff zu verkaufen, Stephan Spike?“ Spike's Gewiſſen war in Folge ſeines Gewerbes hart wie Eiſen geworden. Man hat oft behauptet, der Handel verhärte das Herz; wir laſſen dieß hingeſtellt ſein, ſind aber der Ueberzeugung, daß ſich der glücklich ſchätzen darf, welcher aus einem Berufe dieſer Art, beſonders im kleinen Maßſtabe, mit ganz reinem Gewiſſen hervorgeht. Als Hans daher dieſe Frage an den Sterbenden ſtellte,— denn der Tod war Spike näher, als er felbſt glaubte, obgleich er eine Wiedergeneſung nicht mehr hoffen konnte,— wußte er ſich ſie nicht recht zu erklären. Er ſah kein Arg darin, einen möglichſt vortheilhaften Handel abzuſchließen, und konnte nicht begreifen, warum er etwas, das ſein Eigen⸗ thum war, nicht um den höchſten Preis, welchen er erzielen konnte, ſollte anzubringen ſuchen. Dennoch wollte er ſich einigermaßen rechtfertigen. „Ich gebe es zu, die Brigg war alt,“ ſagte er,„aber ſie war ſtark und konnte noch lange laufen. Ich ſprach von ihrer Gefangennehmung nur als von einem Begebniß, das nicht lauge ausbleiben konnte, wenn die Mexikaner ſie kauften, ſo daß es ſich von ihren Eigenſchaften nicht weiter handelte, man hätte denn ihre Schnelligkeit ins Auge faſſen wollen, und dieſe war trefflich, wie Ihr wißt, Hans.“ „Und um dieſe Brigg grämt Ihr Euch, Stephan Spike, hier auf Euerm Todesbette mehr, als um irgend etwas Anderes?“ „Nicht ſo ſehr, als um die hübſche Roſa Budd, Hans; Roſa iſt ein ſo entzückender Anblick.“ Die Geſichtsmuskeln des armen Weibes zuckten ein wenig, und ſie blickte tief gekränkt darein, denn, die Wahr⸗ p zeit zu ſage z9res verbrec der Art zug wieder einig mmußte er ſie dieſen Umſta buhlerin anz. Sie ſah und beſchloß, „Stepho dem Bette, man Euch d während Ihr könnt. Mard drei Jahre, ſie lebt bis geleſen, welch in die See ſp wo ſie zu ſin Spike ſ ſchwieg, ſpra ſeinem Blicke Folge einer A rührte von Gewiſſen ſtac Gattin noch lebendigen F gehen, das e von Jahren z „Seid 244— 246. andem eiy Spike?“ werbes hart der Handel ſein, ſind hätzen darf, im kleinen rgeht. Als te,— denn te, obgleich e,— wußte Arg darin, ließen, und ſein Eigen⸗ n er erzielen vollte er ſich gte er,„aber Ich ſprach Begebniß, Nexikaner ſie nicht weiter it ins Auge oißt, Hans.“ h, Stephan s um irgend Roſa Budd, zuckten ein u, die Wahr⸗ 4 b zeit zu ſagen, ſie hatte gehofft, die Unterredung habe zhres verbrecheriſchen Gatten Gedanken der Vergangenheit der Art zugewendet, daß ſein früheres Intereſſe an ihr wieder einigermaßen rege geworden wäre. Allerdings mußte er ſie noch für todt halten,“allein Hans überſah dieſen Umſtand, ſo ſchwer iſt es, das Lob einer Neben⸗ buhlerin anzuhören und gerecht zu bleiben. Sie ſah, daß ſie ſich deutlicher ausſprechen mußte und beſchloß, aller Ungewißheit ein Ende zu machen. „Stephan Spike,“ ſagte ſie und näherte ſich ruhig dem Bette,„man muß Euch die Wahrheit ſagen, wenn man Euch die Schönheit Roſa Budd's ſo preiſen hört, während Ihr keine acht und vierzig Stunden mehr leben könnt. Mary Swaſh iſt nicht, wie Ihr geglaubt habt, drei Jahre, nachdem Ihr ſie verlaſſen, geſtorben, ſondern ſie lebt bis auf dieſen Augenblick. Hättet Ihr den Brief geleſen, welchen ich Euch in dem Boote gab, ehe ihr mich in die See ſpringen ließt, ſo würde er Euch geſagt haben, wo ſie zu finden iſt.“. Spike ſah die Sprechende ſtarr an, und als ſie ſchwieg, ſprach ſich Schrecken, Verwirrung, Betäubung in ſeinem Blicke aus. Dieſe Erregung war jedoch nicht die Folge einer Ahnung des wirklichen Standes der Dinge; ſie rührte von dem Schmerze her, mit welchem ihn ſein Gewiſſen ſtachelte, als er hörte, daß ſeine ſo tief gekränkte Gattin noch am Leben ſei. Seine Phantaſte ließ raſch in lebendigen Farben all das Ungemach an ihm vorüber gehen, das ein verlaſſenes Weib in einer ſo langen Reihe von Jahren zu dulden haben mochte. „Seid Ihr deſſen gewiß, was Ihr ſagt, Hans?“ 244— 246. 21 9,0 enen Daſeins. yr von Euch kennt Euern Euer Lager.“ Fingerzeige, an Bord der eit nicht. Er ich zu ſteigern. n,“ fuhr das in Augenblick neln.„Hans dem mit Euch hr Euer Weib abt, iſt, wie nach der Ab⸗ nmels willen? das Geſchlecht ihrem Gatten o verheirathet gehalten. Und un, dergleichen t. Sie mußte ten faſt geſagt, hinderte, die er Woͤrte war nicht leicht zu mißdeuten. Daß Jemand ſie hätte heira⸗ then können, ſchien ihrem Gatten ſo unmöglich, wie es möglich war, daß er ihr nach der Trauung, ſobald er konnte, entlaufen würde. „Stephan Spike,“ ſagte Hans feierlich,„ich bin Mary Swaſhl ich bin Euer Weib!“ Spike fuhr in ſeinem Bette empor, dann begrub er ſein Geſicht in dem Kiſſen, und ein ſchweres Stöhnen entrang ſich ſeiner Bruſt. In der Bitterkeit des Schmerzes wendete ſich das Weib ab und weinte. Das Unglück und der Verkehr mit einer ſelbſtfüchtigen Welt hatte ihr Gefühl abgeſtumpft, allein ſie war Weib genug, um dieſen Schlag als den härteſten zu fühlen, der ſie je getroffen hatte. Ihr Gatte, der auf ſeinem Todesbette lag, wie er es wiſſen mußte und wußte, ſchrack vor ihr zurück, die des Geſchlechtes durch Gewohnheit beraubt und durch Jahre und Ungemach entſtellt war. Neuntes Kapitel. Die Rube der vertrauensvollen Seele, Des Friedens Eren und das böch ſte Glück Im Kreis der Lieben all drückt das Geſchick Als Krone auf das Haupt des edeln Werbes. Miß Hemans. Wir ſehen uns abermals genöthigt, rücken, und gedenken, dieſe einige Erläuterungen in Be ſchalten, deren gedacht haben. die Zeit vorzu⸗ Gelegenheit zu benützen, um treff gewiſſer Begebniſſe einzu⸗ wir im Laufe unſerer Erzählung nicht 21* 8O—— 5 fragte Spike ſchnell.„Ihr werdet meine benutzen, um mir eine Unwahrheit zu ſagen? „Ich bin deſſen ſo gewiß als meines eigenen Daſeins. Ich habe ſie erſt vor Kurzem geſehen, mit ihr von Euch geſprochen, kurz, ſie iſt jetzt zu Key⸗Weſt, kennt Euern Zuſtand, und das Gefühl des Weibes führt ſie an Euer Lager.