—--——— Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von Eduard Oktmann in Gießen, t Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Jeſebedingungen. 8 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bucher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 3 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen.. 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahm e eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 6 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: für aSscheutlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. „ 3„„=„ 3„=„„—„ 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 5. Schadenersatz. 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Erſtes Kapitel. —— Ihr ſeid gerettet,— Ja, was noch mehr, Ihr ſeid der Sieger faſt. So böret denn— vernehmt das wahre Wort, Das ich Euch ſagen werde. Lord Byron. Schlag vier Uhr Nachmittags trennten ſich die beiden Schiffe, die Dämmerung und der Poliſſon; jene verfolgte ihren bisherigen Curs nach Breſt und der letztere ſetzte ſeinen Kreuzzug fort. Der Logger ſegelte wie eine Hexe und ſchoß in einer Bulinie den Oeffnungen des Canals entgegen; wir hielten auch dicht angehohlt, obgleich auf der entgegengeſetzten Seite, auf die franzöſiſche Küſte ab. Es iſt kaum nöthig, bei den Gefühlen zu verweilen, mit welchen wir vier, die wir Augenzeugen alles deſſen waren, was ſich begab, auf dieſes Thun ſchauten. Selbſt Dioge⸗ nes war entrüſtet. Auf Marble's Gemüthszuſtand habe ich bereits hingedeutet; und wenn dies nicht der Fall wäre, würde folgendes Geſpräch, welches gegen Sonnenuntergang und während die Franzoſen ihr Abendeſſen einnahmen, ſtatt hatte, das erſte, welches uns, ſeit wir wieder gekapert worden, unter vier Augen vergönnt war, einen hinreichen den Blick in denſelben gewähren. „Nun, Miles,“ bemerkte der Maat trocken,„was wir auch thun wollen, es muß ſogleich gethan werden. Wann beginnen wir, in der mittlern, pder in der Morgen⸗Wache 2⸗ „Was denn, Marble?“ fragte ich, über die Ruhe, mit welcher der Maat fragte, ein wenig erſtaunt. „Dieſe Franzoſen über Bord zu werfen. Es verſteht ſich doch von ſelbſt, daß Ihr nicht zugebet, daß ſie Euer Schiff nach Breſt führen?“ „Warum nicht? Wir waren nach Breſt beſtimmt als wir auf dieſen Kaper ſtießen; und wenn ſie unſer Schiff dort hinbringen, ſo ſparen ſte uns nur die Mühe, es ſelbſt zu thun.“ „Laßt Euch nicht durch trügeriſche Hoffnungen irre leiten, Miles. Ich bin, ehe ich Euch kannte, in den Hän⸗ den der Franzoſen geweſen; und es iſt wenig Hoffnung, ſich denſelben zu entziehen, ſo lange Schiff und Ladung für die Haftnahme Entſchädigung bieten. Nein, nein, mein lieber Knabe! Ihr wißt, ich liebe Euch mehr, als irgend etwas auf Erden, meine liebe alte Seele von Mutter und die kleine Kitty ausgenommen;— denn es wäre gegen die Religion, Euch mehr zu lieben, als mein eigenes Fleiſch und Blut;— aber, dieſe Zwei ausgenommen, liebe ich Euch mehr, als irgend etwas auf Erden, und kann nicht ruhig mit zuſehen, daß Ihr Eure Habe in das Feuer werft. Laßt das Schiff nicht nach Frankreich gehen, wenn es irgend zu vermeiden iſt.“ „Können wir's aber irgend vermeiden? Oder glaubt ———õ— —,—,—, ₰ꝛb —. Ihr, vier Männer könnten dieſes Schiff einer ſo überlege⸗ nen Anzahl wieder abnehmen?“ „Nun, die Wechſelfälle ſind nicht ſo ſehr zu unſerm Nachtheile, Miles,“ verſetzte Marble und blickte rundum auf die lärmende Schaar der kleinen Franzoſen, welche bei ihrer Suppe alle durcheinander ſchwatzten,— gewiß keine ſehr furchtbare Macht, wenn es zum Handgemenge kam, ſo lebhaft und feurig ſie auch ſein mochten:„unſerer ſind Vier und ihrer ſind nur Siebzehn, alles in allem. Ich glaube, wir könnten ſie alle bei einem regelmäßigen Angriffe, mit den Fäuſten zu Paaren treiben. Wir haben Neb, er iſt ſtark wie ein Büffel; Diogenes iſt ein zweiter Herkules; und wir zwei ſind eben auch keine Kätzchen. Ich bin der Anſicht, daß Ihr es in einem ernſtlichen Strauße mit vier der beſten unter dieſen Burſchen dort aufnehmt.“ Dies wurde in keiner Art prahleriſch vorgebracht, obgleich die Schätzung der vergleichsweiſen Kräfte, wie mein Maat ſie gab, ungemein„außer aller Länge und Breite“ war. Wir vier waren allerdings äußerſt kräftige, ſtarke Männer; allein es war eben ſo wahr, daß ſechs von den Franzoſen uns ganz gleich geſtellt werden konnten. Ich hoffe, ich war dem gemeinen Vorurtheile in Betreff nationaler Ueberlegenheit nicht verfallen— eine der größ⸗ ten Schwächen unſerer ſtets ſchwachen Natur. Ich bin noch nie in einem Lande geweſen, in welchem die Bewohner ſich nicht in allem und jedem für„das Salz der Erde“ gehal⸗ ten hätten; obgleich es manchfache Abſtufungen in der Weiſe, mit ſolchen Dingen zu prahlen, geben mag. In dem vorliegenden Beiſpiele kam es jedoch Marble nicht im Entfernteſten in den Sinn, zu prahlen; er glaubte wirklich, wir Vier könnten, bei einem offenen Angriffe, die Feuer⸗ gewehre abſeits laſſend, mit den ſiebzehn Franzoſen fer⸗ tig werden. Ich ſelbſt zweifle kaum, daß wir, die Mann⸗ ſchaft des Kapers durchſchnittlich genommen und den Kampf auf die natürlichen Waffen beſchränkend, es mit der dop⸗ pelten Anzahl aufgenommen hätten; allein ich würde lange gezaudert haben, ſelbſt dieſe offen anzugreifen. Dennoch begann ich auf meine Hoffnungen, glücklich durchzukommen, wenn ich von dem Kaper in einen franzö⸗ ſiſchen Hafen geſchickt worden, nicht mehr ſo zuverſichtlich zu bauen, wie ich anfangs gethan hatte. Marble wußte ſo vieles von den Anarchiſten in Frank⸗ reich, wie er ſie in der ſchlimmſten Periode der Revolution kennen gelernt hatte, zu erzählen; er hatte ſo viele Geſchich⸗ ten von weggenommenen Schiffen und zu Grunde gerich⸗ teten Kaufleuten zu berichten, daß mein Vertrauen auf das Recht erſchüttert wurde. Buonaparte war damals auf dem Gipfel ſeiner conſu⸗ lariſchen Macht,— ja, im Begriffe, Kaiſer zu werden,— und hatte dieſen neuen Krieg mit einem Ungeſtüm, einer Heftigkeit und, indem er alle damals in Frankreich woh nenden Engländer zurückhielt, mit einem Ueberſehen aller anerkannten Rechte begonnen, welches nur noch mehr Miß⸗ trauen zu erregen geeignet war. Gen mag wird aus: mein mein faßte ziem geſpi nach Vorf mein ten i der 2 getre den, würd des ſ Zeitu viel Engl glaul wie it von! ausnehmen wollen. Jedenfalls begann ich lebhafte Beſorgniſſe in Betreff meines Vorhabens zu fühlen und die Berathung zwiſchen meinem Maat und mir ſchloß damit, daß wir den Entſchluß faßten, der franzöſiſchen Priſen⸗Mannſchaft, wenn möglich, ziemlich gerade ſo m der Weiſe, wie wir uns des Schiffes wieder bemächtigten, getreulich mitgetheilt. den, daß ein abſonderlicher Kunſtgriff gegen ihn gelingen würde. Ich glaube faſt, daß ich in Folge des Vorurtheils und des ſteten Leſens von Was man auch von der Tiefe und dem Umfang des Genie's Napoleon's als Krieger und Staatsmann ſagen mag,— ſeine Achtung vor dem Staats⸗ und Völkerrechte wird kaum ein klarſehender Biedermann zu loben ſich her⸗ iſpielen, wie wir der engliſchen mit⸗ geſpielt hatten, und nur die Art, wie dies geſchehen ſollte, nach der neuen Lage der Dinge abzuändern. Vorſicht war ſehr nothwendig; denn ich hatte in der Fülle meines Vertrauens Monſieur Gallois mit allen Einzelnhei⸗ ten in Betreff des über Bord geworfenen Weifholzes und Es konnte daher nicht erwartet wer⸗ heilungen, welche den engliſchen Zeitungen entlehnt waren, auf den Gedanken kam, es müſſe viel leichter ſein, mein Schiff ſtebzehn Franzoſen, als zwölf Engländern zu entreißen. Ich war nicht ſo verblendet, zu glauben, Ueberraſchung oder Liſt ſei nicht in dem einen wie in dem andern Falle nothwendig; wenn aber der Ausgang von blos phyſiſcher Kraft abhing, ſo würde ich den Kampf — 10— mit größerer Zuverſicht in dem erſten, als in dem letztern Falle begonnen haben. In unſerer beſondern Lage wäre jedoch all dies ſehr unrecht geweſen, obgleich es, als Geſetz und auf Seefahrer angewendet, zweifelhafter geweſen ſein möchte. Wie oft und wie ſehr habe ich Grund gehabt, den Einfluß zu beklagen, welcher ſich dadurch ſtillſchweigend bei uns geltend machte, daß wir uns herabließen, die Klein⸗ händler fremder Vorurtheile zu werden! Eine der Urſachen, warum wir in dieſer Hinſicht ſo lange abhängig geblieben ſind, iſt wohl der Unvollſtändigkeit in den Einrichtungen der verſchiedenen Hauptpreſſen des Landes beizumeſſen. Die Talente ſind nicht in einem Punkte vereinigt und ſo ſehen die Herausgeber ſich gezwungen, ſtatt der Feder die Scheere zu brauchen, welche ein Redacteur in Amerika eben ſo gut wie ein Schneider zu handhaben verſtehen muß. So bekömmt das Publikum Ragout, ſtatt friſchen Fleiſches; und da das, was aus weiter Ferne kömmt, nothwendigerweiſe am mei⸗ ſten Reiz und Anziehungskraft hat, erhalten wir das Ori⸗ ginal⸗Geköche Londons, ſtatt der Erzeugniſſe unſeres eige⸗ nen Landes. Vorurtheil oder nicht, die Zuverſicht iſt ſtets nicht übel, wenn ein Kampf unvermeidlich iſt. Es iſt ganz recht, daß man ſeinen Feind bis zu dem Augenblick, wo der Angriff erfolgt, achtet; hat dieſer aber begonnen, ſo wird man, je mehr man ihn verachtet, um ſo beſſer daran ſein. Als Neb und Diogenes erfuhren, daß es nothwendig werden würde, das Werk, welches man als ſchon vollbracht betro beide war, eine Tap eiger blind ihn ſehr wie ich f hülf wäh des treffe hen; wir Die war eitro liche ſam blick etztern wäre Geſetz n ſein ehabt, eigend Klein⸗ ſachen, blieben tungen 1. Die » ſehen Scheere ſo gut ekömmt da das, im mei⸗ as Ori⸗ tes eige⸗ cht übel, ſcht, daß Angriff man, je thwendig vollbracht — 11— betrachtet hatte, von neuem zu beginnen, zeigte keiner der beiden Neger auch nur die entfernteſte Unruhe. Diogenes war, ſo gut wie Neb, in der Kriſe geweſen, und hatte ſich eine ziemlich anglikaniſche Art Begriff von franzöſiſcher Tapferkeit auf dem Waſſer angeeignet; und was meinen eigenen Schwarzen betraf, ſo wäre er unbedenklich und blind überall hin gefolgt, wohin„es Maſſer Mile“ beliebte, ihn zu führen.. „Es ſind nur Franzoſen,“ ſagte Diogenes mit einer ſehr philoſophiſchen Ruhe,„wir können's mit ihnen treiben, wie mit Kindern.“ Ich wollte ihnen dieſe Anſicht nicht verleiden, obgleich ich ſie als thöricht betrachtete. Ich ſagte unſern zwei Ge⸗ hülfen, ſie möchten ſich zu einem Angriffe bereit halten, während Marble und ich es ihnen überließen, über die Art des Verfahrens nachzudenken und ihre Vorbereitungen zu treffen. Was geſchehen ſollte, mußte noch in dieſer Nacht geſche⸗ hen; denn es war alle Wahrſcheinlichkeit vorhanden, daß wir am nächſten Tage irgendwo einlaufen würden. Der Name unſeres Priſen⸗Maſters war Le Gros. Die Wahl war jedoch nicht ſehr gut getroffen; denn er war ein kleiner, zuſammengeduckter Burſche mit einem eitronengelben Geſichte, der ganz und gar nichts herkulesähn⸗ liches hatte. Er war aber, ungleich Sennit, ganz Wach⸗ ſamkeit und Thätigkeit. Er verließ das Deck keinen Augen⸗ blick, und da wir der Küſte ſo nahe waren, fühlte ich mich ziemlich überzeugt, daß er uns die ganze Nacht ſeine Ge⸗ ſellſchaft ſchenken würde. Was immer daher verſucht werden mochte, es mußte ſeiner Wachſamkeit zum Trotze verſucht werden. Dies war jedoch nicht Alles; es mußte mit um ſo größerer Vorſicht verfahren werden, als wir der Küſte ſo nahe gerückt waren, daß die Möglichkeit, von einem andern franzöſiſchen Kreu⸗ zer aufgegriffen zu werden, wenn wir uns unſerer jetzigen Feinde erledigt hatten, bedeutend geſteigert war. Die größte Umſicht war uns daher unerläßlich und Marble und ich hatten uns über alle dieſe Punkte vollkommen verſtändigt, als wir uns trennten und Jeder von uns die Ruhe zu ſuchen ſchien. Monſteur Le Gros bekümmerte ſich um die Kajüte und die Einrichtungen im untern Raume gar nicht. Seine einzige Sorgfalt war auf das Schiff gerichtet. Die Be⸗ ſorgniß, mit einem britiſchen Kreuzer zuſammenzutreffen, ‚hielt ſein Auge weit offen, und ſein Blick beſtrich unauf⸗ hörlich den Geſichtskreis, ſo weit es die Dunkelheit geſtattete. Ich ſelbſt war ſtets ſchlagfertig. Wenigſtens ein Dutzend Mal ſchlich ich in dem Laufe der Nacht aus der Kajüte bis zur Kampanje hinan, in der Hoffnung, ihn ſchlafend zu finden; immer aber ſah ich ihn,„bis an die Zähne gewaffnet,“ in raſcher Bewegung, und, wie es ſchien, gegen Ermüdung und alle die andern Schwächen der Natur un⸗ empfindlich, auf der Schanze hin und her gehen. Es war unnütz, erwarten zu wollen, daß er ſeinen Poſten verlaſſe, und völlig Nach Beſor lichke denn Gang hinſic Bewo ( erquie ſchnar 3 das E gewal 4 leichte daß b 5 warf tenfen und Fahrn wir n der H e Ge⸗ mußte s war orſicht varen, Kreu⸗ ezigen größte nd ich indigt, uhe zu ite und Seine ie Be⸗ treffen, unauf⸗ tattete. Dutzend Kajüte hlafend Zähne gegen tur un- Es war verlaſſe, — 13— und gegen drei Uhr des Morgens verfielen Marble und ich, völlig ermüdet und erſchöpft, in einen langen tiefen Schlaf. Die beiden Neger angehend, ſo ſchliefen ſie die ganze Nacht, unſeres Aufrufs zum Beginne des Werkes gewärtig. Beſonders gab ſich Neb ganz der Ruhe der Unverantwort⸗ lichkeit hin, welche das Daſein des Sclaven charakteriſirt; denn er fühlte ziemlich dieſelbe Sorgloſigkeit in Betreff des Ganges des Schiffes, die jedes andere menſchliche Geſchöpf hinſichtlich der Bewegung der Erde fühlt, deren zeitlicher Bewohner er iſt. Es war zehn Uhr, als ich erwachte; ich fühlte mich erquickt, aber alle meine Hoffnungen waren dahin. Marble ſchnarchte noch in ſeiner Back und ich mußte ihn anrufen. Ich konnte bemerken, daß eine ſtarke Bö ging und daß das Schiff raſch durch das Waſſer zog; an ſeinem Neigen gewahrte man, daß es dicht beigehohlt war. Der Seeman braucht nur wenige Minuten, um ſeine leichte Bekleidung umzuwerfen, und man denkt ſich wohl, daß bei der jetzigen Veranlaſſung keine Zeit verloren wurde. Während mein Maat und ich ſo beſchäftigt waren, warf der Erſtere zufällig einen Blick aus einem der Kajü⸗ tenfenſter, welche wegen der Wärme des Wetters offen waren und einen weiten Blick auf das Meer gerade in unſerm Fahrwaſſer darboten. „Halloh, Miles!“ rief Marble aus:„bei Jupiter! wir werden gejagt! Da haben wir das Geheimniß, warum der Herr Froſch dieſen ſchönen Morgen ſo thätig und mun⸗ ter iſt. Dort drüben kömmt eine Fregatte, oder ich heiße nicht Oloff Marble.“ Und eine Fregatte ſtand allerdings drüben. Sie mochte zwei Stunden ſpiegelwärts von uns ſein und glich einer Wolken⸗Pyramide, welche ſich das Gewäſſer entlang bewegte, ſo völlig waren ihre Spieren mit Leinwand bedeckt. Es war mehr als wahrſcheinlich, daß es eine engliſche war; darauf deutete der Kreuzerbezirk und der Umſtand, daß die Priſen⸗Mannſchaft vor ihr Reißaus nahm. Zu jener Zeit hielt ſich kein franzöſiſches Kriegsſchiff lange auf einem Punkte; denn die Schiffe der Engländer waren in ſo großer Anzahl heraus, daß die Verfolgung ſtets gewiß war. Ich ſchaute zuerſt nach vorne heraus. Zu meinem großen Bedauern lag das Land wirklich auf drei Meilen entfernt vor uns! Der Wind blies friſch aus Nordoſten und Monſieur Le Gros ſchien auf eine Inſelgruppe loszu⸗ ſteuern, welche ein wenig, und blos ein wenig, auf unſrer Leeſeite lag. Von Breſt konnte ni gegen die Küſte heran und unter der Jäger ſpiegelwärts uns erreichte, Glück ſagen. Die Franzoſen waren augen denn ein engliſches Gefangenſchi ſtand ihnen bereits lebhaft vor den Augen. Monſieur Le Gros ſchrie und gab in einer Minute zwanzig Befehle, während die übrigen ſechzehn Mann cht die Rede ſein. Wenn wir dieſe Inſeln kamen, ehe ſo konnten wir von ſcheinlich in großer Unruhe; ff mit all ſeinen Schrecken mehr gehör dieſe für g wand Mut der 2 trabe hatte ſetzer hole mehr rung um entge Mög für Gefo uns Le C Dän wie vorn ſoba Die mochte h einer ewegte, ngliſche mſtand, m. Zu nge auf aren in diß war. meinem Meilen tordoſten de loszu⸗ f unſrer eenn wir nen, ehe wir von Unruhe; Schrecken r Minute )n Mann 15— mehr Lärm machten, als man von tauſend Amerikanern gehört haben würde. Himmel! welches Geſchnatter hielten dieſe Leute unter und durch einander, und überdies Alles für gar nichts; denn das Schiff hatte jeden Lappen Lein⸗ wand auf ſich, den es nur führen konnte. Mir war zu Muthe, wie jenem Araber, welcher die ſchönſte Stute in der Wüſte beſaß und der, auf einem ſchlechteren Roſſe daher⸗ trabend, den Dieb einholte, welcher ihm die Stute geſtohlen hatte, weil er das Geheimniß, die Stute in Bewegung zu ſetzen, nicht kannte.„Zwicke ſie am rechten Ohre, ſonſt hole ich Dich vollends ein,“ rief ihm der Araber zu; und mehr als zehnmal war ich gewillt, die Segel der Dämme⸗ rung zu beſchlagen und Neb an das Steuer zu ſchicken, um der Schmach, von der Fregatte eingeholt zu werden, zu entgehen. Dieſe meine zweite Wegnahme bot mir aber die Möglichkeit eines guten Ausganges dar, und ich hielt es für beſſer, den Dingen ihren Lauf zu laſſen. Meine neuen Gefangennehmer konnten überliſtet werden, während für uns wenig Hoffnung vorhanden war, wenn es Monſieur Le Gros nach einem ſolchen Aufruhre gelang, einzulaufen. Kaum eine Stunde mochte vergangen ſein, als die Dämmerung Segel zu bergen begann und ihre großen, ſo wie die Oberſegel einhohlte, da ſich eine halbe Meile nach vornen Felſen zu zeigen begannen. Hier kam uns ein großes Boot entgegen und trat, ſobald es gewiß wußte, wer wir waren, an unſere Seite. Die Bemannung dieſes Bootes beſtand aus Fiſchern,— 8 16 Leute, welche mit dem Thun und Treiben an der Küſte ſo vertraut waren, daß ſie ſogleich begriffen, wie die Sachen ſtanden, als ſie den Charakter unſeres Schiffes erfuhren. Sie wurden natürlich ſehr eifrig befragt, ob es mög⸗ lich ſei, die Dämmerung durch einen der klippenartigen Päſſe zu führen, welche vor uns lagen. Monſieur Le Gros ſah ziemlich muthlos drein, als er hörte, alle ſeine Hoffnungen hingen von dem Umſtande ab, ob Waſſer genug in einer dieſer Durchfahrten ſei, und die Fiſcher bekannten, ſie könnten darüber keine Auskunft geben. Wenn das Gelärm und Getöſe ſchon arg war, ehe dieſe Leute an Bord kamen, ſo ward es jetzt ohrenbetäubend. Mittlerweile zog die Fregatte raſch näher und in einer halben Stunde mußte ſie auf Kanonenſchußweite bei uns ſein. Es iſt etwas hinreißendes in einer Jagd. Ich fühlte den lebhaften Wunſch, des engliſchen Schiffes los zu wer⸗ den, während ich, in demſelben Augenblicke, glauben mußte,, ich würde von Seiten der Franzoſen kaum auf Gerechtigkeit hoffen dürfen. Indeſſen war keine Zeit zu verlieren. Ich machte Herrn Le Gros ſelbſt den Vorſchlag, wir wollten Beide das Fiſcherboot beſteigen und den Paß unterſuchen; wenn wir uns gehörig ſputeten, könne dies in einer Viertelſtunde abgethan werden, und wir wüßten dann zuverläſſig, ob wir das Schiff hineinführen oder an die Felſen anlaufen laſſen und mittelſt Lichterboote von der Ladung retten könnten, was zu retten wäre. und volle Stil rufes hat. nehm lich n ſchiffe niſſe, Lärm rung welch wenn komm vergle Flamn liſche 2 als er und di Ordnu zu ſein ſagen, blieben *) De 214- Küſte ſo e Sachen rfuhren. es mög⸗ enartigen n, als er ande ab, und die ft geben. var, ehe etäubend. in einer uns ſein. h fühlte zu wer⸗ mußte,, ſcchtigkeit machte Beide ; wenn elſtunde ob wir m laſſen önnten, — 17— An Bord eines Schiffes iſt ohne Ruhe, Schweigen und Mannszucht keine Ordnung möglich. Ein geräuſch⸗ voller Seemann iſt immer ein ſchlechter Seemann; denn Stille und Ruhe ſind die großen Erforderniſſe dieſes Be⸗ rufes, nachdem man ſich die nöthigen Kenntniſſe erworben hat. Kein wirklich guter Offizier läßt ſich je laut ver⸗ nehmen, der Aufruhr der Elemente müßte es denn unerläß⸗ lich machen, um gehört zu werden. Die franzöſiſchen Kriegs⸗ ſchiffe wußten damals nichts von dieſem wichtigen Geheim⸗ niſſe, geſchweige denn franzöſiſche Kaper. Ich kann den Lärm, welcher jetzt auf der Leefallreepstreppe der Dämme⸗ rung herrſchte, mit nichts anderem vergleichen, als mit dem, welchen die holländiſchen Fiſcherweiber laut werden laſſen, wenn die Boote mit ihren Ladungen aus der See zurück⸗ kommen. Wenn man Billingsgate*) mit dieſen Weibern vergleichen wollte, würde man den Holländerinnen und Flammländerinnen großes Unrecht anthun; denn das eng⸗ liſche Phlegma iſt bei weitem ſtummer, als das holländiſche. Ich hatte meinen Vorſchlag kaum laut werden laſſen, als er auch ſchon durch lauten Ausruf angenommen wurde, und die Kaper⸗ Mannſchaft warf ſich, Hals über Kopf, ohne Ordnung, ja, ich kann ſagen, ohne dazu befehligt worden zu ſein, in das Boot. Monſieur Le Gros wurde, ſo zu ſagen, im Sturme entführt, und als der Fiſcher abſtieß, blieben nur drei Franzoſen in dem Schiffe, alle übrigen *) Der Fiſchmarkt zu London. Der Ueberſ. 214— 216. 2 — 18— hatten ſich von ihrem Eifer, ſich nützlich zu erweiſen, wel⸗ chen vielleicht die Angſt vor einem engliſchen Gefangen⸗ ſchiffe noch ſtachelte, fortreißen laſſen, das Boot zu begleiten. Selbſt Diogenes lachte über die wunderliche Weiſe, wie wir im Beſitze unſeres Schiffes gelaſſen wurden. Ohne allen Zweifel beabſichtigten die Franzoſen zurückzukehren; es iſt aber auch kein Zweifel, daß ſie die Abſicht hatten, ſich davon zu machen. Kurz, ſie waren in einem Aufruhr und handelten unter dem Einfluſſe blinden Inſtinctes, und nicht unter der Leitung ihrer Vernunft. „Ihr werdet die Güte haben, Monſieur Wallingford,“ rief Le Gros, als das Boot von der Seite des Schiffes abſtach,„die Oberſegel füllen zu laſſen und dem Paſſe zuzuſteuern, ſobald wir unſere Hüte ſchwenken.“ „Ja, ja!“ antwortete ich;„überlaßt es mir, die Oberſegel zu füllen und mit John Bull Verſtecken zu ſpielen.“ Ich ſagte dies auf gut Franzöſiſch und die ganze Be⸗ mannung des Bootes ließ ein jubelndes„Bon!“ und„Vive la France!“ hören. Ich will die Anmaßung nicht haben zu ſagen, was die Burſche dachten; wenn ſie aber dachten, ſie kämen wieder an Bord der Dämmerung zurück, ſo kann⸗ ten ſie die Leute nicht, welche ſie hinter ſich gelaſſen hatten. Die zurückbleibenden Franzoſen angehend, ſo hätten Marble und ich allein mit ihnen fertig werden können; ich war aber froh, daß wir ſie bei uns hatten; denn ſie konn⸗ ten zum Anhohlen und ähnlichen Arbeiten verwendet werden. Das Schiff war unter ſeinen drei Oberſegeln, dem Flitter ſo ſelt rechtw füllen geſchel welche nahe die Er hätte d können niſſe n ländern Jahre Hurtig es iſt Gefühl und ha S meinem außerhe ſehr w Mannſ indem ſtützen; wärts vor ihr jedoch e en, wel⸗ fangen⸗ eleiten. iſe, wie Ohne kkehren; hatten, lufruhr es, und gford,“ Schiffes Paſſe r, die ielen.“ ze Be⸗ „Vive haben achten, kann⸗ hatten. hätten n; ich konn⸗ derden. „ dem 19— Flitterſegel und Klüver, als Monſieur Le Gros es auf eine ſo ſeltſame Weiſe in meine Hände gab; die große Raa ſtand rechtwinklicht. Mein erſter Schritt war, die Oberſegel zu füllen und das Schiff in Gang zu bringen. Dies war bald geſchehen. Ich hielt ab und wendete auf die Klippen zu, welche bald auf unſrer Luvſeite ſtanden, entſchloſſen, ſo nahe als möglich auf ſie abzuhalten; ich wollte dadurch die Engländer abſchrecken, mir zu nahe zu kommen. Ich hätte dadurch das Schiff allerdings zum Scheitern bringen können, allein ſelbſt dies mußte ich, der neuerlichen Begeb⸗ niſſe noch lebhaft eingedenk, der Möglichkeit, von den Eng⸗ ländern gekapert zu werden, vorziehen. Ein oder zwei Jahre ſpäter konnte der Vorfall mit der Mannſchaft des Hurtig vergeſſen ſein; jetzt aber war er noch zu neu, und es iſt ſtets gefährlich, ſich einem ſolchen Einfluſſe des erſten Gefühls preiszuſtellen. Wenigſtens dachte ich damals ſo und handelte demgemäß. So hatte ich denn die Dämmerung abermals unter meinem Befehle, und wenn es mir gelang, die Fregatte außerhalb der Kanonenſchußweite zu halten, ſo konnte mir ſehr wenig an Monſieur Le Gros liegen. Die Kaper⸗ Mannſchaft war vor allem der Anſicht, ich beabſichtige, indem ich die Segel füllte, lediglich, ihre Plane zu unter⸗ ſtützen; ſobald ſie aber bemerkten, daß das Schiff nach lee⸗ wärts von dem Paſſe abhielt, ſchien die Wahrheit plötzlich vor ihren umnebelten Augen aufzugehen. Dies geſchah jedoch erſt, als die Tiefe des Waſſers unterſucht und für 2* die Durchfahrt hinreichend befunden worden war; und ein Nähe k ſolches Schwenken von Schalmen*) und fettigen Mützen nen, d hatte ich mein ganzes Leben noch nicht geſehen. taſchen Auf alle dieſe Signale und Rufe wurde jedoch nicht uns ſel geachtet, ſondern die Dämmerung ſchwenkte ab, mit ihren zu gebe Raaen gerade einen Punkt wendend und den Wind dwars nung g ab faſſend, und längs den Inſeln ſo nahe hinlaufend, als zur Ha ich es nur immer wagen konnte. dern m Die Fregatte betreffend, ſo hielt ſie ſich ſtets noch luv, Wenn um weit genug windwärts zu kommen, wo ſie denn ihrer vor den Beute gewiß zu ſein hoffte.. Es In dieſem Augenblicke mochten die beiden Schiffe eine denn ſe Stunde von einander ſein. gemeint Sobald Monſieur Le Gros gewahrte, welchen Streich rung ſp ich ihm geſpielt hatte, ſo kam er mit ſeinem Fiſcherboot etwa ſe heraus, ſpannte die Segel zur Jagd aus und half ſeinem Di trägen Fahrzeuge durch ein halbes Dutzend Ruder nach. ſtens ac Als ich dies ſah, ließ ich das Fockſegel fallen, die Scho⸗ daß ſie ten anhohlen und das große Bramſegel aufhiſſen; nicht Kanone als wenn ich das Boot im Geringſten gefürchtet hätte, ſon⸗ ausgede dern weil ich es, wenn möglich, vermeiden wollte, daß Blut theil üb vergoſſen würde. Al Unter andern Thorheiten, welche die Franzoſen began⸗ ich mir gen hatten, um ſo ſchnell als nur immer thunlich aus der Buch g : ſie in werden. *) Stücke getheerten Segeltuchs, um Luken damit zu verſtopfen ꝛc. Ah Der Ueberſ. verſteht, und ein Mützen h nicht t ihren dwars nd, als ſch luv, n ihrer ffe eine Streich herboot ſeinem nach. Scho⸗ ; nicht te, ſon⸗ iß Blut began⸗ aus der pfen ꝛc. erſ. — 21— Nähe der Fregatte zu kommen, muß ich auch der erwäh⸗ nen, daß ſie ſechs bis acht Gewehre und mehrere Patron⸗ taſchen zurückgelaſſen hatten. Mit dieſen Waffen wäre es uns ſehr leicht geweſen, der Kaper⸗Mannſchaft einen Wink zu geben, welcher ſie wahrſcheinlich in anſtändiger Entfer⸗ nung gehalten hätte. Dann hatte ich ſtets meine Piſtolen zur Hand, die nicht allein an ſich ſchätzbare Wehren, ſon⸗ dern mit doppelten Läufen verſehen und gut geladen waren. Wenn wir daher in Beſorgniß waren, ſo konnte dieſe nur vor dem engliſchen Schiffe herrühren. Es iſt möglich, daß Monſieur Le Gallois anders dachte; denn ſeine Jagd war lebhaft, und wie es ſchien, ſehr ernſt gemeint. Trotz all ſeinem Eifer ließ ihn aber die Dämme⸗ rung ſpiegelwärts und ging mit einer Geſchwindigkeit von etwa ſechs Knoten auf die Stunde durch das Waſſer. Die Fregatte kam jedoch mit der Schnelle von wenig⸗ ſtens acht Knoten daher und es war kein Zweifel mehr, daß ſie uns in einer, höchſtens in zwei Stunden unter ihre Kanonen bekommen würde, wenn nicht mittels ſcharfſinnig ausgedachter Bewegungen und ſeichten Gewäſſers ein Vor⸗ theil über ſie errungen werden konnte. Als ich im vergangenen Jahre zu Bordeaur war, hatte ich mir eine Karte von der franzöſiſchen Küſte und ein Buch gekauft, welches Anweiſungen der Art enthielt, wie ſie in dem amerikaniſchen„Küſten⸗Lotſen“ mitgetheilt werden. Karte und Buch hatte ich, wie es ſich von ſelbſt verſteht, bei mir und ſie erwieſen ſich bei dieſer Gelegen⸗ heit als weſentlich brauchbare und nützliche Begleiter. In dem Texte hieß es von den Inſeln, in deren Nähe wir waren, ſie ſeien durch enge Päſſe tiefen Waſſers geſchieden, wo die Gefahr beſonders von Klippen herrühre, welche in das Waſſer geſtürzt ſeien. Dieſe Klippen hatten die Fiſcher veranlaßt, die Päſſe für unzugänglich zu erklären und mein Küſtenlotſe rieth allen Schiffern, ſich ihnen nur mit großer Sorgfalt zu nahen. Die Dämmerung war jedoch gerade in einer Stel⸗ lung, in welcher ihr dieſe Klippen äußerſt nützlich werden konnten, und da ich lieber Schiffbruch leiden, als mein Schiff wieder in engliſchen oder franzöſiſchen Händen wiſſen wollte, beſchloß ich, gerade in den Gefahren der Schifffahrt mein Heil zu ſuchen. Ein zufälliges, mit dem Boote in Verbindung ſtehen⸗ des Begebniß kam uns günſtig zu ſtatten und ich ſäumte nicht, von dem Vortheil, welcher ſich mir bot, Nutzen zu ziehen. Da Monſteur Le Gros es nicht möglich fand, an das Schiff heran zu kommen, indem er ſeinem Fahrwaſſer folgte, ſchnitt er uns in ſeinem Boote den Weg ab und ſteuerte zwiſchen einigen kleinen Inſeln, welche wir umfahren muß⸗ ten, durch, und kam in der That nach vorne vor uns her⸗ aus. Statt ſich aber zu bemühen, an die Seite des Schiffes heran zu kommen, ſteuerte er in einen ſehr ſchmalen Paß, wobei er furchtbare Geberden machte, um uns zu bedeu⸗ ten, wir ſollten ihm folgen. ————,—ͤͤͤͤ—— 8 Kano⸗ wärts in di eingef Grup hing, unſere Entſe Schif Viere ihrer keit beſten fen, und fällig und Boot ſchrie Zwei halm gen; er. In he wir chieden, elche in le Päſſe ſe rieth gfalt zu er Stel⸗ werden n Schiff wollte, rt mein ſtehen⸗ ſäumte utzen zu an das er folgte, ſteuerte ten muß⸗ uns her⸗ Schiffes len Paß, zu bedeu⸗ — 23.— In dieſem Augenblicke feuerte die Fregatte ihre erſte Kanone auf uns ab und die Kugel ſiel nicht weit ſpiegel⸗ wärts von der Dämmerung in das Waſſer. Wenn wir in die Durchfahrt traten, in welche Le Gros ſein Boot eingeführt hatte, ſo kamen wir leewärts von der ganzen Gruppe von Inſeln— oder beſſer, Inſelchen— und alles hing, in dem wörtlichſten Sinne, von der Schnelligkeit unſerer Ferſen ab. Wir hatten nur eine Minute, um einen Entſchluß zu faſſen; in der zweiten Minute hatte das Schiff die Oeffnung hinter ſich, und dieſe konnte nur durch Vieren erreicht werden, wenn ſie je erreicht werden konnte. Ich gab Befehl zu luven. Unſere drei Franzoſen, welche nun gewiß glaubten, ihrer belle France entgegen zu ſteuern, waren die Thätig⸗ keit ſelbſt und da auch Neb und Diogenes ſich mit dem beſten Willen und ihrer ganzen Kraft auf die Braſſen war⸗ fen, ſo hatten wir die Dämmerung bald ſcharf aufgehohlt und hielten ſtark windwärts auf die Durchfahrt ab. Monſieur Le Gros war entzückt. Er glaubte augen⸗ fällig, alles ſei wieder im beſten Geleiſe; er ruderte voraus und ſchwenkte ſeine beiden Arme, während alle in dem Boote, die Fiſcher nicht ausgenommen, auf eine Weiſe ſchrien, jubelten und mit den Händen fochten, die mich ohne Zweifel irre gemacht hätte, wenn ich mich um einen Stroh⸗ halm darum bekümmerte. Ich hielt es für das Gerathenſte dem Boote zu ſol⸗ gen; das Geſchrei ſeiner Mannſchaft aber blieb unbeachtet. — 2— Wenn es Monſieur Le Gros eingefallen wäre, in dem ſchmalſten Theile der Durchfahrt auf das Schiff warten zu wollen, ſo hätte er uns vielleicht in Verlegenheit geſetzt; weit entfernt jedoch davon, ſchien er von der Erregung der Jagd ganz außer ſich gebracht und eilte ſo ungeſtüm nach vorne zu kommen, wie ein Knabe, der alles aufbietet, um zuerſt an dem Ziele der Rennbahn anzukommen. Es war ein ergreifender Augenblick, als der Bug der Dämmerung zuerſt in die enge Durchfahrt eintrat. Die Entfernung von einer Klippe zur andern— um nur deſſen zu erwähnen, was dem Auge ſichtbar war— mochte dreißig Faden betragen und auf mehrere hundert Fuß hin verengte ſich dieſer Paß eher, als er ſich erweiterte, bis er nur noch zwanzig Faden maß. Die Flut brach wie mit dem größten Ungeſtüm hinein und es war vielleicht ein Glück für uns, daß uns zu Nachdenken oder Unentſchloſſenheit keine Zeit blieb; denn die Dinge waren ſo ernſter Art, daß wohl die entſchloſſenſten Männer ſich hier von Ungewißheit und Zwei⸗ fel erfaßt fühlen mußten. Die Strömung faßte das Schiff mit wüthender Gewalt und wir wurden mit einer Geſchwin⸗ digkeit nach vorne gejagt, welche, wären wir auf einen geſtürzten Fels geſtoßen, das Schiff vom Kiel bis zu den Oberhölzern zerſplittert hätte. Die Wechſelfälle waren ziem⸗ lich gleich, denn ich betrachtete die Regierung des Schiffes als eine ſehr unverläſſige Art Handel. Wir ſahen daher in athemloſer Erwartung zu, ungewiß, ob nicht jeder Augen⸗ blick uns verderbe. Wir Lage. N eher von eine(engl Geſchwind einmal, an die Le dem Falle Die geſchrei h weite ger welche eit An dem Leuchtthun Anzeichen erfreue. Auf Bai ausle mit vielen Pfündern für uns a Die umher zu Sund, wo chen Küſt Punkte we nicht ſo be n dem rten zu geſetzt; ng der n nach et, um ug der . Die deſſen dreißig erengte ir noch größten r uns, ie Zeit ohl die Zwei⸗ Schiff chwin⸗ einen zu den m ziem⸗ Schiffes daher Augen⸗ nicht ſo bemannt waren, daß ſie einer Flotte oder ſelbſt — 25— Wir blieben etwa fünf Minuten in dieſer bedrohlichen Lage. Nach Verlauf dieſer kurzen Friſt hatte das Schiff, eher von der Strömung, als dem Winde dahin getrieben, eine(engliſche) Meile zurückgelegt. So furchtbar war unſere Geſchwindigkeit in dem engſten Theile des Paſſes, daß ich einmal, als wir an den Klippen vorbei ſchoſſen, wirklich an die Leiſten des Schiffes griff, als müßte ich mich vor dem Falle ſichern. 3 Die Franzoſen ließen ein lautes, allgemeines Jubel⸗ geſchrei hören, als das Boot aus dieſer Rennbahn in die weite geräumige Bai innerhalb der Inſelgruppe auslief, welche eine ziemlich anſehnliche Rhede zu bilden ſchien. An dem Ende der letzten Inſel war eine Batterie, ein Leuchtthurm und eine Gruppe von Fiſcherhütten,— alles Anzeichen, daß der Platz ſich eines bedeutenden Beſuchs erfreue. Auf zwei Kabellängen von der Stelle, wo wir in die Bai ausliefen, erwartete uns Monſieur Le Gros, welcher mit vielem Vorbedacht an einem von vier ſechs und dreißig Pfündern der Batterie beſtrichenen Punkte einen Ankerplaß für uns auserſehen hatte. Die Entfernung ſetzte mich in den Stand, einen Blick umher zu werfen. Innerhalb der Inſelreihe war eine Art Sund, wo die Hauptküſte mehrere Buchten zeigte, in wel⸗ chen Küſtenſchiffe vor Anker lagen. Die vorſpringenden Punkte waren größtentheils mit Batterien beſetzt, die zwar 26 einem einzigen ſchweren Schiffe etwas hätten anhaben kön⸗ nen, aber doch bedeutend genug ſein mochten, um eine Kriegs⸗ ſchlupe oder ſelbſt eine Fregatte im Schach zu halten. Da die Kanonen alle vom ſchweren Kaliber waren, war ein durch die Mitte dieſes Sundes gehendes Schiff ziemlich gefährdet, beſonders wenn die Kanoniere ihre Schuldigkeit thaten. Wenn wir auf der Stelle, wo das Boot unſerer harrte, Anker warfen, ſo gaben wir das Schiff der Kaper⸗Mann⸗ ſchaft preis; denn die zuerſt erwähnte Batterie beherrſchte den Punkt vollkommen. Ein glücklicher Zufall wollte es jedoch, daß ſich ein Ausweg bot; die Richtung des Windes und der Flut war nämlich eine entgegengeſetzte und dieſen Umſtand benutzte ich ſo raſch als möglich. Mochten wir uns auch noch ſo ſehr anſtrengen, die Dämmerung konnte die Stelle nicht erreichen, wo das Boot ſeinen Anker ausgeworfen hatte. Wir kamen jedoch auf Anrufweite vorüber und laut rief man uns zu, als wir nahe genug waren, um hören zu können, wir möchten Segel bergen und vor Anker gehen. Indem ich that, als ob ich nichts angelegentlicher wünſchte, als an den Punkt zu treten, wo das Boot lag, führte ich Monſteur Le Gros mit meinen Antworten irre, indem ich ihm ſagte, ich wolle noch eine kleine Strecke anhalten und dann vieren, um zu ihm zu ſtoßen. Da dieſes begreiflich war, ſtellte es meine Gefangen⸗ nehmer zufrieden, obgleich mir ein hundertfaches„wimporte“ nachſcha ſagen, d platz ge⸗ Die und ſie ihre Jas und die Batterie weſentlit Als ſchen S ſichtbar Geſchwi ſen Ehr Sie Sundes ſtatten, Winde außer S Die Dämme mittels ſieur Le ſchen d würde Kanone daß wi haben kön⸗ ine Kriegs⸗ zu halten. rren, war ff ziemlich ſchuldigkeit rer harrte, er-Mann⸗ beherrſchte wollte es es Windes und dieſen ngen, die wo das nen jedoch s zu, als ir möchten egentlicher Boot lag, orten irre, ne Strecke 1. Gefangen⸗ -importe“ nachſchallte, und„wimporte“ konnte man allerdings hier ſagen, denn auf eine halbe Stunde umher war ein Anker⸗ platz gerade ſo gut wie der andere. Die Dämmerung that an dieſem Tage ihre Pflicht; und ſie hatte Gelegenheit dazu, denn die Fregatte ſetzte ihre Jagd fort. Der Umweg, welchen ſie machen mußte, und die Entfernung, welche ihr die Achtung vor der erſten Batterie unerläßlich machte, ſetzten uns in den Stand, einen weſentlichen Vorſprung über ſie zu gewinnen. Als wir an dem Boote vorbei kamen, waren des engli⸗ ſchen Schiffes Oberſegel auf der äußern Seite der Inſel ſichtbar und man bemerkte, daß die Fregatte mit einer Geſchwindigkeit die Klippe entlang flog, welche ihren Fer⸗ ſen Ehre machte. Sie wendete um die Spitze, als wir in der Mitte des Sundes ſtanden; hier aber kam uns die Batterie gut zu ſtatten, denn die Engländer mußten, ſtatt dicht bei dem Winde aufzuhohlen, mit dem Winde frei ablaufen, um außer Schußweite zu bleiben. Die Anweſenheit der Fregatte war demungeachtet der Dämmerung wahrſcheinlich von großem Vortheile; denn mittels eines kleinen Bootes, welches die Batterie an Mon⸗ ſieur Le Gros abgeſchickt hatte, waren Mittheilungen zwi⸗ ſchen dieſen beiden Theilen eingeleitet worden und man würde uns wahrſcheinlich einen Boten, in Geſtalt einer Kanonenkugel, nachgeſchickt haben, wenn man geſehen hätte, daß wir fortfuhren, auf das feſte Land abzuhalten, ſtatt zu wenden und den angedeuteten Ankerplatz aufzuſuchen; ſo aber hatte die Mannſchaft in der Batterie jetzt das edlere Wild, die Fregatte, im Auge. Sobald John Bull innerhalb des Bereichs der fran⸗ zöſiſchen Kanonen trat, begannen dieſe gegen ihn zu ſpie⸗ len; allein die Entfernung war noch ſo groß, daß ihr Feuer faſt nutzlos war. Wer im Geringſten mit den Bewegungen der Schiffe bekannt iſt, wird einſehen, welche Vortheile ſich uns nun boten. Die Dämmerung trieb mit einer jungen Flut, welche ihr windwärts zu ſtatten kam, und mit einem ſtäti⸗ gen ſechs Knoten⸗Wind durch einen weit offenen Raum dahin. Die Durchfahrt zwiſchen dieſen Inſeln und dem Feſtlande war etwa vier Stunden lang, während die, in welche uns die Fiſcher anfangs hatten führen wollen, ziem⸗ lich durch die Mitte der Gruppe leitete. Wir ſtanden bereits auf eine Meile von dem Boot und bebeutend wind⸗ wärts von ihm,— denn die Flut hatte uns in dieſer Weiſe begünſtigt,— als Monſieur Le Gros es für paſſend erach⸗ tete, ſeine Jagd wieder aufzunehmen und ſeinen Anker lichtete. Er war ſcharfſinnig genug, einzuſehen, daß wir wegen der Feſtlandküſte bald genöthigt ſein würden, zu wenden und von Neuem auf die Inſel abzuhalten; ſtatt uns daher in unſerm Fahrwaſſer zu folgen, benutzte er den Lauf der Strömung und ruderte, um uns den Weg abzuſchneiden, gerade nach windwärts. All aber we Schiff k den Rar in der Bootes Die Da Frankre ein alte Befehls! die fran Er und den und da ſich einig in den den zwe So fünf un machte Flut am Bö für da die g Die es nicht wenn w ufzuſuchen; jetzt das der fran⸗ en zu ſpie⸗ , daß ihr der Schiffe ) uns nun gen Flut, nem ſtäti⸗ nen Raum und dem d die, in len, ziem— r ſtanden end wind⸗ eſer Weiſe end erach⸗ len Anker vir wegen u wenden uns daher Lauf der ſchneiden, — 29— All dies ſahen wir ſehr deutlich, bekümmerten uns aber wenig um Monſieur Le Gros und ſein Boot. Das Schiff konnte, bei einer ſolchen Bö, dem Boote ſehr leicht den Rang abgewinnen und es ſtand immer in meiner Macht, in der Mitte des Canals zu vieren, ſtatt die Bahn des Bootes zu kreuzen, oder ihm überhaupt nahe zu kommen. Die Fregatte beunruhigte mich in weit höherm Grade. Das engliſche Schiff war, wie ich ſpäter erfuhr, in Frankreich gebaut worden und hieß die Fortunée. Es war ein altes, aber ungemein ſchnell ſegelndes Schiff und ſein Befehlshaber hatte es durch die Kühnheit, mit welcher er die franzöſiſche Küſte beſtrich, berühmt gemacht. Er ging jetzt bereits zum dritten Mal, den Batterien und den örtlichen Gefahren zum Trotze, durch dieſen Sund; und da er hinſichtlich der Einbeugungen und Wendungen ſich einige Erfahrung erworben hatte, ſah er ſich nun beſſer in den Stand geſetzt, ſeine Abſicht zu verfolgen, als bei den zwei früheren Gelegenheiten. Sobald er ſich in einer ſichern Entfernung von den fünf und dreißig Pfündern wußte, hohlte er auf und machte fünf kurze Striche gegen das Feſtland, wo ihm die Flut am meiſten zu ſtatten kam und er die ganze Kraft der Bö für ſich hatte, während ihn nichts beläſtigen konnte, da die gewöhnliche Rhede unter der erwähnten Inſel war. Die erſte Stunde reichte hin, mich zu belehren, daß es nicht möglich ſein werde, der Fregatte zu entrinnen; wenn wir fortfuhren, die Durchfahrt hinan zu ſtehen, konnten wir allerdings vor ihr das weſtliche Ende derſelben erreichen; allein es blieb nicht die geringſte Hoffnung zu entſchlüpfen, wenn wir das offene Meer wieder erreichten und ſie landeinwärts von uns ſtand. In dieſem bedenklichen Augenblicke ließ Marble einen ſeiner glücklichen Einfälle laut werden; denn ich hatte kein anderes Verdienſt dabei, als daß ich den rechten Augen⸗ blick wählte und ſeinen Gedanken raſch in's Werk ſetzte. Der zuerſt genannte Paß lag in einer Linie mit uns, und wir hatten jeden Grund anzunehmen, das Schiff würde ihn durchſchneiden können. Als man uns auffor⸗ derte, denſelben zu befahren, ſtand die Flut ſechs Fuß tie⸗ fer, als ſie ſeitdem geſtiegen war, und mein Maat ſchlug vor, den Verſuch zu machen, auf dieſem Wege auszulaufen. „Die Engländer werden es nie wagen, uns zu folgen, denn ſie fürchten die Batterie, welche an dem Paſſe liegt,“ ſetzte er hinzu,„während die Franzoſen auf uns nicht feuern werden, da ſie glauben, wir flüchten vor einem gemeinſamen Feind.“ Die ganze Kraft des Geſagten leuchtete mir augen⸗ blicklich ein. Ich ſetzte die dreifarbige Flagge über eine britiſche, um die Mannſchaft in dieſer zweiten Batterie zu verleiten, uns für ein engliſches Pkiſenſchiff zu nehmen, und hielt ſtracks auf den Paß ab, an deſſen Ausgang unmittelbar eine kleine Brigg vor Anker lag. Um die Täuſchung noch vollkommner zu machen, hohl⸗ ten wir 1 Fallen a Anker zu Als ſchickten unſere F dern; de Boote, ſtehen me Wir während „vive la Mei rie geric beherrſch ben war Feind in beſtrichen auf einen bemannt Ich mir von letzten K Soldater ten zu n Stellung derſelben fnung zu erreichten ble einen hatte kein n Augen⸗ k ſetzte. mit uns, as Schiff s auffor⸗ Fuß tie⸗ nat ſchlug zulaufen. zu folgen, ſſe liegt,“ uns nicht vor einem ir augen⸗ britiſche, verleiten, und hielt amittelbar hen, hohl⸗ — 31— ten wir unſere großen Segel an und ließen die Bramraa⸗ Fallen auslaufen, als wären wir im Begriff, uns vor Anker zu legen. Als Monſteur Le Gros dies ſah, glaubte er, wir ſchickten uns an, unter der Batterie anzulegen, und hätten unſere Flaggen aufgehiſſt, um die Engländer herauszufor⸗ dern; denn Mützen und Hüte flogen frohlockend in dem Boote, welches jetzt eine Viertelmeile von uns entfernt ſtehen mochte. Wir traten dicht an die Brigg heran, welche uns, während wir an ihr vorüber flogen, mit Jubelgeſchrei und „vive la France!“ begrüßte. Mein Auge war dieſe ganze Zeit über auf die Batte⸗ rie gerichtet. Sie hatte die Beſtimmung, die Rhede zu beherrſchen, wobei der Paß ziemlich unberückſichtigt geblie⸗ ben war, da man nicht annehmen konnte, daß ſich ein Feind in denſelben wagen würde. Zwei ſchwere Kanonen beſtrichen allerdings den Eingang; allein ſie befanden ſich auf einem abgeſonderten Werke, welches nur im Nothfalle bemannt zu werden pflegte. Ich ſchoͤpfte lange Athem und eine Zentnerlaſt fiel mir von der Seele, als das Schiff aus dem Bereiche der letzten Kanone in dem kleinen Halbkreiſe heraustrat. Die Soldaten gaben uns durch Zeichen zu verſtehen, wir hiel⸗ ten zu weit nach Weſten ab, um eine hinreichend geſicherte Stellung zu finden, wir achteten ihrer aber nicht. — 32— Statt Segel zu bergen, wurden die Fock⸗ und großen Halſen zugeſetzt und die Oberbramſegel gelöſt. Dies enthüllte unſre Abſicht und das Geſchrei an der Küſte ſcholl bis zu unſerm Schiffe herüber. Man traf An⸗ ſtalten, ein Stück leichtes Geſchütz auf uns zu richten, und bald begannen zwanzig Kanoniere der Seiten⸗Batterie ent⸗ gegen zu eilen. Es handelte ſich jetzt nur darum, raſch zu entkommen. Wir flogen an der letzten Batterie zehn Minuten, ehe die Franzoſen, welche eine geräumige Bucht umgehen muß⸗ ten, ſie erreichen konnten, vorüber, und ſechs Minuten ſpäter traten wir in die offene See, während die amerika⸗ niſchen Flaggen, Göſchen und Wimpeln an jedem Maſt⸗ Top und wo ſonſt ein ſolches Sinnbild des Sieges gezeigt werden konnte, flatterten! N lautes auf un hätte t gedeckt wenig, jetzt ha gen. und ſo und ſei D vier S umſchif ſolche 2 Dämm unglück allen de zu entf De der Kn. 214- und großen hrei an der in traf An⸗ ichten, und gatterie ent⸗ rum, raſch inuten, ehe gehen muß⸗ 8 Minuten ie amerika⸗ dem Maſt⸗ ges gezeigt Zweites Kapitel. Den Athem hat mir dieſe Jagd genommen; Und wen'’ger will's, je mehr ich bete, frommen. Shakſpeare. Marble und ich blickten einander an und brachen in lautes Lachen aus, als die Franzoſen eine einzige Kugel auf uns abfeuerten, die über uns wegflog, uns aber kaum hätte treffen können, da wir durch einen Klippenvorſprung gedeckt waren, Ich änderte den Curs des Schiffes ein wenig, um aus dem Bereich ihrer Kugeln zu kommen, und jetzt hatten wir von den Franzoſen nichts mehr zu beſor⸗ gen. Das Boot machte keinen Verſuch, uns zu folgen, und ſo endigte für jetzt unſer Verkehr mit dem Poliſſon und ſeiner Mannſchaft. Die Fortunée betreffend, ſo brauchte ſie wenigſtens vier Stunden, um das äußerſte Ende der Inſelgruppe zu umſchiffen, und da ihr Befehlshaber einſah, wie vergeblich ſolche Anſtrengungen ſein würden, um ein Schiff wie die Dämmerung einzuholen, machte er einen Angriff auf die unglückliche Brigg, und es gelang ihm wirklich, ſie, trotz allen den Vertheidigungsmitteln des Platzes, aus der Rhede zu entführen. Das letzte, was ich von dieſen Herren hörte, war der Knall der Kanonenſchüſſe, welche zwiſchen der Fregatte 214— 216. 3 und der Batterie gewechſelt wurden, während das letzte, was ich von ihnen ſah, der Dampf war, welcher lange, nachdem die Inſeln unter den Geſichtskreis geſunken waren, über der Stelle ſchwebte. Die Dämmerung hielt ſtracks auf die offene See ab, während der Wind immer noch nordwärts ſtand, obgleich er bei der Fahrt durch den Paß ſtärker angezogen hatte. „Nun, Miles,“ rief Marble, als wir uns auf dem Deck niederſetzten, um unſer Mittagseſſen einzunehmen, das Neb hier aufzutragen Befehl erhalten hatte,„Ihr wißt, was ich immer von Euerm Glücke geſagt habe. Es iſt gegen Alles, nur nicht gegen die Vorſehung ſtichhaltig. Sterben müßt und werdet Ihr, wenn Eure Zeit gekommen iſt; gewiß aber nicht eher, als bis Ihr etwas Denkens⸗ werthes gethan habt. Mit Euch in die See ſtechen, mein Knabe! wahrhaftig, ich betrachte Eure Geſellſchaft als eine Art Lebensverſicherungsanſtalt und bekümmere mich nicht einen Deut um das Glück, ſo lange ich unter Euern Be⸗ fehlen ſtehe. Bei jedem andern Manne wär'ich nichts als ein blutiger Einſiedler, ſtatt des pflichtgetreuen Sohnes und des liebevollen Oheims, der ich bin. Was habt Ihr aber jetzt zu thun im Sinne, Miles?“ „Es kam mir vor, Marble, als könnten wir nichts beſſeres thun, denn unſern Curs nach Hamburg verfolgen, wohin wir beſtimmt ſind. Dieſer Nordwind kann in dieſer Jahreszeit nicht lange anhalten und ein neuer Südweſt würde uns ſehr zu ſtatten kommen. In zehn bis vierzehn Tagen können wir in unſerm Hafen ſein.“ —y ͤ behar englit ſeine uns l vorko Küſte iſt an uns nach Preß⸗ Ich h an de wenig obglei 1s letzte, er lange, n waren, See ab, obgleich hatte. auf dem inehmen, „„Ihr abe. Es ichhaltig. ekommen Denkens⸗ en, mein als eine lich nicht uern Be⸗ nichts als Sohnes habt Ihr dir nichts verfolgen, in dieſer Südweſt vierzehn „Seht mir nur jene franzöſiſchen Burſche dort, welche ſich über die Schüſſel voll Schweinefleiſch herwerfen, als wär' es der köſtlichſte Braten; dieſe Geſellen müſſen noch nie ein gutes Stück Fleiſch verſucht haben.“ „Nährt ſie gut, behandelt ſie gut, und laßt ſie arbei⸗ ten. Es wird ihnen nie einfallen, uns zu beunruhigen; auch glaube ich nicht, daß ſie das geringſte von der Schiff⸗ fahrt verſtehen. Wie ich ſehe, rauchen und kauen ſie Ta⸗ bak; wir wollen ihnen ſo viel von dieſem Kraute geben, als ihr Herz nur verlangen, oder ihr Mund faſſen kann; und dies wird ſie bei guter Laune erhalten.“ „Und John Bull?“ „Nun, gewiß, John Bull muß auf eine andere Art behandelt werden. Ich weiß nicht, ob uns nicht ein dritter engliſcher Kreuzer in den Weg tritt. Was Sennit und ſeine Geſellſchaft betrifft, ſo können wir dieſe Sache für uns behalten; dergleichen wird uns, denke ich, nicht mehr vorkommen. Mein Plan iſt, mich dicht an die engliſche Küſte hinzudrängen und unſere Flagge kühn zu zeigen. Es iſt anzunehmen, daß von zehn britiſchen Kriegsſchiffen neun uns ungefragt ziehen laſſen, indem ſie glauben, wir ſeien nach London beſtimmt, ſie müßten denn einen von dieſen Preß⸗Dilettanten, wie Herr Sennit war, an Bord haben. Ich habe mir oft ſagen laſſen, die Schiffe, welche ſich dicht an der engliſchen Küſte hielten, kämen unangeſprochen durch, wenigſtens blieben ſte von ſchweren Schiffen unangefochten, obgleich ſie vielleicht von Briggs und Kuttern angeſprochen 3 ½ — 36— werden könnten. Solch kleines Gezücht macht den Leuten immer am meiſten zu ſchaffen.“ volk „Wir haben auf dieſer Reiſe nichts davon bemerkt, ford Miles. Ihr ſeid jedoch nicht nur Capitain, ſondern auch zuko Rheder, und ich überlaſſe es Euch, Euer eigenes Canve zu ſtes rudern. Irgendwohin müſſen wir gehen; und ich will nicht dem ſagen, daß Euer Plan nicht eben ſo gut ſei, als irgend wen einer, welchen man, mit dreißig Jahren Erfahrung mehr, Eng aufſtöbern kann.“ ſo ſ Wir beſprachen den Gegenſtand ausführlich nach allen das ſeinen Möglichkeitsfällen, und beſchloſſen endlich, bei unſerem kein Entſchluſſe zu verharren. Das Schiff ſteuerte in das offene Meer hinaus, bis die franzöſiſche Küſte ganz verſank, dann takelten wir es Wir bei dem Winde auf und hielten ſo nahe auf unſern Curs ſein ab, als die Bö es erlaubte. Nichts begab ſich in dem kelh Verlaufe des Tages, das Unruhe oder Beſorgniß hätte zuri⸗ erwecken können; aber meine drei Franzoſen ließen ſich zu Stu gewiſſen Erklärungen mit mir heran, welche anfangs Schwierigkeiten nach ſich zu ziehen drohten. Sie weigerten 1 fand ſich zu arbeiten, und ich mußte ihnen ſagen, ich würde ſie bege an Bord des erſten beſten engliſchen Kriegsſchiffes abgeben, als auf welches wir ſtießen. Dies hatte den gewünſchten Er⸗ folg, und nach einer freundſchaftlichen Beſprechung zeigte ab, ich mich bereitwillig, ihnen bei unſerer Ankunft in einem anſi befreundeten Hafen einen hohen Sold zu zahlen, während wen ſie mir nach allen ihren Kräften zu dienen verſprachen. i Leuten bemerkt, dern auch Canoe zu will nicht s irgend ug mehr, nach allen i unſerem aus, bis n wir es ſern Curs ) in dem niß hätte en ſich zu anfangs weigerten würde ſie Babgeben, ſchten Er⸗ ung zeigte in einem während rachen. — 327— Sieben Mann waren kaum die Hälfte des Schiffs⸗ volkes, das ein Fahrzeug von der Größe der Dämmerung forderte; es war aber möglich, mit dieſer Bemannung fort⸗ zukommen. Das Steuern war der härteſte Theil des Dien⸗ ſtes; denn keiner der Franzoſen war im Stande, ſich an dem Rade nützlich zu machen. Indeſſen ward die noth⸗ wendigſte Arbeit vollbracht, und wir freuten uns Alle, der Engländer und der Franzoſen zumal los und ledig zu ſein, ſo ſehr, daß ich wohl ſagen darf, wir würden mit Freuden das Doppelte ertragen haben, wären wir gewiß geweſen, keinem ihrer Kreuzer mehr aufzuſtoßen. Die Vorſehung hatte es anders beſchloſſen. In der Nacht ſprang der Wind nach Südweſten um. Wir braßten die Raaen ein und brachten das Schiff auf ſeinen Curs; ich hielt es aber für das beſte, in der Dun⸗ kelheit nicht zu viel Segel zu führen. Ich ließ Befehl zurück, mich bei Sonnenaufgang aufzurufen, in welcher Stunde Marble die Wache hatte. Als ich in Folge dieſes Aufrufs auf das Deck kam, fand ich meinen Maat beſchäftigt, den Geſichtskreis zu begehen, und er that dies nicht ganz ohne einigen Ernſt, als ſei er fremden Schiffen auf der Spur. „Wir geben dieſen Morgen eine luſtige Geſellſchaft ab, Capitain Wallingford,“ rief Marble, ſobald er mich anſichtig wurde.„Ich habe, ſeit der Tag graut, nicht weniger als ſechs Schiffe entdeckt.“ „Ich hoffe, es iſt kein Logger darunter. Ich fürchte in dieſem Augenblicke dieſen Poliſſon mehr, als alle Namen in der Chriſtenheit. Dieſer Burſche muß in den Oeffnun⸗ gen des Kanals kreuzen, und wir nähern uns jetzt dieſem Theile der Welt mit erfreulicher Eile.“ „Das hoffe ich auch, Herr; aber dieſer Burſche, dort nordweſtwärts, hat ein verdächtiges, loggerartiges Aus⸗ ſehen. Es iſt möglich, daß ich nur die Top ſeiner Ober⸗ ſegel ſehe, aber ſie gleichen Loggern auf ein Haar.“ Ich hielt nun ſelbſt Ausguck auf das Meer. Ich mußte in dem Schiffe, welches Marble für verdächtig erklärt hatte, ſogleich einen Logger erkennen, der dem Poliſſon ſo ähnlich war, als irgend einem andern Schiffe dieſer Art. Die andern vier Fahrzeuge waren ſämmtlich Schiffe, und dieſe fünf bildeten einen vollkommenen Kreis, in deſſen Mittel⸗ punkte die Dämmerung ſtand. Der Logger war uns jedoch um mehrere Meilen näher, während es kaum möglich war, daß die andern Schiffe ſich über den Durchmeſſer des Krei⸗ ſes hin anſichtig wurden. Unter dieſen Umſtänden ſchien mir es das gerathenſte, als ehrlicher Mann ruhig in meinem Curſe zu verharren. Marble war derſelben Meinung, und, die Wahrheit zu ſagen, wir hatten auch nicht viel Wahl, da das Schiff ſo ganz umzingelt war. Das Schlimmſte bei der Sache war unſere Stellung, welche ganz unſehlbar alle die Kreuzer zu dem Mittelpunkte, folglich zu uns, herziehen mußte. Zwei Stunden hatten einen weſentlichen Wechſel zur Folge. Die fünf Schiffe hatten auf uns heran abgehalten, und u von il 5 und d fällig noch angeh Umſta näher führte aller unſere L AX ſein, jetzt 1 daß e ſchiffe waren Signe einan 4 Pollif bedenk Corve Fahrr ſtand 3 tamen ffnun⸗ dieſem „ dort Aus⸗ Ober⸗ mußte hatte, ihnlich Die d dieſe Mittel⸗ jedoch h war, Krei⸗ thenſte, harren. heit zu chiff ſo he war uzer zu ſſel zur hhalten, — 39— und wir konnten uns jetzt einen ziemlich deutlichen Begriff von ihrem Charakter machen. Die beiden ſpiegelwärts, das eine auf unſerer Back⸗ und das andere auf unſerer Steuerbordſeite, waren augen⸗ fällig ſchwere, unter ſich befreundete Schiffe, obgleich es noch nicht leicht zu entſcheiden war, welcher Nation ſie angehörten. Daß ſie gemeinſam handelten, ging aus dem Umſtande hervor, daß ſie ſich Signale gaben und einander näher zu rücken trachteten; da ſie oben und unten Leeſegel führten, kamen ſie raſch auf uns hernieder und konnten aller Wahrſcheinlichkeit nach in zwei oder drei Stunden an unſerer Seite ſtehen. Zwei der Schiffe nach vorne ſchienen mir Fregatten zu ſein, denn ihre Batterien waren uns zugekehrt; wir ſahen jetzt nur eine Reihe von Stückpforten; es war aber möglich, daß es Zweidecker waren. Jedenfalls mußten es Kriegs⸗ ſchiffe ſein, und nach der Rechtwinklichkeit ihrer obern Segel waren es engliſche. Auch ſie waren befreundet, tauſchten Signale aus und traten von entgegengeſetzten Seiten zu einander heran. Der Logger war nicht mehr zu verkennen; es war der Polliſſon und er hielt ſtracks auf uns ab, obgleich dies ein bedenkliches Gehaben war; denn das letzte Schiff, eine Corvette, ſtand bereits, wie es mir vorkam, in des Loggers Fahrwaſſer, trug ſchwere Segel, lief wie eine Hexe und ſtand nur zwei Stunden ſpiegelwärts. Monſieur Gallois hatte ſo viel Vertrauen auf die Flüchtigkeit ſeiner Ferſen, daß er, um ſeinen Verfolger unbekümmert, in ſeinem Curſe anhielt. Ich hielt es für das beſte, dem Tanze eine entſchloſſene Miene zu zeigen, denn ich wußte, daß die Kriegsſchlupe hinreichende Zeit vergeuden würde, bis ſie im Stande wäre, nahe genug zu kommen, um den Kaper abzuhalten, uns wieder zu beman⸗ nen. Meine Hauptbeſorgniß war, er möchte uns Alle, aus Rache wegen des Vorgefallenen, gefangen nehmen und das Schiff in Brand ſtecken. Jedem dieſer beiden Schritte war ich aber entſchloſſen mich aus allen Kräften zu widerſetzen. Es war gerade zehn Uhr, als der Polliſon zum zwei⸗ ten Male dwars von uns auflief und wir beihohlten. Der Franzoſe hatte uns ohne Zweifel erkannt, und das Geſchrei, welches dieſem Erkennen folgte, muß dem von Babel ähn⸗ lich geweſen ſein, als die Menſchen anſingen ſich zu beſpre⸗ chen, ohne einander zu verſtehen. Monſieur Gallois, welcher wußte, daß wir kein kleines Boot hatten, verlor keine Zeit, ſondern ließ ſeine eigene Jolle in das Waſſer und kam perſönlich zu uns an Bord. Ich hatte den drei Franzoſen befohlen, unten zu blei⸗ ben, ſo daß er nur Marble, Diogenes, Neb und mich auf dem Deck fand. „Parbleu, Monsieur Vallingford!“ rief der Kapers⸗ mann, indem er mich, mochten die Dinge auch ſtehen, wie ſie wollten, ſehr höflich grüßte,„c'est bien extraordinaire! Vas habt Ihr mit meinen Leuten hangefangen— he?— Sie in das Meer gevorfen, comme avec les Anglais 2* Ich liche Er meiner zueilten, erzählen gleicher komiſch. keiten ge weiſe ur Gallois nehmen. Ich erzä liſch, beſſer ve Mo räubers von fra geweſen, zum Go zwiſchen eigene T So und aus Laune n anrechne etwas ſe Monſieu erfolger es für zeigen, de Zeit enug zu beman⸗ lle, aus ind das itte war erſetzen. m zwei⸗ n. Der Zeſchrei, del ähn- beſpre⸗ kleines eigene u Bord. zu blei⸗ nich auf Kapers⸗ hen, wie dinaire! he?— glais 29 — 21— Ich wurde der Mühe einer Antwort durch das plötz⸗ liche Erſcheinen meiner drei Gefangenen überhoben, welche meiner Befehle vergeſſen hatten und auf ihren Befehlshaber zueilten, um ihm in ihrem Dienſteifer Alles haarklein zu erzählen, was ſich begeben hatte. Alle Drei erzählten zu gleicher Zeit, und die Seene, welche folgte, war ziemlich komiſch. Halbe Worte, Ausrufungen, Flüche und Artig⸗ keiten gegen den amerikaniſchen Charakter folgten ſich ſtrom⸗ weiſe und Alles lief ſo bunt durch einander, daß Monſieur Gallois nicht im Stande war, das geringſte daraus abzu⸗ nehmen. Er ſah ſich genöthigt, ſich an mich zu wenden. Ich erzählte das ganze Begebniß ſehr freimüthig auf eng⸗ liſch,— eine Sprache, welche mein Gefangennehmer viel beſſer verſtand, als er ſich darin ausdrückte. Monſieur Gallois hatte die Raubgier eines Straßen⸗ räubers; ſie hatte aber einen merkwürdigen Beigeſchmack von franzöſiſcher Höflichkeit. Er war nicht immer Kaper geweſen,— ein Beruf, welcher eine ungebührliche Liebe zum Golde vorausſetzt; und er war vollkommen befähigt, zwiſchen Recht und Unrecht zu unterſcheiden, ſobald ſeine eigene Taſche dabei nicht betheiligt war. Sobald ex die Sache verſtanden, begann er zu lachen und auszurufen:„Bon! bon!“ Ich ſah, daß er in guter Laune war und mir wahrſcheinlich das Geſchehene nicht anrechnen würde, und endigte meine Geſchichte in einer etwas ſarkaſtiſchen Weiſe, indem ich die Gefälligkeit des Monſieur Le Gros, das Schiff zu verlaſſen und ihm als Lootſe in der Bai zu dienen, vielleicht ein wenig trocken ſchilderte. Dann und wann ließ ſich wohl ein„sacr— r— re 5 und„bétes!“ hören; aber es lag weder Groll, noch Zorn⸗ in dem Ausdrucke des Geſichts des Franzoſen, und es ſchien, als gehe dem Monſieur Gallois ein guter Scherz über Alles, eine gute Priſe ausgenommen. „Tenez, mon ami,“ rief er und drückte mir die Hand, indem er ſich nach der Corvette umſah, welche jetzt weniger als eine Stunde fern ſtand;„Ihr ſeid, was die Englän⸗ der einen„guten Burſchen“ zu nennen pflegen. Jadmire votre esprit. Ihr ſeid admirablement entſchlüpft, und es thut mir hunendlich leid, daß ich nicht Gelegenheit habe, genauere Bekanntſchaft mit Euch zu machen. Mais, ich muß fort, mille pardon, Ihr habt nicht viel Leute an Bord, mais c'est impossible d'abandonner mes compa- triotes. Allons, mes enfans; au canot!“ Dies war das Signal für die Franzoſen, uns zu ver⸗ laſſen, und die drei Matroſen, welche ich an Bord behalten hatte, nahmen ohne Umſtände Abſchied. Monſieur Gallois beſtieg, wie es ſich von ſelbſt verſteht, das Boot zuletzt, und fand Zeit, mir noch einmal die Hand zu drücken und ſeine„vifs regrets“ zu wiederholen, daß er nicht mehr Muße habe, genauere Bekanntſchaft mit mir zu machen; die Corvette, ſetzte er hinzu, ſtehe ſo nahe, daß der Poliſ⸗ ſon ſich in Bewegung ſetzen müſſe; er werde vielleicht ein anderes Mal glücklicher ſein. Auf nen Anſte meines S ballens a⸗ Dämmeru ſchaft den machte de geneigt, g konnte. Ich Einfluß mich faſt obgleich immer eit gewicht h Benehmer ſtehen es, Das er auch ſa ſo nahe Geſichter zeugen ko muth ihr das unau Nacht, v nem Bor⸗ Mon trocken — re* ch Zorn ſchien, r Alles, e Hand, weniger Englän⸗ hadmire dft, und eit habe, lais, ich keute an compa- 3 zu ver⸗ behalten Gallois öt zuletzt, icken und icht mehr machen; der Poliſ⸗ lleicht ein —— Auf dieſe Weiſe ſchied ich von einem Manne, der kei⸗ nen Anſtand genommen hatte, ſich in meiner Bedrängniß meines Schiffes zu bemächtigen, wie er ſich eines Waaren⸗ ballens auf dem Strande bemächtigt hätte. Wenn er die Dämmerung bemannt hätte, ſo konnte die Priſen⸗Mann⸗ ſchaft dem Feinde in die Hände fallen; Monſieur Gallois machte daher aus der Noth eine Tugend und zeigte ſich geneigt, gegen die höflich zu ſein, welche er nicht berauben konnte. Ich fühlte, ſo ſeltſam dies auch ſcheinen mag, den Einfluß dieſes Benehmens in einem Grade, welcher mich faſt mit der früher begangenen That ausſöhnte, obgleich dieſe ſo ſchändlich und geſetzlos war, als nur immer eine begangen werden konnte. Ein ſolches Ueber⸗ gewicht hat in den Augen der großen Mehrzahl das äußere Benehmen über das innere Weſen; nur ſehr wenige ver⸗ ſtehen es, das letztere wahrhaft zu würdigen. Das Boot des Poliſſon war kaum aufgehiſſt, ſo machte er auch ſchon Fahrt. Er kam auf dem Kamm einer Welle ſo nahe an uns vorüber, daß man den Ausdruck der Geſichter der Mannſchaft unterſcheiden und ſich leicht über⸗ zeugen konnte, daß nur wenige die Ruhe und den Gleich⸗ muth ihres Befehlshabers theilten; eben ſo konnte man das unaufhörliche Geplauder vernehmen, welches Tag und Nacht, vom Morgen„bis zum thauigen Abend“ an ſei⸗ nem Bord herrſchte. Monſieur Gallois verbeugte ſich verbindlich und lächelte als hätt' er nie ſeine Hand in mir ſo freundſchaftlich zu, habt; allein ſein Glas war eines andern Mannes Taſche ge augenblicklich gegen die Corvette gerichtet, welche ihm nun einige Unbehaglichkeit zu verurſachen ſchien. Allerdings konnte keine Rede davon ſein, uns zu bemannen, wenn ein Burſche mit einer ſo ungeſtümen Raſchheit nach vorne brauſte, wie das fremde Schiff daher kam. Wir waren nun wieder auf unſere frühere Vierzahl beſchränkt und ich hielt es nicht für nöthig, uns mit dem Füllen der Oberſegel abzumühen; denn ich war überzeugt, die Kriegsſchlupe würde, uns doch zwingen, wieder beizu⸗ Die Dämmerung blieb daher ruhig liegen, des Ausgangs mit philoſophiſcher Geduld harrend. „Es iſt nicht nöthig, Moſes, etwas zu thun, um zu eutſchlüpfen,“ bemerkte ich;„unſerer ſind zu wenig, als ehe der Burſche an daß wir die Segel beiſetzen könnten, uns heran iſt.“ „Ja,— und dort fliegt ſeine Flagge und eine Kugel,“ antwortete der Maat.„Die weiße engliſche Flagge! Ein Zeichen, daß der Geſell unter irgend einem Admiral, oder Vice⸗Admiral, oder Contre⸗Admiral der weißen Farbe ſteht, während die beiden Fregatten, wenn ich nicht irre, blaue Flaggen haben,— wenn dies der Fall iſt, ſo iſt's ein Zeichen, daß ſie nicht befreundete Schiffe ſind.“ Das Glas beſtätigte dies und wir mußten annehmen, die drei engliſchen Schiffe gehörten nicht zu einem Geſchwader. In dieſem Augenblicke hatte ſich das Spiel in folgen⸗ der Weiſe geſtaltet: legen. Die Segel b raaen m ſegel los dicht an die zwei franzöſiſ kannte Die ander v ſelben Kamera ſetzt, die Di mochten leewärts W zwiſchen Allem wenn ſi und un von un Hand in blas war ihm nun llerdings wenn ein ch vorne Vierzahl mit dem überzeugt, der beizu⸗ igen, des n, um zu denig, als Burſche an ne Kugel,“ agge! Ein miral, oder ißen Farbe nicht irre, iſt, ſo iſt's nd.“ annehmen, Geſchwader. I in folgen⸗ — 45— Die Dämmerung lag bei, ihr Fockſegel auf, das große Segel beſchlagen, das große Marsſegel back, die Bram⸗ raaen mit den Eſelshäuptern*) auf, Klüver und Flitter⸗ ſegel los. Der Poliſſon flog auf den Kämmen der Wellen, dicht angehohlt, dahin und ſchien geneigt, eine Lee hinter die zwei Fregatten windwärts zu machen, welche wir für franzöſiſche hielten und die er wahrſcheinlich als ſolche kannte. Die Schiffe leewärts gingen auf Sprachweite an ein⸗ ander vorüber; das eine, das öſtlich ſtand, vierte in dem⸗ ſelben Augenblicke und kam in das Fahrwaſſer ſeines Kameraden auf. Beide Schiffe hatten alle Segel beige⸗ ſetzt, die ſie nur führen konnten. Die Schiffe ſüdwärts, die wir für franzöſiſche nahmen, mochten auf zwei Stunden von uns ſtehen, während die leewärts auf drei entfernt waren. Was die Corvette betrifft, ſo ſchien ihr Curs gerade zwiſchen unſern Maſten zu liegen. Sie tanzte daher, mit Allem ſchön aufgetakelt, das Waſſer von ihren Klüsgaten, wenn ſie ſich von einem Wellenſturze erhob, aufſprützend, und unter ihren Backen wild ſchäumend. Ihre Entfernung von uns betrug weniger als eine(engliſche) Meile. Jetzt machte die Corvette den Schiffen windwärts Sig⸗ nale. Sie wurden beantwortet, aber auf eine Weiſe, welche *) Das Holz, welches den Maſten und Stengen ꝛc. zur Befeſtigung über den Sahlingen dient. Der Ueberſ. darthat, daß die Betheiligten einander nicht verſtanden. Dann verſuchte ſie ihr Glück mit den Schiffen leewärts und, trotz der Entfernung, gelang es ihr beſſer. Ich konnte ſehen, daß dieſe beiden Fregatten, oder vielmehr die vorderſte, der Corvette Fragen und Antworten zugehen lie⸗ ßen, obgleich ſelbſt mein beſtes Glas mich nicht in den Stand ſetzte, ihre Flaggen zu unterſcheiden. Ich glaube, die Corvette fragte nach den Namen der engliſchen Schiffe, während ſie ihren eigenen anzeigte und die Thatſache mittheilte, daß die Schiffe windwärts Feinde ſeien. Wenige Minuten ſpäter näherten ſich unſere Angele⸗ genheiten, ſo weit ſie mit der Kriegsſchlupe in Verbindung ſtanden, der Entſcheidung. Dieſes Schiff kam jetzt, dicht unter unſerer Lee, an uns heran, während es, an uns vorübergehend, ein wenig von ſeiner Fahrt verlor,— eine Bewegung, durch welche es wahrſcheinlich ein wenig mehr Zeit gewinnen wollte, um ſeine Fragen zu ſtellen und die gewünſchten Antworten zu erhalten. Ich bemerkte auch, daß es alle ſeine Boi⸗Linien laufen ließ, welches ſeine Fahrt ziemlich aufzuhalten ſchien, obgleich es immer noch ſchnell genug ging, um gut klar von uns abzukommen. Jetzt fand folgende Zwieſprache ſtatt, bei welcher das engliſche Schiff natürlich die Fragen ſtellte, indem dies ein Vorrecht war, welches den Staatsſchiffen bei Gelegenheiten dieſer Art ausdrücklich eingeräumt worden war. „Was für ein Schiff iſt dies? und wohin beſtimmt?“ von Ha und gen „ franzöſi flog die verklang auf der Minute tromper D ohne f gleich hiſſten M Fregat bald d Kriegs *) Ge ſtanden. leewärts r. Ich mehr die ehen lie⸗ t in den amen der eigte und s Feinde e Angele⸗ erbindung tzt,, dicht „ an uns r,— eine enig mehr n und die erkte auch, lches ſeine mmer noch ommen. velcher das m dies ein legenheiten beſtimmt?“ — 47— „Dämmerung— von Neu⸗York, Miles Wallingford, von Hauſe nach Hamburg.“ „Hat Euch der Logger nicht geentert?“ „Ja, ja, in drei Tagen zum zweiten Male.“ „Wie iſt ſein Name?— wie ſtark iſt er?“ „Le Poliſſon von Breſt— ſechzehn leichte Kanonen und gegen hundert Mann.“ „Wißt Ihr etwas von den Schiffen windwärts?“ „Ganz und gar nichts; ich glaube aber, es ſind franzöſiſche.“ „Sagt, Herr, warum glaubt Ih— ih— rr—“ Die Entfernung hinderte mich mehr zu hören. Dahin flog die Schlupe, ihre Boi⸗Linien ſtätigend, und der Anruf verklang, wie jedes Segel nach der Laune des Offiziers auf dem Deck beſchlagen ward. Nach Verlauf weniger Minuten konnten wir ſelbſt die grellen Töne der Schiffs⸗ trompete*) nicht mehr unterſcheiden. Die Corvette ſetzte ihre Jagd auf den Logger fort, ohne ſich um die vier übrigen Schiffe zu bekümmern, ob⸗ gleich die beiden windwärts jetzt die dreifarbige Flagge auf⸗ hiſſten und ihre Kanonen herausfordernd laut werden ließen. Monſieur Gallois, welcher augenſcheinlich auf die Fregatten ſeines Landes abzuhalten geneigt war, vierte bald darauf; in demſelben Momente wendete auch die Kriegsſchlupe und hielt auf eben dieſe Schiſſe ab, entſchloſ⸗ *) Gewöhnlich„der Rufer“ genannt. Der Ueberſ. zuſchneiden, und müßte ſie ſich in das Bereich der Kanonen der franzöſtſchen Fregatten wagen. Das Unternehmen war kühn und des Gelingens wür⸗ wär' es auch nur um des Muthes und der Verwegen⸗ ſen, den Logger ab dig, heit willen geweſen. Es ſchien mir jedoch, der dreifarbigen Flagge dem Logger nur ſehr Wenn ſtie ihren Curs nur um ein geringes rer Gewalt, den Logger gegen den zu decken; ſtatt dies jedoch in wenig auf die andere den zwei Schiffen leewärts cher ſte nicht von dem als widmeten die Fregatten mit geringe Auf⸗ merkſamkeit. anderten, ſtand es in ih Angriff der Corvette vollkommen zu thun, wichen ſie vielmehr e Seite ab, als wünſchten ſie ſich auf der Seite zu nähern, auf wel Lande abgeſchnitten werden konnten. Da keiner der beiden Theile geneigt ſchien, uns zu beachten, füllten wir unſer Oberſegel und hielten unter leichter Leinwand aus dem Kreiſe ab; denn wir hielten es nicht für klug, uns den Schein zu geben, als ſeien wir ſehr beeilt. Die Eile war jedoch etwas, das nicht in unſrer Macht ſtand, da acht Hände Zeit brauchten, um raſche Fahrt zu machen. Zwiſchen elf und halb zwölf Uhr waren die vier Fre⸗ gatten etwas über eine Stunde von einander entfernt— die Dämmerung ſtand gerade jetzt eine halbe Stunde von den zwei franzöſiſchen Schiffen und ein wenig entfernter von den engliſchen. Hätte jetzt ein Gefecht begonnen, ſo wären wir eine Meile außerhalb der Schußlinie geſtanden. kurze ſehen, ſem E die be chen beläſti gen, n ſelten deſſen zu Hü J Theile, ſo hint die Ok der P. Englä⸗ ſchaft. gleich ſcheinli 88 82 leichter fertige wenig melte in dem farbige 214- in das agen. s wür⸗ rwegen⸗ ten mit ge Auf⸗ geringes gen den es jedoch andere leewärts von dem uns zu en unter bielten es leien wir nicht in ſten, um vier Fre⸗ atfernt— tunde von entfernter onnen, ſo geſtanden. Ich war neugierig auf den Ausgang, hielt noch eine kurze Strecke an und legte mein Oberſegel back, um zu ſehen, wie die Sache ablaufen würde. Ich wurde in die⸗ ſem Entſchluſſe dadurch noch beſtärkt, daß zu erwarten war, die beiden Theile würden nach einem Kampfe zwiſchen glei⸗ chen Kräften weniger geneigt ſein, ein neutrales Schiff zu beläſtigen, und der Sieger dürfte ſich vielleicht geneigt zei⸗ gen, mir Beiſtand zu leiſten; denn man fand zu jener Zeit ſelten einen Kreuzer, der nicht fremdes Volk an Bord hatte, deſſen er ſich gern erledigte, um einem verunglückten Schiffe zu Hülfe zu kommen. In Betreff des Berichtes, welchen ich dem ſiegreichen. Theile, an welchen ich mich zu wenden hatte, geben wollte, ſo hing dies von den Umſtänden ab. Wenn die Franzoſen die Oberhand behielten, konnte ich ihnen den Vorgang mit der Priſen⸗Mannſchaft des Hurtig erzählen; ſiegten die Engländer, ſo hatte ich den mit dem Poliſſon in Bereit⸗ ſchaft. In keinem Falle ſagte ich eine Unwahrheit, ob⸗ gleich manche Nebenumſtände wegbleiben mußten und wahr⸗ ſcheinlich weggeblieben wären. Die Franzoſen begannen, als wir eben beilegten, ihre leichten Segel herabzuhohlen. Dies geſchah auf eine leicht⸗ fertige, unregelmäßige Weiſe, als wenn an ihrem Bord wenig Ordnung und Einklang herrſchte. Marble mur⸗ melte ſeine Bemerkungen ärgerlich vor ſich hin und ſchien in dem ganzen Gehaben ſchlechte Vorzeichen für die drei⸗ farbige Flagge zu gewahren. 214— 216. Es iſt gewiß, daß die franzöſiſche Marine im Jahre 1803 in keinem rühmenswerthen Zuſtande war. Die Eng⸗ länder pflegten zu ſagen, ſie bekämen ſelten ein franzöſi⸗ ſches Schiff ohne große Anſtrengungen; und dies war ohne Zweifel die Wahrheit, denn die Nation iſt tapfer und un⸗ terwirft ſich nicht ohne harten Kampf. Frankreich konnte ſich aber damals kaum eine Seemacht nennen, und die Revolutionen und Umwälzungen, welche es erfahren hatte, waren nicht geeignet, die Schöpfung eines guten Corps von Seeoffizieren zu begünſtigen. Tapfere Männer waren bei weitem zahlreicher vorhanden als geſchickte Seemänner; dazu kam noch die Plauderſucht,— eines der ſchlimmſten Gebrechen, und vor Allem geeignet, ein Schiff den unor⸗ dentlichen zuzugeſellen. Es war ein hübſcher Anblick, dieſe vier Schiffe die Leinwand zum Kampfe abſtreifen zu ſehen, obgleich das franzöſiſche Tuch nicht ganz den Regeln gemäß niederſiel. Die Engländer waren jedoch nicht übereilig; denn die zwei dreifarbigen Schiffe waren unter ihren drei Oberſegeln, Flitterſegeln und Klüvern, bei aufgegeiten Bramſegeln, ehe John Bull auch nur ein Oberbramſegel barg⸗ Man wird ſich erinnern, daß der letztere leewärts war und an ſeiner Gegner Seite heran kam. Indem die Eng⸗ länder dies thaten, machten ſie, in der Hoffnung, in dem Fahrwaſſer der Feinde vieren zu können, einen Strich ſo nahe an mich heran, daß ich ſah, ſie wollten mich braien. Dies war, offen geſagt, mehr, als in meinem Plane lag; und nahm ten, an d Fran; oſtwä und in un 3 ſtatt ten he zu ſei ben 2 mente Dann Segel Schwi aufgel 2 auf K Luvſei „ Seite blickte ihn an Jahre 2 Eng⸗ anzöſi⸗ ar ohne nd un⸗ konnte ind die mhatte, Corps waren nänner; limmſten en unor⸗ chiffe die leich das niederfiel. die zwei verſegeln, amſegeln, . oärts war die Eng⸗ 3, in dem Strich ſo ich braien. nem Plane — 51— lag; es war aber jetzt zu ſpät, die Ferſen zu brauchen, und hätte auch wahrſcheinlich nur zu unſrer Gefangen⸗ nahme geführt. Ich beſchloß daher, in Würde zu erwar⸗ ten, was kommen möge. Als die engliſchen Schiffe eben auf einen Flintenſchuß an die Dämmerung heran gekommen waren, vierten die Franzoſen, welche damals etwa anderthalb Meilen nach oſtwärts und von uns eine halbe Meile ſüdwärts ſtanden, und kamen mit ihren Gallionen weſtwärts herum, alſo in unſerer Richtung. Die Engländer begannen, da dies auf ein Heranrücken, ſtatt auf ein Ausweichen deutete, ſofort Halſen und Schoo⸗ ten herauszuthun, um zum Empfange des Feindes bereit zu ſein. Ihre ſechs Oberbramſegel flogen alle in demſel⸗ ben Augenblicke weg, ebenſo ihre Flieger, im nächſten Mo⸗ mente war die Leinwand aufgerollt und verſchwunden. Dann kamen ſelbſt die Raaen herab und alle die leichten Segel an den Schiffen waren geborgen, wie ein Vogel ſeine Schwingen ſchließt. Dann wurden die großen Segel hübſch aufgehohlt, aber nicht beſchlagen. Mittlerweile war die vorderſte dieſer beiden Fregatten auf Kabellänge von uns und luvte eben genug, um unſerer Luvſeite den nöthigen Raum zum Schwaien zu laſſen. „Bei Georg, Miles,“ ſagte Marble, der an meiner Seite ſtand und auf die Bewegungen der fremden Schiffe blickte,„jene zweite Fregatte iſt der Hurtig! Ich kenne ihn an dem Billet, ſo wie an der Entfernung der Sprent⸗ 4 ½ Ihr habt nie vorher einen ſolchen Dann kann Euch nicht ent⸗ ßig Kanonen führt und weiße Wer hat je etwas der Art pforte von dem Gallion. Raum für Anker geſehen. gehen, daß er ſechs und drei Hängemattenbekleidungen hat. zweimal zur See geſehen?