— Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von Eduard Oltmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Jeſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgahe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme f eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe binterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bi Bücher: —— auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mt. 50 Ni. 2 N Pf. 2 1 N„—, 5. Auswürtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zuruckſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. 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Sauerländer's Verlag. „Hi Stephan Swaſh, d Name la — der Waſſ tige, ſpäte laufen. 1 im Hafen und ſich n Dieſer Hauptſtadt cher ſich i befand, de deſſen Deck Werft, ob welche ſich Erſtes Kapitel. Da bin ich jetzt auf Arden; um ſo tbör'ger Bin ich; zu Hauſe war ich beſſer dran; Auf Reiſen aber muß man ſich beſcheiden. „Wie's euch gefällt.“ Prospero: Nun, da iſt Ariel. Sag'’, war's nicht nab am Strande? Ariel: Ganz nahe, mein Gebieter. Prospero: Sind ſie gewiß gerettet, Ariel? Ariel: Kein Härchen ging zu Grunde. „Der Sturm.“ „Hört Ihr wohl, Herr Mulford?“ rief Capitän Stephan Spike von der halb aufgetakelten Brigantine Swaſh, oder Molly Swaſh, wie ihr amtlich eingetragener Name lautete, ſeinem Maat zu,„wir wollen, ſobald es der Waſſerſtand erlaubt, hinausſchlüpfen, und ich beabſich⸗ tige, ſpäteſtens mit der nächſten Fluth durch das Thor zu laufen. Nur ein unbeholfener Seemann wird des Windes im Hafen harren, denn wer ihn braucht, muß hinausgehen und ſich nach ihm umſehen.“ Dieſer Anruf erſcholl von einem Werft der berühmten Hauptſtadt von Manhattan, und galt einem Manne, wel⸗ cher ſich in der Ladenkajüte des eben genannten Schiffes befand, das ein raſcher Segler zu ſein ſchien, und auf deſſen Deck keine Seele zu ſehen war. Auch gehörte das Werft, obgleich es einer jener hölzernen Dämme war, welche ſich an dem Seearme, den man Eaſt⸗River zu nennen pflegt, hinziehen, keineswegs zu jenen Orten, wie der Leſer oder Zuhörer ſich ihn wohl denken dürfte, wenn er von dem Werft einer Stadt hört, welche der jetzige Modeton den Handels⸗Stapelplatz von Amerika nennt, als ob es auch noch Stapelplätze anderer Art geben könnte. Außer der Molly Swaſh war weit und breit kein einziges Schiff zu ſehen. Da dieſes Werft auf der öſtlichen Seite der Stadt lag, iſt es kaum nöthig, zu bemerken, daß es weit oben und ziemlich fern von den Sammelplätzen des Handels war.. Die Brigg lag mehr als eine Meile über dem Hook, — natürlich meinen wir Corlaer⸗, und nicht Sandy⸗ Hoyk,— in der Nähe des alten Armenhauſes, und weit oberhalb der großen Schiffswerften. Inmitten des Gedrän⸗ ges und Gewühles war es ein einſamer, großer Platz für ein Schiff. Nichts miſchte ſich hier in die rauhe, wie Ketten klirrende Stimme des Eapitäns Spike, oder unterbrach die barſchen Töne; und im Nu brachte ſie Harry Mulford, den erwähnten Maat, welcher der Befehle eifrig zu warten ſchien, auf das Deck. „Habt Ihr geprait, Capitän Spike?“ tief der Maat, ein kräftiger, ſchön gewachſener, ſchlank gebauter, ſchöner Seemannsburſche von zwei bis drei und zwanzig Jahren, ganz Geſundheit, Kraft und Mannhaftigkeit. „Praien! Sofern Ihr es praien heißt, wenn Jemand ſeine Kehle anſtrengt, bis er heiſer iſt, ſo habe ich ohne Zweifel geprait. Ich ſchmeichle mir, daß es nordwärts von Hatteras Niemanden gibt, den man in einem tüchtigen Sturme weiter hört, als einen gewiſſen Herrn, der kaum einen Fuß von der Stelle zu finden iſt, auf welcher ich jetzt ſtehe. Swaſh g. an Bord „Wa⸗ „Ich Waſſer ſie wir durch dahin alle derſelben ſchen Bier ten zu ver gehen mög hierher kon „Ihr Capitän é Ruhe.„S einzigen v geſehen.“ „Gut, drein einen haſſe nichts Euch ein⸗ „Darf entfernt, u habt?“ he einem ſehr Mulford, 1 den Mann ſeinen Klüv drten, wie fte, wenn der jetzige ika nennt, ben könnte. in einziges ſchen Seite in, daß es plätzen des dem Hook, cht Sandy⸗ „ und weit des Gedrän⸗ Platz für ein wie Ketten terbrach die y Mulford, z zu warten f der Maat, ater, ſchöner zig Jahren, denn Jemand abe ich ohne s nordwärts nem tüchtigen n, der kaum f welcher ich — 7— jetzt ſtehe. Ja, Herr, ich habe ſeit fünf Minuten die Swaſßh geprait, und freue mich, daß ſich zuletzt Jemand an Bord gefunden hat, der mir Antwort gibt.“ „Was befehlt Ihr, Capitän Spike?“ „Ich will Alles zum Ablauf bereit wiſſen, ſobald das Waſſer ſich hebt. Mit der nächſten jungen Fluth wollen wir durch das Thor gehen, und ich hoffe, Ihr werdet bis dahin alle unſere Leute an Bord haben. Zwei oder drei derſelben ſehe ich in dieſem Augenblick an jener holländi⸗ ſchen Bierſchenke dort, und kann ihnen in deutlichen Wor⸗ ten zu verſtehen geben, daß ſie nur wieder an das Land gehen mögen, wenn ſie mit ihrem Bier an ihrem Bord hierher kommen.“ „Ihr habt eine ungewöhnlich nüchterne Mannſchaft, Capitän Spike,“ verſetzte der junge Mann mit großer Ruhe.„So lange ich bei ihnen bin, habe ich nicht einen einzigen von ihnen auch nur entfernt in dem Wind geſehen.“ „Gut, ich hoffe, es wird ſich ergeben, daß ich oben⸗ drein einen ungewöhnlich nüchternen Maat habe. Ich haſſe nichts mehr, als Trunkſucht, Herr Mulford, und ſage Euch ein⸗ für allemal, ich werde dergleichen nie dulden.“ „Darf ich mich erkundigen, ob Ihr mich je, auch nur entfernt, unter dem Einfluſſe geiſtiger Getränke geſehen habt?“ herrſchte der Maat eher, als er fragte, mit einem ſehr feſten Ausdruck in Miene und Haltung. „Ich halte kein Logbuch über Kleinigkeiten, Herr Mulford, und bekümmere mich nicht darum. Ich halte den Mann darum nicht für ſchlimmer, weil er außer Dienſt ſeinen Klüver austaljet; aber einen Trunkenbold. haſſe und — — 8— gut; vergeßt nicht, Herr, daß die und daß Roſa Reiſe an verachte ich.— Gut, Molly Swaſh mit der jungen Fluth abläuft, Budd und die gute Dame, ihre Tante, dieſe ihrem Bord mitmachen.“ „Iſt es Euch wirklich gelungen, ſie endlich dazu zu überreden?“ rief der huͤbſche Maat. „Ueberredet? Es koſtet keine große Ueberredung, Herr, die Damen zu beſtimmen, ihr Glück an Bord dieſer Brigg zu verſuchen. Lady Waſhington ſelbſt würde ſich, wenn ſie noch lebte und zu einer Seereiſe geneigt wäre, dieſer guten Gelegenheit freuen. Wie Ihr wißt, haben wir eine Kajüte für Damen, und es iſt ſchicklich, daß ſie auch von Damen bewohnt werde. Die alte Miſtreß Budd iſt eine geſcheidte Frau, und läßt die Zeit nicht ungenützt. Roſa iſt leidend,— lungenſüchtig nennt man es, glaub' ich,— Verſuch zu machen, ob die und ihre Tante wünſcht einen Seeluft ihr nicht hilfreich werde.“ „Roſa Budd hat ſo wenig Anlage zur Lungenſucht, wie ich ſelbſt,“ ſiel der Maat ein. „Nun, Herr, das iſt, wie man ſich's denkt. Ihr müßt wiſſen, Herr Mulford, daß es heutzutage alle Arten Krankheiten und alle Arten Heilmittel für dieſelben gibt. „Eine Art Heilmittel nennt man, denk' ich, Hyder⸗Ali—“ „Ihr meint ohne Zweifel Hydropathie,*) Herr. „Gut, es iſt etwas der Art, ſo oder ſo; aber kaltes Waſſer iſt jedenfalls dabei im Spiele, und das Mittel ſoll unfehlbar ſein. Nun glaubt aber Roſa's Tante, wenn kaltes Waſſer gebraucht werden müſſe, fände ſich dieſes *) Waſſerheilkunde. nirgends die Seelt macht, wohlfeil. „Gl pitän S „O nicht beu hütete, e Roſa glo werde ih verſchmitz Mul Zügen fo laut werd hend, der die Farbe an welche lich gleich ſicht, wels um nicht; bei denen jungen P Allem ab Empfindu war, der Der dete ſein Widerwill ſtark darit rr, daß die d daß Roſa ſe Reiſe an ich dazu zu edung, Herr, dieſer Brigg ſich, wenn wäre, dieſer ben wir eine ſie auch von zudd iſt eine enützt. Roſa laub' ich,— nchen, ob die Lungenſucht, denkt. Ihr ge alle Arten dieſelben gibt. yder⸗Ali—“ *) Herr. ; aber kaltes as Mittel ſoll Tante, wenn de ſich dieſes — 9— nirgends in ſolcher Fülle, wie draußen auf der See. Auch die Seeluft iſt gut, und wenn ihre Nichte eine Seereiſe macht, ſo bekommt ſie beide Erforderniſſe zumal, und wohlfeil.“ „Glaubt Roſa Budd, ſie neige zur Auszehrung, Ca⸗ pitän Spike?“ fragte Mulford theilnehmend. „O nein; wie Ihr wißt, darf man Schwindſüchtige nicht beunruhigen, daher Miſtreß Budd ſich auch wohl hütete, ein Wort über dieſen Gegenſtand fallen zu laſſen. Roſa glaubt, ihre Tante ſei leidend, und die Seereiſe werde ihretwegen unternommen; aber die Tante, dieſes verſchmitzte Ding, weiß, wie Alles ſteht.“ Mulford fand den Ausdruck in ſeines Befehlshabers Zügen faſt abſtoßend, während Spike die letzten Worte laut werden ließ. Dieſes Antlitz war niemals ſehr anzie⸗ hend, denn die Züge waren rauh und gemein, während die Farbe des ganzen Geſichtes ein zweifelhaftes Roth war, an welchem geiſtige Getränke und Wind und Wetter ziem⸗ lich gleichen Antheil zu haben ſchienen. Ein ſolches Ge⸗ ſicht, welches von einem Schimmer erfolgreichen Gehabens, um nicht zu ſagen, von Hoffnungen und Wünſchen erglänzte, bei denen man nur ungern verweilt, mußte für einen jungen Mann von Harry Mulford's edlen Gefühlen, vor Allem aber für Den etwas Abſchreckendes haben, welcher Empfindungen hegte, die, wie er ſich es vollkommen bewußt war, der ſchönen Roſa Budd galten. Der junge Mann gab keine Antwort, ſondern wen⸗ dete ſein Antlitz dem Waſſer zu, um den Ausdruck des Widerwillens zu verbergen, welcher ſich, wie er wohl fühlte, ſtark darin malen mußte. — 10— Der Strom, wie der wohlbekannte Meeresarm, in freute ſich welchem die Swaſh lag, irrthümlich genannt wird, war mann bild gerade in dieſem Augenblicke ungewöhnlich baar an Schif⸗ Willen, ar fen, und zwiſchen dem Ende von Blackwell's⸗Island und. Wa Corlaer's⸗Hook, eine Entfernung von einer vollen Stunde, ver Capite war kein Segel zu ſehen, das größer geweſen wäre, als Geberde u das eines Bootes. Dieſes Stocken aller Bewegung in Tone nach dem Hafen hatte ſeinen Grund in dem Stande des Win⸗ ſeinem Be des und des Waſſers. Jener war kaum mehr, als ein mag das! leiſes Wehen aus Süden, während dieſes etwa auf zwei„Ich Drittheile Ebbe ſtand. Bewegung Faſt alle Fahrzeuge, welche von der Küſte herüber treibende und durch den Sund ein ſolcher Waſſerſtand begünſtigte,„Es waren bereits eingelaufen, und keines konnte bei einem ſo muß es e leichten Winde und nur unter Segel oſtwärts gehen, ehe neuen Kra die Fluth kam. Anders war es natürlich mit den Dampfern,„Dief 1 die gleich Enten nach allen Richtungen entlang klapperten, drei Damd A obgleich die meiſten nur zur Ueberfahrt an den verſchie⸗ Miſſouri i denen Punkten des Meerarmes dienten. Flotten⸗H Als aber Mulford ſich eben von ſeinem Befehlshaber abgetakelt abwendete, zeigte ſich das Bug eines großen Schiffes jener. dritte war Klaſſe, das um den Hook bog und nach oſtwärts ging. Sam gehi Herr und Maat waren dieſes Schiffes kaum anſichtig„Neu geworden, als ſelbſt Roſa Budd vergeſſen war, und ihre ich höre, Gedanken eine neue Richtung nahmen. daß ſie jede Spike war im Begriffe, die Werfte hinan zu⸗ wandeln, Schiff iſt änderte aber ſeinen Entſchluß raſch, eilte an Bord der Euch auf Brigg, und ſprang an ſeinem Maat vorbei auf den Hack, dieſer„ho 1 um den Dampfer genauer in das Auge zu faſſen. Mul⸗„Diel ford, den ſein Befehlshaber in ſo hohem Grade anwiderte, net. Viel esarm, in wird, war an Schif⸗ Island und len Stunde, wäre, als wegung in e des Win⸗ r, als ein a auf zwei iſte herüber begünſtigte, bei einem ſo gehen, ehe Dampfern, klapperten, den verſchie⸗ Befehlshaber Schiffes jener rts ging. um anſichtig ar, und ihre zu wandeln, un Bord der uf den Hack, aſſen. Mul⸗ de anwiderte, — 11— freute ſich deſſen, denn Spike's großes Verdienſt als See⸗ mann bildete eine Art Anziehung, welche ihn, faſt wider Willen, an ſeinen Dienſt feſſelte. „Was hat das Ding dort im Sinne, Harry?“ rief der Capitän mit einem etwas menſchlicheren Ausdruck in Geberde und Stimme, wenigſtens der Bewegung und dem Tone nach, als ſich ſeinem Auge etwas darſtellte, das ſeinem Berufe angehörte, und ihm doch neu war.„Was mag das Ding vorhaben?“ „Ich ſehe keine Räder, Herr, und ebenſo wenig eine Bewegung in dem Waſſer ſpiegelwärts, als ob eine fort⸗ treibende Kraft da wäre,“ erwiederte der junge Mann. „Es iſt eine tolle Sorte von Ding das! Jedenfalls muß es ein Kriegsdampfer ſein, eine von Oheim Sam’s neuen Kraftäußerungen.“ „Dieß iſt kaum möglich, Herr. Oheim Sam hat nur drei Dampfer von einiger Größe und Mächtigkeit, ſeit der Miſſouri in Flammen aufgegangen iſt, und drüben in dem Flotten⸗Hoft liegt der eine, während der andere zu Boſton abgetakelt liegt, oder doch vor Kurzem noch lag. Der dritte war in dem Golf. Wenn dieſes Schiff dem Oheim Sam gehört, muß es ein ganz neues ſein.“ „Neu! Es iſt ſo neu, wie ein Statthalter, und wie ich höre, haben ſie es droben zu Albany ſo weit gebracht, daß ſie jeden Herbſt fünf oder ſechs derſelben wählen. Jenes Schiff iſt für die See beſtimmt, Herr Mulford, wie jeder Euch auf den erſten Blick ſagen wird. Es iſt keines dieſer„hohl' über“ Klapperer.“ „Dieß iſt ziemlich deutlich, Herr, und es iſt bewaff⸗ net. Vielleicht iſt es ein engliſches Fahrzeug, und man —— hat es in dieſes offene Waſſer gebracht, um Verſuche mit irgend einer neuen Maſchine zu machen. Ah! Ah! Es iſt im Begriff, der Wache an dem Schiffswerft ſeine Flagge zu zeigen; wir werden alſo ſehen, wohin es gehört.“ Dieſer Bemerkung ließ Spike ein langes, leiſes, aus⸗ drucksvolles Pfeifen folgen; und die Flagge des Dampfers ging an dem Gaffelende des hinterſten der ſchonerartig aufgetakelten Maſte empor, als Mulford die letzte Sylbe endigte. Es war eben Luft genug da, um mit Beihilfe der Bewegung des Dampfes die Flagge zu entfalten und den Beſchauern die Farben ſehen zu laſſen. Die Sterne und Streifen zeigten ſich, wie gewöhnlich, aber die letzteren liefen wagerecht, und nicht in ſenkrechter Richtung. „Ein Zollſchiff, bei Georg!“ rief der Capitän aus, ſobald er ſeinen Athem durch den Pfiff erſchöpft hatte.— „Wer hätte geglaubt, daß man es dahin brächte, etwas dieſer Art für einen ſolchen Dienſt zu thun?“ .„Ich erinnere mich jetzt, gehört zu haben, daß Oheim Sam einige große Dampfer für den Zolldienſt zu bauen beabſichtige, und wenn ich nicht irre, ſollte eine Erfindung dabei angebracht werden, um mit etwas, das weder Rad noch radähnlich iſt, entlang zu kommen. Dieß muß eines der neuen Schiffe ſein, und man brachte es wahrſcheinlich hier in das offene Waſſer, um einen Verſuch zu machen, Herr.“ „Ihr habt recht, Herr, Ihr habt recht. Was die Natur des Geſchopfes betrifft, ſo ſehen wir die Flagge, und kein e ich etwas i ihren unna alten rechter hören, die? und ein S man als eit Obglei ein Hugo C Verſtand, ſeines Beru können, hä Street dere über ſeinen Wiederſtrah dem Antlitz großen, dun „Es r ſagte er,„ angehört, c Thatſache, kann, verbü „Dann oder es ſoll „Ich kann Geſetze beleg hat die Str und jener 2 Befehlshaber neugierig un Verſuche mit 91 Ah! Es swerft ſeine wohin es leiſes, aus⸗ es Dampfers ſchonerartig letzte Sylbe Beihilfe der ten und den e Sterne und die letzteren ztung. Capitän aus, ppft hatte.— rächte, etwas n, daß Oheim enſt zu bauen ine Erfindung as weder Rad ieß muß eines wahrſcheinlich ch zu machen, ht. Was die ir die Flagge, und kein ehrlicher Mann kann mehr verlangen. Wenn ich etwas in der Welt haſſe, ſo iſt es dieſe Flagge mit ihren unnatürlichen Streifen auf und ab, ſtatt daß ſie den alten rechten Weg laufen. Ich habe einen Advocaten ſagen hören, die Fingnzflagge dieſes Landes ſei anticonſtitutionell, und ein Schiff, das ſie auf der hohen See führe, dürfe man als einen Seeräuber in den Grund bohren.“ Obgleich Harry Mulford weder ein Pufendorf noch ein Hugo Grotius war, hatte er doch zu viel geſunden Verſtand, und zu wenig Vorurtheil ſelbſt zu Gunſten ſeines Berufes, um ſich in eine ſolche Theorie ſinden zu können, hätten äuch fünfzig Advocaten aus der Cherry⸗ Street deren Nichtigkeit beſchworen. Ein Lächeln flog über ſeinen ſchönen, ernſten Mund, und etwas wie ein Wiederſtrahl dieſes Lächelns, wenn je ein Lächeln ſich in dem Antlitz widerſtrahlen kann, glaͤnzte in ſeinem ſchönen, großen, dunkeln Auge. „Es wäre doch ziemlich ſeltſam, Capitän Spike,“ ſagte er,„wenn ein Schiff, das irgend einer Nation angehört, als Seeräuber aufgebracht werden dürfte. Die Thatſache, daß es ſeinen Nationalcharakter nachweiſen kann, verbürgt ſeine augenblickliche Freigebung.“ „Dann laßt es aber auch eine Nationalflagge führen, oder es ſoll verd—t ſein,“ verſetzte Spike ungeſtüm.— „Ich kann Euch das, was ich geſagt habe, mit dem Geſetze belegen, Herr Mulford. Die amerikaniſche Flagge hat die Streifen geſetzlich von vornen nach hinterwärts, und jener Burſche führt ſie gerade ſenkrecht. Wäre ich Befehlshaber eines Kreuzers und ſtieß' auf einen dieſer neugierig umlauernden Herren,— ich laſſe mich hängen, — 14— wenn ich ihn nicht in den Hafen ſchickte und die Frage vor dem Gerichte ins Reine zu bringen ſuchte.“ Mulford hielt es wahrſcheinlich nicht der Mühe werth, länger über dieſen Punkt zu ſtreiten, denn er kannte die Hartnäckigkeit und Beſchränktheit ſeines Befehlshabers zu gut, um es für nöthig zu halten. Er zog es vor, die Aufmerkſamkeit auf die Eigenſchaft des Dämpfers, welchen ſie im Auge hatten, zu lenken,— ein Gegenſtand, über welchen ſie als Seemänner ſich leichter verſtändigen konnten. „Dieß iſt denn doch ein drollig ausſehender Finanz⸗ kutter, Capitän Spike,“ ſagte er;„ein Fahrzeug, das mir beſſer geeignet ſcheint, als Ausguckſchiff in einer Flotte zu dienen, denn einen Schmuggler küſtenwärts zu jagen.“ „Und überdieß iſt's nicht raſch! Ich ſehe nicht, wie es vorwärts kommt, denn es hält alles ſauber unter dem Waſſer; wenn es aber überhaupt nicht ſchneller gehen kann, als in dieſem Augenblicke, ſo dürfte ihm Molly Swaſh bald die Sturmvögel ihres Kielwaſſers zu ſeiner Unterhaltung leihen.“*) „Es hat die Fluth gerade jetzt gegen ſich, Herr; in ſtillem Waſſer würde es ſich ohne Zweifel viel beſſer gehaben.“ 3 Spike murmelte etwas zwiſchen ſeinen Zähnen und fprang auf das Deck nieder, als wenn er das Mauth⸗ ſchiff ſich aus dem Sinne ſchlagen wollte. Sein altes, rauhes, herriſches Gebahren ſtellte ſich wieder ein, und er —— *) Das Zollſchiff weit hinter ſich laſſen. Der Ueberſetzer. redete mit menkajüte, ſobald dieſ Mulfo behagen, a kannte ſein überkam ih auf die mä jener„herr ſeine Anſic Seeluft un auf die„T der Molly „Wie? Budd als auch demgen es, und Bei müßten, l Schiffsmeiſt „Ihr 1 Capitäns T Herr?“ „Der meinem zehr und verließ machen es 2 wir jung un gut an mich „Capite d die Frage Mühe werth, kannte die hlshabers zu es vor, die fers, welchen nſtand, über verſtändigen nder Finanz⸗ ahrzeug, das hiff in einer üſtenwärts zu he nicht, wie ber unter dem chneller gehen e ihm Molly ſers zu ſeiner ich, Herr; in el viel beſſer Zähnen und r das Mauth⸗ Sein altes, er ein, und er er Ueberſetzer. „15— redete mit ſeinem Maat wieder von Roſa Budd, der„Da⸗ menkajüte,“ der„jungen Fluth“ und dem„Ablaufen,“ ſobald dieſe letzteren ſich einſtellen werden. Mulford hörte achtungsvoll, aber mit ſichtbarem Miß⸗ behagen, auf die Befehle, welche ihm gegeben wurden. Er kannte ſeinen Mann, und ein Gefühl düſtern Mißtrauens überkam ihn, als ihm die Befehle zukamen, welche ſich auf die mächtigen Bequemlichkeiten, die er Roſa Budd und jener„herrlichen alten Lady“ zu geben beabſichtige, auf ſeine Anſichten von der„herrlichen Wirkung, welche die Seeluft und die Seereiſe auf Roſa haben würde,“ und auf die„Behaglichkeit“ bezogen, welche Beide an Bord der Molly Swaſh erwartete.— „Wie Ihr bemerken werdet, ehre und achte ich Miſtreß Budd als die Gemahlin meines Capitäns, und will ſie auch demgemäß behandeln. Sie weiß es, und Noſa weiß es, und Beide haben erklärt, ſie würden, da ſie doch reiſen müßten, lieber mit mir reiſen, als mit jedem andern Schiffsmeiſter in ganz Amerika.“ „Ihr waret ſelbſt einſt am Bord des Schiffes des Capitäns Budd, wenn ich Euch recht verſtanden habe, Herr?“ „Der alte Burſche hat mich erzogen; ich war von meinem zehnten bis zu meinem zwanzigſten Jahre bei ihm, und verließ dann ſein Bord, um die Welt zu ſehen. Wir machen es Alle ſo, wie Ihr wißt, Herr Mulford, wenn wir jung und ehrgeizig ſind, und die Reihe kam ebenſo gut an mich, wie an jeden Andern.“ „Capitän Budd muß bedeutend älter geweſen ſein, —-— — 16— als ſeine Gattin, Herr, wenn Ihr als Knabe mit ihm gereiſt ſeid,“ bemerkte Mulford ein wenig trocken. „Ja, ich geſtehe, daß ich acht und vierzig Jahre zähle, obgleich Jeder, der mich anſieht, mir kaum mehr als fünf oder ſechs und dreißig zutrauen wird. Es war ein großer Abſtand zwiſchen dem alten Richard Budd und ſeiner Frau, wie Ihr ſagt; denn er war gegen fünfzig Jahre alt, als er heirathete, und ſie zählte weniger, als zwanzig. Fünfzig Jahre iſt ein gutes Alter für einen Mann, der in den Eheſtand tritt, wie zwanzig für ein Mädchen, das ſich verheirathen will.“ „Noſa Budd iſt noch nicht neunzehn Jahre alt, wie ich ſie ſagen hörte,“ verſetzte der Maat mit Nachdruck. „Etwas jung, ich gebe es zu; dieß iſt jedoch ein Feh⸗ ler, welchem ein edelgeſinnter Mann gern Nachſicht ſcheukt. Auch legt man ihn mit jedem Tage mehr ab. Nun, ſeht nach den Kajüten und ſorgt dafür, daß Alles zum Ablaufen h wird alsbald mit einer Karrenlaſt klar gemacht wird. Joſt von Vorräthen kommen, und Iyr werdet ſie unverweilt an Bord bringen laſſen.“ Während Capitän Spike dieſe Befehle gab, ſtand ſein Fuß auf dem Schanddeckel der äußeren Schiffsbekleidung, und er war im Begriffe, wieder auf das Werft zu ſchreiten. Als er auf dem Ufer ſtand, wendete er ſich um, blickte aufmerkſam auf den Zollkutter, und ſeine Lippen bewegten ſich, als ſtieß er heimlich Verwünſchungen gegen ihn aus. Wir ſagen„Verwünſchungen“ denn der Ausdruck ſeines rauhen, nichts weniger als ſchönen Geſichtes ließ zu deut⸗ lich gewahren, daß es keine Segnungen waren. Mulford fühlte ſich durchaus nicht behaglich; dr folgte bis an die F des Augenbli beſchäftigt we Die Gel einen zweiten „Ich hof Maat reiſen, „Allerdit haſſe dieſe K Capitän muß einen halten.“ „Dieß he ſind alle Beid nennt, und n „Ja, ja, aber nicht lat Ich möchte J mehr als zwe Da ich in mei es noch einma Nachdem hatte, rollte einem Schiffe, bald links gen ſchon einen Ha haben. Die ku Ellbogen faſt welche ſich bei hoben und ſenk ausgeſpreizten 241— 243. be mit ihm en. ahre zähle, hr als fünf ein großer ſeiner Frau, re alt, als ig. Fünfzig der in den n, das ſich re alt, wie Nachdruck. och ein Feh⸗ Zſicht ſcheukt. Nun, ſeht zum Ablaufen er Karrenlaſt anverweilt an ab, ſtand ſein iffsbekleidung, t zu ſchreiten. h um, blickte ppen bewegten egen ihn aus. usdruck ſeines ließ zu deut⸗ teen. glich; er folgte — 1— bis an die Fallreepstreppenleiter, ſtieg hinauf und harrte des Augenblicks, wo ſeines Befehlshabers Geiſt weniger beſchäftigt wäre, um ihn wieder anzuſprechen. Die Gelegenheit bot ſich bald dar, nachdem Spike einen zweiten Ausguck auf den Dampfer gethan hatte. „Ich hoffe, Ihr werdet nicht wieder ohne einen zweiten Maat reiſen, Capitän Spike?“ ſagte er. „Allerdings werde ich das, verlaßt Euch darauf. Ich haſſe dieſe Klemper, ſie ſind überall im Wege, und der Capitän muß ſeine Wache ebenſo gut mit einem, wie ohne einen halten.“ „Dieß hängt von des Mannes Eigenſchaft ab. Wir ſind alle Beide ſeiner Zeit Klemper geweſen, wie Ihr es nennt, und meine Zeit iſt noch nicht lange verlaufen.“ „Ja, ja, ich kenne dieſe Dinge ſehr gut, Ihr waret aber nicht lange genug dabei, um windſchief zu werden. Ich möchte Niemand am Bord der Swaſh haben, der mehr als zwei Reiſen als zweiter Offizier gemacht hätte. Da ich in meinem Schiſſe keine Spione brauche, will ich es noch einmal ohne einen Didy verſuchen.“ Nachdem er dieß in ziemlich beſtimmtem Tone geſagt hatte, rollte er ſich das Werft hinauf, nicht unähnlich einem Schiffe, das von dem Winde abfällt, bald rechts, bald links geneigt. Im G age nach würde ihn Jeder, der ſchon einen Haiſiſch geſehen hat, für einen ſolchen gehalten haben. Die kurze, feiſte, ſchwabelige Geſtalt, die an den Ellbogen faſt in rechten Winkeln ſich biegenden Arme, welche ſich bei jeder Bewegung des Körpers wie zwei Floßen hoben und ſenkten, die kurzen ſtraffen Beine und die weit ausgeſpreizten Füße, welche mit ſeinem Wege eine Linie 241— 243. 2 —— ——y— —— — — 18— hielten,— alles dieß würde eine ſolche Anſicht in hohem Grade gerechtfertigt haben. 3 Harry Mulford, der an dieſen ſchönen Anblick gewöhnt war, hielt ſein Auge auf die forthumpelnde Geſtalt des Befehlshabers gefeſſelt, bis er hinter einem Haufen Schiffs⸗ holz verſchwand, um ſich den bevölkerten Theilen der Stadt zu nähern. Dann kehrte der junge Mann ſich um, und blickte auf den Dampfer, welcher mittlerweile an der Brigg vorübergegangen war, und ſich anzuſchicken ſchien, durch das Thor zu laufen. Der Dampfer war ohne Frage ein edel ausſehendes Fahrzeug, aber unſer junger Mann glaubte, er dränge ſich nur ſchwerfällig durch das Waſſer fort. Es mochte im Nothfalle raſch ſein, verſprach aber nach ſeiner jetzigen Bewegung nicht ſehr viel. Dennoch war er ein edel aus⸗ ſehendes Fahrzeug, und als Mulford wieder auf das Deck herabſtieg, bedauerte er faſt, daß er nicht zu demſelben, oder wenigſtens zu jedem anderen Schiffe gehörte, wenn es nur nicht die Molly Swaſh war. Zwei Stunden hatten eine merkliche Veränderung in dieſer Brigantine, und um ſie zur Folge. Ihre Mannſchaft hatte ſich vollſtändig eingeſtellt, und, was bei Seeleuten ſehr bemerkenswerth iſt, ſie waren ſammt und ſonders nüchtern. Spike war jedoch, wie bereits geſagt worden, ein Mann der Mäßigkeit, wenigſtens hinſichtlich Aller, die unter ſeinem Befehle ſtanden, wenn er auch perſönlich nicht ſehr ſtreng daran hielt. Die Mannſchaft der Swaſh war für ein halb ge⸗ takeltes Schiff von nur zweihundert Tonnen Laſtigkeit hinreichend; da ihre Spieren aber ſehr ſtark waren, und ihre ganze berechnet ſe gewöhnliche keit und Bo Im C Swaſh,“ r zu nennen, ſowie die ne Ein ch ſchaft war Matroſen u Alter waren war ein alt ſechszig Jal Wenn der Jugend ihres Lebene was er zu Dieß machte welchen Spi Die Vo Brigg gebra geſtaut. Joſt fajüte ſo ſau Dieſe T einem Verſcht reich durch d den war. De hatte mehrere mit dieſer Ko ſt in hohem lick gewöhnt Geſtalt des ufen Schiffs⸗ in der Stadt ch um, und n der Brigg chien, durch ausſehendes r dränge ſich s mochte im einer jetzigen ein edel aus⸗ auf das Deck zu demſelben, hörte, wenn ränderung in re Mannſchaft bei Seeleuten und ſonders eſagt worden, ichtlich Aller, uch perſönlich ein halb ge⸗ nen Laſtigkeit k waren, und — 19— ihre ganze Ausrüſtung und Geſtalt auf einen raſchen Gang berechnet ſchien, bedurfte es ohne Zweifel einer mehr als gewöhnlichen Anzahl von Matroſen, um ſie mit Leichtig⸗ keit und Behendigkeit zu handhaben. Im Ganzen waren unter dem„Volke der Molly Swaſh,“ wie ſich die Leute nannten, nicht viele Namen zu nennen, nicht mehr als ein Dutzend, die nach hinten, ſowie die nach vornen eingerechnet. Ein charakteriſtiſcher Zug bei dieſer geſammten Mann⸗ ſchaft war der Umſtand, daß ſie alle tüchtige, erprobte Matroſen und, mit Ausnahme des Maats, von mittlerm Alter waren. Joſh, der Kajütenjunge, wie man ihn nannte, war ein alter, runzelvoller, grauköpfiger Neger von faſt ſechszig Jahren. Wenn die Mannſchaft nicht die ganze Schwungkraft der Jugend hatte, ſo beſaß ſie die Ruhe und Erfahrung ihres Lebensalters, und Jeder ſchien ſehr genau zu wiſſen, was er zu thun hatte, und wann er es zu thun hatte. Dieß machte ihr großes Verdienſt aus,— ein Vorzug, welchen Spike ſehr gut zu würdigen wußte⸗ Die Vorräthe waren in einem Karren entlang der Brigg gebracht worden, und bereits an Ort und Stelle bei⸗ geſtaut. Jofh hatte gewaſchen und gefegt, bis die Damen⸗ fajüte ſo ſauber als möglich ausſah. Dieſe Damenkajüte war eine kleine Wohnung neben einem Verſchlage, welcher von der großen Kajüte ſehr ſinn⸗ reich durch die Speiſekammer und doppelte Thüren geſchie⸗ den war. Dieſe Einrichtung war ungewöhnlich, und Spike hatte mehrere Male darauf hingedentet, daß eine Geſchichte mit dieſer Kajüte in Verbindung ſtehe; Mulford hatte ihn 2*½ —— —— — 20— aber nie bewegen können, ſich über dieſe Geſchichte zu welche Vor außern. Der Letztere wußte, daß die Brigg an der ſpani⸗ war es ei ſchen Küſte zu einem ſehr bedenklichen Verkehre gebraucht Swafh ül worden war; auch hatte er etwas von ihren Thaten gehört, wurde. wie ſie in den verſchiedenen Revolutionszeiten jenes Theils 8 um h. der Welt baares Geld und Geächtete weggebracht habe; die Brigan ſowie, daß ihr jetziger Befehlshaber und Eigenthümer viele waren gel, Jahre, bevor er ſeine jetzige Stellung erreicht, als Maat Springtau an Bord derſelben geſtanden habe. Jetzt war in Bezug ziemlich we auf Urkunden, Kaufbriefe und andere Papiere alles regel⸗ und der Vo recht und geordnet, und Stephan Spike galt, wie bemerkt, oder ſtroma als Befehlshaber und Eigenthümer. Der Beilbrief*) ſagte Nichts aus, daß die Brig bereits während des engliſchen Krieges verbinden, als Privat⸗Kreuzer gebaut worden war; ſpätere und ſehr Rückenpaart koſtſpielige Ausbeſſerungen hatten ſie aber, wie ihr Eigen⸗ bei Schiffen thümer behauptete,„beſſer als neu“ gemacht, und in der pflegt. Die That, ihre„Seewürdigkeit“ konnte nicht in Zweifel gezogen bruſt auf de 4 werden. mälde ſchwe In den Schiffsverſicherungs⸗Büreaur wies man ſie Erwartung 6 freilich zurück, und wollte nichts von einem Fahrzeuge Mulford wa wiſſen, das ſich ſchon ſeine volle fünfzig Jahre auf den und ſchaute Wellen geſchaukelt hatte; dieß fügte aber Keinen von denen jenes Theils an, welche an ſein Bord gehörten, da man Leuten ihres Wagen aus. Berufes das Leben ſchwerlich verſicherte, mochte dieß ſo alt Der Zol oder neu ſein, als es wollte. Ihnen genügte es, daß die Kanal von 2 Brigg ſicher und ungewöhnlich feſt und tüchtig war, da„Das ſe Aſſeruranzen nie für das Leben der Mannſchaft einſtehen, dem Ausguck atte. *) Das obrigkeitliche Zeugniß hinſichtlich des Bauortes, des Bau⸗)„ wo er 3 jahres, der Laſtigkeit u. ſ. w. eines Schiffes. Der Ueberſetzer.*) Die Taue Geſchichte zu un der ſpani⸗ hre gebraucht thaten gehört, jenes Theils bbracht habe; nthümer viele t, als Maat ar in Bezug e alles regel⸗ wie bemerkt, brief*) ſagte ſchen Krieges ttere und ſehr ie ihr Eigen⸗ , und in der weifel gezogen wies man ſie m Fahrzeuge ahre auf den ien von denen Leuten ihres zte dieß ſo alt te es, daß die htig war, da haft einſtehen, iortes, des Bau⸗ Ueberſetzer⸗ welche Vortheile ſie ſonſt auch bieten mögen. Für Mulford war es eine Empfehlung mehr, daß der ganze Bau der Swaſh überall für ungewöhnlich ſymmetriſch gehalten wurde. Um halb zwei Uhr Nachmittags war Alles bereit, um die Brigantine auslaufen zu laſſen. Ihre Vormarsſegel waren gelöſt, ihre Feſtingen*) ausgeſchoſſen, und ein Springtau war an einen Pfoſten auf dem Werft, welcher ziemlich weit vor dem Steuerbordbug ſtand, gebracht worden, und der Vordertheil der Brigg wendete ſich nach Südweſten, oder ſtromabwärts, und folglich der jungen Fluth entgegen. Nichts ſchien das Schiff jetzt noch mit dem Lande zu verbinden, als eine breite Laufplanke, an welcher Mulford Rückenpaarden mit mehr Sorgfalt befeſtigt hatte, als dieß bei Schiffen, welche nur kurze Reiſen machen, zu geſchehen pflegt. Die Leute ſtanden mit den Händen in der Hemd⸗ bruſt auf den Decken umher, und das Gauze bot ein Ge⸗ mälde ſchweigſamer und vielleicht nicht ganz behaglicher Erwartung dar. Kein Wort wurde jedoch gewechſelt, und Mulford wandelte auf der Schanze allein auf und nieder und ſchaute gelegentlich die noch wenig bewohnten Gaſſen jenes Theils der Vorſtädte hinauf, als ſchaue er nach einem Wagen aus. Der Zolldampfer war lange vorher durch den ſüdlichen Kanal von Blackwell gegangen und ſteuerte dem Thore zu. „Das ſein ſie, Herr Mulford,“ rief Joſh endlich von dem Ausguck, welchen er in einer Spiegelpforte genommen hatte, wo er über die niedrigen äußeren Bekleidungen des — *) Die Taue. Der Ueberſetzer. —y—— —,— Schiffes blicken konnte.„Ja, das ſein ſie, Herr. Ich kennen die alten grauen Roß, der den Kopf ſo niedrig und ſo ganz traurig ſenken, wie ein Roß das Recht haben zu thun, wenn er ein Cabrioli durch dieſer dicken Stadt zu ziehen habe. Mein Auge? was für ein Roß er ſein, Herr!“ Joſh hatte Recht, nicht bloß hinſichtlich des alten grauen Pferdes, das ſeinen Kopf ſo„ganz traurig“ ſenkte, ſondern auch in Betreff des Cabriolets und ſeines Inhalts. Das Fuhrwerk erreichte bald das Werft, und in ſeiner Schlagöffnung zeigte ſich die kurze, ſtämmige Geſtalt des Capitäns Spike, der rückwärts herausſtieg, ziemlich wie ein Bär an einem Baume niederſteigt. Auf der Decke des Wagens gewahrte man verſchiedene leichte Gegenſtände, wie Frauen ſie auf Reiſen zu haben pflegen, in der Geſtalt von Pappſchachteln, Reiſeſäcken und dergleichen, denn die Koffer waren ſchon vorher auf einem Karren herangefahren worden. Wohl mochte dieſes übertriebene graue Pferd„ganz traurig“ ausſchauen und mit geſenktem Kopfe einher⸗ humpeln. Das Cabriolet ließ, als es ſich ſeines Inhalts entledigte, eine Ladung von nicht weniger als vier Perſonen, den Kutſcher nicht zu rechnen, gewahren, und alle waren von gehörigem Gewicht und verhältnißmäßigem Umfange, die ſchöne, junge Roſa Budd ausgenommen. Selbſt dieſe war ziemlich gewichtig und von wohlgerundeter Geſtalt, obgleich dabei leicht und ſchlank. Aber die Tante gab ein ſchönes Bild von eines Schiffsmeiſters Wittwe ab, ſtark, behäglich und drall. Auch war ſie weder alt noch häßlich. Im Gegentheile, ſie mochte kaum vierzig Jahre alt ſein, und da ſie erhalten un gelten. D ausſetzen ko Geſtalt, we verſchmelzen Die vie Biddy Noon Budd, eine rothen Arm ihrer Gebiet Maſſe darbe Von N Ihr tiefblar war, wenn ſammenſtelle belebt und i die zwei Inj haus nicht c und Haſt, y Mädchen ery anſchickt. Man m erzogen,“ we in Manhatte damit gerade oder ſehr w im Leben un Tante ſchließ Das ſch⸗ „Herr. Ich niedrig und cht haben zu en Stadt zu Noß er ſein, ich des alten zurig“ ſenkte, eines Inhalts. und in ſeiner Geſtalt des ziemlich wie der Decke des Gegenſtände, in der Geſtalt hen, denn die herangefahren Pferd„ganz Kopfe einher⸗ ſeines Inhalts vier Perſonen, ind alle waren gem Umfange, Selbſt dieſe deter Geſtalt, Tante gab ein we ab, ſtark, t noch häßlich. Jahre alt ſein, und da ſie nie Mutter geweſen war, hatte ſie ſich gut erhalten und konnte ſelbſt für eine Fünfunddreißigerin gelten. Das Einzige, was man an ihrer Erſcheinung ausſetzen konnte, war die ziemlich unbegrenzte Natur ihrer Geſtalt, welche zu viele ihrer Reize in einen einzigen zu verſchmelzen ſchien. Die vierte Perſon in dem Wagen war Brigitta oder Biddy Noon, eine Irländerin, das Factotum der Miſtreß Budd, eine pockennarbige Jungfer mit rothem Geſicht und rothen Armen, ziemlich von dem Alter und dem Gewicht ihrer Gebieterin, obgleich ſie dem Auge nicht eine ſo volle Maſſe darbot. Von Roſa werden wir hier nur wenige Worte ſagen. Ihr tiefblaues Auge, welches eben ſo geiſtvoll als mild war, wenn man ſolche widerſprechende Cigenſchaften zu⸗ ſammenſtellen darf, ſchien von Neugierde und Intereſſe ganz belebt und überflog die Brigg, das Werft, den Meeresarm, die zwei Inſeln und Alles um ſie her, ſelbſt das Armen⸗ haus nicht ausgeſchloſſen, mit einer ſolchen raſchen Eile und Haſt, wie man es von einem in der Stadt erzogenen Mädchen erwarten konnte, die ſich zu ihrer erſten Seereiſe anſchickt. Man mißverſtehe uns nicht; wir ſagen„in der Stadt erzogen,“ weil dieß der Fall war; denn Noſa Budd war in Manhattan geboren und zumal erzogen, obgleich wir damit gerade nicht ſagen wollen, daß ſie ſehr wohlgeboren oder ſehr wohl erzogen geweſen wäre. Auf ihre Stellung im Leben und der Geſellſchaft läßt ſich von dem ihrer Tante ſchließen, von ihrer Stellung auf ihre Erziehung. Das ſchoͤne blaue Auge des jungen Mädchens überflog, —— wie wir geſagt haben, die mannigfachen Gegenſtände welche ſie umgaben, als ſie aus dem Cabriolet ſtieg, und es ſchloß natürlich auch die Geſtalt Harry Mulford's nicht aus, der auf der Fallreepstreppe ſtand und ihrer Tante und ihr die Hand bot, um ihnen bei dem Eintritte in das Schiff behilflich zu werden. Ein Lächeln des Wiedererkennens wurde von den jun⸗ gen Leuten ausgetauſcht, als ſich ihre Augen begegneten, und die Farbe, welche einen ſo glänzenden Reiz in Roſa's lieblichem Antlitz abgab, wurde ſo glühend, daß man wohl ſchließen konnte, dieſe Farbe habe ihre eigene Zunge und Beredſamkeit. Auch Mulford's Farbe war bei dieſer Veranlaſſung nicht ohne Sprache, obgleich er das halb zaudernde, halb zweifelnde, halb kühne Mädchen mit feſter Hand und ſtar⸗ ker Muskelkraft die Planke entlang führte. Was die Tante betraf, ſo hatte ſie, als die Wittwe eines Capitäns, es nicht für nöthig gehalten, eine ungewöhnliche Erregung beim Ueberſchreiten der Planke an den Tag zu legen, es müßte denn die der Freude ſein, wieder einmal den Fuß auf das Deck eines Schiffes zu ſetzen. Ein ziemlich gleiches Gefühl herrſchte auch bei Biddy vor, als Mulford ihr artig die Hand reichte. Sie rief: „Keine Sorge meinetwegen, Herr Maat, ich bin zu Waſſer von Irland herübergekommen und kenne alles, was Schiff und was Brigg heißt, ganz gewiß. Wenn Ihr geſehen hättet, was wir für Wetter gehabt haben, und welche Wellen wir durchſchnitten, würdet Ihr es nicht für nöthig halten, meinesgleichen viel von dieſen Dingen zu ſagen.“ 3 Capitä nicht in ſeir die Planke „Güter der zu ſchicken: Sobald Rüſten, un und befahl, Ein Ar ſtand, hatte aus den Ri war im Nu Arbeit wurd und allum l Spike ſ in einer Wer war, ſein A machen, un Theile verſta ſeinem heutig lichen Vorgä ſchien, von! einer Weiſe, aufmerkſamen Es iſt le war, und d hatte, denn e von mittleren entlang bis z Werft, gekom Gegenſtände et ſtieg, und ulford's nicht ihrer Tante ntritte in das von den jun⸗ n begegneten, eiz in Roſa's aß man wohl e Zunge und Veranlaſſung ndernde, halb and und ſtar⸗ zas die Tante HFapitäns, es che Erregung zu legen, es mal den Fuß ich bei Biddy Sie rief: t, ich bin zu ne alles, was Wenn Ihr haben, und es nicht für in Dingen zu 25— 7 Capitän Spike hatte Takt genug, zu begreifen, daß er nicht in ſeinem Elemente wäre, wenn er den Frauen über die Planke helfen ſollte; er zeigte ſich daher geſchäftig, die „Güter der alten Dame,“ wie er ſich ausdrückte, an Bord zu ſchicken und ſich mit dem Kutſcher abzufinden. Sobald dieß abgethan war, ſprang er in die großen Rüſten, und von da über die Bekleidungen auf das Deck, und befahl, die Planke an Bord zu holen. Ein Arbeitsmann, der unbeſchäftigt auf dem Werfte ſtand, hatte eine Kleinigkeit erhalten, um die Feſtingen aus den Ringbolzen und Pfoſten zu nehmen, und Alles war im Nu klar, um die Brigg ablaufen zu laſſen. Die Arbeit wurde gefördert, als habe das Schiff große Eile, und allum herrſchte die lebhafteſte Thätigkeit. Spike ſelbſt war ſehr rührig und gab ſeine Befehle in einer Weiſe, die andeutete, daß er lange daran gewöhnt war, ſein Anſehen auf dem Deck eines Schiffes geltend zu machen, und daß er ſeinen Beruf bis auf die kleinſten Theile verſtand. Der einzige merkliche Unterſchied zwiſchen ſeinem heutigen Gebahren und dem bei ſonſtigen gewöhn⸗ lichen Vorgängen war der Umſtand, daß er jetzt beeifert ſchien, von dem Werfte wegzukommen, und dieß zwar in einer Weiſe, welche die Beachtung jedes argwöhniſchen, aufmerkſamen Beobachters hätte auf ſich ziehen müſſen. Es iſt leicht möglich, daß ein ſolcher nicht ſehr fern war, und daß Spike von deſſen Anweſenheit Kenntniß hatte, denn ein anſtändig ausſehender, gut gekleideter Mann von mittleren Jahren, war eine der anliegenden Gaſſen entlang bis zu einem Punkt, etwa hundert Fuß von dem Werft, gekommen, und ſtand hier an einen Zaun gelehnt, um auf alle Bewegungen der Brigg zu achten. Da in dieſer Gegend keine Häuſer waren, konnte Jeder von dem Deck der Swaſh dieſen Fremden ſehen, Niemand aber an Bord ſchien ihn überhaupt zu beachten, man müßte denn den Capitän ausnehmen. „Kommt, kommt, rührt die Hände, mein Schatz, und macht mir jenes Bugtau klar,“ rief der Capitän, deſſen Ungeduld, fortzukommen, ſich mit der Zeit, welche ihn dieſem Fortkommen näher und näher brachte, zu ſteigern ſchien;„weg damit, ſchnell weg damit, und nun los mit dem Schiffe!“ Der Mann auf dem Werfte löſte die Winden des Anholtaues von dem Pfoſten, und die Swaſh fühlte ſich nach vornen frei. Ein dünneres Tau war als Spring eine Strecke entlang des Werftes vorwärts von dem Schiffe ausgegeben worden, und kam nun von hinterwärts herein. Die Marroſen ſchoſſen dieſes ein, und ließen ihr Schiff, das verhältnißmäßig leicht und folglich ohne Mühe zu bewegen und zu handhaben war, vom Lande abtreiben. Während dieß vorging, kam der Fernzuſchauer, welcher ſich bisher an den Zaun gelehnt hatte, mit Schritten, die ein wenig raſcher als gewöhnlich waren, dem Werfte näher. Beinahe in demſelben Augenblicke humpelte ein kurzer, ſtämmiger, ſeemanngleicher, kleiner Mann die nächſte Gaſſe daher, ſchien ziemlich beeilt und haſtig, geſellte ſich als⸗ bald zu dem anderen Fremden, und begann, ſich mit ihm zu unterhalten, wobei er wiederholt auf die Swaſh hin⸗ deutete. Mittlerweile kamen ſie dem Werfte ſtets näher. Capitän Spike und ſeine Leute waren unterdeſſen nicht müßig. Die Fluth trieb nicht ſehr ſtark an den Werften und in der gelegen hatt inneren Bu⸗ abzuwenden. mit aller Kr˖ Bewegung, einigen Ein, an Steuerbo ſüdwärts we Bis zu kein anderes marsſegel. ein Matroſe Bauchgordin den Schoten In eine Die Swaſh und hinten, Gaffel verſel See war Co richtung zur fand er es Spanker eine Da die Geitaue nur löſen, und de Dieß war we ohne alle Un zu zeigen, i aber, und di ten. Da in eder von dem and aber an müßte denn Schatz, und pitän, deſſen „ welche ihn „zu ſteigern nun los mit Winden des h fühlte ſich als Spring ts von dem n hinterwärts ud ließen ihr h ohne Mühe nde abtreiben. hauer, welcher Schritten, die Werfte näher. e ein kurzer, nächſte Gaſſe ſellte ſich als⸗ ſich mit ihm Swaſh hin⸗ ſtets näher. terdeſſen nicht den Werften — 27— und in der Art kleiner Buchtung, in welcher das Schiff gelegen hatte; demungeachtet nahm ſie die Brigg an ihrem inneren Bug, und begann, ihre Naſe von dem Lande abzuwenden. Die Mannſchaft an dem Springtau drückte mit aller Kraft hinweg, und gab dem Schiffe hinreichende Bewegung, um die Fluth zu bewältigen und dem Steuer einigen Einfluß zu verſchaffen. Das letztere wurde ſtark an Steuerbord gebracht, und half die Naſe der Brigg nach ſüdwärts wenden. Bis zu dieſem Augenblicke war an Bord der Swaſh kein anderes Segel los, als das bereits erwähnte Vor⸗ marsſegel. Dieſes hing noch in ſeiner Bekl leidung, und ein Matroſe war in die Höhe geſchickt worden, um die Bauchgordingen und die Geitaue zu überholen; auch an den Schoten waren Leute beſchäftigt. In einer Minute war das Segel zum Aufßziehen bereit. Die Swaſh hatte einen Wapper als großes Segel vorn und hinten, und, was mehr iſt, ſie war mit einer ſtehenden Gaffel verſehen, um in dem Hafen zu prunken. Denn zur See war Capitan Spike zu klug, um einer ſolchen Ein⸗ richtung zu vertrauen; wenn er ſich aber der Küſte näherte, fand er es paſſend, das Segel herausholen und wie den Spanker eines großen Schiffes aufgeien zu laſſen. Da die Gaffel jetzt in der Pöhs war, durfte man die Geitaue nur gehen laſſen große Segeltuch zu löſen, und das Schlepp end. ſens um es beizuſetzen. Dieß war wahrſcheinlich der Grund, warum die Brigg fo⸗ ohne alle Umſtände, und ohne mehr von ihrer Leinwand zu zeigen, in den Strom gebracht wurde. Der Klüver aber, und die vorderſten dreieckigen Segel ſielen in dieſem — — —— 28 Augeublicke von ihren Bäumen, und waren zum Hiſſen fertig. So ſtanden die Dinge, als die beiden Fremden auf das Werft kamen. Spike war auf dem Hackbord und holte das große Segel über; Mulford ſtand in ſeiner Nähe, und löſte die Fockmarsſegelbraſſen von den Lünſen, um die Fallen aufzuholen. „Hört doch, Herr Mulford,“ fragte der Capitän, „habt Ihr je einen jener Burſche geſehen? Ich meine jenes Geſpann dort auf dem Werfte.“ „Ich könnte mich nicht erinnern, Herr,“ verſetzte der Maat, der über die Fallreepstreppe blickte, um die bezeich⸗ neten Perſonen in das Auge zu faſſen.„Der Kleine iſt ein Martinsmännchen, das drolligſte, kleine, fette, alte Kerlchen, das mir mein Leben vor Augen gekommen iſt.“ „Ah, ah, dieſe kleinen, dicken Martinsmännchen, wie Ihr es nennt, haben manchmal den Teufel im Leib. Mir gefällt Keiner der zwei Burſche, und ich freue mich, daß wir abtrifftig geworden ſind, ehe ſie anher kamen.“ „Es kommt mir nicht vor, als ob der Eine, wie der Andere uns viel Schaden zugefügt haben würden, Capitän Spike.“ Man kann das nicht wiſſen, Herr. Der dickſte Ge⸗ ſelle ſieht gerade aus, als wollte er jeden Augenblick das ſilberne Ruder aus der Taſche ziehen und ſich als Zoll⸗ beamter beurkunden.“ „Ich glaube, dieſes NRuder iſt, wenigſtens in unſerem Lande, abgeſchafft worden,“ antwortete Mukford lächelnd. „Und wenn es auch wäre, was hätten wir von ihm zu fürchten? bezahlt?“ „Sie zwanzig St bleiben, ſo Stephan T mich kennt. was mir ni „Sie i kommen,& Werft, und es ſogleich Spike! jenes große der jetzt wel Nu ausgefü Bewegung laſſen. Den denn der W großen Körz Die Bre zu ſagen, 3 langſam den nach vorne, auf das Fah blieb und ſei faſt das End ſtanden, von Der Ca lichkeit, dere n zum Hiſſen Fremden auf ord und holte ner Nähe, und iſen, um die der Capitän, 2 Ich meine „ verſetzte der um die bezeich⸗ Der Kleine iſt ne, fette, alte gekommen iſt.“ männchen, wie im Leib. Mir eue mich, daß amen.“ Eine, wie der ürden, Capitän Der dickſte Ge⸗ Augenblick das ſich als Zoll⸗ ens in unſerem ulford lächelnd. r von ihm zu — 29— fürchten? Ich denke, die Brigg hat ihre Rechnungen bezahlt?“ „Sie iſt keinen Cent ſchuldig, und wird nie vier und zwanzig Stunden nach Ablauf des Wechſels einen ſchuldig bleiben, ſo lange ſie mein gehört. Man nennt mich überall Stephan Baargeld, wo man mit mir zu thun hat und mich kennt. Aber jene Burſche gefallen mir nicht, und was mir nicht gefällt, das halt' ich fern von mir.“ „Sie werden ſchwerlich verſuchen, an unſer Bord zu kommen, Herr; Ihr ſeht, wir ſind ganz klar von dem Werft, und wenn wir das große Segel jetzt beiſetzen, wird es ſogleich Wind fangen.“ Spike befahl dem Maat, den Ausholer zu faſſen, und jenes große Stück Leinwand alsbald dem leichten Luftzug, der jetzt wehte, preis zu geben. Dieſer Befehl wurde im Nu ausgeführt, und alsbald füllte ſich das Segel, und die Bewegung des Schiffes begann dieſe Wirkung fühlen zu laſſen. Dennoch war dieſe Bewegung eine ſehr langſame, denn der Wind blies ſo leicht, und die Trägkraft eines ſo großen Körpers mußte noch bewältigt werden. Die Brigg trieb, dem Lande den Spiegel zukehrend, ſo zu ſagen, Zoll für Zoll von dem Werft ab, und gab ſich langſam dem Einfluſſe der Fluth hin. Mulford ging nun nach vorne, um den Klüver beizuſetzen und das Marsſegel auf das Fahrzeug zu bringen, während Spike auf der Hack blieb und ſein Auge auf die Fremden feſſelte, welche jetzt. faſt das Ende des Werftes erreicht hatten, und gerade da ſtanden, von wo die Swaſh eben abtriftig geworden war. Der Capitän fühlte augenfällig eine große Unbehag⸗ lichkeit, deren Ausdruck ſich in ſeinem Geſichte nicht ver⸗ — 30— kennen ließ, während ein boshafter Ingrimm in ſeinem Innern tobte. „Hat die Brigg einen Lootſen?“ fragte der größere und beſſer ausſehende der beiden Fremden. „Was geht Euch dieß an, Freund?“ verſetzte Capitän Spike.„Seid Ihr ein von der Obrigkeit für das Höllen⸗ thor angeſtellter Lootſe?“ „Vielleicht,— vielleicht auch nicht. Es iſt nicht her⸗ kömmlich, daß ein ſo großes Schiff ohne Lootſen durch das Thor geht.“ „O, mein Bürſchchen iſt unten und putzt ſeine Loga⸗ rithmen auf. Er wird in Kurzem auf das Deck kommen und ſein Amt antreten, und dann werde ich ihn von Euren freundlichen Erkundigungen nach ſeinem Befinden benach⸗ richtigen.“ Der Mann auf dem Werfte ſchien mit dieſer Art See⸗ mannswitz vertraut zu ſein, und gab keine Antwort, ſon⸗ dern fuhr fort, die Brigg ſcharf in das Auge zu faſſen, und ſie nach allen Richtungen, bald oben, bald unten, zu beſchauen, was in der That den Hauptgrund der Unbehag⸗ lichkeit des Capitäns abgab. „Iſt dieß nicht jener Capitän Stephan Spike von der Brigantine Molly Swaſh?“ So rief der kleine, kloßartig ausſehende Mann in einem heiſern, überſpringenden Tone, welcher vortrefflich zu ſeinem ganzen Ausſehen paßte. Unſer Capitän ſchrak zuſammen, wendete ſich dem Sprechenden zu, betrachtete ihn einen Augenblick aufmerk⸗ ſam und verſchlang die Worte, welche er im Begriffe war, laut werden zu laſſen, als hätt' ihn der Blitz getroffen. Wie er ſeine Sichel rauhe höcke ſeine Selbſt überzeugt, „Seid bekannt?“ von ihm, a „Man kennen! St miteinander daß ich nock „Ihr Darf ich wo Reiſe?“ „Vor z miteinander. geſſen, Cap Spike's ſtaunen; der ſeit fünfzehr hatten ihn j riſtiſche, die war allerdin deſſen Capitä als dieſer Hans Tier n in kurze Stru faſt ganz in kurz und dic n in ſeinem der größere ſetzte Capitän das Höllen⸗ iſt nicht her⸗ kootſen durch t ſeine Loga⸗ Deck kommen hn von Euren inden benach⸗ heſer Art See⸗ Intwort, ſon⸗ zu faſſen, und ld unten, zu der Unbehag⸗ Spike von der nde Mann in der vortrefflich dete ſich dem nblick aufmerk⸗ Begriffe war, tz getroffen. — 31— Wie er jedoch den kleinen Kloß näher betrachtete und ſeine Sichelbeine, ſeine breiten rothen Backen, und ſeine rauhe höckerige Naſe recht in das Auge faßte, ſchien er ſeine Selbſtbeherrſchung wieder zu finden, als habe er ſich überzeugt, daß die Todten nicht wieder auferſtanden ſeien. „Seid Ihr mit dem Herrn, welchen Ihr genannt habt, bekannt?“ fragte er, ſtatt zu antworten.—„Ihr ſpracht von ihm, als müßtet Ihr ihn kennen?“ „Man ſollte doch wohl einen ehemaligen Schiffsmaat kennen! Stephan Spike und ich ſind vor zwanzig Jahren miteinander zur See geweſen, und ich hoffe, es zu erleben, daß ich noch einmal mit ihm reiſe.“ „Ihr ſeid mit Stephan Spike zur See geweſen? Darf ich wohl fragen, wann, und wo, und auf welcher Reiſe?“ „Vor zwanzig Jahren fuhren wir zum letzten Male miteinander. Habt Ihr den kleinen Hans Tier ganz ver⸗ geſſen, Capitän Spike?“ Spike's Staunen war mächtig, und wohl durfte er ſtaunen; denn er wußte nicht anders, als Hans ſei ſchon ſeit fünfzehn Jahren todt. Die Zeit und harte Arbeit hatten ihn ſehr verändert, aber das allgemein Charakte⸗ riſtiſche, die Geſtalt, der Wuchs, der Gang u. ſ. w., war allerdings geblieben. Dennoch war der Hans Tier, deſſen Capitän Spife ſich erinnerte, ein ganz anderer Mann, als dieſer Hans Tier. Das rabenſchwarze Haar jenes Hans Tier war dicht und lockig, während dieſer ſein Haar in kurze Struppen geſchnitten hatte, welche durch die Zeit faſt ganz in Grau umgewandelt worden. Jener Hans war kurz und dick, aber er war feiſt und ſtämmig; während — 32— dieſer ſo kurz und rund, wie ein Kloß, als freilich viel umfangreicher war. In einer Beziehung war die Aehn⸗ lichkeit jedoch noch unverkennbar. Beide Hanſe kauten Tabak und zwar in einem Grad, welcher ihnen vor hundert anderen Tabakkauern eigenthümlich war. Spike hatte viele Gründe, zu wünſchen, Hans wäre nicht auf dieſe ungewöhnliche Weiſe wieder von den Todten erſtanden; aber auch manche, ſich zu freuen, ihn wieder zu ſehen. Er hatte den Burſchen einſt tief in ſein Vertrauen gezogen, und Hans wußte mehr, als dem Capitän ſeiner Sicherheit wegen lieb war, während er ihm bei ſeinen künftigen Plänen von großem Nutzen ſein konnte. Es iſt ſtets ein Vortheil, Jemand in ſeiner Nähe zu haben, dem man unbedingtes Vertrauen ſchenken kann, und Spike hätte ein Boot in das Waſſer gelaſſen, und es an das Werft geſchickt, um Hans Tier an Bord zu holen, wäre der Herr nicht geweſen, welcher ſich ſo neugierig in Betreff eines Lootſen gezeigt hatte. Unter ſolchen Umſtänden beſchloß er, ſich der Vortheile der Geſellſchaft Haus Tier's zu entſchlagen, behielt ſich aber das Recht vor, ihn bei ſeiner Rückkehr aufzuſuchen. Der Leſer denkt ſich wohl, daß die Molly Swaſßh nicht gänzlich ſtill ſtand, während obiges Geſpräch vor ſich ging, und die Gedanken, welche wir angedeutet haben, ihrem Befehlshaber durch den Kopf flogen. Sie war, im Gegen⸗ theil, nicht nur in Bewegung, ſondern dieſe Bewegung ſteigerte ſich auch allgemach, und als die Zwieſprache, welche wir berichtet haben, ihrem Ende nahte, mußten die Sprechenden bereits ihre Stimme mehr, als ihnen lieb war, anſtrengen, um ſich zu verſtehen. Dieſer Unterhaltun welchen Sp⸗ Wirkung ge Mittler laſſen. Nach getakelten B Klüver, wäh nackte, grof Es fehlte a welchem ein dung bewies ein Stagſege vor ſich hatt, Segel auszut Die Mo luvte quer ül befand, bis f worauf ſie at Ausgang ful launiſch blies ſich ſo willig zu bewältigen die Bewegung die nöthige B Wir hab⸗ Reiſenden aus wieder zu ihn begeben, und eleganten Ka 241— 243. freilich viel ar die Aehn⸗ danſe kauten mvor hundert Hans wäre n den Todten hn wieder zu in Vertrauen gapitän ſeiner m bei ſeinen unte. iner Nähe zu ten kann, und „ und es an erd zu holen, neugierig in zen Umſtänden t Hans Tier's vor, ihn bei y Swaſh nicht vor ſich ging, haben, ihrem ar, im Gegen⸗ eſe Bewegung Zwieſprache, e, mußten die ils ihnen lieb — 33— Dieſer Umſtand würde allein hingereicht haben, der Unterhaltung ein Ziel zu ſetzen, hätte nicht der Augenhlick, welchen Spike brauchte, um einen Entſchluß zu faſſen, die Wirkung gehabt, deren wir gedacht haben. Mittlerweile hatte Mulford die Leinwand ausbreiten laſſen. Nach vorne zeigte die Swafh alle Segel einer voll⸗ getakelten Brigg, ſelbſt die Bramſegel und den fliegenden Klüver, während nach hinten ihr Maſt die emporſtarrende, nackte, große Stange eines amerikaniſchen Schoners war. Es fehlte auch nicht an einem tüchtigen Topmaſt, an welchem ein Gaffeltopſegel geſetzt wurde, und die Beklei⸗ dung bewies, daß man im Nothfall auf dieſer Seite auch ein Stagſegel auslaſſen könnte. Da man aber das Thor vor ſich hatte, zog man es vor, nur leicht zu handhabende Segel auszuſetzen. Die Molly Swaſh hielt ſich dicht an dem Wind und luvte quer über die breite Waſſerfläche, in welcher ſie ſich befand, bis ſie weit genug war, um Blackwell zu umſegeln, worauf ſie auf ihren Curs abhielt und durch den ſüdlichen Ausgang fuhr. Obgleich der Wind leicht und ein wenig launiſch blies, trieb die Brigg ſo emſig entlang und zeigte ſich ſo willig, daß es nicht ſchwer war, ſie nach Wunſch zu bewältigen. Auch die Fluth ſtieg raſch und kräftig, und die Bewegung, welche dieſe ihr gab, reichte allein hin, ihr die nöthige Behendigkeit zu geben. Wir haben, um die Brigg in Gang zu bringen, die Reiſenden aus dem Geſichte verloren, und wenden uns nun wieder zu ihnen. Sie hatten ſich Alle in den unteren Raum begeben, und unter der Leitung Joſh's, eines nicht ſehr eleganten Kammerdieners, von ihrer Wohnung Beſitz 241— 243. 3 — 21— genommen, einer ziemlich niedlichen und ungemein behag⸗ lichen Kajüte, welche mit Allem verſehen war, deſſen man zur See bedürftig iſt, und die überdieß an zwei Seiten bequeme Verſchläge hatte. Dieſe Gemächer waren aller⸗ dings klein und die Verſchläge ſehr niedrig, gegen ihre Nettigkeit und allgemeine Einrichtung war aber nichts zu ſagen, wenn man bedachte, daß man ſich am Bord eines Schiffes befand. „Hier Alles ſein, was das Herz wünſchen können,“ ſagte Joſh frohlockend; denn da er ein Schwarzer aus der alten Schule war, verſchmähte er es auch nicht, ſich gewöhn⸗ lich der alten Schulſprache ſeiner Kaſte zu bedienen.— „Ja, ihr Damen, Alles ſo ſein? Capitän Spike das voll⸗ kommen verſtehen? Er wundervoll in Anordnungen ſein! Nicht eine Wanze nach hinten,— ſie zu klug ſein, um hierher zu kommen; ſie, gerade wie die Mannſchaft in dieſem Betracht, bleiben ſchön nach vorn. Ihr auch nie ſehen ein Schwein kommen auf die Schanz'.“ „Ihr müßt vortrefflich Schiffszucht halten, Jofh,“ ſagte Roſa mit der lieblichſten Stimme von der Welt, welche ſich leicht dem heitern Scherz anpaßte,—„und wir ſind entzückt zu hören, was Ihr uns da ſagt. Wie fangt Ihr es nun an, um ſolche Abſonderungen zu Stande zu bringen, und ſolchen Geſchöpfen einen Begriff von den ihnen zuſtehenden Räumen zu geben?“ „Nichts leichter als das, wenn man die Sache recht anfangen, Miß. Was die Schweine angehen, ich ſie mit Waſſerguß unterrichten. Wenn ich ein Schwein ſehen, das nach hinten gehen, ich einen Eimer voll Waſſer nehmen und ſie damit begießen. Ihr können Euch nicht denken, wie das Gedächtn dieſe Art wenn da ſehr klein und ſie w zu laſſen Roſa Erwartung halten, a kann. „Nun wohl ange ſchöpfchen? „Liebe Du ſchwieg uns, daß vornen bei Schiffen, Deinen Oh heilig, und halten.“ Man d um ihren C Sie war er welche die dieſes Erden da ſie die 3 beſchützen. 6 Unvermögen, mein behag⸗ „‚deſſen man zwei Seiten waren aller⸗ gegen ihre ber nichts zu Bord eines hen können,“ arzer aus der ſich gewöhn⸗ bedienen.— dike das voll⸗ nungen ſein! ug ſein, um haft in dieſem nie ſehen ein lten, Joſh,“ en der Welt, ßte,—„und a ſagt. Wie en zu Stande griff von den e Sache recht n, ich ſte mit in ſehen, das zaſſer nehmen nicht denken, — 35 wie das kalte Waſſer ſchnell ihre Sitten beſſern und ihr Gedächtniß ſtärken, ſo daß ſie ſtets daran denken. Auf dieſe Art ich die Alten bald in gute Zucht bringen, und wenn dann neue an Bord kommen, Mühe und Sorge ſehr klein ſein, denn die Alten ſagen den Jungen Alles, und ſie wundervoll klug und wiſſen, was ſie zu thun und zu laſſen haben.“ Roſa Budd's Augen Erwartung, und ſie konnte halten, als Jugend und heite kann. „Nun, mit den Schweinen, wohl angehen; wie iſt es aber ſchöpfchen?“ „Liebe, liebe Roſy!“ fiel die Tante ein,„ich wollte, Du ſchwiegſt von ſolchen abſcheulichen Dingen. Es genügt uns, daß Capitän Spike Befehl gegeben hat, daß ſie alle vornen bei der Mannſchaft bleiben; dieß iſt überall ſo auf Schiffen, wo Zucht und Ordnung herrſcht. Ich habe Deinen Oheim hundertmal ſagen hören, die Schanze ſei heilig, und dieß reicht hin, um ſolche Geſchöpfe fern zu halten.“ Man durfte Miſtreß Budd nur in das Geſicht ſehen, um ihren Charakter im Allgemeinen ſehr genau zu erfaſſen. Sie war eines jener unbedeutenden, ungebildeten Weſen, welche die gütige Vorſehung auf ihrer Pilgerſchaft durch dieſes Erdenleben unter ihren beſonderen Schutz nimmt, da ſie die Kraft nicht zu haben ſcheinen, ſich ſelbſt zu beſchützen. Schon ihr Geſicht drückte Stumpffſinn, geiſtiges Unvermögen, Leichtgläubigkeit und Plauderſucht aus. Un⸗ 3* waren ganz Schelmerei und ihr Lachen ſo wenig zurück⸗ rer Sinn ſtets beſonnen ſein “ ſagte ſie,„mag dieß mit jenen anderen Ge⸗ — 36— geachtet dieſer Grundſchwächen hatte die gute Frau einige der beſſeren Anlagen ihres Geſchlechtes und machte ſich nie des Geringſten ſchuldig, das im ſtrengern Sinn einen Tadel zu Folge haben konnte. Für Roſa war ſie jedoch keine Aufſeherin und Leh⸗ rerin, denn die Nichte hatte öfter Einfluß auf die Tante, als die Tante auf die Nichte. Dieſer war das Glück zu Theil geworden, daß ſie eine vortreffliche Erzieherin gefun⸗ den hatte, welche zwar nicht befähigt war, ihr eine feine Bildung zu geben, ſie aber in alle dem unterrichtete und leitete, was als achtenswerth und nützlich galt. Roſa hatte Charakter und ſtarke Willenskraft, wie der Verlauf unſerer Geſchichte darthun wird; ihre gute Tante war aber nichts als ein Bild geiſtigen Unvermögens. Die Unterhaltung über„jene anderen Geſchöpfchen“ wurde durch den Schauder der Miſtreß Budd vor„Thieren“ wirkſam beſeitigt, und da Joſh bald darauf auf das Deck gerufen wurde, hinderte dieß jede Wiederaufnahme des Gegenſtandes. Die Frauen blieben einige Minuten unten, um von den Räumlichkeiten Beſitz zu nehmen, und kamen dann auf das Deck, um die Schrecken der Fahrt durch das Höllenthor mitanzuſchauen. Roſa war ganz Auge, Staunen und Bewunderung alles deſſen, was ſie ſah. Es war dieß das erſte Mal, daß ſie überhaupt, und in irgend einem Fahrzeuge, auf dem Waſfer war, obgleich ſie in einem der bedeutendſten Häfen der Welt geboren und erzogen worden. Alles muß jedoch ſeinen Anfang haben, und dieß war Roſa Budd's erſter Ausflug auf dem Waſſer. Die zumal e Roſa kei was ſie eignet hat bewunder welche N das ſeine auf dem? welche S einen Fli Vergnüger und mit e das Waſſe Bewunder: Ganz Dieſe gute verſtorbene bekannt zu ihre Wonn und ſie fü nie unzweit kam, von n unbekannt, von lebhaft die ihr durc „Es ül des Schiffes ſelbſtgefällige welchen ihre Frau einige chte ſich nie Sinn einen n und Leh⸗ die Tante, as Glück zu herin gefun⸗ r eine feine unterrichtete galt. aft, wie der gute Tante ögens. eſchöpfchen“ „Thieren“ uf das Deck fnahme des um von den unn auf das Höllenthor dewunderung Z erſte Mal, rzeuge, auf dedeutendſten Alles muß toſa Budd's 37— Die Brigantine war allerdings ein ſehr ſchönes und zumal ein ungemein raſches Schiff; aber dieß hatte für Roſa keinen Werth, und ſie würde, nach dem Wenigen, was ſie ſich bis jetzt an ſeemänniſchen Kenntniſſen ange⸗ eignet hatte, einen nach Weſtindien gehenden Reitknecht ebenſo bewundert haben. Vielleicht hatte die ungemeine Nettigkeit, welche Mulford überall und bei Allem im Auge hatte, das ſeiner Aufſicht anheim fiel, und dieß galt vor Allem auf dem Deck oder den Ueberbords,— eine Nettigkeit, über welche Spike als über ebenſo viel ſinnloſe Mühe zuweilen einen Fluch murmelte,— innigen Antheil an Roſa's Vergnügen; allein jedes andere Ding, das Segel hatte und mit einer Kraft, die etwas Flugähnliches hatte, durch das Waſſer dahin ſchoß, würde ihr vielleicht ebenſo viele Bewunderung eingeflößt haben. Ganz anders verhielt es ſich mit Miſtreß Budd. Dieſe gute Frau hatte ja bereits eine Seereiſe mit ihrem verſtorbenen Gatten gemacht und glaubte, mit Allem bekannt zu ſein, was ſich auf ein Schiff bezieht. Es war ihre Wonne, von ſeemänniſchen Gegenſtänden zu ſprechen, und ſie fühlte ihre große Ueberlegenheit über ihre Nichte nie unzweideutiger, als wenn das Geſpräch auf die See kam, von welcher ſie etwas wußte, und mit der Roſa ganz unbekannt, oder doch ſo unbekannt war, wie ein Mädchen von lebhafter Phantaſte es in Folge von Mittheilungen, die ihr durch andere zukamen, bleiben mußte. „Es überraſcht mich gar nicht, Roſy, daß der Anblick des Schiffes dich in Erſtaunen verſetzt,“ bemerkte die ſelbſtgefällige Tante bei einem Ausrufe der Bewunderung, welchen ihre Nichte hören ließ.—„Ein Schiff iſt ein wun⸗ — — 38— dervolles Ding, und man berichtet uns, welche außeror⸗ dentliche Weſen die ſind, welche„in Schiffen auf die See hinaus gehen.“ Du mußt aber wiſſen, daß dieß überhaupt kein Schiff, ſondern ein halb aufgeputzter Takler iſt, was einen großen Unterſchied macht.“ „War das Schiff meines Oheims,„die Roſa in Blüthe,“ von der Swaſßh ſehr verſchieden?“ „Gewiß, ſehr verſchieden, mein Kind. Sieh',„die Roſa in Blüthe“ war ein vollgetakeltes Schiff und hatte zwölf Maſten, und dieß iſt nur eine halb getakelte Brigg und hat nur zwei Maſten. Blicke hin und zähle ſie: eins, zwei.“ Harry Mulford ſchoß unmittelbar vor Miſtreß Budd und Roſa eine Bramſegelbraſſe auf und blickte, als er dieſe wundervolle Beſchreibung der Ausrüſtung der Roſa in Blüthe hörte, plötzlich mit einem verſteckten Ausdrucke in ſeinem Auge auf, welchen die Nichte ſehr gut zu deuten wußte, während er, ohne lange nachzudenken, unter dem Einfluſſe des Staunens ausrief: „Zwölf Maſten? habe ich Euch recht verſtanden, Ma'am,— hatte Capitän Budd's Schiff zwölf Maſten?“ „Ja, Herr,— zwölfl und ich kann ſie Euch alle bei Namen nennen, denn ich habe ſie auswendig gelernt; ja, es ſchien mir ganz paſſend zu ſein, daß die Frau eines Schiffsherrn die Namen aller Maſten in ihres Gatten Schiffe wiſſe. Wollt Ihr ihre Namen hören, Herr Mul⸗ ford?“ 3 Harry Mulford würde ſich an dieſer Unterhaltung im höchſten Grade ergötzt haben, wäre Roſa nicht geweſen. Sie kannte die Verſtandesſchwäche ihrer Tante im Allge⸗ meinen, Bezuge; eine oder abwenden aus deſſe Unſchuld gewahren Fall war wegen der Harr einem ſeit fügte ſich Kindes un herzigen, „Wer es Euch b. Noſa „Ich ſieht,— d „Nur einem Hall einem Voll zwölf Maſte die Namen und der Be —„Ja, Maſten un Grund des thümers for „Das che außeror⸗ auf die See ß überhaupt ler iſt, was ie Roſa in Sieh',„die f und hatte akelte Brigg — zähle ſie: eiſtreß Budd als er dieſe er Roſa in lusdrucke in t zu deuten unter dem verſtanden, f Maſten?“ ie Euch alle dig gelernt; Frau eines hres Gatten Herr Mul⸗ rhaltung im cht geweſen. e im Allge⸗ meinen, beſonders aber ihre Schwäche in dieſem beſonderen Bezuge; ſie wollte es aber nicht dulden, daß Jemand die eine oder die andere wegwerfend höhnte, wenn ſie dieß abwenden konnte. Selten hat wohl ein junges Mädchen, aus deſſen Zügen ſo viel Heiterkeit, Natürlichkeit und Unſchuld ſprach, einen ſo bedeutſamen, tadelnden Ausdruck gewahren laſſen, wie es bei der hübſchen Roſa Budd der Fall war, als ſie des Maat's unwillkührlichen Ausruf wegen der„zwölf Maſten“ hörte. Harry, der ſich von ſeines Gleichen oder von irgend einem ſeines Geſchlechtes nicht“ leicht irre machen ließ, fügte ſich jener tadelnden Miene mit der Sanftheit eines Kindes und ſtotterte als Antwort auf die Frage der gut⸗ herzigen, als beſchränkten Wittwe:. „Wenn es Euch beliebt, Miſtreß Budd, ganz wie es Euch beliebt, nur ſind zwölf Maſten ziemlich viel.“ Roſa zürnte abermals. „Ich wollte ſagen, es ſind mehr, als man gewöhnlich ſieht,— das iſt alles.“ „Nur ſo viel, Herr Mulford,— ihr ſegelt bloß in einem Halbtakler; Capitän Budd aber ſegelte ſtets in einem Volltakler, und ſein vollgetakeltes Schiff hatte eben zwölf Maſten, und um Euch dieß zu beweiſen, werde ich Euch die Namen nennen. Erſtens alſo— der Fock⸗, der große, und der Beſahnmaſt—“ „Ja, ja, Ma'am,“ ſcotterte Harry, der die zwölf Maſten und die Roſa in Blüthe zumal in den tiefſten Grund des Meeres wünſchte, da die Nichte ihres Eigen⸗ thümers fortfuhr, kalt und unzufrieden darein zu ſchauen. „Das iſt richtig, ich beſchwör' es.“ — 40— „Ganz gut, Herr, und Ihr werdet finden, daß ich ihn tie auch im Uebrigen recht habe. Dann waren dort der Fock⸗, obgleich der Haupt⸗ und der Beſahntopmaſt, und dieß macht ſechs, können. wenn ich recht zählen kann, Herr Mulford.“„2 „Ah,“ rief der Maat, trotz Roſa's Zürnen, lachend,. fahrenh als die Art, wie der alte Seebär ſeine Frau zum Beſten beſſer lo gehabt hatte, ſich näher herausſtellte.—„Ich ſehe, wie Alter w ſich die Sache verhält; Ihr habt ganz recht, Ma'am; ich die beſte gebe zu, die Roſa in Blüthe hatte alle dieſe Maſten und Capitän noch einige für den Nothfall.“ Schiffen 53„Ja, Herr, ich wußte, daß Ihr mir recht geben an, mich 41 würdet. Die Fock⸗, Haupt⸗ und Beſahnbramſtengen fallen ar 3 machen neun, und die Fock⸗, Haupt⸗ und Beſahnober⸗ etwas ler bramſtengen machen gerade zwölf. O, ich irre mich nie von ſelbf in Dingen, welche ſich auf ein Schiff beziehen, beſonders. wenn ich wenn es ein vollgetakeltes Schiff iſt.“ Bekannte Mulford hatte ziemlich viel Mühe, ſein Lächeln zurück⸗ in Seeaus zuhalten, ſo oft der Volltakler genannt wurde, aber der blick berſt Ausdruck in Roſa's Antlitz erhielt ihn in der beſten Ord⸗ Fehler, d nung, und ſie, das unſchuldige Weſen, ſah nichts Lächer⸗ manchmal 4 liches in dieſen Worten, obgleich die zwölf Maſten ſie ein erſchreckte, wenig beunruhigten.„Er 4 Roſa war entzückt, daß die alte Dame ihre Aufzäh⸗„Da lung der zwölf Stengen ſo glücklich hinter ſich hatte, und pflegte, ſol rief in der Fülle ihrer Heiterkeit: zu fluchen, „Nun, Tantchen, was mich betrifft, ſo finde ich ein hätte Deine halbgetakeltes Schiff ſo ſehr, ſehr ſchön, daß ich nicht lachen höre weiß, wie mir zu Muth wäre, wenn ich an Bord eines. das Deinige Volltaklers käme.“ alle Budd r Mulford wendete ſich raſch hinweg, denn es ſchmerzte wie dein O en, daß ich t der Fock⸗, nacht ſechs, n, lachend, zum Beſten ſehe, wie Na'am; ich Maſten und recht geben pramſtengen Beſahnober⸗ e mich nie beſonders heln zurück⸗ , aber der beſten Ord⸗ chts Lächer⸗ ſten ſie ein re Aufzäh⸗ hatte, und ade ich ein Z ich nicht Bord eines 3 ſchmerzte cherlichkeit ſchuldig machte, obgleich er jeden Augenblick ihre Tante hätte auslachen „Ah, meine Liebe, fahrenheit beizumeſſen; beſſer lernen. Ich war Alter war, und dachte, die beſten Takler; bald Capitän Budd füh Schiffen kennen zu lernen, al ; und dann fluchte er; dieß war der größte Fehler, den Dein Oheim an ſich hatte, Roſy, er pflegte manchmal in einer Weiſe zu fluchen, die mich wahrhaft erſchreckte, ich muß es Dir ſagen.“ „Er fluchte doch nie über Euch, Tantchen?“ „Das will ich nicht ſo geradezu ſagen; aber er pflegte, ſobald etwas ſchief ging, über Alles um mich her zu fluchen, wenn es auch nicht gerade mich traf; aber es hätte Deinem Herzen wohl gethan, wenn Du ihn hätteſt lachen hören. Herz, gerade wie das Deinige, liebe Roſy; was jedoch dieß betrifft, ſo haben zen, und die gewöhnlichſte Weiſe, den Tag zu legen pflegte, war —ͤſͤſͤ — 42— ſein Lachen, beſonders wenn wir allein waren und mit einander plauderten. O, er war entzückt über meine Unter⸗ haltungsgabe, beſonders wenn die Rede auf Schiffe kam, und er verfehlte nie, mich auf dieſes Kapitel zu bringen, wenn er Geſellſchaft hatte. Ich ſehe noch in dieſem Augenblicke ſein gutmüthiges, herzinniges Geſicht, wie die Thränen ihm über die feiſten, mannhaften Backen liefen, und ſelbſt ſeine Rippen ſich hoben von unendlichem Ge⸗ lächter. Wenn ich hundert Jahre alt werde, finde ich keinen Mann mehr, wie Dein Oheim war, Roſy.“ Dieß war ein Gegenſtand, welcher Roſa ſtets zum Schweigen brachte. Sie erinnerte ſich ſelbſt ihres Oheims, und gedachte ſeiner liebevollen Weiſe, ihre Tante auszu⸗ lachen, und wünſchte immer, die letztere möchte mit ihren Lobreden auf ihre eheliche Glückſeligkeit möglichſt bald wieder zu Ende ſein, wenn ſie einmal auf dieſen Vorwurf gekommen war.. Während dieſer Zeit blieb die Molly Swaſh in Be⸗ wegung. Spike nahm nie einen Lootſen, wenn er es je vermeiden konnte, und ſein Geiſt war in dieſen bedenklichen Augenblicken zu ſehr mit ſeiner Pflicht beſchäftigt, als daß er ſich in die Unterhaltung ſeiner Schiffsgeſellſchaft hätte miſchen können, obgleich er bemüht war, ſich durch eine gelegentliche Bemerkung, wenn ſich eine günſtige Veran⸗ laſſung bot, Roſa angenehm zu machen. Sobald er ſeine Brigg jedoch luvwärts in den ſüd⸗ lichen Durchgang von Blackwell gewendet hatte, blieb ihm wenig mehr zu thun übrig, bis er denſelben hinter ſich hatte, eine Strecke von einer Meile, oder etwas mehr, und nun hatte er Muße, ſeinem Schiffe Ehre zu machen. 6 als de das a dieß ſe noch 9 fertiger Delafie ihre ſe überreiz lich gen und Ae⸗ nehmen, Die Er erinn geweſen, bekümme ſchen Ter müſſen, den Vorz ſitze, wel Der über deſſen Strecke we Namen er nannten, ria an der „Vorfahrer Bürger die ihrer Spra hätte. Die und mit ne Unter⸗ diffe kam, bringen, n dieſem „wie die n liefen, chem Ge⸗ finde ich tets zum Oheims, te auszu⸗ mit ihren chſt bald Vorwurf h in Be⸗ er es je denklichen als daß aft hätte irch eine Veran⸗ den ſüd⸗ lieb ihm inter ſich s mehr, machen. — 43— Er deutete das feſtungähnliche Gebaͤude als das neue Arbeitshaus an, zeigte auf der andern Seite das aus Landhäuſern beſtehende Dorf mit der Bemerkung, dieß ſei Rabenwald(Ravenswood), obgleich weder Wald, noch Raben da zu finden ſind, um den Namen zu recht fertigen. Aber„Sonnenruhe“(Sunswick), womit ſich die Delafield und Gibbs der alten Zeit begnügten, und wo ihre ſchönen Landſitze ſtolz niederſchauten, war für den überreizten Geſchmack dieſer ſpäteren Tage nicht mehr zier⸗ lich genug, und ſo mußte„Wald“ die Stelle von Kirſch⸗ und Aepfelbäumen, und„Raben“ die von Seemöven ein⸗ nehmen, um die Leute zufrieden zu ſtellen. Dieß Alles hatte aber für Spike keine Bedeutung. Er erinnerte ſich der Küſte, wie ſie vor zwanzig Jahren geweſen, und er ſah, was ſie jetzt war; aber der Wechſel bekümmerte ihn wenig. Im Ganzen gab er den griechi⸗ ſchen Tempeln, über welche die Raben hätten wegfliegen müſſen, wären überhaupt Raben in dieſer Gegend geweſen, den Vorzug vor dem altmodiſchen, höchſt achtbaren Land⸗ ſitze, welcher einſt allein dieſe Stelle eingenommen hatte. Der Punkt jedoch, auf welchen er ſich verſtand, und über deſſen Werth er etwas zu ſagen wußte, lag eine kleine Strecke weiter nach vornen. Auch er hatte einen andern Namen erhalten. Hallet's⸗Bucht, wie die Seeleute es nannten, war in Aſtoria umgewandelt worden; nicht Aſto⸗ ria an der Mündung des Oregon, welches uns mit unſern „Vorfahren in England,“ für die ſich die würdigen, freien Bürger dieſes Landes immer noch anſehen, wenn man nach ihrer Sprache urtheilen darf, beinahe in Krieg verwickelt hätte. Dieſes Aſtoria iſt ein ganz anderer Ort, eines der von Blackwell — 44— 3 ken) S vielen vorſtädtiſchen Dörfer, welche rings um den Haupt⸗ werden ſtapelplatz des amerikaniſchen Handels wie Pilze in bekannt einer Nacht aufſchießen.. Sache. Dieſe Stelle kannte Spike vortrefflich, und es war obgleich ihm nicht möglich, an ihr vorüber zu gleiten, ohne Roſa*„ einen Theil ſeines Wiſſens mitzutheilen. dieſer 6 „Dort, Miß Roſa,“ ſagte er, indem er mit einer Art Man m lehrreicher Miene ſeinen kurzen, dicken Finger hob und auf die Wit die kleine Bucht deutete, die ſich eben ihrem Blicke öffnete;„9 8„dort liegt eine ſo niedliche Bucht, wie man nur eine für habe ein Fahrzeug wünſchen kann. Früher war ſie ein Haupt⸗ Munde verſteck, wenn man des Windes warten wollte, um durch zum erſ das Thor zu gehen; jetzt iſt die Bucht aber für meinen man w Geſchmack viel zu öffentlich und beſucht. Ich habe einen nicht, d ländlichen Geſchmack, wie ich Mulford oft ſage, und gehe. Stelle mit meiner Brigg gern in heimliche Verſtecke, wo ſie S ſchöne Wieſen ſieht und den Klee riecht. Ich lege nie an Beweiſe einem der überfüllten Plätze in der Nähe von Märkten Beſſeren oder irgendwo in jenen Theilen der Stadt an, denn ich delthor! bin ein Freund der Landluft. Dieß iſt Hallet's⸗Bucht, kann.( Miß Roſa, und ein hübſcher Ankerplatz wär' es für uns, und dieß wenn Wind und Fluth uns nicht eben begünſtigten, um ſen woll durch das Thor zu laufen.“ 3 „Sind wir in der Nähe des Thores, Capitän Spike 2“ 7S fragte Roſa, und das ſchöne Roth auf ihrer Wange verglühte tern unñd ein wenig in Folge der Beſorgniß⸗ welche dieſer furchtbare Strudelr Name in dem Herzen der Unerfahrenen wohl zu wecken Thor; d — pflegt. glaube i „R „Auf etwa eine halbe Meile. Es fängt gerade an dem andern Ende dieſer Inſel auf unſerer Backbord⸗(lin⸗ Haupt⸗ Pilze in es war )ne Roſa einer Art und auf e öffnete; eine für n Haupt⸗ um durch ir meinen abe einen und gehe „ wo ſie ge nie an Märkten denn ich t's⸗ Bucht, s für uns, igten, um n Spike?“ e verglühte furchtbare zu wecken gerade an bord⸗(lin⸗ 45 ken) Seite an, und in etwa einer zweiten halben Meile werden wir es hinter uns haben. Für den, der damit bekannt iſt, iſt das Höllenthor eben keine ſo furchtbare Sache. Ich ſelbſt nenne mich einen Höllenthor⸗Lootſen, obgleich ich keinen obrigkeitlichen Ausweis habe.“ „Ich wollte, Capitän Spike, ich könnte Euch lehren, dieſer Stelle ihren eigentlichen, feinen Namen zu geben. Man nennt ſie jetzt allgemein das Strudelthor,“ ſagte die Wittwe. „Nun, das iſt mir ganz neu,“ rief Spike.„Ich habe wohl gehört, daß einige Leute, die immer Brei im Munde zu haben ſcheinen, von einem Heulthor ſprachen; zum erſten Male aber höre ich es ein Strudelthor nennen; man wird es demnächſt Drehradthor heißen. Ich glaube nicht, daß mein alter Befehlshaber, Capitän Budd, die Stelle je anders genannt hat, als eben das Höllenthor.“ „So war es auch, ſo war es. auch, und alle meine Beweiſe und alle meine Beleſenheit konnten ihn keines Beſſeren belehren. Ich habe ihm bewieſen, daß es Stru⸗ delthor heißen müſſe, wie ſich ein Jeder leicht überzeugen kann. Es iſt eine Kette von Strudeln und Waſſerwirbeln, und dieß beweiſt, wie die Natur den Namen gegeben wiſ⸗ ſen wollte.“ „Sage mir aber, Tantchen,“ warf Roſa faſt ſchüch⸗ tern und wider Willen ein,„was hat das Thor mit Strudelu zu thun? Man nennt es, wie Ihr wißt, ein Thor; das Thor, das zu einer ſchlimmen Stelle führt, iſt, glaube ich, der Sinn.“ 5 „Roſa, Du erſchreckſt mich! Wie kannſt Du, ein 3——— ———— 1— —õ— — 2 — 45— junges Mädchen von neunzehn Jahren, Dich für einen ſo gemeinen Namen, wie Höllenthor, erklären?“ „Haltet Ihr ihn für ſo gemein, wie Heulthor, Tantchen? Mir kommt nichts gemeiner vor, als wenn man das Ungewöhnliche ſucht, oder, wie man zu ſagen pflegt, nach Mücken ſchnappt.“ „Ja,“ ſagte Spike empfindſam,„ich theile ganz und gar Miß Roſa's Anſicht, nach Mücken ſchnappen iſt eine ſehr ſchlechte Sitte. Ich habe einen Mann gekannt, der dieſe häßliche Gewohnheit hatte, und einſt wäre er beinahe daran erſtickt, obgleich es nur eine Fliege war; aber die Mücken ſind eben nichts, als kleine Fliegen, wie Ihr wißt, Miß Roſa. Ja, ich theile ganz Eure Anſicht, Miß Roſa,— es iſt gemein, nach Mücken oder Fliegen zu ſchnappen. Aber Ihr werdet weder Mücken noch Fliegen hier am Bord finden, nach welchen man ſchnappen kann, oder die Euch beläſtigen.— Die Hände auf, ihr Burſche, und geſorgt, daß Alles klar iſt, um durch das Höllenthor zu laufen. Laßt mich nicht ſehen, daß ihr nach irgend etwas ſchnappt, und wär' es ſelbſt nach den Floßen eines Wallfiſches. Die Leute blickten einander an, als ſie dieſe neue Ermahnung hörten, ließen aber ihr gewohntes„Im, jm, Herr!“ laut werden, während ſie ſich an ihre Schoten, Braſſen und Bulinien begaben. Für ſie hatte die Fahrt in irgend ein Höllenthor nichts abſonderlich Schreckendes, und mit dem vor ihnen waren ſie Alle zu vertraut, um ſich die geringſte Sorge deßhalb zu machen. Die Brigg ging nun raſch mit der Fluth voran und hatte d Minute S haben nach d Seema Aufſicht und Se 2,2 dort vo der Wi „B Mulford glas ga „S er das weniger die Sac „F „D iſt in de einen ſo Heulthor, ls wenn zu ſagen ile ganz appen iſt gekannt, wäre er ege war; gen, wie 2 Anſicht, kliegen zu h Fliegen pen kann, Burſche, Höllenthor ach irgend oßen eines dieſe neue „Im, jm, Schoten, die Fahrt hreckendes, traut, um voran und — 47— hatte das Ende von Blackwell erreicht; noch zwei bis drei Minuten, und ſie trat in das Thor ein. Spike war hinten, wo er Alles nach vornen im Auge haben konnte, und Mulford ſtand auf der Schanze, um nach den Oberbraſſen zu ſchauen. Ein alter, bewährter Seemann, der eine Art Hochbootsmann vorſtellte, hatte die Aufſicht über das Vordercaſtell, und ſorgte für Schoten und Segelleine. Man nannte ihn Rove. „Alles klar gemacht!“ rief Spike aus.—„Hört ihr, dort vornen? Ich will halb voll in das Thor treten, wenn der Wind uns günſtig iſt und die Fluth ſich ſtark genug erweiſt, um uns hinreichend windwärts zu treiben und klar durchzukommen,— bedenkt alſo eure—“ Der Capitän brach mitten in ſeiner Anſprache ab, und Mulford wendete den Kopf, um zu ſehen, was es gebe. Da ſtand Spike und richtete ſein Fernglas auf ein Boot, das raſch aus dem Nordkanale ſchoß, und mit der Schnelligkeit eines Pfeiles quer vor den Backen der Brigg in den Curs eintrat, der zum Thor führte. Er trat an des Capitäns Seite. „Blickt doch einmal hinüber auf dieſe Burſche, Herr Mulford!“ ſagte Spike, indem er ſeinem Maat das Fern⸗ glas gab. „Sie ſcheinen ſehr beeilt,“ verſetzte Harry, während er das Glas nach ſeinem Auge richtete,„und werden in weniger Zeit durch das Thor laufen, als man braucht, um die Sache zu erzählen.“ „Für wen haltet Ihr ſie, Herr?“ „Der kleine Mann, welcher ſich Hans Tier nannke, iſt in den Spiegelſchoten des Bootes,“ verſetzte Mulford. — 48— „„Und der Andere, für Wen haltet Ihr den Andern, Harry?“ „Er ſcheint mir derſelbe Burſche zu ſein, der uns anrief, um zu erfahren, ob wir einen Lootſen hätten. Ohne Zweifel beabſichtigt er, bei Ricker's Inſel an unſer Bord zu treten und das Lootſengeld von uns zu fordern, mögen wir ſeiner Dienſte bedürfen, oder nicht.“ „Der Blitz auf ihn und ſein Lootſengeld obendrein! Gebt mir das Glas.“ Er warf einen zweiten Blick auf das Boot, das jetzt faſt in rechten Winkeln an den Backen der Brigg vorbei⸗ ſchoß. „Ich brauche keinen ſolchen Lootfen an meinem Bord hier, Herr Mulford. Schaut noch einmal auf das Ding hier, Ihr könnt es noch auf der Backbordſeite ſehen.“ Mulford blickte noch einmal durch das Glas, und jetzt feſſelte er das Auge länger und forſchender auf das Boot, als früher. „Es iſt nicht leicht, das Glas auf ihm feſtzuhalten,“ bemerkte der junge Mann;„das Boot ſcheint wahrhaft zu fliegen.“ „Wir ſegeln zu nahe an den Eber⸗Rücken(Hog's⸗ Back), Capitän Spike,“ brüllte der Hochbootsmann von vornen. „Raſch herum, ſtark leewärts!“ rief Spike.„Laßt Allles vorne fliegen, helft der Brigg herum, Jungen, was Ihr könnt, und wartet nicht auf Befehle. Rührt euch, rührt euch!“ Es war hohe Zeit, daß die Mannſchaft Ernſt brauchte. Während Spike's Aufmerkſamkeit ſich dem Boote zugewendet hatte, w welche d Kraft de die Swo entgegen Da Brigg h zeitig ge Sp des Boo entgange Hochboot „H Der eine ſcht Augenbl mit dem ſich hob empor zu angeſchle 241— Andern, der uns n hätten. an unſer fordern, bbendrein! das jetzt gg vorbei⸗ nem Bord das Ding hen.“ und jetzt das Boot, zuhalten,“ wahrhaft n(Hog's⸗ mann von ke.„Laßt igen, was ührt euch, t brauchte. zugewendet — 49— hatte, war die Brigg in die ſtärkſte Strömung eingetreten, welche das Schiff raſch nach windwärts trieb, und ſo die Kraft des Windes verdreifachte. In dieſer Weiſe wurde die Swaſßh einer der gefährlichſten Stellen bei hoher Fluth entgegengetrieben. Da jedoch alle Hände ſich eifrig anſtrengten, kam die Brigg herum, und füllte die Segel auf der andern Seite zeitig genug, um von den Felſen klar zu kommen. Spike athmete wieder auf, aber ſein Kopf war noch des Bootes voll. Die Gefahr, welcher er eben als Scylla entgangen war, trat ihm als Charybdis entgegen. Der Hochbootsmann brüllte abermals: „Herum, Herr! Wendet!“ Der Befehl wurde gegeben, als das Schiff eben in eine ſchwere Welle zu ſtampfen begann. Im nächſten Augenblicke rollte ſie, bis das Waſſer an das Deck kam, mit dem Spiegel die Fluth niederwirbelte, und ihre Backen ſich hoben, als wäre ſie im Begriffe, aus dem Waſſer empor zu ſpringen. Die Swaſh hatte an dem Pot⸗Fels angeſchlagen. 241— 243. Zweites Kapitel. Wache: Wenn wir ihn als Dieb erkennen, ſollen wir nicht Hand an ihn legen? Dogberry: Gewiß müßt Ihr dieß vermöge Eures Amtes thun; ich denke aber, wer Pech angreift, beſchmutzt ſich; der friedlichſte Weg, den Ihr ein⸗ ſchlagen könnt, wenn Ihr den Dieb findet, iſt, daß Ihr ihn zeigen laßt, was er iſt, indem er ſich aus Eurer Geſellſchaft ſtieblt. „Viel Lärm um Nichts.“ Wir haben die Brigantine des Capitäns Spike in einer ſehr gefährlichen Lage und ihren Befehlshaber ſelbſt in großer Geiſtesverwirrung verlaſſen. Dieſer Unfall hätte ihn, den tüchtigen Seemann, nie getroffen, wäre das Boot mit deſſen Bemannung, von welcher der Eine ihn in große Unruhe zu verſetzen ſchien, ihm nicht ſo plötzlich vor das Auge getreten. Wie zu erwarten war, machte das Stranden an einer ſo gefahrvollen Stelle, wie der Pot⸗Fels im Höllenthor, einen großen Eindruck am Bord des Schiffes. Dieſer Eindruck bethätigte ſich auf mannigfache Weiſe, und dem Charakter, den Sitten und der angeborenen Seelenkraft jedes Einzelnen gemäß. Die Wittwe des Schiffsherrn faßte den großen Maſt und ſchrie ſo laut und anhaltend, daß der Eindruck ſich dadurch bis über das nahe, erblühende Dorf Aſtoria aus⸗ dehnte, wo mehrere der Anwohner des Waſſers ſie deutlich hörten. ſchrei; den We ſtürzung den Zei welchen Die ſtets etw noch St eine unte die wenn den, eir beſonders nur rollt Winde d und der zu glänze Wäͤt auf dieſe geweſen; zum Glü maßen le Vorderrer auf dem rundum; als es ſie erkennen, bn legen? vermöge enke aber, nutzt ſich; Ihr ein⸗ den Dieb eigen laßt, aus Eurer Nichts.“ Spike in ber ſelbſt all hätte has Boot in große vor das an einer llenthor, Dieſer und dem elenkraft en Maſt ruck ſich ria aus⸗ deutlich — 51— hörten. Biddy Noon hatte ihren Antheil bei dieſem Ge⸗ ſchrei; denn ſie hatte ſich auf das Deck geworfen, um von den Wellen nicht weggeſpült zu werden, vielleicht auch, um deſto bequemer ſchreien zu können; während Roſa Faſ⸗ ſung genug hatte, um zu ſchweigen; ihre Wangen aber waren ſehr blaß geworden. Man darf jedoch nicht ſtaunen, daß Frauen ihre Be⸗ ſtürzung auf dieſe Weiſe verriethen, wenn man die erregen⸗ den Zeichen der Gefahr in das Auge faſſen will, von welchen dieſe Leute umgeben waren. Die raſche Bewegung einer größern Waſſermaſſe hat ſtets etwas Ergreifendes. Geſellen ſich zu dieſer Bewegung noch Strudel und andere ähnliche Erſcheinungen, welche eine unterbrochene Strömung begleiten, hinzu, dann werden die wenigſtens, welche ſich auf dem Elemente ſelbſt befin⸗ den, einer mächtigen Erregung nicht entgehen. Dieß iſt beſonders der Fall bei dem Pot⸗Fels, wo das Waſſer nicht nur rollt und brüllt, als wenn es von einem mächtigen Winde aufgewühlt würde, ſondern wo es auch brandet, und der Schaum in der raſchen Folge der Wellen ſtromauf zu glänzen ſcheint. Wäre die Swaſh länger als ein oder zwei Minuten auf dieſem ſchrecklichen Lager geblieben, ſo wäre ſie verloren geweſen; ſie blieb aber nicht darauf. Der Pot⸗Fels liegt zum Glücke ſo tief, daß nicht leicht etwas von einiger⸗ maßen leichten Waſſertracht auf ihm ſitzen bleibt, und das Vorderreitknie der Brigantine hatte ſich gerade lange genug auf dem oberen Theile des Felſen feſtgeſetzt, um das Schiff rundum zu treiben, und der Stelle ſeinen Knix zu machen, als es ſich mit der nächſten Welle anch ſchon wieder hob, 4* und ſtromabwärts ſchoß, während es ſtampfte, als ging es vor einer Bö, und einen Augenblick ſich ganz ſelbſt über⸗ laſſen war. Nach vornen— oder richtiger ſpiegelwärts, denn die Brigg trieb mit dem Spiegel vorne ab— drohte eine neue Gefahr, und dieſe beſtand in einer Gegenſtrömung unter einer Felſenkette, welche eine Strecke in die Waſſer⸗ fläche hineinreicht, und wo Schiffe nicht ſelten an den Strand geworfen werden, nachdem ſie die mehr in das Auge fallenden und ſchreckenderen Gefahren aber hinter ſich haben. Indem Spike ſich dieſer Gefahr entzog und das Schiff wieder in ſeine Gewalt brachte, ließ er gewahren, was er in dringlichen Fällen dieſer Art konnte und vermochte. Die Raaen waren alle ſcharf empor, als der Unfall ſich begab; wie man das Auge plötzlich ſchließt, wenn es bedroht iſt, ſprang er an die Leebraſſen, faßte eigenhändig die Luvvorbraſſe und begann die Raaen einzuholen, indem er zugleich dem Manne an dem Steuerrade zurief: „An Backbord das Ruder!“ Einige Matroſen eilten herbei, ihm zu helfen, und in kürzerer Zeit, als wir zu dem Berichte brauchen, waren die Raaen nicht nur ins Vierkant gebraßt, ſondern auf der anderen Seite ein wenig höher geſtellt. Mulford war bei dem großen Segel thätig, und es gelang ihm, die Stenge in der rechten Richtung hinaus⸗ zubringen. Obgleich der Wind ſehr leicht war, füllte doch die Schnelligkeit der Abtrifft das Segeltuch, und die Swaſh, die auf ihrer Leeſeite mit der Geſchwindigkeit eines Pfeiles dahin ſchoß, fügte ſich jetzt wie ein ſcheu gewordenes Pferd, angeſte wieder wärts konnte. 