“ Ungeachtet alles deſſen und der vielfachen Fingerzeige, welche Spike während des längern Verkehrs an Bord der Brigg erhalten hatte, ahnte er die Wahrheit nicht. Er war erſtaut, betäubt und ſein Schrecken ſchien ſich zu ſteigern. „Ich habe Euch etwas Anderes zu ſagen,“ fuhr das unglückliche Weib fort, nachdem ſie einen Augenblick geſchwiegen hatte, um ihre Gedanken zu ſammeln.„Hans Tier, der wirkliche Hans Tier, welcher ehedem mit Euch reiſte, und den Ihr zur ſelben Zeit, wo Ihr Euer Weib verließt, an dem Strande zurückgelaſſen habt, iſt, wie man Euch ſagte, acht und vierzig Stun den nach der Ab⸗ fahrt der Brigg am Fieber geſtorben.“ „Wer ſeid Ihr aber dann, um des Himmels willen? Wie kommt Ihr dazu, den Namen ſowie das Geſchlecht eines Andern anzunehmen?“ „Was ſollte ein Weib thun, welche von ihrem Gatten in einem fremden Lande verlaſſen worden?“ „Das iſt merkwürdig. Ihr ſeid alſo verheirathet geweſen? Ich hätte dieß nie für möglich gehalten. Und Euer Mann hat Euch auch verlaſſen,— nun, dergleichen pflegt ſich zu begeben.“ Hans fühlte ſich jetzt ſchwer bedrängt. Sie mußte gewahren, daß ihr uneinnehmendes, wir hätten faſt geſagt, jor abſchreckendes Ausſehen den Capitän hinderte, die Wahrheit zu ahnen, und der Sinn ſeiner Worte war nicht leicht then könn möglich w konnte, ent „Stey Mary Sw Spike ſein Geſich entrang ſic wendete ſich der Verkehr abgeſtumpft als den he Ihr Gatte wiſſen muß Geſchlechtes und Ungem Wir ſe rücken, und einige Erläu ſchalten, de gedacht habe — 321— Der Umſtand, daß Capitän Mull nicht ſelbſt in dem Poughkeepſie Jagd auf die Jolle der Brigg machte, erklärt ſich dadurch, daß er genöthigt war, auf ſeine eigenen Boote zu warten, welche ſich bemühten, die Kriegsſchluppe wieder zu erreichen. Es wäre unthunlich geweſen, ſie zu verlaſſen, da die Mannſchaft durch das Rudern nach windwärts ſo erſchöpft war, daß man ſie ſogleich nach ihrer Rückkehr an Bord für den Reſt des Tages von aller Arbeit freiſprach. Sobald jedoch die Boote an Bord gehißt, oder an die Seite gelaufen waren, ließ das Schiff ſeine Segel wieder füllen, hielt aus dean Durchgange ab, und lief zu dem Kutter Wallace's nieder, welcher ſeine Stellung ſo gut als möglich beizubehalten bemüht war, indem er unter dicht gereeften Segeln kurze Gänge machte. Spike war an Bord der Kriegsſchluppe gebracht, in die„Krankenbucht“ aufgenommen und der Pflege des Arztes und ſeiner Gehilfen übergeben worden. Dieſe Herren erklärten alsbald die Wunde für tödtlich. Der Verwundete war faſt die ganze Zeit, welche das Schiff brauchte, um Key⸗Weſt zu erreichen, bewußtlos, und kam auch in dieſem Zuſtande, wie wir bereits angedeutet haben, in das Hoſpital. Sobald die Nachricht von dem Unfalle der Swaſh bekannt wurde, liefen die Wrackers aus. Ein Theil dieſer ehrlichen Leute ſuchte die Dublonen des Schoners, Andere ſahen ſich nach allem Werthvollen um, das in der Umge⸗ bung der geſtrandeten Brigg zu finden war. Wir wollen hier ſogleich bemerken, daß die Brigantine außer einigen Spieren, den Segeln und etwas Tauwerk keine große Beute abwarf, der Schoner aber wurde zuletzt noch mittelſt der Ketten, welche Spike um ihn hatte laufen laſſen Duble theilte waren wodut 4 ſinn den C men Dubli unter die b mäßig eigent enthie ſich, Geſch ſofort nun l von d Capit Weſt dieſes da ſo entſch 4 aus, Pulve und 2 war in dem e, erklärt en Boote pe wieder verlaſſen, zwärts ſo Rückkehr freiſprach. oder an ne Segel d lief zu tellung ſo mer unter bracht, in gflege des en. Dieſe lich. Der das Schiff , und kam utet haben, der Swaſh Theil dieſer rs, Andere der Umge⸗ Brigantine as Tauwerk ourde zuletzt hatte laufen laſſen, gehoben, man durchſuchte die Kajüte, und fand die Dublonen. Da Niemand Anſpruch auf dieſes Gold machte, theilten es die gewiſſenhaften Bürger, welche anweſend waren, als es„die Strahlen des Mondes“ wiederſah, wodurch viel Gold in Umlauf kam. Die Dublonen in der Jolle wären ohne den Scharf⸗ ſinn Mulford's ohne Zweifel verloren geweſen. Er kannte den Charakter Spike's zu genau, als daß er hätte anneh⸗ men können, dieſer werde die Brigg verlaſſen, ohne die Dublonen mitzunehmen. Er war mit dem Boote bekannt, unterſuchte die kleine Kiſte in den Spiegelduften, und fand die beiden Säcke, deren einer wahrſcheinlich das recht⸗ mäßige Eigenthum Spike's war, während der andere eigentlich der mexikaniſchen Regierung gehörte. Letzterer enthielt das meiſte Gold, aber auch in dem andern befand ſich, wie der junge Maat wußte, eine bedeutende Summe. Roſa hatte ihn ſeit ihrem Trauungstage mit dem Geſchlechte Hans Tier's bekannt gemacht, und er begriff ſofort, daß die Anſprüche dieſes rauhen Weibes, welche nun bald Wittwe ſein ſollte, auf das fragliche Gold ſelbſt von den Gerichten gerechtfertigt werden könnten. Er legte, Capitän Mull und den geſetzlichen Behörden von Key⸗ Weſt die Thatſachen vor, und man beſchloß, Spike's Erben dieſes Geld zur Verfügung zu ſtellen, wie auch die Gerichte, da ſonſt Niemand Anſpruch machte, nicht anders hätten entſcheiden können. Dieſe Dublonen machten jedoch nicht die volle Summe aus, welche die Fracht der Swaſh werth war. Mehl und Pulver waren mit merxikaniſchem Golde gekauft worden, und Alles, was Spike oder ſeine Erben anſprechen konnten, war der hohe Frachtlohn, um welchen er das zarte Geſchäft, — 326— dieſe verbotenen Gegenſtände— Kriegscontrebande— nach den Dry⸗Tortugas zu ſchaffen, übernommen hatte. Mulford hatte ſich das Vertrauen und die Achtung Aller an Bord des Poughkeepſie gewonnen. Er hatte ſein ganzes Verhältniß zu Spike unumwunden auseinander⸗ geſetzt, und nicht einmal verſucht, den Widerwillen zu verbergen, welchen ihm ein Schritt gegen die Brigg ein⸗ geflößt hatte, nachdem er von den