“ Marble hatte recht. Ja, dort kam der Hurtig anher, und ohne allen Zweifel waren in wenigen Minuten ſchon — denn die Entfernung der zwei Fregatten betrug nicht ganz zwei Kabellängen— die Augen des Lord Harry Dermond und ſeiner Offiziere auf uns gerichtet. Indeſſen mußte ich meine Aufmerkſamkeit dem vor⸗ derſten Schiffe zuwenden. „Könnt Ihr mir etwas von den zwei Schiffen ſüdlich von uns ſagen?“ fragte das fremde Schiff durch ſein Sprachrohr ohne weitere Einleitung. „Nichts, als was Ihr ſeht, Herr. Ich glaube, es ſind franzöſiſche Schiffe; und ſehe, daß ſie hinter Euch her kommen.“ „Hinter uns Stimme, die laut und ohne Beihülfe des Sprachro „Hinter uns, wahrlich!— fertig— Steuer an Lee— das große Marsſegel angehohlt, dort!— Angehohlt all—“ Dieſe Befehle, welche ſich in kurzen Pauſen und mit donnernder Stimme hörbar machten, fanden raſchen Ge⸗ horſam. Die Folge war, daß dieſes Schiff gerade auf unſerer Luvſeite und zwar ſo nahe vierte, 2“¹ rief der engliſche Capitain mit einer jetzt auch nahe genug war, um hrs verſtanden zu werden. daß man ein Stück Zwie⸗ back 6 aber verlie zugew 2 vorne angeſg komme ein Bl er käm Leebraf W wir ric Kabellä Schiff! auf den Ich kaum a würde d unſern 2 mitteln an zu vi Der Beweiſe obern Re. liegen, al oder bleib lchen ent⸗ weiße r Art anher, ſchon nicht Harry n vor⸗ ſüdlich ch ſein be, es r Euch nit einer ar, um werden. Lee— all—“ und mit hhen Ge⸗ f unſerer ick Zwie⸗ back auf ſein Deck hätte werfen können. Es wendete ſich aber mit vieler Anmuth und faſt ohne irgend Fahrt zu verlieren. Jetzt ſchoß es wieder ab, dem Feinde ſtracks zugewendet. „Jetzt iſt es Zeit, daß wir füllen, Miles vorne ziehen. Der Hurtig wird glauben, man habe uns angeſprochen und Alles richtig befunden. Er muß hierher kommen und in ſeines Freundes Fahrwaſſer vieren, und ein Blinder könnte nicht umhin, unſern Namen zu leſen; er käme uns viel zu nahe an die Seite. Bemannt die Leebraſſen und richtet das Steuer, Neb.“ Wir füllten ohne allen Zweifel, und was mehr iſt, wir richteten unſer Steuer ſo ſehr auf, daß eine volle Kabellänge zwiſchen uns und dem Hurtig blieb, als dieſes Schiff weit genug nach vorne war, um zu wenden, oder auf dem Punkte, welchen wir eben verlaſſen hatten. Ich glaube, wir wurden erkannt! Es iſt in der That kaum anders anzunehmen; denn das gewöhnlichſte Glas würde das ſtumpfeſte Auge in den Stand geſetzt haben, unſern Namen zu leſen, wenn es an andern Erkennungs⸗ mitteln gefehlt hätte. Aber ein Seemann erkennt ein Schiff an zu vielen Zeichen, um ſich leicht täuſchen zu laſſen. Der Hurtig war in den Wind gedreht, als wir die Beweiſe ſahen, daß wir erkannt worden wayen. Seine obern Raaen wurden nicht geſchwenkt, ſondern er blieh liegen, als zaudere er, oder als wiſſe er nicht, db er gehen oder bleiben ſollte. „ und nach anke und betrachtete ff ſo weit abfiel, lief er weg und Ein Offizier war auf der Laufpl uns mit einem Glaſe, und als das Schi daß wir ihm aus dem Geſichte traten, zeigte ſich alsbald wieder auf dem Hackebord. Dies war der jüngere Lieutenant; ich konnte ihn mit meinem Glaſe ſehr gut erkennen. Bald traten andere zu ihm und unter ihnen war Lord Harry Dermond ſelbſt. Mir war, als wenn ſie mich perſönlich erkannt hätten und als ob alle ihre Gläſer mir gerade in das Geſicht gerichtet wären. Welch ein Augenblick peinlicher Ungewißheit war dies! Die Schiffe waren keine Viertelmeile von einander, obgleich die Dämmerung dieſe Entfernung raſch vergrößerte; wenn der Hurtig tüchtig anzog, konnte er mich im Nu unter ſeiner Batterie haben. Wo war ſeine Priſen⸗Mannſchaft? rung gewiß nicht; denn Sennit wür mit ſeinem Befehlshaber in Verkehr wenn ſie nicht in dem Schiffe war, mußte ſie in dem Meere ſein! Oder waren ſie in dem untern Raume gefan⸗ gen und wurden abſichtlich verſteckt gehalten? Alle dieſe Gedanken nußten den engliſchen Offizieren ſich darſtellen! Ich hielt uns a In der Dämme⸗ de ſonſt jedenfalls getreten ſein; und bermals für verloren, aber die Vor⸗ ſehung rettete uns noch einmal. die beiden fran⸗ Die vorderſte engliſche Fregatte und zöſiſchen Schiffe traten einan Minuten und der Kampf mußte beginnen, der raſch näher. Noch wenige während der Hurt blieb. franz ner z zücku herun Fock⸗ ſegel gedrã anger wäͤrte ſpäter das Schif Geno Offiz Ward Capit verge 0 mögli erkenn unſere 8 chtete abfiel, g und )n mit dere zu . Mir ind als wären. ar dies! nander, rößerte; im Nu Dämme⸗ ledenfalls ein; und in dem me gefan⸗ Offizieren rdie Vor⸗ heiden fran⸗ Roch wenige vährend der — 55— Hurtig weiter und weiter ſpiegelwärts von ſeinem Freunde blieb. In dieſem bedenklichen Augenblicke feuerte eines der franzöſiſchen Schiffe eine Kanone ab und forderte die Geg⸗ ner zum Kampfe heraus. Dieſer Schuß ſchien den Hurtig wie aus einer Ver⸗ zückung aufzuſchrecken. Seine Oberraaen flogen wüthend herum, alle Offiziere verſchwanden von dem Hackebord, Fock⸗ und große Halſen brachen nieder und die drei Bram⸗ ſegel jagten an die Maſtſpitze hinauf. Das lebhafte Schiff flog, auf dieſe Weiſe noch mehr gedrängt, wie ein Pfeil nach vorne und war bald in der ihm angewieſenen Stellung, oder eine halbe Kabellänge ſpiegel⸗ wärts vor dem ſchwarzen Prinzen; denn ſo hieß, wie ich ſpäter erfuhr, das Schiff, welches bei dieſer Gelegenheit das Commando führte. Ich will hier bemerken, daß das Schiff des franzöſiſchen Commodore's La Déſirée und ſein Genoſſe Le Cerf hieß. Monſieur Menneval war der älteſte Offizier der Franzoſen; der der Engländer Sir Hotham Ward. Ich habe den Namen des andern franzöſiſchen Capitains nie gewußt, oder ihn, wenn dies der Fall war, vergeſſen. Indem ich aufhielt, war mein Zweck, ſo weit als möglich von dem Hurtig zu kommen, damit er uns nicht erkennen, beſonders aber, damit er den Namen nicht an unſerem Spiegel leſen möchte. Allein der Raum leewärts, wohin wir aufgelaufen waren, ſchien durchaus nicht der zu ſein, welchen man einzunehmen wünſchen konnte, wenn ein Seegefecht gerade windwärts und auf halbe Kanonenſchußweite vor ſich ging. Sobald daher Mylord Harry Dermond wieder in Bewe⸗ gung war, hohlten wir die Dämmerung mit dem Gallion nach weſtwärts herum, um ſo bald als möglich aus dem wahrſcheinlichen Bereiche des Geſchützes zu kommen. Die Kämpfenden mochten allerdings ihre Bewegungen ändern, ſo daß alle Punkte in dem Umfange des Kreiſes um ſie her nichts weniger als angenehm waren; die Möglichkeits⸗ fälle waren aber dafür, daß das Gefecht mit einem Theile windwärts von dem andern beginnen würde. Unſer Schiff hielt ſich bei dieſer Gelegenheit vortrefflich und trat mit behenden Ferſen aus dem gefährdeten Bereiche. Während wir uns auf dieſe Weiſe zu retten bemüht waren, hatte ich Gelegenheit, mich nach der Corvette und dem Logger umzuſehen. Der letztere ging noch immer voraus, denn es war ihm durch kurze Vieringen gelungen, ſich beträchtlich windwärts von den zwei franzöſiſchen Fregatten zu wenden. Hier hatte er ſeine letzte Wendung nach Oſten gemacht, indem er beabſichtigte, auf die Küſte abzuhalten. Die Kriegsſchlupe war noch in dem Fahrwaſſer der Corvette und folgte ihr in raſchem Zuge auf den Ferſen. T raſch die Da Fregat ein we näher ich füh zu wert Gefühl Neb od eifrig b. betraf, denn ke man erade ging. zewe⸗ llion dem Die ndern, im ſie keits⸗ Theile refflich ereiche. varen, d dem oraus, 1, ſich egatten Oſten hhalten. ſer der eerſen. Drittes Kapitel. Menas. —— Wir beide haben uns gekannt. Enobarbus. Zur See, nicht wahr, Herr? Menas. Ja, ſo iſt es, Herr! Enobarbus. Ihr hieltet tapfer Euch zu Waſſer. Menas. Habt ſo zu Land gethan. Shakſpeare. Der Leſer wird begreifen, daß ich ſeinem Auge ein raſch bewegtes Rundgemälde vorzuführen habe. Sobald die Dämmerung auf anderthalb Meilen von den engliſchen Fregatten ſtand,— eine Entfernung, welche dadurch noch ein wenig erweitert wurde, daß die letzteren ihren Feinden näher rückten, legten wir unſere Oberſegel wieder back; denn ich fühlte eine unbeſtegbare Begierde, ein Zuſchauer deſſen zu werden, was folgen ſollte. Wir Vier theilten dieſes Gefühl in gleichem Grade; denn es war beinahe unmöglich, Neb oder Diogenes zu vermögen, ein Tau anzuziehen, ſo eifrig blickten ſie nach den Fregatten aus. Was das Steuern betraf, ſo konnte, glaube ich, davon gar keine Rede ſein; denn keiner von uns vermochte es, ſein Auge lange genug von den Kämpfenden abzuwenden, um nach dem Curs unſeres Schiffes zu ſehen. Mancher wird es für thöricht halten, daß wir unſere Zeit nicht nach Kräften benutzten, um ſo weit als möglich von dem Hurtig hinweg zu kommen. Dies mag richtig ſein; allein auf zwei Meilen Entfernung war in der That weniger zu beſorgen, als dies auf den erſten Blick ſcheinen dürfte. Es war nicht wahrſcheinlich, daß die Engländer ſich von den franzöſiſchen Schiffen entfernen würden, ſo lange ſie ſich bei ihnen halten konnten, oder ſo lange ſie nicht und ich war in meinem Berufe nicht genommen wurden; ich mir hätte denken ſollen, in dem Grade unerfahren, daß Schiffe der großen Nation, wie wir ſie vor Augen hatten, würden ſich kapern laſſen, ohne ihre Gegner ſo viel als möglich zu beſchädigen. Sodann mußte ſelbſt für die Priſen Sorge getragen werden, wie ſich uns denn jetzt noch mehrere andere Möglichkeiten darboten, mit heiler Haut davon zu kommen, während kaum ein Grund zu Beſorg⸗ niſſen vorhanden war. Alle dieſe Erwägungen jedoch bei Seite geſetzt, waren Neugierde und Intereſſe bei uns in ſo hohem Grade thä⸗ tig, daß es moraliſch faſt unmöglich war, die Stelle zu verlaſſen, ehe das Gefecht ſich entſchieden hatte. Ich kann nicht beſtimmt ſagen, ob ſich die Dämmerung hätte bewe⸗ gen wollen, wären wir auch geneigt geweſen, ſie in Gang zu ſetzen. Aufr wo! raſch bis noſſe von ware auf nem Kab⸗ Flite ning Bra die häuß raae deut ernt Dof Sie gel Curs unſere öglich richtig That heinen der ſich lange e nicht fe nicht ſollen, Augen ſo viel für die tzt noch er Haut Beſorg⸗ t, waren rade thä⸗ Stelle zu Ich kann itte bewe⸗ n, ſie in — 59— Nach dieſen kurzen Erläuterungen wollen wir unſere Aufmerkſamkeit ausſchließlich den Fregatten zuwenden. Als wir die Dämmerung gerade dahin geführt hatten, wo wir ſie zu haben wünſchten, kamen ſich die Kämpfenden raſch näher. Der Hurtig hatte ſo lange Fahrt gemacht, bis er ein wenig windwärts in dem Fahrwaſſer ſeines Ge⸗ noſſen war und etwa eine halbe Kabellänge ſpiegelwärts von ihm ſtand. Die franzöſiſchen Schiffe ſtanden ſich noch näher und waren bald weit genug vorgetreten, um das vorderſte Schiff auf jeder Seite unter das Feuer zu bringen. Nach mei⸗ nem Bedünken ſtellten ſich die feindlichen Schiffe um eine Kabellänge von einander auf. Alle vier waren unter ihren Oberſegeln, Klüver und Flitterſegeln, mit den untern Segeln in den Dempgorde⸗ ningen. Der ſchwarze Prinz und der Hurtig hatten ihre Bramſegel aufgegeiet, während La Déſirée und Le Cerf die ihrigen noch angehohlt und die Raaen auf den Eſels⸗ häuptern hatten. Alle vier Schiffe hatten ihre Oberbram⸗ raaen niedergeſendet. Dies war eine Herrüſtung zum Gefechte, und Alles deutete darauf hin, daß Monſieur Menneval Lorbeeren zu ernten gedachte. Die erſte Kanone wurde bei dieſer Gelegenheit von der Döſirée, dem franzöſiſchen Commando⸗Schiffe abgefeuert. Sie war auf den ſchwarzen Prinzen gerichtet und die Ku⸗ gel fiel ohne Zweifel ein; denn Sir Hotham Ward hielt — 60— ſogleich hinweg, augenſcheinlich, um die Kugeln nicht der Länge nach durch ſein Schiff zu bekommen. Die Franzoſen thaten daſſelbe, um mit ihren Feinden Seite an Seite zu bleiben, und die vier Schiffe zogen in gleichlaufenden Linien, obgleich in verſchiedenen Richtungen, und eine kurze Kabellänge von einander dahin. Die Deſirée ließ eine Kanone nach der andern, ſo wie ſie den Feind ſchußgerecht bekam, abbrennen, bis ihre ganze Batterie ſich hatte hören laſſen. Der ſchwarze Prinz nahm dies ohne Antwort hin, obgleich ich ſehen konnte, daß er, beſonders in der Höhe, nicht wenig litt. Endlich ließ ſich Sir Hotham Ward auch in der Sache vernehmen. Er ließ ſeine ganze Batterie, faſt in demſel⸗ ben Augenblicke, donnern, und es war in der That ein wildes, drohendes Gebrüll. Der Dampf begann nun ſein Schiff zu verhüllen, aber die Déſirée, welche auf uns zu⸗ ging, trat vor ihre Schwefel⸗Atmoſphäre. Der Hurtig eröffnete nun ſein Feuer gegen den fran⸗ zöſiſchen Commodore; und jetzt bemerkte ich aus dem Ge⸗ brülle ſpiegelwärts, daß der Cerf in dem Dampfe thätig war. Alle vier Schiffe killten ihre Oberſegel, um langſam zu gehen, und eine Minute lang ſchien es mir, als wenn ſie ſämmtlich unter der feurigen Wolke, welche ſie erzeugt hatten, anhielten, um ſich gegenſeitig nach Kräften zu beſchädigen. Die franzöſiſchen Schiffe traten aber bald hinter dem Vorhange hervor, und das Schweigen des Geſchützes ver⸗ kündi anfan dern Segel kurz e hing 5 der ſe waſſer Wind Genar eher n A that, lich di daß M T rauhen in wel beſchäf ſtopper Der C welche machte derſelbe Di dem da der nden n in igen, bwie ganze nahm ß er, Sache mſel⸗ tt ein m ſein s zu⸗ fran⸗ 1 Ge⸗ war. igſam wenn rzeugt en zu r dem s ver⸗ 6— kündigte, daß ſich die Schiffe getrennt hatten. Ich konnte anfangs wegen des Dampfes nicht viel von den Englän⸗ dern ſehen; allein ihre Gegner traten, mit zerſchoſſenen Segeln und verſtümmelten Raaen aus dem Gefechte, ſo kurz es auch geweſen war, und die Kreuzſtenge des Cerf hing nach leewärts über. Als ich eben dieſes Unglücks anſichtig ward, kam mir der ſchwarze Prinz dicht beigehohlt, dwars von dem Fahr⸗ waſſer ſeiner Feinde luvend und offenbar drohend, in den Wind zu treten, zu Geſicht. Der Hurtig folgte mit der Genauigkeit eines Uhrwerks und ſeinem Commando⸗Schiffe eher näher tretend, als weiter von ihm abfallend. Alsbald vierte der ſchwarze Prinz; indem er dies aber that, kam ſeine große Bramſtenge nieder und brachte natür⸗ lich die Raa und das Segel mit. Dies war ein Zeichen, daß Monſieur Menneval nicht zur Begrüßung gefeuert hatte. Die franzöſiſchen Schiffe hielten, nach dieſem erſten rauhen Verſuche gegen ihre Feinde, mehrere Minuten an, in welcher Zeit wir ihre Mannſchaft thätig, aber regellos beſchäftigt ſahen, die Wracks wegzuklären, die Takelage zu ſtoppern und in anderer Weiſe Ausbeſſerungen vorzunehmen. Der Cerf war in abſonderlicher Unruhe wegen der Stenge, welche über ſeine Leeſeite baumelte; und ſeine Mannſchaft machte verzweifelte und ziemlich gut geleitete Anſtrengungen, derſelben los zu werden. Dies gelang endlich, und etwa zehn Minuten, nach⸗ dem das Feuer aufgehört hatte, hoben die franzöſiſchen gingen nordwärts todt vor dem ſie ihre Feinde einladen, heranzu⸗ kommen und in dieſer Weiſe das Gefecht auszufechten, wenn ſie geneigt wären, die Sache weiter zu verfolgen. Es war Zeit, daß etwas dieſer Art geſchah; denn die Zögerung hatte die vier Schiffe ſo weit nach weſtwärts gebracht, daß ſie nur noch eine Meile von der Dämmerung ſtanden und ich es für nöthig hielt, aus dem Wege zu gehen. Wir füllten und hielten ſo raſch als möglich weg⸗ Es war aber auch in einem andern Sinne Zeit, daß etwas dieſer Art geſchah. Als Monſieur Menneval abſiel, näherten ſich ſeine Gegner raſch auf ſeiner Luvſeite, und wenn er nicht leewärts fechten wollte, war es für ihn un⸗ erläßlich, ſeinerſeits aus dem Wege zu gehen. Sir Hotham Ward war aber ein zu geſchickter See⸗ um den Vortheil zu verabſäumen, welchen ihm Monſieur Menneval gegeben hatte. Sobald das franzö⸗ ſiſche Schiff weghielt, that er das gleiche; und ſtatt gerade vor dem Winde abzufallen, luvte er, ohne eine Braſſe berührt zu haben, zeitig genug wieder, kreuzte das Fahr⸗ waſſer ſeiner Feinde und ließ eine volle Lage in die Kajüten⸗ fenſter des Cerf brauſen. Zu meinem Erſtaunen blieb die Déſirée in ihrem Curſe, bis der Hurtig die Doſis wiederholt hatte. Die Engländer vierten dann kurzum und ſchienen im Begriffe, daſſelbe Verfahren zu erneuern, als Monſieur Menneval, der an dieſem Spiele kein Vergnügen ſinden mochte, auf⸗ Schiffe ihre Steuer und Winde ab, als wollten mann, hohlt der C gewer gunge C warer Dam warer manch Oberr ſtunde . häufig dieſem 2 ginger jedoch aberm gleiche dem 2 A verflof gewor! aus de Seite; daß w hene E keiner Kreis dem ranzu⸗ wenn un die twärts nerung ege zu h weg. t, daß abſiel, e, und ihn un⸗ er See⸗ en ihm franzö⸗ t gerade Braſſe 1s Fahr⸗ Kajüten⸗ n ihrem tte. Die Begriffe, Nenneval, hte, auf⸗ — 63— hohlte und ſeine Kanonen, ſo gut es ging, ſpielen ließ; der Cerf that, mit ſeinem Gallion auf die andere Seite gewendet, daſſelbe, wodurch aller Einklang in ihren Bewe⸗ gungen aufgehoben wurde. Die Engländer traten näher und in einer Minute waren alle vier Schiffe in eine gemeinſame Wolke weißen Dampfes gehüllt. Alles, was wir jetzt ſehen konnten, waren die Maſten, von den Flaggenknöpfen abwärts, manchmal bis zum Mars herab, oft aber nur bis zu der Oberraa. Der Donner der Kanonen währte eine Viertel⸗ ſtunde lang faſt ununterbrochen; dann wurde er weniger häufig, obgleich wohl hundert ſchwere Geſchütze hinter dieſem Wolkenvorhange noch thätig waren. Mehrere Kugeln flogen in unſerer Richtung und zwei gingen zwiſchen unſeren Maſten durch. So geſpannt blieb jedovch unſere Aufmerkſamkeit, daß wir unſere Oberſegel abermals back legten und anhielten, um zuzuſchauen,— ſo gleichgültig bei der uns drohenden Gefahr, als ſähen wir dem Vorfalle von der Höhe der Küſte herab zu. Minute um Minute verging und eine beträchtliche Zeit verfloß, ohne daß uns eines der kämpfenden Schiffe ſichtbar geworden wäre. Dann und wann drängte ſich ein Rumpf aus dem Dampfe, oder der Wind blies den letzteren zur Seite; nie aber that ſich der Vorhang ſo weit auseinander, daß wir hätten ſagen können, welcher Nation das ſo geſe⸗. hene Schiff angehörte. Die Maſten waren verſchwunden, keiner zeigte ſich mehr über dem Dampfe, welcher ſeinen Kreis indeſſen weit ausgebreitet hatte. * — 64 Auf dieſe Weiſe verging eine Stunde. Es war eine der geſpannteſten und erregteſten meines ganzen Lebens; ſie ſchien mir ein Tag, ſo eifrig war ich, das Ergebniß dieſes Gefechtes zu erfahren. Ich war mehrere Male, wie der Leſer weiß, im Geſechte geweſen; damals aber hatten die Minuten Flügel, während der Kampf jetzt gar kein Ende nehmen zu wollen ſchien. Eine Stunde war alſo, wie ich geſagt habe, vergan⸗ hhe wir eine Ahnung von dem wahrſcheinlichen Aus⸗ gen, eh gang erhielten. Nach Verlauf dieſer Zeit wurde das Feuer eingeſtellt. Es war in der letzten halben Stunde ſchwächer Der und ſchwächer geworden; jetzt aber ſchwieg es ganz. Dampf, welcher auf das Meer gebunden zu ſein ſchien, begann ſich zu heben und zu zerſtreuen, und allmählig erſchloß ſich der Vorhang vor dieſer Kampfesſcene. war unſer Das Schiff, welches wir zuerſt ſahen, e drei Oberſtengen waren und die beiden Seine große ere Take⸗ Er hatte alter Bekannter, der Hurtig. Sein dahin; die des Focks über den Sahlingen, andern nahe an den untern Eſelshäuptern. Raa hatte den einen Arm verloren und ſeine unt lage und die Seiten waren mit Wrack bedeckt. ſein Fockſegel, Beſahnſegel und Vorſtagſegel, ſowie das Flitterſegel beigeſetzt, und dies war faſt alle Leinwand, die er zeigen konnte. Unſere Augen hatten gerade ſo viel Zeit, den Hurtig zu betrachten, als der dunkle Rumpf des Cerf erſchien. Dieſes Schiff war ſehr rauh behandelt worden; nichts ſta ale M bed aus ren Hu zu nor nac wur Die rade gem mög raut beid pen Déf Fock ihr ſchli der lager den unter 21 r eine ebens; gebniß le, wie hatten r kein dergan⸗ n Aus⸗ 3 Feuer zwächer . Der ſchien, Imählig c unſer nwaren e beiden e große re Take⸗ Er hatte wie das linwand, Hurtig erſchien. nichts ) ſtand mehr an ſeinem Bord, zwanzig Fuß von dem Decke, als ſein Fockmaſt, und das Top deſſelben war faſt bis zum Mars herab fort. Das Meer war weit umher mit Wrack bedeckt und nicht weniger als drei ſeiner Boote waren her⸗ aus, um die Mannſchaft aufzufiſchen, welche auf den Spie⸗ ren umher trieben. Er lag etwa eine Kabellänge von dem Hurtig und es ſchien, als wünſchte er noch weiter entfernt zu ſein; denn ſobald er ſeine Boote wieder an Bord ge⸗ nommen hatte, ließ er ſein Fockſegel fallen und hielt todt nach vorne ab. Während wir die Bewegungen des Cerf beobachteten, wurden wir zuerſt wieder der Doſtrée flüchtig gewahr. Dieſes Schiff erſchien faſt in einer Linie mit ſeinem Kame⸗ raden, und ſteuerte, wie dieſer, von dem Winde ab. Ihr gemeinſchaftlicher Zweck ſchien zu ſein, ſich ſo nahe als möglich beiſammen zu halten und mehr und mehr See⸗ raum zwiſchen ſich und ihre Freunde zu bringen. Dieſe beiden Schiffe ließen die dreifarbige Flagge an den Stum⸗ pen ihrer Maſten fliegen. In Betreff der letztern war die Déſtrée ein wenig beſſer daran, als ihr Genoſſe, und ihr Fockmaſt und ihr großer Maſt ſtanden noch unverletzt, aber ihr Beſahnmaſt war, nahe an dem Deck, dahin. Ein ſehr ſchlimmer Umſtand war es für ſie, daß ihre Fockraa in der Mitte weggeſchoſſen worden; die beiden innern Enden lagen auf dem Vorderkaſtell, während die Ragenarme von den Toppenants loſe gehalten wurden. Dieſes Schiff hielt unter ſeinem großen Segel und dem Vorſtagſegel hinweg. 214— 216. 5 — 66 trat zuletzt aus dem Dampfe her⸗ aus. Er hatte, von den Sahlingen herab, Alles an Ort und Stelle. Die drei Bramſtengen waren dahin und die Wracke bereits klar gemacht; aber alle die Oberraaen waren auf den Eſelshäuptern, und Takelage, Spieren und Marſe wimmelten von Menſchen, wie dies denn auch an Bord des Hurtig der Fall war. Dies war das Geheimniß, warun die zwei engliſchen Frega um ihre Spieren zu befeſtigen, wäh⸗ rend die franzöſiſchen, indem ſie todt vor dem Winde ab⸗ liefen, in Stellungen waren, wo keine Batterie erfolgreich anſchlagen konnte; und die Kajüten⸗Jagdkanonen waren zu jener Zeit ſelten von vielem Werth, wegen der Länge von dem Fall des Spiegels. Es kam mir immer vor, als bauten die Spanier in dieſer Hinſicht die beſten Schiffe— die engliſchen, und die amerikaniſchen abſonderlich, ſchei⸗ nen nie die Möglichkeit, die Ferſen brauchen zu müſſen, in Anſchlag bringen zu wollen. Ich erwähne hier jedoch der ſpaniſchen Schiffe durchaus nicht, um anzudeuten, es fehle der ſpaniſchen Nation an Muth,— denn dieſe Anſicht wäre grundfalſch,— ſondern nur um auf ihre Ueberlegen⸗ Schiffsbaukunſt in demſelben heit in einem Punkte der Augenblicke hinzudeuten, wo ſie ein ſchönes Schiff gebaut hatten und nicht wußten, was ſie damit anfangen ſollten. Die erſten zehn Minuten nachdem die vier kämpfenden Schiffe aus dem Dampfe getreten waren, wurden thätig Der ſchwarze Prinz n das Feuer einge⸗ ſtellt worden war; tten hatten ihre Leute verwendet, zu ten nie mi An na ſpi beſ Mo Gr fuh Die tun wol und nich länd viell viel Geſe Revi wurk rakte dank mend Ort die ren arſe dord nge⸗ atten väh⸗ ab⸗ reich daren Länge , als ff— ſchei⸗ en, in ch der fehle Anſicht rlegen⸗ nſelben gebaut ſollten. pfenden thätig — 67— zur Ausbeſſerung der Beſchädigungen verwendet; von Sei⸗ ten der Franzoſen geſchah dies unordentlich und, wie ich nicht zweifle, ſehr leichtfertig; von Seiten der Engländer mit großer Raſchheit und vollkommner Sachkenntniß. Wenn dies jedoch der allgemeine Charakter der Anſtrengungen der bezüglichen Theile war, ſo gab es Aus⸗ nahmen von der Regel. An Borh des Cerf, zum Bei⸗ ſpiel, bemerkte ich eine Abtheilung Matroſen, welche damit beſchäftigt waren, das Schiff von dem Wrack des großen Maſtes klar zu machen, und bei dieſem Geſchäfte mit einem Grade von Kaltblütigkeit, Kraft und Geſchicklichkeit ver⸗ fuhren, der zeigte, welcher herrliche Stoff in dieſem Dienſte vergeudet wurde, weil es an einer guten obern Lei⸗ tung fehlte, und beſonders, wie es mir nie anders ſcheinen wollte, weil die Offitziere die ungemeine Wichtigkeit, Ruhe und Stille an Bord eines überfüllten Schiffes zu erhalten, nicht einſahen. Die angeborne Schweigſamkeit der Eng⸗ länder, und die geſellige Zucht dieſer wohlgeordneten— vielleicht zu geordneten— Nation hat ihnen zu eben ſo vielen Siegen auf’ der See verholfen, als die angeborne Geſchwätzigkeit ihrer Feinde, welche vielleicht während der Revolutionszeit durch politiſche Uebertreibungen geſteigert wurde, zu Niederlagen führte. Es iſt ein Glück für uns, daß der amerikaniſche Cha⸗ rakter ſich, bei ernſten Bedrängniſſen, zu Stille und ge⸗ dankenvoller Ruhe neigt; wir ſind nur in der Politik lär⸗ mend, geſchwätzig und baſenhaft. 5 Da wir bemerkten, daß der Sturm ſich wahrſcheinlich leewärts wenden würde, blieben wir noch eine kleine Weile in unſrer Stellung, um die Schlußſcene mit anzuſehen. Ich war erſtaunt über den ſchwarzen Prinzen, der ſich fern hielt, nachdem der Hurtig angehohlt hatte und in das Fahrwaſſer ſeiner Feinde hinab lief, um erſt auf der einen und dann auf der andern Seite des Cerf anzugieren und aus der Nähe ein augenſcheinlich verderbliches Feuer auf deuſelben zu richten. Endlich hielt auch Sir Hotham Ward auf und ging vor dem Winde ab, wobei er, da er in den Stand geſetzt war, ſeine drei Oberſegel zu führen, drei Fuß entlang lief, bis der Hurtig zwei machte. Monſieur Menneval war, wie es ſchien, über die Art, wie ſein befreundetes Schiff behandelt wurde, nicht erfreut; denn ſtatt zu warten, bis er auf dieſelbe Weiſe angegriffen wurde, richtete er ſeine Ruder an Backbord, kam bei dem Winde auf und gab mit einer vollen Lage, während ſein Schiff luvte, Feuer, wodurch der Grund des Zauderns des ſchwarzen Prinzen bald erklärt wurde. Dieſes Schiff hatte zum Schutze ſeiner Maſten Borg⸗ hölzer angeſetzt und etwas Bedeutendes mußte durch dieſes Feuer aus der Deſirée zerriſſen worden ſein, da ihr großer Maſt unmittelbar nach der Salve niederkam und die Kreuz⸗ ſtenge mit herabriß. Das engliſche S lichen Umſtänden ſehr wacker. chiff benahm ſich jedoch unter ſo bedenk⸗ An ſeinem Fockmaſt zog ich eile ſich das nen und auf ging ſetzt lief, Art, reut; riffen dem ſein s des Borg⸗ dieſes großer Kreuz⸗ bedenk⸗ uſt zog — 68— noch alles, und es hielt ſtätig an und ging dem Feinde gerade entgegen; auch verſuchte es erſt auf zwei hundert Ellen von ihm zu luven, wo es langſam und ſchwer bei den Wind kam, eine Bewegung, velche weſentlich dadurch unterſtützt wurde, daß ſeine Vorſtenge den Spie⸗ ren hinterwärts folgte, als ſein Ruder an Backbord gebracht worden ſein mußte. Als der Cerf ſah, daß das Gefecht wieder„ſtehenden Fußes“ gefochten werden ſollte, kam auch er bei den Wind und nun begannen die vier Schiffe den Kampf wieder mit einem Eifer, als wenn ſie ſo eben erſt aneinander geriethen. Es möchte ſchwer ſein, die Einzelnheiten dieſes zwei⸗ ten Kampfes genau zu ſchildern. Zwei Stunden lagen die vier Schiffe auf Kabellänge von einander und ſetzten den Kampf mit all der Lebhaftigkeit fort, welche die Umſtände erlaubten. Beſonders fiel mir das edle Benehmen des ſchwarzen Prinzen auf, welches Schiff gezwungen war, durch das Wrack ſeiner Maſten zu feuern; trotz dem blieb es bei der Kanonade, ſofern dieſe ſeiner eigentlichen Geg⸗ nerin, der Déſirée galt, im Vortheile. Ich könnte nicht ſagen, daß irgend eines der vier Schiffe ſeine Pflicht nicht gethan hätte, obgleich Sir Hotham Ward, im Ganzen, nach meinem Bedeuten ſich am beſten hielt, wahrſcheinlich, weil er es am meiſten nöthig hatte, ſich tüchtig zu zeigen.. Der ſchwarze Prinz wurde jedoch endlich einem ſo heftigen Feuer blosgeſtellt und von ſo vielem Wrack belem⸗ mert, deſſen er nicht los werden konnte, von ſeiner Geg⸗ nerin ausgeſackt und die Déſirée zog allgemach nach vorne, bis keines der beiden Schiffe mehr einen Schuß mit Erfolg thun konnte. Das engliſche Schiff wendete jetzt zu, um das Wrack wieder wegzuräumen, während das franzöſiſche einen neuen Fockſegel und einen neuen Flitterſegel beſchlug; denn die, welche geſtanden hatten, waren nur noch Fetzen. Der Hurtig und der Cerf waren mittlerweile nicht müßig. Der letztere ſpielte ſeine Rolle mannhaft und die Wahl zwiſchen beiden mochte eben nicht groß ſein, als der Cerf vierte und, ſeinem Gefährten folgend, im Vorbeigehen mit dem ſchwarzen Prinzen einige Schüſſe austauſchte. Wäre jetzt nicht die wirkliche Ueberlegenheit der Eng⸗ länder über die Franzoſen zur See ins Spiel gekommen, ſo würde dieſes Gefecht an dem Ende des vorigen und an dem Anfange des jetzigen Jahrhunderts für ein unentſchie⸗ denes gegolten haben, obgleich es von den gewöhnlichen charakteriſtiſchen Umſtänden ſolcher Kämpfe begleitet war; oder die Letzteren würden die Flucht für eine Art Sieg angeſehen haben. Beide Theile waren aber in die Noth⸗ wendigkeit verſetzt, ihre Beſchädigungen wieder auszubeſſern, und hier konnte ſich die echte ſeemänniſche Geſchicklichkeit bewähren. Jeder kann eine Kanone laden und abfeuern; in gefährdeten Augenblicken aber, und in dringlichen Lagen braucht man den geſchulten Seemann. Der Bauer kann einen Maſt aus dem Schiffe hauen, aber nur der Seemann kann ihn wieder einſetzen. zeg⸗ rne, folg rack euen die, nicht d die s der gehen e. Eng⸗ amen, nd an ttſchie⸗ nlichen war; t Sieg Noth⸗ beſſern, klichkeit feuern; n Lagen er kann geemann — 21— Von dem Beginne dieſes Gefechtes an hatte uns alle an Bord der Dämmerung, die Ordnung, Regelmäßigkeit, Geſchicklichkeit und Raſchheit, mit welcher der ſchwarze Prinz und der Hurtig Segel beſchlugen und einnahmen, die Fertigkeit und Anſtelligkeit, mit welcher ſie alles, was der Beruf forderte, um verwundete Spieren und zerriſſene Segel zu feſtigen, gethan hatten, mit Bewunderung erfüllt; während Marble's Hohn und Tadel über die Ver⸗ wirrung und die Leichtfertigkeit der Franzoſen kein Ende nehmen wollten. Dieſer Unterſchied wurde nun doppelt angenfällig, als weder Dampf noch Kanonade die Auf⸗ merkſamkeit der beiderſeitigen Mannſchaften ablenken konnte. In einer halben Stunde war der ſchwarze Prinz von allem Wrack klar gemacht und hatte mehrere neue Segel angeſchlagen, während die Schwierigkeiten an Bord ſeines Gegners erſt jetzt den höchſten Grad erreicht zu haben ſchienen. Derſelbe Unterſchied zeigte ſich bei den zwei andern Schiffen, obgleich der Cerf im Allgemeinen ſchneller und geſchickter, als ſein Kamerad, mit ſeinen Ausbeſſerungen zu Stande kam. In Betreff des Hurtig muß ich meinem alten Bekann⸗ ten, Lord Harry Dermond, die Gerechtigkeit widerfahren laſſen, zu bemerken, daß er ſich im Kampfe ſelbſt, ſo wie bei den Ausbeſſerungen als tüchtiger Seemann bewies. Ich darf wohl behaupten, daß der ehrenwerthe Lieutenant Powlett bei jenem, wie bei dieſem nicht viel leiſtete. Es wäre viel beſſer geweſen, er hätte dieſen Tag in dem Geſell⸗ ſchaftszimmer ſeiner Mutter hingebracht und einen tüchti⸗ geren Mann ſeine Stelle einnehmen laſſen. Sennit war auf dem Wege nach Barbadoes und ich glaube kaum, daß der Anführer eines Preßtrupps Angeſichts des Feindes zu ſehr brauchbar iſt. Die Kämpfenden brauchten volle zwei Stunden, um ihre Schäden auszubeſſern. Nach Verlauf dieſer Zeit hat⸗ ten ſich die Déſirée und der Cerf mehr als eine Meile öſtlich von den engliſchen Schiffen gezogen; die letzteren folgten ihnen, jedoch unter verminderten Segeln, ſobald ſie ihr Wrack weggeräumt hatten. Der ſchwarze Prinz hatte mittlerweile drei neue Sten⸗ gen hinauf geſchafft und machte jetzt Anſtalt, ſeine Segel beizuſetzen. Der Hurtig war weniger thätig oder geſchickt, obgleich auch er nicht müßig geweſen war. Jetzt zogen die Engländer ihren Feinden entgegen. Monſieur Menneval hielt dieſes Mal zeitig auf, lief ab und eröffnete das Feuer aus beiden Schiffen auf ſeine Gegner, als dieſe etwa eine halbe Meile entfernt ſtanden. Die Wirkung dieſes frühen Angriſſs war bald augenfällig; denn es iſt ein großer Irrthum, das Feuer eines Schiffes wenn der Feind krahnbalksweiſe heranzieht. M'Donough verdankte ſeinen Sieg in der Plattsburgbai dem Umſtande, daß er einen ſolchen günſtigen Fall benützte; und die Franzoſen wurden bei Abukir geſchlagen, weil ſie es nicht thaten; obgleich Nelſon ſie wahrſcheinlich unter zurückzuhalten, allen U cher eit kleinen W das Fer hatten, dem öff erklärt, waren, Beſchäd Holz her Maſten, Deck ra⸗ Sir Lage, al war nich einen Fi die, wel leichte ſo ein S lender S dies oft Meer iſt durch der rollt oft auf dem und Linie unbequem um hat⸗ teile eren ſie bten⸗ begel hickt, n die lief ſeine nden. illig; hiffes zieht. rgbai ützte; eil ſie unter — 73— allen Umſtänden beſiegt hätte; denn die Energie, mit wel⸗ cher ein ſolcher Charakter die Flotte beſeelte, hätte jeden kleinen Vortheil in der Taktik mehr als ausgeglichen. Wir konnten bei der jetzigen Gelegenheit ſehen, wie das Feuer der Franzoſen, ſobald ſie ihre Batterien geoͤffnet hatten, auf die Spieren des ſchwarzen Prinzen wirkte. In dem öffentlichen Berichte wurde ſpäter die Sache dadurch erklärt, daß des Schiffes untere Maſten arg verwundet waren, ehe man die neuen Stengen hinaufſchickte; neue Beſchädigungen kamen nun hinzu und Holz begann auf Holz herabzukommen, bis nur noch drei Stumpen der untern Maſten, deren höchſter weniger als zwanzig Fuß über das Deck ragte, übrig blieben. Sir Hotham Ward war jetzt in einer ſchlimmeren Lage, als er dieſen ganzen Tag geweſen; denn ſein Schiff war nicht im Stande, die Abtrift ausgenommen, auch nur einen Fuß vorzurücken, bis Alles weggehauen war. Für die, welche ſtets am Lande gelebt haben, dürfte es eine leichte Mühe ſcheinen, Taue mit einer Axt abzuhauen und ſo ein Schiff von den Belemmerungen und Gefahren fal⸗ lender Spieren zu befreien; aber der Seemann weiß, daß dies oft ein ſchwieriges und mühſames Geſchäft iſt. Das Meer iſt ſtets unruhig bewegt, und ein Schiff, das nicht durch den Druck ſeiner Segel beruhigt und gefeſtigt iſt, rollt oft in einer Weiſe, welche es nicht leicht macht, ſelbſt auf dem Deck das Gleichgewicht zu behalten; und Fregatten und Linienſchiffe erweiſen ſich unter ſolchen Umſtänden oft unbequemer, als kleinere Fahrzeuge. Bei dieſem Mißgeſchicke kam den Engländern ein glück⸗ liches Begebniß zu ſtatten. Die Franzoſen waren ſo ver⸗ zweifelt erpicht darauf, den ſchwarzen Prinzen zu entmaſten, daß ſie den Hurtig nur wenig im Auge hatten, und ſo kam dieſes Schiff unbeachtet und unangefochten auf eine bedeu⸗ tende Strecke windwärts von ſeinem Genoſſen. Da die Franzoſen mittlerweile fortwährend leewärts gingen, konnte der Hurtig aus dem Bereiche ihrer Kanonen kommen, ehe Sobald dies geſchehen war, verfolgte er, unter ine Feinde trugen, den enken kann, er aufhielt. doppelt ſo vielen Segeln, als ſe Cerf und die Deſirée, erreichte, wie man ſich d alben Stunde den Cerf, lief an eine in weniger als einer h t an Bord ein unge⸗ ſeiner Seiten heran und eröffnete dich ſtümes Feuer auf ihn. Dieſe ganze Zeit lag der ſchwarze Prinz wie ein Klotz auf dem Waſſer und ſuchte ſein Wrack los zu werden, während der Kampf ſich langſam von ihm weg nach lee⸗ wärts zog. Seine Leute arbeiteten wie die Ameiſen, und wir hörten ſie ihr Hurrah anſtimmen, als der Rumpf ihres Schiffes ſich des Labyrinthes der Maſten, Ragen, Segel und Takelage, in welches es ſo lange verwickelt geweſen, entledigt hatte. Sobald dies geſchehen war, ſeiner blinden Raa fallen, an welche es zu angeſchlagen worden, und ſetzte ein Oberſegel an eine leichte Spiere, die gegen den Stump des großen Maſtes getakelt worden war, und welches Holz am höchſten von dem Deck emporſtieg. ließ er ein Segel von dieſem Zweck⸗ D leewärt Kämpfe der Cu nicht ir die Däu im Fal waren der ſeche In nahe a vorbei. und bal dem Ta wann a arme B gegange Wenn eines Kr aufzufiſc Ich Fahrwa vielmehr ihm auf Die des Cerf während ein glück⸗ ſo ver⸗ ntmaſten, d ſo kam ne bedeu⸗ Da die en, konnte men, ehe er, unter igen, den aken kann, ef an eine ein unge⸗ e ein Klotz zu werden, g nach lee⸗ neiſen, und tumpf ihres aen, Segel elt geweſen, Segel von ieſem Zweck⸗ gel an eine oßen Maſtes höchſten von — 275— Da das Gefecht, wie ein Fallwind in den Lüften, ſich leewärts zog, beſchloſſen Marble und ich zu füllen und den Kämpfenden hinnieder zu folgen; denn dies war ziemlich der Curs, welchen wir zu ſteuern wünſchten. Um jedoch nicht in das Bereich der Kugeln zu gerathen, hohlten wir die Dämmerung erſt nach oſtwärts auf und gedachten ſie im Fahrwaſſer des ſchwarzen Prinzen wegzuhalten. Wir waren natürlich nicht ſehr beeilt, denn wir konnten nun in der ſechsfachen Geſchwindigkeit dieſes Schiffes entlang laufen. Indem wir unſern Plan ausführten, kamen wir ganz nahe an dem Wrack der Spieren der engliſchen Fregatte vorbei. Dort rollten ſie auf den erregten Waſſern umher; und bald kam uns die Leiche eines Mannes, welche ſich in dem Tauwerke gefangen hatte und von der See dann und wann auf die Oberfläche geſpült wurde, zu Geſicht. Der arme Burſche war ohne Zweifel mit dem Maſte über Bord gegangen und ertrunken, ehe man ihm Hülfe reichen konnte. Wenn ein Feind die Flucht ergreift, iſt die Mannſchaft eines Kriegsſchiffes eben nicht ſehr bekümmert, ſeine Todten aufzufiſchen. Ich wagte es nicht, die Dämmerung ſtracks in das Fahrwaſſer des engliſchen Schiffes niederlaufen zu laſſen, vielmehr hielten wir„ab und an“ und waren bedacht, ihm auf eine Meile fern zu bleiben. Dieſe ganze Zeit ſpielte der Hurtig gegen die Seite des Cerf. Dieſer war bald zu verſtümmelt, um zu luven, während Monſteur Menneval ſeinen Weg unangefochten nach leewärts fortſetzte, nachdem er mittelſt der Eile einen Vortheil errungen hatte, welche er nicht wieder in die Schanze ſchlagen wollte, indem er abermals unter das Feuer trat. Es fehlte dieſem Offizier gewiß nicht an Muth, aber die Franzoſen waren, bei ihren Begegnungen mit den Engländern zur See, ſo ſehr an Niederlagen gewöhnt, daß ſie, wie manchfache Nationen zu Lande, den Sieg als etwas faſt unerringbares zu betrachten begannen. Der Cerf hielt ſich ſehr edel in dem Kampfe. Trotz der Nachtheile, unter welchen dieſes Schiff arbeitete, hielt es an, bis der ſchwarze Prinz ihm mit großer Geſchicklich⸗ keit eine nahe volle Lage auf ſeiner Backbordſeite beige⸗ bracht und ein Feuer hinein geworfen hatte, dem faſt nicht widerſtanden werden konnte. Der Cerf ſtrich erſt die Flagge, als er ſah, daß er, ſo vieler andern Nachtheile ungedenk, mit einer zwiefachen Uebermacht zu kämpfen hatte. Dies war die Schlußſeene, ſofern es ſich von dem Gefechte handelt. Die Déſirée ſetzte ihren Weg unbelä⸗ ſtigt fort, wurde aber, wie ich nachher erfuhr, am nächſten Morgen von einem heimkehrenden engliſchen Zweidecker aufgegriffen und ſtrich ohne Widerſtand ihre Flagge. Der Leſer wird ohne Zweifel neugierig ſein, zu erfah⸗ ren, wie uns am Bord der Dämmerung während der fünf welche von dem erſten bis zu dem letzten Kanv⸗ eit abgefeuert worden, andelt und Stunden, neuſchuß, der bei dieſer Gelegenh verfloſſen, zu Muthe geweſen; was wir verh wie wir verfahren, ſobald der Sieg entſchieden war. De lung er Man h Bezug in der Gunſter der Am von 181 aber ül erhob u Sophisn in mane mehr, a tiſchen mich üb Theorem Genau jener W ſeit ich Stimme Na die Engl gleicher ſeiner C zugeben, Kämpfen wir nahe le einen in die nter das n Muth, mit den gewöhnt, en Sieg hen. e. Trotz ete, hielt ſchicklich⸗ ite beige⸗ faſt nicht ee Flagge, ungedenk, e. von dem g unbelä⸗ n nächſten Zweidecker gge. zu erfah⸗ d der fünf zten Kano⸗ et worden, andelt und war. — 77— Das Letzte wird er aus dem Verlaufe unſerer Erzäh⸗ lung erfahren; was das Erſte betrifft, ſo iſt es bald geſagt. Man hätte nicht leicht vier Männer finden können, die in Bezug auf die Kämpfenden unparteiiſcher waren, als die in der Dämmerung. Ich war von früher Jugend auf zu Gunſten Englands geſtimmt, wie dies bei den höhern Claſſen der Amerikaner meiner Zeit, wenigſtens bis zu dem Kriege von 1812, ganz allgemein der Fall war. Als ich mich aber über die Scene innerer politiſcher Phraſenmacherei erhob und Beobachtung an die Stelle der Lobhudeleien und Sophismen der Zeitungen trat, änderte ſich meine Anſicht in mancherlei Rückſichten. England war mir dann nicht mehr, als jede andere Nation; ich gehörte jedoch der poli⸗ tiſchen Schule Frankreichs durchaus nicht an, und ſuchte mich überhaupt vor dieſen fremden Schulen politiſcher Theoreme der einen wie der andern Seite frei zu halten. Genau genommen war ich ein geborner Föderaliſt; allein jener Wechſel der Anſichten hat mich abgehalten, jemals, ſeit ich volljährig geworden, einem Föderaliſten meine Stimme zu geben. Marble war, bereits ſeit der Revolution, ſtark gegen die Engländer eingenommen geweſen. Er hatte aber zu gleicher Zeit auch die gemeine Verachtung der Menſchen ſeiner Claſſe gegen die Franzoſen geerbt; und ich muß zugeben, daß er ein wildes Vergnügen darin fand, die Kämpfenden ſich gegenſeitig vernichten zu ſehen. Wären wir nahe genug geweſen, um die perſönlichen Schmerzen 78 und Leiden beobachten zu können, welche ſtets das furcht⸗ bare Geleite eines Seegefechtes ſind, ſo wäre— ich bin davon überzeugt— ſein Herz nicht gleichgültig geblieben; wie aber die Dinge waren, ſah er nur franzöſiſche und engliſche Schiffe einander zerreißen und zerſpleißen. Während der Hitze des Gefechtes bemerkte er mir: „Wenn ich nur dieſen Monſieur Gallvis und ſeinen blutigen Logger in dieſem Wirrſal verwickelt ſähe, würde ich mich herzlich beruhigt fühlen, Miles. Ich wollte jubeln, ſähe ich die Corvette und den Poliſſon einander die Augen auskratzen, wie zwei Fiſchweiber, die ſich auf kein Schimpf⸗ wort mehr beſinnen können.“ Neb und Diogenes mochten den ganzen ziemlich ſo anſehen, wie wohl die Cäſare auf den Kampf⸗ platz ſchauten, wenn der Blutdurſt der Gladiatoren ſeinen höchſten Grad erreicht hatte. Die beiden Neger lachten, riefen:„Schön!“ oder ſchüttelten ihre Köpfe vor Ent⸗ zücken, wenn ein halbes Dutzend Kanonen zugleich donner⸗ ten; das Gebrüll des Geſchützes ſchien ihnen ein Beweis, daß an Bord der Schiffe Splitter und Glieder flogen. Ich belauſchte jedoch ein Geſpräch zwiſchen dieſen zwei Kindern Afrika's, welches ihre Empfſindungen vielleicht am beſten erläutert. „Wer Ihr glauben Schläge bekommen, Neb?“ fragte Diogenes mit einem Grinſen, welches alle die Elfenbein⸗ zähne in ſeinem Munde ſehen ließ. „Ich glauben, ſie beide tüchtig abbekommen,“ antwor⸗ Vorgang tete meit gute Ark „W mal ein „T Ohrfeige „E Neb?“ „3. Prrr!— „W aufeſſen, Hier lautes G ten ihre ein Haut zen nied zücken, Geberden Es iſt ke wilden T den, daf als eine anſieht. finden w Zeugen den wün 3 furcht⸗ ich bin eblieben; ſche und . mir: d ſeinen e, würde te jubeln, die Augen Schimpf⸗ Vorgang n Kampf⸗ ren ſeinen r lachten, vor Ent⸗ ch donner⸗ n Beweis, der flogen. ieſen zwei elleicht am 92“ fragte Elfenbein⸗ „“ antwor⸗ — 79— tete mein Burſche.„Ihr ſehen, wie Hurtig machen ſehr gute Arbeit, he?“ „Wollte, ſie ſich etwas näher treten, Neb!— manch⸗ mal ein Kugel gar nicht treffen.“. „Tas immer ſo ſein im Kampf, Koch.— Tal tas ein Ohrfeigen ſein für John Bull!“ „Er wohl jetzt nicht mehr wollen Leute preſſen— he, Neb?“ „Jetzt ſehen, wie Jonny Crapaud es hinnehmen!— Prrr!— Tas knacken ter Kajüten⸗Fenſter.“ „Was Neb taran liegen?— Tenken nur, ſie einanter aufeſſen,— uns tas nicht ſchaten!“ Hier brachen die beiden ſchwarzen Zuſchauer in ein lautes Gelächter aus, klatſchten in die Hände und ſchwenk⸗ ten ihre Körper hin und her, als wenn die ganze Sache ein Hauptfeſt wäre. Als die Spieren des ſchwarzen Prin⸗ zen niederkamen, war Diogenes ſo außer ſich vor Ent⸗ zücken, daß er zu tanzen begann, und Neb ſah ſeinem Geberdenſpiele mit einer Art gutmüthiger Theilnahme zu. Es iſt kein Zweifel, der Menſch hat ziemlich viel mit dem wilden Thiere gemein und kann leicht dahin gebracht wer⸗ den, daß er jedes noch ſo wilde und blutige Schauſpiel als eine Quelle des Intereſſes und der Unterhaltung anſteht. Wenn ein Verbrecher hingerichtet werden ſoll, ſinden wir immer Tauſende beiderlei Geſchlechts, welche Zeugen von dem Todeskampfe eines Mitmenſchen zu wer⸗ den wünſchen; und obgleich dieſe neugierigen Perſonen, — 80 während dem empörenden Schauſpiele ſelbſt, zuweilen An⸗ wandlungen von Mitgefühl haben, ſo wenden ſie doch nie ihre Augen weg, bis ſie ſie mit all dem geſättigt haben, was des Schrecklichen oder des Empörenden zu ſehen iſt. Ich muß ein Wort in Betreff eines Bekannten, des Monſieur Gallois, hinzuſetzen. Als eben die Maſten des ſchwarzen Prinzen brachen, ſah ich, wie er, weit ab nach windwärts, auf die Küſte abhielt und alles Tuch aufgepackt hatte, was der Logger nur tragen konnte. Die Corvette war ihm noch dicht auf den Ferſen und Marble wendete bald meine Aufmerkſam⸗ keit zu ihm hin, um den Dampf zu beachten, welcher uber 6 6 der Kriegsſchlupe aufſtieg. zeigi⸗ Die Entfernung war zu groß und das Geſchütz von in der zu leichtem Kaliber, als daß wir die Schüſſe hätten hören allerdir können; der Dampf fuhr aber fort aufzuſteigen, bis beide Mannſ Schiffe ſich auf der Südweſtſeite aus dem Geſichte verloren. digkeit Später erfuhr ich, daß der Logger in der That ent⸗ nicht ſi ſchluͤpft ſei. Er war ſehr hart gedrängt und würde geka⸗ Ja pert worden ſein, hätte das engliſche Schiff nicht in ſeinem ten 5 Eifer, an ihn heran zu kommen, ſeine große Bramſtenge. verloren. Nur dieſem Zufalle hatte Monſieur Gallois ſeine begaun Rettung zu danken. Ich hoffe, er und Le Gros fanden gen, un ſich glücklich wieder zuſammen. fel erkar 4 Ferſen! 5 in den 214— veilen An⸗ ie doch nie igt haben, ſehen iſt. inten, des n brachen, die Küſte der Logger ) dicht auf ufmerkſam⸗ elcher uͤber eſchütz von itten hören bis beide te verloren. That ent⸗ bürde geka⸗ in ſeinem Bramſtenge allois ſeine ros fanden Viertes Kapitel. Die See ward ſpiegelglatt und wir entdeckten Zwei Schiffe, welche uns entgegen eilten, Das von Korinth, von Epidaurus jenes; Sie kamen wohl heran; doch— laß mich ſchweigen! Was folgte, kannſt du dir nach dem wohl denken, Was vorherging. Shakſpeare. Es war hohe Zeit, daß die Dämmerung ſich thätig zeigte. Unter allen Schiffen nach leewärts war der Hurtig, — das Schiff, welches wir am meiſten zu fürchten hatten,— in dem beſten Zuſtand, uns zu ſchaden. Wir konnten ihn allerdings in dieſem Augenblicke überſegeln; allein die Mannſchaft eines Kriegsſchiffes konnte die Segelgeſchwin⸗ digkeit der Fregatte leicht der unſrigen gleich ſtellen, wenn nicht ſte überwiegend machen. Ich rief meinen Maat und wir begaben uns nach hin⸗ ten, um uns zu berathen. „Wir dürfen jetzt nicht länger hier bleiben, Moſes,“ begann ich;„die Engländer haben den Sieg davon getra⸗ gen, und da uns die Offiziere des Hurtig ohne allen Zwei⸗ fel erkannt haben, wird er, ſobald er nur kann, auf unſere Ferſen heranſtürmen.“ „Ich glaube faſt, Miles, es wird mit ſeinen Reiſen in den erſten Stunden nicht weit her ſein. Aber dort ſteht 214— 216. 3 6 —— er, und er hat unſere Mannſchaft an Bord, und es würde ganz erwünſcht ſein, wenn wir auf eine oder die andere Weiſe einen Theil derſelben bekommen könnten. Wenn wir ein Boot hätten, ging ich mit einer Friedensflagge nieder, um zu hören, auf welche Bedingungen wir uns verſtän⸗ digten.“ Ich lachte über dieſen Einfall und ſagte Marble, er würde wohl thun, zu bleiben, wo er wäre. „Der Hurtig,“ fuhr ich fort,„mag vier Stunden nöthig haben, um ſich wieder erträglich aufzutakeln, wenn er ja auf die Jagd erpicht iſt. Wenn er ſich aber nicht ſehr eilt, mag er volle vier und zwanzig Stunden dazu ge⸗ brauchen. Vielleicht iſt er geneigt, dem andern franzöſi⸗ ſchen Schiffe nachzujagen, welches augenſcheinlich auf Breſt zueilt. Bei Georg! dort brennt man eine Kanone ab und die Kugel fliegt in unſrer Richtung,— Ihr könnt ſie ſehen, Moſes,— dort hüpft ſie in einer Linie zwiſchen uns und der Fregatte, das Waſſer entlang. Ja, da kömmt ſie!⸗⸗ Alles dies war buchſtäblich wahr. Der Hurtig lag mit den Backen uns zugewendet und hatte die Kugel, von welcher ich ſprach, plötzlich abgefeuert; ſie ſprang von Welle zu Welle, bis ſie genau in einer Linie mit dem Schiffe, etwa hundert Ellen entfernt, in das Waſſer ſchlug. „Halloh!“ rief Marble, der ſein Glas auf die Fre⸗ gatte gerichtet hatte:„dort iſt der Teufel los, Miles— ein Boot rudert auf Leben und Tod uns entgegen— ein anderes iſt hinter ihm drein. Der Schuß galt dem erſten Boote und nicht uns.“ ruder gerad ſtreng dieſen Steue 9 Dies zweite wo ei⸗ Waſſe herrſch Prinz genom jagend ſtamm 3 der S wahrſe 77 müſſen E nung, gern, entgege daß wi ben; d s würde andere enn wir nieder, verſtän⸗ rble, er Stunden wenn er icht ſehr dazu ge⸗ franzöſi⸗ auf Breſt ab und ſie ſehen, uns und mt ſie!“ urtig lag igel, von rang von mit dem ſer ſchlug. die Fre⸗ Miles— en— ein dem erſten — 383— Ich ließ auch mein Glas nieder. Ohne Frage, dort ruderte ein kleines Boot ſtracks auf uns zu, und folglich gerade windwärts von der Fregatte; die Mannſchaft darin ſtrengte alle ihre Kräfte an. Ich ſah ſieben Matroſen in dieſem Boote; ſechs an den Rudern, den ſiebenten an dem Steuer. Augenblicklich leuchtete mir ein, was hier vorgehe. Dies war ein Theil meiner eignen Leute, die, von dem zweiten Maate angeführt, den Augenblick benützt hatten, wo eines der Boote des Hurtig ohne Bemannung in dem Waſſer war, um ſich in der Verwirrung, die an Bord herrſchte, hineinzuwerfen und davon zu halten. Der ſchwarze Prinz hatte, wie wir vorhergeſehen, von der Priſe Beſitz genommen und zwar mit einem einzigen Boote, und der jagende Kutter ſchien mir von dem franzöſiſchen Schiffe zu ſtammen. Ich machte Marble ſogleich mit meiner Anſicht von der Sache bekannt, und der Gedanke leuchtete ihm als wahrſcheinlich und natürlich ein. „Das ſind unſre Burſche, Miles!““ rief er aus.„Wir müſſen füllen und ihnen halbwegs entgegen gehen!“ Es ſtand allerdings in unſrer Gewalt, die Entfer⸗ nung, welche die Flüchtlinge zu laufen hatten, zu verrin⸗ gern, indem wir nieder abhielten und dem vorderſten Boote entgegen eilten. Dies konnte jedoch nicht geſchehen, ohne daß wir uns in das Bereich der engliſchen Kanonen bega⸗ ben; denn die Kugel, welche uns eben entgegen gehüpft 6* war, zeigte, daß wir von dieſem bedenklichen Punkte eben nicht ſehr weit entfernt ſtanden. Ich habe nie eine größere Erregung unter Männern geſehen, als die war, welche ſich jetzt unſer Aller in der Dämmerung bemächtigte. Wir füllten augenblicklich, dies konnte wenigſtens nicht ſchaden, vielleicht aber ſehr nütz⸗ lich werden. Ich glaubte niemals, daß die Engländer nach uns Boote ausſchicken würden; denn bei dem Winde, welcher jetzt blies, wäre es der Dämmerung leicht geweſen, ſolche Boote in der erſten Stunde Meilen weit hinter ſich zu laſſen. Ich überzeugte mich mit jedem Augenblicke mehr, daß meine erſte Vermuthung richtig geweſen. Es war nicht zu verkennen, daß die beiden Bootsmannſchaften alle Kräfte aufboten, und Jäger, ſo wie Gejagte ſchienen um das Leben zu rudern. Die Fregatte konnte aber nicht mehr feuern, da die Boote bereits in einer Linie waren und eine Kugel Beiden in gleicher Weiſe gefährlich werden konnte. Der Leſer wird einſehen, daß große Schiffe ſich ſelten in einen Kampf einlaſſen, ohne daß ſie, wenn das Meer es erlaubt, eines oder mehrere ihrer Boote in das Waſſer laſſen; und daß kaum heiße Gefechte zur See vorfallen, ohne daß die meiſten Boote mehr oder weniger beſchädigt werden. Es kömmt oft vor, daß eine Fregatte nur ein oder zwei Boote aufzuweiſen hat, welche nach einem Kampfe auf dem Waſſer ſchwimmen; gewöhnlich nur das einzige, welches ſie die Vorſicht hatte, vor dem Beginne des Feuers in das Waſſer zu laſſen. werde den F lange zweite nachzr wichti 5 daß r abzuh hielten 4 drei J an ur Theiln Man Schiff troſen ſchaft, in den burg z uU war a⸗ rend I lingen ſie zu A kte eben Nännern r in der ch, dies hr nütz⸗ ngländer Winde, geweſen, nter ſich ehr, daß aar nicht le Kräfte as Leben rfeuern, ie Kugel ich ſelten as Meer s Waſſer vorfallen, beſchädigt nur ein Kampfe 3 einzige, es Feuers Einem Umſtande dieſer Art mußte es zugeſchrieben werden, daß bei der jetzigen Veranlaſſung nur ein Boot den Flüchtigen nachjagte. Die Jagd konnte natürlich nicht lange wanren, und es würde vergeblich geweſen ſein, ein zweites Bvot,— wenn ein ſolches da geweſen wäre,— nachzuſenden, nachdem die erſten zwei bis drei ſo höchſt wichtigen Minuten verloren waren. Die Dämmerung hiſſte ihre Flagge auf, als Zeichen, daß wir unſere Schiffsgenoſſen bemüht ſahen, auf uns abzuhalten, und dann füllten wir unſer großes Marsſegel, hielten weg und ſteuerten gerade auf die Flüchtlinge los. Himmel! wie flog die große Raa herum, obgleich nur drei Mann an den Braſſen waren! Jeder von uns hohlte an und arbeitete wie ein Rieſe. Alles, alles— Gefühl, Theilnahme und Selbſterhaltung— drängte uns dazu. Man konnte, bei den wenigen Männern an Bord, das Schiff kaum für geſichert halten; während uns ſieben Ma⸗ troſen mehr, und zwar Leute von unſrer eignen Mann⸗ ſchaft, welche alle Kräfte aufboten, zu uns zu ſtoßen, uns in den Stand ſetzten, auf dem geraden Wege nach Ham⸗ burg zu ſteuern. Unſer altes Fahrzeug hielt ſich bewundernswerth. Neb war an dem Steuer; der Koch auf dem Vorderkaſtell, wäh⸗ rend Marble und ich Taue wegklärten, um ſie den Flücht⸗ lingen zuzuwerfen, ſobald ſie nahe genug heran wären, um ſie zu faſſen. Wir trieben gegen das Boot hinab, und es war Zeit, daß wir es thaten, denn der jagende Kutter, welcher zehn Ruder führte und voll bemannt war, kam den Ausreißern raſch auf die Ferſen. Wie wir ſpäter erfuhren, hatten unſre Leute, in ihrem Eifer voran zu kommen, den Kamm einer Sturzſee bekommen, und arbeiteten nun unter dem großen Nachtheile, mehr als eine Tonne Waſſers führen zu müſſen, das auf dem Boden des Bootes umſpülte und es ſchwer und unſtätig machte. So groß war das Intereſſe, welches wir an dem Aus⸗ gange dieſes Kampfes nahmen, daß unſere Gefühle wäh⸗ rend des Gefechtes nicht damit verglichen werden konnten. Ich ſah Marble ſeinen Körper bewegen, wie die in einem Boote Sitzenden bei jedem Ruderſchlage wohl zu thun pflegen, indem ſie glauben, dem Fortgange des Bootes ſo nachzuhelfen. Diogenes ließ, wenigſtens ein Dutzend Mal, ſeine Stimme erſchallen, um die Mannſchaft zu ermuthigen, alle Kräfte anzuſtrengen, obgleich ſie noch mehr als eine Meile von uns ſtanden. Das ſtete Heben und Senken der Boote hinderte mich, ſehr genaue Beobachtungen mit meinem Glaſe anzuſtellen; aber ich erkannte das Geſicht meines zweiten Maats, der ſpiegelwärts ſaß und mit der einen Hand ſteuerte und mit der andern das Waſſer ausöhſte. Wir ſchwenkten jetzt unſre Hüte, da wir erkannt wor⸗ den zu ſein hofften; wir erhielten aber kein antwortendes Zeichen, da die Entfernung noch zu groß war. In dieſem Augenblicke war ich wegen der Kanonen des der äu J Zeit ſt dem B Allein waren geneigt als wi E der Ku währen feln, d regelmẽ gerüſtet währen bei ein getrage. welchem Flüchtli Waſſer die Moö⸗ Wi lcher zehn usreißern , hatten n Kamm nter dem s führen pülte und dem Aus⸗ hle wäh⸗ konnten. in einem zu thun vootes ſo nd Mal, uthigen, als eine tte mich, uſtellen; ats, der und mit unt wor⸗ ortendes onen des — 87— ngliſchen Schiffes außer aller Sorge, obgleich wir gerade vor ihnen abhielten. Das Boot— das Boot war unſer Ziel! Dieſem ſteuerten wir ſo ſtracks entgegen, als es die Bewegung des rollenden Waſſers nur immer erlauben wollte. Es blies eine gute hülfreiche Bö; und, was für uns von der äußerſten Wichtigkeit war, ſie blies ſtätig. Ich glaubte, das Schiff liege während dieſer ganzen Zeit ſtill, obgleich die Geſchwindigkeit, mit welcher wir uns dem Boote näherten, uns eines beſſern hätte belehren ſollen. Allein der Eifer und die Beſorgniß um unſere Mannſchaft waren an die Stelle der Vernunft getreten, und wir Alle geneigt, die Dinge eher ſo zu ſehen, wie wir wünſchten, als wie wir ſie wirklich fanden. Es fehlte nicht an Gründen zur Unbehaglichkeit; denn der Kutter ſpiegelwärts ging vier Fuß durch das Waſſer, während das Boot drei zurücklegte. Ich kann nicht zwei⸗ feln, daß der Kutter des ſchwarzen Prinzen, mit ſeiner regelmäßigen Mannſchaft bemannt, in aller Ordnung aus⸗ gerüſtet, zugleich geräumiger und von zehn Ruderern geführt, während das Boot meines Maats nur ſechs hatte, dennoch bei einer gewöhnlichen Wettfahrt den Sieg kaum davon⸗ getragen hätte, beſonders auf dem rauhen Waſſer, auf welchem dieſer Kampf gekämpft wurde. Das Boot der Flüchtlinge war aber faſt um ſeinen zehnten Theil mit Waſſer angefüllt, und dies verringerte in hohem Grade die Möglichkeit zu entkommen. Wir wußten natürlich damals nicht mehr, als wir — 88— ſehen konnten, und mußten bald bemerken, wie raſch die Jäger gegen die Gejagten vortraten. Ich begann wirklich wegen des Ausgangs bange zu werden, und zwar um ſo mehr, als während dieſer Zeit das größere Boot nahe genug war, um mich mittelſt des Glaſes die Läufe mehre⸗ rer Gewehre bemerken zu laſſen, welche aus den Sitzbänken ſpiegelwärts hervorragten. Wenn es ſo nahe herankam, daß die Mannſchaft dieſe Waffen brauchen konnte, war es um unſere Leute geſchehen; denn wir konnten nicht hoffen, daß ſie irgend bewaffnet wären. Das Ende rückte heran. Die Dämmerung hatte gute Fahrt gemacht; denn Marble und Diogenes hatten die großen Bramſchoten herabgedreggt und das Segel aufge⸗ zogen. Das Waſſer ſchäumte unter unſerm Bug und das Boot war bald ſo nahe, daß es unerläßlich wurde, die Segel beim Winde zu hohlen. Dies thaten wir mit des Schiffes Gallion nach weſtwärts, ohne eine Braſſe anzurühren, obgleich wir genug luvten, um den Wind aus allen Breſocken zu jagen. Das letztere geſchah, um des Schiffes Fahrt zu tödten, damit die Flüchtlinge herankom⸗ men könnten. Der Kampf wurde jeden Augenblick ſchrecklicher! Unſere Leute waren jetzt ſo nahe, daß wir ſie ohne die Beihülfe des Glaſes erkennen konnten; mit demſelben konnte ich auf dem Geſichte meines zweiten Maats die Glut der Angſt und des Eifers leſen, welche ihn erfüllen mußte. Jeden Augenblick traten die Verfolger näher, bis ihre Entfernung ſofort Schu nicht Gebre Boͤrd ein ſe 5 gewaꝛ warf eine 9 obglei eher unſern Seite E Er h zumal aſch die wirklich um ſo bot nahe mehre⸗ tzbänken rankam, war es hoffen, itte gute tten die l aufge⸗ und das rde, die vir mit Braſſe zind aus um des erankom⸗ unſere Beihülfe eich auf er Angſt Jeden tfernung — 39— den Verfolgten bei weitem geringer war, als die zwi⸗ ſchen den Letzteren und der Dämmerung. Zum erſten Male ließ mich die ſchwere Bewegung des fliegenden Bootes und das Waſſer, welches der zweite Maat mit ſeinem Hute unaufhörlich aus derſelben öhſte, die wahre Lage der Dinge ahnen. Marble brachte die Gewehre herauf, welche die Mann⸗ ſchaft des Kapers an Bord gelaſſen hatten, und begann friſches Pulver auf die Pfannen zu ſchütten. Er wollte ſofort auf das jagende Boot feuern,— war es doch auf Schußweite herangekommen,— ich wußte aber, daß dies nicht geſetzlich ſei. Ich verſprach, daß von den Waffen Gebrauch gemacht werden ſollte, wenn die Engländer an Boͤrd zu kommen verſuchen würden; früher aber konnte ich ein ſolches Verfahren nicht gut heißen. Näher und näher kamen die Boote und das jagende gewann dem gejagten immer mehr Raum ab; und jetzt warf der ſchwarze Prinz und der Hurtig zu gleicher Zeit eine Kugel über uns weg. Wir waren etwa eine Meile von den drei Fregatten, obgleich dieſe Entfernung durch ihre Abtrift nach leewärts eher vermehrt als vermindert wurde, während wir mit unſern Raaen ein wenig aufgehohlt und mit den ſtehenden Seiten der Segel ein wenig auf, leicht luvten. Neb ſteuerte das Schiff, als wär' es ein Lootſen⸗Boot. Er hatte ein Auge auf die Boote und auf die Segel zumal; er wußte Alles, was fehlte und was gethan werden mußte. Ich ſah ihn nie mit einer ſo zarten Hand an das Steuerrad greifen und nie that er ſeinen Dienſt beſſer. Die Fahrt der Dämmerung war ſo ſehr getödtet, daß die Flüchtlinge jede Gelegenheit hatten, heran zu kommen, während das Schiff doch ſtätig in Fronte ihres Curſes niederkam, um ihnen entgegen zu gehen. In dieſem Augenblicke feuerte ein Offizier in des ſchwarzen Prinzen Kutter in das Boot des Hurtig, und einer unſrer Leute ließ plötzlich das Ruder fallen. Ich glaubte, der Arm des armen Burſchen müſſe zerſchmettert ſein; denn ich ſah, wie er mit einer Hand an den ver⸗ wundeten Theil fuhr, als fühle er heftige Schmerzen. Er wechſelte den Augenblick Plätze mit dem zweiten Maat, der ſein Ruder ergriff und es mit großer Kraft brauchte. Drei andere Flintenſchüſſe folgten, ohne jedoch, wie es ſchien, zu treffen. Aber das vordere Boot verlor durch dieſen Aufenthalt an Geſchwindigkeit, während ſeine Jäger ſtätig anhielten. Unſere Leute waren auf hundert und fünfzig Ellen von uns, die Engländer weniger als zwanzig hinter ihnen. Warum die Jäger jetzt nicht auf's neue Feuer gaben, weiß ich in der That nicht zu ſagen; der Grund war aber ohne Zweifel, weil ihre Gewehre alle losgeſchoſſen waren, und die Jagd jetzt zu ſcharf war, als daß man zum Laden Zeit gehabt hätte. Der Offizier wollte auch vielleicht nicht unnöthigerweiſe morden, da das Glück ſich jetzt auf ſeine Seite neigte. . J Schiff verliere hieß ir Freude ten der „Werf M wurde Neb, d und da den gr D Schote. breiten J J. recht ſt Kutter ſtand: heranz die ga⸗ D gunger J Duft d an das ſer. et, daß ommen, Curſes in des g, und n. Ich zmettert en ver⸗ n. Er Maat, uchte. wie es durch Jäger Ellen ihnen. gaben, ar aber waren, i Laden ht nicht uf ſeine — 91— Ich rief Marble zu, das Tau bereit zu halten. Das Schiff zog langſam nach vorne und es war keine Zeit zu verlieren. Dann braiete ich meinen zweiten Maat und hieß ihn guten Muthes ſein. Er antwortete mit einem Freudenrufe. Die Engländer hurrahten und wir erwieder⸗ ten den Ruf von dem Schiff aus. „Haltet im Boot nach dem Tau bei!“ rief ich. „Werft aus, Moſes, werft aus!“ Marble warf das Tau von den Beſahnketten aus, es wurde gefaßt, und eine Bewegung meiner Hand bedeutete Neb, das Schiff wegzuhalten, bis Alles zog. Dies geſchah, und das Raſſeln der Geitaublöcke zeigte an, daß Diogenes den großen Hals mit der Kraft eines Rieſen niederhohlte. Das Segel öffnete ſich und Moſes und ich hohlten die Schoten ein, bis das Schiff den mächtigen Druck dieſes breiten Stückes Leinwand fühlte. Jetzt ſchallte ein Freudenruf von dem Boote herauf. Ich ſprang auf das Hackebord und ſah die Leute auf⸗ recht ſtehend, ihre Hüte ſchwenkend und auf den jagenden Kutter hinblicken, der jetzt nur auf hundert Fuß von ihnen ſtand und vergebliche Anſtrengungen machte, an ein Boot heranzukommen, das nun beinahe unterſeits dreggte und die ganze Kraft unſers Taues fühlte. Der Offizier rief ſeine Mannſchaft an, ihre Anſtren⸗ gungen zu erneuern, und begann ein Gewehr zu laden. In dieſem Augenblicke gleitete die Taulinie von der Duft des Bootes und wir ſchoſſen, wie es mir ſchien, hun⸗ Amerikanern blieb nicht Zeit genug, ſich wieder an ihre Ruder zu ſetzen, ehe das andere Boot enterte. Alles, was gewonnen worden, war verloren, und nachdem die Hoffnung ſo nahe, ſo zuverläſſig geweſen, den beſten Theil meiner Mannſchaft wieder an Bord zu bekommen, war ich aber⸗ mals mit meinen drei Gefährten allein auf dem Meere gelaſſen, um die Dämmerung zu gewältigen. Der engliſche Lieutenant verſtand ſein Geſchäft zu gut, um das Schiff zu verlaſſen, ſo lange die Möglichkeit vor⸗ handen war, ſich ſeiner zu bemächtigen. Der Wind beru⸗ higte ſich ein wenig und er dachte, die Hoffnung, Sieger zu werden, ſei wohl einer Anſtrengung werth. Er nahm blos alle Ruder aus dem Boote des Hurtig und folgte dann raſch in unſerm Fahrwaſſer. Im Anfange gewann er Raum, und dies war mir lieb; denn ich wünſchte ihn zu ſprechen. Die großen Schoten, ſo wie die Fockſchoten wurden langſam gewendet und Neb erhielt Befehl, die Marsſegel zu heben. So begünſtigt, trat der Kutter uns bald bis auf fünfzig Ellen nahe. Er bot alle Kräfte auf, um heran zu ziehen. Der Offizier richtete ein Gewehr auf mich und befahl beizuwenden. Ich ſprang von dem Hackebord, deckte meinen Körper bis zu den Schultern, richtete eine der franzöſiſchen Musketen auf ihn und mahnte ihn, fern zu bleiben. „Was habt Ihr mit der Priſen⸗Mannſchaft angefan⸗ dert Fuß auf dem Stampf der nächſten Welle weg. Den 8 gen, v rief de wort. Schiff räubern 2 konnte Ihr 6. wünſc gepum 31 meiner Tone beſtand war d ich er feuern ich gle komme erreich gekape T mit ei Waſſer T 82 g. Den an ihre es, was voffnung lmeiner ch aber⸗ n Meere zu gut, keit vor⸗ nd beru⸗ Sieger Er nahm d folgte var mir wurden tarsſegel dald bis m heran nich und d, deckte eine der fern zu ungefan⸗ — 93— zen, welche der Hurtig dieſer Tage an Euer Bord ſendete?“ rief der Lieutenant. „Wir haben ſie abtreiben laſſen,“ lautete die Ant⸗ wort.„Wir hatten Priſen⸗Mannſchaft genug in dieſem Schiffe und brauchten keine mehr.“ „Wendet bei, Herr, ſonſt werdet Ihr auch als See⸗ räuber behandelt.“ „Ja, ja,“ ſchrie Marble, der nicht länger ſchweigen konnte,„erſt fangt den Seeräuber. Gebt Feuer, wenn Ihr Eures Kreuzens müde ſeid. Ich wollte, dieſe ver⸗ wünſchten Franzoſen hätten Euch all Euern Grog aus⸗ gepumpt.“ Dies war weder würdevoll noch klug, und ich befahl meinem Maate zu ſchweigen. Ich fragte in gutmüthigem Tone nach den Namen der Schiffe, welche den Kampf“ beſtanden hatten und nach dem Verluſte derſelben; dies war aber für die Laune unſers Verfolgers zu kühl und ich erhielt keine Antwort. Er wagte es jedoch nicht zu feuern, da er ſah, daß wir bewaffnet waren und ſich, wie ich glaubte, überzeugte, daß er nicht leicht an unſer Bord kommen würde, ſelbſt wenn er die Seite des Schiffes erreichte. So gab er die Jagd auf und kehrte zu dem gekaperten Boote zurück. Wir füllten wieder, ſetzten alles in Stand und gingen mit einer Geſchwindigkeit von ſieben Knoten durch das Waſſer. Die Fregatten feuerten, nach den erſten Schüſſen, deren ich gedacht habe, nicht mehr auf uns. Warum, kann 4 ich nicht beſtimmt ſagen; ich dachte aber zu jener Zeit, ſie Schiff ſeien mit zu vielen andern Dingen beſchäftigt geweſen, um der ur an uns zu denken; auch mochten ſie einſehen, daß ſie uns ihnen ſchwerlich überhohlen würden, wenn ſie uns auch zufällig Batte eine oder zwei Spieren verſtümmeln ſollten. E Groß war die Muthloſigkeit an Bord der Dämme⸗ V Zuge rung, als wir dieſen begebnißreichen Tag in dieſer Weiſe ich ha ſchließen ſahen. Marble fluchte unverholen; denn alle übern meine Vorſtellungen waren nicht im Stande, ihn von die⸗ früher ſer Gewohnheit abzubringen, am wenigſten, wenn er ein Pflich wenig aufgeregt war. Diogenes grinſte herausfordernd hielt und ballte ſeine Fäuſte gegen das Boot, während Neb in kam, einem Athem lachte und halb weinte— ein ſicheres Zei⸗ allen chen, daß die Gefühle des Burſchen in hohem Grade erregt des S waren. wenig Ich ſelbſt fühlte natürlich ſo tief, wie irgend einer bei ſe 8 meiner Leute, aber ich blieb mehr Herr meiner ſelbſt. Ich. ſah, daß es jetzt unerläßlich war, dieſe Gegend zu ver⸗ und r laſſen und zur Erhaltung meines Schiffes und Eigenthums könne 5 beſtimmte Schritte zu thun. ein C Von den Fregatten war jedoch wenig zu beſorgen, die C wenn nicht Windſtille eintrat. In dieſem Falle konnten führen ſie uns mit ihren Booten entern, und eine oder zwei Stun⸗ 3 den Arbeit mußten ausreichen, ſie dazu in den nöthigen letzte. Stand zu ſetzen. Ich hatte jedoch die Abſicht nicht, in der L 4 ihrer Nähe zu bleiben, ſondern wollte von dem gegenwär⸗ gen tigen Winde den möglichſten Nutzen ziehen. m, kann Zeit, ſie ſen, um ſie uns zufällig Dämme⸗ er Weiſe un alle von die⸗ n er ein fordernd Neb in res Zei⸗ de erregt id einer ſt. Ich zu ver⸗ enthums eſorgen, konnten i Stun⸗ nöthigen icht, in genwär⸗ — 95— Die Segel wurden demzufolge eingerichtet und das Schiff nach nordweſtwärts und in einem Curſe geſteuert, der uns über die drei Kriegsſchiffe hinaus führte und von ihnen weit genug abhielt, und uns jeder Gefahr, von ihren Batterien beſtrichen zu werden, überhob. Sobald dies geſchehen und die Dämmerung in gutem Zuge war, winkte ich Marble an das Steuer heran; denn ich hatte ſeit einigen Stunden den Steuermannsdienſt ſelbſt übernommen, oder, ich that das, was ich, nach meinen frühern Erfahrungen auf dem Hudſon, nicht nur für eine Pflicht, ſondern für ein Vergnügen für jeden Rheder hielt— ich ſteuerte. Ehe ich durch Uebung zur Einſicht kam, wußte ich freilich nicht, daß der Seemann unter allen Arbeiten und Beſchäftigungen, welche er an Bord des Schiffes ſich widmen muß, den Stand am Rade am wenigſten liebt, man müßte denn das Amt, den Klüver bei ſchwerem Wetter zu beſchlagen, vielleicht ausnehmen. „Nun, Moſes,“ begann ich,„dieſe Sache iſt vorüber und wir haben das atlantiſche Meer wieder vor uns; wir können jetzt unter allen europäiſchen Häfen wählen, und ein Capitain, ein Maat, der Koch und ein Matrvoſe haben die Erlaubniß, das Schiff, wohin es ihnen beliebt, zu führen.“ „Ja, ja! es war ein ſchlechtes Stück Arbeit, dieſes letzte. Ich war, bis der Lieutenant ſein Gewehr abfeuerte, der Burſche ſo gewiß, als ich es war, bei einem günſti⸗ gen Winde das Land anzuthun. Ich kann Euch nicht — 96— ſagen, welche Troſtloſigkeit mich erfaßte, als ich ſie zurück⸗ weichen ſah. Ich kann das Gefühl nur mit jenem ver⸗ gleichen, welches mich überkam, als ich entdeckte, daß ich nichts ſei als ein blutiger Einſiedler, nachdem ich lange darüber verallgemeinert hatte, daß ich, ſozuſagen ganz allein, der Statthalter, der Lord Ober⸗Admiral einer Inſel ſei.“ „Es iſt nicht zu ändern, und wir müſſen die Dinge nehmen, wie wir ſie finden. Die Frage iſt jetzt, was mit dem Schiffe geſchehen ſoll? Wagen wir uns in den Canal, ſo werden uns jene Schiffe mit der Kunde verfolgen, dort ſei ein Yankee, an deſſen Bord man eine Priſen⸗Mann⸗ ſchaft geſchickt, ohne dieſe Mannſchaft abtriftig; und es ſind fünfzig Kreuzer jeden Augenblick bereit, uns aufzufan⸗ gen. Die Nachricht wird ſich in wenigen Tagen in dem ganzen Canale verbreitet haben, und unſere Ausſichten, durch die Enge von Dover zu kommen, ſind ſo unbedeu⸗ tend, daß ſie nicht erwähnenswerth ſcheinen; ja, dieſe Bur⸗ ſche werden ihre Schäden ſchnell ausgebeſſert haben, und dann ſelbſt aufbrechen, um uns einzuholen. Der Hurtig iſt nur theilweiſe verſtümmelt.“ „Ich ſeh' es, ich ſeh' es. Ihr habt ein merkwürdiges Geſchick, Miles, mit zwei Worten eine Menge Dinge zu ſagen. Ich ſeh' es und theile Eure Anſicht. Aber da kommt mir eine Idee in den Kopf, die ich Euch mitthei⸗ len muß; und wenn Ihr ſie gehört und überdacht habt, könnt Ihr thun, was Euch beliebt. Statt öſtlich von Scilly zu gehen, könnten wir nicht nach weſtwärts halten und Nach ſobal ander iſt. und ſtimm in ge inmit zurück bin b Es w irgend gegen Schwi das n ſich v⸗ und gr der Ol ten der „ könnten ſie ſich Ruft n Karte 214- zurück⸗ em ver⸗ daß ich h lange zZallein, ſel ſei.“ Dinge oas mit Canal, n, dort Mann⸗ und es ifzufan⸗ in dem ſſichten, nbedeu⸗ ſe Bur⸗ n, und Hurtig ürdiges inge zu ber da nitthei⸗ habt, ch von halten und unſern Curs in den iriſchen Canal einſchlagen? Die Nachricht, von welcher Ihr redet, wird uns dorthin nicht ſobald folgen und wir treffen vielleicht eines oder das andere amerikaniſche Schiff, das nach Liverpool beſtimmt iſt. Im allerſchlimmſten Falle könnten wir zwiſchen Irland und Schottland durchgehen und in den Hafen unſerer Be⸗ ſtimmung einlaufen. Ich weiß wohl, daß es ein langer, in gewiſſen Jahreszeiten auch ein beſchwerlicher Weg iſt; inmitten des Sommers aber läßt er ſich ganz behaglich zurücklegen.“ „Euer Einfall gefällt mir ganz gut, Marble, und ich bin bereit, ihn auszuführen, ſo weit wir dies vermögen. Es würde in der That auffallend ſein, wenn uns nicht irgend ein Küſtenfahrer oder Fiſcher aufſtoßen und uns gegen doppelte Löhnung einen oder zwei Mann ablaſſen ſollte.“ „Nun, was dieſen Punkt betrifft, Miles, ſo liegt die Schwierigkeit in dem Kriege und in dem ſtarken Preſſen, das nun überall betrieben wird. Die Engländer werden ſich vorſehen, die gegenüber liegende Küſte zu beſuchen, und gute Matroſen ſind in der jetzigen Zeit ſchwerlich auf der Oberfläche des Waſſers ſchwimmend zu finden, ſie müß⸗ ten denn eine Flagge unter ſich haben.