△ 5 Leihbibliothek dentfcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von Ednard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Ceſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morge ns 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Hosehrois Bei Rü ckgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahn ne eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 1Ik—— auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. „ 3 54 Auswäürtige Abonnenten haben für der iieher auf ihre eigenen Koſten und Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und de kerte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der eſer um Erſatz des Ganzen verpflichtet. Kisahezolt. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. n⸗ und Zurückſendung efahr ſelbſt zu ſorgen. 4——— — 8 — ——— J. F. Cooper's ſämmtliche Werke. 130ſtes— 132ſtes Bändchen. Evchen Effingham oder die Heimath. Zweiter Theil. Frankfurt am Main, 1839. Verlag von Joh. David Sanerländer. Evchen Effingham oder die Heimath. Eine Fortſetzung„der Heimfahrt“ von James Fenimore Cooper. Aus dem Engliſchen überſetzt von Dr. C. F. Nietſch. Zweiter Theil. —— Frankfurt am Main, 1839. —. Verlag von Joh. David Sauerländer. Elftes Kapitel. „Wohlan! ich komm'!— Geht mir ein Theilchen Luſt verloren, Dann ſollt ihr todt mich ängſt'gen, hetzen, ſchmoren!“ Shakſpeare. Das Fortſchreiten geſelliger Entwicklung hat ſich in Amerika durch manches Eigenthümliche ausgezeichnet, was nicht nothwendig der regelmäßigen Stufenfolge und dem gewohnten Gang zunehmender Civiliſation in an⸗ dern Weltgegenden angehört. Einerſeits ſind nämlich die gemeinnützigen und verſchönernden Künſte des geſel⸗ ligen Lebens, wie einſt Minerva aus dem intellectuellen Weſen ihres Vaters mit einem Streich hervorſprang, dort ebenfalls völlig erwachſen in's wirkende Leben ein⸗ getreten als rechtmäßiges Erbtheil einer neu angeſiedelten Bevölkerung; während andererſeits jegliches Treiben die⸗ ſes raſtloſen Volkes in immerwährenden Wogen und Gähren nach einem gemeinſchaftlichen Ziel des Mittel⸗ mäßigen hinabſtrebt, ſofern man das Qualitative dieſes Treibens näher ins Auge faßt; und dieſe Mittelmäßig⸗ keit iſt eine unausbleibliche Folge des Gemeinſchaftlichkeit⸗ ſinnes, den unſre Inſtitutionen befördern*). Alles was *) Dieſe Mittelmäßigkeit iſt wirklich der empfehlenswürdigſte Zug amerikaniſchen Charakters, wo alſo mit den vermeintlichen — 6— Evchen bis dahin in ihrer Heimath geſehn hatte, war ihr in ſolcher Mittelmäßigkeit erſchienen; nirgends be⸗ merkte ſie ganz Gewöhnliches, aber auch eben ſo wenig fand ſie Ausgezeichnetes, worin ihre europäiſche Erzie⸗ hung ſie das Vollkommene ſuchen ließ. Dagegen im „Wigwam,“ wie ihr Vetter die väterliche Wohnung nach deren Umgeſtaltung zu nennen beliebte, traf ſie weit mehr von Alters her erhaltene Gegenſtände und eine ſorgfältigere Auswahl mancher Kleinigkeiten, die ihr zur Bequemlichkeit und Annehmlichkeit nothwendig ſchie⸗ nen, weil ſie daran gewöhnt war; deſto zufriedner wurde ſie mit ihrer bevorſtehenden Heimath, und empfand über das, was ſie hier ſah, weit innigere Freude, als ſie ſeit ihrer Rückkehr aus Europa bis jetzt empfunden hatte. Da wir ſchon früher einmal Gelegenheit hatten, das Innere dieſes Hauſes zu beſchreiben*), ſo bleibt uns nur wenig darüber zu ſagen; bei der gänzlichen Umgeſtal⸗ tung des Aeußern hatte John Effingham das Innere faſt ganz unverändert gelaſſen. Die wolkenfarbig an⸗ geſtrichene Wetterbedachung über dem Haupteingang war freilich nicht mehr vorhanden, ebenſo die Eingangsſtu⸗ Vortheilen der Verfeinerung auch ihre entnervenden Folgen ausbleiben, und gleichmäßiges Aufſtreben aller Stände der Roh⸗ heit wehrt, ohne Tüchtigkeit zum Frohndienſt müßiger Eitel⸗ keit herabzuwürdigen. Solche Mittelmäßigkeit iſt überall wün⸗ ſchenswerther, als Extreme! Anm. d. Ueberſ. *) In den erſten Kapiteln der„Anſiedler.“ war sſtu⸗ olgen Roh⸗ Eitel⸗ wün⸗ . fen, nebſt den ſo ſtattlich vom Ueberbau getragenen Säulen*). Statt jenes Wetterdachs war jetzt ein we⸗ niger auffallendes Portal vorhanden, im Mauerwerk ge⸗ hörig eingefügt, und die Eingangsſtufen umgab ein thurmähnlicher Vorbau, welchen der neue Baukünſtler dem Ganzen ſchicklich anzupaſſen Mittel fand, indem er dabei ſowohl auf die Bequemlichkeit der Bewohner als auf gefälliges Aeußere bedacht war. Von den gewöhn⸗ lich bemerkbaren Eigenheiten der modernen amerikani⸗ ſchen Wohnungen hatte dieſes Gebäude äußerſt wenig aufzuweiſen. Keine einzige Säule ſah man an demſel⸗ ben, weder griechiſchen, noch römiſchen, noch ägyptiſchen Bauſtyls; keine venetianiſchen Blenden; keine Verandah; keine Piazza; durchaus weder äußern grellen Anſtrich, noch irgend bunte Farbencontraſte. Der Wigwam war vielmehr ein durchaus einfaches und anſpruchloſes altes Gebäude, deſſen Feſtigkeit im Aufbau, dauerhaftes Ma⸗ terial und ehrwürdiges Aeußere angenehm auf den Be⸗ ſchauer einwirkte, zumal da die Ideen des Tüchtigen und Zweckmäßigen, welche vielleicht unſern Vorfahren deutlicher vorſchweben mochten als ihren Nachkommen, unſern ſich großdünkenden Zeitgenoſſen, ſich in der Bau⸗ ——õRxãxRöRVRRNãxãqãq-»-ᷓ— *) Die Unterlagen der Saulen waren eingeſunken; die Säulenſchafte hatten ſich von denſelben gelöſt, und während ſie an den Capi⸗ tälen noch hafteten, wurden ſte vom Vordach getragen, ſtatt daß ſie dieſe hätten tragen ſollen,— ein Meiſterſtück des be⸗ rühmten Architekten Hiram Doolittle. art ſelbſt recht ſinnreich ausdrückten. Außer dieſem Ein⸗ gangsthürmchen oder Portal an der Nordſeite des Hau⸗ ſes hatte John Effingham auch an der Südſeite einen trefflichen Anbau ausgeſonnen, wodurch die Unbequem⸗ lichkeit des plötzlichen Uebergangs aus einem behagli⸗ chen Wohngemach in die freie Luft zweckmäßig vermie⸗ den wurde. So hatte er auch den niedern Vorbau ent⸗ fernt und an deſſen Stelle einen neuen Anbau mit dem alten Gebäude ſo geſchickt verbunden, daß er einige untergeordnete Gemächer für die Haushaltung und Be⸗ dienung darin anbringen konnte, ohne das Ganze im geringſten zu entſtellen; ein ſeltner Fall bei ſpätern Bauveränderungen. Im Innern war der Wigwam ſeit jener Periode, welche, wenn auch nicht in chronologiſcher, doch in ar⸗ tiſtiſcher Hinſicht, das finſtere Zeitalter der Otſego⸗Co⸗ lonie genannt werden konnte, nach und nach immer mehr vollendet worden. Die große Halle hatte ſchon ſeit längerer Zeit ihre charakteriſtiſche Verzierung mit dem abgetrennten Arm des General Wolff eingebüßt, und eine gothiſche Tapetenmalerei, welche ſich zu der alterthümlichen Form dieſes Gemachs weit mehr eignete, war anſtatt jener benutzt worden. Auch die Urne war nicht mehr vorhanden, jene alterthümliche Urne, von welcher die Sage ging, daß ſie die Aſche der Königin Dido enthalten müſſe; ſo wie der Krug ſo lange zu Waſſer geht, bis er endlich zerbricht, war ſie zertrüm⸗ mert worden in einem Vertilgungskrieg, welchen eine vorzüglich ordnungsliebende Haushälterin gegen die ämſig webenden Spinnen führte. Sogar der alte Ho⸗ mer erfuhr das herbe Loos aller Sänger aus gebrann⸗ tem Thon; ja ſelbſt Shakſpeare ward zu Staub zer⸗ bröckelt, „von ihm blieb keine Trümmer mehr!“ Auch von Waſhington und Franklin, wiewohl Einge⸗ bornen, war keine Spur mehr vorhanden. An der Stelle dieſer ehrwürdigen Denkmäler der Vergangenheit, hatte John Effingham, der ſich mit Vergnügen an den Ein⸗ druck erinnerte, welchen der Anblick dieſer ſtattlichen Büſten in den Kinderjahren auf ihn gemacht, einige Er⸗ ſatzmänner aufgetrieben, die er in New York in einem Laden gekauft; und ein Shakſpeare und ein Milton und ein Cäſar und ein Dryden und ein Locke, wie die Ver⸗ faſſer im heroiſchen Styl ſo ſchön ſich ausdrücken, ſahen jetzt in ruhig nachſinnender Würde von den alten Ni⸗ ſchenleiſten herab, wo ehemals ihre Vorgänger thronten. Wenn gleich die Zeit noch wenig für dieſe Sammlung rückſichtlich der Färbung ausgerichtet, ſo hatte doch Staub und Nachläſigkeit bereits begonnen, den Schimmer des Antiken über ihre ernſte Haltung zu verbreiten. Da die Dame, welche die Küchengeſchäfte im Wig⸗ wam beſorgte, um uns der Ausdrucksweiſe des Mr. Bragg zu bedienen, ſchon alles in Bereitſchaft hatte, ſo nahmen unſre Freunde ſogleich, nachdem ſie vorher eilig — 10— ihren Anzug ein wenig geordnet, ihre Plätze am Früh⸗ ſtücktiſch ein, der in der großen Halle gedeckt worden war. Da das Frühſtück weder vorzüglich kochkünſtleriſch, noch ſonſt ausgezeichnet in Eleganz oder in entgegenge⸗ ſetzter Eigenſchaft genannt zu werden verdiente, ſo wol⸗ len wir ſolches ganz mit Stillſchweigen übergehen. „In dieſer Wohnung werde ich die europäiſche Bau⸗ kunſt weit weniger vermiſſen,“ ſagte Evchen, als ſie bei’m Niederſetzen ihre Blicke in dem hohen, geräumigen Gemach umherſchweifen ließ, in welchem ſie jetzt beiein⸗ ander ſaßen,—„hier iſt wenigſtens Raum und Be⸗ quemlichkeit genug, wenn auch keine große Eleganz.“ „Haſt Du alle Erinnerung an dieſe Wohnung ver⸗ loren, mein Kind?“ frug ihr Vater freundlich;„ich hoffte, Du würdeſt etwas von der Glückſeligkeit, wieder in der Heimath zu ſein, empfinden, wenn Du Dich unter ihrem Dache erblickteſt!“ „Es würde mir gar nicht lieb ſein, wenn alle die kindiſchen Streiche mir vorgehalten würden, die ich in meinem Ankleidezimmer getrieben habe,“ erwiederte Evchen, indem ſie die väterliche Beſorgniß durch einen Aufblick kindlicher Zärtlichkeit zu beſchwichtigen ſuchte,— nobſchon Grace unter Lachen und Thränen mir gedroht hat, Alles ausplaudern zu wollen. Anne Sidley hat auch viel geweint, und ſogar Annette, ſonſt immer ſo geſetzt und beſonnen, hat aus Mitgefühl einige Thränen fließen laſſen; Du wirſt Dir alſo kaum vorſtellen kön⸗ —.—„,„——— ———— — 11— nen, lieber Vater, daß ich allein ſo ſtoiſch geweſen ſei, durchaus ungerührt und unempfindlich zu bleiben. Doch dieſer Anfall iſt nun vorüber; ich fange jetzt an zu phi⸗ loſophiren. Ich hoffe, Vetter John, Sie haben nicht vergeſſen, daß das Prunkgemach das Herrſchergebiet der Herrin des Hauſes iſt?“ 3 „Ich habe Dero Herrſcherinrechte reſpectirt, Miß Effingham; wenn ich auch, um alles Ihren Geſchmack Beleidigende zu entfernen, aus eignem Antriebe manche vorſündfluthliche Malereien und Kupferſtiche in's—“ „In's Rumpelkämmerchen bringen laſſen?“ frug Eochen ſo ſchnell, daß ſie ſeine Rede unterbrach. „In's Feuer werfen laſſen,“ erwiederte der Vetter ganz unbefangen;—„denn das Rumpelkämmerchen iſt jetzt für dergleichen zu gut; den Theil des Hauſes habe ich nämlich zu Schlafgemächern für die Dienſtmädchen einrichten laſſen. Mademoiſelle Annette könnte leicht in Zuckungen gerathen, wenn jene Werke ſchöner Kunſt, welche die vormalige Kennerſchaft dieſes Landes entzückten, in zu naher Berührung mit ihren Louvre⸗verwöhnten Aeuglein kämen.“ „Point du tout, Monsieur,“ ſagte Mademoiſelle Vief⸗ ville ganz unſchuldig;„Annette a du goùt dans son métier, sans doute; aber ſie iſt doch geſcheidt genug, um keine impossibilités zu verlangen. Gewiß, ſie würde ſich mit Anſtand betragen haben.“ Alle lachten; denn allgemeine Heiterkeit belebte das ten Gang. „Es freut mich, daß Annette der Krämpfe überhoben iſt,“ ſetzte Evchen hinzu;„denn ein empfindlicher Geſchmack iſt ihre ſchwache Seite; und, die Wahrheit zu ſagen, was ich mir noch von den erwähnten Meiſterſtücken erinnern kann, iſt wirklich nicht von der entzückendſten Art.“ „Und dennoch,“ bemerkte Sir George Templemore, „habe ich mich nicht genug wundern können über den weitgediehenen Geſchmack in Kupferſtichen und Gemälden, wie ich ihn hier zu Lande angetroffen. Ich hatte in dieſer Hinſicht nur geringe Erwartungen, und meine Freude darüber war nicht minder groß, als meine Verwunderung.“ „Darin gebe ich Ihnen Recht, Sir George,“ ant⸗ wortete John Effingham;„aber dieſer beſſere Geſchmack iſt bei uns noch nicht alt. Wer einen Ort in Amerika fünfzig Jahre früher gekannt hat, würde denſelben Ort heutiges Tages nicht wieder erkennen. Daſſelbe gilt auch in Hinſicht des von Ihnen eben berührten Kunſt⸗ geſchmacks; nur mit dem Unterſchiede, daß letzterer eine vernünftige Richtung vorwärts gewonnen hat und zweck⸗ mäßige Regeln befolgt; während im Uebrigen die Dinge rückwärts gehen, da der Einfluß des Geldes, welcher keiner vernünftigen Schranke ſich fügt, immermehr über⸗ hand nimmt. Hätte ich übrigens einen guten Theil des alten Hausrathes gelaſſen, wie er war, oder auch nur einige alte Schildereien hängen laſſen, ſo würden wir Frühmahl, und das Geſpräch nahm wieder den gewohn⸗ ——„ͤ— die freundlichen Züge von Miß Effingham in finſteren Wolken haben untergehen ſehen, während ſie jetzt in bezauberndes Lächeln ſich aufhellen, wie wir ſämmtlich bemerkt haben.“ „Gleichwohl habe ich hier im Lande recht ſchönes altes Mobiliar geſehen, Vetter John.“ „Das will ich zugeben; aber in dieſer Gegend findet ſich dergleichen gar nicht. Vor einem halben Jahrhun⸗ dert waren die Transportmittel noch äußerſt ſchwierig, und wenige Leute wagten damals, luxuriöſen Hausrath in entlegene Ortſchaften kommen zu laſſen. Auch in die⸗ ſem Hauſe befanden ſich einige koſtbare alterthümliche Stücke Hausrath, welche mit vielem Gelde hier kaum zu bekommen waren; ſie ſind auch noch hier; aber das achtzehnte Jahrhundert kann im Ganzem als das finſtere Alterthum in dieſer Umgegend gelten.“ Nach beendigtem Frühſtück führte Mr. Effingham ſeine Gäſte und ſeine Tochter durch die vorzüglichſten Gemächer, indem er über die Anordnungen ſeines Vet⸗ ters bald tadelnde, bald ſcherzende Bemerkungen machte. Die Bibliothek war ein recht geräumiges Gemach, wenig⸗ ſtens hinreichend geräumig in einem Lande, wo die bür⸗ gerliche und öffentliche Baukunſt noch immer im Zuſtande der Verpuppung beharrt. Die Wände waren mit außer⸗ ordentlich hübſchen gothiſchen Zeichnungen in grünen Papiertapeten bekleidet; aber über jedem Fenſter fand ſich eine Lücke in der obern Borte, und da dieſe Borte die —- 14— Bogenwölbungen bezeichnete, ſo war die Einheit des Deſſeins, genau mit der Zahl der Fenſter, in nicht we⸗ niger als vier Stellen geſtört. Dieſe Lücken fielen Evchen ſogleich in die Augen, und ſie zögerte daher auch nicht, nach der Urſache dieſes Mißſtandes zu fragen. „Dieſer Mangel iſt ein rein amerikaniſcher Zufall,“ erwiederte der Vetter,„es iſt eins von den Unglücken, welche Dir als Vorſteherin eines Haushalts noch oft begegnen werden. Im ganzen Lande war von dieſer Borte kein Stückchen mehr zu haben, und Du weißt, wir leben in einem Lande, wo es Läden in Ueberfluß gibt, aber wenig Manufacturen und Fabriken. In Paris, Mademoiſelle, pflegt man, wenn man nicht Bemeg hat, das fehlende vom Tapetenmacher holen zu laſſen; aber, wer hier von irgend einer Sache nicht ſo viel hat, als er grade braucht, iſt weit übler daran, als wenn er gar Nichts davon beſitzt. Wir machen Gebrauch von Kunſt⸗ erzeugniſſen aller möglichen Art, verſtehen aber nicht, ſie ſelbſt hervorzubringen. Nach Paris zu ſchicken, und zehn bis fünfzehn Fuß Tapeten, die uns fehlen, holen zu laſſen, iſt ein gar zu weiter Weg; und gleichwohl bleibt mir keine andere Wahl, wenn meine ſchönen gothiſchen Bogenwölbungen nicht für immer ohne Schlußſteine bleiben ſollen.“ „Die Unannehmlichkeiten, die daraus entſtehen, ſind leicht einzuſehen,“ bemerkte Sir George;„wir empfinden ſolche Auslar „W Nahru „Ul ein M net, n denkend Land „Wenn wie Po weit v. zig der Da tender gegnete friedige nur be ſtädtiſch *) En lau ſolche ſogar in England bei allen Dingen, die aus dem Auslande kommen.“ „Wir zumal, in allen Dingen, mit Ausnahme der Nahrungsmittel.“ „Und ergibt ſich nicht daraus, daß Amerika niemals ein Manufactur⸗Staat werden wird?“ frug der Baro⸗ net, mit einer unverholenen Theilnahme, welche jeder denkende Engländer jedesmal fühlt, wenn dieſe für ſein Land hochwichtige Angelegenheit zur Sprache kommt. „Wenn Sie nicht im Stande ſind, ſolche einfache Dinge, wie Papiertapeten, ſelbſt zu verfertigen; würde es nicht weit vortheilhafter ſein, wenn Sie Ihr Augenmerk ein⸗ zig dem Landbau zuwenden wollten?“ Da der Beweggrund*) dieſer Frage weit einleuch⸗ tender war, als die logiſche Schärfe derſelben; ſo be⸗ gegnete ein lächelndes Antlitz dem Andern. Doch John Effingham begnügte ſich, aus freundſchaftlicher Rückſicht für Sir George, bloß eine ausweichende Antwort zu ge⸗ ben, ein unwiderlegbares Zeugniß der aufrichtigſten Zuneigung bei einem ſo cauſtiſchgearteten Manne. Im Ganzen fſiel jedoch die Wohnungſchau recht be⸗ friedigend aus für die künftige Gebieterin des Hauſes, nur beſchwerte ſie ſich darüber, daß der Hausrath zu ſtädtiſch ſei.„Denn,“ fügte ſie hinzu,„Sie werden *) England möchte gern der einzige Manufacturſtaat ſein, unter lauter Landbautreibenden, Anm. d. Ueberſ. — 16— nicht überſehen, Vetter John, daß wir bloß herkommen, um einige Zeit auf dem Lande angenehm zu verleben.“ „Ja, ja, meine ſchöne Dame; es wird nicht lange währen, wie ich merke, bis Ihre pariſiſchen und römiſchen Anſichten geradezu das ganze Land als ein Leben auf dem Lande bezeichnen werden.“ „Das iſt die Strafe, Evchen, welche dem Gelüſt, ein Hadſſhi zu ſein, auf dem Fuße nachfolgt,“ bemerkte Grace, welche aufmerkſam in den Zügen der Letztern zu leſen bemüht war; denn nach ihrer Anſicht, fehlte dem Wig⸗ wam durchaus nichts, um ihn zu einem Wohnhauſe zu machen.„Die Dinge, die uns allen Genuß ſind, ver⸗ ſchmähſt Du.“ „Dein Grund beweiſt ungefähr ſo viel, liebes Cou⸗ ſinchen, als er für den Vorzug des braunen Zuckers vor dem weißen beweiſen würde.“ „Im Kaffee allerdings, Miß Evchen,“ ſiel der auf⸗ merkſame Ariſtobulus ein; denn da er dieſen Geſchmack ſich vermöge eines haushälteriſchen Grundes ſeiner Mutter angewöhnt hatte, ſo bildete er ſich ein, es müſſe Jedermann dieſen vorziehen.„In dieſer Umgegend wer⸗ den Sie finden, daß alle Leute den braunen Zucker im Kaffee den Vorzug geben.“ „Oh! mon pére et ma mèére, comme je vous en veux,“ ſagte Evchen, ohne auf die ſcharfe Unterſchieds⸗ bezeichnung von Mr. Bragg zu achten, welche noch zu ſehr den in der Feinzünglerei völlig Unbewanderten verxie ſellſch Veux, gegen ner a hinba 42 tern Heim dama laſt, demſe umhe eines Ziege bäude ſtand ſtum alle! C ihres Alle Gem 7 wam als 12 rkommen, derleben.“ cht lange römiſchen Leben auf helüſt, ein ete Grace, zu leſen dem Wig⸗ nhauſe zu ind, ver⸗ bes Cou⸗ uckers vor der auf⸗ Geſchmack es ſeiner es müſſe gend wer⸗ Zucker im vous en terſchieds⸗ e noch zu wanderten verxieth, als daß ſeine Bemerkung bei der übrigen Ge⸗ ſellſchaft Beifall finden konnte;—„comme je vous en veux, daß ihr ſo manche ſchöne Plätzchen in dieſer Um⸗ gegend ganz überſehen konntet, und dieſes Haus in kei⸗ ner anmuthigern Lage, ſondern grade an dieſer Stelle hinbautet.“ „Was das anbelangt, ſollten wir lieber unſern Ael⸗ tern dafür dankbar ſein, daß⸗ ſie uns überhaupt eine Heimath finden ließen. Mit dem Bildungszuſtande der damaligen Zeit verglichen, war dieſe Wohnung ein Pa⸗ laſt, als ſie erbaut wurde; ſie ſtand damals etwa in demſelben Verhältniſſe zu den beſcheidnern Wohnungen umher, wie ein gutsherrliches Schloß zu den Hütten eines Dörſchens. Denke daran, daß vordem noch keine Ziegel geſchichtet worden waren in irgend einem Ge⸗ bäude dieſer Gegend zu der Zeit wo dieſes Haus ent⸗ ſtand. Es iſt gleichſam der Tempel Poſeidons von Pä⸗ ſtum nicht bloß für die Otſego⸗Anſiedlung, ſondern für alle benachbarte Grafſchaften.“ Evchen drückte einen dankbaren Kuß auf die Hand ihres Vaters, die ſie in ihren beiden Händen hielt; und Alle begaben ſich aus der Bibliothek in ein anderes Gemach. „Gewiß, Mr. Bragg,“ ſagte der Beſitzer des Wig⸗ wam mit mehr Zeichen von Verdruß in ſeinem Ton, als man ſonſt an dieſem ruhigen Mann gewohnt war, 150.— 152. 2 —„Sie werden hoffentlich eine ſolche Freiheit nicht per⸗ theidigen?“ „Freiheit, Herr!— Freiheit vertheidige ich, wo irgend Freiheit zu finden iſt. Meinen Sie vielleicht die jun⸗ gen Leute unter dem Baumgang vor Ihrem Hauſe, Mr. Effingham?“ „Allerdings meine ich dieſe, und Sie werden hoffent⸗ lich nichts dagegen einwenden, Herr, wenn ich ſage, daß ſie meiner Meinung nach einen ſchicklicheren Ort zu ihrer Kurzweil hätten wählen können. Ich beſorge, dieſe jungen Leute verwechſeln die Freiheiten, die ſie ſich herausnehmen, mit der Freiheit.“ „Wie ſo, Herr? Ich meine, auf dieſer Stelle iſt von jeher Ball geſchlagen worden?“ „Von jeher!— Darin irren Sie ſich gar ſehr, das verſichere ich Sie. Welcher Hausbeſitzer, deſſen Eigen⸗ thum eine ſolche Lage mitten in einem Dorfe hat, würde es dulden, daß man ihn und die Seinigen auf ſolche rohe Weiſe auf eigenem berechtigten Boden verletze. Mein Haus darf mit Recht ein Wigwam*) genannt werden, wenn ſolcher wilder Lärm vor ſeiner Thüre gelitten wird.“ „Sie vergeſſen, Edward,“ ſagte John Effingham mit ) Wigwam iſt ein indianiſches Wort, eine Hütte bedeutend, wie ſich deren die jagenden Stämme im Innern Nordamerika's be⸗ dienen. Anm. d. Ueberſ. ſpötti nicht Vor wärts ein T behau welche lichen anma wollte ringſt „S bulus, würde 77— ſinnen den, u Anlag welche Wider ließ it icht ver⸗ o irgend die jun⸗ iſe, Mr. hoffent⸗ ige, daß zu ihrer , dieſe ſie ſich iſt von hr, das Eigen⸗ „würde if ſolche . Mein werden, gelitten am mit end, wie kka's be⸗ Ueberſ. ſpöttiſchem Lächeln,„daß ein amerikaniſches: Von jeher nicht mehr ſagen will, als: ſeit anderthalb Jahren. Vor Alters geht etwa drittehalb Jahrzehnte rück⸗ wärts, und die finſtern Zeiten reichen wenig über ein Menſchenleben, und das kaum, hinaus. Ich wage zu behaupten, daß die liebenswürdigen jungen Gentlemen, welche ihre muntere Unterhaltung mit ſo manchem zier⸗ lichen Fluch beleben, Dich für äußerſt unvernünſtig und anmaßend halten müßten, wenn Du Dich unterſtehen wollteſt, ihnen merken zu laſſen, daß ſie Dir im Ge⸗ ringſten läſtig fallen.“ „Die Wahrheit zu ſagen, Mr. John,“ ſagte Ariſto⸗ bulus,„den jungen Männern dort dergleichen zu ſagen, würde ganz und gar nicht volksthümlich ſein.“ „Da ich nicht zugeben kann, daß meiner Hausgenof⸗ ſinnen Ohren durch ſolchen rohen Lärm beläſtigt wer⸗ den, und weil ich nie geſtatten werde, daß dieſe meine Anlagen, deren Grenzen ſo ſcharf abgeſteckt ſind, und welche unmittelbar zu meinem Grundeigenthum gehören, worauf mein Haus ſteht, auf eine ſolche beläſtigende Weiſe heimgeſucht werden, ſo erſuche ich Sie, Mr. Bragg, daß Sie auf der Stelle hingehen, und den jungen Leu⸗ ten ſagen, ſie möchten ſich an einem Orte beluſtigen, wo es Ihnen beliebt und ſie mich nicht beläſtigen.“ Dieſen Auftrag vernahm Ariſtobulus mit äußerſtem Widerwillen; die ihm angeborne ſcharfe Urtheilskraft ließ ihn zwar keinen Augenblick zweifeln, daß Mr. Ef⸗ 2* 2 fingham Recht habe; aber eben ſo gut kannte er auch das unbekümmerte und rückſichtsloſe Treiben, das im Lande ſeit den letzten zehn Jahren immer mehr über⸗ hand genommen hatte, und konnte daher leicht vorher⸗ ſehen, daß Mr. Effingham's gebieteriſches Wegweiſen den vorhergefaßten Meinungen von Freiheit und Unab⸗ hängigkeit bei dieſen halbwüchſigen Knaben äußerſt ver⸗ letzend erſcheinen müſſe. Denn ſeine Bemerkung war ganz richtig geweſen. Die Begebenheiten ſchreiten in ſolchem raſchen Umſchwung in Amerika voran, und die volksthümlichen Anſichten folgen ihrem willkürlichen An⸗ triebe mit ſolchem Ungeſtüm, daß ein Gebrauch oder Mißbrauch, der ſchon über ein Jahr beſteht, ihnen nicht anders als geheiligt durch altes Herkommen erſcheint, bis es die Menge ſelbſt zweckmäßig findet ihn abzuän⸗ dern. Zögernd war er eben im Begriff die Geſellſchaft zu verlaſſen, um den ihm gegebenen Auftrag auszurich⸗ ten, als Mr. Effingham einem Taglöhner der im Dorfe arbeitete, weil er ihn grade draußen erblickte, den Auf⸗ trag gab, er möge doch zum Barbier*) gehen und ihm *) In dieſem Auftrag verſtieß Mr. Effingham, durch langijährigen Aufenthalt in Europa verwöhnt, doppelt gegen amerikaniſche Sitte und Dentweiſe. Er hätte entweder ſelbſt den Barbier beſuchen, oder ihn zu ſich bitten laſſen ſollen, und bei dieſer Ge⸗ legenheit ihn fragen, ob er vielleicht Luſt habe, ihm die Haare zu ſchneiden. Ferner war es gar nicht in der O ung, einen Tag⸗ löhner, den er nicht für ſich gedungen, n uftrag zu behel⸗ ſagen, Haar Gänge packen „Lc verbind eben d Lather „E Gang ham; nes ge ſeinen behellig fallen „N nichts ſolcher thun Jer denn er er auch das im )r über⸗ vorher⸗ egweiſen d Unab⸗ erſt ver⸗ ng war eiten in und die hen An⸗ uch oder den nicht erſcheint, abzuän⸗ ſellſchaft uszurich⸗ m Dorfe den Auf⸗ und ihm n dieſer Ge⸗ die Haare nen Tag⸗ g zu behel⸗ ſagen, daß er zu ihm in den Wigwam kommen ſolle, ihm das Haar zu ſchneiden; Pierre nämlich, der gewöhnlich ſeine Gänge beſorgte, war in dieſem Augenblick mit dem Aus⸗ packen der Koffer beſchäftigt. „Laſſen Sie's gut ſein, Tom,“ ſagte Ariſtobulus in verbindlichem Ton, indem er den Hut zog;„ich gehe eben die Straße hinauf und will den Auftrag an Mr. Lather ſchon ſelbſt ausrichten.“ „Es kann mein Wille nicht ſein, Ihnen einen ſolchen Gang zuzumuthen,“ unterbrach ihn haſtig Mr. Effing⸗ ham; weil er den Widerwillen jedes wohlerzognen Man⸗ nes gegen die Unſchicklichkeit fühlte, irgend Jemanden in ſeinen Dienſten mit einem ungebührlichen Auftrag zu behelligen,—„Tom wird mir, hoffe ich, gern dieſen Ge⸗ fallen thun.“ „Nennen Sie es keine Gefälligkeit, mein lieber Herr; enichts macht mir mehr Vergnügen, als das Ausrichten ſolcher kleinen Gänge; bei einer andern Gelegenheit, thun Sie mir auch wieder einen Gefallen.“ Jetzt trat Ariſtobulus ſeinen Weg weit muthiger an; denn er hielt es für das Beſte, erſt zum Barbier zu gehen, ligen, den er ja eben ſo gut ſelbſt ausrichten konnte. Denn die⸗ ſes wie jenes war ein anmaßendes Benehmen in einem Lande, wo die enſchen gleiche geſellige Anſprüche machen, und es Jedem b nden muß, wenn einer gradezu Gefälligkeiten for⸗ dert, ne vorher zu wiſſen, ob man auch Luſt hat, ſolche zu erweiſen. Anm. d. Ueberſ. N indem er hoffte, es werde ihm unterwegs ein guter Ein⸗ fall kommen, um die halbwüchſigen Jünglinge zu be⸗ wegen, den Baumgang vor dem Hauſe aus freiem An⸗ triebe zu verlaſſen, und auf dieſe Weiſe nicht nöthig zu haben, gegen die Volksthümlichkeit anzuſtoßen, wo⸗ von eine unbeſiegbare Scheu ihn abhielt. Zwar waren dieſe kaum dem Knabenalter entwachſenen jungen Leute keine volljährigen, abſtimmungberechtigten Bürger; aber einige unter ihnen waren nahe daran, es zu werden,— und alle hatten geläufige Zungen, und vor dieſen hatte Mr. Bragg keine geringere Scheu, als manche Leute vor dem Schießpulver. Als er an den Ballſpielern vor⸗ überkam, rief er ihrem Anführer, einem bekannten Schreier auf allen Gaſſen, mit einſchmeichelndem Tone zu. „Recht ſchönes Wetter, um ſich geſunde Bewegung zu machen, Dickey; meint Ihr nicht, daß weit mehr Platz zum Ballſchlagen auf der breiten Straße iſt, als in die⸗ ſer beſchränkten und behinderten Baumpflanzung, wo Euch der Ball ſo leicht im Gezweig ſtecken bleiben kann?“ „Dieſer Spielplatz iſt recht hübſch und gelegen,“ ſchrie Dickey entgegen—„er geht an, wenn man kei⸗ nen andern hat. Stände drüben nicht das verwünſchte Haus, ſo wüßte ich nicht, wo wir einen beſſern finden könnten.“ „Ich möchte wohl wiſſen,“ ſiel ein Anderer ein, was für Leute das ſind, die grade an der Stelle dort ein Haus h platz ve Gen wie an Stelle, hen. 3 quemer Die oder ſie ändern. Unte immer beſſerun⸗ ren, tren Bald vor dem näherte, entledige dem Eig Privatre gen Gri Weiſe ih jetzt und mehr für „Nur Geſchma wenn ich er Ein⸗ zu be⸗ eim An⸗ nöthig , wo⸗ waren 1 Leute ; aber den,— n hatte Leute ung zu r Platz in die⸗ g, wo bleiben legen,“ an kei⸗ vünſchte finden in, was ort ein Haus hingeſtellt haben; das hat uns den beſten Spiel⸗ platz verdorben, der im Orte zu finden iſt.“ Gewiſſe Leute haben ihre Meinungen darüber, ſo gut wie andere,“ erwiederte Ariſtobulus; aber an Eurer Stelle, ihr jungen Herren, würde ich die Straße vorzie⸗ hen. Ich halte mich überzeugt, daß Ihr dort weit be⸗ quemer und anmuthiger euch beluſtigen könntet.“ Die jungen Leute waren entweder andrer Meinung, oder ſie hatten im Augenblick keine Luſt, ihren Platz zu ändern. Unterdeſſen war die Geſellſchaft im Hauſe noch immer mit der Betrachtung von John Effingham's Ver⸗ beſſerungen beſchäftigt, und ſobald ſie damit fertig wa⸗ ren, trennten ſie ſich und zogen ſich in ihre Gemächer zurück. Bald darauf erſchien Ariſtobulus wieder in der Allee vor dem Hauſe, und indem er ſich jetzt den Ballſpielern näherte, begann er ſich ſeines Auftrags alles Ernſtes zu entledigen. Statt aber ganz einfach zu ſagen, es ſei dem Eigenthümer des Hauſes nicht gelegen, daß ſeine Privatrechte durch ſolche Eingriffe auf dem ihm gehöri⸗ gen Grund und Boden verletzt würden, und auf dieſe Weiſe ihrer beläſtigenden Zudringlichkeit auf einmal für jetzt und künftig ein Ende zu machen, hielt er es viel⸗ mehr für rathſam, durch Liſt ſeinen Zweck zu erreichen.“ „Nun, Dickey,“ ſagte er,„über Liebhabereien und Geſchmacksſachen läßt ſich freilich nicht gut ſtreiten; aber wenn ich meine aufrichtige Meinung ſagen ſoll, die 24— Straße würde ein weit beſſerer Platz zum Ballſchlagen ſein als dieſes Buſchwerk. Ich wundere mich nur, wie junge Herren von ſolcher vorzüglichen Unterſcheidungs⸗ gabe, wie Ihr ſeid, ſich mit einem ſo behinderten Spiel⸗ platz behelfen mögen!“ „Ich ſage Euch, Squire Bragg, dieſer Spielplatz iſt ſo übel nicht,“ rief Dickey aufgebracht;„wir haben keine Zeit uns lange zu berathen, und es gilt uns gleich, wo wir ſind; ohnehin müſſen wir in einer halben Stunde unſer Spiel einſtellen.— Wirf zu, Sam!“ „Hier umher ſind gar zu viele Zäune und Hecken,“ fuhr Ariſtobulus fort, ohne ſich irre machen zu laſſen, indem er ganz gleichgültig hinzufügte:„die Dorfvorſtände ſagen freilich: in den Straßen darf nicht Ball geſchlagen werden; doch ich möchte, wenn es dar⸗ auf ankommt, wohl behaupten, daß Ihr wenig darnach fragt, was die ſagen oder drohen.“*) *) Trustees ſind gewählte Vorſtände, und daher Vertreter des Geſammtwillens, deſſen Aufrechthaltung ihnen von den Gemein⸗ degliedern übertragen iſt. Ihre Verordnungen können daher nur in ſofern gelten, als die Gemeinde ſolche als den Anſpruch der Geſammtheit anerkennt, welcher alsdann der Einzelne ſich zu fügen verbunden iſt. Manche Reiſende verſichern, daß dieſe Einrichtung einen ſtrengen Gehorfam gegen die Geſetze zur Folge habe, weil ſämmtliche Gemeindeglieder, ſich als einen Theil des Ganzen betrachtend, in den Verordnungen ihrer ge⸗ wählten Obrigkeiten den Ausſpruch ihres eignen Willens voll⸗ führt ſehen. Daß übrigens der Geiſt des Frevelmuths bei „2 gleiche züglich und n gem „den vorſch „8 deßwe den L gebüh Veror nicht aufs Abän ich es ſchen T Jüng möch ankor habe den ſchlagen ur, wie eidungs⸗ n Spiel⸗ 5pielplatz ir haben s gleich, n Stunde Hecken,“ zu laſſen, vorſtände ht Ball n es dar⸗ g darnach ertreter des en Gemein⸗ önnen daher en Anſpruch Einzelne ſich u, daß dieſe Geſetze zur h als einen een ihrer ge⸗ Villens voll⸗ delmuths bei „Da ſollten die uns doch erſt fragen, wenn ſie der⸗ gleichen gebieten oder verbieten wollen,“ platzte ein vor⸗ züglich liebenswürdiger Tagdieb heraus, Namens Peter, und warf, während er ſo ſprach, ſeinen Ball in kräfti⸗ gem Schwung in die Hauptſtraße des Dorfs hinein;— „den Vorſtand will ich ſehen, der ehrenhaften Leuten vorſchreiben will, wo ſie Ball ſchlagen ſollen!“ „Da habt Ihr ganz Recht,“ ſagte Ariſtobulus,„und deßwegen meine ich, wenn Ihr euren Vortheil nicht aus den Händen laßt, ſo könntet ihr leicht die Sache zur gebührenden Entſcheidung bringen. Mir ſcheint dieſe Verordnung ohnehin drückend genug, und Ihr werdet nicht leicht wieder eine ſo gute Gelegenheit finden, ſie aufs neue zur Sprache zu bringen und eine erwünſchte Abänderung derſelben zu veranlaſſen. Ueberdem finde ich es, unter uns geſagt, ein wenig ariſtokratiſch, zwi⸗ ſchen Roſenhecken und Zierpflanzen Ball zu ſpielen.“ Dieſer Köder wirkte; denn welcher halberwachſene Jüngling,— welcher amerikaniſche noch dazu,— ver⸗ möchte der Gelegenheit zu widerſtehen, wo es darauf ankommt zu zeigen, wie ſehr er ſich über das Geſetz er⸗ haben dünkt. Dazu war noch keinem der Ballſpielen⸗ den Geſellſchaft bis jetzt eingefallen, daß es gemein und Halbwüchſigen auch in Amerika ſich äußere, iſt nicht zu ver wundern, und kann höchſtens dieſen ſchaden. Anm. d. Ueberſ. 26 ariſtokratiſch ſei, zwiſchen Roſenbüſchen ſich zu ergötzen, und einige von ihnen hatten ſich bereits beklagt, daß ſie ihre Finger an den Dornen geritzt hätten, während ſte ihre Bälle ſuchten. „Ich will wetten, Mr. Effingham wird es gar nicht gern ſehen, wenn Ihr euer Spiel in ſeinen Anlagen aufgebt,“ fuhr Ariſtobulus fort, den erlangten Vortheil möglichſt benutzend,„aber wer kann wohlgezogenen jungen Leuten zumuthen, ſich in ihren Ergötzungen nach den Wünſchen anderer Leute zu richten“ „Wer iſt denn der Mr. Effingham, das ſagt mir nur?“ ſchrie Joe Wart,„wenn es ihm Spaß macht, daß die Leute vor ſeinem Hauſe ſich luſtig machen, ſo mag er vorerſt ſeine Roſenſtöcke abräumen, damit der Platz frei wird! Kommt, Ihr Herren, ich ſtimme mit Squire Bragg, und lade Euch fämmtlich ein, mir nach der Straße zu folgen.“ Sobald er die ſchönen Anlagen von der kecken Schaar völlig geräumt ſah, begab ſich Ariſtobulus mit eilferti⸗ gen Schritten nach dem Hauſe und verfügte ſich ſogleich in das Bibliothek⸗Zimmer, wo Mr. Effingham geduldig auf ſeine Rückkehr wartete. „Ich habe das Vergnügen, Ihnen mitzutheilen, Herr,“ begann der Abgeſandte ſeinen Bericht,„daß die Ballſpieler ihre Beluſtigung vertagt haben; aber im Be⸗ treff des Auftrags an Mr. Lather kann ich Ihnen bloß ſagen, daß er Ihren Vorſchlag ablehnt.“ „M „Je zu ben keine ſ die: de gar ni „J ſich m und ich bier a „E mehr züglich Effing Vorſch er auf ten⸗Ac gar ſe götzen, , daß ährend r nicht nlagen ortheil pgenen n nach gt mir macht, en, ſo it der ie mit r nach Schaar lferti⸗ gleich duldig heilen, ß die n Be⸗ bloß „Meinen Vorſchlag ablehnt!“ „Ja, Herr; er findet es nicht genehm, ſich zu Ihnen zu bemühen; denn er meint, das kleine Geſchäft habe keine ſonderliche Eile. Seine Anſicht von der Sache iſt die: daß ihm wenig mehr daran liegen könne, nach dem Wigwam zu kommen, um Ihnen das Haar zu ſchneiden, als Ihnen, in ſeinen Laden zu kommen und ſich Ihr Haar dort ſchneiden zu laſſen. Indem er nun die Sache nach allen Seiten reiflich erwogen, beſchließt er, lieber gar nichts mit dieſem Geſchäft zu thun haben zu wollen.“ „Ich bedaure, Herr, daß ich zugeben konnte, daß Sie ſich mit einem ſolchen unangenehmen Auftrag befaßten, und ich beklage es deſto mehr, da ich ſehe, daß der Bar⸗ bier aufgelegt ſcheint, ungezogen zu ſein.“ „Ganz und gar nicht, Herr. Mr. Lather iſt viel⸗ mehr ein recht braver Mann in ſeiner Art, dabei vor⸗ züglich nachbarſchaftlich geſinnt. Unter andern, Mr. Effingham, hat er mich gebeten, ich möchte Ihnen den Vorſchlag machen, Ihre Gartenhecke abzunehmen, damit er auf kürzerm Wege einigen Dünger auf ſeinen Bata⸗ ten⸗Acker*) fahren könne; der Acker bedürfe deſſelben gar ſehr, ſagte er.“ *) Patatoes heißen zwar Erdäpfel(Kartoffeln); doch hier ſind wahrſcheinlich sweet patatoes gemeint, die unter dem Namen aaten in Nord⸗ und Südamerika häufigen, weit angenehmeren Wurzelknollen einer Windenart(Convolvulus Batatas). Anm. d. Ueberſ. „Wahrlich, Herr, ich kann einem ſolchen Mann unmög⸗ lich abſchlagen, ſeinen Dünger ſogar durch mein Haus zu ſchleppen, wann er ſolches wünſchen möchte. Er iſt ein ſo äußerſt ſchätzbarer Mitbürger, ein Mann, der ſo ge⸗ wiſſenhaft in ſeinem Streben iſt, daß ich wirklich über die Beſcheidenheit ſeiner Forderung erſtaunen muß.“ Darauf ſtand Mr. Effingham auf, zog die Schelle nach Pierre, ging nach ſeinem Zimmer und begann alles Ernſtes zu zweifeln, ob dieſes daſſelbe Templeton noch ſei, wie er es in ſeiner Jugend gekannt, und ob er wirklich in ſeinem eignen Hauſe ſei oder in einem fremden. Ariſtobulus dagegen, der in dem, was vorgegangen war, nichts ſah, was ihm gegen die gewohnte Regel ver⸗ ſtieß oder ſeinen eignen Anſichten von Schicklichkeit zu wider war, eilte ſchnell wieder zum Barbier hinüber, der ſo ſehr die erſten Pflichten ſeines Geſchäfts zu ver⸗ geſſen ſchien, um ihm zu ſagen, es ſtehe ihm frei Mr. Effinghams Zaun niederzureißen, um ſeinen Batatenacker bequem mit Dünger zu verſehen. Damit der Leſer nicht etwa glaube, wir fänden daran Vergnügen, ſtatt angenehmer Schilderungen, lieber Zerr⸗ bilder zu entwerfen und die wahren Verhältniſſe des dermaligen geſelligen Zuſtandes zu entſtellen; ſo müſſen wir erläuternd hinzufügen, daß Mr. Bragg ein eifriger Bewerber um die öffentliche Gunſt, ähnlich dem Mr. Dodge, alle Dinge, die ſich ihm unter öffentlicher Be⸗ ziehun anſah, vor größer felte, ten ne zelnen ſelbſt ſtimm zen C hat, gemäf Mr. nen n daß e Zweck zu No Fortſ unmög⸗ daus zu iſt ein ſo ge⸗ ich über iß.“, Schelle begann mpleton und ob n einem egangen egel ver⸗ chkeit zu hinüber, zu ver⸗ rei Mr. atenacker n daran er Zerr⸗ iſſe des müſſen eifriger em Mr. her Be⸗ — 99— ziehung darſtellten, für unantaſtbar und unwiderſtehlich anſah, und daß er ſo durchaus und ohne alle Ausnahme vor der im Augenblick überwiegenden Meinung der größern Anzahl ſich beugte, daß er faſt nie daran zwei⸗ felte, ein halbes Dutzend gleichſtimmige Anſichten müß⸗ ten nothwendig Recht behalten, wenn ſie einer bloß ein⸗ zelnen gegenüber ſtänden; und müßten Recht behalten, ſelbſt wenn die widerſtrebende einzelne Anſicht, überein⸗ ſtimmend mit der wirklichen Stimmenmehrzahl der gan⸗ zen Gemeinde, nicht bloß das Geſetz auf ſeiner Seite hat, ſondern auch den ſtrengſten logiſchen Grundſätzen gemäß ſich vertheidigen läßt. Um es kurz zu ſagen, Mr. Bragg war, gleich vielen ſeiner Landsleute, in ſei⸗ nen mißverſtandnen Freiheitsideen ſo weit gekommen, daß er in der That ſich einbildete, Freiheit ſei nicht der Zweck des menſchlichen Strebens, ſondern bloßes Mittel zu Nebenzwecken. Zwölftes Kapitel. „— wahrhaftig, Du warſt zu einer recht anmuthigen Thorheit in letzter Nacht behaglich aufgelegt, als Du von Pigrogrometus ſprachſt und von den Vapiern, welche den Nachtgleicher von Queubus paſſirten Ritter Andreas Fieberwang. Wir haben erſt kürzlich wiederholt erinnert, daß die Fortſchritte der Bildung in einem ſogenannten„neuen — 50— Lande“ einigermaßen vom gewöhnlichen Gang abwei⸗ chen. Im erſten Anfang einer Anſiedlung vereinigt die Menſchen das Band freundlicher Zuneigung und gegen⸗ ſeitiger Theilnahme, welches die verſchiedenartigſten Ge⸗ müther in Einigkeit verbindet, welche ein gemeinſchaft⸗ liches Unternehmen voll Gefahren und Müſhſeligkeiten zuſammengeführt. Die entfernenden Unterſchiede, welche Erziehung, Gebräuche, Lebensweiſe im Leben nothwen⸗ dig hervorzubringen pflegen, werden weniger bemerklich, wo gemeinſame Anſtrengungen und Entbehrungen die Menſchen einander nähern; der gebildetere Mann höhern Standes wird zwar auch dann ſeinen Charakter und ſeine Ueberlegenheit nicht verläugnen, aber er behauptet ſeinen, durch innere und äußere Eigenſchaften bedingten, Einfluß auf die weniger begabte Menge durch eine Art von zutraulicher Cameradſchaft, wie ſie auch ſonſt zwi⸗ ſchen Offizieren und Soldaten in ungewöhnlich beſchwer⸗ lichen Feldzügen eintritt. Männer und ſelbſt Frauen verkehren alsdann freundſchaftlich und vertrauungsvoll mit einander, welche unter andern Verhältniſſen einan⸗ der nicht kennen oder in ſteifer Förmlichkeit entfremden würden; denn der Kampf mit Hinderniſſen aller Art und die ſchwierige Befriedigung der täglichen Bedürfniſſe in der Waldeinſamkeit bewirken eine ſcheinbare Herab⸗ ſtimmung der Anſprüche des durch feine Erziehung und geiſtige Vorzüge ausgezeichneten Mannes zu einer Art von Gleichſtellung mit denen, die bloß aufP ihren feſtern Körper laſſen ſtande auf ne Ueberle der An ohne j Anſprü iſt, we kennen, geräum Zuſtan! Eigenſe die geif Die werden Anſiedl Sorge weichba nigten den kön ſtens ül andern bittern, ſich nich vielmeh lichkeite abwei⸗ migt die d gegen⸗ ſten Ge⸗ einſchaft⸗ ligkeiten e, welche nothwen⸗ merklich, ggen die n höhern kter und hehauptet edingten, eine Art onſt zwi⸗ beſchwer⸗ Frauen ungsvoll n einan⸗ tfremden Art und fniſſe in Herab⸗ ung und iner Art n feſtern Körperbau und auf die Regſamkeit ihrer Arme ſich ver⸗ laſſen müſſen. In dieſem unentwickelten geſelligen Zu⸗ ſtande nähert man ſich beiderſeitig einander, gleichſam auf neutralem Boden, indem der Eine ſeine geiſtige Ueberlegenheit weniger fühlbar geltend zu machen ſucht, der Andere dagegen eine Art von Gleichheit anſpricht, ohne jedoch zu vergeſſen, daß dieſe Ausgleichung von Anſprüchen nur eine nothwendige Folge der Umſtände iſt, welche den körperlichen Kräften einen Vorzug zuer⸗ kennen, die ihnen ſonſt nie, den geiſtigen gegenüber, ein⸗ geräumt werden würden. Es iſt, mit einem Wort, der Zuſtand der rohen Anfänge der Geſelligkeit den leiblichen Eigenſchaften weit günſtiger, indem ſie eine Zeitlang die geiſtigen Vorzüge entbehrlicher machen. Dieſe Periode kann vielleicht die glücklichſte genannt werden, ſofern ſie in dem erſten Jahrhundert jeder neuen Anſiedlung wiederkehrt. Die gemeinſchaftliche Noth und Sorge um das Leben und ſeine Bedürfniſſe iſt ſo unaus⸗ weichbar und tief eingreifend, daß ſie nur durch verei⸗ nigten Willen und verbundene Wirkſamkeit beſiegt wer⸗ den können. Kleine Verletzungen werden daher mei⸗ ſtens überſehen, und ärgerliche Reibungen, die unter andern Verhältniſſen die Menſchen gegen einander er⸗ bittern, werden mit Gleichmuth ertragen, als Dinge, die ſich nicht wohl ändern laſſen; oder man lacht und ſcherzt vielmehr darüber, als gehörten dergleichen Unannehm⸗ lichkeiten zu den regelmäßigen und nicht unerwarteten — — 2— alltäglichen Vorfällen. Verträgliche und verſöhnliche Ge⸗ ſinnungen ſind vorherrſchend zu ſolcher Zeit; bereitwil⸗ lig bietet ein Nachbar dem Andern hülfreiche Hand und vertrauensvoll rechnet jeder Einzelne auf den Beiſtand der Uebrigen; das Leben gewinnt einen höhern Reiz durch ſorgebeſchwichtigende Heiterkeit, ungezwungenen, herz⸗ lichen Verkehr und an die Spiele der Kindheit erin⸗ nernden gemeinſamen Lebensgenuß. Man hat noch immer gefunden, daß Alle, die einen ſolchen Prüfungszuſtand durchlebten, mit Wehmuth ſich in denſelben zurück⸗ ſehnen, daß ſie die Erinnerung an laͤngſtverſchollene Begebenheiten, an die einfachen Vorfälle und kurz⸗ weiligen Ereigniſſe, welche die Geſchichten neuer Nie⸗ derlaſſungen bezeichnen, fortwährend entzückt, wie der greiſe Waidmann gern ſeiner Jugendjagden gedenkt und ihrer harmloſen Luſt. Auf dieſe Periode der Kurzweil und Mühſeligkeiten, nachbarlicher Theilnahme und unterhaltender Abenteuer folgt eine andere, in welcher die Geſellſchaft anfängt, vielfach an ſich ſelbſt zu erziehen, und die mancherlei menſchlichen Leidenſchaften einen feinern Spielraum er⸗ langen. Dann treten die Kämpfe ein um Anſehen und Auszeichnung, die Eiferſucht und das Vorwärtsdrängen einzelner Familien, und der Einfluß des alle innere Vorzüge entbehrlich wähnenden Geldreichthums. Umſtände ver⸗ ſchiedner Art erheben wenige Einzelne zu örtlichbeding⸗ ter Ueberlegenheit, die bei den übrigen minder Begab⸗ ten als als Vo licher wie die nach d ſich ſein ten. 2 Verhält einricht ebenſo als Ge hervorg Die vielleich Lande, völlig Große thige, geregt, ringen verbind Dünkel nach u Der K alsdant und re ſind, un 130. iche Ge⸗ ereitwil⸗ and und Beiſtand eiz durch n, herz⸗ heit erin⸗ ch immer gszuſtand zurück⸗ rſchollene nd kurz⸗ euer Nie⸗ wie der denkt und eligkeiten, Abenteuer anfängt, mancherlei lraum er⸗ ſſehen und rtsdrängen re Vorzüge tände ver⸗ lichbeding⸗ der Begab⸗ — 55— ten als ſolche anerkannt wird, und ſie ſtehen alsdann als Vorbilder da für andere, deren Ehrgeiz nach ähn⸗ licher Auszeichnung drängt. Die gebildetern Stände, wie dieſes ſich von ſelbſt verſteht, nehmen die erſte Stelle nach dem Geldreichthum ein, und der Reichthum ſucht ſich ſeinerſeits durch ſcheinbar feſte Grundlagen zu behaup⸗ ten. Dann machen ſich jene Abſtufungen der geſelligen Verhältniſſe bemerklich, welche die beſtehenden Grund⸗ einrichtungen zu erſchüttern drohen, obſchon letztere eine ebenſo nothwendige Folge der Geſittung ſein mögen, als Geſchmack und Lebensweiſe aus Laune und Willkühr hervorgehen. Dieſer obenerwähnte Zuſtand der Geſellſchaft hat vielleicht die wenigſten anziehenden Eigenheiten in einem Lande, welches darauf Anſpruch macht, von Barbarei völlig entfernt und frei zu ſein. Der Sinn für das Große und Erhabene, wie für das Schöne und Anmu⸗ thige, iſt in einem ſolchen Zuſtande noch zu wenig an⸗ geregt, um einen wirklich eingreifenden Einfluß zu er⸗ ringen; und wenn er auch wirklich vorhanden iſt, ſo verbindet er ſich nur zu leicht mit jener Anmaßung und Dünkelhaftigkeit, welche alle kindiſchen Beſtrebungen nach unerreichbaren Gegenſtänden zu begleiten pflegt. Der Kampf des Verdienſtes mit der Anmaßung wird alsdann deſto ernſtlicher, jemehr rohe Emporkömmlinge und reiche Eindränglinge den Ton anzugeben bemüht ſind, und ihre Unwiſſenheit und Geſchmackloſigkeit Men⸗ 150.— 152. 5 ſchen und Sachen eine Wichtigkeit verleihet, welche in einem mehr geregelten und entwickelten Geſellſchaftszu⸗ ſtande gebührender Nichtachtung preisgegeben ſein wür⸗ den. In dieſer Periode wird der tägliche Umgang in Be⸗ ziehung auf gegenſeitig rückſichtsvolles Benehmen den Mei⸗ ſten verleidet; mehr manierliches Benehmen, als eigentlich gute Lebensart, ohne die Natur und die Bedeutung des erſten Zuſtandes zu faſſen, hat es den Charakter der rohen Einfalt nicht mehr, und bleibt doch den immerwährenden Mißgriffen roher und gemeiner Naturen preisgegeben. Weil aber die Menſchen ſich am leichteſten bewegen laſſen, diejenige Ueberlegenheit anzuerkennen, die ſchon längere Zeit als ſolche gegolten hat, ſofern der Begriff des Alter⸗ thümlichen durch einen eignen Zauber ſelbſt die Leiden⸗ ſchaften bändigt, ſo regelt die Macht der Zeit in ältern Staaten auf eine ruhige Weiſe den Erfolg, welcher in raſch ſich entwickelnden Menſchenvereinen ein Gegenſtand des Streites werden muß. Was bisher geſagt worden, beruht indeſſen auf all⸗ gemeinen und natürlichen Gründen; aber der von uns geſchilderte Geſellſchaftszuſtand zeigt einige beſondere Züge, welche ihre Entwicklungsweiſe von der in anderen Ländern unterſcheidet. Denn die Civiliſation Amerika's iſt ſelbſt in den ältern Niederlaſſungen, welche die jun⸗ gen Anſtedlungen mit Auswandrern verſehen, nicht auf gleiche Weiſe fortgeſchritten. Jede einzelne Colonie er⸗ reichte nämlich einen vergleichungsweiſe höhern oder tie⸗ helche in haftszu⸗ in wür⸗ in Be⸗ den Mei⸗ igentlich ung des eer rohen ihrenden gegeben. n laſſen, längere es Alter⸗ Leiden⸗ n ältern elcher in genſtand auf all⸗ von uns eſondere anderen merika's die jun⸗ icht auf lonie er⸗ oder tie⸗ fern Standpunct, und ihre Bewohner ſchritten daher bald raſcher bald langſamer vorwärts als ihre Nach⸗ baren. Aus den verſchiednen, öfters weit von einander entlegenen Gegenden dieſes weitläufigen Gebiets und aus mehr oder weniger in Bildung fortgeſchrittenen Ein⸗ zelbevölkerungen hervorgehende neue Niederlaſſungen mußten alſo unter meiſt ähnlichen Verhältniſſen, bei dem Zuſammentreffen der durch frühere Eigenthümlich⸗ keit in Denkart und Gewöhnung ſich von einander merk⸗ lich unterſcheidenden Theilnehmer an denſelben Unter⸗ nehmungen gleichwohl Reſultate hervorgehen, welche dem Bildungszuſtande einen örtlichen Charakter mittheilten. Schloſſen ſich dieſen verſchiedenartigen Einheimiſchen, wie dieſes meiſtens geſchah, auch europäiſche Auswanderer an, und brachten auch dieſe ihre angeerbten oder er⸗ worbenen Anſichten und Vorurtheile mit, ſo mußte das daraus entſpringende Durcheinander, verbunden mit den durch die Noth des Augenblicks und durch die unaus⸗ bleibliche Macht der Verhältniſſe entſtehenden Reibungen, geſellige Zuſtände eigenthümlicher Art hervorbringen, deren Wirkungen uns nicht in Verwunderung ſetzen können. Die dritte und letzte Stufe, welche der Bildungszu⸗ ſtand eines„neuen Landes“ erreicht, iſt alsdann die⸗ jenige Höhe der fortſchreitenden Entwicklung, wo die Einwirkungen aller der einzelnen Urſachen mehr und mehr verſchwinden, indem Perſonen und Sachen ſich allge⸗ 3* ſation eine durch den Aufſchwung des Verkehrs bedingte Richtung nimmt. Die reifer gewordne Einzelbevölkerung geht in den, der Geſammtbevölkerung des ganzen Landes gemeinſamen Bildungszuſtand ein, bald auf höhern bald auf niedern Standpuncten ſich behauptend, und Stan⸗ desverſchiedenheiten machen ſich bemerklich, die nach den Umſtänden bald mehr bald weniger getrennt, neben ein⸗ ander beſtehen. Die Perioden,— wenn wir uns dieſes bei den Sternkundigen zur Bezeichnung der Umlaufszeiten von Himmelskörpern gebräuchlichen Ausdrucks bedienen dür⸗ fen,— die Perioden, welche jene beiden erſtgenannten Epochen in der Geſchichte der Niederlaſſungen bezeichnen, haben einen durch die raſchere oder langſamere Zunahme von Wohlſtand und Anzahl bedingten Charakter. In manchen Gegenden währt das patriarchaliſche Zeitalter, das der guten Cameradſchaft, ein ganzes Menſchenleben hindurch, wobei bisweilen manche Eigen⸗ ſchaften höherer Ausbildung in der vertraulichen Genoſ⸗ ſenſchaft völlig verwiſcht werden, aber eben dieſe gemein⸗ ſame Herzlichkeit auch dem Zuſammenleben einen höhern Reiz verleiht und zur Annehmlichkeit des Lebens nicht wenig beiträgt, wenn man den vergleichungsweiſen Werth der zeitgemäßen Beluſtigungen berückſichtigt. In andern Gegenden geht dieſe Periode raſch vorüber und meinern Geſetzen fügen, und der Gang der Civili⸗ gte ung des ald an⸗ den ein⸗ den von dür⸗ nten nen, ahme liſche inzes igen⸗ enoſ⸗ nein⸗ hern nicht deiſen In und ili⸗ gleicht hierin der kurzen Jugendluſt, die kaum vom vierzehnten bis zum zwanzigſten Lebensjahre Beſtand hält. Die zweite Periode dauert bei uns gewöhnlich weit länger; denn die wanderungsluſtigen Gewohnheiten des amerikaniſchen Volks verzögern die Feſtſtellung bleiben⸗ der Einrichtungen mehr, als dieſes vielleicht ſonſt der Fall ſein würde. Dieſer regelloſe Zuſtand, könnte man ſa⸗ gen, hört nie völlig auf, bis glücklicherweiſe die Mehr⸗ zahl der gleichzeitigen Bevölkerung aus Ortseingebor⸗ nen beſteht, welche keinen andern Maßſtab von Verhält⸗ niſſen kennen, als den, welchen ſie von ihren nächſten Umge⸗ bungen unter Menſchen gleichen Urſprungs entlehnen. Doch, wenn auch die Zahl der wirklich Einheimiſchen überwiegt, ſo pflegt oftmals der Einfluß der Denkart und Handels⸗ weiſe derer nicht gering zu ſein, die gleich Zugvögeln kommen und gehen,— derjenigen nämlich, die immer vorwärtsſtrebend, nirgend Ruhe finden; welchen der nach⸗ barliche Sinn fremd iſt, da ſie eine Heimath weder kennen noch ſuchen, ſondern raſtlos von Ort zu Ort auf der Jagd nach ſchnellem Erwerb umherſchwärmen. Daraus geht ein Mittelzuſtand hervor, während welcher alle geſelligen Verhältniſſe gleichſam fluctuiren, und daher iſt ſchwer zu beſtimmen, ob eine Bevölkerung die zweite oder dritte der erwähnten Perioden durchlebe. In dieſem letztern ſchwankenden, unentſchiednen Zu⸗ ſtande befand ſich damals Templeton; dieſes Dorf hatte erſt die dritte Geſchlechtsfolge der urſprünglichen Anſied⸗ — 38— ler erlebt; aber ſo viele Neuankömmlinge kamen und gingen, deren wechſelnder Einfluß faſt alle Wirkungen der fortrückenden Zeit und der natürlichen, ſtufenweiſe geſteigerten Entwickelung hemmte und zerſtörte. Die Bevölkerung von Templeton beſtand faſt zu gleichen Theilen aus den Nachkommen der erſten Bewohner, und aus den mit Schwalben oder andern Zugvögeln vergleich⸗ baren wanderungsluſtigen, nur kurze Zeit verweilenden Fremden. Alle die früheren Einwohner, welche voll männlichen Selbſtvertrauens das Land entwildert und umgeſtaltet, welche die Waldeinſamkeit durch ihre ge⸗ meinſame Wirkſamkeit in einen Aufenthalt gebildeter Menſchen umzugeſtalten bemüht waren, hatten ſich, wenn auch nicht im wörtlichen Sinne, zu ihren Vätern ver⸗ ſammelt, aber lagen wenigſtens, die Stammväter ihres verwaiſten Geſchlechts ſchon unter dem Raſen einge⸗ ſenkt, der auch ihre Nachkommen einſt bedecken ſollte. Wirklich waren nur noch Wenige am Leben, die als kräftige Jünglinge und beſonnene Männer die Wildniß zähmen halfen, und die Begebenheiten der erſten Periode der Anſiedlung, welche wir eben angedeutet, und wo⸗ von wir in einem andern Werkchen eine treue Schilde⸗ rung zu entwerfen verſucht haben, lebten nur im Däm⸗ merlicht halbvergeßner Sagen noch fort. Unter den we⸗ nigen urſprünglichen Einwohnern, die noch am Leben waren, beſtand noch zum Theil die gegenſeitige Anhäng⸗ lichkeit und Herzlichkeit des frühern freundnachbarlichen Zuſan Genuß behrurn wie d ſeiner ſig be überge Anköm dieſer ten. Bewol Geſich ander rem U überei für gl waren hörten Vorlie Stelle keine ren T waren noch 1 pfindu Anhän bewieſ Zuſammenlebens, und dieſe fanden einen bleibenden Genuß darin, einander von den Mühſeligkeiten und Ent⸗ behrungen, die ſie mit einander erlebt, zu erzählen, wie der alte Krieger ſeiner Feldzüge und Schlachten, ſeiner Siege und Wunden gedenkt. Es wäre überflüſ⸗ ſig beſonders zu erwähnen, daß dieſe Alten den vor⸗ übergehenden Aufenhalt ſo vieler unentſchiednen neuen Ankömmlinge ungern ſahen, daß ſie kein Vertrauen zu dieſer fluthenden und eilenden Bevölkerung faſſen konn⸗ ten. Wenn alſo auch der wiederkehrende Wechſel der Bewohner jene allmählich an den öftern Anblick neuer Geſichter gewöhnte; ſo hielten ſie doch deſto feſter anein⸗ ander, und wählten vorzugsweiſe nur diejenigen zu ih⸗ rem Umgang, welche mit ihren Anſichten am meiſten übereinſtimmten und hielten nur mit denen zuſammen, die für gleiche Anhänglichkeit an das Gewohnte empfänglich waren. Zu dieſem kleinen Theil der Bevölkerung ge⸗ hörten zunächſt alle, deren Anſichten und Gefühle eine Vorliebe für Ortsbegebenheiten nährten, welche die Stelle des Intereſſes für alte Geſchichten vertraten, da ſie keine ſelbſt erlebte Abenteuer erzählen konnten, die ih⸗ ren Vätern ſo ergötzliche Erinnerungen darboten; ſie waren dem Einfluß einer ereignißreichen Vergangenheit noch nicht genug hingegeben, um jene geheiligten Em⸗ pfindungen in ihrer ganzen Stärke zu kennen. Dieſer Anhänglichkeit an das Vorzeitige gradezu wiederſtrebend, bewieſen ſich in allen Dingen jene öfter erwähnten„Zug⸗ — 40— vögel,“ eine ſehr zahlreiche und nimmer ruhende Claſſe von Einwohnern, die keine Veranlaſſung unbenutzt läßt, um allem Poetiſchen eine lächerliche Seite abzugewin⸗ nen, und denen es unmöglich ſcheint, ſich für irgend eine Gegend theilnehmend zu intereſſiren, da ſie keinen bleibenden Wohnſitz haben. In Templeton und den nächſten Umgebungen ſtanden dieſe widerſtrebenden Anſichten nicht weniger feindlich, aber von gleicher Anzahl unterſtützt, einander gegenüber; die Nachkommen der urſprünglichen Anſiedler bildeten gemeinſamen Widerſtand gegen den Einfluß jener zunehmenden Gemüthserſchlaffung oder gänzlichen Man⸗ gels an Gemüth, dem einzigen bleibenden Zug in die⸗ ſer wandernden Bevölkerung. Jene fingen allmählig an, das Gotteshaus, in welchem ihre Väter anbeteten, mit demüthigerer Scheu als fremde Altäre zu verehren, und die Raſenhügel, welche die geliebten Häupter ihre Vorfahren deckten, heiliger zu halten als die Schollen, die der Pflug umgewühlt, und theurer blieben ihnen die ſtillen Fluren der Kindheit und der harmloſen Spiele, als die geräuſchvolle Landſtraße und das gewöhnliche Treiben nach Gewinnn. Von dieſer Art waren die Beſtandtheile des Geſell⸗ ſchaftszuſtandes, in welchen wir unſere Leſer einführen, und welchen wir uns bemühen werden ihnen näher bekannt zu machen, je weiter wir den regelmäßigen Gang unſrer Erzählung verfolgen. Die weſenhe großes wam d maßen Dal wie die ſie wer wenige keine a in ſeir Muthn Mr. P ſei. T hielt eiligen freudig „Aufre Leeren men C in luſt waren hörten Kreiſe zigen machte D de Claſſe ützt läßt, zugewin⸗ r irgend ie keinen ſtanden feindlich, genüber; bildeten aß jener en Man⸗ g in die⸗ allmählig ubeteten, verehren, pter ihre Schoklen, ihnen die 7 Spiele, wöhnliche es Geſell⸗ führen, er bekannt ing unſrer ein Die Rückkehr der Effingham's nach langjähriger Ab⸗ weſenheit erregte an einem ſo kleinen Orte natürlich großes Aufſehen, und Beſuchende erſchienen im Wig⸗ wam daher ſo bald als die Schicklichkeit ſolche einig er⸗ maßen erlaubte. Dabei verbreiteten ſich mancherlei grundloſe Gerüchte, wie dies öfter zu gehen pflegt, und von Evchen hieß es, ſie werde ſich nächſtens verheirathen; man gab ihr nicht weniger als drei Bewerber, und dieſe konnten natürlich keine andern ſein, als ihres Vaters Gäſte, die ſich grade in ſeinem Hauſe befanden; nur darüber waren die Muthmaßungen getheilt, ob Sir George Templemore, oder Mr. Powis oder Mr. Bragg der begünſtigte Liebhaber ſei. Daß der letztere zu ihren Bewerbern gehöre, er⸗ hielt deſto größere Wahrſcheinlichkeit aus einigen vor⸗ eiligen Aeußerungen, welche dem Ehrenmanne ſelbſt in freudigem Vorgefühl entſchlüpft waren, das durch die „Aufregung“ nicht wenig geſteigert wurde, die ihn bei'm Leeren einer Flaſche, unter dem wohlklingenderen Na⸗ men Champagner paſſirenden, ſchlechten Bretagneweins in luſtiger Geſellſchaft befiel. Doch ſolcherlei Nachreden waren ebenſo bald vergeſſen als ſie entſtanden; ſie ge⸗ hörten zu den gewöhnlichen Tagesneuigkeiten in einem Kreiſe, wo Verlobungen und Hochzeiten öfter den ein⸗ zigen Unterhaltungsſtoff der jüngern Frauenzimmer aus⸗ machten und meiſtens durch ſich ſelbſt widerlegt wurden. Der dritte Tag ſeit der Rückkehr unſrer Freunde, — 42— war vorzüglich durch häufige Beſuche*) ausgezeichnet, die Herren und Damen des Wigwam ließen es ſich an⸗ gelegen ſein, zu Hauſe zu bleiben und ſich durch keiner⸗ lei Abhaltungen im Empfang von Beſuchen ſtören zu laſſen, und waren von zwölf Uhr Mittags bereit ihre Gäſte freundlich zu empfangen. Einer der erſten, welche kamen, war ein gewiſſer Herr Howel, ein Junggeſell, faſt in gleichem Alter mit Mr. Effingham, ein wohhabender und eingezogen leben⸗ der Mann. Die Natur hatte weit mehr gethan, um Mr. Howel zu einem Gentleman zu machen, als Er⸗ ziehung und Umgang; denn er hatte mit wenigen un⸗ bedeutenden Ausnahmen ſein ganzes Leben innerhalb des Bergthals von Templeton zugebracht, wo er, ohne im eigentlichen Verſtande irgend einem gelehrten Fach ſich zu widmen, ſein Daſein in der Beſchäftigung mit der Tagesliteratur verträumt hatte. Er las gern und viel, und keinen Gefallen findend an Federkämpfen noch an irgend ernſtlicher Anſtrengung, gab er ſich ohne eignes Urtheil den wechſelnden Eindrücken der Schriften hin, die ihm in die Hand fielen, ſo wie ſelbſt Steine ausge⸗ hölt werden, wenn ſie beſtändigem Tröpfeln von Waſ⸗ ſer ausgeſetzt ſind. Unglücklicherweiſe verſtand Mr. Ho⸗ *) In Amerika pflegt man nicht die erſten Beſuche zu machen, wenn man in einem Orte ankommt; ſondern man erwartet die Beſuche Anderer, und erwiedert ſie, wenn man Luſt hat.— Ueberſ. wel keine a nach ſeine ſchränkt blie wiſſen, wer nicht in ſei Meinungen wenn ander ſichten von die Intereſſ gut finden mit allen T er auch, wa er in allen harrte er de durchaus ur ſprechend un einen ſtreiti Lieblingspul beſtanden zu unaufhörlich ſelbſtſtändig zu leichtglä in ſeinen 2 Nachdenken ſeines Den laſſen. „Da ko gezeichnet, s ſich an⸗ rch keiner⸗ ſtören zu vereit ihre gewiſſer Alter mit gen leben⸗ than, um als Er⸗ nigen un⸗ erhalb des ohne im Fach ſich g mit der und viel, n noch an ne eignes iften hin, ne ausge⸗ von Waſ⸗ Mr. Ho⸗ zu machen, erwartet die t.— Ueberſ. wel keine andere als ſeine Mutterſprache, und weil dem⸗ nach ſeine Lectüre einzig auf engliſche Schriften be⸗ ſchränkt blieb, ſo war er allmählich, ohne es ſeldſt zu wiſſen, wenigſtens in ſeiner Denkungsart, wenn auch nicht in ſeiner Handlungsweiſe, ein bloßer Nachhall der Meinungen, Vorurtheile und Grundſätze geworden,— wenn anders bei ſo weniger Selbſtſtändigkeit der An⸗ ſichten von Grundſätzen die Rede ſein kann,— welche die Intereſſen oder die Leidenſchaften der Engländer für gut finden in Druckſchriften zu verbreiten. Da er ſelbſt mit allen Menſchen es treu und redlich meinte, ſo glaubte er auch, was er las; und ſo beſcheiden und anſpruchlos er in allen Dingen war, ſo feſt und unerſchütterlich be⸗ harrte er dabei, daß die Auctorität der engliſchen Preſſe durchaus untrüglich ſei, indem er in der Regel äußerſt ab⸗ ſprechend und belehrend ſich ausdrückte, ſobald er irgend einen ſtreitigen Gegenſtand durch die Ausſprüche ſeiner Lieblingspubliciſten völlig entſchieden glaubte.— Daher beſtanden zwiſchen Mr. Howel und John Effingham faſt unaufhörlich Wortwechſel;— denn während jener ſo wenig ſelbſtſtändig, ſo beſchränkt an Einſichten, ſo geneigt war zu leichtgläubigem Vertrauen;— war dieſer ebenſo ſehr in ſeinen Anſichten originell, ſtets gewohnt an eignes Nachdenken, und nur zu geneigt, das Uebergewicht ſeines Denkens und Handelns andern Leuten fühlen zu laſſen. „Da kommt unſer alter Nachbar und mein alter — 44— Schulcamerad, Thomas Howel,“ ſagte Mr. Effingham, der durch das Fenſter blickte und den erwähnten Herrn durch den Baumgang ſich dem Hauſe nähern ſah, indem er einen verſchlungenen Pfad, der durch die Anlagen führte, einſchlug;„er iſt ein ſo gutmüthiger und wohl⸗ wollender Mann als es einen geben kann, Sir George Templemore; er iſt im eigentlichen Sinn ein Amerika⸗ ner, denn er hat ſeinen Bezirk kaum ein Dutzendmal in ſeinem Leben überſchritten, und iſt wahrlich einer der treuherzigſten und gefälligſten Männer, die ich jemals gekannt habe.