Uë. Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur on v Ednard Oftmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Aeih- und Jeſehedingungen. 5 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bucher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen.„— 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen.——— 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahm e eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 1 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: 4 für wöcheutlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 8 auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 N 50 Ff. 2 N. Pf. „„„„ 3 1—,„ n,—„ 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 5. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defeete Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene und defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 3 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen 3 der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. —õ— J. F. Cooper's ſammtliche Werke. 184ſtes— 186ſtes Bändchen. Das Irrlicht oder der Kaper. Erſter Theil. Frankfurt am Main, 1843. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer Das Irrlicht e. oder .*. 4 der Kaperr. Von James Fenimore Cooper. Aus dem Engliſchen überſetzt r. Erſter Theil. Frankfurt am Main, 1843. Druck und Verlag von Johann David Sanerländer. Vorwort. Die Frage, wie viel an der vorliegenden Erzählung ſtreng wahr und wie viel Dichtung ſei, laſſen wir in der ausdrücklichen Abſicht dahin geſtellt ſein, damit die Ge⸗ ſchichtsforſcher, welche nichts Nützliches zu thun haben, ihre Zeit dazu verwenden, die Grenzlinie zu ihrer Unter⸗ haltung zu ziehen. Hinſichtlich des für unſern Roman gewählten Schau⸗ platzes bedarf es wohl keiner Entſchuldigung. Es würde eine Ziererei ſein, deren wir uns nicht im Entfernteſten ſchuldig zu machen gedenken, wollten wir Entſchuldigun⸗ gen erfinden, warum wir Jemand wirklich oder in der Einbildungskraft auf ein Meer, wie das Mittelländiſche, oder allf eine Küſte, wie die von Italien verſetzen. Es iſt wahr— nein, es iſt wahrſcheinlich, daß die Ausfüh⸗ rung hinter der Idee zurückbleibt; edles Wagen kann aber höchſtens Dem Schaden bringen, der ſeine Plane mißlingen ſehen muß. Wer die von uns ſo ſchwach und ſo unvollkommen geſchilderten Secenen geſehen hat, wird uns wahrſcheinlich um unſerer guten Abſicht willen unfern Fehler hoffentlich verzeihen; wer dies Glück aber entbeh⸗ ren mußte, wird ſelbſt unſere zahmen Gemälde ſo weit über der Wirklichkeit finden, daß er uns ſeinen Beifall nicht verſagen kann. Von Raoul Yvard, Ghita Caraccioli und dem klei⸗ nen Irrlicht haben wir nicht mehr zu ſagen, als in dem Werke ſelbſt zu finden iſt. Diejenigen, welche uns die auf alle Drei— wir rechnen Schiffe zu belebten Weſen— bezüglichen Thatſachen mittheilten, ſagten, wie Sancho Panſa ſich gegen den Ritter ausdrückte, ſie ſeien ſo gewiß, daß wir recht wohl ſchwören könnten, ſie ſeien ganz wahr. Wenn wir irren, ſo iſt dies ein Unglück, das wir mit dem ehrlichen Panſa, und zwar in einer Sache theilen müſſen, welche nicht weniger wichtig iſt, als die, in welcher er ſich täuſchte. Im Allgemeinen hört die Welt wenig und weiß noch weniger von der unendlichen Menge Einzelnheiten, welche die Summe der Vorfallenheiten zur See ausmachen. Die Geſchichtſchreiber ſammeln einige wenige, vielleicht auf Schlachten, Friedensſchlüſſe, Schiffbrüche und Jag⸗ den bezügliche Umſtände auf, und das Uebrige bleibt für die große Maſſe unſeres Geſchlechtes ein unbeſchriebenes Blatt. Mit Recht iſt bemerkt worden, die Lebensgeſchichte eines jeden Menſchen biete, wenn man ſie einfach und klar erzähle, eine Menge nützlicher, unterhaltender und belehrender Züge; und es iſt eben ſo wahr, daß der Tag eines jeden Schiffes etwas Intereſſantes zu erzählen gibt, überſetzte man die trocknen Formeln des Loggbuchs in die faſſ Oc Qu wir wir uns des weg ſche zeich bez hab bun Tag Anz eine hoff gun ſtär alle dies Ger Ueb den lebendige Sprache der Beobachtung und geiſtreichen Auf⸗ faſſung. Ein Schiff, allein in der Einſamkeit des Oceans, iſt ein Gegenſtand des Nachdenkens und eine Quelle poetiſcher und zumal moraliſcher Gefühle; und da wir ſelten müde werden, von ihm zu ſchreiben, haben wir mehr als einen ſympathetiſchen Wunſch, die, welche uns mit einer Art literariſcher clientéle beehren, möchten des Leſens nie müde werden. Bei der jetzigen Veranlaſſung ſind wir beſonders wegen des Kontraſtes in Verlegenheit, welchen wir zwi⸗ ſchen dieſem Glauben und leichtherziger Ungläubigkeit zu zeichnen verſucht haben. Wir halten beide Gemälde der bezüglichen Zeiten und Länder ganz angemeſſen, und haben uns bemüht, ſie lebendig und ohne alle Uebertrei⸗ bung hervortreten zu laſſen. Die Erfahrung eines jeden Tages kann es bewahrheiten, daß eine ſtarke natürliche Anziehungskraft zwiſchen Denen beſtehen kann, welche in einer ſolchen Beziehung weit geſchieden ſind; und wir hoffen nicht nur, ſondern wir ſind der ſichern Ueberzeu⸗ gung, daß es Menſchen gibt, in welchen der Grundſatz ſtärker iſt, als die einſchmeichelndſte und trügeriſchſte aller unſerer Leidenſchaften. Wir ſind beſtrebt geweſen, dies höhere und ausdauerndſte Moment dem Theile des Geſchlechtes anheim zu geben, bei welchem er, unſerer Ueberzeugung nach, ſtets am erſten gefunden wird. Dieſes iſt der ſiebente See-Roman, welchen wir dem Publikum zu bieten wagten. Als wir den erſten geſchrieben, weiſſagten ihm unſere Freunde zuverſichtlich ſein Mißlingen, ſowohl wegen der Magerheit des Stof⸗ fes, als wegen der unangenehmen Beigaben. Dieſe Weiſſagung erwies ſich nicht nur falſch in Bezug auf unſere ſchwache Kraft, ſondern der Geſchmack der Leſe⸗ welt hielt hinreichend aus, um von andern Seiten her eine ganz reſpektable Nachkommenſchaft des Vaters die⸗ ſer Klaſſe von Schriften hinzunehmen. Wir hoffen nur, man hält bei der jetzigen Gelegenheit die Familien⸗Aehn⸗ lichkeit zureichend, um dieſes Kind, als der zahlreichen Familie angehörend, gelten zu laſſen. Im November 1842. T Tagen werden im All Kranz Küſten phyſiſch bekann meer 1 Ocean 6 ſche die mit W geheilig Erſtes Kapitel. Sie füllt ſich mit des Himmels Roth, das fern Die Waſſer will mit glüh'nden Farben malen; Vom reichen Spätroth bis zum Abendſtern 7 Ergeußt ſich bunte Zauberflut von Strahlen. Jetzt wechſeln ſie. Den Mantel wirft, den fahlen, Die Dämm’rung um den Berg, und Tages Roth Stirbt, dem Delphine gleich, deß Todesqualen Jedwed' ihm ſchönern Farbenſchimmer bot; Den letzten wohl am ſchönſten— bis er ſtarr und todt. Lord Byron. Die Reize des Tyrrheniſchen Meeres ſind ſeit den Tagen Homer's oft beſungen worden. Die Reiſenden werden gerne zugeſtehen, daß das Mittelländiſche Meer im Allgemeinen, und ſein ſchöner Alpen⸗ und Apenninen⸗ Kranz, mit ſeinen tief eingeſchnittenen, unregelmäßigen Küſten, in Allem, was ſich auf Klima, Erzeugniſſe und phyſiſche Geſtaltung bezieht, der entzückendſte Theil der bekannten Erde iſt. Die Länder, welche dieſes Binnen⸗ meer umgrenzen, ihre Vorgebirge, welche einen Miniatur⸗ Ocean umgürten, ihre Berghalden, welche alles Maleri⸗ ſche dieſes Menſchenlebens inne haben, ihre Höhen, die mit Wachthürmen gekrönt ſind, ihre von Einſtiedeleien geheiligten Felſenabhänge, und ihr prachtvoller Waſſer⸗ — 10— ſpiegel, welcher von Schiffen wimmelt, die ſozuſagen eigens aufgetakelt ſind, um auf einem Gemälde Wirkung hervor zu bringen, bilden eine ganz eigene Welt, welche alle Die mit Wonne erfüllt, welche ſo glücklich ſind, Schön⸗ heiten zu fühlen, die nicht nur den Beſchauer magiſch feſſeln, ſondern wie Bilder einer glorreichen Vergangen⸗ heit in dem Gedächtniſſe des Fernen weilen. Wir haben es jetzt mit dieſem Bruchſtücke einer Schöpfung zu thun, deſſen ſchlimmſte Seiten ſelbſt ſo unendlich ſchön ſind, deſſen beſte aber ſo oft durch die Leidenſchaften der Menſchen verunſtaltet werden. Wäh⸗ rend Jedermann zugibt, wie viel die Natur für das Mittelländiſche Meer gethan hat, wird Niemand läugnen, daß es, bis auf die neueſte Zeit, der Schauplatz rauhe⸗ rer Gewaltthätigkeit und ſchwererer perſönlicher Unbilden geweſen iſt, als irgend ein anderer Theil der Erde. Der Buſen dieſer blauen Waſſerfläche hat, bei den verſchiede⸗ nen, durch ihr Schickſal noch weiter, als durch Abſtam⸗ mung, Geſittung und Religion getrennten Völkern, welche ſeine nördlichen und ſüdlichen Küſten, dieſe Vorwerke, möchten wir ſagen, des Chriſtenthums und des Muha⸗ medismus inne hatten, und in eine Zeit hinaufreichen, welche der Geſchichte ſpottet, von den Tagen Agamem⸗ nons bis zu denen Nelſon's, mehr blutige Schlachten geſehen und mehr Siegerjubel gehört, als alle übrigen Bereiche Neptuns zuſammen genommen. Natur und Leidenſchaften verbanden ſich, um ihn dem menſchlichen Antlitze und ſe der ſo birgt, haben den Kü die Ma nur der reichere hatten. Di 1790 b machten welche ten, be Elemen Welt be grund entlegen Begebni gangene nat ein einer ge Die Wo einem 2 Staunen mit Nei uſagen irkung welche Schön⸗ nagiſch angen⸗ einer lbſt ſo rch die Wäh⸗ ir das ugnen, rauhe⸗ nbilden 2. Der ſchiede⸗ lbſtam⸗ welche werke, Muha⸗ feeichen, amem⸗ lachten ibrigen Ir und chlichen — 11— Antlitze ähnlich zu machen, welches durch ſein Lächeln und ſeinen gottgleichen Ausdruck den Flammenheerd, der ſo oft in dem Herzen lodert, und den Vulkan ver⸗ birgt, der unſer Glück vernichtet. Jahrhunderte lang haben Türken und Mauren die Beſchiffung dieſer lachen⸗ den Küſten für die Europäer unſicher gemacht, und wenn die Macht der Barbaren eine Zeitlang wich, mußte ſie nur den Kämpfen Derer Raum machen, welche ſie durch reichere Hülfsmittel von dem Kampfplatze vertrieben hatten. Die Umſtände, welche die Periode von dem Jahre 1790 bis 1815 zu der denkwürdigſten der neuern Zeit machten, ſind allgemein bekannt; obgleich die Begebniſſe, welche dieſes merkwürdige Vierteljahrhundert erſchütter⸗ ten, bereits der Geſchichte anheim gefallen ſind. Alle Elemente des Kampfes und Haders, welche damals die Welt bewegten, ſind jetzt ſo vollſtändig in den Hinter⸗ grund getreten, als ſchriebe ſich ihr Daſein aus einer entlegenen Zeit her, und der Menſch ſieht ja auf die Begebniſſe ſeiner Jugend, wie er auf Erzählungen ver⸗ gangener Jahrhunderte blickt. Damals brachte jeder Mo⸗ nat einen Sieg oder eine Niederlage, den Bericht von einer geſtürzten Regierung oder einer eroberten Provinz. Die Welt war in ſteter Erregung, wie die Menſchen bei einem Aufruhr. Auf jene Zeit blickt der Schüchterne mit Staunen, der Jüngling mit Ungewißheit, der Unruhige mit Neid. — 12— Die Jahre 1798 und 1799 waren die denkwürdigſten dieſes ſtets denkwürdigen Zeitabſchnittes, und dieſer erre⸗ genden, begebnißreichen Periode müſſen wir den Geiſt unſerer Leſer zuwenden, um ihn inmitten der Scenen zu verſetzen, welche wir zu ſchildern beabſichtigen. Gegen das Ende eines ſchönen Auguſttages ging ein leichtes, feenartiges Schiff, das nach Oſten abhielt, vor einem ſanften Weſtwinde dem ſogenannten Kanal von Piombino ſpielend entgegen. Die Takelage des Mittel⸗ ländiſchen Meeres iſt wegen ihrer maleriſchen Schönheit und Zierlichkeit ſprüchwörtlich geworden, und es gilt dies von der Schebecke, der Felucca, dem Polacre und der Bombarda oder der Ketſch, dann und wann auch von dem Logger. Das fragliche Schiff gehörte der letztern Gattung an,— eine Art Fahrzeug, welche man in den italieniſchen Gewäſſern weit ſeltner zu ſehen pflegte, als in der Bai von Biscaya und in dem britiſchen Kanale, daher auch die Seeleute, welche daſſelbe von der Küſte von Elba aus anſichtig wurden, nicht viel Gutes davon erwarteten. Ein dreimaſtiger Logger, welcher eine weite Fläche von Leinwand ausgeſpannt hatte, deſſen niedrigen, ſchwar⸗ zen Rumpf ein einziger, kaum bemerkbarer rother Strich unter ſeinen Leiſten hob, und deſſen Kuhl ſo tief war, daß man nichts darüber ſah, als den Hut irgend eines ungewöhnlich groß gewachſenen Matroſen, wurde für ein verdächtiges Schiff angeſehen, und nicht einmal ein Fiſcher hätte es ſein Ch wie mar fertigten nur zu Küſte hi deten N wenn ik bleibſel; Der halt; ſe Rumpf war; doe dem Wit es nenne Schwinge ſeine Abf bemerkt, mißtrauiſ lieniſch ſi und ſeine Dieſe Felſenhöh einer Sta *)„Geft beizub ürdigſten eſer erre⸗ en Geiſt Scenen . ging ein eelt, vor nal von Nitttel⸗ Schönheit gilt dies und der uch von letztern min den egte, als Kanale, er Küſte s davon te Fläche ſchwar⸗ r Strich ief war, id eines für ein n Fiſcher 13 hätte es gewagt, ihm auf Schußweite zu nahen, ſo lange ſein Charakter unbekannt war. Kaper, oder Korſaren, wie man ſie zu nennen gewöhnt war,— und ſie recht⸗ fertigten den Namen in ſeiner gewöhnlichen Bedeutung nur zu oft durch ihr Thun— glitten nicht ſelten an der Küſte hinab, und es war zuweilen für Die, welche befreun⸗ deten Nationen angehörten, gefährlich, auf ſie zu ſtoßen, wenn ihnen eben ein Handſtreich, wie noch ein Ueber⸗ bleibſel von Barbarei ihn rechtfertigte, mißglückt war. Der Logger hatte etwa hundertfünfzig Tonnenge⸗ halt; ſein dunkler Anſtrich jedoch und ſein niedriger Rumpf ließen ihn viel kleiner erſcheinen, als er wirklich war; doch ließ ſeine ausgeſpannte Leinwand, als ſie vor dem Winde„Flügel⸗ und⸗Flügel“*), wie die Seeleute es nennen, oder mit Segeln, die ſich wie die ſchweren Schwingen eines Seevogels bewegten, hernieder kam, ſeine Abſichten errathen, und die Seeleute, welche, wie bemerkt, an der Küſte den Ausguck nahmen, ſchüttelten mißtrauiſch ihre Köpfe, als ſie nicht in dem beſten Ita⸗ lieniſch ſich ihre Vermuthungen hinſichtlich ſeines Zwecks und ſeiner Beſtimmung mittheilten. Dieſe Beobachter und Sprecher befanden ſich auf der Felſenhöhe über Porto Ferrajo, auf der Inſel Elba, einer Stadt, welche ſeitdem als der Hauptort des kleinen *)„Geflügelt.“ Wir haben Gründe, den ſeemänniſchen Ausdruck beizubehalten. 8 — 114— Reiches Napoleons ſo berühmt geworden iſt. Wirklich Schrar ſtand die Wohnung, welche ſpäter der entthronte Kaiſer könner als Palaſt benützte, kaum hundert Schritte von den J Sprechenden, und war der Einfahrt in den Kanal und 3 eine ſ den Bergen Toskana's, oder vielmehr des kleinen Für⸗ umgebe ſtenthums Piombino, da dies Syſtem der Verſchmelzung Inſel der kleinern europäiſchen Staaten in größere zu jener einſam Zeit noch nicht in größerm Maßſtabe geltend gemacht Adriati worden, zugewendet. wie me Dieſes Haus, ein Gebäude von dem Umfange der Abſicht beſſern Landhäuſer in den Vereinigten Staaten, war Auge z damals, wie jetzt, die Wohnung des florentiniſchen Statt⸗ Ir halters des toskaniſchen Theils der Inſel. Es ſteht an ben, 1 dem äußerſten Ende eines niedrigen, felſigen Bergvor⸗ oder u ſprungs, der die weſtliche Befeſtigung der tiefen, ausge⸗ fremder dehnten Bucht bildet, an deren Seite, hinter einer ſehr beſchrie paſſenden Krümmung der Felſen, die ſich hier in Geſtalt ſen an einer Angel nach Weſten ſenken, verſteckt liegt der kleine tués d Hafen, gegen die See vollkommen verborgen, gleichſam gekrum als fürchte er Beſuche, wie der, welcher von Schiffen der Sto erwartet werden konnte, die dem verdächtigen fremden von Ne glichen. Do Dieſer kleine Hafen, der nicht ſo geräumig iſt, wie eute in ein Schiffsbehälter unſerer Zeit an Orten wie London fähr die und Liverpool, war durch geeignete Batterien gegen jede Habicht, wahrſcheinliche Gefahr hinreichend geſchützt, und was hofes h Sturm und Wind betraf, ſo hätte ein Schiff auf dem— an j Wirklich te Kaiſer von den anal und nen Für⸗ hmelzung zu jener gemacht fange der ten, war hen Statt⸗ 3 ſteht an Bergvor⸗ n, ausge⸗ einer ſehr in Geſtalt der kleine gleichſam n Schiffen n fremden ig iſt, wie ie London gegen jede und was auf dem — 15— Schranke eines Toilettenzimmers nicht ſicherer ſein können. In dieſem heimiſchen kleinen Waſſerbecken, welches, eine ſchmale Einfahrt abgerechnet, ganz von Gebäuden umgeben war, lagen einige Feluccen, welche zwiſchen der Inſel und dem nahen Feſtlande Handel trieben, und ein einſames öſterreichiſches Schiff, welches von der Spitze des Adriatiſchen Meeres gekommen war, um Eiſen zu laden, wie man vorgab; man konnte ihm aber eben ſo gut die Abſicht, Geſchäfte mit der italieniſchen Abhängigkeit im Auge zu haben, wie jeden andern Zweck unterſchieben. In dem Augenblicke jedoch, von welchem wir ſchrei⸗ ben, waren nicht über ein Dutzend lebender Weſen in oder um alle dieſe Fahrzeuge ſichtbar. Die Nachricht, ein fremder Logger von dem Ausſehen, wie wir ihn oben beſchrieben haben, ſei im Anzuge, hatte faſt alle Matro⸗ ſen an das Geſtade gelockt, und die Mehrzahl der Habi⸗ tués des Hafens waren ihnen die breiten Stufen der gekrümmten Gaſſen gefolgt, welche zu den Höhen hinter der Stadt, oder zu der Felſenkuppe führen, die das Meer von Nordoſten nach Weſten überſchaut. Das Herannahen des Loggers hatte auf die See⸗ leute in dieſem einfachen, ſelten beſuchten Hafen unge⸗ fähr die Wirkung, welche bekanntlich die Erſcheinung des Habichts unter den ſchüchternen Inſaſſen des Hühner⸗ hofes hervorbringt. Die Takelage des Fremdlings war — an ſich ſchon ein verdächtiger Umſtand— bereits zwei Stunden früher von einigen alten Küſtenfahrern entdeckt worden, die gewöhnlich ihre müßigen Augenblicke auf den Höhen hinbrachten, die Anzeichen des Wetters beobach⸗ teten und ſich dem Geplauder überließen; und ihre Ver⸗ muthungen hatten bald etwa zwanzig Männer auf dieſer Höhe von Porto Ferrajo verſammelt, welche ſich für „cognoscenti“ in Seeangelegenheiten hielten, oder es wirklich waren. Als aber der niedrige lange, ſchwarze Rumpf, wel⸗ cher ſo große Stücke Leinwand zu tragen vermochte, recht ſichtbar wurde, häuften ſich Zeichen auf Zeichen, das Gerücht flog mit Windeseile dahin, und Hunderte rannten zu der Stelle, welche man zu Neu⸗York wahrſcheinlich mit dem Namen einer Batterie beehrt hätte. Auch wäre dieſe Bezeichnung nicht geradezu unpaſſend geweſen; denn man hatte wirklich eine kleine Batterie hier aufgeſtellt, und zwar ſo, daß man leicht eine Kugel auf zwei Drit⸗ theil einer Stunde, oder ungefähr ſo weit, als der Fremd⸗ ling jetzt von der Küſte entfernt war, in die See hinaus ſchicken konnte. Tommaſo Tonti war der älteſte Seemann auf Elba, und in Allem, was ſich auf das Meer bezog, das Orakel der Inſel, was er denn auch als ein nüchterner, umſich⸗ tiger Mann verdiente. Wie ein Krämer, Wirth oder Eiſenarbeiter fragte er ſofort nach Tonti, oder Maſo lich genannt wurde, und ſobald er den grauköpfigen alten Seem daß ſ Männ „Pilot Augen beliebt 5 welche ner il delten jeder laſſen, A mit ih allerdit fahrun verdan chen ſe gab, kleinen ſam; ſpreche lings gerern Mund Lippen hätte g ntdeckt auf den eobach⸗ e Ver⸗ dieſer ich für der es ;, wel⸗ e, recht n, das rannten hheinlich ch wäre ; denn geſtellt, i Drit⸗ Fremd⸗ hinaus f Elba, Orakel umſich⸗ bändler, e kam, gewöhn⸗ n alten — 12— Seemann anſichtig geworden, eilte er an ſeine Seite, ſo daß ſich bald eine Gruppe von mehr als zweihundert Männern, Frauen und Kindern um die Perſon des „Pilotan geſammelt hatte,— wie die Getreuen ſich in Augenblicken religtöſer Erregung ſchaaren um irgend einen beliebten Ausleger des göttlichen Geſetzes. Wir dürfen hier nicht verſäumen, zu bemerken, mit welcher Achtung dieſer kleine Haufen freundlicher Italie⸗ ner ihren alten Seemann bei dieſer Gelegenheit behan⸗ delten; man hörte kein Geſchrei von Fragenden, und jeder war ſorgfältig bedacht, den Raum vor ihm frei zu laſſen, damit er in ſeinen Beobachtungen nicht geſtört werde. An ſeiner Seite waren fünf bis ſechs Seeleute, die mit ihm gleichen Alters ſein mochten, und dieſe nahmen allerdings keinen Anſtand, ſich zu äußern, wie ihre Er⸗ fahrung es mit ſich brachte und geſtattete. Tonti aber verdankte dem Umſtande, daß er mit ſeinen Orakelſprü⸗ chen ſehr zurückhaltend war, und ſich vielleicht den Schein gab, mehr zu wiſſen, als er wirklich mittheilte, keinen kleinen Theil ſeines Rufes. Er war demnach ſchweig⸗ ſam; und während ſeine Seebrüder mannichfache wider⸗ ſprechende Anſichten hinſichtlich des Charakters des Fremd⸗ lings laut werden ließen, und unter den Landlun⸗ gerern und Frauen hundert eitle Muthmaßungen von Mund zu Mund gingen, Lwar nicht eine Sylbe über die Lippen des alten Mannes gekommen, die ſeinen Ruf hätte gefährden können. 184— 186. 2 — 18— Wir haben der Frauen erwähnt. Natürlich mußte ein Begebniß, wie dieſes, in einer Stadt von drei⸗ bis viertauſend Seelen einen beträchtlichen Theil des holdern Geſchlechtes auf die Höhen locken. Die Mehrzahl derſel⸗ ben war bemüht, ſo nahe als möglich an die Seite des alten Seemannes zu kommen, um die erſten Nachrichten zu erhalten, und dieſelben um ſo ſchneller zu verbreiten. Es ſchien aber, als wenn ſich unter den jüngern Mäd⸗ chen auch eine Art weiblichen Orakels gefunden hätte, um die ſich ein Dutzend der ſchönſten Töchter der Inſel geſchaart hatten, und neugierig horchten, was Ghita vor⸗ läufig zu ſagen haben möchte, vielleicht auch von dem Stolze und der Beſcheidenheit ihres Geſchlechtes und Standes geleitet, welche ſie lehrten, ein wenig mehr Zurückhaltung zu zeigen, als der weniger gebildete Theil ihrer Gefährtinnen zu beweiſen nöthig hatte. Wenn wir aber von Stand ſprechen, darf man die⸗ ſes Wort in einem äußerſt beſchränkten Sinne nehmen. Porto Ferrajo hatte nur zwei Klaſſen von Bewohnern, Gewerbsleute und Arbeiter, obgleich etwa ein Dutzend Menſchen eine Ausnahme bildeten, kleine Beamten der Regierung, ein avvocnto, ein medico und einige Geiſt⸗ liche. Der Statthalter der Inſel war ein Toskaner von Rang, beehrte aber die Inſel ſelten mit ſeiner Gegen⸗ wart, und ſein Stellvertreter war ein Eingeborner der Stadt, deſſen frühere Stellung Allen zu bekannt war, als daß er ſich da, wo er geboren worden, hätte aufblähen dürfen. Kräm ten u Stell geſtell erhabe detere ihren Tocht Abſtat ſten 1 her h der ſie foro 2 Einflu geweſt der gr Anſtat Benel anmut ſchön hend nach i nöthig hinreif einige h mußte drei⸗ bis holdern ol derſel⸗ beite des ichrichten erbreiten. rn Mäd⸗ n hätte, er Inſel hita vor⸗ von dem ſtes und nig mehr ete Theil man die⸗ nehmen. vohnern, Dutzend nten der ge Geiſt⸗ aner von -Gegen⸗ rner der war, als n dürfen. — 29— Ghita's Genoſſinnen waren demnach Töchter von Krämern, und Maͤdchen dieſer Klaſſe, welche leſen konn⸗ ten und gelegentlich zu Livorno geweſen, auch von dem Stellvertreter des Statthalters ſeiner Haushälterin vor⸗ geſtellt worden waren, durften ſich wohl für ein wenig erhaben über die gemeinere Neugier der weniger gebil⸗ deteren Töchter der Stadt halten. Ghita ſelbſt verdankte jedoch ihre Ueberlegenheit eher ihren Eigenſchaften, als dem zufälligen Vortheile, die Tochter eines Krämers oder Wirthes zu ſein; denn ihre Abſtammung, ſo wie ihr Familienname, waren den mei⸗ ſten um ſie her unbekannt. Sie war ſechs Wochen frü⸗ her hier an das Land geſetzt, und von einem Manne, der ſich für ihren Vater ausgab, dem Gaſtwirthe Criſto⸗ foro Dovi in die Koſt gegeben worden, und ihren ganzen Einfluß verdankte ſie dem Vorzuge, daß ſie auf Reiſen geweſen, vielleicht auch nebenher ihrem kräftigen Geiſte, der großen Entſchloſſenheit ihres Charakters, dem edeln Anſtand und der jungfräulich holden Beſcheidenheit ihres Benehmens, einer Geſtalt, welche ungemein lieblich und anmuthig war, und einem Geſichte, welches man kaum ſchön nennen konnte, das aber im höchſten Grade anzie⸗ hend und einnehmend war. Niemand dachte daran, ſie nach ihrem Namen zu fragen, und ſie ſchien es nie für nöthig zu halten, deſſelben zu erwähnen. Ghita war hinreichend,— ſo kannten ſie Alle, und obgleich ſich noch einige Mädchen zu Porto Ferrajo ſo nannten, wurde ſie 2*¾ 2 2 doch, ſchon eine Woche nach ihrer Landung, mit allge⸗ meiner Zuſtimmung die Ghita. Man wußte, daß Ghita auf Reiſen geweſen war, denn ſie hatte die Küſte von Elba am hellen Tage in einer Felucca erreicht, und kam, wie es hieß, aus den neapolitaniſchen Staaten. Wenn ſich dies bewährte, ſo war ſie wahrſcheinlich das einzige weibliche Weſen in der Stadt, welches je den Veſuv geſehen und ſeine Augen an den Wundern eines Theils von Italien geweidet hatte, welchen nur Rom an Berühmtheit überragte. Wenn demnach irgend ein Mädchen etwas über den Cha⸗ rakter des fremden Schiffes mittheilen konnte, ſo mußte es Ghita ſein, und in Folge dieſer Annahme hatte ſie, ohne es zu wiſſen, und, wenn man die Wahrheit ſagen ſoll, ohne es zu wollen, eine Gruppe von wenigſtens einem Dutzend Mädchen ihres Alters und, wie es den Anſchein hatte, ihres Standes um ſich geſammelt. Dieſe ihre Genoſſinnen fühlten ſich jedoch nicht zu der Zurückhaltung verpflichtet, welche die Neugierigen, die ſich um Maſo drängten, beobachteten; denn während ſie ihr als Gaſt und Freundin Achtung zollten, und ihren Andeutungen eher, als denen eines jeden Andern lauſch⸗ ten, waren ſie unendlich begierig, ihre eigenen Stimmen zu hören, ſo daß keine Minute verging, ohne daß eine Frage oder eine Vermuthung ſich fertig und ganz ver⸗ nehmbar hören ließ. Auch die Ausrufungen waren ziem⸗ lich zo gehalt 2 von L lenza Livor! glaubt Rom ſeien man ſchein. des 1 Phant werde Erſche men, wöhnl 23 der, haben längſt liches 2— T Herple kamen fide S it allge⸗ n war, Tage in aus den rte, ſo in der Augen geweidet erragte. en Cha⸗ mußte atte ſie, it ſagen nigſtens es den nicht zu gierigen, vährend d ihren mlauſch⸗ timmen daß eine anz ver⸗ en ziem⸗ lich zahlreich, ſo wie die Muthmaßungen unbedacht und gehaltlos waren. Die Eine meinte, es ſei ein Schiff mit Depeſchen von Livorno, und es habe vielleicht gar ſeine„eccel- lenza“ an Bord; dann aber bemerkte man dagegen, Livorno liege ja nördlich und nicht weſtlich. Eine Andere glaubte, es habe eine Ladung Geiſtliche von Corſica nach Rom zu ſchaffen; man ſagte ihr aber, die Geiſtlichen ſeien eben in Frankreich nicht ſo ſehr begünſtigt, daß man wegen ihrer ein Schiff gewählt hätte, welches augen⸗ ſcheinlich ſo viel beſſer ſei, als die gewöhnlichen Fahrzeuge des Mittelländiſchen Meeres. Eine Dritte, die mehr Phantaſie hatte, als die übrigen, ließ den Zweifel laut werden, ob es überhaupt ein Schiff ſei, da trügeriſche Erſcheinungen dieſer Art überhaupt nicht ſelten vorkä⸗ men, und es ſich ja in der That als etwas ganz Unge⸗ wöhnliches darſtellte. „Si,“ ſagte Annina,„dies wäre aber doch ein Wun⸗ der, Maria; und warum ſollten wir jetzt ein Wunder haben, nachdem die Faſtnacht und die meiſten Feſttage längſt hinter uns liegen? Ich halte es für ein wirk⸗ liches Schiff.“ Die Andern lachten, und nach vielem Hin⸗ und Herplaudern und eifrigem Beſprechen des Gegenſtandes kamen Alle darin überein, der Fremdling ſei ein dona ſide Schiff einer oder der andern Art, obgleich Alle darin übereinſtimmten, daß es keine Felucca, keine Bombarda und keine Sparanara ſei. Ghita war während dieſer ganzen Zeit gedankenvoll und ſtumm,— ganz in demſelben Grade, wie Tommaſo ſelbſt, obgleich aus einem ganz andern Grunde. Trotz alle dem Geplauder und den vielen wunderlichen Aeuße⸗ rungen ihrer Freundinnen, verwendete ſie das Auge kaum einen Augenblick von dem Logger, an welchen ſie wie durch Zauberkraft feſtgebannt ſchienen. Wäre Jemand hinreichend Unbeſchäftigter anweſend geweſen, um dieſes anziehende Mädchen zu beobachten, ſo hätte ihm der wechſelnde Ausdruck in einem Geſichte auffallen müſſen, welches ein ſo lebendiger und treuer Spiegel aller Ge⸗ fühle und Erregungen war, die ihre Seele bewegten. Jetzt hätte der Ausdruck der Beſorgniß, und ſelbſt der Angſt ſich einem ſolchen Beobachter aufdrängen müſſen, wenn er ſcharfblickend genug geweſen wäre, dieſe Gefühle in dem lebhaften Spiele der Züge von den gewöhnliche⸗ ren Erregungen ihrer Gefährtinnen zu ſcheiden; und dann blitzte wieder etwas wie der Strahl der Freude und der innern Befriedigung über das beredte Antlitz. Die Farbe kam und ſchwand oft; einen Augenblick, in wel⸗ chem der Logger ſeinen Curs änderte, gegen den Wind hielt und dann wieder abfiel, wie der Delphin bei ſeinen Spielen, ließ der Glanz des Entzückens, der in ihren ſanften blauen Augen glühte, das Mädchen wahrhaft ſchön erſcheinen. K. der gef tet, ut argwöh O lichem gehalte genomt Hörerif Maſo! treu zu welcher und vo fiſch, d puſtete, 8 55 Bedien lang ſch fühlte zu ſtelle „ gewiß r ( 7⁷ Art Lo Logger, welche „E zmbarda rkenvoll ommaſo Trotz Aeuße⸗ ge kaum ſie wie Jemand n dieſes hm der müſſen, ler Ge⸗ wegten. lbſt der müſſen, Gefühle ohnliche⸗ n; und ide und 6. Die in wel⸗ Wind i ſeinen n ihren vahrhaft Keines dieſer wechſelnden Gefühle wurde jedoch von der geſprächigen Gruppe um das fremde Mädchen beach⸗ tet, und Ghita konnte ihnen ungefragt und ſelbſt unbe⸗ argwöhnt nachhängen. Obgleich ſich der kleine Mädchenſchwarm mit weib⸗ lichem Zartgefühl von dem großen Haufen etwas entfernt gehalten, waren ſie doch der Stelle, welche Maſo ein⸗ genommen hatte, nahe genug, ſo daß eine aufmerkſame Hörerin dieſen, wenn er ſprach, hätte hören können. Maſo hielt es jedoch für gut, ſeiner ſchweigſamen Rolle treu zu bleiben, bis er von dem Podeſta, Vito Viti, welcher jetzt in eigener Perſon auf der Höhe erſchien, und von der Anſtrengung des Aufſteigens wie ein Wall⸗ fiſch, der ſich hebt, um Luft zu ſchöpfen, ſprühte und puſtete, gefragt wurde. „Was hältſt du von ihm, guter Maſo?“ fragte der Bedienſtete, nachdem er den Fremdling ſelbſt eine Zeit⸗ lang ſchweigend beobachtet hatte; denn kraft ſeines Amtes fühlte er ſich berechtigt, Jedweden nach Belieben zur Rede zu ſtellen. „Signore, es iſt ein Logger,“ war die kurze und gewiß richtige Antwort. „Ja, ein Logger; wir verſtehen das Alle; aber welche Art Logger? Es gibt Felucca⸗Logger, und Polacre⸗ Logger, und Bombarda⸗Logger, und alle Arten Logger; welche Art Logger iſt dies?“ „Signor Podeſta, dies iſt nicht die Sprache des Hafens. Wir heißen eine Felucca eine Felucca, eine Bombarda eine Bombarda, einen Polacre einen Polacre und einen Logger einen Logger. Folglich iſt dies ein Logger.“ Maſo redete beſtimmt; denn er fühlte, daß er jetzt in ſeinem Elemente war, und es that ihm wohl, die Leute umher gewahren zu laſſen, daß er alle dieſe Dinge beſſer verſtand, als der Beamte. Auf der andern Seite war der Podeſta ärgerlich und obendrein verblüfft; denn er glaubte in der That, er unterſcheide hier eben ſo fein, als er bei ſeinen Gerichtshandlungen zu thun pflegte, und er hatte den Ehrgeiz, ſich den Schein geben zu wollen, als verſtehe er von Allem etwas. „Gut, Tonti,“ antwortete Signor Viti mit einer Schützermiene und mit gewinnendem Lächeln;„da dies keine Sache iſt, welche an die höhern Gerichte zu Flo⸗ renz wird gelangen müſſen, mögen Eure Erläuterungen als zureichend gelten, und ich will ihnen nichts in den Weg legen— ein Logger iſt ein Logger.“ „Si, Signore; ſo heißt es eben in dem Hafen; ein Logger iſt ein Logger.“ „Und Ihr behauptet und ſeid, im Falle der Noth, bereit, es zu beſchwören, daß jenes fremde Schiff ein Logger ſei?“ Maſo ſah in dieſem Augenblicke die Nothwendigkeit, einen Eid zu ſchwören, nicht ein, und da er in derglei⸗ chen Dingen ſtets ein wenig gewiſſenhaft war, die Mauth⸗ beamten higte ihr neuen 1 antwort „S durch ſ werde „ von wel gen Zei „ ein Alge iſt, wir non Ell ihm, w dann w Euch ur Aufſchul Anſicht Da entgeger da er C von dere näherte würdevo * 7 Verlege ra, eine Polacre dies ein z er jetzt ohl, die ſe Dinge in Seite ft; denn ſo fein, gte, und wollen, nit einer „da dies zu Flo⸗ terungen Sin den Hafen; er Noth, ſchiff ein endigkeit, derglei⸗ Mauth⸗ — 25— beamten mußten denn dabei im Spiele ſein, ſo beunru⸗ higte ihn die Anmuthung ein wenig, und er nahm einen neuen und längern Ausguck nach dem Fremdling, ehe er antwortete. „Si, Signore,“ ſagte er, nachdem er ſein Inneres durch ſeine Augen noch einmal beruhigt hatte,„ich werde ſchwören, daß der Fremdling dort ein Logger iſt.⸗ „Und kannſt du mir auch ſagen, ehrlicher Tonti, von welcher Nation? Die Nation iſt in dieſen unruhi⸗ gen Zeiten ein ſo wichtiger Punkt, wie die Takelage.“ „Ihr habt recht, Signor Podeſta; denn wenn er ein Algerier, oder ein Maure, oder ſelbſt ein Franzoſe iſt, wird er ein unwillkommner Beſuch in dem Kanal von Elba ſein. Es gibt viele verſchiedene Zeichen an ihm, welche mich glauben laſſen, er gehöre dieſer, und dann wieder, er gehöre jener Nation an, und ich muß Euch um Verzeihung bitten, wenn ich um ein wenig Aufſchub erſuche, bis er näher kommt und eine beſtimmte Anſicht möglich wird.“ Da dieſer Wunſch vernünftig war, ließ ſich ihm nichts entgegen ſetzen. Der Podeſta wendete ſich ſeitwärts, und da er Ghita, die ſeine Nichte zu beſuchen pflegte, und von deren Verſtand er eine günſtige Meinung gefaßt hatte, näherte er ſich dem Mädchen, um einen Augenblick in würdevollem Getändel zu vergeuden. „Der gute Maſo, der arme Burſch, iſt in arger Verlegenheit,“ bemerkte er mit einem gütigen Lächeln, — 26— als bemitleide er den verblüfften Piloten;„er will uns glauben machen, das fremde Schiff dort ſei ein Logger; aber er iſt nicht im Stande, uns zu ſagen, welchem Lande er angehört.“ „Es iſt ein Logger, Signore,“ erwiederte das Mäd⸗ chen und holte ſchwer Athem, als freue es ſich, den Ton ſeiner eigenen Stimme zu hören. „Wie? Glaubſt du vom Schiffsweſen ſo viel zu verſtehen, daß du auf eine Stunde weit dieſe Einzeln⸗ heiten unterſcheiden kannſt?“ „Ich glaube nicht, daß es eine Stunde iſt, Sig⸗ nore— nicht mehr als eine halbe Stunde, und die Ent⸗ fernung vermindert ſich raſch, obgleich der Wind ſo leicht iſt. Was meine Kenntniß von dem Unterſchiede zwiſchen einem Logger und einer Felucca betrifft, ſo iſt dies ſo leicht, wie ein Haus von emer Kirche zu unterſcheiden iſt, oder einer der ehrwürdigen padri in den Straßen von einem Matroſen.“ „Ja, ja,— dies hätte ich Maſo auf der Stelle geſagt, wäre der eigenſinnige Burſche geneigt geweſen, auf mich zu hören. Die Entfernung iſt eben die, welche Ihr angebt, und nichts iſt leichter, als zu ſehen, daß der Fremdling ein Logger iſt. Was die Nation angeht—“ „Dies iſt nicht ſo leicht zu ſagen, Signore, das Schiff müßte denn ſeine Flagge zeigen.“ „Bei San Antonio, du haſt recht, Kind, und es iſt paſſend, daß es uns ſeine Flagge zeigt. Nichts hat ein Recht, de ſo nahe z ſomit ſeir nen gibt. ſind doch, Da d Berathun und dann auf das ſah man ſchickte ſic des Frem ſtäubte gr zu; denn der Stell achtete, b das gerin angeſtreng Als e anſchickten gen breche „Sie rief ſie. um den 7 ſen. Nie gleichen tl „Ihr will uns Logger; welchem as Mäd⸗ den Ton viel zu Einzeln⸗ t, Sig⸗ die Ent⸗ ſo leicht zwiſchen dies ſo rſcheiden Straßen - Stelle geweſen, „ welche en, daß geht—“ re, das d es iſt hat ein — 27— Recht, dem Hafen Seiner Kaiſerlich Königlichen Hoheit ſo nahe zu kommen, das nicht ſeine Flagge aufzieht und ſomit ſeine ehrlichen Abſichten und ſeine Nation zu erken⸗ nen gibt. Meine Freunde, die Kanonen in der Batterie ſind doch, wie gewöhnlich, geladen?“ Da die Antwort bejahend ausfiel, entſtand eine eilige Berathung unter einigen der Hauptperſonen der Menge, und dann ging der Podeſta mit einer wichtigen Miene auf das Regierungsgebäude zu. Fünf Minuten ſpäter ſah man Soldaten in die Batterien treten, und man ſchickte ſich an, einen Achtzehn⸗Pfünder in der Richtung des Fremdlinas aufzuſtellen. Das weibliche Geſchlecht ſtäubte größtentheils bei Seite und hielt ſich die Ohren zu; denn die Batterie war kaum hundert Schritte von der Stelle, wo ſie ſich geſammelt hatten; nur Ghita achtete, blaſſen Antlitzes, aber feſten Auges, und ohne das geringſte Anzeichen von Furcht gewahren zu laſſen, angeſtrengt auf jede Bewegung. Als es augenſcheinlich war, daß die Artilleriſten ſich anſchickten, Feuer zu geben, ließ die Angſt ſie ihr Schwei⸗ gen brechen. „Sie werden doch nicht auf den Logger zielen?“ rief ſie.„Dies iſt gewiß nicht nöthig, Signor Podeſta, um den Fremdling zu veranlaſſen, ſeine Flagge aufzuhiſ⸗ ſen. Niemals habe ich in den ſüdlichen Gegenden der⸗ gleichen thun ſehen.“ „Ihr ſeid mit unſern toskaniſchen Bombardieren — 28— nicht bekannt, Signorina,“ antwortete der Beamte mit freundlichem Lächeln und ſelbſtgefälliger Miene.„Es iſt ein Glück für Europa, daß das Großherzogthum ſo klein iſt; denn ſolche Truppen würden ſich noch unruhiger erweiſen, als die Franzoſen.“ Ghita achtete jedoch gar nicht auf dieſen Zug vater⸗ ländiſchen Stolzes, ſondern drückte ihre Hände gegen ihr Herz und ſtand wie die Statue des Zweifels da, wäh⸗ rend die Leute in der Batterie ihrer Pflicht nachkamen. In einer Minute war das Zündkraut aufgelegt und die Kanone losgeſchoſſen. Obgleich Ghita's Gefährtinnen ſammt und ſonders zu allen Heiligen ſchrien, und manche ſogar vor Schrecken zur Erde ſtürzten, ſtand ſie, augen⸗ ſcheinlich die Zarteſte von allen,— ſie, auf deren Antlitz ſich mehr wirkliches Gefühl ſpiegelte, als auf dem aller Andern zuſammen, feſt und aufrecht. Der Blitz— der Knall blieben ſichtbar ohne Wirkung auf ſie; keiner der Artilleriſten blieb ſo gleichgültig und unerſchüttert bei dem ſchweren Knall, wie das zarte Mädchen. Sie ahmte ſogar die Weiſe der Soldaten nach, indem ſie ſich wendete, um den Flug der Kugel zu beachten, obgleich ſie dabei ihre Hände ſtark zuſammenpreßte und das Ergebniß mit Ban⸗ gen zu erwarten ſchien. Die wenigen Secunden der Ungewißheit waren bald vorüber, und man ſah die Kugel eine volle(engliſche) Viertelmeile recht von hinten des Schiffes das Waſſer treffen, und noch einmal ſo weit über die ruhige Waſſer⸗ fläche hin Tiefe fiel „Sa chen vor Lächeln ü wiſſen, ſa gefährliche „ Die der Bear Ohren;„ cher Schuß ter, welche und der 7 Toskana z wird dieſer unſerer M „Wer dennoch ſel hindeuten Wirkl Kugeln vo die entfern der Stadt Man ſah n aber ſelbſt nigen, ode eben zugeſe kamte mit 77 Es iſt n ſo klein unruhiger zug vater⸗ gegen ihr da, wäh⸗ achkamen. t und die ährtinnen nd manche e, augen⸗ en Antlitz dem aller itz— der beiner der t bei dem mte ſogar ndete, um dabei ihre mit Ban⸗ aren bald lengliſche) s Waſſer e Waſſer⸗ fläche hinhüpfen, ehe ſie durch i Tiefe fiel. „Santa Maria ſei geprieſen!“ chen vor ſich hin, und ein halb freudige Lächeln überflog ihr Antlitz, als ſie, faſ wiſſen, ſagte:„dieſe toskaniſchen Artilleriſten gefährlichen Schützen.“ „Dies war ſehr geſchickt gezielt, bella Ghita,“ ſag der Beamte und entfernte ſeine Hände von ſeinen Ohren;„dies war ungemein gut gezielt. Noch ein ſol⸗ cher Schuß eben ſo weit recht von vornen, und ein drit⸗ ter, welcher zwiſchen jenen beiden gerade die Mitte hält, und der Fremdling wird wohl lernen, die Rechte von Toskana zu achten. Was ſagſt du nun, ehrlicher Maſo, wird dieſer Logger uns ſeine Nation kennen lehren, oder unſerer Macht fortan Trotz bieten?“ „Wenn er klug iſt, wird er ſeine Flagge aufhiſſen; dennoch ſehe ich nichts, das auf eine Vorbereitung dazu hindeuten könnte.“ Wirklich zeigte auch der Fremdling, obgleich er den Kugeln von der Höhe in der That blosgeſtellt war, nicht die entfernteſte Neigung, die Neugierde der Leute in der Stadt zu befriedigen, oder ihre Furcht zu beſeitigen. Man ſah wohl zwei bis drei Matroſen in der Takelage, aber ſelbſt dieſe ſchienen ihre Arbeit nicht zu deſchleu⸗ nigen, oder viel auf den Gruß zu geben, welcher ihnen eben zugeſendet worden war. 30 ſpäter kaite der Logger ein großes ann ein wenig an, ſo daß er mehr tehen kam, als beabſichtige er in die dem er den Bergvorſprung umſegelte. ſegung veranlaßte die Artilleriſten, ihre üſchieben, und der Logger war den Klippen e(engliſche) Meile nahe gekommen, als er ſich nz gemächlich wieder ſeitwärts wendete, und ſeinen Curs abermals in der Richtung der Kanal⸗Einfahrt nahm. Hierauf erfolgte ein zweiter Schuß, welcher das Lob des Beamten in der That rechtfertigte; denn die Kugel ſenkte ſich in derſelben Entfernung nach vornen, als die erſte nach hinten aufgeſchlagen war. „Seht dort, Signore,“ rief Ghita eifrig, und wen⸗ dete ſich zu dem Bedienſteten,„ſie ſind im Begriff, ihre Flagge aufzuhiſſen, denn jetzt wiſſen ſie, was wir wollen. Die Soldaten werden doch nicht noch einmal feuern?“ „Dies wäre gegen das Völkerrecht und ein Schand⸗ flecken auf der toskaniſchen Bildung. Ha, Ihr ſeht, die Artilleriſten haben bemerkt, was Ihr ſagtet, und legen ihr Spielzeug bei Seite. Cospetto! Es iſt in der That recht ſehr Schade, daß ſie den dritten Schuß nicht ab⸗ feuern durften; denn ich ſchwöre, die Kugel hätte ſich inmitten des Loggers eingegraben; was Ihr bis jetzt ſaht, war nur eine Art Vorſpiel.“ „Es iſt genug, Signor Podeſta,“ verſetzte Ghita lächelnd, mehr ſch Dinge veo geſehen! ſind, we der Logg Wir dem Gel bemerkt „Flügel⸗ Seite de Anordnu beſonders muthigen den oben troſen be und wir langen ſi die Weit wobei de Breite de des Felue Schwinge zu ſein; Weiſe au die größte wenn er ein großes daß er mehr ge er in die umſegelte. riſten, ihre den Klippen als er ſich und ſeinen al⸗Einfahrt welcher das ; denn die lach vornen, , und wen⸗ Zegriff, ihre wir wollen. feuern?“ ein Schand⸗ hr ſeht, die und legen n der That iß nicht ab⸗ l hätte ſich dr bis jetzt etzte Ghita lächelnd, denn ſie konnte jetzt, da ſie die Soldaten nicht mehr ſchußfertig ſah, wieder lächeln:„wir haben große Dinge von Euern Elba⸗Kanonieren gehört, und das, was ich geſehen habe, überzeugt mich, was ſie zu leiſten im Stande ſind, wenn es die Gelegenheit fordert. Seht, Signor, der Logger ſchickt ſich an, Eure Neugierde zu befriedigen.“ Wirklich hielt es der Fremdling für paſſend, ſich dem Gebrauche der Nationen zu fügen. Es iſt bereits bemerkt worden, daß der Logger vor dem Winde „Flügel⸗und⸗Flügel,“ das heißt, mit einem auf jeder Seite des Schiffes ausgeſpannten Segel, herankam, eine Anordnung der Leinwand, welche der Felucca, und beſonders dem Logger die maleriſcheſten aller ſeiner an⸗ muthigen Stellungen zu geben geeignet iſt. Unähnlich den oben ſchmalen Segeln, welche der Mangel an Ma⸗ troſen bei uns hervorgerufen hat, ſchicken dieſe Fremden, und wir möchten faſt ſagen, klaſſiſchen Seeleute, ihre langen ſpitzigen Ragen in der Höhe aus und beſchränken die Weite unten durch das nöthige Maaß des Tuches, wobei der Unterſchied in der Höhe durch die größere Breite des Segelzeuges ausgeglichen wird. Die Form, des Felucca⸗Segels beſonders, ſcheint wörtlich von der Schwinge eines großen Seevogels hergenommen worden zu ſein; denn, wenn das Tuch in der eben angegebenen Weiſe ausgeſpannt iſt, hat eines dieſer leichten Schiffe die größte Aehnlichkeit mit der Meve oder dem Habicht, wenn er ſich in der Luft wiegt, oder im Begriffe iſt, auf ſeine Beute niederzuſtürzen. Der Logger hat vielleicht weniger von jener Schönheit, die ein Gemälde ziert, als die ſtreng lateiniſche Takelage, nähert ſich derſelben aber in ſo hohem Grade, daß das Auge ſtets mit Wohlge⸗ fallen auf ihm verweilt, und bei einer Schwenkung, wie die eben erwähnte, iſt er kaum weniger anziehend. Dem Seemanne fällt aber ſogleich ſeine größere Brauchbarkeit in die Augen, denn dieſe Art, die Segel zu führen, trotzt den ſchwerſten Stürmen und den heftigſten Wellen, während ſie bei lauen Winden und ſchönem Wetter dem Auge ungemein wohl thut. Der Logger, der nun unter den Höhen von Elba ging, hatte drei Maſten, obgleich die beiden vorderen nur mit Segeltuch beſchlagen waren; der dritte Maſt war an den Hackebord geklammt; er war klein und trug ein kleines Segel, das die Engländer einen Jigger nen⸗ nen, und welches man vornehmlich braucht, um die Lugen des Schiffes windan zu preſſen, und ihnen Kraft zu geben, der See zu trotzen. In dieſem Augenblicke konnte kaum von etwas die Rede ſein, das den Namen Wind verdient hätte, obgleich Ghita ihre Wange, welche das reiche Blut ihres Landes wärmte, von einer ſo ſanf⸗ ten Luft gefächelt fühlte, daß ſie dann und wann Locken ſeitwärts flattern ließ, die mit der weichen Seide ihrer Heimathgegend wetteiferten. Wären die natürlichen Rin⸗ gellocken aber weniger leicht geweſen, würde ein ſo lauer Lufthauch ſie kaum bewegt haben. Der — das ren— Schwing eines Lu ſchlug u hin⸗ und empfing als durc Wirkung gering u das Schi großen L der Geſch durch dar wöhnlich Seit lich, und nennen b dem Bug Waſſer b änderte d lich ſeine! daß ſeine ſem Auge war und jeden Aug 184—1 vielleicht ziert, als elben aber Wohlge⸗ aung, wie nd. Dem zuchbarkeit u führen, n Wellen, ſetter dem von Elba vorderen itte Maſt und trug igger nen⸗ um die nen Kraft lugenblicke n Namen ge, welche er ſo ſanf⸗ nn Locken beide ihrer ichen Rin⸗ n ſo lauer — 33— Der Logger hatte jedoch ſein leichteſtes Segeltuch — das ſchwerere pflegte er für die Stürme aufzubewah⸗ ren— ausgeſpannt und es ging ſelbſt bei dieſen leichten Schwingungen der Luft auseinander, wie die Falten eines Luftballons, obgleich es dann und wann auch an⸗ ſchlug und fiel, wenn die Grund⸗Deining die Ragen hin⸗ und herſchwang; im Ganzen aber ſtand es hohl und empfing die Luft, als wenn es mehr durch die Wallung, als durch eine mechaniſche Kraft geleitet würde. Die Wirkung auf den Rumpf war faſt zauberhaft. Denn ſo gering und faſt unmerklich auch die Kraft war, welche das Schiff forttrieb, drängte es ſich doch, in Folge ſeiner großen Leichtigkeit und ſeiner kunſtgerechten Form, mit der Geſchwindigkeit von drei bis vier Knoten die Stunde, durch das Waſſer, alſo ungefähr ſo raſch, als ein ge⸗ wöhnlich kräftiger Mann zu gehen im Stande iſt. Seine Bewegung war für Alle an Bord faſt unmerk⸗ lich, und man hätte ſie eher ein Gleiten, als ein Segeln nennen können, indem das Rauſchen des Waſſers unter dem Bug nicht ſtärker war, als eine raſch durch das Waſſer bewegte Hand hervorzubringen vermag; dennoch änderte die leichteſte Bewegung des Steuers augenblick⸗ lich ſeinen Curs, und zwar ſo leicht und anmuthsvoll, daß ſeine Gänge dem Spiele der Ente glichen. In die⸗ ſem Augenblicke erhöhte auch ſein Jigger, der aufgegeit war und guirlandenartig an ſeiner leichten Raa hing, jeden Augenblick zum Gebrauche fertig, wenn die Noth 184— 186. 34 es forderte, das niedliche Ausſehen, welches Alles an dieſem Schiffe hatte, ungemein, und gab ihm in den Augen des Seemannes, jene äußerſt kluge und verdäch⸗ tige Miene, welche Maſo's Mißtrauen rege gemacht hatte. Die Vorbereitungen zu dem Aufhiſſen der Flagge, welche den raſchen, verſtändigen Blick Ghita's auf ſich gezogen hatten, und die ſelbſt dem trägeren Blicke der Kanoniere nicht entgangen waren, wurden an dem äußern Ende der Raa dieſes Jiggers gemacht. Ein Knabe war auf dem Hackebord erſchienen, und klarirte augen⸗ ſcheinlich die Flaggenfall zu dieſem Zwecke. Nach einer halben Minute war er jedoch verſchwunden, und dann hob ſich langſam und ſtoßweiſe eine Flagge empor. An⸗ fangs hing das Tuch gerade hernieder, ſo daß man nichts zu unterſcheiden vermochte; bald aber dehnten ſich, als wenn Alles an Bord dieſes leichten Schiffes ſo luſtig und lebendig wäre, wie es ſelbſt, die Falten auseinander und zeigten ein weißes in rechten Winkeln von einem rothen Kreuz durchſchnittenes Feld. „Ingleſe,“ rief Maſo, durch den Anblick der Flagge des Fremdlings in dieſer Anſicht ſehr ermuthigt,„ja, Signore, er iſt ein Engländer, ich habe ſogleich nicht anders vermuthet; da der Logger bei dieſer Nation aber keine gewöhnliche Takelage iſt, wollte ich mich durch eine Aeußerung dieſer Art nicht blosſtellen.“ „Gut, ehrlicher Tommaſo, es iſt ein wahres Glück, in dieſen unruhigen Zeiten einen ſo geſchickten Seemann, wie Ih⸗ wirklich lings h Corpo d ſeemänn ſo kleine Ja, Gl Seereiſe land lieg S ich habe Flagge i geſehen. lichen He „Jo tiges Lau weder O bündete in Oberi⸗ etwas, E Ich fürch unſern H „Er Signor 2 leiſen Se „Vielleich Alles an n in den verdäch⸗ acht hatte. r Flagge, auf ſich Blicke der m äußern in Knabe te augen⸗ dach einer und dann dor. An⸗ aan nichts ſich, als uſtig und nder und m rothen er Flagge gt,„ja, eich nicht tion aber urch eine es Glück, beemann, wie Ihr ſeid, an ſeiner Seite zu haben. Ich wüßte wirklich nicht, wie wir ohne Euch die Nation des Fremd⸗ lings hätten ausfindig machen ſollen. Ein Ingleſe! Corpo di Bacco! Wer hätte es ſich gedacht, daß eine ſo ſeemäanniſche und ſo weit von uns entlegene Nation ein ſo kleines Schiff auf einen ſo weiten Weg ſchicken würde. Ja, Ghita, es iſt von Elba nach Livorno ſchon eine Seereiſe, und dennoch wage ich die Behauptung, Eng⸗ land liegt noch zwanzig Mal weiter ab.“ „Signor, ich weiß von England nur wenig, aber ich habe gehört, es liege jenſeits unſeres Meeres⸗ Jene Flagge iſt indeſſen die engliſche; denn ich habe ſie oft geſehen. Viele Schiffe jenes Landes kommen in die ſüd⸗ lichen Häfen dieſer Küſte.“ „Ja, ja, es iſt in Bezug auf Seeleute ein mäch⸗ tiges Land, obgleich man mif geſagt hat, es gebe dort weder Oel noch Wein. Auch ſind die Engländer Ver⸗ bündete des Kaiſers und Todfeinde der Franzoſen, welche in Oberitalien ſo viel Unheil angerichtet haben. Das iſt etwas, Ghita, und jeder Italiener muß die Flagge ehren. Ich fürchte, dieſer Fremdling hat die Abſicht nicht, in unſern Hafen zu gehen.“ „Er ſteuert allerdings ſo, als wolle er dies nicht, Signor Podeſta,“ ſagte Ghita und verhauchte einen ſo leiſen Seufzer, daß er nur ihrem Ohre hörbar wurde. „Vielleicht ſucht er ein franzöſiſches Schiff, deren man 3* — 36— im letzten Jahre ſo viele nach Oſten ſegeln geſehen haben will.“ „Ja, das war in der That ein Unternehnemen!“ verſetzte der Beamte, arbeitete weitſchweifig mit den Händen und begleitete ſeine Geberden durch mächtiges Augenrollen:„General Buonaparte, der in den letzten zwei Jahren den Teufel in dem Mailändiſchen und den Staaten des Pabſtes geſpielt hat, ſegelte, wie man uns berichtet hat, mit zwei bis dreihundert Schiffen,— die Heiligen wußten anfangs wohin; die Einen ſagten, er wolle das heilige Grab zerſtören; nach Andern wollte er den mächtigen Türken ſtürzen; Manche dachten auch, er wolle von den Inſeln Beſitz ergreifen. Noch in dieſer Woche lief ein Schiff hier ein, welches ausſagte, er habe von der Inſel Malta Beſitz genommen, in welchem Falle wir eine unruhige Zeit für Elba vorſehen könnten. Ich hatte von Anfang her meinen Verdacht.“ „Alles das hörte ich ſeiner Zeit, und mein Oheim könnte Euch wahrſcheinlich ausführlicher erzählen, wie wir alle dieſe Nachrichten aufgenommen haben.“ „Gut, dies iſt nun all vorbei, und die Franzoſen ſind in Aegypten. Euer Oheim, Ghita, iſt auf das Feſtland gegangen, wie man mir geſagt hat?“ Der Beamte brachte dies fragend vor, obgleich es eigentlich ganz nachläſſig geſagt ſein ſollte; der Podeſta konnte aber nicht umhin, die Frage mit einem argwöh⸗ niſchen Blicke zu begleiten. 7, doch w Eccelle! Podeſta von An ſcheint nicht w Di war es welcher ſich gele vermuth Er flächen luft, ſo Bucht hi Kanals Die eine allg die Höhe ſich ſenk erreichen Ma das Vor Ghita in eifrigerer Wät geſehen dnemen!“ mit den mächtiges en letzten und den man uns 1,— die agten, er wollte er auch, er in dieſer „er habe hem Falle ten. Ich in Oheim llen, wie Franzoſen auf das ogleich es r Podeſta argwöh⸗ — 37 „Signor, ich glaube, er ging auf das Feſtland; doch weiß ich nur wenig von ſeinen Geſchäften. Seht, Eccellenza“— ein Titel, welcher nie verfehlte, den Podeſta ſanfter zu ſtimmen, und ſeine Aufmerkſamkeit von Andern ganz auf ſich ſelbſt zu lenken,„der Logger ſcheint wirklich geneigt, in Eure Bai zu blicken, wenn nicht wirklich in dieſelbe einzutreten.“ Dies reichte hin, um das Geſpräch zu ändern. Auch war es nicht ganz ohne Grund geſagt; denn der Logger, welcher unterdeſſen den weſtlichen Bergvorſprung hinter ſich gelaſſen hatte, ſchien gewillt, zu thun, wie Ghita vermuthet hatte. Er hatte ſein großes Segel gekaiet, beide Leinwand⸗ flächen auf die Backbordſeite gebracht und ein wenig ge⸗ luft, ſo daß er ſich ganz gegen die andere Seite der Bucht hinwendete, ſtatt wie vor ſich in der Richtung des Kanals zu ſtellen. Dieſer Wechſel in dem Curſe des Loggers brachte eine allgemeine Bewegung bei der Menge hervor, welche die Höhen zu verlaſſen begann und die terraſſen förmig ſich ſenkenden Straßen hinabeilte, um den Hafen zu erreichen. Maſo und der Podeſta führten bei dem Hinabſteigen das Vordertreffen an, und die Mädchen folgten, mit Ghita in ihrer Mitte, mit gleicher Neugierde, aber mit eifrigerem Schritte. Während ſich die Maſſe auf den Kais, in den Straßen, auf den Verdecken der Feluccas, oder auf andern Punkten, welche eine Ausſicht boten, geſammelt hatte, ſah man den Fremdling in der Mitte der weiten, tiefen Bai, mit ſeinem Jigger herausgeholt und ſeine Schooten hinten, vorüber gleiten und dem Wind in die Augen ſehen, wenn man das Wind nennen bonnte, was wenig mehr war, als das Athmen des klaſſiſchen Zephyrs. Seine Bewegung war nothwendig langſam, aber ſie blieb leicht, ungezwungen und anmuthsvoll. Als er die Einfahrt des Hafens etwa eine Meile hinter ſich hatte, wendete er durch den Wind und rich⸗ tete ſich dem Hafen zu. Unterdeſſen war er aber den weſtlichen Klippen ſo nahe gekommen, daß ihre Lee ihm jeden Lufthauch nahm; und nachdem er ſeine Leinwand eine halbe Stunde in den kleinen Rheden offen gelaſſen hatte, zog man plötzlich alle Segel an die Raaen und der Logger warf Anker. Di ihre mi mach zu ten Ma ſolchen all ſein, keit und den Um der doc ſteuert, gen, w zu treff nes Fer ganzen Vito V ſelbſt k. daran, dieſe m. oder auf geſammelt r weiten, und ſeine nd in die konnte, klaſſiſchen langſam, voll. ne Meile und rich⸗ aber den Lee ihm Leinwand gelaſſen naen und Zweites Kapitel. Nur wen'ge welſche Phraſen konnt' er ſagen, In allem andern war er ſchlecht beſchlagen; So hieß ſein Herr den jungen Menſchen ziehn Als Wanderer in fremde Länder hin. Cowper. Die Nacht war nun gekommen, und die Menge, die ihre müßige Neugierde befriedigt hatte, begann ſich allge⸗ mach zu zerſtreuen. Signor Viti hielt bis auf den letz⸗ ten Mann aus; denn er hielt es für ſeine Pflicht, in ſolchen unruhigen Zeiten ſtets bei der Hand zu ſein; bei all ſeiner geſchäftigen Thätigkeit war es ſeiner Wachſam⸗ keit und ſeinem umſpähenden Beobachterblicke entgangen, den Umſtand in das Auge zu faſſen, daß der Fremdling, der doch mit ſo vielem Selbſtvertrauen in die Bai ge⸗ ſteuert, bemüht geweſen war, an einem Punkte anzule⸗ gen, wo ihn auch nicht Eine Kanone von den Batterien zu treffen im Stande geweſen wäre, während ſein eige⸗ nes Feuer, ſo fern er zu Feindſeligkeit geneigt war, den ganzen kleinen Hafen beſchießen konnte. Freilich war Vito Viti, obgleich ein feuriger Bewunderer der Kunſt, ſelbſt kein Kanonier, und hatte auch wenig Gefallen daran, bei der Wirkung des Geſchützes zu verweilen, dieſe müßte denn Andern, und nicht ihm ſelbſt gelten. 40 Von allen den Argwöhniſchen, Beſorgten und Neu⸗ gierigen, welche ſich in und um den Hafen geſammelt hatten, ſeit man wußte, daß der Logger in die Bai ein⸗ zulaufen beabſichtige, blieben Ghita und Maſo allein auf dem Ausguck, nachdem das Schiff ſich vor Anker gelegt hatte. Ein lauter Anruf war von Denen gegeben worden, welchen die Beachtung des Quarantäne⸗Geſetzes, dieſes großen phyſiſchen Schreckens und moraliſchen Hohnes des Mittelländiſchen Meeres anvertraut war; und die Fragen, welche man ſtellte, wurden auf eine Weiſe beantwortet, welche für den Augenblick alle Zweifel beſeitigte. Das„Woher kommt Ihr?“ welches in italieniſcher Sprache laut geworden, erwiederte man mit„Inghilterra — zu Liſſabon und Gibraltar angelegt“— Orte, welche in Bezug auf Peſt außer allem Verdachte waren, und die in dieſem Augenblicke alle„klare Geſundheitszeug⸗ niſſe“ geben konnten. Der Name des Schiffes wurde jedoch in einer Weiſe mitgetheilt, welche alle Kenner des ſächſiſchen Engliſch, die in Porto Ferrajo waren, in die größte Verlegenheit ſetzte. Einer der Leute an Bord hatte ihn deutlich und vernehmlich genug ausgeſprochen, und denſelben, auf den Wunſch eines der Quarantäne⸗Beamten, dreimal lang⸗ ſam wiederholt, ziemlich in der nachſtehenden Art: „„ Come chiamate il vostro bastimento?»*) *) Wie nennt Ihr Euer Schiff? „5 „0 „ 8 Ein ihre Kö⸗ ſie jeden ſich den ſen, de wöhnlich Hafen f „Fl nicht ger ein Nan „C lesi?»*s „DH „ſie heif „A rantäne obgleich d haftes Lo Dies und die 2 nicht wen *) Wie? **) Wie und Neu⸗ geſammelt Bai ein⸗ allein auf eegt hatte. worden, , dieſes hnes des Fragen, ntwortet, lieniſcher chilterra welche en, und eitszeug⸗ er Weiſe Engliſch, legenheit lich und auf den al lang⸗ 1: — 41— „Flügel⸗ und⸗Flügel.“ „Come?** „Flügel⸗ und⸗Flügel.“ Eine lange Pauſe, während welcher die Beamten ihre Köpfe zuſammenſteckten, zuerſt um die Laute, wie ſie jedem Ohre geklungen, zu vergleichen, und dann um ſich den Sinn des Ausdrucks von Einem erklären zu laſ⸗ ſen, deſſen Kenntniſſe der Art waren, wie man ſie ge⸗ wöhnlich bei einem Sprachkenner in einem unbeſuchten Hafen findet. „Flügel⸗und⸗Flügel!“ brummte der Bedienſtete in nicht geringer Verlegenheit;„was alle Welt ſoll dies für ein Name ſein? Fragt noch einmal.“ „Come si chiama la vostra barca, Signori Ing- lesi?****) wiederholte Der, welcher den Anruf hatte. „Diable!“ rief Einer in franzöſiſcher Sprache zurück, „ſie heißt Flügel⸗und⸗Flügel— ala e ala.“ „Ala e ala!“ wiederholten die Leute von der Qua⸗ rantäne und blickten ſich erſt erſtaunt an und lachten dann, obgleich das letztere ein ziemlich verlegenes und zweifel⸗ haftes Lächeln war.„ Flügel⸗ und⸗Flügel!“ Dies begab ſich, als der Logger eben vor Anker ging, und die Menge ſich zu zerſtreuen begann. Es veranlaßte nicht wenig Heiterkeit, und bald wurde es in der kleinen *) Wie? **) Wie nennt Ihr Eure Barke, Ihr Herren Engländer? 42 Stadt bekannt, ein Schiff ſei eben aus Inghilterra in den Hafen eingelaufen, deſſen Namen in der Sprache jener Inſel„Ving-y-Ving“ ſei, was auf Italieniſch „ala e ala“ bedeute— ein Name, welcher den Hörern als ziemlich abgeſchmackt auffiel. Um die Angabe jedoch zu bekräftigen, zog der Logger eine kleine, viereckige Flagge an dem Ende der großen Raa auf, welche als Sinnbild zwei große Flügel, wie man ſie zuweilen auf Wappen ſieht, zwiſchen dem Schna⸗ bel einer Galeere zeigte, wodurch das Ganze dem Bilde ziemlich ähnlich wurde, welches die Einbildungskraft für jene himmliſchen Weſen, die Cherubim, erdacht hat. Die⸗ ſes Sinnbild ſchien die Gemüther der Beobachter zu beru⸗ higen; ihr Auge war zu ſehr an Bilder dieſer Art ge⸗ wöhnt, um ſich zuletzt nicht einen ziemlich erträglichen Begriff von dem zu machen, was„ala e ala“ bedeute. Maſo war, wie ſchon geſagt, zurückgeblieben, als die Uebrigen ſich in ihre Häuſer und zu ihrem Abendeſſen begeben hatten,— und ſo that auch Ghita. Der Pilota,— denn dies war Tonti's gewöhnliche Benennung, in Folge ſeiner Bekanntſchaft mit der Küſte und weil man ihn vorzüglich zur Leitung der Fahrzeuge brauchte, welche dieſe Gewäſſer befuhren,— hatte ſeinen Platz auf einer Felucca, an deren Bord er diente, genom⸗ men, und beobachtete die Bewegungen des Loggers, wäh⸗ rend das Mädchen ſich einen Platz auf dem Kai, auf einer Stelle, welche ihrem Geſchlechte beſſer anſtand, gewählt hatte; ſie den rauh men, ur fremden Meh man ein den, hin ein Boot einige de Es rantäne⸗ volk hatt Papiere, hätte der man ließ In vorüber, auf des ſelbſt ſo ſchwer, Das zufrieden Nich Felucca erreicht, „S Podeſta, ilterra in Sprache Ftalieniſch n Hörern er Logger er großen gel, wie m Schna⸗ em Bilde Pkraft für hat. Die⸗ zu beru⸗ r Art ge⸗ träglichen bedeute. ben, als bendeſſen wöhnliche der Küſte Fahrzeuge te ſeinen „genom⸗ ers, wäh⸗ auf einer gewählt — 13— hatte; ſie war hier weniger der Gefahr blosgeſtellt, mit den rauhen Geſellen des Hafens in Berührung zu kom⸗ men, und konnte Alles überſehen, was an Bord des fremden Schiffes vorging. Mehr als eine halbe Stunde verging jedoch, ehe man ein Zeichen gewahrte, das auf die Abſicht, zu lan⸗ den, hindeutete; als es aber dunkel wurde, ließ man ein Boot nieder, das zu der großen Treppe führte, wo einige der Bedienſtigten bereit ſtanden, es zu empfangen. Es iſt unnöthig, bei den Förmlichkeiten der Qua⸗ rantäne⸗Aufſeher zu verweilen. Dieſes läſtige Menſchen⸗ volk hatte ſeine Laternen, und unterſuchte ſorgſam die Papiere, wie dies gewöhnlich iſt; es ſchien jedoch, als hätte der Seemann in dem Boot alles„en régle,“ denn man ließ ihn bald an das Land ſteigen. In dieſem Augenblicke gleitete Ghita an der Gruppe vorüber, und warf einen heimlichen, aber ſcharfen Blick auf des Fremdlings Geſicht und Geſtalt, während ſie ſich ſelbſt ſo in ihren Mantel verhüllte, daß man ſie nur ſchwer, wenn nicht unmöglich, erkennen konnte. Das Mädchen ſchien mit dem, was ihr Auge erhaſcht, zufrieden; denn ſie verſchwand augenblicklich. Nicht ſo Maſo. Er hatte während dieſer Zeit die Felucca raſch verlaſſen, und die Treppen früh genug erreicht, um ein Wort an den Fremden zu richten. „Signore,“ ſagte der Pilot,„ſeine Eccellenza, der Podeſta, hat mich erſucht, Euch wiſſen zu laſſen, daß er — 44— Eurer Gnaden Geſellſchaft in ſeinem Hauſe erwartet, das in der Hauptſtraße und uns ſo nahe liegt, daß es Euch nur Vergnügen machen kann, dahin zu gehen; ich weiß, er würde es übel nehmen, wenn Ihr ihm die Freude verſagen wolltet, Euch bei ſich zu ſehen.“ „Seine Eccellenza iſt ein Herr, den man nicht belei⸗ digen darf,“ verſetzte der Fremde in ſehr gutem Italie⸗ niſch,„und in fünf Minuten werde ich ihm beweiſen, wie eifrig ich ſeinen Wünſchen nachzukommen beſtrebt bin.“ Er wendete ſich jetzt zu ſeinen Ruderern und befahl ihnen, mit dem Boote an Bord des Loggers zurückzukeh⸗ ren, jedoch nicht zu verfehlen, nach dem Signale auszu⸗ ſchauen, durch welches er ſie an die Küſte zurückrufen werde. „Maſo konnte auf dem Wege zu der Wohnung Vito Vitus nicht umhin, einige Fragen laut werden zu laſſen, da er hoffte, einige Zweifel, denen er ſich nicht entſchlagen konnte, beſeitigt zu ſehen. „Seit wann, Signor Capitano,“ begann er,„pflegt ihr in England mit Loggers zu ſegeln? Für ein Schiff wie das Eurige iſt dies eine neue Takelage.“ „Corpo di Bacco,“ erwiederte der Andere lachend, „mein Freund, wenn Ihr mir den Tag ganz genau angeben könnt, an welchem zum erſten Male Brannt⸗ wein und Spitzen aus Frankreich in meine Heimath ge⸗ ſchmuggelt worden ſind, will ich Eure Frage beantworten. Ich glaube, Ihr ſeid noch nie ſo weit nach Norden zu gekomme ſcher Ka Guernſer bekannt „G gehört he land— ein Gebi jetzt noch aber die unterwor beherrſch noch hall den Logg engliſche Ma ſo überh hatte an ihm als ſeinen C Ausſage ſo war a licher ſeit Inſel ve der Eige daſſelbe erwartet, t, daß es gehen; ich ihm die nicht belei⸗ m Italie⸗ beweiſen, rebt bin.“ nd befahl rückzukeh⸗ le auszu⸗ rückrufen Wohnung herden zu ſich nicht ⸗„pflegt in Schiff lachend, z genau Brannt⸗ nath ge⸗ tworten. rden zu — 45— gekommen, als die Bai von Biscaya oder unſer engli⸗ ſcher Kanal liegt, ſonſt müßtet Ihr wiſſen, daß ein Guernſey⸗Mann beſſer mit der Takelage eines Loggers bekannt iſt, als mit dem eines gewöhnlichen Fahrzeuges.“ „Guernſey iſt ein Land, von welchem ich nie etwas gehört habe,“ antwortete Maſo einfach,„iſt es wie Hol⸗ land— oder mehr wie Liſſabon?“ „Weder wie jenes noch wie dieſes. Guernſey iſt ein Gebiet, das einſt den Franzoſen gehörte, und wo jetzt noch viele Leute das Franzöſiſche ſprechen, das ſich aber die Engländer ſchon ſeit mehreren Jahrhunderten unterworfen haben. Es iſt eine Inſel, die König Georg beherrſcht; die aber in Bezug auf Sprache und Sitten noch halb Galliſch iſt. Dies iſt der Grund, warum wir den Logger lieber haben, als den Kutter, der eine mehr engliſche Takelage iſt,“ Maſo ſchwieg; denn, wenn die Antwort ſich bewährte, ſo überhob ſie ihn auf einmal einer Menge Zweifel. Er hatte an dem fremden Schiffe ſo Vieles bemerkt, was ihm als Franzöſiſch aufgefallen war, daß ſich Zweifel an ſeinen Charakter aufgedrängt hatten; wenn ſich aber die Ausſage des Capitains als der Wahrheit getreu ergab, ſo war aller Argwohn dahin. Was konnte auch natür⸗ licher ſein, als daß ein Schiff, welches man auf einer Inſel von franzöſiſchem Urſprunge ausgerüſtet, manche der Eigenthümlichkeiten des Volkes verrieth, welches daſſelbe gebaut hatte? — 46— Der Podeſta war zu Hauſe und des Beſuches ge⸗ wärtig; er ließ erſt Maſo allein zu ſich eintreten, wäh⸗ rend der Fremde in einem Außengemache wartete. Wäh⸗ rend dieſer kurzen Beſprechung theilte der Pilot Alles mit, was er vorzubringen hatte, ſeinen Argwohn und die anſcheinende Löſung der Schwierigkeiten; er erhielt einen Paolo als Lohn und wurde verabſchiedet. Vito Viti empfing jetzt ſeinen Beſuch; es war aber, da die Lichter noch nicht hereingebracht worden, ſo dun⸗ kel, daß Keiner die Züge des Andern zu unterſcheiden im Stande war. „Signor Capitano,“ bemerkte der Beamte,„der Stellvertreter des Statthalters iſt in ſeiner Wohnung auf dem Hügel und wird erwarten, daß ich ihm das Vergnügen mache, Euch dorthin zu bringen, um Euch als Fremden die gebührende Ehre zu erweiſen.“ Dies wurde ſo höflich vorgebracht und war an und für ſich ſo vernünftig, und zumal ſo in Uebereinſtimmung mit den Sitten der Inſel, daß der Andere kein Wort dagegen zu ſagen wußte. Sie verließen alſo das Haus miteinander, und gingen auf das Haus des Vice⸗Statt⸗ halters zu, daſſelbe bereits erwähnte Haus, das ſeitdem als die Reſidenz eines Kriegers berühmt geworden iſt, dem es beinahe gelang, Europa unter ſein Joch zu bringen. Vito Viti war ein kurzer, ſtämmiger Mann, und brauchte daher Zeit, um die treppenartige Straße hinauf⸗ zukomme. Naſchheit hätte ſehe nicht ſcheo ſehen, ſo And von ſein Mann. wenig m er doch ſagen, er daß er 1 wenn ſie brachten, Gelehrſa Gele zu brauch beſonders tur ſo w legungen für nothn zu ſchütze nigten S Rechte daß ſie i ſchäftigun fordern ſuches ge⸗ ten, wäh⸗ bte. Wäh⸗ ilot Alles vohn und er erhielt war aber, „ſo dun⸗ erſcheiden te,„der Wohnung ihm das um Euch ran und ſtimmung ein Wort as Haus e⸗Statt⸗ ſeitdem rden iſt, Joch zu in, und ehinauf⸗ zukommen; ſein Gefährte ſtieg aber die Stufen mit einer Raſchheit und Leichtigkeit hinan, welche an ſich ſchon hätte ſehen laſſen, daß er noch jung ſei, hätte man dies nicht ſchon an ſeiner ganzen Haltung und ſeinem Aus⸗ ſehen, ſo weit dies in der Nacht möglich, errathen. Andrea Barrofaldi, der Vice⸗Statthalter, war ein von ſeinem Freunde, dem Podeſta, ganz verſchiedener Mann. Wußte dieſer Würdenträger auch aus Erfahrung wenig mehr von der Welt und den Menſchen, ſo war er doch mit Büchern ſehr vertraut; denn, es kurz zu ſagen, er verdankte ſeine jetzige Stellung dem Umſtande, daß er mehrere gute Werke geſchrieben hatte, welche, wenn ſie ihn auch nicht in den Ruf eines großen Geiſtes brachten, doch in ihrer Art nützlich waren und von ſeiner Gelehrſamkeit Zeugniß gaben. Gelehrte ſind ſehr ſelten für das öffentliche Leben zu brauchen, und doch findet man, daß alle Regierungen, beſonders ſolche, die ſich im Allgemeinen um die Litera⸗ tur ſo wenig bekümmern, daß ſie einige äußerliche Dar⸗ legungen ihrer Achtung für dieſelbe, ihres Rufes wegen, für nothwendig halten, ſich den Schein geben wollen, ſie zu ſchützen; und ſo kommt es, daß man in den Verei⸗ nigten Staaten, wo die Geſetze ſo gleichgültig gegen die Rechte und Intereſſen dieſer Klaſſe von Männern ſind, daß ſie ihnen in der Ausübung ihrer gewöhnlichen Be⸗ ſchäftigungen Koſten und Geldſtrafen auferlegen, die zu fordern keiner andern chriſtlichen Nation im Traume 48 einfällt, hochklingende Anſprüche an die Art Liberalität hören, obgleich das herrſchende Syſtem in Betreff der Belohnungen und Strafen*), von dem Unterthanen ge⸗ wöhnlich fordert, ſich erſt beſteuern zu laſſen, um ſeine Befähigung zu der Abgabe bewähren zu können. Andrea Barrofaldi hatte jedoch keinen politiſchen Purzelbaum ge⸗ ſchlagen, und war daher, ſelbſt ohne das ſentimentale Bekenntniß, ſeine jetzige Stelle niemals begehrt zu haben, in dieſelbe eingerückt. Die Anſtellung war ihm von der Regierung gegeben worden, ohne daß in den toskaniſchen Zeitungen auch nur ein Wort hinſichtlich ſeiner Anſtände, ſie anzunehmen, geſagt worden wäre, und Alles verlief, *) Man lieſt ſo viel in den Amerikaniſchen Zeitungen von dem Schutze, welchen das Publikum den Wiſſenſchaften angedeihen läßt— ein Schutz, welcher ſich ziemlich darauf beſchränkt, daß man ſolche Werke kauft, welche der Leſer braucht, nicht aber die, deren man im Augenblicke nicht bedürftig iſt, daß man notbwendig an die Geſchichte jener Creolin denken muß, welche mit einigen Freundinnen über die Behandlung der Neger ſprach. „Wenn ihr Neger im Zaum halten wollt,“ ſagte ſie,„ſo müßt ihr ein Syſtem haben. Ich habe ein Syſtem. Mein Syſtem à moi, das iſt das Syſtem der Belohnungen und der Strafen.“— Somit wendete ſie ſich zu ihren Schwarzen und redete ſie an, wobei ſie ihre Freundinnen bat, die Wirkung wohl zu beachten„Mes amis,“ ſagte ſie,„morgen wird jenes Feld mit Zuckerrohr reif ſein, und es wird viel zu thun geben: ihr kennt mich— ihr keunt mein Syſtem der Belohnun⸗ gen und Strafen. Wenn ihr nicht arbeitet, werdet ihr gepeitſcht; wenn ihr aber recht viel— recht viel arbeitet, werdet ihr nicht gepeitſcht. Der Verfaſſer. wie Ding fachheit Hinterliſt in ſeiner Pflichten er dieſelb nen gelie mung mi men ſollt und ausf ſchäftigt. Der Vito Vit Freunde, hatte. S und führ Großherz Da! Einfluſſe Podeſta i ten, wen Licht eine Perſon u fen, ihre ſah ſich, Geſicht, chen ihren 184— Liberalität Zetreff der thanen ge⸗ um ſeine 1. Andrea Albaum ge⸗ ntimentale zu haben, n von der skaniſchen Anſtände, es verlief, n von dem angedeihen hränkt, daß nicht aber „ daß man nuß, welche eger ſprach. e ſie,„ſo tem. Mein gen und der warzen und ie Wirkung orgen wird diel zu thun Belohnun⸗ gepeitſcht; et ihr nicht faſſer. — 49— wie Dinge da wohl zu verlaufen pflegen, wo ächte Ein⸗ fachheit und biederer Sinn walten, und Hochmuth und Hinterliſt fern bleiben. Er war nun ſeit zehn Jahren in ſeinem Amte und hatte ſich für die gewöhnlichen Pflichten ſeiner Stelle ungemein befähigt; auch erfüllte er dieſelben mit Treue und Eifer. Doch entſagte er ſei⸗ nen geliebten Büchern nicht; und ganz in Uebereinſtim⸗ mung mit der Angelegenheit, welche jetzt vor ihn kom⸗ men ſollte, hatte Signor Barrofaldi ſich eben ernſt, tief und ausführlich mit dem Studium der Geographie be⸗ ſchäftigt. Der Fremde blieb in dem Vorgemache, während Vito Viti in ein inneres Zimmer ging und mit ſeinem Freunde, dem Vice⸗Statthalter, eine kurze Unterredung hatte. Sobald dieſe geendigt war, kehrte jener zurück, und führte den Fremden vor den Stellvertreter eines Großherzogs, wenn nicht eines Königs. Da dies des Seemannes erſtes Auftreten unter dem Einfluſſe eines Lichtes, das hell genug war, um den Podeſta in den Stand zu ſetzen, ihn genauer zu betrach⸗ ten, wendeten er und Andrea Barrofaldi, ſobald das Licht einer hellen Lampe es ihnen möglich machte, ſeine Perſon und ſein Ausſehen einer Prüfung zu unterwer⸗ fen, ihre Augen mit lebhafter Neugier auf ihn. Keiner ſah ſich, wenigſtens in einem Sinne, getäuſcht; denn Geſicht, Geſtalt und Gebahren des Seemannes entſpra⸗ chen ihren Erwartungen im höchſten Grade. 184— 186. Der Fremde war ein Mann von ſechs und zwanzig Jahren, der fünf Fuß zehn Zoll hoch war, und deſſen Körperbau von Gewandtheit und Muskelkraft zeugte. Er war in eine gewöhnliche Seemannsuniform gekleidet, die er aber ſo zierlich trug, daß Jemand, welcher ſich auf dergleichen mehr aus Erfahrung und weniger aus Büchern, wie Andrea Barrofaldi, verſtanden hätte, augen⸗ blicklich entdecken mußte, dieß ſei nicht die männliche Einfachheit der engliſchen Seemannstracht. Auch waren ſeine Geſichtszüge nicht im Entfernteſten die eines jener Inſelbewohner; denn die Form war klaſſiſch ſchön, beſon⸗ ders Mund und Kinn, während die Wangen farblos und die Haut ſchwärzlich war. Auch ſeine Augen waren ſchwarz wie Ebenholz, und ſeine Wangen deckte zur Hälfte ein Backenbart, ſchwarz wie die Schwingen des Raben. Sein Geſicht war, als ein Ganzes, ungemein ſchön; denn das Wort hübſch drückt nicht ſtark genug den ganzen Charakter aus, welcher in einer Geſichtsbil⸗ dung lag, die nach einer antiken Medaille geſchnitten zu ſein ſchien, beſonders, wenn ein Lächeln um ſie ſpielte, welches zuweilen das ganze Antlitz ſo bezaubernd machte, wie das eines lieblichen Weibes. Dennoch war durchaus nichts Weichliches in der Erſcheinung des Fremden; denn ſeine männliche, obgleich ſanfte Stimme, ſeine ſtark ge⸗ baute Geſtalt und ſein feſter Blick beurkundeten Muth und Entſchloſſenheit. Der Vice⸗Statthalter, ſo wie der Podeſta waren erſtaunt über die ungewöhnlichen perſön⸗ lichen und je vorübe halbe nor 2 Statt kleinen Capite Ander zumal der g mann tano; einſcht dadure Feinh vertra licher Smit! nd zwanzig und deſſen aft zeugte. 1 gekleidet, velcher ſich eniger aus tte, augen⸗ männliche luch waren eines jener zön, beſon⸗ gen farblos igen waren deckte zur vingen des ungemein tark genug Geſichtsbil⸗ ſchnitten zu ſie ſpielte, ind machte, ar durchaus aden; denn ne ſtark ge⸗ eten Muth ſo wie der zen perſön⸗ — 51— lichen Vorzüge und das zierliche Weſen des Fremden, und jeder blickte ihn, als die gewöhnlichen Begrüßungen vorüber waren, und ehe die Geſellſchaft ſich ſetzte, eine halbe Minute ſchweigend an. Auf einen Wink des Sig⸗ nor Barrofaldi nahmen die Drei Stühle und der Vice⸗ Statthalter eröffnete die Unterhaltung. „Wie ich höre, haben wir die Ehre, in unſerm kleinen Hafen ein Schiff aus Inghilterra zu ſehen, Signor Capitano?“ bemerkte der Würdeträger und warf dem Andern durch ſeine Brillengläſer einen ernſten Blick, der zumal nicht ganz frei von Argwohn war, zu. „Signor Vice⸗Governatore, ich habe die Ehre, unter der genannten Flagge zu dienen,“ erwiederte der See⸗ mann. „Ihr ſeid ſelbſt Engländer, denk' ich, Signor Capi⸗ tano;— welchen Namen ſoll ich in mein Buch hier einſchreiben?“ „Jaques Smit,“ verſetzte der Andere und verrieth dadurch Etwas, das in den Ohren Derer, die mit den Feinheiten der ſehr unmuſtkaliſchen engliſchen Sprache vertraut waren, ein doppeltes Schiboleth ſehr bedenk⸗ licher Art abgeben konnte; denn er wollte ſagen„Jack Smith.“ 4 „Jaques Smit,“ wiederholte der Vice⸗Statthalter, —„das heißt in unſerm Italieniſch Giacomo—“ „Nein,— nein, Signore,“ fiel Capitain Smit haſtig ein,—„nicht Jaqueomo, ſondern Jaques— Gio⸗ 4* — 52— vanni, mit Hülfe einiges Salzwaſſers in Jaques ver⸗ wandelt.“ „Ach, ich fange an, Euch zu verſtehen, Signore; ihr Engländer habt in eurer Sprache dieſe Gewohnheit, obgleich Ihr, unſern Ohren zu lieb, das Wort ein wenig ſanfter gemacht habt. Wir Italiener fürchten uns aber vor ſolchen Tönen nicht, und der Name iſt mir bekannt — Giac Smit— II capitano Giac Smit.— Ich habe meinen engliſchen Lehrer längſt für einen unwiſſenden Menſchen gehalten; denn er war nur ein Pilota von Livorno, welcher in einem bastimento di guerra*) Eures Landes gedient hatte. Er pflegte Euren ehrenwerthen Namen„Smis“ auszuſprechen, Signore.“ „Er that ſehr unrecht, Signor Vice⸗Governatore,“ antwortete der Andere und räusperte ſich etwas ſtark; „unſere Familie nannte ſich ſtets Smit.“ „Und der Name Eures Loggers, Signor Capitano Smit?“ fragte der Vice⸗Statthalter und hielt, in Er⸗ wartung der Antwort, die Feder über das Papier. „Ze Ving- and-Ving,“**) ſagte der Fremde und ſprach beſonders das W ganz anders aus, als es bei der Antwort auf den Anruf geklungen hatte. „Ze Ving-y-Ving?“ wiederholte Signor Barro⸗ faldi und ſchrieb den Namen ſo, daß man ſah, daß er *) Kriegsſchiff. 4 **) Flügel⸗ und⸗Flügel. 3 ver⸗ gnore; ayheit, wenig 3 aber ekannt ) habe ſenden a von Eures erthen tore,“ ſtark; pitano n Er⸗ de und hei der Barro⸗ aß er — 55— ihn nicht zum erſten Male hörte;—„ze Ving-y-Ving! in der That, ein poetiſcher Name, Signor Capitano; darf ich fragen, was er bedeutet?“ „Ala e ala in Euerm Italieniſch, Signor Vice⸗ Governatore. Wenn ein Schiff, wie das meinige, ein Segel auf jeder Seite aufgeſpannt hat und dem Vogel gleicht, der die Schwingen hebt, ſagen wir im Engliſchen, es gehe Ving- and-Ving.“ Andrea Barrofaldi ſann faſt eine Minute ſchweigend nach. Während dieſer Zeit dachte er an die Unmöglich⸗ keit, daß außer einem bona üide Engländer Jemand ſich könne träumen laſſen, einem Schiffe einen ſo ganz ſeltſamen Namen zu geben; ſein kritiſcher Scharfſinn förderte, wie dies Anfängern in irgend einem ſpe⸗ ciellen Theile des Wiſſens oft geſchieht, ſeine Selbſttäu⸗ ſchung ſchnell. Dann flüſterte er Vito Viti halbleiſe eine Vermuthung über die Frage zu, ohne Zweifel, um ſeinen Nachbarn und Freunden zu beweiſen, mit welcher Gewandt⸗ heit er dergleichen Dinge auffaſſe. Der Podeſta fand die Erklärung weniger anſprechend, als ſein Vorgeſetzter; er wagte aber, wie es ſich für einen Mann von ſeinem beſchränkten Wiſſen paßte, keine Einrede. „Signor Capitano,“ begann Andrea Barrofaldi wie⸗ der,„ſeit wann braucht Ihr Engländer die Takelage des Loggers? Wie ich höre, iſt dies ein ungewöhnliches Fahrzeug bei einer ſo großen ſeefahrenden Nation.“ „Pah! Ich durchſchaue nun die Sache, Signor 2 Vice⸗Governatore! Ihr habt mich im Verdacht, ein Franzoſe, oder ein Spanier, oder irgend etwas Anderes als ein Engländer zu ſein. Ihr könnt jedoch in dieſer Beziehung ganz ruhig ſein und dem, was ich Euch ſage, volles Vertrauen ſchenken. Mein Name iſt Capitain Jaques Smit, mein Schiff iſt ze Ving- and-Ving, und ich bin in dem Dienſte des Königs von England.“ „Euer Schiff iſt alſo ein königliches Schiff?— oder ſegelt es in Korſarengeſchäften?“ „Seh' ich aus wie ein Seeräuber, Signor?“ ſagte Capitain Smit mit beleidigter Miene.—„Ich habe urſache, in einer ſo unwürdigen Unterſtellung eine Krän⸗ kung zu finden.“ „Verzeihung, Signor Capitano Smit,— unſere Pflicht auf dieſer unbeſchützten Inſel und in ſo unruhigen Zeiten, wie die, in welchen wir leben, iſt jedoch ſehr zarter Natur. Es iſt mir berichtet worden,— und der Bericht rührt von dem bewährteſten Piloten unſeres Ha⸗ fens her,— Euer Logger habe durchaus nicht das Anſehen eines engliſchen Schiffes, während es in mehreren Punk⸗ ten ganz wie ein franzöſiſcher Korſar ausſehe; und eine kluge Vorſicht macht es mir zur dringenden Pflicht, mich Eurer Nation zu vergewiſſern. Bin ich deren erſt ſicher, wird es eine Freude der Elbaner ſein, Euch zu beweiſen, wie ſehr wir hohe Verbündete ehren und achten.“ „Dies iſt ſo vernünftig und zumal dem Verfahren ſo angemeſſen, das ich ſelbſt einhalte, wenn ich einem Fremdling zur S Arme nur ei Euern ledigt ſoll di des Vj Ihr d Euch Euch herzog Englit reichen larven unwü es do würm rende hoffte Geger Vortl geben dieſen — un ſpräch mit m „ ein nderes dieſer ſage, apitain s, und — oder ſagte ) habe Krän⸗ unſere ruhigen ch ſehr ind der kes Ha⸗ Anſehen 1 Punk⸗ nd eine ht, mich ſt ſicher, eweiſen, ahren ſo eemdling — 55— zur See begegne,“ rief der Capitain und ſtreckte beide Arme in einer offenen, einladenden Weiſe aus,„daß nur ein Schurke Etwas dagegen ſagen kann. Haltet nur Euern Curs ein, Signore Vice⸗Governatore, und ent⸗ ledigt Euch in Eurer Weiſe aller Eurer Zweifel. Wie ſoll dies bewerkſtelligt werden?— Wollt Ihr an Bord des ving-and-Ving gehen und ſelbſt zuſehen?— Wollt Ihr dieſen ehrenwerthen Beamten ſchicken,— ſoll ich Euch meine Papiere zeigen? Dieſe ſind hier und ſtehen Euch und zumal ſeiner Kaiſerlichen Hoheit dem Groß⸗ herzoge zu Dienſten.