“ „Ein Burſche, oder zwei, die an das Steuer treten könnten, wären für uns jetzt von großem Vortheile, wenn⸗ ſie ſich auch nicht für die Arbeiten in der Höhe eigneten. Nuft mir daher Neb an das Nad und ich will nach der Karte ſehen, damit ich unſern Curs beſtimmen kann. 214— 216. — 98— Wie geſagt, ſo gethan. Nach einer halben Stunde ſteuerte die Dämmerung der Weſtküſte von England ent⸗ gegen und Alles an ihren Maſten zog, was man vorſich⸗ tigerweiſe nur ziehen laſſen konnte. Zwei Stunden, nachdem wir uns von der Stelle, wo die Fregatten gelegen, zu entfernen begonnen hatten, ſanken ſie in die Wellen und wir verloren ſie ganz aus dem Geſichte. Das Wetter blieb gut, der Wind ſtätig und friſch, und die Dämmerung that ihre Pflicht auf eine bewunderns⸗ werthe Weiſe. Wir fingen an, uns an unſre Lage zu gewöhnen, und fanden ſie weniger ſchwierig, als wir anfangs gedacht hatten. Die Richtung des Windes war ſo günſtig, daß wir von neuem Muth und Hoffnung faßten, obgleich wir unſre Entfernung verdreifachten, indem wir die britiſchen Inſeln zu umſchiffen hatten, ſtatt ſtracks den Kanal hinauf zu laufen. Wir brauchten jedoch nicht mehr als vier und zwan⸗ zig Stunden, um nördlich bis Land's End zu kommen, und von dort aus wollte ich mich von den Umſtänden leiten laſſen. Sprang der Wind um, ſo hatten wir ſtets noch den geradeſten Weg vor uns, und ich gab mich dem Ge⸗ danken hin, ob es wohl nicht das rathſamſte wäre, eine verwegene Miene anzunehmen, dicht an der engliſchen Küſte hinzulaufen und mir den Anſchein zu geben, als ſei ich nach London beſtimmt. Die Gefahr war dann freilich zur Hand, daß der Hurtig unſere Geſchichte verbreitete, in wel⸗ chem würde in de vierzi ſeinen ( Tage günſtt nichts zwei boote Dies Norde bar, jedoch uns a 2 der C ſobald verger und ie daß f Küſte nach merku ſagte, einzuls Stunde d ent⸗ orſich⸗ le, wo ſanken s dem friſch, nderns⸗ age zu ls wir aß wir r unſre iſeln zu laufen. zwan⸗ ommen, n leiten ts noch em Ge⸗ ee, eine n Küſte ſei ich llich zur in wel⸗ chem Falle man einen ſcharfen Ausguck nach uns halten würde, während es aber auch eben ſo möglich war, daß er in der erſten Woche nichts erzählte. War ich acht und vierzig Stunden nach vorne von ihm, ſo hatte ich von ſeinen Berichten nicht viel zu fürchten. Es iſt nicht nöthig, bei den Begebniſſen der nächſten Tage zu verweilen. Das Wetter blieb gut, der Wind günſtig, und wir machten ſonach gute Fahrt. Wir ſahen nichts, bis wir von dem Leuchtthurme von Seilly noch zwei Stunden entfernt waren, wo wir von einem Lootſen⸗ boote, das von dieſen Inſeln kam, angegangen wurden. Dies begab ſich bei Sonnenaufgang, während ein leichter Nordoſtwind wehte; nach windwärts war ein Schiff ſicht⸗ bar, welches einer Kriegsbrigg ähnlich ſah, deſſen Maſten jedoch erſt aus dem Meere auftauchten und das nicht auf uns abhielt. Ich bemerkte, daß unſere beſchränkte Mannſchaft und der Curs, welchen wir ſteuerten, dieſen Lootſen aufftel, ſobald ſie Zeit hatten, ſich von dem erſteren Umſtande zu vergewiſſern. Es war zu jener Zeit nicht gewöhnlich,— und ich glaube, dies iſt auch jetzt noch nicht der Fall,— daß ſchwer beladene amerikaniſche Schiffe der engliſchen Küſte ſo nahe traten, wenn ſie von Südoſten kommen und nach Nordweſten ſteuern. Der erſte Lootſe ließ eine Be⸗ merkung in dieſer Beziehung laut werden, ſobald ich ihm ſagte, ich wünſchte nicht in einem der benachbarten Häfen einzulaufen. — 100— „Die Mannſchaft fehlt mir, nnd ich wünſchte, drei oder vier gute Matroſen zu bekommen,“ ſagte ich,„welche gute Löhnung erhalten und auf meine Koſten an den Ort zurückgeſchickt werden ſollen, woher ſie kamen.“ „Ja, ich ſehe, daß Ihr für ein ſo ſtarkes Schiff arm an Mannſchaft ſeid, Maſter,“ antwortete der Lootſe.„Darf ich fragen, was ſich begeben hat, um Euch ſo weit herab zu bringen?“ „Nun, Ihr wißt, wie es Eure Kreuzer in Kriegs⸗ zeiten zu halten pflegen; eine engliſche Fregatte nahm mir alle meine Leute weg, die Drei ausgenommen, welche Ihr ſeht.“ Obgleich dies in einem gewiſſen Sinne wahr war, bemerkte ich doch deutlich genug, daß man mir nicht glaubte. „»Die Offiziere Seiner Majeſtät ſcheeren nicht oft ſo nahe an der Haut,“ verſetzte der Lootſe mit einer ziemlich höhniſchen Miene, welche mir nicht gefiel.„Sie ſenden gewöhnlich Leute in die Schiffe, wenn ſie es für nöthig halten, denſelben ihr Volk zu nehmen.“ „Ja, ich glaube, die Geſetze fordern dies bei engliſchen Schiffen; mit amerikaniſchen nimmt man es aber nicht ſo genau; jedenfalls ſeht Ihr hier unſere ganze Bemannung, und ich würde mich ſehr freuen, wenn Ihr mir einen oder zwei Burſche aus Euerm Kutter abtreten wolltet.“ „Wohin ſeid Ihr beſtimmt, Maſter? Ehe wir uns in die Schiffsliſte eintragen laſſen, wollen wir wiſſen, in welchen Hafen wir gehen?“ „Nach Hamburg.“ Haml den i aber, Kana lich zu ſinden Leuten keines T und ic dringe und w ten, d weggel 4 Dämm der Ho Tag l. ſegelnd fahrthe Ei Jagd, aus de Segel „ drei welche in Ort ff arm „Darf herab Kriegs⸗ m mir rſeht.“ r war, laubte. oft ſo iemlich ſenden nöthig gZliſchen nicht ſo nnung, en oder ir uns en, in „Nach Hamburg? Ei, Maſter, Ihr ſteuert nicht auf Hamburg zu; dieſer Hafen liegt den engliſchen, nicht den iriſchen Kanal aufwärts.“ „Ich weiß dies Alles ſehr wohl: Ich fürchte mich aber, mit einer ſo ſchwachen Bemannung den engliſchen Kanal hinauf zu gehen. Dieſe engen Gewäſſer ſind bedenk⸗ lich zu befahren, wenn man nicht ſeine volle Bemannung hat.“ „Der Kanal iſt ein guter Platz, um Mannſchaft zu finden, Maſter. Ich kann jedoch Niemand von meinen Leuten abgeben und dies Reden iſt vergeblich. Da Ihr keines Lootſen bedürft, müſſen wir uns anderswo umſehen.“ Der Burſche verließ mich nun ohne weitere Worte, und ich ſah, daß es nichts helfen würde, weiter in ihn zu dringen. Er mochte bereits eine Stunde von uns ſtehen, und wir ſetzten unſere Reiſe langſam fort, als wir gewahr⸗ ten, daß er der Brigg Signale gab und daß dieſe todt weggehalten und auf beiden Seiten Leeſegel beigeſetzt hatte. Da dies eine viel größere Segellaſt war, als wir der Dämmerung aufzubürden wagen konnten, durfte ich mich der Hoffnung kaum hingeben, zu entkommen. Der ganze Tag lag vor uns, und ein leichter, ohne Zweifel raſch ſegelnder Krenzer machte auf ein ſchwer beladenes Kauf⸗ fahrtheiſchiff Jagd! Eine Spiegeljagd iſt jedoch ſprichwörtlich eine lange Jagd, und ich beſchloß, Alles aufzubieten, um dem Herrn aus dem Wege zu kommen. Wir ſetzten daher ſo viele Segel bei, als dies nur immer thunlich war, und das — 102— Schiff wurde ein wenig weggehalten— die beſte Art, es bei ſeiner jetzigen Ausrüſtung zu führen. Wir ſahen, daß die Brigg das Lootſenboot braiete, und konnten von dieſem Augenblicke an überzeugt ſein, daß der Befehlshaber des Schiffes alle Vermuthungen, welche die Seilly⸗Männer geäußert, den ſeinigen beigefügt hatte. Die Wirkung ward ſofort bemerklich; denn als ſich die Beiden trennten, wendete ſich das Boot ſeinen Felſen zu, und die Brigg nahm die Jagd wieder auf. Dies war ein unbehaglicher Tag. Das Kriegsſchiff gewann uns Fahrt ab, aber nur ſehr langſam. Es mochte uns um einen Knoten in der Stunde übertreffen; und da es zehn Meilen ſpiegelwärts ſtand, blieb uns Hoffnung, daß die Nacht einbrechen könne, ehe es uns überhohlte. Auch der Wind war unſtätig und wurde, gegen Mittag, ſo leicht, daß die beiden Schiffe nur zwei bis drei Knoten Fahrt machen konnten. Dies minderte natürlich den Unter⸗ ſchied in unſerer Segelgeſchwindigkeit, und ich konnte nun beinahe feſt darauf bauen, daß die Nacht heranrücken dürfte, ehe unſer Jäger ſich näherte. Und ich hatte mich nicht verrechnet. Der Wind blieb leicht, bis die Sonne niederging, wo er ſich in eine ſchöne Nordweſtbö verwandelte und uns todt nach windwärts von der Brigg brachte, welche jetzt etwa ſechs Meilen entfernt ſtehen mochte. Wir ſetzten, ſo raſch wir konnten, die geeigneten Segel bei, obgleich der Kreuzer unter Allem, was er nur tragen konn Arbe ware abge lich los; wo Zuve bord tiſche Lee war um Wen vorü See inden Hint könn Krei mer! mit nied lrt, es n, daß dieſem ber des Nänner als ſich Felſen egsſchiff mochte und da offnung, rhohlte. ttag, ſo Knoten a Unter⸗ nte nun anrücken nd blieb e ſchöne ürts von entfernt en Segel r tragen — 103— konnte, nach vorne ſchoß, ehe wir mit all der nothwendigen Arbeit zu Stande kamen. Als wir jedoch damit fertig waren, bemerkte ich, daß er uns keinen großen Vortheil abgewonnen hatte, und durfte mich nun der Hoffnung ziem⸗ lich zuverläſſig hingeben, ſeiner in dem Laufe der Nacht los zu werden. Marble ſprach ſich ganz zuverſichtlich dahin aus, und wo es ſich von Schifffahrtsfragen handelte, verdiente ſeine Zuverſicht ſtets Achtung. Um zehn Uhr wendeten beide Schiffe auf der Steuer⸗ bordſeite und hielten ſüdweſtwärts oder in das offene atlan⸗ tiſche Meer ab,— die Brigg etwa eine Stunde unter der Lee der Dämmerung und ein wenig krahnbalksweiſe. Dies war die günſtigſte Stellung, in welche wir treten konnten, um unſern Plan durchzuführen, da der Kreuzer bei dieſer Wendung bereits an ſeinem nächſten Punkte gegen uns vorübergegangen war. Der Geſichtskreis nach windwärts und der Saum der See nach Norden entlang war mit Wolken bedeckt, welche indeſſen mit einem Stückchen Wind drohten. Dieſer dunkle Hintergrund ließ erwarten, daß man uns nicht werde ſehen können, und ſobald die Nacht den Umriß der Leinwand des Kreuzers verhüllte, befahl ich, unſer Steuer nieder zu laſſen. Es war eine lebhafte Scene, ein Schiff wie die Däm⸗ merung, unter ſo vielem Tuche und bei einer ſolchen Bö, mit vier Männern zu wenden! Das Steuer wurde ſtark nieder geſorrt und wie Tiger gingen wir an das Werk. Die Hinterraaen ſchwenkten ſich faſt ohne Mühe; aber der große Hals und die Schoten machten uns viele Noth. Alles nach hinten wurde ſcharf aufgebraßt, ehe wir nach vornen gingen; auch war es uns gelungen, die Fockraa in den rechten Winkel zu ſtellen. Als dies geſchehen war, füllten wir Alles vorwärts und dreggten die Raaen und Boi⸗Linien an ihre Stellen mit einer Kraft, welche unwi⸗ derſtehlich ſchien. Wir konnten nicht erfahren, ob die Brigg um dieſe Zeit geviert hatte, oder nicht. Nach den Geſetzen des Ja⸗ gens mußte ſie, als ſie in der Richtung des mittelſten Balkens ſtand, gewendet haben, wenn ſie nicht glaubte, uns, während ſie in ihrem Curſe anhielt, den Wind abge⸗ winnen zu können. Wir wußten, daß ſie in der erwähnten— Stellung nicht gewendet hatte; aber wir konnten nicht ſehen, ob ſie nach uns herum gekommen war, oder nicht. Mochte ſie aber geviert haben, oder nicht, ſie mußte uns noch auf eine Stunde leewärts nahe ſein, und wir hielten auf die engliſche Küſte ab, bis der Tag wieder erſchien. Keiner von uns hat dieſe Nacht auch nur einen Augenblick geſchlafen. Mit welcher Angſt ſchauten wir auf dem Meere ſpie⸗ gelwärts und leewärts umher, als das wiederkehrende Licht allgemach den Schleier der Nacht vor uns hob! Nichts— nichts war zu ſehen, ſelbſt als die Sonne kam, um den gan⸗ zen Ocean mit einer Flut von Glorie zu übergießen! Nicht einmal ein weißer Fleck küſteneinwärts; und was die Brigg betrifft, ſo ſahen und hörten wir nichts mehr von ihr! Wahrſch uns all und na Beute g Na auf die nächſten der Wir Icl ſten Nu gehen, nördliche ger raſe bei dem Wi Curſe a ohne de Nachmit wir wa amerikar bekannte war die ten Sch dies bei war. K. leicht G habhaft r der Noth. nach aa in war, und unwi⸗ dieſe 3 Ja⸗ elſten aubte, abge⸗ hnten— nicht nicht. 2 uns ielten chien. nblick ſpie⸗ Licht ts— gan⸗ Nicht Brigg ihr! Wahrſcheinlich hielt ſie ihren alten Curs ein und hoffte, uns allmählig nahe zu rücken, oder ſo weit nach vorne und nach windwärts zu ziehen, daß ſie am Morgen ihrer Beute gewiß ſein könne. Nach unſrer Berechnung hielt das Schiff nun recht auf die Küſte von Wales ab, welche wir im Laufe der nächſten vier und zwanzig Stunden anthun konnten, wenn der Wind nicht umſprang. Ich beſchloß daher, von unſrer Stellung den möglich⸗ ſten Nutzen zu ziehen und den iriſchen Kanal hinauf zu gehen, in der Hoffnung, auf irgend ein Boot von der nördlichen Küſte zu ſtoßen, an deſſen Bord ſich eine weni⸗ ger raſche Einſicht in die Lage der Dinge fände, als dies bei dem Lootſen von Seilly der Fall geweſen war. Wir hielten ſonach dieſen ganzen Tag auf unſerm Curſe an und die Sonne ging abermals in das Meer, ohne daß wir das Land angethan hätten. Während dem Nachmittage ſahen wir mehrere Schiffe in der Entfernung; wir waren eben jetzt in einem Theile des Oceans, wo amerikaniſche Schiffe ſo wenig, als in irgend einem mir bekannten, beunruhigt zu werden erwarten konnten. Es war die regelmäßige Fahrſtraße der nach Liverpool beſtimm⸗ ten Schiffe,— und dieſe wurden ſo wenig beläſtigt, als dies bei dem Mangel an Matroſen nur immer möglich war. Kamen wir an dieſem Hafen vorüber, ſo mußte ſich leicht Gelegenheit bieten, eines halben Dutzends Irländer habhaft zu werden. Fünftes Kapitel. Potz alle Welt! die Küſt' iſt wunderſchön, Aus Bai'n und hoben Klippen ganz gemacht! In Schiffen könnt ihr auf und nieder geh'n Und laut bewundern ihre bohe Pracht. Iriſches Lied. Wir hatten kaum eine Ahnung von dem, was vor uns lag, konnten ſie auch nicht haben. Der Wind blieb nach Nordweſten ſtehen, bis das Schiff auf zwanzig Mei⸗ len an die Küſte von Wales herab gekommen war; dann kam er wieder leicht aus Süden. Wir waren Liverpool jetzt ſo nahe, daß ich jede Stunde erwartete, auf ein amerikaniſches Schiff zu ſtoßen, das in dieſen Hafen laufen wollte. Wir trafen jedoch keines und hielten den Canal aufwärts an, wobei wir zu gleicher Zeit gegen die iriſche Küſte hinſteuerten, entſchloſſen, nach Kräf⸗ ten unſern Curs nach Norden zu verfolgen. Das Wetter hielt in der erwähnten Weiſe zwei Tage und Nächte an, während welcher Zeit es uns gelang, bis auf die Höhe von Whitehaven zu kommen, wo der Wind todt von vorne kam und eine ſteife Bö blies. Dieſer neue Wind war kaum aufgegangen, als ich auch ſchon vorherſah, daß er uns wahrſcheinlich wieder den Kanal hinabtreiben und in das offene atlantiſche Meer werfen würde, wenn wir nicht vor Anker gehen konnten. Dies g dürfen Beiſtar Matro Alles, werden unendl vier in zu füh Thätig es kan ſehr e erzürn Augen len, ſo T daß n ſah ich ziemlie es ſeit nahe 2 Backle bald l unſere minde ten O nderſchön, zgemacht! eder geh'n Pracht. es Lied. was vor nd blieb zig Mei⸗ r; dann Stunde „das in nes und cher Zeit ich Kräf⸗ vei Tage ang, bis er Wind als ich ieder den he Meer konnten. — 107— Dies glaubte ich irgendwo an der iriſchen Küſte wagen zu dürfen, in der Hoffnung, bei den Kindern des hl. Patrick Beiſtand zu finden. Wir wußten alle, daß die iriſchen Matroſen in der Regel ſchlecht geſchult waren; allein Alles, was bei den gewöhnlichen Schiffsarbeiten hülfreich werden konnte, war für uns bei ſchwerem Wetter von unendlichem Werthe. Seit einer Woche bedienten wir nun— vier in allem— das Schiff; und ſtatt unſere Kraft erſchöpft zu fühlen, hatten wir uns vielmehr an dieſe geſteigerte Thätigkeit gewöhnt und kamen ohne große Mühe weiter; es kamen aber Augenblicke, wo eine kleine Beihülfe uns ſehr erwünſcht ſein mußte; und ich konnte es an dem erzürnten Ausſehen des Himmels abnehmen, daß dieſe Augenblicke ſehr wahrſcheinlich ſich nicht nur öfter einſtel⸗ len, ſondern auch bedeutſamer für uns werden würden. Das Gewäſſer, in welchem wir ſtanden, war ſo eng, daß wir uns ſehr bald der iriſchen Küſte näherten. Hier ſah ich, zu meiner Freude, ein großes Fiſcherboot, welches ziemlich weit herausgegangen war, während die Umſtände es ſeiner Mannſchaft leicht machten, auf unſerer Leeſeite nahe heran zu kommen. Wir gaben daher ein Signal, machten ihnen durch Backlegen der großen Raa glattes Waſſer und ſahen ſie bald beiwenden. Es iſt kaum nöthig, zu bemerken, daß wir unſere Segel, ſo weit wir es für thunlich erachteten, ver⸗ mindert hatten, ſo daß das Schiff jetzt unter doppelt gereef⸗ ten Oberſegeln, Fockſegel, Klüver und Flitterſegel ging. Die Oberſegel hatten wir weiter herabgebracht, als noth⸗ wendig war, um damit fertig zu ſein, wenn es unerläßlich würde. 3 Der erſte Mann, welcher zu uns an Bord kam, hieß Terenz O'— und ſo fort. Sein Geſicht war das drollige Gemiſch von Luſtigkeit, Verſchlagenheit und Albernheit, welche man bei dem iriſchen Landmanne ſo oft antrifft und das ganzen Stämmen auf der Inſel eigen zu ſein ſcheint. „Ein ſchöner Morgen,'r Gnaden,“ begann er mit einer Ruhe, aus welcher ihn nichts zu bringen vermochte, obgleich der Mittag bereits vorüber und das Wetter keines⸗ wegs der Art war, wie der Seemann es liebt.„Ein ſchö⸗ ner Morgen,'r Gnaden, und ein eben ſo ſchönes Schiff. Befehlen'r Gnaden vielleicht Fiſche?“ „Ich werde Euch einige Fiſche abnehmen, mein Freund, und ſie Euch gut bezahlen.“ „Gott ſchenk' Euch ein langes Leben!“ „Ich wollte hinzuſetzen, daß ich Euch noch viel beſſer bezahlen würde, wenn Ihr mir eine Lee hierherum angeben wolltet, die einen guten Ankergrund darbietet, wo ein Schiff gegen den herannahenden Sturm geſichert iſt.“ „Ob ich wohl nicht will,'r Gnaden?— Gewiß, es gibt keinen Burſchen die Küſte entlang, der beſſer weiß, was'r Gaaden begehrt oder Euch mit halb ſo viel Eifer dienſtbar ſein wird.“ „Ihr kennt alſo die Küſte— ſeid wahrſcheinlich in dieſer Gegend zu Hauſe?“ 1 „2 und ſo ob er d „eL „C „ dreggt.“ „ℳ Landes gen, n bürge f 85 aus, eit und We vor An n ich je e ter vor nicht g Sweene worfen, mann Dieſen ſollt Il M aus der war eb Poot n 3 noth⸗ rläßlich u, hieß drollige ernheit, fft und ſcheint. er mit nochte, keines⸗ n ſchö⸗ Schiff. reund, beſſer igeben Schiff ß, es weiß, Eifer ich in 1 — 109— „Verſteht ſich allerdings. Wo ſollte auch Terenz O' und ſo weiter geboren ſein, als hier herum? Und dann,— ob er die Küſte kennt? Ah, wir ſind alte Bekannte.“ „Und wohin wollt Ihr das Schiff führen, Terenz?“ „Guten Ankergrund verlangt'r Gnaden?“ „Gewiß, einen Grund, auf welchem der Anker nicht dreggt.“ „Ha, iſt es das? Nun, der ganze Grund dieſes Landes iſt von derſelben Beſchaffenheit. Keiner wird dreg⸗ gen, man müßte ihm denn zu ſtark zu Leibe gehen. Ich bürge für jeden Theil des Landes.“ „Ihr denkt gewiß nicht daran, das Schiff hier her⸗ aus, eine Stunde von dem Lande, wo nichts iſt, das Wind und Wetter brechen kann, und bei heranziehendem Sturm, vor Anker gehen zu laſſen?“ „Ich vor Anker gehen laſſen? Der Teufel auch, habe ich je ein Schiff, oder eine Brigg, oder auch nur einen Kut⸗ ter vor Anker gehen laſſen! So weit habe ich es noch nicht gebracht,'r Gnaden; aber da iſt der alte Michael Sweeney, ſeht; viele hundert Anker hat er ſchon ausge⸗ worfen, und verſteht die Sache; denn ſeht, er iſt ein See⸗ mann geweſen und kennt die Segel von oben bis unten. Dieſen Michael könnt Ihr brauchen und dieſen Michael ſollt Ihr haben.“ Michael wurde angerufen und kletterte, ſo gut er konnte, aus dem Boot in das Schiff herauf; denn dieſe Arbeit war eben nicht leicht, da die Fiſcher ihr träges, ſchweres Poot nur mit Mühe aus ſeinen Beſahn⸗Ketten hielten. — 110— Mittlerweile fanden Marble und ich Zeit, um unſere Schiff Bemerkungen auszutauſchen. Körncher Wir kamen überein, daß Terenz O'Scale, oder O' r Gnad und ſo weiter,— denn ich habe den Zunamen des Bur⸗ vielleicht ſchen vergeſſen,— wahrſcheinlich brauchbarer ſein würde, kind in Mackrelen und John Dorys einzubringen, als die Sorge 20 für die Dämmerung zu übernehmen. Auch Michael ver⸗ mich, 6 ſprach, auf den erſten Blick, nicht viel mehr. Er war wagte. ſehr alt,— nach meinem Bedünken mußte er achtzig Jahre müßte zählen,— und ſchien alle Befähigungen, die ihm je bei⸗ dieſen 2 gewohnt haben mochten, durch den ſteten Genuß des Whisky kergrund vergeudet zu haben— der Geruch des Getränkes begleitete befürcht ihn ſo auffallend, wie der Geruch des Gerbeſtoffs den Ger⸗„¹ ber. Er war jedoch jetzt nicht betrunken, ſondern erſchien Gnaden ruhig und geſammelt. dürft n Ich theilte dieſem Manne meine Wünſche mit und alte Ir freute mich, als ich bemerkte, daß er einen ziemlichen Be⸗ Euch S griff von ſeemänniſchen Ausdrücken hatte und uns wahr⸗ Ie ſcheinlich nicht, wie Terenz, durch Unkunde in dieſer Hin⸗ einwärt ſicht Schwierigkeiten bereiten werde. ohne ei 3„Einen Ankergrund ſucht Ihr,'r Gnaden?“ antwor⸗ Ausſeh tete Michael, als ich geſchloſſen hatte.„Gewiß, dies iſt Bei un ziemlich leicht und die Zeit iſt ganz gut zu ſo etwas, denn das S der Wind erhebt ſich wie ein Rieſe. Was die Guineen ſchwer betrifft, von denen'r Gnaden ſpricht, ſo kömmt das unter ein ein 6 Freunden nicht zur Sprache. Ich werde ſie'r Gnaden zu in dem 5 Gefallen nehmen, wenn'r Gnaden es ſo will; aber das handha unſere dder O' s Bur⸗ würde, Sorge hel ver⸗ Er war 3 Jahre je bei⸗ Whisky gleitete en Ger⸗ erſchien nit und den Be⸗ wahr⸗ er Hin⸗ antwor⸗ dies iſt 3, denn zuineen 3 unter nden zu der das — 111— Schiff ſollte vor Anker kommen, und wenn ſich nie ein Körnchen Gold in der We—l—lt gefunden hätte. Wünſcht r Gnaden einen Ankergrund im Freien, oder wollt Ihr vielleicht zwiſchen die Felſen hereintreten und wie ein Wickel⸗ kind in ſeiner Wiege liegen?“ „Eine ſichere Rhede wäre mir lieber, als daß ich mich, ohne einen zuverläſſigen Lootſen, zu weit hinein wagte. Nach dem Ausſehen des Landes, Küſte⸗einwärts, müßte es, wie es mir ſcheint, leicht ſein, eine Lee gegen dieſen Wind zu finden, vorausgeſetzt, daß wir guten An⸗ kergrund treffen. Dies iſt die Schwierigkeit, welche ich befürchten muß.“ „Vertraut dem alten Irland in dieſer Hinſicht, Gnaden; ja, verlaßt Euch in dieſer Hinſicht auf uns. Ihr dürft nur Eure Oberſegel füllen und hinein halten. Das alte Irland und der alte Michael werden gemeinſam für Euch Sorge tragen.“ Ich muß offen geſtehen, daß mir das Ausſehen Küſte⸗ einwärts nicht ſehr geſiel, wenn es ſich davon handelte, ohne einen zuverläſſigen Lootſen einzutreten; allein das Ausſehen der Dinge meerauswärts war noch ſchlimmer. Bei unſrer ſchwachen Bemannung war es kaum möglich, das Schiff in dem Kanal zu halten, wenn der Sturm ſo ſchwer heran kam, als er heran zu kommen drohte; und ein einziger Verſuch überzeugte mich, daß die vier Männer in dem Boote nicht ſehr behülflich werden könnten, es zu handhaben; denn ich ſah nie Leute, welche ſich auf dem 7 r Waſſer unbehülflicher benommen hätten, als ſie ſich an Bord anſtellten. Michael war allerdings nicht ganz uner⸗ fahren; er war aber zu alt, um ſeine Kenntniſſe durch die That bewähren zu können; denn als ich ihn an das Steuer ſchickte, mußte Neb bei ihm ſtehen bleiben, um ihm ſteuern zu helfen. Es blieb mir daher keine Wahl und ich beſchloß, nahe an die Küſte zu halten; fand ſich kein paſſender Anker⸗ grund, ſo blieb mir immer noch Zeit, wieder ſtrandab zu wenden. Das Fiſcher⸗Boot wurde ſpiegelwärts in’s Schlepp⸗ tau genommen; die Bootsmannſchaft kam an Bord des Schiffes und wir hielten näher an die Küſte hinan, wäh⸗ rend die Dämmerung ſich unter den Segeln, welche wir beigeſetzt hatten, in einer Weiſe bäumte, daß es ſchwer war, auf dem Deck aufrecht zu ſtehen. Die Geſtaltung der Küſte ſchien unſern Plan zu be⸗ günſtigen; in Betreff des Grundes aber war ich nicht ohne Beſorgniß. Es iſt ſtets eine bedenkliche Sache, zwiſchen Klippen den Anker fallen zu laſſen; und ſo weit auswärts, als ich mich zu halten für klug hielt, einen Ankergrund zu finden, mußte mir ſchwierig erſcheinen. Allein Michael, und Terenz, und Pat, und Murphy, oder wie unſere wortreich und zuverſichtlich ſich äußernden Freunde heißen mochten, beſtanden darauf, das alte Irland würde uns nicht im Stiche laſſen. Marble und ich ſtanden auf der Back, beobachteten die Geſtaltung der Küſte und machten unſre Bemerkungen, ſich an az uner⸗ urch die Steuer ſteuern ß, nahe Anker⸗ ldab zu Schlepp⸗ ord des „ wäh⸗ che wir ſchwer zu be⸗ ht ohne wiſchen zwärts, und zu Kichael, unſere heißen de uns chteten ungen, — mu3 als das Schiff, bis auf die Büſte an dem Gallion im Waſſer begraben, durch die kurzen Wellen dahin trieb. Endlich glaubten wir, ein Landvorſprung, der, ein wenig auf unſrer Leeſeite, ſichtbar wurde, zeige ſich günſtig, und Michael wurde von dem Steuer heran gerufen und in die⸗ ſer Beziehung zur Rede geſtellt. Der Burſche behauptete, er kenne die Oertlichkeit ſehr gut und der Ankergrund auf beiden Seiten des Platzes ſei vortrefflich; auch ſtimmte er meinem Vorſchlage, unter deſ⸗ ſen Lee vor Anker zu gehen, ſogleich bei. Wir hielten daher auf dieſen Punkt ab und machten die nöthigen Vor⸗ bereitungen vor Anker zu gehen. Ich war zu beſchäftigt, das Tuch einbringen zu helfen, als daß ich in den nächſten zwanzig Minuten auf den Gang des Schiffes hätte achten können. Wir hatten alle Vier zu thun, um den Klüver einzuhohlen, und ließen Michael mittlerweile an dem Steuer. Und in der That, es war eine furchtbare Arbeit, obgleich— ich ſage es mit aller Demuth— vier beſſere Männer nie an eine Spiere grif⸗ fen, als die waren, welche ſich bei dieſer Gelegenheit ihrer Aufgabe unterzogen. Wir brachten ſie jedoch zu Stande, obgleich nicht Alles ſo abging, wie es unter andern Um⸗ ſtänden geſchehen wäre. Marble beſtand darauf, bei dem Werke vorne zu ſein, und nie vorher hatte ich den alten Burſchen arbeiten ſehen, wie er an dieſem Tage arbeitete. Er hatte eine Befähi⸗ gung, Koͤrper und Glieder mit dem Holz und den Tauen 214— 216. 8 — 114— gewiſſermaßen zu verſchmelzen, und ſtand, wie es ſchien, in der Luft und arbeitete und drückte mit ſeinen Armen und breiten Schultern in einer Weiſe, welche ihm eben ſo viel Gewalt über ſeine ganze Körperkraft zu geben ſchien, wie ſie ein Anderer auf feſtem Grunde beſitzt. Endlich war unſere Leinwand bis auf das Vorſtengen⸗ Kagſegel und das doppelt gereefte große Marsſegel einge⸗ nommen. Es war allmählig Zeit geworden, daß wir das letztere Tuch dicht aureeften,— und wir führten vier Reefe in der Dämmerung;— wir hofften aber, das Segel würde aushalten, bis es nöthig werden würde, es ganz aufzu⸗ rollen. Die Windſtöße beganuen jedoch„kühltenweiſe“ zu kommen und ich ſah vorher, daß der Sturm bald in einer Art anrücken würde, welche Vorſicht nöthig machte. Das Schiff trieb nun der äußerſten Spitze des Vor⸗ landes zu und das Lothblei zeigte vierzig Faden Waſſer an. Ich hatte Michael früher gefragt, welche Waſſertiefe wir wohl zu finden hoffen dürften; er geſtand aber offen, er könne dies nicht ſagen. Er wiſſe gewiß, bemerkte er, daß Schiffe dort vor Anker gegangen ſeien; welches Waſ⸗ ſer ſie aber gefunden, ſei ihm unbekannt; er könne nicht hexen, und das Nathen ſei gefährlich; ſo zöge er es vor, nichts zu ſagen. Es war eine bedenkliche Sache für einen Schiffsmaſter, unter einer ſolchen Lootſenſchaft ſein Schiff an eine Küſte hinan zu führen. Ich würde gewiß, wie auch die Dinge draußen ſich geſtalteten, nicht gezaudert haben, das Steuer zu wenden, hätte es ſich nicht ergeben, daß leewärts eine klare See ſei, und daß uns ſtets noch — 115— hien, die Möglichkeit bliebe, bei der augenblicklichen Geſtaltung rmen des Windes in das offene Waſſer hinaus zu laufen. en ſo Marble und ich begannen nun unſern Fiſcher in Be⸗ 3 hhien, 1 treff des eigentlichen Punktes auszufragen, wo er uns ankern 4 laſſen wolle. Michael war verblüfft und wir ſahen deutlich igen⸗ genug, daß ſeine Kenntniſſe ſehr allgemeiner Art waren. inge⸗ Die Einzelnheiten ſeines Berufs angehend, ſo behandelte r das er ſie mit der ruhigſten Gleichgültigkeit. Er war in ſeinen Reefe jüngern Jahren allerdings viel zur See geweſen; er hatte vürde aber in Kriegsſchiffen gedient, wo ihm die Taue von den ufzu⸗ Maſt⸗Meiſtern in Händen gegeben wurden und ſeine Vor⸗ eiſe“ geſetzten für ihn dachten. Er konnte ſagen, an welcher d in Stelle Schiffe vor Anker gingen oder nicht, aber er wußte achte. keinen Grund für das eine oder das andere. Kurz, er Vor⸗ 7 hatte gerade jene Art Kenntniß von der Schifffahrt, welche zaſſer man von der Welt hat, wenn man in der Provinz lebt, rtiefe wo wir uns alle eine allgemeine Bildung aneignen und offen, in Betreff der Feinheiten des Lebens uns auf Zeitſchriften e er, und Dichtwerke verlaſſen. Waſ⸗ Das Lothblei erwies ſich als ein beſſerer Führer, denn nicht Michael; und da ich ſtrandeinwärts Brandungen ſah, gab vor, ich Befehl, das große Marsſegel einzureefen und vor dem einen Winde zu luven, ehe das Schiff ſeine Fahrt verlöre. Schiff 3 Sobald unſern Irländern geſagt worden, was ſie wie thun ſollten, ſtrengten ſie ſich tüchtig an, ſo daß Marble udert ſich an einen Stopper ſtellen konnte, während ich an dem eben, andern meinen Platz einnahm. Wir hatten ſchon vorher noch — 116— den täglichen Anker und den Tauanker zum Vieren klar gemacht, die Taue waren, ſobald wir das Land anthaten, an den Ankern feſtgemacht worden, und es blieb nichts mehr zu thun, als laufen zu laſſen. Neb war an dem Steuer und hatte Befehl, an die Ankertaue zu eilen, ſo wie er ſie auslaufen hörte, und alles war in Bereitſchaft. Ich rief den Befehl aus,„laufen zu laſſen,“ und unſere beiden Anker gingen in demſelben Augenblicke bei zwei und zwanzig Faden Waſſertiefe hinab. Das Schiff faßte bei einer furchtbaren Geſchwindigkeit das Tau; da aber Marble und Diogenes an dem einen, und Neb und ich an dem andern Anker waren, gelang es uns, es bei ziemlich zwanzig Faden innerhalb der Klüsgaten aufzuhalten. Eine Minute lang glaubte ich, das alte Holz würde uns nicht Stich halten, und als es uns mit verzweifelter Anſtrengung gelang, die Maſſe feſtzuſtellen, war es, als wollte das Schiff das Bratſpill aus ſeinen Fugen treiben. Kein Augenblick wurde verloren, um die Ankertaue zu ſtop⸗ pern und das große Marsſegel aufzurollen. Michael und ſeine Genoſſen kamen nun heran, um uns Glück zu wünſchen, ihre Guineen zu ſich zu ſtecken und Abſchied zu nehmen. Die See war bereits ſo rauh geworden, daß ihnen kein anderes Mittel blieb, in ihr Boot zu gelangen, als ſich von dem Ende des Flitterſegel⸗ Baumes hinabzulaſſen. Ich bemühte mich, zwei oder drei dieſer Burſche zu bereden, am Bord des Schiffes zu bleiben; allein vergebens. Sie waren alle verheirathet — 117— und fanden in ihrer jetzigen Lebensweiſe eine Art Schutz gegen das Preſſen; während das erſte beſte Kriegsſchiff, das ſie auf dem offenen Meere fand, ſie wahrſcheinlich auf⸗ griff; und Michael's Erzählungen von der Vergangenheit ſchien ihnen kein großes Verlangen nach der Art Leben, wie er es ſchilderte, eingeflößt zu haben. Als dieſe iriſchen Fiſcher uns verließen und ſtrandein⸗ wärts liefen, waren wir wieder ganz auf unſere eigenen Kräfte angewieſen. Ich hatte jedoch Michael in Betreff unſerer ſchwachen Bemannung einige Erklärungen gegeben und ſie dem Zufall und dem Preſſen beigemeſſen, und er glaubte, er würde vier oder fünf junge Burſche bereden können, zu uns heraus zu kommen, ſobald der Sturm ſich gelegt habe, wenn wir verſprächen, ſie, nachdem wir unſere Ladung zu Hamburg abgegeben, mit uns nach Amerika zu nehmen. Dies würden allerdings blos Landleute ſein, da Seeleute jetzt in dieſem Theile der Welt ſpärlich geſäet feien; immer aber wären ſie beſſer, als nichts. Ein hal⸗ bes Dutzend kräftiger junger Irländer würden uns Seeleu⸗ ten einen großen Theil ſchwerer, mechaniſcher Schiffsarbei⸗ ten abnehmen und uns Kraft und Muth laſſen, das zu thun, was unvermeidlich uns noch anheim fiele. Mit dem Ver⸗ ſprechen, ihm ſelbſt für jeden brauchbaren Mann, welchen er auf dieſe Weiſe an Bord brächte, eine Guinee zu zah⸗ len, trennten wir uns von dem alten Michael, der wahr⸗ ſcheinlich ſeitdem als Lootſe diente, wie er, nach meinem ſichern Bedünken, nie zuvor als ſolcher gedient hatte. Sechstes Kapitel. Die Allmacht Gottes waltet überall, Beherrſchet Raum und Zeit; Sie kündiget des Sturmes Schwall, Der Meere Schrecken weit und breit. Drum beugt das Knie und beugt das Herz Und blickt anbetend himmelwärts. Duo. Ich habe den Punkt an der Küſte von Irland, wo wir ankerten, nie genau gekannt. Er lag ziemlich zwiſchen Strangford und der Dundrum Bai; aber den Namen der Naſe,*) welche uns eine Art Schutz gewährte, habe ich nie erfahren. An dieſem Theil der iriſchen Inſel läuft die Küſte im Allgemeinen nach Süden und nach Norden ab; aber da, wo wir Anker geworfen hatten, zog ſie ſich von Norduordoſten nach Südſüdweſten hin, was, bei dem Be⸗ ginn der Kühlte, ziemlich genau die Richtung war, in welcher der Wind blies. In dem Augenblicke, wo wir vor Anker gingen, hohlte der Wind ein wenig weiter nach nordwärts an, wodurch wir eine beſſere Lee bekamen; zu meinem großen Bedauern aber ſprang er, ſobald Michael uns verlaſſen hatte, nach Nordoſten um und brachte den Kanal mächtig in Bewe⸗ *) Seemannsausdruck für Bergvorſprung, Kap ꝛc. Der Ueberſ. —— —— —— — 119— gung. Dadurch kamen wir ziemlich um die Lee; denn die Landſpitze vor uns war nicht ſehr bedeutend und wir ſtan⸗ den kaum innerhalb derſelben. Ich zog die Karten, welche ſich in der Dämmerung vorfanden, zu Nath und es ergab ſich, daß wir vor der Küſte der Grafſchaft Dawn hielten, einem Theile des Kö⸗ nigreichs, welcher wenigſtens in dem Rufe vorſchreitender Bildung ſtand und wo wir auf eine gute Behandlung rech⸗ nen konnten, wenn wir Schiffbruch leiden ſollten. Unſere Fiſcher hatten uns geſagt, ſie gehörten zu dem Bezirke So und ſo; wie aber dieſes„So und ſo“ hieß, habe ich ver⸗ geſſen, ſollte ich ſie auch verſtanden haben. Wenn ich davon ſpreche, ſie„hätten uns geſagt,“ ſo iſt dies eine höfliche Ausdrucksweiſe; denn alles, was ſie uns hören ließen, ſchmeckte ſo nach Kauderwelſch, daß es nicht immer leicht war, das zu errathen, was ſie meinten. Mittag war vorüber, als die Dämmerung vor Anker ging; eine halbe Stunde ſpäter wendete ſich der Wind mehr nach Oſten herum. Bei einem ſo ſtarken Wind und unſe⸗ rer ſchwachen Bemannung war nicht daran zu denken, wie⸗ der in das Freie abzuhalten. Wäre das Waſſer ganz glatt und weder Strömung noch Wind vorhanden geweſen, hät⸗ ten wir wenigſtens einen halben Tag gebraucht, unſere zwei Anker an Bord zu bekommen. Es wäre daher thö⸗ richt geweſen, in unſerer Lage an dergleichen zu denken. Nichts blieb übrig, als die Kühlte, ſo gut es ſich thun ließ, zu beſtehen. Mehrere Stunden vergingen, ohne daß ſich etwas bemerkenswerthes begeben hätte; nur die Kühlte wuchs merklich an Heftigkeit. Wie bei einer raſch ſich entwickeln⸗ den Krankheit, nahte ſich die Kriſis bald. Gegen Sonnen⸗ untergang ereignete ſich jedoch etwas, das mir an ſich große Unbehaglichkeit einflößte, obgleich mich der Beginn dieſes Sturmes bereits hinreichend mit ſchlimmen Ahnungen erfüllte. Zwei Schiffe zeigten ſich plötzlich windwärts, ganz nahe bei uns, dicht an der iriſchen Küſte, ohne daß Je⸗ mand an Bord der Dämmerung vorher etwas von ihnen bemerkt hätte. Das vorderſte dieſer zwei Schiffe war der Kutter eines Kriegsſchiffes, vor welchem er unter dicht gereeften Raa⸗ ſegeln nahe herlief,— ein ſo niedriges Segel, daß man es aus einiger Entfernung leicht mit dem Schaume des Meeres verwechſeln konnte. Er ging um den Bergvor⸗ ſprung und ſchien in die offene See treten zu wollen; hielt aber plötzlich gerade auf unſre Stellung ab. Es war, als wäre dieſer Kutter im höchſten Grade neugierig zu erfah⸗ ren, was ein ſo großes, langraaiges Schiff, wie die Däm⸗ merung, an einer ſolchen Ankerſtelle wollen könne; denn er lief quer vor unſern Klüſen und gleitete landeinwärts von uns, auf eine Entfernung von fünfzig Ellen, vorüber. Man ſpähete nach uns aus, machte aber keinen Ver⸗ ſuch, uns zu ſprechen. Ich fühlte in Betreff der Nähe dieſes Kreuzers keine Beſorgniß; ich wußte wohl, daß ein Boot ſich hier nicht halten könne, denn unſer Schiff ſtampfte ihm vor Anker die feſte Jütte in das Waſſer. —— 4 und ſ überze Kühlt Fockſe uns h 4 Schiff einen gehore Laufp uns h anzuh aus. nicht wunde Spier nung welche Rhede ſie ſich rohr wort rohr mend twas uchs keln⸗ nen⸗ roße ieſes llte. ganz Je⸗ hnen ines daa⸗ man des vor⸗ hielt als fah⸗ äm⸗ denn ärts ber. Ver⸗ tähe ein chiff ——— —— — 121— Die Fregatte folgte dem Kutter, ging aber auswärts und ſelbſt näher, als ihr Kutter, an uns vorüber. Ich überzeugte mich jetzt zuerſt genauer von der Wucht der Kühlte, als ich dieſes große Schiff unter einem gereeften Fockſegel und einem dicht gereeften großen Marsſegel auf uns heranlaufen ſah. Wie die Fregatte herabkam, gierte ſie an, wie ein Schiff, das auf der offenen See braßt, und ich fürchtete einen Augenblick, ſie würde gerade auf uns herſtürzen; ſie gehorchte aber dem Steuer zeitig genug, um klar abzukommen. Ein Dutzend Offiziere an ihrem Bord ſahen von der Laufplanke, den Schanzekanonen und der Takelage nach uns herüber. Alle waren genöthigt, ſich mit feſter Hand anzuhalten, und in jedem Geſichte drückte ſich Erſtaunen aus. Ich ſah ihre Züge nur eine halbe Minute, vielleicht nicht einmal ſo lange; aber ich gewahrte wohl, wie ver⸗ wundert ſie auf uns blickten. Einige ſchauten nach unſern Spieren, als wollten ſie ſich überzeugen, ob Alles in Ord⸗ nung wäre; andere ſahen auf den Bergvorſprung zurück, welchen ſie eben umſegelt hatten, als wollten ſie unſere Rhede in's Auge faſſen. Die Mehrzahl ſchüttelte, während ſie ſich ihre Bemerkungen mittheilten, die Köpfe. „Was thut Ihr hier?“ tönte es durch ein Sprach⸗ rohr ziemlich vernehmlich zu mir herüber; von einer Ant⸗ wort konnte aber keine Rede ſein. Ehe ich nur ein Sprach⸗ rohr an den Mund ſetzen konnte, war die Fregatte ſchäu⸗ mend vorüber gebrauft und ſchon außerhalb des Bereichs — 122— der Stimme. Noch eine Zeitlang zeigten ſich Köpfe über ihrem Hackebord, und es kam uns vor, als ſähe die Mann⸗ ſchaft dieſes Kriegsſchiffes auf uns herüber, wie der Er⸗ fahrene wohl auf den Unwiſſenden, welchen er in Gefahr glaubt, zu blicken pflegt. Marble ſpöttelte ein wenig über die Neugierde, welche dieſe beiden Schiffe an den Tag gelegt hatten; mir ſelbſt verurſachte ſie große Unbehaglichkeit. Ich glaubte, ihr Gehaben ſei das von Leuten, welche dieſe Küſte keunten und ſich wunderten, ein fremdes Schiff an einer Stelle, wie die, welche wir einnahmen, vor Anker liegen zu ſehen. Ich ſchlief dieſe Nacht wenig. Marble leiſtete mir faſt die ganze Zeit über Geſellſchaft; aber Neb und Diogenes waren ſo ruhig, als ſchliefen ſie auf den beſten franzöſiſchen Matrazen— von Pferdehaaren und nicht von Pflaumen— und innerhalb der Mauern einer Feſtung. Selten beun⸗ ruhigte dieſe Neger etwas; ſie folgten unſerm Glücksſterne mit dem unbedingten Vertrauen, welches Gewohnheit und Erziehung ihnen ſozuſagen in die Seele geprägt hatten. Um Mitternacht ließ die Kühlte ein wenig nach; mit der Rückkehr des Tages aber heulten die Winde in einer Weiſe auf uns heran, welche einen mehr als gewöhnlichen Sturm verkündigte. Alles war jetzt wachend auf und wir widmeten unſerm Schiffe die größte Sorgfalt. Am meiſten Unruhe machte mir der Umſtand, einige meiner Segel möch⸗ ten triftig werden, denn ſie waren nur von wenigen, und zumal ermüdeten Männern beſchlagen worden. Dies geſchah jedoch thaten S Weiſe Back tern äß das A uU Oft ta Waſſer Stamp dem A ſtellten waren es zu Fuß zu J Kutter gefaßt wenig deuten, des St Grund können *) Dt ale fe über Mann⸗ der Er⸗ Gefahr welche r ſelbſt e, ihr keunten Stelle, ſehen. nir faſt iogenes öſiſchen men— beun⸗ ksſterne eit und tten. h; mit n einer nlichen nd wir meiſten l möch⸗ n, und geſchah jedoch nicht, denn unſere Beſchlagſeiſeningen und Bindſel thaten alle ihre Pflicht. So nahmen wir unſer Frühſtück in der gewöhnlichen Weiſe ein, und Marble und ich verſäumten nicht, auf der Back nach den Zeichen der Zeit auszuſchauen, treuen Wäch⸗ tern ähnlich, welche der Gefahr ſo nahe als möglich in das Auge zu ſehen wünſchen. Unſer Schiff ſtampfte auf eine merkwürdige Weiſe. Oft tauchte ſeine Aurora*) völlig unter und ganze Tonnen Waſſer brachen über die Back und ſpülten bei dem nächſten Stampf nach hinten, ſo daß wir uns nur dadurch über dem Waſſer erhielten, daß wir uns auf die Bratſpilbetingen ſtellten, oder auf den großen Stagblock ſtiegen. Trocken waren wir nicht, dachten auch nicht daran, zu verſuchen, es zu werden; aber ſolche Behelfe waren nöthig, um feſten Fuß zu behalten, oft auch, um ein wenig auszuruhen. Ich wunderte mich nicht mehr über die Art, wie der Kutter und die Fregatte unſere Stellung in das Auge gefaßt hatten. Es war völlig klar, daß die Fiſcher ſehr wenig geeignet waren, eine Ankerſtelle für ein Schiff anzu⸗ deuten, und daß ſie uns ziemlich eben ſo gut in der Mitte des St. Georg's⸗Kanals, wenn unſere Ankertaue dort den Grund erreichen konnten, hätten vor Anker gehen laſſen können, als da, wo wir jetzt ſtanden. *) Die bereits erwähnte Büſte auf dem Eallion des Schiffes,— als Sinnbild der Morgendämmerung. Der Ueberſ. — 124— Um neun Uhr waren Marble und ich auf den Rege⸗ lingen der Schanze einander ziemlich nahe und hielten über unſre Ausſichten Rath. Obgleich wir uns Beide an den⸗ ſelben Oberſegelſchoten feſthielten, mußten wir die Stimme doch bedeutend erhöhen, um uns vernehmlich zu machen. Denn das Heulen des Windes durch die Takelage verwan⸗ delte das Tauwerk in eine Art rieſigen Aeolsharfen, wäh⸗ rend das Gebrüll des Waſſers gewiſſermaßen die Baßbe⸗ gleitung zu dieſer Muſik des Meeres abgab. Marble hatte dieſe Berathung in Vorſchlag gebracht und eröffnete daher auch die Unterhaltung. „Ja, Miles,“ rief er, obgleich er ſeinen Mund nur drei Fuß von meinem Ohre hatte,„die Dämmerung macht Sprünge, wie ein Wallfiſch, der die Harpune im Fleiſch fühlt. Ich habe gefürchtet, ſie könnte den Vorſteven aus⸗ brechen.“ „Davor iſt mir nicht ſehr bange, Moſes; am meiſten Beſorgniß macht mir das Ankertau auf Steuerbord; es hat bedeutend mehr Zug, als das auf Backbord, und Ihr könnt ſelbſt ſehen, wie ſeine Duchten ſtraff ſtehen!“ „Ja, ja, das heißt gewiſſermaßen ſeine Stärke ver⸗ allgemeinern. Angenommen, wir wenden das Steuer an Backbord und verſuchen es, anzugieren?“ „Ich habe daran gedacht; da ſich eine ſtarke Flut einſtellt, könnte es vielleicht erſprießlich werden—“ Ich hatte dieſe Worte kaum ausgeſprochen, als drei Wellen von ungeheurer Höhe, drei rieſigen Geſellen in einem Haufer herein merung in ath D eben ſi ein Se welcher D — machte Schiffe ſchien 7 indem Ankerte köpfling D gen un ab, w Begriff Je bereits Stahl, und wo am nö Seema gung n — 125— n Rege⸗ Haufen aufrühreriſchen Geſindels nicht unähnlich, auf uns ten über herein rollten; die erſte derſelben hob die Backen der Däm⸗ an den⸗ merung ſo hoch in die Luft, daß wir Beide den Erfolg Stimme 1 in athemloſem Schweigen erwarteten. machen. Der Sturz in die Wellenhöhlung war verhältnißmäßig verwan⸗ eben ſo tief, als der Aufprall in die Luft, und ich fühlte 1, wäh⸗ ein Schrieken, als wenn etwas bei dem heftigen Anzug, Baßbe⸗ welcher folgte, wiche. Die Waſſerflut, welche über das Vorderkaſtell kam, gebracht machte es unmöglich, etwas zu ſehen; aber die Backen des Schiffes hoben ſich abermals und ſanken wieder, und dann und nur ſchien das Schiff erleichterter zu ſein. ig macht„Wir ſind Alle losgetrieben, Miles!“ ſchrie Marble, Fleiſch indem er ſich vorlehnte, um gehört zu werden.„Beide den aus⸗ Ankertaue ſind wie Bindfaden zerriſſen, und da gehen wir köpflings landeinwärts.“ meiſten Dies alles war ganz richtig. Die Taue waren geſprun⸗ ord; es gen und das Gallion des Schiffes fiel raſch von der Kühlte uind Ihr ab, wie ein Roß, das den Zügel abgeſtreift hat und im 4 Begriffe iſt, in wüthendem, tollem Galopp dahin zu ſtürmen. irke ver⸗ Ich ſah mich nach den Negern um; aber Neb war teuer an bereits an dem Steuer. Dieſer edle Burſche, treu wie Stahl, hatte den Unfall ſo frühe als einer von uns bemerkt ke Flut 1 und war an den Theil des Schiffes geſprungen, wo er eben 22 am nöthigſten war. Er hatte die Befähigungen eines als drei Seemannes im höchſten Grade; Berechnung und Ueberle⸗ n einem gung waren aber eben ſeine Sache nicht. Eine Bewegung meiner Hand hieß ihn das Steuer ſtark aufheben, und ein auntwortendes Zeichen ſagte mir, daß meinem Winke gehorcht worden. Wir konnten in die⸗ ſem Augenblicke mehr nicht thun, ſondern ſahen dem Er⸗ gebniß in ahnungsvoller Erwartung entgegen. Der Dämmerung Backen ſielen ab, bis das Schiff der Kühlte die lange Seite bot, wodurch es zum Wanken kam, bis ſeine Lee⸗unter⸗Raaenarme faſt das Waſſer berührten. Dann bewältigte es den Waſſerkeſſel, welcher um es kochte, und begann ſchwer nach vorne zu ziehen. Drei Wellen brachen quer über ſein Deck, ehe es des Steuers im mindeſten achtete; ſie riſſen Alles mit ſich fort, nach leewärts, was nicht feſt vermacht war oder animali⸗ ſches Leben hatte, um Herr ſeiner Bewegungen zu ſein. Sie nahmen die Hühnerkörbe mit und brachen vier bis fünf Waſſerfäſſer aus ihren Feſtigungen, als wären die letzteren aus Packkordel gemacht. Bei der letzten dieſer ſchrecklichen Wellen ging auch die Kambüſen⸗Hütte und die Kambüſe ſelbſt wurde nur durch ihre große Wucht und die Stärke ihrer Feſtigungen gerettet. Mit einem Worte, es blieb wenig von dem, das weggeſpült werden konnte, die Launch ausgenommen, deren Haken glücklicherweiſe feſt⸗ hielten. Als dieſe Verwüſtung geſchehen war, begann das Schiff abzufallen und ſeine Bewegung durch das Waſſer ward ſehr bemerklich. Erſt ſtürmte es gegen das Land an und lief, wie ich nicht bezweifle, eine volle halbe Meile ſchräg kam, Küſte 3 hinter um ſe halten 8 8 unmit ten w mehr als n an die 2 Mars Lande unter gebrat und ie herab W ſehr a hatte, der gr. Es w forder Steuer gte mir, in die⸗ dem Er⸗ zchiff der ken kam, rrührten. s kochte, e es des ſich fort, animali⸗ zu ſein. vier bis ären die n dieſer itte und icht und Worte, konnte, eiſe feſt⸗ inn das Waſſer Land an e Meile ſchräg in dieſer Richtung ab, ehe es ganz vor den Wind kam,— ein Curs, welcher es faſt in eine Linie mit der Küſte brachte. Marble und ich gelangten nun ohne große Mühe nach hinten und ſetzten das Rad ein wenig nach Steuerbord, um ſo weit als möglich auf den Weg nach außen abzu⸗ halten. Der Wind blies ſo ſtark den Kanal herab, daß eine unmittelbare Gefahr nicht zu beſorgen geweſen wäre, hät⸗ ten wir mehr Seeraum gehabt; das Schiff war aber nicht mehr als drei bis vier Stunden vor der Kühlte getrieben, als wir nach vorne Land anthaten; denn die Küſte lief an dieſem Theile der Inſel faſt nach Norden und Süden ab. Marble bemerkte, es würde gerathen ſein, das große Marsſegel auf das Schiff zu bringen, um es von dem Lande abzubringen, da die Küſte in der Gegend von Dublin unter unſerer Leeſeite läge. Wir hatten die Vorſicht gebraucht, alles dicht anzureefen, ehe wir es beſchlugen, und ich begab mich ſelbſt in die Höhe, um dieſes Segel herabzulaſſen. Wenn ich, ſo lange ich auf dem Deck war, mir ein ſehr achtbares Bild von der Gewalt der Kühlte gemacht hatte, ſo ſteigerte ſich dieſe Anſicht weſentlich, als ich auf der großen Marsraa das wilde Anſtürmen der Luft fühlte. Es war nicht leicht, ſich auch nur feſt zu halten; aber es forderte Gewandtheit und Kraft, dort zu arbeiten. Es gelang mir jedoch, das Segel los zu bekommen — 128— und dann begab ich mich hinab, um Marble und dem Koch die Schoten heim dreggen zu helfen. Vollkommen gelang uns dies zwar nicht; wir brachten es aber doch dahin, daß das Segel ziemlich gut ſtand. Das Schiff fühlte augenblicklich die Wirkung dieſes bloßen Fetzens von Leinwand. Es trieb mit einer merk⸗ würdigen Geſchwindigkeit nach vorne und lief, wie ich nicht zweifeln kann, eilf bis zwölf Knoten; ſo mächtig wirkte die vereinte Kraft der Taue und dieſes einzigen Stückes Leinwand. Seine Abtrift war unvermeidlich ſehr groß und es ſchien mir, als ob die Strömung es dem Strande zuführe; im Allgemeinen aber hielt es ſich ziemlich in derſelben Entfernung von der Küſte, an welcher es entlang brauſte, wie die Fregatte am vergangenen Tage gethan hatte. Bei der Geſchwindigkeit, mit welcher wir dahin liefen, konnten zwölf bis vierzehn Stunden uns in die Enge zwi⸗ ſchen Holy Head und Irland hinab bringen, wo wir mehr Seeraum zu bekommen hoffen konnten, da das Land dort wieder nach Weſten ausbeugt. Lange, lange Stunden wachten Marble und ich an dieſem Tag und die folgende Nacht des Ganges unſeres Schiffes; wir löſten uns am Steuer ab und thaten den Dienſt der Matroſen, des Maats und Maſters zumal. Dieſe ganze Zeit ſtürmte das Schiff wüthend gegen das atlantiſche Meer hinaus, Pelches es erreichte, ehe der nächſte Morgen graute. vori Stu wele fen wie mer wen zuſte ſo l gäng kehr und weif verh Gip Sch ſeine drei Koch gelang in, daß dieſes merk⸗ vie ich nächtig inzigen und es rführe; errſelben rauſte, e. liefen, ge zwi⸗ r mehr ud dort ich an unſeres en den l. gegen ehe der — 129— Es war noch nicht ganz hell, als wir an einem Schiffe vorüber gewirbelt wurden, welches unter einem einzigen Sturmſtagſegel beilag und in dem ich die Fregatte erkannte, welche uns auf unſerm Ankergrunde einen Blick zugewor⸗ fen hatte. Der Kutter war dicht daran und die furchtbare Art, wie dieſe zwei ſtark bemannte Schiffe ſtampften und lem⸗ merten, ließ mich fühlen, welches unſere Lage ſein würde, wenn wir gezwungen werden ſollten, bei dem Winde auf⸗ zuſtechen. Ich dachte mir, ſie hätten dies gethan, um ſich ſo lange als möglich auf ihrem Kreuzergrunde, den Ein⸗ gängen des Canals, zu halten.. Eine wilde Scene umgab uns, als das Licht zurück⸗ kehrte. Das atlantiſche Meer glich einem Chaos von Waſſern, und die Theile der rollenden Oberfläche, welche nicht ſchaum⸗ weiß waren, ſahen grün und zornig aus. Die Wolken verhüllten die Sonne und die Kühlte ſchien raſch ihren Gipfelpunkt zu erreichen. Um zehn Uhr trieben wir an einem amerikaniſchen Schiffe vorbei, das nichts mehr aufrecht ſtehen hatte, als ſeinen Fockmaſt. Gleich uns lief es ab; aber wir machten drei Fuß, bis es zwei zurücklegte. Eine halbe Stunde ſpäter mußten wir Augenzeugen des plötzlichen Verſchwindens einer engliſchen Brigg ſein. Sie lag, gerade in unſerm Curs, bei; ich ſah von dem Bratſpill nach ihr aus, und ſuchte mir eine Anſicht zu bilden, ob es möglich wäre, bei dem Winde außzuſtechen. 214— 216. 9 — 130— Plötzlich that dieſe Brigg einen Sturz und ging in die Tiefe, wie ein Delphin, der untertaucht. Was dieſes Un⸗ glück herbeigeführt hat, konnte ich nie erfahren; fünf Mi⸗ nuten ſpäter aber kamen wir ſo nahe als möglich an der Stelle vorbei und keine Spur war mehr von ihr zu ſehen. Nicht einmal eine Handſpeiche konnte ich auf dem Waſſer entdecken, obgleich ich mit der größten Sorgfalt umher⸗ blickte, in der Hoffnung, vielleicht einen Mitmenſchen, der ſich an eine Spiere anklammerte, zu retten. Von Aufent⸗ halt und Nachforſchung konnte ſo wenig die Rede ſein, als einer, der die Sprache nicht verſteht, hoffen kann, die deutſchen Buchſtaben auf einem Meilenzeiger zu leſen, wäh⸗ rend er im Dampfwagen vorbeifliegt. Sobald wir dieſe Stelle hinter uns hatten, ging unſer Vormarsſegel aus den Beſchlagſeiſeningen. Eine Feſtigung nach der andern löſte ſich, bis das ganze Segel triftig war. Die Wucht dieſes großen vom Winde geſchüttelten Stückes Tuch auf die Spieren, war ſo mächtig, daß ſie den Fock⸗ maſt aus dem Schiffe zu treiben drohte. Das Segel hielt dieſen Druck etwa drei Minuten aus, dann platzte es mit einem Knalle, welcher der einer kleinen Kanone ähnlich war, und verſpleiſte in Fetzen. Zehn Minuten ſpäter riß unſer großes Marsſegel. Dieſes Segel flog ſozuſagen in einer Maſſe von uns weg und ich glaubte, ein nahes, nicht zu erblickendes Schiff habe einen Nothſchuß hören laſſen, mit einem ſolchen Knall ſprang es. Das Leik war noch an ſeiner Stelle; die Scho⸗ — — — 131— ten, Nocken und Reefſeiſingen hielten alle an, während das Tuch um die vier Seiten des Segels auf einen Riß abflog. Ich wüßte kaum, wie ich die Scene, welche nun folgte, beſchreiben ſollte! Das abgeriſſene Stück des großen Mars⸗ ſegels flog nach vorne und hing ſich in dem hintern Theile des Vormars, wo es, wenn man ſich ſo ausdrücken darf, ausgebreitet ſtehen blieb, von dem Mars, den Wandſchwig⸗ tingen, der Takelage und andern Hinderniſſen feſtgehalten. Unter ſolcher Wucht mußte der Rücken des Kameels brechen. Bolzen auf Bolzen der Focktakelage wich oder brach mit einem lauten Knall und über die Backen flog alles, was über den Decken an dem Fockmaſt war. Die große Stenge wurde durch dieſen furchtbaren Druck niedergeriſſen und ihr folgte die große Bramſtenge nach. Durch das Stampfen ſo vieler Taue unter den Backen des Schiffes mußte, da die Hintermaſten noch ſtanden, der Spiegel herumgeworfen werden, wie ſich auch Marble an dem Rade abmühen mochte; das Schiff lief auf den Wind. Dabei ſchoß das Waſſer wild über das Deck und ſpülte ſelbſt die Launch und die Kambüſe, ſo wie die Bekleidun⸗ gen der Kuhl weg. Neb war gerade in der Launch und ſuchte etwas, das dort verwahrt worden; und als ich des armen Burſchen zum letzten Male anſichtig wurde, ſtand er vorn in dem Boote aufrecht, als dieſes auf der Spitze einer Welle über die Seite des Schiffes geſchleudert wurde und wie eine Blaſe in einem wüthenden Strom dahinflog. Dioge⸗ nes war in dieſem Augenblicke, wie es ſchien, in die Kam⸗ buſe gegangen, um nach dem einfachen Mittageſſen zu ſehen, welches er uns zu bereiten verſuchte; wahrſcheinlich faßte er das Eiſen, als den nächſten und feſteſten Gegenſtand⸗ und wurde damit über Bord geſchleudert, um nie wieder zu erſcheinen. Marble war in einem ziemlich geſicherten Theile des Schiffes, an dem Steuer, und erhielt ſich auf den Füßen, obgleich er bis über den Gürtel, ja bis an die Arme im Waſſer ſtand. Ich ſelbſt wurde nur durch die große Take⸗ lage gerettet, in welche ich getrieben worden war und wo ich mich feſthielt. Ich mußte die Kaltblütigkeit und das Benehmen Mar⸗ ble's, ſelbſt in dieſem furchtbaren Augenblicke, bewundern. Vor allem drückte er das Ruder ſtark nieder und band das Nad feſt, das Klügſte, was Leute in unſerer Lage nur thun konnten. Dies that er in Folge ſeemänniſchen In⸗ ſtinetes, welcher einen Seemann faſt ohne Nachdenken, oder wie man, wenn dem Auge Gefahr droht, die Lieder ſchließt, in den herbſten Bedrängniſſen handeln läßt, wie er han⸗ deln muß. Dann warf er einen Blick auf die Lage der Dinge bordeinwärts, lief mit dem Ende eines Taues nach vorne, um es Diogenes auszuwerfen, wenn er ſich in der Nähe des Schiffes zeigte. Als er ſich überzeugt hatte, daß keine Hoffnung ſei, etwas auf dieſe Weiſe auszurichten, kam ich auf das Deck — 133— und wir blickten inmitten der Seene der Zerſtörung und des Verderbens, die uns umgab, einander an. Marble faßte mit einem Blicke, welcher deutlicher ſprach, als Worte, meine Hand. Er ſagte mir, wie er ſich freue, mich geret⸗ tet zu ſehen, und wie er bis zu dem letzten Augenblicke bei mir aushalten werde, obgleich er kaum Hoffnung habe, uns endlich gerettet zu ſehen! Es war ein Blick, wie er Jedem in der Hitze des Kampfes von einem Kameraden willkom⸗ men iſt; aber es war kein Blick, welcher Sieg hoffen ließ. Ohne das Wrack wäre die Lage des Schiffes jetzt in manchen Beziehungen eine viel beſſere geweſen, als früher. Alle Maſten vorwärts waren über die Leeſeite gegangen und würden ſich in einer ziemlich günſtigen Lage, um ihrer klar zu werden, befunden haben, wenn unſere Bemannung voll geweſen wäre; wie die Sachen aber jetzt ſtanden, muß⸗ ten wir ihnen ihren Lauf laſſen. Wir konnten allerdings manches weghauen und wir begannen dieſe Arbeit ziemlich eifrig; aber das untere Ende des Fockmaſtes lag auf der Back, wo es bei dem Heben und Senken der Wellen alles um ſich zerſplitterte und zertrümmerte. Das ganze Boll⸗ werk in dieſem Theile des Schiffes drohte bald zerſchmet⸗ tert zu werden und ich begann zu beſorgen, der Krahnbal⸗ ken würde ungeſtüm aus dem Schiffe geriſſen werden und eine ſchlimme Lecke laſſen. Und wir hatten ohnehin bereits Lecke genug! Als die Launch, die Kambüſe, die Waſſer⸗ fäſſer und Nothſpieren über Bord geriſſen wurden, hatten ſie Pöller und andere Stützen auf eine Weiſe herausgetrie⸗ — 134— ben, daß die Schanddeckel ſprangen und das Waſſer raſch eindrang, ſobald das Schiff ſich leewärts neigte. Ich hatte meine Befrachtung von Anfang her aufge⸗ geben und meine ganze Hoffnung beſchränkte ſich, ſobald ich den Zuſtand der Ueberwerke ſah, darauf, das Schiff zu retten. Marble und ich waren in keiner Schule aufgewachſen, welche der Verzweiflung leicht Raum läßt. Was meinen Maat anging, ſo würde er, hätte er ſich inmitten des atlantiſchen Meeres auf einer Planke befunden, ohne Zwei⸗ fel damit begonnen haben, einen Nothmaſt aufzurichten, indem er ein Stück von dem Rumpfe ſeines Fahrzeugs abgehauen und ſein Hemd als Segel ausgebreitet hätte. Ich habe nie einen ſo durch und durch ausgelernten See⸗ mann gekannt, der, wenn ihm ein Anſchlag mißlang, ſogleich zu dem erſten beſten ſichtbaren Ausweg gegriffen hätte. Wir waren jedoch in Verlegenheit, ob wir einen Ver⸗ ſuch machen ſollten, des Fockmaſtes loszuwerden, oder nicht. Wenn wir die Beſchädigungen, welche er auf der Back anrichtete, abrechneten, war er für uns von Nutzen, denn er hielt des Schiffes Bug an den Wind auf und machte uns an Deck„beſſeres Wetter.“ Das Stehen der Hintermaſten, während die vordern geſtürzt waren, hatte die Wirkung, daß der Spiegel des Schiffes leewärts gedrückt wurde, während die Stütze in dem Waſſer die Backen hinderte abzufallen, und wir ſtan⸗ wich. und! gen deſſen dem teſten ſich n Haup ſich i erhob wohl uns zu tre Wrac bemü ſagen nen! ich, geſchl Wirb Denk wend würd aſch fge⸗ vald f zu ſen, inen des wei⸗ dten, eugs ätte. See⸗ ang, iffen Ver⸗ oder der tzen, und dern des e in — 139— wich. Das Auge des Blockſtrops gleitete von der Raa und die Spiere ſtürzte in das Waſſer. Jetzt verbarg eine hohe Welle Alles vor meinen Au⸗ gen und ich blieb in der peinlichſten Ungewißheit in Betreff deſſen, was ſich begeben hatte, als ich den Maat ſich an dem Mars, als dem Theile des Wracks, welcher am leich⸗ teſten ſchwamm, feſtbinden ſah. Es war ihm gelungen, ſich wieder hinein zu arbeiten, und er ging, ſobald er die Hauptmaſſe des Wracks erreicht hatte, ruhig an das Werk, ſich in der möglich beſten Lage da zu feſtigen. Als der arme Burſche ſich auf dem Kamm einer Welle erhob, ſagte er mir mit einem Schwenken des Armes Lebe⸗ wohl— der Abſchied des Seemannes! Auf dieſe Weiſe geſiel es der göttlichen Vorſehung, uns vier, die bereits ſo Vieles gemeinſam geduldet hatten, zu trennen. Mit welch düſtrer Wehmuth ſah ich auf das Wrack, das langſam von dem Schiffe abtrieb! Ich dachte jetzt nicht mehr daran, mich ferner zu bemühen, die Dämmerung zu retten, und kann wahrhaft ſagen, daß mir kaum ein Gedanke hinſichtlich meines eige⸗ nen Lebens in den Sinn kam. Eine volle Stunde ſtand ich, gegen den Fuß des Beſahnmaſtes gelehnt, mit unter⸗ geſchlagenen Armen und ſtarrem Blicke, um das Stampfen, Wirbeln und Rollen des Schiffes unbekümmert, alle meine Denkkraft, alle meine Sinne der Geſtalt Marble's zuge⸗ wendet, und, ſo oft der Mars ſich hob, erwartend, ich würde ihn leer finden. — 140— Er war jedoch zu vorſichtig feſt gebunden, als daß er hätte lostreiben können, obgleich er faſt immer unter dem Waſſer war. Keine Möglichkeit, etwas zu ſeiner Rettung zu thun! Ich hatte kein Boot; und hätte ich ein ſolches gehabt, ich hätte es nicht allein handhaben können. Spieren hatte er bereits; was ſollte aber ohne Nahrung, ohne Waſſer aus ihm werden? Ich warf zwei Fäßchen Waſſer und eine Schachtel mit Zwieback in die See, in der eiteln Hoffnung, dieſe Gegenſtände könnten an das Wrack abtreiben und das Leben des armen Freundes verlängern helfen. Sie wurden in dem kochenden Waſſerkeſſel umhergeworfen und ver⸗ ſchwanden leewärts. Als Marble vom Deck aus nicht mehr zu ſehen war, ging ich in das große Mars und ſchaute auf die Maſſe von Spieren und Tauwerk, ſo lange ein Theil derſelben noch zu ſehen war. Ich beſtimmte dann die Stellung der⸗ ſelben nach dem Compaß, und eine Stunde vor Sonnen⸗ untergang, oder ſobald die ſich mindernde Kraft des Win⸗ des es erlaubte, hiſſte ich die Flagge oben auf, als Zeichen, daß ich meines Maats eingedenk ſei. „Er weiß, daß ich ihn nicht verlaſſen werde, ſo lange noch Hoffnung iſt, ſo lange ich noch am Leben bin!“ ſagte ich zu mir ſelbſt, und dieſer Gedanke war in dieſem bittern Augenblicke ein Troſt für mein Gemüth. Ein bitterer Augenblick, wahrlich! Die Zeit hat kaum das Herbe jener Gefühle gemildert, wenn das Gehächtniß ſich a erlebte S Lucy's abweſ then 1 dem E mich ſterne wüßte mir lo hätte. 2 Tugen ſeiner Liebe ich ihr noch, an Lu dieſer meiner A Wind beruhit den w Veran geweſer aß er r dem thun! t, ich ttte er r aus heine nung, id das urden ver⸗ war, Maſſe ſelben g der⸗ onnen⸗ Win⸗ eichen, lange ſagte bittern kaum ichtniß = 111= ſich all das zurückruft, was ich an jenem Tag empfand und erlebte! Seit der Stunde, wo ich die Heimath verlaſſen, war Lucy's Bild ſelten zehn Minuten lang von meiner Seele abweſend! Schlafend und wachend, in allen meinen Nö⸗ then und Fährlichkeiten dachte ich an ſie; das Intereſſe an dem Seegefechte, von welchem ich Augenzeuge gewefen, hatte mich nicht hindern können, meine Gedanken ihrem Polar⸗ ſterne, ihrem mächtigen Magnete zuzuwenden; aber ich wüßte nicht, daß ich, nachdem Marble auf dieſe Weiſe von mir losgeriſſen worden, auch nur ein Mal an Luey gedacht hätte. Auch Neb mit ſeiner geduldigen Dienſtwilligkeit, ſeinen Tugenden, ſeinen Fehlern, ſeinem verwegenen Muthe und ſeiner grenzenloſen Anhänglichkeit an mich, hatte ſich meine Liebe in hohem Grade erworben, und ich fühlte mich, ſeit ich ihn verloren, ſchmerzlich beunruhigt. Aber ich weiß noch, daß ich, ſelbſt als Neb über Bord geriſſen war, noch an Lucy dachte; in den erſten Stunden jedoch, wo ich in dieſer Weiſe von Marble getrennt worden, war ihr Bild meiner Seele entfremdet. Als ſich die Sonne in das Meer ſenkte, hatte der Wind ſich ſo gemildert und die See ſich in einem Grade beruhigt, daß kein Grund zu ferneren Beſorgniſſen vorhan⸗ den war. Das Schiff lag leicht bei, und ich hatte keine Veranlaſſung, mich ſeinetwegen zu bemühen. Wär' es Tag geweſen, ſo hätte ich das Steuer gehoben und wäre lee⸗ 142— wärts abgelaufen, in der Hoffnung, die Spieren zu finden, oder wenigſtens Marble nahe zu ſein; da ich aber fürchten mußte, in der Dunkelheit an ihm vorüber zu kommen, ſchob ich dieſe Pflicht bis zum Morgen auf. Alles, was ich thun konnte, war, daß ich auf das Wetter achtete, um dieſen Schritt zu thun, bevor der Wind ſich wendete. Welch eine Nacht brachte ich hin! Sobald es dunkel war, unterſuchte ich die Pumpen und fand ſechs Fuß Waſ⸗ ſer in dem Raume. Es wäre eine vergebliche Mühe gewe⸗ ſen, hätte ein einziger Mann es verſuchen wollen, ein Schiff von der Größe der Dämmerung klar zu machen, weßhalb ich mich mit dieſem Betreffe nicht weiter befaßte. An den Oberwerken des Schiffes war ſo viel Schaden ange⸗ richtet worden, daß ich gewiſſermaßen überzeugt war, es müſſe in die Tiefe gehen, wenn es nicht einem andern Fahrzeuge begegnete. Ich könnte nicht ſagen, daß ich um meines Schickſals willen in irgend einer Weiſe beſorgt geweſen wäre, oder des Verluſtes meines Vermögens, wel⸗ cher mit dem Verluſte des Schiffes zuſammenhing, gedacht hätte. Mein Geiſt war ſtets meinen Genoſſen zugewendet, und hätte ich ſie wieder gefunden, würde ich mich, eine Zeitlang wenigſtens, glücklich gefühlt haben. Gegen Morgen ſchlief ich, ermüdet und erſchöpft, zwei bis drei Stunden. Die Strahlen der Sonne, die mir in das Geſicht ſchienen, weckten mich. Raſch ſprang ich auf und warf einen unruhigen, eiligen Blick auf das Meer. Der Wind ſtand noch norböſtlich, blies aber blos eine - — gute higt, hatte das verge ſehen aus l Meer welch ſtand mußte vorne Gewi von lion, gewen 5 dem nach zufüht Maat was inden, rchten nmen, „was e, um dunkel Waſ⸗ gewe⸗ , ein nachen, te. An ange⸗ ar, es andern ich um beſorgt 3, wel⸗ gedacht vendet, , eine t, zwei mir in ich auf Meer. os eine — — 143— gute„voll Segel⸗Bö.“ Die See hatte ſich ſo weit beru⸗ higt, daß ihre Wellen regelmäßig entlang rollten. Nie hatte ein ſchönerer Tag das atlantiſche Meer überglänzt. Ich eilte mit Ungeſtüm auf das Deck und überſchaute das Meer nach leewärts ſehnſüchtigen Auges, um mich zu vergewiſſern, ob etwas von dem Wrack unſrer Spieren zu ſehen wäre. Nichts, nichts war ſichtbar. Von dem großen Mars aus hatte ich einen ziemlich weiten Geſichtskreis; aber das Meer lag da, eine große, glänzende, ſchimmernde Fläche, welche nur durch die Kämme ſeiner Wellen gebrochen wurde. Ich war gewiß, daß die Dämmerung ſo luvwärts ſtand, daß die Spieren leewärts ſein mußten; das Schiff mußte aber in den letzten zwölf Stunden meilenweit nach vorne getrieben worden ſein, und es war faſt die gleiche Gewißheit vorhanden, daß es eine große Strecke ſüdwärts von ſeinem treibenden Takelwerk ſtehe, indem ſein Gal⸗ lion, ſeit es auf den Wind gelaufen, in dieſer Richtung gewendet geweſen. Meine erſte Sorge war demnach, die Dämmerung vor dem Winde abzubringen, dann konnte ich bedacht ſein, ſie nach nordwärts zu drängen und ſo die Möglichkeit herbei⸗ zuführen, auf die Spieren zu ſtoßen. Wenn ich meinen Maat fand, konnten wir noch miteinander ſterben, was aber jetzt eine Art wehmüthigen Troſtes geweſen wäre. Siebentes Kapitel. Unſer Vater! Dem in jeder Zeit, In jedem Klima Preis und Ehr’! Dem jeder fromm ſein Opfer beut, Jehovah,— Zeus— Gott, unſer Herr! Pope Da ich die Nothwendigkeit fühlte, Herr meiner ganzen Kraft zu ſein, nahm ich ein Frühſtück ein, ehe ich an die Arbeit ſchritt. Mit ſchwerem Herzen und nur geringem Appetite ſetzte ich mich zu dieſem einſamen Mahle nieder; ich fühlte aber die wohlthätige Wirkung deſſelben. Als ich fertig war, kniete ich auf dem Deck nieder, richtete mein inbrünſtiges Gebet an Gott und bat ihn um ſeinen Beiſtand in meiner Bedrängniß. Warum ſollte ein alter Mann, deſſen Laufbahn bald abgeſchloſſen ſein wird, Anſtand nehmen zu bekennen, daß er, in dem Stolze ſeiner Jugend und Kraft, es fühlen mußte, wie unzulänglich unſere Mittel im Vergleiche mit unſern Bedürfniſſen ſind? Ja, ich habe gebetet und ich hoffe, in der geeigneten Gemüthsſtimmung gebetet; denn ich fühlte, daß dieſer geiſtige Halt noch wohlthuender auf mich wirkte, als der leibliche, welchem ich mich vorher zugewendet hatte. Als ich mich von meinen Knieen erhob, fühlte ich mich von einem Hoffnungsgefühle durchſtrömt, welches ich faſt ——— lich ſeli mie derr! Pope anzen an die ingem nieder; nieder, )n um bald , daß fühlen he mit nd ich denn er auf vorher h mich h faſt ——— — 145— zurückzudrängen ſuchte, da ich ſah, wie eitel und gefähr⸗ lich zumal es ſei. Vielleicht war es dem Geiſte meiner ſeligen Schweſter vergönnt, in dieſer furchtbaren Noth auf mich niederzuſchauen und ihr eignes Gebet für einen Bru⸗ der, welchen ſie ſo ſehr geliebt, vor dem göttlichen Throne darzubringen. Ich begann mich jetzt weniger einſam zu fühlen und die Arbeit ging in Folge dieſes geheimnißvollen Gefühls der Anweſenheit der Seelen derer, welche mir, ſo lange ſie auf Erden wandelten, ihre Theilnahme geſchenkt hatten, um ſo leichter von ſtatten. Mein erſter Schritt war, den Klüverſtag, welcher nahe an dem Top ſeines eigenen Maſtes geſprungen war, an den Top des großen Maſtes zu führen. Ich that dies, in⸗ dem ich ein anderes Stück Tau aufſtach. Dann brachte ich die Fallen auf und löſte und ſetzte den Klüver bei,— eine Arbeit, welche volle zwei Stunden koſtete. Dieſes Segel that ſeinen Dienſt natürlich nicht, ſehr gut; es war aber der einzige Weg, welcher mir blieb, um überhaupt Leinwand nach vorne auf das Schiff zu bringen. Sobald der Klüver auf dieſe unvollkommene Weiſe beige⸗ ſetzt war, hob ich das Steuer auf und brachte das Schiff vor den Wind. Nun wurde das Flitterſegel ausgehohlt und beſchlagen. Auf dieſe Weiſe gelang es mir, mit Bei⸗ hülfe der auf den Rumpf und die Spieren wirkenden Bö, dem Schiff die Geſchwindigkeit von etwa drei Knoten auf die Stunde zu geben, wobei ich ein wenig nach Norden 214— 216. — 146— abhielt, in welcher Richtung ich durchaus ſteuern mußte, wenn ich hoffen wollte, das Wrack wieder zu finden. Ich ſchlug die Abtrift des Wracks, das gute, gemä⸗ ßigte Wetter eingerechnet, auf einen Knoten in der Stunde an; die Spieren mußten alſo, alle Verhältniſſe möglichſt in Anſchlag gebracht, jetzt etwa zwölf Meilen leewärts von mir ſtehen. Dieſe zwölf Meilen hatte ich um Mittag hinter mir; ich hohlte jetzt genug auf, um den Wind dwars ab zu bringen, und lief nordwärts ab. Da das Schiff ſich jetzt ſelbſt ſteuerte, das heißt, ſo wenig als ich nöthig hatte, um fort zu kommen, ſuchte ich mir einige Speiſen, nahm ein Glas und ging in das große Mars, um zu Mittag zu eſſen und den Geſichtskreis zu unterſuchen. Glücklicherweiſe hielt die Bö an, obgleich die See ſich ſchnell ſenkte und beruhigte, und ich hatte die beſte Gele⸗ genheit, mein Vorhaben in's Werk zu ſetzen. Das Schiff warf ſich allerdings unrnhig umher und gierte ſehr, im Ganzen aber machte es eine ziemlich erträgliche Fahrt. Ich ſah es an dem Waſſer, daß es faſt die ganze Zeit zwei Knoten auf die Stunde vorrückte. Mit dem Vorſchreiten des Tages begann aber der Wind zu fallen und die Ge⸗ ſchwindigkeit verminderte ſich um die volle Hälfte. Nachdem ich Stunden lang oben hingebracht hatte, ſtieg ich endlich wieder herab, um hier nach dem Stand der Dinge umzuſchauen. Als ich die Pumpen unterſuchte, fand ich zehn Fuß Waſſer in dem Raume; aber die Ober⸗ nußte, gemä⸗ tunde glichſt wärts dittag dwars it, ſo bte ich n das skreis ee ſich Gele⸗ Schiff e, im L. Ich zwei reiten e Ge⸗ hatte, Stand ſuchte, Ober⸗ — 147— werke waren durchaus nicht unter Waſſer und das Schiff bewegte ſich immer noch ſehr leicht. Daß die Dämmerung allmählig unter mir ſank, war eine Thatſache, welche zu ſehr in die Augen ſprang, um ſie in Abrede ſtellen zu wollen; und alle Beziehungen zu dieſem Leben begannen ſich in den Kreis von etwa vier und zwanzig Stunden einzuengen. So lange konnte ſich das Schiff wahrſcheinlich über dem Waſſer erhalten— vielleicht noch etwas länger, wenn das Wetter gemäßigt blieb. Der Wind legte ſich immer mehr, und da ich hoffen konnte, eine ruhige Nacht zu bekommen, beſchloß ich, dieſe der Vorbereitung zu dem letzten großen Wechſel zu widmen. Ich brauchte kein Teſtament zu machen und hatte, wenn mein Schiff dahin war, in der That wenig zu hinterlaſ⸗ ſen; denn das, was ich John Wallingford ſchuldete, nahm ziemlich meine ganze Habe in Anſpruch. Wenn ſeine 40,000 Dollar, in Folge eines Zwangsverkaufs, bezahlt waren, konnte wahrlich nicht viel übrig bleiben. Vielleicht wäre der Stand der Dinge bei einem offe⸗ nen, freiwilligen Verkaufe ein anderer geworden; allein ein Zwangsverkauf verſchlang wahrſcheinlich alles. Mein Gläubiger war allerdings mein Erbe; allein ich hatte, mit Ausnahme eines Legats für Lucy und einiger Vermächt⸗ niſſe für meine Selaven, meinem Vetter Alles, was ich mein nennen konnte, überlaſſen. Was die Schwarzen anging, ſo mußten ſie in Folge der neuen Politik Neu⸗ — 148— Yorks bald frei werden, und ich hatte an ihrem Schickſale kein anderes Intereſſe, als das der Gewohnheit und der Zuneigung. Wozu aber in der Lage, in welche ich jetzt verſetzt war, von Eigenthum ſprechen? Wär' ich Herr der ganzen Grafſchaft Ulſter geweſen, ſo mußten meine Wünſche ſo gut, wie jedes neue Teſtament, das ich machen konnte, mit mir untergehen! Der Ozean mußte das Ganze bald verſchlingen. Regte ſich kein Wunſch in mir, einen Verſuch zu machen, mein Leben zu retten oder es wenigſtens zu verlängern, indem ich mir ein Floß baute?— denn ein Boot war nicht an Bord des Schiffes. Die Engländer hatten die Jolle, und die Launch war weggeſpült worden. Die Nothſpieren waren über Bord gegangen, ſo wie die Waſſerfäſſer, die auf dem Deck befeſtigt geweſen. Mit den Lukenpforten und der Kreuzſtenge hätte ſich vielleicht etwas ausrichten laſſen, wenn ich im Stande geweſen wäre, letztere in das Waſſer zu bringen; aber dieſer Schritt war ein ſo ver⸗ zweifelter, daß ich kaum den Muth hatte, die entfernteſte Hoffnung darauf zu bauen. Selbſt die Handſpeichen waren mit der Launch in die Tiefe gegangen; und zwei von den Boyen waren bei den Ankern, an der iriſchen Küſte, geblieben. Unter allen dieſen Umſtänden erſchien es mir mann⸗ hafter und entſchloſſener, meinem Schickſale entgegen zu treten, als ſolche ſchwache Verſuche zu machen, das Daſein um einige Stunden zu verlängern. Ich beſchloß daher, in meinem Schiffe unterzugehen. kſale der rſetzt nzen gut, tmir igen. chen, ndem ſt an und ieren „ die orten chten das ver⸗ nteſte baren i den küſte, nann⸗ en zu aſein r, in Was konnte mir auch eine abſonderliche Liebe zum Leben einflößen? Meine Heimath, mein ſehr geliebtes Claw⸗ bonny war jedenfalls verloren; und ich will geſtehen, daß mich ein Gefühl bittern Mißtrauens überkam, als ich alle dieſe Dinge erwog und bei mir zu denken begann, John Wallingford ſei abſichtlich in mich gedrungen, ſein Geld zu leihen, um eine Gelegenheit zu finden, ſich eines Gutes zu bemächtigen, auf welches alle Wallingford einen ſo hohen Werth legten. Ich wurde jedoch bald Herr dieſes Gefühles und bat meinen Vetter mit lauter Stimme, als wär' er in meiner Nähe, um Verzeihung. Von Lucy konnte ich nichts mehr hoffen; Grace war bereits in dem Himmel und wenige gab es auf der Welt, die ſich um mich bekümmerten. Nach Herrn Hardinge liebte ich jetzt— Lucy immer ausgenommen— Marble und Neb am meiſten, und dieſe waren wahrſcheinlich beide todt oder von einem Schickſale, gleich dem meinigen, bedroht! Wir müſſen jedoch alle einmal ſterben, und obgleich meine Stunde ziemlich früh kam, wollte ich ihr entgegen treten, wie der Mann allem, ſelbſt dem Tode, entgegen treten muß. Eine Stunde vor dem Untergang der Sonne ſtieg ich noch einmal in die Höhe, um einen letzten Blick auf den Ozean zu werfen. Ich glaube nicht, daß irgend ein Wunſch, mein Daſein zu verlängern, mich den Maſt hinaufführte; ich fühlte aber eine geheime Sehnſucht, nach meinem Maat auszuſchauen. Das Meer glänzte prachtvoll in der abendlichen Be⸗ leuchtung, und es war mir, als ſtrahlte es das huldreiche Antlitz ſeines göttlichen Schöpfers in einem Lächeln wohl⸗ wollender Liebe ſchwach zurück. Ich fühlte, daß mein Herz ſich bei dem Blicke auf dieſe Herrlichkeit ſänftigte und himmliſche Muſik ſchien in der lauen Luft zu klingen und das Lob des Allerhöchſten die Fläche des wogenden Meeres entlang zu ertönen. Ich kniete jetzt in dem Mars nieder und betete. Als ich mich erhob, blickte ich, zum letzten Male, wie ich glaubte, auf die See. Nirgends war ein Schiff zu ſehen. Ich kann nicht ſagen, daß dies mich muthlos gemacht hätte; ich hatte von daher keine Hülfe erwartet. Ich wünſchte meinen Maat zu finden und mit ihm zu ſterben. Langſam hob ich das Glas und beſtrich mit Bedacht den Geſichtskreis. Nichts war zu ſehen. Ich hatte das Glas geſchloſſen und wollte es eben wieder umhängen, als ich etwa eine Meile von dem Schiffe, recht nach leewärts und nach vorne, etwas auf der Ober⸗ fläche des Meeres ſchwimmen zu ſehen glaubte. Ich hatte, um den Horizont zu beſtreichen, das Glas zu hoch gehalten und es daher überſehen. Kein Irrthum war möglich,— es war das Wrack.