33 ſobald des Se leute a währen wichtig Arztes den G 5 77 eiſerne 8 1r“ freudig . ſer, w zu ſan D dem 2 Mannf aufzubr 8 77 mit gr zu ſchr könnt Maſt und es s ging es elbſt über⸗ denn die rohte eine nſtrömung e Waſſer⸗ nan den r in das der hinter das Schiff n, was er vermochte. infall ſich wenn es genhändig en, indem 1, und in , waren dern auf und es hinaus⸗ illte doch Swaſh, 3 Pfeiles wordenes — 53— Pferd, das über das Unheil, welches es in ſeiner Tollheit angeſtellt, beunruhigt iſt, gehorſam dem Ruder und lief wieder in die rechte Strömung ein, wo ſie, der ſpiegel⸗ wärts drohenden Gefahr klar, wohlbehalten abtreiben konnte. „Seht nach den Pumpen!“ rief Spike Mulford zu, ſobald er wieder fattelfeſt ſaß. Harry ſprang inmitten des Schiffes, um zu gehorchen, und die Blicke aller See⸗ leute an Bord waren auf den jungen Mann gerichtet, während er inmitten einer grabähnlichen Stille ſeiner hoch⸗ wichtigen Pflicht nachkam. Es war wie das Fühlen des Arztes nach dem Pulſe ſeines Kranken, ehe er ſich über den Grad der Gefahr äußert. „Nun, Herr!“ rief Spike ungeduldig aus, als der eiſerne Stab ſich wieder zeigte. „Alles, wie es ſein ſoll, Herr!“ antwortete Harry freudig.—„Der Sod iſt faſt leer.“ „Laßt den Stab noch einmal ein und gebt dem Waſ⸗ ſer, wenn ſolches da iſt, Zeit, ſich inmitten des Schiffes zu ſammeln.“ 3 Der Maat beugte ſich wieder über die Pumpe, um dem Befehle nachzukommen, während Spike und ſeine Mannſchaft, die jetzt wieder freier athmeten, Muße hatten, aufzubraſſen und zu dem neuen Curſe hinten anzuholen. „Biddy,“ ſagte Miſtreß Budd während dieſer Pauſe mit großer Bedachtſamkeit,„Ihr braucht jetzt nicht mehr zu ſchreien. Die Gefahr ſcheint vorüber zu ſein, und Ihr könnt jetzt von dem Deck aufſtehen. Seht, ich habe den Maſt fahren laſſen. Die Pumpen ſind ſondirt worden, und es hat nichts von einem Leck verlautet.“ 5 —— — — — 54— Biddy that, als gehorſame, ehrerbietige Dienerin, wie ihr geboten worden, und ſchien ganz zufrieden, daß die Pumpen dicht befunden worden. Allerdings dauerte es noch eine geraume Weile, bis ſie ſich vollkommen ver⸗ gewiſſert hatte, ob ſie noch am Leben ſei oder nicht; als ſie jedoch dieſes Umſtandes einmal gewiß war, verlor ſich ihre Beſtürzung allgemach, und ſie wurde vernünftig. Mulford ſenkte den Stab wieder in die Pumpe und hatte denſelben erfreulichen Bericht zu geben. „Die Brigg iſt unverſehrt, Herr!“ „Um ſo beſſer,“ verſetzte Spike.—„Ich habe nie in meinem Leben einen ſolchen Wirbel in ihr gehabt, und ich glaubte, ſie wollte anhalten und die Nacht dort hinbrin⸗ gen. Gerade an jener Stelle ſcheiterte die Fregatte„der Huſſar.“ „Man hat mir davon erzählt, Herr. Sie war ebenſo waſſerträchtig, daß ſie gerade gegen den Fels lief und einen Plankenkopf abſtieß. Wir berührten bloß die Spitze mit unſerem Vorderreitknie und glitten ab.“ Dieß war die einfache Erklärung, wie die Swaſh entkam, und da ſich Alle jetzt verſichert hatten, daß kein Schaden angerichtet worden, nahmen die Dinge wieder ihren alten, regelmäßigen Gang. Was Spike betrifft, ſo trat demungeachtet ſeine Galanterie für einige Stunden in den Hintergrund, und er war ziemlich froh, als er ſeine drei Reiſegefährtinnen das Deck verlaſſen und hinab⸗ gehen ſah.— Miſtreß Budd fühlte ſich ſo angegriffen und betäubt, daß ſie Roſa ſagte, ſie wollte in die Kajüte gehen und einige Minuten auf dem Sopha ausruhen. Wir ſagen: 4 von de cher et iſt da auf de jenem Herr, wieder in Se ihr, Dienerin, eden, daß 3 dauerte imen ver⸗ nicht; als erlor ſich ftig. mpe und be nie in und ich hinbrin⸗ atte„der r ebenſo lief und 2 Spitze Swaſh daß kein wieder ifft, ſo Stunden als er hinab⸗ etäubt, n und ſagen: — 55— „Sopha,“ denn dieſes Möbel iſt jetzt auf Schiffen viel gewöhnlicher, als vor dreißig Jahren in den Wohnungen des Landes. „Dort, Mulford,“ murrte Spike und deutete vorwärts von der Brigg auf einen Gegenſtand auf dem Waſſer, wel⸗ cher etwa eine halbe Meile von ihnen voraus war,—„dort iſt das verwünſchte Boot, ſeht Ihr's? Mir wäre nichts auf der Welt angenehmer, als ihm zu entſchlüpfen. In jenem Boot iſt ein Burſche, der mir nicht gefällt.“ „Ich ſehe nicht ein, wie ſich dieß wohl machen ließe, Herr, wir müßten denn Anker werfen, mit der neuen Fluth wieder durch das Thor gehen und an Sandy⸗Hook vorbei in See laufen.“ „Dieß geht nicht an. Ich wünſche nicht, mit der Brigg vor der Stadt in Parade aufzuziehen. Ihr ſeht wohl, Herr Mulford, nichts iſt unſchuldiger und regel⸗ mäßiger, als die Molly Swaſh, wie Ihr ſelbſt wißt, da Ihr zwölf Monate darin gereiſt ſeid. Ihr werdet ihr dieſes Lob nicht verſagen, ich ſchwöre darauf.“ „Ich kenne nichts Bedenkliches oder Verdächtiges an ihr, Herr, und hoffe auch, nie etwas dieſer Art kennen zu lernen.“ „Nein, Herr, weder Ihr, noch irgend Jemand weiß etwas Schlimmes von ihr. Ein Kind an der Bruſt ſeiner Mutter kann nicht unſchuldiger ſein, als die Molly Swaſh; ihre gänzliche Unbeſcholtenheit wäre nicht in Frage zu ſtellen, wenn man nur die reine Wahrheit von ihr ſagte. Aber die Welt iſt jetzt der Lüge ſo ſehr anheim gefallen, daß einer der alten Heiligen, von denen wir in dem Buche — 56— der Bücher leſen, zum Beiſpiel Calvin oder John Rogers, mit Koth beſudelt würden, wenn ſie in unſeren Zeiten lebten. Dann muß auch, wie groß die wirkliche Unſchuld der Brigg immerhin ſein mag, zugegeben werden, Herr Mulford, daß ſie ein verzweifelt leichtfertiges Ausſehen hat.“ „Nun ja, Herr, ich geſtehe gern, ſie iſt, was wir Seeleute ein zweideutig ausſehendes Fahrzeug nennen. Aber mehrere Kreuzer des Oheims Sam haben auch ein ſolches Ausſehen.“ 3 „Ich weiß es, ich weiß es, Herr, und gebe ſelbſt gar nichts auf das Ausſehen. Die Leute täuſchen ſich ſehr oft in Betreff meines Ausſehens, das vielleicht nichts von dem Sanften und Weichherzigen derer hat, die ihr ganzes Leben auf dem feſten Lande hingebracht haben; aber meine Mutter pflegte zu ſagen: ich ſei einer der weichherzigſten Knaben, die ihr je vorgekommen, ſo zu ſagen, wie ein kleines Kind in den Wäldern. Die Men⸗ ſchen urtheilen aber zu gern nach dem Aeußern, ſo daß ich die Brigg nicht gern vor ihre Augen bringe. Sähe man uns nun in der untern Bai, um eines Windes oder der neuen Fluth zu warten, um damit in die offene See zu treten, ſo wäre Zehn gegen Eins zu wetten, daß einer oder der andere dieſer Philothropiker mit der Klage vor das Bezirksgericht träte, die Brigg ſehe wie ein Sela⸗ venſchiff aus, was zur Folge hätte, daß man uns Alle feſtnähme und als Seeräuber verurtheilte. ich halte meine Brigg gern an unbeſucht ſie dieſen Th ſie nun Phil „Nun, — Nein, nein, en Stellen, wo ropikern keinen Argwohn einflößt, mögen os oder etwas anderes ſein.“ Herr, wir ſtehen öſtlich von dem Thor und Alles iſ nichts ar „h gelaufen ſich haber etwas zu verdampft Ich wünſc Aber— fahr vorh bedeutende „Ihr welcher ſic „Nich ſo weit ic den ich als brauchte. Gutes noch erzählen, heran.“ Das Spike's vor ſeit mehr Joſh aufgef Seele zu ſe Punkt ſehr lange mit befand, und Der M „Höre, n Rogers, Alles iſt in dem beſten Stande. Jenes Boot kann uns en Zeiten nichts anhaben.“ Unſchuld„Ihr vergeßt den Zolldampfer, welcher vor uns aus⸗ 3 den, Herr gelaufen iſt. Jenes Schiff muß jetzt Sands'⸗Point hinter hen hat.“ ſich haben, und es könnte von den Burſchen in dem Boot was wir etwas zu unſerem Nachtheile hören und es ſich in ſeinen nennen. verdampften Kopf ſetzen, uns in die Stadt zurückzugeleiten. auch ein Ich wünſchte, wir hielten ſtark oſtwärts von dieſem Dampfer. Aber— das Klagen hilft zu nichts. Wenn wirklich Ge⸗ ebe ſelbſt fahr vorhanden iſt, ſo iſt ſte, Gott ſei Dank, noch eine ſich ſehr bedeutende Strecke nach vornen.“ ht nichts„Ihr habt doch nichts von dem Manne zu beſorgen, die ihr welcher ſich Hans Tier nennt, Capitän Spike?“ haben;„Nicht im Entfernteſten, Herr. Jener Burſche war,. ner der ſo weit ich mich erinnere, ein etwas unruhiger Geſelle, ſo zu den ich als eine Art Proviantmeiſters⸗Maat in der Kajüte f e Men⸗ brauchte. So weit mein Gedächtniß reicht, war weder ſo daß Gutes noch Schlimmes an ihm. Aber Joſh kann uns Alles 1 Sähe erzählen, was ſich auf ihn bezieht. Ruft mir nur Joſh es oder heran.“ ne See Das Beſte, was in der bekannten Geſchichte 3 einer Spike's vorkam, war die Thatſache, daß dieſer Schwarze 9 Klage ſeit mehr als zwanzig Jahren mit ihm reiſte. Wo er Sela⸗ Joſh aufgefunden hatte, wußte außer Joſh und ihm keine 1 s Alle Seele zu ſagen; und keiner von ihnen war über dieſen nein, Punkt ſehr mittheilſam. Gewiß aber war es, daß er ſo „ wo lange mit ihm reiſte, als er ſich an Bord der Swaſh nögen befand, und dieß war bereits vor Mulford's Geburtsjahr. Der Maat hatte Joſh bald herangerufen. und „Höre, Joſh,“ fragte Spike,„erinnerſt Du Dich 58 vielleicht eines Matroſen an Bord hier, der Hans Tier hieß?“ 4 „Gott ſegnen Euch, ja, Herr; erinnern ihn ſo gut, wie die Erbſenſuppe, die angebrannt ſein, und die Ihr ihm über den Kopf werfen, um ihn eine Strafe zu geben.“ „Ich habe das dem und jenem leichtfertigen Geſellen ſo oft thun müſſen, daß dieſer Umſtand mir den Mann nicht vor das Gedächtniß ruft. Ich erinnere mich ſeiner— aber nicht ſo klar, wie ich es wünſchte. Wie lange iſt er mit uns zur See geweſen?“ „Mehrere Reiſen, Herr, und ſein an Küſte gelaſſen worden auf dem feſten Land in einer Nacht, wo wir in aller Eile haben abtreiben müſſen. Ja, mich kleines Hans erinnern, mich ganz gut erinnern.“ „Haſt Du den Mann geſehen, der uns von dem Werfte her anſprach, und wegen eben dieſes Hans Tier's praiete?“ „Ich haben einen Mann geſehen, der wun'ervoll wie Hans Tier gleich gebaut waren, aber die Unterhaltung ich nicht hören, denn ich haben eben mit den Damen zu thun gehabt. Aber Hans waren ungemein kurz gebaut in ſeinen Unterplanken, und hatten keine Kiellänge, gar nicht. Sein Hauptbalken war überdieß wun'ervoll für ſeine Länge, was man heißen gebaut wie eine Jolle oder Schluppe, und war nur gut vor einem Wind, Herr.“ „War er an Bord des Schiffes zu etwas zu brauchen, Joſh? Iſt's wohl der Mühe werth, deßhalb anzuholen, wenn er wieder an Bord zu kommen wuünſchen ſollte?“ „Nun, Herr, ich nicht viel für ihn ſagen können in dieſem Betreff. Hans waren in Kajüte zu brauchen und Hauptbu Ihr ſeh Stampfe bringen ſtehen wi waren re Spil von einen in einem gefaßt: „Ah, eine braue gerade ein einen alte. Leute an Tier von vornen zu ihn an Bo ſo darf er nicht an 9 ich nicht Ge daß er mic Forts vor 2 ihm vorbei der meiſten? es, wenn ſic verſuchen, mehr Grund, rungsſchiff zu eines ſolchen 59— . 4 Hauptburſche, Suppe aus der Hauptküche hinter zu tragen. Hans Tier 1 Ihr ſehen, Herr, er waren ſo klein getakelt, daß das . t Stampfen und Lemmern der Brigg ihn nicht haben weg⸗ ihn ſ Ln, bringen können von ſeinen Stehhölzern, und er aufrecht inb bie Ihr ſtehen wie Kirche in ſchwerſten Wetter. Ja, Herr, Hans zu aeben. waren recht gut für das.“ gen Geſellen Spike dachte einen Augenblick nach, ließ den Tabak men ean von einem Backen in den a ndern rollen, und ſagte dann in„ 3 16 lange iſt er ianen Tone, als hätte er ſofort ſeinen Entſchluß 6 . elaffen„ Ah, ah, ich durchſchaue den Geſellen jetzt. Er wird äſte g eine brauchbare Kammerzofe abgeben, und wir brauchen fo wit in gerade einen ſolchen Burſchen. Es iſt beſſer, man hat leines Hans einen alten Bekannten an Bord, als daß man fremde Leute an der Küſte auflieſt. Wenn demnach dieſer Hans von ben 3 Tier von irgend einer der Inſeln oder Landſpitzen nach Dané Kierie vornen zu uns herankommen ſollte, ſo holt an, und laßt . ihn an Bord, Herr Mulford. Was den Dampfer betrifft, 3 f ſerpoll tzi⸗ ſo darf er lediglich hinaus in die Bai gehen, wo es ihm i haltung ſch nicht an Raum fehlt, und es würde ſeltſam ſein, wenn 4 den 3 thun ich nicht Gelegenheit fände, nach oſtwärts abzuhalten, ohne jt 1n ſeinen daß er mich prait. Wenn er aber auf dieſer Seite des nicht. Fei Forts vor Anker ginge, würde ich es nicht verſuchen, an Länge, was ihm vorbei zu gehen. Ich weiß recht gut, daß innſeit 39 luppe, un der meiſten Inſeln tiefes Waſſer genug iſt, und wir wollen— t brauchen, f es, wenn ſich kein anderer Ausweg zeigt, auf dieſe Weiſe 3 holen verſuchen, und ihm eine Naſe drehen. Ich habe nicht che2s mehr Grund, als irgend ein anderes Fahrzeug, ein Regie⸗ lenee in rungsſchiff zu fürchten; allein, ich geſtehe, daß der Anblick nutſen und eines ſolchen mich unbehaglich ſtimmt; das iſt Alles.“ Mulford zuckte die Achſeln und ſchwieg, denn er bemerkte wohl, daß ſein Befehlshaber nicht geneigt war, den Gegenſtand weiter zu verfolgen. Die Brigg war mittlerweile aus dem Bereiche der Felſenkette gekommen, und begann allmählich einen ſtär⸗ keren Wind zu fühlen, welcher die weite Oeffnung der Fluſpingbai niederkam. Da die Fluth ihr noch immer zu Statten kam, und ſie ſich mit einer Geſchwindigkeit von vier bis fünf Knoten bewegte, konnte man ſich der Hoff⸗ nung hingeben, Whiteſtone zu erreichen, wo Ebbe und Fluth ſich begegnen, und wo man nothwendig vor Anker gehen mußte, wenn der Wind, der ſich jetzt ſüdoſtwärts wendete, nicht mehr nach ſüdwärts umſchlagen ſollte. Alles dieß beſprachen Spike und ſein Maat, während die Mannſchaft die Decken klar machte und die Vorberei⸗ tungen traf, welche an Bord eines Schiffes getroffen wer⸗ den, ehe es in rauhes Waſſeer tritt. Indeſſen hatte man ſich allſeitig vergewiſſert, daß die Brigg durch den Knix von dem Pot⸗Fels keinen Schaden gelitten hatte, und jede Spur von Unbehaglichkeit, welche darin ihren Grund haben konnte, war verſchwunden. Spike hörte jedoch nicht auf, auf das Boot und„den lootſenähnlichen Burſchen in demſelben“ anzuſpielen. Als ſie an Riker's Inſel vorbeikamen, erwarteten alle Matro⸗ ſen, ein Boot würde mit einem Lootſen abſtoßen, oder man würde Lootſengeld fordern; es kam jedoch keines, und die Molly Swaſßh ſchien jetzt aller augenblicklich drohenden Gefahren ledig, wenn dergleichen nicht noch von dem Finanzdampfer zu gewärtigen ſtanden. Ihre Eile wurde jedoch gehemmt, denn der Wind erhob ſich als eine ſtark ——— blaſende Wege n machen. „Das Budd ſel Minuten, Deck gek Zeit oft darin. 1 Reiſe vo lavirt, u aſſecuranz „Ja, dieß beſtät Büreaux Man kann ſtünden 2 ältlich iſt gebaut wi Klaſſe au ment! In höher!“ „Ja, mich zu ne hieß ich, Capitän S lavirt?“ „Ich Miſtreß B umher ſcha denn er neigt war, ereiche der einen ſtär⸗ ffnung der immer zu digkeit von der Hoff⸗ Ebbe und vor Anker füdoſtwärts ollte. , während Vorberei⸗ roffen wer⸗ ct, daß die en Schaden eit, welche nden. und„den ielen. Als lle Matro⸗ oßen, oder keines, und drohenden von dem Eile wurde eine ſtark —,— 4 — 61— blaſende Kühlte aus Südoſten, und zwang ſie, auf ihrem Wege nach Whiteſtone„lange und kurze Beine“ zu machen. „Das heißt man laviren, liebe Roſy,“ ſagte Miſtreß Budd ſelbſtgefällig, denn ſie war mit ihrer Nichte wenige Minuten, nachdem dieſer Wechſel eingetreten war, auf das Deck gekommen.„Dein ehrenwerther Oheim hat ſeiner Zeit oft ſolche Verſuche gemacht, und war ſtets glücklich darin. Ich habe ihn erzählen hören, er habe auf einer Reiſe von Liverpool nach Neu⸗York volle vierzehn Tage lavirt, und alle Welt⸗ habe in den Büreaur der Schiffs⸗ aſſecuranzen davon, wie von einer Wunderthat, geſprochen.“ „Ja, ja, Madame Budd,“ fiel Spike ein,„ich kann dieß beſtätigen. Dieſes Volk in und um dieſe Aſſecuranz⸗ Büreauxr in Wall⸗Street ſind verzweifelte Schwätzer. Man kann nicht wortreicher ſein, und ſie glauben, ſie ver⸗ ſtünden Alles. Weil nun dieſe Brigg hier ein wenig ältlich iſt, und während des letzten Krieges als Kreuzer gebaut wurde, wollen ſie ſie nicht einmal in die vierte Klaſſe aufnehmen. Ich mache den Herren mein Compli⸗ ment! In Litera C wollten ſie ſie aufnehmen, nicht höher!“ „Ja, Litera C, gerade ſo pflegte Dein lieber Oheim mich zu nennen, Roſy; ſeine liebliche Litera C oder Betſy hieß ich, wenn er in ſeiner verliebten Laune war.— Capitän Spike, habt Ihr jemals auf einer Eurer Reiſen lavirt?“ „Ich könnte nicht ſagen, daß mir dieß begegnet wäre, Miſtreß Budd,“ antwortete Spike, indem er unwirſch umher ſchaute, um ſich zu vergewiſſern, daß Niemand ſo — — 2— verwegen ſei, über den Mißgriff ſeiner Reiſegefährtin zu lächeln,„beſonders auf einer ſo langen Reiſe, wie die von Neu⸗York nach Liverpool.“ „Nun, Dein Oheim, Roſy, pflegte ſich wegen des Vierens und Lavirens der Roſe in Blüthe ſehr zu rüh⸗ men. Sie griff Alles an,*) was ihr in den Weg kam, mochte es ſein, was es wollte; und was das Vieren betrifft, ſo glaube ich, er ſagte mir einſt, ſie könne um Alles vieren, wie es ihr in den Kopf käme, gerade wie ein menſchliches Weſen.“ Roſa war nicht ganz in dem Geheimniſſe, blickte aber doch ziemlich verlegen drein, als fühle ſte, daß nicht Alles ſei, wie es ſein ſollte. „Ich erinnere mich meines ganzen Unterrichts in der Seefahrerkunſt,“ fuhr die argwohnloſe Wittwe fort,„als wenn ich ihn geſtern erſt bekommen hätte. Laviren und Schiffe angreifen ſind, nach den Worten des guten Herrn Budd, ſehr ſchöne Bewegungen, und nehmen, beſonders bei ſchwerem Wetter, die ganze Taktik des Seemanns in Anſpruch. Weißt Du wohl, liebe Roſy, daß die Seeleute das Wetter wägen, und wiſſen, wann es leicht und wann es ſchwer iſt.“ „Ich habe es nicht gewußt und begreife auch nicht, wie ſie es beginnen.“ „O, mein Kind, wenn Du einmal eine Woche zur See biſt, wirſt Du ſo viel Neues gehört und gelernt haben, und ſo viele neue Ideen bekommen, an die Du vorher nie gedacht *) Im Original:„tack“ und„attack,“ wenden und angreifen, Der Ueberſetzer. haſt, daß 3 Mein Ca⸗ Thermome zu wägen, „Heute ſch wie es ſich mächtig zu „Miſte Inſtrument Mulford ſe Roſa zu. Obgle geringſte ve ſtets ziemlic ſich bei dieſ griff der alt „Nun, denn ich we die Tante m drant oder ſind eben In und dann w die Sonne ein Inſtrum Wetter wäge Sterne und den Himmels hundertmal See iſt aber, hören, wenn efährtin zu vie die von wegen des hr zu rüh⸗ Weg kam, das Vieren könne um gerade wie blickte aber nicht Alles ichts in der fort,„als aviren und zuten Herrn beſonders eemanns in die Seeleute und wann auch nicht, che zur See haben, und nie gedacht nd angreifen, berſetzer. haſt, daß Du gar nicht mehr daſſelbe Weſen zu ſein glaubſt. Mein Capitän hatte ein Inſtrument, welches er einen Thermometer nannte, und mit dieſem pflegte er das Wetter zu wägen, und dann ſchrieb er es in das Logbuch ein: „Heute ſchweres Wetter, oder morgen leichtes Wetter,“ wie es ſich eben fügte, und dieß kam ihm auf ſeinen Reiſen mächtig zu ſtatten. „Miſtreß Budd hat ſich bloß in dem Namen des Inſtrumentes geirrt; ſte wollte„Barometer“ ſagen!“ warf Mulford ſehr gelegen ein. Roſa warf ihm einen dankbaren und erheiterten Blick zu. Obgleich ſie ſelbſt von allen dieſen Dingen nicht das geringſte verſtand, kam ihr doch all das Wiſſen ihrer Tante ſtets ziemlich verdächtig vor. Es war ihr daher angenehm, ſich bei dieſer Gelegenheit zu vergewiſſern, daß der Miß⸗ griff der alten Dame nur ein ſehr unbedeutender war. „Nun, es iſt möglich, daß es der Barometer war; denn ich weiß, daß er beide Inſtrumente hatte,“ begann die Tante wieder.„Barometer oder Thermometer, Qua⸗ drant oder Sextant,— der Unterſchied iſt nicht groß. Es ſind eben Inſtrumente, und bisweilen brauchte er das eine und dann wieder das andere. Die Seeleute nehmen auch die Sonne an Bord auf, und dazu haben ſie gleichfalls ein Inſtrument, wie ſie eines haben, mit dem ſie das Wetter wägen. Manchmal nehmen ſie an Bord auch die Sterne und den Mond auf, und„füllen ihre Schiffe mit den Himmelskörpern,“ wie ich meinen geliebten Gatten hundertmal habe ſagen hören. Das Merkwürdigſte zur See iſt aber, wie ich von allen Seeleuten habe erzählen hören, wenn man die Linie paſſirt, und ich hoffe, liebe — 64— Roſy, wir werden die Linie paſſiren, und Du und ich wer⸗ den ſie ſehen.“ „Was iſt die Linie, Tantchen, und wie paſſiren ſie die Schiffe?“ „Die Linie, meine Liebe, iſt ein Platz in dem Meere, wo die Erde in zwei Theile getheilt iſt; den einen Theil heißt man den Nordpol und den andern Theil den Süd⸗ pol. Neptun wohnt in der Nähe dieſer Linie, und läßt kein Schiff aus einem Pol in den andern übergehen, ohne daß er es beſucht. Nie, nie! Er würde es ſich ebenſo leicht in den Kopf kommen laſſen, auf trocknem Lande zu leben, als daran denken, auch nur ein Canvoe vorüber zu laſſen, ohne daß er es beſucht.“ „Glaubt Ihr, Tantchen, es gebe wirklich ein ſolches Weſen, wie Neptun?“ „Allerdings glaube ich dieß; er iſt König über die See. Warum ſollt' es keinen ſolchen geben? Die See muß ſo gut einen König haben, wie das Land.“ „Die See muß eine Republik ſein, wie unſer Land hier, Tantchen, und dann iſt kein König nöthig. Ich habe ſtets geglaubt, Neptun ſei ein Geſchöpf der Phantaſte.“ „O, das iſt unmöglich,— die See iſt keine Republik; es gibt überhaupt nur zwei Republiken— Amerika und Texas. Ich habe die See allerdings eine Heerſtraße nennen hören.„Die Heerſtraße der Nation,“ hat man es, glaube ich, genannt; und dieß muß etwas Eigenthümliches bedeuten. Aber mein guter Herr Budd ſagte mir immer Neptun ſei der König der Meere, und er war ſtets ſo zuverläſſig, man konnte auf jedes Wort, das er ſagte, ſchwören. Nun, ſeinen letzten Hund, einen Neufoundländer, nannte er daß dein eines Phar laviren kon Mond und Kind, phan Leute von und Blut.“ Selbſt man weiß! ein alter S Focktopmaſte der einen H der andern unerſchütterl „Der F legt, Capitä „Woher mit einer R Miſtreß But Augenblick v „Ich w Bramſegelrac blöcken zu ſel ich über das Rauch ausbli den Sahlinge unter nackten lag, war er 241— 243. ind ich wer⸗ paſſiren ſie dem Meere, einen Theil il den Süd⸗ e, und läßt rgehen, ohne ebenſo leicht ade zu leben, er zu laſſen, h ein ſolches nig über die 2 Die See n.“ unſer Land ig. Ich habe hantaſte.“ eine Republik; Amerika und ſtraße nennen at man es, genthümliches mir immer war ſtets ſo das er ſagte, ufoundländer, nannte er Neptun, und du denkſt dir wohl, liebe Roſy, daß dein theurer Oheim ſeinem Hunde nicht den Namen eines Phantaſteweſens gegeben hätte,— er, ein Mann, der laviren konnte, und Schiffe angriff, und die Sonne, den Mond und die Sterne an Bord aufnahm. Nein, nein, Kind, phantaſtiſche Leute mögen phantaſtiſche Weſen ſehen; Leute von Fleiſch und Blut aber ſehen Weſen von Fleiſch und Blut.“ Selbſt Spike war durch dieſe Worte wie betäubt, und man weiß nicht, was er vielleicht geſagt hätte, wäre nicht ein alter Seebär, der eben von den Dwarsſahlingen des Focktopmaſtes herabſtieg, nach hinten gekommen, um, mit der einen Hand ſeine Pumphoſen in die Höhe ziehend, mit der andern an den Hut greifend, ſeinem Befehlshaber mit unerſchütterlichem Gleichmuth eine Meldung zu thun. „Der Finanz⸗Dampfer hat eben unter dem Fort ange⸗ legt, Capitän Spike!“ „Woher wißt Ihr das, Wilhelm?“ fragte der Capitän mit einer Raſchheit, welche darthat, wie ganz und gar Miſtreß Budd und alle ihre Abgeſchmacktheiten für den Augenblick vergeſſen waren. „Ich war vor einer Minute droben auf der Fock⸗ Bramſegelraa, Herr, um nach einem Riemen in den Fall⸗ blöcken zu ſehen, der ausgebeſſert werden mußte, und als ich über das Land hin blickte, ſah ich, wie der Dampfer Rauch ausblies und ſein Tuch einnahm. Ehe ich aus den Sahlingen ſtieg, ſtand er, die Naſe nach dem Wind, unter nackten Maſten, und wenn er noch nicht vor Anker lag, war er im Begriff, dieß zu thun. Ich weiß gewiß, 241— 243. 5 9— — 66— daß er es war, Herr, und daß er im Begriffe war, beizu⸗ legen.“ Spike ließ, wie er zu thun pflegte, ein langes, leiſes Pfeifen hören, und verließ dann die Frauen, als bedürfe er freien, Raumes, um ſeinen Gedanken Gehör zu geben. Eine halbe Minute ſpäter hörte man ihn rufen: „Helft die Segel bergen, Kinder! Bemannt die Fock⸗ geitaue, fliegenden Klüver niedergeholt, Bramſegel herab, nieder damit! Alles herab, Jungen, die Hände gerührt und nieder mit all dem!“ Ein Befehl am Bord eines Schiffes, der ſich in irgend einer Weiſe auf das Segelwerk bezieht, nimmt ſogleich die Aufmerkſamkeit aller derer in Anſpruch, die den Dienſt dabei haben, und jedes Geſpräch verſtummte, während die Swaſh ihre Segel barg. Auch begriff Jeder leicht, daß Zeit gewonnen und die Brigg gehindert werden ſollte,„Throg’s⸗Neck“ eher zu erreichen, als es wünſchenswerth war. „Haltet die Brigg vom Lande ab!“ rief Spike,„und laßt ſie langſam umbiegen; wir haben zu viel zu thun, um ſie gerade jetzt gegeu den Wind zu wenden.“ Der Mann an dem Steuerrade wußte recht gut, was er zu thun hatte; er ließ das Schiff mehr mit dem Winde gehen, ſtatt es gegen ihn laufen zu laſſen, wie er ohne dieſen Befehl gethan haben würde. Da dieſer Wechſel die Brigg vor den Wind brachte, und Spike nicht ſehr beeilt war, auf der andern Seite zu wenden, lief die Swaſßh bald eine volle Meile auf dem Curs zurück, den ſie gemacht hatte, wodurch ſie um dieſelbe Entferuung von dem Neck zurücktrat. Wir Mannſche ſehen kon aber bald zu bringer Ein was nur Swaſh en „Hat fragte der „Ein Ihr viellei „Neit auf ſeinen Stimme t zuſammen, ſtreckten die Burſchen“ der Schone Kaum res Schiff, herankam. „Hat dem Pot⸗S „Ja, j bekommen.“ Damit fallendes da durch das 2 geberdete. e war, beizu⸗ langes, leiſes als bedürfe er zu geben. n rufen: unt die Fock⸗ mſegel herab, e gerührt und ſich in irgend at ſogleich die ie den Dienſt „während die onnen und die teck“ eher zu Spike,„und viel zu thun, en.“⸗ echt gut, was it dem Winde wie er ohne dieſer Wechſel ike nicht ſehr nden, lief die 3 zurück, den ntferuung von 67— Wir ſind nicht im Stande, zu berichten, was die Mannſchaft der verſchiedenen Fahrzeuge, welche die Brigg ſehen konnten, von all dieſem Gehaben dachte, es bot ſich aber bald eine Gelegenheit dar, ſie auf eine falſche Spur zu bringen. Ein großer Küſtenſchoner, der Alles beigeſetzt hatte, was nur Wind faſſen konnte, lief unter dem Spiegel der Swaſßh entlang, und praiete. „Hat ſich etwas an Bord der Brigg begeben?“ fragte der Schiffsmeiſter. „Ein Mann über Bord!“ antwortete Spike,„habt Ihr vielleicht ſeinen Hut geſehen, wie?“ „Nein, nein!“ praiete es zurück, als der Schoner auf ſeinem Curs nach außen eben aus dem Bereiche der Stimme trat. Die Mannſchaft an ſeinem Bord lief zuſammen, einige Matroſen ſtiegen an der Takelage empor, ſtreckten die Köpfe hinaus und ſchauten nach dem„armen Burſchen“ um, wurden aber bald wieder herabgerufen, da der Schoner vieren mußte. Kaum waren fünf Minuten vergangen, als ein ande⸗ res Schiff, eine lange Küſtenſchluppe, auf Praiweite herankam. „Hat die Brigg auf ihrem Wege durch das Thor an dem Pot⸗Fels geſtrandet?“ fragte ihr Capitän. „Ja, ja, und einen verteufelten Leck hat ſie obendrein bekommen.“ Damit begnügte er ſich, denn es war gar nichts Auf⸗ fallendes dabei, daß ein Schiff, welches auf ſeiner Fahrt durch das Thor an dem Pot⸗Fels geſtrandet, ſich ſeltſam geberdete. 5* —— —õ—— — 68— „Ich glaube, wir können, auf die Wirkung dieſer Ausſagen bauend, unſer großes Segel einnehmen, Herr Mulford,“ ſagte Spike.„Man kann es nicht für etwas Ungewöhnliches halten, daß ein Schiff ſeine Segel birgt, wenn es einen Mann über Bord hat, und wenn es an dem Pot⸗Fels ſtrandete. Ich wundere mich, daß mir nicht all dieß ſchon früher einſtel.“ „Hier iſt ein Boot, Herr, das bei uns anzulegen verſucht,“ rief der Hochbootsmann. „In die Hölle mit dem Boot, ich brauche kein Boot hier.“ „Der Mann, welcher ſich Hans Tier nennt, iſt darin, Capitän Spike.“ „Der Teufel iſt er?“ rief Spike und war faſt mit einem Satze auf der andern Seite des Deckes, um ſelbſt einen Ausguck zu nehmen. Zu ſeinem unbeſchreiblichen Vergnügen bemerkte er, daß ſich Niemand in dem Boote befand als Tier und ein Neger, welcher das Nuder führte, und daß dieſes Boot ein ganz anderes war als jenes, das wie ein Pfeil, der von ſeinem Bogen abgeſchoſſen worden, durch das Höllen⸗ thor flog. „Das ⸗Schiff nah' an den Wind, ihr Jungen! Top⸗ ſegel gewiegt!“ rief Spike.—„Gebt ein Tau her, um es dem Boote zuzuwerfen.“ Dieſe Befehle wurden vollzogen, und Hans Tier war bald auf dem Deck der Swaſh. Das Boot und der Neger aber wurden abtriftig, ſobald dieſer ſeinen Lohn erhalten hatte. Die ligen Pr Beide bli wollten, habe. N hartes, reo ausgedrüc im beſten ſchien wir wirklich ei als thue e „Ihr Tier,— laſſenden, dem alten Blatt aus Ihr dieſe es Euch er ford. Wir erreichen, n Tier t kein großes keine der k überſpringer wachſene 2 zwiſchen der Das 2 gendes hina Tier w Matroſen zu kung dieſer men, Herr für etwas Segel birgt, enn es an äß mir nicht anzulegen 2 kein Boot :—, iſt darin, ar faſt mit um ſelbſt bemerkte er, ier und ein dieſes Boot 1 Pfeil, der das Höllen⸗ ngen! Top⸗ au her, um ns Tier war ad der Neger ohn erhalten Die Begegnung Capitän Spike's und ſeines ehema⸗ ligen Proviantmeiſter⸗Maats war nicht ohne Intereſſe. Beide blickten einander ſcharf an, als wenn ſie erforſchen wollten, welche Veränderungen die Zeit zur Folge gehabt habe. Wir könnten nicht behaupten, Spike's ſcharfes, hartes, rothes, ſelbſtſüchtiges Geſicht habe eben viel Gefühl ausgedrückt; bei Hans Tier war dieß anders. Dieſer, im beſten Falle ein aufgedunſener, wäſſeriger Burſche, ſchien wirklich ein wenig gerührt und wiſchte ſich entweder wirklich eine Thräne von der Wange, oder ſtellte ſich doch, als thue er dieß. „Ihr ſeid alſo mein ehemaliger Schiffsgenoſſe, Hans Tier,— iſt's nicht ſo?“ rief Spike in einem halb herab⸗ laſſenden, halb zögernden Tone,„und Ihr wollt es mit dem alten Schiffe noch einmal verſuchen? Theilt uns ein Blatt aus Euerm Tagbuche mit und laßt mich hören, wo Ihr dieſe vielen, vielen Jahre hingebracht habt und wie es Euch ergangen iſt. Haltet die Brigg weg, Herr Mul⸗ ford. Wir ſind eben nicht ſehr beeilt, Throg'’s⸗Neck zu erreichen, wie Ihr wohl wiſſen werdet, Herr.“ Tier theilte ſeine Geſchichte mit, welche für den Leſer kein großes Intereſſe haben dürfte. Seine Erzählung war keine der klarſten, und ſie wurde mit einer knarrenden, überſpringenden Stimme hervorgebracht, wie kleine, ver⸗ wachſene Burſche ſie zu haben pflegen,— Töne, die zwiſchen denen des Mannes und des Kindes liegen. Das Weſentliche der ganzen Geſchichte lief auf fol⸗ gendes hinaus; Tier war an der Küſte zurückgelaſſen worden, wie es Matroſen zuweilen begegnet, und mußte alſo, wie es nicht —— —— anders möglich war, für ſich ſelbſt ſorgen. Nachdem er einige vergebliche Verſuche gemacht hatte, wieder an Bord ſeiner Brigg zu kommen, hatte er bald in dem, bald in jenem Schiffe Dienſt genommen, bis er ſich zufällig zu derſelben Zeit mit der Swaſh in dem Hafen von Neu⸗ York fand. Er fühlte, daß es kein Glück mehr auf der Welt für ihn gäbe, wenn er nicht wieder an Bord der alten Hexe gelangen könne, und war auf das Werft geeilt, wo die Swaſßh, wie er gehört hatte, vor Anker lag. Als er ſie zu Geſicht bekam, ſah er, daß ſie eben abtriftig geworden; er warf ſeinen Kleiderſack nieder und eilte auf die Stelle des Werftes, wo das von uns erwähnte Zwie⸗ geſpräch ſtattfand. „Der Herr auf dem Werfte war im Begriffe, ein Boot zu nehmen und durch das Höllenthor zu ſegeln,“ ſchloß Tier,„und ſo bat ich ihn um einen Platz in dem Boote. Er war gutmüthig genug, zu warten, bis ich meinen Bündel geholt hatte, und ſobald die Bootsleute ihren Grog zu ſich genommen, ſtießen wir ab. Die Molly lief eben an Blackwell heraus, als wir das Werft ver⸗ ließen, und da wir vier gute Ruder und den kürzeſten Weg hatten, liefen wir gerade vor Euerm Backen her in das Thor. O mein Auge, welch' ein Wagniß, in einem Boote und bei einer ſo ſtarken Strömung durch eine ſolche Stelle zu fahren! Der Herr, der die Brigg im Auge hatte, wie eine Katze die Maus, ſagte, ihr wäret an dem Pot⸗Fels geſtrandet,— ich aber ſagte„nein!“ denn die Molly Swaſh iſt nie weder auf einen Felſen, noch auf eine Sandbank gelaufen, ſo lange ich an ihrem Bord war.“ „Und iſt aus ihm „An d dort einen würde mich bin ich hie es gekoſtet, Bei di wiſchte ſich Zweifel reit gekannt hät für eine trit Dieſe 1 ziemlich öff Spike winkt kommen, wo konnte. „Was wie Ihr ihn „Er li zu ſein.“ „Wiſſet „Keine ganzen Leben Geſchäft oder „Habt geſehen?“ „Ich ha weiß auch ni „Welche Nachdem er er an Bord m, bald in zufällig zu von Neu⸗ ehr auf der u Bord der Verft geeilt, r lag. Als en abtriftig nd eilte auf ähnte Zwie⸗ hegriffe, ein zu ſegeln,“ Blatz in dem en, bis ich e Bootsleute Die Molly Werft ver⸗ den kürzeſten acken her in ß, in einem h eine ſolche gg im Auge äret an dem 1““ denn die n, noch auf ihrem Bord 71 „Und wo habt Ihr jenen Herrn verlaſſen, und was iſt aus ihm geworden?“ fragte Spike. „An der Landſpitze drüben ſetzte er mich aus, da ich dort einen Neger mit ſeinem Boote ſah und dachte, dieſer würde mich gern für eine Kleinigkeit herüber rudern. So bin ich hierher gekommen, und manchen Ruderſchlag hat es gekoſtet, Herr.“ Bei dieſen Worten nahm Hans ſeinen Hut ab und wiſchte ſich die Stirne mit einem Sacktuche, welches ohne Zweifel reiner geweſen wäre, wenn es je beſſere Tage gekannt hätte. Darauf blickte er mit einer Miene, die faſt für eine triumphirende gelten konnte, rings um ſich her. Dieſe Unterhaltung hatte an der Fallreepstreppe, einem ziemlich öffentlichen Theile des Schiffes Statt gefunden. Spike winkte jetzt dem neuen Ankömmling, nach hinten zu kommen, wo er ihn, ohne gehört zu werden, weiter fragen konnte... „Was iſt aus dem Herrn in dem Boot geworden, wie Ihr ihn genannt habt?“ fragte Spike. „Er ließ ſich weiter rudern und ſchien ſehr beeilt zu ſein.“ „Wiſſet Ihr, wer er iſt? „Keine Sylbe,„Herr; ich habe den Mann in meinem ganzen Leben nicht geſehen, und er ſprach nicht von ſeinem Geſchäft oder Vorhaben.“ „Habt Ihr etwas wie ein ſilbernes Ruder bei ihm geſehen?“. „Ich habe nichts der Art bemerkt, Capitän Spike, und weiß auch nichts darauf Bezügliches.“ „Welche Art Boot hatte er und wo fand er es?“ —— —õ— „Nun, was das Boot betrifft, Herr, da kann ich ein Wort ſagen, denn es war ganz nach meinem Sinne und lief auf eine wunderbare Weiſe. Es war eine leichte Schiffs⸗ Jolle mit vier Rudern, und kam gerade um das Fort, als Ihr die Naſe der Brigg nach oſtwärts gewendet hattet. Ihr müßt es, ſollt' ich denken, geſehen haben, obgleich es ſich dicht an den Werften hielt, als wünſchte es, ſich gut zu bergen.“ „Der Herr, wie Ihr ihn nennt, erwartete alſo jenes Boot, um darin hinauszulaufen?“ „Ich glaube es, Herr, weil es kam und er darin auslief. Das iſt Alles, was ich davon weiß.“ „Hattet Ihr keine Unterhaltung mit dem Herrn? Ihr ſaßt doch nicht die ganze Zeit, die Ihr in dem Boot hin⸗ brachtet, ſtumm beiſammen?“ „Gewiß nicht, Herr. Das Schweigen und ich ver⸗ tragen ſich nicht lange miteinander; ſo plauderten wir faſt während der ganzen Fahrt.“ „Und was ſagte der Fremde von der Brigg?“ „Gott, Herr, er fragte mich aus, wie man ein Kind in der Sonntagsſchule auszufragen pflegt. Er fragte mich, wie lange ich an ihrem Bord gedient, welche Häfen wir beſucht, und was wir aus⸗ und eingeladen hätten. Ihr könnt Euch nicht denken, welch' eine Fülle von Fragen er mir ſtellte, und wie neugierig er nach den Antworten haſchte.“ „Und was habt Ihr ihm als Antwort zum Beſten gegeben? Ihr habt doch nichts von unſerm Thun an der ſpaniſchen Küſte geſagt, wo Ihr auf dem feſten Lande zurückbliebt?— Ich hoffe es nicht, Hans.“ „C gedreht. Hat mit geſpielt, 8 ich habe Hat ſein, daß ihn ſcha wieder o Pauſe, „O. daß ich! ſen hat; Die alte „Ig welcher kann kein in jedem immer g Fremden „Nu Bord ger „De zu glaub „Da berichten, heraus, y „Na kann ich ein n Sinne und eichte Schiffs⸗ das Fort, als vendet hattet. , obgleich es es, ſich gut e alſo jenes und er darin 74 Herrn? Ihr im Boot hin⸗ und ich ver⸗ erten wir faſt igg?“ nan ein Kind fragte mich, he Häfen wir hätten. Ihr on Fragen er n Antworten zum Beſten Thun an der feſten Lande 73 „Gewiß nicht, Herr. Ich hab' ihm eine herrliche Naſe gedreht. Er brachte nichts Nennenswerthes aus mir heraus. Hat mir die Molly Swaſh gleich einen ärgerlichen Streich geſpielt, ſo werde ich ſie doch nie verrathen.“ „Ihr hegt alſo Groll gegen die Molly Swaſh? und ich habe folglich einen Feind an ihr Bord genommen?“ Hans Tier fuhr zuſammen, und es ſchien ihm leid zu ſein, daß er ſich ſo weit herausgelaſſen hatte. Spike faßte ihn ſcharf in das Auge. Die Antwort glich aber Alles wieder aus. Sie erfolgte jedoch erſt nach einer kleinen Pauſe, welche dem Nachdenken gewidmet ſchien. „O, Ihr wißt, wie ich es meine, Herr. Ich geſtehe, daß ich der alten Hexe grolle, weil ſie mich im Stich gelaſ⸗ ſen hat; es iſt aber nur ein Streit der Liebe zwiſchen uns. Die alte Molly wird durch mich nie zu Schaden kommen.“ „Ich hoffe das, ich hoffe das, Hans. Der Burſche, welcher dem Schiffe, in dem er ſegelte, ein Leid zufügt, kann kein ehrlicher Seemann ſein. Halt' an deinem Schiff in jedem Wetter! Das iſt meine Regel, und man fährt immer gut mit dieſer Regel.— Was habt Ihr aber dem Fremden geſagt?“ „Nun, ich ſagte ihm, ich hätte ſechs Reiſen an ihrem Bord gemacht. Die erſte nach Madagaskar... „Den Teufel habt Ihr! War er weich genug, dieß zu glauben?“ „Das iſt mehr, als ich ſagen kann, Herr. Ich kann nur berichten, was ich geſagt habe; ich nehme mir nicht heraus, wiſſen zu wollen, wie viel er geglaubt hat.“ „Nach vornen gewendet!— Was weiter?“ — à4— „Dann, ſagte ich ihm, ſeien wir nach Kamtſchatka gegangen, um Goldſtaub und Elfenbein zu holen.“ „Pa— a— ah! Was hat der Mann dazu geſagt?“ „Nun, er lächelte ein wenig, und ſchien dann noch neugieriger, Alles zu hören, was ich zu ſagen hatte. Ich berichtete ihm von meiner dritten Reiſe nach Canton mit einer Ladung zuckerſüßem Darrgras, wogegen wir als Rückfracht Salme und eingeſalzene Kabeljau einnahmen. Unſere nächſte Reiſe führte nach Norwegen mit Eis, und wir brachten Seide und Gold heim. Dann ging es nach Havannah mit Salz und Rüben.“ „Rüben? Was Teufels ſoll das?“ „Nunkelrüben mein' ich, Herr. Das Ding heißt auf Schiffen ſtets Rüben kurzweg. Dort nahmen wir, berichtete ich ferner, Leder und gedörrtes Fleiſch ein, und kamen nach Haus. O, er hat nichts aus mir herausgebracht, Capitän Spike, das der Molly je, auch nur im geringſten, ſchaden könnte.“ „Ich freue mich, dieß zu hören, Hans. Ihr müßt das Seeleben hinreichend kennen, um zu wiſſen, daß ein verſchloſſener Mund für ein Schiff oft beſſer iſt, als der vollkommenſte Geſundheitspaß. Kam die Rede nicht auf den Finanz⸗Dampfer?“ „Ihr erinnert mich eben, Herr, daß auch er genannt wurde; ja, ja, der Herr ſagte wirklich, wenn der Dampfer weſtlich von dem Fort aufholte, würde er ihn bei dieſer Fluth ohne Schwierigkeit erreichen.“ „So iſt's recht, ſo iſt's recht, ehrlicher Hans. Geht hinab und ſagt Joſh, er ſolle Euch wieder als Proviant⸗ meiſter⸗Maat aufnehmen. Ihr habt faſt einen zu hollän⸗ diſchen Ki ſehr brau Es i eine Arti unwirſch ein Faß, ſchlank zu geben, in Spik geſtalten, Schiff faß wendete h that Alles Bord rech nur die F Als große Foc Brigantin und Fluth wie man „in deſſen „Meilen öf Obgl hindeuteten nicht ſehr an dem T und die N wollen; u unerläßlich wenigſtens imtſchatka geſagt?“ dann noch atte. Ich anton mit wir als nnahmen. Eis, und g es nach heißt auf berichtete amen nach „Capitän n, ſchaden Ihr müßt „daß ein , als der nicht auf r genannt Dampfer bei dieſer 1s. Geht Proviant⸗ au hollän⸗ 75— diſchen Körperbau, Hans, um in Euern Jahren in der Höhe ſehr brauchbar zu ſein. Es iſt ſchwer zu ſagen, ob Hans dieſe Bemerkung als eine Artigkeit aufnahm, oder nicht. Er ſah ein wenig unwirſch drein; denn ein Menſch mag ſo dick ſein wie ein Faß, ſo wird er doch ſtets wünſchen, für niedlich und ſchlank zu gelten; er ging jedoch, ohne eine Antwort zu geben, in den unteren Raum, um Joſh aufzuſuchen. Spike ſchien ſeine Bewegungen jetzt nach dem zu geſtalten, was er ſo eben gehört hatte. Er behielt das Schiff faſt zwei volle Stunden unter geborgenen Segeln, wendete häufig, ſo zu ſagen, auf derſelben Stelle, und that Alles, was ſeine Ausſage in Betreff des Mannes über Bord rechtfertigen konnte. Auf dieſe Weiſe verlief nicht nur die Fluth, ſondern auch der Tag. Als die erſtere jedoch ihre Kraft verlor, wurde das große Fock⸗ und Beſahnſegel wieder aufgehißt, um der Brigantine bis gegen Whiteſtone vorne zu helfen, wo Ebbe und Fluth ſich begegnen, und in deſſen Nähe der Dampfer, wie man wußte, vor Anker gegangen war. Wir ſagen, „in deſſen Nähe,“ wirklich aber lag Whiteſtone faſt zwei „Meilen öſtlicher und dicht an der äußerſten Landſpitze. Obgleich dieſe Befehle auf den Wunſch des Capitäns hindeuteten, nach windwärts zu laufen, war er in der That nicht ſehr beeilt. Er hatte beſchloſſen, in der Dunkelheit an dem Dampfer vorbeizugehen, wenn dieß möglich wäre, und die Nacht ſchien ein ſolches Vorhaben begünſtigen zu wollen; um dieß jedoch auszuführen, war es räthlich, ja unerläßlich, ſich gar nicht vor ihm ſehen zu laſſen, oder wenigſtens nicht eher, als bis es ſo dunkel geworden, daß — 76— man von dem Takelwerk und dem Charakter des Schiffes nicht mehr viel erkennen konnte. In Folge dieſes Planes machte die Swaſfh keine großen Fortſchritte auf ihrem alten Curs; obgleich ſie wieder Segel beigeſetzt hatte. Auch der Wind minderte ſich, als die Sonne niedergegangen war, obgleich er noch oſtwärts oder faſt nach vornen ſtand. Da die Fluth überdieß allmählich an ihrer Kraft verlor, wurde die Abtrifft nach windwärts immer geringer, und ließ zuletzt ganz nach. Die eigentliche Stromweite iſt an dieſer Stelle, wo ſich immer todtes Waſſer findet, nothwendig nicht ſehr breit. Dieß iſt gerade da der Fall, wo Fluth und Ebbe ſich begegnen, oder, wie wir angedeutet haben, vor White⸗ ſtone, das etwas mehr als eine Meile weſtlich von Throg⸗ mortan's-Neck und der Landſpitze nahe liegt, auf welcher ſich Fort Schuyler erhebt, eines der Werke, die in der neueren Zeit zum Schutze von Neu⸗York erbaut wurden. Vor der äußerſten Landſpitze, faſt inmitten der Durchfahrt, war der Dampfer vor Anker gegangen, eine Thatſache, deren ſich Capitän Spike vergewiſſert hatte, indem er ſelbſt in die Höhe gegangen war und über das Land ausgeſchaut hatte, ehe es zu einem ſolchen Beginnen zu dunkel geworden. Er hegte nicht den entfernteſten Zweifel darüber, daß dieſer Dampfer ihn erwartete, und wußte ganz gut, daß hinreichende Gründe dazu vorhanden waren; er wollte jedoch nicht zurückkehren, und die Fahrt in die See am Sandy⸗Hook vorbei verſuchen. Er betrachtete die ganze Sache mit einem ruhigen, ſcharfſichtigen Auge. Die Strecke bis zu dem Hook war zu weit, um ſie in dieſen kurzen No und er k ebenſo gu einen beſo ſeine Brig hatte er und dieß ſetzen. Währ Miſtreß 2 Biddy Ne alte Dame Deck dieſel auf Alles, dem Deck Dieſer gnügen, d reiche, und nachkomme Gegen dem Deck, ziemte, eir ſich zur Re ſie jetzt da die Beide fremden W wollten. Die 2 obgleich ſie Sie war u es Schiffes eine großen dieder Segel h, als die twärts oder allmählich windwärts Stelle, wo nicht ſehr ) und Ebbe vor White⸗ von Throg⸗ auf welcher die in der nut wurden. Durchfahrt, Thatſache, em er ſelbſt ausgeſchaut zu dunkel rüber, daß 3 gut, daß er wollte ie See am die ganze luge. Die in dieſen 77 kurzen Nächten vor der Rückkehr des Tages zurückzulegen, und er konnte nicht zweifeln, daß er in jener Richtnng ebenſo gut bewacht würde, wie in dieſer. Dann hatte er einen beſonderen Widerwillen dagegen, ſelbſt in der Nacht ſeine Brigg vor der Stadt ſehen zu laſſen. Ueberdieß hatte er ſeine eigenen Wege, ſeine Pläne durchzuführen, und dieß war die Stelle und die Zeit, ſie ins Werk zu ſetzen. Während all dieß ſeinen Geiſt beſchäftigte, machten Miſtreß Budd und ihre ſchöne Nichte mit Beihilfe der Biddy Noon ihre Vorbereitungen zur Nachtruhe. Die alte Dame war am geſchäftigſten, und zeigte unter dem Deck dieſelbe Selbſtgefälligkeit, denſelben Ehrgeiz in Bezug auf Alles, was das Schiffsleben betraf, welchen ſie über dem Deck an den Tag gelegt hatte. Dieſer Umſtand gewährte dem Capitän großes Ver⸗ gnügen, denn auf dieſe Weiſe blieb ſie aus ſeinem Be⸗ reiche, und er konnte ſeinen Plänen um ſo ungehinderter nachkommen. Gegen neun Uhr erſchien jedoch die alte Dame auf dem Deck, da ſie, wie es einer geſchickten Seefahrerin ziemte, einen Blick auf das Wetter werfen wollte, ehe ſie ſich zur Ruhe begab. Nicht wenig war ſie über das, was ſie jetzt da ſah, erſtaunt, wie ſie Roſa und Biddy zuflüſterte, die Beide an ihrer Seite ſtanden, da ſie ohne Zweifel in fremden Waſſern einer guten Lootſenſchaft nicht entbehren wollten.. Die Molly Swaſh war noch unter ihren Segeln, obgleich ſie deren in dieſem Augenblicke kaum bedurfte. Sie war unmittelbar vor Whiteſtone, und machte leichte —— 78— Striche über die Durchfahrt, oder, wie man es zu nennen pflegt, den Strom, ohne etwas anderes beigeſetzt zu haben, als ihr großes Fock- und Beſahnſegel und den Klüver. Unter dieſer Leinwand arbeitete ſie wie ein Kreiſel, und es kam Spike zuweilen vor, als lief ſie in Betracht ſeiner Pläne viel zu ſchnell, denn der Nachtwind hatte ſich, wie gewöhnlich, in die Segel gedrängt, bis ſie„den Wind hielten,“ wie die Flaſche das Waſſer hält. Darin war jedoch nichts, das die Aufmerkſamkeit der Seemannswittwe in auffallender Weiſe anziehen koönnte; denn ein Segel mehr oder weniger war für ihre nautiſchen Kenntniſſe, ſo eindringend dieſe auch ſein mochten, eine Erſcheinung, auf welche ſie wenig Gewicht legte. Ihr Staunen hatte ſeinen Grund darin, daß ſie die Mannſchaft die Brigg nach vornen entkleiden und in einen Schoner umwandeln ſah. Auch geſchah dieß nicht unter der Hülle der Nacht auf eine nachläſſige und leichtfertige Weiſe. Man vollbrachte es im Gegentheile ſo trefflich, daß ſich ein Seemann bei voller Mittagsſonne hätte täu⸗ ſchen können, ſofern ihm das Schiff auf eine oder zwei Meilen fern geſtanden wäre. Man war dabei auf folgende Weiſe zu Werk gegangen. Die Leeſegelſpieren waren von der Topſegelraa abgenommen worden, um ſie vor dem Auge zu bergen, und die Raa ſelbſt war auf die halbe Höhe des Maſtes aufgehißt worden, um ihr das Ausſehen der Fockraa eines Schoners zu geben. Die wirkliche untere Raa der Brigg war auf die Bekleidungen herabgelaſſen, während die Bramraa ganz herabgethan, und die Bramſtange ſo weit geſenkt wurde, bis die Hieling deſſelben auf der Topſegelraa ruhte. Dieß alles ga das Aus die ganz Da führte, Schoner dieſer At geweihten eines Se Ma vorgeſchr erſchiener auf ſich, ſtehlich g nung kei⸗ Sie her⸗ und ſehen, o würde, b dung reckh „Ca derungen Schiffes hätte es „We in dem 2 „Ab bedeutet! „Ah ſie kleidet zu nennen zu haben, en Klüver. reiſel, und racht ſeiner te ſich, wie ‚den Wind ſamkeit der hen konnte; e nautiſchen chten, eine ee. daß ſie die nd in einen nicht unter leichtfertige ſo trefflich, e hätte täu⸗ eoder zwei ck gegangen. abgenommen ind die Raa hißt worden, Schoners zu war auf die amraa ganz ſenkt wurde, ruhte. Dieß — 79.— alles gab der Bekleidung nach vornen in der Nacht ziemlich das Ausſehen eines Focktopſegelſchoners und änderte ſomit die ganze äußere Erſcheinung des Schiffes. Da das Schiff auf ſeinem Fockmaſt ein Schnaaſegel führte, ſo paßte dieß vortrefflich, um das Fockſegel eines Schoners darzuſtellen. Viele andere kleine Anordnungen dieſer Art wurden getroffen, deren Aufzählung den Unein⸗ geweihten ermüden würde, während ſie ſich dem Geiſte eines Seemanns alsbald von ſelbſt darſtellen werden. Man war mit dieſen Veränderungen bereits weit vorgeſchritten, als die Frauen wieder auf dem Deck erſchienen. Sie zogen alsbald die Aufmerkſamkeit derſelben auf ſich, und die Wittwe des Capitäns fühlte ſich unwider⸗ ſtehlich gezwungen, ſofort darzuthun, daß ihr dieſe Erſchei⸗ nung keineswegs entgangen ſei. Sie fand Spike ſofort, der ſich auf dem Deck geſchäftig her⸗ und hinbewegte und bald rundum ſchaute, um zu ſehen, ob ſeine Brigg gehörig in der Strömung gehalten würde, bald einen neuen Befehl ertheilte, um die Verklei⸗ dung recht vollſtändig zu machen. „Capitän Spike, was mögen nur alle dieſe Verän⸗ derungen zu bedeuten haben? Das Geſpinnſt Eures Schiffes iſt ſo umgewandelt, daß ich offen geſtehe, ich hätte es nicht wieder gekannt.“ „Wahrhaftig, bei Georg! dann iſt die Brigg gerade in dem Zuſtande, in welchem ich ſie zu ſehen wünſche.“ „Aber warum habt Ihr dieß gethan? und was bedeutet dieß?“ „Ah, Molly begibt ſich für dieſe Nacht zu Bett und ſie kleidet ſich nur aus,— das iſt alles.“ — 80— „Ja, ja, liebe Roſy, Capitän Spike hat ganz recht. Ich erinnere mich, daß mein guter Herr Budd davon zu ſprechen pflegte:„Roſa in Blüthe“ habe ihre Kleider an, und ihre Kleider aus, gerade als wenn ſie ein lebendiges Frauenzimmer wäre. Habt Ihr alſo im Sinn, die Nacht hindurch gar nicht zu ſegeln, Capitän Spike? Oder wird die Brigg während der Nacht ohne Segel gehen?“ „So iſt's, ſo iſt's, ſie iſt des Nachts unter einer Art Segel ebenſo gut, wie unter einer anderen. So, Herr Mulford, ſchnell ein Reff in jenes große Segel, dadurch nähert es ſich mehr der Größe unſeres neuen Fockſegels und Alles ſieht mehr nach Seemannsart und Seemannsgeſtalt aus. Ich glaube, es geht ganz gut, beſon⸗ ders da die Nacht ziemlich dunkel zu werden verſpricht.“ „Capitän Spike,“ ſagte der Hochbootsmann, der abgeſchickt worden war, um auszuſchauen, welche Wirkung dieſer Wechſel hatte,„die Brigg fühlt allmählich die neue Ebbe und geht nach windwärts.“ „Nun, ſo laßt ſie gehen, der Augenblick iſt ſo gut wie jeder andere. Wir wollen einmal durch die Daggen*) laufen, und je eher es geſchieht, deſto beſſer iſt's.“ Da der Augenblick günſtig ſchien, hörte nicht nur Mulford, ſondern die ganze Mannſchaft dieſen Befehl mit Vergnügen. Die Nacht war ſternenklar, obgleich nicht ſehr hell. Die Gegenſtände auf dem Waſſer traten jedoch beſtimmter hervor, als die auf dem Lande, während die letzteren von der Brigg ziemlich deutlich geſehen werden *) Spießruthen. konnten, weniger for Als d war, trat welche mit fortläuft un zu einer Br war die Sch und nicht mußten une Der V um mit ih während die liche Ström Der T unmittelbar und hatte herein⸗ oder Die gr ohne Verdac Alle an B wurde der V begonnen, 1 geſchah es, oder in einf Die ſch dieſes ungen darüber, ok bereits gethe in der Ordn 241— 244 hat ganz err Budd habe ihre nn ſie ein im Sinn, in Spike? ne Segel nter einer ren. So, ße Segel, res neuen isart und ut, beſon⸗ ſpricht.“ ann, der Wirkung ) die neue iſt ſo gut Daggen*) nicht nur Befehl mit eich nicht tten jedoch ährend die en werden —— konnten, wenngleich nur in unſichern und mehr oder weniger formloſen Maſſen. Als die Swaſh dicht bei den Wind gebracht worden war, trat ſie eben in die letzte Wendung des„Stromes,“ welche mit dem Neck faſt eine Meile in gleicher Richtung fortläuft und ſich da, wo der Sund beginnt, allmählich zu einer Breite von mehreren Stunden ausdehnt. Dennoch war die Schiffahrt an dem Eintritte in den Sund ſchwierig und nicht ohne Gefahr, und Schiffe von einiger Größe mußten unerläßlich einen ſich windenden Curs nehmen. Der Wind ſtand ſüdöſtlich und war faſt zu knapp, um mit ihm durch dieſen Arm des Stromes zu kommen, während die Fluth ſo todt war, daß ſie kaum eine bemerk⸗ liche Strömung an dieſer Stelle hervorbrachte. Der Dampfer lag, wie ſchon angedeutet worden, unmittelbar vor der Landſpitze, inmitten der Durchfahrt, und hatte Lichter aufgehißt, um jedem Fahrzeuge, das herein⸗ oder heraustreten möchte, ſeine Stellung anzuzeigen. Die große Aufgabe war, an ihm vorbeizukommen, ohne Verdacht zu erregen. Da, mit Ausnahme der Frauen, Alle an Bord wußten, was der Capitän beabſichtigte, wurde der Verſuch unter einem ängſtlichen, tiefen Schweigen begonnen, und wenn ſich ja eine Stimme hören ließ, ſo geſchah es, um in leiſem Tone einen Befehl zu geben oder in einfachen Lauten die Antwort zu flüſtern. Die ſcharfblickende und ſcharfſinnige Roſa bemerkte dieſes ungewöhnliche Gehaben und hatte ihre eigene Anſicht darüber, obgleich ihre Tante ſie verſicherte, Alles, was bereits gethan worden ſei und was eben geſchehe, ſei ganz in der Ordnung. Spike war nach vornen gegangen und 241— 243. 6 — 82— nahm ſeinen Platz auf der Luvſeite des Vordercaſtels, wo er den beſten Ausguck nach vornen hatte, und hier hielt er ſich faſt ausſchließlich auf, während Mulford auf der Schanze blieb, um den Gang des Schiffes zu lenken. Roſa bemerkte dieß und fand Mittel, ſich, ohne die Aufmerkſamkeit ihrer Tante rege zu machen, dem Maat zu nähern und ihn, ohne von Jemand gehört zu werden, anzuſprechen. „Warum iſt Alles ſo ſtill und augenſcheinlich beſorgt, Harry Mulford?“ fragte ſie mit leiſer Stimme, als wünſche ſie, ſich der Nothwendigkeit des Augenblicks zu fügen.„Droht eine neue Gefahr hier? Ich glaubte, wir hätten ſchon vor mehreren Stunden das Thor hinter uns?“ „So iſt's auch. Seht Ihr dort auf dem Waſſer— vor der Landſpitze— jene große dunkle Maſſe, die faſt ſo groß ſcheint, wie das Fort ſelbſt, und welche Lichter auf⸗ gehißt hat? Es iſt ein Zolldampfer, der einige Stunden vor uns aus Neu⸗York kam. Wir wünſchen an ihm vorbei zu kommen, ohne daß er uns mit Fragen irgend einer Art beläſtigt.“ „Und was macht ſich die Brigg aus ſeinen Fragen? Ich denke, man kann ſie beantworten?“ „Ja, ja, Roſa,— man kann ſie beantworten, wie Ihr ſagt, die Antworten ſind aber zuweilen nicht ausrei⸗ chend. Capitän Spike fühlt ſich aus dem oder jenem Grunde unbehaglich und möchte am liebſten gar nicht mit ihm ſprechen. Solange er in der Nähe der Küſte iſt, hat er einen Widerwillen, mit dem kleinſten Fahrzeuge zu ſprechen.“ „Und es nennt, machen?“ Mulfor wenn er üb erſtaunt wär ner Pflicht, ſpräch fortzu Gegenſtand ſam machte Wunſche zu Obgleich gleitete ſie n heit der Ber die Segel ge drängte ſie, entgegen, ſo Die Art, gingen, ließ blick ſich raſc Roſa tre athemloſer Er Augenblicke! wohlbehalten keine Folge nichts wenige eines eben erf unbeſtimmten Ein Gli 8³ rcaſtels, wo hiel„Und aus dieſem Grunde hat er ſeine Molly, wie er hier hielt er es nennt, entkleidet, und wünſcht ſie unkenntlich zu rd auf der machen?“ lehter. Mulford wendete ſich ſchnell der ſchönen Roſa zu, als h, oſne die wenn er über dieſe Raſchheit ihres Auffaſſungsvermögens em Maat zu erſtaunt wäre, hatte aber ein zu richtiges Gefühl von ſei⸗ in Perden⸗ ner Pflicht, um eine Antwort zu geben. Statt das Ge⸗ i ſpräch fortzuſetzen, ſuchte er es geſchickt auf einen andern dun teſude Gegenſtand zu lenken, indem er Roſa auf die Art aufmerk⸗ 3 7 ſam machte, in welcher ſie vorrückten, und die ſeinem igenblicks zu Wunſche zu entſprechen ſchien. Ich glaubte, Thor hinter Obgleich die Swaſh untex ſehr wenig Segeltuch war, gleitete ſie mit großer Leichtigkeit und beträchtlicher Raſch⸗ n Waſſer— heit der Bewegung entlang. Die ſchwere Nachtluft hielt die faſt ſo die Segel geſpannt, und die Ebbe, die luvwärts eintrat, Lichter auf⸗ drängte ſie, ſo unbedeutend ſie auch noch war, der Kühlte ige Stunden entgegen, ſo daß Alles ſich günſtig geſtaltete. hen an ihm Die Art, wie die Gegenſtände auf dem Lande vorüber⸗ rragen irgend gingen, ließ wohl gewahren, daß der bedenkliche Augen⸗ blick ſich raſch näherte. nen Fragen? Roſa trat wieder zu ihrer Tante, und blickte in faſt athemloſer Erwartung dem Ausgang entgegen. In dieſem 1 atworten, wie Augenblicke hätte ſie die Welt darum gegeben, wäre ſie I nicht ausrei⸗ wohlbehalten auf der Küſte geweſen. Dieſer Wunſch war oder jenem keine Folge natürlicher Furchtſamkeit, denn Roſa war gar nicht mit nichts weniger, als furchtſam; nein, es war die Folge Küſte iſt, hat eines eben erſt wach gewordenen, peinlichen, obgleich noch — Fahrzeuge zu unbeſtimmten Mißtrauens. Ein Glück, ein dreifaches Glück war es für dieſes 6* —— von Natur ſo vertrauensvolle, ſchuldloſe Weſen, daß ihr Argwohn zu ſo gelegener Zeit wach wurde, denn ſie war ohne einen Beſchützer, der ihr rathen und ſie leiten konnte, wie die Umſtände es forderten. Es dauerte nicht lange, ſo erreichte die Brigg die Durchfahrt, welche in den Sund oder die Meerenge leitet. Es iſt wahrſcheinlich, daß ſie dieſen Punkt um ſo eher erreichte, weil Spike ſie ein wenig vor dem Winde abhielt, um nicht zu nahe an dem Dampfer vorbeizukommen. Auf dieſem Punkte wendet ſich die Richtung der Durchfahrt faſt in einem rechten Winkel, und der Finanz⸗ Dampfer lag mit dem Neck in einer Linie, ſo daß in dem Winkel eine Ant Bucht war, in welche die Swaſßh eintre⸗ ten konnte. Das Land war nach allen Richtungen hin ziemlich niedrig, eine ausgenommen, und dieſe wird ſich dem Leſer am anſchaulichſten darſtellen, wenn er im Geiſt eine gerade Linie von der Landſpitze durch den Dampfer bis an den Strand von Long⸗Island zieht. Auf dem Letztern zog eine ziemlich hohe Hügelkette hin, deren Fuß von tiefem Waſſer beſpült ward; und in dem Schatten dieſer Höhen beabſichtigte Spike, ſeine ſcharfſinnigſten Schwenkungen auszuführen. Er ſah, daß das Finanzſchiff ſein Feuer hatte aus⸗ gehen laſſen, und daß es ganz ohne Dampf war. Unter Segeln hoffte er, den Feind ohne große Anſtrengung zu ſchlagen, wenn er nur einmal windwärts gekommen war; und dann lag der Dampfer vor Anker, und es bedurfte einiger Zeit, um ihn in Gang zu bringen, ſollte er auch eine Jagd beginnen wollen. Es war daher vor Allem wichtig, ſo weit als möglich windwärts zu kommen, wenn die Mannſ ſollte. Ohne rungen, w bei dieſer( Nacht eben dunkel genn unſichere, v mehr, wen zwiſchen ihr Alles hohem Gro Ausgucker a heranziehen! ren und Se dieſe ſchiene, Focktopſegel war, deſſen wohn rege, die Kajüte. Deck⸗Offizie Zucht man ſchiffe werde Spike nur dann ruf bis in kannte er be Waſſer ſchw reiſte er in ſen, daß ihr denn ſie war leiten konnte, ie Brigg die eeerenge leitet. um ſo eher Binde abhielt, kommen. Richtung der d der Finanz⸗ ſo daß in dem Swaſh eintre⸗ ichtungen hin dieſe wird ſich n er im Geiſt den Dampfer ht. Auf dem in, deren Fuß dem Schatten ſcharfſinnigſten ier hatte aus⸗ pf war. Unter Inſtrengung zu gekommen war; nd es bedurfte ſollte er auch her vor Allem kommen, wenn die Mannſchaft des Regierungsſchiffes Verdacht ſchöpfen ſollte. Ohne alle Fragen kamen der Swaſh die Verände⸗ rungen, welche man an ihrem Bord vorgenommen hatte, bei dieſer Gelegenheit ſehr zu Statten. Obgleich man die Nacht eben nicht ſehr dunkel nennen konnte, war ſie doch dunkel genug, um ihre Geſtalt in einiger Entfernung in unſichere, verfließende Umriſſe zu hüllen, und dieß um ſo mehr, wenn man ſie von dem Dampfer außerhalb, oder zwiſchen ihm und dem Lande ſah. Alles dieß ſah Spike ſehr wohl ein, und rechnete in hohem Grade darauf. Auch täuſchte er ſich nicht. Die Ausgucker an Bord des Finanzdampfers kennten von dem heranziehenden Schiffe wenig mehr ſehen, als ſeine Spie⸗ ren und Segel, die ſich über der Küſte abzeichneten, und dieſe ſchienen die Spieren und Segel eines gewöhnlichen Focktopſegelſchoners zu ſein. Da dieß nicht die Art Schiff war, deſſen ſte zu warten Befehl hatten, wurde kein Arg⸗ wohn rege, und kein Bericht erging von der Schanze in die Kajüte. Der Dampfer hatte ſeine Schanze⸗Wache und Deck⸗Offiziere gleich Kriegsſchiffen, deren Ordnung und Zucht man hier ziemlich nachahmte; aber ſelbſt Kriegs⸗ ſchiffe werden dann und wann überliſtet. Spike war nur in Augenblicken der Gefahr groß; nur dann war er ein Seemann. Er verſtand ſeinen Be⸗ ruf bis in ſeine kleinſten Theile, und die Molly Swaſh kannte er beſſer, als er irgend ein Fahrzeug, das auf dem Waſſer ſchwamm, kannte. Seit mehr als zwanzig Jahren reiſte er in ihr, und der ſorglichſte Vater kennt die Launen — 86— ſeines Kindes nicht beſſer, als er wußte, was er von ſeiner Brigg zu erwarten hatte. Seine heitere Stimmung ſteigerte ſich daher allmählich, als er das Land entlang dem erwähnten Winkel zugleitete, ohne daß irgend ein Ton hörbar wurde, das leiſe Plät⸗ ſchern des Waſſers abgerechnet, das der Schiffsſchnabel aufregte, und das wie das Murmeln der ſanfteſten Welle klang, welches an die Kieſeln irgend einer ruhigen Bucht anſchlägt. Als ſich die Brigg den Höhen näherte, brachten dieſe den Wind mehr nach vornen, als der beabſichtigte Curs wünſchen ließ. Dieß war ein ungünſtiger Zwiſchenfall, der aber den wachſamen Befehlshaber nicht aus der Faſ⸗ ſung brachte. „Laßt die Brigg herumgehen, Herr Mulford,“ ſagte dieſer Lootſe⸗Capitän mit leiſer Stimme.„Wir ſind ſo nahe an der Küſte, als es nöthig iſt.“ Das Ruder wurde geſenkt, die Leinen der großen Segel zuckten, und die Molly Swaſh ſchoß in den Wind, wen⸗ dete herrlich ab, und gewann folglich dadurch nur um ſo mehr auf ihrem eigentlichen Curs. Nach einer Minute war ſie völlig herum, und die Segel füllten ſich auf der andern Seite. Spike war dem Lande jetzt ſo nahe, daß er bemerken konnte, wie die Fluth ihm zu Hilfe zu kommen und der Zug nach luvwärts bedeutend zuzunehmen begann. Erfreut darüber ging er nach hinten, und befahl Mulford, wieder zu wenden, ſobald das Schiff klares Waſſer genug habe, um ohne Gefahr mit ihm in den Wind drehen zu können. Der Maat fragte, ob er nicht glaube, die Mannſchaft in dem Fit nicht weiter Spike erin ben, der herauf, w Dieſer Gri halbwegs z wendete die Naſe zu. Dieſe etwa zweihr fernung, n obwaltenden zu Hilfe zu „Sie flüſterte Sp von ihnen f Der Herr bleiben könn geſchickt hab „Wer Mulford faſ „Wer? thaten lebt. Spion, ein der die Moll Herrn und Luv, Herr I wir am raſ ſtraff an! er von ſeiner er allmählich, kel zugleitete, as leiſe Plät⸗ ſchiffsſchnabel ffteſten Welle uhigen Bucht brachten dieſe ſichtigte Curs Zwiſchenfall, aus der Faſ⸗ lford,“ ſagte Wir ſind ſo großen Segel Wind, wen⸗ ch nur um ſo um, und die bike war dem wie die Fluth ach luvwärts über ging er denden, ſobald ohne Gefahr e Mannſchaft — 87— in dem Finanzdampfer möchte Verdacht ſchöpfen, wenn ſie nicht weiter hinaus in die Mitte der Durchfahrt abhielten; Spike erinnerte ihn aber, ſie würde ohne Zweifel glau⸗ ben, der Schoner dränge ſich unter der ſüdlichen Küſte herauf, weil die Fluth ſich dort zuerſt fühlbar macht. Dieſer Grund ſtellte Mulford zufrieden, und ſobald ſie halbwegs zwiſchen den Höhen und dem Dampfer waren, wendete die Swaſh abermals, und kehrte den erſteren ihre Naſe zu. Dieſe Schwenkung wurde ausgeführt, als die Brigg etwa zweihundert Ellen von dem Dampfer ſtand, eine Ent⸗ fernung, welche groß genug war, um unter allen hier obwaltenden Verhältniſſen der Maske der Molly Swaſh zu Hilfe zu kommen. „Sie haben keinen Verdacht auf uns, Harry!“ flüſterte Spike ſeinem Maat zu.„Wir werden windwärts von ihnen fommen, ſo gewiß, als die Kühlte andauert. Der Herr in ſeinem Boot hätte ebenſo gut zu Hauſe bleiben können; ſeine Eile wird ihm und denen, die ihn geſchickt haben, nichts nützen.“ „Wer mag er wohl ſein, Capitän Spike?“ fragte Mulford faſt unhörbar. „Wer? Nun, ein Geſelle, der von ſeinen Miſſe⸗ thaten lebt. Es iſt gleichgiltig, wer er iſt. Vielleicht ein Spion, ein Angeber. Jedenfalls aber iſt er kein Mann, der die Molly Swaſh und ihren alten, ſtummen, thörichten Herrn und Eigenthümer, Stephan Spike, foppen wird. Luv, Herr Mulford, luv! Jetzt iſt der Augenblick da, wo wir am raſcheſten fortzukommen ſuchen müſſen; luv und ſtraff an! Sie wendet ſich raſch windwärts; die Fluth beginnt entlang, zu ſaugen, wie ein Knabe an einem Syrupfaſſe zu ſaugen pflegt. Alles, was ſie auf dieſer Seite abtreiben kann, iſt reiner Gewinn. Wir haben gar keine Eile, ſo lange ſie in dem Dampfer dort fortſchlafen. So iſt's recht; macht ſogleich einen halben Gang, nehmt Euch aber in Acht, daß Ihr nicht ganz wendet. Sobald wir von den Hügeln klar abtreten und in die Bai ein⸗ laufen, welche ſich hinter ihnen öffnet, bekommen wir den Wind mehr von ſüdwärts, und werden den nächſten Strich mit großer Leichtigkeit zurücklegen.“ Mulford gehorchte dem Befehle, drehte die Brigg in den Wind auf, und ließ ſie ſich nach windwärts ſtellen, aber wieder auf derſelben Seite die Segel füllen, wie es ihm geheißen worden. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß die Molly dadurch in ihrem Fortgang aufgehalten und der peinliche Augenblick verlängert ward; das Schiff kam aber ſo in die Richtung, in welcher der Capitän es zu haben wünſchte, während es dem Dampfer nicht nur ſeinen Spiegel zukehrte, ſondern in einer Linie mit den Hügeln und folglich ſo ſtand, daß dem Dampfer deſſen wahrer Charakter verborgen bleiben mußte. In dieſem Augenblicke ward die erwähnte Bai, welche ſich mehrere Meilen weit hinzog, nach ſüdwärts in dem unſichern Lichte der Sterne ſichtbar, und der Wind blies unmittelbar aus ihr, oder etwas ſüdlicher, heraus. Die Swaſh war jetzt faſt eine Viertelmeile von dem Dampfer, und auf dieſe ganze Strecke durchaus wind⸗ wärts von ihm, da die Kühlte aus dem offenen Waſſer⸗ becken kam. Spik⸗ und brach ihre Leeſei nördlich v Nähe alle müſſen, n „Das ford!“ ſa Seite wie windwärts jetzt unſere „Iſt ford zu und wird chen.“ „Sie Nein, neit an den To Molly Sy wieder ſchi „Cap durch dieſe irre gema⸗ zumal an jemals ſo „Die Herr Mulft ſtengenleine Wir wolle wandeln.“ e an einem eauf dieſer r haben gar fortſchlafen. ang, nehmt ſet. Sobald jie Bai ein⸗ nen wir den chſten Strich die Brigg in pärts ſtellen, len, wie es y dadurch in e Augenblick die Richtung, während es rte, ſondern o ſtand, daß gen bleiben Bai, welche ärts in dem Wind blies raus. ſeile von dem rchaus wind⸗ fenen Waſſer⸗ — 89— Spike drehte ſeine Brigg jetzt ſelbſt gegen den Wind, und brachte ihre Naſe ſo weit auf, daß der Dampfer auf ihre Leeſeite kam, während ſie auf die Inſel losſteuerte, die nördlich von der Landſpitze liegt, an deren unmittelbaren Nähe alle Schiffe von einiger Waſſerträchtigkeit vorbei⸗ müſſen, wenn der Wind auch noch ſo günſtig weht. „Das Reff über dem Hauptſegel heraus, Herr Mul⸗ ford!“ ſagte Spike, als die Swaſh auf dieſer günſtigen Seite wieder in Bewegung war.„Wir werden gut nach windwärts an dem Dampfer vorbeigehen, und können wohl jetzt unſere Segel wieder ausbreiten.“ „Iſt es nicht ein wenig zu früh, Herr?“ wagte Mul⸗ ford zu bemerken. Das Reff iſt von ziemlicher Größe, und wird von unſeren übrigen Segeln bedeutend abſte⸗ chen. 74 „Sie werden es in dieſer Entfernung nicht ſehen.— Nein, nein, Herr, breitet nur das Reff aus und hißt es an den Topſtengenleinen auf. Ich denke, wir bringen die Molly Swaſſh wieder in ihre alte Geſtalt, und putzen ſie wieder ſchön heraus.“ „Capitän Spike,“ fragte die Schiffsmeiſterswittwe, durch dieſes ſcheinbare Schwanken in dem Gehaben Spike's irre gemacht,„kleidet Ihr die Brigg Nachts aus und zumal an? Ich glaube nicht, daß mein guter Herr Budd jemals ſo verfuhr.“ „Die Mode wechſelt mit der Zeit, Ma'am; ja, ja, Herr Mulford, nur heraus mit dem Reff, an jener Top⸗ ſtengenleine aufgehißt, Jungen, ſobald Alles bereit iſt. Wir wollen unſern Schoner wieder in eine Brigg um⸗ wandeln.“ 90— Da man, wie es ſich von ſelbſt verſteht, dieſen Befehlen entſprach, ließ ſich jetzt eine große Thätigkeit an Bord gewahren. Mulford hatte bald das Reff heraus, und das Segel zog in ſeiner ganzen Ausdehnung an, während die Topſtenge aufgehißt und eingepaßt wurde. Zunächſt mußte nun die Fockraa aufgehißt und an ihre Stelle gebracht werden. Die Leute waren eben mit dieſer Arbeit beſchäftigt, als durch die ſchwere Nachtluft eine heißere Stimme über das Waſſer kam. „Brigg ahoy!“ lautete der Anruf. „Jene Fockraa aufgehißt, Jungen,“ ſagte Spike, den dieſe Aufforderung nicht zu berühren ſchien.„Macht ſie feſt, macht ſie ſchnell feſt.“ „Der Dampfer ruft uns an, Herr,“ ſagte der Maat. „Nein, nein!“ Er ruft eine Brigg an; wir ſind bis jetzt noch ein Schoner.“ Ein Augenblick angeſtrengter Thätigkeit folgte, wäh⸗ rend welcher Zeit die Raa an ihre Stelle kam. Ein zweiter Anruf wurde laut. „Schoner ahoy!“ praiete man dieſes Mal. „Der Dampfer ruft uns wieder an, Capitän Spike.“ „Den Teufel auch! Wir ſind jetzt eine Brigg, und er ruft einen Schoner an. Kommt, Jungen, rührt die Hände und bringt die Vorderſegel auf die Molly Swaſh. Laßt das große Fockſegel fallen, ehe ihr dort von der Raa herabgeht, und dann in die Höhe und Alles losgebunden, was ihr findet.“ Alles geſchah, wie der Capitän es befahl, und es geſchah raſch, wie es ſtets an Bord eines wohlgeordneten Schiffes ſpornt. gekommer war, die Lichtſtrah rollte üb Pfeifen e Wir ſeligen C benahm, ſelbſt in i Roſa tha⸗ Tage in ſogar vor Stimme Geiſt der ihre Gebie Wittwe di wieder ein behaupten „O „laßt ſie, einmal feu „Wie ziemlichem überſah, d zu erwarte vermeiden, abhinge. Es w en Befehlen t an Bord 3, und das vährend die ächſt mußte le gebracht häftigt, als e über das Spike, den „Macht ſie der Maat. vir ſind bis lgte, wäh⸗ än Spike.“ igg, und er die Hände vaſh. Laßt n der Raa osgebunden, hl, und es ogeordneten — 91— Schiffes der Fall iſt, wenn der Augenblick zur Thätigkeit ſpornt. Und ein ſolcher Augenblick ſchien in der That gekommen zu ſein; denn während die Mannſchaft beſchäftigt war, die Topſegel beizuſetzen, erleuchtete ein blitzähnlicher Lichtſtrahl die Scene, und der Donner eines Kanonenſchuſſes rollte über die Gewäſſer, welchem das ſehr vernehmliche Pfeifen einer Kugel folgte.— Wir müſſen leider bemerken, daß die Wittwe des ſeligen Capitäns Budd ſich in dem Feuer nicht ganz ſo benahm, wie es der Wittwe eines Seemannes ziemte. Statt ſelbſt in ihrem Schrecken ruhig und gefaßt zu bleiben, wie Roſa that, ſchrie ſie gerade ſo laut, als ſie an demſelben Tage in dem Höllenthor gethan hatte. Es kam Spike ſogar vor, als habe ſie durch die Uebung an Kraft der Stimme gewonnen; und was Biddy betraf, ſo lebte der Geiſt der Nacheiferung ſo mächtig in ihrer Bruſt, daß ſie ihre Gebieterin, wenn möglich, noch überſchrie. Als die Wittwe dieß hörte, nahm ſie ſich zuſammen und gewann wieder einen Theil der Faſſung, welche ſie, wie Manche behaupten wollten, verloren hatte. „O Capitän Spike!“ rief die erregte Wittwe aus, „laßt ſte, laßt ſie, wenn Ihr mich liebt, laßt ſie nicht noch einmal feuern!“ „Wie kann ich dieß hindern?“ fragte der Capitän mit ziemlichem Recht, obgleich er den weſentlchen Umſtand überſah, daß er nur beizulegen und das Boot des Dampfers zu erwarten brauchte, um den zweiten Schuß ſo gewiß zu vermeiden, als wenn die ganze Sache von ſeinem Befehl abhinge. Es wurde jedoch kein zweiter Schuß abgefeuert. Wie es ſich ſpäter ergab, war das Geſchrei der Miſtreß Budd und Biddy's an Bord des Dampfers gehört worden, und ſein Capitän nahm natürlich an, die Kugel müſſe da mör⸗ deriſch gewirkt haben, wo ein ſolches Geſchrei die Luft erfüllte; er begnügte ſich demnach mit dem Unheil, welches er angeſtellt zu haben glaubte, und befahl ſeinen Leuten, ihre Kanone ruhen zu laſſen und an das Gangſpill zu treten, um den Anker aufwinden zu helfen. Kurz, der Regierungsdampfer ſetzte ſich, nach Art der Kriegsſchiffe, nämlich mit großer Behendigkeit in Bewegung. Spike wußte die Töne, welche er hörte, und unter denen auch der Anruf des Hochbootsmanns herüberſcholl, recht gut zu deuten, und beeilte demgemäß ſeine Maßregeln. Mit Jagden und jeder Art ſeemänniſcher Kniffe und Liſten ſehr wohl bekannt, wußte er, daß ſeine Lage ziemlich bedenk⸗ lich war. Selbſt auf der offenen See wäre ſie dieß geweſen, wenn ihm ein Dampfer auf den Ferſen folgte; in ſeiner jetzigen Lage aber blieb ihm nichts übrig, als einen Curs zu ſteuern, und auf dieſem Curs den Wind zu nehmen, wie er eben blies. Wenn dieſer überhaupt in ſeiner Richtung wechſelte, ſo war es nur in geringem Grade der Fall, obgleich er von dieſem Wechſel den möglichſten Nutzen zog. Jeder Augenblick war aber jetzt koſtbar, und er bemühte ſich, die Zeit nach Kräften zu benützen. Er wußte, daß er das Regierungsſchiff unter Leinwand weit überſegeln konnte, und daß es einer kleinen Weile bedürfe, ehe es von ſeinem Dampfe Gebrauch machen konnte, wenigſtens eine halbe Stunde. Von dieſer halben Stunde hing alſo das Schickſal der Molly Swaſh ab. „Gebt Spieren auf die Raaen und ſetzt ſogleich Lee⸗ ſegel bei, mäßigere Wind wi ausgenon laſſen.“ „Tr Ich erken „Au ihrem hö teſten Kle wenig„ Durchſtich Dampfer retten.“ „Ha zu entſchl günſtigen „Ma zu Stand Verſuchen hoffte. M vielleicht „Die ſie der Ge ihre Beih⸗ wie viele? und die? Abrede ſte An 2 zugekehrt, ſtreß Budd rden, und ſe da mör⸗ i die Luft eil, welches nen Leuten, ungſpill zu Kurz, der riegsſchiffe, und unter rüͤberſcholl, Maßregeln. und Liſten llich bedenk⸗ eeß geweſen, ; in ſeiner inen Curs lehmen, wie er Richtung e der Fall, Nutzen zog. er bemühte ißte, daß er geln konnte, von ſeinem eine halbe as Schickſal ogleich Lee⸗ ſegel bei, Herr Mulford!“ ſagte Spike, ſobald das regel⸗ mäßigere Segeltuch nach vornen ausgebreitet war.„Der Wind wird frei genug für Alles ſein, die unteren Leeſegel ausgenommen, und wir müſſen die Brigg vorwärts ſchießen laſſen.“. „Treten wir dem Lande nicht zu nahe, Capitän Spike? Ich erkenne die Klippe unmittelbar vor uns, Herr.“ „Auch ich erkenne ſie; aber die Fluth iſt faſt auf ihrem höchſten Stande, und die Brigg iſt in ihrem leich⸗ teſten Kleide; ich beſorge daher nichts, wenn wir auch nur wenig„ſtreifen“ ſollten. Wenn wir hier einen kurzen Durchſtich machen, können wir eine volle Meile vor dem Dampfer vorauskommen, nnd eine Meile kann uns vielleicht retten.“ „Haltet Ihr es in der That für möglich, dieſem Schiffe zu entſchlüpfen, das in dieſen engen Gewäſſern ſtets einen günſtigen Wind für ſich finden kann, Capitän Spike?“ „Man kann das nicht wiſſen, Herr. Man bringt nichts zu Stand, wenn man es nicht verſucht, und durch ſolches Verſuchen wird oft mehr zu Stande gebracht, als man hoffte. Mein Plan iſt fertig, und die Vorſehung wird mir vielleicht beiſtehen, denſelben auszuführen.“ „Die Vorſehung!“ Spike hatte ſeine Vorſehung, wie ſie der Geiſtliche hat, und wir müſſen geſtehen, daß er auf ihre Beihilfe oft aus ebenſo vernünftigen Gründen hoffte, wie viele Phariſäer, die ihre Abhängigkeit, ihr Unvermögen und die Dringlichkeit höheren Beiſtandes nicht immer in Abrede ſtellen könneu. An Bord der Swaſh wurden die Segel dem Winde zugekehrt, und die Brigg ſchoß kühn gegen die Klippen 1 ——— — 94— heran. Spike war ein ausgezeichneter Lootſe. Er behaup⸗ tete, wenn er die Spiere einmal zu Geſicht bekommen könnte, welche an dieſem Felſen als Boje*) feſtgemacht war, würde er das Schiff mit großer Zuverſicht laufen laſſen. Die Leuchtthürme rechts und links waren natürlich von großem Werthe, aber das Regierungsſchiff konnte dieſe Lichter ebenſo gut ſehen, wie die Brigg, und jenes hatte gewiß einen vortrefflichen Lootſen an Bord. Während man die Oberleeſegel an Bord der Swaſh beigeſetzt hatte, war der Dampfer in Bewegung, und ſeine lange Linie eigenthümlicher Segel wurde ſichtbar. Für ein Schiff, das Eile hatte, lag er ſoweit innerhalb der Hügel, daß er den Wind nur knapp faßte, und ſein Befehlshaber ſah ſich genöthigt, einen Strich gegen die ſüdliche Küſte hinüber zu machen, ehe er es verſuchen konnte, in ſeinen Curs einzulenken. Als er fertig war, um zu wenden, ein Beginnen, das bei einem Schiffe von ſolcher Länge einige Zeit forderte, gleitete die Swafh in einer ſchwachen Bulinie und mit einer Behendigkeit ab, welche bei einem ſo knappen Winde nur durch die feuchte Nachtluft, das ſich gleichmäßig tragende Takelwerk und ihre vortreffliche Segelkraft hervor⸗ gebracht werden konnte. Nach der erſten halben Stunde war die Swaſh dem Dampfer völlig aus dem Geſichte. Während dieſer Zeit hatte ſie in der That in Folge ihrer wirklichen Ueberlegen⸗ heit in ihrem Baue, in Folge aller der Vorbereitungen, welche an ihrem Borde getroffen worden waren, und mittelſt *) Zeichen gefährlicher Stellen. Der Ueberſetzer der großen kürzt hatte Währ Geſichte ve zwar mitt Sie ſah Dampfers Entfernung Es m thurme vo ſich ſchmie gerade ſo, hatte, wa gewendet, gewahrte einer Geſch und darnac Bis je überſegelte an dieſen k ſegler war Geſchwindig Kühlte geri hoffen war, ſich nicht ei höchſtens ſe dieſe ſechs in drei St konnte ſie bringen. 2 Ir behaup⸗ bekommen feſtgemacht cht laufen ürlich von nnte dieſe nes hatte der Swaſh und ſeine -. Für ein der Hügel, efehlshaber liche Küſte in ſeinen denden, ein inge einige hen Bulinie ſo knappen gleichmäßig aft hervor⸗ Swaſh dem dieſer Zeit Ueberlegen⸗ ſereitungen, und mittelſt eberſetzer — 95— der großen Strecke, welche eine verwegene Schiffahrt abge⸗ kürzt hatte, eine volle Stunde vor ihrem Verfolger voraus. Während jedoch der Dampfer die Swaſh aus dem Geſichte verlor, behielt dieſe den Feind im Ange, und dieß zwar mittelſt eines Signals, das nicht täuſchen konnte. Sie ſah nämlich die Funken aus dem Schornſteine des Dampfers ſprühen, und konnte ſich ſo ſeiner Stellung und Entfernung vergewiſſern. Es mochte elf Uhr ſein, als die Swaſh an dem Leucht⸗ thurme von Sands' Point, und zwar nicht an das Land ſich ſchmiegend, vorüber kam. Der Wind ſtand faſt noch gerade ſo, wie vorher. Wenn er ſich überhaupt geändert hatte, war er um einen halben Punkt mehr nach Süden gewendet, und blies ein wenig friſcher. Wie er ſtand, gewahrte Spike, daß er auf dieſem glatten Waſſer mit einer Geſchwindigkeit von acht vollen Knoten entlang lief, und darnach machte er ſeine Berechnung. Bis jetzt und vielleicht noch eine halbe Stunde länger überſegelte er den Dampfer, dann aber mußte die Reihe an dieſen kommen. Obgleich er aber kein großer Schnell⸗ fegler war, konnte man doch nicht erwarten, daß jene Geſchwindigkeit bei dieſem glatten Waſſer und der leichten Kühlte geringer wäre, als zehn Knoten, während nicht zu hoffen war, daß die Swaſh ſchneller laufen würde, ſofern ſich nicht eine ſtärkere Kühlte einſtellte. Er mochte fünf, höchſtens ſechs Meilen vor dem Dampfer voraus haben; dieſe ſechs Meilen konnte jener mit Beihilfe des Dampfs in drei Stunden ohne allen Zweifel einbringen, ja, er konnte ſie möglicherweiſe in noch viel kürzerer Zeit ein⸗ bringen. Demnach war es durchaus nothwendig, auf eine — 96— andere Ausflucht, als dieſes„Todtſegeln,“ wie man es nennt, zu denken, wenn man dem Feinde entſchlüpfen wollte. Der Sund breitete ſich nun meilenweit vor der Swafh aus, und Spike ſchlug anfangs ſeinem Maat vor, er wolle ganz vor dem Wind abhalten, quer an die nördliche Küſte hinübergehen, den Dampfer voranlaufen und eine erfolg⸗ loſe Jagd nach oſtwärts fortſetzen laſſen. Mehrere Schiffe waren jedoch inmitten dieſes Curſes und in Entfernungen ſichtbar, welche von einer bis zu drei Meilen wechſelten, und Mulford wies die Hoffnungsloſigkeit nach, über dieſe offene Waſſerfläche zu ſegeln, ohne von den wachſamen Augen der Mannſchaft des Regierungs⸗ Schiffes geſehen zu werden. „Was Ihr da ſagt, iſt ganz wahr, Herr Mulford,“ antwortete Spike, nachdem er einen Augenblick ernſt nach⸗ gedacht hatte,„und mit jedem Fuß, den ſie uns näher treten, ſchwindet unſere Hoffnung mehr und mehr, ihnen auf dieſe Weiſe zu entkommen. Aber dort— wenige Stunden nach vornen— liegt die Hemſtead⸗Bucht; wenn wir die ſe erreichen können, ehe die Tölpel an uns hinankommen, wird Alles noch gut gehen. Wir haben dort Waſſertiefe, wie wir ſie nur wünſchen können, und hohe Ufer, die uns vor allen neugierigen Blicken einhüllen, ſo daß ich glaube, die Brigg wird um Mitternacht jedem Blicke draußen ent⸗ gehen, iſt ſie nur eine oder zwei Meilen in jenem Waſſer hinauf.“ „Dieß iſt unſer Rettungsmittel, Herr,“ rief Mulford heiter aus. Ja, ja, ich kenne die Gegend, und Alles iſt uns günſti Euch dafüt Und ziemliche 3 Lande hin, alle Segel Aber nahte raſch und Alles Ernſt war Bord der Minute nä Fall war, nung der umgaben, i blies, berich ſowohl die Spike Dampfer, deſſen ferne befahl, die wie Katzen der Luft Fu Nach z Vieren nötlh ſtellte die N Brigg ſchier gekommen, 1 Nach fi des Dampfer 241— 243 ie man es niſchlüpfen der Swafh r, er wolle „lliche Küſte eine erfolg⸗ eſes Curſes bis zu drei ngsloſigkeit „ohne von Regierungs⸗ Mulford,“ ernſt nach⸗ uns näher nehr, ihnen ige Stunden wir dieſe nankommen, Waſſertiefe, fer, die uns ich glaube, draußen ent⸗ enem Waſſer rief Mulford ind Alles iſt 97 uns günſtig; verſucht es, Capitän Spike, und ich bürge Euch dafür, daß wir klar ausgehen.“ Und Spike machte den Verſuch. Er hielt noch eine ziemliche Zeit auf ſeinem Curſe an, lief ſo nahe an dem Lande hin, als es ohne Gefahr geſchehen konnte, und ließ alle Segel ziehen, die er nur finden konnte. Aber der Dampfer war ihm auf den Ferſen, und nahte raſcher und raſcher. Seine Kaminröhren flammten, und Alles deutete darauf hin, daß es ſeiner Mannſchaft Ernſt war, ihrer Beute habhaft zu werden. Jenen an Bord der Swaſßh ſchienen dieſe Flammen von Minute zu Minute näher zu ziehen, wie es denn auch wirklich der Fall war, nnd eben als die Kühlte friſcher aus der Oeff⸗ nung der niedrigen Hügelkette, welche den Zufluchtsort umgaben, in die ſie einzutreten verſuchen wollten, herüber⸗ blies, berichtete Mukford, er könne mittelſt des Nachtglaſes ſowohl die Segel, als den Rumpf ihres Verfolgers ſehen. Spike nahm das Nachtglas, warf einen Blick auf den Dampfer, ſchleuderte das Inſtrument weg, daß man an deſſen fernerem Gebranche faſt verzweifeln mußte, und befahl, die oberen Leeſegel einzunehmen. Die Leute kletterten wie Katzen in die Höhe, und arbeiteten, als wenn ſie in der Luft Fuß faſſen könnten. Nach zwei Minuten war die Swaſh unter den zum Vieren nöthigen Segeln, hielt gut beim Winde ab, und ſtellte die Naſe verwegen dem neuen Curs entgegen. Die Brigg ſchien zu fühlen, daß ein bedenklicher Augenblick gekommen, und gleitete mit tüchtiger Eile nach vornen. Nach fünf Minuten waren die Flammenſchornſteine des Dampfers nicht mehr zu ſehen. Noch fünf Minuten 241— 243. 7 — 98 und Capitän Spike wendete, um ſo lange als möglich unter der weſtlichen Seite der Bai hinzuſegeln und die Brigg auf dieſe Weiſe vor allen Blicken zu verſtecken; auch glaubte er, die Kühlte ziehe da, wo er war, friſcher nieder, als weiter auf dem offenen Gewäſſer. Alles hing jetzt von dem einzigen Umſtande ab, ob die Brigg von dem Dampfer geſehen worden, oder nicht, bevor ſie in die Bucht eingetreten war. Wenn ſie geſehen worden, ſo wurde ſie natürlich auch bewacht; war ſie nicht geſehen worden, ſo ſprach faſt Alles für die Möglichkeit einer rettenden Flucht. Capitän Spike mochte ſeit einer Viertelſtunde in die Bucht gewendet haben, als die Flammen des Dampfers wieder ſichtbar wurden. Die Brigg war jetzt auf eine halbe Stunde innerhalb der Bucht, und hatte einen ſchönen dunkeln Hintergrund von Hügeln, welche ſie in ihren Schatten hüllten. Spike ließ Alles bis auf das Schnauſegel bergen, unter dem man die Brigg langſam auf die weſtliche Seite der Bucht hinüber laufen ließ. Er rieb ſich jetzt die Hände vor Behagen und machte Mulford auf den Umſtand auf⸗ merkſam, daß der Dampfer unmittelbar auf ſeinem Curs quer über die Mündung der Bucht anhielt. Hätte er die Brigg geſehen, ſo wäre er ohne alle Frage auch in die Bucht gelaufen. Demungeachtet vergingen die nächſten zehn Minuten nicht ohne Beklommenheit, denn ſo viel Zeit brauchte der Dampfer, um völlig aus ihrem Geſichte zu kommen und ſeine flammenden Schornſteine wieder unter den öſtlichen Vorbergen der Meerenge zu verdecken. — Am Licht des wurde die welche die umgeben. bald füllen weilen, b Dinge na Nach die Bucht überzeuger das Steue halten lier In e Der Schl und auf als die, faſt ebenſe „Wir als möglich geln und die u verſtecken; war, friſcher tande ab, ob , oder nicht, un ſie geſehen war ſie nicht ie Möglichkeit elſtunde in die des Dampfers jetzt auf eine eeinen ſchönen ſie in ihren nuſegel bergen, weſtliche Seite jetzt die Hände Umſtand auf⸗ ef ſeinem Curs Hätte er die ge auch in die zehn Minuten eit brauchte der zu kommen und er den öſtlichen Drittes Kapitel. Das Meer war weſtlich eine Flamme, Und faſt war ſchon der Tag dahin; Man ſah die Sonn' im Purpurglanze Dem Horizont entgegen zieh'n; Da zeigte ſich das fremde Schiff, Faſt wo die Sonne will verglüh'n. „Der alte Seemann.“ Am kommenden Morgen zu jener Stunde, wo das Licht des jungen Tages die nächtigen Schatten verjagt, wurde die Molly Swaſh in dem Düſter der Hügel ſichtbar, welche die Bai von Hempſtead faſt nach allen Seiten umgeben. Sie war unter leichten Segeln, und ließ dieſe bald füllen; bald wendete ſie, um in ihrem Verſtecke zu weilen, bis ein Ausguck geſtattete, ſich des Standes der Dinge nach außen zu verſichern.“ Nach einer halben Stunde war ſie dem Eingang in die Bucht ſo nahe, daß die Ausgucker in der Höhe ſich überzeugen konnten, die Küſte ſei„klar,“ worauf Spike das Steuer aufgehen und die Brigg auf ihren Curs weg⸗ halten ließ. In eben dieſem Augenblicke betrat Roſa das Verdeck. Der Schlummer einer ruhigen Nacht hatte ſie erquickt, und auf ihren Wangen ſtrahlte eine Farbe, noch zarter, als die, welche eben am öſtlichen Himmel aufglühte, und faſt ebenſo glänzend. „Wir haben in dieſem Stückchen Bucht die Nacht 4 7* —— — 10⁰0— 2³ beigelegt, Miß Roſa, das iſt Alles,“ ſagte Spike, als er bemerkte, daß ſeine ſchöne Reiſende erſtaunt umherblickte und überraſcht ſchien, das Schiff ſo nahe an der Küſte und, wie es ihr vorkam, in einer ganz ungewöhnlichen Stellung zu finden.—„Ja, wir pflegen es immer ſo zu halten, wenn wir eine Reiſe antreten. Die Brigg muß erſt wieder ihre Segelkraft kennen lernen. Iſt's nicht ſo, Herr Mulford?“ Herr Mulford, der ſehr gut wußte, daß es ebenſo ſchwer war, Roſa zu täuſchen, als man ohne großen Geiſtesaufwand ihre leichtgläubige, beſchränkte Tante berückte, und welcher ſich nicht geneigt fühlte, gegen das ſchöne und, in einem Sinne, jetzt hilfloſe Weſen vor ihm anders als offen und ehrlich zu handeln, hielt es nicht für paſſend, eine Antwort zu geben. Er wagte es nicht, und unter den jetzigen Umſtänden am wenigſten, Spike zu beleidigen, und Roſa wollte er nicht irre führen. Er that nicht, als hätte er die Frage überhört, ſondern rief einigen Matroſen zu, ſie ſollten der Oberſegel warten, und ging nach vornen, als wollte er nachſehen, ob ſein Befehl vollſtreckt würde. Roſa ſelbſt war nicht ſo zurückhaltend, wie der junge Maat. „Es iſt paſſend, Capitän Spike,“ antwortete ſie ſtatt Mulford's ruhig,„daß Schiffe einen Ruheplatz aufſuchen, wenn ſie müde ſind, und ich erinnere mich wohl der Zeit, daß mein Oheim in derſelben Weiſe von dergleichen⸗Dingen redete; ich war aber damals kaum zwölf Jahre alt.“ Spike huſtete und ſah ein wenig verdutzt aus; da aber Clench, der Hochbootsmann, gerade in dieſem Augen⸗ blick entlang kam, um ihm etwas im Vertrauen zu ſagen, fand er Ver rung geben; Dieſer gewöhnlich a täns ziemlich und würde inne gehabt hoffnungslos Seine j Capitän zwe auf dem öſtli ſichtbar waren ſchiffe, dem ſi aufſtiegen. „Dampfe eine Seltenhe ſein Fernglas aufſtieg.„D von Stoning kommt.“ „Beide Spike,“ verſe Hochbootsman aus, und ich nun zurückkehr⸗ ſchaut und ſie nicht zu finder Spike mi Wahrſcheinlich und verſprach, pike, als er umherblickte n der Küſte ewöhnlichen mmer ſo zu Brigg muß t's nicht ſo, z es ebenſo hne großen inkte Tante gegen das ſen vor ihm es nicht für ht, und unter a beleidigen, tt nicht, als en Matroſen nach vornen, treckt würde. e der junge rete ſie ſtatt tz aufſuchen, hl der Zeit, ichen⸗Dingen e alt.“ tzt aus; da eſem Augen⸗ en zu ſagen, — 101— fand er Veranlaſſung, ſich der Verlegenheit, eine Erklä⸗ rung geben zu ſollen, zu entziehen. Dieſer Clench, oder Clinch, wie man ſeinen Namen gewöhnlich ausſprach, war in die Geheimniſſe des Capi⸗ täns ziemlich eingeweiht, jedenfalls mehr, als ſein Maat, und würde in dieſem Augenblicke die Stelle Mulford's inne gehabt haben, wenn er in der Schiffahrtskunde nicht hoffnungslos unwiſſend geweſen wäre. Seine jetzige Mittheilung hatte zum Zwecke, dem Capitän zwei oder drei Rauchlinien anzudeuten, welche auf dem öſtlichen Bord über den Gewäſſern der Meerenge ſichtbar waren, und, wie er beſorgte, aus dem Regierungs⸗ ſchiffe, dem ſie erſt vor wenigen Stunden entſchlüpft waren, aufſtiegen. „Dampfer ſind in der Meerenge von Long⸗Island eine Seltenheit, Clench,“ ſagte der Capitän, und richtete ſein Fernglas in die Gegend, wo der. verdächtige Rauch aufſtieg.