“ „Ja, doch,“ fügte John Effingham hinzu,„ein ſo ächter Amerikaner als einer es ſein kann, der alles, was ihm vor die Augen kommt, durch engliſche Brillen betrachtet; ſo oft er den Mund öffnet, engliſche Anſichten ausſpricht; wo er verwirft, nur von engliſchen Vorurtheilen; wo er lobt, von engliſcher Vorliebe beherrſcht wird. Ein ſau⸗ brer Amerikaner, wahrhaftig! Dieſer Mann iſt nicht mehr Amerikaner als die Redaction der Times oder Charing Croß. Er reiſte wirklich einmal nach Ney York während des letzten Krieges mit England, um ſich mit eigenen Augen zu überzeugen, ob es irgend möglich ſei, daß eine Jankee⸗Fregatte ein engliſches Kriegsſchif im Haven aufgebracht habe.“ „Seine Vorliebe für England wird ihm in meinen Augen keinen Abbruch thun,“ ſagte lächelnd der Baro⸗ net,„ich Freunde ſe „Ich l recht ange hinzu.„2 ihn am be „Gewi Verhältnif wel geknüͤ „und ebe zwiſchen „Dari ich erinne mit Verg haben, un als ich un „Die kann wol noch Kir Zuckerple Die tig gem ſten Aus math w über di Aeußern Mal al Effingham, nten Herrn ſah, indem ie Anlagen und wohl⸗ Sir George in Amerika⸗ izendmal in h einer der e ich jemals zein ſo ächter was ihm vor hetrachtet; ſo mausſpricht; eilen; wo er d. Ein ſau⸗ unn iſt nicht Times oder Innach Nem and, um ſich gend möglich s Kriegsſchif m in meinen ud der Baro⸗ — 45— net,„ich ſehe daher voraus, daß wir bald recht gute Freunde ſein werden.“. „Ich bin gewiß, daß Ihnen Mr. Howel als ein recht angenehmer Mann erſcheinen wird,“ fügte Grace hinzu.„Von der ganzen Coterie in Templeton kann ich ihn am beſten leiden.“ „Gewiß, ich prophezeihe, ein zärtliches, vertrauliches Verhältniß wird eheſtens zwiſchen Templemore und Ho⸗ wel geknüpft werden,“ entgegnete John Effingham,— „und ebenſo ſicher ſehe ich manche harte Wortgefechte zwiſchen letzterm und Miß Effingham vorher.“ „Darin thun Sie mir wirklich Unrecht, Vetter John, ich erinnere mich des Mr. Howel noch recht lebhaft und mit Vergnügen; er pflegte viel Nachſicht mit mir zu haben, und meine kindiſchen Wünſche gern zu gewähren, als ich noch ein kleines Mädchen war.“ „Dieſer Mann iſt ein ächter Kinderfreund, und ich kann wohl ſagen, er kam nie in unſer Haus, als Du noch Kind warſt, ohne die Taſchen voll Kuchen oder Zuckerplätzchen zu haben.“ Die erſten Begrüßungen waren herzlich und aufrich⸗ tig gemeint. Mr. Howel hieß mit den freundſchaftlich⸗ ſten Ausdrücken die beiden alten Herren in ihrer Hei⸗ math willkommen, und bezeugte ſeine innige Freude über die einnehmende Veränderung, die mit Evchens Aeußerm ſeit ihrem achten Jahre, wo er ſie das letzte Mal als Kind geſehen, bis zu ihrem zwanzigſten vor⸗ — 46— gegangen, in welchem ſie jetzt in der bezaubernden Anmuth einer erwachſenen Jungfrau vor ihm ſtand. Auch des ſonſt ſo verſchloſſenen John Effinghams Be⸗ grüßungen waren nicht minder freundlich und offen; denn er fand ebenfalls Wohlgefallen an dem einfachen, gutmüthigen, nur etwas leichtgläubigen Nachbar. „Willkommen in der Heimath,— willkommen, liebe Nachbaren,“ fügte Mr. Howel hinzu, indem er ſich ſeines Schnupftuches bediente, um die Thränen zu verbergen, die ſeine Augen füllten.„Ich war Willens, nach New York zu kommen, um Euch dort zu bewillkommen; aber es iſt eine etwas zu weite Reiſe für meine Jahre. Ihr aber, meine Freunde, ſcheint Nichts vom Einfluß des Alters zu ſpüren.“ „Und doch ſind wir beide um einige Monate älter als Du, Howel,“ erwiederte Mr. Effingham freundlich; „wir haben die Beſchwerden der weiten Reiſe gern über⸗ ſtanden, ſo daß wir jetzt das Vergnügen haben, Dich hier bei uns zu ſehen.“ „Ja wohl, Ihr ſeid das Reiſen gewohnt, ihr Herren; Ihr ſeid gern auf Reiſen, und die Aufregung, die ſol⸗ ches erfordert, iſt euch zur andern Natur geworden. Ihr ſeid, wie ich höre, bis nach Jeruſalem gekommen.“ „Allerdings waren wir in Jeruſalem, mein Freund, und ich wünſchte, Du wärſt mit uns dort geweſen. Eine ſolche Reiſe würde Dich von Deiner Unentſchloſſenheit, die D ner H „3 und je nen, wager dete, doch hinau Evche geſehe „ beſten —„d ſonde n. kann nie g tereſſ wart „ iſt g was kann inder Stel aubernden hm ſtand. hams Be⸗ nd offen; einfachen, ar. men, liebe ſich ſeines verbergen, nach New nen; aber hre. Ihr nfluß des nate älter reundlich; ſern über⸗ den, Dich r Herren; „die ſol⸗ geworden. kommen.“ 1 Freund, ſen. Eine loſſenheit, die Dich befällt, wann es gilt, ſich ein wenig aus Dei⸗ ner Heimath zu entfernen, völlig geheilt haben.“ „Ich klebe an der Scholle, das iſt freilich wahr; und jetzt iſt, wollte ich mich auch eines Andern beſin⸗ nen, für mich die Zeit vorbei, mich auf den Ocean zu wagen. Es gab einmal eine Zeit, wo ich mir einbil⸗ dete, ich könnte mich zu einer weitern Reiſe entſchließen; doch endlich habe ich alle Ausſichten, aus der Heimath hinauszukommen, ganz aufgeben müſſen. Nun, Miß Evchen, Ihr habt Euch in vielen Ländern trefflich um⸗ geſehen! welchem gebt Ihr den Vorzug?“ „Ich meine, Italien gefällt allen, die es ſahen, am beſten,“ antwortete Evchen mit freundlichem Lächeln; —„doch iſt nicht zu läugnen, daß jedes Land ſeine be⸗ ſondern Annehmlichkeiten beſitzt.“ „Italien!— Nun, das muß ich ſagen; darüber kann ich mich nicht genug verwundern! Ich habe noch nie gehört, daß in Italien irgend etwas vorzüglich In⸗ tereſſantes zu ſuchen ſei!— Ich habe nicht anders er⸗ wartet, als daß Ihr ſagen würdet: England.“ „England iſt auch nicht ohne ſchöne Gegenden, das iſt gewiß; aber dieſem Lande fehlt gar viel von dem, was Italien ſo reizend macht.“ „Nun, ſo ſagt doch, was fehlt England?— was kann ihm fehlen?— England,“ ſagte Mr. Howel, indem er die beide Beine anzog und eine bequemere Stellung annahm, um genauer zu höxen und, wo nö⸗ — 48— thig, zu erwiedern;—„Was kann Jtalien aufzuweiſen haben, was England nicht in einem weit vorzüglichern Grade beſäße?“ „Die Denkmäler großer Vergangenheit und alles das Intereſſante, welches in entzückend ſchöner Umge⸗ bung die Erinnerung an eine thatenreiche Vorzeit weckt.“ „Gibt es denn in England keine Denkmäler großer Vergangenheit? Erinnert Euch dort Nichts an Wilhelm den Eroberer, oder wenn Ihr wollt, auch an König Alfred, an Königin Eliſabeth und an Shakſpeare?— Bedenkt doch: Shakeſpeare! und Sir Walter Scott und die Pulververſchwörung; und Cromwell— Oliver Crom⸗ well, Miß Evchen;— und die Weſtminſter Abtei und die Londoner Brücke und Georg der Vierte, der Nach⸗ komme einer langen Reihe ächter Könige;— was, in des Himmels Namen kann Italien aufweiſen, das uns gleiches Intereſſe einflößen kann, wie die erwähnten Dinge in England?“ „Das ſind recht intereſſante Gegenſtände, ohne Zwei⸗ fel,“ ſagte Evchen, indem ſie ſich Mühe gab, recht freund⸗ lich zu erwiedern;„aber auch Italien fehlt es nicht an Denkmälern der Vorzeit; Sie vergeſſen die Cäſaren.“ „Nun, ich habe nichts gegen Eure Cäſaren, recht wackere Leute für jene barbariſche Zeit, das gebe ich zu; aber dieſe werdet Ihr doch nicht mit den engliſchen Monarchen vergleichen? Wahrhaftig, ich möchte doch zuweiſen 49— üglichern lieber um einen König Englands, gleichviel, welchen, 9 mich bemühen, als alle Cäſaren, die jemals Rom in nd alles r Umge⸗ Brand ſteckten, von Angeſicht zu Angeſicht ſehen. Ich kann 6 mir gar keinen ächtern König denken, es ſei denn einen Vorzeit 2 2 König von England?“ „Wie ſo? auch nicht den König Salomo,“ rief John er großer— ſ ch nich 9 f Joh Wilhelm Efüngzam. n Köni„Nun ja doch! ein bibliſcher König! wer ſpricht da⸗ care? g von? Italien! Nein,— das hätte ich nicht erwartet ott und von Eures Vaters Tochter, Euer Ur⸗ur⸗ur⸗Aeltervater, er Erom⸗ Mr. Effingham, war hoffentlich doch ein Engländer?“ „Ich habe einige Gründe, allerdings, dieſes zu lbtei und S. ſer Nach ben, Herr. was„Und Milton und Dryden und Newton und Locke! das 3 3 Sind dieſe nicht Bewunderung erregende Namen?— s d wiegen dieſe nicht alle Cäſaren mit einander auf? und wäͤhnten Pope dazu. Wen hat Italien, der an Pope hinan⸗ . reicht?“ ne Zwei⸗ 9„ 4„Wenigſtens manchen,“ ſagte Evchen lachend,„der t frrund⸗ über ihn reicht.“) Richt an„Und dann erinnere ich euch an den Eberkopf in 4... Läſaren. Eaſtcheap, an den Tower, an Königinn Anna und die enn, recht witzigen Köpfe ihrer Zeit, und— und— und an Bos⸗ e ich zu; engliſchen chte doch*) Im Engliſchen heißt es: They have at least the Pope. Sie ha⸗ ben wenigſtens den Pabſt; dieſes ließ ſich nicht wörtlich wieder geben. 130.— 152. 4 30 worth Field,— an Smith Field, wo die Martyrer H verbrannt wurden, und an tauſend andere Orte von fß bleibendem Intereſſe in Alt⸗England.“— „Ganz richtig,“ ſagte John Effingham, ſcheinbar 3u einſtimmend;—„aber, Howel, Du vergaßt ja den Peep⸗ d ing Tom von Coventry und das engliſche Klima.“ a „Und Holyrood Houſe und JYork Minſter und die h Saint Paulskirche,“ fuhr Mr. Howel treuherzig fort, 3 zu ſehr in ſein Verzeichniß engliſcher Herrlichkeiten ver⸗ tieft, die ihm Heiligthümer erſchienen, um die Unter⸗ f brechung zu bemerken,—„und vor allen Dingen, Wind⸗ ſor Caſtle! Gibt es etwas in der Welt, das ſich mit Windſor Caſtle vergleichen läßt, gibt es einen herrli⸗ chern Palaſt von Königen?“ Da er erſt wieder Athem ſchöpfen mußte, ehe er wei⸗ ter fortfuhr, ſo hatte Evchen Gelegenheit zu erwiedern; ſie benutzte dieſe mit einem Eifer, über den ſie gleich darauf ſelbſt lachen mußte. „Caſerta iſt eben keine verwerfliche Wohnung, Mr. Howel; ſo weit ich davon urtheilen kann, iſt der Trep⸗ penbau in derſelben für ſich allein prächtiger im wah⸗ ren Sinn des Worts als Windſor Caſtle überhaupt, höchſtens mit Ausnahme der Capelle.“ „Aber die Paulskirche?“ „Ich meine doch, daß die Peterskirche wenigſtens je⸗ ner an die Seite geſtellt werden kann.“ „Nun ja, das ſagen die Katholiken,“ entgegnete Mr. „———. Martyrer Orte von ſcheinbar den Peep⸗ na.“ und die rzig fort, eiten ver⸗ die Unter⸗ en, Wind⸗ 3 ſich mit en herrli⸗ he er wei⸗ rwiedern; ſie gleich ung, Mr. der Trep⸗ rim wah⸗ überhaupt, iiſtens je⸗ egnete Mr. — 31 Howel, mit dem zögernden Ton, welcher ſeinen Zwei⸗ fel andeutete, ob er nicht zu viel nachgegeben habe; —„aber ich habe dieſe Behauptung immer ihrer Sucht zu täuſchen zuſchreiben; denn ich ſelbſt kann mich nicht davon überzeugen, daß es etwas Schöneres geben könne, als die St. Paulskirche! Und was ſagt Ihr zu den herrlichen Ruinen in England! dieſe, das müſſet Ihr zugeben, haben ihres Gleichen nicht in der Welt.“ „Man hält allgemein den Neptunustempel in Pä⸗ ſtum für eine ſehr intereſſante Ruine, Mr. Howel.“ „Ja, ja; als Tempel mag das hingehen; doch er⸗ innere ich mich nicht, daß ich jemals dieſe Ruine hätte nennen hören. Doch, Tempel oder nicht, was gibt es wohl in der Welt, was mit einer zertrümmerten Abtei verglichen werden könnte!“ „Ueber Gegenſtände des Geſchmacks läßt ſich nicht ſtreiten, Tom Howel; das weißt Du ſo gut wie ich,“ ſagte Mr. Effingham, um ſchnell einem Wortwechſel vorzubeugen, der ihm viel zu früh. däuchte, nachdem ſie einander ſo lange Jahre nicht geſehen hatten.„Als wir noch Jungen waren, ſtritten wir öfter über die gu⸗ ten Eigenſchaften unſrer Pferdchen mit eben ſo wenig Erfolg. Hier aber ſind zwei junge Freunde, welche die Gefahren unſrer letzten Reiſe mit uns theilten, und de⸗ nen beide wir größtentheils unſre glückliche Errettung und Wiederkehr verdanken; ich weiß nichts Angelegent⸗ licheres als Dir dieſe hiermit vorzuſtellen. Der Herr 4* da iſt unſer Landsmann, Mr. Powis, und dieſer Herr ein Freund aus England, der gewiß ſich freuen wird, in Dir einen ſo warmen Bewunderer ſeines Geburts⸗ landes kennen zu lernen,— Sir George Templemore.“ Bis dahin hatte Mr. Howel noch keinen Engländer aus dem Adelſtande geſehen, und ſein Erſtaunen war ſo groß, daß er in ſeiner Erwiederung ſich äußerſt linkiſch und verlegen benahm Sobald er aber beide junge Männer mit dem achtungsvollen und gewandtem Be⸗ nehmen ſich ihm nähern ſah, wie ſie die Uebung im Weltleben erwirbt, da faßte er ſich allmählig wieder. „Ich hoffe, Miß Evchen hat auch ihr redliches ame⸗ rikaniſches Herz wieder mit zurückgebracht,“ begann er auf's neue, ſobald dieſe kleine Unterbrechung vorüber war.„Wir haben hier ſo mancherlei Gerüchte ve fran⸗ zöſiſchen Marquis und deutſchen Barons vernommen, aber ich habe längſt hinreichendes Vertrauen in ihre vaterländiſche Grundſätze bewahrt, um mir nicht vorſtellen zu können, daß ſie einen Fremden heirathen wolle.“ „Von den Fremden werden Sie hoffentlich uns Eng⸗ länder ausnehmen,“ fiel Sir George munter ein,„da wir ja demſelben Volksſtamm angehören.“ „Ich bin ſtolz auf dieſe Aeußerung Ihrerſeits, Herr; nichts könnte mir ſchmeichelhafter ſein, als für einen Engländer zu gelten, und ich würde ſicherlich nicht Miß Effingham eines Mangels an Vaterlandsliebe beſchul⸗ digt haben, wenn ſie—— „ unter Then How mein geſa⸗ er Herr mwird, eburts⸗ more.“ gländer war ſo linkiſch junge m Be⸗ ung im der. s ame⸗ aann er vorüber fran⸗ ömmen, n ihre rſtellen e.“ 3 Eng⸗ t,„da Herr; einen t Miß eſchul⸗ „— Ein halbes Dutzend Engländer geheirathet hätte,“ unterbrach ihn John Effingham, beſorgend, das alte Thema möchte wiederholt verhandelt werden.„Aber, Howel, Du haſt mir ja noch gar nichts Artiges über meine mit dem Hauſe vorgenommenen Veränderungen geſagt, die, wie ich hoffe, Dir nicht mißfallen werden.“ „Ich finde ſie ein wenig zu ſehr in franzöſiſchem Ge⸗ ſchmack, Mr. John.“ „Franzöſiſch!— Da iſt doch kein einziger Zug von franzöſiſchem Geſchmack in dem ganzen Plunder. Wer hat Dir ſolches dummes Zeug in den Kopf geſetzt?“ „Das iſt hier die allgemeine Meinung; und ich muß geſtehen, Eure Bauveränderungen würden mir weit beſ⸗ ſer gefallen, wenn ſie etwas weniger Feſtländiſch ſich ausnähmen.“ „Nicht doch, alter Knabe, das Gebäude iſt nach gar keinem auswärtigen Muſter hergeſtellt,— es iſt viel⸗ mehr eigenthümliche Idee,— Effinghamſcher, auf Doo⸗ littleſchen angepaßter Bauſtyl; und wenn Du von Mu⸗ ſtern reden willſt, ſo wirſt Du weit mehr Engliſches darin finden als irgend Etwas ſonſt.“ „Nun, wenn das iſt; ich freue mich, das von Dir ſelbſt zu hören; denn ich muß bekennen, daß mir das Haus, wie es jetzt iſt, gar nicht mißfällt. Aber ich bin äußerſt begierig zu hören, Miß Evchen, ob Ihr alle unſere ausgezeichneten Zeitgenoſſen größtentheils geſehen habt, da ihr ſo lange in Europa geweſen ſeid?— Wahr⸗ lich, dieſes allein würde ich für den größten Genuß an⸗ ſehen, den man vom Reiſen hat!“ „Wenn ich ſagen wollte, wir hätten alle geſehen, ſo wäre dieſes zu viel; doch haben wir gelegentli ch mehr ausgezeichnete Perſonen geſehen.“ „Alſo Scott, ohne Zweifel?“ „Wir hatten wirklich das Vergnügen eine kurze Zeit in London öfter mit Sir Walter zuſammen zu treffen.“ „Und Southey und Coleridge und Wordsworth und Moore und Bulwer und d'Israeli und Rogers und Campbell und den Grafen von Byron und Horace Smith und Miß Landon und Barry Cornwall und—“ „— wie ſie alle heißen mögen,“ fiel John Effing⸗ ham ein, um dem Strom von Namen Einhalt zu thun; „Evchen hat Manche von dieſen Herren kennen gelernt, und, wie Jubal zu Shylock ſagte:„oftmals kamen wir an Orte, wo wir von den Uebrigen hörten.“— Aber Du erkundigſt Dich ja gar nicht, Freund Tom, nach Göthe und Tieck und Schlegel und Lamartine, Cha⸗ teaubriant, Hugo, Delavigne, Niemezewicz, Nota, Man⸗ zoni, Niccolini und andern mehr?“ Der treuherzige und gutmüthige Mr. Howel hörte dem Namenverzeichniß, welches Jener flüchtig durchlief, mit ſtiller Verwunderung zu; denn, einige wenige von dieſen berühmten Männern ausgenommen, hatte er von ihnen bis jetzt noch gar nichts vernommen; in ſeiner Herzenseinfalt hatte er ſich eingebildet, kein einziger ß an⸗ en, ſo Hmehr e Zeit effen.“ th und s und Smith Effing⸗ thun; gelernt, en wir Aber , nach Cha⸗ Man⸗ l hörte rchlief, ge von er von ſeiner inziger noch lebender berühmter Mann ſei ſeiner Aufmerkſam⸗ keit entgangen, und es gebe unter ihnen keinen, der nicht den größten Theil ſeines Lebens in England zuge⸗ bracht hätte. „Ah, ſieh da, der junge Wenham kommt, damit das Gleichgewicht hübſch aufrecht erhalten werde,“ begann John Effingham auf's Neue.„Ich glaube beinah, daß Du ihn nicht mehr kennen wirſt Edward; aber ſeines Vaters erinnerſt Du Dich doch wohl noch ganz gewiß.“ Mr. Effingham und ſein Vetter gingen nach der Halle, um ihren jungen Gaſt zu empfangen, mit dem der Letztere ſchon bekannt geworden war, während er die Ausbeſſerungen und Verbeſſerungen des Wigwamss leitete. Mr. Wenham war der Sohn eines mit Glück in der Grafſchaft practicirenden Advocaten, und als einziger Sohn deſſelben, ſah er ſich im Beſitz eines anſehnlichen Vermögens, wodurch er in eine faſt unabhängige Lage verſetzt wurde. Seines Alters nach gehört er der Ge⸗ ſchlechtsfolge an, wozu auch Evchen gehörte, hatte alſo weder die Grundſätze noch die Anſichten in ſich aufge⸗ nommen, welche zu der Zeit, wo die Effingham's ihre Jugend veriebten, üblich waren. War nun Mr. Howel ein Widerſchein oder vielmehr ein Nachhall aller der einſeitigbewundernden Meinungen, welche die Amerika⸗ ner vor etwa vierzig Jahren über England feſthielten; ſo konnte man mit Recht ſagen, daß der junge Wenham einer ganz entgegengeſetzten Schule angehörte, und daß — 36 er in demſelben Maße ein Ultra⸗Amerikaner war, wie ſein Nachbar ein Ultra⸗Engländer. So wie es eine jeune France gibt, ſo gibt es auch bei uns, ſchon der Nachahmungsſucht wegen, eine jeune Amerique, wie wohl die ſich zu Letzterer bekennen, weit weniger kühnern Flugs als Erſtere vorwärts ſtreben. Mr. Wenham be⸗ trachtete ſich als Vorkämpfer der amerikaniſchen Unab⸗ hängigkeit in allen Dingen; daher redete er immerfort von den Vorzügen ſeines Vaterlandes und von dem unvergleichlich Trefflichen, ſo in demſelben zu finden; nur zuweilen entſchlüpfte ihm ein Nachklang aus frü⸗ herer Zeit, der den Strom ſeiner Bewunderung der Jetztzeit bisweilen dämmte, ſo wie manche Leute noch in vorgerückten Jahren einige Scheu vor dem Geiſt empfinden, der ſie in ihrer Kindheit erſchreckte, wenn ſie einen Kirchhof im Dunkeln betreten. John Effingham kannte bereits dieſe Seelenſtimmung des jungen Man⸗ nes, und wenn er ſagte, daß ſein Eintritt das Gleich⸗ gewicht erhalten werde, ſo meinte er damit nichts an⸗ ders als die einander völlig entgegengeſetzten Anſichten ihrer beiden Beſucher. 1 Wir übergehen die Bewillkommungs⸗ und Begrü⸗ ßungsreden, um gleich des Geſprächs zu erwähnen, das ſich zwiſchen ihnen im Beſuchzimmer entſpann. „Sie werden ſich gefreut haben, Miß Effingham,“ bemerkte Mr. Wenham, der als ächter Amerikaner an die geſellſchaftliche Regel feſthielt, ſelbſt ein junger Mann, vorzu Ueber den Ihrer E als k Vorſt Gebi recht lich wer der Verl ken; ohne 2 rung Bez halt Sell ſcher wie klan r, wie es eine hon der e, wie kühnern am be⸗ Unab⸗ merfort on dem finden; us frü⸗ ung der tte noch Geiſt venn ſie fingham Man⸗ Gleich⸗ hts an⸗ nſichten Begrü⸗ en, das igham,“ aner an Mann, — — 37— vorzugsweiſe ſich an eine junge Dame zu wenden, mit Uebergehung aller übrigen Anweſenden,—„gewiß wer⸗ den Sie ſich recht gefreut haben, daß unſer Land ſeit Ihrer Abweſenheit ſo bedeutende Fortſchritte gemacht hat.“ Evchen entgegnete ganz einfach, daß ſie ihre Heimath als kleines Mädchen verlaſſen und daher keine deutliche Vorſtellung von dem frühern Bildungszuſtande ihres Geburtslandes gehabt haben könne.„Ich will daher recht gern zugeben, daß mein Geburtsland einen weſent⸗ lich höhern Standpunct einnimmt, als zu jener Zeit; wer aber wie ich, bloß die Erinnerung an ältere Län⸗ der mit nach Hauſe bringt, kommt weit öfter in die Verlegenheit, die Mängel ſtatt der Vorzüge zu bemer⸗ ken; wenn auch letztere nicht verkannt werden können, ohne deßhalb ausgezeichnet zu ſein.“ Mr. Wenham ſchien betroffen von dieſer Erwiede⸗ rung,— entrüſtet, wäre vielleicht eine weit richtigere Bezeichnung; doch er gewann es über ſich, die Unter⸗ haltung mit gezwungener Gelaſſenheit fortzuführen, eine Selbſtbeherrſchung, welche Leuten von einſeitiger, dörfi⸗ ſcher Erziehung äußerſt ſchwer fällt, wenn ſie ſehen, wie wenig ihre Lieblingsideen bei andern Menſchen An⸗ klang finden. „Es kann nicht anders ſein, Miß Effingham muß Tauſende von Unvollkommenheiten in dieſem Lande ge⸗ wahr werden,“ ſagte Mr. Howel,„da ſie, wie wir wiſ⸗ ſen gradewegs von England aus hierher zurückgekehrt — 38— iſt.— Die Muſik, zum Beiſpiel— er meinte nämlich die Flötentöne, welche durch das offene Fenſter aus ei⸗ nem nahen Hauſe im Dorfe herüberklangen,—„wie rauh mag ſie ihren Ohren dünken, nun, da ſie Muſik in London kennen gelernt hat.“ „Die Straßenmuſik in London gehört gewiß zu den beſten, wo nicht zu den allerbeſten, die man in Europa hört,“ erwiederte Eochen, indem ſie dem Baronet einen Blick zuwarf, der ihm ein Lächeln ahnöthigte,—„und die Muſik, die wir eben hören, gehört vermuthlich zu jener Gattung, da ſie der Nachbarſchaft ſo ungebeten dargeboten wird.“ „Haben Sie in der Wochenſchrift die Artikel geleſen, die mit der Namenschiffre Minerva unterzeichnet ſind, Miß Effingham?“ frug Mr. Wenham, um die junge Dame in ein literariſches Geſpräch zu ziehen, da ſein erſter Verſuch, ihre Aufmerkſamkeit zu erregen, ſo we⸗ nig geglückt war;—„man ſagt im Allgemeinen davon, ſie ſeien ein würdiger Zuwachs zur amerikaniſchen Lite⸗ ratur.“ „Nun, Wenham, Ihr ſeid wahrhaftig ein glücklicher Mann,“ unterbrach ihn Mr. Howel,„wenn ihr in Ame⸗ rika eine Literatur findet, die eines Zuwachſes oder ei⸗ ner Ausmerzung werth wäre. Außer Kalendern, Berichten von Vorfällen, ohne weiteres mitgetheilt, und Zeitungs⸗ nachrichten, wüßte ich nichts zu nennen, was den Ng⸗ men amerikaniſcher Litergtur verdiente.“ „V drucken elegan ſagte ernſth. komm zu zei keiner zuſteh einen ich d ſiſche 7 wol nige nes, Kerl 1 unſr 1 nämlich aus ei⸗ —„wie ie Muſik zzu den Europa net einen —„und nthlich zu ungebeten l geleſen, )net ſind, die junge da ſein 1, ſo we⸗ en davon, chen Lite⸗ glücklicher r in Ame⸗ 8 oder ei⸗ Berichten Zeitungs⸗ den Na⸗ — 59— „Wir mögen immerhin auf weniger ſchönes Papier drucken, Mr. Howel, oder auch unſere Bücher weniger elegant gebunden in die Welt ſchicken, als andere Leute,“ ſagte Mr. Wenham, die Lippen zuſammenpreſſend und ernſthaft ihn anblickend;—„wo es aber darauf an⸗ kommt, kräftiges Gefühl und geſunden Menſchenverſtand zu zeigen, darin braucht die amerikaniſche Literatur vor keiner heutigen Tages ſich brüſtenden Literatur zurück⸗ zuſtehen“ „Bloß beiläufig, Mr. Effingham, Ihr war't ja wohl in Rußland, und habt vielleicht bei Gelegenheit den Kai⸗ ſer geſehen?“ „Wohl haben wir dieſes Vergnügen gehabt.“ „Und iſt er wirklich ſo garſtig, wie wir ihn der Be⸗ ſchreibung nach uns vorſtellen müſſen?“ „Garſtig!“ rief der erſtaunte Effingham, indem er einen Schritt vor Verwunderung zurückwich.„Wie ſoll ich das verſtehen, mein werther Freund? etwa in phy⸗ ſiſcher Bedeutung?“ „Ich kann es freilich nicht behaupten. Aber irgend⸗ wo habe ich doch die Vorſtellung her, daß er nichts we⸗ niger als hübſch iſt. Ich wette, er iſt ein gemei⸗ nes, ſchlächtermäßiges, blutdürſtig umblickendes, kleines Kerlchen.“ „Ihr läſtert wahrhaftig einen der ſchönſten Männer unſres Jahrhunderts!“ „Ich wollte doch wagen, meine Behauptung einer — 60— unparteiiſchen Jury zur Entſcheidung zu überlaſſen. Nach allem, was ich in engliſchen Blättern über ihn geleſen habe, kann ich mir ihn nicht ſonderlich hübſch vor⸗ ſtellen“ „Aber fällt es Euch denn nicht ein, mein guter Freund und Nachbar, daß dieſe engliſchen Blätter falſch berich⸗ tet, von Vorurtheilen angeſteckt, ja ſelbſt abſichtlich bös⸗ willig ſein können?“ „O! weit gefehlt! Ich bin nicht der Mann, dem man ſo leicht etwas weiß machen kann! Und, ſagt doch, welche Beweggründe kann ein engliſcher Schriftſteller haben, um Unwahrheiten über einen ruſſiſchen Kaiſer in die Welt zu ſchicken?“ „Ei freilich, welche Beweggründe!“ rief John Ef⸗ fingham,—„ZJetzt biſt Du vermuthlich abgefertigt, Edward!“ „Doch bedenken Sie, Mr. Howel,“ unterbrach ihn Evchen,„daß wir den Kaiſer Nikolaus ſelbſt geſe⸗ hen haben.“ „Ich möchte behaupten, Miß Evchen, Eure wohl⸗ wollende Natur war nur zu geneigt, ihn ſo ſchonend als möglich zu beurtheilen, und überhaupt kommt es mir vor, als ob ſeit dem Congreß von Ghent die meiſten Amerikaner ein günſtiges Vorurtheil für die Ruſſen ge⸗ faßt hätten. Nein, nein;— ich bleibe dabei, die eng⸗ liſchen Berichte können nicht trügen; die Engländer ſind Petersburg viel näher als wir, und ſind überhaupt mehr ein ar ihr ſe ſchone len ei lich b wenn Jung ſtatte E Vater drinn lich 3 gieri ſagt Zim geſag ſich more ſſen. Nach hn geleſen ibſch vor⸗ ter Freund ſch berich⸗ btlich bös⸗ ann, dem ſagt doch, chriftſteller en Kaiſer John Ef⸗ bgefertigt, brach ihn biſt geſe⸗ ure wohl⸗ ſchonend kommt es die meiſten kuſſen ge⸗ die eng⸗ inder find aupt mehr — 61— in der Art und Weiſe eingewöhnt, über dergleichen Dinge zu urtheilen.“ „Aber Tom Howel, was kann das Näherwohnen hier helfen,“ rief Effingham ungewöhnlich gereizt.„Wenn die Verfaſſer ſolcher Mittheilungen nicht unmittelbar dort wohnen, um mit eignen Augen zu ſehen?“ „Nun ja, nun ja, mein lieber Freund; wir wollen ein anderes Mal davon reden. Ich weiß nur zu gut, ihr ſeid gewohnt, Jedermann mit entſchuldigenden und ſchonenden Blicken anzuſehen. Ich will jetzt Ihnen al⸗ len einen guten Morgen wünſchen und hoffe Sie ſämmt⸗ lich bald wiederzuſehen. Miß Evchen, auf ein Wort, wenn Ihr Ench nicht ſcheut, einem fünfzigjährigen Junggeſellen eine Unterredung in der Bibliothek zu ge⸗ ſtatten.“— Evchen ſtand bereitwillig auf und geleitete Ihres Vaters Gaſt in das bezeichnete Zimmer. Sobald ſie drinnen waren, machte Mr. Howel die Thüre vorſorg⸗ lich zu, und begann alsdann mit einer Gebärde neu⸗ gierigen Entzückens: „Um des Himmelswillen, meine theure junge Dame, ſagt mir doch, wer die zwei fremden Herren im andern Zimmer eigentlich ſind?“ „Nichts anders, als was Ihnen mein Vater ſchon geſagt hat, Mr. Howel;— Mr. Paul Powis nennt ſich der Eine, und der Andere Sir George Temple⸗ more.“ — 62— „Engländer, verſteht ſich??„Ab „Sir George Templemore, verſteht ſich, wie Sie vor Be ſagen, iſt ein Engländer; aber rühmen können wir uns lich vo deſſen, daß Mr. Paul Powis unſer Landsmann iſt.“„W „Sir George Templemore!— welch' ein ſeattlicher immer junger Herr! die me „Nun meinetwegen,“ ſagte Evchen lachend;— günſtig „wenigſtens werden Sie zugeben, daß er ein ſchöner„N Mann iſt.“ und vi „Wundervoll!— der andere, Mr.— m— m— m; warun V— ich habe ſchon wieder vergeſſen, wie er heißt,— iſt gereiſt zwar ebenfalls hübſch; aber dieſer Sir George, das aber r will ich meinen, der iſt— ein ächt fürſtlicher Jüngling!“ rika h „Ich möchte dagegen vermuthen, daß die Mehrzahl„A von Beobachtern zu Gunſten des Aeußern von Mr. Po⸗ lächel wis entſcheiden würde,“ ſagte Evchen, ſich bemühend habe ruhig zu ſcheinen; während ihrer Faſſung ungeachtet ein„9 höheres Roth ihre Wange färbte. fällig „Was mag ihn wohl bewogen haben, in dieſe Berge 75 her zu kommen?— ein engliſcher Baronet!“ nahm Mr. Mone Howel das Geſpräch wieder auf, ohne Evchens Verle⸗ daß e genheit zu bemerken.„Er iſt ein ächter Lord!“ 7 „Nicht doch, nur ein Baronet,*) Mr. Howel. Sie müßt hörten, was mein Vater ſagte, wir waren Reiſege⸗ genat fährten.“ den „. wenn *) In England beſteht der hohe Adel aus Herzogen und Grafen, t. c der ſpäter eingeführte niedere Adel aus Baronets u. ſ. w. die wie Sie wir uns iſt.“ tattlicher end;— n ſchöner m m; zt,— iſt drge, das ngling!“ Mehrzahl Mr. Po⸗ bemühend achtet ein eſe Berge ahm Mr. s Verle⸗ del. Sie Reiſege⸗ nd Grafen, ſ. w. — 65 „Aber, wie mag er über uns urtheilen? Ich brenne vor Begierde zu erfahren, was ein ſolcher Herr wirk⸗ günſtige Meinung von uns hat.“ „Nun ja, von Euch und Eurem Vater, Miß Evchen, und von Mr. John ebenfalls finde ich es ſehr natürlich; warum ſollte er nicht beſſer von Euch urtheilen, ihr ſeid gereiſte Leute und mehr Europäer als Amerikaner;— aber was mag er von ſolchen denken, die nie aus Ame⸗ rika hinausgekommen ſind.“ „Auch von Manchen der Letztern,“ entgegnete Evchen lächelnd,„denkt er ganz parteiiſch das Beſte, und ich habe Grund, dieſes zu glauben.“ „Nun das freut mich von Herzen. Wißt Ihr zu⸗ fällig, was er von dem Kaiſer Nikolaus denkt?“ „Ich erinnere mich nicht, daß er jemals des ruſſiſchen Monarchen gegen uns erwähnt, auch glaube ich nicht, daß er ihn jemals ſelbſt geſehen hat.“ „Das befremdet mich wirklich! Ein ſolcher Mann müßte von Rechtswegen Alles geſehen haben und Alles genau wiſſen können; ich wollte auch wetten, daß er den ruſſiſchen Kaiſer durch und durch kennt.— Sagt, wenn Ihr zufällig einige alte engliſche Zeitungen habt, die Ihr zum Einpacken, Einwickeln, Ausfüllen und der⸗ — 61½— gleichen gebraucht habt, dann denkt an mich. Schickt ſie mir; ich frage nicht darnach, wie alt ſie ſind. Ein engliſches Zeitungsblatt, iſt es auch ein halbes Säcu⸗ lum alt, iſt jedenfalls intereſſanter als eins der unſri⸗ gen, wann es auch eben noch naß aus der Preſſe kommt.“ Evchen verſprach ihm ein Packet alter Zeitungen, und beide ſchieden unter herzlichem Händedruck. Eben im Begriff durch die Halle wieder zur übrigen Geſell⸗ ſchaft zu gehen, hielt John Effingham ſie auf. „Hat Howel Dir Anträge gemacht?“ frug der alte Herr mit wichtigthuendem Flüſtern. „Keine andere, Vetter John, als das Erbieten, alle alten Neuigkeiten aus England zu durchleſen, die ich aufzutreiben im Stande bin.“ „Ja, ja; Tom Howel wird nicht müde den ärgſten Unſinn zu verſchlingen, wenn er nur in London geſtem⸗ pelt worden iſt.“ „Ich geſtehe, daß ich ganz erſtaunt bin, einen ehr⸗ würdigen, dabei nicht ungebildeten, alten Herrn ſo ſchwachgeiſtig zu finden, daß er ſolcher verdächtigen Auc⸗ torität vertrauen mag, oder im Stande iſt, ernſte Fol⸗ gerungen und überzeugende Schlüſſe aus Mittheilungen der Art ableiten zu wollen, deren Quellen ſo unlauter ſind, wie dieſe.“ „Du kannſt Dich mit Recht verwundern, Evchen wenn Du ſolche freimüthige Bekenntniſſe dieſer Schwäche mit a bedenk für n. denken Vorfä „2 es in Engla Lands „T erreich Gewa gen u Knabe derſetz Sache würfit „2 wahr züglic rührt dieſe nem lich b „ nem wicht 136 Schickt ind. Ein es Säcu⸗ der unſri⸗ er Preſſe geitungen, ck. Eben n Geſell⸗ der alte eten, alle ‚die ich n ärgſten ngeſtem⸗ inen ehr⸗ Herrn ſo gen Auc⸗ nſte Fol⸗ eilungen unlauter Evchen Schwäche mit anhörſt;— was aber dieſe Schwäche ſelbſt betrifft, bedenke doch, daß Du Dich in einem Lande befindeſt, für welches England die Mühe übernommen hat, zu denken, ausgenommen etwa, was zunächſt die täglichen Vorfälle betrifft.“ „Aber, wie ſoll ich mir das möglich denken? Wäre es in der That ſo, wie ging es zu, daß Amerika von England unabhängig wurde?— woher kam unſern Landsleuten der Muth, gegen England zu kämpfen?“ „Der Mann, ſobald er das Alter der Volljährigkeit erreicht hat, entzieht ſich den Wirkungen der väterlichen Gewalt, ohne deßhalb den Vorſchriften und Belehrun⸗ gen untreu zu werden, die ihm in ſeinem Kindes⸗ und Knabenalter zur Richtſchnur dienten Der Soldat wi⸗ derſetzt ſich bisweilen ſeinem Obern; aber ſobald die Sache ausgeglichen iſt, wird er gewöhnlich der unter⸗ würfigſte Mann im ganzen Regiment.“ „Alles das iſt mir bis jetzt faſt unbegreiflich! Es iſt wahr, daß Manches, was damit zuſammen hängt, vor⸗ züglich im gewöhnlichen Umgang, mich unangenehm be⸗ rührt hat; doch hätte ich mir nicht vorſtellen können, daß dieſe blinde Fügſamkeit in engliſches Urtheil ſich zu ei⸗ nem ſolchen Extrem herablaſſen könne, als ſolches wirk⸗ lich bei unſerm guten Nachbar Howel der Fall iſt.“ „Du haſt jetzt die Wirkung dieſer Schwachheit in ei⸗ nem Ding wahrgenommen, das für uns auf keine Weiſe wichtig iſt; aber mit der Zeit und bei Gelegenheit wirſt 130.— 1532. 3 — 66 Du die Folgen dieſer Erbärmlichkeit in einem weit furcht⸗ barern Grade in den wichtigſten Angelegenheiten bethätigt finden, wo die Ehre und Wohlfahrt der Nation davon ab⸗ hängen. Es liegt theilweiſe in der menſchlichen Natur, Dinge, die wir täglich vor Augen haben, unter ihren wahren Werth herabzuſetzen, und andere dagegen, die uns, Zeit und Ort nach, fern ſind, bereitwillig zu über⸗ D ſchätzen. Aber gehe nur in das Beſuchzimmer zurück; die g in dem jungen Wenham wirſt Du einen von denen ken⸗ den. nen lernen, die ſich als die Vorkämpfer einer neuern ſieg⸗ tem reichen Partei betrachten; ſein voreingenommenes Ur⸗ geſell V theil und ſeine geiſtige Abhängigkeit iſt bei ihm nicht ſuche weniger offenbar, als in einer andern Hinſicht bei dem bald alten Tom Howel.“ die 1 Die Ankunft zahlreichern Beſuchs, worunter ſich mehre es, n Frauen befanden, nöthigten Evchen ihre Beobachtungen erſter über den jungen Wenham auf eine andere Gelegenheit daher aufzuſparen. Viele ihrer ehmaligen Geſpielinnen, die C ſie als kleine Mädchen gekannt, ſah ſie jetzt als erwach⸗ den ſene Mädchen wieder, und nicht wenige unter ihnen, Evch fand ſie in einer Lebensperiode, in welcher ſie ſich der dient Ausbildung ihrer körperlichen und geiſtigen Vermögen unbe hätten widmen ſollen, ſchon gebeugt unter den Sorgen ren und Beſchwerden, welche ſo drückend auf amerikaniſche Zutr junge Frauen zu laſten pflegen. licher dieſe eben it furcht⸗ bethätigt avon ab⸗ n Natur, ter ihren gen, die zu über⸗ r zurück; enen ken⸗ tern ſieg⸗ enes Ur⸗ jhm nicht bei dem ſch mehre ichtungen legenheit nen, die erwach⸗ er ihnen, ſich der bermögen Sorgen rikaniſche Dreizehntes Kapitel. „Nicht doch; wir knieen.— Leih't meinem Flehen Huldreich Gehör.“ Königin Katharina. Die Effinghams waren bald völlig einheimiſch und die gegenſeitigen Beſuche nach und nach abgemacht wor⸗ den. Mehre alte Freunde lebten mit ihnen in erneuer⸗ tem nachbarlichem Verkehr, und neue Bekanntſchaften geſellten ſich allmählig zu den frühern. Die erſten Be⸗ ſuche waren wie gewöhnlich, etwas ſteif und förmlichſz bald aber ging Alles einen weit natürlichern Gang;. die Ungezwungenheit und Anmuth des Landlebens war es, was die Effinghams wünſchten und fanden, und die erſtern geräuſchvollen und läſtigen Begegnungen waren daher bald vergeſſen. Evchens Toilettzimmerchen hatte die Ausſicht über den See, und etwa eine Woche nach ihrer Ankunft ſaß Evchen dort vor ihrem Spiegeltiſchchen. Annette be⸗ diente ſie wie gewöhnlich, während Anne Sidley, die unbewußt über Jeden eiferſüchtig war, der ſich um ih⸗ ren geliebten Pflegling zu ſchaffen machte, ſich mit dem Zutragen und Zurechtlegen alles zum Anzug Erforder⸗ lichen beſchäftigte, welches ihre Gebieterin vielleicht an dieſem Morgen auswählen könnte. Grace befand ſich ebenfalls bei ihr im Zimmer; ſie war den Händen ih⸗ 3* . 68— res Dienſtmädchens entſchlüpft, um weniger geſtört hier eins von den Büchern zu durchblättern, welche eine vollſtändige Darſtellung über den Urſprung und die Ver⸗ zweigung aller zu den höhern Ständen gehörigen Fami⸗ lien Englands, dem Titel zufolge, enthalten ſollen. Ein ſolches Buch beſaß Evchen zufällig unter einer bedeu⸗ tenden Sammlung von Reiſebüchern, Gothaer Ta⸗ ſchenkalendern, Wegweiſern bei Höfen und andere Schrif⸗ ten ähnlicher Art, die ihr nach und nach als für Reiſende unentbehrliche Dinge empfohlen worden waren. „Ei, da hab' ich es ja,“ ſagte Grace mit einem Eifer, der den plötzlichen Erfolg langen, vergeblichen Nachſu⸗ chens bezeichnet. „Nun, was haſt Du, Bäschen?“ Grace erröthete, und hätte ſich lieber in die Zunge gebiſſen, als nochmals ähnliche Unbeſonnenheit verſchul⸗ det; aber zu aufrichtig, um ihre Freundin zu täuſchen, entdeckte ſie ihr den wahren Grund ihrer freudigen Aeu⸗ ßerung. „Ich wollte bloß einmal nachſehen, ob hier auch die Familie von Sir George Templemore aufgeführt wor⸗ den iſt. Es iſt dumm genug, mit Jemanden in dem⸗ ſelben Hauſe zu wohnen und nicht einmal zu wiſſen, wie es eigentlich um ſeine Familienverhältniſſe ſteht.“ „Du haſt alſo den Namen in dem Buche gefunden?“ „Ja; ich ſehe, daß er zwei Schweſtern hat, welche beide verhei dient. von kann mun mili ſen, 7 was ſoll wer wol We pfle ört hier che eine die Ver⸗ n Fami⸗ en. Ein bedeu⸗ ter Ta⸗ Schrif⸗ Reiſende n Eifer, Nachſu⸗ 2 Zunge verſchuſ⸗ äuſchen, en Aeu⸗ auch die rt wor⸗ in dem⸗ wiſſen, teht.“ inden?“ he beide — 69— verheirathet ſind, und einen Bruder, der in der Garde dient. Aber—“ „Nun, was denn aber?“ „Sein Adel iſt nicht ſo ſonderlich alt.“ „Der Adel keines Baronets iſt ſonderlich alt; denn die erſten Baronets ſind erſt unter der Regierung Ja⸗ cobs des Erſten entſtanden.“ „Das wußte ich nicht. Sein Vorfahr wurde, wie hier ſteht, im Jahr 1700 zum Baronet erhoben. Nun, Evchen—“* „Nun, was, Grace?“ „Wir beide ſind,—“ Grace wollte die Bemerkung nicht allein auf ſich ſelbſt beziehen—„wir beide ſind von weit älteren Familien, als dieſe! Du zum Beiſpiel, kannſt Dich einer weit vornehmeren engliſchen Abſtam⸗ mung rühmen, und ich meine wenigſtens, daß ſich Fa⸗ miliennachrichten von den van Courtlandts finden müſ⸗ ſen, die weiter reichen als die Jahrszahl 1700!“ „Daran hat noch Niemand gezweifelt, Grace; aber was wünſcheſt Du eigentlich, daß ich daraus folgern ſoll? Sollen wir vielleicht auf den Vortritt beſtehen, wenn Sir George mit uns dieſelbe Thüre paſſirt?“ Grace erröthete bis über die Augen, und gleich⸗ wohl mußte ſie wider Willen lachen.„Welcher Unſinn! Wer denkt denn an dergleichen Dinge in Amerika?“ „Waſhington etwa ausgenommen; denn dort, höre ich, pflegen manche Senatorenfrauen die vornehmen Damen zu — 70— ſpielen. Aber, Du haſt ganz Recht, Grace; Frauen haben in Amerika keinen andern Rang, als den ſie ſich ſelbſt in der Geſellſchaft erwerben, als Frauen von Bil⸗ dung oder Frauen ohne Bildung, und wir wollen nicht die erſten ſein, die das ſchlechte Beiſpiel geben, gegen dieſe Regel zu verſtoßen. Ich bin daher der Meinung, daß unſre alte Abſtammung zu nichts führt, und daß wir, wie die Sachen ſtehen, dem Baronet den Vortritt laſſen können, wenn er nicht aus eignem Antriebe die Anſprüche unſeres Geſchlechts reſpectiren will.“ „Traue mir doch dergleichen Thorheiten nicht zu. Sir George Templemore ſcheint durchaus nicht auf ſei⸗ nen Rang ſich etwas einzubilden; ſelbſt Mr. Powis be⸗ handelt ihn als ſeines Gleichen, und es ſcheint, daß Sir George es ſo ganz recht findet.“ Evchens Zofe flocht ihr eben das Haar und war im Begriff, es ihr aufzuſtecken; aber die raſche Bewegung, mit welcher ihre junge Gebieterin ſich nach Grace um⸗ wandte, ließ die üppige Fülle ihres Haares Annettens Hand entſchlüpfen, und die Schultern des ſchönen, blü⸗ henden Mädchens hüllten wie vorher die ſchimmernden Flechten ein. „Und warum ſollte Mr. Powis wohl Sir George Templemore nicht als ſeines Gleiches behandeln, Grace?“ frug ſie mit einem Ungeſtüm, der bei einem im beſon⸗ nenen Weltton ſo bewanderten Mädchen, auffallen mußte. „2 der A E merkl ihre gab nehm E leicht Geſe Verh urthe Couf ſeher hatte den Abſt bens wur Plu unt ihre wel Me bre Da tra Frauen ſie ſich Bil⸗ n nicht gegen einung, nd daß Zortritt ebe die cht zu. uf ſei⸗ vis be⸗ t, daß var im degung, ce um⸗ nettens n, blü⸗ ternden George Brace?“ beſon⸗ mußte. „Nun, Evchen, der Eine iſt doch ein Baronet, und der Andere nichts als ein bloßer Gentleman.“ Evchen Effingham blieb eine Weile ſtill. Eine kaum merkliche Bewegung ihres Füßchens vermochte höchſtens ihre Aufregung zu verrathen, wiewohl ſie ſich alle Mühe gab durch die gelaſſenſte Haltung, die eine Dame an⸗ nehmen kann, ihre Gemüthsbewegung zu verbergen! Es gab wohl, wie wir mit Grund verſichern können, nicht leicht in Amerika zwei befreundete Perſonen, deſſelben Geſchlechts, Alters, Standes und faſt gleicher äußern Verhältniſſe, die in ihren Anſichten wie in ihren Vor⸗ urtheilen verſchiedner geweſen wären, als die beiden Couſinen. Grace von Courtlandt, von einer der ange⸗ ſehenſten Familien ihres Geburtslandes abſtammend, hatte von Kindheit an unmerklich die Vorſtellungen von den wirklichen oder geträumten Vorzügen vornehmer Abſtammung eingeſogen, wozu die Herabſetzung der Le⸗ bensweiſe in den Colonien, wie ſie in Romanen geſchildert wurde, die ihr öfter zu Ohren gekommenen Rügen der Plumpheit und Unwiſſenheit gemeiner Leute, die ſo tief unter der Bildung der Vornehmen ſtänden, und auch ihre eigne Einbildungskraft nicht wenig beigetragen hatte, welche, wie die Einbildungskraft aller weltunerfahrnen Menſchen, einen Verklärungsglanz über alle Dinge ver⸗ breitet, die nur aus der Ferne betrachtet werden können. Dagegen pflegte Evchen alle Dinge der Art, ſo zu be⸗ trachten, wie ſie wirklich waren. Schon früh war ſie 79 — 4 d in die glänzendſten Cirkel der europäiſchen großen Städte eingeführt worden. Sie hatte nicht bloß den Pomp der Fürſten an Galatagen und Hof⸗Feſten geſehen, der als eitles Blendwerk bloß auf Sinnenbetäubung berechnet iſt, oder eine herkömmliche Beobachtung von Formen, deren ehemaliger tiefer Sinn im Laufe der Zeit alle Bedeutung verloren, oder deren Sinn vielleicht, wenn ſie einen hatten, dennoch niemals gerechtfertigt werden konnte;— ſie hatte vielmehr öfter und längere Zeit mit hochgebornen und durchlauchtigen Perſonen in ge⸗ ſelligem Verkehr geſtanden; ſie war häufig in nicht bloß vornehme ſondern dabei hochgebildete Geſellſchaften, nicht bloß in Einer großen Stadt Europa's, ſondern in viele derſelben eingeführt worden; ſo daß die Einſei⸗ tigkeit der Anſichten des Einen Englands, deſſen Vorur⸗ theile auf die Amerikaner gleichſam als Erbtheil über⸗ gegangen, keinen Einfluß auf Echvens Urtheil ausüben konnte. Durch ſorgfältigere Beobachtung und Vergleichung hatte ſie einſehen lernen, daß die politiſchen und will⸗ kürlichen Unterſcheidungen wenig dazu beitragen, um weſentliche Verſchiedenheiten der Menſchen hervorzubrin⸗ gen; weit entfernt, ſich von dem Flitter äußerer Größe täuſchen zu laſſen, da ſie ihrem unmittelbaren Einfluſſe ſo lange und ſo nahe geſtanden, hatte ſie vielmehr die wahre Größe von der falſchen zu unterſcheiden gelernt; hatte die Vorzüge derer erkannt, die ſich durch ihre in⸗ nern trefflichen Eigenſchaften verehrungswürdig gemacht und durch welt v bloß cr ſucht über 2 war C rikaniſ des M nes vo ameril nicht! europe innern leman kenner Herrſe inner: ſeiner mann funge als pa's und men tungs edeln Treff Städte omp der der als berechnet Formen, zeit alle t, wenn werden ere Zeit in ge⸗ icht bloß ſchaften, dern in Einſei⸗ Vorur⸗ eil über⸗ ausüben leichung nd will⸗ en, um rzubrin⸗ r Größe Einfluſſe nehr die gelernt; ihre in⸗ acht und 5 durch ihre beſonnene Wirkſamkeit den Dank der Mit⸗ welt verdient; ſie hatte gelernt, weſentliche Dinge von bloß conventionellen, die Beſtrebungen verkappter Selbſt⸗ ſucht von denen ächter Humanität in ihrem Urtheil über Menſchen und Verhältniſſe zu trennen. Dadurch war Evchen zu den Folgerungen gelangt, daß ein ame⸗ rikaniſcher Gentlemann,— wobei ſie den Begriff des Mannes von wahrer Ehre nicht von dem des Man⸗ nes von ächter Bildung trennen wollte,— daß alſo ein amerikaniſcher Gentlemann die gegründeteſten Anſprüche nicht blos machen dürfe, ſondern ſolle, ſich den höchſten europäiſchen Ständen, ja ſelbſt den fürſtlichen, ſeiner innern Weſenheit nach, gleichzuſtellen. Ein ſolcher Gent⸗ leman, meinte ſie, brauche Niemanden über ſich zu er⸗ kennen, diejenigen ausgenommen, welche wirklich mit Herrſchermacht bekleidet wären; und begabt mit dieſer innern Trefflichkeit, welche den Mann vor Niemanden ſeiner Art zurückſtehen läßt, ließ ſie ihn mehr als den Edel⸗ mann gelten, ſofern der Adelſtand noch immer Abſtu⸗ fungen zuläßt. Sie war gewohnt, ſowohl ihren Vater als John Effingham in den glänzenden Cirkeln Euro⸗ pa's ſich frei bewegen zu ſehen, wegen ihres gebildeten und eigenthümlichen Geiſtes geſchätzt, durch ihr Beneh⸗ men allgemein beliebt, durch ihre angenehme Unterhal⸗ tungsgabe überall vorgezogen; ihre männliche, rückſichtvolle, edelmüthige Denkart und Handelsweiſe ſtellte ſie den Trefflichſten gleich bis auf den willkürlichen Unterſchied = angebornen Rangs; reichbegütert und mit den Gewohnhei⸗ ten der höhern Stände vertraut; ſtolz auf ihre männ⸗ lich und rühmlich ausgezeichneten Vorfahren, in ihrem eignen Streben uneigennützig, wohlwollend und men⸗ ſchenfreundlich; in allen Verhältniſſen ihre Selbſtſtändig⸗ keit behauptend, ſchritten ſie durchs Leben, in der Würde ihres männlichen Sinnes keinen andern als ihren Schöpfer über ſich erkennend. Daher hatte Evchen den Gentleman ihrer Nation als einen ſolchen betrachten lernen, der ſich den Würdigſten ihrer europäiſchen Be⸗ kannten an Rang gleichſtellen könne, und ſie ſtellte ſie über ihnen in allen weſentlichen Dingen, welche den Men⸗ ſchen Anſpruch auf ſelbſt erworbne Auszeichnung geben können. Sie fühlte ſelbſt vor Fürſten und Herzögen keine größere Achtung, ſo fern ſie in ihnen nichts wei⸗ ter als Fürſten und Herzöge ſah; aber ſie ſchätzte ſie wegen perſönlicher ausgezeichneter Eigenſchaften gleich andern Menſchen; und indem ihr raſcher Ueberblick die lange Reihe willkührlicher und künſtlichen Abſtufungen der menſch⸗ lichen Geſellſchaft erwog, und ſie eben jetzt bemerkte, wie Grace eine ſo hohe Wichtigkeit auf den zweifelhaften und rein conventionellen Rang eines engliſchen Baronet zu legen ſchien, ſo empfand ſie das Unverſtändige und Lächerliche eines ſolchen Vorurtheils deſto ſtärker. „Ein bloßer Gentleman, Grace!“ wiederholte ſie gedehnt die Worte ihrer Couſine,„und iſt denn ein bloßer Gentleman,— ein bloßer amerikaniſcher Gent⸗ leman leman das w etwas und ameri er tie Oheir herzig meinf die e nehm erlitt ſtatte . chem Bar vohnhei⸗ 2 männ⸗ n ihrem nd men⸗ tſtändig⸗ Würde s ihren chen den etrachten hen Be⸗ ſtellte ſie en Men⸗ ig geben Herzögen hts wei⸗ ätzte ſie n gleich die lange rmenſch⸗ rkte, wie und rein zu legen icherliche holte ſie eenn ein er Gent⸗ leman— nicht eben ſo viel als irgend ein andrer Gent⸗ leman— und ganz beſonders ein erbärmlicher engli⸗ ſcher Baronet, wenn er nichts für ſich hat, als ſeinen zufälligen Rang?“ „Ein erbärmlicher Baronet, Evchen!“ „Ja wohl, meine Liebe, ein erbärmlicher Baronet. Ich weiß recht gut, warum und mit welchem Recht ich das ſage. Es iſt wahr, wir wiſſen nicht ſo viel von der Abſtammung des Mr. Powis,“— ſie erröthete, aber zwang ſich ruhig und gelaſſen fortzufahren,—„als wir beide wünſchen möchten; doch, daß er ein Amerikaner iſt, das wiſſen wir jetzt, und das iſt, meine ich, wenigſtens etwas; und dann ſehen wir beide, er iſt ein Gentleman; und worin kann ein amerikaniſcher Gentleman, ein amerikaniſcher ächter Gentleman, ſage mir, worin kann er tiefer ſtehen als ein engliſcher Baronet? Würde Dein Oheim, meinſt Du,— würde Vetter John,— der hoch⸗ herzige, ſeines innern Werths ſich bewußte Vetter John, meinſt Du, Grace,— würde er es ſich gefallen laſſen, die erbärmliche Auszeichnung einer Baronetſchaft anzu⸗ nehmen, wenn unſre Verfaſſung ſolche Veränderungen erlitten hätte, um äußere Rangunterſcheidungen zu ge⸗ ſtatten?“ „Nun, welchen Rang würden die Efſinghams in ſol⸗ chem Fall anſprechen können, wenn nicht den Rang von Baronets?“ „Grafen, Herzöge, Fürſten! Das ſind die Bezeich⸗ nungen der höchſten Stände Europa's, und ſolche oder ähnliche Titel, würden in ſolchem Fall auch bei uns beſtehen, um die höchſten Rangſtufen zu bezeichnen.“ „Ich glaube nicht, daß Sir Templemore ſich über⸗ reden laſſen werde, das alles einzuräumen!“ „Wenn Sie zugegen geweſen wären, als Miß Evchen Effingham von Fürſten umringt und bewundert wurde,“ ſagte Anne Sidley mit großem Ernſt in ihren Worten; „wenn Sie dabei geweſen wären, Miß Grace, ſo wür⸗ den Sie wahrhaftig nicht glauben, daß einer, der nicht mehr iſt, als Sir George, ihrer werth ſein könne.“ „Unſere gute Nanny meint einen Sir George über⸗ haupt,“ unterbrach ſie Evchen lachend,„aber nicht den Sir George, von dem wir ſprechen. Aber, ernſtlich ge⸗ ſprochen, liebes Bäschen, es hängt mehr von uns ſelbſt und weit weniger von Andern ab, als man gewöhnlich glaubt, um ſich in dem Lichte darzuſtellen, in welchem wir bei andern Menſchen erſcheinen wollen. Weißt Du denn nicht, daß es in Amerika Familien gibt, welche, wenn ſie andere als perſönliche Rückſichten ſich zur Richt⸗ ſchnur nehmen wollten, manchen Baronets und rothbe⸗ bänderten Herren ihre Töchter nicht geben würden, weil ihnen ſolche Bewerber nicht hinreichend vornehm dün⸗ ken möchten? Wie umgereimt würde es ſein, wenn ein Sir George, oder wenn unſer Sir George verſchmähen wollte, die Tochter eines Präſidenten der Vereinigten Staate nicht g Du es Mr. um D dig ſe geben, weit auszei dazu cher e bar z Ehre , Temp der z olche oder bei uns onen.“ ſich über⸗ iß Evchen t wurde,“ Worten; ſo wür⸗ der nicht mne.“ rge über⸗ nicht den nſtlich ge⸗ uns ſelbſt ewoͤhnlich welchem Veißt Du , welche, zur Richt⸗ d rothbe⸗ den, weil ehm dün⸗ wenn ein ſchmähen ereinigten — 7— Staaten zu heirathen, weil ſie dem Range nach ihm nicht gleichſtehe? und gleichwohl wollte ich wetten, daß Du es für keine ſonderliche Ehre halten würdeſt, wenn Mr. Jackſon einen Sohn hätte und bei meinem Vater um Dich für ihn anhalten wollte. Laßt uns ſelbſtſtän⸗ dig ſein, unſre Selbſtſchätzung bewahren, uns Mühe geben, gebildete Frauen und Männer zu werden, und weit entfernt, gehaltloſer Titel und zufälliger Standes⸗ auszeichnungen zu bedürfen, werden wir ſo vielmehr dazu mitwirken, den Unwerth und die Zweckloſigkeit ſol⸗ cher eitler und nichtsſagender Unterſcheidungen recht fühl⸗ bar zu machen, ſo fern ſie durchaus nichts zur wahren Ehre und größern Glückſeligkeit beitragen können“ „Glaubſt Du denn nicht, Evchen, daß Sir George Templemore recht wohl an den Rangunterſchied denkt, der zwiſchen ihm und uns ſtattfindet.“ „Dafür will ich keinesweges einſtehen,“ gab Evchen leicht hin zur Antwort.„Der junge Mann iſt im Gan⸗ zen beſcheiden, und wenn er einſieht, daß wir dem höch⸗ ſten geſellſchaftlichen Kreis eines großen freien Staats angehören; ſo wird es ihn vielleicht ſchmerzen, daß ihm dieſes Glück in ſeinem eignen Vaterlande nicht zu Theil geworden iſt; zumal jetzt, da er Dich hat kennen lernen.“ Grace erröthete, eine frohe Ueberraſchung leuchtete auf in ihren Zügen, die an Entzücken gränzte, aber das Erſtaunen ſchien endlich die Oberhand zu behalten. Die — 78— rſten drei Aeußerungen ihrer Gefühle bedürfen wohl keiner Erläuterung, aber die letztere wohl deſto mehr. Nur die Zeit und die Macht der Umſtände vermag eine Provinz oder einen Provinzialort zu dem Gefühl der Selbſtſtändigkeit und Unabhängigkeit zu erheben, welche in der Umgebung einer Hauptſtadt und in dieſer ſelbſt ſo bezeichnend überwiegt. Es wäre eben ſo viel, wenn man von den Inſaſſen der Kinderſtube verlangen wollte, daß ſie das Uebergewicht der Geſellſchaft im Beſuchzim⸗ mer nicht anerkennen ſollten, als von einem Provinzial⸗ ſtaat zu erwarten, daß er es wagen werde, ſelbſtſtändig zu denken und zu handeln. Es iſt alſo nicht zu ver⸗ wundern, daß Grace von Courtlandt in ihren beſchränk⸗ teren Anſichten vom Leben, in ihrer mangelhaften Welt⸗ kenntniß, ihren vorurtheilsbefangenen Umgang und ihren provinziellen Gewöhnungen einer ganz entgegengeſetzten Richtung folgen mußte, als Erziehung und Verhältniſſe Evchen geführt, und daß Grace weit entfernt von der Selbſtſtändigkeit der Anſichten blieb, welche Evchen ſich in allen Dingen erworben hatte, über welche ſie oft⸗ mals verſchiedner Meinung waren. Wäre Grace wirklich in New England geboren worden, ſo hätte ſie weniger von dem bloßen Rang eines engliſchen Baronets ſich blenden laſſen, als dieſes bei unſern Landsleuten gewöhnlich der Fall iſt; denn, wenn auch die Bevölkerung New Englands weit mehr als andere Staaten der Union das Uebergewicht Großbritaniens empfindet, ſo wird doch dor gelegt, dieſer G liſchen A durch Bo lands in meiſten war, un bloß auf auf beka zurück, liſche S. Aehnlich geweſen Lebensja reits err und dief flochten, ſein kon „Da von ein Grace rung er vorbrach Du Si öffentlit puncte wohl mehr. ig eine hl der welche rſelbſt wenn wollte, ichzim⸗ inzial⸗ tändig u ver⸗ hränk⸗ Welt⸗ ihren ſetzten ltniſſe n der n ſich oft⸗ irklich r von enden onlich New inion wird voch dort keine ſolche Wichtigkeit auf engliſchen Adel gelegt, weil die Lebensverhältniſſe der Coloniſten in dieſer Gegend weit weniger von dem Einfluſſe der eng⸗ liſchen Ariſtokratie berührt wurden. Dagegen war Grace durch Bande des Bluts mit den höhern Ständen Eng⸗ lands in weit näherer Beziehung, als dieſes mit den meiſten vornehmen Familien von New York der Fall war, und die Erinnerungen ibrer Familie führten nicht bloß auf hohe Abſtammung im Mutterlande, ſondern auch auf bekannte ausgezeichnetere Verhältniſſe in den Colonien zurück, ſo daß daher ihre Voreingenommenheit für eng⸗ liſche Standesauszeichnung leicht erklärt werden konnte. Aehnliche Anſichten würden auch bei Evchen vorherrſchend geweſen ſein, wenn ſie nicht, ſchon in ihren frühſten Lebensjahren in eine andere Sphäre verſetzt, in die be⸗ reits erwähnte Denkungsart eingeweiht worden wäre,— und dieſe Denkart war ſo innig in Evchens Leben ver⸗ flochten, als es Grace's Anſichten mit dem ihrigen ſein konnten. „Das iſt eine ſonderbare Vorſtellung, die Du Dir von einem engliſchen Baronet machſt, Evchen!“ rief Grace aus, ſobald ſie ſich ein wenig von der Verwir⸗ rung erholt hatte, welche die perſönliche Anſpielung her⸗ vorbrachte.„Ich möchte doch gar ſehr bezweifeln, ob Du Sir George Templemore bewegen könnteſt, ſeine öffentliche Stellung aus dem von Dir gewählten Geſichts⸗ puncte zu betrachten.“ — 80— „Rein, meine Liebe, ich glaube, er wird jetzt nicht loß dieſen Gegenſtand ſondern auch noch vieles Andere, nicht mit eignen, ſondern mit anderen Augen anſehen. Laß uns deßhalb lieber von angenehmern Dingen reden; denn ich muß Dir nur geſtehen, daß wenn von Stan⸗ desperſonen die Rede iſt, ſo ſteht mein Sinn weit mehr nach fürſtlichem Rang, und ein bloßer Chevalier gnügt dann meiner Eitelkeit nur wenig.“ „Aber Evchen,“ unterbrach ſie Grace mit Heftigkeit, „ein engliſcher Baronet gehört zum höhern Adel; Sir George Templemore hat mir das kürzlich noch am geſtrigen Abend geſagt. So viel ich weiß, haben erſt neulich die Wappenherolde dieſen Grundſatz zur Freude der ganzen Körperſchaft aufgeſtellt.“ „Das iſt mir recht lieb, Grace,“ erwiederte Evchen indem ſie ihre Ungeduld kaum verbergen konnte,— „dieſer Umſtand mag in den Augen dieſer Herren große Wichtigkeit haben. Soviel wenigſtens gebe ich zu, daß unſer Sir George Templemore, ſei er Ritter oder Ba⸗ ronet, großer oder kleiner oder winziger Baron, wie die Leute bei uns ſagen,— ein für alle Mal ein edler Mann iſt; und auf welchen höhern Adel kann ein vernünftiger Menſch Anſpruch machen wollen!— Weißt Du ſchon, liebes Bäschen, daß der Wigwam in der nächſten Woche voll von Gäſten werden wird?— Daß es nöthig ſein wird, unſer Berathungsfeuer anzuzünden und die Willkommpfeife mit Vielen zu rauchen?“ „It wandte „U Mrs. 2 treuher chende hier ſe einand ten rer ich we bliothe wollen Ev ſtanden ſellſcha ſtehen, oder d Handr men d Männ dem 2 und ihre L hatte feiner hatte wie 150 jetzt nicht s Andere, anſehen. en reden; on Stan⸗ veit mehr ier gnügt HOeftigkeit, n Adel; noch am aben erſt r Freude e Evchen ante,— en große zu, daß der Ba⸗ wie die edler inn ein Weißt in der — Daß uzünden 3 — 81— „Ich habe von Mr. Powis gehört, daß ſein Ver⸗ wandter, Capitain Ducie, am Montag eintreffen werde.“ „Und am Dienſtag kommt Mrs. Hawker; Mr. und Mrs. Bloomfield am Mittwoch, und der ehrliche, brave, treuherzige, Schöngeiſtern ausweichende, Cigarren rau⸗ chende Capitain Truck wird ſpäteſtens am Donnerſtag hier ſein. Wir werden ein großes ländliches Feſt mit einander feiern, und ich höre die Herren von Kahnfahr⸗ ten reden und andern Beluſtigungen.— Aber, ſo viel ich weiß, hält mein Vater eben eine Berathung im Bi⸗ bliothekzimmer und wünſcht, daß wir dabei ſeien; wir wollen uns hinbegeben, wenn es Dir gefällig iſt.“ Evchens Toilette war längſt fertig, beide Mädchen ſtanden alſo auf und ſtiegen hinunter zur übrigen Ge⸗ ſellſchaft. Mr. Effingham fanden ſie an einem Tiſche ſtehen, der mit Planzeichnungen bedeckt war, und zwei oder drei anſtändig gekleidete und verſtändig ausſehende Handwerksmeiſter ſtanden ihm zur Seite. Das Beneh⸗ men dieſer Männer war artig, gelaſſen und beſcheiden. Männliche Beſonnenheit mit achtungsvoller Rückſicht vor dem Alter und Anſehen des Hausherrn deuteten Worte und Geberden an, obſchon, einen ausgenommen, alle ihre Hütte aufhatten! Der Eine mit unbedecktem Haupte hatte durch öftern Verkehr in dieſer Familie ſchon etwas feinere Sitten ſich angewöhnt; und dieſe Gewöhnung hatte ihn gelehrt, daß er es der Achtung vor ſich ſelbſt, wie vor andern, ſchuldig ſei, die längſt eingeführten 150.— 152. 6 —&— kegeln des Anſtandes im täglichen Umgang nicht aus oen Augen zu verlieren. Seine Gefährten, ohne deß⸗ halb rohe Leute zu ſein, oder abſichtlich unhöflich, be⸗ nahmen ſich weniger anſtändig, bloß vermöge des ein⸗ reißenden Mißbrauchs unachtſamen Benehmens, welches unmerklich die frühere beſcheidene und anmuthige Sit⸗ ten verdrängt; eine ſchlimme Gewohnheit, die man nicht mit Unrecht gewiſſen falſchen und unſtatthaften politiſchen Anſichten zuſchreiben kann, welche durch den, alle ge⸗ fälligere geſellige Formen verhöhnenden Einfluß derbheit⸗ wetteifernder Demagogen in's öffentliche Leben einge⸗ griffen hat. Doch keiner von dieſen drei thätigen, dabei höflichen und einigermaßen gebildeten Männern, die jetzt mit den Hüten auf den Köpfen in Mr. Effingham's Bi⸗ bliothekzimmer ſtanden, war ſich deſſen völlig bewußt, daß ſie gegen die Höflichkeit verſtießen; ſie fehlten bloß, inſofern ſie unmerklich einer ſchlimmen Angewöhnung folgten, die ſie dem böſen Beiſpiel Anderer verdankten. „Ich freue mich, daß Du gekommen biſt, liebes Kind,“ ſagte Mr. Effingham, als ſeine Tochter eintrat,— „denn ich werde Deines Beiſtandes bedürfen um meine Meinung zu unterſtützen. John beobachtet ein hartnäk⸗ kiges Schweigen, und was die andern Herren betrifft, ſo fürchte ich beinah, daß ſie entſchieden mir entgegen ſind.“ „Du kannſt immer feſt auf meinen Beiſtand rechnen, theurer Vater, ſo ſchwach er auch ſein mag; aber was iſt eig Meinn 8 der K hier, bracht, der Un genom zu Gr Gitter gleich zel, d der G K Umgeſt wunde mir ſt rung z ſrer O D chen,“ ſter, n war, und ke mehr i Ev Erſtau⸗ icht aus )one deß⸗ lich, be⸗ des ein⸗ welches ige Sit⸗ han nicht liitiſchen alle ge⸗ derbheit⸗ n einge⸗ n, dabei die jetzt m's Bi⸗ bewußt, en bloß, öhnung dankten. Kind,“ at,— meine artnäk⸗ betrifft, atgegen echnen, er was — 835— iſt eigentlich der Punct, worin Deine Meinung von der Meinung der übrigen Herren abweicht?“ „Hier wird ein Vorſchlag erörtert, wie das Innere der Kirche verändert werden ſolle, und unſer Nachbar hier, Mr. Gouge, hat uns dieſe Rißzeichnungen mitge⸗ bracht, nach welchen er, wie er ſagt, in mehren Kirchen der Umgegend die erforderlichen Bauveränderungen vor⸗ genommen hat. Die Idee, die dieſen Planzeichnungen zu Grunde liegt bezweckt die Entfernung der Glas⸗ oder Gitterſtühle, die Umgeſtaltung derſelben in Seitenſitze, gleich den übrigen; ſodann die Erniedrigung der Kan⸗ zel, die Erhöhung der Flur und der Sitze ringsum in der Geſtalt eines Amphitheaters.“ „Können wohl hinreichende Gründe zu einer ſolchen Umgeſtaltung vorhanden ſein?“ frug Evchen voll Ver⸗ wunderung.„Seitenſitze, ſchon das Wort mißfällt mir; mir ſcheint es auf eine unnütze und unſtatthafte Neue⸗ rung zu deuten. Schwerlich würde ſich ſolche mit un⸗ ſrer Orthodoxie vertragen.“ „Die Einrichtung iſt ganz volksthümlich, Miß Ev⸗ chen,“ antwortete Mr. Ariſtobulus, indem er vom Fen⸗ ſter, wo er mit Andern in leiſem Geſpräch begriffen war, ſich ihr näherte,„dieſe Mode gefällt allgemein, und kommt unter allerlei Arten Benennungen immer mehr in Aufnahme.“ Evchen wandte ſich unwillkührlich um, und zu ihrem Erſtaunen gewahrte ſie, daß der Redacteur des„thäti⸗ 6* 8 4½ jen Nachforſchers“ mit zu ihrer Geſellſchaft gehöre. Sei⸗ nen Gruß erwiederte die junge Dame kalt und fremd. Mr. Dodge hatte der öffentlichen Stimme nicht wider⸗ derſtreben mögen und ſich ſeinen Schnurbart abraſiren laſſen; er blickte mit Winken des Einverſtandenſeins um ſich und ſuchte durch ſein Benehmen die Anweſen⸗ den glauben zu machen, daß er mit der Effinghamſchen Familie auf dem vertrauteſten Fuß ſtehe. „Volksthümlich mag eine ſolche Einrichtung immer⸗ hin ſein, Mr. Bragg,“ entgegnete Evchen, ſobald ſie ihre tiefe, feierliche Verbeugung gegen Mr. Dodge be⸗ endigt,—„aber ſchwerlich wird Jemand ſagen kön⸗ nen, daß ſie ſchicklich ſei. Es heißt doch wahrlich die Ordnung der Dinge umkehren, wenn man die Sünder erhebt und den Heiligen erniedrigt, oder, mit andern Worten, die bußfertige Gemeinde hochſtellt und den er⸗ mahnenden Prediger herabſetzt?“ „Sie vergeſſen, Miß Evchen, daß nach der alten Einrichtung Niemand in der Kirche frei um ſich ſchauen konnte; die Gemeinde wurde auf unverantwortliche Weiſe niedergehalten, wenn ich mich dieſes Ausdrucks bedienen darf, und bloß der Prediger hatte eine freie Ausſicht, und außer ihm höchſtens die Sänger vorn auf der Chor⸗ bühne Das war alſo doch unrecht.