* Im Nu war das Glas wieder in meiner Hand. Ich hob es und überzeugte mich von der Wirklichkeit deſſen, was mir faſt ein Traum ſchien. — 151— Das Mars war deutlich zu ſehen; es ſchwamm ziem⸗ lich hoch über der Fläche und Theile der Raaen und Ma⸗ ſten tauchten dann und wann auf, wenn das Wogen des Meeres ſie blosſtellte. Ich ſah etwas bewegungslos auf dem Marsrande liegen; es mußte Marble ſein; er war todt oder ſchlief. Wie ſtrömte mir bei dieſem Anblicke alles Blut in das Herz! Eine Minute vorher war ich ganz vereinſamt, von meinen Mitmenſchen vollkommen abgeſchnitten, ergeben in mein Schickſal, das mir zu gebieten ſchien, ohne fernern Verkehr mit meines Gleichen aus dieſer Welt zu ſcheiden. Alles war jetzt plötzlich verändert! Dort war der Ge⸗ noſſe ſo vieler frühern Gefahren, der— Mann, welcher mich in meinen Beruf eingeweiht hatte,— ein Weſen, das ich, wie ich mit Wahrheit ſagen konnte, liebte! Dort war er, ganz in der Nähe, vielleicht in Folge des mangelnden Bei⸗ ſtandes, welchen ich ihm leiſten konnte, dem Tode nahe! Wie der Blitz war ich auf dem Deck. Die Schoten wurden abgeſchackt und das Ruder gehoben. Meinen Wün⸗ ſchen gehorſam fiel das Schiff ab und von der Stelle, wo ich ſtand, von dem Steuer aus, kam mir das Wrack ein wenig klar von dem Krahnbalken luvwärts zu Geſicht. Der Wind war mittlerweile ſo leicht geworden und das Schiff ging ſo tief in dem Waſſer, daß die Bewegung des letztern ſehr langſam ſein mußte. Selbſt mit dem Ruder auf, betrug ſie kaum einen Knoten. Ich mußte bei⸗ nahe fürchten, ich würde zuletzt mein Ziel nicht erreichen können! Es kamen jetzt Augenblicke völliger Windſtille. Dann kehrte die Luft wieder in leichten Stößen zurück, welche die große Maſſe ſchwer vorwärts drängten. Ich pfiff, ich betete, ich rief laut nach Wind; kurz ich verſuchte es mit allen möglichen Hülfsmitteln, von dem gemeinſten ſeemän⸗ niſchen Aberglauben bis zu der andachtsvollen Anrufung des Vaters der Gnade. Ich vermuthe faſt, daß dies alles keine Veränderung zur Folge hatte; aber der Fortgang der Zeit brachte dieſe mit ſich. Eine halbe Stunde, ehe ſich die Sonne in das Meer tauchte, war das Schiff auf hundert Ellen von dem Wrack. Davon konnte ich mich nur durch gelegentliche Seitenblicke überzeugen; denn die Richtung, in welcher ich ſteuern mußte, ließ den vordern Theil des Schiffes zwiſchen mich und meine Marke treten; und ich wagte es nicht, das Steuer zu verlaſſen und vorwärts zu gehen, um das Wrack nicht ganz zu verfehlen. Ich hatte einen Dreghaken*) zurecht gemacht, indem ich einen kleinen Katanker mit einem dicken Troß**) daran in die Lee⸗Kuhl brachte. Wenn es mir gelang, auf einige Fuß von dem ſchwimmenden Tauwerk vorbei zu kommen, ſo war ich überzeugt, den Anker in daſſelbe auswerfen zu können und das Wrack ſo zu fiſchen. *) Eine Art Anker mit mehreren Haken, um verlorne Ankertaue und dergleichen aufzufiſchen. **) Schweres Tau. Der Ueberſ. —— Dann welche f, ich s mit emän⸗ ufung erung dieſe Meer Vrack. ablicke teuern mich das Wrack indem daran einige imen, en zu ie und —— — 153— Es war mir jetzt, als wolle ſich das Schiff gar nicht mehr bewegen. Es ging aber doch nach vorne, aber in fünf bis ſechs Minuten nicht mehr, als ſeine eigene Länge betrug. Meine haſtigen Seitenblicke ließen mich gewahren, daß noch zwei ſolche Längen mich zu dem Ziele führen würden. Ich athmete kaum, damit das Schiff mit hinrei⸗ chender Genauigkeit geſteuert würde. Es mußte mir auffallen, daß Marble mich nicht anrief, und da ich glaubte, er ſei eingeſchlafen, ſchrie ich ihm mit aller Kraft zu, um ihn zu wecken. „Welch ein erfreulicher Ton wird dies für ſein Ohr ſein!“ dachte ich bei mir, obgleich meine Stimme für mich ſelbſt etwas Unheimliches, Beunruhigendes hatte. Keine Antwort kam. Jetzt fühlte ich ein leiſes Pochen, als wenn der Schaft auf etwas geſtoßen wäre, und ein leiſes Scharren gegen das Kupfer zeigte an, daß das Schiff an das Wrack ange⸗ trieben hatte. Ich verließ das Steuer, ſprang in die Kuhl und nahm den Katanker in meine Arme. In Folge des Drucks des Schiffsbodens gegen das äußerſte Ende des untern Maſtes wirbelten die obern Spieren jetzt ſtark herum; ich ſah aber nichts als das große Labyrinth von Tauwerk und Spieren und konnte in der Angſt, mein Ziel zu verfehlen, kaum Athem holen. Ich hatte hinreichenden Grund, zu fürchten, die ganze Maſſe würde abtreiben und mir dürfte keine Möglichkeit bleiben, den Anker auszuwerfen; denn der kür⸗ — 154— zere Maſt neigte ſich nicht mehr einwärts und ich ſah, daß das Schiff und das Wrack ſich langſam trennten. Ein leiſer Anſtoß an den Boden, unmittelbar unter mir, veranlaßte mich, über die Seite zu blicken, und ich ſah, daß die Fockraa, wenn ich mich ſo ausdrücken darf, klar zum Vieren ſei und ihr eines Ende den Boden des Schiffes entlang ſtrich. Hier war der einzige Hoffnungsſtrahl, die einzige Möglichkeit, meinen Zweck zu erreichen, und ich warf den Katanker quer darüber aus. Glücklicher Weiſe brachte das Troß, als es ſteif anſetzte, eine Ankerhand, gerade unter der Raa, in das flammändiſche Pferd, den Braſſenblock und alle die andern Taue, welche an einem untern Ragaen⸗ Arm befeſtigt zu ſein pflegen. Die Bewegung des Schiffes war ſo langſam, daß mein Anker hielt, und die ganze Maſſe des Wracks begann dem Drucke nachzugeben. Ich ſprang nun an die Klüver⸗ fallen und den Niederholer und nahm dieſes Segel ein. Dann geiete ich das Flitterſegel halb auf, damit mein Halt an dem Wrack nicht weichen möchte. Ich kann ſagen, daß ich, bis auf dieſen Augenblick, nicht einmal nach Marble geſehen hatte. So groß waren meine Beſorgniſſe, ich könnte das Wrack verfehlen, daß ich an nichts anderes dachte, nichts anderes ſah! Als ich jedoch bemerkte, daß mein Anker halten würde, lief ich nach vorne, um in das Mars nieder zu ſchauen, welches die Spannung des Troſſes gerade unter die Seite gebracht hatte, über welche es gefallen war. „ daß unter nd ich darf, en des inzige rf den te das unter nblock taaen⸗ „daß egann lüver⸗ l ein. Halt ablick, waren aß ich pürde, auen, Seite — 155— Das Mars war leer! Das, was ich für Marble, todt oder entſchlafen, gehalten hatte, war ein Theil des Bauchs des großen Marsſegels, welcher über den Marsrand nieder⸗ gehohlt und da befeſtigt worden war, entweder um eine Art Schutz gegen die anbrechenden Wellen, oder als Lager zu dienen. Was aber auch die Beſtimmung dieſes Neſtes gewe⸗ ſen ſein mochte,— es hatte keinen Bewohner mehr. Marble war wahrſcheinlich bei einer ſeiner waghalſigen Anſtrengungen, ſich mehr Sicherheit oder Behaglichkeit zu bereiten, weggeſpült worden. Die Troſtloſigkeit, welche mich überkam, als ich mich dieſes Umſtandes vergewiſſert, war kaum weniger ſchmerzlich, als die Seelenpein, welche ich gefühlt hatte, als ich meinen Maat zuerſt in das Meer geſchleudert ſah. Es wäre gewiß eine wehmüthige Freude geweſen, ſeine Leiche zu finden, um wenigſtens gemeinſchaftlich in die Tiefe hinab zu gehen und ſo in einem und demſelben Grabe in dem Schooße des Meeres zu ſchlafen, über wel⸗ ches wir ſo viele tauſend Stunden in Geſellſchaft hinge⸗ ſchifft waren. Ich trat weg und warf mich, um mein Schickſal unbe⸗ kümmert, auf das Deck und weinte bitterlich. Ich hatte mir auf der Schanze eine Matratze zurecht gemacht, und auf dieſe warf ich mich jetzt. Die Ermüdung beſtegte mich zuletzt und ich verſiel in einen tiefen Schlaf. Als die Beſinnung mich verließ, war mein letzter Gedanke, =—yͤͤ ich würde in dieſer Lage mit meinem Schiffe in die Tiefe gehen. So vollkommen war der Triumph der Natur, daß ich nicht einmal träumte. Ich erinnere mich nicht, jemals einen ſo tiefen und erquickenden Schlaf gekannt zu haben, — ein Schlaf, aus welchem mich erſt der wiederkehrende Tag erweckte. Außer Gott habe ich es vielleicht der Ruhe dieſes Schlafes zu verdanken, daß ich im Stande bin, dieſe Abenteuer zu erzählen. Es iſt kaum nöthig zu bemerken, daß die Nacht ſehr ruhig war; ſonſt würde des Seemannes geübtes Ohr ihn geweckt haben. Als ich mich erhob und umherſchaute, glänzte das weite Meer wie ein Spiegel und keine andere Bewegung ward fühlbar, als die, welche ſo oft mit dem Athmen eines großen ſchlummernden Thieres verglichen worden iſt. Das Wrack pochte gegen den Boden des Schiſſes an und verkündigte mir ſo ſeine Anweſenheit, ehe ich noch auf den Füßen war. Kein Windhauch war zu ſpüren. Dann und wann nur ſchien das Schiff aufzuathmen, wenn eine ſchwere Grundſchwelle an ſeinen Seiten entlang rollte und das Waſchen des Elements von einem ſolchen Beſuche Zeugniß gab,— ſonſt war Alles ſtill, wie das Meer in ſeiner Kindheit. Ich kniete abermals nieder und betete zu jenem hehren Weſen, mit welchem ich, wie es mir jetzt ſchien, in dem Mittelpunkte des Weltalls allein ſtand. Knie mein Verf einig her und zeigt in n dieſe werd raſch Tage der l ein L zu w geſen Ruſt es n ben; entde es de war ſolche mehr Tiefe aß ich emals haben, hrende Ruhe dieſe t ſehr yr ihn haute, andere it dem gZlichen n des it, ehe wann chwere d das eugniß ſeiner hehren n dem — 157— Bis zu dem Augenblicke, wo ich mich von meinen Knieen erhob, war es mir nicht in den Sinn gekommen, meine Kräfte aufzubieten, um mich zu retten, oder einen Verſuch zu machen, mittelſt des Wracks mein Daſein um einige Stunden zu verlängern; als ich aber jetzt um mich her ſchaute, und die ruhige Stille des Meeres bemerkte, und der, wenn auch noch ſo ſchwachen, Hoffnung, die ſich zeigte, gewahr ward, erwachte die Liebe zum Leben wieder in mir, und ich machte ernſt ſolche Vorbereitungen, wie dieſer Zweck ſie forderte. Vor allem mußten die Pumpen von neuem unterſucht werden. Das Waſſer war im Laufe der Nacht nicht ſo raſch geſtiegen, wie während dem ganzen vorhergehenden Tage; denn der Raum hatte nur drei Fuß mehr, als bei der letzten Unterſuchung,— ein untrüglicher Beweis, daß ein Leck da war, welches ich nicht zu verſtopfen im Stande war. Es war ſonach nicht daran zu denken, das Schiff retten zu wollen; es hatte ſich bereits ſo tief in das Waſſer geſenkt, daß die untern Bolzen der Fock⸗ und großen Ruſten beſpült wurden. Nach meinem Dafürhalten konnte Ves noch vier und zwanzig Stunden über dem Waſſer blei⸗ ben; ein Leck, welches ich unter dem Backbord⸗Krahnbalken entdeckte, und welches von dem Wrack herrührte, müßte es denn früher in die Tiefe führen. Wie es mir ſchien, war dort der Kopf einer Planke losgeſprungen, und ein ſolches Leck mußte natürlich das Schickſal des Schiffes um mehrere Stunden beſchleunigen. Nachdem ich die Zeit, welche mir noch blieb, auf dieſe Weiſe berechnet hatte, begab ich mich ernſtlich an die Arbeit, um mein Floß herzurichten. In mehreren Beziehnngen konnte ich das Wrack, welches ich dazu benützen wollte, nicht beſſer beſtellen, als es bereits geſchehen war; denn da die Raaen unter den Maſten waren, ſo machte dies die letztern ſo ſchwimmkräftig, als es bei mäßigem Wetter nur wünſchenswerth war. Der Gedanke kam mir jedoch, ich könnte, wenn ich die Bram⸗ und Oberbramſtengen mit ihren Raaen um das Mars einbrächte, mit Hülfe der Luken eine Stelling auftakeln, welche mich bei mildem Wetter nicht nur ganz über dem Waſſer erhalten, ſondern auch alles das faſſen würde, was ein Mann an Lebens⸗ mitteln und Getränken auf vier Wochen brauchte. Dieſem Plane wendete ich zunächſt meine Aufmerkſamkeit zu. Ich hatte keine große Mühe, die erwähnten Spieren los zu machen und ſie das Mars entlang zu hohlen. Es war eine Arbeit, welche eher Zeit, als Kraft forderte; denn meine Bewegungen wurden dadurch ſehr erleichtert, daß die Takelage der Stenge noch vorhanden und faſt ſo ſteif war, als ſtünde ſie aufrecht. Das übrige Tauwerk hieb ich ab, und als ich die Schloßhölzer der beiden Stengen, eines nach dem andern, draußen hatte, ſtieß ich die Spieren mit dem Fuße durch ihre bezüglichen Eſelshäupter. Ich mußte, wie es ſich von ſelbſt verſteht, in das Waſſer gehen, um zu arbeiten; ich hatte aber bei dieſer Gelegenheit faſt alle Bekleidung von mir geworfen, und V ang Bro gut zwei und des vorf ich als zu n pen ſie 3 errei die einer lehne zu ki nicht Der keit Das und beabf uf dieſe Arbeit, hungen wollte, ; denn jes die ter nur hh, ich en mit fe der nildem ondern Lebens⸗ Dieſem Spieren 1. Es ; denn daß die ff war, ich ab, eines en mit n das dieſer , und — 159— da das Wetter warm war, fühlte ich mich durch das Bad angenehm erquickt. Nach zwei Stunden hatte ich meine Bramſtengen und Raaen an den Marsrand und die Kappen gut befeſtigt, nachdem ich ſie vorher zu dieſem Zwecke ent⸗ zwei geſägt hatte. Die Feſtingen beſtanden aus Spikern und Sorringen; die erſtern lieferte die Vorrathskammer des Zimmermanns, wo ſich auch Geräthſchaften aller Art vorfanden. Als dieſer Theil der Anſtalten abgethan war, nahm ich ein tüchtiges Frühſtück ein, und begann dann die Luken als eine Art Fußboden auf dem urſprünglichen Gerüſte feſt zu machen. Dies war nicht ſchwierig, denn die Lukenklap⸗ pen waren lang und die Ringe ſetzten mich in den Stand, ſie zu ſorren und zumal zu verſpikern. Die Sonne hatte noch lange nicht die Mittagshöhe erreicht, als ich mit einer Art feſter Platform fertig war, die volle achtzehn Zoll über dem Waſſer ſtand und mit einem niedrigen Laufſtag umgeben war, ſo daß die daran lehnenden Gegenſtände nicht auswärts fallen konnten. Die nächſte Arbeit war, alle Segel von den Raagen zu kippen, ſo wie das Tauwerk und Eiſen wegzuhauen, das nicht die Beſtimmung hatte, das Wrack zuſammen zu halten. Der Leſer kann ſich leicht denken, welche größere Lebhaftig⸗ keit und Schwimmkraft mein Floß auf dieſe Weiſe erhielt. Das Fockſegel allein hatte mehr Wucht, als mein Körper und die Vorräthe, welche ich auf mein Gerüſt zu bringen beabſichtigte. Was das Vormarsſegel betrifft, ſo blieb wenig — 160— davon übrig, denn das Tuch war, noch ehe der Maſt ſtürzte, größtentheils von der Naa weggeflogen. Als ich das Bedürfniß fühlte, mich durch ein Mit⸗ tagseſſen zu ſtärken, war mein Floß vollendet, und in ſehr gutem Stande Das Deck, wenn ich mich ſo aus⸗ drücken darf, hatte etwa zehn Fuß im Geviert und ſtand jetzt volle zwei Fuß über der Fläche des Waſſers. Dies war für eine Welle nicht viel; nach der letzten heftigen Kühlte hatte ich aber ziemlich viel Hoffnung, daß das Wetter vergleichsweiſe gut bleiben werde. Ich wäre kein wahrer Seemann geweſen, wenn ich nicht an einen Maſt und ein Segel gedacht hätte. Ich hatte den Voroberbrammaſt und die Raa, ſo wie die Lein⸗ wand zu einem ſolchen Zwecke auserſehen und beſchloß ſie aufzutakeln, wenn ich nichts anderes zu thun hätte. 4 Ich nahm jetzt mein Mittagsmahl ein, welches aus⸗ den Ueberbleibſeln des kalten Fleiſches und Geſlügels beſtänd, die ich unter den Kajütenvorräthen fand. 2 Als dieſes Mahl eingenommen war mein Floß zu verproviantiren. Dieſe Arbeit war bald Die Kajütenvorräthe waren leicht zugänglich. Lootſen⸗Brod, ein zweiter mit ſogenannten geräucher⸗ , ging ich daran, abgethan. Ein Sack mit Knackern, dieſer ächt amerikaniſchen Erfindung, tes Fleiſch, ein Flaſchenkorb mit Spirituoſen und zwei Fäßchen Waſſer gahen meinen Hauptvorrath ab. Ein Topf mit Butter und eine Anzahl trefflicher geräucherter Häringe, ſo wie köſtliche Sardellen wurden hinzugefügt. Beg ſcher Aſſee verla ſofer net, Maſt Mit⸗ d in aus⸗ ſtand Dies ftigen 5 das nn ich Ich e Lein⸗ hloß ſie 4 15 dus- veſtänd, daran, ar bald änglich. nannten rräucher⸗ nd zwei Fin Topf Häringe, — 161— Wir führten in der Kajüte ein gutes Leben, und es war nicht ſchwer, ſo viel Vorrath zuſammen zu bringen, als ſechs bis acht Mann für einen Monat brauchten. Da ich bemerkte, daß das Floß, nachdem es von der Wucht der Segel, der Takelage und des Eiſens klar war, durch dieſe Vorräthe nicht ſehr beſchwert wurde, begann ich mich umzu⸗ ſehen, was ſonſt werthvolles gerettet werden könnte. Die Vorbereitungen, welche ich getroffen hatte, erzeugten eine Art Vertrauen in den glücklichen Erfolg, ein Vertrauen, — ich ſollte wohl Hoffnu ng ſagen,— das vielleicht eben ſo natürlich, als unvernünftig war. Ich unterſuchte die verſchiedenen ſich darbietenden Ge genſtände und ermaß ihren Werth und ihren künftigen Nutzen mit einer Umſicht, welche abgeſchmackt geweſen wäre, hätte ſie nicht einen wehmüthigen Beweis von der Hart⸗ näckigkeit unſrer Wünſche in Sachen dieſer Art abgegeben. Es iſt gewiß betrübt, ein Schiff auf der See mit allen ſeinen Hülfsmitteln und mit dem Bewußtſein der Summen, die es gekoſtet hatte, verlaſſen zu müſſen. Die Dämme⸗ rung mußte mich, mit ihrer Ladung, achtzig tauſend Dol⸗ lar, und ſelbſt mehr, gekoſtet haben; und ich war jetzt im Begriffe, ſie auf dem offenen Meere, faſt mit der morali⸗ ſchen Ueberzeugung, daß kein Cent des Geldes von den Aſſecuranten zurückerſtattet werden könne oder würde, zu verlaſſen. Dieſe Letztern übernahmen nur die Gefahren, ſofern dieſe von Unglücksfällen zur See, Brand eingerech⸗ net, herrührten; und der Aſſecurat hatte die geſetzliche 214— 216. 11 162— Verpflichtung zu ſorgen, daß das Schiff gehörig gebaut und mit der nöthigen Mannſchaft verſehen war. Nach meiner Anſicht würde in dem letzten Sturme das Schiff von keinem Unfalle betroffen worden ſein, hätte es ſeine volle Mannſchaft an Bord gehabt; und daß das Schiff keine hinreichende Bemannung hatte, war, in einem recht⸗ lichen Sinne, meine eigene Schuld. Ich war verpflichtet, es die Engländer in den Hafen bringen zu laſſen und das Urtheil zu erwarten; denn das Geſetz nimmt von vorn herein an, daß mir Gerech⸗ tigkeit widerfahren wäre. Das Geſetz könnte ſich in dieſer Beziehung ſehr geirrt haben; Potentaten geſtehen aber ihre Mißgriffe nie ein. Wenn man unrecht gethan hatte, mich feſt zu halten, ſo verſprach das Geſetz entſprechende Ent⸗ ſchädigung. Der Aufenthalt konnte mich freilich, wegen der Schuld, die ich zu tilgen hatte, zu Grunde richten; allein daran lag dem Geſetz, in ſeiner Unſchuld, gar nichts. Wenn ich beweiſen könnte, daß ich in Folge der ſinkenden Preiſe meiner Ladung zu Schaden gekommen, ſo konnte ich auf Vergütung hoffen, wenn der Gerichtshof ſich dazu ge⸗ neigt zeigte, und wenn mein Gegner nicht appellirte, und wenn, in dem letztern Falle, die ſpätern Urtheile das erſte unterſtützten, und wenn— vorausgeſetzt, alle Beſcheide wären zu meinem Vortheile ausgefallen— Lord Harry Dermond einige tauſend Pfund Entſchädigungsgelder bezah⸗ len könnte,— eine Frage, welche hingeſtellt blieb. Ich hatte auf meinen Seereiſen ſtets einen ſchönen, brin baut Nach ſchiff ſeine chiff echt⸗ dafen denn rech⸗ ieſer ihre mich Ent⸗ degen yten; ichts. nden e ich 1 ge⸗ und erſte heide Harry ezah⸗ önen, — 163— früher im Auslande gekauften Koffer bei mir, der gewöhn⸗ lich mein Geld, Kleider und anderes Werthvolle enthielt. Dieſen Koffer ſuchte ich mittels einer Winde auf das Deck und über des Schiffes Seite auf das Floß zu bringen. Dieſe Arbeit gehörte bei weitem zu den mühſamſten, die ich unternommen hatte. Dazu kamen nun noch mein Schreib⸗ pult, eine Matrazze, zwei bis drei Compaſſe und einige andere leichte Gegenſtände, welche mir nützlich zu werden hoffen ließen, die ich aber jeden Augenblick in die See werfen konnte, wenn dies nothwendig werden ſollte. Als all dies geſchehen war, gewahrte ich, daß alle nöthigen Vorbereitungen als abgethan betrachtet werden könnten. Es war beinahe Nacht und ich fühlte mich ermüdet genug, um mich auf die Matrazze zu legen und zu ſchla⸗ fen. Das Waſſer war in den letzten wenigen Stunden ſehr langſam geſtiegen; allein das Schiff ging jetzt bereits ſo tief, daß ich es nicht für ſicher hielt, während dem Schlafe an Bord zu bleiben. Ich beſchloß daher, Abſchied von der Dämmerung zu nehmen und mich auf das Floß zu begeben. Ich mußte mir ferner ſagen, daß es nicht minder un⸗ ſicher ſei, dem Schiffe, wenn es in die Tiefe ging, zu nahe zu ſtehen, und daß ich gerade noch Zeit genug hätte, die Spieren auf eine kleine Entfernung von dem Schiffe zu bringen, ehe es völlig dunkel würde. Ich war aber nicht gewillt, die Dämmerung ganz zu 11* — 164— verlaſſen; denn die Spieren, welche noch an ihrem Bord ſtanden, waren immer ein ſchätzbareres Signal, wenn ein Schiff vorüber kam, als das niedrige Segel, welches ich dem Floße aufſetzen konnte. Wenn ſie ſich den nächſten Tag noch über dem Waſſer hielt, war die Möglichkeit im⸗ mer noch gegeben, Hülfe zu finden. Einem ſolchen Vor⸗ theile durfte ich nicht ſo leicht entſagen. Es war an ſich keine ſehr leichte Arbeit, die Spieren von dem Schiffe wegzudrängen. Die Stoffe haben ſtets eine gewiſſe Anziehungskraft, welche bei Windſtillen be⸗ kanntlich die Schiffe näher an einander bringt, und dieſes Naturgeſetz mußte ich vor Allem bewältigen und es dann unwirkſam machen, während mir doch zu dem einen wie zu dem andern die Mittel fehlten. Ich war jedoch ſehr kräftig und hatte als Seemann vielfache Mittel zu meinem Gebote. Auch war das Floß jetzt, da es nicht mehr ſeine frühere Länge hatte, bei wei⸗ tem leichter zu handhaben, als es urſprünglich geweſen⸗ Während ich in den Zwiſchendecken umherſchaute, hatte ich einige Ruder gefunden, die in die Launch gehörten, in die Steuerkammer beigeſtaut und auf dieſe Weiſe gerettet worden waren. Dieſe hatte ich auf das Floß gebracht, um meine Stellung— oder mein Deck— zu feſtigen; zwei derſelben aber wurden zu dem Zwecke, zu dem ich ſie nun verwenden wollte, zurecht gelegt. Ich brachte demnach den Anker weg, ſchlug die an⸗ dern Taue ab, welche ich gebraucht hatte, um das Floß ich ſten im⸗ Vor⸗ eren ſtets be⸗ teſes ann wie ann Floß wei⸗ eſen. ich „in jettet acht, gen; ſie an⸗ Floß zu feſtigen, und begann, als die Sonne eben in das Meer ging, von dem Schiffe abzuhalten. So lange ich mich an dem Schiffe fortdrücken konnte, ging Alles gut; denn ich hatte es räthlicher gefunden, nach dem Spiegel hin anzu— hohlen, ſtatt gerade in's Freie zu wenden, da ich auf dieſe Weiſe hoffen konnte, eine beſſere Abtrift zu bekommen, wenn ich ganz unter der Lee des Schiffes bliebe, als wenn ich mich in eine Fronte mit ihm ſtellte. Ich ſage,„unter der Lee,“ obgleich ſich kein Lüftchen regte und das Waſſer ſich faſt gar nicht bewegte. Ich hatte eine Linie an einen Spiegel⸗Penterbalken befeſtigt, ſtemmte meinen Fuß gegen den Koffer und beſiegte auf dieſe Weiſe bald die Tragkraft der Spieren; als ſie einmal in Bewegung waren, ſtrengte ich alle meine Kräfte an, und es gelang mir bald, dem Floß einen Anſtoß zu geben, welcher es völlig an dem Schiffe vorbei trieb. Ich geſtehe, daß ich perſönlich keine Beſorgniſſe wegen der Sauging*) hatte, wäre auch das Schiff geſunken, während das Floß mit ihm noch in Berührung war; aber die Erregung des Waſſers konnte mein ſchwaches Gebäude erſchüttern und die Vorräthe wegſpülen. Der letztere Ge⸗ danke veranlaßte mich jetzt, zu meinen Rädern zu greifen und alles mögliche aufzubieten, um mein ſchwerfälliges Fahrzeug fortzubringen. *) Der Zug des Waſſers nach unten, dem ſinkenden Schiffe nach. Der Ueberſ. — 166— Ich arbeitete eine volle Stunde, und nach Verlauf dieſer Zeit war das nächſte Ende des Floßes, oder die un⸗ tern Theile des Fockmaſtes, etwa hundert Ellen von dem Hackebord der Dämmerung. Dies war eine langſame Be⸗ wegung und ich überzeugte mich, daß ich, wenn Rettung überhaupt zu hoffen wäre, dieſe nur von einem vorüber⸗ kommenden Schiffe, nicht aber von meinen Rudern erwar⸗ ten mußte. Von Müudigkeit überwältigt, legte ich mich jetzt nieder und ſchlief ein. Ich traf keine Vorſichtsmaßregeln gegen ein allenfallſiges Erheben des Windes während der Nacht; theils war das Ausſehen des Himmels und des Meeres zu ruhig, als daß ich eine Aenderung des Wetters erwarten konnte; theils wußte ich, daß das Spülen des Waſſers und das Schrillen des Windes mich wecken würden, wenn die Witterung wechſelte. Wie in der vorhergehenden Nacht, ſchlief ich auch jetzt ruhig und ſammelte neue Kraft für bevorſtehende Müh⸗ ſeligkeiten. Ich wurde, wie am vergangenen Morgen, durch die erwärmenden Strahlen der aufgehenden Sonne, welche mir in das Geſicht ſchienen, geweckt. In den erſten Augen⸗ blicken des Erwachens wußte ich nicht genau, wo ich war; bald aber kehrte die Erinnerung an das Vergangene zurück und ich begann meine jetzige Lage zu unterſuchen. Ich ſah mich nach dem Schiffe um, indem ich dem Maſtende, oder der Richtung folgte, in welcher ich es zum letzten Male geſehen hatte. Das Floß hatte ſich, wie es mir ſchien, in der Nacht gewendet, und ich beging nach und nach den ganzen Geſichtskreis; allein kein Schiff war zu ſehen. Die Dämmerung war in der Nacht geſunken und ſo ſtill in die Tiefe gegangen, daß mich nichts in meiner Ruhe geſtört hatte! Ich bebte; denn ich konnte nicht umhin, daran zu denken, was mein Loos geweſen, wäre ich aus dem Schlafe der Lebenden nur geweckt worden, um den letzten Todeskampf zu beſtehen, indem ich in den Schlaf der Todten überging. Ich kann das Gefühl nicht ſchildern, welches mich überkam, als ich ringsum blickte und mich auf einem klei⸗ nen Floße, das nur zehn Fuß im Gevierte hatte und weni⸗ ger als zwei Fuß über der Oberfläche des Waſſers ſchwamm, in mitten des offenen Meeres ſah. Jetzt fühlte ich ganz das Hoffnungsloſe meiner Lage und begriff die Gefahren derſelben. Früher war ich gewiſ⸗ ſermaßen noch immer unter dem Schutze meines Schiffes, und hatte in deſſen Anweſenheit eine Art Troſt gefunden. Jetzt aber ſtand die Wirklichkeit in ihrer ganzen Hülf⸗ und Nathloſtgkeit vor mir. Selbſt eine mäßige Bö konnte Wel⸗ len erheben, welche über die Stelling hereinbrechen und Alles wegſpülen mußten. Die Spieren hatten allerdings eine ſpeziſiſche Leichtigkeit und ſanken ſchwerlich; oder wenn dies der Fall war, ſo geſchah es erſt nach Jahrhunderten, wenn ſie mit Waſſer geſättigt und mit Muſcheln bedeckt — 168— waren; auf der andern Seite aber hatten ſie auch die Schwimmkraft des Schiffes nicht, und konnten ſich nicht genug über die rollenden Wellen erheben, um der Bran⸗ dungen klar zu werden. Dies waren keine tröſtlichen Gedanken, und ſie dräng⸗ ten ſich mir, ſelbſt während ich meine Morgenandacht ver⸗ richtete, auf. Nachdem ich dieſer nie verſäumten Pflicht, ſo gut ich konnte, Genüge gethan hatte, aß ich ein wenig, obgleich ich zugeben muß, daß ich es nicht mit großem Appetite that. Dann ſtauete ich meine Habſeligkeiten, ſo gut es ſich thun ließ, bei, takelte den Maſt, ſetzte ihn ein und hiſſte das Segel als Signal für irgend ein vielleicht vorübergehendes Schiff auf. Ich konnte bald Wind erwarten; auch täuſchte ich mich nicht, denn gegen neun Uhr ſprang eine mäßige Bö aus Nordweſten auf. Dieſer Lufthauch war in mehr als einer Rückſicht eine große Erleichterung für mich. Er brachte mir Kühlung, denn ich begann die mächtige Hitze der Sommerſonne, welche gerade auf eine grenzenloſe Waſ⸗ ſerfläche niederſchien, peinlich zu fühlen; ſodann brachte er einen Wechſel in die Scene, welche ſonſt durch ihr ödes Einerlei den Geiſt niederdrücken mußte. Leider kam mir dieſer Wind von der Seite zu, denn ich hatte meinen Maſt in den Fockmaſt eingeſetzt, ihn gegen den Boden des Mars, welcher, wie man ſich erin⸗ nern wird, jetzt ſenkrecht war, befeſtigt, und auf die Maſt⸗ tops gan . jetzt 8 den nutz konn Anſ teten hatte *) — 169— die tops und Jungfern*) der Stengen⸗Takelage, die noch icht ganz, als ſtünde ſie aufrecht, erhalten war, obgleich ſie an⸗. jetzt auf dem Waſſer ſchwamm, angezogen. Ich wollte 5 den gebrochenen Theil des Fockmaſtes als mein Schaft be⸗ ng⸗ nutzen und mußte daher vieren, ehe ich Fahrt machen ver⸗ 1 konnte. cht, Dieſe einzige Schwenkung nahm eine Viertelſtunde in iig, Anſpruch; denn meine Braſſen, Halſen und Schoten arbei⸗ gem teten eben nicht beſonders. Nach Verlauf dieſer Zeit aber ſo hatte ich gewendet und meine Naaen in's Kreuz gebraſſt. ein— icht*) Blöcke, durch welche die Wandtauen angeſetzt und geſpannt werden. Der Ueberſ. Achtes Kapitel. Es war Ausdruck in ihrer Stummheit, Sprache in jeder ihrer Geberden; ſie ſahen aus, als hätten ſie von einer geretteten, oder einer zertrümmerten Welt gehört. Eine merkliche Neigung zur Verwunde⸗ rung zeigte ſich bei ihnen; aber der klügſte Zuſchauer, der nicht mehr wußte, als was ihm die Augen ſagten, blieb ungewiß, ob ihr Ausſeben auf Freude oder Schmerz deutete— jedenfalls war's eines von bei⸗ den in dem höchſten Grade. Shakſpeare. Sobald das Floß gehörig vor den Wind gebracht war und die Bö aufgefriſcht hatte, bot ſich Gelegenheit dar, mich zu überzeugen, daß Alles in der Ordnung ſei. Der Beſahn war groß und ſtand gut. Ich hatte eine Loglinie, ein Stundenglas, meine Quadranten, Schieferſtein und dergleichen, mitgenommen, und begann daran zu denken, Stellung und Weg zu berechnen. Nach meiner Annahme war das Schiff, als der Wind ſich legte, gegen zweihundert Meilen von dem Lande, und ich wußte, daß ich in 480 37 der Breite ſtand. Die Log⸗ linie ſagte mir, daß das Floß ſich dieſen Vormittag mit einer Geſchwindigkeit von einem halben Knoten auf die Stunde durch das Waſſer ziehe; wenn ich ſonach fünfzehn „ bis die mir ſüdli hinte mein lich verſic weil über anhol vermi Waſſe Aende weiter vollen wenn Gefah ſchweb A lang z gen, de raa ein G die So mheit, ſahen tteten, gehört. bunde⸗ klügſte ls was diß, ob chmerz on bei⸗ deare. ht war dar, Der glinie, n und denken, Wind 2, und ie Log⸗ ag mit auf die ünfzehn „ — 171— . bis ſechszehn Tage auf geradem Curſe anhielt, konnte ich die Küſte zu erreichen hoffen.. Ich war jedoch nicht ſo ſchwach, zu erwarten, daß ſich mir zu lieb ein ſolches Wunder begälg; obgleich in den ſüdlichen Gewäſſern etwas dieſer Art möglich geweſen wäre. Wenn ich die zwei Raaen abhieb oder ſie vorne und hinten mit dem Waſſer in eine Linie brachte, konnte ich meine Segelgeſchwindigkeit verdoppeln und ich begann ernſt⸗ lich darüber nachzudenken, mich dieſes großen Vortheils zu verſichern. Ich mochte die Raaen jedoch nicht weghauen, weil ſie ſehr wichtige Stützen abgaben, um mein Floß über dem Waſſer zu halten. Indem ich die Toppenants anhohlte, brachte ich ſie in eine ſchrägere Stellung und verminderte ſo einigermaßen ihren Widerſtand gegen das Waſſer. Nach meiner Berechnung mochte ſelbſt dieſe kleine Aenderung mich um einen halben Knoten in der Stunde weiter bringen. Demungeachtet war es langweilig, in einer vollen Stunde nur eine(eugliſche) Meile zurückzulegen, wenn deren zweihundert zu machen waren, während die Gefahren des Meeres unaufhörlich über meinem Haupte ſchwebten! Welch ein Tag war dies! Der Wind blies eine Zeit— lang ziemlich friſch und ich begann für mein Deck zu ban⸗ gen, das mehrere Male überſpült wurde, obgleich die Mars⸗ raa eine Art Lee für daſſelbe abgab und es ſchützen half. Gegen Abend wurde der Wind gemäßigter und als die Sonne unterging, war alles ſo ruhig, wie an dem — vergangenen Abend. Nach meiner Berechnung war ich jetzt unte acht bis neun Meilen von der Stelle entfernt, wo die Ged Dämmerung verſunken war, den Einfluß der Strömungen thöri nicht in Anſchlag gebracht, deren Wirkung zu berechnen 6 jetzt nicht in meinen Kräften ſtand. 26 n Bei Sonnenuntergang nahm ich einen ſorgfältigen geleg Ausguck nach allen Seiten, um zu ſehen, ob ſich ein Schiff und zeige; es war aber nichts zu ſehen. fagen Abermals brachte eine ſtille Nacht ruhigen Schlaf niſſe, mit ſich. Ich kann jedoch nur in einem Sinne von ruhi⸗ ich N gem Schlafe ſprechen; denn ich fühlte mich durch Träume Stim ziemlich beunruhigt. Hätte ich Mangel an Lebensmitteln und gehabt, ſo würde ich ohne Zweifel von Speiſen geträumt Sylbe haben; da dies aber nicht der Fall war, wendeten ſich. meine Gedanken der Heimath und den Freunden zu. ken 8 Ich lag faſt immer in einem Zuſtande zwiſchen Schlaf nicht, und Wachen. Bald war mein Geiſt mit meiner Schwe⸗ hatte. ſter, mit Lucy, mit Herrn Hardinge, oder mit Clawbonny mehr beſchäftigt,— mit Clawbonny, das ich bereits in den Hän⸗ ren it den John Wallingford's ſah, welcher über dieſen Beſitz und triftig das Gelingen ſeiner Liſt triumphirte. Bald kam es mir ihn 6* vor, als hätte Lucy das Gut an ſich gekauft und lebte Ihr 9 mit Andrew Drewett dort in einem ſchönen neuen Hauſe, ich En welches nach dem Geſchmacke dieſer Zeit aufgeführt wor⸗ 3 ſeins den. Unter„Geſchmack dieſer Zeit“ verſtehe ich jedoch 55 keines im griechiſchen Tempelſtyle; denn ich glaube nicht, Marbl daß ſelbſt alle Verirrungen einer kranken Phantaſie, welche geljen. jetzt die ngen chnen tigen Schiff zchlaf ruhi⸗ äume iitteln räumt ſich Schlaf chwe⸗ bonny Hän⸗ tz und s mir lebte Hauſe, t wor⸗ jedoch nicht, welche — 173— unter dem Jammer eines Schiffbruches litt, mich zu dem Gedanken hätte verleiten können, Lucy Hardinge werde ſo thöricht ſein, in einem ſolchen Gebäude wohnen zu wollen. Gegen Morgen fiel ich wieder in einen Halbſchlaf— es war das fünfte oder ſechste Mal, ſeit ich mich zur Ruhe gelegt, daß mich eine ſolche Art Schlummer überkam— und ich hatte jenes ſeltſame Gefühl, welches uns ſelbſt zu ſagen ſcheint, wir träumten. In dem Drange der Begeb⸗ niſſe, welche vor meinem innern Auge vorübergingen, glaubte ich Marble und Neb mit einander ſprechen zu hören. Ihre Stimmen waren leiſe und feierlich, wie es mir vorkam, und die Worte ſo deutlich, daß ich mich jetzt noch jeder Sylbe erinnere.. „Nein, Neb,“ ſagte, oder ſchien Marble in tief betrüb⸗ tem Tone zu ſagen, ein Ton, welchen ich nie, ſelbſt dann nicht, wenn er von ſeiner Einſtedelei ſprach, bei ihm gehört hatte.„Nein, Neb, für Miles iſt nicht viel Hoffnung mehr vorhanden. Ich fühlte, daß der arme Knabe verlo⸗ ren ſei, als ich ihn durch jene hölliſchen Spieren, welche triftig wurden, von mir weggeriſſen ſah und dachte mir ihn von dieſem Augenblicke an nicht anders, als verloren. Ihr habt einen A. Nro. 1 Herrn eingebüßt, Neb, das kann ich Euch ſagen, und Ihr könnt Hunderten dienen ſeines Gleichen je wieder findet.“ „Ich nimmer wieder antern Herrn dienen, Miſter Marble,“ verſetzte der Neger.„Tas ſo gewiß wie Evan⸗ geljen. Ich geboren in der Wallingford Familie, und ich „ehe Ihr — 174— leben und ſterben in terſelben Familie, oder ich überhaupt nicht zu leben und zu ſterben brauchen. Mein wahrer Name ſein Wallingford, obſchon die Menſchen mich nennen Clawbonny.“ „Ja, und eine unglückliche Familie iſt ſie allmählig geworden, Neb,“ ſagte der Maat.„Die zierlichſte, und die ſchönſte, und die tugendhafteſte junge Dame in dem ganzen Staate Neu⸗York iſt zuerſt hinüber gegangen: ich habe nur wenig von ihr geſehen; aber wie oft hat der arme Miles mir Alles, was ſie betraf, erzählt; und wie hat er ſie, und wie hat ſie ihn geliebt, wie es denn auch ganz recht und natürlich iſt, und ziemlich in der Art, wie ich die kleine Kitty, meine Nichte— Ihr wißt es ja, Neb— liebe, nur tauſendmal mehr; und wenn man von Jeman⸗ dem ſo viel hört, iſt es eben ſo gut und vielleicht noch beſſer, als wenn man ein ſolches Weſen durch und durch kennt. Zweitens, nun iſt auch Miles dahin, denn das Schiff iſt ganz gewiß in die Tiefe gegangen, Neb, ſonſt würden wir es in dieſer Gegend ſchwimmen ſehen; und wir können ihn als einen„Mann über Bord“ in das Logbuch eintragen.“ „Vielleicht nicht, Miſter Marble,“ ſagte der Neger. Maſſer Mile ſchwimmen wie ein Fiſch und er nicht der Mann, der auf den erſten Windſtoß zuſammen knacken. Vielleicht er dieſe ganze Zeit herum ſchwimmen.“ „Miles kann alles, was nur ein Mann zu thun ver⸗ mag; aber er kann unmöglich zweihundert Meilen ſchwim⸗ men volll Natt wir ſozuſ Ach, ein 2 B taſie ſie öf Gurke der W Borw „ zige 9 daß n und i „ ich für jetzt i ſuchen der erh I hier m als we wären. In aupt ahrer nnen ählig und dem : ich t der bHwie auch , wie teb— eman⸗ noch durch das ſonſt und a das Neger. öt der acken. n ver⸗ hwim⸗ men; ein Südſeeländer könnte vielleicht etwas dieſer Art vollbringen; dieſe aber ſind auch ungewöhnlich von der Natur dazu ausgerüſtet. Nein, nein, Neb, ich fürchte, wir werden ihn aufgeben müſſen! Die Vorſehung hat ihn ſozuſagen von uns weggeſpült und wir haben ihn verloren. Ach, ach! nun, ich habe dieſen Knaben mehr geliebt, als ein Yankee Gurken liebt.“ Dieſe Vergleichung, welche ſich einer ſchlaf⸗müden Phan⸗ taſie darſtellte, mag widerlich erſcheinen; allein ich hatte ſie öfter von Marble gehört; und wenn der Genuß der Gurken Morgens, Mittags und Abends für die Richtigkeit der Vergleichung ſpricht, ſo kann man Marble nicht den Vorwurf machen, daß er etwas übertrieben habe. „Jedermann lieben Maſſer Mile,“ ſagte der treuher⸗ zige Neb, oder ich glaubte, er ſage ſo.„Ich nie ſehen, daß wir können heim gehen zu gut alt Herrn Hardinge, und ihm ſagen, wie wir Maſſer Mile verloren habben.“ „Es wird ein hartes Stück Arbeit ſein, Neb; aber ich fürchte ſehr, es muß gethan werden. Wir wollen aber jetzt in das Boot gehen und ein Schläfchen zu halten ſuchen; denn der Wind wird ſich über kurz oder lang wie⸗ der erheben und dann müſſen wir unſere Augen offen haben.“ Jetzt hörte ich nichts mehr; jedes Wort aber, das ich hier mitgetheilt habe, klang mir ſo deutlich in das Ohr, als wenn die Sprechenden fünfzig Fuß von mir entfernt wären. In dieſem Zuſtande lag ich noch eine Zeitlang und — 176— bemühte mich, da ich neugierig war, mehr Worte von den Lippen derer, welche ich ſo ſehr liebte, aufzufangen; ich hörte aber nichts mehr. Ich glaube, jetzt verfiel ich wieder in tieferen Schlaf; denn ich brachte mehrere Stunden hin, ohne daß ich mich erinnere, etwas gehört zu haben. Mit dem erſten Grauen des Tages erwachte ich; denn die Sorge, welche auf meinem Geiſte laſtete, ließ mich nicht mehr raſten. Dieſes Mal wartete ich nicht, bis mir die Strahlen der Sonne in das Geſicht ſchienen, ſondern ſah der Rückkehr des Lichtes eher entgegen, als daß ich mich von ihm wecken ließ. Nacchdem ich mich erhoben hatte und um mich ſchaute, ſah ich, daß die See ſo ruhig dalag, wie in der vorigen Nacht, und daß der Wind völlig ſchwieg. Es war noch ſo dunkel, daß es einer längern Unterſuchung bedurfte, um mich zu vergewiſſern, daß nichts in der Nähe ſei. Mein erſter Ausguck war, als der Himmel ſich ein wenig röthete, nach Oſten gerichtet, in welchem Theile des Geſichtskreiſes die Gegenſtände zuerſt deutlicher hervortraten; dann wendete ich mich ringsum und unterſuchte die weite Fläche der Gewäſſer, bis ich dem herannahenden Lichte den Rücken kehrte und nach Weſten blickte. Ich glaubte, auf zehn Ellen von mir ein Boot zu ſehen! Anfangs hielt ich es für eine Täuſchung und rieb mir die Augen, um mich zu überzeugen, daß ich wachte. Das Boot ſtand aber dort, und ein zweiter Blick verſicherte mich, daß übe ſch zwe wie gen konn wele Näl Win men natü das Sege alleit den ſich fügen dem E gehör ich al erhalt 214 n den 1; ich chlaf; mich denn hnicht nir die en ſah ) mich chaute, rigen r noch te, um ich ein ile des traten; weite hte den ſehen! ieb mir Das e mich, — 172— daß es meine eigene Launch ſei, in welcher der arme Neb über Bord geſpült worden war. Aber noch mehr,— es ſchwamm in der gehörigen Weiſe, ſah elaſtiſch aus und hatte zwei Maſten ſtehen. Es erſchien allerdings etwas düſter, wie Gegenſtände in der Dämmerſtunde zu erſcheinen pfle⸗ gen, aber die Umriſſe ſtellten ſich klar genug dar. Ich konnte mich nicht irren,— es war meine eigene Launch, welche durch die Gnade der göttlichen Vorſehung in meine Nähe geführt worden! Dieſes Boot hatte alſo den Sturm überlebt und die Winde und Strömungen hatten es und das Floß zuſam⸗ men gebracht. Was war aus Neb geworden? Er mußte natürlich die Maſten betakelt haben, denn dieſe waren, als das Boot über die Seite ging, nicht eingeſetzt. Maſten, Segel und Ruder waren allerdings immer in dem Boote, allein die erſteren konnten ohne Hände nicht eingeſetzt wor⸗ den ſein. Ein ſeltſames, wildes Gefühl überkam mich, wie ſich wohl Jemand dem Erſcheinen übernatürlicher Kräfte fügen mag; und ohne es zu wiſſen odex zu wollen, rief ich: „Boot, ahoy!“ „Do, hoy!“ antwortete Marble.„Wer ruft?“ Die Geſtalt des Maats erhob ſich in dem Boote; in dem nächſten Augenblicke ſtand Neb an ſeiner Seite. Das Geſpräch, welches ich in der vergangenen Nacht gehört hatte, war ein wirkliches geweſen, und die, welche ich als verloren betrauerte, ſtanden geſund, kräftig, wohl⸗ erhalten dreißig Fuß von mir. 214— 216. 12 Das Boot und das Floß waren ſich während der Dunkelheit nahe getreten, und wie ich nachher erfuhr, hatte die Launch ſich mehrere Stunden in der Nacht mit leiſem Winde fortbewegt, bis ſie, von Windſtille betroffen, faſt an der Stelle, wo ich ſie ſah und wo das Geſpräch, wel⸗ ches ich in einer Art Halbſchlaf theilweiſe gehört hatte, ſtatt fand, ſtehen geblieben war. Hätte die Launch ihren Curs nur noch eine kurze Strecke verfolgt, ſo würde ſie auf die Vorſtenge geſtoßen ſein. Jene Anziehungskraft, deren ich bereits erwähnt habe, hielt wahrſcheinlich die Launch und das Floß während der Nacht beiſammen und hatte ſie ohne Zweifel, während wir ſchliefen, langſam einander näher geführt. Es dürfte nicht leicht ſein zu ſagen, wen von uns dieſes Wiedererkennen am meiſten in Erſtaunen ſetzte. Dort ſtand Marble, welchen ich von dem Floße weggeſpült geglaubt hatte, wohlbehalten in der Launch; und da war ich, welchen die andern Zwei mit dem Schiffe verſunken dachten, wohlbehalten auf dem Floße! Wir ſchienen, ohne daß wir einander je wieder zu ſehen hofften, die Plätze gewechſelt zu haben. Obgleich ich mit der Art, wie alles dies gekommen, noch unbekannt war, weiß ich doch, was wir thaten, ſobald jeder von uns ſich vergewiſſert hatte, daß er den andern leibhaftig vor ſich ſehe. Wir ſetzten uns nieder und wein⸗ ten wie drei Kinder. Dann warf ſich Neb, welcher zu ungeduldig war, um micl zu! Stu und welc dies mach in d ſchw zu w Maa laſſen chen der a bebte oder nicht, der hatte eiſem faſt wel⸗ atte, kurze oßen zabe, der wir uns Dort ſpült war nken ohne lätze men, bald dern bein⸗ um „ nicht, Neb, ſich in ſolcher Art zu vergeſſ — 179— Marble's Befehle zu erwarten, in die See und ſchwamm zu dem Floße. Als der ehrliche Burſche auf die Stelling trat, küßte er mir die Hand aber⸗ und abermals weinte wie ein dreijähriges Mädchen. und Dieſe Scene wurde nur durch den Ruf und das Thun des Maats unterbrochen. „Was iſt dies für ein Benehmen, hölliſcher Nigger Ihr?“ rief Marble.„Ihr verlaßt Euern Poſten und laßt mich hier allein, um ohne alle Hülfe dieſe ſchwere Launch zu handhaben. Das wäre der beſte Weg, wenn wieder ein Sturm kommen ſollte, die ganze Mannſchaft einzubüßen und abermals Wrack über Wrack zu bekommen.“ Die Wahrheit war, daß Marble ſich der Schwäche, welche er an den Tag gelegt, zu ſchämen begann, und um dies zu verbergen, ſich über den erſten beſten herwarf. Neb machte jedoch dieſem Ausfall ein Ende, indem er ſich wieder in die See warf, und eben ſo raſch zu dem Boote hinüber ſchwamm, wie er auf das Floß gekommen war. „Ah, da ſeid Ihr, Neb, ächt niggerartig, und ohne zu wiſſen, ob Ihr gehen oder bleiben ſollt,“ grollte der Maat und hörte nicht auf, ſeine zwei Ruder ſpielen zu laſſen.„Ihr erinnert mich an einen großen Sänger, wel⸗ chen ich einſt zu Liverpool gehört habe,— ein Burſche, der am Ende eines jeden Verſes auf eine Art zitterte und 5 bebte, daß er manchmal nicht wußte, ob er es loslaſſen oder für ſich behalten ſollte. Es ziemt dem Manne gar en; wenn wir den 12* — 189— verloren Geglaubten wieder gefunden haben, ſo iſt dies kein Grund, unſern Poſten zu verlaſſen oder unſern Ver⸗ ſtand zu verlieren.— Miles, mein lieber Knabe,“ ſagte er, ſprang auf das Floß und warf Neb durch den Stoß, welchen er dabei dem Boote gab, wieder weit zurück, „Miles, mein lieber Knabe, Gott ſei dafür Dank und Preis!“ Er drückte meine beiden Hände, als ſteckten ſie in einer Schraube.„Ich weiß nicht, wie es kömmt, aber ich bin allerwege, ſeit ich mit meiner Mutter und der kleinen Kitty zuſammen gekommen, ein wenig weibiſch geworden. Ich glaube, dies iſt's, was man häusliche Liebe nennt.“ Hier überkamen Marble die Thränen wieder, und er weinte ſo gut, wie Neb gethan hatte. Einige Minuten ſpäter hatten wir alle Drei uns ziem⸗ lich gefaßt. Die Launch wurde entlang des Floßes aufge⸗ bracht und wir ſaßen auf dem letzteren und erzählten ein⸗ ander, wie jeder von uns gerettet worden war. Ich beginne mit Neb. Ich habe bereits erzählt, wie die Launch über Bord geſpült wurde; ich mußte ſie für verloren halten, da der Sturm ſo ungeſtüm war und die Wellen ſich mit ſolcher Wuth um uns aufthürmten. Aller⸗ dings ſahen weder Marble, noch ich etwas von der Launch, nachdem ſie hinter den erſten Wellenberg leewärts geworfen worden war; denn wir hatten an Bord des Schiffes zu viel zu beſchaffen, um Zeit zu haben, umher zu ſchauen. Der Schwarze war aber, wie es ſcheint, im Stande, das Boot zu gewältigen und es durch Oehſen flott zu erhalten. wied bran vorr Wog auf cher volle hinre bemer Mim über 4 denn geweſ halten H 8 dies Ver⸗ agte toß, rück, und ſie aber inen den. t. d er iem⸗ afge⸗ ein⸗ wie fuͤr ddie Uller⸗ unch, orfen 8 zu auen. das lten. — 181— Er trieb natürlich nach leewärts; und der arme Burſche beſchrieb in lebhaften Ausdrücken ſeine Gefühle, als er die Geſchwindigkeit bemerkte, mit welcher er von dem Schiffe wegtrieb, und ſah, daß die noch übrigen Spieren deſſelben ihm aus dem Geſichte verſchwunden waren. Sobald es der Wind jedoch erlaubte, ſetzte er die Maſten ein und beſchlug die zwei Everſegel dicht gereeft, indem er Striche von drei bis vier Meilen in der Länge windwärts machte. Durch dieſen raſchen Entſchluß rettete er ohne Zweifel un⸗ ſer aller Leben. Im Verlaufe weniger Stunden, nachdem er das Boot wieder zu gewältigen im Stande war, kamen ihm die Vor⸗ bramſtengen zu Geſicht, die über dem Kamm einer Welle vorragten; er ſah mit geſpannter Aufmerkſamkeit in das Wogengewühl und bemerkte bald das ganze Floß, wie es. auf derſelben Welle hergetrieben wurde, und Marble, wel⸗ cher ſich in dem Mars feſtgebunden hatte. Es dauerte eine volle Stunde, ehe Neb ſich dem Floße oder den Spieren hinreichend nähern konnte, um Marble ſeine Anweſenheit bemerklich zu machen; und dann verging noch manche Minute, ehe er den Maat wohlbehalten in ſein Boot her⸗ über nahm. Dieſe Rettung erfolgte nicht um eine Minute zu früh denn der Maat geſtand mir, er ſei bereits halb ertrunken geweſen, und glaube nicht, daß er es noch lange ausge⸗ halten hätte, als Neb ihn in das Boot nahm. Hinſichtlich der Nahrung und des Waſſers ging es ihnen ziemlich gut. Ein Fäßchen Waſſer war, in Folge eines ſtehenden Befehles von mir, in jedem Boote; und der Koch, der eine Art Schlemmer in ſeiner Weiſe war, hatte die Gewohnheit, zu ſeinem Privatgebrauche einen kleinen Vorrath von Brod und gewiſſen ausgeſuchten Stücken Rind⸗ und Schweinefleiſches auf den Seiten der Launch beizuſtauen. Neb fand dies alles freilich ein wenig zu ſtark geſal⸗ zen, aber doch noch genießbar. Die Launch war daher, als wir uns trafen, hinreichend verſehen, um Marble und Neb eine Woche lang jeder Sorge in dieſer Hinſicht zu über⸗ heben. Sobald der Maat das Floß verlaſſen hatte, übernahm er die Leitung der Launch. Unglücklicherweiſe hatte er einen langen Strich nordwärts gemacht, wo er zu vieren gedachte, um die Gegend, wo nach ſeinem Bedünken das Schiff ſtand, aufzuſuchen und mir zu Hülfe zu kommen. Während die Launch ſich auf dieſe Weiſe windwärts arbeitete, trieb mir das Floß zu, von welchem ich in der bereits erzählten Weiſe Beſitz nahm. Marble's Berechnung war im allgemeinen richtig; ſie brachte ihn aber erſt während der Nacht, wo das Schiff ſank, in deſſen Nähe, und das Floß, ſo wie das Boot waren zu niedrig, als daß ſie ſich in einiger Entfernung gegenſeitig hätten ſehen können. Wahrſcheinlich waren wir den ganzen Tag, welchen ich auf dem Floße hinbrachte, nicht mehr als zehn bis zwölf Meilen von einander; denn Ma auf abzt Näl erw⸗ daß des maß ſchie word nen rend ner Loos Kum bei d zu ve fühlte und den Herz, ſchen würde währe meine — — 183— Marble hatte etwa um drei Uhr Nachmittags ſein Steuer aufgethan, um auf die vermeinte Stellung des Schiffes abzuhalten. Dadurch kam er gegen Mitternacht bis in die Nähe des Floßes heran, und die Unterhaltung, deren ich erwähnt habe, fand auf wenige Ellen von mir ſtatt, ohne daß einer von uns die entfernteſte Ahnung von der Nähe des andern hatte. Die Art, wie Marble und Neb ſich über mein muth⸗ maßliches Schickſal äußerten, rührte mich tief. Keiner ſchien ſich zu erinnern, daß er von dem Schiffe weggeſpült worden, ſondern es war, als hätten ſie mich auf dem offe⸗ nen Meere in einem verſinkenden Schiffe verlaſſen. Wäh⸗ rend ich ihr Mißgeſchick beklagte, gedachten ſie Beide mei⸗ ner als des einzigen Beklagenswerthen und Jeder hielt ſein Loos für ein glücklicheres, als das meinige. Kurz, ihr Kummer um mich war ſo groß, daß ſie zumal vergaßen, bei den Mühſeligkeiten und Gefahren ihrer eigenen Lage zu verweilen. Ich kann nicht Allem, was ich bei dieſer Gelegenheit fühlte, Worte geben; aber die Begebniſſe dieſes Morgens und die Gefühle, welche meine beiden Schiffsgenoſſen an den Tag gelegt hatten, machten einen Eindruck auf mein Herz, welchen die Zeit nicht verwiſcht hat und nie verwi⸗ ſchen wird. Faſt Alle, die über Bord geſpült worden, würden ſich für den leidenden Theil gehalten haben; allein während des langen Verkehrs, welcher zwiſchen mir und meinen zwei Schiffsgenoſſen beſtand, äußerten Marble und — 184— Neb ſich über dieſes Begebniß ſtets ſo, als wär' ich der Verlorne und Gerettete geweſen. Dieſe Erzählungen nahmen uns mehr als eine Stunde hin, ehe wir uns der Zukunft zuwendeten. Jetzt fühlte ich, daß wir an unſere Lage denken müßten, welche immer noch ſehr bedenklich war; obgleich Marble und Neb über die Fährlichkeiten, welche uns noch drohen könnten, zu ſcherzen Luſt hatten. Ich war gewiſſermaßen durch ein Wunder gerettet; und dies war Alles, was in dieſem Augenblicke ihre Gedanken beſchäftigte. Wie die Sonne erſchien, ſprang eine Bö aus Oſten auf, und die Bewegung des Floßes überzeugte mich bald, daß meine Lage auf dem, Deck eine ſehr bedenkliche gewe⸗ ſen ſein würde, wäre ich nicht auf eine ſo merkwürdige Weiſe gerettet worden. Marble ſcherzte freilich über den jetzigen Stand der Dinge, welcher faſt paradieſiſch zu nennen war, wenn man ihn mit dem verglich, in welchen er ſo plötzlich verſetzt worden, als er ohne Nahrung, ohne Waſ⸗ ſer, ohne Vorrath irgend einer Art auf dem Mars feſtge⸗ bunden lag; indeſſen war keine Zeit zu verlieren; und wir hatten einen langen Weg in dem Boote zurück zu legen, ehe wir uns für geſichert erachten durften. Meine Gefährten hatten die Launch ſo gut in Ord⸗ nung gebracht, als die Umſtände es erlaubten. Allein der Ballaſt fehlte uns, um die Segel tüchtig wirken laſſen zu können, und ſie hatten dieſen Nachtheil gefühlt, beſonders Neb, als er zuerſt das Boot bei den Wind brachte. Aus ſeiner er be ohne ben, grenz dem helfen Floß eine mitth Boot, Raaſe tüchti C 2 meine zuſam Dämt Stunl! hingel ſich m zu ern 3 den a See ſ als d Marb der nde ich, och die zen der icke ſten ald, we⸗ dige den nen ſo Vaſ⸗ ſtge⸗ wir gen, Ord⸗ der n zu ders Aus — 183— ſeinem Berichte von den Mühſeligkeiten und Gefahren, die er beſtanden,— obgleich er ſich darüber nur zufällig und ohne die entfernteſte Abſicht, ſeine Verdienſte hervorzuhe⸗ ben, äußerte,— ging klar hervor, daß nur ſeine unbe⸗ grenzte Anhänglichkeit an mich ihn abhalten konnte, vor dem Winde abzulaufen, um ſein Leben zu retten. Jetzt bot ſich eine Gelegenheit dar, dieſem Uebel abzu⸗ helfen, und wir begannen ſofort, Alles, was ich auf das Floß gebracht hatte, in die Launch zu ſchaffen. Dies gab eine Art Ladung ab, welche dem Boote ſogleich Stätigkeit mittheilte. Sobald dies abgethan war, beſtiegen wir das Boot, ſpannten die Segel aus und hohlten unter gereeften Raaſegeln dicht beim Winde an, denn die Bö begann bald tüchtig zu blaſen. Ich konnte mich nicht ohne lebhaftes Leidweſen von meinem Floße trennen; die Beſtandtheile, aus welchen es zuſammengeſetzt worden, waren Alles, was noch von der Dämmerung übrig blieb. Dann konnte ich die wenigen Stunden der Einſamkeit und Gefahr, welche ich darauf hingebracht hatte, nicht ſo leicht vergeſſen. Sie drangen ſich meinem Geiſte immer noch lebendig auf und fordern zu ernſtem und, wie ich hoffe, erſprießlichem Nachdenken auf. Die erſte Stunde unſerer Reiſe hielten wir nach Sü⸗ den ab. Der Wind nahm an Heftigkeit immer zu und die See ſtieg immer unruhiger empor, bis es zu friſch blies, als daß das Boot hätte nach vorne fortrücken können; Marble hielt es daher für das Gerathenſte, zu vieren; — 186— denn er glaubte annehmen zu dürfen, eine Strömung führe ſüdöſtlich; wir wendeten demnach. Wir mochten eine ziemliche Weile nach Norden abge⸗ halten haben, als wir die Spieren wieder antrafen,— ein Beweis, daß wir auf unſerm Wege windwärts nicht vor⸗ gerückt waren. Ich beſchloß alsbald, ſie anzuhängen und als eine Art ſchwimmenden Anker zu brauchen, ſo lange der Gegenwind anhielt. Wir fanden es ziemlich ſchwierig, dieſes zu Stande zu bringen; endlich aber gelang es uns doch, nahe genug unter die Lee des Mars zu kommen und ein kleines Stück Troß, welches wir zu dieſem Zwecke in dem Boote hatten, an einem ſeiner Augenbolzen zu befe⸗ ſtigen. Das Boot wurde dann auf eine hinreichende Strecke leewärts von den Spieren abgehalten, wo es wie eine Ente gegen die See anzog. Dies war ein glücklicher Einfall; denn es begann ſtark zu blaſen und wir hatten eine Art Wind⸗Kühlte zu beſtehen. Sobald die Launch auf dieſe Weiſe vertaut war, ſahen wir das Vortheilhafte dieſer Vorrichtung⸗ Das Boot bekam jetzt keine Stürzſee mehr, oder nur in unbedeutendem Grade, und wir waren nicht mehr genöthigt, wegen Böen, welche ſich alle zehn bis fünfzehn Minuten mit einer Hef⸗ tigkeit wiederholten, mit welcher ſich nicht ſcherzen ließ, in Sorgen zu ſein. In ſolchen Augenblicken wurde das Wet⸗ ter dick und wir konnten zuweilen halbe Stunden lang in Folge des träufelnden, nebligen Regens, welcher die Atmos⸗ phäre erfüllte, nicht hundert Ellen von dem Boote ſehen. Da ſ genhe der ſt echt ſ unſer hatter res S tem 2 Woch ſchen günſti bis dr . Marb Sumt ganze die F . Verm Hurtit auf d luſt d eine 5 Weiſe „ habe; ſinden K A führe abge⸗ — ein vor⸗ nund lange dierig, 3 uns n und cke in befe⸗ Strecke Ente infall; ie Art ſahen Boot tendem Böen, er Hef⸗ ieß, in s Wet⸗ ang in Atmos⸗ ſehen. — 187— Da ſaßen wir beiſammen, ſprachen bald von der Vergan⸗ genheit und bald von der Zukunft— eine Blaſe inmitten der ſtürmiſchen Waſſer des atlantiſchen Meeres, welche mit echt ſeemänniſcher Zuverſicht gefüllt war. Bei der Stärke unſeres Bootes und den Vorräthen, welche wir an Bord hatten, fühlte ſich, glaube ich, keiner von uns wegen unſe⸗ res Schickſals in ſonderlicher Beſorgniß; denn bei gemäßig⸗ tem Wetter war es möglich, die Launch im Verlaufe einer Woche weit genug vorwärts zu treiben, um einen engli⸗ ſchen Hafen zu erreichen. Stellte ſich ein nur erträglicher günſtiger Wind ein, ſo konnte dieſes Ziel ſelbſt in zwei bis drei Tagen erreicht ſein. „Ich nehme es für ausgemacht an, Miles,“ bemerkte Marble in dem Laufe unſerer Unterhaltung,„daß die Summe, für welche ihr das Schiff verſichern ließet, Euern ganzen Verluſt decken wird? Ihr habt doch nicht vergeſſen, die Fracht auch verſichern zu laſſen?“ „Weit entfernt davon, Moſes, glaube ich, daß mein Vermögen beinahe oder ganz dahin iſt. Das Gehaben des Hurtig und zumal unſer eigenes, als wir jene Engländer auf dem Meere abtreiben ließen, hat ohne Frage den Ver⸗ luſt des Schiffes herbeigeführt. Kein Aſſecurant wird auf eine Verſicherungsurkunde etwas geben, welche auf dieſe Weiſe ungültig geworden iſt.“ 3 „Ha, die Schurken! Dies iſt ſchlimmer, als ich gedacht habe; aber Ihr werdet zu Clawbonny ſtets einen Hafen ſinden!“ Ich war im Begriffe, Moſes auseinander zu ſetzen, wie es ſich mit der väterlichen Habe verhielt, als plötzlich eine Art Schatten über das Boot flog, während das An⸗ prallen des Waſſers in demſelben Augenblicke ſtärker zu werden ſchien. Wir ſaßen alle Drei leewärts gekehrt und ein gemeinſamer Inſtinct wendete unſere Augen im Nu windwärts. Marble ließ einen Ausruf hören und ein Anblick ſtellte ſich mir dar, welcher mir das Blut ungeſtüm durch das Herz jagte! Hundert Fuß von uns ſtand ein großes Schiff, welches eine Furche durch das Meer zog, die bis zu ſeinen Klüs⸗ gaten aufſtieg, und in ſeinem Fahrwaſſer einen Berg von Schaum aufthürmte, als es mit beigeſetzten obern und untern Leeſegeln, wie eine ungeheure Wolke die See über⸗ ſchattend, auf uns nieder kam. Wir hatten kaum Zeit, uns recht umzuſchauen, als es ſchon nahe auf uns anſtand. Wie es ſich auf einer Welle hob, traten ſeine ſchwarzen Seiten, glänzend und träufend, aus dem Meere und die Reihe zürnender Geſchütze ward ſichtbar. Neb war in dem Bug der Launch und ich in dem Spiegel. Ich ſtreckte meinen Arm unwillkührlich,— inſtinectmäßig wäre wohl der richtigere Ausdruck,— aus, um die Gefahr abzuwenden; denn es kam mir vor, der nächſte Fall des Schiffes müßte uns unter dem ſchim⸗ mernden Kupfer ſeines lebendigen Werks*) zerſchellen. *) Der unter dem Waſſer befindliche Theil des Schiffes heißt das lebendige Werk. Der Ueberſ. Ohne tungs gegen und I lichen Schic 8 befeſti oder: der F ſchme ſchoß nächſt „⸗f— Frega wurde füllte ein Y dung die H gegebe laſſen ein h. vor, lötzlich as An⸗ rker zu hrt und im Nu ck ſtellte rch das welches Klüs⸗ erg von ern und ee über⸗ m Zeit, anſtand. hwarzen und die in dem ich,— ruck,— mir vor, n ſchim⸗ eſchellen. heißt das eberſ. — 189— Ohne Neb's Kraft und Geiſtesgegenwart wären wir ret⸗ tungslos verloren geweſen, denn bei einer ſolchen See gegen die Spieren hinzuſchwimmen war faſt unmöglich; und hätten wir ſie auch erreicht, ſo war in dieſer gebrech⸗ lichen Stelling, ohne Vorräthe irgend einer Art, unſer Schickſal entſchieden. Neb faßte jedoch das Troß, an welchem das Boot befeſtigt war, und hohlte die Launch um ihre ganze Länge, oder mehr noch, nach vorne, ehe der Backbord Tauanker der Fregatte in einer Weiſe niederging, welche uns zu zer⸗ ſchmettern drohte. Während das Schiff ſchäumend vorbei⸗ ſchoß, legte ich meine Hand an die dritte Kanone. Im nächſten Augenblicke war es vorüber und wir waren gerettet. Jetzt ließen wir alle Drei unſere Stimmen hören. Bis auf dieſen Augenblick war Niemand am Bord der Fregatte unſere Nähe gewahr worden. Aber der Ruf wurde vernommen, und als das Schiff klar von uns ging, füllte ſich ſein Hackebord mit Offizieren. Unter ihnen war ein Mann mit grauem Haupte, welchen ich an ſeiner Klei⸗ dung als den Capitain erkannte. Er hob ſeinen Arm in die Höhe, und ich ſah gleich darauf, daß er einen Befehl gegeben hatte, denn der Hackebord war augenblicklich ver⸗ laſſen. „Bei Georg,“ rief Marble aus,„die Sache kam mir, ein halbes Dutzend Secunden lang, ſehr verallgemeinernd vor, Miles.“ „Es war mehr Gefahr dabei, als Zeit, darüber nach⸗ — 190— zudenken, Moſes,“ antwortete ich.„Das Schiff iſt jedoch im Begriffe beizuwenden, und wir werden an Bord kom⸗ men. Laßt uns Gott dafür danken!“ Es war in der That für einen Seemann ein ſchöner Anblick, die Art zu ſehen, wie der alte Capitain ſein Schiff handhabte. Obgleich wir Wind und See zu ſtark für ein Boot fanden, das ſich windwärts wenden ſollte, konnte dies auf eine ſtarke Fregatte, welche fünfzig Kanonen führte, und mit dem Wind in der Windviering, keinen Eindruck machen. Sie war kaum an uns vorbei, als wir Vorbereitungen machen ſahen, um Tuch einzunehmen. Als das Schiff uns mit ſeinen ungeheuern Fittichen überſchattete, führte es Bramſegel, zwei Leeſegel oben, und eines unten; über⸗ dies war das Leeſchoothorn des großen Segels herab, und das übrige gewöhnliche Tuch ausgeſpannt. Kaum hatte der Capitain ſeinen Arm gehoben, als auch ſchon das große Segel aufflog, und dann flatterten die drei Bram⸗ ſegel faſt in demſelben Augenblicke⸗ Wie durch Zauber⸗ werk wimmelte es im Nu auf den Raaen von Menſchen, und die loſen Segel wurden aufgerollt und feſt gemacht. Während dies geſchah, kamen alle Leeſegel auf einmal nieder, wie ein Vogel ſeine Fittiche ſchließt. Unmittelbar darauf verſchwanden die Bäume. „Seht mir doch das!“ rief der entzückte Marble. „Dieſer Burſche, obgleich ein hölliſcher Engländer, läßt nichts zu wünſchen übrig. Er bringt Alles an Ort und Stelle, Ich w Handy 77 ſchaft Seeler V bis au res Feo und de ſich un kaum ſchon! Segelt S wie ih den W blinder trat, a Seema faum hatte, große C wand, ſegeln im Nu jedoch d kom⸗ ſchöner Schiff für ein konnte anonen keinen ltungen Schiff führte ;z über⸗ ab, und u hatte on das Bram⸗ Zauber⸗ enſchen, nacht. einmal ittelbar Marble. r, läßt drt und — 191= Stelle, wie eine alte Frau ihre Nadeln und Faden beiſtaut. Ich wollte darauf wetten, der alte Degen verſteht ſein Handwerk.“ „Das Schiff wird gewiß gut bedient und ſeine Mann⸗ ſchaft arbeitet, wie Seeleute arbeiten, die das Leben von Seeleuten zu retten ſuchen.“ Während wir dieſe Worte wechſelten, war die Fregatte bis auf ihre drei Marsſegel, Flitterſegel, Klüver und unte⸗ res Fockſegel abgeſtreift. Jetzt kamen ihre Ragen herab, und dann bevölkerten ſie ſich mit Blaujacken, wie Bienen ſich um die Oeffnung eines Stockes ſammeln. Wir hatten kaum Zeit, dies zu gewahren, ſo waren die Matroſen ſchon wieder ein, und die Raaen flogen mit den gereeften Segeln empor. Sobald dies geſchehen war, wurde die Fregatte, welche, wie ihre Steuerſegel herein waren, geluvt hatte, dicht an den Wind gerichtet, und begann das Waſſer über ihrer blinden Raa zu ſtampfen, indem ſie den Wellen entgegen trat, als läge ihr wenig an ihrem Widerſtande. Der alte Seemann, welcher alle dieſe Bewegungen leitete, hatte ſich kaum verſichert, mit welchem kräftigen Winde er zu thun hatte, als ſein großes Segel wieder niederflog und der große Hals zugeſetzt wurde. Das fremde Schiff war jetzt unter der ſtärkſten Lein⸗ wand, die eine Fregatte führen kann; Reefe in den Mars⸗ ſegeln und die untern Segel beſchlagen. Sein Tuch konnte im Nu eingenommen werden, obgleich ſie unter einer Fülle — 192— von Leinwand ſtand,— unter mehr, als ein gewöhnliches Schiff ſich vielleicht herausnehmen dürfte, bei einer ſo ſtar⸗ ken Bö zu führen. Trotz der großen Gefahr, welcher wir ſo eben ent⸗ gangen waren, und der Fährlichkeiten, denen wir in den letzten Tagen preisgegeben geweſen, ſahen wir alle Drei auf die Bewegungen der Fregatte mit demſelben Vergnü⸗ gen, mit welchem ein Kenner vor einem ſchönen Gemälde verweilt. Selbſt Neb ließ mehrfache Nigger⸗Ausdrücke des Vergnügens laut werden. Bis ein Theil der Segel geborgen und das Schiff dicht an den Wind beigehohlt werden konnte, war die Fre⸗ gatte über eine Viertelmeile weg. Wir mußten daher war⸗ ten, bis ſie wieder zu der Stelle kommen konnte, wo wir lagen. Dies vollbrachte ſie raſch, indem ſie einen Strich nach ſüdwärts machte, bis ſie mit dem Boote in eine Linie kam, wo ſie vierte und mit aufgebraßten Raaen, aber bei einem faſt dwars ab einfallenden Winde auf uns zutrat. Als ſie auf Kabellänge heran war, wurden die beiden großen Segel aufgehohlt und blieben in den Geitauen hängen. Jetzt rollte das edle Fahrzeug in dem Wellentroge gegen uns und trat ſo nahe, daß es uns anſprechen konnte. Der alte Capitain ſtand mit einem Sprachrohre auf der Luv⸗Laufplanke und braiete, als er nahe genug war, um gehört zu werden. Statt Fragen zu ſtellen und ſeine Neugierde zu befriedigen, theilte er uns blos ſeine Ab⸗ ſichten mit. ſind, könne meine ausw berück die 2 gatte ander ( los 1 brach im N ſo na Auge gewag wurde hohlte tau u migen haft form tener . er mi 214 nliches ſo ſtar⸗ en ent⸗ in den e Drei Bergnü⸗ zemälde sdrücke Schiff die Fre⸗ er war⸗ wo wir Strich ne Linie aber bei zutrat. e beiden hängen. lentroge nkonnte. ohre auf ug war, nd ſeine ine Ab⸗ — 193— „Ich werde beiwenden, wenn wir an Euch vorüber ſind,“ rief er aus und befahl zu vieren, um dies thun zu können.„Ihr könnt dann ſo nahe als möglich unter meinem Spiegel anlaufen, und wir werden Euch ein Tau auswerfen.“ Ich begriff den Plan, der reif erwogen war; denn er berückſichtigte die Schwäche unſrer Bootsmannſchaft und die Wucht des Bootes ſelbſt. Demzufolge vierte die Fre⸗ gatte, obald ſie Raum genug hatte, hohlte dicht auf der andern Seite auf und ließ die Ragen in's Kreuz braſſen. Sobald das Schiff ſtätig geworden, ließ Neb das Troß los und griff, ſo wie Marble, nach dem Nuder. Wir brachten das Boot ohne große Gefahr herum und liefen im Nu gegen das Schiff nieder. Ich ſteuerte und drängte ſo nahe an das Ruder der Fregatte heran, daß ich einen Augenblick glanbte, ich hätte mich zu weit an das Schiff gewagt. Als wir der Leeſeite der Fregatte klar waren, wurde uns ein Tau zugeworfen, und die Leute an Bord hohlten uns auf des Schiffes Seite. Wir ſingen das Lauf⸗ tau und waren bald auf der Schanze. Ein ehrwürdig ausſehender ältlicher Mann von ſtäm⸗ migem, gedrängtem Körperbau und mit einem ſchönen, leb⸗ haft gefärbten engliſchen Geſichte, in der Außerdienſt⸗Uni⸗ form eines zweiten Capitains, empfing mich mit dargebo⸗ tener Hand und auf eine offene, gutmüthige, edle Weiſe. „Ihr ſeid an Bord des Briton willkommen,“ ſagte er mit Wärme,„und ich danke Gott, daß er es uns mög⸗ 214— 216. 1 13 lich gemacht hat, Euch zu retten. Ihr könnt Euer Schiff noch nicht lange verloren haben, da Ihr nicht ſehr gelitten zu haben ſcheint. Wenn Ihr Euch nicht zu erſchöpft fühlt, würde ich gern den Namen Eures Schiffes und die Ein⸗ zelnheiten in Betreff ſeines Schickſals hören. Das Unglück muß wohl während des letzten Sturmes ſtatt gefunden haben; es war ein ſtrenger Herr, der die Küſte entlang viel Unheil angeſtiftet hat. Ich ſehe, daß Ihr Amerikaner ſeid und daß Euer Boot zu Neu⸗York gebaut wurde; aber alle Unglückliche ſind Landsleute.“ Dies war ein herzlicher Empfang und ich konnte mich deſſen nicht genug freuen. So lange ich bei Capitain Row⸗ ley— ſo hieß dieſer Offizier— war, hatte ich keinen Grund, mich über einen Wechſel ſeines Benehmens zu beklagen. Wenn ich ſein Sohn geweſen wäre, hätte er mich nicht gütiger behandeln können. Er nahm mich in ſeine Kajüte auf und gab mir einen Platz an ſeiner eig⸗ nen Tafel. Ich theilte ihm unſre Erlebniſſe in einem allgemeinen Umriſſe mit, hielt es jedoch nicht für nothwendig, ihm unſer Abenteuer mit dem Hurtig zu erzählen, ſondern be⸗ richtete einfach, auf welche Weiſe wir dem franzöſiſchen Kaper entſchlüpft waren, und überließ es ihm, wenn er Luſt hätte, den Schluß zu ziehen, daß wir bei dieſer Ge⸗ legenheit unſrer Mannſchaft beraubt worden. Es wird dem Leſer nicht entgehen, daß meine Zurückhaltung in Betreff der andern Gefangennehmung mir blos durch die Nothwendigkeit aufgedrungen wurde. Sobald Capitain Rowley meine Geſchichte, welche ich tten ſo kurz als möglich erzählte,— ich wußte, daß Marble hli, und Neb der vorfichtigen Winfe, die ich ihnen in dieſer Lin⸗ Beziehung gegeben hatte, eingedenk ſein würden,— ver⸗ lück nommen hatte, bot er mir abermals ſeine Hand dar und den hieß mich in ſeinem Schiffe willkommen. Der Maat wurde ang in die Konſtabel⸗Kammer gewieſen und der Gaſtfreund⸗ aner ſchaft der Lieutenants empfohlen, während Neb der Sorge aber der Kajüten⸗Dienerſchaft anheim gegeben wurde. Eine kurze Berathung in Betreff des Bootes führte mich zu dem Beſchluſſe, es, nachdem das dort beigeſtaute heraus dow⸗ genommen worden, abtreiben zu laſſen, da der Briton eine inen ſolche Launch nicht brauchen konnte, auch keinen Platz hatte, 3 zu wo ſie nicht im Wege geweſen wäre. e er Ich ſtand an der Laufplanke und ſah ſchwermüthigen h in Blicks auf dieſes letzte Ueberbleibſel der Dämmerung, mit eig⸗ welcher mir ein Vermögen von achtzig tauſend Dollar von der Erde verſchwunden war. einen ihm n be⸗ ſchen nn er Ge⸗ wird ig in ch die Neuntes Kapitel. Der Siegesruf ſchallt weit und breit, Und ließ auch mancher dort ſein Leben, So krönt ihn die Unſterblichkeit; Der Sieg allein war unſer Streben. Duo. Der Briton hatte die Bai von Cork erſt wenige Tage vorher verlaſſen. Er hatte Befehl, einige hundert Meilen nach Weſten zu laufen und drei Monate in einer Breite wo er die aus den amerikaniſchen Provinzen zu kreuzen, aren, heimkehrenden Schiffe, deren viele damals unterwegs w ſchützen ſollte. Dies war keine angenehme Nachricht für uns; wir hatten gehofft, wir würden unmittelbar irgendwo an das Land geſetzt werden, und als uns das Schiff mit einer folchen Fülle von Segeln weſtwärts ziehend zuerſt zu Ge⸗ ſicht kam, glaubten wir, es ſei nach Halifax beſtimmt. Es war jedoch nicht zu ändern und wir mußten uns in die Umſtände fügen. Capitain Rowley verſprach uns an Bord des erſten Schiffes zu ſchicken, das uns begegnete, und dies war Alles, was wir mit Recht von ihm verlan⸗ denn gen konnten. Mehr als zwei Monate vergingen, ohne daß der Bri⸗ zon irgend ein Schiff geſprochen, oder auch nur geſehen ——, 8——ÿ4—— ———— — 8A2A — 197— hätte. Solchen Wechſelfällen iſt der Seemann preisgege⸗ ben; zuweilen ſieht er ſich von Schiffen umwimmelt, zu⸗ weilen ſcheint er allein auf der weiten See zu ſtehen. Ca⸗ pitain Rowley ſchrieb dieſe ſeine einſame Kreuzfahrt dem Umſtande zu, daß der Krieg die laufenden Schiffe veran⸗ laſſe, ſich in Convoy's zu ſammeln, und daß er in Folge ſeiner Befehle zu weit nach Norden ſtehe, als daß er auf amerikaniſche Schiffe ſtoßen könne, welche nach Liverpool gingen oder aus dieſem Hafen kämen. Ob dies jedoch der Grund geweſen iſt oder nicht,— das Ergebniß blieb ſtets daſſelbe. Als die Aequinoctialſtürme vorübet waren, hielt der Briton nach Süden ab, bis gegen Madeira hin, welcher Wechſel des Kreuzer⸗Gebietes ihm in ſeinen Anweiſungen vorgeſchrieben war; und nachdem er drei Wochen in der Nachbarſchaft dieſer Inſel gekreuzt hatte, nahm er ſeinen Curs nach Plymouth. Im Ganzen hatte die Fregatte bis zu dieſer Zeit etwa dreißig Schiffe geſprochen oder geentert, die ſämmtlich neu⸗ tralen Nationen angehörten und von denen nicht ein ein⸗ ziges in einen Hafen beſtimmt war, welcher uns hätte zu⸗ ſagen können. Da das Waſſer des Schiffes zu Ende ging, mußten wir den Hafen ſuchen und richteten daher, wie ſchon bemerkt worden, unſern Curs nordwärts. Am Nachmittage des erſten Tages, wo der Briton ſein zweites Kreuzer⸗Gebiet verließ, wurden wir ein Schiff gerichtet und ein Grad von Aufre — 198— ahen, ehe die ſtracks in unſerm Curſe anſichtig, und wir f Sonne niederging, daß es eine Fregatte war. Der Briton ſteuerte die ganze Nacht ſo, daß er dem fremden Schiffe nahe treten mußte. Dies gelang ihm, denn es ſtand nur noch auf eine Stunde entfernt und ein⸗ wenig windwärts, als ich früh am nächſten Morgen auf das Verdeck kam. Ich ſah das Schiff zum Gefechte her⸗ gung herrſchte an Bord, wie ich es früher nie geſehen hatte. Man rief die Mann⸗ ſchaft eben zum Frühſtücke, als ich mich dem Capitain näherte und ihn mit einem„guten Morgen“ begrüßte. „Guten Morgen, Wallingford,“ rief der alte Mann mit heiterer Stimme und Miene,„Ihr kommt gerade recht, um jene Franzoſen dort in ihrer Glorie prunken zu ſehen. In zwei Stunden, hoffe ich, werden ſie nicht ganz ſo pfauenartig drein ſchauen, als dies jetzt der Fall iſt. Es iſt ein edles Schiff, nicht wahr?— und von derſelben Stärke, wie der Briton,“ „Was das Letztere betrifft, Herr,“ antwortete ich, „ſcheint die Wahl nicht groß zu ſein; das fremde Schiff iſt, was Ihr einen„Acht und dreißiger“ nennt und führt, wie es ſcheint, fünfzig Kanonen. Iſt es aber auch gewiß ein franzöſiſches?“ „So gewiß, als dies ein Engliſches iſt; es weiß unſer Signal nicht zu deuten und ſeine Takelage kann als ſein Signalement dienen. Wer hat je ein engliſches Schiff mit ſolchen Beſahnmaſten und Raaen geſehen? Ihr werdet die dem hm, ein⸗ auf her⸗ Bord, ann⸗ itain te. Rann recht, ſehen. 15 ſo CEs ſelben e ich, Schiff führt, gewiß unſer ls ſein iff mit werdet — 199— demnach die Güte haben, Maſter Wallingford, Euer Früh⸗ ſtück eine Stunde früher als gewöhnlich zu nehmen, fonſt dürftet ihr ganz darum kommen. Ah, da kommt der Mann, der uns meldet, daß es bereit iſt.“ Ich folgte Capitain Rowley in die Kajüte, wohin er, wie ich ſah, auch Marble hatte rufen laſſen, um an unſerm Mahle Theil zu nehmen. Der gutmüthige alte Herr wollte dieſe Gefälligkeit gern den hundert andern beifügen, welche er uns bereits erwieſen hatte. Ich hatte mich vielfacher Güte und Freundſchaft von Capitain Rowley zu rühmen; nie aber ſchien er geneigter, mich zu behandeln, wie ein Vater ſeinen Sohn behandelt, als dieſen Morgen. „Ich hoffe, Ihr habt Davis' Kochkunſt Gerechtigkeit widerfahren laſſen, meine Herren,“ ſagte er, nachdem der Eifer des Angriffs auf die Schüſſeln ein wenig ſchwächer zu werden begann;„denn dies iſt vielleicht die letzte Gele⸗ genheit, eines ſolchen Genuſſes froh zu werden. Ich bin ein Engländer und habe das Vertrauen— ich hoffe, es iſt ein demüthiges— auf die Ueberlegenheit eines engli⸗ ſchen Schiffes über ein franzöſiſches; aber ich weiß ſehr wohl, daß wir nie eines franzöſiſchen Schiffes habhaft werden, ohne daß wir uns tüchtig anſtrengen; und jener Herr läßt uns vielleicht nicht viel Küchengeſchirr auf mor⸗ gen übrig. Er will augenſcheinlich den Kampf mit uns beginnen und, wie ich glaube, Lorbern ernten.