“ „Ich ſchmeichle mir, Signor Capitano, von dem Engliſchen, obgleich nur mit Hülfe von Büchern, hin⸗ reichende Kenntniß zu haben, um einen Betrüger zu ent⸗ larven, könnt' ich Euch für fähig halten, in einem ſo unwürdigen Charakter zu erſcheinen,— und zwar bedürfte es dazu nur einer kurzen Unterredung. Wir Bücher⸗ würmer,“ ſetzte Andrea Barrofaldi mit einem triumphi⸗ renden Blick auf ſeinen Nachbarn hinzu,— denn er hoffte jetzt, dem Podeſta, mit welchem er oft über dieſen Gegenſtand geſprochen hatte, ein Beiſpiel von den großen Vortheilen einer allgemeinen wiſſenſchaftlichen Bildung geben zu können,—„wir Bücherwürmer können mit dieſen Kleinigkeiten auf unſere eigene Weiſe umſpringen, — und wenn es Euch beliebt, Euch in ein kurzes Ge⸗ ſpräch über England, ſeine Sitten, Sprache und Geſetze mit mir einzulaſſen, wird die Frage ſogleich entſchieden ſein.“ „Ihr habt über mich zu gebieten, und nichts wird mich mehr freuen, als einige Minuten mit Euch über dieſe kleine Inſel zu verplaudern. Sie iſt nicht groß, Signore, und ohne Frage nur von geringer Bedeutung; als mein Vaterland aber ſteht ſie hoch in meinen Augen.“ „Dies iſt natürlich. Und nun, Signor Capitano,“ ſagte Andrea Barrofaldi und warf einen Blick auf ſeinen Freund, um ſich zu vergewiſſern, daß er zuhöre,„wollt Ihr die Güte haben, mir zu ſagen, welche Regierungs⸗ form in England gilt,— die monarchiſche, die ariſtokra⸗ tiſche oder die demokratiſche?“ „Alle Welt,— das iſt nicht ſo leicht zu beantwor⸗ ten.— Wir haben einen König, aber dabei auch mächtige Lords, und auch eine Demokratie, welche zuweilen Unruhe genug hervorbringt. Eure Frage könnte einem Philoſo⸗ phen Kopfzerbrechen machen, Signor Vice⸗Governatore.“ „Dies iſt nicht ſo ganz unrecht, Nachbar Vito Viti, denn die Conſtitution von Inghilterra iſt ein Inſtrument, das viele Saiten hat. Eure Antwort überzeugt mich, daß Ihr über Eure Staatsverſaſſung nachgedacht habt, Capitano, und ich achte einen denkenden Mann, welcher Stellung im Leben er auch angehören mag. Welches iſt die Religion des Landes?“ „Corpo di Bacco! Dies iſt eine noch ſchwerere Frage, als die frühere. Wir haben ſo viele Religionen in England, als man dort Seelen zählt. Es iſt zwar wahr, die Geſetze ſagen etwas über dieſen Punkt; aber dann ſe etwas a dieſe Fr „ mit ſole ſoll. G obgleich ſeid?“ „N Capitain unſere? Geiſtlich bekümme „ daſſelbe, viele Lat „V Smit ei eurer N und meh kürzer, „ L4 Hitze, al „No unterbrac der Hand geſtändni s wird ich über zt groß, eutung; Augen.“ ditano,“ f ſeinen „wollt herungs⸗ riſtokra⸗ antwor⸗ nächtige Unruhe Philoſo⸗ natore.“ to Viti, rument, t mich, ht habt, welcher lches iſt hwerere ligionen iſt zwar t; aber — 57— dann ſagen auch Männer, Frauen und Kinder wieder etwas anderes. Nichts hat mich mehr beunruhigt, als dieſe Frage in Betreff der Religion.“ „Ha, ihr Seeleute beläſtigt eure Seelen nicht ſehr mit ſolchen Gedanken, wenn man die Wahrheit ſagen ſoll. Gut, wir wollen über dieſen Punkt hinweggehen, obgleich Ihr und all' die Eurigen ohne Frage luterani ſeid?“ „Nehmt uns, für was Ihr wollt,“ antwortete der Capitain mit einem ironiſchen Lächeln.„Jedenfalls waren unſere Ahnen einſt gute Chriſten; die Seeleute und die Geiſtlichen ſind aber ſtets die beſten Freunde; denn ſie bekümmern ſich nicht umeinander.“ „Das wollte ich beſchwören. Es iſt hier ziemlich daſſelbe, caro Vito Viti, obgleich unſere Seeleute ſo viele Lampen brennen und ſo manches Ave beten.“ „Verzeiht, Signor Vice⸗Governatore,“ fiel Signor Smit ein wenig ernſt ein,„dieß iſt der große Fehler eurer Matroſen überhaupt. Wenn ſie weniger beteten, und mehr auf ihre Pflicht achteten, würden ihre Reiſen kürzer, und der Gewinn ſicherer ſein.“ „Läſterlich!“ rief der Podeſta mit mehr Eifer und Hitze, als er ſonſt an den Tag zu legen pflegte. „Nein, würdiger Vito Viti, er hat ganz recht,“ unterbrach ihn Andrea Barrofaldi mit einer Schwenkung der Hand, welche eben ſo gebieteriſch war, als das Zu⸗ geſtändniß von ſeiner Freiſinnigkeit und einem, durch die Wiſſenſchaften geläuterten Geiſte zeugte.„Wir müſ⸗ ſen dieſe Thatſache zugeſtehen. Die Geſchichte von Her⸗ kules und dem Fuhrmann beſtätigt ſie überdieß. Arbei⸗ teten unſere Leute erſt und beteten dann, ſo richteten ſie mehr aus, als daß ſie erſt beten und dann ihre Kraft brauchen;— und nun, Signor Capitano, ein Wort über Eure Sprache, von welcher ich einiges verſtehe, und die Ihr, ohne Zweifel, wie ein Eingeborner ſprecht.“ „Sertainli,**) antwortete der Capitain in der voll⸗ kommenſten Faſſung, und bediente ſich augenblicklich, ſtatt der italieniſchen, der engliſchen Sprache, ein Beweis, wie ſicher er in dieſer Hinſicht ſeiner Sache war,„one caunot fail to speak ze tongue of his own mozair**)!“ Dieſe Worte wurden ohne die geringſte Verlegenheit und mit einem Accent geſprochen, welcher einen Frem⸗ den wohl täuſchen konnte; auch klangen ſie gewichtig in des Vice⸗Statthalters Ohr, welcher das heimliche Be⸗ wußtſein hatte, daß er, wenn es ihn das Leben gekoſtet hätte, einen ſolchen Satz nicht hätte herausbringen kön⸗ nen. Er ſetzte daher das Geſpräch italieniſch fort. „Eure Sprache, Signore,“ fuhr Andrea Barrofaldi mit Wärme fort,„iſt ohne Zweifel eine ſehr edle; denn die Sprache, in welcher Shakſpeare und Milton geſchrie⸗ ben haben, muß eine edle ſein; Ihr werdet mir aber *) Gewiß.. **½) Man muß doch wohl ſeine eigene Mutterſprache ſprechen. doch die; keit des Buchſtabe unverſtän bereitet.“ 77 Ich antwortet machte, de auf eine und gar theidigun was Ihr „W dieſes S klingen, Weiſe ge bocks,“ „ bag ,14 Wörter, Klang ha ſchiedener Worte, Verzweif „Al Sprachlel „W durch das Wir müſ⸗ von Her⸗ 3. Arbei⸗ hteten ſie ihre Kraft Vort über , und die zt.“ n der voll⸗ cklich, ſtatt Beweis, ar,„one zair**)!“* erlegenheit nen Frem⸗ ewichtig in mliche Be⸗ en gekoſtet eingen kön⸗ fort. Barrofaldi edle; denn on geſchrie⸗ et mir aber ſprechen. doch die Bemerkung erlauben, daß ſie eine Gleichförmig⸗ keit des Klangs von Wörtern, die mit verſchiedenen Buchſtaben geſchrieben werden, beſitzt, welche ich eben ſo unverſtändig finde, als ſie dem Ausländer Verlegenheiten bereitet.“ „Ich habe äahnliche Klagen ſchon früher gehört,“ antwortete der Capitain, der ſich gar nichts daraus machte, daß ſich das Verhör, welches ihm ſo ungelegen kam, auf eine Sprache zu wenden ſchien, an welcher ihm ganz und gar nichts lag.„Ich weiß nur wenig zu ihrer Ver⸗ theidigung vorzubringen. Aber als ein Beiſpiel deſſen, was Ihr meint—“ „Wohl, Signore, ich habe hier mehrere Wörter auf dieſes Stückchen Papier geſchrieben, welche faſt gleich klingen, obgleich ſie, wie Ihr ſeht, auf verſchiedene Weiſe geſchrieben werden. Bix, bax, box, bux und bocks,“ fuhr Andrea fort und bemühte ſich,„big,“ „bag,“„bog,“„bug“ und„box“ auszuſprechen, Wörter, welche, wie es ihm ſchien, einen ſehr verwandten Klang hatten, obgleich man ſie allerdings mit ſehr ver⸗ ſchiedenen Buchſtaben ſchrieb,„dies ſind dann doch Worte, Signor, welche einen Fremden in hinreichende Verzweiflung bringen können.“— „Allerdings— allerdings, und ich ſagte meinem Sprachlehrer oft—“ „Wie? habt Ihr Eure Mutterſprache nicht als Kind durch das Gehör gelernt, wie wir die unſrige?“ fragte — 60— der Vice⸗Statthalter, und ſein Argwohn erwachte plötz⸗ lich wieder. „Ohne Zweifel, Signore; aber ich redete von Bü⸗ chern und von dem Leſenlernen. Als„big,“„bag,“ „bog,“„bug“ und„box“— und hier las er dieſe Wörter mit feſter Stimme und erträglicher Ausſprache von dem Papier—„zum erſten Male vor meine Augen kamen, fühlte ich die ganze Verlegenheit, von welcher Ihr ſprecht.“ „und habt Ihr dieſe Wörter nicht eher ausgeſpro⸗ chen, als bis man ſie Euch leſen lehrte?“ Dieſe Frage war nicht leicht zu beantworten; Vito Viti begann aber eines Geſprächs überdrüſſig zu werden, an welchem er keinen Theil nehmen konnte, und ſchnitt die Sache glücklicherweiſe nach ſeiner Art ab. „Signor Barrofaldi,“ ſagte er,„bleibt bei dem Logger. Alle unſere Verdachtgründe ſchreiben ſich von Tommaſo Tonti her, und die ſeinigen von der Takelage des Schiffes dieſes Herrn. Wenn der Logger erklärt werden kann, was liegt uns dann an dieſem bixi, baxi, boxi?“ Der Vice⸗Statthalter war nicht ungehalten, heiler Haut aus dieſen Sprachſchwierigkeiten herauszukommen; er lächelte ſeinem Freunde zu und nickte beifällig mit dem Kopfe. Dann dachte er einen Augenblick nach, um auf ein anderes Verfahren zu ſinnen, und ſetzte ſein Verhör fort. „Me „und wir maſo Tor rung und ſagt, iſt zoſen ſehr dern, ſor Dar „D mann. B den, obgle Ich habe daß es eit geweſen, alles erklä ſind Leute und ſo h ſehen. De „Die dies Alles und ihren lich der N man kein und Ving „Str Seemann, Vice⸗Statt Smit iſt ſ dachte plötz⸗ te von Bü⸗ „bag,“ as er dieſe Ausſprache leine Augen don welcher ausgeſpro⸗ rten; Vito zu werden, und ſchnitt bt bei dem n ſich von er Takelage gger erklärt bixi, baxi, lten, heiler zukommen; ſeifällig mit nach, um ſetzte ſein — 61— „Mein Nachbar Vito Viti hat recht,“ ſagte er, „und wir wollen bei dem Logger ſtehen bleiben. Tom⸗ maſo Tonti iſt ein Seemann von ausgedehnter Erfah⸗ rung und der älteſte Pilote auf Elba. Wie er uns ſagt, iſt der Logger ein Fahrzeug, deſſen ſich die Fran⸗ zoſen ſehr häufig bedienen, das aber von den Englän⸗ dern, ſo viel ihm bekannt geworden, nie gebraucht wird.“ „Darin bewährt Tommaſo Tonti ſich nicht als See⸗ mann. Bei den, Engländern werden viele Logger gefun⸗ den, obgleich die Franzoſen deren allerdings mehr haben. Ich habe jedoch dem Signor Vito Viti bereits geſagt, daß es eine Inſel Guernſey gebe, welche einſt franzöſiſch geweſen, die aber jetzt engliſch iſt, ein Umſtand, welcher alles erklärt, was in der Sache auffallen könnte. Wir ſind Leute aus Guernſey, der Logger iſt aus Guernſey, und ſo haben wir denn freilich ein guernſey'ſches Aus⸗ ſehen. Dies iſt halb franzöſiſch, wie ich zugebe.“ „Dies ändert die Sache gänzlich. Nachbar Viti, dies Alles in Betreff der Inſel, und ihrer Geſchichte und ihren Sitten iſt ganz wahr; und wann wir hinſicht⸗ lich der Namen eben ſo gewiß ſein könnten, ſo brauchte man kein Wort mehr zu verlieren. Sind Giac Smit und Ving-y- Ving Guernſey⸗Namen?“ „Streng genommen ſind ſie es nicht,“ verſetzte der Seemann, welcher ſich nur mit Mühe enthielt, dem Vice⸗Statthalter in das Geſicht zu lachen;„denn Jaques Smit iſt ſo engliſch, daß wir vielleicht in ganz Inghil⸗ terra die zahlreichſte Familie ausmachen. Die Hälfte unſerer Adeligen hießen„Smit,“ und nicht Wenige tragen den Namen„Jaques.“ Aber die kleine Inſel Guernſey iſt erobert worden, und unſere Vorfahren, welche dabei thätig waren, brachten ihre Namen mit, Signore. Was Ving- and-Ving betrifft, ſo iſt dies prachtvolles Engliſch.“ „Ich muß dies für ganz vernünftig halten, Freund Vito Viti. Wenn der Signor Capitano jetzt nur ſeine Papiere bei ſich hat, ſo können wir, Ihr und ich, in Frieden zu Bett gehen und bis morgen ſchlafen.“ „Dann ſeht hier, Signore, Euern Schlaftrunk,“ fuhr der Seemann lachend fort und zog mehrere Papiere aus ſeiner Taſche.—„Dies ſind meine Befehle von dem Admiral,— da ſie kein Geheimniß enthalten, könnt Ihr Eure Blicke darauf ergehen laſſen. Dies iſt mein Anſtel⸗ lungsdecret, Signor Vice⸗Governatore,— dies iſt die Unterſchrift des engliſchen Marine⸗Miniſters— und dies iſt meine eigene,„Jaques Smit,“ wie Ihr ſeht,— und hier iſt der Befehl, welcher mir, als Lieutenant, das Commando über den Ving-and-Ving überträgt.“ Alle die Befehle und Namen waren allerdings mit klarer und ſauberer Hand und in ganz gutem Engliſch geſchrieben. Das Einzige, was Dem, der mit der eng⸗ liſchen Sprache vollkommen vertraut war, als bedenklich auffallen mußte, war der Umſtand, daß die Worte, welche der Seemann„Jaques Smit“ ausſprach, ſehr deutlich „Jack von der zu ſage trotz de gefertig Ar ren, ut eben ſ oder je Hi Richtig näckigke auszuſy Ving- D ganz g. Würde ein fei Hafen halter Rufe, zu ken oder Die Hälfte icht Wenige kleine Inſel Vorfahren, Namen mit, ſo iſt dies ten, Freund zt nur ſeine und ich, in ffen.“ Schlaftrunk,“ drere Papiere ehle von dem n, könnt Ihr mein Anſtel⸗ dies iſt die — und dies ſeht,— und utenant, das trägt.“ allerdings mit atem Engliſch mit der eng⸗ als bedenklich Worte, welche ſehr deutlich „Jack Smith“ geſchrieben waren,— eine Abweichung von dem gewöhnlichen Gebrauche, welche, die Wahrheit zu ſagen, ihren Grund in ſeinem Eigenſinn hatte und trotz der Widerſprüche des Schreibers, der die Papiere gefertigt hatte, beibehalten wurde. Andrea war aber in dem Engliſchen zu wenig erfah⸗ ren, um den Mißgriff zu beachten, und ließ den„Jack“ eben ſo ruhig gelten, wie er„John“ oder„Eduard“ oder jeden andern Namen hingenommen hätte. Hinſichtlich des„Ving-and-Ving“ war Alles in Richtigkeit, obgleich beide Parteien mit der größten Hart⸗ näckigkeit darauf beſtanden, das Wort nach ihrer Weiſe auszuſprechen; die beiden Italiener blieben bei ihrem Ving-y-Ving, und der Fremde ſagte Ving- and-Ving. Dieſe Reihe von Erörterungen und Angaben waren ganz geeignet, jede Schwierigkeit zu beſeitigen, und beide Würdeträger ſchienen Maſo Tonti's Bedenklichkeiten ziem⸗ lich zu vergeſſen, als man die Papiere an ihren Eigen⸗ thümer zurückgab und dieſer ſie wieder in die Taſche brachte. „Es war auch etwas ganz Unwahrſcheinliches, daß ein feindliches oder ein Korſaren⸗Schiff in dieſen unſern Hafen einlaufen ſollte, Vito Viti,“ ſagte der Vice⸗Statt⸗ halter in ſelbſtgefälligem Tone;„denn wir ſtehen in dem Rufe, wachſam zu ſein und unſere Pflichten eben ſo gut zu kennen, wie die Behörden zu Livorno, oder Genua oder Napoli.“ 3 „Und zwar obendrein, Signore, ohne alle Hoffnung eines Gewinnes, harte Streiche und Gefängniß vielleicht abgerechnet,“ ſetzte Capitain Smit mit einem Lächeln hinzu, das im höchſten Grade einnahm,— ein Lächeln, welches ſelbſt das Herz des Podeſta ſänftigte, während es das ſeines Vorgeſetzten ſo ſehr hinriß, daß er ſich veranlaßt ſah, den Fremden einzuladen, an ſeinem ein⸗ fachen Abendmahle Theil zu nehmen. Die Einladung wurde eben ſo gerne angenommen, als ſie geboten worden, und da der Tiſch in einem an⸗ ſtoßenden Gemach gedeckt war, theilten, nach wenigen Minuten, Capitain Smit und Vito Viti das Nachteſſen des Vice⸗Governatore. Wenn von dieſem Augenblicke an in den Herzen der zwei Würdeträger von Porto Fer⸗ rajo noch ein Funke von Mißtrauen fortglimmte, wurde er ſo geſchickt verſteckt, daß nur ſie Kenntniß davon hatten. Das leichte Mahl einer italieniſchen Küche und die leichten toskaniſchen Weine reichten eben hin, den Körper zu ſtärken und den Geiſt zu beleben; die Unterhaltung wurde allgemein und ſehr heiter, als die Geſchäfte auf dieſem Punkt fortgeſetzt wurden. In jener Zeit war der Thee in dem ganzen ſüdlichen Europa etwas ſo Unbekanntes, daß er nur in den Apo⸗ theken als Heilmittel bewahrt wurde; auch in dieſen wurde er nicht immer vorräthig gefunden, und die Gäſte pflegten ſtatt deſſen die angenehmen Bergliköre des nahen Feſtlandes in reichlichen Zügen zu ſchlürfen, welche eine kaum g Frage eben ſo De währen Seele heit nic Befähig England Klima n der Rick den mei ſtimmun hatte de muͤng zu hatte ſe ſtellte ſe eines N Der dieſe Se glücklich, nens zu land ſo könne, 184— Hoffnung vielleicht n Lächeln m Lächeln, während aß er ſich inem ein⸗ nommen, einem an⸗ Hwenigen Nachteſſen ugenblicke Vorto Fer⸗ te, wurde on hatten. und die en Körper terhaltung ſcäfte auf ſüdlichen den Apo⸗ in dieſen die Gäſte des nahen elche eine — 65— kaum größere Erregung zur Folge hatten, während es in Frage geſtellt werden kann, ob ſie für die Geſundheit eben ſo ſchädlich waren. Der Fremde aß und trank jedoch ſehr mäßig; denn während er ſich den Schein gab, als ſei er mit ganzer Seele bei dem Geſpräche und dem Stärkungsgeſchäfte, wünſchte er ſehnlich, ſich erlöſ't zu ſehen, um ſeine eige⸗ nen Plane zu verfolgen. Andrea Barrofaldi ließ eine ſo vortreffliche Gelegen⸗ heit nicht vorüber gehen, ohne vor dem Podeſta ſeine Befähigungen an den Tag zu legen. Er ſprach viel von England, deſſen Geſchichte, Religion, Regierung, Geſetzen, Klima und Induſtrie, und berief ſich häufig, hinſichtlich der Richtigkeit ſeiner Anſichten, auf Capitain Smit. In den meiſten Fällen herrſchte die vollkommenſte Ueberein⸗ ſtimmung zwiſchen den beiden Theilen; denn der Fremde hatte den feſten Entſchluß gefaßt, zu Allem ſeine Zuſtim⸗ mung zu geben; aber ſelbſt dieſes gefällige Zuſtimmen hatte ſeine Verlegenheiten; denn der Vice⸗Statthalter ſtellte ſeine Fragen öfter ſo, daß ein Ja den Anſchein eines Nein hatte. Der Seemann half ſich demungeachtet durch alle dieſe Schwierigkeiten ganz erträglich, und war beſonders glücklich, Andrea's Selbſtliebe durch Ausbrüche des Stau⸗ nens zu ſchmeicheln,—„wie ein Ausländer ſein Vater⸗ land ſo gut,— ja in mancher Rückſicht beſſer kennen könne, als er ſelbſt,— und wie er es angefangen habe, 184.— 186. ————ÿõ:— ———õõ———:õõÿõÿõ½⅓¼ —, ͦ-⸗—— — 66 ſich mit ſeiner Geſchichte, Verfaſſung und Geographie ſo vertraut zu machen“ u. ſ. w.,— daß der Oberbeamte, als die Flaſche der Neige nahe war, dem Unterbeamten zuflüſterte, der Fremde zeige eine ſo große Beleſenheit und ein ſo ſcharfes Urtheilsvermögen, daß er gar nicht überraſcht ſein würde, wenn es zu guter Letzt ſich zeigen ſollte, er ſei ein geheimer Abgeſandter der britiſchen Regie⸗ rung, um philoſophiſche Unterſuchungen über Handel und Schiffahrt Italiens anzuſtellen, damit der gegenſeitige Verkehr beider Länder gehoben und gefördert würde. „Ihr ſeid ein Bewunderer des Adels und ein Ver⸗ ehrer der Ariſtokratie?“ fragte Andrea Barrofaldi in Folge des eben in Frage ſtehenden Gegenſtandes;— „vielleicht ergebt Ihr Euch ſelbſt, wenn man die Sache beim Lichte betrachtet, als den Sprößling irgend eines adeligen Hauſes, Signore?“ „Ich— alle Wetter! Ich haſſe die Ariſtokraten, Signor Vice⸗Governatore, wie ich den Teufel haſſe.“ Dieſe mit unbedachter Wärme geſprochenen Worte entwiſchten dem Seemanne, als er eben den tiefſten Blick, welchen er ſich dieſen Abend erlaubt, in ſein Glas geworfen hatte, und bedauerte es augenblicklich, nicht deſſer auf ſeiner Hut geweſen zu ſein. „Dies iſt bei einem Ingleſe auffallend.— Ha,— jetzt ſehe ich, wie es zuſammenhängt,— Ihr gehört der Oppoſizione an und findet es nothwendig, Euch ſo aus⸗ zudrücken. Es iſt ſehr außerordentlich, guter Vito Viti, daß die ſind, m eine bek es ſei ſ ten, ihr cher die ſo lange „7 fahrung er ſei nie Etn wie er dig, Si ,1 ich, bef Auseine aber, auf,— Stadt Die No Do lich erſ Seema und üb der Fle zu beſp graphie ſo derbeamte, erbeamten zeleſenheit gar nicht ſich zeigen hen Regie⸗ andel und egenſeitige bürde. ein Ver⸗ rofaldi in ndes;— die Sache end eines iſtokraten, haſſe.“ en Worte en tiefſten ſein Glas lich, nicht — Ha,— gehört der ch ſo aus⸗ Vito Viti, — 67— daß dieſe Engländer in zwei politiſche Kaſten getheilt ſind, welche ſich in Allem widerſprechen. Wenn die eine behauptet, Etwas ſei weiß, ſo ſchwört die andere, es ſei ſchwarz, und ſo vice versa. Beide Theile behaup⸗ ten, ihr Vaterland über Alles zu lieben; aber Der, wel⸗ cher die Gewalt nicht hat, mißhandelt die Gewalt ſelbſt ſo lange, bis er ſie in ſeine eigene Hände bringt.“ „Dies iſt in ſo hohem Grade Giorgio Grondi's Ver⸗ fahrungsweiſe gegen mich, daß ich faſt ſchwören wollte, er ſei eben Einer von dieſer Oppoſizione. Ich ſchenke nie Etwas meinen Beifall, ohne daß er es verachtet, ſo wie er Alles billigt, was ich verachte.— Seid Ihr geſtän⸗ dig, Signor Capitano, daß es bei Euch ſo zugeht?“ „Der Signor Vice⸗Governatore kennt uns, glaube ich, beſſer, als wir uns ſelbſt kennen. Es iſt in ſeinen Auseinanderſetzungen über unſere Politik viel Wahres aber, Signore,“ ſagte er und ſtand von ſeinem Stuhle auf,—„ich bitte, mir nun zu erlauben, mich in der Stadt umzuſehen und auf mein Schiff zurückzukehren. Die Nacht iſt da, und die Disciplin will gehandhabt ſein.“ Da Andrea Barrofaldi ſeine Wiſſensvorräthe ziem⸗ lich erſchöpft hatte, fand keine Einrede ſtatt; und der Seemann nahm unter höflichen Dankſagungen Abſchied, und überließ es den zwei Würdeträgern, bei dem Reſte der Flaſche ſeine Erſcheinung und ſeinen Charakter weiter zu beſprechen. Es wollüſtig Drittes Kapitel. mit den traut ſi Da ſeht das Gluckskind, Jonathan, die laue Bemn ehn f eruut hereh. zu ſein Beim Geben aber auf der Hut, Herr. der Höl 14, Tenſ r hhe Jen zum S oadle. Die Il Capitano Smit war gar nicht ungehalten, die Augenbl Statthalters Wohnung— oder wie die Bewohner der werde. Inſel das Haus dieſes Beamten zu nennen pflegten, den ten, al Palaſt hinter ſich zu haben. Die unermüdliche Gelehr⸗ einen N ſamkeit des Vice⸗Statthalters hatte ihm genug zu ſchaf⸗ ihm eif fen gemacht; und obgleich er mit einer Menge ſeemänni⸗ jedoch z ſcher Anekdoten ausgerüſtet war und mit manchen See⸗ ſchen kũ häfen hinreichende perſönliche Bekanntſchaft gemacht, um Höhe 6 auf Fälle der vorliegenden Art vorbereitet zu ſein, ſo Theile hatte er doch nie eine Unterhaltung erwarten können, blieb. welche ſich in ſolche Höhen erhob, und die Geſetze, die 76 Verfaſſung und Religion ſeines angeblichen Vaterlandes Stimm zum Vorwurfe nahm. um ein Hätte der würdige Andrea die zahlloſen Verwün⸗ nicht im ſchungen gehört, welche der Seemann, als er das Haus That G verließ, zwiſchen ſeinen Zähnen murmelte,— er würde ſend De ſich nicht wenig geärgert haben, ja, ſein Argwohn hätte Euch, ſ wieder erwachen können. nen, n tthan, an, t, Herr. e von Doadle, iten, die hner der gten, den Gelehr⸗ zu ſchaf⸗ eemänni⸗ hen See⸗ acht, um ſein, ſo können, ſetze, die terlandes Verwün⸗ as Haus er würde ihn hätte — 69— Es war jetzt Nacht,— aber eine ſternenvolle, ruhige, wollüſtige Nacht, wie ſie Denen wohl bekannt iſt, die mit dem Mittelländiſchen Meere und ſeinen Küſten ver⸗ traut ſind. Es regte ſich kaum ein Lufthauch, obgleich die laue Luft, welche ein freundlicher Athem des Meeres zu ſein ſchien, einige Müßiggänger veranlaßte, noch auf der Höhe zu verweilen, welche einen hinreichenden Raum zum Spaziergange bot. Dieſe Wege entlang ſchritt unſer Seemann, für den Augenblick noch unentſchloſſen, was er zuerſt beginnen werde. Er war jedoch kaum auf den freien Platz getre⸗ ten, als ein weibliches Weſen, deſſen Geſtalt dicht in einen Mantel gehüllt war, an ihm vorüber ſchlüpfte und ihm eifrig in das Geſicht ſah. Ihre Bewegungen waren jedoch zu raſch, als daß er einen Blick von ihr hätte erha⸗ ſchen können; als er aber ſah, daß ſie ihren Weg der Höhe entlang fortſetzte, und ſich einem abgelegeneren Theile des Spaziergangs näherte, folgte er, bis ſie ſtehen blieb. „Ghita,“ ſagte der junge Mann mit freudiger Stimme, als er dem weiblichen Weſen nahe genug war, um ein Antlitz und eine Geſtalt zu erkennen, welche ſie nicht mehr zu verbergen ſuchte;„das heiße ich in der That Glück haben; es erſpart mir viele Unruhe. Tau⸗ ſend Dank, theuerſte Ghita, für dieſe Güte. Ich hätte Euch, ſo wie mir ſelbſt, Unannehmlichkeiten bereiten kön⸗ nen, wenn ich Eure Wohnung hätte aufſuchen müſſen.“ — 70— „Eben deswegen habe ich ſo viel mehr gewagt, Raoul, als meinem Geſchlechte ziemt, um Euch aufzu⸗ ſuchen. Tauſend Augen ſind jetzt in dieſer geſchwätzigen kleinen Stadt auf Euern Logger und, Ihr könnt über⸗ zeugt ſein, auch auf deſſen Capitain gerichtet, ſobald man nur erfährt, daß er an das Land geſtiegen iſt. Ich fürchte, Ihr wißt nicht, in welchem Verdachte Ihr und Eure Leute hier ſind.“ „In keinem, der uns erröthen macht, hoffe ich, liebe Ghita, wär' es auch nur, um Eure Freunde nicht zu entehren.“ „Viele glauben,— ja, ſie ſagen es laut, ihr wäret Franzoſen und die engliſche Flagge ſei nur eine Maske.“ „Wenn dies Alles iſt, müſſen wir die Schmach tra⸗ gen,“ antwortete Raoul Yvard lachend.„Nun, das ſind wir eben Alle, einen einzigen Mann, einen Ameri⸗ kaner ausgenommen,— ein vortrefflicher Burſche, wenn es gilt, britiſche Patente auszufertigen und uns zu ein wenig Engliſch zu verhelfen, wenn die Noth es fordert; warum ſollten wir uns alſo beleidigt finden, wenn die guten Inſaſſen von Porto Ferrajo uns für das halten, was wir wirklich ſind?“ „Nicht beleidigt, Raoul, aber gefährdet. Wenn der Vice⸗Statthalter Verdacht ſchöpft, wird er ſeine Batte⸗ rien auf Euch abfeuern laſſen und Euch als Feind ver⸗ nichten.“ „Nicht doch, Ghita Er hat den Capitain Smit zu lieb, alle ſe wenn Ich l Bereie Ihr k dunkle daß ke es nu warur erſten ſicht k geglau ich ſor weiter ſchien um ei ſen, die B hätte Waru dieſe zer— werth Nur r gewagt, uch aufzu⸗ ſchwätzigen nnt über⸗ bbald man ſch fürchte, und Eure hoffe ich, unde nicht ihr wäret Maske.“ zmach tra⸗ Nun, das en Ameri⸗ che, wenn ns zu ein s fordert; wenn die as halten, Wenn der ne Batte⸗ Feind ver⸗ Smit zu — 71— lieb, um etwas dieſer Art zu thun, und dann müßte er alle ſeine Kanonen an einen andern Ort bringen laſſen, wenn ſie„le Feu-Follet“ da, wo es liegt, treffen ſollen. Ich laſſe mein kleines Irrlicht niemals innerhalb des Bereichs einer feindlichen Hand. Seht dort, Ghita— Ihr könnt es durch dieſe Häuſer⸗Oeffnung ſehen— jener dunkle Fleck in der Bucht dort— Ihr werdet bemerken, daß keine Kanone in all den Batterien von Porto Ferrajo es nur ſchrecken, geſchweige denn treffen kann.“ „Seine Stellung iſt mir bekannt, und ich wußte, warum Ihr auf jener Seite Anker warft. Von dem erſten Augenblicke an, als Ihr uns vollkommen zu Ge⸗ ſicht kamt, habe ich Euch erkannt, oder doch zu erkennen geglaubt, und ſo lange Ihr außer der Bucht bliebt, blickte ich ſorglos auf einen ſo alten Freund— ja, ich will noch weiter gehen und geſtehen, daß ich mich freute; denn es ſchien mir, als ſegeltet Ihr ſo nahe an der Inſel vorbei, um einer auf derſelben lebenden Bekannten wiſſen zu laſ⸗ ſen, daß Ihr ſie nicht vergeſſen habt; als Ihr aber in die Bai einbeugtet, hielt ich Euch für toll.“ „In der That wär' ich toll geweſen, liebſte Ghita, hätte ich länger leben können, ohne Euch zu ſehen. Warum ſollte ich mich vor jämmerlichem Volke, wie dieſe Elbaner hier, fürchten? Sie haben keinen Kreu⸗ zer— nur einige Feluccen, und all dieſe ſind es nicht werth, daß man ſich die Mühe nimmt, ſie zu verbrennen. Nur den Finger ſollen ſie nach uns ausſtrecken, und wir — 72— bugſtren ihren öſterreichiſchen Polacre heraus in die Bucht und verbrennen ihn vor ihren Augen. Le Feu-Follet verdient ſeinen Namen— er iſt da, dort und überall, ehe ſeine Feinde ihn erwarten.“ „Aber ſeine Feinde beargwöhnen ihn jetzt, und Ihr müßt vorſichtig ſein. Ich glaubte, mein Herz müſſe ſprin⸗ gen, als die Batterien dieſen Abend gegen Euch ſpielten.“ „Und was haben ſie uns geſchadet? Sie koſten dem Großherzog zwei gute Kugeln und das nöthige Pul⸗ ver, und waren nicht einmal im Stande, den Curs des Irrlichts zu ändern. Ihr habt dergleichen zu oft geſehen, Ghita, um vor ein wenig Pulver und Dampf zu erſchrecken.“ „Ich habe dergleichen oft genug geſehen, Raoul, um zu wiſſen, daß eine Kugel von dieſen Höhen CEuer klei⸗ nes Feu-Follet durchbohrt hätte, und wäre ſie unter dem Waſſer herausgekommen, ſo hätte ſie Euch in die Tiefe des Mittelländiſchen Meeres verſenkt.“ „Wir hätten dann unſere Boote gehabt,“ antwor⸗ tete Raoul Yvard mit einer Gleichgültigkeit, welche nicht erkünſtelt war, denn ſorgloſes Wagen war eher ſein Feh⸗ ler als ſeine Tugend;„überdies mußte ein Schuß erſt treffen, ehe er Schaden anrichten konnte, wie der Fiſch erſt gefangen ſein muß, ehe man ihn kochen kann. Doch genug davon, Ghita; ich habe ja faſt immer mit Kugeln, Schiffen und Fährlichkeiten zu thun, und möchte, da mir dieſer glückliche Augenblick endlich geſchenkt wor⸗ den, di Dinge „9 und da dem V lung S es feſt „ Palazzo franzöſi gleich m zu eine geliebte kommt brauchen ich ihm Carnot, um mit 8 7 —„je Raoul, es für landes als daß aber iſt „ 0 einen ge die Bucht 1- Follet überall, und Ihr ſſe ſprin⸗ pielten.“ e koſten zige Pul⸗ Lurs des geſehen, zrecken.“ noul, um uer klei⸗ ie unter in die antwor⸗ che nicht ein Feh⸗ zuß erſt vie der n kann. ner mit möchte, kt wor⸗ — 73— den, die köſtliche Zeit nicht mit Geſprächen über ſolche Dinge verlieren.“ „Nein, Raoul, ich kann an nichts Anderes denken, und daher auch von nichts Anderem reden. Nehmt an, dem Vice⸗Statthalter fiele es plötzlich ein, eine Abthei⸗ lung Soldaten an Bord des Feu-Follet zu ſchicken und es feſt nehmen zu laſſen— was würdet Ihr beginnen?“ „Mag er; ich würde ein Boot voll Leute in ſeinen Palazzo dort ſchicken—“ die Unterhaltung wurde in franzöſiſcher Sprache geführt, welche Ghita fließend, ob⸗ gleich mit einem italieniſchen Accent ſprach—„und ihn zu einem Kreuzzuge gegen die Engländer und ſeinen geliebten Oeſterreicher mitnehmen.— Pah, der Gedanke kommt nicht in ſein conſtitutionelles Gehirn, und wir brauchen nicht davon zu ſprechen. Morgen früh werde ich ihm meinen erſten Miniſter, meinen Barras, meinen Carnot, meinen Cambacérés, meinen Ithuel Bolt ſchicken, um mit ihm über Politik und Religion zu ſprechen.“ „Religion!“ wiederholte Ghita in gedämpftem Tone, —„je weniger Ihr von dieſem heiligen Vorwurfe ſprecht, Raoul, deſto lieber wird es mir, und deſto beſſer wird es für Euch zuletzt ſelbſt ſein. Der Zuſtand Eures Vater⸗ landes läßt Euern Mangel an Religion eher bedauern, als daß man Euch deßhalb anklagen dürfte; immerhin aber iſt er ein ſchreckliches Uebel.“ „Gut denn,“ fiel der Andere ein, der fühlte, er habe einen gefährlichen Weg eingeſchlagen,—„wir wollen von andern Dingen ſprechen. Wir ſind ehrliche Korſaren, haben unſere Papiere, und handeln unter dem Schutze der franzöſiſchen Republik, der einen und untheilbaren, und man kann uns nur zu Kriegsgefangenen machen. Dies iſt jedoch ein Loos, das mich ſchon einmal getroffen hat, und ein größeres Unheil folgte nicht, als daß ich mich„Capitain Smit“ nennen und Mittel ausfindig machen mußte, um dem Vice⸗Governatore eine Naſe zu drehen.“ Ghita lachte, trotz allen Beſorgniſſen, die ſie umla⸗ gerten; denn es gehörte zu den wirkſamſten Mitteln, welche unſerm Seemanne zu Gebote ſtanden, wenn er Andere für ſeine Anſichten gewinnen wollte, daß er ſie in ſeine leichtherzige Fröhlichkeit hereinzog, mochte dies ihrem natürlichen Charakter zuſagen oder nicht. Sie wußte, daß Raoul bereits zwei Jahre in Eng⸗ land Kriegsgefangener geweſen war, wo er, wie er ſelbſt oft ſagte, lange genug blieb, um mit der Sprache, wenn auch nicht mit der Verfaſſung, den Sitten und der Reli⸗ gion des Landes eine ganz beachtenswerthe Bekanntſchaft zu machen, als es ihm gelang, mit Hülfe eines Ameri⸗ kaners zu fliehen. Dieſer Mann hieß Ithuel Bolt und war gepreßt worden; er ging raſch in alle Entwürfe ſeines unter⸗ nehmenderen Freundes und Leidensgefährten ein und gab ſich freudig der Ausführung der künftigen Racheplane deſ⸗ ſelben hin. S tere in Gedan von de ihre N ſpottet unter irgend halten. D Gerin ſelbſt jede A J gewur macht, haftigk Allmä der W heit u Böſen Rechte T tröſtli Fall a nen, welche Korſaren, n Schutze heilbaren, machen. getroffen 3 daß ich ausfindig Naſe zu ſie umla⸗ Mitteln, wenn er er ſie in ies ihrem in Eng⸗ er ſelbſt he, wenn der Reli⸗ unntſchaft 6 Ameri⸗ gepreßt 's unter⸗ und gab lane deſ⸗ — 75— Staaten fühlen ſich gewöhnlich, wie kräftige Charak⸗ tere im Privatleben, zu ſtark, um ihre Politik durch den Gedanken an die unmittelbaren Folgen der Abweichung von dem Rechte leiten zu laſſen; und eine Nation ſchlägt ihre Macht leicht ſo hoch an, daß ſie jeder irdiſchen Sühne ſpottet, während ihre moraliſche Verantwortlichkeit ſich unter zu Vielen vertheilt, als daß die einzelnen Bürger irgend eine moraliſche Beſorgniß zu hegen für nöthig halten. Demungeachtet iſt nicht zu läugnen, daß ſelbſt der Geringſte dem Höchſten gefährlich werden kann, und ſelbſt mächtige Völker entgehen ſelten der Strafe für jede Abweichung von der Gerechtigkeit. In der That ſcheint das Prinzip in der Natur feſt⸗ gewurzelt zu ſein, welches es dem Menſchen unmöglich macht, ſelbſt in dieſem Leben den Folgen ſeiner Laſter⸗ haftigkeit und Schlechtigkeit zu entfliehen, als hätte der Allmächtige vom Anfange her die allgemeine Herrſchaft der Wahrheit und den nie ausbleibenden Sturz der Falſch⸗ heit und Lüge zum Geſetze gemacht; denn der Sieg des Böſen iſt ſtets nur zeitlich, während der Triumph des Rechtes ewig iſt. Das Matroſenpreſſen hatte ſeiner Zeit— um dieſe tröſtlichen Erwägungen auf einen uns näher liegenden Fall anzuwenden— unter den Seeleuten anderer Natio⸗ nen, und allerdings auch unter den britiſchen, ein Gefühl, welches wahrſcheinlich eben ſo viel, als jeder andere Grund, — 76— dazu beitrug, den Zauber der engliſchen Unbeſiegbarkeit zur See— ein Zauber, welcher freilich durch eine wackere Marine unterſtützt war— zu vernichten. Man mußte das Gefühl des Haſſes und der Rache ſelbſt geſehen haben, welches ein ſolches despotiſches Syſtem beſonders bei Denen erzeugte, welche das Bewußt⸗ ſein hatten, daß ſie als geborne Ausländer gegen dieſe frevelhaften Eingriffe in die verſönliche Freiheit geſchützt ſein ſollten, um richtig zu würdigen, was ſo ſchnell die Folgen deſſelben ſein mußten. Ithuel Bolt, der eben erwähnte Seemann, war in kleinem Maßſtabe ein Beiſpiel, welches Unheil ſelbſt ein einzelner Mann anrichten kann, wenn ſein Geiſt ſich ganz der Rache hingibt. Ghita kannte ihn; und obgleich ihr weder ſein Cha⸗ rakter noch ſein Aeußeres gefiel, hatte ſie doch oft über die Erzählung der Tücken, die er den Engländern ſpielte, und der tauſendfachen Liſten lächeln müſſen, die er an⸗ wendete, um ihnen zu ſchaden. Sie dachte daher jetzt ſogleich daran, daß er bei der Ausführung der jetzigen bedenklichen Abſichten die Hand mit im Spiele haben müſſe. „Ihr nennt Euern Logger nicht öffentlich Le Feu- Follet, Raoul,“ bemerkte ſie nach einer augenblicklichen Pauſe;—„es dürfte gefährlich ſein, dieſen Namen irgendwo, ſelbſt zu Porto Ferrajo, laut werden zu laſſen. Es iſt kaum eine Woche her, daß ich einen Seemann von deſſen 1 um alle ein wal Euch ſi 85 unſere Takelag bergen Namen Dienſte Küſte a 5 77 unſerer, ſprache er ſprich „ nen ita Ausſpro iſt in d mir we ( 772 bringen der jun Tone, mehr I Prieſter gbarkeit wackere r Rache votiſches Bewußt⸗ en dieſe geſchützt nell die war in lbſt ein eiſt ſich n Cha⸗ ft über ſpielte, er an⸗ er jetzt jetzigen haben Feu- cklichen Namen laſſen. n von — 7— deſſen Uebelthaten und den Gründen ſprechen hörte, war⸗ um alle guten Italiener es verwünſchen müſſen. Es iſt ein wahres Glück, daß der Mann fort iſt; denn er hätte Euch ſicher erkennen müſſen.“ „Dies weiß ich nicht ſo gewiß, Ghita. Wir ändern unſere Farben oft, und können im Nothfall auch unſere Takelage ändern. Ihr könnt jedoch ruhig ſein,— wir bergen unſer Irrlicht und ſegeln unter einem andern Namen. Der Logger heißt, da er jetzt in engliſchen Dienſten ſteht, der Ving- and-Ving.“ „Ich hörte dieſen Namen auf den Anruf von der Küſte aus; aber er klang anders als jetzt.“ „Nein— Ving-and-Ving. Ithuel antwortete ſtatt unſerer, und Ihr könnt gewiß ſein, daß er ſeine Mutter⸗ ſprache reden kann. Ving-and-Ving iſt das Wort, und er ſpricht es aus, wie ich.“ „Ving=y-Ving, wiederholte Ghita mit ihrer ſchö⸗ nen italieniſchen Stimme, wobei ſie natürlich in den Ausſprache⸗Fehler des Vice⸗Statthalters verfiel,—„es iſt in der That ein wunderlicher Name, und er gefällt mir weniger als Feu- Follet.“ „Ich wollte, theuerſte Ghita, ich könnte es dahin bringen, daß der Name Yrard Euch gefiele,“ verſetzte der junge Mann in halh vorwurfsvollem, halb zärtlichem Tone,„und ich würde mir aus jedem andern nichts mehr machen.— Ihr klagt mich der Mißachtung der Prieſter an,— kein Sohn würde aber halb ſo gern oder halb ſo fromm vor ſeinem Vater knien, um ſeinen Segen zu erhalten, als ich mich mit dir vor jeglichem Mönche in Italien niederknien würde, um jenen ehelichen Segen zu empfangen, zu welchem ich mir ſchon ſo oft deine Hand erbeten habe, welche du mir aber immer, und ſo grau⸗ ſam, verweigerteſt.“ „Ich fürchte, der Name wäre dann nicht Feu- Follet, ſondern Ghita-Folie,“ ſagte das Mädchen lachend, obgleich ein herber Schmerz ihre Seele durchzuckte, welchen ſie nur mit Mühe perbarg;—„jetzt nichts mehr davon, Raoul! Wir könnten beobachtet werden, und es iſt nöthig, daß wir uns trennen.“ Eine raſche Unterhaltung, welche für die jungen Leute von größerem Intereſſe war, als ſie es für unſere Leſer, wenigſtens in dieſem Augenblicke, ſein könnte, erfolgte jetzt, worauf Ghita, welche behauptete, ſie ſei zu gut in der Stadt bekannt, um Etwas zu beſorgen, wenn ſie allein ihre engen, ſteilen Gaſſen durchwandere, Raoul auf der Höhe verließ. Das Lob mußte man der Verwaltung und Rechts⸗ pflege Andrea Barrofaldi's zollen, man konnte ungefähr⸗ det, bei Tag wie bei Nacht, die Inſel durchwandern; denn es begab ſich ſelten, daß ein ſo großer Feind des Frie⸗ dens und der Ruhe, wie es in dieſem Augenblicke der Fall war, ſich unter ſeinen einfachen Untergebenen blicken ließ. Mittlerweile herrſchte nicht ſo viel Ruhe in Porto Ferrajo auf den To einflußr wie wir kleine auf ſeit ſprüche De war eit Beneder lich gen einem und her We wußte, nicht V des Ru eben ſo nöthig In unter i Geſicht, man au dazu be Mann Bo en Segen Mönche en Segen ine Hand ſo grau⸗ cht Feu- lachend, welchen r davon, ſt nöthig, jungen r unſere könnte, ie ſei zu n, wenn , Raoul Rechts⸗ ngefähr⸗ n; denn ees Frie⸗ licke der n blicken n Porto — 79— Ferrajo, als ein Fremder bei der tiefen Stille, welche auf dem Platze herrſchte, geahnt hätte. Tommaſo Tonti war in ſeiner Sphäre ein eben ſo einflußreicher Mann, wie der Vice⸗Statthalter; als er, wie wir berichtet haben, Vito Viti verließ, ſuchte er das kleine Häufchen ſeiner Padroni und Piloti auf, welche auf ſeine Worte zu lauſchen pflegten, als wenn ſie Orakel⸗ ſprüche hörten. Der gewöhnliche Abendverſammlungsort dieſer Leute war ein gewiſſes Haus, das einer Wittwe, Namens Benedetta Galopo, gehörte und deſſen Beſtimmung deut⸗ lich genug durch einen Buſch angezeigt war, welcher an einem kurzen, über der Thüre angebrachten Pfahl hin und her baumelte. Wenn Benedetta irgend Etwas von dem Spruche wußte,„guter Wein braucht keinen Buſch,“ ſo hatte ſie nicht Vertrauen genug in den Inhalt ihrer Fäſſer, um des Rufes gewiß zu ſein; denn dieſer ihr Buſch wurde eben ſo regelmäßig erneuert, als ſein welkes Laub es nöthig machte. In der That, es war eine gewöhnliche Bemerkung unter ihren Kunden, der Buſch ſei ſtets ſo friſch wie ihr Geſicht, und das letztere war eines der hübſcheſten, das man auf der Inſel finden konnte, ein Umſtand, welcher dazu beitrug, einen ziemlich unbedeutenden Wein an den Mann zu bringen. Benedetta ſtand in einem nicht übeln Rufe; demun⸗ — 80 geachtet war ſie, obgleich man dies öfter dachte, als viel⸗ leicht ſagte, eine wahre Kokette. Sie ertrug Maſo haupt⸗ ſächlich aus zwei Gründen: wenn er ſelbſt alt und unan⸗ ziehend war, ſo gehörten viele der hübſcheſten Seeleute des Hafens zu ſeinen Freunden und Verehrern; und dann trank er nicht nur ſein volles Maaß, ſondern be⸗ zahlte auch pünktlich. Dieſe Eigenſchaften machten den Piloten ſtets zu einem willkommenen Gaſte in La santa Maria degli Venti, wie das Haus genannt wurde, ob⸗ gleich es keinen andern Schild hatte, als den eben erwähn⸗ ten oft erneuerten Buſch. In demſelben Augenblicke alſo, als Raoul Yvard und Ghita ſich auf der Höhe trennten, ſaß Maſo auf ſei⸗ nem gewöhnlichen Platze an dem Tiſche in Benedetta's oberer Stube, von deren Fenſtern aus man den Logger ſo deutlich ſehen konnte, als die Stunde es zuließ; das Schiff lag nur eine Kabellänge entfernt und gerade „dwars ab“*), wie ſich ein Seemann ausdrücken würde. Maſo hatte für dieſen Abend das obere Zimmer und nur drei Genoſſen gewählt, weil er nicht mehr in ſeinen Rath zu ziehen wünſchte, als ſich mit der Liebe vertrug, mit welcher er ſeine Erfahrung vor andern geltend machte. Die Geſellſchaft war jetzt ſeit einer Viertelſtunde beiſam⸗ men und hatte Zeit genug gehabt, um der Flaſche, welche, *) Rechts von der Seite, d. h. nach der Richtung des mittelſten Balkens. Der Ueberſ. um de kaum zuſetzen Maſo zweiten nicht n Alles g Vice⸗C ganzen Cospett Porto der and fallen, Leute ſ in der der Art „2 Tone e „ich ha gleicht Corvette gleicht. „2 franzöſif hiſſen ke dieſer L 184— „als viel⸗ aſo haupt⸗ und unan⸗ Seeleute ern; und undern be⸗ chten den La santa urde, ob⸗ n erwähn⸗ ul Yvard o auf ſei⸗ enedetta's en Logger ließ; das ad gerade en würde. nmer und in ſeinen vertrug, d machte. e beiſam⸗ e, welche, mittelſten Ueberſ. &= um den Leſer deßhalb nicht in Ungewißheit zu laſſen, kaum weniger als zwei Maaß faßte, in einer Weiſe zu⸗ zuſetzen, welche ſie der Neige nahe brachte. „Ich habe dem Podeſta Alles mitgetheilt,“ ſagte Maſo mit gewichtiger Miene, als er ſein Glas nach dem zweiten Zuſpruch, welcher dem erſten in der Quantität nicht nachſtand, niederſetzte;„ja, ich habe Vito Viti Alles geſagt, und er hat es ohne Zweifel dem Signor Vice⸗Governatore wiedergeſagt, welcher nun von der ganzen Sache genau eben ſo viel weiß, als wir Vier. Cospetto! daß etwas dieſer Art in einem Hafen wie Porto Ferrajo ſich ſoll begeben können! Wär' es auf der andern Seite der Inſel, in Porto Longone, vorge⸗ fallen, ſo hätte es nicht auffallen können; denn jene Leute ſind nie auf dem Auslug; aber dieſen Platz hier, in der Hauptſtadt der Inſel, zu wählen, ich hätte etwas der Art eben ſo gut zu Livorno erwartet.“ „Aber, Maſo,“ fiel Daniele Bruno mit einem Tone ein, in welchem etwas von Zweifel durchklang, „ich habe die Flagge der Ingleſi oft geſehen, und jene gleicht ziemlich allen, die ſie auf ihren Fregatten und Corvetten führen, wie eine unſerer Feluccas der andern gleicht. Mit der Flagge wenigſtens iſt Alles in Richtigkeit.“ „Was will eine Flagge ſagen, Daniele, wenn eine franzöſiſche Hand eine engliſche Flagge eben ſo leicht auf⸗ hiſſen kann, als der König von England ſelbſt? Wenn dieſer Logger nicht von franzöſiſchen Händen herſtammt, 184— 186. 6 ſo ſtammt Ihr nicht von italieniſchen Eltern her. Ich theilt will nicht gerade von ſeinem Rumpfe ſprechen; denn der daß mag wohl eine Priſe ſein— die Engländer nehmen deſſen ihren Feinden auf der offenen See manches Schiff ab; komn aber ſeht nur auf die Takelage und auf die Segel— läßt; Santa Maria! Ich könnte Euch den Laden des Segel⸗ 1 machers zu Marſeille zeigen, welcher das Fockſegel ge⸗ Bene macht hat. Er heißt Pierre Benoit und iſt ein trefflicher ſich i Arbeiter, wie Jeder zugeben wird, der Gelegenheit hatte, als d ihn zu beſchäftigen.“„er Dieſer Zug half den Beweiſen des Piloten bedeutend wird nach; denn gewöhnliche Menſchen haften gern bei Ein⸗„ zelnheiten, welche geeignet ſind, eingebildete Thatſachen weger zu beſtärken. Tommaſo Tonti, welcher in der Haupt⸗ her,“ ſache, in dem Charakter des fremden Schiffes nämlich, trinkt der Wahrheit ſo nahe war, ſchoß dennoch hinſichtlich des ſolcher Segels gewaltig fehl; denn Le Feu-Follet war zu Nan⸗ jenem tes gebaut, ausgerüſtet und bemannt worden, und Pierre einma Benoit hatte nie, weder das Schiff noch das Fockſegel als m geſehen; bei der Beſprechung der Sache lag jedoch wenig Menſe daran; denn ein Segelmacher war ſo gut wie der andere, ohne wenn er nur ein Franzoſe war. 8** macht „Und habt Ihr dies dem Podeſta mitgetheilt?“ fragte Benedetta, welche mit der leeren Flaſche in der Hand daſtand und dem Geſpräche zuhörte.„Ich denke* doch, das Segel wird ihm wohl die Augen aufthun?“ „Ich glaube nicht, daß ich davon geſprochen; ich * — 2 C 8 er. Ich denn der nehmen dchiff ab; Segel— Segel⸗ ſegel ge⸗ refflicher eit hatte, edeutend bei Ein⸗ hatſachen Haupt⸗ nämlich, gtlich des zu Nan⸗ nd Pierre Fockſegel ch wenig randere, theilt?“ e in der ſch denke hun?“ hen; ich — 83— theilte ihm aber ſo viele andere weſentlichere Dinge mit, daß er auch an dieſen Umſtand glauben muß, wenn ich deſſen erwähne. Signor Vito verſprach mir, hierher zu kommen, wenn ihn der Signor Vice⸗Governatore ent⸗ läßt; wir können ihn jede Minute erwarten.“ „Der Signor Podeſta ſoll willkommen ſein,“ ſagte Benedetta, wiſchte einen unbeſetzten Tiſch ab, und machte ſich in dem Zimmer zu ſchaffen, um Alles etwas hübſcher, als dies gewöhnlich der Fall war, erſcheinen zu laſſen; „er beſucht vielleicht größere Weinhäuſer als dieſes; er wird aber ſchwerlich beſſeres Getränk finden.“ „Poverina! denkt nur nicht, der Podeſta käme wegen dergleichen hierher; er bommt meinetwegen hier⸗ her,“ verſetzte Maſo mit herablaſſendem Lächeln;„er trinkt ſein Gläschen zu oft auf der Höhe, um aus einem ſolchen Grund ſo tief herabzuſteigen. Amici miei*), in jenem Hauſe droben iſt ein Wein, der, wenn das Oel einmal aus dem Hals der Flaſche heraus iſt**), ſo glatt, als wenn er ſelbſt nur ganz Oel wäre, die Kehle des Menſchen hinabgeht. Ich könnte eine Flaſche leeren, ohne ein einziges Mal Athem zu holen. Dieſes Getränk macht die Adeligen ſo leicht und luftig.“ „Ich kenne das ſchlechte Zeug,“ fiel Benedetta mit *) Meine Freunde. *½) In Toskana iſt es Sitte, einige Tropfen Oel in den Hals der Flaſche feinerer Weine zu gießen, um die Luft abzuſchließen. Der Verfaſſer. 6* 84 mehr Wärme ein, als ſie ſonſt bei ihren Kunden zu tete verrathen pflegte;„Ihr könnt es mit Fug glatt nennen; weg denn ein guter Brunnen fließt den Keltern ganz nahe, woh in welchen es gemacht worden. Ich habe von dem Wein ſtän geſehen, auf welchem nicht einmal Oel ſchwimmen wollte.“ Unt Dieſe Behauptung war ein ſchönes Gegenſtück zu es dem von dem Fockſegel und faſt eben ſo wahr. Bene⸗ Miß detta kannte aber die menſchliche Unbeſtändigkeit zu genau, halt um nicht zu wiſſen, daß, wenn die drei oder vier Kun⸗ Beit den, die eben anweſend waren, ſich ernſtlich in den Kopf als ſetzten, es gäbe ein beſſeres Getränk, als das, welches men ſte ihnen gewöhnlich vorſetzte, auf der Inſel, ihr eigener ihn Werth in den Augen derſelben ſich mindern müſſe. Wie 4 das es einem Weibe zukam, das ſich allein durch die Welt Mät ſchlagen mußte, lehrte ihre angeborne Schlauheit ſie, der wöht beſte Augenblick, eine Verläumdung niederzuſchlagen, ſei Fälle der, in welcher ſie laut geworden, und ihre Antwort war eben ſo warm im Ausdruck, als beſtimmt in Worten. athe! Dies war eine vortreffliche Einleitung zu einer ſehr den lebhaften Unterhaltung, und dieſe würde gewiß ſtattge⸗ zuree funden haben, hätte man nicht Schritte unten gehört, Gaſt die ſich der Treppe näherten, was Maſo veranlaßte, des komn Podeſta Ankunft zu verkünden. Und ſiehe, die Thüre nehn ging auf und Vito Viti erſchien, zum Erſtaunen aller an d Gäſte— Benedetta war vor Ehrfurcht ganz außer ſich— Chri von dem Vice⸗Governatore ſelbſt gefolgt. Die Löſung des Räthſels in Betreff dieſes unerwar⸗ den zu tennen; z nahe, n Wein wollte.“ tück zu Bene⸗ genau, r Kun⸗ n Kopf welches eigener e. Wie ie Welt ſie, der gen, ſei Untwort Worten. ner ſehr ſtattge⸗ gehört, tte, des Thüre en aller ſich— nerwar⸗ — 85— teten Beſuches iſt ſehr leicht. Als der Capitano Smit weggegangen war, kam Vito Viti wieder auf den Arg⸗ wohn Maſo's zurück, und indem er gewiſſe kleine Um⸗ ſtände in des Seemannes Gebahren, die er während der Unterhaltung bemerkt hatte, geltend machte, brachte er es dahin, daß er ſelbſt unſicher wurde, und als ſein Mißtrauen wach war, lebte auch das des Vice⸗Statt⸗ halters wieder auf. Man konnte jedoch von keinem der Beiden ſagen, daß ſie mehr als unbehaglich geweſen, und als der Podeſta zufällig erwähnte, er habe eine Zuſam⸗ menkunft mit dem Piloten angeordnet, beſchloß Andrea, ihn zu begleiten, um das ſeltſame Schiff perſönlich in das Auge zu faſſen. Beide Würdeträger hatten ihre Mäntel um, ſelbſt im Sommer keineswegs etwas Unge⸗ wöhnliches bei der kühlen Nachtluft der Küſte, und in Fällen der Noth das beſte Mittel, unbekannt zu bleiben. „II Signor Vice-Governatore,“ lispelte die faſt athemloſe Benedetta, und ſtäubte einen Stuhl und dann den Tiſch ab, und ſtellte faſt ganz mechaniſch die Sitze zurecht, als könnte nur ein und daſſelbe Bedürfniß einen Gaſt in ihr Haus führen;„Eure Eccellenza iſt hochwill⸗ kommen, und es iſt eine Ehre, die ich öfter in Anſpruch nehmen dürfte. Wir ſind arme Leute, wir hier unten an dem Waſſer; aber ich denke, wir ſind eben ſo gute Chriſten, als wenn wir auf der Anhöhe lebten.“ „Ohne Zweifel, würdige Bettina—“ „Ich heiße Benedetta, Eurer Eccellenza zu dienen — —— — 86— — Benedetta, zu des Signor Vice⸗Governatore Befehl; aber nicht Bettina. Wir halten auf unſere Namen, wir hier unten an dem Waſſer, Eccellenza.“ „Ich habe nichts dagegen, gute Benedetta; auch be⸗ zweifle ich nicht, daß Ihr vortreffliche Chriſten ſeid— eine Flaſche von Euerm Wein, wenn es Euch beliebt.“ Das Weibchen machte einen dankbaren Knix, und der triumphirende Blick, welchen ſie auf ihre übrigen Gäſte warf, ſchnitt, wie man wohl behaupten darf, die Erörterungen vollkommen ab, welche beginnen ſollten, als die Würdeträger auftraten. Er ſtellte auf einmal die Frage hinſichtlich des Weines in das klarſte Licht und brachte alle Häkeleien zum Schweigen. Wenn der Signor Vice⸗Governatore ihren Wein getrunken hatte,— welcher Seemann konnte ihm dann noch Etwas nachſagen? „Eccellenza, einen tauſendfachen Willkomm,“ fuhr Benedetta fort, als ſie die Flaſche auf den Tiſch ſtellte, nachdem ſie ſelbſt den Pfropfen und das Oel mit ihrer plumpen Hand entfernt hatte; denn dies war eine der — ſechs Flaſchen wirklich guten, wohlſchmeckenden Toskaner⸗ weins, welche ſie für abſonderliche Gelegenheiten einge⸗ legt hatte, wie ſie wohl thun konnte, da das Maaß kaum mehr als einen Paolo*) koſtete.—„Eccellenza, einen tauſendfachen Willkomm. Dies iſt eine Ehre, welche der Santa Maria degli Venti kaum Ein Mal in hundert Jahre nur Schw wie d Jung⸗ ſchaft den le zu wo T welche hatte, könne demüt in das C er ſich erſchie Grund da er niele drei a ehrenn Andre 77 du fü Befehl; en, wir nuch be⸗ ſeid— eliebt.“ r, und übrigen erf, die ſollten, einmal cht und Signor welcher 2 “ fuhr ſtellte, it ihrer ine der skaner⸗ einge⸗ ß kaum einen che der zundert Jahren widerfährt; und auch Ihr, Signor Podeſta, habt nur Ein Mal früher Muße genug gehabt, um meine Schwelle zu überſchreiten.“ „Wir Junggeſellen“— der Podeſta gehörte ſo gut wie der Vice⸗Statthalter zu dieſer Brüderſchaft—„wir Junggeſellen fürchten uns ſehr, zu oft uns in die Geſell⸗ ſchaft hübſcher Wittwen, wie Ihr, deren Schönheit in den letzten Jahren ſich eher erhöht als vermindert hat, zu wagen.“ Dies hatte eine kokette Antwort zur Folge, während welcher Andrea Barrofaldi, welcher ſich erſt überzeugt hatte, daß man den Wein ungeſtraft zu ſich nehmen könne, beſchäftigt war, die Gruppe der ſchweigenden, demüthigen Seeleute, die an dem andern Tiſche ſaßen, in das Auge zu faſſen. Er hatte die Abſicht, ſich zu vergewiſſern, wie weit er ſich blosgeſtellt hätte, indem er an einem ſolchen Orte erſchien, da ſein Beſuch nicht wohl mehr als einem Grunde zugeſchrieben werden konnte. Maſo kannte er, da er der älteſte Pilote des Hafens war; auch von Da⸗ niele Bruno hatte er oberflächlich Kenntniß; aber die drei andern Seeleute waren ihm ganz fremd. „Fragt, ob wir hier ganz unter Bekannten und ehrenwerthen Unterthanen des Großherzogs ſind,“ ſagte Andrea leiſe zu Vito Viti. „Hörſt du, Maſo,“ bemerkte der Podeſta,—„kannſt du für alle deine Genoſſen hier einſtehen?“ „Für alle mit einander, Signore;— dieſer iſt Daniele Bruno, deſſen Vater in einer Schlacht gegen die Algerier fiel, und deſſen Mutter die Tochter eines See⸗ mannes war, den man in Elba ſo gut kannte, wie—“ „Laß dieſe Einzelnheiten, Tommaſo Tonti,“ fiel der Vice⸗Statthalter ein;„es reicht vollkkommen hin, wenn du von allen deinen Genoſſen ſagen kannſt, daß ſie ehr⸗ liche Leute und treue Unterthanen des Sovrano ſind. Ihr ſeid wahrſcheinlich Alle mit dem Grunde bekannt, welcher Signor Vito und mich heute Nacht in dieſes Haus geführt hat?“ Die Leute blickten einander an, wie Ununterrichtete wohl thun, wenn es anothwendig wird, eine Frage zu beantworten, welche an Mehrere gerichtet iſt, und ſuchten dem Arbeiten ihres Geiſtes ſozuſagen durch ihre Sinne nachzuhelfen; darauf übernahm es Daniele Bruno, den Sprecher der Geſellſchaft abzugeben. „Signore, vostra eccellenza, wir glauben, ja,“ antwortete der Mann.„Unſer Freund Tomaſo Tonti hier hat uns zu verſtehen gegeben, er habe den Ingleſe, welcher in der Bucht vor Anker gegangen, im Verdachte, kein Ingleſe zu ſein, ſondern entweder ein Seeräuber oder ein Franzoſe, die Santa Maria ſei uns gnädig, — aber in dieſen unruhigen Zeiten iſt der Unterſchied zwiſchen Beiden nicht ſehr groß.“ „Dies möchte ich doch nicht behaupten, Freund; denn der Eine iſt von aller Welt geächtet, während der Andere civiliſin und bi wo ſei lauchtizg republi Regier Zweife herbeig Pflicht, daraus betrach⸗ weg, 6 beſſer, höre ich oder K „ nicht he Gegenſ welchen mit ih geſproch den;„ nicht m und wi und be dieſer iſt gegen die nes See⸗ vie—“ fiel der n, wenn ſie ehr⸗ no ſind. bekannt, n dieſes errichtete Frage zu ſuchten 2 Sinne no, den n, ja,“ o Tonti Ingleſe, erdachte, eräuber gnädig, terſchied Freund; nd der — 89— Andere ſich aller Rechte erfreut, welche die Unterthanen civiliſirter Nationen ſchützen,“ verſetzte der gewiſſenhafte und billig geſinnte Würdeträger.—„Es gab eine Zeit, wo ſeine Kaiſerliche Majeſtät der Kaiſer und ſein durch⸗ lauchtiger Bruder, unſer Gebieter, der Großherzog, die republikaniſche Regierung Frankreichs nicht als geſetzliche Regierung anerkannten; das Kriegsglück hat jedoch dieſe Zweifel beſeitigt und ein Friedensſchluß die Anerkennung herbeigeführt. Seit der neuerlichen Allianz iſt es unſere Pflicht, alle Franzoſen als Feinde zu betrachten, obgleich daraus keinesweges folgt, daß wir ſie als Seeräuber betrachten ſollen.“ „Ihre Korſaren aber nehmen alle unſere Fahrzeuge weg, Signore, und behandeln deren Bemannung nicht beſſer, als wenn ſie Hunde wären; und dann ſollen ſie, höre ich, auch keine Chriſten— ja, nicht einmal Luterani oder Ketzer ſein!“ „Es iſt leider wahr, die Religion ſteht bei ihnen nicht hoch,“ antwortete Andrea, welcher über dergleichen Gegenſtände ſo gern ſprach, daß er bei dem Bettler, welchem er ein Almoſen gab, ſtehen geblieben wäre und mit ihm über Religion oder Sitten und Gebräuche geſprochen hätte, wenn er nur irgend Ermunterung gefun⸗ den;„aber es iſt in Betreff dieſes wichtigen Punktes nicht mehr ſo ſchlimm in Frankreich, als es geweſen iſt; und wir dürfen hoffen, daß es mit der Zeit immer beſſer und beſſer wird.“ — 90— „Aber, Signor Vice⸗Governatore,“ fiel Maſo ein, „dieſe Leute haben den heiligen Vater und ſeine Staaten ſchlimmer behandelt, als man einen Ungläubigen oder Türken behandeln würde.“ „Ja, ja— das iſt's, Signori,“ bemerkte Benedetta; „eine arme Frau kann nicht in die Meſſe gehen, ohne ihren Geiſt durch all' die Gedanken an das Unrecht, welches man an dem Haupte der Kirche verübt, getrübt zu fühlen. Wären dieſe Dinge von Luterani gekommen, ſo möchte es immer noch hingehen; aber man ſagt, die Franzoſen ſeien einſt alle gute Chriſten geweſen.“ „Das waren auch die Luterani, bella Benedetta— bis zu ihrem abtrünnigen Haupt und Führer, dem deut⸗ ſchen Mönche ſelbſt.“. Dieſe Mittheilung erregte bei allen Anweſenden das größte Staunen; ſelbſt der Podeſta warf ſeinem Vorge⸗ ſetzten einen fragenden Blick zu, als wollte er ſeine eigene Verwunderung zu erkennen geben, daß ein Proteſtant je etwas Anderes geweſen ſein ſollte, als ein Proteſtant,— oder vielmehr, daß ein Lutheraner etwas Anderes geweſen ſein ſollte, als ein Lutheraner,— denn das Wort Pro⸗ teſtant war zu bezeichnend, um bei Leuten in Gunſt zu ſtehen, welche es in Abrede ſtellen, daß irgend gerechte Gründe vorhanden ſeien, überhaupt zu proteſtiren. Daß Luther je ein Katholik geweſen ſein ſollte, war, ſelbſt in den Augen Vito Viti's, wahrhaft wundervoll. „Signore, Ihr denkt gewiß nicht daran, in einer ſo ernſten leiten.“ 77 J dieſer To Viti. 6 wenden; aber nüt es unten Ich wün Die Gäſten e Zimmer die Mitte und ein Es abzuweiſe Erſcheinu ſenden eit Der ſo das Al war kein Seemann dieſes Ka⸗ Genueſe, Dolmetſche gekommen Dam Naſo ein, Staaten gen oder enedetta; en, ohne Unrecht, getrübt kommen, ſagt, die edetta— em deut⸗ nden das n Vorge⸗ ne eigene eeſtant je ſtant,— geweſen ort Pro⸗ Hunſt zu gerechte n. Daß ſelbſt in einer ſo — 91— ernſten Sache, wie dieſe, die guten Leute hier zu miß⸗ leiten.“ „Ich ſag' Euch nur die Wahrheit, und Ihr könnt dieſer Tage die ganze Geſchichte von mir erfahren, Freund Viti. Es iſt wohl werth, eine Mußeſtunde daran zu wenden; es iſt für Jeden belehrend, für einen Chriſten aber nützlich und tröſtend.— Aber, Benedetta, was gibt es unten?— Horch— man kommt die Treppe herauf. Ich wünſchte nicht, geſehen zu werden.“ Die Wittwe ſchickte ſich ſogleich an, ihren neuen Gäſten entgegen zu gehen und ſie in ein gewöhnlicheres Zimmer in dem Flurgeſchoß zu führen, als ſich, ehe ſie die Mitte des Gemaches erreicht hatte, die Thüre öffnete und ein Mann auf die Schwelle trat. Es war jetzt zu ſpät, um einen zudringlichen Gaſt abzuweiſen; und ein nicht geringes Erſtaunen über die Erſcheinung des neuen Ankömmlings machte alle Anwe⸗ ſenden eine Minute zu ſtummen Beobachtern. Der Mann, welcher ſeinem Gehöre gefolgt war und ſo das Allerheiligſte der ſchönen Benedetta erreicht hatte, war kein anderer, als Ithuel Bolt, der amerikaniſche Seemann, welchen wir bereits in dem früheren Theile dieſes Kapitels erwähnten. In ſeinem Geleite war ein Genueſe, welcher unter der doppelten Eigenſchaft eines Dolmetſchers und eines luſtigen Geſellſchafters entlang gekommen war. Damit der Leſer jedoch den Charakter, mit welchem er zu thun hat, beſſer kenne, dürfte es nothwendig ſein, ein wenig abzuſchweifen und eine kurze Nachricht von der Geſchichte, der Erſcheinung und den Eigenthümlich⸗ beiten des Erſtern mitzutheilen. Ithuel Bolt war, wie man es in den Vereinigten Staaten nennt, in dem Granit⸗Staate geboren. Ob⸗ gleich er nicht eigentlich aus dem fraglichen Steine gebil⸗ det war, fehlten ihm doch alle gewöhnlichen Symptome natürlichen Gefühls, was beſonders ſeine franzöſiſchen Bekannten veranlaßt hatte, zu behaupten, es finde ſich, in ſeinem moraliſchen Charakter wenigſtens, ein bei wei⸗ tem größerer Theil Marmor, als menſchlichen Weſen gewöhnlich anheim zu fallen pflege. Er hatte die Anlagen zu einem guten Körperbaue; aber an der Ausfüllung mangelte es ihm in jammervoller Weiſe. Die Knochen herrſchten vor; dann kamen die Sehnen zunächſt in Betrachtung; auch war der Mann nicht ohne ſeinen gehörigen Theil Muskeln; dieſe letztern waren aber ſo geſtellt, daß ſie nichts als Winkel zeigten, man mochte ſie anſehen, von welcher Seite man wollte. Selbſt ſeine Daumen und Finger waren eher viereckig, als rund; ja, ſein Hals, der bloß war, obgleich ein ſchwarzes ſeidenes Tuch los um die Kehle gebunden war, hatte eine Art fünfeckigen Ausſehens, das allem Eben⸗ maaß und aller Grazie Hohn ſprach. Er war genau ſechs Fuß einen Zoll hoch; wenn er ſich ſtreckte, was er von Zeit zu Zeit that, um, wie es ſchien, ein zu hinder und ſeine Zoll weni Sein mals wei ziemlich ſichtszüge der Munſ Dieſe loſen, w in der S ſchienen. Ithu ten eines kämpft, nicht zu Ackerjung der Zinn, Auch fach umg Wohnund ganzen T Ithi ſich's ein ihm in d ſem Wen ndig ſein, dricht von athümlich⸗ ereinigten ren. Ob⸗ eine gebil⸗ Symptome anzöſiſchen finde ſich, n bei wei⸗ en Weſen örperbaue; mmervoller kamen die der Mann heſe letztern kel zeigten, nan wollte. er viereckig, obgleich ein unden war, allem Eben⸗ );; wenn er um, wie es — 93— ſchien, ein eingewurzeltes Zuſammenſinken in den Schultern zu hindern; in der Stellung, welche ihm die bequemſte und ſeine gewöhnliche war, hatte er einen oder zwei Zoll weniger. Sein Haar war ſchwarz und ſeine Haut, die ehe⸗ mals weiß geweſen, hatte durch Wind und Wetter einen ziemlich braunen Anſtrich erhalten, während ſeine Ge⸗ ſichtssüge gut gebildet, die Stirne breit und voll, und der Mund wahrhaft ſchön war. Dieſes ſeltſame Geſicht ward von zwei ſcharfen, ruhe⸗ loſen, weißlichen Augen erleuchtet, welche nicht Flecken in der Sonne, ſondern Sonnen in einem Flecke zu ſein ſchienen. 4 Ithuel hatte ſich durch all' die gewöhnlichen Irrläuf⸗ ten eines amerikaniſchen Lebens in der Sphäre durchge⸗ kämpft, welche gewöhnlich Denen angewieſen wird, die nicht zu der vornehmen Welt gerechnet werden. Er war Ackerjunge, Setzer, Schullehrer, Poſtillon und wandern⸗ der Zinngießer geweſen, ehe er je die See geſehen hatte. Auch in dem Haushaltungsweſen hatte er ſich viel⸗ fach umgeſehen, ſelbſt das Putzen und Reinigen der Wohnungen hatte er verſucht, und die Abende eines ganzen Winters damit hingebracht, daß er Beſen band. Ithuel hatte ſein dreißigſtes Jahr erreicht, ehe er ſich's einfallen ließ, zur See zu gehen. Ein Zufall gab ihm in dieſer Zeit den Gedanken ein, er könne auf die⸗ ſem Wege ſein Glück machen, und er ging als Steuer⸗ — 94— mann eines kleinen Küſtenfahrers zum erſten Mal auf Reiſen. Der Schiffsherr ward glücklicherweiſe ſeine Un⸗ zulänglichkeit nie gewahr; denn Ithuel trat mit einer Zuverſicht und einem Selbſtvertrauen auf, das Klügere hätte täuſchen können; als ſie aus dem Hafen, in wel⸗ chem ſie ihre Ladung eingenommen hatten, heraus waren, wurde der Erſtere durch den Giekbaum über Bord ge⸗ ſchleudert und ertrank. Die Meiſten wären unten ſolchen Umſtänden umge⸗ kehrt; Bolt unternahm aber nie etwas und blickte zurück. Ueberdies war ein Weg für ihn eben ſo leicht, wie ein anderer. Was er begann, führte er in einer oder der andern Weiſe zu Ende; freilich wär' es oft beſſer gewe⸗ ſen, er hätte nicht angefangen. Glücklicherweiſe war es jetzt Sommer, der Wind war gut und die Mannſchaft ließ ſich leicht in Ordnung halten; und da es ſich ganz von ſelbſt verſtand, daß in der rechten Richtung geſteuert wurde, bis der Schoner wohlbehalten in ſeinen Hafen eingebracht wurde, lief er er auch wohlbehalten ein, und die Mannſchaft ſchwor, der neue Steuermann ſei der umgänglichſte und geſchick⸗ teſte Burſche, unter dem ſie je gedient. Dies konnten ſie wohl ſagen; denn Ithuel hütete ſich, einen Befehl ergehen zu laſſen, bevor er ihn von einem der Leute ausdrücklich gehört hatte; dann verfehlte er nie, ihn von Wort zu Wort zu wieder eun, als wär' er ſeine eigene Eingebung. Was den Namen des ge⸗ ſchickte ſelbſt, deo nur in in dem ſo häufig in dem 2 Das Glü wann ihr Maſter d er ſo ur nun den ſo leicht, Seemant Jahren a den Brut auch, in fahrtskun Dies Stellung im Laufe Fregatte, Fieber ve ihm Bra ſelbſt Itl Mal auf eine Un⸗ nit einer Klügere in wel⸗ s waren, Bord ge⸗ en umge⸗ te zurück. wie ein oder der ſſer gewe⸗ der Wind Ordnung b, daß in Schoner e, lief er ft ſchwor, d geſchick⸗ uel hütete r ihn von n verfehlte „als wär' en des ge⸗ ſchickteſten Burſchen betraf, ſo verſteht es ſich von ſelbſt, daß dieſes Wort, mit dem man ſo freigebig iſt, nur in der provinziellen Bedeutung zu nehmen iſt, die in dem Theile der Welt, aus welcher Ithuel ſtammte, ſo häufig vorkommt. Er war in dieſem Sinne gerade in dem Verhältniſſe„geſchickt,“ wie er unwiſſend war. Das Glück, welches er bei dieſer Gelegenheit hatte, ge⸗ wann ihm Freunde, und er wurde ſogleich wieder als Maſter deſſelben Schiffes ausgeſchickt, an deſſen Bord er ſo unerwartet befördert worden war. Er überließ nun den ganzen Dienſt dem Steuermann; allein er faßte ſo leicht, daß er nach ſechs Monaten ein weit beſſerer Seemann war, als die meiſten Europäer es in drei Jahren geworden wären. Wie der Krug, der zu oft an den Brunnen geht, endlich zerbricht, litt Ithuel zuletzt auch, in Folge ſeiner großen Unwiſſenheit in der Schiff⸗ fahrtskunde, Schiffbruch. Dies veranlaßte ihn, in einer untergeordneteren Stellung eine weite Seereiſe zu unternehmen, bis er im Laufe der Zeit von dem Befehlshaber einer engliſchen Fregatte, welcher ſo viele ſeiner Leute durch das gelbe Fieber verloren hatte, daß er Alles zuſammenraffte, was ihm Brauchbares in die Hände fiel, und in dieſer Noth. ſelbſt Ithuel nicht verſchmähte, gepreßt wurde. Viertes Kapitel. Das Schiff liegt hier, Ein Veroneſer: Michael Caſſio, Des kriegeriſchen Mohrs Othello Lieutnant, Ging an's Geſtade. Othello. Ithuel warf einen kurzen, aber gründlichen Blick in dem Gemache umher. Er ſah, daß zwei von der Geſell⸗ ſchaft in dem Zimmer höhern Ranges waren, als die andern Vier, und daß dieſe letztern zu der Klaſſe der gewöhnlichen Schiffsfahrer des Mittelländiſchen Meeres gehörten. Die Stellung, welche Benedetta in dem Hauſe inne hatte, war nicht zu verkennen; denn ſie gab ſich ſchon durch ihr ganzes Weſen als die Herrin des Hauſes zu erkennen, mochte ſie nun in dem obern oder dem untern Zimmer verkehren. „Vino!“ ſagte Ithuel mit einem Winke der Hand, welcher ſeinem Italieniſch nachhelfen ſollte; denn dieſes, und noch ein oder zwei Wörter waren Alles, was er von einer Sprache wußte, deren er ſich ſo geradezu, und ohne den Beiſtand ſeines Dolmetſchers in Anſpruch zu nehmen, bediente.„Vino— vino, vino, Signora!“ „Si, si, si, Signore!“ antwortete Benedetta lachend, und heftete ihre ausdrucksvollen Augen ſo ſcharf auf die Perſon ob ſie an lenza w eigenen Paolo. ſtellen d und Aus Bei Tiſch, a „I ſeinen B in der b ziemlich und ſo ihr ihren Welch' e leute an Ithuel d eine ver⸗ an die nach ihne „De der Gen Italieniſe Lande, d „D blickte ne 184— Lieutnant, llo. Blick in Geſell⸗ als die laſſe der Meeres m Hauſe gab ſich 3 Hauſes der dem 4 Hand, n dieſes, was er ezu, und pruch zu nora!“ a lachend, f auf die — 97— Perſon ihres neuen Gaſtes, daß es ſehr zweifelhaft war, ob ſie an ſeiner Erſcheinung Freude hätte:„Eure Eccel⸗ lenza wird bedient werden, es hängt aber von Euerm eigenen Belieben ab, ob zu einem, oder zu einem halben Paolo. Wir haben Wein zu den beiden Preiſen, und ſtellen den erſtern gewöhnlich Signori von Rang und und Auszeichnung auf.“ Bei dieſen Worten warf ſie einen Blick auf den Tiſch, an welchem Andrea Barrofaldi ſaß. „Was ſagt das Weib?“ fragte Ithuel brummend ſeinen Begleiter, einen Genueſen, welcher viele Jahre in der britiſchen Marine gedient hatte, und das Engliſche ziemlich geläufig redete.„Ihr wißt, was wir wollen, und ſo ſagt ihr, ſie möge es uns geben, und ich will ihr ihren St. Paul ohne weitere Worte herausgabeln. Welch' eine verzweifelte Anhänglichkeit haben Eure Lands⸗ leute an die Heiligen, Philip— o“— denn ſo ſprach Ithuel den Namen ſeines Begleiters aus—„welch' eine verzweifelte Anhänglichkeit haben Eure Landsleute an die Heiligen, Philip— o, daß ſie ſelbſt ihr Geld nach ihnen benennen,“ „Das nicht ſo in Amerika, Signor Bolto?“ fragte der Genueſe, nachdem er Benedetta ſeine Wünſche auf Italieniſch mitgetheilt hatte;„iſt nicht Sitte in Euerm Lande, die Heiligen zu verehren?“ „Die Heiligen verehren?“ wiederholte Ithuel und blickte neugierig umher, während er an einem dritten 184— 186. Tiſche Platz nahm, die Gläſer bei Seite ſchob und ſonſt Alles in dem Bereiche ſeiner Hand ſo ſtellte, wie es zu ſeinen Begriffen von Ordnung paßte; dann lehnte er ſich auf ſeinem Stuhle zurück, bis die zwei Lehnſpitzen ſich in die Wand eingruben, und das Stuhlgerüſt begann unter ſeiner Laſt zu krachen;„die Heiligen verehren! wir dürften ſie viel leichter entehren. Weswegen ſoll man wohl einen Heiligen verehren? Ein Heiliger iſt nur ein Menſch— ein Menſch wie Ihr und ich, ſo viel Lärm man auch von ihnen macht;— in meinem Vaterlande wimmelt es von Heiligen, wenn man den Berichten der Leute von ſich ſelbſt glaubt.“ „Nicht ganz ſo, Signor Bolto. Ihr und ich nicht große Heilige. Italiener ehren Heilige, weil er fromm und gut.“ Während dem hatte Ithuel ſeine zwei Füße auf das Querholz ſeines Stuhles gebracht, wobei ſeine Knie ſich ſo herausſtreckten, daß ſie ſo viel Raum einnahmen, als die ungewöhnliche Länge ſeiner Beine erlaubte, und ſeine Arme ſich auf den Lehnen zweier Stühle zu ſeinen bei⸗ den Seiten ſich ſo ausbreiteten, daß er wie ein zu Schlã⸗ gen verurtheilter, ausgeſpannter Soldat ausſah. Andrea Barrofaldi ſah all dem mit dem größten Staunen zu. Er konnte allerdings nicht erwarten, in einem Weinhauſe, wie das der Benedetta, ſehr feine Sitten zu finden; er war aber nicht daran gewöhnt, bei einem Manne von des Fremden Stand, und überhaupt von irge ſeinem ſchen S einfacher Alle wür Er den, und aufmerk” ren nati ler Geſch „H Ithuel n — das Wenn die Leut Grunde, betetet il aller Sü Chriſt de dieſe We Heiligen Da Glaubens wohnheit trinken, den Mun ließ ſeine nd ſonſt te es zu e er ſich ten ſich begann erehren! egen ſoll r iſt nur iel Lärm aterlande chten der ich nicht r fromm e auf das Knie ſich hmen, als und ſeine einen bei⸗ zu Schlä⸗ 4 größten darten, in ſehr feine wöhnt, bei überhaupt — 99— von irgend einem Stande, eine ſolche Fahrläſſigkeit in ſeinem äußern Gebahren zu finden, während die italieni⸗ ſchen Seeleute, welche anweſend waren, ihre Sitze in einfacher, achtungsvoller Stellung inne hatten, als wenn Alle wünſchten, ſo anſtändig als möglich zu erſcheinen. Er ließ ſeine Verwunderung jedoch nicht laut wer⸗ den, und beachtete Alles, was vorging, mit ernſtem, aber aufmerkſamem Schweigen. Vielleicht gewahrte er Spu⸗ ren nationeller Eigenthümlichkeiten, wenn nicht nationa⸗ ler Geſchichte in dem, was er vor Augen hatte. „Heilige verehren, weil ſie fromm und gut!“ ſagte Ithuel mit ziemlich ſchlecht verhehlter Verachtung,„nun, — das iſt eben der Grund, warum wir ſie nicht ehren. Wenn Ihr einen frommen Mann verehrt, ſo werden die Leute glauben, Ihr thätet dies aus eben dieſem Grunde, und dadurch auf den Gedanken kommen, Ihr betetet ihn an, was Götzendienſt wäre— die ſchrecklichſte aller Sünden— eine Sünde, vor welcher jeder wahre Chriſt den gerechteſten Abſcheu hat. Ich wollte lieber dieſe Weinflaſche anbeten,— ja, ja— als den beſten Heiligen in dem ganzen Buche Eures Pfarrers.“ Da Filippo kein Caſuiſt, ſondern blos ein Mann des Glaubens war, und Ithuel, in Folge einer alten Ge⸗ wohnheit, aus Feldflaſchen und ähnlichen Gefäßen zu trinken, in dieſem Augenblicke den Hals der Bouteille an den Mund ſetzte, antwortete der Genueſe nicht, ſondern ließ ſeine Augen auf der Flaſche ruhen, welche, nach der — 100— Länge der Zeit zu ſchließen, die ſie an des Mannes Mund blieb, in großer Gefahr zu ſchweben ſchien, leer zu wer⸗ den,— ein umſtand, welcher für einen Freund des Ge⸗ tränkes, wie er, nicht ganz bedeutungslos war. „Nennt Ihr das Wein?“ rief Ithuel, als er ab⸗ ſetzte, um Athem zu holen,„es iſt nicht ſo viel Granit in einer Viermaaßflaſche dieſes Weins, wie in einem Schoppen unſeres Eiders. Ich könnte eine Ohm trinken und dann auf einer Planke gehen, die ſo ſchmal, wie Eure Religion, Philip— o.“ Dies wurde jedoch mit einem ſo vergnügten Geſicht vorgebracht, daß man wohl gewahrte, der innere Menſch ſei mit dem Genoſſenen zufrieden; und um den ſchönen Mund ſpielte ein heiteres Lächeln, welches das Bewußt⸗ ſein verrieth, er ſei der Vermittler eines ſehr angeneh⸗ men Verkehrs mit dem Magen geweſen. Die Wahrheit zu ſagen— Benedetta hatte eine Flaſche zu einem Paolo heraufgebracht— eine Flaſche deſſelben Weines, den ſie dem Vice⸗Statthalter vorgeſtellt; und dies war ein Re⸗ benſaft, der ſo ſanft über den Gaumen glitt, und einen ſo lieblichen Geſchmack hatte, daß Ithuel keineswegs die Macht des Gaſtes fühlte, welchen er in ſein Inneres aufnahm. Dieſe ganze Zeit brachte der Vice⸗Statthalter damit hin, daß er Alles in das Auge faßte, was ſich auf die Heimath und den Charakter des Fremden bezog. Es war ziemlich natürlich, daß er Bolt irrigerweiſe für eir daß er unter wurde. Zeit, ren,— men IJ währen gemein leute, komme hobelt, man“ G 772 und ga laſſen, C 7⁷ gleich ie 0 12 Elba e meine „ tete Fi⸗ Verbeu keit eit nördlich es Mund zu wer⸗ des Ge⸗ ls er ab⸗ el Granit in einem n trinken mal, wie en Geſicht re Menſch en ſchönen 3 Bewußt⸗ angeneh⸗ Wahrheit nem Paolo 3, den ſie ar ein Re⸗ und einen eswegs die n Inneres alter damit ſich auf die og. irrigerweiſe — 101— für einen Engländer nahm, und dies hatte die Folge, daß er in ſeiner Anſicht in Betreff der eigentlichen Flagge, unter welcher das fremde Schiff ſegelte, wieder irre wurde. Er betrachtete, wie die meiſten Italiener jener Zeit, alle nordiſchen Völkerſchaften als eine Art Barba⸗ ren,— eine Anſicht, welche das Ausſehen und Beneh⸗ men Ithuel's zu ändern nicht gerade geeignet war; denn während dieſes ſeltſame Weſen nicht auffallend roh und gemein war, wie der gewöhnlichere Haufen ſeiner Lands⸗ leute, mit denen er dann und wann in Berührung ge⸗ kommen, war er in manchen Punkten ſo offenbar unge⸗ hobelt, daß ſein Anſpruch an den Namen eines„Gentle⸗ man“ ziemlich zweifelhaft ſchien. „Ihr ſeid ein Genueſe,“ ſagte Andrea zu Filippo, und gab ſeiner Stimme Nachdruck genug, um fühlen zu laſſen, daß er ein Recht habe zu fragen. „Ja, Signore,— Eurer Eccellenza zu dienen, ob⸗ gleich ich jetzt in fremden Dienſten ſtehe.“ „In welchen Dienſten, Freund? Ich begleite auf Elba eine hohe Stelle, und frage nicht mehr, als es meine Pllicht iſt.“ „Eccellenza, ich darf dies wohl glauben,“ antwor⸗ tete Filippo, ſtand auf und machte eine ehrfurchtsvolle Verbeugung, welche überdies nichts von der Ungelenkig⸗ keit einer ſolchen Begrüßung von Seiten der Bewohner nördlicher Gegenden hatte;„denn Euer Aeußeres ſpricht — —— 5 ——— — 102— dies ſchon aus. Ich bin jetzt in den Dienſten des Königs von England.“ Filippo ſprach dieſe Worte feſt aus, obgleich ſich ſeine Augen vor den forſchenden Blicken, die auf ihnen ruhten, zu Boden ſenkten. Die Antwort des Vice⸗ Statthalters war kühl, obgleich ſie keinen Rückhalt verrieth. „Ihr dürft Euch um ſo glücklicher preiſen,“ ſagte er,„einem ſo ehrenwerthen Monarchen zu dienen, als Euer Vaterland wieder in die Hände der Franzoſen ge⸗ fallen iſt. Eines jeden Italieners Herz muß ſich nach einer Regierung ſehnen, welche ihre Exiſtenz und ihren Grund dieſſeits der Alpen hat.“ „Signor, Genua iſt jetzt eine Republik, und war es ſtets, wie Ihr wißt.“ „Nun ja— ja. Aber Euer Gefährte ſpricht nicht Italieniſch,— iſt er ein Engländer?“ „Nein, Signor,— ein Americano: eine Art Eng⸗ länder, und doch ganz und gar kein Engländer. Er liebt England ſehr wenig, wenn ich nach ſeinen Reden ſchlie⸗ ßen darf.“ „Uw Americano!“ wiederholte Andrea Barrofaldi. „Americano!“ rief Vito Viti. „Awericanoh ſagte einer der Seeleute nach dem andern, und Aller Augen wendeten ſich mit lebhafter Neugier auf den Gegenſtand des Geſprächs, der dem Allen die gehörige Feſtigkeit und Würde entgegenſtellte. Es darf den Leſer nicht in Erſtaunen ſetzen, daß ein 2 gierd amer ſtanti ten d Daſei 8 rikan Bewo fahrte vor d Englé die N Exiſte Unabl ner d Repu und i nun *) 3 Königs ſich ſeine mruhten, ttthalters „“ ſagte nen, als zoſen ge⸗ ſich nach nd ihren und war icht nicht Art Eng⸗ Er liebt den ſchlie⸗ zarrofaldi. nach dem lebhafter der dem enſtellte. ttzen, daß — 103— ein Amerikaner in einem Lande, wie Italien, mit Neu⸗ gierde angeſehen wurde; denn als zwei Jahre ſpäter ein amerikaniſches Kriegsſchiff plötzlich vor den Mauern Kon⸗ ſtantinopels Anker warf und ſeine Nation meldete, wuß⸗ ten die Behörden der hohen Pforte gar nichts von dem Daſein eines ſolchen Landes. Livorno begann allerdings im Jahre 1799 von ame⸗ rikaniſchen Schiffen häufig beſucht zu werden; aber die Bewohner eben dieſes Hafens, in welchem ſolche Kauf⸗ fahrteiſchiffe einliefen, waren, ſelbſt mit ſolchen Beweiſen vor den Augen, gewöhnt, ihre Bemannung als eine Art Engländer zu betrachten, welche ſich dazu hergäben, für die Neger daheim die Schiffe zu führen.*) Mit einem Worte, dritthalb Jahrhunderte nationeller Exiſtenz und mehr als ein halbes Jahrhundert nationaler Unabhängigkeit waren noch nicht hinreichend, alle Bewoh⸗ ner der alten Welt zu belehren, daß die große neue Republik von Leuten europäiſcher Abſtammung bevölkert und daß ihre Haut weiß iſt. Selbſt von Denen, welche nun eines Beſſeren belehrt ſind, verdankt vielleicht die *) Der Verfaſſer dieſes Buches war im Jahre 1828 zu Livorno. Der Delaware, von 80 Kanonen, hatte eben den Hafen verlaſ⸗ ſen; und als von ſeinem Ausſehen die Rede war, bemerkte ein Bewohner dieſer Stadt, welcher mich für einen Engländer hielt, „die Mannſchaft beſtand doch natürlich aus lauter Schwarzen.“ —„Ich glaubte auch nicht anders,“ lautete die Antwort,„bis ich ſelbſt an Bord des Schiffes kam; aber ſie waren alle ſo weiß, wie Ihr und ſch.“ Der Verfaſſer. — 104— Mehrzahl dieſe Kenntniß eher Schriften leichten Charak⸗ ters, wie dieſes Buch hier iſt, als einem gründlichen Studium und der Bekanntſchaft mit der Geſchichte. „Si,“ wiederholte Ithuel mit Nachdruck, ſobald er in der bemerkten Weiſe ſeiner Nationalität erwähnen hörte und alle Augen auf ſich gefeſſelt ſah.„Si, Zon Americano— ich ſchäme mich meines Vaterlandes nicht, und wenn Ihr auf Dinge dieſer Art ſonderlich geſpannt ſeid, ſo erfahrt,— ich ſtamme aus Neu⸗Hamſhire, oder dem ſogenannten Granit⸗Staate. Sagt ihnen dies, Phi⸗ lip—o, und laßt mich wiſſen, was ſie darüber denken.“ Filippo überſetzte dieſe Worte, ſo wie die Antwort, ſo gut er konnte; und wir wollen hier ein für alle Mal bemerken, daß die Vermittlung des Dolmetſchers in dem nachſtehenden Geſpräche nothwendig war, um das Ver⸗ ſtändniß unter den beiden Parteien möglich zu machen. Der Leſer muß daher Filippo dieſes Verhältniß ordnen laſſen, obgleich wir die verſchiedenen Reden ſo mittheilen, als verſtänden die Betheiligten vollkommen, was geſagt wird. „Uno stato di granito?“*) wiederholte der Vice⸗ Governatore und blickte den Podeſta mit einigem Beden⸗ den in dem Ausdrucke ſeines Geſichtes an;—„es muß doch ein gar elendes Daſein ſein, das dieſe armen Leute haben, wenn ſie ihr Brod in einem ſolchen Lande ver⸗ *) Ein Granit⸗ Staat. dienen jenem 5 wir die Kehlen und bre wir hä land hi Ich haf das Beſ doch Ge „2 Blick in ſind die Vito, E haben.“ „R Art wü größte 1 nennen und Glie nicht Rel hier Wei Itht „ſanften mit dem laut gewe Charak⸗ ndlichen ke. bald er wähnen i, zon s nicht, eſpannt e, oder e8, Phi⸗ enken.“ Intwort, lle Mal in dem as Ver⸗ machen. ordnen ttheilen, 3 geſagt r Vice⸗ Beden⸗ es muß n Leute nde ver⸗ — 195— dienen wollen. Fragt ihn, guter Fuippo, ob es Wein in jenem Theile der Erde gibt?“ „Wein!“ rief Ithuel,—„ſagt dem Signore, daß wir dieſes Zeug gar nicht Wein nennen würden. Unſern Kehlen gleitet nichts nieder, das kratzt wie eine Feile, und brennt wie ein Brand aus dem Veſuv. Ich wollte, wir hätten jetzt ein Glas echten Rhum aus Neu⸗Eng⸗ land hier, um den Leuten den Unterſchied zu zeigen. Ich haſſe den Mann, der glaubt, Alles, was er hat, ſei das Beſte, blos weil er es hat; Geſchmack iſt aber zuletzt doch Geſchmack, und dies iſt nicht in Abrede zu ſtellen.“ „Vielleicht kann uns der Signor Americano einen Blick in die Religion ſeines Landes thun laſſen— oder ſind die Amerikaner Heiden?— Ich erinnere mich nicht, Vito, Etwas von der Religion jener Weltecke geleſen zu haben.“ „Religion— auch noch!— Nun, eine Frage dieſer Art würde bei unſern Leuten in Neu⸗Hampſhire das größte Unheil hervorbringen. Seht, Signore,— wir nennen Eure Ceremonien, und Bilder, und Gewänder, und Glockenläuten, und Verbeugen und Scharren gar nicht Religion,— ſo wenig, als wir dieſes ſanfte Getränk hier Wein nennen.