“ „Ich begreife nicht, Herr, in wiefern eine freie Aus⸗ ſicht, wie Sie es nennen, ein weſentliches Erforderniß der Andacht iſt, oder ob eine Gemeinde gute Lehren nicht mit ebenſo ter, a befinde „Un Schritt Bragg Weiſe ſetzen mehr c ſtellen Evr Weile „Gl ich frag nern de Amts! Gottes W „ ſichtspu Kirche geben, ham, w Bei gen die zuwend „N. Kirche öre. Sei⸗ d fremd. t wider⸗ abraſiren denſeins Anweſen⸗ hamſchen immer⸗ obald ſie odge be⸗ gen kön⸗ rrlich die Sünder tandern den er⸗ er alten ſchauen he Weiſe bedienen Ausſicht, der Chor⸗ eie Aus⸗ korderniß nicht mit 8⁵ ebenſo viel Aufmerkſamkeit anhören kann, wenn ſie un⸗ ter, als wie dann, wenn ſie über dem Geiſtlichen ſich befindet.“ „Um Vergebung, Miß,“— Evchen wich einige Schritte zurück, wie ſie gewöhnlich that, wenn Mr. Bragg ſich auf ähnliche rückſichtloſe und geringſchätzige Weiſe an ſie wandte;—„wir erheben Niemanden und ſetzen Niemanden herab; unſer Streben bezweckt nicht mehr als gerechte Gleichſtellung aller Menſchen. Wir ſtellen ſie ſämmtlich möglichſt auf gleicher Höhe.“ Evchen blickte verwundert uͤmher, und dann, ſich eine Weile bedenkend, ob ſie auch recht gehört, ſagte ſie: „Gleichſtellung!— Gleichſtellung aller! worin, wenn ich fragen darf?— Doch nicht mit den geweiheten Die⸗ nern der Kirche während der Verwaltung ihres heiligen Amts!— doch nicht mit denen, die uns den Willen Gottes verkünden?“ „Wir ſehen die Sache nicht grade aus dieſem Ge⸗ ſichtspunet an, Madame. Die Gemeine hat aber die Kirche gebaut; das Eine werden Sie ſelbſt uns nach⸗ geben, Miß Efſingham, und auch Sie, Mr. Effing⸗ ham, werden dieſes einräumen.“ Beide Angeredeten verbeugten ſich bejahend, da ge⸗ gen dieſe einfache und einleuchtende Prämiſſe nichts ein⸗ zuwenden war, aver beide ſchwiegen. „Nan hat doch wohl eine Gemeinde, wenn ſie eine Kirche baut, das Recht ſich ſelbſt untereinander zu fra⸗ — 86 en, zu welchem Zweck eigentlich die Kirche gebaut wor⸗ den iſt?“ „Zur Verehrung Gottes,“ erwiederte Evchen in ru⸗ hig feierlichem Ton, der ſogar den mit ſich ſelbſt faſt immer zufriedenen und nicht leicht aus der Faſſung zu bringenden Ariſtobulus ein wenig betroffen machte. „Ja wohl, Miß, zur Verehrung Gottes und zu einem bequemen Verſammlungsort der Gemeinde.“— „Ganz gewiß,“ fügte Mr. Dodge hinzu,„zur öffent⸗ lichen Bequemlichkeit, und zur öffentlichen Gottes⸗ verehrung,“ indem er das Beiwort jedesmal abſichtlich betonte. „Sie, lieber Vater, werden wenigſtens nie in Dieſes einwilligen!“ „Auf keinem Fall, liebe Tochter. Ich geſtehe, Dieſes widerſtrebt allen meinen Vorſtellungen, ſelbſt mit anzu⸗ ſehen, wie reumüthige Sünder, wollten ſie auch noch ſo viel Demuth und Bußfertigkeit heucheln, vor aller Augen mit ihrer Andacht ſich ſpreizen, und ihr ſelbſtſüchtiges und dünkelhaftes Weſen zur Schau tragen.“ „Sie werden doch nicht in Abrede ſtellen, Mr. Effing⸗ ham,“ entgegnete Ariſtobulus, daß Kirchen der öffent⸗ lichen Bequemlichkeit wegen da ſind, wie Mr. Dodge ſo richtig bemerkt hat?“ „Nein, Herr; ich behaupte vielmehr, daß ſie der Gottesverehrung wegen da ſind, wie meine Tochter ſo richtig bemerkt hat.“ „Ja Jederm „Au Nebenz ohne 3 Wort d ausſpra bärde. Evc ben Ve einande gezeicht Veracht ges un „Ve darf ni „B ſchehen „G ſich ſo den At Schauf lichkeit „S John Blicke ut wor⸗ in ru⸗ bbſt faſt ung zu re. meinem ffent⸗ Gottes⸗ ſichtlich Dieſes Dieſes it anzu⸗ noch ſo r Augen üchtiges Effing⸗ öffent⸗ odge ſo ſie der chter ſo „Ja, Herr, auch dieſer wegen, das will ich gegen Jedermann vertheidigen.“ „Auch der öffentlichen Bequemlichkeit halber, als Nebenzweck des Hauptzwecks,— ſo meint Mr. Bragg ohne Zweifel,“ ſagte John Effingham. Es war das erſte Wort das er an dieſem Morgen bei dieſer Gelegenheit ausſprach, und das mit der gewohnten ſpottenden Ge⸗ bärde. Evchen wandte ſich ſchnell um, und blickte ihren lie⸗ ben Vetter an. Nahe am Tiſche ſah ſie ihn mit über⸗ einandergeſchlagenen Armen ſtehen, während ſeine aus⸗ gezeichneten Geſichtszüge allen den Hohn und alle die Verachtung widerſtrahlten, welche ein gewöhnlich ruhi⸗ ges und wohlwollendes Antlitz auszudrücken vermag. „Vetter John,“ ſagte ſie ernſthaft und beſtimmt,„das darf nicht geſchehen!“ „Bäschen Evchen, nichtsdeſtoweniger wird es ge⸗ ſchehen!“ „Gewiß nicht,— gewiß nicht! Menſchen dürfen nie ſich ſo weit vergeſſen, nie alles Geziemende ſo ganz aus den Augen verlieren, um den Tempel Gottes in ein Schauſpielhaus zu verkehren, worin freilich die Bequem⸗ lichkeit der Zuſchauer ein Hauptzweck ſein mag!“ „Sie, mein Herr, ſind auf Reiſen geweſen,“ ſagte John Effingham, indem er durch die Richtung ſeiner Blicke andeutete, daß er Mr. Dodge allein anrede,— 88—. „Sie haben folglich auch die dem Gottesdienſte geweihten Orte in andern Weltgegenden beſucht. Hat nicht die fromme Einfalt, die gemeinſame Andacht aller, der Hohen und Niedern, Reichen und Armen, wenn ſie vereint in De⸗ muth um den Altar knieeten, Ihr Herz gerührt, Ihr Gemüth mit Theilnahme erfüllt, Ihr Inneres mit Wonne durchbebt? Fühlten Sie durch den mächtigen Eindruck ſich nicht erſchüttert, beſonders in katholiſchen Ländern?“ „So wahr ich hoffe ſelig zu werden, niemals, Mr. John Effingham! Ich war vielmehr empört über die Erbärmlichkeit dieſes Cultus, und wahrlich, ich habe mich geärgert über die herabwürdigende Weiſe, wie die Leute ſich dort auf den kalten, feuchten Steinen niederwarfen auf ihre Knie, als ob ſie nicht beſſer wären als gnade⸗ flehende Uebelthäter.“ „Und waren ſie denn beſſer?“ frug Evchen in faſt zu ſtrengem Ton.„Müſſen ſie ſich nicht als ſolche be⸗ trachten, wenn ſie das Erbarmen des einen, großen, allmächtigen Gottes anflehen?“ „Sei es, wie es wolle, Miß Effingham; das Volk will herrſchen, und es wäre vergeblich zu fordern, daß es nicht ebenſowohl die höchſten Sitze in der Kirche an⸗ ſpreche als die höchſten Stellen im Staat. Ich ſehe wahrlich nicht ein, weßhalb ein Prediger einen höhern Platz einnehmen ſollte als ſeine Gemeinde. Daher ſtellt die neue Einrichtung der Kirchen, die Bequemlichkeit ſämmtlicher Glieder der Gemeinde berückſichtigend, ſie ſämmtli iſt. Ir in beſor Leute ſe daß ich kaum e bekam, Schule; hinſetze ihnen g Gebet Ich bin daher b „Es in wei nicht di ſen Leu was deo Gottest Sitze g thigen niedern ſengepo keiten teſtante tus un Neuern — 89— ſämmtlich auf gleiche Höhe, ſo weit es irgend möglich iſt. In früheren Zeiten begruben ſich einzelne Familien in beſondern Kirchenſtühlen; da konnten ſie weder alle Leute ſehen, noch von ihnen geſehen werden; ich weiß, daß ich öfter ſo in der Kirche geſeſſen habe, daß ich kaum ein Stück von des Predigers Perücke zu Geſicht bekam,— es war nämlich ein Mann nach der alten Schule;— und ehe ich mich in der Kirche ganz allein hinſetze, ohne meine Mitgeſchöpfe zu ſehen und von ihnen geſehen zu werden, thue ich beſſer, meine ich, mein Gebet zu Hauſe in meinem Kämmerlein zu verrichten. Ich bin, ſage ich Ihnen, ein Freund der Freiheit, und daher bin ich gegen die abgeſonderten Kirchenſtühle.“ „Es iſt wirklich Schade, Mr. Dodge,“ entgegnete Evchen in weit ruhigerem Ton,„daß Sie auf Ihren Reiſen nicht die Staaten der Moſlems beſucht haben. Bei die⸗ ſen Leuten könnten wir Chriſten noch Mancherlei lernen, was das Geziemende wenigſtens in dieſem Punct der Gottesverehrung anbelangt. Dort würden Sie gar keine Sitze gefunden, ſondern geſehen haben, wie die reumü⸗ thigen Gläubigen ſich in Maſſe auf die kalte Steinflur niederwarfen; wo man durchaus keine Ahnung von kiſ⸗ ſengepolſterten Kirchenſtühlen und ähnlichen Bequemlich⸗ keiten hat, die blos in Putzzimmer gehören. Wir Pro⸗ teſtanten haben in dieſer Hinſicht keinesweges den Cul⸗ tus unſrer kotholiſchen Vorfahren verbeſſert; und die Neuerung, welche hier vorgeſchlagen wird, iſt in meinen — 90— Augen ein ungebührlicher, ja ſündlicher Eingriff in die ehrwürdigen Gebräuche des chriſtlichen Cultus.“ „Ach, Miß Evchen, das iſt die Folge, wenn Formen mit dem Weſen der Dinge verwechſelt werden!“ rief der Redacteur des„thätigen Nachforſchers“ aus.—„Was mich betrifft, ſo habe ich mich jederzeit über die Thor⸗ heiten geärgert, die ich faſt in allen von mir beſuchten Ländern angetroffen habe, Können Sie ſich ſo etwas vorſtellen, Mr. Bragg? von vernünftigen Weſen, von wirklich, unleugbar lebenden Menſchen, Männern wie Frauen, dergleichen vorſtellen? wie ſie knieend auf den ſteinernen Fußböden lagen, gleich ebenſo viel Cameelen, die bereit ſind die Laſten ihrer Treiber aufzunehmen?“ — Mr. Dodge war nämlich gewohnt, ſeine Gleichniſſe aus den verſchiednen Weltgegenden zu entlehnen, welche er geſehen hatte.—„Da finden Sie in manchen Kir⸗ chen weder Gitter⸗ noch Glasſtühle, keinen Polſterſitz, durchaus keine der geringſten Bequemlichkeiten, wie ſolche für freie, gebildete Weſen ſich ſchicken; alle Ein⸗ richtungen ſind vielmehr ſo entwürdigender Art, als ob un⸗ abhängige, ſelbſtſtändige Weſen, zurechnungfähige Men⸗ ſchenſeelen nicht beſſer als ebenſo viel ſtumme Sclaven⸗ ſeelen in einem türkiſchen Palaſte wären!“ „Das ſollten Sie doch im„thätigen Nachforſcher“ erwähnen,“ ſagte Ariſtobulus. „Alles zu ſeiner Zeit, Herr; ich habe noch manche intereſſante Materialien aufgeſpart, woraus ich einige in die Formen lief der „Was Thor⸗ ſuchten etwas , von en wie uf den neelen, men?“ ichniſſe welche n Kir⸗ ſterſitz, „ wie e Ein⸗ ob un⸗ Men⸗ laven⸗ rſcher“ nanche einige Bemerkungen— ich darf wohl ſagen, daß ſie nicht ohne Werth ſein werden— über die Unſchicklichkeit des im⸗ merwährenden Knieens vernünftiger Weſen mittheilen will. Nach meiner Anſicht, meine Herren und Damen: daß wir Amerikaner knieen ſollten, kann Gott nicht an⸗ genehm ſein!“ Die alten ehrwürdigen Handwerksmeiſter, die um den Tiſch ſtanden, ſtimmten ſeinen Aeußerungen nicht durchaus bei; denn einer von ihnen machte die aus⸗ drückliche Bemerkung:„er finde nichts Auffallendes da⸗ rin, daß der Menſch die Knie vor ſeinem Schöpfer beuge;“ nur ſchloß er ſich der Meinung der Andern an, daß die neuvorgeſchlagene Einrichtung der Kirchenſitze weit gefälliger ſei, als die frühere. „Mir ſcheint es faſt immer, Miß Effingham,“ ſagte einer von ihnen,„als ob ich von einem der niedrigen Sitze aus die Predigt weit beſſer verſtehen könne, als in einem der alten mit hohen Rückwänden, welche faſt wie Verſchläge ausſehen.“ „Aber ſind Sie im Stande, auf Kirchenbänken mit niedrigen Rücklehnen, beſſer Ihre Gedanken zu ſammeln, Herr?— Können Sie da Ihre Sinne vor allem, was Sie umgibt verſchließen, und herzinniglich ſich zu Gott erheben?“ „Sie meinen vermuthlich, wenn die Gebete geſpro⸗ chen werden, wenn ich Sie recht verſtehe?“ 92— „Ja, mein Herr; ich meine, wenn wir zu Gott unſre rat Gedanken erheben, ſei es in Bitten oder Dankſagungen.“ dar „Nun, das überlaſſen wir ja in der Regel dem Pre⸗ — diger; doch ich gebe zu, daß hierbei das Anlehnen an wa den Rändern der neumodiſchen Kirchenſitze nicht ſo ge⸗ rüc mächlich iſt, wie dieſes bei den altmodiſchen der Fall ein war. In den neuen ſitzt ſich's gewiß bequemer, aber wid das Anlehnen geht ſchwieriger. Dagegen läßt ſich aber ſie V einwenden, daß das Sitzenbleiben, während der Geiſt⸗ mü liche betet, jetzt bei Ihren Leuten faſt ebenſo allgemein wid V beliebt wird, Miß Effingham, als bei den unſrigen. ent Im Ganzen bleibt doch die Predigt die Hauptſache.“ die „Ja, Herr,“ bemerkte Mr. Gouge,„am meiſten pflege gen ich auf gute Andacht und eindringliche Predigten zu nich halten. Man kann ſich zur Noth mit Gebeten mittel⸗ atit mäßigen Gehalts behelfen; aber die Predigt muß noth⸗ dri wendigerweiſe vorzüglich gut ſein.“ we „Dieſe Herren,“ ſagte John Effingham, betrachten es b die Predigt ſo ziemlich wie eine Herzſtärkung bei kaltem kon — unfreundlichem Wetter, welche in nicht zu geringer Doſis eingenommen werden darf, wenn ſie die Lebensgeiſter gehörig erwärmen ſoll; das ſind keine Leute, die ſich in Verſchlägen einſperren laſſen, wie verirrte Schafe,— das laſſen ſie wohl bleiben.“ „Mr. John pflegt doch immer eine Bemerkung auf ſeine Weiſe zu machen,“ ließ ſich einer von ihnen ver⸗ nehmen. Mr. Effingham hielt es für das Beſte, die Be⸗ unſre igen.“ Pre⸗ n an o ge⸗ Fall aber aber Geiſt⸗ emein rigen. pflege en zu nittel⸗ noth⸗ ichten altem Doſis eiſter ch in 95 rathung aufzuheben, indem er ſagte, er wolle weiter darüber nachdenken. Sobald die Meiſter des Bauhandwerks abgetreten waren, wurde die Sache noch ausführlich von den Zu⸗ rückgebliebenen verhandelt. Die Effinghams erklärten einſtimmig, daß ſie dieſer Neuerung, weil ſie ein Verſtoß wider die dem Geiſtlichen gebührende Ehrfurcht ſei, weil ſie auf die Betenden ſtörend und zerſtreuend einwirken müſſe, und weil ſie dem Schicklichkeitsgefühl überhaupt widerſtreite, ſich ſtandhaft widerſetzen wollten; ihnen entgegen behaupteten Mr. Bragg und Mr. Dodge, daß dieſe Umänderungen durch die öffentliche Meinung drin⸗ gend gefordert würden, daß es der menſchlichen Würde nicht gemäß ſei, ſich einſperren zu laſſen, und wäre es auch in der Kirche, und daß überhaupt eine recht ein⸗ dringliche Predigt bei gottesdienſtlichen Zuſammenkünften weit wichtiger ſei, als alles Singen und Beten, möge es nun aus dem Herzen oder bloß aus der Kehle kommen. Vierzehntes Kapitel. „Wir folgen Cade!— Wir folgen Cade!“ Haufen Volks. „Die Anſichten dieſes Mr. Bragg und unſeres alten Reiſegefährten, Mr. Dodge, über die Formen des religiö⸗ — 9— ſen Cultus ſcheinen mir ganz eigner Art zu ſein,“ be⸗ mer merkte Sir George Templemore auf dem Wege, der eign die kleine Allee vor dem Wigwam hinab nach dem See Tre führte, wohin er, die drei Damen, Paul Powis und gene John Effingham einen gemeinſchaftlichen Spaziergang in d machten.„Ich meine, es würde ſchwer ſein, einen Chriſten Held zu finden, der gegen das Knieen bei'm Gebet Etwas and einzuwenden hätte.“ chen „In Beziehung auf dieſes Land haben Sie doch nicht ſolle Recht, Templemore,“ antwortete Paul,„denn ſolcher Fre Chriſten giebt es hier eine große Anzahl, um nicht von ei⸗ auch ner Secte zu reden, welche eine fromme Scheu vor al⸗ ſcha len Kniebeugungen bewahrt. Unſre würdigen Vorfah⸗ anh b ren, gleich allen Neulingen, verwickelten ſich in man⸗ cherlei Extreme, wie in andern Dingen, ſo auch in den reliöſen Gebräuchen. Wenn Sie einmal nach Philadel⸗ ſo l phia kommen, ſo werden Sie dort etwas Auffallendes finden, wirklich lächerlich in ſeiner Art. Doch das Lä⸗ mei cherliche möchte noch hingehen, wenn ſich dieſer Wirkung nicht noch etwas peinlich Empörendes beimiſchte; etwa 3 ihren von der Art, wie Manche gegen Mücken anſtreben und gend dagegen Kameele verſchlucken, wie das Sprichwort ſagt, des, und es iſt mir leid genug, daß dieſer Uebelſtand grade weit unſre Kirchgemeinſchaft betrifft.“ ang Muſik däuchte es Evchen's Ohren, daß Paul Powis des, von ſeinen würdigen„Vorfahren“ ſprach, die alſo„Ame⸗ zu rikaner“ geweſen ſein mußten, und daß er, wie ſie be⸗ „“ be⸗ 2, der n See s und rgang hriſten Etwas nicht ſolcher on ei⸗ or al⸗ orfah⸗ man⸗ n den ladel⸗ lendes s Lä⸗ rkung etwa n und ſagt, grade howis ‚Ame⸗ ie be⸗ merkte, ſich ohne Rückhalt als einen Eingebornen ihres eignen Geburtslandes darſtellte; denn, ſo wenig ſie das Treiben Vieler ihrer Landsleute billigte, und ſo unan⸗ genehm ſie von den Ungereimtheiten und Widerſprüchen in den Anſichten Mehrer berührt wurde; ſo hatte unſre Heldin doch ſo manche Mißſtände und Verkehrtheiten in andern Ländern geſehen; als daß ſie nicht mit rühmli⸗ chem Stolz die Vorzüge ihrer Heimath hätte anerkennen ſollen. Ein beruhigendes Gefühl geſellte ſich zu der Freude über ſeine amerikaniſche Abſtammung, als ſie jetzt auch vernahm, daß er ſich zu derſelben Kirchengemein⸗ ſchaft bekenne, welcher ſie ſelbſt mit ſolcher Innigkeit anhing. „Und was fanden Sie ſo lächerlich in Philadelphia, und zwar bei unſrer Kirche?“ frug ſie.„Ich bin nicht ſo leicht abzuweiſen, wann dieſe ehrwürdige Kirchenge⸗ meinſchaft angegriffen wird.“ „Es iſt Ihnen bekannt, daß die Proteſtanten in ihrem Abſcheu vor allem Bilderdienſt in manchen Ge⸗ genden ſelbſt des Kreuzes, als äußern religiöſen Sinnbil⸗ des, ſich nicht bedienen mochten, und daß ſie darin ſo, weit gingen, daß man die Zeit mit Wahrſcheinlichkeit angeben kann, wo man im Bereich eines ganzen Lan⸗ des, deſſen ſämmtliche Bewohner beſtändig vor der Liebe zu Jeſum, und von dem Vertrauen auf ſein heiliges Mittleramt redeten, als ob darin der Zweck ihres Lebens und Strebens erreicht wäre, demungeachtet kein einzi⸗ ges Kreuz hätte finden können.“ „Allerdings waren unſere Vorfahren, wie wir alle wiſſen, faſt zu ſtreng und zu bedächtig in allen Dingen, die auf die äußern Formen des Cultus Bezug haben.“ „Sie gaben ſich wirklich alle Mühe, die religiöſen Bräuche den Sinnen ſo wenig angenehm zu machen, als möglich, indem ſie eine Vergeiſtigung des Gefühls bezweckten, welche dagegen vorzüglich geeignet iſt, geiſtige Selbſtüberſchätzung und frömmelnde Argliſt zu begünſti⸗ gen. Ich weiß zwar nicht, ob das Reiſen auf Sie eine ähnliche Wirkung hervorgebracht hat, wie auf mich ſelbſt; doch fühle ich ſeither meinen angeerbten Widerwillen gegen die ſichtbare Darſtellung des Kreuzes durch ein andächtiges Gefühl überwiegen, das mir das Kreuz als Sinnbild werth macht; vorzüglich aber gefällt mir ein ganz einfaches Kreuz ohne alle die bluttriefenden Zuſätze und kleinlichen Nebendinge, welche man in katholiſchen Ländern nur zu oft antrifft. Die deutſchen proteſtan⸗ tiſchen Länder, wo die Altäre mit einem Crueifix ge⸗ ſchmückt ſind, haben mich zuerſt von dieſem in meiner Kindheit eingeſogenem Vorurtheil geheilt.“ „Ich glaube, auch wir, Vetter John, ſind von dem Anblick des Kreuzes in deutſchen proteſtantiſchen Kirchen angenehm überraſcht worden. Ich erinnere mich, daß ich anfangs faſt zurückſchauderte, wenn ich ein Kreuz zu Geſicht bekam, und allmählig gewöhnte ich mich daran. es ge Ihnen ich ha zierun Wigw „2 Thüre Unſre deren noch ſo dur ſtreber jede 2 währe! heiligt „J Geſellf „3 wenigf ſeit de ſern Y reich b züge f moren Condé welche machte 130 einzi⸗ calle ingen, den.“ giöſen rachen, hefühls eeiſtige günſti⸗ ie eine ſelbſt; rwillen rch ein euz als nir ein Zuſätze bliſchen dteſtan⸗ fir ge⸗ meiner on dem Kirchen , daß reuz zu daran. es gern zu ſehen. Es ſcheint mir beinah, daß mit Ihnen eine ähnliche Veränderung vorgegangen iſt; denn ich habe nicht weniger als zwei Kreuze unter den Ver⸗ zierungen des großen Fenſters am Eingangsthurm unſeres Wigwam entdeckt.“ „Du hätteſt auch ein Kreuz in jeder großen und kleinen Thüre im ganzen Hauſe entdecken können, Fräulein. Unſre würdigen Vorfahren, wie Mr. Powis ſie nennt, deren Frommthun, leider, weder durch geiſtige Demuth noch ächt chriſtliche Nächſtenliebe ſich verklärte, waren ſo durchaus unwiſſende Menſchen, daß ſie, ihres Wider⸗ ſtrebens ungeachtet, in jedes Thor, das ſie zimmerten, in jede Thüre, die ſie ſchreinerten, ein Kreuz einfügten, während ihre Augen im heiligen Eifer gegen dieſes ge⸗ heiligte Symbol der Kirche geblendet waren.“ „In jede Thüre!“ riefen alle Proteſtanten in der Geſellſchaft. „Ja wohl, in jede Thüre! ich ſage nicht zu viel; wenigſtens in jeden panelirten Thür⸗ oder Thürflügel; ſeit den letzten zwanzig Jahren. Ich ſelbſt wurde un⸗ ſern Mißgriff erſt gewahr, als ich ein Schloß in Frank⸗ reich beſuchte, deſſen Erbauung in die Zeit der Kreuz⸗ züge fällt. Es war eins von den Schlöſſern der Mont⸗ morency's, das durch Heirathsverträge in den Beſitz der Condée's überging, und der höfliche alte Hausdiener, welcher mir die Merkwürdigkeiten des Schloſſes zeigte, machte mich auf die Steinkreuze in den Fenſtern auf⸗ 130.— 152. 7 merkſam, von welchen dieſe Croisées genannt werden, und er ſagte mir dabei, daß dieſe Bauart von den Kreuzrittern herrühre. Mich nach einer Thüre hinwen⸗ dend, bemerkte ich dieſelbe Kreuzesform in Holz ausge⸗ führt in den Durchzügen der Fütterung. Wer von uns nur einen Blick, auch nur auf die unanſehnlichſte Thüre werfen will, die hier im Dorfe zu finden iſt, wird daſ⸗ ſelbe Symbol überall vor Augen haben, und noch dazu in der Mitte einer Bevölkerung, die lieber den Tod hätte leiden mögen als den Gedanken ertragen, daß ſie das Zeichen des Thiers*), wie ſie es nennen, über ihrer Thürſchwelle aufgerichtet ſähen.“ Die ganze Geſellſchaft war verwundert; aber die erſte Thüre, deren ſie anſichtig wurden, beſtätigte die Erklärung John Effingham's und ſetzte die Wahrheit ſeiner Behauptung außer Zweifel. Katholiſcher Eifer und frommer Bildnerſinn wären nicht im Stande geweſen, ein treueres Abbild dieſes bezeichnenden Symbols ihres Glaubens hervorzubringen; und hier ſtarrten dieſe Thür⸗ kreuze jedem Vorübergehenden in's Antlitz, als ſpotteten ſie der unwiſſenden und thörigten Anmaßung derer, die ſo unnützerweiſe auf geringfügige Nebendinge großes Ge⸗ wicht legten, während das Weſen der Religion in gläu⸗ bigem Gottvertrauen und nächſtenliebender Demuth be⸗ ſteht. *) Siehe Offenbarung Johannis. Kap. 13. werden, on den hinwen⸗ ausge⸗ on uns 2 Thüre ird daſ⸗ dch dazu od hätte ſie das er ihrer ber die igte die Vahrheit er Eifer geweſen, öls ihres ſe Thür⸗ ſpotteten rer, die oßes Ge⸗ in gläu⸗ nuth be⸗ — 99— „Und was war das mit der Kirche zu Philadelphia?“ frug Eochen lebhaft, ſobald die erſte Neugier im Be⸗ treff der Thürkreuze befriedigt war.„Jetzt bin ich noch weit begieriger geworden, zu hören, welchen drolligen Mißgriff wir dort begangen haben mögen.“ „Ein unfrommer Mißgriff wäre vielleicht ein paſſen⸗ derer Ausdruck,“ antwortete Paul.„Der einzige Kirch⸗ thurm der in dieſer Stadt ein halbes Jahrhundert er⸗ reicht hat, iſt auf ſeiner Spitze mit einer Mitra ge⸗ krönt, während man das Kreuz abſichtlich als Thurm⸗ zierde verworfen hatte!“ Allgemeines Schweigen folgte dieſer einfachen Mit⸗ theilung; denn in der bloßen Erwähnung eines facti⸗ ſchen Umſtandes liegt oft weit mehr Beweiskraft, als in allen den dialektiſchen Spitzfindigkeiten und rhetori⸗ ſchen Kunſtgriffen, deſſen ſich weitläufige Redner bedie⸗ nen mögen. Jedermann begriff die ausgezeichnete Dumm⸗ heit, um nicht zu ſagen Keckheit, dieſes Mißgriffes auf der Stelle, und Jedermann verwunderte ſich, wie eine Gemeinde ihren geſunden Menſchenverſtand ſo habe ver⸗ läugnen können, um ihn zu begehen. Doch, wir irren uns: ein Einziger machte eine Ausnahme von dem all⸗ gemeinen mißbilligenden Erſtaunen, und dieſer war Sir George Templemore. Seinen kirchlichen und poli⸗ tiſchen Anſichten, ſeinen anti⸗katholiſchen Vorurtheilen, welche letztere nicht weniger durch das engliſche Staats⸗ intereſſe, als durch religiöſe Begriffe beſtimmt wurden, 7* — 100— konnte es kaum als Mißgriff erſcheinen und mußte es vielmehr genügen, daß man ſtatt eines Kreuzes dem Thurm eine Mütze aufgeſetzt hatte. „Es war doch allem Anſchein nach eine biſchöfliche Kirche, Powis,“ bemerkte er,„und wenn es keine rö⸗ miſch⸗katholiſche Kirche war, welches beſſere Symbol hätte die Gemeinde ſtatt eines Kreuzes wählen können?“ „Indem ich jetzt weiter darüber nachdenke, kommt mir die Sache auch nicht mehr ſo befremdend vor, wie vorher,“ ſagte Grace, haſtig einfallend;„Sie werden ſich nämlich erinnern, Mr. Effingham, daß die Prote⸗ ſtanten mit der ſinnlichen Darſtellung des Kreuzes die Vorſtellung heidniſcher Bilderanbetung verbanden, weil die Katholiken vor dieſem Sinnbilde anbeten.“ „Und von Biſchöfen, Pairs im Parlament, in Kirche und Staat, bis zur Mitra!“ „Nun ja, ich habe die Kirche geſehen; ſie war ſchon vor dem Revolutionskrieg erbaut; es war eher eine eng⸗ liſche als eine amerikaniſche Kirche.“ „Sie iſt wirklich weit eher eine engliſche als eine ame⸗ rikaniſche Kirche, und Templemore hat ganz Recht, wenn er ſie in Schutz nimmt, ſammt ihrer Mitra.“ „Ich möchte wohl die Vermuthung wagen, daß am Altar dieſer Kirche ein Biſchof functionirt habe?“ „Ich möchte es nicht blos muthmaßen,— ich weiß, daß ein Biſchof dort functionirte, und er ſah lieber die Mitra zweihu dert Fuß oben in der Luft ſchweben, als — 101— daß er ſolche auf ſein ſchlichtes, weißhariges, apoſtel⸗ gleiches Haupt hätte dulden mögen.— Aber wir haben an dieſem Morgen ſchon genug von geiſtlichen Dingen geredet;— dort wartet Tom auf uns mit den Kähnen — laßt uns jetzt unſre Ruder handhaben.“ Die Geſellſchaft war jetzt auf dem kleinen, rohge⸗ zimmerten Werfplatz angekommen, der zugleich als An⸗ landplatz diente, und der Kahnführer machte ſo eben die nöthigen Vorbereitungen, indem er der Ankunft der Fahr⸗ luſtigen entgegenſah. Anſtatt ſeine Dienſte anzunehmen, entließen ihn die Herren, weil ſie lieber ſelbſt die Ru⸗ der führen wollten. Luſtfahrten wurden von den An⸗ wohnern des See's während der heißen Sommermonate auf dem ſchönen klaren Waſſerſpiegel häufig angeſtellt, und öfter wurden die Kahnführer entlaſſen, wenn ge⸗ übte Ruderer ſich unter den Fahrluſtigen befanden. Sobald der leichte tänzelnde Kahn an der Landungs⸗ ſtelle anlegte, ſchiffte ſich die ganze Geſellſchaft ein; Paul und der Baronet griffen zu den Rudern, und dieſe kräftig handhabend, ſtießen ſie ſchnell vom Ufer ab. „Dieſe Welt wird allmählig zu enge für den in's Weite ſtrebenden abenteuerlichen Sinn der Menſchen unſerer Zeit,“ ſagte Sir George, während er und ſein Gefährte langſam weiter ruderten, indem ſie die Rich⸗ tung des öſtlichen Ufers unter den dichtbewaldeten Fel⸗ ſenwänden nahmen, da die Damen wünſchten, dorthin zu ſchiffen;„hier ſitzen wir, Powis und ich, neben ein⸗ — 102— ander rudernd, über einen amerikaniſchen Gebirgsſee, nachdem wir noch nicht lange Zeit am Rande der gro⸗ ßen Wüſte längs der Küſte von Afrika hinruderten Polyneſien und Auſtralland könnten ſonach vielleicht uns noch beide zuſammen als tüchtige Bootsleute kennen lernen.“ „Der abenteuerliche Sinn der jetzigen Zeit bringt wirklich Wunder in dieſer Beziehung hervor,“ ſagte John Effingham.„Länder, von denen unſre Väter höch⸗ ſtens in Reiſebeſchreibungen laſen, werden jetzt uns, ihren Nachkommen ſo bekannt wie die väterlichen Woh⸗ nungen; und wie Sie mit Recht andeuteten, ſchwer iſt es vorher zu beſtimmen, zu welchem Aeußern die aben⸗ teuerliche Reiſeluſt in den nächſten paar Geſchlechtsfolge die Menſchen treiben möchte.“ „Vraiment, c'est fort extraordinaire de se trouver sur un lac Américain?“ rief Mademoiſelle Vieſville aus. „Meinen Sie wirklich, es ſei etwas Außerordentli⸗ cheres, als einen Schweizer See zu befahren, meine liebe Viefville?“ „Non, non; mais c'est tout- aussi extraordinaire pour une Parisienne?“ „Jetzt wird es meine Pflicht, Sie ſämmtlich,— mit Ausnahme von Mr. John Effingham und Miß Grace van Courtlandt,—“ fuhr Evchen fort,—„in die Wun⸗ der und Sehenswürdigkeiten unſeres See's und ſeiner Umgebungen einzuführen. In der Nähe des kleinen Hauſes, das dort an einer Quelle köſtlichen Waſſers erbaut iſt, ſtand vormals die Hütte Natty Bumppo's,— zu ſeiner Zeit ein berühmter Jäger, ein Mann, welcher die Ein⸗ fachheit eines Waldbewohners, mit dem Heldenmuth ei⸗ nes indianiſchen Kriegers, der Frömmigkeit eines Chri⸗ ſten und der Begeiſterung eines Naturdichters verband. Einen trefflichern Mann in ſeiner Art hat es wohl noch nie gegeben.“ „Wir haben alle von ihm gehört,“ rief der Baro⸗ net neugierig umblickend aus,„und Alles, was einen ſolchen Mann näher berührt hat, muß unſre innige Theilnahme erregen. Ich wünſchte wohl ein Gegenſtück zu einem ſolchen Charakter kennen zu lernen.“ „Weh uns!“ ſagte John Effingh am,„die Zeiten der Lederſtrümpfe ſind vorüber. Sein Leben und Wirken ging dem meinigen vorher, und von ſeiner Denk⸗ und Handelsweiſe iſt wenig mehr in einem Lande zu finden, wo der Geiſt der Speculation weiter um ſich greift als die moraliſche Entwilderung, und wo mehr Auswande⸗ rer als Jäger ſind. Natty wählte wahrſcheinlich dieſen Platz um ſeine Hütte zu bauen, der nahen Quelle wegen; iſt es nicht ſo, Miß Effingham?“ „So iſt esz und jenes kleine Bächlein, daß Sie drü⸗ ben aus dem Dickicht herrauſchen ſehen, und das ſich gleich Demantflimmern in den See ergießt, heißt bei uns die„Elfenquelle,“ vermöge eines poetiſchen Schwun⸗ ges, der, wie manche andere Gefühle, bei uns aus der — 104— Fremde gekommen ſein mag; denn ich ſehe hier nichts, was den Urſprung einer ſolchen Benennung aus den Ei⸗ genthümlichkeiten der Gegend erklären könnte; denn El⸗ fen hat man nie, auch nicht aus alten Mährchen im ganzen Bereich des Otſego gekannt.“ Jetzt näherte ſich der Kahn einer Stelle des Ufers, wo die Bäume faſt bis in die Fluthen hineinwuchſen, und ihre dichtbelaubten Zweige die ruhige glatte Fläche überwölbten, die ihre phantaſtiſchen Formen widerſpie⸗ gelte. Bald gewahrten ſie hier in der Nähe einen an⸗ dern leichten Kahn, der langſam in derſelben Richtung hintrieb und ihnen nur wenig vorangekommen war. Auf einen Wink John Effingham's brachten einige wenige kräftige Ruderſchläge beide Kähne einander näher. „Das iſt das Flaggenſchiff*), das da,“ bemerkte John Effingham halb flüſternd, während ſie dem andern Kahne ſich näherten.„Auf ihm befindet ſich kein ge⸗ ringerer Mann, als der„Commodore“ in eigner Per⸗ ſon. In früheren Zeiten war der Beherrſcher des See's ein Admiral**), aber das war zu einer Zeit, wo wir *) So heißt in einer Flotte das Schiff des Admirals, auf einer Seeſtation das des Befehlshabers auf welchem die National⸗ flagge weht;— daher ſcherzhafter Weiſe auf einem Fluſſe, See oder Teich, der Kahn, den man am häufigſten auf und nieder gleiten ſieht. Anm. d. Ueberſ. **) Jedes anmuthige Plätzchen hat ſeinen Lieblingsſpaziergänger; jeder jagdbare Forſt ſeinen Jäger, der ihn faſt täglich beſucht; nichts, en Ei⸗ in El⸗ en im Ufers, uchſen, Fläche erſpie⸗ en an⸗ chtung r. Auf venige merkte andern in ge⸗ r Per⸗ See's vo wir uf einer ational⸗ ſſe, See dnieder eberſ. gänger; beſucht; noch ſo monarchiſch geſinnt waren, um uns europäiſcher Benennungen zu bedienen. Jetzt aber kann Keiner in Amerika es höher bringen, als bis zum Commodore, ſei es auf dem Ocean oder auf dem Otſego, wie groß ſeine Verdienſte und Leiſtungen auch ſein mögen.“—„Recht behagliches Wetter, Commodore; es freut mich, Euch noch immer flott zu ſehen, in dem Glanze Eures Ruhms.“ Der Commodore, ein langer, ſchmächtiger, aber muskelkräftiger Mann, von etwa ſiebenzig Jahren, und altersbleichem Haupt, hatte kaum das herankommende Boot flüchtig bemerkt, als er ſich ſchon von dem bekann⸗ ten Zuruf John Effinghams begrüßt hörte. Doch jetzt wandte er das Haupt, und indem er die ganze Geſell⸗ ſchaft durch eine Brille beäugelt, lächelte er gutmüthig und erwiederte den Gruß durch ein Zeichen mit der Hand, während die andere nicht aufhörte zu rudern; aufrecht ſtand er am Hinderſteven ſeines Kahns, und antwortete ohne Umſchweife: „Ein herrlicher Morgen, Mr. John, und das rechte jede fiſchreiche Stelle eines Gewäſſers ſeinen regelmäßigen Be⸗ ſucher— nur in anderer Beziehung als die, welche immer an demſelben Platz in demſelben Wirthshauſe anzutreffen ſind— meiſtens originelle Menſchen in ihrer Art. Dergleichen Leuten gibt man öfter ſcherzhafte Namen;— ſo hier dem alten Fiſcher den Titel eines Commodore. Ihr eigentlicher Namen wird darüber bisweilen ganz vergeſſen. Man kennt ſie bloß unter dem andern. Anm. d. Ueberſ. — 106— Mondviertel, wo gut Kahnfahren iſt. Der Tag iſt zwar heute keiner der günſtigſten, was das Fiſchen anbelangt, aber ich bin doch hergekommen, um wenigſtens zu ſehen, ob alle die Vorländchen und Buchten noch an der rechten Stelle ſind.“ „Woher kommt das, Commodore, daß das Waſſer in der Nähe des Dorfs weniger klar iſt als gewöhn⸗ lich, und daß man ſelbſt hier umher ſo viel Trübungen über dem Waſſer treiben ſieht?“ „Iſt das eine Frage, die Mr. John Effingham thun darf, der doch den See von Kindesbeinen an kennen muß! Das kommt aber von dem Reiſen in die fremden Länder. Dabei vergißt, beſorge ich, mancher Menſch öfter ebenſo viel, als er Neues erfährt.“ Bei dieſen Worten wandte der Commodore ſich ganz herum, und indem er die offne Hand nach Rednerweiſe erhob, fügte er hinzu.„Sie müſſen wiſſen, meine Damen und Her⸗ ren, daß alleweile der See im Blühen iſt.“ „Im Blühen, Commodore! Ich habe noch nicht ge⸗ wußt, daß das Waſſer ſeine Blüthen habe wie die Ge⸗ wächſe.“ „Es iſt aber doch ſo; nicht bloß Blüthen; ei freilich, Mr. John, auch ſeine Früchte hat es; doch nach den Letzteren müſſen diejenigen erſt graben, die das Ding recht verſtehen. Seit den letzten Jahren, meine Damen und Herren, ſind keine außerordentliche Fiſchzüge auf dem Otſego vorgekommen; doch bedarf es heutiges Ta⸗ ges des f eine grüng vom ächte ich weiß wohl drei Waſſerfläc wie man ger ſogar „Der thümliche noch aus der Beher det uns Ausdruck Erblicken den Händ „Ein ſeiner Ar *) Im hörig mit e pan wied irref mutl Sec die bildꝛ zwar langt, ſehen, lechten Vaſſer wöhn⸗ ungen thun eennen emden Nenſch dieſen „ und fügte d Her⸗ cht ge⸗ ie Ge⸗ reilich, ch den Ding Damen ge auf es Ta⸗ — 107— ges des feinen Tacts, den nur die Uebung gibt, und eine gründliche Kenntniß der Lockſpeiſen, um eine Floſſe vom ächten Fang an die Oberfläche zu ködern. Nun, ich weiß noch die Zeit, wo ich ſelbſt, der ich hier ſtehe, wohl dreimal das Haupt des See⸗Rieſen*) über die Waſſerfläche in freier Luft erblickt habe; aber vor mir, wie man erzählt, iſt es dem Admiral, meinem Vorgän⸗ ger ſogar einmal geglückt, ihn mit Händen zu greifen.“ „Der Seerieſe!“ ſagte Evchen, welche die eigen⸗ thümliche Art des alten Mannes ergötzte, deſſen ſie ſich noch aus ihren Kinderjahren erinnerte, wo er bereits der Beherrſcher des See's geweſen war;—„Ihr wür⸗ det uns einen Gefallen erzeigen, wenn ihr uns dieſen Ausdruck erläutern wolltet, und auch, was ihr mit dem Erblicken ſeines Kopfs und dem Ergreifen deſſelben mit den Händen meint.“ „Ein Seerieſe iſt die Vollendung eines Dinges in ſeiner Art. Ich weiß recht gut, daß Mr. Grant, als er *) Im Text ſteht: Sogdollager, ein nicht zur Schriftſprache ge⸗ höriger Provinzial⸗ oder nielmehr Local⸗Ausdruck, der ſich mit einiger etymologiſchen Freiheit etwa durch Schlammpo⸗ panz und mit poetiſcher Licenz durch Untiefenbeherrſcher wieder geben ließe. Da aber ſolche Willkür leicht die Leſer irreführen könnte, ſo hielt Ueberſetzer es für das Beſſere, dieſes muthmaßlich zu den Lachsforellen gezählte Waſſerungeheuer als Seerieſen zu bezeichnen. Manche Naturkundigen meinen, die Species ſei untergegangen und beſtehe nur noch in der Ein⸗ bildung der Fiſcher. — 108— noch lebte, öfter geſagt hat, dieſer Ausdruck ſei in kei⸗ nem Wörterbuche zu finden; doch es gibt gar mancher⸗ lei Dinge die in einem Wörterbuche ſtehen müßten, die aber von den Setzern vergeſſen worden ſind. Es mag nun Lachsforellen geben, von welcher Größe es wolle, der Seerieſe bleibt ihr Commodore auf jedem Fall. Aber, was das betrifft, meine Damen und Herren, ich möchte Euch nicht gern alles das erzählen, was ich von dieſem Patriarchen der Gewäſſer weiß, Euch aber faſt unglaub⸗ lich erſcheinen würde; doch, wenn er nicht wenigſtens hundert aufwiegt, wenn er gehörig geſchuppt und ſauber ausgenommen iſt, ſo will ich den Ochſen in dieſem Lande ſehn, der nicht wenigſtens Ein Pfund wiegt, ſo lange er noch auf ſeinen Beinen herumgeht.“ „Sagtet Ihr nicht, Ihr hättet ihn mit dem Kopf über dem Waſſer geſehen?“ ſagte John Effingham. „Schon dreimal, Mr. John. Das erſte Mal war's vor dreißig Jahren, und ich muß geſtehen, er entging mir damais, weil es mir noch an der nöthigen Wiſ⸗ ſenſchaft ermangelte; denn man lernt, was die Kunſt erheiſcht, nicht alles in einem Tag. Damals war ich dieſem Geſchäft erſt zehn Jahre lang nachgegangen. Fünf Jahre ſpäter war's das zweite Mal, und zu der Zeit war ich faſt einen Monat lang ganz allein damit beſchäftigt, nach dem alten Burſchen zu fiſchen. Nun, es blieb wohl eine Minute lang unentſchieden zwiſchen uns beiden, ob er aus dem See herauf oder ich zu ihm hinunter n genug vor ſhington k Cornwalli ein ſolches „Man Menſchen nicht ande ſchlagung Freude üb widerfahr „Solc Fiſcher be nen Burſ lich nur n beſtimmt halte es wie ich, eine halb voll kleit mal hab gegeben, vielmehr ander ge im Waſ „Ihr ſei in kei⸗ c mancher⸗ küßten, die Es mag wolle, der all. Aber, ich möchte von dieſem ſt unglaub⸗ wenigſtens und ſauber eſem Lande ſo lange er dem Kopf gham. Mal war's er entging thigen Wiſ⸗ die Kunſt als war ich chgegangen. und zu der llein damit hen. Nun, en zwiſchen ich zu ihm hinunter müſſe; aber ſeine Bartfaſern hatte ich deutlich genug vor Augen. Es war ein rühmlicher Zug! Wa⸗ ſhington kann keine freudigere Gefühle gehabt haben, da Cornwallis ſich ergab, als ich damals empfand, wo mir ein ſolches Glück beſcheert ward.“ „Man ſollte doch nie über die Empfindungen anderer Menſchen voreilig aburtheilen wollen. Ich hätte mir nicht anders vorgeſtellt, als daß das Gefühl der Fehl⸗ ſchlagung, als Ihr ihn dennoch aufgeben mußtet, Eure Freude überwogen haben müſſe, die Ihr bei dem Euch widerfahrnem Glück empfandet.“ „Solches hätte leicht manchem nicht wiſſenſchaftlichen Fiſcher begegnen können, Mr. John; aber wir erfahr⸗ nen Burſchen wiſſen das beſſer Der Ruhm darf näm⸗ lich nur nach der Qualität und nicht nach der Quantität beſtimmt werden, meine Damen und Herren; und ich halte es für einen größern Schmuck eines Mannes, wie ich, es erlebt zu haben, das Haupt des Seerieſen eine halbe Minute lang zu ſchauen, als mit einem Boot voll kleiner Hechten heimzukommen. Nun, das letzte⸗ mal habe ich ihn blos angeſehen und mir keine Mühe gegeben, den alten Kerl in mein Boot hineinzuſchaffen; vielmehr ſaßen wir beide wohl zwei Minuten lang ein⸗ ander gegenüber, und unterredeten uns mit einander, er im Waſſer und ich im Kahn.“ „Ihr unterredetet Euch mit ihm!“ rief Evchen aus, — 110— „mit einem Fiſch!— was konnte denn der Fiſch Euch mittheilen?“ „Wie? mein Fräulein, ein Fiſch kann eben ſo gut ſpre⸗ chen, als irgend einer von uns. Ich habe von den älte⸗ ſten Anſiedlern öfter gehört, daß der Lederſtrumpf wohl ſtundenlang ſich mit den Thieren des Waldes unterre⸗ dete, und ſelbſt mit den Bäumen darin?“ „Habt Ihr den Lederſtrumpf noch gekannt, Com⸗ modore?“ „Nein, Fräulein, ich bedaure, daß ich es ſagen muß, ich habe niemals die Freude gehabt, auch nur ihn zu ſehen. Es war ein großer Mann! Mögen die Leute von ihren Jefferſons und Jackſons reden; ich aber halte Waſhington und Natty Bumppo für die einzigen großen Männer meiner Zeit.“ „Was haltet Ihr von Buonaparte, Commodore?“ frug Paul. „Nun, Herr, dieſer Buonaparte hatte einige ausge⸗ zeichnete Eigenſchaften, das laſſe ich mir nicht ausreden; aber gar Nichts wäre er gegen Lederſtrumpf in den Wäldern geweſen. Es iſt keine außerordentliche Vor⸗ fallenheit, Ihr jungen Herren, in Euren Städten drun⸗ ten einmal den großen Mann zu ſpielen,— unter den Sonnenſchirmmännerchen, wie ich ſie zu nennen pflege. Aber Natty! der war gleich groß, mochte er den Speer handhaben oder die lange Jagdflinte; doch das gebe ich Fiſch Euch gut ſpre⸗ den älte⸗ umpf wohl s unterre⸗ nt, Com⸗ agen muß, zur ihn zu die Leute aber halte een großen zmodore?" ge ausge⸗ ausreden; of in den liche Vor⸗ dten drun⸗ unter den ien pflege. den Speer 3 gebe ich — 111— zu, ich habe noch nie erfahren können, daß er jemals den Seerieſen ſah.“ „Wir werden einander in dieſem Sommer noch öfter begegnen, Commodore,“ ſagte John Effingham,„aber die Damen wünſchen den Widerhall zu hören, und folglich müſſen wir für dießmal ſcheiden.“ „Das geht ganz natürlich zu, Mr. John,“ erwiederte der Commodore lachend, und mit der Hand auf ſeine Weiſe grüßend.„Die Frauen hören alle unſer Echo gern; denn öſter ſind ſie nicht zufrieden mit dem, was ſte Einmal geſagt haben, ſondern wünſchen es wieder⸗ holt zu hören. Ich habe noch keine Dame gekannt, die jemals die Gewäſſer des Otſego beſuchte, ohne daß das Erſte, was ſie unternahm, eine Fahrt nach den„reden⸗ den Felſen“ geweſen wäre, um einmal mit ſich ſelbſt zu plaudern. Manchmal kommen ihrer mehre auf ein⸗ mal, und dann ſchwätzen ſie alle auf einmal, ſo daß das Echo ganz verwirrt werden muß. Ich vermuthe, Fräulein, daß die Meinung, welche jetzt in Beziehung auf dieſe Felſenſtimmen unter dem Volk aufgekommen iſt, Ihnen nicht unbekannt ſein wird?“ „Ich kann nicht ſagen, daß ich jemals etwas anderes darüber gehört hätte, als daß es das ſchönſte Echo ſei, was es gebe,“ antwortete Evchen, indem ſie ſich um⸗ wandte, um den alten Mann recht genau zu betrachten, während der Kahn ihrer Geſellſchaft eben dem Kahn des ehrwürdigen Fiſchers vorausglitt. — 112— „Einige Leute meinen, es gebe eigentlich gar kein ſolches Ding, das man gewöhnlich Echo heißt, ſondern die Laute, welche man dort hört, ſeien die Stimme von Lederſtrumpfs Geiſt, der oftmals ſeine ehmalige Wohnung umſchwebe, und alles widerhole, was wir ſagen, um unſrer Unwiſſenheit zu ſpotten, und uns zu warnen, nicht tiefer in die Wälder vorzudringen. Ich will damit nicht ſagen, daß dieſe Vorſtellung die richtige ſei; aber wir wiſſen alle, daß es Lederſtrumpf verdroß, im⸗ mer mehr neue Anſiedler in die Berge kommen zu ſe⸗ hen, und daß er die Bäume ſo gerne ſah, wie eine Biſamratte das Waſſer ſucht. Hier in der Richtung nach dem Viſionsberge zeigt man einen Baum, an wel⸗ chem er einen Einſchnitt machte, ſo oft ein neuer An⸗ ſtedler heraufkam, bis er ſiebenzehn Kerben vollzählig hatte; darauf ertrug es ſein redliches Herz nicht weiter, und er gab alle Hoffnung auf, und zog von dannen.“ „Das iſt ſo poetiſch, Commodore, daß es wirklich ſchade iſt, daß dieſe Sage nicht wirklich wahr iſt. Mir gefällt die Deutung des Geheimniſſes der„redenden Felſen“ weit beſſer, als die, welche auf den Namen der „Elfen⸗Quelle“ Bezug hat.“ „Ihr habt ganz Recht, Fräulein,“ rief der alte Fi⸗ ſcher aus, während die Kähne ſich immer weiter von einander entfernten;„noch nie hat man das Geringſte von Elfen im Bereich des Otſego gehört; aber es gab Schei Leben währe hin, i abhär Bäun Ufer abſchi ſelnde ſche d Abhat ſchlan Gege⸗ bedech uns befolg Nade die 1 in we in R chernd aller mit i und d 13ʃ kein ndern imme ralige 3 wir us zu will e ſei; , im⸗ zu ſe⸗ eine htung wel⸗ r An⸗ zählig veiter, nen.“ irklich Mir denden en der te Fi⸗ er von ringſte es gab eine Zeit, wo wir ſtolz ſein konnten, einen Natty Bumppo zu beſitzen.“ Bei dieſen Worten winkte der Commodore ſeinen Scheidegruß und Evchen nickte ihm ein freundliches Lebewohl. Der Kahn, worin ſie ſich befand, glitt fort⸗ während längs dem von Laubgehängen eingefaßten Ufer hin, indem ſie gelegentlich mehr landab ſteuerten, um den abhängenden Aeſten mancher faſt wagrecht geneigten Bäume auszuweichen, und dann wieder ſo dicht am Ufer vorbeiſchlüpften, daß die Ruder das Steingerölle abſchürften. Evchen erinnerte ſich kaum, wilder abwech⸗ ſelnde Baumgruppen und anmuthiger verworrene Gebü⸗ ſche geſehen zu haben, als der ganze dicht überlaubte Abhang ihren Blicken darbot. Ueber die Hälfte der ſchlanken, düſtern Kiefern, welche zu der Zeit, als dieß⸗ Gegend zuerſt angebaut worden, durchaus alles Land bedeckten, war jetzt verſchwunden; aber zufolge jener uns unerklärbaren Geſetze, welche die Natur in Allem befolgt, war an der Stelle der urſprünglichen düſtern Nadelhölzer ein Nachwuchs emporgegrünt, in welchem die mannigfachſten Formen amerikaniſcher Laubhölzer in wechſelnden Schattirungen das Auge erfreuten. Wie in Rembrandt's lebhaften Farben prangten üppigwu⸗ chernde Doldengewächſe und ſchnellwüchſige Stauden aller Art unter altershinfälligen Bäumen, und bildeten mit ihren Umgebungen den lieblichſten Contraſt; hier und da erhoben den Reiz der Abwechſelung einzelne blü⸗ 150.— 152. 8 hende Geſträuche, und zwiſchen den dunkeln Kieferwi⸗ pfeln ſchimmerten die dichten Laubmaſſen junger Kaſtanien⸗ bäume in voller Blüthe wie weiße glänzende Wolken hervor. Die jungen Männer ruderten das leichte Fahrzeug über eine Meile weit unterhalb dieſen Laubgehängen längs dem Ufer hin, bisweilen einzelne vorüberſtreichende Zugvögel aus dem Gezweig oder einen Waſſervogel vom niedrigen Strande aufſcheuchend. Endlich bat John Ef⸗ fingham die beiden, mit Rudern einzuhalten, und das Fahrzeug eine Weile bloß mit dem Schöpfruder fortbe⸗ wegend, womit er bisher geſteuert hatte, erſuchte er ſämmtliche Geſellſchaft, aufwärts zu blicken, indem ſie ſich jetzt unterhalb der„ſchweigenden Fichte“ befänden. Ein allgemein freudiger Ruf folgte dieſem Aufblick; denn ſelten macht ein Baum eine ſo ergreifende Wirkung, wie der Anblick dieſes Baumes Aller Augen feſſelte. Dieſe Fichte ſtand nahe am Ufer, ihre Wurzeln drangen einige Fuß höher als der Spiegel des See's in den Bo⸗ den ein, der hier aber ſich auf eine Weiſe erhob, daß ihr Abſtand vom Waſſer aus geſehen, ihrer ſcheinbaren Höhe faſt gleichkam. Wie alle größern Bäume ihrer Art in Amerika, war dieſe Fichte ſeit einen Jahrtauſend im⸗ mer höher geworden, und nun ſtand ſie dort in einſied⸗ leriſcher Erhabenheit, ein Denkmal deſſen, was dieſe Berge, noch immer prangend in üppiger Vegetation, ehmals geweſen waren in den Tagen alter Herrlichkeit. Wohl ſahen und Nade Rauc Stan noch bog e Spitz abwie mung den 2 maße Eindr dem war des 2 zu be gung Luft Geor ich ir „Spr den pfel erwi⸗ nien⸗ bolken drzeug ängen chende l vom hn Ef⸗ d das fortbe⸗ hte er dem ſie unden. ufblick; birkung, feſſelte. prangen den Bo⸗ daß ihr n Höhe Art in end im⸗ einſied⸗ us dieſe getation, rlichkeit. 113 Wohl hundert Fuß über ihren bewundernden Blicken ſahen die im Kahn den glatten runden Stamm aſtlos, und dann begannen die dunkeln Maſſen ſchimmernden Nadelgezweigs, das den Stamm, wie mit ſteigenden Rauchringeln umgürtete. Der ſchlanke ſäulenförmige Stamm hatte ſich dem Lichte zu geneigt, während er ſich noch zwiſchen ſeinen Gefährten emporſtreckte, und jetzt bog er ſich ſo weit über den Waſſerſpiegel, daß ſeine Spitze wohl zehn bis fünfzehn Fuß von dem Puncte abwich, wo er ſtand. Eine anmuthige, unmerkliche Krüm⸗ mung erhöhte die Wirkung dieſer dem Auge wohlthuen⸗ den Abſchweifung von der ſenkrechten Höhe, und einiger⸗ maßen furchterweckend, gewann dadurch der großartige Eindruck eine Beimiſchung des Erhabenen. Während auf dem Spiegel des See's kaum ein Lufthauch ſich regte, war über den Wipfeln der Waldung die Strömung des Windes doch hinreichend ſtark um dieſen hohen Baum zu bewegen, und die leichten und anmuthigen Schwin⸗ gungen der höchſten Aeſte ließen die Wirkung der obern Luft nicht verkennen. „Dieſer Baum iſt unrichtig benannt,“ ſagte Sir George Templemore, nes iſt der beredteſte Baum, den ich in meinem Leben geſehen habe!“ „Gewiß; dieſe Fichte iſt beredt'! antwortete Evchen. „Spricht ſie nicht, möchte ich fragen, auch jetzt von den furchtbaren Stuͤrmen uns erzählend, die ihren Gi⸗ pfel umtobt; von den entſchwundnen Frühlingen, ſeit ihr 8* — 116— hehres Haupt aus der umdrängenden Schweſterſchaar ein⸗ ſam emporragte, und von allem, was ſich zugetragen ſeit dieſer ſchimmernde See gleich einem Juwel im Dun⸗ kel der Wälder verborgen lag. Als Wilhelm der Er⸗ koberer zuerſt Englands Boden betrat, da ſtand dieſer Baum, wo er jetzt ſteht! Hier, in Wahrheit, iſt ein Denkmal alter Zeit, ſo wenig man auch in Amerika nach Alterthümern umblicken mag!“ „Wahres und reines Gefühl, Miß Effngham,“ ſagte Paul,„führt Sie zur richtigen Wahrnehmung der ei⸗ genthümlichen Schönheiten unſeres Landes. Wollten wir alle weniger auf unſre kunſtgewerbmäßige Herrlichkei⸗ ten uns brüſten, ſo würden wir weit ſeltner die tadeln⸗ den Bemerkungen verdienen, welche wir durch verkehr⸗ ten Wetteifer nur zu oft veranlaßt haben.“ Wann Paul ſprach, pflegte Evchen immer aufmerk⸗ ſam zuzuhören, und ihre Wangen färbten ſich höher, als er ihrem guten Geſchmack eine ſolche Lobrede hielt; aber immer noch weilte ihr ſanftes Auge auf der Fichte mit ſtillem Entzücken. „Schweigend mag ſie ſein in einer Rückſicht; aber gewiß redet ſie vernehmlich genug zu unſern Innern,“ begann ſie von neuem, mit einer Wärme, die durch Paul's Bemerkung nicht vermindert ward.„Dieſer kleine grüne Wipfel ſpricht tauſend Dinge aus, die unſere Einbildungskraft mit den mannigfaltigſten Bildern be⸗ leben.“ „N Gemü der A dunge ſuchte netere ohne den T mergr Colun Meer Baun zu all genwe empfit 7 12 Paul tig g 5 deten der f macht aufſu zu rr Unter ſucher T ein⸗ gen DHun⸗ Er⸗ ieſer ein erika ſagte r ei⸗ wir chkei⸗ deln⸗ rkehr⸗ merk⸗ böher, hielt; Fichte aber nern,“ durch kleine unſere en be⸗ — „Noch nie habe ich einen Menſchen gekannt, deſſen Gemüth für poetiſche Eindrücke empfänglich war, den der Anblick dieſes Baumes nicht zu ähnlichen Empfin⸗ dungen erhoben hätte,“ ſagte John Efſingham.„Ich be⸗ ſuchte einmal dieſe Stelle mit einem Mann von ausgezeich⸗ neteren Anlagen, und nachdem dieſer eine Minute lang, ohne den Blick abzuwenden, den grünen Büſchel, der den Wipfel krönt, betrachtet, rief er aus:„dieſer im⸗ mergrüne Wipfel wogte im hellen Sonnenglanz, als Columbus zum erſten Mal ſich in Amerika's unbekannte Meere wagte.“ Wirklich iſt dieſe Fichte ein beredter Baum, er redet dieſelben zum Herzen dringende Worte zu allen, die ſich ihm nähern,— Worte die unſre Ge⸗ genwart begeiſternder, unſre Vergangenheit rührender empfinden laſſen.“ „Doch eben, weil er ſchweigt, ſagt er ſo viel,“ fügte Paul hinzu,„und darum iſt der Name nicht ſo unrich⸗ tig gewählt, als es auf den erſten Blick ſcheint“ „Aber nicht deßhalb, ſondern wegen eines eingebil⸗ deten Contraſtes, gab man dieſer Fichte den Namen, der ſie zu einem Gegenſatz der geſchwätzigen Felſen macht, welche wir, drüben im Gehölz halbverſteckt, jetzt aufſuchen wollen. Wenn es Ihnen gefällig iſt, weiter zu rudern, meine Herren, ſo können wir bald eine kleine Unterredung mit Lederſtrumpfs abgeſchiednem Geiſt ver⸗ ſuchen.“ Die jungen Männer willigten ein, und in etwa zehn — 218— Minuten hatte der Kahn, etwa fünfzig Ruthen vom Ufer, eine Stelle erreicht, wo ſie den ganzen Bergab⸗ hang mit Einem Blick überſehen konnten Hier hielten ſie mit Rudern ein, und ſogleich wünſchte John Effing⸗ ham den Felſen, mit lauter, deutlicher Stimme einen „guten Morgen.“ Dieſe Laute kehrten mit einer ſolchen Genauigkeit in der Nachahmung des Tones ſeiner Stimme wieder zurück, daß die Neulinge erſtaunten. Dieſem erſten Verſuch folgten andere Ausrufungen und ähnliche täuſchende Wiederholungen des Echo's, ohne daß die kleinſten Unterſchiede der verſchiedenen rufenden Stimmen verloren gingen. „Das iſt wahrhaftig mehr, als alle die berühmten Echos am Rheinſtrom,“ rief Evchen ganz entzückt;„denn geben jene auch die einzelnen Noten des Jagd⸗ oder Poſthorns täuſchend wieder, ſo glaube ich doch nicht, daß ſie die einzelnen Menſchenſtimmen mit gleicher Treue wiedergeben.“ „Du haſt ganz Recht, Evchen,“ erwiederte ihr Vet⸗ ter;— nich entſinne mich keines Orts, wo ein ſo voll⸗ kommenes und genaues Echo zu hören iſt, als unter die⸗ ſen ſprechenden Felſen. Wenn wir uns etwa bis zu einer halben Meile weiter entfernen und uns eines Waldhorns bedienen wollten, wie ich dieſen Verſuch ſchon gemacht ihabe, ſo würden wir ganze Sätze aus Muſikſtücken wiederholen hören. Auch die Zwiſchenzeit zwiſchen Schall und Echo würde deutlich wahrnehmbar ſein, eine die ſaf dieſe Leder fen, Geiſt B Uhr ein öffent ſich a ihren ches den, ganz zwei bewa treten nen ſirter eine Johr ſam Sche weck man vom gab⸗ elten fing⸗ inen lchen einer nten. und ohne enden mten denn oder nicht, Treue Vet⸗ voll⸗ r die⸗ is zu eines eerſuch e aus henzeit hmbar — 119— ſein, und uns vergönnen, den wiederhallenden Tönen eine ungetheilte Aufmerkſamkeit zu widmen. Mag nun die ſchweigende Fichte unrichtig benannt ſein, ſo führen dieſe Felſen dagegen ihren Namen mit Recht, und hat Lederſtrumpfs Geiſt mit ihnen irgend Etwas zu ſchaf⸗ fen, ſo muß er wirklich zu einer Art von ſpottenden Geiſtern gehören“ Bei dieſen Worten ſah John Effingham nach der Uhr und theilte der Geſellſchaft mit, er habe ihnen noch ein beſonderes Vergnügen zugedacht. Auf einer Art öffentlichen Spazierplatzes von geringem Umfang, der ſich an der Stelle wo der Fluß den See verläßt, vor ihren Blicken aufthat, ſtand ein rohes Baugerüſt, wel⸗ ches das„Schießhaus“ genannt wurde. In dieſem wur⸗ den,— ein redender Beweis der völligen Sicherheit der ganzen Gegend vor äußern wie vor innern Feinden,— zwei oder drei kleine Kanonen, bei offenen Thüren auf⸗ bewahrt, ſo daß Jedermann nach Willkür in's Haus ein⸗ treten und ſich der Stücke zu ſeinem Vergnügen bedie⸗ nen konnte, obſchon ſie einem von Staatswegen organi⸗ ſirten Corps gehörten. Eine von dieſen Kanonen war eine kleine Strecke thalabwärts aufgeſtellt worden, und John Effingham machte deßhalb die Geſellſchaft aufmerk⸗ ſam, daß ſie jetzt darauf gefaßt ſein ſollten, wie der Schall der Kanone das ſchlummernde Echo der Berge wecken werde. Er hatte kaum ausgeredet, ſo feuerte man die Kanone ab, deren Mündung nach Oſten gerich⸗ tet war. Die Schallwellen drangen zuerſt nach dem Viſionsberg im Angeſicht des Dorfes hinüber; dorther „zurückprallend, folgte der Wiederhall nach, längs der ganzen Hügelkette von Kluft zu Kluft, von Fels zu Fels, von Wald zu Wald fortrollend, bis der Schall zwei bis drei Stunden Weges nordwärts, gleich einem fernen Donner, ſich endlich verlor. Dreimal wurde derſelbe Verſuch mit gleichem grandioſem Erfolg wiederholt, und die weſtlichen Anhöhen wiederholten die Echos der öſt⸗ lichen Hügelreihen, gleich den erſterbenden Nachklängen einer ſchauerlichen Muſik. „Eine ſolche Nachbarſchaft müßte einem Schauſpiel⸗ hauſe bei romantiſchen Singſpielen äußerſt erwünſcht ſein,“ ſagte Paul lächelnd,„denn kein künſtliches Don⸗ nern habe ich jemals gehört, welches ſo täuſchend das wirkliche nachahmt, wie dieſes! Auf einem ſolchen Waſ⸗ ſerſpiegel würde auch eine Gondel ſich nicht übel aus⸗ nehmen.“ „Nur beſorge ich,“ antwortete John Effingham be⸗ deutſam,„daß, wer an den grenzenloſen Ocean gewöhnt iſt, ſich auf dieſem See bald langweilen würde.“ Paul behauptete das Gegentheil ganz ernſthaft, und die Geſellſchaft ſchiffte ſchweigend weiter. „Drüben iſt die Stelle,“ ſagte Evchen,„wohin wir ſeit längerer Zeit gewohnt waren geſellige Spazierfahr⸗ ten zu machen und dort ländliche Feſte zu feiern.“ Da⸗ bei wies ſie nach einem anmuthigen Vorländchen, von herrlich geführt augenſe beſchäd ſein B. ihnen die ein betrach „B ſcheint angene anmuth „Es der, n ererber thum i „S aber 2 lernen, ſtreitig „W Macht ſprüche zu ma hat u Menſe — 121— herrlichen alten Eichbäumen beſchattet, wo ein roh auf⸗ geführtes, ſchon ziemlich verfallenes Gebäude ſtand, das augenſcheinlich durch Rückſichtloſigkeit und Muthwille beſchädigt worden war. John Effingham lächelte, als ſein Bäschen ihren Gefährtinnen dieſe Stelle zeigte und ihnen dabei ſagte, ſie wollten recht bald miteinander die einzelnen Schönheiten dieſes Plätzchens in der Nähe betrachten. „Beiläufig geſagt, Miß Effingham,“ ſagte er,„es ſcheint mir beinah, als ſchmeichelten Sie ſich mit der angenehmen Vorſtellung, erbliche Anſprüche auf dieſes anmuthige einſame Plätzchen zu haben?“ „Es iſt doch wobl natürlich, daß ich eines Tages, der, wie ich hoffe, noch lange ausbleiben wird, das ererben werde, was meines lieben Vaters Eigen⸗ thum iſt.“ „So natürlich, als gerecht, mein ſchönes Bäschen; aber Du wirſt jetzt bald eine furchtbare Macht kennen lernen, welche ſich drohend erheben und Dir Dein Recht ſtreitig machen wird.“ „Welche Macht,— ich meine, welche menſchliche Macht iſt denn wohl im Stande, die rechtmäßigen An⸗ ſprüche eines Eigenthümers an ſein Eigenthum ſtreitig zu machen? Dieſes Vorländchen, oder dieſe Landſpitze hat uns ja gehört ſeit der Zeit, wo zuerſt civiliſirte Menſchen dieſe Gegend hier in Beſitz nahmen;— wer — — 122— wird es wagen wollen, uns aus unſerm Beſitz zu ver⸗ drängen?“ „Du wirſt Dich demnach wundern, wenn Du dem⸗ ungeachtet erfährſt, daß eine ſolche Macht beſteht, wie ich ſage, und daß eben jetzt Etwas im Werke iſt, um dieſe Macht Euch fühlen zu laſſen Das Publicum, das all⸗ gewaltige, allmächtige, allbeherrſchende, geſetzeinführende und geſetzaufhebende Publicum hat zufälliger Weiſe die vorübergehende Laune, Euer Eigenthum in Beſitz zu neh⸗ men; und will Edward Effingham ſein Lieblingsplätzchen nicht verlieren, ſo wird er mehr als gewöhnliche Ener⸗ gie entwickeln müſſen, damit das Publicum nicht durch⸗ ſetzt, was es ſich vorgenommen hat, durchſetzen zu wollen.“ „Das kann doch ſchwerlich ernſthaft gemeint ſein, Vetter John?“ „So ernſthaft, als die Wichtigkeit des Gegenſtandes ein verantwortliches Weſen, wie Mr Dodge ſagt, jemals machen kann.“ Evchen erwiederte nichts; aber ſie ſah verdrießlich aus, und ſchwieg bis ſie aus dem Boot an's Land ſtie⸗ gen; dann beeilte ſie ſich, ihren Vater aufzuſuchen, um ihm mitzutheilen, was ſie ſo eben gehört hatte. Mr. Effingham hörte ſeine Tochter, wie gewöhnlich mit zärt⸗ lichem Wohlwollen an, und als ſie mit ihrem Bericht zu Ende war, küßte er. ihre erhitzte Wange, empfahl er ih ten, 6 1„ über „Er lings Erin erkur einm 2 wurd fingh der bei habe mein bare behe f ham man Vor gehü 6 Entt u ver⸗ n dem⸗ wie ich n dieſe as all⸗ chrende iiſe die zu neh⸗ lätzchen Ener⸗ durch⸗ zen zu at ſein, nſtandes e ſagt, drießlich ind ſtie⸗ den, um e. Mr. nit zärt⸗ Bericht empfahl — 123 er ihr, ruhig zu ſein und es nicht für möglich zu hal⸗ ten, daß das geſchehen könne, was ſie fürchte. „Aber Vetter John wird doch hoffentlich mit mir über dergleichen Dinge nicht ſcherzen?“ fuhr Evchen fort. „Er weiß doch, welchen Werth alle dieſe kleinen Lieb⸗ lingsplätzchen für mich haben, die mir ſo viele theure Erinnerungen gewähren.“ „Wir können uns auch nach den nähern Umſtänden erkundigen, wenn Du es wünſcheſt, mein Kind; ſchell' einmal, damit Pierre komme. Pierre ließ nicht auf ſich warten; Mr. Bragg wurde erſucht, ſich im Bibliothekzimmer bei Mr. Ef⸗ fingham einzufinden. Ariſtobulus erſchien, doch nicht in der beſten Laune; denn es verdroß ihn ſehr, daß man bei der eben gemachten Kahnfahrt ſeiner Geſellſchaft habe entbehren können; während er ſich einbildete, ge⸗ meinſame Anſprüche an allen Vergnügungen ſeiner Nach⸗ baren zu haben. Er hatte indeſſen hinreichende Selbſt⸗ beherrſchung um ſeinen Verdruß nicht merken zu laſſen. „Ich wünſche zu wiſſen, Herr,“ begann Mr. Effing⸗ ham ſogleich ohne alle Einleitung,„ob etwa irgend Je⸗ mand in Unwiſſenheit darüber iſt, wem das Fiſcher⸗ Vorländchen an der Weſtſeite des See's gehöre?“ „Niemand zweifelt daran, Herr. Das Vorländchen gehört dem Publicum.“ Mr. Effingham's Wange glühte; ſein Blick verrieth Entrüſtung; aber dennoch blieb er ruhig. — 124— „Dem Publicum! Mr. Bragg, Sie behaupten doch nicht in Ernſt, daß das Peblicum auf dieſes Vorländ⸗ chen Anſpruch zu machen ſich erfreche.“ „Anſpruch, ſagen Sie, Mr. Effingham! So lange ich hier im Lande gewohnt habe, hat noch Niemand dem Publicum ſein gutes Recht an dieſem Vorländchen ſtreitig gemacht“ „Ihr hieſiger Aufenthalt iſt von keiner ſonderlichen Dauer; und es iſt daher leicht möglich, daß Sie falſch von der Sache unterrichtet werden konnten. Nun bin ich wirklich neugierig zu erfahren, auf welche Weiſe das Publicum in den Beſttz deſſelben gekommen zu ſein behauptet. Sie ſind ein Rechtsverſtändiger, Mr. Bragg, und können mir folglich ganz verſtändliche Auskunft verſchaffen.“ „Ei wie, Herr? gab denn nicht Ihr Vater dieſes Plätzchen noch bei Lebzeiten dem Publicum zum belie⸗ bigen Gebrauch? Jedermann in der ganzen Gegend umher wird Ihnen daſſelbe ſagen.“ „Meinen Sie wohl, Mr. Bragg, daß es irgend Je⸗ manden in der ganzen Gegend umher gebe, der dieſe angebliche Thatſache beſchwören könnte und wollte? Beweiſe ſind, das wiſſen Sie, durchaus erforderlich, ſelbſt wenn man ſein Recht geltend machen will? „Ich zweifle ſehr, Herr, daß es im ganzen Lande einen einzigen Menſchen gebe, der die Sache nicht be⸗ ſchwören könnte und wollte. Es iſt die gemeinſchaftliche Mein Mr. beleid gunge 21 und hier ableit liche nen, Dorf beſter kundt dann Sie titel zu he nes iſt, doch länd⸗ lange mand ndchen rlichen falſch in bin Weiſe u ſein Bragg, askunft dieſes belie⸗ Gegend nd Je⸗ r dieſe vollte? derlich, Lande icht be⸗ aftliche 123— Meinung Aller im Lande, und, ohne Umſchweife, Mr. Effingham, man fühlt ſich einigermaßen deßhalb beleidigt, daß Mr. John Effingham von Privatbeluſti⸗ gungen geſprochen hat, welche er dort anſtellen wolle.“ „Dieſes beweiſt weiter nichts, als wie unbeſonnen und grundlos die Folgerungen ſind, welche die Leute hier aus mißverſtandnen und falſchen Ueberlieferungen ableiten. Da mir nun ſehr viel daran liegt, ſämmt⸗ liche Umſtände dieſes Rechtsfalles genau kennen zu ler⸗ nen, ſo thun Sie mir wohl den Gefallen, ſich in's Dorf zu begeben, und ſich bei denen, die Ihnen am beſten darüber unterrichtet ſcheinen, nach allem zu er⸗ kundigen, was dieſes Beſitzthum betrifft, damit ich als⸗ dann meine Maßregeln darnach nehmen kann. Seien Sie vorzüglich aufmerkſam darauf, unter welchem Rechts⸗ titel das Publicum das beſtrittene Plätzchen erworben zu haben vorgibt; denn ich möchte nicht bloß wegen ei⸗ nes unverbürgten Gerüchtes, woran vielleicht gar nichts iſt, einen unnützen Lärm machen.