verrätheriſchen Abſichten ihres Befehlshabers völlig überzeugt war. Die wackeren Männer, mit welchen er nun in Verkehr getreten war, theilten ſeine Gefühle, und gaben zu, daß Niemand gern das Geſchäft übernehme, ſich gegen das Schiff zu wenden, in welchem er gereiſt ſei. Wenn ſie daher ſein anfängliches Schweigen nicht nur billigten, ſondern ehrenhaft fanden, mußten ſeine ſpäteren Schritte ſie überzeugen, daß der junge Mann zwiſchen den Pflichten des Schiffsgenoſſen und des Bürgers richtig unterſchieden hatte, und daß ſein Benehmen in jeder Hinſicht tadellos geweſen war. Auch Roſa ſtand in hoher Gunſt bei den Herren des Poughkeepſie. Ihre Jugend, ihre Schönheit, ihre Beſchei⸗ denheit ſprachen in hohem Grade für ſie, und die einfache weibliche Zärtlichkeit, welche ſie, ohne es zu wollen, für Harry bethätigte, rührte das Herz jedes Beobachters. Als die Nachricht von dem Schickſal ihrer Tante ſie erreichte, war der Schmerz, welchen ſie an den Tag legte, ſo tief und natürlich, daß Alle an ihrem Kummer Theil nahmen. Auch gab ſie ſich nicht eher zufrieden, als bis Mulford ſich entſchloß, die Leichen aufzuſuchen. Dieſer wußte wohl, wie vergeblich ein ſolcher Verſuch ſein mußte, konnte aber nicht umhin, ſich dem Wunſche zu fügen. —,.,— Dieſ blicke fer Scene ſt tenden 2 alle die, dem Rif man ha Wracker Mühe, d And Opfer ertranken des Sei auf eine worden Tortuga kenen r lichen 2 unglückt Wo weinte! ſie erſt ſie ſich Band Lage n halten, zu, in Lebens De die Sch ſie dare — nach lchtung tte ſein nander⸗ llen zu gg ein⸗ bſichten Verkehr zu, daß gen das Benn ſie illigten, Schritte Pflichten rſchieden tadellos erren des Beſchei⸗ einfache llen, für ers. Tante ſie rag legte, ner Theil als bis Dieſer in mußte, gen. 7 —,— — 327— Dieſe traurige Pflicht hielt ihn alſo in dem Augen⸗ blicke fern, wo die in unſerm letzten Kapitel erwähnte Scene ſtattfand, und er kehrte erſt nach den nun zu berich⸗ tenden Begebniſſen zurück. Miſtreß Budd, Biddy und alle die, welche den Tod fanden, nachdem die Jolle von dem Riff abgetreten war, ertranken in tiefem Waſſer, und man hat nie wieder etwas von ihnen geſehen, oder, wenn Wracker an ihnen vorüberkamen, nahmen ſie ſich nicht die Mühe, die Leichen zu beerdigen. Anders verhielt es ſich mit denen, welche früher das Opfer der Selbſtſucht Spike's geworden waren. Dieſe ertranken auf dem Riffe, und es gelang Harry, die Leichen des Senor Montefalderon und des Negers Joſh, welche auf einen bei niedrigem Waſſerſtande nackten Fels geſpült worden waren, aufzuſinden. Er brachte ſie auf die Dry⸗ Tortugas, und ließ ſie da beſtatten, wo die früher Ertrun⸗ kenen ruhten. Don Juan wurde neben ſeinem unglück⸗ lichen Landsmanne, dem Befehlshaber ſeines gleichfalls unglücklichen Schoners, beſtattet. Während Harry abweſend und ſo beſchäftigt war, weinte und betete Roſa. Ohne den jungen Mann, welchem ſie erſt vor wenigen Tagen Herz und Hand geweiht, hätte ſie ſich faſt allein in der Welt gewähnt. Dieſes neue Band war allerdings wichtig genug, um den in ihrer Lage nur zu natürlichen Gefühlen die Waagſchale zu „halten, und ſie wendete ſich demſelben als dem einzigen zu, in welchem ſich faſt alle Pflichten ihres künftigen Lebens vereinigten. Dennoch vermißte ſie die Güte, die Sorgfalt, ſelbſt die Schwäche ihrer Tante und bebte vor Schrecken, ſo oft ſie daran dachte, auf welche gräßliche Weiſe Miſtreß Budd — 328— um das Leben gekommen war. Auch der armen Biddy gedachte ſie mit großem Leidweſen. Dieſes treue Geſchöpf, welches ſeit Roſa's Kindheit in den Dienſten der Wittwe geweſen, war ihr trotz ſeines rauhen Weſens und ſeiner wirren Gedanken durch die Wärme und ſeltene Treue ſeines Herzens theuer geworden. Biddy war allein nach Amerika gekommen, und nicht nur ihre Geſchwiſter, ſondern auch ihre Eltern lebten noch in der Heimath. Jedes Jahr wanderte wenigſtens die Hälfte ihres Verdienſtes nach Irland, und mancher halbe Dollar, welcher von Roſa's ſchöner, kleiner Hand kam, wurde in Gold verwandelt und folgte demſelben frommen Wege nach der grünen Inſel ihrer Heimath.— O unglückliches Irland! In welcher bittern Noth ſchmachten jetzt deine Armen. Hier, inmitten des Ueber⸗ fluſſes, in einem Lande, welches Gott weit über die Grenzen menſchlichen Bedarfs in ſeinen Erzeugniſſen geſegnet hat, in einem Lande, wo man nie die Hungers⸗ noth kannte, hören wir in dieſem Augenblicke dein Stöhnen und hören Berichte von Dnldungen, welche uns faſt unglaublich ſcheinen. Während wir von dieſen ſchauder⸗ haften Berichten leſen, finden wir in einem Blatte, welches man die erſte Zeitung Europa's zu nennen beliebt, einen Anruf an die engliſche Nation zu Gunſten deines leiden⸗ den Volkes. Eine würdige Anſprache an die Mildthätig⸗ keit England's verfehlt ſelten ihr Ziel. Ein Ausdruck hätte jedoch geändert oder ganz weggelaſſen werden ſollen. Man bittet England,„der Vergangenheit zu vergeſſen“ und den armen Mitunterthanen zu Hilfe zu kommen. Wir würden ſtatt deſſen geſagt haben,„der Vergangenheit ein⸗ gedenk zu ſein.“ Wir ſagen dieß aus Menſchenliebe und a ſchem dem anſpr theile bürde auf u Maa vierzi jenes Tod aber der 2 leben rückt Spik Brig lichfe welch Bett — 329— und aus Wahrheitsliebe zumal. Wir ſtammen von engli⸗ en Biddy Geſchöpf, ſchem Geblüte ab, und wann wir unſern Antheil an all er Wittwe dem alten Ruhme dieſes kriegeriſchen, aufgeklärten Volkes und ſeiner anſprechen, müſſen wir in gleicher Weiſe die Schmach ene Treue theilen, welche eine frühere ſchlechte Verwaltung dir auf⸗ bürdete. Von dieſer Seite geſehen, haſt du ein Recht auf unſer Mitgefühl, und es wendet ſich dir in reichem Maaße zu.