“ Ithuel befand ſich mehr unter dem Einfluſſe dieſes „ſanften Getränks,“ als er ſelbſt wußte, ſonſt würde er mit dem Ausſpruche ſeiner abweichenden Anſicht nicht ſo laut geweſen ſein, da ihn die Erfahrung gelehrt hätte, — 106— wie nothwendig es ſei, unter Katholiken und in einem katholiſchen Lande zurückhaltender zu ſein. Allein von all Dem wußte Andrea Barrofaldi nichts, und er ant⸗ wortete mit dem Ernſte eines ſtrengen Katholiken, aber auch mit dem Anſtande eines„Gentleman.“ „Was der Amerikaner unſere Ceremonien und Bil⸗ der, unſer Glockenläuten und Kniebeugen nennt, verſteht er wahrſcheinlich nicht,“ ſagte Andrea;„denn ein Land, das noch ſo wenig geſittigt iſt, wie das ſeinige, kann die Myſterien einer tiefen, alten Religion nicht faſſen.“ „Geſittigt? Ich denke, es ſollte dieſem Theile der Welt ſchwer fallen, eine Geſittung zu erzeugen, wie ſie bei uns die kleinſten Kinder an den Tag legen. Doch, es iſt mit dem Sprechen hier nichts gethan— wir wol⸗ len trinken.“ Da Andrea bemerkte, daß allerdings mit dem Spre⸗ chen hier nicht mehr viel auszurichten ſei, gab er den Gedanken auf, die Verhandlungen und Erörterungen über Religion, Geſetze und Sitten fortzuſetzen, und beſchloß, der Frage näher zu rücken, welche ihn in dieſe Geſellſchaft gebracht hatte. „Dieſer Americano iſt auch ein Diener des Königs von England, wie es ſcheint,“ warf er ſorglos hin.„Ich erinnere mich, gehört zu haben, ſein Vaterland und das der Ingleſi ſeien mit einander im Kriege, und die Fran⸗ zoſen ſtänden den Amerikanern bei, um den letzteren eine Art nationeller Unabhängigkeit erringen zu helfen. Ich w wahrſc Seelen Herrer C— J Bitter! höhniſc hält es nahmet beſte 9 mögen wir zu iſt eben ſind N rächen, wenn wie mi wieder Granit Di indeſſen Vice⸗ S Mann, gegen ſ It! denn de einem ein von er ant⸗ n, aber und Bil⸗ verſteht in Land, kann die n. heile der „ wie ſie 1. Doch, wir wol⸗ n Spre⸗ b er den rterungen zen, und n in dieſe es Königs hin.„Ich d und das die Fran⸗ n letzteren zu helfen. — 107— Ich weiß nicht, was dieſe Unabhängigkeit iſt; es iſt aber wahrſcheinlich, daß die Leute in der neuen Welt noch Seeleute ſtellen müſſen, um in der Flotte ihrer früheren Herren zu dienen.“. Ithuel's Muskeln bebten, und ein Ausdruck tiefer Bitterkeit verdüſterte ſein Geſicht. Dann lächelte er faſt höhniſch, und machte ſeinen Gefühlen in Worten Luft. „Ihr habt vielleicht Recht, Signore; vielleicht ver⸗ hält es ſich mit der Sache wirklich ſo; denn die Briten nahmen unſere Leute gerade ſo weg, als wenn ſie das beſte Recht von der Welt dazu hätten. Ja, ja,— wir mögen wohl unſeren Herren dienen müſſen; und was wir zu Hauſe von Unabhängigkeit denken und ſprechen, iſt eben eitles Denken und Sprechen. Demungeachtet ſind Manche von uns in jeder Weiſe bemüht, ſich zu rächen, ſobald ſich nur eine Gelegenheit darbietet; und wenn ich Meiſter John Bull keinen Streich ſpiele, ſo wie mir der Zufall dazu behülflich iſt, ſo will ich nie wieder ein Stück von dem alten Staate wieder ſehen— Granit oder faules Holz.“ Dieſe Worte wurden nicht ſehr getreu überſetzt; indeſſen war genug geſagt worden, um die Neugierde des Vice⸗Statthalters zu ſpannen, dem es auffiel, daß ein Mann, welcher den Engländern diente, ſolche Gefühle gegen ſie hegen könne. Ithuel hatte ſeiner gewöhnlichen Vorſicht vergeſſen; denn der ölige Wein hatte mehr„Granit“ in ſich, als er glaubte; und dann ſprach er ſelten von dem Miß⸗ brauche des Preſſens, ohne ſeine gewöhnliche Selbſt⸗ beherrſchung mehr oder weniger zu verlieren. „Fragt den Americano, ſeit wann er in die Dienſte des Königs von England getreten,“ ſagte Andrea,„und warum er in denſelben bleibt, wenn ſie ihm zuwider ſind, während ſich ſo viele Gelegenheiten bieten, ſie zu ver⸗ laſſen?“ „Ich bin nie in ſeine Dienſte getreten,“ verſetzte Ithuel, der das Wort in ſeiner buchſtäblichen Bedeutung nahm;„man hat mich gepreßt, als wär' ich ein Hund, der ihnen den Bratſpieß drehen ſollte; und ſie behielten mich ſieben Jahre lang, und ich mußte ihre verwünſchten Schlachten mitkämpfen und ſonſt ihren Zwecken dienen. Im vergangenen Jahre war ich drüben an der Mündung des Nils, bei jenem ſchönen Streiche— und vor Cap St. Vincent— ja, ja,— und in einem Dutzend anderer Gefechte— und jedenfalls ſehr gegen meinen Willen. Dies war ſchwer zu ertragen; aber das Schwerſte habe ich noch nicht geſagt,— auch weiß ich nicht, ob ich es überhaupt ſagen werde.“ „Alles, was der Americano uns mittheilen will, wer⸗ den wir mit Vergnügen hören.“ Ithuel war ziemlich unentſchloſſen, ob er fortfahren ſollte oder nicht; ein friſcher Zug aus der Flaſche goß aber neue Flammen in ſein Blut. „Gut,— zu dem unrecht kam auch noch Verhöh⸗ nung. thut u drein, er nich daß m ſophiſc Fall n ländiſch ich abe ihre Te ließen, Sitten das B ſches 2 bloß, vorbeig haupt ſpreche „hog oder e ſem T 7I Miß⸗ Selbſt⸗ Dienſte „„und der ſind, zu ver⸗ verſetzte deutung Hund, hehielten ünſchten dienen. Lündung vor Cap anderer Willen. ſte habe b ich es ill, wer⸗ artfahren ſſche goß Verhöh⸗ — 109— nung. Es iſt ſchlecht genug, wenn man Einem Unrecht thut und ihn kränkt; verhöhnt man ihn aber noch oben⸗ drein, dann muß er wenig Grütze in ſich haben, wenn er nicht, in Feuer und Flamme geräth.“ „Und doch geſchieht ſelten Jemand Unrecht, ohne daß man ihn nicht auch verläumdet,“ bemerkte der philo⸗ ſophiſche Vice⸗Statthalter.„Dies iſt nur zu ſehr der Fall mit unſerm Italien, würdiger Nachbar Vito Viti.“ „Ich denke, die Engläͤnder behandeln den Einen wie den Andern, ſei es nun in Italien, oder in Ame⸗ riky;“ denn ſo ſprach Ithuel dieſes Wort aus, ob⸗ gleich er nun ſchon ſeit mehreren Jahren in dem Mittel⸗ ländiſchen Meere und deſſen Umgebungen breuzte,—„was ich aber am härteſten zu ertragen fand, war, daß ſie ihre Taue um meine Sprache und mein Gebahren laufen ließen, was ſie ſtets eine Nankee⸗Sprache und Yankee⸗ Sitten zu nennen für gut fanden, während ſie vorgaben, das Blut, von welchem Alles dort herſtamme, ſei engli⸗ ſches Blut, und ſo ſtellten ſie dieſes Blut den Kugeln bloß, ſo oft einer ihrer Feinde zufällig an unſerm Wege vorbeiging. Dann, Squire, ſind wir in Amerika über⸗ haupt der Anſicht, daß wir das beſte gangbare Engliſch ſprechen, und wahrlich, keiner von uns nennt einen „hog“ einen„oc,“ einen„anchor“ einen„hanchor,“ oder ein„horse“ ein„orse.“ Was denkt man in die⸗ ſem Theile der Welt von der Sache, Squire?“ „Wir haben kein Urtheil über Eure Sprache; es — 110— iſt jedoch vernünftig anzunehmen, daß die Engländer ihre Sprache beſſer ſprechen, als jedes andere Volk. Dies wenigſtens muß man ihnen zugeſtehen, Signor Bolto.“ „Ich werde ihnen einen ſolchen Vorzug nimmermehr zugeſtehen. Ich bin nicht umſonſt in die Schule gegan⸗ gen, ich: die Engländer ſprechen clerk„clark,“ cucum- ber„cocomber;“ angel„aingel“ aus, und man ſage, was man wolle, das iſt nicht richtig. Ich habe eine ganze Reihe von ſolchen Wörtern, die ſie alle unver⸗ nünftig ausſprechen, und dieſe Reihe iſt ſo lang, wie das längſte Tau eines Schiffes. Ihr müßt wiſſen, Sig⸗ nor Squire, ich bin in meiner Jugendzeit Schullehrer geweſen. „Non è possibile!“ rief der Vice⸗Statthalter, und das Staunen bewältigte faſt ſeine gewöhnliche Ruhe und Haltung.„Ihr wollt wahrſcheinlich ſagen, Signor Ameri⸗ cano, Ihr hättet in der Kunſt, einen Logger aufzutakeln und zu führen, Unterricht gegeben?“ „Ihr habt nie ſo weit fehlgeſchoſſen, Signore. Ich lehrte in dem allgemeinen Syſteme alle Arten von Din⸗ gen, die zur Bildung gehören; und hätte Einer meiner Schüler einen ſolchen Schnitzer gemacht und„clark,“ oder„aingel,“ oder„barth,“ oder„cocomber'“ geſagt, er hätte wenigſtens eine Woche lang an ſeinem Gehöre gelitten. Aber ich verachte die Engländer aus der ganzen Tiefe n für mer Se ſcheinen haben, Urtheile ratur de das W Sinne pflegt, ſchwinde achten“ fernt, do iſt nicht heben, d ‿ antworte buchſtäbl Gebrauc eine nöt wahre T Dier bilden, der That dar, und ihn noch reden au gländer Volk. Signor germehr gegan⸗ Lucum- n ſage, be eine unver⸗ g, wie 1, Sig⸗ ullehrer er, und hhe und Ameri⸗ utakeln e. Ich n Din⸗ meiner clark,“ geſagt, Gehöre ganzen — 111— Tiefe meiner Seele; denn das Herz iſt nicht tief genug für mein Gefühl.“ So abgeſchmackt Ithuel's britiſche Ausfälle Allen er⸗ ſcheinen müſſen, die einige Kenntniß von ächtem Engliſch haben, waren ſie doch ganz„auf der Höhe“ mancher urtheile über dieſe Frage, welche in der Flugblätter⸗Lite⸗ ratur des Landes glänzten; und in ſeinen letzten Worten das Wort„verachten“(despise) in dem provinziellen Sinne gebraucht, in welchem es ſo gewöhnlich zu werden pflegt, daß ſeine eigentliche Bedeutung bald ganz ver⸗ ſchwinden wird. Ithuel wollte„haſſen“ und nicht„ver⸗ achten“ ſagen. Nichts iſt von dem Gefühle weiter ent⸗ fernt, das er bezeichnen wollte, als Verachfung; denn es iſt nicht leicht, die, welche wir verachten, ſo hoch zu er⸗ heben, daß wir ſie haſſen. „Die Ingleſi ſind aber doch kein verächtliches Volk,“ antwortete Andrea, welcher den Ausdruck des Fremden buchſtäblich nehmen mußte, da er von dem abſonderlichen Gebrauche des Wortes in Amerika nichts wußte;„für eine nördliche Nation haben ſie in den letzten Jahren wahre Wunder gethan, abſonderlich auf dem Meere.“ Dies war mehr als Ithuel hören konnte. Alle Un⸗ bilden, die er perſönlich erfahren,— und ſie waren in der That ſehr herber Art,— ſtellten ſich ſeinem Geiſte dar, und der National⸗Widerwillen reizte und entflammte ihn noch mehr. Er brach jetzt in ſo ungemäßigte Schimpf⸗ reden aus, daß Filippo's Kenntniſſe vom Engliſchen voll⸗ kommen unzureichend waren und eine Ueberſetzung un⸗ möglich war. Mittlerweile hatte Ithuel ſo viel Wein zu ſich genom⸗ men, ein Getränk, das mehr Gehalt hatte, als er ahnte, daß er zu jedem Unfuge reif war, und nur das Ueber⸗ maaß ſeines Ungeſtüms hinderte ihn, mehr zu ver⸗ rathen, als gerade in dieſem Augenblicke klug geweſen wäre. Der Vice⸗Statthalter hörte ſehr aufmerkſam zu, da er hoffte, etwas Zuträgliches zu erfahren; was ihm jedoch zum Verſtändniß kam, war nur eine unzuſammen⸗ hängende Maſſe von Verwünſchungen und Verunglim⸗ pfungen, aus denen nichts zu nehmen war. Die Scene wurde denkbarerweiſe allgemach unange⸗ nehm, und Andrea Barrofaldi war bedacht, ſie zu endi⸗ gen. Er erwartete einen günſtigen Augenblick, um zum Worte zu kommen und benutzte die erſte Gelegenheit, wo Ithuel inne hielt und Athem ſchöpfte, um ſich ver⸗ nehmen zu laſſen. „Signore,“ bemerkte der Vice⸗Statthalter,„all dies mag ganz wahr ſein, da es aber aus dem Munde eines Mannes kommt, welcher den Ingleſi dient, und an einen Mann gerichtet iſt, der einem ihrer Verbün⸗ deten, dem Großherzog von Toskana, dient, ſo iſt es eben ſo auffallend als unpaſſend, und wir wollen von andern Dingen ſprechen. Dieſer Logger, an deſſen Bord Ihr d Ihr a grimm dies i kann, und e nimmt ſagte 2 Nachba Stiefel aber k. aller A Freund habe ich niſſe zu cher zu danke, Heroiſch Vit einem ſe ter, ſon ziemlich Lebens eines S ſehr er a 184— ung un⸗ genom⸗ ahnte, Ueber⸗ zu ver⸗ geweſen am zu, das ihm ammen⸗ unglim⸗ unange⸗ zu endi⸗ um zum genheit, ſich ver⸗ r,„all Munde nt, und Verbün⸗ ſo iſt es llen von ſen Bord Ihr dient, iſt, ohne Zweifel, ein engliſches Schiff, was Ihr auch immer gegen dieſe Nation ſagen möcht.“ „Ja, er iſt Engliſch,“ antwortete Ithuel mit einem grimmigen Lächeln,„und ein hübſches Boot iſt er. Aber dies iſt nicht ſeine Schuld, und was man nicht ändern kann, muß man ſchon ertragen. Ein Guernſey⸗Schiff und ein verzweifelter Laufer, wenn er ſich zuſammen⸗ nimmt und ſeine Reiſe⸗Stiefel anzieht.“ „Dieſe Seeleute haben ihre eigene Ausdrucksweiſe,“ ſagte Andrea zu Vito Viti, und lächelte heiter:„Euch, Nachbar, und mir ſcheint der Gedanke, ein Schiff ziehe Stiefel an, ungeräumt und lächerlich; dieſe Seeleute aber kleiden ſie, in ihrer Phantaſie, in Gegenſtände aller Art. Es iſt ergötzlich, ihren Geſprächen zuzuhören, Freund Viti, und ſeit meiner Ankunft auf dieſer Inſel habe ich ſchon oft daran gedacht, ihre Bilder und Gleich⸗ niſſe zu ſammeln, um jenen Zweig der Literatur, wel⸗ cher zu ihrem Berufe gehört, zu erläutern. Der Ge⸗ danke, daß ein Logger ſeine Stiefel anzieht, hat etwas Heroiſches.“ Vito Viti war nun allerdings ein Italiener mit einem ſehr muſikaliſchen Namen; aber er war kein Dich⸗ ter, ſondern ein Mann, der Alles, was ihm vorkam, ziemlich buchſtäblich nahm und an den Realitäten des Lebens feſthielt. Er ſah alſo in dem Stiefelanziehen eines Schiffes eben nichts beſonders Schönes, und ſo ſehr er auch daran gewöhnt war, des Vice⸗Statthalters 184—186. 5 — 114— überlegenen Geiſt und ſeine ausgebreiteteren Kenntniſſe anzuerkennen, hatte er doch den Muth, bei dieſer Gele⸗ genheit gegen die Wahrſcheinlichkeit des erwähnten Um⸗ ſtandes eine Einwendung laut werden zu laſſen. „Signor Vice⸗Governatore,“ antwortete er,„nicht Alles iſt Gold, was glänzt. Schöne Worte umhüllen oft arme Gedanken, und wie es mir ſcheint, haben wir es hier mit etwas dieſer Art zu thun. So lange ich zu Porto Ferrajo lebe, und dies ſind nun volle fünfzig Jahre; denn ich bin auf der Inſel geboren, und habe ſie nur viermal verlaſſen— in dieſer langen Zeit habe ich nie ein Schiff in dem Hafen geſehen, das Stiefel, oder auch nur Schuhe getragen hätte.“ „Dies iſt eine figürliche Redeweiſe, guter Vito Viti, und man muß es von einem poetiſchen Geſichtspunkte aus betrachten. Homer ſpricht von Göttinnen, welche den von ihnen begünſtigten Kriegern Schilde vorhalten, während Arioſto Ratten und Eſel kecke Reden gegen⸗ einander halten läßt, als wenn ſie Mitglieder irgend einer Akademie wären. Alles dies iſt nur die Wirkung der Phantaſie, Signore, und wer damit am reichſten begabt iſt, erfindet am leichteſten Umſtände, welche, ob⸗ gleich ſie nicht wahr ſind, doch ſehr zu unſerer Erheite⸗ rung beitragen.“ „Was Homer und Arioſto betrifft, Signor Vice⸗ Governatore, ſo zweifle ich ſehr, ob Einer von ihnen je ein Schiff mit Stiefeln geſehen hat, oder ob Einer von ihr hie doc geſ Fra wül es deu gute nich Sta nicht natü ferte ich zo war an d keine in de für ſi die be *) 4 ntniſſe Gele⸗ n Um⸗ „nicht nhüllen een wir ich zu fünfzig zabe ſie zabe ich l, oder to Viti, spunkte welche -rhalten, gegen⸗ irgend Wirkung reichſten che, ob⸗ Erheite⸗ or Vice⸗ ihnen je iner von ihnen von einem Schiffe ſo viel verſtanden hat, wie wir, die hier zu Porto Ferrajo leben.— Hört, Freund Filippo, fragt doch dieſen Americano, ob er in ſeinem Lande je Schiffe geſehen hat, welche Stiefel anhatten? Stellt ihm die Frage einfach und ohne irgend Etwas von Eurer ver⸗ wünſchten Poeſie.“ Filippo that, wie ihm geheißen worden, und überließ es Ithuel, ſich den Sinn der Frage nach Belieben zu deuten; denn die eben mitgetheilte Unterhaltung war in gutem Toskaniſch gepflogen worden, und er hatte folglich nichts davon verſtanden. „Stiefel!“ wiederholte der Mann aus dem Granit⸗ Staate und blickte lachend um ſich;—„vielleicht gerade nicht die Sohlen und Abſätze,— denn dieſe müßten natürlich unter dem Waſſer ſein; aber jedes nicht gekup⸗ ferte Schiff hat ſeine Oberſtiefel,*)— und dieſe habe ich zehntauſend Mal geſehen, das will ich beſchwören.“ Dieſe Antwort verblüffte den Vice⸗Statthalter und war Vito Viti ganz unfaßlich. Auch die ernſten Seeleute an dem andern Tiſche fanden es auffallend; denn in keiner andern Sprache iſt die Seeſprache ſo poetiſch, wie in der engliſchen, und der Ausdruck Oberſtiefel war für ſie eben ſo gut griechiſch, wie für die übrigen Zuhörer. Sie unterhielten ſich leiſe über die Sache, während die beiden Würdenträger auf der andern Seite des Zim⸗ *) Halbe Kieling(poot-top). — n6— mers geheime Zwieſprache hielten und dem Amerikaner Zeit ließen, ſeine Gedanken zu ſammeln und ſich der Lage genau bewußt zu werden, in welcher nicht nur er ſelbſt, ſondern auch ſeine Schiffsgenoſſen ſich befanden. Niemanden war ſchwerer beizukommen, als Ithuel, wenn er auf ſeiner Hut war, obgleich der eingefleiſchte Haß, welchen er gegen England und die Engländer fühlte, beinahe ein Geheimniß verrathen hatte, welches in dieſem Augenblick zu bewahren von höchſter Wichtigkeit war. Endlich trat eine allgemeine Stille ein, da die Unter⸗ haltung der verſchiedenen Gruppen ſtockte, und Alle blick⸗ ten auf den Vice⸗Statthalter, als erwarteten ſie von ihm eine Bemerkung, welche dem Geſpräche eine andere Wendung geben könnte; auch irrte man ſich nicht; denn nachdem er Benedetta gefragt hatte, ob ſie ein abgeſon⸗ dertes Gemach habe, lud er Ithuel und ſeinen Dolmet⸗ ſcher ein, ihm dorthin zu folgen, und ſchritt, von dem Podeſta begleitet, voran. Sobald dieſe Vier ſo von den Uebrigen getrennt waren, wurde die Thüre geſchloſſen, und die beiden Toskaner gingen ſogleich zur Sache über. „Signor Americano,“ begann der Vice⸗Statthalter, —„zwiſchen Leuten, die einander verſtehen, braucht man nicht viele Worte. Dies iſt eine Sprache, welche von allen Bewohnern der Erde verſtanden wird, und ich lege ſie Euch in der einfachſten Weiſe vor, damit kein Irr⸗ thum ſtattfinden kann.“ „Sie iſt ziemlich deutlich, gewiß!“ rief Ithuel;— daner der ur er en. huel, iſchte ühlte, ieſem r. Inter⸗ blick⸗ e von undere denn geſon⸗ olmet⸗ n dem in den loſſen, über. halter, ht man he von ch lege n Irr⸗ nel;— — 117— „zwei— vier— ſechs— acht— zehn— lauter gut ausſehende Goldſtücke, welche Ihr in dieſem Theile der Welt Zecchini nennt— Sequins, wie wir ſie im Eng⸗ liſchen benamſen. Was habe ich für dieſe zwanzig Dol⸗ lars gethan, Signor Squire, oder was ſoll ich dafür thun? Sagt mir Eure Bedingungen— dieſes Thun im Dunkeln iſt gegen meine ganze Natur.“ „Ihr ſollt die Wahrheit ſagen; wir halten den Logger für ein franzöſiſches Schiff; und wenn Ihr uns die Beweiſe, daß wir Recht haben, in die Hände gebt, macht Ihr uns zu Euern Freunden und dient Euch ſelbſt.“ Andrea Barrofaldi wußte wenig von Amerika und den Amerikanern; er hatte aber die gewöhnliche euro⸗ päiſche Anſicht in ſich aufgenommen, Geld ſei die große Gottheit, welche man in jener Halbkugel verehre, und er dürfe nur Geld ſehen laſſen, um eines Mannes von Ithuel's Gebahren und Ausſehen gewiß zu ſein. Auf ſeiner Inſel freilich würden zehn Zechinen hingereicht haben, faſt jeden Schiffer in dem Hafen zu jeglicher Handlung zu verleiten, welche nicht ganz ſtreng ſtrafbar war; und der Gedanke, ein Barbar des Weſten könnte lieber einer ſolchen Summe entſagen, als ſeine Schiffs⸗ cameraden verrathen, war ihm nie eingefallen. Der Italiener kannte aber den Amerikaner nur wenig. Einen größeren Schelm, als Ithuel in ſeiner Art war, durfte man nicht leicht wieder finden; aber es ging gegen alle ſeine Begriffe von perſönlicher Würde, Selbſtachtung — 118— und republikaniſcher Tugend, ſich ſo unverhohlen eine Beſtechung bieten zu ſehen; und hätte der Logger ſich nicht in einer ſo bedenklichen Lage befunden, wäre er im Stande geweſen, die Sache ſogleich zu einer Kriſis zu bringen, indem er dem Vice⸗Statthalter das Gold in das Geſicht geworfen hätte, obgleich er vielleicht, da er wußte, wo es wieder zu finden war, ſogleich auf Mittel gedacht hätte, es dem Eigenthümer in der nächſten Minute wieder abzunehmen. Er hatte nie ein Geſchenk oder eine Beſtechung an⸗ genommen, die ihm geradezu und unverhohlen in der Geſtalt von Geld von einem Vorgeſetzten oder in der Abſicht, ihn zu gewinnen, geboten wurde; denn ein Ge⸗ ſchenk würde in ſeinen Augen eine Art Erniedrigung geweſen ſein; und eine Beſtechung anzunehmen, hätte er für einen Verrath an ſeiner Nationalität gehalten, obgleich er im Stande geweſen wäre, vom Morgen bis in die Nacht über dem Gedanken zu brüten, wie er unter einer gewöhnlichen Form ſelbſt Kupfer aus der Taſche ſeines Nachbarn in ſeine eigene zu bringen vermöchte. Mit einem Worte, Ithuel war in Bezug auf ſolche Dinge, was man gewöhnlich geſetzlich ehrlich nennt, obgleich er ſich manchen geräumigen Vorbehalt machte, z. B. alle Arten Dinge in fremden Ländern zu ſchmug⸗ geln(zu Hauſe hätte er nie an dergleichen gedacht), Eide in Mauthangelegenheiten zu ſchwören, und dergleichen mehr; und dies iſt gerade jene Menſchenklaſſe, welche eine r ſich er im ſis zu old in da er Mittel ſinute ig an⸗ in der in der n Ge⸗ rigung hätte halten, een bis unter Taſche ichte. ſolche nennt, machte, ſchmug⸗ d, Eide gleichen welche — 119— am lauteſten gegen die Schlechtigkeit der Menſchen zu Felde zu ziehen pflegt. Hätte ein Geſetz beſtanden, welches dem Angeber die Hälfte ſicherte, ſo würde er ſich vielleicht nicht beſonnen haben, den Logger und Alles, was er an Bord hatte, zu verrathen, beſonders wenn er ſeiner Sache ganz gewiß geweſen wäre; er war aber längſt mit ſich darüber einig, daß die Italiener falſche Schelme ſeien, denen man gar nicht ſo vertrauen könne, wie amerikaniſchen Schelmen; und dann hätte ſeine unbezwingbare Abneigung gegen England ihn in einem Falle treu erhalten, welcher bei weitem weniger gefahrvoll geweſen wäre, als dieſer. Er nahm ſich jedoch zuſammen, betrachtete die Zechi⸗ nen mit natürlicher Sehnſucht, und antwortete mit einer Einfachheit, welche dem Vice⸗Stoithalter auffiel und ihn zumal irre leitete. „Nein, nein— Signor Squire,“ ſagte er;—„ein⸗ mal habe ich Euch kein Geheimniß mitzutheilen; und es würde eine kitzliche Sache ſein, Euer Geld hinzunehmen und Euch nicht den Werth deſſelben dagegen zu bieten; dann iſt der Logger auf Guernſey gebaut und hat gute Papiere von dem Könige Georg. In dem Welttheile, in welchem ich zu Hauſe bin, nehmen wir kein Geld, wir müßten denn Etwas von gleichem Werthe dagegen geben. Geſchenke nehmen und Betteln betrachten wir als gemein und unſchicklich, und es däucht uns nicht viel beſſer, denn der Stadt als Nothleidende zur Laſt zu — 12²0— fallen; kann ich Euch aber geſetzlich zu Dienſten ſein, ſei es, worin es will, ſo bin ich eben ſo gewillt, für Euer Geld thätig zu ſein, wie für das jedes andern Mannes, — ich ziehe die Könige in dieſer Hinſicht keineswegs vor.“ Ithuel hielt dieſe ganze Zeit die Zechinen hin, als wollte er ſie zurück geben, obgleich er dies augenſcheinlich ſehr ungern gethan hätte, indem er Andrea, welcher ſein Gebahren weit beſſer begriff, als ſeine Worte, zu ver⸗ ſtehen gab, er lehne es ab, ſein Geheimniß zu verkaufen.“ „Ihr könnt das Geld behalten, Freund,“ bemerkte der Vice⸗Statthalter;„denn wenn wir Italiener geben, pflegen wir die Gabe nicht wieder zurück zu nehmen. Vielleicht fällt Euch morgen etwas ein, deſſen Kenntniß mir nützlich werden kann.“ „Ich brauche keine Geſchenke; auch iſt es nicht ganz den Granit⸗Gebräuchen gemäß, ſie anzunehmen,“ antwortete Ithuel ein wenig ſcharf.„Ehrliches Thun iſt ehrliches Thun, und der Mitmenſch, der mich durch Geſchenke überrumpeln und betäuben will, kommt mir kaum beſſer vor, denn ein engliſcher Ariſtokrat. Gebt mir die Dollars im Wege des Handels, ſo viel Ihr deren auszahlen wollt, und ich will Euch den Mann, ſogar in dem Logger, ausfindig machen, der Euch alles thut, was Euer Herz begehren kann.— Hört, Phi⸗ lep—o,— erzählt doch dem Herrn, aber leiſe, von den drei Tabacksballen, welche wir aus dem virginiſchen Schiffe genommen haben, als wir das Nord⸗Ende von Corſich ſeine brüllen die M. „ liſch, 2 Taback treter ĩ würde Folge h Schiffes „A Zechiner Ich ſehe drei Tal „A Euch in Taſche ſ Gefallen „De Art von iſt ein S nach ihm Shillings Englände aber dieſe abzumache n, ſei Euer ines, vor.“ , als einlich r ſein u ver⸗ ifen.“ nerkte geben, hmen. untniß nicht nen,“ Thun durch t mir Gebt Ihr Nann, — alles phi⸗ von riſchen ee von — 121— Corſica umſegelten, vielleicht ſieht er daraus, daß wir ſeine Feinde nicht ſind. Ihr braucht es nicht heraus zu brüllen, denn es i*ſt nicht nöthig, daß die Wirthin oder die Männer in dem andern Zimmer es hören.“ „Signor Ithuello,“ verſetzte der Genueſe auf Eng⸗ liſch,„es iſt nicht gerathen, dieſe Herren etwas von dem Taback wiſſen zu laſſen; denn der Eine iſt der Stellver⸗ treter des Statthalters und der Andere ein Richter. Man würde den Logger als Schmuggler feſtnehmen, was zur Folge hätte, daß man ſich deſſelben als eines feindlichen Schiffes bemächtigte.“ „Aber ich habe eine gewiſſe Sehnſucht nach dieſen Zechinen da, Euch die Wahrheit zu ſagen, Philip— o. Ich ſehe kein Mittel, ſie zu bekommen, als das mit den drei Tabackshallen.“ „Warum nehmt Ihr ſie nicht, wenn der Signore ſie Euch in die Hand gibt?“ Ihr dürft ſie nur in Eure Taſche ſtecken und ſagen: Eccellenza, was ſteht Euch zu Gefallen?“ „Das iſt nicht Granit⸗Sitte, ſondern mehr in der Art von Euch Italienern. Das Unleidlichſte auf Erden iſt ein Stadtarmer, das Nächſte iſt ein Straßenbettler; nach ihm kommen die Burſchen, welche ſechs Pence und Shillings als Geſchenke nehmen, und zuletzt kommen die Engländer.— Alle dieſe Leute verachte ich; laßt mir aber dieſen Signore ſagen, was im Wege eines Handels abzumachen iſt, und er wird mich ſo bereitwillig und — 2— geſchickt finden, als er es wünſchen kann. In einem Handelsgeſchälte trotze ich dem Teufel.“ Philippo ſchüttelte den Kopf, und weigerte ſich beſtimmt, die Thorheit zu begehen und eines verbotenen Artikels gegen Die zu erwähnen, deren Pflicht es ſein würde, eine Verletzung der Geſetze zu beſtrafen. Andrea Barrofaldi mußte ſich mittlerweile die Zechinen wieder behändigen laſſen, und war in Verlegenheit über den Charakter des ſeltſamen Geſchöpfes, welches der Zufall ihm ſo in den Weg geführt hatte. Er brachte die Goldſtücke in ſeine Taſche; aber ſein Mißtrauen und ſeine Zweifel waren keineswegs beſeitigt. „Beantwortet mir Eine Frage, Signor Bolto,“ ſagte der Vice⸗Governatore, nach augenblicklichem Nachdenken; „wenn Ihr die Engländer ſo ſehr haßt, warum dient Ihr an Bord eines engliſchen Schiffes? warum verlaßt Ihr es nicht bei der erſten guten Gelegenheit? Das Land iſt ſo geräumig, wie das Meer, und Ihr verlaßt doch von Zeit zu Zeit Euer Boot?“ „Ich denke, Signor Squire, Ihr gebt Euch nicht oft mit Karten ab, ſonſt würdet Ihr nicht auf eine ſolche Idee verfallen. Es gibt auf dieſe Erde zwei Mal ſo viel Waſſer als feſten Grund, wie dies denn auch vernünfti⸗ ger Weiſe nicht anders ſein kann; denn Ihr wißt, daß ein Morgen guten fruchtbaren Landes fünf bis ſechs Mal mehr werth iſt, als eben ſo viel Raum auf der See; und dann habt Ihr eine nur geringe Kenntniß von mei⸗ nem Cl ſolche F damit e⸗ theil übe zu Euer Belieben In und nah die Antn Abſchied, ihm nich geweſen Das Ithuel n ſein dürf Geld für ſeinem GC Eine dem Beſi Zeit reich ſetzen, d Gegenſtät Ithuel an Dieſe wiſſen Ra des Wort deſſen Cho einem ſtimmt, Artikels de, eine Zechinen eit über ches der brachte uen und „“ ſagte hdenken; im dient verlaßt Das Land laßt doch nicht oft ine ſolche al ſo viel vernünfti⸗ vißt, daß ſechs Mal der See; von mei⸗ nem Charakter und meinen Plänen, daß Ihr mir eine ſolche Frage ſtellt. Ich diene dem König von England, damit er mich dafür gut bezahlt. Wenn Ihr einen Vor⸗ theil über Jemanden erringen wollt, müßt Ihr ihn zuerſt zu Euerm Schuldner machen; dann könnt Ihr ihn nach Belieben zu Euern Zwecken brauchen und benutzen.“ In all dem fand der Vice⸗Statthalter wenig Sinn, und nahm, nachdem er noch einige Fragen geſtellt und die Antwort vernommen hatte, von den Fremden höflich Abſchied, während er Benedetta bedeutete, man möge ihm nicht in das Gemach folgen, in welchem ſie früher geweſen waren. Das Verſchwinden der beiden Herren beunruhigte Ithuel nicht; da er aber fühlte, daß es nicht gerathen ſein dürfte, noch mehr Wein zu trinken, warf er das Geld für das Getränke auf den Tiſch und humpelte, von ſeinem Gefährten gefolgt, auf die Straße. Eine Stunde ſpäter waren die drei Tabacksrollen in dem Beſitze eines Krämers der Stadt, denn dieſe kurze Zeit reichte vollkommen hin, den Mann in den Stand zu ſetzen, den Handel abzuſchließen und dem Käufer die Gegenſtände zu überliefern— der einzige Grund, der Ithuel an das Land geführt hatte. Dieſes kleine Schmuggelgeſchäft wurde ohne Mit⸗ wiſſen Raoul Yvard's abgethan, welcher in jedem Sinne des Wortes der Capitain ſeines Loggers war, und in deſſen Charakter ſich viele Züge einer ritterlichen Ehre — 124— fanden, denen ſich aber auch manches beigeſellte, das auf ſo erhabene Eigenſchaften nicht ſchließen ließ. Aber dieſe Ungeneigtheit, ſich ein Sümmchen auf eignem Wege zu verſchaffen, war nicht der einzige Charakterzug, welcher den Befehlshaber des kleinen Fahrzeugs von dem Manne unterſchied, den er gelegentlich als Maske für ſeine wah⸗ ren Abſichten brauchte. Fünftes Kapitel. Der wilde Kampf des Himmels und der Wellen Hat uns von der Genoſſenſchaft getrennt; Doch ſieh— ein Schiff! Caſſio. Was auch in dieſer Nacht das Ergebniß der ferneren Unterſuchungen und des Nachdenkens des Signor Andrea geweſen ſein mag,— man erfuhr nichts davon. Nachdem er mit dem Podeſta eine Stunde in dem untern Theile der Stadt hingebracht hatte, ſuchten ſie ihre Wohnungen. und ihre Kiſſen auf, und ließen den Logger ruhig an der Stelle, wo er der Aufmerkſamkeit des Leſers ſich zuletzt dargeſtellt hatte, vor Anker liegen. Wenn Raoul Yrard und Ghita noch eine Zuſam⸗ menkunft hatten, ſo wurde ſie ſo heimlich gehalten, daß auch dieſ lung nich Ein balſamiſch Körper z wachſende raſch wec Milde, w die Werke die warme ſieht man wo das 5 eifert— Landſchafte ten jeden Natur wit Ein ſ unſere Erz wieder ern der Stadt. Jtalien und Stille des gieriger meiſten Nat findet in ſe dem Geſchã welche den „ das auf Aber dieſe Wege zu , welcher e:m Manne ſeine wah⸗ nels und der ift getrennt; Caſſio. ferneren or Andrea Nachdem rn Theile bohnungen. ig an der ſich zuletzt e Zuſam⸗ lten, daß — 125 auch dieſe jeder Beachtung entging und in unſere Erzäh⸗ lung nicht eingreifen kann. Ein Mittelländiſcher Sommermorgen iſt eine jener balſamiſchen, wohlthuenden Tageszeiten, welche Geiſt und Körper zumal ergreifen. Ueberall finden wir die zarte, wachſende Beleuchtung, die der Sonne vorhergeht— die raſch wechſelnden Farben des Himmels— jene perlige Milde, welche, wie es ſcheint, erfunden wurde, um uns die Werke der Hand Gottes mehr lieben zu lehren,— und die warme Glut der prachtvollen Sonne; aber nicht überall ſieht man dieſen bezaubernden Wechſel auf einem Meere, wo das Blau mit der dunkelſten Tiefe der Luft wett⸗ eifert— in einem Klima, das eben ſo hinreißt, wie die Landſchaften, die es ſchmückt, und in Bergen, deren Sei⸗ ten jeden Lichtſchatten mit der Treue und Poeſie der Natur widerſpigeln. Ein ſolcher Morgen folgte der Nacht, mit welcher unſere Erzählung anhob, und in ſeinem Geleite war dies wieder erwachte Leben und Getümmel des Hafens und der Stadt. Italien zeichnet ſich im Allgemeinen durch eine Ruhe und Stille aus, welche man in den geräuſchvollern Scenen des gierigeren Handels Amerika's und ſelbſt in denen der meiſten Nationen des nördlichen Europa's nicht kennt. Man findet in ſeinem Anblicke, der Lebensweiſe, und ſelbſt in dem Geſchäftsbetrieb die Spuren früherer Vornehmheit, welche den Häfen, Märkten und Läden der gemeineren — 126— Theile der Welt fehlen, als wenn es ſich bewußt wäre, daß es ſo lange der Brennpunkt der menſchlichen Verfei⸗ nerung geweſen ſei, und nun in ſeinen ſpäteren Jahren es für unſchicklich halte, alle Ueberreſte ſeiner Geſchichte und ſeiner Macht zur Seite zu werfen. Der Menſch ſcheint zumal mit ſeinem Klima zu harmoniren; denn er nimmt die Sorgen des Lebens mit einer Farniente-Miene hin, welche merkwürdig mit der träumeriſchen, wohlthuenden Atmosphäre übereinſtimmt, die er in ſich athmet. Als eben der Tag graute, fiel ein Holzſcheit auf dem Deck des Feu-Follet, und dies war das erſte Zeichen, daß ſich Jemand in dem Hafen oder deſſen Nähe rühre. Wenn während der Nacht ein Matroſe an Bord dieſes Schiffes Wache hielt— und ohne Zweifel war dies der Fall— ſo geſchah es auf eine ſo ruhige und unbemerk⸗ liche Weiſe, daß es den neugierigen Augen ungewiß blei⸗ ben mußte, welche bis nach Mitternacht von der Küſte aus auf daſſelbe gerichtet waren. Jetzt war raſch alles in Bewegung, und in weniger als fünf Minuten, nachdem das Scheit der Hand des Kochs entfallen war, der eben ſein Feuer anzuzünden im Begriffe ſtand, ſah man die Spitzen der Hüte und Mützen von fünfzig bis ſechzig Matroſen an dem Rande der obern Bollwerke ſich hin⸗ und herbewegen. Wenige Minuten ſpäter erſchienen zwei Männer an den Klüsholzen, welche mit über der Bruſt zuſammengeſchlagenen Armen nach den Ankertauen ausſchauten, und dann den Zuſtand des Hafens das Auf Die Standp Ithuel? welche ſondern merkſam ſagten, ten, in 85 Mühe lo ſein Aug eigenes zwei hun i*ſt leicht, Toulon läſtig we würde ih zu Grund „N einen Ka iſt Glück der Krieg Ihr hätte Ihr würd ßt wäre, n Verfei⸗ n Jahren Geſchichte ſch ſcheint er nimmt riene hin, lthuenden t. auf dem Zeichen, he rühre. rd dieſes dies der anbemerk⸗ ewiß blei⸗ der Küſte nweniger Hand des ünden im nd Mützen der obern Minuten en, welche men nach ſtand des Hafens und der Gegenſtände der umliegenden Küſte in das Auge faßten. Die zwei Männer, welche den genannten hohen Standpunkt einnahmen, waren Raoul Yvard ſelbſt und Ithuel Bolt. Sie unterhielten ſich in franzöſiſcher Sprache, welche der letztere nicht nur ohrenzerreißend ausſprach, ſondern auch der Grammatik wenig oder gar keine Auf⸗ merkſamkeit ſchenkte. Wir müſſen jedoch das, was Beide ſagten, mit den Eigenthümlichkeiten, die ſie auszeichne⸗ ten, in unſerer Sprache wiedergeben. „Ich ſehe nun in dem Oeſterreicher etwas, das der Mühe lohnte, ſich zu rühren,“ ſagte Raoul ruhig, und ſein Auge durchſpähte den innern Hafen,— denn ſein eigenes Schiff lag, wie man ſich erinnern wird, etwa zwei hundert Schritte außerhalb deſſelben,—„und dieſes i*ſt leicht, und wird kaum die Koſten lohnen, es nach Toulon zu ſchicken. Dieſe Feluccen würden uns nur läſtig werden, ohne einen Preis einzubringen, und dann würde ihr Verluſt die armen Teufel, denen ſie gehören, zu Grund richten und viele Familien in Elend verſetzen.“ „Nun— nun,— das iſt eine neue Anſicht für einen Kaper,“ ſagte Ithuel höhniſch;„in ſolchen Dingen iſt Glück Glück, und man muß die Sachen nehmen, wie der Krieg ſie uns in die Arme ſchleudert. Ich wollte, Ihr hättet die Geſchichte unſerer Revolution geleſen, Ihr würdet dann geſehen haben, daß Freiheit und Gleich⸗ ——ÿõõꝛꝛõ — 128— heit ohne einiges Herauf und Herab der Glücksumſtände und Lebensverhältniſſe nicht zu haben ſind.“ „Mit dem Oeſterreicher ging es wohl,“ ſetzte Raoul hinzu, ohne die Worte des Andern viel zu beachten, „wenn er einen oder zwei Striche tiefer in dem Waſſer wäre; im Allgemeinen aber, J— tu— ell,“ ſo ſprach er den Namen des Andern aus,„gefällt mir eine Priſe nicht, welche ohne Eclat und Muth in Angriff und Ver⸗ theidigung gemacht wird.“ „Nun— nun,“ ſagte Ithuel,„nach meinen Anſich⸗ ten und Begriffen ſind die einträglichſten und angenehm⸗ ſten Kämpfe die kürzeſten, und die erfreulichſten Siege ſind die, in welchen am meiſten Priſengeld fällt. Wie dem auch ſei— da jene Brigg nur eine öſterreichiſche iſt, liegt mir wenig daran, was Ihr mit ihr anzufangen beſchliehen mögt; wäre ſie eine engliſche, ſo würde ich ſelbſt ein Boot hineinführen, und ſie hier herausbugſiren, nur um die Freude zu haben, ſie zu verbrennen.— Eng⸗ liſche Schiffe geben ein erquickliches Feuer.“ „Dies wäre denn doch nur ein nutzloſes Verſchwenden des Eigenthumes— vielleicht des Blutes, und Niemand hätte den geringſten Gewinn dabei, Ituell.“ „Aber es brächte den verwünſchten Engländern Schaden, und das iſt in meiner Rechnung immer ein ſchöner Poſten. Nelſon war am Nil nicht ſo über⸗ gewiſſenhaft mit dem Verbrennen Eurer Schiffe, Herr Rul.— 22 reux gen— Freund Feind migen meinen der Hi Capitai da ich Republi die Na⸗ wie das nannte; ich foch zweimal auf eine grund.“ „ pauvre und kön Ihr ſo ſ Ein Rao ſeiner Le Deckes l 184— umſtände te Raoul beachten, a Waſſer ſprach er ne Priſe und Ver⸗ n Anſich⸗ genehm⸗ n Siege lt. Wie reichiſche zufangen bürde ich bugſiren, — Eng⸗ hwenden Niemand gländern immer ſo über⸗ 2, Herr 129— „Tonnerre! warum miſcht Ihr immer dieſen malheu- reux Nile ein? Iſt es nicht genug, daß wir geſchla⸗ gen— entehrt— vernichtet worden ſind, muß ein Freund es uns ſo oft wiederholen?“ „Ihr vergeßt, Herr Rule, daß ich damals ein Feind war,“ verſetzte Ithuel mit einem grinſenden, grim⸗ migen Lächeln.„Wenn Ihr Euch die Mühe nehmen wollt, meinen Rücken zu unterſuchen, ſo werdet Ihr die Spuren der Hiebe ſehen, welche ich erhielt, weil ich meinem Capitain eben nur ſagte, es ging gegen meine Natur, da ich von Kopf und Herzen ein Republikaner ſei, gegen Republikaner zu kämpfen. Er ſagte mir, er wolle erſt die Natur meiner Haut auf die Probe ſtellen und ſehen, wie das mit dem übereinſtimme, was er meine Pflicht nannte; und ich muß geſtehen, er wußte es zu machen; ich focht lieber wie ein Tiger gegen Euch, als ich mich zweimal an demſelben Tage peitſchen ließ. Peitſchenhiebe auf einen wunden Rücken ſind ein bitterer Ueberredungs⸗ grund.“ „Und jetzt iſt die Stunde der Rache gekommen, Pauvre Itouell; jetzt ſeid Ihr auf der rechten Seite, und könnt die mit Herz und Hand bekämpfen, welche Ihr ſo ſehr haſſet.“ Ein langes, düſteres Schweigen folgte. Raoul wendete ſich nach hinten, um die Bewegungen ſeiner Leute zu beachten, welche mit dem Waſchen des Deckes beſchäftigt waren, während Ithuel ſich auf ein 184— 186. 9 — 130— Klüsholz ſetzte, ſein Kinn in die Hand legte, und in der Bitterkeit der Seele, gleich Milton's Teufel bei einem ſeiner wilden Gedankenflüge, über die ſchauderhaften Unbilden nachſann, welche wirklich an ihm verübt wor⸗ den waren. Maſſen von Menſchen ſind ſprichwörtlich herzlos. Sie begehen Unrecht, ohne nachzudenken, und rächen ihre Unbilden, ohne Gewiſſensbiſſe. Und doch darf man es bezweifeln, ob eine Nation oder ein Individuum zumal je ein Unrecht duldete oder dabei hülfreich war, ohne daß die Handlung früher oder ſpäter auf den ſchuldigen Theil zurückgefallen wäre— eine Folge jenes geheimnißvollen Prinzips des Rechtes, welches dem Weſen der Dinge eingepflanzt iſt und ſeine Früchte trägt, wie das Samen⸗ korn ſeine Aehre, und der Baum ſein Obſt— ein höch⸗ ſtes Gericht, welches man gewöhnlich und mit allem Rechte Gottes Vorſehung nennt. Die Zukunft mag ſolche Menſchen ſchrecken, die als Maſſe Ungerechtigkeiten aller Art ermuntern; mit der Zeit wird ihre Entſitt⸗ lichung als eine nothwendige Folge ſich kund geben, wenn ſie auch der Strafe in einer unmittelbarern Geſtalt ent⸗ gehen. Wir wollen nicht bei dem düſtern Nachdenken des Neu⸗Hampfhirers verweilen. Er hatte, bei all ſeiner Verwahrloſung und theilweiſen Grundſatzloſigkeit, klare Begriffe von dem Unrecht, deſſen Opfer er, ſo wie tau⸗ ſend Andere, geweſen. In dieſem Augenblicke hätte er gern ſen, ſit 2 welche gener Gedan und he⸗ ſo ſelt einen um de behülfl ein Zi S lich der mit ein einem Klüsho als wo ein Au veranlaf Un den St⸗ Intereſſ nehmen Es in der einem erhaften ibt wor⸗ os. Sie den ihre man es n zumal ohne daß en Theil nißvollen Dinge Samen⸗ ein höch⸗ it allem ift mag tigkeiten Entſitt⸗ n, wenn ralt ent⸗ ken des l ſeiner t, klare wie tau⸗ hätte er gern ſein Leben hingeworfen, wär' es ihm möglich gewe⸗ ſen, ſich volle Rache zu nehmen. Während er an Bord des engliſchen Schiffes, in welchem er Jahre lang eingeſchloſſen worden, als Gefan⸗ gener verweilte, hatte er oft über dem verzweifelten Gedanken gebrütet, das Schiff in die Luft zu ſprengen; und hätten ihm die Mittel dazu nicht gefehlt, er würde, ſo ſelbſtſüchtig und knechtiſch er auch gewöhnlich ſchien, einen ſo wilden Plan wohl in's Werk geſetzt haben, um dem Leben Derer, welche zu ſeiner Verunglimpfung behülflich waren, ſo wie ſeinen eigenen Leiden zumal, ein Ziel zu ſetzen. 3 So oft ihn dieſer Gedanke überkam, wechſelte plötz⸗ lich der Strom ſeiner Gefühle, und ſein Herz füllte ſich mit einer Bitterkeit, welche ſchwer zu ertragen war. Mit einem ſchweren Seufzer erhob er ſich endlich von dem Klüsholz und wendete ſich der Mündung der Bucht zu, als wollte er Raoul den Ausdruck ſeines Geſichtes ver⸗ bergen. Kaum aber blickte er hinaus, als er zurückfuhr und ein Ausruf ihm entſchlüpfte, welcher ſeinen Gefährten veranlaßte, ſich umzukehren und auf das Meer zu ſchauen. Und in der That ſetzte das wachſende Licht beide in den Stand, einen Gegenſtand zu entdecken, welcher das Intereſſe von Leuten in ihrer Lage höchlich in Anſpruch nehmen mußte. Es iſt bereits geſagt worden, daß die tiefe Bucht, 9* an deren Seite die Stadt Porto Ferrajo liegt, ſich nach Norden öffnet und in der Richtung des Kaps von Piom⸗ bino hinzieht. Rechts von der Bucht erſtreckt ſich das hohe, gebrochene Land viele Meilen hinaus, ehe es den ſogenannten Kanal bildet, während es auf der linken Seite mit der Anhöhe endigt, auf welcher die damals Andrea Barrofaldi überlaſſene Wohnung liegt, welche ſeit⸗ dem als der Wohnſitz eines bei weitem Größeren, als der würdige Vice⸗Statthalter war, ſo berühmt geworden iſt. Da der Hafen unter dieſen Anhöhen, zur Linken der Bucht und an der Stadtſeite lag, war es ganz natür⸗ lich, daß auch der Ankergrund des Loggers ſich in dieſem Theile der Bucht befand, und einen freien Ausguck nach Norden, in der Richtung des feſten Landes, bot, ſo weit das Auge zu reichen vermochte. Die Breite des Kanals, oder der Enge zwiſchen Elba und dem Kap von Piombino, mag ſechs bis ſieben(engliſche) Meilen betragen; und in der Entfernung von kaum einer Meile von dem nörd⸗ lichen Ende Elba's liegt eine kleine Felſeninſel, welche „der Welt ſeitdem als der Ort bekannt geworden iſt, wo Napoleon eine Korporal⸗Wache aufſtellte, um ſich als Beſitzer derſelben geltend zu machen, nachdem ſein mäch⸗ tiges Reich zu den meerumgürteten Bergen umher zuſam⸗ mengeſchrumpft war. Mit der Exiſtenz und der Lage dieſer Inſel waren ſowohl Raoul als Ithuel nothwendig bekannt; denn ſie hatten ſie am vorhergehenden Abend geſehen und ſich ihre Lage daß ſi worfe Ausgt geweſ der B den hatten ſie ſah was d war n D und ſe kaum Er ha Oberſe an ihr eben gelben man d pforten die Hã kleidun ein Kr doch a eine S Worter ich nach Piom⸗ ſich das es den linken damals che ſeit⸗ als der den iſt. Linken natür⸗ dieſem uck nach ſo weit Kanals, ombino, und in n nörd⸗ welche iſt, wo ſich als n mäch⸗ zuſam⸗ waren henn ſie ſich ihre — 133— Lage wohl gemerkt, obgleich es ihnen entgangen war, daß ſie von der Stelle aus, wo das„Irrlicht“ Anker ge⸗ worfen, nicht ſichtbar war. Am Morgen bei ihrem erſten Ausguck ſeewärts war das Licht noch nicht ſtark genug geweſen, um die Häuſer auf der entgegengeſetzten Seite der Bucht deutlich ſehen zu können; ſie nahmen daher den Gegenſtand, welchen ſie auf jener Seite geſehen hatten, für den Felſen; jetzt aber war es hell genug und ſie ſahen etwas ganz Anderes. Mit einem Worte, das, was Raoul und Ithuel für eine Inſel gehalten hatten, war nichts mehr und nichts weniger, als ein Schiff. Der Vordertheil des Fremdlings ſtand nordwärts, und ſeine Bewegung bei einem leichten Südwinde konnte kaum mehr als einen Knoten auf die Stunde betragen. Er hatte kein anderes Tuch ausgeſpannt, als ſeine drei Oberſegel und den Klüber, obgleich ſeine untern Segel an ihren Tauen hingen. Sein ſchwarzer Rumpf begann eben ſeine Einzelnheiten ſehen zu laſſen, und dem hell⸗ gelben Strich entlang, welcher die Seite belebte, ſah man die ſchwarzen Zwiſchenräume von dreizehn Stück⸗ pforten, aus deren jeder eine Kanone ſchaute. Obgleich die Hängmatten nicht aufgeſorrt waren, und deren Be⸗ kleidung jenen leeren nackten Anblick darbot, welchen ein Kriegsſchiff in der Nacht zu zeigen pflegt, war es doch augenſcheinlich, daß das Schiff ein oberſtes Deck, eine Schanze und Backbatterien hatte, oder mit andern Worten, daß es eine Fregatte war. — 134— Da es die Stadt Porto Ferrajo bereits zu Geſicht bekommen hatte, ehe man es von dem Feu- follet aus entdecken konnte, hatte man eine Flagge an der Gaffel aufgehängt; die Luft war aber zu ſchwach, um die Fal⸗ ten derſelben zu öffnen, ſo daß man den National⸗Cha⸗ rakter des Fremdlings hatte erkennen können. „Peste!“ rief Raoul Yvard aus, nachdem er das fremde Schiff eine Minute ſchweigend betrachtet hatte; „wir wären in einem hübſchen cul de sac, wenn es dieſem Herrn einfallen ſollte, ein Engländer zu ſein. Was ſagt Ihr dazu, Ithuell? kennt Ihr etwas von die⸗ ſer Flagge erkennen? Eure Augen ſind die beſten in dem Logger! 3 „Es möchte für jegliches Auge zu ſchwierig ſein, in dieſer Entfernung etwas zu erkennen, ſo lange die Sonne noch nicht herauf iſt; da wir aber ein Glas zu Hülfe nehmen können, werden wir bald im Klaren ſein. In fünf Minuten wird„der große Lichtkörper“ daſein, wie unſer Pfarrer es zu nennen pflegte.“ Bei dieſen Worten war Ithuel von dem Bollwerk herabgeſtiegen, um hinten ein Glas zu holen. Er kam ſogleich mit zwei ſolchen Inſtrumenten zurück, nahm ſei⸗ nen früheren Platz wieder ein und gab das eine Glas dem Commandanten, während er das andere für ſich behielt. Noch eine Minute und beide Gläſer waren ge⸗ richtet, und jeder lugte eine Zeitlang in tiefem Schwei⸗ gen nach dem Fremden aus. 2 oder untre von; Repul in ſo Nachd ſogleic ſichtes verſteck Geſicht let aus Gaffel die Fal⸗ al⸗Cha⸗ er das hatte; eenn es zu ſein. don die⸗ ſten in ſein, in Sonne Hülfe n. In n, wie ollwerk Er kam hm ſei⸗ e Glas ür ſich ren ge⸗ Schwei⸗ „»Pardieu!“ rief Raoul,„dieſe Flagge iſt dreifarbig, oder meine Augen ſind an meinem eigenen Vaterlande untreu geworden. Laßt ſehen, Ithuel, welches Schiff von zwei und vierzig, oder vier und vierzig hat die Republik an dieſer Küſte?“ „Das nicht, Monſieur Yvard,“ antwortete Ithuel in ſo verändertem Gebahren, und mit ſo geſteigertem Nachdruck, daß die Aufmerkſamkeit ſeines Gefährten ſogleich von der Fregatte auf den Ausdruck ſeines Ge⸗ ſichtes gelenkt wurde.„Das nicht, Monſieur Capitain. Es wird einem Vogel ſchwer, den Käfig zu vergeſſen, in welchem er zwei Jahre lang eingeſperrt war; wenn dies nicht die verwünſchte„Proſerpina“ iſt, ſo hab' ich ver⸗ geſſen, wie mein Klüver geformt iſt.“ „La Proserpine?“ wiederholte Raoul, welcher mit den Abenteuern ſeines Schiffsgefährten vertraut war und den Sinn ſeiner Worte ſogleich gefaßt hatte;„wenn Ihr Euch nicht irrt, Ithuel, kann das Irrlicht ſeine Laterne verſtecken. Wenn ich die Stückpforten zähle, führt das fremde Schiff nur vierzig Kanonen.“ „Ich gebe nichts auf Stückpforten, oder Kanonen; es iſt die Proſerpina; und ich wünſche ihr ſonſt nichts Uebles, als daß ich ſie in der Tiefe des Meeres ſehen möchte. Die Proſerping, ſechs und dreißig, Capitain Cuffe, obgleich Capitain Peitſchenſtiel ein weit beſſerer Mann für ihn wäre. Ja, die Proſerpina, ſechs und dreißig, Capitain Cuffe— der Himmel ſei mit ihr.“ — 136— „Pah— dieſes Schiff hat vier und vierzig Kanonen — ich kann ſie jetzt zählen— ich ſehe zwei und zwanzig auf jeder Seite.“ „Ja, ja— das iſt gerade das Maaß der Proſer⸗ pina— ſechs und dreißig nach Liſte und Schätzung— und vier und vierzig nach der Zählung; ſechs und zwan⸗ zig lange Achtzehnpfünder unten; zwölf Zwei und Dreißig⸗ pfünder⸗Karronaden auf der Schanze, und fernere vier Karonaden, nebſt zwei Geſchützen vorwärts. Sie könnte Euer Irrlicht, Monſieur Rule, mit einer einzigen vollen Ladung gerade ausblaſen; denn was ſind zehn zwölfpfün⸗ dige Karronaden, und ſiebenzig Mann gegen eine ſolche Fregatte?“ „Ich bin nicht ſo thöricht, Ithuel, in unſerer Lage mit einer ſchweren Kriegsſchaluppe, geſchweige mit einem ſolchen Feinde anbinden zu wollen: ich habe mich aber mit der See zu lange bekannt gemacht, um Beſorgniſſe zu hegen, ehe ich der Gefahr ganz gewiß bin. La Rail- leuse iſt gerade ein Schiff, wie jenes.“ „Laßt mit Euch ſprechen, Monſieur Rule,“ veeſetzt Ithuel ernſt,„weder La Railleuse, noch irgend eine an⸗ dere franzöſiſche Fregatte würden ihre Farben vor dem Hafen eines Feindes zeigen; denn ſie brauchten nicht erſt zu ſagen, was ſie wollen. Aher ein engliſches Schiff kann die franzöſiſche Flagge aufziehen; denn in ſeinem Willen ſteht es, ſie jeden Augenblick zu ändern, und dann hat es den Vortheil von ſeiner Liſt. Die Proſer⸗ pina Beine lachte aber ſie ſe zug a alle 2 meine ſie je 52 ſeinen Ithuel herein von u brave 77 wieder einen naſewe „ Bien! manchn Jener Artigkei Flagge „2 ausſehe tanonen zwanzig Proſer⸗ gdung— d zwan⸗ Dreißig⸗ ere vier könnte mvollen ölfpfün⸗ e ſolche er Lage teinem ich aber orgniſſe a Rail- veeſetzt line an⸗ or dem icht erſt Schiff einem n, und Proſer⸗ — 137— pina iſt franzöſiſchen Baues; ſie hat auch franzöſiſche Beine— ja, geſtiefelt oder nicht geſtiefelt“— Ithuel lachte hier wider Willen ein wenig, ſein Geſicht wurde aber ſogleich wieder ernſthaft,—„und ich habe gehört, ſie ſei ein Schweſterſchiff des andern. So viel in Be⸗ zug auf Größe und Erſcheinung; aber alle Wandtauen, alle Portgaten, alle Segel an jenem Schiffe ſind auf meinen Rücken ſo tief eingetragen, davon kein Schwamm ſie je wegwaſchen wird.“ „Sa-a-c-r-r-r-el“ brummte Raoul zwiſchen ſeinen Zähnen,„wenn der Fremde ein Engländer iſt, Ithuel, ſo kann er ſich es ſehr leicht einfallen laſſen, hier herein zu kommen, und vielleicht ein halbes Kabeltau von uns Anker zu werfen. Was ſagt Ihr dazu, mon brave Americain?“ „Das iſt nichts ganz Unmögliches, obgleich ich auch wieder nicht recht einſehen kann, was einen Kreuzer in einen Hafen, wie dieſer, führen ſollte. Nicht jeder iſt ſo naſeweis, wie das Irrlicht.“ „Mais que diable allait-il faire dans cette galére! Bien! wir müſſen das Wetter nehmen, wie es kommt; manchmal ein Sturm, manchmal eine Windſtille. Da Jener ſeine Flagge ſo freimüthig zeigt, wollen wir die Artigkeit erwiedern und auch die unſrige zeigen. Die Flagge aufgehißt dort hinten!“ „Welche, Monſieur?“ fragte der alte, ſauertöpfiſch ausſehende Quartiermeiſter, welcher dieſes Amt über ſich — 138— hatte, und den man nie lachen geſehen hatte;„der Ca⸗ pitain wird wiſſen, daß wir unter dem Drapeau von Monſieur John Bull in den Hafen kamen.“ „Bien! hißt das Drapeau von Monſieur John Bull wieder auf. Da wir die Maske ein Mal vorge⸗ nommen haben, müſſen wir die Rolle durchſpielen. Herr Lieutenant, zieht die Pferdelien*) an und laßt den Log⸗ ger nach vornen über ſeinen Anker laufen, und haltet Alles klar, um unſere Taſchentücher auszuſpannen. Nie⸗ mand weiß, ob Le Feu-Follet nicht Urſache hat, ſich das Geſicht zu putzen. Ha, jetzt, Ithuel, können wir ihn deutlich von der Seite ſehen, er hält mehr nach Weſten ab.“ Die beiden Seemänner richteten ihre Gläſer und nahmen ihre Unterſuchungen wieder auf. Ithuel hatte eine Eigenthümlichkeit, welche nicht nur den Mann charakteriſirte, ſondern auch bei Amerikanern ſeines Standes ſo gewöhnlich iſt, daß man ſie faſt natio⸗ nell nennen kann. Bei gewöhnlichen Gelegenheiten war er geſprächig, und zu einem Plauderſtündchen bereit; forderte die Zeit aber Thatkraft und Entſchloſſenheit, ſo war er gedankenvoll, ſtill und ſelbſt würdig, obgleich in ſeiner eigenen Weiſe. Jetzt war er in der Laune des Schweigens, und *) Ein dickgeſchlagenenes Troß oder Tau, das man bei dem Anker⸗ geräthe braucht. Der Ueberſ. überli aber denn des 2 brauch 3 das go men n innerh⸗ änderu hatte g in die achtend ſeinen darin, ihre 3 länder nen Lo den w lichen? ten eng ſich ihr thümlic ſo eindt pour le eher üb Itl er Ca⸗ u von John vorge⸗ Herr n Log⸗ haltet Nie⸗ t, ſich en wir nach r und ht nur sanern natio⸗ n war bereit; eit, ſo eich in „ und — 139— überließ es Raoul, das Geſpräch aufzunehmen. Dieſer aber war eben ſo, wie er, zur Zurückhaltung geſtimmt; denn er verließ das Klüsholz und entfloh dem Spritzen des Waſſers, welches man zum Waſchen des Deckes brauchte, indem er in ſeine Cajüte ging. Zwei Stunden, während welchen die Sonne und das ganze Getümmel und Geſumme des Morgens gekom⸗ men war, hatten in der wechſelſeitigen Lage der Dinge innerhalb und außerhalb der Bucht keine beſondere Ver⸗ änderung hervorgebracht. Die Mannſchaft des Irrlichtes hatte gefrühſtückt, an Bord ihres kleinen Schiffes Alles in die gehörige Ordnung gebracht, und war düſter, beob⸗ achtend und ſtumm. Eine der Lehren, welche Ithuel ſeinen Schiffsgenoſſen mit Erfolg beigebracht hatte, beſtand darin, daß er ihnen die Nothwendigkeit eindringlich machte, ihre Zungen im Zaume zu halten, wenn ſie für Eng⸗ länder gelten wollten. Es iſt gewiß, daß in dieſem klei⸗ nen Logger während einer Stunde mehr geſchwatzt wor⸗ den waͤre, wenn ſeine Mannſchaft ſich ihrer natür⸗ lichen Neigung überlaſſen hätte, als an Bord des größ⸗ ten engliſchen Kriegsſchiffes in zwei; aber die Gefahr, ſich ihrer eigenen Sprache zu bedienen, und die eigen⸗ thümlich mürriſche Düſterheit der Engländer war ihnen ſo eindringlich gemacht worden, daß ſie ce grand talent pour le silence, welches ihre Feinde auszeichnen ſollte, eher übertrieben, als nachahmten. Ithuel, der auch ein Schalk in ſeiner Art ſein konnte, — 140—. lächelte, als er die Matroſen ihre Arme unterſchlagen, den ihre Geſichter in Unzufriedenheit und Sauertöpfiſchkeit lichen kleiden, und ſie einzeln und wie Menſchenfeinde und ſchaft zungenlahm auf dem Verdecke hin und her gehen ſah, ſo 3 das oft ein Boot von der Küſte an das Schiff heran kam. Capit Mehrere ſolche Beſucher ſtellten ſich im Laufe der den! zwei erwähnten Stunden ein; aber die Wache auf der ſich, Laufplanke hatte ihre Befehle und wies jeden Verſuch, alten an Bord zu kommen, zurück, indem ſie, wenn man auf mehr franzöſiſch um die Erlaubniß bat, ſich ſtellte, als verſtehe J ſie dieſe Sprache nicht. daß m Raoul hatte vier Bootsführer, welche alle, wie er Uebun ſelbſt, das Engliſche in einem Gefangen⸗Schiff gelernt welche hatten, und mit dieſen Leuten ſchickte er ſich jetzt an, ſich b folglich an das Land zu begeben; denn bis jetzt war er in dem anlaſſe Geſchäfte, welches ihn in ſeine jetzige bedrängliche Lage karikirt gebracht hatte, nur wenig vorgerückt, und er war der über, Mann nicht, der einen ihm theuern Zweck leichthin aufgab. ſchritte Die Lage, in welcher er ſich befand, ließ ihn den ſchmäht Entſchluß faſſen, Alles aufzubieten, ſie in irgend einer Geſchle Weiſe zu ſeinem Vortheile zu benutzen. Nachdem er V waren, alſo ſeinen Kaffee getrunken und ſeine Befehle gegeben ihnen 2 hatte, wurde die Bootsmannſchaft gerufen, und er verließ 4 das Bord des Loggers. Alles dies ging ruhig vor ſich, chen ihr als wenn die Erſcheinung des Fremdlings auf der offenen eigens; See draußen das Irrlicht nicht im Geringſten kümmerte. gen von 6 Das Boot ruderte bei dieſer Gelegenheit kecklich in damit — 141— glagen, den kleinen Hafen, und ſein Offizier ſtieg an dem gewöhn⸗ üiſcheit lichen Landungsplatze aus. Auch heeilte ſich die Mann⸗ de und ſchaft ganz und gar nicht, zurückzukehren. Sie humpelten ſah, ſo das Kai entlang, als harrten ſie der Rückkehr ihres damn. Capitains, markteten um Früchte und plauderten mit ufe der den Frauen auf italieniſch ſo gut es ging, und ſtellten uf der ſich, als verſtänden ſie mit Mühe das Franzöſiſch der derſuch, alten Seehunde, welche ſich ihnen näherten, und die alle aan auf mehr oder weniger von dieſer Weltſprache verſtanden. derſtehe Ihr Capitain hatte ihnen hinreichend begreiflich gemacht, daß man ſie mit argwöhniſchen Augen anſehe, und die wie er Uebung machte ſie alle zu guten Schauſpielern. Die Zeit, gelernt welche ſie hier weilten, um Raoul zu erwarten, wurde an, ſich folglich damit vergeudet, daß ſie die Verſuche, ſie zu ver⸗ in dem anlaſſen, ſich zu verrathen, vereitelten und die Engländer e Lage karikirten. Zwei von den Vieren ſchlugen ihre Arme ar der 3 über, bemühten ſich, ſauertöpfiſche Geſichter zu machen, aufgab. ſchritten ſchweigend auf dem Kai hin und her, und ver⸗ on den ſchmähten es ſogar, ſich durch die Lockungen des ſchönen deiner Geſchlechts kirren zu laſſen, von denen einige bemüht emn er waren, ſich in ihr Vertrauen einzuſchmeicheln, indem ſie gegeben V ihnen Blumen und Früchte boten. verließ„Amico,“ ſagte Annunziata, eines der ſchönſten Mäd⸗ or ſich, chen ihres Standes zu Porto Ferrajo, die von Vito Viti vffenen eigens zu dieſem Geſchäft gedungen war,„hier ſind Fei⸗ wmerte. gen vom feſten Lande. Beliebt es Euch, einige zu eſſen, kiich in damit Ihr, wenn Ihr nach Inghilterra zurückkommt, Euern Landsleuten ſagen könnt, wie wir armen Elbaner leben?“ „Schlechte Feigen,“ eiferte Jaques, Raoul's Boots⸗ meiſter, welchem dieſes Anerbieten gemacht worden, und ſprach in gebrochenem Engliſch;„viel beſſer zu Haus finden, beſſer in den Straßen von Portsmouth.“ „Aber, Signore, Ihr braucht ſie nicht anzuſehen, als ob ſie Euch ſtoßen oder beißen würden; Ihr könnt ſie eſſen, und ich gebe Euch mein Wort darauf,— Ihr werdet ſie ſo lieblich finden, wie die Melonen von Napoli.“ „Keine Melonen gut, als engliſche Melonen. Eng⸗ liſche Melonen ſo häufig, wie pommes de terre— bah!* „Ja, Signore, wie die Melonen von Napoli,“ fuhr Annunziata fort, die keine Sylbe von den unartigen Antworten verſtand, die man ihr gegeben;„Signor Vito Viti, unſer Podeſta, befahl mir, unſere Feigen den Foreſtieri— den Ingleſi, die in der Bucht ſind, anzu⸗ bieten.“. „God dam!“ verſetzte Jaques in kurzem, barſchen Tone, mit welchem er der ſchönen Quälerin los zu wer⸗ den hoffte, was auch, für den Augenblick wenigſtens, den erwünſchten Erfolg hatte. Wir überlaſſen jedoch die Bootsführer all den Anfech⸗ tungen dieſer Art, bis man ſie, wie wir hernach berich⸗ ten werden, entſetzt, und folgen unſerm Helden auf ſei⸗ nem Wege durch die Straßen der Stadt. Raoul eilte, von ſeinem Inſtincte geleitet oder mit einem den ſe er von zu die und d Hafen weiten eines haben V geeilt, Stadt den de D und ol große ben, n griff, ſollten, bei ihne ſermaße daß jed gelten? ſtieg, un teſten 2 Die rinnen Elbaner Boots⸗ en, und finden, zuſehen, könnt — Jör kapoli.“ Eng⸗ bah!* „ fuhr gartigen or Vito en den anzu⸗ varſchen zu wer⸗ ns, den Anfech⸗ berich⸗ auf ſei⸗ der mit — 143— einem beſondern Zwecke vor Augen, bergan, und ſuchte den ſchon mehrfach erwähnten Bergvorſprung auf. Wo er vorüber kam, wendete ſich jedes Auge auf ihn, denn zu dieſer Stunde war das Mißtrauen bereits allgemein; und die plötzliche Erſcheinung einer Fregatte vor dem Hafen, welche die franzöſiſche Flagge führte, hatte bei weitem ernſtlichere Beſorgniſſe geweckt, als die Ankunft eines ſo leichten Fahrzeugs, wie der Logger, zur Folge haben konnte. Vito Viti war lange vorher zu dem Vice⸗Statthalter geeilt, und acht bis zehn der angeſehenſten Männer der Stadt waren, nebſt den zwei erſten militäriſchen Behör⸗ den des Platzes, in den Rath berufen worden. Die Batterien waren, wie man wußte, bemannt; und obgleich es den ſcharfſinnigſten Kopf auf Elba in große Verlegenheit ſetzen mußte, einen Grund anzuge⸗ ben, warum die Franzoſen einen ſo unerſprießlichen An⸗ griff, wie der auf den erſten Hafen der Inſel, wagen ſollten, wurde ein ſolches Begebniß, lange ehe ſich Raoul bei ihnen ſehen ließ, nicht allein gefürchtet, ſondern gewiſ⸗ ſermaßen mit Zuverſicht erwartet. Es iſt alſo begreiflich, daß jedes Auge ſeinen Bewegungen folgte, wie er geflü⸗ gelten Fußes die ſchmalen Abſätze der ſteilen Gaſſe empor ſtieg, und jede ſeiner Handlungen wurde mit der geſchärf⸗ teſten Aufmerkſamkeit beachtet. Die Höhe war wieder mit Zuſchauern und Zuſchaue⸗ rinnen jeder Klaſſe und jedes Alters beſetzt. Die Mäntel — 144— und flatternden Gewänder der Frauen herrſchten, wie gewöhnlich, vor; denn wo immer die Neugierde im Spiele iſt, kann man gewiß ſein, daß ſich eine Ueberzahl des ſchönen Geſchlechtes anſammle, deſſen Phantaſie ſo leicht den Sieg über den Verſtand davon tragen läßt. Auf der Terraſſe vor dem Palazzo, wie man die Wohnung des Statthalters zu nennen pflegte, befand ſich eine Gruppe von Magnaten, welche alle mit der geſpannteſten Aufmerkſamkeit jeder Bewegung des Schif⸗ fes folgten, welches jetzt ein Gegenſtand der allgemeinen Beſorgniß und des Verdachts geworden war. So ange⸗ ſtrengt blickten in der That Alle auf den geglaubten Feind, daß Raoul, die Mütze in der Hand und ſich zum Gruße verbeugend, vor Andrea Barrofaldi ſtand, ehe man ſeine Annäherung gewahr geworden. Dieſe plötzliche, unerwartet? Erſcheinung hatte Erſtau⸗ nen und eine kleine Verwirrung zur Folge; einige von der Gruppe wendeten ſich, ſo zu ſagen, inſtinctmäßig ab, um die Röthe zu verbergen, welche auf ihre Wangen ſtieg, als ſie ſo unerwartet den Mann vor ſich erblickten, welchen ſie eine Minute früher ſchwer angeklagt hatten. „Bon giorno, Signor Vice-Governatore,“ begann Raoul in ſeiner heitern, leichten, höflichen Weiſe und gewiß mit einer Miene, welche nichts weniger als Arg⸗ wohn oder Schuld zu verrathen geeignet war;„wir haben einen ſchönen Morgen zu Land hier, und dort auf — der Rept Smi kann. auf erſche Sign ander Ludw die H zu er zuwer bei A hinzu. tapfer tete. engliſe gebniß haben jener unſer des S im Di 184 in, wie Spiele ahl des ſo leicht nan die befand mit der 3 Schif⸗ emeinen o ange⸗ glaubten ich zum d, ehe Erſtau⸗ ige von ctmäßig Wangen blickten, hatten. begann iſe und ls Arg⸗ „wir ort auf —.,, 145— der offenen See eine ſchöne Fregatte der franzöſiſchen Republik!“ „Wir ſprachen eben von jenem Schiffe, Signor Smit,“ verſetzte Andrea,„als Ihr heran kamt. Was kann, nach Euerm Urtheile, einen Franzoſen veranlaſſen, auf eine ſo bedrohliche Weiſe vor unſerm Hafen zu erſcheinen?“ „„ Cospetto! Ihr könntet mich eben ſo gut fragen, Signore, was dieſe Rupublikaner veranlaſſe, tauſend andere ungereimte Dinge zu thun. Was verleitete ſie, Ludwig den ſechszehnten zu köpfen? Was vermochte ſie, die Hälfte Eures Italiens zu überſchwemmen, Aegypten zu erobern und die Oeſterreicher an die Donau zurück⸗ zuwerfen?“ „Nichts davon zu ſagen, daß ſie ſich von Nelſoni bei Abukir ſchlagen ließen,“ ſetzte Vito Viti grunzend hinzu. „Richtig, Signore,— oder daß ſie Nelſon, mein tapferer Landsmann, an der Mündung des Nils vernich⸗ tete. Ich habe es nicht für paſſend gehalten, mit dem engliſchen Ruhme groß zu thun, obgleich auch dieſes Be⸗ gebniß mit allem Rechte angeführt werden kann. Wir haben mehrere Leute in dem Ving-and-Ving, welche an jener ruhmvollen Schlacht Theil genommen, beſonders unſer Segelmeiſter, Ithuel Bolt, welcher ſich an Bord des Schiffes Nelſon's ſelbſt befand, da man ihn zufällig im Dienſte von der Fregatte, auf welcher er eigentlich 184— 186. 10 — 146— war, dorthin geſchickt und gewiſſermaßen gezwungen hatte, an dem Ruhme jener denkwürdigen Schlacht Theil zu nehmen. „Ich habe den Signore geſehen,“ bemerkte Andrea, Barrofaldi trocken;„é uno Americano.“ „Ein Amerikaner,“ ſagte Raoul und erſchrack ein wenig, ſo gleichgültig er ſich auch in ſeinem Aeußern gab; „nun ja,— ich glaube, Bolt iſt ein geborner Ame⸗ rikaner— aus dem engliſchen Amerika, müßt Ihr wiſ⸗ ſen, Signore, und dies iſt gerade ſo viel, als wenn er in England ſelbſt geboren wäre. Wir betrachten die Yankees ganz als gehörten ſie zu unſerm Volke, und nehmen ſie ſehr gern in unſere Dienſte.“ „So hat uns Signor Ithuello zu verſtehen gegeben; er ſcheint ein großer Verehrer der engliſchen Nation zu ſein.“ Raoul war nicht wohl zu Muth; denn er wußte nichts von all dem, was in dem Weinhauſe vorgegangen war, und glaubte in dem Tone des Vice⸗Statthalters Ironie zu finden.— „Gewiß, Signore,“ antwortete er demungeachtet mit unerſchütterter Feſtigkeit,„gewiß Signore, die Ame⸗ ricani beten Inghilterra an, und daran thun ſie auch ganz recht, da ſie nur bedenken dürfen, was die große Nation an ihnen gethan hat.— Aber, Signor Vice⸗Governatore, ich bin heraufgekommen, um Euch meinen Logger zu Befehl zu ſtellen, wenn jener Franzoſe in der That etwas Schli dings geach ten, könn ehren Repu unter ſehr Seeſt Colot tilleri Seel und Eure tabelt worde könnt beſcha der L von d zwiſch bei Al Eure 7 en hatte, Theil zu Andrea rack ein ern gab; r Ame⸗ Ihr wiſ⸗ venn er ten die e, und egeben; ttion zu e nichts en war, Ironie geachtet e Ame⸗ ich ganz Nation natore, gger zu etwas — 147— Schlimmes im Auge haben ſollte. Mein Schiff iſt aller⸗ dings klein und unſere Kanonen ſind nur leicht; demun⸗ geachtet können wir die Kajütenfenſter der Fregatte lich⸗ ten, während ihr derſelben von der Höhe gehörig zuſetzen könnt. Ich hoffe, Ihr werdet dem Ving-and-Ving einen ehrenvollen Standpunkt anweiſen, wenn Ihr mit den Republikanern handgemein werden ſolltet.“ „Und in welcher Art würdet Ihr uns am liebſten unterſtützen, Signore?“ fragte der Vice⸗Statthalter in ſehr bedächtigem, aber höflichem Tone:„wir ſind keine Seeſoldaten und müſſen Euch die Wahl laſſen.— Der Colonello hier erwartet einiges Feuer, und hat ſeine Ar⸗ tilleriſten bereits an ihre Kanonen geſtellt.“ „Die Batterien von Porto Ferrajo ſtehen bei den Seeleuten des Mittelländiſchen Meers in großer Achtung, und wenn der Franzoſe es wagen ſollte, in den Bereich Eures Feuers zu kommen, ſo hoffe ich ihn ſchneller ent⸗ takelt zu ſehen, als wenn er in ein Schiffsdock gebracht worden wäre. Was das kleine Ving-and-Ving angeht, könnte es, während die Fregatte mit dieſen Batterien beſchäftigt iſt, nach meiner Anſicht die Küſte entlang nach der Oſtſeite der Bucht abhalten, bis wir den Fremden von der Außenſeite hätten, wo wir dann die Schurken zwiſchen zwei Feuer bekämen. Gerade ſo hat es Nelſon bei Abukir gemacht, Signor Podeſta, eine Schlacht, welche Eure Bewunderung ſo ſehr in Anſpruch zu nehmen ſcheint.“ „Dies würde ein Manoeuvre ſein, eines Verehrers 10* — 148— von Nelſoni würdig, Signore,“ bemerkte der Obriſt, „wenn das Metall Eurer Kanonen ſchwerer ware. Mit kurzen Zwölfpfündern würdet Ihr Euch jedoch kaum in das Bereich von langen achtzehnpfündigen Stücken wagen dürfen, wären jene auch von Ingleſi und dieſe von Franceſi bedient.“ „Man weiß dies nicht. An dem Nil hat eines un⸗ ſerer kleineren Schiffe den Orient, einen Dreidecker, quer vor die Klüſen gelegt, und ihm den größten Schaden zugefügt. Das Schiff flog in der That in die Luft. Seeſchlachten werden nach ganz andern Grundſätzen ent⸗ ſchieden wie Landſchlachten, Signor Colonello.“ „Dies dürfte allerdings ſo ſein,“ antwortete der Kriegsmann;„was bedeutet aber dieſe Schwenkung?— Ihr müßt, als Seemann, im Stande ſein, uns alles zu ſagen, Signore!“ Dieſe Worte zogen wieder jedes Auge auf die Fre⸗ gatte, deren Bewegungen auf wichtige Begebniſſe hindeu⸗ teten. Da dieſe Bewegungen mit dem Gange unſerer Erzählung in dem innigſten Zuſammenhange ſtehen, wird es nothwendig ſein, ihrer in einer Weiſe zu gedenken, welche ſie dem Leſer verſtändlicher macht. Die Fregatte mochte jetzt von der Stadt etwa fünf engliſche Meilen entfernt ſein. Eine Strömung war nicht da, und da das Mittelländiſche Meer keine Ebbe und Flut hat, würde das Schiff den ganzen Morgen vollkor nicht 2 weſtw faſt de naher die U 9 wenig Wort voller Waſſe Stund G ſich w ten ſt Curs den 2 rend löſte G in Ei hen- wurd Freut bild ü Obriſt, g. Mit kaum in n wagen jeſe von ines un⸗ eer, quer Schaden ie Luft. ten ent⸗ tete der ing?— alles zu die Fre⸗ hindeu⸗ unſerer en, wird edenken, wa fünf ng war ne Ebbe Morgen — 19— vollkommen bewegungslos dagelegen haben, wenn ſich nicht von Süden her ein leichter Wind gezeigt hätte. Vor dieſer Kühlte hatte ſie ſich jedoch einige Meilen weſtwärts gadrängt, bis ſie den Palaſt des Statthalters faſt dwars ab hatte. Zu gleicher Zeit war ſie ſeitlings naher gekommen, und dies war der Umſtand, welcher die Unruhe erzeugte. Mit der Sonne hatte ſich der Wind gehoben, und wenige Minuten, bevor der Obriſt in die angeführten Worte ausbrach, waren die obern Segel des Fremden voller geworden, und er bewegte ſich raſcher durch das Waſſer, ſo daß er wohl vier bis fünf Knoten in der Stunde machte. Sobald ſeine Mannſchaft inne ward, daß das Schiff ſich wieder vollkommen leiten ließ, änderten ſie, als hät⸗ ten ſie dieſen Augenblick nur erwartet, ſogleich ſeinen Curs und ſetzten mehr Segel bei. Es brachte ſein Steuer an Backbord, kam dicht bei den Wind und hielt gerade auf das Kap herein ab, wäh⸗ rend es ſeine Halſen anſetzte, die leichten Segel oben löſte und dem Winde ausbreitete. Faſt in demſelben Augenblicke— denn Alles ſchien in Einem Nu und ſo zu ſagen inſtinctmäßig zu geſche⸗ hen— ſchoß die franzöſiſche Flagge nieder, eine andere wurde aufgehiſſt und eine Kanone abgefeuert— ein Freundſchaftsſignal. Wie ſich dieſes zweite National⸗Sinn⸗ bild öffnete und dem Winde blos gab, ſah man durch die V— 150— Gläſer das weiße Feld und das St. Georgskreuz der edlen alten Flagge Englands. Ein Ruf des Erſtaunens und der Freude wurde unter den Zuſchauern auf der Anhöhe gehört, als ſie ihre Zweifel und Beſorgniſſe ſo dramatiſch gehoben ſahen. Niemand dachte in dieſem glücklichen Augenblicke an Raoul, obgleich der ganze Vorgang für ihn nichts Neues hatte, wenn man die nun augenſcheinliche Abſicht des fremden Schiffes, in die Bucht einzulaufen, ausnimmt. Da das Irrlicht von der offenen See her deutlich geſehen werden konnte, kam ihm allerdings der Gedanke, ob das kriegeriſche Ausſehen dieſes Botes nicht der wahre Grund dieſes plötzlichen Wechſels in dem Curs der Fre⸗ gatte geweſen ſei. Da er jedoch in einem Hafen lag, der Frankreich feindlich war, ſchien es noch wahrſchein⸗ lich, daß er noch ungefährdet entſchlüpfen könne. „Signor Smit, ich wünſche Euch Glück zu dieſem Beſuche eines Landsmannes,“ rief Andrea Barrofaldi, ein von Natur friedliebender Mann, in jedem Falle kein Krieger, und zu glücklich in dem Gedanken, einen Tag in Ruhe verbringen zu können, als daß ihn in dieſem Augenblicke ein Verdacht hätte beſchleichen können.„Ich werde Eurer in meinen Berichten nach Florenz ehrenvoll gedenken, des Muthes und der Bereitwiligkeit wegen, mit welcher Ihr in einem ſo bedrohlichen Momente Eure Hülfe anbotet.“ „Signor Vice⸗Governatore, bemüht Euch nicht, mei⸗ ner a konnt ſpielte dieſer eine iſt. müſſe Stan 8 Befel Proſe ſignal in vie geleit ſelbſt die F man ſie ge und reuz der 2 wurde als ſie n ſahen. licke an 8 Neues icht des nimmt. deutlich Bedanke, er wahre der Fre⸗ fen lag, hrſchein⸗ dieſem rrofaldi, alle kein nen Tag dieſem n.„Ich hrenvoll wegen, tte Eure ht, mei⸗ — 151— ner armen Hülfe zu gedenken,“ antwortete Raoul, und konnte das Lächeln, welches um ſeinen ſchönen Mund ſpielte, kaum unterdrücken;„gedenkt lieber der Dienſte dieſer tapfern Signori, welche es ſehr bedauern, daß ihnen eine ſo günſtige Gelegenheit, ſich auszuzeichnen, entgangen iſt. Doch— dort erſcheinen Signale, welche uns gelten müſſen— ich hoffe, meine albernen Burſche werden im Stande ſein, ſie in meiner Abweſenheit zu beantworten.“ Vielleicht war es ein Glück für das Irrlicht, daß ſein Befehlshaber nicht am Bord war, als der Fremdling, die Proſerpina, daſſelbe Schiff, welches Ithuel ſo gut kannte, ſignaliſirte. Die Myſtification, welche folgen ſollte, war in viel beſſern Händen, da ſie von dem Neu⸗Hampſhirer geleitet wurde, als ſie es in ſeinen eigenen ſein konnte. Ithuel antwortete ſogleich; aber was— hätte er ſelbſt nicht ſagen können. Er trug jedoch große Sorge, die Flaggen, welche er aushängte, ſo zu verwirren, daß man ſie auf der Fregatte nicht entziffern konnte, während ſie ganz den Anſchein hatten, als wären ſie ohne Furcht und in dem beſten Glauben aufgehißt worden. Sechstes Kapitel. —„Sind Alle jetzt bereit?“ Sie ſind's— ſind ſchon an Bord;— der letzte Kahn Harrt meines Herrn.— Reicht Schwert und Kleid heran.“ Lord Byron. Welchen Erfolg die Liſt Ithuel's, der Fregatte gegen⸗ über, gehabt, war unmöglich zu ſagen; aber der Schein gegenſeitigen Verſtändniſſes zwiſchen den beiden Schiffen hatte die günſtige Folge, daß die an der Küſte den Logger fortan als unverdächtig betrachteten. Es ſchien ſo ganz unwahrſcheinlich, daß ein franzöſiſcher Korſar die Signale einer engliſchen Fregatte beantwortete, daß ſelbſt Vito Viti ſich gezwungen ſah, dem Vice⸗Statthalter leiſe einzugeſtehen, in ſo weit ſpreche der Umſtand ſehr zu Gunſten der Ehrlichkeit des Loggers. Sodann wurde auch die äußere Ruhe Raoul's für etwas gerechnet, be⸗ ſonders da er dem Anſcheine nach ein unbdetheiligter Beobachter der raſchen Annäherung des Schiffes blieb. „Wir werden nicht Gelegenheit haben, Signor Smit, von Euerm tapfern Anerbieten Gebrauch zu machen,“ ſagte Andrea freundlich, als er ſich anſchickte, mit eini⸗ gen ſeiner Räthe in den Palaſt zurückzukehren;„aber wir danken Euch nichts deſto weniger. Es iſt ein Glück, an eit zwei 4 und ie Kamer ten, ehren Abſicht den N Name 77 Ich gebaut ſichtlid kennt mirals zufälli⸗ und T Name oft in gefund irre, antwo ſich zu Bte Kahn in.“ Byron. gegen⸗ Schein Schiffen ſte den ſchien ſar die ß ſelbſt tthalter ad ſehr wurde tt, be⸗ eiligter lieb. Smit, achen,“ t eini⸗ „aber Glück, — 153— an einem und demſelben Tage mit dem Beſuche von zwei Kreuzern Eurer großen Nation beehrt zu werden, und ich hoffe, Ihr werdet mir die Gunſt erzeugen, Euern Kameraden, den Commandanten der Fregatte, zu beglei⸗ ten, wenn er mich mit dem herkömmlichen Beſuche be⸗ ehren wird; denn, wie es ſcheint, hat er die ernſtliche Abſicht, zu Porto Ferrajo einzuſprechen. Wißt Ihr wohl den Namen der Fregatte, Signore?“ „Nun ich den Landsmann erkenne, glaube ich den Namen zu kennen, Signore,“ antwortete Raoul ſorglos. „Ich glaube, es iſt die Proſerpina, ein in Frankreich gebautes Schiff, ein Umſtand, welcher mich anfangs hin⸗ ſichtlich ſeines Charakters irre machte.“ „Und der edle Cavaliere, ſein Befehlshaber— Ihr kennt ohne Zweifel ſeinen Namen und Rang?“ „O gewiß, gewiß; er iſt der Sohn eines alten Ad⸗ mirals, unter dem ich erzogen wurde, obgleich wir uns zufällig nie geſehen haben. Sir Brown iſt der Name und Titel des Herrn.“ „Ha, auch dies iſt ein echt engliſcher Rang und Name, wahrhaftig! Ich habe dieſe ehrenvolle Bezeichnung oft in Shakſpeare und andern großen engliſchen Autoren gefunden. Miltoni hat einen Sir Brown, wenn ich nicht irre, Signore?“ „Mehrere, mehrere, Signor Vice⸗Governatore,“ antwortete Raoul, ohne einen Augenblick zu zögern, oder ſich zu bedenken, obgleich er nicht im Entfernteſten wußte, — 154— wer oder was Milton war;„Milton, Shakſpeare, Cicero, und alle unſere großen Schriftſteller führen öfter Sig⸗ nori dieſer Familie an.“ „Cigero?“ wiederholte Andrea im größten Er⸗ ſtaunen:„er war ein Römer, und zwar ein alter Römer, Capitano, und ſtarb, ehe Ingliterra der civiliſirten Welt bekannt geworden.“ Raoul bemerkte, daß er zu weit gegangen war, ob⸗ gleich er nicht in gänzlicher Gefahr war, ſein Gleichge⸗ wicht zu verlieren. Er lächelte, als bedenke er bei ſich den beſchränkten Geſichtskreis des Andern, und verſetzte mit einem à-plomb, welcher einem Politiker Ehre ge⸗ macht haben würde, in erläuterndem und halb entſchul⸗ digendem Tone. „Ganz richtig, Signor Vice⸗Governatore, in Be⸗ treff deſſen, welchen Ihr meint,“ ſagte er;„aber un⸗ richtig hinſichtlich des Sir Cicero, meines berühmten Landsmannes. Laßt doch ſehen, ich glaube, es ſind noch nicht hundert Jahre, ſeit Sir Cicero todt iſt. Er war in Devonſhire geboren“— in dieſer Grafſchaft war Raoul in Gefangenſchaft geweſen—„und muß zu Dublin geſtorben ſein. Si,— si,— jetzt erinnere ich mich, zu Dublin gab dieſer tugendhafte, ausgezeichnete Schrift⸗ ſteller ſeinen Geiſt auf.“ Andrea konnte gegen all dies nichts ſagen, denn vor einem halben Jahrhunderte war die Unwiſſenheit civili⸗ ſirter Nationen in dieſen Dingen ſo groß, daß man, beſond aufbür ſchmac faldi italien gern unver! zu we zu hal Unſcht Luft Rückk welche weiter Werth vetter ſollte. C begab einma verfeh welche der ne T Raoul in die 2 Cicero, er Sig⸗ en Er⸗ Römer, en Welt ar, ob⸗ Zleichge⸗ bei ſich verſetzte hre ge⸗ ntſchul⸗ in Be⸗ ber un⸗ ühmten nd noch Er war ft war Dublin nich, zu Schrift⸗ nn vor civili⸗ 5 man, — 155— beſonders der engliſchen Literatur, einen Homer hätte aufbürden können, ohne Gefahr zu laufen, die Abge⸗ ſchmacktheit entdeckt zu ſehen. Es gefiel Signor Barro⸗ faldi allerdings ganz und gar nicht, daß die Barbaren ſich italieniſcher Namen bemächtigten; aber er gab den Fall gern eben den Spuren der Barbarei anheim, welche die unvermeidlichen Früchte ihres Urſprungs waren. Er war zu wenig welterfahren, um den Gedanken nur für möglich zu halten, daß ein Mann, der mit ſo vieler Ruhe und Unſchuld ſprach, wie Raoul, dergleichen Dinge aus der Luft greifen könne; und ſein erſtes Beginnen nach der Rückkehr in den Palaſt war, eine Notiz niederzuſchreiben, welche ihm ſpäter, in einer Stunde der Muße, bei ſeinen weitern Nachforſchungen über den Charakter und den Werth der Schrift Sir Cicero's, des berühmten Namens⸗ vetters des römiſchen Redners, als Leitfaden dienen ſollte. Sobald dieſes kleine Zwiegeſpräch abgethan war, begab er ſich in den Palaſt, nachdem er vorher noch einmal bemerkt hatte, er hoffe,„Sir Smit“ werde nicht verfehlen,„Sir Brown“ bei dem Beſuche zu begleiten, welchen der Würdeträger von dem letztern im Verlaufe der nächſten zwei Stunden zuverſichtlich erwartete. Die Geſellſchaft begann ſich nun zu zerſtreuen, und Raoul war bald allein mit ſeinen Gedanken, die, gerade in dieſem Augenblicke, nicht die erfreulichſten waren. Die Stadt Porto Ferrajo iſt durch den Felſen, gegen — 156— welchen ſie ſich lehnt, ihre Befeſtigungen und ihren kleinen Hafen ſo von dem Meere akggeſchloſſen, daß die Annähe⸗ rung eines Schiffes für ihre Bewohner nicht zu ſehen iſt, ſie müßten denn die Anhöhe beſteigen und den kleinen, oben erwähnten Spaziergang aufſuchen. Dieſer Umſtand war der Grund, warum ſich wieder eine Menge Menſchen auf dem Hügel geſammelt hatten. Unter dieſe miſchte ſich Raoul jetzt. Er trug ſeine Seemütze und die gewöhn⸗ liche Uniform mit Anmuth und ſelbſt nicht ohne eine Art Ziererei; denn er war ſich aller der Vortheile bewußt, welche er in Bezug auf perſönliche Erſcheinung beſaß. Sein unſtetes Auge wanderte jedoch von einem ſchönen Geſichte zu dem andern, um Ghita auszuſpähen, welche der einzige Grund ſeines Suchens und die wahre Urſache der verlegentlichen Lage war, in welche er nicht nur ſich, ſondern auch Le Feu-Follet gebracht hatte. Seine Gedanken waren bald bei Der, die er ſuchte, bald wendeten ſie ſich ſeiner Lage in einem feindlichen Hafen zu, und ſo wanderte er die ganze Länge der Klippe entlang, ohne recht zu wiſſen, ob er wieder um⸗ kehren oder den Landungsplatz und ſein Boot aufſuchen ſollte, als er ſeinen Namen von einer ſüßen Stimme nennen hörte, die unmittelbar an ſein Herz anſchlug. Als er den Kopf umkehrte, ſah er Ghita ganz nahe folgen. 4 „Grüßt mich, wie ein Fremder thun würde,“ ſagte das Mädchen in faſt athemloſer Haſt,„und deutet auf die ver verſchi Stelle aber n N hätte wohl rungen ſeinen ihre A keine andern ſchlimr war! jetzt n Schiff er wei Ghita, war? kleinen nnähe⸗ hen iſt, leinen, mſtand enſchen miſchte ewöhn⸗ e eine ewußt, ſaß. einem pähen, wahre r nicht atte. ſuchte, dlichen ge der er um⸗ ſuchen timme ug. nahe ſagte et auf die verſchiedenen Gaſſen, als wenn Ihr mich nach den verſchiedenen Wegen durch die Stadt fragtet. An dieſer Stelle haben wir uns geſtern Nacht geſehen; vergeßt aber nicht, daß es jetzt nicht dunkel iſt.