“ Ariſtobulus verließ ſogleich das Haus, und Evchen, welche ſah, daß die Sache im Gange war, überließ es ihrem Vater, das unter den Umſtänden Erforderliche zu bedenken. Mr. Effingham ſchritt eine Zeitlang äu⸗ ßerſt verdrießlich im Bibliothekzimmer auf und ab; denn das beſprochene Plätzchen lag ihm am Herzen, an dieſes knüpften ſich die früheſten Nachrichten ſeiner Familie und die lieblichſten Erinnerungen ſeiner Kindheit. Gab — 126— es einen Fußbreit Erde, der ihm theurer geweſen als jedes andere Plätzchen der Welt, ausgenommen ſein Vaterhaus, ſo war es dieſes. Er konnte ſich, ſeines Widerſpruchs gegen John Effingham's verhöhnende Be⸗ merkungen ungeachtet, nicht verhehlen, daß ſein Ge⸗ burtsland manche ſchlimme Veränderungen ſeit ſeines frühern Aufenthalts erlitten habe, und daß dieſes im⸗ mer ärger zu werden drohe. Der Geiſt der Unfügſam⸗ keit war nicht zu verkennen, und Eingriffe in herkömm⸗ liche Sitte und wohlerworbene Rechte wurden mit kecken Reden in Schutz genommen, womit man den friedlichen Mitbürger einzuſchüchtern bemüht war. Indem er aber bei ſich ſelbſt alle nähern factiſchen Umſtände und die Gründe erwog, mit welchen er ſein Recht behaupten könne; kam es ihm lächerlich vor, daß es Jemanden einfallen ſollte, ihm ſein Eigenthum abzuſtreiten; darauf ſetzte er ſich, nahm ſeine Schreibereien wieder vor und ſchien endlich dieſen unangenehmen Gegenſtand ganz vergeſſen zu haben. Ariſtobulus blieb mehre Stunden lang abweſend und kehrte nicht eher zurück, als bis Mr. Effingham ſich umgekleidet hatte um zu Tiſche zu gehen. Er war wie⸗ der allein im Bibliothekzimmer, und erinnerte ſich nicht im Geringſten mehr des Auftrags, welchen er ſeinem Hausverwalter gegeben hatte. „Es iſt ſo, wie ich Ihnen ſagte, Herr;“ ſagte Ari⸗ ſtobulus im Eintreten,„das Publicum beſteht darauf, daß ſei,“ zu ſa ſen haup 3 Mr. mein daß entſch ein w „ wenꝛ recht . über gega gen, verk ſo t wiſſ mei im Rec ſein ſeines e Be⸗ Ge⸗ ſeines s im⸗ gſam⸗ kömm⸗ kecken dlichen r aber nd die könne; nfallen ſetzte ſchien rgeſſen ad und um ſich ir wie⸗ h nicht ſeinem te Ari⸗ darauf, daß die„Landſpitze“ ein gemeinſchaftliches Eigenthum ſei,“ und ich halte es für meine Schuldigkeit Ihnen zu ſagen, Mr. Effingham, daß die Gemeinde entſchloſ⸗ ſen iſt, ihre gerechten Anſprüche nachdrücklich zu be⸗ haupten.“ „In dieſem Falle wird es nicht mehr als billig ſein, Mr. Bragg, dem Publicum zu entgegnen, daß die Ge⸗ meinde nicht Eigenthümerin der Landſpitze iſt, ſondern daß ich der Eigenthümer dieſes Plätzchens und folglich entſchloſſen bin mein Recht nachdrücklich zu behaupten.“ „Es iſt auf jeden Fall bedenklich, Mr. Effingham, ein offenbares Recht anzutaſten.“ „Das iſt es allerdings, wie ſich bald zeigen muß, wenn daß Publicum in ſeiner Verletzung eines Privat⸗ rechts beharren ſollte.“ „Aber, Herr, einige von denen, mit welchen ich über dieſen Gegenſtand geſprochen habe, ſind ſo weit gegangen, daß ſie darauf beſtanden, ich ſollte ihnen ſa gen,— ich hoffe Sie werden meine gute Abſicht nicht verkennen, wenn——“ „Wenn Sie mir etwas mitzutheilen haben, Mr. Bragg, ſo thuen Sie es, ohne alle Umſchweife. Ich muß doch wiſſen, woran ich eigentlich bin.“ „— Nun, wenn es denn ſein muß, Herr, ſo lautet mein Auftrag einigermaßen herausfordernd; die Leute im Ort thun Ihnen zu wiſſen, daß ſie Ihr vorgebliches Recht nicht im Geringſten kümmere, daß Ihnen die Sache vielmehr lächerlich vorkomme. Um nichts zu be⸗ mänteln, Herr, ſie ließen verhöhnende Ausdrücke ver⸗ lauten.“ „Ich bin Ihnen für Ihren freimüthigen Bericht ver⸗ bunden, Mr. Bragg, ich ſchätze Ihren Charakter deſto höher. Die Sache ſteht demnach auf dem Punct, wo es durchaus nöthig iſt zu handeln. Wenn Sie ſich einen Augenblick mit einem Buch unterhalten wollen, ſo werde ich bald Gelegenheit haben, Ihre Aufmerkſam⸗ keit nochmals in Anſpruch zu nehmen.“ Ariſtobulus konnte nichts leſen; er war zu ſehr er⸗ ſtaunt, daß ein einzelner Mann ſo gelaſſen gegen die furchtbare Macht des Publicums in den Kampf gehen wolle, während er ſelbſt vor dieſem Publicum die Stheu eines aſiatiſchen Sclaven vor ſeinem Zwingherrn em⸗ pfand; denn, in der That, nur das zuverſichtliche Ver⸗ trauen auf den Schutz dieſer allgewaltigen Macht, für welche er das Publicum hielt, hatte ihm die Kühnheit eingeflößt, dem Manne, dem er diente, die reine Wahr⸗ heit zu ſagen; Ariſtobulus war durchaus der Meinung, daß es in Amerika immer am geratheſten ſei, in allen Din⸗ gen, ob recht oder unrecht, unbedenklich zu Gunſten des Publicums ſich auszuſprechen. Unterdeſſen hatte Mr. Effingham eine ganz einfache Anzeige, daß er ſich jede Eingriffe Anderer in ſein mehrerwähntes Privateigen⸗ thum ausdrücklich verbeten haben wolle, niedergeſchrie⸗ ben, und überreichte das Blatt ſeinem Verwalter, mit zu be⸗ ke ver⸗ ht ver⸗ r deſto ett, wo zie ſich wollen, erkſam⸗ ſehr er⸗ gen die f gehen e Stheu ern em⸗ he Ver⸗ cht, für kühnheit Wahr⸗ keinung, len Din⸗ iſten des tte Mr. ſich jede bateigen⸗ geſchrie⸗ ter, mit 129 der Bitte, die Anzeige zum Einrücken in die am näch⸗ ſten Morgen erſcheinende Nummer der Zeitung des Orts ſogleich zu befördern. Mr. Bragg nahm die Anzeige in Empfang und ging den Auftrag auszurichten, ohne ir⸗ gend eine Gegenbemerkung ſich zu erlauben. Erſt gegen Abend befand ſich Mr. Effingham wieder allein, als Mr. Bragg ſich zu ihm in's Bibliothekzim⸗ mer begab, den Ropf ganz voll von dieſem außerordent⸗ lichen Fall. Ihm folgte John Effingham bald nach, der Einiges von dem, was vorging, erfahren hatte. „Es thut mir leid, Ihnen ſagen zu müſſen, Mr. Effingham,“ begann Ariſtobulus,„daß Ihre Bekanntma⸗ chung eine der heftigſten Aufregungen bewirkt hat, die ich jemals unglücklicherweiſe in Templeton erlebt habe.“ „Das kann uns nur den beſten Erfolg verſprechen, Mr Bragg; denn je mehr die Leute ſich in ihren Hand⸗ lungen durch leidenſchaftliche Aufregungen beſtimmen laſſen, deſto eher kommen ſie in Gefahr unbeſonnen zu Werk zu gehen, und deſto ſicherer läßt ſich vorher⸗ ſehen, daß das Recht nicht auf ihrer Seite iſt.“ „Das iſt ohne Zweifel wahr, wenn ſolche Aufregung einen Einzelnen befällt; aber dieſes iſt, wie ich Ihnen ſage, eine öffentliche Aufregung des ganzen Publicums.“ „Dieſes ändert aber in der Lage der Sache durch⸗ aus nichts. Wenn ein Einzelner in einem aufgeregten Zuſtande fähig iſt allerlei Thorheiten zu begehen, ſo muß er nothwendig in ſeiner Thorheit beſtärkt werden, 150.— 152. 9 — 130— wenn ein halbes Dutzend Nachbeter ihn in ſeinem Wahn beiſtehen.“ Ariſtobulus horchte auf ſolche Aeußerungen mit zu⸗ nehmendem Erſtaunen; denn Aufregung war in ſeinen Augen der Popanz, der Alles einſchüchtere, das Mittel, wodurch alles Mögliche durchgeſetzt werden könne, was mit der Anſicht des Publicums in irgend einer Berüh⸗ rung ſtehe; ein Mittel, deſſen ſich Leute ſeines Schlages nur zu oft zu bedienen pflegen, um ihre Privatabſichten zu erreichen, ſo daß es ihm nicht einfallen konnte, ein Einzelner könne den Muth haben, einer Aufregung im Publicum zu widerſtreben. Um nichts zu verſchweigen, was zur Sache gehört, hatte er wirklich aus Beſorgniß vor den übeln Folgen, die ſeine nähere Beziehung zu dieſem ärgerlichen Gegenſtand ihm ſelbſt in dem Urtheil der Menge zuziehen könnte, um ſich den Rücken frei zu halten, nicht wenig dazu mitgewirkt, dieſe Aufregung zu ſteigern, in der Hoffnung, Mr. Effingham„wider⸗ rennen“ zu laſſen, wie er ſich gegen einen ſeiner ver⸗ trauten Bekannten zierlich genug in der einheimiſchen Umgangsſprache hatte vernehmen laſſen. 3 „Eine Aufregung im Publicum iſt eine gewaltige Macht, Mr. Effingham,“ rief er endlich, von politiſchem Schauder ergriffen, mit warnender Stimme aus. „Ich bin ſelbſt der Meinung, Herr, daß Aufregung im Publicum eine furchtbare gewaltige Macht werden könne. In aufgeregten Zuſtänden wird es ſogar mög⸗ lich, d Zuſan ſolche gange . aufger wird Gunſt „L ſtoß g auf b abzun C Recht „2 Bin genth ben, letzen niß 1 ſten. Anſp thun, mich n Wahn mit zu⸗ ſeinen Mittel, ie, was Berüh⸗ Schlages abſichten ite, ein gung im hweigen, heſorgniß chung zu 1 Urtheil n frei zu ufregung „wider⸗ iner ver⸗ eimiſchen gewaltige olitiſchem 1s. ufregung werden Zar mög⸗ lich, daß Menſchen in Haufen ſich ſammeln, welche man Zuſammenrottungen zu nennen pflegt, und daß durch ſolche tauſenderlei Ausſchweifungen und Verbrechen be⸗ gangen werden.“ „Ihre Ankündigung iſt mit dem höchſten Unwillen aufgenommen worden; und aufrichtig geſprochen, ſie⸗ wird Sie nothwendig in den Augen des Publicums alle Gunſt verlieren laſſen!“ „Es ſcheint beinah, als begehe man hier einen Ver⸗ ſtoß gegen die öffentliche Meinung, ſobald Einzelne dar⸗ auf bedacht ſind, den Eingriffen Anderer in ihre Rechte abzuwehren.“ „Ihre Ankündigung iſt es grade, welche als ein: Rechtseingriff betrachtet wird.“ „Nun das iſt der Punct, worauf es wirklich ankommt. Bin ich der rechtmäßige Beſitzer des beſprochenen Ei⸗ genthums, ſo iſt das Publicum oder der Theil deſſel⸗ ben, welcher in der Sache verwickelt iſt, die rechtsver⸗ letzende Partei, und das Verſchulden iſt dem Verhält⸗ niß nach größer, als hier Viele einen Einzelnen anta⸗ ſten. Vermag dagegen das Publicum ſeine rechtlichen Anſprüche auf dieſes Vorländchen unbezweifelt darzu⸗ thun, dann habe ich nicht bloß Unrecht, ſondern zugleich⸗ mich anmaßend benommen“ Die Ruhe mit der Mr. Effingham redete, machte einigen Eindruck auf Ariſtobulus, und einen Augenblick lang war er äußerſt betreten. Aber es währte dieſes 9* — 4132— auch nur einen Augenblick; dann traten die ſchrecklichen und vernichtenden Folgen verlorner Volksgunſt deſto drohender vor ſeiner lebhaften Einbildung, da er ein⸗ mal gewohnt war, ſich in alle Launen der Menge zu fügen und die Gunſt des Publicums für das höchſte Gut des Lebens anzuſehen. „Aber die Leute behaupten ja doch gradezu, Effingham, die Landſpitze gehöre ihnen.“ „Und ich ſage Ihnen, Mr. Bragg, die Landſpitze gehört ihnen nicht, und ſoll ihnen mit meiner Zuſtim⸗ mung niemals zugehören.“ „Dieſe Angelegenheit iſt ganz einfach und bedarf kei⸗ ner weitläufigen Verhandlungen,“ bemerkte John Effing⸗ ham, nund ich bin nur neugierig, wie oder wodurch das allmächtige Publicum ſein vermeintliches Recht zu erweiſen gedenkt. Sie, Mr. Bragg, ſind Rechtsgelehr⸗ ter genug um zu wiſſen, daß eine Gemeinde unter kei⸗ nem andern Rechtstitel als den der altherkömmlichen Benutzung oder den beſonderer Verträge Eigenthum haben könne. Unter welchem Titel will nun das Pu⸗ blicum hier ſein Recht geltend machen?“ „Vorerſt, vermöge herkömmlicher Benutzung, und dann, zufolge ausdrücklicher Schenkung.“ „Die fragliche Benutzung, das bedenken Sie nur, kann nur als eine beſtrittene, oder als eine zur Ein⸗ e gegen die Rechtsanſprüche Anderer vorgeſchützte Mr. red Benutzu ein lebe dem Pu ſpitze zu Publicur Benutzu ger Gru anſpruck Jede S Gemein Vergnüt und ver dem Pu dem Ei Zeit die ben, ſo drücklich Oheims haupten ches da muß ei vertraut „Ich eine be über ge ſtattfind als daf recklichen iſt deſto er ein⸗ Nenge zu hſte Gut zu, Mr. Landſpitze r Zuſtim⸗ dedarf kei⸗ yn Effing⸗ wodurch Recht zu chtsgelehr⸗ unter kei⸗ ömmlichen Eigenthum n das Pu⸗ zung, und Sie nur, e zur Ein⸗ orgeſchützte Benutzung hier betrachtet werden. Nun bin ich aber ein lebendiger Zeuge, daß mein verſtorbener Oheim dem Publicum die Erlaubniß gegeben hat, di. and⸗ ſpitze zu ſeinem Vergnügen zu benutzen, un daß das Publicum ſich dieſe Bedingung hat gefallen laſſen. Die Benutzung dieſes Vorländchens kann alſo nie als gülti⸗ ger Grund, wenigſtens nie zur Behauptung eines Rechts⸗ anſpruchs auf fremdes Eigenthum angeſehen werden. Jede Stunde Zeit, während welcher mein Vetter der Gemeinde geſtattet, von ſeinem Eigenthum zu ihrem Vergnügen Gebrauch zu machen, vergröbert ſein Recht und vermehrt die Verbindlichkelt gegen ihn, die dadurch dem Publicum aufgelegt worden, das anvertraute Gut dem Eigenthümer zu ſchonen, und erhöht zu gleicher Zeit die Pflicht, ihre ungeſetzmäßigen Eingriffe aufzuge⸗ ben, ſobald Jener es fordert. Hat hingegen eine aus⸗ drückliche Schenkung des Grundſtücks von Seiten meines Oheims an die Gemeinde ſtatt gefunden, wie Sie be⸗ haupten, ſo muß auch ein Geſetz vorhanden ſein, wel⸗ ches das Publicum in ſeinen Rechten ſchützt, oder es muß ein Verwalter da ſein, deſſen Obhut ſolches an⸗ vertraut worden iſt; welches von beiden findet nun ſtatt?“ „Ich gebe zu, Mr John Effingham, daß ich weder eine betreffende Urkunde noch ein beſonderes Geſetz dar⸗ über geſehen habe, und ich zweifle ſehr, daß letzteres ſtattfindet Dennoch kann ich mir nicht anders denken, als daß das Publicum nothwendig Anſprüche irgend ei⸗ 1 ner Art haben müſſe; denn es iſt kaum glaublich, daß Alle insgeſammt ſich im Irrthum beſinden ſollten.“ „Gleich⸗fohl iſt nichts leichter, und nichts gewöhn⸗ licher, als das, daß ganze Gemeinden im Irrthum ſein können, vorzüglich, wenn ſie damit anfangen, in Auf⸗ regung zu gerathen.“ Während ſein Vetter ſprach, ging Mr. Effingham an einen Schreibpult, und nachdem er einen großen Pack zuſammengebundner Papiere herausgeholt, legte er ſolches auf den Tiſch und begann mehre Pergament⸗ urkunden zu entfalten, an welchen große Siegel mit den Wappen der ehemaligen Colonie, wie auch der eng⸗ liſchen Behörde angehängt waren. „Hier ſind meine Urkunden, die mein Eigenthum beweiſen ſollen, Herr,“ ſate er, ſich an Ariſtobulus wendend;„wenn das Publicum im Stande iſt beſſere aufzuweiſen, dann mag es ſolche vorzeigen, und ich werde alsdann freiwillig vor gegründeteren Anſprüchen zurücktreten.“ „Niemand wird bezweifeln wollen, daß der König durch ſeinen dazu ermächtigten Statthalter der Colonie von New York dieſe Ländereien Ihrem Vorfahren zu⸗ geſichert habe, Mr. Effingham, oder daß ſolche vermöge geſetzlicher Erbfolge an Ihren Vater übergegangen ſeien; Alle behaupten dagegen, daß letzter aus freiem Antriebe das fragliche Vorländchen der geſammten Gemeinde zur gemeinf thümlich „N jetzt in noch w Beweis daß me abſichtig „Di ſtens n alle ſtit Landſpt cum ſch „W nige vo Mr die N einer nug a keit ni „V entgeg bekann Knabe nen n wiſſen Jahre wöhn⸗ m ſein n Auf⸗ ingham großen , legte gament⸗ gel mit der eng⸗ genthum ſtobulus t beſſere und ich aſprüchen r König Colonie ihren zu⸗ vermöge en ſeien; Antriebe einde zur gemeinſchaftlichen Benutzung als Vergnügungsort eigen⸗ thümlich überlaſſen habe.“ „Nun, es freut mich wenigſtens, daß die Streitfrage jetzt in weit engere Grenzen gezogen wird, ſo daß ſie noch weit leichter entſchieden werden kann. Welchen Beweis will man für die behauptete Schenkung, oder daß mein Vater ſolche aus freiem Antriebe wirklich be⸗ abſichtigt habe, anführen?“. „Die allgemeine Meinung, Herr. Ich habe wenig⸗ ſtens mit zwanzig Perſonen darüber geſprochen, und alle ſtimmen in derſelben Behauptung überein, daß die Landſpitze als öffentliches Eigenthum von dem Publi⸗ cum ſchon ſeit undenklicher Zeit benutzt werde.“ „Wollen Sie die Güte haben, Mr. Bragg, mir ei⸗ nige von denen zu nennen, die dieſes behaupten?“ Mr. Bragg war ſogleich bereit dazu und nannte ihm die Namen der erwähnten Anzahl von Perſonen mit einer Geläufigkeit, welche bewies, daß er Zeugniſſe ge⸗ nug aufführen zu können glaube, deren Glaubwürdig⸗ keit nicht wohl bezweifelt werden könne. „Von allen den Namen, deren Sie da erwähnen,“ entgegnete Mr. Effingham,„ſind mir bis jetzt nur drei bekannt, und ſelbſt dieſe gehören Leuten an, die kaum dem Knabenalter entwachſen ſind. Das erſte Dutzend kön⸗ nen nur Menſchen ſein, die wenig mehr von dem Dorfe wiſſen, als was ſie zufällig während der letzten fünf Jahre erfahren konnten, und manche ſind darunter, — 136— von denen ich weiß, daß ſie höchſtens einige Wochen,— ja ſelbſt nur wenige Tage hier gewohnt haben können.“ „Habe ich Dir nicht ſchon oft genug geſagt, Edward,“ unterbrach ihn John Effingham,„daß ein amerikani⸗ ſches„von jeher“ ungefähr achtzehn Monate bedeutet, und daß„ſeit undenklicher Zeit,“ nicht mehr ſagen will, als: ſeit der letzten allgemeinen Kriſis der Börſenſpe⸗ culationen?“ „Gleichwohl machen die Perſonen, welche ich Ihnen genannt habe, einen Theil der Ortsbevölkerung aus, mein Herr,“ ſetzte Mr. Bragg hinzu,„und dieſe Alle ſind bereit darauf zu ſchwören, daß Ihr Vater, auf die eine oder andere Weiſe,— auf kleine Nebenumſtände kommt es in der Hauptſache nicht an, der Gemeinde das Recht eingeräumt hat, dieſes Grundſtück zu be⸗ nutzen.“ „Die Leute ſind aber durchaus im Irrthum, und mir würde es ſehr leid thun, wenn auch nur Einer von ihnen leichtſinnig eine offenbare Unwahrheit beſchwören wollte. Hier aber ſind meine actenmäßigen Beweiſe; mögen ſie beſſere dagegen hervorbringen, wenn ſie können.“ „Vielleicht hat Ihr Vater den Platz dem Publicum ohne Weiteres überlaſſen; darauf ließe ſich ſchon ein gültiger Anſpruch begründen?“ „Er hat es aber nicht gethan, und ich bin ein le⸗ bendiger Zeuge des Gegeniheils; er hinterließ vielmehr en,— nen.“ ard,“ ikani⸗ eutet, will, enſpe⸗ Ihnen aus, e Alle uf die ſtände neinde , und er von hwören eweiſe; nn ſie bliceum on ein ein le⸗ ielmehr — 157— dieſes Grundſtück bei ſeinem Tode ſeinen Erben, und ich ſelbſt habe mein unbeſtrittenes Eigenthumsrecht an daſſelbe ausgeübt bis ich auf Reiſen ging. Ich nahm es zwar nicht mit auf die Reiſe, führte es nicht bei mir in der Taſche, Sir, wie ſich das von ſelbſt verſteht; ſondern ich ließ es unter dem Schutz der Geſetze zurück, die, wie ich überzeugt bin, dem Reichen wie dem Armen ſein Recht bewahren, da wir in einem freien Lande wohnen.“ „Nun, Herr, ich ſehe es kommen, daß ein Geſchwor⸗ nengericht den Fall wird entſcheiden müſſen, da Sie durchaus auf Ihren Satz beſtehen. Nur mache ich Sie darauf aufmerkſam, Mr. Effingham, daß Sie von ei⸗ nem Geſchwornenurtheil, wo die Meinung des ganzen Publicums Ihnen entgegenſteht, wenig zu hoffen haben. Wenn die Leute hier im Orte den Beweis führen kön⸗ nen, daß Ihr Vater die Abſicht gehabt habe, dieſes ſein Eigenthum der Gemeinde entweder ohne Weiteres zu überlaſſen oder förmlich durch Schenkung zu übergeben, dann können Sie Ihre Sache nur verloren geben.“ Unterdeſſen ſuchte Mr. Effingham unter ſeinen Pa⸗ pieren, zog eins hervor, welches er dem Mr. Bragg behändigte und ihn dabei auf eine beſondere Stelle aufmerkſam machte. „Hier ſehen Sie,“ ſagte Mr. Effingham freundlich; „dieſes iſt meines verſtorbenen Vaters letzter Wille, und in der Stelle, welche ich Ihnen hier andeutete, werden Sie ſeine beſondere Verfügung, die Landſpitze betreffend, finden und daraus abnehmen, daß er nicht im Geringſten die Abſicht hatte, dieſes Grundſtück der Gemeinde zu überlaſſen oder es ihr zu ſchenken. Die⸗ ſes iſt wenigſtens ein vollgültiger Beweis, den ich, ſein einziger Sohn und Erbe und Teſtamentsvollſtrecker, von der letzten Willensmeinung des Erblaſſers beſitze; wenn das wandernde und alles von jeher wiſſende Publicum, von dem Sie reden, beſſere Beweiſe für die Willens⸗ meinung meines Vaters aufweiſen kann, ſo bin ich begierig ſolche, zu ſehen.“ Das gelaſſene Benehmen Mr. Effingham's hatte Ari⸗ ſtobulus getäuſcht; einen Beweis, der ſo durchaus alle anmaßenden Anſprüche, ſeines gefürchteten Publicums vernichtete, hatte er nicht erwartet. Es war eine ganz kurze Verfügung, wie es mit dem erwähnten Grund⸗ ſtück gehalten werden ſolle, und es lag außer allem Streit, daß Mr. Effingham in alle Rechte ſeines Vaters ohne irgend einen Vorbehalt oder irgend eine einſchränkende Bedingung eingetreten ſei. „Das iſt wirklich ein ganz außerordentlicher Fall,“ rief Mr. Bragg aus, nachdem er dieſelbe Stelle vor⸗ her mehrmals durchgeleſen, und jedes wiederholte Le⸗ ſen derſelben ihm das Recht ſeines Hausherrn immer deutlicher erkennen ließ, ſo daß er ſich endlich über⸗ zeugte, daß wohl ein Einzelner im Stande ſei, gültige⸗ res Recht zu haben, als ein Publicum, das er als ſeinen — 159— Herrn und Meiſter, künftiger Ausſichten voll, zu betrach⸗ ten gewohnt war.„Von dieſem Teſtament des verſtor⸗ benen Mr. Efſingham hätte das Publicum doch nothwen⸗ dig etwas wiſſen ſollen.“ „Freilich hätten die davon wiſſen ſollen, die ſich er⸗ kühnen, ſeinem Sohn ſeines Eigenthum zu berauben; oder vielmehr hätten ſie vorher ſich überzeugen müſſen, ob nicht vielleicht ein Teſtament meines Vaters zu mei⸗ nen Gunſten vorhanden ſei.“ „Entſchuldigen Sie, Mr. Effingham, wenn ich ſage, daß ich es für die Pflicht eines einzelnen Bürgers halte, in einem Fall, wie der gegenwärtige, wo das Publikum eine falſche Anſicht aufgegriffen hat, wie ſich das mit der Landſpitze jetzt unwiderſprechlich herausſtellt, die öffent⸗ liche irrige Anſicht zu berichtigen, und das Publicum zu überzeugen, daß das fragliche Grundſtück nicht der Gemeinde gehöre“ „Das iſt ſchon geſchehen, Mr. Bragg, und zwar in der Ankündigung, welche Sie ſo gütig waren für mich zum Einrücken in die Zeitung zu beſorgen;— wiewohl ich nicht zugebe, daß ich dazu verbunden ſei, dieſes zu thun.“ „Aber, Herr, die Leute nehmen Anſtoß an der Art und Weiſe, wie Sie ihnen ihren Irrthum benehmen wollen.“ „Dieſe Art und Weiſe iſt die gewöhnliche, meine ich, — 140— wo es ſich davon handelt, ſich des Eingreifens Anderer in ſein Eigenthum zu erwehren.“ „Die Leute haben nicht erwartet, daß Sie das thun würden, Sir; in einer Sache, worin das Publicum— das Publicum— ſammt und ſonders—“ „Unrecht hat,“— ergänzte John Effingham mit Nachdruck.„Ich habe Einiges davon gehört, Edward, was die Leute vorhaben, und kann Dich in Deiner Mä⸗ ßigung nur tadeln. Iſt es wahr, daß Du Dich gegen mehre Deiner Nachbaren geäußert haſt, Du wollteſt ihnen nicht entgegen ſein, wenn ſie ſich auf der Landſpitze ein Vergnügen machen wollten, und nur die Beläſti⸗ gung Deiner eignen Familie zuvorkommen, wann dieſe ſich allein und ungeſtört dort zu vergnügen wünſche?“ „Allerdings, John, mein Wunſch geht nicht weiter, als mein Eigenthum denen ſicher zu ſtellen, zu deren Vergnügen dieſes Plätzchen eigentlich beſtimmt iſt; und meine Familie dort allein und ungeſtört zu wiſſen, und dann auch weitern Beſchädigungen an Bäumen und An⸗ lagen vorzubeugen, welche dort von der rohen Men⸗ ſchenclaſſe verübt worden ſind, die ſich ſo durchaus als die Geſammtheit des Publicums betrachten, daß ſie alle Machtvollkommenheit in ihrer eigenen Perſon vereint wähnen, ſobald die Gemeinde irgend Etwas in Anſpruch nehmen will. Es kann meine Abſicht nicht ſein, mei⸗ nen Nachbarn das unſchuldige Vergnügen eines Aus⸗ flugs nach der Landſpitze zu verſagen; aber es iſt mein — 141— feſter Vorſatz, mich von Niemanden aus meinem Eigen⸗ thume verdrängen zu laſſen.“ „Du biſt zu nachſichtig, Edward, mehr, als ich es an Deiner Stelle ſein würde; mehr, als Du es ſein wirſt, wenn Du dieſes hier geleſen haſt.“ Bei dieſen Worten überreichte John Effingham ſei⸗ nem Vetter einen kleinen ſchriftlichen Aufſatz, welcher die Zuſammenberufung der Einwohner Templetons für dieſen Abend bezweckte, um Mr. Effingham's anmaßenden Anſprüchen auf das beſprochene Grundſtück verdienter⸗ maßen zu begegnen. Dieſer Aufſatz trug alle Merkmale einer ſchwachherzigen und gemeinen Böswilligkeit; Mr. Effingham's war darin„als ein gewiſſer Mr. Effing⸗ ham“ erwähnt, und das ganze Machwerk war— anonym! „Das iſt unſerer Aufmerkſamkeit kaum werth John,“ ſagte Mr. Effingham in ruhigem Ton,„denn Verſamm⸗ lungen dieſer Art können die Geſetze nicht ändern, und Niemand, der nur einigermaßen Achtung vor ſich ſelbſt hat, wird ſich zum Werkzeug einer ſolchen erbärmlichen Maßregel hergeben, wodurch man einen Bürger von der Behauptung ſeines Rechts abſchrecken will.“ „Ich denke wie Du über eine ſolche Zuſammenkunft, welche Dummheit und Bosheit veranlaßt und welche, wie alles Treiben dieſer Art, ein lächerliches Ende neh⸗ men wird. Aber—“* „Entſchuldigen Sie, Mr. John,“ unterbrach ihn Ari⸗ ſtobulus,„die Sache hat eine furchtbare Aufregung her⸗ — 442— vorgebracht! Manche haben ſogar mit einer Klage ge⸗ droht, wegen anmaßlicher Grenzüberſchreitung!“ „Nun, wenn das iſt,“ ſagte Mr. Effingham,„dann müſſen wir mit mehr Nachdruck handeln. Können Sie vielleicht einige Perſonen nahmhaft machen, Herr, die ſolche Drohungen gewagt haben?“ Ariſtobulus erſchrack vor dem ernſten Blick Mr. Ef⸗ fingham's; er bereuete ſchon, ſo viel mitgetheilt zu ha⸗ ben, als wirklich geſchehen war. Er ſtotterte einige ver⸗ worrene und unverſtändliche Erläuterungen heraus und ſchlug vor, er wolle der Zuſammenkunft ſelbſt beiwoh⸗ nen, damit er ſich genauer von den beabſichtigten Maß⸗ die regeln unterrichten könne, ohne Gefahr zu laufen, durch un Mißverſtändniſſe die Sache zu verwirren. im Mr. Effingham ließ ihn gewähren, denn ſeine Ent⸗ ſei rüſtung war zu groß über dieſe Verhöhnung ſeiner M bürgerlichen und menſchlichen Rechte, als daß er über da dieſe Sache noch länger an dieſem Abend mit ſeinem Pl Hausverwalter hätte reden mögen. Ariſtobulus begab Ei ſich weg, und John Effingham blieb bei ſeinem Vetter ha allein, bis ſämmtliche Hausgenoſſen ſich zur Ruhe be⸗ 36 gaben. Während einer langen Unterredung machte ne John Effingham ſeinem Vetter in Beziehung auf die⸗ ſelbe Angelegenheit noch manche Mittheilungen, von ch denen dieſer bis dahin nicht das Geringſte geahnt hatte. be dann Sie , die . Ef⸗ u ha⸗ ver⸗ und iwoh⸗ Maß⸗ durch Ent⸗ ſeiner über einem begab Vetter he be⸗ machte f die⸗ „ von hatte. Fünftes Kapitel. „In England ſollen fortan ſieben Halb⸗Penny⸗Brode nur einen Penny gelten, und jede Dreiſchoppenkanne ſoll zehn Schoppen halten; und ein ſchweres Verge⸗ hen foll es heißen, wenn Jemand ſich unterfängt, Dünnbier zu trinken; das ganze Reich ſoll Gemein⸗ gut bleiben, und in Cheapſide, ſage ich, ſoll mein Fül⸗ len graſen.“ Jack Cade. So ſehr auch die Verhandlungen über die Landſpitze die geſchäftigen Zungen in Templeton am folgenden Tage und noch längere Zeit nachher beſchäftigte, ſo dachte man im Wigwam kaum mehr daran. Im Vertrauen auf ſein Recht, obſchon nicht wenig verdrießlich über den Mißbrauch ſeines gefälligen Benehmens, ohne welches das Publicum nie in den Fall gekommen wäre, dieſes Plätzchen zu ſeinem Vergnügen zu benutzen und ihm, dem Eigenthümer, oftmals hinderlich und läſtig zu werden, hatte Mr. Effingham dennoch dieſe Sache ſich für einige Zeit aus dem Sinne geſchlagen und war wieder zu ſei⸗ nen gewohnten Geſchäften zurückgekehrt. Mit Mr. Bragg war es anders. Seinem Verſpre⸗ chen gemäß hatte er der Verſammlung beigewohnt, und beobachtete er in ſeinem ganzen Benehmen einen An⸗ ſchein wichtigthuenden Selbſtvertrauens, als ob er der Bewahrer von Geheimniſſen ſei, deren Mittheilung von — 1434— unberechenbaren Folgen ſein müſſe. Niemand wollte in⸗ deſſen ſein Betragen ſonderlich beachten; denn Ariſto⸗ bulus ſammt ſeinen Meinungen und Geheimniſſen hatte in den Augen der meiſten Hausgenoſſen zu wenig Werth, um ihre Aufmerkſamkeit erregen zu können. Er fand indeſſen einen theilnehmenden Zuhörer an Mr. Dodge, welchen Mr. Effingham ſeiner gewohnten Höflichkeit ge⸗ mäß eingeladen hatte, einige Tage in der Geſellſchaft derer zuzubringen, mit denen er, wenn auch wider Willen, ſo manche Gefahren getheilt und überſtanden hatte. Dieſe beiden Herren ſchloſſen bald vertraute Bekannt⸗ ſchaft, und jeder Fremde, der ihr Achſelzucken, ihr be⸗ deutſames Flüſtern, ihre öfteren Winkelunterredungen wahrgenommen hätte, würde ſich leicht haben einbilden können, daß ihren Schultern die Laſt der gewichtigſten Staatsgeheimniſſe aufgebürdet worden wäre. Aber da man hier dieſe beiden hinreichend kannte, ſo gingen alle ihre Blicke, Zeichen und Worte, ſo ſehr auch darauf gerechnet war, Neugier und Beſorgniß zu erregen, den⸗ noch für die übrige Geſellſchaft verloren. Die Damen, von Paul und dem Baronet begleitet, machten einen Morgenſpaziergang nach dem Walde, während die beiden Herren Effingham zu Hauſe blieben und die täglich ankommenden Zeitungen mit einer Gleich⸗ gültigkeit laſen, welche Leute, die ſo große Mittheilun⸗ gen zu machen hatten, nothwendig ärgern mußte. Da vermochte weder Ariſtobulus noch Mr. Dodge ſich länger lte in⸗ Ariſto⸗ mhatte Werth, r fand Dodge, keit ge⸗ ellſchaft Willen, hatte. ekannt⸗ ihr be⸗ dungen nbilden htigſten Aber da gingen darauf en, den⸗ egleitet, Walde, blieben Gleich⸗ ttheilun⸗ te. Da ) länger — 143— zu halten, und nachdem ſie vergeblich ihren Witz ange⸗ ſtrengt, um die beiden Herren Effingham zu einer Frage zu vermögen, was wohl in der geſtern Abend ſtattgefundenen Zuſammenkunft vorgekommen ſei, ſiegte endlich der un⸗ widerſtehliche Drang, ſich ihrer Geheimniſſe zu entlaſten, über ihre verſtellte Verſchloſſenheit, und Beide brachten ihr förmliches Geſuch vor, Mr. Effingham möchte ihnen in der Bibliothek eine Unterredung geſtatten. Letzterer muthmaßte den Zweck dieſer Unterredung und bat da⸗ her ſeinen Vetter mitzugehen, und bald darauf befanden ſich alle vier in dem gewöhnlichen Berathungszimmer bei einander. Wiewohl nun dieſe Unterredung auf ſeine Bitte be⸗ willigt worden war, zögerte Ariſtobulus dennoch, in der Sache weiter zu gehen, bis die freundliche Aufforderung von Mr. Efſingham, mit ſeinen Mittheilungen heraus⸗ zurücken, ihn bemerken ließ, daß es nun zu ſpät ſei, ſein Vorhaben wieder aufzugeben. „Ich war am letzten Abend, unſerer Abſprache zu⸗ folge, bei der Zuſammenkunft, Mr. Effingham,“ begann Ariſtobulus,„und es thut mir herzlich leid, den Erfolg der gehaltenen Berathung einem Herrn mittheilen zu müſſen, vor dem ich die tiefſte Ehrfurcht hege.“ „Alſo eine Zuſammenkunft hat ſtattgefunden?“ ſagte Mr. Effingham mit einer leichten Verbeugung des An⸗ dern höfliche Anrede erwiedernd. „Wohl hat eine ſolche ſtattgefunden, und ich glaube, 130.— 132. 10 Mr. Dodge, wir dürfen mit Wahrheit ſagen, daß dieſe Zuſammenkunft außergewöhnlich zahlreich war.“ „Das Publicum iſt in Maſſe vertreten worden durch die große Zahl von Anweſenden,“ erwiederte der Heraus⸗ geber des„ thätigen Nachforſchers“—„es können leicht fünfzig bis ſechzig Perſonen beiſammen geweſen ſein.“ „Das Publicum hat vollkommen Recht zuſammen⸗ zukommen und über ſeine Anſprüche auf irgend Etwas, wozu es durch irgend einen Rechtstitel befugt iſt, ſich bemerkte Mr. Effingham.„Ich kann da⸗ ſolches Benehmen nichts einwenden; nur daß die Leute mehr auf ihre eigene hmen und abwarten ſollen, bis die Aufforderung zu einer öffentlichen Berathung von achtungswerthern Perſonen ausgegangen wäre, als die⸗ jenigen es ſind, die, wie ich höre, ſich anmaßlich vor⸗ drängten; und ich meine ebenfalls, ſie hätten ſich nur dann zur Theilnahme an einer ſolchen Verſammlung verſtehen ſollen, wenn die Aufforderung in einer ſchick⸗ licheren Form abgefaßt worden wäre, die ſie ſelbſt als geziemend hätten anſehen können.“ Ariſtobulus warf Mr. Dodge, und dieſer jenem, Blicke des Erſtaunens zu, denn keiner dieſer beiden po⸗ litiſchen Sumpfpilze konnte ſich eine deutliche Vorſtellung von dem höheren und würdigeren Geſichtspuncte machen, aus welchem ein rechtlicher und gebildeter Mann der⸗ gleichen Treiben zu betrachten pflege. zu berathen,“ her gegen ein däucht es mir, Würde hätten bedacht ne dieſe durch raus⸗ leicht in.“* nmen⸗ etwas, t, ſich in da⸗ ; nur eigene n, bis ig von ls die⸗ ch vor⸗ ich nur nmlung r ſchick⸗ lbſt als jenem, den po⸗ rſtellung machen, inn der⸗ — 147— „Sie haben eine Reihe von Beſchlüſſen gefaßt, Mr. Effingham,“ ſo nahm Ariſtobulus den Faden des Ge⸗ ſprächs von Neuem auf, mit der ernſten Miene, mit der er gewohnt war, von Gegenſtänden der Art zu reden —„eine Reihe von Beſchlüſſen, Herr!“ „Das ließ ſich erwarten,“ antwortete ſein Vorgeſetz⸗ ter lächelnd,„denn wir Amerikaner ſind ein Volk, das ſich darin gefällt, ganze Reihen von Beſchlüſſen zu faſ⸗ ſen. Kommen ihrer drei zuſammen, gleich ſind ſie bei der Hand, einen Vorſitzer und einen Protvcollführer zu ernennen, und einen Beſchluß zu faſſen iſt eine ſo na⸗ türliche Folge einer ſolchen Organiſation,— ich meine, das iſt der beliebte Ausdruck,— als ein Ei die natür⸗ liche Folge des Gackelns einer Henne iſt.“ „Aber, Herr, Sie wiſſen ja noch gar nicht, welcher Art die Beſchlüſſe ſind, welche in dieſer Verſammlung gefaßt wurden!“ „Das iſt wahr, und dieſe Erweiterung meiner Kennt⸗ niſſe, Mr. Bragg, werde ich das Vergnügen haben, einzig Ihrer gütigen Mittheilung zu verdanken.“ Abermals blickte Ariſtobulus verwundert nach Stead⸗ faſt Dodge, Eſquire, und dieſer eben ſo verwundert ſeinen Genoſſen an; denn beide waren höchſt erſtaunt, daß irgend ein Menſch die Beſchlüſſe einer durchaus re⸗ gelmäßig organiſirten Verſammlung, mit einem Vor⸗ ſitzer und Protocollführer an der Spitze, mit ſolcher Gleichgültigkeit erwarten könne, während beide doch hin⸗ 10* — 148— reichend dargethan zu haben wähnten, daß das Publi⸗ eum, das allgewaltige Publicum dieſe Beſchlüſſe gefaßt habe. „Es fällt mir ſchwer auf's Herz, mich dieſer Pflicht zu entledigen, Mr. Effingham, weil Sie aber darauf be⸗ ſtehen, ſo kann ich nicht anders. Vorerſt haben ſie den Beſchluß gefaßt, daß Ihr Vater die Abſicht gehabt habe, die Landſpitze dem Publieum zur freien Benutzung zu ſchenken.“ „Eine Entſcheidung, welche freilich die Sache voll⸗ ſtändig erledigt, und welche alle Beſchlüſſe meines eig⸗ nen Vaters über ſein Eigenthum vernichten muß Ha⸗ ben die Herren es bei der Landſpitze bewenden laſſen, Mr. Bragg? oder haben ſie weiter den Beſchluß gefaßt, er habe ihnen auch Weib und Kind überlaſſen?“ „Nein, Herr, von Letzteren iſt gar nicht die Rede geweſen.“ „Ich habe alle Urſache, den Herren für ihre Mäßig⸗ ung zu danken, da ſie zu letzterm Beſchluß eben ſo voll⸗ berechtigt waren, als zu erſterem.“ „Die Macht der Geſammtheit einer Gemeinde iſt furchtbar, Mr. Effingham!“ „Das iſt ſie ohne Zweifel; glücklicherweiſe iſt aber die Macht der Geſammtheit des Staates noch furchtbarer, und ich werde mich an die höhere Macht wenden müſſen, um mein Recht geſchützt zu ſehen in einer ſolchen Kriſis. Iſt dieß nicht der beliebte Ausdruck, Vetter John Effingham?“ zubli⸗ gefaßt Pflicht uf be⸗ le den habe, ag zu voll⸗ s eig⸗ Ha⸗ laſſen, gefaßt, Rede Näßig⸗ ſo voll⸗ ade iſt ſt aber dtbarer, müſſen, Kriſis. zham?“ 149— „Sei es eine Veränderung in der Staatsverwaltung⸗ ſei es die Einrichtung eines Poſtenlaufs, ſei es der Sturz eines Karrengauls,— alles iſt Kriſis im amerikaniſchen Wörterbuch.“ „Nun weiter, Mr. Bragg, nachdem die Herren re⸗ ſolvirt hatten, daß ſie von den Abſichten meines ver⸗ ſtorbenen Vaters beſſer unterrichtet ſeien, als ſein eigner Sohn, oder vielmehr als er ſelbſt, wie ſolches aus dem Mißgriffe hervorgeht, den er in ſeinem Teſtamente ge⸗ macht hat, was beſchloß ſodann Ihr gefürchtetes Publi⸗ cum weiter in der Machtvollkommenheit ſeines Willens 2“ „Beſchloſſen wurde, Herr, daß es Ihre Pflicht ſei⸗ den Willen Ihres Vaters durchaus zu erfüllen.“ „Nun, in dieſem Punct ſind wir ganz derſelben Meinung, wie das Publicum bald Gelegenheit haben wird zu erfahren, ehe wir noch mit dieſer Angelegen⸗ heit in's Reine gekommen ſein werden. Das iſt wirk⸗ lich einer der frömmſten Beſchlüſſe, welche das Publi⸗ cum jemals faſſen konnte Nun, Herr, hat es noch ſonſt etwas beſchloſſen?“ Ungeachtet des fortwährenden Verkehrs mit der Claſſe von Einwohnern, welche Ariſtobulus mit dem Namen des Publicums beehrte, bewahrte er demungeachtet eine ehrfurchtsvolle Hochachtung vor dem beſonnenen und feſten Charakter, wie vor dem ſelbſtſtändigen und unab⸗ hängigen Benehmen des Mr. Effingham; dieſes Gefühl konnte er ungeachtet aller Selbſttäuſchung und alles — 130— blinden Vertrauens auf das verwirrte Treiben, woran er ſo eifrig Theil nahm, nicht ganz unterdrücken; er be⸗ ſann ſich daher erſt eine Weile, ehe er die folgenden Beſchlüſſe der Verſammlung ſeinem Gönner mittheilte. Doch, da er merkte, daß ſowohl dieſer als ſein Vetter auf ſeine übrigen Mittheilungen warteten, ſo ſah er ſich ge⸗ nöthigt, ſeine Zweifel aufzugeben und frei heraus zu reden. „Ich erfülle ungern meine Pflicht, indem ſie mich nöthigt, Ihnen zu ſagen, Mr. Effingham,“ ſagte er, „daß die Verſammlung weiter beſchloſſen hat, daß Sie ſich dem Publicum höchſt mißfällig bewieſen hätten durch die Art, wie Sie in Beziehung auf die beſtrittene Land⸗ ſpitze zu Werke gegangen ſeien, und daß die Verſamm⸗ lung demnach Ihre Anzeige zur Abwehr von Eingriffen in Ihr Eigenthum mit der einſtimmigen Erklärung ihrer Verachtung verwerfe.“ „Wenn ich Mißfallen errege, indem ich mein Recht in meinem Eigenthum zu ſchützen ſuche,“ bemerkte Mr. Effingham ruhig,—„was erregt denn Ihr Publicum anders, wenn es ſich Rechte über fremdes Eigenthum anmaßt, die ihm nicht gebühren?“ „Freilich werden nicht alle Menſchen gleich denken, über dieſen Beſchluß. Ich wagte daher auch, die Ver⸗ ſammlung darauf aufmerkſam zu machen, daß hier ir⸗ gend ein Mißverſtändniß obwalten müſſe; aber—“ „Die Verſammlung beſchloß, wie gewöhnlich, daß ſie nich der nun aber vor lich ein woran er be⸗ genden theilte. ter auf ich ge⸗ heraus e mich gte er, aß Sie n durch e Land⸗ rſamm⸗ ngriffen ig ihrer n Recht kte Mr. ublicum genthum denken, die Ver⸗ hier ir⸗ 1 daß ſie — 131— nicht irren könne,“— unterbrach ihn John Effingham, der mit Mühe bis jetzt geſchwiegen hatte.„Du magſt nun dieſe Sache anſehen, wie Du Luſt haſt, Edward; aber in meinen Augen erſcheint ſie als eine abſichtlich vorbereitete Entſtellung der Wahrheit, als ein Frevel wi⸗ der die beſtehenden Geſetze und als eine höchſt ungebühr⸗ liche einem einzelnen Bürger zugefügte Beleidigung⸗“ „Gütiger Himmel! Mr. John! Sie vergeſſen ganz, daß dieſes die Beſchlüſſe einer öffentlichen Verſammlung, einer unverletzlichen geſetzmäßigen Zuſammenkunft ge⸗ weſen ſind!“ John Effingham war eben im Begriff mit einer kal⸗ ten Verachtung, die er verdientermaßen gegen ſolchen anmaßlichen Mißbrauch geſetzlicher Formen empfand, den Berichterſtatter gehörig zurecht zu weiſen, aber ein Wink ſeines Vetters bewog ihn zu ſchweigen. „Wollen Sie die Güte haben, Mr. Bragg,“ ſagte der Vetter,„mir einigermaßen eine Vorſtellung zu ge⸗ ben, aus welchen Perſonen Ihre Verſammlung beſtand? Mr. Howel, möchte ich wetten, war nicht dabei?“ Ariſtobulus mußte bekennen, daß letzterer nicht zu⸗ gegen war. Darauf nannte Mr. Effingham wohl zwan⸗ zig bis dreißig von den achtungswürdigſten und verſtän⸗ digſten Einwohnern des Dorf, ohne irgend einen zu über⸗ gehen, der durch ſein äußeres Anſehen, ſein höheres Alter, ſeinen längern Aufenthalt oder ſonſt durch ver⸗ dienten Einfluß ſich hätte befugt halten können, bei einer - 132— öffentlichen Berathung zu erſcheinen; aber es fand ſich, daß von dieſen kein Einziger in der Verſammlung ge⸗ weſen ſei. Ueber dieſes Reſultat verwundert, nachdem Mr. Bragg ſo großes Aufſehen von der furchtbaren Ver⸗ ſammlung gemacht hatte, erkundigte er ſich nach den Namen derjenigen, welche bei dieſer Gelegenheit die thätigſten und leitenden Theilnehmer bei dieſer Zuſam⸗ menkunft geweſen wären. Bei weitem die größere An⸗ zahl gehörte der fluctuirenden Bevölkerung, welche einen ſo beträchtlichen, nimmer raſtenden, nirgends verweilen⸗ den Theil der meiſten amerikaniſchen Ortſchaften aus⸗ macht. Viele unter ihnen konnten nur inſofern zu den Einwohnern gezählt werden, als ſie wirklich ſchon einen Monat lang dort wohnten. „Alle dieſe Leute ſind mir größtentheils fremd,“ ſagte Mr. Effingham,„weder ihr Alter noch ihr Aufenhalt hier im Dorfe ſetzt ſie in den Stand, über Dinge, die ſchon vor längerer Zeit geſchehen ſind, das Geringſte wiſſen und einen ſtreitigen Fall der Art beurtheilen zu können. Von meinem Vater kann ihnen nichts bekannt ſein, da dieſer ſchon ſeit faſt dreißig Jahren todt iſt.“ „Aber demungeachtet machen dieſe Leute die Bevöl⸗ kerung aus, Herr.“ „Nein, Herr, ſie machen die Bevölkerung gar nicht aus; und es iſt ihrerſeits eine nicht weniger freche An⸗ maßung, dieſe ausmachen zu wollen, als ſich an fremdem Eigenthum zu vergreifen.“ 678 ſammt John lem 2 darau gutwi „T ſchen und r Richte mein das i kann. bloß unſer 62 Dich dſich, g ge⸗ chdem Ver⸗ den it die uſam⸗ e An⸗ einen eilen⸗ aus⸗ 1 den einen ſagte nhalt „die ingſte n zu kannt iſt.“¹ evöl⸗ nicht An⸗ ndem — 135— „Den Leuten dünkt es hinreichend, ſich als die Ge⸗ ſammtheit der Einwohnerſchaft zu betrachten,“ ſagte John Effingham,„und als ſolche halten ſie ſich zu al⸗ lem Möglichen befugt und berechtigt. Ich verlaſſe mich darauf, Edward, daß Du ſolche Beleidigungen nicht gutwillig ertragen wirſt.“ „Was kann ich anders thun, John, als dieſe Men⸗ ſchen bemitleiden, die ſo wenig wiſſen, was ſich ziemt und was recht iſt, um ſich in ihrer eignen Sache zu Richtern aufwerfen zu wollen? Gewiß werde ich mir mein Recht um keinen Buchſtaben verkürzen laſſen, und das iſt auch Alles, was mir in dieſem Falle obliegen kann. Und daß ich mein Recht vertheidige, bin ich nicht bloß mir, ſondern auch der Achtung vor den Geſetzen unſeres gemeinſamen Vaterlandes ſchuldig.“ „Aber man hat öffentlich ausgeſprochen, daß man Dich und Deine Anſprüche verachte!“ „Das iſt das ſicherſte Zeichen, daß man dieſe Ver⸗ achtung nicht fühlt. Verachtung iſt eine ſchweigende Maßregel, die niemals vor aller Welt ſich kund gibt. Das heißt wahrlich nicht einen Mann verachten, wenn man zu dieſem Zweck feierlicher und förmlicher Erklä⸗ rungen bedarf. Durch mein Benehmen möchte ſich viel⸗ mehr bald zeigen, auf welcher Seite eigentliche Verach⸗ tung beſteht.“ „Man hat Dich öffentlich angegriffen, indem man — 134— Beſchlüſſe gefaßt hat, Dich mißfälligen Benehmens zu beſchuldigen.“ „Das iſt freilich arg genug, und der guten Sitte und der öffentlichen Schicklichkeit zu Liebe ſollte ich ei⸗ gentlich mich dagegen vernehmen laſſen. Aber Niemand, Mr. Bragg, kann ſich weniger als ich um dergleichen Erklärungen kümmern, deren Nichtswürdigkeit ſchon aus der dummdreiſten Art hervorgeht, mit welcher diejenigen handeln, die ſolche von ſich gegeben haben; aber es iſt noch weit ſchlimmer, wenn eine geringe Anzahl der Glieder ei⸗ ner Geſellſchaft ſich unterſtehet, ſolche Aeußerungen ge⸗ gen einen Einzelnen ſich zu erlauben, zumal in einem Fall, wo ſie vorgeblich ihr Recht, das ſie von dieſem Einzelnen verletzt wähnen, vertheidigen wollen. Ich verlange daher von Ihnen, daß Sie den Betheiligten zu wiſſen thun, daß, wenn ſie es wagen, ihre Beſchlüſſe hinſichtlich meines angeblich mißfälligen Benehmens zu veröffentlichen, ich alsdann ihnen zeigen werde, was ſie noch nicht zu wiſſen ſcheinen, daß wir in einem Lande wohnen, wo Geſetze beſtehen. Verfolgen werde ich ſie nicht, aber die gerichtliche Anzeige von der mir zugefüg⸗ ten Beleidigung wird nicht ausbleiben, und ich meine Ihnen hiermit genug geſagt zu haben.“ Ariſtobulus ſtand da, wie vom Blitz getroffen. Ein verſammeltes Publicum gerichtlich zu belangen, das war ein Schritt, der Ariſtobulus durchaus unerhört vorkam. Allmählich fing er an zu begreifen, daß die Sache auch nens zu n Sitte ich ei⸗ iemand, gleichen hon aus ejenigen iſt noch ieder ei⸗ gen ge⸗ n einem dieſem en. Ich heiligten zeſchlüſſe nens zu de, was m Lande 2 ich ſie zugefüg⸗ h meine n. Ein das war vorkam. iche auch = s aus einem andern Geſichtspuncte, als er bisher gewohnt war, betrachtet werden könne. Aber ſeine ſcheue Ehr⸗ furcht vor öffentlichen Verſammlungen und ſeine uner⸗ müdliche Rückſicht auf die Gunſt der Menge bewogen ihn dennoch, die Sache nicht aufzugeben, ohne nochmals einen Kampf zu wagen. „Man hat bereits den Druck der gefaßten Beſchlüſſe verfügt, Mr. Effingham!“ ſagte er, gleichſam als könne eine ſolche Verfügung nicht mehr zurückgenommen werden. „Ich meine, Herr, wenn es erſt recht zum Treffen kommt, und Laſten und Strafen, die dem gerichtlichen Verfahren folgen, dazu kommen, dann werden die ärgſten Schreier, die den Unfug angezettelt haben, ſich nothge⸗ drungen an ihre Stellung als Einzelne erinnern und weniger den angemaßten Charakter der öffenlichen Macht⸗ vollkommenheit zu behaupten trachten. Denn diejenigen, welche gleich Wölfen truppweiſe jagen, ſind ſelten ſon⸗ derlich beherzt, ſobald ſie außer dem Bereich der ganzen Meute einzeln angegriffen werden. Das Ende wird es lehren.“ „Ich wünſchte von Herzen, daß dieſe unangenehme Geſchichte gütlich beigelegt werden könnte,“ fügte Ari⸗ ſtobulus hinzu,„dergleichen macht böſes Blut und un⸗ freundliche Nachbarſchaft.“ „Das glaube ich ſelbſt,“ bemerkte John Effingham, „denn Niemand läßt ſich gern vor Gericht belangen.“ „Aber, Mr. John, das Publicum iſt der Meinung, in dieſer Sache der angegriffene Theil zu ſein.“ bekar „Daß eine Körperſchaft, die nicht allein Geſetze zu zige machen, ſondern auch ſie auszuüben ſich befugt hält, daß der angegriffene Theil ſein könne, iſt eine handgreiflich ſtü cks ungereimte Behauptung, ſo daß ich nicht begreife, wie ein hat d Menſch ſich eines ſolchen Ausdr ucks bedienen kann. Doch, nes zur Sache, Mr. Bragg, Sie haben Beweiſe geſehen, erträã welche Sie durchaus überzeugt haben müſſen, daß Ihr„ ſogenanntes Publicum nicht den geringſten rechtlichen Effin Anſpruch auf die Landſpitze machen kann.“ 5 „Das iſt allerdings wahr; aber erinnern Sie ſich ge⸗ daß ſ fälligſt, daß das Publicum nicht weiß, was ich weiß.“ Vern „Und Sie werden ſich gefälligſt erinnern, daß wenn alle b Leute ſo beſtimmt ſich ausſprechen und handeln, in ei⸗ allen ner Angelegenheit von ſolcher Wichtigkeit, daß ſie dann ſich verpflichtet ſind zu wiſſen, was ſie thun oder laſſen ſol⸗ ſen len. Nichtswiſſen in ſolchem Falle iſt nicht beſſer als zuge eines Trunkenbolds Klage über Vergiftung; es macht Bur den Fehl nur ärger.“ „Meinen Sie nicht, Mr. John, daß Mr. Effingham zes dieſe unſre Mitbürger mit der wahren Lage der Sache ſcho⸗ hätte bekannt machen ſollen? Haben denn die Leute ſo Leut großes Unrecht begangen, weil ſie eine falſche Anſicht billi von der Sache hatten?”“ .„Weil Sie jetzt aus einem andern Tone ſprechen, alſo Mr. Bragg, ſo will ich Ihnen mit gleicher Aufrichtig⸗ inung, etze zu hält, reiflich ie ein Doch, ſehen, 3 Ihr tlichen ich ge⸗ iß.“ wenn in ei⸗ dann n ſol⸗ r als macht gham Sache ite ſo Inſicht echen, chtig⸗ tigkeit antworten. Mr. Effingham iſt ein Mann, der die Jahre der Mündigkeit längſt erreicht hat; er iſt bekannt, als der Sohn, Teſtamentsvollſtrecker und ein⸗ zige Erbe eines Mannes, von dem Niemand bezweifelt, daß er der rechtmäßige Beſitzer des beſtrittenen Grund⸗ ſtücks geweſen iſt. Wohl wiſſend, was er zu thun hat, hat dieſer Mr. Effingham, Angeſichts des Grabes ſei⸗ nes Vaters, unter ſeinem väterlichen Obdach, die un⸗ erträgliche Anmaßung—“ „Verwegenheit iſt das ächte Wort, John,“ ſagt Mr. Effingham lächelnd. „Ja wohl, die unerhörte Verwegenheit, zu behaupten, daß ſein Eigenthum wirklich ſein Eigenthum ſei, und dieſe Vermeſſenheit wagt er, ohne vorher ſo höflich geweſen zu ſein, alle bezüglichen Beweisurkunden und Familienpapiere unter allen Leuten herumzuſchicken, die erſt ſo kurze Zeit hier ſich aufgehalten haben, daß ſie natürlich nicht wohl wiſ⸗ ſen können, was ſeit einem halben Säculum ſich bei uns zugetragen hat. O welch ein unnützer, verwegener Burſche biſt Du, Edward!“ „Mr. John, Sie ſcheinen zu vergeſſen, das ein gan⸗ zes Publicum weit eher verlangen darf, daß man es ſchonend behandle, als ein Einzelner. Wenn ſich die Leute zu einem Mißgriff haben verleiten laſſen, ſo iſt es billig, daß ſie enttäuſcht werden.“ „Nun das iſt ohne Zweifel wahr, Herr. Ich würde alſo Mr. Effingham rathen, Sie, ſeinen Verwalter und — 138— Geſchäftsführer, zu Jedermann, Männer, Frauen und Kinder, in dieſem Bezirk wohnhaft, herumzuſchicken, mit dem Patentbriefe des Königs, ſämmtlichen bezüglichen Scripturen, Teſtamenten und Familienpapieren in der Taſche, damit beſagte Männer, Frauen und Kinder ſolche leſen und daraus zur Genüge entnehmen, daß ſie insge⸗ ſammt nicht die Eigenthümer der mehrgenanntem Ed⸗ ward Effingham zugehörigen Ländereien ſind!“ „Nicht doch, Herr, die Sache ließe ſich ja weit kürzer abmachen“ „Der Meinung bin ich auch, Herr, und mein Better hat die Sache bereits auf dem kürzeſten Wege abgemacht, indem er die öffentliche Bekanntmachung zur Wahrung ſeines Eigenthumrechts gegen widerrechtliche Angriffe in die Zeitung hat einrücken laſſen. Aber Mr. Bragg⸗ Sie müſſen wiſſen, daß ich mir ſehr viele Mühe gegeben und zwar bereits vor drei Jahren, als ich mich hier wegen der Reparatur des Hauſes aufhielt, wie ich ſage, viele Mühe gegeben habe, die beſprochene Angelegenheit wegen der Landſpitze, von der die Rede iſt, Allen deut⸗ lich zu machen, da ich ſchon damals erfahren mußte, das Ihr ſich unfehlbar dünkendes Publicum ſich einbil⸗ dete, mehr von den Angelegenheiten anderer Leute wiſ⸗ ſen zu wollen, als dieſe ſelbſt“ Ariſtobulus ſagte nun kein Wort weiter, er gab die bis jetzt ſo tapfer vertheidigte Poſition gänzlich auf. Er verließ das Haus, und wandte ſich ſogleich an diejeni⸗ gen, w ligt we feſt en⸗ lung d Gemei ner Re und K nen, n werden derſell ſei, au zu wid gar r beſtrit Parte ihrem AW Ariſto ſicht ben! dieſe zu ſe Ange und beide dung Art n und n, mit glichen in der ſolche insge⸗ m Ed⸗ kürzer Better emacht, ahrung ingriffe Bragg⸗ gegeben ch hier h ſage, genheit n deut⸗ mußte, einbil⸗ te wiſ⸗ gab die uf. Er diejeni⸗ — 139— gen, welche am meiſten bei dieſer Angelegenheit bethei⸗ ligt waren, um ihnen mitzutheilen, daß Mr. Effingham feſt entſchloſſen ſei, ſich durch keine angebliche Verſamm⸗ lung des Publicums in den Staub treten zu laſſen. Gemeiner Menſchenverſtand, um nicht zu ſagen, gemei⸗ ner Rechtlichkeitsſinn, erhielten allmählig die Oberhand, und Klugheit und Vorſicht begannen auf Mittel zu ſin⸗ nen, wie die Sache wieder in's gewohnte Gleis gebracht werden könne. Dennoch waren beide, er und Mr. Dodge, derſelben Meinung, daß es eine unerhörte Verwegenheit ſei, auf ſolche Weiſe dem Ausſpruch der öffentlichen Meinung zu widerſtreben, und dieſes noch dazu in einer Sache, die gar nicht der Mühe werth ſei, da der Geldwerth der beſtrittenen Landſpitze weder der einen noch der andern Partei ein Beweggrund zu hartnäckigem Beharren auf ihrem Vorſatz ſein könne. Wir wünſchen nicht, daß der Leſer ſich vorſtelle, daß Ariſtobulus Bragg und Steadfaſt Dodge in jeder Rück⸗ ſicht zu derſelben Menſchengattung oder gar zu derſel⸗ ben Abart gehörten, weitl ſie bei der Verhandlung über dieſe Angelegenheit durchaus eines Sinnes und Treibens zu ſein ſchienen, oder weil ſie auch bei manchen andern Angelegenheiten viel Uebereinſtimmendes in ihrer Denk⸗ und Handelsweiſe zeigten. Nothwendigerweiſe blieben beide dem Caſtengeiſt, den Verhältniſſen, den Verbin⸗ dungen, den Gewohnheiten treu, welche dieſe beſondere Art von Menſchen bezeichnend von den übrigen unter⸗ — 160— ſcheidet; ſah man dagegen auf die genauern Unterſchei⸗ dungsmerkmale, welche die Individualität deutlicher er⸗ kennen laſſen, dann hätte man kaum zwei Menſchen ſinden können, welche ſich weſentlicher von einander un⸗ terſchieden, als dieſe beiden. Mr. Bragg war ein un⸗ ternehmender, ſowohl leiblich als geiſtig beherzter Mann, dem nichts unerreichbar ſchien; der ſich in der Gewalt hatte, viel Geiſtesgegenwart beſaß, dabei Gewandtheit in der Verfolgung ſeiner Zwecke, wenn er ſeine Leute kannte; geſundes Urtheil in allem bewies, ſo weit ſeine Fähigkeiten reichten, und geſchickt war in der Wahl der Mittel, die zum Ziele führen konnten. Wenn er das Glück gehabt hätte, von früher Jugend an in einen an⸗ gemeßneren Wirkungskreis verſetzt zu werden, ſo würden dieſelben Eigenſchaften, welche ihn mit ſolcher Anſtellig⸗ keit und Gewandtheit in ſeiner jetzigen Lage ſich be⸗ haupten ließen, ihn weit höher gehoben und zu einem Ehrenmann im beſſern Sinn hinaufgebildet haben, zu einem einſichtsvollen, und vielſeitigen Gelehrten, zu einem trefflichen, thatkräftigen Mann, der die Wohlfahrt ſeiner Mitbürger, ihre beſſeren Grundſätze, ihre Entwickelung zu ächter Humanität bedeutend hätte fördern können. Daß es anders gekommen, war mehr ſeinem Mißgeſchick als ſeinem Verſchulden zuzuſchreiben. Denn ſein mehr plaſtiſcher Sinn hatte nur zu leicht die Eindrücke der Dinge in ſich aufgenommen, die ihn täglich umgaben und wegen beſtändiger naher Berührung ſich ihm deſto feſter faſt T heit, z niſſe, heit ge Neigu tete 2 Mittel Gewo mehr der a⸗ gewac Ur ſtimm den T verwe Geſar dern wird; zu, al dieſer Kurz einig anfär als geme verbl 13 nterſchei⸗ licher er⸗ Menſchen nder un⸗ ein un⸗ r Mann, Gewalt vandtheit ne Leute eit ſeine VJahl der mer das nen an⸗ würden inſtellig⸗ ſich be⸗ n einem ben, zu u einem t ſeiner ickelung können. geſchick n mehr cke der ngaben n deſto — 161— feſter einprägen mußten. Ihm gegenüber erſchien Stead⸗ faſt Dodge ein von Natur zur Heuchelei, zur Feig⸗ heit, zum Neid, zur Bosheit geneigter Menſch; die Verhält⸗ niſſe, unter denen er gelebt, hatten ihm öfter Gelegen⸗ heit genug dargeboten in dieſen angebornen ſchlimmen Neigungen zu erſtarken. Daß zwei ſo verſchieden gear⸗ tete Menſchen gleichſam in einem gemeinſchaftlichen Mittelpunct zuſammen trafen, wo ihre Meinungen und Gewohnheiten in Uebereinſtimmung ſich begegneten, war mehr eine Folge zufälliger Umſtände und der Gleichheit der auf beide wirkenden Eindrücke, unter denen ſie auf⸗ gewachſen waren. Unter mehren Puncten, worin dieſe Beiden überein⸗ ſtimmten, gehört auch der Mißgriff, die Urſachen mit den Wirkungen in Beziehung auf die Inſtitutionen zu verwechſeln, unter denen ſie lebten. Weil das Geſetz der Geſammtheit das Anſehen verlieh, das in andern Län⸗ dern nur einem Einzelnen oder Wenigen zugeſtanden wird; ſo trauten ſie der Menge eine weit größere Macht zu, als ſie bei einer richtigen Auslegung der Grundſätze dieſer Inſtitutionen derſelben hätte einräumen dürfen. Kurz, dieſe beiden begingen denſelben Fehler, der ſeit einiger Zeit in Amerika immer allgemeiner zu werden anfängt, ſie betrachteten die Inſtitutionen ihres Landes als ein Ganzes von Mitteln und überſahen dabei ihr gemeinſchaftliches Ziel. Von dieſer irrigen Vorſtellung verblendet, faßten ſie bloß das mechaniſche Triebwerk 130.— 132. — 162— der Regierung auf, und vergaßen den Sinn derſelben ganz und gar; vergaßen, daß die dem Volke als Ge⸗ ſammtheit verliehene Macht demſelben nur deßhalb verliehen ſei, um jedem Einzelnen nach ſeinen Anlagen und Beſtrebungen die größte mögliche geſetzliche Frei⸗ heit zu ſichern. Keiner von beiden hatte ſich hinreichend über die gemeine Anſicht erhoben, um zu begreifen, daß eine öffentliche Meinung, um allmählig und allgewaltig zu ſein, vor allen Dingen die richtige Meinung ſein müſſe; und daß, ſo wie Einzelne durch die Annahme und Befolgung falſcher und ungerechter Anſichten ſich die Verachtung ihrer Mitbürger zuziehen, auf gleiche Weiſe und in einem noch höheren Grade ganze Körper⸗ ſchaften, wenn ſie ähnliche Irrthümer und Fehler bege⸗ hen, ſich vor ihren Mitbürgern herabſetzen, und deſto mehr, wenn ſie überdieß als feige Prahler erſcheinen. Hierzu kam noch ein anderer Irrthum, in welchem die Herren Bragg und Dodge gemeinſchaftlich verfallen mußten, weil ſie nicht im Stande waren, den Sinn der Inſtitutionen richtig aufzufaſſen. Sie betrachteten das Widerſtreben gegen den Willen der Geſammtheit, wie ſie es nannten, wenn dieſer Widerſtand von einem Ein⸗ zelnen ausging, ohne Weiteres als arge Vermeſſenheit und ariſtokratiſches Benehmen überhaupt, ohne daß ſie dabei der Mühe werth hielten, vorher zu unterſuchen, auf welcher Seite das Recht ſei oder das Unrecht. Denn das Volk hielten ſie,— und in der wahren Bedeutung und dacht geree zügli unan nuten ſchon gen Verd Zeit! nehm ſetzen Gefã eiger habe Fam geſtö ſelben 3 Ge⸗ eßhalb lagen Frei⸗ ichend n, daß waltig g ſein nahme n ſich gleiche börper⸗ bege⸗ deſto inen. belchem rfallen nn der en das t, wie m Ein⸗ ſſenheit daß ſie en, auf Denn eutung — 1653— des Worts irrten ſie nicht, für die einzige herrſchende Macht. Sie gehörten aber beide zu einer Menſchenart, die äußerſt zahlreich iſt, welche, die Unfügſamkeit gegen die Menge mit der Unfolgſamkeit gegen das Volk in einem demokratiſchen Staate verwechſelnd, ſelbſt wenn es gilt, ſich ungeſetzlichen Launen zu fügen, das Widerſtreben dagegen mit demſel⸗ ben Widerwillen anſieht, wie der Sclave eines Deſpoten den Ungehorſam gegen ſeinen Herrn zu betrachten pflegt. Es iſt kaum nöthig hinzuzuſetzen, daß Mr Effingham und ſein Vetter ganz anders über dieſe Gegenſtände dachten. Mit klarem Blick die Verhältniſſe erwägend, gerecht und rückſichtsvoll gegen Jedermann, war vor⸗ züglich der erſtere von dieſem letzten Geſpräch äußerſt unangenehm berührt worden, und wohl noch zehn Mi⸗ nuten lang, nachdem Mr. Bragg und ſein Gefährte ſchon weggegangen waren, ſchritt er noch immer haſti⸗ gen Schrittes im Bibliothekzimmer auf und ab. Der Verdruß, der ſich ſeiner bemächtigt, verhinderte ihn eine Zeitlang am Reden. „Es iſt wahrhaftig ein ganz außergewöhnliches Be⸗ nehmen, John,“ bemerkte er endlich;„ich möchte hinzu⸗ ſetzen, ich ſehe darin äußerſt ſchlechten Dank für meine Gefälligkeit, dem Publicum den Gebrauch meines Grund⸗ eigenthums nun ſchon an dreißig Jahre lang geſtattet zu haben; wobei, wie Du am beſten weißt, ich und meine Familie durch Zudringlichkeit und Neugier nur zu oft geſtört worden ſind.“ 11* — 164— „Ich habe Dich längſt darauf vorbereitet, Edward, daß Du daſſelbe Amerika bei der Heimkehr nicht wieder⸗ finden werdeſt, wie Du es bei Deiner Abreiſe verließeſt. Ich habe hinreichende Gelegenheit gefunden, mich zu überzeugen, daß kein anderes Land in ſo kurzer Zeit ſich ſo ſehr zu ſeinem Nachtheil verändert hat, als das unſrige.“ „Daß eine unverhältnißmäßig raſche Zunahme des Geldreichthums merklich das alltägliche Treiben und die Lebensgewöhnungen der Menſchen im Weltverkehr umän⸗ dern müſſe, ſofern eine größere Anzahl ungebildeter und rohaufgewachſener Männer und Weiber ſich unverhofft und unerwünſcht in den Verkehr der höhern Stände hineingedrängt, das iſt nicht mehr als eine natürliche Folge handgreiflicher Urſachen; daß daraus ſogar eine Verſchlimmerung nicht bloß des Umgangstons, ſondern ſelbſt eine Lauigkeit gegen ſittliche und religiöſe Grund⸗ ſätze hervorgehen könne, war ebenfalls zu erwarten; denn wir wiſſen beide, wie die Geldmacht nur einen äußerſt verderblichen Einfluß ausüben kann;— aber, ich geſtehe es, das hätte ich mir nicht vorgeſtellt, daß eine Maſſe von Fremden, von Zugvögeln, von Geſchöpfen des Au⸗ genblicks, ſich das Recht anmaßen würde, den alten anſäſſigen Einwohnern die Verpflichtung aufzulegen, ſich vor ihnen über die Rechtmäßigkeit ihres Grundbeſitzes auszuweiſen, und daß ſolche Neulinge ſich dazu ſolcher unerwarteten und unerhörten Mittel bedienen könnten, ward, dieder⸗ ließeſt. ich zu eit ſich ſrige.“ ne des ind die umän⸗ er und verhofft Stände türliche ar eine ſondern Grund⸗ n; denn äußerſt geſtehe Maſſe des Au⸗ n alten gen, ſich dbeſitzes ſolcher könnten, — 165— denen man ſich fügen ſoll und dabei Gefahr läuft, ſeines wohlerworbenen Eigenthums beraubt zu werden.“ „Du ſprichſt von alten angeſeßnen Einwohnern!“ nahm John Effingham das Wort, und lachte,—„was nennſt Du alte, angeſeſſene Einwohner? Biſt Du nicht ein Dutzend Jahre abweſend geweſen, und kann dieſes Volk anders, als alle Dinge aus einem andern als den eignem Geſichtspunct anſehen? Wie es ſcheint, bildeſt Du Dir ein, Du könneſt, wenn es Dir einfällt, nach Rom, nach Jeruſalem, nach Conſtantinopel reiſen, dort einige Dutzend Jährchen verweilen, und dann auf ein⸗ mal wieder nach Templeton kommen, und Dich ohne weiteres als alten Einwohner aufdrängen!“ „Ich behaupte allerdings, das mir das freiſtehe. Wie viele Engländer, Ruſſen, Deutſche haben wir in Ita⸗ lien kennen gelernt, die dort lange Jahre verweilt hat⸗ ten, und dennoch ihre natürlichen Rechte als Eingeborne in ihrer Heimath nie aufgegeben, und auch in ihren Anſichten und Wünſchen ihrem Geburtslande treu ge⸗ blieben?“ „Ja, das iſt allerdings in Ländern der Fall, wo das geſellige Leben an bleibenden Formen haftet, wo die Menſchen an den Anblick derſelben Gegenſtände, an den Klang derſelben Namen, an den Eindruck derſelben Geſichtszüge ihr ganzes Leben hindurch gewöhnt ſind. Aus Neugierde habe ich in dem vorliegenden Fall mich näher erkundigt, und ich habe mich überzeugt, daß keine — 166— einzige der alten, hier angeſeßnen Familien in der Ge⸗ ſchichte mit der Landſpitze irgend thätig geweſen iſt; ſon⸗ dern daß aller unnütze Lärm, der uns verſtört hat, bloß von den von Dir ſogenannten Zugvögeln herrührt. Aber, wie kann es anders ſein? dieſe Leute ſind einmal gewohnt, keinem Dinge ein längeres Beſtehen zuzutrauen, als die geſetzlichen ſechs Monate, die zur erneuerten Abſtimmung erfordert werden; ihnen muß die ſogenannte Rotation der Aemter nicht weniger nothwendig, als eine Rotation der Einwohner ſelbſt zum Weſen des Repu⸗ blicanismus erforderlich ſcheinen.“ „Iſt es aber nicht unerhört wunderlich, daß Leute, die ſo wenig wiſſen, wovon und worüber ſie ſich ein Urtheil erlauben, darin ſo unbeſonnen und abſprechend zu Werk gehen?“ „In Amerika kann dergleichen gar nicht auffallend erſcheinen. Blicke um Dich, Edward, ob Du nicht Aben⸗ teurer überall ſich am meiſten vordrängen ſiehſt?— in der Regierung, in den Städten, in den Dörfern, auf dem Lande nicht minder;— wir ſind ein Volk, das Verände⸗ rungen nachjagt! Vieles trägt dazu bei, das räume ich ein, als eine natürliche Folge natürlicher Urſachen, daß ein mit Wäldern bedeckter Landſtrich vorerſt bevöl⸗ kert werden muß, und daß er nicht wohl anders bevöl⸗ kert werden kann, als unter ſolchen Bedingungen. Aber dieſe Nothwendigkeit hat unſern Nationalcharakter durch⸗ aus bewältigt; die Menſchen werden bei uns ungeduldig, wenn auch Dabe Verã ſie ir ernen Wech Zunc ſichte Einz ſie 2 Land den und einzi wird man einb er Ge⸗ z ſon⸗ , bloß rrührt. einmal rauen, euerten nannte s eine Repu⸗ Leute, ſich ein rechend ffallend Aben⸗ in der uf dem erände⸗ räume rſachen, bevöl⸗ bevöl⸗ a. Aber r durch⸗ duldig, — 167— wenn ſie immer daſſelbe vor Augen haben ſollen, wenn auch deſſen Nutzen ſich ihnen überzeugend bewährt hat. Dabei treffen bei uns alle Umſtände zuſammen, um dieſer Veränderlichkeit bei uns Aufmunterung zu geben, ſtatt ſie in heilſame Schranken zurückzudrängen. Die immer erneuerten Wahlen gewöhnen die Menſchen an einen Wechſel ihrer öffentlichen Beamten. Die unaufhörliche Zunahme der Bevölkerung führt uns immer neue Ge⸗ ſichter zu, und das ſchnelle Wachſen des Vermögens der Einzelnen bringt immer neue Menſchen in Lagen, wo ſie Aufſehen erregen können. Die Bauart in unſerm Lande hat wenig oder gar nichts Ehrwürdiges, was uns den Wunſch erregen könnte, die Gebäude zu erhalten, und daher möchte es leicht der Fall ſein, daß uns kein einziges Denkmal aus früherer Zeit übrig bleiben wird.