— Wir rücken jetzt, wie geſagt, die Zeit um acht und llein nach r, ſondern ledes Jahr ſtes nach on Roſa's vierzig Stunden vor und verlegen die Scene wieder in verwandelt jenes Gemach des Hoſpitals, in welchem Spike lag. Der Tod war in der eben erwähnten Zwiſchenzeit langſam, aber unabwendbar herangenaht. Die Aerzte hatten erklärt, der Verwundete werde ſchwerlich die kommende Nacht über⸗ leben, und er ſelbſt fühlte, daß ſein Ende immer näher er grünen ern Noth des Ueber⸗ 4 3 über die rückte. Wir brauchen kaum hinzuzufügen, daß Stephan rzeugniſſen Spike, ſeiner Kraft und Stärke bewußt, im Beſitze der Hungers⸗ Brigg und auf weltlichen Gewinn oder perſönliche Behag⸗ n Stöhnen lichkeiten erpicht, ein ganz anderer Mann war, als der, uns faſt welcher jetzt in dem Hoſpital von Key⸗Weſt auf dem Bette hingeſtreckt lag und des Todes gewärtig ſein mußte. An der Seite ſeines Lagers ſaß noch ſeine ſeltſame Wärterin, jedoch nicht mehr von ſo auffallendem Aeußern, wie damals, als der Leſer ſie zum letzten Male ſah. Roſa Budd hatte dem unanziehenden Aeußern Hans Tier's eini⸗ germaßen nachgeholfen. Sie trug nun eine Haube, welche die kurzen, grauen Struppen ihres Haares barg, und ihrem Geſichte ein wenig von jener Sanftheit gab, welche zu dem weiblichem Charakter gehört. Auch ihrem Anzuge war einige Aufmerkſamkeit gewidmet worden, und Molly war in ihrem Aeußern weniger zurückſtoßend als früher, ſchauder⸗ te, welches lebt, einen nes leiden⸗ Nildthätig⸗* Ausdruck den ſollen. rgeſſen“ men. ir enheit ein⸗ enſchenliebe — 330— wo ſie ohne Beihilfe die geeignete Kleidung ihres Ge⸗ ſchlechtes angelegt hatte. Die Gewohnheit und beſonders die Nähe der ſchönen Roſa hatten auch nicht wenig dazu beigetragen, die Natur des Weibes, wenn wir ſo ſagen dürfen, wieder in ihr zu wecken; vor Allem begann ſie ihrem Kranken jene Art Theilnahme zuzuwenden, welche wir Alle mit der Zeit gegen die zu fühlen pflegen, die unſerer beſondern Sorgfalt anheim gegeben ſind. Damit ſoll nicht geſagt ſein, als habe die Unglückliche je ganz aufgehört, ihren Gatten zu lieben; ſo ſeltſam es ſcheinen mag, nahm ſie dennoch ſtets Theil an ihm und an ſeiner Wohlfahrt, obgleich ſie ſein Thun verabſcheute; wir wünſch⸗ ten nur anzudeuten, daß ſie ſich nicht nur den tiefer gehen⸗ den Gefühlen des Weibes zuwendete, ſondern auch bald die ganze Theilnahme einer Krankenwärterin, wie ſie ſein ſoll, empfand. Von dem Augenblicke an, wo Hans Tier ſeinem Geheimniß entſagte, bis zu dem, von welchem hier die Rede iſt, hatte Spike nicht eine Sylbe an ſeine Gattin gerichtet. Oft überraſchte ſie ihn, wie er ſeine Augen ſtarr auf ſie heftete, worauf er ſie aus Widerwillen, wie ſte fürchtete, raſch wegwendete und dann ein leiſes Stöhnen hören ließ, welches eher eine Folge geiſtiger als körperlicher Leiden zu ſein ſchien. Kein Wort kam jedoch während dieſer ganzen Zeit von ſeinen Lippen. Die arme Frau müßte mehr Philoſophie oder weniger Gefühl beſeſſen haben, als ſie wirklich beſaß, wenn ein ſolches Benehmen von Seiten ihres Gatten ſie nicht tief verletzt hätte. In der That, Molly fühlte ſich ſchmerzlich gekränkt, und mehr als einmal erlag ihr Stolz, und ſte weinte bitterlich. Die terten 1 auch Ge gaben 6. die Natu Natur, verwiſch Die lange, p und Rof Gattin „M immer k müßt I beging!⸗ „E die kalte antworte daß ſie nicht fül „E geben, v Auf Kranke ihrer Ar benahm Nadel; Gefühle „E Roſa me „M — 331— Dieſe Thränen waren jedoch ſehr heilſam, ſie erleich⸗ terten nicht nur ihr bedrängtes Herz, ſondern erſchloſſen auch Gefühle, die lange in ihr geſchlummert hatten, und gaben Erinnerungen an die Vergangenheit Raum, welche die Natur ihres Geſchlechtes wieder in ihr weckten,— eine Natur, welche ihr bisheriges Leben in ſo hohem Grade verwiſcht hatte. Die Stunde war aber endlich gekommen, wo dieſes lange, peinliche Schweigen gebrochen werden mußte. Hans und Roſa waren allein bei dem Kranken, als dieſer ſeine Gattin wieder anredete. „Molly, gute Molly!“ ſagte der Sterbende mit noch immer klarer, klangreicher Stimme,„welche traurige Zeit müßt Ihr verlebt haben, ſeit ich jenes Unrecht an Euch beging!“ „Es iſt hart für ein Weib, Stephan, ſich hilflos in die kalte, ſelbſtſüchtige Welt hinaus geſchleudert zu ſehen,“ antwortete Hans einfach, denn ſie war viel zu ehrlich, als daß ſie eine Zurückhaltung hätte heucheln ſollen, welche ſie nicht fühlte. „Es war in der That hart; möge Gott mir es ver⸗ geben, wie Ihr mir, hoffe ich, vergebt, Molly.“ Auf dieſe Anſprache erfolgte keine Antwort, und der Kranke blickte ängſtlich auf ſein Weib. Dieſe fuhr mit ihrer Arbeit, bei welcher ſie ſich jetzt nicht mehr ſo linkiſch benahm wie anfangs, fort und heftete ihre Augen auf die Nadel; der Ausdruck ihrer Züge war ſtreng, und ihre Gefühle ſchienen ſich keiner Art Erregung hinzugeben. „Euer Gatte ſpricht mit Euch, Hans Tier,“ ſagte Roſa mit Nachdruck. „Möge der Eurige nie Veranlaſſung haben, in — 332— dieſer Weiſe mit Euch zu ſprechen, Roſa Budd,“ war die feierliche Antwort.„Ich kann mir nicht ſchmeicheln, je ſo hübſch geweſen zu ſein wie Ihr, noch war jener arme Sterbende in ſeiner Jugend ein Harry Mulford; aber wir waren einſt jung und glücklich und achteten und liebten uns; dennoch ſeht Ihr, wohin es gekommen iſt.“ Roſa ſchwieg, denn ſie liebte ihren jungen, ehren⸗ haften Gatten zu zärtlich, als daß ſie gefürchtet hätte, je von einem Schickſale, wie das ihrer armen Freundin, ereilt zu werden. Spike ſchien jetzt geneigt, das Geſpräch wieder aufzu⸗ nehmen, und Roſa trat an die Seite des Bettes, wohin Hans ihr folgte, ſich aber ein wenig im Hintergrunde hielt, als ſei ſie nicht gewillt, die Erregung, welche ſie wirklich fühlte, ſehen zu laſſen, vielleicht auch, weil ſie wußte, daß ihr uneinnehmendes Aeußere nichts dazu bei⸗ tragen könne, ihr die verlorne Liebe ihres Gatten wieder zu gewinnen. „Ich fürchte, ich bin ein ſehr gottloſer Mann gewe⸗ ſen,“ ſagte Spike ernſt. „Wir find alle ſündige Menſchen,“ antwortete Roſa. „Setzt Euer Vertrauen auf die Vermittelung des Sohnes Gottes, weit ſchwerere Sünden als die Eurigen können Vergebung finden.