„Das muß ein Burſche von Providence oder von Stonington ſein, der mit Reiſenden von weſtwärts kommt.“ „Beide müßten jetzt ſchon viel weiter ſein, Capitän Spike,“ verſetzte der noch zweifelnde, aber ſehr wachſame Hochbvotsmann.„Der Dampf ſtrömt in großer Maſſe aus, und ich fürchte, es iſt der Regierungsdampfer, der nun zurückkehrt, nachdem er gehörig nach Oſten ausge⸗ ſchaut und ſich überzeugt hat, daß wir auf jener Seite nicht zu finden ſind.“ Spike murmelte etwas, das ſeine Begeiſterung zu der Wahrſcheinlichkeit einer ſolchen Anſicht ausdrücken ſollte, und verſprach, ein Auge auf den Geſellen zu haben. Dieß ——— genügte ſeinem Untergebenen für den Augenblick, und er begab ſich nach vornen, oder auf die Stelle, wohin er gehörte. Mittlerweile erſchien die Wittwe auf dem Deck, lächelnd und die Salzluft in ſich athmend und bereit, ſich an allem dem zu ergötzen, was zur See gehörte. „Guten Morgen, Capitän Spike,“ rief ſie,„ſind wir ſchon in dem Abfall? Ihr wißt, daß ich bat, man möge mir ſagen, wann wir auf den Abfall kommen, da ich einen Brief an meines guten Herrn Budd's Schweſter, Miſtreß Sprague, ſchreiben wollte, ſobald wir den Abfall erreichten.“ „Was iſt der Abfall, Tante?“ fragte die ſchöne Nichte. „Nun, Du biſt kaum lange genug zur See geweſen, Kind, um mich zu verſtehen, wenn ich es verſuchte, Dir eine Erklärung zu geben. Der Abfall iſt aber die Stelle, wo man ſtets die letzten Briefe an den Schiffseigenthümer und ſeine Freunde zu Haus zu ſchreiben pffegt. Der Aus⸗ druck ſchreibt ſich, glaube ich, von dem Umſtande her, daß das Schiff im Begriffe iſt, von dem Lande abzufallen und fortzuſegeln, wo es dann natürlich iſt, daß man an die denkt, welche man, vielleicht auf lange Zeit, hinter ſich läßt. Ich beabſichtige, an Deine Tante Sprague zu ſchreiben, meine Liebe, ſobald ich höre, daß wir in dem Abfall ſind, und was mehr iſt, ich beabſichtige, mich dabei Deiner Hand zu bedienen.“ „Wie ſoll der Brief aber an meine Tante Sprague gelangen? Ich habe nicht das Mindeſte dagegen einzu⸗ wenden, den Brief zu ſchreiben; ich weiß aber nicht, wie der Brief abgeſchickt werden ſoll? Wahrhaftig, die See iſt ein ſeltſar für die Nacht „Ja, j ein ſehr ſeltſ dern, wie i gelernt haſt, hat, und w Was die Bri an das Land zu thun pfle „Wir he Tantchen, der „Roſa! Schiff ſegelte ohne einen ſe Lootſen zu l Deinen guten Lootſen mit „Wenn Tante, wie k „Pah, müßt jedoch? ſchnell und n Briefe nicht den, wär' er entfernt! J wenn wir a weiß, daß Schiff aus d „Ja, je , und er wohin er , lächelnd an allem „ſind wir man möge a ich einen „ Miſtreß rreichten.“ die ſchöne ee geweſen, uchte, Dir die Stelle, igenthümer Der Aus⸗ de her, daß ufallen und nan an die hinter ſich Sprague zu wir in dem mich dabei ite Sprague gegen einzu⸗ r nicht, wie lig, die See — 103— i*ſt ein ſeltſamer Ort mit ihren Anhalt⸗ und Ruheplätzen für die Nacht, und ihren Abfällen zum Briefſchreiben.“ „Ja, ja, da haſt Du ganz recht, liebe Roſy, ein ſehr ſeltſamer Ort iſt die See. Du wirſt ſie bewun⸗ dern, wie ich ſie bewundere, wenn Du ſie beſſer kennen gelernt haſt, und wie Dein guter Oheim ſie bewundert hat, und wie Capitän Spike ſie gleichfalls bewundert. Was die Briefe angeht, ſo können ſie durch den Lootſen an das Land geſchickt werden, wie man dieß gewöhnlich zu thun pflegt.“ „Wir haben aber keinen Lootſen an Bord der Swaſh, Tantchen, denn Capitän Spike wollte ja keinen mitnehmen.“ „Roſa! Du weißt nicht, was Du da ſprichſt. Kein Schiff ſegelte je ohne einen Lootſen; ja, es kann nicht ohne einen ſolchen ſegeln. Es iſt gegen das Geſetz, keinen Lootſen zu haben; und ich erinnere mich eben, daß ich Deinen guten Oheim ſagen hörte, wenn ein Schiff keinen Lootſen mit ſich hinaus nähme, wär' es gar keine Reiſe.“ „Wenn man ihn aber mit ſich hinaus nimmt, Tante, wie kann man durch ihn Briefe hinein ſchicken?“ „Pah, pah, Kind! Du ſprichſt tolles Zeug! Ihr müßt jedoch Nachſicht haben, Capitän Spike, denn Roſa faßt ſchnell und wird bald Alles recht gut begreifen. Als könnten Briefe nicht durch den Lootſen an die Küſte geſchickt wer⸗ den, wär' er auch hunderttauſend Meilen von der Heimath entfernt! Ihr müßt mir aber ſagen, Capitän Spike, wenn wir aus dem Sund zu treten beginnen, denn ich weiß, daß der Lootſe ſtets zurückgeſchickt wird, ehe das Schiff aus dem Sund tritt.“ „Ja, ja!“ verſetzte der Capitän, welchen die Wittwe ———— — 104— ein wenig irre gemacht hatte, obgleich er ſie ſo gut kannte und ſo gut verſtand.—„Ihr ſollt es erfahren, Ma'am, wenn wir mit den Sondirungen fertig ſind, denn ich glaube, dieſe habt Ihr gemeint.“ „Was iſt der Unterſchied? Den Sund oder die Sondirungen hinter ſich haben, muß doch eins und daſſelbe ſein. Wir wollen aber hinab gehen, Roſy, und unſere Briefe alsbald ſchreiben, denn ich ſehe dort drüben einen Leuchtthurm, und Leuchtthürme ſind ſtets gerade vor den Sondirungen.“ 3 Roſa, welche die ſeemänniſchen Ausdrücke ihrer Tante ſtets beargwöhnte, obgleich ſie nicht wußte, wie ſie dieſelben beſſern ſollte, war nicht unwillig, daß das Geſpräch abge⸗ brochen wurde; ſie folgte ihrer Tante in die Kajüte, brachte ihr Schreibzeug heran und hielt ſich bereit, das niederzu⸗ ſchreiben, was ihre Tante dictiren würde. Buddy Noon war anweſend und beſchäftigte ſich mit ihrem Nähzeug. „Nun, Roſa, ſchreibe, was ich Dir ſage,“ begann die Wittwe. „Meine liebe Schweſter Sprague! Hier ſind wir endlich, gerade vor den Sondirungen, und rings um uns Leuchtthürme, und rechts und links ſo viele Vorgebirge und Inſeln, daß man glauben ſollte, das Schiff würde ſeinen Weg nie aus denſelben heraus finden. Einige dieſer Inſeln müſſen die weſtindiſchen ſein—“ „Tantchen, dieß iſt nicht möglich!“ rief Roſa. „Wir haben geſtern erſt Neu⸗York verlaſſen.“ „Was thut das? Wenn wir noch in den alten Zeiten lebten, ja, dann würden wir, ich gebe es gern zu, mehrere Tage brauchen, um die weſtindiſchen Inſeln zu Geſicht zu bekom⸗ men; jetzt a Boſton ſchre⸗ wort haben Weſtindien z liegen in die es ſei Engla „Nein, es das Gera laſſen. So „Einige und es war denn wir ſint werden imme an vier vorb haben. Aber mit Freude d bereits gebeſſe „Meine nicht einen „Sage d gut, was die bedeuten habe nicht beunruh ſorgſame Ver Deine Verwar das Auge ein leicht täuſchen. Du biſt krank, ſei Dank, See Dich und Alle ut kannte Ma'am, denn ich oder die id daſſelbe nd unſere ben einen e vor den rer Tante dieſelben äch abge⸗ e, brachte niederzu⸗ ddy Noon hzeug. begann ſind wir rings um Borgebirge hiff würde Einige ief Roſa. ten Zeiten hrere Tage zu bekom⸗ — 105— men; jetzt aber, wo man einen Brief an eine Freundin zu Boſton ſchreiben und nach einer halben Stunde die Ant⸗ wort haben kann, braucht man nicht ſolange, um nach Weſtindien zu kommen. Ueberdieß— welche andere Inſeln liegen in dieſem Theile der Welt? Du glaubſt doch nicht, es ſei England?“ „Nein, nein, Tante!“ ſagte Roſa, die jetzt ſah, daß es das Gerathenſte wäre, jene Inſeln Weſtindien ſein zu laſſen. So wurde denn der Brief fortgeſetzt. „Einige dieſer Inſeln müſſen die weſtindiſchen ſein, und es war hohe Zeit, daß wir ſie zu Geſicht bekamen, denn wir ſind faſt aus dem Sund, und die Leuchtthürme werden immer zahlreicher. Ich glaube, wir ſind bereits an vier vorbei gekommen, ſeit wir die Werfte verlaſſen haben. Aber, meine liebe Schweſter Sprague, Ihr werdet mit Freude vernehmen, wie ſehr ſich Roſy's Geſundheit bereits gebeſſert hat.“ „Meine Geſundheit, Tantchen?“ Nun, ich bin noch nicht einen Tag meines Lebens krank geweſen.“ „Sage das nicht, meine liebe Roſy; ich weiß nur zu gut, was dieſe trügeriſchen Anzeichen der Geſundheit zu bedeuten haben. Ich habe Dich um Alles in der Welt nicht beunruhigen wollen, mein theures Kind; aber eine ſorgſame Verwandte— und ich bin dem Herzen nach Deine Verwandte, wenn auch nicht von Geblüt,— aber das Auge einer ſorgſamen Verwandten läßt ſich nicht ſo leicht täuſchen. Ich weiß, daß Du gut ausſiehſt; aber Du biſt krank, mein Kind; dennoch wirken, dem Himmel ſei Dank, Seeluft und Hydropathie bereits wundervoll auf Dich und Alles wird wieder gut werden.“ — 106— Miſtreß Budd wiſchte ſich bei den letzten Worten die Thränen von den Augen und ſchien ſich von ganzem Herzen zu freuen, daß ihre Nichte jetzt bei weitem weniger ſchwindſüchtig ausſah, als in der Stunde der Abfahrt. Roſa blickte ihre Tante in ſtummem Staunen an. Sie wußte, wie innig und herzlich ſie geliebt wurde, und dieß war der Grund, warum ſie gegen die Schwächen ihrer Tante nachſichtiger war, als ſich ſelbſt mit ihrer Pflicht vertrug. Ihrem Gefühle geſellte ſich ihre Achtung bei; allein ſie konnte es dennoch kaum ruhig anhören, daß dieſe lange, und in manchen Beziehungen unangenehme Seereiſe ihretwegen, und ohne daß ſich auch nur der entfernteſte Grund dazu darbot, unternommen worden ſein ſollte. Ihre Uubehaglichkeit würde jedoch bedeutend geſteigert worden ſein, hätten nicht dann und wann ſeit ihrem erſten Eintritt an Bord der Brigg gewiſſe offene Mittheilungen zwiſchen ihr und dem ſchönen Maat Statt gefunden. Roſa wußte, daß Harry Mufford ſie liebte, denn er hatte ſich mit der Freimüthigkeit eines Seemannes ausgeſprochen; und obgleich ſie ihn nie hatte wiſſen laſſen, daß ſeine Gefühle Erwiederung fanden, neigte ſich ihr Herz ihm mit all der Zärtlichkeit ihres Geſchlechtes raſch zu. Dieß machte die Irrſicht ihrer Tante erträglich, obgleich ſich Roſa darüber ſehr verſtimmt fühlte.* „Nun, meine liebe Tante,“ ſagte ſie,„man hat mir zu verſtehen gegeben, die Reiſe würde Euretwegen unter⸗ nommen.“ „Ich weiß dieß recht wohl, meine gute, liebe Roſy, und man ſagte es Dir, damit Du Dich nicht beunruhigen ſollteſt. M heit—“ „Meine als zart, T kräftig, wie für das ich nicht anders Ihr auch a Reiſe würde „Ich, aufrichtig, eine Katze.“ „Eure Kur—“ „Sage Liebe! Sie wie Capitän Waſſer komn Wohlthätige Roſa ſe empor und f ſamer Einfa „Capitã gezogen?“ „Allerdi ihm recht ſel derung in D gerathen. S Beſſeres in Spike's Bede orten die ganzem weniger fahrt. inen an. rde, und hen ihrer er Pflicht ung bei; ren, daß ngenehme nur der orden ſein geſteigert rem erſten theilungen den. Roſa hatte ſich geſprochen; daß ſeine rz ihm mit zu. Dieß bgleich ſich an hat mir egen unter⸗ liebe Roſy, beunruhigen Spike's Bedenken iſt Deine Körperbeſchaffenheit im Grunde — 107— ſollteſt. Manche Menſchen von zarter Körperbeſchaffen⸗ heit—“ „Meine Körperbeſchaffenheit iſt aber nichts weniger als zart, Tante; im Gegentheile, ich bin ſo geſund und kräftig, wie man es nur wünſchen kann,— ein Glück, für das ich dem Himmel ſehr dankbar bin. Ich wußte nicht anders, als daß Ihr leidend ſein müßtet, wie gut Ihr auch ausſeht, denn man ſagte mir allgemein, die Reiſe würde Eurer Geſundheit wegen unternommen.“ „Ich, der Hydropathie bedürftig? Nun, mein Kind, aufrichtig, ich bin des Waſſers ſo wenig bedürftig wie eine Katze.“ „Eure Seereiſe, Tante, iſt aber keine hydropathiſche Kur—“ „Sage das nicht, Roſy, ſage das nicht, meine Liebe! Sie iſt eine Hydropathie, aber in höherem Grade, wie Capitän Spike ſagt; und wenn er auf das blaue Waſſer kommt, ſollſt Du, wie er verſprochen hat, all das Wohlthätige dieſer Kur empfinden.“ Roſa ſchwieg, in Gedanken verloren; dann blickte ſie empor und ſagte raſch, als wenn ihr plötzlich ein bedeut⸗ ſamer Einfall in den Sinn gekommen wäre: „Capitän Spike wurde alſo meinetwegen zu Rathe gezogen?“ „Allerdings, meine Liebe, und Du haſt allen Grund, ihm recht ſehr dankbar zu ſein. Er hat zuerſt die Verän⸗ derung in Deinem Ausſehen bemerkt und zu einer Seereiſe gerathen. Seiner Behauptung zufolge, war für Dich nichts Beſſeres in der Welt als Seehydropathie; nach Capitän — 108— vortrefflich, aber Deine hohe Färbung deutet, wie er ſagt, auf einen Zuſtand hoher Erregung, der ſchon zu lange Wurzel gefaßt hat.“ „Iſt Doctor Monſon zu Rathe gezogen worden, Tante?“ „Ganz und gar nicht. Wie Du weißt, ſind die Doctoren alle gegen Hydropathie und Mesmerismus und die magnetiſchen Telegraphen, wie überhaupt gegen Alles, was raſch geht oder neu iſt; wir hielten es daher für das Beſte, ihn ganz zu übergehen.“ 4 „Und meine Tante Sprague?“ „Ja, ſie iſt zu Rathe gezogen worden, als Alles ins Reine gebracht war, und ich wußte, daß ihre Anſichten das nicht mehr ungeſchehen machen konnten, was bereits geſchehen war. Sie iſt aber eines Seemanns Wittwe, wie ich, und hat einen hohen Begriff von der Kraft der Seeluft.“ „Wie es ſcheint, war alſo Capitän Spike in meinem Falle der einzige Rathgeber?“ „Ich gebe das gern zu, liebe Roſy. Capitän Spike iſt von Deinem Oheim erzogen worden, der mirdoft ſagte, welch ein tüchtiger Seemann er wäre.„Da haben wir nun Spike,“ ſagte er mir eines Tages,„der ſeine Brigg faſt ſprechen gelehrt hat,“ und Dein Oheim nannte eben dieſe Brigg Roſy, und ſolglich eines der beſten Schiffe von der Welt, um Hydropathie darin zu brauchen.“ „Ja, Tante,“ erwiederte Roſa und ſpielte mit ihrer Feder, und ihre Miene zeigte, wie wenig ihre Seele bei ihren Worten war.—„Gut, was ſoll ich meiner Tante Sprague weiter ſchreiben?“ „Roſa beſſern,“ b das Beſte, ſie finden k mein Leben erheben. 6 erreicht hak Euch dieß d „Gibt phen, Tan klaren, rein das Staune Tante malte „Sage aller Welt l von Neu⸗Y Erde herum. „Der F und das Me „Nun, ſehr genau z ſchicken wir imwerhin„ den Brief ert welchem Wes aus, wenn u Kind!“ Roſa ne ihre Tante w —„dur er ſagt, zu lange worden, ſind die nus und n Alles, für das ils Alles Anſichten s bereits Wittwe, Kraft der meinem än Spike oft ſagte, aben wir ne Brigg unte eben n Schiffe 7 mit ihrer Seele bei ner Tante — 109— „Roſa's Geſundheit beginnt bereits ſich ganz zu beſſern,“ begann die Wittwe wieder, denn ſie hielt es für das Beſte, ihre Nichte durch die ſtärkſten Ausdrücke, die ſie finden konnte, zu ermuthigen;—„und ich werde, all mein Leben lang, die Hydropathie bis in den Himmel erheben. Sobald wir den Hafen unſerer Beſtimmung erreicht haben, werd' ich Euch eine Zeile ſchreiben, um Euch dieß durch den magnetiſchen Telegraphen zu melden.“ „Gibt es denn zur See einen magnetiſchen Telegra⸗ phen, Tantchen?“ fiel Roſa ein und blickte mit ihren klaren, reinen, blauen Augen von dem Papier auf, und das Staunen über dieſen Beweis der Unwiſſenheit ihrer Tante malte ſich auf ihrem ſchönen Geſichte. „Sage das nicht, meine liebe Roſy, wenn man von aller Welt hört, der Funke flöge ebenſo geſchwind, wie er von Neu⸗York nach Philadelphia fliegt, um die ganze Erde herum.“ „Der Funke muß aber einen Leiter haben, Tantchen, und das Meer trägt keine Pfoſten und keine Drähte.“ „Nun, nun, man braucht die Sache eben nicht ſo ſehr genau zu nehmen; wenn kein Telegraph zu haben iſt, ſchicken wir den Brief mit der Poſt ab. Du kannſt hier immerhin„Telegraph“ ſchreiben, und wenn Deine Tante den Brief erhält, wird der Poſtſtempel ſie belehren, auf welchem Wege er gekommen iſt. Es nimmt ſich beſſer aus, wenn man von telegraphiſcher Correſpondenz ſpricht, Kind!“ Roſa nahm ihre Feder wieder auf und ſchrieb, wie ihre Tante weiter dictirte: —„hdurch den magnetiſchen Telegraphen zu melden, — 110— und ich hoffe, Euch ſagen zu können, daß unſere liebe Roſy wieder ganz hergeſtellt iſt. Bis jetzt ſind wir über das Weltmeer wahrhaft entzückt; wenn wir aber aus dem Sund in das blaue Waſſer hinauslaufen, und den Lootſen an die Küſte geſchickt oder entlaſſen haben, wie ich mich wohl ausdrücken muß, was mich daran erinnert, Euch zu berichten, daß dieſe Nacht erſt eine Kanone auf uns abge⸗ feuert worden iſt, und daß die Kugel ſo nahe an mir vorbeipfiff, daß ich ſie ſo deutlich hörte, wie Ihr Roſy's Piano gehört habt.“ „Wär' es nicht beſſer, wenn ich meiner Tante Sprague ſagte, was geſchehen ſoll, wenn der Lootſe entlaſſen iſt?“ „Nein, ſchreibe nur erſt von der Kanone, die auf uns abgefeuert wurde, und dann von der Kugel, welche ich gehört habe. Ich hätte dieſes Abenteuer, das doch gewiß ein ſehr merkwürdiges war, beinahe vergeſſen. nicht merkwürdig, Buddy?“ „Gewiß, Miſſus, das war's! Und Miß Roſa darf in den Brief ſetzen, wie wir Beide über den Schuß geſchrieen haben, und ohne allen Zweifel ebenſo gut gehört worden ſind, wie der Schuß ſelbſt.“ „Sage nichts davon, liebe Roſa, der Brief würde ſonſt viel zu lang werden. So, Liebe, ſchließe nun, wie Du es für gut findeſt, denn ich glaube, ich habe Deiner Tante Alles geſagt, was ſie zu wiſſen wünſcht.“ Roſa endigte, wie man es von ihr verlangt hatte, den Brief mit wenigen ſchließlichen Worten, denn ſie ſagte ſich mit Recht, da kein Lootſe entlaſſen würde, könne auch der Brief nicht abgehen. Ihre kurzen, aber öfteren Unterhaltungen mit Harry War es Mulford ö⸗ Herz, und Charakter, ſehen. De bisher nich Brigg und thümer un die Eiferſu in der letz Mulford be früher einit gehen, da aber arm, bot ſich ihn Dieſer welches ihn Schiff gewi hatte er V war. Uebe die, wenn chen gebrac von ihr wür Ein Se Raumes zie halten wün Raume leic war der F So kurz de Waſſer ſchy ſich Roſa zu nſere liebe hwir über r aus dem den Lootſen ie ich mich t, Euch zu uns abge⸗ he an mir Ihr Roſy's ite Sprague laſſen iſt?“ die auf uns „welche ich doch gewiß n. War es ß Noſa darf den Schuß o gut gehört Brief würde ße nun, wie habe Deiner 1.7 erlangt hatte, denn ſie ſagte e, könne auch en mit Harry — 111— Mulford öffneten ihr die Augen, um nicht zu ſagen, das Herz, und ſie begann, Capitän Spike in ſeinem wahren Charakter, welcher der eines großen Schurken war, zu ſehen. Der Maat hatte ſeinen Befehlshaber allerdings bisher nicht ſo ſchlimm beurtheilt, ſondern eher die ſchöne Brigg und ihre treffliche Eigenſchaft in ihrem Eigen⸗ thümer und Befehlsheber als den Mann ſelbſt geſehen; die Eiferſucht hatte aber jetzt ſein Auge geſchärft, und in der letzten Woche hatte Stephan Spike bei Harry Mukford bedeutend verloren. Der junge Mann war ſchon früher einige Male entſchloſſen, auf ein anderes Schiff zu gehen, da er dem Gehaben Spike's nicht traute; er war aber arm, und ſo lange er an Bord der Swaſßh blieb, bot ſich ihm ſtets Gelegenheit dar, Roſa zu ſehen. Dieſer Umſtand war in der That das Geheimniß, welches ihn an Bord der„Molly“ hielt, wie Spike ſein Schiff gewöhnlich nannte; denn ſchon auf der letzten Reiſe hatte er Verdacht geſchöpft, der ziemlich bedenklicher Art war. Ueberdieß liebte der junge Mann die Brigg wirklich, die, wenn ſie auch nicht im wörtlichen Sinne zum Spre⸗ chen gebracht werden konnte, faſt alles Andere, was man von ihr wünſchte, mit Leichtigkeit vollbrachte. Ein Schiff, und ein kleines obendrein, iſt hinſichtlich des Raumes ziemlich beſchränkt; aber die, welche ſich zu unter⸗ halten wünſchen, können es ſelbſt in einem ſo beſchränkten Raume leicht fügen, daß ſie ſich allein ſprechen. Dieß war der Fall mit Roſa Budd und dem ſchönen Maat. So kurz die Zeit war, welche die Swaſßh jetzt auf dem Waſſer ſchwamm, war es Mulford zwanzig Mal gelungen, ſich Roſa zu nähern und, unbelauſcht von andern, mit ihr — 112— zu ſprechen. Allerdings hütete er ſich, dieß zu verſuchen, wann der Capitän ſichtbar war; dieſer befand ſich jedoch öfter unten, und immer bot ſich ein günſtiger Augen⸗ blick dar. Im Laufe dieſer öfteren, aber kurzen Beſprechungen hatte Harry gewiſſe düſtere Winke hinſichtlich des Charak⸗ ters ſeines Befehlshabers und der bekannten Leichtfertigkeit ſeines Gehabens gegeben. Roſa fühlte ſich in großer Un⸗ ruhe deßhalb, und da ihr die geiſtige Beſchränktheit ihrer Tante nur zu bekannt war, mußte ihre Lage ſie in große Unbehaglichkeit verſetzen. Der Regierungsdampfer ließ ſie einen fernen Hoffnungsſtrahl gewahren, obgleich ſie nicht ohne Ueberraſchung bemerkte, daß ihr jüngerer und zuver⸗ ſichtlicherer Bewerber eifrigſt bemüht ſchien, jenem Fahr⸗ zeuge zu entſchluͤpfen, während er zu gleicher Zeit ſeine Beſorgniſſe in Betreff ihres Aufenthaltes in der Brigg laut werden ließ. Dieſer Widerſpruch hatte ſeinen Grund in einem gewiſſen Innungsgeiſte, welcher gewöhnlich den Seemann mehr oder weniger mit ſeinem Schiffe in Eins verſchmilzt. Der Brief war jedoch geſchrieben und verſiegelt,— denn Miſtreß Budd war in dieſer Beziehung ebenſo eigen, wie Lord Nelſon,— und die Frauen begaben ſich wieder auf das Deck. Sie fanden Spike und ſeinen Maat, die mit ihren Ferngläſern den öſtlichen Theil der Meerenge beſtrichen, um nach dem Feinde, oder, was für ſie in die⸗ ſem Augenblicke ganz gleichbedeutend war, nach dem Zoll⸗ hampfer auszugucken. Roſa gewahrte nicht ohne Mißmuth, daß Mulford bei dieſer Beſchäftigung ſich faſt ebenſo eifrig zeigte, als Spike ſelbſt, zu ihr, wenn ſchien. Sie anderes Sch Unmuthe faf wenig auszuf laſſen, daß d die Tante. Sie war und in dieſe verſchiedene3 niſſe in Betr als ſie ihre; „Und w zu begegnen? der Meerenge die Geſetze d „Fürch Frage ein we ten, Miß R fürchten, warum wir angeſprochen Kriegszeiten Budd, daß 2 „Allerdi „und dieß iſt jagt und das hätteſt erzäh Schiffe er in 241— 243 verſuchen, ſich jedoch er Augen⸗ prechungen s Charak⸗ htfertigkeit großer Un⸗ theit ihrer e in große fer ließ ſie ) ſie nicht und zuver⸗ nem Fahr⸗ Zeit ſeine der Brigg in einem Seemann verſchmilzt. ſiegelt,— enſo eigen, ſich wieder Maat, die Meerenge ſie in die⸗ dem Zoll⸗ ß Mulford zeigte, als — 113— Spike ſelbſt, indem die Liebe zu ſeinem Schiffe ſeine Liebe zu ihr, wenn nicht ſeine Liebe für das Recht, zu beſiegen ſchien. Sie wußte jedoch nicht, warum der Capitän ein anderes Schiff fürchten ſollte, und fühlte ſich in ihrem Unmuthe faſt geneigt, ihn wegen dieſes Umſtandes ein wenig auszufragen, wär' es auch nur, um ihn fühlen zu laſſen, daß die Nichte nicht ſo leicht irre zu leiten ſei, wie die Tante. Sie war daher noch keine fünf Minuten auf dem Deck, und in dieſen fünf Minuten waren beiden Seemännern verſchiedene Worte entſchlüpft, welche ſich auf ihre Beſorg⸗ niſſe in Betreff der in der Ferne ſichtbaren Schiffe bezogen, als ſie ihre Nachfragen begann. „Und warum ſollten wir fürchten, anderen Schiffen zu begegnen?“ fragte Roſa einfach,„und überdieß hier in der Meerenge von Long⸗Island, und in dem Bereiche, wo die Geſetze des Landes Kraft haben?“ „Fürchten?“ rief Spike, durch dieſe unumwundene Frage ein wenig erſchreckt und ziemlich überraſcht.„Fürch⸗ ten, Miß Roſa! Ihr glaubt gewiß nicht, daß wir uns fürchten, obgleich wir manche Gründe haben könnten, warum wir von gewiſſen Schiffen, die umherlungern, nicht angeſprochen ſein möchten. Erſtens wißt Ihr, daß wir in Kriegszeiten leben. Man hat Euch gewiß geſagt, Madame Budd, daß Amerika mit Mexiko Krieg führt?“ „Allerdings,“ antwortete die Wittwe mit vieler Würde, „und dieß iſt ein hinreichender Grund, daß das eine Schiff jagt und das andere läuft. Wenn Du Deinen guten Oheim hätteſt erzählen hören, wie ich es hörte, welche Menge Schiffe er in Kriegszeiten jagte, und vor wie vielen er lief⸗ 241— 243. 8 — 114— Roſy, würdeſt Du alle dieſe Dinge beſſer wiſſen, mein Kind. Gewiß, ich habe Deinen Oheim ſagen hören, daß er auf einigen ſeiner langen Seereiſen tauſend und tauſend Meilen mit Segeln auf ſeinen beiden Seiten und ganz über ſein Schiff weg gelaufen ſei.“ „Ich habe wohl etwas der Art gehört, Tantchen; wenn ich aber nicht irre, iſt er vor dem Wind gelaufen, wie er es nannte.“ „Ich glaube jedoch, Miß Roſa,“ ſiel Spike ein, der einſah, die Nichte würde die Tante bald überſchauen,„ich glaube, Miß Roſa, Ihr werdet zugeben, daß Amerika und Mexiko Krieg miteinander führen.“ „Ich muß dieß leider zugeben, Capitän Spike; ich erinnere mich aber, von Euch ſelbſt, als meine Tante veranlaßt wurde, dieſe Reiſe zu unternehmen, gehört zu haben, Ihr hegtet nicht die geringſte Beſorgniß hinſichtlich irgend eines mexikaniſchen Schiffes.“ „Ja, ſo ſagtet Ihr, Capitän Spike,“ ſetzte die Tante hinzu.„Ihr ſagtet, von Mexikanern drohe nicht die min⸗ deſte Gefahr.“ „Auch iſt nicht das Geringſte zu beſorgen, Madame Budd, wenn Ihr und Miß Roſa mir die Ehre ſchenken wollt, auf meine Worte zu hören. Uns droht keine Ge⸗ fahr, denn die Brigg hat beſſere Ferſen, als irgend ein Schiff, das Mexiko auf die See ſchicken kann. Es hat ſeine Dampfer verkauft, und um das, was ſonſt unter ſeiner Flagge ſegelt, bekümmere ich mich nicht mehr, als um einen Strohhalm.“ „Der Dampfer, vor welchem wir geſtern Abend die Flucht nahmen, und der ſogar eine Kanone auf uns abfenerte, ſagte Roſa blüfft war. „O, Wettfahr mich um A hätte ich es oder der Af eingeholt he Budd.“ S ſeinen Ausft „Ihr feht, und ich ſind miteinander Wir begegn Eurer ange „Spike! morgigen F Peter Jone „Schifft Ih „Heult fiel die Wit auch zu ne furchtbar!“ „Nun, es immer ihn kennen. „Ich! Seeleute ſe Heulthor o mein Kind. daß er auf ſend Meilen az über ſein Tantchen; nd gelaufen, ike ein, der hauen,„ich lmerika und Spike; ich heine Tante gehört zu hinſichtlich e die Tante ht die min⸗ , Madame re ſchenken keine Ge⸗ irgend ein n. Es hat ſonſt unter mehr, als Abend die e auf uns abfenerte, war kein Mexikaner, ſondern ein Amerikaner,“ ſagte Roſa nicht ohne Nachdruck, ſo daß Spike ganz ver⸗ blüfft war. „O, jener Dampfer!“ ſtotterte er„das war eine Wettfahrt, nichts als eine Wettfahrt, und ich hätte mich um Alles in der Welt nicht überſegeln laſſen. Wie hätte ich es wieder gewagt, mich in der Nähe der Bank oder der Aſſecuranzbüreaux ſehen zu laſſen, wenn er mich eingeholt hätte. Ihr ſeht, Miß Roſa, Ihr ſeht, Madame Budd.“ Spike hielt es für das Gerathenſte, ſich mit ſeinen Ausflüchten vorzugsweiſe an die Tante zu wenden. „Ihr feht, Madame Budd, der Capitän jenes Dampfers und ich ſind alte Bekannte; ſchon als Knaben waren wir miteinander zur See und halten ſtets noch viel auf einander. Wir begegneten uns erſt vorgeſtern Abend, als ich eben aus Eurer angenehmen Geſellſchaft kam, Madame Budd, und „Spike!“ ſagte er,„wann ſegelt Ihr ab?“—„Mit der morgigen Fluth, Jones,“ ſag' ich; denn er heißt Jones, Peter Jones, und ein beſſerer Burſche hat nie gelebt.— „Schifft Ihr am Hook vorbei, oder durch das Höllenthor?“ „Heulthor, Capitän Spike, wenn es Euch beliebt,“ fiel die Wittwe ein,„oder Wirbelthor, wie es die Leute auch zu nennen pflegen; wie Ihr es nennt, klingt ſo furchtbar!“ „Nun, der Capitän, mein alter Befehlshaber, nannte es immer Höllenthor, und ich lernte den Namen durch ihn kennen.“ „Ich weiß das recht gut; er ſagte ſo, und faſt alle Seeleute ſagen ſo; vornehme Leute nennen es jetzt aber Heulthor oder Wirbelthor.“ 8* — 116— Roſa konnte ſich ſo wenig, wie Mulford, enthalten, über Pieſe Worte zu lächeln; keines ſagte aber etwas, da der Gegenſtand erſt vor kurzem behandelt worden war, und was uns ſelbſt betrifft, ſo ſind wir noch ſo altmodiſch, daß wir ſtets noch Höllenthor ſagen und ſchreiben, und es auch fortan ſo halten werden, trotz aller Yankees, welche durch daſſelbe gekommen ſind, und noch durch daſſelbe kom⸗ men werden, was gewiß viel ſagen will. Wir wechſeln nicht gerne Namen, um der Unruhe ihres Geiſtes ein Genüge zu thun. „Nennt den Platz Heulthor und fahrt in Eurer Ge⸗ ſchichte fort,“ ſagte die Wittwe mit großer Selbſtruhe. „Ja, Madame Budd. Alſo—„geht Ihr an dem Hook vorbei oder durch das Wirbelorum⸗Thor?“ ſagt Jones.— „Durch das Wirbelorum⸗Thor,“ ſag' ich.—„Gut,“ ſagt er, „ich werde ſelbſt im Laufe dieſes Morgens durch das Thor gehen; wir können uns auf der Oſtſeite treffen, und wenn das der Fall iſt,“ ſagt er,„ſo wette ich einen Biberhut, daß ich Euch meinen Spiegel zeige.“—„Es gilt,“ ſag' ich,„und darauf ſchütteln wir uns die Hände. Das iſt die ganze Geſchichte, warum ich geſtern Abend dem Dampfer aus dem Wege ging und nicht von ihm angeſprochen ſein wollte.“ „Ihr ſeid aber in die Bucht eingelaufen, und habt ihn an Euch vorübergehen laſſen,“ ſagte Roſa mit ſehr ruhiger Miene, aber nicht ohne etwas Anzügliches in dem Ton ihrer Stimme;„iſt dieß nicht eine ſeltſame Art Wettfahrt?“ 3 „Allerdings ſcheint das ſo, Miß Roſa; wenn man es aber verſteht, iſt's höchſt einfach. Ich mußte bemerken, daß der D die Bucht a der Hoffnun liegt mir ne es liegt mir heiße, die 2 auch ein Da Dieß ſ Ziel, umſon Capitän etw „Wievi davon iſt ni allein war. ſchnell bereit „Kein erwartet, d ſehen, als weder von Rede, ſonde weichen; das „Und n „Auf m ligt bin, keir daß ich wün und zumal k Warum Spi ſchiffe auszun verſteht, iſt warum er al zu bleiben, enthalten, :was, da den war, ltmodiſch, 1, und es s, welche elbe kom⸗ wechſeln eiſtes ein kurer Ge⸗ ſtruhe. dem Hook Jones.— „ ſagt er, das Thor ind wenn Biberhut, lt,“ ſag' Das iſt Dampfer ichen ſein und habt mit ſehr s in dem ame Art enn man bemerken, — 117— daß der Dampf es den Segeln zuvorthat, und hielt in die Bucht ab, um den Dampfer vorbeilaufen zu laſſen, in der Hoffnung, er würde nie hinter die Liſt kommen. Es liegt mir natürlich nur ſehr wenig an einem Hute; aber es liegt mir ſehr viel daran, daß es an der Bank nicht heiße, die Molly ſei geſchlagen worden, wäre der Sieger auch ein Dampfer.“ Dieß ſetzte dem Geſpräche für den Augenblick ein Ziel, umſomehr, als Clench wieder herantrat, um feinem Capitän etwas zuzuflüſtern. „Wieviel iſt von dieſer Erklärung wahr, und wieviel davon iſt nicht wahr?“ fragte Roſa, ſobald ſie mit Harry allein war.„Wenn Alles Erfindung war, ſo iſt's eine ſchnell bereite, ganz hörbare Geſchichte geweſen.“ „Kein Wort davon iſt wahr. Er hat es ſo wenig erwartet, den Dampfer durch das Höllenthor laufen zu ſehen, als ich es ſelbſt erwartet habe. Es war daher weder von einer Wette, noch von einer Wettfahrt die Rede, ſondern wir wollten Oheim Sam's Kreuzern aus⸗ weichen; das iſt Alles.“ „Und wie kommt es, daß Ihr dieß wünſcht?“ „Auf meine Ehre, ich kann Euch, ſoweit ich bethei⸗ ligt bin, keinen andern Grund angeben, als den Umſtand, daß ich wünſche, mich von ſolchen Schiffen fern zu halten, und zumal keine Freude daran habe, überholt zu werden. Warum Spike ſo eifrig darauf bedacht iſt, dem Finanz⸗ ſchiffe auszuweichen, weiß ich nicht. Wie es ſich von ſelbſt verſteht, iſt er kein Freund von Fahrzeugen dieſer Art; warum er aber eben jetzt Alles aufbietet, um ihnen fern zu bleiben, iſt mehr, als ich ſagen kann. Nie iſt eine — 118— unſchuldigere Ladung in dem inneren Raume eines Schif⸗ fes geborgen worden.“ „Aus was beſteht ſie?“ „Aus Mehl; und auch deſſen nicht ſehr viel. Die Brigg iſt nicht halb voll, denn ſie führt bloß eine gleich abgewogene Ladung, als gelte es, eine Wettfahrt zu machen. Den angeborenen Widerwillen abgerechnet, ſehe ich keinen hinreichenden Grund, warum Capitän Spike irgend einem Schiffe aus dem Wege„zu gehen wünſcht. Die Beſorgniß vor einem Mexikaner, beſonders in dem Sund von Long⸗Island, iſt nichts als Erfindung. Dieſe ganze Geſchichte von Jones iſt ein Fäßchen für Wall⸗ ſiſche.“ „Ich danke Euch für die Anſpielung, denn meine Tante und ich wären die Wallfiſche.“ „Ihr wißt wohl, Roſa, daß ich nichts Unehrerbietiges gegen Euch, oder gegen Eure Tante im Sinne hatte, oder haben konnte.“ Roſa blickte empor, und die Freude ſtrahlte in dieſem Blicke. Dann dachte ſie einen Augenblick nach, und begann wieder: „Warum habt Ihr mit einem ſolchen Manne noch eine Reiſe angetreten, Harry?“ fragte ſie ernſt. „Weil ich als ſein erſter Officier Zutritt in Euer Haus hatte, was in anderer Weiſe nicht wohl möglich war; und weil ich beſorgte, er würde Miſtreß Budd zu dieſer Reiſe überreden, wie er ſich denn vor mir gerühmt hat, er habe die Abſicht, dieß zu thun.“ Roſa blickte freundlich empor, und ihr Gefühl war hohe Dankbarkeit, und ſie hatte Urſache, einem ſolchen Gefühle ſich Geſchichte ver Kind; aber ſolche Kinder aus einer gut ren des Jüng er hatte, wei ihm gemacht. um Alles, um in ſeinem zu hatte eine od als der Zufal die Beweiſe v er in einem an den Tag Bord nahm, Wahl!, theils Was Ro war keineswe von ihrem Vo verfügen hatt ihrem Oheim Dieſes C die leichtgläub er werde ſein loſen Abenteue zu lächeln ſtet und ſeine Br Schiffe und de men, nichts b nes Schif⸗ viel. Die eine gleich ttfahrt zu hnet, ſehe tän Spike n wünſcht. 's in dem ng. Dieſe für Wall⸗ nn meine vrerbietiges hatte, oder in dieſem nach, und anne noch in Euer hl möglich 3 Budd zu ir gerühmt zefühl war em ſolchen — 119— Gefühle ſich hinzugeben. Harry hatte ihr nichts von ſeiner Geſchichte verhehlt. Wie ſie, war er eines Schiffsherrn Kind; aber er hatte eine beſſere Erziehung erhalten, als ſolche Kinder ſie zu erhalten pflegen. Sein Vater, der aus einer guten Famtlie abſtammte, hatte den erſten Jah⸗ ren des Jünglings große Aufmerkſamkeit gewidmet; aber er hatte, weil Harry darauf beſtand, einen Seemann aus ihm gemacht. Ein Schiffbruch brachte den Vater jedoch um Alles, und um das Leben zumal, und Harry mußte in ſeinem zwanzigſten Jahre ſelbſt für ſich ſorgen. Er hatte eine oder zwei Reiſen als zweiter Maat gemacht, als der Zufall ihn zu Spike führte, der ihn, erfreut über die Beweiſe von kaltem Blut und Geſchicklichkeit, welche er in einem ausländiſchen Hafen bei einem Schiffbruche an den Tag gelegt hatte, als ſeinen zweiten Officier an Bord nahm, welche Stelle er auch theils aus eigener Wahl!, theils aus Noth bisher bekleidet hatte. Was Roſa betraf, ſo hatte ſie Vermögen, aber es war keineswegs bedeutend, einige tauſend Dollar, welche von ihrem Vater herrührten, und über die ſie bereits zu verfügen hatte, und eine gleiche Summe, die ihr von ihrem Oheim zufiel. Dieſes Geld hatte die Habgier Spike's gereizt, und die leichtgläubige Beſchränktheit der Tante ließ ihn hoffen, er werde ſeinen Zweck erreichen. Nach einem in geſetz⸗ loſen Abenteuern hingebrachten Leben, welchem das Glück zu lächeln ſtets verſchmäht hatte, ſah er, daß er alt wurde, und ſeine Brigg mit ihm, und daß ihm außer ſeinem Schiffe und der kleinen Ladung, die er an Bord genom⸗ men, nichts blieb. Der Mangel an Mitteln war in der — 120— That der Grund, daß die Mehkfäſſer nicht in größerer Anzahl beigeſtaut worden waren. Roſa hörte die Erläuterungen Mulford's, wie über⸗ haupt faſt Alles, was er ſagte, mit günſtigem Ohre, ſetzte das Geſpräch aber nicht fort, denn Spike's und des Hoch⸗ bootsmannes Zwiegeſpräch war eben zu Ende. Der Capitän kam jetzt nach hinten, und begann von den Leiſtungen ſeines Schiffes in einer Weiſe zu ſprechen, welche zeigte, daß er ſehr ſtolz auf die„Molly“ war. „Wir fahren jetzt mit der Geſchwindigkeit von zehn Knoten, Madame Budd,“ ſagte er frohlockend,„und damit werden wir, ehe die Nacht wieder einbricht, klar von dem Lande abkommen. Montauk iſt ein guter Platz für einen Abfall; ich will nie einen beſſeren kennen lernen.“ „Wir werden alſo auf dieſer Reiſe zwei„Abfälle“ haben, Capitän Spike?“ fragte Roſa ein wenig ſpöttiſch; „wenn wir jetzt in dem Abfalle ſind, und in den Abfall kommen werden, ſobald wir Montauk erreichen, muß es zwei ſolche Orte geben.“ „Roſy, liebe Roſy, Du bringſt mich außer Faſſung,“ fiel die Tante ein«„Es gibt keinen Abfall, ehe der Lootſe entlaſſen iſt, und wenn er entlaſſen iſt, dann iſt Alles Abfall, nichts als lauter Abfall. Auf dem Sund tritt der erſte große Wechſel ein, welcher des Schiffes harret, das zur See geht: dann kommt der Abfall; dann wird der Lootſe entlaſſen; dann,— dann,— nun, was kommt dann, Capitän Spike?“ „Dann kommt die endliche Abfahrt. Eine alte See⸗ fahrerin, wie Miſtreß Budd, ſollte etwas dieſer Art nicht vergeſſen.“ „Ge tiger Ab⸗ und tauf von ſeine und ſeine „La die Witt Verlegen „Ich kommen. ſprechen.“ „We „der Au⸗ derer, die „O, Ende. C Anderes, und ein nichts m Ich habe bei denen die Ewig „Ja Unglücksf zu beſtehe hören, a wie er g auf dem Verſtoß Gefahren — 121— 8 in größerer„Ganz richtig, Herr. Die Abfahrt iſt ein ſehr wich⸗ tiger Abſchnitt in dem Leben eines Seemannes. Tauſend⸗ 3, wie über⸗ und tauſendmal habe ich meinen guten, lieben Herrn Budd Ohre, ſetzte von ſeinen Abfahrten reden hören, von ſeinen Abfahrten, id des Hoch⸗ und ſeinen Abfällen, und— und ſeinen—“ „Landfällen,“ ſetzte Spike hinzu, da er bemerkte, daß begann von die Wittwe ſeines ehemaligen Befehlshabers in einiger zu ſprechen, Verlegenheit war. )“ war.„Ich dank' Euch, Herr, Euer Wink iſt mir ſehr will⸗ jit von zehn kommen. Auch von ſeinen Landfällen pflegte er oft zu „und damit ſprechen.“ lar von dem„Was iſt ein Landfall, Tantchen?“ fragte Roſa; atz für einen„der Ausdruck klingt ziemlich auffallend in dem Munde en.⸗ derer, die auf der See leben.“ i„Abfälle“„O, der auffallenden Dinge bei den Seeleuten iſt kein nig ſpöttiſch; Ende. Ein„Landfall,“ meine Liebe, heißt natürlich nichts den Abfall Anderes, als ein Schiffbruch. Man fällt an das Land, en, muß es und ein ſehr unangenehmer Fall iſt es, wenn ein Schiff nichts mehr wünſcht, als auf dem Waſſer zu bleiben. er Faſſung,“ Ich habe ſchon von ſehr vielen Landfällen erzählen hören, he der Lootſe bei denen Hunderte von Seelen in einem Augenblicke in G nn iſt Alles die Ewigkeit hinübergeriſſen wurden.“ und tritt der„Ja, ja, Madame Budd. Es gibt allerdings ſolche h harret, das Unglücksfälle, und wir haben oft ſehr ernſtliche Gefahren 3 nn wird der zu beſtehen,“ verſetzte Spike, und ließ ein leichtes Huſten was kommt hören, als wollte er ſich die Kehle ein wenig aufräumen, wie er gewöhnlich zu thun pflegte, wenn er die Wittwe ne alte See⸗ auf dem Wege ſah, ſich einen ungewöhnlich auffallenden ſer Art nicht Verſtoß zu erlauben;„ja, wir haben oft ernſtliche Gefahren zu beſtehen. Der Landfall aber, welchen ich meine, iſt etwas ganz Anderes; denn wir nennen es, wie Ihr wohl wißt, einen Landfall, wenn wir nach einer Reiſe zuerſt Land zu Geſicht bekommen, zuweilen drückt das Wort auch das Land ſelbſt aus, welches uns zufällig zuerſt zu Geſicht kommt.*) Die Abfahrt iſt der Anfang unſerer Berechnungen, wenn das letzte Vorgebirg, oder die letzte Landſpitze uns aus dem Geſichte verſchwindet, und der Landfall macht den Schluß derſelben, indem er uns ſehen läßt, wo wir uns an dem anderen Ende unſerer Reiſe befinden, wie Ihr Euch alles deſſen ohne Zweifel erinnert.“ „Gibt es in der Schiffahrt etwas, das man„ein Schiff frei machen“ nennt?“ fragte Roſa ernſt, denn ſie wünſchte, eine kleine Unbehaglichkeit, die ſich in ihrer Tante ganzem Gehaben ausſprach, unbemerkt vorübergehen zu laſſen. „Eigentlich nicht in der Schiffahrt, Miß Roſa; denn bei ehrlichen Leuten kommt das„frei machen“ zuerſt, und dann folgt die Schiffahrt.„Frei machen“ heißt: mit Zoll und Mauth nach dem Geſetz ins Reine kommen.“ „Und Ihr habt doch die Molly frei gemacht, hoff' ich?“ „Gewiß, eine geſetzlichere Freigebung hat noch nie in Wallſtreet Statt gefunden. Die Molly iſt nach Key⸗Weſt zum Auskauf ihrer Ladung eingeſchrieben; ich wollte anfangs Havannah beſuchen; das Hafengeld zu Key⸗Weſt iſt aber niedriger.“ *) Deining, Aufthuing, Anthuing, das Land anthun in der See⸗ mannsſprache. 3 Der Ueberſetzer. „Key „Nacl ort ſein; welchen ſie Roſa daß ſie in Vortheile das Geſpre Schiffe ihr Unterhaltu Der 8 während d lief mit de wärts mit ſie dicht un des Waſſer keine ander ſo entginge Seekrankhe gewiſſe Vo tritt in da unteren Ro Indem ihr der Ra obgleich ſei unſchätzbare nur ein P nur in ſein voll der z ſeiner Art es, wie ner Reiſe ückt das zufällig Anfang oder die det, und er uns unſerer Zweifel an„ein denn ſie in ihrer bergehen ß Roſa; “ zuerſt, heißt: ommen.“ ht, hoff' h nie in key⸗Weſt anfangs iſt aber mder See⸗ rſetzer. „Key⸗Weſt iſt alſo der Ort, wohin wir reiſen?“ „Nach unſeren Papieren ſoll dieß unſer Beſtimmungs⸗ ort ſein; die Schiffe verlieren aber oft die Häfen, nach welchen ſie ſteuern.“ Roſa fragte nicht weiter, und da ihre Tante fühlte, daß ſie in dem Handel mit dem„Landfall“ nicht zu ihrem Vortheile erſchienen war, hatte dieſe auch keine Neigung, das Geſpräch fortzuſetzen. Spike und Mulford mußten dem⸗ Schiffe ihre Aufmerkſamkeit zuwenden, und ſo war die Unterhaltung zu Ende. Der Leſer denkt ſich wohl, daß die Molly Swaſh während dieſer Zeit nicht ſtillſtand. Im Gegentheile, ſie: lief mit dem Winde auf ihrer Leeſeite, oder von ſüdweſt⸗ wärts mit großer Behendigkeit„den Sund hinab.“ Da ſie dicht unter der ſüdlichen Küſte, oder auf der Inſelſeite des Waſſers ſtand, in welchem ſie dahinſegelte, hatte ſie keine andere Bewegung, als die der Geſchwindigkeit, und ſo entgingen die Frauen vorerſt jedem Gefühle, das der Seekrankheit ähnlich war. Dieß ſetzte ſie in den Stand, gewiſſe Vorbereitungen zu treffen, welche vor ihrem Ein⸗ tritt in das rauhe Waſſer zu ihrer Dehadlichtei in dem unteren Raume nothwendig waren. Indem Roſa ſich dieſer Mühewaltung widmete, kam ihr der Rath Joſh's, des Proviantmeiſters, ſehr zu ſtatten, obgleich ſein neuer Gehilfe, Hans Tier, ſich bald als ein unſchätzbarer Erwerb für die Kajüte erwies, Jener war nur ein Proviantmeiſter, während der Andere ſich nicht nur in ſeinem Berufe gewandt und thätig zeigte, ſondern voll der zweckmäßigſten Anſchläge, ein wahres Genie in ſeiner Art war. Joſh fühlte bald, daß ſeine Befähigung, die Bequem⸗ lichkeit der Frauen zu fördern, nicht an die ſeines rauh ausſehenden, aber wirklich ſehr erfahrnen Stellvertreters reichte, und er überließ dieſem die Beſorgung der„Damen⸗ Kajüte,“ wie man einen kleinen Raum nannte, der etwa zehn Fuß im Gevierte haben mochte. Hans watſchelte unten umher, als wenn er an einem ſolchen Orte geboren und erzogen worden wäre, und ſchien ſeinem Berufe in jeder Beziehung gewachſen. Hinſichtlich der Größe und des allgemeinen Baues beſtand eine merk⸗ würdige Aehnlichkeit zwiſchen der Wittwe und dem Stell⸗ vertreter des Proviantmeiſters, eine Thatſache, welche Manchen zu der Vermuthung leiten könnte, ſie müßten in einem ſo engen Raume oft einander im Wege geſtanden haben; Hans war aber zu gewandt, um auf irgend Jeman⸗ den„anzuſegeln;“ er ſchien aus einer Art ſeemänniſchen Inſtincts ein ſolches unpaſſendes Gehaben zu vermeiden. Als der Tag ſich wendete, hatte Roſa Alles in Ord⸗ nung gebracht, und ſah nicht ohne Staunen, wie viel Raum für ſie und ihre Tante durch die Winke Hans Tier's er⸗ übrigt worden war, und daß ſte ſich viel behaglicher in der kleinen Kajüte fühlte, als ſie je erwartet hatte. Nach dem Mittageſſen hielt Spike ſeine Sieſta. Er ſchlief in einer kleinen Hütte, welche auf der Steuerbordſeite der Schanze ganz nach hinten ſtand, während Mulford eine ſolche auf der Backbordſeite hatte. Dieſe zwei Hütten waren bloßer Anbau, aber ein leichtes Deck lief über ſie hin und diente, während es beide miteinander verband, als Schutz für den Mann am Steuer, ſowie für den Officier, der die Wache hatte, und welcher bei ſchlechtem Wetter eines ſolchen Schutzes b ſeine„Wa Soba deren Fen Mulford z Roſa durc dem Deck mit der G „Er tagsſchläfch fen, mag Maat, inld nahm, der überhaupt Schanze z und wir ſicher ſind. „Da Zolldampfe „Die gewahren. geguckt; e Jäger ähn Oſten gege ſeine geſtri wegs mitn „War „Weil Katze, ode ihm ſoglei e Bequem⸗ eines rauh Ulvertreters „Damen⸗ „ der etwa an einem und ſchien Hinſichtlich eine merk⸗ dem Stell⸗ he, welche müßten in geſtanden end Jeman⸗ männiſchen rmeiden. es in Ord⸗ viel Raum Tier's er⸗ aglicher in tte. Sieſta. Er terbordſeite ulford eine tten waren ie hin und als Schutz er, der die nes ſolchen — 125— Schutzes bedürftig war. Dieſe Art Behälter pflegte Spike ſeine„Wagenremiſe“ zu nennen. Sobald der Capitän in die Hütte getreten war und deren Fenſter geſchloſſen hatte,— Bewegungen, welche Mulford zu deuten wußte,— nahm dieſer Veranlaſſung, Roſa durch Hans Tier von dem Stand der Dinge auf dem Deck zu benachrichtigen, worauf der junge Mann mit der Geſellſchaft der jungen Dame beglückt wurde. „Er iſt in ſeine Hütte gegangen, um ſein Nachmit⸗ tagsſchläfchen zu halten, und wird eine volle Stunde ſchla⸗ fen, mag der Wind ſcharf oder ſanft blaſen,“ ſagte der Maat, indem er neben Roſa auf dem Verſchlage Platz nahm, der gewöhnlich den Sitz für die abgab, welche ſich überhaupt die Freiheit herausnehmen durften, ſich auf der Schanze zu ſetzen.—„Es iſt dieß ſeine Gewohnheit ſo, und wir können darauf rechnen, daß wir vollkommen ſicher ſind.“ „Da er jetzt ein Schläfchen hält, muß er wegen des Zolldampfers keine unmittelbaren Beſorgniſſe hegen.“ „Die Küſte läßt weit und breit nichts von ihm gewahren. Wir haben nach jedem Rauche ſorgfältig aus⸗ geguckt; es zeigte ſich aber nichts, daß unſerem geſtrigen Jäger ähnlich ſieht. Ohne Zweifel iſt er weiter nach Oſten gegangen, wohin ſein Dienſt ihn rufen mag, und ſeine geſtrige Jagd war nur ein Nebenſpiel, das er unter⸗ wegs mitnahm.“ „Warum mag er uns aber überhaupt gejagt haben?“ „Weil wir ausriſſen. Wenn ein Hund, oder eine Katze, oder ein Menſch läuft, werdet Ihr bemerken, daß ihm ſogleich zehn auf den Ferſen ſind. Es liegt, glaube 126— ich, in der menſchlichen Natur, daß man jagt, obgleich ich gern zugeſtehe, daß in den Bewegungen dieſes Dampfers— zum Beiſpiel in ſeinem Ankerwerfen vor dem Fort— etwas Verdächtiges lag. Laſſen wir ihn jedoch für jetzt. — Iſt Alles in der Kajüte in Ordnung und nach Euerm Sinn?“ „Ziemlich. Die Kajüte iſt klein und die zwei Be⸗ hälter gleichen einem Paar Schubladen auf ein Haar; indem wir aber Alles an ſeinen Platz brachten, erhielten wir hinreichenden Raum, und werden uns ohne Zweifel ſehr behaglich fühlen.“ „Es thut mir leid, daß Ihr mich nicht gerufen habt, um Euch behilflich zu werden. Der Maat hat ein nicht in Abrede zu ſtellendes Recht, beim Beiſtauen behilflich zu werden.“ „Es ging Alles ohne Eure Hilfe von Statten,“ verſetzte Roſa mit leichtem Erröthen.„Hans Tier, wie man ihn nennt,— der Gehilfe Joſh's,— iſt ein ſehr gewandter Geſelle und war uns mit Rath und That zur Hand. Zu ſolchen Dienſten wünſche ich mir nie einen beſſeren Menſchen.“ „Er iſt ein wunderlicher Burſche, Roſa. Ich habe, glaube ich, in meinem Leben keinen drolligeren Geſellen geſehen: er iſt ſo dick, als er lang iſt; watſchelt wie eine Ente; ſeine Stimme ohne beſtimmten Ton und Klang; Haare wie Borſten; das Ganze kniehoch; der Mann könnte ſein Glück machen, wenn er ſich öffentlich ausſtellte. Tom Thumb iſt kaum eine größere oder kleinere Merk⸗ würdigkeit.“ „Er iſt ſeltſam in ſeinem„Bau,“ wie ihr es nennt,“ für jetzt. ch Euerm zwei Be⸗ n Haar; erhielten e Zweifel fen habt, ein nicht behilflich “ verſetzte man ihn gewandter and. Zu n beſſeren Ich habe, u Geſellen lt wie eine nd Klang; der Mann ausſtellte. nere Merk⸗ es nennt,“ in einem S Borden e ausdrückt.“ „Herr manchmal „Mein ſie ſich befä zu ſprechen begegnet, angedeutete mainn darü⸗ nennen, die Tante iſt, waru Anſprüche „Ich ſeit Ihr häßliches „Ei verlaſſen 241— — 129— möglich. Ihr könnt ſagen, an Bord eines Schiffes, oder in einem Schiffe, nicht auf demſelben. Nicht an den Borden eines Schiffes, wie Miſtreß Budd ſich zuweilen ausdrückt.“ „Herr Mulford!“ „Ich bitte Euch tauſendmal um Verzeihung, Roſa. Ich will nichts der Art wieder ſagen; aber ſie macht manchmal ſehr arge Mißgriffe.“ „Meine Tante glaubt, ſie ehre meinen Oheim, wenn ſie ſich befähigt zeige, in der Sprache ſeines Lebensberufes zu ſprechen; und wenn ihr zuweilen etwas Menſchliches begegnet, das ſelbſt abgeſchmackt klingen mag, ſo iſt der angedeutete Beweggrund ſo achtenswerth, daß kein See⸗ maien darüber ſpötteln ſollte.“ „Ich bin für alle Zeit zurecht gewieſen. Miſtreß Budd mag den Anker von nun an einen ſilbernen Löffel nennen, ich werde nicht darüber lächeln. Wenn aber die Tante des Seemannes Lebens ſo freundlich eingedenk iſt, warum denkt die Nichte deſſen nicht in gleicher Weiſe?“ „Sie thut dieß vielleicht,“ verſetzte Roſa und lächelte wieder;„denn ſie ſieht alle Reize deſſelben, indem ſie der Anſprüche des Capitäns Spike gedenkt.“ „Ich halte ihn nicht mehr für halb ſo gefährlich, ſeit Ihr gewarnt und auf Eurer Hut ſeid. Welch ein häßliches Trugſtück, Miſtreß Budd zu überreden, Ihr wäret von der Schwindſucht bedroht!“ „Ein ſo häßliches Trugſtück, daß ich gewiß die Brigg verlaſſen werde, ſobald wir in einen Hafen kommen, oder 241— 243. 9 — 130— daß ich ſelbſt in das er können.“ „Und Miſtreß Budd, ſolchen Schritte bereden?“ „Ihr kennt uns ſehr wenig, Harry Mulford. Meine Tante verfügt, wenn es ſich nicht um fehr ernſtliche Betreffe handelt; iſt dieß aber der Fall, dann tauſchen wir die Rollen aus. In zehn Minuten kann ich ſie zu — könnt Ihr ſie zu einem Allem überreden, was recht iſt.“ ze Welt würde ſich von Euch überreden iebe und Bewunderung ſprach „Die gan laſſen,“ rief Harry, und L ſich auf ſeinem Geſichte aus, worauf er mit Roſa über einen, für Beide ſo anziehenden Gegenſtand zu ſprechen und der Kanonen ſo ganz zu vergeſſen begann, daß wir es nicht für gerathen halten, uns auf dieſe Unterhaltung weiter einzulaſſen. Gegen vier Uhr dieſes ging die Swaſh mit der v läſſigen Südweſtwind durch den Theil des Sundes, welcher ſeiner ſtarken Strömung wegen Race genannt wird. Ihre Bewegung, die Küſte entlang, konnte gerade an dieſer Stelle nicht geringer ſein, als fünfzehn Meilen in der Stunde. Spike war in fröhlicher Laune, hatte an dieſem Tage herrliche Fortſchritte gemacht, und nach oſtwärts war nichts zu gewahren. Er war über⸗ zeugt, wie er dieß auch ſeinem Maat geſagt hatte, der Dampfer müſſe in den Vineyard⸗Sund ei ngelaufen ſein, und jenſeit der Sandbänke etwas zu beſchaffen haben. „Man benützt ihn gewiß zu politiſchen Zwecken,“ ſchönen Sommernachmittags ollen Fluth und bei einem denn ſeine Brigg ſte Schiff gehe, welches wir ſprechen ſetzte e Boſton wegen und zu Molly redete „ein Nacht Küſte ders großer Küſte Fällen ſehr 1 ( Wang Blick zu la ſo, dieſe ſchöp erinr See Waſ Jah des der ſprechen einem Meine nſtliche auſchen ſie zu rreden ſprach über rechen ß wir iltung ttags einem elcher Ihre dieſer der rigg und ber⸗ der ein, 7„ n, — 131— ſetzte er hinzu,„oder hat im Sinn, ihn den Leuten zu Boſton zu zeigen, die voller Dünkel ſind. Nun, meinet⸗ wegen, ſie mögen ihn auf dieſe Weiſe benützen, zu was und zu wie viel ſie wollen, wenn ſie ihn nur von der Molly klar halten.— Euer Diener, Madame Budd,“ redete er die Wittwe an, die eben auf das Deck kam „ein ſchöner Nachmittag, dem wahrſcheinlich eine klare Nacht folgt, wie ſie uns willkommen iſt, um von der Küſte abzulaufen.“ „Klare Nächte ſind etwas ſehr annehmliches, beſon⸗ ders zur See, Capitän Spike,“ verſetzte die Tante mit großer Zuvorkommenheit,—„man mag nun von einer Küſte ablaufen, oder an eine Küſte anlaufen. In beiden Fällen muß eine klare Nacht oder der helle Mondſchein ſehr willkommen ſein.“ Capitän Spike ließ ſeine Tabakskugel aus einer Wange in die andere rollen und warf einen heimlichen Blick auf den Maat, wagte es aber nicht, ſeine Neigung, zu lachen, in einer andern Weiſe an den Tag zu legen. „Ja, Madame Budd,“ antwortete er,„es iſt ganz ſo, wie Ihr ſagt, und ich bin nur erſtaunt, woher Ihr dieſe Maſſe nützlicher, wahrhaft praktiſcher Kenntniſſe ſchöpft.“ „Man lebt, um zu lernen, Herr. Ihr werdet Euch erinnern, daß dieß nicht die erſte Reiſe iſt, die ich zur See mache, ſondern daß ich bereits einmal auf dem blauen Waſſer war, ſowie daß ich dreißig glückliche, glückliche Jahre in der Geſellſchaft meines guten, lieben Gatten, des Oheims meiner Roſy, und des beſten Mannes von der Welt hingebracht habe. Man hätte in der That 9* — 132— ſtumpf ſein müſſen, wenn man nicht in einer ſolchen Geſellſchaft etwas von dem aufgefangen hätte, was ihm als der höchſte, ſchönſte Beruf auf Erden galt. Wirklich gab er mir Unterricht in der Seeſprache, wie er es nannte, und dieß iſt ohne Zweifel der eigentliche Grund, warum mein Wiſſen ſo genau und ausgebreitet iſt.“ „Ja, Madame Budd,— ja,— ha— ja, Ihr ſeid — ja, Ihr ſeid in dieſer Art in der That wundervoll. Wir werden nun bald einen Abfall bekommen, Madame Budd,— ja, jetzt kommt der Abfall.“ „Und werden unſere Abfahrt nehmen, Capitän Spike,“ ſetzte die Wittwe mit einem ſehr geiſtvollen Lächeln hinzu. „Ja, unſere Abfahrt nehmen. Dort drüben liegt Montauk, eben wird es ſichtbar; nur drei Stunden und man erreicht es von dieſer Stelle aus. Wenn wir dort ſind, liegt die offene See vor uns, und wenn ich die offene See vor mir habe, werde ich den König nicht Oheim nennen.“ „War er Euer Oheim, Capitän Spike?“ „Nur in einem philanthropiſchen Sinn, Madame Budd. Ja, laßt uns nur eine breite, offene See und einen tüchtigen Wind in der Schulter haben, und ich glaube, ich mache mir nichts aus zwei von Oheim Sam’s neumodiſchen Regierungsklapperern, und wenn ich einen auf jeder Seite habe.“ „Wie ſehr entzückt mich eine ſolche Unterhaltung, liebe Roſy. Es iſt ſo ganz wie Dein lieber, guter Oheim,— zwei Federn können ſich nicht ähnlicher ſein. Ja, auch er pflegte zu ſagen:„Laßt mich nur Einen auf jeder Seite haben, und einen rechten Bläſer um das 22— Zeitunt beträgt grade, ten eh weſtlich „und iſt, ſi verhäl dreht denn aber ſagt, hinau Mein die T ich i Alles der 6 er w ſager eine die oder man nern Roſ viel Bu ſolchen das ihm Wirklich nannte, warum Ihr ſeid ndervoll. Madame Spike,“ In hinzu. ben liegt Stunden genn wir in ich die nig nicht Madame See und und ich eim Sam's ich einen terhaltung, ber, guter licher ſein. nur Einen er um das — — 141— Zeitunterſchied drei Stunden zwanzig Minuten beträgt, ſo beträgt die Entfernung von Greenwich fünfzig Längen⸗ grade, weil die Sonne jene drei Stunden zwanzig Minu⸗ ten eher zu London aufgeht, als in dem fünfzigſten Grade weſtlicher Länge.“ „Uhr iſt Uhr, Roſy,“ fiel die Tante hartnäckig ein, „und Zeit iſt Zeit. Wenn es in unſerm Hauſe vier Uhr iſt, ſo iſt es vier Uhr bei deiner Tante Sprague, und ſo verhält ſich's in allen Theilen der Welt. Vielleicht dreht ſich die Welt um; ich will es nicht in Abrede ſtellen, denn dein Oheim hat mir öfter etwas dieſer Art geſagt; aber ſie kann ſich nicht ſo umdrehen, wie Herr Mulford ſagt, ſonſt würden wir Nachts, wo wir kopfunter ſtehen, hinausfallen.— Nein, Herr, nein, Ihr ſeid im Irrthume. Mein theurer, lieber, ſeliger Herr Budd gab ſtets zu, daß die Welt ſich umdrehe, wie es in den Büchern ſteht; wenn ich ihn aber auf die Unmöglichkeit aufmerkſam machte, Alles an ſeinem Platze zu erhalten, während das Oberſte der Erde nach unten ſteht, gab er aufrichtig zu,— denn er war die Aufrichtigkeit ſelbſt, dieß muß ich ihm nach⸗ ſagen,— gab er zu, er habe mittelſt ſeines Barometers eine Entdeckung gemacht, welche hinreichend darthue, daß die Welt ſich nicht in der Art drehe, wie Ihr es beſchreibt, oder ſich umwälze, ſondern daß ſie ſich herumwirble, wie man ſich im Tanze herumſchwingt.— Du wirſt Dich erin⸗ nern, daß Dein Oheim ſich in dieſer Weiſe geäußert hat, Roſy.“ Roſa erinnerte ſich wohl, daß ihr Oheim dieß und vieles andere gleich Wunderſame geſagt hatte. Capitän Budd hatte ſein albernes Weibchen ihres ſchönen Lärychens — 142— wegen geheirathet, und als der Reiz dieſer Neuheit, oder die Neuheit dieſes Reizes dahin war, ergötzte er ſich oft, ihr alle Arten von Abgeſchmacktheiten aufzubinden, um ihr, und ſich ſelbſt zumal, die Zeit zu vertreiben. Unter Anderem erinnerte Roſa ſich auch, daß er ihre Zweifel in Betreff des Herabfallens von der Erde dadurch beſchwichtigt hatte, daß er die Theorie geltend zu machen ſuchte, die Erde drehe ſich nicht, ſondern wirble rundum, und ſei alſo eine Art„Wirbelthor.““ Roſa fand es jedoch für gut, keine Antwort zu geben. „Die Gegenſtände werden auf der Erde mittelſt der Anziehungskraft feſtgehalten,“ wagte Mulford mit großer Beſcheidenheit zu bemerken.„Wie ich glaube, nimmt man allgemein an, es gebe kein anderes Oben und Unten, als inſofern wir uns der Erde nähern, oder von ihr entfernen; die Stellung der Erde würde demzufolge hinſichtlich des feſten Standpunktes der Gegenſtände auf ihr ganz gleich⸗ giltig ſein.“ „Die Anziehungskraft hat große Vorzüge, ich gebe das zu, Herr, beſonders für unſer Geſchlecht. Es wird, denk' ich, zugeſtanden werden, daß es daran in unſerer Familie nicht gefehlt hat, ſowie es da nie an Verſtand und Bildung fehlte. Wir dürfen uns dieſer zwei Eigen⸗ ſchaften rühmen; da aber die Anziehungskraft eine Gabe Gottes iſt, ſind wir bemüht, weniger ſtolz darauf zu ſein. Aber alle Anziehungskräfte der Welt würden meine Roſy hier nicht hindern, von der Erde hinabzufallen, wenn die Erde ſich ſo drehte, wie Ihr ſagt; und, Gott ſei mir gnädig, wohin würde ſie fallen?“ Mulford ſah wohl ein, daß ſeine Beweiſe hier ver⸗ 84 geudet fender eines durch belieb 9 Kennt ſätze! viel 2 2 blick zwölf ſchied ſpäter tungen ford, Takt zuzuw 8 Mont und d des at grüne und z Islan Leucht Wärte „Land in der Meiler oder h oft, mihr, ihre durch achen ndum, ſeben. t der roßer man als enen; des leich⸗ gebe wird, ſerer ſtand gen⸗ Gabe ſein. Noſy die mir — 143— geudet ſeien, und begnügte ſich, während dem noch fortlau⸗ fenden Geſpräche Roſa die Art zu erklären, wie die Länge eines Punktes mittelſt des Chronometers berechnet, und durch welche Beobachtungen die wahre Tageszeit an jedem beliebigen Punkte ermittelt würde. Roſa hatte eine ſo ſchnelle Faſſungskraft, und ihre Kenntniſſe waren ſo gründlicher Art, daß ſie die Grund⸗ ſätze leicht begriff, während die Einzelnheiten für ſie nicht viel Bedeutung haben konnten. Miſtreß Buoͤd beharrte jedoch bis zum letzten Augen⸗ blick auf ihrem Widerſpruche. Sie behauptete hartnäckig, zwölf Uhr ſei eben zwölf Uhr, oder, wenn ja ein Unter⸗ ſchied vorhanden ſei, ſo„würde es zu London offenbar ſpäter Tag, als zu Neu⸗York.“»Gegen ſolche Behaup⸗ tungen waren Beweiſe augenſcheinlich nutzlos, und Mul⸗ ford, welcher bemerkte, daß Roſa unruhig ward, hatte Takt genug, die Unterhaltung einem anderen Gegenſtande zuzuwenden. 5 Die Molly Swaſh blieb mittlerweile in raſchem Gange. Montauk lag jetzt dwars ab, oder rechts von der Seite, und die kleine Brigantine begann auf den langen Wellen des atlantiſchen Meeres, das ſich jetzt in einer großen Fläche grünen, rollenden Waſſers vor ihr ausbreitete, zu ſteigen und zu fallen. Zur Rechten lag das Ende von Long⸗ Island,— ein niedriges, felſiges Vorgebirge mit ſeinem Leuchtthurm und einigen bebauten Feldſtücken, welche die Wärter des Thurmes benützten. Es war Neu⸗York's „Lands⸗Ende,“ während die Inſel, welche ſich draußen in dem Meere, in einer Entfernung von etwa zwanzig Meilen oſtwärts, erhob, zu Rhode⸗Island gehört und — 144— Block⸗Inſel heißt. Zwiſchen beiden ſegelte die Swaſh auf ihrem Wege in das offene Meer dahin. Spike fühlte ſich nicht ganz behaglich, als ſeine Brigg Montauk gegenüber kam; die Küſte ſchien aber„klar,“ und ſelbſt in der Ferne war kein Schiff zu ſehen. Er kam daher, ſich die Hände vergnügt reibend, nach hinten und ſagte muntern Tones: „Alles iſt in der beſten Ordnung, Herr Mulford,“ rief er,—„Alles, wie das Herz es nur wünſchen und verlangen kann. Nicht einmal eine Fiſcher⸗Schmacke*) lungert in der Gegend, was ziemlich auffallend iſt.— Nun, was ſeht Ihr ſo ſtarr dort hinüber,— was gibt's?“ „Seht dort, Herr, gerade in der Linie, wo die Sonne niedergeht, und hinter welcher das Land eben zurück⸗ tritt, iſt dieß nicht ein Schiff?“ „Ein Schiff! Unmöglich, Herr. Was ſollte ein Schiff dort drinnen, ſo nahe bei Montauk, zu ſchaffen haben? Noch nie hat Jemand dort ein Schiff zu Geſicht bekommen. Es iſt ein Sonnenfleck, Madame Budd, was mein Maat ſieht und, wie es Seemännern zu geſchehen pflegt, für ein Schiff hält! Ha,— ha,— ha,— ja, Harry, es iſt ein Fleck in der Sonne!“ „Ein Fleck vor der Sonne, Herr, und ein Fleck, der von einem Schiff herrührt,— und ſeht, dort rudert eben ein Boot aus allen Kräften darauf los,— es kommt vom Leuchtthurme und ſcheint Nachrichten zu bringen.“ Es war nicht möglich, daß Spike ſich länger von ſei⸗ nen Hoffnungen täuſchen ließ. Ohne alle Frage, dort *) Flaches Küſtenboot. Der Ueberſetzer. hielt ein Se Beachtung n glühenden 4 das Schiff je der ſchwarze Fernglas rich „Gerade rief der Capi Höhe blickte, ſeiner Brigg ſo wahr ich Herr, auf e Landſpitze, un der Naſe na Topſegel zur! vertrackt ausf rechte je einer darauf, er h die Ankunft d Curs, auf de von uns, wie „Es iſt der Sonnenli das Boot do⸗ Ausguck nach wärts, und d und recht vo Segler ſein, „Ich ha in dem Golf 241— 243. Swaſh auf eine Brigg er„klar,“ . Er kam hinten und Mulford,“ iſchen und chmacke*) ſt.— Nun, t's?“ wo die den zurück⸗ ſollte ein u ſchaffen zu Geſicht udd, was geſchehen ha,— ja, Fleck, der idert eben mmt vom r von ſei⸗ age, dort berſetzer. — 145— hielt ein Schiff; in dem erſten Augenblicke war es der Beachtung nur entgangen, weil es in einer Linie mit der glühenden Kugel der untergehenden Sonne ſtand. Als das Schiff jedoch ſchäumend dem Ocean entgegen lief, trat der ſchwarze Fleck bald aus dieſer Feuerlinie, und Spike's Fernglas richtete ſich ſofort darauf. „Gerade, wie man es erwarten konnte, Herr Mulford,“ rief der Capitän, indem er ſein Glas ſenkte und in die Höhe blickte, um zu ſehen, was gethan werden könne, um ſeiner Brigg entlang zu helfen;—„ein Regierungs⸗Kutter, ſo wahr ich ein gottloſer Sünder bin!— Dort liegt er, Herr, auf einen Flintenſchuß von der Küſte,— von der Landſpitze, um uns gewiſſermaßen aufzulauern, gedeckt, mit der Naſe nach ſüdwärts, das Ruder ſtark an Bord, die Topſegel zurück, und das Fockſegel aufgegeit,— ein ſo⸗ vertrackt ausſehendes Ding, wie Freihandel und Seemanns⸗ rechte je einem zu entlaufen bemüht waren. Meinen Kopf darauf, er hat ſich gerade auf jener Stelle feſtgeſetzt, um die Ankunft der Molly Swaſh zu erwarten. Ihr ſeht, der Curs, auf den wir anhalten, ſtellt ihn ſo ſchön windwärts von uns, wie es eines Menſchen Herz nur wünſchen kann.“ „Es iſt ein Zoll⸗Kutter, Herr; ſeit er deutlich aus der Sonnenlinie trat, iſt es nicht mehr zu bezweifeln. Und das Boot dort iſt rechtsab ausgeſchickt worden, um einen Ausguck nach uns zu nehmen. Nun, Herr, er ſteht wind⸗ wärts, und da wir Alles zu unſerm Curs beigeſetzt haben und recht von der Seite ſtehen, müßte er ein tüchtiger Segler ſein, wenn er uns überholen wollte.“ „Ich hatte geglaubt, alle dieſe Kutter wären drunten in dem Golf,“ murmelte der Capitän und ſchaute noch 241— 243. 10 — 146— einmal nach oben, um zu ſehen, ob Alles zöge;—„ich bin überzeugt, die Zeitungen haben mehr als zwanzig namhaft gemacht, die dort hinabliefen, und ſieh, da ſteht einer, hinter Montauk, wie die Schlange unter Kräutern, verſteckt!“ „Jedenfalls werden wir, ehe er ſein Boot in das Schiff hißt, einen gehörigen Vorſprung haben;— ah, ſieh da, er füllt die Segel und fällt ab, um dem Boote ent⸗ gegen zu gehen. Kapitän Spike, er wird bald mit all der Schnelle eines Wettfahrers hinter uns drein ſein.“ Alles begab ſich, wie die beiden Seemänner es voraus⸗ geſehen hatten; der Zoll⸗Kutter, einer der gewöhnlichen Vormarsſegel⸗Schooner, welche dieſen Dienſt die Küſten entlang zu verſehen haben, hatte das Boot kaum an Bord gehiſſt, als er ein wenig vor dem Wind und in einer Linie abging, welche zeigte, daß er der Swaſh zu folgen gedachte. Die Brigg hatte, nachdem ſie Montauk umſegelt, in einer leichten Bulinie aufgeholt und ſtand nun ſüdſüdöſtlich ab, während der Wind noch aus Südweſten blies. Die Stellung des Kutters nach luvwärts ſetzte ihn in den Stand, um mehr denn einen Punkt freier zu ſteuern. Bei dem Beginne der Jagd ſtanden die beiden Schiffe etwa anderthalb Meilen von einander, eine Entfernung, welche zu groß war, um den Kutter in Stand zu ſetzen, von den leichten Kanonen, die er führte, Gebrauch zu machen, ſo daß es von vorn herein augenfällig war, wie hier Alles von der Geſchwindigkeit abhing. Und in der That, die beiden Schiffe ſegelten raſch, 4 ja, ſie ſchien auf ein Fah⸗ Eine ho Mulford zu freiern Wind in ihre unm Wahl, als v „Eine Gewäſſer ma Herr; haltet unſre Seite.“ Der Be der Swaſh f dern hielt ni ſein, ſeine E die beiden S die Swaſh Montauk uan Auf der in Dämmeru thurm an de Stern über Viertelſtunde licht den Vo begann. „Ein S man ſehr vo „Welche ſelbſt die En zöge;—„ich als zwanzig ſieh, da ſteht nter Kräutern, Boot in das n;— ah, ſieh em Boote ent⸗ bald mit all rein ſein.“ ner es voraus⸗ gewöhnlichen iſt die Küſten kaum an Bord und in einer daſh zu folgen umſegelt, in n ſüdſüdöſtlich blies. s ſetzte ihn in er zu ſteuern. beiden Schiffe 2Entfernung, and zu ſetzen, Gebrauch zu llig war, wie ſegelten raſch, — 147— ja, ſie ſchienen zu fliegen; die Molly Swaſh war endlich auf ein Fahrzeug geſtoßen, das es ihr ziemlich gleich that. Eine halbe Stunde reichte hin, um Spike und Harry Mulford zu überzeugen, daß der Kutter nur einen Punkt freiern Windes zu ſeinen Gunſten haben durfte, um ihn⸗ in ihre unmittelbare Nähe zu führen; es blieb keine andere Wahl, als von ihm abzuhalten. „Eine Spiegeljagd iſt eine lange Jagd, in welchem Gewäſſer man auch ſegeln mag,“ rief Spike.„Haltet ab, Herr; haltet ab, Herr, und bringt den Kutter recht auf unſre Seite.“ Der Befehl wurde vollzogen; zum Erſtaunen derer in der Swaſßh folgte der Kutter jedoch nicht unmittelbar, ſon⸗ dern hielt nur ein wenig mehr ab. Er ſchien geneigt zu ſein, ſeine Stellung luvwärts zu behaupten, und ſo liefen die beiden Schiffe eine volle Stunde weiter entlang, bis die Swaſh den größten Theil der Entfernung zwiſchen Montauk uad Block⸗Inſel hinter ſich hatte. Auf den letzteren begannen die Gegenſtände ſich jetzt in Dämmerung zu hüllen, und das Licht auf dem Leucht⸗ thurm an der Landſpitze wurde eben ſichtbar, ein einſamer Stern über einer öden Wüſte, da die Sonne ſeit einer vollen Viertelſtunde in das Meer gegangen war, und das Zwie⸗ licht den Vorhang der Nacht über die Gewäſſer zu ziehen begann. „Ein Schiff unter Block!“ brüllte der Ausguck, welchen man ſehr vorſichtig in der Höhe aufgeſtellt hatte. „Welche Art Schiff?“ fragte Spike grimmig; denn ſelbſt die Erwähnung eines Schiffes erregte jetzt ſeinen 10* — 148— ganzen Zorn.„Habt Ihr vielleicht eine Fregatte in einem Zwetſchengarten entdeckt?“ „Es iſt der Dampfer, Herr. Ich kann jetzt ſeinen Rauch ſehen. Er hat eben, auf der Südſeite der Inſel, vom Lande abgehalten und ſcheint, ſie umſegeln zu wollen, um an uns heran zu kommen.“ Dieſem Berichte folgte ein langes, leiſes, beredſames Pfeifen des Capitäns. Der Mann in der Höhe hatte recht, Ohne Frage, es war der Dampfer. Er war hinter der Block⸗Inſel verſteckt gelegen, wie ſein Gefährte ſich hinter Montauk verborgen hatte, und beide hatten der Ankunft der Swafh geharrt, um Jagd auf ſie zu machen. Dieſe Liſt brachte die Molly Swaſh in die größte Gefahr, und man ſah jetzt deutlich, warum der Kutter ſich ſo recht nach windwärts gehalten hatte. Zwiſchen dieſen zwei Schiffen in das Meer auszu⸗ laufen, war hoffnungslos. Es blieb nur ein Ausweg übrig, um dem Looſe, von dem einen oder dem andern gekapert zu werden, zu entgehen, und dieſen Ausweg ſchlug Spike ſtracks ein. Er hielt ſein Schiff ganz ab, und ſetzte auf beiden Seiten Leeſegel bei. Die Veränderung des Curſes brachte den Kutter faſt ganz hinterwärts, oder ein wenig auf die andere Seite, und ſtellte die Naſe der Brigg ſo, daß ſie auf die nördliche Küſte der Inſel abhielt. Der große Vortheil jedoch, welchen ſie über den Dampfer errang, lag in deſſen Curs, da er nicht auf die Brigg losſteuern konnte, ohne erſt wenigſtens zwei volle Meilen weſtlich zu laufen, um von dem Lande abzukommen. Dieß war ein augenfälliger Gewinn für die Swaſh, welche in einem nordöſtlichen Curſe mit raſender Eile dahin ſchoß, währ abhalten mu wahrte jedoc Winde gewa Die Du len, und die mittelſt ihrer des Dämpfer Flammen ſpi Dieſes l weſtlich abge gewahren ſch daher kurz 1 Dampf und Schiff auf de zu nehmen. Derſelbe als ſte von d Hans Tier in und welcher ſtand jetzt au die Brigg ja Auf ſein ſieberhafter H hatte er es i ſeinen Curs gethan, ſo w ſeine Anſicht übertrieben, der Inſel ent atte in einem jetzt ſeinen te der Inſel, n zu wollen, ,beredſames e hatte recht, r hinter der te ſich hinter der Ankunft hen. n die größte er Kutter ſich Meer auszu⸗ usweg übrig, dern gekapert ſchlug Spike und ſetzte auf des Curſes er ein wenig er Brigg ſo, elt. ie über den nicht auf die s zwei volle abzukommen. die Swaſh, er Eile dahin — 149— ſchoß, während ihr gefährlichſter Feind nach weſtwärts abhalten mußte. Der Kutter hielt wacker an; man ge⸗ wahrte jedoch bald, daß die Brigg ihm ganz vor dem Winde gewachſen war. Die Dunkelheit begann jetzt die drei Schiffe einzuhül⸗ len, und die Brigg und der Schoner konnten ſich nur noch mittelſt ihrer Nachtgläſer im Auge behalten; die Stellung des Dämpfers aber blieb ſichtbar, da ſein Schornſtein Flammen ſpie. Dieſes letztere Schiff hatte während einer Viertelſtunde weſtlich abgehalten, als ſein Befehlshaber plötzlich zu gewahren ſchien, wie viel koſtbare Zeit er verlor; er ließ daher kurz umwenden und ſchoß vor dem Winde, unter Dampf und Segel, ab, indem er beabſichtigte, das gejagte Schiff auf der nordöſtlichen Seite der Inſel in Empfang zu nehmen. Derſelbe Mann, welcher die Swaſh angerufen hatte, als ſte von dem Werfte ablief, welcher im Höllenthor mit Hans Tier in ſeinem Boote vor ihr vorüber gepflogen war, und welcher vor Throgmorton ſein Bord betreten hatte, ſtand jetzt auf dem Deck und drang in deſſen Befehlshaber, die Brigg ja nicht entſchlüpfen zu laſſen. Auf ſeinen Rath hatte das Schiff ſich gewendet. In ſieberhafter Haſt die Gefangennehmung der Brigg erſehnend, hatte er es über den Befehlshaber des Dampfers vermocht, ſeinen Curs zu ändern. Hätte er nicht mehr als dieß gethan, ſo wäre vielleicht Alles noch nach Wunſch gegangen; ſeine Anſicht von der Segelkraft der Swaſh war aber ſo übertrieben, daß er, ſtatt den Dampfer die öſtliche Seite der Inſel entlang laufen zu laſſen, dem Befehlshaber des⸗ — 150— ſelben die Nothwendigkeit darlegte, eine lange Strecke nach nordoſtwärts abzuhalten, um auf dieſe Weiſe vor das gejagte Schiff zu kommen. Dieſer Rath wäre nicht ſchlecht geweſen, hätte man die Gewißheit gehabt, daß Spike auf ſeinem Curſe anhal⸗ ten würde; dieſer war jedoch dazu keineswegs geneigt. Die Nacht brach dunkel herein; der Himmel war mit Wolken bedeckt, und ſobald Spike mittelſt des flammenden Schlotes ſah, daß der Dampfer gewendet hatte und nach oſtwärts vom Block abhielt, war ſein Plan fertig. Er rief Mulford zu ſich heran, theilte ihm ſein Vor⸗ haben mit, und hörte mit großer Freude, daß ſein einſichts⸗ voller Maat ſeinen Plan billigte. Demzufolge wurden die nöthigen Befehle gegeben und Alles zu deren Ausführung bereit gehalten. Während dieſer Zeit thaten die beiden Regierungsſchiffe ihr Möglichſtes. Der Schoner war einer der raſcheſten im Dienſte, und man hatte ihn in der angedeuteten Weiſe unter Montauk verſteckt, da man die ſichere Ueberzeugung hatte, er werde im Stande ſein, ſelbſt die Swaſh mit Erfolg zu jagen, beſonders wenn er auf eine Bulinie auf⸗ gebracht werden könnte. Sein Befehlshaber blickte auf die in die Dämmerung zurücktretenden Umriſſe der Brigg mit der geſpannteſten Aufmerkſamkeit, bis ſie gänzlich von der Dunkelheit und dem Nachtſchatten der Küſte eingehüllt wurde, welcher er jetzt ſelbſt entgegenſteuerte, um die Swaſh zu hindern, aufzuholen, und dicht am Lande und in dem Schatten der Höhen ſich nach windwärts zu wenden. Gegen dieſen Ausweg hatte der Kutter jedoch ſeine Vorſichtsmaßregeln getroffen, und Alle an ſeinem Bord waren überzer lich ſei. Andererſe der Kühlte d trieben, lief Inſel ab, wi ſagen Zoll fü wendigkeit die Endlich eines Schiffen Brigg ſich n einer halben Schiffes, we Sandbänke g⸗ der ſüdlichen Capitän ſagte ſehen. Der Dar ein. Zehn nach weſtwär dieß auch ſch glaubte nun, Mit rechtwin das Schiff ge deutend, den heit nicht ſeh Schiffe nah. Eine Ke feuert, ehe r der Kutter w Strecke nach eiſe vor das , hätte man Curſe anhal⸗ geneigt. mel war mit 3 flammenden atte und nach ertig. hm ſein Vor⸗ ſein einſichts⸗ ge wurden die Ausführung gierungsſchiffe der raſcheſten euteten Weiſe Ueberzeugung Swaſh mit Bulinie auf⸗ blickte auf die er Brigg mit azlich von der te eingehüllt uim die Swaſh und in dem venden. jedoch, ſeine ſeinem Bord — 151— waren überzeugt, daß eine Flucht auf dieſem Wege unmog⸗ lich ſei. 3 Andererſeits hielt ſich der Dampfer vortrefflich. Von der Kühlte dahingeſchnellt und von ſeinen Rädern fortge⸗ trieben, lief er entlang und hielt mehr und mehr von der Inſel ab, wie es dem„Herrn von dem Zollamte,“ ſozu⸗ ſagen Zoll für Zoll, gelang, den Capitän von der Noth⸗ wendigkeit dieſes Curſes zu überreden. Endlich gewahrte man weit nach vornen die Umriſſe eines Schiffes, und Niemand zweifelte daran, daß die Brigg ſich nordöſtlich von ihnen gewendet habe. Nach einer halben Stunde erreichte der Dampfer die Seite dieſes Schiffes, welche ſich als jene Brigg erwies, die um die Sandbänke geſegelt war, und auf ihrem Wege nach einem der ſüdlichen Häfen auf die offene See losſteuerte. Ihr Capitän ſagte, er habe nichts nach oſtwärts vorbeikommen ſehen. Der Dampfer wendete und nahm all ſein Segeltuch ein. Zehn Minuten ſpäter ſah der Ausguck ein Schiff nach weſtwärts, das vor dem Wind ſtand. So ſeltſam dieß auch ſcheinen mochte, die Mannſchaft des Dampfers glaubte nun, die Swaſh ganz gewiß vor ſich zu haben. Mit rechtwinkelig an den Maſten hängenden Raaen kam das Schiff gerade auf ſie zu. Die Entfernung war unbe⸗ deutend, denn man hätte ſonſt das Schiff in der Dunkel⸗ heit nicht ſehen können, und bald ſtanden ſich die beiden Schiffe nah.. Eine Kanone wurde an Bord des Dampfers abge⸗ feuert, ehe man ſich vergewiſſerte, daß das fremde Schiff der Kutter war. — 152— Es war jetzt Mitternacht, und da außer der Küſten⸗ Brigg nichts ſichtbar war, gaben die Zollleute die Sache auf; die Swaſh war ihnen wieder entſchlüpft, obgleich Niemand wußte, wie. Viertes Kapitel. Leander warf aus Liebe ſich ins Meer; In ſeine Strudel ſtürzte von den Felſen Leucadia's ſich Sappho, ihren Phaon Zu ſtrafen. Icarus fand ſeinen Tod, Weil er ſein Wachs nicht hindern konnt' zu ſchmelzen; Und hätt' er ſeines Vaters Rath befolgt, Sein Waſſerbett trüg' ſeinen Namen nicht. Sands. Wir müſſen die Zeit nun um eine Reihe von Tagen vorrücken, und die Scene auf einen fernen Theil des Oceans, innerhalb der Wendekreiſe, verlegen. Die Frauen, welche von der Seekrankheit leicht ergriffen worden, hatten ſich wieder erholt, und die Brigg war allen ihren Ver⸗ folgern wohlbehalten entgangen. Die Art, wie Spike entſchlüpfte, war ſehr einfach, und Hexerei dabei gar nicht im Spiele. Während einer⸗ ſeits der Dampfer nach nordoſtwärts von der Inſel abhielt, um ihm den Weg abzuſchneiden, und der Kutter auf die Inſel losſteuerte, um ihn zu hindern, in deren Schatten ſich nach windwärts zu wenden, und ſo zu entſchlüpfen, war die Brigg nahe um den nördlichen Saum des Landes gelaufen, hatte leewärts von der Inſel aufgeholt, und war zwiſ rend dieſe Kutter d ſeinen Se nung nic gelang, das treffl Regierun wärts vo tine, Mo ſeite ab, geſtanden anſichtig Spil gewiß wo folgern k folgte, ir See hina Als fünfzig J nach Neu niedergeſc aber klape zeugt war gekehrt ſe aber, ihre unerfüllt. Eine Kapitels war jetzt er der Küſten⸗ eute die Sache ipft, obgleich ich ins Meer; von den Felſen ihren Phaon ſeinen Tod, t hindern konnt' hmelzen; rs Rath befolgt, en Namen nicht. Sands. he von Tagen en Theil des Die Frauen, orden, hatten n ihren Ver⸗ ſehr einfach, gährend einer⸗ Inſel abhielt, utter auf die eren Schatten entſchlüpfen, n des Landes fgeholt, und war zwiſchen ihr und dem Dampfer durchgegangen. Wäh⸗ rend dieſer ganzen Zeit waren alle ihre Bewegungen dem Kutter durch die Inſel ſelbſt, dem Dampfer aber durch ſeinen Schatten, den ſchwarzen Hintergrund, der Entfer⸗ nung nicht zu gedenken, vollkommen verdeckt. Dieſe Liſt gelang, indem die Brigg kurze Wendungen machte, auf das trefflichſte, und in dem Augenblicke, wo die beiden Regierungsſchiffe um Mitternacht, etwa drei Stunden lee⸗ wärts von Block⸗Inſel, zuſammentrafen, lief die Brigan⸗ tine, Molly Swaſh, um die äußerſte Spitze auf der Luv⸗ ſeite ab, und kam genau da heraus, wo der Dampfer geſtanden hatte, als man ihn an jenem Nachmittage zuerſt anſichtig geworden. Spike ſteuerte in weſtlicher Richtung, bis er ganz gewiß war, daß er die Inſel zwiſchen ſich und ſeinen Ver⸗ folgern hatte, worauf er wendete und ſeinen Curs ver⸗ folgte, indem er in, einer leichten Bulinie in die offene See hinauslief. Als die Sonne wieder emporſtieg, ſtand er bereits fünfzig Meilen ſüdöſtlich von Montauk; der Kutter ſegelte nach Neu⸗London, wo Offiziere und Mannſchaft mit ſehr niedergeſchlagenen Mienen an das Land traten; der Dampfer aber klapperte den Sund aufwärts, da der Capitän über⸗ zeugt war, die Flüchtlinge müßten in der Richtung zurück⸗ gekehrt ſein, in welcher ſie herabgekommen; ſeine Hoffnung aber, ihrer in jener Gegend noch habhaft zu werden, blieb unerfüllt.. Eine Woche war ſeit den am Schluſſe des vorigen Kapitels erzählten Begebenheiten verfloſſen. Die Brigg war jetzt dem Einfluſſe der Paſſatwinde hingegeben, und — 154— da Spike ſüdwärts von Cuba zu ſegeln wünſchte, hatte er von den leichten Weſtwinden in ſoweit Nutzen gezogen, daß er recht nach oſtwärts von der Mone⸗Durchfahrt zu ſtehen kam, die Meerenge, durch welche er ſeinen Curs nehmen wollte, um die Inſeln zu erreichen. Miſtreß Budd hatte früh an dieſem Morgen mit ſelbſt⸗ gefälliger Miene auf dem Capitänsverſchlage Platz genom⸗ men, und ſchickte ſich zum Häkeln an, denn einige ziemlich gelungene Verſuche des Capitäns, ſich ihr artig zu erwei⸗ ſen, hatten ſie zu dem Entſchluſſe bewogen, ihm eine Börſe zu häkeln. Biddy ging hin und her, um die nöthige Seide herbeizuſchaffen, denn ihre Gebieterin war ſeit einiger Zeit in ihrem Geſchmacke ſehr ſchwierig geworden, und beſchäftigte ſie bei allen ſolchen Gelegenheiten wenigſtens um die Hälfte mehr, als früher. Roſa ſaß im Schatten des„Remiſenhausdeckes,“ und las, während der ſchöne junge Maat keine drei Fuß von ihr entfernt, aber doch innerhalb des Heiligthums ſeiner Hütte war, und an ſeinen Logarithmen arbeitete; da aber Thüre und Fenſter geöffnet waren, bot ſich ihm die beſte Gelegenheit dar, von ſeinen mathematiſchen Studien auszuruhen, und auf das liebliche Antlitz ſeiner reizenden Nachbarin zu blicken. Hans Tier und Joſh gingen, wie dieß Proviantmeiſter zu thun pflegen, zwiſchen der Küche und der Kajüte her und hin, denn der Tiſch ſollte eben für das Frühſtück her⸗ gerichtet werden. In allen anderen Beziehungen war Spike, wenn man den Mann an dem Steuer ausnimmt, welcher keine zehn Fuß von Noſa ſtand, der alleinige Herr der Schanze, auf deren Lupſeite er mit einer Miene auf⸗ und Eigenthün Nach Zeitlang Anweſend Seite der haltung: „Das ganz gem Laune üt gemäßigt, „Der gung, He „Nic ha, ha! ben ſie vi Junggeſen bewunder ſagte der wenigſten eben zu l hatte ihn werde ich Herr Erl „M die Witt reich war daß wir wenn ſie Erfahrun hatte er gezogen, hfahrt zu nen Curs mit ſelbſt⸗ üitz genom⸗ he ziemlich zu erwei⸗ eine Börſe he nöthige ſeit einiger rden, und wenigſtens Schatten der ſchöne aber doch d an ſeinen ter geöffnet von ſeinen as liebliche viantmeiſter Kajüte her ühſtück her⸗ pike, wenn it, welcher einige Herr iner Miene auf- und niederging, welche zeigte, daß er Capitän und Eigenthümer war. Nachdem Spike ſeine kräftige, aber kleine Perſon eine Zeitlang auf dieſe Weiſe den bewundernden Blicken aller Anweſenden preisgegeben hatte, nahm er plötzlich an der Seite der Wittwe Platz, nnd eröffnete folgende Unter⸗ haltung: „Das Wetter iſt ziemlich gemäßigt, Madame Budd, ganz gemäßigt,“ bemerkte Spike, denn ſeine empfindſame Laune überkam ihn in dieſem Augenblicke.„Was ich gemäßigt, mild und angenehm nenne.“ „Deſto beſſer für uns; die Frauen lieben die Mäßi⸗ gung, Herr.“ „Nicht in der Bewunderung, Madame Budd! Ha, ha, ha! Nein, in der Bewunderung nicht. Darin lie⸗ ben ſie vielmehr jede Art Nicht⸗Mäßigung. Ich bin ein Junggeſelle, aber ich weiß, daß die Frauen ſich gerne bewundern laſſen.— Gebt Acht, auf was Ihr abhaltet,“ ſagte der Capitän, ſich unterbrechend, ein wenig ärgerlich, wenigſtens in einem ganz andern Tone, als er ſich zu dem eben zu behandelnden Gegenſtande paßte, denn Hans Tier hatte ihm im Vorbeigehen auf die Zehe getreten,„ſonſt werde ich Euch lehren, wie man auf der Schanze ſegelt, Herr Erbſenlang.“ „Mäßigung, Mäßigung, mein lieber Capitän,“ ſagte die Wittwe mit einem Lächeln, das eben nicht ſehr geiſt⸗ reich war.„Was die Bewunderung betrifft, ſo geſtehe ich, daß wir Frauen unſer Gefallen daran haben, beſonders wenn ſie von Männern kommt, die Verſtand, Geiſt und Erfahrung beſitzen.“ Roſa, die jedes Wort gehört hatte, wurde unruhig und ihr Geſicht glühte; denn ſie zweifelte nicht, daß Harry's Gehör eben ſo ſcharf wäre als das ihrige. Den Mann an dem Steuer betreffend, ſo ließ er den Tabak in ſeinem Munde von dem einen Backen in den andern rollen, zog ſeine Pumphoſen feſter an und ſchien geſpannt, obgleich er nicht recht wußte, was er von einer Unterhaltung denken ſollte, die wie ein„Wörterbuch“ klang, und er war ſehr neugierig, wie der Capitän ſich heraushelfen würde. Wahrſcheinlich hatte Spike ſelbſt einige Bedenken uͤber die Schwierigkeit ſeiner Lage, denn er ſah ein wenig ver⸗ legen aus, hatte aber ſeine Entſchloſſenheit noch nicht ver⸗ loren. Zum erſten Mal ſah er ſich Raa-Arm an Raa⸗ Arm neben einer Wittwe anliegen, und es war ihm ſtets vorgekommen, als wenn eine ſolche Lage ſelbſt den Beſten in Verwirrung ſetzen könnte. „Ja, Madame Budd, ja,“ ſagte er,„Erfahrung und geſunder Verſtand ſind waſſerträchtig, wohin auch die Fahrt gehen mag. Ich freue mich, daß Ihr eine ſo verſtändige Anſicht von uns Männern habt, und zwiſchen⸗Knaben und Leuten einen Unterſchied macht, die etwas geſehen und ſich Erfahrungen geſammelt haben. Was mich angeht, ſo betrachte ich Jünglinge unter vierzig Jahren hinſichtlich einer behaglichen Exiſtenz und richtiger Berechnung in Allem, was eine Familie und deren Unterhalt angeht, wie ich beläſtigende und belemmernde Dinge auf den Decken meines Schiffes betrachte.“ Miſtreß Budd hörte mit Theilnahme zu, ſchwieg aber zu dieſer Bemerkung, wie es ihrem Geſchlechte ziemte. „Nach meiner Anſicht muß ſich Jeder, früher oder ſpäter, hä⸗ deßwegen losſegeln betrifft, ſo tigt geweſ bin auch! war dem zu geſtalt bekommen „O, men keine mrn Neig „Gur Budd, un Worte eb einem gu jeden Met Gedanken und ſich chem Kin meine Ne Eurer Fa dieſes Ge es jetzt al meines B ſagen pfle Miſt blickte ein Tante w den hervr de unruhig daß Harry's Den Mann k in ſeinem rollen, zog obgleich er tung denken er war ſehr ürde. edenken über wenig ver⸗ h nicht ver⸗ m an Raa⸗ ar ihm ſtets den Beſten fahrung und ich die Fahrt verſtändige Knaben und hen und ſich angeht, ſo hinſichtlich rechnung in angeht, wie den Decken ſchwieg aber ziemte. früher oder — 157— ſpäter, häuslich niederlaſſen, Madame Budd, obgleich man deßwegen nicht in einer knabenhaften Eile blind darauf losſegeln ſoll,“ fuhr der Capitän fort.„Was mich ſelbſt betrifft, ſo bin ich meine ganze Jugend hindurch ſo beſchäf⸗ tigt geweſen, nicht als wenn ich ſehr alt wäre, aber ich bin auch kein Knabe mehr, aber meine ganze Jugendzeit war dem Gedanken gewidmet, meine Angelegenheiten ſo zu geſtalten, daß ich jede Dame, die Neigung zu mir bekommen könnte—“ „O, Capitän, das iſt zu arg. Die Frauen bekom⸗ men keine Neigung zu Herren, ſondern die Herren bekom⸗ mrn Neigung zu Frauen!“ „Gut, gut! Ihr wißt, wie ich es meine, Madame Budd, und ſo lange man einander verſteht, wägt man die Worte eben nicht viel genauer ab, als den Ballaſt in einem gut gebauten Schiffe. Wie dem auch ſei, in eines jeden Menſchen Leben kommt eine Zeit, wo er ſich dem Gedanken hinzugeben pflegt, ſich häuslich niederzulaſſen und ſich als eine Art Grundanker zu betrachten, an wel⸗ chem Kinder und dergleichen feſtliegen können. Das iſt meine Natur, ich muß es geſtehen; und ſeitdem ich in Eurer Familie heimiſch geworden bin, Madame Budd, iſt dieſes Gefühl ſtärker und mächtiger in mir geworden, bis es jetzt alle meine Gedanken beherrſcht und bewältigt; Bein meines Beins, und Fleiſch meines Fleiſches, wie man zu ſagen pflegt.“ Miſtreß Budd blickte jetzt mehr als theilnehmend, ſie blickte ein wenig verwirrt darein, und Roſa begann ihrer Tante wegen bange zu werden. Augenfällig entging es den hervorragendſten Perſonen in dieſer Seone ganz und — 158— gar, daß Lauſcher in der Nähe waren, denn ihre Auf⸗ merkſamkeit war dem, was unter ihnen vorging, zu eifrig zugewendet, als daß ſie etwas außerhalb des engen Kreiſes ihrer Intereſſen beachtet hätten. Was noch auffallender ſcheinen mochte, aber in Wahrheit das Natürlichſte war— die beiden Betheiligten waren in ihren eigenen Gedanken⸗ gang ſo vertieft, daß keines von Beiden auch nur im Ent⸗ fernteſten ein Mißverſtändniß ahnte. „Durch Eure eigene Größe gehoben, und durch Eure eigene Kraft gekräftigt,“ erwiederte die Wittwe, und lächelte den Capitän freundlich genug an, um einen beſcheideneren Mann, als er zufällig war, zu ermuthigen. „Ja, Madame Budd, eine ſehr richtige Bemerkung; ſozuſagen aus meiner eigenen Größe gekräftigt, und durch meine eigene Stärke gehoben, obgleich ich ſeit einer Reihe von Jahren im Größerwerden nicht viel geleiſtet habe. Euer ſeliger Gatte, Capitän Budd, bemerkte oft, wie früh ich meine Größe erreicht hätte, und ſtellte mich als einen „höchſt befähigten“ Seemann hin, während die meiſten jun⸗ gen Burſche es für eine Ehre halten, daß man ſie nur unter die Beſſeren rechnet.“ Die Wittwe blickte ernſt drein. Es fiel ihr auf, daß Jemand auf den ſeltſamen Einfall gerieth, in dem Augen⸗ blicke, wo er im Sinne hatte, ſich als den zweiten Gatten anzubieten, des erſten zu erwähnen. Was ſie ſelbſt betraf, ſo hatte ſie in den letzten vier Jahren nicht ſo viel geſpro⸗ chen, als dieſen Morgen, ohne den Namen ihres„lieben, guten Herrn Budd“ auch nur in den Mund zu nehmen. Der Leſer darf jedoch gegen die Wittwe nicht unge⸗ recht ſein, und auch nur einen Augenblick annehmen, ſie ſei wirkl Spike, dadurch ſchwer ve ſpräch, n Die jener ein Lob und und ein werber n zuzuhören Wir ken, daf beſorgt r „Ja pflegte ſt als irge gekommer und ſetzte näckig da ungeleger der ganz nur, mei man ſie „Si Freundſch „Ja Mann a gelenkt h ihre Auf⸗ , zu eifrig gen Kreiſes auffallender hſte war— Gedanken⸗ ur im Ent⸗ durch Eure und lächelte ſcheideneren Bemerkung; und durch einer Reihe leiſtet habe. t, wie früh h als einen meiſten jun⸗ an ſie nur )r auf, daß dem Augen⸗ iten Gatten elbſt betraf, viel geſpro⸗ res„lieben, zu nehmen. nicht unge⸗ nehmen, ſie ſei wirklich ſo ſchwach geweſen, für einen Mann, wie Spike, eine zärtliche Regung zu fühlen; man würde ſich dadurch an ihrem Geſchmack und ihrer Urtheilskraft zumal ſchwer verſündigen, wie Roſa wohl wußte, ſoſehr das Ge⸗ ſpräch, welches ſie mit anhören mußte, ſie auch beunruhigte. Die gute Wittwe ſtand lediglich unter dem Einfluſſe jener eingeborenen Schwäche ihres Geſchlechtes, welche für Lob und Bewunderung ſtets ein nur zu offenes Ohr hat, und ein weibliches Weſen, ſo zu ſagen, zwingt, einem Be⸗ werber nachſichtig und mit dem Anſchein von Wohlwollen zuzuhören, ſelbſt wenn ſie entſchloſſen iſt, ihn abzuweiſen. Wir geben der Wahrheit die Ehre, wenn wir bemer⸗ ken, daß Roſa wegen ihrer Tante nicht im Geringſten beſorgt war, ſo empfindſam Spike auch zu werden begann. „Ja, Euer vortrefflicher, ehrenwerther, ſeliger Gatte pflegte ſtets zu ſagen, ich hätte meine Größe eher erreicht, als irgend ein junger Burſche, der ihm in den Weg gekommen,“ ſagte der Capitän nach einer kurzen Pauſe, und ſetzte die gute Dame in neues Erſtaunen, daß er hart⸗ näckig dabei beharrte, ihren„theuern Hingeſchiedenen“ ſo ungelegen heranzuziehen.