“ „Du ſchilderſt in zu lebhaften Farben, John. Nie⸗ mand wird ſagen können, daß ein Gemälde an Tinten einbüße, wenn Du ſolches übermalſt.“ „Thue nur einen Blick in die erſte beſte Zeitung; Du wirſt nicht überſehen können, wie die jungen Leute in unſerm Lande einander gegenſeitig zu gemeinſamen Berathungen über das Gemeinwohl anfeuern, als ob ſie die Rathſchlüſſe ihrer Väter nicht abzuwarten, die Erfahrung derſelben nicht erſt kennen zu lernen brauch⸗ ten. Kein Land vermag zu gedeihen, wo der gewohnte Gang der Geſchäfte, die auf die Grundlage aller Macht Bezug haben, mit einem ſolchen Mangel an Pietät ſich zu erkennen gibt.“ „Dieſes iſt allerdings ein abſchreckender Zug in dem Charakter unſrer Nation; doch dürfen wir uns nicht verhehlen, wie viel hierbei die Ränke derer mitwirken, welche die unerfahrne Jugend für ihre ſelbſtſüchtigen Plane zu gewinnen ſuchen.“ „Hätte ich einen Sohn, der ſich anmaßte die Ein⸗ ſicht und Erfahrung ſeines Vaters auf eine ſolche un⸗ ehrerbietige Weiſe zu verhöhnen, enterben könnte ich den Schuft!“ „Ei, John, die Kinder der Junggeſellen ſind ge⸗ wöhnlich gut gezogne und geſittete Kinder. Dennoch laß uns hoffen, daß die Zeit Vieles ändern wird, und daß eine dieſer Veränderungen größere Beſtändigkeit der Perſonen, der Sachen und der menſchlichen Neigun⸗ gen hervorbringen wird.“ „Wohl wird die Zeit manche Veränderungen herbei⸗ führen, Edward; aber ich fürchte, wo irgend die An⸗ ſprüche und Gerechtſame der Einzelnen mit den verän⸗ derlichen Launen und den rückſichtloſen Anmaßungen der Menge in Widerſpruch gerathen, da werden alle Dinge eine falſche Richtung nehmen.“ „Allerdings iſt ein Beſtreben, die Willkühr des gro⸗ ßen Haufens an die Stelle der Anforderungen des Rechts zu ſetzen, nicht zu verkennen. Wir müſſen das Schlimme des Guten wegen leiden. Selbſt Du, John, würdeſt die Zu tauſch magſt „ haftig Zwan allen „1 genor kenne heit und! hinre nur ſen; Verf Inde Geſe ten Glei ſorg ſeine nim mag pun Me tät ſich in dem s nicht wirken, ichtigen ie Ein⸗ che un⸗ nte ich ind ge⸗ dennoch d, und ndigkeit Neigun⸗ herbei⸗ die An⸗ verän⸗ ißungen en alle es gro⸗ Rechts chlimme würdeſt — 169— die Zwangsherrſchaft der Menge gegen keine andere ein⸗ tauſchen wollen, unter welcher Du jemals gelebt haben magſt.“ „Das wöchte ich nicht gradezu behaupten,— wahr⸗ haftig, ich möchte das nicht durchaus behaupten; eine Zwangsherrſchaft des rohen Haufens möchte ich unter allen für die widerwärtigſte erklären.“ „Du warſt früher für die engliſche Verfaſſung ein⸗ genommen; doch mich dünkt, Du haſt ſie ſeither genauer kennen gelernt und biſt von Deiner Voreingenommen⸗ heit ziemlich geheilt worden,“ ſagte Mr. Effingham, und lächelte dabei auf eine Weiſe, die ſeinem Vetter hinreichend merken ließ, was er meine. „Höre mich an, Edward; in der Jugend ſind wir nur zu geneigt von falſchen Anſichten uns leiten zu laſ⸗ ſen; und dieſe Voreingenommenheit für die engliſche Verfaſſung gehört zu meinen jugendlichen Thorheiten. Inde en weiß ich nicht, ob ich nicht die kalte, geregelte Geſetzesherrſchaft des engliſchen Syſtems, nebſt den Früch⸗ ten deſſelben, der Herzloſigkeit und Verwirrung ohne Gleichen vorziehen möchte, wo ich jeden Augenblick be⸗ ſorgen muß, von jedem überläſtigen Lümmel, der auf ſeiner Dollarjagd zufällig ſeinen Weg durch dieſes Thal nimmt, zertreten zu werden. Eins wirſt Du mir einräumen, magſt Du auch ſonſt die Sache aus einem beſſern Geſichts⸗ puncte betrachten, und dieſes Eine iſt, daß die herrſchbegierige Menge nur zu geneigt iſt, Pflichten zu vernachläſſigen, welche zu erfüllen ihre eigentliche Obliegenheit iſt, und dagegen ſich Pflichten anzumaßen, die zu erfüllen ſie durchaus nicht befugt iſt.“ Dieſe Bemerkung, welche eine Fülle von Wahrheiten enthielt, machte dem Geſpräch ein Ende. Sechszehntes Kapitel. „Ihr Herz war eine Veſte, war eine breite Straß', Wo jede Tugend kühne zu walten ſich vermaß; Vor ihren Ruf gewaltig, deß ſie ohn maßen froh, Der Leute ſcheuer Haufe in enge Gaſſen floh.“ John Morton. Das Dorf Templeton, wie ſchon öfter angedeutet, war eine Stadt lim Kleinen. Obgleich innerhalb der⸗ ſelben ſich etwa ein halbes Dutzend geräumiger, mit hübſchen Anlagen umgebenen Wohnungen befanden, die, wie früher erwähnt, ihre beſondere Namen führten, ſo nahm der ganze Ort doch nicht über eine Geviertmeile*) Raum ein. Das Streben nach Zuſammendrängen, das in vielen amerikaniſchen Städten gleichen Schritt mit dem Streben nach Zerſtreuung bei den Bewohnern des offenen Landes zu halten pflegt, und welches gleichſam *) Eine engliſche Geviertmeile= 640 Acres— 1111,51... Morgen Rheinl., bei der weitläufigen Bauart der amerikaniſchen Ort⸗ ſchaften ein ziemlich unbeträchtlicher Raum. Anm. d. Ueberſ. als fe nicht n Facad ſeinen bei vi Orten verzau dabei heit ir ſo hie äußere der ſo beilär gefeie deſſen verge gen vorzü wort Vollk an il wund ſetzur und ſt, und illen ſie hrheiten 2r, mit en, die, ten, ſo neile*) en, das itt mit ern des eich ſam Morgen den Ort⸗ leberſ. als feſte Regel vorſchreibt, daß eine Privatwohnung nicht mehr als drei Fenſter in der Fronte und keine größere Façade als fünf und zwanzig Fuß haben dürfe, hatte ſeinen Einfluß bei der Entſteh ung dieſes Dorfes, ſo wie bei vielen andern ältern und gleichzeitig entſtandenen Orten geltend gemacht. In einer der abgelegeneren Gaſſen,— denn Templeton hatte nämlich, wenn auch nur in einem dörfiſchen Maß⸗ ſtabe ſeine lebhaften und ſtillen Gaſſen,— hauſte eine verzauberte Wittwe, die einige weltliche Mittel beſaß, dabei fünf Kinder hatte, und durch eine große Gewandt⸗ heit im Neuigkeitenverkehr ſich auszeichnete. Mrs. Abbot, ſo hieß dieſe halbverlaſſene Schönheit, befand ſich ihren äußeren Verhältniſſen nach nur noch an den Außenpoſten der ſogenannten guten Geſellſchaft, die ſchlimmſte Lage beiläufig geſagt, worin ſich eine ehrgeizige, und früher gefeierte Schöne jemals befinden kann. Sie hatte in⸗ deſſen die Hoffnung einer Scheidung von ihrem pflicht⸗ vergeſſenen Gemahl ſo wenig aufgegeben, wie die Fol⸗ gen die daraus für ſie hervorgehen konnten. Sie war vorzüglich oder vielmehr wüthig fromm, wenn jenes Bei⸗ wort erlaubt iſt; in ihren eigenen Augen beſaß ſie alle Vollkommenheiten, wenn auch ihre Nachbaren manches an ihr zu tadeln fanden, und ſie war im Ganzen eine wunderliche, wenn auch nicht ungewöhnliche Zuſammen⸗ ſetzung von Frömmigkeit und Tadelſucht, Nächſtenliebe und Läſterſucht, Gutmüthigkeit und Klatſchſucht, Theil⸗ nahme und Schadenfreude, Schwachheit, Einmiſcherei und Vermeiden böſen Scheins. Der Haushalt dieſer Mrs. Abbot war nothgedrun⸗ gen nicht größer als ihr Häuschen; ſie hatte keine an⸗ dere Bedienung als ein Mädchen, welches ſie ihre Ge⸗ hülfin*) nannte, und zwar deſto bezeichnender, da dieſe und ihre Herrin faſt alle häuslichen Geſchäfte gemein⸗ ſchaftlich verrichteten. Dieſes Mädchen war außer den Obliegenheiten des Kochens und Waſchens auch mit dem Vertrauen ihrer Gebieterin beſchwert, und war die Theil⸗ nehmerin aller ihrer umherſchweifenden Bemerkungen über das Menſchengeſchlecht überhaupt und über ihre Nachbaren insbeſondere, und bemühete ſich in dem Ver⸗ breiten und Einſammeln von Gerüchten über letztere als eine nicht weniger treue Helferin, wie in allen übrigen Dingen. Von den Effinghams wußte Mrs. Abbot nichts wei⸗ ter, als was ſie von Hörenſagen aus den Gerüchten ihres eigenen Kreiſes vernommen, da ſie ſelbſt vor nicht langer Zeit erſt ihren Wohnſitz in Templeton aufgeſchla⸗ gen hatte. Sie hatte dieſen Ort vorzüglich der Wohl⸗ feilheit wegen zu ihrem Aufenthalt gewählt, und da ſie *) In einem Freiſtaat, wie der nordamerikaniſche, will Niemand Bedienter ober Dienſtmädchen heißen; Gehülfen und Gehülfin⸗ nen zu ſein, dazu verſteht ſich allenfalls ein freier Bürger oder eine freie Bürgerin. In den Staaten, wo noch Sclaven gedul⸗ det werden, verſehen die Neger die häuslichen Dienſte. Anm. d. Ueb. verſäun gewöhn machen li eß, aufdrir glaube ſolcher nach d Geſpre allen kleiner del ſic hinaus ſtraßer umher „T dem 2 Mrs. zur T hat de inner in T zweck der f befind nichte „ niſcherei ggedrun⸗ eine an⸗ ihre Ge⸗ da dieſe gemein⸗ ußer den mit dem ie Theil⸗ erkungen ber ihre em Ver⸗ tletztere in allen chts wei⸗ Berüchten vor nicht ifgeſchla⸗ er Wohl⸗ id da ſie I Niemand Gehülfin⸗ lürger oder ven gedul⸗ nm. d. Ueb. verſäumt hatte, den herkömmlichen Bräuchen gemäß, den gewöhnlichen Bewillkommnungsbeſuch im Wigwam zu machen, ſo verdroß ſie doch, wenn ſi ſie auch nichts davon merken ließ, im Stillen Evchens zarte Rückſicht, ſich ihr nicht aufdringen zu wollen, wo ſie der üblichen Anſicht gemäß glauben konnte, kein willkommner Beſuch zu ſein. In ſolcher verdrießlichen Stimmung ſaß ſie am Morgen nach der im vorigen Kapitel erzählten Unterredung, im Geſpräch begriffen mit Jenny,— ſo nannte ſich ihre zu allen Dienſten bereitwillige Zofe,— in ihrem netten kleinen Zimmerchen, indem ſie bald ämſig mit der Na⸗ del ſich beſchäftigte, bald aus einem Fenſter noch öfter hinausſchaute, welches die Ausſicht auf eine der Haupt⸗ ſtraßen des Dorfes hatte, wo ſie forſchend nach allem umherſah, was die Nachbaren irgend treiben mochten. „Das iſt doch ein ganz unerhörtes Benehmen von dem Mr. Effingham, in Betreff der Landſpitze,“ ſagte Mrs. Abbot,„und ich hoffe, die Leute werden ihn noch zur Vernunft bringen. Denk' nur, Jenny, das Publicum hat dieſes Plätzchen immer gehabt, ſo lange ich mich er⸗ innern kann, und ich wohne nun ſchon fünfzehn Monate in Templeton!— Was kann nur Mr. Howel damit be⸗ zwecken, daß er ſo oft den Laden des Barbiers beſucht, der ſich dem Fenſter von Miß Bennet grade gegenüber befindet? Man ſollte wirklich meinen, der Mann ſei nichts als Bart.“ „Ich vermuthe, daß Mr. Howel ſich bisweilen ra⸗ ſieren läßt,“ ſagte Jenny und bewies dadurch ihre An⸗ lage zu geſunder Logik. „Das glaube, wer Luſt hat; denn, wäre es des Ra⸗ ſirens wegen, ſo würde doch kein Mann, der auf An⸗ ſtand hält, ſich deßhalb ſo auffallend dem Fenſter einer Dame gegenüber ſtellen.— Orlando Furioſo Samuel!“— rief ſie ihrem älteſten Sohn, einem Knaben von elf Jahren—„lauf einmal hinüber nach dem Laden von Mrs. Jones, und horch einmal, wovon die Leute reden, und wenn es etwas Neues gibt, ſo komm ſchnell wieder her, mein Sohn; und im Vorbeigehen ſprich bei Nach⸗ bar Brown ein und borg' mir ſeinen Bratroſt. Jenny⸗ es wird bald Zeit, daß wir unſere Kartoffeln über's Feuer ſtellen.“ „Ma'!“ rief Orlando Furioſo Samuel von der Haus⸗ thüre her; denn Mrs. Abbot hielt ſtreng darauf, ſich von ihren Kindern immer Ma' rufen zu laſſen, indem ſie wirklich ſo weit hinter ihren Zeitgenoſſen zurück war, um nicht zu wiſſen, daß„Mutter“ eine weit artigere Aus⸗ drucksweiſe ſei.„Ma'!“ brüllte Orlando Furioſo Sa⸗ muel,—„wenn es nun gar nichts Neues in dem La⸗ den von Mr. Jones gibt?“ „Nun, ſo gehſt du ins nächſte Wirthshaus; irgend Etwas muß doch an dieſem ſchönen Morgen im Gange ſein, und mich plagt die Ungeduld, zu wiſſen, was es eigentlich ſein mag. Daß du mir außer dem Bratroſt noch et komme vorhin auch ur cums, klar, ur heit di es uns franzöſ ſetzt. „3 abſichtl um ihr hatte l geborn „ L boren und E bracht Miß Eintra eines pre An⸗ des Ra⸗ ruf An⸗ er einer nel!“— von elf den von reden, wieder i Nach⸗ Jenny, über's r Haus⸗ ſich von dem ſie ck war, re Aus⸗ ſo Sa⸗ em La⸗ irgend Gange was es Bratroſt noch etwas Neues in's Haus bringſt, Furio,*) oder komme mir lieber gar nicht wieder heim!— Wie ich vorhin ſagte, Jenny, das Recht des Publicums, folglich auch unſer Recht, denn wir ſind ein Theil des Publi⸗ cums, an jene Landſpitze, wovon ich ſagte, iſt ſonnen⸗ klar, und ich verwundere mich nur über die Unverſchämt⸗ heit dieſes Mr. Effingham, daß er ſich anmaßen kann, es uns ſtreitig zu machen. Ich möchte wetten, ſeine franzöſiſche Tochter hat ihm das Ding in den Kopf ge⸗ ſetzt. Man ſagt ja, ſie ſei unmenſchlich anmaßend!“ „Iſt Eochen Effingham eine Franzöſin?“ fragte Jenny, abſichtlich die üblichen höflichen Benennungen vermeidend, um ihre freiſinnige Denkungsart zu zeigen,„nun ich hatte bisher geglaubt, ſie ſei nichts weiter als eine Ein⸗ geborne von Templeton!“ „Liegt denn wohl etwas daran, wo die Leute ge⸗ boren ſind; wo ſie ſich aufhalten, das iſt die Hauptſache, und Evchen Effingham hat ſo lange in Frankreich zuge⸗ bracht, daß ſie nur noch gebrochen Engliſch ſpricht; und Miß Delby hat mir erſt vorige Woche geſagt, daß beim Eintragen in eine Subſcriptionsliſte zur Anſchaffung eines neuen Betpultes für ihre Kirchengemeinde, ſie an⸗ *) Die lächerliche Auswahl bibliſcher und romantiſcher Namen ver⸗ anlaßt natürlich noch lächerlichere Abkürzungen, die ſich aber nicht alle wiedergeben laſſen. Anm. d. Ueberſ. ſtatt„Beitrag von mehreren“ wirklich„Beitrag von Mehren“ geſchrieben hat.*) „Iſt das Franzöſiſch Mrs. Abbot?“ „Ich denke, es kann nicht wohl anders ſein, Jenny; die Franzoſen ſind ein knickriges Volk, ſie geben ihren Armen Möhren, damit ſie nicht ganz Hungers ſterben, und ſo mögen ſie das Wort bei ſich haben aufkommen laſſen; ſo ſcheint es wenigſtens Du, Bianca Alzuma Anna.“ „Madamchen!“ „Nun, was ſoll das heißen? Du Bianca Alzuma Anna, wer heißt Dich, mich Madamchen nennen? Behälſt Du wohl eben ſo ſchlecht auch Deinen Katechismus! Auf der Stelle ſagſt Du, Ma'! „Ma'“ „Setz Dein Bonnet auf,“— Mrs. Abbot nannte dieſes wichtige Erforderniß der Kürze wegen Bunne;— „ſetz Deine Bonnet auf, mein Kind, und lauf einmal zur Mrs. Wheaton hinunter, und erkundige Dich, ob es dieſen Morgen etwas Neues gegeben hat, wegen der Landſpitze, hörſt Du; und— ſo höre doch, Bianca Alzuma Anne Abbot,— wie das Mädchen auf einmal fortrennt, als hinge Tod und Leben von dieſer Beſtel⸗ lung ab!“ *⁰) Mchreren,— Mehren,(Möhren). Nur durch Umſchreiben ließ ſich der Scherz in dem faſt gleichlautenden charity und carotty des Originals einigermaßen verdeutſchen. keiten „L Ueber mehr unter! Leuten Abend ſie m ſo ſch ten he 0 76 wegs übel „ thun, nur, ben unge hier trius Jahr als! der ter i Ben 1. ag von Jenny; n ihren ſterben, kommen Anna.“ Alzuma Behälſt dismus! nannte inne;— einmal Dich, ob gen der Bianca einmal Beſtel⸗ eiben ließ arotty des „Nun, Ma', ich möchte doch auch gern die Neuig⸗ keiten hören.“ „Schon recht, mein Töchterchen; aber wenn Du mit Ueberlegung an Deine Beſtellung denkſt, ſo wirſt Du mehr erfahren, als wie, wenn Du Dich übereilſt. Sprich unterwegs bei Mrs. Green ein, frag' einmal, wie den Leuten der Vortrag des fremden Geiſtlichen vorigen Abend behagt hat, und bitte ſie, wenn ſie kann, ſolle ſie mir eine Gießkanne leihen. So, jetzt lauf, und komm ſo ſchnell wieder als möglich. Wenn Du die Neuigkei⸗ ten haſt, ſo halte Dich nirgends auf.“ „Ich meine, Niemand hat ein Recht die Poſt unter⸗ wegs anzuhalten, Mrs. Abbot 2“ ſagte Jenny, was nicht übel zum Vorigen paßte. „Gewiß, Niemand kann das Recht haben, das zu thun, ſchon der ſchlimmen Folgen wegen. Erinnere Dich nur, Jenny, ſelbſt die frommen Männer unter uns ha⸗ ben ſich es müſſen gefallen laſſen, daß der Poſtenlauf ungehindert fortgehe; die öffentliche Bequemlichkeit hat hier mehr vermocht, als die Religion.— Roger Deme⸗ trius Benjamin!“— rief ſie ihrem zweiten, nur zwei Jahr jüngeren Knaben:—„Deine Augen ſehen beſſer, als meine; wer ſind denn die Leute da, die dort auf der Straße beiſammen ſtehen? Iſt ſücht Mr. Howel un⸗ ter ihnen?“ „Ich weiß nicht, Ma',“ antwortete Roger Demetrius Benjamin gähnend. 130.— 132. „So lauf nur gleich hin und ſieh zu; Du brauchſt nicht erſt nach Deinem Hut zu ſuchen. Auf dem Rück⸗ wege geh' in den Laden des Schneiders und frag' ihn, ob Dein neues Jäckchen bald fertig iſt, und was es Neues gibt. Ich denke doch, Jenny, irgend Etwas muß es geben, das zu hören im Lauf des Tags nicht unange⸗ nehm ſein würde. Weißt Du nichts Näheres? Es heißt ja, Grace von Courtlandt, Evchen Effingham's Couſine, ſei ſo gut als verſprochen!“ „Nun, die iſt wohl die Letzte von allen, die ſich im Geringſten etwas aus den Leuten macht, denn Jeder⸗ mann ſagt ja, ſie ſei ſo verzweifelt reich, daß ſie von Silber ſpeiſen könnte, wenn ſie wollte; und wenn die heirathen will, ſo braucht ſie um keinen Mann verle⸗ gen zu ſein.“ „Deſto mehr verdient ſie in Betracht zu kommen! O es thut mir ordentlich wohl um's Herz, wenn dieſe Art von ſich ſpreizenden, hochfahrenden Leuten recht tüch⸗ tig in der Leute Gerede kommen. Nichts könnte mir erwünſchter ſein, als wenn ſich Evchen Effingham recht in's Innere hinein grämen müßte! Da würde ſie ler⸗ nen, was es heißt, den Leuten, was ihnen zukommt, die Landſpitze, abzuſtreiten.“ „Aber, Mrs. Abbot; dann würde ſie doch noch eine eben ſo gute Frau werden, als Ihr ſelbſt!“ „Nein, das nicht, wahrhaftig nicht! Mag ich auch vielleicht eine elende, verlorne, ſchrecklich vergeſſene Sün⸗ derin ſe ob ich nicht; d meines ſie müß geboren Kind, mein C ob es r lehrte, und be Krug, wir kön thig ha mere finden „N die an Gebiete Faſſung tes Zer den hö⸗ „Un wiſſen? Formel aus eirn zu bück brauchſt n Rück⸗ ag' ihn, s Neues muß es unange⸗ ks heißt Couſine, ſich im Jeder⸗ ſie von enn die verle⸗ bommen! n dieſe ht tüch⸗ nte mir m recht ſie ler⸗ kommt, ch eine h auch Sün⸗ derin ſein! Wohl zwanzig Mal jeden Tag zweifle ich, ob ich mich wirklich zu den Bekehrten rechnen darf oder nicht; denn die Sünde hat ſich nur zu feſt in den Ban⸗ meines Herzens verſtrickt, ſo daß ich bisweilen glaube, ſie müßten reißen, ehe ich mich völlig frei und wieder⸗ geboren ſehe.— Rinaldo Rinaldini Timotheus, mein Kind, höre, laufe einmal quer über den Weg, mache mein Compliment an Mrs. Hulbert, und ſfrage ſie doch, ob es wahr iſt, daß der junge Dickſon, der Rechtsge⸗ lehrte, ſchon mit Aſpaſia Tubb verſprochen iſt oder nicht, und borge einen Schaumlöffel oder einen zinnernen Krug, oder was Du ſchleppen kannſt, von ihr; denn wir könnten leicht das Eine oder das Andere heute nö⸗ thig haben.— Ich glaube wahrhaftig, daß eine ſchlim⸗ mere Perſon, als ich bin, kaum in ganz Templeton zu finden iſt!“ „Nun, warum das, Mrs. Abbot,“ entgegnete Jenny, die an dergleichen Selbſterniedrigung von Seiten ihrer Gebieterin längſt gewöhnt, darüber durchaus nicht außer Faſſung kam,„Ihr gebt Euch da faſt ein eben ſo ſchlech⸗ tes Zeugniß, als ich es erſt vorige Woche von Jeman⸗ den hörte, den ich nicht nennen mag.“ „Und wer iſt dieſer Jemand, das möchte ich doch wiſſen? Ich kann mir es ſchon denken; es wird ſo ein Formelmenſch geweſen ſein, der ſich einbildet, Gebete aus einem Buche abzuleſen, die Knie zu beugen, ſich zu bücken, oder ein neues Kleid anzulegen, darin be⸗ 180— ſtehe die ganze Religion! Dem Himmel ſei Dank, aus dem Gerede ſolcher Leute mache ich mir gar nichts. Merke Dir's, Jenny,— wenn ich mich nicht für beſſer hielte, als gewiſſe Leute, die ich nicht nennen mag, ſo wollte ich wahrhaftig die Hoffnung aufgeben, meine Seele noch aus der Verdammniß zu retten.“ „Mrs. Abbot!“ brüllte ein zerlumpter, ſchmutzig aus⸗ ſehender, barfüßiger Junge, der hereinſtolperte, ohne vorher anzuklopfen, und in der Mitte der Stube mit dem Hut auf dem Kopfe ſtehen blieb, und durch ſeine plötzliche Erſcheinung bewies, wie bereitwillig er ſei, in fremder Leute Eigenthum einzudringen.„Mrs. Ab⸗ bot“ wiederholte er:„Ma' möchte wiſſen, ob Ihr viel⸗ leicht in dieſer Woche verreiſen würdet?“ „Nun, was in aller Welt braucht ſie das zu wiſſen, Ordeal Bumgrum?“— den ſonderbaren Taufnamen ſprach Mrs. Abbot Ordinal aus. „Ei! ſie will's eben wiſſen.“ „Und ſo will ich auch wiſſen, und das auf der Stelle! lauf Du nur gleich wieder nach Hauſe und frage Deine Mutter, warum ſie Dich mit dieſem Auftrag hergeſchickt hat!— Jenny, mich plagt die Neugierde, ich muß durchaus wiſſen, in welcher Abſicht Mrs. Bumgrum ih⸗ ren Ordeal herſchickte, mich ſo etwas fragen zu laſſen.“ „Ich habe gehört, daß Mrs. Bumgrum ſelbſt vor⸗ hat, zu verreiſen, und vielleicht wünſcht ſie, in Eurer Geſellſchaft zu reiſen.“ „D werder tiger werth niemal ßen ne Hecken Häuſer den E breit Ab wohl aus il duld d ſo wa zu br 6 5 ärger k, aus nichts. r beſſer iag, ſo meine zig aus⸗ „ ohne ube mit ch ſeine er ſei, ers. Ab⸗ är viel⸗ t wiſſen, ufnamen rStelle! ge Deine rgeſchickt ich muß grum ih⸗ laſſen.“ lbſt vor⸗ in Eurer 181— „Da kommt Ordeal ſchon wieder zurück, und nun werden wir bald Aufſchluß bekommen. Welch ein tüch⸗ tiger Junge um Gänge auszurichten. Der iſt ſo viel werth als alle meine Söhne zuſammen. Den ſiehſt Du niemals unnütze Zeit verſchwenden, indem er den Stra⸗ ßen nachgeht; der geht vielmehr grade aus, über alle Hecken und Zäune weg, wie eine Katze, oder durch die Häuſer ſchlüpft er, wenn ihm eins im Wege ſteht, gleich den Eigenthümern, wo er irgend eine Thüre einen Zoll⸗ breit offen ſieht.— Nun, wie iſt's, Ordeal?“ Aber Ordeal war noch ganz außer Athem, und wie⸗ wohl Jenny ihn rüttelte, als müſſe ſie die Neuigkeiten aus ihm herausſchütteln, und Mrs. Abbot vor Unge⸗ duld die Fauſt ballte, endlich zu erfahren, was er bringe; ſo war doch nichts vermögend, den Knaben zum ſprechen zu bringen, bis er ſich erſt wieder erholt hatte. „Ich glaube, er ſtellt ſich abſichtlich ſo,“ ſagte die ärgerliche Gehülfin. „Das ſieht ihm ähnlich,“ rief die Hausfrau,„ſeht nur den beſten Neuigkeitsträger im Dorfe, nichts taugt er mehr, wenn er ſchwer athmend wird!“ „Ich wollte, die Leute machten ihre Hecken nicht ſo hoch,“ rief Ordeal aus, ſobald er wieder frei zu ath⸗ men im Stande war;—„ich ſehe nicht ein, wozu ſol⸗ che Hecken nützen ſollen, über die man nicht einmal ſchnell wegklettern kann!“ „Was hat Deine Mutter geſagt?“ ſchrie Jenny, ihr Schütteln kräftig wiederholend. „Ma' wünſcht zu wiſſen, Mr. Abbot, ob Ihr nicht ſelbſt vorhabt Euch deſſen zu bedienen, oder ob Ihr Eu⸗ ren Namen ihr auf einige Tage leihen wolltet, um un⸗ ter demſelben nach Utica zu reiſen? Sie ſagt, ſie werde nicht halb ſo gut überall bewirthet, wenn ſie ſich Bum⸗ grum nenne, als wie, wenn ſie unter einem andern Na⸗ men reiſe, und ſie möchte daher gern dießmal den Eu⸗ rigen gebrauchen“ „Iſt es weiter nichts!— Da hätteſt Du nicht nö⸗ thig gehabt, Dich wegen einer ſolchen Kleinigkeit ſo au⸗ ßer Athem zu laufen, Ordeal. Mache Deiner Mutter meine Empfehlung, und ſage ihr, mein Name ſtehe ganz zu ihren Dienſten, und ich wünſchte von Herzen, daß er ihr recht viel Vortheil bringen möge“ „Sie ſagt, ſie wolle gern Euch für Benutzung Eures Namens zahlen; Ihr ſollt nur ſagen, was Ihr als Schadloshaltung fordert?“ „Ei, dieſe Kleinigkeit iſt ja kaum werth, daß man davon ſpricht; ich hoffe doch, ſie wird mir meinen Na⸗ men ſo wohlerhalten wieder zuſtellen, als ſie ihn von mir empfängt. Ich bin keine ſolche unnachbarliche ari⸗ ſtokratiſche Perſon, daß ich verlangen könnte, meinen Namen ganz allein für mich zu behalten. Sag' nur Deiner Mutter, ich leihe ihr meinen Namen recht gern; ſie ſolle ihn behalten, ſo lange es ihr gefällig wäre, und vr leicht borger ſten 2 über nenne Nachb M ließ I jenes vorher Klopfe fährig In de ren T ſter. 66L begar ſtern 6 74 ten e Opfe auch klein dern Tag *) Jenny, hr nicht Ihr Eu⸗ um un⸗ te werde h Bum⸗ dern Na⸗ den Eu⸗ nicht nö⸗ t ſo au⸗ Mutter me ſtehe Herzen, ig Eures Ihr als daß man nen Na⸗ ihn von liche ari⸗ meinen Sag' nur hht gern; ig wäre, — 183— und von Bezahlung könne keine Rede ſein; es möchte leicht der Fall ſein, daß ich auch einmal ihren Namen borgen könnte, oder ſonſt Etwas, und das in den näch⸗ ſten Tagen, wenn auch ſchon manche Nachbaren ſich über mich beſchweren und mich unfreundlich und ſtolz nennen, weil ich nicht öfter bei ihnen borge, wie gute Nachbaren zu thun pflegen“ Mit dieſem Beſcheid entfernte ſich Ordeal und ver⸗ ließ Mrs. Abbot ungefähr in ähnlicher Lage, wie die jenes Mannes ohne Schatten*). Die Fortſetzung der vorhergegangenen Unterredung wurde indeſſen durch ein Klopfen an der Thüre unterbrochen, und auf den will⸗ fährigen Ruf„Herein“ erſchien Mr. Steadfaſt Dodge. In der Theilnahme an allem, was Neues vorging, wa⸗ ren Mrs. Abbot und Mr. Dodge nahe verwandte Gei⸗ ſter. Er lebte von Neuigkeiten und ſie in ihnen. „Seid mir von Herzen willkommen, Mr. Dodge,“ begann die Herrin des Hauſes,„ich höre, Ihr ſeid ge⸗ ſtern zu den Effinghams hinübergezogen.“ „Nun freilich, Mrs. Abbot, die Effinghams wünſch⸗ ten es durchaus, und ich konnte nicht anders, als das Opfer bringen, da ich ſo lange Zeit ihr Reiſegefährte auch auf dem Schiffe war; und dann iſt es auch eine kleine Unterhaltung, einmal wieder franzöſiſch zu plau⸗ dern, wenn man ſo mehre Monate lang den ganzen Tag nichts anders geſprochen hat.“ *) Chamiſſo's„Peter Schlemihl.“ — 184— „Ich höre, es ſeien Gäſten in dem Hauſe?“ „Niemand ſonſt, als zwei von unſern Reiſegefähr⸗ ten,— ein engliſcher Baronet und ein junger Menſch, von dem man weniger weiß, als man vielleicht wün⸗ ſchen möchte. Er iſt ein geheißnißvolles Weſen, und ich bin ein Feind alles Geheimnißvollen, Mrs. Abbot.“ „In dieſem Stück, Mr. Dodge, ſind wir beide ganz eines Sinnes. Ich bin der Meinung, man müſſe Alles wiſſen. In einem freien Lande dürfen die Menſchen keine Geheimniſſe vor einander haben. Ich halte nichts geheim vor meinen Nachbaren, und die Wahrheit zu ſa⸗ gen, ich kann es eben ſo wenig leiden, wenn meine Nachbaren etwas vor mir verbergen.“ „Dann würdet Ihr ſchwerlich mit den Effinghams es halten; denn ich habe noch nie Leute gekannt, welche weniger geneigt ſind den Mund aufzuthun. Ich bin doch lang genug mit Miß Evchen auf demſelben Schiffe geweſen; aber nie hörte ich ſie das Geringſte äußern, nie über Mangel an Eßluſt, über Seekrankheit oder andere Unpäßlichkeiten klagen; und wie verſchloſſen und zurück⸗ haltend ſie ſich benimmt in Beziehung auf zärtliche Ver⸗ hältniſſe, davon habt Ihr gar keine Vorſtellung. Ich erinnere mich nicht, jemals eine Aeußerung der Art von ihr gehört zu haben, keine einzige Anſpielung, ob ſie mit jungen Herren irgend in näherer Beziehung geſtanden oder jemals in ihrem Leben mit dieſem oder jenem einen Spaziergang oder eine Spazierfahrt gemacht. Ich kann ſie Euch Mrs. 2 „D Kein g recht ſich an gleichg 2 freimü achten Was jetzt ir „ C Gier, zappel ziemli worde vierze einfall Das gleich M verhei Wittr jederz ten e könnt egefähr⸗ Menſch, t wün⸗ n, und Abbot.“ de ganz ſe Alles Kenſchen te nichts t zu ſa⸗ n meine inghams , welche Ich bin Schiffe zern, nie r andere d zurück⸗ iche Ver⸗ ng. Ich Art von ,ob ſie geſtanden em einen kann ſie 185 Euch nicht anders als ſchrecklich ſchlau abſchildern, Mrs. Abbot.“ „Da könnt Ihr ſicherlich Euch darauf verlaſſen, Herr. Kein gewiſſeres Zeichen gibt es, daß ein junges Mädchen recht gern und viel an junge Herren denkt, wenn ſie ſich anſtellt, als kenne ſie keinen und als ſeien ihr alle gleichgültig.“ „Das ſcheint wirklich in der Natur zu liegen; kein freimüthiger Menſch pflegt ſonſt auf alles ſo genau zu achten, was er redet, wenn er nichts zu verhehlen hat. Was haltet Ihr aber, Mrs. Abbot, von der Heirath, die jetzt im Wigwam ſtill vorbereitet wird?“ „Eine Heirath!“ rief Mrs. Abbot aus, mit einer Gier, wie ein Hund nach einem hochgehaltenen Knochen zappelnd.„Wie, ſchon ſo bald! Das iſt doch die Un⸗ ziemlichkeit weiter getrieben, als wohl jemals erhört worden iſt! Ei, Mr. Dodge, die Leute ſind ja kaum erſt vierzehn Tage hier, und es kann ihnen doch unmöglich einfallen, ſo ſchnell zu einer Heirath ſchreiten zu wollen! Das iſt ja faſt eben ſo ſchlimm, als wenn ein Wittwer gleich in demſelben Monate wieder heirathen wollte.“ Mrs. Abbot pflegte nämlich hinſichtlich des Wieder⸗ verheirathens einen Unterſchied zwiſchen Wittwern und Wittwen zu machen; denn Wittwer, ſagte ſie, könnten jederzeit wieder heirathen, wann ſie wollten, und könn⸗ ten alſo ſich eine Zeitlang gedulden; Wittwen aber könnten nur dann wieder heirathen, wenn ihnen An⸗ träge gemacht würden, und hätten folglich keine Zeit, ſich lange zu beſinnen; kein Wunder war es alſo, daß ſie eben ſo ſehr vor der Vorſtellung ſchauderte, daß ein Mann zu bald nach dem Tode ſeiner Gattin wieder heirathe, als ſie den Gedanken nicht ertragen konnte, daß eine Frau noch vor dem Tode ihres Gatten ſich ſchon um einen zweiten bemühe. „Freilich hätte die Sache weniger Eile gehabt,“ ent⸗ gegnete Steadfaſt,„aber die Leutchen kennen einander doch nun lange genug. Und gleichwohl, wie Ihr ſagt, würde es beiden weit beſſer geziemen, noch zu warten und zu ſehen, ob ſich ihnen vielleicht ſonſt eine annehm⸗ bare Partie in einem Lande darbieten möchte, das ihnen in mehr als einer Hinſicht ganz fremd geworden iſt.“ „Nun, wie heißt das Paar, Mr. Dodge?“ „Miß Evchen Effingham und Mr. John Effingham.“ „Mr. John Effingham!“ rief die Dame ganz be⸗ ſtürzt aus; denn dieſes Wort ſchreckte ſie plötzlich aus angenehmen, täglich wiederholten Träumen;„das geht in der That zu weit! Nein, Herr; er ſoll ſie nicht hei⸗ rathen. Das iſt wider die Geſetze unſeres Landes, und ich meine wenigſtens, wir wohnen in einem Lande, wo Geſetze gelten. Kein Mann darf ſeine leibliche Baaſe heirathen.“ „Es iſt wirklich ſo ungeziemend, als irgend Etwas ſein kann, und man möchte es für Pflicht halten, der⸗ gleichen zu hintertreiben. Die Herren Effingham nehmen ſich w durch überh Auger eifrig verne hams Art, behag Rede ſich e höre, ſein; einen hat ausz mit ner der ſchäf und kein eine rind ne Zeit, o, daß daß ein wieder konnte, ten ſich t,“ ent⸗ inander ör ſagt, warten innehm⸗ s ihnen iſt. igham.“ anz be⸗ lich aus das geht icht hei⸗ 2s, und nde, wo e Baaſe dEtwas en, der⸗ nehmen ſich wahrhaftig nur gar zu viel vor; ſie meinen Alles durchſetzen zu können. „Ich habe zu meinem Leidweſen hören müſſen, daß überhaupt die Effinghams nicht mit beſonders günſtigen Augen angeſehen werden,“ bemerkte Mrs. Abbot mit eifriger Haft und ängſtlichem Blick, als fürchte ſie eine verneinende Antwort. „Sie ſind nichts weniger als beliebt, dieſe Effing⸗ hams; auch iſt ihr Benehmen durchaus nicht von der Art, mein liebes Madamchen, daß die Leutchen Euch behagen konnten; dabei ſind ſie ſo verſchloſſen in ihren Reden, als ob ſie jeden Augenblick beſorgen müßten, ſich eine Blöße zu geben.“ „Nun, was die Tagesneuigkeiten betrifft, wie ich höre, Mr. Dodge, da muß es ſchlecht bei ihnen beſtellt ſein; denkt nur, da iſt Dorinda Mudge, die hat einmal einen Tag lang für Evchen und Grace gearbeitet, die hat ſich alle mögliche Mühe gegeben, ſagt ſie, um ſie auszuforſchen; ſie hatte von den bekannteſten Dingen mit ihnen angefangen,— von Dingen, die jedem mei⸗ ner Kinder ſogar genau bekannt ſind,— was eben in der Nachbarſchaft vorgeht, und wie die Leute ihre Ge⸗ ſchäfte treiben; ſie hörten wohl ein Weilchen zu,— und das iſt doch Etwas, das will ich zugeben; aber kein Wörtchen war von den Beiden herauszubringen, das einer Antwort oder einer Bemerkung ähnlich ſah. Do⸗ rinda ſagt, öfter ſei es ihr geweſen, als müſſe ſie auf 188 und davon gehen; denn es iſt unmenſchlich ärgerlich, bei ſolchem zungenlahmen Volk auszuhalten.“ „Nun, ich meine, Miß Effingham wird wenigſtens das Eine oder Andere ganz von ungefähr über ihre Ge⸗ ſellſchafter auf der letzten Reiſe haben fallen laſſen,“ ſagte Steadfaſt, einen zögernd fragenden Blick auf die Dame werfend.— „Kein Wörtchen, wie ich Euch ſage. Dorinda be⸗ hauptet, es ſei ſchlechterdings unmöglich, auch nur die unbedeutendſte Bemerkung über ihre Nebenmenſchen von ihr auszulocken. Als ſie ihr die unangenehme Geſchichte erzählte, die ſich mit der Familie des armen Nachbarn Bronſon zugetragen;— wirklich ein höchſt trauriges Ereigniß, Mr. Dodge; ich weiß nicht, ob Mrs. Bronſon nicht vergehen muß in ihrem Leid,— aber wiewohl Dorinda Alles haarklein erzählte, und ich meine, dieſe Geſchichte iſt geeignet, einen kalten Froſch zu rühren, ſo ſagte doch keine von den beiden Damen das Geringſte dazu, und keine that die kleinſte Frage, um der Sache näher auf den Grund zu kommen. In dieſer Beziehung iſt Grace eben ſo gefühllos wie Evchen, und Evchen wie Grace, eine ſo ſchlimm, wie die Andere, ſagt man mir. Anſtatt nur das kleinſte Zeichen zu geben, daß ſie mehr zu erfahren wünſchte, was thut Miß Evchen? ſie betrachtet einige Spielereien, ein paar Gemälde zum Beiſpiel, und macht ihre Couſine auf Einzelnheiten auf⸗ merkſam, worin ſie Aehnlichkeit mit Schweizer⸗Land⸗ ſchafte nen üt Dorin als o tritte eine j⸗ haltur Natur Ich ko als d denn hältn ob ſie 8 hafter erhab ſich geme Engl müht ſichtb ange von und nicht wie ch, bei igſtens re Ge⸗ ſſen,“ uf die da be⸗ ur die n von ſchichte chbarn uriges ronſon iewohl dieſe rühren, eringſte Sache iehung Evchen gt man daß ſie n? ſie de zum n auf⸗ ⸗Land⸗ ſchaften finden will. Dann ſchwatzten die Beiden Dir⸗ nen über Naturſchönheiten; unſere ſchöne Natur, ſo ſagt Dorinda, hätte Evchen unverſchämt genug ſich geäußert, als ob die Menſchennatur, ihre Gebrechen und Fehl⸗ tritte nicht ein weit ſchicklicherer Gegenſtand wäre, worüber eine junge Dame reden kann, als die lächerliche Unter⸗ haltung von Seen, Felſen und Bäumen; als ob die Natur von Templeton ihr alleiniges Eigenthum wäre. Ich kann mir die Sache nicht anders denken, Mr. Dodge, als daß die offenbarſte Dummheit dahinter ſtecken muß; denn Dorinda hat mir geſagt, daß ſie von den Ver⸗ hältniſſen der Nachbaren ſo durchaus nichts wüßten, als ob ſie in Japan wohnten und nicht bier.“ „Nichts als Stolz, Mrs. Abbot, nichts als dünkel⸗ hafter Hochmuth; die beiden wähnen ſich viel zu ſehr erhaben über uns, als daß ſie ſich herablaſſen könnten, ſich um die Erbärmlichkeiten zu bekümmern, welche nur gemeinen Leuten wichtig dünken können Seit wir von England aus unterwegs waren, habe ich öfter mich be⸗ müht, Miß Effingham auszuforſchen, immer hat ſie mit ſichtbarer Verachtung vermieden, ſich über die Privat⸗ angelegenheiten anderer Leute zu äußern. O! ſie iſt von wahrhaft tartariſcher Gemüthsart, möchte ich ſagen; und was ſie ſich einmal in den Kopf geſetzt hat, es nicht zu thun, dazu vermögt Ihr ſie nicht zu bringen, wie Ihr es auch anſtellen möget!“ „Habt Ihr nicht gehört, ob Grace ſich frommen Be⸗ trachtungen weiht?“ „Kein Wörtchen bis jetzt. Weſſen Predigten hört ſie wohl, Mrs. Abbot?“ „Darüber läßt ſich nichts Beſtimmtes ſagen. Von den Kirchengeiſtlichen meine ich auch keinen. Und was den bewußten Prediger betrifft, da hat wohl noch Nie⸗ mand von einer wahrhaftigen, wirkſam wiedergebähren⸗ den und geiſtliche Früchte tragenden Bekehrung gehört, die er vollbracht hätte.“ „Nein, überhaupt iſt gar wenig Salbung in dieſem Predigen, wie es heutigen Tags betrieben wird, wo alles darauf hinausläuft, die Menſchen durch Worte zu überzeugen. Wie kalt und fühllos ſind die Menſchen in dieſen Zeiten, wo ihre Seelen erſchüttert werden ſollten! Hat jemals ein Sünder auf der Hausflur ſolcher Predi⸗ gern gerungen im Kampfe der Wiedergeburt? Wo können ſie ſich rühmen, einen Verſtockten in einem Augenblick durch die Kraft des Worts in einen Heiligen umgewandelt zu haben? Wahrhaftig, wir haben alle Urſache, Mr. Abbot, dankbar zu erkennen, daß wir Beſſeres erfahren haben.“ „Dazu haben wir allerdings Urſache, Mr. Dodge, höchſt glorreich können wir uns vor vielen Andern prei⸗ ſen. Es iſt wahrhaftig ein ſündhafter Hochmuth, der ein armſeliges, ſündenverſunkenes Weſen, wie Miß Ef⸗ fingham, zu einem ſolchen hoffährtigen Dünkel hinauf⸗ ſchrauben kann, daß ſie ſich über alle Theilnahme an den Ang mich b. mein J fehle m den unk „Jh daran ſichert. Zweck, ſchen zu 71 Ich ſchichte die Pre Geſamn hat auf das Pu „W zu thur ter weg „Neint der ke unſeres reiche aber, beſtritt „Al unterb. n Be⸗ ört ſie Von was Nie⸗ ihren⸗ ſehört, dieſem , wo rte zu den in ollten! Predi⸗ önnen enblick delt zu Abbot, aben.“ bodge, prei⸗ , der ß Ef⸗ nauf⸗ ne an den Angelegenheiten ihrer Nachbaren erhaben dünkt. Was mich betrifft, ſo ſehr hat Bekehrung demüthigend auf mein Inneres eingewirkt, daß mir es vorkommt, als fehle mir Etwas, wenn ich nicht alles weiß, was ſelbſt den unbedeutendſten Perſonen in Templeton widerfährt.“ „Ihr habt den beſten Theil erwählt, Mrs. Abbot; daran haltet nur recht feſt, und ſeid Eures Heils ver⸗ ſichert. Ich gebe eine Zeitung heraus, zu keinem andern Zweck, als um meine Theilnahme an meinen Mitmen⸗ ſchen zu bethätigen.“ „Ich hoffe, Mr. Dodge, daß die Preſſe dieſe Ge⸗ ſchichte wegen der Landſpitze nicht wird einſchlafen laſſen, die Preſſe iſt doch die treue Wächterin der Rechte der Geſammtheit, und ich kann wohl ſagen, die ganze Gemeinde hat auf die Preſſe ihre Hoffnung geſetzt; die Preſſe darf das Publicum nicht im Stich laſſen.“ „Wir werden nicht unterlaſſen, unſere Schuldigkeit zu thun,“ ſagte Mr. Dodge, indem er über ihre Schul⸗ ter weg ſich zu ihr neigte und mit leiſer Stimme ſagte: „Meint Ihr, daß ein einzelner unbedeutender Menſch, der kein einziges Vorrecht vor dem geringſten Bürger unſeres Landes voraus hat, ſich erfrechen dürfe, eine zahl⸗ reiche und gewaltige Gemeinde zu unterdrücken! Wie aber, wenn Mr. Effingham wirklich Eigenthümer des beſtrittenen Grundſtücks wäre?“ „Aber die Landſpitze gehört ihm ja auf keinen Fall,“ unterbrach ihn Mrs. Abbot.„So lange ich Templeton kenne, hat das Publicum das Grundſtück eigenthümlich benutzt. Fer⸗ ner ſagt das Publicum, das Vorländchen gehöre ihm, und was das Publicum ſagt, iſt in unſerm glücklichen Lande Geſetz.“ „Aber, angenommen, daß das Publicum die Land⸗ ſpitze nicht als Eigenthum anſprechen könne; gar kein Recht an dieſes Grundſtück habe?“ „Es hat aber das Publicum Recht daran, Mr. Dodge!“ bekräftigte Mrs. Abbot in abſprechendem Ton. „Nun, mag das Publicum Recht daran haben oder nicht, Madamchen. Wir leben nicht in einem Lande, wo die Preſſe ſchweigen muß, wenn ein einzelnes Indi⸗ viduum ſich anmaßt, das Publicum in den Staub tre⸗ ten zu wollen. Ueberlaßt uns dieſes ganz, Mr. Abbot; dieſe Sache iſt in guten Händen, ſage ich Euch, und ſie ſoll ſchon nach Wunſch gehandhabt werden.“ „Das verſetzt mich, möchte ich ſagen, in frommes Entzücken.“ „Als guter Freund will ich Euch vertrauen, was geſchehen wird,“ redete Mr. Dodge weiter, zog behut⸗ ſam einen geſchriebenen Aufſatz aus der Taſche und be⸗ gann ihr den Inhalt mit geheimthuender Miene mit⸗ zutheilen, während ſie mit alles verſchlingender Neugier ſeinen Offenbarungen Gehör gab. Der Aufſatz des Mr. Dodge enthielt eine angebliche treue Darſtellung der ganzen Sachlage im Betreff der beſtrittenen Landſpitze. Dieſe war indeſſen dunkel abge⸗ faßt u aber ihr ken und rer eign gebig a ham, d gen, wi gen und auf ein laſſe. lich beg vielen tenen 2 zur Au⸗ „Ich verfehle wir hal dieſer2 „De Abbot, „Jt „D Parteiſ weil ſie würde verſteht Gott ſ 130. tzt. Fer⸗ re ihm, ücklichen e Land⸗ in Recht „Nr. m Ton. en oder Lande, s Indi⸗ aub tre⸗ Abbot; ch, und rommes , was behut⸗ und be⸗ ne mit⸗ Neugier gebliche reff der el abge⸗ faßt und nicht ohne widerſprechende Behauptungen; aber ihr ſchadenfrohe Einbildungskraft ergänzte alle Lük⸗ ken und glich alle Widerſprüche dieſes Machwerks zu ih⸗ rer eignen Befriedigung aus. Der Aufſatz war ſo frei⸗ gebig an Ausdrücken der Verachtung gegen Mr. Effing⸗ ham, daß jeder vernünftige Menſch hätte erſtaunen mö⸗ gen, wie ein Gefühl, das in der Regel nur durch Schwei⸗ gen und Nichthandeln ſich zu erkennen gibt, ſich hier auf einmal ſo plötzlich und leidenſchaftlich aufregen laſſe. Keine einzige Thatſache war als ſolche hinläng⸗ lich begründet; dagegen ſtrotzte dieſes Machwerk von vielen abſichtlich erſonnenen und ſchonungslos eingefloch⸗ tenen Verläumdungen, welche dem gehaltloſen Ganzen zur Ausſchmückung und Verbrämung dienen mußten. „Ich meine dieſer Aufſatz ſoll ſeine Wirkung nicht verfehlen,“ ſagte Steadfaſt, als er fertig war,„und wir haben auch ſchon unſre Maßregeln getroffen, daß dieſer Artikel in möglichſt viele Hände kommen ſoll.“ „Das wird den Effinghams wohlthun!“ rief Mrs. Abbot, ganz außer ſich vor Entzücken. „Ich hoffe, die Leute werden Alles für wahr annehmen!“ „Deßhalb ſeid außer Sorge. Wäre Dieſes jetzt eine Parteiſache, ſo würde die eine Hälfte alles glauben, weil ſich das von ſelbſt verſteht, und die andere Hälfte würde es nicht glauben, weil ſich das ebenfalls von ſelbſt verſteht; da es aber bloß einen Privatmann betrifft,— Gott ſegne Euch, Madamchen,— ſo werden die Leute 130.— 132. — 194— deſto eher alles glauben, was ihnen nur einigermaßen Stoff zum Klatſchen gibt.“ Doch hier wurde die geheime Berathung durch die Rückkehr der verſchiednen Abgeſandten der Mrs. Abbot unterbrochen, die gleich der aus der Arche geſandten Taube ſämmtlich mit erfreulicher Kunde zurückkamen. Die Landſpitze war der allgemeine Gegenſtand der Klatſch⸗ ſucht, und obſchon die verſchiednen Berichte einander bisweilen gradezu widerſprachen, ſo wußte doch Mrs.Abbot in der alles verſöhnenden Einfalt ihres frommen Sin⸗ nes, aus allen den abweichenden Mittheilungen die Be⸗ kräftigung deſſen herauszuziehen, was ihren Wünſchen am meiſten entſprach Mr. Dodge hielt getreulich Wort; der Aufſatz erſchien wirklich in den öffentlichen Blättern. Die Preſſen der Umgegend nahmen begierig alles auf, was einigen Ef⸗ fect verſprach, um ihre Columnen zu füllen. Niemand ſchien ſich darum zu kümmern, ob die angebliche treue Darſtellung wirklich aus reiner, ungetrübter Quelle ge⸗ ſchöpft ſei, oder ob der unbeſcholtne Charakter des Ein⸗ ſenders eine ſichere Gewährleiſtung der angeführten Ein⸗ zelnheiten ſein könne. Der Aufſatz war gedruckt, und die größere Anzahl der Redactionen und ihrer Leſer hiel⸗ ten den Inhalt deſſelben hinlänglich verbürgt. Nur We⸗ nige gab es, die hinreichend ihrem eignen Urtheil vertrau⸗ ten, um einigen Zweifeln Raum zu geben. Ein ſolches ſchreiendes Unrecht widerfuhr einem redlichen Bürger,, verſchr mit de Gebre taſten ſtigkei von 2 kunft, verſch er die ren. der d freien brauc als 2 abwü wie im S T der2 cherle Betr rmaßen rch die Abbot ſandten kkamen. Klatſch⸗ inander 3. Abbot n Sin⸗ die Be⸗ ünſchen erſchien ſen der gen Ef⸗ tiemand e treue ielle ge⸗ ees Ein⸗ ten Ein⸗ kt, und ſer hiel⸗ dur We⸗ vertrau⸗ ſolches Bürger,, ohne die geringſte durch die Pflichten der Moralität ge⸗ botene Mäßigung, und ohne das Gewiſſen derer zu rüh⸗ ren, die ihren wiederholten Verſicherungen zufolge, ſich als die allzeitfertigen und berufmäßigen Vertheidiger der Menſchenrechte ankündigten. John Effingham machte ſeinen Vetter auf dieſes verſchmitzte Treiben ruchloſer Verhöhnung alles Rechts mit dem kalten Spott aufmerkſam, mit welchem er ſtets die Gebrechen und Verkehrtheiten ſeines Vaterlandes anzu⸗ taſten pflegte. Seine und ſeines Vetters vereinte Fe⸗ ſtigkeit verhütete die Veröffentlichung der Beſchlüſſe der von Ariſtobulus ſo furchtbar geſchilderten Zuſammen⸗ kunft, und einige Zeit nachher wußte er ſich dieſelben zu verſchaffen und ließ ſie ſelbſt im Druck erſcheinen, weil er dieſes als das beſte Mittel betrachtete, um den wah⸗ ren Charakter des unſinnigen Haufens zu beleuchten, der die Geſammtheit vorzuſtellen ſich anmaßend, die freien Inſtitutionen des Landes in ſchändlichem Miß⸗ brauch verhöhnt, indem er ihre Formen und Bräuche als Mittel zur Befriedigung niedrer Leidenſchaften her⸗ abwürdigt, während ſein ganzes Treiben offenbar zeigt, wie wenig ſolcher den Geiſt freier Inſtitutionen zu faſſen im Stande iſt. Dem ruhigen Beobhachter des gewöhnlichen Treibens der Menſchen gab der Ausgang dieſer Geſchichte man⸗ cherlei Stoff zu Betrachtungen. Sobald die Wahrheit in Betreff des Eigenthumsrechts an dem beſtrittenen Vor⸗ 15* 196— ländchen allgemeiner bekannt wurde, und das Publieum ſich immer mehr überzeugte, daß anſtatt ein Recht an dieſem Grundſtück zu beſitzen, es vielmehr bis jetzt eine Vergünſtigung von Seiten des wirklichen Eigenthümers genoſſen hatte; da begannen diejenigen, welche ſich durch ihre anmaßenden Behauptungen und ihre ungebührlichen Beleidigungen am meiſten Blöße gegeben hatten, ſich mit dem Schilde der Selbſtliebe zu verwahren und für ihr Betragen in dem Benehmen der Gegenpartei Entſchul⸗ digungsgründe aufzuſuchen. Laut beſchwerte man ſich⸗ gungsg über Mr. Effingham, daß er unterlaſſen habe, was er doch wirklich gethan, nämlich das Publicum davon zu unterrichten, daß es nicht Eigenthümer von der Land⸗ ſpitze ſei;— und als die Ungereimtheit dieſer Beſchul digung Allen einleuchtete, da griff man ihn wegen der Art und Weiſe an, wie er das Publicum von dem wah⸗ ren Verhalten der Sache unterrichtet hatte, ungeachtet dieſes der ganz gewöhnliche Weg war, den Jedermann bei ähnlichen Fällen zu wählen pflegte. Nach ſolchen oberflächlichen und unbeſtimmten Beſchwerden begannen die bei dieſer anſtößigen und rechtswidrigen Handels⸗ weiſe am meiſten Betheiligten kinageſatumt ihre frühern Behauptungen abzuläugnen, indem ſie darauf beſtanden, daß es ihnen längſt bekannt geweſen ſei, Mr. Effing⸗ ham ſei der rechtmäßige Eigenthümer des Vorländchens, und ſie brauchten daher weder von Mr. Effingham noch von ſonſt Jemanden ſich das erſt ſagen zu laſſen, was ſi Ausga heit ir verdre trotz d theidig ter de meiſte ſich ar ander! „T unſere uns n Effing John; gen, lichen „2 Weiſe aber ein gabe aus 5 getäu das, ſie 1 blieum cht an zt eine Hümers hdurch rlichen ich mit kür ihr atſchul⸗ an ſich⸗ was er von zu Land⸗ Beſchul⸗ gen der n wah⸗ geachtet ermann ſolchen gannen andels⸗ frühern tanden, Effing⸗ ndchens, m noch laſſen, — 197— was ſie von jeher ohnedies wüßten. Kurz, der endliche Ausgang dieſes Streits ſtellte die menſchliche Schwach⸗ heit in den gewohnten Blößen von Ränkeſucht, Rechts⸗ verdrehung, Widerſprüchen und Wankelmuth dar; und trotz der kecken Anmaßung, mit welcher ſie ſich als Ver⸗ theidiger freiſinniger Grundſätze aufgeworfen, ließen un⸗ ter den Betheiligten grade diejenigen, welche ſich am meiſten ungerecht bewieſen hatten, in ihren Beſchwerden ſich am lauteſten vernehmen, als ob ihnen vor allen andern die ärgſten Beleidigungen widerfahren wären. „Dergleichen Dinge vermögen freilich den Zuſtand unſeres Vaterlandes nach einer ſo langen Abweſenheit uns nicht im günſtigſten Lichte darzuſtellen,“ ſagte Mr. Effingham,„ich kann nicht anders, als dieſes zugeben, John; aber Du wirſt Deinerſeits zugeben, daß Irrun⸗ gen, wie dieſe, in allen Ländern und unter allen mög⸗ lichen Verfaſſungen ſtatt finden können.“ „Meinetwegen, Edward, lege Dir Alles auf die beſte Weiſe aus, wie Du es gewöhnlich thuſt. Wenn Du aber nicht noch zu meiner Anſicht Dich bekehrſt, ehe wir ein Jahr älter ſind, ſo will ich aller meiner Seher⸗ gabe entſagen. Ich wünſchte, wir könnten nur von Grund aus erfahren, wie Miß Effingham jetzt hierüber denkt.“ „Miß Effingham kann ſich betrüben, ſich ſchmerzlich getäuſcht fühlen, ja ſelbſt Entrüſtung empfinden über das, was vorgeht,“ ſagte Evchen;„aber dennoch wird ſie nicht an dem Wohl ihres Vaterlandes verzwei⸗ — 199— feln*). Keiner unſrer achtungswürdigen Nachbaren, muß ich vorerſt bemerken, hat im Geringſten an dem Unfug Theil genommen, und das iſt wenigſtens Etwas; wiewohl ich mich einigermaßen wundere, wie eine ach⸗ tunggebietende Anzahl, ſofern ſie ſich ſelbſt achtet, ru⸗ hig mit anſehen könne, wenn ein unbeſonnener und ver⸗ kehrter Haufen ſich anmaßt, die Geſammtheit auf ſolche entwürdigende Weiſe repräſentiren zu wollen, und das in einer Angelegenheit, welche ihren Ruf von Wahrheits⸗ und Gerechtigkeitsliebe ſo arg gefährdet.“ „Du haſt noch zu lernen, Miß Effingham, wie Men⸗ ſchen von mißverſtandnen Freiheitsideen ſo überſättigt *) Indem der faſſer di eſchiednen Seiten, aus welchen ſich die Zuſtände ſeines Vaterlandes betrachten laſſen, gleich priſma⸗ tiſch gebrochenen Strahlen in den Aeußerungen ſeiner handeln⸗ den Perſonen bemerklich macht, behält er es ſeiner Heldin vor, die alle vereinigende weiße Grundfarbe als einfache Wahrheit dar⸗ zuſtellen. Der Menſch ſeinen Schwächen, meint Cooper, iſt ſich überall gleich; nicht die Verfaffung veredelt den Men⸗ ſchen, ſondern dieſer jene. Die Idee des Rechts muß dem äch⸗ ten Staatsbürgerſinn die unerſchütterliche Haltung geben, welche jedem Individnum unabhängige Stellung und allſeitige Scho⸗ nung erwerben ſoll; während die Gemeinſchaft aller Bürger, unter welcher äußern Form ſie auch erſcheine, jedem gleiche Anſprüche bei gleichen Verdienſten ſichert, jedem gleiche Ver⸗ pflichtungen unter gleichen Verhältn ſtitutionen dieſer Idee förderlich ſind, da kann ein Evchen Ef⸗ fingham,— wie ſchlecht auch die Menſchen den Geiſt ihrer Verfaſſung begreifen mögen,— nie an dem Heil ihres Vaterlandes verzweifeln. Anm. d. Ueberſe n auflegt. Wo die In⸗ werden fühl un jetziger dem V wohl Haufe ebenſo können Mütze Hut. kaner „U glückli Verfaf nur b nicht: baren, n dem Etwas; ne ach⸗ t, ru⸗ ad ver⸗ ſolche ad das ̃rheits⸗ 2 Men⸗ rſättigt lchen ſich priſma⸗ handeln⸗ ldin vor, heit dar⸗ Cooper, en Men⸗ dem äch⸗ n, welche ze Scho⸗ Bürger, i gleiche che Ver⸗ d die In⸗ ochen Ef⸗ eiſt ihrer aterlandes eberſ. — 199— werden können, daß ſie gegen alles rein menſchliche Ge⸗ fühl unempfindlich werden. Der ärgſte Unfug wird zu jetziger Zeit in dieſem unſerm lieben Freiſtaat unter dem Vorwande verübt, Alles geſchehe für das Gemein⸗ wohl und im Namen der Geſammtheit. Der große Haufe bückt ſſich vor dieſem Popanz der Oeffentlichkeit ebenſo unterwürfig, wie Geßler jemals hätte wünſchen können, daß der freie Schweizer ſich vor ſeiner eignen Mütze neige, als der Stellvertreterin von des Kaiſers Hut. Die Menſchen beten Götzen an, und die Ameri⸗ kaner machen ſich bisweilen ſelbſt dazu.“ „Und dennoch, Vetter John, würden Sie ſich un⸗ glücklich fühlen, wenn Sie unter einer weniger freien Verfaſſung wohnen müßten. Ich beſorge, ſie ſtellen ſich nur bisweilen ſo an, und reden Dinge, die Sie ſelbſt nicht mit aufrichtigem Herzen glauben können.“ . 8 Siebenzehntes Kapitel. Auf!— Träumen nachzuſinnen, fehlt uns Muße- Laßt künftig uns von Träumen reden. Shakſpeare. Der Tag nach der eben erwähnten Unterredung war für die Bewohner des Wigwam ein Tag ſehnlicher Er⸗ wartung und inniger Luſt. Mrs. Hawker und die Bloomfields wurden erwartet, und der Morgen verſtrich — 200= *) 230 engliſche Meilen ſind bis auf ein Weniges 100 deutſche Poſt⸗ d raſch unter den Aeußerungen lauter Fröhlichkeit, welche„T der längſt entbehrten Freude eines lieben Beſuchs in„N einem amerikaniſchen Landhauſe vorherzugehen pflegt. achtun Man wußte, daß die Gäſte am Abende vorher die Stadt gehört verlaſſen, und ungeachtet die Entfernung faſt zweihun⸗ der D dert und dreißig Meilen betrug*), ſo konnte man ſie Templ doch um die gewohnte Eßſtunde erwarten. An Schnelligg von d . keit werden die amerikaniſchen Reiſeanſtalten von keine haben anderen übertroffen, ſo lange die Reiſenden die große„C Landſtraße nicht verlaſſen; ſelbſt Sir George Temple⸗ Welcht more, obſchon er aus einem Lande kam, wo macadami⸗ hege! ſirte Straßen und treffliche Poſteinrichtungen nichts zu Ihren wünſchen übrig laſſen, war ganz erſtaunt, als man ihm ſen ho ſagte, daß eine ſo weite Reiſe, van welcher nahe an bisher hundert Meilen zu Lande zurückgelegt werden mußten, mich mit Einſchluß der Aufenthalts unterwegs, nur vierund⸗ theils zwanzig Stunden Zeit erforderten. könne „Solches ſchnelles Reiſen muß vorzüglich angenehm b P. ſein,“ bemerkte er,„wenn ſolche lieben Freunde, wie aus I Mrs. Hawker, erwartet werden.“ tad „Und wie MrsBloomfild,“ ſügte Eochen ſchnell)n⸗ S12 8 zu.„Alles, was zum Lobe meiner Landsmänninnen ge⸗ die 7 ſagt werden kann, finde ich in Mrs. Bloomfield ver⸗ ſee u I einigt.“ 1 welche ichs in pflegt. e Stadt veihun⸗ man ſie hnellig⸗ 'n keine e große Temple⸗ cadami⸗ ichts zu lan ihm nahe an mußten, vierund⸗ genehm de, wie nell hin⸗ mnen ge⸗ d ver⸗ 201— „Mehr in ihr, als in erſterer, Miß Effingham?“ „Nicht ſo wohl in allem, was zum einnehmenden, achtungeinflößenden, weiblichen, damenmäßigen Weſen gehört; aber gewiß in allem, was den innern Werth der Damen vollendet. Ich weiß wohl, Sir George Templemore, welche Meinung Sie, als ein Europäer, von den Vorzügen unſeres Geſchlechts in dieſem Lande haben können—“ „Gütiger Himmel! Meine liebe Miß Effingham!— Welche Meinung ich von den amerikaniſchen Frauen hege!— Es iſt unmöglich, eine höhere Meinung von Ihren Langsmänninnen zu haben,— als ich zu bewei⸗ ſen hoffe,— als meine Bewunderung und Verehrung bisher bewieſen bat,— wahrlich Powis, Sie müſſen mich von dieſer Beſchuldigung ſolchen Mangels an Ur⸗ theilskraft, Gefühl,— Geſchmack freiſprechen,— Sie können es, da Sie ein Amerikaner ſind.“ Paul lachte, doch tröſtete er den verlegenen, ganz aus der Faſſung gebrachten Baronet mit der Verſiche⸗ rung, er dürfe ihn unbeſorgt den großmüthigen Händen überlaſſen, in die er nun einmal gerathen ſei⸗ „Sie ſehen doch den Vogel dort, der ſo munter über die Dächer des Dorfs hinſchwebt,“ ſagte Evchen, indem ſie mit ihrem Schirm in die Richtung deutete, welche ſtunden. Aufenthalt mitgerechnet, kommen hiernach etwa 5 Stun⸗ den Weges auf 1 Stunde Zeit. Anm. d. Ueberſ. — 292— der Vogel nahm; denn ſie drei waren auf einem Spa⸗ ziergange durch die Allee vor dem Hauſe begriffen, wo ſie der Ankunft der erſehnten Gäſte entgegenſahen. „Ich vermuthe, Ihre Vogelkenntniß reicht wenigſtens ſo weit, um mir den gewöhnlichen Namen deſſelben nennen zu können.“ „Sie ſind dieſen Morgen vorzüglich aufgelegt, die Leute ſtreng zu examiniren,— der Vogel iſt eine ge⸗ wöhnliche Schwalbe.“ „Von denen eine einzige bekanntlich keinen Sommer macht. Ich fürchte unſer Kosmopolitismus*) iſt rein vergeſſen, und mit ihm unſere Freimüthigkeit ebenfalls.“ „Seit Powis ſeine Nationalflagge aufgehißt, fühle ich mich weniger aufgelegt, ganz frei herauszureden, wie vordem,“ entgegnete Sir George lächelnd.„So lange ich in ihm einen geheimen Verbündeten achten konnte, beſorgte ich nie, manchmal etwas mehr zuzuge⸗ ben, als ich eigentlich ſollte; ſeit er aber ſein wahres Vaterland genannt hat, muß ich mich ſchon etwas mehr vor ihm in Acht nehmen. Aber in keinem Fall werde ich mir nachreden laſſen, daß ich die vortrefflichen Ei⸗ genſchaften Ihrer Landsmänninnen nicht zu ſchätzen wiſſe. Powis, als Eingeborner, mag darüber denken, wie er *) Während der Heimreiſe war zwiſchen Evchen, ihrem Vetter, Templemore und Powis eine Uebereinkunft geſchloſſen worden, als Weltbürger freimüthig ihre Gedanken gegenſeitig äußern zu wollen. Luſt h amerit als di „8 Aufrie 0 2 Miß 2 v Georg müthi ameri „2 ſte ich zu ſen v Ocea 4 derjer Neap ich 1 zwiſc völke deute f was ben Spa⸗ /, wo nſahen. tens ſo nennen gt, die ine ge⸗ ommer ſt rein nfalls.“ fühle ureden, „So achten zuzuge⸗ wahres 's mehr werde hen Ei⸗ n wiſſe. wie er Vetter, rden, als u wollen. Luſt hat; ich aber bleibe bei der Behauptung, daß die amerikaniſchen Frauen wenigſtens eben ſo hoch ſtehen als die Frauen irgend eines Landes.“ „In Naivetät, Munterkeit, Liebreiz, Einfachheit und Aufrichtigkeit—“ „In Aufrichtigkeit, meinen Sie das wirklich, liebe Miß Effingham?“ „In der Aüufrichtigkeit, vor allen Dingen, lieber Sir George Templemore. Aufrichtigkeit— ja ſelbſt Frei⸗ müthigkeit— iſt die letzte Eigenſchaft, welche ich den amerikaniſchen Frauen abſprechen dürfte.“ „Aber, um wieder zu Mrs. Bloomfield zurückzukehren, — ſie iſt geiſtreich, ausgezeichnet geiſtreich, das gebe ich zu; worin aber unterſcheidet ſich ihr geiſtreiches We⸗ ſen von dem anderer Frauen an der andern Seite des Oceans?“ „Vielleicht iſt kein Unterſchied ſo hervorſtechend, als derjenige, der ſich in Nationalzügen zu erkennen gibt. Neapel und New York liegen in derſelben Breite, und ich meine, Sie werden mir darin Recht geben, daß zwiſchen den Gewohnheiten und Neigungen beider Be⸗ völkerungen wenig Aehnlichkeit ſtattfindet.“ „Ich geſtehe, daß ich nicht begreife, worauf ſie hin⸗ deuten;— ſind Sie hierin ſcharfſinniger, Powis?“ „Das wohl keineswegs,“ ſagte Paul,„doch ich denke, was Miß Effingham meint, läßt ſich errathen. Sie ha⸗ ben ſich lange genug in der Welt umgeſehen, um als — 204— Regel anzuerkennen, daß die ſüdlichen Völker weit ge⸗ wandter ſind als die nördlichen. Weit leichter wirken alle äußere Eindrücke auf ſüdlichere Völker ein, und weit empfänglicher ſind ſie daher auch für geiſtige Ein⸗ wirkungen.“ „Ich glaube auch, daß dieß ſo iſt; doch werden Sie wohl ebenfalls zugeben, daß ſie in ähnlichem Grade we⸗ niger Beharrlichkeit und Ausdauer zeigen?“ 4 „Darin ſind wir einer Meinung, Sir George Tem⸗ plemore,“ fuhr Evchen fort,„obſchon wir in Anſehung der Urſachen dieſer Charakterverſchiedenheit vielleicht nicht ganz übereinſtimmen. Die Unbeſtändigkeit des Charakters, von welcher ſie dürfte eher eine Folge mo⸗ raliſcher als phyſiſcher Urſachen ſein, und wir könnten in unſerm Lande eine Ausnahme von der allgemeinen Regel machen. Aber Mrs. Bloomfield iſt von ihren europäiſchen Mitbewerberinnen durch einen ſo zarten Körperbau verſchieden, der an Kränklichkeit erinnert; ihr äußeres ſchwächliches Anſehen iſt wirklich auffallend ge⸗ nug, um keine höhere Entwickelung ahnen zu laſſen, wenn nicht ihr ausdrucksvoll ſtrahlendes Antlitz eine lebhafte Empfänglichkeit und eine Schärfe der Urtheils⸗ kraft bezeichnete, die an höhere Eingebung und Begei⸗ ſterung reicht; und dennoch werden dieſe ausgezeichneten Gaben durch ein Gegengewicht von geſundem Menſchenver⸗ ſtand und praktiſchem Sinn gemildert, welche ſie zu einer gleichbeſonnenen Rathgeberin als warmen Freundin eignen. In die und wo verleite zweifel drückt. ſich ein beſond geiſtrei pflegen Bloom unter ren V Wirkli und w ihre a „T niger talität Contit „8 „3 unſere Sinn die T verlel Gedat kunft eit ge⸗ wirken „ und e Ein⸗ en Sie de we⸗ Tem⸗ ſehung elleicht it des ge mo⸗ önnten meinen ihren zarten rt; ihr nd ge⸗ laſſen, 3z eine rtheils⸗ Begei⸗ chneten henver⸗ ꝛ einer eignen. 205— In dieſer letztern Eigenſchaft, worin natürlicher Verſtand und warmes Herz den Vorrang behaupten, wird man leicht verleitet, ihre höhere Bildung, ihre Genialität zu be⸗ zweifeln, weil ſie ſo einfach und anſpruchlos ſich aus⸗ drückt. Gerade hierin unterſcheidet die Amerikanerin, die ſich einigermaßen über das Gewöhnliche erhebt, ſich ganz beſonders von der ausgezeichneteren Europäerin. Die geiſtreichen und genialen Frauen des alten Continents pflegen gleichſam in den Wolken zu ſchweben; Mrs. Bloomfield vergißt nie, daß ſie auf der Erde weilt und unter Menſchen lebt; nie verſteigt ſie ſich über den kla⸗ ren Verſtand und die herzliche Theilnahme, wie ſie die Wirklichkeit fordert. Unſere Nation iſt praktiſcher Art, und wie ihre praktiſchen Eigenſchaften, ſo theilen ſich auch ihre ausgezeichneten Talente mit.“ „Man ſagt von den engliſchen Frauen, ſie ſeien we⸗ niger erregbar und weniger den Einflüſſen der Sentimen⸗ talität zugänglich, als viele ihrer Nachbarinnen auf dem Continent.“ „Das ſagt man wohl mit Recht,— aber— „Was denn aber, Miß Effingham?— Streift denn unſere Unterhaltung nicht an unſere in weltbürgerlichem Sinn genommene Verabredung, die mich ſo lebhaft an die Tage der Gefahr erinnert, die wir mit einander verlebt haben. Verhehlen ſie uns doch keinen Ihrer Gedanken, wenn ſie nicht wünſchen unſerer Ueberein⸗ kunft untreu zu werden.“ — 206— „Wohlan denn; aufrichtig geſprochen, Jhre Lands⸗ männinnen ſcheinen mir unter viel zu gekünſtelten und täuſchungbefördernden Verhältniſſen zu leben, als daß ſie dem freien Gebrauch ihres geſunden natürlichen Ver⸗ ſtandes ſich in allen Lebenslagen unbehindert hingeben dürften. Denn, welcher Art, um nur Eins zu erwähnen, können ihre gewöhnlichen Vorſtellungen ſein, wenn ſie, zwar in den Lehren des Chriſtenthums erzogen, demun⸗ geachtet den Werth des Geldes ſo hoch anſchlagen ſe⸗ hen, daß ſie täglich mit anſehen müſſen, wie das Geld unbedingt als Bezahlung für die vornehmſten, geheilig⸗ ten Amtshandlungen von den Geiſtlichen beigetrieben wird. Eben ſo leicht ließe ſich behaupten, daß ein Spie⸗ gel, der durch eine Flintenkugel in Strahlen geſprengt worden iſt, wie wir das öfter in Paris ſahen, die Ge⸗ genſtände treu wiedergeben könne, als daß ein Gemüth das an ſolche Mißbräuche ſich gewöhnen muß, ſein na⸗ türliches und unverdorbenes Urtheil in den gewöhnlichen und alltäglichen Vorfällen des Lebens bewahren und bewähren könne.“ „Aber, meine liebe Miß Effingham, der Menſch ge⸗ wöhnt ſich an Alles, und das iſt ja eine bloße Ge⸗ wohnheit.“ „Wohl weiß ich, daß dieſes bloß Gewohnheit iſt,— eine recht ſchlimme Gewohnheit iſt es allerdings. Selbſt Ihre frömmſten Geiſtlichen gewöhnen ſich daran ſo ganz und gar, daß ſie die Hauptmißgriffe, die ſie bege⸗ hen, n haupten Geſchen ten we mit mi licher ſelbſt d nehmer benden „3. lichen ihrer die wi gleichſ ablohn gern g um ſo „E man e Faß n damit ſagte ihnen mit a das 2 darin Aber ands⸗ n und 8 daß Ver⸗ geben ihnen, un ſie, emun⸗ en ſe⸗ Geld heilig⸗ rieben Spie⸗ prengt ie Ge⸗ hemüth in na⸗ nlichen n und ſch ge⸗ e Ge⸗ iſt,— Selbſt un ſo bege⸗ — 207— hen, nicht gewahr werden. Ich will damit nicht be⸗ haupten, es ſei durchaus ſündlich, daß ein Geiſtlicher Geſchenke annehme, wenn ihm ſolche freiwillig angebo⸗ ten werden; aber ich hoffe, Mr. Powis, Sie werden mit mir übereinſtimmen, wenn ich ſage, daß ein Geiſt⸗ licher ſeinen Standpunct hinreichend achten ſollte, um ſelbſt die kleinen Gaben für Taufhandlungen nicht anzu⸗ nehmen, welche ſogar in dieſem Lande bei den Wohlha⸗ benden gebräuchlich ſind.