“ „Ich glaube, Ihr Engländer geht ſtets des Sieges gewiß, in den Kampf gegen die Franzoſen,“ bemerkte ich. — 200— „Nun, wir haben unſere Burſche ziemlich an ein Gefühl dieſer Art gewöhnt, obgleich ich Euch die Meinung nicht beibringen möchte, als ſei dies meine Denkweiſe. Ich bin zu alt und habe im Dienſte zu viel geſehen und erfah⸗ ren, Wallingford, als daß ich nicht wiſſen ſollte, daß jede Schlacht manchfachen Wechſelfällen und Begebniſſen unter⸗ worfen iſt. Im Dienſte iſt einiger Unterſchied, wie ich nicht zweifle, aber in den Menſchen iſt der Unterſchied nicht halb ſo groß, als man ſich gewöhnlich denkt. Der Ausgang iſt in den Händen Gottes; und da ich glaube, daß wir in dieſem furchtbaren Kriege ſeine Schlachten kämpfen, ver⸗ traue ich auch auf ſeinen Beiſtand.“ Ich war überraſcht, Capitain Rowley, der gewöhnlich ſo heitern, fröhlichen Sinnes war, in dieſer Weiſe ſprechen zu hören; es ſtand jedoch mir nicht zu, den Gegenſtand zu verfolgen. Einige Minuten ſpäter ſtanden wir von der Tafel auf und ich hörte, daß der Proviantmeiſter Befehl erhielt, dem erſten Lieutenant zu melden, daß der Tiſch entfernt werden und die Kajüten⸗Verſchläge abgebrochen werden ſollten. Marble und ich gingen nun in den Segeltuch⸗Back, welche für ihn hergerichtet worden und wo wir uns unge⸗ ſtört beſprechen konnten. Als wir den Verſchlag erreichten, hörten wir die Trommel, welche die Mannſchaft auf ihre Poſten rief. Dadurch wurden unſere Umgebungen plötzlich menſchenleer und wir ſahen uns ganz allein. „Nun Miles,“ begann Marble,„dieſe Reiſe geht über deren worde Gefech glaub⸗ und r 3 uns heiten die vo weiß, dies j Sinn Frank welche befreu komm ſchie in we zwiſch Amer wir l les; 1 fechtes Ich g dieſes mein nung Ich erfah⸗ 3 jede unter⸗ nicht t halb ung iſt vir in 1, ver⸗ öhnlich prechen and zu fel auf lt, dem werden lten. Back, 3 unge⸗ eichten, uf ihre plötzlich ſe geht — 201— über alle Eure frühern Reiſen, denk' ich, und wenn Ihr deren fünfzig gemacht hättet. Wir find zwei Mal gekapert worden, haben ein Mal Schiffbruch gelitten, haben ein Gefecht geſehen und werden jetzt ein zweites fühlen. Was, glaubt Ihr, fordert in einer ſolchen Lage Vaterlandsliebe und republikaniſche Tugend von uns?“ Mein Maat erwähnte hier zum erſten Male, ſeit wir uns kannten, des Republikanismus; denn ſeine Gewohn⸗ heiten waren gewiß der Freiheit eben ſo ſehr entgegen, als die von Napoleon. Obgleich der Leſer wahrſcheinlich nicht weiß, wohin Marble mit ſeiner Frage zielte, mußte mir dies ſofort einleuchten. Ich antwortete daher auch in dem Sinne dieſes vollkommnen Verſtändniſſes. „Ich fürchte, Moſes,“ ſagte ich,„es gibt jetzt in Frankreich gar wenig Republikanismus, auch weiß ich nicht, welche Aehnlichkeit in der Staatsverfaſſung die Nation befreundet macht. Wenn die Aehnlichkeit nicht ganz voll⸗ kommen iſt, glaube ich, ſie ſtreiten lieber um den Unter⸗ ſchied, als daß ſie das Verdienſt der Punkte zugeſtehen, in welcher ſie übereinkommen. Was aber die Händel zwiſchen England und Frankreich betrifft, ſo haben wir Amerikaner mit ihren Zwiſtigkeiten nichts zu thun; denn wir leben mit beiden in Frieden.“ „Ich dachte wohl, dies würde Eure Anſicht ſein, Mi⸗ les; und doch wär' es ganz ärgerlich, inmitten eines Ge⸗ fechtes zu ſein und keinen Theil daran nehmen zu ſollen. Ich gäbe hundert Dollar darum, wenn ich jetzt an Bord dieſes Franzoſen wäre.“ — 202— „Seid Ihr ein ſolcher Freund von Niederlagen, daß Ihr wünſcht, geſchlagen zu werden?“ „Ich weiß nicht, wie es iſt, aber es geht mir gegen das Herz, für John Bull Partei zu nehmen.“ „Es iſt nicht nöthig, hier irgend Partei zu nehmen, bleiben wir gleich dankbar eingedenk, wie dieſe Leute uns das Leben gerettet, wie freundlich ſie uns behandelt haben und daß wir, im eigentlichen Sinne des Wortes, dieſe drei Monate von ihrer Güte gelebt haben. Neb läßt ſich's, wie ich ſehe, auf dem Backdeck ganz gut behagen.“ „Ja, dahinter ſteckt mehr, als Ihr vielleicht ahnt. Herr Clements, der erſte Lieutenant dieſes Schiffes, iſt ein Schlaukopf und hält mehr auf einen guten Seemann, als manche Geiſtliche auf Frömmigkeit halten mögen. Wenn ich mich nicht ſehr irre, ſo beabſichtigt er, Neb nicht eher aus dem Schiffe zu laſſen, als bis der Friede abgeſchloſſen iſt.“ „Wie? Man kann doch unmöglich behaupten, der Schwarze ſei ein Engländer?“ „Es gibt alle Arten von Engländern, ſchwarze und weiße, wenn es an Matroſen fehlt. Wie dem aber auch ſei, es iſt nicht nöthig, ſogleich das Schlimmſte zu erwar⸗ ten; wir werden Alles erfahren, wenn das Schiff in dem Hafen iſt. Wie ſollen wir uns aber bei dieſem Gefechte verhalten, Miles? Es widerſtrebt meinem Gefühle, einem Engländer zu helfen, während andererſeits ein alter Sal⸗ zer nicht gern unter den Luken bleibt, wenn Pulver auf dem Deck verbrannt wird.“ „ fechte T tionen das De bleiben; uns nü Ich wil nicht hi betrifft, der Ver , der Me Geſchäf große? ſchauer M dieſen Deck ur men we welchen Al hin, d war„ geſchmi *) Aut nen een, daß tir gegen nehmen, eute uns elt haben dieſe drei ßt ſich's, cht ahnt. s, iſt ein ann, als . Wenn nicht eher oſſen iſt.“ dten, der varze und aber auch zu erwar⸗ ff in dem Gefechte le, einem lter Sal⸗ ulver auf — 203— „Es wäre unrecht, wenn einer von uns an dem Ge⸗ fechte Theil nähme, da wir mit dem Hader der beiden Na⸗ tionen nichts zu thun haben. Wir können uns aber auf das Deck begeben, wenn man uns nicht beſiehlt, unten zu bleiben; und ich bin überzeugt, daß ſich Gelegenheit bietet, uns nützlich zu erweiſen, beſonders bei den Verwundeten. Ich will auf die Schanze gehen, möchte Euch aber rathen, nicht höher als auf das erſte Deck*) zu gehen. Was Neb betrifft, ſo werde ich ſeine Dienſte bei dem Herabbringen der Verwundeten förmlich anbieten.“ „Ich verſtehe Euch; wir werden alle Drei Dienſte bei der Menſchlichkeit nehmen; nun, wenn man kein anderes Geſchäft hat, iſt dies beſſer als gar keines. Es mag Euch große Mühe koſten, bei einem Gefechte den müßigen Zu⸗ ſchauer abzugeben.“ Marble und ich beſprachen uns noch eine Weile über dieſen Gegenſtand, als ein Kanonenſchuß von dem obern Deck uns ankündigte, daß das Spiel ſeinen Aufang neh⸗ men werde. Jeder eilte ohne fernere Worte an den Platz, welchen er einzunehmen gedachte. Als ich die Schanze erreichte, deutete Alles darauf hin, daß der Kampf ſofort beginnen werde. Das Schiff war„unter kurzem Tuch.“ Die Kanonen waren los geſchmiſſen und gerichtet; die Windpfropfen waren alle *) Auch das unterſte genannt. Die Engländer heißen es das Kano⸗ nen⸗Deck. Der Ueberſ. — 204— heraus, Pulver und Kugeln auf dem Deck vertheilt und da und dort ſah man einen alten Salzer von Kanonier ſeine Kanone entlang blinzeln, als würd' ihm die Zeit zu lange, bis der Tanz ſeinen Anfang nähme. Ein Schweigen, gleich dem in einer verlaſſenen Kirche, herrſchte auf dem ganzen Schiffe. Wer in dieſem Augen⸗ blicke an Bord des franzöſiſchen Schiffes geweſen wäre, würde durch das Geſchrei um ſein Gehör gebracht und durch die Haſt und Verwirrung betäubt worden ſein, mit welcher man Vorbereitungen traf, die an Bord des briti⸗ ſchen Schiffes längſt abgethan waren. Bei Abukir hatte vier Jahr früher dieſelbe Sorgloſigkeit bei den Vorberei⸗ tungen Nelſon zu dem Siege verholfen. Die Franzoſen hatten, um ihre äußern Kanonen klar zu machen, die nach der Küſte hin belemmert; und als die Hälfte der engliſchen Schiffe einwärts ging, ergab es ſich, daß ihre Schiffe noch nicht ſchußfertig waren; ſo ſahen ſich die Franzoſen im eigentlichen Sinne des Wortes geſchlagen, ehe ſie einen Schuß mit Erfolg gethan hatten. „Wallingford,“ ſagte mein alter Freund, der Capi⸗ tain, ſobald ich ihm nahe kam,„Ihr habt hier nichts zu thun. Es würde unpaſſend ſein, wolltet Ihr an dieſem Kampfe Theil nehmen; und Euch zwecklos blosſtellen, wäre thöricht.“ „Ich fühle all dies ſehr gut, Capitain Rowley, glaubte aber, Eure Güte gegen mich würde groß genug ſein, um mir zu erlauben, einen Zuſchauer abzugeben. Ich könnte, wenn nich bieten, ſo zu gut ke „Ich ben ſollte fecht wird einmiſchen — er deu gereeften tauen nur Minuten laſſe es C dere, daß Ich l wendungen Schanze, Augen, a hinab zu hen hatte. In d über; ſie zier war als hinge Auf in ſeinen zoſen, w Augen des wie nutzlo eilt und da onier ſeine zu lange, nen Kirche, em Augen⸗ eſen wäre, bracht und ſein, mit des briti⸗ bukir hatte Vorberei⸗ Franzoſen n, die nach engliſchen Schiffe noch anzoſen im e ſie einen der Capi⸗ r nichts zu an dieſem tellen, wäre ley, glaubte g ſein, um Ich könnte, — 2095— wenn nicht ſonſt, doch bei den Verwundeten hülfreiche Hand bieten, ſo wie ich glaube, Ihr wißt, daß ich meinen Beruf zu gut kenne, um irgend im Wege zu ſtehen.“ „Ich weiß nicht, ob ich irgend etwas dieſer Art zuge⸗ ben ſollte,“ verſetzte der alte Mann ernſt.„Dieſes Ge⸗ fecht wird kein Kinderſpiel ſein und Nkemand ſollte ſich einmiſchen, deſſen Pflicht es nicht heiſcht. Seht dort, Herr,“ — er deutete auf die franzöſiſche Fregatte, welche mit ein⸗ gereeften Bramſegeln und den untern Segeln in den Gei⸗ tauen nur zwei Kabellängen entfernt ſtand,—„in zehn Minuten werden wir hart aneinander ſein und ich über⸗ laſſe es Euch, zu erwägen, ob es die Klugheit nicht for⸗ dere, daß Ihr hinab geht.“ Ich hatte dies nicht anders erwartet, und ſtatt Ein⸗ wendungen zu machen, verbeugte ich mich und verließ die Schanze, als entſpräche ich der Anmuthung.„Aus den Augen, aus dem Sinn,“ dachte ich; es war Zeit genug, hinab zu gehen, nachdem ich den Anfang des Tanzes geſe⸗ hen hatte. In der Kuhl kam ich an den Marine⸗Soldaten vor⸗ über; ſie waren in militäriſchem Schmucke, und ihr Offi⸗ zier war ſo geſchäftig, ſie nach der Schnur aufzuſtellen, als hinge von der Genauigkeit in dieſer Hinſicht der Sieg ab. Auf dem Vorderkaſtell fand ich Neb, der die Hände in ſeinen Taſchen hatte und auf die Bewegungen der Fran⸗ zoſen, wie die Katze auf die der Maus, lauerte. Die Augen des Burſchen glänzten von Theilnahme, und ich ſah, wie nutzlos es ſein würde, ihn hinabzuſchicken. — 206— Die Offiziere wußten, wie der Capitain dachte, und lächelten nur, als ich an ihnen vorbei kam. Der erſte Lieutenant machte jedoch eine Ausnahme. Er hatte ſich uns nie ſehr zugethan bewieſen, und wär' ich nicht ſo gaſt⸗ freundlich in der Kajüte aufgenommen worden, ſo hätte er uns allen ſchon früher ſeine Launen fühlen laſſen. „Dieſer Burſche iſt zu tüchtig,“ bemerkte er im Vor⸗ beigehen trocken und deutete auf Neb,„als daß er in einem Augenblicke, wie dieſer, müßig ſein ſollte.“ „Wir ſind, Frankreich gegenüber, neutral, Herr Cle⸗ ments,“ antwortete ich,„und es wäre nicht recht, wenn wir an Euern Zwiſtigkeiten Theil nähmen. Ich nehme jedoch keinen Anſtand hinzuzufügen, daß wir an Bord des Briton ſo viele Güte erfahren haben, daß ich mich unglück⸗ lich fühlen würde, wenn ich Eure Gefahr nicht theilen köunte. Es begibt ſich vielleicht etwas, das mich in den Stand ſetzt, behülflich zu werden,— ja, auch Neb dürfte Gelegenheit finden, Dienſte zu leiſten.“ Der Mann warf mir einen ſcharfen Blick zu, mur⸗ melte etwas zwiſchen den Zähnen und ging nach hinten, wohin er, als wir uns trafen, auf dem Wege war. Ich blickte ihm nach und bemerkte, daß er auf eine mürriſche Weiſe mit Capitain Rowley ſprach. Der alte Herr warf einen Blick nach vorne, drohte mir mit dem Finger, lächelte dann wohlwollend, wie er immer zu thun pflegte, kehrte ſich dann um und ſah, wie es mir ſchien, nach einem der Kadeten, welche in ſeiner Nähe beſchäftigt waren. In in den nach vor! Die Ku Briton, Wie Rowley's und ich Neb Kugel z0 Kopfe, u einen S Stopper gehörigen daß es ſeine Thä derkaſtell Von wie eine bald auf Geſicht gewöhnli an dieſen Hände a eifriger, und kein zensluſt, hte, und Der erſte hatte ſich t ſo gaſt⸗ ſo hätte ſen. im Vor⸗ aß er in Herr Cle⸗ ht, wenn h nehme Bord des unglück⸗ zt theilen h in den deb dürfte zu, mur⸗ yh hinten, var. Ich mürriſche Herr warf r, lächelte te, kehrte einem der 1. In dieſem Augenblicke drehte das franzöſiſche Schiff in den Wind und ließ ſeine ganze Batterie von hinten nach vorne, wie die Kanonen ſchußgerecht kamen, donnern. Die Kugeln klapperten tüchtig unter den Spieren des Briton, aber nur zwei gingen in das Holz. Wie es ſich von ſelbſt verſteht, wendete dies Capitain Rowley's Gedanken dem Hauptgeſchäfte, das vorlag, zu, und ich wurde vergeſſen. Neb machte ſich unmittelbar darauf nützlich. Eine Kugel zerriß das große Springſtag gerade über ſeinem Kopfe, und ehe ich Zeit hatte zu ſprechen, faßte der Burſche einen Stopper, nahm eines der Stag⸗Ende, legte den Stopper an und war eifrig bemüht, das Tau an ſeinen gehörigen Platz zu bringen und es wieder ſo herzurichten, daß es geſpannt werden konnte. Der Bootsmann lobre ſeine Thätigkeit und ſchickte einige Matroſen von dem Vor⸗ derkaſtell herüber, um ihm zu helfen. Von dieſem Augenblicke war Neb in der Höhe ſo emſig, wie eine Biene; er zeigte ſich, wenn der Dampf ſich öffnete, bald auf dieſem, bald auf jenem Ragen⸗Arme, und ſein Geſicht war ein Grinſen, ſobald etwas von mehr als gewöhnlicher Wichtigkeit zu thun war. Der Briton mochte an dieſem Tage in der Takelage ältere und erfahrnere Hände aufzuzeigen haben; keiner aber war thätiger und eifriger, wenn man ihm geſagt hatte, was zu thun ſei, und keiner entwickelte mehr körperliche Kraft. Die Her⸗ zensluſt, mit welcher dieſer Schwarze ſich inmitten dieſer Scene des Kampfes, Wehgeſchreies und Blutbades abmühte, hat ſich meinem Geiſte ſtets als wahrhaft wundervoll dar⸗ geſtellt. Capitain Rowley änderte ſeinen Curs nicht, noch feuerte er auf den empfangenen Gruß eine Kanone ab, obgleich die beiden Schiffe kaum auf Kabellänge von ein⸗ ander ſtanden, als die Franzoſen ihr Geſchütz zuerſt hören ließen. Der Briton hielt ſtätig an und die beiden Schiffe gingen eine oder zwei Minuten ſpäter auf Piſtolenſchußr weite an einander vorüber, als wir alle unſere Backbord⸗ Kanonen brüllen ließen. Dies war der Anfang des wirklichen Kampfes, und er war, eine halbe Stunde oder darüber, heiß genug. Unſer Schiff wendete, ſobald es gefeuert hatte, worauf die beiden Fregatten, faſt todt vor dem Winde ablaufend, Batterie gegen Batterie an einander traten. Ich weiß nicht, wie es ſich begab, aber ich hohlte, als die Oberragen ſich ſchwenkten, an den Fockbraſſen wie ein Pferd an. Der Maſter's⸗Maat, welcher dieſe Braſſen befehligte, dankte mir für meinen Beiſtand und ſagte mit heiterer Stimme: „In einer Stunde ſind wir mit ihnen fertig, Capi⸗ tain Wallingford!“ Dadurch wurde ich mir zuerſt bewußt, daß ich über⸗ haupt an dieſer Sache Theil genommen hatte. Ich hatte jetzt Gelegenheit zu fühlen, wie verſchieden es iſ thäti an d Scho allein Im in al des ſitzer warn Clem der l der auch nute aber ſtümn Gefe miſch Mut! und ein ten r Gefee der 21 bmühte, oll dar⸗ t, noch one ab, von ein⸗ ſt hören Schiffe enſchuß ackbord⸗ es, und genug. rauf die laufend, olte, als wie ein Braſſen agte mit „ Capi⸗ ch über⸗ rſchieden es iſt, bei einer ſolchen Scene Zuſchauer zu ſein, oder ſich thätig zu erweiſen. Mich des Vergeſſens, welches mich an die Braſſen gelockt hatte, ſchämend, ging ich auf die Schanze, wo das Blut bereits reichlich floß. Alle, mich allein ausgenommen, waren auf Tod und Leben geſchäftig. Im Jahre 1803 war jenes Zwittergeſchütz, die Carronade, in allgemeinen Gebrauch gekommen, und die auf der Schanze des Briton begannen rundum zu fliegen und ihren Be⸗ ſitzern in das Geſicht zu ſchauen, als ſie, durch das Feuer warm geworden, ihren Inhalt ergoſſen. Capitain Rowley, Clements und der Maſter waren alle hier; der erſtere und der letztere achteten der Einrichtungen der Segel, während der erſte Lieutenant ein wenig auf die Batterie, ſowie auch auf alles andere Ausguck nahm. Kaum eine Mi⸗ nute verging, ohne daß eine Kugel irgendwo, beſonders aber in der Höhe, einſchlug; und das Wimmern der Ver⸗ ſtümmelten— der empörende Theil eines jeden ernſten Gefechtes— begann ſich in den Aufruhr des Kampfes zu miſchen. Die Engländer kämpften, wie ich bemerkte, düſtern Muthes, aber ſie kämpften mit Leib und Seele. Dann und wann erhob ſich in irgend einem Theile des Schiffes ein Jubelruf; aber dieſer und das Geſchrei der Verwunde⸗ ten waren faſt die einzigen Töne, die man hörte, die des Gefechtes und einen gelegentlichen Anruf oder ein Wort der Ermunterung von einem der Offiziere ausgenommen. „Heiße Arbeit, Wallingford!“ ſagte Capitain Rowley, 214— 216. 14 — 210— als ich ihm in dem Dampfe nahe genug kam.„Ihr habt hier nichts zu thun; aber ich ſehe demungeachtet das Ge⸗ ſicht eines Freundes gern. Ihr habt Euch umgeſehen; wie geſtalten ſich nach Euerm Bedünken die Dinge?“ „Dieſes Schiff wird— m uß ſiegen, Capitain Rowley. Seine Ordnung und Regelmäßigkeit ſind bewundernswerth.“ „Wohl; ich freue mich, dies von Euch zu hören, Wallingford, denn ich weiß, daß Ihr ein Seemann ſeid. Geht doch auf das untere Deck und ſchaut Euch um; dann kommt wieder, und ſagt mir, wie es dort ausſieht.“ Somit war ich in aller Form als Adjutant einge⸗ ſchrieben. Ich ging jedoch hinab und eine ſolche Scene hatte ich wahrlich nie vor Augen gehabt! Obgleich die Herbſtzeit bereits vorgeſchritten war, ſo war das Wetter doch ſo warm, daß die Hälfte der Mann⸗ ſchaft ihre Kleider abgeſtreift hatte, um zu arbeiten,— und eine Arbeit iſt es, in der Erregung des Kampfes ſtundenlang ohne Unterbrechung ſchweres Geſchütz zu bedie⸗ nen⸗— eine Arbeit, deren ganze Wucht man vielleicht in dem Augenblicke nicht fühlt, welcher aber eine Erſchlaffung folgt, die der einer Krankheit gleichkommt. Viele der Matroſen kämpften nur in ihren Schiffs⸗ hoſen, deren lange harte Tragriemen auf ihren nackten Rücken lagen, die denen von Kampffechtern glichen, welche ſich zum Kampfe anſchickten. Das untere Deck war mit Dampf angefüllt, welcher von dem Verbrennen des Pulvers auf den Pfannen her⸗ wa au das habt Ge⸗ wie vley. Eth.⸗ ören, ſeid. dann inge⸗ Scene b, ſo dann⸗ 1,— mpfes bedie⸗ cht in affung chiffs⸗ ackten welche velcher her⸗ rührte; aber das Pulver, welches in den Kanonen los⸗ brannte, zog mit deſſen Flammen und Schwefelwirbel in langen Linien von den Stückpforten auf den Feind zu. Der Ort ſchien mir eine Art Pandämonium zu ſein. Ich ſah Matroſen, die Anſetzer und Schwämme in ihren Hän⸗ den ſchwangen, Kanonen einwärts rollten, ja, in Folge der Heftigkeit des Rückpralls von dem Deck ſprangen; Offi⸗ ziere, die mit ihren Degen deuteten, um ihren Befehlen Nachdruck zu geben; Knaben, die zu den Magazinen eilten und daher zurückkamen; Kugeln, die von Hand zu Hand flogen, und— das wildeſte und grellſte von allem— mittſchiffs die Sterbenden, die ſich in ihrem Blute wälzten, die Todten, die gräßlich verſtümmelt waren! Von den Schwenkungen und Bewegungen während dem Gefechte weiß ich kaum etwas. Meine Aufmerkſamkeit war bordeinwärts gewendet; denn da ich nichts zu thun hatte, konnte ich nur die Wirkung des feindlichen Feuers auf den Briton und die Art bemerken, wie die Engländer das erwiederten, was ihnen geboten wurde. Während ich bei dem großen Maſte in der Batterie, wo am heißeſten gekämpft wurde, ſtand, machte mich Marble in dem Dampfe ausfindig und kam zu mir heran. „Dieſe Franzoſen ſpielen ihre Rolle wie Männer,“ ſagte er.„Eben iſt eine Kugel gerade durch das Kupfer des Kochs, und eine zweite durch die Bvote gegangen. Bei Lord Harry, wenn die Burſche auf dieſem Decke ſich nicht rühren, werden wir Schläge bekommen. Ich möchte in 14* — 212— keinerlei Weiſe mich von den Franzoſen geſchlagen wiſſen, Miles. Selbſt die kleine Kitty würde ſich über mich luſtig machen.“ „Wir ſind blos Paſſagiere, wie Ihr wißt, Moſes, und es kann uns an Sieg oder Niederlage nicht viel liegen, ſo lange die amerikaniſche Flagge bei der Sache nicht betheiligt iſt.“ „Ich weiß dies doch nicht ſo gewiß, Miles. Ich mag, ſelbſt als Paſſagier, nichts von Schlägen wiſſen. Da! Seht mir nur dies! Zwei oder drei ſolcher Nüſſe mehr, und die Hälfte unſrer Kanonen wird zum Schweigen gebracht ſein.“ Als Marble ſich auf dieſe Weiſe ſelbſt unterbrach, kamen zwei Kugeln zugleich herein; die eine ſchlug die Seite einer Pforte ab, während die andere vier Mann an der Kanone derſelben auf das Deck warf. Dieſe Kanone ſollte eben abgefeuert werden, als die Kugel einſchlug; aber der Ver⸗ luſt ihrer Kanoniere machte das Losbrennen unmöglich. Der Lieutenant der Abtheilung nahm die Lunte aus der Hand des getödteten Matroſen, blies ſie an und hielt ſie an die Pfanne. Als die Kanone zurückprallte, wendete der Lieutenant den Kopf, um zu ſehen, wo er zuerſt Leute finden könnte, welche die Stelle derer, die getödtet oder verwundet waren, einnähmen. Seine Augen fielen auf uns. Er fragte nicht,— er winkte blos. „Ja, ja, Herr,“ ſagte Marble, ſtreifte ſein Wamms ab und nahm den Tabak aus ſeinem Munde;„im Augen⸗ blicke— haltet nur an, bis ich fertig bin.“ laſſ Eif ihm nier mic und Har gro ſen eig ſchr We mei ſeit faſſ Har die letzt cher Sei Ger ten ſen, ſtig ſes, gen, richt Ich ſſen. klüſſe igen umen einer none eben Ver⸗ glich. 3 der elt ſie te der Leute t oder f uns. damms Augen⸗ — 213— Ich wußte kaum, ob ich eine Einwendung laut werden laſſen ſollte oder nicht. Marble begann ſein Werk mit Eifer, und der Offizier, dem ſeine Thätigkeit gefiel, klopfte ihm mit der Hand auf die Schulter und ließ ihn als Kano⸗ nier gewähren. Ich fürchtete in der That, die Anſteckung möchte auch mich treffen, wendete mich daher, ſtieg die Leiter empor und war alsbald wieder auf der Schanze. Hier fand ich den alten Capitain Rowley unbedeckten Hauptes und ſeinen⸗Leuten freudig zu-hurrahend,— die große Stenge des franzöſiſchen Schiffes war eben über deſ⸗ ſen Seite gebrochen. Die Zeit war zu Berichten nicht ge⸗ eignet, noch bedurfte es ſolcher in dieſem Augenblicke; ich ſchritt daher nach hinten bis zum Hackebord, um aus dem Wege zu ſein und ſo entfernt als möglich von dem Dampfe meine Beobachtungen anſtellen zu können. Dies war die einzige Gelegenheit, wo ich die gegen⸗ ſeitige Stellung und Lage der beiden Schiffe in's Auge zu faſſen im Stande war. Der Briton hatte in der Höhe ſehr gelitten; ſeine Hauptſpieren ſtanden aber noch alle. Sein Gegner hatte die große, ſo wie die Kreuzſtenge verloren, und in den letzten fünfzehn Minuten war ſein Feuer bedeutend ſchwã⸗ cher geworden; auch begann ſein Schiff einem verheerenden Seitenfeuer anheim zu fallen, da ſeine Mannſchaft die Gewalt über das Schiff verloren; denn die beiden Fregat⸗ ten waren ſchon ſeit einiger Zeit an den Wind gekommen, die engliſche ein wenig auf die Luvſeite der franzöſiſchen. — 214 Wie es bei einer ſchweren Kanonade und gemäßigter Bö gewöhnlich iſt, war der Wind flau geworden oder hatte ſich durch die Erſchütterungen des Geſchützes neutraliſirt, und keines der kämpfenden Schiffe wich bedeutend aus der Stellung, welche es einnahm. Der Briton hatte ſeine Nagen aber klüglich gebraſſt, während die ſeines Gegners weniger angehohlt waren. Unter ſolchen Umſtänden war es ſchwer, den Ausgang des Gefechtes vorher zu beſtim⸗ men, beſonders da der des Kampfes zu ſteigen ſchien. noch mit meinen Beobachtungen beſchäftigt, Theil der Schanze das Krachen Muth der Britonen mit der Dauer Ich war als ich auf dem vordern lund das Reißen von Plankenwerk hörte. Eine Fallenden und ich auletten des Verun⸗ einer Kuge kleine Gruppe ſammelte ſich um den glaubte, an der Uniform und den Ep glückten, Capitain Rowley zu erkennen. Im Nu war ich zur Stelle. Ja, mein alter Freund war ſchwer verwundet. Auch Clements war da. Als er mich anſichtig wurde, ſagte er: „Da Ihr unbeſchäftigt ſeid, Herr, werdet tain Rowley hinab bringen helfen.“ Weder die Art, wie dieſe Worte herauskamen, noch der Ausdruck des Blickes des erſten Lieutenants ſprachen mich ſehr an. Sie ſchienen mir zu ſagen: „Ich bin jetzt Befehlshaber dieſes Schiffes und wir ob neue Herrn nicht neue Geſetze vorſchreiben. Ihr Capi⸗ wollen ſehen, habt eine trau Freu gter atte ſirt, der ſeine ners war ſtim⸗ auer ftigt, ichen Eine d ich erun⸗ eund urde, Capi⸗ noch achen d wir iben. — 215— Ich zeigte mich jedoch, wie es ſich von ſelbſt verſteht, willfährig und brachte den armen alten Mann mit Hülfe einiger ſeiner Diener in die Konſtabel⸗Kammer. Sobald der Arzt die Wunden in Augenſchein genommen hatte, ſah ich es ihm an den Blicken an, daß keine Hoffnung ſei. Seine Worte beſtätigten bald meine Beſorgniſſe. „Der Capitain kann keine halbe Stunde mehr leben,“ ſagte mir dieſer Herr abſeits,„und wir können nicht mehr thun, als ihm geben, was er verlangt; jetzt iſt er noch durch die Erſchütterung betäubt, in wenigen Minuten wird er aber Waſſer oder Wein und Waſſer zu trinken wünſchen. Es würde mir lieb ſein, Herr, wenn Ihr allen ſeinen Wünſchen entſprechen wolltet; denn Euch ruft keine Pflicht auf das Deck. Dieſes Begebniß wird ſich für Clements als ein glückliches erweiſen: denn mehr als die halbe Ehre des Gefechtes wird ihm zum Looſe fallen, obgleich ich glaube, die Franzoſen haben bereits ſo viel, als ſie brauchen.“ Und ſo ergab es ſich auch wirklich. Ich mochte zwan⸗ zig Minuten unten ſein,— und der Briton bot in dieſer Zwiſchenzeit alle Kräfte auf,— als wir auf dem Deck das Siegesgeſchrei hörten. Dieſe Töne ſchienen den Verwundeten wieder zu beleben. „Was bedeutet dies, Wallingford?“ fragte er mit einer Kraft der Stimme, welche ich ihm nicht mehr traut hätte.„Was will dieſer Ruf ſagen, Freund?“ zuge⸗ mein junger „Er deutet an, Capitain Rowley, daß Ihr geſiegt habt— daß Ihr Herr der franzöſiſchen Fregatte ſeid.“ — 216— „Herr?— bin ich Herr meines eigenen Lebens? Was nützt mir der Sieg nun? Ich werde ſterben— bald ſterben, Wallingſord— und dann wird Alles vorüber ſein. Meine arme Frau wird dieſen Sieg einen unſeligen nennen.“ Ach! was konnte ich ſagen? Seine Worte, auch in Betreff ſeiner Gattin, waren nur zu wahr. Er ſtarb— in meiner Anweſenheit und bei vollem Bewußtſein; aber ich konnte ſehen, daß er in Ungewißheit war, ob ein wenig Glanz, wie der, welcher ſein Sterbelager umgab, die ganze Beſtimmung ſeines Daſeins erfuͤlle! Der herannahende Tod erhebt den Menſchen zu einer moraliſchen Höhe, welche ihm die Ausſicht vorwärts und zurück, und rechts und links eröffnet, und ihn in den Stand ſetzt, die ganze Scene ſei⸗ nes Lebens, von ihrem Beginne bis zu ihrem Schluß, zu überſehen und ſich ſeine Anſicht über ſeine perſönliche Stel⸗ lung in dem Drama, welches ſeinem Ende entgegen geht, zu bilden. Wie Viele aus jener Klaſſe, welche ſich zu un⸗ ſerer Unterhaltung und um unſern Beifall zu erlangen auf der Bühne zeigen, verläßt er dieſe gar oft mit ſeinen Lei⸗ ſtungen weniger zufrieden, als die gedankenloſe Menge, welche blos die Oberfläche der Dinge in das Auge faßt und da oft am lauteſten klatſcht, wo ſie am ſparſamſten mit ihrem Lobe ſein ſollte. Ich will die Begebniſſe der nächſten zehn Tage nur kurz erwähnen. Der erſte Beweis, welchen ich von dem Beginne des neuen Oberbefehls Clements' erhielt, beſtand darin, daß ich au Es fe denn volk h gelaſſe fangen Capite dann nur d Mann franzö . J Marbl hatte, welche unter d auf der ſicht, innigſt N. es ſein Flaggen ſtets fü Bord er No Herren in den Was erben, Meine ich in rb— aber wenig ganze ahende welche links ie ſei⸗ uß, zu Stel⸗ geht, zu un⸗ en auf n Lei⸗ Nenge, zt und ihrem ge nur ne des , daß — 217— ich aus der Kajüte in die Konſtabel⸗Kammer gewieſen wurde. Es fehlte mir in meinem neuen Gemache nicht an Raum; denn die Bemannung der Priſe mit Offizieren und Schiffs⸗ volk hatte viele Verſchläge in der Konſtabel⸗Kammer leer gelaſſen, und man räumte dieſe nun den franzöſiſchen Ge⸗ fangenen und mir ein. Die Ueberreſte des unglücklichen Capitains Rowley wurden in Weingeiſt aufbewahrt, und dann nahmen die Dinge ziemlich iyren Verlauf wie vorher, nur daß unſer verſtümmeltes Schiff und die geſchmolzene Mannſchaft es uns nicht ſehr wünſchenswerth machte, mit franzöſiſchen Schiffen zuſammen zu treffen. Ich darf hier die Bemerkung nicht übergehen, daß Marble jetzt, nachdem die Erregung, welche ihn fortgeriſſen hatte, vorüber war, ſich der Rolle herzlich ſchämte, welche er in dem Spiele übernommen. Er hatte abermals unter der engliſchen Flagge gekämpft, und obgleich ich nie auf den Vorfall anzuſpielen wagte, iſt es doch meine An⸗ ſicht, daß er dies ſein Gehaben bis an ſeinen Sterbetag innigſt bereute. Neb betreffend, ſo war in ſeinen Augen Alles, wie es ſein ſollte; denn obgleich er den Unterſchied zwiſchen Flaggen und Nationen ganz wohl begriff, hielt er es doch ſtets für ſeine Pflicht, ſich dem Schiffe zu weihen, an deſſen Bord er ſich befand. Nachdem ich zehn Tage unter dem 6gime von„neuen Herren und neuen Geſetzen“ hingebracht hatte, trafen wir in den Ausgängen des Kanals eine Fregatte an, mit wel⸗ ——y—— cher wir Signale austauſchten. Der Leſer wird ſich den⸗ ken, daß Marble und ich uns nicht ſehr angenehm über⸗ raſcht fühlten, als wir hörten, daß das Schiff, welches an uns heran zog, der Hurtig ſei. Die Sache war jedoch nicht zu ändern. Der Hurtig ſtand ſchon auf Kanonenſchußweite vor uns und legte bald auf Kabellänge von uns bei, um den Briton zu braien, der beigewendet hatte und ſeiner wartete. Nach wenigen Minuten war Lord Harry Dermond perſönlich in einem Boote an unſrer Seite, um Capitain Rowley ſeine Befehle vorzuzeigen und ſich als der jüngere Capitain zu melden. Es war mir nicht möglich, die Schanze zu verlaſſen, da ich, wenn möglich, zu erfahren wünſchte, was aus Sennit und ſeinen Gefährten geworden wäre, wobei jedoch Vorſicht und Klugheit nicht außer Acht zu laſſen waren. Clements empfing den jungen Edelmann an dem Hacke⸗ bord, entſchuldigte ſich, daß er wegen des Zuſtandes ſeiner Boote nicht an Bord des Hurtig habe gehen können, und ſtattete von dem Gefechte und deſſen Ausgang Bericht ab. Lord Harry ſah nun, daß er der ältere Befehlshaber war, und begann alsbald Fragen zu ſtellen. Inmitten dieſer Fragen ſiel ſein Auge plötzlich auf mich. Er und Clements ‚gingen auf der Schanze hin und her, und ich war in die Laufplanke getreten, um nicht geſehen zu wer⸗ den, als dieſes unerwartete Erkennen ſtatt fand. Jene Beiden wendeten ſich eben um und waren mir ſo nahe, daß ich hören konnte, was ſich zwiſchen ihnen begab. „2 Herr Cl iſt ein 1 genoſſe, welchen fiſchten, niſchen einem S dieſen H Wir hak Lor hören, begann er ſagte „E ſehr ung Das letz ſanten 2 daß ich Herr Cle Herrn al Augenbli Geg ich folgt, ich den⸗ m über⸗ lches an Hurtig gte bald braien, Dermond Capitain jüngere ich, die erfahren geworden ißer Acht i Hacke⸗ es ſeiner en, und richt ab. ihlshaber Inmitten Er und und ich zu wer⸗ d. Jene ſo nahe, gab. „Wer iſt der Herr, der ſich dort an den Kutter lehnt, Herr Clements?“ fragte der Capitain des Hurtig.„Es iſt ein mir bekanntes Geſicht,— irgend ein alter Schiffs⸗ genoſſe, denk' ich.“ „Ich glaube kaum, mein Lord; es iſt ein Nankee, welchen wir in einem Boote auf der offenen See auf⸗ fiſchten,— ein Capitain Wallingford, von dem amerika⸗ niſchen Schiffe, die Dämmerung. Sein Schiff ging in einem Sturme unter und die ganze Mannſchaft ertrank, dieſen Herrn, ſeinen Maat und einen Neger ausgenommen. Wir haben ſie jetzt ſeit länger als drei Monate an Bord.“ Lord Harry Dermond ließ langes, heiſeres Pfeifen hören, ſchritt ſogleich auf mich zu, zog ſeinen Hut und begann eine ſehr unangenehme Art von Geſpräch, indem er ſagte: „Euer Diener, Herr Wallingford! Wir treffen unter ſehr ungewöhnlichen Umſtänden und ziemlich oft zuſammen! Das letzte Mal war es in einem für mich ziemlich intereſ⸗ ſanten Augenblicke; leider war ich damals ſo beſchäftigt, daß ich nicht Zeit hatte, Euch meine Achtung zu bezeugen Herr Clements, ich habe ein kleines Geſchäft mit dieſem Herrn abzuthun und muß Euch und ihn bitten, mir einen Augenblick in Eure Kajüte zu folgen.“ Gegen dieſes Begehren ließ ſich nichts einwenden und ich folgte den beiden Offizieren in die Kajüte des Briton. Zehntes Kapitel. Mir blieb kaum eine Stelle für mein Haupt; Der ſtolzen Güter ſeh' ich mich beraubt; Auf beßre Tage ſchau’ ich wohl zurück, Doch veuget meinen Muth kein Mißgeſchick. Schottiſches Lied. Das ruhig entſchloſſene Weſen des Lord Harry Der⸗ mond überzeugte mich, daß ich ein ſcharfes Verhör zu beſtehen haben würde und ich ſchickte mich an, demſelben entgegen zu treten. Kein Wort ſiel, bis wir alle Drei in der Hinter⸗Kajüte waren, wo Clements und ſeine Beſucher Plätze auf dem Sopha nahmen, während ich einen Wink erhielt, mich eines Stuhles zu bemächtigen. Lord Harry Dermond begann nun das Geſpräch mit einer ernſtern Miene, als ich gewünſcht hatte. „Herr Wallingford,“ ſagte er,„es bedarf zwiſchen uns Beiden nicht vieler Vorbemerkungen. Ich habe Euer Schiff vor drei Monaten, als der ſchwarze Prinz und der Hurtig mit den franzöſiſchen Schiffen anzubinden im Be⸗ griffe waren, ſogleich erkannt; und ich brauche kaum zu bemerken, daß die Art, wie die Dämmerung in die Gegend kam, wo ich ſie damals ſah, eine Erläuterung von Eurer Seite bedarf.“ „Sie ſoll Euch werden, mein Lord. Da ich Euch nicht für berechtigt hielt, die Dämmerung in einen engli⸗ ſchen Ha gere Auf ich mich den, in d „Di zu verſte meine Le des Man Schiffes, „Di dings me wo es zu an dem wäre in Hurtig n „Die an dem 2 „Ich dings glo anheim g „Nu ſcheinlich len, daß Eurer an unterwerf gleichen u Sache iſt ein Haupt; ſeraubt; zurück, dißgeſchick. 8 Lied. rry Der⸗ erhör zu demſelben Drei in Beſucher nen Wink präch mit zwiſchen abe Euer und der nim Be⸗ kaum zu ee Gegend on Eurer ich Euch hen engli⸗ — 221— ſchen Hafen zu ſchicken, und da ich wußte, daß jeder län⸗ gere Aufenthalt dort mich zu Grunde richten würde, ſetzte ich mich mit den beſten Mitteln, die mir zu Gebote ſtan⸗ den, in den Beſitz meines Eigenthums.“ „Dies iſt wenigſtens offen, Herr. Ihr wollt mir alſo zu verſtehen geben, Ihr hättet Euch in der Nacht über meine Leute hergemacht, ſie ermordet und dann, in Folge des Mangels an gehöriger Mannſchaft für die Leitung des Schiffes, dieſes verloren?“ „Dies iſt theils wahr, theils irrig. Ich hätte aller⸗ dings mein Schiff nicht verloren, wenn es in dem Sturm, wo es zu Grunde ging, ſo voll bemannt geweſen wäre, als an dem Tage ſeiner Abfahrt von New⸗York; und es wäre in dem Sturme ſo voll bemannt geweſen, wenn es den Hurtig nicht geſehen hätte.“ „Dies iſt eine ziemlich beſtimmte Andeutung, daß wir an dem Verluſte des Schiffes ſchuld ſeien?“ „Ich werde ſehr beſtimmt ſagen, daß ich dies aller⸗ dings glanbe, wenn ich es Euch auch nicht unmittelbar anheim gebe.“ „Nun, Herr, über dieſen Punkt werden wir uns wahr⸗ ſcheinlich nie vereinigen. Ihr könnt nicht annehmen wol⸗ len, daß die Diener des Königs von Großbritanien ſich Eurer amerikaniſchen Weiſe, das Völkerrecht zu deuten unterwerfen; ſondern werdet leicht einſehen, daß wir der⸗ gleichen unſerm Admiralitäts⸗Gerichte anheim geben. Die Sache iſt, gerade jetzt, für mich von größerer Wichtigkeit — 222— zu wiſſen, was aus den Offizieren und Matroſen gewor⸗ den iſt, welche Euer Schiff überkommen haben. Ich ſah einige Zeit, nachdem ich Herrn Sennit und ſeine Mann⸗ ſchaft an Euer Bord gab, die Dämmerung wieder in Euerm Beſitze; deſſen haben wir uns durch unſere Gläſer verge⸗ wiſſert; und Ihr geſteht jetzt zu, daß Ihr dieſen Männern Euer Schiff wieder abgenommen habt. Was iſt aus der Priſen⸗Mannſchaft geworden?“ Ich erzählte kurz, wie ich mich der Dämmerung wie⸗ der bemächtigt hatte. Die beiden engliſchen Offiziere hör⸗ ten aufmerkſam zu und ich konnte auf Clements' Geſicht ein ungläubiges Lächeln gewahren, während der Capitain des Hurtig nicht weniger als befriedigt ſchien, obgleich er nicht ſo ſehr, wie jener, geneigt war, ſeine wirkliche An⸗ ſicht an den Tag zu legen. „Dies iſt eine recht gut zuſammengeknetete und gut erzählte Geſchichte, mein Lord,“ ſagte Herr Clements höh⸗ niſch lächelnd;„ich denke aber, ſie wird in der britiſchen Flotte nicht viele Gläubige finden.“ „Die britiſche Flotte, Herr,“ verſetzte ich kalt,„iſt, wie alle andern, Unfällen und Widerwärtigkeiten bios geſtellt.“ „Aber keiner dieſer Art, Herr Wallingford, wie Ihr wohl ſelbſt bei näherem Nachdenken zugeben werdet. Ich bitte aber um Verzeihung, mein Lord. Dies iſt Eure An⸗ gelegenheit, nicht die meinige, und ich war unbeſcheiden, indem ich das Wort nahm.“ Lor ſicht vol ranges, lichen C in beiden eine An Er beugung worauf „Il meine P er endlic mein Sch Wunden daß irger zu melde „Es der Priſe habe mit von einen dienfahre Falle ſin ſeln mitg Hier ein Papie Der Cap der Lieut n gewor⸗ Ich ſah e Mann⸗ in Euerm ſer verge⸗ Männern aus der rung wie⸗ ziere hör⸗ s* Geſicht Capitain bgleich er kliche An⸗ und gut nents höh⸗ britiſchen alt,„iſt, eiten dios „wie Ihr rdet. Ich Eure An⸗ beſcheiden, 223 Lord Harry Dermond ſah aus, als wenn er dieſe An⸗ ſicht vollkommen theilte. Er hatte den Stolz des Dienſt⸗ ranges, und den des perſönlichen Ranges in dem herkömm⸗ lichen Grade und es gefiel ihm eben nicht ſehr, daß ein in beiden Beziehungen ſo tief unter ihm Stehender ſich in eine Angelegenheit miſchte, welche ihn ſo eigens anging. Er antwortete daher mit einer ziemlich förmlichen Ver⸗ beugung und ſchwieg einen Augenblick nachdenkend ſtill, worauf er das Geſpräch wieder aufnahm. „Ihr werdet bemerken, Herr Wallingford, daß es meine Pflicht iſt, dieſe Sache genau zu unterſuchen,“ ſagte er endlich.„Ich habe den Hafen eben erſt verlaſſen, wo mein Schiff mehrere Wochen liegen bleiben mußte, um ſeine Wunden wieder zu heilen; und es iſt nicht wahrſcheinlich, daß irgend einer meiner Offiziere in England iſt, ohne mir zu melden, daß er in die Heimath zurückgekehrt ſei.“ „Es iſt ſehr wahrſcheinlich, mein Lord, daß keiner von der Priſen⸗Mannſchaft nach England zurückgekehrt iſt. Ich habe mit meinen eigenen Augen geſehen, daß die Leute von einem Schiffe, das allem Anſcheine nach ein Weſtin⸗ dienfahrer war, an Bord genommen wurden. In dieſem Falle ſind ſie ohne Zweifel auf eine der weſtindiſchen In⸗ ſeln mitgenommen worden.“ Hier überreichte Clements dem Lord Harry Dermond ein Papier, auf welches etwas mit Bleiſtift geſchrieben war. Der Capitain überlief es raſch, nickte mit dem Kopfe und der Lieutenant verließ die Kajüte. — 224— Während er abweſend war, erzählte mir Lord Harry mit großer Zuvorkommenheit die Einzelnheiten in Betreff des Kampfes, den ich mit angeſeheu hatte, und trieb ſeine Artigkeit ſo weit, daß er meine Aufmerkſamkeit auf eine Druckſchrift richtete, welche er mitgebracht hatte, um ſie Capitain Rowley zu zeigen, und in welcher der amtliche Bericht des ganzen Vorfalls enthalten war. Bei der Durchſicht dieſer Schrift bemerkte ich, daß die Anweſenheit der Dämmerung während dem Gefechte in dem Berichte erwähnt worden war; der Name des Schiffes wurde in einer Weiſe genannt, welche dem gewöhnlichen Leſer nicht klar ſein konnte, die ich aber vollkommen verſtand. Es dauerte jedoch nicht lange, ſo kehrte Clements zurück und meldete mir ohne weitere Förmlichkeit, der Tiſch in der Konſtabel⸗Kammer ſei gedeckt und man warte meiner, um zu Mittag zu eſſen. In Folge dieſes Winkes ſtand ich auf und nahm Abſchied, hatte aber noch Muße genug, um Marble in die Kajüte treten zu ſehen, während Neb, von einer Schildwache begleitet, an der Springlukenklappe ſtand. Das Mittageſſen dauerte faſt eine Stunde und Lord Harry Dermond hatte die Artigkeit, dieſe ganze Zeit zu warten, ehe er mich wieder in die Kajüte beſchied. Nicht ohne Staunen ſah ich Marble in der äußern Kajüte, Neb in der Nähe der Thüre und die beiden Offtziere mit Tinte, Feder und Papier vor ſich auf den Plätzen, wo ich ſie ver⸗ laſſen hatte. es fü Maat tig di aus c und Ihr g widerf Lord; vernel York, Hurtig fen ge gatte, Bord Herrn gen zu brechen ſich de ließ, rathe das 6 nieder für die bethät 214 d Harry Betreff ieb ſeine auf eine um ſie amtliche daß die 2 in dem es wurde ſen Leſer rſtand. Clements der Tiſch e meiner, kes ſtand ze genug, end Neb, kenklappe und Lord eZeit zu Nicht ohne Neb in rit Tinte, ch ſie ver⸗ — 225=— „Herr Wallingford,“ begann Lord Harry,„ich halte es für angemeſſen, Euch zu benachrichtigen, daß Eures Maat's Bericht von der Art, wie die Mannſchaft des Hur⸗ tig die Dämmerung verlaſſen hat, von dem Eurigen durch⸗ aus abweicht. Hier ſind ſeine Angaben; ich ſelbſt habe ſie, und mit ſeinen eignen Worten, niedergeſchrieben. Wenn Ihr gewillt ſeid, ſie zu hören, werde ich ſie Euch vorleſen.“ „Ich kann nicht begreifen, wie Herr Marble mir widerſprechen und doch die Wahrheit ſagen kann, mein Lord; indeſſen wird es das beſte ſein, ſeine Erzählung zu vernehmen.“ „„Ich war erſter Maat der Dämmerung, von Neu⸗ York, Miles Wallingford Maſter und Rheder. Von dem Hurtig, wie bekannt, gekapert und in einen engliſchen Ha⸗ fen geſchickt. Drei Tage nach dem Abſchied von der Fre⸗ gatte, welche Herrn Sennit als Priſen⸗Maſter an unſerm Bord ließ, begannen Herr Wallingford und ich mit dieſem Herrn von der Ungerechtigkeit, ein neutrales Schiff gefan⸗ gen zu nehmen und eine viel verſprechende Reiſe zu unter⸗ brechen, zu ſprechen, und der erwähnte Lieutenant fühlte ſich dergeſtalt von unſrer Anſicht beſiegt, daß er ſich herbei ließ, die Jolle des Schiffes nebſt einem geeigneten Vor⸗ rathe von Lebensmitteln und Waſſer zu nehmen und uns das Schiff zu überlaſſen. Demzufolge wurde das Boot niedergelaſſen, gehörig beſtauet und die zärtlichſte Sorgfalt für die Sicherheit und Bequemlichkeit der Priſen⸗Mannſchaft bethätigt, worauf die Engländer mit Thränen in ihren 214— 216. 15 — 226— Augen Abſchied nahmen und uns mit den herzlichſten Wünſchen für eine glückliche Fahrt nach Hamburg ver⸗ ließen.““ 3 „Wollt Ihr mir eruſtlich zu verſtehen geben, Lord Harry Dermond, mein Maat habe Euch dieſen Bericht von dem Vorfalle wirklich als Thatſache mitgetheilt?“ „Sehr ernſtlich, Herr, ich glaube, er erbot ſich ſogar, ſeine Ausſage zu beſchwören, ich erließ ihm jedoch dieſe Förmlichkeiten. Hier iſt ferner der Bericht des Schwarzen; vielleicht wollt Ihr ihn auch hören?“ „Alles, mein Lord, was Ihr mir mitzutheilen belie⸗ ben werdet.“ „Nebuchadnezar Clawbonny ſagt,„„er gehöre an Bord der Dämmerung, ſei nach der Gefangennehmung der⸗ ſelben durch den Hurtig in ihr geblieben und habe ſie erſt verlaſſen, als ſie Schiffbruch litt. Capitain Wallingſord habe Herrn Sennit befohlen, ſein Schiff zu verlaſſen, ſonſt würd' er es ihm lehren, und Herr Sennit habe Maſſer Miles gehorcht, wie es ſich von ſelbſt verſtand;““““— doch ich will nicht weiter leſen, denn man kann den Angaben eines Sclaven kaum Glauben ſchenken. Vielleicht hätten wir ſie gar nicht zu Protokoll nehmen ſolten, Herr Cle⸗ ments.“ „Verzeiht, mein Lond; es iſt unſre Pflicht, Seiner Majeſtät Unterthanen ſo gut, als wir können, zu ſchützen.“ „Dies mag wahr ſein, Herr; aber gewiſſe wichtige Grundſätze dürfen nie überſehen werden, ſelhſt wenn wir unfre Eure Sache wach nie re zu vei geſtell Angal bedau nichts glaube welche Euern behalt Bei a nicht ich, m Schiff Mann Bedün eine er punkte zu geh Zlichſten rg ver⸗ , Lord icht von hſogar, ch dieſe warzen; n belie⸗ höre an ung der⸗ ſie erſt lingſord n, ſonſt Maſſer — doch Ingaben hätten err Cle⸗ Seiner hützen.“ wichtige enn wir unſre Pflicht thun. Ihr bemerkt, Herr Wallingford, daß Euße Schiffsgenvſſen Eurem eigenen Berichte von dieſer Sache widerſprechen und daß der un augenehmſte Argwohn wach werden muß. Ich würde es vor meinen Behörden nie rechtfertigen können, wenn ich es verſäumte, Euch alle zu verhaften und in den Hafen zu bringen, um vor Gericht geſtellt zu werden.“ „Wenn meine Schiffsgenoſſen ſo ungeſchickt waren, Angaben zu machen, wie Ihr mir ſagt, ſo kann ich es nur bedauern. Ich habe Euch die Wahrheit geſagt und weiß nichts mehr hinzuzufügen. Was die Zukunft betrifft, ſo glaube ich nicht, daß Vorſtellungen von meiner Seite, welcher Art ſie auch ſein mögen, Euch veranlaſſen werden, Euern Entſchluß zu ändern.“ „Darin habt Ihr ſehr recht, Herr; und ich hoffe, Ihr behaltet dieſelbe Miene der Unſchuld bis zum Ende bei. Bei all dem wird man britiſchen Unterthanen das Leben nicht ungeſtraft nehmen dürfen.“ „Noch amerikaniſchen Bürgern ihr Eigenthum, hoffe ich, mein Lord; hätte ich Gewalt angewendet, um mein Schiff wieder zu bekommen, und hätle ich die Priſen⸗ Mannſchaft in's Meer geworfen, ſo würde ich nach meinem Bedünken nicht mehr als meine Pflicht gethan haben.“ „Dies iſt gut, Herr, und ich hoffe, um Euretwillen, eine engliſche Jury wird die Sache aus demſolben Geſichts⸗ punkte auffaſſen. Jetzt ſchickt Euch an, an Bord des Hurtig zu gehen; denn Ihr dürft Euch von dem wichtigen Zeugniß 15* — 228— nicht trennen, welches wir in jenem Schiffe ſinden können. Was die von Euch erwähnten Bürger betrifft, ſo müſſen ſie ſich der Entſcheidung des Admiralitäts⸗Gerichtes fügen, nicht aber ſich ſelbſt Recht nehmen.“ „Wir werden ſehen, mein Lord. Wenn dieſer Vor⸗ fall in meinem Vaterlande bekannt wird, werden wir wahrſcheinlich mehr davon hören.“ Ich ſprach dies ziemlich ſtolz, und, die Wahrheit zu ſagen, ich fühlte mich damals ein wenig ſtolz. Ich war jung— mein drei und zwanzigſtes Jahr war noch nicht voll— und ich dachte von meinem Vaterlande, ſeiner Unabhängigkeit, ſeiner Gerechtigkeit, ſeinem Willen, recht zu thun, und ſeiner Entſchloſſenheit, ſich keiner Schmach zu fügen, und ſeiner Rückſichtsloſigkeit in Betreff der Mittel, wo es ſich von Grundſätzen handelt, ziemlich wie junge Leute von den unbefleckten Eigenſchaften ihrer Eltern den⸗ ken. Nach dem Urtheile von Richtern dieſer Art gibt es keine Lügner, keine Betrüger, keine feilen Schurken irgend einer Art auf Erden; ſondern die Welt iſt mit duldenden Heiligen angefüllt, welche ihrer Tugenden wegen verfolgt werden. Die meiſten amerikaniſchen Bürger meiner Zeit hegten die Anſicht, ſchon der Name, welchen ſie trügen, müſſe für ſie in allen Theilen der Welt einen Schutz abge⸗ ben, wenn man ſich nicht dem gerechten Unwillen der Re⸗ publik blosſtellen wolle. In wie weit meine Erwartungen gerechtfertigt worden ſind, wird ſich aus dem Verlaufe dieſer Erzählung ergeben; und nati⸗ natü ihm richt höre gen, hier könn gewi ſich rikar höhe der wille Sta des nen obgle die 2 dert holt, geher welch nnen. lüſſen ügen, Vor⸗ wir eit zu h war nicht ſeiner „recht chmach Mittel, junge n den⸗ gibt es irgend ldenden verfolgt er Zeit trügen, 6 abge⸗ der Re⸗ worden rgeben; und ich bitte beſonders den amerikaniſchen Leſer, ſeine natürliche Ungeduld zu zügeln, bis die Thatſachen in der natürlichen Ordnung der Geſchichte hervortreten. Ich darf ihm mit Recht verſprechen, daß er, faßt er ſie in dem richtigen Geiſte auf und wünſcht er nur die Wahrheit zu hören, nicht aber gehaltloſe, flache Theorien zu vertheidi⸗ gen, durch die Lehren, welche aus den Begebenheiten, die hier zu berichten mein peinliches Amt iſt, geſchöpft werden können, an Klugheit und wahrſcheinlich an Beſcheidenheit gewinnen wird. Was Lord Harry Dermond betrifft, ſo bekümmerte er ſich ſehr wenig um den angedrohten Zorn der großen ame⸗ rikaniſchen Nation; er legte ohne allen Zweifel ein viel höheres Gewicht auf eine zürnende Miene des Admirals, der zu Plymouth befehligte, als auf den tugendhaften Un⸗ willen des Präſidenten und des Congreſſes der vereinigten Staaten von Nord⸗Amerika. Man darf nicht vergeſſen, daß ich von dem Schluſſe des Jahres 1803 ſpreche,— alſo von einem fern gelege⸗ nen Zeitabſchnitte in der Geſchichte der großen Republik; obgleich ich dadurch gerade nicht geſagt haben will, daß die Dinge ſich in dieſem beſondern Betreffe weſentlich geän⸗ dert haben, man müßte denn die Zeitungen ausnehmen. Der Befehl, den Briton zu verlaſſen, wurde wieder⸗ holt, und man bedeutete mich, in die äußere Kajüte zu gehen, wo Marble war, während Herr Clements die Thüre, welche uns trennte, zu ſchließen ſuchte, obgleich er, ich — 230— weiß nicht, warum, ſeinen Zweſk nicht vollkommen erreichte. In Folge diene Bernachläſſigung hörte ich folgendes Ge⸗ ſpräch: „Ich hoffe, mein Lord,“ ſagte Clements,„Ihr wer⸗ det nicht daran denken, den Maat und den Schwarzen mit⸗ zunehmen. Sie ſind Beide treffliche Seemänner und dem Dienſte Seiner Majeſtät zugethan. Der Neger war bei dem letzten Gefechte in der Höhe von großem Nutzen, wäh⸗ rend der Maat eine volle Stunde an einer Kanone wie ein Tieger arbeitete. Wir haben nicht viele Leute an Bord, und ich habe darauf gerechnet, dieſe Mäuner zu veranlaſſen, bei mir zu bleiben. Wir haben das Priſen⸗ geld des franzöſiſchen Schiffes unter unſrer Lee, wie Ihr wißt, mein Lord, und ich zweifle nicht, daß es mir gelin⸗ gen werde.“ „Es thut mir leid, daß mir die Pflicht gebietet, ſie alle Drei mitzunehmen, EClements; ich werde mir aber merken, was Ihr eben geäußert habt; wir können ſie viel⸗ leicht überreben, in dem Hurtig Dienſt zu nehmen. Ihr wißt, es—“ Hier entdeckte Herr Clements, daß bie Thüre nicht geſchloſſen war; er machte ſie daher feſt zu und ich hörte nichts weiter. Ich wendete mich nun zu Marble, deſſen Geſicht den Schmerz ausbrückte, welchen er fählte, feit er wußte, welche Nachtheile ſeine unbedachke Liſt zur Folge hatte. Ich machte ihm jedoch keinen Vorwurf, ſondern drückte ihm die Hand Burſe zu ve Herrr lauf und Abſic Wen wo u an 2 geſch übere mein für n und ich 2 legen dies, ſchlie Ange zu zum zum um reichte. s Ge⸗ r wer⸗ n mit⸗ d dem ar bei wäh⸗ ie wie ate an ner zu Priſen⸗ ie Ihr gelin⸗ et, ſie r aber e viel⸗ Ihr nicht hörte cht den welche 2. Ich hm die 231— Hand zum Zeichen, daß ich ihm verziehen. Der arme Burſche hatte, wie ich deutlich ſah, große Mühe, ſich ſelbſt zu verzeihen; aber er ſchwieg in dieſem Augenblicke. Die Verhandlung zwiſchen Lord Harry Dermond und Herrn Clements dauerte eine halbe Stunde. Nach Ver⸗ lauf dieſer Zeit erſchienen Beide in der vordern Kajüte und ich ſah es dem letztern am Geſichte an, daß er ſeine Abſicht nicht erreicht hatte. Wir ſelbſt wurden mit dem Wenigen, was wir hatten, an Bord des Hurtig gebracht, wo unſre Aukunft ſo viel Aufſehen machte, als die Zucht an Bord eines Kriegsſchiffes etwas dieſer Art erlaubt. Sobald wir die Schanze erreichten, wurde ich in Eiſen geſchlagen und einer Schildwache an der Kajütenthüre überantwortet. Man ſorgte allerdings einigermaßen für meine Behaglichkeit und richtete einen Segeltuchvorhang für mich her, hinter welchem ich ziemlich ungeſtört eſſen und ſchlafen konnte. Meine Feſſeln waren ſo weit, daß ich Mittel fand, ſie nach Gefallen abzuſtreifen und anzu⸗ legen. Ich war geneigt anzunehmen, die Offiziere wüßten dies, und man wolle nur den Schein wahren. Die Ab⸗ ſchließung und den Nachtheil abgerechnet, welcher meinen Angelegenheiten erwuchs, hatte ich keinen beſondern Grund zu einer Beſchwerde; obgleich dieſe Gefangenſchaft bis zum Monate April 1804, oder volle fünf Monate danerte. Während dieſer Zeit lief der Hurtig nach Süden bis zum Aequator hinab, kreuzte dann auf ſeinem Heimwege um die Canariſchen Inſeln und die Azoren, und ſah ſich nach neuer franzöſiſcher Beute um. Ich durfte täglich zweimal einen Spaziergang machen, einmal in der Lauf⸗ planke und einmal auf dem untern Deck; mein Tiſch wurde aus der Kajütenküche verſorgt. In keiner Hinſicht hatte ich einen andern Grund, mich zu beklagen, als daß mein Schiff anfangs mit Unrecht weggenommen worden und daß ich wegen eines Verbrechens— wenn es ja ein Verbrechen geweſen wäre— gefangen gehalten wurde, das zu bege⸗ hen ich keinen Grund gehabt hatte. Während der fünf Monate, welche ich in dieſer Weiſe in dem untern Deck des Hurtig gefangen war, hatte ich mit Marble oder Neb nicht eine Sylbe gewechſelt. Dann und wann ſah ich ſie, wie das andere Schiffsvolk, im Dienſte beſchäftigt, und wir wechſelten oft bedeutſame Blicke, aber nie ein Wort. Gelegentlich beſuchten mich die Offi⸗ ziere; nahmen bei mir Platz und unterhielten ſich mit mir über allgemeine Gegenſtände, augenſcheinlich um mir das Oede meiner Abſchließung erleichtern zu helfen, ohne auf den Grund derſelben einzugehen. Ich könnte nicht ſagen, daß meine Geſundheit gelitten hätte,— ein Umſtand, wel⸗ cher wahrſcheinlich der Reinlichkeit des Schiffes und der bewundernswürdigen Sorgfalt, mit welcher man ſtets friſche Luft zuführte, beizumeſſen war. Endlich liefen wir in den Hafen ein und führten ein franzöſiſches Schiff, von einer der Inſeln öſtlich von dem Kap, als Priſe mit uns. Der Hurtig hatte dieſes Schiff nach einer heißen Jagd nördlich von den Azoren gekapert; und da Mannſe worden. An Purſer, Bekann zu frag⸗ noſſen k „9 aber Ge den ſich als das an Bor Maat it habe; u den Oeff hielt es zu ſchick im Not! wie ſie ſundheit Wahrhei ſich hier *) Der eines Offiz täglich Lauf⸗ wurde hatte 3zmein nd daß drechen bege⸗ Weiſe te ich Dann k, im Blicke, Off⸗ it mir r das e auf ſagen, wel⸗ d der friſche n ein dem Schiff apert; und da ſich Marble und Neb anboten, bei der Priſen⸗ Mannſchaft zu dienen, waren ſie an ſein Bord geſchickt worden. An dieſem Tage erhielt ich einen Beſuch von dem Purſer,*) welcher ſich als der aufmerkſamſte aller meiner Bekannten erwieſen hatte. Ich nahm mir die Freiheit, ihn zu fragen, ob es möglich ſei, daß meine zwei Schiffsge⸗ noſſen bei den Engländern Dienſt genommen hätten. „Nun, dies gerade nicht,“ ſagte er;„ſie ſcheinen aber Gefallen an uns zu haben, und wir glauben, ſie wer⸗ den ſich Beide lieber in die Schiffsliſte eintragen laſſen, als das Priſengeld verlieren, welches ſie für ihre Dienſte an Bord des Briton verdient haben dürften. Euer alter Maat iſt ein tüchtiger Burſche, wie ich vom Maſter gehört habe; unſer Lord aber, welcher glaubte, wir könnten in den Oeffnungen des Kanals auf franzöſiſche Kreuzer ſtoßen, hielt es für beſſer, dieſe zwei Geſellen an Bord der Priſe zu ſchicken, weil ſie vielleicht hartnäckig werden und ſich im Nothfalle weigern konnten zu kämpfen. Sie haben ſich, wie ſie ſagen, den Arbeiten unterzogen, um bei guter Ge⸗ ſundheit zu verbleiben, und wir halten ſie, um Euch die Wahrheit zu ſagen, warm, weil wir wünſchen, ſie möchten ſich hier ſo glücklich fühlen, daß ſie bei uns bleiben.“ *) Der Beamte, welcher von der Admiralität über die Lebensmittel eines Schiffes geſetzt iſt und für deren Vertheilung unter den Offizieren und Matroſen ſorgt. Der Ueberſ. — 234— Dies erſchloß mir einen Blick in den wahren Stand der Sache und ich fühlte mein Herz in dieſem Betracht ſehr erleichtert. Daß Marble unter der engliſchen Flagge zu dienen beabſichtige, war mir keinen Augenblick in den Sinn gekommen; ich war aber ungewiß, ob die Reue über das bereits angerichtete Unheil ihn nicht zu neuen Irr⸗ ſchritten, durch die er ſeinen erſten Fehler wieder gut zu machen gedachte, und welche eben ſo ernſte Folgen haben konnten, veranlaßt habe. Von Neb wußte ich, daß er mich nicht verſaſſen würde, und ich haite von vorn herein ſeinet⸗ wegen keine andere Beſorgniß gehegt, als daß man von ſeiner Unwiſſenheit Nutzen ziehen könnte. Der Tag, an welchem wir in Plymouth Sound vor Anker gingen, war neblig und regneriſch, und eine friſche Bö wehte aus Südweſten. Das Schiff legte mit dem Untergang der Sonne bei; die Priſe ging eine kleine Strecke landeinwärts von ihm vor Anker, wie ich aus der Pforte ſehen konnte, welche für mein kleines Segeltuch⸗Gemach eine Art Fenſter abgab. Als das Schiff eben feſtgemacht war, ging Lord Harry Dermond, von ſeinem erſten Lieutenant begleitet, in ſeine Kajüte, und ich hörte, wie er zu dem letztern ſagte: „Nebenher bemerft, Herr Powlett, der Gefangene muß morgen früh anderswo untergebracht werden. Wir ſind nun dem Lande ſo nahe, als daß man ihn da laſſen könnte, wo er jetzt iſt.“ Ich dachte noch darüber nach, was dieſe Worte bedeu ten ſollt hörte. gerade Schiffes den vier hatten. Me mich erk man die mit Not mit ein veranlaf Neb bei waren dienſte z Ofſizier nach lan der Bach ein ſtark Lord He durchnäf n Stand Betracht n Flagge ck in den teue über uen Irr⸗ er gut zu en haben ß er mich ein ſeinet⸗ man von ound vor ne friſche mit dem ie Strecke eer Pforte =Gemach ord Harry „in ſeine gte: gene muß Wir ſind en könnte, arte bedeu ten ſollten, als ich die Ruder eines herannahenden Bootes hörte. Ich ſteckte meinen Kopf aus der Pforte und konnte gerade ſehen, daß der Priſen⸗Maſter des franzöſtſchen Schiffes bei uns anlegte und daß Neb und Marble unter den vier Männern waren, welche das Boot anher gerudert hatten. Marble ſah mich und gab mir ein Zeichen, daß er mich erkannt habe, obgleich es bereits ſo dunkel war, daß man die Gegenſtände aus einer kleinen Entfernung nur mit Noth unterſcheiden konnte. Ich erwiederte das Zeichen mit einer bedeutſamen Geberde. Dieſes Antwortſignal veranlaßte meinen Maat, das Boot nicht zu verlaſſen und Neb bei ſich zu behalten. Die andern beiden Matroſen waren ſo daran gewöhnt, mit den Amerikanern Schiffs⸗ dienſte zu thun, daß ſie keinen Anſtand nahmen, nach ihrem Offizier an der Seite der Fregatte emporzuſteigen, um ſich nach langer Zeit wieder einmal mit ihren Tiſchgenoſſen in der Back zu beſprechen. Faſt in demſelben Augenblicke der wachehabende Offizier auf dem Deck: „Bringt das Boot der Minerve ſpiegelwärts, damit es dem Gig des Capitains, das in einer Minute anhohlen wird, nicht im Wege iſt.“ Dies war allerdings auf der Backbordſeite; da aber ein ſtarker Wellenſchlag auf der Steuerbordſeite ging, wollte Lord Harry ſich der Förmlichkeiten überheben, um nicht durchnäßt zu werden. — — 236— Ich weiß nicht, welcher Gedankengang mich veranlaßte, das zu thun, was ich that; es war aber offenbar eine Folge der Bemerkung, welche ich ſo zufällig gehört hatte und die mir das Gefährliche meiner Lage ſo lebhaft vor das innere Auge brachte. Was aber auch die Anregung gegeben haben mag, ich verfuhr in folgender Weiſe. 3 Ich ließ mein Eiſen fallen, drängte mich zwiſchen die Kanone und die Seite der Pforte, ſtieg hinaus und hängte mich an der Seite des Schiffes hinab. Man konnte mich ſehen, oder nicht,— der Ausgang war min gleichgültig. Niemand aber ward mich gewahr, als Marble und Neb. Der Erſtere nahm mich, als das Boot vorüber ging, an den Beinen, half mir in den Kutter und flüſterte mir zu, ich möchte mich auf den Boden des Bootes legen. Wir ſtießen an das Gig des Capitains an, als es an die Laufplanke anhohlte; allein Niemand hatte eine Ahnung von dem, was ſich eben begeben hatte.. Dieſes Gig war das einzige Boot des Hurtig, das zu dieſer Zeit in dem Waſſer war; und auch es war ſo eben erſt herabgelaſſen worden, um den Capitain an die Küſte zu bringen. Im nächſten Augenblicke erreichten wir den Spiegel, wo Neb mit einem Bootshaken an den Ruderketten anhielt. Wir blieben hier liegen, bis das Gig dicht bei uns wen⸗ dete und, mit dem Capitain des Hurtig an Bord, dem gewöhnlichen Landungsplatze zuruderte. In Marble geſchah mächtige Schiffe Nie Augenbl Ankunft Hinſicht mer, ti was ma eine Au dem Ar wendet, Lieutene Jeder f als dier lichkeit ganz uf Mäuſe. W unbeme Schiff fünfzig überna W Boote; heranlaßte, eine Folge te und die das innere ben mag, biſchen die nd hängte onnte mich leichgültig. und Neb. ging, an te mir zu, n. n, als es hatte eine ig, das zu ar ſo eben die Küſte u Spiegel, en anhielt. uns wen⸗ zord, dem — 237— In zwei Minuten war das Gig verſchwunden und Marble flüſterte Neb zu, ſein Halt fahren zu laſſen. Dies geſchah im Nu und das Boot der Priſe begann, von einer mächtigen Flut und einer ſteifen Bö unterſtützt, von dem Schiffe abzutreiben. Niemand achtete auf uns; denn in einem ſolchen Augenblicke waren Aller Gedanken mit der Küſte und der Ankunft beſchäftigt. Die Zeit war auch in einer andern Hinſicht günſtig. Lord Harry Dermond war ein wachſa⸗ mer, tüchtiger Offizier; aber ſein erſter Lieutenant war, was man an Bord der Schiffe„einen armen Teufel“ nennt, eine Ausdrucksweiſe, welche bezeichnend genug iſt; und in dem Augenblicke, wo ein wachſamer Capitain den Rücken wendet, kehrt auf einem Schiffe, das einen gleichgültigen Lieutenant hat, eine gewiſſe Ruhe und Sorgloſigkeit ein. Jeder fühlt, daß er jetzt eher thun kann, was ihm behagt, als dies ſonſt der Fall war; und wo ſich die Verantwort⸗ lichkeit in dieſer Weiſe zerſplittert, thun Wenige mehr, als ganz unerläßlich iſt. Wenn die Katze fort iſt, tanzen die Mäuſe. Wie dem auch geweſen ſein mag, unſer Boot fuhr unbemerkt fort, von dem Schiffe abzutreiben, bis wir das Schiff ſelbſt nur noch ſchwach ſehen konnten. Sobald wir fünfzig Fuß von dem Steuer waren, erhob ich mich und übernahm auch ſofort die Leitung des Geſchäfts. Wir hatten einen Maſt und ein Cverſegel in dem Boote; jener wurde eingeſetzt und dieſes beſchlagen, ſobald — — 238— wir weit genug von dem Hurtig entſernt waren, um ſicher zu ſein, daß man uns nicht mehr ſehen könne. Das Steuer wurde hinreichend gehoben, um den Wind gehörig auf die Seite zu bekommen und dann hielt ich gerade auf die offen e See ab. Dies Alles war in fünf Minuten und ſo zu ſagen in Folge einer plötzlichen Eingebung abgethan. Es iſt nicht zu läugnen, unſere Lage war jetzt, da wir etwas der Freiheit Aehnliches erlangt hatten, ziemlich bedränglich. Keiner von uns hatte auch nur einen Shil⸗ ling Geld in der Taſche, und die Kleidungsſtücke, welche wir trugen, waren unſere ganze Habe. Kein Biſſen Brod, kein Tropfen Waſſer war in dem Boote. Die Nacht ſenkte ſich kohlſchwarz nieder und der Wind blies friſcher, als es ein Boot irgend wünſchen konnte. Demungeachtet beſchloſſen wir auszudauern und hiel⸗ ten, der Vorſehung unſer Loos anheim gebend, kühn von dem Lande ab. Ich hoffte, wir würden auf ein amerikaniſches Schiff auf ſeiner Ein⸗ oder Ausfahrt ſtoßen; ſchlug dieſe Hoffnung ſehl, ſo konnten wir, wenn uns das Glück hold war, in acht und vierzig Stunden Frankreich erreichen. Unſere Lage bot nichts dar, das den Geiſt hätte beſchäftigen können, Beſorgniſſe aller Art ausgenommen. Wir konnten nicht auf hundert Ellen weit ſehen, hatten kei⸗ nen Kompaß oder einen andern ſichern Führer auf unſerm Wege, als die Richtung des Windes; alle Mittel, uns zu erquicken, uns vor Wind und Kälte zu ſchützen, fehlten. Dennoch eine St keit der Au ten nich kelheit Als und ſah Wetter hätten fort, ur war, no hatten, len klar Trinken hinſichtl Vorrath Wir hit ſie von des We uns dieſ ſagen, d nach N wir un eher in Sehnſu W n im ſicher 3 Steuer auf die auf die agen in etzt, da ziemlich n Shil⸗ welche n Brod, ht fenkte als es nd hiel⸗ ihn von aniſches ug dieſe ück hold hhen. ſt hätte ommen. tten kei⸗ unſerm uns zu fehlten. — 239— Dennoch wußten wir es einzurichten, daß wir abwechſelud eine Stunde ſchliefen, wo denn Jeder auf die Geſchicklich⸗ keit der beiden Andern ſein volles Vertrauen ſetzen mußte. Auf dieſe Weiſe verfloß uns die Nacht. Wir brauch⸗ ten nicht zu fürchten, verfolgt zu werden, denn die Dun⸗ kelheit diente uns als undurchdringliche Hülle. Als der Tag anbrach, nahmen wir unſern Ausguck und ſahen, daß wir nicht verfolgt wurden; indeß war das Wetter zu dick, als daß wir ſehr weit um das Boot herum hätten ſehen können. Den ganzen Morgen fuhren wir fort, unter unſerm einzigen Everſegel, das ſtark angereeft war, nach Nordoſten abzuhalten, wobei wir nur zu ſorgen hatten, daß wir durch geſchickte Wendungen von den Wel⸗ len klar kamen, welche uns jagten. Was das Eſſen und Trinken betraf, ſo konnte von dem erſtern keine Rede ſein; hinſichtlich des andern gelang es uns bald, einen kleinen Vorrath Waſſer zu ſammeln, der für die Noth ausreichte. Wir hingen unſere Taſchentücher auf und rangen ſie, als ſie von Regen und Nebel geſättigt waren, aus. Die Kühle des Wetters und der Nebel trugen jedoch viel dazu bei, uns dieſe Entbehrungen zu erleichtern, und ich könnte nicht ſagen, daß ich vor der Mittagsſtunde einen großen Drang nach Nahruug oder Waſſer gefühlt hätte. Jetzt begannen wir uns von dem Mittagsmahle zu unterhalten, jedoch eher in ſcherzhafter Weiſe, als unter dem Einftluſſe großer Sehnſucht in dieſem Betrachte. Während wir ſo plauderten, rief Neb plötzlich: „Tort ein Schiff!“ Ja, dort trat uns ein Schiff entgegen; es lief auf der Steuerbordſeite etwa weſtnordweſtlich auf und hielt auf die engliſche Küſte ab. Ich ſehe dieſes Schiff noch in dieſen ſpäten Tagen lebendig vor den Augen meines Geiſtes. Es hatte zwei Reefe in ſeinen Marsſegeln, Flitterſegel, Klü⸗ ver und die beiden untern Segel beigeſetzt, einem Fahr⸗ zeug ähnlich, das eher paſſende, als drängende Leinwand führte. Seine Segellinie leitete es auf etwa zwei hundert Ellen leewärts von uns ab, und mein erſter Gedanke war zu luven. Ein zweiter Blick ſagte uns jedoch, daß wir eine eng⸗ liſche Fregatte vor uns hatten, und wir ließen unſer Ever⸗ ſegel ſo ſchnell als möglich laufen.*) Wir hatten fünf Minuten lang kaum den Muth Athem zu holen, und un⸗ ſere Herzen klopften hörbar. Ich verwendete kein Auge von der Fregatte, wie ſie an uns vorbei hielt, jetzt die Spitze einer Welle tretend oder anmuthig ſich in eine Wogen⸗ höhlung neigend, wo außer ihren Spieren nichts von ihr zu hören war. Hoch erfreut waren wir, als ſie ſo weit nach vorne getreten war, daß wir recht auf ihrer Luvſeite ſtanden, obgleich wir es nicht wagten, unſer Segel wieder beizu⸗ ſetzen, bis ihr ſchwarzer, glänzender Rumpf und die Reihe zürnender Stückpforten von einer Nebelwolke verhüllt waren, *) Nahmen es ein. Der Ueberſ. und nieme war der ſi erfähr dem 2 wurde Schiff deten Curſe ging 9 und ſe gierde handh und e minder Waſſe Deck, T geirrt. laden ſere G nahme der ho 214 auf der auf die n dieſen ſtes. Es 1, Klü⸗ m Fahr⸗ einwand hundert anke war eine eng⸗ eer Ever⸗ tten fünf und un⸗ in Auge jetzt die 2Wogen⸗ in ihr zu ich vorne ſtanden, er beizu⸗ die Reihe lt waren, berſ. — 241— und die Stelle, wo wir ſie auf dem Meere geſehen hatten, niemals ein Schiff der Art getragen zu haben ſchien. Dies war eine jener Rettungen aus der Noth, welche der Menſch, der ſich auf gefährliche Unternehmungen einläßt, zuweilen erfährt, ohne daß er unmittelbar dabei thätig wäre. Unſer nächſtes Abenteuer war angenehmerer Art. Ein gut und ſtark ausſehendes Schiff, welches vor dem Winde gegen den Kanal anlief und Marsleeſegel führte, wurde ſpiegelwärts entdeckt. Es war ein amerikaniſches Schiff! Ueber dieſe Frage waken wir Alle einig; wir wen⸗ deten unſer Boot ſeiner Segellinie zu und liefen in ſeinem Curſe auf, da wir wußten, daß es noch einmal ſo geſchwind ging als wir. Nach zwanzig Minuten kam es dicht an uns vorüber und ſeine Offiziere und Matroſen äußerten die größte Neu⸗ gierde, zu erfahren, wer und was wir wären. Marble handhabte das Boot ſo geſchickt, daß wir ein Tau fingen und entlang anlegten, ohne daß das Schiff ſeine Fahrt minderte, obgleich es uns bei dieſem Verſuche faſt unter Waſſer zog. Sobald wir konnten, ſprangen wir auf das Deck, das Boot ſeinem Schickſale überlaſſend. Wir hatten uns in dem Charakter des Schiffes nicht geirrt. Es war aus dem James⸗Fluſſe, hatte Tabak ge⸗ laden und ging nach Amſterdam. Sein Maſter hörte un⸗ ſere Geſchichte, glaubte ſie und bewies uns ſeine Theil⸗ nahme. Wir blieben jedoch nur eine Woche bei ihm; vor der holländiſchen Küſte verließ ich ſein Schiff, um nach 214— 216. 16 — 242— wohin, wie ich glaubte, meine Briefe geſchickt worden waren, und von wo ich der Mittel, meine Heimath wieder zu erreichen, gleichfalls gewiß war. Zu Hamburg ſah ich mich in meinen Erwartungen getäuſcht. Keine Zeile fand ſich für mich vor, und wir ſahen uns ohne Geld in einem fremden Hafen. Ich hielt es nicht für klug, meine Geſchichte zu erzählen; wir be⸗ ſchloſſen, in irgend einem amerikaniſchen Schiffe Dienſte zu nehmen und ſo gut wir konnten der Heimath zuzuſteuern. Nachdem wir uns ein wenig umgeſehen hatten, zwang zuns die Noth, an Bord des erſten beſten Schiffes, das ſich fand, einzutreten. Es war ein Schiff von Philadelphia⸗ Schuylkill genannt; nommen, Marble und ein. Wir ſchrieben unſre wahren Namen ein ſich unſre Mittheilungen in Betreff unſrer Lage Hamburg zu gehen, ich wurde als zweiter Maat aufge Neb traten als Vormaſt⸗Matroſen — weiter erſtreckten und Abenteuer nicht. Ich fand es ein wenig hart, ſo ederzuſteigen; aber ich war in d ſpielte die Maatsrolle tief auf der Leiter des menſchlichen Lebens ni einer guten Schule geweſen un ganz lobenswerth durch. Noch ehe das Schiff in See ſtach, wurde unſer erſter Maat der Trunkenheit wegen verab⸗ ſchiedet und ich rückte vor. und Alles ging während den nächſten fünf Monaten ganz — fünf Monate, denn das Schiff ſegelte, nach Spanien, inner⸗ und nahm dort eine Marble kam an meine Stelle, gut ab; ich ſage ſtatt gerade nach Hauſe zu gehen, halb der Meerenge don Gibraltar, Labun ſeine 2 fuhren gen un breitet erreich Art h die ſo übergit ₰ ließen Heimat Marble jetzigen wir ſe⸗ als Lei Philade von ein guf ach Un erreichte benten tritte in nes Ve⸗ ten der Briefe „meine rtungen und wir ſch hielt wir be⸗ Dienſte aſteuern. „zwang das ſich ndelphia, t aufge⸗ Matroſen — weiter rer Lage der Leiter war in aatsrolle See ſtach, in verab⸗ ie Stelle, aten ganz iff ſegelte, n, inner⸗ dort eine — 243— Lahung Soda ein, die es nach London brachte, wo es ſeine Fracht nach Philadelphia erhielt. Wir fühlten uns ein wenig unbehaglich, als wir er⸗ fuhren, daß unſere Geſchichte mit manchfachen Verdrehun⸗ gen und Uebertreibungen in den engliſchen Zeitungen ver⸗ breitet worden war; die Sache war jedoch, als wir London erreichten, ziemlich vergeſſen; neue Begebniſſe wichtigerer Art hatten jene Vorfälle in einer Zeit leicht verdrängt, die ſo reich an Begebenheiten war, welche in die Geſchichte übergingen. 3 Demungeachtet war ich froh, als wir England ver⸗ ließen und ich mich wieder auf der hohen See ſah, der Heimath zuſteuernd. Meine Löhnung hatte mich, ſo wie Marble und Neb, in den Stand geſetzt, uns in einer, unſrer jetzigen Stellung 9 angemeſſenen Weiſe neu ausz zuſtatten, und wir ſegelten mit einem ſo guten Vorrath des Nöthigen, als Leuten in unſrer Lage gewöhnlich zu Theil wird, nach Philadelphia ab. Dieſe kleine Habe war Alles, was mir von einem Schiffe und deſſen Ladung, deren Werth ſich auf achtzig bis neunzig tauſend Dollar belief, übrig blieb. ſ Neiſe or Reiſe erg Unſere ſich als eine ſehr lange; aber wir erreichten benten endlich die Vorgebirge des Delaware. Am ſie⸗ 8 LBochen vor dem Ein⸗ tritte in mein drei und Zwanzigſtes Jahr, landete ich, mei September 1804, oder wenige nes Vermögens und meiner Hoff ungen bar, an den Werf⸗ ten der Stadt, welche damals die größte in Amerika war 16* Mein Muth hatte mich aber nicht verlaſſen und meinen Gefährten verſchwieg ich den Umfang meines Unglücks. Wirblieben einige Tage, um die Ladung herausſchaf⸗ fen zu helfen, worauf wir alle drei unſere Löhnung in Empfang nahmen. Neb, der als freier Neger an Bord des Schuylkill gegolten hatte, brachte mir ſeinen Sold, und als wir unſern gemeinſamen Vorrath in einen Sack zuſammen legten, fanden wir, daß ſich die Geſammtſumme auf hundert zwei und dreißig Dollar belief. Mit dieſem Gelde ſchickten wir uns nun an, nördlich zu gehen,— Marble begierig, ſeine Mutter und die kleine Kitty aufzuſuchen, Neb ſich ſehnend, Chloe wieder zu ſehen, und ich, meinen Hauptgläubiger John Wallingford aus⸗ findig zu machen und Nachrichten von Herrn Hardinge und Lucy zu erhalten. Jch ladelphi wir daz hern Ze merken, durch e Lane ge Glieder Amboy Paketbo⸗ Bai vor Wi einen K ausrief: 9 2„A erſtander d meinen glücks. ausſchaf⸗ pnung in an Bord en Sold, nen Sack mtſumme „nördlich die kleine zu ſehen, ford aus⸗ dinge und Elftes Kapitel. — Ihr glaubt, ich würde weinen? Nein, ich weine nicht!— Wohl hab' ich Grund zu weinen; doch dies Herz Müßt' unter hundert tauſend Schlägen brechen, Bevor ich weinte! Shakſpearc. Ich ſchweige von der Art, wie wir den Weg von Phi⸗ ladelphia nach Neu⸗York zurücklegten, und wie viel Zeit wir dazu verwendeten,— dieſe Dinge gehören einer frü⸗ hern Zeit an und mögen vergeſſen ſein. Ich will nur be⸗ merken, daß wir den Süd⸗Amboy⸗Weg einſchlugen und durch einen Theil der Welt kamen, welcher Featherbed⸗ Lane genannt wird; noch jetzt ſchmerzen mich alle meine Glieder, wenn ich nur des Namens gedenke. Zu Süd⸗ Amboy gingen wir an Bord einer Schlupe oder eines Paketbootes und traten, durch die Kills ſegelnd, in die Bai von Neu⸗York, um bei Whitehall zu landen. Wir überwachten das Verladen unſeres Gepäckes auf einen Karren, als mich jemand bei der Hand faßte und ausrief: „Allmäͤchtiger Gott! Capitain Wallingford wieder erſtanden, ſo wahr ich lebe!“ Es war der alte Jared Jones, der von den Tagen meiner Kindheit an bis zu der Stunde, wo ich die Hei⸗ math verließ, zu Clawbonny Müller geweſen. Ich glaubte, er ſei dort noch thätig; aber der Blick, mit welchem er mich anſah,— die Thränen, welche, wie ich ſehen konnte, ſich aus ſeinen Augen drängten,— ſein ganzes Gebahren ſagten mir ſogleich, daß nicht Alles ſei, wie es ſein ſollte. Mein Geſicht eher, als nieine Zunge forderte Aufklärung. Jared verſtand mich und wir ſchritten mit einander der Batterie zu, während Marble und Neb bedeutet wurden, ſich mit dem Gepäcke in das beſcheidene Abſteige⸗Quartier zu verfügen, wo wir beſchloſſen hatten, uns verborgen zu halten, bis ich Zeit gehabt hätte, mich umzuſchauen— ein Haus, welches Moſes viele Jahre beſucht hatte. „Ihr ſeht, Jared, daß ich nicht ganz ſo wiederkehre, wie ich die Heimath verlaſſen habe⸗ Mein Schiff und ſeine Ladung ſind verloren und ich komme, fürcht' ich, als ein armer Mann zu Euch zurück.“ „Wir beſorgten wohln etwas dieſer Art müſſe ſich begeben haben, ſonſt würden wir zu Clawbonny keine ſo ſchlimmen Nachrichten erhalten haben. Einige Eurer Leute ſind vor mehreren Monaten zurückgekehrt und haben uns die Nachricht gebracht, die Dämmerung ſei von den Eng⸗ lälfdern gekapert worden. Von dieſer Stunde an gab Herr Hardinge, glaube ich, alle Hoffnung auf. Die ſchlimmſte Nachricht für uns— Euern Tod ausgenommen— war jedoch die von der Verpfändung Clawbenny'’s.“ Sumn bin nie find f bald a und m Eure armen gen ei Alles daß ke dem C in den welcher davon ſter, 7 Lucy Tagen ie Hei⸗ laubte, hem er konnte, ebahren ſollte. lärung. der der vurden, Auartier rgen zu auen— derkehre, nd ſeine als ein üſſe ſich keine ſo ber Leute ben uns en Eng⸗ an gab f. Die mmen— 6. — 2472 „Die Verpfändung Clawbonny's! Iſt etwas darauf Bezügliches vorgenommen worden?