“ Der Capitän ſchaute die ſchöne Sprechende ſtarr an; allein Leichtſinn, ein vierzigjähriges Jagen nach weltlichen, ſelbſtſüchtigen Zwecken, und eine Lebensweiſe, welcher der Gedanke an Gott und die Furcht vor der Zukunft ſtets fern geblieben war, hatten ſeinen geiſtigen Theil in eine Art eiſerner Rüſtung eingeſchnürt, welche ein gewöhnlicher Gewiſſensſtich nicht durchdringen konnte. Dennoch zuckten gewiſſe neuer Erinnerung dem Rande „Was halbleiſe,„ müßte hier Roſa u und die Fro wortet. Ie Kinderjahre und verſuch unges Leb Zeachtung ind den ſtündlich es ſchwer, lange frer ihm, den neigte ſich Geiſt es Nan ſie zu Da Stimme Ihr wer ſchwere „E agen m bwerfer „C — 333— gewiſſe neuere Begebniſſe in furchtbarer Weiſe durch ſeine Erinnerung und ſeine Seele, welche, ſo zu ſagen, über dem Rande der Ewigkeit ſchwebte, war beunruhigt. „Was iſt aus Eurer Tante geworden,“ ſagte Spike halbleiſe,„aus der Wittwe meines alten Capitäns? Sie müßte hier ſein; und Don Wan Montezuma, wo iſt er?“ Roſa wendete ſich ab, um ihre Thränen zu verbergen, und die Fragen des ſterbenden Mannes blieben unbeant⸗ wortet. Jetzt glänzte ein Strahl der Erinnerung an die Kinderjahre durch Spike's Seele, er faltete ſeine Hände und verſuchte zu beten. Wie ſo Viele aber, welche ein anges Leben ohne jeden Verkehr mit ihrem Schöpfer, ohne Zeachtung ſeines Witlens und ſeiner Gebote hingebracht, und den kleinlichen Intereſſen des Augenblickes täglich, ſtündlich Grundſätze und Pflicht geopfert haben, fand er es ſchwer, ſich an ein Weſen zu wenden, welchem er ſo lange fremd geblieben war. Die Schuld lag jedoch an ihm, denn ſelbſt über das Todesbett Stephan Spike's neigte ſich die ewige Barmherzigkeit, hätte dieſer rauhe Geiſt es über ſich vermocht, ſich in Ernſt und Wahrheit an ſie zu wenden. Da die Frauen ſeinen Kampf ſahen, überließen ſie ihn auf kurze Zeit ſeinen Gedanken. „Molly,“ ſagte Spike endlich mit der ſchwachen Stimme deſſen, der ſein Ende herannahen ſieht,„ich hoffe, Ihr werdet mir verzeihen. Ich weiß, daß ich ſchwere, ſchwere Tage über Euch gebracht habe.“ „Es iſt hart, wenn ein Weib ihrem Geſchlechte ent⸗ agen muß, Stephan, wenn ſie, ſo zu ſagen, ihre Natur bwerfen und ein Mann werden muß.“ „Es hat Euch ſchrecklich umgewandelt. Selbſt Eure — 331— Stimme iſt eine andere geworden. Einſt war Eure 1 ſanft und weiblich, jener der Roſa Budd ähnlicher, es jetzt iſt.“ „Ich ſpreche wie die, mit welchen ich zu leben 9 gen war. Das Vordercaſtel und die Schiffsküche ſin Schulen, Stephan Spike, in welche man Frauen um ſprechen zu lernen.“ „Sucht es zu vergeſſen, gute Molly! Sagt m daß ich es hören kann:„Ich vergeſſe und vergebe, Steph Ich fürchte, Gott kann mir meine Sünden nicht verg. vor denen ich zu erſchrecken anfange, da mein eig Weib mir auf meinem Todesbette nicht vergeben will 18 Dieſe Anſprache ergriff und rührte Hans. Ihre T)! nahme an ihrem ſündhaften Gatten war niemals v erloſchen. Sie hatte, wie die früheren Theile un Erzählung gezeigt haben, auf allen ihren Reiſen, un all ihrem Ungemach ſeiner gedacht, oft mit echt weibli 4 Gefühle ſeiner gedacht, und obgleich der Kummer und de Kränkung, welche ſte empfand, indem ſie den noch ſtes lebendigen Einfluß der höhern Reize Roſa's gewahrte, ilr Herz bitter ſtimmten, konnte doch ein ſolches Gefühl i einer ſo edelmüthigen, menſchenfreundlichen Bruſt, wie di Hans Tier's wirklich war, und angeſichts einer Scene, 3 wie ſie ſich hier bot, unmöglich lange Platz greifen. Ihre Geſichtsmuskeln zuckten, das harte, gegerbte Geſicht verlou. ſeine Strenge, und ſie ſchien in jeder Weiſe tief ergrif „Wendet Euch zu Ihm, deſſen Güte und Barmherz keit Euch retten kann, Stephan,“ ſagte ſle in einem mil⸗ den, weiblichen Tone, wie man ihn ſeit Jahren nicht. ihr gehört hatte, und mit einem Ausdrucke, in w* gewiſſermaßen wieder ihr ganzes früheres J — 7 — „meine Vergebung kann einem Mann auf ſeinem Todes⸗ bette nicht helfen.“ „Sie wird meine Seele beruhigen, Molly, und ich werde meine Gedanken freier zu Gott erheben können.“ Hans war tief gerührt, vielleicht weniger durch die Worte des Sterbenden, als durch den Ausdruck ſeines Geſichtes und den Ton einer Stimme, der ſie früher zärt⸗ lich gelauſcht hatte. Sie trat an das Bett ihres Gatten, knite nieder, nahm ſeine Hand und ſagte feierlich: „Stephan Spike, aus dem Grund meiner Seele ver⸗ zelhe ich Euch, und werde zu Gott flehen, daß er Euch Eire Sünden vergeben möge, wie ich Euch Alles zu ver⸗ zeihen, wie ich Alles zu vergeſſen bemüht ſein werde, was Ilr an mir verſchuldet habt.“ Spife faltete ſeine Hände und verſuchte wieder zu been. Aber die Gewohnheiten eines ganzen Lebens ſind niht ſo leicht zu bewältigen, und der, welcher in ſeiner Serbeſtunde die Augenblicke, die er verloren hat, wieder zu erhaſchen ſtrebt, wird bitter gewahr werden, daß er duch ſein Verharren in Sünden, welche der erſte Fall ſenes Geſchlechts ihm nie eingeprägt hat, Berge auf ſeine Sele häufte. Hans hatte ihr Herz aber von einer Laſt befreit, wlche ſie lange drückte, ſie barg ihr Antlitz in ihrer Schürze und weinte. „Ich wollte, Molly,“ ſagte der Sterbende nach einer klinen Pauſe,„ich wollte, ich hätte die Brigg nie geſehen. Ge ich dieſes Schiff bekam, habe ich nie dem Gedanken Num gegeben, einem Menſchen Unrecht zu thun.“ „Der Vater der Lüge, welcher Alle zum Böſen reizt, Gtephan, hat zu den Sünden geführt, und nicht die Brigg.“ — 336— „Ich wollte, ich hätte noch ein Jahr zu leben, nur noch ein Jahr, das heißt nicht zu viel fordern, wenn man noch nicht ſechszig Jahre zählt.“ „Es iſt vergeblich, armer Stephan. Die Aerzte ſagen, Ihr könntet keinen Tag mehr am Leben bleiben.