„Ich bin ein großer Verehrer der ganzen Familie Budd, meine gute Dame, und wünſche nur, meine Verbindung mit ihr hätte nie geendigt, wenn man ſie geendigt nennen darf.“ „Sie braucht nicht zu endigen, Capitän Spike, ſolang Freundſchaft in dem Herzen des Menſchen wohnt.“ „Ja, ſo iſt es ſtets bei Euch Damen; wenn ein Mann all ſein Sinnen auf etwas Innigeres und Höheres gelenkt hat, wollt Ihr es der Freundſchaft anheimgegeben — 160— wiſſen. Nun hat die Freundſchaft gewiß ihr Gutes, Ma⸗ dame Budd; aber Freundſchaft iſt nicht Liebe.“ „Liebe!“ wiederholte die Wittwe, und ſchrak wirk⸗ lich zuſammen, obgleich ſie auf ihre Arbeit niederblickte und ſo verwirrt wie möglich ausſah.„Dieß iſt ein ſehr entſchiedenes Wort, Capitän Spike, und ſollte vor einer Dame Ohr nie leichthin ausgeſprochen werden.“ Auch der Capitän ſchien dieſer Anſicht zu ſein, denn er hatte das gewichtige Wörtchen kaum vorgebracht, als er die Wittwe verließ und auf dem Deck hin und her⸗ zugehen begann, als wollte er ſeine eigene Glut mäßigen. Was Roſa betrifft, ſo erröthete ſie, wenn ihre erfah⸗ renere Tante es nicht that, und Harry Mulford lachte in ſeiner Seele, hütete ſich aber wohl, dieß laut werden zu laſſen. Der Mann an dem Steuer ließ ſeinen Tabak wieder in den andern Backen gleiten, zog ſeine Pumphoſen wieder auf, und ſtaunte abermals, wohin der Capitän zu ſteuern gedächte. Am Drolligſten aber drückte ſich das Erſtaunen des ſchwarzen Joſh aus, der mit einer Theekanne in der Hand über die Leeſeite der Schanze kam, als die kräftigen Worte des Capitäns:„Freundſchaft iſt nicht Liebe“ an ſein Ohr ſchlugen. Dieß veranlaßte ihn, eine einzige Secunde ſtehen zu bleiben und einen ſtaunenden Blick hinter ſich zu werfen, worauf er ſeines Weges ging und vor ſich hin⸗ murmelte: .„Lieb'? Was der von Lieb' wollen, oder Lieb' von ihm? Nun, ich glauben, Capitän Spike ſein Klüyver dieſen Morgen ziemlich früh auftaljen!“ Capitän Spike bewältigte bald die Aufregung, in welche ihn ſe der Wittwe d Erſtere jedoch jetzige Gelegen die Dinge zur „Unſere dame Budd,“ von Neuem ir „daß ſie mit die Männer el hatte einſt ein lich, wir hat davon gehört, ging, Madanm Wagen ausrei „Ich glar hören, Herr, hung, aber i keines Beiſpiel ausriß, ſtürzte erwähnten Fal „Nein, der Zeit, die bei einem ſolch Euch erzählen, die Fockſegelhö „Ja, ja,“ von dieſem Se nur in Stürm 241— 243. zutes, Ma⸗ ſchrak wirk⸗ niederblickte ſt ein ſehr vor einer ſein, denn bracht, als und her⸗ at mäßigen. ihre erfah⸗ dlachte in werden zu nen Tabak Pumphoſen Capitän zu taunen des n der Hand igen Worte “an ſein ge Secunde nter ſich zu or ſich hin⸗ Lieb' von ein Klüver egung, in — 161— welche ihn ſein Eifer verſetzt hatte, und die Verwirrung der Wittwe dauerte überhaupt nicht ſehr lange. Da der Erſtere jedoch einmal ſo weit gegangen war, hielt er die jetzige Gelegenheit für ebenſo paſſend, wie jede andere, um die Dinge zur Entſcheidung zu bringen. „Unſere Gefühle werden zuweilen ſo ungeſtüm, Ma⸗ dame Budd,“ begann der Verliebte wieder, indem er ſich von Neuem neben die Wittwe auf den Verſchlag ſetzte, „daß ſie mit uns davongehen. Dieſem Davongehen ſind die Männer ebenſo gut unterworfen, wie die Frauen. Ich hatte einſt ein Schiff, das mit mir davonging, und, wahr⸗ lich, wir hatten unſere liebe Noth damit. Habt Ihr je davon gehört, dHein Schiff mit ſeiner Mannſchaft davon⸗ ging, Madame Budd, gerade wie ein Pferd mit ſeinem Wagen ausreißt?“„⸗ „Ich glaube faſt, ich habe etwas dieſer Art erzählen hören, Herr, denn ich erhielt eine ſo gründliche Seeerzie⸗ hung, aber in dieſem Augenblicke erinnere ich mich doch keines Beiſpiels. Als mein Pferd einſt mit dem Wagen ausriß, ſtürzte der letztere um; ſtürzte Euer Schiff in dem erwähnten Fall auch um?“ „Nein, Madame Budd, nein! Das Schiff hatte zu der Zeit, die ich meine, den Wind vom Lande her, und bei einem ſolchen Winde ſchlägt kein Schiff um. Ich will Euch erzählen, wie die Sache ſich begeben hat. Wir liefen, die Fockſegelhörner in der Mitte aufgegeit—“— „Ja, ja,“ fiel die Wittwe haſtig ein,„ich habe oft von dieſem Segel ſprechen hören; es iſt klein, und wird nur in Stürmen und Unwettern gebraucht.“ 241— 243. 11 „Bei ſchwerem Wetter, Madame Budd, nur bei ſchwe⸗ rem Wetter.“ „Ich bin erſtaunt, Capitän, wie ihr Seeleute es an⸗ fangt, das Wetter zu wägen. Ich habe oft von leichtem Wetter und ſchwerem Wetter ſprechen hören, konnte aber nie begreifen, auf welche Weiſe ihr es wägt.“ „Nun, wir ſuchen uns des Unterſchiedes zu verge⸗ wiſſern,“ ſagte der Capitän, welchen die Frage in Verle⸗ genheit ſetzte,„und ich glaube, dieß kann nur mittelſt des Barometers geſchehen, der, wie zwei Wagſchalen, auf⸗ und niedergeht. Doch zu der genannten Zeit liefen wir unter Fockſegelhörnern—“ „Fockſegelhörner! Dieß muß ſich ſehr ſchön ausneh⸗ men. Ein Segel mit Hörnern! Dieß ſind wahrſcheinlich Hörner, wie die Wilden ſie tragen, wenn ſie in den Krieg gehen und allerlei wunderbare Zierrathen auf ihrem Kopfe befeſtigen. Ich bitte um Verzeihung. Ihr lieft alſo mit Euern Hörnern—“ „Ja, Madame Budd, ja; wir ſteuerten einem Hafen des Mittelmeeres zu, und wollten eben um einen Klippenvor⸗ ſprung laufen, als eine Welle uns unter der Steuerbordſeite faßte und uns ſo ſtark hafenwärts warf, daß unſer Krahn⸗ balken gegen eine Spikerpinne fuhr und die Kettenlager der Topmaſtpardunen losriſſen, wodurch die ganze Takelage vorwärts uns um die Ohren fiel.“ Die Beſchreibung brachte in dem Kopfe der Wittwe eine ſolche Verwirrung vor, daß ſie ſich freute, als ſie zu Ende war. Der Capitän dagegen beſorgte, die Hörner des Fockſegels möchten wieder auf das Tapet kommen, und hielt es für g. wieder auf die „Wie ich iſt nicht Lieb ſchaft iſt eine wie Ihr wohl eine ungewöhn „Pfui, C deuten, als n Die Frauen f meinetwegen ſi arg, wenn ma „Ja, Meo muß ſo ſein. weit ausgeſpro zu Eurer Nich ich kaum weiß „Capitän kann vor Erſt O, Ihr meint „Wen ſol Roſa iſt ſo en dame Budd, d wenn Ihr Eur ſolltet.“ „Ich kan phan Spike, 1 ſeine Nichte he „Wie Ihr fen. Die Ach nur bei ſchwe⸗ Seeleute es an⸗ Ft von leichtem n, konnte aber jedes zu verge⸗ rage in Verle⸗ ur mittelſt des dalen, auf⸗ und efen wir unter ſchön ausneh⸗ wahrſcheinlich ein den Krieg if ihrem Kopfe lieft alſo mit n einem Hafen en Klippenvor⸗ Steuerbordſeite Z unſer Krahn⸗ ie Kettenlager ganze Takelage e der Wittwe ite, als ſie zu , die Hörner kommen, und — 165— 3 hielt es für gerathener, von den Schwingen des Schiffes wieder auf die Schwingen Cupido's zurückzukommen. „Wie ich geſagt habe, Madame Budd, Freundſchaft iſt nicht Liebe; nein, nichts weniger, als das. Freund⸗ ſchaft iſt eine gewöhnliche Art Gefühl; aber die Liebe iſt, wie Ihr wohl ſelbſt aus Erfahrung wißt, Madame Budd, eine ungewöhnliche Art Gefühl.“ „Pfui, Capitän Spike, ein Herr darf nie darauf hin⸗ deuten, als wüßten die Frauen irgend etwas von Liebe. Die Frauen fühlen für einen Herrn Achtung, Verehrung, meinetwegen ſogar Bewunderung; aber es iſt beinahe zu arg, wenn man von ihrer Liebe ſprechen will.“ „Ja, Madame Budd, ja; es iſt allerdings ſo, und muß ſo ſein. Ich bitte um Verzeihung, daß ich mich ſo weit ausgeſprochen habe, wie ich that. Aber meine Liebe zu Eurer Nichte iſt ſo lebendiger und dauernder Art, daß ich kaum weiß, was ich geſagt habe.“ „Capitän Spike, Ihr erſchreckt mich! Gewiß, ich kann vor Erſtaunen kaum Athem holen. Meine Nichte? O, Ihr meint doch nicht Roſa?“ 3 „Wen ſollte ich ſonſt meinen? Meine Liebe zu Miß Roſa iſt ſo entſchieden und lebendig, ſage ich Euch, Ma⸗ dame Budd, daß ich für die Folgen nicht einſtehen kann, wenn Ihr Eure Einwilligung zu unſerer Heirath verſagen ſolltet.“ „Ich kann kaum meinen Ohren trauen. Ihr, Ste⸗ phan Spike, und ein alter Freund ihres Oheims, wollt ſeine Nichte heirathen!“ „Wie Ihr ſagt, Madame Budd, auf ein Haar getrof⸗ fen. Die Achtung, welche ich gegen die ganze Familie 11* 1 ᷣ ————ÿ — 164— hege, iſt ſo groß, daß nur die Hand der ſchönen Roſa meine Gefühle, wenn ich ſo ſagen darf, mäßigen kann.“ Die Wittwe hegte ſelbſt keinen Funken Zärtlichkeit zu Gunſten Spike's, während ſie Roſa mehr liebte, als irgend ein lebendes Weſen, ihr eigenes Ich ausgenommen. Sie hatte aber das Gefühl, welches dieſen Morgen aus Capi⸗ tän Spike ſprach, und alle ſeine ſchönen Worte ganz anders gedeutet, als ſie, wie ſie jetzt ſah, hätten gedeutet werden ſollen, und die gute Frau fühlte ſich tief gekränkt und gedemüthigt. Der Capitän war auf die Erreichung ſeines Zweckes ſo erpicht, daß er für nichts Anderes Augen hatte, und nicht einmal ahnte, daß dieſes ungewöhnliche und ziemlich laute Zwiegeſpräch von Anderen gehört werde. Am We⸗ nigſten aber vermuthete er, daß ſeine Bewunderung miß⸗ deutet wurde, und daß er der Tante den Hof zu machen ſchien, während er ſich um die Nichte bewarb. So wenig aber Miſtreß Budd geeignet war, Ent⸗ deckungen irgend einer Art zu machen, hatte ſie doch in einem Betreffe dieſer Art den Scharfblick ihres Geſchlechtes in hinreichendem Maaße, um zu gewahren, daß ſie ſich einem ärgerlichen Mißverſtändniſſe bloßgeſtellt habe; und den Stolz ihres Geſchlechtes beſaß ſie in nicht minderem Maaße, um die Kränkung zu fühlen. Sie nahm ihre Arbeit, verließ ihren Sitz und ging mit ſo viel Würde in ihrer Haltung in die Käjüte, als ihre Geſtalt und ihr„Bau“ den Ausdruck einer ſolchen Würde zuließ. Am meiſten dürfte es auffallen, daß weder ſie, noch Capitän Spike je erfuhren, daß ihr ganzes Ge⸗ ſpräch belauſcht worden war. Spike ging und ab, ohne Wittwe erklärer bekannten Ruf ſtänden zugewer Dieß war begegnete, ſeit Ferne an ihr v' verließ, aus der brachte dieſer 2 Mulford aus ſe Es iſt bere die Paſſatwinde ſollen, der Ber begann. Die 2 merklich gewechſe zum Umſchlagen oſt überſprangen zuwenden zu wo Auf den Ri nach der angeder ein wenig nordw Ruf war, wie Mulford ſtieg b fremden Schiffes Er hatte ein Fer wöhnlich geſpann „Nun, Her rief er hinauf, ſ das fremde Schif ſchönen Roſa näßigen kann.“ Zärtlichkeit zu bte, als irgend nommen. Sie gen aus Capi⸗ n Worte ganz hätten gedeutet ch tief gekränkt ſeines Zweckes en hatte, und e und ziemlich lde. Am We⸗ nderung miß⸗ Hof zu machen 5. t war, Ent⸗ te ſie doch in s Geſchlechtes „ daß ſie ſich lt habe; und icht minderem jitz und ging Käjüte, als einer ſolchen n, daß weder ganzes Ge⸗ — 165— Spike ging noch einige Minuten auf der Schanze auf und ab, ohne zu wiſſen, wie er ſich das Benehmen der Wittwe erklären ſolle, als ſeine Aufmerkſamkeit durch den bekannten Ruf:„Schiff, ho!“ plötzlich anderen Gegen⸗ ſtänden zugewendet wurde. Dieß war das erſte Schiff, welches der Molly Swaſh begegnete, ſeit ſie zwei oder drei Fahrzeuge, welche in der Ferne an ihr vorüberkamen, als ſie die amerikaniſche Küſte verließ, aus dem Geſichte verloren hatte. Wie gewöhnlich brachte dieſer Anruf alle Matroſen auf das Deck und Mulford aus ſeiner Hütte. Es iſt bereits bemerkt worden, daß die Brigg eben die Paſſatwinde zu fühlen und, wie wir hätten hinzuſetzen ſollen, der Berge von San Domingo anſichtig zu werden begann. Die Winde hatten ſeit den letzten zwei Tagen merklich gewechſelt, auch blieben ſie fortwährend leicht und zum Umſchlagen geneigt, indem ſie von Nordoſt nach Süd⸗ oſt überſprangen, dem erſtern Punkte aber ſich vorzüglich zuwenden zu wollen ſchienen. Auf den Ruf:„Schiff, ho!“ kehrten ſich alle Blicke nach der angedeuteten Richtung, nämlich nach Weſten und ein wenig nordwärts, lange Zeit jedoch ohne Erfolg. Der Ruf war, wie bemerkt, von der Höhe gekommen, und Mulford ſtieg bis auf den Vormars hinauf, ehe er des fremden Schiffes überhaupt nur anſichtig werden konnte. Er hatte ein Fernglas umgehängt, und Spike war unge⸗ wöhnlich geſpannt auf das Ergebniß des Ausgucks. „Nun, Herr Mulford, was haltet Ihr von ihm?“ rief er hinauf, ſobald der Maat berichtet hatte, er ſehe das fremde Schiff. — 166— „Wartet einen Augenblick, Herr, bis ich es im Auge habe,— es ſteht noch ſehr fern und iſt kaum ſichtbar.“ „Nun, Herr, und jetzt?“ „Ich kann nur die Spitzen ſeiner Bramſegel ſehen. Es ſcheint nach ſüdwärts zu ſteuern und läßt ſo viele Oberſegel fliegen, wie Indienfahrer bei den Paſſatwinden aufzuſetzen pflegen. Es ſieht aus, als führte es fliegende Leebramſegel, Herr.“. „Den Teufel auch! Ein ſolches Schiff muß nicht nur in großer Eile, ſondern es muß auch ſtark bemannt ſein, um bei dieſen leichten Winden ſich mit ſolchen Segeln zu beläſtigen. Hat es lange Ragen? Hat es etwas Kriegs⸗ ſchiffartiges?“ „Dieß läßt ſich in einer ſolchen Entfernung nicht ſagen, Herr; aber ich glaube gewiß, daß ich Leebramſegel vor mir habe. Geht hinab und frühſtückt, und in einer halben Stunde hoffe ich, genauern Bericht von ihm geben zu können.“ Dieß geſchah, und Miſtreß Budd erſchien ſehr würde⸗ voll in ihrem Gehaben bei dem Tiſche. Obgleich ſie ziemlich natürlich angenommen hatte, Spike's Aufmerkſam⸗ keit wende ſich lediglich ihr zu, fühlte ſie ſich eher gekränkt, als ſchmerzlich verletzt, als ſie ihren Irrthum gewahrte. Der Vorfall hatte ihrer Eßluſt daher keinen Abtrag gethan, ſo unbehaglich ſie ſich auch ſonſt fühlen mochte. Das Frühſtück ging ohne irgend eine Störung vor⸗ über, und Spike erſchien bald wieder auf dem Deck, noch an dem letzten Biſſen kauend, wie Jemand, der in gewal⸗ tiger Eile iſt, und zumal nach ächt amerikaniſcher Sitte. Mulford ſ wieder. „Nun, w Capitän hinauf haben, denn ich meiner Remiſe. „Ja, ja, gerückt. Nach Leebramſegeln, Schanze Mütze „Wie tief Spike mit einer Dieſe Fra und auffallend, ſie beantwortete glaſe wurde ver „Ja, ja, iſt ein Kreuzer ſehe jetzt die ſymmetriſch, u Zweifel.“ „Vielleicht Crapaud hält andern.“ „Jean Cre aus. Das Sc niſches, und es von Mona ab.“ „Steigt h gefrühſtückt habs ch es im Auge im ſichtbar.“ amſegel ſehen. läßt ſo viele — Paſſatwinden rte es fliegende muß nicht nur bemannt ſein, hen Segeln zu etwas Kriegs⸗ tfernung nicht h Leebramſegel und in einer von ihm geben en ſehr würde⸗ Obgleich ſie s Aufmerkſam⸗ heher gekränkt, dum gewahrte. keinen Abtrag hlen mochte. Störung vor⸗ em Deck, noch der in gewal⸗ niſcher Sitte. — 167— Mulford ſah ihn kommen und hob ſein Glas ſogleich wieder. „Nun, was gibt es jetzt Neues, Herr?“ rief der Capitän hinauf.—„Ihr müßt nun einen beſſern Ausguck haben, denn ich ſehe den Burſchen jetzt hier von dem Deck meiner Remiſe.“ „Ja, ja, Herr, er iſt allerdings ein Stückchen näher gerückt. Nach meinem Bedünken iſt's ein Schiff unter Leebramſegeln, das nach ſüdoſtwärts blickt, und auf deſſen Schanze Mützen mit Goldborten ſichtbar ſind.“ „Wie tief könnt Ihr in daſſelbe hinabſehen?“ fragte Spike mit einer Donnerſtimme. Dieſe Frage des Capitäns klang ſo nachdrucksvoll und auffalleud, daß der Maat erſtaunt niederblickte, ehe er ſte beantwortete. Ein wiederholter Ausguck mit dem Fern⸗ glaſe wurde verſucht und die Antwort erfolgte: „Ja, ja, Herr, kein Zweifel iſt mehr möglich, es iſt ein Kreuzer, Ihr könnt Euch darauf verlaſſen. Ich ſehe jetzt die fliegenden Bramſegel; ſie ſind breit und ſymmetriſch, und Goldborten ſind unten, ohne allen Zweifel.“ „Vielleicht iſt es ein franzöſiſches Schiff,— Jean Crapaud hält Kreuzer in dieſen Seen, ſo gut wie die andern.“ „Jean Crapaud's Schiffe ſtrecken keine ſolche Arme aus. Das Schiff iſt ein engliſches oder ein amerika⸗ niſches, und es hält, ſo gut wie wir, auf die Durchfahrt von Mona ab.“ „Steigt herab, Herr, ſteigt herab, ſobald Ihr gefrühſtückt habt, müſſen wir an die Arbeit gehen.“ — 168— Mulford ſtieg nieder und ſaß bald an dem Frühſtücks⸗ tiſche, wo Joſh und Hans Tier ihn bedienten. Die Tante und die Nichte waren in ihrer Kajüte, nur wenige Schritte entfernt, und die Thüre ſtand offen. „Welchen Lärm der Capitän machen wegen die Schiff dort?“ murmelte Joſh, der ſo viele Jahre an Bord der Molly gedient hatte, daß er ſich zuweilen ſelbſt gegen Spike Freiheiten herausnahm.„Was es ihm helfen können, wenn er ihn gemeſſen haben, Zoll vor Zoll? Allgemach er ſchon näher kommen werden, und dann die Damen ihm Alles ſagen, was ſie ſehen.“ „Er wünſcht natürlich zu wiſſen, wer ihm näher tritt,“ warf Tier, der des Capitän's Partei nehmen zu wollen ſchien, ein. „Was daran liegen? Alle Art Leute kommen an der Molly Swaſh vorbei, und was das ihnen helfen? Yoh, yoh, yoh! Ich mich wohl Zeiten mit der alten Hex' erinnern—“ „Welche alte Here meint Ihr?“ fragte Hans Tier ein wenig überlaut und in einer Weiſe, welche Mulford'’s Auge von Roſa's lieblichem Antlitz auf die Geſichter ſeiner zwei Diener lenkte. „Nun, nun, Ihr Herren, erinnert Euch gefälligſt, wo Ihr Euch befindet,“ fiel der Maat mit gebietendem Tone ein.„Ihr treibt Euch jetzt nicht in Eurer Küche herum, ſondern ſeid in der Kajüte. Was kann Euch daran liegen, Tier, wenn Joſh die Brigg eine alte Hexe nennt? Sie iſt alt, wie wir Alle wiſſen, und die Jahre machen ehrwürdig; und was das Wort„Hexe“ betrifft, ſo iſt dieß oft ein Zärtlichkeitsausdruck. Ich habe den Capitän ſelbſt die Molly hun ſie, wie ſei Dieſes verſteht, de begaben ſich Sobal Schwelle ih „Glau ſches?“ fro „Man ſches oder aber fragt „Mein laſſen, und wenn das erwieſe?“ „Und Euern Wur „Wozu haſtig.— wir können „Aber Befehlshabe Schiffe dieſe aufnehmen, ſein, daß zu begeben, ſof wird.“ „Wird ausreichender — em Frühſtücks⸗ n. Die Tante venige Schritte gen die Schiff an Bord der m ſelbſt gegen helfen können, 2 Allgemach e Damen ihm ihm näher i nehmen zu kommen an hnen helfen? er alten Hex' Hans Tier he Mulford's ſichter ſeiner efälligſt, wo tendem Tone üche herum, aran liegen, nt? Sie iſt ehrwürdig; dieß oft ein ſelbſt die — 169— Molly hundert Mal eine Hexe nennen hören, und er liebt ſie, wie ſeinen Augapfel.“ Dieſes Einſchreiten zerſtreute, wie es ſich von ſelbſt verſteht, den aufſteigenden Sturm, und die beiden Haderer begaben ſich bald darauf auf das Deck. Sobald„die Küſte klar“ war, ſtand Roſa auf der Schwelle ihrer Kajüte. „Glaubt Ihr, das fremde Schiff ſei ein amerikani⸗ ſches?“ fragte ſie eifrig. „Man kann dieß unmöglich wiſſen, ein Amerikani⸗ ſches oder ein Engliſches, ohne allen Zweifel. Warum aber fragt Roſa ſo eifrig?“ „Meine Tante und ich wünſchen die Brigg zu ver⸗ laſſen, und wäre die Gelegenheit nicht eine guünſtige, wenn das Schiff ſich als ein amerikaniſches Kriegsſchiff erwieſe?“ „Und welchen Grund könnt Ihr angehen, um dieſen Euern Wunſch zu unterſtützen?“ „Wozu bedarf es eines Grundes?“ fragte Roſa haſtig.—„Spike hat nicht über uns zu gebieten, und wir können kommen und gehen, wie es uns beliebt.“ „Aber ein Grund muß angegeben werden, wenn der Befehlshaber des Kriegsſchiffes ſich willig zeigen ſoll. Schiffe dieſer Art ſind hinſichtlich der Reiſenden, welche ſie aufnehmen, ſehr eigen; auch dürfte es nicht ganz klug ſein, daß zwei ſchutzloſe Frauen ſich an Bord eines Kreuzers begeben, ſofern dieß nicht durch die dringendſte Noth geboten wird.“ „Wird das, was ſich dieſen Morgen begab, nicht als ausreichender Grund gelten?“ ſetzte Roſa hinzu, indem ſie — 170— ſich dem Maat näherte und ihre Stimme dämpfte, ſo daß die Tante ſie nicht hören konnte. Mulford lächelte, als er in das ernſte, aber reizende Antlitz ſeiner ſchönen Gefährtin blickte. „Und wer könnte ihn laut werden laſſen, oder wie könnte man ihn laut werden laſſen? Würde der Befehls⸗ haber eines Kriegsſchiffes ſich wohl entſchließen, ein junges Mädchen an Bord ſeines Schiffes aufzunehmen, weil der Capitän des Schiffes, in welchem ſie ſich befand, als er an daſſelbe herantrat, ſie zu heirathen wünſchte?“ Roſa ſchien verſtimmt, ſchien aber doch inne zu wer⸗ den, daß man nicht ſo leicht aus einem Schiff in das andere trat, als man in einer Stadt die Schwelle eines Hauſes überſchritt. Schweigend und gedankenvoll zog ſie ſich in ihre Kajüte zurück, wo ihre Taute mittlerweile ihre Arbeit mit ruhiger, würdevoller Emſigkeit fortge⸗ ſetzt hatte. „Nun, Herr Mulford, nun,“ rief der Capitän von der Kajütentreppe herab, wie iſt's mit dem Kaffe?“ „Zu Dienſten, Herr,“ antwortete der Maat, und tauſchte einen vielſagenden Blick mit Roſa aus.—„Ich werde in einer Secunde oben ſein.“ Dieſe Secunde war noch nicht vorüber, als Mulford ſich bereits eingeſtellt hatte. Während er unten war, hatte Spike gewiſſe Winden hinaufſchaffen laſſen, und die große Luke war aufgemacht worden, und die Leute hatten ſich um ſte geſammelt, um die Arbeit ſofort zur Hand zu nehmen. Harry brauchte nicht zu fragen, denn die Vorberei⸗ tungen ließen ihn ſogleich ſehen, was es gebe; er ging unmittelbar hinab, um dort die Arbeit zu leiten, wäh⸗ rend Spike nehmen war Im Vo pfündige K. in ebenſo v der Brigan Die M zu ſein, un und Dienſt Die be ſelſeitigen( geändert, o Das fremd daß man e während d San Dom zwiſchen il lich ſich be Spike er hatte d verlaſſen, das Land Als Mulford, Betrachtu „Wi Capitän, man kann geſchehen tere Seef e, ſo daß rreizende oder wie Befehls⸗ in junges weil der d, als er e zu wer⸗ f in das elle eines Ul zog ſie ttlerweile t fortge⸗ von der at, und —„Ich Mulford ar, hatte die große ſich um nehmen. Borberei⸗ er ging , wäh⸗ — 171— rend Spike das beaufſichtigte, was auf dem Deck vorzu⸗ nehmen war. Im Verlaufe der nächſten Stunde wurden acht zwölf⸗ pfündige Karronaden aus dem untern Naume geſchafft und in ebenſo vielen Pfortluken, welche ſich an den Bekleidungen der Brigantine hinzogen, auf die Laffetten gebracht. Die Mannſchaft ſchien mit Arbeiten dieſer Art vertraut zu ſein, und hatte bald ihre leichten Batterien in Ordnung und Dienſt bereit. Die beiden Schiffe hielten mittlerweile in ihrem wech⸗ ſelſeitigen Curſe an, und ihre Stellung hatte ſich bedeutend geändert, als die Kanonen auf die Laffetten gebracht waren. daß man es von dem Deck der letztern leicht ſehen konnte, während die Brigantine ſich den Inſeln Porto⸗Rico und San Domingo ſoweit genähert hatte, daß die Oeſſnung zwiſchen ihnen, die wohlbekannte Mona⸗Durchfahrt, deut⸗ lich ſichtbar war. Spike entging von all dem nicht das Geringſte; denn er hatte die Arbeit, ehe ſie vollendet war, mehrere Male verlaſſen, um einen Ausguck auf das fremde Schiff und auf das Land zu thun. Als die Batterien in Ordnung waren, widmeten er und Mulford, mit ihren Fernröhren in der Hand, der genauern Betrachtung des erſtern einige Minuten. „Wir haben dort den Mona vor uns,“ ſagte der Capitän,„dieß iſt nicht mehr in Zweifel zu ziehen, und man kann das Land nicht beſſer anthun, als dieß von Euch geſchehen iſt, Harry. Ich geſtehe, es gibt wenige geſchick⸗ tere Seefahrer, als Ihr ſeid.“ Das fremde Schiff war der Brigantine ſo nahe getreten, — 172— „Demungeachtet habt Ihr es nicht für geeignet gehal⸗ ten, mich wiſſen zu laſſen, wohin dieſes Mal die Brigg beſtimmt iſt.“ „Seid deßhalb unbeſorgt, junger Mann, ſeid deßhalb für jetzt ganz unbeſorgt. Alles zu ſeiner Zeit. Wenn ich Euch ſage, nehmt Euern Curs auf den Mona zu, ſo nehmt Ihr Euern Curs auf den Mona zu; und ſobald wir durch dieſe Enge ſind, werde ich Euch wiſſen laſſen, was zunächſt zu thun iſt, wenn ja der Burſche, der uns näher zieht, nichts dagegen hat.“ „Und warum ſollte irgend ein Schi Fahrt beläſtigen, Capitän Spike?“ „Warum? Eine ſchöne Frage. Zeiten, wie Ihr wißt, und Kriegszeiten den Handel, obgleich er zuweilen au ziehen weiß.“ Bei dieſen Worten gab Spike ſeinem Maat einen bedeutſamen Wink, welchen der Letztere dahin deutete, er ſelbſt hoffe, ſolche ungewöhnliche Vortheile daraus zu ziehen. Mulford fand an dieſer geheimen Mittheilung kein großes Behagen; denn die Vergangenheit hatte ihn veran⸗ laßt, auf die Art Handel, welche ſein Befehlshaber zu betreiben pflegte, mit argwöhniſchem Auge zu ſchauen. Ohne irgend eine Antwort zu geben, oder das Vertrauen auch nur durch ein Lächeln zu ermuthigen, richtete er ſein Glas wieder auf das fremde Schiff, und ſo that auch Spike unmittelbar nach jenem verdächtigen Winke. „Dieß iſt einer von Oheim Sam's Geſellen!“ rief der Capitän und ſenkte ſein Glas.„Ich wollte vor jedem Admiralitätsgericht der Erde darauf ſchwören.“ ff uns auf unſerer Wir leben in Kriegs⸗ beeinträchtigen ſtets ch Vortheil daraus zu „Jeder bedeckt,“ unteren gro es für ein vorangeht. a, Bramſegel Burſche th Fregatte, w „Ich ſo ſchwere eine ſolche. gelaſſen, r aber volle „Alſo „Mit weit reiche Columbiade „Und Art?“ „Nicht hat deren: einen Kreu Mexikaner laufen zu l oder Neu⸗ ſagen, ob zuſpieten.“ „Bis Herr Mulſ — 173— „Jedenfalls iſt es ein Kriegsſchiff und mit Segeltuch ue 3— bedeckt,“ bemerkte der Maat.„Ich ſehe jetzt auch die 1 unteren großen Segel deutlich, und es iſt einleuchtend, daß d deßhalb es für ein Schiff, das faſt bei dem Wind ſtreicht, raſch Wenn ich vorangeht. 4 ſo nehmt„Ja, ja, kein Kauffahrteiſchiff läßt ſeine leichten wir durch Bramſegel ſo nah' an dem Wind faattern, wie dieſer Burſche thut. Es iſt überdieß ein feiſter Geſelle, eine zunächſt. 3 4 1 1 Fregatte, wenigſtens nach ſeinem Segeltuche.“ her zieht, „Ich weiß nicht, Herr, man baut in unſeren Tagen f unſerer ſo ſchwere Corvetten, daß ich faſt glauben möchte, es ſei eine ſolche. Wie ich höre, werden jetzt Schiffe in die See Kriegs⸗ gelaſſen, welche nur zwei und zwanzig Kanonen führen, gen ſtets aber volle tauſend Tonnen halten.“ raus zu„Alſo mit Donner⸗Batterien?“ „Mit kurzen zwei und dreißig Pfündnern und einigen t einen weit reichenden acht und ſechzig pfündigen Pairhans oder ttete, er Columbiaden, wie man ſie eigentlich nennen ſollte.“ 3 ziehen. 2 ee Ihr haltet dieſen Burſchen für ein Schiff dieſer 6 — rt? 4 ane den„Nichts iſt wahrſcheinlicher, Herr. Die Regierung ber zu hat deren mehrere, und ſeit der Krieg begonnen, hat ſie hauer. einen Kreuzer nach dem andern in den Golf geſchickt. Die 4 franen Mexikaner wagen es nicht, ein Kriegsſchiff in die See er ſein laufen zu laſſen, denn dieß würde heißen, es nach Norfolk Spike oder Neu⸗York laufen laſſen; es iſt aber ſchwer, zu ſagen, ob ſie nicht anfangen, unſerm Handel übel mit⸗ „ rief zuſpieten.“ 1 jedem„Bis jetzt haben ſie noch kein Schiff weggenommen, Herr Mulford, und wenn ich die Wahrheit ſagen ſoll, ſiel — 4— ich lieber in die Hände eines Fahrzeugs des Don Monte⸗ zuma, als in die eines Schiffes unſeres Oheims Sam.“ „Dieß iſt ein ſeltſamer Geſchmack von Seiten eines Amerikaners, Capitän Spike; Ihr müßtet denn glauben, wir könnten jetzt, da unſere Kanonen ſchußfertig daſtehen, mit einem Merikaner leicht fertig werden,“ verſetzte Mul⸗ ford trocken.„In jedem Falle iſt eine Art Antwort für die, welche fragen:„Was leiſtet die Flotte, wozu haben wir eine Flotte?“ daß Monate verfloſſen ſind und noch nicht ein einziges amerikaniſches Schiff in Gefangenſchaft gerieth. Man nehme die Flotte weg, und die Aſſecuranz⸗ Büreaur würden fallen, wie eine Neu⸗Yorker Feuermauer bei einem Brande.“ „Demungeachtet würde ich in dieſem Augenblicke mit Don Montezuma lieber zuſammentreffen, als mit Oheim Sam.“ Mulford gab keine Antwort, aber die ernſte Weiſe, mit welcher Capitän Spike ſich ausſprach, ſteigerte ſein Mißtrauen in Betreff des Zwecks der Reiſe in hohem Grade. Mit ihm hatte der Capitän jetzt nichts mehr ſprechen, wohl aber mit dem Hochbootsmann. Dieſer Geſelle wurde nach hinten beſchieden, und der Capitän unterhielt ſich eine volle Stunde mit ihm unter vier Augen, während ſie faſt unausgeſetzt nach dem fremden Schiffe blickten. Es wurde Mittag, bevor man über den Charakter des zu be⸗ fremden Schiffes zu völliger Gewißheit kam. Zu dieſer Stunde traten aber beide Schiffe in die Durchfahrt von Mona ein, die Brigg recht nach windwärts auf der Seite von Porto⸗Rico, während das Kriegsſchiff ſo weit nach leewärts! den Curs Man ſich völlig Kreuzer v Spik ſich fortwe vielleicht die mit verſehen r gerüſtet w Endl tigt; denn auf und habe nur war es ei Wind geſe Spike zur „Wit bergen an endlich in vielleicht hielten; und nach und Jam einer Wo Mul zu laſſen Inde ſchwere§ Don Monte⸗ ns Sam.“ Seiten eines un glauben, tig daſtehen, erſetzte Mul⸗ Antwort für wozu haben d und noch fangenſchaft Aſſecuranz⸗ Feuermauer enblicke mit mit Oheim nſte Weiſe, eigerte ſein in hohem hehr zu be⸗ eſer Geſelle unterhielt „ während ickten. rakter des Zu dieſer fahrt von der Seite veit nach — 185— leewärts lief, daß es ſtark in den Wind ſtechen mußte, um den Curs um die Inſel zu nehmen. Man konnte jetzt den Rumpf des letzteren ſehen und ſich völlig überzeugen, daß es ein Kreuzer, und zwar ein Kreuzer von einiger Größe war. Spike hielt ihn für eine Fregatte; Mulford aber neigte ſich fortwährend der Anſicht zu, es ſei eines der„Neuen,“ vielleicht eine wirkliche Corvette, oder doch eines der Schiffe, die mit einem leichten Sparrendeck über den Batterien verſehen waren. Er wußte, daß zwei bis drei ſolcher aus⸗ gerüſtet worden, und dieß mochte in dieſe Klaſſe gehören. Endlich ſah man alle Zweifel in dieſer Hinſicht beſei⸗ tigt; denn das fremde Schiff hißte die amerikaniſche Flagge auf und kam ſo nahe heran, daß man deutlich ſah, es habe nur eine einzige Reihe Kanonen. Immerhin aber war es ein großes Schiff, und die Art, wie es, bei dem Wind geſetzt, ſich durch die Wellen arbeitete, riß ſelbſt Spike zur Bewunderung hin. 3 „Wir thun wohl am Beſten, wenn wir Segel zu bergen anfangen, Herr Mulford,“ bemerkte der Capitän endlich in unwirſchem Tone.„Wir könnten dem Burſchen vielleicht entſchlüpfen, wenn wir uns dicht unter Porto⸗Rico hielten; allein er dürfte uns dann eine lange Jagd bieten und nach windwärts weg treiben, wenn ich zwiſchen Cuba und Jamaica abzuhalten wünſchte. Seht, wie er unter einer Wolke von Segeltuch auf uns loszieht.“ Mulford war nicht ſehr beeilt, die Bramſegel bergen zu laſſen, und der Kreuzer kam näher und näher heran. Indeſſen wurde eine Kanone abgefeuert, und eine ſchwere Kugel ſchlug etwa zweihundert Ellen hinter der ,“ — 176— Brigg und ein wenig außerhalb der Linie mit ihr in die Wellen ein. Dieſer Wink reichte hin, Spike willfährig zu machen. Er befahl Eile, und man begann alles Ernſtes die Segel zu bergen. Nach zehn Minuten war die Molly Swaſh unter Bram⸗ ſegel, Marsſegel und Klüver, die leichteren Segel hingen los und alles Steuertuch war herein. Nach zehn Minuten, und der Kreuzer war ſo nahe, daß man die Geſichter der drei bis vier Männer, deren Köpfe über die Bekleidung der Schanze hervorragten, erkennen konnte. Er begann jetzt, ſeine Schwingen einzuziehen. Seine Oberbramſegel und ſeine verſchiedenen fliegenden Tücher fielen, wie durch den Druck einer Feder, und ſeine großen Segel gingen auf. Alles war im Nu geſchehen. Mittlerweile benutzte er das Fahrwaſſer der Brigg, und einen ſchönen Anblick bot er dar, wie ſeine Oberſegel um die leichten Tücher wegflatterten, und ſelbſt die ſchweren Tücher in der Kühlte ſpielten. Auch die glorreichen Sterne und Streifen flogen in der Luft, dieſe noch ſo jungen, und an Erinnerungen ſchon ſo reichen Symbole! Sobald der Kreuzer Raum hatte, ging ſein Steuer an Bord, und er kam auf der Luvſeite der Swaſh nieder und trat ſo nahe, daß das Sprachrohr faſt unnöthig wurde. An Bord der Brigg war Alles auf dem Deck; ſelbſt die Kränkung der Wittwe hatte ihrer Neugierde Raum gegeben. An Bord des Kreuzers war Niemand ſichtbar, als einige Matroſen in jedem Mars, und auf der Campanje eine Gruppe von Männern mit goldnen Borten an ihren Mützen. Unter dieſen Offizieren war der Capitän, ein ſonnenverbrannter Mann von mittleren Jahren, an den gewöhnli an ſeine Auch der jedoch ein trägern. Der rohre, we der Offit von der „W Die Schiffshe „W „Vr gefrachte Ein die Offi⸗ Inhaber Zwiſchen 2l bemerkte Anzüglic „e ich mußt räuber z „D forgen, eine Ba „S 241— in die rig zu Ernſtes Bram⸗ hingen nuten, ter der eidung degann mſegel durch n auf. Brigg, erſegel yweren Sterne n, und ild der und er nahe, ſelbſt Raum chtbar, npanje ihren 1, ein in den gewöhnlichen Zeichen ſeines Ranges leicht erkenntlich; und an ſeiner Seite ſtand der luchsäugige erſte Lieutenant. Auch der Arzt und der Zahlmeiſter waren dort, ſtanden jedoch ein wenig geſondert von den berufsmäßigern Würde⸗ trägern. Der Anruf, welcher nun folgte, kam von einem Sprach⸗ rohre, welches aus der Beſahn⸗Takelage laut wurde, und der Offizier, welcher es handhabte, bekam ſeine Befehle von der Campanje. „Was für eine Brigg iſt dieß?“ begann das Geſpräch. Die Molly Swaſh von Neu⸗York, Stephan Spike, Schiffsherr.“ „Woher kommend und wohin beſtimmt?“ „Von Neu⸗York und für Key⸗Weſt beſtimmt und gefrachtet.“ Eine Pauſe folgte dieſer Antwort, während welcher die Offiziere auf der Campanje des Kreuzers mit dem Inhaber des Sprachrohrs ſich beredeten. Während der Zwiſchenzeit ſtellte ſich der Kreuzer recht von der Seite auf. „Ihr ſeid gut windwärts von Euerm Hafen, Herr,“ bemerkte der Mann mit dem Speachrohre nicht ohne Anzüglichkeit. „Ich weiß es; aber wir leben in Kriegszeiten, und ich mußte beſorgen, in der Nähe von Havannah auf See⸗ räuber zu ſtoßen.“ „Die Küſte iſt ſicher, und unſere Kreuzer werden dafür forgen, daß ſie ſicher bleibt. Wie ich ſehe, habt Ihr eine Batterie, Herr?“ „Ja, ja, ein paar alte Kanonen, welche ich ſeit zehn 241— 243. 1² — — 178— Jahren an Bord habe; man kann ſie in dieſen Gewäſſern zuweilen brauchen.“ „Sehr richtig. Wir werden vor Euch treten, und ſobald Ihr Raum genug habt, werdet Ihr ſo gut ſein, beizuholen. Ich wünſche Euch ein Boot zuzuſchicken.“ Spike war über dieſen Befehl ziemlich erboſtz aber er mußte ſich eben fügen. Er war jetzt in den Krallen des Löwen, und das Klügſte war, ſich ſo geduldig als möglich in das zu fügen, was das Schickſal über einen Sünder in ſeiner Lage verhängte. Die nöthigen Befehle wurden demzufolge ertheilt, und ſobald die Brigg Raum genug hatte, kam ſie bei den Wind und legte ihr Bramſegel back. Der Kreuzer wendete, ging nach windwärts und legte ſein Hauptmarsſegel gerade vor dem mittelſten Balken der Molly Swaſh back. Er ließ dann ein Boot in das Waſſer und ſchickte es mit einem Lieutenant und einem Seekadetten in deſſen Hinterſitzen an Bord der Brigantine. Als ſich das Boot näherte, begab ſich Spike an die Fall⸗ reepstreppe, um die Fremden zu empfangen. Da wir noch öfter Gelegenheit haben werden, dieſes Kreuzers zu erwähnen, müſſen wir hier ſofort bemerken, daß wir es für ſchicklich erachtet haben, ſeinen und ſeiner Bemannung wahren Namen zu verſchweigen. Wer daher ſo neugierig iſt, in den Verzeichniſſen der Schiffe und ihrer Offiziere die Namen nachzuſchlagen, bemüht ſich ver⸗ gebens, denn ſie ſind alle erdichtet. Der Leſer mag von dem übrigen Theil unſerer Geſchichte, ſo viel ihm beliebt, für ein Evangelium halten; wir ſagen ihm aber offen, daß wir es für angemeſſen gehalten haben, in Bezug auf 9 wäſſern 1, und at ſein, 1.7 ; aber Krallen dig als r einen ertheilt, bei den nd legte lken der in das einem gantine. ie Fall⸗ dieſes emerken, d ſeiner r daher iffe und ſich ver⸗ nag von beliebt, r offen, zug auf dieſes Schiff und deſſen Offiziere uns fremder Namen zu bedienen. Wir haben gute Gründe, dieß zu thun; unter anderm möchten wir, da unſere Erzählung der neueſten Zeit angehört, nicht gern einer gewiſſen„Clique“ Waffen in die Hand geben, um den Befehlshaber des Kreuzers zu verleumden, und ſo einen andern an ſeine Stelle zu bringen, obgleich er, nebenher bemerkt, wie ein anderer Befehlshaber in dem Golfe, welchen wir namhaft machen könnten, und der wirklich dieſer Art Klatſcherei, auf welche wir hier hindeuten, bloßgeſtellt worden iſt, einer der tüch⸗ tigſten Offiziere in der amerikaniſchen Flotte iſt. Wir werden den Offtzier, welcher jetzt an Bord der Swaſh trat, Wallace nennen; er war der zweite Lieute⸗ nant des Kriegsſchiffes. Er mochte dreißig Jahre alt ſein. Der Cadett, welcher ihm folgte, war ein gut gewach⸗ ſener, neunzehnjähriger Burſche. Beide hatten ein entſchieden kriegsſchiffmäßiges Aus⸗ ſehen und warfen ziemlich neugierige Blicke auf das Schiff⸗ deſſen Bord ſie betraten. 3 „Euer Diener, Herr,“ ſagte Wallace, indem er als Erwiederung auf Spike's etwas linkiſche Verbeugung an ſeine Mütze griff.„Eure Brigg iſt die Molly Swaſh, Stephan Spike, von Neu⸗York nach Key⸗Weſt beſtimmt und befrachtet?“ „Ihr wißt die Sache ſo genau, Ihr all das von dem Logbuch abläſet.“ „Vor Allem, Herr, wünſchen wir zu erfahren, was Ihr geladen habt?“ „Mehl,— acht hundert Fäſſer Mehl.“ „Mehl! Würdet Ihr nicht beſſer thun, dieß nach 12*⅔ Lieutenant, als wenn ₰ — 180— Liverpool zu bringen? Der Miſſiſſippi muß beinahe in einen Kinderbrei umgewandelt ſein, ſo viel Mehl führt er dem Markte zu.“ „Demungeachtet kenne ich, Herr, Oheim Sam's Sparſamkeit ſo gut, daß ich glaube, ich werde mein Mehl bis auf das letzte Faß mit einem ſchönen Gewinn an ſeine Lieferanten verkaufen.“ „Ihr leſ't mit Vorliebe whigiſche Zeitungen, wie ich faſt glaube, Herr Spike,“ antwortete Wallace in ſeiner ruhigen, beſonnenen Weiſe, konnte ſich aber doch eines Lächelns nicht enthalten, als er dieſe Worte ſprach. Wir benützen dieſe Gelegenheit, um dem Leſer zu bedeuten, welchen Mann er vor ſich hat. Die Natur hatte dieſen Herrn zum zweiten Lieutenant— dieſe Stelle hatte er inne— geſchaffen. Er war ein ausgezeichneter zweiter Lieutenant, während er als erſter ſeine Löhnung nicht verdient hätte. Auch war er dieſer Eigenthümlichkeit ſeiner Beſtimmung und Befähigung ſo bewußt, daß er in keinem Schiffe, das auf dem Waſſer ſchwamm, erſter Lieutenant hätte werden mögen. Ein achtenswerther Seemann, ein unterrichteter, begabter Menſch und ein ausgezeichneter Deckoffizier oder Wachtoffizier, war er zu träg, um etwas mehr ſein zu wollen, und fühlte ſich in der bequemen Back, welche er einnahm, ſo glücklich, als der Tag lang war. Der erſte Lieutenant war als Seekadett ſein Back⸗ geſell geweſen und hatte bereits Ausſicht, Befehlshaber eines Schiſſes zu werden; aber Wallace war weit entfernt, ihn zu beneiden. Im Gegentheil,— nichts machte ihm mehr Vergnügen, als den„emſigen Lil, wie er ſeine it, — 131— erſten Lieutenant nannte, zu einer Flaſche Wein oder zu einem Glaſe„heißen Getränks“ herbeizuziehen und ihn erzählen zu laſſen, wie er ſich den Tag hindurch abgemüht. Als zweiter Lieutenant war er den unangenehmeren Pflichten an Bord des Schiffes faſt ganz überhoben, wäh⸗ rend dieſer Rang ihn nicht hoch genug ſtellte, um ihn mit den nie endenden Mühen des erſten Lieutenants zu belaſten. Es machte ihm Vergnügen, ſich den„Schiffsgentleman“ zu nennen, ein Beiname, welchen er in mehr als einer Beziehung ſehr verdiente. „Ihr leſt mit Vorliebe whigiſche Blätter, wie ich faſt glaube, Herr Spike,“ antwortete der Lieutenant, wie bereits erwähnt worden,„während wir an Bord des Poughkeepſie uns mit den Spalten des„Union“ oder des„Intelligencer“ unterhalten, ſofern uns nämlich unſer guter Stern eines dieſer Blätter in die Hände führt.“ „Dieſes Schiff dort heißt alſo der Poughkeepſie, nicht wahr, Herr?“ fragte Spike. 3 „Dieß iſt ſein Name, Dank der wohlthätigen und weiſen Vorſicht des Congreſſes, welcher ſeine väterliche Sorgfalt für die Flotte ſo weit ausgedehnt hat, daß er ſich der Anſicht hingibt, ein Mann, welchen das Volk gewählt hat, um faſt als unbeſchränkter Herrſcher zu ſchalten und zu walten, ſei nicht geeignet, ein Schiff zu taufen. Alle unſere Zwei⸗ und Dreidecker müſſen nach Staaten benannt werdenz; die Fregatten erhalten ihren Namen von Strömen, und die Schluppen von Städten. So kommt es, daß unſer Schiff die Ehre hat, der Ver⸗ einigten Staaten Schiff, der„Poughkeepſie,“ zu heißen, ſtatt„der Pfeil,“ oder„die Bremſe,“ oder„der Brach⸗ vogel,“ oder„der Sturmvogel,“ wie man es ſonſt wohl benannt haben würde. Aber die Weisheit des Congreſſes liegt zu Tag, denn dieſe Einrichtung macht uns Seeleute mit der Geographie bekannt.“ „Ja, Herr, man kann auf dieſe Weiſe wohlfeil zu einiger Gelehrſamkeit kommen. Der Poughkeepfie, Capi—“ „Der Vereinigten Staaten Schiff, der Poughkeepſie, 20, Capitän Adam Mull, Euch zu dienen. Ihr werdet mir aber erlauben, Herr Spike, Eure Papiere anzuſehen. Es iſt dieß ein Geſchäft, dem ich mich gern unterziehe, denn man kann es bequem und ohne viel Gezerr' abmachen.“ Spike warf einen mißtrauiſchen Blick auf ſeinen neuen Bekannten, ſuchte aber ſeine Schiffspapiere ſcheinbar ohne alles Zaudern zuſammen. Alles war in der beſten Ordnung, und Wallace hatte bald Klarirſchein, Zollquit⸗ tung u. ſ. w. durchlaufen. In der That war die Ladung, nach den Papieren wenigſtens, der einfachſten und unſchul⸗ digſten Art, denn ſie beſtand aus nichts als aus acht hundert Fäſſern Mehl. „Dieß ſieht auf dem Papiere alles ganz gut aus, Herr Spike,“ ſetzte der Offizier hinzu.„Mit Eurer Erlaubniß wollen wir nun auch zuſehen, ob es ſich in der Wirklichkeit ſo verhält. Wie ich ſehe, iſt Eure große Luke geöffnet, und es wird ohne Zweifel keine Schwierigkeit haben, einen Blick in Euern untern Raum zu werfen.“ „Hier iſt eine Leiter, Herr, die uns ſogleich auf das Halbdeck führt, denn eigentliche Zwiſchendecke hat dieſes ₰8 Fahrze klein.“ vohl ſſes 2ute ffeil pſie, pſte, erdet hen. ehe, zerr' inen abar eſten quit⸗ ung, chul⸗ acht aus, furer der Luke gkeit 71 ₰8 — 1183— Fahrzeug nicht; es iſt für eine Herrichtung dieſer Art zu klein.“ „Thut nichts, Herr; es und dieſer enthält die Fracht. ſten Wege dahin, Herr Spike, Freund von Umwegen.“ Spike ging nun voran, Wallace folgte, und der Cadett, der eine Unterhaltung mit der Wittwe und ihrer ſchönen Nichte angeknüpft hatte, blieb auf dem Deck. Das Halbdeck der Brigantine enthielt Reſerveſegel, Speiſevorräthe und Waſſer, wie dieß gewöhnlich der Fall iſt, während eine Menge altes Segeltuch auf der Ladung ausgebreitet lag, beſonders hinter den Luken, deren zwei hier waren, die nicht gerechnet, welche von der Schanze herabführte. „Acht hundert Fäſſer Mehl,“ ſagte Wallace, und ſtieß mit ſeinem Fuße gegen ein Faß, an dem er vorbei kam.„Die Ladung iſt ein wenig ſeltſam, Herr Spike, ſofern ſie von Neu⸗York kommt und nach Key⸗Weſt gefrachtet iſt.“ „Ich denke, Ihr wißt, Herr, welche Art Platz dieſes Key⸗Weſt iſt, ein Stück von einer Inſel, wo kaum eine Kartoffel wächſt.“ „Ja, ja, Herr; denn ich bin wohl ein Dutzend laufen. Alles Eßbare muß au werden, Schildkröten ausgenommen; man wohlfeiler auf dem Miſſiſſippi dahin, York, mein lieber Herr Spike.“ „Habt Ihr eine Vorſtellung davon, Lieutenant, was hat einen untern Raum, Führt mich auf dem kürze⸗ denn ich bin kein großer ich kenne Key⸗Weſt ziemlich gut, Mal dort aus⸗ und einge⸗ f Schiffen dorthin gebracht Mehl aber bringt als via Neu⸗ — 184— Oheim Sam's Leute zu Neu⸗Orleans dafür bezahlen müſ⸗ ſen, damit ſeine Soldaten nur nicht Hungers ſterben?“ „Ihr mögt recht haben, vielleicht habt Ihr ganz recht, Herr Spike. Habt Ihr nicht eine Art Stuhl, auf den ſich ein Burſche ſetzen kann; dieſes Euer Halbdeck iſt eben nicht der behaglichſte Raum zum Stehen. Ich dank' Euch, Herr, ich dank' Euch von ganzem Herzen. Welch eine Menge alter Segel liegen in dieſem Raume zerſtreut, beſonders dort hinter den Luken?“⸗ „Nun, da das Schiff eben nicht mehr geladen hat, als durchaus nöthig iſt, laſſ' ich die Luken auf, damit friſche Luft hereinkommt, und da die Sprühe der Wellen hereinſchlagen und dem Mehle ſchaden könnte, habe ich dieſe Segel darauf werfen laſſen.“ „Nun, eine lobenswerthe Vorſicht. Ihr glaubt alſo, Oheim Sam's Lieferanten würden über dieſes Mehl her⸗ fallen, ſobald ſie hören, daß Ihr wohlbehalten zu Key⸗ Weſt eingelaufen.“ „Nichts iſt wahrſcheinlicher, Herr. Ihr wißt, wie es mit unſerer Regierung iſt, ſtets Fehlgriffe, ſie mag thun, was ſie will. Und ich kann Euch Stellen aus Briefen von Neu⸗Orleans zeigen, welche beſagen, daß Oheim Sam das Mehl um 75 und 80 vom Hundert theurer bezahlt, als irgend ein Anderer.“ „Er muß ein reicher Burſche ſein, um das thun zu können, Spike.“ „Reich? Ich glaube wohl, daß er reich iſt. Wißt Ihr nicht, daß er in dieſem Augenblicke, zuverläſſigen Nachrichten zufolge, jeden Tag eine halbe Million ausgibt? Ich geſtehe, daß ich ein paar Kupferſtücke in einer 35 Zeit auf werden.“ „Ei lich nicht bloße Kl nur davo „Es ren, Lien „Ja die, welch es thut n Wollt Il darf übe hören, r haben.“ Spi der Lieut 2,Ich ich reiſe wäre er Preis bei und zeh Handels ich zu er „Un „3e Dollar l dem Wef „Di n müſ⸗ n2“ z recht, uf den ſt eben Euch, h eine rſtreut, n hat, damit Wellen be ich t alſo, ol her⸗ 1 Key⸗ wie es thun, briefen Oheim heurer in zu Wißt ſſigen gibt? einer 35 — 185— Zeit aufleſen möchte, wo ſie ſo freigebig ausgeworfen werden.“ „Eine halbe Million täglich? Nun, dieß würde jähr⸗ lich nicht mehr als 182,000,000 Dollar machen,— eine bloße Kleinigkeit, Spike, nicht werth, daß wir Seeleute nur davon ſprechen.“ „Es ſteht ſo in den Zeitungen, ich kann es beſchwö⸗ ren, Lieutenant.“ „Ja, ja, und die Zeitungen beſchwören es auch, ſowie die, welche ſie zu ſolchen Mittheilungen veranlaſſen. Doch, es thut nichts; wir haben es hier mit dieſem Mehle zu thun. Wollt Ihr uns wohl ein oder zwei Fäſſer für unſern Be⸗ darf überlaſſen? Ich habe unſern Proviantmeiſter ſagen hören, wir würden in einigen Wochen Mangel an Mehl haben.“ Spike ſchien verlegen, doch nicht in dem Grade, daß der Lieutenant Argwohn hätte ſchöpfen können. „Ich habe nie Fracht auf der See verkauft, ſolang ich reiſe und ein eigenes Schiff habe,“ verſetzte er, als wäre er ungewiß, was er thun ſolle.„Wenn Ihr den Preis bezahlt, welchen ich in dem Golf zu erlöſen hoffe, und zehn Fäſſer nehmt, nun, dann könnten wir vielleicht Handels einig werden. Ich fordere nicht mehr, als was ich zu erlöſen hoffe.“ „Und das iſt?“ „Zehn Dollar für das Faß. Für hundert Silber⸗ Dollar liefere ich zehn Fäſſer des beſten Mehls, das in dem Weſtland zu bekommen iſt, in Euer Boot.“ „Dieß würde unſern Handel weiter ausdehnen, als — 486— ich im Sinne hatte; aber wir wollen die Sache in Er⸗ wägung ziehen.“ Wallace erhob ſich jetzt ſchwerfällig, und ſtieg auf die Schanze empor, von Spike gefolgt, der fortfuhr, ihm ſein Mehl anzupreiſen, als ſei es ihm ſehr darum zu thun, das Geſchäft abzuſchließen. Der Lieutenant nahm aber Anſtand, einen ſo hohen Preis zu bezahlen, oder eine ſo große Zahl Fäſſer zu nehmen. „Unſer Tiſch iſt eben nicht ſehr ſtark beſetzt,“ ſagte er in ſorgloſem Tone.„Vier Lieutenante, der Zahlmeiſter, zwei Doctoren und ein Marine⸗Offtzier, da habt Ihr die ganze Geſellſchaft. Ihr ſeht wohl ſelbſt, mein lieber Spike, daß acht Menſchen keine zehn Fäſſer Mehl brauchen, beſon⸗ ders bei der Menge herrlichen Zwiebacks, den wir haben. Daran habt Ihr nicht gedacht.“ „Allerdings nicht, Herr Wallace, denn dieß iſt ja Euer Name. Aber ein Mehl, wie das meinige, iſt ſeit vielen Jahren nicht in dem Golfe geſehen worden. Ich hätte mit allem Rechte zwölf Dollar fordern und darauf beſtehen ſollen, daß ein Schiff, wie das Eurige, wenigſtens zwanzig Fäſſer nehme.“ „Ich dank' Euch, Herr; die zehn werden mehr als ausreichen, wenn der Capitän ja welches für die Kajüte braucht.— Wie iſt's mit Euch an den Tiſchen in der Heck, Herr Archer? Braucht Ihr Mehl?“ „Wir beziehen einen kleinen Theil aus dem Schiffe, wie es vorgeſchrieben iſt, können aber in der neueren Zeit nicht ſo viel Pudding bekommen, als wir zu eſſen pflegten, ehe wir vor Havannah anlegten,“ erwiederte der Cadett lachend.„Ihr würdet nicht einen einzigen unter uns fin⸗ den, der ein zu gehen, un wieder anleg wie dieſes H ſchmelze dor tenante.“ „Es iſt det.— Ich Handel mac ablaſſen. Z Preis auch „Ich I wenn ich ei alſo nichts beliebt.“ „Die I chen, Herr ſofern Ihr ken, denn hinzu. In die würdevollen einiger Ent Walla und Spike ford achtete Ergebniß d dieß irgend geſtanden des Kriegs 2 in Er⸗ auf die ihm ſein zu thun, hm aber r eine ſo „“ ſagte hlmeiſter, Ihr die er Spike, n, beſon⸗ r haben. eß iſt ja „ iſt ſeit den. Ich d darauf venigſtens mehr als ie Kajüte n in der n Schiffe, teren Zeit pflegten, der Cadett uns fin⸗ — 187— den, der ein Küſtenboot bezahlen könnte, um an das Land zu gehen, wenn wir vor dem Ende des nächſten Monats wieder anlegen ſollten. Ich habe nie einen Platz geſehen, wie dieſes Havannah. Man ſagt, das Geld der Cadetten ſchmelze dort noch einmal ſo ſchnell, wie das der Lieu⸗ tenante.“ „Es iſt alſo ſicher, daß Ihr kein Mehl nehmen wer⸗ det.— Ich beſorge ſehr, Herr Spike, wir werden keinen Handel machen können, Ihr müßtet mir denn zwei Fäſſer ablaſſen. Zwei zu zehn Dollar, meinetwegen, ſo hoch der Preis auch iſt.“ „Ich würde ſechs Wochen über mich ſelbſt zürnen, wenn ich einen ſo ſchlechten Handel machte. Wir wollen alſo nichts mehr von der Sache reden, wenn es Euch beliebt.“ „Die Dame hier wünſcht ein Wort mit Euch zu ſpre⸗ chen, Herr Wallace, bevor Ihr in das Schiff zurückkehrt, ſofern Ihr Muße habt, ihr, oder ihnen Gehör zu ſchen⸗ ken, denn Ihr ſeht, es ſind ihrer zwei,“ ſetzte Archer hinzu. In dieſem Augenblicke näherte ſich Miſtreß Budd mit würdevollem Schritte, während Roſa ſchüchtern und in einiger Entfernung folgte. Wallace war über dieſes Anſuchen ziemlich erſtaunt, und Spike konnte ſeinen Aerger kaum verhalten. Mul⸗ ford achtete der Unterhaltung aus einiger Ferne, und das Ergebniß derſelben lag ihm viel mehr am Herzen, als er dieß irgend Jemanden, am Wenigſten ſeinem Capitän, ein⸗ geſtanden hätte. Der Zweck der Anſprache war, an Bord des Kriegsſchiffes treten zu dürfen.: — — 188— „Ihr ſeid ein Offizier von jenem Schiffe des Oheims Sam,“ begann die Tante, welche glaubte, ſie würde die Aufmerkſamkeit und Achtung des Offiziers um ſo zuver⸗ läſſiger auf ſich ziehen, wenn ſie ihm ſogleich zeigte, wie vertraut ſie ſelbſt mit der gewöhnlichen Sprache des Meeres ſei. „Ich habe die Ehre, Ma'am, zu jenem Schiffe des Oheims Sam zu gehören,“ antwortete Wallace ernſt, verbeugte ſich aber zu gleicher Zeit höflich, und ſah dabei das ſchöne Mädchen im Hintergrunde mit Theilnahme an. „Man hat mir dieß geſagt, Herr. Es iſt ein ſchönes Schiff, und ganz voll getakelt, wie ich bemerke.“ Zum erſten Male in ſeinem Leben, oder doch zum erſten Male ſeit ſeinem erſten Kreuzzuge ſah man Wallace verlegen, denn er konnte ſich durchaus nicht denken, was dieſes„voll getakelt“ heißen ſolle. Er blickte daher die gute Wittwe neugierig an, und ſchwieg. „Miſtreß Budd will ſagen, es ſei ein ganz aufge⸗ takeltes Schiff,“ ſiel Spike ein, der in dieſer Unterhaltung gern eine Stimme haben wollte,„während das unſrige nur halb aufgetakelt iſt.“ „So? Nun, ja, ja, die Dame hat ganz recht. Wir ſind von unſern Jungfern an bis zu unſern Augbolzen voll getakelt.“ „Ich dachte es mir wohl, Herr, nach Euern Grund⸗ feſſeln und Toptaljen,“ ſetzte die Wittwe hinzu.„Was mich betrifft, ſo bewundere ich in der ganzen Natur nichts in ſo hohem Grade, wie ein voll getakeltes Schiff mit ſei⸗ nem Segeltuch in den Bolztauen, und ſeinen Beſchlag⸗ leinen und Geit nz heraus.“ F„Ja, Ma'a Schauſpiel. Un Welt mit all ſe ſeht. Es gibt; geben; ich glau ſie der Natur b „Für mich tenant, als ein preGegenſtand ſtigt.“ „Ich gla Dieſe W gechlt werde Wagichen W den Poughke ſah, daß mar nn dieſer At beruühren. S unterſtütze treten. 1„Ja, H nn,„und hr je über 6 des Oheims e würde die n ſo zuver⸗ zeigte, wie sprache des Schiffe des llace ernſt, d ſah dabei ilnahme an. tein ſchönes r doch zum nan Wallace denken, was te daher die ganz aufge⸗ interhaltung das unſrige recht. Wir Augbolzen nern Grund⸗ azu.„Was Katur nichts hiff mit ſei⸗ n Beſchlag⸗ * leinen und Geitauen ſcharf N. Welt mit all ſeinem f ſeht. Es gibt Leute, nz heraus.“ 9„Ja, Ma'am, Ihr habt Unſer Liebling dort kam, geben; ich glaube aber, ſie der Natur beimeßt.“ 1 Vj 1 4 der,„un Ihr je über den Steinb „Nicht weniger als „Für mich kann tenant, als ein Schiff, FGegenſtand. ſügt.“ „Ich glaube wo höhniſch, urile.“ Dieſe den Poughkeepſi ſah, daß man ihrer nm dieſer Art verfehlte nie, So entſchloſſen ſo eifrig ſtrebte ſie berühren. zu unterſtützen, treten. „Ja, eiſe, mein“ ich der dieß beinahe, ‚wenn ich nach dem 7 Worte, die gewiß nich brachten in r, und ſie ent der Swaſh zu ve Tante heimlich ſpotte, ſie auf das Empfindlichſte zu ſie war, die beabſichtigte Bitte jetzt, ihr entgegen zu Wgeclt werden können, adlichen Wechſel hervo e mit Herr,“ begann die ni d den Verſtand zu ſänftigen. 189 es ni das in ſeinen Segeln das Herz ſtärkt und gebraßt, ganz recht, ock gekommen?“ ſechsmal; auf der Hin⸗ und ſeinen Raaen ein ſehr reizendes wie er iſt, auf die Segeltuch oben, gerade wie Ihr ihn welche die Schiffe der Kunſt anheim⸗ Ihr habt ganz recht, wenn Ihr chts Natürlicheres geben, Lieu⸗ ſteht. Es iſt den Verſtand „ erwiederte Wallace ein Einfluſſe auf Euch t unpaſſender hätten Roſa's Gefühlen einen ſagte dem Wunſche, rtauſchen. Sie und ein Begin⸗ chts ahnende Wittwe wie⸗ Lieutenant, ſeid und Her⸗ — 190— zu Euch an Bord gekommen, um „Und iſt Neptun 2 74 ſeinen Tribut zu fordern „Alles begab ſich secundum artem, Ma'am. S Gehaben war ganz das, was man in der Poeſie„Gede ken, zu tief für Thränen“ nennt.“ „Dieß muß in der That entzückend geweſen ſein. Was mich betrifft, ſo bin ich eine hohe Verehrerin Nep⸗ tun's. Aber ich vergeſſe die Zeit, Euer Schiff iſt wahr⸗ ſcheinlich bereit, wegzulaufen und Segel in den Wind zu 74 nehmen— „Tante, wollt Ihr mir ein Wort erl weiter ſprecht?“ ſiel Roſa mit ruhigem, weiſendem Tone ein. Die Tante fügte auben, ehe Ihr aber nicht abzu⸗ ſich dem Wunſche der Nichte, und Wallace, der ſich nun allein ſah, glaubte, er ſei von einem Treibſand abgelaufen, wo jede Anſtrengung, ſich loszu⸗ machen, ihn nur tiefer einſenkte. In dieſem Augenblicke praiete das Kriegsſchiff; der Lieutenant nahm haſtig Abſchied von Spike, winkte uec Cadetten, voranzugehen, und folgte ihm in das Boot. Spike begleitete ſeinen Beſuch perſönlich, und bot eigenhändig die Fallreeps*) dar. Wallace dankte ihm für dieſe Höflichkeit und rief, während das Boot von der Seite des Schiffes abſtieß: 3 „Wenn wir weglaufen, Nachdruck auf dieſes Weglaufen, und ſein ſpöttiſches Lachen galt der guten Wittwe,„ſo könnt Ihr auch weglaufen; ———— *) Die Taue, an welchen man niederſteigt. Der Ueberſetzer. „¹Ier legte einen ſtarken wenn wi Euch, daß „Do recht weit der Fallr Fiſche we mit Meh Das Lee, wo ſogleich i Wäh war, ha⸗ panje nich tereſſe di Molly S Offiziere Segel wi keepſie h ſchaffen. Wal kömmliche „Es atlantiſch pitän in ihm Argr Vorräthe „Ha erſte Lieu raden ſel „Ja kommen, um a'am. S. veſie„Gede „ geweſen ſein. erehrerin Nep⸗ chiff iſt wahr⸗ den Wind zu uben, ehe Ihr ber nicht abzu⸗ er Nichte, und er ſei von einem ng, ſich loszu⸗ Kriegsſchiff; der ike, winkte uae in das Boot. † önlich, und bot lace dankte ihm as Boot von der gte einen ſtarken ſpöttiſches Lachen uch weglaufen; Der Ueberſetzer. — 191— wenn wir die Oberſegel füllen, iſt dieß ein Zeichen für Euch, daß Ihr auch füllen könnt.“ „Dort rudert er hin, und ſein guter Stern führe ihn recht weit!“ murmelte Spike vor ſich hin, indem er von der Fallreepstreppe niederſtieg.„Ein ſchöner Keſſel voll Fiſche wäre gekocht worden, wenn ich ihm die zwei Fäſſer mit Mehl gegeben hätte.“ Das Boot des Kriegsſchiffes war bald unter deſſen Lee, wo ſeine Bemannung ausſtieg, worauf das Boot ſogleich in die Höhe gehißt wurde. Während der ganzen Zeit, welche Wallace abweſend war, hatten Capitän Mull und ſeine Offiziere die Cam⸗ panje nicht verlaſſen, und mit dem Seeleuten eigenen In⸗ tereſſe die Eigenthümlichkeiten und den Charakter der Molly Swaſh geprüft und beſprochen. Sobald jedoch ihre Offiziere zurückgekehrt waren, wurde Befehl gegeben, die Segel wieder zu füllen, denn man nahm an, der Pough⸗ keepſie habe jetzt mit der Brigantine nichts weiter zu ſchaffen. Wallace ſtieg auf die Campanje, und ſtattete den her⸗ kömmlichen Bericht ab. „Es iſt eine wunderliche Fracht, die dort von der atlantiſchen Küſte nach Key⸗Weſt geht,“ bemerkte der Ca⸗ pitän in ſehr bedenklichem Tone, als wenn dieſer Umſtand ihm Argwohn einflößte;„die Mexikaner können aber ſolche Vorräthe ſchwerlich brauchen.“ „Habt Ihr das Mehl geſehen, Wallace?“ fragte der erſte Lieutenant, welcher die Bequemlichkeit ſeines Kame⸗ raden ſehr gut kannte. „Ja, Herr, ja, und auch in der Hand gehabt. Der untere Raum der Brigg iſt ganz mit Mehl geladen; etwas Anderes iſt nicht dort.“ „Wendet, Herr, wendet, und lauft dwars durch das Kielwaſſer der Brigg,“ ſiel der Capitän ein.„Wir haben jetzt Raum genug, und ich möchte ſo nah als möglich an jenem Schiffe vorbeikommen.“ Dieſer Befehl wurde vollzogen. Die Kriegsſchluppe hatte ihr Hauptmarsſegel kaum gefüllt, als ſie nach vornen zog und der Brigantine den nöthigen Raum ließ, um auf ihrem Curſe abzulaufen. Spike benutzte jedoch den offenen Raum nicht, ſondern ſchickte mehrere Matroſen in die Höhe nach vornen, wo man ſie bereit ſah, die oberen Raagen und die Bramſtange niederzulaſſen. Sobald das Steuer der Kriegsſchluppe abgefallen war, ging das Schiff dicht an der Luvſeite der Brigg entlang und hielt auf ihrem Spiegel in ſeinem Curs ab. Die Segel ſchlugen flatternd an ſeinem Bord, als das Schiff ſich zu bewegen begann, und Mull ſprach Spike an: „Hat ſich etwas dort oben begeben?“ fragte der Capitän des Kriegsſchiffes. „Ja, ja, die Bramſtange iſt geſprungen, und ich glaube, dieſe Gelegenheit iſt günſtig, eine andere an ihre Stelle zu bringen.“ „Soll ich Euch ein paar Zimmerleute ſchicken, Herr Spike?“ „Dank' Euch, Herr, dank’ Euch von ganzem Herzen; es wird jedoch ohne ſie gehen. Es iſt ein altes Stück Holz, und es iſt hohe Zeit, daß ein beſſeres an ſeine Stelle kommt. Wer weiß, ob ich nicht gejagt werde und tüchtiger Spieren bedürftig bin.“ 1 Cap Zeichen d war. De Winde al Nach als eine Schußwe So ſcheinen ziemlich ſeiner gr jeder Fu vorrückte, Brigg g. Da gebraßt, trauen e ſollte, ſe in der. kam, g⸗ ſchicken, heit und wurde. „3 ſpöttiſch ſind, un ſchied v der alter laßt ſie andern 241— — 193— Capitän Mull lächelte und hob ſeine Mütze als Zeichen des Lebewohls, womit die Unterhaltung geſchloſſen war. Der Poughkeepſie gleitete raſch mit einem freien aden; etwas 3 durch das 14 3 „Wir haben Winde ab, und die Swaſh blieb faſt zunbeweglich ſtehen. möglich an Nach zehn Minuten waren die beiden Schiffe mehr als eine Meile von einander, und nach zwanzig außer iegsſchluppe Schußweite... 3 nach vornen So natürlich und gewöhnlich auch dieſe Trennung eß, um auf ſcheinen mochte, herrſchte doch an Bord der beiden Schiffe den offenen ziemlich viel Mißtrauen, und Spike's Gehaben zeugte von ſen in die ſeiner großen Verſchlagenheit. Er wußte recht gut, daß die oberen jeder Fuß, welcher die Kriegsſchluppe auf ihrem Curs vorrückte, ſie ebenſo weit leewärts, und daher ſeine eigene Brigg ganz nach windwärts brachte. Da die Swaſßh, verhältnißmäßig dicht bei dem Winde gebraßt, am Beſten ſegelte, flößte dieß Spike viel Ver⸗ fallen war, igg entlang 3 ab. Die das Schiff trauen ein, wenn das Kriegsſchiff den Einfall bekommen e an: ſollte, ſeinen Curs wieder zu ändern. Obgleich ſeine Leute fragte der in der Höhe waren, und die Bramſtenge bereits nieder⸗ kam, geſchah dieß doch nur, um ſie wieder hinauf zu , und ich ſchicken, denn die Stenge war von der beſten Beſchaffen⸗ ere an ihre heit und ſo geſund, wie an dem Tage, wo ſie gehauen wurde. cken, Herr„Ich glaube nicht, Herr Mulford,“ ſagte der Capitän ſpöttiſch,„daß Oheim Sam's Ferngläͤſer ſcharf genug m Herzen; ſind, um in einer Entfernung von zwei Stunden den Unter⸗ ltes Stück ſchied von Holz gewahren zu laſſen, und ſo wollen wir an ſeine der alten Stenge noch eine Zeit lang vertrauen. Ja, ja, werde und laßt ſie nur ihren Curs verfolgen, wir werden einen andern Weg finden, um in unſern Hafen einzulaufen.“ 241— 243. 13 — 194— „Die Kriegsſchluppe geht um die Südſeite von Cuba, Capitän Spike,“ verſetzte der Maat, und ich habe Euch ſagen hören, Ihr würdet denſelben Weg verfolgen.“ „Man kann ſeinen Entſchluß ändern, ohne dadurch zum Lügner zu werden. Bedenkt nur, Harry, wie häufig die Menſchen ihre Entſchlüſſe und Vorſätze ändern! Ich wollte zwiſchen Cuba und Jamaica durchlaufen, aber jetzt bin ich anderen Sinnes. Unſere Reiſe von Montauk hierher iſt ungewöhnlich kurz geweſen, und ich habe Zeit genug, um auch noch ſüdlich von Cuba zu gehen, wenn es mir einfällt.“ „Dieß würde die Reiſe bedeutend verlängern, Capitän Spike, wenigſtens um eine Woche.“ „Und was ſchadet dieß? Ich habe Zeit genug übrig; wir kommen neun Tage vor unſerer Zeit an.“ „Vor unſerer Zeit? Was wollt Ihr damit ſagen? Iſt der Tag feſtgeſetzt, an welchem wir zu Key⸗Weſt ein⸗ laufen?“ „Seid nicht ſo weiberartig und überneugierig, Mul⸗ ford. Ich reiſe mit verſiegelten Befehlen, und wann wir recht nach windwärts von Jamaica ſtehen, wird es Zeit genug ſein, ſie zu öffnen.“ Spike war ein Mann von Wort. Sobald er glaubte, die Kriegsſchluppe ſei weit genug leewärts, oder als ſie aus dem Geſichtskreiſe war, ließ er Segel beiſetzen und ging mit dem Winde, um näher an Porto⸗Rico zu treten. Lange vor dem Eintritte der Dunkelheit war die Kriegsſchluppe unſichtbar geworden, und jetzt änderte er ſeinen Curs und wendete ſüdweſtlich in der von ihm ange⸗ gebenen Richtung und folglich windwärts von Jamaica. Wäl zu gehab Poughkee Briganti beſprache Spike n Key⸗We der Vere und um machte, „S wodurch gekomme wundere Euch, ei „ laufen dieß ſei „Schiffs Umſtand laſſen, Di wart de ſo daß recht g hören z wie ſich 2,2 der Ca geſehen von Cuba, habe Euch gen.“ ſne dadurch wie häufig dern! Ich ufen, aber n Montauk habe Zeit hen, wenn n, Capitän nug übrig; nit ſagen? ⸗Weſt ein⸗ erig, Mul⸗ wann wir ird es Zeit er glaubte, oder als el beiſetzen to⸗Rico zu it war die änderte er ihm ange⸗ Jamaica. — 195— Während die Molly Swaſßh ſich auf dieſe liſtige Weiſe zu gehaben begann, fühlten ſich die Offiziere an Bord des Poughkeepſie nicht ganz zufrieden mit der Art, wie ſie die Brigantine behandelt ſhatten. Je mehr ſie die Sache beſprachen, deſto unwahrſcheinlicher erſchien es ihnen, daß Spike wirklich eine Ladung Mehl von Neu⸗York nach Key⸗Weſt bringen und hoffen ſollte, ſie den Lieferanten der Vereinigten Staaten zu ſo hohen Preiſen zu verkaufen, und um ſo mehr ſiel ihnen der Umweg auf, welchen er machte, indem er durch die Enge von Mona ſteuerte. „Sein wahrer Curs mußte viel weiter leewärts gehen, wodurch er an die(Nordſeite von Cuba vor den Wind gekommen wäre,“ bemerkte der erſte Lieutenant.„Ich wundere mich, daß Euch dieß nicht auffiel, Wallace,— Euch, einem ſolchen Feinde von Umwegen.“ „Ich wußte es allerdings; aber wir trägen Leute laufen gern vor dem Winde ab, und ich mußte annehmen, dieß ſei auch Capitän Spike's Geſchmack,“ verſetzte der „Schiffsgentleman.“„Nach meinem Bedünken iſt der Umſtand, daß er ſich ſo ſehr ſträubte, uns Mehl abzu⸗ laſſen, bei der ganzen Sache das Verdächtigſte.“ Dieſe Unterhaltung ging auf der Campanje in Gegen⸗ wart des Capitäns vor ſich, aber doch ein wenig abſeits, ſo daß ſie den Ton der Vertraulichkeit zweier Kameraden recht gut annehmen konnte. Capitän Mull ſchien nicht hören zu ſollen, was vorging, aber er hörte jedes Wort, wie ſich aus ſeinen, ſogleich folgenden Bemerkungen ergab. „Wenn ich recht gehört habe, Herr Wallace,“ ſagte der Capitän ziemlich trocken,„ſo habt ihr das Mehl ſelbſt geſehen?“— 13* — 196— „Ich habe die Mehlfäſſer geſehen, Herr; und ſo regelmäßig waren ſie gemacht, wie je Fäſſer den Stempel bekommen haben. Ein Mehlfaß kann aber auch noch etwas anderes als Mehl enthalten.“ „Fäſſer, in welchen Mehl iſt, ſind leicht zu erkennen; waren jene Fäſſer rein?“ „Nichts weniger als dieß, Herr; man ſah Mehl auf den Dauben, wie dieß gewöhnlich bei ſolchen Ladungen der Fall iſt. Wie dem auch ſei, der Mann mag ſein Geſchäft beſſer verſtehen, als wir ihm zutrauen; er bringt ſeine Fracht vielleicht zu hohen Preiſen an.“ Capitän Mull ſchien nachzudenken, was für die jüngeren Offiziere ein Wink war, die Unterhaltung nicht fortzuſetzen, ſondern ſich das Anſehen zu geben, als dächten auch ſie nach. Nach einer kurzen Pauſe bemerkte der Capitän ruhig: „Nun, meine Herren, ich denke, er wird in unſerem Curſe niederkommen, ſobald er mit ſeiner neuen Bram⸗ ſtenge fertig iſt, und dann können wir einen gehörigen Ausguck nach ihm halten. Wir werden einige Tage vor Cap Antonio benutzen, und ſeiner alſo wieder anſichtig werden. Ich wünſche ſehr, ein Gebäck von ſeinem Mehle vor mir zu haben.“ Spike hatte aber durchaus die Abſicht nicht, dem Poughkeepſie die gewünſchte Gelegenheit zu bieten. Er hielt, wie bereits geſagt worden, mit dem Winde nach ſüdwärts ab und umſegelte das öſtliche Ende von Jamaica, wo er abſtel und, von Wind und Strömung begünſtigt, ſich nordweſtlich wendete. Die natürliche Folge war, daß er dem Poughkeepſte gar nicht zu Geſicht kam, obgleich dieſes Se Yucatan und der Ausguck Es g einer über als Mexil zwiſchen Anzahl S Cap Anto ganze Küt ſchloſſen kanern al Geſchwade unmöglich könnte. die zu be Meilen, größer iſt Wäh Weiſe um Capitän! mit der wie ſie, gereizten nach vier in dieſem Inde keit zurüc ten, zu T r; und ſo n Stempel auch noch merkennen; Mehl auf dungen der in Geſchäft ringt ſeine 3 für die ltung nicht als dächten tän ruhig: in unſerem nen Bram⸗ gehörigen Tage vor ranſichtig iem Mehle icht, dem ieten. Er inde nach Jamaica, begünſtigt, war, daß „ obgleich — 197— dieſes Schiff in eben der Zeit, wo er die Küſte von Yucatan hinablief, in der Nähe des Caps San Antonio und der„Fichteninſel“(Isle of Pines) einen ſcharfen Ausguck nach ihm hielt. Es gibt wohl kein Küſtenland in der Welt, das von einer überlegenen Seemacht leichter blockirt werden kann, als Mexiko dem atlantiſchen Meere entlang. Wenn man zwiſchen Weſt⸗Key und der Havannah eine hinreichende Anzahl Schiffe aufſtellt, und ein zweites Geſchwader zwiſchen Cap Antonio und Loggerhead⸗Key kreuzen läßt, ſo iſt die ganze Küſte, die Bai von Honduras ausgenommen, abge⸗ ſchloſſen und unzugänglich. Der Golf würde den Mexi⸗ kanern allerdings geöffnet bleiben, wenn man nicht ein Geſchwader in ſeiner Nähe hielte; es wäre jedoch faſt unmöglich, daß ein Schiff auf das offene Meer heraus könnte. Die Strecke von der Havannah bis Key⸗Weſt, die zu bewachen iſt, beträgt nur gegen ſechszig engliſche Meilen, während die in der andern Richtung nicht viel größer iſt. Während die Swaſh Jamaica in der angegebenen Weiſe umſegelte, fand faſt gar kein Verkehr zwiſchen dem Capitän und ſeinen Reiſenden Statt. Das Mißverſtändniß mit der Wittwe ſetzte ibn in ebenſo große Verlegenheit, wie ſie, und er wünſchte natürlich, daß die Zeit ihre gereizten Gefühle ſanfter ſtimmen möge. War doch Roſa nach vierzehn Tagen nicht weniger in ſeiner Gewalt, wie in dieſem Augenblicke. Indem der Capitän auf dieſe Weiſe mit ſeiner Artig⸗ keit zurückhielt, fühlten ſich die Frauen freier, und benütz⸗ ten, zu Mulford's großem Erſtaunen, dieſe Freiheit, indem — 198— ſie zu Hans Tier in ein auffallend vertrautes Verhältniß traten. An dem Tage nach der ſo ungemein zarten Unterhal⸗ tung mit Miſtreß Budd,— eine Unterhaltung, welche Hans Tier theilweiſe belauſcht hatte, bemerkte man den rauh ausſehenden Proviantmeiſters⸗Maat in geheimem Geſpräche mit der ſchönen Roſa, und der Gegenſtand dieſer Zwie⸗ ſprache ſchien von großer Bedeutſamkeit zu ſein. Von dieſer Stunde an wurde Hans zu Mufford's ungemeiner Verwunderung nicht nur ein Vertrauter, ſondern ein Günſtling der Frauen. Nach dem Bedünken des jungen Mannes konnte man kaum ein Weſen finden, das weniger zu„téte-à-tétes“ und vertraulicher Zwieſprache einlud; es war aber ſo; die Launen der Frauen ſind unerklärlich; und nicht nur Roſa und ihre Tante, ſondern auch die ſtets unwirſche und mißtrauiſche Biddy legten bei allen Gelegen⸗ heiten nicht nur ihre Freundſchaft, ſondern ihr Vertrauen und ihre Achtung für Haus an den Tag. „Ihr mir die Naſe ganz aus dem Gelenk bringen, ihr Hans Tier, mit der Frauen da,“ murrte Joſh, der Proviantmeiſter des Schiffes— de jure, wenn auch nicht de facto,„und ich haben nie etwas dergleichen geſehen. Ich glauben, Ihr erwarten wenigſtens zehn Dollar von den Reiſenden, wenn wir in den Hafen ſein. Aber, Meiſter Hans, Ihr wiſſen müſſen, daß ein Proviantmeiſter ein Proviantmeiſter ſein, und daß er ſich nicht narren laſſen wollen vor ſeiner Geſicht— Ihr hören?“ „Pah, pah, Joſhua,“ antwortete Hans gutmüthig, „laßt Euch nicht durch eine Grille in Zorn treiben. Erſtens habt Ihr keine Naſe, die man aus dem Gelenke bringen kann; oder kein Gelen ihre eigene weil ich we „Mit brummte. weißer gew Mann aber wenn wir dann anne ſechs Dollo ſein, Ihr. „Iſt gelehrter 2 „Nun Ich nicht Hälfte ich „Und wünſchte n wenn wir „Wie Sache un keine Mau Da H zu holen, Verſpreche Hälfte von in den Ka pünktlich, Verhältniß Unterhal⸗ elche Hans den rauh Geſpräche eſer Zwie⸗ ein. Von ungemeiner ndern ein des jungen s weniger he einlud; erklärlich; h die ſtets Gelegen⸗ Vertrauen bringen, Joſh, der auch nicht n geſehen. ollar von c, Meiſter heiſter ein ren laſſen utmüthig, .Erſtens e bringen — 199— kann; oder, wenn Ihr wirklich eine Naſe habt, ſo hat ſie kein Gelenk. Es iſt ganz natürlich, daß die Menſchen ihre eigene Farbe lieben, und die Damen ziehen mich vor, weil ich weiß bin.“ „Mit Eurem Weiß es nicht ſehr weit her ſein,“ brummte Joſh.„Ich haben viel Weiße geſehen, die weißer geweſen ſein, als Ihr. Wenn dieſe Frauen weißen Mann aber ſo ſehr lieben, daß ſie Euch zehn Dollar geben, wenn wir in Hafen kommen, wie ich erwarten, ich müſſen dann annehmen, daß Ihr mir die Hälfte abliefern, oder ſechs Dollar, wie Ihr dieß Euerm Vorgeſetzten ſchuldig ſein, Ihr.“ „Iſt ſechs bei Euch die Hälfte von zehn, Joſhua, gelehrter Joſhua?“— „Nun denn ſieben, wenn Euch das beſſer gefallen. Ich nicht mehr wollen, als der Hälfte, und gerade der Hälfte ich werden bekommen.“ 3 „Und Ihr ſollt die Hälfte haben, alter Sünder. Ich wünſchte nur, Ihr könntet mir ſagen, wo wir ſein werden, wenn wir in den Hafen eingelaufen ſind?“, „ Wie ich wiſſen, weißer Mann? Das ſein Capitäns Sache und Ihr ihn am Beſten fragen. Wenn er Euch keine Maulſchelle geben, er es Euch vielleicht ſagen.“ Da Hans Tier keine Neigung hatte, ſich Maulſchellen zu holen, ſo hütete er ſich, Joſh's Rath zu befolgen. Sein Verſprechen jedoch, dem ſchwarzen Proviantmeiſter die Hälfte von den zehn Dollar abzugeben, ſtellte den Frieden in den Kajüten wieder her. Er hielt ſogar ſein Wort ſo pünktlich, daß er noch deſſelben Tages Joſh einen halben „— 200— Adler*) gab, welchen er von Roſa erhalten hatte, indem er bemerkte, er vertraue der Vorſehung hinſichtlich ſeiner eigenen Hälfté an dem erwarteten Geſchenke. Dieſes klin⸗ gende Zugeſtändniß gewann Hans Tier das ganze Vertrauen ſeines„Vorgeſetzten,“ welcher ihm jetzt den ganzen her⸗ kömmlichen Dienſt in der Damenkajüte willig überließ. In Betreff des Schiffes begab ſich nichts, das der Erwähnung werth wäre, bis es Loggerhead⸗Key hinter ſich hatte, und wohlbehalten in den Golf von Mexiko ein⸗ trat. Hier that Spike in der That etwas, das ſeinen Maat in großes Erſtaunen verſetzte. Der Letztere erhielt nämlich Befehl, alle ſeine Inſtrumente, Karten u. ſ. w. in die Hütte des Capitäns zu bringen, wo ſie, wie man ihm bedeutete, bleiben ſollten, bis die Brigg in den Hafen eingelaufen wäre. Spike war nur ein mittelmäßiger Seefahrer, während Mulford in der Schiffahrtskunde ungewöhnliche Kenntniſſe beſaß. Jener war ſo ſehr daran gewöhnt, ſich auf ſeinen Maat zu verlaſſen, wenn ſie ſich einer fremden Küſte näherten, daß nur eine beſtimmte verbrecheriſche Maßregel den Maat in höherem Grade hätte beunruhigen können, als dieſe ihn beunruhigte. Anfangs gab Mulford ſich ziemlich natürlich dem Ge⸗ danken hin, Spike beabſichtige, auf einen mexikaniſchen Hafen loszuſteuern, um ihn durch jenen Schritt über die Stellung des Schiffes irre zu führen. Die Richtung jedoch, welche das Schiff nahm, ließ dieſem Argwohn nicht lange Raum. *) Fünf Dollar. 3 Der Ueberſetzer. Von de kaniſche Kü ſogar ſüdwe nordöſtlich g Küſte, ſtatt Beſorgniſſe Die W nicht das C Er ließ die weit, daß er um ſie gan während da Befehle des denheit voll „Land, Es erg von zehn b theils San von wenige kaum aus Inſeln erho deſſen Fuß baut war. Außer nichts ſicht würde wah gemacht he Waſſerfläch Umgebung Mulford vr hatte, indem chtlich ſeiner Dieſes klin⸗ ze Vertrauen ganzen her⸗ überließ. ts, das der ⸗Key hinter Mexiko ein⸗ das ſeinen ttere erhielt ken u. ſ. w. 2e, wie man n den Hafen er, während e Kenntniſſe hauf ſeinen mden Küſte e Maßregel zen können, ich dem Ge⸗ eexikaniſchen itt über die Richtung wohn nicht leberſetzer. — 201— Von dem öſtlichen Ende von Yucatan läuft die mexi⸗ kaniſche Küſte auf eine weite Strecke hin weſtlich und ſogar ſüdweſtlich, während der Curs, welchen Spike ſteuerte, nordöſtlich ging. Er entfernte ſich alſo von der feindlichen Küſte, ſtatt ſich ihr zu nähern, ein Umſtand, welcher die Beſorgniſſe Mulford's in hohem Grade beſchwichtigte. Die Wegnahme der Inſtrumente des Maats war aber nicht das Einzige, was den Argwohn gegen Spike weckte. Er ließ die Malerei der Brigg ganz ändern, und ging ſo weit, daß er in der Höhe mehrere Aenderungen anbrachte, um ſie ganz unkenntlich zu machen. Alles dieß geſchah, während das Schiff ſeinen Curs raſch verfolgte, und die Befehle des Capitäns waren eben zu deſſen großer Zufrie⸗ denheit vollſtreckt, als der Ruf ſich wieder hören ließ: „Land, ho!“ Es ergab ſich, daß dieſes„Land“ aus einer Gruppe von zehn bis zwölf niedrigen, kleinen, theils Korallen⸗, theils Sandinſeln beſtand, deren größte eine Oberfläche von wenigen Morgen haben mochte. Mehrere traten eben kaum aus dem Waſſer heraus. Auf einer der größten Inſeln erhob ſich ein hoher, maſſenhafter Leuchtthurm, an deſſen Fuß die gewöhnliche Behauſung des Wärters ange⸗ baut war. Außer dem blauen Waſſerſpiegel des Golfs war ſonſt nichts ſichtbar. Das ganze Land, welches man überſah, würde wahrſcheinlich kein Feld von zwanzig Morgen aus⸗ gemacht haben, und dieß war durch eine ausgedehnte Waſſerfläche von der übrigen Welt getrennt. Lage und Umgebung dieſer Oertlichkeit war ſo eigenthümlich, daß Mulford vor Begierde glühte, zu erfahren, wo er ſei, als — 202— die Brigg zwiſchen zwei Inſelchen durchſteuerte, in ein geräumiges, völlig geſichertes Becken, das von der Gruppe gebildet wurde, eintrat, und in deſſen Mitte Anker warf. Fünftes Kapitel. Er ſchläft; und, ba! in ſeinem Traume Sieht Gold und Perlen er Gebäuft in dieſem Raume, Wie Muſcheln an dem blauen Meer. Er greift darnach gar keck, 1 Da ruft'’s mit Ungeſtüm: „Hinweg, du Sünder, weg!“ Ein Mann ſteht todtbleich neben ihm. Dana. Es war beinahe Abend, als die Molly inmitten dieſer kleinen, flachen Inſelchen vor Anker ging. Roſa war auf dem Deck geweſen, als das Schiff ſich dieſem eigenthüm⸗ lichen, einſamen Hafen näherte, und hatte das Thun der Mannſchaft an Bord, ſowie das Ausſehen der Gegenſtände auf dem Lande, mit all der Theilnahme, welche ihre Lage natürlich wecken mußte, in das Auge gefaßt. Sie ſah das leichte, bewegliche Fahrzeug durch die enge, ſich windende Einfahrt laufen, die zu dem Hafen führte, das Auswerfen des Ankers und die Scene ruhiger Stille und Einſamkeit, wie eines dem anderen, gleichſam einem Geſetze der Natur gemäß, folgte. Dann zog der Leuchtthurm ihre Aufmerkſamkeit auf ſich, und ſobald die Sonne in das Meer geſunken war, blieb ihr Auge auf die Laterne gefeſſelt, um die warnenden Lichter dort erglim⸗ men zu ſehen ſollten, welche Aber Mi vergeſſen zu h „Warum Roſa den jun Pflicht Genüg ſowie bei den „Alle Leuchtt müſſen deren Stunde in hel „Ich kan nicht denken, fern und nah gruppe. Ein Oſten hin eit erblicken; ich oder ein ande Abendſtrahl Capitän gem mich geirrt. dieſen Leuchtt Lebenszeichen eine ganz un „Eine 6 net, fürcht’' „Wir u Ihr wenigſt ſterben, als Spike ſür erte, in ein der Gruppe Anker warf. nem Traume n er blauen Meer. m: 1* eich neben ihm. Dana. mitten dieſer oſa war auf eigenthüm⸗ 1s Thun der Gegenſtände de ihre Lage g durch die dem Hafen cene ruhiger „gleichſam nn zog der d ſobald die Auge auf dort erglim⸗ — 203— men zu ſehen, die dem Seemanne die Gefahren andeuten ſollten, welche dieſe Oertlichkeit umgaben. Aber Minute um Minute verſtrich, und man ſchien vergeſſen zu haben, die Lichter anzuzünden. „Warum wird die Laterne nicht angezündet?“ fragte Roſa den jungen Maat, der zu ihr trat, nachdem er ſeiner Pflicht Genüge gethan, und bei dem Feſtigen des Schiffes, ſowie bei dem Klarmachen des Deckes behilflich geweſen. „Alle Leuchtthürme, an denen wir vorbeikamen, und es müſſen deren beinahe fünfzig geweſen ſein, haben zu dieſer Stunde in hellem Lichte geſtrahlt; nur dieſer bleibt dunkel.“ „Ich kann es nicht erklären, kann mir auch durchaus nicht denken, wo wir ſind. Ich bin in der Höhe geweſen; fern und nahe war aber nichts zu ſehen, als dieſe Inſel⸗ gruppe. Einen Augenblick glaubte ich, dort nach Nord⸗ Oſten hin einen Fleck, wie ein fern ſtehendes Schiff, zu erblicken; ich muß aber faſt annehmen, es ſei eine Meve, oder ein anderer Seevogel geweſen, deſſen Schwingen im Abendſtrahl glänzten. Ich habe es beim Niederſteigen dem Capitän gemeldet; er ſchien jedoch zu glauben, ich hätte mich geirrt. Auch ich habe, ſeitdem wir eingelaufen ſind, dieſen Leuchtthurm im Auge gehabt, und nicht das geringſte Lebenszeichen in und um ihn gewahren können. Es iſt eine ganz ungewöhnliche Oertlichkeit.“ „Eine Scenerie, welche ſich zu Schurkenſtreichen eig⸗ net, fürcht' ich, Harry.“ „Wir werden darüber morgen beſſer urtheilen können. Ihr wenigſtens habt einen wachſamen Freund, der eher ſterben, als Euch ein Leid zufügen laſſen wird. Ich halte Spike für einen durchaus grundſatzloſen Menſchen; abe — 204— r weiß ſehr gut, wie weit er gehen darf, und vor dem Geſetze hat er eine geſunde Scheu. Aber gewiß, ein Hafen, wie dieſer, mit einem regelmäßigen Leuchtthurme, und unbewohnt und unbewacht, dieß ſind ganz außerge⸗ wöhnliche Erſcheinungen, und ich weiß nicht, was ich aus ihnen machen ſoll.“ „Vielleicht fürchtet ſich der Wärter, ſich in Gegenwart der Swaſh zu zeigen?“ „Dieß iſt kaum denkbar; denn wenn dieß ein Hafen iſt, ſo müſſen Schiffe auch öfter hier einlaufen. Spike iſt aber ebenſo betroffen darüber, daß die Lampen nicht angebrannt worden, wie wir es ſein können. Seht, er ſchickt ſich an, von zweien ſeiner älteſten Matroſen beglei⸗ tet, in dem Boote überzuſetzen und den Leuchtthurm zu beſuchen.“ „Könnten wir nicht den Anker lichten, von dieſem Orte abſegeln, und Spike ſich ſelbſt überlaſſen?“ fragte Roſa mit mehr Muth und Entſchloſſenheit, als kluger Umſicht. „Einfach, weil dieß Seeräuberei wäre, Noſa; geſetzt auch, ich könnte die übrige Mannſchaft bewegen, meinen Befehlen zu gehorchen, wie ich es gewiß nicht könnte. Nein, Roſa; aber Ihr und Eure Tante und Biddy könntet an jenen Gebäuden landen und es verweigern, wieder an Bord zu gehen, denn Spike hat keine Gewalt über ſeine Reiſenden.“ „Er würde aber Gewalt genug haben, uns zu zwin⸗ gen, in ſeine Brigg zurückzukehren. Seht, eben ſind ſie auf dem Waſſeer, ſie rudern ſtracks auf den Leuchtthurm zu.“ Mulford erwiederte in dem Augenblicke nichts, blieb aber an Rof Capitäns. Spike lie rudern, eine Leuchtthurm Mitte der Gr der Gewalt d Umſtand deut fehlte, der ſe thurm wenige zu leiten, als zu dienen, un ſam zu mache Spike w man ihn auck ihre Lampen die Gegend und alle übri ſtimmuug ſo ſeher ihrer w Spike tr wache wurde es zu dieſer Mit der Deck; er fan wieder an de verlöſchen. Seite des S herüber. „Ihr h. und vor dem er gewiß, ein Leuchtthurme, ganz außerge⸗ „was ich aus in Gegenwart ieß ein Hafen aufen. Spike Lampen nicht n. Seht, er atroſen beglei⸗ euchtthurm zu „ von dieſem ſen?“ fragte „ als kluger Roſa; geſetzt egen, meinen nicht könnte. Biddy könntet n, wieder an alt über ſeine uns zu zwin⸗ eben ſind ſie chtthurm zu.“ nichts, blieb — 205— aber an Roſa's Seite und beachtete das Gehaben des Capitäns. Spike ließ gerade auf die Inſel mit den Gebäuden los⸗ rudern, eine Strecke von nur wenigen hundert Ellen. Der Leuchtthurm war auf einer felſigen Inſel, die faſt in der Mitte der Gruppe lag, erbaut, wahrſcheinlich um ihn vor der Gewalt der andrängenden Wellen zu ſchützen. Dieſer Umſtand deutete jedoch an, wie Mulford auch nicht ver⸗ fehlte, der ſchönen Roſa mitzutheilen, daß dieſer Leucht⸗ thurm weniger zum Zwecke hatte, Schiffe in den Hafen zu leiten, als Seeleuten in der Ferne als Warnungszeichen zu dienen, und ſie auf die Stellung der Gruppe aufmerk⸗ ſam zu machen. Spike war noch keine fünf Minuten gelandet, als man ihn auch ſchon in der Laterne und im Begriffe ſah, ihre Lampen anzuzünden. Nach einer kurzen Weile war die Gegend glänzend erleuchtet, denn die Strahlenwerfer und alle übrigen Theile jener Maſchine erfüllten ihre Be⸗ ſtimmuug ſo regelmäßig, als wenn der gewöhnliche Auf⸗ ſeher ihrer wartete.. Spike trat bald darauf wieder an Bord und die Anker⸗ wache wurde ausgeſtellt, worauf Alles zur Ruhe ging, wie es zu dieſer Stunde herkömmlich war. Mit der aufgehenden Sonne war Mulford auf dem Deck; er fand jedoch, daß Spike ihm zuvorgekommen und wieder an das Land gegangen war, um die Lampen zu verlöſchen. Nach wenigen Minuten ließ er ſich an die Seite des Schiffes zurückrudern und kam zu dem Maat herüber. „Ihr hattet doch geſtern Abend recht wegen Eures —-— 206— Segels, Herr Mulford,“ ſagte Spike, ſobald er auf die Schanze getreten war.„Dort kommt es entlang, und bis die Leute ihr Frühſtück eingenommen haben, werden wir es an unſerer Seite haben, um Fracht aus⸗ und einzuladen.“ Da Spike bei dieſen Worten ſeine Finger in der Rich⸗ tung des Leuchtthurms erhob, änderte der Maat ſeine Stel⸗ lung ein wenig und ſah, daß der Schoner vor dem Wind auf die Inſeln niederlief. Mulford begann jetzt zu ahnen, was Spike bewogen hatte, in der angedeuteten Weiſe zu verfahren; Vieles blieb ihm freilich noch dunkel. Er wußte nicht, in welcher Gegend die Brigg ſtand; noch weniger begriff er, warum man zu ſolchen ſeltſamen Mitteln ſeine Zuflucht nahm, um die Verladung einer ſo unſchuldigen Fracht, wie Mehl ſein mußte, geheim zu halten. Der Mann jedoch, welcher in dieſes Geheimniß einge⸗ weiht war, ließ ihm wenig Zeit zum Nachdenken; denn er hatte kaum ein eiliges Frühſtück auf dem Deck zu ſich ge⸗ nommen, als er ſeinem Maat ſo viele Befehle gab, daß dieſer ſich mehr als hinreichend beſchäftigt ſah, während Spike ſeine Jolle wieder beſtieg, und ſich dem Schoner entgegenrudern ließ. Roſa kam jetzt auf das Deck, und begann natürlich, Harry wegen der Oertlichkeiten und ihrer Ausſichten zu befragen. Er geſtand, daß er ihr darüber nichts zu ſagen wiſſe, und beklagte dieß zumal, worauf Roſa's liebliches Antlitz plötzlich in hoher Röthe erglühte. Sie trat raſchen Schrittes an das offene Fenſter der Hütte des Capitäns, preßte das blendende Weiß ihrer obern Zähne auf il einen einzige ſchloſſenheit, Der M nicht ohne T ihren Arm a der Hand, n Der jur Roſa gelehr! zur Hand zu daß ſie eine Ohne ei haben ins T Inſtrument daß Einer d den heraufz! tungen zum merkſam ger Die Bo ſie in der E waren. Mr zu ſein, da ſehr genau Länge unge Nachder warf er eir Schreibtiſch Schiff in d weſtlichen C gedehnten„ ald er auf die entlang, und haben, werden acht aus- und ger in der Rich⸗ Laat ſeine Stel⸗ vor dem Wind Spike bewogen fahren; Vieles icht, in welcher riff er, warum Zuflucht nahm, lacht, wie Mehl eheimniß einge⸗ denken; denn er Deck zu ſich ge— fehle gab, daß ſah, während h dem Schoner gann natürlich, Ausſichten zu nichts zu ſagen Roſa's liebliches fene Fenſter der geiß ihrer obern — 207— Zähne auf ihre volle, prächtige Unterlippe, und ſtand ſo einen einzigen Augenblick, eine ſchöne Statue der Unent⸗ ſchloſſenheit, die eine muthvolle Seele zum Handeln drängt. Der Muth gewann die Oberhand, und Mulford ſah nicht ohne Beben, daß Roſa ganz an das Fenſter trat, ihren Arm ausſtreckte und ſich, mit ſeinem Sextanten in der Hand, wieder zu ihm wendete. Der junge Mann hatte in dem Verlauf der Reiſe Roſa gelehrt, ihm bei der Aufnahme der Länge hilfreich zur Hand zu ſein, und ſie ſchickte ſich jetzt an, zu beweiſen, daß ſie eine gelehrige Schülerin geweſen. Ohne einen Augenblick zu verlieren, ſetzte ſie ihr Vor⸗ haben ins Werk. Die Aufnahmen fanden Statt, und das Inſtrument wurde wieder an ſeine Stelle gebracht, ohne daß Einer der Leute, die in voller Thätigkeit waren, Win⸗ den heraufzuſchaffen, und die übrigen nöthigen Vorberei⸗ tungen zum Verladen des Mehles zu treffen, darauf auf⸗ merkſam geworden wäre.. Die Beobachtungen entſprachen ihrem Zweck, obgleich ſie in der Eile und ziemlich unvollkommen gemacht worden waren. Mulford glaubte, über ihre Breite ziemlich gewiß zu ſein, da er von Yucatan nieder den Curs der Brigg ſehr genau beachtet hatte; es ergab ſich nun, daß ihre Länge ungefähr 83 Grad weſtlich von Greenwich betrug. Nachdem er ſich dieſer Thatſache vergewiſſert hatte, warf er einen Blick auf die Karte, welche auf Spike's Schreibtiſch ausgebreitet lag, und überzeugte ſich, daß das Schiff in der Gruppe der Dry Tortugas, oder an dem weſtlichen Ende des wohlbekannten, furchtbaren und aus⸗ gedehnten„Florida⸗Riffes“ vor Anker lag. 1— 208— 8 Er hatte dieſen Theil der Welt nie vorher beſucht, Der Maat w 5 aber er hatte aus den Geſprächen der Seeleute genug ner ein Natir gehört, und in Büchern genug geleſen, um ſofort über die Augenblicke ſt 5 wahre Lage und Stellung des Schiffes gewiß zu ſein. kommender ſe 4 Die Inſelchen gehörten zu Amerika; der Leuchtthurm Augenblicken 8 war ein amerikaniſcher; und das Becken, in welchem die Als Sp 7 Swaſh lag, war gerade die Stelle, welche die Regierung war er von e als einen Außenhafen für ihre Kriegsſchiffe in das Auge ſchieden vorne gefaßt hatte, und wo ſich bei künftigen Kriegen in dieſen in ſeinem ſehr Theilen der Welt die Flotte des Landes ſammeln konnte. Juan), bald 3 Bald gewahrte er auch die Zeichen des Daſeins eines aus⸗ letzteren Nam gedehnten Riffes, das ſüdlich von dem Schiffe lag und ausſehenden eine Art Seedamm oder Molo bildete, und in jener Rich⸗ Fremde ſprach tung den Hafen gegen die Wellen des Golfes ſchützte. Er ausländiſche wußte, daß dieſes Riff ſich meilenweit ausdehnte.„Don T Die Zeit zum Nachdenken war karg gemeſſen, denn Mulford, und 4 Spike brachte den fremden Schoner bald unmittelbar an ohne, wie ich die Seite der Brigg. doch iſt dieß 5 Dieſe beiden Schiffe boten ſofort das Bild der lebhaf⸗ zu kümmern teſten Thätigkeit; das eine lud aus, und das andere nahm Dieſer T ein, und dieß ſo raſch, als das Mehl aus dem unteren Worte begleit Raume der Swaſh heraufgebracht und auf das Deck des berühren; er Schoners gebracht werden konnte. einem Erſtau Mulford hatte ſich jedoch bei dem Eintritte des Scho⸗ ausdrückte, al ners in das Becken eine kleine Liſt erlaubt, welche ihm vornehmen M einige herbe Flüche von Seiten Spike'’s, ſobald ſie allein Mulford auf, waren, zuzog. Der Maat hatte nämlich die Flagge der feiner Erzieht 5 Brigg aufgehißt, und der Schoner mußte, wenn er ſich Anſpruch nal nicht auffallend roh erweiſen wollte, die Artigkeir erwie⸗ der Begrüßur dern; er hatte alſo die alte Flagge Spaniens gezeigt. Die Arb 241— 243. orher beſucht, ſeeleute genug ofort über die 3 zu ſein. r Leuchtthurm n welchem die die Regierung in das Auge egen in dieſen mmeln konnte. ins eines aus⸗ hiffe lag und in jener Rich⸗ 3 ſchützte. Er onte. emeſſen, denn nmittelbar an ild der lebhaf⸗ andere nahm dem unteren das Deck des itte des Scho⸗ , welche ihm pald ſie allein die Flagge der wenn er ſich Artigkeir erwie⸗ iniens gezeigt. — 209— Der Maat wurde, weil er auf dieſe Weiſe von dem Scho⸗ ner ein Nationalzeichen erpreßt hatte, in einem paſſenden Augenblicke ſtreng getadelt; man konnte jedoch nicht zuvor⸗ kommender ſein, als Spike ſich ſchon in den nächſten Augenblicken wieder gegen ſeinen Maat erwies. Als Spike an Bord ſeiner Brigantine zurückkehrte, war er von einem dunkelfarbigen, gut gekleideten und ent⸗ ſchieden vornehm ausſehenden Manne begleitet, welchen er in ſeinem ſehr zweideutigen Spaniſch bald Don Wan(Don Juan), bald Senor Montefalderon anredete. Unter dem letzteren Namen hielt er es für paſſend, den ſehr achtbar ausſehenden Fremden ſeinem Maat vorzuſtellen. Der Fremde ſprach das Engliſche gut, obgleich nicht ganz ohne ausländiſche Betonung. „Don Wan hat all unſer Mehl genommen, Herr Mulford, und beabſichtigt, es nach Cuba hinüberzuſchaffen, ohne, wie ich glaube, das Zollamt beunruhigen zu wollen; doch iſt dieß ein Umſtand, der uns, wie Ihr wißt, nicht zu kümmern braucht.