“ Nach der Art, wie Raoul ihrem Wunſche entſprach, hätte ein entfernterer Zuſchauer das Zuſammentreffen wohl für zufällig halten können, obgleich die Betheue⸗ rungen der Liebe und Bewunderung in Strömen von ſeinen Lippen floſſen. „Genug,“ ſagte das Mädchen lachend, und ſenkte ihre Augen, obgleich auf ihrem heitern, ruhigen Antlitz keine Spur von Unzufriedenheit ſichtbar war,„zu einer andern Zeit würd' ich Euch wohl nachſehen. Wie viel ſchlimmer iſt Eure Lage jetzt, als ſie es geſtern Nacht war! Ihr hattet damals nur den Hafen zu fürchten; jetzt müßt Ihr die Leute des Hafens und das fremde Schiff fürchten, einen Engländer, wie man mir ſagt.“ „Ohne Zweifel La Proserpine, ſagt Ithuel, und er weiß es. Ihr erinnert Euch doch Ithuel's, theuerſte Ghita, des Amerikaners, welcher mit mir in dem Thurme war?— nun, er hat an Bord eben dieſes Schiffes ge⸗ dient, und weiß, daß es La Proserpine iſt.“ Raoul hielt einen Augenblick inne und ſetzte dann lachend— und dieſes Lachen mußte Ghita auffallen— hinzu: „Oui— La Proserpine, le Capitaine Sir Brown!** „Was Ihr in all Dem Ergötzliches finden könnt, Raoul, iſt mir ein Räthſel. Sir Brown oder Sir — 158— So⸗und⸗ſo wird Euch wieder an Bord jener verhaßten engliſchen Gefangenſchiffe ſchicken, von welchen Ihr mir ſo oft erzählt habt; und in dieſem Gedanken iſt doch in der That nichts Beluſtigendes.“ „Bah! meine ſüße Ghita— Sir Brown, oder Sir Weiß oder Sir Schwarz hat mich noch nicht in ſeiner Gewalt. Ich bin kein Kind, das ſich in das Feuer ſtürzt, weil es die Strickleiter nicht ſieht, und das Irrlicht glänzt oder geht aus, wie es ihm eben beliebt. Die Fre⸗ gatte wird— Zehn gegen Eins gewettet— eben ein wenig näher kommen, ſich umzuſehen, und dann viertet ſie ab und geht nach Livorno, wo ihre Offiziere hei weitem mehr Unterhaltung finden, als hier zu Porto⸗Ferrajo. Dieſer Sir Brown hat ſeine Ghita eben ſo gut, wie Raoul Yvard.“ „Nein, keine Ghita, beſorge ich, Raoul,“ antwor⸗ tete das Mädchen, wider Willen lächelnd, während ſich ihre Wange faſt unmerklich färbte;„zu Livorno gibt es wenig unwiſſende Landmädchen, die, wie ich, in einem einſamen Wachthurme an der Küſte erzogen worden ſind.“ „Ghita,“ verſetzte Raoul mit tiefem Gefühle,„die⸗ ſer dein armer, einſamer Wachthurm dürfte wohl von man⸗ cher Edeldame zu Roma und Napoli beneidet werden; denn er erhielt dich ſchuldlos und rein— eine Perle, wie Hauptſtädte ſie ſelten zeigen; oder, wenn man ſie dort findet, hat ſie ihre angeborne Schönheit nicht mehr, da dieſe in dem Menſchenverkehr ſich verliert.“ — 8 77 und vo Maid dieſem 8 Kind, hen, r den hei die An ſeine u nen Er 2, den, 2 und N. linie zu den— zu ſein weiß, R Anſicht kann, moralit abhielt, Loos i zu offe ſtets zu den Gl erhaßten Ihr mir iſt doch der Sir n ſeiner 3 Feuer Irrlicht Die Fre⸗ in wenig et ſie ab weitem Ferrajo. ut, wie antwor⸗ rend ſich » gibt es in einem en ſind.“ le,„die⸗ don man⸗ werden; erle, wie ſie dort nehr, da — 159— „Was wißt Ihr von Roma und Napoli, Raoul, und von Edeldamen und koſtbaren Perlen?“ fragte die Maid lächelnd, und die Zärtlichkeit, welche ihr Herz in dieſem Augenblick erfüllte, ſprach aus ihren Augen. „Was ich von dieſen Dingen weiß? Wahrlich, Kind, ich bin in beiden Städten geweſen und habe geſe⸗ hen, was ich beſchreibe. Ich ging abſichtlich nach Rom, den heiligen Vater zu ſehen, um mich zu überzeugen, ob die Anſichten der Franzoſen über ſeinen Charakter und ſeine Untrüglichkeit wahr ſeien oder nicht, bevor ich mei⸗ nen Entſchluß in Betreff der Religion faßte.“ „und Ihr habt ihn fromm und ehrwürdig befun⸗ den, Raoul,“ unterbrach ihn das Mädchen mit Ernſt und Nachdruck, denn dies war die große Scheidungs⸗ linie zwiſchen ihnen;—„ich weiß, Ihr habt ihn ſo befun⸗ den— würdig, das Haupt einer alten, wahren Kirche zu ſein. Meine Augen haben ihn nie geſchaut; aber ich weiß, daß das, was ich eben ſagte, wahr iſt.“ Raoul wußte, daß die Lauheit ſeiner religiöſen Anſichten— Anſichten, welche, wie man wohl ſagen kann, von ſeinem Vaterlande, wie daſſelbe ſich damals moraliſch geſtaltet hatte, ererbt waren— Ghita allein abhielt, alle andere Bande bei Seite zu werfen und ſein Loos in Wohl und Wehe zu theilen. Dennoch war er zu offen und zu edelherzig, um zu täuſchen, während er ſtets zu beſonnen war, um ihren vertrauenden, tröſten⸗ den Glauben erſchüttern zu wollen. Selbſt ihre Schwäche— 160— denn als ſolche erſchienen ihm ihre Begriffe in dieſer Hinſicht— hatte einen Reiz in ſeinen Augen; denn wenige Menſchen, ſo lau und locker ſie auch in derglei⸗ chen Gegenſtänden denken mögen, finden Freude an dem Anblicke eines Weibes ohne Religion; und er hatte nie inniger in ihr beſorgtes, aber liebliches Geſicht geſchaut, als in dieſem Augenblicke; auch war in ſeiner Antwort nur Wahrheit, welche an Großmuth grenzte. „Du biſt meine Religion, Ghita,“ ſagte er:„in Dir bete ich Alles an— Reinheit— und Heiligkeit— und—“ „Nichts mehr, Raoul— nichts mehr, ich bitte; wenn du mich in der That liebſt, ſo ſprich dieſe ſchreck⸗ liche Gottesläſterung nicht aus; ſage mir lieber, ob du den heiligen Vater nicht gefunden haſt, wie ich ſagte?“ „Ich fand in ihm einen friedlichen, ehrwürdigen, und, wie ich feſt glaube, guten alten Mann, Ghita; aber nur einen Mann. Ich konnte keine Unfehlbarkeit an ihm gewahr werden; aber eine Schaar ſchurkiſcher Kardinäle und anderer Unheilſtifter, welche eher im Stande ſchienen, die Chriſtenheit in Zank und Hader zu bringen, als ſie für den Himmel vorzubereiten, umgaben ſeinen Thron.“ „Still davon, Raoul— ich will nichts der Art mehr hören. Du kennſt dieſe frommen Männer nicht, und deine Zunge iſt dein Feind, ohne—— doch horch,— was bedeutet das?“ 8³⁴ „ 2 ich muß wieder C 7⁷ʃ zu lang in jede Thurme Gb bald in ob er ih die Ter vergewi viele an Mann dränge. Ir ſich in bis auf gekomn der ſelbe bei den De Wölkch flatterte n dieſer ; denn derglei⸗ an dem atte nie geſchaut, Antwort er.-„in gkeit— h bitte; ſchreck⸗ ob du ggte?“ irdigen, Ghita; lbarkeit irkiſcher her im ader zu mgaben rt mehr t, und rch,— 8*⁴ —— „Das iſt ein Kanonenſchuß von der Fregatte, und ich muß ſelbſt ſehen; ſage mir, wann und wo wir uns wieder treffen?“ „Ich weiß es jetzt nicht. Wir ſind zu lange, viel zu lange beiſammen geweſen, und müſſen nun ſcheiden; in jedem Falle werden wir bald wieder in unſerm Thurme ſein.“ Ghita gleitete bei dieſen Worten weg und verſchwand bald in der Stadt. Raoul war einen Augenblick ungewiß, ob er ihr folgen ſollte oder nicht; dann eilte er wieder auf die Terraſſe, vor das Haus des Statthalters, um ſich zu vergewiſſern, was der Schuß bedeute. Der Knall hatte viele andern an dieſelbe Stelle gelockt, und als der junge Mann ſie erreichte, ſah er ſich abermals in einem Ge⸗ dränge. Indeſſen war die Proſerpina— denn Ithuel hatte ſich in dem Namen des fremden Schiffes nicht geirrt— bis auf eine Stunde von der Mündung der Bucht heran gekommen und hatte lavirend ſich an die öſtliche Küſte derſelben hinüber gewendet, augenſcheinlich in der Abſicht, bei dem nächſten Gang gerade einzulaufen. Der Dampf der Kanone flog in Geſtalt eines kleinen Wölkchens leewärts und an dem Top des großen Maſtes flatterten wieder Signale. Raoul begriff all dies auf den erſten Blick, denn es war nicht zu verkennen, daß die Fregatte näher herein gekommen war, um den kriegeriſch ausſehenden Logger, 184— 186. 11 8 — 162— den ſie in der Bucht ſah, genauer in das Auge zu faſſen, und zumal ſich deutlicher mit ihm durch Signale zu erklären. Ithuel's Liſt hatte nicht ausgereicht; der wach⸗ ſame Capitain Cuffe, ſonſt Sir Brown, welcher die Pro⸗ ſerpina befehligte, war der Mann nicht, der ſich durch einen ſo abgenutzten Kunſtgriff hinter das Licht führen ließ. Raoul's Athem ſtockte, als er ſein Auge auf den Logger feſſelte, um zu ſehen, wie er ſich gebahre. Ithuel ſchien nicht ſehr beeilt, ſeine Antwort zu geben, denn das Signal flatterte jetzt ſchon mehrere Minuten an Bord der Fregatte, dennoch gewahrte man keine Spur einer Vorbereitung zur Beantwortung des⸗ ſelben. Endlich bewegten ſich die Fallen*) und dann hoben ſich drei ſchöne Flaggen zu dem Top der Takelraa des Loggers hinauf, denn jene Raa ſtand ſtets bei gemäßig⸗ tem Wetter aus. Raoul wußte nicht, was dieſes Signal bedeuten ſollte, denn, obgleich er mit Signalen verſehen war, mittels denen er mit den Kriegsſchiffen ſeiner eigenen Nation verkehren konnte, war das Directorium doch nicht im Stande geweſen, ihm auch die zu liefern, welche nöthig waren, um mit dem Feinde zu ſprechen. *) Das laufende Tauwerk, womit Segel, Flaggen und Wimpel aufgezogen und geſtrichen werden. Der Ueberſ. 5 J nachgel 51 Schiffe Zeuge engliſch engliſch tendes dieſer nicht e len ſel eben j da wor P würde ihn au gelung Antwo gab. B Curs Anker einer fortwoͤ nähert Meile! 9 zu faſſen, gnale zu der wach⸗ die Pro⸗ ſich durch ht führen auf den e. atwort zu mehrere hrte man tung des⸗ nn hoben kelraa des gemäßig⸗ ten ſollte, ,„ mittels n Nation nicht im che nöthig nd Wimpel Ueberſ. — 163— Ithuel's Scharfſinn hatte jedoch dieſem Mangel nachgeholfen. Während er an Bord der Proſerpina, deſſelben Schiffes, das jetzt das Irrlicht bedrohte, diente, war er Zeuge einer Zuſammenkunft zwiſchen ihm und einem engliſchen Kaper, einem der wenigen Logger, welche aus engliſchen Häfen ausgelaufen waren, und ſein beobach⸗ tendes Auge hatte ſich die Flaggen gemerkt, welche bei dieſer Gelegenheit aufgezogen worden. Da man nun nicht erwartet, daß Kaper in dem Gebrauche von Signa⸗ len ſehr bewandert oder ſelbſt ſehr genau ſeien, hatte er eben jene Flaggen gezeigt, mochte daraus werden, was da wolle. Wäre er auf der Schanze der Fregatte geweſen, ſo würde er aus den Segnungen, die Capitain Cuffe über ihn ausſchüttete, geſehen haben, daß ſeine Liſt ſo weit gelungen war, als dieſer Offizier ſeine unverſtändliche Antwort eher der Unwiſſenheit als einer Abſicht anheim gab. Bei all dem ſchien die Fregatte nicht geneigt, ihren Curs zu ändern; entweder hegte ſie den Wunſch, vor Anker zu gehen, oder ſie war entſchloſſen, den Logger einer nähern Prüfung zu unterwerfen, kurz, ſie hielt fortwährend auf die öſtliche Seite der Bucht ab und näherte ſich mit einer Geſchwindigkeit von ſechs engliſchen Meilen auf die Stunde. Raoul glaubte jetzt, es ſei Zeit, daß er perſönlich 11* nach der Sicherheit ſeines Irrlichts ſehe. Ehe er an das Land gegangen war, hatte er ſeine Befehle gegehen, was zu thun ſei, wenn die Fregatte näher herein kommen ſollte; die Geſtalt der Dinge ſchien ihm aber jetzt ſo ernſt, daß er die Höhe hinab eilte, wo er Vito Viti ein⸗ holte, welcher ſich in den Hafen begab, um gewiſſen Bootsleuten ſeine Befehle in Betreff der Art zu geben, wie die Quarantaine⸗Geſetze gehandhabt werden ſollten, wenn eine engliſche Fregatte mit der Küſte in Verkehr trete. „Ihr müßt Euch unendlich glücklich fühlen, mit einem ſo ehrenwerthen Landsmanne, wie Sir Brown, zu⸗ ſammenzutreffen,“ bemerkte der kurzathmige Podeſta, welcher gewöhnlich außer Athem war, er mochte die ſtei⸗ len Gaſſen herauf⸗ oder herabſteigen,„denn er ſcheint in der That entſchloſſen, in unſerer Bucht Anker zu werfen, Signor Smit.“ „Wenn ich Euch die Wahrheit ſagen ſoll, Signor Podeſta, ſo wünſchte ich, ich wäre jetzt halb ſo überzeugt, daß es Sir Brown und die Proſerpina iſt, als ich es vor einer Stunde war. Ich habe Gründe, den Fremden für einen Republikaner zu halten, und muß an die Sicherheit meines Ving-and-Ving denken.“ „Der Teufel hole alle Republikaner, lautet mein Gebet, Signor Capitano; aber ich kann kaum glauben, daß eine ſo ſchöne und edel ausſehende Fregatte ſolchen Lumpen angehören könne.“ „ wir m tete Re Seiner wenn pina m Herkurn halter denn wie er unverſt R glaubte hielten liches Vito 2 ſtand für als deſta, gethan Ving- Stadt Bucht anlegt, geſiche! er an das ben, was kommen r jetzt ſo Viti ein⸗ gewiſſen zu geben, n ſollten, Verkehr len, mit rown, zu⸗ Podeſta, e die ſtei⸗ er ſcheint Anker zu Signor überzeugt, ls ich es Fremden z an die gtet mein glauben, te ſolchen — 165— „Ah, Signore, wenn das Alles wäre, fürchte ich, wir müßten den Franzoſen die Palme laſſen,“ antwor⸗ tete Raoul lachend;„denn die ſchönſten Schiffe im Dienſt Seiner britiſchen Majeſtät ſind franzöſiſche Priſen, und wenn es ſich ſelbſt ergäbe, daß dieſe Fregatte die Proſer⸗ pina wäre, ſo hätte ſie keine Anſprüche auf eine beſſere Herkunft. Aber ich glaube nicht, daß der Vice⸗Statt⸗ halter wohl gethan hat, die Batterien unbeſetzt zu laſſen; denn dieſer Fremde beantwortet unſere Signale nicht, wie er ſollte. Unſere letzte Mittheilung war für ihn ganz unverſtändlich.“ Raoul hatte wahrer geſprochen, als er vielleicht ſelbſt glaubte; denn nach dem Signalbuche der Proſerpina ent⸗ hielten Ithuel's Flaggen baaren Unſinn; ſein zuverſicht⸗ liches Gehaben hatte aber die beabſichtigte Wirkung auf Vito Viti, welchen ſein ſcheinbarer Ernſt und ein Um⸗ ſtand täuſchte, welcher, genau betrachtet, eben ſo gut für als gegen ſeinen Begleiter ſprach. „Und was iſt zu thun, Signore?“ fragte der Po⸗ deſta, und blieb in der Straße ſtehen. „Wir müſſen thun, was unter dieſen umſtänden gethan werden kann. Meine Pflicht iſt es, nach dem Ving- and-Ving zu ſchauen, und die Eurige, für die Stadt zu ſorgen. Wenn der Fremde wirklich in die Bucht einläuft, und ſeine Seite vor dieſer ſteilen Anhöhe anlegt, dann iſt kein Kammerfenſter vor ſeinen Kanonen geſichert, er beſtreicht Alles. Ihr werdet mir die Er⸗ — 1665— laubniß geben, in den innern Hafen einzulaufen, wo wir durch die Häuſer vor ſeinen Kanonen geſichert ſind, und dann dürfte es vielleicht gerathen ſein, meine Leute in die nächſte Batterie zu ſchicken. Ich ſehe Verwirrung und blutiges Gemetzel kommen, ehe viel Zeit vergeht.“ Alles dies wurde mit ſo großer Einfachheit und Bie⸗ derkeit vorgebracht, daß es die Täuſchung des Podeſta nur ſteigerte. Er rief einen Nachbarn heran und ſchickte ihn mit einer Botſchaft an Andrea Barrofaldi, und dann eilte er in den Hafen hinab; denn in dieſem Augenblicke war ihm das Niederſteigen weit leichter, als das Auf⸗ ſteigen. Raoul blieb bei ihm, und ſie erreichten zuſam⸗ men den Rand des Waſſers. Der Podeſta war ſehr geneigt, jeder vorherrſchenden Anſicht des Augenblicks Worte zu leihen; denn er gehörte zu jenen Menſchen, welche eben ſo viel fühlen, als ſie denken. Bei der jetzigen Veranlaſſung ſchonte er die Fregatte nicht; denn er hatte in den Köder gebiſſen, welchen ſein Begleiter ihm ſo verſchlagen hingeworfen hatte, und ſprach jetzt ſeinen Argwohn laut aus. Er gab nun all dieſes Signaliſiren und Aufſtecken von Flag⸗ gen für bloße republikaniſche Liſt aus, und wurde in dem Maaße, in welchem ſein Mißtrauen gegen die trüge⸗ riſche Fregatte ſtieg, für den Logger eingenommen, auf den er jetzt blindlings das größte Vertrauen ſetzte. Dies war ein Gefühlswechſel bei dem Podeſta, und er war, wie dies bei allen raſchen, aber ſpäten Bekeh⸗ rungsfe ſäumte In Fo Geſchw gelegen ſich in müſſe in der welcher D Irrlich der nä Bootsf ziemlic das G ſo wü halten dieſe L — ode anders Smit haben und i ifen, wo hert ſind, ine Leute erwirrung vergeht.“ und Bie⸗ Podeſta nd ſchickte und dann ugenblicke das Auf⸗ en zuſam⸗ rrſchenden er gehörte n, als ſie te er die gebiſſen, ngeworfen aus. Er von Flag⸗ wurde in die trüge⸗ imen, auf etzte. deſta, und ten Bekeh⸗ — 167— rungsfällen vorkommt, in der Laune, das lange Ver⸗ ſäumte durch ein Uebermaaß des Eifers auszugleichen. In Folge dieſer Stimmung, des Charakters und der Geſchwätzigkeit des Seemannes, wozu ſich noch einige gelegen angebrachte Aeußerungen Raoul's geſellten, machte ſich in fünf Minuten die Anſicht allgemein geltend, man müſſe der Fregatte ſehr mißtrauen, während der Logger in der öffentlichen Gunſt in eben dem Grade ſtieg, in welchem jene ſank. Dieſes Dazwiſchentreten Vito Viti's kam für das Irrlicht und ſeine Mannſchaft äußerſt gelegen; denn bei der nähern Bekanntſchaft und dem Verkehre mit Raoul's Bootsführern war man in Betreff ihrer Nationalität ziemlich ſchwankend geworden. Kurz, hätte der Podeſta das Gegentheil nicht ſo laut und ſo geſchäftig behauptet, ſo würden Tommaſo und ſeine Kameraden nicht abge⸗ halten worden ſein, ihre Ueberzeugung auszuſprechen, dieſe Leute ſeien alle nichts, als Wölfe in Schafskleidern, — oder Franzoſen. „Nein, nein, amici miei,“ ſagte Vito Viti, und eilte geſchäftig auf dem ſchmalen kleinen Kai hin und her,„es iſt nicht Alles Gold, was glänzt, wahrhaftig nicht, und dieſe Fregatte iſt kein Freund, ſondern ein Feind. Ganz anders iſt es mit dem Ving-y-Ving, und il Signor Smit— ihn kennen wir, das dürfen wir ſagen; wir haben ſeine Papiere geſehen, und der Vice⸗Statthalter und ich haben ihm auf den Zahn gefühlt und ihn über — 168— die Geſchichte und die Geſetze ſeiner Inſel verhört; denn England iſt eine Inſel, Nachbarn, wie Elba, ein Grund mehr zur Achtung und Freundſchaft; aber wir haben einen großen Theil der engliſchen Literatur und Geſchichte miteinander durchlaufen, und Alles hinreichend und rich⸗ tig befunden; daher ſind wir verpflichtet, den Logger zu ſchützen und zu lieben.“ „Sehr wahr, Signor Podeſta,“ antwortete Raoul von ſeinem Boote aus;„und da dies der Fall iſt, eile ich, mein Schiff in Euern innern Hafen anzuholen, wel⸗ chen ich gegen Boote, ſo wie gegen jeden Angriff dieſer ſchurkiſchen Republikaner zu Land vertheidigen werde.“ Der junge Seemann ſchwenkte ſeine Hand, die Ruder flogen, und das Boot brachte ihn, von hundert⸗ fachen Vivas gefolgt, raſch aus dem menſchenvollen klei⸗ nen Hafen. Raoul ſah nun, daß man ſeinen Befehlen nachgekommen war. Man hatte ein kleines Tau aus dem Logger laufen laſſen und es an einen Ring in dem innern Ende der Oſtſeite des kleinen Hafens befeſtigt; dem Anſcheine nach in der Abſicht, das Schiff ſelbſt in den Hafen anzuholen. Auch bemerkte er, daß der leichte Anker, vor welchem Le Feu-Follet trieb,„unter Fuß“ war, wie die Seeleute es nennen, oder daß das Tau beinahe„auf und nieder“ war. Durch eine Bewegung ſeiner Hand theilte Raoul einen neuen Befehl mit, und ſah dann, daß die Matro⸗ ſen den Wurfanker aus dem Grunde hoben. Als er den Fuß a herauf als de laſſen. 8 Logger wende Münd hinter worden in der Eingat D den, nur kl hunder bar di worden von hi A Mann Beweg wobei Backer R In de und d rt; denn n Grund r haben jeſchichte und rich⸗ ogger zu e Raoul iſt, eile len, wel⸗ iff dieſer derde.“ nd, die hundert⸗ llen klei⸗ Befehlen Tau aus in dem befeſtigt; ſelbſt in er leichte er Fuß“ das Tau e Raoul Matro⸗ s er den — 169— Fuß auf das Deck ſeines Schiffes ſetzte, war der Anker herauf und geborgen, und nichts hielt das Schiff mehr, als das Tau, welches man an das Kai hatte laufen laſſen. Fünfzig Paar Hände faßten dieſes Tau, und der Logger eilte raſch ſeinem Schirmorte entgegen. Man wendete jedoch eine Liſt an, um ihn zu hindern, in die Mündung des Hafens einzulaufen; denn das Tau war hinter ſeinem Backbord⸗Krahebalken an Bord gebracht worden, ein Umſtand, welcher es nothwendiger Weiſe in der entgegengeſetzten Richtung, oder öſtlich von dem Eingang entlang laufen ließ. Die Lage der Dinge wird dem Leſer deutlicher wer⸗ den, wenn er ſich erinnert, daß der Hafen nach einem nur kleinen Maßſtab gebaut war, und der Eingang kaum hundert Fuß in der Breite hatte. Auch war, um ſchein⸗ bar dieſe Bewegung zu fördern, der Jigger aufgeſetzt worden, und da der Wind von Süden, oder unmittelbar von hinten wehte, bewegte ſich der Logger raſch und leicht. Als das Schiff dem Eingang näher kam, zog die Mannſchaft das Tau ſtark an, und gaben ihm eine Bewegung von etwa drei bis vier Knoten auf die Stunde, wobei es wirklich Gefahr zu laufen ſchien, mit den Backen an den Hafendamm geſchleudert zu werden. Raoul Yvard wußte aber recht gut, was er that. In dem rechten Augenblicke wurde das Tau gekappt, und das Ruder nach Backbord gewendet; der Vorder⸗ theil des Loggers viertete nun gleichfalls nach Backbord, und eben als Vito Viti, welcher all' dem zuſah, ohne das Geringſte davon zu begreifen, ſeine Vivas laut wer⸗ den ließ, und durch ſein Geſchrei Alle um ihn belebte, gleitete der Logger an dem Ende des Hafens vorbei, jedoch an der äußern Seite, und ohne einzulaufen. Dieſe Schwenkung kam Jedermann in ſo hohem Grade überraſchend, daß man ſie anfangs für einen Mißgriff, für einen Zufall, oder einen Fehler des Steuer⸗ mannes hielt, und Ein Ruf des Bedauerns wurde laut, da man fürchtete, die Fregatte möchte von dieſem Unfalle Nutzen zu ziehen bedacht ſein. Das Anſchlagen der Segel ließ jedoch gewahren, daß man keine Zeit verloren hatte, und ſogleich ſchoß Le Feu-Follet unter allen Segeln durch eine Durchfahrt zwiſchen den Magazinen. In dieſem bedenklichen Augenblicke begann die Fre⸗ gatte, welche dieſem Vorgange zuſah, aber, gleich allen den Uebrigen getäuſcht wurde, und glaubte, der Logger hole gegen den Hafen an, zu vierten, und kam mit ihrem Vordertheile rund nach weſtwärts. Da ſie aber recht in die Bai einlaufen wollte, hatte ſie ſich ſo weit nach der öſtlichen Küſte hinüber gedrängt, daß ſie jetzt zwei volle (engliſche) Meilen entfernt war; der Logger aber rundete das Kap dicht unter ſeinen Felſen, um nicht von den Kanonen in den Batterien beläſtigt zu werden, und ließ, in wenige ab rech D geweſe Schußt faſt in Feinde blieb d wörtlie recht r D mag z richt e genug erſchei unter ſcher 7 Sprac leicht blikan dies werde 2 ließen ganze Hätte ckb ord, „ohne gt wer⸗ delebte, vorbei, 1. hohem einen Steuer⸗ ſe laut, Unfalle en, daß hoß Le rchfahrt die Fre⸗ h allen Logger t ihrem recht in nach der dei volle rundete don den ließ, in — 171— weniger als fünf Minuten, ſeinen Feind gerade ſo weit ab recht von hinten. Dies war jedoch nicht alles. Es würde gefährlich geweſen ſein, Feuer zu geben, ſo wie es in Betracht der Schußweite nutzlos geweſen wäre, denn der Logger lag faſt in einer Linie zwiſchen den Jagdkanonen ſeines Feindes und der Wohnung des Vice⸗Statthalters. Es blieb daher der Fregatte nichts übrig, als was man ſprich⸗ wörtlich„eine lange Jagd“ heißt, nämlich„eine Jagd recht von hinten“ anzufangen. Das ganze Begebniß, deſſen wir hier erwähnten, mag zehn Minuten weggenommen haben; aber die Nach⸗ richt erreichte Andrea Barofaldi und ſeine Räthe bald genug, um ſie zeitig auf dem Bergvorſprung oder Kap erſcheinen zu laſſen, um den„Ving-y-Ving“ dicht unter den Klippen vor ihnen mit noch flatternder engli⸗ ſcher Flagge dahin fliegen zu ſehen. Raoul war, mit dem Sprachrohr in der Hand, ſichtbar; aber der Wind war leicht und ſeine ſtarke Stimme reichte hin, ſie anzurufen. „Signori,“ ſchrie er,„ich will den ſchurkiſchen Repu⸗ blikaner von Euerm Hafen weg auf eine Jagd führen; dies wird die erfolgreichſte Weiſe ſein, Euch nützlich zu werden.“ Man hörte und verſtand dieſe Worte, und Einige ließen ihren Beifall laut werden, während Andern der ganze Vorgang geheimnißvoll und zweifelhaft erſchien. Hätte man auch etwas thun wollen, ſo wäre keine Zeit dazu geweſen, denn der Logger hielt zu nahe auf die Küſte ab, als daß eine Kugel ihn erreichen konnte, und in den Batterien waren keine Vorkehrungen getroffen, um einen Feind zu empfangen. Dann war man auch zweifelhaft, wen man eigentlich als Feind zu betrachten habe, und alles begab ſich ſo ſchnell, daß kein Berathen oder Entſchließen thunlich war. Die Bewegung des Irrlichts war ſo leicht, daß ſie faſt inſtinctartig ſchien. Seine leichten Segel waren ganz ausgeſpannt, obgleich der Wind bei weitem nicht„friſch“ genannt werden konnte; und wie es ſich auf den langen Grundwellen hob und ſenkte, ließen ſeine keilförmigen Backen das Waſſer vor ihnen wie eine raſche Strömung, die ſich an einem ſcharfen Gegenſtande bricht, ſich kräu⸗ ſeln. Nur wenn es, ſich gegen eine Welle ſtemmend, in das Waſſer niederging, war unter ſeinem„Vorderfuß“ etwas wie Schaum zu erblicken. Eine lange Reihe von raſch zurücktretenden Blaſen bezeichnete jedoch ſeinen Gang, und wie es einer Gruppe von Zuſchauern gegen⸗ über kam, ſo war es auch ſchon wieder vorbei, dem Delphin ähnlich, der ſpielend durch einen Hafen dahin gleitet. Als der Logger zehn Minuten an dem Palazzo oder dem Gipfel des Kaps vorbei war, wendete er in eine andere Bucht, welche weiter und faſt eben ſo tief war, wie die, an der Porto Ferrajo liegt, und hier empfing er den Wind ohne die Dazwiſchenkunft umliegender Höhen, und ſei die gro ſen, ob wirkſan gen vo⸗ auf den brach ſe verſchw abhielt, bildete. W müßig; zu entſ Segel folgte ganz in gen der war ro Rufe e ſchen 7 N ſeit zu wo er Ihre g Meile *) De uf die „ und roffen, n auch rachten rathen daß ſie n ganz friſch“ langen migen mung, kräu⸗ imend, erfuß“ he von ſeinen gegen⸗ „ dem dahin o oder n eine f war, mpfing Höhen, und ſein Gang wurde bedeutend ſchneller. Bisher hatte die große Nähe der Küſte die Segel faſt unbewegt gelaſ⸗ ſen, obgleich die Luft um das Kap glitt und beinahe einen wirkſamen Wind abgab; jetzt aber traten die Strömun⸗ gen voll nach der rechten Seite her, und wirkten kräftig auf den Gang des Schiffes. Es holte ſeine Halſen herab, brach ſeine Segel ein, lufte und war bald aus dem Geſichte verſchwunden, indem es windwärts nach einem Punkte abhielt, welcher das öſtliche Ende der genannten Bucht bildete. Während dieſer ganzen Zeit war die Proſerpina nicht müßig; ſobald ſie gewahrte, daß der Logger bemüht war, zu entſchlüpfen, belebte ſich ihre Takelage mit Matroſen. Segel um Segel wurde beigeſetzt,— eine weiße Wolke folgte der andern, bis ſie zuletzt von vornen bis hinten ganz in Leinwand gehüllt war. Ihre obern Segel empfin⸗ gen den Wind über der umliegenden Küſte, und ihr Gang war raſch: denn gerade dieſe Fregatte ſtand in dem Rufe einer der raſcheſten Seglerinnen der ganzen engli⸗ ſchen Flotte. Nach Andrea Barrofaldi's Uhr war der Logger jetzt ſeit zwanzig Minuten an der Stelle vorbei gekommen, wo er ſtand, als die Proſerpina ihm gegenüber erſchien. Ihre größere Waſſerdragt*) veranlaßte ſie, ſich eine halbe Meile von dem Bergvorſprung fern zu halten; dennoch *) Das Maaß, wie tief ein Schiff geht. Der Ueberſ. — 174— war ſie nahe genug, um den Zuſchauern, als ſie dahin gleitete, die beſte Gelegenheit zu geben, ihren Bau und ihre Erſcheinung im Allgemeinen in's Auge zu faſſen. Die Batterien waren jetzt wieder bemannt, und man berieth, ob es an der Zeit ſei, einen Republikaner für die Kühnheit zu züchtigen, mit welcher er einem toska⸗ niſchen Hafen ſo nahe kam. Aber dort flatterte die geach⸗ tete und gefürchtete engliſche Flagge, und es blieb noch ſehr zweifelhaft, ob man einen Freund oder Feind in dem Schiffe vor ſich habe. Das Schiff ließ nichts Beſorgliches gewahren, und dennoch machte es augenſcheinlich auf ein Fahrzeug Jagd, welches, da es aus einem toskaniſchen Hafen kam, ein Engländer eher zu ſchützen, als feindlich anzugehen ver⸗ pflichtet war. Kurz, die Anſichten waren getheilt, und wenn dies bei Fragen dieſer Art der Fall iſt, wird die Entſcheidung ſtets ſchwierig. War der Fremdling ein Franzoſe, ſo hatte er offenbar nicht die Abſicht, ſich gegen die Inſel feindlich zu benehmen; und die, welchen die Macht anheim gegeben war, das Feuer zu beginnen, ſahen recht gut ein, wie ſehr die Stadt blos gegeben war, und wie viel Unheil eine volle Lage anſtellen konnte. Die Folge war, daß die Wenigen, welche geneigt ſchienen, die Fregatte beſchießen zu laſſen, ſo wie die Zwei oder Drei, welche eine gleiche Neigung gegen den Logger ausgeſprochen hatten, nicht nur durch die Stimme einer höhern Auto⸗ rität, Wunſc M nach ze ſonder! ſie in von ihr nach ve der Ir welche D etwas ſie ſich Spitze leewär ohne Paß 3 ſie gen J nuten alle ar bracht. los; d zu Gu es deſ C einer ie dahin Bau und aſſen. und man aner für n toska⸗ ie geach⸗ ieb noch Feind in en, und ig Jagd, am, ein hen ver⸗ unn dies cheidung oſe, ſo ie Inſel anheim echt gut wie viel lge war, Fregatte welche ſprochen n Auto⸗ — 175— rität, ſondern auch durch die der Mehrzahl auf ihren Wunſch zu verzichten genöthigt waren. Mittlerweile drängte die Proſerpina vorwärts, und nach zehn Minuten war ſie nicht nur aus der Schußweite, ſondern überhaupt außer dem Bereiche einer Kugel. Als ſie in die Bucht weſtlich von der Stadt eintrat, ſah man von ihrem Verdecke Le Feu-Follet eine volle Stunde nach vornen, dicht an einem Winde, der um das Weſtende der Inſel ſtrich, mit einer Geſchwindigkeit dahin gleiten, welche eine Verfolgung faſt als unmöglich erſcheinen ließ. Die Proſerpina hielt jedoch ihren Curs ein, und in etwas mehr als einer Stunde von der Zeit an, wo ſie ſich mit Segeln bedeckt, hatte ſie die weſtliche Spitze der Höhen erreicht, obgleich mehr als eine Meile leewärts. Hier traf ſie die ſchöne Weſtkühlte, welche, ohne von dem Lande gebrochen zu werden, durch den Paß zwiſchen Corſica und Elba kam, und nun konnte ſie genau ſehen, was ſie zu thun hatte. Ihre Lee⸗ und Bramſegel waren ſchon zwanzig Mi⸗ nuten früher geborgen worden; die Bolinien wurden nun alle angeholt, und die Fregatte dicht auf den Wind ge⸗ bracht. Dennoch war die Jagd augenſcheinlich hoffnungs⸗ los; denn dem kleinen Feu-Follet kamen alle Umſtände zu Gunſten, als hätte es ſich das Wetter ſo beſtellt, wie es deſſen bedurfte. Es brach ſeine Segel ein, bis ſeine Leinwand gleich einer Mauer ſtand, ſein Vordertheil ſchaute einen vollen — 176— Punkt windwärts zu dem der Fregatte, und, was eben ſo wichtig war, es ging ſelbſt windwärts von dem Punkte, auf den es ſchaute, während die Proſerpina ein wenig, obgleich nur ein klein wenig, von ihrem Curſe abfiel. Unter allen dieſen Abweichungen ging der Logger ſechs und die Fregatte fünf Fuß durch das Waſſer, und überbot ſie in Eile faſt eben ſo ſehr, als in ſeiner übri⸗ gen Tüchtigkeit. Das Schiff windwärts war nicht der erſte Logger, bei deſſen Jagd Capitain Cuffe anweſend und thätig gewe⸗ ſen, und er kannte das Vergebliche, ein Fahrzeug unter Umſtänden, welche ſeinen Eigenſchaften ſo ſehr zu ſtatten kamen, zu verfolgen. Dann war er nichts weniger als gewiß, ob er überhaupt einen Feind jage; denn der Logger kam aus einem befreundeten Hafen, ſo verdächtig auch ſeine Signale waren. Auch lag Baſtia nur noch wenige Segel⸗Stunden entfernt, und die ganze öſtliche Küſte von Corſica bot eine Menge kleine Buchten und Häfen, in welche ſich ein kleines Schiff flüchten konnte, wenn es ſich bedrängt ſah. Nachdem Capitain Cuffe ſich daher durch einen fer⸗ nern halbſtündigen Verſuch unter offenen Segeln und der vollen Kraft der Kühlte von der Fruchtloſigkeit ſeiner Anſtrengungen überzeugt hatte, ließ dieſer erfahrene Offi⸗ zier das Steuer der Proſerpina wenden, die Raaen ver⸗ längern und nach Norden abhalten, augenſcheinlich in der Abſicht, den Hafen von Livorno oder Genua aufzuſuchen. Als bewerkſt Winde ende Ell ſchwunde die Inſe Es einem ſet wie Por mußte. nahmen den Aus Sumpfp an rege Stadt b günſtige gehen zu etwas al kaniſchen waren a ihre zwe eben be und die Vit den Beſt öffentlich war er 184— as eben Punkte, wenig, bfiel. Logger er, und ger übri⸗ Logger, g gewe⸗ ig unter ſtatten iger als rLogger tig auch wenige üſte von fen, in denn es nen fer⸗ In und it ſeiner ene Offi⸗ nen ver⸗ nlich in uſuchen. Als die Fregatte dieſe Aenderung in ihrem Curs bewerkſtelligte, war der Logger, welcher kaum vorher im Winde gewendet hatte, eben im Begriffe, um das Weſt⸗ ende Elba's zu biegen; bald war er aus den Blicken ver⸗ ſchwunden und alles ſprach dafür, daß ſie luvwärts um die Inſel ſegeln werde, ohne wieder wenden zu müſſen. Es war ganz natürlich, daß eine ſolche Jagd an einem ſo abgelegenen und gewöhnlich ſo traurigen Orte, wie Porto Ferrajo, einige Erregung zur Folge haben mußte. Viele junge Müßiggänger von der Garniſon nahmen ſich Pferde, und jagten an den Höhen hin, um den Ausgang zu ſehen; denn die Berge werden von Sumpfpfaden überall hin ſchön durchſchnitten, obgleich es an regelmäßigen Straßen fehlt. Die, welche in der Stadt blieben, waren natürlich nicht geneigt, eine ſo günſtige Gelegenheit der Unterhaltung ungenützt vorüber⸗ gehen zu laſſen. Man ſprach an dieſem Tage kaum von etwas anderem, als dem gedrohten Angriffe der republi⸗ kaniſchen Fregatte und der Flucht des Loggers. Manche waren allerdings noch zweifelhaft; denn jede Frage hat ihre zwei Seiten, und die Abweichung der Anſichten war eben bedeutend genug, um die Unterhaltung lebendig und die Beweisführung geiſtreich zu machen. Vito Viti ſpielte eine hervorſtechende Rolle unter den Beſprechern. Da er ſich durch ſeine Vivas und ſeine öffentlichen Aeußerungen in dem Hafen bloß geſtellt hatte, war er es natürlich ſeinem Charakter ſchuldig, alles, was 184— 186. 12 — 178— er geſagt hatte, zu rechtfertigen; und Raoul Yvoard hätte ſich keinen wärmern Vertheidiger wünſchen können, als er jetzt in dem Podeſta hatte. Der würdige Mann übertrieb des Vice⸗Statthalters Kenntniß von dem Engliſchen ſo, daß über die nöthigen Beweiſe des Nationalcharakters des Loggers gar kein Zweifel mehr obwalten konnte. Ja, er ging ſogar ſo weit, daß er behauptete, er habe einen Theil der von dem„Signor Smit“ vorgelegten Urkunden ſelbſt ver⸗ ſtanden; und was den„Ving-y-Ving“ betreffe, ſo müſſe Jeder, der einige Kenntniß von der„Geographie des britiſchen Kanals“ habe, einſehen, daß er gerade die Art Fahrzeug ſei, welche die halb⸗galliſchen Bewohner der Inſeln Guernſey und Jerſey ausſchicken würden, um gegen die ganz⸗galliſchen Bewohner des nahen Feſtlan⸗ des zu kreuzen. Während allen dieſen Verhandlungen gab es zu Porto Ferrajo ein Herz, welches von den ſich bekämpfenden Ge⸗ fühlen der Dankbarkeit, der vereitelten Hoffnung, der Freude und der Angſt ſchwoll, obgleich die Zunge ſtumm blieb. Unter allen Bewohnerinnen der Stadt war Ghita die einzige, die keine Vermuthung äußerte, keine Anſicht vertheidigte, und keinen Wunſch laut werden ließ. Doch hörte ſie geſpannt zu, und es gehörte nicht zu ihren geringſten Beruhigungen, als ſie bemerkte, daß ihre kur⸗ zen Beſprechungen mit dem ſchönen jungen Seemanne der Beachtung offenbar entgangen waren. Als ten, fü ben, un zurück. könnten nördliche eben ne ſo weit ſich alle det habe ſer fein De zur Zei mahl d obgleich ard hätte nen, als atthalters nöthigen gar kein ſogar ſo der von elbſt ver⸗ treffe, ſo raphie des e die Art ohner der den, um Feſtlan⸗ zu Porto enden Ge⸗ ung, der ge ſtumm var Ghita ne Anſicht ieß. Doch zu ihren ihre kur⸗ Seemanne — u= Als endlich die Reiter von den Bergen zurückkehr⸗ ten, fühlte ſie ſich vollends allen Beſorgniſſen überho⸗, ben, und nur der zärtliche Gram blieb in dem Herzen zurück. Jene Herren erzählten, ſo weit ſie urtheilen könnten, ſeien die obern Segel der Fregatte auf der 4 nördlichen Seite, noch ferner ab als die Inſel Capraja, eben noch ſichtbar geweſen, während der Logger ſchon ſo weit windwärts als Pianoſa gelangt ſei, von wo er ſich allem Anſcheine nach der Küſte von Corſica zugewen⸗ det habe, ohne Zweifel in der Abſicht, den Handel die⸗ ſer feindlichen Inſel zu beläſtigen. Siebentes Kapitel. Ant. Und in der That, Herr, allwärts lauern Gauner, daher muß ich auf meiner Hut ſein. Cle. Fürchte nichts, Mann, du ſollſt bier nicht um das Geringſte kommen. Ant. Ich boff'’ es, Herr; denn ich habe Dinge von Werth bei mir. Shakſpeare. Der Art war der Stand der Dinge zu Porto Ferrajo zur Zeit, als die Bewohner der Stadt an ihr Mittags⸗ mahl dachten. Bei der Mehrzahl folgte dieſem die Sieſta, obgleich die Seeluft mit ihrer kräftigenden Kühle eine 12* — 180— ſolche Ruheſtunde den Inſelbewohnern minder nothwen⸗ dig machte, als den meiſten ihrer Nachbarn auf dem Feſtlande. Dann folgte die belebende Erregung des Nachmittags, und die Wiederkehr des Zephyrs oder des Weſtwindes. 4 So regelmäßig ſind in der That während den Som⸗ mermonaten dieſe Wechſel in den Strömungen der Luft, daß der Seemann mit Zuverſicht den Morgen eine leichte Luft aus Süden— am Mittag eine Windſtille— die Sieſta des Mittelländiſchen Meeres— und zwiſchen drei und vier Uhr den entzückenden kühlen Wind aus Weſten erwarten kann, welchem letzteren mit der Nacht wieder eine Bö unmittelbar vom Lande folgte. Wochenlang ſind wir von dieſer Ordnung der Dinge ohne Unterbrechung Zeuge geweſen, und wenn ſich dann und wann eine Aus⸗ nahme zeigte, ſo war dies nur in den unbedeutenden Epiſoden von Regenſchauern und Gewittern, die jedoch in Italien weit ſeltner ſind, als an den Küſten von Amerika. Dies alſo war der Stand der Dinge zu Porte Ferrajo an dem Abend, welcher dem inhaltreichen und erregenden Tage folgte. Der Zephyr war wieder vorherrſchend— die müßige Welt ſammelte ſich wieder zu ihrem Abend⸗ ſpaziergang und die Redſeligen traten in Gruppen zuſam⸗ men, um ihre Vermuthungen nochmals laut werden zu laſſen, oder ihren Anſichten eine neue Stütze zu geben, als ſich, wie Feuer in einem Heuſchoppen, die Nachricht in der Stadt verbreitete, der„Ving-y-Ving komme wieder auf der gehende Freunde S in der Frauen die ſtei gang, eines 2 Schwãäc um der wie ver es anfi Man ſe mitgeſch kommen ten, do ihnen Kurz, belachen natürlie N nachder verbreit faſt all Ghita's raktere nothwen⸗ auf dem ung des oder des en Som⸗ der Luft, ie leichte — die hen drei Weſten t wieder ang ſind brechung ne Aus⸗ zutenden e jedoch lmerika. Ferrajo egenden hend— Abend⸗ zuſam⸗. rden zu geben, kachricht ewieder — 181— auf der Luvſeite der Inſel, gerade wie er ſich am vorher⸗ gehenden Abend genähert hätte, mit der Zuverſicht eines Freundes und der Schnelligkeit eines Vogels herab. Seit Jahren hatte man einen ſolchen Aufruhr in der Hauptſtadt von Elba nicht gekannt. Männer, Frauen und Kinder ſtürzten aus den Häuſern, kletterten die ſteilen Gaſſen hinauf, und eilten auf den Spazier⸗ gang, um ſich mit eigenen Augen von dem Begebniß eines Wunders zu überzeugen. Vergebens riefen die Schwächlichen und Alten die Kräftigern und Jüngern um den gewohnten Beiſtand an; man wich ihnen aus wie verpeſteten Häuſern, und ſie mußten ſehen, wie ſie es anfingen, um die abhängigen Gaſſen zu erſteigen. Man ſah Mütter, welche ihre Kinder, die ſie ſo lange mitgeſchleppt hatten, bis ſie fürchten mußten, zu ſpät zu kommen, auf den Gaſſen ſtehen ließen, obgleich ſie wuß⸗ ten, daß ſie den Abhang hinabrollen mußten, wenn es ihnen mißlingen ſollte, zu dem Gipfel hinanzuklimmen. Kurz, es war eine Verwirrung, in welcher Vieles zu belachen, Einiges zu beſtaunen und nicht Weniges ganz natürlich war. Noch nicht zehn Minuten konnten vergangen ſein, nachdem das Gerücht ſich in den untern Theilen der Stadt verbreitet hatte, als zwei tauſend Perſonen, einſchließlich faſt aller der Hauptperſonen des Ortes, Maſo Tonti's, Ghita's und der verſchiedenen, dem Leſer bekannten Cha⸗ raktere, ſich auf dem Hügel verſammelten. Die Scene dieſes Abends glich ſo ſehr der vergangenen— das größere Gedränge auf der Höhe und das geſteigerte Intereſſe ab⸗ gerechnet— daß ſie nur eine Fortſetzung der letztern ſchien. Dort kam der Logger, unter ſeinem Fock und großen Segel den Jigger aufgegeit,„ Flügel⸗ und⸗Flügel“ herab und gleitete über die ſchimmernden Wellen weg, wie die Ente, die ihrem Neſte entgegeneilt. Jetzt flatterte jedoch die engliſche Flagge, wie im Triumphe, am Ende der Jigger⸗Raa, und das kleine Fahrzeug hielt ſich näher an die Felſen, als ſei es mit der Küſte nun vertraut, und beſorge kaum Gefahr. Auch in der Art, wie es ſich der Mündung der Kanonen preis gab, die es in wenigen Minuten hätten vernichten kön⸗ nen, war etwas Heimiſch⸗zuverſichtliches, und Jeder, der es herankommen ſah, mußte der feſten Ueberzeugung ſein, es ſei ein bekannter und geprüfter Freund. Vito Viti wendete ſich triumphirend zu Andrea Bar⸗ rofaldi. „Ha, Signor Andrea,“ ſagte er,„glaubt Ihr wohl, daß einer der republikaniſchen Schurken es wagen würde, auf dieſe Weiſe nach Porto Ferrajo zu kommen, beſonders wenn er, wie es bei dieſem„Sir Smit“ der Fall iſt, weiß, mit welcher Art Leute er hier zu ſchaffen hat? Gedenkt, Vice⸗ Governatore, daß der Mann wirklich ſchon einmal bei uns am Lande war, und ſeinen Kopf wohl nicht zum zweiten Mal in den Rachen des Löwen ſtecken würde.“ „ bar Vi⸗ trocken hinſicht! engliſch digt;— vorſichtt 5 85 meren Porto Namen vernato unwiſſe es mag Eccelle eifriger — r und lä deinen noch w ren; d meine ſchlagen Smit finden. größere rreſſe ab⸗ n ſchien. d großen Flügel“ len weg, wie im s kleine es mit -r. Auch en preis en kön⸗ der, der zeugung hea Bar⸗ bt Ihr wagen ommen, it“ der ſchaffen Mann ſeinen hen des — 183— „Du haſt deine Anſichten bedeutend geändert, Nach⸗ bar Vito,“ antwortete der Vice⸗Statthalter ein wenig trocken; denn er war in Betreff des Sir Cicero ſo wie hinſichtlich einiger andern Angaben aus dem Gebiete der engliſchen Geſchichte und Politik bei weitem nicht befrie⸗ digt;—„es ziemt den Behörden vor Allem behutſam und vorſichtig zu ſein.“ „Nun, wenn es einen vorſichtigeren und behutſa⸗ meren Mann auf Elba gibt, als der arme Podeſta zu Porto Ferrajo iſt, ſo laßt ihn hervortreten, in Gottes Namen, und ſein Thun bewähren. Signor Vice⸗Go⸗ vernatore, ich halte mich nicht für den müßigſten und unwiſſendſten Mann auf den Gebieten des Großherzogs; es mag klügere geben— und unter dieſe rechne ich Eure Eccellenza,— aber einen treuern Unterthan und einen eifrigeren Freund der Wahrheit gibt es nicht.“ „Ich glaub' es, guter Vito,“ erwiederte Andrea und lächelte ſeinen alten Freund gütig an,„und habe deinen Rath und deine Dienſte ſtets hoch gehalten. Den⸗ noch wünſchte ich über dieſen Sir Cicero etwas zu erfah⸗ ren; denn ich habe, um offen gegen dich zu ſein, ſelbſt meine Sieſta vergeſſen, um eine Menge Bücher nachzu⸗ ſchlagen, in denen eines ſolchen Mannes erwähnt ſein müßte.“ „Und beſtätigen ſie nicht jede Sylbe, die Signor Smit geſagt hat?“ „Im Gegentheil— ich kann nicht einmal den Namen finden. Es iſt wahr, mehrere ausgezeichnete Redner die⸗ — 181— ſer Nation werden engliſche Cicero's genannt; aber dies thun alle Nalionen, um einen Mann auszuzeichnen.“ 4„Ich wüßte doch nicht, Signore,— ich wüßte doch nicht;— in unſerm Italien mag ſich etwas der Art bege⸗ ben— glaubt Ihr aber, dergleichen fände ſich auch bei ſo entlegenen und bis in die neueſte Zeit ſo barbariſchen Völkern, wie die Engländer, Deutſchen, Franzoſen?“ Der Vice⸗Statthalter lächelte auch jetzt wieder, aber er lächelte aus Mitleid mit der Unwiſſenheit und den Vorurtheilen ſeines Freundes, wie er vorher in Güte gelächelt hatte. „Du vergißt, Freund Viti,“ ſagte er,„daß wir Italiener uns vor etwa tauſend Jahren die Mühe gege⸗ ben haben, dieſe Völker zu entwildern, und daß ſie wäh⸗ rend dieſer langen Zeit nicht rückwärts gegangen ſind. Es iſt jedoch außer Zweifel, daß der„Ving-y-Ving wieder in unſere Bucht einzulaufen geſonnen iſt; und ſieh, dort ſteht der„Signor Smit“ und betrachtet uns durch ſein Glas, als oh er auch uns einen neuen Beſuch zugedenke.“ „Nach meinem Bedünken iſt es, Vice⸗Governatore, eine an Ketzerei grenzende Sünde, in den Charakter kindlich zuwenden. Kein Republikaner würde es wagen, zum zweiten Male in der Bucht von Porto Ferrajo Anker zu werfen. Ein Mal— das ließe ſich wohl noch denken— aber zwei Mal— nie— nie!“ Derer Zweifel zu ſetzen, welche uns ihr Vertrauen ſo. „ wünſch hinabge geſchehe uns vo Di in den Logger eilte de ſein, d das La geeigne zu blei Offizie Al Höhe vor de wieder über, würde wenn G wie da Folge dem genann Name nt; aber eichnen.“ üßte doch Art bege⸗ auch bei bariſchen oſen?“ er, aber und den in Güte daß wir he gege⸗ ſie wäh⸗ en ſind. =Ving ſt; und dtet uns ·Beſuch rnatore, harakter auen ſo. wagen, Ferrajo ohl noch — 185— „Es iſt möglich, daß du recht haſt, und ich hoffe und wünſche es von ganzem Herzen. Willſt du in den Hafen hinabgehen und ſorgen, daß den Förmlichkeiten ihr Recht geſchehe? Auch magſt du alle Bemerkungen ſammeln, die uns von Nutzen werden können.“ Die Menge hatte ſich jetzt in Bewegung geſetzt, um in den untern Theil der Stadt zu kommen und den Logger anlegen zu ſehen, und in Folge jenes Winkes eilte der Podeſta in dem Gedränge hinab, um bereit zu ſein, den„Signor Smit“ zu empfangen, ſobald er an das Land käme. Der Vice⸗Statthalter hatte es für geeigneter und ſeiner Würde angemeſſener gehalten, oben zu bleiben und den Beſuch des angeblichen engliſchen Offiziers da zu empfangen, wo er war. Auch Ghita gehörte zu den Wenigen, die auf der Höhe verweilten; ihr Herz klopfte nun in neuer Furcht vor den Gefahren, denen ſich ihr Geliebter ihretwegen wieder preisgegeben hatte, und floß von Zärtlichkeit faſt über, als ſie bei ſich eingeſtehen mußte, Raoul Yvard würde ſich nie ſolchen Fährlichkeiten blosgeſtellt haben, wenn ſie nicht zu Porto Ferrajo wäre. Ghita delle Torri oder Ghita von den Thürmen, wie das Mädchen von Denen, welche ſie kannten, in Folge eines Umſtandes in ihrer Lage, welcher ſich bei dem Verlaufe unſerer Erzählung herausſtellen wird, genannt wurde, oder Ghita Carraccioli, wie ihr wirklicher Name war, hatte in früheſter Jugend ihre Eltern ver⸗ — 186— loren. Ihre Lage hatte ihr eine Charakterkraft un eine Selbſtſtändigkeit gegeben, welche einem ſo jungen und von Natur ſo zarten Weſen ſonſt fremd geblieben wäre. Einer Tante verdankte ſie die Lehren der weibli⸗ chen Zucht und des Anſtandes, und ihr Oheim, welcher in Folge mächtiger religiöſer Gefühle der Welt entſagt hatte, trug dazu bei, ihr tiefe Frömmigkeit und ſtrenge Gewiſſenhaftigkeit einzuprägen. Die Biederkeit ihres Charakters ließ ſie die Täu⸗ ſchung ſchmerzlich fühlen, der ſich Raoul hingab, während die weibliche Schwäche ſie geneigt machte, des Beweg⸗ grundes wegen die Sünde zu verzeihen. Sie bebte oft und oft, wenn ſie daran dachte, wie tief ſich der junge Seemann in Trug verwickle— überdies ein Trug, wel⸗ cher ſo leicht mit Gewaltthätigkeit und Blutbad endigen konnte; und dann bebte ſie wieder unter dem Einfluſſe einer ſanfteren Regung, wenn ſie daran dachte, daß er ſich ihretwegen allen dieſen Fährlichkeiten preisgebe. Ihre Vernunft hatte ſie längſt gemahnt, daß Raoul Yvard und Ghita Carraccioli einander fremd ſein müßten; aber ihr Herz ſagte ihr ganz das Gegentheil. Der jetzige Augenblick war ganz geeignet, dieſe ſich bekämpfenden Gefühle lebendig zu erhalten, und als, wie geſagt, faſt Alle in den Hafen hinab eilten, um zugegen zu ſein, wenn der„Ving- and-Ving“ einliefe, blieb ſie auf der Höhe und brütete, unter bittern Thränen, über ihren Gedanken. Ra einer S hand as neuen anher k wie ma dem En eben jer wie frü Dann b die Lan „ neuen Fuß de Freude in den Ihr die die Ing Colomb in Betr beth, u wir Ne Ra keiten ſ render den gro dieſe A aft un jungen geblieben r weibli⸗ welcher entſagt ſtrenge ie Täu⸗ vwährend Beweg⸗ ebte oft r junge ig, wel⸗ endigen Einfluſſe daß er 2. Ihre ard und ber ihr eſe ſich ls, wie zugegen lieb ſie , über — 187— Raoul hatte jedoch die Abſicht nicht, ſein Irrlicht einer Stelle zu vertrauen, wo es ſo leicht von Menſchen⸗ hand ausgeblaſen werden konnte. Statt gegen jeden neuen umſchwärmenden Republikaner, welcher vielleicht anher kommen konnte, hinter den Gebäuden des Hafens, wie man erwartet hatte, Schutz zu ſuchen, ſchoß er an dem Ende des Kai's vorbei und ließ wenige Faden von eben jener Stelle, welche er am Morgen verlaſſen hatte, wie früher, blos den kleinſten Wurfanker unten ſinken. Dann beſtieg er mit Zuverſicht ſein Boot und ließ ſich an die Landung rudern. „Ha, Signor Capitano,“ rief Vito Viti ſeinem neuen Schützling mit großer Herzlichkeit zu, ſobald der Fuß des letztern das Land berührte,„wir hofften die Freude zu haben, Euch ſo zu ſagen an unſerer Bruſt, in den Hafen hier, aufzunehmen. Wie geſchickt habt Ihr dieſen sans culotte dieſen Morgen abgeführt! Ha, die Ingleſt ſind die große Nation zur See, trotz dem Colombo! Der Vice⸗Statthalter hat mir alles mögliche in Betreff Eures berühmten weiblichen Admirals, Eliſa⸗ beth, und der ſpaniſchen Armada erzählt; ſodann hatten wir Nelſoni— und nun haben wir Sir Smit.“ Raoul nahm dieſe nationellen und perſönlichen Artig⸗ keiten ſehr gnädig hin, drückte dem Podeſta mit gebüh⸗ render Herablaſſung und Herzlichkeit die Hand und ſpielte den großen Mann, als wenn er von Kindheit auf an dieſe Art Weihrauch gewöhnt wäre. Wie es ſeiner öffent⸗ — 188— lichen Stellung und ſeinem Charakter zumal zukam, erbot er ſich, den Oberbehörden der Inſel ſogleich ſeine Achtung zu bezeigen. „König Georg, mein Gebieter,“ fuhr Raoul fort, als er mit Vito Viti das Kai verließ, um zu Andrea Barrofaldi empor zu ſteigen,„iſt in ſeinen perſönlichen Befehlen in dieſem Punkte gegen uns alle ſehr ſtreng. „Lauft nie in den Hafen eines meiner Verbündeten ein, Smit,“ ſagte er mir, als ich das letzte Mal Abſchied von ihm nahm,„ohne dem Platzcommandanten ſogleich Eure Achtung zu bezeigen. Ihr verliert nie dabei, wenn Ihr mit Artigkeiten verſchwenderiſch ſeid, und England iſt ein zu fein geſittetes Land, um ſich in dergleichen ſelbſt von den Italienern, den Vätern der neuern Bildung, über⸗ treffen zu laſſen.““ „Ihr ſeid glücklich, einen ſolchen Beherrſcher zu haben, und dies um ſo mehr, als Ihr Euch ſeiner ge⸗ heiligten Perſon nähern dürft.“ „O, in Betreff dieſes letztern Umſtandes iſt die Flotte ſein Schooßkind; beſonders die Capitaine betrachtet er wie ſeine Kinder.„So oft Ihr nach London kommt, mein lieber Smit,“ ſagte er mir,„beſucht Ihr mich in meinem Palaſte, wo Ihr ſtets einen Vater finden wer⸗ det“— Ihr wißt, Signore, daß er einen Sohn bei uns hat, welcher erſt neulich Capitain geworden iſt, ſo wie ich ſelbſt.“ 7,0 Ich geſ 5 177 Folge geben n ſtets, d dem W bis her Freund Ro gnügen ungewö über de Lächerli zu verr Be Beſorgt bigkeit ſeiner einem in dieſ es eine ſeinerſe er ſich nicht, 1 ner Br l zukam, leich ſeine aoul fort, t Andrea rſönlichen hr ſtreng. deten ein, ſchied von eich Eure venn Ihr nd iſt ein ſelbſt von ig, über⸗ rſcher zu einer ge⸗ iſt die etrachtet kommt, mich in en wer⸗ ohn bei iſt, ſo — 189— „San Stefano! das Kind eines ſo großen Königs! Ich geſtehe, das habe ich nicht gewußt, Signore!“ „Nun, wir haben ein Geſetz in England, dem zu Folge der König der Flotte wenigſtens einen Sohn geben muß.—„Ja,“ ſagte Seine Majeſtät,„beeilt Euch ſtets, die Oberbehörden zu beſuchen, und empfehlt mich dem Wohlwollen und der Liebe eines Jeden von ihnen bis herab zu den untern Staatsdienern, die ſich der Freundſchaft ihrer Vorgeſetzten erfreuen.““ Raoul ſpielte ſeine jetzige Rolle mit großem Ver⸗ gnügen; aber er übertrieb ſie gern ein wenig. Wie alle ungewöhnlich kühne und entſchiedene Geiſter ging er ſtets über den Punkt hinaus, welcher das Erhabene von dem Lächerlichen ſcheidet, und lief folglich leicht Gefahr, ſich zu verrathen. 3 Bei Vito Viti waren in dieſer Hinſicht keine großen Beſorgniſſe zu hegen; denn ſeine beſchränkte Leichtgläu⸗ bigkeit und die Liebe zum Wunderbaren geſellten ſich zu ſeiner allgemeinen Unwiſſenheit, und machten ihn zu einem gefahrloſen Gewahrſam alles deſſen, was man ihm in dieſer Art mittheilen mochte. Vito Viti fühlte, daß es eine Ehre ſei, mit einem Manne zu ſprechen, welcher ſeinerſeits mit einem Könige geſprochen hatte; und wie er ſich den ſteilen Abhang hinauf arbeitete, verfehlte er nicht, manche Gefühle laut werden zu laſſen, die in ſei⸗ ner Bruſt glühten. — 190— „Iſtſ es nicht ein Glück, einem ſolchen Fürſten zu dienen?“ rief er,„ja, für ihn zu ſterben?“ „Den letztern Dienſt habe ich ihm noch nicht erzeigt,“ antwortete Raoul unſchuldig;„aber es kann ſich wohl einſt ſo treffen. Glaubt Ihr nicht, Podeſta, daß der, welcher ſein Leben für ſeinen Fürſten hingibt, die Heilig⸗ ſprechung verdiene?“ „Das würde bei den jetzigen Kriegen den Kalender zu bald füllen, Signore; aber die Admirale und Generale, ſo wie andere große Perſonen, das gebe ich zu. Si,— ein Admiral oder ein General, welcher für ſeinen Herr⸗ ſcher ſtirbt, verdient heilig geſprochen zu werden, das würde dieſe elenden republikaniſchen Franzoſen hoffnungs⸗ und ehrlos laſſen, Signore.“ „Sie ſind Canaille, von dem Erſten bis zu dem Letzten, und können nothwendiger Weiſe nichts Beſſeres erwarten. Wenn ſie heilig geſprochen werden wollen, mögen ſie die Bourbon's wieder auf den Thron ſetzen, dem heiligen Vater den Fuß küſſen, und ſich in dieſer Weiſe eines ſolchen Segens würdig machen. Die Jagd dieſen Morgen, Signor Vito Viti, muß für die Stadt wenigſtens ergötzlich geweſen ſein?“ Es bedurfte bei dem Podeſta nur dieſes Winkes, um allen ſeinen Regungen, Gefühlen und Seelenwonnen Luft zu machen. Er ergoß ſich in glühenden Ausdrücken über den Dienſt, welchen der Logger der Stadt dadurch erwieſen, daß er die ſchurkiſchen Republikaner abſeite geſchaff noeuvre für ein gehört, ganzen liſches ſich die könne. Anton, haben, in Cor men lo große Chriſte licher ſen ſei das eit und, Terraf zu beg dern beſpree A ger w⸗ ürſten zu erzeigt,“ ſich wohl daß der, ie Heilig⸗ Kalender Generale, 8i,— en Herr⸗ den, das sffnungs⸗ zu dem Beſſeres wollen, n ſetzen, n dieſer die Jagd te Stadt Winkes, wonnen sdrücken dadurch abſeite =— 191 geſchafft habe, und erörterte weitläufig, daß er das Ma⸗ noeuvre, an dem Hafen vorbeizugehen, ſtatt einzulaufen, für eines der merkwürdigſten halte, von denen er je gehört, oder ſelbſt geleſen. „Ich forderte den Vice⸗Statthalter auf, mir in der ganzen Geſchichte, von Tacitus bis auf Euer neues eng⸗ liſches Werk über Roma, ein Beiſpiel anzuführen, das ſich dieſer echt genialen ſeemänniſchen That gleichſtellen könne. Ich zweifle, ob der ältere Plinius, oder Marc⸗ Anton, oder ſelbſt Cäſar je etwas Schöneres vollbracht haben, Signore, und ich bin der Mann nicht, der ſich in Complimenten eine Uebertreibung zu Schulden kom⸗ men läßt. Wäre es, ſtatt eines kleinen Loggers, eine große Flotte von Dreideckern geweſen, ſo würde die Chriſtenheit von dem Ruhm dieſer That wiederhallen.“ „Wär' es nur eine Fregatte geweſen, mein treff⸗ licher Freund, ſo würde das Manoeuvre unnöthig gewe⸗ ſen ſein. Peste! es gibt nicht ein republikaniſches Schiff⸗ das eine ſtarke engliſche Fregatte die Felſen entlang gehen und, wie ein Dieb bei der Nacht, flüchten laſſen kann.“ „Ah, dort wandelt der Vice⸗Statthalter auf ſeiner Terraſſe, Sir Smit, und vergeht vor Ungeduld, Euch zu begrüßen. Wir wollen den Gegenſtand zu einer an⸗ dern Stunde und bei einer guten Flaſche Florentiner beſprechen.“ Andrea Barrofaldi empfing Raoul bei weitem weni⸗ ger warm und zuvorkommend, als der gute Podeſta ge⸗ — 2 than hatte, obgleich die Aufnahme höflich, und kein Zei⸗.„ S chen von Mißtrauen ſichtbar war. einer ku „Ich bin gekommen,“ ſagte der Befehlshaber des erlaubt: Kapers,„um Euch, Signor Vice⸗Governatore, in Ge⸗ nore,“ mäßheit ausdrücklicher Befehle meines Gebieters, noch bei Sei einmal meine Ehrfurcht zu bezeigen, und meine aber⸗ ſchneider malige Ankunft in Eurer Bucht zu melden, obgleich der ſo leicht Kreuzzug, welchen ich ſeit meiner letzten Abfahrt gemacht wir Sec habe, nicht ſo lange war, als eine Seereiſe nach Oſtindien.“ und wiſt „So kurz er auch geweſen ſein mag, Signore, Mylord würden wir dennoch Urſache haben, Eure Abweſenheit Alter, zu bedauern, hätte er uns nicht Gelegenheit gegeben, cero un Euern Scharfſinn und Eure Kunſt im Seeweſen zu be⸗ einer Fr wundern,“ erwiederte Andrea mit geziemender Artigkeit. gegenübe „Die Wahrheit zu ſagen, Signor Capitano, als ich unendlich Euch abreiſen ſah, fürchtete ich, dieſe Freude würde uns er ſo b nicht ſo bald wieder zu Theil werden. Aber das zweite kindiſche Auftreten mag ſich ſelbſt erfreulicher erweiſen, als das ſchwer r erſte, wie Ihr in Euerm engliſchen Sir Cicero mehr habe, v Genuß fandet, als in dem erſten römiſchen.“ Schwäch Raoul lachte, ja, er erröthete ſogar, zu ſeinem Vor⸗ machen, theile ſei es geſagt, ein wenig, worauf er über irgend„3 Etwas in augenblickliches tiefes Nachdenken verſunken Sir Cic ſchien. Ein Lächeln zuckte um ſeinen ſchönen Mund, 1„8 und dann nahm er plötzlich die Miene matroſenartiger nichts r Offenheit an, und lieh ſeinen vorübergehenden Regun⸗ jungen gen Worte. länglichk 184— kein Zei⸗ aber des „in Ge⸗ rs, noch ne aber⸗ gleich der gemacht tindien.“ Signore, veſenheit gegeben, n zu be⸗ Artigkeit. als ich irde uns s zweite als das ro mehr em Vor⸗ r irgend erſunken Mund, enartiger Regun⸗ — 193— „Signor Vice⸗Governatore, ich bitte um die Gunſt einer kurzen geheimen Zwieſprache; Signor Vito Viti, erlaubt uns nur einen Augenblick. Ich bemerke, Sig⸗ nore,“ fuhr Raoul fort, als er mit Andrea ein wenig bei Seite gegangen war,„daß Ihr meine kleine Auf⸗ ſchneiderei, in Betreff unſers engliſchen Cicero's, nicht ſo leicht vergeſſen könnt. Aber, was wollt Ihr nur? wir Seeleute werden als Kinder auf das Meer geſchickt, und wiſſen wenig von Büchern. Mein trefflicher Vater, Mylord Smit, hat mich in meinem zwölften Jahre, ein Alter, wo man, wie ſelbſt Ihr zugeben müßt, von Ci⸗ cero und Dante und Corneille wenig weiß, an Bord einer Fregatte gebracht. Als ich mich nun einem Herrn gegenüber ſah, deſſen Berühmtheit in den Wiſſenſchaften unendlich weiter reicht, als die Grenzen der Inſel, welche er ſo bewundernswürdig beherrſcht, verleitete mich ein kindiſcher Ehrgeiz zu einer Thorheit, welche er nur ſchwer vergeſſen kann. Wenn ich von Namen geſprochen habe, von denen ich nichts wußte, ſo war dies eine Schwäche, wie junge Leute ſich deren wohl ſchuldig machen, gewiß aber kein gehäſſiges Verbrechen.“ „Ihr gebt zu, Signore, daß es keinen engliſchen Sir Cicero gegeben hat?“ „Die Wahrheit zwingt mich, zu geſtehen, daß ich nichts von einem ſolchen weiß. Es wird aber einem jungen Manne, beſonders dem, welcher ſich der Unzu⸗ länglichkeit ſeiner Erziehung bewußt iſt, ſchwer, all dies 184— 186. — 194— vor einem Philoſophen bei dem erſten Zuſammentreffen einzugeſtehen. Etwas ganz anders iſt es, wenn die na⸗ türliche Beſcheidenheit durch nähere Bekanntſchaft mit einem edeln Herzen Ermuthigung erhält; und der Ver⸗ kehr weniger Stunden mit Signore Barrofaldi iſt ſo viel, als der Umgang langer Jahre mit einem gewöhn⸗ lichen Manne.“ 5 „Wenn dies der Fall iſt, Sir Smit, dann verſtehe ich, was vorgefallen iſt, vollkommen und überſehe es gern,“ verſetzte der Vice⸗Statthalter mit einer Selbſtge⸗ fälligkeit, welche jener, die Signor Vito Viti kurz vorher an den Tag gelegt hatte, in nichts nachſtand.„Es muß für einen zartfühlenden Mann peinlich ſein, die Unzu⸗ länglichkeit zu gewahren, welche die unvermeidliche Folge des Mangels an Gelegenheit, ſich zu unterrichten, iſt; und ich wenigſtens kann nun ſagen, wie erfreulich es iſt, Zeuge der Unbefangenheit zu ſein, mit welcher dies zuge⸗ ſtanden wird. Wenn alſo England nie einen Mann gehabt hat, der Cicero hieß, ſo fehlte es ihm gewiß nicht an vielen, die Cicero's große Eigenſchaften in ſich verei⸗ nigten, wenn man dem Rufe Glauben ſchenken darf, der wahrem Verdienſte gewöhnlich folgt. Wenn Euer Dienſt Euch im Laufe dieſes Sommers öfter auf unſere Inſel führen ſollte, Signore, ſo wird es das Vergnügen, wel⸗ ches mir Eure Bekanntſchaft in ſo hohem Grade gewährt, unendlich erhöhen, wenn Ihr mir vergönnt, nach meinen geringen Kräften Eure Lectüre auf ſolche Werke zu lenken, ſo viel R Dankbe herrſcht Der B Erzieht der ein genheit künftig Conjecl auch it ſchmeich mann er gan die Ge war eb wirklich ſeines feſſelnd Fi Herz geweſen Unſchu jungen Zuſam giöſen mnentreffen an die na⸗ ſſchaft mit der Ver⸗ ldi iſt ſo n gewöhn⸗ n verſtehe berſehe es Selbſtge⸗ urz vorher „Es muß die Unzu⸗ liche Folge hten, iſt; llich es iſt, dies zuge⸗ en Mann gewiß nicht ſich verei⸗ 1 darf, der zuer Dienſt aſere Inſel ügen, wel⸗ de gewährt, ach meinen Werke zu — 195— lenken, welche einem Geiſte wie der Eurige gewiß eben ſo viel Belehrung als Genuß bereiten.“ Raoul nahm dieſes Anerbieten mit den gebührenden Dankbezeugungen hin, und von dieſem Augenblicke an herrſchte das beſte Verſtändniß zwiſchen beiden Theilen. Der Befehlshaber des Kapers, welcher eine viel beſſere Erziehung erhalten hatte, als er zugeſtehen wollte, und der ein vollendeter Schauſpieler, und, wo es die Gele⸗ genheit forderte, ein geübter Schmeichler war, beſchloß, künftig auf ſeiner Hut zu ſein und ſeine literariſchen Conjecturen für ſich zu behalten, welche Freiheiten er ſich auch in andern Beziehungen nehmen möchte. Dennoch ſchmeichelte oder täuſchte dieſer ſorgloſe, verwegene See⸗ mann Ghita nie in irgend einer Weiſe. Bei ihr war er ganz Biederkeit, denn der Einfluß, welchen er über die Gefühle dieſes reinen, edeln Weſens erlangt hatte, war eben ſo ſehr das Ergebniß des Charakters und des wirklichen Gefühls, wie es ſich bei ihm kund gab, als ſeines mannhaften Aeußern und ſeiner anziehenden und feſſelnden Erſcheinung. Für den, welcher gern einen Blick in das menſchliche Herz wirft, würde es in der That höchſt anziehend geweſen ſein, zu beachten, wie vollkommen des Mädchens unſchuld und Charaktereinfalt ſich jeder Handlung des jungen Mannes mittheilte, welche mit ihr in irgend einem Zuſammenhange ſtand, und ihn ſelbſt abhielt, jenen reli⸗ giöſen Glauben zu heucheln, den er allerdings nicht hatte, 13* — 196— und deſſen Mangel allein einer Verbindung im Wege ſtand, nach welcher er nun ſeit einem Jahre ſtrebte und die ihm vor allem am Herzen lag. Mit Andrea Barrofaldi, Vito Viti, und beſonders mit den verhaßten Engländern verhielt es ſich jedoch ganz anders, und Raoul fühlte ſich ſelten glücklicher, als wenn ſich ihm eine Gelegenheit bot, ſie in der Weiſe zum beſten zu haben, wie es in dieſem Augenblicke der Fall war. Der Vice⸗Statthalter, welcher nun mit„Signor Smit“ in ein ſo freundſchaftliches Verhältniß getreten war, konnte nicht weniger thun, als ſeinen Gaſt einladen, mit ihm und dem Podeſta in ſeinen Palaſt zu kommen. Bis jetzt war es noch zu hell, als daß der junge See⸗ mann daran denken durfte, eine Zwieſprache mit Ghita zu ſuchen; er nahm daher das Anerbieten freudig an, erforſchte jedoch, ehe er über die Hausſchwelle ſchritt, von ſeinem hohen Standpunkte aus ſorgfältig den ganzen nördlichen Saum des Meeres. Dieſe kurze Zögerung von Seiten Raoul's gab dem Podeſta Gelegenheit, unbemerkt ein flüchtiges Wort mit ſeinem Freunde zu wechſeln. „Ich bin überzeugt,“ ſagte er ernſt,„daß Ihr in „Sir Smit“ alles Das gefunden habt, was Ihr nach Eurer Klugheit und Umſicht zu finden wünſchen konntet. Was mich angeht, ſo halte ich ihn für einen ſehr inte⸗ reſſanten jungen Mann, der gewiß beſtimmt iſt, in Zu⸗ kunft Nation „ ich gegl mit ein daß es den ge berühm „Sign können Geht ſeine welche können J Thüre in den Eingan 3 lich— entlang wie v dieſe! aber, gewöh beläſti⸗ und el m Wege kebte und beſonders doch ganz als wenn beiſe zum Fall war. „Signor getreten einladen, kommen. nge See⸗ nit Ghita rudig an, e ſchritt, n ganzen gab dem Wort mit Ihr in Ihr nach konntet. ſehr inte⸗ , in Zu⸗ — 197— kunft Flotten zu befehligen und über das Schickſal von Nationen zu entſcheiden.“ „Er iſt liebenswürdiger und ſelbſt unterrichteter, als ich geglaubt hatte, Nachbar Vito Viti. Er hat Sir Cicero mit einer Anmuth aufgegeben, die es mich bedauern läßt, daß es nothwendig war, und ich hege, wie Ihr, nicht den geringſten Zweifel, daß er mit der Zeit noch ein berühmter Admiral wird. Es iſt wahr, ſein Vater, „Signor Smit,“ hätte für ſeine Erziehung mehr thun können; es iſt aber jetzt zu ſpät, dieſem Uebel abzuhelfen. Geht und bittet ihn, einzutreten, denn ich bin ungeduldig, ſeine Aufmerkſamkeit auf gewiſſe Schriften zu lenken, welche ihm in ſeinem Lebensberufe ſehr nützlich werden können.“ In Folge dieſes Wunſches kehrte der Podeſta an die Thüre zurück, um den angeblichen Seemann von Guernſey in den Pataſt zu führen. Er fand Raoul noch an dem Eingange, wo er das Meer in das Auge gefaßt hatte. Zwei bis drei Küſtenfahrer— Feluccas, wie gewöhn⸗ lich— glitten, ganz nach italieniſcher Weiſe, die Küſte entlang, in gleicher Angſt vor den Barbaren des ſüdlichen, wie vor den Franzoſen des nördlichen Geſtades. Alle dieſe hätten gute Priſen abgegeben; unſer Kaper war aber, um ihm Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen, nicht gewöhnt, Seeleute von einer ſo niedrigen Klaſſe zu beläſtigen. Eine Felucca jedoch, die aus Norden kam und eben um das Kap wendete, zog ſeine Aufmerkſamkeit — 198— auf ſich, und die Mannſchaft dieſes Fahrzeugs beſchloß er ſogleich nach ſeiner Rückkehr in den Hafen anzuſprechen, um zu erfahren, ob ſie mit der Fregatte zuſammen⸗ getroffen. Er war eben zu dieſem Entſchluſſe gekommen, als der Podeſta zu ihm trat und ihn in das Haus geleitete. Es iſt unnöthig, bei der nun folgenden Unterhaltung zu verweilen. Sie bezog ſich mehr auf Literatur und allgemeine Gegenſtände, als auf irgend etwas mit unſerer Geſchichte Zuſammenhängendes, indem der würdige Vice⸗ Statthalter ſich geneigt zeigte, dle Offenheit des jungen Seemannes dadurch zu belohnen, daß er ihm ſo viel Belehrung, als Zeit und Umſtände nur erlaubten, ange⸗ deihen ließ. Raoul überſtand dies ſehr gut und harrte geduldſam des dunkelnden Abends, wo er gewiß war, Ghita wieder auf dem Spaziergange zu finden. Da er bemerkt hatte, wie viel gerathener es für ihn ſei, ſich zu mißtrauen, als Anſprüche zu machen, fand er die Rolle, welche er jetzt ſpielte, verhältnißmäßig leicht; und indem er den Vice⸗Statthalter ruhig ſeinen Weg gehen ließ, gelang es ihm nicht nur, dieſen Würdeträger ſich zu gewinnen, ſo daß er ſeiner angeblichen Nationa⸗ lität vollen Glauben ſchenkte, ſondern er brachte ihm auch die ſichere Ueberzeugung bei,„Signor Smit“ ſei ein junger Mann von mehr Bildung, als er anfangs geglaubt habe. Auf eine ſo einfache und natürliche Weiſe machte er in zwei Stunden mehr Fortſchritte in der Gunſt Andrea können dieſe u Zeit in viel iſt zu hab und tru er äuß Vergn⸗ kung, Zweife tore,“ früher die eit nie we beſchloß er uſprechen, uſammen⸗ ekommen, geleitete. terhaltung ratur und it unſerer dige Vice⸗ es jungen n ſo viel en, ange⸗ geduldſam ta wieder es für ihn „fand er zig leicht; nen Weg irdeträger Nationa⸗ ihm auch ¹ſei ein geglaubt ſe machte er Gunſt — 199— Andrea Barrofaldi's, als er in einem Jahre hätte machen können, wenn er ſein Wiſſen und ſeine Beleſenheit als eine Autorität hingeſtellt hätte. Es iſt kaum zu bezweifeln, daß der Vice⸗Statthalter dieſe Unterhaltung angenehm gefunden, wenn man die Zeit in Anſchlag bringt, welche er damit vergeudete; ſo viel iſt gewiß, daß Raoul nie eine ſchwerere Pflicht geübt zu haben glaubte. Vito Viti angehend, ſo war er erbaut, und trug auch eben nicht Sorge, dies zu verhehlen; denn er äußerte ſeine Freude durch häufige Ausdrücke des Vergnügens, und wagte dann und wann eine Bemer⸗ kung, als legte er es darauf an, ſeine Unwiſſenheit außer Zweifel zu ſetzen. „Ich habe Euch oft groß geſehen, Vice⸗Governa⸗ tore,“ rief er, als Andrea eben eine Abhandlung über die frühere Geſchichte aller nördlichen Völkerſchaften ſchloß, die eine volle halbe Stunde hingenommen hatte;„aber nie wart Ihr ſo groß, wie dieſen Abend. Signor, Ihr ſeid dieſen Abend wahrhaft glänzend geweſen. Iſt's nicht ſo, Signor Smit? Könnte ein Profeſſor zu Padua, ja, zu Piſa einen Gegenſtand beſſer in das Licht ſtellen, als er die Frage erörterte, die unſere Ohren gefeſſelt hat?“ „Signor Podeſta,“ ſetzte Raoul hinzu,„nur Ein Gefühl beherrſchte meinen Geiſt, während ich zuhörte, was vorgetragen wurde— und dies war das tiefſte Bedauern, daß mein Beruf mich von all dieſen reichen Vorräthen tiefer Gedanken trennt. Aber es iſt uns — 200— erlaubt, das zu bewundern, was wir nicht einmal nach⸗ ahmen können.“ „Ganz richtig, Signori,“ antwortete Andrea mit freundlichem Wohlwollen,„aber mit Anlagen, wie die Eurigen, Signor Smit, iſt es nicht ſo ſchwer, das nach⸗ zuahmen, was wir bewundern. Ich will Euch eine Reihe von Werken aufſchreiben, welche ich Euch zur Lectüre empfehle, und wenn Ihr zu Livorno oder Napoli anlegt, werdet Ihr alle dieſe Bücher zu billigen Preiſen bekom⸗ men. Ihr könnt erwarten, daß Ihr dieſes Verzeichniß morgen früh auf Eurem Frühſtücktiſche findet, denn ich werde nicht zu Bette gehen, ehe es vollendet iſt.“ Raoul benutzte mit Vergnügen dieſes Verſprechen als einen Wink aufzubrechen, und nahm mit gebührenden Dankesbezeigungen und Verſicherungen ſeiner großen Freude Abſchied. Als er aber aus dem Palazzo war, ließ er einen langen, leiſen Pfiff hören, wie Jemand, der einem Schauſpiele entgangen iſt, wo das Läſtige durch das Lächerliche ein wenig erleichtert worden; auch mur⸗ melte er einige Flüche über die Völkerſchaften des Nor⸗ dens, weil ſie unbedachtſam genug geweſen, eine ſo viel längere und ausgearbeitetere Geſchichte zu haben, als ihm nöthig dünkte. All dies begab ſich, während er über den Spazier⸗ gang eilte, den er leer fand, da ihn, wie es ſchien, Alle verlaſſen hatten. Endlich glaubte er, eine Strecke vor ſich und an einem ſtets unbeſuchteren Theile der Höhe eine w erkannt eilte de „) dieſe of Ihr ſo ſ wart— Aas Frage? und w köſtliche hätte n geword „1 zu bied einer fähig ſ „ faldi u warum Le Fe immer 6 keinem ſagen. mit de 8 7: nal nach⸗ drea mit wie die das nach⸗ ne Reihe Lectüre li anlegt, n bekom⸗ erzeichniß denn ich rſprechen ührenden großen zzo war, Jemand, ige durch ich mur⸗ des Nor⸗ e ſo viel als ihm Spazier⸗ ien, Alle eecke vor er Höhe eine weibliche Geſtalt zu entdecken Sein gutes Auge erkannte in ihr ſogleich Die, welche er ſuchte, und er eilte der ſeiner Harrenden entgegen. „Raoul!“ rief Ghita vorwurfsvoll,„wie werden alle dieſe oft wiederholten Fährlichkeiten zuletzt endigen? Als Ihr ſo ſchön und ſo geſchickt aus dem Hafen von Porto Ferrajo wart— warum wart Ihr nicht ſo klug, dort zu bleiben?“ „Du kennſt den Grund, Ghita,— und warum dieſe Frage? Heiliger Neptun— war es nicht gut gemacht?— und wird dieſem wackern Vice⸗Governatore nicht eine köſtliche Naſe gedreht? Ich glaube zuweilen, Ghita, ich hätte meinen Beruf verfehlt, weil ich kein Diplomat geworden.“ „Und warum gerade ein Diplomat, Raoul? Du biſt zu bieder, um lange zu täuſchen, weſſen du auch bei einer Gelegenheit, wie dieſe, oder in dringender Noth fähig ſein magſt.“ „Warum?— Doch ſtill davon. Dieſer Andrea Barro⸗ faldi und ſein Vito Viti werden eines Tages erfahren, warum.— Und nun zu unſerm Geſchäfte, Ghita, denn Le Feu-Follet kann die Bucht von Porto Ferrajo nicht immer ſchmücken.“ „Richtig,“ fiel das Mädchen ein,„und ich bin aus keinem andern Grunde gekommen, als dir daſſelbe zu ſagen. Mein geliebter Oheim iſt angekommen, und will mit der erſten Felucca nach der Torri abreiſen.“ „Ah— ſehr gut, Ghita— dies läßt mich mehr an eine waltende Vorſehung glauben, als alle Predigten aller Padri von Italien. Dort liegt der Logger, um die Stelle der Felucca zu vertreten, und wir können noch dieſe Nacht abfahren. Meine Kajüte ſteht dir ganz zu Befehl, und unter dem Schutze deines Oheims kann die ſchlimmſte Zunge nichts gegen den Schritt vorbringen.“ Ghita hatte, die Wahrheit zu ſagen, ein ſolches Anerbieten erwartet; und ſo angenehm es ihr auch war, würde ihr Schicklichkeitsgefühl ſie abgehalten haben, es anzunehmen, hätte ſie nicht reiflich erwogen, daß ſie auf keine beſſere Weiſe Raoul aus einem feindlichen Hafen, und in ſo fern aus dem Bereich der Gefahr brächte. Dies war für ein ſo liebreiches Herz eine Rückſicht, welcher ſie ſelbſt größere Opfer gebracht hätte. Wir wün⸗ ſchen jedoch nicht, dem Leſer einen falſchen Begriff von dem Charakter und der Erziehung dieſes Mädchens bei⸗ zubringen. Obgleich dieſe letzte in mancher Hinſicht beſſer war, als ſie den meiſten jungen Mädchen ihres Standes zu Theil wird, war jener einfach, und ihrem Stande, ſo wie der Sitte des Landes angepaßt. Sie war nicht in jener ſtrengen Zurückhaltung erzogen worden, welche jungen Italienerinnen von Stand ihr Benehmen vor⸗ zeichnet, und die vielleicht in demſelben Grade zu ſtreng iſt, wie die Amerikanerin ſich zu großer Unabhängigkeit erfreut; ſie war aber in allem unterrichtet worden, was in den verſchiedenen Lebensverhältniſſen Anſtand und Zartgefühl fordern; ſie wußte recht gut, wie unthunlich, ja, wie in einer deſſen d Geliebte Au zwiſcher zig eng ſie woh ihren T auf der „E ten ann unter „Wir gut wa Ihr ſer aufgeht Lufthau Euch d abſegel 17n ſagen, thäten, daß er ten aller ie Stelle eſe Nacht ehl, und hlimmſte rſolches uch war, bben, es 5 ſie auf Hafen, chte. Rückſicht, gir wün⸗ griff von hens bei⸗ ht beſſer Standes ande, ſo nicht in welche ien vor⸗ u ſtreng ingigkeit en, was nd und thunlich, — 203— ja, wie unpaſſend es für ein Mädchen in ihrer Lage ſei, in einem Kaperſchiffe überhaupt, beſonders aber an Bord deſſen die Reiſe zu machen, das von ihrem anerkannten Geliebten befehligt wurde. 1 Auf der andern Seite betrug aber die Entfernung zwiſchen Porto Ferrajo und den Thürmen nur etwa fünf⸗ zig engliſche Meilen, und wenige Stunden reichten hin, ſie wohlbehalten unter ihr Dach, und was eben jetzt in ihren Augen viel wichtiger war, Raoul mit ihr in Sicher⸗ heit zu bringen. Ueber all dies hatte ſie nachgedacht, und ihre Antwort auf den ihr eben gemachten Vorſchlag war folglich bereit. „So fern mein Oheim und ich dieſes edle Anerbie⸗ ten annähmen, wann würde es für Euch paſſend ſein, unter Segel zu gehen, Raoul?“ fragte das Mädchen. „Wir ſind nun länger als wir beabſichtigt haben und als gut war, abweſend geweſen.“ „In einer Stunde, wenn wir irgend Wind haben. Ihr ſeht aber, wie es iſt, Ghita, und der Zephyr hat. aufgehört zu wehen, und es ſcheint, als wenn jetzt jeder Lufthauch in Italien ſchlafen gegangen wäre. Ihr könnt Euch darauf verlaſſen, daß wir, ſobald es nur möglich, abſegeln. Im Nothfall wollen wir die Ruder brauchen.“ „Ich werde alſo meinen Oheim aufſuchen, und ihm ſagen, daß ein Schiff ſegelfertig ſei, und wir am beſten thäten, daſſelbe zu benutzen.— Iſt es nicht ſeltſam, Raoul, daß er mit Eurer Ankunft in der Bucht ganz unbekannt — 204— geblieben iſt? Er entſchlägt ſich von Tag zu Tag mehr— Es 4 allem Dem, was ihn umgibt, und ich glaube, es fällt ihm zu verin kaum wieder ein, daß Ihr ein feindliches Schiff befehligt.“ will, deit „Er mag mir vertrauen; er ſoll nie Gelegenheit. für räth haben, es zu erfahren, Ghita.“ Wir mü „Ich bin deſſen gewiß, Raoul. Die edle Weiſe, wie— andern? Ihr es vermittelt habt, uns dem Korſarenſchiffe der Alge⸗ bereit iſt rier zu entreißen— ſie war der Anfang unſerer Bekannt⸗ Rac ſchaft, und wir werden Euch alle Zeit dafür dankbar ſein zelnheite V— hat für immer den Frieden zwiſchen Euch und uns eine kle begründet. Ohne Euere ſo zeitgemäße Hülfe im letzten Benedet Sommer wären wir, mein Oheim und ich, Sklaven bei mögliche den Barbaren.“ Als mar „Auch dies macht mich geneigt, an eine Vorſehung räthlich, zu glauben. Als ich Euch und Euern trefflichen Ver⸗ Freundin wandten aus dem Boote des Algeriers rettete, wußte ich würde,! nicht, wen ich rettete. Und dennoch ſeht Ihr, wie all Stunde das ſich begeben mußte, und daß ich blos mir ſelbſt diente, dem ert als ich Euch nützlich ward.“ bereit zu „O kernteſt du doch jenen Gott hoch halten, der Als über uns Alle nach ſeinem heiligen Willen verfügt!“ lis⸗ und Fil pelte Ghita, und Thränen entquollen ihren Augen, und waren nur eine krampfhafte Anſtrengung unterdrückte die tiefe der Bed Erregung, mit welcher ſie dieſe Worte ſprach;„aber wir nach Be danken dir abermal und abermal, Raoul, als dem Werk⸗ das er ſ zeuge ſeiner Gnade bei jenem Begebniſſe mit dem Bar⸗ ſeinen baren⸗Boote, und werden dir jetzt und immer vertrauen. Burſche ag mehr fällt ihm efehligt.“ legenheit ſeiſe, wie der Alge⸗ Bekannt⸗ kbar ſein und uns n letzten laven bei orſehung en Ver⸗ pußte ich wie all ſt diente, en, der gt!“ lis⸗ en, und die tiefe aber wir n Werk⸗ em Bar⸗ rtrauen. — 295— — Es wird leicht ſein, meinen Oheim zum Einſchiffen zu vermögen; da er aber, wenn er ſich deſſen erinnern will, deinen wirklichen Charakter kennt, halte ich es kaum für räthlich, ihm zu ſagen, welches Schiff er beſteigt. Wir müſſen uns zu einer andern Stunde und an einem andern Orte wieder finden, und ich werde ſorgen, daß er bereit iſt.“ Raoul und Ghita beſprachen nun die kleinen Ein⸗ zelnheiten, und eine Zuſammenkunft außerhalb der Stadt, eine kleine Strecke jenſeits des Weinhauſes, welchem Benedetta vorſtand, wurde jedem andern Orte, wo ſie möglicherweiſe beobachtet werden konnten, vorgezogen. Als man über dieſe Frage einig war, hielt Ghita es für räthlich, Abſchied zu nehmen. Dieſem Vorſchlage ſeiner Freundin fügte ſich Raoul williger, als er gethan haben würde, hätte das Mädchen ihm nicht verſprochen, in einer Stunde wieder mit ihm zuſammen zu treffen, um bei dem erſten Erſcheinen des Windes alles zur Abreiſe bereit zu machen. Als ſich Raoul allein ſah, fiel ihm ein, daß Ithuel und Filippo, wie gewöhnlich, an das Land gegangen waren; denn der Neu⸗Hampſhirer hatte ſich nur unter der Bedingung für den Dienſt gewinnen laſſen, daß er nach Belieben an das Land gehen dürfe;— ein Vorrecht, das er ſtets nur brauchte, um bei Gelegenheiten, wie dieſe, ſeinen Schmuggelhandel zu treiben. So groß war des Burſchen Gewandtheit in ſolchen Dingen, daß Raoul, — 206— der dieſes Gewerbe verachtete, während er ſich gezwungen Rao ſah, bei andern ein Auge zuzudrücken, nicht ſo beſorgt er es ge war, Ithuel möchte dem Logger Verlegenheiten bereiten, alsbald e als er es bei weniger Verſchlagenen geweſen wäre. ruhe ſei Es war jedoch jetzt unerläßlich, dieſe zwei Männer Ithuel 1 wegzubringen oder ſie zurückzulaſſen; glücklicherweiſe fiel ihm der Name des Weinhauſes ein, wo ſie in der vori⸗ gen Nacht gezecht hatten, und er eilte dahin. Er fand Ithuel und ſeinen Dolmetſcher in eine zweite Flaſche des trefflichen toskaniſchen Weins vertieft. Auch Maſo und ſeine bekannten Gefährten waren gleichfalls anwe⸗ ſend, und da es nichts Ungewöhnliches war, daß der Befehlshaber eines engliſchen Schiffes an gutem Weine Gefallen fand, nahm Raoul, um jeden Verdacht zu ver⸗ meiden, einen Stuhl und bat um ein Glas. Die Unterhaltung, welche ſich nun entſpann, ließ den jungen Commandanten des Kapers gewahren, daß es Es ihm zwar gelungen war, dem Vice⸗Statthalter und dem Stattho Podeſta Sand in die Augen zu ſtreuen, daß aber dieſe er⸗ in der fahrnen alten Seeleute ſeinem Charakter noch mißtrauten. junge C Es war ſo ungewöhnlich, daß eine franzöſiſche Bice⸗C Fregatte ihren Curs ſo nahe den Küſten entlang ſteuerte, ſen gel als dies bei einer engliſchen Fregatte gewöhn lich war; Selbſtg dieſe Männer, welche mit allen ſolchen Dingen bekannt„ waren, hatten nicht verfehlt, den verdächtigen Zeichen an Ingleſe dem Logger dieſen Umſtand beizufügen, und neigten der gelehrte Wahrheit in Betreff beider Schiffe ſtark zu. hat ſein ezwungen ſo beſorgt bereiten, ire. Männer weiſe fiel der vori⸗ Er fand e Flaſche ich Maſo lis anwe⸗ daß der n Weine t zu ver⸗ ließ den daß es und dem dieſe er⸗ ßtrauten. unzöſiſche ſteuerte, ich war; bekannt eichen an gten der — 207— Raoul war jedoch gegen all dies gleichgültiger, als er es geweſen wäre, hätte er nicht beſchloſſen gehabt, alsbald abzuſegeln. Er trank daher mit großer Gemüths⸗ ruhe ſeinen Wein, und verließ zu paſſender Zeit mit Ithuel und dem Genueſen Benedetta's Schenke. Achtes Kapitel. In unſrer Bucht, bei ſtürm'ſcher Nacht, Sah'n Boote wir der Inſelküſte nah’n; Ein Lichtchen tanzendsda und vort erwacht, Und ſpielt um Ruder und um Kahn; Ein Anruf folgt— die Ruder ruh'n, weg iſt das Licht— Ha— eile heim— geheuer iſt's mit jenen nicht. Dana. Es war dunkel, als Raoul aus dem Palaſte des Statthalters trat, und Andrea Barrofaldi und Vito Viti in der Bibliothek des erſtern zurückließ. Sobald der junge Seemann den Rücken gewendet hatte, nahm der Bice⸗Governatore, welcher in der Laune war, ſein Wiſ⸗ ſen geltend zu machen, das Geſpräch, das er für ſein Selbſtgefühl ſo annehmlich gefunden, wieder auf. „Man ſieht leicht, Vito Viti, daß dieſer junge Ingleſe ein Herr von edler Familie, obgleich nicht von gelehrter Erziehung iſt,“ ſagte er.