“ „Lieber Himmel, mein theurer Herr Miles, das Ein⸗ löſungsrecht wurde förmlich aufgehoben und man zeigte an, daß es in drei Monaten verkauft würde. Und als es dann verkauft wurde— wie hoch glaubt Ihr wohl, iſt das Gut, Mühle und alles, gekommen? Rathet nur eine Summe, Herr!“ „Gekommen? Clawbonny iſt alſo verkauft und ich bin nicht mehr der Eigenthümer des Hauſes meines Vaters?“ „Verkauft, Herr,— und wir— Neger und alle— find fortgeſchickt worden! Man ſagte, das Geſetz werde bald alle älteren Schwarzen zu ihren eignen Herren machen, und was die jüngern betreffe, nun, mit denen würden ſich Eure Gläubiger abfinden. Aber Herr Hardinge hat den armen Geſchöpfen in der Nähe des Pfarrhauſes Wohnun⸗ gen eingerichtet und ſie arbeiten bei den Nachbarn, bis Alles im Reinen iſt. Es macht ihnen Ehre, Herr Miles, daß keiner von ihnen daran denkt, davon zu laufen. Bei dem Gefühle, welches hinſichtlich der Schwarzen allgemein in dem Lande vorherrſchend iſt, und da kein Herr da war, welcher nach ihnen ſehen konnte, hätten ſie alle ohne Gefahr davon gehen können.“ „Und Chloe,— das Dienſtmädchen meiner Schwe⸗ ſter,— was iſt aus Chloe geworden?“ „Ei, ich glaube, Miß Lucy hat für ſie geſorgt. Miß Lucy iſt merkwürdig reich, wie Alle ſagen, und ſie hat — 248— ihrem Vater Vollmacht gegeben, alles Bewegliche unter ſeine Obhut zu nehmen. Jeder Huf eines lebendigen We⸗ ſens, das zu der Beſitzung gehörte, wurde nach Wright, den Meierhof, gebracht, ihres Eigenthümers gewärtig⸗ wenn er je kommen und ſie zurück fordern ſollte.“ „Hat Miß Lucy die Vorſicht gebraucht, dieſen Meier⸗ hof in einer ſolchen Abſicht zu pachten?“ „Man ſagt, ſie habe ihn von den Erſparniſſen ihres Einkommens gekauft. Wie es ſcheint, kann ſte, obgleich noch nicht mündig, über ihre Intereſſen verfügen. Und in dieſer Weiſe hat ſie einen Theil ihres Geldes angelegt.“ „Ich glaubte, ſie würde jetzt vermählt ſein. Als ich abreiſte, war Herr Drewett, wie man annahm, mit ihr verlobt.“ „Ja, man ſpricht in dem Lande viel davon; allein man ſagt auch, Miß Lucy würde nicht heirathen, bevor ſie mündig geworden, um mit ihrem Gelde thun zu kön⸗ nen, was ihr beliebt, ehe ein Gatte ſeine Rechte darauf geltend macht. Herr Rupext iſt, wie Ihr wohl gehört haben werdet, verheirathet, Herr, und führt mit ſeiner jungen Frau in einem der beſten Häuſer der Stadt ein wahres Nabob's⸗Leben. Manche wollen behaupten, er habe ein Recht auf einen Theil der Verlaſſenſchaft der Miſtreß Bradfort und würde denſelben bekommen, ſobald Miß Lucy mündig geworden.“ Ich hatte nicht Luſt, bei dieſem Theile des Geſprächs länger zu verweilen, obgleich es Balſam auf meine Wun⸗ den wa Der Ge ferner n und ich rüchte, hatten. Jar beſtand Wie rung un gebracht, ſie an d waren, Geſchicht ordentlich Fregatten erzählten Die gen eini⸗ über das engliſcher ſich dieſe entſponne Zu eben ſo als wenn geweſen unter We⸗ right, artig⸗ Neier⸗ ihres gleich Und legt.“ ls ich it ihr allein bevor u kön⸗ darauf gehört ſeiner dt ein n, er ft der ſobald prächs Wun⸗ — 249— den war, dieſe Nachrichten in Betreff Lury's zu hören. Der Gegenſtand war mir aber zu heilig, als daß ich ihn feruer mit einem ſolchen Erläuterer hätte beſprechen mögen, und ich lenkte das Geſpräch auf Clawbonny und die Ge⸗ rüchte, welche dort hinſichtlich meiner die Runde gemacht hatten. Jared erzählte mir Alles, was er wußte, und dies beſtand kurz in Folgendem. Wie es ſcheint, hatte der zweite Maat der Dämme⸗ rung und diejenigen meiner Leute, welche in den Hurtig gebracht, und nicht für die Fregatte ſelbſt, oder ſpäͤter, als ſie an die Küſte gekommen, in England gepreßt worden waren, den Weg in ihre Heimath gefunden, wo ſie die Geſchichte von der Wegnahme des Schiffes, ſeinem außer⸗ ordentlichen Erſcheinen in der Nähe der vier käͤmpfenden Fregatten, und ihrem eigenen Verſuche, zu entweichen, erzählten. Dieſer letztere Vorfall beſonders hatte in den Zeitun⸗ gen einiges Aufſehen gemacht; ein ziemlich heißer Streit über das Recht von Amerikanern, mit dem Bovte eines engliſchen Kriegsſchiffes unter den Umſtänden, in welchen ſich dieſe armen Burſche befanden, zu flüchten, hatte ſich entſponnen. Zu jener Zeit nahmen die Parteien in Amerika ein eben ſo lebendiges Intereſſe an den Kriegen in Europa, als wenn das Land ſelbſt mit in den Kampf verflochten geweſen wäre; und unſere Politiker oder quasi⸗Staats⸗ 3 männer waren wenig mehr, als Kleinhändler, welche die überſpannteſten Anſichten der Engländer und Franzoſen in Umlauf ſetzten. Für die Föderaliſten war es hinreichend, daß die Engländer etwas gethan hatten, um es aus allen Kräften zu vertheidigen; und die Demokraten waren faſt eben ſo geneigt, ſelbſt das Ungeheuerſte zu rechtferti⸗ gen, was Napolkon ¹s Politik ihm eingeben mochte. Ich ſage„faſt,“ denn, um ehrlich mit der Nachwelt zu ver⸗ kehren, ich glaube nicht, daß die franzöſiſch⸗amerikaniſche Partei ſo franzöſiſch, als die engliſch⸗amerikaniſche Partei engliſch war. Die letztere war in ihre provinzielle Ge⸗ dankenabhängigkeit zurückgekehrt, und da ſie mit der eng⸗ liſchen Erklärung aller politiſchen und moraliſchen Wahr⸗ heiten ſehr bekannt waren, die anderer Geſellſchaftszuſtände aber ſehr wenig kannten, glaubten ſie, wie der, welcher fern von dem Tempel ſeine Andacht verrichtet, ſich bekannt⸗ lich allein ſeinem Glauben hingibt. Die engliſche Partei hatte wirklich in der Volksmeinung, in der Colonial⸗Be⸗ wunderung des alten Sitzes der Macht eine tief gehende Wurzel, während die franzöſiſche ihr Daſein lediglich dem Oppoſitionsgeiſte verdankte⸗ Die Allianz von 1778 mochte allerdings einigen Ein⸗ fluß bei Männern äußern, welche ſich bei den Begeb⸗ niſſen der Revolution thätig gezeigt hatten; dieſe waren aber, ſelbſt in ihrer Partei, nur Ausnahmen. Das eng⸗ liſche Gefühl war das natürkiche, herzliche, anhängliche, tiefe; das andere wurzelte, wie bereits geſagt, faſt lediglich in dem Boden der Oppoſition. D merung ſamkeit nate u Amerik mein E melte abgenor unſrer — Grr Mange konnte, kener b K Schickſ ſchien2 Veränd den Se hoffen, fortlebe und Ni⸗ Al wurden durch d verſchre um die he die ſen in ichend, s aus waren htferti⸗ e. Ich zu ver⸗ aniſche Partei le Ge⸗ er eng⸗ Wahr⸗ zuſtände welcher bekannt⸗ Partei ial⸗Be⸗ gehende lich dem gen Ein⸗ Begeb⸗ e waren Das eng⸗ ängliche, lediglich — 251— Die öffentliche Beſprechung des Schickſals der Däm⸗ merung hatte, wie es ſich von ſelbſt verſteht, die Aufmerk⸗ ſamkeit meiner Bekannten auf mein eigenes gelenkt. Mo⸗ nate um Monate waren verſtrichen, und keine Briefe in Amerika angekommen; man nahm alſo allgemein an, daß mein Schiff verloren ſei. Endlich brachte ein Schiff von Jamaica eine verſtüm⸗ melte Geſchichte ein, wie ich mein Schiff Sennit wieder abgenommen haben ſollte; und es wurde jetzt bekannt, daß unſrer nur vier an Bord der Dämmerung verblieben waren, — Grund genug, um zu vermuthen, das Schiff müſſe aus Mangel an Mannſchaft, die für daſſelbe Sorge tragen konnte, geſcheitert ſein. So wurde ich als ein Ertrun⸗ kener betrachtet. Kurze Zeit darauf, nachdem dieſe Anſicht von meinem Schickſale unter meinen Bekannten Geltung erhalten hatte, er⸗ ſchien John Wallingford zu Clawbonny. Er nahm jedoch keine Veränderungen vor, ſprach mit Jedermann freundlich, ſagte den Seclaven, Alles ſolle bleiben, wie es geweſen, und ließ hoffen, ſie würden unter einem wahren Wallingford⸗régime fortleben. Er ward allgemein als mein Erbe angeſehen und Niemand war der Gewaltthaten gewärtig, welche folgten. Allein zwei Monate nach John Wallingford's Beſuch wurden Herr Hardinge und alle zu Clawbonny Anſäßigen durch die Nachricht von dem Vorhandenſein einer Pfand⸗ verſchreibung überraſcht. Die Vorbereitungen begannen, um die Mittel zur Wiedereinlöſung des Pfandgutes förmlich 252— abzuſchneiden, und einige Monate ſpäter wurde die Be⸗ ſitzung öffentlich zu Kingſton verkauft. Niemand bot mehr dafür, als fünf tauſend Dollar,— weniger als den ſechsten Theil ihres Werthes. Aber dieſes Hinopfern liegender Habe in Folge gezwungener Verkäufe war und iſt, beſon⸗ ders in Amerika, etwas ziemlich gewöhnliches. In meinem Falle war Niemand da, der meine Rechte in Schutz genom⸗ men hätte; denn Herr Hardinge, welcher bei dem Ver⸗ kaufe anweſend war, hatte ſich eher mit Gründen, um mit meinem Vetter über das Paſſende und Edle ſeines Beneh⸗ mens zu kämpfen, als mit baarem Gelde ausgerüſtet, um die Schuld zu tilgen. John Wallingford erſchien jedoch nicht perſönlich und der Verkauf ging vor ſich, ohne daß außer Herrn Hardinge Jemand ein Gebot that,— ein Gebot, welches er nur, auf Luey's Mittel und beſten Wil⸗ len bauend, wagte. Ein Mann, Namens Daggett, ein Verwandter John Wallingford’s von mütterlicher Seite, war der angebliche Käufer und ſtellte ſich jetzt als den Beſitzer meines väterlichen Gutes dar. Er hatte in Folge des Kaufes von Elawbonny Beſitz genommen, die Neger entlaſſen und die perſönliche Habe abführen laſſen; und er hatte auf dem Gute und in der Mühle neues Geſinde beſtellt. Zu Aller Verwunderung war John Wallingford bei der Uebergabe nicht erſchienen, obgleich es ſich allge⸗ mein verbreitet hatte, er habe im Falle meines wirklichen Ablebens geſetzliche Rechte auf meine Geſammthabe. Kein Teſtament wurde aber vorgelegt und nichts ver⸗ lautet zurücd nichts Abred nachd wider C lichen aus noch um zu war, ¹ wir v Die. meine hören und C 2 Haus wurde Klaſſe Unter Morg richtet nicht Be⸗ mehr chsten gender beſon⸗ einem enom⸗ Ver⸗ m mit Beneh⸗ t, um jedoch ne daß — ein n Wil⸗ tt, ein Seite, ls den Folge Neger n; und Geſinde ingford allge⸗ irklichen d. hts ver⸗ lautete von meinem Vetter! Herr Daggett war ein ernſter, zurückhaltender Mann, und man konnte in dieſer Beziehung nichts aus ihm herausbringen. Seine Anſprüche auf Clawbonny konnten nicht in Abrede geſtellt werden, und ſelbn Herr Hardinge mußte, nachdem er ſich mit ſeinem Rechtsfreunde berathen hatte, wider Willen das Unabänderliche geſchehen laſſen. Dies war das Weſentliche, was ich in einer oberfläch⸗ lichen Unterhaltung, welche etwa eine Stunde hinnahm, aus dem Müller herausbringen konnte. Natürlich blieb noch Vieles aufzuklären; ich hatte aber genug erfahren, um zu wiſſen, daß ich hinſichtlich des Vermögens ein Bettler war, was immer ich hinſichtlich der Gefühle ſein mochte. Als ich Jared verließ, gab ich ihm meine Adreſſe und wir verabredeten eine Zuſammenkunft auf den nächſten Tag. Die Theilnahme, welche mir der alte Mann bewies, that meinem Herzen wohl, und ich wünſchte Alles von ihm zu hören, was er wußte, beſonders ſofern es ſich auf Lucy und Herrn Hardinge bezog. Ich folgte nun Marble in unfre Wohnung,— ein Haus, welches von Schiffsmaſters und Maaten beſucht wurde,— die Maſters gehörten natürlich der niedern Klaſſe an, da ſie ſich herabließen, in dieſer Weiſe mit ihren Untergeordneten zu verkehren. Wir brachten den Reſt des Morgens damit hin, daß wir uns in unſern Zimmern ein⸗ richteten und unſere beſten Jacken anlegten; denn ich war nicht im Beſitze eines Gewandes mit Schößen, es hätt — 254— ſich denn etwas dieſer Art unter den alten Kleidern finden müſſen, welche von Clawbonny auf den Wright⸗Pachthof gebracht worden waren. Trotz dieſem Abgange in meiner Garderobe darf der Leſer nicht glauben, meine Erſcheinung ſei gemein oder unangenehm geweſen; im Gegentheile, volle ſechs Fuß in ſeinen Schuhen ſtehend, in einer ſchönen blauen Jacke von Maats⸗Tuch, in Schanze⸗ Beinkleidern, einem reinen weißen Hemde, einem ſchwarzſeidnen Halstuche und einer Weſte von hübſchem, aber beſcheidenem Schnitte, brauchte ich mich gar nicht zu ſchämen, mich ſehen zu laſſen. Ich kam aus England, einem Lande, wo Kleider gut und wohlfeil ſind, und ein netter ausſehender Theer, als ich damals war, zeigte ſich ſelten in dem untern Theile der Stadt. Marble und ich hatten zu Mittag gegeſſen und ſchick⸗ ten uns an, einen Spaziergang Broadway hinauf zu machen, als ich einen magern, abgehärmten, ſauerröpfiſch ausſehen⸗ den Menſchen in das Haus treten und auf das Comptoir zugehen ſay, augenſcheinlich um ſich nach einem der In⸗ ſaſſen zu erkundigen. Man zeigte ſogleich auf mich, worauf ſich der Fremde verkündi⸗ cht, welche, zu näherte und mit einer Art Zuv gen ſchien, Neuigkeiten ſeien das große Lebensziel und Alle, welche ſich mit der Verbreitung de erſelben beſchäftigten, ſeien bevorrechtete Weſen, ſich als Oberſt Warbler, den Herau eber des„New-York Republican Freeman 82 unfondigle Ich bat den Herrn, mit mir in das gemeinſame An⸗ ſprach; uns ſt „ tain 2 Yorker wie es „und vor de nigen Volkes ganze? fich w haben — dal tenfaß ich Eu ſtellt, zu bek Die beliebt, weiter D belieben anlang Capita Im Ja finden achthof harf der in oder Fuß in icke von weißen r Weſte ich mich ram aus eil ſind, ls war, d ſchick⸗ machen, usſehen⸗ Zomptoir der In⸗ Fremde verküͤndi⸗ und Alle, en, ſeien Heraus⸗ fündigte. ame An⸗ ſprachzimmer zu gehen, wo folgendes Geſpräch zwiſchen uns ſtattfand:. „Wir haben ſo eben von Eurer Ankunft gehört, Capi⸗ tain Wallingford,“ begann der Oberſt, denn alle Neu⸗ Yorker Zeitungsſchreiber von einem gewiſſen Range haben, wie es ſcheint, ex ofticio einen ſolchen imponirenden Titel, „und brennen vor Begierde, Euch ſozuſagen rectus in curia, vor der Nation hinzuſtellen. Eure Geſchichte hat vor we⸗ nigen Monaten große Theilnahme erregt und der Geiſt des Volkes iſt, wie man mit Recht ſagen kann, vorbereitet, die ganze Sache zu erfahren, oder, in einer glücklichen Stimmung, ſich weiterer Erregung hinzugeben. Wenn Ihr die Güte haben wolltet, mich mit den Umriſſen bekannt zu machen,“ — dabei nahm er ohne weitere Förmlichkeiten Feder, Tin⸗ tenfaß und Papier und begann zu ſchreiben,—„ſo verſpreche ich Euch, daß die ganze Erzählung, in einer Weiſe darge⸗ ſtellt, über welche Ihr keinen Grund haben werdet, Euch zu beklagen, morgen in dem Freeman erſcheinen ſoll. Die Einleitung iſt bereits geſchrieben und wenn es Euch beliebt, werde ich ſie Euch vorleſen, ehe wir in der Sache weiter gehen.“ — Der Ober begann ſofort, ohne zu warten, ob es mir belieben würde, oder nicht, ſeine Einleitung zu leſen. „„In dem Schuylkill, welcher neulich zu Philadelphia anlangte, kehrte als Paſſagier unſer geſchätzter Mitbürger, Capitain Miles Wallingford in ſein Vakerland zurück.“,— Im Jahte 1804 war der„Esqnire“ noch nicht Federmanns — 256— Titel, und ſelbſt die Herausgeber von Zeitungen maßten ſich ihn nicht ex offcio an.—„Die Unbilden, welche dieſer Herr erfahren, ſind unſern Leſern bereits mitgetheilt worden. Aus ſeinem eigenen Munde erhalten wir folgen⸗ den Umriß von der ſchlechten, geſetzwidrigen Weiſe, wie er von einem engliſchen Kriegsſchiffe, der Hurtig genannt, von einem Adelsſproſſen, Lord——“ ich habe Platz für den Namen gelaſſen—„behandelt worden iſt, ein Bericht, welcher in der Bruſt eines jeden echten Amerikaners Em⸗ pfindungen des Unwillens und Gefühle des Schauders über dieſes neue Beiſpiel britiſcher Treue und britiſcher Unver⸗ ſchämtheit auf dem hohen Meere erwecken muß. Man wird aus dieſem Berichte erſehen, daß dieſer Sprößling der Ari⸗ ſtokratie, nicht zufrieden, ſeine ganze Mannſchaft zu preſſeu und ihn in anderer Weiſe zu mißhandeln, hinſichtlich Capi⸗ tain Wallingford's ſelbſt jeden Artikel des zwiſchen den beiden Ländern abgeſchloſſenen Vertrags gröblich verletzt und ſonſt alle Grundſätze der Ehre mit Füßen getreten,— mit einem Worte, allen, Geboten Gottes Hohn geſprochen hat. Wir hoffen, es wird ſich Niemand in dem Lande finden, der ein ſo ſchmachvolles Benehmen in Schutz nimmt, und daß ſelbſt die Günſtlinge Englands, welche bei den Föderal⸗Preſſen unſeres Landes thätig ſind, ſich bei die⸗ ſer Gelegenheit uns anſchließen, um britiſche Angriffe und britiſche Eingriffe zur Oeffentlichkeit zu bringen.“„So⸗ Herr; ich denke, dies muß Euch zuſagen.“. „Es iſt ein wenig ex Parte, Oberſt, da ich mich über franzi beſchn erſt v zöſiſch zu erz bericht gemac als er begang Warb veranl nes,“ fort, wegen ſen w nachde den, u hinder mannſ L Nicht gehörte vertröd 214 maßten ,welche itgetheilt r folgen⸗ e, wie er genannt, Platz für Bericht, ners Em⸗ ders über er Unver⸗ Nan wird z der Ari⸗ zu preſſen lich Capi⸗ ſchen den ch verletzt ttreten,— geſprochen em Lande utz nimmt, he bei den ch bei die⸗ igriffe und 1.„So, mich über franzöſiſche Gewaltthat eben ſo ſehr, wie über engliſche zu beſchweren habe; denn ich bin zweimal gekapert worden, erſt von einer engliſchen Fregatte, dann von einem fran⸗ zöſiſchen Kaper. Ich ziehe es vor, die ganze Geſchichte zu erzählen, wenn ich etwas davon erzählen ſoll.“ „Gewiß, Herr; wir wünſchen all das Ungeheure zu berichten, deſſen ſich dieſe anmaßenden Engländer ſchuldig gemacht haben.“ „Nach meiner Anſicht hat der engliſche Befehlshaber, als er mich gefangen nahm, eine große Ungerechtigkeit begangen und iſt der Urheber meines Verderbens geworden.“ „Haltet, Herr! wenn es Euch beliebt,“ fiel Oberſt Warbler ein und ſchrieb eben ſo reißend als eifrig,„„und veranlaßte ſo den Sturz eines fleißigen, ehrlichen Man⸗ nes,““ ja, dies endigt eine Periode ſehr ſchön. Nun fahret fort, Herr!“ „Ich habe mich aber einer perſönlichen Mißhandlung wegen nicht zu beklagen; und das Benehmen der Franzo⸗ ſen war genau derſelben Art, vielleicht noch ſchlimmer, nachdem ich der engliſchen Priſen⸗Mannſchaft los geihhr⸗ den, und die Franzoſen mich ihrerſeits kaperten und mich hinderten, in Frankreich Schutz und eine friſche Schiffs⸗ mannſchaft zu ſuchen.“ Oberſt Warbler hörte ruhig und gleichgültig zu. Nicht eine Zeile ſchrieb er gegen die Franzoſen; denn er gehörte zu einer ſehr verbreiteten Schule von Neuigkeits⸗ vertrödlern, welche glauben, es gehöre mit zu ihrem hohen 214— 216. 17 Berufe, von jedem Begebniß ſo viel oder ſo wenig zu erzäh⸗ len, als zu ihren Abſichten eben paſſen mag. Ich ſchilderte die Unbilden, welche ich von den Franzoſen erfahren hatte, mit um ſo lebhafteren Farben, je weniger ich meinen Beſucher geneigt ſah, von dieſen Angaben Gebrauch zu machen. Ich hatte aber gut reden. Am nächſten Morgen enthielt der„Republican Freeman“ einen Bericht von der Sache, wie er ſich mit dem Charakter dieſes unabhängigen, mannhaften Blattes eben vertrug: kein Wort wurde von dem Benehmen des franzöſiſchen Kapers geſagt, wäh⸗ rend das Gehaben der engliſchen Fregatte mit Zuſätzen von manchfachen Thatſachen und mit ſtyliſtiſchen Aus⸗ ſchmückungen erzählt war, die von dem allgemeinen Waa⸗ renvorrathe des Oberſten Warbler ſein mußten, da ich gewiß nichts dazu geliefert hatte. Sobald ich dieſen Herrn los geworden, was bald der Fall war, nachdem er mir abgemerkt hatte, daß ich ihm das ſchlechte Benehmen der Franzoſen in das gehörige Licht zu ſtellen bemüht war, verließ ich mit Marble das Haus, um, wie es früher ſchon unſere Abſicht geweſen, Broadway hinaufzugehen und zuzuſehen, welche Veränderungen die Zeit hervorgebracht habe. 4 Wir hatten bereits ein Square erreicht, als ich mich an dem Ellbogen berührt fühlte. Wie ich mich umſah, ſtand ein fremder Mann mit einer ſehr neugierigen, wun⸗ derſüchtigen Art Geſicht neben mir, und ſchöpfte tief Athem, ſo ſehr hatte er ſich, indem er mir nachlief, angegriffen. — 7 in der tain 0 man ich mi verankl begiern tereſſe mich e Poſitird Zeitun Güte welche räuber Euch f Einleit Auge; Gewal⸗ ſchämt! jeden r len, u theidige ſtets be auf Ko thums.“ erzäh⸗ nzoſen ger ich brauch Rorgen on der gigen, wurde „wäh⸗ uſätzen Aus⸗ Waa⸗ da ich der Fall m das eicht zu Haus, dadway gen die ch mich umſah, 1, wun⸗ Athem, eiffen. — „Verzeiht, Herr,“ ſagte er keuſhend,„man hat mir in dem Hauſe, wo Ihr wohnt, geſagt, Ihr wäret Capi⸗ tain Wallingford.“ Ich verbeugte mich bejahend und ahnte ſogleich, daß man wieder nach Thatſachen ſpüre. „Nun, Herr, ich hoffe, Ihr werdet die Freiheit, welche ich mir nehme, verzeihen, wenn Ihr hört, was mich dazu veranlaßt. Ich repräſentire das Publikum, das immer begierig iſt, ſich über alle Fragen von allgemeinem In⸗ tereſſe ſogleich unterrichtet zu ſehen, und meine Pflicht wird mich entſchuldigen, wenn ich mich ſelbſt vorſtelle— Oberſt Poſitiv, Herausgeber des„Federal Truth Teller,“ einer Zeitung, welche Euer geſchätzter Vater einſt zu halten die Güte hatte. Wir haben in dieſem Augenblicke erfahren, welche Schändlichkeiten ein Schurke von franzöſiſchem ſee⸗ räuberiſchen, diebiſchen halunkerhaften Kaper ſich gegen Euch ſchuldig machte“— er las dies aus einer andern Einleitung vor, welche die Gegenſeite der Frage in das Auge zu faſſen ſchien;—„ein neuer Beweis franzöſiſcher Gewaltthätigkeit und republikaniſch⸗ jacobiniſcher Unver⸗ ſchämtheit: Schändlichkeiten, welche nicht umhin können, einen jeden rechtlich denkenden Amerikaner mit Unwillen zu erfül⸗ len, und die nur bei ſolchen Bewohnern des Landes Ver⸗ theidiger ſinden können, die ſelbſt nichts haben und daher ſtets bereit ſind, Räubern das Wort zu reden, wäre es auch auf Koſten amerikaniſcher Rechte und amerikaniſchen Eigen⸗ thums.“ 17* Als Oberſt Poſitiv dies geleſen hatte, hielt er inne, um Athem zu holen, und ſah mich an, als erwartete er laute Ausbrüche des Entzückens und der Bewunderung. „Ich habe allerdings durch das, was Ihr als völlig rechtloſes Gehaben eines franzöſiſchen Kapers bezeichnet, zu leiden gehabt, Oberſt Poſitiv,“ ſagte ich;„allein dieſe Unbilde wären mir nicht zugefügt worden, hätte ich nicht vorher durch das zu leiden gehabt, was ich als ein eben ſo rechtloſes Gehaben der engliſchen Fregatte anſehe, welche von Lord Harry Dermond, dem Sohne des iriſchen Mar⸗ quis von Thole, befehligt wurde.“ „Mein Himmel, Herr, dies iſt ſehr auffallend! Eine engliſche Fregatte, ſagt Ihr? Es iſt etwas ſehr Ungewöhn⸗ liches, daß Schiffe dieſer rechtlichen Nation ſich jemals einer Gewaltthat ſchuldig machten, beſonders da unſere gemeinſame Sprache, unſere gemeinſame Abkunft, die ſäch⸗ ſiſchen Vorfahren, und tauſend andere ähnliche Dinge gegen dergleichen ſtreiten; während jedes neu ankommende Schiff, wie ich mit Bedauern hinzufügen muß, uns Nach⸗ richten von neuen Schauerthaten der Myrmidonen dieſes franzöſiſchen Baſtardkaiſers bringen— eines Mannes, Herr, deſſen Thaten, Herr, ſeit den Tagen eines Nero, Caligula, und all der andern Tyrannen des Alterthums ihres Gleichen nicht gehabt haben. Wenn Ihr die Gewo⸗ genheit haben wollt, Capitain Wallingford, mir einige Thatſachen in Betreff dieſer letzten Gewaltthat Bonapar⸗ te's mitzutheilen, ſo verſpreche ich Euch, daß der Bericht weit wele kühn fahr näch Beri als der a miad wege währ Free Rund derſel macht gelter er der die G Kaper kehrt K Englä ligt w um di überho inne, tete er ng. völlig iichnet, n dieſe h nicht n eben welche Mar⸗ 1 Eine ewöhn⸗ jemals unſere wie ſäch⸗ Dinge mmende 3Nach⸗ dieſes NRannes, 3 Nero, erthums Gewo⸗ r einige onapar⸗ Bericht — 261— weit und breit, und in einer Weiſe bekannt werden ſoll, welche den boshaften und feilen Anſichten mancher Leute kühn entgegen tritt.“ Ich war ſo grauſam, dieſem Wunſche nicht zu will⸗ fahren. Es machte jedoch keinen Unterſchied; denn am nächſten Tage enthielt der„Federal Truth Teller“ einen Bericht von der Sache, welcher wohl ziemlich eben ſo treu, als wenn ich alle Begebenheiten ſelbſt erzählt hätte, und der auch ziemlich eben ſo wahr war, wie die meiſten Jere⸗ miaden der Zeitungen, welche nur des glänzenden Effectes wegen geſchrieben werden. Die Föderaliſten Amerika's laſen dieſen Bericht gierig; während die gegentheilige Erzählung in dem„Republican Freeman“ in allen demokratiſchen Blättern pari passu die Runde machte und von allen Anhängern dieſer Partei mit derſelben Gier verſchlungen wurde. Dieſe Unterſcheidung machte ſich, wie ich ſpäter erfuhr, in dem ganzen Lande geltend. Wenn mein Zuhörer ein Föderaliſt war, ſo hörte er den ganzen Tag auf den Theil meiner Erzählung, welcher die Gefangennahme der Dämmerung durch den franzöſiſchen Kaper enthielt, während die Demokraten es gerade umge⸗ kehrt hielten. Da die meiſten Handelsleute Föderaliſten und die Engländer bei meiner Erzählung nicht viel mehr bethei⸗ ligt waren, als die Franzoſen, fand ich bald, daß ich mich um die öffentliche Gunſt brachte, wenn ich der Vorfälle überhaupt nur erwähnte; auch dauerte es nicht lange, ſo — 262— kam ein Gerücht in Umlauf, ich ſei ſelbſt nur ein eugli⸗ ſcher Ausreißer,— ich, der fünfte Miles meines Namens zu Clawbonny! Was Marble betraf, ſo gab es Leute, welche darauf ſchwören wollten, er habe ſeinen Capitain beſtohlen und ſei erſt vor vier Jahren aus einem engliſchen Zweidecker entflohen. Welterfahrnen Menſchen braucht man nicht zu ſagen, wie Geſchichten zum Nachtheile eines unbeliebten Mannes geſchmiedet werden und mit welchem Eifer man ſie verbrei⸗ tet; ich kann es alſo dem Leſer überlaſſen, ſich zu denken, welches unſer Loos geworden wäre, hätten wir nicht die Klugheit gehabt, von unſern Unbilden gar nicht mehr zu reden. Statt daran zu denken, die Behörden meines Va⸗ terlandes wegen Schadenerſatzes anzugehen, fühlte ich mich glücklich, daß die Sache ſo bald als möglich vergeſſen wurde und mein Name einigermaßen unangetaſtet blieb. Ich geſtehe, daß ich auf meiner Rückreiſe mich zuwei⸗ len dem Glauben hingab, ich würde von dem Lande be⸗ ſchützt werden, deſſen Eingeborner ich war, für welches ich gekämpft hatte und dem ich Abgaben zahlte; ich war aber erſt drei und zwanzig Jahre alt und verſtand nichts von der Handhabung der Geſetze, beſonders in einem Geſell⸗ ſchaftszuſtande, welcher ſeine wichtigſten Intereſſen fremdem Einfluſſe anheim gibt. Wäre ich nur von einem franzö⸗ ſiſchen, oder nur von einem engliſchen Schiffe gekapert worden, ſo wär' ich, wenigſtens⸗ dem Scheine nach, ein weni meid hätte ex] ihren gend zu b Mäck gend dener Art liebt in d fentli wenig mit der k gen z ſtand Ding unabl Parte Liſt u ſtändi der D weder eugli⸗ amens darauf n und eidecker ſagen, Nannes verbrei⸗ denken, cht die nehr zu es Va⸗ ch mich ergeſſen blieb. zuwei⸗ nde be⸗ ſches ich dar aber chts von Geſell⸗ fremdem franzö⸗ gekapert ach, ein wenig beſſer daran geweſen, obgleich mein Geld unver⸗ meidlich dahin war; denn je nach der Geſtaltung der Dinge hätte die eine oder die andere politiſche Partei mich aus ex parte Sympathie wenigſtens ſo lange geſtützt, als es ihren Abſichten angemeſſen war, oder bis die Neuheit ir⸗ gend eines andern Begebniſſes eine Veranlaſſung bot, mich zu beſeitigen. Ich war aber von beiden kriegführenden Mächten gekränkt worden, und man kam bald ſtillſchwei⸗ gend überein, die Sache fallen zu laſſen. Was den Scha⸗ denerſatz betraf, ſo war ich nie ſo thörig, etwas dieſer Art zu fordern. Im Gegentheile, da ich ſah, wie unbe⸗ liebt es einen Mann in der Handelswelt machte, wenn er in dieſem Augenblicke etwas gegen Großbritanien veröf⸗ fentlichte, ſchwieg ich weislich ſtill, und ſo gelang es mir, wenigſtens meinen guten Namen zu retten, welcher ſonſt mit meinem Vermögen verloren geweſen wäre,— da dies der kürzeſte Weg war, einen läſtigen Sprecher zum Schwei⸗ gen zu bringen. Die meiſten jüngern Leſer werden wahrſcheinlich An⸗ ſtand nehmen, zu glauben, daß ein ſolcher Zuſtand der Dinge je bei einer Nation geherrſcht habe, welche ſich ſelbſt unabhängig nennt; man muß ſich aber erinnern, daß die Parteileidenſchaften die, welche in ihrem Netze ſind, durch Liſt und Trug jeder Art umſtricken und ſie um ihre Selbſt⸗ ſtändigkeit bringen; ſodann werden Alle, die den Stand der Dinge im Jahre 1804 kannten, zugeben, daß Amerika weder von England noch von Frankreich geiſtig unabhängig war. Thatſachen gehen bei uns in Allem den Gedanken voran, und die öffentliche Meinung war über die Verhält⸗ niſſe des Landes eben ſo unaufgeklärt, wie— wie ſie es heut zu Tage iſt. Ich kenne keine beſſere oder wahrere Parallele. Ich zweifle keinen Augenblick, daß Alles ge⸗ rade wieder denſelben Verlauf nehmen würde, wenn die⸗ ſelben kriegführenden Mächte ſich äͤhnliche Unbilden erlaubten. Marble war komiſch erboft über dieſe kleinen Beweiſe des Mangels wahrer Nationalität bei ſeinen Landsleuten. Er war, der Mann nicht, der ſeine Zunge einſchüchtern ließ; und noch Jahre nachher ſprach er mit einer Frei⸗ heit, die ſeinem Rechtsgefühle mehr Ehre machte, als ſei⸗ ner Klugheit, ſeine Anſicht darüber aus, daß man einen Amerikaner ſein Schiff und ſeine Ladung verlieren laſſe, wie ich die meinige verloren, ohne daß er auch nur eine Entſchädigung hoffen dürfe. Was mich betrifft, ſo machte ich, wie bereits bemerkt, nie einen Verſuch, mir Recht zu verſchaffen. Ich wußte, daß ein ſolcher Schritt ganz ver⸗ geblich ſein würde; und es erging der Dämmerung und ihrer Ladung wie hundert und hundert andern Schiffen und Ladungen, die in die politiſche Leere verſenkt wurden, welche die Kriegserklärung von 1812 ſchuf. Ich verweile ungern bei dieſem Gegenſtande. Ich hätte ihn am liebſten ganz übergangen; denn er beweiſt, daß die politiſche Vereinigung dieſes Landes einen der wich⸗ tigſten Zwecke aller ſolcher Vereinigungen verfehlte; man gewinnt aber nie etwas dabei, wenn man die Wahrheit in Bett die kung rikaꝛ Rech berei theil die d noch phyſt unſre Vert tung Beiſ auf e Nro. kamen nieme war meine in ein ¹ eine k wenn daher kannt danken erhält⸗ ſie es hahrere les ge⸗ un die⸗ aubten. Beweiſe Gleuten. üchtern r Frei⸗ als ſei⸗ n einen n laſſe, ur eine machte kecht zu unz ver⸗ ng und Schiffen wurden, e. Ich beweiſt, der wich⸗ te; man örheit in — 265— Betreff ſolcher Dinge unterdrückt. Die Leſer mögen über die Vergangenheit nachdenken; dies hat vielleicht die Wir⸗ kung, daß die Zukunft geſicherter wird und daß der ame⸗ rikaniſche Bürger in der Wirklichkeit einen Theil jener Rechte erwirbt, auf deren Beſitz zu pochen wir ſtets ſo bereit ſind. Wenn das Verheimlichen irgend einen Vor⸗ theil böte, ſo würde ich gern ſchweigen; aber Krankheiten, die den Staatskörper heftig angegriffen haben, fordern eine noch kühnere und mannhaftere Behandlung, als ſchwere phyſiſche Schäden. Ich erinnere an den Ton der Preſſen unſrer Handelsſtädte hinſichtlich des letzten franzöſiſchen Vertrags— einen der ſchmählichſten Beweiſe der Verach⸗ tung und Kränkung zumal, von denen die Geſchichte ein Beiſpiel liefert, und ich geſtehe, daß ich keine Hoffnungen auf eine bedeutende Beſſerung hegen kann. Marble und ich ſetzten, nachdem wir des Oberſten Nro. 2 losgeworden waren, unſern Spaziergang fort. Wir kamen an mehreren Perſonen meiner Bekanntſchaft vorüber, niemand aber erkannte mich in meiner jetzigen Tracht. Ich war darüber nichts weniger als unzufrieden; denn ich war meiner Geſchichte überdrüſſig und freute mich, einige Tage in einer Art Incognito hinzubringen. Neu⸗York war aber im Jahre 1804 vergleichsweiſe eine kleine Stadt, und Jeder kannte des Andern Geſicht, wenn dieſer Andere nur„irgend Jemand“ war. Es war daher kaum zu erwarten, daß ich längere Zeit würde uner⸗ kannt bleiben können. — 266— Wir ſchlenderten über St. Paulskirche hinauf, damals ein„hohes“ Stadtviertel, wo einige Häuſer in einem Style gebaut worden waren, welcher zu jener Zeit für neu und veredelt galt. Auf der Treppe einer dieſer Patricier⸗Wohnungen— um mich eines Ausdrucks zu bedienen, welcher ſeitdem ſehr in Gebrauch gekommen iſt— ſah ich einen modiſch geklei⸗ deten Herrn ſtehen, welcher mit der Miene, der Herr des Hauſes zu ſein, ſeine Zähne ſtocherte. Ich war faſt an ihm vorüber, als er, einen Ausruf laut werden ließ und meinen Maat bei ſeinem Namen anrief, ſo daß ich ſtehen blieb. Es war Rupert. „Marble, mein lieber Burſche, nun, wie geht es Euch ſagte unſer ehemaliger Schiffsgenoſſe und ſtieg mit einem ſorgloſen, halb herzlichen und halb herablaſſenden Gehaben die Treppe herab und ſtreckte ſeine Hand aus, die Moſes nahm und herzlich ſchüttelte.„Euer Anblick erinnert mich an alte Zeiten und an Salzwaſſer.“ „Herr Hardinge,“ antwortete mein Maat, welcher von Rupert's Fehlern nichts wußte, als daß er für die See nicht taugte,„ich bin ſehr erfreut, Euch zu treffen. Woh⸗ nen Euer Vater und Eure ſchöne Schweſter hier?“ „Nein, alter Moſes,“ verſetzte Rupert, ohne mir noch einen Blick zuzuwerfen.„Dies iſt mein eigenes Haus, wo ich mich freuen werde, Euch zu ſehen und Euch meiner Gattin vorzuſtellen, die auch eine alte Bekannte von Euch 27 iſt Herr! Flott ſtand les h welch Jahr Ihr lingft mich und( beſon hat 6. boten, wende oder die g ihre zureic ten, i Begri Auger wie e amals einem ir neu gen— m ſehr geklei⸗ err des Ausruf Namen Euch?“ t einem hehaben Moſes ert mich cher von die See Woh⸗ 2 nir noch aus, wo meiner on Euch iſt,— die ehemalige Miß Emily Merton, die Tochter Herrn Merton's, Generals in dem britiſchen Heere.“ „Verwünſcht ſei die britiſche Armee, und die britiſche Flotte obendrein!“ rief Marble mit mehr Gefühl, als An⸗ ſtand.„Ohne die letztere würde unſer alter Freund Mi⸗ les hier jetzt ein reicher Mann ſein.“ „Miles!“ wiederholte Ruvert mit einem Erſtaunen, welches natürlicher war, als Alles, was ich in den letzten Jahren von ihm geſehen hatte.„Es iſt alſo wahr, und Ihr ſeid nicht auf der See zu Grunde gegangen, Wal⸗ lingford?“ „Ich lebe, wie Ihr ſeht, Herr Hardinge, und freue mich dieſer Gelegenheit, mich bei Euch nach Enerm Vater und Enrer Schweſter erkundigen zu können.“ „Beide ſind wohl, ich danke Euch; der alte Herr beſonders wird ſehr erfreut ſein, Euch wieder zu ſehen. Er hat Eure Unfälle bitter gefühlt und alles mögliche aufge⸗ boten, um die traurige Geſchichte wegen Clawbonny abzu⸗ wenden. Ihr wißt, er konnte nicht wohl eine Million, oder nur fünf⸗ bis zehntauſend Dollar aufbringen; und die gute Lucy iſt noch minderjährig und kann nur über ihre Intereſſen verfügen, deren Betrag eben damals nicht zureichend war. Wir haben Alles gethan, was wir konn⸗ ten, ich verſichere Euch, Wallingford; ich war jedoch im Begriffe, mich häuslich einzurichten, und hatte in dem Augenblicke keine Summe baar daliegen; und Ihr wißt, wie es unter ſolchen Umſtänden iſt!— das ſchöne Claw⸗ — 268— donny! Ich war troſtlos, als ich von der Sache hörte, obgleich man mir ſagte, dieſer Herr Daggett, Euer Nach⸗ folger, wirke wahre Wunder dort. Er iſt ein reicher Mann, wie ich vernehme, und hat die Mittel, alle ſeine Plane durchzuführen.“ „Ich freue mich, daß Clawbonny in gute Hände gefallen iſt, da es aus den meinigen gekommen. Guten Abend, Herr Hardinge! Ich werde die erſte Gelegenheit benützen, um Euern Vater zu beſuchen und die einzelnen Umſtände zu erfahren.“ „Ja; er wird ungemein erfreut ſein, Euch zu ſehen, Wallingford; und gewiß, es wird mir ſtets großes Ver⸗ gnügen gewähren, Euch in jeder Weiſe, wie ich kann, zu helfen. Ich fürchte, Ihr müßt ſehr ſeichtes Waſſer haben.“ „Wenn Ihr es ſeichtes Waſſer nennt, ohne Vermögen zu ſein und eine unbezahlte Schuld von zwanzig⸗ bis dreißigtauſend Dollar abtragen zu ſollen, ſo ſteht das Waſſer in meinen Taſchen allerdings nicht hoch. Ich werde aber nicht verzweifeln; ich bin jung und habe mich einem edeln, mannhaften Berufe gewidmet.“ „Ja, ich darf es ſagen, Ihr werdet Euch tüchtig hal⸗ ten, Wallingford,“ antwortete Rupert in einem Schutz⸗ herrn⸗Tone.„Ihr ſeid immer ein unternehmender Burſche geweſen, und man braucht Euretwegen nicht beſorgt zu ſein. Es würde ſich kaum ziemen, Euch zu bitten, Miſtreß Hardinge, wie Ihr da ſeid, zu beſuchen; nicht als ob Ihr Euch in Eurer Jacke nicht ungemein gut ausnähmt, ſon⸗ dern iſt, w wenig Jacke hingel möglie denken thun. auf ſe Guten ehe w G 3 4 mir ſo Drewe ihm zu hörte, Nach⸗ Mann, Plane Hände Guten genheit nzelnen ſehen, s Ver⸗ nn, zu haben.“ rmögen g⸗ bis ht das z. Ich be mich lig hal⸗ Schutz⸗ Burſche orgt zu Miſtreß ob Ihr t, ſon⸗ — 269— dern weil ich ſehr gut weiß, wie es mit jungen Männern iſt, wenn es ſich von Damen handelt, und Emily iſt ein wenig überzart vielleicht.“ „Dennoch hat Miſtreß Hardinge mich oft in einer Jacke geſehen und manche Stunde in meiner Geſellſchaft hingebracht, während ich gerade ſo, wie jetzt, gekleidet war.“ „Ja, zur See— zur See gewöhnt man ſich an alles mögliche. Guten Abend, Wallingford; ich werde an Euch denken, Wallingford, und kann vielleicht etwas für Euch thun. Ich ſtehe mit den Chefs der erſten Handelshäuſer auf ſehr vertrautem Fuße und werde gewiß an Euch denken. Guten Abend, Wallingford.— Ein Wort mit Euch, Marble, ehe wir ſcheiden.“ Ich lächelte bitter und ging ſtolz von Rupert's Thüre weg. Ich wußte damals nicht, daß Lucy dreißig Fuß von mir ſaß und der Unterhaltung und den Einfällen Andrew Drewett's lauſchte. Von der Stimmung, in welcher ſie ihm zuhörte, werde ich alsbald Gelegenheit haben zu ſprechen. Als Marble mich wieder einholte, ſagte er mir, Rupert habe ihn zurückgehalten, um ſich unſre Adreſſe zu erbitten, — ein Beweis ſeiner Herablaſſung, für welche ich nicht die Gewogenheit hatte, ihm dankbar zu ſein. Zwölftes Kapitel. Die müde Sonn'’ ſchied in goldnem Glanze Und ihres Feuerwagens Roſenſpur Verſpricht uns morgen einen ſchönen Tag. Shakſpeare. Ich war über mein Benehmen Rupert gegenüber eben ſo ſehr erſtaunt, als er es ſelbſt ſein konnte. Ohne Zwei⸗ fel ſchrieb er dies dem Verluſte meines Vermögens zu; denn in den erſten Augenblicken des Erkennens war er ziemlich verwirrt und ſeine Zuverſicht ſtieg in dem Grade, in welchem die meine, wie er glaubte, ſank. Allein die Mäßigung, welche ich an den Tag legte, war lediglich Luey beizumeſſen, deren Einfluß auf meine Gefühle ſich ſtets geltend machte. Marble glaubte, alles ſei wie es ſein ſollte, und lobte Rupert's Benehmen und Gebahren auf das Entſchiedenſte. „Es iſt nicht eines Jeden Sache, einen Seemann abzugeben, Miles,“ ſagte er;„ die von der Natur kommt, wie das Singen oder Seiltan⸗ zen. Ich darf behaupten, Nupert wird auf feſtem Grund und Boden und in dem Gentleman⸗Berufe eine ganz gute Nolle ſpielen, obgleich er auf dem Waſſer eben kein großer Held iſt, wie Alle zugeben müſſen, die mit ihm an Bord waren. Es fehlt dem Burſchen nicht an Gehalt, es iſt denn es iſt dies eine Gabe, aber blauen Gener Schiff 3 ziergar Wohnn A Hausg machen Anſich ich wer als ich A ſchreibe wollten nen mi in moc ihr an heimnif „ dieſer 2 haftung Summ ſchaft fe „2 „dies Glanze 1 en Tag. dre. r eben Zwei⸗ as zu; var er Grade, legte, meine id lobte edenſte. eemann Gabe, Seiltan⸗ Grund nz gute großer n Bord es iſt — 271— aber eben nur Land⸗Gehalt, und damit fängt man auf blauem Waſſer nicht viel an. Ich behaupte kühn, dieſer General⸗Kaiſer Bonaparte würde einen hölliſch armen Schiffsmaſter abgeben, wenn man ihn auf die Probe ſetzte.“ Ich gab keine Antwort und wir ſetzten unſern Spa⸗ ziergang fort, bis es dunkelte; dann kehrten wir in unſre Wohnung zurück und machten es uns bequem. Am nächſten Morgen frühſtückten wir mit den übrigen Hausgenoſſen und ich ſchickte mich an, einen Ausgang zu machen, um einen Advocaten aufzuſuchen und mir ſeine Anſicht in Betreff meiner Aſſecuranz zu erbitten, obgleich ich wenig oder keine Hoffnung hatte, etwas zu erhalten, als ich hörte, zwei Herren wünſchten mich zu ſprechen. Auf den erſten Anblick glaubte ich wieder Zeitungs⸗ ſchreiber vor mir zu haben, welche ſich Nachrichten erbitten wollten; wir waren aber kaum allein, als eine der Perſo⸗ nen mich auf eine Weiſe, welche in Betreff des suaviter in modo kaum etwas zu wünſchen übrig ließ, während es ihr an dem fortiter in re keineswegs fehlte, in das Ge⸗ heimniß ſeines Auftrags einweihte. „Es thut mir leid, Capitain Wallingford,“ begann dieſer Mann,„Euch ſagen zu müſſen, daß ich einen Ver⸗ haftungsbefehl gegen Euch habe, und daß es ſich um eine Summe handelt, welche eine ſehr achtungswerthe Bürg⸗ ſchaft fordert,— nicht weniger als ſechszig tauſend Dollar.“ „Bravo, mein ehrlicher Vetter,“ ſagte ich bei mir; „dies heiße ich keine Zeit verlieren.— Ich gebe es zu, daß ich die Hälfte dieſer Summe ſchuldig bin, Herr, wenn mein Gut, wie ich höre, nur um fünftauſend Dollar ver⸗ kauft wurde. Wahrſcheinlich ſoll ich wegen meiner nicht eingelöſten Schuldverſchreibung verhaftet werden. Auf weſſen Verlangen aber werde ich ſo angegangen?“ Hier kündigte ſich die zweite Perſon als der Anwalt des Klägers an und entſchuldigte ſeine Anweſenheit mit dem Vorgeben, er hoffe ſich durch einen gütlichen Ausgleich der Sache nützlich zu machen. „Mein Client iſt Herr Thomas Daggett von Claw⸗ bonny, in der Grafſchaft Ulſter, welcher Eure Verſchrei⸗ bung in ſeiner Eigenſchaft als Verwalter des Vermögens des verſtorbenen John Wallingford— eines Herrn, wel⸗ cher, glaube ich, mit Euch verwandt war, in Händen hat.“ „Der verſtorbene John Wallingford? Mein Vet⸗ ter iſt alſo todt?“ „Er verließ vor acht Monaten das Zeitliche und ſtarb eines unerwarteten Todes. Das Verwaltungsrecht iſt Herrn Daggett förmlich zugeſtanden worden, denn er iſt der Sohn der Mutter Schweſter Herrn John Wallingford's, und da dieſer ohne Teſtament ſtarb, ſein Haupterbe. Es iſt ſehr zu bedauern, daß das Geſetz CEuch von der Erbfolge ausſchließt, während Ihr doch ſeinen Namen führt.“ „Mein Vetter ließ mich hoffen, ich würde ſein Erbe ſein, ſo wie er der meinige werden ſollte. Mein Teſtament zu ſeinen Gunſten iſt ihm überliefert worden.“ „Wir wiſſen dies, Herr, und da Ihr langere Zeit für tobt würk genel hätte zuerſ ſtelle die ich n Freu Dieſe zu u niß 21 wenn r ver⸗ nicht Auf nwalt it mit sgleich Claw⸗ eſchrei⸗ nögens „ wel⸗ nhat.“ n Vet⸗ d ſtarb Herrn r Sohn a dieſer ehr zu ſchließt, n Erbe ſtament Zeit für todt galtet, wurde angenommen, Eure perſönliche Habe würde uns theilweiſe von ſelbſt zufallen, wodurch der unan⸗ genehme Schritt, zu welchem wir uns jetzt genöthigt ſehen, hätte umgangen werden können. Die Frage war, wer ſtarb zuerſt, Ihr oder Euer Vetter, und dieſe Thatſache herzu⸗ ſtellen, fehlten uns, wie Ihr wohl begreift, die Mittel. Wie die Sachen ſtehen, iſt es des Verwaltenden Pflicht, ohne Zeitverluſt vorzuſchreiten.“ „Mir bleibt demnach keine andere Wahl, als in den Kerker zu gehen. Ich kenne Niemand auf der weiten Erde, den ich anſprechen könnte, Bürgſchaft für eine ſo große Summe zu leiſten, wie ſchon die, welche ich wirklich ſchulde, der Geſammtſumme der Verſchreibung nicht zu gedenken.“ „Es thut mir ſehr leid, dies zu hören, Capitain Wal⸗ lingford,“ verſetzte Herr Meekly, der Anwalt, ſehr höflich. „Wir wollen mit einander gehen und den Gerichtsdiener folgen laſſen. Vielleicht läßt ſich die Sache gütlich beilegen.“ „Von ganzem Herzen, Herr; ich will jedoch, ehe ich dieſes Haus verlaſſe, meine Rechnung bezahlen und meine Lage einigen Freunden mittheilen, welche dort in dem Durch⸗ gange warten.“ Neb war einer dieſer Freunde; denn ich fühlte, daß ich mich bald in einem Zuſtande ſehen würde, wo mir die Freundſchaft ſelbſt meiner Sclaven wichtig werden konnte. Dieſer treue Burſche und Marble kamen auf meinen Wink zu uns heran und ich eröffnete ihnen einfach das Geheim⸗ niß meiner Lage. 214— 216. 18 — 274— „Verhaftet?“ ſagte Moſes und betrachtete den Ge⸗ richtsdiener mit ſtolzer Verachtung, obgleich dieſer ein ſtar⸗ ker Geſelle und in jeder Hinſicht gewillt war, ſeine Pflicht zu thun.„Verhaftet! Nun, Miles, Ihr könnt dieſe zwei Burſchen ſelbſt bewältigen; und wenn Neb und ich zugrei⸗ fen, können wir ſie ohne Winde in Taufädchen verarbeiten.“ „Dies iſt vielleicht möglich, Moſes; aber ich kann, ſelbſt wenn Ihr mir beiſteht, das Geſetz nicht bewältigen; auch wünſchte ich es nicht zu thun, wenn ich es könnte. Ich muß in das Gefängniß, da ich keine Bürgen ſtellen kann.“ „Bürgen? Nun, ich werde für Euch bürgen; und wenn Ihr zwei Bürgen braucht, ſo iſt Neb da.“ „Ich glaube, der Herr verſteht nicht viel von einer Verhaftung, die auf Befehl des Gerichts geſchieht,“ ſagte der Anwalt lächelnd. „Laßt das Alles jetzt bei Seite, Moſes. Seid ſo gut und bezahlt meine Rechnung hier; gebt Neb die kleine Taſche mit meinen Kleidern, welche er mir in das Gefäng⸗ niß bringen wird und behaltet meine übrige Habe in Eurer Verwahrung. Es verſteht ſich, daß Ihr mich bald beſucht; jetzt aber befehle ich, daß Ihr mir nicht folgt.“ Ich verließ das Haus mit einer Raſchheit, welche den Gerichtsdiener, glaube ich, ein wenig beunruhigte. Als ich jedoch einmal auf der Straße war, wurde mein Gang gemäßigter; dann ließ ich den Anwalt zu mir heran kom⸗ men, und wir begannen uns wegen der Uebereinkunft, deren er gedacht hatte, zu beſprechen. ſagte trag genau Klein Neger beſchr zen S einige obglei dreißi darau theile überdi zwanz begrei Die v dete, werder gett b ſchaft Er ho aus z cher e fünfta ſtar⸗ flicht zwei irei⸗ ten.“ kann, igen; unte. tellen und einer ſagte o gut kleine ffäng⸗ Eurer ſucht; de den ls ich Gang kom⸗ deren — 275— „Um offen gegen Euch zu ſein, Capitain Wallingford,“ ſagte Meekly,„mein Client erwartet nicht, den vollen Be⸗ trag ſeiner Forderung zu erhalten, indem man ziemlich genau weiß, daß Eure perſönliche Habe ſich auf gewiſſe Kleinodien, die Vorräthe Eures ehemaligen Gutes, wenige Neger, eine Schlupe, einige Geräthſchaften und ſo weiter beſchränkt. Nein, Herr, wir haben nie erwartet, den gan⸗ zen Betrag unſerer Forderung zu erhalten. Wenn wir einigermaßen geſichert ſind, wird dies ſchon Vieles tilgen, obgleich immer noch ein bedeutender Saldo bleiben muß.“ „Da Herr Daggett den vollen Werth von fünf und dreißigtauſend Dollar bereits in liegender Habe beſitzt und daraus wenigſtens zweitauſend Dollar des Jahres, die Vor⸗ theile einer ſtattlichen Wohnung ungerechnet, zieht; da er überdies Verſchreibungen und Pfandbriefe im Betrage von zwanzig und etlichen Tauſend Dollar in der Hand hat, ſo begreife ich ſeine Mäßigung und Nachſicht vollkommen. Die vierzigtauſend Dollar, welche ich meinem Vetter ſchul⸗ dete, werden ſeinen Erben in reichem Maaße wiedererſtattet werden, wenn ich auch mein Leben im Gefängniſſe hinbringe.“ „Ihr faßt die Sache ganz unrichtig auf. Herr Dag⸗ gett beſitzt Clawbonny gar nicht als Verwalter der Erb⸗ ſchaft, ſondern als Käufer, in Folge eines Pfandverkaufs. Er hat das Gut natürlich nicht ſelbſt gekauft, ſondern es aus zweiter Hand, von einem ſeiner Neffen, erhalten, wel⸗ cher es bona fide beſaß. Der Betrag des Gebotes— fünftauſend zweihundert und fünfzig Dollar— iſt auf 18 ½ Euerm Schuldſcheine bemerkt und Euch gut geſchrieben worden. Da Niemand mehr bot, mußte die Beſitzung zugeſchlagen werden.“ „Ja, Herr; ich weiß es recht gut, wie Beſitzungen, bei Abweſenheit des Schuldners und bei Zwangsverkäufen, weggehen. Aber welche Art Vorſchläge gedenkt Ihr mir zu machen?“ „Herr Daggett weiß, daß Ihr eine Anzahl koſtbarer Perlen beſitzt, welche gegen tauſend Dollar werth ſein ſollen, ziemlich viel Silbergeſchirr und ſo weiter. Er ſchlägt Euch daher vor, der aus dem Verkaufe des Gutes erlöſten Summe alle Eure perſönliche Habe zu einem beſtimmten Anſchlage hinzuzufügen, worauf er Euch den Betrag zu gut ſchreiben und ſeine Schritte wegen des Saldv's zurück⸗ nehmen,— mit einem Worte, Euch Zeit geben will.“ „und wie hoch berechnet Herr Daggett die Summe, welche ich ſo erhalten würde?“ „Er iſt geneigt, ſich freigebig zu zeigen, und glaubt, Euch viertauſend Dollar gut ſchreiben zu können.“ „Meine perſönliche Habe, einſchließlich der Perlen, von welchen Ihr ſprecht, Silbergeſchirr, volle tauſend Dollar werth, ſelbſt wenn man es als altes Silber anſchlägt, die Schlupe, die Vorräthe, Pferde, Wagen, Ackergeräthſchaften und ſo fort, müſſen faſt das Doppelte dieſer Summe aus⸗ machen, der Seclaven nicht zu gedenken, welche ich übrigens alle freigeben werde, ſobald das Geſetz es erlaubt. Wenn Herr Daggett nicht gewillt iſt, meine Habe zu ihrem wah⸗ ren 8 und kaufe aus zwei und hat, dreize fügen befehl dieſer verka vielle herbe anzur Rein zu lä ſein nicht iſt ni ich m gett, rieben itzung ingen, äufen, r mir ſtbarer ſollen, Euch rlöſten mmten ag zu zurück⸗ l.⸗⸗ umme, glaubt, Perlen, Dollar gt, die chaften ie aus⸗ brigens Wenn wah⸗ ren Werthe anzunehmen, werde ich in Gewahrſam bleiben und zuſehen, wie die Dinge ſich bei einem Privat⸗Ver⸗ kaufe herausſtellen. Da er von den Verſchreibungen, die aus dem Vermögen meiner Schweſter herrühren,— volle zwei und zwanzigtauſend Dollar,— jeden Cent bezieht und ſchon durch Clawbonny allein mehr als fünftauſend hat, kann das, was ich wirklich ſchuldig bin, nicht über dreizehntauſend Dollar betragen.“ „Ihr wollt Euch alſo dem richterlichen Beſcheide fügen und Eure Habſchaft in Folge eines Vollziehungs⸗ befehls—“ „Ich werde nichts dieſer Art thun, Herr Meekly; in dieſer Hinſicht iſt mein Entſchluß gefaßt. Ein Zwangs⸗ verkauf iſt für einen Neuling vollkommen genug.“ „Wir werden das Gefängniß bald erreicht haben; vielleicht dürfte der Anblick—“ „Ihr irrt Euch, Herr. Sobald Herr Daggett ſich herbeiläßt, mein Eigenthum auf eine billige Schätzung hin anzunehmen, werde ich bereit ſein, die Sache mit ihm in's Reine zu bringen; denn ich bin nicht gewillt, die Schuld zu läugnen, oder der Bezahlung auszuweichen; da er aber ſeine Verfahrungsweiſe eingeſchlagen hat, ſo will ich auch nicht davon abweichen. Guten Morgen, Herr Meekly; es iſt nicht nöthig, daß Ihr mich weiter begleitet.“ Ich hielt an dieſem Entſchluſſe feſt, weil ich ſah, daß ich mit einem Menſchen⸗Schinder zu thun hatte. Herr Dag⸗ gett, ſelbſt ein Schurke, fürchtete, ich möchte meine per⸗ ſönliche Habſchaft losſchlagen, ehe er einen Vollziehungs⸗ befehl in der vorgeſchriebenen Weiſe erwirken konnte; er hoffte, durch Einſchüchterung oder Zwang mich zu einem Vergleich zu bewegen. Es war meine Aufgabe, ihn zu enttäuſchen, und ich nahm eine Miene der Zuverſicht an, welche meinen Be⸗ gleiter bald verſcheuchte. Einige Minuten ſpäter ſchloß ſich das Thor des alten ſteinernen Schuldner⸗Gefängniſſes hinter mir. Ich hatte einiges Geld, und da ich mich nicht mit der Geſellſchaft, welche ich vorfand, abſchließen laſſen wollte, war ich ſo glücklich, ein kleines, ſchlecht möblirtes Gemach für mich zu erhalten. „ Ddieſe Einleitungen waren kaum getroffen, als Neb mit der Reiſetaſche erſchien. Der arme Burſche ſchwamm in Thränen; denn er fühlte nicht nur meine Lage ſchmerzlich, ſondern er fühlte auch die Schmach und das Unglück tief, welches die ganze Clawbonny⸗Familie getroffen hatte. Er ſollte erſt erfahren, daß die Beſitzung ſelbſt verloren war, und ich konnte es nicht über das Herz bringen, ihm dieſe Nachricht mitzutheilen; für ſein einfaches Gemüth hieß dies Leib und Seele aus einander reißen. Alle Neger betrach⸗ teten ſich als zu Clawbonny gehörend, und eine Trennung mußte in ihren Augen als eine Art mächtiger Natur⸗Er⸗ ſchütterung erſcheinen. Neb brachte mir einen Brief. Auf dem Siegel war das Wappen der Hardinge zu ſehen. Die Adreſſe auf dem Umſchlage war von Rupert's Hand. Alles an dem Billet For hungs⸗ te; er einem nd ich n Be⸗ oß ſich gniſſes hnicht laſſen blirtes keb mit nm in erzlich, ick tief, te. Er n war, n dieſe eß dies betrach⸗ ennung ur⸗Er⸗ gel war uf dem Billet 279 deutete auf Behaglichkeit, Mode, Prunk und Beachtung der Formen. Ich verlor keine Zeit den Inhalt zu leſen, und theile ihn hier wörtlich mit. „Broadway, Mittwoch Morgen. „Lieber Wallingford! „So eben iſt mir eingefallen, daß der Einſchluß Euch zu ſtatten kommen möchte; und ich mache mir Vorwürfe, daß ich, als wir uns ſahen, Eurer wahrſcheinlichen Lage nicht ſogleich eingedenk war. Es thut mir leid, daß ich nicht im Stande bin, Euch heute zu einem Mittageſſen, en famille, einzuladen; Miſtreß Hardinge hat aber Ge⸗ ſellſchaft und alle übrigen Tage dieſer Woche ſind bereits vergeben. Ich hoffe jedoch, demnächſt wieder mit Euch zuſammen zu treffen und dann weniger in Anſpruch genom⸗ men zu ſein. Lucy hat eben von Eunrer glücklichen Rück⸗ kehr Nachricht erhalten und ſogleich einige Zeilen an ihren Vater geſchrieben, welcher ſich freuen wird, zu erfahren, daß Ihr noch in dem Lande der Lebenden ſeid. Der Ge⸗ neral, welcher bei uns wohnt, wünſcht ſeiner gedacht zu wiſſen und hofft, bei Eurer nächſten Reiſe nach England, Euch als Paſſagier zu begleiten. Adieu, lieber Walling⸗ ford; ich werde unſrer Knabenſtreiche nie vergeſſen, die Euch gewiß zuweilen ein Lächeln entlocken. Der Eurige u. ſ. w. Rupert Hardinge.“ Dieſem Briefchen war eine Banknote auf zwanzig — 280— Dollar beigefügt! Ja, der Mann, welchem ich zwanzig⸗ tauſend Dollar gegeben hatte, ſchickte mir in meiner Noth dieſe großmüthige Gabe, um mich nicht Mangel leiden zu laſſen. Ich brauche kaum zu erwähnen, daß ich augen⸗ blicklich durch Neb die Banknote und einige kalte Worte des Dankes zurückgehen ließ. Seiner Mildthätigkeit wenig⸗ ſtens war ich nicht bedürftig. Ich brachte, nachdem Neb ſich entfernt hatte, eine ſehr unbehagliche Stunde hin. Dann erſchien einer der Kerker⸗ wärter, um mir zu melden, ein Herr und eine Dame— den erſtern halte er für einen Geiſtlichen— ſeien in dem Anſprachzimmer und wünſchten mich zu ſehen. Es war ohne Frage Herr Hardinge; konnte ſeine Begleiterin Lucy ſein? Ich war zu erregt, zu haſtig, um viel Zeit zu verlieren, eilte auf das Gemach zu und wurde eingelaſſen. Sie waren's— Lucy und ihr Vater! Neb hatte, als er an Rupert's Thüre vorſprach, Chloe geſehen; er hatte viel gehört und viel erzählt. Herr Har⸗ dinge war im Begriffe, mich aufzuſuchen; als er aber erfuhr, wo ich war, hatte er ſeiner Tochter kaum Zeit gelaſſen, Hut und Shawl zu nehmen, führte ſie durch den Park und brachte ſie ſelbſt, um mich in dem Gefängniſſe zu beſuchen. Ich ſah auf den erſten Blick, daß Lucy in einer hefti⸗ gen Erregung war; daß ſie blaß, aber ſchöner noch als jemals war; daß ſie Lucy ſelbſt war, der äußern Erſchei⸗ nung, wie dem Charakter nach. „. alte G Gnade aufgege wollt verloren W geſchlof ich, da brechen obgleich mir ga und küf chen zit „2 ich Euc noch Lu Ich Lucy's daß ein in demſ Im ſein, ehe⸗ oder get obgleich und wie Antlitz Ich ſelb anzig⸗ Noth en zu ugen⸗ Worte venig⸗ e ſehr terker⸗ ne— dem ſeine , um wurde Chloe Har⸗ aber Zeit h den gniſſe hefti⸗ h als rſchei⸗ — 281— „Miles, mein lieber, theurer Knabe!“ rief der gute alte Geiſtliche und ſchloß mich in ſeine Arme,„für dieſe Gnade ſei Gott allein Lob und Preis! Alle haben Euch aufgegeben, nur nicht Lucy und ich; wir konnten, wir wollten nicht glauben, daß auch Ihr uns für immer verloren wäret!“ Während mein ehemaliger Vormund mich an ſein Herz geſchlyſſen hielt, als wär' ich noch immer ein Kind, bemerkte ich, daß die theure Lucy weinte, als wenn ihr das Herz brechen wollte; dann blickte ſie auf und verſuchte zu lächeln, obgleich ich ſehen konnte, daß dieſe Bemühung lediglich mir galt. Ich nahm die Hand, welche ſie mir darreichte, und küßte ſie aber⸗ und abermals. Das liebe, liebe Mäd⸗ chen zitterte am ganzen Körper. „All mein Mißgeſchick iſt vergeſſen,“ rief ich,„da ich Euch ſo finde, da ich Euch unverändert finde, da ich noch Lucy Hardinge und Euch finde.“ Ich wußte kaum, was ich ſagte; aber ich ſah, daß Lucy's Antlitz ſich mit der Glut des Erröthens färbte und daß ein Lächeln, welches ich nicht zu deuten wußte, faſt in demſelben Augenblicke um ihre ſchönen Lippen ſchwebte. Im Ganzen mögen acht bis zehn Minuten vergangen ſein, ehe eines von uns recht eigentlich wußte, was geſagt oder gethan wurde. Lucy war Lächeln und Thränen zumal, obgleich rege Beſorgniß, zu erfahren, was ſich begeben habe, und wie ich in das Gefängniß gekommen, ſich in ihrem Antlitz ſowohl, als in einigen ihrer Aeußerungen ausſprach. Ich ſelbſt war außer mir und geberdete mich wie ein Thor. Nach einiger Zeit nahmen wir Platz und ich erzählte, wie ich mein Schiff verloren hatte, warum Clawbonny verkauft worden und aus welchem Grunde ich wahrſchein⸗ lich in dem Gefängniſſe war. „Ich freue mich, daß mein Vetter, John Wallingford, mit dieſem Gehaben in keinem Zuſammenhange ſteht; obgleich mir der Grund, warum mein Schuldbrief in andere Hände kam, ſehr leid thut. Ich würde mein Un⸗ glück bei weitem ſchmerzlicher fühlen, müßte ich glauben, ein Verwandter habe es unter der Maske der Freundſchaft ſo ſchmählich darauf angelegt, mich zu verderben. Sein Tod hat jedoch dieſen Punkt beſeitigt.“ „Mir gefällt es nicht, daß er davon ſprach, Euch zu ſeinem Erben einzuſetzen, und dann verſäumte, es zu thun,“ verſetzte Herr Hardinge.„Der Mann ſollte nie ein Ver⸗ ſprechen geben, ohne ſein Wort einzulöſen; es ſieht ver⸗ dächtig aus.“ Lucy hatte, ſo lange ich meine Geſchichte erzählte, kein Wort geſprochen; ihr reines Auge ſtrahlte in einer Weiſe auf mich, welche die ganze Theilnahme verrieth, die ſie fühlte; aber keine Sylbe entſchlüpfte ihr, bis ihr Vater obige Bemerkung machte. „Es iſt jetzt gleichgültig,“ ſagte ſie,„was der Be⸗ weggrund des Herrn John Wallingford geweſen ſein mag. Ich habe ihn, Miles gegenüber, für einen rauhen, aber ehrlichen Mann gehalten; aber man muß es ehrlichen Leuten nachſehen, wenn ſie plötzlich von dem Tode über⸗ raſcht Miles fernt hüte, Wie fou zubrin beträg hungs des S bin, 1 mich z Habha iſt es gere E Kläger Ich ke mein² ſchaft 1 82 ſollen, dem A theilte. Hardir erzählte, awbonny ihrſchein⸗ llingford, ge ſteht; dbrief in mein Un⸗ glauben, eundſchaft n. Sein „Euch zu zu thun,“ ein Ver⸗ ſieht ver⸗ erzählte, in einer rrieth, die ihr Vater s der Be⸗ ſein mag. hen, aber ehrlichen Tode über⸗ raſcht werden. Miles, je eher je lieber, aus dieſem unſeligen Hauſe ent⸗ fernt wird.“ „Ja, Miles, mein lieber Knabe! Der Himmel ver⸗ hüte, daß Ihr an einem ſolchen Orte die Nacht hinbringt. Wie fangen wir es an?“ „Ich beſorge, Herr, ich werde manche Nacht hier zubringen müſſen. Die Summe, welche ich wirklich ſchulde, beträgt gegen dreizehntauſend Dollar; aber der Vollzie⸗ hungsbefehl erſtreckt ſich, glaube ich, auf die volle Summe des Schuldbriefs; da ich wahrſcheinlich verhaftet worden bin, um mich zu einem Vergleiche zu zwingen, indem ich mich zu der ganzen Schuld bekenne und meine perſönliche Habhaft hinopfere, wie Clawbonny hingeopfert worden iſt, ſo iſt es kaum glaublich, daß eine Bürgſchaft für eine gerin⸗ gere Summe angenommen wird, als die iſt, welche der Kläger in Folge des Geſetzes in Anſpruch nehmen darf. Ich kenne den Mann nicht, der für eine ſolche Summe als mein Bürge eintreten möchte.“ „Nun, ich kenne zwei; Rupert und ich werden Bürg⸗ ſchaft leiſten.“ Der Gedanke, Nupert etwas dieſer Art danken zu ſollen, war mir beſonders unangenehm, und ich ſah es an dem Ausdrucke in Lucy's Antlitz, daß ſie meine Gefühle theilte. „Ich beſorge, Herr,“ ſagte ich, nachdem ich Herrn Hardinge mit einem warmen Händedruck gedankt hatte, Die Frage iſt jetzt, mein lieber Vater, wie. — 284— „ Ihr moöchtet nicht reich genug ſein. Der Adjunkt des Sheriffs hat mir geſagt, er habe Befehl, wegen der Bürg⸗ ſchaft ſtrenge zu ſein; und ich fürchte, weder Ihr, noch Rupert könnt beſchwören, daß ihr fünfzig tauſend Dollar beſitzt.“ 1 „Himmel! Himmel! Iſt dieſe Summe wirklich erfor⸗ derlich, Miles?“ „Wenn es verlangt wird, beſteht, glaub' ich, das Geſetz auf einer Sicherheit, welche ſo viel beträgt, als die in Anſpruch genommene Summe. Rupert lebt in groß⸗ artigem Style, wie ich höre, und dennoch zweifle ich, ob er beſchwören wird, daß er eine ſolche Summe ſein nennen kann.“ Herr Hardinge's Züge nahmen einen ſehr kummer⸗ vollen Ausdruck an und er ſchwieg einen Augenblick, ehe er antwortete: „Ich kenne Rupert's Geheimniſſe nicht, ſo wenig als Lucy,“ ſagte er dann.„Ich hoffe, Alles iſt, wie es ſein ſoll; obgleich der Gedanke, er könne ſich dem Spiele erge⸗ ben haben, ſich mir zuweilen aufdrängt. Er iſt mit Miß Merton verheirathet, hat ein Haus auf Broadway gekauft und eingerichtet und lebt auf vornehmem Fuße. Als ich der Sache bei ihm erwähnte, fragte er mich, ob ich glaubte, „engliſche Damen von Stande verheiratheten ſich mit lee⸗ ren Händen.“ Ich weiß nicht, wie es ſich verhält, mein lieber Miles, es kam mir aber immer vor, als lebten die Merton lediglich von dem Gehalte des Oberſten.“ Nachdr Herrn dies ſe H chenbla rakter die Be natürli menſch vortreff Euch ſage ich Ich w tende Weiſe will ni in der mag f beſorge chen E der beit und für „0 fromme richten unkt des Bürg⸗ r, noch Dollar h erfor⸗ ch, das als die n groß⸗ ich, ob nennen kummer⸗ lick, ehe enig als ees ſein ele erge⸗ mit Miß hgekauft Als ich glaubte, mit lee⸗ ilt, mein ebten die . — 285— „Major Merton,“ antwortete ich und legte den Nachdruck auf den wahren Rang, welcher dem wackern Herrn ſein Patent zuſprach,„Major Merton hat mir dies ſelbſt geſagt.“ Herr Hardinge ſeufzte tief und ich ſah, daß Lucy lei⸗ chenblaß wurde. Der Erſtere war mit dem wahren Cha⸗ rakter ſeines Sohnes völlig unbekannt; aber er fühlte alle die Beſorgniſſe, welche ein Vater unter ſolchen Umſtänden natürlich fühlen mußte. Ich ſah, daß es nothwendig, ja, menſchlich ſei, Beider Herz zu erleichtern. „Ihr kennt mich zu gut, mein theurer Vormund, meine vortreffliche Luey, als daß Ihr glauben könntet, ich wollte Euch abſichtlich täuſchen. Was ich Euch jetzt mittheile, ſage ich nur, dämit Ihr Rupert nicht zu hart beurtheilt. Ich weiß, woher Rupert vor meiner Abreiſe eine bedeu⸗ tende Summe zugefloſſen iſt. Er hat ſie auf geſetzliche Weiſe erhalten und ſie war oder iſt rechtmäßig ſein. Ich will nicht ſagen, daß ſie groß genug geweſen iſt, um lange in der Weiſe fortzuleben, wie er begonnen hat; aber ſie mag für einige Jahre hinreichen. Ihr braucht nicht zu beſorgen, daß er ſich dem Spiele ergebe oder einer wirkli⸗ chen Chrloſigkeit ſchuldig mache. Rupert hat für keines der beiden Anlage; an dem erſtern hat er keine Freude, und für das letztere iſt er zu klug.“ „Gott ſei dafür geprieſen,“ rief der Geiſtliche mit frommer Freude.„Ich habe mich ſelbſt durch meine thö⸗ richten Gedanken in Schrecken verſetzt! Alſo, Maſter Rupert — 286— hat ſich Geld erworben und ganz ſtill dazu geſchwiegen! Nun, nun, ich ſehe ſeine Beſcheidenheit ganz gern; Rupert iſt geſcheidt, Miles, und ich hoffe, er wird eines Tages eine ehrenvolle Stelle unter unſern Rechtsgelehrten einnehmen. Er hat ſich vielleicht in Betracht ſeiner geringen Mittel zu früh verheirathet; ich fühle mich jedoch nun ſehr ermuthigt, da ich höre, daß er auf ehrenhafte, rechtliche und geſetzliche Weiſe Geld zu erwerben verſteht.“ Ich hatte von Ehrenhaftigkeit und Rechtlichkeit nichts geäußert; aber die väterliche Liebe kommt jeder Schwäche zu Hülfe! Lucy angehend, ſo ſagte mir ihr Geſicht, daß ſie die Wahrheit ahnte. Nie vorher hatte ich in dieſen gewöhnlich ruhigen und immer lieblichen Zügen einen Aus⸗ druck ſolcher Demüthigung geſehen! Er greuzte einen Augen⸗ blick an Seelenangſt. Sie gewann jedoch ihre Faſſung bald wieder und wendete zuerſt das Geſpräch von Neuem dem eigentlichen Geleiſe zu. „Wir vergeſſen aber Miles ganz,“ ſagte ſie.„Wie es ſcheint, hält er weder Euch noch Rupert für reich genug, um dieſe Bürgſchaft leiſten zu können. Sollte ich vielleicht in dieſer Weiſe nützlich werden können?“ Luey ſprach mit einer gewiſſen Feſtigkeit, als gewöhnte ſie ſich allmählig daran, in Bezug auf Geld ſich nicht für ganz unbedeutend zu halten; aber eine glänzende Röthe übergoß ihr Antlitz, als ſie ſich bewußt zu werden ſchien, daß ſie weiter gegangen ſein könnte, als ſie zu thun pflegte, daß ſie gewiſſermaßen aus den Grenzen ihres Geſchlechtes geſchritten ſei. „ ſagte ich leiſten k genug, d weiter m Eine M Herr D laſſen; ſeligkeite um einz⸗ ſteigt, u ich einm als Maf „W ſo würde „E ich Euch das Eu Nein, ie alsbald beſſern 2 „W kann, ſe Lucy;„ eigenſinn Eure Ju nate an wiegen! Rupert ges eine nehmen. dittel zu nuthigt, eſetzliche it nichts ſchwäche ht, daß n dieſen en Aus⸗ Augen⸗ Faſſung Neuem „Wie h genug, vielleicht gewöhnte nicht für e Röthe n ſchien, pflegte, ſchlechtes — 287— „Tauſend Dank, theuerſte Lucy, für dieſes Anerbieten,“ ſagte ich eifrig;„wenn Ihr aber auch Bürgſchaft für mich leiſten könntet, würde ich es doch nicht zugeben. Es iſt genug, daß Ihr mich beſucht habt; Euer Name darf nicht weiter mit meiner Schuld in Verbindung gebracht werden. Eine Minderjährige kann übrigens nie Bürgſchaft leiſten. Herr Daggett wird mich einige Wochen hier feſthalten laſſen; wenn er ſieht, daß ich Mittel finde, meine Hab⸗ ſeligkeiten zu verkaufen, ſo iſt er, glaube ich, ſchlau genug, um einzuſehen, daß der Erlöß ſeinen Anſchlag weit über⸗ ſteigt, und dann wird er einen Vergleich anbieten. Bin ich einmal frei, kann ich wieder in See ſtechen, wenn nicht als Maſter, doch wenigſtens als Maat.“ „Wenn wir ſo ſtolz geweſen wären, wie Ihr, Miles, ſo würde Clawbonny uns weniger lieb geweſen ſein.“ „Es iſt nicht Stolz, ſondern Schicklichkeit, Lucy, wenn ich Euch abhalte, etwas zu thun, das nicht nöthig iſt und das Euch unverſchämten Bemerkungen blosſtellen könnte. Nein, ich werde Anſtalten treffen, meine bewegliche Habe alsbald zu veräußern; dies wird Herrn Daggett bald zu beſſern Anſichten führen.“ „Wenn eine Minderjährige nicht Bürgſchaft leiſten kann, ſo iſt darüber nichts mehr zu ſagen,“ antwortete Lucy;„ſonſt würde ich Euch beweiſen, daß ich eben ſo eigenſinnig ſein kann, wie Ihr. Auf jeden Fall kann ich Eure Juwelen brauchen, wenn mir auch noch einige Mo⸗ nate an dem volljährigen Alter abgehen; zum Glücke habe — 288— ich faſt das Einkommen eines ganzen Jahres zur Verfü⸗ gung liegen. Ihr ſeht, Miles,“— Lucy erröthete wieder hoch, obgleich ſte lächelte,—„Ihr ſeht, welche Rechenmeiſterin ich allmählig werde. Aber ich kann ſogleich damit anfan⸗ gen, daß ich Eure Perlen kaufe. Sie ſind bereits in mei⸗ nen Händen, da ich ſie geſichert wiſſen wollte und manchen begehrlichen Blick habe ich ihnen ſchon zugeworfen. Dieſe koſtbaren Perlen! Ich glaube, Ihr habt ſie einſt zu drei tauſend Dollar angeſchlagen, Miles,“ fuhr Luey fort,„und mein Vater wird Euch dieſe Summe alsbald auszahlen. Dann ſchickt nach dem Anwalte Eures Quälers— denn ich kann ihm keinen andern Namen geben— und bietet ihm dieſe Abſchlagsſumme an, ſofern er meinen Vater als Bürgen annehmen will. Wenn er eine ſolche Art von Menſch iſt, wie Ihr wähnt,— und nach ſeinen Hand⸗ lungen iſt er nichts Beſſeres,— wird er das Anerbieten gern annehmen.“ Ich war über die Raſchheit, mit welcher Lucy Hülfe zu ſchaffen wußte, entzückt, und es war auch gar nicht unwahrſcheinlich, den Plan gelingen zu ſehen. Wenn ich vier bis fünf tauſend Dollar zuſammenbringen konnte, durfte ich nicht daran zweifeln, daß Daggett Herrn Har⸗ dinge als Bürgen annehmen würde, da es ſich nur darum handelte, eine Sicherheit zu haben, daß ich wirklich zu der feſtgeſetzten Zeit vor Gericht erſchien, und da Niemand annehmen konnte, ich würde flüchten und meinen alten Vormund in der Klemme laſſen. unter eine ſo ren, au ſie wer werth. drückten thig, m ben, tl Euch be Herr M mir die 275 ſprang zehn M Miles i Plan ka germaße Ä8 fragte L „N aufzuſuch iſt; er k Meekly, Pfand, 214— ir Verfü⸗ ete wieder nmeiſterin nit anfan⸗ s in mei⸗ dHmanchen n. Dieſe ſt zu drei kort,„und auszahlen. — denn und bietet Vater als Art von ten Hand⸗ Anerbieten ucy Hülfe gar nicht Wenn ich n konnte, errn Har⸗ nur darum virklich zu Niemand nen alten Ich konnte aber nicht daran denken, Lucy in dieſer Weiſe zu berauben. Ich mußte überzeugt ſein, daß ſie unter andern Umſtänden nie daran gedacht haben würde, eine ſo große Summe, wie die Perlen wirklich werth wa⸗ ren, auf perſönlichen Schmuck zu verwenden; ſodann waren ſie wenig mehr als die Hälfte der genannten Summe werth. „Dies geht nicht au,“ antwortete ich und meine Blicke drückten meinen ganzen Dank aus;„und es iſt nicht nö⸗ thig, mehr davon zu ſprechen. Ich kann Euch nicht berau⸗ ben, theuerſte Lucy, ſo bereitwillig Ihr auch ſein mögt, Euch berauben zu laſſen. Laßt mich einige Tage hier und Herr Meekly wird wohl von ſelbſt Vorſchläge machen, um mir die Freiheit wieder zu geben.“ „Ich hab' es!“ rief Herr Hardinge, indem er auf⸗ ſprang und ſeinen Hut nahm.„Lucy, ich werde in fünf⸗ zehn Minuten wieder hier ſein, und dann führen wir Miles im Triumphe in Deine Wohnung. Ja, ja, der Plan kann nicht fehlſchlagen, ſofern der Anwalt nur eini⸗ germaßen achtenswerth iſt.“ „Darf ich wiſſen, welcher Art er iſt, liebſter Papa?“ fragte Lucy und warf mir einen ausdrucksvollen Blick zu. „Nun, die Sache iſt dieſe. Ich eile, den Biſchof aufzuſuchen, welcher mir jede Gefälligkeit zu erzeigen bereit iſt; er begleitet mich in das Geſchäftsbüreau diefes Herrn Meekly, und wir geben als Geiſtliche unſer Wort zum Pfand, daß Miles vor Gericht erſcheinen wird, wie es, 214— 216. 19. — 290— nach des Sheriffs⸗Adjuncten Bemerkung, gefordert wird, Händ worauf dann Alles nach unſeres Herzens Wünſchen abge⸗ mert than wäre. Auf meinem Wege zu dem Biſchofr werde ich bei Richard Harriſon vorſprechen und hören, was er von Perle der Sache hält.“ Anmn „Nun, Herr, der Gedanke, Richard Harriſon zu Rath ein 2 zu ziehen, iſt gut. Dieſer erfahrne Mann kann uns viel⸗ gelter leicht einen Weg zeigen, der raſch zum Ziele führt. Wenn kenne ¹ Ihr ihn bitten wolltet, mir einen kurzen Beſuch zu machen, chend würde ich Euch unendlich verpflichtet ſein. Ich war, als ſchaft ich verhaftet wurde, im Begriff, ſeinen Rath in Betreff gegen meiner Aſſecuranz einzuholen, und wünſche, dieſe Frage Ihr! abgethan zu wiſſen.“ Diend Herr Hardinge hörte aufmerkſam zu und verließ, nach⸗ Euch dem er Lucy geſagt hatte, er würde in wenigen Minuten wenn zurück ſein, das Gemach. b Die Mehrzahl der jungen Damen möchten es verlegen⸗ Mann lich finden, ſich in dieſer Weiſe mit einem Gefangenen in 3 dem Kerker allein gelaſſen zu ſehen; Lucy war aber von Geſch früher Jugend auf ſo ſehr an den vertrauten Umgang mit verſch mir gewöhnt, daß ihre jetzige Lage ihr, wie ich glaube,. nicht ſonderlich auffiel. Als ihr Vater das Gemach ver⸗ würde ließ, war ſie in tiefes Nachdenken verſunken und ſchien ſich gend demſelben erſt zu entſchlagen, als er eine Zeitlang fort Gott war. Lucy ſaß, als Herr Hardinge uns verließ, aber ich hatte mich erhoben und ihm das Geleite bis an die Thuüre dieſen gegeben, und ging nun langſam auf und nieder. Das den theure Weſen ſtand auf, kam zu mir, nahm eine meiner rt wird, n abge⸗ derde ich er von zu Rath ins viel⸗ Wenn machen, ar, als Betreff ſe Frage e, nach⸗ Minuten verlegen⸗ genen in aber von zang mit glaube, nach ver⸗ chien ſich ang fort aber ich die Thüre er. Das de meiner Hände in ihre beiden und blickte mir eine Weile beküm⸗ mert in das Geſicht, ehe ſie redete. „Miles,“ ſagte ſie,„ich will nichts mehr von den Perlen, nichts mehr von meinem Gelde ſagen und jeder Anmuthung, Rupert in Eurer Sache auftreten zu ſehen, ein Ziel ſetzen, wenn Ihr mir verſprecht, den Bürgen gelten zu laſſen, welchen ich Euch verſchaffen kann. Ich kenne einen Herrn, für welchen mein Wort eine hinrei⸗ chende Sicherheit abgibt, der reich genug iſt, um Bürg⸗ ſchaft leiſten zu können, und der eine hohe Verpflichtung gegen Euch hat, wie ich ihn dies oft habe ſagen hören. Ihr wißt vielleicht nicht, wie bereitwillig er iſt, Euch einen Dienſt zu erweiſen; aber ich weiß es; und nun bitte ich Euch, verſprecht mir, ſeinen Beiſtand nicht zurückzuweiſen, wenn er Euch auch völlig fremd ſein ſollte.“ „Wie iſt es möglich, Lucy, daß Ihr einen ſolchen Mann kennt?“ „O, Ihr wißt nicht, wie ich mich allmählig an das Geſchäftsleben gewöhne. Ihr würdet meine Bürgſchaft nicht verſchmähen, wenn ich ein Mann, und würdig wäre, Miles?“ „Gewiß nicht; bei meinen Gefühlen gegen Euch, Lucy, würde ich eine ſolche Gunſt lieber von Euch, als von ir⸗ gend einem lebenden Weſen annehmen. Aber Ihr ſeid, Gott ſei Dank, kein Mann und nicht mündig.“ „Erzeigt mir alſo den kleinen Gefallen und wehmt dieſen Dienſt von dem Manne an, welchen ich Euch ſen⸗ . Es würde unſer Aller Herz br⸗ 4 den werde s würd ſ Herz br azen, wenn wir 19⸗ — 292— daran dächten, daß Ihr hier in dem Gefängniſſe ſeid, wäh⸗ rend wir in Ueberfluß leben. Ich werde Eure Hand nicht loslaſſen, bis Ihr mir das Verſprechen gegeben habt.“ „Dieſer Blick iſt hinreichend, Lucy; ich verſpreche Alles, was Ihr fordern könnt.“ Das liebe Mädchen war von ihrem Gefühle ſo bewäl⸗ tigt, daß ſie, ſobald ſie ihr Herz erleichtert fühlte, in Thrä⸗ nen ausbrach und ihr Antlitz mit ihren beiden Händen bedeckte. Es war nur ein vorübergehender Ausbruch des Gefühls, und ein ſtrahlendes Lächeln verſcheuchte bald jede Spur des Kummers aus ihrem holden, holden Antlitze. „Nun, Miles, bin ich gewiß, daß wir Euch aus die⸗ ſem ſchauderhaften Orte bald entfernt haben werden,“ rief ſie, und ehe der erwähnte Vollziehungsbefehl kann erlaſſen ſein, werden wir Zeit haben, Eure Angelegenheiten gehörig zu beſchicken. Mittlerweile werde ich volljährig werden und kann die Verbindlichkeiten übernehmen, welche Ihr gegen dieſen verhaßten Daggett habt. Ihr werdet gewiß mir lieber Geld ſchuldig ſein, als ihm, Miles?“ „Thenerſte Lucy, von Herzen gern möchte ich Euch gern Alles ſchuldig ſein, Euch lieber, als irgend einem andern lebenden Weſen, ſelbſt Euern geehrten und geliebten Vater nicht ausgenommen!“ Lucy ſah unendlich erfreut ans, und ich bemerkte, daß pei der ein unerklärliches Lächeln um ihre holden Lippen chwebte, das mich beinahe veranlaßt hätte, zu fragen, was es bedeute. 3 4 3 Ehe ich ledo. S Zeit hatte zu fragen, wurde ihr Antlitz ſehr, Auge Ruper fromm wußte würdet mich 1 bin; e denken ſen, k Schwe dieſe an we ſchwer daß G lar ge Alles 3 ſo viel glaubt den zu drigenk Beſitze ſo auf abhalte ce’s G d, wäh⸗ nd nicht abt.“ erſpreche bewäl⸗ n Thrä⸗ Händen uch des ald jede tlitze. aus die⸗ n,“ rief erlaſſen gehörig werden che Ihr tt gewiß ch Euch d einem geliebten kte, daß Lippen en, was Antlitz — 293— ſſehr, ſehr düſter, und ſie wendete mir ihr thränenſchweres Auge zu. „Miles, ich fürchte, ich habe Euch verſtanden, als Ihr von Rupert's Geld ſpracht,“ ſagte ſie.