“ Stephan ſtöhnte, denn Vergangenheit und Zukunft traten in grellem, erſchreckendem Lichte vor ſein Gewiſſen. Und was iſt jene Zukunft, welche uns in einer end⸗ loſen Zeit-Ausſchan glücklich oder elend machen ſoll? Beſteht ſie nicht aus einem Daſein, in welchem das Gewiſſen, aller körperlichen Täuſchungen und Schwächen baar, Alles in ſeiner wahren Farbe ſieht, Alles würdigt, und Alles ſtraft? Wenn dieß ſo iſt, dann muß ein ſolches Daſein Jeden zum ſtrengen Bewahrer der Erinnerung aller ſeiner Sünden machen. Es muß ſelbſt der gerechteſte Richter ſein, denn die Sünde ſtellt ſich mit jeder Einzeln⸗ heit, welche ſie erſchweren oder mildern kann, dem Geiſte dar. Jeder muß ſtreng nach ſeinen Gaben geſtraft werden. Da Niemand ohne Sünde iſt, macht dieß die Nothwendig⸗ keit einer Sühne unerläßlich, und fährt unmittelbar zu der Wahrheit des Gedankens der Erlöſung. Die Seele, oder das Gewiſſen, welche dieſe Sühne als nothwendig anerkennt und ihr vertraut, fühlt ihre Wirkſamkeit, wirft ihre Sündenbürde von ſich, und bleibt für immer in dem Zuſtande ihres urſprünglichen Daſein's, rein, und folglich glücklich. Wir haben die Anmaßung nicht, in eine nähere Erör⸗ terung dieſer wichtigen, geheimnißvollen Frage eingehen zu wollen, welche für Alle ein hohes Intereſſe hat, und über welche ein ſo kleiner Theil der Menſchen viel nach⸗ denkt, oder mit einiger Klarheit denkt, wenn ſie je der Gegenſta unſere U wagen, nicht beſt Wir Ste⸗ welche d leichtſinn daß die dem Ma die mora demſelben thaten fi Eine mit ſein Gattin w ſollte. 4 oberfläch! erhalten, Gemeind Katechist und als beſaß ſie Andrang ſich erint wird ma in der St Rof nung zu mitauſche 244— en, nur enn man te ſagen, Zukunft Zewiſſen. iner end⸗ en ſoll? hem das chwächen würdigt, n ſolches innerung erechteſte Einzeln⸗ m Geiſte werden. hwendig⸗ telbar zu ie Seele, thwendig eit, wirft in dem folglich ere Erör⸗ eingehen hat, und iel nach⸗ ie je der Gegenſtand vorübergehenden Nachdenkens wird. Wir kennen unſere Unwiſſenheit zu gut, um uns an Glaubensſätze zu wagen, welche der menſchliche Geiſt wahrſcheinlich noch nicht beſtimmt iſt, zu bekämpfen, oder zu erfaſſen. Wir kehren zu unſerm Gegenſtande zurück. Stephan Spike mußte nun die ſchwere Laſt fühlen, welche das Verharren in der Sünde auf die Bruſt des leichtſinnigen Verbrechers wälzt. Das Peinlichſte war, daß die Kraft, die gewichtige Bürde abzuſchütteln, ſich in dem Maaße minderte, wie die Laſt ſchwerer wurde, denn die moraliſche Kraft eines jeden Menſchen mindert ſich in demſelben Verhältniſſe, wie ihm die Größe ſeiner Uebel⸗ thaten fühlbarer wird. Einen bittern Kampf hatte dieſer ſchwere Sünder mit ſeinem Gewiſſen zu beſtehen, und ſeine unglückliche Gattin wußte nicht, wie ſie ihn tröſten, oder ihm helfen ſollte. Hans hatte in ihrer Kindheit und Jugend einen oberflächlichen Unterricht in den Lehren ihres Glaubens erhalten, wie die Mehrzahl in den ſogenannten chriſtlichen Gemeinden unterrichtet zu werden pflegt, ſie hatte den Katechismus, das Vater unſer und das Credo gelernt, und als ſie ſich verehelichte und in das thätige Leben trat, beſaß ſie nichts, als dieſe kleine Habe, um gegen den Andrang einer ſelbſtiſchen Welt zu kämpfen. Wenn man ſich erinnert, wie ſie die letzten zwanzig Jahre gelebt hat, wird man ſich nicht wundern, daß Hans ihrem Gatten in der Stunde höchſter Noth nur wenig hilfreich werden konnte. Roſa verſuchte es, dem Unglücklichen Troſt und Hoff⸗ nung zu bieten, der ſchreckliche Kampf aber, welchen ſie mitauſchaute, veranlaßte ſie, nach dem Geiſtlichen des 244— 246.* 22 — 338— Poughkeepſie zu ſchicken. Dieſer betete mit dem Sterben⸗ den, aber ſelbſt er war in den letzten Augenblicken des Verwundeten kaum mehr als ein unthätiger Zeuge einer Gewiſſensqual, welche in hoffnungsloſem Bangen über dem Abgrunde der Ewigkeit ſchwebte. Wir wollen nicht in die Einzelnheiten der empörenden Scene eingehen, ſondern einfach bemerken, daß Flüche, Gottesläſterungen, Zetergeſchrei um Gnade, flehentliches Bitten um Beiſtand und Rath, und wilder Trotz ſich in ſeltſamem, ſchrecklichem Gemiſch folgten. Inmitten einer dieſer empörenden Anfälle athmete Spike ſein Leben aus. Einige Stunden ſpäter wurde er in dem Sande des Geſtades begraben. Wir wollen hier ſogleich bemerken, daß der Orkan, welcher nur wenige Monate ſpäter, im Jahre 1846, in dieſen Gegenden wüthete, die leichte Decke wegſpülte und die Leiche in das Neer ſchleuderte, ſo daß die Gebeine auf dem Geklippe des Florida⸗Riffes bleichten. Mulford kehrte erſt nach dem Begräbniſſe Spike's von dem vergeblichen Ausfluge zurück, welchen er unter⸗ nommen hatte, um die Ueberreſte der Miſtreß Budd auf⸗ zuſuchen. Er und Roſa, von Hans Tier begleitet, reiſten, da ſie nichts mehr auf Key⸗Weſt zurückhielt, mit dem erſten paſſenden Schiffe nach Charleston. Zwei Tage vor ihrer Abreiſe lief der Poughkeepſie, in Gemäßheit ſeiner Befehle, in den Golf hinaus, um zu kreuzen. Capitän Mull, Wallace, der Kaplan, und unſer junges Ehe⸗ paar brachten den Abend vor der Abfahrt mit einander hin, und die Frage wegen der in dem Boote gefun⸗ denen Dublonen wurde beſprochen. Man kam überein, * ſie Hans überliefert Hand Gönner Augenblie zur Stun hatte. C teuern di Schiffen, Seite gef gedient. Geſchick hatte, ar in einem Fregatte, und mac In Herren, Jener w der Letzte ſeines C waren i welchen jetzt„pr wieder, takelte, beiden er gemacht, Schiffsge anderer —— — — 339— n Sterben⸗ ſie Hans Tier zu geben, und der Sack wurde ihr ſofort blicken des überliefert. Zeuge einer Hans ließ ſich bei dieſer Gelegenheit durch ihre ungen über Gönner bewegen, Alles zu erzählen, was ſie von dem Augenblick an, wo ſie von Spike verlaſſen worden, bis empörenden zur Stunde, wo ſie ihn wiedergefunden, erlebt