“ Dieſer Wink und der ſprechende Blick, welcher dieſe Worte begleitet hatte, ſchien den Fremden unangenehm zu berühren; er wendete ſich ab, und machte Roſa, die er mit einem Erſtaunen, welches ſich deutlich in ſeinem Geſicht ausdrückte, aber mit der Freiheit und dem Anſtande eines vornehmen Mannes begrüßte, ſeine Verbeugung. Es fiel Mulford auf, daß ein Schleichhändler ein Mann von ſo feiner Erziehung ſein ſollte; da ihn jedoch ſeine Pflicht in Anſpruch nahm, konnte er der kurzen Unterhaltung, welche, der Begrüßung folgte, ſeine Aufmerkſamkeit nicht zuwenden. Die Arbeit wurde etwa eine Stunde raſch und eifrig 241— 243. 14 210 fortgeſetzt. Mulford war während dieſer Zeit mehreremal an Bord des Schoners, wie auch Joſh, Hans Tier und andere von der Bemannung der Swafh. Der ſpaniſche Schoner war ein Baltimore⸗Schiff, d. h. ein Schnell⸗ ſegler, hatte eine Rumpfhütte, und ſchien in jeder Hinſicht raſch zu gehen. Der Bau überraſchte Mulford, und er ging nach vornen und nach hinten, um den Schoner zu unterſuchen. Dieß war bei einem Seemann etwas ſo Natürliches, daß Spike, welcher dieſes Gehaben gewahrte, darüber erfreut ſchien; er rief ſeinem Maat ſogar von ſeiner Schanze zu, er möge den und jenen Punkt in dem Baue des Schoners in das Auge faſſen. Wie dieß bei den Schiffen der ſüdlichen Völkerſchaften gewöhnlich iſt, war auch der Schoner mit Menſchen angefüllt; ſie ſetzten aber ihre Arbeit fort, und ein halbes Dutzend Neger, die ſich unter ihnen befanden, ließen ihre Lieder hören, während ſie an den Winden drehten, ohne daß irgend Jemand Eiferſucht oder Beſorgniß merken ließ. Endlich trat Hans Tier zu dem Maat, und ſagte: „Oheim Sam wird nicht ſehr zufrieden ſein, wenn er erfährt, warum der Wächter des Leuchtthurms nicht auf ſeinem Poſten iſt.“ „Und warum iſt er nicht auf ſeinem Poſten? Wenn Ihr es wißt, Hans, ſo ſagt es mir.“ „Wenn Ihr nach hinten geht und die Kajütentreppe hinabſchaut, werdet Ihr es ſehen, junger Mann.“ Muflford ging nach hinten, und fand Gelegenheit, in die Kajüte des Schoners zu blicken, wo er einen Mann und einen Knaben anſichtig wurde, welche er für den Wär⸗ ter des Leuchtt! glaubte. Dieſe Tha Gehaben in ho tiger Grund vo wegen der Ant in einem fremd was ſich bishe hende Verſtändi und der Maat ſei in verräther geben, als ein für ihn wenigſt Spike hatt ßert, das Wette die Mannſchaft arbeiten, damit der abtreten kö man zu manch Arbeit an den waren Planken worden, und m loſer Weiſe ent! auf das Deck deſſen Reife nich anderes ſtieß, u Der Maat und wollte an 2 ſtieg auf, und eilten nach Eim it mehreremal ans Tier und Der ſpaniſche ein Schnell⸗ jeder Hinſicht llford, und er n Schoner zu nn etwas ſo aben gewahrte, nat ſogar von Punkt in dem Völkerſchaften mit Menſchen nd ein halbes n, ließen ihre drehten, ohne iß merken ließ. und ſagte: en ſein, wenn irms nicht auf linem Poſten? Kajütentreppe ann.“ jelegenheit, in weinen Mann für den Wär⸗ — 211— ter des Leuchtthurms und deſſen Sohn halten zu müſſen glaubte. Dieſe Thatſache ſteigerte den Argwohn gegen Spike's Gehaben in hohem Grade. Es war kein ausreichend gil⸗ tiger Grund vorhanden, warum ein bloßer Schleichhändler wegen der Anweſenheit einer Perſon mehr oder weniger in einem fremden Hafen Beſorgniſſe hegen ſollte. Alles, was ſich bisher begeben hatte, deutete auf eine vorherge⸗ hende Verſtändigung zwiſchen der Brigg und dem Schoner; und der Maat begann eben, dem Argwohne, die Brigg ſei in verrätheriſchem Verkehr mit dem Feinde, Raum zu geben, als ein Zufall jeden Zweifel in dieſer Beziehung, für ihn wenigſtens, beſeitigte. Spike hatte ſich bereits mehrere Male darüber geäu⸗ ßert, das Wetter ſcheine ſich ändern zu wollen, und drängte die Mannſchaften beider Fahrzeuge, aus allen Kräften zu arbeiten, damit die Schiffe ſobald als möglich von einan⸗ der abtreten könnten. In Folge dieſer Anſprache hatte man zu manchfachen Mitteln gegriffen, um die ſtetigere Arbeit an den Winden zu unterſtützen. Unter anderm waren Planken von einem Schiffe zu dem andern gelegt worden, und man rollte Fäſſer in haſtiger, ziemlich ſorg⸗ loſer Weiſe entlang. Mehrere waren in rauhem Anprall auf das Deck des Schoners geſtürzt, bis endlich eines, deſſen Reife nicht gehörig gefeſtigt ſein mochten, wider ein anderes ſtieß, und faſt vor Mulford's Füßen platzte. Der Maat war eben von der Kajüte zurückgekehrt, und wollte an Bord der Swaſh gehen. Eine weiße Wolke ſtieg auf, und ein halbes Dutzend Matroſen des Schoners eilten nach Eimern, Körben oder Schüſſeln, um ſich des 14* Inhalts eines geplatzten Faſſes zu verſichern und damit ein Mahl zu bereiten. Anfangs ſah man nichts, als die weiße Wolke, die dem Sturze folgte, und die Matroſen, welche ſich um die willkommene Beute tummelten. Sobald ſich jedoch die Luft ein wenig klärte, ſah Mulford etwas inmitten der geplatzten Reife und Dauben liegen, und dieſes Etwas erkannte er ſofort als ein Pulverfäßchen. Der Befehlshaber des Schoners ergriff dieſes Fäßchen, warf Mulford einen bedeutſamen Blick zu und verſchwand in dem untern Raume ſeines Schiffes, wohin er, was nun außer allem Zweifel war, einen ſehr weſentlichen Theil der wahren Fracht der Swaſh brachte. Spike war in dem Augenblicke, wo das Mehlfaß platzte, in der Kajüte, und unterhielt ſich hier ungeſtört mit ſeinem ſpaniſchen oder mexikaniſchen Gaſte; wahr⸗ ſcheinlich hat er nie von dieſem Vorfalle Kenntniß bekom⸗ men, denn alle Spuren des Unfalles waren augenblicklich beſeitigt worden. Was die Mannſchaft der beiden Schiffe angeht, ſo lachten ſie wohl ein wenig über die Entdeckung, welche ſie gemacht hatten, ſowie über die Art, wie ſie ſie gemacht hatten; für alte Seebären, wie ſie, war es jedoch höchſt gleichgiltig, ob die Fracht aus Mehl, oder aus Pulver beſtand. Nach wenigen Minuten ſchien man der Sache vergeſſen zu haben. Eine Stunde ſpäter war die Swafh leicht, denn ſie enthielt jetzt nichts mehr als Muldenblei, welches ihr als Ballaſt diente, während der Schoner bis an ſeine Luken beladen und vollgepfropft war. Spike ſchickte jetzt ein Boot mit dem Befehle ab, etwa hundert Ellen von der Stelle, wo ſeine Brigg lag, einen Anker hi zu dieſem Anke fallen, der nu Luft ſo lind we Die Paſſa tugas und das Dieſe Kühlte ſ mexikaniſchen C Texas hinüber pflegt. Auf al worfen, und we ab; manchmal dieſen Nachmitt abfiel und vor „Herr M Atmoſphäre ge weſtlichen Horiz Herr, wie die wird es unruh Wetter.“ „Ihr denk die Sonne jen irgend näher ko ſie es in dieſe lachend. „Mag All bin ich ganz ge Was man in ſ erwarten, wieln Vorzeichen ſich ern und damit nichts, als die die Matroſen, helten. Sobald Mulford etwas n liegen, und lverfäßchen. dieſes Täßchen, und verſchwand in er, was nun hſentlichen Theil das Mehlfaß hhier ungeſtört Gaſte; wahr⸗ denntniß bekom⸗ en augenblicklich r beiden Schiffe die Entdeckung, Art, wie ſie ſie e, war es jedoch tehl, oder aus ſchien man der leicht, denn ſie welches ihr als an ſeine Luken em Befehle ab, ſeine Brigg lag, — 213— einen Anker hinabzulaſſen. Der Schoner warpts ſich bis zu dieſem Anker hin, und ließ dann ſelbſt einen ſolchen fallen, der nur vor einer kurzen Linie Tau lief, da die Luft ſo lind war. Die Paſſatwinde pflegen in der Gegend der Dry Tor⸗ tugas und das ganze Florida⸗Riff entlang vorzuherrſchen. Dieſe Kühlte ſtreicht zuweilen über die ganze Fläche des mexikaniſchen Golfs hin, und bläſt bis an die Küſte von Texas hinüber aus vollen Backen, wie man zu ſagen pflegt. Auf allen Seiten aber iſt ſie dem Wechſel unter⸗ worfen, und weicht um mehrere Punkte von ihrer Richtung ab; manchmal läßt ſie ſogar ganz nach. Letzteres war dieſen Nachmittag, oder als der Schoner von der Brigg abſiel und vor ſeinen eigenen Anker ging, der Fall. „Herr Mulford,“ ſagte Spike,„der Zuſtand der Atmoſphäre gefällt mir gar nicht. Seht Ihr dort, den weſtlichen Horizont entlang, jenen feurigen Streifen? Nun, Herr, wie die Sonne ſich jenem feurigen Streifen nähert, wird es unruhig werden, oder ich verſtehe nichts vom Wetter.“ „Ihr denkt gewiß nicht daran, Capitän Spike, daß die Sonne jenem feurigen Streifen, wie Ihr es nennt, irgend näher kommt, wenn ſie ſich in das Meer ſenkt, als ſie es in dieſem Augenblicke iſt?“ antwortete der Maat lachend. „Mag Alles ſein, wie es will, junger Mann, deſſen bin ich ganz gewiß, daß alte Köpfe beſſer ſind, als junge. Was man in ſeinem Leben einmal geſehen hat, kann man erwarten, wieder zu ſehen, wenn dieſelben weſentlichen Vorzeichen ſich einſtellen. Laßt ein Boot bemannen, Herr, — 214— und ſchickt den Grundanker, der noch an Bord iſt, hinaus, und laßt ihn dort hinab, drei Punkte von unſerm Back⸗ bord⸗Bug.“ Mulford hatte vor Spike's Erfahrung alle Achtung, ſo wenig er ſeine Grundſätze billigen konnte; der Befehl wurde alſo pünktlich vollzogen. Der Maat erhielt hierauf den Auftrag, Mannigfaches aus dem Mars herabzuſchicken, und die Oberbramraaen auf das Deck zu laſſen. Spike dehnte ſeine Vorſichtsmaßregeln ſo weit aus, daß er befahl, das Marsſegel zu ſenken. Als dieſe und andere damit zuſammenhängende Anord⸗ nungen getroffen waren, ſchien der Capitän ſich ruhiger zu fühlen, und ging in ſeine Kajüte hinab, um Seuor Montefalderon's Sieſta zu theilen. Der Mexikaner— denn dieſer Nation gehörte der Eigenthümer des Schoners in der That an— war ihm darin mit gutem Beiſpiele vorangegangen, und da auch die Mehrzahl der Mann⸗ ſchaft der Brigg ſich niedergelegt hatte, um die heiße Tagesſtunde zu verſchlafen, bot ſich Mulford abermals eine günſtige Gelegenheit zu einer vertraulichen Zwieſprache mit Roſa dar. „Harry,“ begann Roſa, ſobald ſie allein war,„ich habe Euch viel zu erzählen. Während Ihr Euern Ge⸗ ſchäften oblag, kam mir ein Geſpräch zwiſchen dem ſpani⸗ ſchen Herrn und Spike zu Ohren, welches anzudeuten ſchien, daß der Letztere geſonnen iſt, jenem ſein Schiff zu verkaufen. Spike hat die Brigg bis in den Himmel erhoben, während Don Wän, wie er ihn nennt, ſich dahin äußerte, ſie ſei alt und könne ſich nicht mehr lange auf dem Waſſer halten. Darauf antwortete Spike: Gewiß,⸗ Senor Montef brauchbar ſein kühnen Befehl Preiſes zu ver und worauf zi „Es deut und Mexico ve zu verdienen h delsſchiffe herr der That wege ſie ohne Zwe wandelt, der a rung ſegelt.“ „Dieß wi ſein.“ „In demf ſtelligte Zufut nun, warum Zolldampfer ſie dampfer ſo v jedem Mehlfaſſ iſt an dieſen welcher ohne Bedienſteter de „Er war fort,„denn e mehrere andere Zweifel ſetzen, Monats zu fin Summe in D ord iſt, hinaus, n unſerm Back⸗ g alle Achtung, nte; der Befehl t erhielt hierauf herabzuſchicken, laſſen. Spike „daß er befahl, hängende Anord⸗ ään ſich ruhiger nab, um Seüor r Mexikaner— er des Schoners gutem Beiſpiele ahl der Mann⸗ um die heiße rd abermals eine hen Zwieſprache allein war,„ich Ihr Euern Ge⸗ ſchen dem ſpani⸗ lches anzudeuten m ſein Schiff zu in den Himmel nennt, ſich dahin mehr lange auf Spike: Gewiß,⸗ — 215— Seüor Montefalderon, ſie iſt alt, aber ſie wird ſolange brauchbar ſein, als Euer Krieg währt, und unter einem kühnen Befehlshaber würde mit ihr das Zehnfache ihres Preiſes zu verdienen ſein. Welchen Krieg kann er meinen, und worauf zielt ein ſolches Geſpräch?“ „Es deutet auf den Krieg, in welchen jetzt Amerika und Mexico verwickelt ſind, und das Geld, welches man zu verdienen hofft, ſoll von der Beraubung unſerer Han⸗ delsſchiffe herrühren. Wenn Don Juan Montefalderon in der That wegen des Ankaufs der Brigg unterhandelt, wird ſie ohne Zweifel in einen mexikaniſchen Kreuzer unge⸗ wandelt, der auf Rechnung eines Privaten oder der Regie⸗ rung ſegelt.“ „Dieß würde aber von Seiten Spike's ein Hochverrath ſein.“ „In demſelben Grade, wie die eben von ihm bewerk⸗ ſtelligte Zufuhr von Pulver für den Feind. Ich weiß nun, warum er ſich ſo ſehr dagegen ſträubte, von dem Zolldampfer ſich einholen zu laſſen, und warum der Zoll⸗ dampfer ſo viel Eifer bethätigte, uns einzuholen. In jedem Mehlfaſſe iſt ein Pulverfaß verſteckt, und dieſe Fracht iſt an dieſen Senor Montefalderon verkauft worden, welcher ohne Frage kein Schleichhändler, ſondern ein Bedienſteter der mexikaniſchen Regierung iſt.“ „Er war dieſen Sommer zu Neu⸗York,“ fuhr Roſa fort,„denn er ſprach von dieſem Beſuche; auch ließ er mehrere andere Aeußerungen fallen, welche es außer allen Zweifel ſetzen, daß Spike ihn an eben dieſem Tage des Monats zu finden hoffte. Ferner hat er Spike eine große Summe in Dublonen ausbezahlt, und den Sack wieder — 216— mit in den Schoner genommen, nachdem er die Zahlung geleiſtet und dem Capitän bewieſen hatte, daß er noch Gold genug habe, um die Brigg zu bezahlen, wenn ſie ſich über die Kaufbedingungen vereinigen könnten.“ „Ja, ja, es iſt jetzt Alles ziemlich klar. Spike hat beſchloſſen, einen verzweifelten Schritt zu thun, um ſich Geld zu verſchaffen, und da er wohl ahnt, daß er in der erſten Zeit nicht ohne Gefahr nach Neu⸗York zurückkehren könne, hat er Euch und Euer Vermögen mit in ſeinen Plan aufgenommen.“. „Mein Vermögen! Die Kleinigkeit, welche ich habe, kann doch kein Vermögen genannt werden?“ „Für Spike wär' es ein Vermögen, Roſa, und ich will Euch ganz ehrlich bekennen, daß es auch für mich ein Vermögen wäre. Ich ſage dieß offen, denn ich denke, Ihr habt eine viel zu gute Meinung von mir, als daß Ihr glauben könntet, meine Bewerbung habe irgend einen anderen Grund, als die innige, glühende Liebe und Ver⸗ ehrung, welche ich Euch und Euerm Charakter weihe; dieſer Umſtand ſoll nicht in Abrede geſtellt werden, da er gewiſſe Leute veranlaſſen könnte, unſeren Beweggründen zu mißtrauen. Spike iſt arm, wie ich, und die Brigg wird nicht nur allgemach ſehr alt, ſondern ihr Eigenthümer hat in den letzten zehn Monaten bedeutenden Verluſt gehabt.“ Roſa und Mulford beſprachen ſich noch lange ver⸗ traulich über ihre Lage und Ausſichten. Der Maat ſuchte das Bedrohliche derſelben weder zu erhöhen, noch zu ver⸗ bergen, ſondern ſchilderte offen die Gefahr, in welcher er ſchwebte, indem er ſich an Bord eines Schiffes 4 befand, we unterſtützte. Das jr Gelegenheit und der Me verſuchen, ſich dadurch Empörung weiſe hatte Biddy, no derſelben und den ei täns mit abgeſehen indem er genöthigt, zu gehen. Die hatte kurz lange gew in Anſpru tet hätten machte Re hende Aus aufmerkſa Es Vorhange war der allen and Mul er die Zahlung „ daß er noch hlen, wenn ſie onnten.“ lar. Spike hat thun, um ſich daß er in der ork zurückkehren mit in ſeinen velche ich habe, Roſa, und ich ich für mich ein nich denke, Ihr r, als daß Ihr e irgend einen Liebe und Ver⸗ harakter weihe; werden, da er geweggründen zu die Brigg wird hr Eigenthümer utenden Verluſt noch lange ver⸗ Der Maat ſuchte n, noch zu ver⸗ ihr, in welcher eines Schiffes — 217— Feind des Landes begünſtigte und * befand, welches den unterſtützte. Das junge Paar faßte den Entſchluß, bei der erſten Gelegenheit, welche ſich darböte, die Brigg zu verlaſſen, und der Maat ging ſelbſt ſo weit, daß er vorſchlug, zu verſuchen, in einem der Boote zu entfliehen, obgleich er ſich dadurch der Gefahr einer zweifachen Anklage, der der Empörung und des Diebſtahls, bloßſtellte. Unglücklicher⸗ weiſe hatten aber weder Roſa, noch Miſtreß Budd, noch Biddy, noch Hans Tier das Pulverfaß geſehen; Keines derſelben konnte alſo als Zeuge gegen Spike auftreten und den eigentlichen Charakter der Verbindung des Capi⸗ täns mit dem Schoner bewahrheiten. Er ſah ſich alſo, abgeſehen von der Gefahr, welcher er ſich bloßſtellte, en in ſeinem Käfig trotzte, augenfällig indem er dem Löw Beſonnenheit zu Werk genöthigt, mit großer Umſicht und zu gehen. Die vertrauliche Unterhaltung unſers jungen Paares hatte kurz nach der Mittagsſtunde begonnen und ziemlich lange gewährt. Die Theilnahme Beider war viel zu ſehr in Anſpruch genommen, als daß ſie auf das Wetter geach⸗ tet hätten; als ſie aber im Begriffe waren, zu ſcheiden, machte Roſa ihren Freund auf das ungewöhnliche, dro⸗ hende Ausſehen des Himmels an dem weſtlichen Horizont aufmerkſam. Es war, als ob eine Feuergluth ſich dort hinter einem Vorhange ſchwarzer Wolken verſtecke; noch auffallender war der hohe Grad von Ruhe und Stille, welche auf allen andern Seiten des Himmels vorherrſchte. Mulford wußte nicht, was er davon halten ſollte; . — 218— ſeine Erfahrungen ſetzten ihn nicht in den Sta dd dieſe neue, beunruhigende Erſcheinung zu erkläͤren. Er ſtieg auf eine Kanone, und ſchaute einen Augen⸗ blick rundum. Hier lag der Schoner, an deſſen Bord nicht ein lebendes Weſen ſichtbar war; dort erhob ſich der Leuchtthurm, in ſeiner Verlaſſenheit und Einſamkeit düſter und unheimlich anzuſchauen. Nur die Vögel ſchienen belebt, kreiſten wild in der Luft umher und ließen, wie es ihre Gewohnheit iſt, ein mißtönendes Geſchrei hören. Der junge Mann ſprang von der Kanone herab, rief an der Kajütentreppe Spike's Namen laut, und ſprang nach vornen, um die ganze Mannſchaft heranzurufen. Schon nach einer Minute waren alle Seemänner an Bord der Swaſh, vom Capitän bis zu Hans Tier herab, auf dem Deck. Mulford begegnete Spike an dem Hüttendeck, und zeigte ihm die Feuerſäule, welche ſich mit einer Geſchwin⸗ digkeit ihrem Ankergrunde näherte, welche die über ſie hereinbrechende Gefahr nicht verkennen ließ. Dieſer abgehärtete alte Seemann ſtand einen Augen⸗ blick wie vom Blitze gerührt; er blickte auf den Feind, wie wohl Jemand, der ſich ſeiner Ohnmacht bewußt iſt, vor einem Angriffe zurückbebt, in welchem er, wie er vor⸗ ausſieht, unterliegen muß. Dann aber erwachte der ihm angeborene Muth, das Gefühl ſeines Berufes, und er war ſogleich wieder nicht nur der Mann, ſondern der ent⸗ ſchloſſene, bewährte und fähige Befehlshaber. „Kommt nach hinten an das Springtau, ihr Leute,“ brüllte er,„legt das Springtau an, Herr Mulford, und bringt das Schiff mit der Naſe gegen den Wind.“ Der B cher, dring pflegen, mi hatte ſich i als der Or Es w ſein, einer was folgte gefühlt hat plötzlichen, bricht, mö fach geſteig Wuth entf der furchtt erhalten, Obgl. welche Sp glaubte de verloren, um, bis d pforten ei aufſpritzte ſpieen. N ſie. Es den erſten Fauſtkäm machte ei Bahn eir Dieſ wieder ar 2N he einen Augen⸗ en Bord nicht hob ſich der ſamkeit düſter zgel ſchienen ließen, wie hrei hören. ee herab, rief und ſprang zurufen. eemänner an Tier herab, tendeck, und r Geſchwin⸗ die über ſie inen Augen⸗ den Feind, bewußt iſt, wie er vor⸗ hte der ihm es, und er ern der ent⸗ ihr Leute,“ ulford, und d.“ — 219— Der Befehl wurde vollzogen, wie Seeleute in plöͤtzli⸗ cher, dringender Gefahr Befehle am erſten zu vollziehen pflegen, mit Kraft, Umſicht und Sachkenntniß. Die Brigg hatte ſich in der bezeichneten Richtung faſt ganz gewendet⸗ als der Orkan ſie traf. Es wird ſchwer, und wir beſorgen faſt, unmöglich ſein, einen klaren, genauen Bericht von dem zu geben, was folgte. Da die Mehrzahl unſerer Leſer ohne Zweifel gefühlt hat, wie groß die Gewalt des Windes iſt, der in plötzlichen, dahin ſtrömenden Stößen ſich ſauſend Bahn bricht, mögen ſie ſich dieſe Gewalt nur zehnfach, hund rt⸗ fach geſteigert, und durch den Widerſtand, ſo zu ſagen, zur Wuth entflammt denken, um eine ſchwache Vorſtellung von der furchtbaren Macht und der ſtürmiſchen Heftigkeit zu erhalten, mit welcher er etwa eine Minute blies. Obgleich die Gefahr durch die Vorſichtsmaßregeln, welche Spike hatte treffen laſſen, bedeutend verringert war, glaubte doch Jeder an Bord der Swaſh, die Brigg ſei verloren, als der Orkan ſie traf. In der That ſchlug ſie um, bis die Wellen wie kleine Waſſerfälle über ihre Halb⸗ pforten eindrangen, und das Waſſer aus ihren Speigaten aufſpritzte, als wenn junge Wallſiſche Waſſerſtrahlen aus⸗ ſpieen. Nur die umſpringende Heftigkeit des Orkans rettete ſie. Es war, als zürne er, daß er ſein Opfer nicht auf den erſten Anprall vernichtet habe, und, wie ein geſchickter Fauſtkämpfer, ließ er von ſeinem Andrange nach, und machte einen neuen, verzweifelten Verſuch, indem er ſeine Bahn ein wenig änderte. Dieſer Wechſel rettete die Brigg. Sie richtete ſich wieder auf und rollte mit ihrem in Waſſer getränkten Deck — 220— in der andern Richtung, oder was man„nach windwärts“ nennen könnte. Dieſe unſteten, wechſelnden Stöße hielten noch eine Minute an, und bei jedem beugte ſich die Brigg, wie ein Schilfrohr, vor dem gewaltigen Anprall, bald ſich empor bäumend, bald in die Tiefe gedrückt, und dann war die Wucht, oder der gefährlichſte Augenblick des Orkans vorüber, obgleich der Sturm noch mehrere Minuten ſchwer und ſtets in unfahrenden Stößen fortwüthete. Während der größten Heftigkeit des Orkans hatte Nie⸗ mand Muße, oder auch nur den Wunſch, ſich um etwas Anderes, als um die Wirkung deſſelben auf die Brigg zu bekümmern. Hätte dieß auch Jemand gewollt, ſo wäre der Verſuch nutzlos geweſen; denn der Wind hatte die Luft mit Sprühe und in der Nähe der Inſeln mit kleinen Sandtheilchen angefüllt, und die in feurige Dünſte gehüllte Atmoſphäre gab einen dichten Schleier ab, welchen kein Menſchenauge durchdringen konnte. Sobald jedoch der Orkan weiter gezogen war und der Wind ſich mäßigte, hellte ſich die Luft wieder auf, und fünf Minuten nach dem Augenblicke, wo die Swaſh faſt auf die Seite gelegt worden war, ſo daß ihre unteren Ragen⸗ Armen faſt das Waſſer berührten, war Alles um ſie her ſtill und ruhig, wie man das Meer bei einer Windſtille an Sommernachmittagen zu ſehen pflegt. Jetzt konnten die, welche einer ſo drohenden Gefahr bloßgegeben waren, wieder frei athmen und um ſich ſchauen. An Bord der Swaſh war Alles, wie man es wünſchen konnte; kein Faden Tau war geſprengt, kein Bolzen aus einer Stelle geriſſen worden. Die von Spike in dem rechten Aut die Brigg Inmitt Geſchrei in Mulford da hinab, um tete, eine d leewärts g. Geräthſchaf In der tefalderon, verließ. J war faſt o auf dem 2 Bewegung Es b vergewiſſer unverſehrt Kajüte klo Roſa „Hat fragte der welche alle „Wir hab „Der ſagte Roſe O Harry, hörte das „Es er iſt vo windwärts“ n noch eine gg, wie ein d ſich empor inn war die uns vorüber, er und ſtets 3 hatte Nie⸗ um etwas le Brigg zu , ſo wäre d hatte die mit kleinen ſte gehüllte delchen kein dar und der f, und fünf ih faſt auf ren Raagen⸗ um ſie her Windſtille den Gefahr ich ſchauen. 8 wünſchen Bolzen aus ke in dem rechten Augenblicke getroffenen Vorſichtsmaßregeln hatten die Brigg gerettet, und groß war ſeine Freude darüber. Inmitten des Höllenlärms des Orkans war ein Zeter⸗ Geſchrei in der Kajüte vernehmbar geweſen, und ſobald Mulford das Deck ſchicklicherweiſe verlaſſen konnte, eilte er hinab, um zu ſehen, was ſich dort begeben habe. Er fürch⸗ tete, eine der Frauen möchte, als die Brigg ſich umlegte, leewärts geſchleudert und durch die übereinanderſtürzenden Geräthſchaften verletzt worden ſein. In der großen Kajüte fand Mulford den Señor Mon⸗ tefalderon, welcher ruhig, gefaßt, männlich, eben ſein Lager verließ. Joſh drückte ſich in einen Winkel zuſammen, und war faſt aſchgrau vor Angſt, während Hans Tier noch auf dem Boden der Kajüte gerade dalag, wohin ihn die Bewegung des Schiffes geſchleudert hatte. Es bedurfte nur weniger Worte, um Don Juan zu vergewiſſern, daß der Orkan vorübergezogen und die Brigg unverſehrt ſei, worauf Mulſord an der Thüre der innern Kajüte klopfte. Roſa erſchien, blaß, aber ruhig und wohlbehalten. „Hat Niemand in der Kajüte Schaden genommen?“ fragte der junge Mann, der frei athmete, ſobald er die, welche allein ſeine Gedanken beſchäftigte, wohlbehalten ſah. „Wir haben in dieſer Kajüte ſchreien hören.“ „Der Schrecken hatte Tante und Biddy bewältigt,“ ſagte Roſa,„aber keine von ihnen hat Schaden genommen. O Harry, welch ein furchtbares Begebniß war dieß! Ich hörte das Brüllen.“ „Es war ein Orkan,“ fiel Mulford ein;„wohl uns, er iſt vorüber. Es war einer jener raſch ſich bildenden und wahrhaft furchtbaren Windſtürme, welche ſich zuweilen in den Wendekreiſen zeigen, und nach deren erſtem Anpralle die Gefahr größtentheils vorüber zu ſein pflegt. Wenn in dieſer Kajüte Niemanden ein Leid geſchah, ſo iſt überhaupt Niemanden ein Leid geſchehen.“ „O, Herr Mulford, lieber Herr Mulford!“ rief die Wittwe aus der Ecke, in welche ihr Biddy gefolgt war und ſich an ſie gedrückt hatte;„o, Herr Mulford, ſind wir in die Tiefe gegangen, oder nicht?“ „Dem Himmel ſei Dank, nein, meine theure Dame, obgleich wir dieſem Schickſale ziemlich nahe waren, näher, als mir dieß je begegnet iſt.“ „Sind wir auf die Seite gelegt worden?“ „Auch nicht, Miſtreß Budd; die Brigg ſteht ſo gerade, wie eine Kirche. „Gerade?“ wiederholte Biddy in ihrem gewöhnlichen Tone;„gerade wie eine Kirche? Dann muß es eine pres⸗ byterianiſche Kirche ſein, Herr Maat, was Ihr meint, denn dieſe wackeln immer.“ „Katholiſch oder holländiſch; keine Kirche zu Neu⸗ York ſteht gerader und aufrechter, als die Brigg in dieſem Augenblicke ſteht.“ „Laßt mich jetzt, laßt mich jetzt, Biddy, damit ich mich erheben kann,“ ſagte die Wittwe mit Würde.„Die Gefahr iſt vorüber, wie ich ſehe, und während wir unſeren Dank dafür darbringen, haben wir den Troſt, uns ſagen zu können, daß wir unſere Schuldigkeit gethan haben. Es iſt in ſolchen Augenblicken dieß unerläßliche Pflicht eines Jeden, auf ſeinem Poſten zu ſein, und durch Entſchloſſen⸗ heit und Klugheit ein gutes Beiſpiel zu geben.“ „Da M beſten Stand begleitet, auf Als ſie das Vorderka „Vorder eine Kiſte ſte als wollte er werden.“ „Herr,“ ruhig ein Ta „Wo lie von uns ſtel auch nur ein Bei dief Kanonen und zuſchauen. Der alt Ausguck, de und ging bie Raum vor d Eine hoa eine Seite d darauf ſeine Stück Tabal Stimme, die vorübergezog „Der gegangen, wenn gar ich zuweilen em Anpralle Wenn in t überhaupt !“ rief die gefolgt war rd, ſind wir eure Dame, rren, näher, 4 t ſo gerade, ewöhnlicheu eine pres⸗ Ihr meint, e zu Neu⸗ g in dieſem damit ich rde.„Die wir unſeren uns ſagen haben. Es flicht eines ntſchloſſen⸗ „Da Mulford ſah, daß in der Kajüte Alles in dem beſten Stande ſei, eilte er, von Senor Montefalderon begleitet, auf das Deck. Als ſie eben aus der Kajütentreppe traten, rief Spike das Vorderkaſtell an. „Vorderkaſtell dort, ho!“ rief er, indem er ſich auf eine Kiſte ſtellte und von einer Seite auf die andere ging, als wollte er eines Gegenſtandes nach vornen anſichtig werden.“ „Herr,“ erwiederte der alte Salzer, der in jenem Theile ruhig ein Tau aufrollte. „Wo liegt der Schoner? er muß ganz nach vornen von uns ſtehen; aber ich will verdammt ſein, wenn ich auch nur einen Maſtknopf von ihm ſehe.“ Bei dieſem Ausrufe ſprangen ein Dutzend Leute auf Kanonen und Kiſten, um nach dem fraglichen Schiffe aus⸗ zuſchauen. Der alte Salzer vornen hatte jedoch den günſtigſten Ausguck, denn er trat auf die Hieling des Bugſpriets und ging bis an die Klüshölzer hinaus, wo er den ganzen Raum vor der Brigg überſchauen konnte. Eine halbe Minute ſtand er dort, und ſchaute auf die eine Seite des Vordertheils, und dann auf die andere, zog darauf ſeine Pumphoſen in die Höhe, nahm ein friſches Stück Tabaksrolle in den Mund, und rief dann mit einer Stimme, die faſt ſo rauh war, wie der Sturm, der eben vorübergezogen: „Der Schoner iſt vor ſeinem Anker in den Grund gegangen, Herr! Dort ſchwimmt noch die Buje, als wenn gar nichts geſchehen wäre. Was das Schiff ſelbſt betrifft, ſo iſt auch nicht ſo viel als ein verwetterter Raaenarm oder Maſtknopf zu ſehen.“ Man kann ſich wohl denken, welchen Eindruck dieſe Nachricht in der Brigg hervorbrachte. Selbſt Seüor Montefalderon, ein ruhiger, vornehmer Mann, in deſſen Benehmen keine Spur von dem ruheloſen Gehaben zu bemerken war, das Leute zu bezeichnen pflegt, die ſich mit dem Handel befaſſen, ſelbſt er war in großer Unruhe, denn für ihn war der Schlag in der That hart. Mochte er auf eigene Rechnung, oder im Namen der mexikaniſchen Regierung handeln, der Verluſt war ſtets derſelbe. „Tom hat leider recht,“ warf Spike hin, der unter ſolchen Umſtänden ſich faſt zu kaltblütig zeigte;„es iſt augenfällig, daß Euer Schoner in die Tiefe gegangen iſt, Don Wan. Er muß ſich auf die Seite gelegt und mit Waſſer gefüllt haben, denn ich ſah, daß man die Luken offen gelaſſen hatte, da man ohne Zweifel mit dem Bei⸗ ſtauen fertig werden wollte, ſobald die Stunde der Sieſta vorüber war.“ „Und was iſt aus der ganzen Bemannung geworden, Don Eſteban?“ denn ſo nannte der Mexikaner höflich den Befehlshaber der Brigg.„Sollten alle meine Lands⸗ leute bei dieſem Unfalle umgekommen ſein?“ „Ich fürchte, ſo iſt es, Don Wan, denn ich ſehe nah und fern keinen Kopf über dem Waſſer ſchwimmen. Das Schiff lag jener Inſel drüben ſo nahe, daß es einem guten Schwimmer nicht ſchwierig hätte ſein können, das Land zu erreichen; nichts Lebendes iſt jedoch dort zu ſehen. Aber bemannt das Boot, ihr Leute; wir wollen zur Stelle rudern und ſelbſt nachſehen.“ Man hat Seite der Br ein kleines, a viel größer, m nach gebaut zu leiſten. Sobald im Schleppta geworden, füh lich dem Wär Da Alle dem Schoner Boote zu ber begleitet, in dem größern wenn ſie ihn es für ihre„ zu bleiben, u jedoch nur mi Da die Stelle, wo de kaum ein we er hatte nicht umzulaufen; Stoße auf d ſogleich geſur Das W milde Atmoſp das Schiff, wenn es au 241— 243. n verwetterter Eindruck dieſe Selbſt Seüor nn, in deſſen Gehaben zu „die ſich mit oßer Unruhe, hart. Mochte mexikaniſchen ſelbe. n, der unter igte;„es iſt gegangen iſt, legt und mit nan die Luken mit dem Bei⸗ de der Sieſta ng geworden, fkaner höflich meine Lands⸗ ich ſehe nah immen. Das zeinem guten n, das Land rt zu ſehen. en zur Stelle — 225— Man hatte zwei Boote auf dem Waſſer und an der Seite der Brigg. Das eine war die Jolle der Swaſh, ein kleines, aber paßliches Fahrzeug, während das andere viel größer, mit einem Segel verſehen und allem Anſchein nach gebaut war, um Kühlten und Wellen Widerſtand zu leiſten. Sobald Mulford dieſes Bootes, welches der Schoner im Schlepptau mit ſich herein gebracht hatte, anſichtig geworden, fühlte er ſich völlig überzeugt, daß es urſprüng⸗ lich dem Wärter des Leuchtthurms gehört hatte. Da Alle auf der Schanze den Wunſch ausſprachen, dem Schoner zu Hilfe zu kommen, befahl Spike, die beiden Boote zu bemannen, ſprang, von Seüor Montefalderon begleitet, in die Jolle, und ſagte Mulford, er möge mit dem größern Boote folgen und die Frauen mitbringen, wenn ſie ihn zu begleiten wünſchten. Miſtreß Budd hielt es für ihre Pflicht, bei einer ſolchen Scene nicht unthätig zu bleiben, und Alle, ſelbſt Biddy, ſchifften ſich ein, Roſa jedoch nur mit großem Widerſtreben. Da die Buje als Führerin diente, fand Spike die Stelle, wo der Schoner lag, ohne Schwierigkeit. Er war kaum ein wenig von ſeinem Ankerplatz abgewichen, denn er hatte nicht Zeit gehabt, nach dem Anprall des Orkans umzulaufen; wahrſcheinlich hatte er ſich bei dem erſten Stoße auf die Seite gelegt, mit Waſſer gefüllt und war ſogleich geſunken. Das Waſſer war beinahe ſo klar, wie die ruhige, milde Atmoſphäre der Wendekreiſe, und man ſah nicht nur das Schiff, ſondern auch das Tauwerk faſt ſo genau, als wenn es auf einer Sandbank liege. Es hatte ſich auf 241— 243. 15 — 2265— die Seite geneigt, mit Waſſer gefüllt und war noch in dieſer Lage. Da das Waſſer nur drei Faden tief war, ſtand die obere Seite nur wenige Zoll unter dem Waſſer, und die Raaen⸗ arme würden auf demſelben hervorgeragt haben, wenn ſie nicht durch den Druck gekentert worden wären. Anfangs war keine Spur von irgend einem der Un⸗ glücklichen zu gewahren, die an Bord des Schoners geweſen, als er niederging. Man wußte, daß mit dem Wächter des Leuchtthurms und ſeinem Knaben ein und zwanzig Menſchen darin geweſen waren. Als das Boot aber über dieſem unglücklichen Wrack hingleitete, bot ſich ein furcht⸗ barer, ſchauderhafter Aublick dar. Man ſah wenige Fuß unter der Oberfläche des Waſ⸗ ſers zwei Körper, von welchen der eine die Arme mit der Kraft der Verzweiflung um den andern preßte. Der ſo Umſchlungene wurde nur durch dieſe„Todesklammer“ ſeines Gefährten unter dem Waſſer gehalten, und der letztere war durch ein Tau, in welches ſein Fuß ſich verſtrickt hatte, in das Waſſer gefeſſelt. Wahrſcheinlich waren dieſe beiden Männer in ihrem furchtbaren Kampfe mehr als einmal bis an die Oberfläche des Waſſers heran gekommen. Spike ergriff einen Bootshaken und bemühte ſich, die nächſte Leiche an den Kleidern zu faſſen, aber ohne Erfolg; beide ſanken ohne Bewegung, leblos, auf den Sandgrund. Da man keiner Haifiſche anſichtig wurde, erbot ſich Mulford, unterzutauchen und einen dieſer unglücklichen Männer, in welchem Don Juan den Capitän des Schoners erkannte, an ein Tau zu feſtigen. Es dauerte eine kleine Weile, bis m gebracht hatt Ertrunkenen verſehen, welt das Lothſeil Es bedurfte Ruhe, um ſ brachte das empor, welche Man brachte thurme zurud die Brigg. Bei umf vielleicht no ſolches Glück Spike, der v die ganze L Mitteln ſeine die Köpfe ſt Geſundeſten aber nicht g welchen der ganz erloſche Zwei S ſie wider ihr das in engl Montefalder mächtig war .„Nun, Unfall wird d war noch in ſtand die obere und die Raaen⸗ haben, wenn wären. einem der Un⸗ honers geweſen, t dem Wächter und zwanzig Boot aber über ſich ein furcht⸗ läche des Waſ⸗ Arme mit der reßte. Der ſo odesklammer“ ten, und der ſein Fuß ſich Wahrſcheinlich tbaren Kampfe Waſſers heran nühte ſich, die ohne Erfolg; n Sandgrund. de, erbot ſich unglücklichen des Schoners rte eine kleine Weile, bis man ein paſſendes Tau von der Brigg heran⸗ gebracht hatte, worauf das Lothſeil in der Richtung der Ertrunkenen niederging. Mit einem ähnlichen Stück Linie verſehen, welche eine kleine laufende Bulinie hatte, die an das Lothſeil gefeſtigt war, ging der Maat in die Tiefe. Es bedurfte eines kräftigen Armes, Entſchloſſenheit und Ruhe, um ſo tief in Salzwaſſer zu gehen; Harry voll⸗ brachte das Wagniß glücklich, und ſtieg mit den Leichen empor, welche ſich bei unbedeutendem Kraftaufwande hoben. Man brachte ſie ſogleich in die Jolle, welche dem Leucht⸗ thurme zuruderte, der näher und zugänglicher war, als die Brigg. Bei umſichtiger Behandlung wären dieſe Unglücklichen vielleicht noch in das Leben zurückgerufen worden; ein ſolches Glück follte ihnen aber nicht zu Theil werden. Spike, der von ſolchen Dingen nichts verſtand, übernahm die ganze Leitung, und ſtatt zur Wärme und ſanften Mitteln ſeine Zuflucht zu nehmen, ließ er die Leichen auf die Köpfe ſtellen, und verfuhr in einer Weiſe, die dem Geſundeſten verderblich hätte werden können, jedenfalls aber nicht geeignet war, Leute wieder zu beleben, in welchen der Lebensfunke ſchlummerte, wenn er nicht ſchon ganz erloſchen war. Zwei Stunden ſpäter ſaß Roſa in ihrer Kajüte, wo ſie wider ihren Willen folgendes Geſpräch anhören mußte, das in engliſcher Sprache geführt wurde, deren Seor Montefalderon, wie bereits bemerkt worden, vollkommen mächtig war. „ Nun, Senor,“ ſagte Spike,„ich hoffe, diefer kleine Unfall wird den Abſchluß unſers Handels nicht hindern. 15*½ — 228— Da Ihr den Schoner verloren habt, werdet Ihr die Brigg jetzt brauchen.“ „Und womit ſoll ich Euch die Brigg bezahlen, Seüor Spike, wenn ich ſie auch kaufen wollte?“ „Ich irre mich wahrſcheinlich nicht, wenn ich mich der Anſicht hingebe, es fände ſich in Mexiko Geld in Fülle. Man ſagt zwar, die Regierung halte mit ihren Zahlungen ſehr zurück; ich habe Euch aber ſtets pünktlich gefunden, und nehme keinen Anſtand, Euch ferner zu vertrauen.“ „Ich habe aber kein Geld mehr, um Euch die Hälfte voraus zu erlegen, wie ich bei dem Ankauf des Pulvers gethan habe, als ich das letzte Mal zu Neu⸗York war.“ „Der Sack war ziemlich mit Dublonen geſpickt, als ich ihn zuletzt ſah, Señor.“ „Und wißt Ihr, wo jener Sack iſt? und wo ein zweiter iſt, welcher dieſelbe Summe enthält?“ Spike fuhr zuſammen. Er ſann eine kleine Weile nach, und fuhr dann fort: „Ich hatte es vergeſſen,“ ſagte er endlich;„das Gold muß, wie das Pulver, mit dem Schoner in die Tiefe gegangen ſein!“ „Und die armen Leute?“ „Nun, was die Leute betrifft, ſo kann man deren in Menge und wohlfeil wieder bekommen; aber Pulver und Dublonen wird man ſchwer habhaft werden, beſonders wenn man dieſer Dinge am Meiſten benöthigt iſt. Dann waren es auch arme Leute, wenn ich bedenke, was eigent⸗ lich tuͤchtige Seemänner ausmacht, denn ſie hätten ihren * Schone und ih beliebt 7 ziehen! mir a Tages 7 die H finde, denn ihm finder dieß ſind ſie S unter überl hätte Bork in G ſie a fahr die Brigg en, Señor ich mich in Fülle. Zahlungen gefunden, auen.“ die Hälfte 6 Pulvers teu⸗York ſpickt, als d wo ein ine Weile „das Gold die Tiefe deren in ulver und beſonders ſt. Dann as eigent⸗ tten ihren Schoner ſonſt nicht ſo leicht in den Grund gehen laſſen, und ihm das Geleit gegeben.“ „Wir wollen von dem Gelde ſprechen, wenn es Euch beliebt, Don Eſteban,“ ſagte der Mexikaner mit Würde⸗ „Von Herzen gern, Don Wan; ich kenne nichts An⸗ ziehenderes, als Geld. Wie viele jener Dublonen werden mir anheimfallen, wenn ich den Schoner wieder an das Tageslicht bringe und in Eure Hände überliefere?“ „Iſt dieß möglich, Senor?“ fragte Don Juan ernſt. „Für einen Seemann iſt faſt nichts dieſer Art un⸗ möglich, Herr, wenn Ihr ihm Zeit und Mittel gebt. Für die Hälfte der Dublonen, welche ich in dem Schoner vor⸗ iinde, ſöll das Werk vollbracht werden.“ „Ihr ſollt ſie haben,“ antwortete Don Juan ruhig, denn es überraſchte ihn, daß Spike es für nöthig hielt, ihm einen Theil der Summe anzubieten, welche er zu finden hoffte.„Was das Pulver betrifft, ſo fürchte ich, dieß iſt für mein Vaterland verloren.“ „Ganz und gar nicht, Don Wan. Die Pulverfäſſer ſind feſt in dem Mehle verpackt, und ich glaube nicht, daß ſie Schaden nähmen, blieben ſie auch einen vollen Monat unter dem Waſſer. Ich werde Euch nicht nur das Mehl überliefern, als wenn ſich nicht das Geringſte begeben hätte, ſondern ich werde vier meiner tüchtigſten Leute an Bord Eures Schoners geben, und ſie werden Euch ſicherer in Euern Hafen führen, als vierzig der Männer, wie Ihr ſie an Bord hattet. Mein Maat iſt einer der beſten See⸗ fahrer, die es gibt.“ Damit war der Handel abgeſchloſſen. Roſa hatte kein — 230— Wort verloren, und jedes Wort wurde, ſobald ſich eine günſtige Gelegenheit darbot, Mulford mitgetheilt. Der junge Mann hörte mit großer Spannung zu, und ſagte Roſa, er würde alles Mögliche thun, um den Schoner zu heben, da ſich auf dieſe Weiſe vielleicht eine Ausſicht böte, mit Roſa und ihrer Tante in ihm zu ent⸗ fliehen. Daß er das Schiff in keinen mexikaniſchen Hafen führen würde, werde ſie wohl unbedingt glauben! Der Uebereinkunft zufolge wurden Befehle gegeben, die nöthigen Vorbereitungen zu dem Geſchäfte zu treffen, und man war damit bereits bedeutend vorgeſchritten, als die Mannſchaft der Swaſh aufgefordert wurde, die Arbeit für die Nacht einzuſtellen. Nach Sonnenuntergang begann die Rückwirkung in den Luftſtrömungen wieder, und es blies einige Stunden der Nacht hindurch ſtark. Gegen Morgen mäßigte ſich jedoch der Wind, und als die Sonne wieder erſchien, ergoſſen ſich ihre Strahlen über den friedlichſten, ruhigſten Tag, über dem je ein blauer Himmel gelacht hatte. Spike ließ alsbald alle Matroſen heranrufen und Hand an das wichtige Geſchäft legen, welches er über⸗ nommen hatte. Um das Schiff ſo frei als möglich zu halten, erhielt Hans Tier Befehl, die Frauen in der Jolle der Brigg an das Land zu rudern; Senior Montefalderon, ein Mann von feiner Sitte, wie mexikaniſche Gentlemen nach unſerer Anſicht es zu ſein pflegen, mag dieſer gute Freiſtaat in dieſem Augenblicke von der Sache denken, wie er will, bat um Erlaubniß, ſie begleiten zu dürfen. Mulford fand eine paſſende Gelegenheit, Roſa zuzu⸗ flüſtern die Oer vergewi Verſuch gegeng thurm, daß de Monte drückte ſein d waren untere welche ſich v ſagte und lich b keit g zum Ihr man! Gott hſich eine nnung zu, „ um den lleicht eine hm zu ent⸗ hen Hafen 1 gegeben, zu treffen, ritten, als die Arbeit virkung in 2 Stunden äßigte ſich r erſchien, ruhigſten tte. rufen und er über⸗ en, erhielt Brigg an ein Mann ich unſerer reiſtaat in will, bat Noſa zuzu⸗ — 231— flüſtern, ſie möge, wenn ſie an dem Leuchtthurme lande, die Oertlichkeiten ſorgfältig in das Auge faſſen, und ſich vergewiſſern, welche Mittel ſie bieten könnten, um einen Verſuch zur Flucht zu erleichtern. Man landete vor dem Leuchtthurm, und Miſtreß Budd, Noſa und Biddy freuten ſich in hohem Grade, nach einer ſo langen Gefangenſchaft in dem engen Raum eines Schiffes den Fuß wieder auf feſtes Land zu ſetzen. „Nun,“ ſagte Hans Tier, als ſie dem Gebäude ent⸗ gegengingen,„dieß iſt ein feiner Platz für einen Leucht⸗ thurm, Miß Roſa, und ich wundere mich jetzt nicht mehr, daß der Wärter und ſeine Leute ſich davongemacht haben.“ „Ich bedaure, ſagen zu müſſen,“ bemerkte Señor Montefalderon, in deſſen Geſicht ſich das Bedauern aus⸗ drückte, welches er wirklich fühlte,„daß der Wärter und ſein einziger Gefährte, ein Knabe, an Bord des Schoners waren, und mit ſo vielen meiner armen Landsleute in ihm untergingen. Dort ſind die Gräber der zwei Männer, welche wir geſtern Abend beerdigt haben, nachdem man ſich vergeblich bemühte, ſie wieder ins Leben zurückzurufen.“ „Welch ein furchtbares Unglück war dieſes, Seüor,“ ſagte Roſa, in deren lieblichen Zügen ſich der Schauder und der Schmerz ausdrückte, welcher ſich ihrer ſo natür⸗ lich bemächtigt hatte;„zwanzig Mitmenſchen in die Ewig⸗ keit geſchleudert zu wiſſen, ohne daß ihnen ein Augenblick zum Gebete blieb!“ „Ihr bemitleidet ſie, Seſorita; es iſt natürlich, daß Ihr dieß thut, wie es natürlich iſt, daß ich, ihr Lands⸗ mann und Führer, dieß auch thue. Ich weiß nicht, was Gott über mein unglückliches Vaterland verhängt hat. — 232— Wir mögen grauſame, gewiſſensloſe Männer unter uns zählen, Señorita, aber Tauſende meiner Landsleute ſind gerecht, tapfer und ehrenhaft.“ „Dieß hat mir auch Herr Mulford geſagt, Sehor, und er iſt in vielen Eurer Häfen an der Weſtküſte geweſen.“ „Dieſer junge Mann gefällt mir, und ich wundere mich nicht wenig, wie er an Bord dieſer Brigg Dienſte nehmen mochte,“ verſetzte der Mexikaner, indem er ſeine Stimme dämpfte, ſo daß er nur von dem jungen Mädchen gehört werden konnte, die mit ihm einige Schritte vor Miſtreß Budd und Biddy herging.„Der Senor Spike iſt kaum würdig, ſein Befehlshaber und Euer Beſchützer zu ſein.“ „Und dennoch findet Ihr ihn Eures Vertrauens würdig, und verkehrt mit ihm, Senor?“ Der Mexikaner zuckte ſeins Achſel, und lächelte zwei⸗ deutig, aber nicht ohne eine gewiſſe Wehmuth. Er ſchien es nicht für rathſam zu halten, dieſen Gegenſtand des Geſpräches weiter zu verfolgen, denn er wendete ſich einem andern zu. „Ich liebe dieſen Seüor Mulford,“ begann er wieder, „wegen ſeines Benehmens im Allgemeinen und wegen ſeiner Grundſätze, ſoweit ich ihn nach einer ſo kurzen Bekanntſchaft zu beurtheilen im Stande bin.“ „Entſchuldigt, Senor,“ fiel Roſa haſtig ein,„Ihr habt ihn doch hier an Bord der Brigg zum erſten Male geſehen?“ „Ich habe ihn früher nie geſehen; ich verſtehe Euch, Senorite volle G daß er d ſonſt w Meiſten rend in erhob, auf und Kriege, geſchaff und da Vaterlo falderor bedacht durch d wir, d Künſte wuchſer ich wer kaniſch haben, ihrer das R immer durch ſtigem bedrär Grun und ſ nicht unter uns zleute ſind t, Senor, Weſtküſte h wundere gg Dienſte a er ſeine n Mädchen chritte vor nor Spike Beſchützer Zertrauens helte zwei⸗ Er ſchien ſtand des ſich einem er wieder, ud wegen ſo kurzen in,„Ihr ſten Male ehe Euch, — 233— Seſorita, und laſſe dem Charakter des jungen Mannes volle Gerechtigkeit widerfahren. Ich nehme ſehr gern an, daß er die Beſtimmung dieſes Schiffes nicht kannte, denn ſonſt würde ich ihn nicht hier ſehen. Was mich aber am Meiſten für ihn eingenommen hat, war Folgendes: Wäh⸗ rend in der vergangenen Nacht der Wind ſich wieder ſtark erhob, ging ich mit ihm eine Stunde lang auf dem Deck auf und ab. Wir ſprachen von Mexiko und von dieſem Kriege, der bereits für mein Vaterland ſo viel Unheil geſchaffen hat, und ihm deſſen vielleicht noch mehr bereitet, und da äußerte er ſich in dieſer edeln Weiſe:„Mein Vaterland iſt mächtiger, als das Eurige, Seüor Monte⸗ falderon,“ ſagte er,„und wir ſind darin von Gott gütiger bedacht worden; ihr habt durch ehrgeizige Herrſchlinge und durch die Wucht des Soldatenregiments gelitten, während wir, durch die Gnade der Vorſehung begünſtigt, den Künſten des Friedens huldigten und unter ihrem Schirme wuchſen und gediehen. Was dieſen Krieg betrifft, ſo weiß ich wenig davon, obgleich ich behaupten möchte, die mexi⸗ kaniſche Regierung dürfe in manchen Dingen unrecht haben, die ſie hätte ändern können, während es nicht in ihrer Macht ſtand, manche andere zu ändern. Mag jedoch das Recht auf der einen oder auf der andern Seite ſein, immerhin thut es mir leid, daß eine Nation, welche ſich durch ihre volksthümlichen Staatseinrichtungen in ſo gün⸗ ſtigem Lichte gezeigt hat, von einer anderen ſo hart bedrängt wird, welche man als die erſte Stütze ſolcher Grundſätze anſieht. Amerika und Mexiko ſind Nachbarn, und ſollten Freunde ſein, und während ich mein Vaterland nicht tadle, und nicht tadeln darf, daß es den Krieg mit — 234— Nachdruck fortſetzt, würde ich nichts lieber hören, als die Nachricht, der Friede ſei abgeſchloſſen.““ „Dieß ſieht Harry Mulford ähnlich,“ ſagte Roſa wehmüthig, ſobald der Mexikaner ſchwieg.„Ich wünſche, Senor, man möchte keinen Gebrauch von dem Pulver machen, das in dem Schoner in die Tiefe ging.“ Don Juan Montefalderon lächelte, und ſchien ein wenig überraſcht, daß das ſchöne, junge Geſchöpf an ſeiner Seite von dem verrätheriſchen Inhalte der Mehlfäſſer Kunde hatte. Er mußte es ohne Zweifel unerklärlich finden, daß zwei Weſen wie Roſa und Mulford mit einem Manne wie Spike in irgend einer Verbindung ſtehen konnten; er war aber zu gut erzogen, und zumal mit den möglichen Verhältniſſen zu wenig bekannt, als daß er den Gegen⸗ ſtand weiter hätte verfolgen mögen. Mittlerweile hatten ſie den Eingang in den Leucht⸗ thurm erreicht, und die ganze Geſellſchaft trat mit einer Art ſtummen Schauers in dieſe lautloſe, einſame Behau⸗ ſung ein. Auf Seüor Montefalderon's Einladung ſtieg man in die Laterne hinauf, wo ſich eine ausgedehnte, ſchöne Ausſicht über die Gewäſſer umher darbot. Das Riff trat in dieſer Höhe viel deutlicher hervor, als von unten, und Roſa konnte ſehen, daß viele ſeiner Klippen bloß lagen, während die Felsbänke auf anderen Seiten mehrere Fuß unter der Oberfläche des Waſſers fortzulaufen ſchienen. Roſa blickte mit ſehnendem Auge auf dieſes Riff, denn einige Bemerkungen, welche Mulford entfallen waren, deu⸗ teten offenbar darauf hin, daß er Hoffnung hege, deſſen Durchgäng benützen. Man keiten, wo hier aufge Rindfleiſch gewöhnlie hälter, n melte. T wahrt; d gends au Roſe es ihrem Hilfe zur Mit Spi wie die entlang, bald die ſie alles Mu einen A von etw nieder. an die Schiff hinreich wurden die Ma ners w ren, als die ſagte Roſa ſch wünſche, dem Pulver ſchien ein pf an ſeiner Mehlfäſſer inden, daß em Manne onnten; er möglichen den Gegen⸗ en Leucht⸗ mit einer ne Behau⸗ ung ſtieg sgedehnte, er hervor, ele ſeiner anderen Waſſers diff, denn ren, deu⸗ he, deſſen — 235— Durchgänge und Korallengewinde zu ſeiner Flucht zu benützen. Man ſtieg herab und wanderte durch die Bäulich⸗ keiten, wo Roſa ſorgſam auf die Vorräthe achtete, welche hier aufgeſpeichert waren. Es fand ſich Mehl, gedörrtes Rindfleiſch und Schweinfleiſch vor, ſowie mehrere andere gewöhnliche Nahrungsmittel, ferner Waſſer in einem Be⸗ hälter, wo es ſich, von dem Dache niederfließend, ſam⸗ melte. Auch in Fäſſern hatte der Wärter Waſſer aufbe⸗ wahrt; denn eine Quelle oder ein Brunnen waren nir⸗ gends auf dieſen Inſelchen zu finden. Roſa merkte ſich alles dieß ſehr ſorgfältig, und prägte es ihrem Gedächtniſſe ein, um im Nothfalle Rath und Hilfe zur Hand zu haben. Mittlerweile waren die Matroſen nicht müßig. Spike ſetzte ſeine Brigg in Bewegung, und legte ſie, wie die Seeleute ſagen, mit Naſe und Spiegel dem Wrack entlang, ehe die Mannſchaft an ihr Frühſtück ging. So⸗ bald dieſes Mahl vorüber war, ließen Capitän und Maat ſie alles Ernſtes zur Arbeit greifen. Mulford brachte auf der rechten Seite der Swaſh einen Anker hinaus, und ließ ihn in einer Entfernung von etwa achtzig Faden von dem Querbalken des Schiffes nieder. Takeln wurden von den beiden Tops der Brigg an die Kette des Ankers gelegt und angezogen, bis das Schiff um mehr als einen Strich hielte, und das Tau hinreichend geſpannt war. Auf der entgegengeſetzten Seite wurden andere Takeln angelegt und niedergeholt, um damit die Maſten des Schoners zu faſſen. Der Anker des Scho⸗ ners wurde mit dem Tau der Buje gehoben, und die Kette, — 236— nachdem man ſie durch das obere oder entgegengeſetzte Laufloch des Ankers gezogen hatte, an Bord der Swaſh eingebracht. Eine zweite Kette wurde ſpiegelwärts der Art niedergelaſſen, daß ſie, wenn der Schoner ſich auf⸗ richtete, ſechs bis acht Fuß von dem Steuerruder unter ſeinem Kiele hinlief. Stroppen wurden auf die Tops niedergelaſſen und die Takeln daran gehakt. Dieſe vorbereitenden Arbeiten nahmen Stunden hin, und ſobald man damit fertig war, ging die Mannſchaft zum Mittagseſſen. Als die Leute gegeſſen hatten, brachte Spike eine ſeiner Takeln an das Bratſpill, und die andern an das Gangſpill, nachdem jede vorher durch die Leute tüchtig geſpannt worden war; nach wenigen Minuten war Alles ſo ſtraff, daß ein Seemann wie Spike mit ziemlicher Sicherheit beurtheilen konnte, ob ſeine Borgtaue und Takeln halten könnten. Man fand einige Aenderungen nöthig, um die Spannung gleichmäßig zu machen; im Ganzen aber war der Capitän mit ſeiner Arbeit zufrieden, und die Mannſchaft erhielt Befehl, an die Winden zu treten, und beſonders an dem Bratſpill mit aller Kraft zu arbeiten. Nach Verlauf einer halben Stunde begann der Rumpf des Schiffes, das auf ſeinem Flach lag, ſich auf ſeinen Kiel zu wenden, und die Tops der Spieren ſtiegen über das Waſſer empor. Dieß war der leichteſte Theil der Arbeit, denn man hatte mit den Takeln nur eine Maſſe zu wenden, welche auf dem Sandbett des Beckens lag. Mit Hilfe der langen Hebebäume, welche die Spieren boten, ſchritt das Werk raſch vor eine Stu den, daf aufrichtet Das haltern kentern anzuhake ſollte. Die eine der Capitän zwei Lo einem i zuverlä Al ſich un Arbeit, Phlicht gewöhr das N Abſicht Jeder zwanz komme 5 nicht ein 4 Arbei egengeſetzte der Swaſh wärts der r ſich auf⸗ uder unter die Tops unden hin, Nannſchaft Spike eine n an das ute tüchtig war Alles ziemlicher gtaue und enderungen achen; im zufrieden, Winden zu aller Kraft der Rumpf auf ſeinen iegen über denn man en, welche der langen das Werk — 237— raſch vor, und Spike gewahrte, nachdem die Leute etwa eine Stunde an den Spillen gearbeitet hatten, mit Freu⸗ den, daß der Schoner ſich ſeiner eigenen Brigg entlang aufrichtete, obgleich er noch auf dem Sandboden feſtſtand. Das Wrack wurde in dieſer ſeiner Lage mittelſt Ab⸗ haltern und Borgtauen befeſtigt, damit es nicht wieder kentern konnte, wenn Befehl gegeben wurde, die Stroppen anzuhaken, durch welche es in die Höhe gehoben werden ſollte. Dieſe Stroppen waren die Ketten des Schoners, und eine derſelben lief unter ſeinem Kiel her, während der Capitän ſich hinſichtlich der andern auf die Tüchtigkeit der zwei Lauflöcher verließ, denn er hatte das Kabel aus einem in das andere laufen laſſen, um ſeinen Zweck deſto zuverläſſiger zu erreichen. Als Alles bereit war, ſammelte Spike ſeine Leute um ſich und redete ſie an. Er ſagte ihnen, er beginne eine Arbeit, welche außerhalb den Grenzen ihrer herkömmlichen Pflichten läge, und er wiſſe wohl, daß ſie für eine außer⸗ gewöhnliche Arbeit auch außergewöhnlichen Lohn anzuſprechen das Recht hätten. Der Schoner enthalte Geld, und ſeine Abſicht ſei, daſſelbe zu retten. Wenn es ihm glücke, ſollte Jeder eine Dublone erhalten, eine Löhnung für vier und zwanzig Stunden Arbeit, welche einem Monatsſolde gleich komme. 1 Dieß war genug. Die Mannſchaft brauchte mehr nicht zu hören; die Matroſen brachten ihrem Befehlshaber ein Hurrah und gingen mit dem beſten Willen an die Arbeit. Der Leſer wird einſehen, daß es vor Allem darauf — 238— ankam, ein Schiff, deſſen Räume mit Mehl und Pulver gefüllt waren, aus der Tiefe des Bodens an die Ober⸗ fläche zu heben. Wie der Schoner jetzt ſtand, war ſein Deck etwa ſechs Fuß unter dem Waſſer, und Jeder wird begreifen, daß ſeine Wucht, ſolange ſie ſich in einem ſo dichten Fluidum, wie das des Meeres iſt, befand, viel i r freien Luft geſchwebt hätte. Die Fäſſer zum Beiſpiel waren nicht viel ſchwerer, als das Waſſer, deſſen Raum ſie einnahmen, und das Holzwerk des Schiffes war im Ganzen beſtimmt leichter, als das Element, in welches es verſenkt war. Was das Waſſer in dem innern Raume betrifft, ſo hatte dieß dieſelbe Wucht, wie das Waſſer außerhalb des Schiffes, ſo daß der Schoner größtentheils durch ſein Eiſen, durch die Spieren, die außerhalb des Waſſers waren, und ſeinen Ballaſt in die Tiefe gezogen worden war. Der letztere, der zehn bis zwölf Tonnen wiegen mochte, gab in der That die Hauptſchwierigkeit ab, und ließ Spike an dem glücklichem Erfolge noch einigermaßen zweifeln. Man konnte rechnen, bis man Befehl, wieder an d Zur großen Fr die Wucht nur geri jedoch auf kein Ergebniß mit Sicherheit einen Verſuch gemacht hatte, und der ie Spillen zu gehen, wurde erneuert. eude der Mannſchaft der Swaſh leiſtete ngen Widerſtand, ſolange ſie unter dem Waſſer blieb. Mulford war mit drei bis vier Gehilfen an Bord des Schoners gegangen, um ihn zu erleichtern, indem ſie den andern Anker von ſeinen Backen entfernten und die verſchiedenen Gegenſtände, welche ſich dort fanden, entweder über Bord, oder auf das Deck der Brigg warfen. Währ war in die indem ein Wie es ſt Wucht, je unteren T mehr als wurden, n Spik die Hilfsf in ſteter 2 um die unterſuche angeſporn Die und eilte und umg Fortſchre es allmé kommen, Es kam Schiff ur den, unl um mel Ueberdier nicht nu Pardune und da liegende wenn di und Pulver n die Ober⸗ d, war ſein Jeder wird in einem ſo ſefand, viel freien Luft i nicht viel einnahmen, n beſtimmt eſenkt war. „ ſo hatte rhalb des durch ſein 3 Waſſers en worden en wiegen ab, und ĩgermaßen Sicherheit und der rneuert. ih leiſtete nter dem hilfen an leichtern, itfernten fanden, warfen. — 239— Während die Bekleidungen die Oberfläche erreichten, war in dieſer Weiſe ebenſo viel gewonnen, als man verlor, indem ein Theil des Holzwerkes über das Waſſer ſtieg. Wie es ſich jedoch von ſelbſt verſteht, vermehrte ſich die Wucht, je höher das Schiff empor ſtieg, beſonders da die unteren Theile der Spieren, Bugſpriet u. ſ. w. jetzt nicht mehr als Hebemittel wirkten, ſondern eine todte Wucht wurden, welche gehoben werden mußte. Spike hatte ein ſcharfes Auge auf ſeine Spieren und die Hilfsſtützen, welche er ihnen gegeben hatte. Er war in ſteter Bewegung, und bald an der, bald an jener Seite, um die Wantungen, die Pardunen und Borgtauen zu unterſuchen und ſich zu vergewiſſern, in welchem Grade ſie angeſpornt waren und wie die Takeln zögen. Die Mannſchaft ſang und hurrahte bei ihrer Arbeit, und eilte von den Gangſpillbarren zu den Handſpeichen, und umgekehrt. Auch ſie fühlte, daß die Arbeit mit dem Fortſchreiten mehr und mehr Widerſtand fand, und daß es allmählich ſchwieriger wurde, einen Zoll weiter zu kommen, als es anfangs war, einen Fuß vorzurücken. Es kam ihnen beinahe vor, als hätten ſie ihr eigenes Schiff und nicht das andere aus dem Waſſer emporzuwin⸗ den, und es dauerte nicht lange, ſo hörten ſie die Swaſh um mehrere Striche gegen das Wrack hinüber hielen. Ueberdieß wurde die Spannung alles deſſen, was zog, nicht nur ſehr ſtark, ſondern bedrohlich. Alle Wantungen, Pardunen und Borgtauen waren ſo ſtraff, wie Eiſenſtangen, und das Kettenkabel, welches an den krahnbalksweiſe liegenden Anker führte, hatte ſich ſo ſtark geſpannt, als wenn die Brigg in dem heftigſten Sturmwinde davor läge. — 240— Auch hatte man einige unheilweiſſagende Schrike in der Höhe vernommen, und obgleich ſie nur daher kamen, daß Stroppen und Längen durch die ſtarke Spannung ſich in ihre Plätze einfügten, mahnten ſie doch die Mannſchaft, daß von jener Seite her Gefahr drohen könne. Der Art war der Stand der Dinge, als Spike mit den Arbeiten einzuhalten befahl, da er ſich über die Lage des Wracks genauer unterrichten wollte. Obgleich noch viel zu thun war, bis der Schoner wieder auf dem Waſſer ſchwamm, ſo war man doch ſchon weit vorgeſchritten. Es ſtand jetzt mit dem fremden Schiffe ſo: Da es keine Kajütenfenſter hatte, ſo war das Waſſer, als es in die Tiefe ging, nur durch vier Oeffnungen eingedrungen: nämlich durch die Kajütenthüre; das Fenſter, das von dem Deck aus die Kajüte erleuchtete; die Hauptluke oder dem großen Eingang in der Mitte des Schiffes, wo die Fracht herauf und hinab gebracht wurde, und die ſoge⸗ nannte Kutſchenluke, welche als Gegenſatz zu der Kajüten⸗ thüre gelten kann, und durch welche die Matroſen in ihren Bereich gelangten. Alle dieſe Luken oder Oeffnungen hatten ihre Seher⸗ ſtöcke, wie ſie die Seeleute nennen, ſtarke Rahmen, welche dieſe Oeffnungen umgaben. Dieſe Seherſtöcke gingen ſechs bis acht Zoll über das Deck und entſprachen dem doppelten Zwecke, daß ſie dem Schiffe da, wo es ohne ſie ſchwächer geweſen wäre, als an anderen Theilen, eine gewiſſe Feſtig⸗ keit gaben, und daß ſie das Waſſer, welches das Deck überſchwemmen mochte, abhielten, in das Schiff einzu⸗ dringen. Sobald über die Ob war alle C erwuchs, de erhielt. Um die Stunde ma men wäre. nennt, das beinahe ein ebenem Kie zuerſt über ſo hinzugel befindlichen und Spike Das von hinten war über während al war. In Zoll hoch einen Zoll Spike das Schif bisher Vr Verſuch r konnte. Die um an ſin durch 241 hrike in der kamen, daß nnung ſich in Mannſchaft, e. ls Spike mit über die Lage der Schoner an doch ſchon : Da es keine als es in die eingedrungen: ter, das von Hauptluke oder iffes, wo die und die ſoge⸗ nder Kajüten⸗ roſen in ihren n ihre Seher⸗ ahmen, welche ke gingen ſechs dem doppelten e ſie ſchwächer gewiſſe Feſtig⸗ ches das Deck Schiff einzu⸗ Sobald nun dieſe vier Oeffnungen oder ihre Rahmen über die Oberfläche des Waſſers gehoben werden konnten, war alle Gefahr beſeitigt, welche dem Schiffe daraus erwuchs, daß es fernere Spenden dieſer Art von der See erhielt.: Um dieß zu bewerkſtelligen, hatte Spike in der letzten Stunde mancherlei verſucht, ohne daß er zum Ziele gekom⸗ men wäre. Der Schoner hatte viel Spring, wie man es nennt, das heißt, ſeine beiden äußerſten Ende ſtanden beinahe einen Fuß höher, als ſeine Mitte, wenn er auf ebenem Kiele lag. So kam es, daß ſeine äußerſten Enden zuerſt über die Oberfläche des Waſſers traten, und die ſo hinzugekommene Wucht dieſer jetzt außer dem Waſſer befindlichen Theile hatte die Spannung ſehr geſteigert und Spike veranlaßt, ſeinen Leuten Einhalt zu gebieten. Das Deck nach vornen oder bis zum Fockmaſt und von hintenher bis zur Mitte der erwähnten Fenſteröffnung war über dem Waſſer oder ſtand ihm wenigſtens gleich, während alles Uebrige noch von dem Elemente überſchwemmt war. In der Nähe der Hauptluke ſtand es noch mehrere Zoll hoch, ſo daß der obere Rand der Seherſtöcke noch einen Zoll unter dem Waſſer ſtand. Spike wußte wohl, daß es mehr Mühe koſten würde, das Schiff um dieſen einen Zoll zu heben, als alles bisher Vollbrachte, und er ließ innehalten, ehe er einen Verſuch wagte, der auch für ſeine Brigg gefährlich werden konnte. Die Mannſchaft wurde jetzt von der Brigg abgerufen, um an Bord des Schoners zu treten. Spike verſicherte zis durch genaue Meſſung, wie viel noch fehlte, um die 241— 243. 16 Seherſtöcke der großen Luke über das Waſſer zu bringen, denn bevor dieß geſchehen, war alles Pumpen und Waſſer⸗ ausgießen vergeblich. Er fand, daß ein voller Zoll fehlte, und war in großer Verlegenheit, wie er es anfangen ſollte, das Schiff um dieſen Zoll zu heben. Mulford rieth zu einem Verſuche mit den Winden und Takeln; Spike wollte aber ſeine Einwilligung nicht geben. Er glaubte, der Druck auf die Maſten der Brigg ſei bereits zu ſtark, als daß ſie mehr aushalten könnten. Der Maat ſchlug nun vor, die große Stenge des Schoners wegzunehmen und es zu erleichtern, indem man das Bug⸗ ſpriet und die Maſten weghieb. Der Capitän war ziemlich geneigt, dieſem Vorſchlage nachzukommen, zweifelte aber, daß„Don Wan,“ der noch bei Roſa und ihrer Tante war und wahrſcheinlich mittelſt eben dieſer Spieren ſeine Pulverfäſſer zu retten hoffte, ſeine Zuſtimmung dazu geben würde. Endlich verſiel man auf einen Plan, welchen der Capitän ſofort ins Werk ſetzen ließ. Dieſer Plan war ſehr einfach und doch ſinnreich. Man wird ſich erinnern, daß das Waſſer jetzt nur noch durch die große Luke in den untern Raum des Schiffes dringen konnte, da die Seherſtöcke der drei anderen Oeff⸗ nungen bereits über dem Waſſer ſtanden. Der Schiffs⸗ zimmermann ſchlug daher vor, man ſolle die Flügel der Thüre, die bei dem Beginne des Orkans ausgehoben geweſen und dann, als das Schiff ſich aufgerichtet hatte, auf dem Decke gefunden worden waren, wieder einhängen, an ihren Fugen mit aufgedrehtem Tauwerk vermachen und über und über kalfatern, ſo daß das Waſſer möglichſt abgeſchloſſen Leute zehn 2 die Luke ſo durchdränge. ſelbſt nach „ſo viele Löc auf dieſe W Spike die nöthigen Man i ſagen, daß vollbrachte, bei der jetz auf dieſes4 Die Lu gut es ſich wurde, na des Schon Waſſer we Innhölzern geſchehen k er um das ſowohl au Mit einem an wenigf die zwei beiden Ba *) Auch zu bringen, und Waſſer⸗ r Zoll fehlte, es anfangen den Winden lligung nicht en der Brigg lten könnten. des Schoners an das Bug⸗ Vorſchlage in,“ der noch inlich mittelſt retten hoffte, welchen der öch ſinnreich. jetzt nur noch des Schiffes anderen Oeff⸗ Der Schiffs⸗ hie Flügel der ausgehoben erichtet hatte, er einhängen, ermachen und ſſer möglichſt — 243— abgeſchloſſen würde. Er glaubte, wenn zwei oder drei der Leute zehn Minuten das Kalfateiſen*) brauchten, würde die Luke ſo gut vermacht ſein, daß nur wenig Waſſer durchdränge. Während man dieß vollbrächte, wollte er ſelbſt nach vornen und hinten mit einem zwei Zollbohrer „ſo viele Löcher bohren, als er könne, damit das Waſſer auf dieſe Weiſe aus dem Schoner liefe. Spike war entzückt über dieſen Plan und gab alsbald die nöthigen Befehle. Man muß es der Mannſchaft der Molly Swaſh nach⸗ ſagen, daß Alles, was ſie in dem Kreiſe ihres Berufes vollbrachte, tüchtig und beſonnen vollbracht wurde. Auch bei der jetzigen Veranlaſſung bewährte ſie ihre Anſprüche auf dieſes Lob und zeigte ſich thätig und umſichtig zumal. Die Lukenthüre war bald vermacht und kalfatert, ſo gut es ſich thun ließ. Während dieſe Arbeit vollbracht wurde, nahm der Zimmermann ein Boot und ging unter des Schoners Backen, wo eine ganze Planke über dem Waſſer war, wählte eine paſſende Stelle zwiſchen zwei Innhölzern und bohrte dem Waſſer ſo nahe, als es wohl geſchehen konnte, ein Loch. Damit nicht zufrieden, ruderte er um das ganze Schiff und machte viele ſolcher Oeffnungen, ſowohl auf den Seiten, als ſpiegelwärts und der Naſe zu. Mit einem Worte, nach zwanzig Minuten war der Schoner an wenigſtens zwölf Stellen angebohrt und Waſſerſtrahlen, die zwei Zoll im Durchmeſſer hatten, ergoſſen ſich aus den beiden Backen und unter jeder Seite. — *) Auch der Stopfmeißel genannt; Werkzeug, um Lecke zu ſtopfen. . Der Ueberſetzer. 16*½ 244— Spike und Mulford beachteten die Wirkung dieſes „Anzapfens.“ An der großen Luke drang immer noch einiges Waſſer in das Schiff; es war jedoch augenfällig, daß mittelſt jener eben erwähnten Ausläſſe mehr Waſſer ausfloß. Nachdem Spike dieſe Oeffnungen einige Minuten ſorgſam beobachtet hatte, überzeugte er ſich, daß der Schoner langſam ſtieg, denn die große Spannung, welche man durch die Brigg hervorbrachte, mußte dieſe Wirkung haben, ſowie das Schiff allmählich leichter wurde. Nach einer halben Stunde blieb kein Zweifel mehr über den Erfolg, denn die Löcher, welche man einen Zoll über dem Waſſer gebohrt hatte, waren nun volle zwei Zoll über der Oberfläche. Der Bohrer wurde abermals und dem Waſſer noch näher angewendet, und ſo wie neue Oeffnungen gemacht wurden, verſtopfte man die früheren. Spike glaubte nun, es ſei Zeit, einen Blick auf das Deck und den Stand der Dinge daſelbſt zu werfen; zu ſeiner großen Freude gewahrte er hier, daß die Seherſtöcke in der That ein wenig über das Waſſer rückten. Der Leſer darf nicht glauben, das Schiff habe durch dieſe ſeine Erhebung, die ihren Grund in der Menge Waſſers hatte, welches durch die Oeffnungen ausgelaufen war, hinreichende Schwimmkraft erhalten, um von ſelbſt auf dem Waſſer zu ſtehen. Dieß war bei weitem noch nicht der Fall, aber der ſtete, durch die Brigg erzeugte Zug nach oben, welcher nach Grundſätzen der Mechanik den Schoner ſtets aufzu⸗ richten ſtrebte, hatte die Wirkung, daß der Schoner in dem Grade aufſtieg, wie er allgemach der Wucht baar wurde, welche ihn in die Tiefe drückte. Die Lu daß das W weit geſenkt einem voller drigſten The Enden des teten Baues Man Klammern einen Klapl Zu gleicher obgleich Sp um des W mußte, ſon und währe Verſuch ko werden, de mit dem i Schöpfeime Spike Ausladen näherte, h gerollt un ging in de und die ü⸗ Dieſe lag vermehrte geringen hatte. Durc irkung dieſes immer noch haugenfällig, mehr Waſſer ige Minuten ich, daß der mung, welche dieſe Wirkung urde. Zweifel mehr an einen Zoll un volle zwei rde abermals d ſo wie neue die früheren. Blick auf das werfen; zu ie Seherſtöcke rückten. Der rch dieſe ſeine Waſſers hatte, , hinreichende em Waſſer zu er Fall, aber oben, welcher ſtets aufzu⸗ Schoner in Wucht baar — 245— Die Luken wurden nun geöffnet, und es ergab ſich, daß das Waſſer in dem Innern des Schoners ſich ſo weit geſenkt hatte, daß bereits ein leerer Raum von einem vollen Fuß zwiſchen deſſen Oberfläche und dem nie⸗ drigſten Theile des Decks entſtanden war. Gegen die beiden Enden des Schoners hin war, in Folge des oben angedeu⸗ teten Baues, dieſer Raum nothwendig beträchtlicher. Man ſchickte nun Leute auf die Lukentreppe, um Klammern an den Mehlfäſſern zu befeſtigen, und richtete einen Klapläufer auf, um ſie auf das Deck zu ſchaffen. Zu gleicher Luke wurden Matroſen an die Pumpen geſtellt, obgleich Spike nicht nachließ, ſich des Bohrers zu bedienen, um des Waſſers los zu werden, denn der Zimmermann mußte, ſo oft dieß thunlich war, neue Oeffnungen bohren, und während dieſe ſpielten, die alten vermachen. Dieſer Verſuch konnte allerdings nicht lange mehr fortgeſetzt werden, denn das Waſſer in dem Schiffe ſtand nun bald mit dem in dem Boden auf gleicher Linie. Auch zu den Schöpfeimern nahm man vornen und hinten ſeine Zuflucht. Spike näherte ſich ſeinem Ziele weſentlich durch das Ausladen der Befrachtung. Als die Sonne ſich dem Meere näherte, hatte man zweihundert Fäſſer an die Lukentreppe gerollt und auf das Deck gehißt; die Hälfte dieſer Fäſſer ging in dem Boote des Leuchtthurms auf die nächſte Inſel, und die übrigen wurden auf das Deck der Brigg gebracht. Dieſe lagerte man auf die linke Spitze der Swaſh, und vermehrte ſo den Zug der Hebemaſchinen, was keinen geringen Einfluß auf das weitere Aufrichten des Schoners hatte. Durch die Entfernung dieſer Fäſſer war viel gewonnen — 246— worden, denn das Waſſer in dem Schoner ſenkte ſich nach dem Verhältniſſe des Raumes, welchen ſie eingenommen hatten, und das Schiff wurde um eine Wucht von zwanzig Tonnen erleichtert. Mit der untergehenden Sonne kehrten Don Juan Monte⸗ falderon und ſeine Begleitung an Bord zurück. Auf Roſa's Bitte waren ſie bis zu dem letzten Augenblicke auf der Inſel geblieben; denn ſie hatte alle Einzelnheiten genau in das Auge gefaßt, um ſich zu vergewiſſern, ob ſich, wenn ſie mit ihrer Tante oder Biddy die Brigg verließe, ein Verſteck für ſie fände. Die Inſelchen waren jedoch alle zu nackt und zu klein, und ſie mußten auf die Swaſßh zurück⸗ kehren, ohne daß ſich von dieſer Seite her eine Ausſicht dargeboten hätte. Spike hatte ſeine Leute eben zu dem Abendeſſen gehen heißen, als der Mexikaner an Bord kam. Sie begaben ſich auf das Deck des Schoners, wo ſie ſich lange, aber insgeheim unterhielten. Senor Montefalderon war ein ruhiger, ſtiller, ver⸗ nünftiger Mann, und obgleich das Schickſal ſo vieler Gefährten und Landsleute, welche der Tod ſo plötzlich weg⸗ gerafft hatte, ihm ſchwer auf dem Herzen laſtete, hatte dieſer Unglücksfall ihn doch nicht bewältigt. Die Amerikaner ſind zu ſehr daran gewöhnt, ſich durch Zeitungen leiten und beſtimmen zu laſſen, die ihre Artikel gedankenlos und oft ohne Sachkenntniß ausſtreuen, wie Stadtklaſchen ihr Geſchwätz laut werden laſſen. Mit einem Worte, die ſo erhaltenen Anſichten haben ziemlich denſelben Werth, wie die Gehanken Derer, welche, wie man ſagt, laut denken, und das Albernſte, die ſinnloſeſten Gerüchte, die ihnen zu Auf dieſe W ſtellungen vo Geltung ver Dieſe thümlichkeite bildung, de fehlt. Aber ſen, manch Da wir eir den Wunſch Angelſachſe das herabz uns vielme all dem E ſo hohem zu finden Seño landes mi Man konr lungen du wie dieß Jener wr ſüchtigen der edelſt Wie ſeine pur tärdruck beſondere gegeben nkte ſich nach eingenommen tvon zwanzig Juan Monte⸗ 2. Auf Roſa's blicke auf der aheiten genau ob ſich, wenn verließe, ein jedoch alle zu Swaſh zurück⸗ eine Ausſicht endeſſen gehen Sie begaben h lange, aber , ſtiller, ver⸗ :ſal ſo vieler plötzlich weg⸗ laſtete, hatte öhnt, ſich durch die ihre Artikel isſtreuen, wie en. Mit einem mlich denſelben wie man ſagt, eſten Gerüchte, — 244— die ihnen zu Ohren gekommen ſein mögen, weiter verbreiten. Auf dieſe Weiſe haben ſich, fürchten wir, ſehr falſche Vor⸗ ſtellungen von unſern Nachbarn, den Mexikanern, bei uns Geltung verſchafft. Dieſe Nation iſt gemiſchter Abkunft und hat alle Eigen⸗ thümlichkeiten einer ſolchen Abkunft, ſowie die geiſtige Fort⸗ bildung, die man uns nicht abſprechen wird, ihr leider fehlt. Aber Mexiko hat auch, wie wir billig zugeben müſ⸗ ſen, manches, das jenen Mangel einigermaßen ausgleicht. Da wir einmal angelſächſiſchen Urſprungs ſind, hegen wir den Wunſch nicht, jenen ſehr charakteriſtiſchen Zug des Angelſachſenthums hervorzuheben, der uns ſtachelt, alles das herabzuſetzen, was ihm entgegentritt; wir möchten uns vielmehr einen Theil jener ritterlichen Artigkeit mit all dem Edlen und Empfehlenswerthen aneignen, das in ſo hohem Grade bei den Abkömmlingen des alten Spaniens zu finden iſt. Seüor Montefalderon hatte ſich der Sache ſeines Vater⸗ landes mit der ganzen Wärme ſeines Herzens hingegeben. Man konnte ſich kaum zwei Männer denken, deren Hand⸗ lungen durch ſo entgegengeſetzte Triebfedern geleitet wurden, wie dieß bei Spike und dem Merxikaner der Fall war. Jener wurde von Beweggründen der niedrigſten, ſelbſt⸗ ſüchtigen Art geleitet, während dieſer unter dem Einfluſſe der edelſten Gefühle ſtand.. Wie ſehr auch Mexiko ſich und ſeiner Sache durch ſeine puniſche Treue, ſeine Charakterloſigkeit, ſeinen Mili⸗ tärdruck und ſeine politiſchen Aufſtände geſchadet, und beſonders Texas hinreichenden Grund zu ſeinem Abfall gegeben haben mag, war es doch nicht wahrſcheinlich, daß — 248— Senor Montefalderon die Kraft aller der Beweisgründe durchſchaute, welche ein Sophiſt von nur gewöhnlicher Befähigung gegen ſein Vaterland hätte aufbringen können; denn es iſt ſehr ſelten, daß man irgendwo auf einen Menſchen ſtößt, welcher die Gründe ſeines Gegners unbe⸗ dingt für ſtichhaltig erklärt. Er ſah in dem, was ſich begeben hatte, nur die Empörung einer Provinz gegen ihr Stammland; und indem er von ſeinem Standpunkt aus die zahlloſen Veran⸗ laſſungen ganz überſah, mittelſt welcher ſeine ſchwankende Regierung ihren mächtigen Nachbarn nicht nur eine Recht⸗ fertigung, ſondern einen Beweggrund geboten hatte, ſich ſelbſt Recht zu verſchaffen, zur Selbſthilfe zu ſchreiten, glaubte er, Alles, was geſchehen, ſei vorher abgekartet geweſen, ſtatt es, der Wahrheit gemäß, als ein bloßes Ergebniß politiſcher Ereigniſſe zu betrachten, welche Nie⸗ mand hätte vorherſehen können, an welche Niemand gedacht hatte, und welchen ſich Niemand entgegenſtellen konnte. Don Juan durchſchaute Spike vollkommen, und beur⸗ theilte nicht nur ſeinen Charakter, ſondern auch ſeine Befähigungen richtig. Ihre Bekanntſchaft ſchrieb ſich von längerer Zeit her; ſie hatte ſich aber ſtets in den Grenzen jener ſeltſamen Verſchmelzung von Vorſicht und Vertrauen bewegt, welche der Verkehr zwiſchen Schurken und ehren⸗ haften Männern charakterifirt, wenn die Verhältniſſe nicht nur Verkehr, ſondern bis auf einen gewiſſen Grad Ver⸗ trauen unerläßlich machen. Sie gingen jetzt ſeit einer Stunde auf dem Decke auf und ab, und kamen wegen des Preiſes des Schiffes, der Art der Zahlung und der Uebergabe zum völligen Abſchluß. „Was Eſteban?“ licheren Pun „Ich n Dame, einer erzählte, vor Reiſe veran aus, als da dieß auch, ſ Heilmittel.“ „Ihr Natur, wie ſtecktem Kie wir zwei ne pflegt, alt dieſe Sacht mich nicht glaubt, ihr nennt, und aber das 2 „Sie ich habe Wenn aber wie hat m Spike Augenblin „Wer geben, da ban?“ v zeweisgründe gewöhnlicher agen können; o auf einen egners unbe⸗ te, nur die mland; und loſen Veran⸗ ſchwankende r eine Recht⸗ n hatte, ſich zu ſchreiten, er abgekartet s ein bloßes welche Nie⸗ mand gedacht en konnte. n, und beur⸗ auch ſeine rieb ſich von den Grenzen nd Vertrauen n und ehren⸗ ältniſſe nicht n Grad Ver⸗ im Decke auf Schiffes, der gen Abſchluß. — 249— „Was ſoll aber aus Euren Reiſenden werden, Don Eſteban?“ fragte der Mexikaner lächelnd, als die weſent⸗ licheren Punkte beſeitigt waren. „Ich nehme beſonders großen Antheil an der jungen Dame, einer bezaubernden Senorita, welche, wie ſie mir erzählte, von ihrer Tante ihrer Geſundheit wegen zu dieſer Reiſe veranlaßt wurde. Sie ſieht jedoch viel zu blühend aus, als daß ich ſie für krank halten könnte, und wäre ſie dieß auch, ſo iſt eine ſolche Reiſe wahrhaftig ein ſeltſames Heilmittel.“ „Ihr verſteht noch gar nichts von der menſchlichen Natur, wie ich höre, Don Wan,“ verſetzte Spike mit ver⸗ ſtecktem Kichern und zweideutigem Augenblinzeln.„Da wir zwei nicht nur gute, ſondern auch, wie man zu ſagen pflegt, alte Freunde ſind, ſo will ich Euch einen Blick in dieſe Sache thun laſſen; denn ich darf hoffen, daß Ihr mich nicht verrathet. Es iſt ganz wahr, daß die alte Dame glaubt, ihre Nichte leide an der Schwindſucht, wie man es nennt, und daß ihr dieſe Seereiſe empfohlen worden iſt; aber das Mädchen iſt ſo geſund, wie ſie ſchön iſt.“ „Sie muß ſich einer vortrefflichen Geſundheit erfreuen; ich habe ſelten ein ſo reizendes junges Weſen geſehen. Wenn aber die Tante in dieſer Sache mißleitet worden iſt, wie hat man die Nichte getäuſcht?“ Spike gab keine Antwort; aber ſein Kichern und Augenblinzeln konnte als eine ſolche gelten. „Wenn ich nicht irre, wollt Ihr mir zu verſtehen geben, daß ihr Beide im Einverſtändniſſe ſeid, Don Eſte⸗ ban?“ verſetzte Senor Montefalderon, dem das Gehaben — 250— des Capitäns nicht behagte, und der das Geſpräch fallen zu laſſen wünſchte. Spike benachrichtigte den Mexikaner jetzt im Ver⸗ trauen, er ſei mit der ſchönen Roſa verlobt, ohne daß die Tante jedoch Kunde davon habe. Er beabſichtigte die Nichte zu ehelichen, ſobald er einen merikaniſchen Hafen mit der Brigg werde erreicht haben; auch ſei es die Abſicht Beider, ſich in dem Lande niederzulaſſen. Er ſetzte hinzu, die Sache fordere Umſicht und ſanftes Auftreten, weil ſeine Verlobte Vermögen bereits habe und noch mehr erwarten dürfe; er bitte Don Juan daher, ihm hilfreiche Hand zu leiſten, da die Dinge der Entſcheidung nahe wären. Der Mexikaner gab eine ausweichende Antwort, und das Geſpräch wurde nicht weiter fortgeſetzt. Der Mond ſtand jetzt am Himmel, und es ließ ſich erwarten, daß er ſein blaſſes Licht noch mehrere Stunden über dieſe lautloſen Räume ergießen würde. Spike benutzte dieſen Umſtand, um die Leute aufzurufen, die Lichtung des Schoners fortzuſetzen. Vor Allem mußten nun die Todten heraufgebracht und in das Boot geſchafft werden. Dieſes traurige Ge⸗ ſchäft nahm eine Stunde hin. Die Leichen wurden auf das Inſelchen gebracht, wo das Pulver lag, und in den Sand verſcharrt. Don Juan Mantefalderon war dabei gegenwärtig, und ſprach ein Gebet über den Gräbern, wie er am Morgen bei den zwei Männern gethan hatte, welche in der Nähe des Leuchtthurms begraben worden waren. Während man dieſer wehmüthigen Pflicht nachkam, wurde das Pumpen und Ausſchöpfen unter Mulford's unmittelbarer Aufſicht fortgeſetzt. Es möchte nicht leicht ſein, den Ka preisgegeben Spike's verr Roſa nicht Boote des Lo Behörden vo Allein eine Pflicht tragen, ſon zu unterhar war allerdi den aber, bezogen, we Der j ſich dem ſ ſchönes St die zu ſein nicht hing demſelben ihren Eig beſtrafen. um nicht die Reiſe ſelbſt ſein Es ſ Montefal wo die T blicke, wo ſetzte, fü Heben de Geſpräch fallen jetzt im Ver⸗ ohne daß die eabſichtigte die aniſchen Hafen es die Abſicht Er ſetzte hinzu, eten, weil ſeine mehr erwarten freiche Hand zu wären. Antwort, und nd es ließ ſich ehrere Stunden Spike benutzte ie Lichtung des heraufgebracht 3 traurige Ge⸗ en wurden auf g, und in den ron war dabei n Gräbern, wie in hatte, welche erden waren. öflicht nachkam, nter Mulford's chte nicht leicht — 251— ſein, den Kampf der Gefühle, welchem der Maat ſich jetzt preisgegeben ſah, zu ſchildern. Er konnte nicht länger an Spike's verrätheriſchen Abſichten zweifeln, und hätte, wäre Roſa nicht geweſen, keinen Augenblick gezögert, in dem Boote des Leuchtthurms nach Key⸗Weſt abzuſegeln und den Behörden von Allem, was ſich begeben, Bericht zu erſtatten⸗ Allein Roſa war nicht nur an Bord der Swaſh, und eine Pflicht gebot ihm, für dieſes theure Weſen Sorge zu tragen, ſondern auch ihre Tante war hier, und mit dieſer zu unterhandeln, hatte ſeine Schwierigkeit. Miſtreß Budd war allerdings über Spike enttäuſcht; unter allen Umſtän⸗ den aber, beſonders in Dingen, welche ſich auf die See bezogen, war es ſchwer, mit ihr einig zu werden. Der junge Mann war aber auch nicht im Stande, ſich dem ſeltſamen Einfluſſe zu entſchlagen, welchen ein ſchönes Schiff ſtets mehr oder weniger über die ausübt, die zu ſeinem Bord gehören. Er konnte ſich dem Gedanken nicht hingeben, die Swaſh zu verlaſſen, obgleich er in demſelben Augenblicke keinen Anſtand genommen hätte, ihren Eigenthümer ſeiner vielen Frevelthaten wegen zu beſtrafen. Mit einem Worte, Harry war zu ſehr Seemann, um nicht mit Widerſtreben etwas gegen das Schiff und die Reiſe zu unternehmen, ſo ſehr auch ſein Urtheil und ſelbſt ſeine Grundſätze beide verdammten. Es ſchlug neun Uhr auf der Schiffsuhr, als Señor Montefalderon und Spike von den Inſelchen zurückkehrten, wo die Todten begraben worden waren. In dem Augen⸗ blicke, wo der Letztere den Fuß auf das Deck ſeines Schiffes ſetzte, fühlte er den Fall einer der Takeln, welche zum Heben des Schoners gebraucht worden waren. Der Fall war ſo langſam, daß er ſich überzeugt fühlte, das Schiff beginne durch ſeine eigene Kraft auf dem Waſſer zu ſchwim⸗ men; er hielt es aber doch für rathſam, der größeren Sicherheit wegen, Alles bis zum nächſten Morgen an Ort und Stelle zu laſſen. Nachdem er ſich auf dieſe Weiſe von dem Zuſtande der beiden Schiffe vergewiſſert hatte, gab er den willkom⸗ menen Befehl,„für die Nacht abzubrechen.“ Sechstes Kapitel. Wenn die ganze Mannſchaft wird Vor den Richter einſt geladen, Und die Todten ſich erheben Aus der See, von den Geſtaden, Und von Norden und von Süden; Wenn der Sünder bangt vor ew'ger Pein, Und ſelbſt der Gerechte zittert, Dann erbarme ſich der Himmel dein, Armer Tom! Brainaud. Die Mannſchaft war nun zur Ruhe gegangen. Unter allen Arbeiten, welche den Matroſen anheimfallen, gilt die des Pumpens allgemein für die härteſte. Die an den Pumpen Angeſtellten werden in der Regel von Minute zu Minute abgelöſt, und nur, wenn man Leute genug hat, welche ſich bei dieſer Arbeit ablöſen können, iſt es möglich, ſie gehörig zu fördern. In dem uns vorliegenden Falle wurde der Eifer der Mannſchaft allerdings durch die Liebe zum Geld angefacht und erhalten; dennoch waren ſie Alle froh, als Mulford ihnen zurief, begeben. Es laut wurde, die gewöhnlie die Arbeit be wollte. Auch des Maats v und ſich dem Selbſt E deren ſie in allein überka ters auszugu dieſes Faulle ausgießen ſ berkraft verl Kräfte gab. Die Ar die Frauen Schlafes ge dem Schiffe Roſa, die Kiſſen geleg Uhr des M Die al chen, welch die dem O bedeutung, und der we gend, und ten auf de te, das Schiff ſſer zu ſchwim⸗ der größeren orgen an Ort dem Zuſtande den willkom⸗ wird laden, zeſtaden, süden; vor ew'ger Pein, 3 Himmel dein, Brainaud. gangen. Unter fallen, gilt die Die an den on Minute zu te genug hat, iſt es möglich, der Eifer der Geld angefacht als Mulford — 253— ihnen zurief, ſie ſollten„abbrechen“ und ſich zur Ruhe begeben. Es war auch hohe Zeit, daß dieſe Aufforderung laut wurde, denn die Leute waren äußerſt ermüdet, und die gewöhnlichen Arbeitsſtunden ſo weit überſchritten, daß die Arbeit bei dem beſten Willen nicht mehr recht fördern wollte. Auch waren kaum zwei Minuten nach dem Anrufe des Maats verſtrichen, als Jeder ſein Ruheplätzchen gewählt und ſich dem tiefſten Schlafe überlaſſen hatte. Selbſt Spike und Mulford gaben ſich der Ruhe hin, deren ſie in hohem Grade bedürftig waren, und der Koch allein überkam die Wache, um nach dem Wechſel des Wet⸗ ters auszugucken. Mit einem Worte, Alle, mit Ausnahme dieſes Faullenzers, waren durch das Pumpen und Waſſer⸗ ausgießen ſo erſchöpft, daß ſelbſt das Geld ſeine Zau⸗ berkraft verlor, bis die Ruhe der Natur wieder neue Kräfte gab. Die Aufregung, in welche die Begebniſſe des Tages die Frauen verſetzt hatte, ließ auch ſie eines geſunden Schlafes genießen. Die todtenähnliche Stille, welche in dem Schiffe herrſchte, begünſtigte ihren Schlummer, und Roſa, die noch nicht zwei Minuten ihr Haupt auf das Kiſſen gelegt hatte, ſchlief ununterbrochen bis gegen vier Uhr des Morgens. Die allum herrſchende Ruhe ſchien dem jungen Mäd⸗ chen, welches noch vor Kurzem die Stille beachtet hatte, die dem Orkan vorhergegangen war, nicht von guter Vor⸗ bedeutung, und ſie ſtand auf. In jener niedrigen Breite und der warmen Jahreszeit war ein leichter Anzug genü⸗ gend, und unſere junge Heldin ſtand nach wenigen Minu⸗ ten auf dem Deck. — 254— Auch hier herrſchte überall die gleiche, grabähnliche Stille. Kein Lufthauch ſtrich entlang und das Meer ſchien in den tiefſten Schlaf begraben. Man konnte Spike's ſchwere Athemzüge durch die offenen Fenſter ſeines Verſchlages hören,— der einzige Laut, welcher ſich jetzt vernehmbar machte. Die Matroſen, welche auf dem Deck, beſonders vom Hauptmaſt bis nach vornen, zerſtreut umher lagen, ſchienen eine Anzahl Holzklötze zu ſein, und Mul⸗ ford's Athem war nicht zu hören. Der Morgen war weder ſehr dunkel, noch ſehr hell, und während man nähere Gegenſtände leicht zu unterſchei⸗ den vermochte, verloren ſich die entfernteren natürlich in Dunkelheit. Dieſen Umſtand machte Roſa ſich zu Nutzen, und wagte ſich bis zur Fallreepstreppe, um zu ſehen, ob der Koch auf ſeinem Poſten wäre. Sie ſah ihn in der Nähe der Cambüſe liegen, und ebenſo feſt ſchlafen, wie nur einer der Matroſen ſchlafen konnte. Sie fühlte, daß dieß unrecht ſei, und eine große Unruhe beſchlich ſie, obgleich ſie nicht wußte, warum. Vielleicht war es der Gedanke, daß ſie in dieſer überfrühen Stunde, in einem Schiffe, das ſo manches Unheimliche barg, und in einem Klima, wo Orkane ſo häuſig und ſo verderblich ſind, das einzige Weſen war, das wachte. Irgend Jemand mußte geweckt werden, und Neigung, Gefühl und Verſtand— Alles bezeichnete Harry Mulford als den, welcher geweckt werden mußte. Er ſchlief gewöhnlich in ſeinen Kleidern, dem leich⸗ teſten Sommeranzuge der Wendekreiſe, und das Fenſter ſeines kleinen Verſchlags war der Luft ſtets geöffnet. Roſa ſchlich leiſe an das Fenſter, legte ihre kheiue, ſanfte Hand Nu ſtand der nur einer einz worauf Mulfo auf die Schar „Warum junge Mann dämpfte, wer ich von Euck Roſa th ſtehe, und w wecken. Mit ihr Bedauern wenn ſie eine Wache ſelbſt haben, deſſen Mufford nie in einem wenn er es geſchworen k ihn zu viel Nach d Runde auf zu ſehen, u wieder zu? Zuſtande ſe nur den Ke Der K als Wache grabähnliche nd das Meer Man konnte Fenſter ſeines cher ſich jetzt auf dem Deck, erſtreut umher n, und Mul— och ſehr hell, zu unterſchei⸗ natürlich in ch zu Nutzen, zu ſehen, ob ih ihn in der ſchlafen, wie bie fühlte, daß beſchlich ſie, ſt war es der nde, in einem und in einem blich ſind, das Jemand mußte d Verſtand— welcher geweckt ern, dem leich⸗ id das Fenſter geöffnet. gte ihre kleiue, ſanfte Hand auf den Arm des jungen Mannes, und im Nu ſtand der junge Mann auf ſeinen Füßen. Es bedurfte nur einer einzigen Sekunde, um den Schlaf abzuſchütteln, worauf Mulford aus ſeinem Verſchlage eilte und zu Roſa auf die Schanze trat. „Warum werde ich aufgerufen, Roſa?“ fragte der junge Mann, indem er ſeine Stimme nach der Stille dämpfte, welche ringsum herrſchte,„und warum werde ich von Euch aufgerufen?“ Roſa theilte ihm mit, wie es an Bord der Brigg ſtehe, und welches Gefühl ſie veranlaßt habe, ihn zu wecken. Mit dem Zartgefühl des Weibes drückte ſie dann ihr Bedauern aus, Harry in ſeiner Ruhe geſtört zu haben, wenn ſie einen Augenblick nachgedacht hätte, würde ſie die Wache ſelbſt übernommen und ihn dem Schlafe überlaſſen haben, deſſen er ſo ſehr bedürfen müſſe. Mulford lachte jedoch darüber; er betheuerte, er ſei nie in einem gelegeneren Augenblicke geweckt worden, und wenn er es für paſſend gehalten hätte, würde er darauf geſchworen haben, daß eine Minute längeren Schlafes für ihn zu viel geweſen wäre. Nach dieſen erſten Mittheilungen machte Mulford die Runde auf dem Deck, unterſuchte die Takeln ſorgfältig, um zu ſehen, wie viel Spannung ſie hätten, und trat dann wieder zu Roſa, um ihr zu ſagen, daß Alles im beſten Zuſtande ſei, und daß er es nicht für nöthig erachte, auch nur den Koch zu wecken. Der Koch war nur in einem Sinne des Wortes— als Wache— ein Faullenzer, denn er hatte ſich den vori⸗ — 256— Tag ebenſo ſehr abgemüdet, wie einer der Matroſen, obgleich eben nicht an den Pumpen. Harry und Roſa unterhielten ſich nun lange vertrau⸗ lich. Sie ſprachen von Spike, von der Brigg und ihrer Fracht und von der Enttäuſchung der Capitänswittwe. Es war kaum denkbar, daß man in der Havannah des Pulvers ſo bedürftig ſein ſollte, daß die mit dem Schleich⸗ handel verbundene Gefahr und der Ertrag eines ſolchen Unternehmens ſich die Wagſchale halten ſollten, und Mul⸗ ford mußte ſich der Ueberzeugung hingeben, das angebliche Mehl ſei urſprünglich für Mexiko beſtimmt geweſen. Roſa berichtete den Inhalt des Geſprächs zwiſchen Don Juan und Capitän Spike, welches ſie mitangehört hatte, und der Maat konnte nicht länger zweifeln, daß der Letztere die Abſicht habe, ſein Schiff dem Feinde zu ver⸗ kaufen. Auch der Unterhaltung zwiſchen ihr und dem Mexikaner vergaß Roſa nicht zu erwähnen. Mulford benützte dieſe Gelegenheit, um auf die Gunſt und das Vertrauen hinzudeuten, deren Hans Tier ſich bei den Frauen erfreute. Er geſtand ſogar, daß er ſich. deßhalb nicht ganz frei von Eiferſucht fühle, ſo wenig Grund man auch haben möchte, einen ſolchen Nebenbuhler zu fürchten. Roſa lachte, wie Mädchen wohl zu lachen pflegen, wenn von ihrer Gewalt über andere Männer die Rede iſt, und ſchüttelte ihre prächtigen Locken, indem ſie erklärte, ſie ſei entſchloſſen, bis zu dem letzten Tage ihrer Reiſe Hans Tier freundlich zuzulächeln. Dann ſetzte ſie, als ſagte ſie mehr, als ſie beabſichtigt habe, mit weiblichem Adel und Zäͤrtlichkeit hinzu: „Wie dem Euch verſproch mehr noch wäh auch nur Hans gibt aber noch niß in dieſer L ſeine Gattin le zugibt.