—„Ohne Zweifel hat ſein Vater, Milordo Smit, viele Söhne, und man — 208— folgt in Bezug auf die Rechte der Geburt andern Grund⸗„S ſätzen in England, als bei uns in Italien. Dort erbt Viti; w der älteſte Sohn allein die Titel und Beſitzthümer der ſo werd Familie, während man die jüngern in die Armee oder da wir die Flotte verweiſ't, um ſich neue Auszeichnungen zu gewiß i erwerben. Nelſoni iſt der Sohn eines Geiſtlichen, wie ſächſiſche ich höre—“ Galen, Cospetto! eines Padre, Signor Vice⸗Governa⸗ rakter tore?“ fiel der Podeſta ein,„es iſt ſehr unſchicklich, dies ſpricht i einzugeſtehen. Ein Geiſtlicher muß vom Teufel ſelbſt den No beſeſſen ſein, wenn er Nachkommenſchaft eingeſteht, großem obgleich er Nachkommenſchaft allerdings haben kann.“ däucht n „Dies, guter Vito Viti, iſt wieder bei den Luterani Charakt ganz anders, wie bei den Katholiken. Die engliſchen benen, Geiſtlichen heirathen, wenn Ihr Euch deſſen gefällig delt wir erinnern wollt, und die unſrigen bleiben unverehelicht.“ geſproch „Ich möchte mich von einem ſolchen Padre nicht aus der Beicht hören laſſen! Der Mann müßte ſicherlich ſeiner ſchichtſch Frau Alles wieder erzählen, was ich gebeichtet hätte— Die und die Heiligen möchten wiſſen, wie dies ſich endigen ſollte. dieſem? Es würde zu Porto Ferrajo bald zu heiß werden, als Papier l daß noch ein ehrlicher Mann hier verweilen möchte—„G ja, und eine ehrliche Frau obendrein.“ um die „Aber die Luterani ſagen nichts der Art und gehen Namen überhaupt nicht zur Beichte, wie Ihr wohl wißt.“ Papiere 1„San Stefano! wie können ſie aber hoffen, je in De den Himmel zu kommen?“ las laut 184— Grund⸗ dort erbt zmer der nee oder ungen zu den, wie Governa⸗ lich, dies ifel ſelbſt geſteht, ann.“ Luterani engliſchen gefällig helicht.“ dre nicht ich ſeiner hätte— gen ſollte. den, als nöchte— nd gehen 7 n, je in — 205b— „Ich weiß nicht, ob ſie dies hoffen, Freund Vito Viti; wenn ſie aber ja ſolche Erwartungen hegen ſollten, ſo werden ſich dieſe ſehr trügeriſch erweiſen. Doch— da wir von dieſem Signor Smit ſprechen— Ihr habt gewiß in ſeinem ganzen Aeußern das Feine der angel⸗ ſächſiſchen Rage bemerkt; es iſt dies ein von den alten Galen, ſowohl in Hinſicht auf Geſchichte wie auf Cha⸗ rakter ganz verſchiedenes Volk.— Pietro Giannone ſpricht in ſeiner Storia civile del Regno di Napoli von den Normannen, einem Zweige jener Abenteurer, mit großem Intereſſe und mit vieler Ausführlichkeit; und es däucht mir, ich könnte in dieſem jungen Manne einiges Charakteriſtiſche entdecken, wovon in dem ſo gut geſchrie⸗ benen, aber zu freien Werke bewundernswürdig gehan⸗ delt wird.— Nun, Pietro;— ich habe nicht von dir geſprochen, ſondern von einem deiner Namensvettern, aus der Familie Giannone, einem neapolitaniſchen Ge⸗ ſchichtſchreiber von Ruf und Verdienſt— was willſt du?“ Dieſe Frage war an einen Diener gerichtet, welcher in dieſem Augenblicke eingetreten war, und in ſeiner Hand ein Papier hielt, das er ſeinem Herrn zu übergeben wünſchte. „Ein Cavaliere iſt draußen, Signor Andrea, der um die Gunſt eines Gehörs bittet, und Euch ſeinen Namen hereinſchickt, wie Eure Eccellenza auf dieſem Papiere ſehen wird.“ Der Vice⸗Statthalter nahm den Papierſtreifen und las laut: 184— 186. 14 — 210— „Edward Griffin, tenente della marina Inglese.“ „Ah, dies iſt gewiß ein Offizier von dem„Ving-y-Ving,)“ Freund Vito, der irgend eine Mittheilung zu machen hat; es iſt gut, daß Ihr noch hier ſeid und hören könnt, was er vorzubringen hat. Führe den Lieutenant herein, Pietro.“ Wer mit Engländern bekannter geweſen wäre, als Andrea Barrofaldi, würde auf den erſten Blick geſehen haben, daß er jetzt einen wirklichen Eingebornen dieſes Landes vor ſich habe. Er war ein junger, zwei bis drei und zwanzigjähriger Mann von friſchem, rundem, gut⸗ müthigem Geſicht, der einen uniformsüberrock trug, wie ihn Seeoffiziere gewöhnlich haben, und deſſen ganzes Weſen und Gebahren ſeinen Beruf ſo wie ſein Vater⸗ land verrieth. Er brachte ſeine Begrüßung in ganz gutem Italie⸗ niſch vor; denn ſeine Vertrautheit mit der Sprache war eben der Grund geweſen, warum er zu dem Auftrage, mit welchem er anher kam, gewählt worden. Nach die⸗ ſem Gruße legte er ein Pergamentblatt in Andrea's Hand und ſagte: „Wenn Ihr Engliſch leſet, Signore, werdet Ihr aus dieſem Blatte ſehen, daß ich der Mann bin, für welchen ich mich gebe.“ „Ohne Zweifel gehört Ihr, Signor Tenente, zu dem„Ving-Fy-Ving,“ und dient unter Sir Smit?“ Der junge Mann ſah erſtaunt und zumal halb zum Lachen g drückte j „J fes Pro weiß nich Capitain welche 2 mich in lief, hie gers ein jagten, vor Ank ich es v der erh⸗ keiten h Ant ſo, als men, u dern. ungewöl zu gehal Schein 2 meine? iſt nicht Her nglese.“ -Ving, achen hat; önnt, was „Pietro.“ wäre, als ick geſehen nen dieſes ei bis drei dem, gut⸗ trug, wie en ganzes ein Vater⸗ em Italie⸗ prache war Auftrage, Nach die⸗ Andreg's 2t Ihr aus für welchen enente, zu Smit?“ l halb zum — 211— Lachen geneigt drein; das Gefühl der Schicklichkeit unter⸗ drückte jedoch letztere Neigung bald. „Ich diene am Bord des königlich britaniſchen Schif⸗ fes Proſerpina, Signore,“ antwortete er trocken,„und weiß nicht, was Ihr mit dem„Ving-y-Ving,“ meint. Capitain Cuffe von dieſem Schiffe, eben der Fregatte, welche Ihr dieſen Morgen vor Euerm Hafen ſaht, hat mich in der Felucca, die vor wenigen Augenblicken ein⸗ lief, hierher geſendet, um Nachrichten wegen dieſes Log⸗ gers einzuziehen, welchen wir gegen neun Uhr nach Süden jagten, den ich aber wieder ganz heimiſch in dieſer Bucht vor Anker finde. Unſer Schiff lag hinter Capraja, als ich es verließ; es wird aber, wenn der Wind ſich ja wie⸗ der erhebt, vor Tagesanbruch hier ſein und die Neuig⸗ keiten hören.“. Andrea Barrofaldi und Vito Viti bebten, und zwar ſo, als wäre ein Bote aus den untern Regionen gekom⸗ men, um ſie wegen ihrer Sünden vor Gericht zu for⸗ dern. Lieutenant Griffin ſprach für einen Ausländer ungewöhnlich gut Italieniſch, und ſeine ganze Art, ſich zu gehaben, war ſo offen und geradezu, daß ſie jeden Schein der Wahrheit an ſich trug. „Ihr wißt nicht, was ich mit dem„Ving-y-Ving“ meine?“ fragte der Vice⸗Statthalter mit Nachdruck. „Offen geſagt, nein, Signore.„Ving-y-Ving' iſt nicht Engliſch, noch iſt es, ſo viel ich weiß, Italieniſch.“ Herr Griffin hatte guten Grund zu dieſer Behaup⸗ 14* 212— tung, welche einen Zweifel an Andrea's Bekanntſchaft mit fremden Sprachen in ſich ſchloß. „Ihr ſagt, Signor Tenente, wenn ich Eure Worte verſtanden habe,„ving-y-Ving' ſei nicht Engliſch?“ „Allerdings, Herr, wenigſtens kein Engliſch, das ich je, weder zur See, noch zu Land, ſprechen hörte; und wir Seeleute haben unſre eigene Sprache.“ „Wollt Ihr mir ſonach erlauben, Euch zu fragen, wie man ala e ala wörtlich überſetzt?“ Der Lieutenant ſchwieg einen Augenblick und dachte nach. Dann lachte er unwillkührlich, nahm ſich aber ſogleich wieder zuſammen, und antwortete ernſt und ehr⸗ erbietig. „Ich glaube,“ ſagte er,„jetzt verſteh' ich Euch, Signor Vice⸗Governatore; wir haben einen ziemlich ähnlich klingenden ſeemänniſchen Ausdruck, um ein Schiff zu bezeichnen, deſſen Segel auf beiden Seiten ausgeſetzt werden; wir ſagen aber„Wing-and-Wing.“ „Si, Signore— Ving-y-Ving. Das iſt der Name des Loggers Eures Königs, der jetzt in unſerer Bucht liegt.“ „Ah, wir haben es uns wohl gedacht, Signori; der Schelm hat Euch hintergangen, wie er hundert Andere vor Euch hintergangen hat und wohl noch hundert mehr hintergehen wird, wenn wir ihn dieſe Nacht nicht erwi⸗ ſchen. Der Logger iſt ein berühmter franzöſiſcher Kaper, auf welchen jetzt ſechs engliſche Kreuzer, unſer Schiff eingerecht was nich oder das Italieniſ fehlshabe Seeman fen, obg ja, ſogar Mit ging, wi ſchichtsſe Yvard's das der der Se⸗ der Kor einer kle freundſe ſtark. fühlen daß er machte, vollen „ Vice⸗E franzöſt Sein Sohn untſchaft ke Worte agliſch?“ iſch, das n hörte; u fragen, nd dachte ſich aber und ehr⸗ ich Euch, ziemlich ein Schiff ausgeſetzt 3 iſt der n unſerer gnori; der rt Andere dert mehr nicht erwi⸗ her Kaper, ſer Schiff 213— eingerechnet, Jagd machen. Er heißt Le Feu-Follet, was nicht„Flügel⸗und⸗Flügel, ſondern der Irrwiſch oder das Irrlicht bedeutet— daſſelbe, was Ihr in dem Italieniſchen mit II Fuoco Fatuo bezeichnet. Sein Be⸗ fehlshaber iſt Raoul Yvard, und kein verzweifelterer Seemann iſt je aus einem franzöſiſchen Hafen ausgelau⸗ fen, obgleich man zugibt, daß der Burſche manche gute— ja, ſogar manche edle Eigenſchaften hat.“ Mit jedem Worte, das aus des Lieutenants Munde ging, wurde in dem Gedächtniſſe ſeiner Zuhörer eine Ge⸗ ſchichtsſeite verlöſcht. Der Vice⸗Statthalter hatte Raoul Yvard's Namen, und ſelbſt den des Irrlichts gehört, das der wilde Charakter des Krieges faſt mit den Farben der Seeräuberei geſchwärzt hatte. Der Gedanke, daß der Korſar ihn zum Beſten gehabt, ja, daß er ihn vor einer kleinen Stunde erſt noch mit Höflichkeit und Gaſt⸗ freundſchaft beehrt habe, war für ſeine Philoſophie zu ſtark. Der Menſch gibt ſich ſolchen demüthigenden Ge⸗ fühlen nicht ohne Widerſtand hin, und es war natürlich, daß er die Einwendungen, welche ſich darboten, geltend machte, ehe er dem, was ihm nun geſagt worden war, vollen Glauben ſchenken wollte, oder konnte. „Das Alles muß ein Irrthum ſein,“ bemerkte der Vice⸗Statthalter;„es gibt eben ſowohl engliſche, als franzöſiſche Logger, und dieſer gehört zu den erſtern. Sein Befehlshaber iſt ein edler engliſcher Herr, der Sohn eines Milordo Smit, und obgleich ſeine Erziehung 214 ein klein wenig vernachläſſigt worden ſein mag, läßt er er wied doch in Allem, was er ſagt und thut, ſeine Abſtammung Fregatte und ſeinen Nationalcharakter gewahren. Der Ving-y- All Ving ſteht unter den Befehlen des Sir Smit, eines welſch; jungen Offiziers von Verdienſt, wie Ihr ſelbſt, Signore, glaubte aus ſeinen Evolutionen dieſes Morgens geſehen haben dieſen? müßt. Ohne Zweifel habt Ihr von dem Capitano Sir der Vie Smit, dem Sohne von Milordo Smit gehört?“ was de „Wir ſtellen nicht in Abrede, daß er dieſen Morgen eben hit ſich auf eine geſchickte Weiſe davon gemacht hat, Vice⸗ das nat Governatore; denn der Burſche iſt vom Kopfe bis zu die Aug den Füßen ein Seemann, tapfer wie ein Löwe; aber wohn ge auch unverſchämt, wie der Hund eines Bettlers. Nir⸗„2 gends ſteht einer unſerer Logger unter einem Sir Smit, drea:, oder einem ſonſtigen Sir So⸗und⸗So. In dem Mit⸗ anweſer telländiſchen Meere haben wir gar keine Kreuzer von„* 1 dieſer Takelage; und die zwei oder drei, welche wir an die je e andern Orten haben, werden von alten Seehunden befeh⸗ worden ligt, welche an Bord ſolcher Fahrzeuge aufgewachſen ſind. Govern Was die Sirs angeht, ſo ſind dieſe hier ſelten, obgleich geſchent nach der Schlacht am Nil einige derſelben in der Flotte hätte i geſchaffen worden ſind. Ueberhaupt werdet Ihr in klei⸗ Freund nen Booten, wie dieſes, nicht oft Söhne von Edelleuten„ finden; denn ein ſolcher adeliger Herr geht gewöhnlich und di von der Schanze einer Fregatte in eine gute Schaluppe verſtänd als Befehlshaber, und wenn er ein Jahr, oder etwas„2 darüber, in einem kleineren Schiffe gedient hat, kommt ger mi g, läßt er ſtammung Ving-y- nit, eines Signore, hen haben ditano Sir 2 en Morgen hat, Vice⸗ pfe bis zu zwe; aber ers. Nir⸗ Sir Smit, dem Mit⸗ euzer von he wir an den befeh⸗ ſchſen ſind. n, obgleich der Flotte hr in klei⸗ Edelleuten gewöhnlich Schaluppe der etwas gt, kommt — 215— er wieder als zweiter Capitain in eine ſchnellſegelnde Fregatte.“ All das war für Andrea Barrofaldi ziemlich Roth⸗ welſch; da aber Griffin ausſchließlich Seemann war, glaubte er, Jedermann müßte daſſelbe Intereſſe an allen dieſen Dingen nehmen, wie er ſelbſt. Während jedoch der Vice⸗Governatore nicht mehr als die Hälfte deſſen, was der Andere vorbrachte, verſtand, war dieſe Hälfte eben hinreichend, um ihn unbehaglich zu machen. Auch das natürliche Weſen des Lieutenants trug dazu bei, ihm die Augen zu öffnen, während der ganze frühere Arg⸗ wohn gegen den Logger durch ſeine Ausſagen neu erwachte. „Was ſagt Ihr, Signor Vito Viti?“ fragte An⸗. drea:„Ihr ſeid bei dem Beſuche dieſes Sir Smit hier anweſend geweſen.“ „Daß wir von einem der glattzüngigſten Schurken, die je ehrliche Männer zu ihrer Beute erſahen, betrogen worden ſind, wenn wir ja betrogen worden ſind, Vice⸗ Governatore. Geſtern Abend hätte ich all' Dem Glauben geſchenkt; ſeit der Flucht und Rückkehr des Loggers aber hätte ich darauf geſchworen, daß wir einen trefflichen Freund und Verbündeten in unſerer Bucht beherbergen.“ „Man beantwortete Eure Signale, Signor Tenente, und dies iſt ein Beweis der Freundſchaft und des Ein⸗ verſtändniſſes.“ „Allerdings ſignaliſirten wir, ſobald wir einen Log⸗ ger mit der engliſchen Flagge auf erblickten; denn wir konnten nicht denken, daß ſich ein franzöſiſches Schiff ruhig in einen toskaniſchen Hafen legen würde; die Ant⸗ wort aber, die uns gegeben worden, war Unſinn; dann fiel uns aber auch ein, daß dieſer Raoul Yvard die Ge⸗ wohnheit hatte, die ganze italieniſche Küſte entlang ſolche Streiche zu ſpielen. Nachdem wir einmal auf der Spur waren, ließen wir uns nicht mehr ſo leicht davon ab⸗ bringen. Ihr habt die Jagd geſehen, und kennt das Ergebniß.“ „Es muß hinter all Dem ein Irrthum ſtecken. Wär' es nicht das Beſte, den Befehlshaber des Loggers zu ſprechen, oder wie, wenn Ihr ſelbſt an Bord des Schif⸗ fes gingt, und Euch mit eigenen Augen von der Wahr⸗ heit, oder Falſchheit Eurer Muthmaßungen überzeugtet? Zehn⸗Minuten reichten hin, Alles aufzuklären.“ „Verzeiht mir, Signor Vice⸗Governatore; wenn ich mich an Bord des Feu-Follet wagte, könnte ich dort als Gefangener bleiben, bis der Friede abgeſchloſſen iſt, und ich habe noch zwei Stufen zu erſteigen, ehe ich eine ſolche Gefahr laufen mag. Wenn andrerſeits Yvard von meiner Anweſenheit Nachricht erhielte, ſo würde ihn dies natürlich aufmerkſam machen, und wir hätten den Vogel verloren, ehe wir nur das Netz ausgeſpannt. Meine Befehle ſind ſehr beſtimmt, und ihnen zufolge dürfen nur die hohen Behörden der Inſel von meinem Beſuche, oder deſſen Zweck, Kunde haben. Wir wollen nichts von Euch, als daß Ihr den Logger bis Morgen früh hie gen, daf 5 könnten die Uebe erwieder fahrende und wir 22 antwort was ſich für wa einem zurückke daß er zunächſt hier ge men, ten dor jeden 2 bei gla Mittell lich we bei fri Wetter legen. wird e es Schiff ; die Ant⸗ nn; dann d die Ge⸗ ang ſolche der Spur davon ab⸗ Lennt das ten. Wär' koggers zu des Schif⸗ der Wahr⸗ derzeugtet? ore; wenn könnte ich bgeſchloſſen in, ehe ich ſeits Yvard würde ihn hätten den usgeſpannt. nen zufolge on meinem Wir wollen dis Morgen früh hier zu behalten ſucht; dann werden wir Sorge tra⸗ gen, daß er die italeeniſche Küſte nie wieder beunruhigt.“ „Hm, Signore, wir haben ſelbſt Kanonen und könnten ein ſo kleines Schiff leicht vernichten, wenn wir die Ueberzeugung hätten, daß es dem Feinde gehöre,“ erwiederte der Vice⸗Statthalter in ziemlich ſtolzem, hoch⸗ fahrendem Tone:„überzeugt mich von dieſer Thatſache, und wir bohren den Logger vor ſeinen Ankern in den Grund.“ „Das iſt's eben, Signore, was wir nicht wünſchen,“ antwortete der Lieutenant mit Intereſſe.„Nach dem, was ſich dieſen Morgen begeben, hat Capitain Cuffe es für wahrſcheinlich gehalten, daß Monſieur Yvard aus einem ihm ſelbſt am beſten bekannten Grunde hierher zurückkehren würde, ſobald er unſer los geworden; oder daß er Porto Longone, welches ihm auf der Südſeite zunächſt lag, aufſuchen würde; und wenn ich ihn nicht hier gefunden hätte, hatte ich Befehl, ein Pferd zu neh⸗ men, an den letztern Ort zu reiten, und meine Anſtal⸗ ten dort zu treffen. Wir wünſchen jedenfalls, und um jeden Preis des Loggers habhaft zu werden; denn er iſt bei glatter See das raſcheſte Schiff auf dem ganzen Mittelländiſchen Meere, und würde uns unendlich nütz⸗ lich werden. Wir ſind der Anſicht, daß die Proſerpina bei friſchem Winde ihm überlegen iſt; bei gemäßigtem Wetter aber geht er ſechs Fuß, während wir fünf zurück⸗ legen. Wenn Ihr nun die Kanonen gegen ihn wendet, wird er entweder ſinken, oder entſchlüpfen; denn Raoul 218— Yrard iſt der Mann nicht, der ſich fangen läßt. Ichh Blatte, wünſche nichts, als die Erlaubniß, Nachtſignale geben die Aus zu dürfen, wenn die Fregatte herankommen ſollte; ſodann wie ſich möchte ich Euch bitten, Alles aufzubieten, um des Fran⸗ falls Be zoſen Abfahrt vor Morgen früh zu hindern, indem Ihr ausſehen ihm die Erlaubniß verweigert, oder Förmlichkeiten ande⸗ ſieht die rer Art geltend macht. Für das Uebrige ſtehen wir.“ wie ſoll „Ich glaube, Signor Tenente, mit der Abfahrt„O des Loggers in dieſer Nacht hat es keine Gefahr; dern Vice⸗G ſein Befehlshaber hat die Abſicht geäußert, mehrere Tage Papieren bei uns zu verweilen; und eben dieſe Ruhe und Zuver⸗ glaubigu ſicht von ſeiner Seite, läßt mich zweifeln, daß es der wenn ſie Mann ſei, für den Ihr ihn haltet. Warum ſollten über⸗ Hier iſt haupt Raoul Yvard und LZe Feu-Follet nach Porto zu Flore Ferrajo kommen?“ aller tos „Das wiſſen wir nicht, es iſt des Mannes Weiſe klar we ſo, und wahrſcheinlich hat er ſeine Gründe dazu. Man andern ſagt, er ſei ſogar in Gibraltar geweſen, und gewiß iſt durchſeh es, daß er mehrere werthvolle Vorrathſchiffe aus unſern And Convois herausgeholt hat. Wie ich bemerkt habe, liegt die vor ein öſterreichiſches Schiff mit einer Ladung Eiſen in dem ſuchen. Hafen; vielleicht harrt er deſſen, um die Anker zu lich⸗ bleiben ten; er findet es wahrſcheinlich bequemer, ihm vor Anker der ſie auf den Dienſt zu lauern, als auf der offenen See.“ Die „Ihr Seeleute habt Wege, die kein anderer Menſch zu zeihe kennt, und Alles, was Ihr da ſagt, mag wahr ſein; deſta, n mir aber ſcheint es ein Räthſel. Habt Ihr außer dem hinſichtl äßt. Ich ale geben 2; ſodann des Fran⸗ ndem Ihr ten ande⸗ wir.“ Abfahrt hr; dern rere Tage ad Zuver⸗ aß es der lten über⸗ ich Porto ſes Weiſe zu. Man gewiß iſt is unſern abe, liegt n in dem er zu lich⸗ vor Anker See.“ er Menſch hahr ſein; ußer dem Blatte, welches Ihr mir behändigtet, noch Zeugniſſe, die Auskunft über Euch geben können? denn Sir Smit, wie ſich der Befehlshaber des Logger nennt, hat gleich⸗ falls Beglaubigungsſchreiben, welche nicht minder echt ausſehen, wie das, welches Ihr mir gezeigt habt; auch ſieht die Uniform, welche er trägt, ganz Engliſch aus— wie ſoll ich zwiſchen Euch entſcheiden?“ „Dieſe Schwierigkeit wurde vorhergeſehen, Signor Vice⸗Governatore, und ich komme, mit den nöthigen Papieren wohl verſehen. Ich behändigte Euch mein Be⸗ glaubigungsſchreiben, da dies eine Urkunde iſt, welche, wenn ſie fehlt, auf alle andern Beweiſe Verdacht wirft. Hier iſt aber eine Mittheilung von Euerm Vorgeſetzten zu Florenz, welche mich der Freundſchaft der Behörden aller toskaniſchen Häfen empfiehlt, wie es Euch ſogleich klar werden wird. Capitain Cuffe hat mich mit noch andern Beweiſen verſehen, welche Ihr nach Eurer Muße durchſehen könnt.“ Andrea Barrofaldi begab ſich nun daran, alle Papiere, die vor ihm lagen, mit Vorſicht und Bedacht zu unter⸗ ſuchen. Sie erwieſen ſich der Art, daß kein Zweifel mehr bleiben konnte, und es war nicht möglich, dem Manne, der ſie vorgelegt hatte, zu mißtrauen. Dies trug viel dazu bei, Signor Smit des Trugs zu zeihen; aber der Vice⸗Statthalter, ſo wie der Po⸗ deſta, waren noch der Anſicht, Capitain Cuffe könne ſich hinſichtlich der Identität des Loggers geirrt haben. „Es iſt unmöglich, Signori,“ antwortete der Lieu⸗ tenant;„wir kennen alle engliſchen Kreuzer auf dieſen Meeren, wenigſtens nach ihrem Namen und Aeußern, die meiſten aber aus eigner Anſicht. Dieſer gehört nicht in die Zahl derſelben; und Alles an ihm, beſonders aber ſeine Takelage, verräth ſeinen wirklichen Namen. Wie wir gehört haben, befindet ſich an ſeinem Bord ein Mann, der ehedem zu unſerm eigenen Schiffe gehörte,— ein gewiſſer Ithuel Bolt—“ „Cospetto!“ rief der Podeſta aus,„dann müſſen wir dieſen Sir Smit denn doch als einen argen Schur⸗ ken betrachten; denn dies iſt eben der Mann, welchen wir geſtern Nacht in Benedetta's Haus trafen.— Ein Amerikaner, Signor Tenente,— iſt's nicht ſo?“ „Nun, der Burſch gibt vor, etwas dieſer Art zu ſein,“ antwortete der junge Mann und wurde roth, denn er mochte das Unrecht, welches man dem Ausreißer ange⸗ than, nicht gerne eingeſtehen;„aber die Hälfte der briti⸗ ſchen Seeleute, die man heut zu Tage findet, nennen ſich Amerikaner, um Seiner Majeſtät nicht dienen zu müſſen. Ich halte dieſen Schurken eher für einen Mann aus Cornwales oder Devonſhire; er hat ganz den ſchar⸗ fen Ton und näſelnden Singſang jenes Theiles von England. Wenn er aber ein Amerikaner iſt, haben wir ein beſſeres Recht auf ihn, als die Franzoſen; denn er ſpricht unſere Sprache, ſtammt aus demſelben Lande her und hat ſo vieles mit uns gemeinſchaftlich, daß es ganz unnatür engliſche „J Ich glal ganz ur Europaͤe einem „ Lieutenc und ma Engländ „ Tenente walt, w Andrea „2 hat ein ſpruch; macht n Verſehe Leuten ſie von De ſprechen Freund blick de leicht, der Lieu⸗ auf dieſen Aeußern, bhört nicht nders aber nen. Wie ein Mann, te,— ein nn müſſen en Schur⸗ , welchen 1.— Ein 2 ſer Art zu roth, denn eißer ange⸗ der briti⸗ t, nennen dienen zu nen Mann den ſchar⸗ heiles von haben wir ; denn er Lande her iß es ganz — 221= unnatürlich iſt, wenn ein Amerikaner auf einem nicht engliſchen Schiffe dient.“ „Ich habe dies nicht gewußt, Vice⸗Governatore? Ich glaubte, die Amerikaner ſeien im Allgemeinen eine ganz untergeordnete Art Leute, im Vergleiche mit uns Europaern, und hätten kaum Anſprüche, ſich in irgend einem Sinne uns gleich zu ſtellen.“ „Ihr habt ganz recht, Signor Podeſta,“ ſagte der Lieutenant lebhaft;„ſie ſind alles das, was Ihr da ſagt, und man ſieht es auch auf den erſten Blick. Entartete Engländer pflegen wir ſie im Dienſte zu nennen.“ „Und dennoch nehmt Ihr ſie gelegentlich, Signor Tenente, und ſehr oft gegen ihren Willen und mit Ge⸗ walt, wie ich von dieſem Ituello gehört habe,“ bemerkte Andrea Barrofaldi trocken. „Wie ſollen wir es ändern, Signore? Der König hat ein Recht, die Dienſte aller ſeiner Seeleute in An⸗ ſpruch zu nehmen, und er bedarf derſelben jetzt; auch macht man ſich in der Eile des Preſſens zuweilen eines Verſehens ſchuldig. Dann gleichen dieſe Yankees unſern Leuten ſo ſehr, daß ich den Teufel ſelbſt auffordern wollte, ſie von uns zu unterſcheiden.“ Dem Vice⸗Statthalter ſchien in all' Dem etwas Wider⸗ ſprechendes zu ſein, und er theilte dies auch ſpäter ſeinem Freunde, dem Podeſta, mit; er ließ jedoch für den Augen⸗ blick den Gegenſtand unerörtert, denn er überzeugte ſich leicht, daß der Lieutenant ſich nur einer Beweisführung — 222— bediente, die man nationell hätte nennen mögen, indem Als die engliſche Regierung ſtets betheuerte, es ſei unmöglich, wahren ein Volk von dem andern zu unterſcheiden, ſo fern es waren, ſich von dieſem beſondern Rechte handle, während es im räthlichen Ganzen in ihren Augen nichts Beleidigenderes gab, als halterlich eine Verwandtſchaft in Bezug auf äußere Erſcheinung oder des oder Charaktermerkmale annehmen zu wollen. wurde C Das Ergebniß der Verhandlung mußte demungeachtet Um die beiden Italiener wider ihren Willen zu der Anſicht punkt ei des Engländers bekehren, daß der Logger das gefürchtete welchen und unheilvolle Irrlicht ſei. Als ſie zu dieſer Ueberzeu⸗ Signale gung gekommen waren, geſellten Scham, Aerger und Fenſters Groll ſich ihrem Pflichtgefühle zu, um ihre Thatkraft zu günſtig, beleben und ſie zu willigen Vollſtreckern aller der Wünſche ſehen ko des Capitains Cuffe zu machen. waren. Vielleicht war es ein Glück für Raoul und ſeine die Sig Schiffsgenoſſen, daß die engliſchen Offiziere eine ſo leb⸗ zwiſchen hafte Begierde hatten, den Logger„lebendig“ zu bekom⸗ größere men, wie Griffin ſich ausdruͤckte; er wäre ſonſt wahr⸗ liegende 5 ſcheinlich da, wo er lag, vernichtet worden, indem man vorſprur eine oder zwei Kanonen aus den Batterien genommen Au und ſie hinter den natürlichen Wällen der Felſen auf⸗ andern, geſtellt hätte. Die Nacht war allerdings dunkel, aber„hatte; doch nicht in ſo hohem Grade, daß man die Umriſſe des daß Ra Schiffes nicht in der kurzen Entfernung geſehen hätte, Ghita in welcher Le Feu-Follet lag, und der Schuß wäre zehn Ul hinreichend ſicher geweſen. Bewegu gen, indem unmöglich, o fern es rend es im s gab, als Erſcheinung nungeachtet der Anſicht gefürchtete r Ueberzeu⸗ lerger und thatkraft zu er Wünſche und ſeine eine ſo leb⸗ zu bekom⸗ ſonſt wahr⸗ indem man genommen Felſen auf⸗ nkel, aber Umriſſe des ehen hätte, bchuß wäre — 223— Als alle Theile derſelben Geſinnung in Betreff des wahren Charakters des in der Bucht liegenden Fahrzeugs waren, wurde eine Berathung über den Gang des nun räthlichen Verfahrens eröffnet. Ein Fenſter des ſtatt⸗ halterlichen Palaſtes, welches in der Richtung von Capraja oder des Weges lag, den die Proſerpina kommen mußte, wurde Griffin angewieſen. um Mitternacht nahm der junge Mann ſeinen Stand⸗ punkt ein, und hielt ſich bereit, die blauen Lichter, mit welchen er ſich verſehen hatte, anzuzünden, ſobald er die Signale ſeines Schiffes entdecken würde. Die Lage dieſes Fenſters war dem gewünſchten Zwecke in hohem Grade günſtig, indem man die Lichter von der Stadt aus nicht ſehen konnte, während ſie gegen die See hin ganz offen waren. Daſſelbe war weſentlich der Fall in Bezug auf die Signale der Fregatte, denn die Höhen zogen ſich zwiſchen ihr und den Häuſern hin, und es war eine noch größere phyſiſche Unmöglichkeit, daß ein in der Bucht liegendes Boot etwas zu See nördlich von dem Berg⸗ vorſprung entdecken konnte. Auf dieſe Weiſe verſtrich eine Stunde nach der andern, während ein leichter Landwind ſich eingeſtellt hatte; dieſer kam aber ſo unmittelbar in die Bucht herein, daß Raoul ſich nicht veranlaßt ſab, ſeinen Anker zu heben. Ghita und ihr Oheim, Carlo Giuntotardi, hatten ſich um zehn Uhr eingeſtellt; dennoch war noch kein Zeichen einer Bewegung an Bord des Loggers zu ſehen. Die Wahr⸗ 221 heit zu ſagen, Raoul war gar nicht beeilt, abzuſegeln, denn er hatte um ſo länger das Glück, das liebliche Mädchen an Bord zu behalten, und dann war er faſt gewiß, daß der Zephyr des kommenden Tages Le Feu- Follet zu dem inſelgleichen Kap Monte Argentaro brin⸗ gen würde, wo die Wachthürme ſtanden, über welche Carlo die Aufſicht hatte, und deren einen er bewohnte. Unter ſolchen Umſtänden iſt es daher nicht über⸗ raſchend, wenn das Erheben der Landkühlte überſehen, oder wenigſtens nicht beachtet wurde, und wenn Raoul mit Ghita auf dem Verdeck ſaß und plauderte, bis Mit⸗ ternacht vorüber war, wo er ihr endlich zugeſtand, ihre kleine Cajüte aufzuſuchen, wo alles zu ihrer Aufnahme auf das Anſtändigſte hergerichtet war. Raoul war, offen geſagt, ſo zuverſichtlich überzeugt, Alle auf der Küſte getäuſcht und in Ruhe gelullt zu haben, daß er von dieſer Seite her nichts beſorgte; und da er den natürlichen Wunſch hegte, ſein jetziges Glück, ſo viel nur möglich, zu verlängern, hatte er ruhig den Entſchluß gefaßt, nicht eher abzuſegeln, als bis der Süd⸗ wind mit dem Morgen ſich eingeſtellt; dieſe Kühlte war, wie gewöhnlich, hinreichend, ihn in den Kanal zu brin⸗ gen, wo dann der Zephyr das Uebrige thun ſollte. Wenig ahnte dieſer kühne Abenteurer, was ſich an der Küſte begeben hatte, ſeit er ſie verlaſſen; auch ent⸗ ging es ihm ganz und gar, daß Tommaſo Tonti in dem Hafen auf der Wache ſtand, um ſogleich Anzeige zu machen, Vorbere Wo lief, ſo ganz da Lebens Pflock u jeden N Flagge Eit ſchaften und lief Fregatte Männen ein leich bereit l Seite war, u Curs, Eit weit zu 184- abzuſegeln, as liebliche war er faſt 8 Le Feu- ntaro brin⸗ iber welche bewohnte. nicht über⸗ überſehen, venn Raoul e, bis Mit⸗ eſtand, ihre Aufnahme hüberzeugt, e gelullt zu ſorgte; und ziges Glück, r ruhig den 's der Süd⸗ Kühlte war, hal zu brin⸗ ſollte. was ſich an ; auch ent⸗ onti in dem Anzeige zu — 225— machen, wenn der Logger das geringſte Zeichen einer Vorbereitung zum Abfahren gewahren ließe. Während Raoul jedoch gegen die Gefahr, welche er lief, ſo gleichgültig blieb, war das Gefühl bei Ithuel Bolt ganz das Umgekehrte. Die Proſerpina war das Gift des Lebens dieſes Mannes; und er haßte nicht nur jeden Pflock und jede Planke in ihr, ſondern jeden Offizier und jeden Matroſen, der zu ihr gehörte— den König, deſſen Flagge ſie trug, und die Nation, deren Intereſſen ſie diente. Ein rühriger Haß iſt die ruheloſeſte aller Leiden⸗ ſchaften, und dieſes Gefühl ſchärfte Ithuel's Sinne, und ließ ihn jeden Wechſel ſogleich gewahren, welcher die Fregatte dem Logger noch gefährlich machen konnte. Er hielt es für wahrſcheinlich, daß das engliſche Schiff zurückkäme, um ſeinen Feind aufzuſuchen, und er gab, als er um neun Uhr zu ſeiner Hängematte nieder⸗ ſtieg, ausdrücklich in Folge dieſer Anſicht, ſeine Befehle, ihn um zwei Uhr zu wecken, um zeitig bei der Hand zu ſein. Sobald Ithuel wach war, rief er zwei zuverläſſige Männer, welchen er ſeine Abſicht mitgetheilt hatte, beſtieg ein leichtes Boot, welches an der Außenſeite des Loggers bereit lag, und eilte mit verhüllten Rudern auf die öſtliche Seite der Bucht. Als er von der Stadt weit genug war, um ſich für unbeachtet zu halten, änderte er ſeinen Curs, und hielt gerade gegen die offene See ab. Eine halbe Stunde war hinreichend, das Boot ſo weit zu bringen, als Ithuel es für nöthig hielt. Er war 184—186. 15 — 226— jetzt etwa eine Meile von dem Kap und ſo weit weſt⸗ wärts, daß er das Fenſter, an welchem Griffin ſich auf⸗ geſtellt, deutlich im Auge hatte. Die erſte Erſcheinung außer dem gewöhnlichen Ver⸗ lauf der Dinge, welche dem Amerikaner auffiel, war das ſtarke Lampenlicht an einem obern Fenſter des ſtatthal⸗ terlichen Palaſtes— nicht das, an welchem der Lieutenant ſtand, ſondern eines über jenem— und das ausdrücklich als ein Zeichen für die Fregatte, daß Griffin wohlbehalten angekommen und in Thätigkeit ſei, hier aufgeſtellt wor⸗ den war. Es war jetzt zwei Uhr, oder ein oder zwei Stunden vor Tagesanbruch, und der Wind jenſeits der umliegen⸗ den Küſte war ſtark genug, um ein gutes Segelſchiff, deſ⸗ ſen Leinwand durch die Dünſte der Nacht verdeckt wor⸗ den, etwa vier Knoten durch das Waſſer zu treiben; und da Capraya weniger als dreißig engliſche Meilen von Porto Ferrajo lag, hatte die Proſerpina Zeit genug, um die offene See zu erreichen, denn dieſes Schiff war, ſobald die Sonne ſich geſenkt und das Braun des Abends ſich über das Meer verbreitet hatte, aus ſeinem Verſteck hervorgeeilt. Ithuel, der in den Augenblicken der Muße ſo plau⸗ derhaft und geſchwätzig war, blieb ſtumm und lauerſam, wenn er etwas Ernſtes vor ſich hatte. Sein Auge hing noch an dem Fenſter, wo die Lampe ſichtbar war, denn das reine Oliven⸗Oel, welches darin brannte, verbreitete eine hell ein blaut Mannes dem Fe⸗ ſich in d Zeit gen das Wa ähnlich; welche r. „He knirſchen dieſer g kenn' er Nachtſigt Bei er mehr Ende de flog in d dem De ehe ſie p Gri die Freg viel zu für nöth Umſtand ungewöh allgemeit weit weſt⸗ in ſich auf⸗ lichen Ver⸗ l, war das 's ſtatthal⸗ Lieutenant drücklich als ohlbehalten eſtellt wor⸗ i Stunden umliegen⸗ lſchiff, deſ⸗ deckt wor⸗ eiben; und Neilen von genug, um Schiff war, des Abends m Verſteck ze ſo plau⸗ lauerſam, Auge hing var, denn verbreitete — 227— eine helle, ſtarke Flamme; als plötzlich unter jener Stelle ein blaues Licht aufflammte, und er einen Augenblick des Mannes anſichtig wurde, welcher es hielt und ſich aus dem Fenſter vorlehnte. Inſtinctmäßig wendete Ithuel ſich in dem Momente ſeewärts, und er hatte eben noch Zeit genug, um ein Licht zu entdecken, das ſcheinbar in das Waſſer niederſtieg, einem Sternſchnuppen nicht un⸗ ähnlich; dies war eine Signallaterne der Proſerpina, welche raſch von der Spitze der Gaffel niederlief. „Ha,— verd—t ſollt Ihr ſein!“ ſagte Ithuel zähne⸗ knirſchend und ſeine Fauſt in der Richtung ballend, wo dieſer glänzende Lichtfunke verſchwunden war.—„Ich kenn' euch und eure alten Späße mit Laternen und Nachtſignalen. Hier fliegt die Antwort.— Bei dieſen Worten berührte er eine Rakete, deren er mehrere in dem Boote hatte, mit dem brennenden Ende der Cigarre, welche er eben rauchte, und die Rakete flog in die Luft empor, und ſtieg ſo hoch, daß ſie von dem Decke des Irrlichts deutlich geſehen werden konnte, ehe ſie platzte. Griffin ſah mit Verwunderung dieſes Signal, und die Fregatte bemerkte es mit Verlegenheit, denn es war viel zu weſtlich von der Lampe. Selbſt Maſo hielt es für nöthig, ſeinen Standpunkt zu verlaſſen und dieſen Umſtand dem Obriſten zu melden, welchem er bei einem ungewöhnlichen Begebniß Bericht zu erſtatten hatte. Die allgemeine Anſicht aller dieſer Betheiligten war jedoch, 15* ein zweiter Kreuzer müſſe während dem Laufe der Nacht durch den Kanal aus Norden gekommen ſein und der Proſerpina ſeine Stellung andeuten wollen, wahrſchein⸗ lich in der Erwartung, vor der Inſel mit dieſem Schiffe zuſammen zu treffen. An Bord des Feu-Follet war die Wirkung ver⸗ ſchieden. Die italieniſche Landkühlte iſt ein Seitenwind für Schiffe, welche die Bucht von Porto Ferrajo verlaſſen, und zwei Minuten, nachdem die Rakete verpfufft war, gleitete der Logger faſt unbemerklich, aber dennoch mit der Geſchwindigkeit von einem oder zwei Knoten unter ſeinem Jigger und Klüver, gegen die äußere Seite des Hafens oder eben den Gebäuden entlang dahin, an denen er den vorigen Tag vorüber geflogen war. Dieſe Bewegung fand in dem kritiſchen Augenblicke ſtatt, als Maſo ſeinen Poſten verlaſſen hatte und die gewöhnlichen Wachen des Ortes auf andere Pflichten zu achten hatten. So leicht war dieſes kleine Schiff, daß ein Lufthauch tes in Bewegung ſetzte, und nichts war leichter, als es bei ſanftem Wetter zu drei oder vier Knoten zu bringen, beſonders wenn es die verhältnißmäßig breiten Falten ſeiner zwei Hauptſegel entfaltete. Dies that das Irrlicht, als es dicht unter der Citadelle oder aus dem Geſichts⸗ kreiſe der Stadt war; die Wachen oben hörten das Schla⸗ gen der Segel, aber ſie begriffen nicht recht, woher es kam. In fliegen, Licht, jed Bootes drückte e ſegel flac Fün und das aufgebläl Die führte, Laternen fahren, Schiffen die gene keinen 5 weſtwärt ihm erla der Küſt der Klip Auc glaſes it ungefährl Raaen t auf die wobei ſi der Nacht und der vahrſchein⸗ m Schiffe kung ver⸗ mwind für verlaſſen, fufft war, ennoch mit oten unter Seite des an denen Augenblicke e und die fflichten zu Lufthauch er, als es u bringen, ten Falten as Irrlicht, 1 Geſichts⸗ das Schla⸗ der es kam. 229— In dieſem Augenblicke ließ Ithuel eine zweite Rakete kliegen, und der Logger zeigte auf ſeiner Luvſeite ein Licht, jedoch ſo verſteckt, daß es nur in der Richtung des Bootes geſehen werden konnte. Als dieß geſchehen war, drückte er ſein Steuer hart nieder, und holte ſein Fock⸗ ſegel flach windwärts über. Fünf Minuten ſpäter hatte Ithuel das Deck erreicht und das Boot wurde eingeholt, als wär' es ein Stück aufgeblähter Seide. Die Proſerpina, welche dies zweite Zeichen irre führte, ſignaliſirte nun mit den gewöhnlichen Signal⸗ Laternen, um den Namen des fremden Schiffes zu er⸗ fahren, in der Hoffnung, das Kap würde dies vor den Schiffen in der Bucht verbergen. Raoul erfuhr dadurch die genaue Stellung des Schiffes, und es machte ihm keinen Kummer, ſich ſo zu überzeugen, daß er bereits weſtwärts von dem Feinde ſtehe— ein Umſtand, welcher ihm erlaubte, wie um die Inſel und zwar ſo dicht an der Küſte hinzugleiten, daß er durch den Hintergrund der Klippen gänzlich gedeckt ward.* Auch wurde er durch Hülfe eines trefflichen Nacht⸗ glaſes in den Stand geſetzt, die Fregatte zu ſehen, welche ungefähr eine Stunde entfernt unter allen, was die Raaen tragen konnten, von den obern Segeln bis herab, auf die Mündung der Bai von der Backbordſeite abhielt, wobei ſie ihre Berechnungen ſo genau gemacht hatte, daß 230— ſie mit dem gewöhnlichen Winde vom Land ab windwärts nach Backbord fallen mußte. Raoul lachte, als er dies ſah, und befahl das große Segel einzunehmen. Eine halbe Stunde ſpäter ließ er das Fockſegel aufgeien, brachte ſein Jiggerſegel flach, drückte ſein Ruder ſtark ab und hohlte das Kluverſegel nach windwärts. Als dieſer letzte Befehl vollzogen war, dämmerte der Tag eben über die Berge von Radicofani und Aquapen⸗ dente. Zu dieſer Zeit ſtand das„Irrlicht“ etwa eine Stunde weſtlich von dem Bergvorſprung oder Kap, und der tiefen Bucht, welche, wie bereits erwähnt worden, in dieſer Richtung von der Stadt liegt, gerade gegen⸗ über. Es war alſo weit außer Schußweite von Seiten der Küſte. Der Nachtwind war aber jetzt verſchwunden, und es hatte allen Anſchein, daß der Morgen ruhig wer⸗ den würde. Darin war zu dieſer Jahreszeit nichts Außer⸗ ordentliches; denn die Winde, welche vorherrſchend aus dem Süden blieſen, waren kurz und leicht, wenn ſich kein Fallwind zu ihnen geſellte. Mit Sonnenautgang ließ ſich zwar eine Südluft ge⸗ wahren; ſie war aber ſo leicht, daß es blos möglich war, des Loggers Herr zu bleiben, wenn man ſein Vorder⸗ theil nach Südweſt herumhob. Die Proſerpina hielt ihren Curs ein, bis der Tag weit genug vorgeſchritten war, um ihre Ausgucker in den Stand zu ſetzen, das Irrlicht zu entdecken, welches ihr auf dem fernt, un zu ſprech Dieſ Schiffe l herauf, welches k folgungen entſchlüpt Wer gen und Antlitz ſ nahenden ſchiffes it tiger, al Cap ten, ſeit ten, ſon Küſtenbo dem erſt terlaſſen det habe. „N nant in Sitz anz oder drei c— 77 J. dindwärts as große wließ er gel flach, uverſegel nerte der Aquapen⸗ twa eine ap, und worden, de gegen⸗ n Seiten hwunden, uhig wer⸗ s Außer⸗ hend aus venn ſich jdluft ge⸗ lich war, Vorder⸗ der Tag er in den lches ihr 231— auf dem weſtlichen Bord, etwa anderthalb Stunden ent⸗ fernt, unter ſeinem Jigger und Klüver, wie geſagt, Hohn zu ſprechen ſchien. Dieſer Anblick brachte eine große Bewegung in dem Schiffe hervor; denn ſelbſt die Wache unten humpelte herauf, um einen Auslug auf ein Fahrzeug zu erhaſchen, welches dadurch ſo berühmt geworden, daß es den Ver⸗ folgungen aller engliſchen Kreuzer in dieſen Meeren ſtets entſchlüpft war. 3 Wenige Minuten darauf kam Griffin niedergeſchla⸗ gen und ärgerlich heran. Sein erſter Blick auf das Antlitz ſeines Commandanten verkündigte einen heran⸗ nahenden Sturm; denn der Befehlshaber eines Kriegs⸗ ſchiffes iſt unter ähnlichen Umſtänden wohl nicht vernünf⸗ tiger, als irgend ein anderer Machthaber. Capitain Cuffe hatte es nicht für angemeſſen gehal⸗ ten, ſeinen Untergeordneten auf dem Verdeck zu erwar⸗ ten, ſondern hatte ſich, ſobald er hörte, daß er in einem Küſtenboot herauf komme, in ſeine Cajüte begeben, und dem erſten Lieutenant, der Wincheſter hieß, Befehle hin⸗ terlaſſen, Griffin zu ihm zu ſchicken, ſobald er ſich gemel⸗ det habe. „Nun, Herr,“ begann Cuffe,„ſobald ſein Lieute⸗ nant in die Hintercajüte getreten war, ohne ihm einen Sitz anzubieten,„da ſind wir, und dort draußen, zwei oder drei Stunden auf der See, iſt der verd—te Irrwiſch.“ „Ich bitte Euch um Verzeihung, Capitain Cuffe,“ — 222— antwortete Griffin, der ſich gezwungen ſah, als ein Schuldiger dazuſtehen, welcher Art auch die Umſtände waren,„es war nicht zu ändern. Wir kamen zu rech⸗ ter Zeit auf Elba an, und ich ging, ſobald ich das Haus des Stathalters erreichen konnte, mit dem Vice⸗Gover⸗ natore und einem alten Geſellen von Magiſtratsperſon, der bei ihm war, an das Werk. Yvard war mir zuvor⸗ gekommen, und ich hatte wahrlich harte Arbeit, ti ich zu meinem Zwecke kommen konnte.“ „Ihr ſprecht italieniſch, Herr, wie ein geborner Neapolitaner, und ich verließ mich darauf, daß Ihr Alles auf das Beſte ausrichten würdet.“ „Nicht ſo wohl wie ein Neapolitaner, Capitain Cuffe, hoff' ich, als wie ein Toskaner, oder wie ein Römer,“ verſetzte Griffin, und biß ſich in die Lippe.— „Nach einer Stunde ziemlich harter und advokatenglei⸗ cher Arbeit, und nachdem ich alle Papiere überholt hatte, gelang es mir, die zwei Elba'ſche Herren von meinem und dem Charakter des Loggers zu überzeugen.“ „Und während Ihr den Advokaten ſpieltet, hob Meiſter Raoul Yvard ruhig ſeinen Anker und ging aus der Bucht, als wandelte er eben in ſeinen Garten, um ſich einen Strauß für ſein Schätzchen zu pflücken.“ „Nein, Herr,— ſo hat ſich die Sache nicht bege⸗ ben. Als es mir endlich gelungen war, den Signor Bar⸗ rofaldi, den Vice⸗Governatore—“ „Viſchi— govern—te— tory! Verd—t ſeien alle Viſchis Sprecht Schiffes auch zu Vice⸗C 7 den Vi feindlich Vertral wollte Anker 22 Zwei o Doſis Wunſckh glaubte von der gen, de Herr erhalte! 27 geword ſenken 8 n7r hatte e tüchtigſ als ein Umſtände n zu rech⸗ das Haus ke⸗Gover⸗ atsperſon, nir zuvor⸗ „ ehe ich geborner daß Ihr Capitain wie ein Lippe.— bkatenglei⸗ polt hatte, meinem ltet, hob ging aus rten, um n.“ nicht bege⸗ gnor Bar⸗ ſeien alle Viſchis und verd—t ſeien alle Governatorys obendrein! Sprecht engliſch, Griffin, am Bord eines engliſchen Schiffes, wenn es Euch beliebt, ſollte Euer Italieniſch auch zufällig ein toskaniſches ſein. Heißt den Burſchen Vice⸗Statthalter, wenn dies ſein Titel iſt.“ „Gut, Herr. Als es mir endlich gelungen war, den Vice⸗Statthalter zu überzeugen, daß der Logger ein feindliches Schiff ſei, daß wir aber ein Recht auf ſein Vertrauen hätten, geſtaltete ſich alles ganz glatt. Er wollte den Logger in den Grund ſchießen, wo er vor Anker lag.“ „Und warum den Teufel hat er es nicht gethan? Zwei oder drei ſchwere Kugeln hätten ihm eine ſtarkere Doſis gegeben, als er vertragen konnte.“ „Ihr wißt, Capitain Cuffe, es iſt immer Euer Wunſch geweſen, das Boot lebendig zu bekommen. Ich glaubte, es würde ſich ſo gut ausnehmen, wenn man von der Proſerpina erzählte, ſie habe das Irrlicht gefan⸗ gen, daß ich mich dem Vorſchlage widerſetzte. Ich weiß, Herr Wincheſter hoffte, es ſelbſt als Lohn dafür zu erhalten, daß er es wegnähme.“ „Ha— und dann wärt Ihr erſter Lieutenant geworden. Nun, Herr, wenn Ihr es auch nicht ver⸗ ſenken ließt, war dies kein Grund, es entſchlüpfen zu laſſen.“ „Wir konnten es nicht hindern, Capitain Cuffe. Ich hatte einen Ausgucker für daſſelbe aufgeſtellt— einen der tüchtigſten Männer in Porto Ferrajo, wie Euch Jedermann ſagen wird, Herr; und ich gab die Signale mit der Lampe und den blauen Lichtern, wie es verabredet war, und da das Schiff antwortete, glaubte ich natürlich, alles ſei, wie es ſein müſſe— bis—“ „Und wer ließ die Raketen eben an dieſer Stelle ſteigen, wo wir jetzt ſind? Sie haben mich irre geführt, denn ich nahm ſie für Signale des Sperlings oder des Wieſels, die ich hier vermuthete. Als ich dieſe Raketen ſah, Griffin, war ich eben ſo gewiß, das Irrlicht zu haben, als ich es jetzt bin, mein eignes Schiff zu haben.“ „Ja, Herr,— dieſe Raketen ſind an dem ganzen Unglück ſchuld; denn wie ich ſeitdem erfahren habe, hat Meiſter Yrard, ſobald die erſte in die Luft geflogen war, ſeinen Wurfanker gehoben, und iſt ſo ruhig aus der Bucht gegangen, wie man aus einem Speiſeſaal geht, wenn man die Geſellſchaft nicht ſtören will.“ „Ah, er nahm einen franzöſiſchen Abſchied, der — sans culotte?“ verſetzte der Capitain, und brachte ſich durch ſeinen Witz in beſſere Laune.—„Aber habt Ihr von all' dem nichts geſehen?“ „Ich erfuhr nicht eher etwas von der Sache, Herr, als bis ich den Logger unter den Felſen ſo dicht heran dahin ſchlüpfen ſah, daß man auf das Verdeck hätte ſpringen können. Ehe dieſe faulen Far nientes hätten zielen und Feuer geben können, war er außer Schußweite.“ „Die faulen was?“ fragte der Capitain. mir imn die ich, alle mei 223 Es thut da es zu „4 zu Herz kommt. wollen So mit der edet war, lich, alles er Stelle geführt, oder des Raketen rrlicht zu u haben.“ m ganzen habe, hat dgen war, aus der ſaal geht, ſchied, der d brachte Aber habt he, Herr, icht heran deck hätte es hätten zußweite.“ „Far nientes, Herr— ein Unnamen, welchen wir, wie Ihr wißt, Capitain, dieſen Sieſta⸗Herren geben.“ „Ich weiß nichts davon, Herr, und bitte Euch, mit mir immer nur engliſch zu ſprechen. Das iſt eine Sprache, die ich, wie ich mir ſchmeichle, verſtehe, und welche für alle meine Bedürfniſſe ganz ausreichend iſt.“ „Ja, Herr, und für eines Jeglichen Bedürfniſſe. Es thut mir in der That leid, daß ich italieniſch ſpreche, da es zu dieſem Irrthum geführt hat.“ „Pah— pah, Griffin, Ihr müßt Euch nicht alles, zu Herzen nehmen, was mit dem unrechten Ende voran kommt. Speiſ't heute mit mir zu Mittag, und wir wollen die Sache mit Muße beſprechen.“ Neuntes Kapitel. Jetzt hebt die glatte helle See im Vollmond Sich leiſe; denn die Winde, die ſie unſtät Bewegten, ruh'n. Das Boot, das einſam ſchwimmt, Rollt läſſig, und dem Maſt entgegen Schlägt matt das müß'ge Segel. Jeder Laut Dringt zu dem Ohre, und der wache Blick Erfaßt den kleinſten Gegenſtand.— Richardſon. So endigte dieſe Abfertigung, gleich vielen andern. welche Capitain Cuffe zu geben beſchloſſen hatte, die aber — 236— gewöhnlich damit ſchloſſen, daß ſeine Gutmüthigkeit und beſſere Einſicht den Sieg davon trug. Der Hofmeiſter*) erhielt Befehl, unter andern Gäſten auch Herrn Griffin einen Teller zu ſetzen, und dann folgte der Befehlshaber der Fregatte dem Lieutenent auf das Deck. Der Capitain fand hier alle Offiziere in ſehnſuchts⸗ vollem Ausguck nach dem Irrlicht, und die meiſten bewun⸗ derten ſeine Erſcheinung, wie es mit den zwei oben erwähnten leichten Segeln faſt unbewegt auf dem ſpiegel⸗ gleichen Mittelländiſchen Meere lag. „Eine regelrecht gebaute Schlange⸗ im⸗Gras,“ brummte der Bootsmann, der aufrecht auf dem Fuße einer Spiere ſtand und über die Hängematten⸗Tücher der Kuhl nach dem Logger ſchaute:„Ich habe meine Augen nie einem Schurken zugewendet, der ein hübſche⸗ res Ausſehen gehabt hätte.“ Dies wurde monologartig geſagt, denn Strand hatte eben kein Vorrecht, einen Offizier von der Schanze bei einer ſolchen Gelegenheit unmittelbar anzureden, obgleich mehrere auf Gehörsweite ſtanden, und er war ein zu wichtiger Mann, als daß er ſeine Untergeordneten durch ſeine Gedanken hätte erleuchten wollen. Cuffe jedoch, der eben auf die Laufplanke trat, um ſelbſt einen Aus⸗ guck zu nehmen, hatte ſeine Worte gehört. *) Titel des Mannes, der auf Kriegsſchiffen für Alles in des Capi⸗ tains Cajüte zu ſorgen hat. Der Ueberſ. Strand ſich et Jeden dem H und w ſiren, ſein, a der, al Gefüht hegte, Ausdrt es hie werden ſtille l nung; ſein, S mit C er hat Boots „Schy ein an *) T gkeit und meiſter*) n Griffin fehlshaber ehnſuchts⸗ en bewun⸗ wei oben m ſpiegel⸗ ⸗Gras,“ dem Fuße en-Tücher abe meine n hübſche⸗ rand hatte ſchanze bei n, obgleich ar ein zu eten durch ffe jedoch, einen Aus⸗ in des Capi⸗ Ueberſ. 237— „Es iſt eher eine Schlange⸗ aus⸗ dem⸗Gras, Strand,“ bemerkte der Capitain, denn er konnte, ohne ſich etwas zu vergeben oder anmaßend zu erſcheinen, Jeden nach Belieben anſprechen.„Wäre der Logger in dem Hafen geblieben, ſo wär' er in dem Graſe geweſen, und wir hätten ihn ſchottifirt.*)“ „Gut, Ew. Gnaden— jetzt können wir ihn engli⸗ ſiren, und das würde ehen ſo natürlich und zweckmäßig ſein, als wenn man ihn ſchottiſirte,“ antwortete Strand, der, als ein geborner Londoner, eine ſehr vornehme Art Gefühl gegen alle dem Könige unterworfenen Länder hegte, und für welchen der von dem Capitain gebrauchte Ausdruck griechiſch war, obgleich er ganz gut wußte, wa es hieß, einen Schotten an ein Tau klappen;„wir werden wahrſcheinlich den ganzen Morgen flaue Wind⸗ ſtille haben, und unſere Boote ſind in der beſten Ord⸗ nung; und dann würde unſern Herren nichts angenehmer ſein, als eine Ruderpartie.“ Strand war ein grauköpfiger Seemann und hatte mit Capitain Cuffe gedient, als der letztere Cadet war; er hatte ſelbſt das Mars befehligt, von dem der jetzige Bootsmann Capitain geweſen war. Er kannte den „Schnitt von des Capitains Klüver“ beſſer, als irgend ein anderer Mann an Bord der Proſerpina, und ſeine *) To sgoteh im Original, zerhacken, zermalmen. 3 Der Ueberſ. Winke hatten oft Erfolg, wenn Wincheſter und die andern Lieutenants kein Gehör fanden. Sein Vorgeſetzter wendete ſich raſch um und ſchaute dem Bootsmann ſcharf in das Geſicht, als wenn der Gedanke, welchen jener mittelbar ausſprach, ihm auffiele. Dieſe Bewegung wurde beachtet, und auf ein von Win⸗ cheſter heimlich gegebenes Zeichen ließ die Mannſchaft drei herzhafte Hurrahs hören, wobei Strand den Vor⸗ mann ſpielte. Dies war die einzige Weiſe, wie die Mannſchaft eines Kriegsſchiffes dem Capitain ihre Wünſche laut werden laſſen konnte, denn der Hurrah⸗Ruf wurde in der Flotte ſtets geduldet, da ſich ſo der Muth der Schiffs⸗ geſellſchaft kund thun konnte. Cuffe ging gedankenvoll nach hinten und ſtieg wieder in ſeine Cajüte hinab; bald kam aber ein Diener herauf, welcher hinterbrachte, der Capitain wünſche den erſten Lieutenant zu ſprechen. „Ich bin kaum ein Freund von dieſem Boots⸗Dienſte am hellen Tage, Wincheſter,“ bemerkte der Capitain und gab dem andern einen Wink, ſich zu ſetzen,„der kleinſte Schnitzer kann alles verderben, und dann iſt zehn gegen eins zu wetten, daß ein Schiff ſich ein ganzes Jahr mit der Hälfte der Bemannung quälen und am Ende ſeine Zuflucht dazu nehmen muß, daß es Kohlenſchiffer und Matroſen von neutralen Schiffen preßt.“ „Wir hoffen aber, Herr, daß bei all' Dem, was die Proſern Neun Sieger, ſolche im W Kutter men; i feln, n , nehmt, dürfte Ihr gl˖ iſt die, nicht ſe verzeih einem Glück! „, einzig außer komme dant g. einige 6 teufeln geretter verwün die andern und ſchaute wenn der m auffiele. von Win⸗ Nannſchaft den Vor⸗ Mannſchaft nſche laut wurde in eer Schiffs⸗ tieg wieder ner herauf, den erſten ots⸗Dienſte pitain und der kleinſte zehn gegen Jahr mit Ende ſeine chiffer und n, was die 239— Proſerpina unternimmt, kein Schnitzer vorgehen wird. Neun Mal unter zehn bleibt ein engliſches Kriegsſchiff Sieger, wenn es einen kühnen Angriff in Booten gegen ſolche Seeräuber wagt. Auch geht dieſer Logger ſo tief im Waſſer, daß es nur wie ein Sprung von einem Kutter in den andern iſt, um auf ſein Verdeck zu kom⸗ men; überdieß, Herr, werdet Ihr, denk' ich, nicht bezwei⸗ feln, was Engländer thun können.“ „Ah, Wincheſter, ich zweifle nicht, daß Ihr ihn nehmt, wenn Ihr einmal auf ſeinem Deck ſeid; aber es dürfte nicht ſo leicht ſein, auf ſein Deck zu kommen, als Ihr glaubt. Unter allen Obliegenheiten eines Capitains iſt die, Boote auszuſchicken, die unangenehmſte. Er kann nicht ſelbſt mitgehen, und wenn ſich ein Unfall begibt, verzeiht er ſich es nie. Ganz anders verhält es ſich mit einem Gefechte, an welchem Jeder Theil nimmt, und wo Glück und Unglück Allen in gleichem Maaße anheimfällt.“ „Sehr wahr, Capitain Cuffe; und doch iſt dies der einzig mögliche Weg, welcher den Lieutenants bleibt, außer dem gewöhnlichen Verlauf ein wenig vorwärts zu kommen. Ich habe gehört, Sir, Ihr wäret Comman⸗ dant geworden, weil Ihr beim Anfange dieſes Krieges einige Küſtenſchiffe ausgeſtochen.“ „Man hat Euch nicht unwahr berichtet, und eine teufelmäßige Gefahr liefen wir Alle. Das Glück hat uns gerettet, und das war alles. Noch ein Schuß aus einer verwünſchten Karronade hätte der ganzen Geſellſchaft den 240— Garaus gemacht; denn ſinkt man nur einmal ein wenig, ſo iſt man wie Wild in einem batteau.“ „Capitain Cuffe wollte battue ſagen; da er aber fremte Sprachen verachtete, ging er gewöhnlich ſchlimm mit ihnen um, wenn er ſich einmal herabließ, ſich auch der bekannteſten Ausdrücke zu bedienen.„Dieſer Raoul Yvard iſt wie ein eingefleiſchter Teufel bei ſolcher Enter⸗ Arbeit und ſoll dem Maat eines Meiſters des Theſeus mit einem Hieb ſeines Säbels den Kopf abgehauen haben, als er die Priſe dieſes Schiffes in dem Gefechte während dem letzten Winter— ich meine das von Alicante— wieder nahm.“ „Ich ſteh' Euch dafür, der Maat dieſes Meiſters war ein ſchlankhalſiges Bürſchchen, das beſſer gethan hätte, zu Hauſe zu bleiben und nach den Mädchen zu ſehen, wenn ſie aus einer Kirchthüre kommen. Ich möchte wohl dieſen Raoul Yvard oder irgend einen Fran⸗ zoſen, der je geboren worden, meinen Kopf auf einen einzigen Hieb abhauen ſehen!“ „Nun, Wincheſter, um offen zu ſprechen, ich möchte es nicht. Ihr ſeid ein guter erſter Lieutenant, und dies iſt eine Stelle, bei welcher man den ganzen Kopf, den man hat, zu brauchen pflegt, und ich bin nicht ganz gewiß, ob Ihr deren mehrere zu verlieren habt. Sollte es ſich nicht thun laſſen, in dieſem Hafen eine Felucca oder ein Fahrzeug, das größer iſt als ein Boot, zu miethen, mit dem wir dieſem Burſchen einen Streich ſpielen als wen auf ihn „C fen hier teten, Geſell a derſelber könnte wollten „J nicht m unſere f zen Mo und wir treiben, Segel f bleiben. ausgeſue eine Fe⸗ die Felſ Zu gehi Euch m könnt, ihm, un des Bu Wi 184— ein wenig, er aber ch ſchlimm „ſich auch eſer Raoul her Enter⸗ s Theſeus uen haben, te während llicante— 3 Meiſters er gethan kädchen zu men. Ich inen Fran⸗ auf einen ich möchte , und dies Kopf, den nicht ganz bt. Sollte ne Felucca Boot, zu en Streich ſpielen und unſern Zweck eben ſo gut erreichen könnten, als wenn wir in unſern offenen Booten wie Bullenbeißer auf ihn los gehen?“ 4 „Gar keine Frage, Herr; Griffin ſagt, in dem Ha⸗ fen hier lägen ein Dutzend Feluccas, die ſich alle fürch⸗ teten, nur einen Zoll breit zu gehen, ſo lange dieſer Geſell auf der offenen See draußen iſt. Wenn nun eine derſelben es verſuchte, die Küſte entlang zu ſchlüpfen, könnte dies als ein Köder für ihn dienen, und dann wollten wir ihn tüchtig an die Haken nehmen.“ „Ich glaube, ſo iſt's am beſten. Man hat uns noch nicht mit der Stadt in Verbindung treten ſehen, und unſere franzöſiſche Flagge wehte glücklicherweiſe den gan⸗ zen Morgen. Auch unſer Schiff iſt der Küſte zugewendet, und wir werden in wenigen Minuten ſo weit nach Oſten treiben, daß unſer Rumpf, wenn nicht unſere obern Segel für den Logger, da, wo er jetzt liegt, verborgen bleiben. Sohald dies geſchehen iſt, brecht Ihr mit vierzig ausgeſuchten Männern nach der Küſte auf. Ihr miethet eine Felucca, kommt heraus und gleitet ſo dicht am Lande die Felſen entlang dahin, als wenn Ihr uns mißtrautet. Zu gehöriger Zeit werden wir in den Booten Jagd auf Euch machen, und dann rudert Ihr ſo ſchnell, als Ihr könnt, auf den Logger zu, als ſuchtet Ihr Schutz bei ihm, und dann müßte es ſchlimm zugehen, wenn Ihr des Burſchen nicht ſo oder ſo Herr werden könntet.“ Wincheſter fand den Plan entzückend, und in weni⸗ 184— 186. 16 ger als fünf Minuten war die Mannſchaft gewählt und bewaffnet. Dann folgte eine Berathung in Bezug auf die Anordnung der kleinern Einzelnheiten, und als das Schiff dann vor dem Auge des Loggers, wie erwartet worden, durch das Kap abgeſchloſſen war, ſtießen die Boote ab.— Eine halbe Stunde ſpäter, oder eben als die Pro⸗ ſerpina, die gevieret hatte, dem Punkte nahe kam, wo ſie wieder von dem Logger aus geſehen werden konnte, kehrten die Boote zurück und wurden eingenommen. Jetzt hatten die beiden Schiffe ſich wieder im Ge⸗ ſichte, und Alles an Bord derſelben blieb anſcheinend in dem bisherigen Zuſtande. Bis hierher war die Kriegs⸗ liſt gewiß geſchickt geleitet worden. Um Alles noch wahr⸗ ſcheinlicher zu machen, feuerten die Batterien zehn bis zwölf Kugeln auf die Fregatte ab, wobei jedoch große Sorgfalt angewendet wurde, daß ſie nicht trafen; die Proſerpina erwiederte dieſe Grüße unter der franzöſiſchen Flagge, wendete aber die noch größere Sorgfalt an, daß ſie die Kugeln auszog. Alles dies geſchah nach Verabredung zwiſchen Win⸗ cheſter und Andrea Barrofaldi, und in der bloßen Ab⸗ ſicht, Raoul Yvard glauben zu laſſen, er gelte bei dem würdigen Vice⸗Governatore noch immer für einen Eng⸗ länder, während dieſer das Schiff vor der Bucht für ein feindliches anſehe. Eine leichte Luft aus Süden, welche von acht bis neun Uhr anhielt, geſtattete der Fregatte, ſich ein dem Anſ men ben So dacht, gerathen leute ſich unbeweg einem P Compaß Grad ge Alle Wincheſt videnza Hafen z nen, we in dem an dem neun M alle nach Cuffe u Fregatte fernt, dieſe le⸗ wählt und Bezug auf d als das e erwartet tießen die die Pro⸗ kam, wo en konnte, nmen. er im Ge⸗ heinend in die Kriegs⸗ noch wahr⸗ ; zehn bis doch große rafen; die anzöſiſchen lt an, daß ſchen Win⸗ bloßen Ab⸗ te bei dem einen Eng⸗ cht für ein en, welche r Fregatte, — 243— ſich ein wenig mehr in die See zu drängen, während ſie dem Anſcheine nach aus dem Bereich der Gefahr zu kom⸗ men bemüht war. So lange dieſer leichte Wind, deſſen wir eben ge⸗ dacht, vorherrſchte, hielt Raoul Yvard es nicht für gerathen,„Hals oder Segel zu rühren,“ wie die See⸗ leute ſich auszudrücken pflegen. Le Feu-Follet blieb ſo unbewegt, daß ſeine Richtung, hätte man von irgend einem Punkte auf der Küſte ſeine Stellung nach dem Compaß genommen, dieſe ganze Zeit ſich nicht um einen Grad geändert haben würde. Allein dieſe Stunde mäßigen Lufthauchs reichte hin, Wincheſter in den Stand zu ſetzen, mit La Divina Pro- videnza, der von ihm gemietheten Felucca, aus dem Hafen zu gehen, das Kap unter dem Schutze der Kano⸗ nen, welche es krönten, zu umſchiffen, und dem Logger in dem Augenblicke zu Geſicht zu kommen, als der Mann an dem Steuer um zehn Uhr abgelöſt wurde. Acht bis neun Mann waren auf dem Deck der Felucca ſichtbar, alle nach italieniſcher Matroſenweiſe gekleidet, in Mützen und geſtreiften Baumwollenhemden; fünf und zwanzig Mann waren in dem innern Raume verſteckt. So weit geſtaltete ſich Alles ſo günſtig, als Capitain Cuffe und die Seinigen es nur wünſchen konnten. Die Fregatte war etwa eine Stunde von dem Logger ent⸗ fernt, und halb ſo weit von der Divina Providenza; dieſe letztere hatte die offene See glücklich erreicht, und 16* — 244— kam allgemach in eine Stellung, in welcher es von Sei⸗ ten der Proſerpina vernünftig und natürlich ſcheinen mußte, Boote nach ihr zu ſchicken, und die Jagd zu be⸗ ginnen, während die Art, wie ſie ſich dem Logger nach und nach näherte, keinen Verdacht erregen, oder auf ein abgekartetes Spiel hindeuten konnte. Auch der Wind war ſo leicht geworden, daß er den ganzen Plan begünſtigte. Man darf nicht annehmen, daß Raoul Yvard und ſeine Leute gegen Das, was vorging, die Augen ſchloſſen. Es iſt wahr, der junge Mann verzögerte ſeine Reiſe abſichtlich, unter dem Vorgeben, es ſei gerathener, den Feind während des Tages im Auge zu haben, da er ihm in der Nacht ſo leicht auszuweichen im Stande ſei; wirk⸗ lich aber wollte er dies Glück, Ghita an Bord des Irr⸗ lichts zu haben, nach Möglichkeit verlängern; ſo wie es nicht in Abrede geſtellt werden kann, daß er dieſen Mor⸗ gen eine entzückende Stunde mit ihr in der Cajüte ver⸗ brachte; dann aber beachtete ſein verſtändiges Auge auch den kleinſten Umſtand, der ſich begab, und ſeine Befehle waren ſtets bereit, jeder Dringlichkeit, die ſich zeigen mochte, zu begegnen. Ganz anders war es mit Ithuel. Die Proſerpina war ſein Gift; und ſelbſt während er ſein Frühſtück zu ſich nahm, was er ausdrücklich in dieſer Abſicht am Fuße des Bugſpriets that, wendete ſein Auge ſich ſelten eine Minute von der Fregatte, die kurze Zeit abgerechnet, wo ſie hinter dem Kap verſteckt war. Nie heit ſage geworden Lichtern gebrannt machten mehr V gewende Der lucca fi Art, wi beträchtl ben, ſi ein fein „ dem La dieſer w zu ſprec Schleich iſt ſie Inſel. den gere „und er D Schiffe In dieſ 8 3 von Sei⸗ ch ſcheinen Fagd zu be⸗ LCogger nach der auf ein der Wind begünſtigte. Yvard und en ſchloſſen. ſeine Reiſe hener, den da er ihm e ſei; wirk⸗ rd des Irr⸗ ſo wie es dieſen Mor⸗ Cajüte ver⸗ Auge auch ine Befehle ſich zeigen Proſerpina Frühſtück zu ht am Fuße ſelten eine abgerechnet, 245— Niemand in dem Logger konnte mit einiger Beſtimmt⸗ heit ſagen, ob ſein Charakter zu Porto Ferrajo bekannt geworden, oder nicht; aber der Vorfall mit den blauen Lichtern, welche in dem Palaſte des Statthalters ſelbſt gebrannt hatten, und von Ithuel geſehen worden waren, machten das erſtere wenigſtens wahrſcheinlich, und ließen mehr Vorſicht nöthig erſcheinen, als man ſonſt wohl an⸗ gewendet haben würde. Demungeachtet war kein Grund vorhanden, die Fe⸗ lucca für verdächtig zu halten, und die vertrauenvolle Art, wie ſie auf den Logger herankam, obgleich ſie noch beträchtlich landein von ihm ſtand, gab Grund zu glau⸗ ben, ſie wenigſtens wiſſe nicht, daß Le Feu-Follet ein feindliches Schiff ſei. „Dieſe Felucca iſt das Fahrzeug, welches nahe an dem Landungsplatze lag,“ bemerkte Raoul ruhig; denn dieſer war nun auf das Deck gekommen, um mit Ithuel zu ſprechen;„ſte heißt La Divina Providenza, und treibt Schleichhandel zwiſchen Livorno und Corſica, und jetzt iſt ſie ohne Zweifel auf dem Wege nach der genannten Inſel. Es iſt ein kühner Schritt, unter ſolchen Umſtän⸗ den geradezu auf ihren Hafen abzuhalten.“ „Livorno iſt ein Freihafen,“ erwiederte Ithuel, „und es bedarf der Schleichwege nicht.“ „Der Hafen iſt frei für Freunde, aber feindliche Schiffe können nicht nach Belieben aus⸗ und einlaufen. In dieſem Sinne iſt kein Hafen frei; denn kein Fahr⸗ zeug darf ungeſtraft mit einem Feinde Verkehr haben, es müßte denn zufällig das Irrlicht ſein,“ bemerkte Raoul lachend;„wir ſind bevorrechtet, mon brave!“ „Sie mag nach Corſica oder nach Capraya wollen, ohne mehr Wind erreicht ſie keins von beiden. Ich be⸗ greife nicht, warum der Menſch mit einem Winde aus⸗ laufen konnte, der kaum hinreicht, ein Taſchentuch auf⸗ zublaſen.“ Dieſe kleinen Feluccas ſchlüpfen, wie unſer Logger, dahin, wenn ſelbſt gar kein Wind da zu ſein ſcheint. Sie kann aber auch nach Baſtia beſtimmt ſein, in wel⸗ chem Falle ſie klug that, in das Freie herauszukommen, ehe der Zephyr für den Nachmittag eintritt. Laßt ihn eine bis zwei Stunden mehr nach Nordweſten heraus⸗ kommen, und wenn ſeine Sieſta vorüber iſt, kann er den geraden Curs nach Baſtia einhalten.“ „Da, da ſind dieſe gierigen Engländer hinter ihr drein,“ ſagte Ithuel,„wie ich es erwartet habe; laßt ſie nur von Weitem die Möglichkeit gewahren, eine Guinee zu verdienen, und ſie greifen darnach, wenn es auch gegen Recht und Natur iſt. Sprecht, Herr Rule, was geht ſie eine neapolitaniſche Felucca an, da England mit Neapel in freundſchaftlichen Verhältniſſen ſteht?“ Raoul gab keine Antwort, ſondern folgte den Vor⸗ gängen auf der See mit aufmerkſamem Auge. Der Leſer wird eingeſehen haben, daß Ithuel's Bemerkung durch das Erſcheinen der Boote, welche, fünf an der Zahl, i abſtießen gerufen Es Lage der ters zu griff vor Da halten, Es lag Palaſte da nach dehnte. nichts aufgegei Da Stunde ſer Rich Logger zwei M wegen obern geſetzt, Hauche Segel; ſie ſich tens au hr haben, bemerkte brave!“ ha wollen, Ich be⸗ Zinde aus⸗ entuch auf⸗ er Logger, in ſcheint. , in wel⸗ ukommen, Laßt ihn n heraus⸗ „ kann er hinter ihr habe; laßt ren, eine wenn es Herr Rule, da England ſteht?“ den Vor⸗ luge. Der Bemerkung nf an der — 247— Zahl, in dieſem Augenblicke von der Seite der Fregatte abſtießen, und ſtätig auf die Felucca zuruderten, hervor⸗ gerufen ward. Es wird nothwendig ſein, jetzt der wechſelſeitigen Lage der Schiffe, der Zeit und des Zuſtandes des Wet⸗ ters zu erwähnen, damit der Leſer ſich einen klaren Be⸗ griff von den folgenden Begebniſſen machen kann. Das Irrlicht hatte ſeine Stellung weſentlich beibe⸗ halten, ſeitdem ſein Klüverſegel zuerſt übergehohlt worden. Es lag noch etwa eine Stunde nordnordweſt von dem Palaſte des Andrea Barrofaldi, den man deutlich ſah, da nach Süden und dwars ab eine tiefe Bucht ſich aus⸗ dehnte. In ſeinem Segeltuche und dem Steuer war nichts geändert worden; jenes war größtentheils noch aufgegeit, und das letztere abwärts. Da das Vordertheil der Fregatte in der letzten Stunde weſtwärts gehalten worden, hatte ſie ſich in die⸗ ſer Richtung ein wenig vorgedrängt, und war nun dem Logger ganz ſo nahe, wie es das Kap war, obgleich faſt zwei Meilen landauswärts. Ihre unteren Segel waren wegen der Leichtigkeit der Luft ganz aufgehohlt; aber alle obern Segel ſtanden, und wurden ſorgfältig bewacht und geſetzt, um von den Holländern, oder vielmehr von dem Hauche der Luft, Nutzen zu ziehen, welche die obern Segel zuweilen nach außen blähte. Im Ganzen näherte ſie ſich dem Logger mit der Geſchwindigkeit eines Kno⸗ tens auf die Stunde. — 248— La Divina Providenza war außerhalb Kanonenſchuß⸗ weite von der Fregatte, und etwa eine Meile von dem Logger, als die Boote von der erſtern abgingen, obgleich dem Lande noch ganz nahe und eben aus der mehrfach erwähnten Bucht in die offene See tretend. Die Boote ruderten natürlich in gerader Linie von dem Schiffe, das ſie eben verlaſſen, auf die Felucca zu. Die Zeit angehend, ſo war elf Uhr herangekommen, der Theil des Tages, wo das Mittelländiſche Meer in den Sommermonaten gewöhnlich glatt wie ein Spiegel und ſo ruhig iſt, als hätt' es nie etwas von einem Sturme gewußt. Während dem Morgen hatte man einige Unregel⸗ mäßigkeit in den Strömungen der Luft wahrgenommen, indem der Südwind, der im Allgemeinen leicht und öfter launiſch iſt, noch leichter und unſicherer war, als gewöhn⸗ lich. Dennoch war, wie wir geſehen haben, Luft genug vorhanden, um ein Schiff durch das Waſſer zu drängen; und wäre Raoul ſo eifrig und thätig geweſen, wie die Mannſchaft der zwei andern Schiffe, ſo hätte er in die⸗ ſem Augenblicke das weſtliche Ende der Inſel hinter ſich gehabt, und jede Gefahr wäre entfernt geweſen. So hatte er ſeine Beobachtungen fortgeſetzt, während alle übrigen Fahrzeuge ihm allmählich näher kamen. Man muß zugeben, daß die Liſt mit der Felucca gut ausgedacht war, und die Zeit ſchien jetzt da zu ſein, wo der Gedanke bewundernswerth ausgeführt werden ſollte. von den wußt, d terlich a ſchaft d fangenh die Anſt faſt gen Mal un glauben ſchlauen hatten, ihres re Felucca auf den zukehren welche Bergabl ſuchen. man ſa mußte; abgehalt zu, und Loggers onenſchuß⸗ von dem n, obgleich mehrfach Die Boote ffe, das ſie ekommen, Meer in n Spiegel n Sturme Unregel⸗ enommen, und öfter 3 gewöhn⸗ uft genug drängen; , wie die er in die⸗ hinter ſich So hatte le übrigen r Felucca a zu ſein, t werden — 249— ſollte. Hätte Ithuel nicht eine ſo beſtimmte Kenntniß von dem Schiffe gehabt— hätte er nicht ganz ſicher ge⸗ wußt, daß es ſein altes Gefängniß war, wie er ſich bit⸗ terlich ausdrückte, ſo iſt es wahrſcheinlich, daß die Mann⸗ ſchaft des Loggers durch die ſo gut durchgeführte Unbe⸗ fangenheit getäuſcht worden wäre; und ſelbſt jetzt waren die Anſichten noch ſehr getheilt, und ſogar Raoul war faſt geneigt, zu glauben, ſein Amerikaner habe dieſes Mal unrecht und das Schiff vor ihm ſei, was es zu ſein glauben laſſen wollte— ein Kreuzer der Republik. Sowohl Wincheſter, der an Bord der Felucca war, als Griffin, welcher die Boote befehligte, ſpielten ihre Rollen vollkommen. Sie kannten den Charakter des ſchlauen und erfahrnen Feindes, mit welchem ſie zu thun hatten, zu genau, um die unbedeutendſten Einzelnheiten ihres reif durchdachten Planes zu vernachläſſigen. Die Felucca ſchien, ſtatt ſogleich nach dem Beginne der Jagd auf den Logger abzuhalten, geneigt, in die Bucht zurück⸗ zukehren und unter dem Schutze einer kleinen Batterie, welche zu dieſem ausdrücklichen Zweck an dem letzten Bergabhang aufgeſtellt worden war, einen Ankerplatz zu ſuchen. Die Entfernung war aber ſchon zu groß, und man ſah offenbar, daß ein ſolcher Verſuch nutzlos ſein mußte; nachdem ſie einige Minuten in dieſer Richtung abgehalten hatte, wendete ſie ſich wieder der offenen See zu, und bot alles Mögliche auf, um in den Schutz des Loggers zu gelangen. — 250— All dieſes begab ſich Angeſichts Raoul's, welcher ſein Glas ſtets vor den Augen hatte, und der kleinſten Bewe⸗ gung mit dem regſten Mißtrauen folgte. Wincheſter war, was ihm ſehr zu ſtatten kam, ein Mann von dunkler Geſichtsfarbe, mittlerer Größe und mit einem ſtarken Knebelbarte ausgeſtattet, wie ihn wohl ein Mann auf einem Kriegsſchiffe ſich bei einem langen Kreuzzuge wachſen läßt; und in ſeiner rothen phrygi⸗ ſchen Mütze, dem geſtreiften Hemde und den weißen wei⸗ ten Baumwollen⸗Beinkleidern ſah er einem Italiener ſo ähnlich, als dies nur möglich war. Auch die Leute, welche man ſehen konnte, waren mit Berückſichtigung ihres Aeußern gewählt worden, nnd mehrere von ihnen waren in der That Fremde, die an den Küſten des Mittellän⸗ diſchen Meeres geboren worden; denn es fand ſich in Wahrheit ſelten ein engliſches oder amerikaniſches Kriegs⸗ ſchiff, an deſſen Bord man nicht wenigſtens Einen Reprä⸗ ſentanten der meiſten ſeefahrenden Nationen angetrof⸗ fen hätte. Dieſe Leute ließen es denn auch nicht an dem gehö⸗ rigen Lärmen und Getöſe fehlen; ſobald die Jagd begon⸗ nen hatte, liefen ſie hin und her und ſtrengten ſich wie⸗ der an, aber ohne Ordnung und Uebereinſtimmung. End⸗ lich nahmen ſie, da der Wind gänzlich fehlte, zwei Ruder heraus und begannen eifrig zu rudern; denn es war ihr wirklicher und zumal anſcheinender Wunſch, ſo nahe als möglich an den Logger heran zu kommen. „P'A nung; m zöſiſche r tapfern „E beſtimmt mein alt ſiſchen H führen, Laßt nu tern, ur Seite w „J einem 5 Burſche „N holt— dem Pr. alles we werden „ B richten Als Dampf Man ſe Boot al konnte elcher ſein ten Bewe⸗ kam, ein zröße und eihn wohl em langen en phrygi⸗ eißen wei⸗ taliener ſo ite, welche ung ihres nen waren Mittellän⸗ nd ſich in des Kriegs⸗ nen Reprä⸗ angetrof⸗ dem gehö⸗ hagd begon⸗ n ſich wie⸗ ung. End⸗ wei Ruder es war ihr o nahe als — 251— „Peste!“ rief Raoul:„all das ſcheint in der Ord⸗ nung; wie, wenn die Fregatte doch am Ende eine fran⸗ zöſiſche wäre? Dieſe Leute in den Booten ſehen meinen tapfern Landsleuten ſehr ähnlich.“ „Es ſind echte John Bulls,“ antwortete Ithuel beſtimmt;„und das Schiff iſt die verhaßte Proſerpina, mein altes Gefängniß, Herr Rule.— Was die franzö⸗ ſiſchen Hüte und die Art betrifft, wie ſie die Streichen führen, ſo thun ſie all das nur, um uns zu fangen. Laßt nur eine ſechspfündige Kugel auf ſie niederſchmet⸗ tern, und ſeht zu, wie ſie ihr franzöſiſches Weſen bei Seite werfen, und ihre engliſche Zucht vorzeigen.“ „Ich werde dies nicht thun, denn wir könnten einem Freunde Schaden zufügen. Was beginnen dieſe Burſche in der Felucca jetzt?“ „Nun, ſie haben ſich eine kleine Kanone heraufge⸗ holt— ja, es iſt eine zwölfpfündige Karronade— unter dem Preſſening— vor ihrem Fockmaſt, und ſie klären alles weg, um Raum für den Dienſt zu haben. Wir werden etwas zu thun haben vor dem Ende der Woche.“ „(Bien? Es iſt, wie Ihr ſagt— und, voilà, ſie richten die Kanone auf die Boote.“ Als Raoul dies ſagte, war die Felucca halb vom Dampf verhüllt. Dann folgte der Knall der Kanone. Man ſah die Kugel zwar gehörig fern von dem erſten Boot auf das Waſſer aufſchlagen und fortſpringen, doch konnte der Schuß immerhin für den eines ziemlichen Kanoniers gelten. Jenes erſte Boot war die Barkaſſe der Proſerpina, die auf ihrem Rüſterwerk, nach vornen, eine gleiche Karronade führte, und keine halbe Minute war vergangen, als das Feuer erwiedert wurde. So beſonnen war die Mannſchaft und alle Einzel⸗ theile dieſes Planes ſo gut berechnet, daß der Schuß in gerader Linie auf die Felucca zu durch die Luft pfiff, die große Raa ungefähr in der Mitte zwiſchen dem Maſt und der Gaffel des Segels traf und jene durch das Piek herab ließ. „Menſchliche Natur!“ rief Ithuel:„das heißt man nach dem Vertrage, auf Kreuzer und Heller, handeln! Capitain Rule, ſie ſchießen beſſer im Scherz, als wenn es ihnen recht Ernſt iſt.“ „Dies ſieht doch aus wie wahrer Ernſt,“ antwortete Raoul.—„Man ſchießt die große Raa ſeinem Freunde nicht oft abſichtlich nieder.“ Sobald die Mannſchaft in den Booten das Ende der großen Raa wegfliegen ſah, hielten ſie mit dem Rudern inne und ließen drei herzhafte Hurrahs hören, wozu Griffin, der aufrecht an dem Spiegel der Barkaſſe ſtand, das Beiſpiel gab. „Pah,“ rief Raoul,„das ſind engliſche John Bulls, nun iſt nicht der geringſte Zweifel mehr. Wer hat je gehört, daß Leute von der Republik wie eine Schaar italieniſcher Fantoccini, vom Drahte bewegt, ſchrien? Ha, Messieurs les anglais, ihr habt euer Ge⸗ heimniß ſollt nun Itht ſich uner ſei, obg Barkaſſe Geſchütz ſei ernſt! Die in Bewe geſchwind La dreihund der Felu letztern die beide Rat laufen i den die naden— vier auf auf der Als Streiche mächtige Klüver geit. E Barkaſſe hvornen, 2 Minute ee Einzel⸗ Schuß in pfiff, die em Maſt das Piek heißt man handeln! als wenn ntwortete Freunde das Ende mit dem hs hören, Barkaſſe che John hr. Wer wie eine bewegt, euer Ge⸗ — 253— heimniß durch euer hölliſches Geſchrei verrathen— ihr ſollt nun auch ſehen, wie die Geſchichte ausgeht.“ Ithuel rieb ſich die Hände vor Vergnügen und freute ſich unendlich, daß Raoul nun nicht mehr zu täuſchen ſei, obgleich das Feuer zwiſchen der Felucca und der Barkaſſe mit Lebhaftigkeit unterhalten wurde und das Geſchütz ſo ſpielte, daß man wohl glauben konnte, alles ſei ernſtlich gemeint. Dieſe ganze Zeit waren die Streichen der Felucca in Bewegung, und die Boote näherten ſich doppelt ſo geſchwind, als das gejagte Fahrzeug ging. La Divina Providenza mochte dem Logger jetzt auf dreihundert Schritte nahe ſein und die Barkaſſe— das der Felucca nächſte Boot— war eben ſo weit von der letztern nach hinten entfernt. Zehn Minuten mußten die beiden Gegner nothwendig Seite an Seite bringen. Raoul gab Befehl, die Streichen des Loggers aus⸗ laufen und bemannen zu laſſen. Zu gleicher Zeit wur⸗ den die Kanonen des Irrlichts— zwölfpfündige Karro⸗ naden— in gehörigen Stand geſetzt. Es hatte deren vier auf jeder Seite, während die zwei Sechspfünder auf der Back gleichfalls ſchußfertig gemacht wurden. Als Alles in Bereitſchaft war, ſanken die zwölf Streichen in einem Nu in das Waſſer, und durch eine mächtige Anſtrengung ſchoß der Logger nach vornen. Sein Klüver und Jigger waren in dieſem Augenblicke aufge⸗ geit. Eine Minute reichte hin, um Wincheſter zu über⸗ — 254— zeugen, wie vergeblich es wäre, eine Verfolgung mit der Felucca oder ſelbſt in den Booten zu wagen, wenn es dem Logger gefallen ſollte, in dieſer Weiſe flüchten zu wollen; denn die kräftigen Hände ſeiner Mannſchaft konnten ihn mittelſt der Streichen drei bis drei und einen halben Knoten in der Stunde fortbewegen. Das Irrlicht ſchien aber nicht fliehen zu wollen; denn ſein Vordertheil wurde gegen, La Divina Providenza gewendet, gleichſam als ließe es ſich von den Engländern täuſchen, und beabſichtige, die Wegnahme der Felucca zu hindern und einen Freund in Schutz zu nehmen. Raoul wußte jedoch beſſer, was er zu thun hatte, als man unter ſolchen Umſtänden anzunehmen ſchien. Er brachte den Logger auf eine Linie mit La Divina Providenza und den Booten, da dieſes einmal die Stel⸗ lung war, in welcher das Feuer der letztern ihm am wenigſten Schaden bringen konnte; denn er wußte wohl, daß alle Kugeln, welche herüber geſchickt wurden, abſicht⸗ lich ſo hoch gingen, daß ſie nicht treffen konnten; ſodann wollte er ſeine Feinde ſo haben, daß er ſie mit ſeinen Kanonen zumal zu beſtreichen im Stande wäre. Mittlerweile ſetzten die Felucca und die Boote nicht nur das Feuer ihrer Karronaden fort, ſondern ſie began⸗ nen auch von beiden Seiten ein lebhaftes Kleingewehr⸗ feuer; jene war jetzt nur noch auf hundert Schritte von dem Feu-Follet entfernt, und wurde, allem Anſcheine nach, von ihren Gegnern auf das heftigſte bedrängt. Da i der kleine! worden— beſonders Schichte: gewahren eine betre Theilen es Ithuel nicht, daß wuchs, ſ denn mar jede von zig andere in einer ſeinem ge Die fernt, al und die auf ihrer kommen der Divir gerade in die Klüſe „M. Feuer!“ Alle gung mit n, wenn flüchten annſchaft ind einen en; denn ovidenza igländern Felucca nen. un hatte, n ſchien. a Divina die Stel⸗ ihm am ßte wohl, 1, abſicht⸗ ;; ſodann nit ſeinen voote nicht ſie began⸗ ingewehr⸗ dritte von Anſcheine ängt. — 255— Da in dieſem Augenblicke aller Wind geſtorben war— der kleine Lufthauch war durch die Kanonenſchüſſe verſcheucht worden— bedeckte das Meer ſich ſchnell mit Dampf, und beſonders die Felucca ließ eine ungewöhnlich ſchwere Schichte Dunſtes auf ihrem Deck und um die Spieren gewahren, denn zu dieſem abſonderlichen Zwecke war eine beträchtliche Menge Pulvers in den verſchiedenen Theilen des Schiffes verbrannt worden. Auch entging es Ithuel inmitten dieſer Verwirrung und dieſem Dampfe nicht, daß die Mannſchaft der Divina Providenza an Zahl wuchs, ſtatt ſich in Folge des Kampfes zu vermindern, denn man hätte jetzt vier Streichen herausgebracht, deren jede von drei Mann bedient wurde, während faſt zwan⸗ zig andere ſichtbar wurden, hin- und herliefen, und ſich in einer Sprache zuſchrien, welche Italieniſch ſein ſollte, ſeinem geübten Ohre aber eher wie verderbtes Engliſch klang. Die Felucca war keine fünfzig Schritte mehr ent⸗ fernt, als dieſes Geſchrei ſich am lauteſten hören ließ, und die Kriſis nahe war. Das Hurrah aus den Booten auf ihrer andern Seite verkündigte das raſche Heran⸗ kommen Griffins und ſeiner Genoſſen; denn die Backen der Divina Providenza waren in einer Art blinder Eile gerade in eine Linie gelegt worden, welche ſie quer vor die Klüſen des Feu-Follet brachten. „Mes enfans,“ ſchrie Raoul,„soyez calmes— Feuer!“ Alle fünf Kanonen, ſchwer mit Kartätſchen geladen, — 256— entluden ſich in den Dampf der Divina Providenza— das Wehgeſchrei, das folgte, verkündete hinreichend, mit welcher Wirkung. Eine Pauſe feierlichen, ernſtens Schweigens folgte von Seiten der Engländer, und dann ließ ſich ein mann⸗ haftes Hurrah hören, als wenn ſie, auf jede Gefahr vorbereitet, entſchloſſen wären, dem Schlimmſten zu trotzen. Alsbald ſah man die Boote, welche um die Backen und den Spiegel der Felucca herum kamen und ernſtlich auf ihren wirklichen Feind zuruderten, während ihre zwei Karronaden, welche unterdeſſen geladen worden waren, und ein tödtliches Ziel finden ſollten, das Feuer er⸗ wiederten. 