und erduldet aß Flüche, hatte. Es war ein merkwürdiger, mit ſeltſamen Aben⸗ lehentliches teuern durchwebter Bericht. Hans hatte auf den meiſten otz ſich in Schiffen, in welchen ſie diente, dem Proviantmeiſter zur Seite geſtanden, mehrmals aber auch als gemeiner Matroſe le athmete gedient. Sie gab zu, daß es ihr oft an Kraft und wurde er Geſchick gefehlt habe, nie aber an Muth. Da ſie Grund vollen hier hatte, anzunehmen, Spike ſei genöthigt worden, Dienſte nur wenige in einem Kriegsſchiffe zu nehmen, ließ ſich Hans in einer Gegenden Fregatte, welche in das Mittelmeer ſegelte, einſchreiben, iche in das und machte als Kajütendiener den ganzen Kreuzzug mit. n Geklippe In dieſem Dienſte hatte Molly die beiden anweſenden Herren, Capitän Mull und Herrn Wallace, kennen gelernt. ſſe Spike's Jener war damals erſter Lieutenant in der Fregatte, und n er unter⸗ der Letztere ein junger Mann, welcher ſich ſehr ſehnte, Budd auf⸗ ſeines Cadettenſtandes los zu werden, und als ſolche tet, reiſten, waren ihr Beide ſehr wohl bekannt. Da der Name, mit dem welchen ſie damals trug, derſelbe war, unter welchem ſie i Tage vor jetzt„praite,“ erinnerten ſich die Offtziere ihrer ſchnell Bheit ſeiner wieder, obgleich Hans jetzt nicht mehr der ſchön aufge⸗ Capitän takelte, leichtgebaute Burſche jener Zeit war. Keiner der unges Ehe⸗ beiden erwähnten Herren hatte den ganzen Kreuzzug mit⸗ it einander gemacht, ſondern ſie waren, nachdem ſie ein volles Jahr vote gefun⸗ Schiffsgenoſſen Tier's geweſen, befördert und an Bord m überein, anderer Schiffe verſetzt worden. Dieſe Auseinanderſetzungen 22* ſich gewiſſermaß — — 340— erleichterten den Abſchluß des Dublonengeſchäftes in nicht geringem Grade. Von Charleston reiſten unſere Frennde auf der Eiſen⸗ bahn weiter nach Norden, hielten ſich jedoch mehrere Male unterwegs auf, denn Mulford wünſchte ſeine ſchöne, junge Frau zu zerſtreuen, damit ſich ihre Gedanken nicht zu ſehr mit dem Schickſale ihrer Tante beſchäftigten. Er wußte, daß die Heimath alle dieſe Erinnerungen in ſchmerzlicher Weiſe wieder beleben würde, und wollte die Stunde der Rückkehr möglichſt verzögern, bis die Zeit Roſa's Kummer ein wenig gemildert hätte. Aus dieſem Grunde brachte er eine ganze Woche zu Waſhington hin, obgleich gerade in dieſer Jahreszeit der Ort nicht ſehr beſucht war. Waſhington iſt aber kaum in irgend einer Jahreszeit eine Stadt zu nennen. Es iſt ziemlich Mode geworden, ſich über die amerikaniſche Haupt⸗ ſtadt luſtig zu machen, und ſie als einen Ort zu behan⸗ deln, der große Anſprüche macht, dieſe aber nicht rechtfertigt. Waſhington hat allerdings nur wenig von dem, was europäiſche Hauptſtädte auszeichnet, dennoch hat es mehr Aehnlichkeit mit ihnen, als irgend eine andere Stadt dieſes Landes. Wir meinen hier die auszeichnenden Züge einer Hauptſtadt und nicht ein Anhäufen von Häu⸗ ſern und Läden in einem gegeben Raume. In der letztern Beziehung ſteht Waſhington hinter fünfzig anderen amerikaniſchen Städten zurück, während es der einzige Ort in der ganzen Republik iſt, welcher architektoniſche Werke aufzuweiſen hat, die einigermaßen mit den pracht⸗ vollen Bauten der alten Welt wetteifern können. Es hat keine Kirchen, keine Theater, keine großen en wiebermu e — Plätze, oder Sinne ſich einer Land aber näher alten Wel Anſehung Styls jed Meeres g obgleich es weiße Ha und ſeitde Buſchwer ſeiner ho welche ſo unſerm ungemein beſtimmt ſchon jet Adams die ſeine paßt ſin ſelbſt de der Vil licher 2 jahre, ſie das ganzen andere gleichen V ſeiner es in nicht f der Eiſen⸗ och mehrere ſeine ſchöne, hanken nicht ftigten. Er erungen in d wollte die is die Zeit ze Woche zu ahreszeit der ber kaum in nen. Es iſt niſche Haupt⸗ rtt zu behan⸗ trechtfertigt. dem, was hat es mehr ndere Stadt ichnenden en von Häu⸗ de. In der ffzig anderen der einzige rchitektoniſche t den pracht⸗ en. keine großen „ Plätze, oder doch nur ſolche, welche in dem fünſtleriſchen Sinne ſich nicht ſehr über die Anſprüche eines Dorfes oder einer Landſtadt erheben; mehrere ſeiner Nationalgebäude aber nähern ſich in der That der Pracht und Größe der alten Welt. Die neue Schatzkammer iſt ohne Frage in Anſehung der Größe, der Schönheit und Reinheit des Styls jedem ähnlichen Gebäude jenſeit des atlantiſchen Meeres gleich zu ſtellen. Das Capitol folgt zunächſt, obgleich es vergleichsweiſe kaum jene Vorzüge beſitzt. Das weiße Haus iſt ſeiner Beſtimmung in jeder Art angepaßt, und ſeitdem die Anlagen umher vollendet ſind, und das Buſchwerk und die Bäume emporwachſen, zeigt es ſich ſeiner hohen Beſtimmung nicht unwürdig. Jene Anlagen, welche ſo lange öde lagen, und eben nicht geeignet waren, unſerm Nationalgeſchmack Ehre zu machen, ſind bereits ungemein ſchön, und geben einem Gebäude, welches beſtimmt iſt, hiſtoriſch zu werden, und mit welchem ſich ſchon jetzt die Namen eines Jefferfon, Maddiſſon, Quincy Adams und ſpäterer Präſidenten verbinden, eine Umgebung, die ſeiner Vergangenheit und ſeinem jetzigen Zwecke ange⸗ paßt ſind. Sie können ſich allerdings den Londoner Parks, ſelbſt den Tuilerien, dem Luxembourg, oder Boboli, oder der Villa reale, oder fünfzig Anlagen und Gärten ähn⸗ licher Art nicht gleichſtellen, wenn man ſie aber im Früh⸗ jahre, oder in den erſten Sommermonaten, ſieht, ſchmücken ſte das Gebäude, welches ſie umgeben, und verleihen der ganzen Scenerie den Charakter hoher Cultur, welchen keine andere amerikaniſche Stadt in gleicher Schönheit und in gleicher Ausdehnung aufweiſen kann. Wir haben uns in Betreff de ſeiner Umgebungen in dieſer Weiſe aus s weißen Hauſes und ſprechen zu müſſen geglaubt, weil wir in einem frühern Werke Veranlaſſung Es gib nahmen, die engherzige Knauſerei zu tadeln, welche die wenn ſie b Anlagen um das weiße Haus in einem Zuſtande ließ, der