“ Ein ziſche leichter Knall Mulford, der drehte, ſah, d eine Rakete in Harry eit noch nicht err Meilen eine ſah. Er war hinreichend be Signal und d Regierung bei Mulford Swaſh in ih liche Hände fi das Vorderfe worten, welch Ein Git zieren auf de der Brigg, ziers erkenne und ſeine S 241— 243 der Matroſen, lange vertrau⸗ rigg und ihrer rapitänswittwe. Havannah des t dem Schleich⸗ eines ſolchen lten, und Mul⸗ das angebliche geweſen. brächs zwiſchen ſie mitangehört veifeln, daß der Feinde zu ver⸗ ihr und dem nauf die Gunſt Hans Tier ſich ar, daß er ſich ühle, ſo wenig hen Nebenbuhler lachen pflegen, ner die Rede iſt, m ſie erklärte, ſie hrer Reiſe Hans ie, als ſagte ſie lichem Adel und — 257-— „Wie dem auch ſei, Harry, Ihr wißt, wie viel ich Euch verſprochen habe, ehe wir abreiſten, und wie viel mehr noch während unſerer Reiſe; Ihr habt nicht Urſache, auch nur Hans Tier's wegen Euch zu beunruhigen. Es gibt aber noch einen andern Grund, der Euch jeder Beſorg⸗ niß in dieſer Hinſicht überhebt. Hans iſt verheirathet, und ſeine Gattin lebt noch in dieſer Stunde, wie er ſelbſt gern zugibt.“ Ein ziſchendes Praſſeln, ein ſtarkes Licht und ein leichter Knall unterbrachen das lachende Mädchen und Muklford, der ſich raſch wie der Blitz auf der Ferſe um⸗ drehte, ſah, daß nicht weit von den Backen des Schiffes eine Rakete in die Höhe gegangen war. Harry eilte auf die Kampanje zu, hatte dieſe aber noch nicht erreicht, als er in der Entfernung von mehreren Meilen eine andere Rakete hoch in die Luft emporſteigen ſah. Er war mit dem Gehaben an Bord der Kriegsſchiffe hinreichend bekannt, um überzeugt zu ſein, daß dieß ein Signal und die Antwort von Seiten eines im Dienſte der Regierung beſindlichen Schiffes war. Mulford, der es gar nicht ungern ſah, wenn die Swaſh in ihrem Gehaben gehindert wurde, ehe ſie in feind⸗ liche Hände ſiel, oder ehe Roſa ein Leid widerfuhr, erreichte das Vorderkaſtell zeitig genug, um einen Anruf zu beant⸗ worten, welcher ihm in dieſem Augenblicke zu Ohren kam. Ein Gig, von vier Ruderern geführt, mit zwei Offi⸗ zieren auf den Spiegelbänken, war dicht unter den Backen der Brigg, und der Maat konnte faſt die Züge des Offi⸗ ziers erkennen, welcher ihn fragte, ſobald er ſeinen Kopf und ſeine Schultern über den Bekleidungen zeigte⸗ 241— 243. 17 — 258— Mulford ſich nur den Pflichten ſeir prägt, als daß e etwas gegen ſeit zuſtoßen, oder ſollte, zog er es „Welche Schiffe ſind dieß?“ fragte der Fremde, indem er in dem gebieteriſchen Tone eines Mannes redete, der ſeines Dienſtes wartete, ohne daß er jedoch ſeine Stimme über den gewöhnlichen Geſprächston erhoben hätte. „Ein amerikaniſches und ein ſpaniſches,“ lautete die Antwort.„Die Brigg iſt amerikaniſch, der Schoner an 4. ihrer Seite ſpaniſch; ein Orkan hat vor ſechs und dreißig Leitung geſchähe Stunden den letztern in den Grund geſenkt, und wir haben„Nnit di⸗ uns ſeit die Bö, welche dem Orkan folgte, zu blaſen auf⸗ ſord, ſagte Si hörte, aus allen Kräften bemüht, ihn wieder zu heben.“ ii Oſten die er „Ah, ah,— verhält ſich die Sache ſo? Ich wußte die ganze Man dort uns entlan nicht, warum ihr ſo vertraulich neben einander lägt. Iſt Dieſe Frag Jemand an Bord des Schoners verunglückt?... 3 Dinere „Die ganze Mannſchaft, nach vornen und hinten, mit ſeinen d die: Ausnahme des Cargadeurs, welcher zufällig hier an Bord der Der Offtz war. Wir haben dieſen Nachmittag auf den kleinen Inſeln, die Ihr dort drüben ſeht, ſiebzehn Leichen begraben, und zu thun hatte, dieſen Morgen zwei andere in der Nähe des Leuchtthurms. Weiſe, währen Aber was für ein Boot iſt dieß, und woher kommt Ihr zu faſſen: und mit wem wechſelt Ihr Signale?“„Cuer 9 „Das Boot iſt ein Gig,“ antwortete der Fremde feſt Schiſſe des 5 und ernſt,„und gehört zu einem von Oheim Sam's Kreu⸗ eben hereinge zern, der vor dem Riff, eine kleine Strecke nach oſtwärts, Porm abzuſtat Maat hielt, ie hält, und das Signal galt unſerm Capitän. Ich werde Ja, ja jedoch zu Euch an Bord kommen, Herr, wenn es Euch. 19⸗ 4 Zeit, und ich beliebt.“. Bootes in der Mulford ging nach hinten, um den Fremden an der 4 .. wer die Leut Fallreepstreppe zu empfangen, und bemerkte zu ſeiner nicht . 8. Leuten aber geringen Freude, daß Spike bereits auf der Schanze war. Leute, ein ha Wenn das Kriegsſchiff die Brigg wegnahm, konnte 2 Fremde, indem nnes redete, der ch ſeine Stimme en hätte. es,“ lautete die der Schoner an ſechs und dreißig t, und wir haben ,, zu blaſen auf— bieder zu heben.“ ſo? Ich wußte nander lägt. Iſt Et?... und hinten, mit lig hier an Bord en kleinen Inſeln, in begraben, und des Leuchtthurms. oher kommt Ihr e der Fremde feſt heim Sam's Kreu⸗ cke nach oſtwärts, pitän. Ich werde r, wenn es Euch n Fremden an der ekte zu ſeiner nicht der Schanze war. wegnahm, konnte Mulford ſich nur Glück wünſch den Pflichten ſeines B prägt, als daß er es über ſein etwas gegen ſein Schiff zu ſ zuſtoßen, oder wenn ſollte, zog er es vor, Leitung geſchähe, als „Nuft die ganze ford,“ ſagte Spike, a im Oſten die erſten Morgenſtreife die ganze Mannſchaft aufrufen. dort uns entlang?“ Dieſe ſeiner Fallreepstreppe, Frage galt dem Fremden, als er ſie laut werden ließ, en; aber die Beßriffe von erufes hatten ſich ihm zu tief einge⸗ 8 agen. Herz hätte bringen können, Wenn ihm ein Unfall Gerechtigkeit an ihm geübt werden daß dieß eher unter Spike's eigener unter der ſeinigen. Mannſchaft zuſammen, Herr Mul⸗ ls ſie ſich begegneten. der Maat die Mannſchaft aufrief. ,daß er es mit einem neuen Frager Der Offizier ſah zu thun hatte, zu faſſen: „Euer Diener, Schiſſe des Oheims eben hereingekommen, Form abzuſtatten. J Maat hielt, ich würde jetzt an aber nicht mehr als Einer. die Mannſchaft eines „Ja, ja, Zeit, und ich kann nicht zugeben, daß Bootes in der Nacht bei mir an Bord tritt wer die Leute ſind. Leuten aber befehlt, Leute, ein halbes Dutzend von und antwortete in ſeine Weiſe, während er ſeine Hand ausſtreckte, um das Herr, Sam, um Euch n auftauchen, Was für ein Boot hält Ich ſehe dort laßt ſogleich und Spike ſtand auf während r ruhigen, leichten Laufſeil wir gehören zu einem Kriegs⸗ das draußen liegt, und ſind einen Beſuch in aller ch ſagte Jemandem, den ich für Euern Euer Bord kommen.“ Es iſt Kriegs⸗ ,ehe ich weiß⸗ Ihr mögt heraufkommen, Euern in dem Boote zu bleiben. Euch ſtellt ſich an der Fall⸗ 17*¾ Hier, ihr — 260— reepstreppe auf, und hat ein Auge auf die Mannſchaft dieſes fremden Bootes.“ Dieſer Befehl ſchien den ruhigen, beſonnenen Lieute⸗ nant nicht ſehr zu kümmern; er ſtieg an der Seite der Brigg herauf und war alsbald auf dem Deck. Sobald er und Spike einander gegenüberſtanden, fuhren beide ein wenig zurück, als erkannten ſie ſich, und der Lieutenant ſagte: „Ah, ah, ich glaube, jetzt erkenne ich dieſes Schiff. Es iſt die Molly Swaſh von Neu⸗York nach Key⸗Weſt mit Fracht gehend, und ich habe die Ehre, den Capitän Spike wieder zu ſehen.“ Es war Herr Wallace, der zweite Lieutenant der Kriegs⸗ Schluppe, welche die Brigg in der Enge von Mona auf das Korn genommen hatte, und die Veranlaſſung wurde, daß Spike ſich ſüdlich von Jamaica hielt, da er ihr aus⸗ weichen wollte. Dieſes Zuſammentreffen kam dem Capitän und Eigen⸗ thümer der Brigg nichts weniger als gelegen, aber er durfte Gefühle dieſer Art nicht verrathen, Wallace wurde im Gegentheile herzlich bewillkommt, und nicht nur als ein alter Bekannter, ſondern als ein ſehr angenehmer Beſuch empfangen. Wenn man die beiden Männer mit⸗ einander nach hinten hätte gehen ſehen, würde man ſich der Anſicht hingegeben haben, dieſes Zuſammentreffen könne nur die erfreulichſten Folgen für beide Theile haben, ſo ſehr ſchien es das innige Verhältniß gleichgeſinnter alter Bekannten. „Nun, ich freue mich, Euch wieder zu ſehen, Capitän Spike,“ rief Wallace, nachdem man ſich begrüßt hatte, „wär' es auch ¹ Tage geflogen ſe von Mona verla Augen nach Eu zwiſchen San 4 kann mir jedoch uns vorübergeſtr ſicht, Ihr müßt vorbeigeſchwonne zuweilen ſolche. „Nein, wir geweſen, Lieuten iſt mehr, als Seite dort ſage Beſorgniſſe eing „Ihr hätte nördlich von de Wallace ein w von einer Vog haben ſelbſt e Jetzt iſt es ga zu ſein; was l „Alles, bi erinnert Euch, Käufer zu ſucht amerikaniſchen „Ihr hab hier ſcheint m „Ihr müß beſtimmt iſt, ur die Mannſchaft ſonnenen Lieute⸗ n der Seite der eck. Sobald er ähren beide ein der Lieutenant h dieſes Schiff. nach Key⸗Weſt e, den Capitän nant der Kriegs⸗ von Mona auf nlaſſung wurde, da er ihr aus⸗ ſtän und Eigen⸗ legen, aber er Wallace wurde bnicht nur als hr angenehmer n Männer mit⸗ würde man ſich nentreffen könne heile haben, ſo hgeſinnter alter ſehen, Capitän begrüßt hatte, — 261— „wär' es auch nur, um zu erfahren, wohin Ihr an dem Tage geflogen ſeid, an welchem wir Euch in der Meerenge von Mona verlaſſen haben. Wir ſchauten mit allen unſren Augen nach Euch aus, denn wir erwarteten, Ihr werdet zwiſchen San Domingo und Jamaica herabkommen; ich kann mir jedoch nicht denken, daß Ihr in der Nacht an uns vorübergeſtrichen ſeid. Unſer Capitän war der An⸗ ſicht, Ihr müßtet untergetaucht haben, und wie eine Ente vorbeigeſchwonnen ſein. Macht Ihr mit Eurer Brigg zuweilen ſolche Kunſtſtücke?“ „Nein, wir find dieſe ganze Zeit über auf dem Waſſer geweſen, Lieutenant,“ verſetzte Spike zutraulich,„und dieß iſt mehr, als man von dem armen Burſchen an unſrer Seite dort ſagen kann. Die Fichteninſel hat mir ſo viele Beſorgniſſe eingeflößt, daß ich um Jamaica gegangen bin.“ „Ihr hättet von der Fichteninſel abhalten und dennoch nördlich von den Engländern vorüber ſegeln können,“ ſagte Wallace ein wenig trocken.„Die Inſel hat aber etwas von einer Vogelſcheuche, wie ich gern zugebe, und wir haben ſelbſt ein wenig hinſchauen zu müſſen geglaubt. Jetzt iſt es ganz geheuer dort.— Ihr ſcheint aber leicht zu ſein; was habt Ihr mit Eurem Mehle angefangen?“ „Alles, bis auf das letzte Faß, losgeſchlagen. Ihr erinnert Euch, daß ich nach Key⸗Weſt wollte, um dort Käufer zu ſuchen. Nun, ich habe meinen Käufer hier, in amerikaniſchen Gewäſſern, gefunden.“ „Ihr habt Glück gehabt, Herr. Dieſer Stapelplatz hier ſcheint mir eben kein großer zu ſein?“ „Ihr müßt wiſſen, daß das Mehl für die Havannah beſtimmt iſt, und ich glaube, es ſoll an Bord von Sclaven⸗ händlern kommen. von all dem nichts weiß. Wenn ich mein Mehl in amerz kaniſchen Gewäſſern um den doppelten Preis abſetze, kam es mir gleichgiltig ſein, was hernach daraus wird.“ „Gewiß, gewiß, ſofern es nicht in die Hände des Feindes kommt, und Ihr ſeid ein zu warmer Vaterlande⸗ Ihr denkt Euch, Lieutenant, daß ich Freund, als daß Ihr jetzt mit Mexiko Handel treibe möchtet, ich bin deſſen gewiß. Sagt mir doch, iſt jent Mehl mit dem Schiffe verſunken, als der Orkan es auf den Grund warf?“ „Bis auf das letzte Faß; doch Florbt Don Wan ha drunten, das meiſte möchte zu retten ſein, wenn man ei auf einer dieſer kleinen Inſeln landete und trocknete. Gut verpacktes Mehl wird nicht leicht feucht. Ihr ſeht, wit haben einen Theil der Fäſſer auf dem Deck.“ „Und wer iſt dieſer Don Wan, Herr, wenn ich bitten darf? Ihr wißt wohl, daß wir in dieſem Theile der Welt kreuzen, um nach Dons und Donas auszugucken.“ „Don Wan iſt ein Handelsmann von Cuba und befaßt ſich mit dem Aufkauf der mannichfachſten Artikel Ich habe ihn hier innerhalb des Riffs getroffen, wo en ſich, wie er mir ſagte, umhertrieb, weil er hoffte, auf ein Wrack zu ſtoßen und auf dieſe Weiſe gute Geſchäfte zu machen. Als er hörte, ich führe Mehl, willigte er ein, es in dieſem Becken an Bord zu nehmen und mich in Ballaſt abſegeln zu laſſen. Don Wan Montefalderon hat mich baar und ehrlich bezahlt.“ Wallace bat jetzt um nähere Auskunft über den Unfal und lauſchte den Einzelheiten mit der ganzen Theilnahme eines Seemanns. Er ſtellte eine Menge Fragen, welcht ſich alle auf d bezogen, und er die Takeln keit des Seem Der Schre der geſtrigen und Spike l Eimer treten, von jedem Ve ſchiffes fern 3 Jetzt erſ ſtellte den Le Da er den N nannte er ihr Miſtreß ſich zu zeigen ſcherzhaften2 überraſchte, Redefertigkeit entzogen hatt „Capitä Ankerwurf h eines guten Budd war e ſeines edeln „Und e indem er v. Ankerwurfpl „Allerd Rhedereien eieutenant, daß ich in Mehl in amer Preis abſetze, kam araus wird.“ in die Hände der armer Vaterlande⸗ iko Handel treiben mir doch, iſt jene der Orkan es auf aubt Don Wan da ein, wenn man en uind trocknete. Gut gt. Ihr ſeht, wim Deck.“ rr, wenn ich bitten dieſem Theile der us auszugucken.“ n von Cuba un nichfachſten Artikel. s getroffen, wo er l er hoffte, auf ein gute Geſchäfte zu ö!, willigte er ein, men und mich in Montefalderon hat uft über den Unfall ganzen Theilnahme ge Fragen, welcht — 263— ſich alle auf den mehr ſeemänniſchen Theil des Begebniſſes bezogen, und da es jetzt völlig Tag geworden, unterſuchte er die Takeln und Winden der Swaſh mit der Genauig⸗ keit des Seemannes. Der Schoner ſtand nicht tiefer in dem Waſſer, als in der geſtrigen Nacht nach dem Aufbruche der Mannſchaft, und Spike ließ die Leute wieder an die Pumpen und Eimer treten, da er dieß für das ſicherſte Mittel hielt, ſie von jedem Verkehre mit der Bootsmannſchaft des Kriegs⸗ ſchiffes fern zu halten. Jetzt erſchien die Wittwe auf dem Deck und Spike ſtellte den Lieutenant ſeinen Reiſenden von neuem vor. Da er den Namen ſeines neuen Bekannten vergeſſen hatte, nannte er ihn eben kurzweg„Lieutenant.“ Miſtreß Budd war entzückt, eine Gelegenheit zu haben, ſich zu zeigen, und ſiel über den bequemen, leichtfertigen, ſcherzhaften Wallace mit einem Wortſchwall her, der ihn überraſchte, obgleich er bereits früher eine Probe ihrer Redefertigkeit erhalten, und ſich derſelben durch die Flucht entzogen hatte. „Capitän Spike iſt der Anſicht, Lieutenant, unſer Ankerwurf hier ſei vortrefflich, und ich kenne den Werth eines guten Aakerwurfplatzes nur zu gut; mein guter Herr Budd war ein Seefahrer und lehrte mich die ganze Kunſt ſeines edeln Berufes, ſo daß ich ihm kaum nachſtand.“ „Und er hat Euch gelehrt, Ma'am,“ ſagte Wallace, indem er vor Staunen ſeine Augen weit öffnete,„akf Ankerwurfplätze einen großen Werth zu legen?“ „Allerdings that er dieß, Herr. Er pflegte zu ſagen, Rhedereien ſeien nie ſo gut für dieſe Zwecke, als Land, — 264— das Häfen einſchließe, denn auf Rhedereien gingen die Anker heim, wie er ſich ausdrückte.“ „Ja, Ma'am,“ antwortete Wallace, und ſchien ſehr geneigt, der Wittwe in das Geſicht zu lachen, wurde aber andern Sinnes, als er einen Blick auf Roſa warf;„wie ich höre, wußte Herr Budd recht gut, was er wollte, und zog einen Ankerplatz vor, welcher ſicher von Land um⸗ ſchloſſen war, und wo er ſich der Gefahr nicht preisgegeben ſah, daß ſein Anker abtriftig wurde, wie es auf offenen Rheden oft zu geſchehen pflegt.“ „Ja, ja, ſo iſt's gerade. So pflegte er zu ſagen. Du kannſt Dir nicht denken, Roſy, wie entzückend es iſt, ſich mit einem Manne zu unterhalten, der ſolche Dinge gründlich verſteht. Mein guter Herr Budd verabſcheute in der That Rhedereien, die er zu allen Zeiten als wild bezeichnete.“ „Wild, Tantchen?“ fiel Roſa ein, indem ſie hoffte, durch ihr Dazwiſchentreten der Wittwe Einhalt zu thun. „Dieß iſt ein ſeltſamer Ausdruck in Bezug auf einen Ankerplatz.“ „Ganz und gar nicht, junge Dame,“ ſagte Wallace ernſt.„Die Ankerplätze ſind oft ſehr wild, und wilde Ankerplätze unterſcheiden ſich nicht weſentlich von wilden Thieren. Beide ſind gefährlich, wie Ihr Euch wohl denkt.“ „Ich wußte, daß ich recht hatte,“ rief die Wittwe triumphirend.„Wilde Ankerwurfplätze ſind wilde Lager, wie die Lager der wilden Indianer. O, die Seeſprache, wie mein guter, ſeliger Herr Budd es nannte, iſt die Bered⸗ ſamkeit ſelbſt gedämpft wi Wallace wurde aber gelenkt. Der jet tefalderon y indem er ſi Beileid über Nach ei Wallace inz „Unter meine Pflicht nalität Eur ſind, wie I Kriege begri „Ich u Miene und nicht möglie Alles iſt ir kann Euch Euch Vergr wegzunehme Es iſt kaun Mehls ein Walla Blut des 2 er beeilte ſi zu bringen. Er wi ien gingen die und ſchien ſehr en, wurde aber ſa warf;„wie er wollte, und von Land um⸗ ht preisgegeben es auf offenen e er zu ſagen. tzückend es iſt, r ſolche Dinge 8d verabſcheute Beiten als wild ndem ſie hoffte, halt zu thun. ug auf einen ſagte Wallace d, und wilde ch von wilden r Euch wohl ef die Wittwe de Lager, wie leſprache, wie iſt die Bered⸗ — 265— ſamkeit ſelbſt, wenn ſie vom geſunden Menſchenverſtande gedämpft wird.“ Wallace blickte erſtaunt auf, ſeine Aufmerkſamkeit wurde aber in dieſem Augenblicke auf andere Gegenſtände gelenkt. Der jetzt auf dem Deck erſcheinende Don Juan Mon⸗ teſalderon y Caſtro erinnerte ihn an ſeine Pflicht, und indem er ſich dieſem Herrn näherte, drückte er ihm ſein Beileid über den großen Verluſt aus, welchen er erlitten. Nach einem kurzen Austauſche von Höflichkeiten ſpielte Wallace in zarter Weiſe auf den Charakter des Schoners an. „Unter anderen Umſtänden,“ ſagte er,„dürfte es meine Pflicht ſein, mich ein wenig genauer nach der Natio⸗ nalität Eures Schiffes zu erkundigen, Senor, denn wir ſind, wie Ihr wohl wiſſen müßt, mit den Mexikanern im Kriege begriffen.“. „Ich weiß es,“ verſetzte Don Juan mit der ruhigſten Miene und großer Artigkeit;„aber es würde mir jetzt nicht möglich ſein, Euch die gewünſchte Auskunft zu geben. Alles iſt in dem Schoner zu Grunde gegangen, und ich kann Euch nicht ein einziges Papier vorlegen. Wenn es Euch Vergnügen macht, ein Schiff in einer ſolchen Lage wegzunehmen, ſteht es gewiß in Eurer Macht, es zu thun. Es iſt kaum der Mühe werth, wegen einiger Fäſſer naſſen Mehls ein Wort zu verlieren.“ Wallace ſchien jetzt ein wenig beſchämt, da das kalte Blut des Mexikaners ihm Sand in die Augen ſtreute, und er beeilte ſich, das Geſpräch auf einen andern Gegenſtand zu bringen. Er wiederholte ſein Bedauern über den Unfall, welcher — 266— Don Juan getroffen, und dieſer mußte den Hergang der Sache noch einmal berichten, als wenn ſein Zuhörer den größten Antheil an dem Vorfall nähme; der Nationalität des Schiffes aber wurde weiter nicht erwähnt. Der Lieutenant hatte feinen Tact genug, um einzu⸗ ſehen, daß Senor Montefalderon in Bezug auf Charakter und Bildung ein ganz anderer Mann ſei, als Capitän Spike, und er fand es nicht für paſſend, ſich ſeinem neuen Bekannten gegenüber der behaglichen Ironie zu überlaſſen, welche einen weſentlichen Zug ſeines Charakters ausmachte. Er ſprach ſelbſt das Spaniſche ziemlich geläuftg, und Beide begannen nun eine Unterhaltung, die ſich eine Zeit lang ebenſo lebhaft, als in den höflichſten Formen fortſpann. Dieſe Zwieſprache zwiſchen Wallace und dem Mexi⸗ kaner gewährte Spike einige Muße zum Nachdenken. Wie der Tag vorſchritt, näherte ſich der Kreuzer mehr und mehr, und Spike war vor Allem darauf bedacht, ihn genauer in das Auge zu faſſen. Er mochte noch drei Stunden entfernt ſtehen, zog aber bei einer leichten Kühlte mit der Geſchwindigkeit von etwa zwei Knoten in der Stunde anher. Wenn nicht Jemand an ſeinem Bord war, welcher die Irrgänge der Dry Tortugas kannte, hatte Spike kaum zu fürchten, daß das Schiff ihm ſehr nahe treten werde; er begriff aber auch ebenſo gut, daß er bei der Art Geſchütz, welche Kriegs⸗ ſchiffe in der neuern Zeit zu führen pflegten, ſchwerlich geſichert ſein würde, wenn der Kxreuzer ſich ihm auf eine Stunde näherte. So nahe aber konnte Oheims Sam's Schiff allerdings kommen, ohne daß es von dem Riffe gefährdet wurde, und ſo nahe konnte es noch im Laufe dieſes Mort haben ſollt einer ſolche Mittle Schoners f zen wünſch Charakter konnte er e zu werden. zu entgeher anzufeuern eifriger bet Bald auf dem T ten, wurde aus dem gebracht i Boote auf Dieß Schwimm ſchöpfen v waren ni floſſen we und von End an ihr F ſich mit! Geſellſche er ſeine Hergang der Zuhörer den Nationalität „ um einzu⸗ uf Charakter als Capitän ſeinem neuen u überlaſſen, s ausmachte. g, und Beide ne Zeit lang fortſpann. ) dem Mexi⸗ denken. Wie ir mehr und bedacht, ihn ſtehen, zog indigkeit von Wenn nicht Irrgänge der: fürchten, daß eiff aber auch helche Kriegs⸗ n, ſchwerlich ihm auf eine eims Sam’'s n dem Riffe dch im Laufe dieſes Morgens kommen, wenn er, Spike, die Gefälligkeit haben ſollte, ihn zu erwarten. Er beſchloß daher, ſich einer ſolchen Thorheit nicht ſchuldig zu machen. Mittlerweile hatte man die Arbeiten an Bord des Schoners fortgeſetzt. Obgleich Mulford von ganzem Her⸗ zen wünſchte, das Kriegsſchiff möchte von dem wahren Charakter und dem Zwecke der Brigg unterrichtet werden, konnte er es doch nicht über ſich gewinnen, dabei behilflich zu werden. Um der Verſuchung zu einem ſolchen Schritte zu entgehen, ſtrengte er ſich an, die Mannſchaft zur Arbeit anzufeuern, und nie war das Pumpen und Ausſchöpfen eifriger betrieben worden. Bald ſchwamm der Schoner durch ſeine eigene Kraft auf dem Waſſer, und die Takeln, welche zur Swaſh leite⸗ ten, wurden entfernt. Beinahe hundert Fäſſer mehr waren aus dem untern Raume des ſpaniſchen Schiffes herauf⸗ gebracht und auf das Deck der Brigg, oder mittelſt der Boote auf die nächſte Inſel geſchafft worden. Dieß hatte eine weſentliche Veränderung in der Schwimmkraft des Schoners zur Folge, und das Aus⸗ ſchöpfen wurde dadurch bedeutend erleichtert. Die Pumpen waren nie müßig geweſen; aber zwei kleine Waſſerbäche floſſen während der ganzen Zeit auf die Speigaten hin, und von da in die See. Endlich erhielten die Leute Befehl, abzubrechen und an ihr Frühſtück zu gehen. Dieß ſchien Wallace, welcher ſich mit Roſa unterhalten hatte, und eine ſo angenehme Geſellſchaft nur ungern verließ, daran zu erinnern, daß er ſeine Pflicht verſäume. Er rief ſeine Bootsleute heran, — 268— nahm artig Abſchied von den Damen, und ſtieg an der Seite nieder. Das Gig war ſchon eine Strecke von der Swaſh entfernt, als ſich Wallace erhob und Spike rufen ließ, um noch ein Wort mit ihm zu ſprechen. „Ich werde bald wieder kommen,“ ſagte er,„und vierzig bis fünfzig Leute mitbringen, welche mit Euerm Wrack ſchnell fertig werden ſollen. Ich bin überzeugt, daß unſer Befehlshaber in einen ſolchen Schritt willigen und Euch die Mannſchaft von zwei bis drei Booten ſen⸗ den wird.“ „Wenn ich ihm dieß erlaube,“ murmelte Spike in ſich hinein,„ſo werde ich ein armes, elendes Wrack ſein, und damit genug.“ Wallace dagegen drückte er ſeinen herzlichen Dank aus, und bat ihn nur, ſich nicht zu ſehr zu beeilen, da das Schlimmſte nun abgethan ſei, und die Entfernung manchen Ruderſchlag koſten würde. Wenn er gegen Abend anlange, ſei es Zeit genug. Wallace winkte mit der Hand, und das Gig gleitete weg. Spike aber ſetzte ſich auf die Schanddeckel der Schanze, auf welcher er geſtanden, und ſtützte den Kopf in die Hand, ſeinen Gedanken ſich überlaſſend. Als er auf das Deck herabſtieg, war ſein Entſchluß gefaßt, ſein Plan fertig. Sein erſter Schritt war, daß er dem Hochbootsmanne Befehle gab, worauf er in die Kajüte ging und Hans Tier ſofort zu ſich rufen ließ. „Hans,“ begann der Capitän, indem er ohne viele Umſchweife anf ſeinen Zweck losging,„wir ſind alte Schiffsgenoſſen, und ſollten alte Freunde ſein, obgleich Eure Natur ſeit wir zul⸗ war kein M Zuverſicht g ſcheint Ihr Euer Inner Aeußeres.“ „Die 2 Spike,“ an zu, daß ich dieſer Bezie zum letzten riger Mann die Wette i fällig und! „Ich? dreißig Jah Jeden auf, wir dieß, brauche mi heit nicht z von Euch, entledigen, belohnen ge Bei di er von S hatte, in; ſo eifrig ar beitet wurd „Ja, eg an der er Swaſh eufen ließ, er,„und nit Euerm überzeugt, tt willigen ooten ſen⸗ bike in ſich ſein, und hen Dank eeilen, da entfernung gen Abend g gleitete Schanze, die Hand, Entſchluß war, daß er in die ließ. hne viele ſind alte obgleich — 269— Eure Natur ſich einigermaßen geändert zu haben ſcheint, ſeit wir zuletzt mit einander reiſten. Vor zwanzig Jahren war kein Mann in meinem Schiffe, auf den ich mit mehr Zuverſicht gebaut hätte, als auf Hans Tier; jetzt aber ſcheint Ihr ganz in den Händen der Frauen zu ſein. Euer Inneres hat ſich mehr noch verändert, als Euer Aeußeres.“ „Die Zeit bewirkt dergleichen bei uns Allen, Capitän Spike,“ antwortete Hans Tier ruhig.„Ich gebe gern zu, daß ich nicht bin, was ich zu ſein pflegte; und in dieſer Beziehung ergeht es Euch ebenſo. Als ich Euch zum letzten Male ſah, waret Ihr ein ſchöner, vierzigjäh⸗ riger Mann, und konntet mit dem Jüngſten an Bord um die Wette in die Höhe gehen; jetzt aber ſeid Ihr ſchwer⸗ fällig und beinahe abgeſtumpft.“ „Ich? Ihr irrt Euch, Hans; ich habe mich ſeit dreißig Jahren nicht um ein Haar geändert, und fordere Jeden auf, mir das Gegentheil zu beweiſen. Doch laſſen wir dieß, Ihr ſeid kein junges Mädchen, Hans, und ich brauche mich daher bei Euch meiner Jugend und Geſund⸗ heit nicht zu rühmen. Ich fordere einen wirklichen Dienſt von Euch, und Ihr ſollt Euch deſſen in der alten Weiſe entledigen, ſowie ich ihn auch in der alten Weiſe zu belohnen gedenke.“ Bei dieſen Worten legte er eine der Dublonen, welche er von Seüor Montefalderon für das Pulver erhalten hatte, in Tier's Hand. Die Dublonen, um derentwillen ſo eifrig an den Pumpen und mit den Schöpfeimern gear⸗ beitet wurde, waren noch unter den Gewäſſern des Golfs. „Ja, ja, Herr,“ erwiederte Hans Tier, indem er — 270— lächelte und das Goldſtück mit einem ſchlauen Blick und blinzelndem Auge einſteckte,„das läßt ſich ſo ziemlich wie ehedem an. Ich fange jetzt an, Capitän Spike, meinen ehemaligen Befehlshaber wieder zu erkennen, und ſehe, daß er ſich nicht ſo ſehr geändert hat, als ich bisher glaubte. Was ſoll ich für dieſes Goldſtück thun? Sagt es gerade heraus, damit ich den rechten Curs ſteuere.“ „O, nur eine Kleinigkeit, Hans, gar nichts, das Euch den Hauptpoſten Eures Witzes entzweiſchlagen wird. Ihr ſeht, wie es mit der Brigg ſteht, und daß ſie kein Aufent⸗ halt für Frauen iſt.“ „Das Beſte wäre wohl geweſen, ſie wären nie an Bord gekommen,“ erwiederte Tier mit düſterm Blicke. Dieſe Worte überraſchten den Capitän; allein er war zu ſehr auf ſein Vorhaben erpicht, als daß er Kleinigkeiten beachtet hätte. „Ihr wißt, was für eine Art Mehl man aus dem Schoner hißt, und werdet einſehen, daß das Deck bald über und über belemmert ſein wird. Ich habe die Abſicht nicht, auch nur ein einziges Faß in den untern Raum bringen zu laſſen; das Deck und die Inſel müſſen Alles aufnehmen. Die natürliche Folge, wäre, daß die Frauen ſich in der Kajüte halten müßten, und einer ſolchen Ge⸗ fangenſchaft möchte ich ſie überheben; ich habe daher dem Hochbootsmann befohlen, ihnen auf der größten diefer Inſeln ein Zelt aufzuſchlagen, und an Euch richte ich die Bitte, für Nahrungsmittel und Waſſer, und was die Frauen ſonſt an Kleinigkeiten brauchen, Sorge zu tragen, mit ihnen an das Land zu gehen, und auf ihre Bequem⸗ lichkeit zu achten, bis wir dieſen Schoner geladen und hinausgebrach bracht ſein ka Hans Ti ihm in die T folgte, währ meiſters ernſt plötzlich; er Fallen mit d liches:„Ja, hören. Damit zu Ende, ur Vorbereitung Budd, Roſa zutheilen. Die Wi zweifelhaft n aber nahm die Beengun geworden. wendungen! Antrag eben Hinſich erklärt, daß denn ſie zw dort noch n Buddy der etwas d er werde de „Seid n Blick und ziemlich wie ike, meinen nd ſehe, daß her glaubte. gt es gerade s, das Euch wird. Ihr kein Aufent⸗ iren nie an Blicke. llein er war Kleinigkeiten an aus dem s Deck bald e die Abſicht ntern Raum müſſen Alles die Frauen ſolchen Ge⸗ de daher dem ößten diefer richte ich die nd was die ge zu tragen, hre Bequem⸗ geladen und — 271— hinausgebracht haben, was in zwei bis drei Tagen voll⸗ bracht ſein kann.“ Hans Tier blickte ſeinen Capitän an, als wollte er ihm in die Tiefe ſeiner Seele ſchauen. Eine kurze Pauſe folgte, während welcher der Stellvertreter des Proviant⸗ meiſters ernſt nachſann; dann erheiterte ſich ſein Geſicht plötzlich; er gab der Dublone einen Schnalz, fing ſie beim Fallen mit der flachen Hand auf, und ließ ſein gewöhn⸗ liches:„Ja, ja, Herr!“ mit unverkennbarer Heiterkeit hören. Damit war die Unterhaltung dieſer zwei Seemänner zu Ende, und ſie trennten ſich. Hans beeilte ſich, ſeine Vorbereitungen zu treffen, und Spike begab ſich zu Miſtreß Budd, Roſa und Biddy, um ihnen ſeinen Entſchluß mit⸗ zutheilen. Die Wittwe hörte ihn freundlich an, obgleich ſie halb zweifelhaft war, ob ſie ſich fügen, oder bleiben ſollte; Roſa aber nahm den Vorſchlag mit großer Freude auf,— denn die Beengung des Schiffslebens war ihr allmählich zuwider geworden. Die Hauptſchwierigkeit beſtand darin, die Ein⸗ wendungen der Tante zu beſeitigen, denn Biddy ſchien der Antrag ebenſo zu behagen, wie„Miß Roſy.“ Hinſichtlich des Leuchtthurms hatte Miſtreß Budd erklärt, daß Nichts ſie bewegen werde, dahin zu gehen, denn ſie zweifle nicht, daß der Ort, wenn es auch jetzt dort noch nicht ſpuke, bald nicht mehr geheuer ſein werde. Buddy beſtärkte ſie in dieſem Glauben, und Spike, der etwas dieſer Art geahnt haben mochte, bemerkte jetzt, er werde den Frauen ein Zelt aufſchlagen laſſen. „Seid Ihr auch gewiß, Capitän Spike, daß es keine — 272— öde Inſel iſt?“ fragte die Wittwe;— ich erinnere mich, daß mein guter Herr Budd von öden Inſeln ſtets als ſchrecklichen Orten ſprach, die man nicht genug vermeiden könne.“ „Was thut es, Tantchen?“ ſagte Roſa eifrig,— „wir haben ja die Brigg ſtets in unſerer Nähe. Wir werden, ſolange unſere Freunde für uns ſorgen, alles das reichlich haben, was man auf öden Inſeln zu entbehren pflegt.“. „Und welche Freunde, Miß Rofa!“ rief Spike in einem Tone, der faſt empfindſam klang;—„Freunde, die ſelbſt Hunger und Durſt leiden würden, ehe ſie zugäben, daß Ihr irgend einer Bequemlichkeit entbehrt.“ „Willigt ein, Madame Budd,“ ſagte Biddy in ihrer herzlichen Weiſe.—„Ihr ſeht, es iſt eine Inſel, und das alte Irland, das Gott ſegnen möge, iſt ja nie etwas anderes geweſen. Inſeln ſind der angenehmſte Aufent⸗ haltsort.“ „Nun, ich will es wagen, dir und Biddy zu Gefallen, liebe Roſy,“ verſetzte die Tante noch immer nicht ohne inneres Widerſtreben;— aber ich muß Euch im Voraus ſagen, daß ich nicht Eine Nacht dort bleibe, wenn ich ſehe, daß es eine öde Inſel iſt.“ In Folge dieſer Uebereinkunft wurde die Geſellſchaft an das Land geſetzt. Der Hochbootsmann hatte bereits an einer paſſenden Stelle eine Art Zelt aufgeſchlagen, und benutzte die alten Segel, welche die Mehlfäſſer bedeckt hatten, nicht nur zum Beſchlag der Wände, ſondern auch zu einem Teppich von ziemlicher Ausdehnung. Das Zelt war nicht ohne Geſchick aufgeſtellt worden. Außer dem kle eine Art Vorp vor der Sonne genoß. Man vier Schiffsſtü der übrigen 2 Boot mehrere bald keine Oet des CSapitäns und als tüchtt ſeiner Mittel tragen konnte, waren. Die Man alle dieſe Eir Bootsmann ſi „Nun, „ich wüßte n Dieſe Inſel! das einen M ich möchte der Nach de Behaglichkeit ihm in ihrer Mühe, ſelbſt der faſt eine Nach wenigen fort, und die drei Frauen Roſa w 241— 243 erinnere mich, ſeln ſtets als iug vermeiden bſa eifrig,— Nähe. Wir gen, alles das zu entbehren rief Spike in „Freunde, die e ſie zugäben, 1.⸗ Ziddy in ihrer Inſel, und das ja nie etwas ihmſte Aufent⸗ dy zu Gefallen, ner nicht ohne ch im Voraus ibe, wenn ich jie Geſellſchaft atte bereits an eſchlagen, und hlfäſſer bedeckt ſondern auch g. eſtellt worden. — 273— Außer dem kleinen, ganz umſchloſſenen Gemache hatte es eine Art Vorplatz,— eine offene Veranda, wo man ſich vor der Sonne ſchützen konnte und doch der freien Luft genoß. Man hatte ein Faß mit Waſſer und drei oder vier Schiffsſtühle hierher gebracht, und zur Herbeiſchaffung der übrigen Bedürfniſſe und Bequemlichkeiten ging das Boot mehrere Mal hin und her, ſo daß die„öde Inſel“ bald keine Oede mehr war. Hans Tier hatte die Befehle des Capitäns in ihrem ansgedehnteſten Sinne genommen, und als tüchtiger Proviantmeiſter nichts in dem Bereiche ſeiner Mittel uͤberſehen, was zur Behaglichkeit derer bei⸗ tragen konnte, welche ſeiner beſonderen Sorgfalt anvertraut waren.. Die Mannſchaft ſaß noch bei ihrem Mittagseſſen, als alle dieſe Einrichtungen getroffen waren, und der Hoch⸗ Bootsmann ſich anſchickte, Abſchied zu nehmen. „Nun, Frauen,“ ſagte dieſer grämliche alte Salzer, „ich wüßte nicht, was ich mehr für Euch thun könnte. Dieſe Inſel hier iſt jetzt faſt ſo behaglich wie ein Schiff, das einen Monat auf dem blauen Waſſer ſchwamm, und ich möchte den ſehen, der ſie behaglicher machen könnte.“ Nach den Anſichten, welche der Hochbootsmann von Behaglichkeit hatte, war dieß ganz richtig, und Roſa dankte ihm in ihrer einnehmenden Weiſe für ſeine Sorgfalt und Mühe, ſelbſt ihre Tante gab zu, daß ſich für einen Ort, der faſt eine öde Inſel ſei, Alles ganz gut ausnehme. Nach wenigen Minuten waren die Leute aus dem Boote fort, und die Inſel blieb nun in dem alleinigen Beſitze der drei Frauen und ihres treuen Gefährten, Hans Tier's. Roſa war über die Neuheit ihrer Lage entzückt, ſo 241— 243.. 18 — 274— ſehr die kleine Inſel auch den Namen einer„öden Inſel“ verdienen mochte. Schatten war nirgends zu finden, als unter dem Zelte und ſeiner verandaähnlichen Vordecke, die jedoch ziemlich geräumig war. Waſſer war keines da, das in dem Faſſe und das des Meeres ausgenommen. Die Vegetation war ziemlich ärmlich, und beſtand nur aus langem, drahtähnlichem Graſe und da und dort zerſtreutem, verkümmertem Buſchwerk. Der Sand war jedoch ziemlich feſt, beſonders um den Strand, und ein Spaziergang war nichts weniger als unangenehm. Roſa ahnte nicht, daß dieſe Inſel einige Tage früher ein unerträglicher Aufent⸗ halt geweſen wäre, da es hier von Moskitos, Stechfliegen und andern ähnlichen Inſekten dieſer Quälerfamilie gewim⸗ melt hatte; mit den Strömungen des Orkans war aber Alles dieß für den Angenblick verſchwunden. Wir müſſen Spike Gerechtigkeit widerfahren laſſen, und bemerken, daß er dieſen Umſtand kannte, ſonſt hätte er gewiß Anſtand genommen, Frauen den gewöhnlichen Beläſtigungen eines ſolchen Ortes bloßzuſtellen. Nicht ein Moskito oder ähn⸗ licher Peiniger war jetzt hier, ſie waren aber mit dem Wirbel, welcher den Schoner des Mexikaners beinahe ver⸗ nichtet hätte, leewärts gegangen. „Dieſe Inſel iſt für einige Tage ganz erträglich, Tantchen,“ ſagte Roſa heiter, als ſie von einem kleinen Ausfluge zurückkehrte, und ihren Hut zur Seite warf, der ihr Antlitz gegen die Sonne eines heißen Klimas ſchützte, während er die Seeluft, die eben jetzt zu wehen begann, ihre blühenden, ſonnigen Wangen fächeln ließ.„Sie iſt beſſer, als die Brigg. Das ſchlechteſte Stückchen Land iſt beſſer, als die Brigg.“ „Sage di Inſel iſt, und mir faſt leid, „Wir wer wir eine gute ſollten wir nie ſuchen, und i wenigſtens ſeig Nähe aß die 4 reiſen? Eure übrig, wie es verſichere ich C fühle, wie ich „Das kor daß ſie Dich daß Du dieß Morgen von Beide darin vorige Roſa nichts gegen ſchiffe, Brigge guter Herr B verſalheilmitte beunruhigen b die See zu ſe Die gute Augenblicke f gen. Dieſe 2 fühle der Unn entringenden er„öden Inſel“ zu finden, als den Vordecke, die r keines da, das genommen. Die deſtand nur aus dort zerſtreutem, r jedoch ziemlich Spaziergang war uhnte nicht, daß räglicher Aufent⸗ tos, Stechfliegen erfamilie gewim⸗ rkans war aber n. Wir müſſen d bemerken, daß gewiß Anſtand läſtigungen eines oskito oder ähn⸗ naber mit dem ers beinahe ver⸗ ganz erträglich, on einem kleinen Seite warf, der Klimas ſchützte, wehen begann, ließ.„Sie iſt tückchen Land iſt — 275— „Sage dieß nicht, liebe Roſy, ſofern ſie eine öde Inſel iſt, und ſie gleicht einer ſolchen verzweifelt; es thut mir faſt leid, daß ich mich hierher wagte.“ „Wir werden ſie nicht mehr verlaſſen, Tantchen, bis wir eine gute Gelegenheit finden, dieß zu thun. Warum ſollten wir nicht an Bord jenes Kriegsſchiffes zu kommen ſuchen, und in ihm nach Neu⸗York zurückkehren, oder wenigſtens ſeinen Capitän bitten, uns irgendwo in der Nähe aa die Küſte zu bringen, und zu Land nach Hauſe reiſen? Eure Geſundheit läßt jetzt nichts zu wünſchen übrig, wie es ſcheint, und was die meinige betrifft, ſo verſichere ich Euch, liebe Tante, daß ich mich jetzt ſo wohl fühle, wie ich es je in meinem Leben geweſen bin.“ „Das kommt Alles von dieſer Seereiſe. Ich wußte, daß ſie Dich herſtellen würde, und höre mit Vergnügen, daß Du dieß beſtätigſt. Biddy und ich haben noch dieſen Morgen von Dir geſprochen, mein Kind, und ſtimmen Beide darin überein, daß Du wieder vollkommen die vorige Roſa geworden ſeiſt. O, ich ſage ſtets, es gibt nichts gegen Schwindſucht und Auszehrung, als Kriegs⸗ ſchiffe, Briggs, Schoner und Voll⸗ und Halbtakler! Mein guter Herr Budd behauptete ſtets, das Meer ſei ein Uni⸗ verſalheilmittel, und ſobald dein Uebelbefinden mich zu beunruhigen begann, war ich auch entſchloſſen, Dich auf die See zu ſchicken.“ Die gute Wittwe liebte Roſa zärtlich, und in dieſem Augenblicke floſſen ihr die hellen Thränen über die Wan⸗ gen. Dieſe Thränen entquollen zumal dem früheren Ge⸗ fühle der Unruhe und Beſorgniß, und dem ſich ihr jetzt entringenden Gefühle der Dankbarkeit. 13* — 276— Roſa ſah dieſe ſprechenden Beweiſe ihrer Zärtlichkeit, und ſetzte ſich, tief gerührt, wie ſie es bei ähnlichen Gele⸗ genheiten immer war, neben ihre Tante. In dieſem Au⸗ genblicke würde ſelbſt Harry Mulford in ihrem Herzen bedeutend verloren haben, hätte er über die Seefahrtsmiß⸗ griffe und Abgeſchmacktheiten der Wittwe auch nur gelä⸗ chelt. In ſolchen Stunden ſchien Roſa die Führerin und Beſchützerin ihrer Tante zu ſein, während das umgekehrte Verhältniß hätte ſtattfinden ſollen, und ſie vergaß der vielen Gründe völlig, welche ihr den Wunſch naturlich einflößen mußten, ſie möchte von Kindheit auf in die Hände einer Erzieherin gekommen ſein, welche zur Erfül⸗ lung ihrer Pflichten geeigneter geweſen wäre, als die wohlmeinende Wittwe ihres Oheims. „Ich dank' Euch, Tantchen! Ich dank' Euch, liebes Tantchen!“ ſagte Roſa, und küßte die Wittwe zärtlich. „Ich weiß, daß Ihr nur mein Beſtes wollt und Euch nur ein wenig geirrt habt, indem Ihr mich für unwohl hieltet. Ich verſichere Euch, Tantchen,“— dabei klopfte ſie die Wangen der Wittwe, als wäre dieſe ſelbſt nur ein ſcherz⸗ haftes Kind,—„ich habe mich nie beſſer befunden, und wenn ich die Schwindſucht jemals gehabt habe, ſo bin ich jetzt vollkommen geheilt und bereit, ſofort nach Haus zurückzukehren.“ „Dafür ſei Gott gedankt, Roſy. Neben ſeinem göttlichen Beiſtande iſt der See Alles zuzuſchreiben. Wenn Du Dich jedoch in der That ſo wohl befindeſt, will ich Dich keinen Augenblick länger, als es nothwendig iſt, an Bord eines Schiffes laſſen. Wir ſind Capitän Spite für ſeine Sorgfalt Dank ſchuldig, und dürfen ihn nicht ſo ohne Weiteres verla einen Hafen eir und wir könn müßte denn ſel „Dieſe B ihrer einmal.l los zu bleiben. der mir ganz! „Dieß ko gewöhnt biſt. heiten, wie a ſie kennen lerr Roſa neit ſo tief, daß n den Wangen „Harry iſt doch mit 4 „Nun, vorhanden iſt von Tag zu Ende Capitä „Niemal „Man. Oheim nie war, denn ie zählte; aber linge gezeigt mit zwanzig er ſprach, n zwei. Wir rer Zärtlichkeit, ähnlichen Gele⸗ In dieſem Au⸗ n ihrem Herzen e Seefahrtsmiß⸗ auch nur gelä⸗ ie Führerin und das umgekehrte ſie vergaß der gunſch naturlich hheit auf in die elche zur Erfül⸗ wäre, als die nk' Euch, liebes Wittwe zärtlich. lt und Euch nur runwohl hieltet. ei klopfte ſie die t nur ein ſcherz⸗ r befunden, und t habe, ſo bin ofort nach Haus Neben ſeinem aſchreiben. Wenn efindeſt, will ich othwendig iſt, an apitän Spite für ihn nicht ſo ohne — 277— Weiteres verlaſſen, ſobald es ihm aber möglich iſt, in einen Hafen einzulaufen, werde ich ihn bitten, dieß zu thun, und wir können dann zu Land zurückkehren, die Brigg müßte denn ſelbſt ihre Rückreiſe antreten.“ „Dieſe Brigg gefällt mir nicht, Tantchen, und da wir ihrer einmal los ſind, wünſche ich auch, ihrer für immer los zu bleiben. Ebenſo wenig gefällt mir Capitän Spike, der mir ganz und gar kein angenehmer Herr zu ſein ſcheint.“ „Dieß kommt daher, weil Du nicht an die See gewöhnt biſt. Mein guter Herr Budd hatte ſeine Eigen⸗ heiten, wie alle dieſe Leute; man braucht Zeit, bis man ſie kennen lernt. Alle Seeleute ſind ſo.“ Roſa neigte unwillkürlich ihr ſchönes Geſichtchen, aber ſo tief, daß man die ſteigende Röthe ihrer ohnehin blühen⸗ den Wangen nicht gewahren konnte, indem ſie antwortete: „Harry Mulford iſt nicht ſo, liebes Tantchen, nnd er iſt doch mit Leib und Seele Seemann!“ „Nun, nun, Kind, ich geb' es zu, daß ein Unterſchied vorhanden iſt, obgleich ich Dir ſagen muß, Harry wird von Tag zu Tag den Uebrigen ähnlicher werden, und am Ende Capitän Spike gleichen.“ „Niemals!“ ſagte Roſa feſt. „Man kann dieß nicht wiſſen, Roſy. Ich habe Deinen Oheim nie geſehen, als er in Harry Mulford's Jahren war, denn ich war noch nicht geboren, als er dreißig Jahre zählte; aber er hat mir hundertmal ſchlanke, hübſche Jüng⸗ linge gezeigt und geſagt:„gerade ſo ein Burſche war ich mit zwanzig Jahren,“ obgleich in dem Augenblicke, wo er ſprach, nichts unähnlicher hätte ſein können, als dieſe zwei. Wir ändern uns Alle mit den Jahren. Ja, ich war — 278— einſt ſo ſchlank und faſt— nicht ganz, Roſy, denn es gibt wenige, die dieß ſind,— aber faſt ſo ſchön, wie Du.“ „Ja, Tante, ich habe dieß ſchon oft gehört,“ ſagte Roſa, indem ſie aufſprang, um das Geſpräch auf einen andern Gegenſtand zu lenken;„aber Harry Mulford wird nie dem Capitän Spike ähnlich werden. Ich wollte, wir hätten dieſen Mann nie kennen gelernt, liebſtes Tantchen.“ „Du warſt ganz allein daran Schuld, Kind. Er iſt ein Verwandter Deiner vertrauteſten Freundin, und dieſe führte ihn in dem Hauſe ein, und man konnte Mary Mul⸗ ford nicht beleidigen, und ihr ſagen, ihr Vetter ſei uns unangenehm.“ Roſa ſchien verſtimmt, und ihr kleiner Fuß trommelte auf dem Segeltuche, welches die Stelle des Teppichs ver⸗ trat, wie Kinder wohl zu thun pflegen, wenn ſie nicht guter Laune ſind. Dieſe Unbehaglichkeit ſchwand jedoch ſchnell, und ihr Antlitz wurde ſo mild und ruhig, wie der klare, blaue Himmel, welcher ſich über ihren Häuptern wölbte. Wie zur Sühne für die vorübergehende Aufwal⸗ lung ihrer Gefühle warf ſie ſich um ihrer Tante Hals, worauf ſie hinab an das Geſtade ging, und über ihre jetzige Lage und die beſten Mittel nachſann, welche ſie aus Spike's Gewalt befreien könnten. Man muß mit dem Leben in Schiffen und zur See ſehr vertrant ſein, wenn man an Bord eines Schiffes ſein Thun und Denken gerade ſo fortſetzen will, wie man am Lande gethan hat. Roſa hatte dieſe Beſchränkung in den letzten vier Wochen gefühlt, denn ſie war in dieſer ganzen Zeit kaum im Stande, ſich in ihrem wahren Charakter zu zeigen; ihre körperlichen und geiſtigen Kräfte wurde in jener Art? Getöſe, all de Meer zumal be ſie wieder auf Inſelchen war, Muße und Eir und einen Ent Sie wußt und daß es f Bord eines ſol wie die Offtzie konnten kaum und jeder Sch ſie in die Ger ſich, mit ihren Wir überlaſſer Spaziergang Nachdenken ül und Seeleuter Eine gut hereingekomme wärts von d der Grund, w fernung zwiſe ein raſcher§ Seite der B und die Ver gehindert hät Die Krit augenfällig d Roſy, denn es ſchön, wie Du.“ gehört,“ ſagte räch auf einen Mulford wird zch wollte, wir ſtes Tantchen.“ Kind. Er iſt ddin, und dieſe nte Mary Mul⸗ Vetter ſei uns Fuß trommelte s Teppichs ver⸗ wenn ſie nicht ſchwand jedoch ruhig, wie der ihren Häuptern gehende Aufwal⸗ er Tante Hals, und über ihre , welche ſie aus n und zur See tes Schiffes ſein , wie man am ränkung in den in dieſer ganzen ahren Charakter Kräfte wurde — 279— in jener Art Wirbel mit fortgeriſſen, welcher durch das Getöſe, all das Neue und die Scenen, die Schiff und Meer zumal botene hervorgebracht wurde. Jetzt aber war ſie wieder auf feſtem Boden, ſo klein und nackt auch das Inſelchen war, das ihre jetzige Welt abgab, und ſie fand Muße und Einſamkeit, um ſich zu ſammeln, nachzudenken und einen Entſchluß zu faſſen. Sie wußte recht gut, wie es mit Kriegsſchiffen war, und daß es für Frauen nicht paßte, ohne Beſchützer an Bord eines ſolchen zu treten. Männer von Bildung aber, wie die Offiziere des Schiffes, das ſich in der Ferne zeigte, konnten kaum der edeln Gefühle ihres Standes baar ſein, und jeder Schritt ſchien ihr zweckmäßiger, als der, welcher ſie in die Gewalt Spike's zurückführte. Sie beſchloß bei ſich, mit ihrem Willen nicht mehr in die Brigg zu treten.* Wir überlaſſen jedoch dieſes junge Weſen ihrem einſamen Spaziergang auf dem Sande des Inſelchens und ihrem Nachdenken über die erwähnten Fragen, um zu den Schiffen und Seeleuten zurückzukehren. Eine gute Kühlte war von dem Golf über das Riff hereingekommen, und warf die Kriegsſchluppe ganz lee⸗ wärts von dem Ankerplatze der Brigantine. Dieß war der Grund, warum jene ſo langſam näher zog. Die Ent⸗ fernung zwiſchen den Schiffen war jedoch ſo gering, daß ein raſcher Kreuzer, wie das Kriegsſchiff, bald an der Seite der Brigg hätte ſtehen können, wenn die Inſeln und die Verſchlingungen der Einfahrtskanäle dieß nicht gehindert hätten. Die Kriegsſchluppe war jedoch im Gange, und ſchien augenfällig geneigt, der Gefahr ſo nahe zu treten, als ihr — 280— Lothblei dieß geſtattete, wenn ſie auch nicht in das Becken ſelbſt einlaufen konnte. Spike beachtete alle dieſe Bewegungen, und nahm demzufolge ſeine Maßregeln. Das Pymden und Aus⸗ ſchöpfen war ſeit der erſten Morgenſtunde fortgeſetzt und das Mehl zum größten Theil aus dem inneren Raume des Schoners heraufgeſchafft worden.„Heeſes Schiff hatte dadurch hinreichende Schwimmkraft ephalten, und man brauchte nicht mehr wegen ſeines Sinkens beſorgt zu ſein. Demungeachtet war noch viel Waſſer in ſeinem untern Raum, und die Kajüte ſelbſt blieb bis zur Hälfte gefüllt. Spike's Abſicht war, das Waſſer ſo weit zu beſeitigen, daß er in den Verſchlag, welchen Senor Montefalderon iinnegehabt hatte, hinabgehen und die Dubkonen wegbrin⸗ ggen konnte, welche ihn allein in der Nähe eines ſo bedenk⸗ lichen Nachbars, wie der Poughkeegſie war, gefeſſelt hat⸗ ten. Für den, welcher mit den durchfahrten des Riffes und der Inſeln bekannt war, konnte bas Entrinnen nicht. ſchwierig ſein, beſonders ſeitdem der Wind den Kreuzer ſo glücklich nach leewärts geworfen hatte. Spike beſorgte vor Allem, die Boote möchten einen Angriff gegen ihn machen, und in einem ſolchen Falle war er feſt entſchloſſen, ſeine Zuflucht zu ſeinen Kanonen zu nehmen, und den Feind mit Gewalt fern zu halten. Nur die Ungewißheit, ob Mulford in einen offenen Widerſtand gegen die geſetz⸗ lichen Behörden des Landes willigen würde, und einige Zweifel ähnlicher Art in Betreff einiger ſeiner beſten Ma⸗ troſen machten ihn ſchwankend, ob er einen ſolchen Schritt wagen dürfe. Da jedoch keine Boote von dem Kreuzer in das Waſſer gelaſſen wurde regel nicht nöt den Schoner von der Inſel Befehl, an de deren nan, w gelaſſen hatte. behilflih werd hatten ſie Brig und ſcwamm an ſeinr Seit Diß war nachflitgem T Kriegsſhluppe Becken, da de war, hr. Vo ſah, dMei daher, den H Kajüte des d hebar. Der Hoch tefaderon wi Anſeiſungen, die Holdſäcke von wie wen ſtiet, wenn hahr für zwe als ſie in h zu legen. 2 gingen Spike in das Becken , und nahm en und Aus⸗ fortgeſetzt und nneren Raume es Schiff hatte en, und man beſorgt zu ſein. ſeinem untern Hälfte gefüllt. t zu beſeitigen, Montefalderon plonen wegbrin⸗ eines ſo bedenk⸗ ,„ gefeſſelt hat⸗ rten des Riffes Entrinnen nicht den Kreuzer ſo Spike beſorgte griff gegen ihn feſt entſchloſſen, men, und den ie Ungewißheit, egen die geſetz⸗ dde, und einige iner beſten Ma⸗ ſolchen Schritt r in das Waſſer — 281— gelaſſen wurden, zeigte ſich auch eine ſo verzweifelte Maß⸗ regel nicht nöthig, und man fuhr ohne Unterbrechung fort, den Schoner zu erleichtern. Sobald der Hochbootsmann von der Inſel zurückkam, erhielt er und ſeine Mannſchaft Befehl, an das Werk zu gehen und die Anker zu lichten, deren nan, wie früher angedeutet, mehrere in den Grund gelaſſen hatte. Selbſt Mulford mußte bei dieſem Dienſte behilflih werden, und dieſe thätigen, erfahrnen Seeleute hatten ſie Brigg bald reiſefertig. Der Schoner lag vor Anker und ſchwamm ohne fremde Beihilfe, während die Swaſh an ſeinr Seite trieb. Diß war der Stand der Dinge, als die Mannſchaft aaß Mittagseſſen wieder auf das Deck kam. Die Kriegsſhluppe ſtand jetzt auf eine halbe Stunde von dem Becken, da der Andrang der Strömung, die ihr entgegen war, hr Vorſchreiten weſentlich gehemmt hatte. Spike ſah, dſeine Lage ſtets bedrohlicher wurde; er beſchloß daher, den Hochbvotsmann mit ſich zu nehmen und in die Kajüte des Schoners niederzuſteigen, um den Schatz zu heben. Der Hochbootsmann wurde gerufen, und Señior Mon⸗ tefaderon wiederholte in Gegenwart dieſes Mannes die Anſeiſungen, welche er für nöthig hielt, wann jene Beiden die Holdſäcke finden ſollten. Dieſer Herr wußte ſehr gut, von wie wenig Belang Schlöſſer an Bord eines Schiffes ſtiet, wenn die Leute ihn berauben wollten, er hatte es hahgr für zweckmäßiger gehalten, ſeine Schätze zu verbergen, als ſie in herkömmlicher Weiſe hinter Schloß und Riegel zu legen. Nachdem er die nöthige Auskunft gegeben, gingen Spike und der Hochbootsmann an Bord des Scho⸗ ———— — 282— ners, umkleideten ſich und ſchickten ſich an, in die Kajüte hinabzuſteigen. 4 Der Capitän blieb einen Augenblick ſtehen, um die Kriegsſchluppe und den Stand des Wetters in's Aage zu faſſen. Ohne Zweifel hatte dieſer Ausguck einen neuen Gedanken in ihm rege gemacht, denn er rief Mulford und befahl ihm, die Segel loszubinden, die Schoten anuholen und das Vormarsſegel aufzuhiſſen,— kurz, Ales zur Abfahrt bereit zu halten, und auf den erſten Wnk die Brigg in Bewegung zu ſetzen. Nachdem er dieſen Befehl gegeben hatte, verchwand er in der Kajütentreppe des Schoners. Spike und ſein Gefährte fanden das Waſſ„ der Kajüte viel tiefer, als ſie geglaubt hatten. Dei Boden der Kajüte war, größerer Bequemlichkeit wegen, vil tiefer gelegt worden, als man dieß auf amerikaniſchen) Schiffen zu thun pflegt, und ſo kam es, daß das Waſſer dei beiden Männern, die kaum von mittlerem Wuchſe waren, tis an die Achſelgruben ging. Der Capitän murmelte Allerei in ſich hinein, als er dieſen Umſtand gewahrte, und ſggte, der Maat ſcheine der geeignetere Mann, in einem ſochen Raume etwas dieſer Art zu ſuchen, ſchloß aber mi der Bemerkung:„Wer ein kitzliches Geſchäft gut gethan niſſen wolle, müſſe ſelbſt Hand ans Werk legen.“ Die Goldjäger tappten eine Weile vorſichtig in der Kajüte umher, um ein Schubfach zu ſuchen, in welhen ſie, wie ihnen geſagt worden war, den Schlüſſel zu der Thüre des Verſchlags unſeres Mexikaners finden ſollten. Dieß gelang endlich dem Capitän, da er mit Kajüten und ihrem Zul bootsmann. „Hier iſt gilt es, unterzt Wenn Ihr etwe ſo könnt Ihr es ſobald wir die und das Wrack „Und was das droben umt mit einem heiße „Werde m Dublonen gefun Wenn der Don nicht knauſert, Fäſſer, welche an der Küſte wünſche ich, ſie fl— ten Kriegs „Sie ſchre Herr; es wäre ſchickt.“ „Die Boc zurückkönnten, jetzt aufgeſchlof angeln.“ Als das die Thüre des aufzuzwängen. zuerſt durch di in die Kajüte hen, um die in's Auge zu einen neuen Mulfoerd und ten anuholen 3, Ales zur ten Wnk die , verchwand Waſſ in der Dei Boden en, vil tiefer ſchen Schiffen ſer der beiden varen, bis an lte Aller ei in e, und ſigte, einem ſochen aber mi der gethan niſſen eſichtig in der „ in welhen chlüſſel zu der finden ſollten. mit Kajüten — 283— und ihrem Zubehoͤr beſſer bekannt war, als der Hoch⸗ bootsmann. „Hier iſt er, Benjamin,“ ſagte Spike,„und nun gilt es, unterzutauchen und des Don's Schätze zu heben. Wenn Ihr etwas finden ſolltet, das der Rede werth iſt, ſo könnt Ihr es als einen guten Fund betrachten, da ich, ſobald wir die Dublonen in Sicherheit haben, abzulaufen und das Wrack ſeinem Schickſale zu überlaſſen gedenke.“ „Und was ſoll aus dem ſchwarzen Mehle werden, das droben umher liegt, Herr?“ fragte der Hochbootsmann mit einem heißern Lachen. „Werde mich nicht ſehr darum bekümmern. Sobald die Dublonen gefunden ſind, bin ich aller meiner Pflichten ledig. Wenn der Don mit dem, was ihm als ſein Antheil zufällt, nicht knauſert, ſo laſſe ich mich vielleicht überreden, die Fäſſer, welche wir an Bord der Brigg haben, irgendwo an der Küſte von Mexiko zu landen; vor Allem aber wünſche ich, ſobald als möglich aus der Nähe dieſer ver⸗ fl— ten Kriegsſchluppe zu kommen.“ „Sie ſchreitet nur langſam gegen die Strömung vor, Herr; es wäre aber möglich, daß ſie ihre Boote herein⸗ ſchickt.“ „Die Boote würden ſich freuen, wenn ſie wieder zurückkönnten, murmelte Spike.„Ha, da iſt die Thüre jetzt aufgeſchloſſen, und wir können jetzt nach dem Golde angeln.“ 3 Als das Schiff auf die Seite wollte, war etwas gegen die Thüre des Verſchlags gefallen, und es war ſchwer, ſie aufzuzwängen. Es gelang ihm endlich, und Spike ſchlüpfte zuerſt durch die enge Oeffnung. Hier begannen ſie jetzt — — 284— unter dem Waſſer und bei ſehr ſchwacher Beleuchtung umherzutaſten, um den verborgenen Schatz zu ſuchen. Spike und ſein Hochbootsmann waren in Betreff der ihnen kurz vorher beſchriebenen Stelle uneins, wie Men⸗ ſchen zuweilen in Betreff von Begebenheiten, welche unmit⸗ telbar vor ihnen liegen, von einander abweichen. Während ſie ſo beſchäftigt waren, hörten ſie den Knall einer ſchweren Kanone durch die Kajütenthüren bis in den Verſchlag dringen, in welchem ſie umher tappten. „Ah, jetzt fangen ſie an!“ rief Spike.„Ich wundere mich, daß die Narren ſo lange gewartet haben.“ „Dieſer Schuß kam aus einer ſchweren Kanone, Capitän Spike!“ bemerkte der Hochbootsmann,„und es klang mir in die Ohren, als wenn ſie eine Kugel abge⸗ ſchickt hätte.“ „Ja, ja, ich glaube ſelbſt, Ihr habt in dieſen beiden Punkten ziemlich recht. Man braucht heutigen Tags Kanonen in ſolchen Kriegsſchluppen, wie man ſie ehedem nur in den unteren Batterieen eines Zweideckers fand; und was die Kugeln betrifft, ſo bezahlt ſie Oheim Sam, und dieſe Burſche glauben, es ſei wohlfeiler, eine ſolche abzufeuern, als ſich die Mühe zu nehmen, ſie auszuziehen.“ „Ich glaube, hier iſt einer der Säcke, Capitän Spike,“ ſagte der Hochbootsmann, der untergetaucht war und jetzt mit der einen Hälfte des erſehnten Goldes herauf kam.„Bei Georg, ich habe den Schatz geentert, Herr, und der zweite Sack kann nicht weit ſein.“ „Reicht mir dieſen her,“ ſagte der Capitän ziemlich herriſch,„u zu ſuchen.“ Währen wurde eine aus dem Zi nicht fern r Benjamin zu ſchiff ſchein Kopf des 4 dem Waſſer Burſche kam Meerſchwein zu ſchöpfen. „Gebt Spike, und in Empfang nute zu ver „Dieß wortete der geſchleudert Ich hatte wie ein Pf „Zeigt thun.— D. Kanonen!“ Spike unter dem die Sache aber das ſeinen Beg leuchtung hen. hetreff der vie Men⸗ he unmit⸗ n ſie den tenthüren ie umher wundere Kanone, „und es gel abge⸗ in dieſen gen Tags e ehedem rs fand; m Sam, ine ſolche uziehen.“ Capitän ucht war es herauf t, Herr, ziemlich — 285— herriſch,„und taucht noch einmal unter, um den andern zu ſuchen.“ Während der Hochbootsmann dieſem Befehle nachkam, wurde eine zweite Kanone abgefeuert, und Spike glaubte aus dem Ziſchen der Kugel ſchließen zu dürfen, daß ſie nicht fern von der Brigg vorüber gepflogen ſei. Er rief Benjamin zu:„er möge ſich tummeln, denn das Kriegs⸗ ſchiff ſcheine Ernſt machen zu wollen.“ Da aber der Kopf des Hochbootsmanns in dieſem Augenblicke unter dem Waſſer war, hatte die Mahnung keinen Erfolg. Der Burſche kam jedoch bald wieder herauf und blies wie ein Meerſchwein, das ſich aus dem Waſſer erhebt, um Athem zu ſchöpfen. „Gebt es mir nur ſpogleich her, Benjamin,“ ſagte Spike, und ſtreckte die noch freie Hand aus, um das Gold in Empfang zu nehmen;„wir haben kaum noch eine Mi⸗ nute zu verlieren.“ „Dieß iſt ſchneller geſagt, als gethan, Herr,“ ant⸗ wortete der Hochbootsmann,„eine Kiſte iſt auf den Sack geſchleudert worden, und da gibt's eine rauhe Hiſſung. Ich hatte den Hals des Sackes bereits gepackt, und zog wie ein Pferd, aber es ging nicht.“ 3 „Zeigt mir die Stelle, und laßt mich einen Anzug thun.— Da brüllt ſchon wieder eine von dieſen verd—ten Kanonen!“ Spike tauchte unter, und die lange Zeit, welche er unter dem Waſſer blieb, bewies hinreichend, wie ſehr ihm die Sache an dem Herzen lag. Endlich kam er herauf, aber das Glück hatte ihn ebenſo wenig begünſtigt, wie ſeinen Begleiter. Er hatte den Sack gefaßt, ihn mit ſach⸗ — 286— kundigem Griffe befühlt, ob er die Dublonen wirklich ent⸗ halte, ſich deſſen vergewiſſert, und dann aus allen Kräften angezogen, allein ohne Erfolg. Der Hochbootsmann ſchlug jetzt vor, ſie wollten ein Tau an den Hals des Sackes binden, und mit vereinter Kraft daran„anholen.“ Spike willigte ein, und der Hochbootsmann taſtete nach einem Stücke leichten Taues umher, das dieſem Zwecke entſpräche. In dieſem Augenblicke zeigte ſich Mulford an der Kajütentreppe, um das Gehaben von Seiten der Kriegs⸗ ſchluppe zu berichten. Er hatte abſichtlich gezögert, um dem Schiffe Zeit zu laſſen, ſich zu nähern; er ſah aber jetzt an den Blicken der Leute, daß ein längeres Zaudern Verdacht erregen könne. „Holla, da unten!“ rief der Maat. „Was gibt es, Herr? Was gibt es, Herr?“ ant⸗ wortete Spike.„Sagt es raſch!“ „Habt Ihr die Kanonen gehört, Capitän Spike?“ „Ja, ja, ich habe ſie alle murren hören. Ich hoffe, ſie haben keinen Schaden angerichtet, Herr Mulford?“ „Bis jetzt nicht, Herr; aber die letzte Kugel— und es war eine ſchwere Hexe— flog über dem Deck des Schoners weg. Ich habe die Schoten des Topmarsſegels angeholt und das letztere fliegen laſſen, und dadurch wurde die Kriegsſchluppe aufmerkſam. Ich dürfte das Tuch nur wieder bergen, und kein Schuß würde weiter hörbar wer⸗ den, denk' ich.“ „Nichts wird geborgen, Herr, ſondern Ihr macht Alles fertig, daß wir abtriftig werden und durch den Suͤdpaß laufen.— Wie iſt's, Benjamin, können wir an das Tau greifen?“ „Alles! wieder herau tüchtiger Zug Sie zog und ſie ſtürz waren ſie ab ziemlich viel kniſter über „Was l welchen das „Nicht des Fockmaf Kugel hat ei Stenge gerif Obgleich dieſen Berich Alles verliere dieſen zweite ſehr kräftige Kreuzer eine laſſen, befal brechen,“ ur Minute war „Abgefe wieder auf euch bemann Schatzes, S gen, wie J haben, werd theil geben. den wirklich ent⸗ s allen Kräften votsmann ſchlug als des Sackes cholen.“ Spike ete nach einem vecke entſpräche. rulford an der ten der Kriegs⸗ gezögert, um ; er ſah aber ngeres Zaudern Herr?“ ant⸗ än Spike?“ en. Ich hoffe, Mulford?“ Kugel— und dem Deck des Topmarsſegels dadurch wurde das Tuch nur er hörbar wer⸗ en Ihr macht nd durch den onnen wir an — 287— „Alles bereit, Herr,“ ſagte der Hochbootsmann, der wieder heraufkam, um Athem zu holen.„Nun feſt— ein tüchtiger Zug— und zu gleicher Zeit!“ Sie zogen an, aber der Knoten des Taues löſte ſich, und ſie ſtürzten Beide in das Waſſer. Im Augenblicke waren ſie aber wieder oben, blieſen ein wenig, und fluchten ziemlich viel. Jetzt hatte ein neuer Schuß und ein Ge⸗ kniſter über ihren Köpfen eine Pauſe zur Folge. „Was bedeutet das, Herr Mulford?“ fragte Spike, welchen das Geräuſch nicht wenig erſchreckt hatte. „Nicht viel, Herr; die Kriegsſchluppe hat den Top des Fockmaſtes jenes Schoners weggeſchoſſen, und die Kugel hat ein kleines Stück aus dem Fuße unſerer großen Stenge geriſſen, Das iſt Alles.“ Obgleich Spike über die Ruhe, mit welcher der Maat dieſen Bericht gab, höchſt erboſt war, ſah er doch, daß er Alles verlieren könnte, wenn er zu hartnäckig dabei beharrte, dieſen zweiten Sack retten zu wollen. Indem er daher in ſehr kräftigen Ausdrücken über Oheim Sam und alle ſeine Kreuzer einen Fluch ausſtieß, welchen wir gern unerwähnt laſſen, befahl er Benjamin in mürriſchem Tone,„abzu⸗ brechen,“ und den Sack zu laſſen, wo er ſei. Nach einer Minute war er angekleidet und auf dem Deck. „Abgefallen, Burſche,“ rief der Capitän, ſobald er wieder auf dem Deck ſeiner Brigg war,„und vier von euch bemannen jenes Boot.— Wir haben die Hälfte Eures Schatzes, Senor Wan; das übrige konnten wir nicht ber⸗ gen, wie Ihr ſeht. Hier iſt der Sack, wenn wir Muße haben, werden wir theilen und der Mannſchaft ihren An⸗ theil geben.— Herr Mulford, ſetzt die Brigg in Bewe⸗ — 288— gung und haltet auf den Südpaß ab, während ich die Frauen abhole. Ich werde am Ausgange der Durchfahrt zu Euch ſtoßen.“ Bei dieſen Worten ſtieg Spike in das Boot, und ließ ſich an das Land rudern. Mulford warf dem Inſelchen zwar manchen beſorgten Blick zu, gehorchte aber dem Befehle, und hielt die Brigg unter ſehr leichtem Segeltuch auf die erwähnte Durchfahrt ab. An dem Strande der kleinen Inſel kam Hans Tier dem Capitän entgegen. „Ruft die Frauen alsbald heran,“ befahl der Capitän, „wir haben keine Zeit zu verlieren, denn jener Burſche wird bald eine volle Lage geben, und ſeine Kugeln beſtrei⸗ chen bereits die Inſeln.“ „Ihr werdet die Wittwe und ihre Dienerin ſo wenig von hier wegbringen, als Ihr die Inſel wegbringt,“ ant⸗ wortete Hans kurzab. „Warum ſollte ich ſie nicht wegbringen können? Wollen ſie hier bleiben und Hungers ſterben?“ „Daran denken ſie nicht. Sobald die Kriegsſchluppe zu feuern begann, ſank die Wittwe auf den Segelteppich des Zeltes, und begann daſſelbe laute Geſchrei, welches ſie, wie Ihr Euch erinnern werdet, vernehmen ließ, als jenes Zollſchiff auf uns Feuer gab. Biddy warf ſich neben ihre Herrin, und bei jedem Schuſſe ſchreien ſie aus allen Kräften, als glaubten ſie, Oheim Sam dadurch von der Erfüllung ſeiner Pflicht zurückſchrecken zu können.“ „Pflicht? Nennt Ihr, kleiner Taugenichts, das eines Menſchen Pflicht, wenn er ehrliche Handelsleute auf dieſe Weiſe quält?“ „Nun, nicht ſehr ge Euch dieß be „Wo iſt und Wehklag „Nein, gleich einer ſ ihre Tante 1 ſehr vernünft „Dann folgen!“ rief Ausdruck in gefiel. „Ich m alten Dame viantmeiſters „In die ich Euern 9 Wenn ich b mich aufwien die Eingewei „Es bel chen, wenn und fünfzigje „Selbſt „Ich b ich gern un Stephan Sy ſechs und fü man hat ein 241— 242 ährend ich die der Durchfahrt Boot, und ließ dem Inſelchen hte aber dem htem Segeltuch im Hans Tier )l der Capitän, jener Burſche Kugeln beſtrei⸗ nerin ſo wenig gbringt,“ ant⸗ ngen können? 2 Kriegsſchluppe n Segelteppich ſchrei, welches men ließ, als varf ſich neben ſie aus allen durch von der nnen.“ chts, das eines leute auf dieſe — 289— „Nun, Capitän, ich nehme es mit den Worten eben nicht ſehr genau. Sagt:„von ſeinen Abſichten,“ wenn Euch dieß beſſer gefällt.“ „Wo iſt Roſa? Stimmt ſie auch in dieſes Geſchrei und Wehklagen ein?“ „Nein, Capitän Spike, nein! Miß Roſa iſt bemüht, gleich einer ſchönen, jungen, chriſtlichen Dame, die ſie iſt, ihre Tante und Biddy zu beruhigen und zu tröſten, und ſehr vernünftige Worte ſpricht ſie zu ihnen.“ „Dann wird ſie wenigſtens mir an Bord der Brigg folgen!“ rief Spike in plötzlicher Erregung und mit einem Ausdruck in dem Geſichte, welcher Hans Tier gar nicht gefiel. „Ich möch— möchte faſt glauben, ſie wünſcht bei der alten Dame zu bleiben,“ ſagte der Stellvertreter des Pro⸗ viantmeiſters nicht ohne Nachdruck. „In die Hölle mit Euch,“ rief Spike zornig;„wenn ich Euern Rath brauche, werde ich mir ihn erbitten. Wenn ich bemerke, daß Ihr dieſes junge Mädchen gegen mich aufwiegelt, werde ich Euch über Bord werfen, wie die Eingeweide eines Haiſiſches.“ „Es bedarf keiner fremden Beihilfe, um junge Mäd⸗ chen, wenn ſie erſt neunzehn Jahre alt ſind, gegen ſechs und fünfzigjährige Burſche aufzuwiegeln.“ „Selbſt Sechsundfünfziger, Ihr!“ „Ich bin drei und fünfzig Jahre alt, das geſtehe ich gern und willig,“ ſagte Hans ſanft,„und Ihr, Stephan Spike, ſeid an Euerm letzten Geburtstage mit ſechs und fünfzig in das Logbuch eingetragen worden, oder man hat eine Unwahrheit eingetragen.“ 241— 243. — —— — 290— Dieſes Zwiegeſpräch fand nicht in Gegenwart der Bootsmannſchaft Statt, ſondern während die Beiden dem Zelte zuſchritten. Sie waren jetzt in der Veranda, wie wir die ſchattige Halle vor dem Zeltgemache nannten, und konnten Roſa's ſüße Stimme vernehmen, wie ſie in ſanftem, ) aber ernſtem Tone ihre Tante ermahnte, ſich zu faſſen und mehr Muth zu zeigen. Unter ſolchen Umſtänden hielt Spike es nicht für rathſam, ſeinen Groll gegen Hans Tier in Worten aus⸗ zulaſſen, ſondern wendete ſich auf dem Abſatze um und holte zu einem furchtbaren Schlag auf die Stirne aus. Hans ſah die Gefahr, ſprang zur Seite und wich ſo einer Wucht aus, welche, wie er wußte, furchtbar war, da ſie von einem der tüchtigſten Fauſtkämpfer ſeiner Zeit kam. Der vollen Kraft des Schlages war er ausgewichen, aber er hatte doch genug bekommen, um mit einem Paar ſchwarzgelben Augen zuſammenzuſtürzen. Spike nahm ſich nicht die Mühe, den Viceproviant⸗ meiſter aufzuheben, denn in dieſem Augenblicke dröhnte ein neuer Kanonenſchlag, und Miſtreß Budd und Biddy ſchrieen abermals laut auf. Statt zu verweilen und Hans Tier einen Fußtritt zu geben, wie der Capitän beabſichtigt hatte, trat er in das Zelt. Eine ziemlich alberne Scene ſtellte ſich Spike's Blicken dar, als er in das Zeltgemach der Frauen trat. Die Wittwe hatte ſich auf den Boden geworfen, und faßte das Segeltuch mit beiden Händen, während ſie aus vollem Halſe ſchrie. Biddy ahmte ihre Herrin nicht buchſtäblich nach, denn ſie ſaß neben ihr auf einem Stuhle; hinſichtlich des Schreiens aber überbot ſie die Wittwe weit, „Wir Kriegsſchlup als ob ſie u und ich kan⸗ „Ich u Wittwe;„i Kugel trifft werde nicht „Wir ſein,“ ſchri nach unſern Der C in einem ſie ſich heimlie unter ſeine er ein zwe kämpfte un war umſon Weges zwi noch eine Opfer erre Hinterkopf gung, ſich ſeinem Ar⸗ welchem er zuwendete, ſtand und „Eine Todes, S zegenwart der ie Beiden dem Veranda, wie nannten, und ſie in ſanftem, zu faſſen und es nicht für Worten aus⸗ dſatze um und e Stirne aus. wich ſo einer ar war, da ſie ner Zeit kam. gewichen, aber einem Paar Viceproviant⸗ cke dröhnte ein d und Biddy ilen und Hans ään beabſichtigt Spike's Blicken ien trat. Die und faßte das ie aus vollem hht buchſtäblich gle; hinſichtlich veit, — 291— „Wir müſſen fort,“ rief Spike ziemlich rauh.„Die Kriegsſchluppe feuert eine Kanone nach der andern ab, als ob ſie uns nach dem Tacte zu Grund ſchießen wollte, und ich kann nicht länger warten.“ „Ich werde nicht von der Stelle gehen,“ verſetzte die Wittwe;„ich kann nicht von der Stelle gehen; die erſte Kugel trifft mich, wenn ich hinausgehe. Nein, nein! Ich werde nicht einen Zoll weichen.“ „Wir werden getödtet werden! Wir werden des Todes ſein,“ ſchrie Biddy nach; und ein gottloſer Mörder lechzt nach unſerm Blute von jener Schluppe herüber. Der Capitän bemerkte, wie vergeblich jede Zuſprache in einem ſolchen Augenblicke ſei, und vielleicht freute er ſich heimlich darüber; gewiß aber iſt es, daß er Roſa unter ſeine Arme nahm und mit ihr fortging, als trüg' er ein zweijähriges Kind. Roſa ſchrie nicht, aber ſie kämpfte und leiſtete aus allen Kräften Widerſtand. Es war umſonſt. Bereits hatte der Capitän die Hälfte des Weges zwiſchen dem Zelt und dem Boote zurückgelegt, noch eine Minute, und er hätte das letztere mit ſeinem Opfer erreicht, als ein ſchwerer Schlag auf Spike's Hinterkopf dieſen zum Taumeln brachte; in der Anſtren⸗ gung, ſich vor einem Sturze zu ſichern, ließ er Roſa ſeinem Arm entgleiten. Als er ſich ſeinem Gegner, in welchem er einen der Bootsmänner zu ſehen vermuthete, zuwendete, erblickte er Hans Tier, der ihm ganz nahe ſtand und eine Piſtole vorhielt. 4 „Einen Schritt weiter, und Ihr ſeid ein Mann des Todes, Schurke!“ rief Hans mit einer Stimme, welche 19† der Zorn und die Anſtrengung, ſie bedrohlich zu machen, faſt ganz dämpfte. Spike murmelte einen Fluch, der zu empörend klang, als daß wir ihn hier wiederholen möchten; es war aber ein Fluch, wie er nur aus dem Munde eines alten Sal⸗ zers, und dann nur in dem Augenblicke der fürchterlichſten Wuth kommen kann. In dieſem gefährlichen Augenblicke, während Noſa ganz Unwillen und gekränkter jungfräulicher Stolz, faſt in dem Bereich ſeines Armes, holdſeliger als jemals ausſah, und die Gluth des Zornes die Farbe ihrer Wangen noch erhöhte, zog ein neuer, ſchwerer Knall von einer der Kanonen der Kriegsſchluppe alle Blicke nach jener Rich⸗ tung. Dieſe Kugel ſchien noch einmal ſo mächtig, als die frühere, an den Wellen aufzuſchlagen, und zwanzig Fuß hohe Waſſerſtrahlen bezeichneten den Weg des furcht⸗ baren Geſchoſſes, welches die Kanone verſendet hatte. In der That hatte das Schiff eine jener Rieſenkano⸗ nen abgefeuert, die den Namen eines ausgezeichneten fran⸗ zöſiſchen Ingenieurs tragen, welche aber nach dem Namen des geiſtreichen Offiziers benannt werden ſollten, der an der Spitze unſeres Artillerieweſens ſteht, und von welchem eigentlich die Erfindung herrührt, obgleich ſie in Europa eine unbedeutende Verbeſſerung erfuhr. Spike ahnte die Wahrheit, denn er hatte von dieſen „Pazans“ gehört, wie er den Namen ausſprach, und beachtete den hüpfenden Lauf dieſer achtzölligen Bombe, welche jene Kanone abgefeuert hatte, mit jenem bangen Gefühle, welches eine unbekannte Gefahr wohl in uns erweckt. Er ſtieß einen Fluch nach dem andern aus, wie eine Welle n ſich der Bri welchen die engliſche Vie ſeine Mann liche Mehlfä ſagen ohne Sprunge inn blicke, wo ſie Alle ſa chem unmitt wiederholende war in die einem Blitzſ Wolke weiße und Alles it Roſa ſt war in keine Spike uoch Spike n erinnerte ſich Schiffes lag ſein Boot, 1 es das Leber In wer und auf den „Hinab Leute! Hin mittſchiffs fl Ein We zu machen, pörend klang, es war aber s alten Sal⸗ ürchterlichſten ährend Roſa Stolz, faſt in nals ausſah, Langen noch en einer der jener Rich⸗ nächtig, als und zwanzig g des furcht⸗ t hatte. Rieſenkano⸗ chneten fran⸗ dem Namen ten, der an von welchem e in Europa e von dieſen ſprach, und gen Bombe, nem bangen ohl in uns en aus, wie — 293— eine Welle nach der andern emporziſchte, und dieſer Giſcht ſich der Brigg immer mehr näherte. Der letzte Sprung, welchen die Bombe auf dem Waſſer machte, war etwa eine engliſche Viertelmeile von der Inſel entfernt, auf welcher ſeine Mannſchaft wenigſtens hundert und fünfzig angeb⸗ liche Mehlfäſſer aufgeſtapelt hatten; von da flog ſte, ſozu⸗ ſagen ohne Anſtrengung, mit einem ſchönen, ſtattlichen Sprunge inmitten der Fäſſer, und zerplatzte in dem Augen⸗ blicke, wo ſie aufſchlug. Alle ſahen das Auseinanderſtäuben des Mehls, wel⸗ chem unmittelbar ſchwere, in kurzen Zwiſchenräumen ſich wiederholende Schläge folgten; alles Pulver auf der Inſel war in die Luft geflogen, hundert Fäſſer, ſozuſagen von einem Blitzſtrahl entflammt, waren geplatzt, und eine Wolke weißen Rauches ſtieg empor, und hüllte die Inſel und Alles in ihrer Nähe ein. Roſa ſtand wie niedergeſchmettert, und Hans Tier war in keinem viel beſſeren Gemüthszuſtande, obgleich er Spike uoch immer mit der erhobenen Piſtole bedrohte. Spike war aber hier Niemandem mehr gefährlich. Er erinnerte ſich der vielen Fäſſer, welche auf dem Deck ſeines Schiffes lagerten, ſtürzte, faſt wahnfinnig vor Eile, in ſein Boot, und befahl ſeinen Leuten, zu rudern, als gält' es das Leben. In weniger als fünf Minuten war er an der Seite und auf dem Deck der Swaſy, und ſein erſtes Wort war: „Hinab in die See mit dieſen Pulverfäſſern, ihr Leute! Hinab damit, Herr Mulford; macht die Pforten mittſchiffs klar, und laßt ſo viel durch ſie, als Ihr könnt.“ Ein Widerſtand von Seiten des Senor Montefalderon — 294— wäre nutzlos geweſen, wenn dieſer ihn hätte verſuchen wollen; nach der Probe von der Gewalt einer Paixrhans⸗ Kanone aber, welche er eben mit angeſehen hatte, war er ebenſo geneigt, als irgend ein Anderer, das Pulver los⸗ zuwerden. So iſt es ſtets mit den Menſchen. Hätte man erſt zwei oder drei dieſer Bomben ohne Erfolg geworfen, wie es unter dieſen Umſtänden wohl hätte geſchehen können, ſo würde ſich Niemand um die Gefahr, welche drohte, bekümmert haben; die zufällige Entzündung brachte aber die Gefahr, wie entfernt ſie auch noch ſein mochte, ſo lebhaft vor Aller Augen, daß die Mannſchaft aus allen Kräften zu arbeiten begann. Aber das Schiff war in der That bald ernſtlich bedroht, und zwar ziemlich in der Weiſe, wie man allgemein gefürch⸗ tet hatte. Als der Befehlshaber der Kriegsſchluppe bemerkte, daß Spike durch einen der Durchgänge, welche dem Riff am nächſten lagen, zu luven begann, wodurch er aus der Inſel⸗ Gruppe und weit windwärts von dem Punkte kam, wo die Schluppe allein hinaustreten konnte, eröffnete er ſein Feuer alles Ernſtes, indem er hoffte, er würde etwas Weſentliches an Bord der Swaſh wegſchießen, ehe dieſe aus dem Bereiche ſeines Geſchützes entſchlüpfte. Die Curſe, welche die beiden Schiffe in dieſem Augen⸗ blicke ſteuerten, begünſtigten einen ſolchen Verſuch, freilich aber nur auf ſehr kurze Zeit. Während die Swaſh nah' am Wind war, mußte die Kriegsſchluppe aufholen und ablaufen, um den Inſeln vor ihr auszuweichen;— ein Umſtand, welcher die Brigg zwar dwars von d nöthigte, in Linie zu ſteu Schluppe ihr Dampf und? Wie ber große, wicht Bewaffnung einem halben wir ſagen n keepſte nicht in welcher je beläſtigen. ein ſolches hin furchtbaf Bomben. Eine Ze des Leuchtth der lebhafteſ ſtanden mitt zu beſorgen ungeachtet, Roſa dachte welcher ihr bloßſtellten. derliche Art auf dem D Eile aufme ſie in das ihrer los z itte verſuchen ler Pairhans⸗ hatte, war er Pulver los⸗ itte man erſt eworfen, wie hehen können, velche drohte, brachte aber n mochte, ſo aft aus allen ſſtlich bedroht, emein gefürch⸗ bemerkte, daß dem Riff am aus der Inſel⸗ kam, wo die eher ſein Feuer s Weſentliches 3 dem Bereiche dieſem Augen⸗ erſuch, freilich ir, mußte die en Inſeln vor ie Brigg zwar — 295— dwars von der Seite der Schluppe brachte, dieſe aber nöthigte, in einer von dem Curs der Brigg abweichenden Linie zu ſteuern. In Folge dieſer Umſtände eröffnete die Schluppe ihr Feuer jetzt alles Ernſtes, und war bald in Dampf und Nauch gehüllt. Wie bereits erwähnt, hat man in den letzten Jahren große, wichtige Veränderungen in der Ausrüſtung und Bewaffnung aller kleinen Kreuzer vorgenommen. Vor einem halben Menſchenalter würde ein Schiff von der Art— wir ſagen nicht einmal von der Größe— des Pough⸗ keepſte nicht im Stande geweſen ſein, aus der Entfernung, in welcher jetzt die beiden Schiffe ſtanden, einen Feind zu beläſtigen. Die angedeuteten Verbeſſerungen machten aber ein ſolches Schiff jetzt auf die Entfernung einer Stunde hin furchtbar, beſonders mittelſt ſeiner Paixhans und ſeiner Bomben. Eine Zeitlang flogen die Kugeln gerade über die Inſel des Leuchtthurms, und Roſa und Hans Tier, welche mit der lebhafteſten Theilnahme Alles, was vorging, beachteten, ſtanden mittlerweile im Freien, ohne daß ſie für ſich etwas zu beſorgen ſchienen, ſo lebhaft war, alles Vorgefallenen ungeachtet, das Intereſſe Beider an der Rettung der Brigg. Roſa dachte nur an Harry Mulford und an die Gefahr, welcher ihn dieſe furchtbaren Entladungen der Bomben bloßſtellten. Ihr raſcher Verſtand ließ ſie ſofort die abſon⸗ derliche Art Gefahr durchſchauen, in welche die Mehlfäſſer auf dem Deck das Schiff verſetzten, und ſie mußte auf die Eile aufmerkſam werden, mit welcher Spike und ſeine Leute ſie in das Waſſer warfen, da dieß die raſcheſte Art war, ihrer los zu werden. — 296— Nach dem, was zwiſchen Hans Tier und ſeinem Be⸗ fehlshaber vorgefallen war, durfte es nicht ſo leicht ſein, einen Grund für ſeine augenfällige, ja innige Theilnahme an der Rettung der Swaſh anzugeben. Dieſe ſprach ſich in ſeinem unruhigen Gehaben, in ſeinen Ausrufungen und in ſeinen von Zeit zu Zeit laut werdenden Wünſchen für die Rettung der Brigg deutlich aus. Vielleicht war es nichts Anderes, als das Intereſſe, welches der Seemann für das Schiff fühlt, in welchem er lange gereiſt, welches ihm eine Heimath geweſen iſt,— ein Intereſſe, welches Mulford in ſeinem Kampfe zwiſchen Gefühl und Gewiſſen, zwiſchen wahrer und falſcher Pflicht, in ſo hohem Grade bethätigte. Was Spike und ſeine Mannſchaft betrifft, ſo haben wir ihrer Anſtrengungen, das Pulver los zu werden, bereits gedacht. Eine Bombe nach der andern platzte, aber nicht in der unmittelbaren Nähe der Brigg, da der Feind wie in einem Kampfe feuerte. Die Offtziere der Kriegsſchluppe entdeckten endlich die Urſache, welche ſie ihr Ziel verfehlen ließ. Ihre Schüſſe waren ſogenannte Prallſchüſſe, welche eine niedrige, aber ſehr regelmäßige Reihe von Wellen. traf. Da jede Kugel das Waſſer in einem ſpitzen Winkel ſeiner bewegten Oberfläche traf, wurde ſie von der geraden Linie abgelenkt, und beſchrieb gegen das Ende ihrer Bahn eine regelmäßige krumme Linie, oder, wie wir uns vielleicht richtiger ausdrücken würden, eine unregelmäßige krumme Linie; denn die Abweichung ſteigerte ſich, wie die bewegende Kraft der Kugel ſchwächer wurde. Sobald der Befehlshaber der Kriegsſchluppe dieſen Umſtand bemerkte,— und es war leicht, der Bahn der Kugeln nach ſchleuderten, 3 ſehen und zu! mehr windwär von der gerad kunftsmittel ha dem Augenbli einſchlugen, fie wurden eine Z nicht ausgeſan bereits zu ho nicht mehr le Male, ſeit d Stimmung wi Spike ſie zum Mulford das Schiff, d Dienſt übertre von ſeinem V Der ſchöne ju Laviren gema war, durch e worauf ſie a füllte, und i einer leichten offene See au Alles ſe der Kriegsſcht in das Waſſe So ſtan nd ſeinem Be⸗ ſo leicht ſein, ge Theilnahme eſe ſprach ſich zrufungen und Wünſchen für leicht war es der Seemann ereiſt, welches ereſſe, welches und Gewiſſen, hohem Grade fft, ſo haben herden, bereits te, aber nicht der Feind wie driegsſchluppe Ziel verfehlen chüſſe, welche von Wellen. pitzen Winkel der geraden eihrer Bahn uns vielleicht gelmäßige ſich, wie die luppe dieſen r Bahn der — 297— Kugeln nach den Waſſerſtrahlen, welche ſie in die Luft ſchleuderten, zu folgen, und zumal die Bomben platzen zu ſehen und zu hören,— befahl er, man ſolle die Kanonen mehr windwärts richten, um auf dieſe Weiſe der Abweichung von der geraden Linie entgegen zu arbeiten. Dieſes Aus⸗ kunftsmittel hatte theilweiſe den gehofften Erfolg, denn von dem Augenblicke an, wo die Kugeln die neue Richtung einſchlugen, fielen ſie näher bei der Brigg nieder. Bomben wurden eine Zeitlang nach dem Erlaß dieſes neuen Befehls nicht ausgeſandt, und Spike und ſeine Mannſchaft begannen bereits zu hoffen, dieſes furchtbare Geſchoß werde ihnen nicht mehr läſtig werden. Die Leute ſchienen zum erſten Male, ſeit die Gefahr ihnen ſo nahe gerückt war, ihre Stimmung wieder zu finden und hurrahten, und man hörte Spike ſie zum Eifer in ihrem Dienſte auffordern. Mulford ſtand auf dem Deck der Hütte und regierte das Schiff, denn der Capitän hatte ihm dieſen bedenklichen Dienſt übertragen,— der größte Beweis, welchen er ihm von ſeinem Vertrauen in ſeine Geſchicklichkeit geben konnte. Der ſchöne junge Maat hatte eben einen halben Gang beim Laviren gemacht, und ließ die Brigg, ſo kurz dieß thunlich war, durch einen ſehr ſchwierigen Theil der Enge laufen, worauf ſie auf derſelben Seite die Segel wieder trefflich füllte, und in einem Durchgange, auf welchem ſie jetzt in einer leichten Bulinie abhalten konnte, geradenwegs auf die offene See ausſchaute. Alles ſchien gut zu gehen, und die ſchweren Kugeln der Kriegsſchluppe begannen hundert Ellen hinter der Brigg in das Waſſer einzuſchlagen. So ſtanden die Dinge, als einer der Pairhans ſeine — 298— Zornesflamme und ſein wildes Brüllen wieder gewahren ließ. Hier war kein Irrthum in Betreff der Kanone mög⸗ lich. Dann kam ihre Eiſenmaſſe, eine Kugel, die acht und ſechszig volle Pfund gewogen hätte, wäre ihr Inneres nicht ſo weit leer geblieben, daß genau ein Pfund Pulver darin Platz fand. Man konnte ihre Bahn die See ent⸗ lang verfolgen, wo ſie ſtets in einem Zwiſchenraume von einer engliſchen halben Meile auf eine Welle aufſchlug. Spike ſah aus der nicht abweichenden Bahn dieſer Bombe, daß ſie die Brigg furchtbar bedrohte, und der Ruf: „„nach der Bombe aus geguckt!“ ließ plötzlich jede Arbeit ruhen. Dieſe Bombe traf das Waſſer zum letzten Male auf zwei hundert Ellen von der Brigg, und hob ſich ſchwarz und drohend in ihrem wüthenden Sprunge, platzte aber in dem nächſten Augenblicke. Eiſenſtücke flogen rings um das Schiff, und einige ſchlugen ſo nah' ein, daß die Sprühe auf das Deck ſpritzte. „Ueber Bord mit dem Pulver,“ ſchrie Spike.„Hal⸗ tet die Brigg ein wenig ab, Herr Mulford, haltet ſie ab, Herr; Ihr luvt zu ſtark, Herr.“ „Ja, ja, Herr,“ antwortete der Maat.„Sie iſt ſchon abgehalten.“ „Dort kommt die andere Bombe!“ rief Benjamin; aber die Leute ließen dieſes Mal nicht von ihrer Arbeit, um hinzuſchauen. Jeder Matroſe arbeitete, als wenn Leben und Tod von ſeiner Anſtrengung abhinge. Spike allein guckte nach dem Geſchoſſe aus. Es kam in wilden Sätzen, ziſchend und ſchnaubend, und bei jedem Sprunge, welchen es von Welle zu Welle machte, Waſſerſtrahlen in die Höhe treibend, heran, dem Waſſer auß welche die letzte es ſeinen letzter jedes Auge hob hörte. Die Me Maſten der Sr als ein wilder Zum Glück für gende Kraft, Bruchſtücke vor Bombe nach v wenige Leute gangen ſein. Der Flan welche noch a ſchaft mit ein unter lautem ihrem Dienſte in die See. „Luvt, † rief Spike. Keine Ar „Hört 3 Herr!“ „Herr M am Steuerrat „Herr 2 Menſch? Sa Kein M eder gewahren Kanone mög⸗ [, die acht und ihr Inneres Pfund Pulver die See ent⸗ hhenraume von aufſchlug. Bahn dieſer und der Ruf: ch jede Arbeit ten Male auf ſich ſchwarz platzte aber gen rings um aß die Sprühe Spike.„Hal⸗ haltet ſie ab, Sie iſt ſchon f Benjamin; ihrer Arbeit, wenn Leben Spike allein ilden Sätzen, nge, welchen in die Höhe — 299— treibend, heran, und ſchien, als es zum letzten Male auf dem Waſſer aufſchlug, gerade dieſelbe Bahn zu verfolgen, welche die letzte Bombe genommen hatte. Von da machte es ſeinen letzten Sprung. Jede Hand in der Brigg ruhte, jedes Auge hob ſich, als man den brauſenden Sturm nahen hörte. Die Maſſe flog dumpf ſauſend gerade zwiſchen den Maſten der Swaſh durch. Sie ſchien kaum vorbei zu ſein, als ein wilder Flammenblitz und der ſcharfe Knall folgte. Zum Glück für die Mannſchaft der Brigg trieb die bewe⸗ de Kraft, welche dem Geſchoſſe gegeben worden, die Bruchſtücke von ihnen weg, wie ſie dieſe bei der letzten Bombe nach vornen geſchleudert hatte, ſonſt würden nur der Verſtümmelung oder dem Tod ent⸗ gen wenige Leute gangen ſein. Der Flammenblitz in ſolcher Nähe der Pulverfäſſer, welche noch an Bord des Deckes waren, ließ die Mann⸗ ſchaft mit einer Art Fieberhitze an die Arbeit gehen, und unter lautem Hurrah, mit dem die Mannſchaft ſich in ihrem Dienſte ermunterte, ſtürzte ein Faß nach dem andern in die See. „Luvt, Herr Mulford, Ihr könnt jetzt luven, Herr,“ rief Spike. Keine Antwort erfolgte. „Hört Ihr dort, Herr Mulford? Ihr könnt luven, Herr!“ „Herr Mulford iſt nicht hinten, Herr!“ rief der Mann am Steuerrade;„es iſt aber geluvt, Herr.“ „Herr Mulford nicht hinten? Wo iſt der Maat, Menſch? Sagt ihm, ich hätte ihn gerufen.