1 Es war jedoch zu ſpät. Als Griffin in der Barkaſſe aus dem Dampfe der Divina Providenza trat, ſah er alle Segel des Loggers geöffnet und von dem ſchwachen Hauche des hinſterbenden Südwinds gebläht. Le Feu- Follet war jedoch ſo leicht, daß keine Ente raſcher aus dem Bereiche des Vogelfängers wegſchwimmen konnte, als dieſes kleine Fahrzeug nach vornen ſchoß, den Rauch klärte, und ſeine Verfolger andere hundert Schritte hinter ſich ließ. Da es wahrſcheinlich war, daß der Wind lange genug ſtehen würde, um ſeine Leute unter dem Feuer der Fran⸗ zoſen in die äußerſte Gefahr zu bringen, befahl Win⸗ cheſter ſogleich den Booten, die Verfolgung aufzugeben, und ſich um die Felucca zu ſammeln. Dieſ beide T Ueberlegu Das den gelit als ein 7 Letztern jeder ſpẽ tergeordn ziemlich Kampfes Nich Fregatte in der 9 er, die und dant Der windwär heran ko bieſes F auf, un Schritte länder d Verwun Die zu, und 184— denza— hend, mit ns folgte in mann⸗ de Gefahr zu trotzen. ie Backen d ernſtlich ihre zwei en waren, Feuer er⸗ Barkaſſe t, ſah er ſchwachen Le Feu- aſcher aus n konnte, en Rauch Schritte nge genug der Fran⸗ ahl Win⸗ ifzugeben, — 257— Dieſem Befehl leiſtete man wider Willen Folge, und beide Theile hatten jetzt einen Augenblick Zeit zur Ueberlegung. Das Irrlicht hatte keinen erwähnenswerthen Scha⸗ den gelitten; die Engländer hatten aber nicht weniger als ein Dutzend Getödtete und Verwundete. Unter den Letztern war Wincheſter ſelbſt, und da er einſah, daß jeder ſpätere Erfolg vorzüglich auf Rechnung ſeines Un⸗ tergeordneten kommen würde, machte ihn ſeine Wunde ziemlich abgeneigt gegen jede fernere Verfolgung eines Kampfes, der ohnedies faſt hoffnungslos war. Nicht ſo Raoul Yvard. Als er bemerkte, daß die Fregatte gleich ihm den Wind gefaßt hatte, und daß ſie in der Richtung der Kämpfenden entlang glitt, beſchloß er, die Kühnheit des Verſuches nach Kräften zu rächen, und dann ſeine Fahrt fortzuſetzen. Der Logger wendete alſo im Winde, ging dann windwärts von der Felucca und begann, als er näher heran kam, ein lebhaftes Feuer. Im Anfange wurde bieſes Feuer entgegnet, bald aber hörte dieſer Widerſtand auf, und als das Irrlicht vor ſeinem Gegner einige Schritte windwärts vorüber war, ſah er, daß die Eng⸗ länder das Schiff bis auf einen Mann verlaſſen und ihre Verwundeten weggebracht hatten. Die Boote ruderten durch den Dampf auf die Bucht zu, und nahmen eine Richtung, die jener entgegen war, in 184— 186. — 258— welcher der Vortheil des Irrlichts ſtand. Es wäre den Franzoſen ein Leichtes geweſen, zu vieren, und ſie würden wahrſcheinlich die Flüchtlinge überholt, und bis auf den letzten Mann verſenkt oder gefangen haben; in dem Charakter Raoul's war jedoch ein Zug hoher Ritterlich⸗ keit, und er erklärte, die Kriegsliſt ſei vortrefflich erdacht und mannhaft in's Werk geſetzt worden; er wolle alſo ſeinen Sieg nicht weiter verfolgen. Vielleicht war auch die Erſcheinung Ghita's auf dem Deck und ihre flehent⸗ liche Bitte, barmherzig zu ſein, nicht ohne Einfluß; gewiß iſt es, daß er nicht erlaubte, noch einen Schuß auf den Feind zu thun.. So nahm der Logger, ſtatt ſeine Vortheile zu ver⸗ folgen, die Hinterſegel ein, vierete kurz um, kam leewärts von der Felucca in den Wind, ließ Alles nach vornen killen, ſetzte den Jigger wieder aus und luvte ſeiner Priſe ſo nahe, daß die beiden Fahrzeuge ſanft Seite an Seite kamen, ohne daß, wie man ſich auszudrücken pflegt, ein Ei zerbrochen wäre. Nur ein Tau befeſtigte die Felucca an den Logger, und Raoul, Ithuel und einige andere gingen an Bord der erſtern. Die Decke der Divina Providenza dampfte von Blut und in verſchiedenen Theilen des Schiffes ſteckten Kar⸗ tätſchen und Traubenfeuer handvollweiſe. In dem innern Raume fand man drei Leichen, etwas Lebendiges war jedoch nicht an Bord. Man nahm eine Theerpütſe, die gefüllt zur Hand war, ſtellte ſie an die Luckenklappe, deckte ſie den konn dieſer tre faſt bere erſt zu m gelöſt hat den Stan ehe das Segel in So hätten, bringen Südoſter Segel na ſeiner br die weſtl lich bei der Freg Die des nich ſchärfſte die ſchwã zu entde gänzliche wußte g werden daher al wäre den ſie würden s auf den in dem Ritterlich⸗ lich erdacht wolle alſo war auch re flehent⸗ Einfluß; Schuß auf le zu ver⸗ n leewärts ich vornen vte ſeiner Seite an ken pflegt, eſſtigte die und einige e von Blut eckten Kar⸗ hem innern diges war pütſe, die ckenklappe, — 259— deckte ſie mit allem Brennſtoff, deſſen man habhaft wer⸗ den konnte, und ſteckte ſie an. Die Flamme war in dieſer trocknen Jahreszeit ſo geſchäftig, daß Raoul es faſt bereute, die Vorſicht nicht gebraucht zu haben, ſie erſt zu wecken, nachdem er ſein Irrlicht von der Felucca gelöſt hatte; da aber der Südwind anhielt, wurde er in den Stand geſetzt, in eine ſichere Entfernung zu kommen, ehe das Feuer die Takelage der Felucca faßte und die Segel in Flammen geriethen. So gingen zehn Minuten verloren, die hingereicht hätten, die Boote außer Kanonenſchußweite landein zu bringen und die Fregatte auf Kanonenſchußweite von Südoſten heran zu führen. Raoul hohlte aber alle ſeine Segel nach hinten auf und brachte den Logger klar von ſeiner brennenden Priſe ab, und dann hielt er gegen die weſtliche Spitze von Elba ab und ging, wie gewöhn⸗ lich bei ſo leichter Luft, ſeine drei Fuß gegen die zwei der Fregatte. Die Stunde war jedoch für die Andauer des Win⸗ des nicht günſtig und zehn Minuten ſpäter würde der ſchärfſte Sinn in Verlegenheit geweſen ſein, auch nur die ſchwächſte Luftſtrömung über der Oberfläche des Meeres zu entdecken. Ein ſolches Flackern der Lampe vor ihrem gänzlichen Erlöſchen war etwas Gewöhnliches, und Raoul wußte gewiß, daß an dieſem Tag kein Wind mehr wach werden würde, bis der Zephyr wiederkehrte. Er ließ daher alle Segel aufhohlen, ein Zelttuch über der Schanze 17*† — 260— ausſpannen und den Leuten Erlaubniß geben, ihren eige⸗ nen Geſchäften nachzugehen. Auch die Fregatte ſchien zu bemerken, daß der Augen⸗ blick für die Sieſta des Schiffes und der Mannſchaft zumal gekommen ſei, denn ſie geiete ihre Oberſegel, ſo wie den Klüver und Spanker, hohlte ihre großen Segel auf und lag ſo bewegungslos auf dem Waſſer, als ſäße ſie auf einer Sandbank feſt. Ddie beiden Schiffe waren nur auf einen langen Kanonenſchuß geſchieden, und unter gewöhnlichen Umſtän⸗ den würde das größere es wohl für gelegen gehalten haben, das kleinere in Booten anzugreifen; aber die eben gegebene Lehre war für das franzöſiſche Schiff eine hin⸗ reichende Bürgſchaft, daß ein ſolcher Verſuch nicht wieder gewagt werden würde, und es erzeigte der Mannhaftig⸗ keit ſeines Nachbarn nicht einmal die Artigkeit, ihn wach⸗ ſam im Auge zu halten. Als eine halbe Stunde ſpäter Wincheſter von der Wunde an ſeinem Bein hinkend und ſeine Leute erſchöpft und gedemüthigt auf das Schiff zurückkamen, fand man, daß das Unternehmen ſieben guten Matroſen das Leben gekoſtet hatte, fünfzehn andere aber für eine Zeitlang dienſtunfähig waren. Sobald Capitain Cuffe den Logger unter ſeinen Segeln und dem Steuer ſo gehorſam um die Felucca und die Boote ſpielen ſah, fühlte er, daß das Unter⸗ nehmen geſcheitert war. Als er aber gewahrte, daß die Boote aut ſie gelitte ernſtlichen die Zahl mäßigen, nicht verb wurde, ſ in ſeine „Nu habt ihr Booten 1 Was wir und zwa eine Felu unterhalt „In konnten; Veſuv m Kartätſche Ich glau Felucca ſich nie b Hurrah l ich es je „Ja es hat er denn abe hren eige⸗ er Augen⸗ NKannſchaft rſegel, ſo zen Segel als ſäße en langen n Umſtän⸗ gehalten r die eben eine hin⸗ cht wieder lannhaftig⸗ ihn wach⸗ von der e erſchöpft fand man, das Leben 2 Zeitlang ter ſeinen ie Felucca das Unter⸗ , daß die — 251— Boote auf die Küſte zu ruderten, war er überzeugt, daß ſie gelitten haben mußten, und machte ſich auf einen ernſtlichen Verluſt gefaßt, jedoch nicht auf einen gegen die Zahl der ausgeſchickten Mannſchaft ſo unverhältniß⸗ mäßigen, Wincheſter vermied er, ſo lange ſeine Wunde nicht verbunden war, klüglich, zu fragen; Griffin aber wurde, ſobald die Bote aufgehißt und eingeſtaut waren, in ſeine Cajüte gerufen. „Nun, Herr Griffin, in eine verd—t hübſche Klemme habt ihr Alle mich da gebracht mit euerm Wunſche, in Booten nach Loggers und Raoul Yrards auszugehen! Was wird der Admiral ſagen, wenn er hört, daß zwei und zwanzig Mann auf das Brett gelegt wurden und eine Felucca zu bezahlen iſt,— alles als eine Morgen⸗ unterhaltung.“ „In der That, Capitain Cuffe, wir thaten, was wir konnten; man könnte aber eben ſo gut verſuchen, den Veſuv mit Schneeballen löſchen zu wollen, als man den Kartätſchen dieſes hölliſchen Loggers widerſtehen konnte. Ich glaube nicht, daß ſich Eine Raaſegel⸗Raa in der Felucca fand, die nicht gepfeffert war. Die Leute hielten ſich nie beſſer, und bis zu dem Augenblick, wo wir unſer Hurrah hören ließen, war ich des Irrlichts ſo gewiß, als ich es je meiner Beförderung geweſen bin.“ „Ja, ja— das Schiff hat einen guten Namen, denn es hat euch alle irre geführt. Was den Teufel habt ihr denn aber überhaupt Hurrah zu ſchreien, Herr? Habt — 262— Ihr in Euerm Leben einen Franzoſen Hurrah rufen hören? Eben dieſes Hurrahrufen war die Urſache, daß man euch erkannte, ehe ihr Seite an Seite wart. Ihr hättet rufen ſollen: Vive la République! wie ſie auf allen ihren Schiffen thun, ehe ſie den Kampf beginnen. Ein echtes engliſches Hurrah würde die Kehle eines Franzoſen zerſchleißen.“ „Ich glaube, wir haben darin gefehlt, Herr; aber ich ſah nie einen Kampf beginnen, ohne daß wir Hurrah gerufen hätten; und als es um uns warm wurde— oder warm zu werden ſchien— habe ich mich ein wenig vergeſſen. Aber wir hätten den Logger all' dem unge⸗ achtet doch bekommen, wäre Ein Umſtand nicht geweſen.“ „Und was war das, ſagt, Griffin? Ihr wißt, Mann, ich muß dem Admiral etwas Hörbares ſagen; es wird nicht angehen, in die Zeitung ſetzen zu laſſen, wir wären durch unſer eigenes Hurrahrufen gedroſchen worden.“ „Ich wollte Folgendes ſagen, Capitain Cuffe. Hätte der Logger ſeine volle Lage nicht gerade ſo, wie er gethan hat, abgefeuert, und hätte er uns Zeit gelaſſen, aus ſeiner Schußlinie zu gehen, ſo wären wir an ihn heran gekom⸗ men, ehe er wieder geladen hatte, und trotz des Windes, der ihm ſo günſtig war, wäre er unſer geweſen. Auch machte es einigen Unterſchied, daß uns drei Mann in der Barkaſſe ſchwer getroffen wurden, und in dem bedenk⸗ lichſten Augenblicke eben ſo viele Ruder händelos waren. Alles he Herr, „P ganz gu der Bar nach hit in eine allem h bekomm und wef „J er keine wir wät „C — der Seite zu ſchreien kein ſo dieſer v den Wo nuten ſi „S betrat ſi „J troſen i plump an Seit rah rufen ſache, daß vart. Ihr jie ſie auf beginnen. ſehle eines Herr; aber dir Hurrah wurde— hein wenig dem unge⸗ geweſen.“ ißt, Mann, ; es wird wir wären orden.“ ffe. Hätte e er gethan aus ſeiner lan gekom⸗ s Windes, ſen. Auch Mann in em bedenk⸗ los waren. Alles hängt in dergleichen Dingen von dem Glücke ab, Herr, wie Ihr wißt; und dies war unſer Mißgeſchick.“ „Pah— man darf Nelſon nicht ſagen:„Alles ging ganz gut, Eure Herrlichkeit, bis drei von der Mannſchaft der Barkaſſe ihre Ruder fahren ließen, was das Boot nach hinten warf.“ Nein, nein— das läüßt ſich nicht in eine Zeitung ſetzen. Laßt mich ſehen, Griffin; nach allem hielt der Logger von euch ab— ihr hättet ihn bekommen, wenn er nicht Segel beigeſetzt und ſüdwärts und weſtwärts auf eine Bulinie geſtanden hätte.“ „Ja, Herr, ſo hat er es allerdings gemacht. Hätt' er keine Segel beigeſetzt— nichts hätte ihn gerettet— wir wären ihm an die Seite gekommen.“ „Gut denn— er flüchtete— der Wind ſprang auf — der Feind nahm Segel— jeder Verſuch, an ſeine Seite zu kommen, fruchtlos.— Wackere Burſche! Sie ſchreien Hurrah und bieten alles Mögliche auf. Doch kein ſo ſchlechter Bericht, im Ganzen. Wie aber mit dieſer verd— ten Felucca? Ihr ſeht, ſie iſt bis auf den Waſſerrand verbrannt, und wird in wenigen Mi⸗ nuten ſinken.“ „Sehr wahr, Capitain Cuffe; aber kein Franzoſe betrat ſie, ſo lange wir darin waren.“ „Ja, ich ſehe jetzt, wie es war— warfen alle Ma⸗ troſen in das Boot, um zu jagen, da die Felucca zu plump und ungeſchmeidig war, und jeder Verſuch, Seite an Seite zu kommen, mißlang. Er iſt ein Teufel von — 264— einem Burſchen, dieſer Nelſon— und möchte lieber den Lärm von zehn tauſend Donnerwettern hören, als einen von ſeinen donnernden Briefen bekommen. Nun,— ich glaube, jetzt verſteh' ich den ganzen Vorfall vollkommen und werde Eurer aller nach Verdienſt erwähnen. Es war ein ſchönes Wagniß, obgleich es verunglückte; Ihr hättet verdient, daß es gelungen wäre, was auch Urſache gewe⸗ ſen ſein mag, daß es mißlang.“ Hierin war Capitain Cuffe der Wahrheit näher, als in allem andern, was er bei dieſer Gelegenheit vorbrachte. Zehntes Kapitel. O, ein erhabener Gedanke iſt's, Daß auf der Waſſerwüſte kühn der Menſch Sich einen Pfad erzwinget, und die Winde, Die freieſten Vollſtrecker höh'rer Macht, So bändigt, daß ſie ihre wilden Schwingen Ihm leihen und zu fernen Himmelsſtrichen Ihn willig tragen. Ware. Ghita Carraccioli's Lage während des wilden Kampfes, deſſen wir eben gedacht haben, war höchſt unangenehmer Art. Glücklicherweiſe war dieſer Kampf nur kurz und Raoul hatte ſie in gänzlicher Ungewißheit über die heran⸗ nahende Gefahr gelaſſen, bis zu dem Augenblicke, wo Le Fei ſie die wechſelt Sache, man in war es genblicke Knien, dem De Flüchtig Jet war jed 1 Deck we war ſo Vorthei niſſes j eine ſol — von rend de ſo ma⸗ waren, währen zu leide Manns Dienſt der zei denken, lieber den als einen tun,— ich mmen und Es war Ihr hättet ache gewe⸗ näher, als vorbrachte. , der Menſch d die Winde, er Macht, Schwingen melsſtrichen are. Kampfes, ngenehmer kurz und die heran⸗ blicke, wo — 265— Le Feu-Follet ſein Feuer begann. Allerdings hatte ſie die Schüſſe gehört, welche die Felucca und die Boote wechſelten; allein man hatte ihr geſagt, dies ſei eine Sache, an welcher der Kaper keinen Theil habe, und da man in der Cajüte den Schall für ziemlich fern hielt, war es leicht, ſie zu täuſchen. Während der heißen Au⸗ genblicke lag ſie an der Seite ihres Oheims auf den Knien, und ſobald der Kampf endigte, erſchien ſie auf dem Deck und bemühte ſich in der erzählten Weiſe, die Flüchtigen zu retten. Jetzt aber war die Scene ganz anders, der Logger war jeder beachtenswertheren Beſchädigung entgangen; ſein Deck war nicht mit Blut befleckt worden und ſein Sieg war ſo vollkommen, als er nur ſein konnte. Zu dieſen Vortheilen kam noch, daß der Ausgang dieſes Begeb⸗ niſſes jede Beſorgniß einer Gefahr da entfernte, woher eine ſolche, nach Raoul's Bedünken, allein drohen konnte, — von der Fregatte ſelbſt oder einem Bootangriff wäh⸗ rend der Windſtille;— denn Leute, welche eben bei einem ſo maskirten Unternehmen ſo rauh behandelt worden waren, erneuerten einen ähnlichen Verſuch ſchwerlich, während ſie noch an den Folgen der letzten Niederlage zu leiden hatten. Vorfälle dieſer Art machen die ganze Mannszucht und Entſchloſſenheit, welche ein geregelter Dienſt nur geben kann, nothwendig, und man darf unter der zeitlichen Entmuthigung der Niederlage nicht daran denken, neue Wechſelfälle herbei führen zu wollen. Alle — 266— an Bord des Loggers betrachteten daher dieſen Strauß mit der Proſerpina, für den Augenblick wenigſtens, als beendigt. Ghita hatte zu Mittag geſpeiſ't, denn der Tag hatte ſich nun ſchon ſeit einiger Zeit gewendet, und war auf das Deck gekommen, um ſich der Beſchränkung einer ſehr kleinen Cajüte zu entziehen, wo ihr Oheim ſich der gewohnten Sieſta erfreute. Sie ſaß unter dem Zelttuche der Schanze, und war mit ihrer Nadel beſchäftigt, wie ſie zu dieſer Stunde auf den Höhen von Argentaro zu thun pflegte. Raoul hatte ſich auf eine Laffette neben ſie geſetzt, und Ithuel war in der Nähe damit beſchäf⸗ tigt, ein Perſpectiv auseinander zu nehmen, um die Gläſer zu reinigen. „Ich glaube, dieſer treffliche Andrea Barrofaldi ſingt ein Te Deum, daß es unſern Klauen entgangen iſt,“ rief Raoul plötzlich lachend.„Pardieul er iſt ein großer Geſchichtskenner und wäre in aller Weiſe geeignet, den Bericht von dem großen Siege zu ſchreiben, welchen Monsieur P'Anglais la-bas im Begriffe iſt, an ſeine Re⸗ gierung zu ſchreiben.“ „Und ſolltet Ihr, nachdem Ihr glücklich entronnen, nicht veranlaßt ſein, ein Te Deum zu ſingen?“ fragte Ghita ſanft, aber doch mit Nachdruck.„Habt Ihr nicht ſo gut wie der Vice⸗Statthalter einem Gotte Euern Dank abzuſtatten?“ „Peste!— an unſere franzöſiſche Gottheit denkt man ebe Ihr wif iſt's nich habt Ihr Da und den ſicht kan noch drü der Geĩ entgegen worden, Teufel! der Abk wärts, ſter, ſo ſchenwär Dennoch erheben, tung, üb machten die übrig 77 J tete er, nismus rika ſtell wenn do zu ſagen n Strauß enigſtens, Tag hatte war auf einer ſehr ſich der Zelttuche tigt, wie ntaro zu te neben t beſchäf⸗ um die aldi ſingt gen iſt,“ in großer net, den welchen eine Re⸗ gtronnen, “ fragte Ihr nicht e Euern eit denkt — 267— man eben jetzt wenig, Ghita. Republikaner haben, wie Ihr wißt, keinen großen Glauben in Religionsſachen, iſt's nicht ſo, mon brave Américain? Sagt uns, Ithuel, habt Ihr in Amerika Religion?“ Da Ithuel Raoul's Anſichten über dieſen Gegenſtand und den herrſchenden Zuſtand Frankreichs in dieſer Hin⸗ ſicht kannte, war er über dieſe Frage weder erſtaunt, noch drückte er einige Verwunderung aus. Dennoch war der Gedanke allen ſeinen Begriffen und Vorurtheilen entgegen; denn er war von früheſter Jugend auf gelehrt worden, die Religion zu achten, ſelbſt wenn er dem Teufel noch ſo eifrig diente. Kurz, Ithuel war einer der Abkömmlinge jenes Puritanismus, und„Gott⸗ wärts,“ wie ſie es nannten, war er ein wahres Mu⸗ ſter, ſo weit ſeine Theorie ſich erſtreckte; aber„men⸗ ſchenwärts“ glich er den Schriftgelehrten und Phariſäern. Dennoch war er ſtets bereit,„ſich für die Religion zu erheben,“ wie er ſich auszudrücken pflegte, eine Behaup⸗ tung, über welche ſeine engliſchen Kameraden ſich oft luſtig machten, und erklärten, er„erhebe ſich“ ſogar, wenn die übrige Schiffsgeſellſchaft auf den Knien liege. „Ich muß faſt fürchten, Monſieur Rule,“ antwor⸗ tete er,„daß Ihr in Frankreich das Tau des Republika⸗ nismus am unrechten Ende eingelaſſen habt. In Ame⸗ rika ſtellen wir die Religion ſelbſt über die Dollars, und wenn das nicht überzeugend iſt, ſo habe ich nichts mehr zu ſagen. Nun, ich wünſche nichts, als Ihr möchtet —ꝛx—— — 268— einmal einen Sonntag in den Granit⸗Staaten ſehen, Sig⸗ norina Ghita, um einen Begriff davon zu bekommen, was unſere weſtliche Religion wirklich iſt.“ „Jede wirkliche Religion— jede wirkliche Vereh⸗ rung Gottes, in der öſtlichen wie in der weſtlichen Welt, iſt dieſelbe, oder ſollte dieſelbe ſein, Signor Ithuello. Ein Chriſt iſt ein Chriſt, mag er nun leben und ſter⸗ ben, wo er will.“ „Das iſt nicht ganz daſſelbe Tau, denk' ich. Nun, Gott ſegne Euch, junge Dame— Eure Religion gleicht nicht mehr der meinigen, als meine Religion der des Erzbiſchofs von Canterbury oder des Herrn Rule hier gleicht.“ „La mienne!“ rief Raoul.„Ich habe auch keine Anſprüche, mon brave; und eine Vergleichung mit Nichts iſt nicht möglich.“ Ghita's Blick war eher freundlich als vorwurfsvoll, aber er war ſehr bekümmert. „Worin kann unſere Religion verſchieden ſein, da wir Beide Chriſten ſind?“ fragte das Mädchen.„Ame⸗ rikaner oder Italiener— es iſt ſtets daſſelbe.“ „Das kommt daher, daß man Ameriky nicht kennt,“ ſagte Ithuel, der eine große Meinung von ſich und zu⸗ mal von dem Lande hatte, aus welchem er ſtammte; „erſtens habt Ihr einen Pabſt und Cardinäle und Biſchöfe, und lauter ſolche Sachen in Eurer Religion, wovon wir Alle nichts wiſſen.“ „A wir habe gion,“ Biſchöfe Theil ſe das Obe „N und legt. und nim der auf nicht All Hät forder 9 ſo hätte ſelbſtgere Beſchuld Anſichter hielt es kommen ſchlagen, And ſie war ſchen Ki ein tiefe ten, we und obg Kruzifix den, Sig⸗ kommen, e Vereh⸗ en Welt, Ithuello. und ſter⸗ h. Nun, on gleicht der des Kule hier h keine it Nichts ourfsvoll, ſein, da „Ame⸗ t kennt,“ und zu⸗ ſtammte; Biſchöfe, ovon wir „Allerdings haben wir einen heiligen Vater, und wir haben Cardinäle; aber dieſe ſind nicht meine Reli⸗ gion,“ antwortete Ghita und ſah erſtaunt aus,„die Biſchöfe ſind freilich von Gott eingeſetzt und machen einen Theil ſeiner Kirche aus; und der Biſchof von Rom iſt das Oberhaupt der Kirche auf Erden— aber nichts mehr.“ „Nichts mehr?— Betet Ihr nicht die Bilder an? und legt man in Euern Betſtunden nicht Gewänder an und nimmt ſie wieder ab, und kniet man ſich nicht nie⸗ der auf heuchleriſche, gottloſe Weiſe? und läuft bei Euch nicht Alles auf eitle Ceremonien hinaus?“ Hätte Ithuel die Abſicht gehabt, einen Satz der Ox⸗ forder Rechtgläubigkeit auf Leben und Tod zu bekämpfen, ſo hätte er dieſe Worte nicht mit mehr Eifer oder mit ſelbſtgerechterer Salbung ausſtoßen können. Die gemeinſten Beſchuldigungen einer äußerſt gemeinen Rotte ſectirender Anſichten waren in ſeinem Kopfe aufgehäuft, und er hielt es für einen hohen Beweis proteſtantiſcher Voll⸗ kommenheit, alle die Gebräuche, denen man ſich ent⸗ ſchlagen, zu verabſcheuen und zu verfluchen. Andrerſeits hörte Ghita mit Erſtaunen zu; denn für ſie war der Werth, in welchem die Gebräuche der römi⸗ ſchen Kirche bei der großen Maſſe der Proteſtanten ſtand, ein tiefes Geheimniß. Der Gedanke, ein Bild anzube⸗ ten, war ihrem unſchuldigen Geiſte nie beigekommen, und obgleich ſie ſich oft vor ihrem kleinen elfenbeinernen Kruzifix niederkniete, war es ihr doch nie eingefallen, daß Jemand ſo unwiſſend ſein könne, die blos körper⸗ liche Darſtellung des Opfers, welche es verſinnlichen ſollte, mit der göttlichen Sühne ſelbſt zu verwechſeln. „Der Anſtand fordert es, vor dem Altar eigene Gewänder zu tragen,“ ſagte ſie,„und die Diener deſ⸗ ſelben dürfen nicht gekleidet ſein wie andere Menſchen. Wir wiſſen, daß das Herz, die Seele bewegt ſein muß, wenn wir Gnade vor Gott finden wollen; dies macht aber die äußern Zeichen der Achtung, welche wir ja ſelbſt gegeneinander beobachten, nicht weniger nothwen⸗ dig. Was die Anbetung von Bildern betrifft, ſo wäre dies Abgötterei, und ſo ſchlimm, als es die armen Hei⸗ den ſelbſt ſind.“ Ithuel ſah verwundert aus; denn er hatte nie im geringſten gezweifelt, daß die Bilderanbetung einen weſent⸗ lichen Theil der katholiſchen Religionsverehrung aus⸗ mache; und hinſichtlich des Pabſtes und der Cardinäle war er der Anſicht, ſie ſeien für den Glauben die⸗ ſer Kirche eben ſo unentbehrlich, als er es in ſeiner eigenen Kirche für wichtig erachtete, daß die Geiſtlichen keine Gewänder trugen und daß die Gebäude, in wel⸗ chen ſein Gottesdienſt gehalten wurde, viereckige Fenſter hatten. So abgeſchmackt dies auch heut zu Tag klingen mag, und ſo ſchlimm es auch nach hundert Jahren ſchei⸗ nen wird,— es bildete und bildet keinen kleinen Theil des Sectirerglaubens, und geſellte ſich zu dem Eifer und Ungeſtüm Derer, welche es für nothwendig halten, aus Liebe zu nur auf blicken k lich auf Amerika ſprünge in den ſollte, d die ſtänd Welt fül „E achtung; höchſten muß,— lich— welche v ken, M „M und ganz „Ac din und „Der Gl rechten bei Dem Euch das „Si verſetzte os körper⸗ rſinnlichen ſchſeln. rar eigene diener deſ⸗ Menſchen. ſein muß, hies macht ee wir ja nothwen⸗ ſo wäre -men Hei⸗ tte nie im en weſent⸗ ung aus⸗ Cardinäle zuben die⸗ in ſeiner Geiſtlichen , in wel⸗ ge Fenſter ag klingen hren ſchei⸗ nen Theil Eifer und alten, aus — 271— Liebe zu Gott zu hadern und zu ſtreiten. Wenn wir nur auf den Wechſel unſerer eigenen Anſichten zurück⸗ blicken könnten, ſo würde dies uns weniger zuverſicht⸗ lich auf das Untrügliche unſerer Sinne machen, und ein Amerikaner, der lange genug gelebt hat, um die Luft⸗ ſprünge der meiſten neuern Secten ſeines Vaterlandes in den letzten fünf und zwanzig Jahren mitanzuſehen, ſollte, denken wir, eine Art gebührender Achtung gegen die ſtändigern, ehrwürdigen Abtheilungen der chriſtlichen Welt fühlen. „Eigene Gewänder!“ wiederholte Ithuel mit Ver⸗ achtung;„welche Gewänder braucht man Angeſichts des höchſten Weſens? Nein, wenn ich Religion haben muß,— und ich weiß, es iſt nothwendig und gedeih⸗ lich— ſo ſoll es eine reine, nackte Religion ſein, welche vor der Vernunft aushält, heißt das nicht den⸗ ken, Monſieur Rule?“ „Ma foi, oui. Die Vernunft vor Allem, Ghita, und ganz beſonders, Vernunft in der Religion.“ „Ach, Raoul, dieſe Vernunſt eben iſt Eure Fein⸗ din und Verführerin,“ verſetzte das Mädchen ernſt. „Der Glaube und eine fromme Abhängigkeit machen den rechten Zuſtand des Gefühls aus, und doch ſprecht Ihr bei Dem von Vernunft, der das Weltall geſchaffen und Euch das Leben eingehaucht hat!“ „Sind wir nicht vernünftige Geſchöpfe, Ghita?“ verſetzte Raoul ſanft, und doch nach den Umſtänden mit einer Biederkeit und Wahrheit, die ſelbſt ſeinen Unglau⸗ ben anziehend und achtbar machte;—„und iſt es unver⸗ nünftig, wenn man erwartet, daß wir unſerer Natur gemäß handeln? Kann ich einen Gott verehren, den ich nicht begreife?“ „Könnteſt du einen Gott verehren, den du begrei⸗ feſt? Er würde aufhören, eine Gottheit zu ſein und einer der Unſrigen werden, wenn ſein Weſen und ſeine Eigenſchaften in die Sphäre unſeres Begreifens herab⸗ gezogen würden. Wenn Einer deiner Matroſen auf dieſe Schanze ſtiege und darauf beſtünde, alle deine Gründe für die in dieſer kleinen Felucca gegebenen Befehle hören zu wollen, ſo würdeſt du ihn als einen Unverſchämten und Aufrühreriſchen ſofort zurückweiſen; und doch willſt du den Gott des Weltalls zur Rede ſtellen und ſeine Geheimniſſe durchdringen!“ Raoul ſchwieg, während Ithuel unbeweglich daſtand. Es war etwas ſo Seltenes, Ghita ihrem ſo überaus zurück⸗ haltenden und ſanften Weſen entſagen zu ſehen, daß die Röthe ihrer Wange, der ſtrenge Ernſt ihres Auges, der leidenſchaftliche Ton ihrer Stimme und der Nachdruck, mit welchem ſie bei dieſer Gelegenheit ſprach, eine Art Scheu hervorbrachte, welche nicht erlaubte, das Geſpräch fortzuſetzen. Das Mädchen ſelbſt war ſo erregt, daß, nachdem ſie eine Minute mit den Händen vor dem Geſichte da geſeſſen hatte, ihre Thränen ungeſtüm her⸗ vorbrachen. Sie achtete z daran zu düſtert u merkſam „M ſcharfe, „und ni religiöſe der und die Itali ganz gute Rao da die Zephyr fahl die Stand d zu faſſen. Dort ihre Sief andere E des Winn war ſie d ſam bedie benützt n als er ſa nach ihr 184— en Unglau⸗ es unver⸗ rer Natur e, den ich u begrei⸗ ſein und und ſeine ens herab⸗ mauf dieſe ne Gründe fehle hören eerſchämten doch willſt und ſeine ſch daſtand. aus zurück⸗ n, daß die Auges, der Nachdruck, , eine Art s Geſpräch regt, daß, vor dem geſtüm her⸗ Sie erhob ſich und eilte in die Cajüte. Raoul achtete zu ſorgſam auf die Geſetze des Anſtandes, um daran zu denken, ihr folgen zu wollen; aber er ſaß ver⸗ düſtert und in Gedanken vertieft, bis Ithuel ſeine Auf⸗ merkſamkeit auf ſich zog. „Mädchen ſind und bleiben Mädchen,“ ſagte dieſer ſcharfe, philoſophiſche Beobachter der Menſchenfamilie, „und nichts berührt ihre Natur ſchneller, als ein wenig religiöſe Aufregung. Ich behaupte, ohne alle dieſe Bil⸗ der und Cardinäle und Biſchöfe und ſolches Zeug gäben die Italiener(Ithuel ſprach ſtets Eitaliener aus) eine ganz gute Sorte von Chriſten ab.“ Raoul war jedoch nicht zum Sprechen geſtimmt, und da die Stunde nun herangerückt war, wo man dem Zephyr wieder entgegen ſehen konnte, erhob er ſich, be⸗ fahl die Zeltdecke einzunehmen, und ſchickte ſich an, den Stand der Dinge um ihn her genauer in das Auge zu faſſen. 3 Dort lag die Fregatte und hielt, wie Alles umher, ihre Sieſta; ihre drei obern Segel ſtanden, aber jedes andere Segel war los, und harrte, in Feſtons hängend, des Windes. So ſorglos ihr Ausſehen auch ſein mochte, war ſie doch in den letzten wenigen Stunden ſo aufmerk⸗ ſam bedient, und ſelbſt der kleinſte Windhauch ſo eifrig benützt worden, daß Raoul vor Ueberraſchung zurückfuhr, als er ſah, wie viel näher ſie ſeit der Zeit, wo er nicht nach ihr ausgeſehen, herangerückt war. 184— 186. d — 274— Die ganze Liſt war ihm auf den erſten Blick ein⸗ leuchtend, und er konnte nicht umhin, ſich der Saum⸗ ſeligkeit anzuklagen, als er bemerkte, daß er innerhalb des Bereichs der Kanonen dieſes furchtbaren Feindes, obgleich immer noch entfernt genug liege, um das Ziel ziemlich unſicher zu machen, beſonders wenn die See ſich heben ſollte.. Die Felucca war bis zu dem Waſſerrande verbrannt; in Folge der glatten Flut ſchwamm aber ihr Wrack noch, und ging langſam in die Bucht ein, da eben eine leichte Strömung in der Richtung, in welcher ſie lag, vorherr⸗ ſchend war. Die Stadt, welche dem Zlicke entzogen war, ſonnte ſich in der Nachmittagsglut, und die ganze Inſel Elba ſchien in Schlummer zu liegen. „Welch' eine Sieſta!“ ſagte Raoul zu Ithuel, als Beide an dem Fuße des Bugſpriet ſtanden, und neugie⸗ rig auf dies Schauſpiel blickten, wo Alles, Meer, Land, Berge, Bürger und Matroſen in Schlaf gelullt ſchienen. „Bien— dort drüben weſtlich iſt Leben, und wir müſſen weiter weg von Eurer Proſerpina. Ruft die Matroſen heran, Monſieur Lieutenant. Laßt uns zu unſern Ruder⸗ ſtreichen greifen, und das Vordertheil des Irrlichts auf die andere Seite wenden. Peste! der Logger iſt ſo fein gebaut, und hat eine ſo mächtige Laune, eben dahin zu gehen, wohin ſein Schnabel ſteht, daß ich fürchte, er iſt auf den Feind zugekrochen, wie das Kind auf das Feuer zukriecht, das ihm die Finger brennt.“ Al Thätigl arbeiter terte, über di Seeleu athmet. Mannſe geſchäft der Pfe gefährli des Me wirklich ſeine B In der Atn Raoul vornen halben Steuer anmuth gen um Ni Steuerk marsſeg nach lee und ihr Blick ein⸗ der Saum⸗ r innerhalb n Feindes, m das Ziel ie See ſich verbrannt; Wrack noch, eine leichte I, vorherr⸗ e entzogen d die ganze Ithuel, als und neugie⸗ keer, Land, llt ſchienen. wir müſſen e Matroſen ſern Ruder⸗ rrlichts auf iſt ſo fein en dahin zu rchte, er iſt †das Feuer — 275— Alle Leute an Bord des Feu-Follet waren bald in Thätigkeit, und man ſchickte ſich eben an, die Streichen arbeiten zu laſſen, als der Jigger ſich bewegte und flat⸗ terte, und der erſte Hauch des erwarteten Weſtwindes über die Oberfläche des Waſſers dahin ſtreifte. Für die Seeleute war dies, als hätten ſie Sauerſtoffgas einge⸗ athmet. Jeder Anſchein von Schläfrigkeit ſchied von der Mannſchaft der beiden Schiffe, und Alles war in Eile geſchäftig, mehr Segel beizuſetzen. Raoul hörte den Ton der Pfeife an Bord der Fregatte, ein Beweis, in welche gefährliche Nähe er gekommen war; dabei war die Stille des Meeres ſo groß, daß das Krachen der Fockraa ihm wirklich an das Ohr ſchlug, als das engliſche Schiff raſch ſeine Braſſen einhohlte und ſein Vormarsſegel back legte. In dieſem Augenblicke ward ein zweiter Athemzug der Atmosphäre bemerklich, und der Wind ſprang auf. Raoul gab ſeine Befehle, und der Logger ſchoß nach vornen und gleitete gegen die Fregatte hin. In einer halben Minute hatte er aber hinreichend Fahrt, das Steuer wurde abgehalten, und er wendete ſo leicht und anmuthig rundum, wie der Vogel ſich auf ſeinen Schwin⸗ gen umkehrt. Nicht ſo die ſchwerere Fregatte. Sie hatte ihre Steuerbord⸗Vorbraſſen eingehohlt, und mußte ihr Vor⸗ marsſegel back bringen und mit ihrem Vordertheil wacker nach leewärts abhalten, um ihre Raaen zu ſchwingen und ihre Segel zu fällen, während das Irrlicht durch 18* — 276— das Waſſer dahinſchlüpfte, und, wie es ſchien, in des Windes Auge ging. Durch dieſe einzige Schwenkung gewann der Logger ſeinem Feinde mehr als eine Kabellänge ab, und fünf Minuten mehr hätten ihn jeder unmittelbaren Gefahr überhoben. Capitain Cuffe wußte dies aber eben ſo gut, wie ſein Gegner, und hatte ſeine Vorkehrungen demgemäß getroffen. Er nahm ſeine Vorraaen back, trieb ſein Schiff rund ab, bis die volle Seite dem Logger zugekehrt war, und ließ jetzt alle Kanonen auf ſeine Steuerbord⸗ „Batterien ſpielen, wobei die größte Sorgfalt angewendet wurde, daß keine Kugel fehl ging. Zwei und zwanzig ſchwere Rundkugeln, die plötzlich auf ein kleines Fahr⸗ zeug, wie das Irrlicht, einherbrachen, waren eine ſchreck⸗ liche Heimſuchung, und die Verwegenſten hielten einen Augenblick ihren Athem ein, als der eiſerne Wirbelwind an ihnen vorüber ſauſte. Glücklicherweiſe gingen die Kugeln nicht in das Holz des Schiffes, aber oben richteten ſie viel Unheil an. Der Jiggermaſt wurde entzweigeriſſen, und flog wie ein Pfei⸗ fenrohr empor; der Hauptmaſt bekam eine ſchwere Wunde unter den Backen, und die Raa ſelbſt wurde in der Mitte zerſylittert. Nicht weniger als ſechs Kugeln dran⸗ gen durch beide Loggs, und riſſen Löcher in die Segel, daß ſie einem Bettler⸗Hemde ähnlich ſahen, und das Klüver⸗Stag war halbwegs zwiſchen dem Maſttop und dem Bu det, und derben Jet Er wuß behren nuten a Spieren ließ All Windes Ma Stag hi und Se aufzuhiſ Maſt ſ wurden zeſte W dieſes r unverlet Gl Kanone Vorraa in zehn Di Seine die Sp ihren n, in des der Logger und fünf n Gefahr gut, wie demgemäß trieb ſein zugekehrt teuerbord⸗ ngewendet dd zwanzig ines Fahr⸗ ine ſchreck⸗ lten einen Virbelwind das Holz an. Der eein Pfei⸗ ere Wunde de in der geln dran⸗ die Segel, und das aſttop und — 277— dem Bugſpriet entzwei geriſſen. Niemand war verwun⸗ det, und doch glaubte Jeder einen Augenblick, das Ver⸗ derben ſei plötzlich über den Logger hereingebrochen. Jetzt zeigte Raoul ſich in ſeinem wahren Charakter. Er wußte, daß er gerade jetzt keine Elle Leinwand ent⸗ behren könne, und daß Alles von den nächſten zehn Mi⸗ nuten abhinge. Nichts wurde daher eingenommen, um Spieren und Segel in Sicherheit zu bringen, ſondern er ließ Alles ſtehen und vertraute auf die Leichtigkeit des Windes, der gewöhnlich ſehr gemäßigt anfing. Matroſen wurden augenblicklich beordert, ein neues Stag hinaufzubringen; man ſchaffte eine neue große Raa und Segel entlang, und Alles wurde bereitet, um beide aufzuhiſſen, ſobald man ſich überzeugt hatte, daß der Maſt ſie tragen könne. Faſt dieſelben Vorkehrungen wurden nach vornen getroffen, da man ſo auf die kür⸗ zeſte Weiſe des zexriſſenen Fockſegels los wurde; denn dieſes wollte man anſchlagen und losmachen, da die Raa unverletzt war. Glücklicherweiſe beſchloß Capitain Cuffe, mit ſeinen Kanonen keine Zeit mehr zu verlieren; er ſchwang ſeine Vorraaen. und die Fregatte ſchoß in den Wind auf, und in zehn Minuten war Alles in ſegelfertigem Stande. Dieſe ganze Zeit hatte der Logger nicht geruht. Seine Leinwand faackerte, aber ſie hielt aus, und ſelbſt die Spieren, ſo ſehr ſie auch beſchädigt waren, hielten ihren Platz. Mit einem Worte, der Wind war noch — 2738— nicht ſtark genug, um jene zu zerreißen, und dieſe weg⸗ zutreiben. Auch kam es dem Feu-Follet zu ſtatten, daß dieſe Unfälle, beſonders der Verluſt des Jiggers den Logger weniger luvgierig machte, als er ſonſt geweſen wäre; denn indem er die Fregatte gerade in ſeinem Fahrwaſſer behielt, war er den Jagdkanonen weniger blosgeſtellt, als er es auf einer der beiden Seiten geweſen wäre. Raoul überzeugte ſich bald, daß er in dieſer Hinſicht recht hatte; denn die Proſerpina begann, ſobald ſie in den Wind kam, mit ihren beiden Steuerbord⸗Kanonen zu feuern, obgleich keine genau einſchlug; die eine flog ein wenig windwärts, und die andere ungefähr eben ſo weit auf die andere Seite. Auch hatte Raoul die Freude, in Folge dieſer Schüſſe zu erfahren, daß der Logger, ſeiner Beſchädigungen ungeachtet, nach vornen zog, eine Thatſache, welche ſich den Engländern ſelbſt ſo klar dar⸗ ſtellte, daß ſie bald aufhörten zu feuern. So weit geſtalteten ſich die Dinge beſſer, als Raoul anfangs Grund gehabt hatte zu hoffen, obgleich er wohl wußte, daß der entſcheidende Augenblick erſt kommen müſſe. Der Weſtwind blies zu dieſer Tageszeit oft ſehr friſch, und wenn er jetzt ſtärker wurde, bedurfte er all ſeiner Leinwand, um klar von einem Schiffe abzukom⸗ men, welches wegen ſeiner Jagd⸗Eigenſchaften bekannt war. Er konnte nicht ſagen, wie lange noch ſein Maſt und ſeine große Raa ſtehen bleiben würden; da er aber augenſe den, ſ vor der vornen Spiere reich ſ welche flogen M verabſe den zu ſtänder ein we hielt, gatte i E die Se ſie in eigenen oft in wäre noch r denn Winde aus J raſches denno dieſe weg⸗ zu ſtatten, iggers den ſt geweſen in ſeinem n weniger n Seiten er Hinſicht ald ſie in Kanonen eine flog Or eben ſo ie Freude, r Logger, zog, eine klar dar⸗ als Raoul h er wohl kommen t oft ſehr fte er all abzukom⸗ n bekannt ſein Maſt a er aber — 279— augenſcheinlich vorrückte, beſchloß er„Pfeifen zu ſchnei⸗ den, ſo lang' er im Rohr ſäße,“ und, wenn möglich, vor dem Eintritte des friſchen Weſtes, weit genug nach vornen zu kommen, um ſeine Segel umlegen und die Spieren beſchalen zu können, ohne wieder in den Be⸗ reich ſo rauher Beſucher zu kommen, wie die waren, welche ſo eben erſt durch ſeine dünnen Taugeflechte ge⸗ flogen waren. Mittlerweile wurden die nöthigen Vorkehrungen nicht verabſäumt. Leute wurden in die Höhe geſchickt, um mit den zwei Spieren zu machen, was ſich unter ſolchen Um⸗ ſtänden damit machen ließ, und der Zug wurde dadurch ein wenig gemindert, daß man den Logger ſo weit weg hielt, als es geſchehen konnte, ohne daß man die Fre⸗ gatte in den Stand ſetzte, ihre Leeſegel fliegen zu laſſen. Es iſt in einer Jagd ſtets etwas ſo Erregendes, daß die Seeleute nie verfehlen, mehr Wind zu wünſchen, da ſie in ihrem Eifer vergeſſen, daß die Kraft, welche ihre eigenen Schritte beflügelt, auch dem Gegner, und zwar oft in ungleichem Verhältniſſe zu ſtatten kommt. Es wäre für das Irrlicht viel wünſchenswerther geweſen, noch weniger Wind zu haben, als jetzt fühlbar wurde, denn ihre bezügliche Segelgeſchwindigkeit war bei leichtem Winde größer als bei einer ſtarken Bö. Raoul wußte aus Ithuel's Angaben, daß die Proſerpina ein äußerſt raſches Schiff war, beſonders wenn der Wind friſch blies; dennoch ſchien ihm ſein Logger nicht mit hinreichender 280— Eile entlang zu kommen, obgleich ſein Gegner gewiß ſein konnte, bei ſtärkerer Bö ihm in einer Segelgeſchwindig⸗ keit zu folgen, die mit ſeiner eigenen in gleichem Ver⸗ hältniſſe ſtand. 3 Der Wunſch des jungen Befehlshabers des Kapers ging jedoch bald in Erfüllung. Der Wind friſchte bedeu⸗ tend auf, und als die beiden Schiffe in den Kanal von Corſica, wie die Enge zwiſchen dieſer Inſel und Elba genannt wird, eintraten, war die Fregatte genöthigt, ihre Oberbramſegel und zwei oder drei jener leichten, luftigen Stagſegel einzunehmen, welche die Schiffe zu jener Zeit zu führen pflegten. Anfangs hatte Raoul geglaubt, er könnte nach Baſtia abhalten, das gerade weſtlich von dem Südende der Inſel Elba liegt; obgleich aber der Wind durch den Kanal ein wenig nieder trieb, blies er doch zu friſch, als daß die Geſtaltung der Küſten, mochte ſie ſein, welche ſie wollte, ſeine Strömung weſentlich hätte ändern können. Der Zephyr, wie der Sommernachmittagswind des ſüdlichen Italiens vorzüglich von den Alten genannt wurde, kommt ſelten genau aus Weſten; er hat, wie die See⸗ leute ſich ausdrücken, gewöhnlich etwas Nordiſches bei ſich; und wenn man weiter an der Küſte herauf kommt, dreht ſich derſelbe Wind faſt immer um die Landſpitze von Corſica und bläſt faſt aus Weſt⸗Nord⸗Weſt. Dies würde den Logger in den Stand geſetzt haben, ſeinen Curs einer tiefen Bucht zuzuwenden, an welcher die Sta wie er können: hin, Re ten Spi Mündur Die von leic da eine war, be Schäden nungen in der Steuer An nicht we Wenn hatte, zu erwa aus Fre Als kam, e ob es il ſegeln, Klippen einwärt zu folge ewiß ſein ſchwindig⸗ hem Ver⸗ s Kapers dte bedeu⸗ ranal von und Elba genöthigt, leichten, ſchiffe zu ch Baſtia der Inſel kanal ein daß die ie wollte, vind des at wurde, die See⸗ bei ſich; nt, dreht ditze von t haben, welcher — 281 die Stadt Biguglia liegt, hätte er ſich mit einem Winde, wie er gewöhnlich hier zu finden war, hinan drängen können; ein Verſuch von wenigen Minuten reichte jedoch hin, Raoul zu überzeugen, daß er mit ſeinen verwunde⸗ ten Spieren nicht ſo rauh umgehen dürfe und auf die Mündung des Golo abhalten müſſe. Dies iſt ein Fluß von noch einiger Breite, und Schiffe von leichter Waſſerdragt konnten in denſelben einlaufen; da eine kleine Batterie in der Nähe des Ankerplatzes war, beſchloß er, in dieſen Hafen einzulaufen, um ſeine Schäden auszubeſſern. Demgemäß wurden ſeine Berech⸗ nungen gemacht; er nahm die ſchneebedeckten Bergſpitzen in der Nähe von Corte als Landmarken und befahl, das Steuer des Loggers in dieſer Richtung ſpielen zu laſſen. An Bord der Proſerpina war man auf das Ergebniß nicht weniger geſpannt, als an Bord des Feu-Follet. Wenn die Mannſchaft der Fregatte nichts zu fürchten hatte, ſo hatte ſie etwas zu rächen, wozu ſich noch der zu erwartende Ruhm geſellte, den kühnſten Kaper, der aus Frankreich ausgelaufen, gefangen zu haben. Als das Schiff gegen das Weſtende von Elba herauf kam, entſtand für eine kurze Zeit die ernſtliche Frage, ob es im Stande ſein werde, luvwärts um daſſelbe zu ſegeln, während der Logger nur eine Kabellänge von den Klippen an dem Rande der Brandung und viel näher einwarts gewendet hatte, als die Fregatte wagen konnte zu folgen. Die letztere hatte aber den Wind weiter — 282— landab gepackt, als der Logger, und konnte möglicherweiſe auf dem Curs, welchen ſie eben ſteuerte, an dem Kap vorbei kommen. Es hätte die Jagd aufgeben geheißen, wenn ſie gewendet, wie dies das Schiff nothwendig gerade nach Norden abgeführt hätte, während das bleine Irr⸗ licht mit einer Geſchwindigkeit von ſieben Knoten ſüd⸗ wärts und weſtwärts hinabglitt. Die Entfernung der beiden Küſten, welche den Kanal bilden, beträgt nur etwa dreißig engliſche Meilen, und die Zeit reichte nicht aus, um die verlorene Diſtanz wieder einzubringen. Dieſe Ungewißheit brachte an Bord der Proſerpina, als ſie raſch gegen das Kap anſegelte, einen ſehr fieber⸗ haften Augenblick hervor. Alles hing davon ab, daß man, V ohne im Winde zu wenden, heran kam. Allem Anſcheine nach hatte man dicht an den Klippen tiefes Waſſer; aber bei gebirgigen Küſten iſt ſtets die Gefahr, welche Felſen drohen, zu beachten. Auch war das Kap verhältnißmäßig niedrig; und dies war eher ein Zeichen, daß man ihm nicht zu nahe kommen dürfe. Wincheſter lag in ſeiner Hängematte, und ſeine Wunde begann eben, ſich ſchmerz⸗ lich fühlen zu laſſen; aber Griffin ſtand an der Seite des Capitains und ging nebſt dem dritten Lieutenant eifrig in alle Wünſche und Beſorgniſſe ihres Befehlshabers ein. „Dort läuft das Irrlicht gerade in die Brandung!“ rief Cuffe, der das kleine Kaperſchiff bei ſeinem Verſuche, an dem Vorgebirge herum zu kommen, beobachtete; „Monſieur Yvard muß entſchloſſen ſein, ſein Fahrzeug eher zu anlaufer Griffin ſelbſt d finden, nicht vi 77 6 hat; we Strafe auf me Gebeine Strand eine kla ich wen Yvard 71 4 der jün blick ar Lee ein dieſe 2 machen raſch f ſpäter erleichte worden cher als licherweiſe dem Kap geheißen, dig gerade leine Irr⸗ doten ſüd⸗ nung der rrägt mur ichte nicht ngen. roſerpina, ehr fieber⸗ daß man, Anſcheine ſſer; aber che Felſen tnißmäßig man ihm in ſeiner h ſchmerz⸗ der Seite ant eifrig abers ein. andung!“ Verſuche, obachtete; Fahrzeug — 283— eher zu verlieren, als es fangen zu laſſen. Es wird anlaufen und mit ihm zu Grunde gehen.“ „Ich glaube nicht, Capitain Cuffe,“ antwortete Griffin;„das Waſſer iſt an dieſen Küſten tief, und ſelbſt die Proſerpina würde da hinreichende Waſſerdragt finden, wo der Logger jetzt iſt. Ich hoffe, wir werden nicht vieren müſſen, Herr?“ „Ja, ſo mag der ſagen, der keine Verantwortlichkeit hat; wenn ſich aber die Gerichte hineinmiſchen und eine Strafe verhängt wird, fürcht' ich, fällt die ganze Laſt auf meine Schultern, und es iſt keine Kleinigkeit, die Gebeine eines Schiffes Seiner Majeſtät hier auf den Strand zu legen. Nein— nein, Griffin, wir müſſen eine klare Kabellänge windwärts vom Kaper gehen, oder ich wende, müßt' ich es auch für immer aufgeben, Raoul Yrard zu fangen.“ „Ha— da ſitzt er auf, bei Georg!“ rief Yelverton, der jüngſte Lieutenant, und man glaubte einen Augen⸗ blick an Bord der Fregatte, das Irrlicht, unter deſſen Lee eine Welle arbeitete, läg' auf dem Grunde. Allein dieſe Anſicht konnte ſich nur einen Moment geltend machen, denn der kleine Logger ſetzte ſeinen Curs ſo raſch fort wie früher; und eine oder zwei Minuten ſpäter hielt er ein wenig ab, um ſeine Spieren zu erleichtern, die vorher ſo dicht als möglich feſtgeſtützt worden waren, und nun ſollte der äußerſte Punkt, wel⸗ cher als der gefährlichſte galt, umſchifft werden. — 281 Die Fregatte war zwei volle engliſche Meilen rechts hinten aus und ſtatt etwas von den Vortheilen einzu⸗ büßen, welche ſie errungen hatte, wurde ſie dem Winde ſo nahe gehalten, daß ſie dann und wann wapperte. Dies war um ſo beſſer, als das Meer ganz glatt war und das Schiff nicht leewärts ging. Doch ſchaute die Fregatte, wie man ſich auszudrücken pflegt, eben nur nach dem Punkte hin, welchen man unvermeidlich um⸗ ſegeln mußte; und da Schiffe ſelten beſſer„thun,“ als ſie„ſchauen,“ begann man an Bord der Proſerpina ernſtlich zu zweifeln, ob man das Kap, das nun gegen⸗ über lag, klar bekommen könne. „Ich fürchte, Capitain Cuffe, es wird uns nicht gelingen, das Schiff klar genug von den Klippen abzu⸗ halten, Herr,“ bemerkte der geſchäftige Griffin;„mir iſt, als gehe das Schiff heute ungewöhnlich leewärts ab.“ „Es hat ſich nie beſſer gehalten, Griffin. Ich glaube wirklich, wir haben eine leichte Luftſtrömung landab hier; iſt dies ſo, dann haben wir, wenn das Kap umſchifft iſt, die Hochlande von Corſica vor uns. Ihr ſeht, das Wrack der Divina Providenza gleitet rund in der Bucht um und kömmt wieder windwärts heraus.“ „Das kann uns zu ſtatten kommen, wahrlich!— Alles in den Puttingen iſt fertig, Herr!— Sollen wir das Senkloth werfen?“ Cuffe nickte, und man lothete. In dieſem Augen⸗ blicke ging das Schiff acht Knoten, und der Mann berich⸗ tete, be finden. wiederho Befehle anzuhohl Fallen r ſtünden. Minuten „ L koſten,“ „wir mi wir vor Uhrwerk haben.— hebt es Die Fregatte windwär Raum a End tiefes S Zweifel Schiffe. dungen, beiden at In des Loth en rechts en einzu⸗ m Winde wapperte. glatt war haute die eben nur dlich um⸗ in,“ als roſerpina in gegen⸗ ans nicht den abzu⸗ n;„mir irts ab.“ ch glaube dab hier; ſchifft iſt, as Wrack ucht um rlich!— ollen wir Augen⸗ n berich⸗ tete, bei fünfzehn Faden Lothlinie ſei kein Grund zu finden. Dies war hörbar. Der Verſuch wurde zweimal wiederholt und derſelbe Bericht folgte. Jetzt wurden Befehle gegeben, alle Bulinien zu dreggen, alle Braſſen anzuhohlen und alle Schooren einzubrechen. Selbſt die Fallen wurden gekillt, damit alle Segel wie Bretter ſtünden. Der wichtige Augenblick war nahe; in fünf Minuten mußte Alles entſchieden ſein. „Laßt das Schiff ein wenig dangeln und den Wind koſten,“ ſagte Cuffe zu dem Offizier von der Wache; „wir müſſen hier thun, was wir können; denn wenn wir vor die Brandungen kommen, muß Alles wie ein Uhrwerk gehen, um das Schiff ganz in der Gewalt zu haben.— Ha— helft ihm mit dem Steuer nach, und hebt es gut nach.“ Dieſer Verſuch wurde zweimal wiederholt, und die Fregatte drang jedes Mal um ihre ganze Länge nach windwärts, obgleich ſie nothwendigerweiſe dreimal ſo viel Raum an ihrer Geſchwindigkeit verlor. Endlich kam der entſcheidende Augenblick, und ein tiefes Schweigen, in welchem Beſorgniß und banger Zweifel ſich mit Hoffnung miſchten, herrſchte in dem Schiffe. Alle Augen flogen von den Segeln zu den Bran⸗ dungen, von den Brandungen zu den Segeln, und von beiden auf das Kielwaſſer des Schiffes. In einem ſolchen Augenblicke übertönt die Stimme des Lothmannes alle andere Töne. Mit athemloſer Auf⸗ — 286— merkſamkeit hörte man auf ſeinen warnenden Ruf, und aufgegei ſelbſt der Geſang der Sirenen würde nur taube Ohren recht do⸗ finden. Wie das Schiff forttrieb, wurde ein Mal um ſel— a das andere Mal gelothet, und die Antwort auf Cuffe's Hand- Fragen war ſtets: Neues „Kein Grund, Herr, bei fünfzehn Faden aus.“„K Aber gerade in dieſem Augenblick erhob ſich der regel⸗ und das mäßige Ruf von den großen Luvputtingen:„S „Sieben nach der Mark.“ ſehr gut Dieſe Worte ſchlugen ſo plötzlich an das Ohr des Griffin, G Capitains, daß er auf das Hackebord ſprang, wo er Alles, anfangs was er ſehen wollte, voll im Auge hatte, und dann ſchrie Klippen er mit ſeiner Stentorſtimme: Wir ha „Noch einmal gelothet, Herr!— ſeid raſch, mein unſerer Burſch— ſeid raſch!“ Menſch, „Nach der Marke ſechs!“ erſcholl es faſt unmittel⸗ Yvard bar auf des Capitains Befehl. Klemme „Klarigkeit zu wenden!“ ſchrie Cuffe.„Macht Alles„D klar, Ihr Herren. Schneller, Ihr Leute— ſchneller!“ Gefahr „Vier und ein halbes nach der Marke!“„Meint „Abgehalten!— Was der Teufel habt Ihr vor, Schiff Herr, auf dieſer Back?— Alles fertig nach vornen?“ gerade 1 „Alles fertig, Herr!“. wenn ie „Nieder mit Euerm Steuer— ſtark nieder, ſchnell!“ erleichter „Nach der Marke neun!“ ausfliege „Helft dem Schiffe— auf mit Euerm Steuer!— und zwo hohlt Eure Schooten nieder vornen,— den Spanker„3 Ruf, und ube Ohren Mal um zuf Cuffe's aus.“ hder regel⸗ Ohr des do er Alles, dann ſchrie aſch, mein t unmittel⸗ Nacht Alles ſchneller!“ Ihr vor, vornen?“ c, ſchnell!“ Steuer!— n Spanker — 287— aufgegeit— alle Bulinien hinten losgelaſſen! So— recht dort, recht. Das Schiff drehte ſich wie ein Krei⸗ ſel— aber, bei Jupiter— wir haben es wieder in der Hand— die Bulinien wieder gedreggt. Was gibt es Neues auf den Puttingen?“ „Kein Grund, Herr, bei fünfzehn Faden aus— und das Loth fiel ſo gut, wie es heute noch nicht gethan!“ „So— alles ganz gut ſo— nicht abgefallen— ſehr gut ſo— immer ſo angehalten!— Nun, bei Gott, Griffin, das war eine Placke; vier und ein halbes wurde anfangs bedenklich in einem Theile der Welt, wo die Klippen den Seeleuten überhaupt nicht ſehr hold ſind. Wir haben es aber hinter uns, und das Land unter unſerer Leeſeite ſchwindet nach Süden weg, wie ein Menſch, der die Auszehrung hat. Ein Dutzend Raoul Yvard ſollen mich nicht wieder in eine ſo verd— te Klemme bringen.“ „Die Gefahr, welche vorüber, iſt überhaupt keine Gefahr mehr, Herr,“ antwortete Griffin lachend.— „Meint Ihr nicht, Capitain Cuffe, wir könnten das Schiff um einen halben Punkt wenden? Das wäre gerade nach ſeiner Neigung; und der Logger hält eben, wenn ich nicht irre, ab, um ſeinen großen Maſt zu erleichtern. Ich bin überzeugt, wir würden Späne her⸗ ausfliegen ſehen, wenn wir ihm einige von unſern zwei und zwanzig Pillen eingäben.“ „Ihr habt vielleicht recht, Griffin. Das Steuer — 288— ein wenig nachgelaſſen, Herr Yelverton!— Wenn Mei⸗ ſter Yvard noch eine Stunde bei ſeinem jetzigen Curſe bleibt, wird Biguglia zu weit windwärts für ihn liegen; und was Baſtia betrifft, ſo war ſogleich von Anfang her keine Rede davon. Dort iſt ein Fluß, Namens Golo, in welchen er einlaufen kann; und dies iſt, wie mir es ſcheint, ſein Ziel. Vier Stunden werden uns jedoch das Geheimniß verrathen.“ Und vier ungemein ſpannende Stunden waren es, die folgten. Der Wind war, ſeemänniſch geſprochen, eine Mütze voll— eine gute, friſche weſtliche Bö, welche aus der ofengleichen Hitze einer brennend heißen Woche, die ihm vorangegangen, entſprungen, und die Kraft von zwei bis drei Zephyrs in einen geſammelt zu haben ſchien. Es war nichts weniger als ein Sturmwind, und keiner der beiden Theile dachte daran, zu reefen, denn dazu hätte jetzt keine Kleinigkeit gehört; dennoch ſah ſich die Proſerpina veranlaßt, ihre Fock⸗ und die großen Oberbramſegel zu beſchlagen, während Raoul nun den Verluſt ſeines Jiggers leichtern Herzens ertrug. Als der Logger um das Kay war, und in einem Augenblicke, wo er glaubte, die Fregatte werde genöthigt ſein, im Winde zu wenden, benutzte er die Gelegenheit, ſein Fockſegel einzunehmen, es zu löſen, ein neues anzu⸗ ſchlagen und auszuſetzen,— eine Arbeit, welche vier Minuten nach der Uhr koſtete. Er hätte denſelben Ver⸗ ſuch mit dem andern Logg gemacht, aber der Maſt / war des Löcher k Zug ver In licht jetz nung, n halben 5 Waſſers Wãͤ Corſica! ewigem funkelten man noch die Geſte und Rao Sonne auf den ſteuern h Die Buchten fluß hat; daran ger entgegen bereits, ei glaubte, ausweiche 184— genn Mei⸗ gen Curſe hn liegen; nfang her ens Golo, die mir es ans jedoch waren es, geſprochen, Bö, welche en Woche, Kraft von zu haben vind, und ken, denn nnoch ſah die großen nun den in einem genöthigt ellegenheit, ues anzu⸗ elche vier lben Ver⸗ der Maſt / war des Verſuchs kaum werth, und er glaubte, die Löcher könnten als Reefe dienen, und ſo den zu ſtarken Zug vermindern. In Folge des Nachtheils, unter welchem das Irr⸗ licht jetzt arbeitete, war der Unterſchied in der Entfer⸗ nung, welche die beiden Schiffe durchliefen, kaum einen halben Knoten, obgleich jedes mehr als dreißig Meilen Waſſers zurückgelegl hatte. Während dieſer Zeit hatten ſie ſich der Küſte von Corſica raſch genähert, und die zerklüfteten und faſt mit ewigem Schnee gekrönten Berge der Inſel glänzten und funkelten in den Strahlen der Nachmittagsſonne, obgleich man noch manche Stunde von ihnen entfernt war. Aber die Geſtaltung der Küſte ſelbſt war jetzt klar zu ſehen, und Raoul hatte eine Stunde vor dem Untergang der Sonne ſich ſeine Landmarken gemerkt, nach denen er auf den Fluß, in welchen er einlaufen wollte, loszu⸗ ſteuern hatte. Die öſtliche Küſte von Corſica iſt an Häfen und Buchten eben ſo arm, als die weſtliche deren in Ueber⸗ fluß hat; und unter andern Umſtänden hätte man nicht daran gedacht, in dieſem Golo, welchem das Irrlicht jetzt entgegen ging, Schutz zu ſuchen. Raoul hatte aber bereits, einmal in ſeiner Mündung Anker geworfen, und glaubte, hier ſei die beſte Stelle, wo er ſeinem Feinde ausweichen könne. Vor der Ausmündung waren Sand⸗ 184— 186. bänke, und dieſe mußten, wie er ſich mit Recht dachte, Capitain Cuffe veranlaſſen, vorſichtig zu ſein. Als der Abend herankam, minderte ſich die Kraft des Windes, und jetzt wich jede Beſorgniß von der Mannſchaft des Loggers. Die Spieren hatten alle gehal⸗ ten, und Raoul nahm nun nicht mehr Anſtand, ſei⸗ nem wunden großen Maſt eine neue Raa und ein Segel anzuvertrauen. Beide wurden raſch geſetzt und die Aus⸗ beſſerungen ſogleich begonnen. Die Ueberlegenheit des Loggers im Segeln war ſo groß, daß man gar nicht mehr daran denken konnte, ihn in der Jagd einzuholen, und Raoul dachte einmal wirk⸗ ich daran, zu wenden und die Küſte hinauf zu gehen, um in Baſtia einzulaufen, wo er ſich im Nothfall einen neuen großen Maſt hätte verſchaffen können. Bei nähe⸗ rer Ueberlegung entſagte er aber dieſem Gedanken als zu gewagt, und ſetzte ſeinen Curs nach der Mündung des Golo fort. Die Proſerpina hatte den ganzen Tag keine Flagge aufgehißt, die kurze Zeit ausgenommen, wo ihre Boote im Gefechte waren, und während ſie ſelbſt auf den Logger feuerte. Eben ſo hatte das Irrlicht gethan, obgleich Raoul die dreifarbige Flagge aufgezogen hatte, als er auf die Felucca losging, und ſie ſo lange flattern ließ, als man ſich feindlich gegen über ſtand. Als beide Schiffe ſo nahe an das Land herantrieben, ſah man mehrere Küſtenfahrer gegen den Weſtwind abhalten, alle der trauen, bedacht denn er wenigſtet Mühe w hätte er Cor Franzoſen Jahre fr ten entſe lichen A er mochte So eben an, gegen all Aufmerk von dene die Händ Rao Fahrzeug unbedeut da es n der Pro⸗ Küſtenfa den laut ht dachte, die Kraft von der alle gehal⸗ kand, ſei⸗ ein Segel die Aus⸗ n war ſo unte, ihn mal wirk⸗ zu gehen, ffall einen Bei nähe⸗ anken als Mündung ne Flagge hre Boote den Logger obgleich e, als er ttern ließ, antrieben, Weſtwind — 291 abhalten, oder vor ihm niederſegeln; denn ſie ſchienen alle der Erſcheinung des Loggers eben ſo ſehr zu miß⸗ trauen, als ſie ihr ſo weit als möglich auszuweichen bedacht waren. Dies war unſerm Helden gleichgültig; denn er wußte, daß ſie wahrſcheinlich alle Landsleute oder wenigſtens Schleichhändler wären, welche kaum der Mühe werth waren, ſie zu verfolgen und ſie zu kapern, hätte er auch die Zeit dazu gehabt. Corſica war damals wieder in den Händen der Franzoſen, indem die Engländer ſchon drei bis vier Jahre früher ihrem kurzen, unvollſtändigen Beſitze hat⸗ ten entſagen müſſen. Raoul war daher einer freund⸗ lichen Aufnahme und alles möglichen Schutzes gewiß, er mochte landen, wo er wollte. So ſtanden die Dinge, und der Logger ſchickte ſich eben an, in die Untiefen einzutreten, als die Proſerpina gegen alle Erwartung im Winde wendete und ihre ganze Aufmerkſamkeit den Küſtenſchiffen zuzuwenden ſchien, von denen drei bis vier ſo nahe waren, daß ſie ihr in die Hände fielen, ohne an eine Flucht denken zu können. Raoul und die, welche bei ihm in ſeinem kleinen Jahrzeuge waren, glaubten, der Engländer habe dieſe unbedeutenden Schiffe blos genommen, um ſich zu rächen, da es nicht ſelten vorkam, daß Schiffe von der Größe der Proſerpina ſich herabließen, arme Fiſcherleute und Küſtenfahrer zu beläſtigen. Einige Verwünſchungen wur⸗ den laut, wie ſich dies von ſelbſt verſteht; aber die 19* — 292— Schwierigkeiten der Einfahrt und die Nothwendigkeit, alle ſeine Augen zu brauchen, ſcheuchten bald jeden Ge⸗ danken, der nicht unmittelbar mit der Sorge für ſein Schiff und deſſen Erhaltung zuſammenhing, aus dem Geiſte des lebhaften jungen Seemannes. Die Sonne ging eben unter, als Le Feu-Follet Anker warf. Raoul hatte ſich einen Ankergrund in hin⸗ reichend flachem Waſſer gewählt, um vor den Kanonen der Fregatte ſicher zu fein, obgleich er kaum innerhalb des Fluſſes lag. Die Tiefe des letztern erlaubte nicht, weiter aufwärts zu gehen; doch hatte er ſo viel Schutz, als Jahreszeit und Wetter forderten. Die Proſerpina zeigte keine Neigung, die Verfol⸗ gung aufzugeben; denn auch ſie trat vor die Mündung und ließ, ungefähr zwei Meilen ſeewärts von dem Log⸗ ger, einen ihrer Anker in den Grund gehen. Sie ſchien ihren Entſchluß in Betreff der Küſtenfahrer geändert zu haben; denn ſie ſetzten, nach kurzer Haft, ihren Weg fort, obſchon keiner derſelben, bei der nun eingetretenen Windſtille, im Stande war, ſich auf eine weſentliche Entfernung von ihr wegzudrängen, ehe der Landwind ſich wieder einſtellte. In dieſen Stellungen ſchickten die beiden feindlichen Schiffe ſich an, die Nacht hinzubringen; jedes traf die herkömmlichen Vorſichtsmaßregeln hinſichtlich ſeiner Anker⸗ taue, machte die Decken klarig und folgte dem gewöhn⸗ lichen Dienſtwege, als läg' es in einem befreundeten Hafen. Es Reeres und Bü aller La Lichter ſind, u vorüber gang in Scene Raoul über w glaubte lien, o geſehen Lal vendigkeit, jeden Ge⸗ für ſein aus dem 2u-Follet nd in hin⸗ Kanonen innerhalb äbte nicht, el Schutz, le Verfol⸗ Mündung dem Log⸗ Sie ſchien ändert zu hren Weg getretenen veſentliche Landwind keindlichen 3 traf die ter Anker⸗ gewöhn⸗ ten Hafen. Elftes Kapitel. Des Menſchen Geiſt— dies ſtolze Ding, Der Prachtpalaſt, der Thron, Wo die Vernunft bezeptert ſitzt, Wo herriſch ſchallt ihr Richterton; O, wer hat je mit leiſen Tritten Den vielbeſuchten Ort beſchritten Und nicht in ſeiner Schwäche gern bekannt, Daß Wunder und Geheimniß ihn umkreiſt, Den ſtolzen Herrſcher— dieſen Menſchengeiſt. Anonymus. Es iſt unnöthig, bei der Pracht des Mittelländiſchen Meeres zu verweilen. Jeder Reiſende kennt ſie zu gut, und Bücher haben ſie oft und oft der Phantaſie der Leſer aller Länder und Jahrhunderte vorgeführt. Doch gibt es Lichter und Schatten, die jedem Gemälde eigenthümlich ſind, und das unſrige hat einiges der Art, das einer vorübergehenden Beachtung werth iſt. Ein Sonnenunter⸗ gang im hohen Sommer kann die Anmuth einer jeglichen Scene nur erhöhen. In dieſer Stunde warf, wie geſagt, Raoul Anker, und Ghita, welche jetzt, da die Jagd vor⸗ über war, und man jede Gefahr hinter ſich zu haben glaubte, auf das Deck gekommen war, glaubte ihr Ita⸗ lien, oder das blaue Mittelländiſche Meer nie lieblicher geſehen zu haben. Lange, bevor die Sonne wirklich untergegangen war, 294— ſtreckten die Schatten der Berge ſich weit über die See hin, und warfen alle Zauber des Abends über die öſtliche Küſte, ehe ſeine Reize die weſtlichen Geſtade ſchmückten. Corſica und Sardinien gleichen großen Alpenſtücken, welche durch ein Ereigniß der Natur in die See geſtürzt ſind, wo ſie Angeſichts ihres heimiſchen Bodens da ſtehen und ſo zu ſagen die Außenpoſten jener großen Wälle Euro⸗ pa's abgeben. Ihre Berge haben dieſelbe Geſtaltung und Bildung, dieſelben weißen Gipfel— wenigſtens den grö⸗ ßern Theil des Jahres hindurch— und ihre Seiten daſ⸗ ſelbe geheimnißvolle, zerklüftete Ausſehen. Zu ihren übrigen Reizen geſellt ſich einer, welcher faſt überall in der Schweiz fehlt,— obgleich man in Savoyen und auf der Südſeite der Alpen Spuren davon finden dürfte,— nämlich jenes ſeltſame Gemiſch des Sanften und Rauhen, des Schönen und Erhabenen, worin der ſo eigenthüm⸗ liche Zauber italieniſcher Natur beſteht. Der Art war jetzt der Anblick alles Deſſen, was man von dem Deck des Feu-Follet aus ſehen konnte. Das Meer war dunkelblau gefärbt und verlor jede Spur des Weſtwindes, ſo ſtill und ſpiegelglatt lag es da. Die Berge auf der andern Seite waren großartig, feierlich und zeigten eben ihre zerſpaltenen Umriſſe einen Himmel entlang, der von der Pracht glühte, die„den Tag ſchließt;“ während die näheren Thäler und Bergabhänge unter den tiefen Schatten der Berge geheimnißvoll und doch ſanft da lagen. Pie entfernt Leuchtth eine düf Mal at Umriß decken, dreißig In ten Obe Raaen ſie in d Bild ne heit abg Es Daſein Dinge Pflichten dagegen Gefallen fühlen Das R Sachen auf das gung ge Zweck; worden die See die öſtliche chmückten. en, welche kürzt ſind, tehen und ille Euro⸗ ltung und den grö⸗ eeiten daſ⸗ Zu ihren überall in und auf bürfte,— Rauhen, igenthüm⸗ was man lte. Das Spur des da. Die „feierlich n Himmel den Tag rgabhänge ßvoll und Pianoſſa lag faſt gegenüber, etwa acht Stunden entfernt und aus dem Waſſer ſich hebend, wie ein Leuchtthurm; nach Südweſten ſah man Elba— jetzt eine düſtere, wilde Gebirgsmaſſe; und Ghita glaubte einige Mal an der Küſte des offenen Meeres den ſchwachen Umriß ihres Hügels, des Monte Argentaro zu ent⸗ decken, obgleich die Entfernung— vier und zwanzig bis dreißig Stunden— dies unwahrſcheinlich machte. In der See draußen lag die Fregatte auf der glat⸗ ten Oberfläche des Meeres; ihre Segel beſchlagen, ihre Raaen in's Vierkant gebraßt, und Alles an ihr und um ſie in der ſchönſten Ordnung, ſo daß ſie ein makelloſes Bild nautiſchen Ebenmaßes und ſeemänniſcher Schön⸗ heit abgab. Es gibt im Seeleben, wie in dem bürgerlichen Daſein alle Arten Menſchen; die Einen nehmen die Dinge hin, wie ſie kommen, und freuen ſich, ihren Pflichten auf die ruhigſte Weiſe nachzukommen; Andere dagegen haben wieder an ihren Schiffen ziemlich einen Gefallen, wie der Stutzer es an ſeiner Perſon hat, und fühlen ſich nur glücklich, wenn ſie daran putzen können. Das Rechte liegt hier, wie bei den meiſten andern Sachen, in der Mitte; der Offizier, der zu viel Werth auf das Ausſehen ſeines Schiffes legt, hat ſelten Nei⸗ gung genug, die gehörige Aufmerkſamkeit auf den großen Zweck zu verwenden, zu dem es gebaut und hergerichtet worden iſt; während andrerſeits Der, welcher gegen dieſe — 296— äußerliche Erſcheinung ganz gleichgültig iſt, gewöhnlich an Dinge, welche ſeinem Berufe und ſeinem Dienſte fremd ſind, denkt,— wenn er überhaupt denkt. Cuffe hielt beinahe dieſe richtige Mitte; vielleicht neigte er ein wenig zu viel dem ſeemänniſchen Stutzer zu. Die Proſerßing galt,— Dank den Schiffsbauern zu Toulon, von denen ſie herrührte,— für das ſchönſte Model, das damals in dem Mittelländiſchen Meere ſchwamm, und, einer anerkannten Schönheit ähnlich, wollte Jeder, der zu ihr gehörte, gern an ihr putzen und ſchmücken, und ihre ſchönen Verhältniſſe im beſten Lichte erſcheinen laſſen. Wie ſie jetzt an einem einzigen Anker, eben außer⸗ halb Kanonenſchußweite von dem Irrlichte lag, konnte Raoul nicht umhin, mit Neid auf ſie hinzublicken, und ein bitteres Gefühl beſchlich ſein Herz, wenn er an die Wechſelfälle des Glückes und der Geburt dachte, welche ihn der Hoffnung beraubten, jemals zu der Befehlsha⸗ berſtelle einer ſolchen Fregatte empor zu ſteigen, ſondern ihn, wie ihm däuchte, verdammten, ſein Leben lang Kommandant eines Kapers zu bleiben. Die Natur hatte Raoul Yvard für eine höhere Beſtimmung geſchaffen, als die war, welche ſeiner Zukunft zu warten ſchien. Er war ohne jene Vortheile, welche die Zufälligkeiten der Geburt begleiten, und in einem Augenblicke in das thätige Leben getreten, wo die mora⸗ liſchen und religiöſen Gefühle ſeiner großen Nation durch den hunderten jedoch an habe ſich welche ſeit mit der welches ſi ten gelten brechen ei bungen m meine Ent Schreckens keit zeihen Enthuſiaſte während 2 nur den N ten und J keit nur dieſe Abſtuf und natür welche dem ein Verdien Mit 9. lande,— wenn der 5 hatte er au nes Zeitalt gewöhnlich 1 Dienſte t. vielle icht n Stutzer iffsbauern s ſchönſte n Meere t ähnlich, putzen und ſten Lichte hen außer⸗ 3, konnte ken, und er an die e, welche Befehlsha⸗ „ſondern eben lang ne höhere r Zukunft e, welche in einem die mora⸗ Nation 297— durch den heftigen Stoß, der die Mißbräuche von Jahr⸗ hunderten zertrümmerte, mächtig erſchüttert waren. Wer jedoch anzunehmen geneigt iſt, Frankreich als Ganzes habe ſich der groben Ausſchweifungen ſchuldig gemacht, welche ſeinen Kampf für die Freiheit entſtellen, iſt kaum mit der großen Summe rmautgechs nan bekannt, welches ſich während allen den Scheußlichkeiten der Zei⸗ ten geltend machte, und nimmt irrigerweiſe die Ver⸗ brechen einiger ſittenloſen Anführer und die Uebertrei⸗ bungen mißleiteter Impulſe für tiefgewurzelte, allge⸗ meine Entartung. Man kann Frankreich, ſelbſt in ſeiner Schreckenszeit, kaum eines andern, als der Willfährig⸗ keit zeihen, welche die große Maſſe zu Werkzeugen von Enthuſiaſten, Intriguanten und Ruheloſen machte— während Amerika oft den Irrthum duldete, dem man nur den Namen einer blinden Unterwerfung unter Anſich⸗ ten und Impulſe gab, und der ſich von jener Willfährig⸗ keit nur dem Grade nach unterſcheidet, obgleich auch dieſe Abſtufung mehr von den Zufälligkeiten der Geſchichte und natürlicher Urſachen abhängt, als von Motiven, welche dem einen Theile als ein Fehler, dem andern als ein Verdienſt angerechnet werden. Mit Raoul verhielt es ſich, wie mit ſeinem Vater⸗ lande,— beide waren das Werk der Umſtände, und wenn der Mann einige der Fehler des Landes hatte, ſo hatte er auch faſt alle Verdienſte ſeiner Nation und ſei⸗ nes Zeitalters. Die Lauigkeit in Bezug auf Religion, — 2968— welche in Ghita's Augen der Hauptfohler war, die aber bei einem Mädchen von der Erziehung und dem Charak⸗ ter unſerer Heldin ein weſentlicher ſein mußte, war ein Fehler des Tages, und Raoul heuchelte wenigſtens nicht— ein Umſtand, cher ihn in den Augen eines ſo wahr⸗ haft frommen eens, wie das holde Kind war, das er liebte, zum Gegenſtande eines heiligen Intereſſes machte, das, an ſich, der natürlichen Zärtlichkeit ihres Geſchlech⸗ tes gegen den Geliebten beinahe die Wage hielt. So lange der Logger mit den Boten beſchäftigt und während der wenigen Minuten, in welchen er dem Feuer der Fregatte ausgeſetzt war, hatte Raoul ſeinen ganzen mannhaften Charakter gezeigt; die Erregung des wirk⸗ lichen Kampfes erſtarkte ihn ſtets zu Thaten, welche ſeiner Stellung und des hohen Namens würdig waren, den er ſich errungen hatte; während der übrigen Stunden des Tages aber hatte er ſich kaum zum Gefechte geneigt gefühlt. Nachdem er ſich einmal überzeugt hatte, daß ſeine Spieren wahrſcheinlich halten würden, hatte ihm die Jagd wenig Beſorgniß eingeflößt; und nun er inner⸗ halb der Untiefen ſicher vor Anker lag, war ihm zu Muthe, wie dem Reiſenden, welcher nach den Ermü⸗ dungen eines ſtarken Rittes am Abend eine behagliche Herberge findet. Als Ithuel auf die Möglichkeit eines nächtlichen Angriffes in Booten anſpielte, antwortete er dem Ame⸗ rikaner lachend:„Ein gebranntes Kind ſcheuet das — Feuer;“ Sinn. De geln nicht Raoul von ſeinen war er nac ſame, ehrfu nie wechſe welche er it das Geheit jeder Matr daß kein ſch die entſprec Als di gegeſſen hat wohnte Tau Provence e leichtherziger heit des we ſpiel den 2 Küſte ähnli ſchlecht in d noch fehlte ritterlicher ergötzt zum Oheim war Campanje h ar, die aber dem Charak⸗ jte, war ein tens nicht— ies ſo wahr⸗ war, das er eſſes machte, 's Geſchlech⸗ jelt. ſchäftigt und dem Feuer nen ganzen g des wirk⸗ velche ſeiner ren, den er tunden des hte geneigt hatte, daß hatte ihm n er inner⸗ ir ihm zu den Ermü⸗ behagliche nächtlichen dem Ame⸗ heuet das 6 — 299— Feuer;“ und ſchlug ſich die Sache leicht aus dem Sinn. Dennoch wurden die nöthigen Vorſichtsmaßre⸗ geln nicht verſäumt. Raoul war gewöhnt, in dringlichen Augenblicken viel von ſeinen Leuten zu fordern; zu 8 Zeit aber war er nachſichtig gegen ſie wie ein gegen gehor⸗ ſame, ehrfurchtsvolle Kinder. Dieſe Eigenſchaft und der nie wechſelnde Gleichmuth, die Sicherheit und Ruhe, welche er in den Augenblicken der Gefahr zeigte, waren das Geheimniß ſeiner großen Gewalt über ſie; denn jeder Matroſe unter ſeinen Befehlen fühlte ſich überzeugt, daß kein ſchwerer Dienſt von ihm gefordert würde, wenn die entſprechende Noth es nicht heiſche.. Als die Mannſchaft des Irrlichts ihr Abendbrod gegeſſen hatte, wurde ihr bei dieſer Gelegenheit der ge⸗ wohnte Tanz geſtattet, und die romantiſchen Lieder der Provence erſchallten auf der Back. Man gab ſich einer leichtherzigen Fröhlichkeit hin, wobei nur die Anweſen⸗ heit des weiblichen Geſchlechtes fehlte, um das Schau⸗ ſpiel den Abendunterhaltungen eines Dörfchens an der Küſte ähnlich zu machen. Auch war das ſchöne Ge⸗ ſchlecht in dem Gefühle des Augenblicks nicht abweſend, noch fehlte es perſönlich ganz. Die Lieder waren voll ritterlicher Galanterie, und Ghita hörte, gerührt und ergötzt zumal, zu. Sie ſaß auf dem Hackebord, ihr Oheim war an ihrer Seite, und Raoul, der auf der Campanje hin und her ging, ſtand zuweilen ſtill, um ihren — 300— Ohren, welche ſtets aufmerkſam waren, einen Gedanken oder einen Wunſch zuzuflüſtern. Endlich endigten Geſang und Tanz, und mit Aus⸗ nahme der Wenigen, welche Befehl hatten, auf der Wache zu bleiben, in den untern Raum und ſuchten ihre Hängem auf. Der Wechſel war ſo raſch als anziehend. Die feier⸗ liche athmende Stille einer ſternhellen Nacht folgte dem leichten Gelächter, den melodiſchen Geſängen, der leb⸗ haften Heiterkeit einer Schaar Männer, deren angeborne Fröhlichkeit durch eine Art innewohnender, den Seeleuten anderer Regionen unbekannter Bildung gedämpft und zurückgehalten ward, und die, ſo wenig Erziehung ſie in manchen andern Rückſichten haben mochten, ſelten oder nie gegen die Schicklichkeit anſtießen, wie dies bei See⸗ leuten der anglo⸗ſachſiſchen Rage ſo gewöhnlich iſt. Jetzt begann die kühle Luft von den Bergen nieder⸗ zuſteigen; ſie ſtreifte über die erhitzte See hin und bildete einen leichten Landwind, welcher in einer gerade entge⸗ gengeſetzten Richtung von dem wehte, welcher zur ſelbigen Stunde von dem nahen Feſtlande herüber blies. Der Mond ſchien nicht; aber die Nacht konnte nicht dunkel genannt werden. Myriaden von Sternen funkelten aus dem unergründlichen Firmamente und erfüllten die At⸗ mosphäre mit einem Lichte, bei welchem man die Gegen⸗ ſtände hinreichend deutlich ſehen konnte, während es ſie in ein Scene u Rao einem ur Nüchtern in ſeinen Hackebord die Cajü und zu be Alles hatte ſich bewachte ihn nicht allein die abgaben, ſondert an und der ein ſcharfe denen Ge⸗ ſchwamme An d ſtände na Fregatte, ſämmtlich geentert, l Eines zwiſchen d n Gedanken d mit Aus⸗ f der Wache und ſuchten Die feier⸗ folgte dem n, der leb⸗ n angeborne n Seeleuten dämpft und ehung ſie in ſelten oder tes bei See⸗ lich iſt. rgen nieder⸗ mund bildete erade entge⸗ zur ſelbigen blies. Der nicht dunkel unkelten aus lten die At⸗ mdie Gegen⸗ hrend es ſie — 301— in ein Halbdunkel kleidete, welches dem Zauber der Scene und der Stunde angemeſſen war. Raoul fühlte den Einfluß aller dieſer Umſtände in einem ungewöhnlichen Grade und ward zu größerer Nüchternheit des Geiſtes geſtimmt, als dies gewöhnlich in ſeinen Mußeſtunden der Fall war; er nahm auf dem Hackebord neben Ghita Platz, während ihr Oheim in die Cajüte ging, um ſich auf ſeine Knie zu werfen und zu beten. Alles war nun ruhig an Bord des Irrlichts. Ithuel hatte ſich auf einem der Klüshölzer niedergelaſſen und bewachte ſeine alte Feindin, die Proſerpina, deren Nähe ihn nicht ſchlafen ließ, Zwei erprobte Matroſen, welche allein die regelmäßige Ankerwache, wie man es nennt, abgaben, waren, um die Unterhaltung zu hindern, abge⸗ fondert angeſtellt; der eine auf dem Backbord⸗Krahnbalken, und der andere in der großen Takelage; beide hatten ein ſcharfes Auge auf die ruhige See und die verſchie⸗ denen Gegenſtände, welche auf ihrem friedlichen Buſen ſchwammen. An dieſer einſamen Stelle waren ſolcher Gegen⸗ ſtände natürlich ſehr wenige— in dieſem Falle nur die Fregatte, der Logger und drei Küſtenſchiffe, welche letztere ſämmtlich vor Einbruch der Nacht von der Proſerpina geentert, bald aber wieder frei gegeben worden waren. Eines dieſer Küſtenſchiffe lag ziemlich in der Mitte zwiſchen den zwei feindlichen Schiffen vor Anker, denn es hatte nach mehreren vergeblichen Verſuchen, mit Hülfe des ſchwachen Weſtwindes nach Norden zu gehen, beige⸗ legt. Obgleich der leichte Landwind jetzt hingereicht hätte, es einen oder zwei Knoten durch das Waſſer zu treiben, wollte es doch lieber ſeine jetzige Stellung behalten und ſeinen Leuten eine gute Nachtruhe gönnen, als ſeinen Weg fortſetzen. Die Lage dieſer Felucca und der Um⸗ ſtand, daß ſie von der Fregatte geentert worden war, machte ſie den ganzen Abend hindurch bei Raoul zu einem Gegenſtande des Mißtrauens, und er hatte befoh⸗ len, ſie ſcharf im Auge zu behalten; es war jedoch nichts zu entdecken, das dieſen Verdacht hätte ſtützen können. Die Bewegungen ihrer Mannſchaft,— die Art, wie ſie ſich vor Anker gelegt hatte,— die Ruhe, welche an ihrem Bord herrſchte,— und ſelbſt die ſorgloſe Stellung der Spieren und der Takelage, alles dies überzeugte Raoul, daß ſie niemand von dem Kriegsſchiffe an Bord habe. Demungeachtet mußte man, da ſie weniger als eine eng⸗ liſche Meile von dem Logger an der Außenſeite lag und leewärts in dieſer Entfernung Alles todt war, ein Auge auf ſie haben, und der Matroſe in der Takelage wendete von Zeit zu Zeit ſeine Blicke nach ihr. Das zweite Küſtenſchiff lag ein wenig ſüdwärts von der Fregatte; es hatte alle Segel in der Luft und hielt nach dem Land ab, ohne Zweifel, um ſo viel als möglich von dem Wind zu bekommen, der von den Bergen blies; ſein Curs ſtand langſam ſüdwärts ab. Man hatte eine Stunde merkt, u nicht um Stunde e Wind ha Das gleichfalls Landwind gekommen wenden, landwärts in den 6. obgleich ſe ſich langſe dem Logg Strömun Vorderthe waren, d ihren Ga daß er ke Raol geſchaut; auf die E „Ih „worin i und es Stand ge nit Hülfe n, beige⸗ cht hätte, treiben, lten und 's ſeinen der Um⸗ den war, kaoul zu te befoh⸗ ſch nichts können. „ wie ſie an ihrem lung der e Raoul, 8rd habe. eine eng⸗ lag und ein Auge wendete ärts von und hielt 3 möglich en blies; atte eine 303 Stunde früher ſeine Stellung nach dem Compaß ange⸗ merkt, und dieſe ganze Zeit über änderte ſich ſeine Lage nicht um einen halben Punkt, obgleich es nicht über eine Stunde entfernt hielt— ein Beweis, wie leicht es den Wind hatte. Das dritte Küſtenfahrzeug, eine kleine Felucca, ſtand gleichfalls nordwärts an; ſie zeigte ſich aber, ſeitdem der Landwind— wenn man es ja Wind nennen konnte— gekommen war, ſehr emſig, langſam nach windwärts zu wenden, und ſchien geneigt, die Untiefen entweder näher landwärts, als der Logger hielt, zu überſchreiten, oder in den Golo einzulaufen. Ihr ſchattiger Rumpf war, obgleich ſie gegen das Land anzog, ſichtbar, und bewegte ſich langſam, vielleicht eine halbe Meile landeinwärts von dem Logger, quer vor den Klüſen deſſelben hin. Da eine Strömung von dem kleinen Fluſſe ausging und die Vordertheile aller dieſer Schiffe gegen die Inſel geſtellt waren, drehte Ithuel dann und wann den Kopf, um ihren Gaug zu beachten; dieſer war jedoch ſo langſam, daß er keinen großen Wechſel hervorbrachte. Raoul hatte mehrere Minuten ſchweigend umher⸗ geſchaut; jetzt hob er ſein Antlitz empor, und blickte auf die Sterne. „Ihr wißt wahrſcheinlich nicht, Ghita,“ ſagte er, „worin uns Seeleuten dieſe Sterne nützlich ſein können und es wirklich ſind. Durch ſie werden wir in den Stand geſetzt, inmitten der grenzenloſen Meere zu ſagen, — 304— wo wir ſind— die Punkte des Compaſſes zu kennen, und uns zu Hauſe zu fühlen, ſelbſt wenn wir am fern⸗ ſten von Hauſe ſind. Der Seemann muß weit, weit ſüdlich von dem Aequator ſegeln, ehe er einen Punkt erreicht, wo er nicht dieſelben Sterne erblickt, die er von der Thüre ſeines Vaterhauſes geſehen.“ „Dies iſt mir ein neuer Gedanke,“ verſetzte Ghita raſch; denn das Tiefe und Poetiſche einer ſolchen Idee ergriff ſofort ihre zarte Natur:„dies iſt mir ein neuer Gedanke, und ich wundere mich, daß Ihr deſſen nie vorher erwähnt habt. Es iſt etwas Schönes, aus ſo großer Entfernung von Denen, welche man liebt, Inte⸗ reſſantes heim zu bringen und ſich damit vertraut zu machen.“ „Habt Ihr nie gehört, daß Liebende ſich eine Stunde und einen Stern wählen, zu dem ſie aufblicken, und ſo miteinander verkehren, obgleich Meere und Länder ſie trennen?“ „Dies iſt eine Frage, welche Ihr Euch ſelbſt ſtellen müßt, Raoul; denn Alles, was ich je von Liebe und Liebenden gehört habe, kam von Euern Lippen.“ „Wohlan denn, ſo ſag' ich es dir, und ich hoffe, wir trennen uns nun nicht wieder, ohne unſern Stern und unſere Stunde gewählt zu haben, wenn wir uns ja wieder trennen ſollten. Wenn ich es aber vergeſſen habe, dir dies zu ſagen, Ghita, ſo geſchah es nur, weil du von meinen Gedanken nie abweſend biſt— es bedarf keines E Thürme Wir zumal wollten, Betheuer nichts kl ſie ſeine Die beſonders welches Werthe ſeine Lie⸗ noch errö ja, ſie ſ Raoul of ſprach ſie „Je haben,“ können n aus den Auge auf Verſuches ſehen, do ben, daß fahrer no ten ſind, 184—1 zu kennen, am fern⸗ veit, weit len Punkt die er von tzte Ghita ſchen Idee ein neuer deſſen nie „ aus ſo ebt, Inte⸗ vertraut ie Stunde ken, und d Länder bſt ſtellen Liebe und ich hoffe, 'n Stern ir uns ja ſſen habe, weil du es bedarf — 305— keines Sterns, um mich an Monte Argentaro und die Thürme zu erinnern.“ Wir würden Ghita über eine liebenswürdige und zumal natürliche Schwäche erheben, wenn wir ſagen wollten, dieſe Worte hätten ſie nicht erfreut. Raoul's Betheuerungen fanden nie ein verſchloſſenes Herz, und nichts klang ihrem Ohre lieblicher, als ſeine Worte, wenn ſie ſeine Liebe und Hingebung ausſprachen. Die Offenheit, mit welcher er ſeine Vergehungen, beſonders aber den Mangel ſeines religiöſen Gefühls, welches in den Augen ſeiner, Geliebten von ſo hohem Werthe war, eingeſtand, gab ſeiner Sprache, wenn ſie ſeine Liebe bekundete, einen noch höhern Werth. Den⸗ noch erröthete Ghita, als ſie zuhörte; ſie lächelte nicht; ja, ſie ſchien traurig zu ſein. Faſt eine Minute ließ ſie Raoul ohne Antwort, und als ſie endlich antwortete, ſprach ſie leiſe und aus der Tiefe ihrer Seele. „Jene Sterne mögen wohl einen höhern Zweck haben,“ ſagte ſie.„Blicke zu ihnen auf, Raoul, zählen können wir ſie nicht; denn einer nach dem andern ſcheint aus den Tiefen des Himmels herauszubrechen, wenn das Auge auf jenem Raume ruht; ſie ſpotten zuletzt unſeres Verſuches, ihre Zahl ausfindig machen zu wollen. Wir ſehen, daß ſie zu Tauſenden da ſind, und dürfen glau⸗ ben, daß ihrer Myriaden ſind. Nun mußt du als See⸗ fahrer nothwendig gelernt haben, daß dieſe Sterne Wel⸗ ten ſind, wie unſere eigene, oder Sonnen mit Welten, 184— 186. 