“ „Ich bin völlig mit Ihnen einverſtanden; die Geiſt⸗ lichen würden eine höhere Vorſtellung von der Weihe ihrer Amtsverrichtungen an den Tag legen, wenn ſie die wichtigſten Religionshandlungen nicht eben dadurch gleichſam herabwürdigten, daß ſie ſich dafür mit Geld ablohnen ließen. Diejenigen, welche dem Geiſtlichen gern geben, würden dazu andere Gelegenheiten finden, um ſolches auf eine ſchicklichere Weiſe zu thun.“ „Einen Wink könnte ihnen Franklin geben, von dem man erzählt, er habe ſeinen Vater gebeten, das ganze Faß mit geſalzenem Schweinenfleiſch einſegnen zu laſſen, damit der Segen ein für alle Mal durchwirken könne,“ ſagte John Effingham, der ſich bei dieſen Worten zu ihnen geſellte und einen Theil des vorigen Geſprächs mit angehört hatte.„Auf ähnliche Weiſe könnte man das Trauungsgeſchenk ſo reichlich ausfallen laſſen, daß darin alle künftigen Taufgelder mit einbegriffen würden.— Aber da kommt ja Nachbar Howel, um uns mit ſeinen — 210— noch mehre Minuten verſtreichen mußten, ehe der Wa⸗ gen bis zu ihnen kommen konnte. „Excluſiver⸗Extra⸗Wagen!“ wiederholte Sir George, —„das iſt ein ganz eigenthümlicher Ausdruck, der nicht im Geringſten demokratiſch klingt.“ „In jedem andern Lande würde es hinreichen, ein Ding der Art einen„Extra“Wagen zu nennen; hier aber muß noch die Zugabe von„Excluſiv“ hinzukommen, damit ja die Stempelung des Towers nicht vermißt werde,“ ſagte John Effingham mit bemerklichem Zucken um den ſchön geformten Mund„Doch mögen die ex⸗ cluſiven Eigenſchaften ſein, welche ſie wollen, ſie tragen hier dennoch den Stempel der Oeffentlichkeit. Wenn eine Kutſche für Jedermann da iſt, ſo mag ſie ſo ex⸗ cluſiv ſein, als ſie will; je mehr je beſſer. Nicht lange wird es währen, ſo hören wir auch von excluſiven Dampfboten, excluſiven Eiſenbahnen, und beide werden von der ercluſiven Geſammtheit des Volks benutzt werden.“ Doch damit nicht zufrieden; bat Sir George ganz ernſthaft um eine Erklärung dieſes Ausdrucks; und Mr. Howel erläuterte, daß ein„Extra“wagen in Amerika eine überzählige Poſtkutſche ſei, um eine die gewöhnliche Zahl von Reiſenden überſteigende Anzahl zu befördern, und eine„excluſive Extra“ ſei nichts anders als eine beſonders beſtellte Poſtkutſche. „Alf Extrapo „Si Paul, ſtatt eit viel du Leute r kaniſche terdeſſe auf de Gäſte. ger ni ſtand Auger din 2 then, als n gens ihn d 6 cher George, er nicht en, ein er aber ommen, vermißt Zucken die ex⸗ etragen Wenn 2 ſo ex⸗ ht lange reluſiven werden benutzt rge ganz und Mr. Amerika vöhnliche defördern, als eine — 211— „Alſo iſt letzteres nichts weiter als eine amerikaniſche Extrapoſt,“ bemerkte Sir George. „Sie haben die Sache ganz richtig aufgefaßt,“ ſagte Paul,„es iſt eine Extrapoſtkutſche mit einem Kutſcher ſtatt eines Poſtillons, denn in unſerm Lande, wo ſo viel durch Dampf ausgerichtet wird, pflegen ſich wenige Leute mit eignen Reiſewagen zu verſehen. Die ameri⸗ kaniſchen Excluſiv⸗Extra⸗Kutſchen ſind nicht bloß Extra⸗ Wägen, ſondern in vielen der ältern Niederlafſungen wirklich ganz vorzügliche Poſtkutſchen in ihrer Art.“ „Ich möchte wohl behaupten, ſagte der einfache, arg⸗ loſe Howel,„dieſe Bezeichnungen ſind durchaus falſch. — In England gibts nichts Excluſives,— iſt es nicht ſo, Sir George?“ Jedermann, außer dem Fragenden, lachte;— un⸗ terdeſſen verkündete Rädergeraſſel und Pferdegetrampel auf der Brücke im Dorfe die Nähe der ankommenden Gäſte. Noch hatten die erwartungsvollen Spaziergän⸗ ger nicht das äußere Thor vor dem Hauſe erreicht, da ſtand die Kutſche ſchon in der Allee, und im nächſten Augenblick flog Evchen in die Umarmung ihrer Freun⸗ din Mrs. Bloomfield. Mit einem Blick ließ ſich erra⸗ then, daß das Fuhrwerk weit mehr Perſonen beherberge, als man heute erwartete, und da die Inſaſſen des Wa⸗ gens nur langſam denſelben verließen, ſo umſtanden ihn die erwartungsvollen Hausgenoſſen mit ungewöhnli⸗ cher Neugier. 14* — 212— Der erſte, der nach Mrs. Bloomſield den Wagen verließ, war Capitain Truck, welcher indeſſen, anſtatt ſammen ſeine erwartenden Freunde zu begrüßen, ſich ſogleich einen g wieder nach dem Kutſchenſchlag umwandte, um Mrs. dieſer, d Hawker beim Aufſteigen behülflich zu ſein. Ehe er ſich fand un dieſer Pflicht der Artigkeit entledigt, blickte er auch nicht er daſſel Einmal um nach Evchen; denn ſo groß war des würdi⸗ ſchaftlich digen alten Seefahrers Bewunderung und Verehrung excluſive vor dieſer ehrwürdigen alten Dame, daß ſie einigerma⸗ Mr. ßen unſre Heldin aus ſeinem Herzen zu verdrängen ſchien. dem gaf Darauf erſchien Mr. Bloomfield, und ein Ausruf der er ſich a Verwunderung und Freude entfuhr ſo wohl Paul als eigenthün dem Baronet, da ſie wider alles Vermuthen des zuletzt legen, d ausſteigenden Ankömmlings Antiitz erblickten. rungen; „Ducie!“ rief Sir George,„Deine unverhoffte Er⸗ haben, ſcheinung überſteigt unſre kühnſten Erwartungen.“ ſchen in „Ducie!“ fügte Paul hinzu,„da kommſt Du ja ei⸗ iſt. Der nige Tage früher, als wir alle hofften, und dazu in ſol⸗ ſagen, d cher angenehmen Geſellſchaft!“ rikaniſche Die Erläuterung dieſes unvermutheten Zuſammen⸗ genſchaft treffens bedurfte nur weniger Worte. Capitain Ducie Grade a hatte die Mittel ſeine Reiſe zu beſchleunigen weit erſprieß⸗ fen, ſo iſt licher gefunden, als er ſie ſich vorgeſtellt; er hatte be⸗ ſcha lich reits Fort Plain auf der oſtwärtsführenden Straße er⸗ des Wig reicht, als die übrige Reiſegeſellſchaft von der weſtwärts Hochacht führenden Straße ebenfalls dort anlangte. Capitain Tochter Truck war mit Mrs. Hawker auf dem Dampfboot zu⸗ Vergnüg 1 Bloomfie Wagen anſtatt ſogleich Mrs. er ſich h nicht würdi⸗ tehrung germa⸗ ſchien. ruf der ul als zuletzt fte Er⸗ ja ei⸗ in ſol⸗ mmen⸗ Ducie ſprieß⸗ tte be⸗ ße er⸗ ſtwärts apitain vot zu⸗ 2ʃ — 2 15— ſammen getroffen, und von dieſer beauftragt worden, einen gemeinſchaftlichen Wagen zu beſorgen, und da dieſer, damit beſchäftigt, den Capitain Ducie ſogleich auf⸗ fand und zur gegenſeitigen Ueberraſchung erfuhr, daß er daſſelbe Reiſeziel verfolge, ſo wurde letzterer freund⸗ ſchaftlich eingeladen, mit der übrigen Geſellſchaft in dem excluſiven Extrawagen Platz zu nehmen. Mr. Effingham bewillkommte alle ſeine Gäſte mit dem gaſtlichen und freundſchaftlichen Benehmen, wodurch er ſich auszeichnete. Wir ſind zwar nicht gewohnt auf eigenthümliche Nationaltugenden ein großes Gewicht zu legen, da wir vermöge weit umher geſammelter Erfah⸗ rungen zu unſerer eigenen Befriedigung uns überzeugt haben, daß der moraliſche Unterſchied unter den Men⸗ ſchen in verſchiednen Weltgegenden nicht ſonderlich groß iſt. Dennoch fühlen wir uns einigermaßen verſucht zu ſagen, daß Mr. Effingham ſeine Freunde mit ächtame⸗ rikaniſcher Gaſtlichkeit empfing; denn, wenn es eine Ei⸗ genſchaft gibt, deren Beſitz unſre Landsleute in höherem Grade als andere chriſtliche Nationen ſich rühmen dür⸗ fen, ſo iſt es dieſe einfache, aufrichtige, traulich gaſtfreund⸗ ſchatliche Geſinnung. Vor Mrs. Hawker empfand der Herr des Wigwam's, ſo wie alle, die ſie kannten, vorzügliche Hochachtung; und wenn ſein im Vergleich mit ſeiner Tochter minder lebhafter Sinn auch nicht ſo großes Vergnügen an der geiſtreichen Unterhaltung der Mrs. Bloomſield fand, ſo fühlte er ſich doch auch gegen die 214— jüngere Dame freundſchaftlich hingezogen. Ihm gereichte es zu beſonderem Vergnügen, ſeine Tochter von Freun⸗ dinnen umgeben zu ſehen, deren ausgezeichnete Eigen⸗ ſchaften und deren liebenswürdiger Charakter durch keine ſteife und gekünſtelte Formen des Weltons entſtellt wur⸗ den; deſto herzlicher mußte alſo der Willkomm ſein, mit welchem er dieſe lieben Gäſte empfing. Mr. Bloomfſield war ein gelaſſener, verſtändiger und dabei gebildeter Mann, dem ſeine Gattin mit jugend⸗ lichem Feuer anhing, ohne ihre zärtliche Hingebung zur Schau zu tragen, und er war gewandt genug, ſich überall, wo man ihn ſah, Allen angenehm zu machen Capitain Ducie, der als ächter Engländer ſich lange hatte nöthi⸗ gen laſſen, ehe man ihn dazu bewegen konnte, vor der in ſeinem Briefe verabredeten Stunde im Wigwam zu erſcheinen, und der ſich deßhalb vorgenommen, einige Tage in einem Gaſthofe zu verweilen, ehe er ſich daſelbſt ſehen ließe, war ſehr erfreut, ſich hier wider Erwarten ſo empfangen zu ſehen, wie er es nicht beſſer hätte wün⸗ ſchen können, wenn er völlig unangemeldet ſich einge⸗ funden hätte. Die Effinghams wußten recht gut, daß mancht von den Bräuchen älterer, unter künſtlichen Verhältniſſen und durch Uebervölkerung gegenſeitig erkälteter Nationen, ſo nothwendig ſie jenen auch ſcheinen mögen, dennoch in ihrem Lande völlig überflüſſig ſeien;— und der Um⸗ ſtand, daß ihr ehemaliger Verfolger ein naher Ver⸗ wandt bei, al zu ver „T legene fingha nachde ten w gereif tereſſi rühru wenn ſere ander unſer entfü wand ſprüc C mit fingh ich f ich 1 Einl ich d Sie gereichte Freun⸗ Eigen⸗ rch keine Allt wur⸗ ein, mit iger und jugend⸗ bung zur hüberall, Capitain tte nöthi⸗ vor der gwam zu n, einige h daſelbſt Erwarten hätte wün⸗ ſich einge⸗ ranche von rhältniſſen Nationen, 1, dennoch d der Um⸗ naher Ver⸗ wandter von Paul Powis war, trug nicht wenig dazu bei, alle zu ſeinen Gunſten in die behaglichſte Stimmung zu verſetzen. „Wir haben nur wenig Intereſſantes in dieſer abge⸗ legenen Berggegend, Capitain Ducie,“ ſagte Mr. Ef⸗ fingham, als er ihn noch beſonders willkommen hieß, nachdem die ganze Geſellſchaft bereits in's Haus getre⸗ ten war,—„nur wenig in der That, was einen weit gereiſten und in der großen Welt eingewöhnten Mann in⸗ tereſſiren kann; aber an einem gemeinſchaftlichen Be⸗ rührungspunct kann es unſerer Unterhaltung nicht fehlen, wenn wir der abenteuerlichen Fahrt gedenken, die un⸗ ſere nähere Bekanntſchaft veranlaßte. Als wir ein⸗ ander zuerſt auf dem Weltmeer begegneten, und Sie unſern Freund Powis uns ganz unerwarteter Weiſe entführten, da ahnten wir freilich nicht, daß Ihre ver⸗ wandtſchaftlichen Beziehungen Ihnen noch nähere An⸗ ſprüche auf ſeine Geſellſchaft gaben.“ Capitain Ducie erröthete flüchtig, erwiederte aber mit artigem und verbindlichem Benehmen auf Mr. Ef⸗ fingham's freundliche Reden: „Das iſt auch wahr,“ fügte er hinzu,„Powis und ich find Verwandte, und nur mit dieſem Umſtand darf ich meine dankbare Annahme Ihrer gaſtfreundſchaftlichen Einladung entſchuldigen; denn ich vergeſſe niemals, daß ich die willenloſe Urſache nur zu vielen Ungemachs, das Sie und Ihre Angehörigen betroffen hat, geweſen bin, 214— jüngere Dame freundſchaftlich hingezogen. Ihm gereichte es zu beſonderem Vergnügen, ſeine Tochter von Freun⸗ dinnen umgeben zu ſehen, deren ausgezeichnete Eigen⸗ ſchaften und deren liebenswürdiger Charakter durch keine ſteife und gekünſtelte Formen des Weltons entſtellt wur⸗ den; deſto herzlicher mußte alſo der Willkomm ſein, mit welchem er dieſe lieben Gäſte empfing. Mr. Bloomfield war ein gelaſſener, verſtändiger und dabei gebildeter Mann, dem ſeine Gattin mit jugend⸗ lichem Feuer anhing, ohne ihre zärtliche Hingebung zur Schau zu tragen, und er war gewandt genug, ſich überall, wo man ihn ſah, Allen angenehm zu machen Capitain Ducie, der als ächter Engländer ſich lange hatte nöthi⸗ gen laſſen, ehe man ihn dazu bewegen konnte, vor der in ſeinem Briefe verabredeten Stunde im Wigwam zu erſcheinen, und der ſich deßhalb vorgenommen, einige Tage in einem Gaſthofe zu verweilen, ehe er ſich daſelbſt ſehen ließe, war ſehr erfreut, ſich hier wider Erwarten ſo empfangen zu ſehen, wie er es nicht beſſer hätte wün⸗ ſchen können, wenn er völlig unangemeldet ſich einge⸗ funden hätte. 3 Die Effinghams wußten recht gut, daß mancht von den Bräuchen älterer, unter künſtlichen Verhältniſſen und durch Uebervölkerung gegenſeitig erkälteter Nationen, ſo nothwendig ſie jenen auch ſcheinen mögen, dennoch in ihrem Lande völlig überflüſſig ſeien;— und der Um⸗ ſtand, daß ihr ehemaliger Verfolger ein naher Ver⸗ wandte bei, al zu ver „X legene fingha nachde ten w gereiſt tereſſit rührur wenn ſere ander unſer! entfül wand ſprüch gereichte Freun⸗ Eigen⸗ rch keine ellt wur⸗ ſein, mit iger und t jugend⸗ bung zur hüberall, Capitain tte nöthi⸗ ‚vor der gwam zu n, einige ch daſelbſt Erwarten hätte wün⸗ ſich einge⸗ nanche von erhältniſſen Nationen, n, dennoch d der Um⸗ naher Ver⸗ wandter von Paul Powis war, trug nicht wenig dazu bei, alle zu ſeinen Gunſten in die behaglichſte Stimmung zu verſetzen. „Wir haben nur wenig Intereſſantes in dieſer abge⸗ legenen Berggegend, Capitain Ducie,“ ſagte Mr. Ef⸗ fingham, als er ihn noch beſonders willkommen hieß, nachdem die ganze Geſellſchaft bereits in's Haus getre⸗ ten war,—„nur wenig in der That, was einen weit gereiſten und in der großen Welt eingewöhnten Mann in⸗ tereſſiren kann; aber an einem gemeinſchaftlichen Be⸗ rührungspunct kann es unſerer Unterhaltung nicht fehlen, wenn wir der abenteuerlichen Fahrt gedenken, die un⸗ ſere nähere Bekanntſchaft veranlaßte. Als wir ein⸗ ander zuerſt auf dem Weltmeer begegneten, und Sie unſern Freund Powis uns ganz unerwarteter Weiſe entführten, da ahnten wir freilich nicht, daß Ihre ver⸗ wandtſchaftlichen Beziehungen Ihnen noch nähere An⸗ ſprüche auf ſeine Geſellſchaft gaben.“ Capitain Ducie erröthete flüchtig, erwiederte aber mit artigem und verbindlichem Benehmen auf Mr. Ef⸗ fingham's freundliche Reden: „Das iſt auch wahr,“ fügte er hinzu,„Powis und ich find Verwandte, und nur mit dieſem Umſtand darf ich meine dankbare Annahme Ihrer gaſtfreundſchaftlichen Einladung entſchuldigen; denn ich vergeſſe niemals, daß ich die willenloſe Urſache nur zu vielen Ungemachs, das Sie und Ihre Angehörigen betroffen hat, geweſen bin, — 216— als daß ich im Stande wäre, Ihnen angenehme Erinne⸗ rungen zurückzurufen, wenn auch Ihre gütige Rückſicht mich in dem Andenken an die erwähnten Unfälle mit freundlicheren Geſinnungen betrachtet.“ „Glücklich überſtandene Gefahren,“ entgegnete Mr. Effingham,„ſind ſelten unangenehm in der Rückerinne⸗ rung; das Andenken derſelben gewährt vielmehr deſto höhern Genuß, wenn es gemeinſchaftlich erlebte Scenen ergreifender Art uns zurückruft Ich habe gehört, mein Herr, daß der unglückliche junge Mann, welcher die hauptſächliche Veranlaſſung von allem geweſen, was uns damals betroffen, dem richterlichen Ausſpruch durch Selbſtmord vorgegriffen hat“ „Er bat gewiſſermaßen ſich ſelbſt hingerichtet,“ ent⸗ gegnete Ducie,„und iſt als Opfer einer thörigten Cha⸗ rakterloſigkeit gefallen, und ich glaube, daß die Verhält⸗ niſſe Ihres noch jugendkräftigen Staates keine Veran⸗ laſſungen darbieten mögen, um Beiſpiele ähnlicher Schwächen aufſtellen zu können. Die leere Eitelkeit, bei andern Leuten für wohlhabend oder für vornehm zu gelten,— eine Eitelkeit, die freilich nicht leicht Männer von wahrer Ehre, und ſelbſt weniger feinfühlende Menſchen nur ſelten befällt,— richtet in England Hunderte von jun⸗ gen Leuten zu Grunde. Zu ihnen gehört auch dieſer beklagenswerthe Menſch. Nichts freute mich mehr, als daß er endlich mein Schiff verließ; denn der Anblick ſolcher Erbärmlichkeit war recht dazu geeignet, Einem die mer Unglück ſeine Lo. fall mi ſchaffte, ſonſt v rung g Die und do Truck, halb ſe ſein In „J mein indem ſeinen telte;, ter me der St verlaßſ mir zu paar wollen plaude Ca Mr.( rinne⸗ ickſicht e mit Mr. rinne⸗ deſto Scenen mein er die was durch “ ent⸗ Cha⸗ erhält⸗ Leran⸗ nlicher telkeit, hm zu Länner nſchen in jun⸗ dieſer r, als Anblick Einem -— 217— die menſchliche Natur zu verleiden. So ſehr auch ſein Unglück mein Mitleid in Anſpruch nahm, und ſo gewiß ſeine Lage bejammernswerth war, ſo gewährte ſein Un⸗ fall mir doch den Troſt, daß er mir Gelegenheit ver⸗ ſchaffte, mit denen bekannt zu werden, mit welchen mich ſonſt vielleicht kein glücklicher Zufall in nähere Berüh⸗ rung gebracht hätte.“ Dieſe artige Aeußerungen wurden gehörig erwiedert, und darauf wandte ſich Mr. Effingham an Capitain Truck, gegen den er in der Eile des Augenblicks nicht halb ſo herzlich ſich hatte äußern können, als es ihm ſein Inneres eingab. „Ich bin erfreut, Sie unter meinem Dache zu ſehen, mein werthgeſchätzter Freund,“ ſagte Mr. Effingham, indem er die rauhe Hand des alten Seemannes mit ſeinen weißen, zarten Fingern faßte und ſie kräftig ſchüt⸗ telte;„hier kann ich erſt ſagen, daß ich Sie wirklich un⸗ ter meinem Dache empfange; denn die Wohnungen in der Stadt haben wenig Heimiſches und Häusliches. Ich verlaſſe mich darauf, daß Sie viele Ihrer Feiertage bei mir zubringen werden; und wenn wir beide erſt ein paar Jährchen mit einander älter geworden ſind, dann wollen wir öfter von den Wundern und Abenteuern plaudern, die wir zuſammen durchlebt haben.“ Capitain Truck's Augen wurden feucht, und indem er Mr. Effingham's herzlichen Händedruck mit doppelter 218— Kraft erwiederte, ſagte er in ſeiner treuherzigen offenen Redeweiſe: „Die glücklichſte Stunde meines Lebens war unſtrei⸗ tig die, in welcher ich den Lootſen entließ, als ich zum er⸗ ſtenmal als Befehlshaber eines Schiffes in See ging; und nächſt dieſem, dem glücklichſten Ereigniß meines Le⸗ bens, folgt das, als ich mich zum erſten Male auf dem Sinterdeck des Montauk wiederfand, nach dem ich jenen ſchmutzigen Arabern einen derben Wink gegeben, daß mir ihre Abweſenheit weit angenehmer ſei, als ihre An⸗ weſenheit; und dieſen gegenwärtigen kann ich jedenfalls als den dritten angenehmſten Augenblick betrachten. Ich habe wahrhaftig noch nie ſo recht gefühlt, mein theurer Herr, wie herzlich ich Ihre Tochter lieb habe, als ſeit ich ſie nicht mehr ſah.“ „Das iſt eine ſo gütige und erttge Aeußerung, daß ſie dem Gegenſtande, den ſie am nächſten angeht, nicht verborgen bleiben ſoll. Evchen, mein Kind, unſer wür⸗ diger Freund hat ſich ſoeben auf eine Weiſe erklärt, die Dir noch ganz neu ſein wird, da Du kaum noch Gelegen⸗ heit gehabt haſt, dergleichen Erklärungen zu vernehmen.“ Darauf theilte Mr. Effingham ſeiner Tochter mit, was Capitain Truck ſo eben geſagt hatte. „Das iſt gewiß die erſte Erklärung der Art, die ich jemals hörte, und mit der Einfachheit eines weltuner⸗ fahrnen Frauenzimmers darf ich wohl bekennen, daß ich gleiche Geſinnungen erwiedere,“ ſagte Evchen lächelnd, offenen unſtrei⸗ zum er⸗ ging; nes Le⸗ uf dem h jenen n, daß hre An⸗ denfalls rachten. , mein b habe, ig, daß t, nicht er wür⸗ ärt, die Belegen⸗ ehmen.“ ter mit, die ich deltuner⸗ daß ich lächelnd, „Wenn mein haſtiges Bekenntniß Tadel verdient, ſo ſchreiben Sie es meiner Ueberraſchung zu, und dem plötzlichen Bewußtwerden meiner Macht; denn junge Mädchen, die ohne Verdienſt ſchnellen Einfluß erlangen, wiſſen nicht immer, wie ſie ſich benehmen ſollen.“ „Ich hoffe, Mamſell Viävi iſt wohlauf,“ erwiederte er, indem er Evchens dargereichte Hand herzlich ſchüttelte, „und genießt nach Herzensluſt ihr Leben im Auslande.“ „Madewoiſelle Viefville wird Ihnen für Ihr gütiges Andenken bei Tiſche perſönlich danken; ich glaube nicht, daß ſie bis jetzt ihre Heimath, la belle France, ohne Grund vermißt; denn, da ich ſelbſt mich in mancher Hin⸗ ſicht wieder dorthin ſehne, ſo wäre es Unrecht, einer Eingebornen die Sehnſucht nach ihrem Geburtslande im Geringſten verdenken zu wollen.“ „Ich ſehe da ein mir unbekanntes Geſicht in dieſem Zimmer,— gehört der Herr zu Ihrer Familie, meine theure junge Dame?“ Kein Verwandter, ſondern ein langjährgier Haus⸗ „§ freund.— Darf ich das Vergnügen haben, Sie mit ihm bekannt zu machen, Capitain?“ „Ich hätte es kaum gewagt, Sie darum zu bitten, denn ich weiß, Sie haben Ihre eigenen Anſichten über dergleichen Dinge; doch geſtehe ich, daß ich gern durch Sie ihm vorgeſtellt werden möchte. Seit ich aus New York hierher gereiſt bin, habe ich weder Andere einan⸗ der vorgeſtellt, noch bin ich ſelbſt Jemanden vorgeſtellt worden, den Fall mit Capitain Ducie ausgenommen, den ich, wie ſich's gehört, bei Mrs. Hawker und ihren Reiſegefährten eingeführt habe, wie Sie leicht denken können. Dieſe ſind nun ganz, wie ſich's geziemt, mit einander bekannt, und Ihnen wurde dadurch die Mühe erſpart, ſie einander vorzuſtellen.“ „Wie ſteht es aber zwiſchen Ihnen und den Bloom⸗ fields? Hat Mrs. Hawker Sie in gehöriger Form bei dieſen eingeführt?“ „Mit dieſen iſt es mir auf die wunderlichſte Weiſe gegangen, die mir jemals vorgekommen iſt. Kein Wört⸗ chen von gegenſeitiger Vorſtellung wurde geſagt, und dennoch wurde ich auf eine ſo ungezwungene Weiſe mit Mrs. Bloomſield bekannt, daß ich nicht ſagen könnte, wie das zuging, und wenn auch mein Leben davon ab⸗ hinge.— Aber dieſer Ihr langjähriger Hausfreund, meine theure junge Dame—“ „Capitain Truck, Mr. Howel; Mr. Howel, Capitain Truck;“— ſagte Evchen, indem ſie das geziemendſte Be⸗ nehmen, um der üblichen Förmlichkeit zu genügen, mit bewunderungswürdiger Selbſtbeherrſchung und der wich⸗ tigſten Miene beobachtete.„Ich ſchätze mich glücklich, daß ich das Vergnügen haben kann, zwei von mir ſo aufrichtig verehrte Herren mit einander bekannt zu machen.“ „Capitain Truck iſt der Ehrenmann, welcher den Monte gender „C Glück ben ur „8 nern Stellu gen m lich zu „ Ich w alte J V das V ſo zw ſegeln „D bis N und g dazu, die ül „A ſelbſt, „N man i Leucht men, ihren enken mit Nühe vom⸗ mbei Leiſe bört⸗ und mit unte, ab⸗ und, tain Be⸗ mit ich⸗ lich, ſfo zu Montauk befehligt,“ ſagte Mr. Howel mit einem fra⸗ genden Blick auf Evchen, ob er richtig gerathen. „Er iſt es, der tapfere Seemann, dem wir alle das Glück verdanken, daß wir in dieſem Augenblick noch le⸗ ben und uns hier befinden.“ „Ich beneide Euch, Capitain Truck; von allen Män⸗ nern Eures Berufs ſeit Ihr grade der Einzige, deſſen Stellung mir erwünſcht wäre, und den ich darum brin⸗ gen möchte, wenn ich könnte. Ich höre, Ihr geht wirk⸗ lich zweimal jährlich nach England?“ „Auch dreimal, wenn der Wind günſtig iſt, Herr. Ich weiß die Zeit, wo ich von Januar zu Januar die alte Inſel ſchon viermal geſehen habe.“ „Welch ein Vergnügen, Herr! Das muß wahrhaftig das Vollkommenſte ſein, was es in der Seefahrt gibt, ſo zwiſchen Amerika und England hin und wieder zu ſegeln!“ „Dieſe Fahrt iſt nicht ohne Reiz, Herr, von April bis November; kommen aber erſt die langen Nächte und geſellen ſich nebligte Witterung und heftige Stürme dazu, dann geht ein großer Theil der Luſt auch für die übrige Zeit des Jahrs verloren.“ „Aber ich rede von dem Lande,— von England ſelbſt,— nicht von der bloßen Ueberfahrt.“ „Nun, England hat recht artige Küſten, das darf man ihm nachſagen. Die Küſte iſt hoch, und auf die Leuchtthürme wird beſondere Sorgfalt verwendet; aber 2— was hilft eine hohe Küſte und was nützen die trefflich⸗ ſten Leuchtthürme, wenn die Nebel ſo dicht ſind, daß man den losgelaſſenen Bugſpriet⸗boom nicht bis an's Ende erkennen kann?“ „Mr. Howel meint wohl mehr das Land innerhalb,“ ſagte Eochen,„die Städte, die inneren Einrichtungen und alle ſonſtigen Zeichen der Cultur und des Luxus, und vorzüglich die innere Verwaltung.“ „Was ich davon urtheilen kann, Herr, ſo nimmt die engliſche Regierung mit der Einfuhr von Tabak alles viel zu ſtreng, und ebenſo verfährt ſie auch in andern Kleinigkeiten, die ich anführen könnte, wäre es der Mühe werth. Ferner erlaubt ſie bloß königlichen Schif⸗ fen das Aufhiſſen von Wimpeln, während doch, nach meinem Urtheil, meine theure junge Dame, ein Pa⸗ quetboot von New York eben ſo ſehr verdient einen Wimpel zu führen, als irgend ein Fahrzeug, das auf dem Ocean fährt. Ich meine natürlich die Schiffe, die ihre regelmäßige Hin⸗ und Rückfahrten machen, nicht bie gewöhnlichen ſüdlichen Handelsſchiffe.“ „Doch ſind ja dieſes bloße Flecken im Sonnenant⸗ litz, mein lieber Herr,“ entgegnete Mr. Howel;„wenn Ihr einige unbedeutende Dinge der Art nicht in An⸗ ſchlag bringt, ſo werdet Ihr doch, denke ich, zugeben, daß England eines der anmuthigſten Länder unter der Sonne iſt.“ „Um frei heraus zu reden, Mr. Howel, iſt im Oc⸗ tober, ſchlechte daß ſell iſt, und unähnl „Al Herr; zu beo eine O Mr. H ſes Ge den Fr fort, raliſch 9 manch die n vierun Katha ſehen Temp der ſt ihre verſte ſen wohl fflich⸗ daß an's halb,“ ungen uxus, nt die alles undern s der Schif⸗ nach n Pa⸗ einen as auf ffe, die nicht nenant⸗ „wenn in An⸗ ugeben, ter der m Oc⸗ 225— tober, November und December in England ganz hunds⸗ ſchlechtes Wetter, ſo recht zum Aufhängen. Ich weiß, daß ſelbſt der März dort nichts weniger als angenehm iſt, und der April iſt da den trübſeligen Romanen nicht unähnlich, wo manche Mädchen bald lachen, bald greinen.“ „Aber der ſittliche Zuſtand des Landes, mein lieber Herr; die moraliſchen Züge des engliſchen Volkscharakters zu beobachten, muß ja einem ächten Menſchenfreund eine Quelle ungetrübten Lichtes erſcheinen,“ entgegnete Mr. Howel, während Evchen, wohl merkend, daß die⸗ ſes Geſpräch ſobald nicht enden werde, ſich wieder zu den Frauen begab;„Ein Engländer,“ fuhr Mr. Howel fort,„hat doch gewiß am meiſten Urſache, auf die mo⸗ raliſchen Vorzüge ſeines Landes ſtolz zu ſein!“ „Nun, offenherzig geſprochen, Mr. Howel, ich kenne manche charakteriſtiſche Züge von Londoner Moralität, die nichts weniger als ſchön ſind Könntet Ihr nur vierundzwanzig Stunden in der Nachbarſchaft der St. Katharinenkirche zubringen, ſo würdet Ihr Dinge zu ſehen bekommen, verlaßt Euch darauf, worüber ganz Templeton in Zuckungen gerathen würde. Die Englän⸗ der ſind ein ſtattliches Völkchen, das gebe ich zu; aber ihre Moralität iſt keine von der ſchönſten Art.“ „Laßt uns Platz nehmen, Herr; ich beſorge, wir verſtehen einander nicht ganz, und damit wir über die⸗ ſen Gegenſtand völlig in's Reine kommen, erlaubt Ihr wohl, daß ich bei Tiſche mich neben Euch ſetze.“ — 224= Capitain Truck ging mit Vergnügen auf dieſen Vor⸗ ſchlag ein. Beide ſetzten ſich und führten das Geſpräch auf dieſelbe ſchwankende und planloſe Weiſe weiter, wie es begonnen hatte. Der Eine beharrte dabei, alle Dinge durch daſſelbe getrübte Medium ſeiner irregeleiteten Ein⸗ bildung oder vielmehr ſeiner fixen Idee zu betrachten; der Andere hingegen ſchien eigenſinnig ſeine Meinung über das ganze Land nach dem Scheine zu modeln, wie ſich ihm die Dinge aus dem beſchränkten und verein⸗ zelnden Geſichtspuncte ſeiner in der Umgegend der St. Katharinendocks gemachten Erfahrungen darſtellten. „Wir haben einen ſo unverhofften als angenehmen Reiſegefährten an Capitain Truck gehabt,“ ſagte Mrs. Hawker ſcherzend, ſobald Evchen neben ihr Platz nahm und eine ihrer beiden Hände ehrfurchtsvoll ergriff;„ich bin wirklich der Meinung, daß wenn ich Schiffbruch lei⸗ den und mich den Gefahren der Gefangenſchaft aus⸗ ſetzen müßte, ich in ſolchem Falle Beides am liebſten in ſeiner angenehmen Geſellſchaft erdulden würde. „Mrs. Hawker macht ſo viele Eroberungen,“ bemerkte Mrs. Bloomfield;„daß wir wirklich ihren Sieg über dieſen Meereshelden nicht ſo hoch anſchlagen können. Was werden Sie aber dazu ſagen, Miß Effingham, wenn Sie vernehmen, daß er ebenfalls bei mir in ho⸗ her Gunſt ſteht? Ich kann jetzt nur eine deſto beſſere Meinung von allen Schiffsbefehlshabern und Bootsleu⸗ ten, Trineulos und Stephanos, ſo lange ich lebe, be⸗ wahre kennen „N Bloon einige und 2 rühml Truck. daß e könnt „9 wirkli daß Eher Anfäl aber religi 4 „. leicht ſenha das kund wöhr wie n Vor⸗ eſpräch er, wie Dinge n Ein⸗ achten; einung in, wie verein⸗ der St. n. nehmen Mrs. nahm ;„ich ich lei⸗ t aus⸗ iebſten merkte g über önnen. gham, in ho⸗ beſſere btsleu⸗ e, be⸗ wahren, nachdem ich ein ſolches Muſter ihres Standes kennen gelernt habe“ „Nur nicht Trinculos und Stephanos, liebe Mrs. Bloomfield,“ entgegnete Evchen,„denn mit Ausnahme einiger luſtigen„Sonnabend⸗Abende“ und der„Liebchen⸗ und Weibchen“⸗Gelage gibt es wohl kaum ein Beiſpiel rühmlicher Mäßigkeit, wie unſer trefflicher Capitain Truck. Er iſt viel zu religiös und zu moraliſch, als daß er ſich dem gemeinen Unfug des Trinkens hingeben könnte“ „Religiös!“ rief Mrs. Bloomſield aus;„das iſt wirklich ein Ruhm, von dem ich nicht geglaubt hätte daß er den geringſten Anſpruch darauf machen könne. Eher noch hätte ich ihm einigen Unglauben und kurze Anfälle von Reue bei plötzlichen Stürmen zugetraut; aber keinesweges eine gleich Paſſatwinden anhaltende religiöſe Stimmung!“ „Dann kennen Sie ihn noch gar nicht; denn nicht leicht würden Sie mir einen gottergebneren und gewiſ⸗ ſenhafteren Mann zeigen können, als ihn; wenn auch, das gebe ich zu, ſein frommer Sinn ſich auf eine Weiſe kund gibt, welche auf dem Ocean nun einmal ganz ge⸗ wöhnlich iſt. Auf jeden Fall haben Sie doch bemerkt, wie achtungsvoll er unſer Geſchlecht behandelt?“ „Er iſt wirklich ausgezeichnet artig; und, um nichts zu übertreiben, wirklich liegt in ſeinem Benehmen eine 150.— 1532. 13 gebrechlichen Eitelkeit nicht anders als äußerſt wohl⸗ thuend ſein kann. Dieſe Eigenſchaft hat er ſich ver⸗ muthlich ſeit der Zeit angewöhnt, da er ſein Paquet⸗ boot befehligte; Sie ſelbſt mögen einiges Verdienſt an dieſem ſeinem empfehlungswürdigen Benehmen haben. Er wird nie müde, Sie aufrichtig zu loben, und fühlte ich mich nicht überzeugt, daß Sie feſt entſchloſſen ſind, niemals die Gattin eines republicaniſchgeſinnten Ameri⸗ kaners zu werden, ſo würde ſein Beſuch mich Ihrent⸗ halben äußerſt beunruhigen. Denn, wenn ich vorhin bemerkte, daß er auch bei mir in großer Gunſt ſtehe, ſo kann er doch nur zwiſchen Mrs. Hawker und Ihnen wählen. Ich weiß wohl, daß Sie über einen bei un⸗ ſern jungen Frauenzimmern ſo äußerſt beliebten Unter⸗ haltungsgegenſtand,— über das Heirathen keinen Scherz verſtehen; doch dieſer Fall macht ſo ganz und gar eine Aus⸗ nahme von den gewöhnlichen Lieblingsgegenſtänden, daß Sie mir hoffentlich meine Unbeſcheidenheit vergeben wer⸗ den. Unſer goldner Capitain,— er iſt kein unedles Metall,— behauptet gradezu, Mrs. Hawker ſei die angenehmſte und liebenswürdigſte alte Dame, die er jemals gekannt habe, und ebenſo behauptet er, Miß Ev⸗ chen Efſingham ſei die angenehmſte und liebenswürdigſte junge Dame, die er jemals gekannt habe. Hieraus alſo können Sie beide abnehmen, wie die Sache ſtehe, und darnach Ihre Maßregeln nehmen. Ich bitte nochmals ſolche ächtmännliche Schonung und Rückſicht, die unſrer um Ve tes Ve „Y ſen, r 9 keit au nen C Verbi weger älterr rückzu „ doch ander ſich i ſten ſchieb laſſen hen. ſie d doch und zeug ich d ſchre Ver! wohl⸗ ver⸗ aquet⸗ iſt an daben. fühlte ſind, Zmeri⸗ hrent⸗ vorhin ſtehe, Ihnen ei un⸗ Unter⸗ Scherz 2Aus⸗ , daß wer⸗ nedles ei die ie er ß Ev⸗ digſte s alſo und phmals anſrer um Vergebung, daß ich mir erlaube, ein ſo äußerſt zar⸗ tes Verhältniß zu berühren.“ „Vor allen Dingen,“ ſagte Evchen,„möchte ich wiſ⸗ ſen, was Mrs. Hawker darauf zu erwiedern hat.“ „Ich kann nichts mehr ſagen, als meine Dankbar⸗ keit ausdrücken,“ antwortete die Dame ſcherzend,„ſowie mei⸗ nen Entſchluß zu erkennen geben, für jetzt noch keine feſte Verbindung zu ſchließen, ſchon meiner zarten Jugend wegen, und zugleich meine Bereitwilligkeit, vor einer ältern, wo nicht ſchönern Mitbewerberin beſcheiden zu⸗ rückzutreten.“ „Nun, wenn das iſt,“ fuhr Evchen lachend fort, doch mit dem ängſtlichen Verlangen, dem Geſpräch eine andere Wendung zu geben, weil ſie bemerkte, daß Paul ſich ihnen näherte;—„ſo glaube ich, wird es am klüg⸗ ſten ſein, wenn ich meine letzte Erklärung noch auf⸗ ſchiebe; da die Umſtände mir noch ſo viele Zeit übrig laſſen, dieſe Angelegenbeit in nähere Erwägung zu zie⸗ hen. Die Zeit wird lehren, was ich beſchließen kann.“ „Nun, nun,“ warf Mrs. Bloomfield ein, als ſähe ſie den Grund ſolchen Aufſchiebens nicht ein;„das iſt doch nichts weiter als nicht zu rechtfertigende Ziererei, und ich halte mich daher für verbunden, mich zu über⸗ zeugen, was dahinter ſtecken mag. Bedenken Sie, daß ich des Capitains Vertraute bin; und Sie kennen die ſchreckliche Verantwortlichkeit der Freundſchaft in ſolchen Verhältniſſen; das Verhältniß freundſchaftlichen Beiſtan⸗ 13* des in einem Zweikampfe will dagegen gar nichts hei⸗ ßen. Damit ich wenigſtens auf achtungswürdige Zeugen mich berufen kann, wollen wir Mr. Powis mit den Hauptzügen dieſes ſtreitigen Gegenſtandes bekannt ma⸗ chen, Capitain Truck iſt ein demüthiger Verehrer die⸗ ſer jungen Dame, Herr, und daher gebe ich mir alle Mühe, um zu entdecken, ob er genöthigt ſein werde, ſich noch dieſen Abend in ihres Vaters Baumgang aufzuhängen, ſo bald der Mond durch die Wolken bricht, oder ob er noch eine Woche länger in Verzweiflung leben dürfe. Um nun zu wiſſen, woran wir ſind, will ich ein beſtimm⸗ tes und inquiſitoriſches Verfahren beobachten; und ſo wehren Sie ſich immerhin, Miß Effingham. Haben Sie gegen das Vaterland Ihres Verehrers Etwas ein⸗ zuwenden?“ Obgleich Evchen innerlich darüber ungehalten war, daß der Scherz eine ſolche Wendung nahm; ſo behielt ſie dennoch ihre ruhige Faſſung, weil ſie ſich überzeugt hielt, daß Mrs. Bloomfield zu viel weibliches Gefühl beſitze, um abſichtlich etwas Ungeziemendes zu ſagen, was ſie ernſthaft in Verlegenheit ſetzen könnte. „Es würde wirklich äußerſt auffallend ſein, wenn ich gegen ein Land Etwas zu erinnern hätte, das nicht bloß meine Heimath iſt, ſondern auch ſo lange das Land meiner Vorfahren war,“ antwortete ſie ganz gelaſſen. „In dieſer Beziehung hat mein Ritter nichts zu be⸗ ſorgen.“ „J Bloom Temple ropäer dieſem finghan den, d Evr ſtrengu Mal 7 ſrieden dieſes Wichtig beabſich neinend „Db Seema Freund ſechzig „Be dagegen erſt für Mr wegten gen Fr gen in mit we s hei⸗ eugen t den t ma⸗ die⸗ Nühe, noch ungen, ob er dürfe. timm⸗ nd ſo Haben ein⸗ war, ehielt rzeugt Befühl agen, in ich bloß Land aſſen. t be⸗ — 2²9— „Ich freue mich dieſes zu hören,“ erwiederte Mrs. Bloomfield, indem ſie unwillkührlich nach Sir George Templemore aufblickte; und Sie, Mr. Powis, ein Eu⸗ ropäer, wie ich vermuthe, werden die Beſcheidenheit in dieſem Bekenntniß zu ſchätzen wiſſen.— Nun, Miß Ef⸗ fingham, haben Sie gegen Ihren Bewunderer einzuwen⸗ den, daß er ein Seemann iſt?“ Evchen erröthete, ungeachtet ſie ſich mit einiger An⸗ ſtrengung bemühte, gelaſſen zu bleiben, und zum erſten Mal, ſeit ſie Mrs. Bloomfield kannte, war ſie unzu⸗ frieden mit ihr. Sie zögerte mit ihrer Antwort; und dieſes Zögern mußte ihren Worten dennoch eine höhere Wichtigkeit geben, wiewohl ſie nichts weniger als dieſes beabſichtigte, indem ſie die geſtellte Frage endlich ver⸗ neinend beantwortete. „Der Glückliche darf alſo ein Amerikaner und ein Seemann ſein!— Viel Tröſtliches allerdings für meines Freundes Hoffnungen. Haben Sie Etwas gegen ſeine ſechzig Jahre?“ „Bei jedem Andern würde ich allerdings ein wenig dagegen zu erinnern haben, da mein lieber Vater ſelbſt erſt fünfzig Jahre zählt.“ Mrs. Bloomfield fand etwas Auffallendes in der be⸗ wegten Stimme und in dem verlegnen Blick ihrer jun⸗ gen Freundin, die faſt immer gelaſſen und ungezwun⸗ gen in ihrer Unterhaltung ſich zu benehmen pflegte, und mit weiblicher Schonung gab ſie ſogleich den Gegenſtand - 250— dieſer ſcherzhaften Unterhaltung auf, wiewohl ſie in ihren Gedanken öfter auf die bewegte Stimmung Evchens zu⸗ rückkam und von dieſem Augenblick an das Benehmen Evchens gegen ihre Gäſte im Stillen ſchärfer zu beo⸗ bachten begann. „Das iſt hoffnungerregend genug für einen Tag,“ ſagte ſie kurz abbrechend, indem ſie aufſtand;„Beruf und Herkunft mögen zuſehen, wie ſie den hohen Jahren Etwas abgewinnen.— Aber Mrs Hawker, wir kommen wirklich zu ſpät zur Tafel, wie ich dort an der Uhr ſehe, wenn wir nicht gleich aufbrechen, um noch ſchnell unſre Toilette zu beſorgen.“ Beide Damen begaben ſich in die nen Gemächer; Eochen, ſchon völlig angekleidet, um bei Tiſche erſcheinen zu können, blieb im Geſellſchaftszim⸗ mer. Paul ſtand noch immer vor ihr, und ſchien nicht weniger verlegen zu ſein als ſie ſelbſt. „Es gibt Leute, die äber das Wenige, was Ihren Lippen bei dieſem unſchuldigen Scherz entſchlüpft iſt, nicht geringe Freude empfinden würden,“ ſagte er, ſo⸗ bald Mrs. Bloomfield weit genug entfernt war, um ſeine Worte nicht zu hören.„Darf ich aus Ihren Scherzen ernſtere Folgerungen ableiten, ſo wäre es in Ihren Au⸗ gen kein Fehler, ein Amerikaner und ein Seemann zu ſein.“ „Bin ich verantwortlich für die luſtige Laune und die ſcherzhaften Einfälle von Mrs. Bloomfield?“ ihnen angewieſe⸗ „G verant und O ehren. den; ſe beiden Ev ſie füh in ſein und ſa zu ver „0 unſern angeht aber z1 Bemer Sie m in Anf tain T falt zu beide doch ſ terhalt gen; empfeh wenig „D ihren ns zu⸗ nehmen u beo⸗ Tag,“ „Beruf Jahren kommen hr ſehe, ll unſre gewieſe⸗ um bei aftszim⸗ een nicht 3 Ihren üpft iſt, er, ſo⸗ ar, um Scherzen hren Au⸗ mann zu und die — 251— „Ganz und gar nicht; doch Sie ſelbſt halten ſich verantwortlich für Miß Effingham's Wahrheitsliebe und Offenherzigkeit. Wohl weiß ich Ihr Schweigen zu ehren, wenn Ihnen unbeſcheidne Fragen vorgelegt wer⸗ den; ſobald Sie aber reden, dann, meine ich, fehlen jene beiden Eigenſchaften Ihren Worten nie.“ Evchen wandte einen dankbaren Blick auf ihn, da ſie fühlte, daß innige Hochachtung vor ihrem Charakter in ſeiner Bemerkung hervorleuchtete; doch ſtand ſie auf und ſagte, innerlich kämpfend, um ihre Bewegung nicht zu verrathen: 1 „Das heißt aber einem kleinen Scherz, der doch nur unſern ehrlichen, löwenherzigen alten Capitain allein angeht, eine zu große Wichtigkeit geben.— Um Ihnen aber zu zeigen, wie ſehr ich den Werth Ihrer artigen Bemerkung anerkenne und zu ſchätzen weiß, ſo erlauben Sie mir, beiderſeitige alte freundſchaftliche Verhältniſſe in Anſpruch zu nehmen und Sie zu bitten, dem Capi⸗ tain Truck, ſo lange er hier verweilt, vorzügliche Sorg⸗ falt zu widmen. Mein Vater und mein Vetter ſind ihm beide recht freundſchaftlich zugethan, das wiſſen Sie; doch ſteht es weniger in ihrer Gewalt, ihn ſo zu un⸗ terhalten, als Sie dieſes allem Anſchein nach vermö⸗ gen; Ihnen alſo wollte ich ihn vorzüglich mit der Bitte empfehlen, daß er hier ſein Schiff und ſeinen Ocean ſo wenig als möglich vermiſſen möge.“ „Doch möchte ich wiſſen, wie ich dieſes Amt anneh⸗ — 252— 2* men ſoll, Miß Effingham! Denn ein Seemann zu ſein iſt nicht immer ein Empfehlungsbrief in gebildeten, ver⸗ ſtändigen und ausgezeichneten Geſellſchaften.“ „Wenn man aber gebildet, verſtändig und ausge⸗ zeichnet iſt, ſo wird die Eigenſchaft, ein Seemann zu ſein, als ein beſonderer und nützlicher Zweig menſch⸗ licher Ausbildung eine wünſchenswerthe Zugabe alles Uebrigen. Ich bin daher überzeugt, daß Capitain Truck bei Ihnen gut aufgehoben iſt, und will nun gehen, mein beſonderes Amt ebenfalls zu verwalten, ſofern es meine Obliegenheit iſt, die Damen zu unterhalten.“ Evchen grüßte, indem ſie an dem jungen Mann vor⸗ überging, und verließ das Zimmer ſo eilig, als ihr der Anſtand ſolches erlaubte. Paul blieb noch eine Weile, nachdem ſie bereits verſchwunden war, unbeweglich ſte⸗ hen und erwachte erſt dann aus ſeinem träumeriſchen Nachſinnen, als er ſich von Capitain Truck anreden hörte, der ſeines Beiſtandes zur Vertheidigung einiger auf Thatſachen gegründeten Behauptungen zu bedürfen ſchien, die er, England betreffend, den aus der Einbil⸗ dung und aus Büchern geſchöpften Anſichten des Mr. Howel, entgegenzuſetzen bemüht war. „Wer iſt dieſer Mr. Powis?“ frug Mrs. Bloomfield Evchen, als letztere in ihrem Ankleidezimmer eintrat, mit einer Ungeduld und Haſt, die bei ihr auffallend er⸗ ſcheinen mußte. „Sie wiſſen ja, liebe Mrs. Bloomfield, daß er auf dem Y Rettun ren Bo „Al ein Er Ev heit, a „J wir he kennen nigen Templ „ Heime hier d der m E „ Das englif darau dieſen entfül von, unſer Geſel N u ſein u, ver⸗ ausge⸗ inn zu nenſch⸗ 2 alles n Truck , mein meine in vor⸗ ihr der Weile, lich ſte⸗ eriſchen anreden einiger dedürfen Einbil⸗ des Mr. vomfield eintrat, lend er⸗ er auf — 255 dem Montauk unſer Reiſegefährte war und bei unſerer Rettung aus den Händen der Araber uns überaus tapfe⸗ ren Beiſtand geleiſtet hat.“ „Alles das weiß ich nur zu wohl. Aber er iſt doch ein Europäer oder iſt es nicht ſo?“ Evchen fühlte ſich kaum jemals in größerer Verlegen⸗ heit, als da ſie ihr dieſe kleine Frage beantworten ſollte. „Ich glaube es nicht; wenigſtens meine ich es nicht; wir hielten ihn für einen Europäer, als wir ihn dort kennen lernten, und waren dieſer Meinung bis vor we⸗ nigen Tagen; gleichwohl hat er ſeit ſeiner Ankunft in Templeton ſich uns als Landsmann zu erkennen gegeben.“ „Iſt er ſchon lange hier?“ „Wir trafen ihn im Dorfe, als wir hier in unſerer Heimath anlangten. Er kam aus Canada und wartete hier die Ankunft ſeines Vetters ab, des Capitain Ducie, der mit Ihnen hier eintraf.“ „Sein Vetter!— Er hat demnach engliſche Vettern? Das hat Mr. Ducie hübſch iir ſich behalten, mit wahrer engliſcher Zurückhaltung! Capitain Truck ſpielte einmal darauf an, wie letzterer aus der Zahl ſeiner Paſſagiere dieſen Mr. Powis, den Helden der afrikaniſchen Klippen entführt habe; und damals erfuhr ich kein Wörtchen da⸗ von, daß dieſer junge Held ſich wieder zurückbegeben in unſer— in ſein Land. Iſt er ein eben ſo angenehmer Geſellſchafter wie Sir George Templemore?“ „Wahrlich, Mrs. Bloomfſield, dieſes muß ich Ihrem — 234— eigenen Urtheil ganz überlaſſen. Ich halte ſie beide für artige junge Männer; aber im weiblichen Geſchmack liegt ſo viel Launenhaftes, daß ich mit meinem Urtheil keiner Andern vorgreifen mag.“ „Er iſt ein Seemann, glaube ich,“ bemerkte Mrs. Bloomfield einigermaßen zerſtreut und nachſinnend,— „ein Seemann muß er ſein, ſonſt hätte er weder Ma⸗ növers noch Thaten von der Art ausführen können, als ihm nachgerühmt worden. Powis— Powis— das iſt keiner von den bekannten in unſerer Gegend vorkom⸗ menden Namen;— er muß aus einer ſüdlichen Gegend her ſein, ſo ſcheint es mir.“ Hier kam Evchens Wahrheitsliebe und Geiſtesſtärke ihr zu Hülfe und verhütete, daß ſie in dieſem Augen⸗ blick ihre innere Bewegung verrieth. „Seine Familie iſt uns unbekannt,“ antwortete ſie ganz einfach.„Daß er ein feingebildeter Mann iſt, ſe⸗ hen wir alle; aber ſeine Herkunft und ſeine Verhält⸗ niſſe ſind nie Gegenſtände unſerer Unterhaltung geweſen.“ „Sein Beruf war ganz geeignet, ihm die Anſichten und Eigenſchaften eines Ehrenmannes einzuflößen; denn er war im Seedienſt, wie ich höre; nur glaubte ich, daß er auf der britiſchen Flotte geweſen ſei. Aber ich kenne keinen Powis, weder in Philadelphia oder Baltimore, noch in Richmond oder in Charlestown; er muß aus dem Inlande herſtammen.“ Evchen konnte ihre Freundin wegen einer Wißbegierde nicht t dennot ſpräch 5 fühlen ſeine ſie lät 27 ich be den it Ausdr Füge Tapfe ich ke tereſſe weſſer er üb dieſer hielt er w hat, als aus; Reif beide chmack Irtheil Mrs. nd,— - Ma⸗ önnen, — das orkom⸗ Begend sſtärke Augen⸗ eete ſie iſt, ſe⸗ erhält⸗ deſen.“ ſichten denn h, daß kenne imore, s aus gierde 2535— nicht tadeln, die ſie ſelbſt nicht wenig gequält hatte; dennoch hätte ſie nichts mehr gewünſcht, als dem Ge⸗ ſpräch eine andere Wendung zu geben. „Mr. Powis würde ſich nicht wenig geſchmeichelt fühlen, wüßte er, welch ein Gegenſtand des Intereſſes ſeine Perſon fürs Mrs. Bloomfield geworden iſt,“ ſagte ſie lächelnd. „Das iſt es, ich geſtehe es; aufrichtig geſprochen, ich betrachte ihn als den ausgezeichnetſten jungen Mann, den ich jemals ſah; ſein Benehmen, ſein Aeußeres, der Ausdruck ſeiner Züge, Alles ſpricht zu ſeinem Vortheile. Füge ich dazu, was ich von ſeiner Beſonnenheit und Tapferkeit bisher gehört habe, meine Liebe, dann müßte ich kein Weib ſein, um einen ſolchen Jüngling nicht in⸗ tereſſant zu finden;— ich gäbe viel darum, zu wiſſen, weſſen Staates Eingeborner er eigentlich ſein mag, wenn er überhaupt ein Eingeborner unſeres Landes iſt.“ „Für letzteres bürgt uns ſein eigenes Wort. In dieſem Lande iſt er geboren und in unſerer Marine er⸗ hielt er ſeine Ausbildung.“ „Und dennoch möchte ich aus dem Wenigen, was er während unſerer erſten kurzen Unterhaltung geäußert hat, beinahe ſchließen, daß er weit höhere Bildung hat, als man ſeinem Beruf zutrauen ſollte.“ 4 „Mr. Powis hat Gelegenheit gehabt, ſich vielſeitig auszubilden; denn er hat die Welt geſehen auf weiten Reiſen. Als wir ihm zuerſt in Europa begegneten, ſo war dieſes in einem Kreiſe, der vorzüglich geeignet war, ſowohl ſeine innerliche als äußerliche Bildung zu fördern.“ „Alſo in Europa! Eure Bekanntſchaft mit ihm rührt alſo nicht, wie die mit Sir George Templemore, von dem Augenblicke Eurer Einſchiffung im Paketboote her?“ „Mit beiden Herren ſind wir nicht erſt in dem Pa⸗ ketboote bekannt geworden. Mein Vater iſt mit dem einen, wie mit dem anderen in mehren großen Städten Europa's zuſammengetroffen, während wir uns dort aufhielten.“ „Und Ihres Vaters Tochter?“ „Meines Vaters Tochter ebenfalls,“ antwortete Ev⸗ chen lachend.„Mit Mr. Powis wurden wir unter an⸗ dern durch einen Vorfall näher bekannt, der uns eine lebhafte Vorſtellung von ſeiner Männlichkeit und ſeiner Berufserfahrenheit zurückließ. Er hat uns auf einem der ſchweizeriſchen Landſeen einen faſt eben ſo großen Dienſt geleiſtet, als ſpäter auf den Ocean.“ Alles dieſes hörte Mrs. Bloomfield zum erſten Mal, und ihre Blicke drückten innige Theilnahme an Evchens Worten aus. In dieſem Augenblicke klang die Glocke, die zur Tafel rief, worauf die Damen ſämmtlich in's Speiſezimmer hinabſtiegen. Die Herren ſtanden ſchon alle bereit, und als Mr. Effingham Mrs. Hawker zur Tafel geleitete, ergriff Mrs. Bloomfield tändelnd Evchens Arm, indem ſie behauptete, ſie dürfe wohl das Vorrecht in Anſt wam z0 „M ſich jetz den Si zu Evck „Di field,“ ſich ein freie H Couſine „Ke indem ſ „W Stande Couſine nichts ſe net zeig er ſich Couſine „St ger geſ ich ihm „Wo doch ni wahr, „Se war, dern.“ rührt 2, von her?“ n Pa⸗ t dem tädten dort e Ev⸗ er an⸗ 3 eine ſeiner einem roßen Mal, ochens Blocke, h in's ſchon er zur ochens rrecht in Anſpruch nehmen, am erſten Tage, den ſie im Wig⸗ wam zubringe, neben der jungen Herrin zu ſitzen. „Mr. Powis und Sir George Templemore brauchen ſich jetzt nicht um die Ehre zu ſtreiten, welcher von Bei⸗ den Sie zur Tafel führen ſoll,“ ſagte ſie leiſe flüſternd zu Evchen, während ſie ſich zu ihren Plätzen begaben. „Dieſesmal irren Sie ſich in der That, Mrs. Bloom⸗ field,“ erwiederte dieſe,„Sir George Templemore macht ſich ein weit größeres Vergnügen daraus, wenn ihm freie Hand gelaſſen wird, ſeinen Platz neben meiner Couſine Grace einzunehmen. „Kann das möglich ſein?“ entgegnete die andere, indem ſie ihre junge Freundin verwundert anſah. „Wirklich iſt es ſo; und ich freue mich, daß ich im Stande bin, Ihnen dieſes zu beſtätigen. Ob es meine Couſine zufrieden iſt, daß es ſo iſt, darüber kann ich nichts ſagen, die Zeit wird es lehren; aber der Baro⸗ net zeigt deutlich jeden Tag und den ganzen Tag, daß er ſich am glücklichſten fühlt, wenn er neben meiner Couſine ſitzen kann. „So beſitzt er alſo weniger guten Geſchmack, weni⸗ ger geſundes Urtheil, weniger richtigen Verſtand, als ich ihm bisher zugetraut habe.“ „Wahrhaftig, theuerſte Mrs. Bloomfield; das folgt doch nicht nothwendig daraus; und geſetzt es wäre wahr, darf man denn ſo etwas grade heraus ſagen?“ „Se non è vero, è ben trovato!“ 258 Achtzehntes Kapitel. „Nur kurze Zeit noch ſind ſie Dein— Doch einſt ſtehn Deine Truh'n geöffnet Allen, Wenn Deine feſten Thore ſtürzen ein, Verborgen Ehmals,— Deine Riegel fallen!“ Bryant. Capitain Ducie hatte ſich ſpät Abends in ſein Zim⸗ mer begeben, und ſaß mit Leſen beſchäftigt, als ein lei⸗ ſes Klopfen an ſeiner Thür ihn aus ſeinem ſtillen Nach⸗ ſinnen weckte. Er rief herein, und die Thüre öffnete ſich⸗ behutſam. „Ich hoffe, Ducie, daß Du das Schreibkäſtchen un⸗ ter Deinen Sachen nicht vergeſſen haſt,“ ſagte Paul, näher eintretend,—„weßhalb ich Dir ſchrieb, als Du noch in Quebec warſt.“ Capitain Ducie deutete auf das Käſtchen, welches unter ſeinem übrigen Gepäck auf dem Fußboden ſeines Zimmers ſtand. 1 „Habe Dank für Deine Sorgfalt,“ ſagte Paul, in⸗ dem er das Schreibkiſtchen unter den Arm nahm, und ſich zurück nach der Thüre begab;„es enthält Papiere, die für mich von der äußerſten Wichtigkeit ſind, und einige darunter mögen, wie ich Urſache habe zu vermuthen, auch für Andere äußerſt wichtig ſein.“ „Halt, Powis; noch ein Wort, ehe Du weggehſt. Iſt Templemore hier zu viel?“ „Ga tung für wenn er „Und von ſole lichen 3 zu finde ihm erw die jetzit um zu 4 „Iſt beauftra „Vier deren b Burſche, und wuß bereiſen Bericht man ſei wird, ab „Gut wam E bornen d Eine von Johf hielt ebe „ Du llen, ene ant. n Zim⸗ ein lei⸗ Nach⸗ nets ſich⸗ den un⸗ 2 Paul, als Du welches n ſeines zul, in⸗ m, und iere, die d einige rmuthen, veggehſt. „Ganz und gar nicht; ich fühle aufrichtige Hochach⸗ tung für Templemore, und es würde mir ſehr leid thun, wenn er uns verließe.“ „Und doch finde ich es ſonderbar, wenn ein Mann von ſolchen Anſprüchen an die große Welt an der länd⸗ lichen Zurückgezogenbeit in dieſen Hügeln Wohlgefallen zu finden ſcheint, während ich doch weiß, daß man von ihm erwartet, daß er in Canada ſich umſehe, und über die jetzigen Verhältniſſe dort Erkundigungen einziehe, um zu Hauſe darüber berichten zu können.“ „Iſt Sir George wirklich mit einer ſolchen Sendung beauftragt?“ frug Paul mit ſichtbarer Theilnahme. „Vielleicht nicht mit ausdrücklichen Weiſungen; denn deren bedurfte es nicht. Templemore iſt ein reicher Burſche, und er bedarf keine Anſtellung; aber man hoffte und wußte nicht anders, als daß er unſere Provinzen bereiſen und der Regierung über ihren jetzigen Zuſtand Bericht erſtatten werde. Ich kann wohl ſagen, daß man ſeine Nachläſſigkeit nicht grade übel aufnehmen wird, aber dennoch wird ſie auffallen.“ „Gute Nacht, Ducie; Templemore zieht einen Wig⸗ wam Eurem ummauerten Quebec vor und die Einge⸗ bornen den Anſiedlern; voilà tout!“ Eine Minute darauf befand ſich Paul an der Thüre von John Effinghams Zimmer, klopfte abermals, und er⸗ hielt ebenfalls Einlaß. „Ducie hat meine Bitte nicht vergeſſen, und dieſes 240— iſt das Schreibkäſtchen, welches des armen Monday's Papiere enthält,“ ſagte er, indem er es auf ein Spie⸗ geltiſchchen ſtellte, und der Ton ſeiner Stimme zeigte, daß ſein Beſuch nicht unerwartet kam.„Wir haben dieſes Geſchäft wirklich faſt zu lange aufgeſchoben, und ich hoffe, daß der lange Verzug keine Ungerechtigkeit oder ſonſt ein Unglück für die Betheiligten mit ſich führen wird. „Iſt das auch das rechte Pack?“ frug John Effing⸗ ham, indem er die Hand nach einem verſiegelten Pack ausſtreckte, welches Paul eben aus dem Schreibkiſtchen genommen,„ſo wollen wir die Siegel ſogleich abneh⸗ men und nachſehen, ob vielleicht noch Etwas abgemacht werden kann, ehe wir uns niederlegen.“ 3 „Dieſe Papiere betreffen mich ſelbſt und ſind für mich von außerordentlichem Werth,“ ſagte der Jüngling, indem er ſie eine Zeitlang nachſinnend betrachtete und ſie dann ruhig auf ein Seitentiſchchen legte.„Hier aber ſind die Papiere von Mr. Monday.“ John Effingham empfing das Päckchen aus den Hän⸗ den ſeines jungen Freundes, ſtellte zwei angezündete Kerzen bequem auf den Tiſch, ſetzte ſeine Brille auf und bat Paul, Platz zu nehmen. Beide Herren ſaßen ein⸗ ander gegenüber; das Geſchäft, die Siegel abzunehmen, und zuerſt den Inhalt der verſchiedenen Schriften zu durchblicken, kam, wie ſich das von ſelbſt verſteht, dem ältern dieſem „Hi ſelbſt 1 Certific das Po letzterer ſolches „wiſſ nächt „und ngeſe „mit zſo „von „ſie, „mei „hat nich „hab „net „wer „ſoll „in „nar oſelb 15 onday's Spie⸗ zeigte, haben en, und htigkeit nit ſich Effing⸗ en Pack bkiſtchen abneh⸗ gemacht ſind für üngling, tete und ier aber en Hän⸗ ezündete auf und ßen ein⸗ nehmen, iften zu eht, dem — 241— ältern von Beiden zu, der in der That auch allein mit dieſem Geſchäft beauftragt worden war. „Hier iſt eine Schrift, die von dem alten Monday ſelbſt unterzeichnet worden iſt, etwa ein allgemeines Certificat,“ ſagte John Effingham zu Paul, nachdem er das Papier ſelbſt durchgeleſen, und behändigte es dem letzteren. Die Schrift war überſchrieben:„An alle, die ſolches angehet,“ und war in folgenden Worten abgefaßt: „Ich, John Monday, thue hiermit kund und zu „wiſſen, daß alle anliegenden Briefe und Documente nächt und authentiſch ſind. Jane Dowſe, an welche „und von welcher ſehr viele der beiliegenden Briefe „geſchrieben ſind, war meine verſtorbene Mutter, die „mit Peter Dopſe, der in den folgenden Papieren „ſo oft genannt wird, eine zweite Ehe einging und „von dieſem zu Handlungen verleitet worden iſt, welche „ſie, wie ich weiß, ſeither ſehr bereut hat. Indem „meine arme Mutter mir dieſe Papiere behändigte, „hat ſie es meinem eignen Urtheil ganz überlaſſen, was „ich in dieſer Angelegenheit zu thun hätte, und ich „habe ſolche in der Art, wie ſie hier beiliegen, geord⸗ „net, damit ſie auch dann von Nutzen ſein könnten, „wenn ich ſelbſt einmal plötzlich abgerufen werden „ſollte. Alles hängt davon ab, zu entdecken, wer die „in dieſen Papieren unter dem Namen Bright ge⸗ „nannte Perſon eigentlich ſei; denn meine Mutter „ſelbſt hat ihn nie unter einem andern Namen ge⸗ 130.— 152. 16 242— „kannt. Nur ſo viel wußte ſie, daß er ein Englän⸗ „der ſein müſſe, und vermuthete, er ſei noch, oder wäre „in einer achtbaren Familie ein höherer Diener ge⸗ „weſen.“„John Monday.“ Dieſe Schrift war mehre Jahre früher datirt, ein Zeichen, daß der Wunſch, irgend ein Unrecht wieder gut zu machen, ſchon geraume Zeit von Mr. Monday gehegt worden, und daß er zu dieſem Zweck alle bezüg⸗ lichen Briefe und anderen Papiere ſorgfältig aufgehoben hatte. Auch zeigte ſich bald, daß dieſe Papiere ſämmt⸗ lich nach der Reihe numerirt waren, ein Umſtand, wel⸗ cher den beiden Herren die Unterſuchung derſelben be⸗ deutend erleichterte. Gegen die Original⸗Briefe war nichts zu erinnern, und die Abſchriften waren in deut⸗ lichen, kräftigen, kaufmänniſchen Schriftzügen abgefaßt und mit einer Methode, die den geſchäftskundigen Mann bezeichnete. Kurz, ſo weit die verſchiednen Papiere ih⸗ rem Gehalt nach es zuließen, blieb nichts zu wünſchen übrig, um das Ganze in eine deutliche und verſtändliche Ueberſicht zu bringen. John Effingham las das mit Nr. 1. bezeichnete Pa⸗ pier mit Aufmerkſamkeit und Ueberlegung, und als er damit fertig war, behändigte er es ſeinem jüngern Freunde, in dem er kalt bemerkte:„Das iſt ein Machwerk eines abſichtlichen Betrügers.“ Paul durchlief das Papier mit den Augen Es war ein Originalbrief, mit der Unterſchrift:„David Bright“ und ar war m Betheu genaue in Eng drückte nen, n kamen ſich off ſes Sc machen von † addreſſf „D Argliſt „er iſt der Te uns Al ich jen ſchmitz! „Ut wiſſen, Briefe deutlich ſchon der Th Abſchri iglän⸗ wäre er ge⸗ 4 , ein wieder onday bezüg⸗ ehoben ämmt⸗ , wel⸗ en be⸗ fe war deut⸗ bgefaßt Mann jere ih⸗ ünſchen ndliche ete Pa⸗ als er reunde, k eines Es war Bright“ und an„Mrs. Jane Dowſe“ überſchrieben. Dieſer Brief war mit vorzüglicher Kunſt abgefaßt, enthielt häufige Betheurungen freundſchaftlicher Geſinnungen, ſprach von genauerer Bekanntſchaft mit den Freunden dieſer Frau in England, vorzüglich mit ihrem erſten Manne, und drückte den offenherzigen Wunſch aus ihr dienen zu kön⸗ nen, wobei zugleich einige zweideutige Anſpielungen vor⸗ kamen, wie dieſes geſchehen könne, und worüber man ſich offener erklären wolle, wenn die Empfängerin die⸗ ſes Schreibens ſich geneigt zeigen werde, in die ihr zu machenden Vorſchläge einzugehen. Dieſer Brief war von Philadelphia datirt, an Jemanden in New York addreſſirt, und von bereits altem Datum. „Das iſt in der That ein ſeltnes Schauſtück von Argliſt,“ ſagte Paul, als er den Brief wieder hinlegte, „er iſt ungefähr in dem Geiſte abgefaßt, in welchem der Teufel ſich vernehmen ließ, als er die Mutter von uns Allen in Verſuchung führte. Ich wüßte nicht, ob ich jemals ein ſtärleres Stückchen von niedriger, ver⸗ ſchmitzter Büberei vor Augen gehabt habe.“ „Und nach allem dem zu urtheilen, was wir bereits wiſſen, ſcheint es, daß der Plan gelungen iſt. In dieſem Briefe finden Sie den angeblichen Ehrenmann etwas deutlicher ſich ausdrücken, aber auch nur ein wenig; ob⸗ ſchon er augenſcheinlich mehr Muth geſammelt, vermöge der Theilnahme und Neugier, welche die Frau in dieſer Abſchrift ihrer Antwort auf jene erſte Epiſtel verräth.“ 16* 244— Paul las die beiden Briefe, legte ſie auf die Seite und wartete auf den Folgenden, der noch in den Hän⸗ den ſeines Gefährten war. „Dieſes ſcheint eine Geſchichte von einem unerlaubten Liebesverhältniß werden zu wollen und von deſſen trau⸗ rigen Folgen,“ ſagte John Effingham, ganz ohne Zeichen von Theilnahme, während er die Antworten auf die Briefe Nr. 2. und Nr. 3. zugleich Paul'n behändigte. „Die Welt iſt voll von ſolchen Unglücklichen, und ich bin geneigt, die hier betheiligten Perſonen für Englän⸗ der zu halten, da mir dieſes aus einigen Anſpielungen in dieſer ehrlichen und gewiſſenhaften Mittheilung hier hervorzugehen ſcheint. Auffallend künſtlichere, geſell⸗ ſchaftliche und politiſche Unterſchiede machen Maßregeln, wie dieſe, in Großbritanien vielleicht nöthiger und häu⸗ figer als in irgend einem andern Lande. In den Jah⸗ ren der Leidenſchaft bereitet ſich die Jugend und ſelbſt das erfahrnere Alter bisweilen, aus Mangel augenblick⸗ licher Ueberlegung, für das ganze üdbrige Leben rettungs⸗ loſes Elend.“ Indem John Effingham ſeine Augen aufſchlug, wäh⸗ rend er ſeine Hand nach ſeinem Gefährten ausſtreckte, bemerkte er, daß die friſche Farbe ſeines bräunlichen Antlitzes röther überwallte, bis die dunklere Röthe genug allmählig ſeine ſchöne Stirne überzog. Zuerſt blickte ein unangenehmer Verdacht in John Effinghams Seele auf, dem er ſich jedoch mit Betrübniß hingab, da Ev⸗ chen u das B ren, vermo empfin cher Ar derſelb Würde Effing Paul heit ge Theiln gange durch nicht ihm z gelegt „T werde ſchaft junge in kei ziehun ſen ſt 3 chen folger Seite Hän⸗ aubten trau⸗ zeichen uf die adigte. nd ich nglän⸗ lungen g hier geſell⸗ regeln, d häu⸗ n Jah⸗ ſelbſt enblick⸗ ttungs⸗ „wäh⸗ ſtreckte, inlichen genug blickte Seele da Ev⸗ — 245— chen und ihr künftiges Glück, wie der Charakter und das Benehmen des jungen Mannes Vorſtellungen wa⸗ ren, die er in ſeinem Geiſte kaum mehr zu trennen vermochte. Als aber Paul die Papiere ganz gelaſſen empfing, und ſeine unangenehmen Empfindungen, wel⸗ cher Art ſie auch ſein mochten, bezwingend, mit Durchleſen derſelben fortfuhr, ſo verſcheuchte des Jünglings ruhige Würde die Muthmaßungen des Alten vollſtändig. John Effingham erinnerte ſich, daß er ſchon früher ſeinen Paul für die Frucht einer ſolchen herzloſen Unbeſonnen⸗ heit gehalten, welche er ſo ſtreng verwarf. Mitleid und Theilnahme nahmen ſogleich die Stelle des vorherge⸗ gangenen Eindrucks ein, und ſein Inneres wurde da⸗ durch ſo bewegt, daß er den nächſtfolgenden Brief noch nicht in die Hand genommen hatte, als Paul ſchon die ihm zum Durchleſen hingereichten Papiere wieder hin⸗ gelegt hatte. „Dieſes ſcheint allerdings eine traurige Geſchichte werden zu wollen, wo ungezügelte jugendliche Leiden⸗ ſchaft oft noch traurigere Folgen herbeiführt,“ ſagte der junge Mann mit der Gelaſſenheit eines Menſchen, der in keiner mittelbaren, noch vielweniger perſönlichen Be⸗ zlehung zu den hier erwarteten unangenehmen Aufſchlüſ⸗ ſen ſtand.„Laſſen Sie uns weiter nachſehen.“ John Effingham fühlte ſich getröſtet durch dieſe Zei⸗ chen von ungerührtem Weſen, und nunmehr las er die folgenden Briefe laut vor, ſo daß beide ihren Inhalt zu gleicher Zeit erfuhren. Die nächſten ſechs oder acht Mittheilungen gaben keinen deutlicheren Aufſchluß, auſ⸗ ſer daß Beide daraus entnehmen konnten, daß das Kind, welches der Hauptgegenſtand des ganzen Briefwechſels war, von Peter Dowſe und ſeiner Frau aufgenommen und von ihnen als ihr eigenes Kind erzogen werden ſollte, wogegen ihnen eine beträchtliche Summe zugleich mit der Verpflichtung zur Beſtreitung einer Leibrente angeboten wurde. Zugleich erhellte aus dieſen Briefen, daß das Kind, welches mit ſcheinbarer Zärtlichkeit im⸗ merfort der Liebling genannt wurde, wirklich der Sorg⸗ falt dieſer Jane Dowſe übergeben worden und daß mehre Jahre verſtrichen, nachdem dieſe Uebereinkunft abgeſchloſ⸗ ſen worden, ohne daß deshalb der Briefwechſel aufge⸗ hört hatte. Die meiſten ſpätern Briefe bezogen ſich faſt ausſchließlich auf die Auszahlung eines Jahrgehaltes und enthielten außerdem bloß kalte Erkundigungen nach dem„Liebling,“ und ſo oberflächliche und allgemeine Erwiederungen auf die Berichte der Pflegerin, daß hin⸗ reichend aus Allem hervorging, wie wenig der zärtliche Beiname wirklich gemeint ſei. Im Ganzen waren es etwa dreißig bis vierzig Briefe, deren jeder pünct⸗ lich beantwortet war, und ihren Datis nach nahm dieſer Briefwechſel einen Zeitraum von beinah zwölf Jah⸗ ren ein.. Das Durchleſen dieſer ſämmtlichen Briefe nahm über eine Stunde Zeit weg, und als John Effingham end⸗ lich ſeit es war „Bi allen d ſtimmt ohne d ten in der in und da bekann es hier dezu he Selbſt die wi wiſſen, denn habt, wieder nicht r „2 zu we nicht Nutzer ſind, j ſäume auf ei Di r acht 3 auſ⸗ Kind, echſels mmen berden gleich brente riefen, it im⸗ Sorg⸗ mehre ſchloſ⸗ aufge⸗ ch faſt haltes nnach meine ß bin⸗ rlliche waren pünct⸗ dieſer Jah⸗ über end⸗ — 247— lich ſeine Brille auf den Tiſch legte, ſchlug die Dorfuhr; es war Mitternacht. „Bis jetzt,“ bemerkte er, haben wir wenig mehr aus allen dieſen Briefen erfayhren, als daß ein Kind be⸗ ſtimmt worden iſt, einen falſchen Namen anzunehmen, ohne daß wir irgend einen Schlüſſel zu dem Räthſelhaf⸗ ten in dieſen Begebenheiten gefunden hätten, als den, der in den Namen der Betheiligten zu ſuchen wäre; und dabei ſind alle hier genannten Namen ziemlich un⸗ bekannte oder gar verſchollene; und derjenige, auf den es hier am meiſten ankommen möchte, iſt, wie wir gra⸗ dezu hieraus abnehmen können, nur ein erdichteter Name. Selbſt der arme Monday, im Beſitz ſo vieler Nebenbelege, die wir nun entbehren, konnte doch eigentlich nicht wiſſen, von welcher Art das verübte Unrecht geweſen ſei; denn hätte er näheren Aufſchluß über das Ganze ge⸗ habt, ſo würde er bei dem offenbaren Wunſch, Alles wieder gut zu machen, grade dieſen wichtigen Punct nicht völlig im Dunkel gelaſſen haben.