“ Kein Mulford war zu finden. Ein Ruf erſcholl rings — 300— um das Deck, erging nach unten und hallte in der ganzen Brigg wieder, aber kein Zeichen, keine Antwort kam von dem ſchönen Maat. In dieſem erregenden Augenblicke ſchien die Kriegs⸗ Schluppe ihr Feuer einzuſtellen und ihre Kanonen zu feſtigen. Siebentes Kapitel. Du bleibſt dir gleich, o ew'ges Meer! Die Erde wechſelt an Geſtalt, Dort Thal und Höben, hier Blumen, Bäume; Gefild', an Farben mannigfalt, Vom Winter überreift, vom Sommer In goldig hellen Glanz gehüllt; Du lächelſt beiter, oder kleideſt In Sturm dich, der in Wuth erbrüllt, Und weit mit Giſcht und weißem Schaum Bedeckt des Strandes öden Raum. Lunt. Wir rücken jetzt die Zeit um acht und vierzig Stunden vor. Die umfahrenden Böen und Windſtillen, welche dem Orkane gefolgt waren, hatten ſich verloren, und die Paſſat⸗ winde machten ihr Recht wieder geltend. Die beiden Schiffe waren verſchwunden; die Brigg zog voran, umſegelte das weſtliche Ende des Riffs, und ging vor Wind und Strö⸗ mung mit fliegenden Segeln dahin, während die Kriegs⸗ ſchluppe erſt drei Stunden ſpäter an einen Punkt gelangte, wo es ihr möglich war, die Segel zu fäͤllen und Jagd zu machen. Zu dieſer Meilen oſtwär Raaen der Sch Demungeachtet beide Schiffe l Florida⸗Riffes ſich aber von drei bis vier 4 Brigg windwé lung läßt die ſchwinden, um Acht und in dem Berei Zelt ſtand no fernung davon welchem Topf Zelt noch bem Anker, wie S Dublonen ab bunden, aber der ſchönen R Hans Ti in die Vorra Gleichgiltigkei eine Biene, u Dieſer N Inſeln zu ſei zu ſehen. Er der Stimme, ſich in ſeiner te in der ganzen ttwort kam von ien die Kriegs⸗ te Kanonen zu ges Meer! lt, Blumen, Bäumez alt, h erbrüllt, ißem Schaum kaum. Lunt. erzig Stunden n, welche dem nd die Paſſat⸗ beiden Schiffe umſegelte das nd und Strö⸗ d die Kriegs⸗ unkt gelangte, und Jagd zu — 301— Zu dieſer Zeit war die Swaſh fünf und zwanzig Meilen oſtwärts, und man konnte daher von den Bram⸗ Raaen der Schluppe kaum noch ihre höchſten Segel ſehen. Demungeachtet ſetzte das Kriegsſchiff ſeine Jagd fort, und beide Schiffe liefen dieſen Abend den ſüdlichen Saum des Florida⸗Riffes entlang gegen die Paſſatwinde an, ſahen ſich aber von der Strömung der Art begünſtigt, daß ſie drei bis vier Knoten in der Stunde zurücklegten, und die Brigg windwärts am Horizont untertauchte. Unſere Erzäh⸗ lung läßt die Schiffe eine Zeitlang aus dem Geſichte ver⸗ ſchwinden, um zu den Golfinſeln zurückzukehren. Acht und vierzig Stunden hatten einige Veränderungen in dem Bereiche der Dry Tortugas hervorgebracht. Das Zelt ſtand noch auf ſeiner Stelle, und in geringer Ent⸗ fernung davon flackerte ein kleines Feuer auf, an und über welchem Topf und Keſſel dampften, ein Beweis, daß das Zelt noch bewohnt war. Auch der Schoner lag vor ſeinem Anker, wie Spike ihn verlaſſen hatte. Der Sack mit den Dubionen aber hatte ſich gefunden und lag zuſammenge⸗ bunden, aber gänzlich unbeachtet, in der Segeltuch⸗Veranda der ſchönen Roſa.: Hans Tier ſtrich, bei ſeinen Gängen von der Küche in die Vorrathskammer und zurück, mit augenſcheinlicher Gleichgiltigkeit daran vorüber, und ſchien geſchäftig wie eine Biene, um das Mittagsmahl zu bereiten. Dieſer Mann ſchien jedoch der einzige Bewohner der Inſeln zu ſein, denn fern und nahe war Niemand anders zu ſehen. Er ſang ſein Liedchen mit ſchriller, überſpringen⸗ der Stimme, wie ſie ihm eigenthümlich war, und ſchien ſich in ſeiner Einſamkeit ganz glücklich zu fühlen. Zuweilen ſprach er mit ſich ſelbſt, ohne Zweifel laut, da er Nieman den hatte, mit dem er reden konnte. Wir wollen einige der Selbſtgeſpräche anführen, welche er zwiſchen den Strophen eines ſehr unharmoniſch klingen⸗ den Seemanns⸗Liedes einſchalt, während er ein ungemein ſchmackhaft duftendes Gericht umrührte, das aus den Ingredienzien beſtand, welche die Speiſekammern der Swaſh und des merikaniſchen Schoners zumal geliefert hatten. „Stephan Spike iſt ein Hauptſchurke,“ rief Hans, indem er mit einem Kochlöffel in die Suppe fuhr und ſie verſuchte,„einen Hauptſchurken nenn' ich ihn! In ſeinem vorgerückten Alter an ein ſo ſchönes, liebliches, junges Weſen zu denken, wie dieſe Roſa Budd! und dann ſie durch ſo ſchlechte Mittel gewinnen zu wollen, indem er ihre alberne, alte Tante bethörte und betrog! Es iſt wun⸗ dervoll, wie einfältig ſolche alte Tanten oft ſind,— ganz wundervoll! Wenn ich ſo albern wäre, wie dieſe Miſtreß Budd, würde ich die Schwelle meines Hauſes nicht über⸗ ſchreiten! „Ja, Stephan Spike iſt ein furchtbarer Schelm, ſeine beſten Freunde müſſen dieß zugeben. Nun, ich habe ihm einen Schlag auf den Kopf gegeben, daß er gewiß all ſeine Tage an dieſe Reiſe denkt. Er wollte dieſe ſchöne Roſa Budd in ſeinen Armen, auf eine ſo unanſtändige Weiſe entführen! Und doch hat der Mann ſeine guten Seiten, und es iſt nur ſchade, daß man ſeine ſchlechten nicht ver⸗ geſſen kann. Er iſt ein tüchtiger Seefahrer. Wie gut regierte er ſein Schiff, bis er das Riff umſegelte und in das offene Waſſer treten konnte! und wie er es vor dem Winde hinlaufen ließ, Segel oben und unten, ſobald er es nur wagen daran, daß er ihn einh' Jagd macht Erden. Ab Schurke! „Ich k ſehen möcht ich die ſcht gehen ihn ſo gewiß alt iſt. „Ich! ihr gewach Die Mollr beſiegt. E Schiff, ſo gehen ſollt Schluppe „Nun Wie es ſch das iſt ſel und einzuſ „Der Schurke. jenen halb machte! trefflicher nicht nach „Ein da er Nieman nführen, welche noniſch klingen⸗ r ein ungemein das aus den iern der Swaſh ffert hatten. rief Hans, de fuhr und ſie )on! In ſeinem pliches, junges und dann ſie llen, indem er ! Es iſt wun⸗ ſind,— ganz 2 dieſe Miſtreß ſes nicht über⸗ Schelm, ſeine ich habe ihm gewiß all ſeine ſe ſchöne Roſa ſtändige Weiſe guten Seiten, hten nicht ver⸗ rer. Wie gut ſegelte und in r es vor dem I, ſobald er es — 303— nur wagen durfte, dieſe aufzuhiſſen. Ich ſetze mein Leben daran, daß Oheim Sam müde Beine bekommen wird, ehe er ihn einholt. Im Davonlaufen, wenn man ſtark auf ihn Jagd macht, hat Stephan Spike ſeines Gleichen nicht auf Erden. Aber er iſt ein großer Schurke, ein merkwürdiger Schurke! „Ich könnte nicht ſagen, daß ich ihn wirklich gehängt ſehen möchte; aber ich ſäh' ihn doch lieber gehängt, als ich die ſchöne Roſa Budd in ſeiner Gewalt ſähe. Was gehen ihn neunzehnjährige Mädchen an? Der Schelm iſt ſo gewiß ſechs und fünfzig Jahre alt, als er einen Tag alt iſt. „Ich hoffe, die Kriegsſchluppe findet, daß die Swaſh ihr gewachſen iſt; ich glaube, ſie iſt ihr gewachſen. Die Molly iſt eine gute Seglerin, und wird nicht leicht beſiegt. Es wäre unendlich ſchade, wenn ein ſo liebliches Schiff, ſo zu ſagen, in der Blüthe ſeiner Tage zu Grund gehen ſollte, und ich hoffe, es führt dieſe verd— te Schluppe auf irgend eine Sandbank. „Nun, da haben wir den andern Sack mit Dublonen. Wie es ſcheint, konnte Stephan nicht daran kommen. Auch das iſt ſeltſam, denn er hat viel Geſchick, Gold aufzuſpüren und einzuſacken. „Der Mann iſt für ſein Alter rüſtig; aber er iſt ein Schurke. Ich möchte wohl wiſſen, ob er oder Mulford jenen halben Gang beim Laviren in der engen Durchfahrt machte! Es nahm ſich gut aus, und Stephan iſt ein trefflicher Seemann; aber er ſagt, Mulford ſtehe ihm nicht nach.“ „Ein hübſcher, junger Mann, dieſer Mulford, ganz — —— — 304— paſſend für Roſa, und Roſa für ihn. Es wäre ſchade, wenn man ſie trennte. Ich wüßte nichts an ihm zu tadeln, als daß er vielleicht zu viel Gewiſſen hat. Es gibt Leute, die zu viel Gewiſſen haben, wie Andere deſſen zu wenig haben mögen. Mulford hat zu viel, und Stephan hat zu wenig. Nein, dieſer Mann läßt ſich einfallen, ein neun⸗ zehnjähriges Mädchen entführen zu wollen! Er iſt, mei⸗ ner Treue, ſechs und fünfzig Jahre alt!“ „Wie gern aß er eine Suppe, wie dieſe. Die Menge, welche er zu ſich zu nehmen pflegte, überſteigt allen Glau⸗ ben. Ueberhaupt hatte dieſer Mann einen wahren Haffiſch⸗ Appetit, wenn er den Tag über tüchtig gearveitet hatte.“ „Es iſt viel an Stephan Spike zu bewundern, und nicht wenig iſt an ihm zu loben, aber er iſt ein ausge⸗ machter Schurke! Ich behaupte, er hält ſich noch für einen ganz hübſchen, ſtrammen Jungen, wie ich ihn vor zwanzig Jahren geſehen habe, als ich ſelbſt etwa fünfzehn zählen mochte. Spike war damals ein hübſcher Burſche, obgleich ich zugebe, daß er ein Schurke iſt. Ich ſeh' ihn noch heute in ſeinem dunkelblauen Wamms und ſeinen weiten Pludderhoſen, beide von ſchönem Tuche, viel zu ſchön für einen ſolchen Schurken; aber die Kleider waren ſchön, und ſtanden ihm auch ſchön.“ Hier machte Hans eine lange Pauſe, während welcher er vielleicht viel dachte, aber nichts ſprach. Aber er war nicht müßig. Im Gegentheil, er ging nicht weniger als dreimal von dem Feuer in das Zelt, und wieder zurück. So oft er durch die Veranda kam, betrachtete er den Dublonenſack aufmerkſam, ohne jedoch ſtehen zu bleiben, oder ihn zu berühren. Er mochte über Spike's Verſuche, dieſes Scha er vorübere Namen, ob Die S und als er einen kleine Budd und der folglich Beſchäftigu der auf: „Ich noch zu Gr Gold des? gelten, mei aber er kon Verſuch m Dieſer Sp für ihn. zehnjährige ein Mädch wohl eine werben dü Zeit iſt da kommen. „Mul Gewiſſen wiſſen hab delsſchiffe einem Gen geſchmugg 241—2 wäre ſchade, hm zu tadeln, s gibt Leute, en zu wenig ephan hat zu en, ein neun⸗ Er iſt, mei⸗ Die Menge, t allen Glau⸗ hren Haifiſch⸗ weitet hatte.“ dundern, und ſt ein ausge⸗ ſich noch für e ich ihn vor etwa fünfzehn ſcher Burſche, Ich ſeh' ihn s und ſeinen uche, viel zu Kleider waren ihrend welcher Aber er war weniger als wieder zurück. htete er den n zu bleiben, ke’'s Verſuche, — 305— dieſes Schatzes habhaft zu werden, nachdenken, denn ſo oft er vorüberging, murmelte er jedesmal ſeines Capitäns Namen, obgleich ſonſt nichts vernehmbar wurde. Die Sorge für das Mahl führte ihn her und hin, und als er das letzte Mal in das Zelt ging, begann er, einen kleinen Tiſch zurecht zu ſtellen, welchen er für Miſtreß Budd und ihre Nichte aus der Brigg geholt hatte, und der folglich noch in dem Zelte ſtand. Während dieſer Beſchäftigung nahm Hans Tier ſein Selbſtgeſpräch wie⸗ der auf: „Ich denke, dieſes Gold ſoll einem braven Burſchen noch zu Gute kommen. Es iſt mexikaniſches Gold, folglich Gold des Feindes, und kann geſetzlich als eine gute Priſe gelten, mein' ich. Stephan hatte ſtarkes Gelüſten darnach, aber er konnte es nicht bekommen. Der Nächſte, der einen Verſuch machte, den Schatz zu heben, kam leicht dazu. Dieſer Spike iſt ein Schurke, und das Geld war zu gut für ihn. Es war ganz gewiſſenlos von ihm, an ein neun⸗ zehnjähriges Mädchen denken zu wollen! Und überdieß ein Mädchen, das für einen Beſſeren paßt. Es war wohl eine Zeit, wo Stephan Spike um Roſa Budd hätte werben dürfen, das werde ich ſtets behaupten; aber jene Zeit iſt dahin, und, was ſchlimmer iſt, ſie wird nie wieder kommen. „Mulford wäre mir lieber, wenn er etwas weniger Gewiſſen hätte. Oheim Sam's Schiffe dürfen ein Ge⸗ wiſſen haben, obgleich dieß zuweilen einem ehrlichen Han⸗ delsſchiffe nicht angenehm ſein mag. Was thut man mit einem Gewiſſen, wenn Dollar hinaus⸗, oder Tabak herein⸗ geſchmuggelt werden ſollen? Ich glaube, ich habe ziemlich 241— 243. 20 — 306— ſo viel Gewiſſen, als man haben muß, und wenn ich je für zehn Dollar Werth ans Land geſchafft habe, ſo wird dieß Alles ſein. Aber Spike treibt das Geſchäft ins Große, und ich hab' ihm das viele hundert Male geſagt. Ich hätte ihm Alles nachgeſehen und verziehen, wenn er Roſa Budd nicht ſo ſchimpflich behandelt hätte; denn er iſt viel zu alt für etwas dieſer Art, von den Rechten Anderer gar nicht zu ſprechen. Er iſt durch und durch ein Schurke, und Niemand kann mehr oder weniger aus ihm machen. „Dieſe Suppe muß beinahe zum Auftragen fertig ſein, und ich will das Signal zu dem Mahle geben.“ Dieſes Signal war eine kleine Flagge, welche auf die Inſel gebracht worden war, um der Brigg ein Zeichen geben zu können, jetzt brauchte Hans ſie als Signalflagge für den Schoner. Wenn der Leſer ſein Auge dieſem Schiffe zuwendet, wird er die Gäſte gewahren, welche an dem von Hans bereiteten Tiſche Platz nehmen ſollten. Roſa, ihre Tante und Biddy ſaßen unter einem von Segeltuch bereiteten Schirmdache auf dem Deck des Schoners, welcher jetzt ſo leicht auf dem Waſſer ſchwamm, daß man die weſentliche Erleichterung, die ihm geworden, ſeit wir ihn verlaſſen, wohl gewahren konnte. Das war in der That der Fall geweſen, und der, welcher ſich dieſem Geſchäft unterzogen hatte, erſchien, ſobald ihm geſagt worden, die Flagge Hans Tier's ſei aufgehißt, in der Perſon Harry Mul⸗ ford's auf dem Deck. Das Boot des Leuchtthurms, in welchem Spike an das Land gekommen war, um Roſa zu holen, lag an des Schoners der Maat Dieſe dem Bere ſuchte, ſy den Auger haften Ar zur Folg⸗ welchem e leine zu l Dieß geſch dem Schi in dem T Boot hin entfernt Meeres e an Bord Alles rung auf Maat ode geſehen h Spike ein das ande jedoch nie Bord der ſei durch zerplatzen Als ſich anſch und gab wenn ich je abe, ſo wird Geſchäft ins Male geſagt. ſen, wenn er itte; denn er den Rechten ich und durch weniger aus en fertig ſein, en.“ welche auf die g ein Zeichen Signalflagge hiffe zuwendet, em von Hans ſa, ihre Tante tuch bereiteten velcher jetzt ſo die weſentliche rihn verlaſſen, That der Fall häft unterzogen n, die Flagge n Harry Mul⸗ chem Spike an en, lag an des — 307— Schoners Seite, und erklärte hinreichend, auf welche Weiſe der Maat die Brigg verlaſſen hatte. Dieſes Boot war in der Eile, mit welcher man aus dem Bereiche des Feuers der Kriegsſchluppe zu kommen ſuchte, ſpiegelwärts gefeſtigt worden, und Mulford hatte den Augenblick der allgemeinen Beſtürzung und der ſieber⸗ haften Anſtrengung, welche das Platzen der letzten Bombe zur Folge hatte, benützt, um von dem Hüttendeck, auf welchem er geſtanden, in dieſes Boot zu ſteigen, die Fang⸗ leine zu löſen, und die Swaſßh von ihm abgleiten zu laſſen. Dieß geſchah mit großer Schnelligkeit, und er blieb unter dem Schirme des Spiegels unbeachtet. Sobald der Maat in dem Boote war, faßte er ein Ruder, und ruderte ſein Boot hinter ein Inſelchen, welches kaum fünfzig Ellen entfernt war, und ſich hoch genug über die Fläche des Meeres erhob, um das Boot den Augen der Mannſchaft an Bord der Swaſh zu entziehen. Alles dieß ging ſo raſch vor ſich, und die Verwir⸗ rung auf dem Schiffe war ſo groß, daß Niemand den Maat oder das Boot gewahrte. Wenn man ihn aber auch geſehen hätte, wäre es kaum wahrſcheinlich geweſen, daß Spike einen Augenblick verloren hätte, um den einen oder das andere wieder habhaft zu werden. Man konnte ihn jedoch nicht ſehen, und blieb eine ganze Stunde lang an Bord der Swaſh allgemein der Anſicht, der ſchöne Maat ſei durch ein Stück von der ſozuſagen vor ihren Ohren zerplatzenden Bombe von dem Hüttendeck geſchleudert worden. Als man aber das Riff umſegelt hatte, und Spike ſich anſchickte, in das rauhe Waſſer zu treten, hielt er bei, und gab Befehl, ſeine Jolle, welche auch ſpiegelwärts 20* — — 308— vertaut war, an die Seite heranzuziehen und auf das Deck zu hiſſen. Jetzt begann die Mannſchaft, die das Leuchtthurmboot vermißte, die Wahrheit zu ahnen, obgleich Viele noch behaupteten, ein Eiſenſtück von der Bombe habe die Fangleine weggeriſſen, und der Maat ſei, frei von Verrath und Treubruch, in den Wellen geſtorben. Mulford war bei der Mannſchaft ſehr beliebt, und von Spike wegen ſeiner Berufstüchtigkeit und Biederkeit hochgeachtet; denn die letztere Eigenſchaft wird von Leuten von Spike's Charakter bei denen, welchen ſie Vertrauen ſchenken müſſen, eben ſo ſehr geſchätzt, wie von jedem Andern. Spike theilte aber nicht die Anſicht ſeiner Mannſchaft in Betreff des Grundes des Verſchwindens Mulford's. Er ſchrieb es lediglich ſeiner Liebe für Roſa zu, während es billigerweiſe ebenſo gut dem Entſchluſſe, nicht länger bei einem Manne zu bleiben, welcher offenbar des Hochverraths ſchuldig war, hätte beigemeſſen werden müſſen. Mulford hatte ſeinen Capitän ſchon lange in dem Verdachte des Schleichhandels, obgleich er keinen unmittelbaren Beweis dafür zur Hand hatte; jetzt aber konnte er nicht mehr zweifeln, daß er dem Feinde nicht nur Kriegsmunition liefere, ſondern ſein Schiff als feindlichen Kreuzer zu ver⸗ kaufen vorhabe, und vielleicht ſelbſt mit ſeiner Mannſchaft in mexikaniſche Dienſte treten wolle. Es iſt kaum nöthig, von dem Willkomm zu ſprechen, welcher Mulford zu Theil ward, als er an der Zeltinſel anlegte. Er und Roſa hatten eine vertrauliche Beſprechung miteinander, deren Ergebniß war, daß der hübſche Maat in das Geheimniß der wahren Gefühle ſeiner ſchönen Freundin gegen ihn eingeweiht wurde. Sie hatte ihn mit - Thräner welche i liebe für Wo Treue. gung ih dieſe ihr Gelegen bald ihr hübſches Mit Bedeutſe als daß Wünſche Roſa u bedrängt Abſichter Mu ſich von die Dub die Sch gejagte wiſſern, welches mußte d fäſſer, n ſeinen 2 Golf ge es daher Theil ſie auf das die das u, obgleich er Bombe ſei, frei orben. liebt, und Biederkeit von Leuten Vertrauen m Andern. nnſchaft in ord's. Er vährend es länger bei ochverraths Mulford rdachte des ren Beweis nicht mehr gsmunition zer zu ver⸗ Mannſchaft zu ſprechen, er Zeltinſel Beſprechung bſche Maat ner ſchönen ntte ihn mit - Thränen empfangen, und eine Erregung an den Tag gelegt, welche ihn ſehr ermuthigte, und jetzt ſtellte ſie ihre Vor⸗ liebe für ihn nicht in Abrede. Während dieſer Zuſammenkunft gelobten ſie ſich ewige Treue. Roſa zweifelte nicht daran, daß ſie die Einwilli⸗ gung ihrer Tante zu gehöriger Zeit erhalten würde, da dieſe ihre Vorliebe für die See und die Seeleute bei keiner Gelegenheit verleugnete; im entgegengeſetzten Falle war ſie bald ihre eigene Herrin, und konnte über ſich und ihr hübſches kleines Vermögen nach Belieben verfügen. Miſtreß Budd war aber in allen Fragen von einiger Bedeutſamkeit eine Null, und hatte zu viel Gutmüthigkeit, als daß das junge Paar erwarten konnte, ſie würde ſeinen Wünſchen hindernd entgegentreten. Die Beſorgniſſe, welche Roſa und Mulford in dieſem Augenblicke am meiſten bedrängten, bezogen ſich ausſchließlich auf Spike, ſeine Abſichten und ſeine wohlbekannte Ausdauer. Mulford war überzeugt, die Brigg würde, ſobald ſie ſich von der Kriegsſchluppe losgemacht, zurückkommen, um die Dublonen zu holen, andererſeits aber hoffte er, auch die Schluppe dürfte, wenn ſie es unmöglich fände, das gejagte Schiff einzuholen, wiederkehren, um ſich zu verge⸗ wiſſern, wie es mit dem Schoner ſtehe. Das Pulver, welches auf dem Inſelchen in die Luft geflogen war, mußte das Kriegsſchiff über den wahren Inhalt der Mehl⸗ fäſſer, welche die Brigg verladen hatte, völlig belehrt, und ſeinen Argwohn in Betreff der Zwecke der Swaſh in dem Golf geſteigert haben. Unter allen dieſen Umſtänden ſchien es daher gleich wahrſcheinlich, daß der eine wie der andere Theil ſich wieder in der Nähe der Golfinſeln zeigen werde. — 310— Während Mulford alles dieß reiflich erwog, benützte er den Augenblick eifrig, um ſeine Vorbereitungen zu treffen. Er fühlte, daß er ſeinem Vaterlande wegen der Rolle, die er, wenigſtens dem Anſcheine nach, in den letzten Begebniſſen geſpielt hatte, eine Sühne ſchuldig ſei, und er glaubte, ſich vor ſeinen Landsleuten hinreichend zu recht⸗ fertigen und ſie über ſeinen Charakter ins Klare zu ſetzen, wenn er den Schoner ſegelfertig machte und in die Hände der Behörden auslieferte. Sobald Roſa ſeine Abſichten und Beweggründe kannte, ging ſie mit dem Eifer und der Hingebung ihres Geſchlech⸗ tes darauf ein, denn die erwähnte kurze Stunde vertrau⸗ licher, offener Zwieſprache hatte ihre Theilnahme an Mul⸗ ford und Allem, was ihn anging, doppelt geſteigert. Hans Tier war an Bord eines Schiffes zu brauchen, obgleich ſeine kleine Geſtalt und ſein Mangel an Kraft ihn nicht zu allen Arbeiten eigneten, welche ſonſt dem Matroſen anheimfallen. Sein eigentlicher Wirkungskreis waren die Kajüten, und hier war ſeine Tüchtigkeit aner⸗ kannt, allein jetzt ging er Mulford auch auf dem Deck des Schoners in aller Weiſe hilfreich zur Hand. Die beiden erſten Tage war Miſtreß Budd auf der Inſel gelaſſen worden, damit ſie ſich der Küche annähme, während Mulford, von Roſa, Biddy und Hans Tier beglei⸗ tet, an Bord des Schoners gegangen war, und ſeine Pumpen wieder in Bewegung geſetzt hatte. Bei dieſer Arbeit konnte Roſa freilich wenig thun, oder auch nur zu thun verſuchen; da die Pumpen aber klein und leicht zu handhaben waren, erwieſen Hans und Biddy ſich ſehr nützlich. Am Ende des zweiten Tages waren die Pumpen leer; die F die Form ſ maſſe, welc Jetzt Gegenſtänd Hände. E das Waſſer nigt worde Trocknens Zuſtande, Arbeit ohn man die Lu warmen P einzigen Neo dritten Tag es wünſcht Bei d laut werde für die He⸗ der Inſel wodurch de gange dieſte Da di gewöhnlich denen an kommen. in Seema Land. Na nen Tiſch, wo eine ſe ig, benützte eeitungen zu wegen der in den letzten ſei, und er nd zu recht⸗ are zu ſetzen, n die Hände künde kannte, tes Geſchlech⸗ unde vertrau⸗ me an Mul⸗ eigert. zu brauchen, gel an Kraft he ſonſt dem Virkungskreis htigkeit aner⸗ uf dem Deck nd. Zudd auf der che annähme, s Tier beglei⸗ , und ſeine Bei dieſer auch nur zu und leicht zu ddy ſich ſehr n die Pumpen leer; die Fracht, welche noch in dem Schoner war, ſowie die Form ſeines Bodens trugen viel dazu bei, die Waſſer⸗ maſſe, welche herausgeſchafft werden mußte, zu mindern. Jetzt kamen alle Dublonen und mannigfach andere Gegenſtände, welche unter dem Deck waren, in Mulford's Hände. Es war vielleicht ganz gut, daß das Schiff unter das Waſſer gekommen und auf dieſe Weiſe gründlich gerei⸗ nigt worden war, und die Gegenſtände, welche man des Trocknens wegen auf das Deck brachte, waren in einem Zuſtande, daß die, welche ſie heraufbrachten, eine ſolche Arbeit ohne große Beläſtigung verrichten konnten. Indem man die Luken und Kajütenthüren offen ließ, trockneten die warmen Paſſatwinde das Innere des Schoners in einer einzigen Nacht aus, und als Mulford ſich am Morgen des dritten Tages an ſein Bord begab, fand er Alles, wie er es wünſchte. Bei dieſer Gelegenheit hatte Miſtreß Budd den Wunſch laut werden laſſen, Harry möge ſie mitnehmen, damit ſie für die Herrichtung der Kajüte ſorge, und Hans war auf der Inſel geblieben, um das Mittagseſſen zu bereiten, wodurch der Stand der Dinge, wie wir ihn bei dem Ein⸗ gange dieſes Kapitels fanden, hinreichend erläutert iſt. Da die, welche ſich anſtrengender Arbeit widmen, ſich gewöhnlich nach ihrem Mahle ſehnen, war die Signalflagge denen an Bord des Schoners nichts weniger, als unwill⸗ kommen. Sie beſtiegen das Boot und Mulford ruderte ſie, in Seemannsweiſe nur die eine Hand brauchend, an das Land. Nach wenigen Minuten ſaßen ſie Alle um den klei⸗ nen Tiſch, welcher in die Veranda gebracht worden war, wo eine ſchöne Kühlte wehte. —— „So weit iſt Alles gut,“ ſagte Mulford, nachdem der Eßluſt weſentlich Genüge geſchehen, während Roſa an dem Brode pickte und ſich ſtellte, als eſſe ſie bloß, um ihm Geſellſchaft zu leiſten,— einer der kleinen Beweiſe von Aufmerkſamkeit jeder Art, wie die Liebe ſie eingibt.—„So weit iſt Alles gut. Die Segel ſind angeſchlagen, und obgleich ſte neuer und beſſer ſein könnten, ſind ſie brauch⸗ har. Es war ein glücklicher Zufall, daß ſich in einem mexikaniſchen Schiffe dieſer Größe überhaupt eine Anzahl Nothſegel vorfanden. Wir haben jetzt Fockſegel, großes Segel und Klüver, und mit ſolchem Tuche können wir es, glaube ich, wagen, nach Key⸗Weſt zu gehen. In vier und zwanzig Stunden haben wir den Platz erreicht. Wir könnten eher dort ſein, wenn ich es wagen dürfte, aus dem Riff herauszutreten, denn, wie ich höre, zieht zuweilen eine vier Knoten raſche Strömung in dieſer Rich⸗ tung; ich darf aber, da es mir an Händen fehlt, etwas dieſer Art nicht wagen. Die Strömung innerhalb des Riffes muß uns zu ſtatten kommen, und wenn wir unter der Lee der Felſen bleiben, werden wir glattes Waſſer bekommen. Wenn wir nur zwiſchen dem Ende des Riffs und auf der Höhe der Küſte in kein Neer*) kommen. „Iſt dieß gefährlich?“ fragte Roſa, welche nun lange genug auf der See war, um bei ihrem raſchen Verſtande in vielen ſolchen Dingen mitſprechen zu können. „Es kann gefährlich ſein, wenn man die Bildung des Riffs und der Inſeln erwägt, obgleich ich nicht aus *) Gegenſtrömung. Der Ueberſetzer. eigener Er erſten Mal „Mit Budd ein, ſtehen. D unangenehr „Ich ebenſo wil abhängen, „Roſt Du geleſen ſchied ſehr Mann ſch günſtig iſt, laufen mit nicht mit nicht ein? „Alle warum Ne „Wei die Fluth nicht ſo, daß Jema „Ebe Budd,“ hörte, daß lichen Na welcher di „Darin a d, nachdem der d Roſa an dem bloß, um ihm 1 Beweiſe von ingibt.—„So eſchlagen, und ind ſie brauch⸗ ſich in einem pt eine Anzahl kſegel, großes he können wir zu gehen. In Platz erreicht. wagen dürfte, ch höre, zieht in dieſer Rich⸗ mfehlt, etwas innerhalb des un wir unter lattes Waſſer inde des Riffs kommen. che nun lange hen Verſtande en. mdie Bildung ich nicht aus Ueberſetzer. — 313— eigener Erfahrung davon ſprechen kann. Ich bin zum erſten Male in dieſer Gegend.“ „Mit Neeren iſt kein Scherz zu treiben,“ fiel Miſtreß Budd ein,„und mein guter Mann konnte ſie nicht aus⸗ ſtehen. Die Fluth iſt etwas Gutes, aber Neere ſind ſehr unangenehm.“. „Ich ſollte denken, Tantchen, ein Neer müßte zuweilen ebenſo willkommen ſein, als eine Fluth. Alles muß davon abhängen, welchen Curs man verfolgen will.“ „Roſy, Du ſetzeſt mich in Erſtaunen. Alles, was Du geleſen und ſelbſt geſehen haſt, muß Dir den Unter⸗ ſchied ſehr eindringlich machen. Sagt man nicht:„dieſer Mann ſchwimmt mit der Fluth,“ wenn ihm das Glück günſtig iſt, und gehen Schiffe nicht mit der Fluth ab und laufen mit ihr dem Wind entgegen? Segeln die Schiffe nicht mit Hilfe der Fluth bis zur Stadt heran, und iſt es nicht ein Vortheil, die Fluth für ſich zu haben?“ „Alles ſehr gut, Tantchen; ich ſehe aber nicht ein, warum Neere deßwegen ſchlimmer werden?“ „Weil Neere der Gegenſatz der Fluthen ſind. Wenn die Fluth ſüdwärts geht, geht die Neer nordwärts, iſt’s nicht ſo, Harry Mulford? Ihr habt gewiß nie gehört, daß Jemand in einer Neer ſchwamm?“ „Eben das verſtehen wir unter einer Neer, Miſtreß Budd,“ verſetzte der hübſche Maat, der mit Entzücken hörte, daß Roſa's Tante ihm einen ſo freundlichen, vertrau⸗ lichen Namen gab, nie hatte ſie ihn vor dem Verkehre, welcher die Folge ihrer jetzigen Lage war, ſo genannt. „Darin aber ſtimme ich Roſa bei, daß Neere, wie Ebbe — 314— und Fluth, gut oder ſchlimm ſein können, je nachdem man zu ſteuern wünſcht.“ „Ihr ſetzt mich Beide in Erſtaunen! Von Ebbe und Fluth ſpricht man ſtets günſtig, von Neeren niemals. Wenn ein Schiff auf eine Sandbank läuft, kann die Fluth es losmachen; dieß habe ich tauſend Mal gehört. Und was lieſt man in den Zeitungen von unſerm Präſidenten, von manchen Statthaltern und Congreßmitgliedern? Nun,„ſie gehen mit der Fluth der öffentlichen Meinung,“ und das muß etwas Gutes ſein, denn dieſe Leute bleiben in ihren Aemtern und Stellen. Nein, nein, Harry, ich weiß wohl, daß Ihr Euch auf Schiffe verſteht, aber in Betreff der Neere ſeid Ihr noch ſehr im Rückſtande. Traut ja keiner Neer, ſo lieb Euch das Leben iſt.“ Mulford ſchwieg, und Roſa nahm die Gelegenheit wahr, dem Geſpräch eine andere Wendung zu geben. „Ich hoffe, wir werden dieſe Inſeln bald verlaſſen kön⸗ nen,“ ſagte ſie;„denn ich geſtehe, ich fürchte die Rückkehr des Capitäns Spike ſehr.“ „Ich habe mich in Capitän Spike ſehr getäuſcht,“ bemerkte die Tante ernſt.„Ich wüßte nicht, daß ich mich je in der Beurtheilung eines Menſchen geirrt hätte. Ich hätte geſchworen, er ſei ein ehrlicher, gerader, gutdenkender Seemann,— ein Charakter, wie ich ihn vorzugsweiſe liebe; es hat ſich aber anders herausgeſtellt.“ „„Er iſt ein Schurke!“ grollte Hans Tier. Mufford lächelte, ob über der Tante oder Tier's Worte, müſſen wir hingeſtellt ſein laſſen; aber er ant⸗ wortete Roſa, wie immer, raſch und freudig. „Der Schoner iſt bereit, und dieſe Mahlzeit muß unſere letz Ausrüſtun Key⸗Weſt Was die nicht. Be der Krieg Mann, de wußte.“ „Ste ſiel Hans und ſeine „Tug ſolchen D der Ernſt „Das W ganz and Hane das Geſp Roſa Key⸗Wef gegen ſech wärts, Reiſe fü acht Kno⸗ auswichen welche in In keine gro leichte S alle ſeine hdem man Ebbe und ls. Wenn Fluth es Und was enten, von Nun,„ſie „ und das n in ihren weiß wohl, Betreff der at ja keiner Gelegenheit geben. rlaſſen kön⸗ die Rückkehr getäuſcht,“ daß ich mich hätte. Ich gutdenkender vorzugsweiſe oder Tier's aber er ant⸗ tahlzeit muß — 315— unſere letzte auf dem Lande ſein,“ ſagte er.„Unſere Ausrüſtung iſt nicht ſehr ſtattlich, wenn ſie uns aber nach Key⸗Weſt führt, ſo hat ſie ihrem Zwecke entſprochen. Was die Rückkehr der Swaſßh betrifft, ſo bezweifle ich ſie nicht. Bei dem Vorſprunge, welchen ſie hatte, wird ſie der Kriegsſchluppe leicht entſchlüpfen, und Spike iſt ein Mann, der nie eine Dublone aufgab, wenn er ſie zu finden wußte.“ „Stephan Spike gleicht allen ſeinen Mitmenſchen,“ ſiel Hans Tier bedeutungsvoll ein.„Er hat ſeine Fehler und ſeine Tugenden.“ „Tugend iſt ein Ausdruck, welchen ich nie auf einen ſolchen Mann anwenden werde,“ verſetzte Mulford, den der Ernſt des kleinen Mannes nicht wenig überraſchte. „Das Wort iſt ein gewichtiges, und bezieht ſich auf eine ganz andere Menſchenklaſſe.“ Hans murmelte etwas, das Niemand verſtand, und das Geſpräch wechſelte abermals. Roſa fragte jetzt Mulford hinſichtlich der Reiſe nach Key⸗Weſt aus. Er ſagte ihr, die Entfernung betrage gegen ſechszig engliſche Meilen, und ihr Curs führe nord⸗ wärts, oder innerhalb des Florida⸗Riffes. Die ganze Reiſe führe den Paſſatwinden entgegen, welche eben eine acht Knotenkühlte blieſen, obgleich ſie, indem ſie den Neeren auswichen, in eine Strömung zu treten hoffen könnten, welche innerhalb des Riffes weniger ſtark ſei, als außerhalb. In Betreff der Lenkung des Schoners fand Mulford keine große Schwierigkeit. Er war nicht groß, und hatte leichte Spieren und eine leichte Takelage. Spike hatte alle ſeine obern Segel abnehmen laſſen, und er ſchwamm — 316— in ſeiner einfachſten und bequemſten Bekleidung in dem Becken. Ein ſolches Schiff war, wenn es dicht beim Wind ging, nicht ſchwer zu ſteuern, mußte ſich, bei glattem Waſ⸗ ſer, beinahe ſelbſt ſteuern. Hans Tier konnte bei jedem Wetter, ſelbſt wenn das Schiff vor dem Wind lief, das Steuer regieren, und Roſa war leicht mit der Ruderpinne bekannt zu machen und zu lehren, wie die Bewegungen eines ſo kleinen und leicht getakelten Schiffes beim Wind und in glattem Waſſer zu lenken ſeien. Hinſichtlich der Leitung des Schoners glaubte Mulford daher ohne Beſorgniß ſein zu dürfen. Wenn das Wetter gemäßigt blieb, hoffte er, die Geſellſchaft in vier und zwanzig Stunden wohlbehalten auf Key⸗Weſt an das Land zu ſetzen. Mit vollen Segeln konnte er nicht laufen, da er ſo nicht im Stande geweſen wäre, den Schoner zu bewältigen, da dieſer jetzt in leichtem Ballaſt ging und nicht viel Tuch tragen konnte. Er glaubte, die Abreiſe nicht länger hinausſchieben zu dürfen, da zu erwarten war, daß die Brigg bald in der Nähe der Inſeln ein⸗ treffen würde. Alles dieß wurde beſprochen, während die Geſellſchaft um den Tiſch ſaß, und als man ſich kurz darauf erhob, machte man ſogleich Anſtalten, um Alles in das Boot zu ſchaffen, was man mitzunehmen gedachte. Dieß war bald abgethan, denn Tier und Biddy erwieſen ſich ſehr dienſtfertig, und Roſy eilte mit dem beſchwingten Tritte der Gazelle her und hin, um leichtere Gegenſtände zu bergen. Nach einer halben Stunde war das Boot bereit. „Hier liegt noch der Sack mit den Dublonen,“ ſagte Mulford lächelnd;„wir müſſen ihn hier zurücklaſſen, oder bei dem 2 den Bergle „Laßt wartet.„ gibt er ſie ausgucken. glauben, alten Step „Ich aber den E ſie entgege am Herzer „Ich ſtimr ſpaniſchen um es den wir, glau Strande z Dami Sack und einwenden ſchaft folg Nach das Deck Segeln, w die Vorrä auf dem Fäſſer mit gefunden und feiner ſich mitgen ing in dem beim Wind ſlattem Waſ⸗ te bei jedem nd lief, das Ruderpinne Bewegungen beim Wind abte Mulford das Wetter in vier und geſt an das nicht laufen, Schoner zu ſt ging und die Abreiſe zu erwarten Inſeln ein⸗ Geſellſchaft arauf erhob, das Boot zu jeß war bald dienſtfertig, Gazelle her Nach einer dnen,“ ſagte klaſſen, oder — 317— bei dem Admiralitätsgerichte zu Key⸗Weſt abgeben und den Berglohn in Anſpruch nehmen.“ „Laßt ihn lieber für Spike liegen,“ ſagte Hans uner⸗ wartet.„Wenn er zurückkommt und die Dublonen findet, gibt er ſich zufrieden, und wird nicht nach dem Schoner ausgucken. Wenn er aber das Schiff nicht ſindet, wird er glauben, es berge die Dublonen. Laßt ſie lieber den alten Stephan!“ 33 „Ich ſtimme Euch nicht bei, Tier,“ ſagte Roſa, blickte aber den Stellvertreter des Proviantmeiſters, deſſen Anſicht ſie entgegentrat, ſo freundlich an, als wenn es ihr ſehr am Herzen läge, ihn für ihre Meinung zu gewinnen. „Ich ſtimme Euch nicht ganz bei. Dieſes Geld gehört dem ſpaniſchen Kaufherrn, und da wir ſein Schiff mitnehmen, um es den Behörden von Key⸗Weſt zu überliefern, haben wir, glaube ich, kein Recht, ſein Gold hier auf dem Strande zu laſſen und es preiszugeben.“ Damit war die Sache abgethan. Mulford nahm den Sack und trug ihn, ohne abzuwarten, ob Hans Tier etwas einwenden würde, in das Boot, während die ganze Geſell⸗ ſchaft folgte. Nach wenigen Minuten war Alles aus dem Boote auf das Deck des Schoners geſchafft. Das Zelt mit den alten Segeln, welche es bekleideten, die Geräthſchaften darin und die Vorräthe, deren man nicht bedurfte, alles dieß wurde auf dem Inſelchen gelaſſen. Der Schoner hatte mehrere Fäſſer mit Waſſer an Bord, die man im untern Raume gefunden hatte, ſowie einige Fäſſer mit geſalzenem Fleiſch und feinere Eßwaaren, welche Señor Montefalderon für ſich mitgenommen hatte, und die vom Waſſer nicht beſchä⸗ — 318— digt worden waren. Ein Fäßchen mit Boſtoner Zwieback war unter dieſen Leckerbiſſen, und hatte ſich theilweiſe ſehr gut erhalten. Dieſer Zwieback war Biddy's Wonne, und man ſah ſie ſelten, ohne daß ſie ihre noch ſehr ſchönen Zähne damit beſchäftigte. Das Schiffsbrod war nicht mehr zu brauchen; Hans hatte aber, als er auf der Inſel war, hinreichende Vorräthe gebacken, und in dem untern Raume des Schoners waren noch faſt hundert Fäſſer mit Mehl. Eines derſelben war auf das Deck gehißt und geöffnet worden. Das beſchädigte Mehl wurde leicht entfernt, und es blieb genug übrig, um die Küche damit zu verſorgen. Das Pulverfaß aber wurde ſogleich in das Meer verſenkt. Nachdem Mulford in dieſer Weiſe für Alles geſorgt hatte, kündigte er an, es ſei Zeit, den Ankerplatz zu ver⸗ laſſen. Er hatte den größeren Theil des Morgens dazu verwendet, den Anker des Schoners heraufzubringen, eine für ihn ſehr mühſame Arbeit, obgleich ihm Alle Beiſtand geleiſtet hatten. Es war ihm gelungen, und das Schiff lag jetzt nur noch vor einem Katanker, welchen er mittelſt eines Decktakels leicht heben konnte. So war nichts mehr zu thun, als dieſen Katanker heraufzubringen, und aus dem Becken der Inſeln abzu⸗ halten. Sobald das Boot ſpiegelwärts vertaut und deſſen Inhalt beigeſtaut war, begann der Maat die Segel auf⸗ zuziehen. Um das große Segel aufzuhiſſen, mußte er die Fallen an das Bratſpill bringen. Auf dieſe Weiſe erreichte er ſeinen Zweck ohne viele Mühe. Er, Hans Tier und Biddy hißten den Klüver mit der Hand auf, und das Fockſegel ſetzte ſich faſt von ſelbſt bei. Natürlich wurde es nicht eher berührt, als bis der Katanker herauf war. Mulford f hatte bald ſehen. Da H derkaſtel zu und nahm Stelle ſein Es if zu bringer Bewegung auch mit d gut ſegeln war, was es urſprür und obgle Segler“ Art Schiff derſelben wie es g⸗ den Beſitz gekürzt u kam Mulf lichen Ta und beach Die zückte All Budd. 2 gehorchte mit dem ein wenig der Zwieback eilweiſe ſehr Wonne, und hönen Zähne cht mehr zu Inſel war, atern Raume r mit Mehl. und geöffnet ntfernt, und zu verſorgen. deer verſenkt. Alles geſorgt platz zu ver⸗ korgens dazu bringen, eine Alle Beiſtand d das Schiff hen er mittelſt jeſen Katanker Inſeln abzu⸗ aut und deſſen die Segel auf⸗ mußte er die Weiſe erreichte Hans Tier und auf, und das atürlich wurde r herauf war. — 319— Mulford fand es nicht ſchwierig, dieſen zu lichten, und hatte bald die Freude, ſein Schiff des Grundes klar zu ſehen. 3 3 Da Hans Tier in jeder Art geeignet war, das Vor⸗ derkaſtel zu übernehmen, eilte Mulford nun nach hinten, und nahm ſeinen Platz am Steuer ein, während Roſa die Stelle ſeines Gehülfen auf der Schanze abgab. Es iſt keine Hexerei, ein ſo kleines Schiff in Gang zu bringen. Seine Segel füllen ſich natürlich, und die Bewegung folgt als nothwendiges Geſetz. So war es auch mit dem mexikaniſchen Schoner, welcher ſich als ein gut ſegelndes und leicht bewegliches Schiff erwies. Es war, was man einen„amerikaniſchen Boden“ nennt, da es urſprünglich für den Cheſapeare gebaut worden war; und obgleich es eigentlich kein ſogenannter„Baltimore⸗ Segler“ war, näherte es ſich an Geſtalt und Bau dieſer Art Schiffe ſo ſehr, daß es die weſentlicheren Eigenſchaften derſelben anſprechen konnte. Der Mexikaner hatte jedoch, wie es gewöhnlich zu geſchehen pflegt, wenn Fremde in den Beſitz amerikaniſcher Schoner kommen, die Maſten gekürzt und das Segeltuch verringert. Dieſer Umſtand kam Mulford ziemlich zu ſtatten, denn unter der urſpruͤng⸗ lichen Takelage des Schiffes hätte er mehr zu beſchaffen und beachten gehabt, als er wünſchen konnte. Die leichte und raſche Bewegung des Schoners ent⸗ zückte Alle, ſelbſt die ſchwer zu befriedigende Miſtreß Budd. Als Mulford ſein Schiff unter Segel hatte, gehorchte es ihm ſpielend, und er hielt auf die Durchfahrt mit dem Winde flach vor dem Becken ab, und holte dann ein wenig auf, um zwiſchen die Inſeln zu treten. Keine Schwierigkeit bot ſich dar, und in weniger als zehn Mi⸗ nuten war das Schiff der Kanäle klar nnd im offenen Waſſer. Die Schoten wurden nun flach beigeholt und der Schoner dicht bei den Wind gebracht. Sobald Mulford den Verſuch gemacht hatte, das Schiff auf dieſe Weiſe zu führen, that es ihm leid, daß er ſo viele Vorſichtsmaß⸗ regeln gegen die wachſende Gewalt des Windes getroffen hatte. Um auf jeden Fall gefaßt zu ſein und ſein Schiff beſſer in der Gewalt zu haben, hatte er das große Segel aufgerefft und das Bonnet des Fockſegels und des Klüvers losgeriſſen. Da der Schoner ſich beſſer hielt, als er erwartet hatte, erging es ihm, wie es wohl jedem See⸗ manne zu ergehen pflegt, wenn er ſieht, daß ſein Schiff mehr leiſten kann, als er zu hoffen Grund hatte. Da die Kühlte jedoch friſch war, beſchloß er, das Segel gerefft zu laſſen, und die Arbeit, die Bonnets wieder anzubinden, war zu groß, als daß er in dieſem Augenblicke ſich dazu hätte entſchließen mögen. Wir freuen uns Alle, wenn wir, durch die Verhält⸗ niſſe gedrängt, in Bewegung kommen. Mulford war dieſen ganzen Tag wegen des Wiedererſcheinens der Brigg in großer Beſorgniß geweſen, denn die Zeit war jetzt heran⸗ gekommen, wo Spike's Rückkehr erwartet werden konnte, ſofern er der Kriegsſchluppe glücklich entſchlüpft war, und der junge Mann fürchtete, Roſa wieder in die Hände eines ſo verzweifelten Burſchen fallen zu ſehen. Auch wollen wir es nur der ganzen natürlichen Sorge für ſich ſelbſt anheimgegeben wiſſen, wenn wir bemerken, er ſei ſeinetwegen nicht ganz ohne Unruhe geweſen. Spike mußte jetzt deſſen gewiß ſe er mußte als eine welches ſein moch lichen Ve würde, u digen an, dieß zu zu nehme Mulford, Schiffe ſa daß ſelbſt Jagd, Sie Alle Schoner w offene Waf um Faden den entſchr eine Vierte ſo fern, d Horizont zu Jetzt f und die Fr ein, welche Raum und „Nun, Seeluft kräf gend fand, Das verſten 241— 243 ls zehn Mi⸗ im offenen lt und der ald Mulford ſe Weiſe zu orſichtsmaß⸗ des getroffen ſein Schiff große Segel des Klüvers lt, als er jedem See⸗ ſein Schiff te. Da die el gerefft zu anzubinden, ke ſich dazu ie Verhält⸗ war dieſen Brigg in jetzt heran⸗ den konnte, war, und Fände eines uch wollen ſich ſelbſt einetwegen jetzt deſſen gewiß ſein, was den Maat in den Golf zurückgeführt hatte; er mußte den, welcher ſich ſeiner Dienſte ſo offen entzogen, als einen Verräther an ſeinen Intereſſen betrachten, welches auch ſein Verhältniß zu den Geſetzen des Landes ſein mochte. Es war wahrſcheinlich, daß Spike den angeb⸗ lichen Verbrecher nicht vor die Gerichte des Landes rufen würde, um ſich zu rechtfertigen und den wahrhaft Schul⸗ digen anzuklagen, wenn es in des Letzteren Macht ſtand, dieß zu verhindern. Je gewiſſer alſo Spike ſelbſt Rache zu nehmen entſchloſſen ſein mußte, deſto mehr freute ſich Mulford, als er ſich auf den blauen Waſſern und in einem Schiffe ſah, welches in einer Weiſe dahinlief, die bewies, daß ſelbſt die Swaſh Mühe haben würde, im Fall einer Jagd, Siegerin zu bleiben. Alle an Bord theilten Mulford's Heiterkeit, als der Schoner wacker aus den Inſeln hinauslief und in das offene Waſſer trat. Sein Fahrwaſſer ſpannte ſich Faden um Faden aus, bis es dem Auge an den ſandigen Geſta⸗ den entſchwand, welche man eben verlaſſen hatte. Noch eine Viertelſtunde, und das Schiff ſtand dem Lande bereits ſo fern, daß die kleineren, flacheren Inſeln unter den Horizont zu treten begannen. Jetzt ſammelte ſich die Geſellſchaft auf der Schanze, und die Frauen nahmen ihre Sitze auf den Verſchlägen ein, welche hier, wie an Bord der Swaſh, den Kajüten Raum und Höhe gaben. „Nun,“ rief Miſtreß Budd, welche die Friſche der Seeluft kräftigend und die Naſchheit des Schoners erre⸗ gend fand,„das heiße ich ein Seeleben, liebe Roſy. Das verſteht man unter Seeſtaaten, von welchen wir ſo 241— 243. 21 — 322— viel geleſen haben, und die man allgemein für ſo wichtig hält. Wir ſind jetzt in einem Seeſtaat, und ich fühle mich, nach all den Gefahren und Abenteuern, denen wir preisgegeben waren, völlig glücklich.“ „Ja, Tantchen, und ich bin entzückt, Euch glücklich zu wiſſen,“ erwiederte Roſa mit offener Herzlichkeit.„Wir ſind jetzt dieſes ſchändlichen Spike los, und können hoffen, ihn nie wieder zu Geſicht zu bekommen.“ „Stephan Spike hat ſeine guten Seiten, ſowie jeder Andere,“ ſiel Hans Tier kurz ein. „Ich weiß, daß er Euer alter Schiffsgenoſſe iſt, Tier, und daß Ihr nicht vergeſſen könnt, in welchem Verhält⸗ niß er einſt zu Euch ſtand, und es thut mir leid, daß ich ſy viel gegen ihn geäußert habe,“ antwortete Roſa, und drückte ihr Bedauern mehr noch durch Blick und Betonung, als durch Worte aus. Hans fühlte ſich dadurch beſänftigt, und ließ dieß Gefühl auch gewahren, obgleich er nur vor ſich hinmur⸗ melte:„Er iſt ein Schurke!“ Worte, welche man in den letzten Tagen öfter von ihm hatte ausſtoßen hören. „Stephan Spike iſt ein tüchtiger Seemann, und dieß iſt ſtets etwas,“ bemerkte die Wittwe des Capitäns Budd. „Er lernte ſeine Kunſt von Jemandem, welcher in jeder Weiſe geeignet war, ſie ihn zu lehren, und es iſt kein Wunder, daß er ſeinen Beruf meiſterhaft kennt.— Herr Mulford, werdet Ihr den ganzen Weg bis Key⸗Weſt den Wind ſchlagen müſſen?“ Man konnte nicht ernſthafter dreinſchauen, als der Maat that, ſo oft die Wittwe mit Seeausdrücken heran kam. Roſa hatte ihn gewahren laſſen, daß die Achtung gegen ihre T er ſich ihre? nie eine Syl „Ja, „wir ſind zu Zoll Wegs l „Zu we Roſy?“ frag daß man F aber dieſe l Gibraltar zu ſchen Meere, hat; und ich dieſen Name Key⸗Weſt hi „Hier i Tantchen. „Und n Inſel„Key? „Man m ausladen, zu Franzoſen ne glaube, unſer ſandige Inſ Aehnlichkeit Namen. Rei „Es iſt *) Key, der ür ſo wichtig and ich fühle , denen wir Euch glücklich ichkeit.„Wir önnen hoffen, ‚ſowie jeder oſſe iſt, Tier, hem Verhält⸗ leid, daß ich e Roſa, und nd Betonung, nd ließ dieß ſich hinmur⸗ man in den hören. un, und dieß pitäns Budd. cher in jeder d es iſt kein int.— Herr dey⸗Weſt den nen, als der drucken heran die Achtung gegen ihre Tante eine der Bedingungen ſei, unter welcher er ſich ihre Theilnahme gewinnen könne; Roſa hatte aber nie eine Sylbe in dieſem Betreffe geſagt. „Ja, Ma'am,“ antwortete der Maat ehrerbietig, „wir ſind zwiſchen den Wendekreiſen, und müſſen jeden Zoll Wegs bis Key⸗Weſt gegen den Wind ſegeln.“ „Zu welchem Schloſſe iſt dieſer Ort der Schlüſſel,*) Roſy?“ fragte die Tante ziemlich unſchuldig.„Ich weiß, daß man Forts und Städte zuweilen Schlüſſel nennt, aber dieſe haben dann immer irgend eine Art Schloß. Gibraltar zum Beiſpiel iſt der Schlüſſel zum mittelländi⸗ ſchen Meere, wie Dein Oheim mir fünfzig Mal geſagt hat; und ich bin dort geweſen und begreife, warum es dieſen Namen hat, aber ich weiß nicht, wie es mit dieſer Key⸗Weſt hier ausſieht.“ 3 „Hier iſt gar nicht von einem Schlüſſel die Rede, Tantchen. Key⸗Weſt iſt eine Inſel.“ „Und warum iſt man ſo einfältig und heißt eine Inſel„Key?“ „Man nennt in unſerem Lande den Platz, wo Schiffe ausladen, zuweilen ein Kai,“ antwortete Mulford;„die Franzoſen nennen es Quai und die Holländer Kaye. Ich glaube, unſer Ausdruck ſchreibt ſich daher. Da nun faache, ſandige Inſeln mit ſolchen Kaien oder Werften einige Aehnlichkeit haben mögen, geben die Seeleute ihnen dieſen Namen. Key⸗Weſt iſt bloß eine flache Inſel.“ „Es iſt alſo kein Schloß oder etwas ähnliches, des *) Key, der Schlüſſel und das Kai. Der Ueberſetzer. 4 21* Schlüſſels bedürftiges dabei?“ fragte die Wittwe in der einfachſten Weiſe. „Es iſt möglich, daß Key⸗Weſt eines Tages der Schlüſſel zu dem Golfe von Mexiko wird, Ma'am. Oheim Sam hat das Riff ſcharf im Auge und ſcheint hier auf etwas zu ſinnen. Wenn Oheim Sam Ernſt macht, iſt er großer Dinge fähig.“ Miſtreß Budd war mit dieſer Erklärung zufrieden, obgleich ſie Biddy am Abend ſagte:„Schlöſſer und Schlüſſel gehörten zuſammen, und derjenige, welcher die Inſel, auf die ſie zuſteuerten, getauft habe, müſſe in ſeinem Oberſtockwerke ſehr ſchwach geweſen ſein.“ Solche Bemerkungen über die Geiſtesgaben Anderer waren bei der Wittwe nicht ſehr ungewöhnlich; auch könnten wir nicht ſagen, daß ihre Aeußerung auf die iriſche Dienerin großen Eindruck gemacht hätte. Mittlerweile zeigte ſich der mexikaniſche Schoner ganz zu Mulford's Zufriedenyeit. Wie ihm vorkam, war er ein wenig ſchwach in den Böen, welche ſich dieſen Nachmittag einigemal eingeſtellt hatten, als Roſa jedoch ihre Be⸗ ſorgniß über die Art, wie er ſich während einer derſelben auf die Seite legte, laut werden ließ, ſagte er:„Das Schiff halte ſich ganz gut in dem Waſſer, und wenn ihm nicht zu viel zugemuthet werde, würde es ſeinen Dienſt thun; es habe zu wenig Ballaſt, um ihm eine Stütze im Waſſer zu geben, obgleich er es ſo ſteif finde, als er nur gehofft habe; er freue ſich jetzt, daß das große Segel eingerefft und das Tuch oben geborgen ſei, ein Schritt, welchen er in den erſten Stunden faſt bereut habe. Wie das Schiff zu erreicher Allein jetzt ſegelte die Kühlte gewöhnlich Ordnung Als herrlichen fluth— 1 ford brau⸗ möchte auf an die M jetzt war a Zwiſch tretenden 2 Raum offern Strecke en über die O auf dem kann ein E während i kann. Du ein tiefer, bekannt ſin wenn ſie v immer abe Richtung n Nachts, vo Mulfo ttwe in der Tages der im. Oheim ut hier auf nacht, iſt er g zufrieden, chlöſer und welcher die 2, müſſe in n.“ ben Anderer hnlich; auch ung auf die e. Schoner ganz , war er ein Nachmittag och ihre Be⸗ iner derſelben te er:„Das nd wenn ihm ſeinen Dienſt ine Stütze im e, als er nur große Segel „ein Schritt, ut habe. Wie — 325— das Schiff jetzt ſegle, hoffe er den andern Tag Key⸗Weſt zu erreichen.“ Allein die Geſchwindigkeit, mit welcher der Schoner jetzt ſegelte, hielt nicht an. Gegen Abend ermüdete ſich die Kühlte faſt bis zur Windſtille, da der letzte Orkan die gewöhnlichen, ſo beſtändigen Paſſatwinde ganz aus ihrer Ordnung gebracht zu haben ſchien. Als die Sonne unterging— und ſie ſank in die herrlichen Waſſer des Golfes mit einer wahren Flammen⸗ fluth— wehte kaum eine zwei Knotenkühlte, und Mul⸗ ford brauchte nicht mehr beſorgt zu ſein, der Schoner möchte aufhören„zu arbeiten.“ Er dachte jetzt nur noch an die Möglichkeit, mit Spike zuſammenzutreffen. Bis jetzt war aber weder Land noch Schiff ſichtbar. Zwiſchen den Dry⸗Tortugas und den zunächſt hervor⸗ tretenden Inſeln liegt ein vierzig engliſche Meilen breiter Raum offenen Waſſers. Das Riff zieht ſich natürlich dieſe Strecke entlang, nirgends aber erheben ſich die Klippen über die Oberfläche des Waſſers. Die Tiefe des Waſſers auf dem Riff wechſelt bedeutend. An manchen Stellen kann ein Schiff nahe daran, wenn nicht darüber ſegeln, während man an anderen meilenweit darauf hinwaten kann. Durch den Mittelpunkt dieſes offenen Raumes führt ein tiefer, ſicherer Kanal,— ſicher für die, welche damit bekannt ſind,— und zuweilen nehmen Schiffe dieſen Curs, wenn ſie von einer Seite zu der andern gelangen wollen; immer aber thun die, deren Geſchäfte ſie nicht in jene Richtung ruft, am beſten, wenn ſie ſich, beſonders des Nachts, von dieſen Klippen fern halten. Mulford hatte während des Aufenthaltes in dem — — 326— Becken der Tortugas die weſentlichſten Winke in Bezug ſo günſtig; auf dieſe Durchfahrt und die Beſchiffung dieſer Gewäſſer„einkehrt durch Spike und die übrigen Matroſen der Brigg erhalten. hier ſo liebl Fragen und Antworten dieſer Art ſind an Bord der Schiffe von ihren 2 ſehr gewöhnlich, und da die Fragen in der Regel ver⸗ kehrt;“ bed ſtändig geſtellt und beantwortet werden, konnte ein Mann ſo rufen wit von der Faſſungskraft und Erfahrung unſeres Maat ſich ich könnten manche nutzreiche Belehrung aneignen. Durch Unterhal⸗ warten.“ tungen dieſer Art und gelegentliche Blicke auf die Karten, Miſtreß welche Spike nicht mehr geheim zu halten brauchte, nach⸗ ihren Jahre dem der Name ſeines Hafens bekannt geworden, machte und der Un ſich der junge Mann mit den Strömungen, Entfernungen, nachzuhelfen den Eigenthümlichkeiten des Riffes u. ſ. w. ziemlich„Du ſ vertraut. Vorſchläge Als die Sonne unterging, ſtand er, nach ſeiner werden muf Berechnung, auf dem halben Wege des offenen Waſſer⸗ Erfahrung raumes und etwa fünf und zwanzig Meilen windwärts ſeemänniſche von dem Becken der Tortugas. Damit konnte er unter Vorſchlägen dieſen Umſtänden zufrieden ſein und glaubte, als die Nacht dieß bei De ihren Schleier über das ruhige Meer warf und fern und auf der See nah kein Schiff zu ſehen war, von Spike nichts mehr muß ſtets ei beſorgen zu müſſen. Oheim mir In dieſer wichtigen Nacht wurde die Wache an Bord wie kann a des mexikaniſchen Schoners mit großer Umſicht beſtellt. Mulford, de Miſtreß Budd kam auf den Einfall, ſie müſſe ein Mal in einzige Ma ihrem Leben die Schiffswache übernehmen, und als man uͤber einen das Nachteſſen eingenommen hatte, und das Geſpräch ſich möchte ſager natürlich auf dieſen Gegenſtand wendete, ſagte Roſa heiter: Daß Harry „Harry muß ſehr müde und des Schlafes bedürftig ihm iſt es, ſein. Der Wind iſt ſo leicht, und das Wetter ſcheint ſich Anordnunge inke in Bezug dieſer Gewäſſer zrigg erhalten. ord der Schiffe er Regel ver⸗ nte ein Mann res Maat ſich irch Unterhal⸗ uf die Karten, rauchte, nach⸗ orden, machte Entfernungen, w. ziemlich „nach ſeiner ffenen Waſſer⸗ en windwärts nnte er unter als die Nacht und fern und nichts mehr gache an Bord mſicht beſtellt. ſe ein Mal in und als man Geſpräch ſich te Roſa heiter: afes bedürftig ter ſcheint ſich — — 327— ſo günſtig zu ſtellen, daß er gewiß wohl thut, wenn er „einkehrt,“ wie die Seeleute es nennen.“ Roſa lachte hier ſo lieblich, daß Mulford das Wort gern noch einmal von ihren Lippen gehört hätte:„und wenn er jetzt„ein⸗ kehrt;“ bedürfen wir ſpäter ſeines Rathes und Beiſtandes, ſo rufen wir ihn auf. Ich ſollte denken, Hans Tier und ich könnten des Schoners bis zum Morgen ganz gut warten.“ Miſtreß Budd glaubte, es ſtehe ihrer Erfahrung und ihren Jahren vollkommen zu, dieſen Leichtſinn zu tadeln, und der Unwiſſenheit, welche ihre Nichte bethätigt hatte, nachzuhelfen. „Du ſollteſt vorſichtig ſein, mein Kind, wenn Du Vorſchläge machſt, was an Bord eines Schiffes gethan werden muß,“ bemerkte die Tante.„Es fordert große Erfahrung und geeignete Kenntniß vom Takeln, wenn man ſeemänniſche Winke geben will. Nun ließen ſich in Deinen Vorſchlägen mehrere weſentliche Mißgriffe gewahren, wie dieß bei Deinen Jahren und der kurzen Zeit, welche Du auf der See geweſen, nicht anders zu erwarten iſt. Zuerſt muß ſtets ein Maat auf dem Deck ſein, wie Dein ſeliger Oheim mir dieß hundert und hundert Mal geſagt hat; wie kann aber ein Maat auf dem Deck ſein, wenn Herr Mulford, deinem Vorſchlage zufolge,„einkehrt,“ da er der einzige Maat iſt, den wir haben? Dann ſollteſt Du nie über einen Seeausdruck lachen, denn ſie ſind alle, ich möchte ſagen, durch Stürme und Gefahren heilig geſprochen. Daß Harry müde iſt, ſcheint mir ſehr wahrſcheinlich; an ihm iſt es, für die Wache zu ſorgen, und wenn er ſeine Anordnungen für die Nacht getroffen hat, mag er zur Ruhe 328— gehen. So iſt's Seegebrauch. Hier iſt meine Uhr, um die Stunden zu ordnen, ſie geht auf die Sekunde, während die Deinige, liebe Roſy, gewiß vor⸗ oder nachgeht, wie dieß bei Mädchenuhren gewöhnlich der Fall iſt. Schon deßwegen könnteſt Du nicht ordentlich Wache halten. Wo iſt Euer Chronometer, Herr Mulford? Laßt mich meine treffliche Uhr, welche ich von meinem guten, ſeligen Budd habe, mit der Eurigen vergleichen, die gleichfalls ſehr gut ſein ſoll.“. Es war ſchwer zu begreifen, wie eine Uhr, welche die Neu⸗Yorker Zeit andeutete, mit einem Chronometer über⸗ einſtimmen ſollte, der zu Greenwich geſtellt worden. Mul⸗ ford konnte aber nicht umhin, ſeinen Chronometer zur Vergleichung darzureichen, und es ergab ſich, daß die Uhr der Wittwe auf ſteben deutete, während die ſeinige, oder der Greenwicher Chronometer, auf zwölf zeigte. „Wie ſchlecht geht dieſe, Eure Uhr, Herr Mulford;“ rief die gute Dame,„von welcher Ihr ſo viel Rühmens gemacht habt. Sie geht wahrhaftig fünf volle Stunden vor.“ „Meine Uhr iſt ein Chronometer, wie Ihr Euch erinnern werdet, Miſtreß Budd,“ ſagte der junge Mann. „Ich weiß es, und ſolche Uhren ſollen die zuver⸗ läſſigſten ſein, das habe ich ſtets gehört. Mein guter Herr Budd hatte deren zwei, und ſie waren ſo groß wie Kom⸗ paſſe, und wurden nach ſeinem traurigen Hinſcheiden um mehrere hundert Dollar verkauft.“ „Es waren Schiffschronometer, der meinige aber iſt für die Taſche beſtimmt. Es iſt wahr, die Chronometer ſollen die Zeit am genaueſten anzeigen, und zeigen ſie auch gewöhnlich Monaten n nicht bei m „Sa, rief Roſa l Mulfor an ſeiner S faſſenden Vo nicht viel Tante, und hatte. Obg und die Erf er doch kein in Betreff il Verſtand we fällig, wie „Roſa, nicht, wie Euch auch! „Er ſo „Ganz Meridians dian iſt?“ Roſa b ſah ungeme ihr Lächeln ihrer Unbefe „Ein die Stelle, „Sehr Uhr, um die nde, während nachgeht, wie iſt. Schon halten. Wo t mich meine ſeligen Budd falls ſehr gut hr, welche die nometer über⸗ vorden. Mul⸗ vonometer zur daß die Uhr ſeinige, oder te. er Mulford;“ viel Rühmens volle Stunden die Ihr Euch junge Mann. en die zuver⸗ ein guter Herr roß wie Kom⸗ dinſcheiden um einige aber iſt Chronometer zeigen ſie auch — 329— gewöhnlich am genaueſten an; der meinige würde in zwölf Monaten nicht zehn Minuten nachgehen, wenn ich ihn nicht bei mir trüge.“ „Ja, ja, Harry, er geht nicht nach, er geht vor,“ rief Roſa lachend. Mulford überzeugte ſich, daß das lachende Mädchen an ſeiner Seite trotz ihres ſcharfen Auges und ihres raſch faſſenden Verſtandes von dem Gebrauche eines Chronometers nicht viel mehr wußte, als ihre geiſtesträge, beſchränkte Tante, und daß er ſeinen frühern Unterricht faſt vergeudet hatte. Obgleich er es nicht wagte, vor Roſa den Geiſt und die Erfahrung ihrer Tante in Abrede zu ſtellen, nahm er doch keinen Anſtand, über Roſa zu lachen. Sie war in Betreff ihres Wiſſens ohne allen Dünkel, und ihr raſcher Verſtand war für Alle, die ihr nahe kamen, ebenſo augen⸗ fällig, wie ihre Schönheit. „Roſa, Ihr verſteht den Gebrauch des Chronometers nicht, wie ich ſehe,“ ſagte der Maat ernſt,„ſo viel ich Euch auch darüber geſagt habe.“ „Er ſoll die Zeit angeben, Harry,— nicht?“ „Ganz recht; aber er ſoll die Zeit eines beſtimmten Meridians angeben; ich denke, Ihr wißt, was ein Meri⸗ dian iſt?“ Roſa blickte ihren Verlobten aufmerkſam an, und ſie ſah ungemein lieblich aus; denn ſie erröthete leicht, obgleich ihr Lächeln ſo offen und freundlich war, als es dieß in ihrer Unbefangenheit und Liebe nur ſein konnte. „Ein Meridian iſt ein Punkt über unſerm Haupte,— die Stelle, wo die Sonne Mittags ſteht.“ „Sehr gut; zuweilen bezeichnet man aber damit auch — 330— die Länge. Wenn man eine Linie von einem Pole zu dem andern zieht, nennt man alle Punkte, welche ſie durch⸗ ſchneidet, Meridiane. Da die Sonne ſich zuerſt öſtlich zeigt, muß ſie in Oſten früher aufgehen, als in Weſten. So kommt es, daß ſie zu Greenwich in England, wo man zu nautiſchen Zwecken eine Sternwarte errichtete fünf Stunden früher aufgeht, als hier. Dieſer ganze Unter⸗ ſchied beruht auf Geſetzen, und wir können ihn genau berechnen.“ „Wie iſt dieß möglich? Ihr habt mir's neulich erklärt, ich habe es aber wieder vergeſſen.“ „Die Sache iſt einfach. Die Erde dreht ſich in vier und zwanzig Stunden um ihre Axe, und ihre Peripherie, ihr Umkreis, wird in dreihundertſechszig gleiche Theile, Grade genannt, eingetheilt; wir dürfen alſo 360 nur durch 24 dividiren, um zu wiſſen, wie viele dieſer Grade den Unterſchied ausmachen, welchen Eine Stunde Zeit hervorbringt; es kommen fünfzehn heraus. Die Sonne geht alſo mit jedem fünfzehnten Grad der Länge, wenn man weſtlich reiſt, um eine Stunde ſpäter, oder mit jedem fünfzehnten Grad der Länge, wenn man öſtlich reiſt, um eine Stunde früher auf. Wenn man den Stunden⸗Unter⸗ ſchied kennt, iſt es leicht, die Minuten und Sekunden zu berechnen.“ „Ja, ja, ich begreife das, fahrt nur fort,“ ſagte Roſa eifrig. „Nun iſt aber ein Chronometer nichts Anderes, als eine ſehr ſorgfältig gearbeitete Uhr, welche während eines vollen Jahres kaum wenige Sekunden vor⸗ oder nachgeht. Sein ganze anzeigt.“ „Noch ſehr guten 1 „Ihr welche Euch für gewiſſe für Greenw der für Gr ihren Chror Pariſer Taf Zeit zu Par nahm ich di der Sternw Seit dieſer anzeigt, iſt oder zwei S gehen möge. „All di ſam zugehör „Die S wiſſen ſo, w weit vom Ac ſtets leicht z beobachtet; leuten lange Beobachtung zwar genaue Gedanke, die Pole zu dem he ſie durch⸗ zuerſt öſtlich in Weſten. nd, wo man ichtete fünf ganze Unter⸗ ihn genau eulich erklärt, t ſich in vier ke Peripherie, leiche Theile, lſo 360 nur dieſer Grade Stunde Zeit Die Sonne Länge, wenn der mit jedem lich reiſt, um unden⸗Unter⸗ Sekunden zu fort,“ ſagte Anderes, als während eines oder nachgeht. — 331— Sein ganzer Werth beſteht darin, daß er die Zeit genau anzeigt.“ „Noch ſehe ich nicht ein, wodurch er ſich von einer ſehr guten Uhr unterſcheidet.“ „Ihr werdet es ſogleich ſehen, Roſa. Zu Zwecken, welche Euch alsbald klar werden ſollen, hat man Tafeln für gewiſſe Meridiane oder geographiſche Längen, z. B. für Greenwich oder Paris berechnet, und die, welche ſich der für Greenwich berechneten Tafeln bedienen, laſſen ihren Chronometer zu Greenwich richten, und wer die Pariſer Tafeln braucht, ſtellt ſeinen Chronometer nach der Zeit zu Paris. Als ich das letzte Mal in England war, nahm ich dieſe Uhr mit nach Greenwich, und ließ ſie auf der Sternwarte nach dem genauen Sonnenſtand richten. Seit dieſer Zeit iſt ſie ſtets gegangen, und was ſie hier anzeigt, iſt die wahre Zeit von Greenwich, wenn man eine oder zwei Sekunden abrechnet, welche ſie vor⸗ oder nach⸗ gehen möge.“ „All dieß iſt ſehr einfach,“ ſagte Roſa, die aufmerk⸗ ſam zugehört hatte;„aber wozu dient es?“ „Die Seeleute ſinden dadurch ihre Länge zur See, und wiſſen ſo, wo ſie ſind. Da die Sonne jedes Jahr gleich weit vom Aequator nördlich und ſüdlich geht, iſt die Breite ſtets leicht zu finden, wenn man ihren Stand um Mittag beobachtet; aber die Berechnung der Länge machte den See⸗ leuten lange großes Kopfbrechen. Auch dieſe läßt ſich durch Beobachtung der verſchiedenen Himmelskörper finden, und zwar genauer, als auf irgend eine andere Weiſe; aber der Gedanke, die Zeit auf dieſe Weiſe zu berechnen, iſt einfach und ſo leicht auszuführen, daß er allgemein zur See Gel⸗ tung erhielt.“ „Noch iſt mir die Sache nicht ganz klar,“ ſagte Roſa und ſchaute den Maat ſo eifrig, ſo wißbegierig und ſo verſtändig in die Augen, daß dieſer es ſehr angenehm fand, ſte auch noch etwas Anderes, als Lieben, zu lehren.“ „Ich werde mich deutlich machen. Wir beobachten, wo wir auch immer ſein mögen, den Stand der Sonne. Im gleichen Augenblicke beobachten wir die Zeit, welche der Chronometer anzeigt. Somit haben wir die Zeit des Punktes, wo wir ſegeln, und die Zeit von Greenwich nach Stunden, Minuten und Sekunden berechnet, und dürfen nur die erſtere zu der letztern abdiren, oder davon abziehen, um genau zu wiſſen, wie weit öſtlich oder weſtlich wir von Greenwich ſtehen, und dieß gibt uns unſere Breite.“ „Ich fange an, die Sache wieder zu begreifen,“ rief Roſa, entzückt über den Zuwachs an Wiſſen, welcher ihr durch Harry geworden.„Wie ſchön iſt dieß, und doch wie einfach, wie kann man nur ſo etwas vergeſſen?“ „Sehr einfach, in der That, Roſa, und ganz verläſſig, wenn der Chronometer genau iſt und die Beobachtungen ſorgfältig angeſtellt werden. Wir irren uns ſelten um mehr als acht bis zehn engliſche Meilen, und der Ausguck muß hier nachhelfen.“ Roſa hätte die ganze Nacht zuhören können, denn ihr raſcher Geiſt erfaßte ſchnell den Grundſatz, auf welchem dieſes nützliche Verfahren beruht, mochte ſie auch über Einzelnes noch nicht gewiß ſein. Jetzt nahm ſie ſich feſt vor, ihren Erwerb zu ſichern, obgleich es ziemlich wahr⸗ ſcheinlich iſt leicht entſchw Mulford ſeinem Schif Ruhe legte, den zu ſchlaf Frauen zu ü aufhalten, ſ gehörigem S Miſtreß der gewöhnli mit der ganz hört; ſie üb weit. Es gi Denken gewö Gegenſtand e ſie ſich in kur cher Anſtreng ſchen dürften dauer waffnen ſie dürften ih ſtellen, um de zu beſiegen, ihnen geöffnet Miſtreß! geſchritten, al zugemuthet m. und nur füt Wunder dahe zur See Gel⸗ r,“ ſagte Roſa gierig und ſo ngenehm fand, ꝛlehren.“ zir beobachten, nd der Sonne. 2 Zeit, welche ir die Zeit des hreenwich nach t, und dürfen avon abziehen, eſtlich wir von Breite.“ egreifen,“ rief u, welcher ihr und doch wie en?“ ganz verläſſig, Beobachtungen ns ſelten um d der Ausguck nen, denn ihr auf welchem ſie auch über n ſie ſich feſt iemlich wahr⸗ — — 333— ſcheinlich iſt, daß er ihrem Gedächtniſſe wieder eben ſo leicht entſchwebte, als er ihm angefloͤgen war. Mulford mußte ſie jetzt verlaſſen, denn er hatte nach ſeinem Schiffe zu ſehen, ehe er ſich auf dem Deck zur Ruhe legte, um während des leichten Windes einige Stun⸗ den zu ſchlafen und die erſte Wache Hans Tier und den Frauen zu überlaſſen. Auch Roſa wollte ihn nicht länger aufhalten, ſondern mahnte ihn, nachzuſehen, ob Alles in gehörigem Stande ſei, und dann„einzukehren.“ Miſtreß Budd hatte Mulford's zweite Erklärung von der gewöhnlichen Art, die geographiſche Länge zu berechnen, mit der ganzen Aufmerkſamkeit, deren ſie fähig war, ange⸗ hört; ſie überſtieg aber die Grenzen ihrer Faſſungskraft weit. Es gibt Leute, welche ſich ſo an das oberflächlichſte Denken gewöhnen, daß ihnen jeder Verſuch, in einen Gegenſtand einzudringen, wahrhaft peinlich wird, und daß ſie ſich in kurzer Zeit, erſchlafft und abgeſtumpft, von ſol⸗ cher Anſtrengung abwenden. Die Mehrzahl dieſer Men⸗ ſchen dürften ſich nur im Beginne mit Geduld und Aus⸗ dauer waffnen, um die erſten Schwierigkeiten zu überwinden; ſie dürften ihre Kraft nur einmal ernſtlich auf die Probe ſtellen, um den böſen Geiſt der Trägheit und Zerſtreutheit zu beſiegen, und die Bahn alles nützlichen Wiſſens wäre ihnen geöffnet. Miſtreß Budd war jedoch an Jahren ſchon zu weit vor⸗ geſchritten, als daß ihr ein ſolcher Sieg über ſich ſelbſt hätte zugemuthet werden können; ihr Geiſt war träg und ſtumpf und nur für ſchlagende Eindrücke empfänglich. Kein Wunder haher, wenn die Erläuterungen des Maats ihr — 334— nicht nur unverſtändlich waren, ſondern auch albern und unmöglich klangen. „Liebe Roſy,“ ſagte die würdige Wittwe, als ſie den hübſchen Maat ſich auf das Segeltuch hinſtrecken ſah, in leiſem, vertraulichem Tone,„was hat Harry dir vorher geſagt? Es klang mir durchaus wie Unſinn, und ich habe dir oft warnend geſagt, die Männer ſprächen jungen Mädchen ſtets Unſinn vor. Du mußt nie auf ihre Albern⸗ heiten hören, Roſy, ſondern an deinen Katechismus und dein Confirmationsgelübde denken, und ein gutes Mädchen ſein.“ Bei wie vielen Schwachen und dem Böſen Zuneigenden erweiſt ſich jenes Buch und dieſes Gelübde als Anhalt und Stütze, wenn ihre gewöhnlichen Widerſtandsmittel nicht ausreichen! Roſa aber nahm die Sache gerade wie ſie war und antwortete demgemäß. „Es handelte ſich von nichts dieſer Art, Tantchen,“ ſagte ſie,„ſondern von der Weiſe, wie man ſich verge⸗ wiſſert, auf welchem Punkte ein Schiff ſteht, das weit vom Lande, inmitten des Meeres, ſegelt.“ „Und wie hat Harry dir es dießmal erklärt, Liebe?“ „Gerade wie früher; er ſagte, man müſſe den Unter⸗ ſchied der Tageszeit an zwei verſchiedenen Punkten be⸗ rechnen.“ „Die Tageszeit iſt aber überall dieſelbe, wenn die Uhren richtig gehen.“ „Dieß iſt nicht ſo, liebes Tantchen, denn die Sonne geht an manchen Orten früher, an anderen ſpäter auf.“ „Da haben wir's, Roſy, man hat dir Albernheiten vorgeplaudert. Denke an das, was ich dir ſo oft von jungen Män gebe zu, Har aus guter 8 lige ich von er ein vollg ſchloſſen, da einen Maat, müßte denn haben. Aber Unſinn, ſelbſ was dieſes C du, daß es einmal in vi lich nicht zwe „Aber es Mittag z1 „Schnic es gibt ſo w zweierlei Zeit willſt du ſich feieſt ſchön.“ Die arn ſich deutlich ihren reizende dieß hätte ſie war, und ſo ihr einfiel, w hatte, denn wie jedes and Aber das ch albern und de, als ſie den recken ſah, in y dir vorher und ich habe ächen jungen ihre Albern⸗ techismus und utes Mädchen n Zuneigenden eals Anhalt derſtandsmittel he gerade wie „ Tantchen,“ en ſich verge⸗ das weit vom lärt, Liebe?“ ſſe den Unter⸗ Punkten be⸗ de, wenn die in die Sonne ſpäter auf.“ Albernheiten r ſo oft von — 335— jungen Männern und ihren Plaudereien geſagt habe. Ich gebe zu, Harry iſt ein achtbarer junger Mann und ſtammt aus guter Familie, und da ihr einander gern habet, wil⸗ lige ich von ganzem Herzen in eure Verbindung, ſobald er ein vollgetakeltes Schiff hat, denn ich bin feſt ent⸗ ſchloſſen, daß keine Nichte meines guten, ſeligen Budd einen Maat, oder ſelbſt einen Capitän heirathen ſoll, er müßte denn ein vollgetakeltes Schiff unter ſeinen Füßen haben. Aber ſprich keinen Unſinn mit ihm. Unſinn iſt Unſinn, ſelbſt in eines vernünftigen Mannes Mund. Und was dieſes Geſchwätz von der Tageszeit betrifft, ſo ſiehſt du, daß es baarer Unſinn iſt; denn die Sonne geht nur einmal in vier und zwanzig Stunden auf, und kann folg⸗ lich nicht zweimal aufgehen, wie du ſagſt.“ „Aber es iſt nicht immer Mittag zu London, wenn es Mittag zu Neu⸗York iſt, liebe Tante.“ „Schnickſchnack, liebe Roſy; Mittag iſt Mittag, und es gibt ſo wenig zwei Mittage, als es zwei Sonnen oder zweierlei Zeit gibt. Mißtraue dem Gerede junger Männer, willſt du ſicher gehen, Roſy, ſelbſt wenn ſie dir ſagen, du feieſt ſchön.“ Die arme Roſa ſeufzte und gab die Hoffnung auf, ſich deutlich zu machen. Dann ſpielte ein Lächeln um ihren reizenden Mund. Sie lächelte nicht über ihre Tante, dieß hätte ſie ſich nie erlaubt, ſo ſchwach die Tante auch war, und ſo ſchwach ſie ſich eben zeigte; ſie lächelte, als ihr einfiel, wie oft Mulford auf ihre Schönheit angeſpielt hatte, denn ſie war ein Weib und hatte ihre Schwächen, wie jedes andere. Aber das Bedürfniß, ſich thätig zu erweiſen und ihre — 336— Pflicht zu thun, ſcheuchten dieſe Gedanken bald aus ihrem Sinne, und ſie ſuchte Hans Tier auf, um ſich mit ihm über das zu beſprechen, was ihr oblag. Harry Mulford hatte ſein Haupt kaum auf ein Bün⸗ del Segel gelegt, als er auch ſchon in tiefen Schlaf ver⸗ fiel. Er ſchlief, wie Seeleute zu ſchlafen pflegen, unbewußt alles deſſen, was um ihn vorging. Die großen Beſchwer⸗ den dieſes und der zwei vorhergehenden Tage, denn er hatte bis tief in die Nacht an den Pumpen gearbeitet, bis das Schiff klar geworden, hatten ihn erſchöpft, und die Natur machte ihr Recht geltend und forderte für die Anſtrengung Ruhe. Der Maat würde, hätte man ihn ſich ſelbſt überlaſſen, erſt lange nach dem Wiedererſcheinen der Sonne ſich erhoben haben. Es wird jetzt nöthig ſein, daß wir den Zuſtand und die Lage des Schoners etwas genauer in das Auge faſſen. Als Mufford ſeinen Hafen verließ, hielt er einige Stunden nordweſtlich ab, wendete dann und nahm ſeinen Curs ſüd⸗ wärts. Der Wind blies ziemlich günſtig, ſo daß er faſt ganz nach Süden abhalten konnte. Als er ſich dem Riffe näherte, bemerkte er, daß er einige Meilen öſtlich von den Inſeln hielt, ein Beweis, daß er mit dem Schoner zufrie⸗ den ſein durfte und daß keine Strömung ihn in ſeinem Curs aufhalten würde, er müßte denn auf eine ſolche ſtoßen, welche ſeinen Curs begünſtigte. Er wendete jetzt wieder nordwärts und hielt in dieſer Richtung bis zum Abend an, wo er abermals wendete. Der Wind war jetzt ſo leicht, daß er nicht erwarten konnte, vor Tagesanbruch wieder an das Riff zu kom⸗ men. Da er jedoch Tier befohlen hatte, ihn auf jeden Fall um Mi Beſorgniß. Als der Schoner vol den Dry⸗To dem Florida⸗ Dieſer Art r Sein äu hatte nur dr Vorderſegel mit allem T Segel war ei waren ihrer Dieß wa aber, daß er eine Bö ko herrſchten ger und wichen z nach Süden Wind war j nicht ganz ſte ſtrömungen ir ſich bemerklick Die Zwi offen und zut „Unſer ſagte Roſa 1 Mulford in ſeiner je bem 241— 243. uald aus ihrem ſich mit ihm auf ein Bün⸗ Schlaf ver⸗ gen, unbewußt ßen Beſchwer⸗ ige, denn er gearbeitet, bis ſpft, und die derte für die itte man ihn jedererſcheinen Zuſtand und Auge faſſen. nnige Stunden nen Curs ſüd⸗ » daß er faſt ich dem Riffe ſtlich von den ſchoner zufrie⸗ on in ſeinem f eine ſolche hielt in dieſer nals wendete. icht erwarten Riff zu kom⸗ hn auf jeden — 337— Fall um Mitternacht zu wecken, verurſachte ihm dieß keine Beſorgniß. Als der Maat ſich daher zur Ruhe legte, war der Schoner volle fünf und zwanzig Meilen windwärts von den Dry⸗Tortugas, und zwanzig Meilen nordwärts von dem Florida⸗Riff, und der Wind blies leicht aus Südoſtoſt. Dieſer Art war alſo die Stellung oder Lage des Schoners. Sein äußeres Gehaben iſt leicht zu ſchildern. Man hatte nur drei Segel angeſchlagen, das große Segel, das Vorderſegel und den Klüver. Die oberen Stengen waren mit allem Tauwerk herabgenommen worden. Das große Segel war einfach eingerefft, und die zwei anderen Segel waren ihrer Bonnets baar, wie ſchon gemeldet worden. Dieß war ziemlich knappes Segeltuch; Mulford wußte aber, daß er ſein Schiff ſo beſſer handhaben könne, wenn eine Bö kommen ſollte. In jener Zeit und Gegend herrſchten gewöhnlich die Oſtwinde vor, zeigten ſich ſtändig und wichen zuweilen, wie in dieſem Augenblick, ein wenig nach Süden ab; auch blieſen ſie in der Regel ſteif. Der Wind war jedoch kurze Zeit vor dem Orkan und ſeitdem nicht ganz ſtätig, und leichte Stöße, kurze Böen, Gegen⸗ ſtrömungen in der Luft und ſelbſt kurze Windſtillen machten ſich bemerklich. Die Zwieſprache zwiſchen Roſa und Hans Tier war offen und zutrauensvoll. „Unſer Vertrauen beruht hauptſächlich auf Euch,“ ſagte Roſa und wendete ihren Blick der Stelle zu, wo Mulford in den tiefſten Schlaf begraben lag, der ſich ſeiner je bemächtigt hatte.„Harry iſt ſo müde! Es wäre 241— 243. 22 unrecht, wenn man ihn einen Augenblick eher weckte, als es durchaus nöthig iſt.“ „Ja, ja; ſo iſt's immer bei jungen Frauen, wenn ſie jungen Männern ihr Ohr leihen,“ antwortete Hans ohne Umſchweife.„So iſt's, und ich fürchte, es wird immer ſo bleiben; demungeachtet ſind die Männer Schurken.“ Roſa war über dieſe offene Hindeutung, auf den Ein⸗ fluß, welchen Mulford auf ihr Herz gewonnen hatte, nicht erzürnt. Wie es ſcheint, hatte Tier in der Kajüte ſich ſo beliebt gemacht, daß man ſein Geſchlecht vergaß, während man gewiß die Dienſte nicht vergaß, welche er in der letzten Zeit geleiſtet hatte. Ohne ſein Zuthun wäre die ſchöne Roſa ohne Zweifel in dieſem Augenblicke Spike's Gefangene und wahrſcheinlich das Opfer ſeines Planes geweſen, ſie zu einer Ehe mit ihm zu zwingen. „Nicht alle Männer gleichen Stephan Spike,“ ſagte Roſa ernſt,„und Harry Mulford darf man am Wenigſten dieſer Klaſſe beizählen. Wir müſſen aber ſuchen, die ganze Nacht für den Schoner Sorge zu tragen und Harry ſchlafen zu laſſen. Er wolite um Mitternacht geweckt ſein; wir können dieſe Stunde aber leicht vorübergehen und ihn ruhen laſſen.“ „So darf man nicht gegen den Befehlshaber eines Schiffes handeln, Miß Roſa; was er ſagt, muß geſchehen.“ „Ganz recht, Hans, wenn es ſich von gewöhnlichen Dingen handelt; Harry hat aber dieſen Befehl gegeben, damit auch wir der Ruhe pflegen könnten; aus keinem andern Grunde. Und warum ſollten wir nicht ruhen können? Unſerer ſind vier; wir können uns in zwei Wachen thei guck hält.“ 2 Jae j wir Miſtreß fahrerin und ich wollte d und von ein Schiff heru ſagen, wenn als wollte wenn eine 2 und die ſchr beſſer, als w men hättet.“ „Wir h rojen, wie man das St Kraft, wie J zur Hand ſe falle ſtets ru wir können. ſein ſollte; bis dieſer Tier lie dieſem Plane Offizier müt rufen werden „Kauffahrer, vernachläſſig Rofa b er weckte, als auen, wenn ſie ete Hans ohne ;3 wird immer Schurken.“ auf den Ein⸗ en hatte, nicht Kajüte ſich ſo rgaß, während che er in der hun wäre die nblicke Spike's ſeines Planes en. Spike,“ ſagte am Wenigſten hen, die ganze und Harry geweckt ſein; gehen und ihn lshaber eines uß geſchehen.“ gewöhnlichen efehl gegeben, aus keinem nicht ruhen uns in zwei — 239— Wachen theilen; die eine ſchläft, während die andere Aus⸗ guck hält.“ 6 „Ja, ja, das wäre eine ſchöne Wache! Da haben wir Miſtreß Budd; nun, ſie iſt eine ausgemachte See⸗ fahrerin und weiß genau, wie man viert und beihält; und ich wollte darauf wetten, ſie kann den Schoner wenden und von einem Riff abhalten, wie nichts; wie aber das Schiff herumkäme, könnte man am Beſten erſt dann ſagen, wenn es herum iſt. Es kommt mir gerade vor, als wollte ich die Leitung des Schoners übernehmen, wenn eine Bö bläſt; und was Euch betrifft, Miß Roſa, und die ſchreifertige Irländerin, ſo wäret ihr nicht viel beſſer, als wenn ihr noch nie ein Schiff zu Geſicht bekom⸗ men hättet.“ „Wir haben Kraft, und wir haben Muth, und können rojen, wie Ihr geſehen habt. Ich weiß recht gut, wie man das Steuer wenden muß, und Biddy hat ebenſo viel Kraft, wie Ihr, und kann mir in Allem, was ich wünſche, zur Hand ſein. Dann können wir Euch auch im Noth⸗ falle ſtets rufen und Eure Hilfe in Auſpruch nehmen. Ja, wir können Harry ſelbſt aufrufen, wenn es wirklich nöthig ſein ſollte; und ich wünſche, daß er ungeſtört bleibt, bis dieſer Augenblick gekommen iſt.“ 14 Tier ließ ſich nur mit großem Widerſtreben bereden, dieſem Plane beizuſtimmen. Er beſtand lange darauf, ein Offizier müſſe zu der von ihm beſtimmten Stunde aufge⸗ rufen werden, und behauptete, er habe nie gehört, daß „Kauffahrer, Kaper oder Kriegsſchiff“ einen ſolchen Befehl vernachläſſigte. Rofa beſeitigte jedoch alle dieſe Einwendungen, und 22*¾ — 349— die Frauen traten zuſammen, um ſich wegen der Anord⸗ nungen zu berathen. Miſtreß Budd, jedenfalls eine gut⸗ müthige Frau, ſtimmte ſehr gern bei, obgleich die Art, wie ſie ihre Beiſtimmung laut werden ließ, Roſa ein wenig beunruhigte. „Du haſt ganz recht, meine liebe Roſy,“ ſagte die Tante,„und die Sache iſt gar leicht einzurichten. Ich hätte längſt gern einmal eine Wache zur See übernommen, nur eine, und ich wäre eine vollkommene Seefahrerin. Dein guter Oheim pflegte zu ſagen:„Laßt meine Frau nur einmal Nachts die Wache übernehmen, und ihr habt einen ſo guten Matroſen in ihr, wie das Herz es nur wünſchen kann.“ Nun, nun, ich hatte Nachtwachen genug bei ihm, als er zu kränkeln begann; aber es ſcheint, als hätte er ſolche Wachen nicht gemeint. Wahrhaftig, ich habe erſt dieſen Abend erfahren, daß es ſo viele Wachen auf der Welt gibt. Aber dieß iſt mir gerade willkommen, und gewiß, ich will dieſen Dienſt kennen lernen. Tier ſoll die eine Wache anführen, und ich werde die andere anführen. Hans ſoll die Hundswache übernehmen, wie man es zu nennen pflegt, und ich will die erſte Wache haben und bis zum Morgen aushalten. Du gehörſt zu Hans Tier's Wache, Roſy, und Biddy fällt mir anheim. Du weißt Manches, mit dem Hans nicht bekannt iſt, und Biddy kann Vielerlei verrichten, zu dem ich ein wenig zu ſtark bin. Das Ziehen an den Tauen gefällt mir gar nicht, was aber das Befehlen angeht, ſo weiche ich keiner einzigen Capitänswittwe in ganz Neu⸗York.“ Roſa fühlte ſich in Bezug auf das Befehlgeben ihrer Tante in Dingen dieſer Art nicht ſehr behaglich; ſie mußte ſich aber füg fortzuſpinnen Sorge für H bereits die zeͤ und die Wol Wenn ſi ſie ihn bereit zur innigſten Gefühl jetzt kann, wenn Wir ha den zehnten verkehrs zw Wochen zu b hingebracht erſt Statt, ſte ſich einem bitter war, a Roſa he hatte die Art und ſtummen welche ihr H er ſie nicht v er durch ſein ſie fühlen, w ihres Geſchle Gedanken m aller Kraft i Da Mif nennen belieb der Anord⸗ ls eine gut⸗ ich die Art, „ Noſa ein „“ ſagte die richten. Ich bernommen, Seefahrerin. meine Frau nd ihr habt Herz es nur dachen genug ſcheint, als orhaftig, ich diele Wachen willkommen, ernen. Tier die andere ehmen, wie erſte Wache gehörſt zu mir anheim. unt iſt, und ein wenig zu llt mir gar d weiche ich York.“ zlgeben ihrer h; fie mußte ſich aber fügen, und hütete ſich wohl, das Geſpräch weiter fortzuſpinnen. Nichts lag ihr mehr am Herzen, als die Sorge für Harry's ungeſtörte Nachtruhe, denn ſie fühlte bereits die zärtliche Sorgfalt des Weibes für das Behagen und die Wohlfahrt des Mannes, welchen ſie liebt. Wenn ſich die ſehr entſchiedene Zuneigung, mit welcher ſie ihn bereits vor der Abreiſe betrachtet, nicht ſchon längſt zur innigſten Liebe geſteigert hatte, ſo war ein ſolches Gefühl jetzt nicht mehr fern, wie der Leſer ſich wohl denken kann, wenn er ſich der Begebniſſe der letzten Tage erinnert. Wir haben es nicht für nöthig gehalten, auch nur den zehnten Theil aller der Beſprechungen und des Sonder⸗ verkehrs zwiſchen dem jungen Paare während der vier Wochen zn berühren, welche ſie miteinander in der Swaſh hingebracht hatten. Das Gelöbniß der Treue aber fand erſt Statt, als Harry in einem Augenblicke, in welchem ſie ſich einem Schickſale preisgegeben ſah, das faſt ebenſo bitter war, als der Tod, auf die Inſel zurückkam. Roſa hatte Mulford die Brigg verlaſſen ſehen, ſie hatte die Art, wie er ſich flüchtete, in faſt athemloſer Angſt und ſtummem Staunen beachtet, und die Gluth der Wonne, welche ihr Herz durchſtrömte, als ſie ſich überzeugte, daß er ſie nicht verlaſſen werde, nicht verlaſſen könne, obgleich er durch ſein Bleiben ſein Leben auf das Spiel ſetzte, ließ ſie fühlen, wie theuer er ihr geworden war. Dem Inſtinct ihres Geſchlechtes treu, hatte ſie jetzt faſt keinen andern Gedanken mehr, als dieſe hingebende Anhänglichkeit mit aller Kraft ihres Gefühls und ihrer Seele zu erwiedern. Da Miſtreß Budd die„Mittelwache,“ wie ſie es zu nennen beliebte, übernommen und die„Hundswache“ an Hans Tier und Roſa abgetreten hatte, begann der Dienſt dieſer Letzteren zuerſt. Wir brauchen kaum zu erwähnen, daß die Wittwe die Benennungen der Wachen verkehrt aufgefaßt hatte,*) wie es ihr gewöhnlich mit den Benen⸗ nungen erging, die ſich auf das Schiff bezogen. Die Abſicht war lediglich, die Nachtwache unter dieſen Quaſi⸗ Matroſen in zwei gleiche Theile zu theilen, und dieſer Plan wurde ſofort in Ausführung gebracht. Bald wurde die See ſo ruhig, daß Hans das Steuer verließ und ſich zu Roſa auf den Verſchlag ſetzte, wo ſie ſich lange Zeit vertraulich beſprachen. Der Leſer wird ſpäter in den Stand geſetzt ſein, den Gegenſtand dieſer Unterhaltung mit ziemlicher Sicherheit zu ahnen; wir bemerken daher jetzt nur, daß Tier faſt allein den Stoff zur Unterhaltung hergab, daß ſein ver⸗ gangenes Leben der Hauptvorwurf war, und daß der ſchreckliche Stephan Spike, welchem ſie jetzt ſo ſehnlich zu entgehen wünſchten, in die erzählten Abenteuer bedeu⸗ tend eingriff. Hans fand in ſeiner Wachegenoſſin eine ſehr theil⸗ nehmende Zuhörerin, obgleich ſie dieſe Erzählung jetzt nicht zum erſten Male hörte, und man dieſen Gegenſtand heute nicht zum erſten Male beſprach. Die Unterhaltung währte, bis Tier, der das Stunden⸗ glas im Auge hatte, den Sand zum letzten Mal verrinnen *) Die Schiffswachen ſind ſo eingetheilt: Erſte Wache von 12 bis 4 Uhr Morgens; Tagwache von 4 bis 8 Uhr; Vormittags⸗ wache von 8 bis 12 Uhr; Nachmittagswache von 12 bis 4 Uhr; erſte Hundswache von 4 bis 8 Uhr Abends; zweite Hunds⸗ wache von 8 bis 12 Uhr. Der Ueberſetzer. ſah und die 2 Augenblick, n deſſen Statt „Nun, l der erſten W ſchlafen,„ver ſondern Tier ſollte. Es r wenn Ihr ge geſchlafen hat Mal gerührt legte; und ſe ein Kind.“ „Ja,“ dieſen echten Hundswache meinem treff jetzt die Wa⸗ zuwider, daß Ich habe das Roſa wo ihr Haupt w ſie auch ſchon auf Mulford alsbald heim. Miſtreß der erſten ha neuen Lage, waren allerd das Gefühl. i n der Dienſt u erwähnen, hen verkehrt t den Benen⸗ ezogen. Die dieſen Quaſi⸗ und dieſer das Steuer etzte, wo ſie tzt ſein, den er Sicherheit aß Tier faſt aß ſein ver⸗ nd daß der ſo ſehnlich nteuer bedeu⸗ e ſehr theil⸗ ng jetzt nicht nſtand heute as Stunden⸗ al verrinnen che von 12 bis ; Vormittags⸗ 1 12 bis 4 Uhr; zweite Hunds⸗ eberſetzer. — 343— ſah und die Mitternachtsſtunde ankündigte. Dieß war der Augenblick, wo Mulford hätte geweckt werden müſſen, an deſſen Statt man aber Miſtreß Budd und Biddy aufrief. „Nun, liebes Tantchen,“ ſagte Roſa, als ſie ſich von der erſten Wache ablöſen ließ, um ſelbſt ein wenig zu ſchlafen,„vergeßt nicht, daß Ihr Harry nicht wecken dürft, ſondern Tier und mich rufen könnt, wenn es nöthig ſein ſollte. Es würde Euch im Herzen wohl gethan haben, wenn Ihr geſehen hättet, wie ruhig er dieſe ganze Zeit geſchlafen hat. Ich glaube, er hat ſich nicht ein einziges Mal gerührt, ſeit er ſein Haupt auf jenes Segelbünde legte; und ſeht, bis auf dieſen Augenblick ſchläft er wie ein Kind.“ „Ja,“ antwortete die Wittwe, ſo iſt es immer mit dieſen echten Seeleuten. Ich habe während der ganzen Hundswache geſünder geſchlafen, als dieß je zu Haus in meinem trefflichen Bette der Fall war. Aber Du haſt jetzt die Wache unten, Roſy, und es iſt den Geſetzen zuwider, daß Du nach der Ablöſung auf dem Decke bleibſt. Ich habe das tauſendmal gehört.“ Roſa war nicht abgeneigt, ſich ſchlafen zu legen, und ihr Haupt war kaum auf dem Kiſſen in der Kajüte, als ſie auch ſchon feſt entſchlafen war. Hans fand ein Plätzchen auf Mulford's Segeln, und auch ihn ſuchte der Schlaf alsbald heim.„ Miſtreß Budd fühlte ſich, die Wahrheit zu ſagen, in der erſten halben Stunde nicht ganz ſo behaglich in ihrer neuen Lage, als ſie dieß erwartet hatte. Meer und Wind waren allerdings ruhig; aber die Wittwe fand ſich durch das Gefühl ihrer Verantwortlichkeit und durch die Neuheit — 344— ihrer Lage ziemlich bedrängt. Hundertmal hatte ſie geſagt und ſich auch gedacht, ſie würde mit Entzücken dieſe Stelle einnehmen, welche ſie jetzt wirklich inne hatte, d. h. die erſte Wache halten. Wie es aber ſo oft zu geſchehen pflegt, entſprach auch hier die Wirklichkeit den Erwar⸗ tungen durchaus nicht. Sie wünſchte, ſich thätig zu erwei⸗ ſen; aber ſie wußte nicht, wie ſie dieß anfangen ſolle. Biddy war noch ſchlimmer daran, als ihre Herrin. Die Erfahrungen eines Monats, ja die Erfahrungen eines Jahres würden ihr nie die Geheimniſſe des Tauwerks enthüllt haben. Miſtreß Budd hatte ſie an das„Rad“ geſtellt, wie ſie es nannte, obgleich das Schiff kein Rad hatte, ſondern mit der Ruderpinne geſteuert wurde. Als die Wittwe Biddy an das Ruder anſtellte, ſagte ſie ihr, ſie müſſe„Künſte am Rade“ machen, es der Phantaſie der Irländerin überlaſſend, ausfindig zu machen, was dieß für Künſte wären. Da es Biddy nicht gelang, dieſes Geheimniß zu ergründen, begnügte ſie ſich, nichts zu thun; und Nichts war vielleicht in dieſem Augenblicke das Beſte, was ſie thun konnte. In den erſten vier Stunden der Wache war nur wenig zu beſchaffen. Während dieſer ganzen Zeit ſchlief Roſa auf ihrem Lager, Mulford und Tier auf ihren Segeltüchern; Biddy ließ das Ruder ſelbſt ſeine Künſte machen, legte ſich auf das Deck und ſchlief ſo geſund, als wäre ſie in der Grafſchaft Down. Dieſe Ruhe ſollte aber ihr Ende finden. Der Wind begann plötzlich zu blaſen. Zuerſt kam die Bö in einzelnen Stößen, welche weder ſehr ſtark, noch ſehr andauernd waren. Dieß veranlaßte Miſtreß Budd, Biddy zu wecken. —————— Glücklicherweit leicht back gele trefflich arbeit ließen währen Windſtöße kan Ruderpinne m allerdings na jetzigen Leitun Compaſſes ged Endlich u fuhr mit ſolch überlag, daß rief daher Ha um Roſa zu Hilfstruppen wieder geſänft ſei durch eine Harry dürfe i mal hatte er einziges Mal Sobald ſ ſah, zeigte ſt um zu beweif gähnte an ih legte er ſeine Swaſh, welch „Irgend Timmerſtichen Dieß war ſagen hören: atte ſie geſagt ken dieſe Stelle atte, d. h. die zu geſchehen t den Erwar⸗ ätig zu erwei⸗ gen ſolle. 3 ihre Herrin. hrungen eines des Tauwerks n das„Rad“ chiff kein Rad wurde. Als ſagte ſie ihr, der Phantaſie hen, was dieß elang, dieſes ichts zu thun; cke das Beſte, he war nur n Zeit ſchlief er auf ihren ſeine Künſte geſund, als Der Wind in einzelnen )r andauernd dy zu wecken. Glücklicherweiſe konnte ein Schoner ohne Topſegel nicht leicht back gelegt werden, beſonders da die vorderen Schoten trefflich arbeiteten, und Miſtreß Budd und ihre Gehilfin ließen während der erſten Stunde, wo dieſe wechſelnden Windſtöße kamen, die Ruderpinne ganz gut ſpielen. Die Ruderpinne war allerdings geſorrt, und der Schoner lief allerdings nach allen Richtungen und hatte unter ſeiner jetzigen Leitung die Naſe bereits nach allen Punkten des Compaſſes gedreht. Endlich wurde Miſtreß Budd unruhig. Ein Windſtoß fuhr mit ſolcher Heftigkeit daher, daß das Schiff ſo weit überlag, daß das Waſſer in die Leeſpeigaten eindrang. Sie rief daher Hans Tier ſelbſt auf und ſchickte Biddy hinab, um Roſa zu wecken. Nach einer Minute waren dieſe Hilfstruppen auf dem Deck. Der Wind hatte ſich aber wieder geſänftigt, und Roſa, welche glaubte, ihre Tante ſei durch eine Kleinigkeit geſchreckt worden, beſtand darauf, Harry dürfe in ſeinem Schlafe nicht geſtört werden. Ein⸗ mal hatte er ſich im Schlafe umgewendet, aber nicht ein einziges Mal hatte er ſein Haupt vom Kiſſen erhoben. Sobald ſich Miſtreß Budd von ihren Gehilfen umgeben ſah, zeigte ſie ſich thätig und ertheilte Befehle aller Art, um zu beweiſen, daß ſie ohne Furcht ſei. ⸗Hans Tier gähnte an ihrer Seite und, um irgend etwas zu thun, legte er ſeine Hand an die Fangleine des Bootes der Swaſh, welches ſpiegelwärts angebunden war, und ſagte: „Irgend ein Nichtswiſſer muß das Boot mit drei Timmerſtichen feſt gemacht haben.“ Dieß war für die Wittwe hinreichend. Sie hatte oft ſagen hören:„Drei Timmerſtiche könnten den Verluſt des — 346— beſten Bootes herbeiführen,“ und begab ſich ſofort daran, einem ſo bedrohlichen Unfalle abzuhelfen. Das Reden wurde der guten Frau viel leichter als das Handeln; ihre ganze Seele ſchien jetzt in ihren Fingern zu ſein, und indem ſie den dritten Timmerſtich löſte, machte ſie auch die beiden andern los. In dieſem Augenblicke traf wieder ein Windſtoß den Schoner, und das Ende der Fangleine entſchlüpfte den Händen der Wittwe, welche das Boot zum letzten Male anſichtig wurde, als das Schiff nach vornen ſchoß, und das kleine Boot in dem Dunkel der Nacht verſchwand. Hans Tier war über dieſen Unfall höchſt ärgerlich, denn er hatte die Möglichkeit im Auge gehabt, ſich dieſes Bootes zu bedienen, um Spike zu entkommen. Wenn ſie den Schoner verließen und gegen das Riff ruderten, war es ihnen, ſofern alle anderen Mittel fehlſchlugen, noch möglich, den Händen ihrer Verfolger zu entgehen. Da er an der Ruderpinne ſtand, wendete er und lief ab, bis er weit genug leewärts war, um weſtlich von dem Boot zu ſtehen, wo er wenden und es einholen wollte. Der Wind blies aber jetzt viel ſtärker, als ihm lieb war, und der Schoner ſchien gegen den Druck der Bö ſehr empfindlich zu ſein. Wenn Tier Kraft genug gehabt hätte, würde er das Fockſegel aufgegeit haben. Er bat Roſa, Mulford zu rufen; ſie zögerte aber, ihm zu willfahren. „RNuft ihn, ruft den Maat, ſag' ich,“ ſchrie Hans mit einer Stimme, welche bewies, daß es ihm ernſt war. „Dieſe Stöße kommen immer heftiger und auch öfter, müßt Ihr wiſſen. Ruft ihn, ruft ihn augenblicklich, Miß Roſa, denn e Boot wieder k das Fockſegel ſo iſt’s recht, Der zwe teln der Hanl! Er brauchte zu ſchütteln dieſem Augen „Ganz — greift an, Der Wir tücher ſchluger „Herein Tier.„Das ſogleich auf Greift tüchti ſind Meer un Mulford . kraft. Er ſ Anderen auf thürmten Wo faſſen, als ſeinem Kiele In dieſe eine Bö die der Sturm ſchrieen wie Stimme zu Mulford war h ſofort daran, 1. Das Reden Handeln; ihre zu ſein, und nachte ſie auch z Windſtoß den ntſchlüpfte den n letzten Male nen ſchoß, und verſchwand. öchſt ärgerlich, bt, ſich dieſes ien. Wenn ſie ruderten, war ſchlugen, noch gehen. ete er und lief ſtlich von dem nholen wollte. ihm lieb war, der Bö ſehr gehabt hätte, zögerte aber, ¹ſchrie Hans hm ernſt war. d auch öfter, blicklich, Miß — 347— Roſa, denn es iſt Zeit, daß wir wenden, wenn wir dieſes Boot wieder bekommen wollen. Sagt ihm auch, er möge das Fockſegel aufgeien, ſolange wir den Wind haben,— ſo iſt's recht,— ruft noch einmal, und er wird aufwachen.“ Der zweite Anruf wurde laut, und ein ſanftes Schüt⸗ teln der Hand Roſa's half nach. Harry war im Nu auf. Er brauchte nur eine Sekunde, um den Schlaf von ſich zu ſchütteln und zu voller Beſinnung zu kommen. In dieſem Augenblicke hörte er Tier's grellen Ruf: „Ganz nach Lee,— herein mit jenem Vorderſegel, — greift an,— herein damit!“ Der Wind kam ſauſend und brauſend, und die Segel⸗ tücher ſchlugen ungeſtüm an. „Herein mit dem Vorderſegel, ſag' ich,“ brüllte Hans Tier.„Das Schiff dreht ſich wie ein Kreiſel und wird ſogleich auf der andern Seite von dem Wind abfallen. Greift tüchtig an, greift tüchtig an. Nach windwärts ſind Meer und Himmel ſchwarz wie die Nacht.“ Mulford war jetzt wieder im Beſitze ſeiner Geiſtes⸗ kraft. Er ſprang auf die vorderſte Duft und rief die Anderen auf, ihm zu helfen. Die von der Bö aufge⸗ thürmten Wogen hinderten ihn, die Schoten ſo raſch zu faſſen, als er wünſchte, und das Schiff wirbelte auf ſeinem Kiele um, wie ein ſcheu gewordenes Roß. In dieſem bedenklichen, gefährlichen Augenblicke traf eine Bö die ſchlagenden Segel und bog das Schiff, wie der Sturm eine Weide biegt. Miſtreß Budd und Biddy ſchrieen wie gewöhnlich, und Hans brüllte, daß ſeine Stimme zu vergehen ſchien:„Die Vorderſchoten los!