neuen ganz unſerer Republik zur Schande gereichte. Wie weit unſere Amerikaner . Philippica dazu beitrug, die Arbeiten zu beſchleunigen, mag Roſa f b hingeſtellt bleiben, da wir aber früher unſern Tadel aus⸗ benen Tan⸗ — ſprachen, fühlen wir uns glücklich, nach faſt zwanzig Jah⸗ zu Neu⸗Y ren, bemerken zu dürfen, daß derſelbe jetzt nicht mehr an Mulford'’s ſeiner Stelle wäre. gewann es Wir wollen hier im Vorbeigehen noch einen andern— lenden, lien Gegenſtand berühren, welcher die Aufmerkſamkeit eines ſchmerzlicht Volkes, das in ſo vieler Hinſicht„provinziell“ ſein muß, ihres jung noch immer nicht genug auf ſich gezogen hat. 5 kennen, de Wir laden die ein, welche bei jedem Tadel über irgend auf Npſa⸗ 1 etwas Amerikaniſches in Feuer und Flamme gerathen, und 2 Harry es für hinreichend halten, einer großen Republik anzuge⸗ ſchönen, jr 86 hören, um ſelbſt groß zu ſein, ſich vor das ſogenannte gen⸗ welch b„State⸗Department“ zu ſtellen, und ſeine Ausdehnung, ein ſchönen 4 den Styl und die Technik mit kritiſchem Auge zu prüfen, als ihm eit dann die nahen Schatzgebäude zu überſchauen, und ſie ſich erſt vor z 4 durch eine Verbindung von Staatsgebäuden ähnlichen Der 4 Styls vollendet zu denken, und dann die Vergangenheit andn in 4 3 und Gegenwart mit der ſich ſo geſtaltenden Zukunft im große St Geiſte zu vergleichen, und ſich zu erinnern, wie nenu die groͤße Ha 6 theilweiſen Verbeſſerungen ſind, welche man jetzt findet. rakters, d Wenn dieſe Unterſuchung und Vergleichung nicht unmittel⸗ verſchling, bar und augenfällig zeigt, wie viel, anderen Ländern nie da ge gegenüber, zu tadeln war, und noch iſt, ſo müſſen wir die unter ſein in Frage ſtehenden Individuen für zu ſtark in der Wolle keit iſt ſ des Provinzialgeiſtes gefärbt erklären, als daß an ein würden, 1„Weißwaſchen zu denken wäre. 3 1.— ihr gegorr vee ganzes e e zen wieder ihr — 4 2 — — 343— ranlaſſung Es gibt jedoch Leute, die es für Patriotismus halten, welche die wenn ſie behaupten, die alten Schatzgebäude ſeien den e ließ, der neuen ganz gleich zu ſtellen, und dieſe Durch⸗ und Durch⸗ beit unſere Amerikaner bitten wir, Nachſicht mit uns zu haben. igen, mag Roſa fühlte ſich tief erſchüttert, als ſie ihrer verſtor⸗. Ladel aus⸗ benen Tante freundliche Wohnung in der Fourteenth⸗Street nzig Jah⸗ zu Neu⸗York erreichte. Aber die mannhafte Zärtlichkeit mehr an Mulford's war eine mächtige Stütze für ſie, und Roſa gewann es bald über ſich, ihrer ſchwachen, aber wohlwol⸗ en andern lenden, liebreichen Tante eher mit ſanftem Leidweſen als mit keit eines ſchmerzlichem Grame zu gedenken. Unter den Verwandten tin muß, ihres jungen Gatten lernte ſie mehrere weibliche Weſen kennen, deren Bildung und Sitten ganz geeignet waren, der irgend auf Roſa den wohlthätigſten Einfluß zu äußern. then, und Harry brachte einige wonnige Monate mit ſeiner k anzuge⸗ ſchönen, jungen Frau hin, während man mit Roſa's Vermö⸗ bgenannte gen, welches durch den Tod ihrer Tante noch vermehrt ward, zdehnung, ein ſchönes Schiff für ihn baute, und er war in Europa, u prüfen, als ihm ein Sohn geboren wurde,— ein Begebniß, welches d ſie ſich erſt vor zwei Monaten ſtattfand. ähnlichen Der Swaſh und ihrer Befrachtung mit Pulver dachte angenheit man in der guten Stadt Manhattan nicht mehr. Dieſer funft im große Stapelplatz, wir bitten um Verzeihung, dieſer neu die groͤße Handelsſtapelplatz iſt ungemein vergeßlichen Cha⸗ Bt findet. rakters, da die Intereſſen des Augenblicks ſtets alle anderen unmittel⸗ verſchlingen. Er iſt ſehr geneigt, Alles zu glauben, was Ländern nie da geweſen iſt, und das zu überſehen, was unmittelbar mwir die unter ſeinen Augen vorgeht. Dieſer Hang zur Vergeßlich⸗ er Wolle keit iſt ſo hervorſtechend, daß wir uns nicht wundern an ein würden, wenn ein Manhattaneſe behauptete, unſere Erzäh⸗ ) 3 ⁵ ſch gewiſer —— 4 den, weie ihr gehört haut maß — 344— lung ſei eine bloße Erdichtung, und Molly, Capitän Spike und ſelbſt Biddy Noon hätten nie gelebt. Wir kennen dieſe Leute aber zu gut, um uns um ihr Gerede zu beküm⸗ mern, und werden unſere Erzählung fortführen und endigen, als ob gar keine ſolche krächzende Krittler auf der Welt wären. Hans Tier, welche dieſem Namen nicht entſagt hat, lebt bei der Familie des Capitäns Mulford. Die Rauh⸗ heit ihres Geſichts und ihrer Hände verliert ſich allmählich, und ihr Aeußeres gewinnt von Tag zu Tag. Sie hat ſich an die weibliche Kleidung gewöhnt und nähert ſich den Gefühlen und Sitten ihres Geſchlechtes immer mehr. Sie kann nie werden, was ſie ehemals war, wie der Mohr nie weiß wird, und der Leopard nie ſeine Flecken verliert; aber ſie iſt nicht mehr abſtoßend, ſie hat dem Rauchen und Kauen des Tabaks entſagt und ihre Zuflucht zu k oſe genommen. Sie hat ihr Haar wachſen laſſen un⸗ ſteckt es bereits mit dem Kamme auf, obgleich es ſtets von der Haube bedeckt iſt. Nur ihr Herz iſt ſtets daſſelbe geblieben. Die ſeltſame, tiegerartige Liebe, welche ſie während zwanzig traurigen Jahren Spike widmete, hat dem Kummer um ſein Ende Platz gemacht. An ihre Stelle trat eine innige Anhänglichkeit an Roſa, an welcher der kleine Knabe, ſeit ſeinem Erſcheinen auf der Scene, allmählich bedeutend Theil nimmt. Hans beginnt dieſes Kind zärtlich zu lieben, und da die Dublonen, welche gut angelegt ſind, jedes Gefühl der Abhängigkeit von ihr fern halten, wird ſie wahrſcheinlich ihr einſt ſo unſtetes, wirres Leben in Ruhe und mäßigem Glücke beſchließen. en wieder ihr ganz 4 fe apitän Spike Wir kennen de zu beküm⸗ und endigen, Welt wären. entſagt hat, Die Rauh⸗ )allmählich, Sie hat ſich ert ſich den mehr. Sie r Mohr nie en verliert; kauchen und— zu t oſe 396 un ſteckt 4 ets von der ee geblieben. end zwanzig ummer um eine innige Knabe, ſeit bedeutend h zu lieben, ſind, jedes „ wird ſie in Ruhe —