“ „Dieſes ſcheint allerdings ein verwickeltes Geſchäft zu werden,“ entgegnete Paul,„und mir wird es noch nicht klar, wie wir hier im Geringſten unmittelbaren Nutzen ſtiften können. Da Sie vermuthlich recht müde ſind, ſo können wir ja wohl, ohne irgend etwas zu ver⸗ ſäumen, die weitere Unterſuchung dieſes Gegenſtandes auf eine andere Zeit verſchieben.“ Dieſen Vorſchlag genehmigte John Effingham, und während des kurzen Geſprächs, das jetzt folgte, holte Paul das Schreibkäſtchen von dem Spiegeltiſchchen nach dem Tiſche hin, woran beide geſeſſen, zugleich mit dem Pack der ihn ſelbſt betreffenden vorher erwähnten wich⸗ tigen Papiere, und es währte einige Zeit, bis er damit fertig wurde, alle wieder gehörig in das Schubfach hinein zu verwahren, aus welchem er ſie hervorge⸗ ſucht hatte. „Alle die Förmlichkeiten des Einſiegelns, welche da⸗ mals beobachtet wurden, als der arme Monday uns das Pack Papiere behändigte, ſcheinen mir jetzt nicht noth⸗ wendig,“ bemerkte er, während er mit Zurechtlegen und Aufheben beſchäftigt war,„ich meine, es wird eben ſo gut ſein, wenn ich das Schreibkäſtchen in Ihrem Zim⸗ mer ſtehen laſſe und bloß die Schlüſſel mitnehme.“ „Niemand kann wiſſen, was bevorſteht,“ entgegnete John Effingham mit der größern Vorſicht des bedäch⸗ tigern Alters;„wir haben noch nicht alle Papiere durch⸗ geleſen, und hier haben wir Licht und Siegellack bei der Hand; jeder von uns hat ſeine Uhr und ſein Pett⸗ ſchaft bei ſich, und es bedarf ja bloß einer Minute, um alles wieder ſo herzuſtellen, wie wir das Päckchen gleich Anfangs empfangen haben. Iſt dieß geſchehen, ſo kön⸗ nen Sie das Schreibkäſtchen hier laſſen, oder mitnehmen, wie es Ihnen gutdünkt“ „Ich will es hier laſſen; denn enthält es gleich ſo Manches, was für mich von hohem Werthe iſt, ſo ent⸗ hält es br auch „N beſſer trifft, das m thum! rung „D ſes Kä ob ich aus d ben n ſeinen das D Letzter Verbe Schuh und u gehobe D gute ergrif ſich a holte nach t dem wich⸗ damit ubfach vorge⸗ he da⸗ 1s das noth⸗ n und ben ſo Zim⸗ egnete dedäch⸗ durch⸗ ick bei Pett⸗ e, um gleich o kön⸗ ihmen, eich ſo o ent⸗ 249— hält es doch auch nichts, wovon ich unmittelbar Ge⸗ brauch machen könnte.“ „Nun, wenn das iſt; ſo würde es vielleicht noch beſſer ſein, wenn ich das Päckchen, das uns beide be⸗ trifft, in einen Schrank lege oder in ein Schreibkäſtchen, das mir gehört; und daß Sie Ihr beſonderes Eigen⸗ thum lieber in Ihre eigene und unmittelbare Verwah⸗ rung nehmen.“ „Das iſt Nebenſache; es müßte denn ſein, daß die⸗ ſes Käſtchen Ihnen im Wege ſtände; denn ich weiß nicht, ob ich nicht deſto zufriedener ſein kann, wenn es mir aus den Augen iſt, ſo lange ich es nur ſicher aufgeho⸗ ben weiß, als wie, wenn ich es beſtändig vor Au⸗ Paul ſagte dieſes mit gezwungenem Lächeln, und in ſeinen Gebärden drückte ſich ein Kummer aus, der ganz das Mitgefühl ſeines Geſellſchafters in Anſpruch nahm. Letzterer gab ſeine Einwilligung durch eine ſtumme Verbeugung zu erkennen. Die Papiere wurden in das Schubfach verwahrt, das Schreibkäſtchen verſchloſſen, und ohne ein Wort zu reden, in einem Schrank auf⸗ gehoben. Darauf wollte Paul eben ſeinem älteren Freunde gute Nacht wünſchen, als John Eſſingham ſeine Hand ergriff, und ihn durch freundliches Nöthigen bewog, ſich abermals niederzulaſſen. Eine Pauſe folgte, die 230— Beide verlegen machte; endlich unterbrach dieſe der Alte und ſagte: „Wir haben ſchon Manches gemeinſchaftlich erduldet, und einer den andern in ſchon mancher Lebenslage kennen gelernt, wo der Charakter des Mannes erprobt wird, um einander als Freunde näher zu ſtehen. Mich würde es kränken,“ fuhr er fort,„wenn Sie mich von unziemlicher Neugier getrieben wähnten, wenn ich Ihr Vertrauen in einem innigeren Grade zu beſitzen wünſche, als Sie vielleicht mir ſolches zu bieten ſich bewogen fühlen. Ich hoffe, Sie werden meinen Worten keine tadelnswerthe Beweggründe zuſchreiben. Das Alter macht einigen Unterſchied in unſern gegenſeitigen An⸗ ſprüchen, und der innige und aufrichtige Antheil, den ich an Ihrem Wohlergehen nehme, dürfte mir wohl einigen Anſpruch geben, von Ihnen nicht wie ein durchaus Fremder betrachtet zu werden.— Meine Theilnahme für Sie iſt ſo aufrichtig und beſorgt, geweſen,— ich könnte ſagen, meine Zuneigung zu Ihnen war ſo herz⸗ lich und warm—, daß es mir nicht entgangen iſt, daß Ihre Stellung im Leben nicht ganz dieſelbe iſt, wie ſolche bei andern Leuten Ihres Alters und Standes zu ſein pflegt; und dieſes gibt mir die Ueberzeugung, daß b Ihnen die freundſchaftliche Theilnahme eines gleichfüh⸗ lenden Mannes, daß Ihnen der Rath eines älteren Freundes vielleicht nützlich werden könnte. Sie haben mir von Ihren perſönlichen Verhältniſſen ſchon ſo Vie⸗ les mit Sie un Alle und ei bei ſol in Wo züge m entging behagli hand b „It dankbat ergehen die Ge wünſch Ihnen Güte, mit ich Mitthe tereſſe „Al hat, ka Sie ſi auch 1 Errettt der To ſelle n r Alte duldet, nslage rprobt Mich ch von ch Ihr ünſche, wogen keine Alter en An⸗ den ich einigen irchaus lnahme — ich o herz⸗ iſt, daß ſt, wie ldes zu ig, daß eichfüh⸗ älteren 2 haben ſo Vie⸗ — 251— les mitgetheilt, daß ich mich faſt befugt halten möchte, Sie um nähere Mittheilungen zu erſuchen.“ Alles das äußerte John Effingham mit dem zarteſten und einnehmendſten Ausdruck; wenige Männer hätten bei ſolcher Gelegenheit eine ſanftere Ueberredungskunſt in Wort und Blick vereinigen können. Paul's Geſichts⸗ züge waren in heftiger Bewegung, und ſeine Rührung entging ſeinem Gefährten nicht, aber auch nicht die behagliche Empfindung, welche allmählich die Ober⸗ hand behielt. „Ich bin Ihnen innig dankbar, aus vollem Innern dankbar, Herr, für Ihre Theilnahme an meinem Wohl⸗ ergehen,“ antwortete Paul;„und wüßte ich nur, welches die Gegenſtände ſind, worüber Sie Auskunft von mir wünſchen, ſo kann es kaum etwas geben, was ich vor Ihnen verhehlen möchte. Haben Sie alſo ferner die Güte, mir Ihre Fragen vorzulegen, Mr. Effingham, da⸗ mit ich nicht nöthig habe, Dinge zu berühren, deren Mittheilung vielleicht für Sie nicht das geringſte In⸗ tereſſe haben könnte.“ „Alles, was weſentlich auf Ihre Wohlfahrt Bezug hat, kann für mich ohne Ausnahme von Intereſſe ſein. Sie ſind es, dem ich nicht allein mein eigenes ſondern auch meiner theuerſten Verwandten Leben und unſrer Errettung aus einem Elend verdanke, das ärger iſt, als der Tod; und daher habe ich alter kinderloſer Jungge⸗ ſelle mehr als einmal daran gedacht, ob ich nicht ver⸗ ſuchen könnte, die Stelle der natürlichen Freunde einzu⸗ nehmen, die Ihnen, beſorge ich, fehlen. Ihre Aeltern—“ „Sie ſind beide todt. Beide habe ich nie gekannt,“ ſagte Paul mit trübſinnigem Lächeln.„Ihr großmüthi⸗ ges Anerbieten will ich freudig annehmen, wenn Sie mir erlauben, nur eine Bedingung dabei zu machen.“ „Wer um Etwas bittet, muß ſich manches gefallen laſſen,“ entgegnete John Effingham,„wollen Sie alſo geſtatten, daß ich Ihnen meine Theilnahme für Sie im⸗ merfort beweiſen und gelegentlich das Vertrauen an⸗ ſprechen darf, das einem Vater ſo wohl thut, ſo will ich nicht auf Ihnen unbillig dünkende Forderungen be⸗ ſtehen. Welches iſt Ihre Bedingung?“ „Daß Sie das Wörtchen Geld ganz aus Ihrem Wörterbuche ſtreichen in Allem, was auf mich Bezug hat, und in Ihrem Teſtament keine Aenderung zu mei⸗ nen Gunſten vornehmen. Wollten Sie die Erde durch⸗ ſpähen, ſo würde keine würdigere und lieblichere Erbin ſich finden, als Sie bereits ſich auserſehen haben, und die Ihnen die Vorſehung ſelbſt zuführte. Mit Ihnen verglichen, bin ich nicht reich, aber ich habe ein Einkom⸗ men, wie es ein gebildeter Mann wünſchen kann; und da ich wahrſcheinlich nie heirathen werde, ſo wird das Wenige, was ich habe, für alle meine Bedürfniſſe hin⸗ reichen.“ John Effingham war vergnügter über dieſe frei⸗ müthige Aeußerung als er auszudrücken für gut fand, er billif mende gung i Mitwie mente ſchaftli anſehn „N dieſe B gradez Auftret ließ, de ſelbſtſte Annähe gründe vertra jetzt er feſtigt umgeſe und J „C zuzutre bildun überei ziemli Aber niſſe einzu⸗ rn— annt,“ nüthi⸗ n Sie chen.“ efallen e alſo ie im⸗ n an⸗ o will en be⸗ Ihrem Bezug n mei⸗ durch⸗ Erbin , und Ihnen inkom⸗ 1; und rd das ſe hin⸗ 2 frei⸗ t fand, — 255 er billigte im Stillen dieſe mit der ſeinigen übereinſtim⸗ mende Denkungsart; doch lächelte er über die Bedin⸗ gung ſelbſt, weil er unter Evchens und ihres Vaters Mitwiſſen und Einſtimmung ein Codicill ſeinem Teſta⸗ mente beigefügt hatte, in welchem er ihrem gemein⸗ ſchaftlichen jugendlichen Erretter die eine Hälfte ſeines anſehnlichen Vermögens erblich hinterließ⸗ „Mein Teſtament mag alſo immerhin bleiben, wie es iſt, dieſe Bedingung iſt ſonach erfüllt. Es freut mich um ſo mehr, gradezu von Ihnen ſelbſt beſtätigt zu hören, was Ihr äußeres Auftreten und die Meinung anderer Leute vermuthen ließ, daß Sie von Niemanden abhängen und Ihre Lage ſelbſtſtändig iſt. Demnach wird unſere freundſchaftliche Annäherung ſich einzig auf gegenſeitige Hochachtung gründen, und dieſes Herzensbündniß wird, ſofern es auf vertragsmäßige Gleichſtellung beruht, wenn auch nicht jetzt erſt entſtanden, deſto freier und uneigennütziger be⸗ feſtigt werden. Sie haben ſich trefflich in der Welt umgeſehen, Powis; mehr als man von Ihren Jahren und Ihrem Beruf erwarten ſollte.“ „Gewöhnlich pflegt man wohl Leuten meines Berufs zuzutrauen, daß ſie die Welt ſehen, ſofern ihre Aus⸗ bildung ſolches erfordert; wiewohl ich darin mit Ihnen übereinſtimme, daß man auf ſolche Weiſe nur in einem ziemlich beſchränkten Kreiſe Weltkenntniß erwerben kann. Aber es ſind ſchon mehre Jahre verfloſſen, ſeit Verhält⸗ niſſe—, ich ſollte vielmehr ſagen, ſeit der ausdrückliche Wunſch eines Mannes, dem zu gehorchen Pflicht war, — mich beſtimmte, mein bisheriges Gewerbe aufzuge⸗ ben, und ſeit jener Zeit habe ich faſt nichts anders ge⸗ than, als umherreiſen. Einigen zufälligen Urſachen ver⸗ danke ich es, wenn ich in Europa Zutrritt in beſſere Geſellſchaften erhielt, wie wenigen unſrer Landsleute ſolches zu Theil wird; und ich hoffe, daß nicht jeder Vortheil ſolcher Bekanntſchaften für mich verloren gegangen iſt. Auf einer meiner Reiſen auf dem europäiſchen Feſtlande hatte ich das Vergnügen Mr. Effingham und ſeine Toch⸗ ter kennen zu lernen. Seit meiner Kindheit war ich größtentheils auf Reiſen, und dieſem Umſtande verdanke ich meine Gewandtheit in fremden Sprachen.“ „So hat mein Vetter auch erzählt. Den Zweifel über Ihr Geburtsland haben Sie uns ſelbſt gehoben, ſeit Sie ſich uns als Amerikaner zu erkennen gaben, und demungeachtet ſehe ich, daß Sie Verwandte in Eng⸗ land haben. Capitain Ducie iſt, meine ich, ein Vetter von Ihnen?“ „Das iſt er; wir ſind Söhne von Schweſtern; doch hat unter uns nicht immer das freundſchaftlichſte Ver⸗ hältniß beſtanden, worauf unſre Verwandtſchaft Anſpruch machen konnte. Als Ducie und ich einander auf dem Ocean begegneten, da beſtand allerdings eine Kälte und Spannung, welche unſre Begegnung Andern auffallend machen, und in Verbindung mit meiner plötzlichen Rück⸗ kehr nach England, ließ dieſe, wie ich beſorge, nicht den beſten C Zeuge! „W ſagte I wenn d noch an waren; daß wi muthun „D ſeemänn ter. 2 ter Um freilich erwarte nur in nicht n und be jemals ſchlagen „D von S ſagte „D ſtellt lo unſere von ih war, fzuge⸗ rs ge⸗ n ver⸗ beſſere sleute ortheil en iſt. tlande Toch⸗ ar ich rdanke l über „ ſeit , und Eng⸗ Vetter z doch Ver⸗ iſpruch f dem Kälte fallend Rück⸗ ht den — 233— beſten Eindruck zu meinen Gunſten bei denen zurück, welche Zeuge deſſen waren, was zwiſchen uns beiden vorging.“ „Wir ſetzten völliges Vertrauen in Ihren Charakter,“ ſagte John Effingham mit offenherziger Einfachheit,„und wenn auch unſre erſten Vermuthungen, als wir uns noch an Bord befanden, nicht von der erfreulichſten Art waren; ſo zeigte uns doch unſre ruhigere Ueberlegung, daß wir keinen Grund hatten, Ihnen nachtheilige Ver⸗ muthungen zu hegen.“ „Ducie iſt ein artiger, männlicher Burſche, von ächt ſeemänniſchem Edelmuth und einfachem, feſtem Charak⸗ ter. Wir waren einander früher zum letzten Male un⸗ ter Umſtänden begegnet, wo wir einander als Feinde freilich gegenüber ſtanden; und daher konnte jenes un⸗ erwartete Zuſammentreffen auf dem Schiff uns beide nur in Verlegenheit ſetzen; unſere Wunden ſchmerzten nicht mehr; das iſt zwar wahr, aber vielleicht ſchämten und betrübten wir uns beide darüber, daß wir uns jemals ſo weit vergeſſen konnten, ſolche Wunden zu ſchlagen.“ „Doch nur ein äußerſt ernſthafter Streit kann Söhne von Schweſtern feindſelig wider einander bewaffnen,“ ſagte John Effingham mit ſteigendem Nachdruck. „Die Wichtigkeit der Veranlaſſung will ich dahinge⸗ ſtellt laſſen. Damals war Ducie durchaus nicht geneigt, unſere nahe Verwandtſchaft anzuerkennen,— daß ich mich von ihm beleidigt fühlte, als er meine rechtmäßige Ge⸗ 236 burt in Zweifel ziehen wollte, daß ich ihm in gereizter Empfindlichkeit erwiederte, konnte, da wir beide dem Kriegerſtande angehörten, keine anderen Folgen haben, als es wirklich hatte Ducie ließ mich fordern, und ich war damals nicht geſtimmt, ihn vergeblich warten zu laſſen. Ein paar Fleiſchwunden machten damals glück⸗ licherweiſe der Sache ein Ende. Allein eine Zwiſchen⸗ zeit von drei Jahren, die ſeitdem verſtrichen, hatte dem mir feindlich geſinnten Ducie Gelegenheit verſchafft, zu entdecken, daß er mir Unrecht gethan, ſowie daß er unbe⸗ fugter Weiſe mich gereizt und dadurch den Zweikampf veranlaßt hatte, und daß wir vielmehr alle Urſache hätten, Freunde zu ſein. Der aufrichtige Wunſch, das Vorgefallene wieder gut zu machen, bewog ihn dazu, die erſte Gelegenheit benutzen zu wollen, die ſich ihm darbieten würde, um nach Amerika zu kommen; und als er einer von London erhaltenen telegraphiſchen Weiſung zu⸗ folge, dem Montauk nachſegeln mußte, erwartete er eben ſtündlich den Befehl, um ſich in unſere Gewäſſer zu begeben, wohin er ſo gern beordert zu werden wünſchte, um mit mir irgendwo hier zuſammenzutreffen. Daraus können Sie ſchließen, wie angenehm es ihm war, mich ganz wider Erwarten auf demſelben Schiffe wieder zu finden, das den Gegenſtand ſeines Nachſetzens verbarg, und daß es ihm auf dieſe Weiſe möglich ward, gleichſam zwei Flie⸗ gen mit einer Klappe zu treffen.“ „ Ur mordli „D Verhäl mir fef ner C es ſo grund! hen ſo ſeitige weggr hüllt; konnte keine zwiſch unſre atlant nzuſe 15 obſcho davon ſchaft gigkei einer Es iſ achter zuflöf 13 reizter dem aben, nd ich ten zu glück⸗ iſchen⸗ e dem ft, zu unbe⸗ kampf lrſache h, das dazu, ch ihm als er ng zu⸗ r eben geben, m mit können ganz n, das daß es i Flie⸗ — 237— „Und ſo entführte er ſie uns wirklich in einer ſolchen mordluſtigen Abſicht?“ frug John Effingham lächelnd. „Durchaus nicht; es konnte kein freundſchaftlicheres Verhältniß geben, als ſich ſogleich zwiſchen Ducie und mir feſter anknüpfte, als wir kaum einige Stunden in ſei⸗ ner Cajüte bei einander geweſen waren. Oefter pflegt es ſo zu geſchehen, wo früher heftiger Widerwille und grundloſes Vorurtheil Menſchen, die einander nahe ſte⸗ hen ſollten, von einander entfernte, daß näheres gegen⸗ ſeitiges Bekanntwerden ihren Charakter und ihre Be⸗ weggründe einander ohne Zwiſchentreten Anderer ent⸗ hüllt; und lange vorher, ehe wir England erreichten, konnte es keine wärmere Freunde geben, als wir, und keine aufrichtigere Herzlichket unter Verwandten, als zwiſchen uns beiden. Sonſt wiſſen Sie ja, Herr, daß unſre engliſchen Vettern ſelten aufgelegt ſind, ihre cis⸗ atlantiſchen Verwandten mit ſonderlich günſtigen Augen nzuſehen.“ „Das iſt nur zu wahr,“ ſagte John Effingham ſtolz, obſchon ſeine Lippen zitterten, während er ſprach,„und davon trägt großentheils dieſe elende geiſtige Leibeigen⸗ ſchaft die Schuld, welche nach ſechzigjähriger Unabhän⸗ gigkeit dem Namen nach, uns immer noch der Gnade einer feindlichgeſtimmten fremden Meinung preisgiebt. Es iſt vorerſt durchaus nöthig, daß wir uns ſelbſt mehr achten lernen, um Andern größere Achtung vor uns ein⸗ zuflößen.“ 30.— 152. 17 — 258— „Darin bin ich völlig Ihrer Meinung, Herr. In einem Fall aber bewirkte die mir zugefügte ungerechte Behandlung, daß meine Verwandten vielleicht ſchon deß⸗ halb mich beſſer aufnahmen, als ſie ſonſt Luſt gehabt haben würden, ſolches zu thun. In Beziehung auf Geldange⸗ legenheiten hatte ich wenig mit ihnen zu ſchaffen, und da ich durchaus keine Abſicht hegte, Dinge zur Sprache zu bringen, welche einen Zweifel auf die Anſprüche der Ducie'ſchen Familie auf eine Pairſchaft hätten erregen können, ſo mußte ich wohl bei ihnen allen gern geſehen werden.“ „Auf eine Pairſchaft!— So waren alſo Ihre Ael⸗ tern beide aus England?“ „So viel ich weiß, keiner von beiden; die Verbindung zwiſchen dieſen Ländern war ja eng genug, als daß es Ihnen auffallen könnte, wenn Anſprüche der Art auch auf Eingeborne in Amerika ſelbſt übergehen. Meiner Mutter Mutter war die rechtmäßige Erbin einer jener alten adlichen Beſitzungen, die nach dem allgemeinen Erbrecht, nicht dem Majoratsrechte, auch an entfern⸗ tere Linien übergehen können. Weil nun, von ihren Kin⸗ dern, zwei Brüder bereits ohne Erben geſtorben waren, ſo ging das Recht auf dieſe Beſitzung, welches übrigens noch nicht einmal wirklich ausgeübt worden war, an meine Mutter und Mutterſchweſter über. Da aber er⸗ ſtere, wie man behauptete, ohne Erben geſtorben.— „Sie vergeſſen ſich ſelbſt!“ ²) . In erechte on deß⸗ haben dange⸗ ind da ache zu he der rregen geſehen re Ael⸗ indung daß es t auch Meiner jener neinen ntfern⸗ n Kin⸗ waren, prigens er, an ber er⸗ .4ℳ — 259— „Angeblich ohne rechtmäßige Erben,“ fügte Paul hin⸗ zu, indem er bis zu den Schläfen erröthete,—„ſo hätte ich ſagen ſollen; da machte Mrs. Duc ie, die Gat⸗ tin eines Engländers von altem Adel, auff den Rang Anſpruch, den ihr dieſe Beſitzung zuſicher“ e, und erhielt ihn. Wenn ich meine Anſprüche hätte wollen geltend machen, ſo wäre die Pairſchaft Niemande n zugefallen*); und wahrſcheinlich verdanke ich es z um Theil dieſem Umſtande, daß man mich nicht anerke anen wollte. Doch, weil Ducie ſich ſo freundſchaftlich g egen mich benahm, ſo trug ich kein Bedenken mich mit ihm zugleich an den König zu wenden, mit der Bitt e, über das erledigte Anrecht zu Gunſten der jetzt leben den Erbin zu verfügen; und jetzt iſt Lady Dunluce in g eſetzlicher Form in ihren Anſprüchen anerkannt.“ „Es gibt viele junge Lerate in unſerm Baterlande, welche mit weit mehr Har tnäckigkeit die Hoffnung auf eine Pairsſtelle feſthalten w ürden!“ *) So lange bloß weibliche Erben vorhanden waren, ruhten die Anſprüche auf die Pai eſchaft. Da Powis als Erbe der ältern Schweſter die nächſten. Anſprüche hatte, ſo mußte natürlich die jüngere Schvhefer un, d Capitain Ducie, deren Sohn, zurückſte⸗ hen, bis die älttere Länie in Powis und deſſen Nachkommen erlo⸗ ſchen war; toenn auch Powis ſelbſt, ſo lange er ſich nicht in England nat araliſiren ließ, die Rechte eines engliſchen Pairs nicht anſpre cyen konnte. Durch Powis Verzichtleiſtung zu Gun⸗ ſten der jüngern Anie, trat ſeine Tante in deſſen Rechte ein, und der Ki zuig hatte keinen Grund, ſolche einer wirklichen Un⸗ terthanin M verweigern. — 260— „Das iſt mir wahrſcheinlich genug; aber meine Selbſt⸗ verläugnung iſt hierin nicht ſonderlich groß, denn es war kaum zu erwarten, daß die engliſchen Miniſter einem Ausländer einen ſolchen ausgezeichneten Rang zugeſte⸗ hen könnten, der kein Bedenken tragen würde, ſeine abweichenden Anſechten und die Anhänglichkeit an ſein Ge⸗ burtsland offen auszuſprechen. Ich kann alſo nicht ſa⸗ gen, daß ich nicht nach der engliſchen Pairſchaft trach⸗ tete, denn mein Trachten darnach wäre ganz vergeblich geweſen; aber ich bin ein geborner Amerikaner und will als Amerikaner ſterben; und ein Amerikaner der mit der⸗ gleichen Anſprüchen prahlen wollte, würde mir wie eine Dohle unter der Pfauenheerde vorkommen. Je weniger von dergleichen geredet wird, deſto beſſer iſt es“ „Sie können von Glück ſagen, daß ſie der Aufmerk⸗ ſamkeit unſrer Tagblätter entſchlüpft ſind; die hätten Sie höchſtwahrſcheinlich hochbegnadet und wohl gar zum Rang eines Herzogs erhoben.“ „Statt deſſen befand ich mich vielmehr in derſelben Lage, wie die des Hundes in der Krippe. Wenn es meine Mutterſchweſter glücklich macht, Lady Dunluce neter Burſch ilà tout. Sie einſt geſchehen muß, ſo wird ei Pair des Reichs in England wer ſind der einzige Landsmann, zu dem ich jemals von di bei Ik „U Verwa nicht Freund wollen ſen, n hinreie um de von m lichkeit Viefvi n nette „Nun ſeid d begebe Zweif ben, Antw⸗ 5 „ Fall Punct Gefüh ſo iſt öelbſt⸗ 3 war einem ageſte⸗ ſeine n Ge⸗ ht ſa⸗ trach⸗ geblich ill als t der⸗ e eine eniger fmerk⸗ hätten ar zum — 261— von dieſer Angelegenheit geſprochen habe, und ich hoffe, bei Ihnen wird ſie als Geheimniß ruhen.“ „Und darf ich ſſelbſt nicht einmal meinem nächſten Verwandten dieſen Umſtand mittheilen? Ich bin ja doch nicht der einzige aufrichtige, nicht der einzige warme Freund, den Ihr in dieſem Hauſe habt, Powis?“ „In dieſer Beziehung muß ich das, was Sie thun wollen, Ihrem eignen Belieben vertrauensvoll überlaſ⸗ ſen, mein theurer Herr; wenn Mr. Effingham wirklich hinreichenden Antheil an mein Wohl und Weh nimmt, um den Wunſch zu hegen, das zu erfahren, was Sie von mir wiſſen, ſo will ich vor ihm keine unnütze Heim⸗ lichkeiten haben;— oder wenn— wenn Mademoiſelle Viefpille—“ „Oder wenn Nanny Sidley,“— oder wenn An⸗ nette—“ unterbrach ihn John Effingham lächelnd. „Nun, Euer Vertrauen ſoll nicht mißbraucht werden, ſeid deßhalb außer Sorge; aber, ehe wir uns zur Ruhe begeben, muß ich dennoch wünſchen, das leidet keinen Zweifel, noch über einen andern Punct Gewißheit zu ha⸗ ben, wenn ich auch den erzählten Umſtänden zufolge die Antwort vorausſehen könnte.“ „Ich verſtehe Sie, Herr, und es könnte auf keinen Fall meine Abſicht ſein, Sie über dieſen höchſtwichtigen Punct in Ungewißheit zu laſſen. Gibt es irgend ein Gefühl das verletzend den männlichen Stolz berührt, ſo iſt es das Mißtrauen in die gute Aufführung der — 262 eignen Mutter. Die meinige trifft, dem Himmel ſei Dank, kein ſolcher Vorwurf, und meine ehliche Geburt iſt mit trifftigen Gründen anerkennt worden; außerdem hätte ich ja keine rechtlichen Anſprüche auf die Pairſchaft geltend machen können. „Oder ebenſo ſo wenig auf Ihr ererbtes älterliches Vermögen,“ fügte John Effingham hinzu, indem er tief Athem ſchöpfte, als fühlte er ſich plötzlich von einer pein⸗ lichen Befürchtung befreit. „Mein Vermögen rührt weder von meinem Vater, noch von meiner Mutter her; ich verdanke es vielmehr der großmüthigen Geſinnung oder der wohlwollenden Laune, wenn Sie wollen, welche manchmal die Men⸗ ſchen dazu bewegt, Fremde an Kindesſtatt anzunehmen, welche mit ihnen in keinem entfernteren Grade verwandt ſind. Mein Vormund nämlich adoptirte mich, nahm mich mit ſich auf Reiſen, placirte mich noch in zartem Alter im Seedienſt, und vermachte mir endlich alles, was er beſaß. Da er unverheirathet war, keine nähern Verwandten beſaß und ſein Vermögen ſich ſelbſt erwor⸗ ben hatte, ſo fühlte ich mich durch keine Rückſicht auf Andere behindert, eine Gabe anzunehmen, die mir ſo großmüthig geboten wurde. Er hatte dabei den Wunſch zu erkennen gegeben, daß ich den Seedienſt aufgeben, fünf Jahre hindurch auf Reiſen gehen, dann heimkehren und heirathen ſolle. Er hat keine beſchwerenden Clau⸗ ſeln auf die Nichterfüllung irgend eines ſeiner Wünſche feſtgeſe nes B Rath Freund 3 „J zu erwe ſtolz n Billigu bewegg gennütz „G aber v. dieſes meiner Brüder mund Hinſich auf ſer wurde deſſen Manne ſein Vo manne, aber er er der ſchuldiz „Er l ſei eburt rdem ſchaft iches tief pein⸗ gater, mehr enden Men⸗ zmen, vandt nahm artem alles, ähern rwor⸗ t auf ir ſo unſch geben, ehren Clau⸗ ünſche feſtgeſetzt, doch hat er dieſe ernſtlich als Richtſchnur mei⸗ nes Benehmen ausgeſprochen, als den wohlgemeinten Rath eines Mannes, der jahrelang ſich mir als treuen Freund bewieſen hat.“ „Ich beneide den Mann um das Glück, Euch Gutes zu erweiſen. Ich denke mir, daß er auch Euren National⸗ ſtolz würde gebilligt haben; denn ich glaube, daß die Billigung ſolchen Benehmens von ſeiner Seite ein Haupt⸗ beweggrund geweſen ſein könne, daß Ihr Euch ſo unei⸗ gennützig rückſichtlich der Pairſchaft benommen habt.“ „Gewiß würde er mein Benehmen gutgeheißen haben; aber von dieſem meinem Anrecht wußte er nichts, denn dieſes ging erſt durch den Tod der beiden Lords, die meiner Mutterſchweſter noch vorgingen, nämlich der Brüder meiner Großmutter, an mich über. Mein Vor⸗ mund war in jeder Hinſicht ein Mann, und in keiner Hinſicht war er es mehr als im achtungswürdigen Stolz auf ſein Vaterland. Während er außer Landes war, wurde ihm ein Orden angeboten, aber er verweigerte deſſen Annahme mit der Feſtigkeit und Würde eines Mannes, der überzeugt iſt, daß Auszeichnungen, welche ſein Vaterland zu ertheilen verſchmäht, von jedem Ehren⸗ manne, der demſelben angehört, abgelehnt werden ſollen; aber er that es mit den ehrerbietigen Ausdrücken, welche er der Regierung, die ihm ſolche Auszeichnung anbot, ſchuldig zu ſein fühlte.“ „Ein durchaus beneidenswerther Mann,“ ſagte John — 264— Effingham mit Wärme.„Daß er Euren Werth, lieber Powis, durchaus zu ſchätzen wußte, beweiſt ſeinen vor⸗ züglichen Scharfblick; aber es ſcheint, daß er nicht we⸗ niger den Werth ſeines Selbſt, ſeines Vaterlandes, und der menſchlichen Natur erkannte.“ „Und gleichwohl ward er nur wenig anerkannt! Dieſer Mann verlebte viele Jahre in einer unſerer größeren Städte, und galt nicht mehr unter ſeinen Mit⸗ einwohnern als einer der gewöhnlichſten Menſchen, und nicht halb ſo viel als irgend eine ihrer großprahlenden Krämer⸗ und Maklerſeelen.“ „Darüber wundere ich mich ganz und gar nicht. Die Anzahl der erleſenen Wenigen iſt überall zu gering, um an irgend einem Ort durb ihren Einfluß zu über⸗ wiegen; noch vielweniger iſt dieſes möglich in einer ſo durcheinander zerſtreuten Bevölkerung, wie die unſrige. Der Krämer findet natürlich überall den Krämer heraus, wie der Hund den Hund, oder der Wolf den Wolf aus⸗ findig macht. Von allen Eigenſchaften iſt die Männlich⸗ keit diejenige, welche am wenigſten in einem Lande ge⸗ ſchätzt werden kann, wo man die Leute ſogleich in den Mannesrock ſteckt, wenn ſie noch kaum dem Gängelband entwachſen ſind. Ich bin älter als Du, mein theurer Paul“— es war das erſte Mal, daß ſich John Effing⸗ ham einer ſo vertraulichen Anrede bediente, und dem jungen Mann ſchien der freundliche Ton zu gefallen— „ich bin älter als Du, mein theurer Paul, und wage 2à daher, Dich a Empfin beſteht die Me nach z Handlu gewürd wir in nes S Lob de der Ge im Ve tiſcher in die heits⸗ wer esn ſeines ſprech heit i der mag; heilig in de wo d bewei über lieber 1 vor⸗ ht we⸗ 3, und kannt! unſerer Mit⸗ , und lenden nicht. gering, über⸗ iner ſo nſrige. deraus, ff aus⸗ nnlich⸗ de ge⸗ in den gelband theurer Effing⸗ ad dem llen— d wage à — 263— daher, mich frei über einen wichtigen Gegenſtand gegen Dich auszuſprechen, der ſpäter Dir manche unangenehme Empfindungen erſparen kann. Bei den meiſten Nationen beſteht eine Vorſtellung von menſchlicher Größe, welche die Menſchen, wenn auch nicht wirklich, doch dem Scheine nach zu erringen ſtreben; und demzufolge werden ihre Handlungen entweder mit Unrecht geprieſen oder gerecht gewürdigt nach ihrem eigenen Werth. Davon wiſſen wir in Amerika nichts; bei uns wird Niemand um ſei⸗ nes Selbſt willen geprieſen, ſondern bloß, ſofern dieß Lob den Zwecken einer Partei dient oder der Eitelkeit der Geſammtheit ſchmeichelt. Grade in dem Lande, wo im Vergleich mit allen übrigen, die größe Freiheit poli⸗ tiſcher Anſichten beſteben ſollte, wird die freie Aeußerung in dieſer Hinſicht am meiſten geſtört; und der Geſammt⸗ heits⸗Charakter unſerer Landsleute verleitet hier Jeden, wer es auch ſei, ſich das Recht anzumaßen, allen Ruhm ſeines Landes als gemeinſchaftliches Eigenthum anzu⸗ ſprechen. England bietet zum Theil ähnliche Verkehrt⸗ heit und Ungerechtigkeit dar, welche, fürchte ich, eine der ſchlechten Früchte mißverſtandener Freiheit ſein mag; denn es iſt wenigſtens gewiß, daß man das ge⸗ heiligte Recht der Selbſtſtändigkeit der Anſichten grade in denjenigen Ländern am meiſten zu ſchätzen verſteht, wo der Gedankenfreiheit alle Mittel, ſich wirkſam zu beweiſen, verſagt ſind. Wir pflegen zwar unaufhörlich über die Länder zu ſpötteln, welche den freien Gedan⸗ ken in Feſſeln legen, und doch kenne ich kein Land, wo⸗ rin die freie Aeußerung der Gedanken ärgere Verfolgung und Anfeindung nach ſich zieht, als grade unſer Vater⸗ land, wo das Geſetz die Gedankenfreiheit nicht bloß duldet, ſondern ſie ſelbſt vorſchreibt.“ „Dieſes beruht doch wohl auf nichts anderem, als auf der Macht der freien Aeußerung ſelbſt. Hier ent⸗ rüſten ſich die Menſchen über die Meinungen Anderer, weil die eine oder andere Meinung herrſchend werden kann. Es iſt dieß nichts anders als das Ringen aller gegen alle nach der Uebermacht. Aber um wieder auf meinen Vormund zurückzukommen; er war ein Mann, der nach eigenem Urtheil dachte und handelte, und weit davon entfernt, daß er in den Heftchen einer Partei oder durch die Tageblätter in den Augen der Menge hätte glänzen mögen, verſchmähete er vielmehr den bei unſern Lands⸗ leuten ſo beliebten Weg der Berühmtheit ſo ſehr, als es irgend einem Manne möglich iſt, dieſe Journal⸗Exiſtenz zu verſchmähen.“ „Es iſt wahrlich nur eine Exiſtenz in Journalen,“ ſagte John Effingham, Paul's Ausdrucksweiſe belächelnd. „Den Lauf der Welt und das Treiben der Menſchen aus ſolchen trüben Quellen kennen zu lernen, iſt nicht klüger, als der Wahn mancher Engländer, welche die menſchliche Geſellſchaft aus Romanen kennen lernen wollen, welche von Männern und Weibern verfaßt ſind, die nie die Welt aus eigener Anſchauung und Erfahrung kannten Nun lit Vertrar gierde! werden wieder Angele men, ſchluß Bei Paul e tete. 2 gekomn John( holte ſ den Lät lieh ur An „ wo⸗ lgung Jater⸗ bloß als ent⸗ derer, kann. gegen einen nach davon durch änzen ands⸗ ls es iſtenz en,“ helnd. ſchen nicht e die ernen ſind, hrung 267= kannten,— oder gar aus den Berichten der Hofzeitung. Nun lieber Powis, meinen aufrichtigen Dank für Euer Vertrauen, um das ich mich nicht aus unnützer Neu⸗ gierde bemühet habe, und welches von mir nie mißbraucht werden wird. Nächſten Tags wollen wir unſere Siegel wieder abnehmen, und unſere Nachforſchungen über die Angelegenheit des unglücklichen Monday wieder vorneh⸗ men, die uns bis jetzt nicht viel Erhebliches an Auf⸗ ſchluß zu verſprechen ſcheint.“ Beide ſchüttelten einander freundlich die Hände, und Paul entfernte ſich, indem ſein älterer Freund ihm leuch⸗ tete. Als der Jüngling an die Thüre ſeines Zimmers gekommen war, wandte er ſich um und ſah, wie ihm John Effinghams Blicke nachfolgten. Letzterer wieder⸗ holte ſodann ſein„Gute Nacht“ mit dem einnehmen⸗ den Lächeln, welches ſeinem Antlitz den ſeltenen Reiz ver⸗ lieh und Beide begaben ſich zur Ruhe. Neunzehntes Kapitel. „Item, ein Capaun, 2 Schill. 2 Pence⸗ Item, Sauce, 4 Pence, Item, Sect, zwei Maaß, 5 Schill. 8 Pence, Item, Brod, einen halben Penny.“ Shakſpeare. Am folgenden Tage machte John Effingham durch⸗ aus keine Anſpielung auf die mit Paul in der Nacht — 268.— vorher gepflogene Unterredung; nur ſein inniger Hände⸗ druck überzeugte dieſen, daß jener nichts davon vergeſſen habe. Da ein geheimer Reiz für ihn in der Befolgung alles deſſen lag, was Evchen zu wünſchen ſchien, ſo ſuchte der junge Mann den Capitain Truck noch vor dem Frühſtück auf, und da er ſchon vor der Ankunft der Effinghams gelegentlich mit dem„Commodore“ des See's bekannt geworden war, ſo ließ er den alten Fi⸗ ſcher zu ſich bitten und ſtellte ihn in gehöriger Form dem redlichen Schiffsbefehlshaber vor. Die erſte Be⸗ gegnung dieſer zwei in ihrem Beruf ausgezeichneten Männer lief ernſt, umſtändlich und förmlich ab; denn Jeder von ihnen mochte wohl fühlen, daß er den viel⸗ geprüften Meiſter eines Theils des Elementes vorſtelle, welches beiden als Männern, ihres hohen Berufs ſich be⸗ wußt, gleich theuer war. Nachdem indeſſen einige Mi⸗ nuten unter den einleitenden Formen der Etiquette ver⸗ ſtrichen waren, nahm die Unterredung einen freundliche⸗ ren und vertraulicheren Charakter an, und Beide mach⸗ ten mit einander aus, den größten Theil des Tags in Geſellſchaft mit einander zu fiſchen, und Paul verſprach, die Damen im Laufe des Nachmittags hinüber zu ru⸗ dern, wenn ſein Einfluß ſich ſo weit erſtrecken werde, ſie dazu zu bewegen. Als die Geſellſchaft die Tafel nach genoſſenem Früh⸗ ſtück verließ, nahm Evchen die Gelegenheit wahr, dem jungen Mann für ſeine, dem gemeinſchaftlichen Freunde bewieſe daß di nomme denn tagszei „3 ſchreite dem C und ſo möglic keit an Stelle Freund den, ot Mahl wenn „D gewoh field h auf d ſich un Ihnen Geſchn einen „2 tung mir k dände⸗ geſſen lgung n, ſo h vor nkunft u des in Fi⸗ Form 2 Be⸗ pneten denn viel⸗ eſtelle, ch be⸗ 2 Mi⸗ e ver⸗ bliche⸗ mach⸗ gs in prach, u ru⸗ verde, Früh⸗ dem eunde — 269— bewieſene Aufmerkſamkeit zu danken, da ſie gehört hatte, daß dieſer ſein Frühmahl früher als gewöhnlich einge⸗ nommen, und ſchon ſich auf den See begeben hatte; denn es fehlten nur noch zwei Stunden bis zur Mit⸗ tagszeit. „Ich habe ſogar gewagt, Ihre Inſtruction zu über⸗ ſchreiten, Miß Effingham,“ ſagte Paul,„denn ich habe dem Capitain verſprochen, ich wolle mich bemühen, Sie und ſo viele von den andern Damen dazu, als irgend möglich, zu überreden, ſich meiner Seemannsgeſchicklich⸗ keit anzuvertrauen und mir zu erlauben, Sie nach der Stelle hinzurudern, wo wir den Capitain und ſeinen Freund, den Commodore, vor Anker liegend antreffen wer⸗ den, oder auch die ganze Geſellſchaft zu einem ländlichen Mahl im Freien nach der Landſpitze hinüber zu ſchiffen, wenn es Ihnen gefällig iſt.“ „Das iſt ein Vorſchlag, deſſen Ausführung meinem gewohnten Einfluß nicht fehlſchlagen wird. Mrs. Bloom⸗ field hat ſchon den Wunſch geäußert, eine Spazierfahrt auf dem Otſego zu machen, und ich zweifle nicht, daß ſich uns noch Mehre anſchließen werden. Nochmals dank ich Ihnen für dieſe Aufmerkſamkeit, denn ich kenne Ihren Geſchmack nur zu gut, um nicht einzuſehen, daß Sie einen angenehmern Schützling hätten finden können.“ „Mein Wort darauf, ich fühle aufrichtige Hochach⸗ tung vor dem alten Capitain, und oftmals würde ich mir keinen beſſeren Geſellſchafter wünſchen als ihn. Wäre er auch in demſelben Grade widerwärtig, als er wirklich unterhaltend und zutraulich iſt, ſo würde doch der Wunſch, Ihnen gefällig zu ſein, ſeine Fehler bedecken., „Sie zweifeln wohl nicht daran, Mr. Powis, daß kleine Aufmerkſamkeiten öfter in eben ſo gutem Anden⸗ ken bleiben, als wichtige Dienſte; und nachdem Sie uns allen das Leben gerettet haben, ſo wünſchen Sie natür⸗ lich zu beweiſen, daß Ihnen les petits devoirs sociaux eben ſo leicht werden als große Thaten. Ich hoffe, Sir George Templemore läßt ſich durch Sie bewegen, ſich der Geſellſchaft anzuſchließen, und um vier Uhr wol⸗ len wir bereit ſein, Sie zu begleiten; denn bis dahin bin ich zu einem freundſchaftlichen Geplauder mit Mrs. Bloomfield in ihrem Ankleidezimmer verſagt.“*) Wir wollen unterdeſſen die Geſellſchaft auf dem Lande verlaſſen, und die dagegen begleiten, die ſchon im Kahn ſich befinden und mit der Fiſcherei beſchäftigt ſind. Der Anfang der Unterredung zwiſchen dem Salz⸗ waſſer⸗Fahrer und ſeinem Süßwaſſergefährten war aber⸗ mals etwas ungelenk und gezwungen. Ihre Handthie⸗ rungsausdrücke ſtimmten ſo wenig als möglich mit ein⸗ ander überein. Denn als der Capitain ſich des Aus⸗ *) Die Leſerinnen haben gleich gemerkt, daß Evchen ihren Paul bloß deßhalb entfernt, um der Neugier ihrer Freundin nicht noch mehr Nahrung zu geben; und die Leſer, daß ihre Liſt fehlſchlägt. drucks der Co meinte frei,“ wörtli dieſe Seefa ten be vorzüg nach Brauch ſtändne die ge der Co dem( einflöß „I Capita ten, 1 fährter und J wenn „ S **) B als er de doch decken.„ 8, daß Anden⸗ Sie uns natür⸗ Sociaux fe, Sir n, ſich ar wol⸗ dahin t Mrs. n Lande n Kahn d. Salz⸗ r aber⸗ undthie⸗ nit ein⸗ 2s Aus⸗ Paul bloß och mehr ägt. — 271— drucks:„Ruder eingeſchifft,“*) bediente, da verſtand der Commodore grade das Gegentheil von dem, was er meinte; und als er dagegen ſeinem Begleiter„Weg frei,“ u*⸗.) zurief, ſo legte letzterer ihm ſeine Worte ſo wörtlich aus, daß er ſogleich mit Rudern einhielt. Alle dieſe Kleinigkeiten trugen dazu bei, dem ehrwürdigen Seefahrer eine geringere Meinung von ſeinem Gefähr⸗ ten beizubringen, wiewohl dieſer in ſeinem Gewerbe vorzügliche Geſchicklichkeit bewies, wenn er auch dabei nach dem Brauch ſeines See's und nicht nach dem Brauch des Oceans verfuhr. Solchen kleinen Mißver⸗ ſtändniſſen war es zuzuſchreiben, daß, als beide endlich die geſuchte Stelle, wo gut zu fiſchen war, erreicht hatten, der Capitain keineswegs ſolche hohe Meinung mehr von dem Commodore hatte, als ſein hohersRang ihm hätte einflößen ſollen. „Ich bin mit Euch hierhergefahren, Commodore,“ ſagte Capitain Truck, als ſie die fiſchreiche Stelle erreicht hat⸗ ten, und betonte dabei den Titel, womit er ſeinen Ge⸗ fährten anredete,„um mir ein Vergnügen zu machen; und Ihr würdet mich daher außerordentlich verpflichten, wenn Ihr Euch nicht ſolcher Ausdrücke bedienen wolltet, *) So viel als: Ruder in's Boot hexrein! **) Bedeutet; Bahn gemacht! Regt die Arme! Friſch zu zerndert! wie:„Ankerſeil,“„Anker werfen,“ und„Schwanken“*). die erſten beiden ſind wenigſtens nie bei Seefahrern ge⸗ bräuchlich, und was den letzten betrifft, ſo will ich verd-—t ſein, wenn ich ihn jemals an Bord eines Schif⸗ fes gehört habe; ſolch ein Wort möchte wohl in keinem Wörterbuch zu finden ſein. „Ihr ſetzt mich in Erſtaunen.„Ankerſeil“ und„An⸗ ker werfen“ ſind Redensarten, die ſogar in der Bibel ſtehen, und müſſen alſo wohl richtig ſein.“ „Das folgt keineswegs daraus, Commodore; und ich habe Gründe für meine Behauptung; mein Vater war ein Prediger, und ich bin ein Seemannz folglich kann ich wohl ſagen, das beſſere Verſtehen bei dergleichen Dingen liegt bei uns im Blute. Sanct Paul— nun Sanct Paulus werdet Ihr doch kennen, Commodore?“ „Den kenne ich faſt eben ſo genau, als dieſen See, Herr. Aber Sanct Petrus und Sanct Andreas, das ſind die Männer, recht nach meinem Herzen. Unſer Gewerbe iſt ſchon alt, Herr, und dieſe zwei Beiſpiele mögen Euch beweiſen, was aus einem Fiſcher in der Welt werden kann. Ich erinnere mich nie noch gehört zu haben, daß jemals ein Schiffscapitain ſich zu einem Heiligen bekehrt hätte.“ „Das mag ſein; aber ſoviel kann ich Euch verſichern, *) In der Schifferſprache„Cabeltau“—„ Anker fallen laſſen“— „Slingern.“ an Bo Arbeit ein Ar ſteuern nen ſo fehl ar gezoge rer als einen gegeber dreas nem Ul weſen ſuchen, ſolche kerſeil“ „M würdey zudrück — den Ausdrü „D Landſe ſagen „Anker vernün ſam al 150. en⸗*). ern ge⸗ iill ich Schif⸗ keinem d„An⸗ Bibel und ich er war ch kann gleichen — nun dore?“ en See, s, das Unſer beiſpiele in der gehört neinem rſichern, aſſen“— an Bord eines Schiffes hat Jedermann alle Hände voll Arbeit, und da bleibt wenig Zeit übrig, um mehr als ein Anfänger im Frommſein zu werden. Meinen Ober⸗ ſteuermann auf meiner vorletzten Fahrt hättet Ihr ken⸗ nen ſollen, den Mr. Leach; jetzt führt er ſelbſt den Be⸗ fehl auf ſeinem Schiff. Wäre der regelrecht dazu auf⸗ gezogen worden, der würde ein ſo gewiſſenhafter Pfar⸗ rer als ſein Großvater geworden ſein. Da hättet Ihr einen Seefahrer geſehen, der einen Prediger nichts nach⸗ gegeben hätte. Gegen Sanct Petrus und Sanct An⸗ dreas habe ich gar nichts einzuwenden; doch nach mei⸗ nem Urtheil ſind ſie darum nicht beſſer, weil ſie Fiſcher ge⸗ weſen ſind, und wollten wir die Sache genauer unter⸗ ſuchen, ſo mögen ſie die rechten Leute geweſen ſein, um ſolche Landratzen⸗Ausdrücke wie„Ankerwerfen“ und„An⸗ kerſeil“ in die Bibel einzuſchwärzen.“ „Mit Erlaubniß, Herr!“ frug der Commodore mit würdevoller Haltung,„wie pflegt Ihr Euch denn aus⸗ zudrücken, wenn Ihr von dergleichen Dingen redet?— — denn, ohne Umſtände, Herr; wir pflegen uns dieſer Ausdrücke auf unſern Landſee'n gewöhnlich zu bedienen.“ „Das will ich Euch gern glauben; denn auf Euren Landſee'n riecht es hinreichend nach ſüßem Waſſer. Wir ſagen aber:„Ankern,“ oder„Anker fallen laſſen,“ oder „Anker los laſſen,“ oder drücken uns ſonſt auf ähnliche vernünftige Weiſe aus; aber nicht„Anker werfen,“ gleich⸗ ſam als könne man ein Stück Eiſen, das ſeine vierzig 130.— 132. 18 — 274— bis ſechzig Centner wiegt, wie ein Steinchen„werfen,“ das grade groß genug iſt um einem Vogel damit zu tödten. Und was das„Ankerſeil“ betrifft, wie Ihr es nennt, ſo ſagen wir„der Kabel,“„die Ankerkette,“ „das Kabeltau,“ je nachdem das Ding ſelbſt von ver⸗ ſchiedener Dicke iſt, oder aus Hanf oder Eiſenringen be⸗ ſteht. Nie werdet Ihr von einem ächten Salzwaſſer⸗ Menſchen hören, daß er von Ankerſeilen und Ankerwür⸗ fen ſchwadronirt; dergleichen Wörter würden ihm viel zu empfindſam und viel zu kitzlich in ſeiner gewohnten Re⸗ deweiſe vorkommen. Was nun„Seile“ betrifft, ſo glaube ich doch nicht, daß ihr als ein Commodore noch erſt Euch müßt belehren laſſen, weil viel„Seile“ es wirklich auf einem Schiffe gibt*).“ „Ich will gar nicht behaupten, daß ich ſolche jemals ge⸗ zählt hätte; aber ein Schiff habe ich ſchon geſehen, Herr; und zwar mit vollen Segeln, Herr; und weiß daher recht gut, daß auf einem Schiffe ſo viel Seile ſein mögen, als Fichten auf dem Viſionsberge.“ „Sind denn mehre auf Eurem Berg, als grade ſie⸗ ) Kabeln, Takel, Taue ſind die Benennungen, womit See leute ihre mehr oder weniger dicken Hanſſchnüre bezeichnen, die oben erwähnten dünnen„Seile“ ausgenommen. Wer „Strick“ ſagt, ſetzt ſich Beleidigungen von den Matroſen aus. „Am Strick hängt der Dieb“ ſagen ſie. Eben ſo ſagen die Bergknappen:„Auf die Leiter ſteigt der Nachrichter,“ wenn Jemand vergißt, daß man auf der„Fahrt“ in den Schacht hin⸗ ein„fährt“. ben Fic die Ihr nem K. mehr“ „Ih auf eir deren n „Do das iſt nimmt, Seilen mentlich Stunde ren Ca⸗ erſt alſt weiſe d eben a⸗ habt ih ſeil,“ d das„T ein hal aber ne einem, führen „N gebrau nen He See⸗ hnen, Wer aus. n die wenn hin⸗ — 275— ben Fichten? denn das iſt grade die Anzahl aller Seile, die Ihr auf einem Handelsſchiffe ſehen könntet; auf ei⸗ nem Kriegsſchiffe freilich gibt es noch eins oder zwei mehr“ „Ihr ſetzt mich in Erſtaunen, Herr! Nur ſieben Seile auf einem Schiffe? Ich hätte geglaubt, es müßten deren wenigſtens ſiebenhundert ſein!“ „Das dachte ich wohl,— das dachte ich wohl!— das iſt die rechte Art, wie ein Landmenſch ſich heraus⸗ nimmt, über ein Schiff urtheilen zu wollen. Was von Seilen ſich auf Schiffen befindet, will ich Euch jetzt na⸗ mentlich aufzählen, und dann könnt Ihr zu gelegner Stunde Euch hinter dem Haftſeil niederlaſſen und Eu⸗ ren Canoe⸗Männerchen die Anfangsgründe lehren. Zu⸗ erſt alſo,“ fuhr der Capitain fort, während er unnützer⸗ weiſe die Angelſchnur in Schwingung brachte, indem er eben an den Fingern zu zählen anfing.„Zuerſt alſo habt ihr das„Mannsſeil,“ und dann kommt das„Schöpf⸗ ſeil,“ das„Ruderſeil,“ das„Sprietſeil,“ das„Fußſeil,“ das„Topſeil“ und das„Fangſeil“ Ich bin nun ſchon ein halbes Jahrhundert auf dem Meere wie zu Hauſe, aber noch nie hörte ich das Wort Ankerſeil von irgend einem, der Taue einholen, Segel reffen und das Steuer führen kann.“ „Nun ja, Herr; Jedermann nach ſeinem Handwerks⸗ gebrauch,“ ſagte der Commodore, der eben einen ſchö⸗ nen Hecht hereinzog, den dritten, den er bereits gefangen, 18* während ſein Gefährte ſich bis jetzt nur mit erfolgloſem Anbeißen hatte begnügen müſſen,—„es ſcheint daß Ihr Euch beſſer anf Seile ais auf Angelſchnüre verſteht. Ich ſage nichts gegen Eure Erfahrung und Kenntniſſe; aber was das Fiſchen anbelangt, da werdet Ihr ſelbſt zuge⸗ ben, daß das Weltmeer darin keine ſonderliche Schule iſt. Ich möchte wohl behaupten; wenn Ihr eben den „Seerieſen“ an der Angel hättet, ſo würdet Ihr viel⸗ leicht gar in's Waſſer ſpringen um ihn wieder los zu werden. Vermuthlich, Herr, habt Ihr von dieſem be⸗ rühmten Fiſch noch gar niemals gehört.“ Ungeachtet ſeiner vielen vorzüglichen Eigenſchaften hatte Capitain Truck die Schwäche, auf kein Nichtwiſ⸗ ſen ſich betreten zu laſſen, welche bei Leuten, die durch ihr Geſchäft ſo weit in der Welt umhergeſchleudert wer⸗ den, gewöhnlich iſt; ſie fühlen ſich verletzt, wenn man ihnen zutraut, daß ihnen Etwas entgangen ſei. Der kleine Wortwechſel, den er eben mit dem Commodore beſtand, ſchien ihm zur Behauptung ſeiner Würde ganz gelegen; er hielt es für zweckmäßig gegen ſeinen Ge⸗ fährten ſeine Ueberlegenheit geltend zu machen. Würde dieſe gehörig anerkannt, ſo würde er eben ſo bereitwil⸗ lig eingeräumt haben, daß Jener den Hechtfang beſſer verſtehe als er. Aber ſo weit war er noch nicht, um ſchon jetzt ein ſolches Zugeſtändniß machen zu wollen, und ſobald die herausfordernde Bemerkung des Commo⸗ dore ihn wieder in die Defenſive zurückdrängte, wäre er im „Seer durch könne C 718 tain grade Dinge wären Schw Ihr umſeh gleiche der fl ein ge und n rieſen See. Vorge „1 „ſo r die 2 In O als K lerer anbei sſem daß teht. aber uge⸗ hule den viel⸗ s zu be⸗ ften wiſ⸗ urch ver⸗ man Der dore Zanz Ge⸗ ürde wil⸗ eſſer um den, mo⸗ bäre er im Stande geweſen zu behaupten, er habe ſchon ſolche „Seerieſen“ in Menge zum Frühſtück ganzer Monate hin⸗ durch verzehrt, wenn er ſich nicht anders hätte helfen können.— „Sachte, ſachte, Männchen!“ entgegnete der Capi⸗ tain mit kaltem Gleichmuth,„Ihr braucht Euch nicht grade einzubilden, als hättet Ihr in Eurem See hier Dinge, die auf dem Ocean nicht noch beſſer zu finden wären? Sähet Ihr einmal einen Walfſiſch mit ſeinem Schwanz auf Eurem Dümpel losdreſchen, da würdet Ihr Kahnmännerchen Euch flugs nach einem Haven umſehen; und was Eure„Seerieſen“ betrifft, auf der⸗ gleichen achtet man nicht einmal im Salzwaſſer; denn der fliegende Fiſch und ſelbſt der magerſte Delphin iſt ein ganz anderes Eſſen, kann ich Euch verſichern.“ „Herr,“ rief der Commodore mit ſteigender Hitze und nachdrücklicher Betonung„es gibt nur Einen„See⸗ rieſen“ in der ganzen Welt, und der wohnt in dieſem See. Ihn hat auch Niemand bis jetzt geſehn, als mein Vorgänger, der„Admiral,“ und ich ſelbſt!“ „Ei was,“ erwiederte der Capitain abſprechend, „ſo viel als Thunſiſche gibt es deren im Mittelmeer; die Aegypter benutzen ſie als gewöhnliche Backfiſche. In Oſtindien fängt man ſie zwar, braucht ſie aber bloß als Köder um Meerbutten und andere Geſchöpfe mitt⸗ lerer Größe zu fangen, die nicht Alles ohne Unterſchied anbeißen. Und ich gebe zu, daß dieſe Art Fiſche nicht — 278— übel iſt, wie ihr ſchon aus den eben erwähnten Umſtän⸗ zurüc den ſchließen könnt.“ wung „Herr,“ wiederholte der Commodore mit hochgeho⸗ ſeine bener Hand, und immer mehr ſich erhitzend im ernſten er at Wortkampf;„nur Einen Seerieſen gibt es auf dem gan⸗ der zen Erdkreis, ſage ich, und der iſt im Otſego⸗See! ſen Der Seerieſe iſt eine Gattung von Lachsforellen, und nichte einzig in ſeiner Art; er iſt gleichſam der Vater des 8 Lachsforellengeſchlechts in dieſem Welttheil; ein ſchuppen⸗ nen, tragender Patriarch, das kann ich Euch ſagen.“ ner „Mag Euer Seerieſe doch ſo viel Schuppen haben, auf als er will; was nützt es aber, ſo viel Worte um ein er fr ſolches geringfügiges Ding zu verlieren? Ein Walfiſch eines iſt das einzige Waſſergeſchöpf, das einigermaßen werth Tage iſt, daß ein Mann von Erziehung darüber nachſinne. 9 So lange ich auf dem Meer geweſen bin, habe ich nie pitait mehr als drei Walſiſche auf einmal fangen ſehen.“ Men Dieſe Anſpielung half glücklicherweiſe den Frieden geſeh aufrecht erhalten; denn gab es Etwas, wofür der Com⸗ lanti modore eine ſcheue oder dunkle Ehrfurcht bewahrte, ſo dem war ſolches ein Walfiſch. Er bekam ſogleich eine beſſere Port Meinung von einem Mann, der wirklich einen ſolchen eine vor ſeinen Augen ſich auf den freien Meereswogen hatte Oce tummeln ſehen, und ſein Inneres beugte ſich vor der das Glorie eines Seemannes, der ſein Leben mitten unter nate ſolchen Rieſengeſchöpfen zugebracht habe. Von dieſem eine Eindruck überwältigt, ſchob der alte Fiſcher ſeine Mütze hgebo⸗ ernſten n gan⸗ „See! „ und er des uppen⸗ haben, im ein Salfiſch werth hſinne. ich nie rieden Com⸗ te, ſo beſſere olchen hatte or der unter dieſem Mütze zurück, und einen Augenblick lang heftete er ſeinen be⸗ wundernden Blick auf den Capitain; der Verdruß über ſeinen verachteten Seerieſen verſchwand allmählig, wenn er auch ſich innerlich nicht erwehren konnte, alles, was der Capitain ihm von dem Vorkommen ſolcher Seerie⸗ ſen in andern Weltgegenden vorgeplaudert hatte, für nichts Anders als bloße Fiſchermärchen zu halten. „Capitain Truck,“ ſagte er feierlich:„ich muß beken⸗ nen, daß ich, verglichen mit Euch, nur ein unerfahr⸗ ner und unwiſſender Menſch bin, der ſein ganzes Leben auf dieſem Landſee verträumt hat; groß und ſchön iſt er freilich, aber ein Dümpel muß er wohl den Augen eines alten Fahrers, wie Ihr ſeid, erſcheinen, der ſeine Tage auf dem atlantiſchen Meere zugebracht hat!“ „Auf dem atlantiſchen Meer!“ unterbrach ihn der Ca⸗ pitain verächtlich;„da müßte ich wahrlich nur eine elende Meinung von mir ſelbſt haben, hätte ich ſonſt nichts geſehm als das atlantiſche Meer! Wirklich, auf dem at⸗ lantiſchen Ocean dünkt es mir kaum, als führe ich auf dem Meer; denn das Hin⸗ und Herfahren zwiſchen Portsmorth und New York iſt nicht mehr werth, als eine Uferfehrt längs dem Leinpfad. Wollt Ihr von Oceans redm, ſo müßt Ihr das ſtille Meer ſehen oder das große Sidmeer, wo man mit günſtigem Winde Mo⸗ nate lang darunf losſegeln kann, und dann kaum die eine oder andere Inſel gewahrt. Ja, das nenne ich ei⸗ nen Ocean, wo ane Inſelwerkſtatt beſteht, die Jahraus — 20— Jahrein deren immer mehr liefert, ſo daß es den Kauf⸗ luſtigen nie an Gelegenheit zum Speculiren fehlt, denn ſie ſind dort groß und klein zu haben, nachdem Liebha⸗ ber ſich finden.“ „Eine Werkſtatt, wo Inſeln gemacht werden!“ wie⸗ derholte der Commodore, der jetzt eine ſcheue Ehrfurcht vor ſeinen Gefährten empfand, wie er ſich noch nie ein⸗ gebildet, daß er ſolche jemals vor einem menſchlichen Weſen empfinden werde, der ihm auf den Waſſern des Otſego begegnen könne.„Seid Ihr ſicher, Herr, daß in dieſer Sache kein Mißverſtändniß obwaltet?“ „Durchaus kein Mißverſtändniß; nicht bloß einzelne Inſeln; nein, ganze Inſelgruppen werden dort Jahr⸗ aus Jahrein hervorgebracht, und das zwar durch Meec⸗ ungeziefer, welches in jenen Weltgegenden einheimiſch iſt; doch müßt Ihr Euch das Ungeziefer ſolcher Meere nicht etwa wie das Ungeziefer vorſtellen, das Ihr in einem Tropfen Waſſer, wie dieſer hier, antreffen nögt.“ „Nun, das mag dort verhältnißmäßig die Größe unſrer Hechte und Salmen erreichen, denk ich nir,“ er⸗ wiederte der Commodore in ſeiner Herzenseirfalt; denn in dieſem Augenblick war ſein eigner örtlih und aus⸗ ſchließlich erworbner Ruhm vor ſeinen Augen ganz und gar verſchwunden, und er war daher gmeigt alles zu glauben, was Jener ihm noch hätte aubinden mögen.“ „Von der Größe des Ungeziefers ſage ich nichts; denn ihr Ku aber 1 in Auf „8 falls a einmal wenigf wicht. noch fe „W ſo eine det Ih den Fi „ S und ga „Ei nen na mag je vierzig Bei ein Fu in den Fiſcher Seite würdig Kauf⸗ denn iebha⸗ wie⸗ furcht e ein⸗ lichen aſſern daß zelne Jahr⸗ Meer⸗ miſch Neere r in ögt.“ Bröße 2 er⸗ denn aus⸗ und 8 zu gen.“ — 281— denn nicht dieſe, ſondern ihre ungeheure Menge und ihr Kunſtfleiß iſt es, wodurch ſie Wunder wirken. Sonſt aber möchte ein einzelner Haifiſch Euren ganzen See in Aufruhr bringen,“ „Ich meine, mit einem Haifiſch wollten wir allen⸗ falls auf dieſem See noch fertig werden, Herr. Ich habe einmal eins von dieſen Thieren geſehen, und ich denke wenigſtens, unſer Seerieſe fällt etwas mehr in's Ge⸗ wicht. Mit einem Haifiſch alſo, denke ich, könnten wir noch fertig werden, Herr!“ „Warum das nicht; wenn Ihr ſo einen Küſtenhaiſiſch ſo einen Burſchen der höhern Breiten meint; was wür⸗ det Ihr aber zu einem Haifiſch, ſo lang wie eine von den Fichten dort auf den Bergen, ſagen?“ „Solch ein Ungeheuer könnte ja einen Mann ganz und gar verſchlingen?“ „Einen Mann! Eine ganze Rotte, ſage ich Euch, ei⸗ nen nach dem andern! Denn meiner Schätzung nach mag jede von den Fichten dort wohl ihre dreißig bis vierzig Fuß in der Höhe haben!“ Bei dieſen Worten des Capitains blitzte auf einmal ein Funke beſſern Verſtändniſſes und innern Frohlockens in dem wind⸗ und wettergebräunten Antlitze des alten Fiſchers auf, denn hier erfaßte er plötzlich eine ſchwache Seite in des andern Beobachtungsgabe. Der ehr⸗ würdige Capitain war nämlich vermöge der einſeitig überwiegenden Ueberlegenheit, welche bei vorzüglicher Ausbildung in einzelnen Fächern nichts Ungewöhnliches iſt, in allen Dingen, die auf dem feſten Lande vorkom⸗ men, äußerſt unerfahren. Daß es ſo weit landeinwärts Bäume geben könne, die länger wären als die untere Mittelmaſt⸗Raa, obgleich dieſe doch aus einem Baum gezimmert worden, war ihm noch niemals eingefallen, und während des ruhmgierigen Strebens bei ſeinem Kahngefährten den Eindruck zurückzulaſſen, wie ſehr ein ächter Seemann über einen Süßwaſſermenſchen erhaben ſei; hätte er unbedachtſamer Weiſe ſich eine Blöße gege⸗ ben, welche ſeine Ungeübtheit im Abſchätzen von Ent⸗ fernungen und Höhen auf dem Lande nur zu deutlich verrieth; dieſen Vortheil erſah der Commodore mit der gierigen Haſt, wie ein Hecht auf den Köder losſchnellte. Dieſer zufällige Mißgriff richtete den Fiſcher aus ſeiner demüthigen Unterwürfigkeit auf, nachdem ihm die Ueber⸗ legenheit ſeines Gefährten bisher ſo ganz außer Faſſung ge⸗ bracht hatte, daß er ſich faſt wie ein armer Hund vorkam, ehe ihn dieſer plötzliche Lichtblick aus ſeine Höhle hervorlockte. „Keine einzige Fichte iſt auf dem ganzen Berge, die einigermaßen ein alter Baum genannt werden könnte, die nicht wenigſtens hundert Fuß hoch iſt, und manche hohe darunter ſind nahe an zweihundert,“ rief er froh⸗ lockend aus, indem er wie wüthend mit der Hand um⸗ herfocht.„Das Weltmeer mag ſeine großen Ungeheuer haben, aber unſere Hügel haben deſto größere Bäume! Habt ſo lar C heitsl legen. ſchlüp der 2 ſich n wiſſen fenba daher der H dieſen ſe itig ten n Relig werbe die e nen, ein pe ten. Kunſt pflegt ſtoffs der n es, d wiſſen üglicher hnliches vorkom⸗ nwärts untere Baum efallen, ſeinem ehr ein erhaben 2 gege⸗ Ent⸗ deutlich nit der hnellte. ſeiner Ueber⸗ ung ge⸗ im, ehe rlockte. ge, die könnte, manche r froh⸗ ad um⸗ geheuer zZäume! — 285— Habt Ihr jemals einen Haifiſch geſehen, der nur halb ſo lang geweſen wäre?“ Capitain Truck war im Ganzen ein durchaus wahr⸗ heitsliebender Mann, obſchon ihm ziemlich geläufig ge⸗ legentliche ſcherzhafte Abweichungen von derſelben ent⸗ ſchlüpften, und er bisweilen einige Uebertreibungen bei der Aufzählung der Wunder der tiefen Meeresgründe ſich nicht übelnahm;— daher erlaubte ihm ſeine Ge⸗ wiſſenhaftigkeit jetzt nicht, ſeine Behauptungen durch of⸗ fenbare Ungereimtheiten zu unterſtützen. Er ſah ſich daher genöthigt einzugeſtehen, daß er in der Abſchätzung der Höhe der Bäume drüben ſich geirrt habe und von dieſem Augenblick an wurde die Unterhaltung mit gegen⸗ ſeitig gleichmäßiger Anerkennung fortgeſetzt. Sie fiſch⸗ ten und plauderten dabei ganz gemüthlich über Politik, Religion, Philoſophie, menſchliche Natur, nützliche Ge⸗ werbe, Abſtellung von Mißbräuchen und andere Dinge, die ein paar Amerikanern Unterhaltung gewähren kön⸗ nen, die nichts zu thun haben, als von Zeit zu Zeit ein paar im Waſſer ſpielende Angelſchnüre zu beobach⸗ ten. Wenn auch wenige Völker minder geübt in der Kunſt der Unterhaltung ſind, als unſere Landsleute, ſo pflegt doch kein Volk die Grenzen ſeines Unterhaltungs⸗ ſtoffs ſo weit auszudehnen. Denn keinen Amerikaner, der nur einigermaßen auf Bildung Anſpruch macht, gibt es, der nicht wirklich von Allem Etwas weiß, oder zu wiſſen ſich wenigſtens einbildet, und unſere beiden Ehren⸗ — 284— männer waren keine Leute, die ſich dieſer ächt vater⸗ ländiſchen Anſprüche vor andern hätten begeben mögen. Durch dieſen allgemeinen Charakter des Geſpräches ward die freundſchaftliche Annäherung beider auf's neue be⸗ fördert; denn, die Wahrheit zu ſagen, war unſer alter Freund der Capitain innerlich ein wenig beſchämt, we⸗ gen ſeines Mißgriffs mit der Höhenbeſtimmung der Bäume. Das Einzige was in ihren Geſprächen beſondere Er⸗ wähnung verdient, war, daß der Commodore nach und nach anfing, ſeinen Geſellſchafter„General“ zu tituli⸗ ren,— denn nach dem Landesbrauch ſchien es ihm, daß einem Manne, der ſo Vieles mehr von der Welt geſehen hatte, als er, wenigſtens ein gleich hoher Titel gebühre; und da der Titel Admiral das zarte Ohr eines Repu⸗ blicaners leicht hätte beleidigen können, ſo zog er vor, ihn General zu nennen, welches wenigſtens eben ſo gut paßte. Nachdem ſie mehre Stunden hinter einander gefiſcht hatten, ruderte der alte Kahnfahrer nach der öfter er⸗ wähnten Landſpitze hinüber; dort zündete er ſodann ein Feuer auf dem Raſen an und machte Anſtalten, die Mahlzeit für ſie beide zu bereiten. Sobald Alles fertig war, lagerten ſich beide auf dem Graſe und begannen die Früchte ihrer Arbeit zu genießen, mit einer Behaglich⸗ keit, die nur Jägern und Fiſchern bekannt iſt. „Ich habe noch gar nicht daran gedacht, General,“ begann der Commodore, eben mit dem Kauen eines Stücks Barſch Fuch zu ſeid. 2 gen veo Frage „D. zallein n genoſſer ral mit reden, übel ne capitain abgeneig eine feh haben n Landes heit nir kannt w men, C renmanr „Da richtig v „Fre Das Vi ſteckt vo nehmend zu mach vater⸗ rögen. ward ne be⸗ alter , we⸗ äume. e Er⸗ h und tituli⸗ 1, daß eſehen hühre; Repu⸗ c vor, en ſo efiſcht er er⸗ n ein , die fertig annen glich⸗ ral,* 5tücks Barſch beſchäftigt,„ich habe bisher nicht daran gedacht, Tuch zu fragen, ob Ihr ein Ariſtokrat oder eine Demokrat ſeid. Wir haben heute am Tage der Staatseinrichtun⸗ gen von oben bis unten durchgeſprochen; aber dieſe Frage war mir noch gar nicht eingefallen.“ „Da wir beide hier unter den ſchönen Eichbäumen eallein neben einander ſitzen und gleich zwei alten Tiſch⸗ genoſſen mit einander plaudern,“ erwiederte der Gene⸗ ral mit halbvollem Munde,„ſo will ich rein herausre⸗ reden, wie ich es meine, und wir dürfen einander nichts übel nehmen. Ich bin nun ſchon ſo lange Zeit Schiffs⸗ capitain geweſen, daß ich ganz und gar aller Gleichheit abgeneigt worden bin. Ich betrachte die Gleichheit als eine fehlerhafte Einrichtung, mit der ich nichts zu thun haben mag; und welcher Art auch die Geſetze dieſes Landes ſein mögen, ſo meine ich doch, daß die Gleich⸗ heit nirgends durch das allgemeine Völkerrecht aner⸗ kannt wird; und das Völkerrecht iſt, überhaupt genom⸗ men, Commodore, das einzig ächte Recht, dem ein Eh⸗ renmann ſich unterordnen ſollte.“ „Das iſt das Recht des Stärkern, wenn ich Euch richtig verſtehe, General?“ „Freilich iſt es das, auf beſtimmte Vorſchriften beſchränkt. Das Völkerrecht, um Euch die reine Wahrheit zu ſagen ſteckt voll Kategorieen, und das verſtattet einem unter⸗ nehmendem Mann hinreichende Gelegenheit, ſein Glück zu machen. Würdet Ihr es glauben, Commodore, wenn ich Euch verſichere, daß es Länder gibt, wo auf Ta⸗ bak ſogar Auflagen gelegt ſind?“ „Auflagen auf Tabak! Herr, ich habe noch nie von ſolchen Unterdrückungsmaßregeln gehört, und das dazu un⸗ ter geſetzlicher Form! Was hat denn den Leuten der Tabak gethan, daß man ihn mit Auflagen beſchwert?“ „Mich dünkt, Commodore, das Aergſte, was der Tabak verſchuldet hat, iſt wohl nichts anderes, als daß er allgemein beliebt iſt. Das Auflagenweſen, habe ich immer gefunden, unterſcheidet ſich von allen andern Din⸗ gen; es greift am meiſten nach dem, was den Leuten am meiſten zuſagt.“ „Das iſt das Erſte, was ich der Art höre, General. Auflage auf Tabak! Die Geſetzmacher in jenen Ländern können vermuthlich keinen Tabak kauen. Nun, ich trinke auf Eure Geſundheit, Herr, und auf den Wunſch noch vieler ſo glücklicher Gelage, wie unſer heutiges, zu ge⸗ nießen.“ 3 Mit dieſen Worten erhob er eine große ſelberne Punchbowle an die Lippen, welche Pierre dorthin beſorgt hatte, und ſeine Augen nach einer knorrigen Eiche empor⸗ richtend, ſtarrte er eine Weile in dieſer Richtung aufwärts, wie ein Mann, der ſich angeſtrengtem Nachſinnen hingibt. Während dieſer Pauſe betrachtete ihn der Capitain mit theilnehmender Behaglichkeit, und ſobald jener die Bowle wieder abſetzte, folgte er ſeinem Beiſpiel, indem er ſeine Augen nach einer Wolke richtete, die in einem Winkel von fün als wol „Da als er eine Mi ſie keine „Auf nach ein der ihre denken, gen könd geht frü noch nie man die „Ich Commod in frühe Seid J was ihr „Wo lig, wi Zunge f ſeid, los mittheile und dan folgern. mich die von u un⸗ der t2“ der daß e ich Din⸗ euten neral. dern rinke noch 1 ge⸗ verne ſorgt por⸗ ärts, gibt. mit owle ſeine inkel — 287— von fünfundvierzig Grad über ihm zu ſchweben ſchien, als wolle ſie ihm abſichtlich zum Richtpunct dienen. „Das iſt eine träge Wolke,“ rief der General aus, als er endlich abſetzte, um Athem zu ſchöpfen.