“ Mulford war mit einem Satze vorn, um dieſem Nothrufe — 348— zu entſprechen, als die ſich neigende Ebene des Deckes ihn gewahren ließ, daß es zu ſpät ſei. Der Wind heulte eine Minute furchtbar, und der Schoner, deſſen noch übrige Ladung auf die Seite geſchleudert wurde, kehrte ſich ſo um, daß faſt ſein Boden aufwärts kam. Achtes Kapitel. So lebt denn wobl, mein ſchöner Herr! „Wie's euch gefällt.“ Während der Neuling glaubt, das Schiff müſſe mit jedem Windſtoße umſchlagen, weiß der erfahrne Seemann allein, ob er wirklich von einer Gefahr dieſer beſondern Art bedroht iſt. So war es auch bei Harry Mulford, als der mexikaniſche Schoner ſich wendete, wie wir am Schluſſe des letzten Kapitels berichtet haben. Jede Unruhe blieb ihm fern, bis die Gefahr wirklich kam. Dann aber wußte er auch raſch und gründlich, was folgen würde, und folgen müſſe, und ſtrengte jede ſeiner Kräfte an, um der Gefahr entgegen zu treten. So lange ihm der entfernteſte Hoffnungsſtrahl leuch⸗ tete, blieben ſeine Bemühungen, das Schiff zu retten, ſtets dieſelben; er bot faſt übermenſchliche Kräfte auf, um die vordern Schoten wegzubringen, und auf dieſe Weife den Schoner von der Wucht eines ſeiner Segel zu befreien. Als er aber die Fäſſer in dem untern Raum nach leewärts rollen hörte, und die Neigung des Deckes unter ſeinen Füßen ihn fühlen ließ, daß nichts mehr das Schiff retten könne, ließ er die Schoten fahren und eilte Roſa zu Hilfe. Und es n in die Leekuhl die ſich herübe tigen Beiſtand können leichten auch in jenen Satzungen n Schicklichkeit fehlerhafte Er ſchaft über ihr hilflos in eine der Natur di hätten zu ſtatt lebenden Weſe Mulford und kräftig, u zu halten, bis hatte, oder bie hatte. Glückliche doch nicht ſo gefährdet gew höher hielt, a den Augenblie anderen Schiff Hans Ti Ruderpinne fe Budd zugeruf Augenblicken was einem To dene des Deckes der Wind heulte ſſen noch übrige kehrte ſich ſo nein ſchöner Herr! uch gefällt.“ schiff müſſe mit ihrne Seemann dieſer beſondern y Mulford, als vir am Schluſſe Unruhe blieb un aber wußte würde, und e an, um der gsſtrahl leuch⸗ zu retten, ſtets e auf, um die jeſe Weiſe den befreien. Als nach leewärts unter ſeinen Schiff retten Koſa zu Hilfe. — 349— Und es war hohe Zeit, daß er kam; denn da ſie ihm in die Leekuhl des Schoners gefolgt war, drohten ihr zuerſt die ſich herüberwälzenden Fluthen, und ohne Muͤlford's zei⸗ tigen Beiſtand wäre ſie hoffnungslos ertrunken. Die Frauen können leichter, als Männer ſchwimmen, und ſchwimmen auch in jenen Theilen der Welt leichter, wo den Natur⸗ Satzungen nicht menſchliche Begriffe von Anſtand und Schicklichkeit entgegentreten. Roſa Budd hatte aber die fehlerhafte Erziehung erhalten, welche die geſittigte Geſell⸗ ſchaft über ihr Geſchlecht verhängt; ſie war demnach völlig hilflos in einem Elemente, in welchem ihr nach den Geſetzen der Natur die gewöhnlichen Mittel der Selbſterhaltung hätten zu ſtatten kommen ſollen, wie dieß bei⸗allen andern lebenden Weſen der Fall iſt. Mulford ſchwamm, wie es ſich von ſelbſt verſteht, leicht und kräftig, und es war ihm nicht ſchwer, Roſa ſo lange zu halten, bis das Schiff ſich in ſeiner neuen Lage beruhigt hatte, oder bis er ſich auf das Flach des Schiffes gebracht hatte. Glücklicherweiſe ging die See nicht ſehr hoch, oder doch nicht ſo hoch, daß die, welche auf dem Flache waren, gefährdet geweſen wären, und Mulford hatte ſie, die er höher hielt, als ſein eigenes Leben, kaum, wenigſtens für den Augenblick, in Sicherheit gebracht, als er an ſeine anderen Schiffsgefährten dachte. Hans Tier hatte ſich mittelſt des Taues, das die Ruderpinne feſtigte, windwärts emporgeholfen und Miſtreß Budd zugerufen, ſeinem Beiſpiele zu folgen. In ſolchen Augenblicken greift auch das verzagteſte Weib nach allem, was einem Taue gleicht, und die Wittwe gehorchte alsbald — 350— inſtinetmäßig, während Biddy aufs gradewohl das erſte beſte Seil faßte, das ſich ihr darbot. In Folge dieſes glücklichen Zufalls gelang es Miſtreß Budd und Tier, die Schanze des Schoners zu erreichen, von wo der Letztere auf das Flach des Wrackes kletterte, und die Wittwe, die— was in der ⸗That bei Tier auch der Fall war— wie Kork ſchwamm, im Schlepptau mit ſich nahm. Spiegel und Backen des Schiffes waren unter dem Waſſer, aber doch nicht ſo tief, daß man nicht darüber hätte hinwaten können; die Stelle aber, auf welcher Roſa ſtand, oder das Flach des Schiffes, erhob ſich zwei bis drei Fuß über die Oberfläche der See, aber ſie war ſchlüpf⸗ rig und von ſich neigender Fläche. Die Rettung der ſchönen Roſa hatte Mulford kaum eine halbe Minute weggenommen. In einer zweiten halben Minute watete er hinab zu der Gilling des Spiegels, wo Hans Tier ihn aus voller Kehle um„Hilfe“ anrief; er brachte die Wittwe raſch zum Stehen, und half ihr dann zur Stelle, wo Roſa war. Indem er dieſe, faſt außer ſich vor Schreck und Freude, in den Armen ihrer Tante ließ, eilte er, Biddy Beiſtand zu leiſten. Das Tau, welches die iriſche Dienerin gefaßt hatte, war ein umfahrendes Ende, welches an den Ruſten des Schoners befeſtigt worden war, um eine Wiele beizuhalten, und das bordeinwärts hing. Biddy hatte es daher nicht ſchwierig gefunden, ſich bis zu den Puttingen hinzuarbeiten, und wenn ſie ſich hier begnügt hätte, an dem Tau feſtzu⸗ halten, und den größern Theil ihres Körpers im Waſſer zu laſſen, würde ſie wenig Mühe gehabt haben. Wie die meiſten Me erſchöpfte ſtrengungen halten, wel Da B „Mörder!“ es für Har welcher Lag albernes S das Waſſer ſie an den ihr Schreie befahl, ſtill Nachde gerettet ſal gewahrte je Schiff nicht den Grund Der S faſt in dem jetzt aber f des Kiels außerhalb d Da eit Hüttenthüre es ein wen ſich überzeu nun abhäng wollen es mit dem jur vohl das erſte ng es Miſtreß zu erreichen, ackes kletterte, bei Tier auch ſchlepptau mit en unter dem nicht darüber welcher Roſa ſich zwei bis e war ſchlüpf⸗ Nulford kaum zweiten halben Spiegels, wo „ anrief; er half ihr dann faſt außer ſich er Tante ließ, gefaßt hatte, n Ruſten des le beizuhalten, es daher nicht hinzuarbeiten, m Tau feſtzu⸗ ers im Waſſer ben. Wie die — 351— meiſten Menſchen aber, die nicht ſchwimmen können, erſchöpfte die gute Biddy ihre Kraft in vergeblichen An⸗ ſtrengungen, ſich auf der Oberfläche eines Elementes zu halten, welches nicht geeignet war, ſie zu tragen. Da Biddy es nicht an Ausrufungen, wie„Hülfe!“ „Mörder!“„H— ü— lfe!“„Jäſus!“ fehlen ließ, konnte es für Harry nicht lange ein Geheimniß ſein, wo und in welcher Lage ſie ſich befand; er eilte zur Stelle, und ihr albernes Sträuben und Kämpfen hätte faſt Beide unter das Waſſer geriſſen. Der rüſtige, kraftvolle Maat faßte ſie an den Armen, und brachte ſie bald zum Stehen, aber ihr Schreien ließ nicht nach, bis ihre Gebieterin ihr ernſt befahl, ſtill zu ſein. Nachdem Mulford auf dieſe Weiſe alle ſeine Gefährten gerettet ſah, begann er, der Zukunft zu gedenken. Er gewahrte jetzt zu ſeiner großen Ueberraſchung, daß das Schiff nicht ſank, und konnte ſich in den erſten Augenblicken den Grund dieſer ungewöhnlichen Erſcheinung nicht denken. Der Schoner war, nach jenem Orkan in dem Becken, faſt in demſelben Augenblicke, wo er ſich umlegte, geſunken; jetzt aber ſchwamm er ſo lebhaft, daß der größere Theil des Kiels und das ganze Flach der einen Seite völlig außerhalb des Waſſers war. Da eine der großen Luken, ſowie die Kajüten⸗ und Hüttenthüre offen und alle unter Waſſer waren, forderte es ein wenig Nachdenken von Seiten Mulford's, ehe er ſich überzeugte, von welchem Umſtande ihr Aller Leben nun abhänge. Der Maat ſah jedoch bald klar, und wir wollen es dem Leſer in unſrer Weiſe erklären, damit er mit dem jungen Seemanne Schritt hält. — 352— Der Windſtoß, oder die kleine Bö hatte den Schoner in einem Augenblicke getroffen, welcher ſeine Rettung am Wenigſten begünſtigte. Das Schiff hatte aber beim Wenden ſeine Fahrt verloren, und der Rumpf lief nach vornen, wie Schiffe, welche in dieſer Weiſe gedrängt werden, zu thun pflegen, und die ganze Kraft des Windes warf ſich auf die NRichtung, in welcher es ſich umlegen mußte. Der Mangel an Bewegung war auch ein großer Nachtheil. Das Ruder, welches nur gegen das Waſſer preßt, wenn das Schiff ſich demſelben entgegendrängt, war ohne Nutzen, und es war unmöglich, zu luven und den Wind aus den Segeln zu jagen, wie man es in ſolchen gefährlichen Augenblicken bei Zweimaſtern zu thun pflegt. In Folge dieſer vereinigten Schwierigkeiten, des Ueber⸗ ſtürzens der Fracht im untern Raume, der Schwäche des Schiffes ſelbſt und der Gewalt der Bö hatte der Schoner ſich ſo weit umgelegt, daß die drei Oeffnungen, welche in das Innere führten, plötzlich unter Waſſer traten, und es in Folge der Wucht der leewärts gerollten Fracht auch blieben. Hätte das Waſſer dieſe Oeffnungen oder Luken nicht völlig bedeckt, ſo hätte der Schoner in den erſten zwei Minuten, oder ſobald es Mulford gelungen war, ſeine Gefährten auf das Flach zu bringen, untergehen müſſen. Sie waren aber ganz vom Waſſer bedeckt, und blieben es, und dieſer Umſtand allein hinderte das Schiff, in die Tiefe zu ſinken, wie unſere einfache Erklärung dieß darthun wird. Wer ein leeres Glas umgekehrt in ein Gefäß mit Waſſer ſetzt, wird bemerken, daß das Waſſer in dem Glaſe höchſtens einen Zoll ſteigt. Sein weiteres Steigen hindert der Widerſtand der Luft, die nicht entweichen kann, und, in einen eng bildet, welch Zufolge dief der Chemiker in Gefäße erklärt es ſi obgleich ſeirn drei Luken of konnte, und Eine be ſich der Scho hier ſtemmte und das W welche ihm e ſphäriſche Lu⸗ die Wucht d genug, um See zu heber Sobald hatte, theilte mit, und fle Möglichkeit beinahe eine Schwimmkraf ohne Waſſer, Waſſer fortz preisgegeben, Mulford bal Wracks feſter Alles d 241— 243 e den Schoner e Rettung am rbeim Wenden ch vornen, wie rden, zu thun rf ſich auf die Der Mangel .. Das Ruder, das Schiff ſich „ und es war den Segeln zu agenblicken bei en, des Ueber⸗ Schwäche des e der Schoner jen, welche in raten, und es Fracht auch n oder Luken in den erſten gen war, ſeine gehen müſſen. nd blieben es, —, in die Tiefe darthun wird. n Gefäß mit in dem Glaſe teigen hindert n kann, und, — 353— in einen engen Raum zuſammengedrängt, einen Widerſtand bildet, welchen die andere Flüſſigkeit nicht beſtegen kann. Zufolge dieſes einfachen, bekannten Grundſatzes bewahrt der Chemiker ſein Gas in umgeſtürzten Gläſern, welche er in Gefäße ſtellt, die weniges Waſſer enthalten. Und ſo erklärt es ſich, daß der Schoner zu ſchwimmen fortfuhr, obgleich ſein Boden faſt aufwärts gekehrt war, und die drei Luken offen ſtanden, durch welche das Waſſer eindringen konnte, und wirklich eindrang. Eine bedeutende Menge dieſes Elementes war, ſobald ſich der Schoner umlegte, in den innern Raum gedrungen; hier ſtemmte ſich ihm die zuſammengepreßte Luft entgegen, und das Wrack blieb von der Schwimmkraft getragen, welche ihm eine Körpermaſſe, nicht ſchwerer als die atmo⸗ ſphäriſche Luft, mittheilte, auf dem Waſſer. Nachdem ſich die Wucht des Waſſers vertheilt hatte, blieb Schwimmkraft genug, um den Kiel einige Fuß über die Oberfläche der See zu heben. Sobald Mulford ſich aller dieſer Umſtände vergewiſſert hatte, theilte er die einzelnen Thatſachen ſeinen Gefährten mit, und flößte ihnen Hoffnung und Vertrauen auf die Möglichkeit der Rettung ein. Ihre Lage war allerdings beinahe eine verzweifelte, wenn auch das Schiff ſeine Schwimmkraft behielt, denn ſie waren faſt ohne Nahrung, ohne Waſſer, und hatten keine Mittel, den Rumpf in dem Waſſer fortzudrängen. Auch waren ſie Wind und Wellen preisgegeben, und wenn ſich die See erhob, mochte es ſelbſt Mulford bald unmöglich werden, auf dem Boden des Wracks feſten Fußes zu ſtehen. Alles dieß ſtellte ſich dem jungen Mann in Folge 241— 243. 23 — 354— ſeiner Berufserfahrung dar; aber die Gewißheit, daß der Schoner nicht ſofort in die Tiefe ſinken würde, belebte ſeinen Muth wieder der Art, daß er der Zukunft eine lichte Seite abgewann, ſo ſchwach dieſer Hoffnungsſtrahl auch ſein mochte, wenn die Vernunft ihren ernſten Blick auf ein ſo raſch entworfenes Bild warf. Harry fand es nicht ſchwer, Roſa mit ihrer Lage genau bekannt zu machen. Ihr klarer, praktiſcher Ver⸗ ſtand begriff ſogleich den Grund ihrer augenblicklichen Erhaltung und die Wechſelfälle, welche die nächſte Zukunft bieten konnte. Nicht ſo Hans Tier. Er war gefaßt, ſelbſt auf das Schlimmſte vorbereitet; er konnte aber durchaus nicht begreifen, warum der Schoner noch ſchwamm. „Ich weiß, daß die Kajütenthüren offen waren,“ ſagte er, und wäre dieß auch nicht der Fall geweſen, würde es die Sache nicht ändern, denn die Fugen ſind nicht kalfa⸗ tert, und das Waſſer würde wie durch ein Sieb durch⸗ rinnen. Ich fürchte, Herr Mulford, wir werden das Wrack in kurzer Zeit unter unſern Füßen ſinken ſehen, und dieß geſchieht vielleicht, wenn wir es am Wenigſten erwarten.“ „Ich ſage Euch, das Wrack wird ſchwimmen, ſolange die Luft in ſeinem innern Raume bleibt,“ erwiederte der Maat heiter.„Seht Ihr nicht, wie ſchwimmkräftig es iſt? Ein ſicherer Beweis, daß es eine Menge Luſt ent⸗ hält. So lange dieſe bleibt, muß der Rumpf ſchwimmen.“ „Ich habe immer ſagen hören,“ bemerkte Hans, der nicht von ſeiner Anſicht abwich,„die Schiffe ſchwämmen kraft des Waſſers, und nicht kraft der Luft; und wenn das Waſſer ſte auf der unrechten Seite faßt, iſt kaum zu er⸗ warten, daß es ſie trägt.“ „Was iſt aus dem Boote geworden?“ rief der Maat plötzlich au des Bootes wir Alle K nichts von Ein ti teten Frage Alle wußte Eigenſinns fühlte ſich verrathen. Mulfo hinten, als das Boot ſ bord angeb Dunkelheit nicht fand zurück und den unbegr Roſa Minuten, e und ſie ſeie zu werden, daher gefah „Und ſagte Harr⸗ wurf klang. geweſen ſei hätte eine Roſan des Aufrufs eit, daß der rde, belebte Zukunft eine ffnungsſtrahl ernſten Blick ihrer Lage ktiſcher Ver⸗ genblicklichen chſte Zukunft gefaßt, ſelbſt ber durchaus damm. aren,“ ſagte n, würde es nicht kalfa⸗ Sieb durch⸗ in das Wrack n, und dieß n erwarten.“ men, ſolange twiederte der umkräftig es ge Luft ent⸗ ſchwimmen.“ Hans, der ſchwämmen nd wenn das kaum zu er⸗ lef der Maat plötzlich aus.„Ich habe ſo viel zu thun gehabt, daß ich des Bootes ganz vergeſſen habe. In jenem Boote können wir Alle Key-Weſt noch wohlbehalten erreichen. Ich ſehe nichts von dem Boote!“ Ein tiefes Schweigen folgte dieſer raſchen, unerwar⸗ teten Frage. Alle wußten, daß das Boot fort war, und Alle wußten, daß es in Folge der Unbehilflichkeit und des Eigenſinns der Wittwe abtriftig geworden war; Niemand fühlte ſich aber geneigt, ſie in dieſem ernſten Augenblicke zu verrathen. Mulford verließ das Flach und watete ſo weit nach hinten, als er dieß ohne Gefahr thun konnte, da er hoffte, das Boot ſei dort mit ſeiner Fangleine noch an das Hacke⸗ bord angebunden, wie er es gelaſſen hatte, und nur die Dunkelheit der Nacht hindere ihn, es zu ſehen. Da er nicht fand was er ſuchte, kehrte er zu ſeinen Gefährten zurück und ergoß ſich in Ausrufungen des Staunens über den unbegreiflichen Verluſt des Bootes. Roſa ſagte ihm nun, das Boot ſei zehn bis fünfzehn Minuten, ehe der Unfall ſie getroffen, abtriftig geworden, und ſie ſeien eben bemüht geweſen, ſeiner wieder habhaft zu werden, als die Bö, welche den Schoner umgelegt, daher gefahren ſei. „Und warum habt Ihr mich nicht gerufen, Roſa?“ ſagte Harry in einem Tone, durch welchen ein leiſer Vor⸗ wurf klang.„Meine Wache auf dem Deck kann nicht fern geweſen ſein, und es wäre für uns beſſer geweſen, ich hätte eine halbe Stunde Schlafes, als das Boot verloren.“ Roſa war nun genöthigt, einzugeſtehen, daß die Stunde des Aufrufs längſt vorüber ſei, und daß der ſchwache Licht⸗ 23* — 356— ſtreif, welcher ſich eben in Oſten zeigte, das nahe Heran⸗ rücken des Tages verkünde. Die Erläuterung wurde ſanft aber freimüthig gegeben, und Mulford's Herz durchſtrömte, ſelbſt in dieſem Augen⸗ blicke der höchſten Gefahr, ein Strom des Entzückens, als er den Grund vernahm, warum Roſa ihn nicht geweckt hatte. Da das Boot fort und keine Ausſicht vorhanden war, deſſen wieder habhaft zu werden, ließ man den Gegenſtand fallen, und die Wittwe, welche bisher auf Dornen geſtan⸗ den, gab ſich dem Glauben hin, man habe ihrer Unge⸗ ſchicklichkeit vergeſſen. Die auf dem Flach waren der Gefahr zu ertrinken, wenn der Schoner in die Tiefe ſank, entgangen, und fühl⸗ ten ſich in einem Grade ermuthigt, daß ſie eine Weile gar nicht an die ſchreckliche Lage dachten, in welcher ſie ſich befanden. Die Unbequemlichkeit, durchnäßt zu ſein, war eine Kleinigkeit, deren Niemand erwähnte; und in der That waren die leichten Sommerkleider von Leinen oder Baumwolle, wie Alle ſie trugen, in dem Winde bald ge⸗ trocknet. Der Kiel gab einen ganz erträglichen Sitz ab, und die ganze Geſellſchaft nahm darauf Platz und harrte der Wiederkehr des Tages, um ſich zu vergewiſſern, zu welchen Hoffnungen ihre jetzige Lage berechtigte. Wäh⸗ rend man dem Erglimmen des jungen Lichts entgegen⸗ ſah, fragte Mulford den ehemaligen Viceproviantmeiſter plötzlich: „Habt Ihr die ganze Nacht nach Norden abgehalten, Tier?“ ſagte er, und ſein Antlitz verdüſterte ſich, denn je klarer er um ſich ſchaute, deſto bedränglicher mußte ihm ihre Lage erſcheinen.„Wenn dieß der Fall war, müſſen wir von de dungen un und wie h „Der Stunden Tone.„ ich glaubte alſo wende dem Riff wenn ich ich wendete unſer Sche „Um leewärts v Wenden w „Ja, jetzt dort, unſern Ba Dieß er jenes T ſich die M. faſt zur( Wind aus getrieben n einer Stell Die d Gegend iſt hern Cure ſtatten; de kaum erwa zu erreichen nahe Heran⸗ thig gegeben, ieſem Augen⸗ ntzückens, als nicht geweckt handen war, n Gegenſtand ornen geſtan⸗ ihrer Unge⸗ zu ertrinken, n, und fühl⸗ ne Weile gar lcher ſie ſich u ſein, war und in der Leinen oder ude bald ge⸗ hen Sitz ab, und harrte wiſſern, zu igte. Wäh⸗ s entgegen⸗ viantmeiſter abgehalten, ich, denn je mußte ihm dar, müſſen — 357— wir von dem Riff ziemlich abſtehen, und alſo von Bran⸗ dungen und Klippen fern ſein. Woher blies der Wind und wie habt Ihr geſtenert, als uns der Unfall traf?“ „Der Wind war die ganze Zeit über leicht und einige Stunden ganz ſtill,“ antwortete Hans in faſt gleichem Tone.„Ich hielt des Schoners Naſe nach Norden, bis ich glaubte, zu weit von unſerm Curs abzukommen, und alſo wendete. Ich glaube nicht, daß wir ſehr weit von dem Riff abſtanden, als das Boot abtriftig wurde, und wenn ich nicht irre, ſind wir jetzt in deſſen Nähe, denn ich wendete eben, um das Boot wieder zu erhaſchen, als unſer Schoner auf die Seite ging.“ „Um das Boot wieder zu erhaſchen? Ihr habt alſo leewärts von ihm gehalten, da Ihr hofftet, es durch das Wenden wieder zu bekommen?“ „Ja, ziemlich; und ich glaube, das Boot ſchwimmt jetzt dort, windwärts von uns, und treibt dwars ab von unſern Backen.“ Dieß war für Mufford eine wichtige Nachricht. Wenn er jenes Bootes wieder habhaft werden konnte, ſteigerte ſich die Möglichkeit der Rettung hundertfach, ja, ſie wurde faſt zur Gewißheit; während das Wrack, ſolange der Wind aus Südoſten blies, dem offenen Waſſer entgegen⸗ getrieben werden mußte, und daher mehr und mehr aus einer Stellung kam, welche noch Hoffnung einflößte. Die allgemeine Richtung der Paſſatwinde in jener Gegend iſt die öſtliche, und wenn ſie wieder in ihren frü⸗ hern Curs einſielen, kam jene Richtung ihnen ſehr zu ſtatten; denn da das Riff ſüdweſtwärts lief, durften ſie kaum erwarten, die Dry⸗Tortugas bei ihrer Abtrifft wieder zu erreichen, ſofern ſie ſo lange am Leben blieben, um auf — 358— eine ſolche Strecke hin abzutreiben. Dann konnten ſie auch auf Strömungen ſtoßen, von welchen Mufford keine ſichere Kunde hatte, und die ſtie nach allen Richtungen abführen konnten, und jedenfalls viel mächtiger waren, als der Wind, wenn ſie das Wrack einmal in ihre Bahn geriſſen hatten. Der Maat bot die ganze Kraft ſeines Auges auf, um in der Richtung auszuſchauen, welche Hans Tier andeutete, denn er hoffte, in dem Nebelſcheine des Morgens das Boot zu entdecken, und wirklich entdeckte er etwas, welches das erſehnte kleine Fahrzeug zu ſein ſchien. Wenn ihn ſein Auge nicht täuſchte, hatte er allen Grund, anzunehmen, das Boot würde ſo nahe an ſie herantreiben, daß er es durch Schwimmen habhaft werden könne. Er theilte dieſe erfreuliche Nachricht ſeinen Gefährten mit, welche ſie mit Dankbarkeit und Entzücken vernahmen. Das Herannahen des Tages machte jedoch dieſe Hoff⸗ nung allmählich zu nichte, denn es ergab ſich bald, daß der Gegenſtand, welchen Mulford für das Boot genommen „hatte, ein kleiner, niedriger, nackter Klippenklumpen war, welcher mehr als zwei Meilen von ihnen fern ſtand. „Dieß deutet wenigſtens hinreichend an, daß wir dem Riff nicht fern ſtehen,“ rief Harry, welcher ſeine Gefährten nach Kräften zu ermuthigen wünſchte, und in der That froh war, ſich dieſem vereinzelten Stückchen feſten Landes nahe zu wiſſen.„Dieſer Umſtand läßt uns vor Allem hoffen, daß wir dem Boote nahe ſind, oder der Erſcheinung eines Schiffes entgegenſehen dürfen.“ „Ja, ja,“ ſagte Hans düſter;„Boot oder nicht; der Unterſchied wird jetzt nicht mehr groß ſein. Dort ſehe ich Kunden, we ihre Mühle „Was Roſa faſt zi den Stöcke ſie bewegen feſtgebunden „Das ſagte Hans geſprochen Advokaten z Leuten zu l „Und ford hinzu, Bruſt. Das L daß die Ge Dutzends H in dieſen B Nähe eines Boot unterf ſie abtrieb, ſein, es ſche als er es, hätte. Wät durch Hung Mulford de Beſitz des2 Beute der die, ſeinen waren, und nten ſie auch keine ſichere gen abführen en, als der Bahn geriſſen ges auf, um er andeutete, us das Boot welches das un ihn ſein anzunehmen, „ daß er es theilte dieſe delche ſie mit h dieſe Hoff⸗ h bald, daß t genommen umpen war, ſtand. daß wir dem ne Gefährten n der That eſten Landes vor Allem Erſcheinung r nicht; der vort ſehe ich Kunden, welche gewiß alles Korn mahlen, das man in ihre Mühle ſchicken mag.“ „Was glänzt dort in der Nähe des Schiſſes?“ rief Roſa faſt zu gleicher Zeit,„jene ſchwarzen, ſpitz ausſehen⸗ den Stöcke dort,— es ſind deren fünf bis ſechs,— und ſie bewegen ſich, als wenn ſie unter dem Waſſer an etwas feſtgebunden wären, das ſie bewegt.“ „Das ſind die Kunden, welche ich meinte, Miß Roſa,“ ſagte Hans in demſelben Tone, in welchem er vorher geſprochen hatte;„ſie ſind zur See daſſelbe, was die Advokaten zu Land ſind, und ſcheinen beſtimmt, von andern Leuten zu leben. Es ſind Haifiſche.“ „Und dort ſchwimmt wirklich das Boot!“ ſetzte Mul⸗ ford hinzu, und ein ſchwerer Seufzer entrang ſich ſeiner Bruſt. Das Licht des Tages war jetzt ſo weit vorgeſchritten, daß die Geſellſchaft nicht nur die Floſſen eines halben Dutzends Haiſiſche, welche nun um das Wrack ſpielten,— in dieſen Breiten ein faſt ſicheres Zeichen, daß ſie in der Nähe eines Riffes ſtanden,— ſehen, ſondern auch das Boot unterſcheiden konnten, das in einer Entfernung auf ſie abtrieb, welche hoffen ließ, Mulford werde im Stande ſein, es ſchwimmend zu erreichen, aber doch nicht ſo nahe, als er es, ſelbſt unter günſtigeren Umſtänden, gewünſcht hätte. Wäre ihre Noth größer geweſen, oder hätte Roſa durch Hunger und Durſt zu leiden begonnen, ſo würde Mulford den Verſuch gemacht haben, ſich wieder in den Beſitz des Bootes zu ſetzen, obgleich die Möglichkeit, eine Beute der Haifiſche zu werden, bei weitem näher lag, als die, ſeinen Zweck zu erreichen; da aber Alle noch kräftig waren, und nicht einmal von der Sonnenhitze jener niedrigen — 360— Breite litten, war er nicht ganz geneigt, einen ſolchen ver⸗ zweifelten Schritt zu wagen. Die Geſellſchaft hatte ſonach nichts Anderes zu thun, als auf dem Kiel des Wracks ſitzen zu bleiben, und mit ſehnſüchtigen Blicken dem vorüber treibenden Boote nach⸗ zuſchauen, welches ſie, hätte man ſeiner habhaft werden können, von einem Looſe gerettet haben würde, dem ſie bereits mit Schrecken entgegenſahen. Faſt eine Stunde verging ſo, ehe das Boot auf eine halbe Meile leewärts abgetrieben wurde; während dieſer Zeit wendete ſich kein Auge davon ab, und kein Wort wurde laut. „Es iſt jetzt außer meinem Bereiche,“ rief Mulford endlich mit einem ſchweren Seufzer, der wohl andeutete, welchen großen, unerſetzlichen Verluſt man erlitten.„Auch ohne die Haifiſche würde ich es kaum wagen dürfen, ſo weit ſchwimmen zu wollen, während das Boot ſtets weiter von uns abtreibt.“ „Ich würde es nie zugeben, daß Ihr Euch einer ſolchen Gefahr bloßſtellt,“ flüſterte Roſa,„wär' es auch nur halb ſo weit.“ Abermals folgte eine Pauſe. „Der Tag iſt jetzt angebrochen,“ begann der Maat nach einigen Minuten wieder,„und wir können unſre wahre Lage überſchauen. Kein Schiff iſt zu ſehen, und die Winde wehen ſtätig in ihrer alten Richtung. Dennoch glaube ich nicht, daß wir von dem Riff abtreiben. Dort nach Süden hin ſeht ihr die Brandungen, und, wie es ſcheint, treten dort mehr Klippen aus der See. Ich wüßte aber nicht, daß unſere Lage dadurch irgend gebeſſert würde, wenn wir, ihnen wäre „Die mit einem „Ich g verlaſſen kö er ſinkt ode „Ich r erhält uns „Aller das Schiff „Und entgegnete nahe Waſſe bemerkt hat⸗ Mulfor flächlichen T Tier ſtand. und obgleick Eine aufſteigen ſi und andern, ſolche Blaſe Maat gewa hier ſah, vo in kleinen Maaße aus Druck des Poren des wenig wie da hätte. Woh en ſolchen ver⸗ ſeres zu thun, ben, und mit Boote nach⸗ tbhaft werden irde, dem ſie Boot auf eine ährend dieſer d kein Wort rief Mulford hl andeutete, jtten.„Auch a dürfen, ſo ſtets weiter Euch einer är' es auch n der Maat önnen unfre ſehen, und g. Dennoch iben. Dort nd, wie es Ich wüßte ſſert würde, wenn wir, ſtatt auf dieſem ſchwimmenden Wrack, au ihnen wären.“ „Die Klippen werden nie ſinken,“ ſagte Hans Tier mit einem Nachdruck, welcher die Zuhörer beben machte. „Ich glaube nicht, daß dieſer Rumpf ſinkt, ehe wir ihn verlaſſen können, oder ehe es uns gleichgiltig ſein kann, ob er ſinkt oder ſchwimmt,“ verſetzte Mulford. „Ich wüßte das nicht, Herr Mulford. Nur die Luft erhält uns auf dem Waſſer, wie Ihr ſagt.“ „Allerdings; ſolange aber jene Luft dort iſt, trägt ſie das Schiff empor.“ „Und wie nennt Ihr dieſe kleinen Dinger dort?“ entgegnete der Viceproviantmeiſter, und zeigte auf das nahe Waſſer, wo man bisher nichts Beachtenswerthes bemerkt hatte. Mulford begnügte ſich jedoch nicht mit einem ober⸗ flächlichen Blicke, ſondern näherte ſich der Stelle, wo Hans Tier ſtand. Jetzt ſah er, auf was der Mann anſpielte, und obgleich er ſchwieg, war der Eindruck bewältigend. Eine Menge kleiner Blaſen, wie man ſie in Quellen aufſteigen ſieht, zeigten ſich auf der Oberfläche. In Seeen und andern, vergleichsweiſe ſeichten Waſſerbecken ſieht man ſolche Blaſen oft, ſehr ſelten aber auf dem Meere. Der Maat gewahrte auf den erſten Blick, daß das, was er hier ſah, von der Luft herrühren mußte, welche allerdings in kleinen Theilchen, aber in einem ſteten, wachſenden Maaße aus dem innern Schiffsraume entwich. Der große Druck des Waſſers trieb dieſe Luft durch die kleinſten Poren des Holzes und durch Oeffnungen, welche ſie, ſo wenig wie das Waſſer, unter andern Umſtänden durchdrungen hätte. Wohl mochte es lange Zeit währen, bis die Luft — 362— auf dieſe Weiſe aus dem Schiffe gedrängt werden konnte; ſo langſam aber auch dieſes Ergebniß herannahen mochte, ſo nahte es gewiß endlich heran. Wie das ſtetige Fallen des Waſſers einen Stein aushöhlt, ſo mußte die Kraft, welche das Schiff auf dem Waſſer erhielt, ſich durch das fortwährende Steigen dieſer kleinen Luftblaſen erſchöpfen. Obgleich Mulford die Gefahr nicht entging, welche ihnen in dieſer neuen Geſtalt entgegentrat, machte ſte doch in dieſem Augenblicke eben keinen ſehr niederſchlagenden Eindruck auf ihn. Es ſchien ihm viel wahrſcheinlicher, daß ſie, lange ehe das Wrack auf dieſe langſame Weiſe ſeine Schwimmkraft verlor, aus Erſchöpfung ſterben wür⸗ den, als daß der Kräftigſte unter ihnen eine ſolche Zeit überleben könnte. Von dieſem Geſichtspunkte aus betrachtet, verlor daher die neue Gefahr viel von ihrem Schrecken, obgleich die ſchwache Hoffnung, welche noch geblieben war, dadurch eben nicht ſehr gehoben wurde, daß ſie wußten, ihr Schickſal ſei auf dieſe Weiſe unvermeidlich feſtgeſtellt, wenn ſie auch eine hinreichende Zeit gegen Hunger und Durſt auszuhalten vermöchten. Mulford brachte noch manche Minute, in tiefes Nachdenken verloren, hin. End⸗ lich ſagte er: „Ich hoffe, wir ſind nicht ganz ohne Nahrungsmittel? Manche Menſchen haben die Gewohnheit, Stücke Zwieback in ihre Taſche zu ſtecken, beſonders wenn ſie die Wache haben. Das kleinſte Stückchen iſt jetzt von der größten Wichtigkeit.“ In Folge dieſes Winkes begann Jedes ſeine Taſchen zu durchſuchen. Es ergab ſich, daß weder Miſtreß Budd noch Roſa auch nur die geringſte Kleinigkeit bei ſich hatten. Biddy brachte jedoch aus ihren Taſchen ein ganzes Stück Zwieback, welche ſie a ſeitigen Gel Ueberbleibſe Neu⸗York einen halben daran zu ka kleinen Röl heraus. Dieß w viele Tage l Die Nothwe mäßiger Ver daß der Vor Zuſtimmung taſche der M wahrung die „Es iſt verſagen, da man ſich ein der Maat.- ſein, heute f Abend uns e ſehr nachzug ſpäter ſchmer Schwäche w Wrack bleibe „Habt i fragte Roſa „Allerd ſehung kam eerden konnte; nahen mochte, ſtetige Fallen ſte die Kraft, ſich durch das en erſchöpfen. tging, welche nachte ſie doch derſchlagenden hrſcheinlicher, ugſame Weiſe ſterben wür⸗ ſe ſolche Zeit us betrachtet, m Schrecken, eblieben war, zſie wußten, ſch feſtgeſtellt, Hunger und brachte noch „hin. End⸗ rungsmittel? ücke Zwieback e die Wache der größten eine Taſchen diſtreß Budd i ſich hatten. ganzes Stück Zwieback, eine große, köſtliche, getrocknete Weintraube, welche ſie aus den Vorräthen des Proviantmeiſters zu be⸗ ſeitigen Gelegenheit gefunden hatte, und zwei Aepfel, die Ueberbleibſel des Obſtes, das Spike vor vier Wochen zu Neu⸗York in die Brigg geſchafft hatte. Mulford hatte einen halben Zwieback, da er während der Wachen zuweilen daran zu kauen pflegte, und Hans Tier brachte mit einem kleinen Röllchen Tabak auch ein paar ſüße Orangen heraus. Dieß war Alles, was fünf Perſonen, wahrſcheinlich viele Tage hindurch, nähren und ihren Durſt ſtillen ſollte. Die Nothwendigkeit, dieſe ſpärlichen Vorräthe zu gleich⸗ mäßiger Vertheilung aufzubewahren, war ſo augenfällig, daß der Vorſchlag Mulford's zu dieſem Ende allgemeine Zuſtimmung fand. Man ſammelte Alles in der Reiſe⸗ taſche der Miſtreß Budd und betraute ſie mit der Aufbe⸗ wahrung dieſer koſtbaren Vorräthe. „Es iſt vielleicht ſchwerer, ſich im Anfange etwas zu verſagen, das die Natur dringend fordert, als ſpäter, wenn man ſich ein wenig an Entbehrung gewöhnt hat,“ ſagte der Maat.—„Wir ſind jetzt kräftig, und es wird klüger ſein, heute ſo lange als nur möglich zu faſten, und gegen Abend uns eine kleine Erquickung zu gönnen, als uns zu ſehr nachzugeben und das raſch zu vergeuden, was wir ſpäter ſchmerzlich entbehren würden. Und wir werden der Schwäche wohl anheimfallen, wenn wir lange auf dem Wrack bleiben.“ „Habt ihr je in dieſer Weiſe zu leiden gehabt, Harry?“ fragte Roſa theilnehmend. „Allerdings, und furchtbar. Aber die gütige Vor⸗ ſehung kam mir damals zu Hilfe, und wird mir auch jetzt — 364— beiſtehen. Der Seemann muß ſtets auf den Tod gefaßt ſein, und gewöhnt ſich, am Rande der Ewigkeit zu wan⸗ deln.“ Die Wahrheit dieſer Worte war ſo einleuchtend, daß ihnen ein gedankenvolles Schweigen folgte. Von Zeit zu Zeit ſchweiften eifrig beſorgte Blicke über die weite Ober⸗ fläche des Meeres und den Horizont entlang, um nach einem Schiff auszugucken, aber vergeblich. Keines zeigte ſich, und der Tag ſchritt vor, ohne daß ſich eine Ausſicht auf Rettung darbot. An den nun faſt ganz geſunkenen Bekleidungen des Wracks ſah Mulford, daß ſie langſam gegen Südoſten an dem Riff entlang abtrieben, indem ohne Zweifel eine Strö⸗ mung aus Nordyeſt leicht einwirkte. Dieſe Nähe des Riffes war jedoch kein Vortheil, denn es ſtand immer noch zu fern, als daß auch nur der Maat es hätte wagen mögen, dahin zu ſchwimmen. Auch wäre man nicht beſſer daran geweſen, wenn man eine Klippenplatte erreicht hätte, welche nur wenig unter dem Waſſer ſtand, denn das Herumwaten auf einer ſolchen Stelle ſchien weit weniger wünſchenswerth, als auf dem Meere zu ſchwimmen, wie ſie jetzt thaten. Der Mangel an Trinkwaſſer drohte das bedenklichſte Uebel zu werden. Die Geſellſchaft auf dem Wrack hatte auch nicht einen Tropfen ſüßen Waſſers! Da die Hitze des Tages ſich zu dem ſieberhaften Gefühle geſellte, das die Aufregung erzeugt hatte, war Jedes von Durſt bedrängt, obgleich Keines ein Wort darüber verlor. Sie wußten Alle, daß ſie in dieſer Beziehung ganz hilflos waren, und zogen es daher vor, dieſes peinlichen Gegenſtandes nicht zu erwähnen. In der That mochten ſelten bei einem Un⸗ falle dieſer Art alle Mittel, ſich Hilfe zu verſchaffen, in einem ſo hol Das Unglüc gekommen, d bei ſich trug werk, Nothſ Schiffe gehöt bedeckt, mit vierzig Fuß das, was a war, mitgere Frauen zugä um ſich dara Hätte M er ſich erleich nicht nur ſt. kühner und ſ fürchtete, ein kommen. Al es wagten, i verfolgen; al Wrack ſchwar gierig nach d mit Recht glo ſtrengungen r ſcheinlich mac delten in eine wunderbar a mochte. So verg Tages. Geg Frauen eine en Tod gefaßt igkeit zu wan⸗ euchtend, daß Von Zeit zu e weite Ober⸗ ag, um nach Keines zeigte eine Ausſicht leidungen des Südoſten an fel eine Strö⸗ eſe Nähe des d immer noch wagen mögen, beſſer daran hätte, welche Herumwaten nſchenswerth, tt thaten. bedenklichſte Wrack hatte Da die Hitze geſellte, das urſt bedrängt, Sie wußten waren, und ſtandes nicht ei einem Un⸗ ſchaffen, in einem ſo hohen Grade fehlen, wie es hier der Fall war. Das Unglück war ſo plötzlich und ſo vollſtändig über ſie gekommen, daß außer dem, was die Unglücklichen an und bei ſich trugen, nichts zu ſehen war. Maſten, Segel, Tau⸗ werk, Nothſpieren, mit einem Worte, Alles, was zu dem Schiffe gehörte, war den Blicken entzogen und vom Waſſer bedeckt, mit Ausnahme eines Theils des Schiffsbodens, der vierzig Fuß lang und zehn bis fünfzehn breit ſein mochte, das, was auf beiden Seiten des Kiels über dem Waſſer war, mitgerechnet, obgleich nur eine dieſer Seiten für die Frauen zugänglich war und hinreichenden Raum darbot, um ſich darauf zu bewegen. Hätte Mulford nur einen Bootshaken gehabt, ſo würde er ſich erleichtert gefühlt haben, denn die Haifiſche kamen nicht nur ſtets zahlreicher heran, ſondern wurden auch kühner und ſchwammen dem Wrack ſo nahe, daß Mulford fürchtete, einer der verwegenſten möchte zu ihnen an Bord kommen. Allerdings hatte er nie geſehen, daß dieſe Fiſche es wagten, ihr Element zu verlaſſen, um ihre Beute zu verfolgen; allein man erzählte dergleichen, und die um das Wrack ſchwammen, kamen ſo nahe heran, und ſchienen ſo gierig nach denen auf dem Flach zu ſchnappen, daß man mit Recht glauben konnte, ſie dürften ungewöhnliche An⸗ ſtrengungen verſuchen, um ihren Zweck zu erreichen. Wahr⸗ ſcheinlich machte ihre große Anzahl ſie kühn, und ſie han⸗ delten in einer Art Uebereinſtimmung, zu welcher der oft wunderbar ausgebildete Inſtinct der Thiere ſie führen mochte. So vergingen die Morgenſtunden dieſes ſchrecklichen Tages. Gegen Mittag beſtand Mulford darauf, daß die Frauen eine der Orangen unter ſich theilten und deren — 366— Saft ausſaugten, um ihren Durſt zu ſtillen. Der Genuß war wohlthuend, wie Alle zugaben, und ſelbſt Miſtreß Budd drang in Harry und Tier, die andere Orange unter ſich zu theilen, was jedoch Beide verweigerten. Mulford ließ ſich endlich bereden, ein kleines Stückchen Apfel zu eſſen, eher des Durſtes wegen, als um ſeinen Hunger zu ſtillen, obgleich letzteres nicht ganz ausgeſchloſſen war. Hans Tier weigerte ſich, ſelbſt ein ſolches Apfelſchnittchen zu nehmen, indem er behauptete, der Tabak habe dieſelbe Wirkung, wie dieß auch zeitlich der Fall ſein mochte. Sonnenuntergang war nicht fern, als der Vicepro⸗ viantmeiſter Mulford abſeits rief und ihm zuflüſterte, er habe ihm etwas insgeheim mitzutheilen. Sobald ſie außer dem Gehörbereiche der Frauen waren, fragte ihn der Maat, was er habe. „Ich bin früher ſchon in ähnlichen Lagen geweſen“ ſagte Hans,„und man lernt Erfahrung durch Erfahrung. Ich weiß, wie ſchrecklich es iſt, ſich in ſolchen Fällen Hoff⸗ nungen hinzugeben, und ſie dann vernichtet zu ſehen; wir müſſen daher vorſichtig zu Werke gehen. Ja, Herr Mul⸗ ford, es iſt ein Schiff am Horizont, ſo gewiß als ein Tropfen Waſſer in dem Golf iſt.“ „Ein Schiff, Hans? Ich hoffe zu Gott, daß Ihr Euch nicht getäuſcht habt.“ „Alte Augen ſind in ſolchen Dingen gute Augen, Herr. Seht Euch vor, daß die Frauen nichts merken. Sie fliegen auf wie Schießpulver und haben,— Gott ſei mit ihnen,— wenn man ſie einmal aufgeregt hat, nicht mehr Gewalt über ſich, als eine Schaar fliegender Fiſche, hinter welcher Delphine her ſind. Seht dort hinüber, Herr, klar ab von der Haube der Irländerin, ein wenig rechts von wenn dieß Ja, j jedoch noch angeben kor mit langen Stellung m ſein, und n irrten, aus Klippen, un Alles anfangs ein wenn uns zukommt. jedoch gewa war. Zuer nicht einma Dann ging es das, kaut zu ſehen irn nahe, daß e Indem faßte, muß kaum wahrf werde, und Beſonnenheit „Schiff, ho machte. De erfreuliche K ſehen ſei. E gethan, erme Der Genuß Miſtreß Budd nge unter ſich Mulford ließ Ipfel zu eſſen, ger zu ſtillen, ar. Hans Tier n zu nehmen, lbe Wirkung, der Vicepro⸗ zuflüſterte, er bald ſie außer ihn der Maat, gen geweſen“ ch Erfahrung. Fällen Hoff⸗ zu ſehen; wir „ Herr Mul⸗ ewiß als ein dtt, daß Ihr gute Augen, hichts merken. „— Gott ſei gt hat, nicht gender Fiſche, dort hinüber, , ein wenig rechts von der Stelle, wo das Riff ſich zuletzt gezeigt hat, wenn dieß kein Schiff iſt, heiße ich nicht mehr Hans Tier.“ Ja, ja, ein Schiff war es in der That! Es ſtand jedoch noch ſo fern, daß man etwas Beſtimmteres nicht angeben konnte, obgleich Mulford meinte, es ſei ein Schiff mit langen Raaen, das nach Norden abhalte. Nach ſeiner Stellung mußte es in einer der Durchfahrten des Riffes ſein, und nach ſeinem Curſe ſteuerte es, wenn ſie ſich nicht irrten, aus der Hauptdurchfahrt entlang der Südſeite der Klippen, um nordwärts herauszutreten. Alles dieß war günſtig, und der junge Mann fühlte anfangs ein Herzpochen, wie wir wohl Alle es fühlen, wenn uns eine wichtige, glückliche Nachricht unerwartet zukommt. Das Nachdenken eines Augenblicks ließ ihn jedoch gewahren, wie wenig von dieſem Schiffe zu hoffen war. Zuerſt war ſeine Entfernung ſo groß, daß man nicht einmal ſicher angeben konnte, welchen Curs es ſteuere. Dann ging es wahrſcheinlich in ſolcher Ferne vorüber, daß es das, kaum über das Waſſer hervorragende Wrack nicht zu ſehen im Stande war; überdieß lag die Möglichkeit nahe, daß es in der Nacht vorbeiſegelte. Indem Mufford alle dieſe Umſtände in das Auge faßte, mußte er ſich der Ueberzeugung hingeben, es ſei kaum wahrſcheinlich, daß das fremde Schiff ſie retten werde, und er konnte es nur billigen, daß Hans Tier Beſonnenheit genug hatte, den gewöhnlichen Anruf: „Schiff, ho!“ zurückzuhalten, als er ſeine Entdeckung machte. Dennoch konnte er ſich nicht verſagen, Roſa die erfreuliche Kunde mitzutheilen, daß wirklich ein Schiff zu ſehen ſei. Sie konnte die näheren Umſtände nicht, wie er gethan, ermeſſen, und der Glaube, es biete ſich eine ſicht⸗ — 368— bare Möglichkeit der Rettung dar, mochte ſie einige Stunden erheitern und beglücken. ⸗ Die Hoffnungen, welche dieſe Nachricht bei den Frauen erweckte, waren verſchiedener Art. Roſa war entzückt. Ihre Rettung erſchien ihr jetzt als ein ſo wahrſcheinliches Begebniß, daß Harry Mulford es faſt bereute, in ihr Hoffnungen rege gemacht zu haben, welche, wie er ſelbſt fürchtete, getäuſcht werden mußten. Die Gefühle der Miſtreß Budd nahmen keinen ſolchen Schwung. Das Wrack und ihre jetzige Lage wichen ſo ſehr von allen ihren früheren Begriffen von der See und dem Leben darauf ab, daß ſie faſt ganz betäubt war und ſich fürchtete, etwas zu ſagen und zumal zu denken. Biddynunterſchied ſich von ihren beiden Gebieterinnen, der alten wie der jungen; ſie ſchien jeder Hoffnung entſagt zu haben, und ihre phyſiſche Kraft wich der großen moraliſchen Schwäche völlig. Seit dem Wiedererſcheinen dieſes Tageslichtes hatte Mulford ſich dem Gedanken hingegeben, Biddy würde, wenn die Hand der Vorſehung nicht mehr ſchützend über ihnen walte, ihrem Leiden zuerſt unterliegen, obgleich ſie allem Anſcheine nach, unter den Frauen wenigſtens, am meiſten Lebenskraft beſaß. So mächtig iſt der moraliſche Einfluß auf das bloß phyſiſche Daſein. Mit einem aus Furcht und Hoffnung gemiſchtem Gefühle ſah Roſa inmitten der ſeierlichen Einſamkeit des Oceans die Nacht ihren Schleier über ſie ausbreiten. Sie hatte im Laufe dieſes Tages oft und inbrünſtig gebetet, und das Gebet hatte dazu beigetragen, ihre Seele zu beruhigen. Mehrere Male hatte ſie, während ſie knieend ihr Haupt auf den Kiel beugte, ihr Auge ſlehend zu Harry erhe Geiſt zu d von Gott d that, und allein gewä Der jr ſein Stolz ſich den T Harry Mul ein Ungläu lichen Schö war geneigt gung und U den Tag le glauben, die Unfall, wie ſtemmten die Herkules wü ſelbſt zu hel Harry Roſa's flehe den Kiel kni zu bitten ſche Aber er wide tiefſten Herz ſchreckliche S ſchöpfe vor i Es war wurden mit d um, wenn m 241— 243 te ſie einige ei den Frauen war entzückt. ahrſcheinliches eute, in ihr wie er ſelbſt Gefühle der wung. Das yr von allen dem Leben ſich fürchtete, y unterſchied iten wie der haben, und den Schwäche llichtes hatte ziddy würde, hhützend über obgleich ſie igſtens, am r moraliſche gemiſchtem nſamkeit des reiten. Sie ſtig gebetet, e Seele zu ſie knieend flehend zu Harry erhoben, als wollte ſie ihn bitten, ſeinen ſtolzen Geiſt zu demüthigen, an ihrer Seite niederzuknieen und von Gott die Hilfe zu erflehen, welche jetzt ſo ſehr noth that, und die, wie es ſich jetzt ernſtlich herausſtellte, Gott allein gewähren konnte. Der junge Mann fügte ſich dieſem Wunſche nicht; ſein Stolz als Mann und als Seemann hielt ihn ab, ſich den Wünſchen ſeines Herzens zu fügen. Obgleich Harry Mulford ſelten betete, war er nichts weniger als ein Ungläubiger oder ſeiner Pflichten gegen ſeinen gött⸗ lichen Schöpfer uneingedenk. Im Gegentheil, ſein Herz war geneigter, ſich ſolchen Darlegungen der Selbſtdemüthi⸗ gung und Unterwerfung hinzugeben, als er äußerlich an den Tag legte, und zwar, weil er gelehrt worden war, zu glauben, die angelſächſtſchen Seeleute riefen nicht bei jedem Unfall, wie die italieniſchen, den Herkules an, ſondern ſtemmten die Schultern an das Rad, in der Ueberzeugung, Herkules würde nicht verfehlen, dem zu helfen, welcher ſich ſelbſt zu helfen wüßte. Harry widerſtand aber dieſen Abend nur mit Mühe Roſa's flehendem Blick, als ſie zum letzten Male auf den Kiel kniete, ihr ſanftes Auge zu ihm erhob und ihn zu bitten ſchien, einmal an ihrer Seite niederzuknieen. Aber er widerſtand dieſer Anſprache, obgleich er in ſeinem tiefſten Herz inbrünſtig zu Gott flehte, er möge dieſes ſchreckliche Schickſal von dem jungen, unſchuldigen Ge⸗ ſchöpfe vor ihm abwenden. Es war nöthig, daß man ſchlief, und Anſtalten wurden mit den nöthigen Rückſichten auf Sicherheit getroffen, um, wenn möglich, einige Stunden zu ſchlummern. Mul⸗ 241— 243. 24 — 370— ford und Tier ſollten abwechſelnd, Wache um Wache, Ausguck halten. Dieß geſchah, damit kein Schiff unge⸗ ſehen an ihnen vorbei käme, und damit jeder Wechſel des Wetters gehörig beachtet würde. Der Wind war leichter geworden und ſchien umſpringen zu wollen, obgleich er noch aus dem bisherigen Punkte oder vielleicht ein wenig mehr aus Oſten blies. Die natürliche Folge war, daß die Abtrifft des Wrackes, ſofern dieſe von den Luftſtrömungen abhing, der Richtung des Riffes ziemlich genau folgte, und daß man für dieſe Nacht kaum zu fürchten hatte, weiter von ihm abgetrieben zu werden. Obgleich das Riff zunächſt keinen Zufluchtsort für die Geſellſchaft abzugeben geneigt war, fand Mulford doch eine Art Ermuthigung in dem Gedanken, daß jener Klippengrat nicht fern und folglich nicht alle Hoffnung abgeſchnitten ſei, an Bord eines vorüberkommenden Schiffes Zuflucht zu finden. Der Boden des Schoners und der hilfloſe Zuſtand der Geſellſchaft machte nun ſehr einfache Vorbereitungen für die Nacht nöthig. Die Frauen ſuchten ſich, ſo gut es ging, gegen den Kiel zu lagern, um auf dieſe Weiſe den Schlaf zu ſuchen, welcher ihnen ſo ſehr noth that. Der Tag war, wie man ſich wohl denken mag, heiß geweſen, und die Kühle, welche nach Sonnenuntergang plötzlich eintrat, war anfangs ſehr behaglich. Roſa hatte zum Glücke nicht lange vor dem Umlegen des Schiffes einen Shawl umgeworfen, und in dieſem Shawl hatte Harry ſie gerettet. Er war getrocknet worden und diente jetzt ihr und ihrer Tante als eine leichte Decke, welche bei der Kühle der Nacht ganz wohlthuend war. Biddy bedurft hätt ſolchen verſe Die geduldi aber edelher Ernſt, mit; an dem Zwi worden wa geſtimmt, u und die hing als der zart gewußt, daß doppelte Ga daß Biddy d Gabe beſtan Der M bar gemacht, hatten Angſt Eßluſt entgee eher reizten, dieſem lange laut geworde Mulfork leren Stunde dem anbreche widmen zu ke nichts, das denken über Es war, als der Sorgen um Wache, Schiff unge⸗ Wechſel des n umſpringen rigen Punkte blies. Die rackes, ſofern Nichtung des un für dieſe n abgetrieben tsort für die Mulford doch „ daß jener lle Hoffnung nden Schiffes loſe Zuſtand orbereitungen h, ſo gut es ſe Weiſe den ) that. Der heiß geweſen, ang plötzlich hatte zum ſchiffes einen hatte Harry ente jetzt ihr lche bei der Biddy war zu abgehärtet', als daß ſie eines Shawls bedurft hätte, und ſie betheuerte, wenn ſie ſich auch einen ſolchen verſchaffen könnte, würde ſie ihn doch nicht brauchen. Die geduldige, ſanfte Hingebung, mit welcher dieſes arme, aber edelherzige Weſen ſich in ihr Schickſal fügte, und der Ernſt, mit welchem ſie bat, Miß Roſa möge ihren Antheil an dem Zwieback nehmen, welcher als Abendeſſen geboten worden war, hatte Mulford ſehr zu ihren Gunſten geſtimmt, und da er wußte, daß ein ſo ſtarker Körperbau und die hingebrachte Lebensweiſe mehr Nahrung forderten, als der zarteren Roſa noth that, hatte er es einzurichten gewußt, daß die Irländerin, ohne daß ſie es merkte, eine doppelte Gabe erhielt. Auch war es nicht überraſchend, daß Biddy dieſe kleine Liſt nicht merkte, denn dieſe doppelte Gabe beſtand eben nur in einem nicht eben knappen Biſſen. Der Mangel an Waſſer hatte ſich ſchmerzlicher fühl⸗ bar gemacht, als der Mangel an Nahrung, denn bis jetzt hatten Angſt, Erregung und Beſorgniß dem Erwachen der Eßluſt entgegen gewirkt, während jene Urſachen den Durſt eher reizten, als zurückdrängten. Demungeachtet war an dieſem langen, traurigen Tag keine Klage irgend einer Art laut geworden. Mulford übernahm die erſte Wache, um in den mitt⸗ leren Stunden der Nacht ein wenig zu ſchlafen und mit dem anbrechenden Morgen ſich neugeſtärkt ſeinem Dienſte widmen zu können. Während der erſten Stunde begab ſich nichts, das ſeine Aufmerkſamkeit von dem düſtern Nach⸗ denken über ihre hoffnungsloſe Lage abgewendet hätte. Es war, als hätten Alle um ihn in der Ruhe des Schlafes der Sorgen vergeſſen, und inmitten der Meereswüſte war 24* kein Ton hörbar als das ſanfte Murmeln der Wellen, welche dann und wann an der Backſeite des Schoners anſchlugen. Jetzt fand Mulford einen Augenblick, welchen er dem Gebete weihen konnte, und auf dem Kiele ſitzend, rief er in einem inbrünſtigen, aber ſtummen Gebete Gott flehend an, wenigſtens die junge, ſchöne Roſa dieſer Prüfung zu überheben, ſollte er ſelbſt auch zu Grund gehen. Es war Mulford's erſtes Gebet ſeit vielen Monaten, oder ſeit er an Bord der Swaſh gekommen, ein Fahrzeug, in welchem dieſer Pflicht ſelten gedacht wurde. Dieſem Gebete folgte eine Pauſe von mehreren Mi⸗ nuten, worauf Biddy den Kopf erhob. „Miſſus, Madame Budd, liebſte Miſſus,“ flüſterte die Irländerin, welche die neben ihr ruhende Roſa nicht wecken wollte,„könnt Ihr in einer ſolchen Nacht ſchlafen?“ „Nein, Biddy, der Schlaf und ich ſind einander fremd, und werden es auch bis zum Morgen bleiben. Was wollt Ihr mir ſagen?“ „Alles iſt beſſer, als meine eigenen Gedanken, und ich muß mit Euch ſprechen. Wird man uns gar kein Waſſer geben, ſo lange wir in dieſer Lage bleiben?“ „Niemand kann es uns geben, als Gott, gute Biddy, und er allein weiß, was er in ſeiner Gnade über uns verhängt hat. Ach, Biddy, ich fürchte, ich habe gedanken⸗ los und unklug gehandelt, daß ich meine theure Roſa in ſolches Leid brachte. Wenn ich es noch einmal zu thun hätte, würden alle Schätze der Wallſtreet mich nicht bewegen, mich einer ſolchen Unbeſonnenheit ſchuldig zu machen.“ Noſa's Arm umſchlang den Hals der Tante, und ein ſanfter Dri Vergebung „Ich! Biddy,„un ſie den Me muß.“ „Ich wortete die „Ich ich ein Gl brunnen hä weiten Wel! nur ein G Tropfen gel das würd' „Waſſe quickung, „und ich we unter uns 7 „Theil meine Stim enthalten, Miß Roſa.“ „Ein jetzt ſehr wi „Und i ich jetzt nur ſchönes Irl ſie hinabzuſ Kleinigkeiten der Wellen, des Schoners elchen er dem zend, rief er Gott flehend Prüfung zu en. Es war oder ſeit er , in welchem nehreren Mi⸗ flüſterte die mnicht wecken lafen?“ nander fremd, Was wollt danken, und us gar kein iben?“ gute Biddy, de über uns äbe gedanken⸗ eure Roſa in nal zu thun mich nicht ſchuldig zu nte, und ein ſanfter Druck ließ die Sünderin gewahren, daß ihr völlige Vergebung zu Theil geworden. „Ich bin wegen Miß Roſa ſehr bekümmert,“ verſetzte Biddy,„und leide doppelt, wenn ich bedenke, wie peinlich ſie den Mangel eines Tropfens friſchen Waſſers fühlen muß.“ „Ich fühle ihn nicht peinlicher, als Ihr ſelbſt,“ ant⸗ wortete die ſanfte Stimme unſerer Heldin. „Ich ſelbſt, meint Ihr? Gewiß, Miß Roſa, wenn ich ein Glas ſüßen, guten Waſſers von unſerem Haus⸗ brunnen hätte, und beſſeres Waſſer gibt es nicht in der weiten Welt, als in unſerm armen Irland, aber wenn ich nur ein Glas voll davon hätte, würde ich Euch jeden Tropfen geben, um Euern Durſt zu löſchen, Miß Roſa; das würd' ich.“ „Waſſer wäre eben jetzt für uns Alle eine große Er⸗ quickung, meine vortreffliche Biddy,“ antwortete Roſa, „und ich wollte, wir hätten ein großes Glas voll, um es unter uns Fünfen gleich zu vertheilen.“ „Theilen? Nein, gegen ein ſolches Theilen würde ich meine Stimme erheben, denn ein Glas würde nie mehr enthalten, als nöthig wäre, um Euern Durſt zu ſtillen, Miß Roſa.“ „Ein ſolches Glas Waſſer würde aber uns Allen jetzt ſehr willkommen ſein,“ murmelte Miſtreß Budd. „Und iſt Hammelfleiſch keine gute Koſt? Ach, wenn ich jetzt nur einige gute Schnittchen deſſen hätte, wie mein ſchönes Irland es bietet, und einen Tropfen Milch, um ſie hinabzuſpülen! Wahrlich, man denkt wenig an ſolche Kleinigkeiten, wenn man Alles in Fülle hat; wenn man — 374— aber Noth leidet, ſehnt man ſich mehr darnach, als nach Ehren und Reichthümern.“ „Ihr habt ganz recht, Biddy,“ entgegnete die Wittwe, „und es iſt ein Genuß, von dem wenigſtens zu ſprechen, was man nicht haben kann. Ich habe den ganzen Nach⸗ mittag daran gedacht, welche köſtliche Sache es um einen gebratenen Truthahn mit Moosbeerenſauce iſt, und ich wundere mich jetzt, daß ich nicht dankbarer für all die guten Dinge geweſen bin, welche dle Vorſehung mir geſendet hat. Mein guter Herr Budd war ein leiden⸗ ſchaftlicher Freund von Hammelfleiſch, und ich habe ihn dieſer Vorliebe wegen oft gottlos ausgelacht, worauf er ſtets ſeine Antwort bereit hatte; und dieſe war, es gäbe auf der See keine Hämmel. Wie wahr hat er geredet, liebe Roſy; es gibt in der That keine Hämmel auf der See.“ „Nein, Tante,“ erwiederte Roſa's ſanfte Stimme unter dem Shawl,„es gibt keine ſolche Thiere auf dem Meere; Gott iſt aber hier ebenſo gut bei uns, wie zu Neu⸗York.“ Eine lange Pauſe folgte dieſer einfachen Bemerkung des holden Weſens, und der Maat hoffte, das Geſpräch würde nicht wieder aufgenommen werden, denn jede Sylbe war ein Dolchſtich für ſein Herz. Die Natur war aber in den beiden älteren Frauen ſtärker, als das Nachdenken, und Biddy begann nach einer kurzen Pauſe von Neuem: „Betet für mich, Madame,“ ſagte ſie ſeufzend, daß ich ſchlafen kann. Ein wenig Schlaf würde dem Körper ebenſo wohl thun, wie ein Biſſen Brod, um nicht zu ſagen, wie ein Tropfen Waſſer.“ „Seid ruhig, Biddy; wir wollen für Euch beten,“ antwortete ſchien dieſe geſſen zu h „Iſt Miß Roſa Irland nie einen Fleck Waſſer hal Dieß ſo lange 2 Arbeit, der Um zwölf rief er Hat vier Uhr n „Es ſobald er blicken beg krochen zu „Eine heit rührt bringen zu „Neg⸗ recht, Tier müſſen ihn Roſa's tro „In vorüber iſt zu einiger Mittel.“ „Ich Wache mi ich, als nach e die Wittwe, zu ſprechen, ganzen Nach⸗ es um einen iſt, und ich für all die rſehung mir ein leiden⸗ ch habe ihn „ worauf er ar, es gäbe er geredet, Hämmel auf fte Stimme ere auf dem uns, wie zu Bemerkung as Geſpräch jede Sylbe r war aber Nachdenken, on Neuem: ufzend, daß dem Körper n nicht zu ich beten,“ antwortete Roſa leiſe, denn aus dem Athem ihrer Tante ſchien dieſe in einem kurzen Schlummer ihrer Leiden ver⸗ geſſen zu haben.“ „Iſt das Euer Wunſch? Nun, ich bin ruhig, Miß Roſa. In meinem Leben hätte ich mein ſchönes Irland nicht verlaſſen, wenn ich gewußt hätte, daß es einen Fleck auf dieſer Welt gibt, wo man keinen Tropfen Waſſer haben kann.“ Dieß war die letzte vernehmbare Klage der Irländerin, ſo lange Mulford's Wache währte. Er begann nun eine Arbeit, deren an dem geeigneten Orte gedacht werden wird. Um zwölf Uhr, oder als er glaubte, es ſei zwölf Uhr, rief er Hans Tier auf, welcher ihn ſeinerſeits wieder um vier Uhr weckte. „Es ſieht dunkel und bedrohlich aus,“ ſagte Mulford, ſobald er auf ſeinen Füßen ſtand und wieder um ſich zu blicken begann,„aber der Wind ſcheint ſich ganz ver⸗ krochen zu haben.“ „Eine vollkommene Windſtille, Herr, und die Dunkel⸗ heit rührt von jener Wolke her, die uns ein wenig Regen bringen zu wollen ſcheint.“ „Negen! Dann iſt Gott wirklich mit uns. Ihr habt recht, Tier; jene Wolke wird uns Regen bringen. Wir müſſen ihn auffangen, wär' es auch nur ein Tropfen, um Roſa's trockene Zunge zu befeuchten.“ „In was?“ verſetzte Tier düſter.„Wenn der Schauer vorüber iſt, muß ſie ihr Gewand auswinden, und ſich ſo zu einigen Tropfen verhelfen. Ich kenne kein anderes Mittel.“ „Ich habe an all das gedacht, und faſt meine ganze Wache mit den Vorbereitungen hingebracht.“ — 376— Mulford zeigte Hans Tier jetzt, was er in den langen, einſamen Stunden der erſten Wache gethan hatte. Der junge Mann hatte mit ſeinem Meſſer in den Boden des Schoners eine kleine Rinne geſchnitten, welche zwei oder drei Fuß vom Kiel und kaum einen Schritt von Roſa's Ruheſtätte anfing und ſo weit als möglich hinablief; an dem Ende hatte er eine Art Behälter ausgehöhlt, in wel⸗ chem ſich die koſtbaren Tropfen ſammeln ſollten, wenn die Vorſehung ſolche niederſandte. Während er mit dieſer Arbeit beſchäftigt war, deutete nichts auf Regen; Mulford wußte aber, daß nur ein Regenſchauer ſie vom Wahnſinne, wenn nicht von dem Tode retten konnte, und indem er über die Mittel nach⸗ dachte, wie er von einer ſolchen Möglichkeit Nutzen ziehen könne, kam er auf jenen Gedanken. Sein großes See⸗ mannsmeſſer hatte ihm bei dieſer Arbeit treffliche Dienſte geleiſtet; es fehlte jetzt nur noch wenig, um ſie zu Ende zu führen; beſonders mußte das Behälter noch erweitert werden. Es war jetzt groß genug, um etwa einen Schop⸗ pen zu faſſen, und man konnte es leicht der Art erweitern, daß ſich das doppelte Maaß darin ſammeln konnte. Sobald Hans Tier wußte, was hier noch zu thun ſei, war ſein Meſſer ſchon blank, und ein Splitter nach dem andern flog aus den Planken, um das Behälter zu erwei⸗ tern. Man mußte ſich dabei lediglich auf der Oberfläche halten, denn das Holz hatte kaum drei Zoll Dicke, und der kleinſte Schnitt, welcher durch die Planke ging, würde das raſche Entweichen der Luft und das gewiſſe Verſinken des Wracks zur Folge gehabt haben. Auch forderte es ein ſcharfes Auge, um die wagerechte Fläche zu erhalten, und Mulford mußte mehr als einmal dazwiſchen Schaden, c und er hat welches mel der erſte gre ter war ein welche ſo zu ſie die erwät „Theue mel uns ſer aus ihrem 1 regnen, und „Waſſer hatte.„We gewiß, wir ſolche Wohlt „So ko regnen, ich der See. K herziger Got⸗ Man de Gehör fand. „Waſſer“ li weniger Selb ſie rufen: „Ach, u neten Quelle geträumt, un aber jetzt vo gethan, wie ſterben.“ den langen, hatte. Der Boden des e zwei oder von Roſa's nablief; an hlt, in wel⸗ , wenn die var, deutete ß nur ein dt von dem Nittel nach⸗ utzen ziehen roßes See⸗ iche Dienſte ie zu Ende h erweitert ien Schop⸗ erweitern, nte. thun ſei, nach dem zu erwei⸗ Oberfläche e, und der vürde das ſinken des wagerechte ls einmal — 377— dazwiſchen treten, um ſeinen Gefährten zu hindern, mehr Schaden, als Nutzen zu ſtiften. Es gelang ihm jedoch, und er hatte bereits ein Behälter zu Stande gebracht, welches mehr als eine Maaß Waſſer halten konnte, als der erſte große Tropfen aus der Wolke fiel. Das Behäl⸗ ter war eine lange, verhältnißmäßig tiefe Aushöhlung, welche ſo zierlich in die Planken eingeſchnitten war, daß ſie die erwähnte Menge Waſſers faſſen konnte. „Theuerſte Roſa, erhebt Euch und ſeht, was der Him⸗ mel uns ſendet,“ ſagte Mulford, indem er die Geliebte aus ihrem unruhigen Schlummer weckte.„Es beginnt zu regnen, und Gott iſt hier, wie auf dem Lande, mit uns.“ „Waſſer!“ rief Biddy, welche derſelbe Aufruf geweckt hatte.„Welch ein Segen iſt gutes, füßes Waſſer? und gewiß, wir müſſen Alle Gott auf den Knieen für eine ſolche Wohlthat danken.“ „So kommt,“ ſagte Mulford eilig,„es wird ſogleich regnen, ich höre ſchon das Aufſchlagen der Tropfen auf der See. Kommt Alle hierher und trinkt, da ein barm⸗ herziger Gott uns das Mittel dazu bietet.“ Man denkt ſich wohl, daß dieſe Aufforderung williges Gehör fand. Alle erhoben ſich eilig, und das Wort „Waſſer“ ließ ſich von jeder Lippe hören. Biddy hatte weniger Selbſtbeherrſchung, als die übrigen, und man hörte ſie rufen: „Ach, und habe ich dieſe Nacht nicht von den geſeg⸗ neten Quellen und Brunnen meines ſchönen Irlands geträumt, und von allen im Traume getrunken; das iſt aber jetzt vorüber, und ich wache, und gut hat es mir gethan, wie ich bereit bin, für einen Tropfen Waſſer zu ſterben.“ — 378— Der Regen kam, und mit ihm jenes wohlthuende Gefühl, das eine ſolche Gabe begleiten mußte. Mulford hatte kaum hinreichend Zeit, der Geſellſchaft ſeine Anord⸗ nungen zu erklären, und Jedem ſeinen Platz entlang des Behälters und der Rinne, welche das Waſſer in jene leitete, anzuweiſen, als das Platſchen des Regens dumpf rauſchend über die See daher klang. Dem erſten, ſchweren Tropfen war jede Lippe zugewendet, und dann goß es, wie aus tauſend Strömen nieder. Der Wind ſchwieg faſt ganz, und nur der Saum einer großen, ſchwarzen Wolke zog über das Wrack hin, auf welches der Regen nur eine Minute lang niederſtrömte. Aber es goß nieder, wie es innerhalb der Wendekreiſe niederzugießen pflegt, und unſere Freunde hatten des erſehnten Waſſers in Fülle vor ſich. Alle tranken und fühlten ſich erquickt, und als der Regen vorüber war, und Mulford ſein Behälter unterſuchte, fand er es noch bis zum Rande angefüllt. Der Durſt war nicht zu lange gefühlt, und daher auch nicht zu ungeſtüm geſtillt worden, als daß Jemand Schaden genommen hätte, obgleich Alle ſich hinreichend erquickt hatten. Vielleicht hatte auch die Kühle der Stunde, denn der Tag dämmerte eben, als die Wolke vorüberzog, und der Umſtand, daß die Geſellſchaft ganz durchnäßt war, dazu beigetragen, daß man die willkommene Gabe mit Beſonnenheit genoß. „O geſegnetes, geſegnetes Waſſer!“ rief Biddy, indem ſie ſich von den Knieen erhob;„Amerika iſt doch kein ſo ſchauerliches Land, wie Manche behaupten. Ich habe ſelbſt in Irland kein beſſeres Waſſer getrunken.“ Roſa drückte ihr Dankgefühl in geeigneteren Worten aus. Auch Miſtreß Budd und Hans Tier ſprachen ſich, ihrem Charakter gemäß, jene in innigen Ausrufungen, dieſer in ſchaften des „Der und die ar einer Gewe haben ſchier in einiger und die Se müſſe, we ſteigerte. Der ju Nacht, ſo z des Oceans Hoffnung, Dieſe wurde welches ſie ſichtbar und genau ſehen ſeinem Bref es nordwärte auszuweichen nach Mobile Küſtenhäfen der junge M zu Geſicht be Baumwollen zuſteuerten. zu beſeitigen Ein Se lange täuſche das Ebenmaf wohlthuende zte. Mulford ſeine Anord⸗ entlang des aſſer in jene tegens dumpf ſten, ſchweren ann goß es, ſchwieg faſt varzen Wolke egen nur eine eder, wie es t, und unſere le vor ſich. und als der r unterſuchte, er Durſt war zu ungeſtüm pommen hätte, Vielleicht ag dämmerte and, daß die tragen, daß genoß. Biddy, indem doch kein ſo ih habe ſelbſt eeren Worten prachen ſich, lusrufungen, — 379— dieſer in ſeiner kurzen Weiſe, über die herrlichen Eigen⸗ ſchaften des Waſſers aus. „Der Wind erhob ſich mit dem Vorrücken des Tages, und die anſchwellenden Wogen begannen das Wrack mit einer Gewalt zu heben, welche bisher geſchlummert zu haben ſchien. Mulford erkannte dieß als ein Zeichen, daß in einiger Entfernung von ihnen ein Sturm gewüthet, und die See in einen Zuſtand der Aufregung verſetzt haben müſſe, welche ſich weit über den Einfluß des Windes ſteigerte. Der junge Mann ſchaute jetzt, da der Vorhang der Nacht, ſo zu ſagen Zoll für Zoll, von dem Rundgemälde des Oceans zurückwich, nach dem Horizonte aus, in der Hoffnung, irgend eines Fahrzeuges anſichtig zu werden. Dieſe wurde auch nicht ganz getäuſcht. Das fremde Schiff, welches ſie am geſtrigen Abend geſehen hatten, war noch ſichtbar und ſtand überdieß ſo nahe, daß ſie ſeinen Rumpf genau ſehen konnten. Es war ein Schiff, welches unter ſeinem Brefock ging und aus dem Riff abhielt, als wolle es nordwärts wenden, um der Gegenſtrömung des Golfes auszuweichen. Schiffe, welche ſich aus jenen Gewäſſern nach Mobile, Neu⸗Orleans und andern amerikaniſchen Küſtenhäfen begeben, ſchlagen oft dieſen Weg ein, und als der junge Mann die ſchattigen Umriſſe dieſes Schiffes zuerſt zu Geſicht bekam, hielt er es für ein Packetboot, oder einen Banmwollenhändler, die ihrem Hafen an der Nordküſte zuſteuerten. Wenige Minuten reichten aber hin, den Schleier zu beſeitigen und ihn eines beſſern zu belehren. Ein Seemann konnte ſich über dieſes Schiff nicht lange täuſchen. Seine Länge, ſeine großen, maſſigen Segel das Ebenmaß ſeiner Spieren, und der lange, gerade Umriß — des Rumpfes ließen keinen Zweifel übrig, daß es ein Kreuzer ſei, der läſſig beilag. Mulford theilte jetzt ſeinen Gefährten die freudige Nachricht mit, daß das Schiff, welches ſie ſo deutlich ſahen, und das kaum auf Kanonenſchußweite vor ihnen ſtand, die Kriegsſchluppe ſei, deren Bekanntſchaft ſie bereits gemacht hatten. „Wenn es uns gelingt, ihr ein Signal zu geben, wird Alles gut gehen,“ rief Mulford.„Kommt, Hans, und helft mir dieſen Shawl ausbreiten, das einzige Signal, das wir zeigen können.“ Roſa's Shawl war das Signal, das man fliegen ließ. Tier und Mulford ſtellten ſich auf den Kiel, faßten ihn au den entgegengeſetzten Enden, und ließen das Tuch vom Winde füllen. Faſt eine Stunde ſtanden ſie ſo mit aus⸗ geſtreckten Armen, und verſuchten alle Mittel, um ihr Signal augenfällig zu machen. Unglücklicherweiſe blies aber der Wind gerade auf den Kreuzer zu, und das Tuch konnte, ſtatt dem Auge der Leute an Bord deſſelben eine Oberfläche von einiger Breite zu zeigen, höchſtens eine flatternde, wellenartige Linie darbieten. Als der Tag vorrückte, ſetzte ſich der Kreuzer in Bewegnng. Er hatte während der Nacht unter geborgenen Segeln und bei läſſigem Winde beigelegt; jetzt aber flog ein Oberſegel nach dem andern heraus, und er hielt mit der ſtetigen Bewegung eines Kriegsſchiffes vor dem Winde nach weſtwärts ab. Sobald es weit genug nördlich von dem Riffe ſtand, wich es von dem anfänglichen Curſe ab, wendete dem Wrack ſeinen Spiegel klar zu, und entſchwand allmählich aus den Augen unſerer Freunde. Mulfo⸗ Schiff aus nicht von Shawl nach die Möglich würden, w hielten. S ſchauen, n nach vorner Sandbänke Miſtref Kriegsſchlun welche es de anſichtig zu wie das W Gefühle zu ſchaft des ſe in einer En volle Stund ſtellungen 9 beſchwichtige „Warur rief ſie ſo lo neugeborne Wege dahin eine Art Se einem Wrach welche der Kommt nur, Alle hier, w und eine Sch 3 ein Kreuzer die freudige eutlich ſahen, en ſtand, die reits gemacht I zu geben, umt, Hans, azige Signal, fliegen ließ. ßten ihn an Tuch vom ſo mit aus⸗ el, um ihr rweiſe blies d das Tuch eſſelben eine ſchſtens eine Kreuzer in geborgenen t aber flog er hielt mit dem Winde Riffe ſtand, dendete dem allmählich Mulford ſah, daß ſie nicht hoffen konnten, durch dieſes Schiff aus ihrer Lage gerettet zu werden; aber er wich nicht von ſeiner Stelle auf dem Kiel, und ſchwenkte den Shawl nach allen Richtungen. Er ſah jedoch wohl, daß die Möglichkeitsfälle, geſehen zu werden, ſich verdreifachen würden, wenn ſie, ſtatt ſpiegelwärts, vor dem Schiffe hielten. Seeleute ſehen ſich ſelten veranlaßt, rückwärts zu ſchauen, während gewöhnlich hundert wachſame Augen nach vornen gewendet ſind, beſonders wenn Klippen oder Sandbänke ſich in der Nähe befinden. Miſtreß Budd weinte wie ein Kind, als ſie die Kriegsſchluppe hinweggleiten und in eine Ferne traten ſah, welche es dem Ausguck unmöglich machte, einen Gegenſtand anſichtig zu werden, der ſo niedrig auf dem Waſſer ſchwamm, wie das Wrack. Auch Biddy war nicht im Stande, ihre Gefühle zu bemeiſtern; das arme Weſen rief die Mann⸗ ſchaft des ſchwindenden Schiffes an, als könne ihre Stimme in einer Entfernung gehört werden, welche bereits zwei volle Stunden betragen mochte. Nur den ernſteſten Vor⸗ ſtellungen Roſa's gelang es, die treue Irländerin zu beſchwichtigen. „Warum wollt ihr uns nicht zu Hilfe kommen?“ rief ſie ſo laut als möglich. Da ſind wir, ſo hilflos wie neugeborne Kinder, und ihr ſegelt im entgegengeſetzten Wege dahin! Denkt ihr denn nicht an die Miſſus, die eine Art Seemann iſt, aber nicht der Art, daß ſie auf einem Wrack ſegeln könnte; und an die arme Miß Roſa, welche der Reiz und das Entzücken aller Augen iſt? Kommt nur, und rettet Miß Roſa, und laßt uns Andere Alle hier, wenn es euch ſo gefällt; denn es iſt eine Sünde und eine Schande, ein ſolches Weſen inmitten des Oceans — 382— ſterben zu laſſen, wie man einen Fiſch ſterben läßt. Und dann wird es uns auch bald wieder an Waſſer mangeln, während wir doch nichts als Waſſer rings um uns haben.“ „Alles vergeblich,“ ſagte Mulford traurig, indem er von dem Kiel niederſtieg und den Shawl bei Seite legte. „Sie können uns nicht ſehen, und die Entfernung iſt jetzt ſo groß, daß ſie uns gewiß nicht mehr ſehen werden. Nur eine Hoffnung bleibt uns noch. Die Strömungen treiben uns auf und nieder, und wenn wir in der Nähe des Riffes bleiben, iſt es möglich, daß ſich ein anderes Schiff zeigt und der Himmel uns dann günſtiger iſt. Die Erquickung, welche uns der Regen bot, iſt ein Beweis, daß die göttliche Vorſehung uns nicht vergeſſen hat, und wer ſich ſo geſchützt ſieht, darf nicht verzweifeln.“ Jetzt folgte ein trauriges, knappes Mahl. Jedes erhielt einen ziemlichen Biſſen Zwieback, denn mehr zu vertheilen, hielt Mulford nicht für gerathen. Er verſuchte jedoch eine fromme Täuſchung, indem er dem Antheile Roſa's ſeinen eigenen zuſchob, da er glaubte, ſie dürfte die Entbehrung peinlicher fühlen, als er. Noſa's zärtliche Beſorgniß war jedoch nicht auf dieſe Weiſe zu hintergehen. Da ſie ſeine Wünſche und Beweggründe nach ihren eigenen beurtheilte, entdeckte ſie alsbald die Liſt, und beſtand darauf, nur ihren Antheil behalten zu wollen. Nachdem dieſe Vertheilung beſeitigt und das kurze Mahl genoſſen war, blieb nur ſo viel Zwieback übrig, daß er zu einer ähnlichen Mahlzeit, wenn man es je ſo nennen will, ausreichte. Ueber das Waſſer, deſſen Mangel man gewiß fühlen mußte, ſobald die Sonne wieder heißer brannte, wurde der Shawl ſo gebreitet, daß er die Ver⸗ dunſtung möglichſt hinderte, und zumal bei der Bewegung — des Wracks Wellen ſich dem flachen Mulfo kommen. die Luft in welche ihn Größe ſchr ſah wohl, kraft des 2 müſſe, we brechenden linie auf bezeichnet. Nach Tages vor eilte an de welchen n in dieſer Dadu Weiſe bed jede Vorſi⸗ machte. Wrack ka über dem Geſchwin So noch Sche wurde all auf eine Lage bed läßt. Und eer mangeln, uns haben.“ g, indem er Seite legte. ung iſt jetzt hen werden. Strömungen n der Nähe ein anderes er iſt. Die ein Beweis, n hat, und 1.4 aihl. Jedes n mehr zu Er verſuchte m Antheile ſie dürfte 's zärtliche dintergehen. ren eigenen and darauf, das kurze übrig, daß ſo nennen angel man der heißer r die Ver⸗ Bewegung des Wracks, welche ſich merklich ſteigerte, wie Wind und Wellen ſich mehr hoben, das Ausfließen des Waſſers aus dem flachen Behälter einigermaßen verhütete. Mulford hatte jetzt einer wichtigen Pflicht nachzu⸗ kommen. Den ganzen vorigen Tag hatte er bemerkt, daß die Luft in einer ſtets wachſenden Folge von kleinen Blaſen, welche ihn durch ihre Menge, wenn nicht durch ihre Größe ſchreckten, aus dem Rumpfe entwich. Der Maat ſah wohl, daß die ſich ſteigernde Abnahme der Schwimm⸗ kraft des Wracks ihren Untergang nothwendig herbeiführen müſſe, wenn keine Hilfe käme, und er hatte vor dem ein⸗ brechenden Dunkel des vorhergehenden Tages die Waſſer⸗ linie auf dem Boden des Schiffes mit ſeinem Meſſer bezeichnet. Nachdem die Erregung der erſten Stunden dieſes Tages vorüber war, gedachte er ſogleich dieſes Umſtandes, eilte an die bezeichnete Stelle und ſah mit einem Schrecken, welchen wir nicht zu ſchildern vermögen, daß das Wrack in dieſer kurzen Zeit um mehrere Zoll geſunken war. Dadurch wurde ihre Sicherheit in ſehr ernſtlicher Weiſe bedroht, und ihrem Daſein ein Ziel geſteckt, welches jede Vorſicht, in Bezug auf Nahrung und Waſſer, unnöthig machte. Nach der Berechnung des Maats konnte das Wrack kaum noch länger als acht und vierzig Stunden über dem Waſſer bleiben, wenn die Luft mit der bisherigen Geſchwindigkeit ausſtrömte. So ſchlimm alles dieß ſcheinen mußte, ſollte ſich doch noch Schlimmeres einſtellen. Die Bewegung des Waſſers wurde allmählich ſtärker, und das Wrack wurde zuweilen auf eine Weiſe emporgehoben, welche die Gefahr ſeiner Lage bedeutend erhöhen mußte. Wir müſſen darauf auf⸗ — 384— merkſam machen, daß dieſe Bewegung keine Folge der durch den jetzigen Wind aufgeregten Wellen war, ſondern von einer ſogenannten ſchweren Deining oder den langen, ſchweren Wogungen herrührte, welche auf einen vorüber⸗ gegangenen oder in der Ferne ausgebrochenen Sturm deuten. Die Wellen der jetzigen Kühlte waren nicht ſehr furchtbar, da das Riff eine Lee abgab, obgleich ſie viel⸗ leicht unbequem werden konnten, weil ſie von der Backbord⸗ ſeite des Wracks kamen, ſobald die Abtrifft das letztere dwars ab von der bereits erwähnten Durchfahrt führte. Die Gefahren aber, mit welchen die ſchwere Deining, welche jetzt dem Wrack eine bedeutende Bewegung zu geben begann, unſere Freunde bedrohte, werden ſich am klarſten herausſtellen, wenn wir die Begebniſſe nach ihrem Verlaufe berichten. Harry hatte ſeine Merkzeichen verlaſſen, ſich neben Roſa auf den Kiel geſetzt, und ſah zum Himmel empor, als erwarte er nur noch von dort her Hilfe, als ein ſchweres Rollen des Wracks ſeine Aufmerkſamkeit rege machte. „Wenn Jemand Durſt hat,“ ſagte er ruhig,„wird er wohl thun, dieſen zu löſchen, ſolange es noch möglich iſt. Zwei oder drei Stöße, wie dieſer letzte, werden alles Waſſer aus dem Behälter ſchleudern.“ „Das Waſſer iſt eine geſegnete Sache,“ rief Biddy, und die Sehnſucht ſprach ſich in ihrem Blicke aus,„und es wäre beſſer, es zu trinken, als doß man es einbüßt.“ „So trinkt in Gottes Namen, gute Biddy; vielleicht bietet ſich nicht ſo bald wieder eine Gelegenheit dazu dar.“ Glaubt mir, ich werde keinen Tropfen trinken, ſo lange die tig ſind.“ „Ich „und bei men habe mir zuträ „Nel flüſterte dankbar f trinken, hinausſch Bidd knieten A Flüſſigkeit in dem 5 abermals hinzudeute ſegnetes 1 Ein gebührend als erwa ächzenden ihn nur z Das ein wenig und eine ſchloſſenen des Waſſe Aechzen h Mulj 241—: ie Folge der var, ſondern rden langen, inen vorüber⸗ ſenen Sturm en nicht ſehr gleich ſie viel⸗ der Backbord⸗ ft das letztere ihrt führte. were Deining, Bewegung zu erden ſich am ſſe nach ihrem n, ſich neben immel empor, dilfe, als ein rkſamkeit rege ruhig,„wird 3 noch möglich werden alles rief Biddy, cke aus,„und es einbüßt.“ iddy; vielleicht geit dazu dar.“ en trinken, ſo lange die Miſtreß und Miß Roſa dieſer Wohlthat bedürf tig ſind.“ „Ich habe gar keinen Durſt,“ antwortete Roſa ſanft, „und bei den wenigen Biſſen, welche ich zu mir genom⸗ men habe, dürfte ich bereits mehr getrunken haben, als mir zuträglich iſt.“ „Nehmt noch ein Stückchen Zwieback, Geliebte,“ flüſterte Harry in ſo drängendem Tone, daß Roſa ſich dankbar fügte.—„Trinkt, Biddy, und wir werden auch trinken, ehe die ſich ſteigende Bewegung das Waſſer hinausſchleudert.“ Biddy that, wie man ihr geſagt hatte, und dann knieten Alle nach einander nieder und tranken die köſtliche Flüſſigkeit; Alle hatten ſich gelabt, und noch blieb fo viel in dem Behälter übrig, daß man ſpäter ſeine Zuflucht abermals dahin nehmen konnte, ein Troſt, auf welchen hinzudeuten Biddy nicht verfehlte, und ihren Ruf:„Ge⸗ ſegnetes Waſſer!“ auch jetzt wiederholt hören ließ. Ein kleiner Schrei der Miſtreß Budd, welchen Biddy gebührend wiederholte, wendete Aller Augen Mulford zu, als erwarte man von ihm eine Erklärung über den ächzenden Ton in dem Wrack. Der junge Maat verſtand ihn nur zu gut. Das Rollen des Wracks hatte die offene Kajütenthüre ein wenig über die wogende Oberfläche der See gehoben, und eine ziemliche Menge der in den innern Raum ver⸗ ſchlofſenen Luft war in Maſſe entwichen. Der Einſturz des Waſſers, das dieſe Leere ſogleich ausfüllte, hatte jenes Aechzen hervorgebracht. Mulford hatte mit ſeinem Meſſer neue Zeichen an 241— 243. 25 — 386— des Schiffes Boden gemacht, und trat jetzt düſter und faſt gebrochenen Herzens heran, um nachzuſehen, welche Wirkung jene Rollwelle hervorgebracht habe. Das einge⸗ tretene Waſſer hatte das Schiff um mehrere Zoll geſenkt. Bis jetzt waren jedoch die ſichtbaren Grenzen des ihnen noch vergönnten Raumes nicht in dem Grade beſchränkt worden, daß es die Aufmerkſamkeit der Frauen rege gemacht hätte, und Mulford ſchwieg von der Sache. Er glaubte, Hans Tier müſſe dieſe neue Gefahr ahnen, wenn dieß aber der Fall war, ahmte er die Zurückhaltung des Maats nach und erwähnte derſelben nicht. So verging der Tag. Dann und wann rollte das Wrack ſchwerfällig, ein Theil der Luft ſtrömte abermals aus, und die nothwendige Folge war, daß der Rumpf immer tiefer in das Waſſer ſank. Die kleinen Blaſen ſtiegen ununterbrochen auf, und Mulford fühlte, daß der nächſte Tag über ihr Schickſal entſcheiden würde. Indem er ihre Lage von dieſer Seite betrachtete, hielt er es nicht für nöthig, mit dem zu ſparen, was ſie noch Eßbares hatten, und am Abend ermuthigte er die Geſell⸗ ſchaft, den Vorrath zu theilen. Es bedurfte keines Zuredens, und als die Nacht ihren Schleier wieder über ſie warf, war kein Biſſen Zwieback und kein Tropfen Waſſer mehr für den Bedarf des nächſten Morgens vor⸗ handen. Im Laufe des Nachmittags hatte es wieder ein wenig geregnet, und man hatte Waſſer genug geſammelt, um den Durſt zu ſtillen; eine andere Wohlthat war, beſonders für die Frauen, daraus hervorgegangen, daß ſich bald darauf die Sonne gezeigt hatte, ſo daß ihre Kleider getrocknet waren, und die kalte Näſſe beſeitigt wurde, welche ſie am Schlafe hätte hindern können. Der ſchwere 2 welcher de war ſo v wagte, d Das Auf Stunde, mungen, Ritze des Als hüllte, ſa ihre klein⸗ in der er Maat, eit wache wie Ruhe, ehe nächſten 2 beunruhigt gehen mu der Oberfl ſchwimmen Tier im Zenith ablöſte. Es n einer ſolch aber in un Unfälle, n der Ferne ihrer Gew⸗ düſter und den, welche Das einge⸗ voll geſenkt. des ihnen beſchränkt ege gemacht Er glaubte, wenn dieß des Maats rollte das e abermals der Rumpf nen Blaſen e, daß der de. chtete, hielt das ſie noch die Geſell⸗ rfte keines wieder über in Tropfen orgens vor⸗ wieder ein geſammelt, olthat war, ingen, daß » daß ihre ſſe beſeitigt anen. ——— — 387— Der Wind hatte ſich merklich gemäßigt, und die ſchwere Deining war ganz verlaufen; der Troſt aber, welcher daraus geſchöpft werden konnte, war gering. Es war ſo viel Luft ausgeſtrömt, daß Harry kaum zu hoffen wagte, der Numpf werde bis zum Morgen ſchwimmen. Das Aufſteigen der Blaſen mehrte ſich von Stunde zu Stunde, da der Luftdruck und die Einwirkung der Strö⸗ mungen, ſo unmerklich dieſe auch waren, die Poren und Ritze des Holzes ohne Zweifel ausdehnten. Als die Dunkelheit ſie eben zum zweiten Male um⸗ hüllte, ſagte Roſa zu Mulford, es ſcheine ihr, als umfaſſe ihre kleine Welt jetzt nicht mehr ſo viel Raum, als dieß in der erſten Zeit der Fall geweſen. Es gelang dem Maat, einer Erklärung auszuweichen, und als die Nacht⸗ wache wieder ausgeſtellt war, legten ſich die Frauen zur Ruhe, eher wegen des Mangels beſorgt, welcher ihnen am nächſten Morgen drohte, als von der begründeten Furcht beunruhigt, welche aus der phyſiſchen Gewißheit hervor⸗ gehen mußte, daß der Körper, welcher ſich bis jetzt auf der Oberfläche der See hielt, nur noch wenige Stunden ſchwimmen könne. Tier hatte in dieſer Nacht die Wache, bis der Jupiter im Zenith ſtand, worauf Mulford ihn bis zum Morgen ablöſte. Es mag ſeltſam erſcheinen, daß irgend Jemand in einer ſolchen Lage den Schlaf fand. Wir gewöhnen uns aber in unglaublich kurzer Zeit an jede Art Wechſel und Unfälle, welche unerträglich ſcheinen, wenn man ſie aus der Ferne in das Auge faßt, verlieren einen großen Theil ihrer Gewalt, wenn man ihnen Seelenkraft entgegenſetzt. 25* Dieſer Ausdruck iſt freilich zu bedeutſam, als daß man ihn in dem vorliegenden Falle auf Alle hätte anwenden können, die auf dem Wrack ſchwammen; Keines aber ließ eine Furcht gewahren, die beunruhigend geweſen wäre. Von Mulford brauchen wir nicht zu ſprechen. Von dem erſten Augenblicke an war ſein Gehaben ruhig, ſinnig und voll mannhafter Theilnahme an der Wohlfahrt Anderer geweſen. Es war gewiß natürlich, daß er Roſa die meiſte Aufmerkſamkeit zuwendete; aber er verſäumte keine weſent⸗ liche Pflicht gegen die Uebrigen. Roſa ſelbſt, wagte kaum auf Rettung zu hoffen. Ihr von Natur muthiger Charakter hinderte ſie aber, dieſe Hoffnungsloſigkeit an den Tag zu legen, und jetzt wurde die Nichte die Hauptſtütze der Tante, wodurch das bisher beſtandene Verhältniß ſich völlig um⸗ kehrte. Miſtreß Budd hatte alle Schwungkraft der Seele verloren. Sie äußerte keine Sylbe mehr über Schiffe und deren Bewegungen. Anfangs war ſie faſt geneigt, ſich übler Laune und der Verzweiflung hinzugeben; aber die beſänftigende, fromme Zuſprache Roſa's weckte eine gewiſſe Entſchloſſenheit in ihr, und bald machte die Gewohnheit ihren Einfluß ſelbſt auf ihren unthätigen Geiſt geltend. Biddy war ein ſeltſames Gemiſch von Muth, Verzweiflung, Hingebung und Sorgfalt für Andere. Sie hatte nie einen Biſſen angenommen, ohne ihn vorher, und zwar alles Ernſtes, ihrer„Miſſus und Miß Roſa“ anzubieten; und doch war ihr Jammer über dieſe Entbehrungen und über körperliches Leiden bei weitem am lauteſten. Hans Tier angehend, ſo ſtand ſein Benehmen in auffallendem Wider⸗ ſpruche mit ſeinem Ausſehen. Niemand würde von dem kleinen, runden, aufgeſchwemmten Burſchen große Ent⸗ ſchloſſenheit erwartet haben; er zeigte aber eine Ruhe, welche en eine Entſe trautheit hung ſcha Achtung a „Ihr Harry, all er bei So „Nich der ganzer was auffa welle gezei „Wir einzigen S von der El es, vor⸗ Richtung z „Gan Anſicht in geſehen hal „Was willen, zög „Spre ſagte Biddt Segen; un Nähe der „Dieſe dieſe Weiſe und vielleit ford, wenn ſtehen wir daß man anwenden 3 aber ließ eſen wäre. Von dem ſinnig und rt Anderer die meiſte ine weſent⸗ vagte kaum r Charakter den Tag zu der Tante, völlig um⸗ der Seele Schiffe und neigt, ſich ; aber die eine gewiſſe Gewohnheit iſt geltend. rzweiflung, te nie einen zwar alles bieten; und n und über Hans Tier dem Wider⸗ de von dem große Ent⸗ eine Ruhe, — 389— welche entweder auf großen natürlichen Muth, oder auf eine Entſchloſſenheit deutete, die ihren Grund in der Ver⸗ trautheit mit Gefahren jeder Art hatte. In dieſer Bezie⸗ hung ſchaute ſelbſt Mulford mit Erſtaunen und nicht ohne Achtung auf ſein Benehmen. „Ihr habt eine ruhige Wache gehabt, Hans,“ ſagte Harry, als Tier ihn aufrief.„Hielt der Wind ſo an, wie er bei Sonnenuntergang ſtand?“⸗ „Nicht der geringſte Wechſel, Herr. Es hat während der ganzen Wache eine gute Schubkühlte geblaſen, und was auffallend iſt, es hat ſich nicht ſo viel von einer Roll⸗ welle gezeigt, als ein Füllen am Strand erſchrecken könnte.“ „Wir müſſen jetzt in der Nähe des Riffes ſein. Die einzigen Strömungen, die wir fühlen, müſſen, glaube ich, von der Ebbe und Fluth herrühren; ſie treiben uns, ſcheint es, vor⸗ und rückwärts, ſtatt uns in einer beſtimmten Richtung zu führen.“ „Ganz wahrſcheinlich, Herr, und dieß beſtätigt meine Anſicht in Betreff deſſen, was ich etwa vor einer Stunde geſehen habe.“ „Was habt Ihr geſehen? Ich bitte Euch um Gottes willen, zögert nicht. Hat ſich etwas in der Nähe gezeigt?“ „Sprecht mir nicht von euern geiſtigen Getränken,“ ſagte Biddy im Schlafe.„Waſſer, Waſſer iſt der wahre Segen; und ich möchte nirgends mehr leben, als in der Nähe der Pumpe in unſerm Hofe. Ja!“ „Dieſes Mädchen hat faſt die ganze Zeit über auf dieſe Weiſe im Schlaf geſprochen,“ bemerkte Hans kalt, und vielleicht ein wenig verächtlich.„Aber, Herr Mul⸗ ford, wenn mich meine Augen nicht getäuſcht haben, ſo ſtehen wir unſerm Boote wieder nahe. Der Weg durch das Riff iſt hier nahe bei uns, ſozuſagen an unſerm Backbord, und die Strömung hat uns in einer Art herein⸗ gewiegt, daß es gewiſſermaßen uns quer vor den Klüſen liegt.“ „Sollte die Vorſehung dieſes Boot zu unſerer Rettung geſendet haben! Wie lange iſt es, daß Ihr es geſehen habt?“ „Erſt vor ganz kurzer Zeit, Herr, oder beſſer, ich glaube, ich ſeh' es jetzt. Schaut dort hinüber, Herr, gerade wo die Jungfern der Focktaljen auf uns abſtehen würden, wenn das Schiff auf ſeinen Füßen ſtände, wie es ſollte. Wenn das kein Boot iſt, ſo iſt's eine Klippe, die aus dem Waſſer ragt.“ Mufford ſchaute in das Düſter der Mitternacht, und ſah, oder glaubte, etwas zu ſehen, das wirklich das Boot ſein konnte. Die Entfernung konnte auch nicht bedeutend ſein, und er war augenblicklich entſchloſſen, in welcher Weiſe er verfahren wolle. Wenn es wirklich das Boot war, auf das er nun ſeine ganze Hoffnung ſetzte, und wenn ſich mit dem wieder⸗ kehrenden Tage die Entfernung nicht zu groß zeigte, war er entſchloſſen, mit Gefahr ſeines Lebens dahin zu ſchwim⸗ men. Mittlerweile, oder bis der Tag erſchien, war nichts zu thun, als Gott zu vertrauen und in ſtillem Gebete ſeinen mächtigen Beiſtand anzuflehen. Sobald Mulford ſich inſofern allein ſah, als Tier ein Ruheplätzchen aufgeſucht hatte, begann er den Zuſtand des Wracks wieder zu unterſuchen. Der junge Mann wußte, daß das ganze Wrack unter den jetzigen Umſtänden völlig unter das Waſſer ſinken, und dennoch Schwimmkraft genug behalten könne, um die auf dem Flache noch eine Zeitlang digkeit in dem Waſſ Der unwiderſpt bis auf d die Sonn⸗ werfen, w ſollten. E Dort halb verhü der Gegen die völlige des Beoba Manchmal als wenn e Umſtand li das, was etwas auf So ern blick war ku werden. E ſeine Gefä konnte ſein verunglückte konnte, und Handlungen Mulfor ſeiner leicht, konnte aber eine Art Ab an unſerm Art herein⸗ den Klüſen rer Rettung es geſehen beſſer, ich iber, Herr, ns abſtehen nde, wie es Klippe, die rnacht, und h das Boot ht bedeutend in welcher das er nun dem wieder⸗ zeigte, war zu ſchwim⸗ war nichts llem Gebete ), als Tier den Zuſtand unge Mann Umſtänden chwimmkraft he noch eine — 391— Zeitlang zu tragen, was freilich die ſchreckliche Nothwen⸗ digkeit in ſich ſchloß, daß ſelbſt die Frauen theilweiſe unter dem Waſſer blieben. Der Maat hörte ſein Herz klopfen, als er ſich unwiderſprechlich überzeugte, daß das Wrack wenigſtens bis auf den eben angedeuteten Punkt ſinken müſſe, ehe die Sonne aufging, um ihre Glorie auf eine Scene zu werfen, welche die Unglücklichen zum letzten Male ſchauen ſollten. Er glaubte, keine Zeit verlieren zu dürfen. Dort lag, geſtaltlos, von den Schatten der Nacht halb verhüllt, eine Meile, wie es ihm vorkam, entfernt, der Gegenſtand, welchen er für das Boot nahm. Ohne die völlige Glätte der See und den niedrigen Standpunkt des Beobachters wäre er gar nicht zu ſehen geweſen. Manchmal verſchwand er ganz, und hob ſich dann wieder, als wenn er auf einer ſchweren Welle wogte. Dieſer letzte Umſtand ließ Harry mehr als alles Andere annehmen, das, was er vor Augen hatte, ſei keine Klippe, ſondern etwas auf dem Waſſer Schwimmendes. So ermuthigt, zögerte er nicht länger. Jeder Augen⸗ blick war koſtbar, und Alles konnte durch Zögern zu nichte werden. Er mochte den Schein nicht haben, als hätte er ſeine Gefährten verlaſſen; wenn er aber verunglückte, konnte ſeine Abſicht nicht verkannt werden. Wenn er verunglückte, lebte bald Niemand mehr, der ihn tadeln konnte, und Alle ſammelten ſich da, wo man ſich über die Handlungen der Menſchen nicht mehr täuſcht. Mulford warf, mit Ausnahme ſeines Hemdes und ſeiner leichten Sommerbeinkleider, alle Kleidung ab. Er konnte aber das Wrack nicht verlaſſen, ohne von Roſa eine Art Abſchied zu nehmen. In keinem Falle wollte er ſie wecken, denn er fühlte, welche Qualen ſie während ſeines Kampfes dulden würde. Er kniete neben ihr nieder, verrichtete ein kurzes Gebet, drückte dann ſeine Lippen auf ihre warme Wange, und verließ ſie. In dieſem Augenblicke flüſterte Roſa ſeinen Namen, es war aber, wie die Unſchuld und Jugend ihr Geheimniß in ihrem Schlummer verräth. Keines v der Geſellſchaft erwachte. Es war ein Augenblick, welcher das Herz des Mannes bewährt, als Harry Mulford in der Dunkelheit der Mitter⸗ nacht, allein, von keinem ermuthigenden Auge, von keiner billigenden Stimme geſtärkt, ohne jeden andern Beiſtand, als den ſeines kräftigen Armes und der unbekannten Plane einer geheimnißvollen Vorſehung ſich in die See gleiten ließ. Dieſen ganzen Tag war kein Haifiſch in die Nähe des Wracks gekommen; aber ein Sprung in das Waſſer konnte ſie wieder in Schaaren heranlocken. Wahrſcheinlich lauerten ſie jenſeit des Riffes, ganz nahe, auf Raub. Der Maat brauchte daher die größte Vorſicht, um kein Geräuſch zu machen. Dort lag der ferne Gegenſtand, und ein heller Stern, welcher noch eine volle Stunde über dem Horizonte glänzen konnte, gab ihm ſeine Richtung an. Dieſer Stern war ſein Leiter; der junge Mann flüſterte ein kurzes, inbrünſtiges Gebet, und ſchwamm leicht, aber kxäftig entlang. 2 während ein kurzes ne Wange, erte Roſa nd Jugend Keines v es Mannes der Mitter⸗ von keiner n Beiſtand, inbekannten n die See die Nähe das Waſſer ahrſcheinlich auf Raub. t, um kein Gegenſtand, Stunde über ne Richtung unge Mann d ſchwamm