„ Ich fürchte, die gute, fromme Grace würde etwas dieſer Art thun; ſo wie ich wußte, daß Ihr ſelbſt euch des letzten Dollars berauben würdet, um ihren Wünſchen zu entſprechen. Ich wundere mich nun, daß ich noch nie auf den Gedanken gekommen bin; es iſt aber ſo traurig, von einem Bruder übel zu denken! Ich frage nicht; denn ich ſehe, Ihr ſeid entſchloſ⸗ ſen, keine Antwort zu geben; viekleicht habt Ihr Eurer Schweſter auch ein Verſprechen deßhalb gegeben; allein dieſe Schande darf nicht auf uns laſten, und an dem Tage, an welchem ich ein und zwanzig Jahre alt bin, muß dieſes ſchwere, ſchwere Unrecht ausgeglichen werden. Ich weiß, daß Grace's Vermögen ſich auf mehr als zwanzigtauſend Dol⸗ lar geſteigert hatte, und dieſe Summe reicht nicht nur hin, Alles zu bezahlen, was Ihr ſchuldig ſeid, ſondern es bleibt noch ſo viel übrig, daß Ihr ein neues Leben beginnen könnt.“ „Wenn das, was Ihr Euch denkt, auch wahr wäre; glaubt Ihr, ich würde Euch berauben, um Rupert's Schul⸗ den zu tilgen?“ „Sprecht nicht von Berauben. Ich kann den ernie⸗ drigenden Gedanken nicht ertragen, daß mein Bruder im Beſitze Eures Geldes iſt, während Schuld und Gefängniß ſo auf Euch laſten. Nur etwas kann mich möglicherweiſe abhalten, Euch an dem Tage meiner Mündigwerdung Gra⸗ ce's Geld zurück zu erſtatten, wie Ihr ſehen werdet, Miles.,, — 294— Wieder überflog jenes unerklärliche Lächeln Lucy's. Antlitz, und ich wollte eben nach deſſen Bedeutung fragen, als ich die Fußtritte des Herrn Hardinge heran nahen hörte. „Herr Harriſon iſt nicht zu Hauſe,“ rief der Geiſtliche, ſobald er in das Gemach trat;„ich hinterließ aber einige Zeilen an ihn und ſagte ihm, daß ſein alter Bekannter, Capitain Wallingford, ſeines Beiſtandes dringend bedürfe. Er iſt nach Greenwich, ſeinem Landſitze, gegangen, wird aber im Laufe des Tages zurückkehren, und ich habe ihn bitten laſſen, mich ſogleich in Wall⸗Street zu beſuchen. Ich wollte Eure Lage nicht zur Schau ſtellen, Miles; aber in dem Augenblicke, wo er ankömmt, werdet Ihr von ihm hören. Er iſt ein alter Schulfreund von mir und wird ſich freuen, mir einen Dienſt erzeigen zu können.— Nun, Miß Lucy, bin ich bereit, Dich aus dem Gefängniſſe zu erlöſen. Ich ſah einen gewiſſen Herrn Drewett die Rich⸗ tung nach Wall⸗Street einſchlagen und war mitleidig genug, ihm zu ſagen, daß Du in zehn Minuten zu Hauſe ſein würdeſt.“ Luey erhob ſich mit einer Lebhaftigkeit, welche ich ihr kaum verzeihen konnte. Die Röthe auf ihren Wangen wurde dunkler, und es ſchien mir, als dränge ſie ihren Vater in einer Weiſe fort, die kaum paſſend war. Ehe jedoch das theure Mädchen das Gemach verließ, nahm ſie die Gelgenheit wahr, mir mit leiſer Stimme zu ſagen: „Vergeßt nicht, Miles, ich baue auf Euer Verſprechen; in einer Stunde ſeid Ihr frei.“ Von niß nan gen nen legte lich ande wollt wußt ſo el blieb einen den wahr ſchne Lucy’s. fragen, n hörte. eiſtliche, r einige kannter, bedürfe. u, wird abe ihn heſuchen. s; aber von ihm nd wird — Nun, gniſſe zu hie Rich⸗ mitleidig u Hauſe e ich ihr Wangen ſie ihren verließ, zu ſagen: ſprechen; Dreizehntes Kapitel. Sie ſchloß mich halb in ihre Arme, Mein Herz ſchlug an dem ihren dicht; Dann beugte ſie ihr Haupt und ſchaute Mir liebevoll in's Angeſicht. Coleridge. In den nächſten zwei Stunden ſah ich Niemanden. Von einem Fenſter des Anſprachzimmers, wo ich Erlaub⸗ niß erhalten hatte zu bleiben, überſah man den ſoge⸗ nannten Park, d. h. in der Manhattan⸗Sprache ſo genannt, und es dauerte nicht lange, ſo bekam ich mei⸗ nen Maat und Neb zu Geſicht, welche ſich in Hinterhalt legten und das Gefängniß blockirten, damit ich nicht heim⸗ lich an einen fremden Ort gebracht würde oder irgend ein anderes großes Unglück mir von außen her nahe. Was dieſe zwei ehrliche, treu gefinnte Burſche damit wollten, daß ſie ihren Poſten ſo hartnäckig behaupteten, wußte ich allerdings nicht; aber ich vermuthete, was ich ſo eben angedeutet habe. Endlich verſchwand Neb und blieb eine gute Stunde aus. Als er wieder kam, hatte er einen Aufſchuß von Tauen über der Schulter, und die Bei⸗ den ſtellten ſich in ſicherer Entfernung von meinem Ge⸗ wahrſam an und begannen Enden abzumeſſen, zu zer⸗ ſchneiden, zu knüpfen und zu ſpliſſen. — 296— Ich ergötzte mich an ihrem Fleiße, der nicht abnahm, bis ich ihm ſelbſt ein Ende machte. Wie dies geſchah, werde ich ſogleich zu erzählen Gelegenheit haben. Etwa zwei Stunden nach Luey's und ihres Vaters Abſchiede kündigte mir ein Wärter einen neuen Beſuch an. Ich erwartete meinen eigenen Anwalt oder Herrn Harriſon zu ſehen; der Leſer wird ſich aber meine Ueberraſchung denken, als Andrew Drewett in das Zimmer trat. Ihn begleitete der Aufſeher des Gefängniſſes, welcher einen Brief in der Hand hielt und mich mit den Worten anredete: „Capitain Wallingford, ich habe Befehl, Euch das Thor zu öffnen; man hat Bürgſchaft für Euch geleiſtet.“ Der Kerkermeiſter verſchwand. „Und dies habe ich Euch zu danken, Herr Drewett!“ „Ich wünſchte von ganzem Herzen, ich könnte dies ſagen, mein lieber Herr,“ verſetzte Andrew, nahm meine Hand und ſchüttelte ſie mit Wärme und Herzlichkeit;„ich würde aber nicht ganz die Wahrheit ſagen. Ihr habt mein Leben gerettet, und ich würde es gewiß nie zugeben, daß man Euch in Haft hält, weil die unbedeutende Förmlichkeit zu erfüllen bleibt, für Euer Erſcheinen vor Gericht Bürg⸗ ſchaft zu leiſten; vielmehr würde und werde ich zu geeig⸗ neter Zeit mit Freuden als Beſonder⸗Bürge für Euch auftreten. Ehre jedoch, dem Ehre gebührt. Miß Hardinge bat mich, Eure Befreiung zu erwirken, und ihre Wünſche ſtehen nur meiner Dankbarkeit nach.“ Dies wurde offen und mannhaft vorgebracht und es fiel n Lichte nen, und wohle war fahre ihn v ſagte äußer obglei war. mand 8 thete, mächt abnahm, geſchah, Vaters ſuch an. Harriſon raſchung ſt. Ihn r einen inredete: uch das eleiſtet.“ rewett!“ unte dies m meine it;„ich abt mein en, daß mlichkeit ſt Bürg⸗ zu geeig⸗ ür Euch Hardinge Wünſche und es ſiel mir auf, daß ich Drewett früher nie in ſo günſtigem Lichte geſehen hatte. Er hatte perſönlich bedeutend gewon⸗ nen, benahm ſich, wie es mir vorkam, wie ein Gentleman, und war in jeder Weiſe ein angenehmer, wohlgeſitteter, wohlgekleideter, verſtändig ausſehender junger Mann. Ich war geneigt, ihm in jeder Hinſicht Gerechtigkeit wider⸗ fahren zu laſſen; nur verzieh ich es ihm nicht, daß Lucy ihn vorzog. „Lucy kann unſere Jugendfreundſchaft nie vergeſſen,“ ſagte ich, ein wenig verwirrt.„Als ſie mich verließ, äußerte ſie etwas, das eine derartige Abſicht andeutete, obgleich ich geſtehe, daß ich darauf nicht recht vorbereitet war. Ihr ſeid beneidenswerth, Herr Drewett, wenn Je⸗ mand auf Erden beneidenswerth iſt.“ Andrew ſah verlegen aus. Er blickte mich an, errö⸗ thete, ſchaute zum Fenſter hinaus und ſchien nur durch eine mächtige Anſtrengung ſeine Faſſung wieder zu gewinnen. „Ich glaube, ich verſtehe Euch, Wallingford,“ ſagte er,„Ihr meint, indem ich mit Lucy Hardinge verlobt ſei?“ „Ich kann nichts anderes meinen; Alles, was ich höre, Alles, was ich geſehen habe,— dieſes letzte Thun beſon⸗ ders— deuten darauf hin.“ „Dann hat Euch Alles irre geführt. Ich bin nicht ſo glücklich, die Liebe der Miß Lucy Hardinge zu beſitzen; und Niemand wird ihre Hand erhalten, der nicht vorher ihr Herz hat, ja, und zwar ihr ganzes Herz.“ Ich war erſtaunt! Wie? Luecy iſt nicht die Verlobte — 298— Drewett'’s? er ſelbſt gibt zu, daß er nicht von ihr geliebt, wahrſcheinlich nie ihre Liebe gewinnen werde? Ich glaube, Andrew begriff theilweiſe meine Gefühle vollkommen; denn er ſchien geneigt, das Geſpräch fortzuſetzen, und, was ihm ſehr zur Ehre gereichte, er ſchien es in einer Weiſe fort⸗ ſetzen zu wollen, welche jede unangenehme Ungewißheit über die wirkliche Stellung des theuern Mädchens aufhob. „Ich habe erſt in der neueſten Zeit bemerkt,“ ſagte er,„welches große Unrecht ich und meine Familie uns ohne unſer Wiſſen gegen Miß?Hardinge zu Schulden kom⸗ men ließen. Da Ihr ein alter, ein ſehr alter Freund von ihr ſeid, will ich mich offen gegen Euch ausſprechen, und mich einigermaßen zu entſchuldigen ſuchen; denn ganz werde ich dies nie können. Ihr habt, wie Ihr ſagt, gehört, ich ſei mit Miß Hardinge verlobt?“ „Ohne Frage; ich glaube, es war ſelbſt ihres Vaters Anſicht; obgleich er das Verſprechen für bedingungsweiſe gehalten haben muß, da er nicht annehmen konnte, daß Lucy ohne ſeine Einwilligung heirathen würde.“ „Dann hat Herr Hardinge ſich ſeltſam getäuſcht. Es iſt wahr, Herr Wallingford, ich habe Miß Hardinge lange bewundert und ihr vor Jahren meine Hand angeboten. Ich erhielt von Anfang her eine abſchlägige Antwort. Lucy hatte aber die Offenheit, mir zu geſtehen, daß ſie frei ſei und über ihre Hand verfügen könne. Ihrem Rath, ihren Wünſchen, ja, ihren Bitten entgegen blieb ich beharr⸗ lich. Ich glaube, ſie achtet mich, und ich weiß, daß ſie meine wie ſich, hat i Mone Eintr war, ihr ſ entſac meine Liebe und dies es mi dinge thigen jedoch Laßt mehr 6 ich th mich auch gegla ſtets Andre gelieb geliebt, glaube, ; denn as ihm ſe fort⸗ wißheit aufhob. ſagte ie uns n kom⸗ nd von n, und ganz gehört, Vaters gsweiſe e, daß zt. Es e lange geboten. ntwort. daß ſie Rath, beharr⸗ daß ſie meine Mutter hoch hält, die faſt eben ſo ſehr an ihr hängt, wie ich ſelbſt. Dieſe Achtung, dieſes Vertrauen konnte ſich, wie ich hoffte, zur Liebe ſteigern; meine Anmaßung hat ihre verdiente Strafe gefunden. Es ſind nun ſechs Monate,— ich erinnere mich jetzt, daß es kurz nach dem Eintreffen der Nachricht von Euerm wahrſcheinlichen Tode war,— als ich in dieſem Betreffe zum letzten Male mit ihr ſprach und mich überzeugte, daß ich jeder Hoffnung entſagen müſſe. Seit dieſer Zeit habe ich mich bemüht, meiner Leidenſchaft Herr zu werden; denn unerwiederte Liebe kann, wie Ihr wohl wiſſen mögt, nicht immer dauern; und es iſt mir auch ſo weit geglückt, daß ich Euch all dies erzählen kann, ohne die Qual zu empfinden, welche es mir früher verurſacht hätte. Stets wird mir Miß Har⸗ dinge ein Gegenſtand hoher Verehrung ſein und ein ermu⸗ thigender Blick würde mich wieder zurückrufen. Ich bin jedoch der Anſicht, daß ſie ſich nie zu verehelichen gedenkt. Laßt uns aber dieſen Ort verlaſſen, der keinen Anſpruch mehr an Euch hat.“. Ich war in einem Zuſtande, wo ich kaum wußte, was ich that. Es war vergleichsweiſe wenig für mich, daß ich mich wieder frei ſah, nachdem ich ſo unerwartet erfahren, auch Luey ſei frei— Lucy, von welcher ich ſeit Jahren geglaubt hatte, ſie ſei unauflöslich verbunden, und die ich ſtets geliebt hatte, obgleich jede Hoffnung geſchwunden ſchien. Andrew Drewett hatte, wie es mir vorkam, Lucy nie ſo geliebt, wie ich ſie liebte, oder, ſeine Liebe zu ihr wa — 300— nicht von Kindheit auf ein Theil ſeines Daſeins geweſen, wie dies bei mir gewiß der Fall war. Während ſich alle dieſe Gedanken in meinem Kopfe kreuzten, beſchickte ich einiges Nöthige, nahm Drewett's Arm und eilte aus dem Gefängniſſe. Ich geſtehe es, ich athmete freier, als ich das Haus hinter mir hatte. Mein Begleiter folgte mir und ich führte ihn zu der Stelle, wo Marble und Neb noch mit ihrem Tauwerk beſchäftigt waren. Groß war ihr Erſtaunen, als ſie mich frei ſahen; der Maat ſchaute jedoch ein wenig ärgerlich drein, daß ſein Plan vereitelt worden; ſobald er aber Drewett ſah, leuchtete ihm Alles ein. „Hättet Ihr nur gewartet, bis es Nacht geworden, Niles,“ ſagte Marble und ſchüttelte den Kopf, als drohte er,„ſo würden Neb und ich gezeigt haben, wie Seeleute aus einem ſolchen hölliſchen Kerker entkommen. Es thut mir faſt leid, daß die Gelegenheit entrückt wurde; denn es hätte ihnen gar nichts geſchadet, wenn ſie um vier Uhr aufgewacht wären und den Käfig leer gefunden hätten. Ich hätte faſt Luſt, Euch zu bitten, wieder zurückzukehren, Miles.“ „Ich habe aber nicht Luſt, einem ſolchen Wunſche zu entſprechen; thut mir alſo den Gefallen, und laßt meine Reiſetaſche in unſre Wohnung zurückbringen, wo ich dieſe Nacht meine Hängematte wieder ſchwingen zu laſſen denke. Herr Drewett, ich muß eilen, der zu danken, welcher ich meine Freiheit ſchuldig bin; wollt Ihr mich begleiten?“ 2 gedanl Hände J Thüre, Häuſen deſſen kaum T diente was er müſſen D meine ich ein C bald ir des He W hatte, gemack Weiſe ewefen, Kopfe ewett's Haus führte ihrem en, als wenig bald er vorden, drohte Seeleute Ls thut denn es jer Uhr hätten. kkehren, ſche zu meine ch dieſe denke. cher ich liten?“ 301 Andrew entſchuldigte ſich, und nachdem ich ihm gedankt, trennten wir uns mit einem abermaligen herzlichen Händeſchütteln. Jetzt eilte ich Wall⸗Street zu und klopfte an Lucy's Thüre,— man hatte im Jahre 1804 an den Thüren guter Häuſer zu Neu⸗York Klopfer, ein täppiſches Geklapper, deſſen man jetzt los iſt,— und klopfte an Lucy's Thüre, mir kaum bewußt, wie ich dahin gekommen. Die Stunde des Mittageſſens war nahe und der Be⸗ diente nahm Anſtand, einen Matroſen, der kaum wußte, was er vorbrachte, einzulaſſen, als ein halb erſtickter Schrei Chloe’s, welche mich zufällig ſah, meinen Anſprüchen auf den Eintritt Gehör verſchaffte. „Maſſer Mile— Maſſer Mile— ich ſo froh,— der Burſche, Neb, ſagen, Ihr kommen heim. O, Maſſer Mile, ich jetzt wiſſen, daß ter Schurke zu Clawbonnv abziehen müſſen.“ Dieſe Worte kühlten, ſo zuverſichtlich ſie auch waren, meine Glut ein wenig ab; denn ſie erinnerten mich, daß ich ein Bettler in der figürlichen Bedeutung des Wortes ſei. Chloe zeigte mir jedoch den Weg und ich ſah mich bald in dem Geſellſchaftszimmer und vor der jungen Herrin des Hauſes. Wie glorreich ſchön trat mir jetzt Lucy entgegen! Sie hatte, wie gewöhnlich, ihre Toilette für den Mittagstiſch gemacht; aber es war in der einfachſten und niedlichſten Weiſe geſchehen. Ihr Antlitz ſtrahlte vor Freude, mich da — 302— zu ſehen, wo ich war, und die Erregung hatte die Röthe immer ihrer Wangen geſteigert, die nur blaß waren, wenn ſie ſich einer von bangen Gefühlen bedrängt ſah. Was ihre Augen mit r betraf, ſo kann ich ſie nur durch jene heimiſche Ausdrucks⸗ auf e weiſe ſchildern—„ſie tanzten vor Freude.“ beide. „Nun, Miles,“ ſagte ſie und reichte mir ihre beiden. Hände zum Willkommen dar,„dies heiße ich Wort hal⸗. fie be ten und ſich gebahren, wie man ſoll. Andrew Drewett 3 war entzückt, daß ſich eine Gelegenheit bot, etwas für den die H Mann thun zu können, welcher ſein Leben rettete, und ich Mäde hatte keine andere Beſorgniß, als Ihr möchtet eigenſinnig ausbr ſein.“ 3 1 „Nach all dem, was ich von Andrew Drewett gehört Seite habe, geliebte Luey, braucht Ihr von nun an nichts mehr mich von meinem Eigenſinne zu fürchten. Er hat nicht nur entdee meinen Körper von dem Gefängniſſe befreit, ſondern auch weiß meinen Geiſt einer Centnerlaſt überhoben, indem er mir verſu ehrlich geſtand, Ihr liebtet ihn nicht.““ Verle Das Spiel des roſigen Lichtes an dem herbſtlichen Hüfte Abendhimmel iſt nicht ſchöner, als die reizenden Farben, ſehr welche über Lucy's ſchönes Antlitz flogen. Sie ſchwieg Jema anfangs; aber ſo ſcharf, ſo eindringend, und zumal ſo 3 ſchüchtern und beſcheiden war ihr Blick, daß es der Frage ſagen 1 kaum bedurfte, welche ſich ihr endlich entrang: voll. „Was wollt Ihr damit ſagen, Miles?“ klang es in wiſſen gen bebenden Tönen, faſt unhörbar. „Ich will um die Erlaubniß bitten, dieſe Hände für 2 Röthe ſie ſich Augen sdrucks⸗ e beiden ort hal⸗ Drewett für den und ich enſinnig t gehört tts mehr icht nur ern auch er mir bſtlichen Farben, ſchwieg umal ſo er Frage ag es in ande für — 303— immer behalten zu dürfen; nicht eine, Lucy; eine genügt einer Liebe, wie die meinige, nicht,— einer Liebe, welche mit meinem Daſein verwebt iſt, indem ſie von Kindheit auf einen Theil meines Lebens ausmachte; ja, ich bitte um beide.“ „Ihr habt ſie beide, lieber, lieber Miles, und mögt ſie behalten, ſo lange es Euch beliebt.“ Dieſe Worte waren noch nicht völlig heraus, als mir die Hände entzogen wurden, um das Antlitz des theuern Mäadchens zu decken, die in einen Strom von Thränen ausbrach. Ich ſchloß ſie in meine Arme, ſetzte mich an ihre Seite auf ein Sopha und wir weinten— ich ſage es, ohne mich zu ſchämen— miteinander. Ich werde nicht Alles entdecken, was ſich in der nächſten Viertelſtunde begab, auch weiß ich nicht gewiß, ob ich es könnte, wenn ich es auch verſuchen wollte; ich erinnere mich aber wohl, daß ich nach Verlauf dieſer kurzen Zeit meinen Arm um Lucy's zarte Hüfte geſchlungen hatte. Was geſagt wurde, mochte nicht ſehr zuſammenhängend ſein, auch weiß ich nicht, ob ſich Jemand viel daraus machte, es zu leſen oder zu hören. „Warum haſt Du ſo lange gezögert, mir dies zu ſagen, Miles?“ fragte Luey endlich ein wenig vorwurfs⸗ voll.„Du hatteſt ſo viele Gelegenheiten und mußteſt wiſſen, wie es aufgenommen worden wäre! Wie viele Sor⸗ gen und Leiden hätteſt Du uns beiden erſpart!“ „Ich werde mir das, was Du dadurch gelitten, nie — 304— verzeihen; was ich aber ſelbſt gebuldet habe, iſt nur zu verdient geweſen. Ich glaubte jedoch, Du liebteſt Drewett; Jedermann ſagte, Du würdeſt ihn heirathen; ſelbſt Dein Bater glaubte dies und ſagte mir es.“ „Der gute, theure Papa! Er kannte mein Herz wenig. Etwas hat er aber gethan, das mich abgehalten haben würde, mich zu verehelichen, Miles, ſo lange Du lebteſt.“ „Der Himmel ſegne ihn dafuür, wie für alle ſeine guten Thaten! Was war es, Lucy?“ „Als er von dem angeblichen Verluſte Deines Schiffes hörte, glaubte er es; ich aber glaubte es nicht. Warum ich das nicht glauben konnte, was, Alle um mich her für wahr annahmen, iſt mehr als ich mir erklären kann, ſofern die Vorſehung mich nicht durch die Hoffnung aufrecht erhal⸗ ten wollte. Als aber mein guter Vater Dich für todt hielt und von allen Deinen guten Eigenſchaften ſprach, Miles— und er liebte Dich faſt eben ſo innig, wie ſeine Tochter—“ „Gott ſegne ihn, den lieben alten Herrn! Aber was hat er Dir geſagt, Lucy?“ „Du wirſt es nie erfahren, wenn Du mich ſtets un⸗ terbrichſt, Miles,“ antwortete Lucy, indem ſie mich neckiſch anlächelte, mir aber ſtets geſtattete, ihre beiden Hände zu behalten, als hätte ich mich derſelben wirklich bemächtigt, um ſie für alle Zeit zu beſitzen; zugleich aber übergoß die Röthe der Freude, wie ich glaubte, und zumal der ange⸗ bornen Beſcheidenheit ihres Weſens Luch’'s ganzes holdes Geſich erfahr mir, mich ſei, 1 Stant anderr 3 ich da ſten z ich me fort, ganzen Dich klärun nicht glaube hierhe S hervor es gel mußte küſſen hoben denn, unſern 214 nur zu rewett; t Dein wenig. haben ebteſt.“ e ſeine Schiffes arum her für ſofern erhal⸗ ar todt ſprach, e ſeine er was its un⸗ neckiſch nde zu ichtigt, oß die ange⸗ holdes Geſicht.„Habe ein wenig Geduld und Du wirſt Alles erfahren. Als mein Vater Dich für todt hielt, ſagte er mir, wie Du ihm die Neigung geſtanden, welche Du für mich fühlteſt; und glaubſt Du, kannſt Du glauben, ich ſei, nachdem mir dieſes Geheimniß kund geworden, im Stande geweſen, auf Andrew Drewett oder irgend einen andern Mann zu hören?“ Ich werde nicht entdecken, was auf dieſe Worte folgte; ich darf aber ſagen, daß Lucy mir im Verlaufe der nãch⸗ ſten zehn Minuten nochmals ſanfte Vorwürfe machte, daß ich meine Erklärung ſo lange verzögert hatte. „Ich kannte Dich ſo gut, Miles,“ fuhr ſie lächelnd fort,— was das Erröthen betrifft, ſo ließ dies faſt den ganzen übrigen Tag nicht von ihr ab,—„ich kaunte Dich ſo gut, Miles, daß ich fürchtete, ich würde die Er⸗ klärung ſelbſt machen müſſen, hätteſt Du Deine Zunge nicht gefunden. Thöriger Mann! Wie konnteſt Du glauben, ich würde je einen Andern als Dich lieben? Sieh hierher!“ Sie zog das Medalllon, welches ich ihr gegeben hatte, hervor und gab es noch warm von ihrem Herzen, an dem es gelegen, in meine Hand. Ich hatte keine Wahl, ich mußte Lucy wieder küſſen, oder ich mußte dieſes Medaillon küſſen; ſo that ich beides, um jedem Selbſtvorwurfe über⸗ hoben zu ſein. Ich ſage,„ich mußte ſie wieder küſſen,“ denn, die Wahrheit zu ſagen, ich hatte dies während unſerm Zuſammenſein bereits ſo viele Male gethan! 214— 216. 20 — 306— Endlich ſteckte Chloe den Kopf durch die Thüre, nach⸗ dem ſie vorher die Vorſicht gebraucht hatte, ſanft anzu⸗ klopfen, und fragte, ob das Eſſen aufgetragen werden ſollte. Lucy ſpeiſte um vier, und es war jetzt faſt fünf Uhr. „Iſt mein Vater zurückgekehrt?“ fragte die junge Herrin ihre Zofe. „Noch nicht, Miß Luey; aber er nie tenken viel an Eſſen, Miß Lucy, Ma'am; und Maſſer Mile haben ſo lang geweſen Seemann, taß ich glauben, er müſſen hungrig ſein. Ich gehört haben, taß er tieſe Reiſe ſehr ſchlimm taran geweſen, Miß Lucy, zu ſchlimm für alt Maſſer' und Miſſus' Sohn.“ „Ah, Miß Chloe hat, wenn man die Sache genauer unterſucht, Neb geſehen,“ rief ich,„und er hat ihr Ohr mit Othellv⸗Geſchichten— von ſeinen Fährlichkeiten und Abenteuern— bezaubert, damit ſie ihn deſto mehr liebe.“ Ich kann nicht ſagen, Chloe ſei wirklich roth gewor⸗ den, oder, wenn dies in der That der Fall war, entging dieſe Schwäche den Zuſchauern. So ſchwarz aber auch die Haut dieſes biederherzigen Mädchens war, ſo hatte ſie ein warmes Gefühl, und ſelbſt ihre Züge verriethen die Em⸗ pfindung, welche ſie bewältigten. „Der Burſche!“ rief ſie.„Was Miß Lucy belieben zu befehlen? Sollen der Koch anrichten?“ „Laß das Eſſen auftragen,“ antwortete Luey lächelnd, und Chloe's Augen tanzten in einer Art wilden Ent⸗ zuͤckens.„Sage John, er möge auftragen; Herr Hardinge wird nur ohne Anb. ſie a ſeine an n len, beſtel Fam als unſri in de Miſtr nigen inden verſel in ein ganz Gatte würde bonnr der T e, nach⸗ t anzu⸗ n ſollte. uf Uhr. 2 junge viel an aben ſo nüſſen iſe ſehr für alt genauer ihr Ohr ten und liebe.“ gewor⸗ entging auch die e ſie ein die Em⸗ belieben lächelnd, en Ent⸗ Hardinge 4— —p, — 307— wird ohne Zweifel bald nach Hauſe kommen; wir brauchen nur drei Gedecke.“ Ich konnte des Mittagseſſens nicht erwähnen hören, ohne einen Blick auf meine Toilette zu werfen, und der Anblick meiner Maats⸗Tracht— ſo nett und anſtändig ſie auch war, und ſo ſchön ſie dem wirklich ſtand, der ſich ſeines Wuchſes nicht zu ſchämen hatte— erinnerte mich an meine Armuth und ließ mich den Abſtand peinlich füh⸗ len, welcher nach den Anſichten der Welt zwiſchen uns beſtehen mußte. Hinſichtlich der Herkunft war meine eigene Familie zu achtungswerth, und meine Erziehung zu gut, als daß ich mir in einem Geſellſchaftszuſtande, wie der unſrige, jetzt viele Sorgen gemacht hätte; allein es war in der That eine mächtige Kluft zwiſchen der Erbin der Miſtreß Bradfort und einem blutarmen Schiffsmaat. Lucy verſtand mich; ſie ließ ihren Arm in den mei⸗ nigen gleiten und führte mich in ihr Bibliothekgemach, indem ſie, mich ſanft entlang ziehend, ſchelmiſch ſagte: „Es iſt ſehr leicht, Miles, Deine Jacke mit Schößen verſehen zu laſſen.“ „Allerdings, Lucy; allein mit weſſen Geld? Ich bin in einem ſolchen Aufruhre von Gefühlen geweſen, daß ich ganz vergeſſen habe, daß ich ein Bettler bin; daß ich kein Gatte bin, der zu Dir paßt. Hätt' ich nur Clawbonny, würde ich mich weniger gedemüthigt fühlen; wäre Claw⸗ bonny mein, würde ich mich einigermaßen berechtigt fühlen der Welt ſichern Blickes entgegen zu treten.“ 20* — 308— Wir waren jetzt in dem Büchergemache. Lucy blickte mich einen Augenblick feſt an, und ich ſah, daß meine Worte ihr wehe thaten. Sie nahm einen Schlüſſel aus einem Schränkchen, wo ſie ihn aufbewahrte, öffnete einen kleinen Schrein und zeigte mir dieſelben Goldſtücke, welche ich einſt beſeſſen, und die ich ihr, nach meiner erſten See⸗ reiſe, zurückgegeben hatte. Ich ſah, daß die Perlen, welche ſie in Folge des Vermächtniſſes meiner Schweſter erhalten hatte, ſo wie die, welche mein Eigenthum waren,— ſofern ich je etwas mein nennen konnte,— in demſelben Schreine verwahrt waren. Sie hielt die Goldſtücke in ihrer kleinen Hand, die ſo ſanft wie Sammt und ſo weiß wie Elfenbein war, und ſagte: „Einſt nahmſt Du Alles, was ich hatte, Miles, und zwar ohne etwas anders, als die Liebe eines Bruders geltend zu machen; warum ſollteſt Du Anſtand nehmen, es jetzt zu thun, da Du mein Gatte zu werden wünſcheſt?“ „Herrliches Weſen! Ich glaube, Du heilſt mich ſogar von meinem thörichten Stolze!“ Ich nahm die Perlen, ſchlang ſite ihr um den Hals, wo ſie, in einer langen Kette niederhängend, mit der Haut wetteiferten, welche ſie berührten. Ich fuhr fort: „Hier! Ich habe geſagt, dieſe Perlen ſollten ein Ge⸗ ſchenk für meine Gattin ſein, und ich biete ſie Dir nun dar, obgleich ich kaum weiß, wie ich ſie aus Daggett's Krallen retten ſoll.“ Lucy küßte die Perlen; ich wußte, daß ſie dies nicht aus Auge der 2 wie Du dieſen ſein, jährit Geric leichte zu be Dein dieſes dieſer wenig beſteh im N ich h Dritt ſpeiſe Harde Mant andeu heiten blickte meine kel aus e einen welche n See⸗ welche rhalten ſofern Schreine kleinen lfenbein Miles, Bruders nehmen, ſcheſt?“ ch ſogar n Hals, eer Haut ein Ge⸗ Dir nun daggett's jes nicht Augen. Ich glaube, ſie hatte dieſes Geſchenk gerade in der Art, wie ſie es jetzt empfing, lange erwartet! „Ich danke Dir, lieber Miles,“ ſagte ſie;„Du ſiehſt, wie willig ich Deine Geſchenke annehme; warum ſollteſt Du Dich weigern, die meinigen anzunehmen? Was dieſen Herrn Daggett betrifft, ſo wird es ziemlich leicht ſein, ſich ſeiner Anſprüche zu erledigen. Ich werde voll⸗ jährig ſein, ehe ſeine Angelegenheit, wie ich höre, vor Gericht verhandelt werden kann, und dann wird es nichts leichteres für Miles Wallingford geben, als ſeine Schulden zu bezahlen; denn Alles, was jetzt mein iſt, wird dann Dein ſein. Nein, nein, dieſer Herr Daggett wird mich dieſes koſtbaren Geſchenkes nicht ſo leicht berauben.“ „Rupert,“ ſagte ich, um ihre Aufmerkſamkeit nach dieſer Seite zu lenken. „Nupert wird keinen Einfluß auf mein Thun haben, wenigſtens nicht in andrer Hinſicht, als daß ich darauf beſtehen werde, daß er jeden Dollar zurückgibt, welchen er im Namen Eurer ſeligen Schweſter empfangen hat. Aber ich höre meines Vaters Stimme, er ſpricht mit einem Dritten. Ich hatte gehofft, wir würden allein zu Mittag ſpeiſen.“. Die Thüre des Bibliothekzimmers öffnete ſich und Herr Hardinge trat ein, von einem ernſt ausſehenden, ältlichen Manne begleitet, deſſen ganzes Weſen und Gebahren andeutete, daß er gewöhnt war, mit wichtigen Angelegen⸗ heiten zu verkehren. aus Liebe zu ihnen that, und Thränen traten ihr in die — 310— Ich erkannte ihn ſogleich als Richard Harriſon, damals einer der ausgezeichnetſten Rechtsgelehrten Amerika's, der⸗ ſelbe Herr, zu welchem mich John Wallingford geführt hatte, als der letztere in mich drang, mein Teſtament zu machen. Herr Harriſon ſchüttelte mir die Hand herzlich, nach⸗ dem er Lucy, die er ſehr genau kannte, gegrüßt hatte. Ich ſah ſogleich, daß ſein Geiſt mit etwas Ungewöhnlichem beſchäftigt war. Dieſer hochachtbare Sachwalter war in der Behandlung von Geſchäften ein förmlicher und kalt verkehrender Mann; ohne viele Umſchweife zu machen, ging er ſogleich auf die vorliegende Frage ein. „Ich habe mit Erſtaunen gehört, daß mein würdiger Client und Freund, Herr John Wallingford, geſtorben iſt,“ bemerkte er.„Ich weiß nicht, wie es kam, daß ich ſeine Todesanzeige in den Zeitungen überſehen habe, ich müßte dies denn dem ziemlich bedenklichen Unwohlſein beimeſſen, welches mich in der Zeit, wo er ſtarb, befallen hatte. Erſt vor einer halben Stunde habe ich durch meinen Freund, Herrn Hardinge, dieſe Kunde erhalten.“ „Die Nachricht iſt wahr, Herr,“ antwortete ich.„Mein Vetter ſtarb, wie ich gehört habe, vor acht Monaten.“ „Und er war zur Zeit, wo er ſtarb, in dem Beſitze Eures Schuldſcheins, im Betrage von vierzigtauſend Dollar?“ „Leider, Herr, und bei dem Schuldſcheine war ein Pfandbrief auf meine väterliche Beſitzung Clawbonny, welche ſeitdem kraft der in den Bedingungen enthaltenen amals „ der⸗ eführt ent zu nach⸗ 2. Ich lichem dar in d kalt „ging erdiger n iſt,“ ) ſeine müßte neſſen, . Erſt freund, „Mein en.“ Beſitze llar?“ dar ein bonny, altenen —— — 311— Ermächtigung, dem Geſetze zufolge, verkauft— um ein Nichts, um weniger als den vierten Theil ihres Werthes verkauft worden iſt.“ „Und Ihr ſeid, auf den Anruf des Verwaltenden, wegen der auf den Schuldſchein noch zu zahlenden Summe verhaftet worden?“ „Allerdings, Herr; und bin erſt ſeit einer Stunde auf allgemeine Bürgſchaft hin wieder frei.“ „Nun, Herr, dieſes ganze Verfahren kann, es muß abgewieſen werden. Ich habe bereits die nöthigen Anlei⸗ tungen zu einem Anſchreiben an den Kanzler gegeben, ihn um ein Interlocut zu erſuchen, und wenn der Verwalter Eures Vetters kein großer Tölpel iſt, ſo werdet Ihr in weniger als vier Wochen im ruhigen Beſitze von Claw⸗ bonny ſein; iſt er ein nur einigermaßen einſichtsvoller Mann, ſo ſeid ihr's in vier und zwanzig Stunden.“ „Ihr werdet gewiß keine Hoffnungen in mir erwecken wollen, die auf nichts gegründet ſind, Herr Harriſon; dennoch begreife ich nicht, wie all dies wohl möglich iſt.“ „Euer Vetter, Herr John Wallingford, mein ſehr ehrenwerther Freund, hat einen letzten Willen hinterlaſſen, welchen ich ſelbſt aufgeſetzt habe und welchen ich Euch, als ſeinem einzigen Teſtamentsvollſtrecker, hiermit behändige, da er mir ihn zu dieſem Zwecke überlaſſen hat. Kraft dieſes Teſtaments erläßt er Euch, wie Ihr ſehen werdet, vor allem die Schuld von vierzigtauſend Dollar und hebt alle Anſprüche in Betreff der Pfandverſchreibung auf. Dies — 312— iſt aber nicht Alles. Einige kleine Legate abgerechnet, welche ſeinen Verwandten von mütterlicher Seite anheim⸗ fallen, ſeid Ihr ſein einziger Erbe, und ich bin mit ſeinen Verhältniſſen hinreichend bekannt, um zu wiſſen, daß ſich Euer Vermögen um mehr als zweimal hunderttauſend Dol⸗ lar vermehren wird. John Wallingford war ein Mann von Charakter, aber von„geldmachendem“ Charakter; hätte er noch zwanzig Jahre gelebt, ſo würde er einer der reichſten Männer des Staates geworden ſein. Er hatte einen vortrefflichen Grund gelegt, ſtarb aber zu früh, um das goldene Gebäude aufzuführen.“ Welch ein Wechſel der Umſtände war dies! Ich war nicht nur wirklich aller Schulden bar, ſondern hatte Claw⸗ bonny wieder und war Herr alles deſſen, was mir gehörte, meinen Gewinn und das in der Dämmerung angelegte Geld ausgenommen. Dieſe letztere Summe war unwieder⸗ bringlich verloren; dagegen hatte ich durch die reiche Erb⸗ ſchaft, welche mir von John Wallingford kam, mehr als volle Entſchädigung. Dieſes Vermächtniß beſtand aus einer bedeutenden Summe, welche in Staatspapieren zu Drei vom Hundert angelegt war, und die damals mit Sechzig, ſpäter aber voll bezahlt wurden, in guten Bank⸗ und Aſſecuranz⸗ Noten, Verſchreibungen und Pfandbriefen, und werthvollem, ergiebigem Landeigenthum in dem weſtlichen Theile des Staates, nebſt mehreren Gebäuden in der Stadt. Kurz, ch war ſelbſt reicher als Lucy, und brauchte mich dem Gedanken nicht mehr hinzugeben, als lebte ich von ihrer Großmuth. mich Mit Weſ weni könn Alles Won mein gewã get ſ mir und um i ſetzen Sach zu ſel 3 mit d Geſch finden dahin Zeit ich jen unſren ccnet, heim⸗ ſeinen ß ſich Dol⸗ Mann akter; er der hatte , um ) war Claw⸗ ehörte, gelegte vieder⸗ Erb⸗ hr als 3 einer ei vom ſpäter uranz⸗ ollem, le des Kurz, h dem ihrer — 313— Man wird ſich wohl denken, daß dieſe Nachrichten mich unendlich glücklich machten. Ich blickte Lucy an, ihres Mitgefühls gewiß. Ich glaube aber beinahe, das liebe Weſen war über dieſen Zuwachs an Reichthümern nichts weniger als erfreut; denn der Gedanke, mir beweiſen zu können, wie unbegrenzt ſie mir vertraute, indem ſie mir Alles, was ſie beſaß, anheim gab, hatte ihr Herz mit Wonne erfüllt. Sie liebte jedoch Clawbonny, wie ich, und meine Wiedereinſetzung in das Beſitzthum meiner Väter gewährte uns Beiden das lebhafteſte Vergnügen. Herr Harriſon bemerkte nun, er habe erfahren, Dag⸗ get ſei in der Stadt, um den erwarteten Ausgleich mit mir in Betreff meiner perſönlichen Habe ſelbſt zu leiten, und er habe deſſen Anwalt bereits einen Boten zugefertigt, um ihn von dem Daſein des Teſtaments in Kenntniß zu ſetzen; es ſei ſonach gegründete Hoffnung vorhanden, die Sache in den nächſten vier und zwanzig Stunden geordnet zu ſehen. In der That waren wir noch bei Tiſche, als der Bote mit der Nachricht kam, eine Zuſammenkunft ſollte in dem Geſchäftslocale dieſes ausgezeichneten Sachwalters ſtatt⸗ finden, und wir alle, Lucy ausgenommen, begaben uns dahin, ſobald das Tiſchtuch entfernt worden; denn in jener Zeit nahm man ſtets das Tiſchtuch weg. In dem Bureau fanden wir Herrn Daggett, welchen ich jetzt zum erſten Male ſah, ſo wie ſeinen Sachwalter, unſrer harrend. Der erſte Blick reichte hin, um uns von — 314— der Beſtürzung zu überzeugen, welche ſich Beider bemäch⸗ tigt hatte; denn der Rechtsgelehrte hatte ſich in dem Laufe der Verhandlungen, bei deren Leitung er thätig geweſen, faſt eben ſo blosgeſtellt, wie ſein Schützling. „Dies ſind ſeltſame Nachrichten für uns, Herr Har⸗ riſon,“ begann der Sachwalter,„obgleich Euer Charakter und Euer Ruf der Sache ein ernſtes Anſehen geben. Sollte hier kein Irrthum obwalten, Herr?“ „In keinerlei Weiſe, Herr Meekly. Wenn Ihr die Güte haben wollt, dieſes Teſtament zu leſen, Herr, ſo wer⸗ det Ihr ſehen, daß die Thatſachen Euerm Schützling der Wahrheit gemäß vorgelegt worden ſind; und was die Echt⸗ heit der Urkunde anbetrifft, ſo kann ich nur ſagen, daß ſie von mir ſelbſt in Folge genauer Vorſchriften des Herrn Wallingford aufgeſetzt worden iſt,— welche Vorſchriften ich noch von ſeiner Hand geſchrieben beſitze;— aber das Teſtament wurde von meinem Clienten vor Zeugen und in meiner Gegenwart abgeſchrieben, unterzeichnet und beſiegelt. So weit es ſich von der beweglichen Habe handelt, würde dieſes Teſtament gültig ſein, wär' es auch nicht von dem Teſtator unterzeichnet, vorausgeſetzt daß ein anderes Teſtament nicht vorhanden iſt. Ich ſchmeichle mir aber, daß Ihr hinſichtlich der Formen Alles in Ordnung finden werdet.“ Herr Meekly las das Teſtament nach ſeinem ganzen Umfange laut vor und warf, als er es mir wieder zuſtellte, Daggett einen ſehr ſprechenden Entſagungs⸗Blick zu. gefüg Anden übrig nieder in me Teſtat Händ betrac nicht ſo ge geweſe als w was i den iſ Eure verſtel beabſie kaum ſon,“ Client 3 ——:ÿ— — 315— mäch⸗ Herr Daggett fragte nicht ohne große Unruhe: Laufe„Iſt dem Teſtamente ein Verzeichniß der Habe bei⸗ veſen, gefügt?“ „Allerdings, Herr,“ erwiederte Herr Harriſon;„und Har⸗ 4 Andeutungen, wo die Certificate der Capitalien und alle trakter übrigen Schuldbeſcheinigungen, Pfandbriefe und ſo weiter Sollte niedergelegt ſind. Ein Theil der Pfandbriefe befindet ſich 3 4 in meinen eigenen Händen. Wenn ich nicht irre, hat der hr die Teſtator den Schuldſchein des Herrn Wallingford ſelbſt in o wer⸗ Händen gehabt, da er ihn als eine Familien⸗Urkunde ng der betrachtete.“ e Echt⸗„Nun, Herr, Ihr werdet finden, daß die Capitalien daß ſie nicht angegriffen worden ſind; was jenen Pfandbrief betrifft, Herrn ſo geſtehe ich, daß er und einige Noten auf Geneſſee alles criften geweſen ſind, was ich auffinden konnte. Wir waren erſtaunt, er da⸗ als wir den Nachlaß ſo unbedeutend fanden.“ und in„Deſto beſſer für Euch, Herr Daggett. Da ich weiß, ſſiegelt. was ich zu thun habe, werde ich das, was in meinen Hän⸗ würde den iſt, dem Teſtamentsvollſtrecker und Erben übergeben. ht von Eure Verwaltungseinweiſe werden, wie es ſich von ſelbſt anderes verſteht, als nicht ausgeſtellt betrachtet, wenn Ihr auch t aber, beabſichtigen ſolltet, unſerz Rechte anzufechten, was ich finden kaum für rathſam halten würde.“ 6 —„Wir werden keine Einſprache erheben, Herr Harri⸗ ganzen ſon,“ ſagte Meekly haſtig,„und erwarten von Euerm aſete Clienten gleich billige Geſinnungen.“ ick zu. Dies hatte ich dem Umſtande zu danken, daß ich einen — 316— erfahrnen Sachwalter und einen Mann von Charakter auf meiner Seite hatte. Daggett gab die ganze Sache auf der Stelle auf, indem er mir alle Rechte auf Clawbonny zurückgab, ehe er von mir ſchied, obgleich der Verkauf jedenfalls für nichtig erklärt worden wäre, und ſpäter durch gütliche Uebereinkunft in aller Form für nichtig erklärt wurde. Viel blieb indeſſen noch zu thun und ich mußte mich von Lucy losreißen, um meine Angelegenheiten zu beſchicken. Die Prüfung des Teſtaments mußte in der fernen Graf⸗ ſchaft Geneſſee erwirkt werden, und im Jahre 1804 war dieſe Grafſchaft von Neu⸗York ſehr entfernt! Die Reiſe, welche man jetzt in dreißig Stunden machen kann, nahm damals zehn Tage in Anſpruch, und ich brauchte volle vier Wochen, bis ich in dem Weſten, wie man dieſen Theil des Landes damals nannte, allen Förmlichkeiten Genüge gethan und meine übrigen Angelegenheiten geordnet hatte. Dieſe Zeit wurde aber auch„öſtlich“ nicht vergeudet. Herr Hardinge ſorgte für Alles, was ſich auf Clawbonny bezog und Lucy's hochwillkommene Briefe— ich erhielt jede Woche drei— benachrichtigten mich, daß in dem Hauſe, auf den Feldern und in der Mühle Alles wieder in der beſten Ordnung ſei. Der Wallingford hatte ſeine Fahrten wieder aufge⸗ nommen, und Ochfen, Kühe, Pferde und ſo weiter waren wieder, wo ſie ehedem geweſen. Auch die Neger waren ihrer alten Heimath zurückgegeben und Clawbonny war wiede den Gele zupu abge Alle Herz über⸗ in de und mir Gehe es tl ſeit dem nur ſie u mein lacht Ihr zuge lig kter auf auf der wbonny Verkauf er durch erklärt zte mich ſchicken. Graf⸗ 04 war 2 Neiſe, „ naym olle vier heil des gethan rgeudet. wbonny erhielt in dem wieder aufge⸗ r waren waren ny war y—— — 317 wieder— Clawbonny. Das Wenige, was geändert wor⸗ den war, erwies ſich als erſprießlich; denn man hatte die Gelegenheit benutzt, das Haus anzuſtreichen und neu auf⸗ zuputzen; Herr Daggett's Sparſamkeit hatte ihn jedoch abgehalten, das Gebäude durch Neuerungen zu entſtellen. Kurz, man entbehrte nur noch„Maſſer Mile,“ um Alle zu Clawbonny glücklich zu ſehen. Chloe hatte ihre Herzensangelegenheit„Miß Lucy“ vertraut und man kam überein, daß Neb und ſein Herr ziemlich zu derſelben Zeit in den ehelichen Stand übertreten ſollten. Was Moſes betrifft, ſo hatte er ſich Urlaub erbeten und war nach Willow Cove geeilt. Ein Brief, welchen er mir zuſchickte und der jetzt vor mir liegt, wird von ſeinem Gehaben und ſeinen Gefühlen beſſer Kunde geben, als ich es thun kann. Er lautet, wie folgt: „Willow Cove, den 18. September 1804. „Capitain Wallingford! „Theurer Herr, und mein lieber Miles, hier bin ich feit zehn Tagen mit beiden Ankern im Grunde, und in dem Schooße meiner Familie ſo behaglich, als es das Herz nur wünſchen kann. Die alte Frau war ſeelenfroh, als ſie mich wieder ſah und weinte wie ein Alligator, als ſie meine Geſchichte hörte. Was Kitty angeht, ſo weinte und lachte ſie in einem Athem; aber der junge Bright, der, wie Ihr Euch vielleicht noch erinnert, uns bei unſerm Kreuz⸗ zuge gegen den alten Van Taſſel zu Geſicht kam, hat völ⸗ lig an der Seite meiner Nichte angehohlt und ſie thut kaum etwas anders, als daß ſie vom Morgen bis zum Abend lacht und tanzt. Es iſt hölliſch hart, eine Nichte auf dieſe Weiſe zu verlieren; die Mutter ſagt aber, ich gewönne bei dem Handel einen Neffen. „Jetzt von dem alten Van Taſſel. Der Herr gibt nie zu, daß es Schurken auf die Länge gut geht. Die Mutter fand die Quittung, welche der alte Schelm meinem Vater vor vielen, vielen Jahren, als er ſein Geld bezahlte, aus⸗ geſtellt hatte; ſie ließ einen Hudſon⸗Advocaten kommen und der Alte mußte jämmerlich Segel bergen und Ladung genug aushiſſen laſſen, um die Raaen in's Kreuz zu braſ⸗ ſen. Die Mutter⸗meint, nun ſei Alles richtig und in Ord⸗ nung; ich werde aber die Rechnung ſo lange als ungeſchloſ⸗ ſen betrachten, bis ich den Herrn nach meines Herzens Luſt gedroſchen habe. „Die alte Frau bekam das Geld in harten Dollaren, da ſie nicht wußte, was ſie mit Papier anfangen ſollte, und ich war noch nicht zehn Minuten in dem Hauſe, ſo zog die gute alte Seele ſchon einen Strumpf aus der Com⸗ mode und begann mir die ausgelegte Summe herzuzählen. „Ihr ſeht alſo, Miles, daß ich, ſo gut wie Ihr, wieder zu dem Meinigen gekommen bin. In Betreff Eures Anerbietens, mir die Löhnung für die ganze letzte Reiſe auszuzahlen, ſo iſt dies edelmüthig,— und das iſt viel in dieſen hölliſch ehrloſen Zeiten,— aber ich werde auch nicht einen Cent annehmen. Wenn ein Schiff verloren iſt, ſo iſt auch die Löhnung dahin— dies iſt dem Geſetz und „ der 2 mann zahle nichte betra⸗ werde ich a winkt offene eine freut bei d men fern iſt ei Sochz ſo ble und d Brieff ben r viel 2 halte edoch dis zum Nichte ber, ich gibt nie Mutter n Vater te, aus⸗ kommen Ladung zu braſ⸗ in Ord⸗ geſchloſ⸗ ens Luſt ollaren, nſollte, zuſe, ſo er Com— uzählen. die Ihr, f Eures te Reiſe iſt viel rdde auch oren iſt, ſetz und „ — 319— der Vernunft gemäß. Es wäre hart, wenn ein Handels⸗ mann Löhnung für Arbeiten an Bord eines Schiffes be⸗ zahlen ſollte, welches in der Tiefe des Meeres liegt. Alſo nichts mehr über dieſen Punkt, den ich als abgemacht betrachte. „Ich bin hocherfreut zu hören, daß Ihr heirathen werdet, ſobald Ihr nach Clawbonny zurückkehrt. Wär' ich an Eurer Stelle und ſolch ein hübſches junges Weib winkte mir in den Hafen, ich würde nicht lange auf der offenen See bleiben. Herzlichen Dank für die Einladung, eine der Brautjungfern abzugeben, eine Ehre, die mich freut und glücklich macht. Ich bitte, mir in Betreff der bei dieſer Gelegenheit nöthigen Takelage ein Wort zukom⸗ men zu laſſen; denn ich wünſche, den übrigen Brautjung⸗ fern ſo ähnlich als möglich zu erſcheinen; in ſolchen Sachen iſt eine gewiſſe Uebereinſtimmung ſtets wünſchenswerth. Hochzeit iſt Hochzeit, und Alles muß dabei hochzeitlich ſein; ſo bleibe ich, Eurer fernern Befehle gewärtig, Euer Freund und dienſtbereiter alter Schiffsmaat Moſes Van Duſen Marble.“ Ich will nicht behaupten, daß die Orthographie dieſes Briefes genau mit dem Abdrucke übereinſtimmt; das Schrei⸗ ben war aber leſerlich und hatte Marble augenſcheinlich viel Mühe gekoſtet. Was die Briefe der theuern Lucy angeht, ſo ent⸗ halte ich mich, einen derſelben mitzutheilen. Sie waren edoch, wie Lucy ſelbſt, einfach, wahr, liebevoll und weib⸗ — 320— lich. Unter andern benachrichtigte ſie mich, daß unſere Verbindung in der St. Michaelskapelle geſchloſſen werden ſolle, daß ich ſie in dem Pfarrhauſe abholen würde und daß wir uns von der Kirchenthüre unmittelbar nach Claw⸗ bonny begeben könnten. Sie habe, ſagtez ſie, Rupert und Emily eingeladen, bei der Trauung anweſend zus ſein; das Unwohlſein der letztern würde aber die Annahme der Einladung unmöglich machen; Major, oder General Merton, wie er zu Neu⸗York allgenzein genannt wurde, habe die Gicht und könne nicht erſcheinen. Lucy fragte, ob es überhaupt und unter allen Umſtänden nicht rathſam wäre, die Sache möglichſt einfach abzuthun. Ich gab in meiner Antwort dieſer Anſicht meinen vollſten Beifall, und acht Tage nach Abgang derſelben ver⸗ ließ ich die Geneſſee⸗Gegend, wo meine Geſchäfte glück⸗ lich abgethan waren. Niemand ließ eine Einſprache laut werden, und die Welt betrachtete mich, weit entfernt, meine Rechte in Zweifel zu ziehen, als den rechtmäßigen Erben meines Vetters. „u* U um Y ſchen der ga Geſchi alter 2 aber e ſcheint der jer Thater lich ne das L. YT eine 9 nächſte nach D an. 4 hatte das al 214 unſere werden rde und h Claw⸗ dert und us ſein; hme der 2eneral wurde, fragte, rathſam meinen ben ver⸗ e glück⸗ che laut , meine Erben Vierzehntes Kapitel. Ich tröſtete ihr Herz; ſie wurde ruhig Und ſprach von ihrer Liebe ſtolz und traut; Und ſo gewann ich Genovefa, Die meine ſchöne, holde, liebe Braut. Coleridge. ☛34 Unſrer Abrede gemäß hielt ich zu Willow Cove an, um Marble mitzunehmen. Ich fand den ehrlichen Bur⸗ ſchen ſo glücklich, als der Tag lang war; aber er erzählte der ganzen Gegend ringsum furchtbar lange, wundervolle Geſchichten von ſeinen Abenteuern und Fährlichkeiten. Mein alter Maat war eigentlich ein ſehr wahrheitsliebender Mann, aber er ſetzte die„Nichtswiſſer“ gern in Erſtaunen. Dies ſcheint ihm ungemein gelungen zu ſein; denn die Hollän⸗ der jenes Bezirkes erzählen heute noch Anecdoten von den Thaten und Leiden Capitain Marble's, wie ſie ihn gewöhn⸗ lich nennen, obgleich ſie längſt aufgehört haben zu glauben, das Land gehöre zu den„vereinigten Niederlanden.“ Moſes freute ſich, mich wieder zu ſehen. Ich brachte eine Nacht in der Cottage ſeiner Mutter hin und den nächſten Morgen traten wir in einem Wagen, welchen ich nach Willow Cove beſtellt hatte, die Reiſe nach Clawbonny an. Dieſer Wagen gehörte mir, und einer meiner Neger hatte die Rolle des Kutſchers übernommen. Ich kannte das alte Geſpann und muß geſtehen, daß mir die Thränen 214— 216. 21 in die Augen traten, als ich mich wieder ſozuſagen in mein Eigenthum eingeſetzt ſah. Daſſelbe Gefühl überkam mich mächtig, als wir den Gipfel eines Hügels erreichten, wo ſich das Thal und die Gebäude von Clawbonny vor den Blicken ausbreiteten. 1 Welch ein Augenblick meines Lebens iſt dies geweſen! Ich kann nicht ſagen, daß ich reich— reich ſelbſt in dem Sinne, in welchem man dieſes Wort vor ſechzig Jahren nahm— geboren worden; ich war aber mit einem anſtän⸗ digen Auskommen geboren. Ehe ich mein Schiff verloren, hatte ich nie das demüthigende Gefühl der Armuth gekannt; und der Schmerz, welcher meine Seele durchdrang, als ich erfuhr, Clawbonny ſei verkauft, drückte ſich meinem Herzen tief ein; ich werde dieſen Augenblick nie vergeſſen. Ich betrachtete die Häuſer, an welchen ich in den Straßen vorüberkam, und dachte daran, daß ich ohne Wohnung ſei. Ich konnte keinen Laden anſehen, in welchem Kleider ver⸗ kauft wurden, ohne daran zu denken, daß ich, wenn ich meine Schulden bezahlte, im wörtlichen Sinne ohne eine Bedeckung für meine Blößen ſein würde. Nun war ich wieder Herr des Meinigen; und dort erhob ſich das Haus meiner Väter, behaglich, ſtattlich, inmitten einer einla⸗ denden Scene ländlicher Ruhe und Lieblichkeit. Selbſt die Fluren ſchienen den Rückkehrenden zu bewillkommen! Es iſt nicht nöthig, das, was ſich begab, zu verhehlen, und ich werde es offen erzählen. Der Weg, welcher an den Fuß der Höhe herabführte, macht faſt in von 8 digte an de Wage Erreg E ein F wie lo ich a wird 8 eine f nahe, Armer gewan hatte, beikom meine ſolchen Nechte ihre T daß T Clan reichſt mmein mich n, wo or den weſen! n dem Jahren nſtän⸗ lloren, kannt; als ich Herzen Ich traßen ng ſei. er ver⸗ nn ich ie eine ar ich Haus einla⸗ bſt die hehlen, führte, machte eine bedeutende Ausbeugung, während ein Fußpfad faſt in gerader Richtung an dem Abhang niederging und von Fußgängern ſtets eingeſchlagen wurde. Ich entſchul⸗ digte mich bei Marble ziemlich oberflächlich, bat ihn, mich an dem Fuße der Anhöhe zu erwarten, ſprang aus dem Wagen, ſetzte über einen Zaun und eilte davon, um meine Erregung zu verbergen. Sobald ich mich ungeſehen wußte, ſetzte ich mich auf ein Felsſtück und weinte wie ein Kind. Ich weiß nicht, wie lange ich ſo geſeſſen haben mag, aber die Art, wie ich aus dieſem Andrange der Gefühle geweckt worden, wird mir ſtets unvergeßlich bleiben. Ich fühlte eine kleine Hand auf meiner Stirne und eine ſanfte Stimme flüſterte das Wörtchen„Miles!“ ſo nahe, daß ich in dem nächſten Augenblicke Lucy in meinen Armen hielt. Das liebe Mädchen war bis zu dem Hügel gewandert, da ſie, wie ſie mir nachher geſtand, erwartet hatte, ich würde auf dem Wege nach Clawbonny hier vor⸗ beikommen; ſie konnte ſich die große Freude nicht verſagen, meine Gefühle in einem ſolchen Augenblicke und unter ſolchen Umſtänden zu theilen. „Dies iſt eine erfreuliche Wiedereinſetzung in Deine Nechte, lieber Miles,“ ſagte Lucy endlich und lächelte durch ihre Thränen.„Ich habe aus Deinen Briefen geſehen, daß Du reich biſt; es wäre mir aber lieber, Du hätteſt Clawbonny und keinen Cent fonſt, als alle Schätze des reichſten Mannes in dem Lande ohne Clawbonny. Dein 3 21* ————— — 324— wäre es auf jeden Fall wieder geworden, wenn meine Mittel irgend dazu ausreichend geweſen wären.“ „Und Du meinſt dies wohl, ohne daß ich Dein Gatte geworden wäre?“ Lucy wurde hochroth, obgleich ich nicht ſagen will, daß das einfache, biedere Weſen verlegen geweſen wäre, ihre Vorliebe für mich zuzugeben. Nach einer augenblick⸗ lichen Pauſe lächelte ſie und antwortete ſo auf meine Frage: „Ich habe an dem Ausgange nicht gezweifelt, ſeit mein Vater mir Deine Gefühle gegen micch geſchildert hatte,“ ſagte ſie,„und dies war, wie Du Dich erinuern wirſt, ehe Herr Daggett ſeinen Kauf abſchloß. Die Frauen haben mehr Vertrauen auf das Herz, als die Männer, fürcht, ich; wenigſtens ſind unſere Gefühle mächtiger und eingreifender, als die eurigen; denn wenn wir lieben, ſo leben wir der Liebe allein, während eure Gedanken ſtets der Welt zuge⸗ kehrt bleiben. Ich habe nie geglaubt, Miles Wallingford könne eine andere, als Lucy Hardinge ehelichen, einmal ausgenommen, und dieſes eine Mal nur auf kurze Zeit; und ſeit ich mich überhaupt ſolchen Gedanken hingab, habe ich gewußt, Lucy Hardinge würde nie,— könnte nie die Gattin eines andern, als Miles Wallingford's werden!“ „Und jene eine Ausnahme, jene ſehr kurze Zeit? Da Du mir ſo viel geſagt haſt, bin ich neugierig, Alles zu erfahren.“ Lucy wurde nachdenkend und ſtreifte mit dem Ende ihres Sonnenſchirms über die Gräͤſer, ehe ſie antwort te. meine Gatte will, wäre, enblick⸗ Frage: t, ſeit hatte,“ wirſt, haben ht' ich; fender, vir der zuge⸗ ingford einmal 2 Zeit; , habe te nie rden!“ Zeit? Alles Ende vort te. — — 325— „Die eine Ausnahme war Emily Merton, und die „kurze Zeit“ endigte, als ich euch in Deinem eigenen Hauſe beiſammen fah. Bei dem erſten Zuſammentreffen mit Emily Merton glaubte ich, ſie ſei Deiner Liebe würdiger, als ich es vielleicht wäre, und ich hielt es für unmöglich, daß zwei junge Leute ſo lange in einem Schiffe beiſammen lebten, ohne ihren gegenſeitigen Werth kennen zu lernen. Als ich aber mit euch beiden unter einem Dache wohnte, überzeugte ich mich bald, daß Deine Phantaſie wohl ein wenig irre geführt worden, daß aber Dein Herz mir ſtets treu war.“ „Iſt es möglich, Lucy! Sind die Frauen in der That in ſo hohem Grade ſcharfſichtig und in ihren An⸗ ſichten ſo viel ſicherer, als wir Männer? Während ich nahe daran war, mir aus Eiferſucht auf Andrew Drewett ein Leid anzuthun, haſt Du wirklich gewußt, daß mein Herz ganz Dein war?“ „Ich war nicht ohne bedenkliche Zweifel, Miles, und ſie wurden zuweilen recht peinlich; im Ganzen aber fühlte ich, ich will nicht ſagen, was ich über Dich vermochte, ſondern ich fühlte, daß wir einander theuer waren.“ „Iſt es Dir nie vorgekommen, wie es Deinem vor⸗ trefflichen Vater geſchah, daß wir zu ſehr wie Bruder und Schweſter gegen einander waren, als daß wir an Liebe hätten denken ſollen; daß wir zu ſehr daran gewöhnt waren, uns einander als Kinder werth zu halten, um eine Leidenſchaft aufkommen zu laſſen? Denn das, was ich für Dich fühle, Lucy, darf nicht Achtung, Verehrung und Zu⸗ neigung genannt werden; nein, es iſt eine Leidenſchaft, welche das Elend oder das Glück meines Lebens ausma⸗ chen wird.“ Lucy lächelte ſchelmiſch und wieder ſpielte das Ende ihres Sonnenſchirms mit dem Graſe, welches rings um den Felſen wucherte, auf dem wir ſaßen. „Wie konnte ich dies von Dir annehmen, Miles,“ ſagte ſie,„wenn meine Erfahrung mir ſtets das Gegentheil ſagte? Ich bemerkte, daß Du glaubteſt, es beſtehe eine Ver⸗ ſchiedenheit der Verhältniſſe zwiſchen uns, thörichter Mann! und ich war überzeugt, daß Du nur Deinen Mangel an Selbſtvertrauen zu beſiegen hätteſt, um Dein Herz offen darzulegen.“ „Wenn Du aber all dies geſehen und gewußt haſt, grauſame Lucy, warum haſt Du mich Jahre, Jahre hin⸗ durch in dieſer ſchrecklichen Ungewißheit gelaſſen?“ „Stand es dem Mädchen zu, zu ſprechen, Miles? Ich bemühte mich, natürlich zu ſein; ich glaube, ich war ſo, und das andere überließ ich dem Himmel. Geſegnet ſei Gott in ſeiner Gnade, er hat mich belohnt!“ Ich ſchloß Lury an mein Herz, und nachdem wir einen Augenblick in dem ſeligen Gefühle der innigſten Liebe hin⸗ gebracht hatten, begannen wir von andern Dingen zu ſprechen, als wären wir uns Beide bewußt, daß der Ort, wo wir waren, nicht zu den erhabenen Gefühlen paſſe, welche uns beſeelten. Ich erkundigte mich nach dem Stand der Dinge zu nſchaft, nusma⸗ 3 Ende gs um ſagte ſagte? e Ver⸗ Mann! gel an offen t haſt, re hin⸗ Niles? h war eſegnet einen e hin⸗ en zu Ort, paſſe, ge zu Clawbonny, und durfte mich deſſen freuen, was ich hörte. Alle warteten meiner Ankunft. Ich hatte keine Pächter, welche mir entgegen ziehen konnten; auch waren die ame⸗ rikaniſchen Pächter, wenn ſolche zur Hand geweſen wären, ſolchem Gehaben eben nicht ſehr zugethan; obgleich die jämmerliche Phraſenmacherei über„Gutsherrn und Päch⸗ ter“— eine der nützlichſten und geiſtig förderndſten Be⸗ ziehungen in dem geſittigten Leben— damals noch unbe⸗ kannt war und erſt ſpäter in Mode kam. Zu jener Zeit nannte man es nicht„Freiheit,“ Pacht⸗ bedingungen, die nach billigen Grundſätzen abgeſchloſſen waren, zu verletzen; und der Verſuch, einen Landeigen⸗ thümer um ſeine Rechte zu betrügen, wurde noch Betrug genannt, wie es auch recht und billig war. Zu jener Zeit war man der Anſicht, eine Erbpacht ſei für den Pächter vortheilhafter, als eine Pacht auf ein Jahr oder auf eine Reihe von Jahren, und man dachte noch nicht daran, in einer Begünſtigung einen Grund zu ſuchen, ſogleich Anſpruch auf mehrere zu machen. Zu jener Zeit hielt man die Abgabe von Geflügel und Holz, Handarbeiten und Aehnliches ſtatt des baaren Pachtgeldes nicht für Ueberbleibſel der Feudalherrſchaft, ſondern für eine Vergünſtigung, wie denn noch heut zu Tage von zehn Landleuten neun ihre Schulden lieber mit allem andern, als mit baarem Gelde bezahlen. Zu jener Zeit wagte es Niemand in dieſen Staaten, welche wahrſcheinlich für jede innerhalb ihrer Grenzen lebende Seele mehr als hunder — 328— Morgen beſitzen, von Land als einem Monopol zu ſpre⸗ chen, noch wußte man etwas von einem kleinen Haufen Menſchen, welche ſich als Stellvertreter des ganzen Landes betrachten und die Geſetze zu ihren Gunſten auslegen, als wären ſie das Mark und die Seele der Geſammt⸗Republik. Aber meine Feder will mit mir entſchlüpfen und ich muß zu Lucy zurückkehren. Eine Kriſe iſt in der Nähe; und wir werden bald die Geſetze ſiegen oder Gewaltthaten ſich geltend machen ſehen, welche Alles überbieten werden, was bisher auf dem amerikaniſchen Namen laſtete, ſo fern es ſich von dem Mangel an Glauben in Geldgeſchäften handelt. Wenn ich die Fortſetzung dieſer Abenteuer liefern ſollte, werden ſich Gelegenheiten bieten, gewiſſe Gemälde von den Zeichen der Zeiten zu liefern; Zeichen, welche ein ſehr bedenkliches Ausſehen haben, ſo fern wahre Freiheit in Frage kommt, indem an deren Stelle die falſche treten zu ſollen ſcheint— die ſchlimmſte aller Knechtſchaften. Gott allein weiß, was uns vorbehalten iſt, dies iſt aber gewiß, es bedarf einer ernſten Bewegung rückwärts, ſonſt iſt die Nation verloren.— Ich hatte keine Pachter, welche mir entgegeneilen konn⸗ ten; aber ich hatte meine Schwarzen. Man war aller⸗ d ings nahe daran, die Selaverei abzuſchaffen und nur die jüngern eine gewiſſe Reihe von Jahren im Dienſte ihrer Herren zu laſſen, damit dieſe dadurch einigermaßen für die Opfer, welche ſie der Erziehung derſelben brachten, entſchä⸗ digt niſſe fluß l und v bis di und d faſt 3 mir d in ihr L dieſer die C ihrem nicht zu vie Fehler lendes mich von i am F halten Moſes bens mag, ſchöne u ſpre⸗ Haufen Landes n, als publik. und ich Nähe; tthaten verden, ſo fern chäften ſollte, on den n ſehr jeit in treten gaften. t aber ſonſt konn⸗ aller⸗ ur die ihrer ir die tſchä⸗ digt würden; allein dieſes Geſetz konnte auf die Verhält⸗ niſſe der Neger zu Clawbonny keinen unmittelbaren Ein⸗ fluß haben. Die ältern wünſchten nie, mich zu verlaſſen und verließen mich nicht, während es mancher Jahre bedurfte, bis die Bande gelöſt wurden, welche die jüngern an mich und die Meinigen knüpften. In dieſem Augenblicke leben faſt zwanzig derſelben um mich herum in Cottages, welche mir gehören; und der Dienſt in den Küchen iſt lediglich in ihren Händen. Lucy bereitete mich auf einen Empfang von Seiten dieſer afrikaniſchen Kinder vor und ich hörte, daß ſelbſt die Geächteten ſich den Uebrigen angeſchloſſen hatten, um ihrem jungen Gebieter dieſe Ehre zu erweiſen. Ehre iſt nicht das rechte Wort; es war für einen ſo kalten Ausdruck zu viel Herz in der Sache; denn der Neger hat, welche Fehler ihm ſonſt auch ankleben mögen, ſtets ein warmfüh⸗ lendes Herz. Endlich kam mir Marble in den Sinn. Lucy wollte mich nicht nach Hauſe begleiten; ich nahm alſo Abſchied von ihr, eilte den Fußpfad hinab und fand meinen Maat am Fuße des Hügels, ſeinen Gedanken hingegeben. „Nun, Miles, Ihr ſcheint dies Euer Land werth zu halten, wie ein Seemann ſein Schiff werth hält,“ rief Moſes, ehe ich Zeit hatte, mich meines langen Ausblei⸗ bens wegen zu entſchuldigen.„Wie dem aber auch ſein mag, ich kann mir dieſes Gefühl ganz gut denken, und ein ſchönes Gefühl iſt es, die Ländereien, die dem Großvater — 330— gehörten und welche man für verloren hielt, wieder ſein zu nennen. Den Stand eines hölliſchen Einſiedlers ausgenom⸗ men, gibt es, glaube ich, nichts Schlimmeres, als in einer menſchenvollen Welt Niemandem anzugehören und ich möchte nicht für alle wüſten Inſeln des Meeres einen Kuß von der kleinen Kitty, oder eine Runzel meiner Mutter entbeh⸗ ren. Kommt, Miles, und ſetzt Euch jetzt in den Wagen; ei, Ihr ſeid ja ſo roth, wie eine Roſenknospe, oder als wäret Ihr dieſe ganze Zeit, die Ihr von mir entfernt geweſen, hügelauf und hügelab gelaufen.“ „Cs iſt ein wenig angreifend, eine Höhe wie dieſe im Trabe herabzulaufen. Aber, da ſitze ich an Eurer Seite; was wünſcht Ihr zu wiſſen?“ „Nun, Mann, ich habe, ſeit Ihr abweſend geweſen, über die Pflichten einer Brautjungfer nachgedacht,“— Marble beſtand bis auf ſeinen Sterbetag darauf, er habe meiner Trauung in dieſer Eigenſchaft beigewohnt;—„denn die Zeit rückt heran und ich möchte Euch bei einer ſolchen Feſtlichkeit keine Schande machen. Erſtens alſo, wie ſoll ich mich kleiden? Den Blumenſtrauß, von welchem Ihr in Euerm Briefe ſpracht, habe ich gut verwahrt in meinem Koffer beigeſtaut. Kitty gab mir ihn in der vergangenen Woche und ein ſehr ſchön ausſehender Strauß war’s, als ich ihn das letzte Mal ſah.“ „Habt Ihr an die Beinkleider gedacht?“ „Ja, ja, ich habe auch dieſe, und was mehr iſt, ich habe ſie aufgeſtochen. Wie man die Sache auch anſehen mag, daß i noch zufüge daß e gen h erſchei Gehal ich gl gültig ferntet aber Schiff ein S G laſſen nicht, habe bei m nähme — — 331— er ſein zu mag, Miles, es ſcheint zu meinem Gebäude nicht zu paſſen, sgenvine⸗ daß ich unter blanken Maſten laufe. Wenn die Zeit es in einer noch erlaubt, muß ich dieſen Dingen ein paar Bonnets*) ch möchte zufügen.“ „Dies wären Gamaſchen, und ich habe nie gehört, daß eine Brautjungfer Beinkleider und Gamaſchen getra⸗ Kuß von r entbeh⸗ W; 4.— Wagen; gen hätte. Nein, Ihr werdet wohl, wie alle andern, oder als erſcheinen müſſen.“ entfernt Nun, i zger 7 ‚der „Nun, ich habe weniger Sorge der Kleider, als des Gehabens wegen. Werde ich Miß Lucy küſſen müſſen?“ dieſe im„ Nein, Miß Lucy eben nicht, aber Miſtreß Bride; er Seite; ich glaube, die Trauung wäre ohne dieſen Kuß nicht ganz 1 gültig.“ geweſen,„Der Himmel verhüte, daß ich Euer Glück im Ent⸗ cht.— fernteſten ſtören ſollte, mein lieber Miles; Ihr werdet mir er habe aber ein gehöriges Signal geben, wenn es Zeit iſt, das —„denn Schiff klar zu machen; denn— Ihr wißt, ich führe ſtets 1 ſolchen ein Stückchen Tabak im Munde.“ wie ſoll Ich verſprach Moſes, ihn nicht in der Noth zu ver⸗ n Ihr tn laſſen und er fühlte ſich merklich erleichtert. Ich möchte meinem nicht, daß der Leſer ſich dem Glauben hingäbe, mein Maat gangenen habe wirklich gedacht, er ſollte in der Rolle einer Frau ar's, als bei meiner Trauung auftreten; er meinte einfach, er über⸗ nähme die Rolle einer Brautjungfer. Die Schwierigkeiten, iſt, ich 6*) Ein Streifen Segeltuch, mit welchem man den untern Theil der anſehen Segel verlängert, damit ſie mehr Wind faſſen. Der Ueberſ. — 332— welche ihn bedräͤngten, erklären ſich am beſten aus der letzten Anmerkung, welche er bei dieſer Gelegenheit machte und mit welcher ich dieſes Geſpräch ſchließen werde. „Wär' ich in einer anſtändigen Familie erzogen wor⸗ den,“ ſagte er,„ſtatt auf einem Grabſtein abtreiben zu müſſen, ſo wäre die Ehe kein ſo unbekanntes Gewäſſer für mich geweſen; aber Ihr wißt, wie es iſt, Miles, wenn ein Burſche keine Verwandte und Angehörige hat; er mag lachen und ſingen und ſo viel Lärm machen, als ihm behagt, und Andern glauben zu machen ſuchen, er ſei ſtets in guter Geſellſchaft geweſen; am Ende iſt und bleibt er doch nichts mehr und nichts weniger als eine Art hölliſcher Einſiedler, der durch das Leben wandert, gerade als ſäße er in Geſellſchaft einiger jungen Schweine auf einer öden Inſel. Das„Glaubenmachen“ iſt jetzt in der Welt etwas ziemlich Gewöhnliches, aber es iſt nichts Stichhaltiges dabei. Nun ſeid Ihr gerade an die Seite derjenigen getrie⸗ ben, welche unter allen ſterblichen Weſen, die ich noch geſe⸗ hen habe, am allerwenigſten davon hat. Auch Ihr habt ein wenig von dieſem„Glaubenmachen“ an Euch, Miles; denn Ihr ſaht die ganze Zeit über, wo Ihr, wie ich höre, aus Liebe zu der, welche Ihr jetzt heirathen wollt, faſt des Todes wart, ganz nnangefochten aus; auch die Mutter, die liebe alte Seele, iſt nicht ganz frei davon, wenn ſie ſagt, ſie ſei über den Sohn, welchen Ihr Gott gegeben, ganz glücklich; denn ich bin nicht ſo verwünſcht tugendhaft, daß ich nicht ein wenig beſſer ſein könnte; und die kleine Kitty hätte jungen darf ie macher K ter wo entwor heit d waren 3 ein W Grade ſeine T dem 4 nienm men; tes S den d als ſit Seem Walli Marl hörner Pfrop Cigar aus der eit machte rde. dgen wor⸗ treiben zu wäſſer für wenn ein er mag als ihm r ſei ſtets bleibt er hölliſcher als ſäße iner öden belt etwas hhaltiges en getrie⸗ noch geſe⸗ Ihr habt „Miles; ich höre, „faſt des Mutter, wenn ſie gegeben, gendhaft, ie kleine —— — 333— Kitty hat die Hülle und Fülle davon, wenn ſie ſagt, ſie hätte eben ſo gern zwei Küſſe von mir, als einen von dem jungen Bright; was aber Miß Lucy Hardinge betrifft, ſo darf ich behaupten, daß ich nie mehr von dieſem„Glauben⸗ machen“ an ihr ſah, als einem jungen Weibe geziemt.“ Dieſe Worte bewieſen, daß Moſes ein guter Beobach⸗ ter war. Andere hätten anſcheinend feinere Charakterzüge entworfen; aber dieſe Biederkeit des Gefühls, dieſe Wahr⸗ heit des Wandels, dieſe Einfachheit des ganzen Weſens waren hervorſtechende Züge in dem edeln Charakter Lucy'’s. Ich war ungemein erfreut, als ich hörte, daß Marble ein Weſen ſo wahr zeichnete, welches mir in ſo hohem Grade theuer war, und ich ließ ihn dies wiſſen, ſobald er ſeine Rede zu Ende gebracht hatte. Die Neger kamen uns bis auf eine halbe Meile von dem Hauſe entgegen. Neb hatte die Rolle des Ceremo⸗ nienmeiſters, oder, beſſer geſagt, des Commodore übernom⸗ men; denn er hielt wirklich ein von der Schlupe entlehn⸗ tes Stuͤck Schwalbenflaggentuch in der Hand, und in den angebrachten Symbolen war gerade ſo viel Meer, als ſich mit den Ehrenbezeigungen vertrug, welche einem Seemanne dargebracht wurden. Der alte Cupido trug die Wallingford⸗Flagge. Eine Art Harlekinade war aus Marlpfriemen, Kleidkeulen, Segelmacher⸗Platen und Splis⸗ hörnern gemacht worden. Das Ganzen war mit einem Pfropf von Tabak gekrönt, obgleich ich von dieſer Pflanze, Cigarren ausgenommen, keinen Gebrauch machte. Neb hatte Feſtzüge zu Neu⸗York, ſo wie in fremden Ländern geſehen und ſorgte dafür, daß der jetzige ihm keine Schande mache. Allerdings ſprach er mir ſpäter von der Sache wie von einem„Nigger-Aufzuge“ und that, als hielt er nicht viel davon; ich konnte aber wohl bemerken, daß der Burſche mit den Angaben, die von ihm herrühr⸗ ten, eben ſo zufrieden war, als er ſich über die mißrathene Ausführung ſeiner Anſchläge ärgerte. Mit dieſem Mißlingen verhielt es ſich ſo. Sobald ich nahe genug heran gekommen war, daß die ältern Schwar⸗ zen mich erkannten, begannen die Frauen zu ſchreien und zu weinen, und die Männer mit den Armen zu fechten und zu rufen:„Maſſer Mile, Maſſer Mile!“ wodurch Alles in Verwirrung kam und das Gefühl über Vorſchrift und Ord⸗ nung den Sieg davon trug. Doch, den Schmuck, welcher unerläßlich ſchien, um Neb's Phantaſie die gebührende Ehre wiederfahren zu laſ⸗ ſen, bei Seite zu ſetzen, die Art, wie ich von dieſem ein⸗ fachen Weſen empfangen wurde, war unendlich rührend. Alle die ältern ſchüttelten mir die Hand, während die jün⸗ gern beiderlei Geſchlechts ſich entfernt hielten, bis ich mich jedem der Reihe nach näherte und dieſer Form aus freien Stücken Genüge that. Die Knaben wälzten ſich vor Ver⸗ gnügen auf dem Graſe und die Mädchen hörten nicht auf, Knixe zu machen und zu wiederholen: „Willkommen zu Clawbonny, Maſſer Mile!“ Mein Herz floß über und es fragt ſich, ob irgend ein europäif empfang gen wu Un ſo wie Jahre Gefühle überfüll Namen geltend: Gräber kommni das vät zungen für Eiſ öffentlie nannte ſtolze e He kleinen mich lo trefflich ſchein; ſtand r ben we V ſie die fremden zm keine von der at, als merken, herrühr⸗ rathene dald ich Schwar⸗ en und en und Illes in d Ord⸗ n, um zu laſ⸗ m ein⸗ ihrend. ie jün⸗ h mich freien r Ver⸗ ſt auf, nd ein 33⁵ europäiſcher Gutsherr je von ſeinen Hinterſaſſen ſo herzlich empfangen worden iſt, als ich von meinen Selaven empfan⸗ gen wurde. Und willkommen war ich in der That zu Clawbonny, ſo wie mir Clawbonny herzlich willkommen war! Im Jahre 1804 hegte man in Neu⸗York noch Neu⸗Yorker Gefühle für den Staat. Er war noch nicht von Fremden überfüllt, wie es ſeitdem der Fall war; und Neu⸗Yorker Namen waren geachtet; Neu⸗Yorker Gefühle machten ſich geltend; das Leben, die Wohnungen, die Herde und die Gräber unſrer Väter galten noch nicht wie zufällige Vor⸗ kommniſſe bei neuen Speculationen. Man liebte damals das väterliche Dach; und Gärten, Grasplätze, Obſtpflan⸗ zungen und Kirchhöfe waren ein wenig mehr, als Flächen für Eiſenbahnen und Kanäle, Straßen für Dörfer, oder öffentliche Spaziergänge, welche man Batterien oder Parke nannte, je nachdem es dem Ehrgeiz oder dem Herrſcher⸗ ſtolze eines Alderman behagte. Herr Hardinge empfing mich an dem Thore vor dem kleinen Raſenplatze, ſchloß mich in ſeine Arme und ſegnete mich laut. Wir traten ſchweigend in das Haus, wo der treffliche alte Mann ſofort anfing, mich durch den Augen⸗ ſchein zu überzeugen, daß Alles wieder in den alten Zu⸗ ſtand verſetzt worden, wie ich ſelbſt demſelben wiedergege⸗ ben war. Venus gab uns das Geleite und erzählte, wie ſchmutzig ſie dieſes, wie vernachläſſigt ſie jenes Zimmer gefunden — 336— habe, wobei ſie es an gehörigen Beiwörtern für Alles, was Daggett hieß, nicht fehlen ließ. Die Herrſchaft der⸗ ſelben war jedoch kurz geweſen, und ein Wallingford war wieder Herr und Gebieter über die fünf verſchiedenen Bau⸗ ten zu Clawbonny. Ich ſann an eben dieſem Tage auf einen ſechsten Bau; allein ich ſagte mir in meinem Her⸗ zen, daß kein Stein, der bereits liege, von ſeiner Stelle verrückt werden ſollte. Der nächſte Tag war von Lucy als der genannt wor⸗ den, an welchem ſie ſich für immer mit mir vereinigen wollte. Die Sache wurde nicht als ein Geheimniß behan⸗ delt, und Alle auf dem Gute waren gehörig bedeutet wor⸗ den, ſich einzuſtellen. Um zehn Uhr des Morgens fuhr ich in einem ſehr ſchönen, für dieſe Veranlaſſung eigens gebauten Wagen, im Geleite Marble's, welcher als Brautjungfer gekleidet war, von Hauſe ab. Sein ungelenker, ſtark gebauter Kör⸗ per gab allerdings eine Art Zerrbild gegen die kurzen Bein⸗ kleider und ſeidnen Strümpfe ab; und während wir in un⸗ ſerm Staate neben einander ſaßen, ſah ich, daß ſein Auge mit Vergleichungen zwiſchen uns beiden beſchäftigt war. Das Eigenthümliche in Marble's Toilette war das, was man bei allen Männern dieſer Art, die in vollem Staate erſcheinen, bemerken kann. Die Kleider liegen, ſo zu ſagen, feſter an als ſie es ſollten. Alles iſt ſo ſtraff wie die Haut, und der Aermſte fühlt ſich in ſeinen Bewegungen und ſei⸗ nem Gebahren ſo linkiſch verlegen, als wenn er in puris naturalibus in einer Geſellſchaft aufgetreten wäre. fühl Blie rend theil einer hier als ſie, laſſe fern erſte das ble's brach was zuſar in de Geiſt tunge That ſtaate heiter hätte 21 Alles, aft der⸗ ord war en Bau⸗ age auf em Her⸗ Stelle nt wor⸗ reinigen behan⸗ et wor⸗ m ſehr Wagen, gekleidet er Kör⸗ 1 Bein⸗ in un⸗ n Auge t war. „ was Staate ſagen, Haut, nd ſei⸗ puris Daß Moſes das Bedrängliche ſeiner neuen Toilette fühlte, ergab ſich hinreichend aus ſeinen Bewegungen und Blicken, von ſeinen Worten nicht zu reden. „Miles, es will mir faſt ſcheinen,“ bemerkte er, wäh⸗ rend wir dahin fuhren,„als wenn die, welche den Vor⸗ theil nicht hatten, zu Haus erzogen zu werden, nie zu einem eigentlichen Gedeihen kommen könnten. Da ſeht hier meine Beine; es fehlt nicht an Fülle; ſie hätten aber, als ich jung war, in Fußſtöcke geſteckt werden ſollen, ſtatt ſie, wie ſie waren, um ein Waiſenhaus herumlaufen zu laſſen. Gut, Euch zu lieb will ich einmal in Brautjung⸗ fern⸗Weiſe, unter blanken Maſten ſegeln; es iſt aber das erſte und letzte Mal, daß ich ſo etwas thue. Vergeßt nicht, das Signal aufzuhiſſen, wenn ich Miß Lucy küſſen muß.“ Ich war eben nicht ganz in der Stimmung, daß Mar⸗ ble's Verlegenheiten mich hätten ergötzen können, und ich brachte ihn zum Schweigen, indem ich ihm Alles verſprach, was er wünſchte. Wir waren nicht ſo vornehm, daß wir in der Kirche zuſammen gekommen wären, ſondern ich begab mich ſofort in das kleine Pfarrhaus, wo es ſich ergab, daß der gute Geiſtliche und meine holdſeligeBraut mit ihren Vorberei⸗ tungen eben fertig geworden waren. Und holdſelig in der That war Lucy in ihrem einfachen, aber ſchönen Braut⸗ ſtaate! Sie war ohne Geleite, und hatte nichts von dem heitern Prunke an ſich, welcher ihre Stellung im Leben hätte rechtfertigen, über welchen ſie bei ihrem Vermögen 214— 216. 22 — 338— leicht hätte verfügen können. Dennoch war es unmöglich, ſie zu ſehen, ohne den Einfluß ihrer jungfräulichen Er⸗ ſcheinung und ihrer einfachen Eleganz zu fühlen. Ihr Kleid war von äußerſt feinem, ſchneeweißen indi⸗ ſchen Muſſelin, ſchön gemacht und genau paſſend; und ihr dunkles, glänzendes Haar war nur mit einem Perlenkamm und dem herkömmlichen Schleier geſchmückt. Ihre Hände und Füße waren eher die einer Fee, als eines irdiſchen Weſens, während ihr Antlitz die herzinnige Zärtlichkeit ihres biedern Weſens zurückſtrahlte. Um ihren Elfenbein⸗ Hals und den ſammtnen Nacken hing meine Perlenſchnur, wie ſie an Bord der Kriſe gefertigt worden war, und gab auf ihrer Büſte einen reichen Schmuck ab, während ſie eine lange Geſchichte von fernen Abenteuern und reichbelohnter Liebe erzählte. Wir hatten keine Brautjungfern— Marble ausge⸗ nommen,— keine Brautführer, kein anderes Geleite als das unſerer gegenſeitigen Familien. Niemand war zu der Feier eingeladen worden; denn wir wußten, daß wir unſre beſten Freunde um uns hatten, wenn wir von unſern Leu⸗ ten umgeben waren. Ich hatte einmal daran gedacht, Drewett die Artig⸗ keit zu erzeigen und ihn zu bitten, als Brautführer zu er⸗ ſcheinen; Lucy beſeitigte aber dieſen Einfall, indem ſie mich offen fragte, wie es mir gefallen möchte, wenn ich eingeladen würde, ſeine Stelle bei derſelben Braut ein⸗ zunehmen? die Herr Ich und Pfar ſchön mein theur es a Zärt Farb ſie il Vate hauſt gen welch lichke ſchlot ren i nie Glüch dama ſchen gZlich, Er⸗ indi⸗ d ihr amm dände ſſchen chkeit bein⸗ hnur, gab eine hnter usge⸗ 2 als u der unſre Leu⸗ —— — 339— Was Rupert betrifft, ſo habe ich nie gefragt, wie er die Anſtände ſeines Vaters beſeitigte, obgleich der alte Herr ſeine Abweſenheit wiederholt zu entſchuldigen ſuchte. Ich war in der That herzlich froh, daß er nicht erſchien; und ich glaube, Lucy fühlte ganz wie ich. Sobald ich in dem kleinen Geſellſchaftszimmer des Pfarrhauſes, welches Lucy's Geld und Geſchmack ſehr ſchön, aber einfach ausgeſchmückt hatte, erſchien, ſtand meine holde, ſchöne Braut auf und reichte mir ihre liebe, theure Hand. Dieſes Thun, ſo natürlich und gewöhnlich es auch war, hatte ganz das Gepräge der Offenheit und Zärtlichkeit ihres Charakters. Sie wechſelte ein wenig die Farbe, ſagte aber nichts. Ohne ſich wieder zu ſetzen, legte ſie ihren Arm in den meinigen und wendete ſich zu ihrem V wollte ſie ſagen,— wir ſind bereit. ater, Kirche war nur einen Schritt von dem Pfarr⸗ an entfernt; Herr Hardinge ging voraus und in weni⸗ gen Minuten ſtanden wir Alle vor dem Altare gereiht, an welchem der Geiſtliche ſeinen Platz einnahm. Die Feier⸗ lichkeit begann alsbald, und in weniger als fünf Minuten ſchloß ich Luey als meine Gattin in die Arme. Wir wa⸗ ren in getreten, wo dieſer Theil der Ceremo⸗ nie wurde, und hier empfingen wir auch die Gläckwünſche jener guten, dunkelfarbigen Weſen, welche damals einen ſo weſentlichen Theil faſt jeder amerikani⸗ ſchen Familie a ansmachte nc n. ch wünſchen Swoß⸗ Freut und jette Art Gluͤck, 22* Maſſer Mile,“ ſagte die alte Venus und küßte mir die Hand, obgleich ich darauf beſtand, es ſollte die Wange ſein, wie es vor zwanzig Jahren häufig Sitte war.„Ah! ties ein glücklicher Tag ſein für alt Maſſer und Miſſus, wenn ſie ihn nur ſehen können aber. Und ich nicht reten wollen von ein anter glückliche Heilige, die im Himmel ſein. Und auch ihr, mein junge Miſſus,— nun wir alle ſehr froh ſein, taß Ihr es geworten; tenn wir einmal alle tenken, tas nie kommen werten.