20 — 306— die ſich um ſie bewegen; wie iſt es möglich, dies zu ſehen und zu wiſſen, ohne an Gott zu glauben, und die Unbedeutenheit unſeres Daſeins zu fühlen?“ „Ich ſtelle nicht in Abrede, Ghita, daß es eine Macht gibt, welche all' dies regiert; aber ich behaupte, daß dieſe ein Prinzip iſt, kein Weſen von unſerer Form und Geſtalt, und daß es eher die Vernunft der Dinge, als eine Gottheit iſt.“ „Wer ſagt aber, Gott ſei ein Weſen von unſerer Form und Geſtalt, Raoul? Niemand weiß das— Nie⸗ mand kann es wiſſen: Niemand ſagt es, der Ihn ehrt und anbetet, wie er ſoll.“ „Sagen Eure Geiſtlichen nicht, der Menſch ſei nach Seinem Ebenbilde geſchaffen worden, und heißt dies nicht, ihn nach ſeiner Form und Geſtalt ſchaffen?“ „Nein, ſo nicht, theurer Raoul, ſondern nach dem Ebenbilde Seines Geiſtes; es heißt, der Menſch habe eine Seele, welche, obgleich in geringem Grade, die unver⸗ gängliche Weſenheit Gottes theilt, und in ſo fern iſt er nach Seinem Ebenbilde geſchaffen. Mehr als dies nahm ſich nie Jemand heraus behaupten zu wollen. Welch' ein Weſen muß aber das ſein, das alle dieſe glänzenden Welten beherrſcht?“ „Ghita, du weißt, wie ich über dieſe Gegenſtände denke, und du weißt eben ſo gut, daß ich dein zartes Gefühl auch nicht durch ein einziges Wort, das dich be⸗ kümmern könnte, verletzen mag.“ „N dern dei Wer de zweifeln erhaben „C mand ire aber mi kraft, e in Bewe um alle Platz an hieße ei Nacht v glauben ein We „A annehme ſen, wa „2 wirkſam Wucht d ſchichte uns ſo den und menſchli kenne ke jes eine behaupte, rer Form er Dinge, n unſerer 3— Nie⸗ der Ihn ) ſei nach dies nicht, nach dem habe eine ie unver⸗ ern iſt er ies nahm Welch' länzenden genſtände ein zartes 3 dich be⸗ — 307— „Nein, Raoul, nicht deine Art zu denken, ſon⸗ dern deine Art zu ſprechen unterſcheidet dich von mir. Wer denkt, kann nicht an dem Daſein eines Weſens zweifeln, das über Alles auf Erden und in dem Weltall erhaben, das der Schöpfer und Herr von Allem iſt.“ „Ein Prinzip, wenn du willſt, Ghita, kann Nie⸗ mand in Abrede ſtellen; das Daſein eines Weſens aber muß erſt bewieſen werden; daß eine mächtige Ur⸗ kraft, ein Prinzip da ſein muß, um alle dieſe Planeten in Bewegung zu ſetzen, um alle dieſe Sterne zu ſchaffen, um allen dieſen Sonnen in dem ewigen Raume ihren Platz anzuweiſen,— dies habe ich nie bezweifelt— dies hieße eine Thatſache in Zweifel ziehen, welche Tag und Nacht vor meinen Augen ſteht; ich würde aber an Weſen glauben müſſen, welche ich nie ſah, wollte ich annehmen, ein Weſen ſei im Stande, Alles dies hervorzubringen.“ „Aber warum willſt du nicht eben ſo gut ein Weſen annehmen, das all das vollbracht, als es dem beizumeſ⸗ ſen, was du ein Prinzip, eine Urkraft nennſt?“ „Weil ich überall um mich her eine ſolche Kraft wirkſam ſehe; in jener ſchweren Fregatte, die unter der Wucht des Geſchützes ächzend, auf jener kleinen Waſſer⸗ ſchichte ſchwimmt,— in den Bäumen des Landes, das uns ſo nahe liegt,— in den Thieren, die geboren wer⸗ den und vergehen— den Fiſchen, den Vögeln und den menſchlichen Weſen. Ich ſehe aber kein Weſen— ich kenne kein Weſen, das im Stande wäre, all dies zu thun.“ 20*. — 308— „Du kennſt Gott nicht, das iſt der Grund. Er iſt der Schöpfer jener Urkräfte, von welchen du ſprichſt, und er iſt größer, als deine Urkräfte ſelbſt.“ „Es iſt leicht, dies zu ſagen, Ghita, aber ſchwer, es zu beweiſen. Ich nehme die Eichel und ſtecke ſie in die Erde; zu gehöriger Zeit ſchießt ſie auf, und im Ver⸗ lauf von Jahren wird ſie zu einem Baume. All dies aber hängt von einer geheimnißvollen Kraft ab, von wel⸗ cher ich nichts weiß, von deren Daſein ich aber überzeugt bin; denn ich kann ſie in Thätigkeit ſetzen, wenn ich nur die Erde öffne, und den Samen in ihren Schooß lege. Ja, ich kann mehr thun; ſo genau verſtehe ich, wenig⸗ ſtens bis auf einen gewiſſen Grad, dieſes Prinzip, daß ich den Wuchs der Pflanze beſchleunigen, oder zurückhal⸗ ten, und gewiſſermaßen den Baum geſtalten kann, je nachdem ich die Zeit und den Boden wähle.“ „Es iſt wahr, Raoul, du kannſt dies bis auf einen gewiſſen Grad; und du kannſt dies eben, weil du nach dem Ebenbilde Gottes geſchaffen biſt. Die kleine Aehnlichkeit, welche du mit jenem mächtigen Weſen haſt, ſetzt dich in den Stand, etwas zu thun, was den Thieren des Feldes nicht gegeben iſt; wärſt du Ihm gleich, ſo könnteſt du jene Kraft ſchaffen, von welcher du ſprichſt, und welche du in deiner Verblendung für den Schöpfer nimmſt.“ Dies wurde mit höherem Gefühle geſagt, als Ghita je bei ihren öfteren Beſprechungen dieſes Gegen⸗ — ſtandes war eit Ghita! deutung hafte C ſitzen gl fühl des nen mu in einer ſtark zu „N kaum nicht, n als ſein weiſt je ſtand, Fiſch. und das den Wer vorgebra ihr Geſe D „O denken, ſollte m an dein ben willf bauen— d. Er iſt ichſt, und er ſchwer, ecke ſie in im Ver⸗ All dies von wel⸗ überzeugt n ich nur vooß lege. , wenig⸗ zip, daß zurückhal⸗ kann, je bis auf es eben, iſt. Die en Weſen was den öm gleich, ſprichſt, Schöpfer igt, als 3 Gegen⸗ — 309 ſtandes an den Tag gelegt hatte, und in ihrem Tone war eine Feierlichkeit, welche den Hörer beben machte. Ghita beſaß keine Philoſophie, in der gewöhnlichen Be⸗ deutung dieſes Wortes, während Raoul, ſeine mangel⸗ hafte Erziehung in Anſchlag gebracht, deren viel zu be⸗ ſitzen glaubte; und doch belebte das ſtarke religiöſe Ge⸗ fühl des Mädchens ihre Geiſteskraft ſo, daß er oft ſtau⸗ nen mußte, warum ſie ſcheinbar ſtets die beſten Beweiſe in einer Sache habe, in welcher er ſich ſchmeichelte, ſo ſtark zu ſein. „Mir ſcheint es faſt, Ghita, als verſtünden wir kaum einander,“ antwortete Raoul.„Ich behaupte nicht, mehr zu ſehen, als der Menſch ſehen kann, oder als ſeine Kräfte zu erfaſſen im Stande ſind; dies be⸗ weiſt jedoch nichts; denn der Elephant hat mehr Ver⸗ ſtand, als das Pferd, und das Pferd mehr, als der Fiſch. Es gibt ein Prinzip, welches Alles durchdringt, und das wir Natur nennen; und ſie hat dieſe kreiſen⸗ den Welten und alle die Geheimniſſe der Schöpfung her⸗ vorgebracht. Eines ihrer Geſetze aber iſt, daß nichts von ihr Geſchaffenes ihre Geheimniſſe begreifen ſoll.“ „Du darfſt dir nur in deinem Prinzipe einen Geiſt denken, Raoul, und du haſt den chriſtlichen Gott. Warum ſollte man nicht eben ſo leicht an Ihn glauben, als du an dein unbekanntes Prinzip, wie du es nennſt, glau⸗ ben willſt? Du weißt, daß du lebſt— daß du ein Schiff bauen— über Sonne und Sterne forſchen kannſt, ſo — 310— daß du mittelſt deines Geiſtes deinen Weg durch den fernſten Ocean findeſt; warum willſt du nicht annehmen, daß es ein höheres Weſen gebe, welches ſelbſt mehr als dies vermag? Du ſelbſt kannſt deine Prinzipien unwirk⸗ ſam machen,— der Same kann der Kraft zu wachſen beraubt— der Baum vernichtet werden; und wenn man Prinzipien ſo zu vernichten vermag, kann auch der Zufall eines Tags die Schöpfung vernichten, indem ſie deren Ur⸗ kraft vernichtet. Ich fürchte mich, dir von Offenbarung zu ſprechen, Raoul, denn ich weiß, du ſpotteſt darüber.“ „Nicht, wenn deine Lippen davon ſprechen, Theuerſte. Ich glaube vielleicht an das, was du ſagſt und hochhältſt, aber ich ſpotte nicht darüber.“ „Ich ſollte dir dafür danken, Raoul; aber ich fühle, daß ich mir dadurch nur eine Ehre anmaßte, welche einem Andern gelten ſollte. Doch— hier iſt meine Guitarre, und es thut mir leid, bemerken zu müſſen, daß dieſen Abend an Bord des Irrlichts die Hymne an die heilige Jungfrau nicht geſungen worden iſt, du glaubſt nicht, wie lieblich eine ſolche Hymne ſich auf dem Waſſer aus⸗ nimmt. Ich hörte die Mannſchaft der Felucca, welche gegen die Fregatte hin vor Anker liegt, dieſen Geſang anſtimmen, während deine Leute ihre leichtſinnigen Lie⸗ der zum Preiſe weiblicher Schönheit ſangen, ſtatt ihre Stimmen zum Lobe ihres Schöpfers zu vereinigen.“ „Du willſt deine Hymne ſingen, Ghita, ſonſt hät⸗ teſt du der Guitarre nicht erwähnt.“ —.— nach Wer Tags G ihre le die Sa und in Herz g G Vaterlo hatte welche zu ſein ſten, ri mächtig religiöſe ſprechen Hymne die ſeli⸗ Liebe u Gefühl neuen geſunge Sitz ver rend die und war durch den nnehmen, mehr als n unwirk⸗ wachſen venn man der Zufall deren Ur⸗ fenbarung darüber.“ Theuerſte. hochhältſt, ich fühle, lche einem Guitarre, daß dieſen die heilige bſt nicht, aſſer aus⸗ a, welche n Geſang nigen Lie⸗ ſtatt ihre gen.“ ſonſt hät⸗ — 311— „Allerdings, Raoul. Ich habe deine Seele ſtets nach heiliger Muſik am ſanfteſten geſtimmt gefunden. Wer weiß, vielleicht rührt die Gnade Gottes ſie eines Tags durch die Töne eben dieſer Hymne.“ Ghita hielt einen Augenblick inne, dann gleiteten ihre leichten Finger in einem feierlichen Vorſpiele über die Saiten ihrer Guitarre, worauf ſie mit einer Stimme und in einer Melodie, welche wahrhaft ein ſteinernes Herz gerührt hätten, das ſüße„Ave Maria“ hören ließ. Ghita, eine geborene Neapolitanerin, war von ihres Vaterlandes ganzer Liebe für die Muſik erfüllt, und ſie hatte ſich einige Kenntniß von einer Kunſt angeeignet, welche den Völkern in jenem Theile der Welt angeboren zu ſein ſcheint. Die Natur hatte ſie mit einer der ſüßs⸗ ſten, rührendſten weiblichen Stimme begabt, eine weniger mächtige, als ſanfte, liebliche Stimme, die beſonders im religiöſen Liede wundervoll ergreifend und zum Herzen ſprechend klang. Während ſie jetzt dieſe wohlbekannte Hymne ſang, beſchlich auf wunderbare Weiſe ihr Herz die ſelige Hoffnung, es könne ihr gelingen, Raoul der Liebe und Verehrung Gottes zuzuwenden, und dieſes Gefühl begeiſterte ſie, und ſchien ihrer Stimme einen neuen Zauber zu leihen, nie vorher hatte ſie beſſer geſungen; dafür ſprach der Umſtand, daß Ithuel ſeinen Sitz verließ und nach hinten kam, um zuzuhören, wäh⸗ rend die zwei franzöſiſchen Matroſen auf der Wache dann und wann ihres Dienſtes vergaßen und entzückt waren. „Wenn Etwas mich zum Gläubigen machen könnte, Ghita,“ ſagte Raoul leiſe, als die letzten Töne auf den Lippen ſeiner Geliebten erſtorben waren,„ſo würd' es dein Geſang ſein. Wie iſt's, Monſieur Ituell,— ſeid auch Ihr ein Verehrer heiliger Muſik?“ „Das iſt ein ſchönes Geſinge, Capitain Rule,— aber wir haben andere Geſchäfte zur Hand. Wenn Ihr auf das andere Ende des Loggers treten wollt, könnt Ihr das Fahrzeug in das Auge faſſen, welches in den letzten drei Stunden landeinwärts entlang ſchlich; es hat etwas Unnatürliches an ſich; es ſcheint näher bei uns auszuſacken, während es ſich nicht durch das Waſſer bewegt. Den letztern Umſtand halte ich für unnatürlich bei einem Schiffe, welches alle Segel beigeſetzt hat und in dieſem Winde ſteht.“ Raoul drückte Ghita's Hand und flüſterte ihr zu, ſie möchte hinabgehen, weil er beſorge, die Nachtluft ſei ihr ſchadlich. Dann eilte er nach vornen, wo er einen ſo guten Ausguck auf die Felucca landein hatte, als die Dunkelheit der Stunde es geſtattete; und er fühlte ſich ein wenig unbehaglich, als er ſah, wie nahe ſie dem Logger getreten war. Als er die Stellung der Felucca zum letzten Male beob⸗ achtet hatte, ſtand ſie eine volle halbe Meile fern, und ſchien die Backen des Feu-Follet mit hinreichendem Wind zu kreuzen, um in der Zwiſchenzeit eine Meile nach vornen zu rücken; er konnte aber nicht bemerken, daß ſie ſo weit in dieſer auf den „H den Nei „ J und dies denk' ich eine Sti zeug ha Stunde ſich leicht ziemlich unſerm! Grund, gehen kö einer Vi hier in iſt ſeitde „W Küſtenfal Englände len, um Enterver „Es der Frege eine gute eine Kabe n könnte, auf den würd' es „— ſeid Rule,— genn Ihr t, könnt 3 in den ); es hat bei uns 3 Waſſer anatürlich hat und ihr zu, htluft ſei er einen als die ühlte ſich ſie dem Lale beob⸗ und ſchien Wind zu ornen zu e ſo weit — 313— in dieſer Richtung vorgeſchritten ſei, als ſte mittlerweile auf den Logger abgetrieben war. „Habt Ihr ſie lange im Auge gehabt?“ fragte er den Neu⸗Hampſſhirer. „Ich beobachtete ſie, ſeit ſie ſtill zu ſtehen ſchien, und dies ſind nun etwa zwanzig Minuten. Sie iſt träg, denk' ich; denn ſie hat mehrere Stunden gebraucht, um eine Stunde entlang zu kommen, und ein ſolches Fahr⸗ zeug hat jetzt Wind genug, um drei Knoten in der Stunde zu machen. Daß ſie auf uns herabtreibt, läßt ſich leicht erklären; denn die Strömung dieſes Fluſſes iſt ziemlich ſtark, wie man an dem Anſchlag der Wellen an unſerm Logger deutlich ſehen kann; ich finde aber keinen Grund, warum die Felucca nicht zugleich nach vornen gehen könnte. Ich habe ihre Stellung wenigſtens vor einer Viertelſtunde nach dem Lichte angemerkt, das man hier in dem Striche des nächſten Berges ſieht, und ſie i*ſt ſeitdem nicht fünfmal ihre Länge vorgerückt.“ „Wir haben am Ende doch nur einen corſicaniſchen Küſtenfahrer vor uns, Ithuel; ich glaube kaum, daß die Engländer ſich unſern Kugeln noch einmal ausſetzen wol⸗ len, um das Vergnügen zu haben, bei einem zweiten Enterverſuch zurückgewieſen zu werden.“ „Es iſt eine ſcheußliche Rage Menſchen an Bord der Fregatte— Gott allein kennt ſie!— Seht, da bläſt eine gute, ſchwere Nachtluft, und dieſe Felucca iſt nicht eine Kabellänge von uns! beobachtet ſie nach dem Kluver⸗ — 314— ſtag, und überzeugt Euch ſelbſt, wie langſam ſie nach vornen zieht. Das iſt's, was mir zu denken gibt.“ Raoul that, wie Jener geſagt hatte, und nach einem kurzen Verſuche fand er, daß der Küſtenfahrer keine bemerkliche Bewegung nach vornen habe, während es gewiß war, daß er mit der Strömung gerade quer vor den Klüſen des Loggers niedertrieb. Dieſe Thatſache überzeugte ihn, daß er recht nach hinten triftig ſein müſſe, ein Umſtand, welcher ſofort auf eine feindliche Abſicht hindeutete. Der Feind war wahrſcheinlich mäch⸗ tig an Bord der Felucca, und Raoul fühlte die Noth⸗ wendigkeit, ſogleich ſeine Anſtalten zur Vertheidigung zu treffen. Dennoch wollte er ſeine Mannſchaft nicht gerne in der Ruhe ſtören. Wie alle feſten, beſonnenen Männer war er dem Gepränge eines falſchen Lärms abgeneigt, und es ſchien zu unwahrſcheinlich, daß die Lehre dieſes Morgens ſchon wieder vergeſſen ſein ſollte; er konnte ſich kaum überreden, ſeinen Sinnen zu glauben. Dann waren die Leute auch den ganzen Tag ſtark beſchäftigt geweſen, und die Meiſten ſchliefen den Schlaf der Müden. Andererſeits brachte jede Minute die Felucca näher heran, und die Gefahr ſtieg, wenn der Feind ſich wirk⸗ lich ihrer bemächtigt haben ſollte. Unter allen dieſen Umſtänden hielt er es für das Beſte, das Fahrzeug erſt anzurufen; denn er wußte, daß ſeine Leute in einer Minute dienſtfertig ſein konnten und da ſich Jed Angriff 5 denn do Anſtren iſt das? 91 halb fra nicht an Beſtimn Küſte h Wir ſir haben d Strömu „L2 Klüſen. nimmer. „ A würden könnten. wir ſind halten, vorbei g Die daß Ra und wen n ſie nach gibt.“ ach einem drer keine ihrend es quer vor Thatſache riftig ſein feindliche llich mäch⸗ die Noth⸗ theidigung gerne in Männer abgeneigt, hre dieſes er konnte n. Dann beſchäftigt er Müden. lcca näher ſich wirk⸗ 3 für das pußte, daß konnten — 315— und daß ſie mit den Waffen an der Seite ſchliefen, da ſich Jeder darauf gefaßt hatte, im Laufe der Nacht den Angriff der Boote wiederholt zu ſehen. „Felucca, ahoy!“ rief der Capitain des Feu-Follet, denn das andere Schiff war ſo nahe, daß es keiner großen Anſtrengung der Stimme bedurfte.„Welche Felueca iſt das? und warum habt Ihr eine ſo ſtarke Abtrift?“ H La bella Corsienne! lautete die Antwort in einem halb franzöſiſchen, halb italieniſchen Patois, wie Raoul nicht anders erwartete, wenn Alles richtig war.„Unſere Beſtimmung iſt La Padulella, und wir wünſchen an der Küſte hinzugehen, um den Wind deſto länger zu haben. Wir ſind im beſten Falle keine großen Segler, und haben die Abtrift, weil wir eben jetzt in der ſtärkſten Strömung ſind.“ „Wie Ihr jetzt geht, kommt Ihr quer vor meine Klüſen.— Ihr wißt, ich bin bewaffnet, und leide dies nimmer.“ „Ah, Signore, wir ſind Freunde der Republik, und würden Euch keinen Schaden zufügen, wenn wir es auch könnten. Wir hoffen, Ihr werdet arme Seeleute, wie wir ſind, nicht in Schaden bringen. Wir werden weg⸗ halten, wenn Ihr es wollt, und unter Euerm Spiegel vorbei gehen.“ Dieſer Vorſchlag kam ſo plötzlich und unerwartet, daß Raoul nicht Zeit hatte, etwas dagegen zu ſagen; und wenn er es auch hätte hindern wollen, ſo war die — 316— Ausführung zu raſch, als daß ein Widerſtand möglich geweſen wäre. Die Felucca fiel voll ab und kam faſt vor dem Wind und der Strömung in gerader Linie vor den Backen des Loggers nieder, und bewegte ſich jetzt raſch genug, um alle Zweifel Ithuel's zu beſeitigen. „Ruft alle Leute, um die Enterer abzuhalten!“ rief Raoul, ſprang nach hinten zu dem Gangſpitz und griff zu ſeinen Waffen.„Eilt herauf, mes enfans— hier iſt Verrath;“ Raoul hatte dieſe Worte kaum geſprochen, als er wieder an dem Fuße des Bugſpriets war. Die rührig⸗ ſten ſeiner Leute— etwa fünf bis ſechs höchſtens— begannen ſich auf dem Deck zu zeigen. In dieſer kurzen Zeit war die Felucca bis auf acht⸗ zig Schritte herangekommen, als ſie, zum Erſtaunen Aller an Bord des Loggers, wieder in den Wind luvte und abtrieb, bis nicht mehr zu verkennen, daß ſie unklar von des Loggers Tau war; denn ihr Spiegel ſchwenkte ſich rund gerade krahnbalksweiſe an Steuerbord des Irr⸗ lichts.. In dieſem Augenblicke, oder als eben die beiden Schiffe in wirkliche Berührung traten, und Raoul's Leute ſich um ihn ſammelten, um dem erwarteten Angriff zu begegnen, hörte man den Schlag von Rudern, die aus allen Kräften bewegt wurden, und aus der offenen Lucke des Küſtenſchiffes ſchlugen die Faammen heraus. Dann ſah mal mit dem 22 U fen zwar cher ſich reichend furchtbar Abe bald ſeit genomme zwanzig man ihn Ruſtlinie der Schu „An donnernd das Kabel Die unbedingt Lieutenan bald das Raon ausgewäh ſchen hatt Flamme aus der er geahnt möglich em Wind acken des nug, um thalten!“ ſpib und nfans— , als er te rührig⸗ sſtens— auf acht⸗ Erſtaunen ind luvte ie unklar ſchwenkte des Irr⸗ le beiden ils Leute Ingriff zu die aus ien Lucke 8. Dann — 317— ſah man bei dem grellen Lichte ein Boot in einer Linie mit dem Rumpfe dahin gleiten. „Un brülot— un brülot!— Ein Brander!“ rie⸗ fen zwanzig Stimmen zumal, und der Schrecken, wel⸗ cher ſich in dieſem Geſchrei ausſprach, verkündigte hin⸗ reichend die Größe einer Gefahr, welche vielleicht die furchtbarſte iſt, die der Seemann zu beſtehen hat. Aber Raoul's Stimme war nicht unter dieſen. So⸗ bald ſein Auge den erſten Schein der Flamme wahr— genommen, verſchwand er vom Bugſpriet. Er mochte zwanzig Sekunden abweſend geweſen ſein; dann erblickte man ihn wieder an dem Hackebord der Felucca mit einer Ruſtlinie, welche auf der Campanje gelegen hatte, auf der Schulter. „Antoine!— Frangçois!— Gregoire!“ rief er mit donnernder Stimme,„ folgt mir; die Andern machen das Kabel klar und binden ein Troß an das ſtärkſte Ende.“ Die Mannſchaft des Irrlichts war an Ordnung und unbedingten Gehorſam gewöhnt. Auch waren jetzt die Lieutenants in ihrer Mitte; man begann demnach als⸗ bald das Befohlene in's Werk zu ſetzen. Raoul ſelbſt ging, von den drei Leuten, die er ſich ausgewählt hatte, in die Feluceg. Dieſe kühnen Men⸗ ſchen hatten bis jetzt noch keine große Schwierigkeit, der Flamme auszuweichen, obgleich ſie jetzt wie ein Strom aus der Lucke empor brach. Raoul's Kabel war, wie er geahnt hatte, gedreggt; er faßte ein Tau, ſpannte es — 318— ſtark und befeſtigte den Binnenbord⸗Theil. Dann ſtieg er zu dem Kabel ſelbſt hinab, daß ſeine Gefährten ihm das Tauende der Ruſtlinie reichen konnten, und band es mit einem Stopſtich an das Kabel. Dies nahm eine halbe Minute hin, nach einer zweiten halben Minute war er wieder auf der Campanje der Felucca. Hier war es leicht, die Ruſtlinie durch ein Klüsgat laufen zu laſ⸗ ſen, und ein Knoten, mit einem Merlpfriem befeſtigt, ging durch ihre Mitte. Es war jetzt keine Kleinigkeit, wieder durch das, Feuer zurückzukommen; Raoul trieb jedoch ſeine Gefährten vor ſich her, und ſie kamen ohne Beſchädigung davon. Sobald er die Backen ſeines Loggers erreicht hatte, erſcholl ſein Ruf: „Hinweg gewendet! Kabel ausgeſtochen, ihr Leute, wenn ihr euern ſchönen Logger vom Verderben retten wollt 272 Auch war jetzt kein Augenblick zu verlieren. Der Logger nahm das Kabel, das ihm raſch genug gereicht ward, unter dem Drucke der Strömung und von dem Winde unterſtützt; anfangs ſchien jedoch der Brander, welcher jetzt Eine Flamme war— denn die Decken waren mit Theer geſättigt worden— geneigt, das Irrlicht zu begleiten. Bald ſah man jedoch— zur Freude Aller in dem Logger— daß der Spiegel der Felucca ſich von ſeinen eigenen Backen trennte; und nachdem man dem Feu-Follet mittelſt des Steuers eine Wendung gegeben hatte, waren ſelbſt ſein Bugſpriet und ſein Klüver jeder Gefahr rend der abtrieb, Feuerma wurde d linie od ſen, wäl Die ten, un heit, die gehören nahme d und als Logger nung faſ dete, Gl mit Beb er zu ihr ein glän gen berei „Un kirche nac worden, du es ſo „Un Güte gen alles mit ann ſtieg rten ihm und band ahm eine Minute Hier war en zu laſ⸗ befeſtigt, leinigkeit, oul trieb men ohne icht hatte, ihr Leute, en wollt?“ ken. Der g gereicht von dem Brander, ken waren Frrlicht zu e Aller in ſich von man dem ig gegeben üver jeder — 319— Gefahr entzogen. Die Felueca lag bewegungslos, wäh⸗ rend der Logger, Faden um Faden, recht nach hinten abtrieb, bis er auf mehr als hundert Schritte von der Feuermaſſe fern lag. Während das Kabel ausgeſtochen, wurde der Theil, an welchem das Tauſtück der Ruſt⸗ linie oder Kette befeſtigt war, in das Waſſer gelaſ⸗ ſen, während die Felucca an der Kette trieb. Dieſe Begebniſſe umfaßten weniger als fünf Minu⸗ ten, und Alles geſchah mit einer Stätigkeit und Raſch⸗ heit, die mehr dem Inſtincte, als der Vernunft anzu⸗ gehören ſchienen. Raoul's Stimme wurde, mit Aus⸗ nahme der wenigen mitgetheilten Befehle, nicht gehört, und als er bei dem grellen Lichte, das alles in dem Logger und das Waſſer ringsum bis auf einige Entfer⸗ nung faſt in den Glanz eines Sommernachmittages klei⸗ dete, Ghita ſah, wie ſie in ſtummer Bewunderung und mit Beben auf das großartige Schauſpiel blickte, ging er zu ihr und redete mit ihr, als ſei das Ganze nur ein glänzendes Schauſpiel, das man zu ihrem Vergnü⸗ gen bereitet habe. „Unſere Girandola ſteht nur der der St. Peters⸗ kirche nach,“ ſagte er lachend.„Wir ſind hart bedrängt worden, Liebe; aber— Dank ſei deinem Gotte— wenn du es ſo willſt— wir haben keinen Schaden genommen.“ „Und du biſt das Werkzeug Seiner Gnade und Güte geweſen, Raoul; ich habe von dieſer Stelle aus alles mit angeſehen. Der Aufruf der Leute brachte mich auf das Deck— und ach, wie bebte ich, als ich dich in der flammenden Maſſe ſah!“ „Die Sache war von Seiten der Herren Engländer ſehr verſchlagen angelegt; aber der Plan ſchlug gänzlich fehl. Dieſes Küſtenſchiff hat eine Ladung Theer und Schiffsmaterial an Bord; als die Fregatte es dieſen Abend kaperte, glaubte man, unſer Irrlicht durch die hellere, wildere Flamme der Felucca zu verlöſchen; aber Le Feu-Follet wird wieder glänzen, während ihr Feuer erloſchen iſt.“ „Droht keine Gefahr mehr, daß der Brander an uns heran komme? Er liegt uns furchtbar nahe.“ „Nicht nahe genug, um uns zu ſchaden, beſonders da unſere Segel vom Thau getränkt ſind. Hierher kann er nicht treiben, ſo lange unſer Kabel hält; und da die⸗ ſes unter dem Waſſer iſt, wo ſie liegt, kann es nicht in Brand gerathen. In einer halben Stunde wird wenig von ihm übrig ſein, und wir werden uns des Freuden⸗ feuers freuen, ſo lange es währt.“ Und es war nun, da alle Gefahr vorüber, in der That ein Anblick, deſſen man ſich freuen konnte. Man ſah jedes beſorgte und neugierige Geſicht in dem Logger dem Glanze dieſes Lichtes der glühenden Maſſe zuge⸗ wendet, wie die Sonnenblume der großen Lichtquelle auf ihrer Bahn an dem Himmel folgt, während Spieren, Segel, Kanonen, und ſelbſt die kleinſten Gegenſtände an Bord des Loggers aus der Dunkelheit der Nacht in den hellen G theatralif Ein und verz mit ihner nende D andern, ſich zulet ſelbſt ver Eine außer der wenig vo Raor Feinde a⸗ denſelben 184—1 ich dich in Engländer g gänzlich theer und es dieſen durch die hen; aber ihr Feuer ander an he.“ beſonders rher kann dd da die⸗ 3 nicht in rd wenig Freuden⸗ r, in der te. Man m Logger iſſe zuge⸗ quelle auf Spieren, ſtände an ht in den — 321— hellen Glanz einer Beleuchtung traten, welche zu einer theatraliſchen Darſtellung zu gehören ſchien. Eine ſo wilde Flamme mußte ſich aber bald erſchöpfen und verzehren. Bald fielen die Maſten der Felucca und mit ihnen eine Feuerpyramide. Dann ſtürzte das bren⸗ nende Deck ein, und endlich ſtürzte ein Holz nach dem andern, eine Planke nach der andern, bis der Brand ſich zuletzt in dem Waſſer, auf welchem er ſchwamm, ſelbſt verlöſchte. Eine Stunde nach dem Erſcheinen der Felucca war außer der Aſche, die in dem Raume des Wrack glühte, wenig von ihr zu ſehen. Zwölftes Kapitel. Als Friedensrichter iſt er angenommen, Doch wird er abgeſetzt im nächſten Jahr; Den Geiſtlichen verehren ſie, die Frommen, Bis einer wohlfeiler ſich bietet dar; Sie wiſſen Alles, ſehen Alles klar, Wie durch Inſtinct, und zeigte Park ſich hier Und gäb' des Nigers Quelle an— fürwahr, Sie ſagten ihm— mein Freund, das wiſſen wir. Halleck. Raoul täuſchte ſich nicht in Betreff der von dem Feinde angewendeten Mittel und der Weiſe, wie er zu denſelben gekommen. Die Fregatte hatte in der That 184— 186. eine der Feluccas mit Schiffsvorrath und zehn bis fünf⸗ zehn Fäſſern Theer befrachtet gefunden, und Griffin, welcher glühend wünſchte, die Niederlage dieſes Morgens zu rächen, verfiel alsbald auf den Gedanken, die Priſe in einen Brander zu verwandeln. Da der zweite Lieu⸗ tenant ſich freiwillig erbot, die Felucca an die rechte Stelle zu bringen,— ſtets ein verzweifeltes Geſchäft— gab Cuffe ſeine Einwilligung. Alles, was mit dieſem Beginnen in Zuſammenhang ſtand, wurde auf das Beſte gehandhabt, ein Lob, welches man auch der Art, wie unſer Held ſein Schiff vor der Vernichtung rettete, nicht vorenthalten kann. Die Fregatte ſtand zwiſchen der Priſe und dem Log⸗ ger, wodurch dem letztern entgehen mußte, daß ein Boot an Bord der Felucca blieb, und als alle Vorbereitungen getroffen waren, ließ man die letztere ihren Weg ſchein⸗ bar fortſetzen. Auch die andern zwei Priſen durften frei abfahren, um die ganze Sache zu bemänteln. Griffin hielt, wie wir geſehen haben, auf das Land ab, da er die Abſicht hatte, den Fluß hinan und dem Logger ſo nahe als möglich zu kommen. Als er ſich ſo weit nach vornen ſah, als ihm wünſchenswerth ſchien, wurden Treibanker angewendet, um das Schiff auf dem Platz zu erhalten, und auf dieſe Art trieb es, wie ſchon erzählt worden iſt, auf ſein geglaubtes Opfer nieder. Ohne die Unbehaglichkeit und den Scharfſinn Ithuehs wäre die Abſicht des Feindes unentdeckt geblieben, und ohne die Raoul's den, un Cuf ganzen konnten abtrieb, hatte ebe der, als einer ſo ſtehen ſoh näher at ſtand, w daß mar ſie lägen Die Loggers da dies Grund g laſſen, ſe an deſſen Hoffnung Boote z1 Landung Ankerpla Mitterna bewölkte bis fünf⸗ Griffin, Morgens die Priſe eite Lieu⸗ die rechte eſchäft— umenhang », welches ff vor der dem Log⸗ ein Boot rreitungen beg ſchein⸗ rften frei das Land und dem er ſich ſo eth ſchien, auf dem wie ſchon er nieder. Ithuehs ben, und — 323— ohne die Beſonnenheit, den Muth und die Sachkenntniß Raoul's würde ſie, trotz dem Argwohn, der rege gewor⸗ den, unvermeidlich erreicht worden ſein. Cuffe und die Mannſchaft auf dem Deck ſahen dem ganzen Vorgang mit der größten Theilnahme zu. Sie konnten die Segel der Felucca, wie ſie auf den Logger abtrieb, nur durch Nachtgläſer ſehen, und Yelverton hatte eben verkündigt, die beiden Schiffe ſeien aneinan⸗ der, als die Flamme aufſchlug. Natürlich mußten, aus einer ſolchen Entfernung, beide Schiffe in Feuer zu ſtehen ſcheinen; und als Le Feu-Follet hundert Schritte näher an die Fregatte rückte und die Felucca in Brand ſtand, waren beide Fahrzeuge ſo genau in einer Linie, daß man von dem Verdeck der Fregatte glauben mußte, ſie lägen Seite an Seite. Die Engländer waren jeden Augenblick gehörig, des Loggers Pulverkammer in die Luft ſprengen zu hören; da dies aber nicht eintraf, ſchloß man, er ſei auf den Grund geſunken. Griffin hatte indeſſen landein rudern laſſen, ſowohl um dem Feuer des Feu-Follet, wenn er an deſſen Seite vorbei ging, auszuweichen, als in der Hoffnung, Raoul's habhaft zu werden, wenn er in einem Boote zu flüchten verſuchen ſollte. Er ging ſelbſt zu einer Landung in dem Fluſſe, die eine volle Stunde von dem Ankerplatze entfernt war, und harrte hier bis lange nach Mitternacht; als er endlich bemerkte, daß der Himmel ſich dewölkte und die Duntelheit zunahm, kehrte er, dem 1* — 321— Wrack weit ausweichend, um allen Zufällen zu entgehen, zu der Fregatte zurück. So ſtanden die Dinge, als mit der erſten Dämme⸗ rung des folgenden Morgens Capitain Cuffe auf dem Deck erſchien. Er hatte Befehl gegeben, ihn zu dieſer Stunde zu rufen, und brannte jetzt vor Ungeduld, einen Ausguck auf das Meer, beſonders landein zu nehmen. Endlich begann der Vorhang ſich langſam zu heben, und der Blick konnte weiter und weiter gegen den Fluß ſchweifen, bis Alles, ſelbſt das Land ſichtbar war. Kein Fahrzeug irgend einer Art war zu erblicken. Selbſt das Wrack war verſchwunden, obgleich man dieſes ſpäter in der Widerſee entdeckte, wohin die Strömung des Fluſſes es getrieben hatte, bis es eine Neer*) traf, die es wieder zurückſtieß und endlich an die Küſte warf. Nirgends war jedoch eine Spur von dem Feu-Follet zu entdecken. Nicht einmal ein Zelt an der Küſte, ein verirrtes Boot oder eine ſchwimmende Spiere oder der Fetzen eines Segels! Alles war, ohne Zweifel, von dem Brande verzehrt worden. Als Cuffe ſich wieder hinab begab, trug er ſein Haupt ſtolzer, als er ſeit dem Begebniß des vorigen Morgens gethan hatte; er öffnete ſeinen Schreibpult wie Jemand, *) Eine gegen den Strom wirbelnde Stelle des Meeres; hervor⸗ ſpringende Landſpitzen erzeugen gewöhnlich Neere. Ueberſ. der mit dennoch Bedauer ſten Ka⸗ zu haben ſiebzig bi Gewürn Die obern 2 nachſtehe res geſc „. Lord⸗Co republike fehlen d Nacht de „D ſtände ſi „A an den und viel Majeſtät der Küſt gen des entgehen, Dämme⸗ auf dem zu dieſer ld, einen nehmen. eben, und den Fluß ar. erblicken. nan dieſes Strömung er*) traf, üſte warf. eu-Follet küſte, ein oder der von dem ein Haupt Morgens Jemand, es; hervor⸗ Ueberſ. der mit ſich und ſeinem Thun vollkommen zufrieden iſt; dennoch geſellte ſich ſeinem Triumphe ein großmüthiges Bedauern bei. Es war etwas Großes, den verderblich⸗ ſten Kaper, der aus Frankreich ausgelaufen, vernichtet zu haben; aber es war auch ein klägliches Schickſal, das ſiebzig bis achtzig Mann getroffen, die, wie ſich krümmende Gewürme, in dem Feuer ihren Tod gefunden. Die Sache war aber geſchehen; und ſie mußte den obern Behörden berichtet werden. Demzufolge wurde nachſtehender Brief an den Oberbefehlshaber dieſes Mee⸗ res geſchrieben. „S. M. S. Proſerpina, vor der Mündung des Golo, Inſel Corſica, den 23. Juli 1799.“ „Mein Lord!“ „Ich habe die Ehre, behufs der Benachrichtigung der Lord⸗Commiſſäre der Admiralität, die Vernichtung des republikaniſchen Kapers, Le Few-Folly, unter den Be⸗ fehlen des berüchtigten Raoul Yvard, welche in der Nacht des 22. d. M. ſtatt fand, zu berichten. „Die auf dieſen wichtigen Erfolg bezüglichen Um⸗ ſtände ſind folgende. „Als ich erfuhr, daß der berühmte Abenteurer ſich an den neapolitaniſchen und römiſchen Küſten gezeigt und viel Unheil angeſtiftet hatte, hielt ich mit Seiner Majeſtät Schiff dicht ab, ſegelte an der Halbinſel, mit der Küſte im Angeſicht, hinauf, bis wir frühe am Mor⸗ gen des 21. in den Kanal von Elba traten. „Als wir die Bucht von Porto Ferrajo vor uns hatten, ſahen wir einen Logger, der, mit der engliſchen Flagge auf, vor der Stadt Anker geworfen hatte. Da der Hafen Freundesgebiet war, konnten wir nicht erwar⸗ ten, in dem Fahrzeuge Le Few-Folly zu finden; ent⸗ ſchloſſen aber, uns der Sache zu vergewiſſern, liefen wir ein und drängten den Fremden, bis er unſer Ausgreifen nach oſtwärts benützend, um die Felſen ſchlüpfte und ſich windwärts davon machte. Wir verfolgten ihn eine kurze Strecke, und gingen dann leewärts von Capraya über, wo wir bis zum Morgen des 22. hielten, um nun wieder vor die Stadt zu treten. „Wir fanden den Logger in der offenen See, und da wir uns nun von ſeinem Charakter überzeugt hatten und Windſtille eingetreten war, ſchickte ich ihm die Boote unter den Herren Wincheſter und Griffin, dem erſten und zweiten Lieutenant, nach. Nach einem ſcharfen Strauß, in welchem wir einigen Verluſt erlitten, obgleich der der Republikaner bedeutend größer war, gelang es Monſieur Yvard, in Folge einer Kühlte, die plötzlich auf⸗ ſprang, ſeine Flucht zu bewerkſtelligen. „Wir ließen die Segel fliegen und jagten den Log⸗ ger in die Mündung des Golo. „Wir hatten, als wir auf das Land abhielten, das Glück, eine Felucca zu kapern, welche mit Theer und anderem Brennmaterial befrachtet war; ich beſchloß, ſie als Brander zu benützen und den Feind, der innerhalb der Un gegange „2 Bootgef Ausführ willig d ſeines Weiſe Herrn Gunſt Herrn Feuer d zu ſein. den Ste „G Vernich Kreuzer Art, de Wrack alles Le obgleich ſehr zu der Mo „ und und ſchiffe ſe ſingen. b vor uns engliſchen hatte. Da icht erwar⸗ dden; ent⸗ liefen wir Ausgreifen üpfte und n ihn eine n Capraya „ um nun See, und ugt hatten die Boote em erſten i ſcharfen —, obgleich gelang es ötzlich auf⸗ den Log⸗ lten, das cheer und ſchloß, ſie innerhalb der Untiefen und außer Kanonenſchußweite vor Anker gegangen war, auf dieſe Weiſe zu vernichten. „Da Herr Wincheſter, der erſte Lieutenant, in dem Bootgefechte verwundet worden war, überließ ich die Ausführung dieſes Planes Herrn Griffin, der ſich frei⸗ willig dazu erbot, und geſtern Abend um zehn Uhr ſich ſeines Auftrags auf die beſonnenſte und ehrenvollſte Weiſe entledigte. Ich ſchließe hier den Bericht dieſes Herrn von dem Begebniß bei, und erlaube mir, ihn der Gunſt der Lords⸗Commiſſäre zu empfehlen. Auch mit Herrn Wincheſter's gutem Benehmen unter dem ſcharfen Feuer dieſes Morgens haben wir jeden Grund zufrieden zu ſein. Ich hoffe, dieſer tüchtige Offizier wird bald in den Stand geſetzt ſein, ſeinen Dienſt wieder anzutreten. „Erlaubt mir, mein Lord, Euch zu der vollſtändigen Vernichtung dieſes ſo äußerſt verderblichen feindlichen Kreuzers Glück zu wünſchen; dieſe Vernichtung iſt der Art, daß nicht eine Spiere und keine Spur von einem Wrack übrig iſt. Wir haben Grund zu glauben, daß alles Lebende an Bord zu Grund gegangen iſt; und obgleich ein ſo furchtbarer Verluſt an Menſchenleben ſehr zu beklagen iſt, geſchah doch dadurch der Regierung, der Moral und der Religion ein wichtiger Dienſt. „Der Logger wimmelte von leichtfertigen Frauen, und unſere Mannſchaft hörte ſie, als ſie mit dem Feuer⸗ ſchiffe ſich näherte, ihre philoſophiſchen, irreligiöſen Lieder ſingen. Ich werde die Küſte nach Floßholz, das vielleicht⸗ — 328— umhertreibt, durchſuchen, und dann nach Livorno gehen, um friſche Vorräthe einzunehmen. „Ich habe die Ehre zu ſein, mein Lord, Eurer Herrlichkeit gehorſamſter Diener. Richard Cuffe.“ Cuffe überlas dieſen Bericht zweimal und ließ dann Griffin rufen, dem er ihn laut vorlas und einen bedeu⸗ tungsvollen Blick zuwarf, als er an die Stelle kam, wo er von dem guten Benehmen des jungen Mannes ſprach. „So viel von dem verd—ten Irrwiſch, Griffin. Ich hoffe, er führt Niemand mehr auf eine wilde Gänſe⸗Jagd.“ „Ich bin es überzeugt, Herr. Wollt Ihr mir erlau⸗ ben, eine kleine Aenderung in der Schreibung des Na⸗ mens des Loggers vorzuſchlagen, Capitain Cuffe? Der Schreiber wird es beachten, wenn er den Brief in's Reine ſchreibt.“ „Nun, ich dachte mir wohl, es würde von dem, wie wir es ſchreiben, verſchieden ſein, obgleich die fran⸗ zöſiſche Schrift im Allgemeinen keine Hexerei iſt. Schreibt den Namen, wie Ihr wollt— verachtet Nelſon gleich ihre gerühmte Philoſophie und Gelehrſamkeit faſt eben ſo ſehr, wie ich ſelbſt. Ich denke, Ihr werdet alles Eng⸗ liſche richtig geſchrieben finden— wie ſchreibt Ihr denn das verd—te Kauderwelſch?“ „Feu-Follet, Herr, und das letzte ſpricht man follai aus, nicht folly.— Ich wollte Euch um Erlaub⸗ niß bitten, Capitain Cuffe, einen der Kutter nehmen zu dürfe rudern finden iſ der Weſ „N bemanne rudern. gebannt hielt es gen, inde Gefechte 77 J es iſt.— „mehr 28 annehme fanden? „ ich hörte Brander daß ihrer denn ſie wir trift Raoul 2 hätte ihn wäre abe Cuff do gehen, Diener. ieß dann n bedeu⸗ am, wo s ſprach. ffin. Ich e⸗Jagd.“ ir erlau⸗ des Na⸗ 2? Der rief in's don dem, die fran⸗ Schreibt on gleich faſt eben les Eng⸗ hr denn cht man Erlaub⸗ nehmen — 329— zu dürfen, um nach dem Ankerplatze des Loggers zu rudern und zu ſehen, ob etwas von dem Wrack zu finden iſt. Das Schiff wird kaum wenden können, ehe der Weſtwind eintritt.“. „Nein— wahrſcheinlich nicht. Ich will meinen Gig bemannen laſſen und wir wollen mit einander hinüber rudern. Da der arme Wincheſter doch auf ſein Lager gebannt iſt, wär' es nutzlos, ihm etwas zu ſagen. Ich hielt es nicht für nothwendig, Nelſon in Zorn zu brin⸗ gen, indem ich die Zahl der Leute, die wir in dem letzten Gefechte verloren haben, genau angab, Griffin.“ „Ich theile Eure Anſicht, Herr; es iſt gut ſo, wie es iſt.—„Einiger Verluſt,“ bedeckt alles— es heißt, „mehr oder weniger.“ „Dies war gerade meine Meinung. Ich darf wohl annehmen, daß ſich zwanzig Frauen in dem Logger be⸗ fanden?“ „Ich kann die Zahl nicht verbürgen, Herr; aber ich hörte weibliche Stimmen ſingen, als wir mit dem Brander hinan kamen, und halte es für wahrſcheinlich, daß ihrer ſo viel waren. Der Logger war voll bemannt, denn ſie ſchwärmten wie Bienen auf der Campanje, als wir triftig wurden. Ich ſah bei dem Lichte des Feuers Raoul Yrard ſo deutlich, als ich Euch jetzt ſehe; ich hätte ihn leicht mit einer Flinte ausſtechen können, dies wäre aber kaum ehrenvoll geweſen.“ Cuffe ſtimmte dem bei und ſchritt dann voraus auf 22 — 33— das Deck, nachdem er vorher befohlen hatte, die Boote zu bemannen. Die beiden Offiziere ließen ſich an die Stelle rudern, wo, ihrem Bedünken nach, das Irrlicht vor Anker gelegen hatte, und fuhren faſt eine Stunde lang rings umher, eifrig bemüht, eine Spur von dem Wrack auf dem Grunde zu entdecken. Griffin deutete darauf hin, der Hahn der Pulver⸗ kammer könne, als dieſe unter das Waſſer trat, in der Eile und Verwirrung aufgelaſſen worden ſeyn— ein Umſtand, welcher das lebendige Werk*) eines ſo kleinen Schiffes ſehr gut in zwei bis drei Stunden ſenken, be⸗ ſonders nachdem ſein Rumpf bis auf den Waſſerrand niedergebrannt war. Das erſte war nun, dieſes lebendige Werk ausfindig zu machen— keineswegs ein vergebliches Beginnen, da die Waſſer des Mittelländiſchen Meeres gewöhnlich ſo klar ſind, daß man viele Faden in die Tiefe ſehen kann; dies war ſelbſt an der Mündung des Golo der Fall, ob⸗ gleich dieſer Fluß mehr oder weniger débris von den Bergen mit ſich führte. Wir brauchen kaum zu bemerken, daß dieſes Nach⸗ ſuchen fruchtlos war; denn das Irrlicht lag zu dieſer Zeit wohlbehalten zu Baſtia vor Anker, und ſeine Mann⸗ ſchaft hatte den verwundeten großen Maſt ſchon abge⸗ *) So heißt der ganze unter dem Waſſer befindliche Theil eines Schiffes. Ueberſ. nommen In der ſeine N hinauf Ferrajo Fregatte All Euffe u gewöhn nehmun ganz oh ten, d bedienen hingeſtr No ſuchung Fregatte hatte ir im Vo Zeit, bi geuden ihm jed 2b ſtrich g werden, „und ſolcher die Boote h an die 3 Irrlicht Stunde von dem Pulver⸗ t, in der 1— ein o kleinen iken, be⸗ gaſſerrand ausfindig inen, da hnlich ſo en kann; Fall, ob⸗ von den ſes Nach⸗ zu dieſer ie Mann⸗ von abge⸗ Theil eines eberſ. 331 — 343 nommen, um einen neuen an deſſen Stelle einzuſetzen. In demſelben Augenblicke wandelten Carlo Guintotardi, ſeine Nichte und Raoul Yvard die Hauptſtraße der Stadt hinauf— der Ort liegt auf einer Anhöhe, wie Porto Ferrajo— ohne im Entfernteſten an Brander, engliſche Fregatten und die Gefahren der See zu denken. All dies war jedoch ein Geheimniß für Capitain Cuffe und ſeine Gefährten, welche ſich ſeit langer Zeit gewöhnt hatten, an die Ergebniſſe ihrer Berufs⸗Unter⸗ nehmungen den günſtigſten Maßſtab zu legen, und nicht ganz ohne Grund,— und nicht im Geringſten zweifel⸗ ten, das Irrlicht habe, um uns ihres Ausdrucks zu bedienen, ſeine Gebeine irgendwo auf der Küſte hier hingeſtreckt. Nachdem man mehrere Stunden mit fruchtloſen Nach⸗ ſuchungen hingebracht hatte, beſchloß Cuffe, an Bord der Fregatte zurückzukehren. Er war ein eifriger Jäger und hatte in ſeinem Gig eine Vogelflinte mitgebracht, da er im Voraus halb entſchloſſen war zu landen, und die Zeit, bis der Weſtwind käme, an den Sümpfen zu ver⸗ geuden, welche er die Küſte entlang ſah; Griffin hatte ihm jedoch abgerathen, dergleichen zu wagen. „Es muß Waſſerhühner auf dieſem feuchten Küſten⸗ ſtrich geben,“ ſagte er, als er anfing ſchwankend zu werden, ob er ſeinen Willen durchſetzen ſollte, oder nicht, „und Wincheſter würde in einem oder zwei Tagen ein ſolcher Vogel ſehr wohl bekommen. So oft ich an einer Wunde litt, hatt' ich ein ungemeines Verlangen nach Wildpret, ſobald das Fieber vorüber war. Auch Schnepfen muß man das Ufer dieſes Fluſſes entlang finden. Die Schnepfenzeit rückt jetzt heran, Griffin.“ „Es iſt ziemlich wahrſcheinlich, Herr, daß ein Theil der Mannſchaft des Kapers auf Planken und in leeren 2 Fäſſern an das Land gekommen iſt und in dem Schilfe umher ſich verborgen hat, um auf unſere Boote zu warten. Drei bis vier derſelben würden Euch zu ſtark ſein, Capi⸗ tain Cuffe, denn die Schurken haben alle Meſſer, ſo lang wie Schiffshauer.“ „Ihr mögt wohl recht haben, Griffin, und ich will es aufgeben.— Davy, wir wollen zur Fregatte zurück⸗ rudern und dann weiter ſegeln, um einige andere dieſer franzöſiſchen Eiſenfreſſer aufzutreiben.“ Damit war die Sache abgethan. Nach einer halben Stunde waren die Boote an der Fregatte aufgehißt, und drei Stunden ſpäter war das Schiff wieder unter Segel und hielt langſam von dem Lande ab. Der Zephyr war jedoch an dieſem Tage ungemein leicht und flau und die Sonne ging eben unter, als das Schiff die kleine Inſel Pianoſa dwars ab erreichte, wo die Luft aus Norden kam und man den Vordertheil des Schiffes oſtwärts wendete, um es ſeinen Curs zwiſchen der eben genannten Inſel und der Küſte von Elba ein⸗ halten ließ. Die Proſerpina gleitete die ganze Nacht langſam die Südſeite ſie am rückende ſelben S haben. Cuf rufen, n regen, l Augenbl Augen z in den gebrachte men ha gehabt, ſehe, ur Elba un iſt ein T Seeleute „ Nun, n nicht’ in vier und daß wir nichtet h „ Griffin. igen nach Schnepfen en. Die ein Theil in leeren n Schilfe ;warten. in, Capi⸗ eſſer, ſo ich will e zurück⸗ re dieſer er halben hißt, und er Segel ingemein als das chte, wo theil des zwiſchen Elba ein⸗ gſam die Südſeite der letztern Inſel entlang, und als die Südluft ſie am Morgen wieder traf, erſchien ſie mit dem vor⸗ rückenden Tage in dem Kanal von Piombino, an der⸗ ſelben Stelle, wo wir ſie mit dem Leſer dekannt gemacht haben. Cuffe hatte, wie gewöhnlich, Befehl gegeben, ihn zu rufen, wenn der Tag graute; denn er hielt es bei dieſem regen, begebnißreichen Kreuzen für weſentlich, in ſolchen Augenblicken auf dem Deck zu ſein, um ſich mit eigenen Augen zu überzeugen, was das Geſchick der Nacht ihm in den Weg geworfen hatte. „Nun, Herr Griffin,“ ſagte er, ſobald er den her⸗ gebrachten Gruß des wachehabenden Offiziers hingenom⸗ men hatte,—„Ihr habt dieſes Mal eine ſtille Nacht gehabt,— dort liegt die Spitze von Piombino, wie ich ſehe, und hier haben wir wieder auf der Backbordſeite Elba und die kleine Felſeninſel. In dieſer Jahreszeit iſt ein Tag erſtaunlich wie der andere, beſonders für uns Seeleute.“ „Glaubt Ihr dies in der That, Capitain Cuffe?— Nun, meiner Anſicht nach hat dieſer Tag ſeines gleichen nicht in dem Logbuch der Proſerpina, ſeit wir den Eper⸗ vier und ſein Convoy wegnahmen.— Ihr vergeßt, Herr, daß wir in der vergangenen Nacht das Feu-Follet ver⸗ nichtet haben.“ „Ja— das iſt Etwas— beſonders für Euch, Griffin.— Nun, Nelſon wird durch die Poſt Alles erfah⸗ ren, ſobald wir nach Livorno kommen, was der Fall ſein wird, ſobald ich Gelegenheit hatte, mit dieſen Leuten zu Porto Ferrajo ein Wort zu wechſeln. Nach Allem, was vorgegangen iſt, können wir nicht weniger thun, als Euern Viſchi⸗govern⸗the⸗tories von unſerm Sieg zu benachrichtigen.“ „Schiff, ho!“ ſchrie der Ausguck auf der Vor⸗ marsraa. Die beiden Offiziere wendeten ſich um und blickten nach allen Richtungen aus, worauf der Capitain die her⸗ kömmliche Frage laut werden ließ: „Wo ab?“ „Hier, Herr, dicht an Bord von uns— zur Back⸗ bord Hand und auf unſerer Luvſeite.“ „Auf unſerer Luvſeite? Ich will verd—t ſein, wenn dies wahr iſt, Griffin. Dort iſt nichts, als die Inſel. Der Burſch wird doch die Inſel nicht für den Rumpf eines Schiffes angeſehen haben?“ „Wenn er dies that, Herr,“ verſetzte Griffin lachend, „ſo muß es wenigſtens ein Zwanzigdecker ſein. Ben Brown iſt ja auf der Raa— und er iſt ein ſo guter Ausguck, als wir einen auf dem Schiffe haben.“ ³ „Seht Ihr das Schiff, Herr?“ ſagte Ben Brown und ſchaute über ſeine Schulter herab, um ſich vernehm⸗ lich zu machen. „Kein Stück von ihm,“ rief Cuffe.„Ihr müßt 274 träumen, Menſch—; wie ſieht es aus? „T dem De Logger! brannt l dem and „E dieſen S und ſelb großen? Nas bezeichne Soldaten Fregatte Wind at Zu ſah dam engliſche die noch war den keine gre Wewelin Mars er volle Mi Richtung Die ſchaute dieſer ne Fall ſein euten zu em, was zun, als Sieg zu der Vor⸗ blickten die her⸗ ur Back⸗ in, wenn ie Inſel. Rumpf mlachend, n. Ben ſo guter n Brown vernehm⸗ hhr müßt „Dort— jene kleine Inſel macht, daß man es von dem Deck aus nicht ſehen kann, Herr.— Er iſt ein Logger und ſieht dem, welchen wir die letzte Nacht ver⸗ brannt haben, ſo ähnlich, wie einer unſerer Krahnbalken dem andern.“ „Ein Logger?“ rief Euffe.„Wie? Noch einer von dieſen Schurken? Bei Jupiter; ich muß hinauf ſteigen und ſelbſt zuſehen. Ohne allen Zweifel ſeh' ich ihn vom großen Mars.“ Nach drei Minuten war Capitain Cuffe an der bezeichneten Stelle, indem er ſeinen Weg durch das Soldatengat nahm, wie jeder Vernünftige in einer Fregatte thut, beſonders wenn ſie wegen Mangels an Wind anliegt. Zu jener Zeit waren die Beförderungen raſch; man ſah damals nur wenige grauköpfige Lieutenants in der engliſchen Flotte, und es fehlte ſelbſt nicht an Admiralen, die noch nicht alle ihre Weisheitszähne hatten. Cuffe war demnach noch ein junger Mann, und es koſtete ihn keine große Anſtrengung, in der erwähnten Weiſe die Wewelinien der Wand hinan zu kommen. Als er das Mars erreicht hatte, brauchte er alle ſeine Augen. Eine volle Minute ſtand er bewegungslos und blickte in der Richtung aus, welche Ben Brown angedeutet hatte. Dieſe ganze Zeit ſtand Griffin auf dem Deck und ſchaute eben ſo geſpannt nach ſeinem Vorgeſetzten, wie dieſer nach dem fremden Schiffe. — 336— Jetzt ließ Cuffe ſich herab, einen Blick auf den Lieu⸗ tenant zu werfen, um eine Neugierde zu befriedigen, welche ein Offizier von der Wache, wie er wohl wußte, natürlich fühlen mußte. Griffin wagte es nicht, ſeinen Capitain zu fragen, was er ſähe, aber in ſeinen Augen war ein ganzes Buch voll Fragen über dieſen intereſſan⸗ ten Gegenſtand. „Ein Bruder⸗Corſar, bei Jupiter Ammon!“ rief Cuffe,„und zwar ein Zwillingsbruder; denn ſie ſehen ſich wirklich ſo ähnlich, wie einer unſerer Krahnbalken dem andern, ja, noch ähnlicher, wenn ich die Sache zu beurtheilen im Stande bin.“ „Was ſollen wir thun, Capitain Cuffe?“ fragte der Lieutenant.„Wir gehen nun dieſe ganze Zeit lee⸗ wärts. Ich wüßte nicht, Herr, daß hier beſtimmt eine Strömung iſt, aber—“ „Ganz gut, Herr— ganz gut— die Halſen an Steuerbord zu, ſo bald als möglich, und die Backbord⸗ Batterien klar gemacht. Wir müſſen den Burſchen viel⸗ leicht lahm ſchießen, um ſeiner habhaft zu werden.“ Nachdem Cuffe dies geſagt hatte, ſtieg er durch das⸗ ſelbe Soldatengat wieder herab und erſchien bald auf dem Deck. Das Schiff bot nun eine Scene großer Thä⸗ tigkeit und Geſchäftigkeit dar. Alle Leute wurden heraus gerufen, und ein Theil machte die Kanonen ſchußfertig, während andere die Raaen nach der neuen Segellinie braßten. Der verſtehen den Küſte daß die Norden nördlichen Nordſpitz ſen⸗Inſe Jahre ſp ſeines Ir Die der einen auf der gekommen Backbordt von der weit gent die zwiſch nicht geſe inſelchens bis zweil das gejat ſchließen; Fremde engen, f Euff mit Rao⸗ 184— den Lieu⸗ friedigen, ol wußte, t, ſeinen en Augen ntereſſan⸗ nl⸗ rief ſie ſehen ahnbalken Sache zu „¹ fragte Zeit lee⸗ mmt eine dalſen an Backbord⸗ ſchen viel⸗ en.“ zurch das⸗ bald auf per Thä⸗ en heraus hhußfertig, Segellinie Der Leſer würde das nun Folgende vieleicht beſſer verſtehen, wenn er etwa einen Blick auf eine Karte von den Küſten Italiens werfen wollte. Er wird dort ſehen, daß die öſtliche Seite der Inſel Elba faſt gerade von Norden nach Süden lauft und daß Piombino von dem nördlichen Ende derſelben nord⸗nordöſtlich liegt. Dieſer Nordſpitze nahe liegt die mehrmals erwähnte kleine Fel⸗ ſen⸗Inſel, oder die Stelle, welche Napoleon fünfzehn Jahre ſpäter zu dem vorgeſchobenen Befeſtigungspunkte ſeines Inſelreiches wählte. Die Proſerpina war nach obigen Andeutungen auf der einen Seite dieſes Inſelchens und der fremde Logger auf der andern. Jene war ſo weit durch den Kanal gekommen, daß ſie in den Stand geſetzt war, auf ihrer Backbordſeite dicht an den Wind anzuhohlen, und doch von der Inſel abzuhalten, während der Letztere eben weit genug windwärts oder nach Süden ſtand, um durch die zwiſchenliegenden Felſen von dem Deck der Fregatte nicht geſehen zu werden. Da die Entfernung des Felſen⸗ inſelchens von der Inſel ſelbſt nicht viel über hundert bis zweihundert Schritte betrug, hoffte Capitain Cuffe das gejagte Schiff zwiſchen ſich und dem Lande einzu⸗ ſchließen; denn es fiel ihm nicht im Traume ein, daß der Fremde es ſich könne einfallen laſſen, durch einen ſo engen, felſigen Paß abzuhalten. Cuffe kannte jedoch ſeinen Mann nicht; er hatte es mit Raoul Yvard zu thun, der auf dieſem Wege von 184— 186. — 338— Baſtia kam und einem ferneren Zuſammentreffen mit ſeinem furchtbaren Feinde zu entgehen hoffte. Er hatte die hohen Segel der Fregatte über den Felſen erblickt, ſo bald es Tag wurde, und ſie, da er hinſichtlich ihrer Exiſtenz ſich in keiner Art Täuſchung befand, auf den erſten Blick erkannt. Er befahl ſogleich, Alles ſo platt als möglich anzu⸗ hohlen, und wünſchte vor Allem, unter der Leeſeite der Berge Elba's hinweg in eben dieſen Paß zu kommen, durch welchen der Wind kräftiger blies, als nach allen andern Puukten hin. Da die Proſerpina, eine volle Stunde entfernt, durch den Kanal ging, hatte das Irrlicht, das bei leichtem Winde bei weitem raſcher ſegelte, hinreichend Zeit, ſeinen Zweck zu erreichen. Statt den engen Durchgang zwiſchen den zwei Inſeln zu vermeiden, glitt Raoul kühn in denſelben ein, und indem er von ſeiner Fockraa aus wachſam aus⸗ guckte, um jeder Gefahr ausweichen zu können, gelang es ihm, in dem Paſſe hinab und wieder zurück zu gehen, ſüdwärts auf der Steuerdordſeite herauszukommen und ſo die Spitze des Inſelchens in demſelben Augenblicke zu erreichen, als die Fregatte auf der andern Seite des Paſſes erſchien. Der Logger hatte nun gewonnenes Spiel; denn er durfte nur den Feind im Auge behalten und zeitig wen⸗ den, um ſtets das Inſelchen zwiſchen ſich und der Fre⸗ gatte zu behalten; denn der Engländer durfte es nie —=— wagen, treten; und Ca jedes 9 abgehalt nicht m Eiland ten Wi und ſeit „C ken lau liche Er Meer v gens w feindlich aufgehif befreun „„ 7 mal ge den ver Theil 1 geſchlag Zweifel wahrlich amerika Di blendun reffen mit Er hatte en erblickt, htlich ihrer „ auf den glich anzu⸗ keeſeite der kommen, nach allen ernt, durch tem Winde nen Zweck iſchen den denſelben chſam aus⸗ en, gelang zu gehen, nmen und enblicke zu Seite des ; denn er zeitig wen⸗ d der Fre⸗ fte es nie wagen, mit einem ſo großen Schiff in dieſe Enge ein⸗ treten zu wollen. Raoul überſah dieſen Vortheil nicht; und Capitain Cuffe hatte den Weg zweimal gemacht und jedes Mal näher und näher auf die kleine Felſeninſel abgehalten, ehe er ſich überzeugte, daß er ſeine Kanonen nicht werde brauchen können, bis er wenigſtens das Eiland umſegelt habe, wornach ſie ihm in einem ſo leich⸗ ten Winde und bei der großen Entfernung zwiſchen ihm und ſeinem Feinde wahrſcheinlich auch nutzlos ſein würden. „Es thut nichts, Herr Griffin;— laßt den Schur⸗ ken laufen,“ ſagte der Capitain, nachdem er dieſe weſent⸗ liche Entdeckung gemacht hatte;„es iſt ſchon genug, das Meer von Einem derſelben geſäubert zu haben. Uebri⸗ gens wiſſen wir ganz und gar nicht, ob wir wirklich ein feindliches Schiff vor uns haben. Er hat keine Flagge aufgehißt und ſcheint eben aus Porto Ferrajo, einem befreundeten Hafen, zu kommen.“ „Das hat Raoul Yvard nicht einmal, ſondern zwei⸗ mal gethan,“ brummte Yelverton, welcher, weil er an den verſchiedenen Verſuchen gegen das Irrlicht nicht hatte Theil nehmen dürfen, ſich auf die Seite der Wenigen geſchlagen hatte, die an deſſen angeblicher Vernichtung Zweifel hegten;—„dieſe Zwillingsbrüder ſehen ſich wahrlich ungemein ähnlich, beſonders Pompejus, wie jener amerikaniſche Neger von ſeinen Zwillingen ſagte.“ Dieſe Bemerkung blieb unbeachtet; denn die Ver⸗ blendung rückſichtlich des Looſes des Loggers war in dem 22* — 340— Schiffe ſo groß, daß es ein eben ſo vergeblicher Verſuch geweſen wäre, die Mehrzahl ſeiner Ofſiziere und Matro⸗ ſen zu bereden, das Irrlicht ſei nicht in Flammen auf⸗ gegangen, als der ſein würde, eine„große Nation“ zu überführen, ſie habe einige der Schwächen und Blößen, die anerkannt kleineren Staaten zur Laſt fallen. Die Proſerpina hatte wieder gewendet, ihre Flagge aufgezogen und auf die Bucht von Porto Ferrajo abge⸗ halten. Bald lag ſie an der Stelle vor Anker, welche Raoul früher zweimal zu demſelben Behufe gewählt hatte. Das Gig wurde herabgelaſſen, und Cuffe ſtieg, von Griffin als Dolmetſcher begleitet, an das Land, um den Behörden den herkömmlichen Staatsbeſuch abzuſtatten. Bei dem ungemein leichten Winde hatte man mehrere Stunden gebraucht, um alle dieſe Bewegungen zu bewerk⸗ ſtelligen, und als die beiden Offiziere die abhängige Gaſſe hinaufſtiegen, war der Tag hinreichend vorgerückt, um den Beſuch in Betracht der Zeit nicht unſchicklich erſchei⸗ nen zu laſſen. Cuffe war in voller Uniform, mit Degen und Epauletten, daher ſeine Erſcheinung alsbald die all⸗ gemeine Beachtung auf ſich zog. Vito Viti war bereits vorausgeeilt, um ſeinen Freund von der Ehre, welche ihm bevorſtand, zu benachrichtigen. Der Vice⸗Statthal⸗ ter hatte demnach Zeit, ſich zu faſſen, und auf eine hör⸗ hare Entſchuldigung zu denken, daß er ſich von einem ſo unverſchämten Betrug hatte bethören laſſen, wie der war, den ihm Raoul Yvard mit ſo vielem Erfolg geſpielt hatte. D und de ſonen ehe es nielle wenige gezwur dem H ſo ſiegt zu erk tragen eine ſe nachläf unwür Ich de den Un den K Befehl in den leute ſetzte großm ken, nicht Verſuch Matro⸗ nen auf⸗ ion“ zu Blößen, e Flagge ajo abge⸗ , welche gewählt fffe ſtieg, and, um zuſtatten. mehrere bewerk⸗ ige Gaſſe ickt, um h erſchei⸗ it Degen d die all⸗ r bereits , welche Statthal⸗ eine hör⸗ en einem der war, helt hatte. — 341— Der Empfang war würdevoll und höflich zumal, und der Umſtand, daß Alles, was die beiden Hauptper⸗ ſonen ſich mitzutheilen hatten, überſetzt werden mußte, ehe es verſtanden werden konnte, erhöhte das Ceremo⸗ nielle deſſelben nicht wenig. Dieſer Umſtand ließ die wenigen erſten Augenblicke der Zuſammenkunft ziemlich gezwungen erſcheinen; da aber beide Theile etwas auf dem Herzen hatten, deſſen man ſich gern entledigt hätte, ſo ſiegte das natürliche Gefühl bald über die Förmlichkeiten. „Ich bin es mir ſelber ſchuldig, Sir Euffe, Euch zu erklären, was ſich dieſer Tage in unſerer Bucht zuge⸗ tragen hat,“ bemerkte der Vice⸗Statthalter;„denn ohne eine ſolche Auseinanderſetzung könntet Ihr uns wohl für nachläſſig in unſerm Dienſte und des Vertrauens für unwürdig halten, welches der Großherzog auf uns ſetzt. Ich deute, wie Ihr ſogleich geſehen haben werdet, auf den Umſtand hin, daß das Irrlicht zweimal friedlich unter den Kanonen unſerer Batterien gelegen, während ſein Befehlshaber und mehrere von ſeiner Mannſchaft gaſtfrei in dem Hafen aufgenommen wurden.“ „Dergleichen Vorfälle ſind in Zeiten, wie dieſe, nichts ſeltenes, Herr Viſchigovernatory, und wir See⸗ leute ſetzen ſie auf Rechnung der Kriegsbegebniſſe,“ ver⸗ ſetzte Cuffe freundlich; denn ſein Sieg hatte ihn viei zu großmüthig geſtimmt, als daß er daran hätte denken ſol⸗ len, Andere zu rauh zu beurtheilen.„Es möchte wohl nicht ſo leicht ſein, einen Seemann, wie ich bin, zu täuſchen; ich darf aber wohl behaupten, Herr Viſchigo⸗ vernatory, hätte die Begebenheit in irgend einem Zuſam⸗ menhang mit der Verwaltung Eurer Inſel hier geſtan⸗ den, ſo würde ſelbſt dieſer Monſieur Yvard Euch ihm mehr als gewachfen gefunden haben.“ Der Leſer wird bemerken, daß Cuffe eine neue Ausſprache für den Titel des Elbaner Beamten aufge⸗ trieben hatte,— ein Umſtand, welcher einem Wunſche, den wir alle hegen, wenn wir mit Fremden ſprechen, beizumeſſen war,— nämlich dem, uns lieber ihrer, als unſrer Sprache zu bedienen. Der würdige Capitain wußte eben ſo wenig, was„Vice⸗Statthalter“ bedeutete, als die meiſten Amerikaner ſelbſt heut zu Tage wiſſen, was der Titel:„Vice⸗Präſident“*) bedeutet; da er aber die Entdeckung gemacht hatte, daß man das Wort im Ita⸗ lieniſchen„Viſchi“ ausſpreche, war er bemüht, ihm den richtigen Ton zu geben; um Griffin's Mund ſpielte frei⸗ lich, als er es hörte, ein bedenkliches Lächeln. „Ihr thut mir mehr Ehre als Gerechtigkeit an, Signor Cuffe oder Sir Cuffe, wie ich Euch wohl nen⸗ nen muß,“ antwortete der Beamte:„denn in Dingen, welche mit unſern Pflichten hier an der Küſte zuſammen⸗ hängen, ſind wir keineswegs ſo unwiſſend, wie in dem, was zu Euerm ehrenvollen Beruf gehört. Dieſer Raoul *) Im Original„Vice-President“— ein doppelſinniger Aus⸗ druck(denn vice bedeutet nebenbei noch„Laſter“ und„Schraub⸗ ſtock“), der im Deutſcheu nicht wieder zu geben iſt. Ueberſ. Yvard Leute, genheit wie ich gehört 6 nem V dieſes als ein gern a chen N ward, Familie mich, ſolchen wohl Dies haben rone d zu nen Ausſpr Viſchigo⸗ Zuſam⸗ geſtan⸗ uch ihm ne neue n aufge⸗ Wunſche, ſprechen, drer, als in wußte ete, als was der aber die im Ita⸗ ihm den elte frei⸗ keit an, ohl nen⸗ Dingen, ſammen⸗ in dem, r Raoul iger Aus⸗ „Schraub⸗ Ueberſ. — 343— Yrard hat ſich mir als engliſcher Offizier vorgeſtellt— Leute, die ich ehre und achte; auch hatte er die Verwe⸗ genheit, den Namen einer Familie anzunehmen, welche, wie ich glaube, zu Euern älteſten und angeſehenſten gehört—“ „Ah— der Barone,“ rief Cuffe, der während ſei⸗ nem Verkehre mit den ſüdlichen Italienern entdeckt hatte, dieſes Wort bedeute eben ſo wohl einen„Schurken,“ als einen„Mann,“ und es bei paſſenden Gelegenheiten gern anwendete.—„Mein Herr Viſchigovernatory, wel⸗ chen Namen hat er ſich beigelegt? Cavendiſh, oder Ho⸗ ward, oder Seymour, oder einen andern dieſer hohen Familien, ich ſchwöre darauf, Griffin. Ich wundere mich, daß er Nelſon verſchont hat.“ „Nein, Signore, er gab ſich den Familiennamen eines andern berühmten Mannes. Der republikaniſche Korſar ſtellte ſich mir als ein Sir Smit dar— als den Sohn eines gewiſſen Milordo Smit.“ „Smit— Smit— Smitt! ich erinnere mich keines ſolchen Namens unter unſerem hohen Adel.— Es muß wohl Seymour ſeyn, was der Viſchi meint, Griffin.— Dies iſt gewiß ein großer Name, und einige Seymour's haben in der Flotte gedient; es iſt möglich, daß der Ba⸗ rone die Unverſchämtheit gehabt hat, ſich einen Seymour zu nennen.“ „Ich zweifle, Capitain Cuffe. Smit iſt wohl die Ausſprache der Italiener für unſer„Smith,“ und es — 344— dürfte ſich herausſtellen, daß Monſieur Raoul den erſten beſten engliſchen Namen genannt hat, der ihm einſiel, wie einer, der über Bod ſtürzt, nach Allem greift, was ihm zur Hand kommt, um ſich zu retten; und dieſer Name wird„Smith“ geweſen ſeyn.“ „Wer Teufels hat je von einem Mylord Smith ge⸗ hört? Wahrlich, Griffin, eine prächtige Sorte Ariſto⸗ kratie hätten wir, wenn ſolche Burſche dazu gehörten.“ „Nun, Herr, der Name kann keinen großen Un⸗ terſchied machen; die Thaten und das Alterthum der Familie ſind das Weſentliche.“ „Und er nahm auch einen Titel an— Sir Smit! Ich wollte wetten, er wär' im Stande geweſen, darauf zu ſchwören, Seine Majeſtät habe ihn unter der König⸗ lichen Flagge und auf dem Decke ſeines eigenen Schiffes zum Ritter geſchlagen, wie es bei einigen unſerer alten Admirale vorgekommen iſt. Der Viſchi ſcheint jedoch einen Theil der Geſchichte vergeſſen zu haben; denn der Republikaner hätte ſich doch wenigſtens Sir John, oder Sir Thomas Smith nennen müſſen.“ „Nein, Herr,— dies iſt nicht Sitte in Italien oder Frankreich; denn dieſe wiſſen nichts von unſerer Art und Weiſe, die chriſtlichen Namen dem Titel beizu⸗ geſellen, wie es bei den Sir Edward's, und Lord Harry's und Lady Betty's der Fall iſt.“ „In die Hölle mit den Franzoſen! Ich glaube, ſie ſind zu Allem fähig, während ich eine beſſere Meinung von de ſein, d wir be⸗ hört, C in Bet Schiffs wegen D verfehle halters dieſen vorgetr verlege klang. Signor bitte, um ger ein Un blicke hätte. wollen berühn ſeinen dieſes „Ich n erſten einfiel, ft, was d dieſer mith ge⸗ Ariſto⸗ örten.“ ßen Un⸗ zum der r Smit! darauf r König⸗ Schiffes er alten t jedoch denn der n, oder Italien unſerer el beizu⸗ Harry's ibe, ſie Neinung von den Italienern gehabt hätte. Es wird jedoch gut ſein, dem Viſchi einen Wink von Dem zu geben, was wir beſprachen, damit er uns nicht für roh hält— und hört, Griffin, bei dieſer Gelegenheit kitzelt ihn ein wenig in Betreff der Bücher und ähnlicher Dinge; denn unſer Schiffsarzt ſagte mir, er habe den Mann zu Livorno wegen ſeiner vielen Leſereien loben hören.“ Der Lieutenant that, wie ihm befohlen worden, und verfehlte nicht, auf die Gelehrſamkeit des Vice⸗Statt⸗ halters anzuſpielen— ein Compliment, welches unter dieſen Umſtänden gut angebracht war und, da es gut vorgetragen wurde, dem würdigen Andrea gerade in dieſem verlegentlichen Augenblicke ungemein lieblich in die Ohren klang. „Meine Anſprüche auf Beleſenheit ſind nur klein, Signore,“ antwortete Andrea beſcheiden,„und ich bitte, dies Sir Cuffe zu ſagen; ſie reichten aber aus, um gewiſſe Anmaßungen dieſes Korſaren zu entdecken— ein Umſtand, welcher in einem ſehr bedenklichen Augen⸗ blicke beinahe zur Bloßſtellung des Fremden verholfen hätte. Er hatte die Kühnheit, Signore, mich bereden zu wollen, es gäbe einen engliſchen Redner, welcher dem berühmten römiſchen an Verdienſt gleich ſtehe und auch ſeinen Namen habe— einen gewiſſen Sir Eicero!“ „Der Barone!“ rief Cuffe wieder aus, als ihm dieſes neue Vergehen Raoul's verdollmetſcht worden.— „Ich glaube, der Schurke ſcheute ſich vor nichts. Es iſt — 346— aber jetzt mit ihm zu Ende und mit all' dieſen Sir Smit's und Sir Cicero's obendrein. Laßt den Viſchi jetzt nur erfahren, welches des Burſchen Loos war, Griffin.“ Griffin erzählte jetzt dem Vice⸗Governatore die Art, wie nach ſeinem Dafürhalten Le Feu-Follet, Raoul Yvard und ſeine ganze Mannſchaft, gleich Raupen an einem Baume, in Flammen aufgingen. Andrea hörte die Erzählung mit allen Zeichen des Erſtaunens und Schreckens, die ſich in ſeinem Geſichte deutlich genug ausdrückten. Vito Viti aber war nicht ganz gläubig, und gab ſich auch keine Mühe, ſeine Zwei⸗ fel zu verhehlen. Griffin blieb jedoch beharrlich, und theilte zuletzt ſogar einen Bericht von der Fahrt, welche er und Cuffe landein unternommen, um den Ankerplatz des Loggers zu entdecken, und von ihren vergeblichen Verſuchen mit, des Wracks anſichtig zu werden. Die beiden Bedienſteten hörten all dies mit ſtummer Aufmerkſamkeit an. Nachdem ſie mehrere Male Blicke und bedeutungsvolle Geberden ausgetauſcht, übernahm Andrea das Amt, eine Erläuterung zu geben. „Hier herrſcht irgend ein ungewöhnlicher Irrthum, Signor Tenente,“ ſagte er;„denn Raoul Yyard lebt noch. Er iſt mit Anbruch des heutigen Tages in ſeinem Logger an dieſem Kap vorübergekommen.“ „Ah, er meint das, weil er den Logger geſehen hat, auf welchen wir dieſen Morgen vor der Bucht ſtießen,“ erwiederte Cuffe, als ihm die Worte Andrea's überſetzt worden über; d Aber de Augen kommen ſchüttelt „ bemerkt⸗ dieſen 2 Follet, nahm e und Ra ſagte, i unſerem ſeine A Padrone die Hoff ſeinen 1 Meo tain die in dem deſſen 2 Cu gebracht eſen Sir iſchi jetzt Griffin.“ die Art, „Raoul upen an chen des Geſichte dar nicht ne Zwei⸗ ich, und , welche nkerplatz geblichen ſtummer ee Blicke bernahm Frrthum, dard lebt ſeinem ehen hat, ſtießen,“ überſetzt — 347— worden waren,„und ich wundere mich gar nicht dar⸗ über; denn die beiden Schiffe ſehen ſich erſtaunlich ähnlich. Aber der Barone, welchen wir mit unſern leibhaften Augen verloren ſahen, kann nie wieder auf die See kommen. Ich ſage„Barone;“ denn nach meiner Mei⸗ nung iſt das Few-Foly eben ſo ein Schurke, wie ſein Befehlshaber und Alles, was er an Bord hatte.“ Griffin überſetzte dies; aber die beiden Italiener ſchüttelten die Köpfe. „Nicht das— Signor Tenente,— nicht das,“ bemerkte der Vice⸗Statthalter;—„der Logger, welcher dieſen Morgen an dem Kap vorüber kam, war Le Feu- Follet, wie wir gewiß wiſſen; denn im Laufe der Nacht nahm er eine unſerer Feluccas, die von Livorno kam, und Raoul Yvard erlaubte ihr, wie er zu ihrem Padrone ſagte, in Folge der höflichen Behandlung, welche er in unſerem Hafen gefunden, hier einzulaufen. Ja, er trieb ſeine Anmaßung ſo weit, daß er mir durch denſelben Padrone Empfehlungen von„Sir Smit“ ſchickte, und die Hoffnung äußerte, er würde einſt im Stande ſein, ſeinen Dank perſönlich darzubringen.“ Man kann ſich wohl denken, wie der engliſche Capi⸗ tain dieſe Nachricht aufnahm; er richtete mehrere Fragen in dem Betreffe an den Vice⸗Statthalter und ſah ſich durch deſſen Antworten wider Willen genöthigt, Alles zu glauben. Cuffe hatte ſeinen Amtsbericht in ſeiner Taſche mit⸗ gebracht, und zerriß, wie die Unterhaltung vorſchritt, das — 38 Papier heimlich in ſo kleine Stückchen, daß ſelbſt ein Mahomedaner ſie als zu klein, um das Wort„Allah“ darauf zu ſchreiben, weggeworfen hätte. „Es iſt ein wahres Glück, Griffin, daß dieſer Brief heute Morgen nicht nach Leghorn abgegangen iſt,“ ſagte er nach einer langen Pauſe.„Nelſon würde mir merk⸗ würdig abgeführt haben, wenn er ihn erhalten hätte. Dennoch glaubte ich nie halb ſo andächtig an die neun und zwanzig Artikel, als—“ „Ich glaube, es ſind deren neun und dreißig, Capitain Cuffe,“ warf Griffin beſcheiden ein. „Gut— neun und dreißig, wenn Ihr wollt,— zehn mehr oder weniger macht in ſolchen Dingen keinen Unterſchied. Wir ſind verpflichtet, an ſie alle zu glauben, und wären es hundert. Aber ich habe nie ſo andächtig an ſie geglaubt, als ich an die Vernichtung dieſes hölliſchen Ka⸗ pers glaubte. Mein Glaube iſt für alle Zeiten erſchüttert.“ Griffin ſuchte ſein Bedauern auszudrücken; aber auch er fühlte ſich zu betroffen, als daß er im Stande geweſen wäre, ſeinen Capitain zu tröſten. Als Andrea Barrofaldi den Stand der Dinge durchſchaute, ließ er ſeine Höflichkeit walten, und die beiden Offiziere wurden eingeladen, ſein Junggeſellenfrühſtück zu theilen. Wir werden im Laufe der Erzählung mit den Folgen dieſes Beſuches und den Mittheilungen, zu welchen er Veranlaſſung gab, bekannt werden. die Sce⸗ deſſelben Geiſte a allen Ri meſſer l ſprüngen muß, n wenig i dann aum ſchönſten wünſchet Zu Inſel v' lachende nen, d ten der elbſt ein „Allah“ ſer Brief ,“ ſagte lir merk⸗ en hätte. die neun reißig, wollt,— in keinen glauben, ig an ſie ſchen Ka⸗ chüttert.“ en; aber Stande 3 Andrea „ließ er e wurden en Folgen helchen er Dreizehntes Kapitel. Wenn jemals beſſ're Tage ihr gekannt, Wenn je euch Glocken in die Kirch' geläutet, Wenn je ihr ſaßt bei Biedermannes Mahl, Wenn je vom Aug' ihr eine Thrän' gewiſcht Und Mitleid ſchon gezeigt und ſelbſt gefunden,— So laßt zur Güte euch bewegen. Shakſpeare. Es iſt nun nothwendig, die Zeit vorzurücken und die Scene an einen andern, obgleich nicht fernen Theil deſſelben Meeres zu verlegen. Der Leſer verſetze ſich im Geiſte an die Mündung eines breiten Golfs, der nach allen Richtungen hin ſechs bis ſieben Stunden im Durch⸗ meſſer hat. Obgleich man ſich die Küſte mit Bergvor⸗ ſprüngen und mannigfachen Buchtungen ausgezackt denken muß, während die Tiefe des Ganzen wahrſcheinlich ein wenig über die größte Weite gehen möchte. Er wird dann an einem Punkte ſtehen, wo wir ihm eines der ſchönſten Rundgemälde auf Erden vor das Auge zu führen wünſchen. Zu ſeiner Rechten erhebt ſich eine hohe Felſen⸗ Inſel von dunklem Tuff; die ſchönen Linien der Felſen, lachende Weinpflanzungen, und reiche Dörfer und Rui⸗ nen, die an Begebniſſe erinnern, welche zu den Zei⸗ ten der Cäſare zurückführen, geben dem Gemälde Leben — 350— und Intereſſe. Eine enge Straße des blauen Mittellän⸗ diſchen Meeres trennt dieſe Inſel von einem kühnen Kap auf dem Feſtlande, und dann folgt eine Reihe ma⸗ leriſcher, mit Dörfern bedeckter Höhen und Thäler, von einer kühnen und zumal ſanften Scenerie gehoben, und mit Klöſtern geſchmückt, welche man in der Sprache des Landes Camaldolis nennt, bis wir eine kleine Stadt erreichen, welche auf einer Ebene erbaut iſt, die ſich auf einer Baſis von Tuffſtein gegen zweihundert Fuß über das Waſſer erhebt, und deren Häuſer ſich bis zu dem Rande der ſchwindelnd⸗hohen Felſen erſtrecken, welche ihre Ausdehnung nach Norden hin begrenzen. Die Ebene ſelbſt iſt mit Wohnungen bedeckt und ſcheint von Menſchen zu wimmeln, während man auf den Höhen hinter ihr ſchöne Landhäuſer und die Zeichen menſchlichen Fleißes gewahrt. Wir verlaſſen dieſen lachenden Theil der Küſte und erreichen, der Windung des Golfes ſtets folgend, einen Punkt, wo die Hügel oder Anhöhen ſich zu zerriſſenen Bergen erheben, welche ihre geſpitzten Gipfel ſechs bis ſiebentauſend Fuß gegen die Wolken emporſtrecken; ihre Seiten haben hier durch' Klüfte und Felsabſchüſſe ein wildes Ausſehen, doch machen Wachthürme, Weiler, Klöſter und Pfade für Saumthiere ſie maleriſch; an ihrem Fuße ziehen ſich zahlreiche Städte und Dörfer hin. Hier tritt die Gebirgsbildung von dem Rande des Golfs zurück und folgt der Küſte nach Süden hin oder läuft in das run einen B bildet, migen2 Küſtenei nie auf Dörfern Bruſt di ein weite die hinte ferne, der Apen Wir mehr no einer an Fruchtba Formatie halben 2 Theilen rande en feln derſ Von Golfs ei Paläſten erreichen über. E Nittellän⸗ kühnen teihe ma⸗ iler, von den, und rache des ne Stadt ſich auf Fuß über zu dem , welche die Ebene Menſchen ſinter ihr n Fleißes tüſte und nd, einen erriſſenen ſechs bis een; ihre hüſſe ein Weiler, an ihrem in. ande des hin oder 351— läuft in das Innere des Landes aus, und das Geſtade, das rund nach Norden und Weſten ausſchweift, läßt einen Blick in eine breite Ebens, die den Hintergrund bildet, thun, ehe man einen hohen, iſolirten, kegelför⸗ migen Berg erblickt, welcher eigentlich den Gipfel des Küſteneinſchnittes bildet. Das menſchliche Auge blickte nie auf eine reichere Scene von Häuſern, Städten, Dörfern, Weinpflanzungen und Landſitzen, als die breite Bruſt dieſes iſolirten Berges darbot; er tritt zurück und ein weiterer Anblick bietet ſich auf die reiche Ebene dar, die hinter ihm zu liegen ſcheint und wallartig durch die ferne, geheimnißvoll ausſehende und doch kühne Kette der Apenninen begrenzt iſt. Wir kehren zu der Küſte zurück, welche ſich nun mehr nach Weſten zu neigen anfängt, und kommen zu einer andern Tuffhöhe, welche die ganze charakteriſtiſche Fruchtbarkeit und Zerklüftigung dieſer eigenthümlichen Formation hat; eine große volkreiche Stadt mit faſt einer halben Million Seelen breitet ſich hier faſt in gleichen Theilen an den Grenzen der Ebene und dem Waſſer⸗ rande entlang, oder an den Bergſeiten, bis zu den Gip⸗ feln derſelben hinan, aus. Von dieſem Punkte aus iſt die nördliche Seite des Golfs eine wirre Maſſe von Dörfern, Villen, Ruinen, Paläſten und Weingärten, bis wir das äußerſte Ende erreichen— ein niedriges Kap, wie ſein Nachbar gegen⸗ über. Eine kleine Inſel folgt zunächſt— eine Art natür⸗ lichen Vorpoſtens; dann ſtreift die Küſte nach Norden aus und bildet einen zweiten, kleinern Golf, der, unend⸗ lich reich an Ueberbleibſeln der Vergangenheit, eine kleine Strecke weiter ſeewärts mit einem hohen, röthlichen, ſandigen Hügel endigt, welcher faſt Anſpruch macht, ein Berg zu ſein. Nun begegnet das Auge noch zwei Inſeln, die weſt⸗ lich liegen; die eine iſt flach, fruchtbar und, wie man ſagt, bevölkerter, als irgend ein anderer Theil Europa's von derſelben Ausdehnung, während die andere eine prachtvolle Verbindung ſpitzer Berge, bevölkerter Städte, fruchtbarer Thäler, Schlöſſer, Landhäuſer und wilder Trümmer lange ſchlafender Vulkane iſt, die in eine große und doch anziehende Maſſe zuſammen geworfen iſt. Wenn der Leſer ſich zu dieſem Gemälde eine Küſte denkt, wo faſt jeder Schritt durch irgend ein Begebniß der Zeit, von geſtern an bis zu den dunkelſten Fernen der Geſchichte, Intereſſe gewinnt; wenn er die Ausſicht auf das Meer durch eine Menge kleiner Fahrzeuge mit lateiniſchen Segeln belebt und da und dort durch ein größeres Schiff noch maleriſcher macht, wenn er den Golf mit unzähligen Fiſcherbooten bedeckt und aus dem Gipfel des kegelförmigen Berges, welcher ſozuſagen das Haupt des Golfs iſt, eine Rauchwolke aufſteigen läßt; ſo hat er einen Umriß alles deſſen, was das Auge des Fremden, der zur See nach Neapel kommt, feſſelt und entzückt. / Der Sparana Jaſhresze eiltt und Veſuv h. andſere ſt und noch Caſtſelam zu epreickh Die Fiſchſer it und ſſo d faſt eine die Woote Näh gen aller gen bewe ſiſcher, n decker, Fr Anker ger An2 Flagge ei Sinnbild Corvette her den 2 auf ihrer Golf, au 184— Norden , unend⸗ ne kleine öthlichen, acht, ein die weſt⸗ wie man Europa's dere eine r Städte, d wilder ine große iſt. ine Küſte Begebniß en Fernen e Ausſicht zeuge mit durch ein n er den pHaus dem iſagen das eigen läßt; Auge des feſſelt und — 353— Der Zephyr wehte wieder und die tägliche Flotte von Sparanaras oder ungedeckten Feluccas, welche in dieſer Jaſhreszeit der Hauptſtadt von der Südküſte entgegen eill und in dieſer Stunde heimkehrt, zog ſich unter dem: Veſuv hin; ein Theil war nach Maſſa hinauf gerichtet, andſere ſteuerten Sorrento, Vico oder Perſano entgegen, und noch andere hielten ſich mehr vor dem Winde, um Caſtſelamare oder einen der umliegenden Landungsplätze zu epreichen. Die Kühlte begann ſo friſch zu werden, daß die Fiſchſer ihre Nachen gegen das Land zu rudern begannen, und ſſo die Linien brachen, welche an manchen Stellen ſich faſt Pine Stunde weit erſtreckt hatten, und zwar ſo, daß die Boote nur auf Sprechweite entfernt waren. Näher der Stadt wimmelte der Golf von Fahrzeu⸗ gen aller Art, welche ſich in den verſchiedenſten Richtun⸗ gen bewegten, während eine große Menge engliſcher, ruſ⸗ ſiſcher, neapolitaniſcher und türkiſcher Schiffe— Zwei⸗ decker, Fregatten und Schaluppen— Angeſichts der Stadt Anker geworfen hatten. An Bord eines der größten Zweidecker flatterte die Flagge eines Contre⸗Admirals am Beſanmaſte— das Sinnbild des Ranges des Befehlshabers. Nur Eine Corvette war unterwegs. Sie hatte eine Stunde vor⸗ her den Ankerplatz verlaſſen und prangte, mit Leeſegeln auf ihrer Steuerbordſeite, quer durch den prachtvollen 7 Golf, augenſcheinlich in der Abſicht, zwiſchen Capri und 184— 186. 23 — 351— dem Vorgebirge von Campanella in die hohe See auſs⸗ zulaufen und nach Sicilien zu ſegeln. Leicht hätte dieſ 8 Schiff die Inſel umſegeln können; aber ſein Commajn⸗ dant, eines der behaglichen Menſchenkinder, wollte lieſßer von vorne herein einen günſtigen Wind erwarten, ¹ nd hoffte, wenn er ſich an der Küſte hielt, könnte er m äh⸗ rend der Nacht vielleicht den Landwind faſſen, und dem Zephyr, der ſich eben erhob, gedachte er den(Folf von Salerno zu durchſchneiden. Auch eine Fregatte ſchoß aus der Maſſe der S unter ihren Stagſegeln, heraus, ſobald ſich der wind meldete; ſie hatte aber einen Anker unter Fuß fallen laſſen, und ſchien noch eines Auftrags oder Befehls zu harren, ehe ſie ihre Reiſe antrat; denn ihr Capitain war in dieſem Augenblicke an Bord des Flaggenſchiffs, der Befehle des Contre⸗Admirals gewärtig. Dieſe Fregatte war die Proſerpina, von ſechs und in Cuffe,— ein Schiff und ein dreißig Kanonen, Capitai Offizier, mit welchen der Leſer bereits Bekanntſchaft . gemacht hat. Eine Stunde vor der Eröffnung dieſer Scene war Capitain Cuffe wirklich durch ein Signal an Bord des Foudroyant gerufen worden, wo er einen kleinen, blaß⸗ ausſehenden, ſchwachgebauten Mann, dem der rechte Arm fehlte, auf dem Deck der Vorder⸗Cajüte hin⸗ und her⸗ gehen und ſeiner ungeduldig warten fand.. „Nun, Cuffe,“ ſagte dieſer unanziehend ausſehende Mann, ten Ar getreter 5 Land, unſern . Auftras bereits wegs i junger Art, n gen gel lang, E— ſchen a in's R. 8 Ir bitte un Grunde dert he zu Par Sächſiſ in der C 772 ſetzte d delte ei ihr Capitain laaggenſchiffs, 1 von ſechs und zchiff und ein Bekanntſchaft . er Scene war an Bord des kleinen, blaß⸗ der rechte Arm hin⸗ und her⸗ end ausſehende — 355— Mann, indem er mit dem Stumpfe ſeines verſtümmel⸗ ten Armes zuckte,„ich ſehe, Ihr ſeid aus der Heerde getreten— könnt Ihr unter Segel gehen?“ „Wir haben noch ein Boot, der Briefe wegen, am Land, mein Lord; ſobald dieſes heraus iſt, könnten wir unſern Anker, der nur unter Fuß liegt, heben.“ „Sehr gut; ich habe die Ringeltaube in gleichem Auftrage nach Süden gehen laſſen, und ſehe, daß ſie bereits eine halbe Stunde von ihrem Ankergrunde unter⸗ wegs iſt. Dieſer Herr Griffin ſcheint mir ein wackrer junger Mann zu ſein— ich habe den Bericht von der Art, wie er ſich mit dem Brander gehabte, mit Vergnü⸗ gen gehört, obgleich es dem franzöſiſchen Schurken ge⸗ lang, ſich zu flüchten. Nach Allem muß dieſer Rawl E— E—— wie ſpricht man den Namen des Bur⸗ ſchen aus, Cuffe? Ich kann nie mit dieſem Rothwelſch in's Reine kommen.“ „Nun, die Wahrheit zu ſagen, Sir Horatio— ich bitte um Verzeihung, mein Lord, es iſt etwas auf dem Grunde meines engliſchen Gefühls, das mich ſtets gehin⸗ dert hatte, das Franzöſiſche zu erlernen, wär' ich auch zu Paris geboren und erzogen worden. Ich habe zu viel Sächſiſches in mir, um Wörter zu verſchlingen, welche in der Regel keinen Sinn haben.“ „Ich halte Euch deßhalb um ſo höher, Cuffe,“ ver⸗ ſetzte der Admiral lächelnd, und dieſes Lächeln verwan⸗ delte ein in dem Zuſtande der Ruhe faſt häßliches Geſicht 23*¾ — 356— in ein faſt ſchönes— eine Eigenthümlichkeit, welche keines⸗ wegs ſelten iſt, wenn ein kräftiger Wille den Geſichts⸗ zügen den Ausdruck mittheilt, und das Herz in der Bruſt wirklich geſund iſt.