„Wohl eine Minute lang habe ich ſie beobachtet, und noch iſt ſie keinen Zoll aus der Stelle gewichen.“ „Auflage auf Tabak,“ wiederholte der Commodore, nach einem tiefen Athemzug, als eben ſeine Lungen wie⸗ der ihre Functionen begannen.„Eben ſo gut läßt ſich denken, daß man auch auf Punch eine Abgabe le⸗ gen könne. Ein Land, das ein ſolches Syſtem befolgt, geht früher oder ſpäter beſtimmt zu Grunde. Ich habe noch nie gehört, daß etwas Gutes daraus entſtehe, wenn man die Leute plagt.“ „Ich merke, Ihr ſeid ein ganz geſcheidter Mann, Commodore, und beklage es ſehr, daß ich nicht ſchon in früheren Jahren Eure Bekanntſchaft gemacht habe. Seid Ihr denn auch ſchon völlig damit im Reinen, was ihr vom religiöſen Glauben haltet?“ „Wohlan, mein lieber General, um nicht trotzmäu⸗ lig, wie ein Schlecker, dem etwas Herbes über die Zunge fährt, gegen einen freiſinnigen Mann, wie Ihr ſeid, loszufahren; will ich grade heraus meine Abenteuer mittheilen, was nämlich meine eigne Erfahrung betrifft; und dann könnt Ihr ganz allein das Nöthige daraus folgern. Ich bin als ein Epiſcopalianer geboren, um mich dieſes Ausdrucks zu bedienen. Im zwanzigſten — 288— Jahre aber wurde ich zum Presbyterianer bekehrt. Die⸗ ſer Partei blieb ich etwa fünf Jahre lang treu; darauf wandelte mich aber die Luſt an, es mit den Baptiſten zu verſuchen, weil ich um dieſe Zeit anfing an dem Treiben auf dem Waſſer Vergnügen zu finden. In mei⸗ nem zwei und dreißigſten Jahre fiſchte ich eine Weilchen in Geſellſchaft mit den Methodiſten, und ſeit jener letz⸗ ten Bekehrung zog ich vor, Gott auf meine eigne Weiſe zu verehren, hier auf dieſem See.“ „Haltet Ihr es für Unrecht, Sonntags einen Fiſch zu angeln?“ „Für kein größeres Unrecht, als Sonntags einen Fiſch zu eſſen. In der Religion halte ich es nach meiner gläubigen Ueberzeugung, lieber General; denn die Leute haben mir ſo viel von der Nutzloſigkeit der guten Werke vorgeplaudert, daß ich es mit dem, was ich thue, nicht ſo genau nehmen mag. Die Leute, die ſo vier bis fünfmal hintereinander ſich bekehren, ſind den jungen Hechten nicht unähnlich, die an allen Angeln anbeißen.“ „Ich bin da ſo ziemlich in demſelben Fall, wie Ihr. Auf dem Fluſſe nämlich— beiläufig zu fragen, Ihr wißt doch, wo der Fluß iſt?“ „Freilich,“ ſagte der Commodore,„der Fluß iſt drun⸗ ten am Ausgang des See's.“ „Mein lieber Commodore, wenn wir vom„Fluſſe“ reden, ſo meinen wir keinen andern, als den Connecti⸗ cut; und ich wundere mich nur, deß ſo ein ſo ſcharfſinni⸗ ger Y Nun, behau beileg erricht hinter ſie dre um de der C Werkt ter? ter de Religt denſel Anker halte zige Eure „8 bruar ſen un „7 den a Die⸗ darauf ptiſten ndem nmei⸗ eilchen er letz⸗ Weiſe ſch zu Fiſch neiner Leute Werke nicht r bis ungen ißen.“ 2 Ihr. ⸗ Ihr drun⸗ luffe“ necti⸗ fſinni⸗ 289 ger Mann, wie Ihr, ſich das erſt muß ſagen laſſen. Nun, auf dem Fluße, ſage ich, da gibt es Leute, welche behaupten, an Sonntagen müſſe eigentlich ein Schiff beilegen. Sie ſprachen ſchon davon, eine Geſellſchaft zu errichten, um das Segeln der Schiffe an Sonntagen zu hintertreiben; aber die Schiffsmeiſter waren ihnen zu ſtark, ſie drohten ihnen mit der Errichtung einer Geſellſchaft, um das Wachſen der Zwiefeln— dieſes Wort brauchte der Capitain abſichtlich, ſtatt Zwiebeln— blos auf die Werktage zu beſchränken.— Nun was wollt Ihr wei⸗ ter? ich trieb mich nun einmal mein Leben hindurch un⸗ ter der Gemeinde des„Platten Daches“ herum, was die Religion betrifft, und will in meinen noch übrigen Tagen denſelben Cours halten, bis der Befehl kommt„den Anker auszuwerfen,“ wie Ihr es nennt. So wie Ihr, halte auch ich die gläubige Ueberzeugung für das ein⸗ zige Erforderniß. Sagt, mir guter Freund, was iſt Eure aufrichtige Meinung über den alten Hickory?“*) „Zähe iſt er, Herr,— zähe, wie ein Tag im Fe⸗ bruar auf dieſem See. Nichts als Schuppen und Floſ⸗ ſen und Gräthen.“ „Das iſt das richtigſte Urtheil, das ich jemals über den alten Herrn habe fällen hören; es iſt genug geſagt ) Ein ſchon in der„Heimfahr Gegend am Connetieut. 150.— 152. t“ genannter Religionseiferer in der 19 — 290 in wenig Worten. Keine Kategorie deßhalb weiter. Ich hoffe, der Punch iſt Euch ſo recht?“ Dieſem Wink zufolge hob der alte Fiſcher die Bowle abermals an die Lippen um das angenehme Geſchäft, den Inhalt derſelben in angenehm ſchlüpfrigem Strom die Kehle hinabgleiten zu laſſen, nochmals zu wieder⸗ holen. Jetzt wählte er zum Gegenſtand ſeiner Betrach⸗ tungen eine Rothgans, die über ſeinem Haupte ſchwebte, und ſetzte nicht eher ab, als bis der Vogel die Waſſer⸗ fläche erreichte. Der„General“ nahm die Sache noch genauer; er wählte ſich einen unbeweglichen Punct auf dem Gipfel einer Eiche, die auf einem benachbarten Hügel wuchs, und beobachtete denſelben mit bewunde⸗ rungswürdig ſtarrer Aufmerkſamkeit, bis der letzte Tro⸗ pfen aus dem Gefäße geleert war. Kaum wurde aber dieſer ſtörende Umſtand bemerkt, ſo ſetzten ſich ſogleich beide Zechgenoſſen in Bewegung um dem Uebel abzuhelfen, indem ſie ſchnell friſche Limonien ausdrückten, die Flüſ⸗ ſigkeit verfüßten und Geiſtiges mit Wäſſrigem miſchten nach den Regeln der Kunſt; und zugleich zündeten beide ihre Cigarren an, und die Unterhaltung ward eine Zeit⸗ lang zwiſchen den Zähnen fortgeführt. „Wir haben heute unſre Herzensmeinungen einander ſo offenherzig mitgetheilt, mein vortrefflicher Com⸗ modore,“ ſagte Capitain Truck,„daß, wüßte ich nur Eure eigentliche Meinung über die Mäßigkeitsgeſell⸗ ſchaften, ich alsdann genug in das Innere Eures Ge⸗ müths, wie in mein eignes, würde blicken können. Durch ſolche ungezwungene Mittheilungen werden Männer am beſten mit einander bekannt.“ „Wenn geiſtiges Getränk nicht gemacht worden iſt, um getrunken zu werden, wozu würde es ſonſt nützen? Jedermann ſieht ohne Weiteres, daß dieſer See dazu gemacht iſt, damit wir darauf in Kähnen fahren und Fiſche fangen ſollen. Er hat ganz die Länge, die Breite und die Tiefe, die den erwähnten Zwecken entſpricht. Hier vor uns haben wir geiſtiges Getränk, kunſtgerecht abgezogen, auf Flaſchen gefüllt und mit Pfropfen ver⸗ wahrt; nun frage ich Euch, ob das kein hinreichender Beweis iſt, daß es getrunken werden ſoll? Ich will Euren Mäßigkeitsmännerchen nicht allen Verſtand abſprechen; aber laßt ſie auf meine Fragen antworten, wenn ſie es können.“ „Ich wünſchte von ganzem Herzen, mein theurer Herr, daß wir einander ſchon vor fünfzig Jahren ge⸗ kannt hätten. Dann wärt Ihr ſicherlich auch mit dem Salzwaſſer vertraut worden, und dann würde Euch nichts gefehlt haben, um ein Mann zu werden, wie er ſein ſollte. Mich dünkt, wir haben in allen Stücken ziem⸗ lich dieſelben Anſichten, es müßte denn ſein, über die Trefflichkeit des ſüßen Waſſers. Wenn es dieſen Mäßig⸗ keitsleutchen recht nach Wunſch gehen ſollte, ſo müßten wir alle insgeſammt noch Türken werden, die niemals Wein genießen und dennoch ein Dutzend Weiber nehmen.“ „ 19* 292 „Einer der größten Vorzüge des ſüßen Waſſers, Ge⸗ neral, iſt, was ich ſeine Miſchungseigenſchaft nenne; Ihr werdet mich verſtehen!“ „Mit den Sonnabend⸗Abenden wäre es auch ganz vorbei; und das ſind grade des Seemann's Theegeſell⸗ ſchaften!“ „Ich möchte wohl wiſſen, ob die Herren im Regen fiſchen können von Sonnenaufgang bis Sonnenunter⸗ gang?“ „Oder ihre Nachtwachen aushalten in triefenden Theerjacken von Sonnenuntergang bis zu Sonnenauf⸗ gang? Mittelmaſtbraſſen zu ſolcher Zeit verſchlungen, das iſt die Quinteſſenz menſchlichen Genuſſes.“ „Wäre alſo geiſtige Flüſſigkeit nicht gemacht um ge⸗ trunken zu werden,“ zog der Commodoxe nach logiſchen Regeln den Schluß,„ſo frage ich abermals, wozu wäre ſie ſonſt gemacht? Laßt die Mäßigkeitsmännerchen dieſen Knoten löſen, wenn ſie können!“ „Commoddore, noch zwanzig gute rüſtige Jahre wün⸗ ſche ich Euch, daß Ihr ſie als Fiſcher zubringen möget auf dieſem See; jeden Augenblick erſcheint er meinen Au⸗ gen ſchöner, wie die ganze Erde ebenfalls, das muß ich geſtehen; und um Euch zu zeigen, daß ich nicht mehr ſage, als ich denke, will ich es Euch durch einen tüchtigen Zug bekräftigen.“ Darauf erhob Capitain Truck den Blick mit dem rechten Auge zielend nach dem neuen Mond, der zufäl⸗ lig hochſtand, und das linke ſchließend blieb er eine Weile in dieſer Stellung, bis der Commodore ganz ernſthaft nicht anders erwartete, daß er ihm nichts als die Limonien⸗Körner übrig laſſen werde. Doch dieſe Beſorgniß konnte bloß durch Nichtbekanntſchaft mit der Sinnesart ſeines Gefährten entſchuldigt werden; denn keinen gerechtern Mann, nach Seemannsbegriffen, gab es auf der Welt als ihn; und wenn Jemand den Punch, der in der Bowle zurückblieb, hätte meſſen wollen, als er abſetzte, ſo würde er ſich überzeugt haben, daß, höch⸗ ſtens um einen Fingerhutvoll Unterſchied, genau die Hälfte noch übrig war. Nun war die Reihe an dem Commodore, und ehe er mit ſeinem Zug zu Ende war, ſtand der Fuß des Gefäßes aufwärts wie das Ziel ei⸗ ner plumpen Feuerwaffe. Nachdem der ehrliche Fiſcher von dieſer Anſtrengung wieder zu Athem gekommen, ſeinen Blick vom Himmelsgewölbe wieder erdwärts ſenkte, traf ihn der Anblick eines Kahns, der über den See hinruderte und von der ſchweigenden Fichte her ſich der Landſpitze näherte, auf welcher ſie eben in ſo tiefblik⸗ kende Unterſuchungen über die Mäßigkeit begriffen waren. „Drüben ſeht ihr die Geſellſchaft aus dem Wigwam,“ ſagte er;„die kommen grade recht, um ſich zu unſern Anſichten bekehren zu laſſen, wenn ihnen noch einige Zweifel über die Gegenſtände bleiben, welche wir be⸗ reits durchgeſprochen haben. Sollen wir jetzt das Feld 294— räumen und wieder in unſern Kahn uns begeben, oder habt Ihr Luſt den Frauenzimmern Stand zu halten 2„ „Unter gewöhnlichen Verhältniſſen, Commodore, würde ich Eure alleinige Geſellſchaft allen Weiberröcken des ganzen Staats vorziehen; aber in der Geſellſchaft drü⸗ ben ſind ihrer zwei, von denen ich die eine wie die an⸗ dere jeden Tag heirathen wollte, ohne mich eine Mi⸗ nute lang zu beſinnen.“ „Herr,“ hob der Commodore an in warnendem Ton, „wir, die wir als Junggeſellen ſo lange ausgehalten, die wir dem Waſſer verlobt ſind, ſollten niemals leicht⸗ ſennig von ſolchen ernſten Dingen reden!“ „Das thue ich auch nicht. Aber zwei Weiberchen, ſage ich Euch! die eine zählt zwanzig, die andere ſie⸗ benzig Jahre; doch eher ließe ich mich hängen, als daß ich Euch ſagen könnte, welche von beiden mir lieber wäre.“ „Die letztere wär't Ihr am erſten wieder los, mein theurer General, und ſo würde ich Euch zu letzterer rathen.“ „So alt ſie iſt, Herr, das ſage ich Euch, würde ſelbſt einem König es ſchwer werden, ihr Jawort zu erlangen. Laßt uns ihnen lieber ein Glas Punch zu⸗ recht machen, damit ſie beide ſehen, daß wir ihrer ge⸗ dachten in ihrer Abweſenheit.“ Die beiden Alten begaben ſich ſogleich ernſtlich an's Werk, um noch vor ihrer Ankunft damit fertig zu wer⸗ den, und während ſie die verſchiednen Ingredienzen kunſtg munte wie d Zuſta ken; Gefät „1 ohne ich ni aus d durche ab; i richtig Menſ die ie geme Leute kunſtgerecht zuſammenmiſchten, ging ihr Geſpräch deſto munterer fort. Denn beide Herren, der Salzwaſſer⸗ wie der Süßwaſſer⸗Schiffer, waren allmählig in den Zuſtand verſetzt worden, wo die Menſchen überlaut den⸗ ken; und alle frühere Scheu des Commodore vor ſeinem Gefährten war verſchwunden. „Um Euch grade heraus meine Meinung zu ſagen, ohne hinterm Berg zu halten, Herr,“ ſagte er,„ſo habe ich nur das Einzige an Euch zu tadeln, daß Ihr nicht aus den mittlern Staaten abſtammt. Denn ich läugne durchaus den Nankees keine ihrer guten Eigenſchaften ab; im Ganzen meine ich. Aber das iſt nun einmal richtig, daß ſie die ſchlimmſten Nachbaren ſind, die ein Menſch haben kann.“ „Das iſt eine Schilderung von meinen Landsleuten, die ich noch nie gehört habe, Commodore; denn im All⸗ gemeinen halten ſich die Nankees für die trefflichſten Leute unter der Sonne, in ihren eignen Augen näm⸗ lich; und da möchte ich ſchon des Spaßes halber wiſſen, wie Ihr Euren Satz erläutern wollt.“ „Den nenne ich einen böſen Nachbar, der niemals an demſelben Ort lang genug verweilt, um etwas An⸗ deres lieb zu gewinnen, als ſein eignes Selbſt. Ich habe, Herr, eine beſondere Anhänglichkeit an jedem Kie⸗ ſel; ich empfinde ein Mitgefühl mit jeder Welle dieſes See's;“— dabei begann der Commodore mit der Hand umberzufechten, ſeine Finger ſpreizend gleich dem Spitzen dernd auf dieſem Waſſerſpiegel zubringe, macht mir ihn theurer, und Ihr glaubt mir es vielleicht nicht, wenn ich Euch ſage, daß ich manchen Morgen früh herkomme, um den ganzen Tag auf dem Waſſer zuzubringen; und kehre ich am ſpäten Abend wieder heim, ſo finde ich die Hälfte der Häuſer mit neuen Geſichtern angefüllt.“ „Wo kommen denn die alten hin?“ frug Capitain Truck, denn auffallend ſchien es ihm, daß Jener ihn noch übertreffe in wunderbaren Schilderungen, und er fühlte ſich gleichſam mit den eignen Waffen geſchlagen.„Meint Ihr etwa die Leute kämen und gingen etwa wie Ebbe und Fluth?“ „Grade ſo, wie Ihr ſagt, Burr⸗ grade ſo war's mit den Häringszügen im Otſego⸗See, ehe der Suſque⸗ hannahſtrom abgedämmt wurde; und noch iſt es ſo mit den Schwalbenzügen.“ „Nun, nun, tröſtet Euch nur, mein guter Freund. Allen den Geſichtern, die Ihr hier ſahet, werdet Ihr ſeiner Zeit wieder begegnen, wenn wir ſämmtlich in's Himmelreich eingehen.“ „Nimmermehr; kein Einziger von ihnen wird dort verweilen mögen, wenn es dort irgend Etwas gibt, was mit Ortsveränderungen verglichen werden kann. Ver⸗ laßt Euch darauf, Herr,“ ſetzte der Commodore in ſei⸗ ner Herzenseinfalt hinzu,„der Himmel iſt kein Ort für einen Nankee, wenn er nicht, es mag biegen oder bre⸗ ufriſiſcher Reiter,“—„jede Stunde länger, die ich ru⸗ chen, d haltend zu lang Seefahr ſtirnen deres 2 „De da alle ſtände d ich, da ginge u nach ei ſelben aufdieſe denen „Di geſtehe mals in was in bis jetzt Einen wärts Etwas größere „Au den erbe nein; — 297— chen, dort weiter weſtwärts ſtreichen kann. Jede an⸗ haltende Beſchäftigung an derſelben Stelle währt ihnen zu lange, es wird ihnen unbehaglich zu Muthe. Als Seefahrer werdet Ihr vermuthlich Etwas von den Ge⸗ ſtirnen verſtehen; gibt es noch außer dieſem ein ande⸗ deres Weltall, das mehr weſtwärts liegt?“ „Das halte ich nicht leicht für möglich, Commodore, da alle Puncte des Compaſſes ſich einzig auf Gegen⸗ ſtände dieſer Erde beziehen. Ihr wißt doch, vermuthe ich, daß wenn Jemand von dieſem Puncte hier aus⸗ ginge und genau in weſtlicher Richtung weiterreiſte, er nach einiger Zeit, von Oſten her, wieder an den⸗ ſelben Punct zurückkehren müßte; daher denn das, was aufdieſer Seite der Erde uns weſtliche Himmelsgegend heißt, denen auf der andern Seite als öſtliche erſcheinen muß.“ „Dieſes habe ich noch nicht gewußt, General, das geſtehe ich. Ich habe zwar ſo viel begriffen, daß oft⸗ mals in Eines Menſchen Augen etwas gut ſein könne, was in eines andern Menſchen Augen ſchlimm iſt; aber bis jetzt habe ich noch nie gehört, daß daſſelbe für den Einen weſtlich liegen könne, was für den Andern oſt⸗ wärts liegt. Ich fürchte, General, dahinter ſteckt ſo Etwas wie von Seerieſen, als Köder zum Anbeißen für größere Fiſche. Meint Ihr nicht auch ſo?“ „Auch nicht ſo viel Köder, Herr, als nöthig iſt um den erbärmlichſten Süßwaſſer⸗Gründling zu fangen. Nein, nein; es gibt für die Erde ſelbſt weder Oſt noch Weſt, — 298— weder Oben noch Unten; und daher müſſen wir Jankees mit dem Himmel vorlieb nehmen, wie er iſt. Jetzt aber, Commodore, reicht mir die Bowle her, und laßt uns an's Ufer hinabgehen, den Damen unſre Huldigung dar⸗ bringen und einigen Punch.“ Zwanzigſtes Kapitel. „O Romeo„Romeo! warum biſt Du Romeo!— Romeo und Juliette. Die öftere Folge des Punchgenuſſes iſt, daß manche Leute die Gegenſtände doppelt ſehen; aber dieſesmal war der Irrthum ganz entgegengeſetzter Art; denn wirk⸗ lich hatten zwei Kähne an's Ufer angelegt, ſtatt daß der Commodore nur einen einzigen geſehen haben wollte; und in dieſen Kähnen kam die ganze Geſellſchaft aus dem Wigwam an, Ariſtobulus und Steadfaſt mit ein⸗ begriffen. Auch einige Bedienung war dabei, um die Mahlzeit, wie gewöhnlich, zuzurichten. Capitain Truck hielt getreulich Wort, was den Punch betrifft; er bot die volle Schale einer Dame nach der andern an, mit aller üblichen Förmlichkeit, ſo wie ihre Füße den grünen Teppich berührten, der dieſen ſchönen Landungsplatz bedeckt. Mrs. Hawker lehnte das dar⸗ gebotne Getränk auf eine Weiſe ab, die den ritterlichen Seefabrer entzückte; denn ſo ſehr verſtand ſte alle ſeine Begriffe les, we voll erſe Die pen ode ſers gel end, das ſtießen übrigen ſprüngli ten, we thige Pl ſtand he merkt ein Theilnal Die den, ob deutete, hielten, Tiſche aber nic als ein ches Fef nach de müſſe; Schüſſel gerichtet ankees aber, t uns g dar⸗ —: nanche esmal wirk⸗ aß der vollte; ft aus it ein⸗ m die Punch ich der le ihre chönen s dar⸗ rlichen e ſeine Begriffe von Anſtand und Sitte zu bemeiſtern, daß al⸗ les, was ſie that, ſeinen Augen anmuthig und würde⸗ voll erſchien. Die Geſellſchaft trennte ſich bald in einzelne Grup⸗ pen oder Paare; Einige am Rande des klaren Gewäſ⸗ ſers gelagert, des lieblichen ſanften Wehens ſich erfreu⸗ end, das über dem glatten Waſſerſpiegel fächelte; Andere ſtießen ab und beluſtigten ſich mit Fiſchen, während die übrigen ſich in die Gebüſche verloren, die in ihrer ur⸗ ſprünglichen Wildniß den kleinen Wieſengrund umkränz⸗ ten, welcher von alten Eichen überſchattet das anmu⸗ thige Plätzchen bildete, das noch kürzlich erſt der Gegen⸗ ſtand heftigen Streits geweſen war. So verſtrichen unbe⸗ merkt ein paar Stündchen, bis ein allgemeiner AufrufAlle zur Theilnahme an dem Mahl unter freiem Himmel einlud. Die Mahlzeit war auf dem Graſe angerichtet wor⸗ den, obgleich Ariſtobulus mehr als einmal darauf hin⸗ deutete, daß die Leute im Ort es für weit ſchicklicher hielten, ſich bei ſolchen Gelegenheiten rohgezimmerter Tiſche zu bedienen. Die Herren Effingham ſchienen aber nicht geneigt ſich von Einem, der nichts mehr war als ein Zugvogel, belehren zu laſſen, wie ein ländli⸗ ches Feſt, das ihrem eignen Geſchmack entſprechen ſollte, nach der Meinung anderer Leute eingerichtet werden müſſe; die Bedienten wurden folglich angewieſen, die Schüſſeln auf dem Grasteppich zu ordnen. Um die an⸗ gerichtete Mahlzeit herum wurden ländliche Sitze, wie — 500— es Jedem bequem dünkte, eingenommen, und das Ge⸗ ſchäft des Eſſens und Trinkens ging ſeinen ungeſtörten Gang. Von allen Anweſenden war am meiſten Made⸗ moiſelle Viefville vermöge ihrer pariſiſchen Erregbarkeit von den feſtlichen Anſtalten begeiſtert; das ländliche Feſt ſchon allein erfüllte ſie mit reiner Luſt, und das herrliche Panorama der waldbedeckten Anhöhen, des ſpiegeln⸗ den See's, der weitſchattenden Eichen und des verwor⸗ renen Geſtrüppes des nahen Gehölzes trug dazu bei, dieſe Luſt zu erhöhen. „Mais, vraiment, ceci surpasse les Tuileries méême, dans leur propre genre!“ rief ſie mit Eifer aus.„On passeroit volontiers par les dangers du désert pour y parvenir.“ Diejenigen, welche ſie verſtanden, lächelten über dieſe charakteriſtiſche Anmerkung, und die Meiſten wa⸗ ren hinreichend aufgelegt, um in ihren Enthuſiasmus einzu⸗ ſtimmen. Doch die Art und Weiſe, wie die Einzelnen in der Geſellſchaft ihr Vergnügen ausdrückten, kam Mr. Bragg und Dodge langweilig und unbefriedigend vor. Denn dieſe beiden Herren waren daran gewohnt, daß junge Perſonen beider Geſchlechter ſich in breiteren Schau⸗ ſtellungen ihrer Luſtigkeit vernehmen ließen, als ſol⸗ ches ſich mit dem Anſtands⸗ und Schicklichkeitsgefühl der Anweſenden vertrug. Ganz verloren ging ihrer Beo⸗ bachtungsgabe, mit welcher gelaſſenen und würdigen Theil⸗ nahme Mrs. Hawker über die der treffend witzigen und reif durchdac und in i oder, w heit, ihr gleich ei Blitze vi welche b bloß am Mr. Efft keit und als jema ham eit ſeines A ſchien er deſſen ge fälle nur mern weo nicht zur ner Art den, frö deſto me ihren St freie Be˖ geregelt Die ſellſchaft ebenfalls das Ge⸗ geſtörten Made⸗ egbarkeit iche Feſt herrliche ſpiegeln⸗ verwor⸗ azu bei, méme, s.„On pour y ten über ſten wa⸗ us einzu⸗ nzelnen kam Mr. end vor. nt, daß Schau⸗ als ſol⸗ fühl der rer Beo⸗ 2n Theil⸗ und reif — 301— durchdachten Aeußerungen der Mrs. Bloomfield freute und in ihrer Unterhaltung ſich wieder zu verjüngen ſchien; oder, wie Evchen, durch Ihre liebenswürdige Einfach⸗ heit, ihren gebildeten Geiſt, ihren geläuterten Geſchmack, gleich einer glattglänzenden Spiegelfläche, wiederholte Blitze von Gedanken und Erinnerungen aufflammen ließ, welche beiden freilich dunkel blieben; alles ging dieſen bloß am Handgreiflichen klebenden Utilitariern verloren. Mr. Efſingham war durch und durch höfliche Aufmerkſam⸗ keit und artige Unterhaltungsgabe; er fühlte ſich glücklicher als jemals; und noch nie, ſchien es, war John Effing⸗ ham ein angenehmerer Mann, als heute; die Strenge ſeines Aeußern hatte er abgelegt; allen Anweſenden er⸗ ſchien er, wie er es immer hätte ſein können, ein Mann, deſſen geiſtreiche Unterhaltung und überraſchende Ein⸗ fälle nur eine gefällige Zugabe zu ſeinem trefflichen In⸗ mern waren. Sir George, Ducie und Powis blieben nicht zurück unter den Uebrigen; jeder erſchien nach ſei⸗ ner Art im vortheilhafteſten Benehmen, munter, beſchei⸗ den, fröhlich gelaunt; und ihre Bemerkungen trugen deſto mehr zur Belebung der Unterhaltung bei, als ſie ihren Stoff aus reicher Weltkenntniß ſchöpften, die durch freie Beobachtungsgabe und durch ſchonende Rückſicht geregelt ward. Die arme Grace war die einzige in der ganzen Ge⸗ ſellſchaft,— verſteht ſich, Ariſtobulus und Steadfaſt ebenfalls ausgenommen,— welche während dieſerß flüch⸗ — 502— tig hineilenden aber frohgenoſſenen Stunden, nicht ganz glücklich war. Zum erſten Mal in ihrem Leben fühlte ſie nur zu deutlich, woran es ihr fehle; an jener uner⸗ erſchöpflichen aber geräuſchloſen Quelle von Gedanken, welche der weiblichen Natur und ihrem Wirken am meiſten entſpricht, deren Reichthum in Mrs. Bloomfield's und Evchens Unterhaltung gleichſam überfließend, unge⸗ ſucht und unvorbereitet entſchlüpfte; und dieſe Gedan⸗ kenfülle beſaß erſtere ganz offenbar als ein Geſchenk des Himmels; bei letzterer war ſolche theils Naturgabe, theils Folge langer fortgeſetzter Selbſtbeherrſchung, thä⸗ tigen Strebens und richtiger Schätzung ihrer Pflichten gegen ſich ſelbſt. Freilich blieb eine ſolche Geiſtesbil⸗ dung einem Mädchen verſagt, das in unüberlegter Nach⸗ giebigkeit gegen die Gewohnheiten eines geſelligen Zu⸗ ſtandes, deſſen ganzes Augenmerk nur auf prunkende Aeußerlichkeiten gerichtet ſchien, allen höhern Freuden verſchloſſen blieb, welche feingebildeten Menſchen allein ver⸗ ſtändlich ſind. Dennoch war Grace ſchön und anzie⸗ hend; konnte ſie auch nicht begreifen, woher ihre Cou⸗ ſine, bei ihrer Einfachheit und Anſpruchloſigkeit, die Schätze höherer Bildung erworben habe, welche ihr in der Zwanglofigkeit und Freiheit eines ländlichen Feſtes in ſo reichem Maße entſchlüpften, dazu geſchmückt mit treffenden Anſpielungen und glänzendem, wiewohl feinem Witz; ſo war doch ihr aufrichtiges und liebevolles Ge⸗ müth nicht im Stande, ihre Verwandte und Freundin deßhalb daß, n gewöhn Landsn rend il unendli empfind der Ju lich iſt, derte ſi Couſine Wa⸗ kamen rung, ſei, die gab es weder ſchien e ſchloſſen den die gemeine beſucher die Nie Geg ſellſchaf dienten t ganz fühlte uner⸗ danken, en am nfield's unge⸗ Gedan⸗ enk des irgabe, 3, thä⸗ flichten ſtesbil⸗ rNach⸗ en Zu⸗ inkende Freuden ein ver⸗ anzie⸗ e Cou⸗ t, die ihr in Feſtes ckt mit feinem es Ge⸗ reundin deßhalb zu beneiden. Zum erſten Mal ward ſie inne, daß, wenn Evchen eine Hadſhi war, ſie keine von den gewöhnlichen Hadſhis darſtellte, wie ſie deren unter ihren Landsmänninnen mehre hatte kennen lernen, und wäh⸗ rend ihre Beſcheidenheit und Selbſtgeringſchätzung ſie unendliche Reue über die unwiderbringlich verlorne Zeit empfinden ließ, die ſie in dem unbedachtſamen Leichtſinn der Jugend hingelebt hatte, welcher Mädchen ſo natür⸗ lich iſt, mit denen ſie bisjetzt verkehrt hatte; ſo vermin⸗ derte ſich doch deßhalb nicht ihre Bewunderung für ihre Couſine, die ſie im Gegentheil immer inniger liebgewann. Was die Herren Dodge und Bragg betrifft, beide kamen in ihren Gedanken zu der unumſtößlichen Folge⸗ rung, daß dieſes die albernſte Unterhaltung von allen ſei, die jemals auf dieſer Stelle ſtattgefunden; denn hier gab es weder lautes Gelächter noch lärmende Luſtigkeit, weder plumpe Witze noch handgreifliche Späße. Ihnen ſchien es die ärgſte Anmaßung, daß eine für ſich abge⸗ ſchloſſene Geſellſchaft ſich unterſtehen könne, einen Ort, den die öffentliche Stimme durch ihren Beifall zum all⸗ gemeinen Beluſtigungsort auserkoren, ganz allein zu beſuchen, um ſich auf ihre eigne Weiſe zu vergnügen, die Niemanden ſonſt Vergnügen machen könne. Gegen das Ende des heitern Mahls, als die Ge⸗ ſellſchaft ſich eben von ihren Sitzen erhob, um den Be⸗ dienten Platz zu machen, welche die Geräthſchaften wie⸗ — 504— der in den Kahn zurücktragen ſollten, wandte ſich John Effingham zu ſeiner Nachbarin mit den Worten: „Ich hoffe, liebe Mrs. Hawker, Sie ſind hinreichend gewarnt worden, ſich vor dem verhängnißvollen Einfluß, der auf dieſem Vorländchen waltet, gebührend in Acht zu nehmen. Hier, heißt es, ward noch nie vergeblich um eine Schöne gefreit. Sie ſehen hier den Capitain Truck und mich in jedem Augenblick bereit, uns unſrer Taſchenmeſſer, in Ermangelung edlerer Waffen, zu be⸗ dienen, um unſre verzweifelte Ergebenheit darzulegen; und ich halte demnach dafür, daß die Vorſicht Ihnen auferlege, heute ja nicht mehr zu lächeln; damit die fal⸗ ſchen Auslegungen der Eiferſucht Ihrer Freundlichkeit keine unrichtigen Bewegungsgründe andichten.“ „Wenn das Lachen hier gefährlich werden könnte, ſo würde ich mich ſchon dagegen wehren müſſen; aber blo⸗ ßes Lächeln iſt zu ſchwach, um an einem ſolchen fröhlichen Tag einen auszeichnenden Beifall auszudrücken; und daher verlaſſen Sie ſich auf meine Behutſamkeit. Iſt es denn wahr, daß Hymen dieſen Schattengängen hold iſt?“ „Wenn ein Junggeſell von glücklichen Bewerbungen redet, ſo verdient er freilich nicht größern Glauben, als ſeine Erziehungsplane Vertrauen verdienen; aber die Sage beſteht, daß es ſo ſei; und ich wage kaum die⸗ ſes Plätzchen zu betreten, ohne mein Gelübde der Be⸗ ſtändigkeit zu erneuern. Jetzt da ich Sie gebührend warnte, darf ich Ihnen da meinen Arm anbieten? denn ich le Leben dürfen währe D abern zierten Bäum teten. Abſich wiewe ſie ei ten, 1 ſchaft erſt, neres welche des li⸗ „2 Tag zartem gen m ich nie waren John ichend nfluß, Acht geblich pitain unſrer zu be⸗ egen; Ihnen ie fal⸗ ichkeit ite, ſo r blo⸗ blichen daher denn 2 ungen n, als er die n die⸗ r Be⸗ ihrend denn ich leſe in den Zügen unſrer Freunde, daß wir unſer Leben nicht bloß den Freuden der Mahlzeit hingeben dürfen, ſo groß auch der Genuß ſein mag, den dieſe ge⸗ währen.“ Die ganze Geſellſchaft war aufgeſtanden, und ſich abermals in Gruppen und Paare vertheilend, ſpa⸗ zierten ſie längs dem kieſigen Strand, oder unter den Bäumen, während die Diener ſich zur Heimkehr berei⸗ teten. Zufall theilweiſe, und zum Theil vielleicht auch Abſicht, führte Sir George und Grace allein zuſammen, wiewohl beide ihr Alleinſein nicht eher bemerkten, als bis ſie eine kleine hügelige Erhebung mit einander erreich⸗ ten, und hier umblickend, ſich von der übrigen Geſell⸗ ſchaft ganz verlaſſen ſahen. Der Baronet bemerkte zu⸗ erſt, wie ſehr ſein Glück ihn begünſtigte, und ſein In⸗ neres wurde durch die Zeichen ſtiller Trauer gerührt, welche die gewöhnlich ſo heitern und fröhlichen Züge des lieblichen Mädchens verdüſterten. „Wohl dreimal vergnügter würde ich dieſen ſchönen Tag genoſſen haben,“ ſagte er mit dem theilnehmend zartem Ausdruck, der Grace's Herz immer höher ſchla⸗ gen machte;—„weit fröhlicher wäre ich geweſen, wenn ich nicht bemerkt hätte, daß Sie weit weniger vergnügt waren, als alle Andern. Ich beſorge, daß Sie ſich heute nicht ſo wohl fühlen, als ſonſt?“ „Leiblich geſund, wie jemals; aber die Seele viel⸗ leicht deſto weniger“ 150.— 152. 20 — 308— „Ich wollte, mir wäre es vergönnt, Sie fragen zu dürfen, warum Sie, bei ſo weniger Urſache überhaupt, um verſtimmt zu ſein, ſich eben jetzt Empfindungen hin⸗ geben, die gar nicht in die Fröhlichkeit unſrer Geſell⸗ ſchaft einſtimmen?“ „Ich gebe mich keinen die Freude der andern ſtören⸗ den Empfindungen hin; mich aber überwältigen ſie, fürchte ich, ganz und gar. Noch niemals, wie heute, Sir George Templemore, habe ich ſo deutlich empfun den, wie weit ich gegen meine Couſine Evchen zurück⸗ ſtehe.“ „Ein Zurückſtehen, das wohl Niemand außer Ihnen bemerken und ausſprechen könnte.“ „Nein, ich bin weder ſo eitel noch ſo einfältig, um mich durch ſolche Schmeichelreden irre machen zu laſſen,“ ent⸗ gegnete Grace, verneinend ihr Köpfchen bewegend, wäh⸗ rend ein gezwungenes Lächeln in ihren ſchönen Zügen ihren Kummer verrieth; denn ſelbſt täuſchenden Troſt⸗ worten aus dem Munde geliebter Perſonen vermag das menſchliche Herz nicht ganz zu widerſtehen.„Als ich mit meiner Couſine nach ihrer Heimkehr wieder zuſam⸗ mentraf, verblendeten mich damals meine eignen Un⸗ vollkommenheiten, ſodaß ich ihre Ueberlegenheit ver⸗ kannte; aber ſie ſelbſt hat mich allmählig gelehrt, ihren Geiſt immer mehr zu ſchätzen, wie nicht minder ihr ächt weibliches Gemüth, ihr richtiges Urtheil, ihr feines Gefühl, ihre feſten Grundſätze, ihre anmuthige Unter⸗ haltu und Zerſt Auge jetzt fühle ham T dung mehr ſie ſ der 2 gefüt van bewr 1. Couſ chen Kind mit ſie i Wie landt „ ſpree — 307— haltungsgabe, kurz, alles was ein Weib achtungswerth und liebenswürdig macht! O! wie habe ich in kindiſchen Zerſtreuungen und leichtſinnigen Eitelkeiten die köſtlichen Augenblicke der Mädchenjahre vergeudet, die für mich jetzt unwiederbringlich verloren ſind, und wie wenig fühle ich mich jetzt befähigt, mich einem Eochen Effing⸗ ham an die Seite zu ſtellen!“ Die bisher in ihrem Innern verſchloſſenen Empfin⸗ dungen äußerten ſich mit Macht; Grace wußte kaum mehr, was ſie ſagte; ſie achtete nicht darauf, zu wem ſie ſprach, und rang ihre Hände im peinlichen Gefühl der Vorwürfe, die ſie ſich ſelbſt machte, und das Mit⸗ gefühl eines Liebhabers mußte innig ergriffen werden. „Niemand außer Ihnen könnte ſo etwas ſagen, Miß van Courtlandt, und unter Allen am wenigſten Ihre bewunderungswürdige Couſine ſelbſt.“ „Gewiß iſt ſie das, meine bewunderungswürdige Couſine! Aber was bin ich im Vergleich mit einem ſol⸗ chen Mädchen? Einfach und natürlich iſt ſie, wie ein Kind, und dabei weiß ſie ſo Viel wie ein Gelehrter; mit dem Reiz und der Anmuth des Weibes vereinigt ſie männliches Wiſſen und männliche Charakterſtärke. Wie viele Sprachen verſteht ſie—* „Aber Sie ebenfalls, meine theure Miß van Court⸗ landt, ſprechen ja auch mehre Sprachen.“ „Ganz gewiß,“ ſagte Grace bitter lächelnd,„ich ſpreche ſie, aber wie ein Papagei Worte nachſpricht, die 20* — 308— er nicht verſteht. Evchen Effingham aber bedient ſich dieſer Sprachen als Mittel, ihre Gedanken in den man⸗ nigfaltigſten Nüancen auszudrücken; redet ſie, ſo über⸗ ſetzt ſie nicht bloß nach der Bedeutung der Worte und Ausdrucke ihre eignen Gedanken; ſie zeigt auch, wie die beſſern Schriftſteller fühlten und dachten.“ „Niemand vielleicht achtet inniger die Vorzüge Jh⸗ rer Couſine, als ich ſelbſt, Miß van Courtlandt; aber die Gerechtigkeit fordert, daß ich Ihnen eingeſtehe, daß ich die Ueberlegenheit, welche Sie ihr über Ihre eigne Perſsönlichkeit zuſchreiben, noch nie bemerkt habe.“ „Das glaube ich Ihnen gern, Sir George Temp⸗ lemore. Auch ich geſtand ihr lange, Zeit dieſe Ueberle⸗ genheit über mich nicht zu. Erſt durch nähere, innigere Bekanntſchaft lernte ich ſie mehr ſchätzen, und ich kann wohl ſagen, meine Hochachtung für ſie hat ſtündlich zu⸗ genommen. Doch auch Sie werden mit Vergnügen be⸗ merkt haben, wie raſch und innig meine Couſine und Mrs. Bloomfſield einander wechſelſeitig begreifen und nachempfinden; welchen Schatz von Beſonnenheit und welch gebildeten Geſchmack beide ganz abſicht⸗ und an⸗ ſpruchlos offenbaren, und dabei den ächt weiblichen Sinn und den herzlichen Ton ihrer Unterhaltung! Mrs. Bloomſield iſt eine junge Frau von ſeltnen Gaben; doch ſcheint ſie einigermaßen an geiſtreicher Unterhaltung Wohlgefallen zu finden, weil ſie darin ungewöhnliches Talent beſitzt. Ganz anders iſt es mit Evchen Effing⸗ ham; Verſt um n im Fo che, d liche merke und Temp einer chen n gelern jahre jede 2 nute nute „T — 309— ham; ſie gibt ſich dem geiſtvollen Genuß mit völligem Verſtändniß hin, und dennoch iſt ſie immer ſo einfach, um nie glänzen zu wollen. Nun, zufällig kommt heute im Fortgang der Unterhaltung ein Gegenſtand zur Spra⸗ che, den meine Couſine mir geſtern auf meine ausdrück⸗ liche Bitte ganz ausführlich erläutert hat; und da be⸗ merke ich denn, wie meine Couſine, die ſo kunſtlos und unvorbereitet Mrs. Bloomfield in allem beiſtand, was unſer Vergnügen erhöhen konnte, wohl die Hälfte ihres eignen Wiſſens zurückhielt, um nur nicht ihrer Freundin überlegen zu ſcheinen. Nein,— gewiß, nein— ſolch ein Mädchen, wie Evchen Effingham, gibt es in der ganzen Welt nicht mehr!“ „Solche aufrichtige Anerkennung der Vorzüge An⸗ derer verbürgt Ihre eigne Vortrefflichkeit.“ „Ich bin jetzt nur zu ſehr überzeugt, wie gering mein Werth iſt; und Ihre gütige Nachſicht, Sir George Templemore, iſt durchaus nicht vermögend, mich mit einer beſſern Meinung von mir ſelbſt zu täuſchen. Ev⸗ chen war auf Reiſen, Vieles hat ſie in Europa kennen gelernt, was uns hier fehlt, und anſtatt ihre Mädchen⸗ jahre in kindiſchen Spielereien zu vertändeln, hat ſie jede Minute zu höherer Ausbildung benutzt: jede Mi⸗ nute war ihr koſtbar; ſie wußte, daß keine verlorne Mi⸗ nute wieder zurückkehrt.“ „Wenn Europa wirklich ſolche Vorzüge in Ihren Au⸗ — 319— gen beſitzt, warum wollen Sie nicht ſelbſt einmal hin⸗ reiſen, theuerſte Miß van Courtlaudt?“ „Ich,— ich eine Hadſhi!“ rief Grace mit kindlichem Aufjauchzen, wiewohl ſie dabei erröthete, und einen Au⸗ genblick lang war Evchen und deren Ueberlegenheit ver⸗ geſſen. Freilich hatte Sir George Templemore an dieſem Tage nicht dieſer Spazierfahrt über dem See ſich in der Abſicht angeſchloſſen, um ſeinen Baronetsrang und ſeine ſchönen Güter mit ſeiner Hand zugleich dem weltuner⸗ fahrnen, halbgebildeten, kleinſtädtiſch erzogenen, wenn auch ſchönen Mädchen anzubieten. Schon längere Zeit hatte er bei ſich überlegt, ob er einen ſolchen Schritt ſchicklicherweiſe wagen dürfe, und es iſt nicht unwahr⸗ ſcheinlich, daß er, alles Zögerns ungeachtet, doch ſpäter die erſte günſtige Gelegenheit würde wahrgenommen ha⸗ ben, den Eingebungen ſeines Herzens zu folgen; und war es ſeine Schuld, daß eine ſolche Gelegenheit ihm hier ſo unerwartet ſich darbot, und alle ſeine Zweifel und Bedenklichkeiten überwog! Wenn ein Mädchen, in dem Augenblicke, wo es zögert, ſchon wirklich überwunden iſt; ſo iſt der Mann, wenn er der Macht der Liebens⸗ würdigkeit nichts entgegenſetzen kann, als überlegenden Verſtand, nicht minder genöthigt, vor den überwiegen⸗ gen Sinnen den ſchwankenden Sinn zu beugen. Wäre Grace van Courtland mehr gewandt als natürlich ge⸗ weſen, ſo hätte in dieſem entſcheidenden Augenblick ihr Liebre Offen ronet Weltn ſtellten weibli und N zog; Erzieh engliſ Bildu die ih merkli reizend möchte durch den C aber d mählit ihm ſe bildun würdi⸗ in ſo rung Erklär zu wi vergöt Liebreiz allein weit weniger vermocht; aber ihre reine Offenheit wirkte mit unnennbarem Zauber auf den Ba⸗ ronet ein. Einen eignen Reiz mußte dieſe auf einen Weltmann ausüben, der bisher nur gekünſtelten und ver⸗ ſtellten Aeußerungen der Verbildung und Verzerrung weiblicher Anmuth begegnet war. Dieſelbe Einfachheit und Natürlichkeit war es, die ihn früher zu Evchen hin⸗ zog; eine Folge der ungezwungenern und kunſtloſern Erziehung, welche die amerikaniſchen Mädchen vor den engliſchen voraushaben. In Eochen entdeckte er dabei eine Bildung des Geiſtes und eine Fülle erworbner Vorzüge, die ihm ihre Einfachheit und Natürlichkeit weniger be⸗ merklich machten, als dieſes bei ihrer kaum weniger lieb⸗ reizenden Couſene der Fall war; wiewohl wir zweifeln möchten, ob Eochen, wenn ſeine Bewunderung für ſie durch innigere Theilnahme erwiedert worden wäre, nicht den Einfluß jener auf ihn geſchwächt haben würde. Wie aber die Umſtände es mit ſich brachten, hatte Grace all⸗ mählig immer mehr ſich aller ſeiner Seelenfähigkeiten ihm ſelbſt unbewußt bemächtigt, und da ſeine ganze Ein⸗ bildungskraft von den reizenden Gebilden ihrer Liebens⸗ würdigkeit erfüllt war, ſo ergoß ſich ſein beredter Mund in ſo unverſtellten Aeußerungen inniger Bewunde⸗ rung und Zärtlichkeit, daß ihr unerfahrnes und ſolcher Erklärung günſtig geſtimmtes Herz nicht vermögend war zu widerſtehen. Nur wenige Minuten waren beiden vergönnt, ehe der Aufruf an Alle, ſich wieder zur Ab⸗ — 312— fahrt zu ſammeln, ſich vernehmen ließ. Doch als dieſer Ruf ihre Unterredung unterbrach, ſchloß Grace ſich der übrigen Geſellſchaft wieder an, viel vertrauender auf ihren eignen Werth, und ganz glücklich, wie die Ausſicht in eine wolkenloſe Zukunft den Menſchen zu beglücken pflegt, und ohne ſich im Geringſten mehr über die un⸗ ermeßliche Ueberlegenheit ihrer Couſine zu betrüben. Durch ein ſonderbares Zuſammentreffen hatte, wäh⸗ rend Grace mit dem Baronet in ſolcher angenehmen Unterhaltung an einem Plätzchen längs dem Ufer be⸗ ſchäftigt war, Evchen an einer andern Stelle einen ähn⸗ lichen Sturm zu beſtehen. Sie hatte, begleitet von Paul, ihrem Vater und Ariſtobulus, die übrige Geſellſchaft verlaſſen; doch als ſie kaum das Ufer erreichte, wurden Paul und ihr Vater von Capitain Truck abgerufen, um über einen ſtreitigen Gegenſtand zwiſchen ihm und dem Com⸗ modore ihre Meinung zu ſagen. So von dieſen beiden unverhofft verlaſſen, ſah ſich Evchen auf einmal mit Mr. Bragg allein. „Wahrhaftig, eine recht ſpaßige und ganz einleuch⸗ tende Bemerkung war es, die Mr. John über dieſe Landſpitze gemacht hat, Miß Evchen,“ begann Ariſtobu⸗ lus, der ſich nunmehr im alleinigen Beſitz des Schlacht⸗ feldes ſah.„Ich möchte wirklich wiſſen, ob es ſeine Richtigkeit hat, daß noch keine Bewerbung um eine Schöne unter dieſen Eichenſchatten fehlſchlug? Wenn die⸗ ſes ſo Acht 1 Be gezier liebre Haltu nung hinreit ſei, ur ſelbſt über 1 hör zu und n Geſchl ſich bi Beneh noch e Ziel b „2 ſcherze zu we ten w „L mit e zugebe der il — 515— ſes ſo iſt, ſo müſſen wir junge Leute uns wahrhaftig in Acht nehmen, hierherzukommen.“ Bei dieſen Worten verzog Ariſtobulus den Mund zu geziertem Lächeln, und bemühte ſich, wo möglich weit liebreizender auszuſehen als jemals, wiewohl die ruhige Haltung und weibliche Würde Evchens ſeine ehrgeizige Hoff⸗ nung einigermaßen herabſtimmte. Evchen achtete ſich ſelbſt hinreichend und wußte, was ſie ihrem Geſchlechte ſchuldig ſei, um niemals, ſofern es von ihrem Willen abhing, ſelbſt in jene alltäglichen und entwürdigenden Scherzreden über Liebe und Ehe mit einzuſtimmen, oder ihnen Ge⸗ hör zu ſchenken, während ſolches einen unentbehrlichen und nie langweilenden Unterhaltungsgegenſtand beider Geſchlechter in dem Kreiſe ausmachte, dem Mr. Bragg ſich bisher angeſchloſſen hatte. Wenn auch durch ihr Benehmen durchaus nicht aufgemuntert, glaubte er den⸗ noch einen zu guten Anfang gemacht zu haben, um ſein Ziel beharrlich zu verfolgen. „Mr. John Effingham erlaubt ſich bisweilen zu ſcherzen,, antwortete Evchen ganz gelaſſen,„das würde zu weit führen, wenn man jeden ſeiner Einfälle beach⸗ ten wollte.“ „Liebe iſt ein flimmernd Irrlicht,“ fuhr Ariſtobulus mit empfindſamer Betonung fort;„das muß ich freilich zugeben; und Mancher mag tief in den Sumpf gerathen, der ihrem magiſchen Schimmer folgt, das wahrlich kein Licht der Vernunft iſt. Haben Sie jemals ſchon zartere Gefühle empfunden, Miß Evchen?“ Ariſtobulus hatte dieſe nämliche Frage wohl ein halbes Dutzend Mal an jenem Abende in der glänzen⸗ den Geſellſchaft bei Mrs. Houſton gehört, und folglich glaubte er ſich hiermit den Weg zu einer regelrechten Erklärung bahnen zu müſſen. Ein gewöhnliches Mäd⸗ chen, das ſich durch eine ſolche Frage beleidigt gefühlt hätte, würde vielleicht zurückgewichen ſein, und mit ei⸗ nem bedeutungsvollen„Herr!“ erwiedert haben. Mit Epchen war es anders; ſie fühlte, daß der Abſtand zwi⸗ ſchen ihr und Mr. Bragg zu groß ſei, als daß er auf irgend eine Weiſe im Stande wäre, durch angemaßte Gleichſtellung ſie zu beleidigen. Doch dieſe Kluft zwi⸗ ſchen beiden Perſonen war indeſſen weit mehr Folge verſchiedener Denkungsart, Erziehung und Lebensgewöh⸗ nung, als des Standesunterſchieds. Denn wenn auch Evchen nur einem gebildeten Mann ihre Hand geben konnte, ſo war ſie dennoch über die Vorurtheile erhaben, welche Menſchenwerth nicht nach dem innern Gehalt, ſondern nach äußern Zufälligkeiten beurtheilen. Anſtatt alſo ganz erſtaunt oder empfindlich beleidigt oder in ihrer Würde angetaſtet aufzutreten, und auf gezierte Weiſe zu erwiedern, hatte jene ſonderbare Frage keine andere Wirkung auf ſie, als daß ihr ſchöner Mund ein wenig, doch ſo unmerklich, daß es den Augen ihres Begleiters entging, ſich verzog, indem ſie einfach erwiederte: „8 bei un dieſen gen ar „A ſchöne denn d rung ſ glücklie dieſen, dieſe bieten. und w ken Si gemein Alters Hügel ertere ein nzen⸗ lglich chten Mäd⸗ fühlt it ei⸗ Mit zwi⸗ auf naßte zwi⸗ Folge wöh⸗ auch nnte, delche ndern alſo ihrer Veiſe ndere enig, eiters — 315— „Ich glaube, wir werden eben ſo ruhiges Waſſer bei unſerer Rückfahrt nach dem Dorfe haben, wie wir dieſen Morgen hatten, als wir hier landeten. Sie pfle⸗ gen auch bisweilen zu rudern, Mr. Bragg?“ „Ach, Miß Evchen,“ fiel Ariſtobulus ein,„eine ſolche ſchöne Gelegenheit könnte vielleicht nie wiederkehren; denn die weitgereiſten Damen machen uns jede Annähe⸗ rung ſo äußerſt ſchwierig! Laſſen Sie mich darum dieſen glücklichen Augenblick feſthalten, um Ihnen hier unter dieſen, Hymens Macht begünſtigenden Eichenbäumen dieſe meine treue Hand, dieſes aufrichtige Herz anzu⸗ bieten. Vermögen haben Sie hinreichend für uns beide, und was ſoll ich über ſolche Nebendinge reden! Beden⸗ ken Sie, Evchen, wie glücklich wir ſein würden, in der gemeinſchaftlichen Stütze und Verſüßung des hohen Alters Ihres vortrefflichen Vaters, und dann vereint den Hügel des Lebens hinabſteigend, oder wie es im Liede heißt: „Woll'n wir wandeln Hand in Hand, Ruh'n beiſammen Fuß an Fuß, Bis dereinſt ein ſchön'res Land Wieder uns vereinen muß.“ „Sie entwerfen ja ganz romantiſche Schilderungen, Mr. Bragg, mit den Pinſelſtrichen eines Meiſters!“ „Mögen meine Schilderungen Ihnen noch ſo ſehr gefallen, ſo bleiben ſie doch weit hinter der Wahrheit zurück. Das Band der ehelichen Liebe iſt nicht bloß das heiligſte im Leben, es iſt auch das dem menſchlichen Herzen theuerſte Band; und glücklich dürfen ſich alle preiſen, in der That, die dieſe feierliche Verbindung mit ſolchen ermunterndern Ausſichten in eine glückliche Zukunft eingehen können, wie wir beide. Wir haben beide vollkommen das rechte Alter erreicht, unſere ge⸗ genſeitigen Neigungen ſtimmen harmoniſch zuſammen, unſere Eigenſchaften und Gewohnheiten ſind einander ſo ähnlich, um allem unangenehmen Wechſelaustauſch unſerer Empfindungen zu begegnen; unſere äußeren Verhältniſſe ſind grade ſo, wie ſie ſein ſollen, um das ehe⸗ liche Glück noch mehr zu befeſtigen, ſobald Vertrauen auf der einen Seite und Dankbarkeit auf der andern nicht nachläßt. Was den Tag unſerer Vereinigung be⸗ trifft, Miß Evchen, ſo wünſche ich nichts mehr, als die⸗ ſen ganz Ihrem Gutdünken zu überlaſſen, und ich will Sie nicht drängen. Es iſt dieß ein Vorrecht Ihres Geſchlechts.“ Evchen hatte ſchon öfter John Effingham's beißende Bemerkungen über die gelaſſene Unverſchämtheit einer beſondern Claſſe der amerikaniſchen Bevölkerung mit angehört, und ſeine Schilderungen hatten ſie nicht we⸗ nig ergötzt; doch hatte ſie nie erwartet, daß ſie noch einſt in eigner Perſon der Gegenſtand ſolcher anmaßen⸗ den Zudringlichkeit werden könne. Um den Auftritt noch rührender zu machen, zog Ariſtobulus ſein Feder⸗ meſſer aus der Taſche, ſchnitt einen Zweig von einem Strauch, und erhöhte die Theilnahme an ſeine theure Perſon beſchäft Ein e hätte 1 „S ich geb entſchu doch de „M haſtig, wehren Anſichte auch zu von ei ſehen ſ zieme, indem rathsan weiter ein gan wollten eben ſo verzicht Ihre C „Di „W noch lä alle ndung ckliche haben e ge⸗ imen, ander tauſch ßeren s ehe⸗ rauen ndern g be⸗ 3 die⸗ will Ihres ßende einer mit t we⸗ noch aßen⸗ ftritt feder⸗ einem heure Perſon um das Doppelte, indem er ſich ſeiner Lieblings⸗ beſchäftigung hingab, ſich ein Gertchen zu ſchnitzen. Ein ergreifenderes Gemälde vernünftiger Leidenſchaft hätte nicht leicht entworfen werden können. „Sie ſchweigen ja ganz verſtört, Miß Evchen;— ich gebe alles Mögliche zu, was natürliche Blödigkeit entſchuldigen mag, und will für jetzt nichts weiter ſagen; doch da Schweigen ſo viel als Ja bedeutet—“ „Mit Erlaubniß mein Herr,“ unterbrach ihn Evchen haſtig, indem ſie mit ihrem Sonnenſchirmchen eine ab⸗ wehrende Bewegung machte;„ich meine, daß unſere Anſichten und Gewöhnungen, ſo harmonifch Ihnen ſolche auch zuſammen zu ſtimmen ſcheinen, dennoch hinreichend von einander verſchieden ſind, als daß Sie nicht ein⸗ ſehen ſollten, wie wenig es einem Mann in Ihrer Lage zieme, das Vertrauen eines Vaters zu mißbrauchen, indem Sie ſeiner Tochter ohne ſein Mitwiſſen einen Hei⸗ rathsantrag machen, und deßhalb will ich kein Wort weiter darüber verlieren. Weil Sie mich aber durch ein ganz unzweideutiges Anerbieten Ihrer Hand beehren wollten, ſo muß ich wünſchen, daß Ihnen meine Antwort eben ſo beſtimmt, wie mir Ihr Antrag, erſcheine. Ich verzichte durchaus auf die Vortheile und auf das Glück, Ihre Gattin zu werden, mein Herr.“ „Die Zeit fliegt, Miß Evchen!“ „Wohl fliegt ſie, Mr. Bragg; und wenn Sie daher noch länger im Dienſt von Mr. Effingham verbleiben, ſo könnten Sie leicht die gute Gelegenheit verlieren, Ihr Geſchäft im Weſten mit gewünſchtem Erfolg zu be⸗ treiben; zumal da ich gehört habe, daß Sie ſchon längſt ſich vorgenommen hätten, dorthin auszuwandern.“ „Alle meine Ausſichten auf das Weſtland opfre ich gern auf um Ihretwillen.“ „Nein, Herr, ich will Sie durchaus nicht veranlaſſen, ſolche Ausſichten aufzuopfern. Ich will nicht ſagen: vergeſſen Sie mich, das iſt das wenigſte; aber ich ſage vielmehr, vergeſſen Sie Ihre Hoffnungen hier, und er⸗ neuern Sie die ſorglos aufgegebenen Hoffnungen jen⸗ ſeits des Miſſiſſipi. Ich will dieſe Unterredung meinem Vater nicht auf eine Weiſe mittheilen, die ihm unnöthige Vorurtheile gegen Sie anregen würde; und indem ich Ihnen danke, wie es jedem Mädchen ziemt, ſofern Ihr Antrag einigermaßen von der guten Meinung zeigt, die Sie von mir hegen; ſo erlauben Sie mir, Ihnen hier⸗ mit alles rechtliche Gelingen Ihrer Unternehmungen im Weſtlande zu wünſchen.“ Mit dieſen Worten ſchnitt Evchen Mr. Bragg jeden fernern Verſuch, ſeine Bewerbungen fortzuſetzen, kurz ab, indem ſie ihm eine kalte Verbeugung machte und ihn, als ſie dieſe Worte geſprochen, ohne Weiteres verließ Mr. Dodge war ein ferner Beobachter dieſes Auf⸗ tritts geweſen und näherte ſich jetzt ſeinem Freunde mit haſtigen Schritten, um den Erfolg der ſtattgefundenen Unterredung zu vernehmen. Denn zwiſchen den beiden beſchei Jeder Glück ſie nich leicht druß berichte Worte munge ein be „0 Meinte Sie g. voll A „ A als es ben m was h gene U Mr darauf um na dore u Kahn ieren, zu be⸗ längſt re ich laſſen, agen: hfage nd er⸗ 14 jen⸗ einem öthige m ich n Ihr gt, die hier⸗ en im jeden „ kurz e und erließ Auf⸗ de mit denen beiden — 519— beſcheidenen Jünglingen beſtand die Verabrevung, daß Jeder von ihnen ſeine Zeit wahrnehmen wolle, um ſein Glück bei der jungen reichen Erbin zu verſuchen, wenn ſie nicht gleich den erſten Antrag annehmen ſollte, wie leicht zu erwarten war. Zu Steadfaſt's größtem Ver⸗ druß und wahrſcheinlich zum Erſtaunen unſerer Leſer, berichtete ihm ſein Freund, daß Evchens Benehmen und Worte durchaus ermunternd geweſen wären. „Sie dankte mir für meinen Antrag, Mr. Dodge,“ ſagte er,„und äußerte ihre warmen und wiederholten Wünſche für das Gelingen meiner künftigen Unterneh⸗ mungen im Weſten. Evchen Effingham iſt in der That ein bezauberndes Geſchöpf!“ „In Weſten! Freund, irren Sie ſich vielleicht? Meinte Sie vielleicht ganz das Gegentheil von dem, was Sie glauben? Ich kenne ſie recht gut, das Mädchen iſt voll Argliſt.“ „Argliſt, Herr!— ſie ſprach ſo offenherzig zu mir, als es einem Mädchen möglich iſt; und ihre Worte ge⸗ ben mir nicht wenig Ermunterung. Es will ſchon et⸗ was heißen, mit Evchen Effingham eine ſo ungezwun⸗ gene Unterredung zu haben.“ Mr. Dodge verſchluckte ſeinen Verdruß, und bald darauf ſchiffte die ganze Geſellſchaft ſich wieder ein, um nach dem Dorfe zurückzurudern. Nur der Commo⸗ dore und der General zogen vor, in einem beſondern Kahn allein für ſich zu bleiben, um in ihren allgemei⸗ nen Verhandlungen über alle möglichen menſchlichen Angelegenheiten zu einem würdigen Schluß zu kommen. „Nooch an demſelben Abende bat Sir George Temple⸗ more um eine Unterredung mit Mr. Effingham, der ganz allein im Bücherſaale ſich befand. „Ich wünſche von Herzen, daß Ihre Bitte um eine beſondere Unterredung nicht eine Vorbereitung auf Ihre Abreiſe ſein möge,“ ſagte letzterer freundlich, als der junge Mann eintrat.„In dieſem Fall müßte ich Sie als einen Mann anſehen, der vergeſſen hat, welche Hoff⸗ nungen er erregt hat. Sie haben gleichſam, als ver⸗ ſtehe ſich das ganz von ſelbſt, uns vertrauungsvoll er⸗ warten laſſen, daß wir wenigſtens noch einen ganzen Monat lang das Vergnügen haben würden, Sie bei uns zu ſehen.“ „Weit entfernt in dieſer Beziehung Ihnen abtrünnig werden zu wollen, mein lieber Herr, beſorge ich viel⸗ mehr, Ihnen gegründete Urſache zu dem Vorwurfe zu geben, als würde ich mich des Mißbrauchs Ihrer gaſt⸗ freundlichen Geſinnung ſchuldig machen.“ Darauf theilte er ihm ſeinen Wunſch mit, und bat um ſeine Einwilligung, da er wünſche Miß Grace van Court⸗ landt zur Gattin zu wählen. Mr. Effingham hörte ihm mit einem Lächeln zu, welches zeigte, daß er auf ſeinen Antrag nicht durchaus unvorbereitet war, und ſeine Augen wur⸗ den feucht, als er ſeine Hand feſt und innig drückte. „Nehmen Sie ſie; ich gebe Ihnen meine Einwilligung von denke Bode ich ei viel bindu 89, „5 lichen ren, theure könne hältn Gatti auf d ander Ihnen mich wohl was meint burts Ihre G „ angeh van länder 150 lichen nmen. mple⸗ , der ieine JIhre ls der Sie Hoff⸗ ver⸗ 8ll er⸗ anzen ie bei ünnig viel⸗ fe zu gaſt⸗ at um Court⸗ im mit Intrag wur⸗ te. ligung von ganzem Herzen, Sir George,“ ſagte er;„aber be⸗ denken Sie, welche zarte Pflanze Sie in einen fremden Boden verpflanzen. Wenigen Ihrer Landsleute würde ich ein ſo theures Pfand vertrauen; denn ich weiß, wie⸗ viel ein Mädchen wagt, wenn ſie eine ungleiche Ver⸗ bindung eingeht.“ „Ungleiche Verbindung, Mr. Effingham!“ „Die Ihrige wird keine ſolche ſein in dem gewöhn⸗ lichen Sinne dieſes Worts, das weiß ichz denn an Jah⸗ ren, Herkunft und Vermögen ſtehen Sie und meine theure Nichte einander ſo gleich, als beide es wünſchen können; aber oftmals liegt eine Ungleichheit der Ver⸗ hältniſſe darin, wenn ein amerikaniſches Mädchen die Gattin eines Engländers werden ſoll. Dabei kommt auf den künftigen Gatten ſo viel an, daß bei jedem andern, zu dem ich weniger Vertrauen hätte, als zu Ihnen, ich alle Urſache hätte, mich zu beſinnen. Ich will mich eines vormundſchaftlichen Vorrechts bedienen, wie wohl Grace, jetzt bereits Ihre eigne Herrin, thun kann, was ihr gut dünkt; ich will Ihnen einen ernſthaft ge⸗ meinten Rath ertheilen,— achten Sie ſtets das Ge⸗ burtsland des Weibes, das Sie würdig fanden, als Ihre Gattin nicht bloß Ihren Namen zu führen.“ „Ich hoffe, daß ich jeder Zeit achten werde, was ihr angehört; wozu aber dieſe beſondere Warnung?— Miß van Courtlandt iſt in ihrem Herzen faſt durchaus Eng⸗ länderin.“ 150.— 132. 21 — 322— „Eine fühlende Gattin wird gewöhnlich in allen ſol⸗ chen Dingen ſich den Wünſchen ihres Gatten fügen. Ihr Vaterland wird auch Ihrer Gattin Vaterland wer⸗ den; Ihre Ueberzeugung eben ſo die Ueberzeugung Ih⸗ rer Gattin. Aber dennoch, Sir George Templemore, kann ein Weib von Geiſt und Herz nie gänzlich das Land ihrer Geburt vergeſſen. Sie in England haben wenig Liebe für uns, und wer unter Ihnen zu wohnen beſtimmt iſt, findet öfter Gelegenheit Spöttereien und Verhöhnungen über das Land ſeiner Geburt mit anzu⸗ hören.“ „Gütiger Himmel! Mr. Effingham, können Sie im Geringſten glauben, daß ich meine Gattin in Geſell⸗ ſchaften bringen würde, wo— „Seben Sie einem alten proſaiſchen Mann Etwas nach, wenn er Zweifel hat, Templemore. Ihr werdet alles thun, was gut gemeint und geziemend ſein wird, in der gewöhnlichen Bedeutung des Worts; ich wünſche aber, daß Ihr mehr thut,— und dieſer Wunſch iſt bil⸗ lig. Grace hat jetzt aufrichtige Hochachtung und Ver⸗ ehrung für England; ihre Gefühle gründen ſich zum Theil auf Wirkliches und werden daher nicht ſo leicht geſchwächt werden. Aber in manchen Beziehungen wird ſpätere Erfahrung, wie dieſes bei jungen, lebhaften Ge⸗ müthern gewöhnlich der Fall iſt, die Täuſchungen ent⸗ decken, in welche Begeiſterung und Einbildung ſie zu weit geführt haben möchten. Sobald ſie andere Länder 8ͤ 2 865 8 — 323— genauer kennen lernt, wird ſie ihr eignes mit günſtige⸗ ren und vorurtheilsfreieren Blicken betrachten; ſie wird die Voreingenommenheit für Dinge, welche ihr jetzt vorzugsweiſe gefallen, allmählig verlieren, und ihre An⸗ ſichten werden ſich mit der Zeit ändern. Auf die Ge⸗ fahr, von Ihnen für ſelbſtſüchtig gehalten zu werden, will ich noch hinzuſetzen, wenn Sie dereinſt wünſchen, Ihre Gattin vom Heimweh zu heilen, ſo iſt das ſicherſte Heilmittel, daß Sie mit ihr in ihr Geburtsland zurück⸗ reiſen.“ „Nun wahrhaftig, mein lieber Herr,“ ſagte Sir George lachend,„das heißt die Gebrechen Ihres Lan⸗ des offen eingeſtehen.“ „Ich weiß wohl, daß Ihnen dieſes ſo ſcheinen muß; in der That aber iſt es doch ganz anders. Denn das⸗ ſelbe Mittel gilt für den Engländer wie für den Ame⸗ rikaner, ebenſo für den Deutſchen und jeden andern. Das beruht auf einer allgemeinen Eigenſchaft der menſchlichen Natur; immer pflegen wir vergangene Freuden und entferntere Erinnerungen zu hoch und den gegenwärtigen Augenblick zu gering anzuſchlagen. Sie werden ſich erinnern, daß ich immer behaupte, es gebe keinen wirklichen Philoſophen vor dem fünfzigſten Jahr, und keinen Geſchmack, der nicht der Veränderung un⸗ terliege, wenn er nicht wenigſtens ein Dutzend Jahre hindurch ſich gleichgeblieben iſt.“ Darauf zog Mr. Effingham die Klingel, und ließ — 324— durch Pierre ſeine Mündel Miß van Courtlandt zu ſich ins Bibliothekzimmer bitten. Grace trat mit erröthendem, verlegenem Antlitze ein; doch innere Befriedigung ſprach aus ihren Zügen. Ihr Oheim betrachtete ſie eine Weile mit ſichtbarer Theilnahme, und eine Thräne ſchimmerte in ſeinem Auge, als er einen zärtlichen Kuß auf ihre brennende Wange drückte. 4 „Gott ſegne Dich, liebes Kind,“ ſagte er,„es iſt ein ahnungsvoller Augenblick für jedes Mädchen, das auf ein⸗ mal in eine völlig veränderte Lebenslage ſich verſetzt fühlt; doch tretet ihr alle in das unbekannte Land mit glän⸗ zenden Hoffnungen und edlem Vertrauen. Nehmt Sie, Templemore,“ fuhr er fort, indem er ihre Hand in die des Baronets legte,„nehmt ſie, und behandelt ſie liebe⸗ voll. Ihr beide werdet uns nicht ganz verlaſſen. Ich vertraue darauf, daß ich euch beide noch wiederſehen werde in unſerm Wigwam, ehe ich ſterbe.“ „Oheim! Oheim!“ ſchluchzte Grace, als ſie unter heftigem Weinen ſich in Mr. Effingham's Arme warf. „Bin ich nicht ein undankbares, unbeſonnenes Mädchen, daß ich ſo alle meine nächſten Freunde verlaſſe! Ich habe wohl unrecht gethan—“ „Unrecht! theuerſte Miß van Courtlandt?“ „Nun denn, ſelbſtſüchtig, Sir George Templemore,“ erwiederte das einfache Mädchen ganz treuherzig, ohne daran zu denken, welche Auslegung ihre Worte zuließen. „Vielleicht ſollte ich alles nochmals reiflich überlegen.“ „Ich beſorge, das würde Dir wenig helfen, meine Theure,“ erwiederte der Oheim lächelnd und dabei ſeine Augen trocknend.„Mädchenüberlegung pflegt in ſolchen Fällen gewöhnlich die früheren Entſchlüſſe zu beſtätigen. Gott ſegne Dich, Grace. Templemore, auch Euch möge der Himmel gnädig behüten. Gedenket meiner Worte, und morgen wollen wir weiter über die Sache reden. Weiß Evchen etwas davon, liebe Nichte?“ Schnell wechſelte die Farbe auf Grace's Wangen, und beſchämt blickte ſte zur Erde. „Dann wollen wir ſie herrufen laſſen,“ fuhr Mr. Effingham weiter fort, indem er wieder die Hand aus⸗ ſtreckte um zu klingeln. „Oheim!“ rief Grace haſtig und hielt ſeine Hand, ehe er noch die Klingelſchnur anziehen konnte,—„wie hätte ich ein ſo wichtiges Geheimniß vor meiner theuer⸗ ſten Couſine bewahren können!“ „Nun, da ſehe ich, daß ich der letzte bin, der Etwas davon erfahren ſollte, wie man es mit uns alten Leuten gewöhnlich macht, und vermuthlich bin ich auch jetzt hier zu viel.“ Mr. Effingham küßte, während er dieſes ſagte, ſeine Mündel noch einmal herzlich, und obſchon ſie ſich be⸗ mühte ihn aufzuhalten, verließ er dennoch das Gemach. „Wir müſſen nachfolgen,“ ſagte Grace, indem ſie — 326— ihre Augen trocknete und alle Spuren von Thränen von ihren Wangen auszutilgen bemüht war.„Entſchuldigen Sie mich, Sir George Templemore; öffnen Sie doch—“ Er öffnete, nicht die Thüre, ſondern ſeine Arme. Grace glich einer Schwindelnden, die plötzlich einen Ab⸗ grund vor ſich ſieht; doch als ſie erſt recht ſich deſſen bewußt war, mit welcher Bereitwilligkeit, um ſie aufzuhal⸗ ten, der junge Baronet ſie umfaßt hielt, da hatte die Eßglocke ſchon längſt verkündet, daß die Abendmahlzeit aufgetragen ſei, und ſie erinnert, daß ſie eigentlich im Begriff geweſen war, den Bücherſaal in größter Eile zu verlaſſen. Bei J. D. Sauerländer in Frankfurt a. M. iſt erſchienen und durch alle Buchhandlungen Deutſchlands und der Schweiz zu beziehen: Victoer Hugo's ſämmtliche Werke. Wohlfeilſte und vollſtändigſte Ausgabe in 17 Bänden. Rthlr. 2.12 gr. fl. 4. 30 kr. rhein. fl. 3. 15 kr. C. M. Wer verdiente mehr, als Victor Hugo, in deut⸗ ſchen Metalllauten dem Gedächtniſſe der Nachwelt über⸗ liefert zu werden? Dieſer junge Titan hat den Perücken⸗ parnaß der ältern franzöſiſchen Literatur erſtürmt. Er hat ſeiner Nation gezeigt, daß nichts ſo ſchön iſt, als die Natur, und nichts ſo erhaben, als die Leidenſchaft. Schö⸗ pferiſch formt er das zähe Material ſeiner Mutterſprache in unſterbliche Geſtalten, welche neu gedacht, mit glei⸗ cher kühner Neuerung von ihm belebt wurden. Gothiſchen Domen gleichen ſeine Romane, Laokvonsgruppen ſeine Dramen, öſtlichen Nächten mit Sterngeflimmer, Palmen⸗ ſäuſeln und den tauſend Zaubern der Wüſte ſeine lyri⸗ ſchen Ergüſſe. Nach Göthe und Byron iſt Victor Hugo der einzige jetzt lebende Dichter, der Europäiſche Aner⸗ kennung hat. Dieſe Ueberſetzung iſt keineswegs als improviſerte Arbeit der Induſtrie zu betrachten, vielmehr dürfte kaum eine Uebertragung ſo bedeutende Celebritäten Deutſchlands als Ueberſetzer vereinigt haben, von wel⸗ chen wir nur H. Laube, F. Freiligrath, E. Duller, E. Beuermann, O. L. B. Wolff, Prof. Adrian, A. Lewald, C. Dräxler⸗Manfred, F.Kottenkamp, E. Büchner u. a. m. nennen, welche durch ihre Origi⸗ nal⸗Produkte die Bewunderung des Vaterlandes gewon⸗ nen haben. Victor Hugo ſelbſthat unſerm Unternehmen ſeine Theil⸗ nahme zugeſagt: ein koſtbarer Stahlſtich bringt den Dich⸗ ter phyſiognomiſch, Adrian's Einleitung ſein Leben und den Geiſt ſeiner Schriften biographiſch⸗kritiſch zur Anſchau⸗ ung. Nichts iſt von uns übergangen worden, um das Ganze in einem geſchmackvollen Gewande erſcheinen zu laſſen. Zum Schluß erwähnen wir noch, daß wir Victor Hu⸗ go's ſämmtliche Werke geben, und ſchon deßhalb mit den in Stuttgart erſcheinenden ausgewählten Schriften in keinerlei Verwechſelung gerathen dürfen, da dieſe Ausgabe nicht nur in der äußern Ausſtattung der unſrigen nachſteht, ſondern auch in den bereits aus⸗ gegebenen Bändchen ſowohl einzelne Stellen, als auch ganze Seiten, ja ſogar ganze Kapitel des Originals ausgelaſſen ſind. Inhalt der 17 Bändchen. 1. Band. Biographie und Charakteriſtik V. Hugo's. — Der König amüſirt ſich, Drama.— Hernani, Drama. 2. 3. Bd. Han von Island. 4. Der letzte Tag eines Verurtheilten.— Mirabeau.— Voltaire; W. Scott; De la Mennais; L. Byron. 5. Angelo, Drama.— Marion de Lorme. 6. Lucretia Borgia und Maria Tu⸗ dor, Dramen. 7. Bug Jargal.— Ymbert Gallois; Do⸗ valle. 8. Cromwel, Drama. 9. Oden und verm. Ge⸗ dichte. 10. Zur Literatur und Philoſophie. 11. Herbſt⸗ blätter; Dämmerungsgeſänge. 12. Innere Stimmen. 13. 14. 15. Notre⸗Dame von Paris. 16. Orientalen und Balladen. 17. Ruy Blas, Drama. —— —