“ Lucy legte ihre kleine, weiße, ſammtweiche Hand mit dem Trauringe an dem vierten Finger in die Mitte der harten, hornartigen Handfläche der ſchwarzen Venus, und die holde, freundliche Weiſe, wie ſie dies that, erin⸗ nerte Alle umher, daß ſie eine alte Freundin ſei und alle guten Eigenſchaften derer kenne, welche ſich um ſie dräng⸗ ten, um ſie zu begrüßen und ihr Glück zu wünſchen. Sobald dieſer Theil der Feier vorüber war, begaben wir uns in das Pfarrhaus, wo Lucy ihr Hochzeitsgewand mit einer ſogenannten Halb⸗Toilette vertauſchte, welche die hübſcheſte war, die ich je geſehen hatte. Ich weiß wohl, daß ich wie ein alter Burſche ſpreche, deſſen Ge⸗ danken ſich mit einer Art kindiſcher Zärtlichkeit den glück⸗ licheren Scenen der Jugend zuwenden; aber man hat nicht oft Gelegenheit, das Bild einer Braut und Gattin zu zeichnen, wie Lucy Hardinge war. Sie hatte bei dieſer Gelegenheit Kamm und Schleier, als nicht in Uebereinſtimmung mit deroilette, in welcher ſie wie ſie tin ich Dal unte die ſend der, Herr ſtert uns Fam fühlt ſchul Scer mein nun! ſagte ſolche gegen ſchaft bei— dem! die ange „Ah! iſſus, reten amel alle nmal Hand Nitte enus, erin⸗ alle käng⸗ aben vand elche weiß Ge⸗ lück⸗ nicht wieder erſchien, abgenommen, das Halsband aber behielt ſie dieſen ganzen glücklichen Tag um. Sobald meine Gat⸗ tin bereit war, ſtiegen Herr Hardinge, Lucy, Moſes und ich in den Wagen und fuhren nach Elawbonny hinüber. Dahin war Lucy's ganze Garderobe eine Stunde vorher unter Chloe's Aufſicht, welche eben noch zeitig genug in die Kirche zurückgekehrt war, um bei der Trauung anwe⸗ ſend zu ſein, gebracht worden. Einer der köſtlichſten Augenblicke meines Lebens war der, in welchem ich Lucy in dem alten Hauſe als deſſen Herrin in die Arme ſchloß und bewillkommte. „Wir wären beinahe darum gekommen, Liebe,“ flü⸗ ſterte ich ihr zu;„aber es iſt jetzt unſer und wir wollen uns nicht beeilen, ihm den Rücken zuzuwenden.“ Als ich dies ſagte, waren wir allein in dem kleinen Familiengemach, wohin ich Lucy geführt hatte; denn ich fühlte, daß ich meiner Gattin dieſe kleine Förmlichkeit ſchuldig war. Alles um uns her erinnerte an frühere Scenen, und Thränen füllten Lucy's Augen, als ſie ſich meinen Armen ſanft entwand. „Laß uns einen Augenblick niederſitzen, Miles, und nun wir hier ſind, von Familienangelegenheiten ſprechen,“ ſagte ſie lächelnd.„Dies iſt vielleicht ein wenig früh; aber ſolche alte Bekannte brauchen nicht viel Zeit, um ihre gegenſeitigen Wünſche und guten und ſchlimmen Eigen⸗ ſchaften zu gewahren. Ich ſtimme Dir mit ganzer Seele bei— wir wollen Clawbonny nie den Rücken zuwenden, dem lieben, lieben Clawbonny, wo wir Kinder mit einan⸗ — 342— der waren,— wo wir unſere ſelige Grace ſo gut kannten, uns ſo innig liebten,— und ich hoffe und wünſche, es wird ſtets unſer Haupt⸗Wohnſitz ſein. Der Landſitz, wel⸗ chen ich von Miſtreß Bradfort erbte, iſt vielleicht dem neuern Geſchmacke entſprechender; allein er kann uns bei⸗ den niemals halb ſo lieb ſein. Ich wollte früher von die⸗ ſem Gegenſtande nicht mit Dir ſprechen, Miles, weil ich Dir erſt, indem ich Dir meine Hand reichte, alle einem Gatten zuſtehenden Rechte über mich und das Meinige ein⸗ räumen wollte; jetzt aber darf und will ich Dir Alles ſagen, was ich in dieſer Hinſicht denke. Riverſedge,“— ſo hieß das Landhaus der Miſtreß Bradfort,—„iſt eine gute Wohnung und für jede achtbare Familie hinreichend einge⸗ richtet. Rupert und Emily müſſen irgendwo leben, und ich bin ziemlich überzeugt, daß ſie nicht lange in Broad⸗ way leben können. Ich dachte daher, ich wollte ihnen Riverſedge zu künftigem Gebrauche beſtimmen. Sie können es fogleich als Sommerwohnung übernehmen; denn mir iſt eine Stunde hier mehr werth, als vier und zwanzig Stunden, die ich anderswo hinbringe.“ „Wie, Pflichtvergeſſene! Wenn es mir nun in den Sinn kommen ſollte, in Deinem Weſt⸗Cheſter⸗Hauſe woh⸗ nen zu wollen?“ „Du bleibſt hier, Miles; und um Deinetwillen iſt mir Clawbonny ſo lieb. Das Gut iſt Dein, ich bin Dein, und all Deine Habe ſoll beiſammen bleiben.“ „Ich danke Dir, Liebſte. Wird aber Rupert ein Stadt⸗ haus und ein Landhaus beſtreiten können?“ von wort kenn ſein, und unten, he, es , wel⸗ t dem is bei⸗ an die⸗ heil ich einem ge ein⸗ ſagen, ſo hieß e gute einge⸗ „ und Broad⸗ ihnen fönnen n mir vanzig in den e woh⸗ len iſt ch bin Stadt⸗ „In dem erſtern wird er ſich nicht lange mehr halten können, gewiß; wie lange, weißt Du beſſer, als ich. Wenn ich ein halbes Dutzend Jahre Deine Gattin geweſen bin, hältſt Du mich vielleicht für würdig, mir das Geheimniß in Betreff des Geldes, welches er erhalten hat, mitzu⸗ theilen. Dies wurde ſcherzhaft vorgebracht, obgleich einige Be⸗ ſorglichkeit in dem Tone lag. Ich dachte über die Bedin⸗ gungen nach, unter welchen mir Schweigen auferlegt wor⸗ den. Grare wünſchte die Sache vor Lucy geheim zu hal⸗ ten, damit die edelherzige Schweſter nicht ein Gefühl in dem Bruder rege mache, welches dieſen hindern könnte, das Vermächtniß anzunehmen. Dann hatte ſie nicht daran gedacht, daß Lucy meine Gattin werden könnte, und da ſich die Umſtände in dieſer Hinſicht gemindert hatten, war kein Grund mehr vorhanden, die Sache, vor Lucy wenig⸗ ſtens, geheim zu halten. Demzuſolge theilte ich ihr Alles mit, was ſich auf dieſen Gegenſtand bezog. Sie hörte mir mit großer Theil⸗ nahme, und nicht ohne Kummer zu, obgleich ich ihr nicht viel mehr mitzutheilen hatte, als was ſie zu hören bereits erwartete. „Ich würde mich tief beſchämt fühlen, müßte ich dies von jemanden anderm, als von Dir hören, Miles,“ ant⸗ wortete ſie, nach einer gedankenvollen Pauſe;„aber ich kenne Deinen Charakter zu gut, um nicht überzeugt zu ſein, daß das Opfer Dich kaum einen Gedanken koſtete und daß Dich Rupert's Selbſtvergeſſen mehr betrübte, als — 344— der Verluſt des Geldes. Ich geſtehe indeſſen, daß dieſe Mittheilung alle meine Plane für die Zukunft vernichtet hat, ſofern dieſe ſich auf meinen Bruder bezogen.“ „In welcher Weiſe, Liebſte? Ich bitte Dich, laß nichts, das mir begegnet ſein mag, einen Einfluß auf Deine Ent⸗ ſchlüſſe äußern.“ „Dies muß in ſo fern der Fall ſein, Miles, als meine Anſichten von Rupert's Charakter in Frage kommen. Ich beabſichtigte, das Vermögen der Miſtreß Bradford mit mei⸗ nem Bruder zu theilen. Hätte ich einen andern als Dich geehelicht, ſo hätte ich mein Jawort nur unter dieſer Be⸗ dingung gegeben; Dich aber kenne ich zu gut, und weiß ſo gut, wie ſehr ich Dir vertrauen kann, daß ich eine große Seligkeit darin fand, mich ſo zu ſagen ganz in Deine Gewalt zu geben. Ich weiß, daß meine ganze perſönliche Habe bereits unbedingt Dein iſt, und daß ich, ſelbſt wenn ich volljährig geworden, über die liegende nicht ohne Deine Beſtimmung verfügen kann: ich hatte aber das Vertrauen in Dich, Du würdeſt mich nach Gefallen handeln laſſen.“ „Du kannſt, Du wirſt ſtets darin nach Gefallen han⸗ deln können; ich brauche weder Einrede zu thun, noch wünſche ich es.“ „Nein, Miles; es wäre thöricht, einem Manne von ſol⸗ chem Charakter größere Summen zu überlaſſen. Wenn Du es billigſt, werde ich Rupert und Emily eine mäßige, vier⸗ teljährig zu zahlende Summe auswerfen, mit welcher ſie, da ſie den Landſitz zu ihrem Gebrauch haben, anſtändig leben können. Mehr zu thun würde ich für Unrecht halten.“ — dieſe nichtet richts, Ent⸗ meine Ich t mei⸗ Dich r Be⸗ weiß eine Deine nliche wenn Deine rauen ſſen.“ han⸗ noch n ſo l⸗ n Du vier⸗ ändig ben. ⸗⸗ Ich brauche kaum zu bemerken, wie ſehr ich dieſen Entſchluß billigte, wie ſehr ich die gefühlvolle Geberin prieß. zweitauſend Dollar jährlich feſtgeſetzt. Lucy ſelbſt theilte Rupert in einem Briefe, welchen ſie ſchon den nächſten Tag ſchrieb, dieſen Entſchluß mit. Unſer Hochzeitsſchmauß war ein beſcheidenes, aber un⸗ gemein glückliches Mahl, und am Abend hatten die Schwar⸗ g zen in einem großen Waſchhauſe, welches ein wenig ab⸗ ſ eits lag und zu einem ſolchen Zwecke ſehr paſſend war, einen Ball. Unſere ſtillen, einfachen Feſtlichkeiten dauerten N B nehrere Tage, da die Verbindung von Neb und Chloe we⸗ Tage nach unſrer Hochzeit ſtattfand und dem frohſin⸗ a Völkchen eine willkommene Gelegenheit bot, die Woche zutanzen. Den Tas nach der Tranung kam Marble wieder in ſeinen weiten Beinkleidern und überließ ſich nun mit ganze eele der Luſt. Im Ganzen war er ſeines Vranungfun⸗ tandes jetzt überhoben, was ihm ziemlich angenehm zu ſein ſaia⸗ da es ihm aber mit Lucy ſo geglückt war, er⸗ bot er ſich freiwillig zu derſelben Stelle bei Chloe. Das Anertien wurde jedoch mit folgenden charakteriſtiſchen Worten abgelehnt: „Nein, Miſſer Marble, Farbe iſt Farbe,“ ſagte Chloe. „Iht ſein weiß, und wir ſein ſchwarz. Heirathen ein ſehr Beſchäftigung ſein, und türfen keine unpaſſenden e ſein bei meiner Verbintung mit Neb Clawbonny.“ Die Summe wurde, ehe wir das Gemach verließen, auf Fünfzehntes Kapitel. Dieſe Krankbeit geht über meine Kunſt; dennoch habe ich Menſchen gekannt, welche im Schlafe wandelten und doch fromm in ihren Betten geſtorben ſind. 1 Shakſpeare. Die Flitterwochen wurden zu Clawbonny zugebracht, und eine lange, lange Reihe anderer Flitterwochen, welche den erſten folgten. Ich habe nie einen glücklicheren Mann gekannt, als Herr Hardinge war, nun er mich wirklich ſeinen Schwiegerſohn nennen konnte. Ich glaube alles Ernſtes, er liebte mich mehr als ſeinen Sohn Rupert, obgleich er lebte und ſtarb, ohne deſſen eigentlichen Cha⸗ rakter zu durchſchauen. Es würde grauſam geweſen ſein, ihn zu enttäuſchen; auch begab ſich nichts ungewöhnliches, das eine Aufklärung nöthig gemacht hätte. Rupert's Mangel an ſittlichem Gehalt war ziemlich negativer Art und trat nur in ſeiner Eitelkeit und Selbſt⸗ ſucht greller hervor. Genußſucht war ſein großer Fehler, und er war zu weichlich und verſchmitzt, als daß er ein eigentlicher Schurke hätte werden können. Er hätte Lucy’s Vermögen und das meinige zumal durchgebracht, wenn man ihn darüber hätte verfügen laſſen; da dies aber nicht der Fall war, beſchränkte er ſeine Ausgaben auf ſolche Summen, welche wir ihm zu behändigen für gut fanden, mancher ſeine S Un ziemlich ihn öfte ward ſt und er „Miles ſchwund Es und ſeit ich geſte ſehr ger Ri mit ſeir Haus i brauch den 200 helfen. Schulde glaube ſeine J Kind, ſtarb. M Begebn Offizier eine Kunſt; t, welche im nm in ihren akſpeare. ugebracht, en, welche ten Mann h wirklich ube alles Rupert, hen Cha⸗ eſen ſein, öhnliches, ziemlich d Selbſt⸗ r Fehler, ß er ein te Lucy's t, wenn ber nicht uf ſolche fanden, mancher Zugeſtändniſſe nicht zu gedenken, mit denen er ſeine Schulden deckte. Unſer Verkehr war, wenigſtens von meiner Seite, ziemlich auf Förmlichkeits⸗Beſuche beſchränkt; Lucy ſah ihn öfter; eine Anſpielung auf die Vergangenheit aber ward ſtets vermieden. Ich nannte ihn„Herr Hardinge,“ und er nannte mich„Herr Wallingford;“„Rupert“ und „Miles“ waren Namen, die für immer unter uns ver⸗ ſchwunden waren. 3 Es dürfte am geeignetſten ſein, mit dieſem Manne und ſeiner Gattin hier ein für allemal abzuſchließen; denn ich geſtehe, ich ſpreche, ſelbſt in dieſer ſpäten Zeit, nicht ſehr gerne von ihnen. Rupert lebte nur vier Jahre nach meiner Verbindung mit ſeiner Schweſter. Sobald er es nothwendig fand, ſein Haus in Broadway aufzugeben, machte er dankbar Ge⸗ brauch von dem Landſitze Riverſedge und ſuchte ſich mit den 2000 Dollar, welche ihm Lucy jährlich gab, durchzu⸗ helfen. Allerdings habe ich in dieſer kurzen Zeit ſeine Schulden ohne Lucy's Vorwiſſen zweimal bezahlt; aber ich glaube auch, daß er, ehe er ſeine Augen für immer ſchloß, ſeine Irrthümer einſah und bereute. Er hinterließ ein Kind, ein Mädchen, das jedoch wenige Monate nach ihm ſtarb. Major Merton'’s Krankheit hatte ihn ſchon vor dieſen Begebniſſen in das Grab gezogen. Zwiſchen dieſem alten Offizier und mir hatte ſtets eine Art Herzlichkeit beſtanden, und ich glaube, er gedachte zuweilen mit Daukbarkeit ſeiner vielfachen Verbindlichkeiten gegen Marble und mich. Wie die meiſten Offiziere freier Staaten hinterließ er wenig oder ichts; ſo daß Miſtreß Hardinge während ihrer Wittwen⸗ zei t ganz von der Unterſtützung der Verwandten ihres ver⸗ ſtorbenen Gatten lebte. Emily war einer jener halbweltlichen Charaktere, wel⸗ chen es nicht ganz an guten Eigenſchaften fehlt, während in Allem, was ſie thun, eine Art mehr oder weniger unan⸗ genehmer Berechnung iſt. Nupert's perſönliche Vorzüge und angenehme Sitten hatten ſie anfangs angezogen, und da ſie ihn für den Erben der Miſtreß Bradfort hielt, ha ſte ihn gerne geheirathet. Ich glaube, ſie fühlte ſich nach ihres Vaters Tode ungluͤcklich, und ich hörte es nicht ungerne, als der herkömmlichen Wittwenſprache mittheilte, ſei im Begriffe,„ihren Stand zu ändern,“ indem ſie einem ält⸗ lichen Manne ihre Hand geben werde, welcher die Mittel beſaß, ihr Alles zu bieten, was man für Geld haben kann. Mit dieſem zweiten, oder, nach der Sprachweiſe unſrer alten Venus, mit dieſem Stief⸗Gatten ging ſie nach Europa und ſtarb erſt vor drei Jahren als eine ſehr wohl⸗ habende Wittwe. att ſie uns in ſie Wir unterhielten bis an ihren Tod eine höfliche Art Verkehr mit ihr und brachten ſogar vor etwa fünfzehn Jahren einige Wochen bei ihr in einem Hauſe zu, das, halb Scheune und halb Schloß, von ihr aber Palaſt genannt, Als la geheißen Laufbahn ger Vor gottloſen Ich manche 1 zurückzur waren fü wo ſie ih waren g ſobald ſie Geld, Pf mit Acht ein Schit meine vie und ſo hatte ſie und dem das ſtille Gedächtn kleinen fe und ich Sie deut ich es h beſtimmt rkeit ſeiner lich. Wie venig oder Wittwen⸗ ihres ver⸗ tere, wel⸗ während ger unan⸗ Vorzüge gen, und eelt, hatte ters Tode le uns in e ſei im inem ält⸗ ie Mittel den kann. e unſrer ſie nach hr wohl⸗ genannt, an einem der herrlichen italieniſchen Seen lag. Als la Signora Montiera— ihr Gatte hatte Montier geheißen— war ſie ziemlich geachtet und beſchloß ihre ) 3 hloß ih Laufbahn als eine Wittwe von gutem Rufe und von eini⸗ ger Vorliebe für„die Pracht und die Eitelkeiten dieſer 9 gottloſen Welt.“ Ich war bei dieſer unſrer letzten Zuſammenkunft bemüht, manche Begebniſſe ihres frühern Lebens in ihr Gedächtniß zurückzurufen, jedoch mit auffallend geringem Erfolge. Sie waren für ihren Geiſt in das Meer der Zeiten verſunken wo ſie ihren Sünden Geſellſchaft leiſten mochten, kurz, ſie waren gänzlich vergeſſen. Dennoch war die Signora, ſobald ſie ſah, daß ich in guten Umſtänden lebte und über Geld, Pferde und Wagen zu gebieten hatte, geneigt, mich mit Achtung zu behandeln und zu vergeſſen, daß ich nur ein Schiffsmaſter war. Sie hörte lächelnd und geduldig meine vielleicht ein wenig weitſchweifigen Erzählungen an, und ſo merkwürdig geſchwächt auch ihr Gedächtniß war, hatte ſie doch dunkle Erinnerungen von dem Schiebkarren und dem Kanal in Hyde⸗Park. In Betreff der Reiſe über das ſtille Meer aber waren faſt alle Begebniſſe aus ihrem Gedächtniß verwiſcht. Lucy trug ihr zu Ehren bei einer kleinen festa, welche ſie ihren Nachbarn gab, die Perlen, und ich überzeugte mich, daß ſie ſich derſelben erinnerte. Sie deutete ſelbſt einer ihrer Freundinnen laut genug, daß ich es hören konnte, an, ſie ſeien urſprünglich für ſie beſtimmt geweſen;„aber wir können über die Neigungen — 350— des Herzens nicht gebieten, wie Ihr wißt, cara mia,“ ſetzte ſie mit einer ſehr ſelbſtgefälligen Art Seufzer hinzu. Doch genug davon. Die ci- devant Emily war nicht mehr als ein kurzer Inbegriff der Gefühle, Intereſſen und Leidenſchaften von Millionen; ſie lebte und ſtarb in einem engen Kreiſe, welchen ihre Eitelkeiten um ſie gezogen und den ihre beſchränkten Anſichten von dem verſchönert hatten, was das Ziel und Ende des menſchlichen Daſeins iſt, und innerhalb einer Sphäre, welche ſie für achtungswerth und gebildet hielt. Was das Geſchlecht der Clawbonny betrifft, ſo lebten und ſtarben alle ältere Glieder dieſer ausgedehnten Familie in meinem Dienſte, oder ich lebte, wie ich mich vielleicht richtiger ausdrücke, in dem ihrigen. Venus ſah mehrere Abbilder ihrer Reize in den Sprößlingen Neb's und Chloe's, obgleich ſie bis an ihren Todestag hartnäckig darauf beſtand, Cupido habe als Stiefgatte keinen rechtmäßigen Anſpruch auf die glänzende, dicklippige, bausbackige Nachkommen⸗ ſchaft. Aber ſelbſt innigere Familienbande, als die, welche meine Selaven an mich feſſelten, ſind durch den Druck menſchlicher Beſtimmungen gelöſt worden. Die geſetzge⸗ benden Herren von Neu⸗York hatten lange porher beſchloſ⸗ ſen, daß die Selaverei innerhalb ihres Staates nicht fort⸗ dauern ſollte; und ſo entfernten ſich dieſe jüngeren Neger, einer nach dem andern, um ihr Glück in der Hauptſtadt, oder in andern Theilen der Republik zu ſuchen, bis außer Neb, ſeinem Weibe und ihrer unmittelbaren Nachkommen⸗ ſchaft nu lingen he ihnen kre nungen wechſelnd Clawbon Dinge bl Ich Befreiunge Nachkomn von acht welche ſo Kindern meinen 7 dieſe Pap mir in C ſiebzehn während geſehen w legte freil fahren ze der entſch halten. welcher A geweſen ſ Ich in Betref a,“ ſetzte zu. war nicht eſſen und in einem ogen und et hatten, iſt, und derth und ſo lebten Familie vielleicht mehrere Chloe's, ſbeſtand, Anſpruch kommen⸗ e, welche n Druck geſetzge⸗ beſchloſ⸗ icht fort⸗ Neger, uptſtadt, 's außer ommen⸗ ſchaft nur wenige übrig blieben. Einige von Neb's Spröß⸗ lingen halten noch treu zu uns; denn ihre Eltern hatten ihnen kraft ihres Beiſpiels und ihrer täglichen Vermah⸗ nungen Gefühle eingeprägt, welche den Neuerungen eines wechſelnden Geſellſchaftszuſtandes Trotz boten. Ihnen iſt Clawbonny noch Clawbonny, und nach ihrer Anſicht der Dinge bleiben ich und die meinigen eine beſondere Raſſe. Ich hatte Neb und Chloe an ihrem Hochzeitstage ihre Befreiungs⸗Urkunden zugeſtellt und überhob ſofort die Nachkommenſchaft dieſes treuen Paares der Knechtſchaft von acht und zwanzig und von fünf und zwanzig Jahren, welche ſonſt, je nach dem Geſchlechte, auf allen ihren ältern Kindern gelaſtet hätte, bis das Geſetz mit einem allge⸗ meinen Federſtriche alle Neger frei gab. Neb bewahrte dieſe Papiere in ſeiner Tabaksbüchſe, da er eine Gabe von mir in Ehren zu halten wünſchte, und dort fand ich ſie ſiebzehn Jahre ſpäter in Fetzen; ſie waren, glaube ich, während dieſer ganzen Zeit, von Niemanden geöffnet oder geſehen worden. Die ſpätere Geſetzgebung des Staates legte freilich auf dergleichen keinen Werth; aber das Ver⸗ fahren zeigte den Charakter und den Willen des Mannes, der entſchloſſen war, bis zu ſeinem Ende bei mir auszu⸗ halten. Er hatte die Abſicht nicht, mich frei zu geben, welcher Art auch meine Pläne für ihn und die Seinigen geweſen ſein mögen. Ich hatte nur einmal Gelegenheit, mit Neb und Chloe in Betreff ihres Jahreslohns zu ſprechen, und da bemerkte — 352— ich, wie ſchwer es war, den Burſchen mit den übrigen Dienſtboten in dem Hauſe und auf dem Gute auf gleiche Linie ſtellen zu wollen. „Ich wuntern, was ich gethan, Maſſer Mile, taß Ihr mich bezahlen wollen wie andern gemietheten Mann,“ fagte Neb und ſchien über den Vorſchlag halb entrüſtet und halb betrübt zu ſein.„Ich geboren ſein in ter Fa⸗ milie, und tas mir ganz genug ſcheinen; aber, wenn tas nicht genug ſein, ich gingen zur See mit Euch, Maſſer Mile, ten erſten Tag, ten Ihr gehen, und ich immer ſeit⸗ tem gehen.“ Dieſe Worte, welche nicht ganz vorwurfsfrei waren, beſeitigten die Sache für immer. Niemals war wieder von Dienſtgeldern zwiſchen uns die Rede. Wenn Neb Kleider braucht, ſo ſchafft er ſich dieſelben an und ſie kom⸗ men auf die Rechnung von„Maſſer Mile;“ wenn er Geld braucht, kommt er und holt es ſich, ohne das ent⸗ fernteſte Anzeichen von Scham oder Widerwillen; Alles, was er braucht, fordert er wie ein Mann. Chloe hielt es gerade ſo mit Lucy, in welcher ſie, abgeſehen davon, daß ſie die Ehre hat, meine Gattin zu ſein, eine Art Stellver⸗ treterin von„Miß Grace“ ſieht. Bei dieſem ehrlichen, wackern Paare ſind Herr und Miſtreß Miles Wallingford von Clawbonny, und River⸗ ſedge, und Union Place bis jetzt nichts als„Maſſer Mile“ und„Miß Lucy,“ und ich ſah einſt eine engliſche Reiſende ihr Notizenbuch herausnehmen und etwas gewiß ſehr poſ⸗ ſierlie ſchön⸗ dieſen Chlo⸗ Reiſe obgle ſo zu ſich das ſchen germ thate darül lange Stan Sput willi Alle Welt uns Wech Verẽ Eber ſtand den 21 n übrigen auf gleiche , taß Ihr Mann,“ entrüſtet n ter Fa⸗ wenn tas ), Maſſer nmer ſeit⸗ ei waren, ar wieder enn Neb d ſie kom⸗ wenn er das ent⸗ 1; Alles, e hielt es von, daß Stellver⸗ Herr und d River⸗ r Mile“ Reiſende fehr pof⸗ — ſierliches niederſchreiben, als ſie Chloe die Mutter von drei⸗ ſchönen Kindern, welche um ihre Kniee ſpielten und ſie bei dieſem zärtlichſten aller Namen benannten, ſo anreden hörte. Chloe machte ſich jedoch nichts aus der Bemerkung der Reiſenden, und nennt ihre Herrin noch jetzt„Miß Lucy,“ obgleich ſie bereits Großmutter iſt. Was die Kinder des Hauſes Nebuchadnezar betrifft, ſo zwingt mich die Wahrheitsliebe zu bemerken, daß ſie ſich dem Einfluſſe des Zeitgeiſtes hingegeben haben und das Verhältniß, welches länger als ein Jahrhundert zwi⸗ ſchen den Wallingford's und den Clawbonny's beſtand, eini⸗ germaßen mit andern Augen anſehen, als ihre Vorfahren thaten. Sie haben angefangen auszuwandern, und ich bin darüber nicht betrübt. Bei all dem werden die Bande ſo lange nicht ganz gelöſt ſein, als noch Mitglieder des alten Stammes bleiben; denn die Ueberlieferung läßt ſtets ihre Spuren bei ihnen zurück. Keiner hat je ohne meine Ein⸗ willigung mein Haus verlaſſen, und ich habe Stellen für Alle ausgemacht, welche Neugierde oder Ehrgeiz in die Welt trieb. Was dieſen neuen Zeitgeiſt, welcher ſo mächtig bei uns wirkt, angeht, ſo bin ich weit entfernt, über jeden Wechſel Klage zu führen; denn ich weiß, daß viele dieſer Veränderungen die wohlthätigſten Wirkungen gehabt haben. Eben ſo weit bin ich davon entfernt zu glauben, der Zu⸗ ſtand der Hausſclaven, wie er einſt zu Clawbonny gefun⸗ den wurde, ſei überall in dem Lande derſelbe geweſen; 214— 216. 23 York ausging, den weißen und den ſchwarzen Menſchen in gleichem Grade nachtheilig geweſen iſt. Unſere Haushaltungen hatten, ehe die Geſetze die erwähnte Aenderung hervorbrachten, ſtets etwas patriar⸗ chaliſches; und das Verhältniß zwiſchen Herrn und Selaven in alten ſtändigen Familien, wo der Reichthum heimiſch war, hatte ſtets mehr oder weniger den Charakter des Achtbaren und Herzlichen. Der„Aufhebungsgeiſt,“ ſofern er ſich auf Berhält⸗ niſſe und Gegenſtände, über welche er das Recht hat zu verfügen, beſchränkt, macht mir weit weniger Unruhe, als ein gewiſſer„Geiſt,“ welcher immer und immer auf Wechſel dringt, und dies zwar in Bezug auf gewichtige Intereſſen, wie groß auch bereits unter frühern régimes der Fortſchritt geweſen ſein mag, da nach dem Glaubensſyſtem dieſer Be⸗ wegungs⸗Philoſophen nichts in dem geſelligen Leben völlig entwickelt iſt. Nun ſind aber, wie ich die Dinge in's Auge faſſe, die zwei gefährlichſten Parteien in einem Staate die, welche auf Erhaltung des Beſtehenden dringt, die conſer⸗ vative, und die, welche den Fortſchritt will, die progreſſive. Die Eine will Dinge erhalten wiſſen, deren man am beſten los wäre, und die Andere vernichtet in ihrem blinden Un⸗ geſtüme Alles, was nothwendig und nützlich iſt. Ich ſpreche jetzt von dieſen entgegengeſetzten Prinzipien, ſofern ſie im Partei⸗Geleite auftreten, wo der Oppoſitionsgeiſt einer jeden Hartnäckigkeit und Ungeſtüm gibt. Kein Vernünfti⸗ ger wird bezweifeln, daß in dem Fortgange der Begeben⸗ aber ich glaube, daß das Geſetz, wie es früher von Neu⸗ heiten und tigt. weiß, mache Lafay in der 7 milieu Glaub iſt, we einfach Wenn einer 5 der Zei an eine Anſicht Anderen bekämp ſei nur auftritt Herren, in Extr Wo wahr iſ denn es vft, da n Neu⸗ chen in tze die atriar⸗ claven eimiſch er des erhält⸗ hat zu e, als Zechſel reſſen, ſchritt r Be⸗ völlig Auge e die, onſer⸗ eſſive. beſten Un⸗ dreche e im einer infti⸗ eben⸗ 4 1—— — — 355— heiten Vieles erzeugt wird, das man beibehalten ſollte, und daß Vieles ſich geltend macht, das man klüglich beſei⸗ tigt. Nur der iſt ein wahrer, weiſer Geſetzgeber, welcher weiß, wie und wann die gehörigen Unterſcheidungen zu machen ſind. Was den Conſervatismus betrifft, ſo hat ihn Lafayette einſt in einer ſeiner glücklichſten Improviſationen in der Kammer vortrefflich gezeichnet. „Die Herren ſprechen von der rechten Mitte(juste milieu),“ ſagte er,„als umfaßte es ein klares politiſches Glaubensſyſtem. Wir alle wiſſen, was die rechte Mitte iſt, wenn es ſich von einer beſondern Frage handelt; es iſt einfach die Wahrheit, ſofern ſie ſich auf jene Frage bezieht. Wenn aber Jemand ſagt, er gehöre zur rechten Mitte als einer Partei, und er beabſichtige in allen Begebenheiten der Zeit einen Mittelweg einzuſchlagen, ſo erinnert er mich an einen Fall, wie dieſer: Ein Mann von überſpannten Anſichten ſtellt den Satz auf: viermal vier iſt zehn; ein Anderer, der mehr Umſicht hat und beſſer rechnen kann, bekämpft dieſen Einfall, indem er behauptet, viermal vier ſei nur acht; worauf denn euer Herr von der rechten Mitte auftritt und ſich verpflichtet hält zu ſagen:„Meine Herren, Ihr habt Beide unrecht; die Wahrheit liegt nie in Ertremen, und viermal vier iſt neun.““ Was hinſichtlich des Conſervatismus als Grundſatz wahr iſt, iſt noch viel wahrer in Betreff der Bewegung; denn es findet ſich im moraliſchen, wie im phyſiſchen Leben oft, daß das Heilmittel ſchlimmer iſt, als die Krankheit. 23* — 356— Das große Uebel in Europa entſpringt, ſofern es ſich von Intereſſen dieſer Art handelt, aus Verhältniſſen, welche in unſerm Lande wenig Einfluß haben. Dort ſind Aende⸗ rungen von Grund aus vorgenommen worden; die Baſis des geſelligen Lebens iſt eine andere geworden, während das obere Gebäude noch Vieles von dem alten Style auf⸗ zuweiſen hat. Wo dies der Fall iſt, mag man den Künſt⸗ lern einige Irrthümer nachſehen, wenn ſie dem Ganzen die Einfachheit einer einzigen Ordnung des Bauſtyles geben wollen. Bei uns wird aber derjenige, welcher für nichts Irdiſches ein Ende abſieht und ſtets glaubt, das Beſte liege noch weiter hinaus, doch endlich, wenn er lange genug lebt, um zu einem Reſultat zu kommen, die Entdeckung machen, daß die Wahrheit ſtets in der Höhe zu ſuchen iſt und daß der Weg abwärts nur zu leicht für die iſt, welche dem Ziele ſo wild entgegen ſtürzen, daß ſie ſich durch das Ungeſtüm des Aufſteigens über den Gipfel hinaus treiben laſſen. Eine ſociale Frage läßt ſich nicht wie ein arith⸗ metiſches Problent behandeln; denn die Verzweigungen gehen ſo in's Unendliche, daß die Ergebniſſe einem Schluſſe aus einer Menge von Intereſſen ziemlich gleich kommen. Es liegt mir zunächſt ob, von Marble zu ſprechen. Er brachte einen ganzen Monat zu Clawbonny hin, wäh⸗ xend welcher Zeit er und Neb die Grace und Lucy auf ſieben verſchiedene Arten auftakelten, und am Ende wieder auf die zurückkamen, in welcher ſie ſie zuerſt gefunden hatten, da es die einzige war, in welcher ſie auf dem Waſſer zu brauchen iſt. Kein übles Beiſpiel, neben⸗ her b bietur 8 hatte dachte ter K daß e nen. Rothk nach geſcho habe bonny reszeit ſteckt. G ich ei angen erhielt nicht ſobald und 5 jedoch 3 von S damal⸗ Menſch wird, ſich von elche in Aende⸗ e Baſis vährend hle auf⸗ Künſt⸗ nzen die 3 geben r nichts 6 Beſte ge genug tdeckung ichen iſt welche irch das treiben n arith⸗ en gehen uſſe aus 1. prechen. n, wäh⸗ ucy auf e wieder gefunden auf dem neben⸗ her bemerkt, von dem, was ſich oft bei politiſchen Ueber⸗ bietungsverſuchen herausſtellt. Moſes verſuchte es auch mit der Jagd, da er gehört hatte, dieſe mache einen Theil des Landlebens aus; er dachte dabei eine Art Land⸗Gentleman fünfter oder ſechs⸗ ter Klaſſe zu ſpielen; ſeine Beine waren aber zu kurz, als daß er ohne große Mühe hohe Zäune hätte überklettern kön⸗ nen. In dem Laufe zehntägiger Verſuche brachte er drei Rothkehlchen, ein kleines Eichhörnchen und eine Krähe nach Hauſe; auch behauptete er, er habe eine Taube an⸗ geſchoſſen und einen ganzen Flug Wachteln aufgejagt. Ich habe oft an einem Morgen auf dem Jagdrevier von Claw⸗ bonny zehn Paar Schnepfen und in den geeigneten Jah⸗ reszeiten eben ſo viele Wachteln in meine Jagdtaſche ge⸗ ſteckt. Sechs Wochen nach unſrer Hochzeit machten Lucy und ich einen Beſuch zu Willow Cove und brachten eine ſehr angenehme Woche dort hin. Zu meiner Verwunderung erhielt ich einen Beſuch von dem Squire Van Taſſel, der nicht zu grollen ſchien. Marble ſchloß Frieden mit ihm, ſobald er den Betrag der Quittung ſeines Vaters, Kapital und Intereſſen, bezahlt hatte; mir gegenüber ſprach er jedoch ſtets mit Verachtung von ihm. Ich muß geſtehen, daß mir dieſes ſcheinbare Vergeſſen von Seiten des alten Wucherers ſehr auffiel; ich war aber damals zu jung, um zu wiſſen, daß das Gehaben der Menſchen in der Geſellſchaft von zwei Prinzipien geleitet wird, deren eines in der Demuth und chriſtlichen Milde — 358— wurzelt, während das andere von der Gleichgültigkeit gegen das, was recht iſt, ausgeht. Ich beſorge, das letztere erzeugt häufiger jenes ſogenannte Verzeihen und Nachſehen, als das erſtere; denn man nennt die Men⸗ ſchen oft rachſüchtig, wenn ſie blos ehrlich ſind. Marble verlor etwa ein Jahr, nachdem wir von unſrer unglücklichen Reiſe in der Dämmerung zurückge⸗ kehrt waren, ſeine Mutter. Einen oder zwei Monate vor⸗ her hatte er ſeine Nichte, die kleine Kitty, durch eine Heirath mit dem Sohne von„Nachbar Bright“ verloren. Von jetzt an brachte er ſeine Zeit größtentheils zu Claw⸗ bonny hin und beſuchte uns in den Wintermonaten zuwei⸗ len zu Neu⸗York, in der Chamber⸗Street. Ich ſage in Chamber⸗Street; denn der Handel verſcheuchte uns bald aus Lucy's Wohnung in Wall⸗Street. Der Grund und Boden, auf welchem die letztere einſt ſtand, iſt noch ihr Eigenthum und kann an ſich als ein kleines Vermögen betrachtet werden. Ich kaufte und baute im Jahre 1805 in Chamber⸗Street und hätte mein Geld nicht beſſer anlegen können. 1825 bezogen wir Bleecker⸗Street, eine Meile höher die Stadt hinauf, um in dem beau quartier zu bleiben; und in dem Jahre 1839 benutzte ich den Man⸗ gel des baaren Geldes und die niedrigen Preiſe und kaufte einen neuen Bauplatz auf Union Place, faſt eine Stunde von dem Punkte, wo Luey in der guten, ſich ausdehnen⸗ den Stadt Manhattan ihre Haushaltung angefangen hatte. Als Marble ſich wieder verwaiſt ſah, klagte er, er ſei jetzt abermals nicht vielmehr als ein„hölliſcher Ein⸗ ſiedl er n Sach werd Tag Zuſe End „die an 2 — e Spa ten gefäl hinn frag⸗ Vert durch gert *) ailtigkeit e, das en und Men⸗ ir von trückge⸗ tte vor⸗ ch eine erloren. Claw⸗ zuwei⸗ ſage in is bald nd und och ihr rmmögen e 1805 beſſer , eine nartier Man⸗ kaufte Stunde ehnen⸗ hatte. er, er r Ein⸗ ſiedler“ zu Willow Cove und begann davon zu ſprechen, er wolle die Welt ſehen. Ganz unerwartet erſchien er mit Sack und Pack zu Clawbonny und kündigte uns an, er werde eine Stelle als Maat bei einem Oſtindienfahrer ſuchen. Ich hörte ſeine Geſchichte an und behielt ihn einige Tage bei mir, während ich die Maurer, welche an meinem Zuſatze zu dem alten Hauſe arbeiteten, und damit bald zu Ende waren, beaufſichtigte, worauf wir mit einander in „die Stadt“ reiſten. Ich begleitete Moſes in die Docks und brachte ihn an Bord eines Schiffes, welches eben ſeine Spieren erhielt — es war gekupfert und kupfergefeſtigt, A. Nr. 1, das Spann von Florida⸗Eichen, die Planken von Süd⸗Fich⸗ ten— und fragte ihn, wie es ihm gefalle. „Ich hoffe, es hat einen guten Namen,“ ſagte Moſes. „Nun, es heißt der Ruß*), und ich hoffe, der Name gefällt Euch.“ Moſes ſchnalzte mit ſeinen Fingern über die Schulter hinweg, als wollte er ſagen, er verſtehe mich, worauf er fragte, wohin ich das Fahrzeug ſchicken wolle? „Nach Canton, und Ihr ſollt als Maſter mitgehen.“ Ich ſah, daß der alte Mann durch dieſen Beweis des Vertrauens tief gerührt war und daß ſeine Selbſtachtung durch die Entdeckung ſeiner Herkunft ſich in ſo weit geſtei⸗ gert hatte, daß er ſich dem Antrage nicht widerſetzte. *) Wir erinnern an die Wilden an der Weſtküſte Amerika's und an die Fährlichkeiten, die unſere Helden dort beſtanden. Der Ueberſ. — 360— Ich beabſichtigte nicht, mich regelmäßig mit dem Handel zu beſchäftigen, ließ aber den Ruß eine lange Reihe von Jahren, ſtets unter Marble's Befehl, reiſen und verdiente große Summen auf dieſe Weiſe. Einmal machte unſer Schiff auch die Reiſe nach Europa und Lucy und ich gingen als Paſſagiere an Bord. Dies geſchah nach dem Tode meines theuern alten Vor⸗ munds, welcher ſeines tugendhaften, ächt chriſtlichen Lebens würdig endete. Wir, das heißt Lucy und ich, blieben mehrere Jahre in dem Auslande und kehrten mit unſerm Schiffe heim, das ich nach dieſer Reiſe verkaufte. Neb war oft in dem Schiffe mit draußen geweſen, um eben die Scene zu wechſeln, und er kam natürlich in ihm nach Havre, als„Maſſer Mile“ und„Miß Lucy“ und ihre zwei „jungen Maſſer“ und zwei„jungen Miſſus“ zur Heim⸗ reiſe bereit waren. Ich erſchrack, als ich Moſes bei dieſer Gelegenheit wieder ſah, lebhaft; denn er fiel raſch zuſammen, er hatte ſein ſiebzigſtes Jahr erreicht, ein Alter, welches die meiſten Seeleute zu ihrem Berufe untauglich macht. Moſes hatte jedoch nicht nachgegeben; er war entſchloſſen, uns Alle nach Clawbonny zurückzubringen. Drei Tage nach unſrer Abfahrt mußte der Mann von Stein ſich fügen und in ſeinem Back bleiben. Ich ſah, daß ſeine Tage gezählt waren, und fühlte, daß es meine Pflicht war, ihm zu ſagen, wie es wirklich mit ihm ſtehe. Es war ein unangenehmer Auftrag, der aber durch die Hingebr mich an Er Verſuch 2 ſagte er Wenn d auf mü Kupfers men zu und der Amerike an Bor für daſſ in etwa das Sch für Eut chen Se Ich erfüllt! jetzige Wort it M konnte: dieſes 2 wenn 1 einige blos Un it dem lange reiſen nach Bord. Vor⸗ Lebens Jahre heim, oft in Seene Havre, zwei Heim⸗ enheit hatte neiſten hatte Alle von ſah, neine ſtehe. h die — 361— Hingebung und Mannhaftigkeit, mit welcher der Kranke mich anhörte, viel von ſeiner Herbheit verlor. Erſt als ich aufhörte zu ſprechen, machte er einen Verſuch, mir zu antworten. „Ich habe ſchon voͤr geraumer Zeit gefühlt, Miles,“ ſagte er,„daß die Lebensreiſe ihrem Ende nahe wäre. Wenn das Schiffsholz ächzt und die neuen Baumnägel nur auf mürbes Holz treffen, iſt es Zeit, den Rumpf um des Kupfers und des alten Eiſens des Fahrzeuges wegen zuſam⸗ men zu brechen. Ich habe den Ruß ziemlich abgearbeitet, und der Ruß hat mich ziemlich abgearbeitet. Ich werde Amerika nicht mehr ſehen und übergebe Euch den Befehl an Bord. Es iſt Euer Schiff und Niemand kann beſſer für daſſelbe Sorge tragen. Ich geſtehe, ich ſähe mich gerne in etwas eingeſargt, das einſt zu ihm gehörte. Wir haben das Schot, welches herabgenommen wurde, um Verſchläge für Eure Familie zu machen— es müßte einen ſo behagli⸗ chen Sarg abgeben, als es das Herz nur verlangen kann.“ Ich verſprach dem alten Manne, ſeine Wünſche ſollten erfüllt werden. Nach einer kurzen Pauſe ſiel mir ein, der jetzige Augenblick dürfte kein ungünſtiger ſein, um ein Wort in Betreff der Zukunft zu ſagen. Marble war nie laſterhaft geweſen; eben ſo wenig konnte man ihn eigentlich gottlos in dem gängen Sinne dieſes Wortes nennen. Er war durch nnd durch bieder, wenn man den charakteriſtiſchen Anſichten von Seeleuten einige Zugeſtändniſſe machen will, und ſeine Sünden waren blos Unterlaſſungsſünden. Allein religiöſen Unterricht hatte er in ſeinen frühern Jahren durchaus nicht erhalten, und was er in ſeinem ſpätern Leben zufällig gelernt haben mochte, war eben nicht ſehr orthodoxen Charakters. Es kam mir oft vor, als ſei Marble für ſolche Gegenſtände nicht unempfänglich, allein die Gelegenheit fehlte ſtets, um dieſe hoffnungsvollen Anlagen auszubilden. Demnach ſprach ich jetzt offen mit ihm und bemerkte, daß ſeine noch immer lebhaften Augen ſich mehr als ein⸗ mal ausdrucksvoll zu mir wendeten, während er mit der größten Aufmerkſamkeit zuhörte. „Ja, ja, Miles,“ antwortete er, als ich fertig war, „dies alles mag ganz wahr ſein, es iſt aber ſchon ein wenig ſpät für mich, um noch in die Schule zu gehen. Manches davon habe ich in der einen oder in der andern Geſtalt ſchon früher gehört, aber es kam mir immer nur in Fetzen und Bruchſtücken zu, ſo daß mir die Dinge durch die Finger ſchlüpften, ehe ich einen Gedanken an den andern ſpliſſen konnte, um ein tüchtiges Tau zu erhalten. Wie dem aber auch ſein mag, ich habe mich auf dieſer Reiſe oft und ernſtlich mit dem guten Buche beſchäftigt, und Ihr wißt, die Ueberfahrt iſt gerade nicht kurz, und ich habe mancherlei aufgeleſen, das mir ganz von der rechten Art zu ſein ſcheint. Nur habe ich immer geglaubt, es ſei eines der thörichtſten Dinge, die ein Mann je thun könne, wenn er ſeinen Feinden verziehe; denn mein Geſetz war es immer, eine volle Lage für die andere zu geben, wie Ihr denn auch ganz gut wiſſen müßt; jetzt aber ſehe ich, daß es einem guten Herzen eher zukommt, zu vergeben, als Rache zu nehmen.“ 5 7 Gemütl in Eue ſtunde können. 0 772 doch ſch anderes als ein Weiſe er aufg alls, braſſen ſchen ü glaube zu ſage Je Er fül lehre; Begriff daß er Nuß b gegen angebo zu ſchi Gebote nahme wahrſe lten, und ent haben ters. Es egenſtände ſtets, um bemerkte, als ein⸗ mit der rtig war, ſchon ein u gehen. r andern imer nur ige durch n andern n. Wie eer Reiſe und Ihr ich habe öten Art ſei eines e, wenn immer, un auch m guten hmen.“ — 363— „Mein theurer Moſes, dies iſt eine ſehr ſegensvolle Gemüthsſtimmung; haltet an dieſem Gefühle feſt, ſucht in Euerm Erlöſer Eure einzige Stütze, und Eure Sterbe⸗ ſtunde wird die glücklichſte Eures ganzen Lebens werden können.“ „Da iſt aber doch dieſer hölliſche Ruß; man kann doch ſchwerlich von mir erwarten, daß ich ihn als etwas anderes betrachte, denn als einen ſeeräuberiſchen Dieb und als einen Burſchen, über den man auf die möglichſt kurze Weiſe verfügt. Was den alten Van Taſſel angeht, ſo iſt er aufgebrochen, um die Raaen in einem Theile des Welt⸗ alls, wo man alle ſeine Streiche kennt, in's Kreuz zu braſſen; und ich halte es für unvernünftig, einen Men⸗ ſchen über das Grab hinaus zu haſſen, ſo daß ich ihm, glaube ich, ganz vergeben habe, obgleich er, die Wahrheit zu ſagen, ein Tau⸗Ende verdient hat.“ Ich verſtand Marble beſſer, als er ſich ſelbſt verſtand. Er fühlte die erhabene Schönheit der chriſtlichen Sitten⸗ lehre; zu gleicher Zeit fühlte er aber auch, daß gewiſſe Begriffe in ſeinem Herzen ſo feſt Wurzel geſchlagen hatten, daß er nicht im Stande war, ſie heraus zu reißen. Was Ruß betraf, ſo war er ſich bewußt, daß etwas in ihm gegen ſein Gehaben ſprach, und er ſuchte ſich mit der ihm angebornen Raſchheit und Lebendigkeit gegen jene Stimme zu ſchützen, indem er, wenn es ſich von den allgemeinen Geboten Gottes handelte, dieſen Elenden als eine Aus⸗ nahme betrachtet wiſſen wollte. Van Taſſel konnte er wahrſcheinlich bis auf einen gewiſſen Grad verzeihen, da — 364— er das von ihm angerichtete Unheil theilweiſe wieder gut gemacht hatte; es war aber ein Verzeihen, welchem ſich eine tiefe Verachtung gegen die Gemeinheit des Sünders auf ſeltſame Weiſe beigeſellte. Unſere Unterhaltung dauerte lange. Endlich trat Lucy zu uns, und ich hielt es für das Klügſte, den alten Theer den Händen eines Weſens zu überlaſſen, welches durch ſeine Natur und Erziehung ſo ſehr geeignet war, mit dem Bei⸗ ſtande Gottes das Werkzeug zu werden, ihn ſern Anſicht von ſeiner Lage hinzuleiten. Ich hatte für das Schiff zu ſorgen, und dies war eine gute Entſchuldigung, um mich nicht ſehr in das zu miſchen, was zwiſchen dem ſterbenden Manne und ihr vorging, die man faſt ſeinen Schutzengel hätte nennen können. Ich hörte viele ihrer Unterredungen und nahm, ſo wie meine Söhne und Töchter, öfter an ihren Gebeten Theil, wodurch ich in den Stand geſetzt wurde, die Fortſchritte, welche er machte, und die Art des ganzen Gehabens zu bemerken. zu einer beſ⸗ Es war in der That bewundernswürdig, zu ſehen, wie dieſes noch immer liebliche Weib ihre ganze Ueberredungs⸗ gabe, alle Beredſamkeit ihres zarten Gefühls und ihres geſunden Geiſtes aufbot, wie ſie ſich keine Zeit und Mühe gereuen ließ, einem Geiſte, wie der Marble's war, richtige, demuthsvolle Anſichten von ſeinem Verhältniſſe zu dem Schöpfer und Seinem Sohne, dem Erlöſer der Menſchen, beizubringen. Ich will nicht behaupten, daß die frommen Bemü⸗ hungen glücklich Erfolg Es bed menſchl manns mit de worden der gu unter bilde o T wir he Das als N leicht 6 mich Stund Schm gab a endlich chem endlie 8 verga Deck in di ieder gut chem ſich Sünders trat Lucy en Theer erch ſeine dem Bei⸗ iner beſ⸗ war eine miſchen, ing, die „ſo wie Theil, iſchritte, bens zu hen, wie edungs⸗ d ihres Mühe iichtige, zu dem enſchen, Bemü⸗ — 365— hungen des vortrefflichen Weſens, welche ich ſo unendlich glücklich war mein Weib zu nennen, ganz den gewünſchten Erfolg gehabt hätten; dies war vielleicht kaum zu hoffen. Es bedurfte einer Kraft, welche die ihrige überbot, das menſchliche Herz im ſiebzigſten Jahre und nach einem See⸗ manns⸗Leben zur vollen Reue über ſeine Sünden zu leiten; mit der Gnade Gottes ſchien aber doch ſo viel erreicht worden zu ſein, daß wir zu dem Glauben berechtigt waren, der gute Same habe Wurzel gefaßt und die Pflanze werde unter der Führung des Geiſtes gedeihen, nach deſſen Eben⸗ bilde auch der niedrigſte der Erdenſöhne geſchaffen worden. Die Ueberfahrt war langwierig, aber ſehr ruhig, und wir hatten Zeit zu Allem, was hier berührt worden iſt. Das Schiff war noch öſtlich von den großen Sandbänken, als Marble anfing, ſchweigſamer zu werden, obgleich man leicht ſehen konnte, daß ſein Geiſt noch thätig war. Seine Kräfte nahmen jedoch raſch ab, und ich begann mich mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß jede Stunde uns den Freund rauben könne. Er ſchien keine Schmerzen zu haben, ſondern ſein Halt an dem Leben gab allmählig nach, und der Geiſt ſchickte ſich nur zum endlichen Scheiden an, weil der irdiſche Schrein, in wel⸗ chem er ſo lange gewohnt hatte, zerfiel, wie der Storch endlich den wankenden Schornſtein verläßt. Acht Tage mochten ſeit dem Beginne dieſes Wechſels vergangen ſein, als mein Sohn Moſes zu mir auf das Deck kam und mich im Namen ſeiner Mutter bat, zu ihr in die Kajüte zu kommen. Ich ging hinab und der feier⸗ liche Ausdruck in Luey's Geſicht deutete mir ſogleich an, welche Art Nachricht mich erwartete. „Der Augenblick naht heran, lieber Miles,“ ſagte ſie;„unſer alter Freund wird bald von uns abgerufen werden.“ Dieſe Worte klangen ſchmerzlich, obgleich ich auf ein ſolches Begebniß vorbereitet war. Eine Reihe früher, aben⸗ teuervollerer Jahre meines Lebens gingen raſch an meinem innern Blicke vorüber, und faſt überall miſchte ſich das Bild des ſterbenden Mannes ein. Welcher Art auch ſeine Eigenthümlichkeiten geweſen ſein mochten, gegen mich hatte er ſich ſtets treu und wahr erwieſen. Von dem Tage an, wo ich zuerſt, ein Ausreißer aus dem Hauſe meiner Väter, am Bord des John zur See ging, bis zu dieſer Stunde war Moſes Marble ſtets ein verläſſiger, uneigennütziger Freund von Miles Wallingford geweſen. „Iſt er bei Beſinnung?“ fragte ich beſorgt.„Als ich ihn zum letzten Male ſah, ſchien ſein Geiſt ein wenig verwirrt zu ſein.“ „Es iſt möglich; doch iſt er jetzt geſammelter, wenn nicht bei vollem Bewußtſein. Wir dürfen uns der Hoff⸗ nung hingeben, daß der Einfluß des großen Opfers des Erlöſers auf ihn nicht ganz verloren iſt. Seit den letzten acht Tagen hat ſich dies immer klarer herausgeſtellt.“ Lucy und ich ließen den Gegenſtand für den Augen⸗ blick fallen; ich aber trat in die Kajüte, wo die Hänge⸗ matte Marble's ſich befand. Es war, für ein Schiff, ein geräumiger, luftiger Verſchlag, welcher auf meinen Befehl für Lucl chen die bald und Ich chen die näher zu aber für jünger. Frauen liebe, o Mutter, lichkeit küßte, w oder fre zwanzig genheiter wohl ihr ter welch ner Jün rückverſe Bei beiden 2 ſein und den Ste Gr eifrigſte, wenig; ganz in leich an, „“ ſagte bgerufen auf ein r, aben⸗ meinem ſich das ch ſeine ch hatte age an, Väter, Stunde rtziger „„Als wenig wenn Hoff⸗ s des letzten ugen⸗ änge⸗ , ein defehl — 367— für Luey und ihre zwei Töchter eingerichtet worden, wel⸗ chen dieſe theuern, jeder Aufopferung fähigen Weſen aber bald und gern ihrem alten Freunde überlaſſen hatten. Ich habe bis jetzt von dieſen zwei Mädchen, von wel⸗ chen die ältere Grace, die jüngere Lucy hieß, noch nicht näher zu ſprechen Gelegenheit gehabt. Jene war damals aber fünfzehn Jahre alt; ihre Schweſter war zwei Jahre jünger. Durch einen ſeltſamen Zufall glich Grace den Frauen aus meiner Familie, während die andere, dieſes liebe, offene, wahre, hübſche kleine Geſchöpf, mit ihrer Mutter, als dieſe in demſelben Alter geweſen, ſo viel Aehn⸗ lichkeit hatte, daß ich ſie oft in meine Arme nahm und küßte, wenn ſie irgend ein Gefühl mit Freimuth ausſprach oder freudig und melodiſch lachte, wie es ihre Mutter zwanzig Jahre früher zu thun pflegte. Bei ſolchen Gele⸗ genheiten lächelte Luey und eine leichte Röthe überflog wohl ihr liebliches Antlitz; denn es entging ihr nicht, un⸗ ter welchem Einfluſſe ich mich ſo plötzlich in die Zeit mei⸗ ner Jünglingstage und meiner Jünglings⸗Zärtlichkeit zu⸗ rückverſetzt fühlte. Bei der jetzigen feierlichen Veranlaſſung waren die beiden Mädchen in der Kajüte und bemühten ſich ruhig zu ſein und Alles zu thun, was in ihren Kräften ſtand, um den Sterbenden zu tröſten. Grace, die älteſte, war natürlich die thätigſte und eifrigſte, denn ihre Schweſter vertraute ſich ſelbſt noch zu wenig; doch konnte dieſes kleine Abbild ihrer Mutter nicht ganz in dem Hintergrunde bleiben, und ihr Herz und Wille, — 368— ſich nützlich zu erweiſen, ſpornte ſie an, aus ſich ſelbſt herauszutreten, um an den Pflichten ihrer Schweſter Theil zu nehmen. Ich fand Marble völlig bei Beſinnung, und die be⸗ ſorgliche Weiſe, in welcher er auf alle die theilnehmenden Geſichter, welche um ſein Bett verſammelt waren, ſchaute, bewies, wie genau er ſich die Anweſenden und Fehlenden merkte. Zweimal überblickte er uns Alle, ehe er in dem klangloſen Tone, welcher gewöhnlich den herannahenden Tod bezeichnet, zu ſprechen begann. „Nuft Neb,“ ſagte er;„ich habe geſtern von meinen Maaten und der ganzen übrigen Schiffsmannſchaft Abſchied genommen; Neb aber betrachtete ich als zu meiner Familie gehörig und wollte ihm zuletzt die Hand ſchütteln.“ Ich wußte, was vorgegangen war, obgleich ich mich abſichtlich von einer Scene fern gehalten hatte, welche, wie ich wohl ſah, mit mir wiederholt werden mußte. Keine Sylbe wurde zwiſchen uns gewechſelt, bis Neb, welchen man herbeirief, mitten in dem Kreiſe meiner Gattin und Kinder ſtand. Marble gab auf Alles, was geſchah, ängſtlich Acht und ſchien unzufrieden zu ſein, als er ſeinen alten Schiffs⸗ genoſſen in dieſem feierlichen, hehren Augenblicke ſo fern ſtehen ſah.. „Ihr ſeid nur ein Nigger, Neb, ich weiß es,“ fuhr der alte Seemann auf;„aber Euer Herz würde einem Könige Ehre machen. Es kömmt zunächſt nach dem von Miles, und mehr läßt ſich von dem Herzen eines Mannes habe war; nicht Euern Liebe, glückli ſen iſt Miles meine tete ei „denn ein gö wir zu „ Er es Gattin 2, an ſole der De Seine und it wenn 214 3 ſich ſelbſt weſter Theil und die be⸗ lnehmenden en, ſchaute, Fehlenden er in dem annahenden don meinen ft Abſchied ter Familie n.⸗ h ich mich e, welche, ßte. Keine „ welchen hattin und ſtlich Acht n Schiffs⸗ e ſo fern s,“ fuhr de einem dem von Mannes — 369— nicht ſagen. Kommt näher, Knabe; niemand hier wird Euch dieſe Freiheit übel deuten.“ Die kleine Lucy wich augenblicklich zurück und drängte Neb an den Platz, welchen ſie ſelbſt eingenommen hatte. „Dank Euch dafür, Kleine,“ ſagte Marble.„Ich habe Eure Mutter nicht gekannt, als ſie in Euern Jahren war; aber ich ſehe wohl, daß ein Kathlock dem andern nicht ähnlicher ſein kann, als Ihr dem gleicht, was ſie in Euerm Alter war. Behaltet dieſe Aehnlichkeit bei, meine Liebe, und dann wird Euer Vater in ſeiner Tochter ſo glücklich und ſelig ſein, als er es in ſeiner Gattin gewe⸗ ſen iſt. Nun, niemand verdient dieſes Glück mehr, als Miles— ein Glück, das der Himmel gibt, meine ich, meine liebe Madame Wallingford,“— denn Marble deu⸗ tete einen kummervollen Ausdruck in Lucy's Augen richtig;— „denn, Dank Euern Lehren, ich weiß und glaube es, daß ein göttlicher Lenker über unſer aller Schickſal waltet, ob wir zu See oder zu Land, Schwarze oder Weiße ſein mögen.“ „Kein Sperling fällt, Capitain Marble, ohne daß Er es weiß,“ ſagte die freundlich ernſte Stimme meiner Gattin. „Ja, ich begreife dies nun, obgleich ich einſt wenig an ſolche Dinge dachte. So war unſere Rettung, als wir in der Dämmerung Schiffbruch litten, Neb, Gottes Wille und Seine Abſicht, um uns ſo zu ſagen in unſere jetzige Lage und in unſere jetzige Gemüthsſtimmung zu bringen; und wenn ich wieder von Glück oder Schickſal ſpreche, ſo müßt 214— 216. 24 — 370— Ihr nur wiſſen, daß ich von dem ſpreche, was die Vor⸗ ſehung über uns verhängt. Ja, Madame Wallingford, ich begreife es vollkommen und werde Eure Güte nie ver⸗ geſſen, welche für mich das größte Himmelsglück geweſen iſt, das mir je zufiel.— Ich habe Euch rufen laſſen, Neb, um von Euch Abſchied zu nehmen und Euch den Rath eines alten Mannes zu geben, ehe ich ganz von dieſer Welt ſcheide.“ Neb begann ſeine Hände zu ringen und ich ſah, daß Thränen in ſeinen Augen glänzten; denn ſeine Anhänglich⸗ keit an Marble hatte tief Wurzel gefaßt und war erprobt. Wenn Männer ſo Vieles mit einander durchlebt haben, wie dies bei uns Drei der Fall war, erſcheint ſchon der unbedeutendſte Unfall des Alltugslebens ſo wichtig, daß die Bande, welche uns vereinigen, ſich viel ſtärker zeigen, als dies bei gewöhnlicheren Banden der Fall iſt. „Ja, Herr, Capitain Marble, Herr, was belieben Euch zu wünſchen, Herr?“ fragte der Neger und ſuchte ſeinen Schmerz zu bewältigen. „Ich wünſche Euch einige Worte des Rathes zu geben, Neb, von meinen Freunden Abſchied zu nehmen und dann die Schiffsartikel des Lebens auszuwerfen. Alter und ſchwe⸗ rer Dienſt haben mich das Ankertau an dem beſſern Ende ausſtechen laſſen. Der Stopper arbeitet ſich los und noch ein paar Stürzſeen werden das Schiff triftig ablaufen laſ⸗ ſen. Mit Euch iſt die Sache anders,— Ihr ſteht in Eurer vollen Kraft da, und ein kräftiger Burſche ſeid Ihr,— auf einer Raa wie an dem Steuerrade. Der Nath, welchen ie Vor⸗ ingford, nie ver⸗ geweſen 1, Neb, Rath n dieſer h, daß inglich⸗ erprobt. haben, on der g3, daß zeigen, belieben ſuchte geben, d daun ſchwe⸗ Ende id noch en laſ⸗ Eurer — auf velchen ich Euch zum Abſchied geben will, iſt der, in dem Curſe zu bleiben, in welchem Ihr bisher ſchifftet. Ich will nicht ſagen, Ihr wäret ohne Fehler,— welcher Nigger wäre ohne dieſe?— aber Ihr ſeid ein guter Burſche und man findet Euch ſo gewiß auf Eurem Platze, wie die Pumpen. Erſtens ſeid Ihr ein verheiratheter Mann, und obgleich Euer Weib nur eine Negerin iſt, ſo iſt ſie Euer Weib und Ihr müßt bei jedem Wetter bei ihr aushalten. Nehmt Euern Herrn zum Vorbild, und ſeht, wie er Eure Herrin liebt und hochhält;“— Lucy drängte ſich hier näher an meine Seite;—„und was Cure Kinder betrifft, ſo erzieht fie nach dem Nathe der Madame Wallingford. Ihr könnt nie unter beſſern Anweiſungen ſegeln, als unter den ihri⸗ gen, wie ich aus Erfahrung weiß. Gebt beſonders darauf Acht, daß Euer Hektor von dem Fluchen läßt; er hat an⸗ gefangen, und wer in Sünden anfängt, wird faſt immer damit endigen. Sprecht zuerſt mit ihm, und wenn dies nicht hilft, ſo laßt das Tau⸗Ende tanzen. Bei Knaben thun Taufäden ſtets eine gute Wirkung. Was GEuch ſelbſt betrifft, Neb, ſo haltet an, wie Ihr begonnen habt, und der Herr wird Barmherzigkeit an Euch üben, ehe die Reiſe zu Ende geht.“ Marble ſchwieg hier vor Erſchöpfung, gab Neb aber ein Zeichen, ſich nicht zu entfernen, da er noch mehr zu ſagen habe. Nachdem er ein wenig geruht hatte, griff er unter ſein Kiſſen und zog eine ſehr alte Tabaksbuchſe hervor, 24* — 372— arbeitete ſo lange daran, bis er ſie aufbrachte, nahm ein kleines Stückchen Tabak und ſchloß ſie wieder. Alles dies ging ſehr langſam und mit dem unſichern, ſchwachen Gehaben des Hinſterbenden von ſtatten. Als das Kiſſen wieder zurechtgelegt war, hielt Marble dem Schwarzen die Büchſe hin und fuhr ſo fort: „Bedient Euch dieſer Büchſe und ſeid meiner dabei eingedenk, Neb. Sie iſt mit köſtlichem Tabak angefüllt und hat den Geruch von dreißig Jahren in ſich, denn ſo lange machte ſie meine Reiſe mit. Dieſe Büchſe iſt bei neun Gefechten und ſieben Schiffbrüchen geweſen und hat mehr Bootsdienſt mitgemacht, als die meiſten Londner Waſſerleute, oder irgend einer der Burſche, die den Hud⸗ ſon befahren. Unter andern Thaten hat ſie die Erde vier⸗ mal umſegelt, nicht zu gedenken, daß ſie ſo zu ſagen im Dunkeln durch die Meerenge von Magellan ſegelte, wie Euer Herr und Ihr ſehr gut wißt. Nehmt daher dieſe Büchſe und ſeid vornehmlich darauf bedacht, nur immer das beſte Kraut hinein zu thun, denn ſie iſt nur daran gewöhnt. Und nun, Neb, ein Wort in Betreff einer Gefälligkeit, welche Ihr mir erweifen ſollt, wenn Ihr in in den Hafen geht. Erſt bittet Ihr Euern Herrn um Urlaub und dann geht Ihr nach Willvw Cove und bringt Kitty und ihren Kindern meinen Segen. Es iſt leicht gethan, wenn der Menſch es in der rechten Stimmung anfängt. Ihr habt nicht mehr zu thun, als an die Cove hinauf zu fahren und zu ſagen, ich hätte vor meinem Tod m ein dies achen arble dabei füllt n ſo bei hat dner Hud⸗ vier⸗ im wie dieſe imer aran einer r in um eingt eicht ung Cove Tod 6ö—— für ſie Alle zu Gott gebetet. Glaubt Ihr wohl, Euch deſſen zu erinnern?“ „Ich verſuchen, Capitain Marble, Herr, ja, ich verſuchen, was ich kann, obgleich ich kein Gelehrter ſein.“ „Ihr thätet vielleicht beſſer, mir dieſen Auftrag anzu⸗ vertrauen,“ ſagte die wohltönende Stimme meiner Gattin. Marble war erfreut und ſchien ſehr geneigt, dieſes Anerbieten anzunehmen. „Ich wollte Euch nicht ſo ſehr beläſtigen,“ ant⸗ wortete er,„obgleich ich ſehr dankbar für dieſes Anerbie⸗ ten bin. Gut, Neb, Ihr mögt alſo den Segen unge⸗ ſprochen laſſen, da Eure Herrin ſo gütig iſt; doch bleibt noch, Ihr könnt ihn Chloe und ihrer kleinen Familie bringen, Allen, nur Hektor nicht, ich meine, ihm nur nicht, wenn er ſich des Fluchens nicht enthält. Wenn er davon läßt, ſo gebt auch ihm ſeinen Antheil. Und nun, Neb, reicht mir Eure Hand. Lebt wohl, Knabe, Ihr ſeid treu gegen mich geweſen und der Himmel ſegne Euch dafür. Ihr ſeid nur ein Nigger, ich weiß es; aber es gibt Einen, in deſſen Augen Eure Seele eben ſo viel werth iſt, als die manches Fürſten oder Prieſters.“ Neb ſchüttelte ſeinem alten Befehlshaber die Hand, durchbrach den kleinen Kreis, ſtürzte in das Volkslogis und weinte wie ein Kind. Mittlerweile gewann Marble ſeine Faſſung wieder; denn die Gefühle, welche der Schwarze an den Tag legte, hatten ihn mächtig erregt. Sobald er ſich wieder erholt hatte, ſuchte er in ſeiner Hängematte umher und fand endlich zwei Papierkiſtchen, deren jedes 374— einen ſehr ſchönen Ring enthielt, welche er, als er zuletzt in dem Hafen war, eigens zu dieſem Zwecke gekauft zu haben ſchien. Dieſe Ringe gab er meinen Töchtern, welche dieſe Geſchenke unter Schluchzen und zumal unter freu⸗ diger Anerkennung des Werthes, welchen ſte auf ein Anden⸗ ken an ihren alten Freund legten, annahmen. „Euer Vater und ich haben manche Mühſeligkeiten und Gefahren mit einander beſtanden,“ ſagte er,„und Ihr Alle ſeid meinem Herzen theurer, als meine eigenen Verwandten. Ich hoffe, dies iſt nicht unrecht, Madame Wallingford, denn es ſteht nicht in meiner Gewalt, es zu ändern. Ich habe Euern Eltern und dem Knaben bereits mein Andenken gegeben und darf hoffen, daß Ihr Alle zuweilen eines alten Seehundes gedenken werdet, welchen Gott in ſeiner Weisheit wie herrnloſe Waare Euch in den Weg warf, damit Eure Geſellſchaft ihn dem Himmel näher bringe. Da iſt Euer Polarſtern, Ihr Mädchen,“ fuhr er fort, auf meine Gattin zeigend.„Habt Gott ſtets vor Augen und gebt dieſem edeln Weibe immer den zweiten Platz in Euerm Herzen; nicht als wenn ich gegen Euern Vater etwas ſagen wollte oder im Sinn hätte, denn er iſt ein herrlicher Mann in ſeiner Art; nach allem aber ſollten junge Mädchen ihren Müttern nachahmen, wenn ſie Müt⸗ ter haben, wie die Eurige iſt; denn die beſten Väter fal⸗ len, was Milde und andere Tugenden betrifft, weit ſpie⸗ gelwärts.“ Die Mädchen weinten laut. Marble wartete einige Minuten und nahm dann feierlich von allen meinen Kin⸗ dern und mit den denn Seel jenen „un Tha hung die Sün habe Zeit Es alle feſtig iſt h ſeine Knal Auge Euer den ſer E doch ——— — dern Abſchied, worauf er bat, man möchte ihn mit Lucy und mir allein laſſen. Ich brachte eine Stunde im Geſpräche mit ihm hin, während welcher Zeit er mich öfter ermahnte, den frommen Rathſchlägen meiner Gattin zu lauſchen; denn er legte große Unruhe in Betreff meines künftigen Seelenheiles an den Tag. „Ich habe auf dieſer letzten Reiſe ziemlich viel über jenen Handel mit Ruß verallgemeinert,“ fuhr er fort, „und zuweilen fühlte ich bittere Stiche in Betreff dieſer That. Madame Wallingford hat mir aber in dieſer Bezie⸗ hung die Seele erleichtert, indem ſie mir zeigte, wie ich die Wucht dieſer, ſo wie die ganze Laſt meiner übrigen Sünden der Liebe des Heilandes anheim geben ſollte. Ich habe mich drein ergeben, zu gehen, Miles, denn meine Zeit iſt gekommen und ich fange an, nutzlos zu werden. Es iſt gottlos, ein Schiff laufen laſſen zu wollen, wenn alle ſeine Theile ſich löſen und auseinanderfallen; nichts feſtigt mich mehr an die Welt als Ihr. Ich geſtehe, es iſt hart zu ſcheiden und mein Herz hatte in dieſer Hinſicht ſeine Schwächen. Wie dem auch ſei, Miles, mein theurer Knabe, denn ein Knabe ſeid Ihr ſtets noch in meinen Augen, der Blick nach vorne iſt tröſtlich. Laßt Euch von Euerm Weibe leiten, und wenn die Reiſe zu Ende iſt, wer⸗ den wir uns alle in demſelben Hafen wiederſehen.“ „Es macht mich ſehr glücklich, Moſes, Euch in die⸗ ſer Stimmung zu ſehen,“ antwortete ich.„Da Ihr uns doch verlaſſen müßt, will ich Euch ſagen, daß Ihr Nie⸗ manden meines Namens zurücklaßt, deſſen Seele ſich nicht — 3276— über dieſe Ausſicht in die Zukunft hoch erfreut. Was Eure Sünden betrifft, ſo hat Gott die Macht und den Willen, ihre Wucht zu erleichtern, wenn er Euch geneigt findet, ſie zu bereuen und Euch der Vermittlung ſeines Sohnes, unſers Heilandes, hinzugeben. Wenn Ihr noch irgend einen Wunſch habt, ſo iſt dies der rechte Augen⸗ blick, uns davon in Kenntniß zu ſetzen.“ „Ich habe ein Teſtament gemacht, Miles, und Ihr werdet es in meinem Schreibpult finden. Einige Kleinig⸗ keiten ſind für Euch und die Eurigen beſtimmt; Ihr braucht aber kein Geld und alles andere geht auf Kitty und ihre Kinder über. Wegen eines Punktes aber bin ich ſehr un⸗ ſchlüſſig, und ich will ihn Euch jetzt vorlegen. Glaubt Ihr nicht, es paſſe für einen Seemann eher, in dem blauen Waſſer ſein Grab zu finden, als auf einem Kirchhofe ver⸗ ſcharrt zu werden? Ich habe keinen Gefallen an Grab⸗ ſteinen; denn ich hatte in meiner erſten Jugend mehr als genug daran, und es iſt mir, als müßte ich Seeraum um mich haben. Was iſt Eure Anſicht, Miles?“ „Entſcheidet ſelbſt. Eure Wünſche werden Geſetz für uns ſein.“ „Dann rollt mich in meiner Hängematte auf und laßt mich in der alten Weiſe über Bord ablaufen. Ich habe zuweilen gedacht, es möchte ſchön ſein, an meiner Mutter Seite zu ruhen; ſie wird aber einen alten Theer wohl entſchuldigen, wenn er das blaue Waſſer einem Eurer Land⸗Kirchhöfe vorzieht.“ Ich ſah den alten Mann noch verſchiedene Male, aber er ſpt von f jeden öfter ſüße kleine Jahre welch und runge den 6 volle L hatten umſta Wehl bezeich er, ka ner G ſo krä und i fallen ſeiner ſeines perlia Hoffnr dieſes Was d den eneigt ſeines noch ugen⸗ Ihr einig⸗ aucht ihre un⸗ laubt auen ver⸗ Hrab⸗ rals um 3 für laßt habe utter wohl furer aber — 372— er ſprach nie wieder weder von ſeinem Begräbniſſe, noch von ſeiner Habe, noch von ſeinem Scheiden. Lucy las ihm jeden Tag zwei⸗ bis dreimal aus der Bibel vor und betete öfter mit ihm. Einmal hörte ich neben ſeiner Hängematte eine leiſe, ſüße Stimme, und als ich zuſah, gewahrte ich, daß mein kleiner Liebling, meine Tochter Lucy, damals erſt dreizehn Jahre alt, ihm zum zweiten Male ein Kapitel vorlas, welches ihre Mutter ihm nur eine Stunde früher vorgeleſen und mit ihren Bemerkungen begleitet hatte. Die Erläute⸗ rungen fehlten jetzt, aber die Stimme hatte denſelben mil⸗ den Ernſt, dieſelbe melodiſche Süße und dieſelbe eindrucks⸗ volle Deutlichkeit, welche die ihrer Mutter auszeichnete. Marble lebte, bis wir die Golfſtrömung hinter uns hatten; meine ganze Familie, Neb und der erſte Maat umſtanden ſeine Hängematte, als er, leicht und ohne einen Wehlaut, von hinnen ſchied. Das einzige, was ſein Ende bezeichnete, war ein ſeltſam bedeutungsvoller Blick, welchen er, kaum eine Minute vor ſeinem letzten Athemzuge, mei⸗ ner Gattin zuwarf. Da lag er, das bloße Wrack des einſt ſo kräftigen, ſtämmigen Seemanns, ſchwächer als ein Kind und im Begriffe, zum andern Leben überzugehen. So auf⸗ fallend der Mann ſich von dem unterſchied, was er in ſeiner Kraft geweſen war, ſo ſchien doch der geiſtige Theil ſeines Weſens ſich mehr geändert zu haben, als der kör⸗ perliche. Gewiß, ſein Blick war voller Hingebung und Hoffnung, und wir hatten Grund anzunehmen, das Leben dieſes rauhen, aber biedern Mannes ſei lange genug gefriſtet — 378— worden, um die urſprüngliche Beſtimmung ſeines Daſeins zu erfüllen. In Folge ſeines ernſten Wunſches, obgleich den Ge⸗ fühlen meiner Gattin und Töchter ſchmerzlich entgegen, verſenkte ich, ſechs Tage, ehe wir das Land zu Geſicht bekamen, den Körper meines alten Freundes in das Meer. Und nun habe ich nur noch von Lucy zu ſprechen. Ich habe mir dieſe angenehme Pflicht bis zum Ende aufgeſpart, indem ich lange Jahre, die an Begebniſſen reich waren, übergehe, um mit dieſem erfreulichen Vor⸗ wurfe zu ſchließen. Die erſten Jahre meines verehelichten Lebens waren für mich ſelige Jahre. Ich lebte in dem ſteten Gefühle des Glückes,— eines Glückes, welches nur aus einer Ver⸗ bindung mit einem Weibe erwachſen kann, die des Man⸗ nes Vernunft und ſeine Grundſätze eben ſo billigt, als ſie ſeinem Herzen und ſeinen Neigungen entſpricht. Ich will damit nicht geſagt haben, als wären die ſpätern Jahre nicht eben ſo glücklich geweſen; denn in einem gewiſſen Sinne waren ſie ſogar glücklicher, und dieſer Zuſtand ſtei⸗ gerte ſich bis zu der gegenwärtigen Stunde; aber die Zeit und die Gewohnheit machten mich endlich mit dieſer inni⸗ Verbindung: mit Reinheit, Tugend, weiblichem Adel und weiblichem Zartgefühl ſo vertraut, daß ich ſie als etwas mit meinem Daſein verkörpertes vermißt haben würde, wäre mir meine Gattin plötzlich entriſſen worden, ſo wie ich mich in den erſten Jahren meines Eheſtandes derer als mir ganz unbekannter Dinge erfreute. Wer Clawbon und, ich dieſe ſchö den. Di wahrhaft oder zu mit der meinen L Gefühl nen um ner Bruf und kein ihre heite In größten plätze un nur Nebe Mitteln waren, hatten, deutet we Verwirrt gelitten l Nac bindung es ſei Ze Einhalt Haſeins en Ge⸗ igegen, Geſicht Meer. en. Ende bniſſen Vor⸗ waren zefühle r Ver⸗ Man⸗ als ſie h will Jahre wiſſen d ſtei⸗ e Zeit inni⸗ el und s mit wäre ie ich r als — 379— Wenn ich, ſelbſt heute noch, über die Fluren von Clawbonny reite, erinnere ich mich mit ſtillem Entzücken und, ich hoffe, mit demüthiger Dankbarkeit der Art, wie dieſe ſchönen erſten Jahre unſerer Verbindung dahin ſchwan⸗ den. Dies war die Zeit, wo Lucy jeden meiner Gedanken wahrhaft theilte. Sie begleitete mich täglich zu Wagen oder zu Pferd, lauſchte mit freundlicher Theilnahme und mit der holdeſten Aufmerkſamkeit auf jedes Wort, das von meinen Lippen kam, und gab mir Gedanken um Gedanken, Gefühl um Gefühl, Lachen um Lachen und zuweilen Thrä⸗ nen um Thränen zurück. Keine Erregung ward in mei⸗ ner Bruſt wach, die ſich in der ihrigen nicht abſpiegelte, und kein ſcherzhafter Einfall ward laut, deſſen Wirkung ihre heitere, aber echt weibliche Laune nicht ſteigerte. In dieſen Jahren entwarfen und führten wir die größten Verbeſſerungen hinſichtlich der Gebäude, der Luſt⸗ plätze und der Fluren Clawbonny’s aus. Wir bauten nicht nur Nebenhäuſer und Stallungen, welche unſern jetzigen Mitteln und unſrer ausgedehntern Lebensweiſe angemeſſener waren, als die, welche zu meines Vaters Zeit beſtanden hatten, ſondern wir erweiterten auch, wie bereits ange⸗ deutet worden, das Wohnhaus, deſſen ſchöne architektoniſche Verwirrung und Unregelmäßigkeit übrigens nicht darunter gelitten hat. Nachdem wir den erſten Sommer nach unſrer Ver⸗ bindung auf dieſe Weiſe hiugebracht hatten, ſagte ich Lucy es ſei Zeit, dem Bauen und Verbeſſern auf meinem Gut, Einhalt zu thun, um auch dem, welches ſte von Miſtreß — 380— Bradfort geerbt hatte, und das auch eine alte Familien⸗ Beſitzung war, einige Aufmerkſamkeit zu weihen. „Denke daran nicht, lieber Miles,“ ſagte ſie.„Halte Riverſedge in guter Ordnung; dies genügt. Rupert“— denn dieſer hatte damals das Gut inne—„wird ſorgen, daß nichts in Verfall komme; aber Clawbonny, das liebe Clawbonny, iſt die wahre Heimath einer Wallingford, und ich bin jetzt, wie Du weißt, eine Wallingford. Wenn dieſer prächtige Knabe, den uns der Himmel geſchenkt hat, am Leben bleibt, und ein Mann wird und heirathet, kann er das alte Weſt⸗Cheſter⸗Gut benützen, bis wir bereit ſind, ihm dieſe Beſitzung einzuräumen.“ Dieſer Plan iſt nicht buchſtäblich ausgeführt worden; denn Miles, mein älteſter Sohn, wohnt im Sommer bei uns zu Clawbonny, und ſeine lärmenden Knaben ſpielen in dieſem Augenblicke auf einem Felde, welches ihnen aus⸗ drücklich zu ihren Unterhaltungen angewieſen wurde, Ball. Der Zeitabſchnitt, welcher dem erſten halben Dutzend Jahre meiner ehelichen Verbindung mit Lucy folgte, war nicht minder glücklich, als der frühere geweſen war; er nahm aber einen neuen Charakter an. Unſere Kinder waren jetzt kein bloßes Spielzeug, keine kleine Weſen mehr, welche wir auf das zärllichſte liebten und pflegten; ſie waren jetzt Geſchöpfe, deren Seele nach dem Ebenbilde Got⸗ tes geſchaffen worden und deren künftiger Charakter nun theil⸗ weiſe von der Ausbildung abhing, welche wir ihnen gaben. Die Art, wie Lucy über ihre Kinder waltete und ſie durch Sanftheit und Milde zur Tugend und Wahrheit — —— leitete, Bewund haft ein ſie je il Weſen, hören; es in d mehr od in Stre chem un We und ſon ſchönſten begann wiſſen, ſagen, von der wenn di ſten Ve am thei All andern ſes Aut waren i gekomm lange l das Gl ſich dur niſſe be zur Ha amilien⸗ „Halte ert“— ſorgen, das liebe ord, und un dieſer hat, am kann er eit ſind, worden; imer bei bielen in en aus⸗ e, Ball. Dutzend te, war war; er Kinder n mehr, ten; ſie lde Got⸗ un theil⸗ gaben. und ſie Cahrheit —— 4— — leitete, war für mich ſtets ein Gegenſtand der höchſten Bewunderung und Dankbarkeit. Ihre Herrſchaft war wahr⸗ haft eine Herrſchaft der Liebe. Ich wüßte nicht, daß ich ſie je ihre Stimme in Zorn gegen irgend ein menſchliches Weſen, geſchweige gegen ihre eigenen Kinder hätte erheben hören; wenn aber ein Tadel laut werden mußte, ſo geſchah es in der Sprache der Theilnahme und Liebe, welche ſich mehr oder weniger, je nachdem es die Umſtände forderten, in Strenge kleidete. Das Ergebniß war ganz das, wel⸗ chem unſere innigſten Hoffnungen entgegen ſahen. Wenn wir reiſten, hatten wir unſer junges Volk ſammt und ſonders bei uns; und ein neuer Zeitabſchnitt voll des ſchönſten, durch die innigſte häusliche Liebe erhöhten Glückes begann für uns. Wer die Welt kennen gelernt hat, muß wiſſen, in welcher Weiſe ſich unſer geiſtiges Daſein, ſo zu ſagen, ausdehnt; wer ſie aber nicht kennt, weiß auch nichts von der tiefen, herzinnigen Freude, welche es gewährt, wenn dieſe Ausbildung des ſittlichen Menſchen in der eng⸗ ſten Verbindung mit denen ſteht, welche uns auf Erden am theuerſten ſind. Alles, was Lucy während unſrer erſten Reiſe auf der andern Halbkugel ſah und lernte, erhöhte den Genuß die⸗ ſes Ausflugs; ihr jüngſtes Kind— unſere vier Kinder waren in den erſten acht Jahren unſrer Heirath zur Welt gekommen— ihr jüngſtes Kind hatte die Kinderjahre lange hinter ſich, und ſie hatte Muße, ſich der Wonne, das Glück ihrer Kinder zu erhöhen, hinzugeben. Sie hatte ſich durch Lectüre gebildet, und ihre geſchichtlichen Kennt⸗ niſſe beſonders waren ſtets zur gemeinſamen Belehrung zur Hand. Darin war, nichts von Gepränge, ſondern alles kam gerade ſo heraus, als wenn jedes ein Recht darauf hätte. Da fühlte ich die unendliche Wichtigkeit, eine Geſährtin, in dem geiſtigen Sinne, in der Gattin zu haben. Lucy war ſtets geiſtig begabt geweſen; aber ich hatte ihre Ueberlegenheit in dieſer Beziehung nie vollkommen gekannt, bis wir miteinander inmitten der reichen Erin⸗ nerungen und Scenen der alten Welt reiſten. Daß Amerika das größte Land der alten und neuen Zeiten iſt, will ich nicht in Abrede ſtellen. Alle Welt ſagt es, und was alle Welt ſagt, muß wahr ſein. Demungeachtet wage ich die Andeu⸗ tung laut werden zu laſſen, daß, caeteris paribus, und wo überhaupt die Neigung zum Denken vorliegt, die gei⸗ ſtige Exiſtenz eines jeden Amerikaners, welcher nach Europa reiſt, ſich an Intenſität verdoppelt. Dies iſt das Land der Thätigkeit, nicht des Gedankens, des ſchaffenden Gei⸗ ſtes. Die Thatſachen, nicht die denkende Vernunft führen hier die Reſultate herbei. Dann hat die Mannigfaltigkeit der Gegenſtände und Begebniſſe, wodurch in der alten Welt die geiſtigen Kräfte erregt und in Thätigkeit erhal⸗ ten werden, hier ihres Gleichen nicht. Dieſer Mangel an Gegenwart und Vergangenheit läßt den Amerikaner, ſobald er Pläne macht, ſich in die Zukunft ſtürzen. Dieſe Zukunft verſpricht viel und mag bis auf einen gewiſſen Grad die Schwäche rechtfertigen. Sehen wir uns aber vor, daß ſie unſere Erwartungen nicht täuſche. Nach allem habe ich Lucy als die liebſte und ſchätz⸗ barſte Gefährtin befunden, ſeit wir Beide über das fünf⸗ zigſte Jahr hinaus ſind. Die Luft iſt nicht durchſichtiger als ihr reiner Geiſt, und ihr wende ich mich ſtets, wenn ich Rath, Mitgefühl und eine Stütze brauche, mit einer — ᷣ— Zuve rung Leben Band Gatte ihr 2 einer große Fröm fernte Liebe, Fami drücke in ih gerin Sünk werde als d darun durch macht unter reizte welche ihr ſi Hoffn ſetzten Phan daß f hat, ein Recht gkeit, eine zu haben. wich hatte ollkommen hen Erin⸗ ß Amerika Ul ich nicht alle Welt hie Andeu⸗ bus, und „ die gei⸗ ) Europa das Land nden Gei⸗ aft führen gfaltigkeit der alten eit erhal⸗ angel an er, ſobald e Zukunft Grad die „ daß ſie nd ſchätz⸗ das fünf⸗ hſichtiger s, wenn nit einer —— — 383— Zuverſicht und einem Vertrauen zu, welches nur die Erfah⸗ rung rechtfertigen kann. Je näher wir dem Schluſſe des Lebens treten, deſto lockerer werden, wie ich glaube, die Bande, die ſie an die Welt feſſeln, ihre Liebe für den Gatten und die Kinder ausgenommen; deſto inniger kehrt ihr Blick ſich der künftigen Welt zu. Indem ſie ſo mit einer Wahrheit und Einfachheit, die nie irre führen, den großen Zweck ihres Daſeins erfüllt, miſcht ſich in ihre Frömmigkeit nichts Zurückſtoßendes, nichts, das im Ent⸗ fernteſten nach Frömmelei ſchmeckt, und nichts, das ſie der Liebe, das ſie den Pflichten des Lebens entfremdet. Meine Familie war, wie ihr weibliches Oberhaupt, den Ein⸗ drücken der Religion ſtets offen geweſen; aber der Religion in ihrer heiterſten, anſprechendſten Geſtalt, die nicht den geringſten Anſtrich von Puritanismus hat, und in welcher Sünde und unſchuldige Freude nie mit einander verwechſelt werden. Ich kenne in der That keine heiterere Familie als die meinige, und zwar, wie ich unbedingt glaube, bloß darum, weil ſie, neben dem Ueberfluſſe, deſſen ſie ſich, durch die Gnade Gottes, erfreut, den richtigen Unterſchied macht zwiſchen den Dingen, welche das Wort Gottes unterſagt hat, und denen, welche uns das erregte, über⸗ reizte Gefühl einer Klaſſe von Theologen unterſagen möchte, welche, indem ſie ſtets die Lehre vom Glauben predigen, ihr ſittliches Leben nur ſo regeln, als wenn ſie ihre ganze Hoffnung auf die Kraft einer Lehre von guten Werken ſetzten, welche lediglich eine Ausgeburt ihrer krankhaften Phantaſie iſt. Ich fühle mich Lucy unendlich verpflichtet, daß ſie unſern Kindern das höchſte Pflichtgefühl eingeprägt hat, während e von Schein, Heuchelti und Uebertrei⸗ bungen, welche ſo oft für Frömmigkeit in ihrem reiuſten Erguſſe genommen werden, frei blieben. Manche meiner Leſer werden vielleicht neugierig ſein, zu erfahren, wie es die Zeit mit uns ältlichen Leuten gehal⸗ ten habe, denn ältlich ſind wir gewiß geworden. Was mich angeht, ſo erfreue ich mich eines geſunden Alters und ſehe, glaube ich, wenigſtens zehn Jahre jünger aus als ich bin. Ich ſchreibe dies der Mäßigkeit und der Bewe⸗ gung im Freien zu. Lucy war ohne Frage eine einneh⸗ mende Dame, bis ſie fünfzig Jahre alt wurde, und ſelbſt in dieſer Zeit hatte ſie noch viel von ihrem früheren blü⸗ henden Ausſehen. Ich halte ſie noch für ſchön und der alte Neb ſpricht wohl, wenn ihn ſeine Schmeichler⸗Laune anwandelt, von meinen beiden Töchtern als ſeinen„ſchönen jungen Miſſus“ und von meiner Gattin als ſeiner„ſchö⸗ nen alten Miſſus.“ Und warum ſollte Lucy Hardinge nicht Spuren jener „Reize bewahren, welche ſie in ihrer Jugend ſo lieblich machten? Offen, reinen Gemüths, bieder, wahr, mild und gerecht, wie ſie iſt, mußte ihre Seele dem Antlitze einen Theil ihrer erhabenen Eigenſchaften mittheilen, welche es ſelbſt jetzt noch ſo ſichtbar zurückſpiegelt. Ich wieder⸗ hole es, Lucy iſt noch ſchön, und in meinen Augen ſind ſelbſt ihre reizenden Töchter weniger ſchön. Daß ſie meine Gattin ſo lange war und noch iſt, macht nicht allein die Wonne, ſondern auch den Stolz meines Lebens aus. Es iſt dies ein Glück, für welches ich, ohne mich des Geſtänd⸗ niſſes zu ſchämen, Gott täglich auf meinen Knieen danke. —— — reinſten ig ſein, gehal⸗ Was ers und aus als Bewe⸗ einneh⸗ d ſelbſt en blü⸗ ind der Laune ſchönen ſchö⸗ jener lieblich „mild Untlitze welche vieder⸗ en ſind meine ein die . Es eſtänd⸗ danke. ——— V