—„Ein Engländer hat mit galliſchen Zwecken und Abſichten nichts zu ſchaffen. Dieſer junge Herr Griffin ſcheint Geiſt zu haben, und ich betrachte es ſtets als ein gutes Vorzeichen, wenn ein junger Mann ſich zu verzweifelten Händeln dieſer Art freiwillig ſtellt; aber er ſagt mir, er ſei nur zweiter Lieutenant; wo war Euer erſter dieſe ganze Zeit?“ „Nun, mein Lord, er erhielt eine kleine Wunde bei jenem Morgenſtrauß, und ich mochte ihn natürlich nicht gehen laſſen. Er heißt Wincheſter; ich glaube, Ihr müßt Euch ſeiner von der Schlacht von St. Vincent her erinnern. Miller*) hatte eine gute Meinung von ihm, und als ich von dem Pfeile an⸗Bord der Proſerpina kam, ließ er ihn mir als meinen zweiten Lieutenant ſchicken. Durch den Tod des guten Drury wurde er auf dem herkömmlichen Wege erſter Lieutenant.“ „Ja, ich erinnere mich ſeiner, Cuffe. Ein glänzen⸗ der Tag war jener, und Alles, was ſich damals begab, ſollte meinem Geiſte ſtets gegenwärtig ſein. Ihr ſagtet *), Ralph Willet Miller, der Offizier, welcher das Schiff befeh⸗ ligte, an welchem Nelſon ſeine Flagge in der Schlacht von St. Vincent aufhiſſen ließ, war ein Amerikaner— ein geborner Manhattaneſe; und nahe Verwandte von ihm, die ſeinen Namen führen, leben noch zu Neu⸗York. Der Verf. mir, geente - mit m treiber — es dunkel 77 ehrfurc blickte ſeines welche und Be dieſer j gegen ſchlugen „9 8 Cuffe; man hu keines⸗ Geſichts⸗ r Bruſt alliſchen r junge achte es Mann willig tenant; Wunde atürlich be, Ihr ent her en ihm, na kam, ſchicken. uf dem länzen⸗ begab, ſagtet iff befeh⸗ acht von geborner n Namen Verf. mir, dieſer Herr Griffin habe das Kabel des Loggers geentert?“ „Dies iſt in keiner Weiſe zu bezweifeln. Ich ſah mit meinem Nachtglas die beiden Schiffe gegen einander treiben— und augenſcheinlich ſtanden beide in Flammen — es war ſo deutlich, wie ich je den Veſuv in einer dunkeln Nacht erblickte.“ „ und doch iſt dieſer Few-Folly entwiſcht,— der arme Griffin gab ſich einer großen Gefahr, mir nichts dir nichts, preis.“ „Allerdings, mein Lord.“ Hier hielt Nelſon, welcher mit raſchen Schritten in der Cajüte hin und her gegangen war, während Cuffe den Wink, an dem Tiſche in der Mitte Platz zu nehmen, ehrfurchtsvoll ablehnte und ſtehen blieb, plötzlich inne und blickte dem Capitain feſt in das Geſicht. Der Ausdruck ſeines Antlitzes war jetzt ſanft und ernſt, und die Pauſe, welche ſeinen Worten folgte, gab dieſen etwas Feierliches und Bedeutſames. „Der Tag wird kommen, Cuffe,“ ſagte er,„wo dieſer junge Mann ſich freuen wird, daß ſeine Abſichten gegen dieſe Piraten, obgleich ſie Franzoſen ſind, fehl⸗ ſchlugen. Ja, aus ganzer Seele wird er ſich deſſen freuen.“ „Mein Lord!?“ „Ich weiß, daß Euch dies auffallen muß, Capitain Cuffe; man ſchläft aber darum eben nicht geſünder, weil man hundert ſeiner Mitmenſchen verbrannt oder in die — 358— Luft geſprengt hat. Nichts deſtoweniger müſſen wir Die beloben, welche das thaten, was gewiß ihre Pflicht war.“ „Soll ich aus dieſen Worten folgern, Lord Nelſon, daß die Proſerpina den Few-Folly nicht in jedem Falle vernichten ſoll, ſofern ſie wieder ſo glücklich iſt, mit ihm zuſammen zu treffen?“ „Keineswegs, Herr! Wir haben Befehl, zu ver⸗ brennen, zu verſenken und zu vernichten. Dies iſt Eng⸗ lands Politik in dieſem verzweifelten Kriege, und ſie muß durchgeführt werden. Ihr wißt, ſo gut wie ich, für was wir kämpfen, und es iſt in der That ein Kampf, der mit Complimenten nicht ausgefochten werden kann; doch wird Niemand wünſchen, daß eine edle und heilige Sache durch Unmenſchlichkeit in den Staub gezogen werde. Man muß Männer, die in redlichem, offenem Kampfe fallen, eher beneiden, als bedauern; denn man zahlt ſo der Natur nur den ſchuldigen Tribut ein wenig früher, als es ſonſt geſchehen wäre; aber es liegt etwas Empö⸗ rendes darin, unſere Mitmenſchen zu verbrennen, wie man nach einer Peſt Lumpen verbrennt. Wie dem auch ſei, wir müſſen des Loggers um jeden Preis habhaft werden; denn der engliſche Handel und die engliſche Macht darf auf dieſe unverſchämte Weiſe nicht ungeſtraft geſtört und gehöhnt werden. Wir dürfen bein Opfer ſcheuen, dem Gehaben dieſer franzöſiſchen Tiger ein Ziel zu ſetzen, Capitain Cuffe.“ „Ich weiß dies, mein Lord; und ein Republikaner gefällt Majeſt das ge um ſo Englät haſſen. den Ke ſelbſt it daß ich zu ſchr verſtänd 2 dies üb Vorder „C durch ih Ketzerei legenhei Namen ſie jetzt haben! zeug der ſage dieſ habe doch „G er ſelbſt wir Die t war.“ Nelſon, :m Falle mit ihm zu ver⸗ iſt Eng⸗ und ſie ich, für Kampf, n kann; heilige nwerde. Kampfe zahlt ſo früher, Empö⸗ en, wie em auch habhaft e Macht geſtört ſcheuen, mſetzen, blikaner — 359— gefällt mir deßhalb ſo wenig, wie er Euch oder Seiner Majeſtät ſelbſt gefallen kann.“ „Ich bin das von Euch überzeugt, Cuffe,— ich bin das gewiß von Euch überzeugt, und achte Euch deßhalb um ſo höher. Es macht einen Theil der Religion eines Engländers aus, in Zeiten wie dieſe, die Franzoſen zu haſſen. Nach dem Frieden von 1783 begab ich mich über den Kanal, um ihre Sprache zu lernen; ich hatte aber ſelbſt in Feiedenszeiten ſo wenig Sympathie mit ihnen, daß ich nie im Stande war, einen Brief in ihrer Sprache zu ſchreiben, oder die täglichen Bedürfniſſe des Lebens verſtändlich zu fordern.“ „Wenn Ihr irgend Etwas fordern könnt, ſo geht dies über meine Kräfte. Ich habe in ihrer Mundart nie Vordertheil von Spiegel unterſcheiden können.“ „Es iſt ein hölliſches Rothwelſch, Cuffe, und iſt durch ihre Akademien, durch ihre falſche Philoſophie und Ketzerei ſo verwirrt geworden, daß ſie bald ſelbſt in Ver⸗ legenheit kommen werden, ſich zu verſtehen. Welche Art Namen geben ſie, zum Beiſpiel, ihren Schiffen, nachdem ſie jetzt ihren König enthauptet und ihrem Gotte entſagt haben!— Wer hat je davon gehört, daß man ein Fahr⸗ zeug den„Few-Folly“ tauft, wie ſie nach Eurer Aus⸗ ſage dieſen Logger genannt haben?—„Few-Folly!“ Ich habe doch den Namen des Piraten richtig ausgeſprochen?“ „Ganz richtig,— Griffin ſpricht ihn ſo aus, obgleich er ſelbſt in ſeinem Engliſch etwas ſeltſam geworden iſt, — 360— weil er ſo viel franzöſiſch und italieniſch ſpricht. De Vater des jungen Mannes war Conſul, und hat den Knaben ein halbes Dutzend fremde Sprachen in den Kopf ſtauen laſſen. Er ſpricht Folly etwas breit und lang aus,— wie Follay, glaub' ich,— die Bedeutung bleibt aber immer dieſelbe. Folly bleibt Folly,*) man ſpreche es aus, wie man will.“ Nelſon ging fortwährend in der Cajüte auf und nieder, zuckte mit dem Stumpfe ſeines Armes und lächelte halb bitter, halb ironiſch,— man ſah, daß ſeine gute Laune wiederkehrte, wenn ſie ja durch einen früheren Gedanken getrübt war. „Erinnert Ihr Euch des Schiffes, Cuffe, mit wel⸗ chem wir in dem alten Agamemnon einen ſo ſcharfen Anſtoß hatten,“ ſagte er, nachdem er noch einige Mal ſchweigend auf und nieder gegangen war;„ich meine das entmaſtete Schiff mit vier und achtzig Kanonen, das im Schlepptau der Fregatte war, und das wir gepfeffert haben, bis ſeine Suppe darnach ſchmeckte. Nun,— wißt. Ihr wohl, wie dies Schiff auf gut Engliſch geheißen hat?“ „Nein, mein Lord. Ich erinnere mich, daß man mir ſagte, es heiße Ga ira, und ich war ſtets der Anſicht, dieſer Ca ira ſei ein alter Grieche oder Römer— vielleicht auch einer ihrer neugebackenen republikaniſchen Heiligen.“ *) Thorheit bleibt Thorheit. ligen alten würdig man f wenn ga ira geh'n, mal ar an deſſ Ein pr bekomn Seiner tain C. C 77 einen a eben ſo heißt. der den dieſen denke, „N kein Ge Anſprüch was abe ht. De hat den in den reit und edeutung *) man auf und nes und daß ſeine früheren mit wel⸗ ſcharfen nige Mal h meine nen, das gepfeffert — wißt n hat?“ daß man Anſicht, dmer— kaniſchen — 361— „Pah— verd-t ſeien ſie— ſie haben keinen Hei⸗ ligen zu nennen, mein guter Burſche, ſeitdem ſie die alten alle abgeſchafft haben. Es iſt wirklich etwas Ehr⸗ würdiges in den Namen einer ſpaniſchen Flotte, und man fühlt, daß man wenigſtens vornehme Leute driſcht, wenn man mit ihnen zuſammenſtößt. Nein, Herr— ga ira heißt nicht mehr und nicht weniger als„das wird geh'n,“ und ich glaube, Cuffe, ſie dachten mehr als ein⸗ mal an ihres Schiffes Namen, als der alte Agamemnon an deſſen Seite lag und ihnen die Cajütenfenſter öffnete. Ein prachtvoller Name wär' es geweſen, wenn wir es bekommen und in unſere Flotte eingereiht hätten— Seiner Majeſtät Schiff„Das wird geh'n,“ 84, Capi⸗ tain Cuffe.“ „Ich hätte gewiß bei der Admiralität angeſucht, ihm einen andern Namen zu geben.“ „Darin hättet Ihr ſehr wohl gethan. Man könnte eben ſo gut in einem Kriegsſchiffe ſegeln, das„Genug“ heißt. Sie hatten ferner einen Dreidecker— denſelben, der dem„Das wird geh'n“ aus dem Pfeffer half— dieſen nannten die Franzoſen„Sans culottes,“— ich denke, Ihr wißt, was das heißt?⸗ „Nein, mein Lord; ich bin, die Wahrheit zu ſagen, kein Gelehrter, und mache in dieſer Hinſicht gar keine Anſprüche.„San“ wird wohl ein„Heiliger“ heißen; was aber„culottes“ iſt, weiß ich wahrlich nicht.“ Nelſon lächelte; die Wendung, welche das Geſpräch genommen, ſchien ihm eine heimliche Freude zu machen. Es lag, die Wahrheit zu ſagen, etwas ſchwer auf ſeinem Herzen, und nur durch die Kraft des Willens gelang es ihm, von einem Aeußerſten zu dem andern überzuſprin⸗ gen, wie dies oft bei Männern der Fall iſt, welche unter der Herrſchaft des Gefühls ſtehen, beſonders wenn ihr ganzer Charakter ſich ſtets dem Rechten zuneigt. „Ihr habt dieſes Mal Unrecht, mein lieber Cuffe,“ ſagte er;—„denn das franzöſiſche„Sans“ heißt„ohne“ und„culottes“ bedeutet„Hoſen.“ Denkt Euch— einen Dreidecker„Ohne Hoſen“ zu benennen! Ich ſehe in der That nicht ein, wie ein achtbarer Flaggen⸗Offizier in ſeinen Depeſchen eines ſolchen Namens erwähnen kann, ohne eine Verlegenheit zu fühlen, die ſeine ganze Philo⸗ ſophie in den Grund bohrt—: die Linie wurde gebildet durch das republikaniſche Schiff„Das wird geh'n,“ als Avantgarde— ihm folgte zunächſt nach hinten„Ohne Hoſen!“— Ha, Cuffe— ich will verd—t ſein, wenn ich in einer Flotte diente, deren Schiffe ſo benamſet ſind! Dieſe Namen ſind tauſendmal ſchlechter als alle jene Heili⸗ gen, welche die Spanier ihren Schiffen anhängen, wie eine Reihe Boote, die ein Schiff zu ſeinem Ankerplatz bugſiren.“ Die Unterhaltung wurde hier durch das Auftreten eines Kadetten unterbrochen, welcher herab kam und mel⸗ dete, ein Mann und ein Mädchen vom Strande wünſchten in drit ſprechen „„W „Ich h Neapel nicht ge Podeſta Streitig Gütern richter ĩ ſonſt wi top meh „C Laſt von 77 J ten, un die es klagende als jünge Bei und die und ein traten ei eine in Auge; de Schönhei bens und eſpräch nachen. ſeinem ang es uſprin⸗ unter nn ihr Luffe,“ ohne“ —einen ſehe in offizier nkann, Philo⸗ gebildet „“ als „Ohne wenn t ſind! Heili⸗ , wie kerplatz ftreten dd mel⸗ nſchten — 363— in dringender Angelegenheit den Contre⸗Admiral zu ſprechen. „Laßt ſie herab kommen, Herr,“ antwortete Nelſon. „Ich habe in der That meine Noth, Cuffe; es gibt zu Neapel keine Waſchfrau und keinen Winkelkrämer, die nicht gerade ſo mit mir umſprängen, als wär' ich ihr Podeſta und als hätte ich die Verbindlichkeit, alle ihre Streitigkeiten wegen verlorenen Kleidern und verpackten Gütern beizulegen. Seine Majeſtät ſollte einen Ober⸗ richter der Flotte zu Gunſten der jungen Herren anſtellen, ſonſt wird kein Offizier mit einer Flagge an ſeinem Maſt⸗ top mehr dienen wollen.“ „Gewiß, mein Lord, die Capitaine könnten dieſe Laſt von Euern Schultern nehmen.“ „Ja, es gibt Männer in der Flotte, die es könn⸗ ten, und andere, die es thun; aber es gibt auch ſolche, die es nicht thun. Doch hier kommt, denk' ich, der klagende Theil; Ihr ſollt die Sache mit anhören und als jüngerer Richter das Urtheil ſprechen.“ Bei dieſen Worten öffnete ſich die Cajütenthüre, und die Angekündigten, ein etwa fünfzigjähriger Mann und ein Mädchen, das neunzehn Sommer zählen mochte, traten ein. Der Erſtere hatte ein einfaches Aeußere, eine in ſich verſenkte Miene und zur Erde geſenktes Auge; das Mädchen aber hatte ganz den Ausdruck, die Schönheit, das Natürliche und Anmuthvolle des Geha⸗ bens und der Züge, wodurch Ghita Carraccioli ſich ſo — 364— ſehr auszeichnete. Mit einem Worte, die Auftretenden waren Carlo Giuntotardi und ſeine holde Nichte. Ddie Beſcheidenheit und Lieblichkeit des Mädchens fiel Nelſon in hohem Grade auf, und er bat ſie höflich, Platz zu nehmen, während er und Cuffe fortwährend ſtehen blieben. Dieſer berühmte Admiral verſuchte ſich verſtändlich zu machen, überzeugte ſich jedoch bald, daß er eines Dol⸗ metſchers bedürfe, indem ſeine Beſucher nicht Engliſch ſprachen und ſein Italieniſch nicht ausreichend war, um eine einigermaßen zuſammenhängende Unterhaltung zu führen. Er zögerte einen Augenblick und ging dann an die Thüre der innern Cajüte— ein Gemach, in welchem man dieſe ganze Zeit gelegentlich Stimmen gehört hatte, unter denen ſich unverkennbar eine weibliche befand. Er blieb hier wie zweifelhaft ſtehen und lehnte ſich an den Pfoſten; dann gab er ſeinem Wunſche Worte. „Ich muß Euch um einen Gefallen bitten, was ich bei einem gewöhnlichen Falle nimmer zu thun wagen würde,“ ſagte er mit einer Freundlichkeit der Stimme und des Gebahrens, welche gewahren ließ, daß er ein weibliches Weſen anredete, die gewohnten Einfluß auf ihn hatte.—„Ich bedarf eines Dolmetſchers zwiſchen mir und dem zweitſchönſten weiblichen Geſchöpfe in dem Königreiche Neapel; und Niemand iſt zu dieſem Dienſte geeignet, als das ſchönſte.“ „Von Herzen gern, lieber Nelſon,“ antwortete eine volle, n William begann nicht ir! eine Unl worden.“ „J. unbekann die Sach ſolchen d ſchen, a lichkeiten Die hatte, of ihrer Erf konnte, Es war drucke ihr man es Natürlicht ſich in jet konnte fü die ander hätte, we habenen, nen, welch geprägt n etenden ädchens höflich, dährend tändlich es Dol⸗ Engliſch ar, um ung zu ann an velchem t hatte, nd. Er an den was ich wagen Stimme er ein luß auf wiſchen in dem Dienſte ete eine — 365— volle, weiche, weibliche Stimme von innen.—„Sir William iſt mit ſeinen Alterthümern beſchäftigt und ich. begann in der That, Langeweile zu fühlen. Wenn ich nicht irre, habt Ihr als Lord Oberkanzler der Flotte eine Unbilde zu ſchlichten, die einem Mädchen angethan worden.“— „Ich bin mit dem Grunde der Klage bis jetzt noch unbekannt; es iſt aber nicht unwahrſcheinlich, daß ſich die Sache ſo ergibt, wie Ihr annehmt, und in einem ſolchen Falle kann man keine beſſere Vermittlerin wün⸗ ſchen, als die, welche über die Schwächen und Gebrech⸗ lichkeiten ihres Geſchlechtes ſo ſehr erhaben iſt.“ Die Dame, welche jetzt aus der innern Cajüte trat, hatte, obgleich ſie ungemein ſchön war, nicht das in ihrer Erſcheinung, was das Lob wahrhaft rechtfertigen konnte, welches in des Admirals letzten Worten lag. Es war etwas Künſtliches und Weltliches in dem Aus⸗ drucke ihres Geſichtes, das nur um ſo mehr auffiel, wenn man es unmittelbar mit der einfachen, unbefangenen Natürlichkeit und der ruhigen Reinheit verglich, welche ſich in jedem Zuge von Ghita's Antlitz ſpiegelte, die eine konnte für ein Bild der Zauberin Circe gelten, während die andere kein übles Modell für eine Veſtalin abgegeben hätte, wenn letztere den moraliſchen Ausdruck der er⸗ habenen, herzdurchdringenden Wahrheit hätte heben kön⸗ nen, welche durch die wirklichen Orakel der Gottheit ein⸗ geprägt wird. Dann war die Dame ein Weib in dem — 366— Mittag ihrer Reize, denen die ganze Kunſt des Putztiſches „und ein Geſchmack zu Hülfe kam, der, wenn nicht rein, doch anziehend und eigenthümlich war; während die Andere in ihrem einfachen, dunkeln neapolitaniſchen Leibchen und einem Haupte daſtand, das keinen andern Schmuck hatte, als ſeine eigenen ſeidenen Locken; dennoch trat ſo ihre ganze untadelhafte Geſtalt und ihr liebliches Antlitz beſſer hervor, als dies durch die Künſte der ge⸗ ſchickteſten Kleidermacher und Putzhändler möglich ge⸗ weſen wäre. Die Dame ließ eine kleine Ueberraſchung und einen Schatten von Unbehaglichkeit gewahren, als ihr Blick auf Ghita fiel, da ſie aber eine zu gute Schauſpielerin war, ließ ſie ſich nicht leicht in Verlegenheit bringen; ſie lächelte und gewann alsbald ihre Ruhe wieder. „Iſt dies das Weſen, Nelſon, welches ein ſolches Geſuch hierher führt?“ fragte ſie nicht ohne natürliches, weibliches Gefühl in ihrer Stimme;„und der arme alte Mann iſt gewiß der bitter gekränkte Vater?“ „Was ihr Anliegen betrifft, ſo weiß ich, wie geſagt, bis jetzt noch gar nichts. und kann keine Vermuthung in dieſer Hinſicht haben.“ „Capitain Cuffe, ich hoffe, ich habe das Vergnügen zu hören, daß Ihr Euch wohl befindet?— Sir William hofft mit dem Admiral, Ihr werdet heute das Mittags⸗ mahl in unſerm kleinen Familienkreiſe theilen, und—“ .„ und was ſagt die Herrin— wenn nicht des Hau⸗ ſes, do ſich kal abwend L 77 2 iſt, abl Capitait ten. N nons, Knaben des Nar nung fi unter de „N geh'n“ ſetzte de nen ein fahren ſehenden ſehenden „N ich,“ be als ein ihm zurn iſt, welch wieder g ſollen all⸗ ben werd utztiſches icht rein, rend die ttaniſchen n andern dennoch liebliches e der ge⸗ gglich ge⸗ nd einen ihr Blick uſpielerin ngen; ſie ſolches ttürliches, der arme 2 ie geſagt, ithung in eergnügen William Mittags⸗ und—“ des Hau⸗ ſes, doch des Schiffes?“ warf Nelſon ein, deſſen Blicke ſich kaum einen Augenblick von dem Antlitz der Sirene abwendeten, ſeit ſie in die Vorder⸗Cajüte getreten. 4 „Obgleich ſie dieſe Begrüßung, ſo ehrenvoll ſie auch iſt, ablehnt, vereinigt ſie ſich doch mit allen übrigen, Capitain Cuffe um die Ehre ſeiner Geſellſchaft zu bit⸗ ten. Nelſon ſagt mir, Ihr gehörtet zu ſeinen Agamem⸗ nons, wie er euch Alle, Alt und Jung, Männer und Knaben, Große und Kleine, nennt, und ſelbſt der Klang des Namens gefällt mir. Welch eine prachtvolle Bezeich⸗ nung für ein Schiff— Agamemnon— ein Grieche— unter dem Befehle eines echt engliſchen Herzens!“ „Nun, der Name iſt etwas beſſer, als„Das wird geh'n“ und das andere Ding, Ihr wißt, Cuffe,“ ver⸗ ſetzte der Admiral lächelnd, und warf ſeinem Untergebe⸗ nen einen heimlichen Blick zu.„Immer noch aber er⸗ fahren wir nichts von dem Begehren dieſes ehrlich aus⸗ ſehenden Italieners, und ſeiner ungemein unſchuldig aus⸗ ſehenden Begleiterin.“ „Nun denn, meine Herren, in dieſer Sache bin ich,“ bemerkte die Dame,„als ein bloßes Mundſtück, als ein Echo zu betrachten, das zurück gibt, was man ihm zuruft, obgleich das Echo dieſes Mal ein Iriſches iſt, welches das ihm Zugerufene in einer andern Sprache wieder gibt. Laßt Eure Fragen hören, mein Lord; ſie ſollen alle treu überſetzt und die Antworten wieder gege⸗ ben werden, wie ich ſie erhalte. Ich hoffe doch, Capi⸗ — 368— tain Cuffe wird bei dieſer Sache ſich ſo unſchuldig heraus⸗ ſtellen, als er jetzt ausſieht.“ Die beiden Herren lächelten; aber der Scherz konnte Cuffe nicht beunruhigen, da er von dem Daſein der bei⸗ den Fremden vor fünf Minuten noch nichts gewußt hatte, während die Kühnheit der Anſpielungen faſt nur der Freiheit eines Schiffes und den Gewohnheiten desjenigen Theils der Erde, wo ſie zufällig laut geworden, ange⸗ meſſen war. „Wir wollen zuerſt dieſen würdigen Mann nach ſei⸗ nem Namen fragen, wenn es Euch beliebt,“ ſagte Nel⸗ ſon zu ſeiner ſchönen Freundin. „Carlo Giuntotardi, edle Frau, einſt ein armer Gelehrte hier zu Neapel, und jetzt der Aufſeher der Wachthürme des Fürſten auf den Höhen von Argentaro,“ lautete die ruhige, aber ehrerbietige Antwort des Man⸗ nes, welcher es, wie ſeine Nichte, abgelehnt hatte, Platz zu nehmen, ein Umſtand, in deſſen Folge die ganze Ge⸗ ſellſchaft ſtehen blieb,„Carlo Giuntotardi, edle Frau!“ „Ein ſehr guter Name, Signore, ein Name, deſſen Ihr Euch nicht zu ſchämen braucht. Und der deinige?“ fuhr ſie fort, zu dem Mädchen gewendet. „Ghita Carraccioli, Eccellenza,— die Schweſter⸗ tochter dieſes würdigen Thurm⸗Aufſehers des Fürſten.“ Wenn eine Bombe über dem Foudroyant geplatzt wäre, hätte ſich Nelſon gewiß nicht ſo betroffen gefühlt, während der Dame ſchönes Antlitz den Ausdruck düſtern Grolls, Selbſt Namen ſeinem und re⸗ Di grund; wieder; Cajüte nes Ar G 7 reien n liſch;— Familie und hat welcher Ich wer Signori großem Carracci wärtern Ghi durch ei⸗ ſelbſt zu beugen die ſo o fliegt, am 184— heraus⸗ z konnte der bei⸗ ßt hatte, nur der sjenigen u, ange⸗ nach ſei⸗ gte Nel⸗ n armer eher der. entaro,“ es Man⸗ te, Platz unze Ge⸗ Frau!“ e, deſſen einige?“ ſchweſter⸗ ürſten.“ geplatzt gefühlt, düſtern 369— Grolls, zu dem ſich Beſorgniß zu geſellen ſchien, annahm. Selbſt Cuffe verſtand genug von dem Geſagten, um den Namen aufzufaſſen; er trat einen Schritt vor, und auf ſeinem röthlichen Geſichte drückte ſich lebendige Neugierde und reges Bangen aus. Dieſe Gefühle traten jedoch bald in den Hinter⸗ grund; die Dame gewann zuerſt ihre Selbſtbeherrſchung wieder; aber Nelſon ſchritt fünf bis ſechsmal in der Cajüte auf und nieder, und zuckte mit dem Stumpf ſei⸗ nes Armes, ehe er nur wieder in die Höhe blickte. „Ich war im Begriffe zu fragen, ob dieſe Quäle⸗ reien nie endigen ſollen,“ bemerkte die Dame auf Eng⸗ liſch;— aber es muß hier ein Irrthum obwalten. Die Familie der Carraccioli iſt eine der berühmteſten Italiens, und hat kaum ein Glied in dieſer Klaſſe, das an dem, welcher unſern Gedanken vorſchwebt, Intereſſe nimmt. Ich werde daher in Betreff der Sache weiter fragen. Signorina,“ ſagte ſie in italieniſcher Sprache und mit großem Ernſt in ihrem Tone:„ Signorina, der Name Carraccioli iſt ein edler Name, und Töchter von Thurm⸗ wärtern tragen ihn nicht oft.“ Ghita bebte und ſchien verlegen; ſie wurde aber durch ein zu ſtolzes Gefühl aufrecht gehalten, und war ſelbſt zu unſchuldig, um ſich Angeſichts der Schuld lange beugen zu laſſen; und als die Röthe, welche der glich, die ſo oft am Abend ihren heimathlichen Himmel über⸗ fliegt, aus ihrem Antlitze trat, erhob ſie ihre Augen zu 184— 186. 24 — 370— dem düſter blickenden Antlitz der Dame, und brachte ihre Antwort vor. „Ich weiß, was Eure Eccellenza meint,“ ſagte ſie, „und fühle das Richtige der Bemerkung; dennoch iſt es grauſam, wenn ein Kind den Namen ſeiner Eltern nicht tragen ſoll. Mein Vater hieß Carraccioli, und hinterließ mir ſeinen Namen als das einzige Vermächtniß. Welche Rechte er auf dieſen Namen hatte, laßt Euch von mei⸗ nem Oheim ſagen.“ „Sprecht alſo, Signor Giuntotardi; zuerſt theilt uns die Geſchichte dieſes Namens mit; dann ſagt uns, was Euch hierher geführt hat.“ „Edle Frau, meine Schweſter, ein ſo frommes, unſchuldiges Weib, wie je eines in Italien lebte, und nun eine Heilige im Himmel, heirathete Don Francisco Carraccioli, den Sohn Don Francesco's aus dieſer erlauch⸗ ten Familie, welcher nun zum Tode verurtheilt iſt, weil er die Flotte gegen den König befehligt hat, und Ghita hier iſt der einzige Sprößling dieſer Ehe. Es iſt wahr, die Kirche hat die Verbindung nicht geſegnet, welche dem Vater meiner Nichte das Leben gab; allein der edle Ad⸗ miral nahm nie Anſtand, ſeinen Sohn anzuerkennen, und erlaubte ihm ſeinen Namen zu führen, bis er ſich mit der Schweſter eines armen Gelehrten, die er liebte, ehelich verband. Dann wendete ſein Vater allerdings ſein Antlitz von ihm, und der Tod entzog bald beide Gatten dem Bereiche irdiſchen Haders. Dies iſt unſere einfache Geſch waru wie d tardi, nes d kelin 1 ſter i niger hen, ſchuld Admi Fürſt . ſo fri wenig wie armel nie n zu ſic ihr T Nelſo ſelben ichte ihre ſagte ſie, och iſt es ern nicht hinterließ Welche von mei⸗ rſt theilt ſagt uns, frommes, bte, und Francisco er erlauch⸗ iſt, weil ind Ghita iſt wahr, delche dem edle Ad⸗ gerkennen, bis er ſich er liebte, dings ſein de Gatten ee einfache 39— Geſchichte, edle und erlauchte Signora, und der Grund, warum meine arme Nichte hier einen ſo hohen Namen, wie den der Carraccioli, führt.“ „Ihr wollt uns zu verſtehen geben, Signor Giunto⸗ tardi, Eure Nichte ſei die Tochter eines natürlichen Soh⸗ nes des Don Francesco Carraccioli, und folglich die En⸗ kelin dieſes unglücklichen Admirals?“ „„ Und ſo verhält es ſich, Signora. Da meine Schwe⸗ ſter in aller Form verehelicht war, konnte ich nicht we⸗ niger thun, als ihre Tochter unter einem Namen erzie⸗ hen, welchen ihr Vater vor ihr führen durfte.“ „Dergleichen iſt gewöhnlich und bedarf keiner Ent⸗ ſchuldigung. Noch eine Frage, ehe ich dem engliſchen Admiral das, was Ihr geſagt habt, überſetze. Weiß Fürſt Carraccioli von dem Daſein dieſer Enkelin?“ „Eccellenza, ich glaube, nein. Ihre Eltern ſtarben ſo früh,— ich liebte das Kind ſo ſehr,— und es war wenig Hoffnung vorhanden, daß ein ſo hochadeliger Herr, wie er, eine Verbindung durch die heilige Kirche mit armen Leuten, wie wir ſind, anerkennen würde, daß ich nie mehr gethan habe, um die Anſprüche meiner Nichte zu ſichern, als daß ich ſie den Namen führen ließ, den ihr Vater hatte.“ Die Dame ſchien dies zu zeruh gen und erklärte Nelſon nun kurz, was der Italiener geſagt hatte. „Es iſt möglich,“ ſetzte ſie hinzu,„daß ſie um der⸗ ſelben Angelegenheit willen, von der wir ſchon ſo viel, — 372— und ſo vergeblich hören mußten, hier ſind; nach dem Vernommenen bezweifle ich dies jedoch beinahe; denn welches Intereſſe könnten ſie für Jemanden fühlen, der ihnen ganz fremd iſt? Es iſt jedoch vielleicht ein müßiger Einfall, welcher mit derſelben Angelegenheit in Zuſam⸗ hang ſteht.“ „Was iſt Euer Wunſch, Ghita?“ fuhr ſie, zu dem Mädchen gewendet und ſich der Landesſprache bedienend, fort:„dies iſt Don Horatio Nelſoni, der berühmte eng⸗ liſche Admiral, von welchem Ihr ſo viel gehört habt.“ „Eccellenza,“ verſetzte Ghita ernſt,—„mein Oheim hat Euch geſagt, wer wir ſind, und Ihr mögt wohl errathen, warum wir gekommen ſind. Wir ſind erſt die⸗ ſen Morgen von St. Agatha, auf der andern Seite des Golfes, herüber geſchifft, und hörten von einem Verwand⸗ ten in der Stadt, daß Don Francesco in eben dieſer Stunde feſtgenommen worden iſt. Seit dem, hat man uns erzählt, iſt das Urtheil über ihn geſprochen und er wegen Verrathes an dem Fönige, und zwar von Offi⸗ zieren, welche ſich an Bord dieſes Schiffes verſammelt haben, zum Tode verurtheilt worden. Man will ſogar behaupten, das Urtheil ſoll noch heute, ehe die Sonne untergeht, vollzogen werden.“ „Wenn dem ſo wäre, aus welchem Grunde würdeſt du dir Bekümmerniß machen?“ „Eccellenza, er war meines Vaters Vater; und obgleich ich ihn nie geſehen habe, weiß ich, daß daſſelbe Blut it auch di aber di du nie als Kin einem Männe ſie ſich 27 ſondern Vaters „9 Dame Manne nen von „C zu ſein. das Lebe wird ihr Ferdinat gewiß zu Ma heit der des Mäl Augenbli nie beitr ich dem ; denn en, der nüßiger Zuſam⸗ zu dem dienend, ate eng⸗ abt.“ Oheim gt wohl erſt die⸗ eite des erwand⸗ dieſer at man und er n Offi⸗ ammelt l ſogar Sonne würdeſt r; und daſſelbe — 373— Blut in unſern Adern fließt; iſt aber dies, dann müſſen auch dieſelben Gefühle unſere Herzen bewegen.“ „Dies iſt, wenigſtens dem Anſcheine nach, ganz gut; aber du kannſt ſchwerlich viel für Jemanden fühlen, den du nie geſehen haſt, und der ſich ſelbſt geweigert hat, dich als Kind anzuerkennen. Auch biſt du jung, und gehörſt einem Geſchlechte an, das ſtets vorſichtig ſein ſollte; ſelbſt Männer handeln in dieſer unruhigen Zeit weiſe, wenn ſie ſich nicht in die Politik miſchen.“ „Signora, die Politik hat mich nicht hierher geführt, ſondern Natur, Pflicht und fromme Liebe zu meines Vaters Vater.“ „Nun, was haſt du zu ſagen?“ antwortete die Dame ungeduldig;„ſei eingedenk, daß du vor einem Manne ſteheſt, deſſen Zeit koſtbar und für ganze Natio⸗ nen von großer Wichtigkeit iſt.“ „Eccellenza, ich glaub' es, und werde ſuchen, kurz zu ſein. Ich wünſche, dieſen berühmten Fremdling um das Leben meines Großvaters zu bitten. Wie ich höre, wird ihm der König nichts abſchlagen; und er. darf Don Ferdinando nur bitten, um der Erküllun ſeiner Bitte gewiß zu ſein.“ Manche ſind wohl ber Anſicht, die gereiftere Schön⸗ heit der Dame habe den Sieg über die natürlichen Reize des Mädchens davon getragen; wer aber beide in dieſem Augenblicke geſehen hätte, könnte einer ſolchen Meinung nie beitreten. Während Ghita's Antlitz von frommer — 371= Hoffnung und heiligem Eifer, der ſie hierher geführt, glänzte, lag ein düſterer Ausdruck auf dem Geſichte der engliſchen Schönheit, welcher ihm einen ſeiner höchſten Reize— die Milde und Freundlichkeit ihres Geſchlechtes — nahm. Wären keine Beobachter deſſen, was vorging, anweſend geweſen, ſo würde das Mädchen wahrſcheinlich ſofort zurückgewieſen worden ſein; aber die Klugheit machte einen weſentlichen Theil des Charakters dieſes Weibes aus, und ſie wußte ihre Gefühle zu beherrſchen, um ihre Pläne ins Werk zu ſetzen. „Dieſer Admiral iſt kein Neapolitaner, ſondern ein Engländer,“ antwortete ſie;„und er hat mit der Rechts⸗ pflege Eures Königs nichts zu ſchaffen. Er würde es kaum für paſſend halten, ſich in die Vollſtreckung der Geſetze dieſes Landes zu miſchen.“ „Signora, es iſt nie unpaſſend, da den Vermittler zu machen, wo es gilt, ein Leben zu retten; ja, es iſt mehr,— es iſt barmherzig und gewiß gottgefällig.“ „Was weißt du davon? Der Gedanke, das Blut der Carraccioli fließe in deinen Adern, ließ dich deines Geſchlechtes und deines Standes vergeſſen, und ſetzte dir eine romantiſche Grille von kindlicher Pflicht in den Kopf.“ „Nein, Signora,— dem iſt nicht ſo. Seit achtzehn Jahren weiß ich, daß der unglückliche Admiral mein Groß⸗ vater iſt; da es ihm aber gefiel, daß ich ferne von ihm bliebe, ſo habe ich nie den Wunſch gefühlt, ſeine Zeit in Anſpruch zu nehmen. Ehe dieſer Morgen anbrach, iſt es mir ni angehö mutter trauerr eltern ſo hohe Di düſterer jahre d welche und für 9 77 Auch de ſer gro um ein, retten. nicht, des So lich, we Don F Signore ſich in würden Jugend mer end n geführt, chte der höchſten chlechtes vorging, cheinlich Klugheit 3 dieſes errſchen, dern ein Rechts⸗ ürde es ung der rmittler , es iſt 3. as Blut h deines ſetzte dir n Kopf.“ achtzehn n Groß⸗ von ihm Zeit in h, iſt es — 375— mir nie eingefallen, der Familie zu gedenken, welcher ich angehöre; aber ich trauerte über die Sünde meiner Groß⸗ mutter, und jetzt muß ich über das grauſame Schickſal trauern, welches die Tage ihres Schuldgenoſſen bedroht.“ „Du biſt kühn, in dieſer Weiſe von deinen Vor⸗ eltern zu ſprechen, Mädchen,— um ſo kühner, als ſie ſo hohem Stande angehören.“ Dieſe Worte wurden in eifriger Haſt und mit noch düſtererm Blicke vorgebracht; denn die frühern Lebens⸗ jahre dieſer Dame mochten Begebniſſe in ſich ſchließen, welche die einfache Sprache ſtrenger Moral für ihr Ohr und für ihre Erinnerung zumal beleidigend erſcheinen ließ. „Nicht ich ſpreche ſo,— es iſt Gottes Sprache. Auch das Verbrechen iſt ein zweiter Grund, warum die⸗ ſer große Admiral ſeinen Einfluß geltend machen ſollte, um einen Sünder vor einem ſo beſchleunigten Ende zu retten. Der Tod iſt ſchrecklich für Jeden, nur für den nicht, welcher mit Herz und Seele auf die Vermittlung des Sohnes Gottes vertraut; er iſt aber doppelt ſchreck⸗ lich, wenn er raſch und unerwartet kommt. Es iſt wahr, Don Francesco iſt alt; habt Ihr aber nicht bemerkt, Signora, daß gerade in dieſen Jahren Vorgeſchrittene ſich in ihrem Zuſtande verhärten, und fortleben, als würden ſie nie ſterben. Ich ſpreche von Solchen, deren Jugend verfloß, als wenn die Freuden des Lebens nim⸗ mer endigen könnten.“ „Du biſt zu jung, Mädchen, um dich zu einer Welt⸗ — 376— verbeſſererin aufwerfen zu dürfen. Du vergißt, daß dies das Schiff eines der größten Offiziere Europa's iſt, und daß ſeine Zeit vielfach in Anſpruch genommen wird. Du kannſt nun gehen; ich werde, was du geſagt haſt, mit⸗ theilen.“ „Ich habe noch eine Bitte, Eccellenza,— ich wünſche Don Francesco zu ſehen, um wenigſtens ſeinen Segen zu erhalten.“ „Er iſt nicht in dieſem Schiffe. Du wirſt ihn an Bord der Fregatte Minerva finden; deine Bitte wird dir nicht verweigert werden. Bleibe,— dieſe wenigen Zei⸗ len werden deinem Wunſche als Stütze dienen. Addio, Signorina.“ „und ſcheide ich nicht ohne Hoffnung von hier, Eccellenza? Bedenkt, wie ſüß das Leben Denen iſt, welche ein ſo langes Leben in Ehren und Ueberfluß hingebracht haben! Es würde für ein Enkelkind wie eine Himmels⸗ botſchaft ſein, wenn es nur einen Strahl Hoſtnung bringen könnte.“ „Ich kann zu ſolcher nicht berechtigen. Die Sache iſt in den Händen der neapolitaniſchen Behörden, und wir Engländer dürfen uns nicht einmiſchen. Geht nun Beide; der berühmte Admiral hat wichtige und dringende Geſchäfte vor ſich.“ Ghita wendete ſich, und langſam und bekümmert ver⸗ ließ ſie die Cajüte. Auf der Thürſchwelle begegnete ſie dem engliſchen Lieutenant, welcher den unglücklichen Gefange⸗ nen ut Bitte den Ti E ſind, w Unterr daß die W ſich zw letzten die Bit in dieſe tragen wurde: der gan berühm von En daß dies iſt, und rd. Du ſt, mit⸗ wünſche Segen ihn an wird dir gen Zei⸗ Addio, on hier, t, welche ggebracht immels⸗ doffnung e Sache en, und eht nun ringende nert ver⸗ ſie dem Gefange⸗ — 372— nen unter ſeinem Gewahrſam hatte, und mit der letzten Bitte anlangte, ihn nicht wie einen Dieb hängen, ſondern den Tod des Kriegers ſterben zu laſſen. Es würde die Grenzen, die unſerer Erzählung geſteckt ſind, überſchreiten, wollten wir bei der nun folgenden Unterredung verweilen; aber jeder gebildete Leſer weiß, daß die Bitte abgeſchlagen wurde. Vierzehntes Kapitel. Wie andere Tyrannen ſchmettert gern Der Tod, was, ſo zerſchmettert, laut Den Stolz der Macht, der Willkühr Eigenrecht Bekundet. Young. Wahrſcheinlich hat Nelſon nie genau erfahren, was ſich zwiſchen Ghita und der Dame, deren wir in dem letzten Kapitel gedacht haben, begeben. Jedenfalls hatte die Bitte Ghita's ſo wenig Erfolg, wie alle andern, welche in dieſer Angelegenheit dem engliſchen Admiral vorge⸗ tragen wurden. Selbſt die Art der Urtheilsvollſtreckung wurde nicht geändert; eine unziemliche Eile herrſchte bei der ganzen Verhandlung vor, wie bei dem nicht minder berühmten Verhör und Tode des unglücklichen Herzogs von Enghien. — 378— Cuffe blieb an Bord, um bei ſeinem Oberbefehlshaber zu ſpeiſen, während Carlo Giuntotardi und ſeine Nichte ihr Boot beſtiegen und durch die überfüllte Rhede der neapolitaniſchen Fregatte zueilten, welche jetzt das Ge⸗ fängniß des unglücklichen Carraccioli abgab. Ein Geſuch an der Fallreepstreppe war Alles, was nothwendig war, um an Bord des Schiffes zugelaſſen zu werden. Sobald Signor Giuntotardi die Schanze erreicht hatte, ließ er ſeinen Wunſch laut werden, und ein Bote wurde hinabgeſchickt, um zu hören, ob der Gefangene zwei Beſucher annehmen wolle; der Name des Oheims war allein genannt worden. Francesco Carraccioli, aus dem fürſtlichen Hauſe Carraccioli, oder wie er jetzt gewöhnlich genannt wurde, Fürſt Carraccioli, war ein faſt ſiebzigjähriger Greis: und als Glied einer der erlauchteſten Familien Unter⸗ italiens hatte man ihm ſchon ſeit langer Zeit die bedeu⸗ tendſten Stellen und Würden anvertraut. Bei ſeinem Vergehen— ſeinen Gründen— der unpaſſenden Be⸗ ſchleunigung ſeines Verhörs und ſeiner Hinrichtung— . und der Unregelmäßigkeit des ganzen Verfahrens brauchen wir hier nicht zu verweilen; all dies iſt Eigenthum der Geſchichte geworden und der Welt auf das genaueſte bekannt. An dem Morgen, von welchem wir ſprachen, war er ergriffen und an Bord des Foudroyant gebracht worden; in der Cajüte dieſes Schiffes hatte ein Gerichtshof, aus Neapolitanern beſtehend, ſich verſammelt; und hier war er in fürchtern in dem ſollte. De lichen5 Beichte Gleichg er glau ſeiner zu erbi ſtreckt 5,7 ſagte d ſich zun tadino überſeh gefunde von hit Minute ſchweige geblich, das Me hlshaber Nichte ede der das Ge⸗ s, was aſſen zu erreicht in Bote fangene Oheims Hauſe wurde, Greis: Unter⸗ bedeu⸗ ſeinem den Be⸗ tung— prauchen dum der bekannt. war er worden; of, aus hier war — 279— er in aller Eile zum Tode verurtheilt worden. Die fürchterliche Stunde war nahe, und er befand ſich bereits in dem Schiffe, auf welchem die Hinrichtung ſtattfinden ſollte. Der Bote Carlo Giuntotardi's fand dieſen unglück⸗ lichen Mann bei ſeinem Beichtvater, welcher ihn eben Beichte gehört hatte. Er vernahm die Bitte mit kalter Gleichgültigkeit, gewährte ſie aber augenblicklich, indem er glaubte, irgend ein Angehöriger ſeiner Familie oder ſeiner Beſitzungen ſei gekommen, um eine letzte Gunſt zu erbitten oder eine Handlung der Gerechtigkeit voll⸗ ſtreckt zu ſehen. „Bleibt hier, hochwürdiger Herr, ich bitte Euch,“ ſagte der Gefangene, als er bemerkte, daß der Geiſtliche ſich zum Weggehen anſchickte;„es wird irgend ein con- tadino oder ein Gewerbsmann ſein, deſſen Anſprüche überſehen worden ſind. Ich freue mich, daß er ſich ein⸗ gefunden hat, denn ich möchte mit keinem Unrecht belaſtet von hinnen gehen. Laßt ſie hereintreten, mein Freund Bei dieſen Worten wurde ein Zeichen mit der Klin⸗ gel gegeben, die Cajütenthüre öffnete ſich und Ghita trat im Geleite ihres Oheims ein. Die Pauſe, welche nun folgte, dauerte eine volle Minute, und während dieſer Zeit ſahen die Anweſenden ſchweigend einander an; der Gefangene bemühte ſich ver⸗ geblich, ſich der Züge ſeiner Beſucher zu erinnern, und das Mädchen zitterte vor Furcht und Schmerz. — 380— Jetzt ſchritt Ghita bis zu dem Gefangenen vor, kniete ſich nieder, beugte ihr Haupt, und ſagte: „Großvater— Euern Segen dem Kinde Eures einzigen Sohnes!“ „Großvater!— Sohn!— ſein Kind!“ wiederholte Don Francesco.„Ich hatte einen Sohn— zu meiner Schaam und Zerknirſchung bekenne ich es nun— aber er iſt ſeit langer Zeit todt. Ich wußte nicht, daß er ein Kind hinterlaſſen.“ „Sie iſt ſeine Tochter, Signore,“ ſagte Carlo Giun⸗ totardi;„ihre Mutter war meine Schweſter. Ihr habt uns für zu niedrig gehalten, um uns einer ſo erlauchten Verbindung werth zu achten; und wir haben nie gewünſcht, vor Euern Augen zu erſcheinen, bis wir glaubten, wir würden eine willkommene Aufnahme finden. „Und wie kommt es, daß du jetzt die Verwandt⸗ ſchaft mit einem verurtheilten Admiral in Anſpruch nimmſt, guter Mann?“ „Nein, Großvater,“ antwortete eine ſanfte Stimme zu ſeinen Füßen;„Eures Sohnes Tochter fleht ihren ſterbenden Verwandten um ſeinen Segen an. Dieſe Gunſt ſoll durch Gebete für Eure Seele vergolten werden.“ „Frommer Pater— dies habe ich nicht verdient. Dieſe zarte Pflanze lebte vergeſſen im Schatten, und nun hebt ſie ihr furchtſames Haupt, um in der Stunde des Todes ihren Duft darzubieten!— ich verdiene dies nicht!“ „Mein Sohn, wenn der Himmel keine Gnade böte, bis der hoffnun uns k verheire Sohn l „1 längſt b denn ich der jung Palaſte und übe Ich bea Bedürfn Gatten war mi gekomme Augenbli frommer „W ſagte Gl nach ſein ſolchen um uns Namen zu empfo aus Eue Eure Se en vor, Eures derholte meiner — aber 5er ein o Giun⸗ ihr habt lauchten vünſcht, en, wir rwandt⸗ Inſpruch Stimme ht ihren Dieſe eerden.“ erdient. und nun nde des nicht!“ de böte, — 381— bis der Menſch ſie verdient, ſo wäre ſein Loos wahrlich hoffnungslos. Aber wir dürfen in ſolchen Augenblicken uns keinen Täuſchungen hingeben. Du warſt nicht verheirathet, Don Francesco,— wie konnteſt du einen Sohn haben?“. „Unter vielen andern Sünden habe ich auch dieſe längſt bekannt und darf hoffen, daß ſie mir verziehen iſt, denn ich habe ſie bitter bereut. Ich hatte einen Sohn— der junge Mann führte ſogar, obgleich er nie in meinem Palaſte wohnte, meinen Namen, bis eine unbeſonnene und übereilte Heirath ihn aus meinen Augen verbannte. Ich beabſichtigte ſtets, ihm zu verzeihen und für ſeine Bedürfniſſe zu ſorgen; der Tod überkam aber beide Gatten zu früh, und es war keine Zeit mehr. So viel war mir bekannt; und es that mir weh, daß Alles ſo gekommen; von ſeinem Kinde aber habe ich vor dieſem Augenblicke niemals gehört. Es iſt ein liebliches Antlitz, frommer Pater,— es ſcheint der Sitz der Wahrheit zu ſein.“ „Warum ſollten wir Euch täuſchen, Großvater?“ ſagte Ghita und hob ihre Arme empor, als ſehne ſie ſich nach ſeiner Umarmung;„wie könnten wir Euch in einem ſolchen Augenblicke täuſchen? Wir kamen nicht hierher, um uns Ehren, Reichthümer oder Euern berühmten Namen zu erbitten! wir kommen nur, um Euern Segen zu empfangen und Euch wiſſen zu laſſen, daß ein Kind aus Euerm Geblüte auf Erden zurück bleibt, um für Eure Seele zu Gott zu beten.“ — 382— „Hochwürdiger Herr, hier iſt kein Betrug denkbar! — dieſes holde Kind gleicht ihrer armen Großmutter, und mein Herz ſagt mir, daß ſie meine Enkelin iſt. Ich weiß nicht, ob ich dieſe Entdeckung in dieſer Stunde für ein Glück oder für ein Unglück halten ſoll— denn ſie trifft das Ohr eines Sterbenden!“ „Großvater— Euern Segen! Segnet Ghita, damit ich den Ton des elterlichen Segens einmal höre!“ „Geſegnet ſeiſt du— geſegnet ſeiſt du— meine Tochter!“ rief der Admiral, beugte ſich über das wei⸗ nende Mädchen, ſegnete ſie, und hob ſie dann empor, um ſie zärtlich zu umarmen;„ſie muß mein Enkelkind ſein — ich fühle es, ſie muß mein Enkelkind ſein.“ „Eccellenza,“ ſagte Carlo,„ſie iſt die Tochter Eures Sohnes, Don Francesco, und meiner Schweſter, Ghita Giuntotardi, ein Sprößling rechtmäßiger Ehe. Ich möchte Niemanden täuſchen, am wenigſten einen Sterbenden.“ „Ich habe keine Beſitzungen zu vermachen— keine Ehren zu vergeben— keinen Namen zu hinterlaſſen, deſſen man ſich rühmen kann. Der Sprößling eines Lazzaroni iſt beſſer daran, als jetzt ein Kind des Fran⸗ cesco Carraccioli.“ „Großvater— daran denken wir nicht— darum grämen wir uns nicht. Ich bin nur gekommen, Euch um den Segen zu bitten, welchen Ihr mir gegeben habt, und Euch die Gebete gläubiger Chriſten darzubieten, ſo arm wir auch ſind. Mehr als dies wollen wir nicht— wünſche muth Reichth behren C 77 Hauptg Heirath der Fa dieſe g leben lo meiner geltend ſchen ur 220 Ghita e alten N Euch ve in Zor Gold— „ ließ ſeit Platz n nicht m belegt- Stunde ſein. S nicht hit denkbar! zmutter, elin iſt. Stunde — denn a, damit 144 — meine das wei⸗ por, um Eind ſein er Eures r, Ghita ch möchte benden.“ — keine terlaſſen, ng eines ſes Fran⸗ — darum en, Euch ben habt, ieten, ſo nicht— 383— wünſchen wir nicht— ſuchen wir nicht, An unſere Ar⸗ muth ſind wir gewöhnt und grämen uns deßhhalb nicht. Reichthum würde uns nur Sorgen machen, und wir ent⸗ behren ihn gern.“ „Ich erinnere mich, hochwürdiger Herr, daß ein Hauptgrund meiner Unzufriedenheit mit meines Sohnes Heirath der war, daß ich Mißtrauen in die Beweggründe der Familie ſeiner Gattin ſetzte; und doch haben mich dieſe guten Leute in meinem Glücksſtande unbeläſtigt leben laſſen, während ſie jetzt in meinem Unglücke und in meiner Erniedrigung ihre Anſprüche an Verwandtſchaft geltend machen! Ich bin nicht gewöhnt geweſen, Wün⸗ ſchen und Herzen, wie dieſen, zu begegnen.“ 2 „Ihr habt uns nicht gekannt, Großvater,“ ſagte Ghita einfach und barg faſt ihr Antlitz an der Bruſt des alten Mannes.—„Lange haben wir für Euch gebetet— Euch verehrt— Eurer gedacht als des Verwandten, der in Zorn ſein Antlitz von uns gewendet— aber Euer Gold— Eure Ehren haben wir nie gewünſcht.“ „Gold und Ehren!“ wiederholte der Admiral und ließ ſeine Enkelin freundlich auf einem Stuhle neben ſich Platz nehmen,—„dies ſind Dinge, welche für mich nicht mehr da ſind. Meine Beſitzungen ſind mit Beſchlag belegt— mein Name iſt geſchändet— und nach einer Stunde werde ich eines ſchmachvollen Todes geſtorben ſein. Selbſtſüchtige Abſichten können dieſe ehrlichen Leute nicht hierher geführt haben, frommer Pater, um in einem tend zu machen.“ „Ihr habt dies der Güte Gottes zu danken, mein Sohn. Indem er Euch den Troſt kindlicher Liebe fühlen läßt und in Eurer Bruſt den Funken väterlicher Zärtlich⸗ 384 Augenblick wie dieſer, die Verwandtſchaft mit mir gel⸗ keit weckt, gibt er dem Irrenden aber Reuevollen einen Vorgeſchmack von ſeiner eigenen Liebe und Barmherzig⸗ keit. Erkennet ſeine Güte in der Tiefe Eurer Seele; dies mag Euch in Euren letzten Augenblicken Segen bringen.“ „Frommer Vater,— ich hoffe es.— Aber was ſoll dies?“ Don Francesco nahm ein Blatt aus der Hand eines Dieners und überlas es eifrig; denn die Welt und ihre Gefühle hatten in ſeinem Herzen zu tief Wurzel ge⸗ ſchlagen, als daß ſie in einem Augenblicke hätten heraus⸗ In der That waren ſeine Ver⸗ geriſſen werden können. haftung, ſein Verhör und ſeine Verurtheilung ſo raſch gekommen, daß man nicht überraſcht ſein darf, wenn der Geiſtliche ſelbſt in einer Stunde wie dieſe, ſeinen Geiſt getheilt fand. Er ſenkte ſein Haupt und bedeckte ſeine Augen mit der Hand, als wollte er eine ihm nicht ziemende Schwäche verbergen. „Sie haben meine Bitte abgeſchlagen, frommer Vater,“ ſagte er,—„und ich muß ſterben, wie ein Betrüger.“ zwei 7 der T es gr tet h. ein L 2 dieſes ihrer und fühlen Leben dieſen einem die W deſt, Den ich, verach ſtunde Gotte Fürſt gültig Gedaꝛ 184 mir gel⸗ n, mein e fühlen Zärtlich⸗ n einen mherzig⸗ Seele; Segen der was ad eines und ihre rzel ge⸗ heraus⸗ ne Ver⸗ ſo raſch „, wenn ſeinen gen mit chwäche rommer wie ein „Der Sohn Gottes litt an dem Kreuze, zwiſchen zwei Dieben aufgehängt.“ „Ich glaube, es iſt weit weniger an dieſer Anſicht der Dinge, als wir gewöhnt ſind anzunehmen; doch iſt es grauſam für den Mann, der ſo hohe Aemter beglei⸗ tet hat— für einen Fürſten— einen Carraccioli, wie ein Lazzarone zu ſterben.“ „Großvater!“ „Was ſagſt du, Kind! Ich wundere mich nicht, daß dieſes unwürdige Benehmen dich mit Schauder erfüllt.“ „Es iſt nicht das, Großvater,“ ſagte Ghita, ſich ihrer Zweifel entſchlagend und mit glühenden Wangen und einem Antlitze aufblickend, das von frommen Ge⸗ fühlen ſtrahlte.—„Oh, es iſt nicht das. Wenn mein Leben das deinige retten könnte, würde ich es gern zu dieſem Zwecke hingeben— aber nimm— o nimm in einem ſo ſchrecklichen Augenblicke nicht den Schatten für die Weſenheit. Was liegt daran, wie du den Tod fin⸗ deſt, wenn er dir die Thore des Himmels aufſchließt? Den Schmerz kannſt du gewiß nicht fürchten— ſelbſt ich, ein ſchwaches, gebrechliches Mädchen, würde dies verachten; welche andere Ehre kann es in der Todes⸗ ſtunde geben, als die, der Gnade und Barmherzigkeit Gottes würdig zu ſein?— Carraccioli oder Lazzerone— Fürſt oder Bettler— nach zwei Stunden iſt dies gleich⸗ gültig. O laßt mich Euch ehrfurchtsvoll bitten, Eure Gedanken ſo zu demüthigen, wie jeder Sündige thun ſoll.“ 184—186. 25 — 386— „Du nennſt dich meine Enkelin, Ghita— die Toch⸗ ter meines Sohnes Francesco?“ „Signore, ich bin's,— alle ſagen mir's— mein Herz ſagt es mir— und ich glaub' es.“ „und du hältſt dieſe Anſichten in dieſem feierlichen Augenblicke für unwürdig— für ungeziemend, wenn dir dies beſſer gefällt— und die Redensart erſcheint dir als etwas Gleichgültiges— ſelbſt für einen Kriegsmann?“ „Ja, wenn er ſie mit ſeinen Hoffnungen in dem Jenſeits vergleicht— wenn er ſein eigenes Unverdienſt und die Verdienſte ſeines Erlöſers in das Auge faßt.“ „Und willſt du, die eben auf die Bühne des Lebens tritt, mit der Welt und Allem, was ihre Zukunft dir bieten kann— willſt du mich auf das Blutgerüſt beglei⸗ ten— es die höhnende Menge wiſſen laſſen, daß du dein Leben von dem Verbrecher ableiteſt, und dich nicht ſchämen, ihn als deinen Großvater anzuerkennen?“ „Ich werde es, Großvater; dies zu thun kam ich hierher,“ antwortete Ghita feſt.—„Verlange aber nicht, daß ich deine Leiden mit anſehe! Alles, was ich thun kann, um dein Unglück— wenn es Unglück iſt— zu mindern, indem ich es theile, will ich freudig thun, aber ich fürchte mich, dich leiden zu ſehen.“ „und dies willſt du für Jemand thun, den du vor dieſer Stunde nie geſehen— den du als gerecht gegen dich zu betrachten kaum gelehrt worden ſein kannſt?“ „Wenn ich dich auch nie vorher geſehen habe, Groß⸗ vater, für die dieſes lehrt, lebt nie ich mie iſt mir nahe z Seele „ Stunde mich h indem ſpät iſ ein ſor Nimm trug es nigen; lichen dieſes nicht d und de dich, n gekann Werth armen für de je Toch⸗ — mein jerlichen , wenn eint dir nann?“ in dem derdienſt faßt.“ Lebens unft dir t beglei⸗ daß du ich nicht 2“ kam ich er nicht, ich thun ſt— zu un, aber du vor zt gegen ſt?“ „Groß⸗ — 387— vater, ſo habe ich dich doch von Kindheit auf geliebt und für dich gebetet. Mein trefflicher Oheim hat mir frühe dieſes Pflichtgefühl eingeprägt; nie aber hat er mich ge⸗ lehrt, dich oder irgend Jemand zu haſſen. Mein Vater lebt nicht mehr; und was er dir heute ſein würde, will ich mich bemühen, dir ſtatt ſeiner zu werden. Die Welt iſt mir nichts, und es wird dich tröſten, dir Jemand nahe zu wiſſen, deſſen Herz um dich weint und deſſen Seele überſtrömen wird von Gebeten für dein ewiges Heil.“ „Und dieſes Weſen, frommer Vater, muß ich eine Stunde vor meinem Tode kennen lernen! Gott ſtraft mich hinreichend für das Unrecht, das ich ihr angethan, indem er mich ihren Werth jetzt kennen lehrt, wo es zu ſpät iſt, ihn zu nützen. Nein, Ghita, edles Kind— ein ſolches Opfer werde ich von dir nicht verlangen. Nimm dieſes Kreuz— es gehörte meiner Mutter; ſie trug es auf ihrer Bruſt und lange ruhte es auf der mei⸗ nigen; behalte es als ein Andenken an deinen unglück⸗ lichen Großvater und bete für mich. Nun aber verlaſſe dieſes unſelige Schiff und laß dir dein zartes Gefühl nicht durch eine Scene verdüſtern, die für dein Geſchlecht und deine Jahre nicht paßt. Ich ſegne dich— ich ſegne dich, mein Kind!— Wollte Gott, ich hätte dich früher gekannt; aber ſelbſt dieſe kurze Bekanntſchaft mit deinem Werthe hat mein Herz erleichtert. Du findeſt einen armen Verurtheilten in mir, der nicht im Stande iſt, für deine künftigen Bedürfniſſe Sorge zu tragen; doch 25* — 388— ja,— eine Kleinigkeit kann ich für dich thun. Dieſer Sack enthält Gold. Es iſt mir von einem Verwandten geſchickt worden, welcher glaubte, ich könnte durch Gold die Strafe von mir abwenden, welche mich erwartet; zu dieſem Zwecke iſt es mir jetzt nutzlos; bei deiner ein⸗ fachen Erziehung kann es jedoch dir ein behagliches, ſor⸗ genfreies Leben ſichern.“ Ghita's Auge ſchwamm in Thränen; entſchloſſen wendete ſie ſich vom Golde ab, aber das Kreuz drückte ſie an ihre Bruſt, und küßte es wiederholt auf das Innigſte. „Nichts von jenem— nichts von jenem, Groß⸗ vater,“ ſagte ſie;„ich brauch' es nicht— ich wünſche es nicht. Dies iſt genug— und dies will ich bewahren bis zu meiner letzten Stunde. Auch das Schiff will ich verlaſſen, aber nicht dieſen Theil des Golfs. Ich ſehe, daß ſich viele Boote in der Nähe ſammeln, und das meinige ſoll ſich ihnen anſchließen; meine Gebete ſollen für dich zu Gott aufſteigen, ſo lange du noch am Leben biſt, und täglich, wenn du hinübergegangen. Es bedarf keines Goldes, Großvater, um die Gebete einer Tochter zu erkaufen.“ Don Francesco blickte auf das eifrige, holde Mäd⸗ chen mit tiefem Gefühle, dann drückte er ſie noch ein⸗ mal an ſeine Bruſt, und ſprach wiederholt ſeinen Segen laut über ſie aus. In dieſem Augenblicke ſchlug die Glocke des Fou⸗ droyat ringsu Anſchl C wohl, Stund Er fü laſſen, vater 0) und ao kam i er ſich ſeit la auf ge T Obglei Offizie den w ſtattge Publil dies a gends bei we ſer Se ſönlich Gerech Dieſer wandten ſch Gold rtet; zu ner ein⸗ es, ſor⸗ ſchloſſen drückte auf das Groß⸗ wünſche ewahren will ich ſch ſehe, ind das te ſollen n Lehen 3 bedarf Tochter de Mäd⸗ koch ein⸗ Segen es Fou⸗ — 389— droyant einmal an, und dann wiederholten alle Schiffe ringsum, die engliſchen wie die neapolitaniſchen, den Anſchlag. Carraccioli, der ſelbſt ein Seemann war, wußte wohl, daß dies bedeute, es ſei nun halb fünf; die fünfte Stunde aber war zu ſeiner Hinrichtung feſtgeſetzt worden. Er fühlte, wie nothwendig es ſei, ſeine Enkelin zu ent⸗ laſſen, um einige Augenblicke allein mit ſeinem Beicht⸗ vater verbringen zu können. Die Abſchiedsſcene war feierlich und zärtlich zumal, und als ſich die Cajütenthüre hinter Ghita ſchloß, über⸗ kam den verurtheilten Großvater ein Gefühl, als habe er ſich für immer von einem Weſen getrennt, das er ſeit lange geliebt, und deſſen Tugenden ihn von Kindheit auf getröſtet und erhoben. Das Deck der Minerva bot eine klägliche Scene dar. Obgleich der Gefangene durch ein aus neapolitaniſchen Offizieren zuſammengeſetztes Kriegsgericht verurtheilt wor⸗ den war, hatte das Verhör unter der engliſchen Flagge ſtattgefunden, und der Gefangene hatte die Gefühle des Publikums auf ſeiner Seite. Die Eile, in welcher all dies abgemacht worden, war nicht nothwendig; denn nir⸗ gends war eine dringliche Gefahr; und ein Beiſpiel würde bei weitem eindringlicher geworden ſein, hätte ſich in die⸗ ſer Sache weniger der Anſchein eines Strebens nach per⸗ ſönlicher Rache, und mehr die ruhige Ueberlegung der Gerechtigkeit geltend gemacht. — 390— Ghita’s Verbindung mit dem Gefangenen konnte man natürlich nicht einmal vermuthen; da es aber be⸗ kannt wurde, daß ſie in der Cajüte geweſen, und da man glaubte, ſie nehme an dem Verurtheilten Intereſſe, zeigten die Offiziere ſich gegen ihre Wünſche und zu offen⸗ kundige Erregung theilnehmend. Eine Menge Boote drängten ſich um das Schiff; denn ſo ſehr man ſich auch in dem Verfahren beeilt hatte, verbreitete ſich doch die Nachricht, Francesco Carraccioli ſolle wegen Hochverraths gehängt werden, mit reißender Schnelligkeit, und alle Fahrzeuge auf dem Molo, welche ſich einigermaßen dazu eigneten, wurden in Anſpruch genommen, ſo begierig war jeder, Zeuge deſſen zu ſein, was kommen würde. Der Bootsmann, welcher Ghita und ihren Oheim herausgebracht hatte, war entweder von dem Schiffe weg⸗ gedrängt worden, oder er hatte, in der Ausſicht größern Verdienſtes, ſeinen Platz verlaſſen; ex war nirgends zu ſehen, und Carlo Giuntotardi ſah kein Mittel, das Schiff zu verlaſſen. „Hier iſt ein Boot, ganz nahe an der Fallreepstreppe,“ ſagte der Offizier des Decks, welcher ſich zu Gunſten eines ſo anziehenden Mädchens geſtimmt fühlte;„der Mann, welcher darin iſt, rudert Euch für wenige Grani an das Land.“ Der Burſch in dem Boote gehörte der Klaſſe der Lazzaroni an; er trug ein reinliches Baumwollenhemd, eine phrygiſche Mütze und baumwollene Beinkleider, welche bis zu und 2 Kraft, Seine Weiſe Paar der M C auf de kleiner lich, empor heitstt So be Jolle dere Boots zuriefe wir m Nichte „Rud Freun einen feierli bemer konnte aber be⸗ und da ntereſſe, u offen⸗ Boote ich auch doch die verraths und alle en dazu begierig bürde. Oheim ffe weg⸗ größern ends zu ss Schiff treppe,“ Gunſten 2,„der e Grani aſſe der lenhemd, r, welche — 391— bis zu den Knien reichten, und ſeine kräftigen Arme und Beine— Modelle für den Bildhauer in Bezug auf Kraft, Schönheit und Ebenmaaß— ganz bloß ließen. Seine Fußbekleidung allein wich von der gewöhnlichen Weiſe der Lazzaroni ab, denn dieſe ſteckten in einem Paar niedlicher Tuchſchuhe, die einigermaßen in der Art der Mocaſſins der amerikaniſchen Indianer verziert waren. Carſo machte ſich dieſem Manne, deſſen Auge eifrig auf der Fallreepstreppe der Fregatte ruhte, um ſich einen kleinen Verdienſt, wie es ſchien, zu verſchaffen, bemerk⸗ lich, und hob ein kleines Silberſtück mit den Fingern empor; im Nu war das leichte Boot an der Gelegen⸗ heitstreppe, an welcher Ghita und Carlo herabſtiegen. So bald ſie ihren Sitz genommen hatten, ſchoß die kleine Jolle von der Seite des Schiffes ab, obgleich einige an⸗ dere Perſonen, welche gleichfalls von ihren habſüchtigen Bootsleuten wegen höhern Lohnes verlaſſen worden, ihm zuriefen, er möge auch ſie einnehmen. „Wir thun am Beſten, allein zu fahren, obgleich wir mehr zu zahlen haben,“ ſagte Carlo ruhig zu ſeiner Nichte, als er den Ruf der Zurückbleibenden hörte. „Rudere uns eine kleine Strecke von dem Schiffe ab, Freund— dahin, wo weniger Boote ſind, und du ſollſt einen guten Lohn bekommen. Wir fühlen an dieſem feierlichen Schauſpiele Intereſſe, und wünſchten nicht bemerkt zu werden.“ „Ich weiß dies wohl, Signor Carlo,“ antwortete 39² der Bootsmann,„und werde ſorgen, daß Ihr nicht er w beläſtigt werdet.“ Bewe Ghita ſtieß einen ſchwachen Ruf aus, und ſah, indem ſie emporblickte, zuerſt, daß der geglaubte Lazzarone nie⸗ fürcht mand anders als Raoul Yvard war. Da ihr Oheim, von wie gewöhnlich, zu abgezogen war, um ſeine Verkleidung ten; zu entdecken, gab er ihr einen Wink, ſich zu faſſen, und entde ruderte fort, als wäre nichts geſchehen.- „Sei ruhig, Ghita, ſagte Carlo,„die Zeit iſt noch nicht gekommen; wir haben noch zwanzig volle Minuten, jetzt um unſere Ave's zu beten.“ Caſte 1. „ Ghita war jedoch nichts weniger als ruhig. Sie die F fühlte, welchen Gefahren ſich der junge Mann jetzt preis Schif gab, und ſie fühlte, daß er nur ihretwegen ſich ihnen gewöl bloßſtellte. Seine Anweſenheit ſtörte ſelbſt das feierliche nicht Gefühl dieſer Stunde und dieſer Gelegenheit, und ſie Muth wünſchte ihn aus mehr als einem Grunde weit weg. um. Aber er war nun einmal hier und mitten unter Feinden; nun! und es wäre für ein Mädchen von ihren Jahren und F vor Allem von ihren Gefühlen unnatürlich geweſen, ſich Boot den Regungen zärtlicher Dankbarkeit gegen einen Mann ſchaue zu entſchlagen, welcher, ſo zu ſagen, ſein Haupt in den Klaſſe Rachen des Löwen geſteckt hatte, um ihr einen Dienſt 4 zu erzeigen. gatte Zwiſchen Raoul und Ghita herrſchte kein Geheim⸗ war 1 niß in Bezug auf ihr Verhältniß zu dem Admiral; begab r nicht indem dne nie⸗ Oheim, lleidung en, und iſt noch rinuten, g. Sie zt preis ch ihnen feierliche und ſie eit weg. Feinden; ren und en, ſich Mann in den Dienſt Geheim⸗ Admiral; er wußte, warum ſeine Geliebte hier war, und welcher Beweggrund ſie hierher geführt hatte. Ghita warf ſchüchtern ihre Blicke ringsum; denn ſie fürchtete, auch der Logger möchte ſich in dies Gedränge von Schiffen gewagt haben, welche den Ankerplatz beſetz⸗ ten; Raoul war aber zu vorſichtig, und nichts war zu entdecken, das ſeinem kleinen Fahrzeuge geglichen hätte. Wir haben bereits angedeutet, daß viele Kriegsſchiffe — engliſche, ruſſiſche, türkiſche und neapolitaniſche— jetzt in dem Golfe lagen. Die Franzoſen hielten das Caſtel St. Elmo oder die Citadelle noch beſetzt, welche die Höhen krönt, die ihrerſeits die Stadt krönen; die Schiffe lagen daher nicht ſo nahe an dem Molo, wie gewöhnlich; aber ſie waren doch nicht ſo fern, daß nicht alle Müßigen und Neugierigen Neapels, welche den Muth und die Mittel hatten, heraus gerudert wären, um Zeuge des traurigen Schauſpiels zu werden, das nun beginnen ſollte. Da der Augenblick näher und näher kam, eilten Boot um Boot heran, bis die Minerva ganz von Zu⸗ ſchauern umgeben war, von denen viele zu den höhern Klaſſen der Geſellſchaft gehörten. Die Entfernung zwiſchen der neapolitaniſchen Fre⸗ gatte und dem Schiffe des engliſchen Contre⸗Admirals war nicht groß; und Alles, was ſich an Bord der erſtern begab, und was nicht durch die Seiten und Bollwerke — 394— des Schiffes ſelbſt gedeckt war, konnte von den Decken des letztern leicht geſehen werden. Dennoch lag der Fou⸗ droyant ein wenig außerhalb des Kreiſes der Boote, und nach dieſer Richtung hatte Raoul den Kahn gelenkt, um das Gedränge zu vermeiden, und ließ ſeine Ruder ruhen, als er auf ein Drittheil Kabellänge von dem Spiegel des britiſchen Admirals hielt. Hier war er entſchloſſen, das Signal und deſſen verhängnißvolle Folgen zu erwarten. Ghita verbrachte die kurze Pauſe damit, daß ſie ihren Roſenkranz betete, während Carlo ſich mit inbrün⸗ ſtigem Eifer ihrer Andacht anſchloß. Es iſt kaum nöthig zu bemerken, daß Raoul all dies ohne Glauben mit anſah, obgleich man ſeinem Herzen, ſo wie ſeiner Liebe für Ghita Unrecht thun würde, wenn man behauptete, er habe ohne Mitgefühl zugeſehen. Ein feierliches, erwartungsvolles Schweigen herrſchte auf all' den Schiffen umher. Der Nachmittag war ruhig und ſchwül, und ſelbſt der Zephyr wollte eine ſo kläg⸗ liche Scene nicht durch ſein Flüſtern ſtören. An Bord der Minerva gewahrte man kein Zeichen des Lebens— kaum des Todes, aber ein einzelnes Tau war an dem Fockraa⸗Arm ſichtbar, deſſen eines Ende bordeinwärts genommen war, während das andere die Raa entlang lief, durch einen Leitblock in den Theil zwiſchen dem Durchmeſſer und den Stock ging und auf das Deck her⸗ abhing. Auf zwei Kanonen zwiſchen dieſer ſprechenden, aber einfachen Vorrichtung war ein Gerüſt errichtet; da es nirgen 8 tes A ihres Oheir welche 4 verga mende ſchiede men ſpiel! es ſich C Mann Bewei als m ſolchen ſich ze dieſer Schiff Tauſe ſchwär ( hörte yant i Decken er Fou⸗ te, und t, um ruhen, gel des n, das arten. daß ſie inbrün⸗ nöthig t anſah, ebe für tete, er herrſchte ar ruhig ſo kläg⸗ in Bord bens— an dem inwärts entlang en dem deck her⸗ chenden, rrichtet; — 395— da es aber bordeinwärts war, konnte man es natürlich nirgends, als von dem Deck der Minerva aus ſehen. Raoul kannte dieſe Vorbereitungen, und ſein geüb⸗ tes Auge ſah das erwähnte Seil, welches Ghita ſo bald ihres Großvaters berauben ſollte; dieſer aber und ihrem Oheim entging es in der verwickelten Takelage, von welcher es umgeben war.. In dieſer feierlichen Stille mochten zehn Minuten vergangen ſein, während welchen die Menge der ankom⸗ menden Boote ſtets wuchs. Die Mannſchaften der ver⸗ ſchiedenen Schiffe hatten unterdeſſen ſolche Plätze einneh⸗ men dürfen, welche ſie in den Stand ſetzten, ein Schau⸗ ſpiel mit anſehen zu können, von dem man hoffte, daß es ſich als ein warnendes ergeben würde. Es gehört zu der Etikette der Kriegsſchiffe, die Mannſchaft unter Deck zu halten; denn es gilt als ein Beweis guter Ordnung in einem Schiffe, ſo wenig Leute als möglich ſichtbar werden zu laſſen, es wäre denn bei ſolchen Gelegenheiten, wo der Dienſt es fordert, daß ſie ſich zeigen. Dieſes ſtrenge Geſetz ließ man jedoch bei dieſer Gelegenheit aus den Augen, und die Maſſe von Schiffen, welche um die Minerva lagen, ließen ihre Tauſende ſchauen, die wie Bienen um ihre Körbe ſchwärmten. Inmitten ſolcher Zeichen geſpannter Erwartung hörte man die Bootsmannsflöte an Bord des Foudro⸗ yant die Seite aufrufen, und vier Seitenjungen erſchie⸗ — 396— nen an der großen Fallreepstreppe— eine Auszeichnung, welche keinem Offizier unter Capitainsrang erwieſen wird. Raoul's Boot war kaum fünfzig Schritte von eben dieſer Fallreepstreppe, und in bloßer Neugierde wendete er den Kopf, um zu ſehen, wer wohl in den Gig ſtei⸗ gen würde, der an dem Fuß der hohen Treppe lag. Zuerſt kam ein Offizier mit zwei Epauletten, ihm folg⸗ ten zwei Civiliſten und ein Seelieutenant; ſie ſtiegen hintereinander die Treppe herab und traten in das Boot. Im nächſten Augenblicke fielen die Ruder, das Gig wir⸗ belte rund um den Spiegel des Foudroyant und kam ſprühend gegen die Jolle des jungen Mannes heran. Vier bis fünf ſtarke Züge von Händen, die einem Kriegs⸗ ſchiffe angehörten, reichten vollkommmen hin, das lange, ſchmale Boot ſo weit abzuführen, als man wollte, und als die Leute aufhörten zu rudern und das kleine Boot aus der Fahrt kam, ſtand es nur zehn Fuß von der Jolle, welche unſere Geſellſchaft inne batte. Jetzt entdeckte Raoul zu ſeinem Erſtaunen, daß die beiden Civiliſten niemand anders waren, als Andrea Barrofaldi und Vito Viti, welche Cuffe und Griffin, die bei ihnen in dem Gig waren, auf einem Kreuzzug begleitet hatten, deſſen Zweck ausdrücklich war, ihn und ſein Schiff zu kapern. Ein Anderer würde ſich unbehaglich gefühlt haben, ſich in ſo unmittelbarer Nähe ſeiner Feinde zu ſehen; der Umſtand machte jedoch Raoul eher Vergnügen, als daß Verkl zu ve Faſſut länder ſehen wohl, Umſta verein ſein giſche trug, 9 und i des K geſenk 5' merkte anfing damit er wa angeht einer iſt und dies i welche Nelſor chnung, n wird. on eben wendete Gig ſtei⸗ ppe lag. jm folg⸗ ſtiegen as Boot. Big wir⸗ nd kam heran. Kriegs⸗ s lange, tte, und ne Boot von der daß die Andrea Griffin, Kreuzzug ihn und t haben, u ſehen; gen, als — 397— daß er ihn beunruhigt hätte. Er verließ ſich auf ſeine Verkleidung; auch war er mit Begebniſſen dieſer Art viel zu vertraut, als daß er ſeine Selbſtbeherrſchung und Faſſung nicht hätte behalten ſollen. Von den beiden Eng⸗ ländern wußte er natürlich nichts; da er aber nicht über⸗ ſehen hatte, daß die Proſerpina im Golfe lag, ahnte er wohl, wer die Offiziere ſein müßten, und dachte ſich die Umſtände, welche Leute, die ſo wenig zuſammen paßten, vereinigt haben könnten. Er hatte nichts gethan, um ſein Geſicht unkenntlich zu machen, und die rothe phry⸗ giſche Mütze, welche er, gleich Tauſenden in dem Golfe, trug, ließ jeden Zug und jede Linie erkennen. Nicht ſo bei Ghita. Die beiden Elbaner kannten ſie und ihren Oheim weit genauer, als den Befehlshaber des Kapers; aber Beide hatten das Haupt im Gebete tief geſenkt. Mir gefällt dieſe Geſchichte nur halb, Griffin,“ be⸗ merkte der Capitain, als das Gig die Fahrt zu verlieren anfing,„und wünſche von Herzen, wir hätten nichts damit zu thun. Ich habe den alten Carraccioli gekannt; er war ein ganz guter Mann; und was den Verrath angeht, ſo iſt es nicht leicht, in ſolchen Zeiten und bei einer ſolchen Nation genau zu ſagen, wer ein Verräther iſt und wer nicht.— Ha, ich glaube, bei meiner Seele, dies iſt der alte Mann und daſſelbe ſchöne Mädchen, welche vor einer halben Stunde wegen dieſer Hinrichtung Nelſon beſucht haben.“ „Was könnten ſie mit dem Fürſten Carraccioli oder ſeinem Verrathe zu ſchaffen haben, Herr?— Der alte Burſch ſieht wie ein Stubenhocker aus; aber er iſt kein Geiſtlicher; und was das Mädchen betrifft, ſo iſt ſie niedlich genug gebaut und aufgetakelt. Ich glaube jedoch, mit ihrem Geſichte ſteht es nicht ſo gut, ſie würde ſich ſonſt nicht ſo bemühen, es zu verbergen.“ Raoul brummte ein„sacr-r-re!“ zwiſchen den Zähnen; es gelang ihm aber, jeden äußerlichen Ausdruck des Gefühles zu unterdrücken. Cuffe aber ſah keinen andern Beweggrund zu einer ungewöhnlichen Zurückhal⸗ tung, als die Anweſenheit ſeiner Ruderer; dieſen gegen⸗ über war er jedoch gewöhnt, ſich unverhaltener zu äußern, als er dies vor ſeinen übrigen Leuten that. „Wenn ſie Die iſt, welche wir in der Cajüte geſehen haben,“ verſetzte er,„dann bedarf es wahrlich keines Schleiers; denn ein ſchöneres und beſcheidener ausſehen⸗ des Geſicht iſt mir nicht oft vorgekommen. Was ſie eigent⸗ lich dort wollte, iſt mehr, als ich zu ſagen vermag; denn ſte ſprach nur italieniſch, und„Mylady“ behielt den Beſuch ziemlich für ſich allein. Aber ihr hübſches Ausſehen ſcheint dieſen alten Junggeſellen, den Friedensrichter, ganz bezau⸗ bert zu haben, und er blickt ſie an, als ſei er geneigt, ſein Herz der Schönheit zu erſchließen. Fragt ihn doch auch auf italieniſch, Griffin, auf was ſeine Augen ſo ungeſtüm antreiben?“ „Signor Podeſta, Ihr ſcheint etwas entdeckt zu haben Griffi 9 barn, andere wie ei ſchwan plötzlic 77 bemer träger die eit 77 verſchn Logger V jetzt al ein gat ſeiner Viellei ben Au Miner hängt, E von vie pel lag Linienſ li oder eer alte iſt kein iſt ſie jedoch, de ſich en den usdruck keinen rückhal⸗ gegen⸗ außern, geſehen keines sſehen⸗ eigent⸗ z denn Beſuch ſcheint z bezau⸗ geneigt, hn doch ugen ſo deckt zu — 399— haben, das Euch mehr anzieht, als die Minerva,“ bemerkte Griffin halbleiſe;„ich hoffe nicht, daß es die Venus iſt?“ „Cospetto!“ brummte Vito Viti, ſtieß ſeinen Nach⸗ barn, den Vice⸗Statthalter, an, und deutete auf das andere Boot:„wenn dies nicht die kleine Ghita iſt, die wie ein Komet auf unſere Inſel kam, und von ihr ver⸗ ſchwand, wie— Womit ſoll ich ihr außerordentliches, plötzliches Verſchwinden vergleichen, Signor Andrea?“ „Mit dem des Feu-Follet oder des Ving-y-Ving,? bemerkte Griffin, welcher jetzt, da er die beiden Würden⸗ träger auf dem Waſſer hatte, keinen jener Scherze ſparte, die einem See⸗Offizier ſo natürlich und leicht kommen; —„das Irrlicht ging auch außerordentlich aus und verſchwand,— und vielleicht gingen das Mädchen und der Logger mit einander aus.“ Vito Viti murmelte eine Antwort; denn er hatte jetzt allmählich entdeckt, daß er an Bord der Proſerpina ein ganz anderer Mann war, als der Andere ihn auf ſeiner heimiſchen Inſel, wie es ſchien, hatte gelten laſſen. Vielleicht hätte er ſich laut ausgedrückt; aber in demſel⸗ ben Augenblicke ſtieg eine Rauchſäule an der Seite der Minerva auf,— eine gelbe Flagge wurde oben ausge⸗ hängt,— und dann donnerte die Signal⸗Kanone. Es iſt bemerkt worden, daß zu jener Zeit Schiffe von vier verſchiedenen Nationen in der Bucht von Nea⸗ pel lagen. Nelſon war kurze Zeit vorher mit ſiebzehn Linienſchiffen herein gekommen, und hatte noch mehrere — 400— engliſche Schiffe hier vor Anker gefunden. Die große Flotte war zuſammen gezogen worden, um einen gedrohten Angriff auf die Inſel Minorca abzuwehren, und ſie hatte Befehl, ſich nicht zu trennen, da man über die künftigen Bewegungen des Feindes nicht gewiß war. Eine ruſſiſche Flotte war aus dem Schwarzen Meere gekommen, und hatte ein Geſchwader des türkiſchen Kaiſers mitgebracht, um gegen die Franzoſen zu kämpfen; und ſo bot ſich der Welt das ſeltſame Schauſpiel dar, daß Anhänger Luther's, Bekenner der griechiſchen Kirche und Jünger Mahomed's ſich zur Vertheidigung„unſerer Rechte, unſe⸗ rer Heimath und unſerer Altäre“ vereinigten! Zu dieſen Schiffen muß man noch ein kleines Geſchwader von inlän⸗ diſchen Schiffen hinzufügen, wodurch ſich eine Flotte von vier verſchiedenen Flaggen bildete, welche dies klägliche Schauſpiel, das wir jetzt erzählen wollen, mit anſahen. Die gelbe Flagge und der Signalſchuß brachte auf ſämmtlichen Schiffen Alles, was Dienſt hieß, zum Still⸗ ſtand. Der heiſere Commandoruf verſtummte,— die Bootsmänner und ihre Maate legten die Flöten bei Seite, und die Kadetten, welche die Rolle des Echos ſpielten, hatten keine Befehle mehr zu wiederholen. Die Matroſen ſammelten ſich auf den Seiten ihrer Schiffe; überall glänzten erwartungsvolle Augen. Die Spiere glichen Schwärmen von Bienen, die ſich an die Aeſte eines Wal⸗ des angehängt, und die Klüshölzer, Hackeborde, Leuf⸗ planken und Fußſtöcke der Takelage wimmelten von Solche letten den be⸗ zeigen dienten Grolle Krieger Neapol dem DT wenden des W war zu und G dener f unabwe tiefgew unterdr zeugung man de unterla mußte, lichem den Ta zeigten ſahen? 184- ße Flotte edrohten ſie hatte ünftigen ruſſiſche en, und gebracht, bot ſich Inhänger Jünger te, unſe⸗ u dieſen 8n inlän⸗ otte von klägliche ſahen. chte auf n Still⸗ — die i Seite, ſpielten, Natroſen überall glichen es Wal⸗ 7 Leuf⸗ en von — 401— Solchen, deren funkelnde Knöpfe, glänzende Hüte, Epau⸗ letten und dunkelblaue Kleider andeuteten, daß ſie zu den bevorrechteten Klaſſen eines Schiffes gehörten. Trotz all dieſer Neugierde war auf keinem Antlitze etwas von dem Gefühle zu gewahren, das ſich da zu zeigen pflegt, wo es ſich von der Verhängung einer ver⸗ dienten Strafe handelt. Ein Ausdruck, welcher düſterem Grolle glich, ſchien ſich auf den grimmen Geſichtern dieſer Krieger der Tiefe gelagert zu haben; Engländer, Ruſſen, Neapolitaner und Türken ſchienen all ihr Mitgefühl eher dem Dulder, als der Majeſtät der Gerechtigkeit zuzu⸗ wenden. Dennoch ward kein Murren laut,— kein Zeichen des Widerſtandes ward ſichtbar,— kein Blick des Tadels war zu bemerken. Der unſichtbare Mantel der Macht und Gewalt umhüllte Alles; und dieſe Maſſen Unzufrie⸗ dener fügten ſich, wie man ſich vor Dem beugt, was als unabwendbarer Beſchluß des Schickſals betrachtet wird. Die tiefgewurzelte, widerſtandsloſe Gewohnheit der Mannszucht unterdrückte jedes Murren; aber Alle waren der Ueber⸗ zeugung, daß man im Begriffe ſtehe, etwas zu thun, das man der Menſchlichkeit und Gerechtigkeit zu lieb beſſer unterlaſſen hätte; oder bei dem man, wenn es geſchehen mußte, mit mehr Form, reiferer Ueberlegung und geſetz⸗ lichem Verfahren hätte vorſchreiten ſollen, wenn man den Tadel der Welt abwenden wollte. Die Türken allein zeigten Fühlloſigkeit und Ruhe. Dieſe Schickſalsmenſchen ſahen Alles kalt mit an, obgleich ſelbſt unter ihnen ein 184— 186. — — — 402— leiſes Gerücht ging, ein böswilliger Einfluß herrſche in und eit der Flotte vor, und ein großer, ſtolzer Geiſt ſei von ſchaute einer Leidenſchaft bewältigt worden, welche Helden ſo der We oft ihrer Selbſtbeherrſchung und Unabhängigkeit beraubt. gänzlich Ghita hörte auf zu beten, als der Donner der Kanone bemüht rauh an ihr Ohr ſchlug, und unter einem Strome von erfahre! Thränen wagte ſie es, ſelbſt einen Blick auf die Fregatte. Beſtraf zu werfen. Raoul und alle Uebrigen hatten ihren Augen blick wo dieſelbe Richtung gegeben. Die Seeleute umher ſahen. Carrace das Tau an dem Arme der Fockraa ſich bewegen, und— die ihn dann hoben ſich langſam Köpfe über die Wanden; in Geburt dieſem Augenblicke wurden der Gefangene und der ihn Achtung begleitende Geiſtliche ganz ſichtbar. Da Der unglückliche Carraccioli hatte, wie bereits geſagt, licher, a in regelmäßigem Laufe der Natur faſt ſein ſiebzigſtes ſcheiden Jahr erreicht, und ſein nacktes Haupt zeigte jetzt die ehrende Spuren der Zeit. Er war ohne Gewand; ſeine Arme dunkeln waren an den Ellenbogen auf den Rücken gebunden, und denen e die Hände hatten eben Spielraum genug, um ſie noth⸗ hellen 1 dürftig bewegen zu können. Sein Hals war bloß, und Weingã das verhängnißvolle Seil war hinreichend um denſelben Schiffen befeſtigt, um Zufäliigkeiten zu hindern, und erinnerte ten. C ſein Opfer ſtets an deſſen empörende Beſtimmung.. Flagge, Ein leiſes Gemurmel ließ ſich unter der Menge in terte, u den Booten hören, als ſich dieſes Schauſpiel ihren Augen fen unte darbot, und Viele ſenkten ihr Antlitz zum Gebete. Dieſer in eine Ausdruck des Mitgefühls entging dem Verurtheilten nicht, ſchienen. herrſche in iſt ſei von Helden ſo eit beraubt. der Kanone trome von te Fregatte ren Augen cher ſahen egen, und anden; in d der ihn its geſagt, ſiebzigſtes jetzt die ne Arme nden, und ſie noth⸗ loß, und denſelben erinnerte ng. Nenge in n Augen Dieſer en nicht, und ein Strahl des Troſtes ſenkte ſich in ſein Herz; er ſchaute einen Augenblick mit einem Gefühle umher, das der Welt anzugehören ſchien,— ein Gefühl, dem er ſich gänzlich zu entfremden wünſchte und das er zu verbannen bemüht war, ſeit er von Ghita Abſchied genommen und erfahren hatte, daß ſein letzter Wunſch, die Art ſeiner Beſtrafung zu ändern, abgeſchlagen worden. Dieſer Augen⸗ blick war ſchrecklich für einen Mann, wie Don Francesco Carraccioli, welcher ein langes Leben inmitten der Scene, die ihn umgab, hingebracht hatte,— ausgezeichnet durch Geburt, reich, wegen ſeiner Dienſte geehrt, und an Achtung und Ehrfurcht gewöhnt. Das prachtvolle Panorama des Golfs war nie lieb⸗ licher, als in dieſem Augenblicke, wo er für immer davon ſcheiden ſollte, und zwar auf eine ſo gewaltſame, ent⸗ ehrende Weiſe. Von den Purpur⸗Bergen,— dem tief⸗ dunkeln Gewölbe über ihm,— den blauen Waſſern, über denen er ſchon zu ſchweben ſchien,— und den ſonnen⸗ hellen Ufern mit ihren reichen Städten, Villen und Weingärten wendete ſich ſein Auge auf die Welt von Schiffen, welche von Maſſen lebendiger Weſen wimmel⸗ ten. Ein Blick ſchwermüthigen Vorwurfs fiel auf die Flagge, die am Beſanmaſt⸗Top des Foudroyant flat⸗ terte, und dann ſenkte er ſich auf den Teppich von Köp⸗ fen unten, welche die Oberfläche der glatten See wörtlich in eine Arena von Menſchengeſichtern zu verwandeln ſchienen. Sein Blick war feſt, obgleich ſeine Seele ſtür⸗ 26* — 404— miſch bewegt war. Ghita erkannte er an ihrem Begleiter und ihrer Tracht. Er trat bis an den Rand des ſchmalen Gerüſtes vor, bemühte ſich, ſeine Hände zu heben, und ſegnete ſie wiederholt laut. Das arme Mädchen ſank in dem Boot auf die Knie, beugte ihr Haupt, und in dieſer demüthigen Stellung blieb ſie, bis Alles vorüber war; ſie wagte keinen Blick mehr in die Höhe zu werfen. „Mein Sohn,“ ſagte der Geiſtliche,„dies iſt ein Augenblick, wo die Erde und ihre Gefühle vergeſſen werden müſſen.“ „Ich weiß es, frommer Vater,“ antwortete der alte Mann, und ſeine Stimme zitterte vor innerer Erregung, denn ſeine Gefühle waren zu mächtig, zu erhaben, als daß die Furcht ſich ihm hätte nahen können;„nie aber war früher dieſer ſchöne Fleck der Schöpfung lieblicher in meinen Augen, als jetzt, da ich im Begriff bin, auf immer von ihm zu ſcheiden.“ „Hebe dein Auge höher, Sohn, der weiten Ausſicht in die Ewigkeit zu; dort wirſt du Das ſchauen, dem nichts Menſchliches, nichts Irdiſches an Herrlichkeit gleich kommt.— Ich fürchte, die Zeit iſt uns nur kurz zuge⸗ meſſen; haſt du mir noch Etwas zu ſagen?“ „Laßt es bekannt werden, frommer Vater, daß ich in meiner Todesſtunde für Nelſon und für alle Die gebe⸗ tet habe, welche mich zu dieſem Ende bringen halfen. Der Glückliche, der Ungeprüfte verdammt leicht; der iſt aber kl Gottes E Antlitz nes, Folgen er ſchl ſeines Fürſte Vertre len ge biſt du densw der, n begleiter chmalen n, und je Knie, btellung n Blick iſt ein ergeſſen der alte regung, en, als ie aber jeblicher in, auf Ausſicht 1, dem tt gleich z zuge⸗ daß ich le gebe⸗ halfen. der iſt — 405— aber klüger und um ſo beſſer daran, der auf die Güte Gottes mehr, als auf ſeine eigenen Verdienſte baut.“ Ein Strahl frommer Freude überglänzte das blaſſe Antlitz des Geiſtlichen— eines wahrhaft frommen Man⸗ nes,— ſonſt würde wohl die Furcht vor perſönlichen Folgen ihn von einer ſolchen Scene fern gehalten haben; er ſchloß ſeine Augen und dankte Gott aus der Tiefe ſeines Herzens. Dann wendete er ſich wieder zu dem Fürſten, und ſprach heiter: „Sohn,“ ſagte er,„wenn du mit geziemendem Vertrauen auf den Sohn Gottes und mit ſolchen Gefüh⸗ len gegen deine Mitmenſchen von dem Leben ſcheideſt, biſt du unter dieſen vielen Tauſenden umher der Benei⸗ denswertheſte. Wende dein Gebet noch einmal zu Ihm, der, wie du fühlſt, deine Seele allein retten kann.“ Carraccioli kniete mit Hülfe des Geiſtlichen auf dem Gerüſte nieder, denn das Seil hing los genug, um dieſe Handlung der Demuth zu geſtatten, und der andere ließ ſich an ſeiner Seite nieder. „Ich wünſche zu Gott, daß Nelſon mit all' dieſem nichts zu thun haben möge!“ ſagte Cuffe vor ſich hin, als er ſein Auge wendete und faſt unwillkührlich auf den Foudroyant blickte, deſſen Spiegel ganz nahe ſeinem Gig lag. Dort, auf dem Spiegelgang ſtand die bereits in die⸗ ſem Kapitel erwähnte Dame, und ſchaute geſpannt auf die ſchreckliche Scene. Sie hatte nur eine Zofe bei ſich, — 406— denn die Männer in ihrer Geſellſchaft waren nicht ſtar⸗ ken Sinnes genug, um an ihrer Seite zu bleiben. Cuffe wendete ſich mit viel größerem Widerwillen von dieſem Anblicke, und jetzt erhob ſich ein allgemeiner Schrei aus den Booten. Er wendete ſich zeitig genug, um zu ſehen, wie der unglückliche Carraccioli an dem Halſe durch Anhohlen feſter Matroſenhände von den Knien auf die Füße, und dann an das Ende der Raa empor⸗ ⸗gezogen wurde, während ſein Begleiter, der noch im Gebete verſunken war, allein auf dem Gerüſte zurück blieb. Der Kampf zwiſchen Leben und Tod war ſchreck⸗ lich, aber kurz, und dann hing der Körper, vor wenigen Minuten noch die Behauſung eines unſterblichen Geiſtes, wie einer der Segelfallblöcke des Schiffes da, an dem Ende der Raa hin und her ſchwingend und ſo gefühllos, wie das Holz, das ihn trug. t ſtar⸗ willen neiner genug, n dem Knien mpor⸗ ch im zurück chreck⸗ enigen eiſtes, dem ahllos,